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Full text of "Handbuch der römischen Alterthümer nach den Quellen bearbeite"

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SR. EXGELLENZ 
DEM HERRN STAATSMINISTER 

GABL AUGUST WILHELM EDUABD 

VON w I M'rMBgfrBfUf 



DEM GEISTREICHEN BEURTHEILER UND 
THÄTIGEN BEFÖRDERER 

WISSENSCHAFTLICHEN FORTSCHRITTS 

AUS TIEFGEFÜHLTER DANKBARKEIT UND VEREHRUNG 

EHRFURCHTSVOLL GEWIDMET 



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T o r r e d e. 



Cicero erzählt von L. Crassos dem Redner, man habe ihn 
ojfl äussern hören, dass er nichts so sehr bereue, als den G. 
Papirins Garbo angeklagt zu haben. Denn sich selbst habe er 
dadurch für sein ganzes Leben die Freiheit des Handelns be- 
nommen und eine Lebensregel sich vorgeschrieben, deren 
strenger Befolgung er sich nicht habe entziehen können , ohne 
in den damals ausgesprochenen Grundsätzen seine eigene Ver- 
urtheilung zu finden. — Fast möchte ich sagen, dass mich eine 
ähnliche Empfindung anwandele, indem ich diese Arbeit der 
gelehrten Welt übergebe. Je unumwundener ich mich mehr als 
ein Mal über das Ungenügende mancher firemden Leistungen auf 
demselben Gebiete ausgesprochen und je höher ich die Anfor- 
derungen an eine neue Bearbeitung der römischen Alterthümer 
gestellt habe, desto lebhafter fühle ich, welche Ansprüche an 
mein eigenes Werk gemächt werden dürften. Zwar bin ich 
nicht in dem Falle, jene früheren Erklärungen zu bereuen, 
und an jenen Grundsätzen kann ich nichts ändern ; wohl aber 
bin ich oft bedenklich geworden, ob ich den selbstgemachten 
Anforderungen genügen, ob ich das erreichen werde , was ich 
gern erstreben möchte. 

Dass ein Handbuch der römischen Alterthümer als Ueber- 
sicht der Ergebnisse neuerer Forschung gegenwärtig wirkli- 
ches Bedürfniss sei , darüber glaube ich kein Wort verlieren 
zu müssen. Man würde es selbst unbegreiflich finden, dass 
seit 50 Jahren, wo Alexander Adam seine planlose Compila- 
tion herausgab, bei so ganz verändertem Stande der Wissen- 



VI 



Schaft Diemand zu solchem Untembhmen sich entschlossen hat, 
wenn es sich nicht ans der grossen Bewegung und dem Kampfe 
widerstreitender Meinungen erklärte, die seit dreissig Jahren 
auf diesem Gebiete geherrscht und den ruhigen Standpunkt, 
den die Bearbeitung eines Handbuchs erfordert, schwierig ge- 
macht haben. Die Gährung, welche Niebuhrs unsterbliches 
Verdienst in die träge Masse vermeintlichen, auf langverjähr- 
ter Ueberlieferung bequem ruhenden Wissens gebracht hatte, 
musste sich erst beruhigen ; der hitzige Paroxysmus, der auf 
den langen Torpor gefolgt war, musste erst vorübergehen, um 
die römische Alterlhumskunde aus ihrem lethargischen Zustande 
durch eine heilsame Krisis zur Genesung zu führen. Eine 
Menge angeregter Fragen wollte erst beantwortet, specielle 
Untersuchungen geführt sein, ehe sich eine festere und allge- 
mein gültigere Ansicht bilden konnte. 

Ob nun gegenwärtig ein solcher Zeitpunkt ruhigen Ueber- 
blicks eingetreten sei, darüber lässt sich freilich verschieden 
urtheilen. Eine Zeit lang schien es, als wollte man anfangen, 
an etwas Bestimmtem festzuhalten ; aber die neuesten , zum 
Theile sehr verdienstlichen Bestrebungen haben wieder grös- 
sere Bewegung in der Beurtheilung der staatsrechtlichen Ver- 
hältnisse und der Religionsverfassung hervorgebracht. Ueber- 
haupt aber braucht man bloss an die Namen Huschke, 
Göttling, Rubino, Ambrosch, Clausen, Geib, 
Rein, Peter, Merkel u. A. zu erinnern, um das rege 
Leben anzudeuten, das in den letzten Jahren auf diesem Ge- 
biete eine sehr erspriessliche Thätigkeit entwickelt hat und 
auch für die folgende Zeit erfreuliche Fortschritte hoffen lässt. 
Demungeachtet musste ich es Hir tbörig halten, den Augen- 
blick abwarten zu wollen, wo alle diese Angelegenheiten völ- 
lig durchgesprochen und zur Entscheidung gebracht sein wür- 
den, und so die Abfassung eines übersichtlichen Handbuchs 
vielleicht ad Graecas Kalendas hinauszuschieben. Vielmehr 
ist in der That die vielseitige Forschung so weit gediehen, dass 
es dringendes Bedürfniss wird, endlich einen Gesammtüberblick 
zu erlangen und des im Einzelnen Gewonnenen sich im Zu- 
sammenhange bewusst zu werden. 

Auch sind wirklich in der letzten Zeit zwei Versuche die- 



ni 



sem BedürfniMe zu genügen dorch Rnperti's Handbuch und 
Zeiss römische Alterthumskunde gemacht worden. Es tbut 
mir leid, Ersteres noch ein Mal als eine höchst voreilige 
und fehlerhafte Arbeit nennen zu müssen, wie ich das in 
Jahns Jahrbüchern, 33. B. 2. H. zum Ueberflusse nachgewier 
sen habe: hinsichtlich des Letzteren möchte ich gern eines 
Urlheiles überhoben sein^ Was ich wenigstens als Aufgabe 
einer neuen Bearbeitung der römischen Alterthümer anerken* 
nen muss : 9,auf der Basis eigener Forschung und ausgerüstet 
mit der Sicherheit des Urtheils, welche nur ein langes und 
ernstes Studium der gesammten schriniichen und in möglich- 
ster Ausdehnung der monumentalen Quellen verleihen kann, 
die Ergebnisse bisheriger Forschungen auffassend und mit um- 
sichtiger Kritik sichtend und berichtigend, das Zerstreute und 
Vereinzelte sammelnd, ordnend und verknüpfend, das Vernach- 
lässigte und Vergessene ergänzend und neu begründend — mit 
solchem Streben sich für die Wissenschaft selbst zu bctbätigen 
und die gelehrte Welt auf dem Boden des römischen Alter- 
thums einen Schritt weiter zu führen'% diese Aufgabe hat der 
Verfasser sich gewiss nicht gestellt. 

Was nun gegenwärtigen ersten Theil meines Handbuchs 
anlangt, so bedarf es über die beiden Abtheilungen, die er 
enthält, einiger Bemerkungen. Es schien unerlässlich, eine 
Uebersichl der Quellen vorauszuschicken, und zwar verstand 
es sich von selbst, dass von den als Urquellen bezeichneten 
an irgend einem Orte gesprochen werden musste, da sie selbst 
zu den Allerlhümern gehören. Die Uebersicht der erhaltenen 
Quellen aber wird an sich zwar Vielen entbehrlich , Manchem 
doch auch erwünscht sein ; ich aber konnte mich der Verpflich- 
tung nicht entziehen, Rechenschaft von dem Gebrauche zu ge- 
ben, den ich von diesen Quellen machen zu müssen glaube. 
Es hat mir ganz fem gelegen, einen literaturgeschichllichen 
Abriss geben zu wollen; es galt mir nur, mich darüber zu er- 
klären, wie die einzelnen Schrinsteller von mir angesehen 
würden, welcher Werth und welche Gültigkeit ihnen von mir 
in Bezug auf die antiquarische Untersuchung zugestanden wer- 
de. Und das schien um so nölhiger, als über mehrere das Ur- 
Iheil keinesweges feststeht; manche überschätzt werden, au- 



— ^*- vin — — 

dere, besonders von Niebuhr, in nicht verdienter Weise ver- 
unglimpft worden sind. Ich will nur den einen Appian nennen, 
der von ihm als geistloser und urtheilsunfahiger Schriftsteller 
behandelt wird , während ich in ihm gesunden Verstand nicht 
vermisse und ihm, mit Berücksichtigung seiner Zeit, trotz 
unvermeidlicher Irrthümer, die historische Befähigung nicht 
absprechen mag. Aus diesem Gesichtspunkte möge man die 
vorausgeschickte Quellenü'berstcht betrachten. 

Die zweite Abtheilung umfasst die Topographie der Stadt. 
Sie gehört zu den schwierigsten Aufgaben, und doch war es 
mir ganz besonders darum zu thun, sie genügend zu lösen. Es 
ist mir längst zur festen, tiefgefühlten Ueberzeugung gewor- 
den, dass eine klare und lebendige Anschauung des römischen 
Lebens — das letzte Ziel unserer darauf bezüglichen For- 
schung — gar nicht möglich ist, ohne mit der Oertlichkeit ver- 
traut zu sein, auf der sich dieses Leben bewegt. Darum muss 
ich diesen Tbeil als einen der wichtigsten in der römischen Al- 
terthumskunde betrachten und es war gleich anfangs beschlos- 
sen, ihn mehr zu berücksichtigen, als gewöhnlich in Handbü- 
chern zu geschehen pflegt. Eine Reise nach Italien, deren 
Dauer mir zwar nur einen fast dreimonatlichen Aufenthalt in 
Rom gestattete, hat mich hinlänglich belehrt, was ich freilich 
auch früher schon hatte bemerken müssen, dass die römische 
Topographie bisher sehr leichtsinnig behandelt worden ist; 
dass die neuesten Bearbeiter, die als gültige Autoritäten ange- 
sehen werden, sich mit den von den älteren Topographen ge- 
sammelten alten Zeugnissen begnügt und sich der Mühe eines 
für diesen Zweck geflissentlich anzustellenden eigenen Studiums 
der Schriftsteller überhoben; dass sie ihre durch nichts be- 
gründeten Phantasien als sichere Thatsachen hingestellt und so 
bei vielem unbestrittenem Verdienste dennoch ein falsches Rom 
aufgebaut haben*). Zugleich aber habe ich lebhaft erkannt, 



*) Wem dieses Unheil vielleieht hart scheinen mSefate , der wird 
leicht ans den von mir gegebenen Nachweisnngen sich überzeugen 
können, dass es vollkommen gerecht ist. Ich habe über die einzelnen 
Leistungen mich in der Schrift de Romae veteris murU atque portü, 
Lips. \SA%, andeutend erklärt. Eine weitere Begründung wird in ei- 



IX 



dass, so unentbehrlich auch die unmittelbare Anschauung der 
Oerüichkeit im Allgemeinen ist und so viel Unterstützung die 
Kenntniss der einzelnen trümmerhaften Denkmäler gewährt, 
dennoch die zerstreuten Nachrichten der alten Schriftsteller in 
ihrer Vereinigung bei weitem die sicherste Grundlage der Un- 
tersuchung gewähren. Ist ja doch das republikanische Rom, 
das unsere Theilnahme vorzugsweise in Anspruch nimmt, ganz 
verschwunden, und die prachtvollen Anlagen der Kaiserzeit 
lassen sich grösstentbeils nur aus unsicheren, vieldeutigen 
Mauerresten oder aus ungenauen Berichten einer Zeit, die 
noch mehr davon sah, einigermassen errathen. Ich weiss 
nicht, wie ich den Muih gehabt habe, über römische Topogra- 
phie schreiben zu wollen, ohne noch Rom gesehen zu haben; 
aber so unschätzbar mir die eigene Anschauung als Bedingung 
der Untersuchung gewesen ist, so kann ich die reichste Quelle 
der Erkenntniss doch nur in der alten Literatur finden. Das 
Manuscript, das ich nach Rom mitgenommen hatte, ist ganz 
bei Seite gelegt worden ; ein zweites nach meiner Rückkehr 
vollständig ausgearbeitetes hat vielfältig umgearbeitet werden 
müssen, nachdem ich es unerlässlich gefunden hatte, mich 
gänzlich von der italiänischen Unkritik und den leichtfertigen 
Annahmen der ,, Beschreibung der Stadt Rom'^ loszusagen*) 
und die ganze römische Literatur, so wie den hieher einschla- 
genden Theil der griechischen noch ein Mal für diesen speciel- 
len Zweck zu excerpiren, eine Mühe, die mir sehr belohnend 
gewesen ist. Dadurch ist das Erscheinen dieses Bandes ver- 
zögert worden ; zugleich aber hat er einen grösseren Umfang 
erhalten, als ich selbst erwartet hatte. Habe ich indessen den 
Zweck erreicht, die römische Topographie von einer Menge 
fest eingewurzelter Irrthümer und wilikühiclicher Annahmen zu 



Der nacbsteDS erscheioendeo kritischen Uebersicbt dessen, ivas in den 
letzten 25 Jahren fdr römische Topographie geschehen ist, erfolgen. 

*) Damit soll keinesweges gesagt sein , dass ich nicht Manches 
den Schriften Nibby's, Canina's, Piale's , Bnnsens u. A. verdanke. 
Mein Bach selbst weiset das nach, and ich habe mit gebtthrendem 
Lobe anerkannt, wo der Eine oder der Andere das Richtige getroffen 
hat. Aber des Unbegründeten ist mehr, and die ganze Behandlangs- 
weise mnss ich verwerfen. 



befreien und ein möglichst vollständiges und wahres Bild von 
der alten Roma zu entwerfen, so hoffe ich, es wird die aus- 
Itihrliche Behandlung, welche ich diesem Abschnitte gewidmet 
habe, keine Missbilligung finden, im Gegentheile erwünscht 
kommen. Ich möchte so gern mir einen Dank von meinen 
deutschen Landsleuten verdienen und die deutsche Forschung 
auf einem Gebiete, wo jeder geglaubt bat, sich Alles erlauben 
zu dürfen, von ausländischer Oberflächlichkeit und inländischem 
Dilettantismus unabhängig machen: deshalb war es mir vor 
Allem darum zu thun, die Nachrichten der alten Schriftsteller 
als die sicherste Basis sorgfaltig gesammelt und geordnet vor- 
zulegen, damit jedermann über den Grund oder Ungrund der 
daraus gezogenen Ergebnisse selbst urtheilen könne. Wie 
ich dabei bemüht gewesen bin, ältere und neuere Schriften 
möglichst zu benutzen, um das Brauchbare daraus zu gewin- 
nen, weiset die Arbeit selbst nach. So ansehnlich übrigens 
die Literatur ist, welche ich durch die bereitwilligste Unter- 
stützung , sowohl beider hiesigen und der königlichen Biblio- 
thek zu Dresden, als mehrerer werthen Freunde vereinigt 
habe, so ist doch Manches ungern von mir entbehrt wor- 
den: namentlich Piale^s Ausgabe des Venuti, Marti ne 1- 
li^s Roma ex ethnica sacra und Cassio, Corso delle ac» 
que, Dass neuerlich ein von Nibby nachgelassenes Werk 
über Rom erschienen sei , habe ich erst kürzlich durch Sla- 
nisl. Aloe aus Neapel bei seinem Besuche erfahren. ~ Eben 
aber bei Beendigung meines Buchs kömmt mir endlich der 
letzte Theil der „Beschreibung der Stadt Rom^^ zu, 
worin sich die Abschnitte über das Marsfeld und die Trans- 
tiberina, von Urlichs bearbeitet, finden. Der Theil trägt 
die Jahrzahl 1842 und die Vorrede ist vom 3. August 1842 
datirt; ich muss aber zu meiner Rechtfertigung erklären, dass 
die Auslieferung eben erst jetzt (18. September) erfolgt ist, 
so dass ich mir jene Jahrzahl nicht recht erklären kann. Es 
bleibt mir nicht so viel Zeit, Urlichs Aufsätze vollständig zu 
lesen; aber ein flüchtiger Ueberblick hat mir gezeigt, dass 
ich in einigen Punkten mit ihm zusammentreffe, während ich 
in vielen anderen direkt und auf das Bestimmteste widerspre- 
chen muss. 



XI 



Wenn übrigens an einigen Stellen die Weise der Be- 
handlung nicht ganz der Form eines Handbuchs entsprechend 
gefunden werden sollte, so wird sich das ans der Natur der 
behandelten Materien erklären. Es soll zwar überhaupt ein 
Handbuch von einem Lehrbuche sich dadurch unterscheiden, 
dass es nicht nur Resultat«, sondern auch deren Begründung 
kurz, aber möglichst vollständig giebt : nur die eigentliche Un- 
tersuchung soll davon ausgeschlossen sein. Das habe ich nun 
auch, wie ich konnte, zu vermeiden gesucht; wo aber, wie 
auf diesem Gebiete, gar nicht zu Resultaten zu gelangen ist, 
ohne langverjährte Irrthümer zu berichtigen und falsche Be- 
hauptungen zu widerlegen ; wo die Beantwortung einer Frage 
nothwcndig von der Entscheidung mehrerer anderer abhängt, 
wie die Oertlichkeiten selbst sich gegenseitig bestimmen, da 
ist es unvermeidlich, dass die neue Begründung des für richtig 
Erkannten, um ihm dem hergebrachten Irrthume gegenüber 
Geltung zu verschaffen, etwas ausluhrlicher wird. Ich habe 
mich dabei übrigens, so viel sich dazu Aufforderung fand, so 
fern als möglich von Polemik gebalten , und wenn ich einige 
Male mich unwillig gegen jene vornehm thuende Ungriindlich- 
keit erklärt habe, welche die Quellen ignorirt, die Denkmäler 
willkübrlich deutet, Unerwiesenes und Unerweisliches täu- 
schend als Thatsacben hinstellt und so den irre führt, der die 
Untersuchung eben nicht selbst führen kann, so ist es nur ge- 
schehen, um die Strenge meines Unheils über die Topogra- 
phen, welche jetzt als Autoritäten angesehen werden, voll- 
kommen zu rechtfertigen. Es handelt sich da nicht um ein- 
zelne Irrthümer, die jederzeit verzeihlich sind, sondern um die 
ganze wissenschaftliche Bestrebung. Es möge mir niemand 
die Anmassung zutrauen, als könnte ich glauben, nirgends ge- 
irrt zu haben ; aber erst wenn man mir Mangel an Gewissen- 
haftigkeit in der Forschung, wenn man mir nachweisen kann^ 
dass ich auf Schleichwegen mit Umgehung der Zeugnisse mei- 
nen Hypothesen Geltung zu verschaOen gesucht habe; dass es 
mir überhaupt um etwas Anderes zu thun gewesen , als die 
Kenntniss des römischen Bodens zu fördern, dann erst werde 
ich das Urtheil selbst verdienen, das ich über Andere unum- 
wunden, wie ich gewohnt bin, ausgesprochen habe. Was 



XII 

aber die Punkte anlangt, in denen ich geirrt haben kann , so 
möge man sie nicht einzeln herausheben , um einen Tadel zu 
begründen, ohne ihnen gegenüberzustellen, was die römische To- 
pographie, wie ich hoffe, durch meine Arbeit gewonnen hat. 

Eine der einflussreichsten Entdeckungen — wenigstens 
ist mir nicht bekannt, dass die Bemerkung schon irgendwo an- 
gezeigt sei — wurde von mir leider zu spät gemacht, um zur 
sofortigen recht nachdrücklichen Entscheidung 'mehrerer der 
bedeutendsten Fragen dienen zu können. Sie betrifft die ca- 
pitolinischen Fragmente. Der Zweifel über die rich- 
tige Anwendung des Stücks mit der Inschrift Libertatis (s. 
Taf. IV.) veranlasste mich nachträglich zu einer genauen Prü- 
fung der mit Inschriften versehenen Fragmente und es ergab 
sich auf das Schlagendste, dass der antike Plan nicht die bei 
uns übliche Orientirung gehabt hat, nach welcher Norden oben, 
Osten zur Rechten und Abend zur Linken ist, sondern gerade die 
umgekehrte. Es ist bei dem Entwürfe die Eintheilung des Him- 
mels als templum berücksichtigt, wobei die/^ar« sinistra ab Orien- 
te, dextra ab occasn^ anlicaadrneridientypostica ad septemtrio- 
nem war. Das ergiebt sich entschieden aus einigen ihrerLage nach 
unzweifelhaften Gebäuden, deren Namen sich auf Fragmenten 
finden: erstlich die Scene des Theatrum Marcelli (Bel- 
lori Taf. Xn.), dann das Theatrum Pompeii (s. unsere 
Taf. ly.) und das Hecatostylum (Bellori ebend.). Die 
Inschriften dieser Fragmente würden unserer Orientirung nach 
sämmtlich verkehrt, auf dem Kopfe stehen, und dasselbe würde 
bei den Inschriften der Porticus Octaviae Statt finden; 
so dass sich daraus auf das Gewisseste die Orientirung ergiebt, 
bei welcher Süden oben , Osten zur Linken ist. Von dieser 
Thatsache ausgehend hat man die unsicheren Fragmente zu be- 
urtheilen, und es folgt nun, dass jene beiden Stücke (s. uns. 
Taf. IV.) nicht die Basilica lulia und den Salurnlempel ange- 
ben können (Anm. 628.); denn nunmehr würde deren Inschrift 
verkehrt stehen ; es folgt dasselbe für die angebliche Basilica 
Aemilia (Anm. 538.), denn auch hier würde Liberiatis ver- 
kehrt stehen ; vielmehr ist es offenbar , dass Canina (dem ich 
in Anm. 958. Unrecht gethan habe) dieses Fragment ganz rich- 
tig angewendet hat. Es ist mir sehr erfreulich gewesen, durch 



diese Bemerkung die aicherste Bestätigung dessen erhalten zu 
haben, was ich aus anderen Gründen annehmen musste. 

Hinsichtlich der in Bezug auf topographische Ereignisse 
befolgten Chronologie bemerke ich, dass ich mich (ast durch- 
gängig nach den Fasti Capitolini gerichtet habe , wenn nicht 
ein besonderer Grund zur Abweichung vorlag. Auch dann be- 
trägt die Differenz nur etwa ein oder zwei Jahre, und sollte 
dann und wann die Rechnung weniger richtig gefunden wer- 
den, so wüsste ich doch keinen Fall, wo davon eine Entschei- 
dung abhinge. 

Noch habe ich mich über den beigefugten Plan der Stadt 
zu erklären. Es hat durchaus nicht meine Absicht sein kön • 
neu , einen voDständigen Plan des alten Rom zu liefern, wo 
alle bekannten Gebäude an bestimmter Stelle eingetragen wä- 
ren. Ein solcher Plan ist allemal eine Unwahrheit; denn wo 
man auch den Ort, den ein verschwundenes Gebäude einge- 
nommen haben mag oder muss, im Allgemeinen nachweisen 
kann, bleibt doch die ganz genaue Bestimmung (die in den mei- 
sten Fällen auch ganz unwesentlich ist) höchst misslich , und 
wo nicht deutliche Reste vorhanden sind, finde ich es ganz un- 
statthaft, eine bestimmte Form des Gebäudes nach efgener 
Phantasie einzutragen. Vielmehr musste es mir darum zu 
thun sein, die modernen Punkte anzugeben , auf die sich bei 
der topographischen Bestimmung bezogen werden musste, so 
dass jedermann sofort die Stelle auffinden könne, wo ein anti- 
kes Gebäude angenommen wird. Deshalb habe ich den Plan 
in zwei Farben drucken lassen , damit sich das Moderne von 
dem Antiken deutlich unterscheide "). Die allgemeinen Formen 
der Hügel sind nur zart angedeutet, um nicht der Uebersicht- 
lichkeit und Deutlichkeit Eintrag zu thun. Sonst erscheint in 
Schwarz nur das sicher Bestimmbare und in Resten Vorhan- 
dene. Für das System der Fora und das Capitol sind beson- 



*) Id dem Theile , den die neae Stadt hauptsächlich eioDimmt 
(Marsfeld and Trans Tiberim), war das Aogebeo aller beachtenswer- 
then modernen OertUchkeiten anaasfdhrbar: ich kann da nnr empfeh- 
len, einen Plan des neuen Rom zu Hälfe zu nehmen. 



XVI 

Greozen des Foram. S. 1^69. 

Das Gomitium. S. 273. 

Das Forum der Republik. S. 281. 

Das Forum von [ulins Caesar bis aaf Domitian. S. 329. 

Das Forum seit Domitian. S. 345. 

Die Fora der Kaiser. Forum Inlium. S. 362. 

Forum Augnstum. S. 370. 

Forum Traositorium oder Forum Nervae. S. 373. 

Forum Traiani. S. 378. 

Das Capitoi. S. 385. 

Der Palatin und die Velia. S. 415. 

DerAventin. S. 446. 

Die Tiefe zwischen dem Aventin, Palatio, Capitolin und dem 

FLusse. M^ircns Maximas. Forum Boarium. Vicus lugarius. Vicus 

Tuscus. velabrum.) S. 467. 
Der Caelius. S. 494. 

Das Gebiet unter dem Caelius bis zum Aveotin. S. 509. 
Der Bsquiliu und die Snbura. S. 521. 
Die Celles. S. 563. 
Der Viminal. S. 565. 
Der Quirinal. S. 567. 
Der Coliis hortorum oder Plncius. S. 590. 
Die Ebene pegen den FIbm. (Via lata. Cireus Flaminius. Campus 

Martins.) S. 693. 
Trans Tiberim. (Das Gebiet des faoiculus und des Vatican. In- 

sula Tiberina.) S. 650. 
Gebäude für Schauspiele. Die Circi. S. 664. 
Die Theater. S. 675. 
Die Amphitheater. S. 680. 
Die Thermen. S. 683. 
Die Brücken. S. 692. 
Die Wasserleitungen. S. 701. 

Anhang. Das Regionen verzeiehniss. Curiosnm urbis Ronae. S. 709. 
Erklämog der Tafeln. S. 718. 
Nachtiüge und Berichtigungen. S. 719. 



i 

4 
t 



Die Q,aellen 



Die Qaellen. 



Die Kenntniss des römiftehen Alterlhiuis wird im We- 
senüiehen ans den SchriftsteUem geschöpft, deren Werke ganz 
oder thellweise aus dem Allerthome auf nns gekommen sind. 
Bei weitem die meisten dieser Schriftsteiler verfolgen ganz an- 
dere Zwecke als geflissentliche Belehmng über römische Ein- 
richtungen und römisches Leben , und die Aufgabe des Alter- 
thumsforschers ist es , die zerstreuten Nachrichten und gele- 
gentlichen Andeutungen zu sammeln, kritisch zu sichten und 
auf combinatorischem Wege zum organischen Ganzen zu ge- 
stalten. Das Mühevolle dieser Arbeit wird noch bedeutend 
gesteigert durch die Ungleichheit und den Widerstreit der 
Schriftsteller, die nach Zeit und Verhältnissen , Charakter und 
Streben, Fähigkeiten und Bildung, Fleiss und CSewissenhaftig- 
keit, in hohem Grade verschieden , nicht selten unter einander 
in offenem Widerspruche stehen; das im Wechsel der Jahr- 
hunderte Veraltete und unkenntlich Gewordene, jeder nach sei- 
ner Weise, oft nur eben wie es der Augenblick eingiebt, er- 
klären und deuten ; die bunten Sagen der frühesten Zeit ohne 
weitere Reflexion mit treuherziger Leichtgläubigkeit nach- 
sprechen, oder, was noch hinderlicher wird, init unzeiiiger 
Pragmatik in nüchterne Geschichte zu verwandehi und daraus 
ein nie gewesenes Alterthum aulzubauen bemüht sind. 

Um daher mit einiger Sicherheit über die einzelnen Fra- 
gen urtheilen und, wo Gewissheit nicht zu erlangen ist, doch 
das Wahrscheinlichere ausmitteln zu können, ist es unerlSss- 

lieh, ueh strenge Rechen»«ii«ft von dem Werthe and der Giil- 

1* 



1 



tigkeit der verschiedenen Quellen zu geben. Es genagt aber 
keinesweges, nur die Schriftsteller einer Prüfung zu unterwer- 
fen, die gleichsam als einzelne Denksteine späterer Zeiten aus 
dem unendlichen Reichthume gerettet auf uns gekommen sind, 
ohne in den meisten Fällen selbst Kunde zu geben von ihrer 
Abstammung: vielmehr ist eine Würdigung derselben nicht 
wohl möglich , ohne zugleich zu untersuchen, welcher Art die 
Quellen gewesen, aus denen sie flössen und fliessen konnten. 
Deshalb muss man zurückgehen auf die Urquellen, so weit noch 
ihre Spuren zu entdecken sind , und dann erst kann in Frage 
kommen , in wie weit und in welcher Weise die einzelnen 
Schriftsteller davon Gebrauch machen konnten und nachweis- 
lich gemacht haben. Als solche Urquellen sind zu betrachten 
alle öfenüichen Urkunden nnd Denkmäler, weiche Nachricht 
geben konnten von der Zeit, in welcher sie entstanden ; ausser 
ihnen aber auch manche Privatdocnmente und Zeugnisse , die 
Gemeingut gewisser Familien waren. 

Die älteste solche Urquelle der römischen Geschichte — 
und die römische Geschichte bort nie auf zugleich Verfassungs- 
geschichte zu sein — sind nach der übereinstimmenden Ansicht 
des Alterthums die 

Annales pontificum; jedoch ist die Zeit ihres Be- 
ginnens, so wie ihre Dauer keinesweges völlig im Klaren. 
Annales pontificum wurden sie genannt, weil es der Pon- 
tifex maximus war , der jähriich die merkwürdigeren Ereig- 
nisse, also eine Art Chronik der Stadt aufzeichnete. Ans dem- 
selben Grunde wurden sie auch Annales maximi genannt. 
Paul. Diac. p. 1S6 MüU. Maanmi atmales (g^eliabanttir 
mön magnitudine, sed quod eas pontifex maximus C9^fecissei. 
Die Hauptstelle über sie , welche den Zeitpunkt ihres Anfan- 
gens und den ihres Anfhörens nennt und von der Weise ihrer 
Abfassung nnd Veröffentlichung Nachricht giebt, ist bei Ci- 
cero de or. II, 12. Erat enim kütoria nihil aliud ^ nisi an- 
nalium confectio , cuius rei memoriaeque puUicae reünendae 
causa ab initio rerum Romanarum usqtie ad P- Mudum , poH- 
tificem maximum , res amnes singulorum asmorum mandabaf 
Uteris pontifex maximus ^erebatque in altum et proponebat 



tabulam dornig potestas ut esset popuio cognoseendi, üque 
etiam fnme annales maximi nommantur ^). So war also der 
jedesmalige Pontifex maximiis der eigentliche Historiograph 
oder vielmehr Chronist der Stadt, und indem die jährlichen 
AnEEeicfannngen geordnet zusammengestellt wurden, bildete 
sich eine magere Cresehichte des Volks. Dass eine solche Samm- 
lung und chronologische Anordnung Statt gefunden hahe , und 
dass in dieser Form die Annaien in achtzig Bücher ahgetheilt 
waren, berichtet zwar nur ein Schriftsteller später Zeit^); 
aber es zeuget dafür die Erwähnung bei Cicero und Varro, 
und mehr noch wörtlich aus den einzelnen Büchern angeführte 
Stellen. — Ausser den angeführten Namen werden sie auch 
Annales publici oder schlechthin Annales genannt^)« 

Der Zeitpunkt, wo diese Aufzeichnungen begannen, ist 
nichtsdestoweniger ungewiss. Zwar sagt Cicero: ab vriiio 
rerum Romanarum , und so weit hinauf reichten also die ihm 
bekannten; wie denn auch Varro^) wahrscheinlich aus ihnen 



1) Vgl. Macrob. Sat. III, 2 «xtr. Pont\ßeibut enim permiss^ 
est potestas memoriam rerum gestarum in tabulas conferendi et hos 
annaies appeiiant equiiem maximos , quasi a ptmtifUihuM mawimis 
Jaetos. Uogewuser ist es, ob min an sie za denken habe bei Dio- 
ny«. Malic. I, 73. naXatog fiiv ow ovzs avy^'Qatptvs , ovre XoyoyQatpoe 
iurl *Pwftiu(uy ovSi tts, in naXauäv fUvvoi Xoywv tv Uqm SdXrcsi üot^^ 
fUvmv aiaatig T«ff nai^aXafiinv wiy^aipB, So ist auch bei demselben 
Schriftsteller, 1,74. inl to5 na{fä r6t^*Ay%iotvai nsifiivov iriveato^, die 
Goojectar Niebnhrs {Rom, Gesch. I. S. %%6. 3 Ans^.): nra^a toU 
mfx**i^S0iy sehr zweifelhaft. Zwar mSchte von dem Namen weniger 
•in Bedenken zn «ntlehnen sein ; aber wie sich weiterhin zeigen wird, 
möchte sehwerlieh zugegeben werden k5nnen, dass in Dionysins Zeit, 
die Annales maximi noch in den Originaltafeln vorhanden gewesen seien. 

7) Serv. z. Virg. Acn. I, 377. Ita autem j4nnales cof^fieie^ 
bantur: tabuiam dealbatam quotannis Pant^eoß maximus habuit^ tnr 
qua praeseriptis eoss, nominibus et aiiorum magistratuum digna 
memoratu notare eonsueverat domi tnilitiaeque terra marique gesta 
per singulos dies, Cuius diligentiae annuos eommentarios in LXXX 
libros veteres reUderunt eosque a Pont\ficibus maximis Annales ma- 
ximos appellarunt. Andere Anfiihmngen s. weiter unten. 

3) €ic. de rep. II, 15. Diomed. p. 480 Pntsch. Annales pu- 
blici, quos ponti/ices scribaeque cor{fleiunt. Indessen können darunter 
auch Doch andere weiterhin zu nennende Aufzeichnungen verstandeq 
werden, worauf namentlich die scribae hinzuweisen seheinen. 

4) L. L. V, 10. p. 79 Sp. nam ut Annales dieunt^ vwit Qpi Flo- 
raeve; Diovi Satumoque etc. (Müller nach dem Ilavn. Fhrae, fV 
diOj Jovi, Noch näher lag: Flarae, Fediavi Sat.) Aurel. Vict. de 
orig* geat. Rojn. 17. fuhrt sie selbst weit über dea Ursprung Roms 



6 

f 

die Namen der Gottheiten anführt, denen Tatius heilige Oerter 
weihete, nnd noch in Constantins Zeit wusste Vopiacus '), 
dass sie von den ersten Anfängen Roms Nachricht gegeben 
hatten. Gleichwohl wird es niemand für glaublich halten ; man 
wird es vielmehr ganz gegen den natürlichen Gang der Dinge 
finden, dass man gleich bei dem ersten Entstehen des Staats 
an eine solche Aufzeichnung sollte gedacht haben , wenn auch 
sonst angenommen werden dürfte, dass aus dieser ältesten Zeit 
die Gedenktafeln^ oder auch nur Abschriften derselben , bis auf 
Cicero sich gerettet hätten. 

Den Inhalt dieser Annalen machten, neben den wichtigsten 
politischen Ereignissen, Prodigien und überhaupt aufTallende 
Naturereignisse aus. , Das erfahren wir besonders durch Cato 
b. Gell, n, 28. Ferba Catams ea; Originum IV. Aaec sunt: 
Non Ittbet scribere^ quod in tabula apud pont^cem maanmwn 
etiy quotienM annona cara, quotiens lunae aut solis lumtni ca^ 
Kgo aut quid obstiterit. Und diess findet seine Bestätigung 
durch Cic. de rep. I, 16. Eine Geschichte, die sich mit der 
Statue des Horatius Codes zugetragen habe, führt Gell. IV, 5. 
aus ihnen nach Verrius an. — Ihre Form blieb natürlich auch 
für die spätere Zeit höchst einfach: ein ganz trockenes und 
mageres Yerzeichniss dessen, was im Laufe des Jahrs vorge- 
fallen war ^). 



hioaos, indem er voo den frähesten albanischen Königen sa^: tit 
scriptum est in Annali Pont\fieum IF. Das würde, als ganzUch mit 
dem Be^iTe der Annalen in Widerspruch stehend , nothweodig {^egen 
ihre Aechtheit misstrauisch machen, wenn nicht vielmehr die ganze 
Schrift als nnächt anzusehen wäre. 

5) Tacit. 1. Quod post excestum Romuli novello adhue Roma^ 
nae urbis imperio factum pont\ßces^ penes quos scribendae historiae 
potestas fuit, in literas retulerunt, ut interregnum — iniretur etc. 

0) Baher sagt Cic. de leg. 1, 2. Nam post annales pont\ficum, 
quibus nihil polest esse iucundius , si aut ad Fabium , aut ad eum, 
qui tibi semper in ore est^ Catonem , aut ad Pisonem , aut ad Fan- 
nium , aut ad Fennonium venias ; quamquam ex his alius alio plus' 
habet Vitium j tarnen quid tam exile, quam isti omnes? Wie man 
anch über das iucundius denken mag, so ist doch aus dem Zusammen- 
hange klar, dass Trockenheit und Dürftigkeit als Charakter der Anna« 
len angegeben werden und so sagt auch Quintil. I. 0. X, %. Nam 
rursus quid erat futurum, si nemo plus ^ffeeisset eo , qumn sequeba- 
turf Nihil in poetis supra Livium Andronumm^ nihil in historiü 
supra PontyUmm Annalee haberemus. 



DaB AjiiAlireii der Annahm » dM nai^h Gktto tmter dem 
Ponüficate des MueiiiB erfolgte, im eriten Viertheil des sieben- 
ten JalirhuidertB, erklärt sich tarn Theite wohl datutts, dass 
Rom in dieser Zeit bereits eine nicht onbedenlende Gesohichts^ 
Uleratnr erhallen hatte, deren weitere Fortsetsnng nieht nnter- 
bleiben konnte, und dass daduroh die Anfertigung Jenes magern 
Verzeichnisses entbehrlieh , auch wohl unter der Würde des 
Pontifex maximus gehalten wurde. Indessen scheint diess der 
alleinige Grund nicht gewesen zu sein und wahrscheinlich ist 
er darin zu suchen, dass damals, und jedenfalls nicht xum er^ 
sten Male, die Tafeln, welche die Annalen enthielten, ihren Un- 
tergang landen. I>enn wenn die Annahme ihres Bestehens in 
den frühesten Zeiten der Stadt und während der Könige über- 
haupt aDer Wahrscheinlichkeit entbehrt , so wird jenes ab 
witw rerum Ramanarum fast zur Unmügliohkeit durch die 
Schicksale, welche die Tafeln gehabt haben sollen und müssen. 
Sie befanden sich nach dem einstimmigen Zengnisse der Schrift^ 
steiler in. der Wohnung des Pontifex maximus, d. h. in der 
bei dem Vestatempel am Forum gelegenen Regia 9* An Ab- 
schriften ist in der frühesten Zeit nicht zu denken : die Regia 
war das einzige Geschichtsarchiv für Rom, wenn nicht etwa 
sonst religiüse Körperschaften in besonderen Commentariis 
diess und jenes verzeichnet hatten. Nun ist es , wenn auch 
historische Zeugnisse fehlten, sehr natürlich, dass dieses 
schwerfiillige Geschichtsbuch in dem gallischen Brande unter- 
ging. Dass man bei dem eiligen Verlassen der Stadt auf die 
Rettung desselben sollte bedacht gewesen sein, ist nicht denk- 
bar. ' Wusste man doch in dem panischen Schrecken die Hei* 
ligtbümer des Vestatempels nicht anders zu retten , als indem 
man sie vergrub : kann es doch selbst zweifelhaft scheinen, ob 
nicht die XU tabulae, die wichtigste , theuer erkaufte Urkun- 
de , Preis gegeben wurde. Viel weniger wird man an jene 
Holztafeln gedacht haben ; und dass es nicht geschah, dass die 
Chronik der Stadt damals vernichtet wurde, erkennen einige 



7) Den Beweis, dass die Regia Amt8fir<^)ldtiag dei Pontifex maxi- 
mu» war, s. in der Toposrsphie. 



8 

Schriftsteller mit Entschfedenheit an ^). Schlagender noch, ab 
diese direkten Aussagen, ist ein indirektes Argument*): die 
Erwähnung der ersten als beobachtet in den Annalen venseich» 
neten Sonnenfinstemiss. Cic. de rep. I, 16. Aiyue hae m 
re tanta inest ratio atque solertia^ ui ex hoc die , quem apud 
Etmium et in maximis annaUbus consignatum videmus (a. U, 
350.), superiores solis dtfectiones reputatae sint usque ad it- 
lam, quae nams QmntiUbue fitit regnante Romuio. Es folgt 
daraus nicht nothwendig, dass die Annalen erst mit dem Jahre 
350 begonnen haben $ aber waren die früher vorhandenen im 
gallischen Brande verloren gegangen, der 365 Statt bnd , so 
erklärt es sich leicht, warum die früheren Finsternisse nicht 
ven^eichnet waren. Die %& Jahre vor der Einnahme eingetre- 
tene &st totale Finstemiss war noch im Andenken : die frühe- 
ren konnten nicht in gleicher Weise, wie andere in Gedächt»- 
niss und Sage fortlebende Begebenheiten, angegeben werden: 
man musste sie astronomisch berechnen. 

Als ms|n aber in ruhigerer Zeit an die Wiederherstellung 
der verlorenen Annalen ging, wobei die erhaltenen Verzeich- 
nisse der Magistrate die wesentlichsten Dienste mögen gelei*> 
stet haben, da erst dachte man wohl daran, sie in die sagen- 
haften Zeiten bis zum Ursprünge Roms hinaufiEuführen , und 
die spätere Zeit nahm die Chronik des Romulus mit derselben 
Treuherzigkeit für acht hin , als sie den Untergang der ächten 
Tafeln übersah. — Wahrscheinlich aber hatten die Annalen 



8) Liv. VI, 1. Quae ab eondita urbe fiotna ad eaptam eandem 
urbemRomani — gessere •— re« qnum vetusiaie ntmia obteura*^ vel- 
ut quae magno intervalh loci vix eemuntur; tum quod parvae et 
rarae per eadem tempora iiterae JUere^ una custodia /Ideiü memo- 
riae rerum gestarum^ et quod, etiamsi quae in eommentariü pont\fieum 
aliisque publieis privatt^que erant monumentis , ineenea Urbe plera- 
que interiere etc. Daraaf bezieht sich Plntarch. de fort. Rom. 
13. Derselbe flihrt aber auch noch einen älteren dasselbe berichtenden 
Gewährsmann an, Nnm. 1. KXdSiog rt« iv*BXlyx''f tifovmv {ovno va^ 
nets tKtyiY^autrat xo fitfikior) toxv(fiZeTai raff /liv h^xalaQ intivas ava^ 
y^a^äg iv xoi£ j^krtauut na&^o* r^s n6le(»g ^<pavlo&tu * rag di vvv 90«- 
rofuvac ovn ak>i&mg avvjtäia&a* «. r. iL. Sind auch hier zunächst Schrif- 
ten gemeint, welche Rande gaben von der Abstammung Nnma^s, so 
wird doch dadurch anerkannt, dass keine Denkmäler der Art sich aus 
4er Verwiistang der Gallier gerettet hatten. 

9) Niebuhr, Rom. Geseh. Tb. I. S. 279. 3, Ausg. 



auch spälerhin mehmiab dasselbe Schicksal. Denn peht nur 
im ersten panischen Kriege, 512 d. St., brannte das Testahei- 
ligthnm ab ^^) , sondern auch 32 Jahre später die Regia aber- 
mals "). Und dieselbe Calamität wiederholte sich in oder kurz 
vor der Zeit, wo der von Cicero genannte Mucius Pontifex 
maximus war, im Jahre 605 d. St. '*) Spur. Postumio L. Pi- 
sone Coss. Gingen damals die Tafeln der Annalen verloren, 
so konnte in solcher Zeit allerdings ihre Wiederherstellung und 
Fortsetzung unnütz erscheinen, während man früher bei dem 
Mangel anderer Geschichtsbücher dieselbe nicht unterliess. 
Jedenfalls aber mnssten sie damals bereits in Abschriften vor« 
hauden sein, aus denen vielleicht später erst die Sammlung in 
80 Büchern hervorging. 

Demungeachtet sind der Stellen, durch welche ihr späte- 
res Vorhandensein bezeugt wird , nur wenige. Für eines der 
ältesten Beispiele konnte gelten Liv. XXYII, 7. aus dem 
Jahre 544 , wo C Flaccus, um das Recht des Flamen Dialis, 
im Senate zu sitzen, zu beweisen, sich auf die Annalen beru- 
fen zu haben scheint: Praetor non exoletu vetustate anna- 
kitm exempUi stare ws — volebaU Indessen kann auch der 
Ausdruck nur Livius selbst angeboren und überhaupt von Bei- 
spielen ans alter Zeit verstanden werden. Dann folgt der Zeit 
nach die schon angeführte Erwähnung durch Gato b. Gell. 
n, 28. Dass Polybiussie benutzt habe, würde nur dann aus 
Dionys. I, 74. folgen, wenn dort wirklich dqjuQivoi zu 
lesen wäre. Dass aber Cicero sie kannte, folgt aus den an- 
geführten Stellen, de rep. I, 16. de orat. ü, 12. und de 
leg. I, 2. unzweideutig. Vgl. auch p. Rabir. 5. So wird 
auch Yarro sie gebraucht haben, obgleich die Stellen V, 10. 



10) Liv. Epit. XIX. Dionys. II, 66. Pliii. N. H. VII, 43, 45. 
Val. Max. I, 4, 4. PUt. Parall. e. 17. p. 186 WytI. Aagnstin. 
d. eiv. d. III, 18. Oros. IV, 11. V^l. fiberh. Ambroseh, Studien 
u. Andeute im Gthiete d, aiiröm. Bod, u. ChU. S. 16. 

11) Im J. d. St. 544. Liv. XXVI, 27. pluHbus simul ioeis eirea 
/arum incendium wrtum, — eomprehensae Lantumiae forumque pisea- 
torium »t atrium reginm, AedeM Fettae vix defsnsa est etc. 

13) lal. Ob seq. 78. Faeto ineendio Rmmme cum Regia quoque 
ureretur^ saerarium et ex duabtis altera laurue inviolata ecestiterunt 



10 

p. 79. uad 20. p. 103. weniger streng beweisend sind. An- 
ders verhält es sich mit Livius, bei dem man vergeblich 
Zeagoisse dafür zu finden meint ^s). Dagegen beontzte sie 
Verrius FUccus. Gell. IV, 5. Ea historia de harusjnei- 
bus ac de versu isto senario scripta est in Annalibus maximis 
libro XL ei in V^rri Flacei l. L Herum memoria digna- 
rum ^^), Gellius selbst kannte sie schwerlich nnd berichtet, 
wohl nur aus Verrius. — So lässt sich auch aus PI in. 
XXXIV, 5, 11. Meritum eins (Tarraciae) in ipsisponam An* 
naiium verbis : quod campum Tiberinum gratißcata esset ea 
poputo. nicht erweisen, dass er die Nachricht selbst aus ihnen 
geschöpft habe, und kaum bedarr es der Erinnerung , dass aus 
der Erwähnung bei Quintilian^ geschweige denn bei Vo-* 
piscus und S er vi US nichts für ihr Bestehen in dieser Zeit 
folge. So wurde also das letzte ziemlich sichere Zeugniss über 
ihreFortdauer das des Verrius Flaccus zur Zeit des Augustns sein. 
Was die Zuverlässigkeit und Glaubwürdigkeit dieser An^ 
nalen anlangt, so ergiebt sich aus dem oben Gesagten, dass für 
die ältere Zeit sie nicht das Gewicht authentischer Urkunden 
haben konnten und demnach nicht über anderen ans Tradition 



IS) Gar nicht hieher gehöri|f ist zunächst I, 32. jineui Mareitu — 
hnge antiquUtimum ratus saera publica, ut ab Numa inttituta erant^ 
faeere , otnnia ea ex eommentariU regis pont\ß,cem in album relata 
proponere in publico iubet. Offenbar .sind die reUgiösen SatsungcA 
Nama*s gemeint, wie sich noch klarer ergiebt aus Dionys. III, 36. 
tuü rite ntfl rmp ieQiÜv ovyy^a<petg, a€ IlofAniXioi awitm^aarOf na^ ov* 
td»v (rcvy u^otfavrwvS Xafiwv , aviy^ayfiv eU dilrovg nal Tr^ov^nev iy 
ayoffi naoi toiq ßoviofiivoi^ axonetp, aQ atpavia^vai avvißij rtS XQ^^V* 
Wenn er ferner IV, 7. von den Namen zweier Consnln sagt : qui ne- 
que in annalibus priseisj neque in libris magistratuum inveniuntur ; 
so sind damit allerdings wohl die Annales maximi gemeint; nicht aber 
als ob er sie selbst benutzt hatte. Vielmehr ist es die Angabe des 
Licinins Macer, der er folgt. Dasselbe gilt von cap. 20., und wo sonst 
noch Annalen von ihm genannt werden, da sind römische Annalisten 
gemeint, wie VIH, 9. 18. u. s. w. Vgl. Laehmanü de J^nt, hiit, 
r. livii §.6 — 9. 

14) Wann diese, so viel ich weiss, anderw&rts nicht erwähnte 
Geschichte sich zugetragen habe, ist nicht bekannt; indessen weiset 
die Stelle, die sie im eilften Bache der Annalen einnahm, auf eine 
sehr frühe Zeit hin. Um so auffälliger ist der wohlgeglättete Senar; 
Maium consilium eoMuUori pessimum est. In ächten Annalen aas 
solcher Zeit würde man höchstens einen rauhen Sataraios tu erwartea 
haben. 



— 11 — 

imd Sage hervorgegangenen Annalen standen. Fiür die spätere 
Zeit ist kein besonderer Grand ihnen Trene und Glaubwürdig- 
keit abzusprechen, obwohl bei den mancherlei VerfiUschungen, 
welche man sich zum Ruhme der Vorfahren und der eigenen 
Fttnilie anderwärts erlaubte, auch hier 4ie Möglichkeit der In- 
terpolation nicht ausgeschlossen bleibt >^). 

Dass aber, wie behauptet worden, die Annales maximi 
geheim gehalten worden seien , beruht auf dem falschen Ver- 
ständnisse der Stelle bei Liv. IV, 3., wo Canuleius spricht: 
Obsecro vos, si non adfastoM^ non ad cammentarfos pantfß" 
cum admittimur : ne ea quidem scimus^ quae omnes peregrmi 
eiiam scruni? Es liegt ganz fem, hier an die Annales ponti- 
ficum zu denken , in denen nichts enthalten sein konnte , was 
man Ursache gehabt hätte vor der Plebs zu yeri>ergen, und 
öberdiess widerspricht es geradezu dem, was Cicero von dem 
öffentlichen Ausstellen der Tafeln sagt ^^). Vielmehr sind die 
geheimen Bücher der PontiBces zu verstehen, Commentarii 
pontificum und Libri pontificum, die nur in den Hän- 
den der Patricier waren. Diese Commentarii pontifi- 
cum, von denen die Libri pontificii wohl noch verschie- 
den waren, dürfen durchaus nicht mit den Annalibns ponti- 
JBcom verwechselt werden. Jedenfalls massten die CoIIegia 
pontificum, augurum, die Haruspices, überhaupt jede geistliche 
Körperschaft ihre heiUgen Bücher haben, welche ihre Wissen- 
schaft und das ganze Ritual enthielten, und nur in solcher 
Beziehung auf Cultus und geistliches Recht werden die Libri 
pontificii oder pontificales, auch Indigitamenta 
(Serv. z. Georg. I, 21. Vgl. Censor. d. die nat. 3.) ge- 
nannt '7). Dagegen ist es natürlich, dass die Pontifices noch 



15) Vgl. Niebnhr, Rom, Gesch. l. S. «77 If. Beck, Epier. 
quaest. de antiq. Rom. hUt. fönt, et verit. L. 18U. Leel«re, Des 
Jaumanx ehez iee Romain*. Per. 1838. 

16) Gic. de or. 11, f2. propanebat tahulam, dornt f potestas ut 
€9set popuio eognoeeondi. 

17) Gie. de oat. deor. I, 30. Deinde nonUnum non magnus 
numerus, ne in ponti/Uiis quidem nosiris, deorum autem innumera- 
frt/u. Varro L. L. V, 19. p. 100 Sp. Haee sunt, quontm (qnaram) 
tu suerf/icfie emta im oUo, non in veru coquamtur, quas et Aeeius 



12 

besonder« Bücher fährten, in denen sie alles aufzeichneten, 
was in näherem oder entfemterem Bezüge auf sie und ihr Amt 
geschah. Das sind jedenfalls die Commentarii pontifi- 
cum, ganz dem Sinne des Worts gemäss, wenn es auch viel- 
leicht zuweilen in weiterer Bedeutung steht ^^). — In gleicher 
Weise hatte das Collegium augnrum seine Libros augura- 
les und Commentarios *'), und aus Etrurien hatten die 



icribit, et in ponl\fieiU libru videmus. Fest. p. 356. (Tesca) sed 
sancta loca undique septa doeent pontifieii libri, in quibtis scriptum 
est: \Temp\fim]que sedemque tescumque [sive deo, sive deae] dedica- 
veritf ubi eos ae[cipiat voleotes] propitiosque. fierv. z. Vir^. 
Georg. I, 21. (Studium quibus arva tueri) Nomina haec numinum 
in Indigitamfntis inveniuntur, i. e, in libris pont\ficalibus , qui et 
uamina deorum et rationem ipsorum numinum eontinent etc. I o a n n. 
L y d. de mens. IV, 20. iXla ^yv ital qnß^ovoQS zo xa&ä^ai rä nopT&- 
q>iKaXia ßtßUa xuXci, 0iBQOV rov liXovTwva, Wenn diese Stelleo auf 
eiseDilich theologiscbeo lohalt hinweisen, so theilen andere eben daher 
entnommene Besiimmnngen über geislUcbes Recht mit. Fest. p. 189. 
testimonio esse libros pont\ficum , in quibus sit: Pro primis spoliis 
bovoy pro secundis soiitaurilibus , pro tertiis agno publice ßcn de- 
bere. Serv. z. Georg. 1, 272. fährt aas den Libris pontificalibns 
an: Feriis denicalibus aquam in pratum dueere nisi legitimam non 
licet , caeteris feriis omnes aquas licet dedueere. Vgl. Mac r ob. 
Sat. I, 16. Eben so Serv. z. Aen. XII, 603. quia cautum fuerat 
in ponti/icalibus libris, ut, qui Utqueo vitam Jinivisset, insepuitus ab- 
iiceretur. Jedenfalls gehört hieher anch Cic. de rep. II, 31. Pro- 
voeationem autem etiam a regibus fuisse , deelarant pont{flcii libri., 
womit man Seneoa epist. 108. vergleiche, nnd ausserdem Cic. de 
or. I, 43. Horat. eoist. II, 1, 27. Serv. z. Aen. VII, 190. 

18) Als solchen Inhalts erscheinen sie in der Rede p. domo 53. 
habetis in eommentariis vestris, C. Cassium censorem de signo Con- 
eordiae dedicando ad pontffieum collegium retulisse etc. Cic. Brat. 
14. {Possumus suspicari disertum) Tu Coruncanium, quod ex ponti- 

Jieum eommentariis lange plurimum ingenio valuisse videatur. Das 
sind denn auch bei Dionys. VIII, 56. eu rmf tegotpavrwv y(fa<pal, in 
denen das zweimalige Erseheinen der Fortana maliebris aalgezeichnet 
war. Wenigstens ist es auffallend, dass aus den Libris pontificiis nur 
religiöse Satzungen angeführt, die Commentarii nur in Bezug auf That- 
sachen genannt werden; und will man auch diese ganzen Schriften als 
ein Corpus betrachten, so wurden doch immer die in sich abgeschlos- 
senen Indigitamenta von den fortlaufenden Commentariis zu unter- 
scheiden sein. 

19) Cic. p. dorn. 15. f^enio ad augures, quorum ego libros , si 
qui sunt reconditi , non scrutor, Seneca epist. 108. Praeterea 
notat (philologus) cum, quem nos dictatorem dicimus et in historiis 
ita nominari legimus , apud antiquos magistrum populi vocatum, 
Hodieque id exstat in auguralibus libris. Vgl. Cic. de nat. deor. 
II, 4. VaL Max. I, 1, 3. Gell. Xlli, 14. Serv. z. Aen. IX, 20. 
Dagegen sagt Cie. de div. II, 18. Itaque in nostris commentariis 
scriptum kabemus : love tonantc, ßtlgurante , annitia populi habere 



13 

Uanispioes nuannigfiiltige Schriften der Art mitgekrachl : Li- 
bri haruspicini ^^). — Zu solchen heiligen Bachern ge- 
hören endlich auch die Sacra Argeorum, aas denen Var- 
ro L. L. V, 8. das berühmte Fragment^') aufbewahrt hat, 
und die Tabulae fratrum arvalium 22)* 

Konnte nun nach dem oben Gesagten an ächte Annalen 
vom Ursprünge des Staats an und selbst aus den frühesten Zei* 
ten der Republik nicht gedacht werden, so würden den näch- 
sten Anspruch darauf, die ältesten Urkunden zu sein, die 
Commentarii regum undLeges regiae haben, wenn 
ihre Authentie gewisser wäre. Erstere werden allerdings er- 
wähnt von Cic. p. Rab. 5. cum üie omnes et suppUdorum 
et verborum accrtitates nan ex memoria vestra ac patmm 
vestrorumy sed ex annffUum monumenUt atque ex regum 
commentariü canquinerit ; allein gesichert sind sie durch eine 
solche Aeusserung keinesweges, und die vnojtiv^/u^Ta des 
Numa b. Plutarch. Marc eil. 8. sind nichts anderes als die 
Libri pontificii, wie die Vergleichung mit Festus p. 189. 
lehrt. — Leges regiae aber werden mehrfach angeführt, 
namentlich die des Numa. Dionys. II, 27. (naTaXaf^ßdpo^ 
fiev) /WAfOTo if in %i^ Nofia üofsniXiav tov fu%d *Pm^ 
fwX^v aQlav%0Q t^o/u^mr , «V oIq ual w%m yiygan^oi * ^oV 
nat^f vlü ovj^yw^ofj pfvulna dyayia&ai — f^jum rijy 
üovaiav el^ai rca nargl nmXelr Toil/ß vlovc Mit dieser Be^ 
rufung auf die Gesetze Numa's , als authentisch vorhandener, 
stimmt freilich schlecht überein, was derselbe an einem ande- 
ren Orte sagt. X, 1. %0/iid^i^ oXiya %trd i¥ hfaie f}V /}/* 



n^at.f wo allerdiDf^s die Bedeotaog von CommeDUrii in weiterem Sinne 
verstanden werden kenn, wie denn anch Piatarch. Marceil. 5. 
von Ti. Gracchas in Bezus auf das von Cicero and Val. Max. erzählte 
Factnm sa^t : u^atiMoTf vno/ivi^fiaaw irTvx<ov. 

2a) Cic. de div. I, 33. quoä Etruscorum deelarant et haruspi- 
cini etßilguraies et rituales libri, Vgpl. Varro R. R. I, 40. Ma- 
crob. Sat. III, 7. führt an: liber Tarquitii transeriptw ex o»ten- 
tario TuscQ, und V, 19. libri TageUei, 

21) S. ansser den Ausf^aben bes. Otfr. Müllers Abhandl. in 
Böttig. Arokäol, u, Kutut, S. 69 ff. und Bansen, Berichtig, i. 
Th. I. der Besehreib, d, Stadt Rom, S. 6d8 ff. 

22) Marini, Gli AtH de' fratelli arvalL Rom. 1795. Einzelnes 
bei Orell. Inser, I. p. 388. II. p. 442. 



14 

ßXoiC dnewl/tie^a, ä vofiiov %lyi dvvafii¥^ i^ oi na^gimot 
rij¥ yvmatv dxo¥ povov. Vgl. cap. 57. oirot ol äina av- 
dgec ovyygdyßai^ee vofiovg i% re %mv 'EXXfjvmwp vofmv 
xai tAv Ttagd atpiütp avvolg dyQdfpmv l^iüftKav 
nQav&fjuav iv iina dtkrotg %ä ßovXo/uivw axontlv. Jeden- 
falls meint er in der ersten Steile die Fasten und priesterli- 
chen Bücher, wobei der Gedanke an eine bürgerliche Gesetz- 
sammlung ausgeschlossen zu werden scheint; und die von C. 
Papirius veranstaltete Sammlung enthielt auch in der That 
nicht die Gresetze der Könige*^), sondern lediglich die den 
Cultus betreffenden Institutionen Numa^s. Wie man aber dem- 
ungeachtet Gesetze Nnma's wörtlich anfahren konnte, dafür 
könnte zur Beurtheilung dienen Fest. p. 273. (Reus) Numa 
in secunda tabula seeunda lege, in qua scriptum est: [sij 
quid horum fuit (fuat) unum iudici^ arbitrove^ reove, eo die 
diffensus esto. , wenn der königliehe Name , wie das freilich 
nicht unmöglich ist, wirklich richtig steht. Denn da die Worte 
des Gesetzes, wie sich aus derVergleichung mit Gell. XX, 1. 
und Cic. de off. I, 12. ergiebt, jedenfalls in die XII tabb. 
gehören, so liesse sich annehmen, dass die unter Numa's Na- 
men in diese Tafeln aufgenommenen Gresetze , aus diesen , wie 
aus anderen Nachrichten, zusammengestellt wurden ^). Denn 



23) Niebuhr, Rom. Getch. I. S. 277. „ond an dem hohen AU 
t«r einer Sammlnni^ der Gesetze der KSnii^e, die ein Papirios verfasst, 
ist kein Grund zu zweifeln.'* Allein Dionyiius spricht nur von den 
durch Ancus Marcius öffentlich bekannt gemachten, dann wieder un- 
terges«BgeaeB und voa Papirius neu zusammengesteUtea religiösen 
Satzungen. III, 36. «al rac 7T6(^1 twv U^wy av)'yoatpae, ite Ilo/inlXiog 
auvearyaaTo, naQ avTtuv (tüHp U^otfaPTviv) kaßojv, aviyQaxftBv sie 9ikrov9 
mal nQOv&rjKSv iv v/OQa naa* toXs ßovXofUvois amontlVf ae aaavio&tjvai 
avvißri r<f fpovtf, — iisxa di tvv txfioX^y tcuv ßaatXlotv ih ivaarqotpriv 
STjfAoalav oo'd'iQ 4j%&i]aav vn avS^hs uootpavtov Fatov Hant^lov ^ xifv 
anivTOiv rdiv /e^cuv rjyBfioviav «Jjrovroff. In welcher Beziehung zu dieser 
angeblichen Sammlung desG. Papirius das von Pomponius de orig. 
iur. Dig. 1,2, 2. einem Sextus Papirius zugeschriebene ius civile 
Papirianum stehen könne, dessen Existenz allerdings auch ausser- 
dem durch den Commentar des Grauius Flaccus (Dig. L, Iß, 144.) 
und Mac r ob. Sat. JII, II. beglaubigt ist, das ist eine von Jenen 
Fragen, deren Beantwortung wahrscheinlich alle Zeiten schuldig blei- 
ben werden. Vgl. Glück, de iure civili Papiriano. Hai. 1780. Ei- 
nert, de Papirio et iure Papiriano. Lips. 1798. 

24) Vgl. die gründliche Erörterung b. Dirksen, ZwB{f'Tt{fel- 
Prgmte. S. 199 ff. Ohne eben dagegen streiten zu wollen, scheint 



15 

so viel ist gewiM, dass es in Au^tas Zeit eine Sammlung 
der Leges regiae, namentlich derer Nnma^s gegeben haben 
mnss, was die häufigen Anfährungen bei Festns beweisen. Es 
müssen allerdings zunäehst die Stellen ansgeschieden werden^ 
in welchen gewisse Gresefze nnr im Allgemeinen dem einen 
oder dem anderen Könige zugeschrieben werden ; denn solche 
Nachrichten konnten sich anch anf andere Weise, nichl noth- 
wendig durch eine Sammlung, erhalten haben : vielmehr kom- 
men hauptsächlich die Stellen in Betracht, wo die Gesetze 
wörtlich oder als aus der Sammlung entlehnt angeführt wer- 
den. Solche Stellen sind ausser den angeführten: Fest, 
p. 230 Müll. Phrare (Romuli), p. 178. Occisum. Paul. 
Diac. p. 6. Atiuta. p. 221. Parrtci quaestores, p. 222. Pel" 
Kees. PI in. XIV, 12, 14. (Numae). Dabei ist übrigens nicht 
zu übersehen, dass s&mmtliche von Numa angeführte Gesetze 
(mit Ausnahme des oben erwähnten problematischen Gesetzes 
aus den XII und etwa des bei Festus unter Occistnn) solche 
sind, die ihrem Inhalte zufolge in denLibris pontificiis enthalten 
sein mussten, und so kömmt es denn, dass dasselbe Gesetz 
öh^ die OpimagpoHa (Fest. p. 189.) eben so wohl aos den 
Libris pontificnm, als aus den Legibus Pompilli regis und endlich 
ans den Commentarüs Numae angefShrt wird. Plutarch. 
Marc eil. 8« Kaltoi gnxüiv iv rofe vnofWfJiAam Nov/jiSv 
HofAnlhov Mi n^wia9 wiif$l(av im\ 9iv%iq(av mal rghtap 
l»vvifii^v$^w* VgL besonders Dirksen, Versuche z. Krit 
u. AuiL d. Quell, d. röm, Rechts. S. 234 ff. — Ausserdem hat- 



Bilr doch z^ bad^ke«, wi« eg wenigttMs «iiKwvIfBlktft «ad selbst 
durch D i o D Y s. IL 27. X, 57. erwiesen ist , dass früher fl^tige Ge- 
Mtze aod solclie, die den Rooigen zugeschrieben wurden , in die XII 
avifeaoaimea wurden ^ und d«is niehu uavaliiHiohet darin gefmdfn 
werden kann, wenn dieselben mit den Namen der früheren GeseUfeber 
beselekMt waren. UiUl wenn aueb Papinlan ^\t XIT genannt haben 
«•llte> 80 fährt er doch immer das Gesetz als lex regia an. €oil. 
leg. Mos. et Rom. Tit. IV. §. S. Cum patri lew regia dederit in 
ßlätm viiae nemsque pöUttaMn ete. Uebrigens darf man nicht Sber- 
sehen, dass Festus excerpirt, und dass, wenn Verrius nach Capito je- 
nes Zwölftafelgesetz als von Numa herstammend angeführt hatte, er 
gar wohl Numa selbst citiren konnte. Wie dem auch sei: ganz un- 
fttaidiafl weBigsteaa ist die vun Tumebus vorgeschlagene und aueh 
von Müller gutgeheiasene Veränderung in : ßfam in tee» tab. 



16 

ten sich auch dem Glauben nach Gesetze des Königs TViUus 
erhalten. Tacit. Ann. Xu, 8. Adäiiit Claudius s sacra ex 
legibus TulU regis piaculague apud bteum Dumae per ponü- 
fices danda. Vgl. IQ, 26. Am bestimmtesten aber wird das 
Ciassengesetz des Servius Tollius erwähnt. Fest. p. 246. 
^^Pro censu classis iuniarum^* Sertfius Tullius cum dixit in 
descripHone centuriarum^ accipi debet in censu. und p. 2419. 
Procum patricium in deseriptiotte classium , quam /ecU Sep- 
vius Tuläus^ significat procerum. Dass indessen noch in Au- 
gastos Zeit Commentarii Servii Tallii authentisch vorhanden 
gewesen ^^), folgt daraus keinesweges. Festus selbst setzt in 
der ersteren Stelle hinzu : ut aii M* f^arro in L F'L rerum 
humanarum. So nahm also Verrius seine Notiz aus Varpo und 
dieser wahrscheinlich aus einem Aelteren ; vielleicht auch nur 
aus den Tabulis censorüs. Cic. Orat. 46. 

Wirkliche sehr alte Urkunden hingegen waren die Li- 
bri lintei, welche auf der capitolinischen Burg im Tempel 
der Moneta aufbewahrt wurden, und die von ihnen wahr- 
scheinlich noch zu unterscheidenden Libri magistratuum. 
Der erste Ursprung der Libri lintei kann allerdings auch 
nicht angegeben werden ; doch reichten sie über den gallischen 
Brand hinaus und waren also alter als der Tempel der Juno 
Moneta, der erst im Jahre 409 geweihet wurde. Jedenfalls 
aber waren sie auch vorher auf dem Capitole verwahrt wor- 
den, und das eben rettete sie vom Untergange. Ihre firüheste 
Erwähnung geschieht aus dem Jahre 310 bei Livius IV, 7. 
7. Quinctius Barbatus interrex eansules creat L. Papirium 
MugiUanwn^ L. Sempronium Atratinum. His consuUbus cum 
Ardeaimisfoedusrenavatumest; idque manumenii estj ean- 
sules eos illo annojtdssey gui neque in annaUbus priscis^ ne- 
que in Ubris magistratuum inveniuntur; credo quod trUmni 
milüum initio annißterunt, eoperinde ae si totum amium m 
imperio fuerint^ stgffectis Ms consuUbus , praeiermissa nomma 
consulum horum, Idcinius Macer auetar estj ei in foedere 



25) Niebahr, Rom. Gesek. I. S. 277. Laehmano, De fsntt, 
Litfiü p. U. 54. 



17 

Ardeatmo^ et in Unteü Ubrü adMonetae imveniä. In off^ 
nem Widerspruche mit dieser Stelle, in welcher die Libri lin^ 
tei und Libri magistratuum ausdrücklich unterschieden werden, 
steht eine zweite cap. 20. quod tarn veteres annales, fuodque 
magistratuum libri , quos änteos in aede repositoM Monetae 
Macer Licintus ciiat idemtidem auctores, nono post demum 
anno cum T. Qutnetio Penno A. Comelium Cossum consulem 
habeant etc. Hier wären es also nur zwei, verschiedene Nah- 
men fair dieselben Bücher, und es könnte die Identität dadurch 
noch wahrscheinlicher werden, dass auch die Libri lintei Yer« 
zeichnisse der Magistrate enthielten. Liv. c. 13. mhil enim 
constaty nisi in libros linteos utroque anno relatum inter ma* 
gistratus praefecti nomen. Demungeachtet beweiset die erste 
Stelle unwidersprechlich die Verschiedenheit beider; denn die 
einzige, überdiess höchst gezwungene Weise sie mit der zweig- 
ten zu vereinigen, so dass Livius sage, die Namen fänden sich 
zwar nicht in den Libris magistratuum, aber Licinius gebe es 
so an, ist schon deshalb ganz unstatthaft» weil Livius jene 
Bücher selbst zuverlässig nicht kannte, und was er weiss, 
eben nur durch Licinius weiss. Wollte man aber anuehmeP) 
Macer habe eine von anderen Annalisten abweichende Nach- 
richt gegeben, wie in der That IV, 23. er und Aelius Tubero 
sich bei ganz verschiedenen Angaben beide auf die Libros lin* 
teos berufen, so hätte in keinem Falle Livius den Widerspruch 
ohne ein Wort darüber zu verlieren können hingehen lassen. 
Daher mag wohl zu lesen sein : et quos linteos. — Die L ib ri 
magistratuum, von denen wir nichts weiter erfahren, 
werden noch einmal von Liv. XXXIX , 52. gebraucht , um 
den Valerius Antias zn widerlegen. Vielleicht meint er sie 
auch IX, 18. Paginas in annalibtu magistratuum fastisque 
percurrere licet ^ consulum dictatorumque , quorum nee vir- 
iutis, nee fortunae uUo die populum Romanum poenituit. 
Auch wie lange beide fortgeführt worden sind, ist unbekannt : 
die letzte Erwähnung der Libri magistratuum gehört in das 
Jahr 568. 

Zu den ältesten urkundlichen Denkmälern gehörten femer 
die Tafeln, auf welchen die Bündnisse niedergeschrieben wa- 

2 



18 

ren. Es ist indessen aafTallend , dass solcher UrkoBden sehr 
wenig;e erwShnt werden und noch wenigere sich bis auf Poly- 
hitts erhalten za haben scheinen. Das erste als niedergeschrie- 
ben erwähnte, natüriich sehr verdächtige Bnndniss ist das an- 
geblich von Romulus mit den Vejentem geschlossene^^). Nicht 
viel sicherer ist das des Tnllus Hostilius mit den Sabinern^^); 
so dass das erste gewisse als Urkunde vorhandene das Bönd- 
niss des Servius mit den Latinern ist. Die Erztafel, in welche 
es eingegraben war, befand sich in dem Bundesheiligthume^ 
dem Dianentempel auf dem Aventine. Von ihr sagt Dionys. 
IV, 26. «vny fii/uuvev ij orijXfj /*tX9^ ^^ ^/*^ff ijXixiag iv 
t£ TiJQ ^Agre/utdoe legw KCifiiPTj j^Qa/Li/uarmv syovaa X<*P*" 
%TfJQac 'jEXXfjvtKiiv, olg t6 naXaiov t/ 'JEXXäg iy^iro. Der- 
selbe fuhrt ferner die im Tempel des Sancus aufbewahrte Ur- 
kunde des Bündnisses an, das derselbe König mit den Sabi- 
nern schloss. IV, 58. %ovT(av it iatl %mv oQximv fivfj/jieiov 
iv 'Pfi/iifj fu^liii€POP iv legä JioQ lltavlov, ov 'Pm/wXoi 
SayxTOV naXovaiv , donlg ^vXivrj ßvqatj ßoeia n€Qi%oroe 
— yga/utfiaötv uQ%ai%olg im/ej^gafifAirtj <tde yevofievag 
avToig ofioXoyiag* Darauf bezieht sich Horat. epist. 11, 
1, 25. Ausser diesen beiden, welche Dionysius jedenfalls selbst 
sah, und deren Vorhandensein auch Horaz noch in seinen spä- 
teren Jahren bezeugt, ist erwiesen nur die authentische Er- 
haltung folgender Bündnisse: 1) das der neuen Republik mit 
Karthago, von dem Polybius III, 22 ff. ausfuhrlich handelt. 
Merkwürdig ist dabei sein Bekenntniss, dass es wegen der Al- 
terthümlichkeit der Sprache kaum noch genügend verstanden 
werden könne. 2) Das Bündniss mit den Latinem wurde im 
Jahre der Einnahme von Corioli erneuert, und die Erztafel 
auf dem Forum hatte sich bis auf Cicero erhalten ^^). 3) Das 



^ 26) Dionys. II, 55. vTroutivarrotv Se^ xotv Ouievtavdiv änavra 
ravra, ojrovSae itotrjaafAtvot n^oc avrovs eis enaxov enj, an^Xai^ ivexA' 
QoSi tag ofioloyiat. 

27) Dionys. III, 33. xaTalvootfievot rov noXsuov ol 2a^voi x«J 
xiav ofjioloyuav ar^Xas avziyQaaovg d^ivTii iv toU ic^oTs, 

28) p. Balb. 23. Cum LatinU omnibus foedus ietutn Sp. Catsio 
Poitutno Cofninio coss. quU ignorat? quod quidem nuper in eoluntna 
aenea meminimu* post rottra incisum et perscriptum fuüse. Damals 



19 

letzte endlieh, das ans der alten Zeit genannt wird, ist das 
schon früher angefahrte foedas Ardeatinum (Liv. IV, 7.), das 
wenigstens noch xxi Licinius Macer (Snlla^s) Zeit Torhanden 
war. — Aas späterer Zeit , wo die zahlreichen Urkunden in 
den Staatsarchiven aufbewahrt wurden ^^), fehlten sie nattirlich 
nicht, und es wird sich häufig darauf bezogen ^^). Der Unter- 
gang der alten Gedächtnisstafeln aber erklärt sich sehr natür- 
lich daraus , dass sie jede politische Bedeutung verloren hat- 
ten, wenn man auch die zahlreichen Verheerungen, welche 
Rom durch Feuersbrünste erfahr, nicht in Anschlag bringt. 

Die nächste Stelle nehmen ihres frühen Ursprungs wegen 
(seit Numa. L i v. I, 19.) die verschiedenen Fa s t i ein. Der 
Name bedeutet ölTentliche Documente sehr verschiedener Art ; 
namentlich Fasti calendares und Fasti consulares 
oder magistratuum. Die ersteren, gew. Fasti schlechthin 
genannt, sind die frühesten und enthalten den römischen Kalen- 
der. Man unterscheidet wiederum Fasti nrbani und Fasti 
rustici, von denen die ersteren ungleich höhere Wichtigkeit 
haben. Ist auch auf sie späterhin noch einmal zurück zu kom- 
men, so scheint es doch nicht unzweckmässig , gleich hier die 
allgemeinsten Bemerkungen über ihre Einrichtung mitzuthei- 
len. Diese Einrichtung ist von der Art, dass die sämmtlichen 



war es also sieht mehr vorhandeD: Livius konnte es demnach ■ nieht 
mehr gekannt haben und so kann überbaopt znr BeurtheiJnng solcher 
Bemfan^en dienen, was derselbe II, S3. sagt: tantumqne sua laude 
obsHtit famae oonsulü Mareiusj ut nüi foedns cum Latinü columna 
aenea insculptum montttnen to esset, ab Sp, Cassio ttno , quia 
eollega afuerat, ietumy Postiimunt Cominium bellum gesstsse cum 
FoUci» memoria cessisset. Vorsichtiger sagt Dionys. VI, 0$. *£y/- 

OBv&^ai tuuyal f/ts& oqmoiv tmip ei^vtj9 nai fptXiai, — ^ 9e ra y^a^ 
qtivta roidäs tv zaig üvv&tjytai^, 

Vi) Namentlich auf dem Capitole. Polyb. IH, ÜM>. mal trjffov^ 
ftivtav TOP 9vr&rf9t(or ¥n vvv tv %akitiutftaat> na^a %ov Jla top Ka- 
JtiToikioP iv r^ vmv ayogavofimv rafiul^f %, r, k, Liv. XXVI, 24. 
(Bandniss mit den Aetolem) Haee conv^nerunt comcriptaque bien- 
nio post Olympiae ab Aelolis, in Capitolio ab Romanis , ut testata 
saeratis monumentis. essent. Appiao. Syr. 3U. p. 596 Schw. 
ravra ovyyQatf/ofievoi ts xal is ro KatttvwXwv ee Blkxov^ xaktM^ ava» 
&i%te9f ov lutl ras alias awd^nas avar&d'dauiy , ^epnov iirrfy^aq>a 
X. r. iU 

30) S. z. B. Cic. p. Balb. 16. 1^, 23. 

2* 



20 

Jthrestage durch alle zwölf Monate fortlanfend toh nundiiiis 
zo nundinis in Abschnitte getheilt und die einzelnen Tage mit 
Buchstaben je von A bis H bezeichnet werden, indem nach der 
gewöhnUehen Rechnungsweise der K -»er jedesmal der Tag 
der Nundinae doppek rückwärts und vorwärts gezählt wird*'). 
Ausser der Angabe der Kalendae, Nonae und Idos ist jedem 
Tage beigesetzt, ob er fastus oder nefastus (F oderN) 
war, d. h. ob an demselben der Praetor die solemnia verba : 
do, dico, addico sprechen, oder, mit einem Worte, Recht 
sprechen durfte. Varro L. L. VI, 4. p. 210. Fasti\per quo» 
praetaribus omnta verba sine piaculo licet fari* — Nefasti^ 
per quos dies nefas fori praetorem : do^ dico, addic9. liaque 
non potest agi. Necesse est aliqiio eorum uti verbo , cum lege 
quid peragitur etc. Vgl. 7. p. 229. Paul. Diac. p. 93. 
Eben so wird durch den Buchstaben G angegeben, ob der Tag 
comitialis war, was den Begriff des fastus einschliesst. We- 
niger entschieden ist die Bedeutung des vielen Tagen beige- 
schriebenen Zeichens !N* ; indessjen sprechen alle Gründe da- 
für, dass darunter Tage zu verstehen sind, deren ersterer 



31) Nicht als ob die Nundioae jederzeit auf die mit H oder gar 
die mit A bezeichnetea Tage geFallea wären. Vielmehr »cheiot es ud- 
zweifelhaft iiod Dothweodig, was Merkel z. Ovid. Fast. p. XXXI 
f. mit Gründlichkeit durchgerührt hat, dass sie nie in dem folgenden 
Jahre auf die mit demselben Bachstaben, wie im vorhergehenden , be- 
zeichneten Tage fallen konnten. Denn da die Ralendae lanaariae den 
Buchstaben A haben, so scbliesst das Jahr, der letzte December, mit 
dem Buchstaben £, und es fehlen also dre-i Tage , oder die Buchsta- 
ben F, 6, H, um wieder auf denselben Buchstaben. zu kommen. Fie- 
len demnach die ersten Nundinae des Jahrs z. B. auf den Bnchatabeo 
C, und daher das ganze Jahr auf die so bezeichneten Tage, so fan- 
den die letzten IV Kai. lan. (29 Dec.) Statt. Da nun daran schwer- 
lich zu zweifeln ist, dass zwischen den letzten Nundiuis des vorher- 
gehenden und den ersten des folgenden Jahrs ebenfalls acht Tage la- 
gen, so mossten letztere um drei Buchstaben vorrücken und in dem 
angenommenen Falle auf den Buchstaben F für das ganze Jahr fallen. 
Dann wären sie nun im nächsten Jahre auf den Buchstaben A getrof- 
fen und also auf die Kai. lau. Das aber durfte nie gesehehen und in 
solchem Falle wurde zwischen dem letzten December und ersten Ja- 
nuar eia Tag eingeschaltet, wie Merkel ans Dio Cass. XLVIII, 33. 
nachgewiesen hat. Nun fielen die nächsten auf den mit H bezeichne- 
ten Tag. So konnten also an einem Tage, der die Nota A hatte, nie 
Nundinae Statt finden, es hätte denn mitten im Jahre intercalirt wei^ 
den müssen. — Es ist hier zunächst auf den Julianischen Kalender 
Rücksicht genommen; allein es liegt am Tage, dass dasselbe bei ei- 
nem Jahre von 355 Tagen eintreten musste. 



21 

Tbeil nefasttts, der übrige fkstus war^^)) es möge das nan 
durch nefastas prior, oder nefastas parle auszu- 
drücken sein. Verschieden von diesen N*, aber doch von 
ähnlicher Geltung waren die mit EN bezeichneten Tage, d. i. 
endotercisi oder intercisi, deren mittlerer Theil fastns, 
Morgen und Abend uefesti waren. Varro L. L. VI, 4. In- 
tercenn (intercisi) dies suat^ per quos mane ei vespeH est ne- 
f0t»^ medio tempore inter hosiiam caesam et exta porreetafas. 
Vgl. damit die fragmentirte Erklärung desVerrius, Fast. 
Praenest. IV Id. lan. — Noch finden sich zwei andere von 
den Grammatikem erklärte Sigia. Bei dem 24. März und 24. 
Mai stehen die Buchstaben : Q. R. C. F. Sie wurden schon 
in alter Zeit missverstanden, wie Verrius Fl accus in den 
Fastis Praenestinis dem ersteren Tage beigeschrieben 
hat, nämlich : quod eo die rex comitio ßigerit. Mögen auch 
die, welche so erklärten, nicht an das anf den 2i. Februar fal- 
tende Regifugium gedacht haben, das (übrigens auch zweifel- 
haft) doch nicht an mehr als einem Tage Statt gefunden haben 
konnte; sondern an einen uralten Opfergebrauch, nach wel- 
chem der Rex percussa hostia eilig das Comitium verliess 
{Plutarch. Quaest. Rom. 63.), gedacht worden sein , so 
ergiebt sich die Erklärung doch schon darum als falsch , weil 
das F nothwendig fastus bedeuten muss. Die richtige Er- 
klärung gab schon Varro L. L. VI, 4. p. 212. Dies qtri no- 
taiur sie: Q. R> C. F. Quando Rex Comitiavit Fas, 



32) Die deutlichste Erk1äniD{f giebt mit kanstreicber Gewaudheit, 
wi« sie fatt nar Ihm möglich ist, vi d. Fast. I, 45 ff. 
Ne tarnen ignoret variorum iura dierum: 

Non habet qfficii luc\fer omnü idem. 
nie nefattut erit, per quem trta verba siUntur^ 

FoMtue erity per quem lege lieebit agi. 
Nee toto perstare die tua iura putariM ; 

Qui iam fastus erit, mane nefastus erat. 
Nam simul exta deo data sunt, licet omnia fari, 

Ferbaque honoratus libera praetor habet. 
Est quoque, quo populum ius est ineludere septiSy 
Est quoque qui nono semper ab orbe redit. 
Dagefsen köaoea die verstämmeltea Reste der Steile aus Festvs 
p. 165., aas denen man anf nefastus posterior hat sehtiesseo wolieo, 
nm S4> weniger in Betracht kommen als aus dem halben Worte riores 
eben so gut anteriores ergänzt werden kann, wie p. %b^. 



22 

ü dietus ah eo^ quod eo die reo; gacrißdolus äai ad comi- 
tünn, ad quod tempus est nefas^ ab eo Jas; ilaque posi id 
tempHs lege actum saepe ^^). Endlich findet sich ein Tag 
(15. Juni) bezeichnet: Q. ST. D. F. d. b. Quando Ster- 
eus Delatum Fas. Y arro a. a* 0. quod eo die ex aede 
Vestae stercus everräur et per Capitolinum clwum in lo- 
cum deferiur certum» Paul. Diac. p. 259. — Ausserdem 
waren die jedesmaligen feriae, Indi u. dgl. angemerkt, wovon 
anderwärts die Rede sein wird. 

Die Wichtigkeit dieser Fasti für das lus civile und das 
ganze öffentliche Leben springt in die Augen ; gleichwohl be- 
Caiuden sie sich ursprünglich in den Händen der Pontifices und 
waren daher in der alten Zeit nur den Patriciern zugänglich. 
Darum eben sagt Cannleius (L iv. lY, 3.) : si non ad/astos, 
non ad cemmentarios pontißcum admittimur. Allein im Jahre 
449 wurden sie durch Cn. Flavius an das Yolk verrathen. 
Liv. IX, 46. civUe tus reposäum in penetralibus pontißcum 
eculgavit fastosque circa forum in albo proposuity utj quando 
lege agi possetf sciretur^*). Diese jedoch, der frühere Ka- 
lender bis zum Untergänge der Republik, sind für uns verlo- 
ren. Bekanntlich wurden durch Cäsar die Fasti calendares, 
welche durch willkührliche Intercalation in grosse Yerwirrung 
gekommen waren, neu constituirt, und diese erst kennen wir 
genauer, da glücklichei*weise mehrere Exemplare, wenn auch 
meistens nur in Fragmenten sich erhalten haben. Das älteste 
Denkmal der Art sind die Fasti Maffeorum oder Calen- 
dariumMaffeanum, angeblich im Jahre 1547 aufgefunden. 
Der sonst in Palazzo Maffei befindliche Marmor ist mehrmals 



33) Paol. Diac. p. 259 Moll. Quando rex eomiHavit fas , in 
fiutiM notari tolet , et hoc videtur tignißcam , quando rex sacrificu' 
lus dtvtnis rebus perfectis in eotnitium venit. 

. 34) Sehr Uuoig spricht davon aU von einer Galamität Tiir die Ju- 
ngten Cic. p. Muren. II. Posset agi lege neene, pauci quondam 
seteoant. fastos enim vulgo non habebant. erant in magna potentia 
gut eonsulebantur , a quibus etiam dies , tamquam a Chaldaeü , »e- 
teoantur. Jnventus est seriba quidam Cn. Flavius, qui eomieum 
oeulos eon/txeHt et singulis diebus ediseendos fastos popuio propo- 

r? Äff VI I^'if f""'" ^^^^ ^^^^ sapieniiam compilarit. Vri. 
ad Att. VI, !. Valer. Max. II, 5, 2. Macrob. Sat. I, 16. ^ 



23 

abgeschrieben worden und dann, wie Vieles der Arl, versehwiin* 
den. Es gehört, wie Merkel richtig angiebt^iadieZeit desAugu* 
Sias, wenigstens dem Inhalte nach. Die Ireuesie Abschrift aus 
dem MS von Pighi ist bei Merkel abgedruckt. Es ist das ein- 
zige vollständige , d. h. für alle zwölf Monate , mit wenigen 
Lücken, enthält aber übrigens ausser den gewöhnlichen Siglen 
und den hauptsächlichsten Festen und Spielen nur wenige, 
meist auf AugusUis sieh beziehende Angaben. — Das zweite 
hochwichtige Calendarium sind dieFastiPraenestini, ge- 
ordnet und zum Theile erklärt von dem bmihmten Grammati- 
ker Verrius Flaccus. Leider sind nur die Monate Januar 
bis April und der December aufgefunden worden und auch diese 
unvollständig ; vom Februar eine einzige Notiz. Der Verlust 
des Vebrigen kann nicht genug beklagt werden, da der gelehrte 
Grammatiker eine Menge schätzbarer Nachrichten, niunentlich 
auch topographische Bestimmungen hineingetragen hat. Die 
Fragmente wurden 1774 zu Präneste (Palestrina) aufgefunden, 
wo das Calendarium durch ihn selbst aufgestellt worden war. 
Diese Nachricht hat Suet. de ill. gramm« 17. erhalten: 
Siatuam habet Praeneste in if^/erwre fori parte contra he^ 
muyciiumj in quofastos a se ordmatos et marmoreo parieti 
incisos pubäcarat ^^). 

Aehnlich diesen Fastis Praenestinis, nur nicht ganz so 
reichhaltig ist das Calendarium Amiterninum, 1703 
aufgefunden und die Monate Mai bis December, jedoch nicht 
vollständig enthaltend. Eben so das A n t i a t i n u m , 1713 gef. 
Fragmente der letzten 6 Monate. Das Venusinum, Mai 
und Juni vollständig. Die Fast! Capranicorum (sonst in 
Palazzo Capranica), August und September vollständige und 



35) Heransgegeben von F o g g i n i. Rom. 1781 . fol. Bei W o I f f 
z. Suet. Vol. IV. p. 315 ff. Auch in der engl. SammlnDg d. Riass. 
Uebechaopt siod über die Fast! calendares foJgeade Werke xa ver- 
gleichen: Graevii T/iet. Ant Rom. t. VIII. van V nassen, Anitn- 
adov. in Fast Rom, tacr. fgmta , dig. CtirUtoph, Saxius. Trai. 
ad Rh. 1785. 4. Ideler, Handb. d. ChronoL II. S. 135. Orelli, 
Jmcr, Lat. II. p. 379. (Eine zweckmassige ZusammeDstellaog aller 
Fragmeote.) Endlich die gründlich gelehrte Untersuchung Merkels 
a. a. 0. 



24 

die Fragmente des Pincianum, Esquilinam, Vatica- 
num, Farnesianum and Alifanum. Nicht alle sind noch 
in den marmornen Fragmenten, sondern nur in Abschriften 
vorhanden. In eine viel spätere Zeit (Constantias) gehört das 
Wiener oder sog. Lambecianum. Graev. thes. p. 97 ff. 
Idelera. a. 0. — Dazu kommen noch mehrere andere, die 
sieh nur in Abschriften erhalten haben, welche nach Merkel 
p. LIII. in das 9. 11. 13. u. 15. Jhdt. gehören« 

Anderer Art sind die sogenannten Fasti rnstici, ein 
Kalender für den Landmann, mit Angabe dessen, was in jedem 
Monate in Bezug auf den Landbau vorzunehmen sei. Der Art 
ist das Calendarium rusticum Farnesianum (in Nea- 
pel); ein vierseitiges Prisma, auf dessen Seiten je drei Mo- 
nate summarisch verzeichnet sind. Es enthält schon die Ein- 
thdlung des Tags in Aequiuoctialstunden ^^). 

Von ganz anderem Inhalte waren die Fasti consula- 
res oder Fasti magistratnum, ein fortlaufendes Ver- 
zeichniss der jährlichen höchsten Magistrate, d. h. der Con- 
suln, Dictatoren mit den Magistris equitum und den Censoren. 
Bekanntlich wurden unter Paul III (1546) sehr bedeutende 
Reste solcher Fasti am Forum Romanum bei dem sog. Gebäude 
der drei Säulen '0 ausgegraben, die jetzt auf dem Capitole im 
Palazzo de* Conservatori die Wand des nach ihnen benannten 
Zimmers bekleiden, und daher auch Fasti Capitolini ge- 
nannt werden. Es sind Marmortafeln , in welche die Namen 
eingegraben sind «»). Einige neue Fragmente wurden an der- 
selben Stelle in den Jahren 1817 u. 1818 aufgefunden. Je- 
denfalls schmückten diese Tafeln die Wand eines öffentlichen 
Gebäudes, nach Niebuhrs sehr wahrscheinlicher Meinung die 
der Curia lulia. — An diese jährlichen Verzeichnisse der Ma- 
gistrate schücssen sich die Fasti triumphales an, in 



an B."ir7-!^^c- ^'"'- P- *^- Mos. Horb 0«. t. H. tav 44 

38) Pas» ^«^i *T Chalcidica beoanot. S. die Topographie. 
w.i.e« ,;uVuUram1^?- ^- P/^5- maeht daraus nnbeVeiflicher- 
»ioa.^' »««nun aer«arwii , olim m CapitoUo suspensarom , fraj^ 



85 

chronologischer Folge die Namen der Triamphatoren enthal- 
tend , mit Angabe des besiegten Volks , und des Tags des 
Triumphs'^). In gewisser Hinsicht dichen also diese Fasti 
den alten Libris magistratnnm, nor dass diese unstreitig viel 
umfassender waren und wohl die sämmtlichen Magistrate 
enthielten. 

Die verschiedenen Magistrate aber hatten ihre besonde- 
ren Commentarios, welche ihre Amtsführung betrafen. 
Der Art waren die Gommentarii censorum, Schriften 
doppelter Art : erstlich dieTabulae censoriae, bei denen 
man freilich zunächst an die den Census betreffenden Regi- 
ster zu denken gewöhnt ist, die aber auch noch anderen In- 
halts waren. Sie erwähnt Li v. XLIII, 16., obgleich dort der 
Ausdruck tabellae publieae befremdend ist. Sie meint auch 
wohl Dionys. IV, 22. (von einer Volkszählung unter Ser- 
vius Tullius) : fJ^ l9 tole Ttfir^Tocolg (pigevai fQa^ifiaüiv.i 
und dasselbe bedeuten auch wohl die censorn Ubri bei Gell. 
n, 10. Ein ansehnliches Fragment aber theilt aus den tabu- 
Ks censorns mit Varro L. L. VI, 9. p. 262 Sp. Wie man 
daraus sieht, enthielten sie auch gewissermassen die Instru- 
ction für den Censor, und eben so findet es sich in den 
Cotnmeniarüs consularibus und qnaestoriü^ aus d^nen Varro 
p. 265. u. p. 268. ebenfalls bedeutende Fragmente anfährt. — 
Wenn aber diese Tabulae und Gommentarii unter die Kate- 
gorie der Tabulae publieae überhaupt gerechnet werden kön- 
nen, so wurden von den gewesenen Magistraten, wie es na- 
mentlich von den Censoren angegeben wird, und ihren Nach- 
kommen im Tablinum des Hauses die Privataufzeichnungen 
aufbewahrt, und diese Schriften mögen eigentlich mit dem 
Namen Gommentarii censor um genannt werden '^<'). 



39) WeDQ ausser solchen Fastis triumphalibns noch besondere 
Tabulae triumphales aufgenommen werden (Lachmann. <fe 
Jontt. Liv, p. 1!.), so finde ich dafür keinen Grund. Liv. VI, 29. 
spricht von der Dedicationsinschrift des aus Präneste erbeuteten und 
von T. Quinctius auF dem Capitole aufgestellten fupiter Imperator, und 
etwas Anderes sagt auch Fest. p. 363. Trientem. nicht. Eben so ist bei 
Liv. XL, 52. dieDedication der aedes Lamm Permarinnm gemeint und 
XLI, 28. eine Votivlafel. — j4cta triumphorum nennt Plin. N. H. 1 fin. 

40) Dionys. I, 74. SijKovrai 8i «£ äXXwy ra noUmv %al tmv lUfr 



26 

Eine der wichtigsten Qaellen für Greschichte und Verfas- 
sung waren natürlich die Urkunden , welche man unter dem 
allgemeinen Namen der Tabulae publicae begreifen kann, 
worunter leges, edicta, Senatusconsulta, plebis- 
cita, tabulae rationum u. s. w. zu verstehen sind. Von 
ihnen im Einzelnen zu sprechen ist hier nicht der Ort; da- 
gegen muss die Weise ihrer Bekanntmachung, ihre Aufbe- 
wahrung und Erhaltung, die Möglichkeit ihrer Verfälschung 
tt. dgl. im Allgemeinen in Betracht gezogen werden. 

DieLeges, zunächst als blosse Gesetzvoi*schläge, über 
die erst zu verhandeln — und auch diese sind ja fiir die Ent- 
wickelung der Verlassung sehr wichtig — wurden gewöhnlich 
von dem Vorschlagenden auf dem Forum oder anderen Plätzen 
öffentlich ausgestellt, wo sie von dem Volke gelesen und von 
librariis, d. h. entweder Schreibern im Privatdienste, oder, 
und namentlich in etwas späterer Zeit, von Leuten , die sich 
mit dem Verkaufe der Abschriften , wie mit anderem Schrif- 
tenhandel befassten, abgeschrieben wurden. Cic. de leg. 
agr. II, 5. Aliquando tandem^ me designato^ lex in publi- 
cum proponitur. Concurrunt iussu meo phares nno tempore 
Ubrarüi descriptam legem ad me afferunt. So wird schon 
von den X tabulis erzählt« Dionys. X, 57. nqov&n^xav Iv 
dixa tiXvotg %ip ßovXofidvta anon^lVj nuiruv dey6fjL€voi 
inapoQd-iaoip Idmxmv* Das war wohl die regelmässige Weise 
der promulgatio, und wenn anderwärts erwähnt wird, 
dass in der Volksversammlung das Gesetz durch einen Scriba, 
oder gar von dem Vorschlagenden vorgelesen wurde ^^), so 



»al^ne^ noMov nouiita* toiQ fu^* iavroy iaofUvots , waneq ii(fa na» 
r^c^ct, naf^aiiSovai, ?roJÜlol ^ ttalv ano rviv TtfitjTuiCiv oIlxwv avd^eg 
inupavus Ol StaipvXaTTavTes avra, Daraaf bezieht sich Pilo. XXXV, 2. 
Tahlina eodicibus implebantur et monumentis rerum in magistratu 
gestarum., womit Fest. p. 356. Tablinum, zu vergleichen ist. la- 
dessen umlassten diese monumenta jedenfalls weit mehr. 

, 41) Appian. B. G. I, 12. (T. Gracchas) t*lUvB r^ ygafiftarti 
Tovvoftavavayvwvoi, c. \2. Kai rore /liv avT^ noXka fi6fi.yfdfispoQ 6 
^(f<**XPff is T^v iniovaav ayo^av avdd'ezo, (pvlattrjv ts nagaoTT^aauevos 
txavtfv , ctf( xai axovra ßiaaoawot *Omaoviov , ixikevs avv aneuL^ rf 
y^afA/ÄrOTSi Tov vüftov is t6 nA^S'os avayivwinutv. xal aveylvwaxe. *\fg\. 
Cic. Phil. I, 10. In gleichem Zwiespalte ergriff der Tribun C. Cor- 



27 

-if^derspricht diess einer vorheigegaogenea öffentlichen Ans- 
Stellung der Tabula legis nicht. — Dasselbe geschah mit den 
Edictis magis tratuum. Cic. ad Att. II, 20. edicta eins 
(Btbuii) et cottdones describunt et legunt. und deutlicher 
ep. 21. edieta BiUuli populo üa sunt iucunda^ ut ewn lo- 
cunif ubi proponuntur^ prae multitudine eorum^ qui legunt, 
transire nequeant. Auf diese Weise mochten sich viele Le* 
ges, die verworfen wurden oder Abänderungen erfuhren, und 
Edikte, die sonst nur vorübergehende Gültigkeit hatten, er- 
halten haben und späterhin Geschieh tsqnelle geworden sein. 
Die Leges perlatae aber wurden in frühester Zeit, 
wie man erzählt ^^), in hölzerne, sehr bald aber in eherne 
Tafeln eingegraben und öffentlich aui^estellt : zum Theile auf 
dem Forum, wie die XII tabulae ^^) \ am häufigsten in einem 
Tempel, namentlich in und um den capitolinischen Jupiter- 
tempei und in dem Aerarium Saturn! ^^)* — Eine andere Sir 



nelius selbst den Codex leg;is nud begann za lesen : Ascon. in Cic. p. 
Com. p. 58 OreU. Is (P. ServUias tr. pl.), vbi legis femndae dies 
venit et praeco subiiciente scriba verba legis recitare popalo coepit, 
et scribam subiicere et praeconem pronunciare passus non est. Tum 
Goroeliua ipse codicem recttayit. Vgl. p. 60. Cic. in Vatin. ^. Qnint. 
I. 0. IV, 4, 8. 

VI) Dionys. III, 36. %ahiuat^ yap or^Xai ovnot rors ^aav, akX 
ir ^^iviug «jjra^arrotTO oavlow oi z* voftci tuU tu nif^l rwv U^iiv it€^ 
yqatfai. . ^ ^ 

43) Dionys. X, 57. inuevpwoetvtot 9i ttal rov S^fiov töv€ v6* 
IfovQf arijkatq %a}Ma7i iyxoi^^ct.vT£s avrovf iipe^^s ^saav iv ayo(fi tw 
ejvKpaviazaTov Me^afievoi ronov, JedeDfalls auf dem Comitium. lieber 
das Fortbestehen dieser Tafeln erinnere ich mich nirgend etwas gele- 
sen zu haben, und doch scheint ihre Erhaltung in der Verwüstung der 
Stadt durch die Gallier sehr zweifelhaft, wenn man nicht annehmen 
will, sie seien auf das Capitol geschaßt worden , was aech Vieles ge- 
gen sich hat. Wahrscheinlicher ist es, dass sie später wiederherge- 
stellt wurden. 

44) Daher sagt Cic. Cätil. III, 8. memoria teneits — compiu- 
res in- Capitolio turret de coelo esse percutseu , cum et simulacra 
deorum itnmortaUum depulsa sunt et statuae vetervm hominum de- 
ieetae et legum aera liqtu^acta. So auch L i v. VII, 3. Lex vetusta 
est priscis literis verbisque scripta, ut, qui praetor maximus sit, 
Jdihus Septemhribus clavum pangat, Fixa fuit dextro lateri aedis 
Jovis 0. M., ex qua parte Minervae templum est. Daher überhaupt 
die Ausdrücke : tabuiam ,/igere und r^ere. Cic. Phil. II, 36. In- 
spectantibus vobis toto Capitolio tabulae ßgebantur, , worunter in- 
dessen auch andere tabulae, foedera u. dgl. zu verstehen sind. Vgl. 
V, 4. I, !.^ XII, 5. ad fam. XII, 1. Plutarch. Cic. 36. m/k^e 
fisza noiXüiv T<p KannwUt^, xal rag BfifiaQx*^fi^^ dikxovQ^ ev atg etycif 



28 

eherstellong der so in einzelnen Tafeln aufgezeichneten Ge- 
setze, eine allgemeine officielle Gesetzsammlang gab es nicht; 
auch nicht einmal eine strengere Beaufsichtigung. Ausdrück- 
lich sagt das Cic. de leg. III, 20. Legum custodiam nuUam 
habemus» itaque hae leges suntj quas apparitores nostri vo- 
hmt. a librariis peümus: publich lüeris consignatani me- 
moriam publicam nuilam kabemus, Graeci hoc diiigentius^ 
apud quos vofioqivXuHBQ creantur etc. Daher ist es denn 
natürlich, dass bei den häufigen Feuersbrünsten, die bald den, 
bald jenen Theil Roms von Grund aus vernichteten , eine 
Menge Gesetze urkundlich untergingen und nur im Gedächt- 
nisse oder in Abschriften sich erhielten. So musste es un- 
fehlbar schon beim Brande des Capitols unter Sulla ergangen 
sein, wo ja selbst die werthvoUsten Weihgeschenke und Denk- 
mäler der glorreichsten Triumphe untergingen ^^), und so ge- 
schah es wieder bei der Stnrmung durch die Yitellianer. 
Suet. Yesp. 8. Ipse restitutionem Capilotü aggressus ru- 
derUms purgandü manus primus admovit — . aerearumque 
tabtilarum tria milliay quae stmul cofiflagraverant^ resti- 
tuenda suscepit^ undique investigatis ewemplari^ 
bus instrumentum imperii pulcherrimum ac vetustissimum 
confeciif quo continebantur paene ab eo'ordio Urbis Sena- 
tusconsulta , plebüdta de societaie et foedere ac priviiegio 
cuicunque cencessis. Was unter jenen exemplaribiu zu ver- 
stehen sei, erklärt in sehr erwünschter Weise eine in Aqui- 
leja gefundene Inschrift, die Concessionen enthaltend, die 
Vespasian gewissen Veteranen machte. Am Schlüsse dersel- 
ben heisst es: Descriptum et recognitum ex tabula aenea, 
quaefixa est Romae in Capitolio ad aram gentis luliacy de- 
forasy podio sinisteriore, iab. T, pag. IL loc. XXXIIII^^), 



yffüUfoX raff BuxntofUvtov ^oav, aviairaaa «dl dtitp&et^ev» Es g^esefaah 
aber aaeh aa aodereo Tempelo, wie an dem der Ops. Cic. Phil. II, 
14. u. 8. w. Natfirlicfa aach aa den Orten, auf weiche das Gesetz 
sieh besonders bezogt, z. B. Cic. ad Att. 111, 15. Tute sertpsütt ad 
me, quoddam caput legis Clodium in curiae poste Jtxiise, ne r«- 
ferri, neve dici liceret, 

45) S.Liv. VI, 4. XXV, 39. Dionys. IV, 6^^. Plin. XXXV,3,4. 

46) Grat er. p. DLXXIII. V^l. Lachmann, de fontt, Liv. 
p. 13. 



— » — 

Zur Vergleichiing kann auch das Monumentnm Ancyr«-* 
num dienen, ebenfalls eine Copie der in Rom aufgestellten 
Tafel, die Tabula Heracleensis, das Monumentnm 
Aphrodisiense u. s. w., und so wurden überhaupt, wie 
das natürlich ist, die Originale solcher Urkunden in Rom, die 
Copien an den Orten, welche sie betrafen, aufbewahrt^'). 
Daher konnte denn wenigstens ein Theil der untergegangenen 
Tafebd wieder hergestellt werden, und wahrscheinlich war 
das auch nach dem ersten Brande des Capitols geschehen, 
woraus sich Suetons Angabe erklärt. Ob aber Vespasian die 
neuen Tafeln sämmtlich wieder im capitolinischen Tempel, 
oder nicht vielmehr grossentheils in dem von ihm erbaueten 
grossen und prächtigen Friedenstempel aulstellte, ist zweifel- 
haft; nur das ist gewiss, dass an dem einen oder dem an- 
deren Orte, früher oder später, die neue Sammlung auch wie- 
der unterging; denn das Capitol brannte ja bald nach Vespa* 
sians Tode zum dritten Male ab , und unter Commodus auch 
der Friedenstempel nebst einem Theile des Palatium und dabei 
gingen die wichtigsten öffentlichen Documente verloren ^*). 

Die Senatusconsulta, welche Sueton auch unter den 
durch den Brand vernichteten Urkunden nennt, scheinen den 
Ort ihrer Aufbewahrung mehrmals gewechselt zu haben. In 
ältester Zeit scheinen sie in den Händen der Consuln geblieben 
zu sein ; ungewiss ob für immer als zu den tnonumeniü rerum 
in magistraiM gestarum gehörig, oder nur während ihrer Amts« 
flihrung. Weil sie aber oft unterdrückt oder verfälscht wur- 
den, erfolgte im Jahre 304 die Verordnung , dass sie an die 
Aediles plebis in den Tempel der Ceres zur Aufbewahrung ab- 
geliefert würden**). Späterhin war der eigentliche Ort ihrer 
Aufbewahrung das Aerarium oder Tabularium, und erst durch 



47) S. Dirksen, Fers, «. Krit. u. Au$L d. Quell, d. r. R. 
S. 14t f. 

48) D i Gas«. LXXII , 24. tuü noXik ni»v avrov mniftavaer, 
mote iMÜ %ä y^f/t/tura va rp eiQxS ^^o9ipufvra oXiyov detv nawuik 
tfd'oqiijviu, 

49) Liv. in, 55. Jnstituiftm etiatn ab iiedem eontulibus (L. Va- 
lerio M. Horatio), ut Senaiuseoneulta in aedem Cererü ad aediles 
plehis ■ dtferrentur , quae antea arbitrio üonsulum supprimebaniur 
vitiabanhtrque* 



30 

die Niederleg^ng daselbsl erhielten sie Gültigkeit und Rechts- 
kraft ^<'). Dass vor des Catulos Bau (674) kein besonderes 
Tabniarium gewesen, scheint eine ganzr ungegründete Behaup- 
tung zu sein ^'). Einen Brand des Tabularium erwähnt Ci- 
cero ^^) : es brannte wahrscheinlich auch unter Sulla mit ab, 
daher es Catulus zugleich mit dem Tempel wieder herstellte. 
Ein bestimmtes Zeugniss für sein früheres Bestehen giebt Po- 
lybius III, 26., wo er vom Bündnisse mit Karthago sagt, es 
befinde sich: nagd %6v ^la tov KttnntüXtov iv tco tüv 
dyoQavoftwp Ta/Jiielip» Damals war es also wohl nahe am 
Jnpitertempel, und erst durch Catulus wurde es über dem Cli- 
vus Capitolinus erbauet. 

Ausser den Senatsbeschlüssen wurden aber auch entschie- 
den bei allen wichtigeren Verhandlungen, nicht nur im Senate, 
sondern auch von den Prätoren, wenigstens in den causis pu- 
blicis, Protokolle niedergeschrieben. Zu der irrigen Meinung, 
dass Senatsprotokoile erst durch Cäsar eingeführt worden 
seien, hat Suet. lul. Caes. 20. verleitet: Iniio honore 
primus omnrum insütuit^ ut tarn Senatus quam popuK diuma 
acta conßcerentur et ptibUcarentur. , wovon nachher die 
Rede sein wird ^^). Vielmehr finden sich die sichersten Be- 



50) So erxiihlt in Bezo|p aaf das Prodi{;^iain , welches Octavians 
Geburt vorherging, Sa ct. Aug. 94. senatum exterrihitn ceniuisse, 
ne quü illo anno getiittts educarefur: eos , qtii gravidas uxorcs ha- 
berent, quod aU se quUque spem traheret^ curasse, ne Senatuseoniul- 
tutn ad aerarium deferretvr. Darauf bezieht sich die heuchlerische 
Verordnung des Tiberins, scheinbar, damit kein Todesurtheil übereilt 
vollstreckt werde, b. Tacit. Ano. Ili, 51. Igitur factum SenatiM* 
consultttm, ne decrefa patrum ante dient decimum ad aerarium de- 
ferrentur, idque vifae tpatium damnatis prorogaretur. Aber dasselbe 
verfahreo findet sich schoo viel früher. L i v. XXXIX, 4. klagt M. 
Fulvius Nobilior, dass sein Gegner M. Aeinilius Lepidus ein ihm nach- 
theiliges Senatasconsultum erschlichen habe : quid ab eo quemquam 
poste aequi exspectare, qui per infrequentiam furtim Senatasconsul- 
tum /actum ad aerarium, detulerit: Ambraciam non videri vi captam, 

51) Lach mann, de fontt. Liv. p. 13. n. 4. 

5i) De nat. deor. 111, 30. und p. Rabir. perd. r. 3. ohne nä- 
here Bestimmung; nur kann damit nicht etwa die aedes Njnnpharum 
gemeint sein , wo sich damals die Tabnlae censonim befanden ; sie 
wurde erst später durch Clodius in Brand gesteckt. Cic. p. Mil. 27. 
de har. resp. %7. Parad. 4. Eben so wenig aber kann das von 
Catulus erbanete verstanden werden, das sich mit der Dedicationsio- 
sehrift bis auf unsere Zeit erhalten hat. 

53) Wie man sich dabei auf Plutarch. Gat. min. t^, berufen 



31 

weise in Cieero^s Zeit. Cic. p. Sext. 61. Cmus (Pompeii) 
sententiam üa frequentUsimus senatus secutus est, ut tmus 
di$sentiret hostis , idque ipsum tabulis pubKcis mandaretur 
ad memortam posieri temparts sentpttemam. ad Att. XII, 
23. quae omnia qma Cato laudibtss exiulerat in coelmn per- 
scrihendaqve censuerat^ idcirco in eius sententiam est facta 
discessio. Endlich p. Sulla. 14. itaque iniroducOs in sena^ 
tum indieibus constittä senatores, qm omnia indieum jJicta, 
interrogata y responsa perscriberent. Tabulae publicae 
in Bezug auf eine gerichtliche Verhandlung werden erwähnt i n 
Vatin. 14. haec omnia sciasne diligentia C, Memmn (prae-t 
toris) pubHcis tabulis esse notata aique testata, — Von den 
Tabulis rattonum versteht es sich von selbst undBezug auf 
sie (wegen locus et lautia) hat es wohl auch , dass die Namen 
fremder Gesandten im Aerarinm aufgezeichnet wurden ^). 

Hinsichtlich der Aufbewahrung dieser Acta senatus 
und magistratuum finden sich scheinbare Widersprüche» 
Cicero von den Vorsichtsmassregeln sprechend, die er bei 
den Verhandlungen über die Verschwörung genommen, sagt 
p. Sulla. 15. cum scirem, ita indidum in tabulas publicas 
relatum, ut illae tabulae privata tarnen custodia more maio* 
rum continerentur^ non occultavi, non continui dornt ^ sedde- 
scribi ab omnibus statim librarOs, dividipassim etpennägari 
atque edi populo Romano imperavi. So faeisst es auch p. 
Arch. 5. Nam cum AppH tabulae negligentius asservataa 
dicerentur; Gabinii, quamdiu incotumis Jintf levitas, posi 
danmationem calamitas omnem tabtdarum ßdem resignassetj 



kSnoe, verstehe ich nicht. Es heisst dort, Cato's Rede im Senate sei 
nachg^escbrieben worden , von Schreibern , welche mit actis Giceronia- 
ais (Tironianis) zu schreiben verstanden hätten. Denn Stenographen 
(das sind ganz eigentlich ar^fietoyoatpoi) habe es damals noch nicht 
gegeben : Oonw yä^ ^mtovv ovd* HdtntjvTO rovi tutXovfUvovg mjfitio^ 
y(^eupovg, aXXa tot« 'jr^<»Tov .eh i'xyog t» nazooT^vat Xiyovaiy. Hier ist 
gar nicht von Protokollen die Rede. 

54) Jiä rl Ol Tr^eofiivoms itg *PmfMpf onö&Brovv tnl top rov 
KfMvov vaop ßttSl^opris ajroyf^atpovrai ir^ög ravg kta^fovg xov raftuiov,. 
Selbst die Zahl ihrer Begleitang und Dienerschaft wnrde eingetragen. 
Cic. p.Flaeco 18. Hi iret etiam aerarü nostri tabulat faUas e«#« 
voiuentnt nam servos novem se habere prieset ntnt^ cum omntno 
sine comite venissent. 



32 

MetelbU — tünta diligentia fuil^ ut adL. Lentuhan prae^ 
torem rt ad iudiees venerit et unius nowinis litura se commo^ 
tum esse dixeriL His igitur tabulis nullam Uturam in no* 
men A. Licinii videtis. Damit ist wieder die schon angeführte 
Stelle aus Piin. XXXV, 2* zu vergleichen, und man möchte 
daraus scbliessen, dass die Protokolle der Verhandlungen in 
den Händen der jedesmaligen Magistrate geblieben seien ^^). 
Dagegen sprechen andere Stellen wiederum entschieden von 
öffentlicher Aufbewahrung. Cic. Verr. UI, 79. (Scribarum) 
Ordo est honestus. — est vero honestus , quod eorum homi- 
fiumßdei tabulae pubKcae periculaque magistratuum commit* 
tuntar. Es käme demnach in Frage, was in jedem Falle un- 
ter dem viel umfassenden Namen der Tabulae publicae zu ver* 
stehen sei? Auch in der Verrina können allerdings speciell die 
Tabulae rationum gemeint sein, über deren öffentliche Nieder- 
legung im Aerarium kein Zweifel ist ^^). Demungeachtet 
mochten in dem einen, wie in dem anderen Falle Verfälschun- 
gen wohl vorkommen. S. ausser den angeführten Beispielen : 
Cic. de nat. deor. UI, 30. 

Die Nachricht aber, welche Sueton von Cäsars neuer 
Einrichtung giebt, bezieht sich nicht sowohl darauf, dass er 
zuerst regelmässige Protokolle des Senats angeordnet habe, 
als dass dieselben für den Zweck öffentlicher Bekanntmachung 
redigirt wurden und nun als Acta senatus. Acta popnli 
Romani oder publica einen Theil des römischen Tage- 
blatts, eines Diario di Roma, ausmachten. M^enn diese An- 
ordnung ein wesentliches Förderungsmittel der Oeffeutlichkeit 
zu sein scheint, so muss man doch im Gegentheile bekennen, 
dass eben von dieser Zeit an die Acta publica an Glaubwürdig- 
keit verlieren, indem eine solche officielle Redaction natürlich 
nur das aufnahm, was dem Machthaber frommte, und in einer 



55) Wollte man aonehmen , dass sie erst bei der Abdication aa 
das Archiv abgeliefert worden seien, so haben Cicero*s Worte keinen 
rechten Sinn ; denn es war ja in den letiten Tagen des Jahrs , wo 
diese Veroffentiichang Statt fand , und es wären also ohnehin die Ta- 
balae anmittelbar darauf der privata custodia entzogen worden. 

56) S. z. B. Cic. in Pis. 25. Verr. I, %l. ad fam. V, 20. 

Q. S. W. 



33 

ibm genehmen Weise darstettte. Darnm konnte DioCassins 
ober die Unzulänglichkeit und Unlauterkeit der Quellen fiir die 
Kaiserzeit klagen *7). 

Uebrigens hatte sich unverkennbar schon vor Cäsars 
Herrschaft eine Art Journal oder Tageblatt gebildet, worin 
nicht nur alle öffentlichen Vorgänge, sondern auch andere Ta- 
gesneuigkeiten , Privatnachrichten über Todesfälle, Vermäh- 
hingen, Geburten, Spiele u. s. w. berichtet wurden. Dieses 
Journal, das durch Abschreiber vervielfältigt und auch in diä 
Provinzen gesandt wurde, wird wenigstens in Gicero's Zeit 
unter den Namen Acta diurna, oder Diurna populi 
Romani, Acta Urbis oder Commentarii rerum ur- 
banarum , häufig erwähnt >*). So war es also nicht sowohl 



57) Die ganze merkwürdige Stelle verdient hier zn stehen. Lllf, 1^. 
oi fiivTOt 9tal ofioioßS rots iTQoad'tv ra fihra tavra n^ax^ivra X^x^^i^^^ 
dvvata&, nQOTt^oy fiiv yä^ ¥g^ re rijv ßovXrjv mal is tbv S^fiov natvra^ 
ual ti noif^ia nov avfifiaUrf^ §testpd(ftT0' ttdi Sui tovro ituvtt^ re airi 
ifAOV-d'avov xoi noXXol awiy^atpov. xan rovrov xal ^ äXi^'d'sia ovrcov, 
tl xal TOL /AoXtüra xal tp6ß(o riva xal x^Q^'^'' » ^^»<V ^' ^^^ ^X^9^ naiv 
i^i'&flj na(fa yovv tois aXXois xoii xa avra y^anffaa&^ roit ts imafiv^ 
fiaai TOis ÖTjuoaioi^ r^onov riva evfflaxtTo. ix Öi d^ rov xQ^^ov ixeU 
vov T« /Atv nXsiw x^vtfa xaX 9i änodptiTotv yiyvtad'ai ^(>|aro. bI 3i 
nov xal Tiva djjfioauv^tiijy aXka avi^iXt^'XTa ys ovra aTtWTtirai, xai 
yap X^yeadat xal Tr^aTvea^ai navta n(f69 tä xviv ail x^atovvrwv rtSv V9 
naqadovttattüovto^v aiptai ßovk^fAara vnonttvnai, xaX xara zovto noXXa 
fiiy ov yiyvoueva d^Qviltitat.^ noV.a dt xal navv ovfAßaiyovxa ayvouxa*, 
narra oi, ojS ttntiv, äXXwQ nate, ij uis 7t(faxtizai, dta&Qouta^. 

58) Ausrübrlich bandelt davon, doch ohne gehörige Sichtang: Le- 
elerc^ Des Joumaux chez les Romains. Par. 1838. und Lieber- 
kühn de diurnis Romanortim actis, Vim. 18f0. — Hanptsteilen , ans 
denen namentlich auch der Inhalt sich ergiebt, sind: Cic. ad fam, 
VIII, 1., wo es freilich scheinen könnte, als habe Coelius diese Nach- 
richten nnr eben sammeln lassen^ um sie an Cicero in die Provinz zu 
sehicken : JVescio quoius otii esset j non modo perscribere haecy sed 
omnino animadoertere, Omnia enim sunt ihi Senatusconsutta, edicta^ 
fabulaey rumores etc. ep. 11. Quam quisque sententiam dixerif, in 
eommentario eit rerum urbanarum, ex quo tu, quae digna sunt^ se-^ 
lige; multa tränst: inprimis ludorum explosiones et funerum et in- 
eptiarum eaeterarum, Daranf antwortet Cicero II, 8. Quid? tt$ me 
hoc tibi mandasse ewistimas, ut mihi gtädiatorum cörhpositiones, ut 
vadimonia dilata et Chresti compilationem 'mitteres, et ea, quae no- 
kis, eum Romae sumusy narrare nemo audeatT ebend. Xll, 23. schreibt 
Cicero an Comifieins : Rerum urbanarum aeta tibi mitti eerto seio, 
quod ni ita putarem ^ ipse perseriberem etc. Vgl. auchLipsius, 
fixe. z. Tacit. Ann. V, 4. Böttiger, Sabina. II. S. 9U., wo in- 
dessen ans lächerlichem Missverständnisse die eompilatio Chresti Tdr 
die Sammlung selbst ei41ärt wird. 

3 



34 

eine neue Einrichtung Cäsars; sondern was rorber obne öf- 
fentliche Autorität geschehen war, das wurde nun o£BcieU 
fortgesetzt, und von dieser Zeit an wird die Erwähnung dieser 
Diurna allerdings noch häufiger ^^). 

Ausser diesen öffentlichen Documenten gab es aber auch 
monumenta privata, die als Quellen für die Kenntniss der fru* 
heren Zeit gelten konnten. Dahin gehören zunächst die L a u- 
dationes funebres und die Tituli imaginum; beides 
allerdings verdächtige Quellen^ wie die alten Schriftsteller 
selbst mehrfach anerkennen. Die Laudationes, eine schon 
den ersten Zeiten der Republik angehörende und vielleicht 
noch ältere Sitte ^^), mochten wohl schon bei der Leichenfeier 
selbst zum Ruhme des Verstorbenen nnd der ganzen Famili» 
manches in einem anderen Lichte als dem der Wahrheit dar- 
stellen, und wenn sie, wie gewöhnlich, schriftlich aufbewahrt 
wurden, mochte wohl noch gar manches darin verändert wer- 
den, was in späterer Zeit den Glanz des Hauses erhöhete. So 
sagt Cicero, Brut. 16. quamquamhis laudationibys hisio" 
Ha verum no^irarum facta est mendosior. Eben so Liv. 
Vni, 40^ Fitiatam memoriam ftmebribuM laudikus rear fat- 



59) Tacit. Ann. Ilf, 3. (beim Tode des Germanicns) Matrem 
Antoniam non apud auetores verum, non diurna actorum sertptura 
reperio ullo insigni qfficio fufictam. XIII, 31. pauca memoria digna 
evenere. nisi eui libeat laudandi* fundamcntis et trabxbus, quis mo- 
lern amphitheatri apud campum Martit Caesar exstruxerat, Volu- 
mina implere; cum ex dignitate populi Romani repertum sit, ree 
illustres annalibus, talia diumis (Irbis actU mandare. XVI, ^;^. 
Diurna populi Romani per provincias, per exercitus curatius legun- 
tur, ut noseatur, quid Thrasea non fecerit Vgl. Snel. Claud, 
41. luven. II, !36. Senec. de benef. III, 16. Petron. 53. Lam- 
prid. Comm. 15. n. s. w. 

60) P. Valerius Poplicola ist der Erste, von dem bcriebtet 
wipd, da&s er bei seines CoUegen Brulns Begräbniss die Laudatio pe- 
kalten habe, Pinta roh. Popl. 9.; und van da soU der Gebraneh 
seinen Ursprung genommen haben. Indessen mag Dionysins nicht 
entscheiden, ob^nicht unter den Königen dasselbe Sutt gefunden habe. 
V, 17. *• ^v otfv OvaXlqioQ n^iÜTog icar«ar^actro rar vo/ior xMe'Pw 
ItaiotQ.fi ntifiivov vno ruiv ßaaJLiow Tra^lafitr, ov» ^x^ to oawi« «i^ 
neiv. OTi de Pwffaiwv iorlv a^vo^or fvqsfia to na^a raS rawetg zeiv in^ 
o^iiMov at^d^iuv malvovg xijg notxijj; eüxüu^ Xiyto&at, scal oix 'ÄUj/Wfi 
turTOMaTsoTijQaytQ noutTOt, naqa r^s uMf^s i9tooim$ o2da um^ M.T.L 
Ausruhrhch spricht darüber Polyb. VI, 53. 



35 

süque imaginum titutu^^), dum famüia ad se quaejue Jk- 
mam reram gestarwn honorwnque fallente mendaeto trä- 
kunt ^*). — Aasserdetn aber hielten sich, wie es scheint, bd- 
dentende Familien eine Art Hansclironik, oder irgend einer des 
Hanses verfasste vielleicht eine particuliire Geschichte seiner 
Familie. Etwas der Art wird wenigstens ron der familia 
Porcia berichtet: Gell. XIII, 19. quae postea ita esse^ uH 
diveratf eognonimusy cum et laudationes fnn^es ei iibrum 
eommentarium de fanuUa Porcin legeremus. , und anch des 
Messala Bflcher de fiimiliis lassen so etwas voraussetzen *')• 

Ausserdem gaben die zahllosen Oeffentliches sowohl als 
Privatverhältnisse betreffenden Inschriften eine überaus reich- 
haltige Quelle ab. Wir verstehen jetzt unter Inschriften Al- 
les, was von schrifUichen AuEEeichnungen aus dem Alterthume, 
sei es in Erz oder auf Stein , durch Malerei , Mosaik , oder 
sonst auf eine Weise im Originale oder Copie materiell zu 
unserer Kenntniss gelangt ist» mit alleiniger Ausnahme der 
Handschriften, welche die Werke der Literatur enthalten ; so 
dass, wenn sich z. B. unter den Hercuianischen Rollen wirit- 
liche Autographen erhalten hätten, sie doch in keinem Falle 
hieher gezählt werden könnten. Allein nicht Alles, was wir 
darunter rechnen, wird von den Alten mit gleichen Augen be- 
trachtet worden sein, wie eben jene Tafeln, welche Gresetze, 
Bundnisse , Senats- und Volksbeschlüsse enthielten. Dagegen 



6!) In wiefero diese imai^nes zur Geschichtsqnelle werden konn^ 
ten, erg:iebt sich aus dem, was wir Aber ihre Anordnung im Atrium 
des Hanses erfahren. Plin. XXXV, %. aliter apud maiores in atrio 
haee erant, quae speeigrentur : — expressi cera vultus tingulia dU- 
ponebantur armariis — . Stemmata vero lineis dUcurrehant ad {ma- 
gines pietas. Seneca de benef. III, 28. Qui imagines in atrio ex- 
ponunt et nomina familiae suae longo ordine ae multis stttmmatum 
illigata flexuris in parte prima aedium coUocantj noti fnagis quam 
nobilet sunt. Aaet. eieg.-ad Messal. 30. quid quaque index sub 
imagine dicat. 

62) Vgl. Liv. XXII, 31., wo es sich darum handelt, ob Fabias 
pro dictatore oder Dictator gewesen: res inde gestas gloriamque in- 
signem ducis et avgentes titulum imaginis posteros , ut, qui pro di- 
ctatore, dictator dieeretur, faeile obtinuisse, und Plin. XXXV, 2. 
Sed pace Messalarum dixisse lieeat, etiam mentiri clarorum imagines 
erat aliquis virtutum amor, 

63) Plinius l. I. Similis causa Messalae seni expressit Volu- 
mina illa, quae de Jamiliis eondidit etc. 

3* 



36 

gab es aber eine Unzahl weniger selbständiger Gedenkschrif- 
len, als Dedicationen, Grabschriften, Votivtafeln, Danksagun- 
gen u. dgl. ) die vieirältig über Thatengeschichte sowohl als 
politische Einrichtungen, religiöse Satzungen, Sitten und Ge- 
bräuche Auskunft geben konnten und noch geben ^'^). 

Endlich müssen als Quelle unzweifelhaft auch mündliche 
Ueberlieferungen betrachtet werden, namentlich in wiefern 
sich dieselben in Gesängen fortpflanzten. Dahin werden zu- 
erst heilige Gesänge gehören, wie die carmina Saliorum und 
die Lieder der fratres arvales, von denen sich eines erhalten 
hat ^^). — Dann wird aber auch mehrfach bezeugt, dass es in 
alter Zeit üblich war, bei festlicher Tafel Lieder zum Ruhme 
ausgezeichneter Männer zu singen ^^), so dass es dem römi- 
schen Volke nicht an epischen, wenn auch rohen, National- 
gesängen gefehlt haben kann. 



64) Leider hat die verkehrte Ansicht früherer Jahrhunderte einen 

Srossen'Theil der wichtigsten Inschriften materiell untergehen lassen. 
[an schrieb sie ab, nicht selten höchst fehlerhaft, und Hess sie dann 
unbekümmert liegten oder der Marmor wurde auch anderweit verwen- 
det. Einzelne kostbare Stücke, die längest durch Abschriften bekannt 
waren, sind zuweilen wieder aufgefunden worden, wie der Stein , der 
vor Allem über die Lage der Basilica lulia und somit das Forum ent- 
scheidend ist. — Die bedeutendsten rSmische und italische Inschriften 
enthaltenden Sammlungen sind: lani Gruteri Inter, antiq. tot, orb, 
Rom. off.Commel. 1603. fol. Amst. 1707. IVtmi. fol. Re i n e s i i Syntagma 
inser, Lips. et Franc. 1682. fol. Fabretti, Inscr, antiq. Korn. 1707. 
Gori, Imcr. ant. Gr. et Rom. quae exttant in Etrur. urbb. Flor. 
1727. 3 tmi. 4. Muratori, ßfoo. thes. vet. inscr. Mediol. 1739 — 42. 
IV voll. Mutei Capitolini ant. inscr. Rom. 1775. 3 voll. fol. Mor- 
celli, Operum epigr. Voll. V. Pat. 1819.4. Osann, Sylloge inscr. 
Jen. 1822. fol. Orelli, Jnscr. tat. Tnric. 1828. 2 voll. 4. Lepsius, 
Inscr. Umbr. et Ose. Lips. 1841 fol. — Die älteste Inscbriflensamm- 
lung (aus Rom) ist die des Anonymus von Einsiedln aus dem 
Anfange des 9. Jhdts. s. die Topographie. 

65) S. Marini a. a. 0. Lanzi, Saggio di Lingua Etrusca. I. 
p. 142. Hermann, Elem. Metr. p. 613. 

66) Davon spricht Cic. Tusc. I, 2. ^amquam est in Originibus, 
solitos esse in cpulis eanere convivas ad tibicinem de clarorum, ho- 
minum virtutibus. und IV, 2. gravissimus auctor in Originibus dixit 
Cato, morem apud maiores hunc epularum fuisse^ ut deinceps , qui 
aeeubarenty canerent ad tibiam clarorum virorum laudes atque vir- 
tutes. Vgl. Brut. 19. Varro ap. Non. p. 76 Merc. p. 51 Gerl. 
(yissa voce.) Valer. Max. II, 1, 10. besonders auch Horat. IV, 15, 
75 sqq. — Niebuhr, Rom. Gesch. l. S. 283 ff. Beck, Epicr. 
quaest. de anL Rom. hist p. 9. Wachsmuth, Mit. Gesch. d. 
röm. St. S. 20 f. 



37 

Von diesem ganzen nnendlich reichen Stoffe sind ans nur 
wenige verhäütnissniSssig höchst unbedeutende, aber immer 
noch höchst wichtige Bruchstücke übriggeblieben, die hier ein- 
sein zu verzeichnen nm so weniger nöthig scheint, als das We- 
sentlichste davon schon bisher angeführt worden - ist. Vgl. 
Creuzer, Ahriss d. röm. Ant. S. 4. Zu diesen wenigen 
urkundtichen Denkmälern kömmt die grosse Masse der In- 
schriften, die zwar meistens nur durch gelegentliche Erwäh- 
nung einzelne Beiträge liefern, aber dennoch als authentische 
Quellen von hoher Wichtigkeit sind; ausser ihnen die bildli- 
chen Denkmäler und die Münzen, von denen weiterhin beson- 
ders gehandelt wird. 

Die Annalisten. 

Den Uebei^ang zu der römischen Literatur, welche vor- 
zugsweise von römischer Geschichte und römischem Leben 
handelte, bilden die Annalisten oder ältesten lur uns verlore- 
nen Geschichtschreiber. Sie beginnen indessen erst mit dem 
zweiten puniscben Kriege, während anerkanntermassen in der 
früheren Zeit kein Versuch der Art gemacht worden war. 
Das meint Di onys. I, 73. naXaiOQ /aIv ovv ovdh ovyyQa-' 
q>€ve, ovih XoyoyQd<pog iatl *Pmjtiaiwv ovdh ih. 

Vor den Römern hatten allerdings Griechen Einiges von 
römischem Wesen berichtet, zunächst, wie es scheint, durch 
den Krieg mit Pyrrhus dazu veranlasst, oder durch das Ver- 
hältniss Roms zu den grossgriechischen Städten: etwa wie 
Theopompus, nach Plinius III, 5, 9. der Erste, welcher 
von Rom sprach, es nur als von den Galliern eingenommen 
erwähnte, oder nach ihm Kleitarch in Bezug auf eine Ge- 
sandtschaft an Alexander. Dass die Politien des Aristoteles 
sich auch auf Rom erstreckt haben sollten ^^)^ ist durchaus 
nicht erweislich, auch nicht einmal wahrscheinlich. Plutarch. 
Gamill. 22. sagt nur */4Qi(f%Q%iXf]s it 6 (jpiXoaotpog %6 fulv 
dXüvai nyV noXiv vno KsXtAv dnQißmg i^Xos ia%ip arnj" 



67) Wie Niebttbr, JI. (;. I. S. 14. annebaeo ma«bl6. 



38 

nomg* Ehen so wenig folgt aus Quaest, Rem* 6, und Dio- 
nys. I, 72. Man kann nur sagen, dass er von Rom gewusst^ 
Wenn Piinins a. a. 0. sagt: Theopkrastus^ qui primus tx^ 
Umormh aUqua iU Romanis diligentius scripsü (nam Theo* 
pampus, ante quem nemo mentionem habuit^ Urbem dumtaa^ai 
a GaUis captam dixit^ Clitarchus ab eo proximns legaiionem 
toJtium ad u4lra?andrum missam) etc., so übersieht er aller- 
dings , dass vor Theopompns schon Aristoteles Rom erwähnt 
hatte ; aber eben diess kann als Argument dienen , dass in den 
Politien von Rom nicht die Rede war« 

Dionysius nennt als den Ersten, der von den alten Zweiten 
Roms geschrieben habe, den Hieronymus von Kardia ; 
nach ihm T i m a e u s ®®). Selbständiger scheint D i o c 1 e s von 
Peparethos namentlich von der ältesten römischen Zeit ge- 
handelt zu haben nnd ausser ihnen, wie Dionysius sagt, jLiVQioi 
äXXoi> Diese Schriftsteller mögen leider zum Theile Vorbil- 
der nnd Quellen für die ältesten römischen Annalisten gewor- 
den sein, während die einheimischen Quellen , die eigenen Ur- 
knnden, und mehr hoch die italischen, wenig beachtet wur- 
den^'). Von dem ältesten römischen Annalisten, Q. Fabius 
Pictor, sagt diess bestimmt Plutarch. Rom. 3. Tov dh 
nlaviv iyovTOß Xoyov xoi nXeio'iovg /tiaQTVQag rd fuhr «i;- 
QKuTaTa ngmoe slg rovg "EXX^vag iSifiane/JiOxXfjg o/7e7ia- 
QTlj^iog, «5 xal ^ißiog lUxfiOQ iv Totg nXilajoig intjxoXov^ 
d^as. Gleichwohl lässt es sich erwarten, dass diese Rom 
fern stehenden Griechen die römischen Zustände nicht gehörig 
begriffen und ihre Angaben wenig Zuverlässigkeit hatten , und 
so sagt Dionys. I, 6. iv fuaa%og oXIya na) ovih av%d du-* 
enoviao/jttvwg, ovih dx^tfiäg , clXX* iu vcSv Imfvj^oriior 



68) Dionys. I, 6. Hqwtov /Uv, ooa nStfii ttS^vat, r^v'Pfofia'iinfv 

T17 ne^l Twv ^Entyovwv irgayfiareia' tneiTa Tif-ttiov tov ^tutiiwTOVf xa 
fiiv a(fx(ua röüv iotoquLv iv raic kotvaii ioTO(fiatQ atfrjyrjaafiivov y xov^ oi 
TtifoQ IIv^op Ttfy *M7ft$^wniP noXifi'9v$ «iV iSiav t(ara;i^^«yro6 it^y» 
funeiav. 

69) Niebuhr, R6m. Geseh. I. S. 11^ „aber die Röner waren 
blind für ihre eigenen Urkunden, nnd die italiscben können kaum SQ 
Cato's Materialien yeiählt werden,^' 



dnwafHi%i»y üW&i)Q apiygatffti^., was oar in keinem Falle 
in solcher All^meinheit nnd namenüieb von dem auch vorher- 
genannten grossen Polybios gesagt werden darfte. Von Ande- 
ren erkennt es dieser selbst an ^^). 

Die &lteren römischen Annalisten hingegen sollten eigent- 
lich schon dadurch besondere Geltung haben, dass es durchaus 
angesehene und im Staate hochgestellte Männer waren, wie 
Fabius, Cato, Piso u. A., wie denn überhaupt erst gegen das 
Ende der Republik aus den niederen Ständen Geschichtschrei- 
ber herrorgegangen sein sollen '^). Demnngeaehtet kann diess 
keinesweges unbedingt zugegeben werden. Namentlich hat die 
oben erwähnte Angabe Plutarchs dazu Veranlassung gegeben, 
die Selbständigkeit und Glaubwürdigkeit der ältesten Annali- 
sten und zunächst des Fabius zu bezweifein, und wenn es auch 
möglich ist, dass Plutarch nur aus der Uebereinstimmung 
schloss, dass Fabius den Diokles benutzt habe , so kann diese 
Nachricht , natürlich nur in Betreff der älteren Zeilen , doch 
dadurch an Wahrscheinlichkeit gewinnen , wenn es gewiss ist, 
worüber sich allerdings streiten lässt , dass Fabius griechisch 
geschrieben hat ^2). Uebrigens greifen auch Polybius und Dio- 



70) Polyb. IH, %0. JI^€ füp otv ra Tomvra rmv ovyyffap^iatwft 
ola Y^atpMi Xat^ia9 ttal J<»QiXo9 , ovSiv av Sio$ nUov liy^w^ ov yoQ 
mvoolag «iUa novqeamjs x«U nttvBiniov lahä^ ifiol /< 9oxova$ raSuf ^ttp 

71) Saetoo. At dar. i*het. 3. L, Otaeiliu$ Pilitu$ — primus 
omnium libertinorum, ut Cornelius Nepos opinatur, seribere Air fo- 
rtan» orsus, nonnUi ab honet tistimo qvoquo seribi tolitam. Er war 
Lehrer ües Co. Pompeius Magna«. 

72) Die Frauke, ob Fabius, der älteste rSmisebe Geschicbtsohrei- 
ber, ^iechisch oder lateiniseb , oder in beiden SpraelieD geseh rieben 
habe, nnd ob die verschiedenen Fabischen Aunalen , welehe sich ge- 
nanat 0nden, einem oder mehreren Verfassern znzntheilen seien , ist 
von Voss ins, de küt, Lat. 1. I. c. 3. nnd de hUt Graee. 1. IV. 
e. 13. p. 162Westerm. and neuerdings von Krause, Fitt et J^ta 
veit, hist, üom, p. 38 V. ansführlich behandeit worden, ohne, wie es 
seheint, dadurch ihrer Lösung näher gebracht worden zu sein. So 
▼iel ist zuvörderst gewiss , dass der älteste römische Historiker , der 



40 

nysitts den Fabius öfter , selbst wo er die Geschiebte seiner 
Zeit schreibt, wegen falscher AufTassung der Ereignisse oder 



na^orrojv. Liv. XXI!, 57. XXIf[, 11. Derselbe ist es also auch, der 
von Pol^bias I, 14. 58. III, 8. 9. scblechtbia ^aßtoQ o'PojfiaYxoe 
Qv)'yQa(ptve peaaDof wird ; denn er eben schrieb ja die Geschichte des 
zweiten punischen Kriegs, als seiner Zeit: Siort xarä rovg xat^ore 6 
yQttipojv yiyove. nnd eben so sagt Livias XXH, 7. Haee est nobilU 
ad Trasimenwm pttgna — . Fabium aequalem temporibut 
huiutce belli potiMsimum auctorem habut. Andere Stellen aus 
Diooysitts beweisen niehts für die Sprache ; eben so wenig das Frag- 
ment ans Diod. Sic. VII. b. Georg. Syncell. p. 155 Yen. n. a. 
Denn wenn auch das Praenomen angegeben und die eigenen Worte des 
Fabins angeführt waren, so könnten sie doch in das Griechische über* 
getragen sein. — Dagegen sagt Cic. de div. I, 21. {Aeneae somnium) 
quod in Numerii Fabii Pietoris GraecU Annalibus eiusmodi est etc. 
Da nun der älteste römische Annalist von Dionysias und Appian aus- 
drücklich nicht Nnm er ins sondern Qu intus genannt wird (ausser 
den angeP. St. auch Dionys. I, 79.) und eine Verwechseinng der 
Vornamen bei Cicero ganz unannehmbar scheint, so hat man zwei An- 
nalisten des Namens Fabius Pictor angenommen, die beide griechisch 
geschrieben hatten and nach Voss als Bmderssöhne fast gleichzeitig 
gelebt haben würden. Dadurch wird indessen Tor die Haoptfrage nichts 
gewonnen ; denn diese ist darauf gerichtet , ob jener von Diouysius 
als ältester Annalist bezeichnete Q. Fabius nnr griechisch geschrieben 
habe? Lateinische Annalen eines Fabius erkennt offenbar an Cic. de 
or. II, 12. Itaque quafis apvd Graecos Pherecydes , ffellanieuSy Acu- 
Silos Juit aliique permulli, talis noster Cato et Pictor et Piso etc. 
und noch deutlicher de leg. 1, 2. abest enim historia a literis no- 
stris — . Narn post Annales pontificum — si aut ad Fabium, aut ad 
eunty qui tibi setnper in ore est, Catonenty aut ad Pisonem, aut ad 
Fanniunty aut ad Fennonium venias, quoinquam ex his alias ali^ 
plus habet virium, tarnen quid tarn exile, quam isti omnesf Der 
Sinn der ganzen Stelle erlaubt nicht, hier an etwas Anderes als an la<^ 
teinisch geschriebene Annalen za denken, und daher ist anch Cincius 
mit Anderen, die griechisch schrieben, übergangen. Auch bat offenbar 
Cicero in der Stelle de div. nicht ohne Grund aasdräcklich gesagt : in 
Graecis Annalibus. Endlich werden auch Stellen aus den lateinischen 
Annalen wörtlich angeführt von Quint. I. 0. I, 6. Gell. V, 4., viel- 
leicht aas denselben b. Non. n. Pieumnus, p. 518 Merc. p. 355 Gerl. 
Wollte man annehmen, Nnm. Fabins Pictor habe die Annalen des Quiii- 
tns in das Griechische übergetragen , was an sich bedenklich scheint, 
80 steht dem entgegen, dass dann ja der Tranm sich auch in den la- 
teinischen Annalen gefunden haben würde. Diese Schwierigkeiten hat 
Krause so lu heben geglaubt, dass Q. Fabins nnr griechische Annalen 
geschrieben habe, und ebenfalls griecbiscbe Nnm. Fabins; die lateini- 
schen Annalen aber weiset er, da der Vorname nirgend genannt wird, 
dem Servias Fabins za, dessen Cicero Brut. 21. gedenkt: Sed 
tfivo Catone minores nata multi uno tempore oratores floruerunt. 
Nam et A, Albinus; is qui Graeoe seripsit historiamy qui eonsul. 
eumr L. Lueuliofuit, et literatus et disertus ßtit , et tenuit cum 
hoe loeum quenaam etiam Ser. Fulvius , et una Ser, Fabius Pictor, 
et iuris et literarum et antiquitatis bene peritus. Allein das toheiat 



41 

chronologischer Irrthämer an '>), und nberhanpi scheinen die 
grossen Ahweichungen der verschiedenen Annalisien auch noch 



durchaus nicht annehmbar za sein ; denn wenn auch Ser. Fabius noch 
mit Cato gleichzeitig war, so war er doch jünger und schrieb jeden^ 
falls später. Nun konnte zwar, wo nur beispielsweise einige Annali- 
sten angeführt werden, wie de orat. II, t^. , Cato als der bei wei- 
tem Angesehenste zuerst geoannt werden ; aber in der Stelle de leg« 
I, 2., wo von den Annalibus pontiBcum an die Annalisten in chrono- 
logischer Reihenfolge angegeben werden, konnte in keinem Falle Ser. 
Fabius der erste sein und dann erst Cato folgen, sondern diese An- 
nalen müssen als die ersten nach den Annalibus pontificum angesehen 
werden , and als Xltestea AonaÜsten nennt nun eben Dionysius de« 
Q. Fabius, and keinen anderen wird Livius meinen ; vielmehr acheint 
überall, mit Ausnahme jener Stelle bei Cicero, nur ein Fabius Pictor 
aBgenommeo zu werden. Daher findet sich dena aveh bei Dionyi. 
I, 7., wo fast alle bedeutenderen lateinischen Annalisten, welche von 
der alten Zeit geschrieben hatten, aufgezählt werden, kein Fabius Pictor 
genannt. Dionyaius giebt dort Reebenacbaft ron seinen Vorbereitongan 
zu dem Geschichtswerke, das er beginnt. Nachdem er von den grie- 
chischen Schriftstellern und den Römern , die griechisch geschrieben, 
(Fabios Pictor und Ciocins. cap. d.) gesprochen hat, erzählt er wie 
er nach Rom gekommen, der römischen Sprache mächtig worden sei 
und so theils durch den Umgang mit kundigen Männern , theils durch 
das Studium der römischen (lateioischen) Geschichtschreiber den Stoff 
gesammelt habe. Da sagt er: ra di tutrotv iaroQiwv avaieiatfAevos , a£ 
Ol n^o^ ttvToiv tnatvovfievot *P(üfiaioi avviyqaxpav , IIo^wS n K&riav 
%aX 0aßios MaSifioSf *ai OvaU(fioQ Jtvxwi^t naX Auihvio^ Mqouq, jitXtol 
Tt luü rt?Moiy xal KaXnoi'Qvioi, Kai tttgoi %. t. X, M uss es zugegeben 
werden, dass dieAnnalen des Fabius Pictor jedenfalls zn den bekann- 
testen und bedeutendsten gehörten, so muss man sich in der That 
wundern, sie hier nicht zu finden, wenn sie von einem anderen Ver- 
fasser als Q. Fabius herrührten. — Auf diese Weise mag man aller- 
dings dahin kommen, dreifache Fabische Annalen anzunehmen; nichts 
aber scheint zu nöthigeu, drei verschiedene Schriftsteller vorauszu- 
setzen, vielmehr kann ich in der Annahme, Q. Fabius Pictor habe 
doppelte Annalen, griechisch und lateinisch, geschrieben, das Unwahi^ 
scbeinliche oder gar Unmögliche nicht finden. Vgl. Baehr, Gesch. 
d, rÖm. LH. I. S. 346 f. auch wegen Dioeles. — Uebrigens ist bei 
Krause, p. 44 f. die aus argem Missverständnisse entsprungene An- 
gabe zu berichtigen, dass Polybius III, 0. des Fabius Annalen ßißXov^ 
vnofMffjaiWQy commentarios, genannt habe. Offenbar ist ja zn verbii^ 
den : («Vfxa) riJQ vTCO/uvtjasojS Ttüv avakaußavovxwv xa^ ixtlvov ßlßXov9, 
73) Polyb. III, 9., nachdem er des Fabius Darstellung der Ur- 
sachen zum zweiten punischen Kriege angeführt hat, sagt: TivoQ H 
%aQtv ifivTjod^fjv <Paßlov xal rwv vii ixtivov y€yQafifi^vatv ^ Ovx tvetta r^s 
m&avoTfjTot Tiav iiQfjfAivotv ayofvuov , /t^ Trtar&vS^ naqa rtoiv 17 ftlv 
ya^ TCa^a vovrwv aXoyla wü %o}q\9 t^s ifif/S ii?;yi}a6(aQ avzij 9i aur^e 
Svvarai &eojQet<i&at iraga tois iyrvvxovovaiv aJJia xij^ rotv avetXafipoi- 
vovTWv rag iutivov ßißXovg intofiinjatotg' 'iva fiif irqog rifv tmy^atpi^v, 
aXXä VQOg ra jr^ayuara ßXiniOQw, Man solle nämlich nieht meinen, 
weil er Zeitgenosse sei, müsse Alles wahr sein, was er sage. Dio- 
nvs. IV, 30. iytaü&a ftaXty avayna^ofiai, fi6fi$^9&a& 0aßiov ttal t6 
Qff&üfiov avrov ne^l T/pf iSiraotp twv x^ovwv iiiyx^*!^* Vgl. Baehr a* 
a. 0. not. 4. 



42 

« 

in der späteren Zeit das Urtheil Niebuhrs ''^) zu rechtferti- 
gen, dass mit Ausnahme Weniger , wie Cincius und Licinina 
Macer, man sich um die vorhandenen authentischen Urkunden 
wenig bekümmerte , so wie wiederum die späteren Historiker 
dieselben vernachlässigten und sich mit eben diesen Annalen 
als erster Hauptquelle begnügten. Diesen Vorwurf macht ih- 
nen in derThat im Allgemeinen Di onys ins VH, 1., wo er 
bei Nachweisung eines groben Anachronismus, einer Verrech- 
nung um zwei bis drei Menschenalter, sagt: dkX' ioixev 6 
nQwvoe iv Talg XQovoyfa^laig rovto xataxf»Qioag, w yraV- 
Tcg ijxoXov&fjaav ol Xoinol — . 

Die namhaftesten dieser Annalisten sind , wenn man von 
den epischen Dichtungen des Naevius und Ennius absieht, 
ausser FabiusPictor, im zweiten punischen Kriege, der 
gleichzeitige L. Cincius Alimentus, meistens rühmlich 
erwähnt, besonders von Livius als Benutzer von öffentli- 
chen, nicht bloss römischen Urkunden. VH, 3. Folsiniis quo- 
que clavos, mdices numeri annorum fixos in templo Nortiae^ 
Etruscae deae^ comparere^ düigens iaiium montimentorum 
ofictor Cincius qffirmat. In der ältesten sagenhalten Zeit, wo 
ihm dergleichen Monamenta nicht zu Gebote standen , scheint 
er dem Fabius gefolgt zu sein oder dieselben Quellen gebraucht 
zu haben, wie er denn auch ebenfalls griechisch schrieb ; und 
dieser Theil war daher in Kürze behandelt. Di onys. I, 79. 
n^qi &k Twp i% TTrjg 'IXiag yBVOfjiivfav KoYvvog fihv ^aßtog 
6 IlixTWQ Xsyo/tievog, m Aevuiog %b Kiyxiog x«i Kdxtav 
JJoQxtog^ xat lleiamv KaXnovgpiog, xal twv äXXtav ovyyQa- 
q^imv ol nXeiovg i^xoXov&t^aav, %fjde yQuq>6i. I, 6. tovtwv 
dh dvdqäv ixd%eqog (Fabius und Cincius), olg /ihv avrog Ip- 
yotg naQ€yive%o im %ipf i^nuQiav dxQtßiig driygatf/s* Ta 
ih agy^aia to /i€%d vijv %%iaiv %f^g noXemg yiVOfJL^va xetpa-- 



74) Rom, Gesch. I. S. 27B, ,,DeDn nnr was sich Aosalen naonta, 
ward, als Geschichtschreiber eDtstandeo, beachtet; Denkmäler nod Ur- 
kanden hini^egeo blieben nnbenutzt/* In der That lässt es sich nnr 
aaf diese Weise erklären , dass es jedeneit aar Cincias nnd Maeer 
sind, aaf welche sieh Livias bemft, wenn es einer Nachweisang aos 
Urkunden bedarf. 



43 

XiWo&ßiQ inidQufi: Gewiss liegt darin eis Grund, weshalb 
auch Livins mit (|;leicber Kürze iiber diese Zeit hinwegeilt. 

Zu den bedeutendsten Geschichtswerken gehörten nach 
der Ansicht des Alterlhums des M. Porcius Cato Origü 
nes (öfter auch Annales oder Historiae, doch weniger schick* 
lieh genannt), der , wenn man dem Q. Fabius Pictor die latei- 
nischen Annalen absprichti der Erslüe gewesen sein würde^ der 
in lateinischer Prosa die Geschichte seines Volks geschrieben 
hätte. Die hohe Greltung, welche diese Origines bei den Rö- 
mern, auch der späteren Zeit, hatten '^), mag durch die ernste 
Tendenz und verständige Erwägung begründet gewesen sein, 
aber mehr noch gewiss durch das grosse Ansehen, das dieser 
Mnster-Römer genoss. Für uns ist es d>en auch unbekannt, 
welche Quellen er benutzte, aber das wird sich schweriick 
bezweifeln lassen, dass er auch schon vorhandene Geschichts- 
bücher gebrauchte und dass für die Zeit , aus welcher zuver- 
lässige Berichte nicht vorhanden sein konnten, sein Urtheil 
leicht durch jene bestimmt werden mochte '^). 

Häufiger werden die Annalisten nach dem dritten puni- 
sehen Kriege, oder in der Zeit zwischen den Gracchen und 
SnlU. Hieher gehören namentlich: L. CalpurninsPiso 
Frugi im Anfange des siebenten Jahrhunderts, von Plin. 
Nat. H. II, S3. gravis auctor genannt, von Dionysius den 
Xoyim^aTOie beigezählt; nach Niebuhrs Meinung der Vater 
jener Manier, welche die Dichtung von der frühesten Zeit in 
nüchterne Geschichte umwandelte, worauf allerdings Stellen, 
wie Dionys. II, 39. 40. IV, 7. führen können. Femer L. 
Coelius Antipater, nach Valer. Max. I, 7, & certus 
Ramanae khiorime audor^ womit indessen Liv« XXIX, 25« 



75) Auch Di 00 jrs. I, 11. ftgts Oi Si UyttotaT04 v^v 'Pm/utiun^ 
gvyy^atpdwv , iv ote tgri IIogxMg re Kavatv — naX FaCoi 2eijmQiuv^g 
n,t,L Unbillig scheint doch Niebuhrs Urtheil, R. G. 1. S. 26t. 
dass sie ihm deshalb als Veroäoftif^e gälten, weil sie das Fabelhafte 
der alten Sagen zur Geschichte gestaltet hätten, indem sie darin das 
Glaabliche, einen historischen Kern gesacht hätten. 

76^ Dionys. I, 79. Utfl^ %6iv in r^g "iXiag ytvofUvuiv KoCvroi 
fuu <t>aßto9y o UitnmQ kayofttvoe^ f Aivtuog xe Xiymog ual Kavwv J7«^ 
$uog naX Uiiatov Ktdnov^vioe ^^QX^v^i^mM w« f. A. 



44 

27. vergUchen werden mag. — Gleichzeitig Cn. 6 e Hins, 
von Dionysius vielfältig gebraucht, von Livius öbei^ngen. — 
P. Sempronins Asellio aus derselben Zeit, dessen Ge- 
schichte indessen die ältere Zeit schwerlich berührte, und 
darum von Dionysius nicht erwähnt, während ein Anderer des- 
selben Namens C. Sempronius Tuditanus mit besonde- 
rem Lobe von ihm genannt wird, I, 11. — Eines der bedeu- 
tendsten Geschichtswerke scheinen die von den ältesten Zeiten 
beginnenden Annalen des C. Li ein ins Mac er, aus SuUa's 
Zeit, gewesen zu sein. Er wird mehrmals von Livius (IV, 
7. 20. 23.) als Beachter der alten Urkunden genannt ; freilich 
auch zuweilen gegen Andere zurückgesetzt (VII, 9, X, 9.) 
und von Dionysius (VI, 11. VII, 1.) wegen chronologischer 
Irrthümer geUdelt. — Sein Zeitgenosse war L. Cornelius 
Sisenna(Vell. 11,9. Cic. Brut. 64.): seine Historiae 
schlössen ebenfalls die ältere Zeit aus, und umfassten wahr- 
scheinlich die Begebenheiten seit der Einnahme der Sudt. — 
Aehnliches Lob, wie dem Licinius Macer, wird auch dem Q. 
AeliusTubero zuTheilj wenigstens erhellt aus Liv. IV, 
23. (vgl. X, 9.), dass er die libro$ linteos und wohl auch an- 
dere alte Urkunden benutzte. Indessen stimmte seine Angabe 
mit Macer nicht überein. Von ihm sagt auch Dionys. I, 80. 
TovßkQtav AiXios, d€iv6e uvr^Q xal nt^l Ttjv oway^ftjv 
Tijs loTogias intf^Xi^Q. — Weniger Glaubwürdigkeit scheint 
nach Livius (VI, 42. Vin, 19. IX, 5.) der mit Sisenna 
gleichzeitige Q. Claudius Quadrigarius gehabt zu haben, 
der die Geschichte Roms von der Einnahme der Stadt an 
schrieb; bei weitem der verdächtigste aber ist sein Zeitge- 
nosse, Q. ValeriusAntias, der häufig wegen lächerlicher 
Uebertreibungen und allen Anderen widersprechenden Nach- 
richten getadelt wird ^7). 

Die Form dieser Annalen scheint im Ganzen unverändert 
dieselbe geblieben zu sein, wenn auch Coelius und mehr noch 



77) S. s. B. Liv. XXX, 18. XXXVIII, 55. XXXIX, 43. XL, W. 
XLII, II. Gell. VI, 8. VII, 19. Diese Summen haben unstreitig mehr 
Gewicht, als die Erwähnung hei Dionys. I, 7. 



45 

Claadiiis Qaadrigarins zs etwas mehr oratorischer Schreibart 
oder breiterer Darstellong äbergegangen sein mögen. Denn 
dass Cato den Originibu$ seine Reden einschaltete (Liv. 
XLVi 25. Epit. XLD[.), wird in der übrigen Abfassnngs* 
weise nichts geändert haben. Sämmtliche Schriften dieser Art 
werden als trocken nnd dürftig geschildert. Lehrreich sind da- 
für die aus Cicero angeführten Stellen de leg. I, 2. und de 
orat. II, 12., wo sie mit den griechischen Logographen ver- 
glichen werden, wie es auch Dionys. I, 7. thut: elol 9k 

Die erhaltenen Quellen. 

Diese ganze ältere Literatur ist bis auf unbedeutende in 
die Werke späterer Schriftsteller verwebte oder durch Anfüh- 
rung der Grammatiker erhaltene Fragmente für uns verloren. 
Die sämmtlichen gegenwärtig unseren hauptsächlichsten Quel- 
lenschatz bildenden Schriftsteller gehen mit wenigen Aus- 
nahmen (Polybius, Gato de re rustica, Plautus 
u. Terentitts) nicht über die letzten Decennien der Republik 
hinaus. Auch sie sind freilich in den meisten Fällen nur als 
Bruchstücke auf uns gekommen und ein böses Geschick hat 
sehr oft gerade die Theile untergehen lassen, deren Erhaltung 
am wünschenswerthesten gewesen wäre; aber doch ergänzen 
sie sich vielfältig und liefern so ein Material, welches reichhal- 
tig genug ist, um damit ein ziemlich bestimmtes und deutliches 
Bild von dem römischen Leben in seinen verschiedenen Bezie- 
hungen zu entwerfen. Zu diesem Materiale tragen sämmtliche 
römische und die von römischem Wesen berichtenden griechi- 
schen Schriftsteller bei und es ist nicht leicht einer so unbedeu- 
tend und für diesen Zweck so steril , dass sich nicht einzelne 
oft höchst schätzbare Notizen aus ihm entnehmen liessen« 
Wenn daher eine vollständige Auüzählung der Einzelnen un- 
nöthig erscheint, so ist es doch zweckmässig eine Uebersicht 
der wichtigsten mit kurzer Bezeichnung ihres Werths zu ge- 
ben. — Eine der wichtigsten Quellen und in gewisser Hinsicht 
die wichtigste von allen ist 



— 46 ■ 

Cicero, nicbt nar weil er der lebendige Zeuge seiner 
eigenen Zeit ist, einer Zeit, in welcher das römische Staats« 
leben die vollendetste Ausbildung erlangt hatte, zwar dem Ver- 
falle schon nahe oder eigentlich darin begriffen, aber doch ohne 
dass im Wesentlichen der Formen eine bedeutende Verände- 
rung Torgegangen wäre 5 sondern auch weil wir die Kenntniss 
eines der wichtigsten Theile der Staatsalterthumer, der römi- 
schen Gerichtsverfassung mit dem Rechte selbst, hauptsächlich 
und in mancher Beziehung fast ausschliesslich aus ihm entneh- 
men. Für diesen Theil sind allerdings und natürlich die Reden 
unter allen übrigen Schriften die wichtigsten. Indessen, wenn 
auch Cicero als ein durchaus rechtlicher Charakter dasteht, 
wollen doch diese Reden mit einer gewissen Vorsicht ge- 
braucht sein, da er als Sachwalter besondere Zwecke verfol- 
gend im Interesse seiner Clienten nicht selten der Wahrheit 
zu nahe tritt, nicht nur durch falsche Darstellung der That- 
sachen und falsche Charakteristik der Persönlichkeiten, son- 
dern auch durch unrechte Anwendung und Auslegung, ja Ver- 
drehung der Gesetze. Wie konnte es auch anders sein, da er 
oft aus anderen Rücksichten ganz gegen seine üeberzcugung 
eine schlechte Sache zu vertheidigen hatte. Man denke sich 
übrigens dabei den Redner vor den Richtern und in der Corona 
populi\ die lebhaften Antheil an der Verhandlung nahm und 
deren Aeusserungen nicht selten Einfluss auf die Entscheidung 
hatten '«). Es galt, wie bei allem mündlichen Verfahren , den 
Eindruck des Augenblicks zu benutzen und durch die Macht 
der Rede die günstige Stimmung zu erzeugen, ohne zur kalten 
Prüfung der Gründe Zeit zu lassen. So waren denn seine Ar- 
gumente auf die relative Befähigung und den Charakter derer, 
vor denen er sprach, berechnet, wie zum Theile aus seinen 



78) p. Rose. Amer. %l, iudices diligenter attendere: popufo 
rem indignam videri, Act. I. In Verr. 14. Em quo mihi venil t« 
mentem iliud dicere, quod apud 3f. Glabrionem nuper cum in reii- 
eiendis iudicibus commemorassem, intellexi vehementer populum Ro- 
HUinum eommovtri, Verr. III, 3i. animadvertisHs, iudices, gemitum 
populi Romani, cuius frequeniia huic causae nunquam de/uit, \$\, 
p. Flacco 1^8. 33. p. Salla 10. 



47 

eigenen Gesttndnissen hervorgeht ^*). Gemindert wird eini- 
germassen diesen Bedenken durch die Erwägnng, dass die mei- 
sten Reden in keinem Falle so, wie sie uns vorliegen gehalten 
worden sind. Von einigen ist diess sogar nnmöglieh ; von an- 
deren bekannt, dass sie nie gehalten worden sind ; aber aaeh 
die übrigen sind wohl meistens erst nach der Yerhandlnng aus- 
gearbeitet oder überarbeitet worden. So sagt er ja selbst, 
Brut. 24. pleraeque emm »cribuntur oratianes habitae tarn, 
nonui habeaniur. Vgl. Tnsc. IV^ 25. Von der Rede p. Mi- 
lone sagen es ausdrücklich Asconius und Dio Cass. XL, 
54. XQ&v^ noS-' va%€QOP uul uard oyoki^v ava&ago^loac 
iyQct^t* und wie oft gedenkt er der Bearbeitung und Heraus- 
gabe in den Briefen. Indessen konnten auch diese spSteren 
Veberarbeitungen sich nicht zu auffallend von der mündlichen 
Yertheidigung entfernen , zumal da ja bekanntlich auch der 
mündliche Vortrag von Geschwindschreibem nachgeschrieben 
wurde. So hatte man z. B. die Rede pro Milone doppelt. 
Ascon. Argum. fin. Maneiautem itla quoque excepta eius 
oratio* scripsit vero hone, quam legimuSy ita perfecte etc. 
Andere dagegen sind wohl völlig ausgeari)eitet, die im Senate 
nach der Rückkehr gehaltene sogar abgelesen worden, p. 
Plane. 30. quaepropter eius magnitudinem dicta de scripta 
est. Die welche wir jetzt dafür unter Cicero^s Namen haben, 
ist freilich gerade eine der kürzesten. — Uebrigens machen 



79) de fia. IV, 27. non €go teeum tarn ita hqtiar , ut iüdem 
hü de rebus, cum L. Muren^m te accusante d^enderem» apud ivm* 
peritos tum illa dieta sunt: aliquid etiam coronae datum. Wie er 
für Milo a. A. segen seine Ueberaeagna; getproehei hatte, bexeugt er 
selbst ad Att. IX, 7. heni^cium sequor, mihi crede, non eausamy 
at in Milane, ttt in — sed hacfenus. Stärker Doch ist die ihm bei- 
gelegte Aeossernag bei Platareb. Cic. 25. Mowari^ ftir ya^ nar^ 
ovvTjyo^iiaaQ , ws anoq>vywv t^v Sltnjv ixeivo9 iSlwxev irat{fov alrovm 
J^afitrop^ evTü* Hyttat 'jr^aneoiip tnc o^e 6 Kuti^ojv, oiax* thttlv av 
yao txalvtjv^ w Mowaru, v^v äünjv a7riq>vyeg ^«a aavror, ovm ifioi «oAv 
axoTos Iv (funl rf SixaaTf^(fiw ntQix^avros ; Solche Beispiele von fint- 
steilnug lassen sich denn aaeb nachweisen, z. B. p. Caec. 10. ver- 
glichen mit p. Clnent. 37. Dem Vorwurfe des Widerspruchs wnsste 
er nur durch einen Witz zu entgehen, cap. 50. 51. In Folge einer 
Üfaniichea Doppelzm&gigkeit sagt Aseoains, p. Gern. p. %% Or. 
esse oratoriae ealliditatis^ ut, cum opus est, eisdem rebuM ab utrm" 
que parte vel a eontrariis utantur. 



48 

I 

sieh die Stellen, wo etwa dnrch eine sophistische Aosiegang 
der Gesetze oder eine kecke Behauptung das Urtheil der Rich- 
ter oder des Volks gefangen genommen werden soll, leicht be- 
merklich ; und dann wird man freilich nicht ohne strenge Prü- 
fong und Abwägung anderer Zeugnisse dem Redner folgen 
dürfen. — Unbestrittenes Gewicht hat dagegen, was in seinen 
vertrauten Briefen hieher einschlagendes eingestreut ist; nur 
dass die Andeutungen häufig sehr dunkel sind und als wahre 
Aenigmen erscheinen. — Von den abhandelnden Schriften ha- 
ben natürlich die Reste der Bücher de republica besonders 
hohen Werth; hauptsächlich aber doch in so weit, als uns 
Polybios verloren ist; denn aus ihm scheint nicht nur das 
Meiste die ältere Zeit betreffende entnommen zu sein , sondern 
man ^ird, wie seltsam es auch klingen mag, doch behaupten 
dürfen , dass Cicero , zwar nicht zur Keuntniss , aber doch 
zum recht klaren Bewusstsein des römischen Verfassungssy- 
stems erst durch diesen tiefblickenden Staatsmann gekommen 
sei. — Mit den Büchern de legibus verhält es sich auf 
ähnliche Weise, wie mit Plato's Republik und Gesetzen, und 
es muss das Positive von dem Idealen sorgfältig geschieden 
werden. — Die übrigen Schriften haben zwar untergeordneten 
Werth 5 doch liefern fast alle, mit Ausnahme weniger ganz ab- 
stracter, mehr oder weniger Beiträge. 

Die Geschichtschrciber. 

Unter den Historikern würde auch als Quelle für die 
Staatsalterthümer der grosse Po lybi US den ersten Platz ein- 
nehmen, wenn uns nicht das sechste Buch, worin er von der 
römischen Verfassung im weitesten Sinne handelte, nur in 
Bruchstücken erhalten wäre, die auch so noch von unschätz- 
barem Werthe sind. Rein anderer Schriftsteller kömmt ihm 
gleich an tiefer Einsicht in die römischen Verhältnisse, wie an 
sicherem und umfassendem Ueberblicke des ganzen Staatsge- 
bäudes. Geborener Staatsmann und selbst als solcher thätig, 
namentlich als Vermittler zwischen Rom und seinem Vater- 
lande, dann aber auch durch vertrauten Umgang mit den be- 



4» 

^enteiidsteii MSnneni der Republik in ihrer glorreichsten Zeit, 
war er tief eingeweiht in die gesammten Verhältnisse des rö- 
mischen Staats ; dabei ruhig, unbefangen und klar , wie We- 
nige, und mit scharfem, sicherem Urtheile prüfend, mit Be- 
nutzung authentischer Quellen, wo es deren gab. Wenn man die 
meisterhafte Auseinandersetzung der Befugnisse und gegenseiti- 
gen Beschränkung der verschiedenen Gewalten (cap. 12 — 18.), 
und die treffliche Würdigung des Einflusses der römischen Sei- 
aiiatfiovla auf alle Verhältnisse lieset(cap. 56.), so fühlet man 
schmerzlich die Grösse des durch nichts ersetzten Verlustes. 

Nicht ganz so lässt sich über Dionysius von Hali- 
karnass urtheilen, so werthroll auch im Ganzen seine !^(- 
yiaioXoyia ^Poi/iaiVi; ist. Als subtiler Grammatiker und Dia- 
lektiker von der ältesten Zeit schreibend , über die sich die 
mannigfaltigsten und bedeutendsten Widerspruche fanden , un- 
ternahm er das Unmögliche, die sich entgegen stehenden Nach- 
richten, so viel es immer geschehen könnte, zu vereinigen 
und aus dem Gewirre der Sagen das Wahre oder Glaubhafte 
herauszufinden. Diese aus falscher Ansicht von der Sagen- 
geschichte hervorgegangene, übrigens gutmüthige aber sehr 
geiahrliche Pragmatik, der sich indessen doch eine gewisse, 
Andere mit Neid betrachtende Eitelkeit beigesellt, hat natür- 
lich nicht nur auf die geschichtliche Darstellung , sondern auch 
auf die Entwickelung der ältesten Verfassungsformeu einen 
nicht vortheilhaflen Einfluss haben müssen, und daher muss 
man immer vorsichtig bei seinem Gebrauche sein , wenn er 
nicht von noch bestehenden Verhältnissen spricht. Und doch 
hat er auch diese vielleicht nicht immer gehörig begriffen. 
Wiewohl er seit dem Ende der Büi^erkriege (vom J. 723 d. 
St.) 22 Jahr in Rom lebte, hat er doch die Schwierigkeiten, 
welche dem Ausländer fremde Sprache und fremde Sitte in den 
Weg stellten, nicht vollständig überwunden. Daher lassen sich 
denn einzelne schlimme Missverständnisse nachweisen, wie 
wenn er IV, 27. das tempbttn Foiiis Fortunae durch ay- 
dQBias TvyjiQ wiedergiebt ^^) \ oder 11, 70. von den KoXXi- 

80) Diesen Irrthum theilt mit ihm freilich aachPlatarch de fort. 
Rom. 5. «19V J^ n^i rf iravnfti l^pi^ *p^t«I' MUov9«r, ont^ torkif 

4 



50 

fOiS SaXiotc sprechend sagt : mP to UfOfvXdxiov inl %ov 
KoXXivov Xoipov^^); oder vom Dius Fidius IV, 58. Iv Uq^ 
Jiog IJtariov, ov ^PtofMiioi SdyxTov xaXovaiv ^^). Auch die 
doppelte Erzählung von Cincinnatus X, 17. und 24. ist je- 
denfalls ein Missverständniss ®3). Wo solche Irrthümer sich 
nachweisen lassen, da kann man auch den Verdacht nicht un- 
terdrücken, dass, wo ausserdem seine Nachrichten einzeln 
dastehen oder Anderen widersprechen, ein Missverständniss 
möglich sei. Uehrigens verdient sein grosser Fleiss und sein 
eifriges Streben, zu möglichster Grewissheit zu gelangen, alle 
Anerkennung. Dass er Urkunden nachging, wenn sich deren 
fanden, beweiset die mehrmalige Berufung darauf (s. S. 18«); 
und es würde das jedenfalls deutlicher hervortreten, wenn die 
Bücher erhalten wären, welche von Zeiten handelten, wo es 
mehr öffentliche Quellen der Art gab. Auch Privatdocumente 
waren ihm lucht unzugänglich, wie er sich denn namentlich 
auf die Commentarios Censorum als solche beruft **). 

Neben diesen Ausländem steht der grösste römische Cre- 
schichtschreiber Livius. Seine poetische Auffassung und 
DarsteUnng ; das ethische Element, welches das Ganze durch- 



iaxp^otv, tj a^iavevTut^v , 17 av^gelav. Wie aber beide ans der Fort 
Fortuna j welcher Servias an dem Tiber einea Tempel Weihele, eine 
Fortuna Fort/s gemacht haben , so hat die neaere Zeit wiederum 00- 
ter der Tvx>j avd^tia die Fortuna Virilit verstanden und ihr die schö- 
nen Tempelreste am Flusse (S. Maria Egiziaca) zugewiesen. Allein 
die Fortuna Firilit nennt Plutarch noch ausserdem als Tvftj ^j4^^, 
Quaest Rom. 74* de fort. Rom. 10. Nur hatte sie schwerlich 
in Rom einen Tempel. S. d. Topogr. 

81) Vorausgesetzt, dass die Lesart richtig ist; denn noch Hegt der 
Text des Dionysius sehr im Argen. Vom Tempel des Dius Fidiut 
auf dem Quirinale sprechend sagt derselbe IX, 60. inl rov *EvvaUov 

82) Freilieh findet sich der Name Sanctut statt Sancus auch in 
allen Handschriften bei Varro L. L. V, 10. p. 72 Sp. , bei Festus 
p. 241. Praedia (aber offenbar verderbt, während p. 229. Propttir, 
die richtige Form steht) u. A. Fast mochte man annehmen, der Name 
sei späterhin aus Missverständniss in der Volkssprache verstümmelt 
worden. 

83) Andere Verstösse s. bei Wach smuth, jielt, Gesch. d. r. 
St, S. 47. 

84) B. I, 74. dTjXovrai di i^ aXXwv re iroXXiuv xctl twv »aXovfU* 
ptov Ti^t^tiKtuv vno(ivt}fAoxQyif — . noUjol 9 tiekv earo rwv rifir^Tttcdiv 
ohmv arSi^g im^at^üg pi Sia^pvXATvayt:ig «vr«. ip otg tv^itnuo m. t. L 



51 

dringt, machen sein Werk zu einem der herrlichsten. Dage- 
gen ist es nicht zu verkennen und vieirdltig nachgewiesen, ^ass 
er, yielleicht ohne alle Benutzung öffentlicher Urkunden , nur 
den älteren Geschichtschreibem , den Annalisten folgte , dass 
er auch diese nicht immer mit der gehörigen Kritik benutzte, 
auch wohl eben der anmulhigen Darstcliung wegen manche 
Erzählung aufgenommen hat, die er gewiss selbst verwarf. 
Unbedingte Glaubwürdigkeit wird man ihm also eben so wenig 
zugestehen, als absichtliche Verfälschung oder eigenmächtige 
Verarbeitung widerstreitenden Stoffs. Er gab, was er eben 
fand und kleidete den dürren Stoff in anmuthiges Gewand. 
Was man aber bei ihm zu tadeln und zu berichtigen finden 
mag, das wird weit mehr die geschichtlichen Thatsachen, 
als die Nachrichten über Staatseinrichtungen betreffen. S. 
V^achsmuth a. a. 0. S. 32 ff. Lachmann de fontL Li" 
v/t., besonders die Schlussübersicht, II. p. 102 ff. 

Von den übrigen römischen Historikern geben Caesar 
(mit Ausnahme der Kriegsalterthümer), Salustins, Florus 
nur wenige Beiträge. Reichhaltiger für unseren Zweck wer- 
den erst die Schriftsteller seit Tiberius. Unter ihnen giebt der 
geistreiche Velleius Paterculus einzelne schätzbare 
Winke; die Anekdotensammlung des Völler ius Maxim us, 
nach ethischen Gesichtspunkten geordnet, hat w^enigstens das 
Verdienst, eine Menge Nachrichten aus älteren grösstentheils 
verlorenen Schriftstellern, aus den Annalisten selbst, erhalten 
zu haben. Neben ihm kömmt die ähnliche, aber viel spä- 
tere und weil mehr Griechisches als Römisches berücksich- 
tigende UotxlXfj loTogla Aelians kaum in Betracht. — ^ 
Von grösserer Wichtigkeit und zu den reichhaltigsten Quel-' 
len zu rechnen istPlutarch; allein von ihm lässt sich mit 
Entschiedenheit behaupten, dass die Mittel, welche ihm zu 
Gebote standen^ keinesweges ausreichend waren, um zur kla- 
ren Einsicht in die römischen Verhältnisse zu kommen, na- 
mentlich wo es die früheren Zeiten galt. Hatte er sich auch — 
aber schwerlich längere Zeit — in Rom aufgehalten, so ge- 
steht er doch selbst, dass ihm damals die lateinische Sprache 

4* 



52 

fremd geblieben war*^) and dass er erst spät anfing sieb da- 
mit zu beschäftigen. Mochte nun auch in jener Zeit in-Rom 
die griechische Sprache für den gewöhnlichen Verkehr voll- 
kommen genügen, so ist es doch offenbar, dass der die la- 
teinische nicht entbehren konnte, der gründlichere Studien 
über Geschichte und Verfassung machen wollte, und dass, zu- 
mal bei einem kürzeren Aufenthalte, für Plutarch der'grösste 
Theil der römischen Einrichtungen unverständlich bleiben 
musste, ja nicht einmal gehörig wahrgenommen werden konn- 
te. Es lässt sich selbst nachweisen , dass in topographischer 
Hinsicht ihm nur ein sehr allgemeines undeutliches Bild der 
Stadt geblieben war. So hat er denn auch unstreitig in den 
meisten Fällen nur griechische Schriftsteller ab Quellen seiner 
Biographien gebraucht und der Mangel an gründlicheren Sta- 
dien spricht sich am auffallendsten in denen aus, für welche 
ein überreiches römisches Material vorhanden war, wie in dem 
Leben Cicero^s, das zu den unbefriedigendsten gehört. Wenn 
er ausserdem lateinische Schriftsteller und namentlich für die 
ältere Zeit Annalisten benutzt hat, so befand er sich nicht auf 
dem Standpunkte, um sich die sichersten Führer wählen zu 
können, und wohl mag Valerius AnUas viel von ihm gebraucht 
worden sein *•). — Von grosser Wichtigkeit sind allerdings 
seine Quaestiones Biomanae, weniger durch die oft sehr 
ungenügende Lösung der Probleme, als durch die uns erhal- 
tene Nachricht von Einrichtungen und Gebräuchen. Sie sind 
indessen keinesweges durchgängig aus eigener Beobachtung 
hervorgegangen, sondern grossentheils von Varro und Ande- 
ren enüehnt, aus deren Schriften Plutarch sich später über 
römische Verhältnisse zu unterrichten suchte. Sodann gehört 
auch hieher die Schrift nsQl n^c *P(ofMiiwv vv^fjs, und Ein- 
zelnes findet sich in den übrigen Schriften zerstreut. 

Nach ihm mögen zwei andere Historiker genannt wer- 



85} Demosth. 2. iv Se *^f^fi ««^ i^m n^^l rijv^ *IraXiav Sutr^i^ 
ßüU9 ov ovpl^s ovorii yvfu^dCtad'tu mal n/y *J^uam^v Sidltmrav vno 
X^ewv noJUrntwy xal xwv Sta ipiXoüotptav nhjaiaiovrfay, oxpi nore tuü 
nof^ t^g ^XiMiae ^^^a^i^a 'Pw/idtt(o7g y^a/tfiaaiv ivtvvxavfiv. 

86) S. U eeren, äefontt. 9t auet. vitt.parail. Plutarehi, p. 99 ff. 



53 

den, welche ihre Geschichte von den ältesten Zeiten Roms 
begannen« Appian, dessen grosses Geschichtswerk zwar 
nnr eine Compiiation genannt werden mag, aber mit rielem 
Verstände geschrieben ist. Die nns gebliebenen Bücher be- 
treffen grossentheils auswärtige Kriege nnd sind daher für 
die innere Geschichte weniger wichtig; dagegen ist die Er- 
haltung von fünf Büchern der *Eiug>vXia oder Bürgerkriege, 
zumal bei der Dürftigkeit anderer Quellen, um so schätzba- 
rer. — Sodann das grosse Geschichtswerk des Dio Cas- 
sius, eines Mannes von redlichem Streben nnd meistens un- 
befangenem, leidensehaftlosem Urtheiie^^). Selbst römischer 
Senator und die höchsten Würden bekleidend, hatte er wäh- 
rend seines langen Aufenthalts in Rom (von Commodus bis 
auf Alexander Severus) hinlängliche Gelegenheit, die damali- 
gen Verhältnisse und die Geschichte Roms kennen zu lernen. 
Indessen begann er für die ältere Geschichte und überhaupt 
den ganzen Zeitraum von der Gründung der Stadt bis auf die 
Antonine, wie er selbst LXXII, 23. sagt, erst die Materia- 
lien zu sammeln, nachdem seine Geschichte des Commodus 
namentlich bei Septimius Severus Glück gemacht hatte, und 
schwerlich werden seine Studien über die älteren Historiker 
und Annalisten hinausgegangen sein. Welchen Quellen er 
vorzugsweise gefolgt sein möge, lässt sich um so schwerer 
ermitteln, als er selbst gänzlich darüber schweigt ; aber wenn 
er auch ältere Schriftsteller, wie Fabius Pictor gebraucht ha- 
ben, mag, so ist doch auf einen kritischen Gebrauch dersel- 
ben schweriich zu rechnen^*). Von der älteren Geschichte 
bis zum mithridatischen Kriege haben wir nur einzelne Bruch- 
stücke; von da an sind B. 36 — 60 fast vollständig erhalten 
(bis Claudius); von den letzten 20 Büchern (bis Alexander 



87) So erscheint er weoigsteus, wo er die Geschichte seiner Zeit 
schreibt. Wenn ihm dagegen miss^dostige Urtheile über bedeotende 
Männer der Repabliit vorgeworfen werden (Vossias de hüt Gr. 
p. 283. mit Westermanns Anm.), so ist doch wohl nicht gehSrig be- 
dacht, dass es xom Theile sehr controverse Sätse sind, auf denen die- 
ser Tadel bemlit. 

88) Vgl. Wilma BS, de fanit. ei auetoritate Vümü CoitU. 
Berol. 1835. 



54 

Sevenis) besitzea wir nur den im Uten Jahrjninderte g^efer- 
tigten Auszug des Xiphilinus. Die Behandlung der Ge- 
schichte in diesen Buchern ist sehr ungleich. Bis auf Caesar 
giebt er fast nur einen ziemlich mageren Abriss; von da au 
aber und besonders in der Geschichte seiner Zeit ist er auch 
noch im Auszuge sehr ausführlich. Er schaltete die früher be- 
tannt gemachte Geschichte der Regierung des Commodus ganz 
ein, und fuhr in der späteren Zeit auf ähnliche Weise fort. 
Sein Urtheil über die Quellen von Augustus bis auf die An- 
tonine ist schon oben (S. 33.) angeführt worden. Als seinen 
Grundsatz giebt er in Bezug darauf an , zu geben was ihm 
bekannt geworden , es möge wahr oder falsch sein^ aber 
auch sein eigenes Urtheil beizufügend^). — Auch Diodo- 
rusSiculus ist hier zu nennen, obgleich er für die Kennt- 
niss der römischen Alterthümer von geringer Bedeutung ist. 
Wie die römische Geschichte an den uns erhalteneu Büchern 
überhaupt geringen Antheil hat, so findet sich über Yerfas* 
sung und Sitte bei ihm kaum mehr als flüchtige Andeutungen. 

Unter den Geschichtschreibern der Kaiserzeit ist im er^ 
sten Jahrhundert und überhaupt bei weitem der wichtigste 
und gediegenste Tacitus. Nahe stehend der Zeit, von der 
er schreibt, und zum Theile in derselben lebend; voll Ein- 
sicht 10 die Staatsverhältnisse und ohne Partheilichkeit ; aber 
mit gerechtem Schmerze den tiefen Verfall des römischen Le- 
bens empfindend, steht er als gültigster Zeuge da, und wird, 
indem er öfter zwischen der älteren und seiner Zeit Yerglei« 
chungen anstellt, auch für die Beurtheiluog der früheren Zu« 
stände wichtig. 

Suetonius ist weder Geschichtschreiber noch eigent« 
lieber Biograph. Seine Vitae sind nur eine ziemlich unvoll- 
kommen geordnete Sammlung der mannigfaltigsten Notizen, 
unter welche eben so wohl urkundlich beglaubigte Nachrich- 



89) B. LIII, 19. o&€V7teQ tial iyw itavza xa if^c -- iJ« nov Sdm 
piivroi ti avTOtg «al xijg ifivQ So^naias ig oqov ivdixirai , iv oh aXXo ti 
y KtU elaoVf TtxftyQaod'ai^ 



— w 

leb, als bloaiei Sladtgeklätsch aafgenommen sind. Daher wi* 
dersprechen sieh denn auch nicht selten die Angaben aof das 
Entschiedenste. An seiner Wahrheitsfiebe mag man nicht 
sweifeln; allein er gab, wie IKo Cassius, was er er&hren 
hatte. 

Von da an wird die Geschichte immer dürftiger und es 
bleibt im Grande, wenn man Herodian ausnimmt, nur eine 
magere nnd unerquickliche Hofgeschichte übrig, die für das 
öffentliche Wesen wenig darbietet. Der Art sind die söge* 
niännlcn Scriptores kütoriae ^ugtistae : Spartianus, Vo* 
piscns, Trebellius Pollio, Aelius Lampridius, 
lulitts Capitoliaus, Volcatius. Unter ihnen verdienen 
die beiden zuerst genannten noch die meiste Beachtung. Wie 
aber überhaupt die Geschichtschreibung zu einer dürftigen 
Hofchronik herabgesunken war, bezeugt am besten Inl. Ca- 
pitol. Gord. U. 21. (luniiM Cordus) gmAcii et quos servos 
habuerit unusquisque principitm^ et quos amicos^ et quot pae* 
nuias, quotve chlamydesj quorum etiam scientia nemini prod^ 
est* Und doch lässt sich eben diesen Schriftstellern häufig der- 
selbe Vorwarf machen. Die bedeutenderen Beiträge , welche 
sie für die Antiquitäten liefern, betreffen die Topographie und 
das Privatleben. — Ganz anderer Art ist zwar der umständ- 
liche Ammianus Mareellinus, jedoch für den hier ver- 
folgten Zweck wenig ergiebig, wie denn überhaupt aus den 
späten Historikern, Epitomatoren und Chronisten *^) die Bei- 
träge sehr einzeln sich sammeln lassen. Nur zwei sind noch 
besonders hervorzuheben : zuerst Sext.AureliusVictor, 
ein Schriftsteller, welchem gemeiniglich wenig Autorität zu- 
gestanden wird, der aber dennoch keinesweges der Beachtung 
nnwerth ist. Freilich muss man ganz von der Schrift de ort" 
gtne gentis Romanae absehen, die wahrscheinUch ein Produkt 
der neueren Zeit ist ; dagegen aber tragen die Bücher de viris 
illustribus und de Caesan'bvSy namentlich die erstere, unver- 
kennbar das Gepräge einer besseren Zeit. Die Vermnthung 



90) Roncalli, retwti&ra Latinorum soriptprum ehroniea, P«t. 
1781^. 2 tmi. 



m 



56 

Borgbesi^s'^) (oder Mor'celli^s^^)), die auch Niebubr 
und Bunsen beirällig aufgenommen baben, dass den F'iris 
illustribus die Titoli der von Augustus auf seinem Forum auf- 
gestellten Statuen grosser römiscber Feldberrn zu Grunde lie- 
gen möchten, kann wohl nur als ein witziger Einfall bezeich- 
net werden ; denn dagegen sprechen tbeils manche Unrichtig- 
keiten '^)y die in den Inschriften undenkbar sind, tbeils, dass 
unter den Römern auch deren erbittertste Feinde sich finden, 
von denen genau in derselben Weise Nachricht gegeben 
wird'^). Leugnen lässt sich allerdings nicht, dass diese kur- 
zen Notizen in einer Art Lapidarstyl abgefasst sind ; aUein es 
lässt sich diess auch daraus erklären, dass das ganze Buch nur 
ein gedrängter Auszug aus einem grösseren Werke ist. Trotz 
einzelner tJnricbtigkeitcq spricht sich durch das Ganze ein ge- 
sunder Sinn aus und die Hauptmoniente im Leben der einzel- 
nen Personen sind mit Geschick und richtigem Takte hervor- 
gehoben, so dass man Grund hat, ein gutes Vori>ild anzuneh- 
men und diesen Schriflstclter nicht geradehin zu verwerfen, 
wo er von anderen abweicht. 

Der zweite noch besonders zu erwähnende Historiker ist 
Procopius. Wiewohl er von Ereignissen schreibt, welche 
schon weit über die hier zu berücksichtigende Zeit hinatts lie- 
geuy so wird er doch dadurch, dass er von den Angriffen der 
germanischen Völker auf Rom erzählt, für einige Theile der 
Topographie eine der bedeutendsten Quellen. 

An die Geschichtschreiber schliessen sich an tbeils die 
Geographen, von denen jedoch selbst Strabo far Topographie 
der Stadt in den früheren Perioden vor der Kaiseraeit nur we- 



91) Borgbesi, Giom. Jrmdico. 1810. I. p. 60. Niebahr^ 
Rom, Gesch. Baosen, Beschr. d, Sf. Rom. III. B. S. 151. 

92) S. Leclerc, des Joumauw ehe% les Rom. p. 19. 

93) Wie wean cap. 34. voo AppiosClaadias Caecns gesagt 
wird: f^tam, usque Brundisium lapidibus stravit , und Docb 
scblimmer: Aquam Anienem in Urhem induxit. oder c. 21. voa 
Virginias: corpus eius (filiae) humero gerens ad exercitum pro- 
fugit. und von der Cloelia cap. 13. Huie statua equestris in 
foro posila. und dgl. 

94) Nicbt nur Pvrrbiis, sondern Honnibal, Antiocbas, Viriatb, Mi- 
thridat. Vgl. die Topograpbie. 



S7 

Bige wichtige Beibüge liefert, wUread f8r die spitere Aog- 
dehnong des Reichs die sogen. Itineraria und die Cosmo- 
graphia des Aethicos oder Inlias Orator, nehst der 
Tabula Peatiiigeriana mehr Bedeutang haben *^) : theils 
diejenigen, welche geflissentlich and systematisch von römi*- 
scher Verfassung gehandelt haben. Dahin gehört namentlich 
loannes Lanrentins Lydns. Sein im Jahre 1784 anfge- 
fiindenes Werk n$Ql ägyiv vijc *PwfiMia¥ noXiTelag, wie- 
wohl erst im sechsten Jahrhunderte verfasst, bleibt trotz aller 
Mängel dennoch eine sehr wichtige Quelle für römische Ver- 
fassung, und gewährt doch einigen Ersatz liir den Verlust ei- 
ner Menge von Schriftstellern, aus welchen der Verfasser 
seine Nachrichten nahm. Freilich stand er der älteren Zeit 
und Rom selbst viel zu fem, um jene Zustände und Einrich- 
tungen gehörig begreifen zu können, und es lassen sich überall 
schwere, zum Theile lächerliche Missverständnisse nachwei- 
sen, aber selbst aus diesen lässt sich mancher Nutzen ziehen. 
Auch seine Schrift iiber den Kalender, fiep} jmjrävf bietet man- 
che interessante Notiz. — Ihm schliesst sich an die Notitia 
dignitatum ntriusque imperii, von hoher Wichtigkeit 
namentlich fiir die Topographie der Stadt <, wegen des Grenz- 
verzeichnisses der Regionen. Darüber und über die sogenann- 
ten Regionarier s. die Topographie. 

^ Encyklopädiker, Theoretiker. 

Nach den €ieschichtschreibeni sind bei weitem die wich- 
tigste Quelle für die römischen Antiquitäten die Grammatiker, 
unter denen nicht bloss die zu verstehen sind, welche von den 
Gesetzen der Sprache handeln, sondern alle, welche durch 
Erklärung alter und dunkeler Ausdrücke, durch Erläuterung 
veralteter oder ihrer Bedeutung nach unklar gewordener Ge- 
bräuche und Einrichtungen, durch Erklärung der klassischen 
Schriftsteller, Aufschluss über einzelne Theile gebeui Unter 



95) S. Ritsch r, Ueber die rermestung des Agrippa und dim 
Co9mographU des Aethieus im Eh ei a. Mus. XW^. 4 U. 



m 



58 

ihnen steht oben an M* Terentius Yarro, vom Alterthunie 
selbst als der gelehrteste Römer anerkannt. Leider sind seine 
wichtigsten Schriften, Herum divmamm et humanarum an- 
Üquitaies und de vita popiäi Romani bis aaf wenige , noch 
immer sehr wer Ih volle Fragmente verloren. Was uns ausser 
dem Werke de re rusiica geblieben ist, die sechs Bücher de 
lingua Laiina^ bat zwar, wiewohl hauptsächlich etymologi- 
schen Inhalts, durch Erörterung zahlreicher Antiquitäten be- 
sonders für die frühere Zeit unbestritten hohen Werth \ indes- 
sen ist nicht zu verkennen, dass beim Aufsuchen der Stamm- 
wörter sein Gesichtskreis sehr beschränkt ist und dass daher 
eine grosse Menge der absurdesten Erklärungen unterlaufen^^). 



96) Wiewohl dieses Urtheil niemanden befremden kann , der eini- 
yermassen nur sich mit Varro bekannt gemacht hat, so mögen doch 
statt vieler einige recht auffallende Beispiele angeführt werden. Ich 
übergehe solche, in welcher zwar Varro's Erklärung lächerlich oder 
höchst unwahrscheinlich, die Etymologie selbst aber dunkel ist, wie 
wenn er Aventinus ab advectu ableitet, der Sümpfe wegen, welche 
den Berg von der übrigen Stadt getrennt hätten : ifaque ex eo urbe 
advehebautur ratibui ; oder f^e/ta : quod ibi pastores Palatini ex ovi' 
bus ante ionsuram inventam vettere tanam sint sotiti. oder Fra- 
tres Arvales a Jerendo et arvis u. s. w. , und hebe nur einige aus, 
bei denen die wahre Abstammung offen am Tage liegt. Dahin gehört, 
dass er VII, 5. p. 362. petlicula in der Bedentang von meretricuta 
von peltis (scortum) statt von pettex, naXXaxr^^ ableitet: Scortari 
est saepius meretriculam ducere , quae dicta a pelte; r'd enim non 
solum anfiqui, qtti dicebant scortum, sed nunc etiam dicimus scortea 
ea quae ex corio et peltibus sunt /acta. — In Ateltanis Licet antm- 
advertere , rusticos dt'eere , se adduxisse pro scorfo p etticutam. 
Dann, wenn er V^, 7. p. 50. Quadrantis ratiti bei Lucilius voa 
jener Fahrt nach dem Avcutine herleitet, für die ein Quadrans be« 
zahlt worden sei, während es klar wie das. Sonnenlicht ist, dass das 
römische Münzzeichen gemeint ist, wie Fest. p. 274. richtig erklärt 
hat. Ferner VI, 3. p. 206. die entschieden irrige Erklärung von Se- 
ptim ontium, von den sieben Hügeln der nachmaligen Stadt, s. d. 
Topogr. und die schon im Alterthunie (Q u i n t. I. 0. I, 6, 37.) ver* 
lachten Etymologien von ager ab agendo (V, 4, p. 35.) und gra* 
culi, quod gregatim votitant (V, II. p. 81.). Endlich leicht die 
unsinnigste von allen, von der nux iugtans: V, 21. p. 104. Eadetn 
nux, quody ut nox aercm, huius sitccus corpus facit atruml Frei- 
lich ist das überhaupt Charakter der alten Grammatiker, dass sie beim 
Etymologisireu gewöhnlich den Wald vor Bäumen nicht sehen. Darüber 
klagt schon Plinius XXXV, 3, 4. bei Erklärung der elypeatae ima- 
gines: Scutis enim — continebantur imagines , unde et nomen ha» 
buere clypeorum , non, ut perversa grammaticorum subtilitas vo» 
luit, a du endo. y womit Quintilian a. a. 0. zu vergleichen ist, 
und in diesem Sinne mag Athenaeus XV. p. 666. A. mit Recht sa- 
gen : Ei pif lavffol i;oar, oiHv ay ^y yffmfifUAXitmv /Acv^orc^Of^. 



59 

Uebrigens trägt das ganze Werk unverkennbar das Gepräge 
grosser Eilfertigkeit und Flüchtigkeit, die zu gründlicher Un- 
tersaehung und bedachtsamer lleberlegung nicht kommen lässt, 
sondern sich mit dem nächsten Einralle begnügt; und soll man 
Yarro nach diesen Büchern, wie sie uns vorliegen, beurtheilen, 
so wird man gestehen müssen, dass er zwar als ein Mann von 
vielem Wissen, aber von wenig Scharfsinn und gesundem Ür^ 
theile erscheint* Indessen lässt es sich kaum bezweifeln , dass 
das Werk, wie wir es besitzen, keinesweges vollendet ist. Es 
ist, wie es scheint, nicht viel mehr als ein Entwurf, Commen- 
tarii , in welchen eine Menge Material zusammengetragen ist, 
die aber vermutblich noch eine neue Bearbeitung oder wenig- 
stens Ueberarbeitung haben erfahren sollen*^). Bei dieser An- 
nahme erklärt es sich, wie oft von einem Worte mit gleichem 
Rechte mehrere ganz verschiedene Stämme angeführt werden 
können, von denen doch nur einer möglich ist. Wie dem auch 
sein möge, so viel ist gewiss, dass die unbegrenzte Autorität, 
welche diesen Büchern beigemessen worden ist und wird, man- 
nigfaltiger Einschränkung bedarf. 

Wenn daher VerriusFlaccus der gelehrteste Römer 
nachVarro genannt wii'd, so ist doch nicht zu verkennen, 
dass selbst das, was uns Sex. Pompeius Festus im Aus- 
zugs aus seinem Werke de verborum signtßcatione und an- 
deren erhalten hat, von weit grösserer Gediegenheit ist. Den 
kläglichen Zustand, in welchem die einzige erhaltene Hand- 
schrift auf uns gekommen ist, hat erst Möllers sehr verdienst- 
liche Ausgabe zur allgemeineren und besseren Kenntniss ge- 
bracht. Für den Yerlust bei weitem des grössten Theils ge* 



97) Malier hat wobl das Richtige getroffen, wenn er {PrMf, 
VII sqq.). meiut, es seien diese Bäcber nie von Varro heraasgegebeo 
worden ond vielleicht gegen seinen Willen unvollendet ins Publikam 
gekommen. — Uebrigens sieht der varronische Text noch einer tdch- 
tigeo Bearbeitong entgegen, auf den Grund der florentiner Handschrift, 
welche, wie man bte und da durch Niebnhr erfahrt, noch ganz Ande- 
res bieten muss, als die von Speogel gebrauchte Gollation des Victo- 
riuB. Am allerwenigsten wird man die Müüersche Kritik gut heissen 
mögeo, vielmehr zugeben fiiässeu, dass der grosse Gelehrte in die ei- 
geothümiiche Denk- und Ausdracksweise Varro's durchaus nicht genSr* 
^end eingedrungen ist. 



wühlt der im achten Jhdt. gefertigte nochmalige von Paulus 
Di ac onus veranstaltete Auszug nur sehr geringen Ersatz, 
da die Excerpte oft ohne Verstand und Kenntniss gemacht 
sind. Nicht nur dass , wie die Vergleichung mit dem erhalte- 
nen Festus lehrt, eine grosse Menge der wichtigsten und 
schwierigsten liesonders Topographie und Sacra betreffenden 
Artikel und die nicht unter einem ausdrucklieben Stichworte 
stehenden bistorisclien und antiquarischen Notizen ganz aus- 
gelassen sind ; sondern Festus Worte sind oft gänzlich miss- 
verstanden oder es ist nur das zunächst und zu Anfange des 
Artikels Stehende beibehalten, gleichviel, ob die richtigere Er- 
klärung oder die nothwendige Begründung erst in dem Nach- 
folgenden enthalten ist '^). Man hat daher bei dem Gebrauche 
sorgfältig zu unterscheiden, was des Festus eigene Worte 
sind, was dem Paulus angehört, und was endlich von den Her- 
ausgebern zur Ergänzung der lückenhaften Theile hinzugefügt 
worden ist »»). 

Aehnlichen Inhalts, aber nicht gleich an Werth, sind die 



98) Es inÖgeD einige weofge Beispiele genügen, am die Zuverläs- 
sigkeit and Sorgralt des Paulas in helles Licht zu setzen, p. 157. 
sagt Festas: Municipalia sacra vocaniur, quae ab initio habuerunt 
ante eivita tem Roman am aeceptam , quae obtervare eot vo- 
luerunt Pont\/tees et eo mare /aeere j quo adsuessent antiquitus» 
Dafür findet sich bei Paulas Folgendes: Mun. sacra vocabantur, 
quae ante Urbem eondttam eolebantur, p.254. Festas: Quiri- 
tium fotaae dieuntur y quibus Aneu* Martius Hreumdedit urbem^ 
quam secundum ostium Tiberit posuit, ex quo etiam 
Ostiam, et quia populi opera eas fecerat, appellavit Quiritium. Da- 
für Paulas: Quiritium fossae dietae, quod eas Aneus Martius ^ 
quum Urbem eireumdedit, Quiritium opera fecit. p. 282. 
Festas: Retricibus cum ait Cato — sign\ficat aquam eo nomine, 
quae est tupra viam Ardeatinaminterlapidem secundum et 
tertium. qua irrigantur horti inßra (?) viam Ardeatinam et Asinariam 
usque ad Latinam, Paulus: Hetr. q. a. C. aquam eo nomine si- 
gn\ßeat, qua horti irrigantur. Vgl. Nota, Nixi dii, Opis, Offendi- 
00«. Praetextatum sermonem. Rodus, Sacra via, Tapulianu Tintin- 
nare a. s. w. 

99) Bis auf den heutigen Tag geschieht es häufig, dass des Pau- 
lus Ezcerpte anter Festas Namen angeführt and sogar die Supple- 
mente der Herausgeber als sein Text angefahrt werden. In älteren 
Schriften findet sich Letzteres gewöhnlich and eine Menge Irrthämer 
find daraus hervorgegangen. Diese Ergänzaiigen aber können grossen* 
theils nur als ein gelehrtes Spiel angesehen werden; denn welchen 
Zweck können Supplemente haben, wie z. B. unter Posimeriumj Pri- 
migeniae Fortuna» a. dgi. 



61 

Bächer desNonins Marcellns. Bei der weit mehr lexi- 
calischen als anliqaarischeii Teadenz des Werks, erhäh es 
seine Wiehtigkeit hauptsächlich durch die zahfareichen, als Be- 
lege dienenden Fragmente sonst verlorener SchriJfUteller. Aus 
ihnen, namentlich den varronischen, ist allerdings mannigfal- 
tige und reichere Belehrung zu schöpfen, als aus den Erklä- 
rungen des Grammatikers selbst, obwohl die kurzen aus dem 
Znsammenhange gerissenen Stellen oft sehr änigmatisch da- 
stehen. — Viel wichtiger und überhaupt eine der reichhaltig- 
sten und nutzbarsten Quellen sind- die Noctes Atticae deä ge- 
lehrten und verständig abwägenden Gellius. Ein grosser 
Theil der behandelten Materien betrifft das römische Staats- 
leben, und die besonnenen Erörterungen werden durch ausführ- 
liche Belege aus den gewichtigsten Schriftstellem in einer 
Weise gesichert, wie sich kaum bei einem anderen Gramma- 
tiker nachweisen lässt. Neben ihm ist, fireilich aus viel spä- 
terer Zeit und nicht von gleich ruhiger Besonnenheit und Un- 
befangenheit, aber doch als fleissiger Sammler zu nennen Ma- 
crobius, dessen SatumaKa besonders für die Sacra eine 
ziemlich reichhaltige, freilich nicht ungetriibte Quelle abgeben, 
und das ähnliche Werk des Gens orinus de die natalt. — 
Untergeordneten Werth haben die Ongines des Isidorus 
von Sevilla, welche vielfältige Proben der Unwissenheit jener 
Zeit (7. Jahrhundert) enthalten. 

Von den alten Erklärern der Schriftsteller ist vor Allen 
zu nennen Asconins, dessen Commentare zu fünf Reden Gi- 
cero's einen wahren Schatz von Belehrung enthalten , welche 
um so höher anzuschlagen ist , als der Crpammatiker in einer 
Zeit lebte, wo noch genauere Kunde von den Verhältnissen 
in Gicero's Zeit zu erlangen war, und die römischen Institn« 
tionen noch nicht so gänzlich untei^egangen waren, um nicht 
mehr richtig begriffen werden zu können. Gänzlich davon zu 
unterscheiden und von viel geringerem Werthe sind die ehe- 
mals auch unter Asconius' Namen gedruckten Schölten zu den 
vier ersten Reden der Acta in Yerrem, jetzt gewöhnlich mter 
dem Namen Pseudo-Asconins angeführt, und ziemlich auf 
einer Stufe mit ihnen, wenn nicht noch niedriger stehen die 



62 

beiden Schoiiastae Gronoviani. Selten findet sich unter 
dieser Spreu ein nutzbares Kom. Dagegen sind allerdings von 
grösserer Bedeutung die von An gel o Mai o aus dem Codex 
Bobiensis herausgegebenen Schölten, aber doch nicht mit Asco- 
nius zu vergleichen und sicher nicht von ihm herrührend. 

Zaiilreicher, aber sämmtlich einer späten Zeit angehörig, 
sind die £rklärer der Dichter. Unter ihnen ist besonders in- 
haltreich der gelehrte Erklärer Virgils, Servius Maurus 
Honoratus, der, wie Macrobius, häufiger als recht ist, in 
dem Dichter Beziehungen auf Staatseinrichtungen findet und 
daher Veranlassung nimmt, darüber zu sprechen. Er selbst, 
wahrscheinlich unter Theodosius lebend , erscheint allerdings . 
Rom in jeder Beziehung sehr fern stehend, und aus mehrfa- 
chen Irrthümern, die sich in Bezug auf Topographie nachwei- 
sen lassen, möchte man schliessen, dass die Stadt ihm fremd 
geblieben sei ; aber jedenfalls hat er auch ältere Erklärer be- 
nutzt und ihre Worte mögen es gewöhnlich sein, wenn er von 
noch dauernden Einrichtungen oder vorhandenen Denkmälern 
spricht. Dabei konnte es denn ohne Missverständnisse nicht 
leicht abgehen. — Ausserdem enthalten auch die Scholien zu 
Horaz manches* Brauchbare, namentlich der sogenannte Com- 
mentator Gruquianus. Mit ihm stimmen zwar die Scho- 
lien des Acro und Porphyrie oft wörtlich überein, sodass 
es zweifelhaft wird, in welchem Verhältnisse man alle drei zu 
einander zu denken habe ; aber gewöhnlich ist der Erstere der 
Reichhaltigere* Auch die Scholien zu Juvenal und Persius sind 
nicht gaiiz unbrauchbar. 

Eine sehr ergiebige Quelle ist die grosse Encyklopädie des 
Plinius. Wenn sie auch weit mehr Material für Topographie 
und Privatleben liefert, so findet doch der Verfasser in seinem 
die ganze Natur und alle menschliche Thätigkeit umfassenden 
Werke genug Veranlassung, auch vom öffentlichen Leben zu 
sprechen. Dass das Ganze fast nur eine geordnete Zusammen- 
stellung gesammelter Notizen ist, giebt ihm Itir den antiquari- 
schen Zweck eher noch höheren Werth, als dass er dadurch 
herabgesetzt werden könnte \ nur ist es zu bedauern , dass 
nicht öfter die Gewährsmänner namentlich angeführt werden, 



63 

wofSr die im ersten Bache gegebene Uebersicht der für jedes 
einzelne Bneh gebrauchten Schriftsteller nur geringe Entschä- 
digung gewährt. — Von d^m Compendium des Solinus, un- 
ter dem Namen Polyhistor bekannt , in der Hauptsache eine 
Compilation aus Plinius, gehört fast nur das erste Capitel ei- 
nigermassen hieher, wegen der Nachrichten über die älteste 
Zeit, 

Was die theoretischen oder didaktischen Schriftsteller an- 
langt, so versteht es sich von selbst, dass jeder für die Disci- 
plin oder das Institut, wovon er geflissentlich handelt, auch 
jederzeit Hauptquelle ist. So für den Landbau und was damit 
zusammenhängt, die Scrtpiores rei msticae : Cato, Varro, 
Columella, Palladius; für die Lehre von den Gebäuden 
Vi tri] vi US de archiiectura ; für eines der wichtigsten 
Staatsinstitute, die Wasserleitungen, Frontinus de aquae 
duciibua^ worin nicht nur von deren Anlage, sondern auch 
von der Verwaltung und Beaufsichtigung, von den darauf be^ 
zfiglichen Rechten und Gesetzen gehandelt wird : ein halboffi- 
cielles Hauptwerk; für das Kriegswesen, des Flavius Ye- 
getiusRenatus Epitome insUtuiionwH rei miliUirU ^ Hy- 
ginus de eastrametatione und andere kleinere Schrillen ; für 
Aeckervermessung und Colonialwesen die Auetores rei agra- 
riae u. s. w. — Endlich bedarf es kaum der Erwähnung, dass 
die sämmtlichen juristischen Schriftsteller nicht nur für das 
Recht und dessen Anwendung, wenigstens in Bezug auf ihre 
Zeit die unantastbarste Autorität haben, sondern dass auch die 
Grundbedingungen der Verfassung am klarsten und bestimmte- 
sten durch sie aufgestellt sind. 

Von den noch übrigen Schriften, theils rhetorischen, theils 
philosophischen, oder endlich gemischten Inhalts, liefern Quin- 
tili ans Werke nur sehr einzelne, aber nicht unwichtige Bei- 
träge. Ein viel reicheres Material, namentlich für die Privat- 
alterthümer, lässt sich sowohl den ethischen Schrillen als und 
besonders den Briefen Seneca's entnehmen; nur dass das 
Bild, welches er entwirft, nicht selten durch rhetorischen 
Schwulst und affektirten stoischen Ingrimm entstellt und über« 
Urieb^n wird. Vicilfaltige Belehrung gewähren auch die Briefs 



04 

des jüngeren Plinius, weniger Fronte; aber auch selbst 
die Epistolographen der spätesten Zeit, Symmachus, Si- 
donius ApoUinaris und Cassiodorus sind, wenn auch 
meistens nur eben für diese Zeit, nicht ganz unbedeutend, 
jedoch viel wichtiger nicht wenige apologetische und polemi- 
sche Schriften der christlich - theologischen Schriftsteller, na- 
mentlich des Augustinus, Tertullianus, Minucius 
Felix, Arnobius und Lactantius. Was von der rö- 
mischen Literatur noch übrig bleibt 

die Dichter 

so können diese, mit wenigen Ausnahmen, natüriich nur als 
untergeordnete Quellen betrachtet werden; indessen geben 
doch häufig ihre gelegentlichen Beziehungen auf Oertlichkei- 
ten, Verfassung und Sitte eine sicherere Bürgschaft als man- 
che geflissentliche Erklärung eines späten Grammatikers. Lei- 
der ist uns von den älteren Dichtern eben so wenig erhalten 
als von den frühen Annalisten, und namentlich ist der Unter- 
gang der historischen Gesänge des Na evius und Ennius, 
so wie der Sitlenschilderungen des Lu eil ins zu beklagen.. 
Um so wichtiger sind die auch übrigens zu dem Trefflichsten 
der römischen Literatur gehörenden Komödien des Plautus, 
der, wiewohl griechischen Stoff bearbeitend, doch überall mehr 
die römischen Zustände ins Auge fasst und fast für alle Theile 
der römischen Antiquitäten höchst schätzbares Material lie-* 
fert. Bedarf es auch einiger Vorsicht, um das, was von grie- 
chischer Sitte aus dem Originale beibehalten ist, von der rö- 
mischen zu scheiden, so ist es doch höchst thörig und be- 
schränkt, deshalb sein Zeugniss zu verwerfen, so oft es von 
dem Gewöhnlichen abweichend dem bequemen Beharren bei 
dem Hergebrachten hinderlich wird. Auf der anderen Seite 
ist freilich auch Manches, was nur scherzhafte Fiktion sein 
mag, für baare Wahrheit hingenommen worden. — Terenz 
hingegen ist für diesen Zweck sehr unbedeutend. — Von den 
Dichtem des Augusteischen Zeitalters hat die grösste Bedeu- 
tung vi diu s, durch seine kunstreiche Erklärung der ersten 



65 ^ 

HUlhe des römischen Kalenders; aber auch seine übrigen 
Schriften, namentlii^b die y^mores^ die Büeher de nrte amnndi^ 
die TrüUa, enthalten viel Brauchbares. Neben ihm sind der 
gelehrte Virgil, dem freilich die Erklärer, nnd besonders 
Macrobius, Manches unterlegen, woran er gewiss nicht dach- 
te; der geistreich seine Zeit schildernde Hör as und der ge« 
lehrte Properz (besonders im vierten Buche) die reichhal'- 
tigeren. Für die zweite Hälfte des ersten Jahrhunderts aber 
liefern Persius, Juvenalis in seinem unvergleichlichen 
Zeit- und Sitten -Spiegel, der alle Verhältnisse besprechende 
und bewitzelnde Martialis, einige Schtifierungen bei Sta- 
tins und das freilich karikirte Bild, welches Petronins auf- 
stellt, besonders für die Kenntniss des Privatlebens ein über- 
reiches Material. — Mit diesen Namen ist indessen die Reihe 
der Schriftsteller, welche als QueUen für die römischen AI- 
terthümer zu nennen sind, keinesweges geschlossrn; sondern 
es gilt, was schon früher gesagt worden, dass alle, auch 
die hier nicht besonders genannten, römischen nnd viele grie- 
chische Schriftsteller der späten Zeit, wie DioChrysosto- 
mus, Lucianus, Athenaeus, Libanius, Apollo- 
nius von Tyana, lulianns, Pollux, Suidas u. a. 
hie und da gelegentlich einzelne Beiträge liefern. 

Wenn nun aus der hier gegebenen Uebersicht hervor- 
geht , dass aus den uns zu Gebote stehenden Quellen zwar 
ein massenhaftes und kaum zu bewältigendes Material sich ge- 
winnen lässt, dennoch aber nicht nur bedeutende und sehr 
empfindliche Lücken bleiben, sondern auch bei der Weise, 
wie von Anfange an die Geschichte des römischen Volks ge- 
schrieben worden ist, diese Quellen selbst, was die älteste 
Zeit anlangt , keinesweges über jeden Zweifel erhaben sind, 
vielmehr, indem sie sich mannigfaltig widersprechen, auf die 
Unsicherheit ihrer Nachrichten hinweisen, so wird man aller- 
dings besorgen müssen, dass unsere Kenntniss des römischen 
Alterthums, namentlich wenn es die älteste Verfassung gilt, 
nur sehr unvollständig und schwankend sein könne. Denn 
Wenn es gewiss scheint, dass bis zu dem Jahre 365 d. St. 
den Annafislen kaum erlrebHehe Urkunden zu Gebote stehen 

5 



&6 

konnteii, und das« die VeraiehlaDg aller schiiftlicheii und an- 
derer Denkmäler/ welche eine Ermittelung der Wahrheit raög^ 
lioh gemacht hätten , der Sage einen um so freieren SpieK 
räum eröffnete; wenn jene ältesten Gesehichlscbreiber, von 
Fabius an, diese Sagen für wirkliche Geschichte nahmen und 
pragmatisirend zu vereinigen bemüht waren, oder auch wohi 
den leichtfertigen Combinalionen griechischer SchriA^iteller za 
treuherzig Glauben schenkten; wenn sie auch in der Zeit, 
wo es an urkundlichen Nachrichten weniger fehlen konnte, 
nur ausnahmsweise darauf ihre Aufmerksamkeit richteten; 
wenn die folgenden Geschichtschreiber sich noch weit weni- 
ger zu einem solchen Studium veranlasset fanden und jene An- 
nalisten vielleicht zu ihren einzigen Quellen machten, so mag 
allerdings eine solche Befürchtung gerechtfertigt erscheinen» 
Indessen lässt sich dem entgegenstellen, dass es doch haupt- 
sächlich nur die Thatengeschichte, die Begebenheiten waren, 
welche von Mnnd zu Mund sich fortpflanzend entstellt und 
mit Sagen durchwebt werden konnten ; an deren durehgingi- 
ger Glaubwürdigkeit man daher mit Recht zweifeln mag: in 
geringerem Maasse aber konnten, zumal in Rom, die politi- 
schen Institutionen davon berührt werden , die , wenn auch 
immer in fortschreitender Bntwickelung begriflen, doch ihrem 
wesentlichsten Gehalte nach fortdauerten und so voraussetzen 
lassen, dass die Kenntniss ihrer ursprünglichen Form, von 
Geschlecht zu Geschlecht durch Tradition und Monumente 
mannigfaltiger Art fortgepflanzt, nie ganz untfirgehen konnte. 
Und sind wir auch freilich in Hinsicht auf die frühesten römi- 
schen Zustände hauptsächlich auf das verwiesen, was die spä- 
tere Zeit für wahr annahm , so fehlt es doch nicht an Andeu«- 
taugen, welche gestatten, durch Combinationen und Erwägung 
dessen, was möglich und naturgemäss, nach zwei Jahrtausen- 
den tiefere Blicke in das älteste römische Staatawesen zu thun, 
als die sorglosen Schriftsteller der Republik und ihre Nachfol- 
ger versucht haben. Solche Winke nicht unbeachtet zu lassen, 
aber eben so wenig sich in einem Meere von Hypothesen und 
Conseqnenzen zu verlieren; dem Yulgäi^laubea nicht unbe- 
dii^^ zu huldigen, aber auch nicht an die Stelle eiies un man- 



67 

cbir fcli«bm Ztig« wffieii nissflUHgeii Bildes em no^h nkhü- 
gerts Lmfig«b{ld6 b« setaen \ hauplsXehKeh aber iliit besotine- 
ner Kritik niid redlicher Gewissenhaftigkeit den Sinn und Wertb 
jeder «inzehen Nachriokt m erw&gen : das sind Forderungen, 
die emstlieber als je in nnserer Zeit an einen Bearbeiter der 
AkePtkUaMT KU stellen sind. 



Literatur. 

Die r9misoh<>^ Altertküvier sind aek dem WMemAekett 
der WiMeoicbftlte» GqpQVitad vMfiUtigep «od leiaaiger Un- 
tersnchong gffwiesep PPd die ftie b<itre0Mde Ltterttnr entUUi 
ziiUrei0be trefli^he Sebriitevi ntmentliob was Staatsverfas- 
sung wi Rechta^ltisrtluMier anlangt, Diese eiaaelue Theile 
behandelnden Werke werden jedoch sebieklicher in den Ab^ 
spbpttteii, welche m bntreffan» genannt ^ hier sind lanächst 
mur di(9^iiigftO x« erwähnen, webAe sich die Darstelbing der 
gesammten römischen AlterAbdaoer znr Angabe geoaaaht haben, 
oder doeb «ich abi lolobe aUgeineine Handbücher i^ikjiBdlgen. 
Duner »ind «berhaepV wenige, nnd sin gehören fiist aämmtlieh 
den früheren Jahrhunderten oder den letztvergangenei| Jabren. 
luii Ueber jene Jiiteran Werk» j^ist ebi Urtbeii abangaben, 
wrärcW ggw Pfit^03 und iibeiNBvMig arin* Wer aach wir von; 
fem gehört hättei w^ben GMg in noMrem Jabrhaaderle die. 
Vnterpu^angen über if»nuABbe fi^scbidiln Ujad Verfassug ge- 
nommen haben, der wflrde sich doch sagen können, dass. jene 
iil^ren Sl(^n(kn » we«n sie auch naph var^täadigerem Plane 
ang#l^g( uid wü wnbr Kritik nnd Sergbll gearbeitet wiron, 
als sie wirklipb w<)» doeh Gir den jeUügen Stand der Wissen«» 
99heft bQAbst nngeofigend eraoheinen mgaaen. Uebar ^ neue- 
ffim ilMMdieir ist da« Urlheil in dar Vorrede naobsnsehen«. 
^ g99ä|^ 4lsn hier 9 mit Uebeigebong der nnr tüv den Schul- 
gebrauch berechneten Compendien, die ausführlicheren Werke 
dieser Art zu nennen : 

Rosini, anüquitatum Romanarum corpus aisoluiüsi- 
mum c. not. Dempsteri. Amst. 1743. 4. (zuerst Bas. 1583.) 

5* 



66 . 

Mit ibm fliag Terglichen werden: Sam. Pilisei Lern- 
«an antiquüatmn Rammartm. Leov. 1713^. % Voll. fol. so- 
leut Hag. Com. 1737. 3 YoU. fol. 

Nieupöorty Rituum^ gui olim tgmd Rommnos odünue* 
runtj sHcdncia exptieaiio. Trai. ad Rh. 1712. 8. oft wieder- 
holt: eiD kurzer Abriss, der aber za gelehrten ConuDentarcn 
Voranlassung gegeben hat : C. 6. Schwarzii Observatt. 
ad NieupoorÜ comp. ant. Rom. Altorf. 1757. Haymann, 
Anmerk. ». Nieup. ^AerM. Dresd. 1786. 

Beaufort, La repubb'que Romaine , ou plan giniral 
i$ taneien g^fwernement de Borne. A laHaye. 1766. 2 Voll. 4. 

Maternusvon QWiitLOj AusfiikrL Abhandt. derröm. 
jilienk. herausg. von Adler. Altona. 1775. 4 Bde. 

Nitseb, Beeckreib* des käueUchen^ wüsenschaftL^ goi" 
tesdienstl., palü. u. krieger* Zveiandes der Römer. 3. Aosg. 
Erf. 1807— 11. 4 Bde. 

Alex. Adam, Tke Roman Antiqtntiee. Lond. 1791. 
92. Dentsch von Joh. Leonb. Meyer: /ToAifAvcA d. rom. 
Alierih. 4. Aufl. Erl. 1832. 2 Bde. 

Reiz, Vorlesungen über die röm. Alierik, naek Ober^ 
Uns Tafeln. L. 1796. (Wenig geordnet, aber Vieles gute ent- 
haltend.) 

Crenzer, Abriss der rbm* Aniifuiiäien. 2. Anfl. L. 
u. Danast. 1829. (Nur für den Gebrauch bei Vorträgen be- 
roehnet und keinesweges alle TMle umfassend.) 

Fnss, AnUquiiaies Romanae. Leod. 1820. 3. Ausg. 
1836. 

G. F. F. Ruperti, Handbuek der rem. Alierik. Tb. I. 
HanoT. 1841. Th. 11. 1842. (siehe die Recens. in d. Neuen 
Jakrb.ßir Pkäol. u. Pädag. 1841. 33. Bd. 2. H.). 

Bojesen, Handb. d. röm. AUerik. a. d. Daniscken 
Hhers.van Hoffa. Giess. 1841. (Viefanehr ein Compendinm.) 

Zeiss, RSmücke Aäerikumskunde. Th. I. Jen. 1842. 



Xopoi^rapUe «er Stadt. 



B«8«nd[ere Hfllfsmlttel und 

Iilteratnr. 



Wenii es «ich von selbst versteht, duss die säannliieheD 
Quellen der römisohea Alterthuinskunde im AUgemeinen, fast 
tohne Ausnahme auch finr die Topegraphie von Wichtigkeit 
sindy so giebl es für diese noch besondere, speeiell sie betref- 
fende Hülbmiitel, deren Werth an sehickli^sten hier erwo* 
gen wird, ehe die neuere Literatur in Betracht kJmmt, attf 
welche sie zum Theile den bedeutendsten Einfluss geübt haben. 
Unter ihnen gebührt die erste Stelle dem Regionenverzeieh'* 
nisse der unter dem Titel: Notitia dignitatum utrius* 
qne imperii oder in partibus Orientis etOccidentis 
bekannten statistischen Uebersicht des römischen Reichs. Di« 
■nbestreitbare hohe Wichtigkeit dieser einzigen auf uns gekom* 
menen authentischenBeschreibungRoms wird es indessen recht- 
fertigen, wenn der Text derselben in einer besonderen Beilage 
diesem Bande angehängt und eine kurze Uutersnchiuig über 
den Plan, die ursprüngliche Gestalt und die Zeit der Abfissung 
beigeffigt wird ; denn es wird kaum eine zweite Quelle geben, 
deren Gebrauche sich bei gleicher Wichtigkeit so viel Beden« 
ken und Schwierigkeiten in den Weg stellten. 

Aus diesem Regionenverzeichnisse sind durch vieirältige, 
grossentheils mit falscher Gelehrsamkeit gemachte Interpol»« 
tionen jene fifr die römische Topographie so unheilvollen Re^ 
gionare hervorgegangen, denen man die erlogenen Namen P. 
Victor und S. Rufus gegeben hat. Die Würdigung der* 
selben lässt sich von der Untersuchung über die authentisohe 



72 

Beschaffenheit ihrer gemeinschaftlichen Grundlage nicht wohl 
trennen, und ist daselbst nachzusehen. 

Von besonderem Interesse sind zwei in einem MisceHa- 
neenbande der Bibliothek zu Kloster Einsiedlen enthal«' 
tene, wie es scheint zusammengehörige Handschriften, in wel- 
chen ein Unbekannter, der wahrscheinlich zu Anfange des 
neunten Jahrhunderts Rom besuchte, topographische Notizen 
doppelter Art aifgezeidinet bat. Die erstere ist eise Saaim» 
lung von Inschriften , von öffentlichen Bauwerken und Denk- 
mälern verschiedener Art , auch christlichen aber weit mehr 
altrömischen entnommen. Leider scheint ein Theil davon ver* 
loren gegangen zu sein. Das zweite Werkchen giebt eine Be- 
schreibung verschiadener Wege durch die StadU Der Vf. giebt 
jederzeit den Punkt, von dem er ausgeht, an und das Ziel des 
Weges , und nennt nun die auf demselben zur Rechten und 
Linken gelegenen bedeutenderen Gebäude, namentlich Kir- 
chen, aber eben 30 auch antike Bauwerke. Diess ist indessea 
IßB weitesten Sinne zu verstehen, nicht nur von den unmittel- 
bar an dem Wege, sondern oft in ansehnlicher {Entfernung da- 
von gelegenen Gebäuden, sp da^s sich 9. B. auf den» Wege 
von Porta Br Petri nach Portii Salaria die Kirchen S. Apol« 
liiiare und S. Eu^tachip, S, Lorenzo in Luciun 
und die Rotnnda (Pantheon), anderwärts d^s Pantheon 
und d^^ Theatruin Pompeii, die Cotumnä Traiani 
und der Umbiiicuß Ilomße (Miliarium anreum) entgegen** 
stehen» Den Beschluss macht eine genaue Beschreibung der 
Stadtmauer mit ihren Thoren unter summarischer Angabe aller 
Pfortchen, Thürme, Brustwebren, Scbiessscharten n. s« w. — 
Das Alter dieser Notizeiisammlungen lässt sich in so weit be-« 
stimmen , als sie offenbar vor Anlage der Ciltji Leonina , also 
vor der Mitte des neuiiteu Jahrhunderts gemacht sind; in einer 
Zeit , wo Roms Herrlichkeit no^h kpinesweges verschwunden 
war. — Beide Schriften sind zuerst von Mabillon, f^eA 
j^naL p, 359 f. herausgegeben^ Er hat indessen die Einrieb«' 
tnng der zweiten Schrift gani; unb^chtet gelassen. Sie ist der 
Art, dass in dem aufgeschlagenen Buche, auf der Seite zur 
IJnken die links, auf der zur Rechten die recht« vom Wege 



73 

gekfCBeB Punkte tngegeben siui \ mir dass der Abschreiber 
MweUeii sieh darin versetien und die richtige SteUnng ver* 
wechselt bat. MabiUon nun hat die Seiten hinter einander ab- 
drucken lassen» wovon eine grenzenlose Verwirrnng die noth» 
wendige Folge war. Den Irrthmn hatte schon Bianchinii 
Anastas. t. II. bemerkt; richtig erkannt ist die Anordnung 
von Gust. Haenel und durch ihn die Handschrift diploma« 
tisch genau in dem Arckioe f* PhiL ti. Paiag. Bd. Y. H. 1. 
S. 115 ff« abgedruckt worden, wo sich auch die sorgfältigste 
Nachricht über die Beschaffenheit der Handschrift findet ^^y 
Wie ungemein schätzbar aber diese Notizen sind, wird sich 
bei der Erörterung der einzelnen Stellen yieirältig erweisen« — 
Dasselbe gilt von der durch Osann, Sylloge Inscr. p. 502 ff. 
bekannt gemachten ähnlichen, freilich viel späteren Sammlungi 
welche ein Manuscript der Riccardiana zu Florenz enthält* 
Dass sie aus der Sammlung deslucnndus geflossen sein kön- 
ne, lässt sich zwar nicht geradehin verneinen ; aber eben so 
möglieh ist es, dass sie von dem Liber epigrammatum 
abstammt, welches der Florentiner Poggio veranstaltet hat-' 
te '). Für eine der wichtigsten Fragen über die Tempelrui- 
nen am Cjivus Capitolinus, wo der Anonymus Einsiedlensis 
noch einen Zweifel lassen könnte, ist sie entscheidend. 

Anders verhält es sich mit einigen anderen mittelalterli*' 
eben Nachrichten über den damaligen Zustand der Stadt. Un*- 
ter ihnen ist das Buch de mirabilibus Romae der schb^ 
gendste Beweis von der grenzenlosen Unwissenheit und Bar- 
barei jener Zeit (wie es scheint des XU. Jahrhunderts). Wenn 
es nicht geleugnet werden mag, dass in dieser Beschreibung 
Roms mauclie richtige Angaben enthalten sein können, so 



100) Dorch die Gate des Terdieostvollei Heraiugeberf ist mit die 
diplomatisch genaae Abschrirt selbst zar Beoutzing mitgetheilt worden. 

1) Poggio in der gleich anzuführenden Schrift lasst selbst 
den Antonius #preeh<?n : „|n quo Isado (inqwt Antonina) enran et di^ 
ligentiam tnam, Poggi: qni ista tum pnbliconim tum privatornm ope- 
rem epigrammaU intin Urbem et foris quoque mnltis in loeis eonqai- 
siu atqne in parvum voiumen coaeU literarnm stndiosis legeuda tra- 
didiati.*' Vielleicht ist diese eben der Über epigrammntum, den 
Sigoniua wiederholt anfiibrt. s. Osaan p. W%, 



74 

ist doch kaum abzosehcD, welchen Gebrauch man von einer 
Schrill machen dürfe, welche die tollsten und lächerlichsten 
Namen, Erklärnngen und Nachrichten in Massen häuft. Man 
darf höchstens darauf hin zuweilen eine Vermuthung äussern, 
nie einen Beweis daher entlehnen wollen, wenn nicht an- 
dere damit übereinstimmende gültigere Nachrichten vorhanden 
sind ^^^), Ans diesem durch seinen Unsinn wahrhaft merkwür- 
digen Biichelchen scheint auch grossentheib 9 aber nicht allein, 
der kürzere, angeblich ron M a r t i Q u 8 P o { n u s (f 1278?) her^ 
rührende topographische Abriss entlehnt zu sein. In mehre-' 
ren Handschriften nämlich (ob je gedruckt, weiss ich nicht zu 
sagen: es müsste denn in der Antwerpener Ausgabe von 1574 
sein; wenigstens fehlt es bei Schilter) gehet der Chronica Pon- 
tificum et Imperatoriun eine kurze römische Oeschichte bis auf 
die Geburt Christi oder Augustus voraus. Ob dieselbe wirk-* 
lieh vonMartinusPolonus verfa^stsei, oder wenigstens ob sie zu 
dem Chronicon gehöre, ist mir sehr zweifelhaft. In hiesiger 
Universitätsbibliothek befinden sich drei Handschriften des 
Chronicon, und zwei derselben enthalten auch jene historische 
Einleitung. Die eine ist £nde des 13, oder Anfang des 14» 
Jhdts. schön anf Pergament in 4to. geschrieben. 6ie beginnt 
mit einem einze Inen Blatte, das an eine Lage von sieben an» 
deren Blättern angeleimt ist. Dieses Blatt enthält von derseK 
ben Hand wie das Chronicon selbst den gewöhnlichen ,,Prolo* 
gus Cronice. Qnoniam scire lempora summorum pontifi* 
fum^^ etc., wovon 41 Zeilen (die regelmässige Zahl) die erste 
ßeite füllen, 9 auf der z^xiten stehen, mit den Worten schlies» 
ßtni: „et alia ex decreto et passionibus sanctomm.^^ Der 
u|)rige Theil der Seite war ursprünglicb unbeschrieben geblie- 
ben, und wahrscheinlich ging es unmittelbar dem 9, Blatte der 
Handschr. voraus, auf der das Chronicon beginnt s ,,Incipit 
' ^ronica Romana. Anno XLU Octaviano augusto'^ etc. Un-* 
mittelbar an jenen Prologus aber ist von ähnlicher aber doch 
verschiedener Hand und mit blasserer Tinte, auch weniger re- 



10^) Dat mlfäHig «od ia veraehiedeoeo Spraoh«« i^ednickte Bttcbel* 
^haa findet sich aach io Moatfaaeea, Di^Hum^ ItßUeum, p. 983 f. 



75 



gcteiaisig, die gmanüte Ustoiisohe Einkittuig angeschrieben, 
■it den Werten begiimeDd: ,,Primo igitor tfcendnm est de 
Ulf regnis aaioribiis** elc. Sie föUt die folgenden sieben BlÜ- 
ler ait Ansnaime der leisten Sdte, anr welche von viel spH^ 
terer swiefacher Hand ein Revers des Kaiser Sigisnrand an 
Martin V* and ein Breye Von Calizt III. geschrieben sind. 
An9 dieser Beschaffenheit der sehr vomöglichen und nahe an 
Martinas Zeit selbst hinanreichenden Handschrift (in der anch 
die Geschichte von der Johanna fehlt) schdnt hervorzugehen, 
dass jener Abrfss der älteren römischen Geschichte wenigstena 
nicht zu dem Chrenicon Pontificnm gehört, wenn es flberhanpl 
dem Vf. desselben beizulegen ist; sondern nor hier zur Er* 
gänzung, da Martinns erst von Augustus beginnt, eingeschaltet 
wurde, wie es denn anch in anderen Handschriften fehlt. Vgl. 
Jl^accaria, Dissertmziam a Storia eecL t. II. p. 301. Dio 
jSchrift ist übrigens eben so voll der seltsamsten Angaben , wie 
die BtirabiliaHomae; indessen werden unsere Hdschr. in einem 
die Manem betreffenden Punkte eine, wenn auch nur negattre, 
doph nicht unwichtige Hülfe leisten. Ueberhaupt aber sind 
diese und andere ähnliche Schriften in so fem lehrreich, ala 
man daraus die aus grober Unwissenheit /stammenden Benen- 
nungen einzeber Stellen und Gebäude im Mittelalt^ würdtgdii 
lernt. — Für die Bestimmung der Thore ist auch nicht ohnölnr 
leresse, was Wilhelm von Malmesbury (XI. Jhdt.) iii 
dem vierten Buche de gestU regtan Anglorum davon berichtet. 
S« Blanchini z. Anastas. t. H. p. CXLI ff. «^ Au^^er-: 
dem ist es natiiriich, dass es eine Menge in Urkunden und an-; 
deren Schriften des Mittelalters enthaltene Nachrichten gebeii 
muss, deren Benutzung nicht jedermann möglich wird. Durch 
ihre Bekanntmachung in dem längst versprocheneu Codex 
topographicns werden sich die Herausgeber der Besehe, 
d. St. Rom unstreitig das grösste Verdienst erwerben. 

Wiphtiger aber als alle diese Bulfsmittel und entscheiden4 
für die meisten, wo nicht sämmtliche Fragen und Zweifel, würde 
der vermuthlicbuiiterSeptimiusSeverus entworfene und inMar-r 
^lortafeh gegrabene Plan der Stadt sein, wenn die Missgunst des 
([Jeschickß uns davoq mehr als klägliche Fragmente erbalten 



76 

hätte. Sie wurden im 16. Jahrbnnderte unter Pins IV. >••) 
als Bekleidung der Wand in der Kirche SS. Cosma e Damiano 
entdeckt und kamen in den Besitz der Familie Famese. lieber 
100 Jahr lagen sie dort unbeachtet und vergessen, und wahr- 
scheinlich ging davon verioren. Erst 1673 machte Bei lori, 
wie es scheint, mit Benutzung früherer von dem Augenzeugen 
des Fundes, Fulvius Orsini, entnommener Zeichnungen, 
das Hauptsächlichste davon in 20 Tafeln zusammengestellt be- 
kannt -*). Als späterhin die Fragmente mit den übrigen 
Schätzen des Hauses Famese an Neapel gekommen waren, er- 
hielt sie Benedict XiV. von dem Könige und schenkte sie 1742 
an das Museum.Capitolinnm. Allein mehrere von Bei- 
lori bekannt gemachte Stucke fehlten schon wieder ; sie wur- 
den nach seinen Zeichnungen ergänzt und mit Sternchen be* 
zeichnet ^). Ausserdem waren noch viele kleine Stücken 
vorhanden, die ebenfalls willkuhrlich in 6 Tafeln zusammen- 
gesetzt wurden, und das Ganze bekleidet jetzt die Wand der 
Treppe im Museo Capitolino. Manche dieser Fragmente sind 
nun allerdings für die Topographie von nicht geringer Wich* 
tigkeit, indem sie entweder mehrere namentlich bezeichnete 
Gebäude in ihrem Zusammenhange darstellen, oder doch den 
Plan einzelner erkennen hissen $ die meisten aber liegen selbst 
mit ihren beigeschriebenen Namen als unverständliche Räthsd 
vor uns > welche die Neugierde reizen ohne die Kenntniss zu 



103) In EmtDfelnB^ gewisserer .Nachriehten |^be ich diess naeh 
BuoseD, Beschreib, <f. Stadt Rom. I. Von*. S. XL. Auders spricht 
darüber Melchior ri, Guide de Rome, p. 565. ,,Ce trait topoipraphi- 
qae de ia ville aocieDoe ^tait plac^ sarlepar^dv tenple de Roanlus 
et Renas (nach der gewöhaiiehea irrthümlicheo Meiaons) sar ia ▼oit 
«acree , maintenant egiise de St. Cosme et St. Damieo : il fot troay^ 
an XV sieele. Ces fragmens restereat loai^ms fix^s sar les marailr 
les pres le liea, oo on les avait troav^s. Paal lU. les transporta daos 
les edifices des Famese etc.*' 

4) Fragmenta veetigii veterie Romae ex lapidibua FametianU 
ete. Rom. 1673. fol. auch in Graevii thes. t. IV. Nea heraasf^e- 
gehen von Amaduzzi (alle %^ Tafeln). Rom. 1764. fol. Ausserdem 
Sndet sich das Bedeutendste in Piranesi, ArUUhitd di R» t. I. 
and auf Ganina's grossem Stadtplane. 

5) Ob B e 1 1 o r i die sämmtlichen Fragmente noch rorfand , oder 
ob er nnr das Vorhandene durch Orsini*a Zeiehnoasen ergänzte, 
lässt sich wohl nicht zur Gewissheit bringen. Vgl. Bansen, Buehr, 
d. Si. R, III. B. S. 33. 



77 

ttHern, nsd der tdpognphisehe ZnMdmetthang der einselne« 
SCneke ist niil weniges Aasnahmen gar nicbt mehr nachzu- 
weisen. 

Ans der grossen Zahl der für Topographie wiehtJgen In- 
schriften verdienen zwei besonders hervorgehoben zu werden. 
Erstlich das Monumentum Aneyrannm, die bekannte 
ta Ancyra aufgefundene Copie der von Aagustus in Rouh auf- 
gestellten Erztafeln, worauf nebst allem Uebrigen, was er für 
Rom gethan, auch sämmtliche von ihm aufgeführte, beendigte 
oder wiederhergestellte Crebäude verzeichnet sind. Die zweite 
Inschrift ist die der sogen. Basis Capitolina, worauf die 
Namen der Vici aus fünf Regionen verzeichnet sind, deren Cu- 
ratores und Vicomagistri dem Tiberius ein Denkmal setzen 
Uessen. Es schien zweckmässig sie zugleich mit dem Regio- 
Benverzeichnisse der Notitia abdrucken zu lassen^ 

Die neuere Literatur, welche sich ziemlich nahe an jene 
»ittelalteriichen Nachrichten anscbliesst, gehört zu den um- 
fimgreichsten, und enthält gleichwohl kein Werk, weiches for 
die jetzige Zeit auch billigen Ansprüchen geniigen könnte. Die 
älteren Topographen, welche zum Theile nicht ohne Fieiss ein 
ziemlich bedeutendes Material aus den alten Schriltstellem zu- 
sammengetragen haben, sind noch viel zu befangen in den 
thörigen Traditionen der vorhergegangenen Zeit, und über- 
haupt ist Kritik und sorgfältige Interpretation ihrer Zeit viel 
zu firemd, als dass sie zur richtigen Ansicht und Klarheit hät^ 
ten konuDen können, so sehr sie auch durch die Anschauung 
der damals noch viel bedeutenderen Reste des alten Roms ge- 
gen unsere Zeit im Vortheile waren. Die aber , welche vom 
17. Jhdte an mit Eifer eine voUständigere Bearbeitung der rö- 
mischen Topographie unternahmen, schlugen den verkehrte- 
sten aller Wege ein , indem sie die unächten Regionare zar 
Grundlage ihrer Behandlung machten, wodurch die Verwir- 
rung nur noch grösser und unheilvoller werden musste. Die 
neueste deutsche Forschung aber, die zu den grössten Erwar- 
tnngen berechtigte, hat sich der Muhe tiberhoben, den reichen 
Stof , den die alte Literatur bietet , zu sammeln , der gleich- 
wohl die einzig sichere Grundlage bietet und in den meisten 



7$ 

FälleR ztt viel sieberera ResulUten fiiiiii, ab nadentUclM 
Mauerresle «nd ans den Zeiten d^ tiersten Barbtrei stam* 
mende Nameu. — Eine sehr verdienstliche Uebersidit der 
Leistungen auf diesem Gebiete^ von den ältesten Versuchen 
an, enthält die Vorrede %nm l* Theile der Beschr. d. St. Romi 
Eine kurze Würdigung der bedeutenderen habe ich in der 
Schrift: De Bomae veieris murü atque partum Lips. 1842« 
gegeben* Hier mögen daher nur die Schriften selbst namoni* 
lieh aufgeführt werden« 

Poggius Florentinus, (Poggio. c. 1440.) dsfortu^ 
nae narietate urbu Romae $i de rtUMü enudom desoriptda. In 
der Sammlung seiner Schriften. 

Blondus FUvitts(0iondo. f 1463), Roma instaurata* 
Bas. 1513. fol« 

Andreae Fulvti Sjibini Anüquarii d§ Vrhü mitiqmäa^ 
Uhis libri V. Rom. 1327. Bresc. 1545. 8. 

Bartbolomaeus Marliapus, UrU* Romg^ topogrm* 
pkia* Rom. 1534. fol. Um vieles verbessert: Rom. 1544. 
Pagegen ist die Ausgabe von 1588 ein Abdruck der ersten. 
Auchin Graevii thes. t. III. 

Georgii Fabricii Rttma, Bas. (1550.) 8. Graev. 
thes» t. III, 

Laoio Panno, del/e antichitä della eiitä di Roma. 
Ven. 1548. 8. 

Onuphrii Panvinii Comfnemiar, ReipukL ibam. 11. 
OL lib, I. ^niifuße urbh tm^go. Ven. 1558. 8. in Graev. 
thes* t. III. 

Janus Jac. Boissard, Topographia Bomaiui0 urhü^ 
Francof. 1597. fol. 

Gttid. Panciroli, de XIF regionibuf uriü Romoo. 
(Ein Commentar zu dem Regionenverzeielmisse derNotiiia*) 
aneh in Graev. thes. 1. 10, 

Alex« Donatns, Romß ttetm oo roeens» Rom, 16%, 
4. Graev. 1. 1. 

Famiano Nardini, Somü onticop Rom. 1660. 4. 
Vierte Aasgabe von Anto», If ibby. Bfim. 1818. 4 Bde. &• 
Graev. t. IV. 



7» 

Olaas Borrichias, de mUiqua Uriü R^mae faeied 
Hafn. 1687. Graev. t. IV. 

Ridolfino Venuti, Aamrata e suceüftä deeeri^hne 
Utpegrmßea delle onHehitä dt Roma* Rom. 1768'. 2 Bde. 4. 
Vittte Aasgabe von Stefano Piaie. Rom. 1824. 2 Bde. 4. 

A n d r. L u mi s de n, Remarks oit tke antifwties ofRome 
tmd iti environs, Lond. 1797. 4. 

Gins. Ant. Gnattani, Roma descriUm ed iihistrata. 
Rom. 1806. 2 Bde. 4. 

Antonio Nibbfy delForo BammnOj della Via sacrm 
etc. Rom. 1819. 8. Le mura di R^ma^ disiignate du S$r fFili. 
Gell, illustr. du A. ISMy. Rom. 1820. 

C. Fea, Nuwa deseriMione di Roma antiea e tnodema. 
puhbL da Ang. BoneUL Rom. 1820. 3 Bde. 8. Von demsel- 
ben: MtMcelUmea ßhlogiea, critica ed anHquaria»^ Rom.. 
1790. l. !•-. 

£d. Burton, Deser^ ofthe Amtiquiiiek ete. ofRome. 
Oxf. 1821. Lond. 1828. 2 VoU. 8. Uober$. v. Sickler. 
Weiffl. 1823. 8. 

Saehs«, Gosck. n. Bosekr, d. Stadt Rom, Hanov. 1824* 
2 Bde. 8. 

Platner, Bunsen, Gerbard u. A«, Bowkreib. d. 
Stadt Rom, Stattg. 1830. bis jetzt 3 Bde in 5 Abtheilnngen. 

Etudeo statütiques sur Rome p, le comte deTour- 
non. Par. 1831. 2 Bde. 8. mit Atlas« Der Vf. war r«>miscber 
Präfekt von 1810 bis 1814. Das Werk betrifft in der Haupt« 
Sache nur das neue Rom, ist aber von Interesse für die Topo- 
graphie der alten Stadt besonders wegen der vergleichenden 
Ansichten vor und nach der durch die Franzosen veranstalte« 
ten Ansgrabungen. Der grosse Plan der Stadt dient vielÜMh 
zur Ergänzung des Deutschen. 

Lud. Canlna, Indieaziome topogr. di Roma antiea. 
Rom. 1831. 3te Ausg. 1841. mit grossem Plane des alten Rom 
und vielen Ansichten restaurirter Gebäude. Von demselben i 
Delforo Romano e sue adjacenxe. Rom. 1834. 

Ausserdem sind theils viele topographische Untersuchun- 
gen in andere Werke, wie von Gaetano Marini, Fea 



80 

ti* s. w. Yerwebt, theils giebi es eine grosse Zahl eiacelne 
Punkte betreffender Scbriften, die am gehörigen Orte werden 
genannt werden. ^ 

Noch sind zu erwähnen mehrere Kupferwerke, von denen 
namedtlich die älteren, in wie fern sie damals noch erhaltene, 
jetzt Verschwundene Ruinen darstellen ^ von nicht geringer 
Wichtigkeit sind. Der erste Platz gebührt unstreitig dem 
grossen 1551 von Leonardo Bufalini in 24 Uolztafeln 
herausgegebenen Plane der Stadt, wie sie damals war. Leider 
ist davon nur ein unvollständiges Exemplar auf der Bibliotheca 
Barberina in Rom noch vorhanden und dieses jetzt, wie die ganz« 
Bibliothek, dem Fremden völlig unzugänglich. Ferner 

DuPerac, IvestigideiC antichitä di Roma etc. Rom. 
1674. quer fol. Wie anders sahen damals noch die IVümmer 
aus ; wie Vieles jetzt ganz verschwundene stand noch, z. B. 
das Forum Nervae , das Septizonium , die Trophäen des Ma-> 
rius« Das Werk ist ziemlich selten ; sämmtliche das alte Rom 
betreffende Tafeln (39) aber sind stark retouchirt wieder abge>- 
dnickt worden mit dem Bilde Jacob Schletzers auf Taf. 2. statt 
des ursprünglichen (nur veränderten) von Giomb. Rossi. In 
dieselbe Zeit gehört 

Desgodetz (von Colbert nach Rom gesandt), Le* idi- 
ficcM aniiques de Rome mesures et dessines. Par. 1682. fol. 

Mich. d*Overbeke, Les Restes de Fanciesme Rome* 
A la Haye. 1763. 2 Bde. gr. fol. Eines der grossartigsten 
Werke. 

Giamb. Piranesi, Antichitä Romane. Rom. 1784. 
4 Bde. fol. hat in seiner bekannten geistreichen Manier die 
wichtigsten Ruinen herausgegeben. Leider ist er nicht ganz 
zuverlässig und der Text ist ganz unbrauchbar. In ähnlicher 
vortrefflicher Weise ist das neueste grosse Werk : 

L Ulf iRossini, ^nUcAtldüomffM. Rom. 1822. 23.gr. fol. 



Topogrraphle der Stadt. 



Lage, Weichbild und Klima. 

Die Stelle, auf wek-her sich, von kleiiien AnfiLngen an«- 
gehend» die nachmalige Weltbehemcherin Roma erhob, liegt 
an der nordwestlichen Grenze des alten Latinm, hart an dem< 
linken Ufer des Flosses, der in der vorrdmischeii Zeit Albnla. 
geheissen haben soll ^®^), nachher Tiberis oderTybris ge- 



106) Plia. N. H. Ilf, 5, 9. Tiberis, antea Tybrü appeilatu» ei 
prius Aibula. Ueber die Abstammuiif; dei Nameaf f^ab e^ eioe dop- 
pelte Tradition , eine etraskische und eine römische oder latinische. 
Varro L. L. V, 5. p. 45 Sp. Seä de Tiberii ntfmine aneeps hitto^ 
ria. nam suum Etruria et Latium suum esse eredii, quod Jüerunt 
qui ab Thebri vicino regulo yeientum dixentnt appellatum Thebrim: 
sunt qui Tiberim priseum nemen LßHnutn Aibuiam vpeitatum liteHi 
iradiderunt; posterius proptnr Tiberinum regem Latinorum muta^ 
tum, quod ibi interierit; nam hoc eiusy ut tradunt, sepulerum. Der 
römischeo Ableitouf^ folgen: Liv. I, 3. ut Etruseis Latinisque fluvius 
Atbula, quem nunc Tiberim voeant, Jinis esset, and nachher: Tibe^ 
rinus, qui in traisetu Albutae amnis submersHs eetebre ad posteros 
nomen flumini dedit, Dioays. I, 71. {Ttfie^tvoc) nafftveffieU 9i wrb 
voo ^vfiarog imoyvfMuv iavnif nutriXsnt vor norafior, "jiXßovlap «<•• 
lovfuvor fr^re^op. Eben a« Paul. Di ae. p. 4. Aibula, Ovid. Me* 
tarn. XIV, 614. Fast. II, 389. Der etmskischen scheint za folgea 
Virg. Aea. Vlfl, 330. wo Evander spricht: 

asperque immani corpore Tybrisy 

A quo post Itali flueium cognomine Tybrim 
Diximut: amisit verum vetus Aibula nomen» 
wenigstens k.ann er nicht an einen albanisehen König gedacht haben, 
wie aveh Serrins gegen Livios bemerkt. Derselbe sagt: HicTuseo* 
rum rex fuit, qui iuxta kune ßuvium nugnans oeeidit st ei nomen 
ivsposuit, Absard ist die Ton ihm ebenfalls liier and la 111, ftOO. an- 
geführte Ableitung von vßQ$s, wenn man auch vielleicht veranlasst 
werden kann, den Ursprang des Namens auf die Sieoler sarüekzufdh- 
fea, was auch Virgil nicht widersprechen würde. Die Herteitang von 
Tiberinus ist allerdings der Form nach fast anglanblich ; gleichwohl 
ist sie die in Rom, selbst in den heiligen Büchern angenommene. 

6 



82 

Bannt wurde, etwa 15 Miglien von seinem Ausflusse ins Meer» 
Der Umfang der späteren Stadt schliesst eine Gruppe von sie- 
ben, oder in weitester Ausdehnung acht Hügeln ein, denen 
auf dem jenseitigen Ufer zwei andere Höhen entsprechen. Die 
nächsten Umgebungen sowohl als das eigentliche Stadtgebiet 
werden, namentlich was die Niederungen anlangt, schon im 
Alterthume als eine ungesunde Gegend bezeichnet. Cic. de 
rep. n, 6. LocumquB dehgii et /ontibus ätuntbmtem et in 
regione pestäetiti tahibrem : coiles enim sunt, qm cum per- 
flantuT iprij tum qfferunt val/ibus umbram. Daher die Klage 
derer, welche gern sich nach Capna gewendet hätten, bei L i t. 
Vn, 38. se — in pestilenti atque arido circa urbem solo lu- 
ckari. Aber mcht bot die Niederungen, sondern aoeh die Hö- 
ben selbst haben und hatten zum Tbeile ungesunde Luft, waa 
der Incus M ephitis, vielleicht auch der Altar der Mala 
Fortuna auf dem Esquilin, die ara Orbonaennd die arae 
Fe bris sattsam beweisen, deren eine selbst auf dem Paialin 
Ijig 107^, Gegen diese Zeugen mögen daher die Worte, welche 
Li vi US y, 54, den Camillus sprechen lässt: Non sme cmum 
du hominetque kunc Vrbi condendae loeum eiegeruntj salu-^ 
berrimas eoüo$ , ßumen opportunum , quo ex mediterraneU 
hcit Jruges devehantuTj quo maritimi commeatus accfpian- 
tut; mute vievuim ad commoditatee nee expoeitum niwna 
propinquitate ad pericula classium extemarum; regionum 



Serv. I. VIII, 330. mam •t m Poniifieibus inäigiiaH ioiet.-— Weaa 
«brigeBS bei Dichtera sicli häufig der Name TibeHHus lladet, Vir«. 
AeD. VII, 30. Ovid. Fast. IV, W. 7n. VI, 105. Prop. IV,», 7-, 
•0 ist ea woU der Nane dea FloaasoCtea , der Tdr den Flvaa aelbai 
atebt. 

107) Varre L. L. V, 5. p. 54. Deaot deo iueus BttJOU aaf den 
Eaqvilia, Fest«a p. 351. eiae aeäi» M^tü ebeadaselbst. Jeae Al- 
täre werdea aasefabrt vea Gie. de aaC deer. Hl, %&, Febris enim 
fanum in Pataüo 9t Orbimae md anlem Larum^ 9t oram Mala9 For- 
tunen EfuiHü 99m999ratam tridnmuM, oad de leg. II, 11. Arafue 
V9tU9 stat in Palatio F9brü, 9t aliertt Etquiiiü Mmla9 Fortunma. 
P 1 i B. II, 7, 5. Id9oqu9 9timm publie9 F9bri» fanttm in Paimtio dh 
eatum 9st, Orbomu od a9d9m, Lamm 9t ara Malae Fortuna9 Etqui* 
tOsi Aber Altäre der Fieber^öttia werdea aacb anf dem BfqotKo und 
den Qairiaal seoaaat Valer. Max. II, 5, 1. F9br9m — tBrnpHs 9o* 
Ubant, quorum adhut untim in Paimti»^ aiterua^ in arem Mariano* 
mm monumnntütum (Esqailia), tertium in snatma Pert9 Fiei hntti 
(Qairiaal) smstat. 



83 

limHae medtmn , ad mcrementum ftrbü nätum Ufdee loeum. 
keim grosses Gewicht haben. So musste freilieh das UrtheH 
in seiner Zeit aoslUIen. 

JedenfiiUs ist vielmehr Strabo's Urthefl sehr richtig, 
dass der Ort nicht gewKhlt wurde, weil er besonders geeignet 
schien, sondern weil sich eben kein anderer darf>ot. V, 3, 2« 
p. 229. an€X&&p%as olmid% {^Pm/AvXov iut\*PA/MiO¥) miaa$ 
^¥ 'PmfJi>fj¥ ir tonoic oü ngoß aTgiüir fiäXkop 9 ngic 
äraymjy IntttiiBiöiQ. o^e ydg iffv/trop t6 Siafpf>e, ov%b 
Xfig^y oluelar l%0¥ inifp nifil oarj n6Xei nQOöipofoc. vgl. 
§. 7. p. 234. In der That haben die Hagel Roms keine beden* 
tende H5he : sie schwankt zwischen 150 und 170 Fuss nnd 
nur der Pincius erhebt sich anf etwa 200 Fnss , so wie der 
Wall des Servias IVdlios in Villa Negroni, wo der höchste 
Punkt des jetzigen Rom an der Stelle, Wo die Statae der Dea 
Roma ist, 236 Fuss fiber dem MeeresspiegeP^). Und doch 
ist die jetzige Hohe keinesweges überall die der alten Hügel, 
indem der Boden fiist allenthalbeia bedeutend erhöhet ist; ja 
schon in Nervals Zeit erkennt es Frontinus an, dass die 
Hügel nicht mehr ihre ursprüngliche Höhe hätten, deaquaed. 
18. nam nunc eolles qui suntj prapter frequenüäm incendio^ 
rum excreverunt rudere» 

Das zu der Stadt gehörige, ihr Weichbild ausmachende 
Land, der ursprüngliche ager Romanus, war allerdings, 
wie Strabo sagt, sehr beschränkt. Als der Sage nach durch 
Numa die Crrenzbestimmung erfolgte, war unstreitig durch 
gluckliche Fehden mit den benachbarten Städten schon ein 
grösseres Gebiet gewonnen worden*), und dennoch lagen 



los) Bestimmani^eo der Höh« verscbiedeoer Pookte, aber nach 
sehr verschiedeneo und sehr anter einander abweichenden Messungen 
s. bei Bonsen, Beschreib, d. Stadt Rom, Th. I. S. 34 IT. Die ^e- 
naaeaten Measangen von George Shackbarj^h in den Phitosophi- 
eal Transactions. 1777. Vol. 67. P. 2. p. 594. auch bei La mi «den, 
Remarks on the antiquities <^f Rome. p. 137« 

9} Man wosste, dass der Gründer der Stadt kein Weichbild ab- 
^steckt hatte and dass die termini erst durch Numa aarj^erichtet 
seien. Plotarch. Num. 16. Joiui 8k nal olats avToc OQlaai rtjy x^' 
Qav oßaoiXsvSf 'PomvXov fiii ßovkt^d'ivTOQ iiofiohtyiioaa^ai tm fUr^tf 
Tov otjielov r^v iupai^featv rov oXIotqIov ' Seauov va^ slvai t^9 SwafitotC 
T^ o^Wf av ipvlamireu, fi^ tfvinvxoiurov ok ttj^ äifixiae ileyxov. Oo 

6* 



84 

diese Grenzen der Stadt sehr nahe. In Westen machte der 
Fluss selbst die Grenze f in Nordost und Osten lagen ganz 
nahe mit ihrem Gebiete die Städte CoIIatia, Antemnae, Fidenae, 
Labicum und andere ^^^). Daher erstreckte sich denn das rö- 
mische Gebiet nicht über den fünften oder sechsten Meilenstein 
binans, wie aus der Angabe einiger Stellen, an denen die Amb- 
arvalien gefeiert wurden, hervorgeht '^). Am weitesten 
reichte das städtische Weichbild südwestlich nach der Meeres- 
küste hin. Fest. p. 213. Peciuscum Palati dicta est ea regio 
Vrbis^ quam Romuliis obversam posuit ea parte j in gua plm^i" 
mum erat agri Romani ad mare versus ^ aim Etruscorum 
agrum a Romano Tiberis discluderet, caeterae vidnae cioi- 
taies volles aä'fuos haberent oppositos. Dieses kleine Gebiet 
ist der eigentliche alte ager Romanus, den Trebatius ager 
antiquus nennt '^). Von ihm zu unterscheiden, aber eben- 
falls als ager Romanus zu betrachten, sind die durch spätere 
Eroberungen weithin über Italien sich erstreckenden Staats- 
güter. Daher konnte im zweiten punischen Kriege bei dem 
Streite zwischen M. Valerius Laevinus und dem Senate we- 
gen Ernennung eines Dictators behauptet werden, dass der 
ager Romanus seine Grenzen innerhalb Italiens habe. Liv. 



nQOQtxtnaazo *Pwfivkog. Aeniilich Quaest. Rom. 15. 




11) Bio solcher Ort ist z. B. Festi KWischen dem fHofteo und 
secbsteo MeileDSteine. Strabo a. a. 0- Mtra^v yovv rov nifiitrov 
%al rov txvov Xi&ov rwv r« uiXia Biaarjfian'ovTOtv rf c 'Ptufit^g Mtifi- 
«■«« rosros 0^QTO* ' rovror a ooiov anotpaivovai r^g tors 'Patfuiüur 
yijg. Ol ^ it(fOfiyr^fioveg ^vaiav tnntkovaiv ivrav^ä re xtü iv aXXoig 
Tonoig nXtloatv, tag oQioig, av^fi^^ov, ijy «aXovoiV *jifißa^viav. Bbeo 
darauf bezieht sich die Feier der Termiaalien am sechsten Meiien- 
steioe der Via Laoreotina. Ovid. Fast. 11, 677. 

Est via, quae popuium Laurents ducit in agrot, 

Quondam Dardanio regna petita duei. 
lila lanigeri pticoris tibi, Yermine, Jibrit 

Sacra videtjieri sextus ab urbe iapis, 

12) Servius z. Virg. Aen. XI, 316. {Est antiquus ager tie.) 
Sane antiquus potest et nobilis aecipi vel seeundum Trebatium , qui 
de religionibus tibro septimo ait: „Lud qui sunt in agris, qui con- 
eilio capti sunt, hos tucos eadem caerimonia moreque eonquiri ha^ 
berique oportet, ut eaeteros iueos, qui in antiquo agro sunt.^' Ann 
Üquum agrum Romanum eogit inteUigi. 



85 

XXVn, 5. IBa ditcepiaito tenebät, quod contul m SiciUa se 
M. Falerium Messalam , gut tum elassi praeesset, dictatarem 
dicturum e^se aiebat: Patres extra Romanwm agrum (eum 
autem in Italia terminart) negabant dictatorem dici posee. 
Wie diess za verstehen sei, erhellt am deutlichsten aus der 
Botschaft, welche der Senat an den schwer verwundet zu Ca- 
pua liegenden Consul T. Quinctins Crispinns sendet. Liv. 
XXVII, 29. tit^ $i ad comiHa ipte Romam venire non posset^ 
dictatorem in agro Romano diceret comitiorum causa. In sol- 
chem Falle wnrde anch geradehin' ein Theil des ager captnms 
fSr ager Romanus erklärt. Serv. z. Aen. II, 178. Dagegen 
ifltXLIV, 18. Bisineantu annieius laptdatum esse nuncia- 
tum est; in Rotnano agro, simutm f^eientibus, der ager JBo- 
manus im engeren Sinne zu verstehen, man möge übrigens 
interpnngiren wie man wolle. Vgl. Y arro L. L. V, 4. p. 34. 
9. p. 61. 

Was das romische Klima hinsichtlich der Temperatur an- 
langt, so scheint es in alter Zeit strenger als jetzt gewesen zu 
sein. Hat anch vor wenigen Jahren Rom das neue und unge- 
wohnte Schauspiel von Schlittschuhläufern gehabt, so scheinen 
sich doch so ausserordentliche Beispiele strenger Winter, wie 
sie aus dem Alterthume berichtet werden, in neuerer Zeit nicht 
wiederholt zu haben. Von einem solchen unerhört harten Win- 
ter erzählt Dionys. fgmta lib. XII, 8. '£V 'Poi/ffj x^'i^^^^^ 
ysvofiirov ßiaiov, ir&a 17 iXayiotfj yiiiv xwtivitfjsv^ ovn 
iXdvTiav fjp inTcl nodäv to ßci&os» £r giebt an, dass Men- 
schen dadurch umgekommen, Schaafe und anderes Vieh erfro- 
ren sei. Viele Hänser seien gänzlich verschneiet worden; an- 
dere beim Wegtbauen des Schnees eingestürzt. Wahrschein- 
lich spricht er von dem Winter des Jahrs 353 d. St., von dem 
Li vi US Y, 13. berichtet; Insignis annus hieme gelida ac 
nvoosa ßät^ adeo ut viae clausae, Tiberis innaoigabiiis fiie* 
rit. Wenn er aber hinzusetzt: %ovto %6 nd&oe oirse tiqo- 
^€Qov nore ye^OfAB^ov iv lazoglac yfaipy nsgl vavra %a 
ymgia nageik'^fpa/iep , ov&* vartgor i'iae vov «ad** ^f^aQ 
yjQovov, ^/turgm yi nvi fiogsio^sga %ov /hüov uarä xov 
vnlg ^Ad^viv ygatpofisvov 8i 'EXX^onovzov nagdklfj- 



86 

Im, 11»), xvn 9k numtov imi nUmv iUßii f^ «lm»vl€V vod" 
9tmg ^ Tov negtdxovToe mjvit njv y^r fVütf., so widerw 
»pricht dem /Uvoif Augustin, de civ. dei. III, 17., der 
ans dem Jahre 483. C. Geiiucio, Cn. Cornelio Coss. voa ei- 
nem nicht minder strengen Winter berichtet, wo das Foma 
vierzig Tage mit hohem Schnee bedeckt blieb. So ausserotw 
dentKche Beispiele werden freilich spSterhio nicht mehr er- 
wähnt? indessen sehreibt doch Cicero ad Quin t. fr. n, 12. 
prid. Id. (lanuar.) cwb yippm, tenatum uf/re^umtm eolgif 
tet, tantttm fuit frigtu , tU popttti comicio coaotut tit not 
^tere., und es giebt bei Horaz ") und Anderen genug 
Andeutungen einer strengeren Kälte als man jel?* in Aon» zu 
erfahren gewöhnt ist. 

AUgremeines Bild der Oertlichlieit. 

Ehe man sich der Betrachtang der einzelnen Bezirlce, in 
welche die ganze Masse der städtischen Anlagen nach dem ein- 
fiichsten Eintheilungsprinape zerfällt, zuwendet, ist es nütz- 
üch, einen Gesammtüberbliok der OerUichkeit im AUgemeinea 
«u erhalten, und sich derselben in ihrem natürlichen Zusam- 
menhange, wie sie sich, abgesehen von den darauf entstehen- 
den Anlagen , an sich darstellt, deutüch bewnsst zu werden. 
Für diesen Zweck fassen wir die Sudt in ihrer weitesten Aus- 
dehnung, wie sie durch die Mauer Aurehans bestimmt ist, so 
dass auch ein Theil des rechten Ufers entweder zur Stadt 
selbst gezogen wird, oder wegen ausserhalb ihrer Grenzen 
hegenden aber doch topographisch wichtigen Punkte in Be- 
tracht kommt. In diesem Sinne onUässt die Stadt auf dem lin- 
der Glwoa"S'«/"'LLTr\'^. '"' *^""««*» "»■»"• '«» «««feMe , 1« 
drellf »nH r„ .?^/."'"^ "•«* ■•«* der Bestiaimao> vo« CaUa- 
U^ Od I a^'l' ""»••.■. Betrhr. d. St. R. I. S. 86. 

Piter. u. i l ' I'^aI /""''? *" Jfl'eiet nit„t Dura nwnine ht- 
rewSboliekes .elS. ' ^^' "^ '" J«**'^*'" ^eit etwa« Üd- 



87 

km Ufer (tmm «lan die HoIm toh S. Stbha aad 8. BaÜMna 
diiflireileB iiBberiicksicktii^ lässl) acht Hügel. Der nördlichsle 
dieser Hvgel ist der Colli« hortoram, später Mons Pitt- 
eins, Ton der Slteren Stadt gänzlich ausgesehiossea. Seine 
Bordwestliehe Abdachom; reicht nahe an den Flnss , von den 
er sich sädSsÜich hinziehend entfernt. Ein anfänglich ziemlich 
kreites, dann in ösUicher Bichtnng schmäler werdendes Thai 
trennt ihn Ton dem zunächst gelegenen Qnirinal, der an- 
fänglich von Nordost nach Südwest ziehend sich dann südlich 
and südöstlich wendet, wo seiner Spitze die südlichere breite 
Zonge des Esquilin, die man als die Carinae bezeichnet, 
entgegentritt. Dieser sieh östlich ausdehnende Berg tbdlt sich 
in zwei von einer gemeinschaftlichen Höhe auslaufende Zun- 
gen, deren nördliche um Vieles schmälere und kürzere eben 
so, wie der gteichfalls zurücktretende Viminal, von den 
scheerenartig sich zusammenbiegenden Carinen und Quirinal 
eingeschlossen wird« In Osten vereinigen sich Esquilin, 
Viminal und Quirinal fest gänzlich zu einer duzigen 
Hochebene, so dass sie nur als verschiedene von einem Berg- 
rücken ausgehende Zungen erscheinen. Der von den End- 
spitzen dieser drei Hügel begrenzte Raum ist die Tiefe der 
Subura. — Südwestlich vom Quirinal, nach dem Flusse hin^ 
liegt der kleinste von allen Hügeln, der Mons Capitolinus, 
dessen höherer nordöstlicher Gipfel von dem südwestlichen, der 
Rupes Tarpeia, durch einen beträchtlichen Sattel getrennt 
ist. Von dem Quirinal war der Capitolinus in der älteren .Zeit 
durch keine so bedeutende Tiefe, wie jetzt, geschieden 4 viel- 
mehr mögen beide mit ihren Vl^urzeln sich berührend gedacht 
werden« bis grossartige Anlagen eines pracbtliebenden Kaisers 
dazu fiihrten, den Raum zwischen beiden Höhen zu ebenen. 
Von demFusse der Rupes Tarpeia mögen etwa SOOSchritte 
bis zum Tiberis gerechnet werden, der von hier an eine 
Strecke lang eine niedere Ebene begrenzt, bis er den sndlich- 
aten der Hügel, den dicht am Flusse gelegenen Aventin er^ 
reicht. Durch ein weites Thal von diesem getrennt zieht sich 
weithin nach Osten der Ca e lins, dessen nördtiche Seite in 
ihrer ganzen Ausdehnung dem Esquiljn gegenüber liegt, und 



88 

so den Krass der H8gel schliessL In der Mitte derselben aber 
erhebt si€h das Trapeziam des Palatin, dem in Osten der 
Caelius, in Nordost und Norden der Esquilin und Qoirinal^ in 
Nordwest der Capitolinas and in Südwest der Aventin entge- 
gentreten. Von dem nördlichen Abhänge des Palatin zieht sidi 
eine minder beträchtliche, anfänglich schmale, dann sich er- 
weiternde Höhe nach der westlichen Spitze des Esquilin, den 
Carinen hin. Ihr Name war Velia. Durch sie wird das öst- 
lich hinziehende Thal des Colosseum yon der westlich bis 
an den Capitolinus reichenden Ebene desFornm geschie- 
den. Zwischen dem Palatin und Aventin liegt die Vallis 
Murcia oder das Thal des Circus Maximus; die Fläche 
aber zwischen Palatin, Capitol und dem Flusse war in ältester 
Zeit vielleicht grösstentheils mit Sumpf und selbst Seen bedeckt, 
wie das theilweise vielleicht selbst vom Forum gilt. Hier war 
das y elabrum und das Forum Boarium. — Der Capi- 
tolinus, Palatinus, Aventinus und Caelius sind 
ganz isolirte, durch Thäler geschiedene Hügel, während der 
Esquilinus, Viminalis und Quirinalis sich in einem 
Rücken vereinigen. Die ersteren vier und der Esquilin als 
fünfter werden gewöhnlich tnontes, der Quirinal und Viminal 
coUes genannt. 

Den diesseitigen Höhen entsprechen auf dem rechten Ufer 
der Mons Vaticanus und Mons lanicnlus. Der erste- 
re nördlichere, dem Pincius gegenüber gelegene tritt weiter 
nach Westen und zum Theile hinter den laniculus zurück ; die- 
ser aber, nahe am Flusse sich erhebend, zieht sich last in der 
ganzen Breite der alten Stadt in südlicher Richtung hin, bis er 
dem Aventin gegenüber in die Ebene abläuft. Auf diese Weise 
wird durch den Pincius, Quirinal, Capitolinus und Aventin auf 
dem linken, und den laniculus und Vatican auf dem rechten 
Ufer eine ziemlich weite Ebene eingeschlossen, welche der 
Tiberis in zwei grossen Krümmungen durchschneidet und so in 
drei Felder iibtheilt, von denen das obere und untere auf 
dem rechten, das mittlere auf dem linken Ufer liegt. Denn 
noch ehe der Fluss die Stadt erreicht, wendet er sieh der lin- 
ken Hügelkette zu und lässt so zwischen seinem Ufer und den 



Wbem des Valican eine beirftchttiche Ebehe. INets isl der 
Mger Vaticanas nnd< ein Theil davon die Pratu Quin- 
ctia. Von da strömt er westlich ausbiej^end gerade auf das 
nördliche Ende des lanicuios zo nnd beschreibt von diesem sich 
wieder abwendend einen grossen Bogen bis zur südwestlichen 
Spitze des Capiiols. Die dadurch zwischen dem Flusse und 
der linken Hügelkette (Capitolinus, Qnirinalis und Pincius) ge- 
bildete weite Ebene ist zum grössten Theile Aet Campus 
Martins; den kleineren Südlichen Theil machen die Prata 
Flaminia, nachher Circus Flaminius, aus. Ehe nodi 
der Fluss das Capitol erreicht, theilt er sich in zwei bald sich 
wieder vereinigende Anne und bildet so die Insula Tiberi- 
na. Bald darauf, wo er sich am weitesten von dem laniculus 
entfernt hat, wendet er sich diesem, am Aventin vorbeiströ- 
mend, wieder zu. So entsteht die untere Abtheilung der Ebene 
auf dem rechten Ufer, das Transtiberinische Gebiet. 
Südlich vom Aventin und ausserhalb der ganzen Hfigelgruppe 
schliesst die spätere Mauer noch eine andere Ebene ein, wo 
sich ganz isolirt der räthselhafte Scherbenberg (MonteTe- 
staccio) erhebt. 



Ueber den Plan, den man bei der speciellen Betrachtung 
der die Stadt ausmachenden Theile zu befolgen hat, um ein 
möglichst anschauliches Bild zu erhalten, kann kein Zweifel 
obwalten. Denn wenn die Topographie Roms (wie das von je- 
der Stadt gilt) die Darlegung der auf dem oben geschilderten 
Räume entstandenen städtischen Anlagen in ihrem Zusammen- 
hange sein soll, so ist dadurch schon ausgesprochen, dass man 
die zusammengehörigen Massen ungetrennt zu betrachten hat. 
Wo nun, wie in Rom, die natürliche Beschaffenheit des städti- 
schen Raums das Ganze in einzelne deutlich gesonderte Grup- 
pen zerfallen lässt, da wird man unbedingt sich dieser natür- 
lichen Leitung überlassen und jede andere nicht aus derselben 
Rücksicht hervorgegangene Eintheilnng verwerfen müssen. 
So wird man also die Anlagen desCapitols, des Palatin, 



M 

des Aventin uad Cteliufl, des Harsfeldes u. s. w. I8r 
sich als vermdge ihrer natOrlichen Begrenzong von anderen 
Theilea abgeschlossene Complexe zn betrachten, und die klei«» 
neren von den Hügeln begrensten Ebenen nndThäler diesen an- 
noschliesseik haben : es giebt aber auch noch andere Gmppen, 
deren Zusammenhang ein künstlicher dnrch die Anlagen selbst 
bedingter ist, und die demnach als künsüiche Systeme erschei- 
nen. Der Art sind die Fora, die an einander sich reihend 
vom Forum Romannm bis znm Forum Traiani ui^;e- 
trennt behandelt sein wollen: der Art auch die Wasserlei* 
tungen, die über die ganze Stadt das grossartigste Netz bil- 
den. Wollte man sie aus einander reissen, so würde man nie 
zu einer ohnehin schwierigen Uebersicht des ganzen Systems 
gelangen. Sodann aber giebt es gewisse gleichartige Anlagen, 
die in der Stadt zerstreut liegen, aber dennoch besser in ihrer 
Gesammtheit behandelt werden : das sind die Thermen, die 
Ciroi, die Theater und Amphitheater, dieBrücken. 
Sie sind freilich jedes auch an seinem Orte als einen Theil der 
Bezirkianlagen ausmachend zu erwähnen, aber die genauere 
Erörterung findet besser in gemeinsamen Abschnitten Platz* 
Schwierig ist allerdings die Aufgabe bei der ewig wechselnden 
Geslalt der Stadt, wo eine Anlage die andere verdrängt, das 
Gleichzeitige herauszufinden, und streng genommen ist sie gar 
nicht zu lösen ; denn während das Eine entsteht, ist das An- 
diere schon nicht mehr, und das neu Entstandene macht einem 
noch Neueren Platz. Für manche Theile, wie das Forum Ro- 
manum, lassen sich wohl gewisse Hauptperioden annehmen; 
aber auch in diesen gehen nach und nach die mannigfaltigsten 
Veränderungen vor, und es würde auch nichts nützen , wenn 
man noch kürzere Zeitabschnitte annehmen wollte. Hier muss 
man nun freilich auf das Unausführbare verzichten und nur das 
zu erreichen suchen, was überhaupt möglich ist. — Wenn es 
aber nur nach dem so dargelegten Plane möglich scheint, ein 
zusammenhängendes Bild der Stadt zu entwerfen, so ist doch 
eine andere politische Eintheilung derselben nicht ganz zu ver- 
nachlässigen : ich meine die durch Augustus eingeführte und 
bis in die späteste Zeit festgehaltene Eintheilung in die vier- 



91 

seh« Regionen. Sie ist als Grandlüfe der topogrnpUicIien 
Anordnang ganx unlNranchbar, erstlich, weil sie anf die ganse 
frühere Zeit, sieben Jahrhunderte von grösserer JBedeutang als 
die ganze folgende Kaiserzeii, gar keine Anwendong leidel^ 
m^eitens weil, wenn sie auch keinesweges wiUkiihrlioh war« 
doch bei der Vervielfaliigung der Bexirfce ans poliseiliehon 
Rücksichten notbwendig natürlkh zasanunen Gehörendes ans* 
einander gerissen werden musste; drittens, weil spätere Baur 
Inst keinesw^es auf diese Grenzen Rüeksicht genonipieB hat 
und also die Anlagen einer Region in die andere übergriffen* 
Endlich kennen wir auch die ursprünglichen Grenzen der An- 
gosteisdien Regionen nur unzureichend und selbst die späte» 
ren sind zum Theile sehr zweifelhaft. Indessen ist es doch 
zweckmässig, wenn erst das Bild der Sladt vollendet ist, eine 
kurze' Uebersicfat dieser Bezirke und dessen, was sie umfasn* 
ten, zu geben. 

Das Erste aber, wovon überiiaupt die Betraehtang der 
Stadt als solcher auszugehen bat, ist ihre Begrenzung durch 
Mauern oder andere Befesttgungftanlagen. Wie oft diese in 
der königlichen Zeit bis auf Tarquinius Priscns mögen gewech- 
selt haben, ist eine durch keine Untersuchung zu lösende und 
also unnütze Frage. Es ist natürlich, dass bei fortwährender 
Erweiterung des städtischen Gebiets auch mehrfache Einfriedi* 
gungen sich succediren mussten; aber die Nachricbten über 
diese Vergrösserungen widersprechen sich hinsichtlieh der Zeil 
«nd der Urheber vielfältig und der Gang, den solche Befesti* 
gongen könnten genommen haben, bleibt uns gänzlich unbe- 
kannt. Daher lassen sich für die ganze Dauer des römischen 
Staats nur drei Hauptepocben annehmen, in welchen die Stadt, 
natürlich in sehr verschiedener Ausdehnung, durch neue 
Mauern begrenzt wurde. Die erste dieser Epochen fällt mit 
der dem Romolus zugeschriebenen Chröndung der paktini- 
sehen Stadt zusammen ; in der zweiten erhielt durch Servius 
Tullius das städtische Gebiet, in so weit es durch die Be- 
festigungslinien bestimmt wird, den Umfang, welcher über acht 
Jahrhunderte lang unverändert derselbe blieb, indem erst Au- 
relian der weit über die Grenzen der servisohen Mauer aus« 



«8 

gedehnten Stadt die dritte, ihrem damaligen Umfange entspre- 
chende Befestigung gab. Wenn 125 Jahr später Hon orius 
eine neue Mauer erbauet haben soll, so mag das weit mehr von 
Wiederherstellung der aurelianischen als von einer neuen Be- 
grenzung verstanden werden und im Allgemeinen wird man 
behaupten dürfen, dass der Linie jener Befestigung die heuti- 
gen Mauern Roms entsprechen, obgleich es schwer nachzu- 
weisen ist, was nach unzähligen und zum Theile sehr umfas- 
senden Restaurationen etwa noch der Zeit Aurelians angehö- 
ren möge* 

Pomoerium der ältesten palatinischen Stadt. 

Ob vor der Gründung Roms durch Romulus schon auf 
dem Palatin und den umliegenden Höhen Ansiedelungen gewe- 
sen; was von der Niederlassung der Arka der uuler Eva n- 
der ^^^) und einer mehrmaligen Gründung der Stadt *^), von 
einem Oppidum auf oder an dem Mons Saturnius (Capito- 
linus), Saturnia ^^) genannt; von einem anderen auf dem 
laniculus, Aenea oder Antipolis i^); was von den 
neuerlich vermutheten Quirium auf dem Quirinal, Vatica 
oder Vaticum 1*) zu halten sei , das ist für die römische To- 
pographie von geringer Erheblichkeit, da wenigstens sich ein 
Zusammenhang zwischen solchen frühen Ansiedelungen und 
dem später hier sich entfaltenden Leben durchaus nicht nach- 
weisen lässt. — Eben so sind hier die über die Persönlichkeil 
des Gründers angeregten Zweifel völlig gleichgültig, da es sich 
nur darum handelt, die Begrenzung der Stadt aufzufinden, 
welche die Römer selbst als das älteste Rom kannten und be- 
trachteten. Diese Stadt aber galt ihnen als von Romulus ge- 



115) Varro L. L. V, 4. p. 31. 8. p. 59. Dionys. I, 31. Serr. 
z. Vir^. Aea. VIII, 51. 

16) Diooys. I, 73. Serv. z. Virg. Ecl. 1, 20. Aen. VI, 
773. VII, 678. Fastas. p. 366. Ramam, 

17) Varro V, 7. p. 48. Fest. p. 3». Satumia. Serv. z. 
Virg. AeD. VIII, 319. 

18) Dionyg. I, 73. Plia. N. H. III, 5, 9. n. 68. SerT. i. 
Aen. VIII, 319. 

19) Nie bahr, Rom. Getek. I. S. ZtO f. (3. AnssO- 



93 r 

gründet uod dariiber hinaas gab es kein Rom. So kann denn 
auch die Topographie der Stadt nur mit dem Pomoerium 
des Romnltts beginnen. 

Wie sehr sich nun auch die Nachrichten der Geschieht- 
Schreiber und Grammatiker über das älteste Bestehen und 
Wachsen der Stadt widersprechen, so stimmen doch alle darin 
fiberein, dass die erste Gründung vom Palatin ausging, und 
dass das älteste Pomoerium nur diese Höhe und ihre Ab- 
hänge umschloss. GclL XIII, 14. Antiquis^inutm autem pih> 
moeriumt quod q Ramuio insiitutum esij Palatiai moniis ra^ 
üeibuM termmabaiur. Dasselbe sagt, nur weniger genau die 
Grenze bestimmend, Dionys. I, 88. n^QtyQa^Mi mfäym- 
froy ojiiiMx %m A09P«». Diese Angaben sind im strengsten Sinne 
zu nehmen und nur die irrige Bestimmung einiger Punkte hat zu 
der zweifelnden Ansicht fuhren können, dass in der Stelle, welche 
die Grundlage jeder Untersuchung über den Umfang der älte- 
sten Stadt bilden muss, nicht dieselben Grenzen vorgezeichnet 
würden. Tacit. Ann. XII, 24. Sed inüium condendi etj 
quod pomoerium Romulus posuerit^ noscere haud absurdum 
reor. Igiiur u foro Boario , uU aereum tauri simulacrum 
asptcimus, quia id genus animaäum aratro subditur^ sulcus 
designandi oppidi eoeptus^ ui magmam HercuUs armm am" 
plecteretur. Inde certis spatih interiecH tapides per ima 
montis Palatini ad aram Consi, mox ad Curias veteres, tum 
ad saceilum Lamm : forumque Romanum et Capüotium non 
a Romulo, sed a Tito Tatio additum urbi eredidere. Wir 
wissen nicht, woher Tacitus seine Nachricht entnommen hat { 
aber jedenfalls stammt sie ans einer Zeit, wo man die Grenzen 
der alten Stadt noch sehr genau kannte, und sie sind mit sol- 
cher Bestimmtheit angegeben, dass sie nicht nur für Römer 
vollkommen deutlich sein mussten, sondern auch uns leicht er- 
kennbar sind. Nur in neuerer Zeit haben Missverständnisse 
Zweifel darüber entstehen lassen, und man hat geglaubt, in 
dem von Tacitus beschriebenenPomoerium eine Ausdehnung zu 
finden, die nur auf eine schon erweiterte Grenze der Stadt An- 
wendung leiden könne. Um diess als unrichtig zu erkennen, 
zugleich aber zu der Gewissheit zu gelangen, dass in den Wor- 



feil des Cl^ftciiichtoehreiken etwas fehlerhaft sein iiiiis9e,eiidlieh^ 
dass dieselbe Linie, welche er beschreibt, anch die Linie der 
Mauer sei, ist es nöthig zunächst den Begriff des Pomoe-* 
rinm genau festzustellen. 

Die Gründung Roms geschah, wie nbereinstimmend aner* 
kannt wird, nach etruskischem Ritas ^^°). Demzufolge spannte 
der Grander, nach Cato^i) angethan mit der Toga eincim 
GabmOf und zwar die auspieato, einen Stier und eine Kuh, 
ersteren rechts , nach aussen , letztere links, nach innen ^*), 
an den Pflug und zog mit dem ehernen Zahne desselben (yaXn^ 
vrtg) itn primigenius suleus^*)y die Furche, welche 
symbolisch Maoer und Graben rorstellend, die SicherheR der 
Stadt nach aussen andeuten sollte. Dabei wurde sorgfiUtig 



120) Platarch. Rom. Jl. 'O 8i 'Pwfivloe — «p»«;« t^v n6Xtp in 

9mtiY9vu4pov£ Moor« nal SiSaaitorrag ^ moTrio ir riiUce. Vgl. Varro 
L. t. V, 32. p. 144 Sp. Liv. I, 44. 

Sl) Bm Serv. s. Aea. V, 755. (trrfrese detignat ormiro) Qu^m 
Cato tu Originihu$ dicit morem /nitse. Conditoret enim civitatis 
iaurum in dextram^ vaccam intrinsecut iungebanty et ineineti ritm 
V^ibinOf id Ml, togaB parte empnt veiati, parte sueeineti, tenebant 
itivam ineurvam, ut giebae omnes intrin$eeus eaderent: et ita ntieo 
dueto ioea murorum detignabant , aratrutn suspendentet circa loeä 
partantm. Vgl. Isidor. Orig. XV, 2, 3. Aasserdem aiBd HaapI* 
Stelleo: Varro L. L. V, 32. p. 144. Oppida eondebant in Lotio 
EtruMce ritu multi, id esty iunctis bobut tauro et vacca interiore 
tnrmtro eireumagebant etiieum. Hoc /aeiebant religionis causa die aU' 
spieato, ut/ossa etmvro essent muniti. Terram unde exseulpserant 
fotsam tocabant et introrsum faetam murum, Platarch. Rom. t\/0 
^ ocWr^« iftfiaXunf diporpy 2*^^*^ ^^*^9 thTe(cv£o( di ßoZv Sffira »ai 
'd^ktunv avroff ^iv inavti ns^ulavywr avXana ßa^iiav roc( Ti^p-aoif 
rarr ^ inopUrtar f^ov tortr^ as Monjo* ßiHevg th S^or^or maraorffi^ 
m%i» siOm wA fugSsfumtf i{i» m(f*o(^ hn^enofUniv, Vgl. Ovld.Fast. 
IV, 825. 

22) Dadvrek sollte aiisebliell d«i Haines krSftiges HaoJela oack 
Aassen, des Weibes Wirken nod Schaffen im Inaern angedeutet wer- 
den, loann. Lyd. de mens. IV, 50. pLtta Si rnv inl ty ^avayo^ 
^«vet» t^t nolnjH Tiler^r C«o£«« tiufoov ftitä dmfiiXswe neftijl^e xh 
%ii%oSt rov uiv a^va inl ry/y %ov neoiov nXsvoar ^sv^ag, rtiv Si ^- 
Xsiar tTtl TO xijg noltiaC pUooQ^ eiert tovg /ilp af^tvag toXg ifta yivi- 
a&M faßi^eg^ rag M ^tßsiag rsik Mov yarifuivt. Auch Varro 
sagt vaeea interiore^ wie am richtigsten verbunden zu werden scheint. 
Da Übrigens Cato ausdrücklich angiebt, dass der :Hier rechts, die Kuh 
links gegangen sei, se folgt daraus, dass die Furche stets in dersel- 
ben Richtung (nach der Linken) gesogen wurde. 

23) Paul. Dia c. p. 23« Müll. Primigeninw suicas dieüwr, qtii 
im eandanda nwm wrbe tauro et vaeea designationis causa impri' 
mitur. 



dtfaaf geft^htet , iais dM Er4selM»lleB MinimÜiek oaeii mimh 
Men, und die doch etwa imeli aussen falleadeii wurden tm 
hinter d«n Plage Hergehenden einwärts geworfen ; wo aber 
die Maner ein Thor erhalten soUte5 wnrde der Pflog ansgeho- 
hen und iiher ifen |Hroian bleibenden Raom binweggetragen '»*)« 
Aus dem allen geht nothwendig hervor, daas bei det 
Gründung einer neuen Stadt Pomoerion und Maner uniertren»» 
lieh waren, wenn es auch nicht ausdrücklich gesagt würde ^^)^ 
was msB aber unter Ersterem sich vonusteUen habe , darüber 
bitte bei der Klarheit so yieler davon sprechender Stellen kein 
Zweifel sein sollen. Als authentische Interpretation kann gel* 
ten, was Gellius wahrscheinlich aus den liiris mtgurml&m 
anfiihrt; XID, 14. Praiocrtami quid e$ietj augures papuK 
R^niaui^ qai Hbra$ de mupidk BcripHTtmt, ütbumodi «an* 
temikt dejhnemni : Pomoermm eH locus mira ägrum tffätnm 
per iothu urbü circmium pone muros regionihus certi» deier^ 
miamtus^ quifaeitßmem urbani muqncä. Danit stimmt über« 
ein Varro L. L. V, 32. Posieä qui ß$bmt orbü urbü prm^ 
cipüim ; qui qu&d eroipasi murum postmoerimm dictum^ m#* 
que ambUu uuspida wrkunufiimnUir. Cippi pomoeri sttmi 
et eircum Arwiam ei circum Bomam* und Liv. I, 44. Po^ 



124) Plntarcli. Ooaeit. Ron. 27. o^*p ^ol niXiv an a^jf 

ri»y nvhZv %i»(^i Bia/jieTQovpri£ t^ vviv v€tat(^ai nal turafi^ovoty 
•vT«9 «10 ä^rffov, cuff T^p ctQCvfUvijv nanav le^ar «al aavAov ioauivtiv. 
Noch deutliclier |^% er d«B Gniod an Ron. II. "On^ ii nvifp ifg^ 
ßahXv SutvoovvTtu, xtivvviv iitXovrts wü ro »(for^ov vTreo^dmg Biih 
Ittfifia n4Hovoi¥. *'0(h¥ aTM¥ t* rtixOQ Uqov n^v t£v ^vJUvv vüfüiovo^ 

o&aif rä It amoTtifiTttiv tutv re avayiMUav nai tüiv /i^ na-&a(^wy, V|^l. 
Serv. a. a. 0. aratrum suspendentei eirea ioca p^rfarum. und 
II, 730. 

Ift&) DioByfe. I, S8. itt^ifofst ntf^ayw^^v i^/uL tf lo^tf, /9oo9 
af6evoe u/mi &t)leiig, Zevx&ivros in a(fOT^ov iXavaa» aolnem Su^yix^ tn¥ 
fMl^vvap vnoidS99&9u t^ tBtfov» Plsfarck.Rott.lt. Tj fiiv ovv 

0tw 07ft9&§r Tiixovg ^ furk ruxog, LeMer Ist di« voa P • « t a « |pe^ 
9eb«Be Brkläraaf so rerstäAinelt, das» der Sidd nickt erratbeo wer- 
den kana , und was Paal. Diac. p. 1^48. In^kt: Potimerium pimti- 
ßtah pamerium, ubi pont{ßc99 auMpitahuntur. MHeium autem p0- 
moerium quasi promurium , id est proximum muro, läast auf ■ekf 
als eis MSaaTcrstiiiidiiisa s^hAesaaa. 



M 

moeruim [verÜ vm 90/am tntuenies pottmoerium tnierpretan^ 
tttr esse. Est autem magis circa mumm locusj gtiem in c&n-^ 
dendis urbäms qucndam Eiruscii qua murmn duchtri enmi^ 
eertis circa ierminis inaugtarato consecrabant : ttt neque m* 
tericre parte aedificia moenibus eanänuarentur , qnae nunc 
9ulgo etiam coniungunt, et extrinsecus puri aliguid ab kuma- 
m» euliu pateret soU. Hoc spatium quod neque habüari n«* 
que ararifas erat, nen magis quodpost mumm esset ^ quam 
quod murus post idj pomoerium Romani appellarunt et in Ur^ 
bis incremento semper, quantum moenia processura erant, 
tantum termini hi consecrati proferebantur. Aus allen diesen 
Stellen ergiebt sich anf das Unzweifelhafteste, dass Porno e«- 
rium keinesweges den ganzen von derManer umschlossenen 
Raum ^^^), auf dem die Stadt sich erhebt, bedeutet; nicht also 
die Mauer sich um das Pomoerium zog, sondern vielmehr von 
diesem nach aussen umgeben wurde. Es war ein aller mensch* 
liehen Benutzung entzogener Raum zu beiden Seiten der Mauer, 
wiewohl als Grenze der städtischen Auspicien vorzugsweise 
der ausserhalb derselben liegende Theil so genannt worden zu 
sein scheint. Seine Grenzen waren durch Marksteine, Cippi, 
bezeichnete^), wenigstens nach aussen. 

Noch irriger ist es, wenn das Pomoerium ak gleichbedeu- 
tend mit dem ager effatus genommen wird^^). Davor 
hätte schon die einfache Bedeutung des ager warnen sollen, 
der ganz eigentlich der urbs entgegengesetzt wird. Es ist aber 
auch ganz unvereinbar mit dem, was über den ager (ffatus 
berichtet wird. Denn wenn die Definition der Augurn angab : 
Pomoerium est locus intra agrum effatum^ und 
das Pomoerium der geweihte, die Stadt umgebende Raum war, 



U6) Haschke, Verf. d. Serv. S. 102. Gottlio^, Ge$eh. d. 
r$m. Staattverf. S. 17. 

97) Daher bei Varro : Cij^pi pomoeri ktant et eireum jirieiam 
et eireum JHomam, Dasselbe meint Tacitns, weaa er sagt: Jnde 
eertü epatüs inteHeeU lapides. Ans späterer Zeit habea sieb der- 
gleichen Cippi gerundea. s. Panrin. Deser. urb, Romae in Grttev, 
the$, 111. p. 223. Dempster, Etruria regaL Ilf, 16. p. 291. Nar- 
dini, Roma antiea ed. J^ibby. I. p. 41. Brotier ad Taeit. t. II. 

p. 376 s. 

28) Otfr. Maller, Etrusker. IL S. 148. GSttliog a. a. 0. 



»7 

so ist offenbar, dass der ager ^uius noeh über daisolbe hift- 
ausreichen nusste, wenn es imirB agrum ^(Bium sein soHla. 
Das wird aber auch ansdrückli^sh gesagl von Varro L. L, 
VI, 7. p. 229. Eine (a bado) effata diemtuTj qiäa wguree 
fmem auspiciorum eoelestum extra urbem agris sunt 
effaiit ut esset* und eben so deutlich Serv. z. Aen. VI, 
197. ager poit pomoeria^ tdyi captabantur auguria^ di- 
cebatur efjatus. Elwas ganz anderes sind also bei Gel lins 
tffati urbis fines , d. i. der vom Pomoeriam eingeschlossene 
Stadtraum, während der ager effatus ein ausser der Stadt 
und um dieselbe gelegener, für die Auspicien geweiheter Raum 
ist. — Das Pomoerium macht die Grenze der auspiciu urbana^ 
d. h. doch wohl solcher, welche den inneren Angelegenheiten 
der Stadt galten : dagegen ist es kein Zweifel, dass Auspicien« 
welche sich auf auswärtige Angelegenheiten, selbst auf die 
ausserhalb des Pomoerium gehaltenen Wahlen ^^') bezogen, 
auch ausserhalb desselben gesucht wurden. Für sie galt nun 
auch nicht jeder beliebige Ort im ager Romanos^ sondern es 
war im Umkreise der Stadt ein gewisser Bezirk ausdrücklich 
dazu bestimmt uuid geweiht, innerhalb dessen das Tabernacu«- 
Inm aufgeschlagen sein musste, wenn die Auspicien GülÜgkeit 
haben sollten. Das ist der Grund, weshalb in äk^^r Zeit, so 
lange die Kriege nicht ausser Italien geführt wurden, die römi- 
schen Feldherrn so oft nach Rom neuer Auspicien wegen 
zurückkehrten 3^). Solche Auspicien wurden sicher nicht in- 
nerhalb des Pomoerium genommen ; hätte aber das Tabemacu* 
ban nicht eben in agro effato sein müssen, so würde jeder Ort 

129) Laelius Felix Dach Labeo bei Gell. XV, 27. centw^ 
riata autem comitia intra pomoerium ßeri nefaM esse, quia exervi- 
tum Bxira urbemr imperari oporteat; inlra urbem imperari ius non 
Sit etc. Vgl. Liv. XXXIX, 15. Hnschke, rerf. ä. Serv. S. 415. 

30) Serv. z. Aen.' II, 178. (Omina ni repetant Argis) respexit 
Jtamanorum morem: nam st sgressi male pvgnasstnt^ reueriebantttr 
ad eaptanda rursus auguria. Mehr im Faidensi«: sed hoc seroa- 
tum a ducibus Romanis, donee ab his in Italia pugnatitm est propfer 
vidnitaiem; postquam vero iwperiiim longius pro la tum est, ne duat 
ab exercitu diutius abesset, si Romam ad renovanda auspicia de ton- 
ginquo revertisset, constitutum ut unus locus de eaptioo agro Roma- 
nus fieret in ea propincia, in qua bellabatur , ad quem, si tenovari 
opus esset auspicia, dux rediret. S, Liv. Vlll, 30. X, 3. XXIlI, 
IS. «. S. 

7 



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in ügro Romano für dazu geei^et gegolten habeD, «nd man 
bitt^ nicht niHhig gehabt , deshalb nach Rom zurückznreMen. 
Bin Beispiel, wo ausdhicklich von dem Tabemaeolom ausser- 
halb des Pomoerinm gesprochen wird, ist die Erzählung ron 
dem Consul Ti. Sempronius Gracchas, der bei den Auspieien 
(Gr den Zweck der comitia consutaria ein Versehen begangen 
hatte, und nachher brieflich darüber an das CoUegium augu- 
nfjii berichtete. Cic. de nat. deor. II, 4. se, guum lege^ 
rei libros, recordaium esse , vitio siU tabemacubim eapium 
fuisse hortos Sdpionis^ quod, qurnn pomoeritim posiem miras" 
set habendi sefuttus causa, in redeundo^ guum idempomae^ 
rium iransiretj auspteari esset obliius. Etwas anders äussert 
sich darüber Platarch. Marcell. 5. oror a^x^üv in ofH^tat 
uad'eCof^^vos S^m noXswg iymv olnov 17 ciMp^fj¥ fMfiiad'»'^ 
fiU¥fi¥ vn ahiag i^ipig d^afuaa&y fifjnm ysyapot»^ 017- 
fislmp ßefiaim¥ inavsX&9ii^ $ig niktTy dy>€trai ix^ijv va 
nQOfiSfiio&mitiiray oinijfia ual Xaßitv IVc^ay« VgL Cie^ 
de div. I, 17. ad Qnint. fr. II, 2. Val. Max. I^ 1, 3* 
Wie man auch über die horti Scipionis denken möge : jeden- . 
faUs war das Tabemaeolom ausserhalb des Pomoerinm in agra 
^aio. 

Was nun das Pomoerinm des Romulos anlangt , so lässt 
Tacitus mit dem Ziehen der Furche den Anhng am Forum 
Boarium, an der westlichen Ecke des Palatin maclien, etwa 
in der Gegend des sogen. lanus Qnadrifrons und des von 
den Argentariis fori Boarii dem Septimius Seve* 
rns errichteten Bogens. Von da zog sich das Pomoerinm, 
die Ära Maxima einschliessend, am nördlichen Rande der 
Vallis Murcia oder des Circus Maximus dicht am 
Fusse des Berges hin bis zur AraConsi, die gegen das UU'- 
tere Ende des Circus zu suchen ist. Hier bog es um die süd- 
östliche Ecke des Bergs (S. Gregorio gegenüber), wo Septi* 
mins Severus das Septizonium auflübrte, und zog sicl^ 
durch das Thal zwischen Palatin und Caelius (die Via di S. 
Gregorio entlang) bis zu der Stelle, wo die Curiae veteres 
lagen. Niemand hat seitAndreas Fulvius bis in die neueste 
Zeit in Zweifel gezogen, dass diese Cur iae veteres eben« 



99 

blls am Atkattg« des Palatin gelegen haben, wie es die Rei- 
henfolge der von Tacitus angegebenen Pmikte nothwendig for- 
diNri; dagegen haben Nie bahr und Bansen ^^^) hwcbst selisa* 
mer und irriger Weise ihnen ihren Piats jenseit des Thals des 
Colosseinn am Esquilin (Carinen) in der Gegend der TIttisther'- 
men angewiesen. Allein diese nnr anf eine zweideutige Tra- 
dition gesiülzte Annahne wird auf das Besdmniesle wideriegt» 
nicht nnr durch Taekos selbst, der doch nmnögHch ven der 
Ära Gonsi bis m den Titosthemien alle Zwisckenpiinkte ^nge* 
nannt überspringen kente, und dnroh die Lage des 8acel- 
Inm Lamm, 4as wir weiterhin ebenfalls am Passe des Pa- 
latin finden werden ) sondern anoh besonders dnroh das Grenz- 
yerzeichnistf der Noiitia, welche, indem sie die Grenzpnnlcie 
der zehnten Region (Palatium) angiebt, fast von derselben 
Stelle, wie Tacitus, ausgebt, aber nach der entgegengesetzten 
Seite, und folgende Namen nennt: Casam Romuli. Aedem 
Matris Deum et Apolllnh Rhamnusü. Pentapylum. Domuui 
Augu$tanam et Tiberiitnam. Aedem levis. Curiam vete- 



_ 131) Niebahr, Rom. G9seh. I. S. 319 f. BvBseB, Besehr. d. 
St. R. I. S. 13a. Auch Otfr. Müller, Btruskt. U, S. 143; bat 
sich durch Niebahr verleiieo Um««, illess Vir möglich %n halteD. Aber 
Niebubr hatte heineo aadereii Groad , der iha veravilaiste das „Un- 
glaubliche*' aozuDehmeo, als dass Bloodus Flavius aaröhrt, die 
Raine der Titastbermea selbst finde sieh in Notarialsohrifren und dem 
gemeinen Leben als curia vttiis bezeiehaet. So giebt sie denn aach, 
wahrscheinlich nach ihm, Lncins Fan ans an, Antickitd deiiaCittd 
di Roma. p. 106. „Neila parte p«i dioUe Gsrine, che e tolta a mezzo 
giorno fa gia ia Curia Veeehia — . £ vogliono oh« fasse in qaei 
mezzo, che e tra il giardiao di S. Maria Nnova e S. Pietro in Vin» 
coli. £ fra le nitre congietture v'hanno questa priooipale, che in 
moltl istromenti antichi di notai si tmora qnesto inogo eognouiinato 
alla Curia Vecchia.'' Dagegen sagt schon Andreas Fulvius, De 
Urb, antiquitt. p. 307. „Curia antem vetas fnit in anguto Palatii 
versas Colosseum, nt quidam tradunt.'^ Wenn er hinzvrngt: „Vorro 
tamen ioxta Carioas fuisse ait, ande eapat Viae Sacrae.*' so ist der 
Irrthum wahrscheinlich ans dem falsch gelea^acn Namen Cerionia. 

f!^ a^ p. 53.) enUUnden. Ob sioh ans jener Angabe bei Biondo und 
ncio Fanno etwas für die Lage der Cariae Novae sehliesseu 
lasse, wird sich weiterhin zeigen. — Niebnbr hatte noch übrigens ein« 
ganz falsche Ansicht von dem Laufe der Sacra via, die er von dem 
Abhänge der Carinen fast in gerader Linie nach der Basilica Constan- 
Uni gehen liess. Dana mnsste freilieh hier auch das SacellnmLa- 
rum (in summa Sacra via) aeia, wohin das Pomoerium des Romalvs 
ebenfalls reichte, aod das stisunt« deaa mit der Lage der Curia« 
veter es bei den TidistharvMA übt rein. 



100 

rem ^^^). Foriwiam Residentem. SepUzonntm Dm SeveH. 
yictariam Germanicimiam. LupercaL Nichts kann genmer 
mitTaeitus übereinsliuimen. Bei ihm liegen die Curiae 
veteres zwischen der sädösilichen Ecke des Bergs (Se^ 
ptizonium)unddeinSacellirni Lamm: nachderNotitia 
zwischen deaon Septizonium nnd dem Tempel deslupiter 
(Stator); dieser Tempel lag ganz in derNihe desSaeel* 
InmLarnm^ wie sich bei der Bestimainng der Sacra via 
zeigen wird» Da nun die Notitia zwischen der Curia ve- 
ins und dem Septizonium noch einen Punkt, die Por* 
tuna Res pic iens ^^)' neunte so scheint es ganz gewiss, ' 
dass die Cnriae veteres nahe an dem Triumphbogen Gon- 
stantins lagen ^)* — £ndUeh ist eben so entscheidend die^ 



132) Das» die Notitia statt Curiae liefere» den Siof^ular Citria 
vßttu hat, iiird in solcher Zeit nnd bei der übrifeD Lttioität dersel- 
bea oiemaDdeo befremden. Es war ja doch jedenfalls ein Gebäude» 
Uebri^em sagt ja schon Ovid. Fast. III, 139. 

lanug tuno Regis posita vivt arhore Phoebis 
Ante tuat ßt idem, curia prisca^ Jores, 
Das sind aber eben die Curiae veteret : Mac roh. Sat. I, 12. eodetn 
quoque ingrediente mense tarn in Regia Curiisque atque flamifium 
domibtu iaureae veieres novit faureis mutabantur. 

33) Dass Piatareh, de fort. Rom. 10. auf dem Esqnilin ein 
iff^y Tvpjt *£:7nar^npofiiinf9 gcnauiit wird , kSmmt hier nicht in Be- 
tracht : es sind ja die Grenxea der zehnten Regton , die nur den Pa- 
latin enthält. 

34) £s wäre iu der That aach unbegreiflich , wie diese Curien, 
welche mit der ältesten Eiutheiinng des romischen Volks in die drei 
Trlbus und 30 Cnrieo gleichzeitig gedacht werden müssen, an einen 
für die alte Stadt so entlegenen Ort hätten gelegt werden können. 
Ursprünglieh war es das Gebäude, wo alle 30 Curien ihren Versamm- 
lungaort hatten; als aber dessen Räumlichkeit uicht mehr ausreichend 
war, wurde an einen anderen Orte ein neues ebenfalls gemeinscbal>- 
liebes Gebäude aufgenihrt Daher Curiae veteres und Cnriae 
novae. Varro L. L. V, 32. p. 155. Curiae duorum generum: narti 
et ubi eurorent eacerdotee res divinatj ut euriae veteres, et uhi 
»enaius humanas, ut futia Hostilia, Fest. p. 174. Novae curiae 
proximae (e) eampitum Pabridutn aedifieatae sunt, quod parttm am- 
piae erant veteres a Romuio Jketae, übe is popuium et sacra in par- 
tes XXX dtstribuermtj ut in iis ea saera eurarent. quae cum ex ve- 
ttribus in novas evoearentur , septem euriarum per reiigiones evo- 
eari n&u potuerunt. Itaqve Foriensis , Raptae, Feliensis , 
Velitime res divin ae ßunt in eeferibus euriis, Dass in diesen Wor- 
ten etwas fehlerhaft sein müsse, liegt am Tage, da Festus sieben 
Curien als zurückgeblieben angiebt und doch nur vier Namen nennt. 
Am nächsten liegt es unstreitig, anzunehmen , dass für IUI , geschrie- 
ben worden sei Vll. Anders hat GSttling, Gesch, d. rom. Staats- 
verj. S. 59. (vgl. S. 191.) den Text faenustelleu versacbt. Von der 



— 1« — 

laaelirift der Basis Capilolina^ wrieb« «iilcr dtn Vieii 
der zeboicft Regio« eioeii Vicas Gariamm neant >>«). 

Von den Curien ging das Ponoeriam weiter zu dem S a- 
eellttmLarttiD, welches ebenfiiUs am Fasse des Palatin, ia 
samma Sacra via, lag*^). Von da aber wird, wie ge» 
wöbnlich bei Tacitiis interpongirt ist, kein Pankt weiter ange- 
gebeO) den das Pomoeriam beräbrt batle. Gleicbwpbl ist die 
leUie Stelle, das Sacellum Laram, etwa in der Mitte des 



Voraiu4etzao|^ atugehend, d«M die Naaea V«lieoiii vnd Velitia Mki 
iwei verscliedeDe Corieo bezeicboeo, soodern der letztere dnrch eine 
DUiograplife eatstandeB sei, emeDdirt er: Quob quum ex f^eitribns 
in novas evocdrentur septem et XX^ JII euriarum per rt/t- 
gionem evoeari non potuerunt, itaque Forientity Raptae, Fe- 
lieneia res äivinae ßvnt üi veteriktu eun'ü, leh fettehe, dast 
mir aaf diese Weise die Worte fframmatiscli gar oiciit erklärbar lebM* 
neo; deno woraoT soll man das rronomeo Quae beziebeoT Es müsste 
noeb nekr eiaf^etoballet werden, etva: sepiem ei XX aäUxertmi 
oder äholicb ; aber aacb dann wäre es bart, septem et XX (wobei «a* 
era ^dacbt werdeo moss) als Genitiv zu nebmen. Der Grand aber, 
wesbalb Göttliog die Velitia streicbt und aaaifliial, es aeiea ner drei 
zarock^eblieben , liegt in der eigenthiimlicben Ansiebt , dass die v e - 
teree Cariae (^leicfabedeotend mit den Sacrariis Argeoraa 
aeiea, deren Zahl Varro V, 8. eben aof siebea oad. zwanzig aofiebc. 
Da nun diese Sacrarien in den vier servischen Regionen vertbeilt wa- 
ree (Subnrana, Esqailioa , Gollina , Palatfum), so folgte daraes eotb- 
wendig, dass auch die alten Curien in der ganzen Stadt als ^^loeale 
Corien** zerstreut gelegen hätten und erst als Novae Cariae ver- 
efaigt an eiaeia Orte erbaaet worden seien. Es klingt diess allerdings 
sinnreich, ist aber nichtsdestoweaiger schlechterdings aomöglicli. Deae 
abgesehen davon , dass die Sacraria Argeorum sich über Hügel ver- 
breiten, die enlnehiedeo vor Servivs Tirilius aiebt ca der Stadt gebSr- 
ten (wie der eigentliche Esqnilin , Mens Cispius und M. Oppios , und 
der Vlniinal) , so m'dsste dann ja auch angenommen werden , dass die 
inü zaräekgebUebenea Cvrien ebenfalls niebt beisammen, soadere in 
verscbiedeoen Bezirken gelegen hätten. (^Varro: Reliqua Urbis otitn 
dtsereta, rum Argeorum sacraria in septem et XX partes urbis sint 
dispoeiia.) Und aoter diesen Curien ist die Ve liensis, die eise 
identisch mit dem Sacra rium Veliense sein würde: von diesem 
aber kennen wir die Lage genau: Varro p. 60. Feliense sexti- 
oeps in Felia apud aedem Deum Penatium, Wüsstea wir 
ai»er auch niebt, wo die Velia und der Tempel der Penaten gewesee 
sei, niebt, das« die Cariae veteres an der Ostseite des Palatin lagen, 
so bliebe es ja doch immer eemSgliefa , daes mit dem Sacrarivm Ve* 
liease nocb zwei, anderen Bezirken aagebürige, hättee verbuedee aeie 
kennen. 

135) Gruter. Inscr. CCL. lieber deo iMbweree f rrtbem B u e - 
sens, der glauben konnte, die roa derNotitIa erwibule Garia vetus 
•ei die Curia iulia, s. deo Absekaitt über das Forum. 

36) S. meiae Scbrifl: Ve Rmnue veierie murie aifue p&rüe. 
p^ )i3 ff* und d»a . Absebnitt über 4ie.Sa^pa iF>ia^ 



— ite — 

aorjoaÜichoB AkhMgtes -zu dedketi^ 90 iUB fatt ein DriMiail 
der StadtgrcBze anbestimst bleibt» Es ist »cht deakbar, dms 
Tacitus die Bcsobreibang^ so tmyoUendet gelassen haben sollte; 
oad mk Niebabr und Bansen '^^ ^nzunehinen, es habe 
von da an keiner Maner bedurft, weil dert See oder Sampf 
gewesen sei, ist nnstattbafl : weil erstlich das Sacelfaim Lamai 
noch auf der Höbe der Yelra lag und dann, wem bmu anch 
wirkiich die Tiefe sich als aUgemetnen See oder Sumpf denken 
wollte , und deshalb die Stadt auf dieser Seite keiner Befesti- 
gung bedurft hätte , doch das Pomoerium (und nur dieses be- 
schreibt ja Tacitus) noth wendig geschlossen werden musste. 
Daher scheint es unzweifelhaft, dass zu iaterpnngiren ist; Ihm 
ad saeeUttm Larum fortimque Ramanum., man möge nun mit 
Brotier das folgende et streichen, oder glauben, dass etwas 
ausgefallen sei ^*). Denn das Forum Romanum endet eben 
an der nördlichen Ecke des Palatin : war vom Sacellum Larmn 
bis dahin die Grenze gezogen, so ergab sich die Linie bis zum 
Anfangspunkte von selbst. 

Wenn nun oben erwiesen worden ist, dass bei einer neu 
gf^griindeten Stadt Pomoerium. und Stadtmauer .unzertrennlich 
waren, so ist es entschieden, dass der Furche , welche Taci« 
tus ziehen lässt , auch durchaus der Gang der ältesten Mauer 
entspricht, und dass wir die Thore der romulischen Stadt anf 
dieser Linie zu suchen haben. Bei späterer Erweiterung der 
Stadt konnte es allerdings geschehen, dass entweder Theile in 
die Mauer eingeschlossen wurden, die man nicht mit in das 
pomoerium aufnahm, wie der Aventin innerhalb der serviscben 
Ringmauer lag , ohne zu dem für die Auspicien geweiheten 
Räume zu gehören ^*); oder dass im Gegentheile das Pomoerium 



137) Bs wird mir uelit klar, wie beide die Sacke gedacht baben. 
We«B Niebahr saf^t: „voo dort aof die Höbe der Velia an die Ka- 
pelle der Lareo : eodlich laogs der via sacra bis ao das Fora» : bier 
war Sttttpf bis zon VelabraM.*' so sebeiat es, als habe aeeb er aaeb 
/oruw^ue Romanum ioterpangirt. Baasen aber folgt der gew6baU<> 
cheo loterpunktioQ and scheint gleichwohl den ganzen Ablauf der Ve« 
lia bis tarn Forum einzaschllessen. 

38) S. die aogef. Sehr. De Ramme vet, mur, atq, pari. p. 14. 
Noch ist es mir das Wabrscheialiebste , dass man za lesen bat: tmm 
ad eaeellum Larum /arumque Remamtm, /arum et CapitoHum ete. 

39) Ks ist aoeb awetfeUiall , ab je das Pemoerin» gass die Ana« 



— loa — 

weil ib«r die GnMieA ipt SladtnMer UoMisgekgi wurde. 
Der lelsiere Fell iei der bäafigere, kdem neek altem Herfcoat- 
aen den Feldkemi« der erobersd die Grensen des Reich« er- 
weitert bette, auch das Reckt fr^ftrtndi fommrii ziutaad. 
GleiehwoU lialte aeit Sernua kia auf Solle aieiaaiid daToa 
Gebraaeli feaMcht, nacii ihan Aagustua, dana Claadius. 
Tacit. Abb. XU^ 23. Et p^moerium auaeit Caesar (CUm-^ 
dioa), märe fruea^ qua m, gm frataUre impenum^ eUam 
UrmmaM Urtü prapagare dalur. Nee tarnen dmeas Remaniy 
fuamfuam magaü natümitus sutaciisg usarpaoerantj mn L. 
SuUa et D- Amgm$tu$. regam in ee ambitio vel gioria tone 
tnUgata. Von Anderen wird indessen auch C. lalins Cae- 
aar ab Eiweiterer des Pomoerinm genannt, wie sehen 
Lipaias so Tacitna bemerlU bat. GelL XUI, 14. sagt vem 
Arentitt sprechend; nepteid Ser. TulUus re^, nefue Sulla^ 
qai praferemdi imperü tüu/um quaeeimt ^^9), neque Dwus Im- 
liUSp eiom pemeermm preferrei^ imtra effatos Urbü ßnet aa- 
eiueerimi. Eben so Die Cass* XLUI, 50, (von Cäsar) vo 
«9 nmßififfiöff ink nkaior if$eiij/aye. ual iv %av%OiQ akXoi^ 
%e %§a4r of»oia «<» Svllcf nqii/0L$ Holsv. und nocbmals in 
des Antonius Rede XLIV , 49. ir %y nokei ive^Qsv&eie 6 
iuu v6 nmfi^giov am^s inavi^aas* Letztere Steile könnte 
Torsöglich beweisend scheinen , wenn anzunehmen wäre , dass 
Die aus des Antonius Rede selbst geschöpft habe. Indessen 
kann doch an eiaer Erweiterung durch Cäsar gezweifelt wer- 
den. Bekanntlick halte er den Plan, das MarsCeld zur Stadt 
zu ziehen. Cic. ad AtL XIII, 33. 35. Er blieb onattsgefiihrt 
und doch scheint damit die beabsichtigte Veränderung des Po-^ 
moerium zusammen zu hängen. Vielleicht hat auch der zwei- 
deutige Name Cäsar zu einer Verwechselung mit Angnstas Vei^ 



dchouDf erhielt, welche die Stadt seit Aureliao hatte. Wenigstens 
«rweiterte es dieser aBfSaglteh nieht. Vepise. AvreL 21. iVeo to- 
men pomoerio addidit eo tempore, $ed postea. 

140) Sachse, GeMck, d, Stadt Rom, I. S. 5t. 82. üherseUt 
das: ,,der eioea Rechtsf^od {titulum) sa Erweiteninf des Pomoe- 
ri«m z« habe« wünschte 1*' Derselbe «eint aater Dimis luHue kSio« 
aaob AuguMtus verstaadea wardea l Er fiibrC asoh Sealigers ErgiuiaBaa 
als Festas Worte an. 



^ 104 

anlas^n^ gegeben ***). Von Letzterem beeengt 'die Vergrös- 
seruiYg ebenfalls Dio Ca SS. LV, 6. und am gewissesten die 
gleich anzuführenden Inschriften. Wenn man aber auch die 
Erweiterung durch Sulla hat in Zweifel ziehen wollen, weil 
Dionys. lY, 13. sagt: oivoe 6 ßaoiXeds ißer. Tnllius) 7«- 
XwToioQ fjv^fjae %6v mgißöXav rijg noXetog^ vot)^ äve tüH 
nivxB ngos^^eie Xofüvg.j so liegt darin gar kein Beweis; denn 
Dionysius spricht bloss von der Mauer, wie die folgenden 
Worte zeigen : nQoawr^Qfa ih ovn Hi nfty^k&sp 17 «ov<»- 
anevij r^g noXeagy ovk iüvrog^ äg tpaüt, %ov (fat/Mviov* 
uXX' Motiv aTcavra rd negl n^y niXiv olnavpeva Xf»^i» — 
yvfivd %al drelx^ora. Das hat gar keinen Bezug auf 
das Pomoerlum. — Nach Claudius werden noch Nero, Tra- 
jan und Aurelian als solche genannt, welche die GrenjEe 
des Pomoerium hinausrnckten. V opisc. Aurel. 21. Nee ta-^ 
men pomoerto addidit eo tempore, sed posiea, Pomoerio au- 
tent nemini princfpum licet addere^ nisi et, qui agri hmrharki 
aUqiia parte Romanam rempubfieam loctipietaverii. addidit 
autem Augtuhts, addidit Traiamis^ addidit Nero etc. Selt- 
sam in zweifacher Hinsicht ist dagegen eine Stelle bei Seneca 
de brev. vit. 14. Sullam ultimum Romanorum protulisse 
imperiumf quod nunquam provinciaHj sed Italico agro ac- 
quisito mos proferre apud antiquos fuit. Wenn der von Se- 
neca mit Tadel erwähnte Grelehrte Sulla als den Letzten nann- 
te, so mag das weniger auf sich haben ; schwer erklärlich aber 
ist die letztere, wie es scheint Seneca selbst angehörende Be- 
hauptung. Denn wenn vor Sulla überhaupt niemand das Po- 
moerium erweitert hatte, wie konnte jemals dabei der ager 
Italiens in Frage kommen? Will man aber an die früheste 
königliehe Zeit denken, so konnte wiederum von ager pro- 
vincialis nicht die Rede sein. 

Räumlich kann man die verschiedenen Erweiterungen nicht 
genauer verfolgen; doch lassen sich einzelne Punkte durch 



f41) Aiieh Vopiflcus Aarel. 91. nenot C. Inlias C&sar nieht 
noter den Erweiterera des PomoerioBi. Er l&sit iodetseii «och Clau* 
dius AUS, 



105 

aii%efiBiidenie Cippi besliflunen. Ein sdeher Gppas , «nf die 
firweilenmg durch AngiisUis bezögUeh ist auf dem Piacius 
bei der Kircke S. TriniU de' Monti gefonden wordeai«»)^ 
von aaderea aus derselben Zeit, mit den Namea der CobsoIb 
C. Marcius Cenaoriiius und C. Asinius Gallus (745 d. SU) 
scheint sich die urspriiagUche Stelle nicht nachweisen eu las* 
sen.-^^). Von Claudius aber sind Cippi im Marsfelde bei Campo 
dt Fiore nnd in der Nähe der Porta Latina geAinden wor- 
den *♦). 

Der paiatimscbe Hügel bildet mn uaregelniSssiges Viereck 
and natürlich musste das am Fasse desselben gesogene Pomoe* 
rinm dieselbe Form haben. Darauf wird Ton den meisten 
Schriftsiellem der der ältesten Stadt beigelegte Name Roma 
qnadrata bezogen. So haben ihn Ennius und Varro v^^ 
standen, deren Worte nachher anzufahren sind ; so auch Dio- 
nysius, wenn er sagt, der Tempel der Vesta könne nicht 
von Romains erbauet sdn, weil er aosserfaalb der Roma qua* 
drata gelegen sei'*^). Allein es gab auch noch eine andere 
Tradition, nach welcher die Roma quadrata von der romnli«» 
sehen Stadt verschieden und älter als diese gewesen sein sollte« 
So berichtete nach Tzetzes z. Lycophr. v. 1232. Dio 
Cassius fgmta. Yales. 3, 5. p. 10 St. nfi ik %fJQ /aejtdJifjß 



149) Bnosen, Btsehr. d. Stadt Rom, I. S. |3d. 

43) Grnter. p. CXCVI. 1. 2. Die letztere iDSchrifl Uatet: ۥ 
MARCIVS. L. F.L.N. CENSORINVS. ET. C. ASINIVS. C. F. GALLVS. 
UX. S. G. FIN. POMfiH. TERMIN. Gehört bieber ««eb der Cippas 
n. 3. mit der Inschrift: IMP. CAESAR DIVI F. AVGVSTVS PONTIFEX 
MAXIMVS TRrBinVIC. POTEST. XVII. EX S. C. TERMINAVIT. R. 
PAOXIM. CIPP. P£D. CLXVl. S,? Vgl. Pa^vin. Descr, urb, Ramw 
ia Graev. thes. IH. jp. %23. Nardini, Roma antica ed. Nibby, 
I. p. 42. Brotier ad Taelt. t. II. p. 376 f. 

44) Gruter. K 1. n. 4. Tl. CLAVDIVS DRVSf F. CAESAR AVG. 
GERMANICVS PONT. MAX. TRIB. POT. Villi. fMP. XVI. COS. HU. 
GBNSOR P. P. AVCTIS POPVLI ROMANf FINIBVS POMERfVM 
AMPLIAdlT TERMINA^JlTg. Dieser im Marsfelde gofoadeiie Steia 
Wurde vor nicht langer Zeit von neuem an derselben Stelle als Thür- 
pfoste eines kleinen Haases wieder eotdeekt, s. Bansen, Resehr, d. 
St, Ä. I. S. 140.^ 

45) II, 65. ovre yaQ rb ^(u^iov rovro , iv f to itQov (pvXarreTa* 

QTi zye TtTQayofvov Halovfiinjg *J*(of^7^g , rjv ixuvQf ireix^aev^ «jcroff 



106 

V^/tov ^ Vii/Mvs n»Xa$9t4fov vdt^oit^. Nach diescft Wor* 
Un Uhrntt es scheinen , »Is werde diese Vwflf/ T^tguyapog 
an einem gänx anderen Orte gedacht, da ihr eben die Stadt aof 
dem palatinischen Berge entgegengesetzt wird. Dieselbe Tra« 
dilion scheint aach za Piutarchs Rcnntniss gekonmea, tos 
Hkm aber miasverstanden worden zu sein. Er sagt Rom. 9. 
'PmfA'iJiAs [tilv dfv Tijr HaXovfid^fjp *Pmjt4S^v «ova^povi^f^, 
on€Q ia%l TVfQaytavov, Htiob %al intXvov ißavXe%o noXiS^t^f 
^ir %on0¥. Er bezieht also die Roma quadrata auch auf den 
Aomnlas und lässt doch denselben nachher die Stadt in weite* 
rem Umfange gründen und zwar in einer Ansddinung, die erst 
bei einer idtfl späteren Erweiterung möglieb gefunden werden 
kann. Was er sich dann aber bei den Worten in%ta$ fi^y 
'P^/Mjv novadgatf^r gedacht haben möge, ist ganz dunkel. 
Die Römer selbst scheinen von einem solchen rorromulischen 
Rom keine Ahnung gehabt zu haben, und die ganze Nachricht 
Staramt aus den dunkeln Sagen bei griecbiscben SchriftateHem, 
welche rieirältig tou einer mehrmaligen Gründung Roms be- 
richtet hatten $ Sagen, über deren Gehalt kaum zu einem Ur^ 
tbeile zu gelangen ist, s. Dionys. I, 72* 

Der Name Roma quadrata hatte aber auch noch eine 
engere Bedeutung. Auf der Höhe des Palatin befand sieh ein 
viereckig aufgemauerter Platz , der vorzugsweise diesen Na« 
men führte. Von ihm sagt Festus p. 258 MuH* Quadraia 
Roma in Palatio ante templuni AfollinU diciiur , ubi repO' 
Mita sunt^ quae solemt boni ominü gralia in urb^ condenda 
adhiberi^ quin saxo mtmiius est tnitio in speciem qumdra" 
tarn. Eiui loci Ennius meminitt cum ait: ^yEt quis est 
erat (qui sc sperat. Müll.) Ramae regnoj^e quadratae^' Die 
Stelle ist, wie oft, unrichtig angewendet ; denn regnare kann 
sich doch nur auf Rom selbst beziehen. Mehr Schwierigkeit 
als Festus Worte hat, was nach Varro darüber Solin. 1, 
17. sagt; nam, ut qffirmat Varro ^ aactor JUtigentissimms^ 
Romam condidii Romulus, Marte gertitus et Rhea Sihia^ 
vel, ut nonnuUiy Marte et //i«; dietaque est primum Roma 
quadrata, quod ad aequilibrium foret posita. Ea incipit 



— mr — 

a $ih^, quae eü «n area Jfpeäiftüt et ad sttperei täm icü' 
hnrum Caet. habet tetmimm, ubi tagurium ßtit FauitfUL 
Nach Gerbard, Besekr. 4. St. Rom. HI. A. p. 81. ad su* 
percüütm ecalarum Caü habet termmMn, ubi tugttrium etc. 
Sind nun aach die seatae CaH topograptiiscb kaum bestimmba- 
rer ab die freilich noch viel unerkKrlieheren scatae Cacif so 
scheint doch so viel gewiss, dass hier ein Raum ron grösserer 
Avsdebnmg als bei Pestus mit dem Namen belegt wird , und 
gleichwohl rühren die Nachrichten ron fast gleichseitigen 
Sehriftstellem her. Allein die Angabe des Festns oder Yerrins 
Flaccns scheint auf eine Weise Bestätigung zn erhalten , die 
ihr entschieden das Uebergewicht über die dunkeln Worte So* 
lins rerschaiFt. Unter den Fragmenten des capitoUnischen Plans 
(Bellori. tab. XYI.) befindet sich ein kleines Stück mit der 
fragmentirten Inschrift : REA APO (Area ApoUinis) ^^*). Auf 
dem übrigens leeren Ranow ist eine viereckige Erhöhung, zu 
welcher von zwei Seiten eine Anzahl Stufen heraußuhren. 
Entsprechender kann nichts der von Fes tu s gegebenen Be- 
zeichnung sein ; denn es ist ein locus saxo munitus m spedem 
quadratam und diese Stelle liegt in area ApolUnis^ wie es 
Varro angiebt, die area aber natürlich ante tmnfhan ApoU 
linis^ wie Fes tu s sagt. Man darf also wohl mit Sicherheit 
diesen erhöheten viereckigen Platz fir die Roma quadrata 
halten. Es ist sehr natürlich anzunehmen, dass nachdem die 
kaiserlichen Anlagen den ganzen Palatiu occupirten, der Raum 
der Roma quadrata beschränkt wurde; und so bezieht sich 
Varpo's Angabe vielleicht auf eine frühere Zeit. 

Was die Bedeutung dieser Roma quadrato auf dem Pala- 
tin sei , ist aus Festus Worten vollkommen klar. Es ist der 
mundus des alten Roms, wie ihn jede nach etmakischem Ri- 



14S) A«f 4er9«lbea Tafel befindet sich noeli eia Fragpnieot mit der 
Insohrift: ARBA uod daranter POL. Bell ort erklärt es fdr Area 
P o 1 1 o e i s , voB der akmand etwas weiss. Vielmehr ist aveh hier zu 
er^acea Area ApoWinis; dena die Notitia neoat aaeh in der 
ersteo Region (Porta Capena) eine Area ApoUinis. Jene Tiereekige 
ErhShaog nimmt Bellori fdr einen AlUr, zu dem von beiden Seiten 
Treppen hinan fführen ! 



-. — 168 

tas gegrändete Stadt h«beB mussle ^^^). Denn bevor man die 
Forche zu Bestimmttjig des Pomoerium zog, wurde in der IMiUe 
des für die Stadt ersehenen Raums eine Grube gegraben, in 
welche man die Dioge warf, welche , wie Festus sagt, moU- 
baut bofd ominis gratia in urbe candenda adhiberi. Worin 
diese bestanden , ist nicht zweifelhaft ♦•) : es waren Feld- 
firüchte als das Unentbehrlichste für das Leben und die erste 
Bedingung für das Gedeihen, und einige Würfe aus der näch- 
sten Umgebung geholter Erde, deren auch wohl, wo, wie in 
Rom, zur Gründung der Stadt aus^ verschiedenen Orten Leute 
zusammentraten, jeder aus seiner Heimath etwas mitbrachte, 
um durch die Vermischung die enge Vereinigung der verschie- 
denen Elemente anzudeuten und zugleich des heimathliehen 
Bodens an dem neuen Wohnorte nicht zu entbehren. 

Thore der palatinischen Stadt. 

Jede nach etraskischem Ritus gegründete Stadt musste, 
wie S er vi US ausdrücklich sagt**), wenigstens drei Thore 



1 47) Ueber 6 S 1 1 1 i o |^ s Meinnng {Ge»eh. d. rom. SiaaUvmf. S. 470, 
dass dieser Ort gruma oder {^roma geoaoat wordeo und dass daher 
der Name der Stadt eotsUndeo sei, s. meine Schrift: De Romae vet. 
murig atq. portU, p. 1^0. und was künftig über den Namea Roma go- 
sagt werden wird. 

48) Ansdrüeklieh sagen es Ovid. Fast. IV, 8:^1. 

Fqsmo ßt ad solidum, fruget iaciuntur in ima 
Et de vieino terra petita tolo. 

Fo$ta repletur humo plenaeque imponitur tfra. 
Et novus accenso futtgitur igne Jbcus, 

Inde premens ttivam designat moenia sulco : 
jilba iugum niveo cum bove vaeea tulit. 
nnd Pinta rch. Rom. 11. Bo^^os yä(f toi^vyt] nt^l ro rvv ttpfiJr&ov 
«vxloTiQ^e^ UTta^X^^ ^* "JruvTwv , oaote vopw fAtv dts xaXotg ixQdivTO, 
^«» Jf* <»c mpopiaiotg , careri&Tjoav ivrav^a. Kai rilos if ^9 a^iirro 
y^ff txaoTos oktyiiv xopi^tuv poi^av tfiaXXov tis Tavza %al Oüv^piywov. 
uaXovoi oi Tov fio&^ov tovtov t} »ai rov oXvftnov 6v6uaT& povvdov. Bira 
want^xvidov nivr^t^ niQUyQaipav rt^v noXiv, Müller, Etrusker. II. 
S. 145. versteht nnter jenen im Mundns geborgenen Dingen ,,die Ge- 
rÜtbe, welche man bei der Gründang solcher nrbes zu braoehen pfleg- 
te*^ : nämlich das uruum aratri u. s. w. Nicht nar sagen davon Ovid 
ood Plotarch nichts, sondern es ergiebt sich auch aus ihren Worten 
die Unmöglichkeit der Annahme, indem der Maodus geschlossen wurde, 
ehe man an das Ziehen der Furche ging. 

49) Za Virg. Aen. I, 4%2. quoniam prudentet diseiplinae aiunty 
apud eonditore* Etrusearum urbium non putatat iustas urbßt /«wf«, 



109 

habea, und damit stimmt tiberein, was von den Thorcn der 
palatiniscben oder romulischen Stadt berichtet wird. PI in. N« 
H. III, 5, 9. Urbem tres portas habentem Romulus rdiquit^ 
out (ut pturimas tradentibvs credamvs) quatuor. Die Lage 
der ans bekannten Thore macht es wahrscheinlich , dass ih- 
rer nnr drei waren; aber anch von diesen dreien werden 
nns nur zwei näher bekannt ; von dem dritten hat sich nicht 
einmal der Name erhalten, obwohl sich die Stelle, wo es sich 
befunden haben mag, mit ziemlicher Gewissheit angeben lässt« 
Wenn aber die früheren Topographen , um die Zahl der von 
Plinius genannten Thore vollständig zu haben, die Porta 
lanualis und Carmentalis hieher gezogen haben, so 
wird sich in der Folge zeigen, dass diese ihrer Lage nach 
durchaus nichts mit der romulischen Stadt gemein haben konn- 
ten, ja dass der eine Name nicht einmal ein wirkliches Thor 
bezeichnet. 

Die beiden uns namentlich und örtlich bekannten Tliore 
sind: die Porta Mugionis oder Mu gonia und die Porta 
Romanula oder Romana. Um ihre Lage richtig zu be- 
stimmen, muss man zunächst den unabänderlichen Grundsatz 
festhalten, dass sie sich an den Stellen werden befunden ha- 
ben, wo sich naturliche Aufgänge zu der Höhe des Berges 
darboten, indem es undenkbar ist, dass man mit Uebergehung 
derselben künstliche Zugänge angelegt haben sollte. Es steht 
aber allen Nachrichten zufolge unzweifelhaft fest , dass sich 
die beiden Thore an dem nördlichen und westlichen "0) Ab- 



tn quihui non trat portal eismt dedietttae et votivae et toi tempia, 
Jovis, lunoms, Minervae. Damit Ist oicht notbweodig s^^w^t, dasi der 
Thore nicht mehr seto koDotea; aber fdr die paUtinische Stadt scheint 
kein (imnii vorhaadeo ca sein mehr aasuDehmea. \ifl, Mieali. J. 
p. 115. Müller, Etntsker. II. S. 146. Göttliog, Rom. Staatwerf. 

Om 39. 

150) Die vier Seiten des Palatin entspreeheo keinesweges geaa« 
den Himmelsgegenden. Um daher Missverständnissen vorzabeagen sei 
hier bemerkt, dass die eigentlich nach Nordost gewendete Seite, wo 
sieb der Aufgaag zu den Faraesiscbea Gärtea und der Titvsbogea be- 
findet, als die nördliche ; die dem Capitole zugewendete, wo die Kirche 
S. Teodoro, als die westliche ; die itber dem Circns Maximus gelegene 
als die südliche^ «ad die dem Gaelioa entgegeuatebeade als di« aat- 
liche angenommen wird. 



l 



f 



110 

iiange de» Ber|;e$ befunden liabeui and anf beiden Linien ist 
nnr je ein Hauptaufgang zn demselben, so dass man hier die 
Thore anzunehmen hat, wenn die von den Schriftstellern über 
ihre Lage gegebenen Andentungen damit übereinsUnunen, was 
vollständig der Fall ist. Diese Andeutongen aber sind nur 
relativ: es werden die Stellen nur mittels anderer in der 
Nähe befindlicher Oertlichkeiten bezeichnet und deshalb ist es 
Böthig, diese vorher kennen zu lernen; überhaupt sich ein 
möglichst deutliches Bild von den angrenzenden Räumlichkeit 
ten zu entwerfen. 

Von dem nördlichen Abhauge des Palatin erstreckt sich, 
wie schon gesagt, hinüber nach dem £squilin die mehr und 
mehr sich erweiternde und nach dem Forum , den Carineo 
und der Tiefe des Colosseum in die Ebene ablaufende Höhe 
der Velia. Auf ihrem höchsten Punkte und dicht am ei- 
gentlichen Abhänge des Palatin steht der Arcus Titi und 
diess ist der Punkt, wo die Sacra via, vom Colosseum her- 
kommend, die Velia überstieg. Daher hiess sie hier mit dem 
ganzen angrenzenden Theile der Höhe Summa Sacra via. 
Von dem Titusbogen wendete sich die Sacra via etwas rechts 
qnd lief dann mehr und mehr sich senkend in gerader Linie 
bis an die Grenze des Forum Roman um, welches sie an 
dessen südöstlicher Ecke (unweit S. Maria Liberatrice) er- 
reichte. Ihr weiterer Forlgang ist hier gleichgültig. Eben* 
falls von der Gegend des Titusbogens an und entweder hier 
mit der Sacra via zusammentreffend oder ohne sie unmittel* 
bar zu berühren von der Höhe herabkommend, zog sich eine 
zweite Strasse dicht an dem Abhänge des Berges, ebenfalls 
in der Richtung des Forum, aber hinter dem Vesta- Heilige 
thume (S. M. Liber.) hinweg, wo sie ebenfalls nach allmäh-' 
Uger Senkung die Tiefe des Forum erreichte, dann um die 
nördliche Ecke des Berges umbiegend am Fusse desselben fast 
die ganze westliche Seite entlang fortlief. Ihr Name war 
Nova via und in der Nähe des Titusbogens wird sie ganz 
analog der Summa Sacra via als Summa nova via bezeich- 
net. — Unter dem westlichen Abhänge des Palatin, zwischen 

und dem Capitele lag nach der Seite des Fonim zu der 



111 



VicaiTttscuB u»i weiter wesiKeh asgreiuLeiid an das Fo- 
itun Boariam das Velabrttm, nacb jeUt darch die Kirche 
S. Giorgio in Vdabro bexeiehnet^^')* 

Hält man dieses Bild der unter dem Palatin gelegenen 
OertUciikeit fest, so lässt sich die Lage beider Tbore ohne 
alle Schwierigkeit bestimmen, während bei den älteren Tc^- 
graphen und den Italiänem bis auf den heutigen Tag die un- 
gereimtesten Meinungen dardber herrschen und auch die deut* 
sehe Forschung nicht zur Klarheit gedrungen ist ^*). — Was 
zaerst die Porta Mugionis anlangt, so wird sie mit dieser 
Form des Namens genannt von Varro L. L« V, 34. p. 164 
Sp. Prwtertm intrm mnroM video porias did: in P^daÜ^ 
if ») etc. Ders« b. Nonius XII, 5L p. 531 M, 



151) Tue Reektfertignai; dieser Bestimmiiisvii über den Ltiif der 
Sacra via aad der Nova via, «e wie über die La^f der VeÜa 
Sodet sich ip dem folgeodea Abschaitte. Die ganze zasammeohSngende 
Baweislibmag aber ist hi der nebrfkeh aBgefilbrteii Sckrift : D^ R^ 
mae vet. rnnr, atq, poptis. p. 21 — 5). nachsvsehen. 

52) Es wBrde nnniitz sein, die unsinnigen und verworrenen An- 
gaben der Topographen vor Don all aoznfibreo. Dieser bat laerst 
die Porta Mugonia ganz richtig bestimmt, aber die Porta Ro- 
mana dachte er sich ganz irrig aoT der Südseite über dem Circas 
Maztmus. Dareh Nardiai wurde auch die Stelle der Ronasvlt 
richtig angegeben ; dagegen Donati^s richtige Ansicht wieder verlasse^ 
und die Mugonia jeuseit de« Titnsbogens an die dem Colossenm 
entgegenstehende Ecke des Berg« gelegt. So war man der Wahriieü 
ziemlich nahe; allein Nibby*s unbegreifliche Verblendung Tuhrte von 
neuem zu der verkehrtesten aller Ansichten, dass die Mugoaia bei 
S« Teodoro, die Romana aaf der Seite des Titusbtgens aewesen sei, 
and das hat auch C a n i n a bei seinem Unvermögen die Untersuchung 
selbst auzustelleo treuUeh nachgesprochea , ohne z« bedenken , dasa 
bei seiner Annahme von der Lage des Foram und dem Laufe der 8ib- 
cra via der Widerspruch der Scbrirtsteller noch viel weniger auszu- 
gleiehea sei, als bei Nibby. — Der deuUehea Forsehang hat über dla 
Frage, an welchen Seiten die Thore zu suchen seien, kein Zweifel 
bleiben können ; aber die eigentlichen Stellen sind auch durch sie 
aiebl klar and richtig nacbgewiesaa. 

53) M u c i o n i s ist nur alte Schreibart für die später wahrscheio^ 
lieh allein gebriiuchliche Form Mugionis, indem C uad 6 Ursprung« 
lieb ein Baebttabe waren. Eben «o verfault «« «lab aut Carmalus 
uod Cermalus, Caius und Gaias n. s, w. 8. Scbaeider» 
An^flhrl. tat. Gramm. I. p. 231 ff. Müller, Siru$kar, U S. 269^> 
Pest. p. 202. (>reum quwi dieiwwsy ait Fwriut ab antiquU diHum 
Uragum (Urgnm), qM94 e# U litsra» $omum per effwfha^t: [et] 
00r C lUtra^farmam nihUaminuM G uturpa^ant Plitarcb. Qaaest. 
Rom. 54., wo ar macMum. von ^«/^i^s ableitet , «alro J^9r^« r* 
F mtyviv^wif Hpt nuf «ilireSi* ^^j yi^ Sjfe4s<VT» vy i^» Mia^tUw 
JS'are^to« flr^«|«v^efffan 



112 

p^ 363 Geri. Ancum in Palatio ai portäm Mttgionii secun^ 
dam mam sub sinüira. Dagegen heisst sie Mugionia b.. 
Paul. Diac. p. 144 Müll. Mugionia porta Romae dictaestm 
Mugio^^^) quodatn^ qui eidem tuendae praefuit. Die Form 
Mugonia endlich findet sich bei Solin. 1, 24. Tarquimuw- 
Priscus ad Mugoniam portam supra summam Nooam viam. 
Dionysius II, 50. übersetzt: Mvxaividt^ nvXat. Das 
Thor bestand bis in späte Zeit, aber mit verändertem Namen. 
Es bildete fortwährend den Haupteingang zu den Anlagen des 
Palatin auch in der Zeit, wo die Kaiserpaläste ihn grössfcen- 
theils eingenommen hatten, und daher wird es vonLivius, 
Dionysius und Ovid: Vetus porta. Palatii genannt. 
Die Identität dieser Namen ergiebt sich zunächst aus Li r. I, 
12. confestim Romana inclinatur acies ftisaque est ad Ve- 
terem portam Paiatii, und Dionys. II, 50« {hQo) 'Pm^vXoQ 
fikv X)g&(aoim ACt naQa rate xaXov/iiratg Mvxarlat nv^ 
Attiff, ai g>ifovair eis to IJaXaTiov i% %Sjs h^äg 6doif.y wo« 
mit wiederum übereinstimmt Ovid. Trist. III, 1, 31. 
Inde petens dextram : Porta est, ait^ ista Palati: 
Hie Stator^ hoc olim condita Roma loco est. 
Hiedurch ist zugleich die Stelle des Thors genau bezeichnet ; 
denn der Tempel des lupiler Stator wird uns eines Theiles ge- 
nannt als an der Summa Nova via gelegen: Liv. I, 47. 
ex supcriore parte aedium per fcnestras in Novam viam 
versas (Jtabitabat enim rex ad levis Statoris) populum Ta-- 
naquil adloquilur., verbunden mit Solin. 1, 24. Tarquinius 
Priscus ad Mugoniam portam supra summam Novam viam.; 
anderen Theiles ist seine Lage in der Nähe der Summa Sa- 
cra via gewiss. Denn hier auf der Höhe stand die Reiter- 
Statue der Cloelia^^), und ihr gegenüber war der Tem* 



154) Es sollte weDigsteos heisMo: a Mugione quodmm; wiewobl 
die ranze Elymologie absurd zn aennea seio möchte. Varro leitet 
den Namen ab a mugttu, nnd darauf weiset auch die fpriechiscbe Form 
bei Dionysius hin: Mvxwvidtc nvXnt. Allein das ist auch eben 
nichts anderes als ein Versach den Namen zu erklären und überhaopt 
ist aus den meisten dieser Etymologien wenig reeller Gewinn za ziehen. 

55) LIv. II, 13. in gumma Sacra viafüitpoiita vtrgo intidens 
eqno. DIenys. V, 35. KkoiXi^ Si rn na^dv^ ov^qw eixoveg fahäj^ 
fooQap , ^ arid'eoav inl t^s ie^äs ooov ngiff «iV t^ fyo^äy fi^vvtjf. 



IIS 

pel ^^*): nicht an der Sacra via selbst, aber nahe jedenfalls 
der Stelle, wo beide Strassen sich entweder vereinigten oder 
einander (jede als somma) am nächsten kamen ^^). Diese Lage 
des Tempels bezeugt endlich ausdrücklich Plutarch. Cic. 16. 
iudXei %i^v avyxXtjtov üc t6 %w Sti^oIov JißQhgoi^, o¥ 
2M%mQa Vw/ialOi uaXovciv, li^Vfjkhfov iv dgyij %^e hgä^ 
odov n^oß %6 UaXä'fiov dffi6y%(o¥ *•)- — Wenn man sich 
non erinnert, dass der Name Summa Sacra via den Theil 
der heiligen Strasse bezeichnete , wo dieselbe die Yelia fiber- 
stieg, d. h. bei dem Titusbogen, so ist dadurch die Stelle der 
Porta Mngionis sehr genau bestimmt und entspricht auf 
das Erwünschteste der aUgemeinen Forderung, nach welcher 
die Thore an natürlichen Aufgängen zu suchen sind. Denn 
eben hier, bei dem Titusbogen, ist der Hauptaufgang der nörd- 
lichen Seite , wo jetzt der Weg zu S. Bonaventura und Villa 
Mills (sonst Spada) fuhrt. Auf der ganzen Strecke von da biü 
zum Forum kann nur auf künstlichem Wege über Stufen zur 
Höhe gelangt werden. 

Weniger Berühmtheit hatte das zweite Thor, Porta Ro^ 
mannla, wie Varro es nennt, während es bei Festus 
Romana heisst; aber die Nähe gewisser heiliger Stätten und 



•/ troff' vag^lvwv vari^tf. Plntarch. Popl. 19. *^vcmetr(u ii rifv 
u^äv 636p TtoQtvouivoii tU JlaXatiov av9ow avTtjs ¥tp$7moe , oy nves 
ov T^9 JÜLoiXiaßf «Xla t^s Ovals^fias $hat Xiyowtv. Wenn Plutarch vob 
der Statue alg noch vorhanden apricbt, so ist das eiitschiedeo unrich- 
tig und kann als Probe seiner Zuverlässigkeit und Kenntoiss Roms 
dienen. Gerade so sagt anch Serv. z. Aen. VIII, 646. quam in Sa- 
cra via hodieque conspicimuM, Aber schon Dionysias Tand sie nicbt 
mehr: rai/f^r yjfitli ovjUt* netfiivtjv tv^oft^v. iUyero di , on ifufff^otit»^ 
ne^l TttS Tti^aior oixiae yevofUvfjs ^tpaviü-d^. Eben so spricht P 1 i n i n s 
davon, als in früherer 2eit vorhanden gewesen. Vgl. De Romae vet. 
mur. aiq, port, p. 33 f. 

156) PI in. XXXIV, 6, 13. E diverto Annius Fetiali^^ equeslrem^ 
quae fuerit contra lovis Stataris aedem in vesiibtäo Su- 
perbi domus^ Faleriae fai»9c fiublieolac consulis ßliae (tradit). 

57) S. De Rom, vet, mur. p. 38 IT. Es ist mir jetxt das Wahr^ 
fcheiniichste , dass die Nova via die Sacra via nicht unmittelbar be- 
rührte, sondern von dem Thore aas an dem Abhänge hinlief. Dann 
bildete der Aufgang von der Sacra via cum Thore die Verbindung 
beider. 

58) Ueber den Sinn der Worte : iv apx^ r^t UffiU odov n^^os tv 
Jlakartoy avwrrwv^ woran Bunsen und Ambrosch Anstoss nahmen, s. 
De Romae vei, mur. atq. pari, f, 51« 

8 



114 

Aran sich knöpfende Opfergebräuche haben Veranlassung ge- 
geben, dass nicht nur der Name sich erhalten hat, sondern 
auch hinreichende Kunde von der Stelle, wo es sich befand, 
uns zugekommen ist. Die wichtigste Stelle, welche sie nennt, 
ist bei Varr L. L. VI, 3. p. 205& Hoe sacnßeium fit in 
Velahro^ qua in Novum viam exitur, ut anmt qui- 
danij ad tejndcrtim Aceat , ut guod ibi prepe faciunt Diit 
Manibut sertiNbtis sacerdotei ; qui uierque locus exira ur^ 
bem antiquam ßiity non ionge a porta RomanulOy de 
qua in priore h'bro dixi. Die Worte , auf welche er sich 
bezieht, stehen V, 34. p. 1^. Alteram Romanulam^ ab Roma 
dictam^ qüae habet gradue in Nova via^*^) ad Vo^ 
lupiae sacellum. Diese Angaben sind vollkommen hinreichend, 
nm die Stelle des Thors mit Sicherheit zu bestimmen. Das Ve- 
1 ab r um ist durch die Kirche S. Giorgio, die noch den Namen 
in Velabro fuhrt, einer der gewissesten Punkte des alten Rom: 
bis hieher reichte also die Nova via und unmittelbar über 
ihr, da wo ihr Ausgang in das Velabrum war, lag die Porta 
Romanula, etwas höher als die Strasse, so dass Stufen zu 
ihr vom Thore herabfahrten. Eben an der von Varro bezeich- 
neten Stelle ist nun in der That der einzige westliche Aufgang 
zur Höhe, unweit der Kirche S. Teodoro nach Sta. Anastasia 
hin. Das war der Clivus Victoriae, von dem auf dem 
Palatin gelegenen uralten HeiUglhume der Victoria benannt, 
wie weiterhin gezeigt werden wird. Die Stufen , von denen 
Varro spricht, gehören wohl nicht der alten Zeit an, sondern 
nachdem dort schon längst kein eigentliches Thor mehr war, 
wurde die Stelle durch eine Art Treppenspiegel bezeichnet, der 
nach drei Seiten hin Stufen hatte, die vielleicht in die Nova 
via selbst hinein reichten ; denn im ahen Rom, wo mit Aus- 
nahme festlicher Opferziige, welche ihre bestimmt vorgezeich- 
neten Wege hatten, an ein Fahren mit Wagen nicht zu den- 
ken ist, kann es nichts aulTallendes haben, wenn hie und da 
die Strassen durch Stufen unterbrochen wurden. Obiges Re- 



159) Nach Scalii^eri onzweifelliafter VcrbesseniDg. Die VuU 
g«U liefet: habet gradus in navalia , was an sieb absard is. and la 
keiner {;ateo Handschrift sich iladet: alle haben novalia. 



1 



115 

soltat aber, das üe varronisoheii Stellen ergeben, erhalt »detst 
seine BesUltigung und weitere Brkläning durch eine dritte 
Hauptstelle bei Fes las p. 262 Mail. Romamnm p&rtam vul^ 
gu$ ffppeikft^ M ex efistyti» deßuit afUM^^^). qui locus 
ab antiguis ofpeltm soHtus est Staiaae Ctaeun^ quodin 
eo ßät sepfilcrum eius Jamiliae. Sed porta Remana iutti^ 
tuia est a Homuio infimo clivo f^ieioriae^ qui /•« 
eus gradibus in quadram /ormaius est. j^ppei» 
lata autem Ramana a Sabinis praecipue^ quod ea prea^ima 
aditus erat Romam. Es ist oftnbar, daas der locus gradümt 
in quadram formatsu dasselbe bezeichnet, was bei Varro die 
gradus in Nora via $ wegen des Tempels der Victoria aber, 
nach dem sich der Clivus benannte, s. den von der Velia han- 
delnden Abschnitt. — Die kaiserliehen Banten, welche all* 
mählig den ganzen Palatin nmfassten, mSgen auch dieser Stelle 
eine sehr veränderte Gestalt gegeben haben ; aber ein Aufgang 
zur Höhe findet sich hier auch späterhin. Deatlich geht es her- 
vor aus Tacitus Hist. I, 27., der an dieser Stelle den Otho 
herabsteigen IMsst: per Tiberianam donnm in ypJabrwn^ inde 
ad Miliafivm auremm sub aedem Saturn/. Die oben für die 
Porta Romanula angenommene Stelle ist hier unverkennbar; 
denn dass die domus Tibtriana auf dieser Seite des Berges 
lag, über dem Velabrum, wird in dem vom Palatin handelnden 
Abschnitte nachgewiesen werden. 

Dass die palatinische Stadt noch ein drittes Thor gehabt 
haben werde, lehrt schon die Lage der beiden bekannten. Es 
ist undenkbar, dass von dem einen znm anderen auf der gan- 
zen südlichen und östlichen Seite die Stadt keinen weiteren 
Zugang gehabt haben solle, zumal da gerade in Süden der 
grüsste Theil des ager Romanus sich ausdehnte. Es hat sich 
indessen keine Nachricht davon erhalten und Varro selbst hatte 



160) Wafarscheiolich also war es irsepd eio MonvmaBt einer Was» 
•erleitang, welches im ^emeiaeo Lebeo porta Romaoa geoaDot 
worde, uod jedenfalls \9i% ea aasserhalb der aervisehen Stadt, da sich 
dort die Grabstätten der Cioeier befanden; denn mit sehr wenigen 
Antnahaien war es nieht gestattet, in der Stadt za beerdigen. S. Dm 
Roma« vtt, mur, p. 69. 

8' 



116 

offenbar keine Kairfe daron, da er, wo er die innerhalb der 
Stadt gelegenen Thore nennt, nichts davon erwähnt. Bei den 
älteren Topographen findet sich ein Name, Porta Tri gonia, 
den auch Dacier zu Festas anfuhrt, ohne dass man angeben 
konnte, woher er genommen ist. Wahrscheinlich ist es- der 
yerstümmeke Name M n g o n i a. Wo aber das dritte Thor ge- 
wesen sein möge, lässt sich zwar nicht mit Gewissheit sagen ; 
wahrscheinlich ist es indessen, dass es an der südlichen Ecke 
des Berges, S. Gregorio gegenüber lag. Noch Septimius Se- 
verus, als er dort sein Septizonium erbauete, soll die Absicht 
gehabt haben, den Haupteingang zum Palatiam dahin zu ver- 
legen ^•*). 

ErweiteniDgeo der Stadt. Porta lanualis» 

Septimontium. 

Die dankelen und verworrenen Sagen, welche von mehr- 
fachen bald nach der Gründung der Stadt und fernerhin un- 
ter den vier ersten Königen geschehenen Erweiterungen der- 
selben sprechen, sind für die Topographie von geringer Wich- 
tigkeit. Wollte man Dionysius folgen, in dessen Angaben 
die meiste, aber sehr verdächtige Consequenz ist, so hätte in 
Voraussicht des Sabinerangriffs Romulus nicht nur das Pala- 
tium mit einer stärkeren Mauer umgeben, sondern auch den 
Capitolinujs und selbst den Aventin in die Befestigung 
gezogen, weniger als eigentliche Stadttbeile, als um die Land- 
bewohner und Hirten mit ihren Heerden aufzunehmen ^^). 
Sonderbar mag immerhin die Vereinigung dieser drei Berge 



161) Spartiao. Sever. Hi. Quum Septifumium /aeeret , nihil 
aliud eogitavit, quam ut ex Afriea venientibus suum opus oeeurre- 
rety et niäi absente eo per prat^eetum. Vrbit medium simulaerum 
eius euet locatum, aditum Palatinis aedibue , i, e, reihum alrium 
ab ea parte /aeere voluiste ptrhibetur. 

62) Dionys. II, 37. rov /üv HaXatiov rtiixos , wg aa^oJUorf^Of^ 
iÄ»«« ToZs ivdov, v^Xorlffo^ iffvfiaaw iyti^WTf rovg di naoa*%iiUvov9 
avTif loipotfs^ roy ti jivivuvinf «ai xov JCanirwXtvov vvv Uyofuvw ««•- 
tatpiftoutv smU xu^fcauifutai naqjeifoXg ntotXofiBivmv , iv ots tu noiftvtm 
nai rov« ^^fio^ovp avkiCeo&a$ ras vvnras iniral^eVf «x'^Tv^» (pifov^ »aro* 
Xa/iSav<up inoTtffov , naX et rt ailo %i»f^io¥ «o^cuU Mty o^TOiff )r«^{ff«y 
igA^kkiVf inoxatpffeiwv naX nt^nnavQdtv x. r. k. 



117 

ttamentlich (8r die klingen, welche sich zwischen dem Palatin 
und den beiden letzteren in jener Zeit nichts als Snmpf und 
See denken; dass aber wenigstens zwischen der palatinischen 
Stadt und dem capitalinischen Hügel irgend eine Verbindung 
Statt fand, scheint wegen 4er Sage des nicht hinwegzuleug- 
nenden Asyls and des Templum lovis Feretrii nicht 
verkannt werden zu dürfen. Zugleich wurde derM ons Quer- 
quetulanus von verbündetem etruskischem Volke anter Cae- 
iius oderCaeles Vibeanus besetzt und daher Caelius 
benannt: indessen ist damit schwerlich gemeint, dass er zur 
Stadt selbst gezogen wurde, und die bald darauf erfolgte Ver- 
setzung seiner Bevölkerung in die Tiefe zwischen Palatin und 
Capitol, wo eben dadurch der Vicus Tuscus entstanden 
sein soll, macht es glaublich, dass der Caelius bis auf den 
dritten König nicht dauernd zur Stadt gehörte ^^^). — Durch 
ein von der Sage auf das Verschiedenste gestaltetes Ereig- 
niss kam die capitolinische Burg in die Gewalt der Sabiner, 
wobd die Fragen, ob man darunter nur die Höhe von Ara- 
celi (die damals mit dem Quirinale zusammenhängend gedacht 
werden muss) oder den ganzen Hügel zu verstehen habe, und 
was in letzterem Falle das Schicksal des auf dem Sattel zwi- 
schen beiden Spitzen gelegenen Asyls gewesen sei, unbeant- 
wortet bleiben. — Als aber Bömer und Sabiner sich zu ei- 
nem bürgerlichen Wesen vereinigt hatten, behielten die Letz- 
teren den capitolinischen Hügel und den Quirinal (oder 
einen Theil desselben) zu ihren Wohnsitzen inne; Romulus 
aber fügte angeblich zu dem Palatin den Caelius hinzu ^'^)* 



153) D i ■ y 8. 11, 36. jSv itp M^ mfUrog i» To furios iXOtivroi^ 
f KaÜUos ovofia ^v, xwv Xo^atv Tt£ f iv ^ ttad'idgvv^, JCaUios ete toSe 
Xif6v9v »oXeiTtu. \gi. 4, Mg* Ataa. wie aiiek 171. «d4 deo von Cae« 
&08 haod^lndeo Abschnitt. 

04) Der*, cap. 50. Oi 3i mqü xov *Pw/avIop mU Tariop Tijr r« 
iroiUr svdi>€ inoisw ful^ova^ nQOQ&iyrtg M^ovß airj Sic lojpovß , rov 
t€ Kv^lviov ttXtf&ivra smU r^ KeUltop' ««2 diMu€v»$ «-«ff otxtfimQ t^9^^ 
ilkiMtv dituritr fV roU ISloiß ixarc^oc xmQioiS t^Qiovvto» *JPotftvXoS fup 
to HaXaTiOV inaxi%<»v wiX xo Kaihw qqos' iax$ 8i xf üaXaxUf n(^jfej[iS' 
Tirtos di x6 KamxtiXtarf ont^f e£ ^X^s naxiofß, ntü xov Kvf^üftov ox&ov. 
Dionysing denkt sich alse die Sabiner früher im Besitze des Capitols 
als des Qairinals and dnraos erklärt sich sam Theiie seine Disposi- 
tion des roBolischen Heers, von dem ein Theil den fisqaiUa , ein an* 
dierer den Quirinal besetzt, cap. 37 extr. 



118 _ 

Per Avendn» wenn er auch wirklich in die Befestigang ge* 
zogen war, wurde von keinem der beiden Theile bewohnt. 
Aber diese Befesügung soll nicht einmal den Quirinal einge- 
schlossen haben, vielmehr dieser erst durch Numa mit einer 
Mauer omgeben worden sein^^^). Die Tiefe zwischen dem 
Capitoliaus, dem Palatium, der Yelia und dem Quirinale wurde 
iSiim gemeinsamen MarktpUUse ersehen. S. d. Abschn. über 
das Forum. 

In die Zeit dieser Erweiterungen wird das Entstehen der 
Porta lanualis gesetzt: des dritten Thors, welches Varro 
als im Innern der Sudt gelegen nennt. L. L. V, 34. p. 165. 
Teriia est lanualis dkta ab lano , et ideo ibi positum lani 
Signum^ et ius mstiUUwn a Pompüio^ ut scribit in AnnaUhi» 
Piso t ut sit aperta seinper» nisi guom bellum sit nusquam. 
Es ist diess die einzige Stelle, welche die Porta lanualis 
ausdrücklich nennt, wenn auch die dunkele Sage von der 
durch lanus den Hörnern gegen die Sabiner geleisteten Hülfe 
(luch von einem Thore spricht. Offenbar ist aber auch aus 
dieser einzigen Erwähnung, dass man unter der Porta lanua- 
lis nichts anderes zu verstehen hat als den berühmten Tem- 
pel des lanus Geminus oderBifrons^ der nach uraltem 
Gebrauche nur dann geschlossen wurde, wenn das römische 
Volk nirgend in Krieg verwickelt war, ein Zustand, der zwi*- 
^hen Numa und Angustus nur einmal auf kurze Zeit einge-^ 
treten war. -^ Wenn sich nun unzweifelhaft ergeben wird, 
4a88 dieser Tempel schon in Numa*s Zeit mitten in der Stadt 
und zwar an der nördlichen Läogen^eite des Forum Roma« 
num lag, so folgt daraus, dass die sogen. Porta lanualis nim- 
mermehr ein eigentliches 3tadtthor sein konnte. Zwar ist 
sinnreich von N i e b u h r ^ ^) und nach ihm von B u n s e n ;in-> 



165) Der 8. e«f». S^, «a« t^c irol^cuc r«v nt^fl^Xof uv^vas r<jf 
Kvpiv€f iUf ({»* riwg yit^ IV« av^par^ ^tr. Mit der natioii«leii Gewohn- 
heit der Sabieer in offeoen Flecken so wehsea stimmt diese ellerdies* 
iiberein. 

66) Rom. €te96h. I. S. 3)14. „Als beide Stidte mit Gleichheit ver- 
fkandpi^ WJirea , effbaoten sie auf der Stresse vom QoiriDftl zum Pele- 
tlvra , als Thor der doppetleo Leadwehre, weldie ihre Weichbilder 
schied, den defpelleo J|unis, Jeder Stadt mit einem Thors zngewandtt 
pffjpQ in Krieffszpiten, d»mit TWi d<M* ^ofa der andeni Bei^taod zviie« 



119 



f enoBinen worden» 4ie beiden Städte der Römer und Sabiaer 
kälten auch nach geschlefiaenem Frieden getrennt von einan- 
der bestanden, und ziviseben ihnen sei eben die Porta lanua* 
lis eingerichtet worden, die man im Kriege geöffnet habe zu 
gegenseitiger Hölfsieistung i im Frieden .aber geschlossen zu 
Verhütung. 2n enger Gemeinschaft; aUeifi bei dieser schönen 
Deutung ist es ganz übersehen worden, dass dieses Thor ge- 
rade die entgegengesetzte Lage hatte, als für solchen Zweck 
nöthig gewesen wäre. Denn ilie beiden Thüren des Tempels 
waren, wie das Doppeigesicht des Gottes selbst, nach Morgen 
und Abend gewendet ^^^), während, um eine Verbindung zwi- 
schen Quirinal und Palaiiu herzustellen, sie nach Mittag und 
Mittemacht hätten geltehrt sein müssen. £s scheint daher nn» 
zweifelhaft, dass ^ler jederzeit offene und einen Durchgang bil- 
dende Tempel nur katachrestisch Porta lanualis genannt wor- 
den, und es gehört daher die nähere Erörterung der liage, eine 
der fo!gereichesten, nicht hieher, sondern in den vom Forum 
bändelnden Abschnitt. Bemerkt sei hier nur, dass die Benen- 
nung als porta sieb um so leichter erklärt, als ein sehr ge- 
wöhnlicher Ausdruck fiir die DeppeUhüren des Tempels Por* 
taebelli gewesen zu sein scheint ^®). 

Hier möge zugleich auch der Poria Pandana gedacht 
werden, obgleich sie eben so wenig als ein römisches Stadt- 
thor betrachtet werden kann« Durch Varr o und Solinus **) 



lieo könne; geschlossen im Frieden: ley es am onbescIiräiikleB Ver- 
kehr nicht zazalgissen-, woraus Fehden entstehen konnten , oder als 
Symbol verbnndeoer Gcsdiiedenheit.-'* Baaj^n, Bwekr. d. St. il. 
l. S. U5. Vgl. 111. B. S. 116. Lm Forum ds Rome. I. «. 05. An* 
»all d. InU, VJIL p. 207 ff. 

167) Procop. ßell. Gotb. 1,25. Mtirov nffoowiop ^ufoov p^iv 
sr^off aviaxovra, to Si tre^fo*' n^g Svovta ijltop riv^wTtu* Sif^atr xs 
j^alitai i(p ixarf^ift ngooMTit^ sltUv. So aach Ovid, Fast. I, 139. 
Afc ^o proapicio eoeieatis ianitor aulas 
EoüM parte* Hesperüufue HmuL 

68) Virg. Aen. VII, 607. Sunt geminas btili partae, \; 294. 
Claudenttir belli portae. Platarch. Naip. 20. "Mav^ie airov sm4 
^uiQ iv'FwfAti Ai^vj^g, ov nokifiov nih^v ueti^uQi. de fort. Rom. 0. 
uiktiod^ 9' ovr t6t€ mU t6 tqv Ua$f09 ^ht^imv^ #r melipaf* vü^ jw 

AOVOIV. 

69) Varri» L. L. V, 7. p. 4a. antiquum appidum in kme <boe^ 
fuüee Satumia scribitur, eine veUigia etiam nunc manent trimt 

^uod Satumijanum in/auoibuMy quod ^^turmiß portm^ fuam 



120 

erfahren wir nur, dass ein Durcbgangsbogen am capitoliniachen 
Hügel (Mons Saturnins) diesen Namen geführt hat, dass aber 
derselbe in alter Zeit Porta Saturnia genannt worden sei 
nnd zu der angeblich dort gewesenen Stadt Saturnia gehört 
habe. Es nennt sie auch Paul. Di ac. p. 220 Müll. Pandana 
paria dicta est Romae, quae semper pateret. Mit dieser Er- 
klärung trifil seltsam zusammen eine abenteuerliche Erzählung 
bei Polyaen. Strateg. YIII, 25. Eine Bedingung des gai- 
lisehen Bündnisses sei gewesen, dass ein Thor der Burg jeder- 
zeit geöffnet sei. Um dieser gefahrlichen Blosstellung zu ent- 
gehen und doch die Bedingung nicht unerfüllt zu lassen, hätten 
die Römer an einer schroffen unzugänglichen Stelle ein Thor 
erbauet: Xva dh ita%d %dQ ovv^i^naQ unavTa ttoi^oo« do" 
noUv , Inl nirQUQ dnQoaßa%ov nvXf]v fjvnfyfiivfiv »ctTc* 
oxet/aoay. Noch auffallender ist es, dass Dionysius die Porta 
Pandana mit der Carmentalis zu verwechseln scheint, 
und diese geradezu das unverschlossene Thor nennt >^^). Mit 
Polyaens Erzählung hat das nichts gemein; denn es ist von der 
Einnahme durch Herdonius die Rede, lange vor dem Ueberfalle 
der Gallier ; aber irgend ein Zusammenhang dieser Nachrich- 
ten scheint doch angenommen werden zu müssen. 

Unter dem di*itten Könige, Tullus Hostilius, der die 
Bevölkerung der zerstörten Alba Longa nach Rom verpflanz- 
te, wnrde der Caelius wirklich der Stadt einverleibt und mit 
einer Mauer umgeben 7'). . Damals schon entstand wahrschein- 



Iuniu9 serihit ibi, quam nunc voeant Pandanam eto. Solin. I, 
13. Jidem (Hercolis eomites) et montem Capitolinum Satvrnium no* 
minarunt. Casteiii quoque , quod exeitatierunt, portam SaUtmiam 
appeilaverunt, quae pottmodum Pandana vocilata est, 

170) Dio Dys. X, 14. wil dta riSv anüaiartuv nvltor 'jtal yaq tjtH 
^^f^ nvKoLtjtov JC§m$Tt»Xiov irorra t« ^ioiparov avufiivof Kaff/upripai 
avräe *ah>yoiy) iivafltpAoag rr/r dvvafitv, tixe t6 <pQovQu>v, 

71) Liv, I, 30. Roma interim ereseit Albae ruinis, duplieatur 
tMum numerus.^ Coelitu addititr mons etc. DioDys. III, 1. «V« Si 
fiitf oixiat afiotoot rts «ij; , noogtTiixtoe rff -jtoXti xov naXovfitvov KaU 
hov Uitfov, ^y&a Boot 'Pwfialwv ^oav Mono*, iU^ovreff tov %wQiov ro 
i^HOvv, ttanoiuvaoav oaUat, StraboV, 3. p. 234. ISsst aach den 
Caelius erst dureh Adcos Marcias zur Stadt cezog^eo werden: "^tynot 
%a ]lfafKto9 n^osXa8mv rh KilLov o(^o9 uaX xo ^A^kvxlvov o^q tcal ro 
fUTofif xoirwv ntS/ov 8t9f^TfifUva nal %a mi aüaihntv %vX and twv n^o* 
tnst^iOfUifow v^ofi^i^Ktv &vay»aion. 



121 

lieh die Porta Capena, wodurch das an der siidlicheii Ecke 
des Palatin angenommene Thor seine Bedeutung als solches 
rerlor. Mit Fiale anzunehmen, dass letzteres schon den Na- 
men Porta Capena gefuhrt habe , ist nii^nd ein Grund vor^ 
banden '^*.^). — Eine neue Vergrössernng der Stadt erfolgte 
unter A neu s Mar eins nach der Einnahme der Stadle Poli- 
torinm, Tellenae und Ficana. Den von dort Uebergesiedelten 
wurde nach übereinstimmenden Nachrichten der Aventin 
znm Wohnsitze angewiesen ^^) , eine Disposition , die aller- 



171**) Erst jetzt tiod nir Piale's DisserUtiooen cn^koanea, 
welche trotz einer Mee^e nsbaltbarer AanakBen deanoeh dat Verati»- 
digste ZQ entbalten scheinen, was bisher aber die Tbore Rens ge- 
schrieben worden ist. Hieher gehört znnSchst die 6. Abbandlnng: 
Della fonda^ione di Roma ^ del Pomerio , Mvrm 9 Parte fattevi da 
Uomolo, Rom. 1833. Darin werden die Porta Magioais und die Ro- 
manula richtig bestimmt; nar dass man schwerlich wird beistimmea 
können, wenn der lanas am Forum Boarinm als die Steile des letata- 
ren Thors bezeichnend angegeben wird. Die Annahme einer Porta 
Capena aber an der Stelle des Septizoniom grttndet sich lediglich 
anf Liv. I, 26., wo von des Horatins Schwester gesagt wird: •frvt'« 
ant9 portam Capenam fuit. Da nun der Caelins erst dnrch Tollnf 
Hostilifls nach dieser That mit einer Maner vmgeben worden sei, und 
demnach anch die spätere Capena damals noch nicht vorhanden gewe* 
sen sein könne , so müsse eine ältere desselben Namens am Palatin 
gelegen haben. Wie unstatthaft diese Folgerung sei, fällt in die Aa- 
ren. Weder ist von Livius irgend eine Reflexion darüber, ob die Porta 
Capena damals schon bestanden habe, zu erwarten, noch folgt aus sei- 
nen Worten, dass er es so aanehme. Das Grabmal der Horatia war 
vor der Capena: Horatiae sepulerum , quo ioco eorruerai ieta, com-' 
structum est taxo quadrato. So bezeichnet er also den Ort, unbe- 
kümmert um die damaligen Thore. Auch Dionyslns Ilf, 21., wenn 
er sagt: (vc yit^ iyyvq iyivtxo rtZv jrvXmv (Piale schreibt: iyvlg xmv 
Vihuv!), und weiterhin : ff^ta Si y$voiiivrj tijg nolewf, denkt dabei nur 
an die PorU Capena seiner Zeit, vor welcher das Grabmal war. — 
Uebrigens hat Piale in einer besonderen Abhandlung (XII) Dei #e- 
eondo reeinto di Roma faito da Numa e deüe aggiunte degli atiri 
rt ßno a Seroio Tullio. sich die unnütze Mühe gegeben, alle Mauer 
und Thore betreflenden Veränderungen von Romulus bis auf Servius 
genau nachzuweisen. Mit eti»'as unbefangener Kritik kömmt man bald 
dahin, zu gestehen, dass uns zwar im Allgemeinen die allmähligea 
Erweiterungen der Stadt bekannt werden , über den Gang der Mauern 
aber und die Entstehung der Thore sich nur unsichere Vermulhungeu 
aufstellen lassen. 

17) Liv. I, 33. quum circa Palatium , eodem veterum Romano- 
rum, Sabint Capitolium atque arcem, Coelium montem Albani imr 
plessent, Avtntinum novae multitudini datum. Dionys. III, 43. 
Üffiazov fUv Tj noXst aolf^av ov fuu^av nffosi&i^KeVp ivtei%ioaQ t6p tty^ 
l*^vo¥ Av9mvov, — X09TOV Sy TOP Xoipov ina,tti%uf(Aa uava r^g noleatg 
offwf ioofiMvoVf ti Tts avTp initf or^roff, xiix^t *^ rüup^^ n^fnißakt, 
maX rov« f/urax&dvrag in TeXlipfijg ta xal nohrwffiiOv wai tvtv aXXotv no* 



in — 

dings sehr befremdlich erscheint, wenn man bedenkt, iass über 
60 Jahre nach Abschaffung des Königthums erst die Lex Icilia 
^e Aventino publicando erfolgte ^'')« Als dann das leere Poiito- 
rium wieder von den priscis Latinis besetzt und endlich von 
Ancns gänzlich zerstört worden war, soll wiederum eine grosse 
Zahl Latiner nach Rom geführt und ihr der Raum zwischen 
Arentin und Palalin überlassen worden sein ^'^). Darunter 
kann man indessen wohl nicht das eigentliche Thal zwischen 
beiden Bergen verstehen, da in diesem gleich darauf von Tar^ 
quinius Priscus der Circus Maximus angelegt wurde, L i v. I, 
35. , oder der Ort wohl schon längst diese Bestimmung hatte 
und damals nur die regelmässige Anlage erfolgte. Dionys. 

m, 68, 

Das ungefähr war die Ausdehnung der Stadt, als Tar- 
qulnlus Priscus den Plan fasslc, in ihrem ganzen Umfange 
eine neue stärkere Mauer zu erbauen. Ehe jedoch dieses Un- 
ternehmen weiter besprochen wird, ist noch der dunkele und 
in aller Zeit schon missverstandene Name Septimontium 
zu berücksichtigen. Der Name bezeichnet keinesweges einen 
Complex von sieben Bergen, streng genommen nicht einmal 
eine Räumlichkeit, sondern ein Fest, einen Tag , an welchem 
in Rom an sieben Stellen (nicht Höhen) geopfert Tvoirde, wes- 
halb auch Sueton. Do mit. 4. Seplimontiah sacrum sagt. 
Es lag aber in dem Zusammentreffen mit der nachmals ange- 
nommenen Zahl der Hügel Roms eine zu grosse Versuchung 
lur flüchtige Etymologen, wie Varro, um nicht zunächst den 
Namen auf sie zu beziehen. So erklärt ihn denn dieser L. L. 
yii 3. p; 206 Sp. Dies Septimontium nemüiatus ab his Septem 
fnontibuSj in quis siia Urbs est; feriae non poputi^ sed mon^ 
UMorum modoy ut Paganalibm^^), qui swU alicmus pagu 



XewVf OQww htQmnfow^ Iv tovti^ rtp X^9^V xa^/^^tracr. Früher hatte 
Diooysias deo Ber^ schon durch Roniulus befestigea lassen, worooter 
«r Also wohl nichts als eine voritbergehende Yerschfazan^ verstaQ* 
den hat. 

173) Liv. IH, 31. 3^ Dionys. X, 31. 32. S. d. Abschn. ob. 
den Aventin. 

74) Liv. I, 33. qnibtu, ut iungeretur Palatio jiventinum, ad 
fiwrtuM data« tedes, 

75) M ä 1 i e r schreibt mit der Alüina : PofianaiU. Wiur mit Var^ 



123 

■ 

So erkläft sich dtniber tuish Plularch. Qoaest. Rom. 09* 

kofopy$rio&ai» und ein yersiümmeUes Fragment des loan- 
nes Lydus ^'•). 

Dass aber der Name in keinem Zusammenhange mit die- 
.sen sieben Hageln siehe, lehrt nns gtScklicherweise Anti- 
stiusLabeo, naeh welchem Festns p. 348. also berich- 
tet: SepUmontio^ mimt jintistius Lifbeo^ hüoe montibu» ß- 
rme. Paimtio, cui saerifictym quodfit^ Palatwr dfcüur. Fe- 
Kae^ cui item sacnfidum. Fagutali^ Suburae, Cermah, Op* 
pioy Caeli'e monii^ Chph wumtu In diese Reihe ist offenbar 
ttn Name eingeschoben, da nicht sieben, s(mdem acht Stellen 
genannt werden. Niebuhr (I. S. 430.) hat daher die Subu- 
ra^ deren Bewohner als pngani (pagus Sttatsanus) nicht en 



ro*s Ansdrocksweise vertraut ht, wird keine Aendemof^ nSthip finden ; 
im Cregeotheil« wird die Rede darcli den Nominativ noch «ngeschiek- 
ter. Der Satz iit so za vervolUtändigea: ut Paganalibus eorum sunt 
ftriae, qui tunt alieuiut pagi, 

176) Mit der HandsehrlFt der BHcber Tn^l u(fxfi^ t^^ *Fmuetiw9 
noXtreias erhielt der Graf dioiseul-Gouffier zn^eicb zwei ein- 
zelne Blätter, welche nur theilweise lesbare Fraj^mente der Bücher ne^l 
fttfPtSv eotbalten. Diese naeh dem Besitzer der Hdsehr. rra^mentaCa» 
«e all na genanoteo Stücken sind von Hase in der Aasgabe deii Buchs 
Ttt^l diooTifiitojv mit höchst seltsamen Ergänzungen herausgegeben und 
i« Corp. Script, bist. Byz. eben so abgedruekt worden. Die bie- 
ber gehörige Stelle lautet mit den Ergänzungen also: •. 118 Bekk. 
i^ ra^TTj xul 1^ kiyofiivT] naQ [avToiv ^t7TTt]fiOvi8toC ioQTt/ firtreXtito^ 
TOvriüTtiy ij TttifioSoi z^g 7roil[cc»p, ort tTri fTirä l]ütf>ovs rä rtt'xf r^t 

nnklvoft BiXivr^vaiogy Kt^Qiva^kmg, naka^rlvog]. Ich habe in der Schrift 
P» Romae tet, mur, atq, port. p. 6!^. gezeigt, wie noatatthaft fiü 
Theil dieser Erganzongea ist; indem ersUieb der Kimog , der ia der 
lateinischen Uebersetzung für den Cispius genommen wird, ja schon 
nater dem Eaquilinas begriffen ist ; dann der Caelins und Quirinal feb<- 
len und dagegen der laniculus, der, Missverständnisse später Zeit aus» 
genommen , nie zu der Urbs septicollis gerechnet worden , aufgenom- 
men ist; endlich, was das Seltsamste ist, dieser, der laniculus, Mona 
Tiburtinus genannt wird. Wahrscheinlich ist, wie dort bemerkt 
worden, also zu lesen: [nnX^arivov, *B<ntvk*ov, Ta^ffCoVy^jißBvrivov^ 
Ttph[Qtavov ij KaiXtoVy Kv(ftva]ltov^ BißivuXtov, Wie aber der Caelius 
zu dem Namen Tiberianus komme, darüber ist neben der angef. 
ßchrifft der von dieaeai Berge handelnde Abacbaitt nacbsnaehen. 



dea manianis gehört, haben könnteiii ausschliessen wollen. Al- 
lein gerade die Subura wird aach in einer zweiten, leider sehr 
verstümmelten Stelle bei Fes tu s p. 340. genannt, und der 
entsprechende Artikel bei Pairl. Diac. lässt den besseren 
Handschriften nach den Caelius ans. Septmantium appeUa^ 
bant diemfestumy quodm Septem locis faciebant sacrificium^ 
Palatw, FeliQy FagtäalU Subura, Cermalo , 0/^zo et Citpio* 
Es ist daher wahrscheinlich, dass dieser Name, CaeHus^ auch 
in der ersteren Stelle irrthumlich eingeschaltet ist, um so mehr 
als man wie Cispio monti auch Oppio monlt erwarten sollte ; 
denn so werden beide Punkte gewöhnlich bezeichnet* Wenn 
man nun damit den Namen Caelimontium vergleicht, der 
noch der zweiten augustischen Region verblieb, während 
schon in alter Zeit die Porta Caelimontana davon ihren 
Namen erhielt, so mag man wohl Septimontium und Cae- 
limontium als getrennt neben einander bestehend betrach- 
ten, und daher haben Bunsen und Möller mit Recht die 
Subura beibehalten und den Caelius gestrichen ^^7). — Die 
Hauptfrage aber ist, in welche Zeit ein solcher Stadtverband, 
auf den indirekt denn doch der Name des Fests hinzuweisen 
scheint, gehören möge. Von Niebuhr und Bunsen '*) 
und namentlich von dem Letzteren ist es sehr bestimmt ausge- 
sprochen worden, dass das Septimontium diejenige Städtever- 
bindung sei, welche unmittelbar dem grossen Stadtvereine des 
Servins vorangegangen sei. Dem scheint zunächst zu wider- 
sprechen, dass darin der Oppius und Cispius enthalten waren, 
Heile der Esquilien , welche erst als von Servins zur Stadt 
gezogen angegeben werden. Zwar weichen die Nachrichten 
hierin ab. Dionys. IV, 13. sagt: ty xe noXti ngogi&fjna 
8vo ko^ave, %6v %B OvifiivdXto^ naXovfi^vov %a\ %6v linL\H 
Xlror. Damit stimmt uberein Strabo V, 3. p. 234. Nach- 
dem er das Unzureichende der Befestigung, so lange die beiden 



177) BuDsen, Beschr. d. St. R. I. S. 683 ff. Müller x. Fest. 

IK 341. BuDseo hatte früher mit Niebahr die Sahara aasscheiden wol-' 
ea. S. 141. 

78) Niehtthr, Rom. Gesch. L S. i^i. Baatea«. a. 0. S. 687. 



Hügel «lugeflehlosseii gewesen, angedeutet haty Itilirt er fort: 

^9is tar T« *IlauvXi¥or Xof^oi^ Mal tw OvtjßitraXior. Dage- 
gen werden von Livius I, 44. der Qnirinal und Viniinal ab 
die von Servius hinzugefügten Hügel und die Esquilien nur ab 
in weiterer Ausdehnung eingeschlossen genannt : ^dMt duoi 
celksj Qmrinalem ß^immatemque, tnde demceps avget Es^ 
fuiK&Sj ibffue^se^ ui loeo digntias ßerety hMi^t. Alle drei 
ohne Unterschied endlich nennt Aurel. Vi ct. Vir. ill. 7. 
co/lem Qminaiem et f^iminalem et Esfuilias urbi addidit. 
Wenn Niebuhr deshalb, weil die Esquilien schon zu dem Septi* 
montinm gehören , der Viniinal und Quirinal aber nicht , der 
ersteren Tradition den Vorzug giebt, so wird erstlich nicht 
klar, wie damit zu vereinigen sei, was eben von ihm mit Recht 
ab entschieden angenommen wird , dass auf dem Quirinal die 
ursprüngliche und eigentliche Sabinerstadt war. Sodann aber 
sind der Oppius mons und Cispius mons gerade die äussersten 
Tiieile des Esquilin und dass dieser Berg vor Servius nicht in 
der ganzen späteren Ausdehnung zur Stadt gehörte, erkennt ja 
auch Livius an, wenn man nicht dazu seine Zuflucht nehmen 
will, den Ausdruck äuget EsquiHas von dort aufgeführten Ge- 
bäuden zu verstehen. Vielmehr ist die Sache wohl so zu den- 
ken. Vor Servius gehörte ein grosser Theil der südlicheren 
breiten Zunge des EsquiUn ab Carinae zur Stadt. Eben so 
umschloss die Stadtgrenze den vorderen Theil des Quirinal 
nebst der zwischen ihm und den Carinen gelegenen Subura. 
Ab Servius den übrigen Esquilin, die eigentlichen Esquilien, 
Oppius mons und Cispius mons nebst dem Viminale mit zur 
Stadt zog, musste nothwendig auch der nördliche Theil des 
Quirinal, der mit dem Viminal in einer Höhe sich vereinigt mit 
eingeschlossen werden , woraus sich die verschiedenen Anga- 
ben hinreichend erklären. 

Wie aber Oppius und Cispius dennoch in einen vorservi- 
schen Verband gehören konnten, darüber geben vielleicht ei- 
nige dunkele Andeutungen Aufschluss, nach welchen der Name 
Septimontium selbst älter als Rom , das von Romulns gegrün- 
dete, war. Varro sagt L. L. V, 7. p. 47. Übt nunc äö- 



128 

ntff» Septimontium ''*)9 nominrntum «& iet montibus^ 
fuos postea urbs muris camprekmdii. Er sieht also den Na- 
meu für älter aa als Rom ; es ist die Stelle, welche so heisstr 
ahgeseben von der städtischen Anlage; doch denkt er dabei, 
wie in der oben angefahrten Stelle, an die sieben Hügel. Da«- 
mit trifft die merkwürdige Erklärung des Namens Sacrani 
zusammen, Fest. p. 321. Sacrani appetiaii sunt Reote orii^ 
qiä ex Septimontio Lignres Stcuhsqae earegeruni^ nam vere 
socro nati erani. und die gleiche Nachricht bei Serv. z. Aen. 
XI, 317. ifines super usque Sicanos) Vsque adßnes Stcanos, 
quos Sieuli aliquando tenuerunt, id est^ usque ad ea loca^ m 
quibus nmnc Roma est: haec tnim Sieuli habitaüerunt ^ unde 
est: >,e/ gentes vmere Stcanae**' Uli auiem a Liguribus 
pulsisumtf Ligures a Sacranis^ Sacrani ab Aboriginibus^^). 
Wie auch diese Völker historisch zu beurtheilen sein mögen, 
so viel scheint aus den drei auffiiUend fibereinstimmenden Naeh*- 
richten hervorzugehen, dass der Name Septimontium als in 
eine Zeit gehörig betrachtet wurde, die über den Ursprung der 
romulisehen Roma hinausreichte, und so bezöge sich das Fest 
vielleicht auf einen vorrömischen Zustand, dessen Andenken 
dadurch bewahrt wurde. 

ie Stadt des Scrvius Tullius. 



Ob die sämmüichea Theile, über welche sich nach und 
nach der römische Stadibau erstreckt hatte, von einer einzigen 
gemeinschaftlichen Mauer umschlossen wurden, als Tarqui- 
nius Priscus zur Herrschaft gelangte, das wird niemand 
entscheidend bcautworten können. Aber darin stimmen die 



179) So hat nach Niebahr I. S. 430. n. 930. vollständiger die 
Florentiner Handschr. Gewöhnlich fehlen die Worte: Vbi nuno Aarna 
Septimontium. 

80) Vgl. dens. z. VI, 734. Bene vrbem Romam dicit teptem in- 
9iuMiise montet , et medium tenuil : nam grandis ett inde dubiiaiis, 
et alii dicunt, breves septem colliculof a Homulo inclusos, qni tarnen 
aliis nominibvi appellabantur. Alii volunt, hos ipsos, qui nunc Munt, 
m Romulo inciuMOt, id est, Palatimtm, Quirinalemy Aventinum, Cot- 
lium, ß^iminalem, AesquHinum et lanieularem . Alii vero volunt hoe 
quidem ßiiese üliis tarnen nominibu* appeilatos etc. 



187 

Nachricliten überein, dass dieser K^ig bald nach seinem Re« 
giernngsantritte einen neaen^ starken und regelmässigen Mauer- 
bau begann, der indessen, durch dazwischen fallende Kriege 
unterbrochen, noch unbeendigt war, als er selbst nnter den 
Beilen der Mijrder fiel 1*1). Servius Tullius beendigte den 
Bau und fügte eines der gewaltigsten Werke jener Zeit hinzu, 
den Ungeheuern Wall, der die östliche leicht angreifbare Seite 
der Stadt decken sollte. Die Grösse seines Verdienstes als 
Ordner des inneren Staatslebens und Gründer einer neuen 
städtischen Eintheilung hat den Antheil des Tarquinius fast 
vergessen lassen, und in neuerer Zeit namentlich hat man sieb 
gewöhnt , von den Mauern und Thoren des Servius zu spre^ 
chen, als ob sie allein sein Werk seien **). 

Servius theilte das ganze von der Mauer umschlossen« 
Stadtgebiet, mit Ausschluss des Capitols und Aventins in vier 
Bezirke, regione*^ eine Massregel, welche mit der Ein-« 
theiinng der städtischen Tribus zusammenhängt, an die sich 
aber mehrere kaum zu beantwortende Fragen knüpfen. Die 
Kenntniss dieser Regionen verdanken wir Yarro, der uns 
auch über die in denselben vertheilten Argeerkapellen Nach^ 
rieht giebt und leider nur einzelne Fragmente aus den heiligen 
sie betreffenden Schriften mittheilt ^3). Die erste dieser Re- 



131) Dionys. III, 67. nak ja tiljfi t^9 noXitoi avtooiifut uak 
^üLvla Tott i(fyaaiai9 ovra n^MTot idomlfiaat lid'OiS afira^iaioie it^tyaafU^ 
yotQ TTQÖs tinviva xaretoxcva^eif . L i v. I, 36. Muto quoque ittpideo eir- 
cutndare Urbem parabat^ quum Sabinttm bellum eoeptis interveniU 
Das Unternehmea wurde aber io ruhiger Zeil fortgesetzt, cap. 38. 
Nam et muro lapideo, cuius exordittm opcris Sabino betlo iurbatum 
eratj urbem qua nondum munierat^ eingere parat. 

82) Das Alterthuin hingegen verkennt keinesweges den Antheil, 
welchen der ältere König daran hatte. Livins schreibt anch dem S«r- 
vios einen Tbeil der Mauer zu. I, 44. ylggere et fotsU et muro cir- 
cumdat Urbem: ita pomoerium profert , wenn damit nicht nur die 
Mauer auf dem Walle gemeint ist; aber Aurel. Vict. de vir. ill» 

6. sagt von Tarquinius: Murum. lapideum Urbi cireumdedit, und cap» 

7. von Ser\'iu8 nur : aggerem fossasque fecit. 

S3) Varro L. L. V, 8. p. öü tf. Das ganze Capitei ist iteliZB* 
sehen. — - Das Wesen der Argeer und die Bedeatnng dieser Sacrarien 
kann hier nicht erörtert werden , in wie weit nicht topographisch« 
Fragen damit zusammenhängen. Viel Gutes ist darüber von Otfr^ 
Müller in Böttig. ArohäoL u. Kunet S. 69 ff. vnd von Bonsen,^ 
Beechr, d. St. R. 1. S. 146 ff. and S. 688 ff. gesagt. Aber der vap* 



U8 

* 

gionen war die Subnrana. Sie umfasste den Caelias, da^ 
Thal des Colos&eani mit einem Theile der Sacra via (im wei- 
teren Sinne), und reichte hinüber über den Theil des Esquilin, 
der als die Carinae erkannt werden muss, und wo sich (in der 
Geg^end der Titusthennen) der mit dem dunkeln Namen Gero- 
liensis benannte Bezirk fand, zu der Subura, diese, wie die 
ganzen Carinen, einschliessend. Auflallend muss es immerhin 
scheinen und jedenfalls widerspricht es der Meinung, dass die 
Subura nur ein untergeordneter, den älteren Stadttheilen an- 
geschlossener Bezirk gewesen sei, dass gerade sie der ganzen 
Region den Namen gab. Wenn aber Caelius und Subura zu 
einer Region gehörten, so ist das entschieden, dass der da- 
zwischen gelegene Theil des Esquilin (damals vermuthlich gar 
nicht so benannt) nothwendig in derselben begriffen sein musste; 
und da die Carinen ebenfalls in dieser Region lagen und der 
Ceroliensis dazu gehörte, so ist es klar, dass diese eben auf 
der Höhe der Titusthermen und S. Pietro in vincoli zu suchen 
sind, wenn sie sich auch vielleicht in die Tiefe erstreckten. 

Die zweite Region war die Esquilina, oderEsqui« 
liae, die schmälere Zunge des Beides und den ganzen von 
Wall und Mauer begrenzten Rücken desselben umfassend. Sie 
muss unverhältnissmässig klein erscheinen, wenn man nicht an^ 
nimmt , dass der östliche Theil der breiteren Zunge dazu ge- 
hört habe, und schwerlich wird man auch bis dahin den Be- 
reich der Carinen ausdehnen dürfen. — Die dritte Region, 
Colli na, begriff in sich den Yimiual und Quirinal und die 
dazwischen gelegene. Tiefe; die vierte, Palatium, den gan- 
zen Berg dieses Namens nebst der Velia und dem Germalus 
oder westlichen Abhang. Wie es mit der Tiefe des Forum 
Romanum, Velabrum und Forum Boarium gebalten worden 
sei, wird nicht klar; warum aber Capitol und Aventin (aus 



ronUcb« Text bedarf noch einer anderen Bearbeitnnc. Scbätzbarer 
aU jede Uebersetznnf^ aod alle Vensnche zar HerstelTang würde ein 
Abdruck des Textes selbst nach der Florentiner Handschrift^ wo mS)^ 
lieb ein Facsimile gewesen sein. Jetzt ist ohne Uebersicht dessen, 
was diese Handschrift bietet, mit allen jenen Versuchen nichts anzifr- 
faofen. 



12» 

veraeUedeiieii GrvBden) aasgeflehlosseii bfidien, wird Beriick- 
sichtigiing finden, wenn ¥on diesen Bergen gehandelt wird. 

Mauern und Thore der serbischen Stadt. 

Die genane Nachweisang des Ganges , welchen die Be*^ 
festignng des Senrins Tallins genommen , gehört jetzt zn den 
Unmögliehkeiten. Schon Dionysins gesteht, dass sie in 
seiner Zeit nicht mehr genau Terfolgt, sondern nar nach noch 
vorhandenen Resten beurtheilt und errathen werden könnten, 
da sie allenthalben von Gebäuden umschlossen, auch wohl 
durch solche Anlagen gänzlich verschwunden waren ^^*). Ge^ 
genwärtig durfte schwerlich noch ein sicherer Rest davon übrig 
sein, und es kann also nur theils aus den Nachrichten über den 
Umfang der Stadt, theils aus der Beschaffenheit des Terrains, 
theils und hauptsächlich aus dem, was man aus zerstreuten 
Nachrichten aber die Lage der Thore erfährt, auf den Gang 
der Manem geschlossen werden. Es knüpft sich daher die Er* 
wägung desselben am natärlichsten an die Erörterung der Lage, 
welche die einzelnen Thore hatten, aus deren Bestimmung 
sich der Zug der Mauer und endlich der Umfang der Stadt, 
wenn auch freilich nicht mit Genauigkeit, von selbst ergicbt. 
Im Allgemeinen aber muss man immer im Ange behalten, dass 
Servius (oder sein Vorgänger Tarqninius), wo es möglich war, 
die natürlichen Befestigungen , welche steile oder leicht abzu- 
schroffende Felswände darboten, benutzte und nur zur Ver- 
bindung der Höhen in der Tiefe und durch die Ebene die Mauer 
zog. Das bezeugt auch mit klaren Worten Cicero de rep. 
II, 6. curus is esttractus ducivsque mvri cum Romuli ^ twn 
etiam reHquorwn regum sapienlia dcßnüus ex omni parte ar- 
duis praerupiisqne montibus^ utunus aditui, gut esset ivter 
Esquilinum Quinnalemque montem , maxhiio aggere obiecto 



184) DioDys. IV, 13. il 9e rC rfi^ti n» Svaiv^irtf fttv ovr* 
9ik Ter« ne^ilaußavo^oaf <e»r^ nöiXaxo&iv otx^oa^f Ip^ Si rira ^t^- 
kavtopTi natu noXkavs ronovt t^t a^ulat naraatuv^g, ßovhj^bitf fu^ 
xffuv «. r. X. 

9 



130 

/iMUa eingeretur veiiisnma , üique nt ita mmnia nrat tircwn^ 
iectu ardwo et futisi arcwncüo saxo nüertiur '*^). 

Die Zahl der Tbore in der servischen Mauer wird sehr 
verschieden angenommen. Nibby (um älterer nicht zu ge- 
denken) nimmt deren 26 an, und sind darunter auch drei als 
unsicher bezeichnet (trans Tiberim), so rnuss doch eines davon 
(P. Aurelia) als unzweifelhaft angenommen werden, da die Be«> 
fesügung des laniculus denn doch ein Thor haben nnd eise 
Strasse von dort ausgehen mussie. So wurde also immer die 
ausserordentliche Zahl von 24 Thoren bleiben. Bu nsen zählt 
deren 19, wovon zwei in Weg&U kommen müssen, eine we- 
nigstens anders zu benennen ist. Ganz abzusehen ist vorläufig 
voa*Plinin& Angabe» nach welcher in Vespasians Zeit die 
Stadt 37 Tbore gehabt haben soll. Die Zahl, welche mit 
Wahrscheinlichkeit anzunehmen sein dürfte » wird sich von 
selbst ergieben , wenn wir die gewisser begUubigten im Um* 
kreise der Stadt ihrer Lage nach bestimmt haben und dann die 
etwa übrig bleibenden zweifelhaften Namen prüfen. Es isl 
ihev auch hier der oben ausgesprochene Grundsatz festzuhal- 
ten » dass an den Stellen Thore äsu suchen sind, wo das Be* 
dürfniss einer Verbindung nach Aussen hervortritt und na- 
mentlich, wo sich natürliche Anfänge zu den Höhen, auf de- 
nen die Maner sich hinzog» darbieten. Um aber von einem 
sicbi»*en Punkte auszugehen, bedürfen wir eines der Lage nach 
unzweifelhaften Thors. Deren sind überhaupt etwa fünf: Gar- 
mentalis» Trigemina, Capena» Esquilina und Gol- 
lina. Die beiden letzten sind, wegen der aus ihnen führenden 
Strassen die gewissesten f da indessen der Wall» an dem sie 
lagen, das grosse Befestigungswerk beschloss, so scheint es am 
schicklichsten von den der Colli na zunächst gelegenen Tbo* 
ren auszugehen und die Stadt nach der Linken umkreisend zu- 
letzt zu den Thoren am Walle zurückzukehren. 



185) Daraos erklärt sich, was er I, 26. sagt: hds mMtniqü^ tt^ 
pire. £ben se bestiaiBl spricht davoo Dienys IX, 6ft« ttal r« fUv 



131 

Die Thore am QuirinaL 
SaltUaris. Sanqualis. Fontinalis. Rahunena? 

Die Porta Colli bA war das ntfrdliefasite Hior der SCadt 
und lag an diesem Endpunkte des Walb, etwa in der Gegend, 
wo die Via Salaria und ViaNomentana sieh Knuten. 
Von dort hat man die Mauer auf der Höhe des Berges, über 
de« Thale , das ihn rom Pincius trennt, vnd der Ehene des 
Marsfeldes sieh hinziehend £U denken, bis zu der Stelle , wo 
er dem capitolinisohen Hügel am nächsten küoimt. Auf dieser 
Seite waren mehrere Thore, deren genauere Bestimmung je- 
doch nicht ohne Schwierigkeit ist. Die am besten beghinbigten 
sind die Porta Saluiaris und die Sanqualis. Die er* 
* stere, welche die nichste von der Coliina her gewesen sein 
muss, hatte ihren Namen von dem Tempel der Salus und 
lag also wolil über dem dahin führenden Clivus Salu- 
tifiissH^^ PauL Diac. p. 327. Saluiarü parta ^peilaiti 
e3i ab aede SalaÜs , quttt ei proxima fiät. Es ist diess der 
berühmte Tempel, den im Jahre d. St. 4il. C. lanius Babul'^ 
cns geweihet und Fabius PictM* mit Gemiilden von seiner Hand 
gescbmückt halte ^^)* Daraus folgt indessen keinesweges, dass 
das Thor erst seit dieser Zeit so geheissen habe) denn jeden* 
falls hatte schon in viel iflterer Zeit die Salus dort, wenn kei* 
nen Tes^^el^ doch ein Saoellom, wie das fVagment aus den 
Büchern der Argeer beweiset) wo schon eine a^d^ S^hUk 
genannt wird ^^)* Uebrigens ist zwar jene dürftige Naohrieht 

185^) Ganz in anderer Reihenrol^e werden die Tbore auf dieser 
Seite TOD Fiüle, DelU portB tettentrionali del teeinto di Sergio, 
Rom. 1834. bestimmt. Indem er «ine lietOAdere P«rtaU«iirina- 
lis, verschiedea von der Coliina, nod also swischen Capitol und 
dem Walle, sechs Thore annimmt, lasst er sie, vom Capilol anstehend 
so folgten: Ratumena, Fontinalis, (Jnirinalis, -Salataris, 
Stnqitftlis, Collinft. Wie darüber sn nrthetten sei, s. bei der 
Porta Coliina vod im Absehnitte rem Qnirinal. 

86) Llv. IX, 43. X, 1. PI in. XXXV, 47. 

87) Varro L. L. V, 8. p. &8. CoUis SalutariM quarlfeept adver* 
sum est pihnmroü (M iil I. JpoUinär M) aedem Saiutis* Darüber kann 
kein Zweifel sein, dass diese £tntheilnng naeb den Ar(^eereaj>eUen und 
somit die Benennnnf C Ollis Salntarit, die wlederam eine Aede^ 
oder ein Saeellnm Salstis voraussetzt, llter ist als der Tempel 
des Inuius Bsbulens, der ihn nnr nett baaete. Darin Irrt also Saeh^ 
se, Gesük» d. Siädt Rom. I. 8. tiO., güntiieb. 



132 

die einzige, welche uns überhaupt von dem nirgends weiter 
genannten Thore erhalten ist; und aus Festus selbst, so rer- 
stümmeH der Text ist, ersiehet man dennoch, dass er noch 
einwandere Herleitang des Namens versucht hatte ; demunge- 
«Shte^^rii^r ist kein Grund, der ersteren zu misstrauen, und es 
bedarf nur der Vergleichung mit der Porta Sanqualis, um 
sich zu überzeugen, dass die Salutaris jedenfalls von dem 
Tempel benannt war. lieber dessen Lage aber würden wir 
gänzlich im Dunkel sein — denn die Reihenfolge der Argeer- 
kapellen.(s. den Abschnitt über die C olles) kann wenigstens 
zweideutig scheinen — wenn nicht die Notitia in der Be- 
schreibung der sechsten Region (Alta semita, Quirinal) ihn er- 
wähnte. Sie geht von der nördlichen Grenze der Region ans, 
wie sich daraus ergiebt, dass sie eben dahin zurückkehrend 
zuletzt die Thermen Diocletians nennt, und nimmt ihren Weg 
nach Süden an der nordwestlichen Seite des Berges hin. Der 
erste Punkt, welcher genannt wird, ist dieAedesSalutis 
und daher ist es gewiss, dass diese unweit der Thermen lag 
und dass die Porta Salutaris das nächste Thor an der 
Porta Collina war. Welcher Aufgang zur Höhe aber der 
Clivns Salntis gewesen und wie also die Stelle des Tempeis 
und Thors genauer zu bestimmen sei, ist weniger entschieden. 
Bansen '**) erklärt sich für die Via di Sta. Susanna (bei den 
Thennen Diocletians) { ich möchte mich mehr zu der Meinung 
Canina^s binneigeA, den Clivus und das Thor in der Gegend zu 
suchen, wo man von Piazza Barberina auf der Via di quattro 
fontane zur Höhe aufsteigt , indem weiter nach Porta Collina 
hin , wo das Thal sich verenget, das Bedürfniss eines Thors 
weniger anzunehmen scheint****). 



189) Begehr, d. St. Rom. I. $.696. Boasen nimmt drei erweUlicli 
nicht neae Aafd^nge an : 1) vom Pincias nach der Kirche Sta. Sumd- 
na. 7) den mittleren vom Marsfelde bei Pontana Trevi. 3) den südli- 
chen, wovon nachher. Warum bei Qnattro föntane (wenn auch nicht 
gaax in derselben Richtung) kein alter Aufgang vorausgesetzt wird, 
ist nicht gesagt. Sprechen dagegen nicht entscheidende Gründe, so 
wird Canina*8 Annahme annehmlicher scheinen müssen. 

88**) Piale weiset mit Berufung auf Bofalani's Plan noch einen 
Aufgang zwischen S. Susanna und Palazao Barberini, bei S. Nicola 
vorbei, nach, wohin er seiner Ansieht von der Reiheafolge der Thore 



133 

Das zweite Thor, Porta San qualis, hatte seinen Nir» 
men von der Nähe der Aedes Sancioder Dei Fidii. Paal. 
Diac. p. 345. Sanquatis porta appellatur proanma aedi 
S4inci. Auch diesen Tempel erwähnen diePgmta Argeo- 
mm: Colüs MudaKs quinticeps apud oedemDei Fidi. Wird 
nun auch nichts zur Bezeichnung der Lage hinzugefugt, so 
ergiebt sich doch dieselbe theiis aus der Reihenfolge, in wel- 
cher die Saeraria aufgezählt werden, theiis aus einer anderen 
Erwähnung des Sahcus* Tempels bei Livins ^**), der ihn dem 
Tempel des Qnirinus gegenüber nennt. Da nun dieser Tem- 
pel mit Wahrscheinlichkeit in die Nähe von S. Andrea del No- 
viziato (di Monte Cavallo) gesetzt wird, so darf man anneh- 
men, dass die Porta Sanqualis sich da befunden habe, wo man 
von Fontana Trevi zu Piazza di Monte Cavallo au&teigt (Via 
della Dataria) ^). 

Ausser diesen beiden Thoren lag ebenfalls nach dem Mars- 
felde zu die Porta Fontinalis. Ihrer gedenkt Livius 
XXXV, 10. aAeri0Ei» (porticum) a porta Pontinali ad Marti* 
aram, qua in Campttm iter esseij perduxerunt und in Bezug 
auf die Fontinalia, ein in den Fastis Maffeorum und 
Amiterninis a. d. III Id. Octobr. angemerktes, auch von 
Varro L. L. VI, 3. p. 2Ö4. als Fontanalia und von Fron- 
lin. de aquaed. 4. erwähntes Fest, Paul. Diac. p. 85. 
Fonünaüa^ faniiam sacra. Unde et Romae Fontinaiis porta. 
Ausserdem kömmt der Name auch auf einem au der Via Appia 
gefundenen jetzt im Lapidarium des Vaticans befindlichen klei- 



l^emlss die Sanqaalis reriegt. Auch dort konnte die SalaUris ffcdacht 
werden. 

18») Li V. VIFI, 20. quodque aeris ex iit (boois Vitrnvii) redactum 
e$t, ex eo aenei orbes facti potiti in tacello Sanci, versus atdem Qui- 
rini, 

90) Man kannte freilicli , wenn man die Porta Saktaris bei Sta. 
Sttsanna annimmt, die Sanqualis beiQuattro fontane denken, denn die- 
ser Punkt ist eben so nahe an S. Andrea ; allein die Reihenfolge der 
Saerarien seheint dagegen zu sprechen; denn schwerlich lag der Col- 
lis Mncialis (über den Namen s. den Abschu. üb. den Qnirinal) mit dem 
Salutaris und Quiriualis in solcher nahen N'achbarschaft. Dagegen würde 
die angenommene Stelle eben so gut mit Varro übereinstimmen, wenn 
der Tempel des Qnirinus, wie Piale will, auf dem südlichen Theile des 
Quirinal, wo Andere den Sonnentempel AareUaus annehmen , zu suchen 
w»re. 




134 

neu Grabcippus vor : Dis Manibus A. Afiii Maioris Ubellü" 
rii a porta FontinaÜ. So viel nun scheint unsweifelhaft, dass 
man dabei an ein nach dem Marsfelde zu gelegenes StadUii9r 
zu denken hat; denn dort war die araMartiä (Li v. XL^ 45^), 
und nur das Marsfeld wird ohne Zusatz schlechthin Campus 
genannt " ■). An welcher Stelle man sie aber zu suchen habe, 
ISsst sich nicht zur Gewissheit bringen. Die natiiriicbste An^ 
nähme würde sein, dass sie zwischen dem Capitole und dem 
Quirinale gelegen zur Verbindung des Forum mit dem Mars« 
felde gedient habe ; dafür aber entsteht eine Schwierigkeit da- 
durch, dass noch ein viertes ebenfalls sehr unsicheres Thor ge«* 
nannt wird, welches man wegen der Verbindung, in die es 
mit dem Capitole gesetzt wird, hieher legen w müssen meint« 
Diess ist die Porta Ra turne na« Sie wird von mehrereii 
Schriftstellern, aber immer nur in Beziehung auf eine und die* 
selbe Sage genannt. Ein Sieger in circensischen Spielen zn 
Veji soll heimkehrend von seinen scheu gewordenen Rossen 
bis Rom geführt worden und am Thore herabgestürzt sein. 
Die Rosse aber hätten erst vor dem Tempel des lupit^r Capito« 
linus still gestanden. Von dem Pfamen des Herabgestfirssteii 
habe das Thor den Namen erhalteq *^), Sonst findet sich niiv 



f91) Ganz anders urtheiU freilich Nibby, Mura dt Roma. p. 178. 
Daran r fassend , dass der Pseodo-Rafas ia dai* swe|l«n Re^aa (CaalU 
montium) einea Campas Fontin arnm nennt, verlegt er hieher, iin 
den Caelins, auch die Porta Fontinalis. Es lieget aber anch hier ^nz 
ap Ta^, wie jeaar Verfülseher der Nofitia durcii die oben ans Llviim 
angerdhrten Worte veranlasst worden ist, einpn solchen Namen zn er- 
fiqden. Allerdings ist gerade die aater dem Caelias gelegene Gegend, 
besonders vor Porta Capena, sehr qnellenreich , and da dort auch eii| 
berühmtes Heiligthnm des Mars lag, so war diess la Vfsrbindiiag mi( 
den Fontioaübas hiansicheqd, am den Gampas bei Livios avf finen 
Campos Fonlinarnm ^n beziehen. Aber wenn aneh selbst jeaep Regior 
aar acht würe , so könnte doch Campos alleia bei Livias nimmer- 
mehr etwas anderes als das Marsfpld bedeuten, and vov Porta Capeaa 
jag wohl eia Templam Martis, aber dip Ära If artii war m 
MarsFelde. Vgl. Pinie, Delle porte settentrionali, p. 9t 

y^) Plia. N, U, VIII, 42, 65, Afaiu^ avgurium apvd prüe09,plef 
fteÜM CircensibuM ewou»40 auHga t*Ai, ut si ttarei, im Capit^lium eu* 
purrüse equo$ aedemque Hf (ustrau^ f maximitm Vßrp, eodem perye^ 
nisMe a f^fis eufß pälma pt Corona , ^umo Batumena , qui ibi viee^ 
ratj undepostpanompnportße eii. Pljitarch.Popl- 13, roH 
vtn^oav TtUiftTTTTOV o ftir^vioxos «£^Aatrr« roa hnrodff^fi^v a%i9^v w^ 
(parwßuyos^ ot ^ Innoi Ttroifiivttt an pvdtfiiag ifuforpv^ n^faQ%m%^ 



1S5 

gend eme Andentnag weier öker die Lage detseiben, noetl 
über den (rüfaeren Namen : auch das bleibt zweifelhaft, ob es 
nur eine NebenbeaennoBg eines noch anders benannten Thors, 
oder der gewöhnliche Name war. Wenn nun demnach sowohl 
für dieFoatinalis ab mäglieberweise für die Ratnmena 
Stellen ansEnmitleln sind, so ist sanächst das gewiss» dass an 
dem sciion angedentelen Orle^ zwischen dem Quirinal und Ca« 
pitoiiaas ein Thor gewesen sein mnsSt Denn wenn man nnter 
der Höhe von Araceli bei Maeel de^ Corvi in die Via di Mar- 
forio einUitt, eibUekt man zir Linke^ das Grabmal des C. 
Pnblicins Bibnlus, eines der wenigen Denkmöler» die 
noch in die Zeilen der Republik geboren* Dass dieses Grab- 
mal ausserhalb der Stadt gelegen habe, muss als entschieden 
angesehen werden; denn mit sehr wenigen Ausnahmen in der 
ältesten Zeit, war es niemandem gestattet, sich innerhalb der- 
selben beerdigen zn lassen ''^). In geringer Entfernung von 
dieser Stelle aber, nach dem Marsfelde hin, in der Via dclla 



oUm »axa ri deufiovtov 7/ fipiv 'Uvto navzl to;^«* nQC9 ttjv *Potfiaimv ni» 
Xip ixovret rov tjvioxov , w^ ovdtv ^v fyyop avrov Karatiiforros ovdi 
naff^yogovvros, aiX tj^cufro, öovta rij ^vfitj utai tpt^oftivov, ^x^ oo rtf 
KaitizwLitjf nQOQfU^avTtQ i^ißalßv avrov tvrav^a nct^a ri/v nvlfjv, ijv 
vSvParovfiipav »oJUva«. Fest. p. 274. R^tumenm pvrt^ an^mi- 
ue 0tftf appellata e§t^ qui iudicra eariamine quadri^ü Victor, EtrU4ci 
genwU iuvenü Veiis eontiematu equü •x€U§9it$ Roma» perüi^ qui 
equi firuniur tu^n ante eomsiii£s99 , quam peroßHir^nt in Cüpitolium 
eonapeetumque ßeliiium quadrigarum oto. Vgl. Solin. 45, 15. Alle 
diese Nachrichteo sUmiiieD aoi einer sod derteUea |}«eUe, voe Vf r- 
riat Flaceus. deo Piiaias im Vereeichnistie der Tor dai aebU BucAi 
beaaUtea SchrifUieller oeaat, dea Fesias «xeerpirte, uad voa dea 
aaek PluUrch gewiss direkt oder aiitlelbar die firsäklaof entlehat bat. 
LetBterer ist der £iazige, welcher das Thor als aoch bestebead aeaat; 
walchea Werlh aber bei ihm solche Angaben habea, ist seboa bemerkt 
wordea und wird weiterhin noch dentiicber hervortrelen. Piale frei- 
lich {Delle parte tetientrionali dei reeinto di Servi», p. 5.) JBndet in 
Plittias and Plutarch den Beweis, dass das Tbor aoch ia später Zeit 
vorhandfiB gewesen; 'alleia die totale Uakritik der Italiäaer, hei wel- 
chen jedes voa den altea SchrifUtellera berichtete Wort «abedingte 
Gältigkeit hat, verdient bei ans gar keine Widerlegnng. Vielmehr 
wird maa aanebmen dürfen, dass keiaer dieser Schriftsteller weitere 
Keontniss von dem Thore halte, als durch jaaa von irgend einem al- 
tea Annalisten bewahrte Sage. —< Müller, Etrusker. IL S. 144. ver- 
steht nnter der Batumena die€armentalis; Sachse, GeMeh» d» 
St, R. I. S. 227. seheiat sia aaf dem Capitaie selbst anianehmen. 
Beides ist unstatthaft. 

193) S. meine Schrift: De Romae vei, murit «ly. porl, p. 69. 



136 

Pedaechia finden sieh die Reste eines zweiften unbekannten 
Grabmalsy woraus, wie schon von Anderen bemerkt worden ^^*)y 
deutlicb hervorgeht, dass hier eine Strasse war, über der na« 
türiich in älterer Zeit anch ein Thor stehen mnsste , das man 
um Weniges innerhalb des ersteren Monuments anzunehmen 
haben wird. Hieher würde man nun ohne alles Bedenken die 
Porta Fontinalis setzen können, wenn nicht die Ratumeaa nach 
der angeführten Erzählung diesen Platz zu fordern schiene. 
Sollte daher diese wirklich als besonderes Thor in die Reihe 
der servischen Stadtthore gehören , so würde man die Fonti- 
nalis zwischen dieser Stelle und der Sanqualis annehmen müs- 
sen ^^), etwa an dem von Piale angegebenen Orte. 

Porta Carmentalis. 

Vom Qttirinale führte aller Wahrscheinlichkeit nach 
die Mauer da, wo er mit seinen Wurzeln den Capitolinus be- 
rührte, nach der Höhe des letzteren Berges ; zog sich an der 
nordwestlichen Kante desselben, wo nirgend ein Aufgang war, 
hin und stieg dem Flusse gegenüber (das Tbeatrum Marcelli 



194) G a n i B a y Indiea%, iopogr. p. 137. B n n s e n , Besehr. d. 
St. Rom, III. A. S. 35. Demuoseacbtet fiat Letzterer irrig angeooiii- 
men, das Grabnal des Bibalns habe ioaerbalb der Maaem gelegnen. 

95) Ob siob indesireB anf dieser Strecke ein schicklicher Platz aasmit« 
teln lasse, will ich nicht entscheiden. Bansen S. 626. nimmt als dritten 
alten Anffpang zum Qniriaal an : „den sUdlicheu (TreCannelle) nnweit 
vam Forum Trigans bei Tor di Milizia vorbei (Vicoio de'Cor- 
nelj)'^ Es ist zu beklagen, dass die angezogenen modernen Namen, wie 
oft, nicht aar dem Stadtplane bemerkt sind. Nur von dem in Rom Lebenden 
ist zu erwarten^ dass ihm die Namen aller Vicoli und einzelnen Stel- 
len gegenwärtig seien. Hier ist nun noch überdiess Tor di Milizia 
(bei Sta. Caterina di Siena) anf dem Plane als Torre de^ Conti be* 
zeichnet. So viel aber scheint gewiss , dass an diesem Aufgange die 
Porta Fontinalis nicht angenommen wird, wie auch aus dem kleinen 
Plane der servischea Stadt hervorgeht, wo vielmehr die Ratumena an 
diese Stelle gesetzt zu sein scheint. Wo aber jenes Thor gewesen 
sein solle, wird aus dem Texte nicht klar. Piale dagegen, Delie 
parte gettentrionaii, nimmt allerdings die Fontinalis hier an und be- 
zeichnet die Stelle genauer p. 7. „la qnale doveva rimanere all' in 
circa nel principio del monte detto in oggi Magnanapoli o Bagnanapoli 
snir alto e prossima a qnella sorgente descritta dal Cassio e tnttora 
esistente incontro la chiesa di S. Silvestro e presse il palazzo Rospi- 
gliosi — , dalla quäl porta scendendosi per le tre eannelle si veniva 
per la piazza de* SS. Apostoii al Campo Marzo.*' 



137 

und Fonmi OGtoriam ausscUiessend) in die Ebene herab« 
Hier am Abhänge des eigentlichen Capitols (der südwestlichen 
Spitze) lag die bernhmte Porta Carmen talis, sogenannt 
von dem dort gelegenen aus uralter Zeit stammenden Altare 
der Carmentis. Dionys. I, 32. nal ßwf*oi}g id-Maad/Mjp 

naqd raig Kug/;iev%iai nvXaic %• "f. X. Solin. 1, 13, Pars 
mfima Cajritolmi maniis habitacubim Carmenti ftdt^ übt Car- 
mentis tnmcfamtm est, a qua Carmentali partae nomen da^ 
tum est. Serv. z. Aen. YUI, 337. Haec ara est iuwtapor^ 
iam, fuae primo a Carmente CarmeniaUs dicia est etc. Die 
Lage des Thors wird unzweifelhaft durch die Gewissheit, dass 
vor demselben (beim Theatrum Marcelli) das Forum Olitorium 
war und dass man von ihr durch den Vicns lugarius , der am 
Fusse des Capitols sich hinzog, zum Forum Romanum gelang- 
te ^^^). Da man nun wohl annehmen muss, dass sich das Thor 
bei einem Aufgange zum Capitole befunden haben werde, so 
möchte das Wahrscheinlichste sein, dass es zwischen S. Omo- 
buono und Sta. Maria della Consolazione gelegen habe, viel- 
leicht bei dem Aufgange zu Monte Caprino, links von der bei 
S. M. d. Consolazione hinaufführenden Via di Monte Tarpeo. 

Die Porta Carmentalis hatte zwei Bogen , ybrnfcei 
oder ia$u *^), und bekannt ist es, dass der rechts gelegene (von 



196; AseoDius z. €io. in to^a cand. p. 90 Orell. Ne tarnen 
erretis, qitod his temporibut aedes JpoUinu in Palatio fuit (? er 
neint seine Zeit.) nohUissima, admonendi estis, non kane a Cieenme 
Hgn\ßeari, utpote quam post mortem ettam Ciceronü mttitü annü 
Hnperator Caesar, quem nunc Ditmm Augustum dicimus, post Aetia- 
oam vietoriam feeeriti sed illam demonstrari, quae est extra portam 
Carrnrnitalem, inter forum Otitortum et eireum Piaminium, Llv. 
XXIV, 47. (inceDdio) solo aequaia omnia inter Salinas (am Aventin) 
ae portam Carmentalem eum Aequimelio higarioque vieo, in templit 
Fortunae ac Matris Matutae et Spei esctra portam late vagatut ignis 
Sacra profanaque mvlta ahsumsit. XXV, 7. (ereati Illviri) rt^cien^ 
die aedihus Fortunae et Matris Matutae intra portam Carmentalem, 
sed et Spei extra portam. Die Tempel der Fortona und Matata la- 
gen aber am Foram Boarinm (Liv. XXXIH, 27.); der Tempel der 
Spe« am Forum Oiitoriom. Dazu kömmt noeh Liv. XXVII, 37. von 
dem Zufpe der Jung^frauen zum Tempel der luno Regina auf dem Aven- 
tia: ab aode Apollinis (dem von Ascouius hezeicbueten) boves femi- 
nae aibae duae porta Carmentali in urbem duetae. — A porta Tu- 
gario vieo in Jbrtim venere, 

92) iaai sind überhaupt IHirchgangsbogen. GIc. de nat. deor. 



138 

der StadUeite) späterhin Porta Seelerat« genannt wurde, 
weil durch ihn die Fabier gezogen und nicht zurückgekehrt 
waren. Liv. U, 49. Infetieivia dextro lano partaeCaT'» 
menfaliß pn^fecii ad Cremeram ßumen- pervemunt etc. Man 
qnüsste Liviua eines schweren Missverständnisses besohuldi-* 

« 

gen, wenn man nicht damit wörtlich übereinstimmend finden 
wollte, was vi d. Fast. 11, 301. sagt: 

Carmenlü pwrtae dextro ^**) est via proxima tano. 
Ire per hone nolt, guisquie «s, omen habet* 
Spätere« Missverständniss hat den Namen Scelerata auf das 
ganze Thor bezogen**), während doch nichts entschiedener 



II9 27, quod ah evndQ n^men, est dnettirny wt fUQ tranHtimmei p^r^ 
viae iani, fore$qu9 in liminibus pro/anarum aedium ianuae nonU- 
naniur. Es ist also so viel als fornix, wie die VergleichuD^ folgen- 
der Stellen lehrt; Cic. Verr. 11, 63. Huiu$ /ornix in foro Syra- 
eusis est, in quo nudut filiiu stat (Verrls), nnd Snet. Ans« 3'* 
Pompeii qnoqne »taiuam — niaTfnoreo iano suppofuit, oder richti- 
ger MupefpoMuitt wie es a«eh bei Cicero zn verstehen ist. In dersel- 
ben Bedeutung steht ianns im fgmt, S. (7. de hon. Germ. Rhein. Mut, 
lSt7. 4 H. S, S53, Vgl. Tae. Ann. 11,83.— Die rSntseben Hanptthore 
hatten wohl gewöhnlich mehr als einen Dnrchgangsbogen, worans sich 
euch a« naturlichsten der Name Trigemina erklärt. Es findet sich das- 
selbe bei mehreren Tboren in disr Mauer, worttber bei fielegenh^it der 
Porta Praenestina gesprochen wird. 

198) Diese von Heinsius aufgenommeni; Lesart nag immerhin 
4|ie geringere Aolorität der Handschriften für sich haben : ich kann nie 
doch nur für die einzig richtige halten, und , wo die Sache selbst da- 
jgegen spricht, liegt der Beweis vor, dass auch die besten Codices nickt 
ZDveriässig sind. Die von Merkel wieder eingeführte Lesart: Car- 
meniis por tue dewtra est via proxima lano, trügt aber den Wi« 
derspnich in sich ; denn der lanustempel lag am Theatmm MarceUi, 
wofür, wenn man anch ganz von dem schlecht unterrichteten S er vi vs 
absieht, die Fasti Capranicomm, XVI Kai. Sept. und die Ani- 
t e r n i n i , XV Kai. Nov, den Beweis liefern ; beide haben : Jano ad 
fheatrum Mareelii, Zwischen dem Theater aber und der Stadtmauer, 
also «noh der Porta Carmen talis, lag das Forum Olitorium; nnd 
we man sich anch das Thor denken mag, so ist es 4oeh unmöglich, 
es in die Nahe des Theaters nnd mithin des lanustempels zu bringen. 
Wollte man aber sagen, der Weg habe sich vom Thoni zum lanos 
gewendet, so ist zu entgegnen, dass nicht die v ia^ sondern die porta 
aU scelerata galt. Endlich giebt es auch keinen Beweis, dass die* 
Aer lanustempel älter sei als Duilius nnd also zu der Fabier Zeit srhon 
vorhanden gewesen sei. Aber man dachte wahrseheinlieh an den lanus 
Numae, wie ihn Senrius aus Missverständniss falsch angiebt. Vgl. 
Mas sogleich über den Zug der Fabier und im Abscbn. vom Forum 
über den lanus gesagt wird. 

99) So besonders Fes tu s p. ^5. Religioni est quibusdam porta 
Carm^nMi ^gredi ßi in aed« Jaui, quae est ^tra eam , senatum hß- 



— 1» 

igt, aU dass eben dieses Thor, die Verbindwig des htUktcBiem 
SudUfaeils mit dem Circus Flaminius bildend, jederseil einea 
der gangbarsten blieb, an dem dnrehaos keine libele V^rbeden- 
tnng haftete, wie die feierlichen Aufzäge , welche hier- in die 
Stadt einsogen, schon allein hinreicbend beweisen. 

Gang der Mauer zwischen Gapitol undÄTentin. 

Wie Fon dem Fasse des Capitols, an welchem die Porta 
Carmentalis lag, der weitere Gang der Mauer gewesen sei, 
darnber scheint bei den älteren TofK>graphen keine Meinungs- 
verschiedenheit zu sein. Es wird aUgemein angenommen, dass 
die Mauer in künsester Linie zum Flusse geführt worden sei 
nnd dass von da bis zum Aventin die Stadt keine weitere Be- 
festignng gehabt habe, als welche der vorbeiströmende 
Tiberis ihr gewährte« Dieser Ansicht folgen auch ohne ir- 
gend einen Zweifel Nardini, Nibby, Canina und Pia- 
1 e. Zu ganz verschiedener Annahme hat sich dagegen (woU 
durch Niebuhr, R. G. I. S. 439.) Bunsen veranlasst ge* 
sehen, und einen Mauerzug erdacht, der eine gänzliche Um* 
gestaltung dieses Theils der Stadt herbeiführt. Seiner Mei- 
nung nach wäre die Mauer von der Porta Cannentalis durch 



heri: qvod ea egresst CCCFi PabU mpud Ctwnsräm omnes inierftHi 
sunt, cum in aede Jani S. C. /actum esset, ut prqficiscerentur* Aebn- 
liebes kehrt nach p. 337. Seelerata porta, wieder. Serv. s. Aen. 
VIII, 337. Haee ara est iwsta p^tam, qv4te primo a Cmnmmit» Vst* 
mentalis dinta est; postea Seelerata a Fabiis CCCFI, qui per ipsam 
in bellum profeeti non sunt reversi. Oros. II, 5. infamibus usque ad 
nunc v^eßbulis testes suntfluvims, qui perdidii, H porta , qvae müit, 
Dass aber Dameotlicb bei Festui ein schwerer Irrtbam obwalten müsse, 
lle^ am Tage. Deon wollte man auch zngeben, wofilr es keinen n«^ 
weis giebt, dass dieser lannstempel scboa damals vorhaiid«a «ad, was 
kaam glanblich ist, hinreichend gpross gewesen sei , um den Senat za 
fassen : wie will man es nberbanpt erklfiren, dass der Senat ia Jeaep 
2eit sich aasserbi^lb der Stadt versammelt haben soU, was nar ge- 
schah, weqn F^sldherm, welche an der Spitze des Heeres stehend das 
PoBoerinm nieht überschreiten durften, oder fhsmdea Gesandten eia 
Senat ertheilt werden sollte, nqd wovoq vielleieht Liv. III, 63. das 
erste Beispiel berichtet £s geschah dann gewöhnlich im Circns Pla- 
mtnios, aa oder in {ad and in) dam Tempel der BeHona oder des 
Apollo. — Dass Livius aa keinen and^rea Versammlnncsort als die 
gewohnliche Cnrie gedacht habe, geht ans seiner Erzählong dentllcb 



140 

die Ebene zwischen dem Palatin und dem Flusse so gezogen 
worden, dass sie den Circus Maximus an der Linie der Carce- 
res erreicht hätte. Diese Seite des Circus habe dann selbst 
als Mauer gedient und dann sei dieselbe weiter zur Porta Tri- 
gemina unter der nördlichen Ecke des Aventin gefuhrt worden. 
Für diese Annahme , nach welcher die ganze zwischen dem 
Flusse und dem Circus gelegene Ebene von der Stadt ausge- 
schlossen gewesen sein wurde, werden zwei Gründe ange- 
führt, während das eigentliche Motiv noch im Hintergrunde 
bleibt. Der erste ist von dem Auszuge der Fabier entlehnt. 
Sie zogen durch das Carmentalische Thor und indem nun vor- 
ausgesetzt wird, sie hätten den Weg ins etruskische Land über 
die hölzerne Brücke (Pons Sublicius) nehmen müssen, die am 
Aventin gelegen habe, folgt freilich daraus das Widersinnige, 
dass sie. Wenn die Mauer zum Flusse geführt war, durch ein 
anderes Thor wieder hätten hineinziehen müssen, um an die 
Brücke zu gelangen. Das Argument beruht, wie man sieht, 
auf der Petitio principii, dass die Fabier über den Pons Subli- 
cius gezogen seien ; und doch ist es offenbar, dass sie diesen 
Weg durchaus nicht nahmen. Denn wie wollte man es erklä- 
ren, dass geflissentlich die ganze Scbaar durch den rechtsge- 
legenen Bogen des Thors hinauszog, wenn sie zu der weithin 
links am Aventin liegenden Brücke gelangen wollten? Vielmehr 
iBuss man jedenfalls annehmen, dass die beiden Bogen des^ 
Thors zu verschiedenen Strassen führten : der zur Rechten ge- 
legene nach den Fiaroinischen Wiesen und dem Marsfelde und 
dahin zogen die Fabier, die wohl auch dort, ausserhalb des 
Pomoerinm sich erst zum exereitus bildeten. Wo sie dann über 
den FIuss gegangen seien, wird nicht erzählt ^ aber um an den 
Cremera zu gelangen, ist nicht nur nicht nothwendig, sondern 
nicht einmal wahrscheinlich, dass sie unmittelbar bei Rom 
übersetzten. Dass aber oberhalb Rom ein Uebergang über 
den Flnss war, wird kaum bezweifelt werden können, und 
wenn erzählt wurde, dass Ratumena von seinen Rossen von 
Veji bis Rom geführt wurde, so wird doch wohl niemand ge- 
glaubt haben , dass er über den lauiculus und Pons Sublicius 
gekommen sei. — Endlich hätten die Fabier auch höchst seit- 



141 

sam ihren Weg dareh die Carmentolis nach der T«r der Trige* 
mina gelegenen Bracke genommen. 

Ab zweiter Grand wird angeführt, dass ans alter Züi 
nie etwas von Ueberscbwemmungen der inneren Stadt, na* 
mentlich des Forum berichtet werde« Das erkläre sich durch 
die Annahme einer die Stadt von dem Flusse scheidenden Mauer. 
Es ist diess erstlich nicht richtig; denn einzelne hedentende 
Ueberschwemmungen werden wirklich erwähnt ^^). Dass es 
aber nur bei ausserordentlich hohem Wasserstande geschehen 
mochte, erklärt sich daraus, dass von der Könige Zeiten her 
die gewaltige Aufmauerung des Tiberufers die Stadt schätzte, 
während eine Mauer mit zahlreichen Zugängen, wie Bunsen 
sie annimmt, nnmögiich ein hinreichender Damm gegen die 
Fluthen gewesen wäre. Endlich konnten bei bedeutendem 
Anschwellen des Flusses alle diese Vorkehrungen die il^t 
nicht vor Ueberschwemmung bewahren, indem das Wass^ 
ja selbst durch die Kloaken austreten musste. 

Wenn aber aus diesen Bemerkungen ersichtlich ist, dass 
es überhaupt fiir die Annahme einer Mauer auf dieser Seite 
keinen nöthigenden Grund giebt, so erscheittt der von Bunsen 
erdachte Mauerzug als eine völlige Unmöglichkeit, wenn man 
damit vergleicht, was Livius ^) von dem festlichen Zuge 



tOO) Li V. XXXV, 9. Aquae ingente» 00 anno Jkerunt et TibeHs 
loea plana urbis inundavit. So war es auch schon frfiher ge- 
schehen, denn XXX, 38. heisst es : Ludi Jpollinaret extra portam 
Collinam facti Circo mundato. Dabei hat man freilich an den Gircns 
Flaminias gedacht; allein so leicht man aach za dieser Annahme ver- 
leitet werden könnte , so widerspricht ihr doch geradezu L i v. XXV, 
13. eeneuerunt patree, Apollini tudoe vavendos faeiendoeque — • Zu- 
dos praetor in Circo Maximo quum faeturtte esset, edixit, ut po^ 
pulus per eos ludos stipem Apollini, quantam eommodum esset, con- 
ferreL Haeo est origo ludorttm Apollinarium etc. Aas noch früherer 
Zeit (507) erzMhlt Orosins IV, 11. Tiberü insolitü auetus imbribue 
et ultra opinionem vel diutumitate vel magnitudine redundans omnia 
Uomae aedi/lcia in piano posita delevit, 

1) Liv. XXVII, 37. ab aede Apollinis boves /eminae albae 
duae porta Carmentali in urbem duetae. — A porta lugario vieo üs 
forum venere, in foro pompa constitit et per tnanus reste data virgtnem 
sonufn voeis pulsu pedum modulantes inceeserunt. in de vico Tuscq 
P^elabroque per Boarium forum in elioum Publieium 
atque aedem lunonis Reginae perrectum. Man vergleiche den Bansen'* 
sehen kleinen Plan der Servischen Stadt oder ziehe sich die Linie auf 



142 

der JangfrauMn saoh dem Tempel der Imd Regina berichtet. 
Der Zug trat durch die Porta Carmeiitalifi in die Btadt ein 
ttsd gelaagte durch den Vicas lugarios auf das Ponm. Von 
da ging er weiter durch den Vici» Tuscua und das Velabrum, 
um über das Forum Boariam auf dem Cütos PnhKcios aut- 
steigend zur Höbe des Arentin und dem Tempel der Inno zu 
gelangen. Wenn aber, wie Bunsen will, die Mauer vom Ca- 
pitoi bar sich an den Circus anschloss und die Seite der Car^ 
ceres selbst ein Theil derselben, das Forum Boarium zwischen 
Hauer, - Circns und Palatin eingezwingt war, so hätte ja der 
Circns den Weg nach dem Aventin versperrt ) man hütte nur 
fiber ihn hinweg znm Clivns Publicius gelangen können, oder 
man hätte za* der von Bunsen dort angenommenen Porta Flu« 
mentana wieder ans der Stadt hinaus und durch 'die IVige« 
mmfirnoehmals in dieselbe einziehen müssen« Diess alles ist 
durch und durch widersinnig und iiberdiess ist dadurch eine 
Beschränkung des Forum Boarium herbeigeführt worden, wel^ 
eher aQe Nachrichten auf das : Entschiedenste widerspre- 
dien ^*). —^ Freilich aber musste sich Bunsen zu dieser selt^ 
samen und völlig undenkbaren Führung der Maoer entschHes- 
sen, da er über die Porta triumpbalis die irrthümlichste 
alter Ansichten gefasst hatte. 

Wenn nun von obiger Annahme ganz abzusehen ist, so 
bleibt noch die Frage, ob die vom Fusse des Capitols nach 
dem Flusse gezogene Mauer dort endete und erst am Aven« 
tiui in gleicher Weise vom Fluase aufsteigend, wieder he- 



iiBMrein Plaae, ttm tith ven itr llDmÖglieiikeit des rtun LWIm vvi^e* 
sd^rieheaeB Wc^ bei solchem Gaage dfer Mauer tn nhenen^en. 

2(^3) Maa yerf^eielie aaeh die schoa erwHhnte Nacbriehl von eiaer 
Feaerabruast bei Li v. XXIV, 47. soh aequattt emnüi inier Süiina9{ttm 
Aveatia bei der Porta Trigemiaa) acpor tarn Cor mentalem cum Aeqttimeiio 
higarioque vieo. in iempiiM Portttnae ae Matris Matutme et Spei eopira 
pariam late vagatu» ignis sacra profanaqtte muiia absrnnrit. Das« 
XXV, 7. (ereati triomviri) rt^ciendis aedibus Fortunae ei Mairis Ma- 
iHiae intra periam € armenialem, sed ei Spei estttm pariam, 
Ble Tempel der Fertnaa «od Matnia la^ea am Forum Boarium (Liv. 
XXXIII, «7. Orid. Fast. Vi, 473.); wie könntea aie aach dem Hva- 
aMseben Plaae inira poriam Varmeniaiem geaanot werdea, uad bStte 
dtm Feaer diesea seltsamen Weg f^aommen, se bStte ja aaeb der Cir- 
e«s mit abbreonaa 



148 

gan, oder dh im tinä» aitkng hitdaufettd sie die 8ladt roii 
diesem seliied« Letttercs isl an sieb nielit npdeiikbar } denn 
wenn auch Dioiiysias sagt, der Tiberis bebe an dieeer 
Seite als Befestignng gedient ^^) , so ist doch daneben za 
grosserer Sicherheit auch eide Mauer i^rohl mögUch , wie ja 
auch Anrelian nach Procopins^) das Martfeld doreh eine ;f, 
den Fluss entlang diesseits gezogene Mauer sicherte« Allein ^ 
sehen wenn man bei Livius *) die Erzählung ron dem An« 
griffe des Porsena und der Vertheidigung des Pons Sablieiiis 
durch Horatins Codes lieset, wo es ausdrüdüich heisst, die 
Stadt sei theils durch Mauern, tbeils durch den Fluss ge- 
schätzt gewesen, wird man sieh iiberzengen, dass sie auf 
dieser Seite offen und ohne Mauer war, und diess sagt end- 
lich ausdrücklich in einer unbegreiflieber Weise von Allen 
übersehenen Stelle Dionysius V, 23. q>ivyar%mtf H' tlq %i^v 
n6Xtv ändv%nv %a\ 9id fiiäc fttpVQas ßtaCof^ii^wr u&qp^p, 
^f^V ^'Vcvai tär noXtfümp in uiinws /M^^'Xif oXl/^v va 
ndXir(J) i9l%mv ij noXie dXmrai natd KQdjoß, dtelj^i^ 
OTog oiaa in 9mv na^d tip no%afi^d$f f$9fmv* 
Uebrigens würde auch ohne diese bestimmte Erklärung schon 
deshalb die Annahme einer die Stadt von dem Flusse scheiden- 
den Mauer hinwegfallen müssen, weil die unmittelbare Ver- 
bindung des Forum Boarinm mit dem Flusse und seinen Brü- 




^Mf dt$l&uv tifM, natu yiipvQav, ^¥ S" *¥ rf rou fffop^ fUa Svli^^f»^ 

4) Bell, fioill. II) ^a. nak yr ya^ ng ««r«^ inifim^ fMtatm 
liüi^y ff tov I^fi4^$d99^ ox&tf e^rb*, intl rmirp o» viliu 'FtMtmo» <dtt^ 
a#vfTC« T«9 H^cer»« rip oxv^ftatr^ ro rtüfüt ajtff}nliffUp0i üufimptQ. 

5) Liv. II, 10. ifuum ko9iss ade^geni^ pr0 se quisque in urbem 
es agriM demigrmnt: vrbem iptam sepiuni praesidiü. alia muriM, 
alia Tiberi okieet^ videbantur iuia. Ahm SmhUtias tir 
pa€n» kostibuM dedit, ni unus vir/uüset, Hormtiut CoH$s — quipoti^ 
tuM forte in etattone pontie^ qutrtn eaptum repmetimo impetu lanieuium 
atque inde eitatoe deeurrere koetee vidiaeet, trepidamque turban^ #ti<K 
rum arma ordimeeque reiinquere, reprekeueane nnguloe, obeietmu o^ 
teetaneque deum et kominum ßdem teatabatur : nequidquam deteri» 
prmoeiSio eoe /tigere» Si trmneitum pontem a torgo reii" 
quietent, tarn plue koetium in Puiutio Capitoltoquo 
quam in Janieuio fore. 



144 

cken sowohl von Ovid ab von dem Verfasfler der nnter. dem 
Namen des Aethicus oder luliusOrator bekannten Cos- 
mographie bezeagi wird ^^^). 



tW) Oyid. FaBt. VI, 471. 

Pontibut et magno iuneta est eeleberrima ctrco 
Areüf quae posUo de bove nomen habet. 
Aethic. ad calc. Pomp. Mel. ed. Gfonov. 1722. p. 716. schreibt vom 
Tiberifl, nachdem er die Insel gebildet : Post Herum übt unus effectus 
per pontem Lepidi, qni nunc abusive a plebe Lapideus dicitur, iuxta 
/orum Boarium — transiens adunatur. — Die einzige Schwierige 
keit, welche etwa gegen den Wegfall der Mauer erhoben werden könnte, 
würde von der Erzählung von des Cigns Gracchus Flucht zu entlehnen 
aein ; allein aach sie ist, wie ich in der Schrift De Romae veteris mu- 
ris aiq. port, p. 76 flf. gezeigt habe, nur scheinbar. Von jener Flucht 
erzählt Plntarch. C. Cracch. 17. 4>£vyovTi yovv r^ ratttjt nav 
ixd'Qoiv tnupegofUvofV xaX HaToXaußavovrwv yrt^l t^ SvIIvt^v yiqtvQnVy ot 
fiiv dvo q)iXo& nQoxm^eiy avrov TCtXevaavrcs avTol zove Siwxovrae vniarrj^ 
aav %al fia%6fA(voi V(f6 r^e yB<pv^ag ovdlva naQijnaVy 6tx>Q ani&avoy. 
Hier geschieht der Mauer keine Erwähnung ; allein der Bericht ist je- 
denfalls ungenau, wie man aus anderen Schriftstellern ersieht: Valer. 
Max. IV, 7, 2. Pomponius — concitatum sequentium agmsn inporia 
THgemina aliquamdiu acerrima pvgna inkibuit — ; Laetorius autem 
in ponte Sublicio constitit et cum , donec Gracchus transiret, ardore 
Spiritus sui sepstt. Noch attsfdhrlieher und wahrscheinlich am richtig- 
sten erzählt endlich A u r e 1, V i c t. de vir. i U. 65. armata familta 
jiventinum occt/pavtt Übt ab Opimio victus, dum a templo Lunae 
desiiit, talum intorsit et Pomponio amieo apud portam Trigemi- 
nam, P. Laetorio in ponte Sublicio persequentibus resistente in tu- 
cum Furinae pervenit. Vgl. Appian. B. C. 1, 16. Wäre es nun wahr, 
daiss der Pens Sabllcias vor dem Thore, ausseriialb der Stadtmauer ge- 
wesen sei, und dass man seine Trümmer in den Pfeilern, welche bei nie- 
drigem Wasserstande unweit Sta. Sabina am Aventin sichtbar werden 
sollen, zu erkennen habe, so widerstritte obige Erzählung der Annahme, 
das« nach dem Flosse zu keine Mauer gewesen sei, nicht; denn Gracchus 
wirde durch die Trigemina nach der ausser der Stadt gelegenen Brücke 
geflohen sein. Wenn sieh aber diese Lage der Brücke falsch erweisen 
und sie vielmehr am Forum Boarium zu suchen sein wird, so entsteht 
allerdings die Frage, wozu es einer Vertbeidigung der Porta Trigemina 
bedurfte ? Man niiss aber, um über den \^'eg, welchen Gracchus nahm, 
nicht in Irrthum zu geratben, ihn von Anfang an verfolgen. Gracchus 
wurde von Opimins auf dem Aventin angegriffen und der Uebermacht 
weichend sprang er, wie Aurelins Victor sagt, vom Tempel der Luna 
hinab. Darunter versteht Bu nsen (Besehr, d. St. R. 111. A. S. 412.) 
aabegreiflieherweise den berühmten Tempel der Diana, das alte latini- 
sehe Bandesheiligtbnm , was freilich mit seiner Meinung , dass dieser 
Tempel bei Sta. Sabina (und nicht Sta. Prisca) gelegen habe und in sei- 
ner Nähe der Pons Soblicius, wohl, übereinstimmte. Allein wenn diese 
Annahmen willkübriich sind, so ist noch viel unstatthafter die Identifici- 
mng zweier ganz verschiedenen Tempel. Auf dem Aventin war eben 
auch ein Tempel der 'Luna (s. d. Absebn. üb. diesen Berg) und ans 
L i V. XL , 2. iässt sich scbliessen , dass derselbe auf der dem Circos 
zugewandten Seite des Berges stand. Wenn Gracchus hier herabsprang, 



145 

Porta Triumphalis. 

Von der Porta Carmentalis bis zum Flusse mdgen etwa 
dreihundert Schritt gesählt werden, und auf dieser kurzen 
Strecke werden von allen italienischen Topographen, Nar- 
dini, Nibby, Canina, Piale ^^7), ausser der Carmen- 
talis noch zwei andere Thore angenommen: Trinmphalis 
und Flumentana. Wenn diess auf den ersten Blick der 
geringen Entrernung wegen absurd erscheint, so dient doch 
zur Entschuldigung, dass sämmtliche genannte Topographen 
der Meinung zu sein scheinen, dass die Triumphalis ge- 
wöhnlich geschlossen gewesen sei und sieh nur den Triumph- 
zügen geöffnet habe, so dass im Grunde doch nur zwei Thore 
(Carmentalis und Flumentana) gewesen wären. Entschieden 
aber hat sich g^en eine solche Lage Bunsen ^) erklärt, nnd 
je zuversichtlicher seine eigenthumliche und folgenreiche An- 
sicht vorgetragen und gutgeheissen worden ist, desto genaner 
will sie geprüft sein, zumal wenn eine neue, von aUen frü- 
heren Annahmen verschiedene Bestimmung nöthig erscheint. 

Die erste Erwähnung der Porta triumphalis findet 
sich bei Cic. inPis. 23. cum ego CaeHmontana porta in- 
troisse dixUsem^ sponsione me^ ni Esquillna introissety homo 
promtüsimus lacessiptt; quasi vero id auf ego scire debue^ 
rim^ ut vestrum quispiam audieriij aut ad rem pertineat^ 
qua tu porta introierü: modo ne triumphali^ quae porta Ma- 



so war es natürlich, dass seine Vcrroljjcr den Clivns Publicias herab- 
stämtcs nnd am matoren Eiide desselben lag die Porta Trigemioa. 
Frontin. de aqaaed. 5. Incipit dUtrihui Appia imo Puhlicio cliüo 
ad portam Trigeminam, Hier sachte Poinponlus die Verrolgenden auf- 
zuhalten and daher aapt wohl richtig Aureiius Victor: apud 
portam, während es bei Valerius Mafimas ungenauer heisst: 
in porta. Vgl. den Abschn. über die Brücken. 

207) Fiale, Delle porte del monte Aventüio o delte altre oedi- 
dentalu Rom. IS3>4. p. 19 ff. — NurVenuti, D^tcriz, lopogr* II. 
p. 170 ff. hat es noch für möglich gehalten, dass sie bei dem Mauso- 
leum Hadriani gelegen habe, eine Meinung, welche schon seit Doaati 
keiner Widerlegung mehr bedarf. Man hatte doch wenigstens beden- 
ken sollen, dass durch ein Thor, welches hart am Flosse oder gar 
jenseit desselben gestanden hätte, unmöglich der Weg nach dem Mau- 
soleum Attgttsti genommen werden konnte. 

8) Beschr. d, St. Rom. I. S. 6)28 ff. II. A. S. 440. 

10 



146 

cedonicts semper proconsulibus ante te paimt. Auch später- 
hin wird sie selten ei*wähnt und mit Ausnahme einer Stelle 
nur in Bezug auf des Augustus Leichenbegängniss *<'^). In- 
dem nun Bunsen die Annahme dreier Thore zwischen Ca- 
pitol und Fhiss ungereimt fand, kam er auf den seltsamen 
Einfall, dass die Porta triumphalis das grosse Thor des Cir- 
ctts Maximos gewesen sei, und ihm zu Liebe ist auch der 
sonderbare Mauerzug nach dem Aventin erdacht worden. 
Kann nun schon diese Meinung durch den oben geführten 
Beweis, dass es hier gar keine Mauer gab, widerlegt schei- 
nen, so müssen doch die für das Thor selbst angeführten 
Gründe gewürdigt werden, um überhaupt entscheiden zu kön- 
nen, ob es sich in dieser Gegend befand. Zuerst soll als 
Beweis dienen Varro L. L. V, 32. p. 153 Sp. In circo 
primmn unde mittuntur equi^ nunc dicuntur carceres, Nae- 
vius oppidum appellai, Carceres dictiy guod coercentur equu 
ne mde eweant, antequam magisiratus stgmtm nrisiU Quod 
a muri parte pinnü turribusgue carceres oUm fuerunt^ 
scripsit poeta : 

dictatar übt currum insiditj 
Pervehitur usque ad oppidum. 
Die Worte a muri parte werden natürlich auf die Stadtmauer 
bezogen; allein es wird dabei übersehen, dass die Hand- 
schriften nicht so lesen , sondern a muris paffem , woraus 
Fulvius Ursinus richtig verbessert zu haben scheint: a 
Mureis parte ^^); denn eben hier war das Sacellum 
Murcis oderMurciae, wovon das ganze Thal Yallis 
Murcia hiess. Varro selbst sagt gleich darauf: Intumus 
circtis ad JUurcim vocatutn^ ut Prociüus aiebat, ab urceis^ 
quod is locus esset inter Jigulos: alH dictmt a murteto de- 



209) Tacit. Ann. I, 8. vt porta triumphali funus dtieeretur. 
SnetoB. Aii|^. iOO. uitnter aiia comp iura eenmerint quidam ßtnu* 
triumphali parta dueendum. Als wirklich ^schehen g^iebt es an Dio 
C a s s. LVI, k%, fiera Si xovro trjv re itXirtfv ot avtol , otrceo ual tt^ot«- 
^oy, a^f/uro* dun xwv inuntiotp Ttvltav «ara tu tjJ ßovl^ Boiavxa ^»cico- 
fMQav» 

10) Aach Scanner ad Solin. p. 407. emendirte a Mureiae 
parU. Mnller: ad muri Mpeciem; dem Sinne nach zalSssi^^, aber za 
sehr von den Handsehriften abweichend. 



147 

ctinatumj quod ibißterii; quoius vestigium manet, quod iH 
sacellum etiam nunc Murteae Veneris^^^). So folgt denn 
ans Varro^s und Naevitis Worten nickts weiter, als dass in* 
alter Zeit die Carceres burgartig mit Zinnen und Thnnnen 
erbaut waren und deshalb dieser Theil des Circus Oppidum 
genannt würde "). 

Etwas mehr Gewicht kann auf den ersten Blick der 
zweite Grund zu haben scheinen. Er ist aus der Verglei- 
chung der Nachrichten gezogen, welche Sueton und Dio 
Cassius von dem phantastisch pomphaften Einzüge geben, 
den Nero als Sieger in den griechischen Spielen zurückkeh- 
rend in Rom hielt. Nach ersterem hatte Nero schon bei sei-* 
nem Einzüge in Neapel, griechischen Gebrauch nachäffend ei- 
nen Theil der Stadtmauer niederreissen lassen. In ähnlicher 
Weise zog er darauf in Antium, in Albaüum und endlich in 
Rom ein, und zwar auf dem Triumphwagen des Augustus, 
einen wirklichen Triumph gewissermassen parodirend, mit dem 
olympischen Rranze geschmückt, den pythischen in der Hand 
haltend. Vor ihm her wurde die übrige Menge der Sieges- 
kränze getragen; dem Triumphwagen aber folgte, wie bei 
dem Triumphe oder einer Ovatio, eine Beifall klatschende Men- 
ge, wahrscheinlich in üblicher Weise Triumphlieder auf den 
Kaiser singend. Darauf zog er, nachdem ein Bogen des 
Circus Maximus niedergerissen worden war, durch das 
Yelabrum und über das Forum nach dem Palatium zum 
Tempel des Apollo. So berichtet Sueton'^); Dio Cas- 



211) Wo man dieses Säceltom zu «lenken habe, bleibt nneoUchie- 
den. Aveh Livias aagt von den durch Anens Marcias nach Rom ^e- 
fährten Latinern I, 33. quibus, ut iungitretur Palatio Aventinum, ad 
Murciae datae tedet. Vgl. S. 122. and Plin. N. H. XV, 29, 3«. 
Paal. Diac. p. 148. Mureiae. Plotarch. Qnaeat. Rom. 20. 
Serv. z. Aen. Vfll, 636. 

12) So anch Paul. Diae. p. 184. Oppidum dicttur et locus in 
eireo, unde quadrigae emittuntnr. 

13) Ner. 25. Reversus e Graecia Neapolim, quod in ea primum 
artem protulerat ^ älbia equis introiit, ditiecta muri parte ^ ut 
mos hieronicarum est, Simili modo Antium, inde Alha^ 
num, inde Rom am. Sed et Romam eo eurru, quo Augfistus olijn 
triumphaverat, et in veste pttrpurea etc. — praeeunte pompa eaete- 
rarum (coronanim) cum tituiis — : sequentibus eurrum ovantium ritu 

10* 



148 

sius^^^) aber sagt, bei dem Einzüge in Rom sei einTheil 
der Mauer und des Thors niedergerissen worden ^ voran 
seien in die Stadt eingezogen die, welche die Siegeskränze 
und ihre Titel trugen; dann der Kaiser selbst auf dem Triumph- 
wagen, unter Acclamationen der Menge. Und so, fahrt der 
Geschichtscbreiber fort, zog er durch den Circus und das 
Forum nach dem Capitol und dann nach dem Palatium. — 
Weil nun Sueton einen Bogen des Circus niederreissen lässt 
und Dio einen Theil der Mauer und des Thors, so schliesst 
Bunsen, es sei diess eben die Porta triumphalis, das 
zwischen den Carceres in der Mitte gelegene Hauptthor des 
Circus gewesen und hier sei Nero , wie alle Triurophatoren 
eingezogen. Dabei ist erstlich ganz übersehen, dass^ wenn 
der Zug hier in den Circus eintrat, sich ihm ja doch nirgend 
ein Ausgang in das Velabrum dargeboten haben würde, wenn 
nicht durch Niederreissen ein Weg geöffnet wurde ^^). Sodann 
aber habe ich schon früher gezeigt, dass Sueton und Dio 
darin TÖllig übereinstimmen, dass ein Theil der Stadtmauer 
eingerissen worden sei ; denn auch ersterer sagt : simili modo 
uintium^ inde Albanum , tnde Romam. In keinem Falle hat 
man sich den Zug, wie andere Triumplizüge aus dem Marsfelde 
kommend zu denken \ vielmehr ist es nicht zu bezweifeki, dass 



plausorihvs, Augvttianos militesque S0 triumphi eius efamitantibut, 
Dehine dirute Ciroi Maximi areu per Velabrum Forumque 
Palatium et ApolUnem petiit. 

S14) LXIII, 20. *M7tel ovv h r^v 'Fwfif^v iti^laae, rov t< rf /- 
Xevf T# KU'&Tjoi'd'tf xal ruiv nvXuiv ne qts^^ayij — naX iieqtoi^ 
xr}Qav ir^wTO* (itv ol rovs artiparovs, ove av^oovv {oivn^ei), nofiZovzt9 
nal lAtT avrevs ezcga — , Piriiva avroQ ia a^fiaTOS tntvtniov — . %al 
oi/rctf 3ta TS rov imtoS^o (lov *al itä t^s ayo(fä£ — «€ ro Ka^ 

Y5) Ueberhaupt ist es mir ganz unerklärlich, wie Bansen sieb 
den Weg der Tnumphzüge gedacht habe. Th. I. S. 631. beisst es: 
y^y^rro sagt: Der Zttg geht um die Meten herum : man kam also 
wieder ywti heraus nnd zog dann weiter durch das Velabrum. *' Aber 
wenn oach seiner Meinung das Thor des Circus das Stadttbor war, 
durch welches man einzog, und der Zug eben da wieder aus dem Cir- 
cus herausgezogen wäre, so hätte er sich ja nothwendig wieder ausser- 
halb der Stadt befinden und zu einem anderen Thore wieder in die- 
selbe einziehen miissee, um zu dem Velabrum zu gelangen. Uebrigens 
ist Varro ganz missverstanden. Die Worte: quod ibi circum metas 
Jertut pompa beziehen sich keinesweges auf den Triumph, sondern 
auf die Pompa Circensis. 



149 

Nero von Albanom kommend zur Porta Capena einzog, von 
da in den Cireus ^^^)j and aus diesem in das Velabrum, was 
nur durch Niederreissen eines Bogens bewerkstelligt werden 
konnte, da , wenn auch hier ein Eingang in den Circus war, 
derselbe doch dem Triumphzuge keinesweges angemessen sein 
konnte. Dass aber derselbe durch den so geöffneten Circus 
nicht eintrat, sondern nachdem er schon längst sich durch 
die Stadt bewegt hatte, dort hinauszog, das geht ans Sue- 
tons und Dio^s Erzählung gleich unwiderleglich hervor. 

Eben so unbegründet ist endlich die Annahme Bunsens, 
dass die einige Male erwähnten XII portae die Carceres 
des Circus selbst seien. Das wären ja doch im Ganzen XIII 
portae, da in der Mitte das grosse Thor gewesen sein soll. 
Es wird aber im Abschnitte von den Circis gezeigt werden, 
wie es schon in der Schrift De Rom. vet. mur. geschehen ist, 
dass durchaus kein Grund vorhanden ist, in der Zeit, aus wei- 
cher die XII portae erwähnt werden, zwölf Carceres 
im Circus anzunehmen. Von dem Namen selbst wird mit den 
übrigen unsicheren gesprochen werden. 

Wenn demnach die ganze Annahme, daas die Porta 
Triumphalis mit dem Hauptthore des Circus identisch sei, 
sich nicht nur nichtig und haltlos, sondern mit dem Wegfalle 
der angeblichen Mauer selbst als wahre Unmöglichkeit erwei- 
set, so ist weiter zu untersuchen, wo denn nun aber das be- 
rühmte Thor gelegen haben möge. Eines ist gewiss und ausser 
allem Zweifel : dass nämlich der Triumphzog im Marsfelde ge- 
ordnet wurde und von da aus in die Stadt zog. Gehörte nun 
wirklich die Porta trinmphalis als wirkliches besonderes 
Stadtthor in die Reibe der servischen Tbore, so böten sich da- 
für zwei Stellen dar, wo es möglicherweise sich befunden ha- 
ben könnte : erstlich zwischen dem Quirinal und Capitolinus, 



!^16) Durch das gross« Thor in d«r RaDdun; des Circas. Man weode 
dagegen nicht «in , dass im Circas Maxentii tu diesem Thore Stnfen 
führen and es daher fdr Wagen unzugänglich ist. Dass es im Circas 
Maximas nicht so war^ beweiset schon, dass der grosse Obelisk, den 
Constantius nach Rom führte, darch eben dieses Thor in den Circus 
gebracht wurde. Ammian. Marc. XVII, 4. per Ostiensem portam 
PiMcinamque publieam Circo Hiatus est Maxtmo, 



150 

wenn man vielleickt die Ratumena in Wegfall bringen woll- 
te ^^^). Das ist indessen schon darum höchst unwahrschein- 
lich, weil man nicht annehmen darf, der Zug sei gleich an- 
fangs am Clivus Capitolinus vorüber quer über d^s Forum ge- 
zogen, wohin er zuletzt gelangte, um zum Capitole aufzustei- 
gen. Es bliebe also nur die gewöhnliche Annahme übrig, wel- 
che das Thor zwischen Capitol und Fluss setzt, und ihr würde 
in der That unter der Voraussetzung, dass davon kein anderer 
Gebrauch als für den Triumph gemacht wurde, nichts entge- 
genstehen, wenn überhaupt die Porta Triumphalis ein 
Stadtthor gewesen wäre, wenn es sich nicht vielmehr unzwei- 
deutig ergäbe, dass recht eigentlich ein Triumphbogen 
imMarsfelde den Namen führte, Es geht diess klar her- 
vor aus der allbekannten 9 aber leichtsinnig gemi^sbrauchten 
Erjsählung vom Triumplizuge Yespasians bei Josephus ^^)* 
Per Kaiser hatte nach diesem Geschichtschreiber mit seinem 
Sohne Titu^ in einem öffeqtb'chen Gebäude ^^) im JMarsfelde 



217) Vgl. Nibby, Mura dt Roma. p. 134. Piaie, DelU porie 
del tnpnte Aventino etc. p. !^5. 

18) Bell. lad. Vll^ 5, 4. p. 1305 Hiids. Toi 9k mf^arMnutov 
navrhs trt vvmrot^ xarit Xoyovg xal täS'*^ ^^o '^otc ^y6fi6a& n^ot^todev» 
xSrog xal n e qI d'v gas ovroQ ov röiv avw ßaciXtiwv (dem kaiserli- 
chen Palaste auf dem Paiatio), aXla nXrjolov tov rils^IatSog »£•• 
^0 {ixet yoQ ävanapovro r^e vvnroS i«tfvtj9 pi avToxqatooa) ^ ittgl 
avTfjv agyo^lvTjv ijSrj Ttjv tta n(fotaoiv Oveonaaiavog xal 7%Toe Satpnj 
fUr iot9tparwfüvoh noQtpvgäg 9* ia&^tag narghve afiatixofuvoi^ xal 
ftaglaatv eig rovS Oxraovias niqm arpyg. ivtav&a yag ij re 
ßovXri xal T« rih] rtav aQx^vttov o7 rs airb rwv rtfitj/Mtranf iTnrtU njf 
atpt^iv avTiav avifi^vov, nBnoitjrat 9i'fi^f4^ ^Qo rtay arQwv^ iüpgot^ 
avTole iiewaf^fvoiv fTi^ aprov xsifi^vwv^ itp ove na^fid'oyTeg ixad'la^» 
aar* xal vo argaTuoTixov th&lQjg inev<piifisif TroXXag o^toU rrjg iQSxtjg 
fULQTvglag^ ajTOQidovzeg aTtavrfg, xa^uvo^ X^£^^ onkotv ^aav iaß^oea^. 
üT^gixatg, fOTSfpavojfiivoi Sa^vaig, Se^a/ticvog o avvoiv t^v 6v<f/i]filav Ov^ 
fOTtaatavog, ^vt ßovXofUvwv Xiyewy to rijg avyijg iTtoti^oaTO ovfißoXov. 
xal noXX^g fx ndvTüiv tiav%iag ysvpfiivffg, ava^näg xal ztj ntgtfi^fiat* 
t6 nkiov vijg xe<paX^g fiipog iirautXvy/afievog evxag (Ttoir^aato rag vtvo- 
fuafUvag^ o/toiwg Si xal Tirog T^v^aro, fisra Si ra« 9vxäg (ig noiv^ aita^ 
aiv OviOTraaiavog ßga^ia dia)^x^^^^ Tovg fuv argaTuutag anlXvatv tnl 
t6 vevofitofUvor aounov avroig vn6 xwv avroxi^TOQonß ^TQBmad'iv. 
ngog Sir^v nvl^v aivog iivfi%mgB^ ano tqv nifin 90^cLt 
d$* avT^g ael rovff ^glaftfiov g rijg nqoarjyoglag in av- 
rtjüv T9TV xvtav, ivrav^a xgotpijg rs ngoaTToyavovreg xal rag ^^mc/i- 
ßutag tod^rag a/i4p$9aa/isvotf rotg di nagiSgvgUvoig rt/ nvXß dvaavttg 
^60ig tnsfi>nqv Tpv bgla/ißov diartSv &8aTQ0tv oieSeXay^ 
rpyrsgj 6n<og §iij rotg nh^^sow 17 &ia ^mv, 

\V) Upb^r die Vermqlbiio^, dass damit die ViU« publica $^ 



151 

libenmchtet, wo schon die Nacht über das Heer sich gesam- 
melt und geordnet hatte, um die Wohnung der Imperatoren 
selbst (n€fl &VQaß %mv ßaaiXBimv)^ nahe beim Tempel der 
Isis. Mit Tages Anbruch traten die Imperatoren heraus und 
begaben sich nach der Porticus Octaviae, wohin nach alter 
Sitte der Senat und die Magistrate beschieden worden wa- 
ren ^^^). Nachdem dort Vespasian das. übliche Gebet verrich- 



meint sei {De Romae vet. mnr, atq. pari, p. 9I.)> *• d^n Absclin. aber 
das Marsfeld. 

220) Bunsen sa|^t, Besehr. d. St. R. I. S. 631. „Vespasiaos 
Zug ^ht ¥on d«D octavisclien SÜulenf^ngeB (Campo dt Fiore) anf dem 
Marafeide, dem ei^eotUch«B Sammelplätze des Heeres, oacb dem Thea- 
ter des Marcellus, voo da durch deo Circos." Er versteht also wohl 
(obgleich Th. II. A. S. 440. wieder aaders lautet) nicht die Porti- 
cus Octaviae, die berühmte voa Auf^ustus erbanete uad in seiner 
Schwester Namen dedicirte Säulenhalle mit der Bibliothek und den 
trefflichsten Kunstwerken, unweit des Tbeatrum Mareelli, wo noch jetzt 
die Beste gezei^^t werden; sondern die Porticus Octavia, von 
Cn. Octavius nahe dem Theatrom Pompeii (nach Fest. p. 178 Mull.) 
erbaut, aber (nach Vellei. II, t, 2.) doch nicht im Marsfelde, son- 
dern im Gircus Flaminius. Augustus soll sie wiederhergestellt haben 
(Fest. a. a. O. M o nu m. A n ey r. s. dar. den Abschnitt üb. d. Mars- 
feld). Josephus aber sagt ausdrücklich eU Tolg^OHTaovtmQ maufo^ 
tQvtj und an seiner, des Augenzeugen, Genauigkeit ist in keinem Falle 
zu zweifeln , wie es denn auch hoffentlich niemandem einfallen wird, 
^Oxraovtovg emendiren zu wollen. Nun entsteht allerdings einige Schwie- 
rigkeit daraus, dass man denn doch wohl annehmen muss, in Vespa- 
sians Zeit habe die Porticus Oetaviae innerhalb des Pomoerium gele- 
gen ; und doch war es eigentlich der Grund, weshalb der Senat ausser- 
halb der Stadt versammelt wurde , weil more maiorum der Feldherr 
vor dem Triumphe das Pomoerium nicht oberschreiten sollte. Man 
muss indessen bedenken, dass in dieser Zeit diess nur noch eine be- 
deutungslose Förmlichkeit war, und dass wohl viel mehr darauf gese- 
hen wurde, den Empfang (sonst die Bewilligung dea Triumphs) vor 
der Stadt, als ausserhalb des Pomoerium zu halten. Von alter Zeit 
her war aber eben die Gegend der Porticus Oetaviae die Region, in 
welcher für solche Fälle die Senatsversammlnngen gehalten wurden : 
d. h. in Circo Flamiuio, bald im Tempel der Bellona, bald ia dem 
des Apollo. Nachmals geschah es aber eben auch in der Portieus 
Oetaviae. So Tiberius bei Dio Cass. LV, 8. t9 r< t6 ^Oxraovtiev 
t^y ßovXrjv ^•d'QOiai Siat t6 jjeu rov mafi-r^fflov avro elvcu, womit un- 
streitig die- Porticus Oetaviae gemeint ist, welche gewShnlieh 
ta *09iTaovtta oiMf}fjutTa, Oetaviae opera, genannt wird. Dazu kömmt, 
dass von Plin. XXXVI, 5. n. 28. eine Curia Oetaviae angeführt 
wird, die nur in der Porticus Oetaviae gedacht werden kann, wie die 
Curie in der Porticus Pompeii. Dio Cass. XLIV, 16T Das würe also 
der Ort, wo der Senat sich versammelte. Wenn endlich das Pomoe- 
rium des Claudius bis Campo di Fiore reichte (s. S« 105.), und gleich- 
wohl die Porticus OcUvia, wie Plinius und Vellejus ausdrücklich 
sagen, im Circus Flaminius war, so lag ja jedenfalls auch diese in- 
nerhalb des Pomoerium. Ja noch mehr: es geht aas Plin. XXXIV, 



152 

* 

tet and eine kurze Anrede gehalten hatte, entliess er die Trap- 
pen, welche ihn begleitet hatten, zu dem ühlichen FVühstäcke : 
er seihst aber kehrte zurück za dem Thore, wel- 
ches seinen Namen von den Triumphen hatte, 
welche stets durch dasselbe geführt wurden. Dort 
frühstückten auch die Imperatoren, legten die TriumphgewSn- 
der an, opferten den Gottern, deren Heiiigthümer sich am 
Thore befanden, und Hessen dann den Triumphzug durch die 
Circos (did liov ^edzQiüv) ziehen, um der Menge das Zu- 
schauen bequem zu machen. 

Wie nun mit dieser ganz klaren und unzweideutigen Dar- 
stellung nicht nur die Bunsensche (allerdings die seltsamste) 
Ansicht, sondern auch der ruhige Glaube aller Topographen 
an eine Porta Triumphalis in der servischen Mauer vereinbar 
sein könne, ist, so lauge nicht dvaymqti^ eine neue Bedeu- 
tung erhält, schwer abzusehen : vielmehr ist es offenbar, dass, 
wenn die Imperatoren im Marsfelde übernachtet hatten ; wenn 
sie von da sich zu dem ausser der Stadt versammelten Senate 
begaben, und dann wieder zu dem Triumphalthore zurückkehr- 
ten, dass dieses sogenaunle Thor ebenfalls ausserhalb der Stadt, 
und zwar im Marsfelde, jedenfalls nahe dem öffentlichen Ge- 
bäude, das zum Nachtlager gedient hatte, sein musste. Und 
das erhält zum Ueberflusse seine Bestätigung durch die zugleich 
gegebene Nachricht, dass der Zug nicht nur durch den Circus 
Maximus, sondern 8id rdiv &€u%Qmv, das sind eben die Circi, 
ging. Diesen Plural von einem Circus zu verstehen, ist an 
sich unmöglich, und wer es Ihun wollte, würde die eben so 
klaren Worte Plutarchs :gegen sich haben, der vom Triuroph- 
zuge des Paullus Aemilius ganz dasselbe berichtet. Aemil. 
Pauli. 32. *0 filv dijjuos iv %b toiq lnni%olQ &a^ 
drQoiQ, ä KiQXovs %aXovGiV^ ns^i w Tijv dyoQuv 
ixQla nr^ldfxivot %a\ räXXa rijg noXetog juiQfj %ai;aXaß6v- 
^§G — i&€(aviO. Ja in einer zweiten Stelle "i) wird aus- 



3, 7. eotschieden hervor, dass io VespÄsian» Zeit die Porticus 
Octavia par nicht mehr vorhanden war. ^^ ,* « ^ •* 

221) Lncüli. 37. noU^ Siv^et *al anovBp fioXif Ptrstoav rov dij. 



153 

dröcklich gesagt, LncuU habe bei seinem Trimnphzuge den 
Circus Flaminitts mit erbeuteten Waffen nnd Kriegsma- 
schinen ansgeschmöckt, was doch niemand ernstlich Ton einer 
blossen Ausstellung an einem Orte, den der Triumphzug nicht 
berührt hätte , wird verstehen wollen , was auch dem Sinne 
der folgenden Worte durchaus entgegen sein würde. — So ist es 
denn nicht unwahrscheinlich, dass eben die Porta trinmpha- 
lis jener Bogen war, den Domitian nach seiner lächerlich 
pomphaften Rückkehr aus Germanien prächtig erbauete, und 
neben ihm einen Tempel der Fortuna Redux 2^^), s. d. Abschn. 
YomMarsfelde. — Von diesem Thore also, das yielleiebt 
auf der Grenze des Marsfeldes den Eingang zum Circus Flami- 
nius (dem Bezirke) bildete, zog man zuerst durch den Circus 
dieses Namens und jedenfalls durch die Porta Carmentalis in 
die Stadt. Welchen Weg man von da aus genommen, wird 
nicht ausdrücklich gesagt; ich möchte aber glauben, dass es 
kein anderer gewesen sei, als der des oben erwähnten Fest- 
zugs der Jungfrauen: nämlich durch den Yicus lugarius bis 
zum Forum, dann an demselben hin (Sub Yeteribus) und durch 
den Yicus Tuscus, das Yelabnim und Forum Boarium in den 
Circus maximus. Wenigstens war das der sollenne Weg für 
die circensische Pompa, den deshalb Cicero eine via tensarum 






M. r. X» 



2'22) Martial. VIH, 65. 
Hie übt Fortunae Reducis ßilgentia late 

Templa niient, felix area nuper erat. 
Hie sletit Arctoi formosut pulvere belli 

Purpureum fundent Caesar ab ore iubar. 
Hie lauro redimita comas et Candida cultu 

Roma talutavit voee manuque Ducem, 
Grande loei meritum testantur et altera dona: 

Stat saeer et domiti» gentibus arcus oval. 
Hie gemini eurrta numerant elephanta ß'equentem : 

Streit im mens is aureus ipse iugis. 
Haec est digna tuis, Germanice, porta triump his: 

Hos aditus urbem^ Martis habere deoet. 



154 

nennt 2^^), und da der Triumphziig ebenfiiUs das Velabmm be- 
rührte, so wird jede andere Richtung schwierig. 

Wer nun etwa noch nach so evidentem ßeweise sich auf 
die. oben aus Cicero angeführten Worte berufen wollte, dem 
würde zu entgegnen sein, dass in jener Steile die P.orta 
Triumphalis mit der Caelimontana und Esquilina 
keinesweges auf einer Linie steht. Cicero hatte gesagt , Piso 
sei durch die Caelimontana in die Stadt gekommen : Was wet- 
test du, erwiedert dieser, dass es die Esquilina gewesen ist? 
Wenn nun gleich die Triumphalis kein wirkliches Stadtthor 
war : wer wird daran Anstoss nehmen, wenn Cicero fortfährt: 
,,Als ob überhaupt etwas darauf ankäme, zu welchem Thore 
du eingezogen seiest ;^ nur nicht durch die Triumphalis , die 
sonst immer den macedonischen Proconsüln offen gestanden 
hat.^^ Das ist das einfachste Zeugma, das es geben kann; ja 
es ist im Grunde nicht einmal eine solche grammatische Figur 
vorhanden ; denn die Porta Triumphalis ist ja doch das Thor, 
durch welches der Triumphator herkömmlich und gesetzlich 
seinen Einzug hält^^). Uebrigens ist es gewiss eine irrige 
nnd unrömische Vorstellung, wenn man sich dieses Thor für 
gewöhnlich geschlossen und nur für den Triumph geöffnet 
denkt. 



JiW) Vcrr. I, 59. Quis a signo Fertumni in Cireum Maximum 
venit, quin in unoquoque gradtt de avaritia tua eammonereiur. quam 
tu viam tensarum atque pompae eiusmodi exegisti, ut tu ipse Uta 
ire non audeas, V9I. den SchoHasteo and III, 3. V, 7^. otnnesque 
diiy qui vehieulis tensarum soUemnet eoetus ludarum initis, quorum 
iter iste ad suum quaestum , non ad religionum diguitatem , faeien- 
dum exigendumque curavit» Der Vicus Tnscas war zwischen dem 
Forum und dem Velabmm. Am Ende desselben stand die Bildsäole 
des Vertnmnas. Eine gerade Strasse musste vom Forum dahin füh- 
ren; denn der Gott konnte anf das Forum sehen (Prop. IV, 2, 6.). 
Eben so gebt aber auch der Trinmphzug durch das Velabmm. S u e t. 
Caes. 37. Gallici triumpAi die Felaörtan praetervehens paene ettrru 
excusMUM est axe diffraeto. Wenn der Zug von dem Thore geraden 
Weges nach dem Circus gegangen wäre, so ist nicht abzusehen, wie 
das Velabmm berührt werden konnte ; selbst wenn man^ praetervehi 
im strengsten Sinne nehmen wollte. 

2A) Vgl. De Romae vet. mur. atq, part. p. 93. 



155 



Porta Flumentana. 

Zu den Tboren, über deren Lage die neueren Topogra* 
phen^^^) einig zu sein scheinen, gehör! die Flumentana; 
indessen kann man sich nicht verbergen, dass doch auch sie 
mehrfachen Zweifeln unterworfen ist. Was zuerst den Namen 
anlangt, so ist er durch zahlreiche Erwähnungen hinlSnglich 
beglaubigt ^^). L i Vi u s erzählt mehr als ein Mal von Verwü- 
stungen, welche das Austreten des Stroms in ihrer Nähe her- 
vorgebracht. XXXV, 9. Jquae ingentet eo wmofuemnt et 
Tiberis loca plana urbü inandavü» Circa portam Flumen- 
tanam eiiam cotlapsa guaedam ruinü sunt. cap. 21. Tiberis 
infestiore quam priore impetu fn/aius urbi duo pontes , aedi* 
ßcia multa y maxime circa portam Plumentanam , evertit. 
Dazu kömmt ein wahrscheinlich ungeschicktes Excerpt des 
Paul. Dia c. p. 89. Flumentana poria Romae appellatay quod 
Tiberis partem caßuxisse qffirmant ^7). Wenn nun dadurch 



%t9) Uobefreifliehe Sorglosiipkeit Siterer Zeit hat die F Innen- 
tan« DD die Stelle der F 1 a m i n i a (Porta del popolo) ipesetzt. Die- 
ses Thor hat mao auch jederzeit in Graters Thes. inser. za ver- 
steheo. Man dachte nicht daran, dass ein von Cicero nnd Varro 
erw&hutes Thor nicht in der Mauer A a r e 1 i a n s ipesncht werden könne. 
Aneh die Meinung Donati's, dass sie zwischen Capitol nnd Qnirinal 
gele^n habe, bedarf keiner weiteren Widerlegnng. S. Nibby , Mura 
di Roma. p. 129. 

)^6) Ansser den oben anfpefahrten Stellen, Cie. ad Att. VII, 3. 
eur, cum portam Flumentanam CoeUu* oeeuparit, 9go Puteoios non 
measfaciamt Varro de rernst. III, 2. Nam qnod extra nrbem 
est aefm/ieiumf nihUo magU ideo est villa, quam eorum aedyteia, 
qui habitant extra portam Flumentanam, aut in Aemilianu. In- 
schrillen bei Marini, AtH d, frat. arv. p. Wl. 

27) Schwerlich darf man darauf beziehen, was bei Prep. IV, 2, 
7. VertnniDus (im Vicns Tasens) spricht: 

Hac quondam Tiberinue iter faoiebat, et aiunt^ 

Aemorum anditot per vada pulsa eonoe. 
At poetquam Ute suis tantum eonceseit alutnnis 
Fertumnu» verso dieor ab amne deue. 
Davon weiss anch Serv. z. Aen. VIII, 90. (ficns mminalis) quae 
fuiij übt nunc est Lupereal in Circa, Hac enim labebatur Tiberis 
antequam Fertumno /actis saerifieiis averterelur, v|rl. z. V. 98. Es 
scheint kaum glanblich, dass der Flnss jemals diesen seltsamen Lanf 
könne ^habt haben, nnd man mnss wohl nur an den nberBnthenden 
Strom denken. Aber wäre es auch je so gewesen , das ist gewiss, 
dass lange vor Erbauung der Porta Flumentana daran nicht mehr zn 
denken ist, und in keinem Falle konnte also das Thor davon den Na- 
men haben. 



156 

unzweifelhaft auf die Nähe des Flusses hingewiesen wird , was 
auch schon in dem Namen selbst liegt, so hat man sich seit 
Nardini dafür entschieden, dass das Thor auf der Linie vom 
Capitole zum Tiberis und zwar demselben ganz nahe befunden 
habe. Die Nähe der Garmentalis würde kein Bedenken dage- 
gen sein ; denn wie diese die Verbindung der Stadt mit dem 
CircUs Flaminius machte, so ist gar wohl noch eine zweite mit 
dem Forum Olitorium und dem Ufer denkbar. Dagegen hat 
man mehrfach einen Widerspruch in der Erzählung von dem 
über M. Manlius Capitolinus gehaltenen Gerichte bei Li- 
vias228^ gefunden. Als bei den Centuriatoomitien im Mars- 
felde der Angeklagte im Angesichte des von ihm geretteten 
Capitols sein Verdienst geltend machte, wählten die Consular- 
Tribunen einen anderen Ort , von dem aus das Capitol nicht 
sichtbar wäre, und dazu wurde der petilinische Hain vor 
der Porta Flumentana ausersehen. Nun ist es allerdings 
anfnUlig, dass diese Stelle nothwendig dem Capitole noch nä- 
her sein musste, während man einen entfernteren Ort erwar- 
ten sollte; man müsste denn annehmen, dass man einen dem 
Marsfelde, als dem eigenlUchen Comitienplaize, benachbarten 
Ort nothwendig habe wählen müssen. Die Nähe aber des Ca- 
pitols kann man zwar mit Bunsen einigermassen als ohne 
Einfluss betrachten, aus dem Grunde, weil die Bäume den An- 
blick desselben würden entzogen haben ; aliein recht genügen 



W8) Liv. VI, 20. in Petelinutn lueum extra portam Flumenta- 
natn, unde eonspeettts in Capitolium non fsset, eoncilium popuii in- 
äictum est. Dasselbe sa^^t, leider ohne das Tbor za oeiineD, Plat- 
arch. Camili. 36. "O ^17 ovfiagovijaae 6 KafnXXog fter^yayev l^w 
nvXijV rb BixcLOTi^Qiov tk xo Ilet^AJyov akaor o^tv oix ovto9 tov Ka- 
lt iTUtUov xaratpetrovi, o re Suanwv txQ^oaro rj narrjyo^itf. nttl rotg x^i^ 
vovot na(ft%oiQ'riüiv tf fivij/^V ''**'*' yeyovoTOtv. Der Name des Haias 
kömmt niri^end weiter vor. Gaoz verschieden davon ist ofieobiir der 
in dem Argeerfragmente bei Varro L. L. V, 8. p. 56. (genannte la- 
cos Poetelins; denn er lag ja (innerhalb der Stadt) in der Regio 
Esqnilina, deren tun lies Sacrariom ia seiner Nähe war. Demungeach- 
tet hat Nardini {Roma ant, II. p. 53. ed. Nibby.) sich einfallen las- 
sen, beide za identificiren aod beiLivins zu emendiren : extra por- 
iam Nutnenianam, wai selbst in die Ansgaben fibergegaugen ist. Als 
ob es in der servischen Mauer eine Nomentana bitte geben kennen, 
di« erst dnreh Anrollan entstand , während früher die Via Nomen, 
tana von der Colli na aasging. Ueberdiess liegt ja die Nomentan« 
am Quirinal. Vgl. Piale, Porte deli Jvent, p. %\ f. 



157 

will doch auch das nicht. Dazu kömmt, dass die Lesart kei- 
nesweges sieber steht; denn bei weitem die meisten Haod- 
schriftea und die Ausgraben vor Rhenanus haben FrumentM' 
rtam, was nach dem Aventin hinweisen würde. Und da auelr 
XXXV, 9. dieselbe Variante wiederkehrt, (bei Varro de 
re rnst. III, 2. ist es jedenfalls Schreibfehler) so kann 
man wirklich an dem Namen irre werden ; nicht als ob es eine 
Flumentana nicht gegeben habe; denn sie wird ja dorch 
Inschriften beglaubigt; aber wohl in Bezug auf Li vi us. Da- 
gegen scheint eine Nachricht, welche Plutarch von einer 
späteren Ueberschwemmang giebt, allerdings anf die gewöhn- 
lich angenommene Lage hinzuweisen. Er sagt Otho. 4. K^ti 
96 nsQl TÖv GvjiißQiv Sh otz/inrca/ia inoiovvti^ ol noXXol 
fkoyß^f^Qov* ^Hv f&lv yctf ä^, fi «pl ^y fniXurra ol nofa^' 
fAok nXfj&ovoiV» diX ovnm %oiov%o£ i^q&ij nfifif^ ovif 
dnwXioa ToaavTa %ul iiitp&sfgev ^ vn^fxv^'slg xal xaTci* 
nXvoag noXv fni^os t^g noXemg' nX€la%09^ ff i¥ i^ ro^ 
in\ ngäaei dianvaXovat ol%op, mg iuvr^v anoffittv 
^fiB^wv av^vwv nuTacysIv» Hat man hier dieselbe Stelle 
zu verstehen, welche Livius als vorzugsweise den Ueber- 
schwemmungen ausgesetzt nennt , so w;ürde daraus die Lage 
des Thors in der Nähe des Forum Olitorium folgen. Denn 
wenn es gleich gewiss seheint, dass der Getraidemarkt in älte- 
rer Zeit vor der Trigeniina war, so muss doch späterhin eine 
Aenderung eingetreten sein. Denn die Porticus Minucia, 
welche den Beinamen Frume.ntaria fahrte, wird von der 
Notitia in der neunten Hegion (Circus Flaminius) genannt, 
und zwar in der Nähe des Forum Olitorium; denn von hier 
geht die Beschreibung aus. (Vgl. d. Abschn. vom Mars- 
felde.) Daher wird man sich wohl immer am meisten be- 
stimmt fühlen, die Flumentana hier anzunehmen; aber doch 
auch gestehen, dass eine recht sichere Bürgschaft fehlt. 



Porta Trigemiiia. 

Gegenüber der nördlichen Ecke des Aventin muss die 
Mauer vom Flusse aufsteigend wieder begonnen haben ; denn 



158 

an dieser Ecke selbst lag eines der sichersten Thore , die viel^ 
erwähnte Porta Trigemina in der von den alten Salzlagern 
Salinae benannten Gegend. Es ergiebt sich diess anf das 
Entschiedenste aas der aasdriicklichen Bezeichnung dieser 
Stelle als des Punktes, wo die Vertheilung der Aqua Appia be- 
gann. Frontin. de aqnaed«5. Ductus eius habet longitu- 
dinem a eapite usque ad Salinasj qui locus est ad 
portam Trigeminam, passuum JCL C^C und nachher: 
Incipit disiribut Appia im o Publicio clivo ad portam 
Trigeminam. Dazu Solin. 1, 8. Qui Cacus habitatnt 
locum 9 cui Salinae nomen est , übt Trigemina nunc porta. 
Daher irren entschieden alle die, welche Mauer und Thor wei- 
terhin an den westlichen Abhang des Berges (Seite von Sta. 
Sabina) verlegen ^^'). Dazu hat nur die allerdings sehr rich- 
tige Annahme Veranlassung gegeben , dass der Pons Sublicios 
innerhalb der Stadtmauern gelegen habe ; aber mit ihr verband 
sich der falsche Wahn, dass man ihn in den Pfeilerresten un- 
weit Sta. Sabina zu erkennen habe. Dorthin aber wird doch 
niemandem einfallen, den Clivus Publicius zu legen Und eben 
so wenig , dass die appische Wasserleitung um die Ecke des 
Berges herum dahin geführt worden sei. Gleichwohl sagt 
Frontin ausdrücklich, ihre Vertheilung habe am unteren End- 
punkte des Clivus bei der Trigemina begonnen. — Der Name, 
welchen die älteren Topographen bis auf Nardini lächerlich ge- 
nug von den drei Horatiern herleiten, wird mit Wahrschein- 
lichkeit von drei Durchgangsbogen erklärt, welche das Thor, 
sieher eines der lebhaftesten, wegen des ausserhalb desselben 
gelegenen Emporium, vermuthlich hatte. 

Porta Navalis. 

Weiterhin am Aventin wird von aUen Topographen (mit 
Ausnahme Piale^s, welcher sie jenseit des Flusses verwei- 



329) Canioa setzt sie zwischen die Brücke nsd SU. Sabina; 
Piale p. 15. weiter hinaas unter S. Alessio ; Nardini gar bei SU. 
Maria io Aventino (del Prlorato). 



15» 

ftet)^'^') die PortaNavalis angenommen. Ihrer gescfaiebC 
nnr ein einziges Mal Erwähnung von Paul. Diac. p. 179« 
Naoalü porta a meinia navatium dzcta, Ihre Bestimmung 
hängt also ganz von der der Schiffswerften ab, und diese wer- 
den allgemein mit der grössten Bestimmtheit^^) südlich vom 
Arentin in die Ebene des Monte Testaccio gesetzt« Einen Be- 
weis dafür findet man nirgends : überall wird diese Lage der 
N a V a 1 i a als eine Thatsache vorausgesetzt, gleich als wären 
sie noch vorhanden. Und doch fehlt es in den alten Schrift- 
stellern durchaus nicht an Nachrichten, welche auf eine ganz 
andere Stelle mit Entschiedenheit hinweisen. Dahin gehört zuerst 
Liv. HI, 26. Spes unica imperii papuli Romani, L. Quincthu^ 
irant Tiberwi contra eum ipsum iocum^ übt nunc 
navalia suntf quatuor iugerum colebat agrum, quae prata 
Quinctia vocantur. Wo nun diese /yrato Quinctia gewesen 
seien, sagt uns ausdrücklich Plin. XYIII, 3, 4. Aranti qua- 
tuorsua iugera in Vaticano^ quae prata Quinctia appelian" 
tUTf Cincinnato tiator attutit dictaturam» Allein die einmal, 
wenn auch ganz willluhrlich gefasste Meinung hat mehr ge- 
golten, als des Römers bestimmtes Zeugniss, das man auf ver^ 
schiedene Weise zu beseitigen gesucht hat^^). Und doch 
müsste es allein schon entscheidend sein, wenn auch nicht noch 
andere Nachrichten es vollkommen bestätigten. Denn wenn 

■ 

Plutarch '^) erzählt, es sei dem jüngeren Cato übel genom- 



^VS) Etwas nnterbatb des angebliehen Pons Sublicios tvf der Li- 
nie der P. Portaensis. Del secondo reeinto di Roma, p. 17. Den Be- 
weis dafar scheint er schuldig geblieben zu sein. 

3t) S. De Romae vet. mur. atq, p^rt, p. 95. 

32) Der Verständigste ist hier immer noch Nardini (HI. p. 369 
Nibby.), der doch wenigstens an den Worten beider Schriftsteller fest- 
hält nnd annimmt, die eigentlichen Navalia seien swar am Aventia 
geweseo, allein bei Porto di Ripetta ein Hafen für die den Flass her- 
abkommenden Schiffe. Aber Navalia bedeutet ja doch nicht einen Ha- 
fen, sondern ein Arsenal. Was Bansen (Beiehr. d. St. R. II. A. 
S. II.) darüber sagt, ist mir ganz unverständlich« Er verspricht den 
Beweis, dass die Navalia am Aventin gewesen; aber er ist nirgend 
gegeben worden. 

33) C a t. min. 39. Hei^euetd'eU 9i vtus vavolv o»n HXa&e vovt 
'Ptofialovt^ aXkk navtes fUr a^ovreg xal is^cZip, näaa ^ 17 ßovl^, nolo 
di Tov dijfiev /U^of ian^vr<ov n^^ top nezafie/v , woze T«ff ex'd'as mfi^e^ 
ri^ai mtoneuqv^a^ »al ^^uifipep fitjdiv Syret ttal fptXovtfii^ ieijrea&at 
TW a»üatXow ovrov. KaicQt QiM»a¥ itrüns TOt ifaiv§Ta uiü eäS'aitfff 



X60 

men worden, dass, als ihm bei seiner Rückkehr ans Cypem 
die Magistrate und der Senat bis au das Ufer des Flusses ent^ 
gegengekommen seien, er nicht ausgestiegen sei und nicht eher 
angehalten habe, bis die Schiffe zu den Navalibus gelangt 
seien, so ist diess mit der Lage derselben vor der Stadt, un- 
terhalb des Aventin ganz unvereinbar. Jedenfalls war man 
nach alter Sitte ^^) dem Riickkehrenden bis an die Grenze der 
Stadt entgegen gekommen, und wenn man nun auch hier , so- 
bald die Navalia ausserhalb dieser Grenze lagen, bis dahin als 
dem Landepunkte gegangen wäre, so ist doch ein weiteres 
Entgegengehen von Seiten der Behörden ganz undenkbar. 
Warteten diese aber an den Navalibus, wie war es möglich, 
dass Cato an ihn^en vorbei nach denselben fuhr? Noch mehr: 
es wird ausdrücklich das Marsfeld als der Ort bezeichnet, wo- 
hin die kriegsgefangenen Schiffe gebracht wurden. Liv. XLV, 
42. Notes regiae (Persei) captae de Macedonibus invsüatae 
ante magnitudtuü inCampo Martio subductae sunt End- 
lich giebt völlige Gewissheit Procop. Bell. Goth. IV, 22. 
i%i piivxoi Saa fivrjf*€ia tov yivovs iXiXstnvo eV/, iv tolg 
«ai 17 §favg tov jiirsiov %oi %^s nokewg oi%ta^ov «ai %i£ 
vodts usltai, &€a/ia naffTe).ms ämoTov. vemaomov ydq 
noifjaa^e^fOi iv ft^<fj! ^^ ttoAci nagd %7jv %ov 
Tißifidog ox^V^i ivTavd^ii TS aviijy itaTa&e^uvoif 
ii ineipov tr^^votv. Man wende nicht ein, dass rfcJaoixof 
nur ein einzelnes Schiffshaus bedeute , für navalia nmaotxoi 
stehen raüsste. Ich will nicht dai'auf eiugehen , ob auch der 
Singular theils durch die Analogie von vetigia und ve^QtoVj 
theils durch ähnliche Stellen sich recbtferligen lasse : es be- 
darf dessen gar nicht : auch der einzelne y^oSootxoc würde ein 
schlagender Beweis für die Navalia an dieser Stelle sein. 



OToXov tte ro vt cvq lov, 

%iA) Plotarch. Fab. 18. MilutTa ^ av nc ^ycurar^ ro tfgoiijua 
ftmX ri^v irQ^oxrjra rt/S TToitioey ore rot' vTrarov Ba^iopoS ano z^g <pv» 
y^g (aach der Schlackt bei Canoae) tnayiovrogy v*g av r^g aXoxwta vuU 
astoTfioxBTa nen^x^^ inavioif Tonsuov xai xartftpovg^ ämiKit^otv avtqf 
nsal väs UV lag ^ r« fiooX^ uai so ni^&ag airav wmai6(ikvin. 



161 

Denn ich frage, woher dieses Scliiff, an das sich die Sage von 
Aeneasknüpfte^nnd mit ihm dieser vtmaoiuos stammte? Wurde 
es vielleicht in Folge alter Tradition aus früher Zeit her von 
Staatswegen dort aufbewahrt? Wie wäre es dann, nicht wahr- 
scheinlich, sondern möglich , dass seiner nie und nirgend ge- 
dacht wird, dass Dionysius, der mit wahrer Aengstlichkeit 
alle Punkte aufsucht , an die sich nur nirgend der Name Ae* 
neas knüpft, es mit keinem Worte erwähnt; wie hätte Pli<» 
nius sich nicht veranlasst sehen mögen, seiner au gedenken! 
Vielmehr ist es offenbar , dass dieses Schiff, welches Procop 
noch sah, ein Rest aus jener glorreichen Zeit war, wo die vom 
Feinde erbeuteten Schiffe zum Theile als Spolien in dem Staats- 
arsenale aufgestellt wurden. So sagt Liv. VIII, 14. Navet 
Antiathim partim in navaüa Romae sybductae^ partim in* 
cmsae. Als die Römer zur Zeil der Weltherrschaft Flotten 
auf anderen gelegeneren Punkten erbaueten, hörte jedenfalls 
Rom auf ein eigentliches Arsenal zu haben, aber die alten Zeu* 
gen früherer Grossthaten blieben dort. Ob in Procopius Zeit 
noch mehrere vorhanden waren , geht aus seinen Worten in 
keiner Weise hervor ; aber das angebliche Schiff des Aeneas 
konnte nur daher stammen. Denn wenn es eine Gewissheit 
ist, dass im ersten Jahrhunderte man nichts von einem solchen 
Schiffe wusste , so ist ein späteres Entstehen der Sage ohne 
materiellen Grand, d. h. ohne Vorh«indensein eines Schiffs, 
von dem man so etwas fabeln konnte, eine Unmöglichkeit. 
Man konnte ja doch in solcher Zeit nicht irgend ein Schiff brin- 
gen und sagen, es sei das Schiff des Aeneas 5 und wenn das 
Begehen einer solchen Lächerlichkeit denkbar wäre, so wird 
man doch nicht annehmen wollen, es sei publice ein vewaoiKos 
dafür erbauet und far sorgfaltige Aufbewahrung gesorgt wor- 
den. Wohl aber ist es leicht begreiflich, wie spätere Unwis- 
senheit und Fabelsucht einem aus alter Zeit vorhandenen Schiffe 
eine solche Bedeutung andichten konnte, wozu das mittelalter- 
liche wie das heutige Rom zahlreiche Gegenstücke aufzuweisen 
hat. Uebrigens erscheint das von Procopius beschriebene Schiff 
fast als ein Modell oder wenigstens als Curiosität ; wo aber als 
im Arsenale wird man diese suchen wollen. — Nimmt man 

11 



162 

nun hinzu, dass Livius die macedoniscben Schiffe im Mars- 
feide ans Land bringen lässt; dass nachPlutarch dato an 
den Behörden vorüber in die Navalia fährt; dass Plinius die 
Prata Quinctia an dem Vatican^^^) und Livius dieselben den 
Navalibns gegenüber gelegen nennt, so gehört in der That ei- 
nige Hartnäckigkeit dazu, um auf dem Zweifel zu beharren« 
Fragt ma6 nun aber dagegen , aus welchen Gründen die Na- 
valia an den Aventin gesetzt werden, so ist auch nicht ein ein- 
ziger dafür angegeben worden, ausgenommen dass Donati 
meint — und so haben vielleicht auch Andere gedacht — es 
hätten ja der Brücken wegen Schiffe mit hohen Masten und 
Segeln nicht weiter den Strom hinauffahren können. Dabei 
bat man indessen nicht daran gedacht, dass die Mäste der rö- 
mischen Schiffe (wie von Ody^sseus her üblich war) niederge- 
legt werden konnten '<^), und wenn Livius ausdrücklich sagt, 
dass ,, Schiffe von ungewöhnlicher Grösse^ ^ in das Marsfeld ge- 
führt worden, so wird man wohl zugeben müssen^ dass auch 
^e gewöhnlichen Schiffe der Römer trotz aller Brücken dahin 
gelangen konnten ^^). Uebrigens muss mau nicht vergessen, 
dass die Navalia jedenfalls vorhanden waren^ ehe es eine an* 
dere Brücke gab, als den Pons Sublicius, der seiner Con- 
atruction nach sehr weite Joche haben konnte. — Demnach 
wird man die nur von Paulus Diaconus erwähnte Porta Na- 
valis aus der Reihe der Stadtthore auszustreichen haben ; die 
genauere Bestimmung der Navalia s* im Abschn. vom Mars- 
felde. 



235) Es ht schon von älteren Topomphen s«It«D<i S®™*^^t wor- 
den, dass noch immer die Flache vom Grabmale Hadrians bis Ponte 
nolle (Milvtns) i prati ipenannt wird. Möglich ist ein Zasammenbany 
mit den pratis Qainctiis, doch muss von dergleichen Assonanzen ein 
sehr behatsamer Gebrauch gemacht werden. Bei Procop heisst dieser 
Striob NiifwvQt nedla : das sind jnuita Neronis. 

36) S. z. B. Cic. Verr. V, 34. Princeps Cleomenes in quadri^ 
remi Centuripina mal um erigi^ velafteri, praeeidi ancoras im- 
peravii, 

37) Dien j 8. IX, 68. sagt vom Tiberis, der der Stadt als Mauer 
dieee : ov r^ pir ev^ot cer» Tevriffivp nXi'&^etr piltatet' ro 9i ßa&ot 
•/of ra ravo) iilua^a* piyiiMis^ 



163 



Mauer und Thore am 
Btinueia? Naevia. Raudusculana. Lavernalis^ 

Ueber keinea Tbeil der semschen Befestigung sind wir 
weniger anterrichlet, als über den Gang der Mauer von der 
Trigemina bis zu dem Caelius. Dass sie sich auf der Höhe des 
Berges bis S. Saba gegenüber hinzog, darüber ist wohl kein 
Zweifel ; dagegen entsteht die Frage, ob eben dieser vom ei'* 
gentlichen Aventin durch ein Thal getrennte Hügel, auf dessen 
zwei Spitzen die Kirchen S. Saba und Sta. Balbina liegen, 
zur Stadt gezogen war, oder gar zum Aventin gerechnet 
wurde. Letzteres scheint verneint werden zu müssen (s. d. 
Abschn. über d. Aventin)^ dagegen scheint die Annahme, 
dass die Mauer vom Aventin herab durch die Tiefe fortgeführt 
worden sei ^. nicht nur bedenklich, weil sie dann von der so 
ausgeschlossenen Höhe bedroht gewesen wäre, sondern es 
würden von den drei Thoren, welche auf der Strecke vom 
Aventin bis zur Capena am Caelius uns durch Varro gewiss 
sind, kaum mehr als zwei Platz finden können. Wenn dem- 
nach im Allgemeinen die Topographen sich gegen das Aus-* 
schliessen erklären , so sind doch die Meinungen in Hinsicht 
der Ausdehnung, in welcher der Hügel zur Stadt gehört habe, 
getheilt. Nibby und Canina haben beide die ganze Höhe, 
S. Saba sowohl als Sta. Balbina, zur Stadt gezogen , und 
so hat es wohl auch Piale gemeint, der nur die Thore anders 
bestimmt. Dagegen schliesst Bunsen die Höhe von S. Saba 
ans, und zieht die Mauer von der westlichen Ecke der Ther- 
mae Antoninianae fast in gerader Linie zum Aventin. Bei 
dieser Ansicht bleibt indessen das südliche Ausbiegen der 
Mauer unerklärt und scheint nur angenommen zu sein, nm die 
Porta Raudusculana unterzubringen ^^^). Müssen wir nun 



1^38) Man veryleiehe den kuf Besohr. d. St. R. ^ebSrlcpco nao 
der servUchei Stadt. Wen» «s dagegen 8. 637. heisst: „Wen* dem^ 
Dach die Porta Lavernalis -^ der Tiefe saeäefast an der HlMie Gadliae 
laf , 80 haben wir für die BavdaaciilaDa die HShe. von Sta. Balbioa und 
rdr die Naevia dat Thal swisebea dieeem Hiigel nad dei« Areatia.'S 
eo scheint da« mit dem Plaaa im Widor^nieke xn stebea } denn d« 

11- 



164 

jiucli gestehen , dass unsere Kenntniss in diesem Punkte sehr 
unsicher und mangelhaft ist, so scheinen doch die nnzweifel- 
bafl hier zu suchenden drei Tbisre für die grössere Ausdehnung 
der Mauer und die Einschliessung der Höhe von S. Saba zu 
sprechen, wenn man nicht wegen der Richtung, welcher Varro 
bei Aufzählung jener Thorc folgt, der Wahrscheinlichkeil ent- 
gegen sich der Meinung der italiänischen Topographen an- 
schliessen will. 

Was nun überhaupt die Thore in diesem Theile der Mauer 
anlangt, so lässt sich am eigentlichen Aventin keines mit Si> 
cherheit nachweisen, obgleich in keinem Falle bezweifelt wer- 
den darf, dass es deren gab , da unter der Höhe Hafen und 
Stapelplatz waren und deshalb eben hier der lebendigste Ver- 
kehr gedacht werden muss. Auch scheint in der That auf der 
Seite am Flusse, bei dem Priorate ein Aufgang gewesen zu 
sein, und unbezweifelt ist wenigstens der südliche bei der Ba- 
stione di Paolo IH. An die erstere Stelle setzt Nibby die 
allerdings sehr problematische Porta Minutia, ein Name 
der uns nur durch Paulus Di aconus ^3') bekannt und ron 
einem Sacellum oder einer Ära Minuti abgeleitet wird. Ist 
nun auch von einem solchen Sacellum nichts bekannt, so bat 



ist die Laveroalis bei Sta. Bulbiaa, die Raudusculaoa bei dem west- 
licheo Winkel der Thermen verzeichnet. Wo aber nach jenen Wor- 
ten die LavernaUs gesucht werden solle , verstehe ich nicht. — Der 
Grund aber, weshalb Bansen die Hohe von S. Saba aasschliessen zu 
mässea meint, ist daher entlehnt, dass Strabo , wo er die allmählich 
dareh die verschiedenen KSnige entstandene BeFestigung würdigt, des 
Hügels Dicht cedeokt. Er sa|t V, 3. p. 234. 'jäptos re Ji^agviio^ n^o^ 
kaßdiV ro KlÜiov oqos nai ro Aßevrlvov OQOt, %aX xo fiera^v rovraar nt- 
Siov, St^^ttffUva tuxl Toc an aXXykanf *(ü ano twv ngorixt^xtafiivotv 
n^osi'&t^Ktv avayxaivos. Da nun die Höhe von S. Saba nicht unter dem 
Aventin mitbegriffen sein könne, so folge, dass sie nicht zur Stadt ge- 
zogen worden sei. Allein wenn Ersteres auch richtig ist, so fttigt es 
sich doch , ob bei dieser ganz allgemeinen Angabe der Befestigungs- 
liaie eine solche Genauigkeit gefordert werden könne, und ob der Hü- 
gel von solcher Bedeutung s^Hiieu , um neben dem Aventin besonders 
genannt werden zu müssen. Uebrigens würde ja doeh auch nach Ban- 
sen ein Theil des Hügels, die nur durch eine geringe Vertiefung von 
S. Saba unterschiedeoe Spitze von Sta. Balbina, eingeschlossen gewe* 
sen sein, und auch ihrer gedenkt Strabo nicht. 

:23y) Paul. Diac. p. 122. Minutia parta Roma« est dicta ab 
ara Minuti^ quem deum putabant, und p. 147. Minueia porta appei- 
lata e$t eo, quod proxima esset saeello Minutii, 



165 

man doch nicht mit Unrecht damit verglichen, dasA nach Pli- 
nius ^^) einem Praefectos annonae, L. oder F. Minutius 
Aogurinus, von dem Volke in dieser Gegend eine Statue ge- 
setzt wurde, wegen bewirkter Wohlfeilheit des Getraides. 
Bedenkt man nun, wie oft Paulus den Festus ganz unvollstän- 
dig und mit groben Missverständnissen excerpirt hat, so wird 
man eine Beziehung zwischen jenem Sacellum und der Statue 
nicht unmöglich finden, wenn auch die Lage des Thors, ja 
selbst, dass es ein Stadtthor gewesen, dadurch keinesweges für 
hinreichend begründet gelten kann. Jedenfalls aber bleibt es 
zweifelhaft, ob es bei dem Priorate, oder an dem südlichen 
Aufgange, wohin gewöhnlich die Navalis gesetzt wird, anzu- 
nehmen sein würde. 

Ausserdem werden nun von VarroL. L. V, 34. p. 163. 
drei Thore genannt, welche auf der Strecke vom Aventin bis 
zum Caelius gelegen haben müssen. Leider hat der Text hier 
gerade eine bedeutende Lücke und das Verzeichniss der Thore, 
das vermuthlich vollständig gegeben war, ist verloren. Nach 
Ausfall von zwei Blättern folgen die Worte . . . ligionem Por- 
cius designatf guom de Ennio scribens dicit eum coluüse Tu- 
tilinae loca. Sequitur Porta Na e via, quod in nemoribtu 



240) N. H. XVIII, 3, 4. Minutius AuguHnui, qui Sp. Melium co- 
arguerat, farris pretium in trinis nundinis ad aasem redegit unde- 
ci/nus plebei tnbunus, qua de causa statua ei extra portam Trige- 
minam a populo stipe collata statuta est. Er wird L. Minueius ^e- 
aaont von Liv. IV, 8. L. Minueius bove aurato extra portam Tri- 
geminam est donatus ne plebe quidem invita, quia frumenium Mae- 
lianum assibus in modios aestimatum plebi divisit. , wo von jeber 
die Richtigkeit der Worte bove aurato mit Äecht bestritten worden ist. 
Dass Minueius Praofectas aanonae war, sagt ders. eap. i%. ZweifeU 
haft ist es aber, ob in einer zweiten Stelle PI i nius von demselben 
Manne und derselben Auszeichnung spricht. XXXIV, 5, J]., wo von 
Ehrensäulen (coLumna Maenia, rostrata u. s. w.) die Rede ist: item 
P. Minu4:io praefecio annonae extra portam Trigeminam unciaria 
stipe collata. Es scheint nicht notbig, eine Verwechselang der Vor- 
namen und der columna mit der statua aaznoehmen; sondern man 
möchte glauben, das Verdienst des Ahnherrn habe in der Familie der 
Minucier fortgeerbt, worauf die von Fiale, Porte del Aventino. 
p. 17. angerührten Münzen der gens Minuoia hinweisen. Und so ist 
es auch in keinem Falle znfiUlig, dass die Porti cns Frumenta- 
ria, wenn auch nicht vor der Trigemina, ebenfalls von einem Minu'- 
cius erbaut wurde. V eil ei. II, 8. V^as übrigens Piale über dieses 
Thor schreibt, das enthält mehr als «inen lächerlichen Irrthum. 



166 

Naeviü. etenim hoH^ nbi ea^ sie dteta^*^). DeindB Porta 
Raudnscula ^ quod aerata fuiL — Hint Lävernalis 
ab ara Lavtmae , ^iMd ibi ata 9iuB, Es hängt nun Alles 
davon ab, wie man sich die Richtung denkt, weicher Varro 
bei der Verzeichnung der Thore folgt ; ob man ihn vom Aven* 
tin oder vom Caelius ausgehen lässt. Die itatiänischen Toj^ 
grapben (Nibby, Canina, Piale, und mit ihnen Sach* 
s e) nehmen an , er komme von der Porta Capena am Cae-^ 
litts, so dass diesem Thore am nächsten die Naevia gelegen 
habe. Diese Ansicht ist indessen wahrscheinlich irrig ; denn 
obgleich der vorhergehende Satz nur ein Fragment ist) so sieht 
man doch, dass unmittelbar vorher von einer Stelle des Aven- 
tin gesprochen worden war, und dass in Bezug darauf def 
Wohnung des Ennius gedacht wti'd, welche auf dem Aventin 
war^^). Damit stimmt auch am besten überein, was von des 
Valerins Disposition der gegen die Etrusker aufgestellten 
fleerbaufen erzählt wird ; wonach der eine an der Cotlina, der 
«andere an der Caelimontana , der dritte an der Naevia stand* 
l<et«^tere würde nun nach der Annahme der Italiäner der Cae* 
limontatia viel zu nahe gewesen sein, während es wahrschein^ 
lieh ist, dass die Haufen in ziemlich gleicher Entfernung auf^ 
gestellt waren. Daher scheint Bunsen richtiger anzunehmen, 
dass die Naevia dem Aventin, die Lavernalis dem Cae- 
lius am nächsten gewesen sei. Am Aventin selbst aber bat 
die Naevia nicht gelegen, wie sich mit Gewissheit daraus 
ergiebt, dass sie in die XII. Region (Piscina publica) gehörte. 



^i\) So scbeiot i^eleseo werden zu niUseo. Spoof^el bat nao^ 
dem Fior. uod Havo. drackea lassco : Sequitur Porta Naevia quvd in 
nettiQribus, {Naeviun etenim hea, ubi ea) sie dicta. Das hat indes- 
aea keinen Sinn. Die alten Ausgaben mit der princeps haben NevüM 
#der ßfaeviis , und das ist das Richtige. Varro's Aosdnicksweise ist - 
es ganz angemessen zu verbindea: Porta Naevia, quod in newtoribuM 
Naeviis, etenim sie dicfa looa , ubi ea (porta). Daher ist Spengela 
von Müller aufgenommene Coajectur: in nemoribus NaeviiSj Naerii 
etenim etc. ganz überflüssig. Die nemora Naevia neaat aacb Fest, 
p, 169, Erwähnt wird das Thor aacb von Inl. Obseq. 104. 

AT) Hier 0. €hron. Ol, 134. t. J. p. 369 Roocalli. Q. Bnnitm 
poettt Taronti naseitur^ qui a Catone quaesiore Rommn trtmsUcha 
habitavii in tnohte Aventino paroo ädmodum sumtu eomtmtu^ ßt 
l^nius anaOfH mini$teri9* 



167 

DeBn die Basis Capitolina nennt in dieser Region einen 
Vieus portae Naeviae, so wie einen zweiten portae 
Raudusculanae. Da man nnn noth wendig annehmen mass, 
dass durch das Thal zwischen dem Aventin und S. Saba eine 
Strasse geführt habe, so ist es sehr wahrscheinlich, dass die 
Porta Naeyia hier in der Tiefe lag. Ob dann dieRan- 
dasculana^'^3) mitCanina auf die südliche Kante des Hü- 
gels (S. Saba gegenüber) und die Lavernalis^) über die 
westliche Ecke der Caracalla- Thermen, wo das Znsammen« 
treffen mehrerer Strassen jedenfalls einen alten Aufgang an« 
zeigt, zu setzen sei, oder ob an letzterem Orte, wie Buns en 
glaubt, die Raudnsculana, die Lavernalis hingegen 
bei Sta. Balbina war, muss unentschieden bleiben ; doch scheint 
die erstere Ansicht natürlicher. 

Die Tliore am Caelius. 
Capena. Caelimontana. QuerqueltUanal 

Der Punkt, wo die von S. Balbina herabsteigende und 
das Thal durchschneidende Mauer den Caclius erreichte, lässt 
sich mit ziemlicher Genauigkeit aus der Lage der Porta Ca- 
pe na nachweisen und auch darüber ist kein Zweifel, dass sie 
an der Südseite des Berges auf der Höhe hinzog. Dagegen 
lässl sich ihr weiterer Fortgang bis zum Walle zwar nur ver- 
mulhungsweise, jedoch mit Wahrscheinlichkeit angeben. Als 
feststehend ist anzunehmen, was Piale-*^) und Bunsen gcr 
zeigt haben, dass der Lateran und mithin auch die Villa Gin* 
stiniani (Massimi), so wie das kleine Tbal, durch welches die 
Via Merulana fuhrt, ausserhalb der servischen Befestigungs- 



!^43) Das Thor wird nar in BezDg auf den Namen erwlhnt. Fe« 
8tus (Paul. Diac.) folgt Varro*s ErkläniDu^. Anders Valer. Max. 
V, 6, 3. 

44) Aach die Lavernalis wird nur noch von PanI Diac. p. It7. 
Laverniones, i^euanot. 

45) Delle parle meridionali etc. Rom. 1634. (18!23) p. 5. Bub- 
sen, Beschr, i. S. 637. 111. A. p. 477 ff. Anders, aber gewiss irrig, 
nrtheilt Caoina, Indiea», tapogr, p. IS. S. den ▲baehii. über den 
C a e li u s. 



168 

linie liegen. Dann leuchtet es ein, dass die Mauer in der Nähe 
des Ospedale di S. Giovanni und bei SS. Pietro e Marcelliuo 
vorbei am westlichen Rande jener nicht bedeutenden Vertie- 
fung hin nach dem südlichen Endpunkte des Walles lief, und 
dieser Linie entspricht auch die wahrscheinliche Lage des 
Thors , welches allein mit Sicherheit auf dieser Strecke an- 
genommen werden kann. 

Was nun zunächst die PortaCapena, eines der be- 
rühmtesten Hauptthore anlangt, so ist es schon an sich ein- 
leuchtend , dass sie nicht auf der Höhe des Caelius , sondern 
am Fusse desselben liegen musste , da sie die Hauptverbin- 
dung mit den Thälern zwischen Aventin, Palatin und Caelius 
machte. Es ergiebt sich aber die Gewissheit der tieferen 
Lage daraus, dass über sie, wo nicht die Aqua Appia, doch 
eine Abtheilung der Marcia, der Bivus Herculaneus , geleitet 
war, von dem ausdrücklich gesagt wird, dass er als tiefer 
geführt dem Caelius selbst nichts abgab ^*^), Für die ge- 
nauere Bestimmung aber der Stelle , wo das Thor stand , ist 
erstlich von grosser Wichtigkeit die Thatsache, dass nahe an 
der Stadt sich dieViaLatina von der Appia, welche von 
der Porta Capena auslief, trennte '^^). Dieser Trennungspunkt 
ist nun noch heute zuverlässig ohne Veränderung derselbe, 
zwischen SS. Nereo e AchiUeo und S. Cesareo, wo die La- 
tina, die Appia rechts lassend, auf die Porta Latina der au^ 
relianischen Mauer zuläuft. Das Thor lag also nothwendig 
noch weiter nach innen als die erstere Kirche und noch ge- 



246) FroDtia. de aquaed. 19. Marcia autem partem sui post 
hortos Pallantianos in rioum, gut vocatur Herculaneus , deiicit: i$ 
per Coelium ductus, ipsius montis usihu* nihil, nt injerior , submi- 
nittrans ßnitur 9upra portam Capenam. Daraaf bezieht sich II a r - 
tial. UI, 47. 

Capena grandi porta qua pluit gutta» 
und iQvenai. 3, II. 

Suhstitit ad veteres areus madidamque Capenam, 
wozu der Scholiast sa^t: quia supra eam aquae ductus est, quem 
nunc appellant arcum stil lantem, Primum enim usque ibidem 
fuerunt portae, quae (qua?) ^orfa Capena vocabatur. In seiner Zeit 
la; freilich die Capena im Innern der Stadt. 

47) Strabo V, 3. p- W7. "ji^xerat 8k (ij Aarit^) anb r^^'jinw 



169 

naiier ergiebt sich die Stelle durch die Auffindung der ersten 
Meilensäule der Via Appia«*»), in der ersten Vigna rechts 
vor Porta S. Sebastiane (Vigna Nari). Misst man die Ent- 
fernung von dieser Stelle, so erhält man für die Porta Ca- 
pe na einen Punkt unter Villa Mattei, etwa Sta. Balbina ge- 
genüber. 

Unzweifelhaft ist es, dass etwas weiter östlich, wo man 
Villa Mattei links lassend zwischen S. Stefano rotondo und 
Sta. Maria in Domnica (della navicella) zur Höhe aufsteigt, 
sich ebenfalls ein altes Thor befunden haben wird, wie denn 
auch in der aurelianischen Mauer ihm die Metronia entspro- 
chen zu haben scheint; allein seihen Namen kennen wir 
nicht; denn der von Nibby und Piale darauf bezogene, 
Porta Ferentina, ist nur entweder aus einer falschen 
Lesart oder Missverständniss hervorgegangen^'). Demnach 
ist das nächste bekannte Thor die Porta Caelimontana. 
Wenn auf der einen Seite die östliche Lage des Thors sich 
aus der oben aus Livius (II, IL) angeführten Stelle un- 
zweideutig ergiebt, auf der anderen gewiss scheint, dass der 
Lateran ausserhalb der servischen Mauer zu denken ist, so 
giebt die Richtung der Via di SS. Quatro coronati, welche 
sich als die alte Caput Africae genannte Strasse erwei- 
set, sehr bestimmt die Lage der Caelimontana bei dem 
Ospedale di S. Giovanni an. Vgl. den Abschn. über den 
Caelius. Von da durchschnitt die Mauer das Thal, wel- 
ches den Caelius vom Esquilin trennt und in dieser nach dem 
Colosseum hin führenden Tiefe wird von allen neueren Topo- 
graphen in der Nähe der Kirche SS. Pietro e Marcellino die 
einige Male ohne nähere Bestimmung genannte Porta Quer- 
quetulana oder Querquetularia angenommene^), Dass 



?i8) Jetzt an der Balustrade des Anfj^ang^s zum Capitolplatze auf- 
gestellt. 

49) S. was unten über die zweifelhaften Namen gesa^^t wird. 
Dass der Name untergegangen, kann nicht befremden, da es kein 
llanptthor sein konnte, sondern nur eine Verbindungsstrasse aus ihm 
fahrte. 

50) Plin. XVI, 10, 15. Silvarum eerte duHnguehatur intigni- 
kus (Roma). Fagutali love eiiam nunc^ übt lucus fageus ßiit; porta 



170 

wenn ein Thor diesen Namen führte, es am Caelius m sncfaea 
sei, ist darum wahrscheinlich, -weil der Berg selbst in alter 
Zeit Querquetulanus geheissen haben soll, und in diese 
dem Esquilin benachbarte Gegend weiset allerdings hin, was 
Yarro L. L. V, 8. p. 34. sagt: Secundae regionü Ewqui* 
liae, aln has scripsere ab excubüs regts dictas; alü ab eo, 
qtiod excultae a rege Tullio esseni. Hute oHgini magis con- 
cinunt hca vieini (?), quod ibi iucus FacuUth's et Lamm 
Querquetulanum sacellum et lucuß Meßtis et lunanfs 
laicinae etc. Yarro meint nämlich, Servias Tallios habe zu- 
erst den früher mit Wald bewachsenen Hügel bebaut ; daher 
stammten noch die vielen benachbarten Haine. Will man nun 
das Sacellum Larum Querquetulanum und das Querquetum 
der Querqttetulanae virae bei Fes tu s mit dem Namen des 
Caelius, Mons Querquetulanui^ combiniren, so muss man al- 
lerdings an den dem Esquilin zugewandten Abhang denken. 
Allein die Existenz einer besonderen Porta Querquetu- 
lana ergebt sich daraus mit Gewissheit keinesweges. Denn 
auch die Caelimontana liegt ja ganz nahe dem Abhänge, 
von dessen Eichenwaldung man den Namen herleitet und wenn 
der Caelius selbst Querquetulanus hiess, so ist es ja doch das 
Natürlichste, dass auch das nach ihm benannte Thor in alter 
Zeit statt Caelimontana Querquetulana genannt wurde. 
Will man aber geltend machen, dass eine Yerbindung nach 
aussen durch das Thal doch am nächsten gelegen habe, so lässt 
sich entgegnen, dass sie eben entbehrlich war, wenn Wald 
den Ausgang des Thals lullte. So viel wird man daher zuge- 
stehen müssen, dass die Existenz einer PortaQuerquetu- 
lana bei SS. Pietro e Marcellino keinesweges eine Gewiss- 
heitist; denn dass es noch in PI in ins Zeit ein Thor dieses 
Namens gegeben habe, geht aus seinen Worten durchaus nicht 
hervor, und selbst wenn das etiam nunc darauf bezogen werden 
müsste, wäre dadurch die Yerschiedeuheit von der Caelimou- 



Querquetulana etc. Fest. 26 1 . Querquetulanae virae puiantur 
Mign\ficari nymphae praetidentet querqueto virescenti , quod gemue 
liivae indieaut fuüss mira partam^ quae ab eo dieta sii Querque- 
tuiaria. 



171 

tana nkhl erwiesen. Werden ja doch auch von anderen Tho» 
ren, wie der CoUina, noch andere, aber auch nur alte nnge» 
bräuchliche Namen angeführt. 

Der Wall und seine Thore. 
Esquilina. Fhninalis. Colt f na. 

Der nnbeachiilzteste und künstlicher Befestigung bedürf- 
tigste Tbeil der Stadt war die östliche Seite, wo die vereinig- 
ten Rücken des Esquilin, Yiminal und Quirinal allmählich in 
die Ebene ablaufen. Als daher Servius den Esquilin und Yi- 
minal zur Stadt zog, suchte er diese schwächste Seite durch 
eines der giössten noch in später Zeit bewunderten Werke zu 
sichern. Ihm wird dieses Werk von den Geschichtschreibern 
(s. S. 127.) so einstimmig zugeschrieben, dass wenn Plinius 
N. H. HI, 5, 9. sagt: Claudiiur ab griente aggere Tar- 
guinii Superbiy tnter prima opere mirabili*, man zwei- 
felhall wird, ob Tarquinius erst den Bau beendigte , oder ob 
die gegen Gabii gerichtete verstärkte Befestigung Veranlassung 
geworden, dass das ganze Werk ihm zugeschrieben wurde ^*^). 
Die Ausdehnung des 50Fttss breiten Walls, der eine mit Thür- 
men versehene Mauer trug und unter sich einen über 100 Fuss 
breiten und 30 Fuss tiefen Graben hatte, wird uus nur durch 
die an den Endpunkten gelegenen Thore, Esquilina und 
Colli na, bezeichnet, die von einander sechs oder sieben Sta- 
dien entfernt angegeben werden ^^). Die Zerstörung der Zeit 



!t5l) Diofl^s. IV, 54. «al r^g TtoltnH t« ngot tovc Feißiovg (f>4^ 
QOircft Tov ntQißoXov dia noXvxitoiag i^utfvQov, ratf^ov opv^auivoQ £v« 
Qvri^av Hai reixog ävsysi^as v^fnjXoviQov , xal nv^ots StaXafiiov to ;fah» 
^ioy irvtcvoriootQ. Was seit MftHiaei besonders Nardini aod Veonti von 
einem doppelten Walle und einer Porta inter ärgeres getriLamt 
haben, bedarf nach dem von Nibby, Mura äi Romm. p. \2\ f. p. 217., 
von Piale, Delie porte — nella parte Orientale di Roma, p. 7 ff* 
nod Sachse, Gesch. d. St. Rom, I. S. 17t. dagegen Bemerkten kei- 
ner Beräcksiphtigung mehr. Vgl. Niebahr, Rom, Geseh. 1. S. 436. 
(3. Ausg.). 

52) Dionys. IX, 68. «V Si xtaglov^ o r^e noXeotg iittfiaxi&ratov 
tOTi¥ , ano T(3v 'JSottvXirwr %akov fiivwv ^vkwv fiix^*^ vwv 
Kokklvenf, %ti(^onov^ttttg lavlv oj^qov, reupffog re ^or^ o(»fi»(»vjcra* 9r(»o 
a«rov, itk&tog^ 17 fl(fetx^ncr^, pulCiav enat^r noSwr, kcU ßet&og iovlv av» 
TV9 T^^OMowimow tit^og d* vne^etpioTtfne rijg rwp^ov ^»futr* 9vve%e^ 



172 

hat auch dieses gewaltige Werk grösstentheils verschwinden 
lassen; doch sind noch sehr deutlich erkennbare Reste beson- 
ders in der Nähe der Thermen Diocletians und Villa Negroni 
vorhanden **^). 

Hinsichtlich der auf dieser Linie gelegenen Thore haben 
i%ir grössere Gewissheit als auf irgend einer anderen Strecke, 
und zwei derselben gehören zu den wichtigsten und bekannte- 
sten des alten Rom, die fisquilina und die Collina. £r- 
stere, dem Caelius zunächst gelegen, lässt sich mit Sicherheit 
bestimmen. Wir wissen durch Strabo, dass aus ihr die Via 
Praenestina und die Labicana ausgingen und daraus 
folgt nothwendig, dass das Thor in der Nähe von S. Giuliano, 
oder S. Vito , wo der Arcus Gallieni, oder doch entschieden 
zwischen Sta. Maria Maggiore und den sogen. Trofei di Mario 
liegen musste. Allein die gewissere Begründung dieser Be- 
stimmung lässt sich nicht von der weit schwierigeren Erörte- 
rung der Thore, welche der Esquilina in der aurelianischen 
Mauer entsprachen, trennen und kann daher erst weiterhin 
gegeben werden. — Für die Steile der Collina giebt ent- 
schiedene Gewissheit, dass aus ihr, wie noch überdiess aus- 
drücklich Strabo ^-^) berichtet, zwei Strassen Salaria und 
Nomentana führten. Sie muss also über dem nördlichen 
Winkel der Diocletians-Thermen an dem Vereinigungspunkte 
der beiden Strassen (Via di Porta Salara und Via di Porta Pia) 



fievov ivSod'ev vxfjtjXd^ %al irXaTtt, otov firjre xgioiS Maraanad^vai, jWjJre 
vTTOQVTTOfiivojv Tuiv <&tfiikivji^ OLvaTQaTtijvai, TOüvo xb xwqiov Itit a fniv 
ioTi fiakiaxa *7ri fiTJxog axaS lotv , irevTTjxovra St noSmv t6 nki" 
TOS. Damit verg^leicbe man Strabo V, 3. p. 234. der, uachdem er 
vuu der uozureicheaden Befesti^ug durch die früheren Köniffe f^e- 
sprochen bat, fortfährt: "HXsy^e Se ^e^ovioe t^v ixXtitpiv avs7riij(fuiae 
yüt(f nQosd'sls %6v ze ^HanvkXvov kotpov xoU rbv Ooi'fA,ivd}^iov' Mal xavta 
o* tvitpoSa xois i^ay&iv iaxr Sione^ xcupQov ^a&eiav o^v^avres CiV x6 
fitos iSiiavxo xfjv yffV, xtü i^ixeivav oaov iiaaxaüiov %uifia tnl 
xij trxbs 6q>(^v& xijs xwf(iOv %al tnißakov xti%oi mal Ttv^yovs an 6 xiji 
KokXlvrj9 vvXys fiixQ*' '^V^ *IIaxvXlvag. 

253) Genauere Angaben darüber s. bei Bnnsen, Beschr. d, Si» 
R, I. S. 640 ff. 

5i) Strab. V, 3. p. 228. ^ox^wtoi Se Si' ayxwv {SSaßlvtov) ^ 
Tt JSaMLffla 6S6s ov nolXrj ovaa, tle rjv uai 17 Nutfievtav^ avfntijixBi naxa 
"IjQffXov xf/g JSaßiinjg nu/mrjv vntQ xov l'ißiQ^ojg xsifidyyv, vni(f x^s avx^g 
nv^g iifxofUvtj x^g KoAXivtjg, 



173 

etwa da, wo der Anfang der Via del Maecao, gestanden ha* 
ben. Sie soll auch Agonensis und, wie es scheint, auch 
Quirinalis genannt worden sein^^^). — Ausser diesen bei-* 
den die Grenzen des Walls bezeichnenden Thoren wird noch ein 
drittes in der Mitte des Walls, an dem Viminal gelegenes ge- 
nannt, die Porta Viminalis. Strabo sagt a. a. 0. ans-* 
drücklich: vno /tiio^ ih tw yw/tiaTi vqIttj' ioTl nvk^ 
ofMwwfiOS TAI OvipivaXm X6(pm. Sie wird ausserdem nur 
.noch von zwei Schriftstellern erwähnt'^); allein auch ihre 
Stelle lässt sich mit vieler Sicherheit angeben. Sie ist bezeich- 
net durch eine an der rechten Seite der Diocletians- Thermen 
vorbei gerade auf den Wall zu führende alte Strasse , welche 
verlängert auf das verschlossene Thor in der aurelianischen 
Mauer zulänfty das unstreitig der Viminalis entsprach. Wenn 
man daher vom Ende der Via di Strozzi an der südlichen Ecke 
der Thermen eine gerade Linie nach der Porta chiusa an den 
Castris Praetoriis zieht, so trifft dieselbe (in Villa Negroni) 
auf die Stelle des Walls, wo die Viminalis stand und wo' 
noch der Einschnitt bemerklich ist. Genau in der Mitte des 
Walls liegt nun freilich dieser Punkt nicht ; denn der südliche 
Theil, der in der Nähe der Esquilina, etwa hinter S. Antonio 
Abbate, endigt, ist um ein Beträchtliches länger, aber so ge- 
nau sind auch Strabo's Worte vno /tiiaia t£ j[ißfAaTi nicht 
zu nehmen. 

Je entschiedener sich nun aber aus Strabo's Beschreibung 
ergiebt , was auch Nibby geltend gemacht hat und jedermann 
leicht einsieht, dass am Walle mehr als drei Thore durchaus 



255) Paul. Diac. p. 10. (Af^oniam) hinc Romae motu Quirina- 
lis j4gonut et Collina porta Agonensis, p. 255. Quirinalis 
porta diclo sive quod ea in collem Quirinalem itur, seu quod pro- 
xime eäm est Quirini sacellum, P i a l e , del seeondo recinto di R^ma. 
p. 12. und delle porte settentrionali. p. 12. hat sich durch ielttere 
Stelle veranlasst gesehen , ein von Nama herrührendes Thor dieses 
Namens , sndiich am Quirinal anzunehmen. S. daröbef den Abschn. 
aber den Quirinal. 

56) Fest. p. 376. Fiminalis et porta et eollis appellantur, 
quod ibi viminum fuisse videtur silva, ubi est et ara Jovi Fiminio 
consecrata. Vgl. Paul. Diac. p. 163. Frontin. de aquaed. 19. 
(luUa, Tepnla, Marcia) Quae ad libram eollis Fiminalis eoniunetim 
infra terram euntes ad Fiminalem usque portam deveniunt 



174 

nicht lagen, um so mehr muss man sich wundein, dass manche 
Topographen gerade hier eine un^attbliche Zahl von Thoren 
haben annehmen können. Denn um derer nicht zu gedenken, 
welche anf dieser Seite noch eine rein erdichtete Porta in- 
ter aggeres, eine Gabiusa oder auch Sabiusa suchten, 
hat doch auch Pia le nicht Anstand genommen, auf der kur* 
Ken Slreoke des Walls neben den drei Thoren Strabo^s noch 
drei andere, Metia, Collatina undCatularia Platz fin- 
den zu lassen ^^7). Alle diese Namen, in wie fern sie servi- 
sehe Thore bezeichnen sollen, beruhen auf falscher Lesart 
oder Missverständnissen und werden gleich näher geprtifl 
werden. 

Falsche oder zweifelhafte Namen* 

An der Verwirrung, welche in diesem, die Thore betref- 
fenden Theile der römischen Topographie bis auf die neueste 
Zeit geherrscht hat, so dass jeder Plan verschiedene Thore 
und die gemeinschaftlichen oft an verschiedenen Stellen zeigt, 
hat nicht geringen Antheil der sorglose Glaube, dass alles, 
was von alten Schriftstellern mit dem Namen porfa belegt 
wird, ein wirkliches Stadtthor gewesen sein müsse. Dane- 
ben bat man auch wenig beachtet, wiewohl die verschiedenen 
Benennungen der CoUina darauf hinweisen konnten, dass ja 
ein und dasselbe Thor ausser seinem ursprünglichen Namen 
im gemeinen Leben noch einen zweiten haben konnte ; dass 
auch vielleicht Namen veralteten und neue dafür aufkamen, 
die nun neben den früheren zweideutig dastehen. Dadurch hat 
sich die ohnehin nicht geringe Zahl der servischen Thore be- 
deutend vermehrt, während doch eine Vergleichung mit den 
wenigen Ausgängen der um so vieles erweiterten Stadt Au- 



257) Delle porle del recinto di Servio Tullio nella parte orten* 
tale di Roma. etc. Rom. 1833. (1820) p. 15 ff. Was er zur £o^ 
sehaldi^og anrährt: dass bei den Römera maiLehc Thore ausdrücklich 
%a. goUesdieostUcbea HaodlnDgea bestimmt gewesen seien, oder doch 
davon' ihren Namen erhalten hätten, enthält eine Lächerlichkeit. Min 
gen an manchen Thoren gewisse Sacra gehaftet haben ; aber van wird 
doch nicht Thore gebaut haben, am daran sa opfern 1 



175 

relians gegen eine so angemessene FVeigebigkeit hätte be* 
denklich machen sollen. Vergleicht mau die Haoptstrassen, 
welche von Rom aasgingen, so findet man in älterer Zeit nar 
etwa 9 oder 10, and für diese genügten, 'da aus der Capena, 
Esqoilina and Collina mehrere Strassen (7) führten , 5 oder 
höchstens 6 Thore vollkommen. Alle übrigen konnten also nur fiir 
Communicationswege bestimmt sein , und wenn nun auch die 
Beschaffenheit des römischen Bodens eine ungewöhnliche Ver- 
mehrung derselben nöthig machte, so ist doch eine ZaU von 
19, wie Bansen, oder gar 23, wieNibby undPiale, je- 
der in anderer Weise, annehmen, für eine 5 bis 6 Millia pas- 
suum im Umfang haltende Mauer allen Glauben übersteigend.-— 
Dass aber der Name porta nicht immer von einem Stadtthore 
verstanden werden müsse ^^^), das beweisen zahhreiche Bei- 
spiele, wo andere Durchgangs- oder Eingangs-Bogen eben so 
benannt wurden. Das gilt z. B. von der bekannten Porta 
Stercoraria ^^) am Clivus Capitolinus; der Libitinen- 
sis im Amphitheater^^); femer gehört dahin die Fene- 
Stella®^), bei der man unbegreiflicherweise auch an ein Stadt- 



25S) Serv. z. Aen. I, 87. sagt: Omnis exihu vel introitus porta 
dicitur, quasi qua potest vel importari, vel exportari aliquid. 

59) Fest. p. 344. StercuM em aede Fettae XFH KaL lul. de- 
fertur in angipartum medium fere clivi Capitolini , qui locus elat^ 
ditur porta Stercoraria. Vgl. Varro L. L. VI, 4. p. 313. 

60) Das« es im Anphitheater ein Thor gab, welches Porta Li- 
bitioeosis geoaaot wurde, bat schon Lipsivs, Saturn-. II, 22. 
gezeigt. Es ergiebt sieh mit Gewissheit ans der Vergieichuag des von 
Dio Cass. LXXlI, 31. berichteten Anzeichens vom baldigen Tode des 
Commodus. on «v r^ raiavTeti^ Vl*^9^ (der vierzehatKgigen Spiele) xo 
it^avos avTOv nttxa rag nvlas, »a^ Hg o£ TtXivrwvteg tHtpi^ovra*, *£«- 
KOfiia&tf, mitLamprid. €ommod. 16. Galea cius bis per porlam 
Libitinensem data est. Vgl. Quint. Docl. 9, 6. Plin. XXXVII, 
3, II. Wenn dagegen XXXVI, 5. n. 36. apud Cireum eundem ad 
Labioanam portam eunti. von Nibby das aasinnige Labicanam por- 
tarn ia Libilinae verwandelt wird, so ist dagegen zu erinnern, dasa 
es im Gircns (aoch B n d s e n III. A. S. 635. irrt darin) schwerlieh ei» 
solches Thor gab. Vielmehr sind die Worte ad Lab. — euuti mit 
Recht gestrichen worden. 

61) Der Name wird von den Alten ans der Sage von den gehei* 
men Zusammenkünften der Fortuna mit Serviua TuIUqs hergeleitet. 
Ovid. Fast. VI, 569. 

Jrsit enim. magno eorrepta -eupidine rogis^ 
Caeeaquo in hoe uno non fuit iila viro t 

Nocte domum parva solita est intrare fenestrap 
Und§ Fenestellae nomina porta tmaL 



- — 176 

thor oder Pförtcheii gedacht hat; dahin eben die Triumpha- 
lis und die lanualis; die vom Volke mit falschem Namen 
genannte Porta Rom an a (s. S. 115.) bei den Gräbern der 
Cincier, und gewiss noch mancher Bogen ,2.6. von Wasser- 
leitungen^ der über einer Strasse stand ^^^), Auch von den 
auf unserem Plane angegebenen 17 Thoren bleiben mehrere 
zweifelhaft und es lässt sich die Zahl bis auf 14 oder 15 ver- 
ringern ; indessen lässt sich daraus, dass Yarro auf der nicht 
bedeutenden Strecke vom Aventin zum Caelius drei Thore an- 
fuhrt, allerdings schliessen, dass die servische Mauer ausser 
den Hauptthoren nicht wenige andere Ausgänge hatte, wel- 
che man griechisch eher mit dem Namen nvXls ^Is nvXfj 
nennen würde. 

Die fünf Thore aber, welche ausser den schon genann- 
ten von Piale und zum Theile auch Nibby noch zwischen der 
Capena und Collina angenommen werden, verdanken ihr Da- 
sein entweder falschen Lesarten, oder einem Missversländ- 
nisse, oder es fehlt endlich so gänzlich an jeder näheren An- 
deutung über sie, dass man sich jeder Meinung enthalten 
muss. Der erste Fall gilt von der Porta Ferentina, wel- 



Mao sieht schon hieraus, dass von nichts weniger als von einem Thore, 
auch nicht von dem Tempel der Göttin (Merk. p. CLIII.), sondern 
von der Wohnnng des Königs- die Rede ist. Aber weitere Auslcnnft 
giebt Platarch. de fort. Rom. 10. wäre xal aweivat 8oxHv avrt^ 
Tijv J'ujmv Sm Tivo^ S'v(ftSo€ xarotfiaivovaav ig t6 Sütfidriov, o vvv 
0eveoT4ÄXav rrvXyjV naXovoiv, und Qnaest. Rom. 36. Jia tL nvXi^v 
lilav '&vQiSa xaXova& (r^v yäg tpatviargav tovto aiifjtaivtiv)^ xal jra^* au- 




Demangeachtet 

dem Navalia, delle porte Navale e Finestrale etc. Rom. 1833. (1830.), 
die Fenestella zu einem Stadtthore in der jenseitigen Mauer, der Car- 
mentalis gegeuiiber, gemacht. 

U%) So ist wahrscheinlich eben die Porta Romana •.,«** e» 
epUtylio deßuit aqua'* zu erklären und eben so Marti al. IV, 18. 

Qua vicina pluit f'ipianU porta eoiumnu. 
Bekanntlich wurde, wo Wasserleitungen über Hauptstrassen ^'"Sen, der 
Bogen ansehnlicher erbaut und erhielt gewöhnlich eine ln»ch"»l;, Der 
Art sind Porta Maggiore, der Arcus Dolabellae a. s. w. vgl. Fiale, 
Delie porte meridionali. p. 5- 



177 

che Nibby und Piale an den schon oben besprochenen Aiif- 
gSLüg zum Caelius (nach Sta. Maria della Navicella) setzen. 
Der Name findet sich bei Plutarch, welcher eraählt, wl« 
Romulus nach der Ermordung des Talius wegen der verhee- 
renden Pest, welche Rom und Latium betraf, und anderer Zei- 
chen des göttlichen Zorns die Städte (Rom und Laurentum) 
sühnte. Rom. 24. xal ua&aQ/uotg 6 'Pta/iivXos tjyvioe rri«: 
noAeiSß ovg in vvv Iotoqovüiv in\ v^s ^bqbvtiv^q 
nvXfjg avvT€Xcta&ai. Man kann es nun fast zu den Un- 
möglichkeiten rechnen, dass ein Sühnopfer, welches dem neu 
entstandenen Rom und einer altlatinischen Stadt galt, an ei- 
nem Thore zu Rom gebracht worden sein sollte ; und wo hatte^' 
die Stadt des Romulus eine Porta Ferentina? Noch wenijjcr^ 
Sinn aber würde es haben, wenn man annehmen Mollte, das^ 
Opfer sei erst nachher an dieses Thor verlegt worden. Da- * 
gegen ist es bekannt, dass die Zusanimenkünile der latinischen 
Städte, die auch von Rom beschickt wurden, an einem gemein- 
schafUichen Heiligthume, wohl in der Nähe des Albanersees, 
im lucus Ferentinae (Liv. I, 50. 52. VII, 25.) oder ad Ca- 
put aquae Ferentinae (Liv. I, 51.) oder caput Ferentinum 
(Liv. II, 38.), iv ^€Q€VTtvM (Dionys. TV^ 45.) gehalten 
wurden. Daher hat schon Doujatius bei Plutarch zu lesen 
vorgeschlagen inl rijß ^6Q€v%ivfjQ vXt^ey Cluvcr: niy-^ 
^^g 263^, JUjiQ könute allenfalls annehmen , dass an jenem 
Haine ein solches Thor gelegen habe ; aber gerade in Plutarch 
hat die Unrichtigkeit der Schreibart mehr Wahrscheinlichkeit 
für sich. — Piale«*) hat sich übrigens nicht mit einem Thore 
an jener Stelle begnügt. Festus nennt eine Porta Pia- 
cularis. p. 213. Piacularis porta appellatur proptet* aliqua 
piacftla^ quae ibidem ßebant. Natürlich haben diese piacuia 
auf das Sühnopfer an der Ferentina bezogen werden müssen ; 
nicht aber als habe das Thor beide Namen gehabt (denn dage- 
gen erklärt er sich ein für alle Male «^)), sondern er nimmt 



263) S. Drakenborch z. Liv. IT, 38. 

61^ Delic porte meridionali. p. 11. 

65) Degli antichi arienaii defti Navalia, p. 15. 



12 



178 

ernstlich an, die Piacularis sei unmittelbar neben der Feren- 
tina lediglich für das Opfer erbaut worden. Solche Unge- 
reimtheiten bedürfen keiner Widerlegung. Nibby^««) setzt 
die Piacularis zwischen die CoUina und Salutaris, nur weil 
er eben keinen anderen Ort für sie hat. Richtiger ist es je- 
denfalls I zu gestehen, dass wir überhaupt von diesem Tbore 
nichts wissen, nicht einmal ob es ein besonderes Stadt- 

thor war. 

Eben so beruht der Name PortaMetia, eines Thors, 
das Nibby zwischen die Querquetulana und die Esquilina, 
Piale in den Wall zunächst an der Esquilina setzt, nur auf 
ein Paar falschen Lesarten in Pia u tu s, wo er nur von den 
Herausgebern erdacht ist^^). — Dagegen wird uns wirklich 
eine Porta Catularia genannt. Paul. Diac. p. 45. Ca- 
tularitt porta Romae dicta est^ qtäa non longe ab ea adpia^ 
candwn Canioulae sidus Jrugibus inmicum rvfae canes im- 
molabantur^ ut fmges ß4ive$cenies ad maiuritaiem perduce- 
rentur. Es ist schon von den älteren Topographen bemerkt 
worden, dass sich diess beziehe auf das Opfer, welches der 
Flamen Quirinalis im lucus Robiginis dem Robigus brachte. 
Das geschah, wie wir aus den Fasten mit Bestimmtheit wissen, 
am fünften Meilensteine der Via Claudia ^^)^ und es ist daher 



r ^Mi) Mura di B^ma, p. 145. An den AoPj^tni^c naok Sta. Sosano«. 

67) Plant. Gas. IF, 6, :2. Pseud. I, 3, 97. Id beiden Stellen 
kennen die Handschriften einen solchen Namen {^ar nicht. Er ist für 
inner beaeitifft dnroh Ritschi, Index seholarum Q4$t, 1849. 

68) Es findet allerdings , wie schon von Nibby nnd Bnnsen be- 
merkt worden i»t, ein seltsam scheinender Widerspruch zwischen den 
beiden Notizen, welche ans neben Paulas über die Feier der Robigalia 
erhalten sind,' Statt. Bei Ovid. Fast. IV, 905. wird das Opfer und 
der Lneus Robigiois mit der Via Nonentana in Verbindung gebracht: 

Uac miki Nemento Romain cum fuce rßdirem^ 
Obttitit in media Candida turba via. 

Plameu in antiquae lucum Hobiginit ibat 
Exta canit ßammis, exta daturus ovis» 
Dagegen ist in den Fastis Prae n estio is . VII. Kai. Mai. beige- 
schrieben : FERUB. ROBIGO. VIA. CLAVDIA. AD. MILIARIVM. V. 
NE. ROBIGO. FRVMENTIS. NOCEAT. Zunächst ist nun so viel ge- 
wiss, dass alle drei Nachrichten sich auf eine nnd dieselbe Feierlich- 
keit beziehen, wie diess in Bezog auf Ovid und die Fast. Praen. die 
Uebereinstimmung des Tags unwiderleglich beweiitety so dass nur Pia- 
le *s Kurzsichtigkeit und unkritische Flüchtigkeit zwei verschiedene 
Handlangen annehmen konnte (Porte orientaii, p. 18.)- Aber i^uck 



r 



179 

offenbar, dass, wenn anch Paulos sagt: Bomae dicta est, wir 
doch nicht an ein Thor in der römischen Stadtmaner denken 
dürfen. — EndHch hat Piale dem Walle des Servios anch 
noch eine Porta Collatina zngetbeilt, nachdem dieselbe 
von aUen Topographen als servisches Hior mit Recht verwor« 
fen worden war ^^*). Allerdings sagt Paul. Diao. p. 37. 
CoUatia oppidum fuit prope Romam , eo quod ibi ope$ alia- 
rum cwüatum ßterittt collatae^ a guaporta Romae QoUaUna 
dicta est. Wenn es sich aber erweiset, dass dieViaTibur- 
tina und die Praenestina beide aus der Porta Esqni- 
lina fährten, and die Collatina nothwendig in der Mitte 
zwischen beiden laufen musste, so ergiebt sich .sofort die Un« 
möglichkeit einer ^besonderen Porta Collatina. Es folgt 
aber die Nichtigkeit der Annahme auch ans der angeführten 
Stelle Strabo's, dessen Worte darüber, dass ausser der Es- 
quilina, Viminalis und Collina auf der Strecke des Walls wei- 
ter kein Thor war, gar keinen Zweifel zulassen. Woher also 
auch immer der letzte Theil jenes Artikels stammen möge ^<>), 



bei Panlas iit offenbar von derselben Sache die Rede nnd iberdiess 
geiiört die Notiz ja demselben Grammatiker an, ¥on dem die Fasti 
Praenestini berrSbren. Nan war aber die bekannte Via Clan dia 
oder Gl o dia ein Zweiip der Piaminia nnd kann nicht in der min- 
desten Beziehung zuNomentnm, das in ganz anderer Richtung lag, 
stehen. Gleichwohl ist nicht zu bezweifeln, dass die Stelle Ovids, 
wenn gleich die Handschriften in gewohnter Weise varüren, durch 
und durch gesund ist, und auf der andern Seite .stehen die Fasti Prae- 
nestini als authentisches Monument über allem Zweifel, enthalten aber 
zugleich noch einen anderen Widerspruch , der zu einer ganz anderen 
Annahme zu nöthigen scheint. Denn das Opfer soll am funflen Milia- 
rium der Claudia Statt finden ; diese Strasse trennte sich aber von der 
Flaminia erst am zehnten Miliarium, so dass ein dort zu yoUbringen- 
des Opfer ganz widersinnig ist, zumal da unfehlbar der quintuM ab 
Urbe iapis zu verstehen ist. Ueber diesen doppelten Widerspruch 
seheint man daher ohne Annahme einer anderen Via Claudia nicht hin« 
weg kommen zu können. Wie dem aber anch sei, das ist offenbar, 
dass^ von einem noch nberdiess nicht sehr bedeutenden Feste , welches 
5 Miglien von Rom gefeiert wurde, nicht ein römisches Thor den Na- 
men erhalten konnte, und vielleicht hat man bei dem Namen eben nur 
an irgend einen Bogen im Haine der Robigo zu denken. 

269) So schon Marliani. I. cap. 8. Entschieden dagegen er- 
klärt sich auch Sachse, Gesch. d. St. R. 1. S. 193. 225. Dass er 
aber auf Strabo sich berufend die Via Collatina von der Porta Collina 
ausgehen lässt, kann nur ein Gedäehtnissfehler sein. 

70) Sachse a. a. 0. S. 275. hält es für späteren Zusatz, was 
Müller verwirft. Aber von Verrius kann es wenigstens nicht herrühren. 

12* 



eine Porta CoUatkia konnte erst in einer erweiterten Hauer 
Platz finden, nie in der servischea, in welcher überdieas kein 
Tkor von einer Strasse benannt ist. — Ausserdem ist hier 
soriiükEukommen- auf den Namen Duodecim portae, ein 
Attsdraeky welcher bei Plinius N. H. 111, 5, 9. (portae) 
qyae sunt hodie numero trigmta sepiemy iUi ui Duodecim se- 
mei numereniur. lange Zeit den Topographen Anstoss gegeben 
hat. Pjale (Della grandezza dz Roma al tempo di PUnio. 
Rom. 1833. p- 21.) hat schon darauf aufmerksam gemacht, 
dass nicht zwölf verschiedene Thore darunter zu verstehen 
sind, sondern es der Name eines Orts ist. Denn es heisst bei 
Inl. Obseq. 130. Mula Romae ad Duodecim portas peperit 
(a. U. 7110- ^^^ 11^ d^r irrigen Meinung, dass mit Erwei- 
teroBg des Pomoeriom auch eine neue Maueranlage verbunden 
gewesen sei, lässt er sie V0n SiiHa am Qniriaale nach dem 
Maisfelde zu erbaut werden. Dabei ist übersehen, dass die 
Notitia sie in der eilften Region (Circus Maximus) nennt, 
und zwar das Curiosum zwischen dem Cerestempel und der 
Porta Trigemina; dagegen die gewöhnliche Notitia als er- 
sten Punkt der Region. Da nun das Verzcichniss von der Ge* 
gend der eilfleu Region ausgeht, wo sie mit der ersten, Porta 
Capena grenzt, so ist es höchst wahrscheinlich, dass die An- 
gabe der Notitia hier richtiger ist, und dass man die Bogen 
derAquaAppiazn verstehen hat, welche proxime portam 
Cspenwn 60 pass. weit nach dem Aventin gingen. Frontin. 
de aquaed. 5. Dann erklärt sich auch, wie diese XII portae 
in Plinius Zeit für Stadttbore angesehen werden konnten ; denn 
sie b^en an der Grenze der alten Stadt. 

So wäre denn die Reihe der serviscben Thore, die unsi- 
cheren mit eingeschlossen, folgende: Am Quirinal bis 
zum Capitolinus 1) Sabitaris. 2) SanquaHs, Z) Fontima- 
Us, 4) Ratumena? Vom Capitol zum Flusse 5) Car- 
mentalis. 6) Flumentana. Am Aventin 7) Trigemi- 
na. 8)Minucia? 9) Naevia. 10) Raudusculana. 11) Laver- 
nalis. Am Caelius 12) Capena. 13) CaeKmontana. 14) 
Querquetulana ? A m W a 1 1 e 15) Esqu Hin a. 16) Vimina-- 
lis. 17) Co Hin a. 



181 



Die Befestigung des laniculus. 

Auf das rechte Ufer des Tiberis hat sich die alte Stadt 
nicht ausgedehnt und der laniculus hat nie zu derselben ge- 
hört, so dass Cicero dort die Gründung einer neuen Rom 
selbst bedrohenden Stadt als möglich denken konnte ^^^). In- 
dessen muss gegen das Ende der Republik die zwischen dem 
Hügel nnd dem Flusse gelegene Ebene ansehnlich bebauet und 
zahlreich bewohnt gewesen sein, da Augustus sie als Regio 
Transtiberina zu der Stadt hinzufügte. Aber schon in 
früher königlicher Zeit hatte das laniculum, wie die Ge- 
schichte sagt, durch Ancus Marcius eine Befestigung erhalten, 
eine Massregel, die sich theils eben aus der militärischen 
Wichtigkeit des Punktes erklärt, theils mit dem gleichzeitigen 
Baue des Pons Sublicius zusammenhängt. Das wird auch an- 
gedeutet von Liv. I, 33. laniculum quoque adiectum^ non 
inopia locorum^ sed ne quando ea arx hostium esset, id non 
muro soluMj sed etiam ob commoditatem itineris ponte Subli* 
cto tum pH?num in Tiberi facto coniungi urbi placutf^). 
Jedenfalls hat man also die Befestigungsmauer von der Höhe 
nach dem Flusse herablaufend zu denken, bis zu den Punkten, 
wo auf der Stadtseite die Mauern am Ufer endigten ^^). Dass 



271) de leg. agp. I, 5. Ubi enim cavetur , ne in lanioulo eo- 
hniam eansHtuatiM ? ne urbem hatte urbe alia premere atque urgere 
postitisT 11, %1, Quid igitur est eausae, quin coloniam in laniculum 
poMtint dedueere et suum praetidium in capite atque ccrvicibu9 ve- 
stris eolloeare ? 

7'^) Vgl. Dionys. III, 45. ^Ertix^oe Sc aeal ro itaXoifitvov *IavU 
tiolar, Qffos vynjXbv enintwa tov Tfß^^tos TrorafAvv ntifievov , mal (p^ov^ 
^äv tnea^v iv ctvr^ ttariaTtjatv, iatpaltlai 'ei>e»a x. r. X, Ganz anders 
denkt sich die Sache Procopias. In seiner Zeit waren am lanica- 
los (wie noch jetzt) zahlreiche Mühlen , welche durch den hcrabstür- 
zeniten Strom einer Wasserleitang getrieben wurden. Sie sieht er in 
völliger Unkaude der Zeiten als den Grund der Befestigung an. Bell. 
Goth. I, Itf. TOVTov de avrutqv tov xtn^ov, ixtui too Tißi^iBo^ Xotfov 
Ttvä (liyav ^vfifiairei elva&j ^v&a dtj oi xiji 'irohwt fivltovtc *x naXaiov 
navTSC n%noliiVtat, ars vSarof ivravd'a TroXXov dta uav tov ox^tov 
ayofUvov is rrjv rov X6<pov vneQ^oXyv, e« ro xaravriS ai ^vv ^vfin fiS' 
yiXfj lovvoi^ dio dn ot itaXa* 'Patfiaioi rov rt Xotpov xa2 rrjv nax ao- 
TOP TOV noTafiov • ox'&vv rsix^ ne^iXaßttv fyvtoaap , ds fiif Toii TtoXt' 
fUott dwarä ehj rovg re fjtvXatyas Staqy&ti^a* ttal nora^ov dutßäuiv 
ävnsTmg rtf Tij9 nSleojs niQißoXaf imßovXsvnv. 

73) Hit welchem Rechte Nie bohr, Rom, Gesch. I. S. 439. 



182 

nun hier es auch nicht an einem Ausgange gefehlt haben kann, 
ist natürlich ; wenigstens musste auf der Höhe ein Thor sein, 
wo später sich die Porta Aurelia findet. Ob ausserdem 
in dem nördlichen oder südlichen Schenkel der Mauer nach 
dem Flusse hin Ausgänge waren, wissen wir nicht. Für die 
älteste Zeit möchten sie wohl entbehrlich scheinen, als aber 
auf dem ganzen rechten Ufer mehr und mehr bedeutende An- 
lagen erfolgten, lässt sich wohl nicht bezweifeln, dass sowohl 
nach dem Yatican als nach der südlichen Ebene Verbindungen 
nicht fehlten. 

Die Mauer Aurelians. 
Umfang der servischen und der aureliani^ 

sehen Sladt. 

Es ist eine von mehreren Schriftstellern ausdrücklich be- 
merkte und von Allen stillschweigend anerkannte Thatsache, 
dass von der Könige Zeiten bis auf Aurelian Rom keine neue, 
ausgedehntere Begrenzungsniauer erhalten hat. Zwar wird 
einige Male, zuerst nach der Einnahme durch die Gallier, und 
in Zeiten schwerer Bedrängniss von aussen von erfolgter Wie- 
derherstellung der Mauern und Tliümie berichtet 274^ ; doch ist 



(3. Ausg.) trotz der gaoz klaren Worte bei Livias sagen konate : „aaf 
dem laniculum mochte eine Burg stehen : aber es ist ein ganz falscher 
Gedanke, dass von dort herab am rechten Ufer und entsprechend vom 
kapitolinischen Berg und Aventinus , Mauern sich an die Tiber ge- 
schlossen , und die Brücke gedeckt hätten. 'S ist schwer zu sagen. 
Die versprochenen Beweise dafür scheint er schuldig geblieben zu sein: 
niemand wird sie geben können. Vielmehr ist das eine ganz falsche 
Ansicht j was er meint, dass zwischen Circus nnd Fluss Mauer, die 
Brücke ausser der Stadt gewesen sei. S. 0. Wenn auf dem lanicolos 
eine mit der Stadt nicht zusammenhängende Burg gelegen hätte, wel- 
chen Sinn könnte es dann haben, dass Marius nicht in die Stadt ge- 
langen kann, beVor ihm Appius Claudias das Thor des laoiculns ge- 
öffnet hat. Ap p i a n. Bell, ci v. I, 6S. KlaidMv 3* ^jämriov %tXiaQxov 
TtixotpvlaxovyTa riJQ *J*utfAi]S tqv Xoipov xov wtXovfiavov ^livovidov ev 
'jTOTe wa&ovra vtp iavrov trj^ sve^taiaQ avafivi^aai 6 MctQiO^y is v^v 

27 A) Liv. VI, 32. von dem auf dem Volke lastenden Aufbaue 

nach der gallischen Verwüstung: tantum abesse spes veieris levandi 

foenoris, ut trihuto novum foenus contrahereiur in murum a eenso^ 

ribus loeatum saxo quadrato faciundum, VII, 20. reliquum anni (401) 



183 

es in allen Fällen eben nur eine refeetio , und wenn auch spS- 
teriiin das Pomoerium mehrfach erweitert wurde und die städti- 
schen Anlagen sich weithin ausbreiteten, so änderte das in Be- 
zug auf die Mauer nichts und die servische Befestigung bildete 
fortwährend die Umßingslinie der eigentlichen Stadt. War 
nun aber diese Mauer ganz eigentlich zur Antiquität geworden 
und war sie in einer Zeit, wo sie auch in Bezug auf das Po- 
moerium keine Bedeutung mehr hatte, vielfaltig von Gebäuden 
nraschlossen, auch wohl durch manche Anlagen steilenweise 
ganz verschwunden, während die städtischen Crebäude weit 
aber ihre Linie hrnausreichteu, so erschien Rom allerdings als 
eine Stadt ohne Mauer, eine in jener Zeit ungewohnte Er- 
scheinung, die sich aber auf das Natürlichste daraus erklärt, 
dass seit den punischen Kriegen jede Besorgniss eines Angriffs, 
der die Stadt selbst gefährden könne, verschwunden war. Da- 
her erscheint Strabo^s ^'*) ethische Reflexion, als sei es 
römischer Grundsatz gewesen, dass Männer nicht durch Mauern, 
sondern Mauern durch Männer geschützt werden müssten, et- 
was unüberlegt ; denn gerade in der Heldenperiode des römi- 
schen Volks verschmähete man die Mauer keinesweges und 
remacblässigte sie erst dann, als kein Hannibal mehr vor den 
Thoren zu fürchten war. 

Die wichtigste und ausführlichste Nachricht über die Be- 
schaffenheit der Mauer und den Umfang der Stadt unter Au- 
gnstns giebt D i o n y s i u s '*). Nachdem er von der Vergrösse- 



murU turrtbusque r^ciendis oofuumtum. XXV, 7. creati gunt quin- 
queviri murit turrtbusque r^ßciendU. 

%1b) V, 3. p. 23 i. Tq fUy oiv i^vfia r^touriv ian t^ r»€ ni» 
Xewe. i(fvfiaTOtv tTigoJv d%ifiavov, Kai fiot Bonovaiv ol nowroi tov av» 
TCP Aa^siv SiaXoytüfiov negi re atpwv avruiy xal negl rdSy vateQOv, Siori 
*I\ofiaioi9 ngoi^Mv oux ano cöiv i^vfiaratv , aXX etJto x*av ojiXotv %aX r^e 
otxsiae ager/fS i'x^tp rrjv aaq>aieutv xal rifv «uUj^v suTtogiav Jigofil^fiara 
vofii^optai oy r« zeirrj rois ävS^aotv, aÜLa tov9 avdgas rois X6i%ta^, 

76) IV, 13. ovToS 6 ßaaiksvQ rtkivTalm fjv^ijae tov 
nt(fißoXov rij9 Jtoketos rove ävo toZs nivt€ itQO^&eU Hipove, oQvt» 
&evaafiev6e re, ds vo/HrOS ^f, xai jaXXa ta ttq^Q '&£ov^ oaia J»a7r(>a£o(- 
fiepos. n(^oa(oTi^oj dt ovn ^rt n go^X&sv » xar aaxiv^ r^c 
'jroXtoßSy ovx iütPTof, we (paa^ rov oaifioviov iXX faxiv anavta za 
n$ql ttfv noXiv outovf/^ya xotgla^ noJiXa ovxa xal /leyaXa yvfiva xal arc/- 
XMrra, xal ^qfara toa noX^filoii iX&ooatP uTroxsloia yeviabai, xal tl /^ip 
Uf Tovr« rts o^v r^ fUye&os iiexuSsw ßovhjatva^ t^e ^Pcifiiji, ftXof 



184 

ruog durch Servius gesprochen hat, setzt er hinzu:, dieser 
König sei der Letzte gewesen, welcher die Stadtgrenze (negi- 
ßoXo£) er^'eitert habe ; weiter habe sich die Stadtanlage (xava- 
üxevrj Tijs noXetae, oder ist es die Befestigung?) nicht ausge- 
dehnt, weil die Götter ihre Zustimmung versagten. Vielmehr seien 
alle die grossen und zahlreichen Anlagen um die Stadt durch 
keine Mauer geschützt. Der Gang der Mauer aber sei schwer 
mehr aufzufinden und man entbehre der sicheren Merkmale, 
um zu bestimmen, wie weit die Stadt noch Stadt sei. Wenn 
man indessen der Spur der Mauer folge, so lasse sich erken* 
nen, dass der Umfang Roms (der eigentlichen Stadt) ni<;ht viel 
grösser sein möge als der von Athen. — Ein genaueres Maas« 
des Umfangs wird nirgends gegeben und wie angemessen der 
noch einmal wiederkehrende Vergleich mit Athen (ä<nv) sein 
möge, können wir nicht beurtheilen. Wenn indessen die 
Länge des Walls von Dionysius auf sechs, von Strabo auf sie-r 
ben Stadien augegeben wird, und diese Strecke etwa für den 
sechsten oder siebenten Theil der ganzen Befestigungslinie an- 
gesehen werden mag, so würde sich allerdings eine Zahl er-^ 
geben, welche ungefähr dem Umfange Athens entspricht, der 
von Thucydides (II, 13.) ^ auf 43 ^Udien angegebei^ 
wird 277). 

Seit Augustus die ganze Stadt in vierzehn Regionen ge* 
theilt hatte und so auch die jenseit der Mauer und auf dem 
rechten Tiberufer entstandenen Anlagen als wirkliche Stadt- 
theile- anerkannt waren, gab es ein festes Grenzmaass nicht, 
da die in immerwährender Ausdehnung begriffene Stadt natür- 
lich auch von stets veränderlichem Umfange sein musste. In- 
dessen haben wir Nachricht von der Grösse derselben unter 
Vespasian, von dessen Vermessung Plinius ausnihrlich, 






väod'ai re avayxao'&ijasTat «al ov^ t^ei ßißaiov atju^lov ovSiP, ly Ci 
yvwaerai , f^XQ* ^ov nooßaivovaa ^ 'jtoXis «V» ^ohe iarl ual nci . 

Siä raff niQtXaaßavovaa^ avro nolXaxod'tv ouc^ottc , l'xyv oi riva (pvlar" 
Tovti xarä iroMovS t&jtovs zye a^x"^^^^ naTatmev^g^ ßovkrj^titi fuxffuv 
avrijv nara xov *jid^vaiov hmumv tov niffUxotrta aarv, ov noXktf xtyt fisii 
I^UfV o T^g 'JPojfiyt av <paviitj scvnXo^. Vgl. IX, 68. 

277} Mehr darüber s. b. Nibby, Mura di Roma. p. ^ f. 



185 

wemi aach nicht ohne Donkelheit berichtet Er sagt lü, 5, 0. 
Moenia efiu coUegere ambitu Imperatoribus Censoribusque 
Fespasianü anno condüae DCCCXÄril past. XIII MCC. 
Complexa mantes Septem, ipsa dUiditur in regiones quatvor- 
decim, campiia Larum CCLXf^. Etusdem spatium, mensura 
currente a milliario in oapite Romani fori statato ad süigu- 
las portaSf guae suni hodie numero Iriginta septem, iia mt 
Duodecim semel numerentur praetereanturqae ex veteribas 
Septem j quae esse desieruntp ^cit passuum per directwn 
XXX M. DCCLXV. Ad extrema vero tectorum cum castris 
Praetoräs ab eodem miUiario per vicos omnivm viarum men* 
sura colligit pauUo amplius septuaginta millia passuum. Es 
liegt am Tage, wie auch Bansen ^^^) richtig urtheilt, dass 
wenn der Umfang auf 13% Miglie angegeben wird, diess sich 
nicht auf die servische Mauer, sondern nur anf die ganze Aus- 
dehnung der 14 Regionen beziehen kann; indessen mag es 
immerhin sonderbar scheinen, dass bei der folgenden Messung 
der Entfernung vom Umbilicns Romae , eben jene Mauer mit 
ihren Thoren als Grenze angenommen wird. Es wird nämlich 
die Grösse der Stadt auf dreifache Weise anschaulich gemacht: 
erstlich durch das Maass des Umfangs ; dann indem die Ent* 
fernung der 37 Thore vom Miliarium aureum unter dem Clivus 
Capitolinus (in capite fori Romani) in gerader Linie gemes- 
sen und die Summe der 37 Radien angegeben wird ^*) ; endlich 



%n) B99thr. d. Stadt Rom. I. S. 192 f. Vgl. Piale, Delia 

l^andeiza di Roma al tempo dt Plinio, Rom. 1833. (1827.), der io 
diesem Pankte die richtige Ansicht hat, übrigens die unstatthaftesten 
Annahmen häuft, 

79) Anders können doch wohl die Worte: Eiutdem tpatium, 
mensttra etirrente a milliario in capite. Romani Jbri stahtto ad sin- 
guias portal — ^cit passuum ppr directum XÄÄ M. DCCLXß^\ 
nicht verstanden werden. Gleichwohl kann ich das Bedenken nicht 
nnterdrücken , ob in jener Zeit die Messkanst sieh aaf dem Paokte 
m5ge befanden haben, dass die idealen Maasse von dem Miliarium au- 
reum 7AX den Thoren hätten ermittelt werden können. Aach ist es al- 
lerdings sonderbar, dass die beiden angegebenen Messungen auf gaax 
verschiedenem Principe beruhen, so dass «ie gar nicht vergleichbar 
sind, und doch sollen sie jedenfalls zur Vergleichung der engeren and 
weiteren Stadigrenze dienen. £ine solche Vergleichnng wäre aber nsr 
eiüigermassen möglich, wenn die idealen Linien in Bezug auf die dop- 
pqHe Ausdehnung gemessen wären, oder allenfalla auch die wirkliebe 
l^änge der 37 Wege, einmal bis zu den Thoren, dann bis an dje ä«a« 



186 

durch dteSonime aller Strassen in ihren Rrümmangen von dem* 
selben Miliariom aus bis zu den äussersten Gebäuden (der Re- 
gionen) mit Einschluss der Castra Praetoria. Man kann nun 
allerdings fragen, welchen Werth eine Messung der Radien 
nach den Thoren der servischen Mauer haben konnte , wenn 
diese Mauer selbst als Antiquität betrachtet und der Umfang 
nach den 14 Regionen bestimmt wurde. Für die damalige 
Ausdehnung der Stadt (und das ist ja der Zweck der ganzen 
Messung) ergiebt sich daraus gar nichts. Gleichwohl kömmt 
Plinitts noch einmal auf die servische Stadtgrenze zurück, in- 
dem er sagt : CUntditur ab Oriente aggere Tarqumü Superbt\ 
iMter prima opere niirahUU was in keinem Falle so verstanden 
werden kann , als habe der Wall in Plinius Zeit die Grenze 
gemacht ; vielmehr rechnet dieser ja selbst die Stadt bis zu 
dem jenseit des Walls gelegenen Lager der Prätorianer. Ob 
übrigens die angegebene Summe der Radien von 30765 Passus, 
wonach Jeder Radius im Durchschnitte eine Länge von 831 '%7 
Pass. oder circa 3800 Fuss gehabt haben würde, der Ausdeh- 
nung der alten Stadt angemessen sei, wage ich nicht zu be- 
haupten; es scheint aber möglich. An der ausserordentlich 
scheinenden Anzahl der Thore aber darf man keinen Anstoss 
nehmen, um so weniger, als jede bedeutende Verringerung der 
Zahl eine ganz unangemessene Länge der Radien zur Folge 
haben würde. Es ist natürlich, dass, nachdem die Stadt selbst 
grossentheils ausserhalb der Mauer lag, die frühere Zahl der 
Thore, wenn sie auch nicht gering war, dennoch nicht genü- 
gen konnte ; dass vielmehr so lange die Mauer überhaupt noch 
bestand, weit mehr Ausgänge nöthig wurden, um eine hinrei- 
chende Strassenverbindung zu erlangen. Eben daher aber er- 
klärt es sich, dass nach und nach die alte Mauer ganz ver- 



senten GebSode. Das Letztere wurde man nan freilich erlangen, 
weaa man obigen Worten den Sinn unterlegte: „die Entfernung der 
37 Thore vom Miliariam betragen in eine gerade Linie gelegt'* ; allein 
dann erklürt sieh wieder nicht, warum bei dem zweiten Haasse aus- 
drüeklich hinzugesetzt wird /»er vicoi, das doch den Gegensatz zu /»er 
directum bilden soll. Uebrigens sagt Plinius auch V, 2ty 18. JfiP- 
bittu (montis) ad eaeumen XIX M. pa$t, e$t; alHtudo per dire- 
ctum ir. 



187 

scbwasd, nni so konnte denn in der That gesagt werden, 
Rom vor Anrelian ohne Maner gewesen sei ^*°). 

Von dieses Kaisers grossem Untia*neltaien, das [erst dqrch 
Protras ganz erledigt wurde, geben mehrere Scbriflsteiler Nach* 
rieht ^^); nur einer aber hat eine Angabe über die Ansdehnni^p 
der neuen Befestigung hinzugefügt, eine Angabe, weiche , als 
Unglaubliches berichtend, sehr verschieden beürtheilt worden 
ist. Es sind die Worte des Vopiscus Aurel. 39. maro« 
urhis Romae sie ampiümt^ Mi quinqußginta prope 
millia eius ambitu* teneat. Diese an das Fabdhafte gren- 
zende Nachricht, nach welcher die Stadt Aurelians einen Uni^ 
fang von 50 röm. Meilen und, wenn man auch y4 auf die Un- 
regelmässigkeit rechnet, demnach einen Durchmesser von mehr 
als 12 Meilen gehabt hlUte, hat wirklich an N i b b y ^^) einen 
Vertheidiger gefunden. Während im Allgemeinen die Topo- 
graphen darin übereinstimmen , dass die jetzigen Mauern mit 
geringen Ausnahmen der Linie der aurelianischen entsprechen, 
hat Nibbf die seltsame Hypothese aufgestellt, Anrelian habe 
wirklich einen so Ungeheuern Raum mit Mauern umgeben; die 
jetzige Mauer aber sei das Werk des Uonorius , der nicht nur 
für Wiederherstellung des aurelianischen Werks gesorgt, son- 
dern die enorme Ausdehnung derselben auf den jetzigen Um- 
fang beschränkt habe. Das Ungereimte dieser auf nichts ge- 
gründeten Hypothese hat Bunsen^^) mit schlagenden Grün- 
den nachgewiesen. Das Wesentliche davon ist, dass erstlich, 
da auf dem rechten Ufer eine Erweiterung vor Anlage der 
Cittä Leonina (9. Jhdt.) entschieden nicht Statt gefunden hat, 
die Stadt sich auf eine unerhörte Weise in die Gampagna aus- 
gedehnt haben mtisste, so dass sie noch weit über den alten 
ager Romanus hinausgereicht haben würde ; dass ferner es un- 
erklärlich bleibt, wie eine solche Mauer spurlos verschwinden 



2S0) Zoflim, \y 49. km%ia&ti Se tore ^ *F<ufiy n^Qj^ffw a%%l%»mo^ 
ovom» 

81) VopisG. Aarel. 21. 39. A«rel. Vict. Gaes. 36. Ea- 
trop. iX, 15. OroB. VII, 23. Bieron. t. I. p. 'töl Roac. Catfiod. 
Chron. t. II. p. 214. 

82) Murm ii R^ma, p. 220 ff. 

83) Bekehr, d. Stadt Rom, I. p. 646 ff. 



188 

konnte^ ja noch mehr: dass auch von allen durch sie um- 
schlossenen Anlagen kein Rest mehr übrig ist, da doch noth- 
wendig angenommen werden müsste, dass nur sehr wichtige 
und zahlreiche städtische Anlagen den Kaiser zu einer so maass- 
losen Ausdehnung der Befestigung veranlassen konnten. End- 
lich kann auch darüber kein Zweifel sein, dass das Lager der 
Prätorianer einen Theil der aurelianischen Mauer bildete; denn 
nur daraus erklärt es sich, dass von Constantin, als er diese 
Truppe aufhob und ihr Lager zerstörte, die drei Seiten ver- 
schonte, welche noch jetzt die Stadtmauer bilden. Daher ist 
von einer solchen Mauer, welche der Stadt einen Umfang von 
gumquaginta miUia passuum gegeben hätte für immer ab- 
zusehen, und es kann keinem Zweifel unterliegen, dass in 
Vopiscus irgend eine Unrichtigkeit sich eingeschlichen hat. 
Wenn man aber dem MissverhäUnisse so hat abhelfen wol- 
len, dass man für quinquaginta emendirte quindedm, so ist 
dadurch immer nicht genug gewonnen ; denn auch 15 Miglien 
sind bei weitem zu viel für den jetzigen Umfang. Das einzig 
richtige hat Pia le^*^) getroffen, der zuerst bemerkte, dass 
Vopiscus nicht passus^ sondern pedes meint. Das stimmt 
mit einem Umfange von ungefähr 11 Miglien, welche der 
Mauer des Honorius zukommen, ziemlich genau überein, und 
ein genaues Maass will ja Vopiscus nicht geben. 

Wenn auf diese Weise die Ungereimtheit in Vopiscus 
Angabe und die Annahme einer verschiedenen Ausdehnung 
der aurelianischen und der von Honorius wiederhei^estellten, 



2S4) Delle tnura Jureliane, Rom. 1833. p. 9. Ohne PUle^t Ab- 
handlung zu kennen^ habe ich in der Schrift: De Rovnae veterU murii 
atque poriie, p. IM. dieselbe Vermathang ausf^sproeben und freae 
mich durch den römischen Tonographen die Uebereinstimmunf; dieses 
Maasses mit dem wirklichen Umfange der Stadt nachgewiesen zd fin- 
den. Bunsen hat wohl auch Piale^s Ahhandinng nicht gekannt, da sie 
erst 1833 im Drucke erschienen, obgleich schon 1822 in der römischen 
Akademie vorgelesen worden ist. Die Grande, welche der Vf. gegen 
die gewöhnliche Lesart aus Anastasius anführt, sind bei der zweideu- 
tigen Autorität dieser Vitae von weit weniger Gewicht als die von 
Bansen geltend gemachten. P i a 1 e emendirt übrigens : quinquaginta 
prope millia pedum oder quinquaginta peäum millia. Wahrschein- 
licher ist es, dass ursprünglich stand: quinquaginta propt pedum 
millia. 



189 

d. h. der jetzigen Mauer beseitigt ist , so bietet eine neue 
Schwierigkrit die Messung des Mathematikers Ammon dar, 
von welcher Olympiodor b. Phot. Bibl. 80. p. 63 Bekk« 
berichtet: %6 di %9iX0Q %f}S ^PuifMiS fiSTQfj&hr naQd''Af*fAm- 
POQ %ov jr$mfiitfov UU&* 09 xaiQov r6v&0i n^v ngorigav 
na%* awiJQ inidQOjtnljr inoi^aavvo, etxoai nal ivog /u^$^ 
Xiov didoTfifia iyov dneitix^» Bass nun ein Umfang von 
2i Miglien auf die jetzige Mauer, welche durch die Tbore 
mit ihren Inschriften sich als von Honorins herrührend kund 
giebt, gar keine Anwendung leide , liegt am Tage. Es hat 
aber scheinen können , als finde Olympiodors Nachricht eine 
Unterstützung durch das, was aus jener dem Chronicon des 
Marti nus Polonus vorstehenden Einleitung (s* S. 74 f.) 
von Nibby S. 280. angeführt wird: In circuiiu vero ehu 
sunt miiltaria XXII, praeter Tratutiberim et civitatem Leth 
ninam: cum qüibvs dicitur habere XLII miiltaria. Allein 
woher auch immer Nibby das Citat entlehnt haben mag^"^), 
so ist das doch entschieden falsche Lesart, und beide Hand- 
schriften .der hiesigen Universitätsbibliothek haben die Stelle 
also : In circuitu vero eius sunt mtliaria XII, praeter trans- 
tyberim et civitatem Leonianam, cum quüms dicitur habere 
XLII miliaria. Die letztere unsinnige Zahl ist wahrschein^ 
lieh aus XVI entstanden; die erstere aber wird ganz ange^ 
messen erscheinen, da das ganze Tiberufer in das Maass ein* 
geschlossen ist. — Bei Olympiodor aber hat Nibby vorge- 
schlagen, statt %d zu lesen ^d, und dem stimmt Bunsen bei« 
Es wäre auch möglich, dass ungeachtet des Ausdrucks bXxooi 
mal ivog fiiXiov man liier nicht an römische Doppelschritte 
oder geometrische passus, sondern an gemeine Schritte zu 
denken hätte, wodurch sich der Widerspruch ebenfalls aus-> 
gleichen würde. 

Der Gedanke, die Stadt nach acht Jahrhunderten durch 
eine neue Mauer zu sichern, der schlagendste Beweis des 
tiefen Verfalls, wurde von Aurelian gefasst^ weil in der That 



285) Aoch Gftsanbonus la Vopise. Aurel. 39. citirt $o, 
und «llerdfiigs findet sich dieselbe Zahl im Lib. de mirib. Ro»ae. 



190 

* 

ottter der Regiening des elenden Gralliemis Ron .schon vor 
einem UeberfaUe der germanischen Völker gezittert hatte ^^). 
Die kurze Zeit seiner Regierung (270 — 275) reichte für die 
Grösse des Werks nicht aus: erst Probus vollendete es ^^). 
Demungeachtet erscheint der Zeitraum kurz und ans der 
Sehnelligkeit , mit welcher wahrscheinlich der Bau betrieben 
wurde , so wie ans der steten Abwesenheit Aurelians (der 
nftch Rom nur auf kurze Zeit des Triumphs wegen zurfick- 
kehrte) erklart es sich wohl, dass schon 125 Jahr nach Au-« 
lelian unter Honorius eine allgemeine Wiederherstellung der 
in Trümmern liegenden Mauer ^«) nöthig wurde ^ wobei alle 
aurelianische Thore verschwunden zu sein scheinen **)• 



' 286) Vopisc. Anrel. 2\. Hü actis, quum videret, posse fieri 
ut üliquid täte Herum, quäle suh Gallieno evenerat, prottenitet, ad» 
hibitv eonsilio senatus tnuros urbU Ramae dilatavit. Aarel. Viel. 
Caes. 35, 7. j4c ne unquam, quae per Gallienum evenerant, accidc- 
rent, murU urbem quam validiesimts laxiore amkitu eirettntsepsit. 
Von jeDein. Schrecken schreibt Zosimns I, 37. JSxv^a« Si öuoyrw' 
uov^aavTts xal in nawos ^&vove ze xal yivove eis 'iv awiX&oyzse ttjv re 
iJÜLegiSa fioigtf rwl oipiiv ihftCovto ««I rac iv rmvrtj ^oXett iiro^ovy^ 
litoif^^ 91 oXXjj r^v^IraXUiv xarakafiovTfg xoU a;|ro« t^9 FwfÄT^e tTtj^toav. 

87) Zosim. I, 49. xal Xaßov ryv a^y/iv *J Av^tjMavov awenlfj» 
^et&rj ßwtüüvovtoQ Jl^ößov ro ruxof- 

88) In der DedicationsiDschrift über Porta S. Lorenzo heisst es: 
ob instauratos vrbi aetemae tnuros^ portas ac turres egestis immen- 
mU ruderibue* 

89) Es erklärt sich das wenigstens nicht hinreichend ans der Zer- 
atSriHig, welche die Maner theilweise durcb Totilas erlitt Allerdings 
■agt Procop. Goth. ill, 22» roi fUr ovv m^ißoXov roaovtop nad'it' 
lev ooov ec roittjfioQtov rov navxos fia)aaTa, and weiterbin spricht er 
gar voa der YerDichtong aller Tbore. c. 24. Taera «r«i T&riiat weor- 
atv, a^ag aitha vavri rtf or^arcp inl Btliaaf^tw t« Mti nohv ^i^er, 
ovnto BikiaaQiov ras nvlae ira^fioaaad'at t«j» negißoXto taxvaavrog. wu- 
0«« ya^ Sutqf&ii^ag Ihrilmg hvxey^ aofTtg ovx £p&ff T^x^udiv eatogüf 
Beltaa^iog rtxTTjva/itvog. Diese Angabe ist indessen keincsweges ge- 
naa ; denn es haben sich mehrere Thore erhalten , welche durch ihre 
Iniehriften oder durch den gleichartigea Styl sieh als des Hoaoriva 
Baue angehörig ankündigen. Von den ersteren ist jetzt Porta S. 
Lorenzo das kenntlichste. Die Inschrift lantet: S. P. Q. R. Impp. 
BD. NN; invietiesimü prineipibue AreadtQ et Honario vietoribut et 
triumphatoribut setnper Jugg. ob instauratot urbit aetemae muroe 
portas ae turres egestis immensis rvderibtis ex suggestione f\ C. 
et iMinstris pomitis et magistri utriusq. miliiiae Fl. Stilithonis ad 
perpetuitatem nominis eorum simulaera constituit curante FL Macrobio 
Longiniano V, C. PraeJ, Urbi D. N. At. Q. eorum. Dieselbe Inschrift 
aber findet sich nicht nur über dem geschlossenen Bogen von PortaMag- 
g \ ar e, aondern war auch anf derO st i e b s is (S.P)a«lo) «nd der «Uen Po r- 
tnei^tia Ms sb ibror ZerstÖrang diirck Urbao VilL im Itseo. Aosiar 



— l«l — 

Ueberdiew siai wir über dieselben ohae alle Naclirichi, 
iodeia ans der ganzen Zeil vor Honorius eine einzige sichere 
Notiz über ein ohnehin nicht zweifelhaftes Thor sich findet 2*<'){ 
denn die Erwähnungen bei Anaslasius dürfen mit allem Rechte 
misstranisch betrachtet werden. Daher kann von aureliani- 
schen Thoren nur in so fern die Rede sein, als man, aller- 
dings mit grosser Wahrscheinlichkeit, annehmen darf, dass 
ihre Steile durch den Neobau unter Honmos nicht yerändert 
worden ist- Von diesen Thoren aber hat sich bei weitem der 
grösste Theil bis auf den heutigen Tag erhalten, wiewohl die 
alten Namen meistens mit modernen vertauscht, oder die Thore 
selbst ausser Gebrauch gesetzt und vermauert worden sind. 
Es gilt daher hier nicht sowohl zu bestimmen, wo die Thore 
gelegen haben, als die alten Namen für die vorhandenen Thore 
aosznmittehi« Und bei den meisten ist darüber gar kein Zwei- 
fel; dagegen sind die Topographen hinsichtlich der östlichen 
Thore auf bedeutende Schwierigkeiten gestossen. 

Die hauptsächlichsten Quellen, aus denen wir die Benen- 
nungen der Thore erfahren, sind Pro copius und der Ano- 
nymus Einsiedlensis. Der erstere wird durch Beschrei- 
bung der Angriffe der Gothen auf die Mauern Roms vielfSUfg 
veranlasst, einzelne Stellen derselben mit ihren Thoren zu be- 
schreiben. Leider geschieht es gerade an den wichtigsten 
Stellen nicht mit der Genauigkeit, dass seine Worte nicht vei^ 
schieden gedeutet werden könnten. Der Letztere aber, wel- 
cher die genaueste Beschreibung der Mauern liefert '>), ge- 



wiesen vier Thoren scheint auch das verschlosseoe Thor an dem Lager 
der Pritoriaaer Honorins anzugehören. Vielleicht rührte auch die 1564 
mit der Pia vertauschte Porta Nomeatana von ihm her. Die übrigea 
aber mögen höchstens aus den Zeiten des Exarchats herstammen und 
von einem anrelianischen Thore Ist lieine Spur übrig; denn Porta Mag- 
gtore ist ein von ihm vorgefundenes Monument und der schöne Bogen 
bei der Bastione di Sangalio gehört auch in eine frohere ZeiL Für 
jene Thore aber, welche Honorins Flamen tragen, würde die Inschrift 
allein zwar nicht beweisend sein, denn sie iLonnte auch auf restaurirte 
Thore gesetzt werden ; allein an Aurelian zu denken verbietet der util 
seiner Zeit unverträgliche Baustyl. 

:&90) Ammian. Mar cell. XYII, 4. erzShlt, wie der Obelisk, 
welchen Gonstantias im Ciroos Mazimus aufstellte, diireh die Porta 
Ostiensis in die Stadt gebracht wardta sei. 

91) Da die ganze fql^ado ST»rteraB|p akh ha^tiSchliob auf dies« 



— m — 

hört wiederum einer späten Zeit, dem Anfange des nennten 
Jahrhunderts an, und so zuverlässig er auch jedenfalls fiir 
seine Zeit ist, so kann doch sein Alter in Anschlag gebracht 
werden , wenn man beweisen will , dass in früherer Zeit ei- 
nige von ihm genannte Namen anderen Thoren angehört ha- 
ben. — Neben diesen beiden können die Verzeichnisse der 
Thore im Liber de mirabilibus Romae, bei Mar- 
tinus Polonus und mehr noch bei Wilhelm von Mal« 
mesbury eigentlich nur als Curiositäten gelten und verdie- 



Bescbreibang fandet, so nebme \eh sie ;anz auf oline BeobacbtvD^ 
der ei^eothämlicbea Orthographie: A porta Sti Pttri cum, ipta 
porta UMque portatn Fiamineam turres XVI. propugnacula 
BCCLXXXII. poitemas III, Neeessariae IUI. Fenestrae maioresfih- 
rinsecus CflL Minores LXVL A porta Flaminea cum ipsa 
porta usque adportam Pincianam clausam turres XXFIIIL 
propugn. DCXLIIII, Necets. IIL Fenest tnaiores forins,* LXXF, Mi- 
nores CHI. A porta Pinciana clausa cum ipsa p orta ad 
p ort am Salariam turres XXIL ppg. CCXLIl. Necess. XVII. 
fenest. maior. forins. CC. Minor. CLX. A porta Salaria cum 
ipsa porta usque Numentanam turr.X. ppg. CXCnill. Nee, 
II. Fen. mai.for. LXX. Min. LXK A porta Numentana cum 
ipsa porta usque Tiburtinam turr, LVII, ppg. DCCCVI, 
nee, II. fen. mai.for. CCXIIII. Min. CC. A porta Tiburtina cum 
ipsa porta usque ad Praenestinam turr. XFIIII. ppg. cum 
porta Praenestina CCCII. Necess. I. fen. mai.for. LXXX.inaior. (sie.) 
CVIII. A porta Praenestina usque Asinariam turr. XXFL 
ppg. DHU, nee. FI. fen. mai. for. CLXXX. min, CL. A porta Asi-. 
naria usque Metroviam turr. XX. ppg. CCCXLII. nee, IIIL 
fen. mai, for, CXXX. minor. CLXXX. A p orta Metrovia usque 
Laiin am turr. XX. ppg. CCXCIIII, nee. XVII. fen, mai. for, C, 
minor, CLXXXJII. A porta Latina usque ad Appiam turr, 
XII, ppg. CLXXII1I. nee. FI. fen. mai. for. LXXX. minor. LXXXF. 
A porta Appia usque ad Ost(i)ensem turr, XLFIIII. ppg. 
DCXy. Nee. XXIIU. fen, mai. for, CCCXXX, Minor, CCLXXXIIII, 
A porta Ost(i)ense usque ad Tiberim turr, XXXF. ppg. 
DCCXXXIII. nee, XFII. fen. mai.for, CXXXFIIL Minor. CCXI. A 
flumine Tiberi usque ad portam Portensi {Portuensetn) 
turr, IUI, ppg. LFIII.fen. mai, for. X. minor, XF, A porta Por* 
i(u)enst usque Aureliam turr, XXFIIII. ppg, CCCC, nee, IL 
fen. mai. for. CXXXFII. minor, CLXIII, A porta Aurelia t#/- 
que Tiberim turr, XXIIII. ppg. CCCXXFIL nee, XI. fen. mai.for, 
CLX. min, CXXXL A flumine Tiberi usque ad portam Sei, 
Petri turr, FIIII. ppg. CCCCLXXXIW.fen. mai. for, XXL et mi» 
nor, FIL postemae II. 

PORTA SCI. PETRI IN HADRIANEO 
Sunt turres FL ppg. CLXIIII. fen. mai. for. XIIIL minor, XFIIIL 

Sunt simul turres CCCLXXXIII, Propugnacula FIL XX, Poster^ 

nae F. Neeessariae CXFL Fen. maior. forins, IL LXfH, Die Haupt- 
sammeii stimmen mit den eioselneo Ansätzen nicht v6Ui|; äberein, was 
sich woU ans einzelaea Sehreihfehlera erkUürt. 



193 

nen höchstens in Bezug auf zwei Thore eintgermassen berück- 
sichtigt zu werden. 

Procopins ist der einzige alte Schriftsteller, welcher 
uns die Zahl der Thore in der aurelianischen Mauer nennt. Er 
zählt vierzehn Hauptthore, nvXat^ und einige kleinere, nvXi^ 
ie^^^^y Der Anonymus fuhrt ebenfalls 14 auf; allein dar- 
unter ist die Pinciana, welche von Procopins als TivXiq be- 
zeichnet wird, so dass bei diesem ein anderes eintreten mr.ss. 

Um nun den Gang der Mauer rings um die Stadt zu ver- 
folgen, gehen wir von dem Punkte im Marsfelde aus, wo die- 
selbe , dem Endpunkte der jenseitigen Befestigung gegenüber, 
begann und längs des Flusses sich hinzog. Denn da auf dem 
rechten Ufer von jenem Endpunkte an mit Ausnahme einer ein- 
zigen Stelle keine Befestigung war, so konnte der Schutz, 
welchen der vorbeiströmende Tiberis der Stadt gewährte, in 
Aurelians Zeit nicht hinreichend erscheinen und es wurde des- 
halb das ganze Ufer entlang eine, wenn auch weniger starke 
Mauer gezogen, welche sich an die von Porta Flaminia nach 
dem Flusse geführte anschloss*^. Wo nun diese Miiuer ihren 



Wl) Bell. 60 th. I, 19. c/cc iiBv r^e noXtms 6 nt^ißoXoi dU inrä 
trvXaf Kol nvXiSas zivas. Welchen Unterschied Procopins zwischen 
TtuXtj nnd Ttvlie mache, ersieht sich nicht klar, da keine andere nvltg 
von ihm genannt wird. Die Pinciana aber wird fortwährend so be- 
zeichnet, so dass, wo sie mit der Salaria zugleich genannt wird, diese 
als nifkf^ ihr entgegensteht. I, 28. iSvY' ^^ ar^arevfia 8ia n 7Tvlt3o€ 
Ilgyxtavij^ «oi 2'aAa^iaQ nvXtjS, Eben so I, Itf. p. 96. Nar einmal 
wird auch dieses Thor schlechthin nvktj genannt. H, 10. iSvY^ ^^ 
Iliyxiavij^ nvAtjC ro ar^arsvaa. Der jetzigen BeschafTenheit nach za 
urtheilen, kann der Gmnd der Benennung nicht in der Grösse gefun- 
den werden ; indessen ist dieser Bau gewiss nicht vor Belisar zu setzen 
und so könnte es allerdings spater ansehnlicher aufgeführt worden sein. 
Demungeachtet ist es wahrscheinlicher, dass nvliäee im Gegensatze zu 
den Hauptthoren diejenigen genannt wurden, aus denen keine Haupt- 
strassen, sondern nur Verbindungswege führten. Vgl. Nibby, Mura 
dt Roma, p. 317. 

93) Procop. Goth. f, 19. p. 94 Dind. omva Se tqotiov'Pw 
fiaioi Tov noxafiov fg>' ixattf^a ro rtje noXioJC rcTjroC fSiiuayro , f^wv 
i'(fXOfMtt. TtoXi/^ fuv 6 TlßiQt^ TtaQttMfiujv i^tl nXtiarov rov ne^ifiokov 
itfi^tro TJjSe, 6 Si xvjqoq ovrop, «9 ov 6 ne^ifioXoi nava rov ^ovv tov 
noxauov ivixti, t'TTTcoff TB noi Üav ivitf,o8u9 tan. Dazu If, 9. p. 183. 
xal ffv yot(f TIC avTtf iniuaxof fiaXtara fiotga, ^ tov TißiQtBot i ox&rj 
httIv, iTtil ravTtj ot TreUa» ^Pwuatoi S'a^covvrtt tov vdazos rf oxv^ta^ 
fiaxi t6 tuvoq iinTjfieX^fUvws iSeiuavro. und I, 22. p. 107. ^nurraya^ 
xoA'Tfi ktifiaxov ovtos tov ns^tfloHov, ikre rov norafiov m^fo^^oviot^ 
ovSiftiav avTo^« n^oofiol^if insa&tu Mroro^r/ffac «. f. L 

13 



194 

Anfang genommen habe, darüber scheint bei den Topographen 
keine Meinungsverschiedenheit zu sein, indem allenthalben die 
Stelle, wo sie begonnen, wenig unterhalb Palazzo Farnese an- 
genommen wird. Die Mauer selbst ist auf dem linken Ufer 
durch Anlage der neuen Stadt spurlos verschwunden and man 
hat sich zu jener Annahme nur durch den Gang der jenseitigen 
Mauer veranlasst gesehen, deren Spuren man von der Höhe 
des laniculus bis zu dem Ufer (Palazzo Farnese gegenüber) 
verfolgen zu können glaubt. Wie dem auch sei : dass in Pro- 
copius Zeit hier die End- und Anfangs -Punkte keinesweges 
waren, das geht aus seinen eigenen Worten unzweideutig her- 
vor. Nachdem er von der transtiberinischen Befestigung (sei- 
ner Meinung nach zum Schutze der Mühlen) gesprochen und 
angegeben hat, dass der Hügel und die Bbene bis zum Flusse 
davon umschlossen gewesen, bestimmt er das näher und sagt : 
,,Da man nun dort eiue Brücke über den Fluss geschlagen 
hatte, verband man die Mauer mit derselben'^ ^^-^). Darauf 
erzählt er weiter, wie die Gothen die Wasserleitung, durch 
welche die Mühlen getrieben wurden, zerstört und Beliaar an 
der erwähnten ,, dicht an der Mauer gelegenen Brücke'' Schiff- 
mühlen angelegt habe, da wo die Strömung durch die Bogen 
«m stärksten war **), und als die Gothen durch in den Fluss 
geworfene Baumstämme diese Vorrichtung zerstörten, zog er 
Ketten vor die Brücke, um nichts bis an die Mühlen gelangen 
zu lassen ^^). Wenn nun daraus sich hinreichend ergiebt, dass 
die Mauer mit der Brücke zusammen hing, und nur so die Aus- 
drücke IvvanxBiV %6 %hiyo^ %^ f6g>VQa und j^iipvQa 17 n^oc 
rä fiBQißoXm verstanden werden können, so erhält diess noch 



!294) Ebend. I, 19. p. 95. J«o Bi^ 0/ naXai 'Ptouaioi rov t* loifor 
ual rijv nar avTOv rov nora/iov o%&r]v Tet'xtt^ Ttt^tkaßhiv tyrwQart ^ 
lifj TOfC nolsuioie Swara elti rovg re fivkiovai duta^tiffat ual nmafiov 
Siafiäotv ivneTüis rij» r^g TtoMVtßS liifftßoktf iirißoi'Mvtiy. itviarT$€ 
ovv zavTp rov noxafiov rfi ve^vQ^, ^waTTzeir r« to t4^ 

fiiaov rijs noXtcjs ro Ttäig^Sos yrtngiijVTa* ^ivfia, 

95) Ebend. p. 96. ffin^oQd'tv r^s ye<pv(fast ijf ft^r» n^QS r%» sr«- 
QißoXt^^ ovoT^e ffiyrjo&tjv. — i fiaXtaza ^ xwv vBaxutv htt^^^ <V roir 
r^c yttpvoag Kv^rataaroG OMficiovaa narret, 

96) Ebend. aXvaetg fia^aG atiif^ds n^0S t^ y^9^(f^ ^^vaw i^tr 
uyovfUvag ig Tißcf^tv qXov. 



1»5 

grössere Gewissheit durch Angabe des hauptsächlichsten Gran- 
des, ans dem Belisar die Ketten gezogen habe: ,, damit nicht 
etwa die Feinde anf Fahrzeugen durch die Brücke in die Stadt 
gelangen könnten*^ >*7). Das hätte gar keinen Sinn , wenn 
nicht die Brücke unmittelbar mit der Mauer verbunden gewe- 
sen wäre und so die Stadtgrenze gemacht hätte ; denn reichte 
die Befestigung über die Brücke hinaus, so konnten ja eben so 
gut die Gotheu zwischen Mauer und Brücke landen und waren 
dann eben so ip f^ioij t^ noXa, Daher scheint es ausser 
allem Zweifel zu sein, dass die Mauern auf beiden Seiten sieb 
dicht an die Brücke (den jetzigen Ponte Sisto) anschlössen. 

Von diesem Paukte bis zu der Porta Flaminia war, mit 
Ausnahme von fünf zum Flusse führenden Pförtchen , welche 
der Anonymus als po$temae aufführt , nur ein Thor, welches 
Procppius wiederholt Porta Aurelia nennt*^). Doch 
kennt er auch schon den späteren Namen Porta St i. Petri 
und unter diesem Namen wird es jederzeit von dem Anony« 
mus angeführf ). Die Benennung Aurelia findet sich nur 
bei Procopius und kann etwas befremdlich scheinen, da Rom 



997) Ebend. rccvr« Si ejtoUi ol toüovtov to»v fivlöiv epeita, ^ ort 
oüop iv&dvde ig Sdot re xal ^vvoiay ^l&a, ftfj la&waiv ondTOie 9toJÜiai$ 
ol nolifuoi ivtog xiJQ yetpv^f wü iv uiari nolti ytvofisvot, 

98) Eßeod. I, 19. p. 94. Sto Sri oAXag Bvo rijg a6li(üS nvXat 
iroxliia&tu n^6e rtiv noXtfilotv ^w^ßatve, t^v re Au^kiav {rj vvv lU^ 
Xi^v TQv Twv XgiOTOv aTtooTohtJV itoQV(paiov f aze nov nhjalov Ktt/il* 
voü^ inwvvfiog itrri) tuU zi/v viri^ top norafibv TißtQiv, cap. 22. p. 
lOS. *A8qio»ov rov *Ptofui{arv auTOngaro^os rdtpos i'^oj nvkyg uivf^Xia^ 
iüvlv, mtiyjunf rov nt^tßokov öoov Ai&ov ßolyv, \%\. p. 108. uod cap. 
I^H. oUyovg Si rtvas 9ut nvhjg Av(ftf}Uas ig ^i(fiuvog mdiov itUlsveiß 

99) Der letztere Name findet sich aoch beiAethieus Cosmo- 
^r. am Pompoo. Mela ed. Gron. 1722. p. 716. Bei den Schriftstel- 
lero des Mittelalters werden ihm die abeoteirerllchsten BenennuDgen er> 
theiU. Bei Wilhelm v. Malme sb n ry (Blaoch. Anast. II. p. CXLI.) 
heisst es Cornelia; im Lib. de mirab. Romae (Montf. Diar. 
Ital. p. 283.) Co II in a; bei Marti aus Pol onus nach nnsereo Hand- 
schriften Col latia. Darnnter ist der Name Cor ne lia denn doch 
nicht aller Beachtnog nnwerth ; denn aaf Inschriflen (G rn t. CCCCLVll, 
d. CCCCLXV, 5.) werden curatores viarum Aureliao veterü et novae^ 
Comeltae et Triumphalis fpenannty und der Lauf der Via Anrelia nova 
über den Pont Aelios seh«int om nichts sicherer als der der Cornelia. 
Wenn aber Porta maggiore bald Praenestina bald Labicana genannt 
wird, waruffl könnte nicht die P. Sti. Petri cbaafaUs bald Aaralia 
bald Cornelia fenaant wordea sein T 

13* 



196 

noch ein Thor desselben Namens hatte, auf der Höhe des la-' 
niculus über der Via Aurelia. Dieses wird aber von demsel- 
ben Schriftsteller mit dem jetzigen Namen Pancratiana ge-* 
nannt, während sonderbar genug der Anonymus nur den alten 
Namen zu kennen scheint, dagegen das Thor am Pons Aelius 
nur P. Sti. Petri nennt. Es erklärt sich aber der Name Au- 
relia daraus, dass eine zweite Via Aurelia, zum Unterschiede 
von der firüheren Nova genannt, muthmasslich über diese 
Brücke führte. — Von diesem Thore ist jetzt keine Spur mehr 
vorhanden; nach den Angaben des Anonymus aber lässt es 
sich nicht bezweifeln, da$s es auf dem linken Ufer unmittelbar 
vor der Brücke stand , obgleich die zweideutigen Erwähnun- 
gen bei Procopius sowohl über seine Lage als über die W^eise, 
in welcher das Mausoleum Hadriani als ein das Thor be- 
schützendes Castell zu der Befestigung gezogen war, kaum zu 
einer klaren Vorstellung und sichern Ueberzeugung gelangen 
lassen ^^^). Indessen ist auch durch ihn die Lage auf dem 



300) Ich leugne nicht, dass die Frage über diese Porta Aurclia 
und ihr Verhältniss zum Hadrianeum mir zu den allerdankelstcn ge- 
hört. Was Bunsen (Beschr, d. SL R, 11. A. S. 9. 25 f.) darüber 
gesagt hat, ist so schwankend und allgemein gehalten , dass seine ei- 
gentliche Meinung schwer zu erralhen ist. Dass Procopius die Porta 
Aurelia nur zweimal erwähne, ist vermuthlich aus ]Vibby, Mura di 
Roma, p. 295. entlehnt: er nennt sie wenigstens sechsmal, und der 
Name steht demnach allerdings fest. Ausserdem sagt er, das Grah- 
mal Hadrinns habe vor dem Thore gelegen (*?w 'jrvhii j4v^ijlia^) 
und Fügt hinzu einen Steinwurf entfernt {oaov kiltov ßoli^v). Ich weiss 
nun nicht, in wie weit dieses Maass passend erscheinen kann , wenn 
swischen dem Thore und dem Grabmale der Strom floss. Die Ent- 
fernung mag leicht 450 — 500 Fuss betragen und es scheint also d*r 
Ausdruck allei*dings etwas hyperbolisch. Doch möchte das weniger 
ftufrallen: befremdlicher ist es, dass Procopius nicht auf andere Weise 
die Lage bezeichnete, dass er überhaupt der Brücke nicht mit einem 
Worte gedenkt. Ueberdiess weiss ich nicht, wie man sich die ur- 
sprüngliche Befesügung denken soll. Lag das Thor auf dem linken 
Ufer, so war die Brücke unbeschützt. Nun sagt freilich Procopius, 
dass das Grabmal zur Festung gemacht und durch zwei Schenkel- 
mauern mit der Befestigung der Stadt verbunden gewesen sei; «'«'» 
dass diess schon durch Aurelian geschehen sein könne , scheint Nibby 
mit Recht zu" verwerfen. Ein Honorius konnte das gut heissen , aber 
von jenem hochsinnigen Kaiser lässt es sich schwerlich erwarten. — 
Nimmt man nun hinzu, was Procopius von den Angriffen der Gotheo 
Dicht nur auf das Castell, sondern auch auf das Thor berichtet, so 
wird die Sache noch verwickelter. Es heisst I, 22. p. 106. Br rovn 
8i roj^w» n^oofohti hi^a ig irvbjv Ai^lUw iyi»*^^ ^9^V w»V«. 



m 

linken Ufer gewiss, da er ausdrücklich sagt : rij^ tb Avffti* 

Das nächste Thor war die Porta Flaminia, an des- 
len Stelle Pius IV. (1561.) die jetzige Porta del popoio 
(von der daranstossenden Kirche S. Maria del popoio) er- 
bauete. Es scheint indessen die alte Flaminia etwas weiter 
rechts an dem Abhänge des Pincins gelegen zu haben, da die 
Oothen auf sie , als ein schwerzugängliches Thor, keinen An- 
griff richteten ^^^). Bald hinter dem Thore folgen die gewal* 



iatlxwv xov neQifioXov ooov Xid'ov ßoknv — • rovtov dri rov xatpov ot 
TrcuUuol av^^omoi^ (iSoxei yaQ xfi noiei envrUxuiua uvai) re$xio/iao$ 
3vo is avToy ano rov Tti^ißoXov Oi^itovai §iIqo^ etvtu rov Ttl%ovS n$* 
noirjwai. ^oixs yovv nv^tj^ vif;fjXtf nvktjg rijs txtivjj itQoßtßhjfjUvtf, 
AU die Gothen Miene macheo (wafarscheinlich unterhalb des Hadria- 
neam) über den Floss zo setzen nnd die dort schlecht vertheidigte 
Mauer anzugreifen, eilt Constantia, der Berehlshaber des Casteils, da- 
bin : üMtoQ uiv uarä ra^oi ixiiae ^vp oXiyois xiolv ißo^d'si , rois dk 
nXiloö^ T^9 iv xij TtvXrj re fcal rtf xatp^f fp^ov^äs inifitliiüd'ai Tta^y* 
vciXei^. Da fpreuen <fie Gothen das anrelische Thor und den Thurm 
Hadrians an : iv xovxto Bt oi Foxd'oi nvXtf xij Av^klq. %al xif y^dgia^ 
pov 'jiv^at nQOtißaXXov. wobei die Belagerten die Mannorstatnen, wel- 
che das Grabmal schmückten, zertrümmerten und auf die Angreifenden 
schlenderten, die so znrückgetrieden wurden. Dann heisst es: oura» 
xt (V xüf aatpaXtZ xa äfi<pl xtjv itvXriv AvQTjXlav iyivtxo. Es ist nun 
allerdings sonderbar, dass von einem Angriflfe auf das aurelische Thor 
gesprochen wird, wenn dieses über der Brücke lag und so lange nicht 
das davor gelegene Casteli genommen war, gar nicht bedrängt werden 
konnte. Dazu kömmt ferner, dass, wenn vom Grabmale Mauern zum 
Flusse liefeu, wenigstens in der einen, nach der Peterskirche hin, ja 
doch nothwendig auch ein Thor sein musste , wie es auch der Anony- 
mus, der die Befestigung jenseit der Brücke besonders beschreibt, an- 
giebt : Porta Sei. Petri in Hadrianeo, Procopius aber gedenkt seiner 
mit keinem Worte. Er kennt auf der ganzen Seite nur zwei Thore, 
die Aurelia na und Pancratiana; denn dass er c. 19. dio J^ 
aXXac düo XTjS noXtws TrvXag ivoyXtiad'at TtQOi xviv noXsfilwv ^vvißatvt, 
x^v xe Avf^iXlav — nal xijv vnl(f xov noxafiov TißsQiv. die letztere 
meint, ergiebt sich unzweifelhaft aus c. 18. p, 92. und c. 22. p. 109. 
Späterhin bei der Einnahme der Stadt durch Totilas wird das Hadria- 
neum und die Brücke von einer Schaar flüchtiger römischer Truppen 
besetzt; da ist aber wieder von keinem Thore die Rede. HI, 36. p. 
43 i. ovxoe 6 JlavXos, aXtmtofUv^g xoze xys noXiwg , ^ifv iitnevai xix^a» 
Moaiotc i'g xe xov'^ASoiavov xatpov avldgafie mal tijv yitfvQav laxe xi^v es 
Tlir^ov xov 'AttootoXov xov veojv q>f^ovüav. vgl. IV, 33. p. 630. — Ich 
vermag dieses Dunkel nicht aufzubellen; aber auf die Widersprüche 
glaubte ich aufmerksam machen zu müssen. 

301) Procop. I, 23. p. 109. ov fi^v ov3i niXt^g ^Xa/itviae ane' 
«ei^aaavxo, inel fv x^9V KQtjfivtoBei neifUvrj ov Xlav eaxlv evnQoaoSas. 
Es hat indessen Nibby p. 304. bemerkt, dass schon unter Gregor II. 
(715—731.) sie in der Tiefe gelegen haben müsse, da in dieser Zeit 



198 

tigen Snbstmctionen des Pincias, deren Opus reticulaUun be- 
weiset, dass Aurelian diesen älteren Bau als Theil der Mauer 
benutzte. Schon in Procopius Zeit» und wohl lange vor ihm, 
hatte sich dieses Stück gesenkt und nach anssen geneigt und 
wie es jetzt noch in diesem Zustande Muro torto genannt 
wird, biess es damals schon Murus fr actus oder incli- 
natus^^^). — Von da kömmt man an die schon in des Ano- 
nymus Zeit vermauerte PortaPinciana, welche von Pro- 
copius als nvXlg bezeichnet wird. Dass sie auch Belisariit 
genannt worden sei, beruht auf einer höchst zweifelhaften 
Stelle desselben Schriftstellers ^). 



sie den Ueberschwemmang^en ausgesetzt war, wie Anastasini, Vit. 
Arcg. p. 165 Blancb. erzählt. Unter Hadrian I. (792) wurde das 
Thor selbst durch die Flutfaen zerstört (ebeod. p. 271.). Es müsste 
aläo die Versetzung; schon frühzeitig erfolgt sein ; oder meiot Proco- 
pius nur, dass wegen des durch den dicht daneben gelegenen Berg 
beengten Raumes die Stelle dem AngriiTe ungünstig gewesen sei? 




miniae] 

ovjtti idaq>ove fiivrot, a)J^ oaov te fi^xoe rov f/fiioeog, ovh ihreat fitv 
ov^t aXXwe dieq!0'aQ7f , intki&fj St oorats i(p ixartQv^ , tut tu fiiv ixtoq 
Tov äXlov Ttixovs, ro 8i irros tpaivtaO'ai. vmI oji avvov rov iCiQißokov 
d leffütyoTa 'jPwfiäioA rfj atptrigff y?MaaTj ix naXaiov xakovat rov %wqqv. 
Schon damals hatte sich die Legende gebildet^ dass der Apostel Fe« 
trus diese Stelle beschütze. 

3) Nach dem Gefechte am Pons Milvius flohen die Römer deo 
Mauern zu und die Gothen kamen bis vor die Stadt. I^ 18. p. S9, 
ovxia hl StatpvyovTiQ is rov 'Puj/irjs ittgißokov jjl&ovj Siwxovrie rs ot 
fagßaQot o/^« h ro Tti%09 'ixorro, a/jrtpl rrjv ^vkijv ^ BtXiOtt(^ia 
wvofiaaxa^ vvv. Dann kehrt der Name noch einmal wieder, cap. 
22. p. 1U6. ravta fitv afi(pl BiXiaaffiav nvktjv iyivoiTO. Den Grund 
der Benennung findet man darin , dass Belisar den nahe gelegenen 
,, Palast der Pincier^' (s. d. Abschn. über den Pincius.) bewohnt 
babe, wie allerdings bei Anast. vit. Silver. p. 104. 106 Blancb. 
gesagt wird. Vgl. N i b b y , Mura di Roma. p. 248. U r 1 i c h s , ^e- 
sehr, d St. Rom. \\\. B. p. 572. Wenn man aber bedenkt, dass Pro* 
copius die Piociana immer als nvh^ bezeichnet (Anm, 292.) , die an« 
gebliofae Belisaria aber beide Male als itvXrj , so wird der Name we« 
nigstens in Bezug auf dieses Thor sehr zweifelhaft, und wenn wegen 
der Worte rj vivofiaarat vTv nothwendig zugegeben werden müsste, 
dass ein Thor mit Belisars Namen benannt worden sei, so würde viel- 
mehr Anspruch darauf die Salaria haben, als das Hauptthor, weichet 
Belisar selbst vertheidigte. Denn davon, dass die Pinoiana den von 
Poos Milvius Herkommenden näher gewesen sei, lüsst sich kein ent- 
scheidender Grund entlehnen, weil sich gar wohl das Gefpcht seit« 
wärt« gezogen haben konnte. Ueberdiess wird die Salaria aasdriick« 
lieb das eigentlich«* Aasgangstbor gegen den Feind genannt* n« 19t p« 



199 

Dann folgen zwei nnsweifelhafte Tbore, Salaria und 
Nomen ta na, iber den gleichnamigen Strassen , welche frü- 
her ans der Collina führten, so dass an deren Stelle zweiThore 
nöthig wurden« Das erstere besteht, wiewohl in späterer Re- 
stanration , noch nnter demselben Namen ; das zweite wurde 
von Pins IV. zerstört und dafür etwas weiter nach Porta Sa- 
laria hin die jetzige Porta Pia erbaut. Von der Zerstörung 
zeugt die Inschrift ^^) des neuen Thors, und die Stelle der 
Nomentaaa ist durch eine Tafel mit der Jahrzahl 1564 bezeich- 
net. — Nahe diesem Thore beginnen die Mauern der Ca s tr a 
Praetoria, weit über die Linie der übrigen Mauer hinaus- 
tretend. Da sie durch Anrelian zu einem Theile der Befesti- 
gung gemacht waren, blieben diese drei Seiten stehen, als 
Constantin die der Stadtseite zugewandte Befestigung des La- 
gers niederreissen liess ^). Noch sieht man , wiewohl ver- 
manert die Porta decumana und an den Seiten die prind'^ 
pakt. 

Grosse Schwierigkeit hat dagegen die Bestimmung der 
Thore, welche hinter dem Lager auf der östlichen Seite der 
Stadt folgen, wo uns vier von da ausgehende Strassen, Tibur- 
tina , Collatina , Praenestina und Labicana , und wenigstens 
zwei sichere Thore, Tiburtina und Praenestina genannt 
werden ^). — Zunächst an dem Lager, un4 zwar dicht dartin, 
sieht man jetzt ein der Gröjsse nach ungefähr der Pinciana, 
hinsichtlich der Bauart den honorischen entsprechendes ver- 
mauertes Thor, geschlossen seit undenklichen Zeiten, so dass 
niemand seiner je gedenkt ; ja der Anonymus , der doch die 
Pinciana, wiewohl auch sie in seiner Zeit vermauert war. 



304) PlUM IIIL Pont, Max. Portam Ptam tublata NoiMntana 
exitruxit^ viam Piam aequata Alta Semita duxit, 

5) Zosin. II, 17. rowg Si II^iTw^tmpovC aT^aridTat i»t^itpa€ 
$ml xa ip^v^Mt va tovtovs l'xavwa tui&tXtiv. 

6) Wiewohl icb «oeh bierüher in der Schrift De Ramae vet. 
mur. atq. port. p. 116 ff. aasfiifarlieh gpehandelt habe, so kam icb 
doch hier qui ae weDifer die aoefamaUge ErÖrterni»^ oaterlassea, ala 
der beaoadere Zweck jeoer Sebrift aieht |^e«tattete, meiae wahre, 
aar im Zo§ammenhaa|^e mit aadered Erf^ebnissen bialaaslicb besrän- 
det ereebalaeada Meiauaif aas eiaaader zu setxea* 



200 

nicht vergessen hat, erwähnt es gar nicht. Daher wird es 
denn schlechthin das geschlossene Thor, Porta chiusa, ge- 
nannt. Weiterhin folgt die Porta S. Lorenzo, so be- 
nannt von der ausser der Stadt an der Via Tiburtina gelegenen 
Basilika dieses HeiUgen (S. Lorenzo fuori le mura). Sie 
muss als ein über einer Hauptstrasse stehendes Thor schon 
darum betrachtet werden, weil sie die schon oben erwähnte 
Dedicationsinschrift trägt. Das dritte Thor endlich auf dieser 
Seite ist Porta maggiore, ursprünglich ein Monument der 
Aqua Claudia , die hier über eine Hauptstrasse geführt war, 
weshalb natürlich bei dem Bau der aurelianischen Mauer es 
als Thor benutzt wurde. Fragt man nun, welche antike Na- 
men diesen Thoren entsprechen, so sind die Meinungen sehr 
verschieden. Die älteste unzweideutige Nachricht giebt uns 
der Anonymus von Einsiedln. Er kennt, wie gesagt, 
das geschlossene Thor gar nicht ; die Porta S. Lorenzo aber 
nennt er Tiburtina, Porta maggiore Praenestina; nicht 
nur in der Beschreibung der Mauer, sondern auch in der In- 
schriflensammlung und dem Verzeichnisse der Wege. — Zwei- 
felhafter kann es scheinen, ob auch Procopius unter dem 
Thore, welches er Praenestina nennt, die Porta Maggiore 
versteht. Er zählt überhaupt zwischen Porta Flaminia und 
Praenestina, beide eingeschlossen, fünf Thore '^^). Nun fin- 
den sich aber auf dieser Strecke nicht fünf, sondern sieben : 
Flaminia, Pinciana, Salaria, Nomentana, Clan^ 
sa, Tiburtina, Praenestina. Von diesen fällt aller- 
dings die Pinciana aus, da er die nvXi^€C besonders rechnet ; 
aber es bleibt die Frage, ob er dabei auch die Porta chiusa un- 
berücksichtigt lässt, und diess ist der eigentliche Gegenstand 
des Streits ; denn sobald sie ausgeschlossen wird, ist es en^ 



307) Goth. I, 19. roT'&ot Si ovx otol t€ ovtiS olov vrgaxoniSif 
xo xtixoQ ntQthtßiad^ai. ttvitkt^ «( notnaafievot %aQtaiuuiiaxa nivT§ nvhiv 
%wifov 7Jv6%kow in xfJ9 4>XafiipiaQ %Q xriv nakovfAivipf Jlgtutnoxivav. 
Danu p. 96. Bikwof^ios 8i xä is xifv ipvXax^v x^s noltws StSMoeuu iß»3a* 
srvXiSa füv avTos x^ IIiyniaviiv «cU nvlriy xifV xavxris iv Sf£i4 ^'X^^f i 
^aJüBL^ia iiv6fuiara$. — II(fcurecxivav di Bimrf idw$u. $tal xjj ^hauwü^^ 
ij niymavijg inl ^ortQa «ari» Kovüxavxh^ov tniüxnoe, •— xae 3i Muto* 



201 

schieden, dass Porta Maggiore ab Praenestina gedacht wer- 
den moss. — In späteren Sehrillen, im Liber de mirabi- 
iibns Romae, bei Martinns Polonns und Wilh. v. 
Malmesbnry wird einstimmig P. S. Lorenzo Tibnrtina ge* 
nannt: der Name Praenestina verliert sich ganz'^*) und P. 
Maggiore erhält verschiedene andere, leicht erklärliche Be-> 
nennungen. 

Die Mehrzahl der Topographen ist nun der allgemeinen 
Tradition gefolgt, und hat S. Lorenzo als Tiburtina angenom* 
men, P. Maggiore als Praenestina, wie denn auch jetzt die 
entsprechenden Wege aus diesen Thoren führen. Mibby, 
im Ganzen derselben Ansicht, hält dafür, dass von den beiden 
Bogen der Porta Maggiore der eine ftir die Via Praenestina, 
der andere für die Labicana bestimmt gewesen sei, und' dass 
daher der eine Theil P. Praenestina, der andere Labicana ge- 
heissen habe. Diese in der That auf die Spitze getriebene 
Distinktion wird mit Recht von Niebuhr*), wenn auch ge- 
wiss nicht aus dem richtigen Grunde, die unhaltbarste von al- 
len genannt. — Dagegen hat der scharfsinnige , aber doch 
nicht selten zu rasch urtheilende Fabretti (De aquis et 
aquaeduct. n. 248 ff.) geglaubt, ein ganz anderes System an- 
nehmen zu müssen. Um jeder der oben genannten vier Stras- 
sen ein besonderes Thor anzuweisen, entschied er, das ver- 
mauerte Thor an dem Lager sei die ursprüngliche Tiburtina ; 
aus S. Lorenzo sei die Via Collatina gegangen, aus P. Mag- 
giore die Labicana. Für die Praenestina aber, eine der be- 
deut|gflH|L Heerstrassen, blieb auf diese Weise nichts übrig 
als |Hp|pies gar nicht thorähnlich gebautes Pfortchen zwi- 
schen W. Lorenzo und Maggiore. Zu dieser Annahme war er 
hauptsächlich durch eine gleich zu erwägende Stelle aus Strabo 
veranlasst worden. Dem stimmte (wie gewöhnlich) im Gan- 
zen Piale'*^) bei, nur dass er die Inconvenienz , die Via 



308) Wenifpstens so weit mir bekannt worden ; doeh was« ich kei- 
nesweges zu behaupten, data er nicht irsendwo in mittelaiterlichea 
Schriften vorkommen könne. 

9) Bßtekr, d. Stadt Rom. h S. 657. Vri. III. A. S. 57!2 IT. 

10} S. Nie bahr a. a. 0. WahrscheiuUeh in seiner Aassabc 



202 — 

Praeneslina durch jenes PfSrtchen, die unbedeutende Colklina 
durch ein grosses Thor zu führen, dadurch zu beseitigen such* 
te, dass er vielmehr die erstere Strasse von S. Lorenzo aus* 
laufen liess, für die letztere kein besonderes Thor annahm. 
Späterhin, als man die Zahl der Thore möglichst zu beschrän* 
ken gesucht habe, sei das Thor an dem Lager geschlossen 
und die Via Tiburtina durch die Porta Praenestina (S. Lo- 
renzo) geführt worden« Dagegen habe man die Via Praene- 
stina nach Porta Labicana (Maggiore) gelegt und daher sei 
die Veränderung in den Namen der Thore erfolgt. So wäre 
denn das geschlossene Thor die Porta Tiburtina ; S. Lorenzo 
die Praenestina; P. Maggiore die Labicana; und diese Mei- 
nung haben Niebuhr und Bunsen für die einzig richtige 
erklärt. 

Prüft man indessen die dafür beigebrachten Gründe, so 
findet sich, dass sie keinesweges eine solche Annahme recht- 
fertigen. Das Hauptargument ist, wie schon gesagt, von 
Strabo entlehnt. Er sagt V, 3. p. 237. JShu av/uninTes 
(ry Aaxivf] üw) ual tj Aaßiuar^j ccQyofidrf^ fßikv dno 

aT9Q^ ^ n(p*taa %al %awfiv %a\ to ncdiov %6 *EanvJuvo¥ 
nQoeiOiif inl nX§icvs %(Siv f' nul n tmaimv %a\ 91A17010- 
aaoo Tf» 9iaAa#fl» Aaßmi %%iafMXTi mfL%%imaüiiiivif, ntifU^ 
rm f iq> vtffcve^ %ov%o /aIv %a\ %d TovanovXov ip ^«£19 
dnoXsinsi, TfiJLn/ra ii nf6ß %dß IJutras Kai xi^v Aa%ivfiv. 
Wenn also, wie Strabo sagt, die Via Labicana vor der Porta 
Elsq[uilina sich von der Praenestina trennte und|M^|wohl 
Als das esquilinische Feld zur Linken liess, so sCjOuller- 
dings unmöglich, dass beide Strassen zu einem und oemsei- 
ben Thore (Porta Maggiore) gelangten. Entweder kann also 
die Praenestina nicht diese Richtung gehabt haben , oder die 
Labicana muss noch weiter rechts abgegangen sein. — Der 
einzige Anbaltepunkt, welchen Strabo's Worte darbieten , ist 
die Angabe, dass die Labicana das esquilinische Feld zur 



des Ven«ti, die ich Dicht hahe eriaogea kSnocD« Ift dea DUsertatio- 
P0a kSmmt darüber nichts vor. 



__ 203 

Linken gelassen habe, während jedenfalls die Praenestina 
es durchschnitt, und es kömmt also darauf an, wie weit sich 
dieser Campus ausdehnte. Es ist früher von mir gezeigt 
worden 3^'), dass, wenn nach der gewöhnlichen Meinung die 
Ruine des Amphitheaters bei Sta. Croce, südlich von Porta 
Maggiore, dem angehört, welches die Notitia in der Regio 
Esquilina als Amphitheatrum Castrense nennt, und also diesa 
der südliche Grenspunkt der Region war, man auch berech» 
tigt sein wird, bis hieher den Campus Esquiliniis auszudeh- 
nen. Es kann diess besonders dadurch unterstützt werden, 
dass der Campus EsquHinus nicht nur in früherer Zeit der 
Ort war, wo sich nicht nur der gemeinste Begräbnissplatz 
befand f jsondem auch die gewöhnliche RichUtätte , und dass 
noch in später Zeit als Letztere das Sessorium (Sta. Croce) 
genannt wird. In dieser Voraussetzung nun könnte man an- 
nehmen, dass die Via Labicana in der Richtung der heutigen 
Via di Sta. Croce '^) gegangen sei, die Praenestina aber schon 
ursprünglich auf Porta Maggiore zu$ dann konnte es wohl 
geschehen, dass bei dem Baue der aurelianischen Mauer für 
Erstere kein besonderes Thor geschaffen, sondern dieselbe 
nach der Porta Praenestina gelegt wurde. — Sollte es hin-» 
gegen überhaupt bedenklich scheinen, jene Ruine als das Am- 
phitheatrum Castrense anzusehen (s. d. Abschn. über den 
Esquilin), und nicht wahrscheinlich gefunden werden, dass 
die Gegend von Sta. Croce, wenigstens in Strabo^s Zeit, als- 
Campus Esquilinus gegolten habe , so lässt sich eine andere, 
wie ich meine, noch ansprechendere Anordnung der Strassen 
auffinden. 

Vor Allem muss man nicht in den Fehler verfallen, zu 
meinen, die alten Strassen müssten durchgängig in der Rieh« 
ffung gegangen sein, welche durch die nachherigen Thore ge- 
geben ist. In Strabo's Zeit, wo keine Mauer ausserhalb der 
servischen Thore ihren Lauf unterbrach , war es natürlich. 



311) De Rotnae vet. mur, atq. p%ri, p, 119 ff. 
12) Ich kann indessen nicht behaupten, ob diese Strasse in der 
mchtanj^ einer ölten laufe ; unwahrscheinUcb ist es ab«r nieht« 



204 

dass ihnen die ihrem Ziele entsprechendste Richtung gegeben 
war, and so konnte es geschehen, dass ans einem Thore meh- 
rere Strassen in ziemlich spitzem Winkel divergirend auslie- 
fen. So ist es unstreitig bei der Porta Esquili na gewe- 
sen. Aus diesem Thore führten erweislich drei bedeutende 
Strassen: die Tiburtina (wie weiterhin gezeigt werden 
wird), die Praenestina und die Labicana. Die Tibur- 
tina trennte sich vielleicht gleich am Thore; die beiden an- 
deren kurz darauf. Die Ruine, welche gewöhnlich mit dem 
Namen Trofei di Mario belegt wird, zeigt durch die Linien 
ihrer Mauern unwiderleglich an, dass hier zwei Strassen sich 
schieden, in deren Winkel das Monument (um es vorläufig 
so zu nennen) hineingebaut ist. Die Strasse zur Linken fuhrt 
jetzt nach Sta. Bibiana und ich trage kein Bedenken anzu- 
nehmen, dass diess der Anfang der alten Praenestina 
war»*«). Als aber die erweiterte Mauer gezogen wurde, 
musste es jedenfalls unangemessen scheinen, auf einer so kur- 
zen Strecke drei verschiedene Thore zu haben und so wurde 
eine der Strassen mit einer anderen zusammengelegt. Nun 
könnte man freilich geneigt sein zu glauben, man werde die 
weniger wichtige Via Labicana nach der Praenestina verlegt 
haben; allein nicht nur wäre es viel unnatürlicher gewesen, 
die Erstere nördlicher zu leiten, sondern der Hauptgrund, 
weshalb man die Praenestina ihr zuführte, war unstreitig, 
weil sich das über der Labicana stehende Monument der Aqua 
Claudia von selbst als Thor darbot. Es ist nun natürlich, dass 
dieses gleich von Anfange seinen Namen von der wichtigsten 
Strasse erhielt und demnach Porta Praenestina hiess, 
wie es von Pk*ocopius und dem Anonymus genannt wird. Der 
Name Lavicana wurde wohl erst im Mittelalter üblich, 



313) Ebeo diese Strasse, welche aaf die oben erwühote geschlos- 
aeae Pforte gerdhrt zu haben scheint, erkannte Fabretti als die 
Praenestina, und darin scheint er voUlLoinmeu Recht zn haben; aber 
jene Pforte konnte doch nimmermehr das pränestinische Thor sein. 
Nardini (der weit davon entfernt war, das Richtige zu ahnen) sah 
noch den Gang der Strasse von dieser Pforte innerhalb der Maaera. 
Roma antiea, t. f. p. 75. Nibb. Poco in U presse alla Maggiore i 
oggi una porticina chiusa, e dentro le mura si seorge fra Vigne il 
solro della strada, per cai vi ai andava^ 



205 

nachdem der Weg zur heil. Helena wichtiger erschien als der 
pränestinische. Darauf deutet Wilh. v. Malmesb. hin, 
wenn er sagt: Sepiima porta modo Mator dicttur, olim Si- 
rucranüy aL Siracutana dtcebaiur et via Lameana dicitwr^ 
quae ad Beatam Helenam tendit* 

Bei dieser natürlichsten Annahme findet sich nun in Stra- 
bo^s Worten , ohne jene Ausdehnung des Campus Esquilinus 
anzunehmen, nicht der' mindeste Widerspruch. Wenn man 
aber noch ausserdem sich auf Anas tasius berufen hat, der 
von einer Schenkung der Aecker zwischen der Porta Sesso- 
riana (Maggiore) und der Via Praenestina spreche, so ist 
schon von mir in der mehrfach angeführten Schrift (p. 122.) 
gezeigt worden, dass diess nur sinnlose Lesart einiger gerin* 
geren Handschriften ist und dass die Stelle vielmehr so lautet : 
(in vita Silvestri. p. 49 Blanch.) omnem agrwn a porta 
Foforritana via itineraria usque ad viam Latinam ad mou" 
tem jitbium. 

Was nun die Porta Tiburtina anlangt, für welche 
man die P. chiusa an dem Lager erklärt hat, so ist man von 
der ganz falschen Voraussetzung ausgegangen, dass die Via 
Tiburtina aus der Porta Viminalis der servischen Mauer ge- 
führt gewesen sei. Dann freilich wäre das Natürlichste, das 
ihr gerade entgegenstehende Thor am Lager für die Tiburtina 
zu halten. £s ist diess aber schon darum unwahrscheinlich, 
weil das viminalische Thor (s. S. 173.) ganz unbedeutend ge- 
wesen zu sein scheint, so dass es uns gänzlich unbekannt sein 
würde, wenn nicht Festus und Strabo bei Beschreibung des 
Walls es erwähnten und Frontin veranlasst gewesen wäre , es 
in Bezug auf eine Wasserieitung zu nennen. Das liesse sich 
aber kaum erklären, wenn eine solche Hauptslrasse, wie die 
tiburtische, von ihm ausgegangen wäre. Sodann reicht auch 
ein Blick auf den Plan hin, um sich zu überzeugen, dass na- 
mentlich für die ältere Stadt die Führung durch das esquilini- 
sche Thor viel zweckmässiger war, als durch das abgelegene 
viminalische. Allein es wird auch ausdrücklich gesagt, dass 
diese Strasse auf das esquilinische Thor geführt war. Denn 
Ovid, wo er den auch von Livius berichteten Schwank er- 



206 

zählt , durch welchen die Tibicines von Tibur nach Rom zu- 
rückgebracht wurden, lässt den Zug durch die Esquilina in 
Rom eintreten *^-^). Daher würde denn in der That eine Ver- 
leugnung der bessern Ueberzeugung dazu geboren , um nicht 
Porta S. Lorenzo für die Tiburtina zu erkennen. — 
Das Thor am Lager aber, das nicht einmal, wie alle anderen 
und selbst die Pinciana von Thürmen beschützt wird, ist nichts 
als eine der von Procopius erwähnten nvXideg, und eben des- 
halb konnte es entbehrlich scheinen and vermauert werden. 
Dass der Anonymus es gar nicht erwähnt, kann in keinem 
Falle als Nachlässigkeit betrachtet werden, sondern wahr- 
scheinlich war es damals durch irgend einen Vorbau verdeckt. 
Ist doch auch jetzt Porta Asinaria in gleicher V^eise versteckt 
und nur durch die Thürme kenntlich ; jenes Thor hatte aber 
eben keine Thürme. — Dass aber von Strabo die Via Tibur- 
tina nicht genannt wird, ist ganz natürlich. Er spricht bloss 
von den Strassen, welche sich mit der Latina vereinigten, und 
das sind die Praenestina und Labicana, von denen die erstere 
bei Auagnia, die letztere ad Pictas in jene Hauptstrasse aus- 
lief. Hier konnte also der Tiburtina gar keine Erwähnung ge- 
schehen. 

Es bleibt nur noch ein Bedenken gegen die angenommene 
und , wie ich glaube , hinlänglich begründete Lage der Porta 
Praenestina zu berücksichtigen übrig. Es ist diess entlehnt 
aus Procopius, der bei Erzählung des Angriffs derGothen 



314) Li vi US erzählt IX, 30. Tibicines, qnia prohihiti a proxi- 
tnis eemoribus erant in aedt lovis oetet, quoä traditum antiqtiihis 
erat, wgre pasti, Tibur uno agmine abierunt: adeo ut nemo in Urbe 
estet , qui saerificiis praecineret, Eiut rei religio tenuit st^nafutn, 
tegatotquB Tibur miMerttni^ ut darent operain, ut hi homine* Roma- 
nia resiituerentur, Tiburtini benigne poiiiciti primum accitus eo4 
in curiam hortati sunt, uti reverterentur Romam: postquam per- 
ptlii n^quitfant, eonsiiio kaud abhorrente ab ingenüs homimum eos 
adgrediuntur. Die festo alii aUos per speeiem celebrandarum eantu 
epularum causa inviiant et vino, cuius aoidum fet^me genus est, one- 
rmtos sopiunt: mtque iim im plauatra somno pinetos eomiieiuut ae Ma^ 
mam deportant^ nee prius sensere , quam plaustris in /oro reiietis 
plenos erapuiae eos lux oppressit. Da sai^ nno Ovid. Ptst. 
VI, 677. 

lamque per Esquilias Rofnanam intraverat urbem (tnrba), 
Et mane in medio plaustra fuere foro. 



207 

auf dieses Thor eines nahe dabei gelegenen Vivarinm oder 
(ehemalig^i) Thierzwingers gedenkt, der äasserlich an die 
Maoer angebant war*'^). In der Ueberzengong, dass das Am- 
phitheatrom Castrense bei Sta. Croee gelegen habe, hat man 
denn auch gewöhnlich in dieser Gegend das dazu gehörige Vi- 
yariam angenommen ^^). Dagegen mussten sich freilich die 
erklären, welche S. Lorenzo für die P. Praenestina hielten, 
ond es ist geltend gemacht worden, dass im Alittelalter die 
Gegend zwischen dem Walle an den Diocletiansthermen nnd 
dem Lager der Prätorianer il Vivaio oder Vivariolo geheissen 
habe>'). Wie weit diese Benennung auszudehnen sei, ist 
zweifelhaft ; dass aber die Gegend um die Castra jedenfalls ins 
thfimlieh so genannt wurde, erklärt sich daraus, dass man die 
Castra Praetoria selbst fiir das Vivarium hielt und vorzugs- 
weise ii Vivariolo nannte >*). Allein die Castra nnd das von 
Procop genannte Vivarinm bestanden gleichzeitig, wie zum 
Ueberflosse eine in dieser Gegend gefundene Inschrift aus der 
Zeit des Jüngern Gordian bezeuget, s. d. Abschn. über den 
Esquilin. 

Die Porta Tiburtina (S. Lorenzo) ist an ein Monu- 
ment der Wasserleitung der Marcia, Tepula und lulia, die hier 
in drei verschiedenen Canälen über einander fliessend über die 
Via Tiburtina geführt waren, so angebaut, dass der Bogen 
des Thors dem des Monuments entspricht ; allein letzterer ist 
bedeutend verschüttet und erscheint daher sehr niedrig, wäh- 
rend das honorische Thor auf der Verschüttung selbst st^t. 



315) Goth. I, 2%. j. lös. a^ nvkf^v n^tutfearivar inl fMn^¥ 
%ov m^ohfv, tiv*Fuk(iaunßgBa^iov xoXoSqi. cap. TS. p. III. «A 
fiofiadi adXo ß^axif n^QUßaUov tSw&tv avrif (r<? ttixu) oi naXat 

novQxa(fw, ottoi« öti Uo$ja9 xs »al rakLa ^^ ««^««(»{aiT«« *Vr«5*« 
Ttj^oisv. Oih OT^ xal ßißoLQiov rovzo (avofiaarou. Es lag nahe beim 
Thore; dena als die Gothen ia dieae Vormaiier eiagedningen war«a, 
nachte Belisar von da eiaea Ausfall: p. 112. jov negißoXov ras nvittt 
ityaxXivat ßeliaa^ios iSaTtPoiws , anav inl rovg ivavriovs ^<pie$ t5 

16) Nardini, Roma ant. ed. Nibby. t. II. p. 17. Nibby, 
Mura di Roma. p. 357. Canioa, Indieaz. topof^r, p. 106. Hl. 

17) Urlicks, Btschr, d, Stadt Rom. HI. B. S. 842. 

18) Lucio Faaoo dsUo antiehitä di Roma, p. 15 br 16b. 
Aadr. Folviua do Ur^ anüfuit. p. 25. 



208 

Es hiess im Mittelalter auch Porta Taurina, doch wird 
daneben immer auch der alte Name, so wie der jetzige 
erwähnt. — Von der hier auslaufenden Via Tiburtina 
oder Tiburs^^*) war wahrscheinlich die CoUatina ab- 
geleitet* 

In ähnlicher Weise ist auch für die Porta Praene- 
stina (Maggiore), wie schon erwähnt worden, das gross- 
artige Monument der Aqua Clandia und des darüber fliessen- 
den Anio novus benutzt. Es hat zwei Bogen, allein der eine 
(von der Stadtseite rechts) ist vermauert. Am besten lernt 
man es kennen aus Du Perac's Abbildung der nach innen ge- 
kehrten Fronte, ehe es späteres rücksichtsloses Anbauen ver- 
unstaltete. Auf der Aussenseite wird es von dem honorischen 
Vorbaue verdeckt. Beim Abbrechen eines mittelalterlichen 
Thurms kam hier vor einigen Jahren das bizarre Grabmal des 
Eurysaces zum Vorscheine, lieber dem geschlossenen (hono- 
rischen) Bogen war dieselbe Dedication, wie auf der Tibur- 
tina, gesetzt ; das Monument aber hat drei Inschriften, welche 
Claudius als Erbauer, Vespasian und endlich Titus als Wie- 
derhersteller der Wasserleitung nennen, s. d. Abschn. über 
die Wasserleitungen. Der Name des Thors hat vieirällig ge- 
wechselt. Der älteste, Praenestina, der sich noch beim Ano- 
nymus findet, scheint, wie schon gesagt, späterhin ganz zu 
verschwinden. Der nächste dem Alter nach möchte Porta 
Sessoriana sein, von dem nahe gelegenen Sessorium (Sta. 
Croce). Daraufweiset schon der Schol. Cruq. zu Horat. 
Epod. 5, 100. hin : hinc EsquiKna porta Romae dicüur ad 
Sessorium. und zu Sat. I, 8, II. In Esquüiis publicis se* 
pulti sunt extra poriam^ in qua est Sessorium. j und so 
wird das Thor mit mehrfachen Verstümmelungen von Ana- 
stasius und Anderen genannt. Bei Martinus Polonus 
und im Lib. de mir. Rom. heisst es Lavicana, aber 
dabei wird auch der Name Porta Mai or erwähnt, der sich 



319) Plin. epist. VII, 20. Est tna Tiburtina intra primum ia- 
pidmn — tnonimentum Pallantis, Dagegen Hortt. Sal. I, 6, 108. 
Cum Tihurte wa praeiorem quinque sequuniur J« pu^ri. 



209 ^ 

auch schon bei Wilh. v. Malmesb. findet ^^o). Wahr- 
scheinlich röhrt diese Benennung von der Basilica di Sta. Ma- 
ria Maggiore her und aus demselben Grunde wurde im 15. Jhdt. 
das Thor auch Porta della Donna genannt ^^). 

Von hier folgt die Mauer eine ziemliche Strecke der Lei- 
tung der Aqua Clandia und macht daher in gerader Linie eine 
bedeutende Ausbiegung. Darauf folgt die Ruine des schon 
erwähnten Amphitheaters, gewöhnlich Amphitheatrum 
Gastrense genannt, dessen Gurve von 16 Bogen in die 
Mauer eingeschlossen ist. Das nächste Thor war die Porta 
Asinaria, an deren Statt Gregor XIIL im J. 1574. die heu- 
tige Porta di S. Giovanni erbauete, um Weniges näher dem 
Amphitheater. Das alte Thor wird jetzt durch einen zwischen 
seine beiden Thürme gebauten Schuppen verdeckt. Den Na- 
men erhielt das Thor, weil es über der Via Asinaria er- 
richtet war, die schon von Festus^^) erwähnt wird. Das 
Tlior selbst nennt Procopins mehrmals ^'). Im Mittelalter, 
beiMart. Pol. u. s.w., fuhrt es auch den Beinamen La te ra- 
uensis, von dem nahen Lateranpalaste. 

Nach diesem Thore wird in den Verzeichnissen ein jetzt 
verschwundenes Thor, Porta Metronis (Gregor.), Me- 
troni oderMetronii (Mir. Mart. Pol.) oder endlich Me- 
trovia (Anon.) genannt^-*). Nach dem Zusätze beiMart. 
Pol. Porta Metronüy übt rivus inßvit cimtatem. hat man 



3^0) Wenn Niebnhr, ßeschr. d. Sh R. III. A. S. 574. angiebt, 
der Name finde sich schon bei dem Anonymus , so ist das wohl ein 
Irrtham. Ich finde ihn nicht. Dagpegeo heisst , was Niebnhr Isug^oet, 
bei ihm die Kirche S. M. Maior. 

:{|) Nibby, Mvra di Roma. p. 351. 

22) Fest. p. 2H2 Müll. Retricibus cum ait Cato — signifieai 
aquatn eo nomine, quae est supra viam Ardeatinam inter iapidem 
secundum et tertium, qua irriganiur horti ir^a viam Ardeatinam 
et Jsinariam usque adLatinam. Vgl. d. Abschn. über die Laodstrassen. 

23) Goth. I, 14. III, 20. Woher der Name stamme, ist unbe- 
kannt. Eine Ableitung von Asinius ist unmöglich und eine Verstüm- 
melang aus Asinia wegen der ErwShnung bei Festus (Verrins) eben- 
falls nicht denkbar. Andere Versuche, ihn zu erklären, verdienen gar 
keine Beachtung. 

24) Die älteste Erwähnung findet sich in einem Briefe Gregors 
d. Gr. (590 — 604) IX, 69. Dort heisst sie Metronis, s. Nibby, 
Mura di Roma, p. 365. 

14 



210 

ihm den Bogen zugvwieseny unter welchen» jetzt dieMarrana 
{Aqua Crabra) in die Stadt flieset, odier, da derselbe in kei- 
nem Falle für ein Thor getten kann, es doch in dieser Ge- 
gend, hei Piazza della FerrateHa, angenanunen, so dass es 
dem Aurgaage zum Caelius zwischen S* Stefano rotoado und 
Villa Mattei (s. S. 169.) entsprochen hätte »^s). 

Die beiden folgenden Thore, P. Latina und P« Appia 
traten an die Stelle der alten Capena, wie die Salaria und 
Nomentana die Collina vertraten, Tiburtina und Praenestiaa 
die Esquilina. Die Via Latina ging hei S, Cesareo tinka 
von der Appia ab (& 168.) und erforderte dahw ein besonde- 
res Thor. Jetzt ist es vermauert und der Weg nach Fmsoali 
(Tttsculum) fiihrt aus P. S. Giovanni. Der Bau kann viel- 
leicht von Honorius herrühren, aber wohl nicht ohne spätere 
Restauration, vielleicht durch BeKsar. Auf der Anssenseite 
über dem Bogen steht das christliche Monogramm. — Das 
zweite Thor, Porta Appia noch im Mittelalter genannt, 
jetzt P. di S. Sebastiane, von der ausser der Stadt gelegenen 
Basilika , eines der ansehnlichsten, ist nach Nibby's Meinung 
späteren byzantinischen Ursprungs, wofür die griechischen 
Inschriften sprechen, lieber den im Innern siehenden sogen. 
Bogen des Drusus s. d. Abschn. über den Caelius. 

Weiterhin und kurz vor dem neuen Stücke Befestigung, 
Bastione dl Sangallo, siebet man einen mit Ualbsäulen ver- 
zierten und durch ein schweres Architrav unterbrochenen schö- 



325) Nibby a. a. 0. Piale, Delh parte meridionalL p. II. 
Baoseo, Besohr. d. St R, l, p. 665. Uoerklart bleibt jeiocb dabei 
die Ang^abe des Anonymus, bei dem sich Folgendes findet: 

• Db skptbm VHS (beim Septizoninm) dsqub porta MstRO Via (sie). 
JuMinuira. lohmnnis et pauli In dextra, clivus taitri 
Forma iattraneiue Ad scm $tephanum in celiü mante 

Ad scm erasmwn Item alia via de porta metrovia. In dextra 

SCß mariü dominiea ad scm syxtum. In sinistra aeelesia 

Sei iohannis. 
Es ist aber wohl möglich , dass hier eine Verwechselung Statt gefan- 
den hat und sie würde sich vielleicht nachweisen Lassen, wenn mir 
bekannt wäre, wo die Kirche Sti. Erasmi gelegen hat. Denn dieser 
Punkt und Sta. Maria (della Navicelln) geboren j.eden falls noch zu 
dem ersten Wege. Die zweite Angabe, S. Sislo and S, Giovaaai av. 
porta Latina, widerspricht nicht. 



— tu 

nen Bogen von Ziegelwerk aus sehr guter Zeil. Es ist von 
Nibby (p« 201.) überzevgend nachgewiesen worden, das» 
durch ihn die Via Ardeatina geführt war, weiche in der 
serviscfaen Maoer von der Raudusculana ausging. Dass diese 
Strasse selbstäudig von Rom auslief und nicht von einer an- 
deren abgeleitet war, dafür spricht auch die oben aus Fes tu s 
angeführte Stelle. Weder der Anonymus, noch sonst ein an- 
deres VerzetchBiss der Thore nennt dieses Thor, und wahr- 
scheinlich ist es schon in früher Zeit vermanert worden. — 
Dann folgt das ktzte diesseitige Thor, Porta Ostiensis, 
jetct Porta S. Paolo, von der berühmten anderVIaOstien*« 
sis gelegenen Basilika. Den ersteren Namen nennt A mm ian 
Mar cellin (s. S. 191.); idier schon ira sechsten Jahrhun- 
dert findet sich auch der Name P. S. Pauli »s«). Das Thor, 
ein hoBorisches, hatte zwei Bogen, und von der Stadtseite 
siebet man noch links den zweiten vermauert ; von aussen aber 
erscheint des vorgebauten Thurms wegen nur einer. — Nahe 
dem Thore ist die Pyramide odw das Grabmal des Cestius in 
die Mauer eingeschlossen. Von da gingen die Mauern (jetzt 
späte Erneuerung) die Ebene des Testaccio einschliessend bis 
an den Fiuss und liefen an demselben hin bis zu dem Punkte, 
wo die jenseitige Befestigung das Ufer erreichte« Jetzt sieht 
man auf der letzteren Linie nur noch einzelne Trümmer* 

Jenseit des Tiberis sind nur noch Spuren der alten Maoer 
vorhanden. Sie erstreckte sich weiter unterhalb (Vigna Ce- 
sarini gegenüber) als die jetzige. Hier lag zunächst, nicht 
fem vom Flusse, die Porta Portuensis, -welche Urban 
YIII. (der bekannte Barberini) zerstörte, um (nach Bunsen 
550 Schritt) weiter aufwärts die jetzige Porta Portese anzü« 
legen. Das Thor halte, wie die Ostiensis uiidPraenestina, eben- 
falls zwei Bogen und trug dieselbe Inschrift, wie die Tibur- 
tina (S. 190.). Aus ihm fährte die Strasse nach Portus. — 
Von da lässt sich die Spur der Mauer verfolgen bis zur Höhe 
des lanicuius, wo die Porta Aurelia stand, so bejiannt 



32G) Aetbie. Cosmogr. p. 716. Procop. Goth. III, 36. 
p. 433. 

14- 



21« 

von der Via Aurelia (velus). Schon bei Procopiu» »«^^ 
wird sie mit dem jetzigen Namen Pancratiana genannt 
(P. S. Pancrazio); aber der alte findet sich noch beim Ano- 
nymus und selbst im Lib. de mirab. Romae. — Die 
Mauern stiegen darauf wieder hinab ^um Flusse. Reste einer 
früheren Befestigung in Giardino Farnese haben zu der allge- 
meinen Annahme geführt , dass dort ihr nördlicher Endpunkt 
gewesen sei; aber es ist schon oben (S. 194.) gezeigt wor- 
den, dass in Procopius Zeit sie durchaus nicht so weit ausge- 
dehnt gewesen sein können. Denn wenn er ausdrücklich sagt, 
dass die Mauer mit der Brücke (P. Sisto) verbunden gewesen 
sei, so kann Letztere nicht über 500 Fuss unterhalb gelegen ha- 
ben, es müsste denn die Befestigung am Flusse bis zu der 
Brücke zurückgeführt gewesen sein. Es kömmt daher in Fra- 
ge , welcher Zeit jene bis an den Fluss reichenden Trümmer 
angehören mögen. — • Auf diesem Trakte nun von P. AureUa 
(S. Pancrazio) bis zu dem Flusse nennt der Anonymus kein 
Thor, sondern giebt nur die Zahl der Thürme, Zinnen u. s. w. 
au, und auch bei Wilh. v. Malme sb. ist das vierzehnte und 
letzte Thor die Aurelia oder Pancratiana. Ja auch Proco- 
pius, wo er erzählt, dass die Gothen ein sechstes Lager un- 
ter dem Vatican aufgeschlagen hätten , sagt ausdrücklich , das3 
dadurch ausser den fünf Thoren von der Flaminia bis zur Prae- 
nesüna noch zwei andere, die Aurelia und die Pancratiana, 
bedrohet worden seien und erkennt also ein drittes Thor zwi- 
schen diesen beiden nicht an 2®). Gleichwohl wird nicht nur 
von anderen Schriftstellern des Mittelalters ein drittes trans« 
tiberinisches Thor , Porta Septimiana, genannt, sondern 
es erwähnt dasselbe auch Spartian, der im Leben des 



327^ Procop. I, 18. p. 92. 17 vntQ irorafiov Tiß^Qiv üayugariov 
ivB^oQ ayiov inwyv/ios Qvca, cap. 23. nvXfjv ri/v intQ nora/iov Tißfifvy% 
ij IlaymqatiavTi naXttxak, Im Mittelalter hiess sie auch Aurea, ver- 
«türamelt ans Aarelia. 




ra/iior» 



«3 

Septimios Severus cap. 19. sagt : Opera publica eius exitatd 
SepHsonium et thermae Severfanae. Eins denique etiam ia- 
nuae in Transtiberina regione ad portam nominis sm^ qua- 
rum forma intercidens statim usum publicum intndit. Ich 
habe in der Schrift De Romae vet. mur. atq, pari. p. 127 ff. 
gezeig;!, dass das sinnlose Wort ianuae verderbt sein moss, 
und dass von einer wahrscheinlich ansgedehnlen Anlage von 
Bädern die Rede ist, welche durch Einsturz der sie versor- 
genden Wasserleitung (Jbrma) sehr bald wieder ausser Ge- 
brauch gesetzt wurden. Daher muss nothwendig statt ianuae 
gelesen werden balneae. Was nun das Thor anlangt, so ist 
jeder Gedanke an ein von S^ptimius erbautes Stadtthor ganz 
auszuschliessen , da es in seiner Zeit gar keine Stadtmauer 
gab ; noch weniger er selbst eine solche aufgeführt hat. Dem- 
ungeachtet kann die Porta Septimiana immerhin von die- 
sem Kaiser selbst herrühren. Die hier von ihm gemachten 
Anlagen waren wahrscheinlich sehr umrdnglich und die No- 
titia nennt eben auf dieser Stelle eine Area Septimia- 
n a 3^'). Auch hat diese Gegend bis in neuere Zeit den auch 
jetzt noch nicht ganz unbekannten Namen 11 Settignano 
behalten. Es ist wohl denkbar, dass diese Anlagen nach dem 
Vatican hin einen Durchgangsbogen hatten, über dem sich 
die Dedication des Kaisers befand. Und in der That berich- 
ten Marliani und Lucio Fauno 30), dass in früherer Zeit 
der Name des Septimius daran zu lesen gewesen sei, bis 
Alexander VI. das halb verfallene Thor niederreissen Hess ''). 



329) Die Handschrift, welche Curiosam urbisRomae betitelt 
ist (Mu rat. thes. inscr. t. IV. p. 1\yi.) hat Co rariam Septi- 
mianam. Soa^t habe ich nur Aream Septiiniam oder Septimianam 
gefunden und daraus erklärt sich auch die von älteren Aslygraphen 
erwähnte Ära Septimiana. 

30) Marliani, l'rb. Romae topogr. I, 8. Graev. thes. III. p. 75. 
Lucio Fanno, Delle atidchitä di Roma. cap. 21. „(dicono) che uel 
frontispieio di questa porta Tusso anche il uome di Settimio'^ 8o 
auch Aodr. Fulv. de (Jrb, antfquif. p. 45. 

3i) Dass das neue Thor nicht auf der Stelle des alten erbaut 
worden sei, sondern etwas weiter nach aussen, scheint ein Irrthnm zu 
sein. Es sagt Melchiorri, Guide mSthodique de Rotne. p. 46. 
,,L* ancienne, que plusieurs appelaient fenestrale, fut un peu plus en 
dedans que Ia moderne. '^ Aber wahrscheinlich hat er die Worte des 
Lucio Panno missverstauden, bei dem es beisst: ,,L' ultima porta 



JW4 

Als daher Aurelian hier die Mauer zog, ist es sehr na'türiicby 
dass dieser Bogen auch ferner den Eingang in der nunmeh- 
rigen Stadtmauer bildete ^^^). Dass nun Procopius diese Porta 
SepUmiana nicht nennt, iässt sich vielleicht daraus erklären, 
dass es kein grösseres Stadithor war; warum aber der Ano- 
nymus davon schweigt, ist schwer zu beurtheilen; nur lässt 
sich kaum annehmen, dass hier eine Verbindung mit dem Va- 
tican dauernd gefehlt haben könne. 

Kommen wir nun zurück auf die Frage, welches die 14 
Thore seien, die Procopius augiebt, so ergeben sich allerdings 
mit Sicherheit nur 13. Es sind folgende: 1) Aurelia (S. 
Petri). 2)Flaminia. 3) Salaria. 4) Nomentana. 5) 
Tiburtina. 6) Praenestina. 7)Asinaria. 8) Metro- 
nis. 9)Latina. 10) Appia. 11) Ostiensis. IS) Por- 
tuensis. 13) Pancratiana. Der Anonymus, Wilh. v. 
Malmesb., die Alirabilia, Martinus Pol. zählen allerdings auf 
dem linken Ufer 12 Thore; allein sie alle rechnen die Pin- 
ciana mit, welche Procopius zu den nvXld§s zählt. Es 
scheint daher das Annehmbarste, zu jenen 13 Thoren noch die 
Ardeatina hinzuzufügen, zumal da die Entfernung vonP. 
Appia bis P. Ostiensis, wenn sie ohne Thore gedacht wird, 
unverhältnissmässig gross erscheint; und bei den grossen V^er- 
änderuugen, weiche die Mauer in dieser Gegend schon friih 
erlitten zu haben scheint, ist es wohl auch möglich, dass sich 
dort ein dem beschriebenen Bogen entsprechendes honorisches 
Thor befunden habe. 



di Trastevcre , che « tra qnella di San Pancratio e*l fiomc , e stata 
per UD gran tempo ä dietro cliiainata (conie aiico hara si cbiama) Set- 
timiaDa.*' Es ist ja doch ofTeabar zu verbiiideu : un grau ieuipo a 
dietro. 

332) Vielleicht ist damit auch die Xachricht in Verbioduag zu 
setzen, dass Aurelian in der transtiberinischen liegion Bader habe an- 
legen wollen, weil es daran gefehlt habe. Vo pisc. A ure 1. 45. Ther- 
mal in Transtiberina reffione Jureliunus Jacere paravit, quod aquae 
frigidioris copia ilfir dvesset. 



Die F o r »• 



Das Forum Romanum und die Gebäude am 

CliTus Capitolinus. 

Der Campo Vaccino ist eine der denkwürdigsten Stellen 
des ganzen Erdkreises. Einst der Mittelpunkt des grossartig- 
slen politischen Getriebes und unmittelbare Zeuge des erha- 
bensten welthistorischen Schauspiels, das eigentliche Herz der 
allgebietenden Stadt, nach dessen Pulsen sich das Leben 
dreier Welten nomiirte, eine Stätte des Ruhms und des Glan- 
zes, umschlossen von Tempeln und Pracbtgebäuden, ist es 
jetzt nur ein verödeter, wüster Platz ; aber die grossen Erin- 
nerungen, die sich daran heften, machen dem Alterthumsfor- 
scber jede Spanne desselben zu einem Heib'gthume, und welche 
Theilnahme auch der Palatin, theils als Wiege des Staats, 
theils als Thronstätte der Wellbeherrscher; das Capitol als 
Sitz der Götter und Veste des Reichs ; die Wunder des Mars- 
fekles und der kaiserlichen Fora erregen, so kömmt doch nichts 
an Redeuiung jener Tiefe zwischen dem capitolinischen Hügel 
und der Höhe des Titusbogens gleich. Alle übrigen Theile 
der Stadt scheinen sich nur als untergeordnete Glieder um 
das Forum als den eigentlichen Sitz der Seele, von dem alles 
Leben ausgehl, zu reihen, und so ist es natürlich, dass die 
Kenntniss desselben jeder Retrachtung der übrigen Stadt vor- 
angehen muss. 

Leider sind die Verwüstungen in dieser Gegend so total 
gewesen, dass mit Ausnahme des Ruinenreichthums am Clivus 



216 

Capitolinus fast alle Gebäude, welche das Forum umgaben, 
spurlos verschwunden sind und nur einzelne spärliche 'Reste 
ohne sichere Bürgschaft für ihre Bedeutung der Forschung we- 
niger zu Führern dienen, als ihr schwer lösbare Räthsel auf- 
geben ; aber als ein glückliches Geschick muss es dennoch be- 
trachtet werden, dass nach jenen Verheerungen das städtische 
Leben sich von dieser Gegend wegwandte und kein neuer An- 
bau die Stelle noch unkenntlicher machte und die letzten Trüm- 
mer des alten Forum vernichtete. Vielleicht kömmt einst eine 
glückliche Zeit, welche den tief unter Schutt und Erde liegen- 
den alten Boden offen gelegt sieht und daraus mit Leichtigkeit 
und Sicherheit Resultate ziehen kann, die sich jetzt nur müh- 
sam und vemiuthungsweise aus den Nachrichten der Schrift- 
steller gewinnen lassen; 

Bei diesem Mangel an sicheren Anhaltepunkten für die 
wichtigsten Fragen darf man sich denn auch nicht wundern, 
dass über die Anordnung der verschiedenen Gebäude und 
Plälze, welche uns genannt werden, bei den Topographen ^^^^ 



333) Ausser den allgemeinen topogrnpliisclien Werken gehören 
hieher haoptsächiich folgende Schriften: Nibby, Del Foro Romano^ 
deita ria tacra etc. Rom. 1819. (>crhdrd, Dclla basUica Giulia 
ed alcuni siti del Foro Romano. Rom. 1823. F e a , Sülle tovine di 
Roma, Rom. 18^28. Piale, Del Foro Romano, stta posizione e gran- 
dezza non hene inlete dal Sardini. Rom. 183?. (1818.) Ders. Della 
Basilica Giulia etc. 1833. (I82i.) Ders. De' tempj di Giaao etc. 
1833. (1819.) Gant na, Detcr, slor. del Foro Romano e tue atf/a- 
cenze, Rom. 1834. üers. Sui rostri del foro Romano. Disaertazioni 
deir y4ead. Rom. (Atli Rom.) T. Vllf. p. 1U7 ff. Ders. Sugli antiehi 
edifizj gid eMistenti nel luogo ora occupalo da IIa chiesa di S» Mar- 
tina etc. Rom. 1810. Bunsen, Le forum Romanttm, explique sehn 
Veiat detfouilles le 21 ^t7*. 1835. Bulletino delC Insl, 1835 Maio. 
Der:». Let forum de Rome reslaures et expliques, Rom. 1837. (en 
deax partie:«.) auch Annali d. I. t. Vlll. p. '207 ff. Huschke, 
Ifeb. d. Stelle des f^'arro v. den Libiniern, Heid. 1835. Ambrosch, 
Studien ?/. Jndeut. im Gebiet des allröm. Bodens u, Cultus. Brest. 
1839. Darnnter ist Nibby 'S Arbeit bei weitem die fleissigste ; aber • 
von einer falschen Grandan^icbt (Nardinrs) aasgeheod musste er lau- 
ter irrige Resultate erhalten. Piale bat das Verdienst, zuerst die 
richtige Ansicht von der Lage des Forum wieder geltend gemacht zu 
haben ; im Einzelnen aber ist seine Restaaration höchst fehlerhaft. 
Die Ergebnisse früherer und besonders der wichtigen neuesten Ans- 
grabnogen sind von Bunsen sehr vortheilhaft' benntzt worden; mehr 
noch als in den oben genannten Schriften in der Beschr, d. St. R. 
III. B. Leider fehlt aber der sonst umsichtigen Behandlung der sichere 
Gruud, den genauere Kenntniss und richtiges Verstän^lniss der nlteo 



217 

die maniiigfaltigsten Ansichten herrschen; weniger verzeihlich 
aber ist es, dass bis in die neueste Zeit über die Lage des Fo«* 
mm im Allgemeinen die irrthfimlichsten Annahmen haben Platz 
finden können. Die ältesten Topographen haben richtig geur- 
theilt, dass sich das Forum seiner Länge nach von dem Fusse 
des Capitolinns oder dem Triumphbogen des Septimius Severus 
nach dem Titusbogen hin ausgedehnt habe. So giebt es Lu- 
cio Faun o ^^) an, der es nur fälschlich bis zur Höhe seihst 
reichen lässt; so bat es auch bei aller übrigen Unklarheit 
Blondus Flavius gedacht und so entschieden Marl i an i. 
Allein schon Donati verfiel in den Irrthum, die Linie vom 
Arcus Severi bis zum Faustinatempel (oder den 3 Säulen ge- 
genüber) für die Breite zu nehmen und das Forum der Länge 
nach sich in südlicher Richtung bis über Sta. Maria della Con- 
soiazione ausdehnen* zu lassen. Diese ganz irrige Ansieht ist 
dann durch Nard in i die allgemeingültige geworden und bis 
in die neuesten Zeiten geblieben. Veranlassung zu solcher 
Annahme gaben die Stellen der alten Schriftsteller, welche das 
Forum als zwischen dem Capitolium und dem Palaün gelegen 
angeben. Allerdings sagt Dionys. ü, 50. st«} 9uX6fievo$ 
rds olttioBie ;f iKi^}c dXXi^Xmv diaivar iv %oXe IdioiQ ixdTi(fo$ 
Xfo^ioie inoiovvTO* *P(o/ivXoe /liv to llaXdxiov xart^fa^ 
xal TO KaiXiOP oqoc * iotl dk Tta IlaXaTiif nQOü$XfS* Td^ 
Tios ih ro Kani%nXiov, o H dfXV^ KaTioyj, aal %6v Kvqi" 
viov oy&ov. %6 f vnoxfl/iißvov tu» KanirmXlw ne^ior^ in-^ 
%6kifav%€g %rf¥ Iv avt^ nttpvKViar vXrjv xal %r^Q XlfMVijQ^ fj 
itd %6 itolXov tlvai %6 yjagiov tnXi^dvve xols natiovatp in 
%Ä¥ OQfiv rd/iaatf vd noXXd xtioavteg^ dyogdr avTo&t xa-* 
T«cni;aarTO, y nai vvv iri iqm/Aivoi 'Pfa/tmlot diuteXovai* 
und noch bestimmter, indem er von der Gründung des Vesta- 
tem'pels spricht , cap. 66. vde filv Idiag ovn ixt¥9j09, rcJy 
(pQatQfviv iariag, noivtjv dh naTearijaaTO ndrrmv fiiar iv 
rdi f^eraiv %ov KanivfaXiov %al tov IlaXatiov 



SchriflsteUer gewährt. Ganz aobedeateod und ankrilisch int Hirt's 
Abhaodlang, Geseh. der ßauk. III. S. 211 ff. mit Taf. XXIII. 
334) neUe AnüehÜd della citti di Roma. p. 46 f. 



218 

%al ß*ic^c dfifpoliß ovaijg rijs d/ogag^ iif f] %a%ea%a%Ht(nut> 
ToUgor* Dazu hat man nun nach die Beschreibung der Sa- 
bkierschlacht bei Liv. I, 12. gezogen: Mettus CurÜui «6 
SabMs princeps ab arce decueurrenU ei effiisos egeräi üo- 
matios toio quantum foro spatium est; nee procul 
tarn a porta Palatti erat etc. Allein auf diese Stelle 
halte man sich am allerwenigsten bemfen sollen ; denn wenn 
es entschieden ist, wie früher gezeigt worden, dass die Porta 
Palatii oder Mugionis bei dem Titusbogen war, so dienen Li-* 
viiis Worte eben zum Beweise, dass das Forum dorthin (öst- 
lich) sich ausdehnte. Von jenen Stellen aus Dionysins aber 
widerspricht die erstere gar nicht ; denn das Forum ist aller- 
dings vnoiulfA^vov .TcS KannfaXm ; die zweite aber ist nur 
etwas ungenau ; denn wenn auch das Forum in der That vom 
Fusse des Capitolinus sich bis an den Palatin erstreckt, so 
liegt doch bei weitem der grösste Theil des von ihm eingenom- 
menen Areals seitwärts, wenn man nicht geltend machen will, 
dass die allerdings zum Palatin gehörige Velia wirklich dem 
Capitolinus gegenüber die Grenze macht. Dass aber Diony- 
/sitts durchaus nicht das Forum als zwischen dem eigentlichen 
Capitole (der rupes Tarpeia) und dem Palatin (auf der Seite 
von S. Teodoro) gelegen bezeichnet, dafür giebt den sicher- 
sten Beweis, dass er eben in diese Tiefe den Yicus Tuscus 
setzt ^^^) , für den nach der Nardini -Nibby^schen Anordnung 
gar kein Platz übrig bleiben würde, da sehr bald hihter S. 
Teodoro das Velabrum beginnt. — Wenn demnach die alten 
Ueberlieferungcn der Lage des Forum zwischen dem Capito- 
linus und der Höhe des Titusbogens keinesweges widerspre*- 
dien , so erhält sie ihre vollkommene Bestätigung durch die 
Ergebnisse der neuesten Ausgrabungen und überhaupt ist nur 



535) V, 36. Tov fiera^v tov IlaXavtiov xal rot KantrwUov tit» 
tagoi fiaXtara /itjxvvofAevov araSiots ßivXoiva, Ss nat fifxQ^^ if^» 3V;(>^^- 
fw»' oixrjaig vno 'Putfiaiwv »aXeirai ttarä vr^v intz<ff(f*oy Stakxxrvr, ^ 
ipfQOvaa Siodog anb r^g ar/o^äg fTtl tov fuyav imrodQOfM.ov. Die ün- 
ricbtigkeit des in dem jetzi^eo Texte f^eg^ebüDen MiMaes rillt ibri« 
(cens in die Äugten: denn die ganze Westseite des Palatin wird nicht 
über 1:200—1300 Fuss Hessen, aUe etwa die Hälfte der vierStadieo. 



21» 

unter dieser Yonnraselzubg etae Vereinigong^ der Naehricbieii 
BBÖglich , welche sich theils über elnzeLDie Theile des Fomai, 
theils über die es begrenzenden oder benachbarten Strassen 
und änderen Oertlichkeiten erhalten haben. Die Kenntmas 
der Letzteren muss nothwendig voirausgehen , ehe von einer 
genaueren Grenzbestimmung die Rede sein kann, und so iat 
hier der Ort, wo von dem Laufe der Sacra via und Nova 
via, so wie von der Bedeotuag der Namen Velia, Argile- 
tum und einiger anderen gesprochen w^erden nuss. 

Die Sacra Tia. 

Es war eine alte Ueberlieferung, dass das Bündniss zwi- 
schen Romulns undTatius auf der Sacra via ^^^) gesehlossen 
worden sei und dass sich der Name eben von dieser Handlung 
herschreibe ^^). Diese Sage hat indessen nicht mehr Wahr- 
scheinlichkeit für sich, als die Nachricht PI utarchs^^), daas 
die Zusammenkunft auf dem davon beftaunten Comitium Statt 
gefunden habe. Viehnebr ist es unverkennbar, dass die an 



336) Es ixt schon in der Sehrift de Eomae vet, mur. aiq, pert, 
p. !23. bemerkt worden, dass nach gntem römischem Gebrauche durchs 
ons Sacra via, nicht Via sacra, zn schreiben ist. Ausser den 
angefahrten Stellen, Plin. XIX, 1, 6. Suet. Vi teil. 17. Ascon. 
I. Cic. p. Mil. 14. sind mir nnr noch einige Inschriften (Grut. 
DCXXII, 1. DCXXXVin, 5.) bekannt, wo sich ebenfalls Via sacra 
findet. Allein diese späten Grabscbriften haben fnr den richtigen Ge- 
brauch nicht mehr Beweiskraft als die N o t i t i a i m p e r i i , wo noch 
die SteUuBg dieselbe ist. Ho rat. Sat. f, 9, I. Ibam forte via sacra ^ 
ist nur durch das Metran bedingt; etwa wie Ovid. Fast. V, 148. 
sagt: diva canenda Bona est, während der Name nie dea Bona lau- 
tete, noch lauten konnte. Schriftsteller der besseren Zeit aber schreir 
ben nnr Sacra via und diese Form ist als die gültige auch durch den 
Namen Sacravienses und des F e s tu s Vorschrift, man solle nlchi Saeravta 
nnd Novavia, sondern beides getrennt schreiben, über allen ZweiH^l 
erhoben. 

37) Dionys. II, 46. rovra 6u6a»yrte nal ßotuohi irtl roXg OQitotQ 
id(fvoafi6voi xara fiiaijv fiaXiara rrfv xaXovuivr/y ft^äv oSov ow&xQot&r» 
actv aiXijlotS. Appian. fgm. 1. I. 5. owtXd'ovrtC^PyjfAvXbs re xal Tai' 
Tiog ig Ttfv i^ ixtivov ttgav malovfjUi'T^v o^ov* Fest. p. %^0. Satram 
viam quidam appellatam esse existimant, qnod in ea Joedus icium 
Sit inter Romulum ac Taiinm. Serr. z. Virg. Aen. VIII, 641. 
Huius autem facti in Sacra via signa stant : Romulus a parte Palatii, 
Tatius vettientibits a Rostris, 

Z6) Rom. 19. ^'Onov fts xaeta avri&stro, ^h.9* ^'^ KofUrtov iro- 
liiras' Kofiu^s yk^ *I^fuuQt t6 os^sX&stv uetXovet, 



220 

dieser Strasse haftenden heiligen Gebräache die Benennung 
veranlassten, wie namentlich daraus erhellt, dass die Strecke, 
an welcher das Veslaheiligthum oder doch die dazu gehörige 
Regia als Wohnung des Pontifex Maximus und das Haus des 
Rex sacrificulus lagen, im gemeinen Leben vorzugsweise so 
genannt wurde ^3'). Allein im Sacralsinne hatte die heilige 
Strasse eine grössere Ausdehnung. Sie begann bei dem Sa- 
cellum Streniae und endigte auf der Burg. Die Lage dieser 
Kapelle lässt sich mit Genauigkeit nicht bestimmen ; indessen 
giebt Varro***) dafür die Gegend an, welche Ceroliensis ge- 
nannt wurde, und da diese zu den Carinen gehörte , zugleich 
aber in dem Argeerfragmente von einem Wege nach dem Cae- 
lius die Rede ist, so werden wir an den dem Caelius zuge- 
wandten Abhang des Esquilin gewiesen, oder das zwischen 
beiden Hügeln gelegene Thal. Gewöhnlich nimmt man die Ge- 
gend nach denTitusthernien hin dafür an. Wie von da an in al- 
ter Zeit der Gang der Strasse gewesen sei, ist gänzlich unbe- 
kannt. Nachdem die Tiefe grossentheils durch das Amphithea- 
trum Flavium eingenommen war, ging sie dieses zur Linken 
lassend am Abhänge des Esquilin fort und an dem Golossus 
Neronis'^^) vorüber^ sa dass dieser zur Rechten, dann die 



339) Göttliug, Gesch, d, röm. Siaatsverf, S. 49. 1202. 235. be- 
trachtet die Sacra via als den Umes decumanus der vereinigten Ro- 
mer- und Sabine r-Stadt. Dabei ist wohl angenommen, dass sie in ge- 
rader Richtung gegangen sei, was entschieden nicht der Fall gewesen 
ist. Es giebt für eine solche Bedeutung der Strasse nicht die leiseste 
Andeutung, so wenig als Tür eine Verlängerung der Linie durch Ser- 
vius Tnllios. Jedenfalls bestand sie schon damals in ihrer ganzen 
Lange. 

40) L. L. V, 8. p. 52 Sp. Carfnae et inter eas quem ioeum Ce- 
roiiensem appellätum apparet, quod primae regionU qvartum taera- 
rium scriptum sie est: „Ceroliensis quatriceps circa Minervium qua 
in Caeiio monte itur in Tabernola est/' Ceroliensis a carinarum 
iunctu die tue Carinae, postea Cerionia^ quod hinc oritur caput Sa-- 
crae viae, ab Streniae sacello quae pertinet in arcem, lieber die 
Schreibart des Argeert'ragments s. de Romae vet, mur. p. 24. und 
aber den Namen Cerionia ebend. p. 28. 

41) Der Coloss des Zenodorus , nach Sueton 120, nach Pli- 
nins 110, nach Hieronymus 107, nach dem Guriosnm urb. R. 
102% Fnss hoch, ursprünglich bestimmt den Nero darxnstellen (PI in. 
XXXIV, 7, 18.) und nach Sueton. Ner. 31. im Vestibulum der au- 
rea domus aufgestellt (vgl. Mar t. de spect. 2.). Die Bildsäule hat 
die maanigfachsten Schicksale gehabt. Vespasian, als er den uosinai- 



m 

Meta Sudans zur Linken blieb. Von da stieg sie zwischen 
dem Palatin und dem Tempel der Roma und Venus auf zu der 
Höbe des Titusbogens, der über ihr erbaut war ^^). Das Fo- 



lgen Baa Nero^s verschwiaden hiess, Hess sie zom Sonaengotte umge- 
stalten (darauf bezieht sich Suet. Vesp. 18. eolossi refector. yg\. 
Plio. 1. 1.) aod weihete sie an der Sacra via. Dio Cass. LXVI, 15. 
Mart. I, 70, 6. Hieron. p. 439 Rone. CommoduS setzte wiederum 
der Statae seinen Kopf auf und gestaltete sie zum Hercules um. Dio 
Cass. LXXK, 22. £xc. Mqi. p. 225. Lamprid. Comm. 17. He> 
rod. I, 15. Hieron. p. 465.' Aber spater muss sie doch wieder zum 
Sol umgeschaifen worden sein; denn die Notitia nennt sie in der 
vierten Region : Colossum altum pedei CII S. habet in eapite radia 
(sie.) numero Septem singula pedum XXII S. Noch jetzt sieht 
man dieses Colosses Basis zwischen dem Templum Romae et Veneri» 
und dem Colosseum. Allein das ist nicht die Stelle , wo Vespasian 
ihn aufstellte, sondern damals stand er hoher und vielleicht war diesa 
sein erster ursprünglicher Platz (M art. d e s p ec t. 2')) so dass er 
durch Vespasian gar nicht-versetzt wurde. Als aber Hadrian den Tem- 
pel der Roma und Venus erbauete, Hess er ihn an die Stelle jener 
Basis bringen. Spart. Hadr. 19. et colossum stantem atque 
suspensum per Detrianum (?) architectum de eo ioco, übt nunc 
templum Urbis est, ingenti mo/tmtne (transtulit), ut operi etiam 
elephantes XXIF exhiberet. Et quum. hoe simulaerum post Neronis 
vultum, cui antea dicatum fuerat, Soli consecrasset, aliud tale Apol- 
lodoro architecto auetore facere Lunae molitus est. Das ist offen- 
bar irrig ; die Verwandelung war schon längst geschehen. — Der Co- 
loss stand also auch früher an der Sacra via; dass aber diese zwi- 
schen der noch vorhandenen Basis und dem Colosseum hindurch führ- 
te , ecgiebt sich auf das Entschiedenste aus dem Grenzverzeicbniss« 
der Notitia; denn danach gehörte er zur vierten Region (Sacra via), 
das Amphitheater zur dritten (Isis et Serapis). 

342) Dass die Strasse in dieser Weise geführt war, ergiebt sich 
mit der grossten Gewissheit daraus, dass der Coloss nicht nnr, son- 
dern auch dos Templum Urbis zu der von der Sacra via begrenzten 
und daher beoanoteo vierten Region gehörte. Demungeaehtet ist viel- 
fältig angenommen worden, sie sei von ihrem Anfangspunkte, das Am- 
phitheater und das Templum Urbis links lassend, fast in gerader Linie 
nach dem Friedenstempel (jetzt gewöhnlich Basilica Constantini ge- 
nannt) und dem Forum gegongen. Es lohnt kaom die Mühe, das noch 
zu widerlegen. Wenn man auch keine Rücksicht auf die Notitia neh- 
men wollte, so hätte man doch bedenken Foilen, dass der Tempel des 
lupiter Stator und die Porta Mugionis der Sacra via ganz nahe lagen 
(s. S. 113.). — Canina, Jndicaz, topogr, p. 72. sagt, beim Auf- 
graben um den Tempel der Roma habe man wahrnehmen können, dass 
die Strasse früher gerade durch die Area des Tempels gegangen sei; 
Hadrian habe sie verlegt. Auch das ist gar nicht denkbar; denn der 
Titnsbogen kann nur über der Sacra via gestanden haben, und man 
wird doch nicht annehmen wollen, Hadrian habe auch diesen translo- 
cirt. Dagegen ist es unbegreiflich, wie T hier seh, Epochen d. bild. 
Kunst. S. 313. hat annehmen können, auch der Triumphbogen Coo- 
stantins habe über der heiligen Strasse gestanden, indem diese zwi- 
schen dem Caeliuff und PaJatinus hervorgekommen sei. Das ist das 
Seltsamste von Allem, was über diese Strasse gesagt worden ist. Der 



2t2 

ram liegt un ein BetrSchtllches tiefer als das Thal des Colos- 
seum, und es musste daher die Strasse in ununterbrochenem 
Falle bis zu der Grenze desselben wieder hinabsteigen. Das 
ist die Strecke, über welche die meisten Zweifel entstanden 
sind und deren richtige Bestimmung für die Lage der Gebäude 
an Forum von grosser Wichtigkeit ist. 

Zwischen dem Titasbogen und dem Capitolinus sind uns 
zwei Punkte gegeben, hinsichtlich deren wir die entschiedenste 
Gewissbeit haben , dass sie von der. heiligen Strasse berührt 
wurden. Der erste ist das Vestaheiligthum, Tempel und Re- 
gia begreifend, und mit ihm mag vorläufig der ]\ähe wegen der 
Foraix Fabtus, den man als dritten Punkt angeben könnte, 
zusammengedacht werden: der zweite ist der Triumphbogen 
des Seplimius Severus, hinter welchem der Clivus Capitolinus 
seinen Anfang nimmt. — Was den ersten Punkt anlangt , so 
geben darüber, dass er in unmittelbarer Verbindung mit der 
Sacra via stand, die sogleich näher zu erörternden Stellen aus 
Varro und Fes tu s völlige Gewissheit: es folgt aber auch 
schon aus der Erzählung bei Ho rat. Sat. I, 9. Ibam forte 
via Sacra, und v. 35. Veiitum erat ad Vestae. Es lag aber 
das Vestaheiligthum, d. h. der ganze Complex der heiligen Ge- 
bäude am Forum und zwar an der Grenze desselben unter dem 
Abhänge des Palatin^-^^). Demnach kann dafür kein anderer 
Ort gedacht werden, als die Gegend von Sta. Maria Libera- 
trice (S. M. Liberaci dalle pene dell' inferno), aufweiche auch 
durch die vielfach bezeugte Nähe des Castortempels nothwen- 
dig hingewiesen wird**). Endlich setzen auch die hier gefun- 



ArcQS CoDstaatioi steht allerdings über der Via triomphalis, denn 
diese kömmt vom Circas her ; aber sie mündet erst bei der lieta sa- 
doos in die Sacra via ein. 

343) Diaoys. II, 66. avfiTrenoliauivwv ijdr^ rtuv Xotpatv ivi fre^i^ 
ßoXnf xal ftiarj^ a/iupotv ovotj^ r^c ayoQÜe, iv y ttaTiOMtvaarai t6 tt^or, 
vgl. Aam. 346. S. 224. mit Anm. 348. 

^i) Dionys. VI, 13. berichtet die Sage, ivie die Dioskiiren naeh 
der Schlacht am Regillus bei der dem Vestatempel beaacbbarten Quelle 
der Jutoroa erschieuen seien : a^avr^ 3i rtHv 'iitntav tteate^* »ai airo» 
viif/avT6Q aaio zij^ Itfia^og, i} na^a to u^ov rijs ^Bariag avaSidwoi , i/- 
fi*yv nuiovaa iußv^iov oAipjv k. r. X. An dieser Steile, oder nahe da* 
bei wurde der Castortempel erbaut : o rs vtw9 rcoy J^omtov^utv^ '6v inl 



2JÖ 

denen sahbeichen InscbrifteB voq Gräbern und fihrendenkmä* 
lern der VesUlinnen diese Lage ausser Zweifel ^*^), 

Der Tempel seU>st aber rücbte jedenfalls sieht bis an das 
f^orum, sondern lag weiter zurück nach dem Abfaange des Pa- 
latin ; dagegen werden uns in unmittdbarer Beziehung auf das 
.Fomm und als neben {propter) dem Tempel gelegen, bald das 
AtriunVestae oder Atrium regium\ bald die Regia 
genannt ^^). Die Frage, ob diese Namen ein und dasselbe 
Gebäude, oder verschiedene bedeuten, ist von geringer Wich* 
tigkeit*^^), und wird weiterhin ihre Beantwortang finden : hier 



TOiv 9tQ>ivij xaXovfiinj rs rv)v -d'Hov tovtqjv ttpa xcfl tte rode x{*ovov vou^ 
^oiUvrj, Dasselbe erzählt mit hier gleichgültigem Anachrooismus Va- 
ter. Max. I, H, I. Castorem vtro et PolUicetn etiam iilo tnnporB 
pro imperio populi Ramani excuhuisse cognihnn , quo ad lactim fu- 
iumae suum equorümque sudorem ablvere visi ttmt; iunctaque fonti 
aedes eorum nullius hominum manu reseratu patuit, \g\. Plntarefa. 
Aemil. Paal. %^. Lactaat. de orig. error. 7. Dieselbe dem 
€a8t»Ptempel beBadibarte Lage bezeogen vi d. Fast. I, 707. Fra- 
trihiu illa deu frairtM de gente deorum Circa lutumee componterw 
locus, und Mart. I, 70, 2. yicinum Castora canae Transibis Fes tae 
9irgineamque domian, 

3i5) H. Aldroaodus, Memorie. o. 3. Vicifto a S. Maria Lib«* 
ratrice, dove vogliono che fosse il tempio di Vesta sooo stati ritrovati 
da^ dvodieoi sepolcri di virgioi Veatali calle loro iserizioai. S. Lucio 
FauDO, Jnfieh, di R. p. 46. Aodr. Fülv. de Urb, antiquit. p. !M6. 
Niebnbr, Beschr. d. St. R. fll. A. p. 67. 

46) Dass die Regia bei dem Vestatempel lag und eiaen Tb«il 
des gaozea riutvot ausmachte , ergiebt sich , abgesehen von inoeren 
Gründen, aus mehreren Erwähnungen. Ovid. Fast. VI, 267. 

Hie locus exiguus, qui sustinet afria FestaBy 
Tunc erat intonsi regia magna Numae, 
Trist. ÜI, 1, 29. 

tiic locus est Fes laß, qui Pallada servat et ignem : 
Hie fuit antiqui regia parva Nnmae, 
Plutarch. Num. 14. iHtiuaro ttItjoIov tou t^s *Batiag isqov t^v «a* 
loviJ^itjv "Ptiyiav, ohv ßaaiXuov oixt^pa, D i o C as s. Tgmta. Val. XX, 
rä Se äij a^x^Xa iv rp itqij. oSo) iiyt, xal ras t£ Siar^ißäe nXt^aioy rov 
'EoT*aiov dnoitiTo, Sc hol. Cruq.'z. Horat. I, 2, 15. Regiam dieit 
Numae Pompilii, qui ad Festae suam habuit regiam. S o 1 i n. 1 , 21 . (ha- 
bitavit) in colle primum Quirinali, dcinde propter aedem Festae, quae 
adkuc iia appellatur. Wenn dagegen Serv. z. Aen. VII, 153. sagt: 
templum Festae non fuit augurio consecratum, ne illue conveniret se- 
uatus, ubi erant virgines; nam haee fuerät regia Numae Pompilii ; 
ad atrium autetn Festae oonveniebaty quod fuerat a tempio remo» 
tum,, so darf das nur so verstanden wenien, dass die aedes und das 
ütrium zwei getrennte Räumlichkeiten waren, die uichtsdestoweBiger 
diciit ht\ eiaauder lagea. 

47) Ausführlich handelt davon Ambro seh, Stud. u. Andeut.- 
kh kaan jedoch mit deu ^elelirCen Verfasser in dea meistea und wich-^ 



224 

kömmt es nur darauf an zu zeigen, dass die Regia selbst an 
dem Forum lag. Das ergiebt sich aber nicht nur aus der Nach* 
rieht, dass Cäsars Leichnam auf dem Forum vor der Regia 
verbrannt wurde ^-^^), sondern ausdrücklich sagtServins z. 
Aen. yill, 363. Quis enim fgnorat, Regiam^ tibi Numa ha^ 
biiaverity in radicibus Palatii ßnibusgue Boniani fori esse. 
Dadurch ist die Stelle sehr genau bezeichnet. Denn wenn der 
Vestatempel bei Sta. Maria Liberatrice lag, so kann die Regia 
nur auf derselben Seite des Forum, d. h. auf der südlichen 
Längenseite und zwar als änsserstes Gebäude gedacht werden. 
Wer die Worte in fnibus fori Romani bei Seryius so verste- 
hen wollte, als hätte die Regia die östliche Grenze des Forum, 
auf einer vom Faustinentempel nach dem Palatin zu ziehenden 
Linie, dem Capitolinus gegenüber, gemacht, der würde nicht 
bedenken , dass sie dann durch eine Strasse, welche an dem 
Castortempel vorüber nach dem Titusbogen hin (jedenfalls in 
die heilige Strasse) führte und von der sowohl bei der Phokas« 
säule als vor der Ruine der 3 Säulen Stücken aufgegraben 
worden sind, von dem Vestaheih'gthume getrennt gewesen 
wäre, was ganz undenkbar ist. Vielmehr scheint darüber gar 
kein Zweifel möglich, dass sie als Theil de^ ganzen %ifji^voQ 
auf derselben Linie, und zwar, da sie auf dieser Seite die 
äusserste Grenze des Forum bildete, etwas weiter als der 
Tempel nach dem Titusbogen hin gelegen habe, während der 
Tempel selbst dem Castortempel näher war. 

Hieher nun, zu der an der Grenze des Forum gelegenen 
Regia führte die Sacra via, wie durch Varro und Festus 
ausser allem Zweifel ist. Ersterer sagt L. L. V, 8. p. 52. 
Ccroiiensis a carinarum iunctu dictus Carinae, post ea 
Cerionia^ quod hinc oritur caput Sacrae viae **) , ab Stre- 



Ugstea Pankten nicht übereinstimmen. S. De Romae vet innr. atq, 
port, p. ?3 — 48. 

348) Appian. Bell. civ. II, 148. fs t^v ayoQoy avdr$s f&taaw 
(t^v Mlivt^v), tv&a t6 nala$ *PiofAaioi9 iotl ßaaiXuov, Liv. fipit. 
1. CXVI. Caesarü corpus quum in Campum Martium ferretury a 
plebe ante Rostra crematum est. Damit vergleiche man auch ein 
Fraginent ans Festus p. 333 Mail. [Scriboniannm %^]peilatur ante 
atria [puteal, quod fecit Scri]6oiiitii. 

49) Welchen Zusammenhang der Name Cerionta mit dem Anfange 



225 

niae saeello quae perUnet in arcemj qua sacra quotquot 
mensibus foruntur in areem et per quam augares ex arce 
profecti solent inaugurare. Hidus Sacrae viae pars haec 
sola vulgo noia, quae est a Jbro ewtti p rimoro clivo ^^^). 
Ueber den Sinn dieser Worte kann kein Zweifel sein, Varro 
hat die ganze Ausdehnung der Sacra via angegeben : ab Slre- 
niae saeello quae pertinet in arcem; allein, sagt er, im ge- 
wöhnlichen Leben wird nur der Theil als Sacra via betrach- 
tet, der Ton der Grenze des Porom (denn a foro eunti wird 
von dem gesagt, der das Forum verlässt) auf dem vorderen 
Clivus aufsteigt. Was für ein Clivus das sei, liegt am Tage : 
es ist die unmittelbar vom Forum beginnende Erhebung der 
Yelia bis zum Titusbogen. Sie wird bezeichnet durch die 
Worte primore clivo ^ d. i. anteriore; denn jenseit des Ti- 
tusbogens liegt ja zur Tiefe des Amphitheaters hinabsteigend 
ein zweiter Clivus, der auch zur Sacra via gehört, aber im 
gewöhnlichen Leben nicht diesen Namen hatte. So ist es 
also die ganze Strecke vom Forum bis in die Nähe des Ti- 
tusbogens, weiche vom Volke gewöhnlich und vorzugsweise 
Sacra via genannt wurde, und so erbalten wir nun für sie 
auch eine angemessene Ausdehnung für diese Strasse, wäh- 
rend sie in neuester Zeit aus irriger Ansicht von der Lage 
der domus regis sacrorum auf eine sehr kleine Strecke, wie- 
wohl in verschiedener Weise, beschränkt worden ist. Dem 
steht schon entgegen, was Horaz von seinem Spaziergange 



der Sacra tU haben könne, ist schwer zu erklaren, s. Otfr. Mül- 
ler in Böttig. ArchäoL u, Kunst. S. 81. Der von ihm nach Turnr- 
kns aa%enommeue Name Cerolia bessert die Sache um nichts. Noch 
wenif^er wird jemand mit Bnnsen lesen wollen : posiea sacra via. Eh 
bleibt immer möglich, dass Varro, der sich leicht mit jedem znfklligea 
Aoklauf e besagt, an eaerimonia dachte. 

350) Das ist die Lesart, welche am besten beglaubigt scheint; 
nach Victorias bei Spengel auch die des Florent. Dagegen scheint Nie- 
bahr in diesem (nach Bansen, Beschr. d. St. B. i. S. 693.) proan- 
maro gefanden za haben^ wos wohl, da sich auch proximo findet, nar 



o* 



«OS der Vereinigang beider Lesarten primaro entstanden Ist. Das 
frgmt. Casin. hat nach Ambrosch primoxo. Ans jenem proximoro clivo 
hat Bansen in Folge schweren Missverstand nisses gemacht: proxima 
sacro clivo (s. Anm. 371.); Ambrosch: proximo rcffiae clivo, was je- 
denralls aonötbig ist. Pär den Sinn macht es wenig Unterschied , ob 
man proximo oder primore clivo lieset. 

15 



ÜK 

enähltt weit mehr aber, dass an einem Tbeile der 8traMe> 
der Summa sacra ria der Obstmarkt war, M'as eine grös- 
sere Ausdehnung voraussetzt '^i)» 

Die zweite Hauptstelle, welche die gegebene Erklärung 
der Worte Varro's vollkommen bestätigt, ist bei Pestus 
p. 290. Sacram tiam quidam oppellaiatn esse existimant^ 
quod in ea foedus ictum sit inter Romulam ac Tntiitm. qni- 
dam quod eo itinere utantur sacerdoies iduKkim saerorWH 
conßeiendorum causa, itaque ne eatenks qtHdem, ut tulgns 
optnatur, säcra appeltanda est a Regia ad domttm ile* 



351) Varro de re rnst. I, 9. Huiusee in&nmn pcmaria summa 
Sacra via, uhi potna veneunt, Ovid. Art. am. 11, 265. 
Hurt ntburbano poteris tibi dicere missa^ 
lila vel in Sacra sint licet emta via. 
Anthol. Lat. n. 1636. 

Quaeque tibi pomi tamquam vemaeuta poma, 
De Sacra nulli dixeris esse via. 
Bs scheint aber fast, als seien hier nicht nur poma feilgeboten worden, 
sondern auch allerhand Galan teriewaaren» Darauf könnte man beziehen 

Prep. II, 24, II. 

Et modo pavonis cavdae flabella superbae, 

Et manibus dura ffigus habere pila. 
Et cupit ingratum talos me poscere ebumos, 
Quaeque nitent Sacra vilia dona via. 
Den letzten Vers nicht eben tiütpoma zn beziehen, rath Ovid. Amor. 

1, 8, V9. 

Munera praecipue videat quae miserit alter i 

Si tibi nil dederit, Sacra roganda via est. 
Wenigstens aber hielten hier die Kraozwinderinnen feil. Ovid. Fast. 
VI, 783. 

Luc\fero subeunle Lares delubra tulerunt, 

Hie ubi fit docta multa corona manu. 
Das Sacellum Lanira lag nämlieh in summa Sacra Via. Ob hieher 
auch za beziehen sei, dass auf Inschriften häufig aur\ficesy caelatoresy 
cavatoreSf ßaturarii, pigmentarii^ tibiarii de Sacra via genannt 
werden (Grater. DCXXII, 1. DCXXXVIII, 5. 7. DGXXXIX, it. 
HXXXIII, 1. Murat. CMXIX, 1. Oreli. 4149. 55. 66. 92. 93.) wiU 
ich nicht behaupten, da diess auch von der vierten Region, welche 
Sacra via hiess, verstanden werden kann ; bemerkenswerth ist es in- 
dessen doch, dass fast aassehliesslich Luxasgegenstünde genannt wer- 
den. — Uebrigcns macht es eine Nachricht bei Varro wahrschein lieh, 
dass der hier betriebene Handel ein Rest eines früher in der Nahe 
gewesenen Verkaufs-Forum war. Er sagt V, ^%. p. 148. Jd corneta Fo- 
rum Cupedinis a Cupedio; quem (?) multi Forum Cupidinis a eupi- 
ditate. Haee omnia posteaquam contractu in unum loeum , quae ad 
vietum pertinebant, et aed\ftcatus locus, appcllatum macellum ete. 
Die Corneta aber giebt derselbe in der Nähe der Sacra via an. p. 151. 
ut inter sacram viam et macellum editum (?) Corneta. Man möeMe 
dabei an die Stelle des Templum Romae et Vencris denken. 



227 

gi$ gacrificuli^ sed etiam a Regis domo ad sa- 
cellum StrentaCy et rursus a Regia utqne in ar- 
cem. Wahrscheinlich hat Vcrrius Varro's Erklämng voi' 
Augen gehabt, der in den jintiquitates rer, drv. von der 
Sacra via ausführlicher als in den Büchern de ling, Lat. ge« 
handelt haben mag. Was oben durch die Worte a foro 
eunti primore clivo ausgedrückt war , das wird hier durch 
die beiden Endpunkte, Regia und domus Regis bezeichnet. 
So sagt also Festus : es werde fälschlich im gemeinen Leben 
nur die Strecke Sacra via genannt, welche zwischen der Re» 
gia und der domus Regis liege. Vielmehr gebühre der Name 
auch dem Wege von dem Hause des Rex sacr. zum Sacellum 
Streniae und wiederum von der Regia bis zur Burg, so dass 
die ganze Strasse vom Sacellum Streniae bis zur Arx Sacra 
via zu benennen sei. — Von jenen beiden Endpunkten nun 
ist uns die Stelle des einen bekannt: die der Regia, an der 
Grenze des Forum Romanum ; der zweite ist nirgend genauer 
nachgewiesen : nur das Eine ist gewiss, dass er in ziemlicher 
Entfernung von der Regia gewesen sein muss, da zwischen 
ihn und diese die ganze Ausdehnung der Sacra via (im en- 
geren Sinne) fallt. Daran muss man vor allen Dingen fest 
halten, um nicht irre zu werden durch eine Stelle bei Dio 
Cassius, welche durch ihre Zweideutigkeit zur Quelle zahl- 
reicher Irrthümer geworden ist. Er erzählt, dass Augustns, 
als er zum Pontifex Maximus ernannt war, die für diesen 
bestimmte Amtswohnung nicht annahm, sondern, weil nun 
einmal der Pontifex Max. in aedibus publicis wohnen mosste, 
einen Theil seines Hauses (nachher das ganze) veröffentlichte. 
Das Haus des Rex sacrorum'(Tov ßaaikime xäv hgdiv) aber 
schenkte er den vestaliscfaen Jungfrauen, da es unmittelbar an 
ihre Wohnungen stiess «"). Nun enthält diese Nachricht, 

352) LIV, 27. eTTttSi^ re rot ^entSov ftiraXX&^aprot a^x*«^£t>c 
&xedH'x&if, «ai Sta Tov^ ij povlrj yn^tpieao&ai avTOv rj^lrjatv, ovrt ti 
ttvTOv Tr^oe^atO'&ai e«?;, xal iynttuiwiv ol i^avioTtj re %al iSfjk&tv ix. 
Tov avysSgtov ual ovxa iniiva Ir ixvgi»&rj, opt oiitiav rivä drj' 
fiooiav h'kaßtVy idXa fiigos ti ttjs eavroC , ort top ic^Ugeatp iv 
Howi} nmncuti otxetv Wt/v, idr^tioafwat, rrjp ftlvroi tov ß aoiXitnc 
'^^\ **?«»' (vulgjo itfjiiov) TalQ &etTTa^^tvots l'^wxrr, i'rst- 
9ij ouoToixo^ Tai« oln^oioiv airtor ijv. 

15' 



n 



228 

mil Fcstas verglichen, eine völlige UnmögUchLeit. Die VesU* 
len wohnten ja doch ohne allen Zweifel ganz nahe dem Tempel 
der Vesta^^^), und wohin wir auch immer die domus Regis 
setzen mögen, so ist doch das gewiss, dass sie nach Verrius 
Erklärung nicht an die Wohnungen der Jungfrauen siossen, 
nicht mit ihnen 6/ji6toi)[og sein konnte, da ja die ganze Länge 
der Sacra via zwischen beiden lag, deren Ausdehnung sonst 
zu Nichts zusammenschwinden würde. Nothwendig muss sich 
also die Nachricht bei Dio Cassius auf ein anderes Gebäude 
beziehen als das von Verrius als domus Begis bezeichnete. 

Es kann aber dem, der unbefangen jene Stelle lieset, 
durchaus nicht zweifelhaft sein , dass zwischen jener Weige* 
rnng die Amtswohnung des Pontifex Maximus zu beziehen und 
der Ueberlassung an die Jungfrauen ein Causalnexus Statt 
fand ^) , und dass es eben diese Amtswohnung war, welche 
sie erhielten. Denn dass die mit dem Vestaheiligthume ver- 
bundene Regia das Staatsgebäude war, welches der jedesma- 
lige Pontifex Maximus bewohnte, ist zwar in neuester Zeit 
mit Aufwand grosser Gelehrsamkeit nicht nur bestritten, son- 
dern gerade hin verworfen worden ^^), ist aber nichtsdesto- 
weniger eine nicht hinwegzuleugnende Thalsache. Zwar giebt 
es ein einziges ausdrückliches, aber unlauteres Zeugniss: Ser- 
vius z. Aen. VIII, 363. sagt: domus enim^ in qua Ponti- 
fex kabüatf Regia dicilur^ quod in ea Rex sacrißculus ha- 
bitare consuesset. Das widerspricht nun geradezu der Unter- 
scheidung , welche Festus zwischen Regia und domus Regis 
macht, erklärt sich aber sehr leicht daraus, dass Servius ver- 
leitet wurde, den Namen Regia auf den Rex sacrorum zu be- 



353) Piin. epist. VII, 19. ajtgit me Fanniae valetudo. CoH" 
fraxit kano dum atsidet Juntae, virgitti Festali, sponte primutn, est 
enfm qfflnis, deinde etiam ex auctoritate pontificum, Nam virgines, 
quum vi morbi atrio Festae eoguntur exeedere, matro- 
narum eurae custodiaeque mandantur. Gell. I, 12. Firgo autem 
FesiafiSf simul est capta atque in a tri um Festae dedueta, et 
ponti/icibus tradita etc. Vgl. Serv. z. Aeu. VH, 153. 

54) Es liej^t diess so nahe, dass es bis anf die neueste Zeit 
von niemandem verkannt worden ist; aber alle Versnebe, die Schwie* 
rigkeit sa heben, sind darcfaans anbefriedigend. Eine Uebersieht der 
verscbiedenen Meinungen s. bei Ambro seh. S. Vt ff. 

55) Ambrosch, Studien u. Andeutungen, 1. Abbaadl. 



229 

ziehen, mit dem er gar nichts gemein hat^^^). Dieise Angabe 
wird man daher für falsch annehmen müssen ; aber die Regia 
ffir die Wohnung des Pontifex Max. auszugeben, dafür lag in 
dem Namen kein Grund, und so hat man alle Ursache zu glau- 
ben, dass die erstere Angabe : domus^ in qua Pontifex kabi- 
tatj Regia eUcitur, auf sicherem Grunde beruhe. Aber auch 
abgesehen davon fehlt es nicht an schlugenden Beweisen. Es 
ist wohl wahr, dass Sue ton nur sagt, Caesar als Pontifex 
Max. habe in einem Staatsgebäude an der heiligen Strasse ge- 
wohnt ^^) ; allein was liegt darin für ein Beweis, dass dieses 
nicht die Regia gewesen sei? Dagegen ergiebt sich diess aus 
anderen Stellen auf das Entschiedenste. Es ist eine bekannt« 
Sache, dass sich in der Regia die heiligen Lanzen des Mars 
befanden, nnd dass es für ein bedeutungsvolles Zeichen gehal- 
ten wurde, wenn dieselben ohne äussere Veranlassung sich 
bewegten und ertönten. Der Ort, wo sie sich befanden, wird 
ein sacraritim in der Regia' genannt. Davon spricht das Se- 
natnsconsultnm bei Gell. IV, 6. Quod C. luUus L, F. Pon- 
tifex nuntiavity in sacrario in Regia hastas Maritas motisse^ 
d. e. r. I. c. lul. Obs. 96. 104. 107. 110. sagt nur hasta^ 
Mortis in Regia; aber c. 78. heisst es: yasto incendio Ro- 
mae cum Rrg^ia quoque ureretur^ sacrainum et ex duabiis al- 
tera iaurus ex mediis ignibus inviolata exstitermit. Daraus 
ergiebt sich, dass das dem Götterculte geweihete Heiligthum 



35$) Eben to sagt er z. Aen. H, &7. Flaminea autem domu$ 
fiaminü dicitur, sieut regia regis dotnus. Gar nicht io Betracht 
kSmmt Paal. Diac. p. ^279. Regia domu», ubi rex habitat. Wie 
weoig auch voa Festus eigeoen Worrea übrig ist, so erkennt man 
doch leicht, dass Paulas, wie häufige anf die elendeste Weise cxcer< 
pirt hat. 

57) Ca es. 40. Habitavit primo in Subura modieis aedibus; 
post autein pont\fi.catum maximum in Sacra via domo publica. Wenn 
in gleicher Weise Cic. ad Att. I, 12. sagt: dornt C. Caesaris. und 
ep. 13. apud Caesarem. wenn es p. dorn. 39, heisst: ew ponti/UnM 
maximi domo, und eben so de bar. resp. 3. bei Plutarch. Cic. 
98. iv Tp Tov KaioaQog olnief, vgl. Caes. 63. , so kann diess nicht nur 
Dichts auffallendes haben, sondern es ist selbst passender, dass die 
Regia, die ja nicht allein Wohnung des Oberpriesters war, nicht ge< 
nannt wird , wenn nur diese bezeichnet werden soll , znmal da hier 
Caesar gar nicht als Pontifex Mazimus, sondern als Praetor in Betracht 
kam. Plutarch. Caes. 9. Vgl. Klotz, de bar. respi 17. 



830 

nur eine Abtheilung der Regia war, so wie wahrscheinlich das 
Atrium auch dazu gehörte. Der übrige Tbeil war Wohnung 
des Pontifex und ganz in seiner Nähe musste sich das Sacra*- 
rium befinden. Denn so sagt DioCassius von den Anzei- 
chen, welche Caesars Tode vorangingen, XLIV, 17. va 7? 
^dg OTrAa Ta ''Aq^ia naq avrü t6t€, f»c *^i nagd a^- 
yifiQel, xaTtt 7f n(x%Qiov ufi/nsva^ ip6q>ov %ijs vvk%6s inoi^jaej 

'^vmid'fiaav. Mit der grössten Unwahrscheinlichkeit hat man 
jlas von den Ancilien der Salier verstehen wollen, wobei man 
voraussetzte, dass diese ebenfalls in der Regia aufbewahrt wor- 
den seien, zu gewissen Zeiten aber sich in der Wohnung des Ponti- 
fex befunden hätten ^^^). Die erstere Annahme würde der Mei- 
nung, dass dieser in der Regia selbst gewohnt habe, nur günstig 
sein, und man könnte dafür anführen, dass der Sage nach das diin^- 
%lg in dieRegiaNumae gefallen sein solIle(Dionys.lI,71. vgl» 
Ovid. Fast. III, 357 if. Plut.Num. 13.); allein erwiesen ist 
die Sache keinesweges. Wenn Dionys. IL 70. sagt (SäXiOi) 
^v iv IlaXafiw «elTai %d Ugä* so wird man natürUch dabei an 
die Ancilia denken, und eben so sagt P 1 u t. N u m. 13. fovTtav ovv 
qivXanas xo« dftqunoXovg dnideils hovq UaXiovß Isgels* 
Auf das palatinische Sacrarium wird man auch, wenn nicht 
ein Missverständniss obwaltet, beziehen müssen, wasServ. 
z. Aen. VIII, 3, berichtet: ü qui belli susceperat curam, sa- 
crartum Mai*tis ingressus jtrimo ancilia commovebat^ post 
hasiam simulacri ipsius^ dicens: Mars vigila. Denn 
in der Regia gab es kein sinmlacrum Mariis , das eine hasta 
hielt, sondern es waren dort die hastae Marlis, Wenn 
auch Plutarch, nicht der kundigste Gewährsmann, im Rom. 
29. sagt: iv 9h Ty *Pr^yi(f 96 qv 9ia&i9QV/nivov ''/Iqea ngoß" 
ayogBV€iP (y«cy/)., so werden doch überall, wo von dem Pro- 
digium die Rede ist, hastae Martis genannt. So in dem SC. 
beiGellius; so in den aus In 1. Obs. angeführten Stellen; 
so ebend. c. 60. und bei Liv. XL, 19. — Wenn es aber 
auch wahr wäre, dass die Ancilia in der Regia ihren Platz 

358) Cuper, Observ. IV, %. Gutberleth, de SaL 1^ (Polen, 
thei. V, p. m,). 



baitea, 90 19! doch in keiner Wei^e abxiueben, ms yelehen» 
Gnui4a und xu welcliem Zwecke sie ^u gewissen Zeiten 3ich 
aellten in der Wobnong des Pontifex beranden boben , wenn 
diese nicht eben die Regia war. Die jäbrlicben Umziige der 
Salier im Mär» dauerten viele Tage. D i o n y s, II, 70. jo^vt; 
^ awmv ia9$ m9qI vd Jlaraß^vui» (Quinquatrus) 9^0! sra«* 

fiiyfif iv als diu %^q iidA«o^ äyovai %ovq xoqovq ^is %9 fV^ 
nyoQav nal %6 HantTwXipv «ai nokX(^9 äXXove Iüqvq tb 
%al dijfiooiQVQ nnwe. Ibr Ende war wenigstens nicht vor 
dem Tubilustrium , X Kah April,, wie die Fasti Praene* 
stini xeigen (vgl. Merkel z. Ovid. Fast. p. CLXIX.). 
Gesetzt nun, die Ancilia wären für gewöhnlich in der Regia 
aufbewahrt worden, so behnden »ie sich doch diese Zeit über 
in den Händen der Salier und wurden erst am Schlüsse der 
Ferien wieder an Ort und Stelle gebracht. Daraus erklärt 
sich Suet. Otho, 8. Ewpeditionem autem impigre aique 
etiam praeproftre inehoavity nuUa ne religionum quidem 
curoy 9tdei motis necdum conditis uncilibusy quod 
mUtqiiitus i^faifstum haberetur. und Tacit. Hist. I, 89. 
Fuere q$ri proßcücenit Othoni moras religionemque non- 
dum conditorum ancilium afferrent, womit Polyb. 
fgmta. I. XXI, 10. und Liv. XXXVII, 33. zu vergleichen 
sind, Otho's Aufbruch fand eben im März Statt, Prid. Id. 
Hält man nun damit noch zusammen, was Festus sagt, p. 
329. Saltos y quibus per omnes diesy ubicunque ma^ent, 
qma amplae ponuniur cenae , si quae aliae magnae sunt , sa- 
liares appellantur.y so wird es sehr einleuchtend, dass darauf 
(wie schon Cuper bemerkt hat) sieh die Mannones bezie- 
hen, welche die Inschrift b. Grut, CLXXIII, 5. Murat. 
CCCCLXXXI, 5. Orell. 3244. nennt: Mansiones. Sa- 

LIOaUM« PALATINOa. A. VBTKBU»US. OB. ARMOAUH. ANCILIUM ^^^). 



359) Die Inschrift hat: armorum annalium, wafancheinlieh faUcb 
geleseo. andlium verbesserte Sca liger. Ganz eatsprecheod findet 
sich in KaJeadariea a. d. VII. Id. afma ancilia mevent. Das ist, 
was Piutarch. Nam. 13. sagt: ^«y Ta( it^as niX^tU uvalaßo^' 



232 

CUSTpDIAM. C0NST1TUTA8. LONGA. ABTATB. NEOLBGTAS. PBCUNIA. 

jjüA. REPARAVERUNT. poNTiPicES. Vestab. ctc. Will man noii 
nicht die Lächerlichkeit begehen, die Ancilia jeden Abend an 
den Pontifex Maximus abliefern za lassen, so erweiset es sich 
als gewiss, dass sie in der Nacht vor den Idas des März sich 
weder in der Regia, noch in der eingebildeten domns Pontifi- 
cis befinden konnten ^^). — Es ist aber auch ganz unnatür- 
lich , die onka "^Qeta durch Ancilia , Schilde des Mars , za 
übersetzen. Ein solcher Ausdruck, bei dem jedermann an arma 
Martis denken wird, liegt nicht nur dem Dio Cassius ganz 
fern, sondern er würde namentlich für die kleineu Schilde der 
Salier ganz unangemessen sein (vgl. Po lyb. VI, 22 IF. Ly- 
dus de mag. I, 10. 11.). Zwar brauchen JDionysius und 
nach ihm Plutarch^') auch das Wort onXa für die Ancilia; 
aber nur wo sie von ihnen im Allgemeinen als WalFenstücken 
sprechen. Wo sie hingegen eigentlich als Ancilia, als Schilde 
bezeichnet werden, steht durchaus und wiederholt der der 
Form entsprechende Name niXtr^. — Es wird nun zwar auch 
einmal die Bewegung der Ancilien als Prodigium erwähnt ^^) ; 
aliein bei Dio Cassius können, namentlich der Zeit wxgen, die 
SnXu "u^ßcra nur für anna Martis^ d. h. hastae Martiae gel- 



360) Man hat bcsooderes Gewicht auf das Wort rörc gelebt, und 
gemeint, das beziehe sich eben nnr auf den Ta^. Aliein das erklärt 
sich hinlänglich daraus, dass Dio Cassius den wahren Gmnd, weshalb 
sich die Lanzen des Mars in der Nahe des Pontifex befanden, die Rc- 
^ia als \Vohnnn§^ desselben gar nicht mehr kannte. 

61) Dionys. II, 71. ^Ey 8i raig TrikvatQ, as oi r« 2aUok 
(poqovoif xal ae vnt^girai ttvii avvaiv rjqxtjfiivag utto Kav6v(uv KOfii^ovai, 
noXlaig naw ovoatc, fiiav tivou Xiyovai dtonsrij, 6vQ&&i9vai ^ avTi}v tpa^ 
9iv iv rofff ßaaikiioiS rov No/Aa^ fit^Sivog avd'Qwnotp u^ivivmawo^, fitjä* 
iyvfüOfiivov ngoTi^ov iv *JtakoiQ toiovtov ajpjfiaToe* i^ ^^^ ufitpozigviv 
vnoXaßtiv 'Pojfjiaiovs, ^ioitefinrov ttvat ro inXov. und dann: onk» 
Hyovat noXXa ttaTamitvaaaa&ou rm Sionsvät naganlnoia. Eben so 
Piutarch. Na in. 13. larogeitat xakmijv n^Xxrjv (\ ovqavov mata' 
q>^QOuivtjv (19 rat Nofiä nsatip ;|r«fpaff. — To fiiv yoQ otiXov ^mhv tnl 
cuntjgitf Ttjg TtoktiQS. Das ist etwas ganz anderes als wenn schlecht- 
hin gesagt wird %a oTriUt Tä*u4geia, wobei niemand zonachst an Schilde, 
am wenigsten an die Ancilia, jene ßga%ia aoTridia , sondern nnr an 
arma Martis denken wird. Eben so verhält es sich mit Liv. I, ^0. 
coelestia arnta, quae ancilia appellantur, vgl. Anm. 359. 

62) Liv. Epit. LXVIII. Jncilia cum strepitu mota esse, ante- 
^uam Cimbricum bellum eonsummaretur, referuntur, Inl. Obs. 104. 
von demselben Prodigium : Ancilia cum crepitu sua spornte 9H0ta. 



t33 -^ 

tett, uad bebndea sich diese, was notorisch ist, in der Regis, 
znj^leieh aber aaeh bei dem Pontifex Maximus, s<i ist es offen- 
bar, dass dieser in der Regia selbst wohnte. 

Dasselbe aber ergiebt sich eben so schlagend aus einem 
Briefe Cicero's. Er schreibt mit leisem Vorwurfe ad Att* 
X, 3. Fisum ie atunt in Regia: nee reprehendoy qmppe qtmm 
ipse ittam teprehensionem non fugerim. Der Sinn dieser 
Worte kann gar kein anderer sein, als dass Attieus eine Un- 
terredung mit Caesar, der eben als Pontifex Max. in der Regia 
wohnte, gehabt habe. Bei jeder anderen Erklärung haben die 
Worte : quum ipte iskrm reprehensianem nonßigerim keinen 
Sinn. Denn Cicero hatte ja bei Caesars Anrücken Rom ver- 
lassen nnd war in dieser ganzen Zeit nie dahin zurückgekehrt ^ 
wohl aber hatte er, als Caesar von Brundusium wieder nach 
Rom zog, in Folge der an ihn ergangenen Einladung in Si- 
nuessa oder Formiae eine Zusammenkunft mit ihm gehabt* 
Das ist die reprehensio^ die ihn trifft, und befindet sich nun 
Attieus mit ihm in gleichem Falle, so muss auch er eine Zu- 
sammenkunft mit Caesar gehabt haben ; wird als der Ort der- 
selben schlechthin die Regia genannt, so wird dabei voraus- 
gesetzt, dass Caesar nothwendig sich da müsse befinden, oder 
mit anderen Worten , dass es die domus Caesaris sei. Das 
Erscheinen in der Regia an sich kann keine repreheusio be- 
gründen, am wenigsten eine solche, wie Cicero trifft, wenn 
nicht Regia und Caesar zusammengedacht werden müssen ; 
sollte das Beiwohnen bei einer Feierlichkeit , die Caesar dort 
abhielt, gemeint sein, so konnte die nähere Bezeichnung nicht 
fehlen. 

Fragt man nun dagegen, welche Gründe dagegen spre- 
chen, so giebt es gar keinen; sondern man hat es lediglich 
verneint, um die Schenkung der domus Regis an die Vestalen 
erklären zu können. Ist es nun aber unbezweifelt, dass die 
Regia am Forum neben dem Vestatempel und also auch den 
Wohnungen der Vestalen lag; ist es eben so entschieden, dass 
die domus Regis weit von ihr entfernt, am anderen Ende der 
Sacra via war, so liegt es klar vor, dass bei Dio Cassius ein 
Irrthum obwalten muss, und dass die oUta %w ßaoiXims, wie 



SS4 

# 

er sagt, welche Augiistns als ofiwoixos den VesUlen iiber- 
liess, nicht die domusRegis, sondern nur die Regia selbst, d.h. 
der Theii, welcher die ihm zukommende Amtswohnung aus- 
machte, sein konnte« Wie ein solches Missverständniss ent- 
stehen konnte , begreift sich leicht, wenn man bedenkt, dass 
sowohl die domus Regis, als die Regia, Letztere wenigstens 
der früheren Bedeutung nach, in Dio's Zeit längst verschwun- 
dene und yergessene Gebäude waren. Die domus Regis sacri- 
ficuli wird uns gar nicht weiter genannt. Es hindert nicthts 
anzunehmen, dass sie, auch nachdem Angustus den Sitz des 
Pontificats für alle Zeiten in das Palatium verlegt, oder viel- 
mehr an des Kaisers Person geknüpft hatte, unverändert die- 
selbe blieb ; allein seit durch den grossen neronischen Brand 
alle Gebäude in dieser Gegend gänzlich zerstört worden waren 
und durch die unsinnige Anlage des weithin bis zum Esquilin 
sich erstreckenden goldenen Hauses der Raum, wo sie sich 
nur befunden haben kann, eingenommen wurde, muss noth- 
wendig die Wohnung des Rex anderswoliin verlegt worden 
sein. Wie es mit der Regia, welche in demselben Brande 
nebst dem Vestatempel vernichtet worden war, gehalten wor< 
den, ob sie in derselben Weise, wie früher, wieder erbaut 
worden sei, und wie lange der Name Regia sich erhalten habe, 
ist ungewiss. Denn aus Plinius XXXIV, 8, 18. Alexan- 
dri quoque tabemaculum sustmere tradwUur soUtae sta* 
tuaej ex quibus duae ante JUartis Ultoris aedem dieatae 
euntj toiidem ante Regiam., lässt sich kein sicherer Beweis 
ableiten, da die Worte dieatae sunt eben so gut von Statuen 
gesagt werden konnten, die einst dort aufgestellt worden wa- 
ren, und weil Plinius in gleicher Weise eine Menge anderer 
Kunstwerke nennt, die er zwar alle gekannt und firüher ver- 
zeichnet hatte, die aber sämmtlich im neronischen Brande 
untergegangen sein müssen. Wenn aber ausserdem die Re- 
gia noch von späten Schriftstellern, als Plutarch, Soli- 
uns, Appian und Dio Gassius, erwähnt wird'^'), so 



363) Plutarch. Q u a e s t. Rum. 97. Jiä ri tm Jtutfiß^iais 
(vielmehr Oetobribus, t. Paul. Diac. p. 81. Fest. p. 178. Oetobtr 



t85 

lAi wohl za beachteD, dass alle diese Erwähnongen sich aaf 
Begebenheiten ans früherer Zeit beziehen, deren keine über 
Caesars Zeit hinansreicht. — Sehr beachtenswerth erseheint 
es dagegen, dass Martial, wo er seinem Buche den Weg 
nach dem Palatin beschreibt, die Regia nicht nennt , sondern 
auf den Castortempel die Wohnungen der Jungfrauen folgen 
lässt*^-^). Will man dagegen geltend machen, dass aus der- 
selben Zeit der jüngere Plinius dennoch von der Regia 
spricht, und es als ein schweres Ungebühmiss bezeichnet, 
dass Domitian, um über eine Vestale zu richten, die Ponti- 
fices nicht in dieselbe, sondern in seine Villa berufen habe ^^), 
so kann erstlich bezweifelt werden, ob die Versammlungen 
der Pontifices noch in der ehemaligen Regia gehalten wurden. 



equus.) eiSotS mTtoSoofiiag ytvofUvtff 6 vmiaaf Siiths Uqo9 'l^^«« ^v^ 
Mvat, xal rr^v fitv ovQav anonoxpai zie inl Tfjv'Fiiyf$av %aXovfiivfjv KOfil» 
(e$ n» T» X. Grdn^ete sieh das auf Plntarchs eigene Wabrnehmnogf, so 
würde maa zogebea müsseo, dass Doch in seiner Zeit eine Regia be- 
standen habe; allein die meisten dieser Notizen sind aas Varro und 
anderer Lect&re zosammengetragen , als er in seiner Heimath anfing 
sich mit römischer Geschichte und römischen Aotiquitäten zo beschäf- 
tigen (vgl. S. 52.) , und dabei mag er nicht seilen das früher Gewe- 
sene , aber längst Untergegangene , für noch Bestehendes genommea 
haben. Wenn er daher sogar sagt im Rom. 18. h'waop onlam %ov9 
JSaßiVOve inl r^v vvv 'P^yciav nQOjsayoQCvouivyv xal xo rrJ9 
*£9Tias Uqov., so hat das nicht mehr Gewicht, als wenn er Poptle. 
19. von der Reiterstatüe der Cloelia als noch vorhanden spricht (s« 
S. 113. Anm. 155.). Dasselbe gilt von Solin. 1, 21. (Nnma habita- 
Vit) propter aedein f^estae in Regia, quae adhue ita appellatur, 
Appian. B. C. II, 148. Itv-d'a x6 nakai'Pojfia/ote iaxl ßaoiXeiov» Dio 
Cass. XLIII, 24. von dem Menschenopfer unter Caesar, iv 9* oov t^ 
*jiQtif^ nelfitf n^og ts ruiv JIovT*tpütwv nal ir^be roS Uq4ws too 'jigsmc 
kxv'&ijQav nal ys ai nt<palal aixwv ngos xo ßnaileiop wsxi^aav* 
Alle diese Erwähnungen der Regia beziehen sich nur auf frühere Zei- 
ten, wo über das Bestehen derselben in ihrer ursprünglichen Weise 
kein Zweifel ist. Noch weniger wird man sich auf Pseudo-Ascon. 
z. Cic. Act. I. i Verr. 7. beziehen wollen; denn solche Benet* 
kuogen sind von früheren £rklärern entlehnt. 

36i) I, 70, 3. 

Quaerit itert dieam: vieinum Catiara eaitae 

Transibis Fesiae virginsamque domunt, 
Jnde saoro veneranda petes Palatia etivo, 

65) Epist, IV, II. Nam quum Corneliam Maximiliam Festa" 
lern d^odere vivam concupissety ut qui illustrari saeeulum suum eius» 
modi ßxempio arbiträre iur, Ponti/ieis maxitni iure^ seu potiu* immth 
nitate tyranniy licentia domini^ reliquos pontißees tion inUegtam, sed 
in Albanam villam eonvooavit JVec minore seelere, quam quod uir 
eiset videbaiur, absentem inauditamque damnavii. 



236 

Schon Augustus hatte mit seiner Wohnung auf dem 
ein zweites Vestaheiligthum verbanden ^^^) ; offenbar aas kei- 
nem anderen Grande, als weil es uraltes Herkommen war, 
dass der Pontifex Maximas neben der Yesta wohnte. Es ist 
wohl möglich, dass damit auch ein der alten Regia entspre-- 
chendes Local verbanden war> wo seitdem die Kaiser die 
Funktionen des Pontifex versahen. Eine verworrene Bemer- 
kung des loann.Lydus scheint diess selbst zu bestätigen. 
Er sagt von Numa de mens. I, 16« dkkd fiijy xal vfjp 
ßaüiXiwv olniar, i} %akelTai HaXdviov, «avd 
%w UgaTinop äuTaiaro &€GfA6v. Lydus denkt sich oft 
die Einrichtungen später Zeit als uranfangliche, und so kann 
er gar wohl ein maTa top uQa%ix6y ^ta/iov eingerichtetes 
Local auf dem Palatin für die Regia Numae gehalten haben. 
Wie in der Person des Kaisers sich alle Gewalten concen- 
trirten, so wurde das Palatium der Ort, wo diese Gewalten 
fungirten und auch die Senatsversammlungen wnirden schon 
unter Tiberius dort gehalten ^^j. Indessen mag immerhin 
bei Plinius an die alte Stelle der Regia gedacht werden: es 
widerspricht diess der Annahme, dass diese im Wesentlichen 
Wohnung der Jungfrauen geworden war, nicht. Denn ein 
Sacrarium blieb doch jedenfalls darin, so wie es sich bei 
der Wohnung des Pontifex * befunden hatte , und es mag in 
Bezug auf den Cultus sich noch längere Zeit der Name Re- 



966) Ovid. Fast. IV, 949. 

Aufwt Vetta dient» eognato Festa pAcepta est 

Limine, sie iusti eonstituere patres, 
Phoebus habet partem ; Festae pars altera eessit i 
Quod superest iliis, tertius ipse tenet, 
Metamorph. XV, 864. 

Festaque Caesareos inter saerata Penates, 
Et cum Caesarea tu, Phoebe domestice, Festa. 
Fast. PraeD. IV Kai. Hai. QVOD. EO. DI.. ..ET VBSTAE. IN. 
DOMV. IMP. GAESARIS. AV6V....NTiF. MA. DBDICATAST. QVI- 
RINIO ET VALGIO COS. V^l. Merk. p. XLIX. GGLVI. 

67) Tacit. Aon. 11, 37. quatuor filiis ante Urnen euriae ad- 
stantibus — quum in Palatio senatus haberetur. S e rv. s. A« n. Xl, 
232. Ideireo eiiam in Paiatii atrio, quod augurato eonditum est, 
avud maiores eonsulebatur senatus. loann. Lyd. de mens. I, 36. 
«^•iM» IU¥ fti^iri in iyo^s, akX iy nf nalatif» r^ flovl^r ovviyf 
0&a4,, was aatiirlicb Tiel %n all^emeio gefasst ist. 



287 

gia erhalten haben* Ans spkierer Zeil wird die Regia nia 
mehr erwähnt und Dio Cassins hat gewiss keine Renntniss von 
dem wahren Verhältnisse gehabt, am allerwenigsten aber et- 
was von der längst verschwundenen domns Regis gewnsst ^*); 
and fand er nnn , dass Aogustos die Wohnang in der Regia 
den Vestalen geschenkt habe, so konnte er sehr leicht verlei- 
tet werden , diese als Wohnang des Rex anzusehen und den 
Namen durch oixia tov ßaoiXiiaQ wv hf^v zu übersetzen, 
vielleicht nur eben getreu berichtend, was er fand und ohne 
das eigentliche Causalverhältniss einzusehen. Hätte er aber 
geradezu sagen wollen ro ßaaiXuov, so wäre diess keines- 
weges angemessen gewesen, da Aogustos doch nicht die ganze 
Regia, sondern nur die Wohnung des Pontifex verschenken 
konnte, und so war verrouthlich in der Quelle, der er folgte, 
distinguirt. Uebrigens bedeutet bei Dio Cassius rd ßttaiXtiOV 
den kaiserlichen Palast **) , so dass in den wenigen Stellen, 
wo die Regia verstanden werden muss ^^) , es zweifelhaft ist, 
was- er sich dabei gedacht hat. 

Wenn nun auf diese Weise der eine Endpunkt der Sacra 
via (im engeren Sinne) gewiss ist: die Regia neben demVesta-* 
tempel, unter dem Palatin an der Grenze des Forum , so ist 
der zweite von V e r r i u s oder seinem Epilomator F e s t u s ange- 
gebene, das Haus des Rex sacrificulus, nicht schwer zu fin- 
den. Denn wenn, wie Varro sagt, der Name Sacra via vor- 
zugsweise dem Theile der Strasse zukam , welcher auf dem 
vorderen Clivus (vom Forum aus) zur Höhe (des Titusbogens) 
aufstieg, und nach Verrios derselbe Theil zwischen Regia und 



3()8) Sie wird überhaupt %w sieht weiter genannt. Zweifelhaft 
kann es scheinen, wie man Herodians Worte verstehen solle, wo er 
vom Brande des Friedenstempets unter Coromodns erzählend, wobei aveh 
der Vestatempei ein Ranb der Flammen wurde, I, 14. sagt : a^aaaoat 
yoQ ro ayaXfia {rys JlaXXaSot) ai r^t 'JBotiat li^eiat na^ivoi^ diot fU* 
otfS T^s tf^äf odov fit Typ rov ßaa$Xio}S awX'^p fUTtno/uomt. 
Allein hier ist wahrscheinlieh paaiXdtot aul^ der kaiserliehe Palast, vnd 
das Bild wurde, wie es am angemessensten war, in das dort befindliche 
Vestaheiligthnm gebracht. Bei einem früheren Brande (Dio Cass. 
LIV, 24.) retten es eben so die Vestalen anf den Palatin in die Woh«- 
nang des Flamen Diaiis. 

60) LX, 5. LXVI, 16. LXXVII, 4. LIII, 16. 

70) XLIII, 24. XLVIlf, 42. 



238 

(hm%a Re^ii lag, so moss Letztere eben hier auf der Höhe, 
nahe dem Titasbogen gelegen haben. Die ganze Strecke wird 
von Dichtern auch sacer clitnu genannt ^^i), der obere Theil 
aber, und wahrscheinlich ein grösserer angrenzender Raum 
hiess summa Sucra via^ was sich von selbst verstehen 
würde, wenn es sich auch nicht aus der Nähe des lupiter 
Stator und der Porta Mugionis mit Gewissheit ergäbe. — Es 



371) Diese missverstandene Benennung hat zu den seltsamsten 
Irrthiimern Veranlassung gegeben. Sie findet sich bei Ho rat. JV, 

Conoines maiore poeta plectro 
Caesarem, quandoque trahet feroees 
Per sacrum ciivum merita decorus 
Fronde Sygambros, 
und Marti al. I, 70, 5. 

Quaeris iterT dicam: vicinum Castora canae 

Transibis f^estae virgineamque domum. 
Inde sac.ro veneranda pefes Palatia clivo. 
Wiewohl nun zu Uoraz die alten Scholiasten ganz richtig erklärt hat- 
ten : per sacram viam, und die Vergleichnng mit Bpod. VII, 7. 
Intaetus aut Britannus ut desc.enderet 
Sacra catenatus via. 

tedermann über die Richtigkeit dieser Erklärung belehren konnte, ha- 
en doch die Herausgeber sie mit einem „Male*' verworfen, und höchst 
ungereimt den Clivus Gapitolians verstanden. Der schwerste Vorwurf 
aber trifft die Topographen, welche, obgleich Donati (II, i%, p. COl 
Graev.) vollkommen richtig geurtheilt hatte, dennoch die Identität des 
Sacer clivos mit der Sacra via nicht erkannt haben. So versteht denn 
Nibby, Del Foro Romano, p. 135. auch den Clivus Capitolinus ; Ca- 
nina, Foro Rom, p. 78. einen von der Sacra via zum Palatin führen- 
den Steig, und eben so B u n s e n , Le forum Romanum» p. ^ f. Les 
Forum de Rome, I. p. 33 ff. ßesckr, d. St. R, 111. B. S. &0 ff. Es ist 
schon durch Ambrosch, Stud, u, j4ndeut, S. 78. der Irrt hum nach- 
gewiesen worden. Was Horaz und Marüal sacer clivus nennen, das 
ist der clivus Sacrae viae und so wird er wirklich genannt in den von 
Nibbyp. 180. angezogenen Act. Sti. Pigmenii: Coepit Pigmenius 
ascendere per ciivum viae sacrae ante templum Romuli, S. 
wegoa des letzteren Namens F e a , in den Effemeridi letter, di Roma. 
18!^. Dec. p. 385. — Unter Allen aber hat Bnnsen die irrthümlichste 
mii4 unstatthafteste Vorstellung vom Laufe der Sacra vift. Aus völli- 
gem Missverständniss der Nachricht bei Festns giebt er uns nicht nur 
«ine doppelte Sacra via, wovon die eine vom Faustinatempel zum Ar- 
eas Septimii Sev. (sub novis), die andere vor dem Vesta- und Castor- 
Tempel (sab veteribus) vorbei fuhrt, sondern ausserdem noch ein beson- 
deres Stück, das von der Regia nach dem Abhänge des Palatin fuhrt, 
wehin er die Wohnung des Rex setzt, und von dieser als Fortsetzung 
dieser Sacra via (also der im engern Sinne) seinen Clivus sacer be- 
ginnen lässt. Man sehe den grossen Plan in den Monum. d. Inst, 
1836. T. XXXlll., wo der Irrthum noch bestimmter ausgeführt ist^ 
als in dem kleinen Plane der Beschr. d. St. R. 



bftl ntui $ber Ambroscb*^') sehr treffend bemerkt, dasf 
dem Rex MODrum, der ja m priesteriicber Beziebung an die 
Stelle dei rertriebenen Königs trat (Liv. II, 2.), wabrscbeiiH 
lieh eines der alten Königtbäoser zor Wohnung angewiesen 
wnrde; nnd deren werden eben an der samma Sacra via meh- 
rere genannt. Denn hier soll Ancns Marcius gewohnt ha- 
ben ^") , nnd ganz in der Nähe mosste ja auch die Wohnung 
des Taipqttinitts Priscus sein^-^)» Endlich giebt auch Pli- 
nius ^*) das Haus des IVtfqninins Superbus hier an. 

Nach dieser Bestimmung des Ganges der Sacra via vom 
Sacellum Streniae bis zur Regia, oder der Grenze del Forum, 
bleibt noch übrig, ihren weiteren Fortgang bis zum Arcus 
Severi nachzuwdsen. Der nächste von der Sacra via berührte 
Punkt, welcher uns genannt wird, ist der Fern ix Fabius 
oder Fabian US, ein von Q. Fabius Allobrogicus in seiner 
Censar, 645 d. St. erbaueler Bogen, der wenigstens bis auf 
Constantins Zeit sich erhalten halte. Seiner gedenkt Cic. p« 
Plane. 7. Hoc tarnen miror, cur tu hmc potüsimutn ira»eä^ 
re, qui longissime a te abfuit. Eqmdem st guando, 
utßtf iactorin turba^ non illum accusOj gut est in 
summa Sacra via, cum eg0 ad Fabium fornieem 
impellor, sed eum, gut in me ipsum incurrit atque incidit. 
Aus diesen Worten ergiebt sich erstlich , dass der Fabius for^ 
nix von der summa Sacra via in ziemlicher EntfernuDg liegen 
ttusste, nnd dann, dass die Strasse in jedem Falle in gerader 
Linie auf ihn zu lief. Schon dadurch werden wir also auf die 
Gegend des Yestaheiligthums hingewiesen; denn wollte man 
ihn an der entgegengesetzten Seite des Forum, bei dem Fau- 



372) a. a. 0. S. 5^ 

73) Salin. 1, 2$. Anetu Marekis (habitairit) tu summa Sacra 
via, ubi aede* Larum est. vgl. Anm. SSI. 

74) Liv. I, 41. kabUabat Bnim fx ad lovü Statorit, Solia. 
1, ti. Tarquinius Prüeat ad Mugoniam partam^ supra tummam No- 
vam Viani. Vgl. S. \\t. 

75) N. H. XXXiV, 5, 13. E diverso AnniuM FeiiaiiSy eqvestrem 
(sUtoam) , qua« faerit tontra levis Siatvris aedem in vestibuio Su* 
perbi domus, Faleriae fiiisse JNihiiwias consulis fiiiae (tradit). Dia 
Reilerautae , welebe lar dia ClaaUa gekalten wurde , aUad aber ia 
samma Sacra via. Vgl. S. \i% f. Aam. IW. 



240 

stinatempel, denken, wo die Strasse, von der Regia kommend, 
fast in rechtem Winkel sich gewendet haben masste, so hinkt 
der ganze Vergleich. Und diese Stelle weisen ihm auch aus- 
drücklich drei von einander unabhängige Scholien zu einer an- 
deren Stelle Cicero^s an, indem sie ihn entweder nahe bei der 
Yesta, oder neben die Regia, oder endlich an den Anfang der 
heiligen Strasse setzen '7^). Darunter macht besonders die 
letzte Erklärung: der Bogen stehe da, wo man hinter dem 
Castortempel, d. h. wenn man an demselben vorüber sei, die 
heilige Strasse betrete, die Sache sehr anschaulich und lässt 
darüber keinen Zweifel, dass er sich neben der Regia befand, 
wo die das Forum südlich begrenzende Strasse (mb vetenbus) 
in die Sacra via einmündete. Demungeachtet ist er gewöhn- 
lich auf die andere Seite des Forum neben den Fausünatempel 
gesetzt worden 7^), wozu eine höchst verwickelte Stelle bei 
Trebellius Pollio Veranlassung gegeben hat. Er sagt 
Salonin. 1. Fuit denique hactenus statua in pede montis 
Romuhi, hoc est ante Sacram viam, inira tempbim Fau* 



376) Act. I. in Verr. 7. Fidet ad ipsutn fornieem Fabianum 
Ferrem. Daza safpt der Psendo-Ascon. p. 133 Or. Fomix Fabia- 
nus areus est ivxta Regiam in Sacra via a Fabio eentore comtru^ 
etus etc. Von den Scholiasten Gronovs aber hat der eine p. 393. : 
Arcus est prope Fcstam, der andere, p. 399. Sacram ingredientibut 
viam post tempium Castoris, in quo eius familiae nomen ascriptum 
est: Fabi, tu Maseimus ille es. Arcus Latinum non est. Das Letz- 
tere kann nur in so fern gelten, als fomix der Aasdrack der besse- 
ren Zeit ist. Schon bei Senecadeconst. sap. 1. heisst es von 
Cato: a rostris usque ad arcum Fabianum per seditiosae faetionis 
manus tractus. und so oft von anderen Bogen. Erwähnt wird der Bo- 
gen des Fabins noch bei C i c. de o r. IT, 66. ita sibi ipsum magnum 
vtderi Memmitmty ut in forum descendens eaput ad fomicem FabU 
demitteret. Anch daraas ergiebt sich, dass es ein Eingangsbogen zum 
Fomm war. 

77) Bunsen, Beschr. d. St. R. III. B. S. 54. hat in so weit 
richtig geartheilt, als er zaletzt wenigstens sah, dass der Bogen auf 
der Seite der Vesta neben der Regia müsse gestanden haben. Allein 
bei ihm bildet er den Eingang zu der neu geschaffeneo besooderen 
Sacra via, welche von der Regia nach der gegen den Palatin hin ge- 
setzten domas Regis fiibren soll. S. den grossen Plan aas den Mo* 
num, del Instit. 1836. t. XXXIII., der doch wohl eine Art Ulümatan 
sein soll. Der der Beschr. d. St. R. beigegebene Plan des Forum ist 
Slter als der Text «nd steht mit diesem im Widerspräche. Dort findet 
sich der Bogen noch bei dem Faastinatempel. So aach bei Canina, 
am Nibby*s and Fea*s nicht za gedenken. Endlich hat aach Ambroseh 
ihn wieder dahin gewiesen. 



— 241 

stinae advecla ad arcum Fabianum, quae haberet inscri- 
ptum etc. Bei ErkläruDg dieser dunkeln Worte, ist zunächst 
zu beachten, dass der Bogen nicht über der Sacra via stehen 
konnte, denn sonst würde die Statue nicht ante Sacram viam^ 
sondern in S. v. gestunden haben. Sodann ist es oiTenbar, 
dass nicht, wie man gemeint hat, von einem doppelten Stand- 
orte derselben zu verschiedenen Zeiten die Rede ist, sondern 
dass sammtliche Angaben: in pede viontis Romulci^ ante 
Sacram viam^ intra templum Famtinae^ ad arcum Fabia- 
num, zur Bezeichnung einer und derselben Stelle dienen sol- 
len ; denn darauf kam ja doch gar nichts an , ob die Statue 
später an einem anderen Orte aufgestellt war. Jedermann 
hätte ja dann noch immer die Inschrift lesen können ; dage- 
gen folgt aus den Worten; Fuil hactenus statua — quae 
haberet inscriptum^ dass sie in der Zeit, wo die Biographie 
geschrieben wurde, nicht mehr vorhanden war. Endlich ist 
so viel gewiss, dass eine Statue, welche im Tempel der Fau- 
stina gestanden hätte, unmöglich zugleich am Fornix Fabius 
stehen konnte, und ganz unstatthaft würde es sein, anzuneh- 
men, durch den Bogen solle die Stelle des allgemein bekann- 
ten Faustinatempels näher bezeichnet werden. Von den vier 
angegebenen Punkten nun stimmen drei : in pede montis Ro- 
muleij ante Sacram viam und ad arcum Fabianum vollkom- 
men überein, und die Schwierigkeit liegt nur in der vierten 
Angabe: intra templum Famtinae advecta. Von diesen 
Worten bleibt das letzte unerklärlich, und ist jedenfalls ver- 
derbt ; denn wer wird jemals von dem Versetzen einer Suiue 
advehere gesagt haben a^s). Ueber die Präposition aber, die 
man in infra (was ganz unzulässig ist) oder in contra (was 
allerdings ganz entsprechend wäre) hat ändern vollen , habe 



378) üeber dieses jedenfaUs UDzalässige Wort i^t man am leich- 
testen hioffegangen ; ich g^laube aber, so hätte selbst der schlechteste 
J^chnftsteller nicht schreiben können. Ohne alle kritlsebe Hnlfsmillel — 
and vielleicht giebt es deren nicht einaal — sebeint in diesem Falle 
jede Veränderung misslich; sollte indessen der Text eine grössere 
Entstellung erlitten haben, so dürfte man vielleicht vermuthcn, dass 
XU näherer Bestimmung der Worte intra templum Faustinae hinzu- 
gcrugt gewesen sei: u Festa ad areum Fabianum (ennti). 

1« 



242 

ich mich schon früher ^^^) dahin erklärt, dass sie wohl so 
viel bedeuten soll als cüra^ d. i. non uUra^ Denn wenn 
der Fabitis fornix an der heiligen Strasse (nicht über dersel- 
ben) neben der Regia an der Grenze des Forum stand und 
auf der anderen Seite der Faustinatempel die Grenze des Fo- 
rum machte, so kam es darauf an zu erklären, auf welcher 
Seite des Bogens die Statue sich befand. Dass nun ein auf 
der anderen Seite des (wiewohl hier schmalen) Forum ste- 
hender Tempel genannt ist, darf nicht befremden, da nach 
dem Verschwinden der Regia auf der Seite des Palatin kein 
besonders ausgezeichnetes Gebäude sein mochte. Ungeschickt 
bleibt der Ausdruck immer; aber er gehört auch einem der 
ungeschicktesten Schriftsteller an, und eben deshalb darf man 
sich dadurch nicht in der Ansicht irre machen lassen, wel- 
che durch Cicero und seine Scholiasten so sicher begrün- 
det ist. 

Der Fornix Fabins fällt demnach mit der Regia zusammen 
(vgl. Anm. 459.). Von da muss sich die heilige Strasse demFau- 
stinentempel zugewandt haben, um zum Triumphbogen desSepti- 
mius Severus zu gelangen. Denn die Aufgrabung dieses Bo- 
gens und die Offenlegung des Clivus Capitolinus haben unwi- 
derleglich dargethan, dass die Sacra via durch ihn nach dem 
Clivus gefuhrt war, woran auch überhaupt gar nicht gezwei- 
felt werden konnte. Sämmtliche Gebäude auf der Nordseite 
des Forum (als der Faustinatempel, die Basilica Aemilia) ge- 
hören der vierten Region Augusts an, welche durch die Sacra 
via von der achten Region (Forum Romanum) geschieden 
wurde , weshalb die Region selbst Sacra via hiess *^). Daher 



379) Dt Romae vet. mur, atq. port. p. 37. 

dO) Die Notitia oder vielmehr das Carlos am (nach Mara- 
tori thes. IV. p. 2127.) nennt in der Grenzbeschreiban^ der vierten 
Region folgende an der Sacra via selbst gelegene Punkte : ColosMvm 
(s. Anm. 341.). Metam sudantem. Templum Romae {Romt). Jedem 
fobis. Fiam saeram» Banlieam novam et Pauli. Templmn Fau$Hnae, 
Davon ist die Basilica Panli das letzte GebXade nach dem Areas Severi 
hin, wird aber, wie oft, gleich mit der vor dem Tempel der Faasüna 
gelegeaen Basilica nova, d. i. wie die gewShnlicben Handschriften ha- 
ben ßaMiitea Constantinünta, genannt. Dass diese mit als Grenzpankt 
angegeben wird, darf dorcbans nieht so verstandeB werden , als sei 



243 

ist es aoch nicht möglich, dass die heilige Strasse über die 
Regia hinaus und dann quer über das Forum gegangen sei 
(wie Bunsen angenommen hat); denn dann hätte ein Theil 
des Forum zur vierten, der andere zur achten Region gehört. 
Vielmehr ergiebt sich aus allem bisher Gesagten, dass die 
Sacra via, von der Regia gerade nach dem Faustinatempel ge- 
hend, die östliche Grenze des Forum machte, so dass ihr auf 
ihrem Laufe bis zum Severusbogen das ganze Forum zur Lin- 
ken blieb. 

Die Nova fia. 

Von weniger Wichtigkeit für die Construction des Fo- 
rum, aber doch wegen ihrer Beziehungen zu dem Vestaheüig- 
thume und der Sacra via hier zu berücksichtigen ist die mehr- 
iach unter dem Namen Nova via erwähnte Strasse. Von 
ihr ist schon zum Theile bei der Bestimmung der Porta Mu- 
gionis (S. 112 f.) die Rede gewesen und daraus, dass Livius 
den älteren Targuinius bei dem Tempel des Inpiter Stator, 



die Sacra via dicht daran yoriibergenngeo; fondero et folget q«p dar* 
am, dass zwischen ihr and der Basilika kein besonders hervorsteehen« 
det Gebinde war, wie denn aneb wabrsebeinlieb deshalb analttelbar 
vorher die Sacra via selbst genannt wird. Eben so wenig darf man 
daran irre werden dnreh Galen, de eompos. medie. I, 1. "Hiif 
fio& itai n^oa^iv lyiyi^mrco ngayfiareta dvoiv uiv i^ avr^g rmv Ttffmzmp 
ßißXliay indod'ivvuiv , iynaraXi^ip&ivtotv de^ iv rff nara r^v ^^if^y J^^r 
dno&^Mv (jLtxa tojv SXLtn', rjyixa rb ri^tf Btgi^VTfS rifievos olav Iftaid^j^ 
ital uara ro JlaXariov at iitytAat ßißhoO'f^tiai, rrjvtiMVTa yä(f higoty 
Tt noXlwv anviXovro pißkia, nal xvtv ifuoy *6aa narä rrjy anod^m^y 
iiulvriv ^*9tTo f ^ pLrj^tvbi rwy iy *Pdfp,p tfOnav fy^w of/toXoyQvvroQ avil- 
ygatpa rwy ngdtvviv Sv^iy,^ Denn wenn anch im Friedepstempel eine 
BibLiothek war «nd aTro&rjttrf flißkiwv eben so viel bedenteo kann aU 
ßtpXio&ijxTj, go ist doch hier d^iipit ynstreitig eine tabema Ubraria ge- 
meint, und es ist natiirlich, dffs« bei jener F^aersbrnnst der ganse 
Theil der Sacra via, welcher zwischen dem Friedeastempel und dem 
Palatin lag, abbrennen mosste. Um sich aber völlig von itm Irrthnme 
derer, welche die Sacra via vom Tjtnsbogen nach der Basilika gehen 
lassen, zn überzeugen, braucht man nur zu vergleichen, was Hero- 
di%n eben von jenem Brande, der auch den Vestatempel vernichtete^ 
erzKhit: I, 14. ort »al tys '£0rias rov nw xaTa^Xsx&iyrog ino roS 
nvgbs yuftvto&iv dßiß&if rb r^s IlaXkado^ ayaXfia — . a^&QWfai ykf^ xb 
Syakfut at xijg 'BoTiae tdgsiai voQ&ivoi 9ut /Uayg r^f ttgas bSov tis v^ 
Tov ßaoJUws aph^v fi^xtmoinaay. Nach jener Annahn^ h&ttep ^\t Jang- 
frauen nicht npr ejnen sehr seltsamen Umweg ^enomiQieny aendern sie 
wiren geradezu ja das Feuer hinein gelaafen. 

16* 



244 

zugleich aber auch an der Nova \ia wohnen lässt, und über- 
einstimmend mit ihm, aber noch bestimmter Solinus an 
der Porta Mugionis und der summa Nova via, ist nachgewie- 
sen worden, dass diese Strasse entweder nahe beim Titus- 
bogeu sich Von der Sacra via trennte, oder, was noch wahr- 
scheiuticher ist, von dem l%ore ati am Berge sich hinzog. Es 
niuss sich nämlich die heilige Strasse hinter dem Titusbogen 
etwas rechts gewendet haben und dann in gerader Linie nach 
der Hegia gegangen sein, so dass zwischen ihr und dem Berge 
ein ansehnlicher Raum blieb. Darum kann Asconius,. wo er 
das Haus des Scaurus bezeichnen will, von einer Strasse spre- 
chen, welche von der Sacra via nach dem Palatin fährte ^®^), 
und also jedenfalls eine Veirbindung mit der Nova via her- 
stellte. Die Letztere aber muss sich von dem genannten An- 
.fangspunkte, wo sie summa war und hiess, dicht an dem 
Berge bin und hinter dem VestaheiUgthume weg, mehr und 
mehr sich senkend hingezogen haben. Das erhellt aus den 
Stellen, welche von dem Altare berichten, welcher dem Ains 
Loquens oder Locutius an der Stelle gesetzt wurde, wo vor 
dem Einfalle der Gallier die warnende Stimme gehört worden 
war^^). Die Vergleichung dieser sich gegenseitig ergänzen- 
den und erläuternden Nachrichten lelirt, dass M. Caedicius, 



381) Z. Cic. p. Scaar. p. 27 Orell. Demonstrasse vobü memini 
me, hanc domum in ea parte Palatii ettOy quae, cum ab Sacra via 
descenderis et per pfoximum vicum, qui est ab sinistra parte, pro- 
dierfs, posita est. 

82) Cic. de div. I, 45. Nam non multo ante Urbem captam 
exaudita vox est a luco Festae, qui a Palatii radice in 
Novam vi am devexus est — . ara enim Aio Loquenti , quam 
septam vidcmns, exadversus eum locum consecrata est, 11,32. 
ex CO Aio Loquenti aram in 'Nova via consecratam. Liv. V, 32. 
Eodem anno M. Caedicius de plebe nuntiavit tribunis , se in Nova 
via, ubi nunc sacellum est, supra aedem Festae vocem noctis 
silentio audisse clariorem humana etc. vgl. 50. 52. Varro b. Gell. 
XVI, 17. sicut Aius deus appellatus araque ei statuta est, quae est 
in infima Nova via, quad in eo loco divinittis vox edita erat, 
Plntarch. CamilL 30. avzot äi iSovaaro vedtv 4>riuy^ xal KXtjSo'^ 
f'Off avivQOJV iniivov xbv ronov hv <p yvxro}^ ^ xarayy^^ovaa trjv xitii' 
ßtt^ßaQOJV OT^axiav in ^eov rd} KsSutita Ma^ot qnovfj irgociTitas. vgl. 14. 
de fort. Rom. 5. 4>iifif^c id^vaaro xal KlT^SSvoe {rttur) ixeT Tiagä rtjv 
Katvijv 686v, oTtov (paal nfto jov noUftov Ma^at KaiSsxUf fiadiZoiTt 
vvMTw^ (potvijv yeyiod'Oi u. t. L 



245 

als er jene Warnung 2a vernehmen meinte, sich an dem Theile 
der Nova via Jl)erand, wo sie von der Höhe bei dem lupiter 
Stator sich bereits bis zur Tiere des Forum gesenkt hatte^ und 
dass auf dieser Stelle der Altar errichteü wurde, in fnßma 
Nova via (Varro), Die Stimme selbst aber ertönte an ei- 
nem höheren Punkte, a luco Vesiae^ wie Cicero, $upra 
aedem Feitae^ wie Liviussagt, und damit stimmt' übereinr, 
dass der Altar exadverstts eum iocum {€i c.) stand. Dmr Hain 
der Vesta be&nd sich also oberhalb der Strasse tim Abhänge 
des Palatin und musste durch diese vom Tempet' geschieden 
werden; denn anders können Cicero^s Worte a lacö f^esthe^ 
qui a Palatä radice in Novam viant devemts esty ' nicht ver- 
standen werden. Wie mit ihnen die Ansicht bestehen könne, 
der Hain habe zwischen der. Strasse und dem Tempel gelegen, 
ist in keiner. Weise abzusehen. 

Bei dem Tempel,^ wo die Nova via ihre tiefste Stelle er- 
reichte {inßnta Nova via)^ bog sie um die ilördii(^he Ecke des 
Palatin und, berührte das Forum Romanum, wie Ovid sagt 3*^), 
wobei nur immer berücksichtigt werdeb muss, dass nicht nur 
der als d^r eigentliche Markt geltende freie Platz, der von 
den Tempeln und Basiliken eingeschlossen wird, sondern der 
ganze Raum, auf dem diese Gebäude au^eführt sind, das 
Areal des Forum ausmacht. In. diesem Sinne stiess allerdings 
die Nova via auf das Foru« und von dem freien Platze dessel- 
ben führte zwischen dem Vestatempel und den drei Säulen 
eine Strasse n^ch ihr, wie das aafgegrabene Pflaster gezeigt 
hat. Von da ^ng die Nova via wahrscheinlich tief am Ab- 
hänge hin und reichte bis in die Nähe der Porta Romanula 
und des Velabrum, wie schon früher (S. 114.) gezeigt wor- 
den ist, 



1 

-r— «r 



3S3) Fast. Vi, 389. 

Fortß revertebar feitü p^eitaiibtu iliae, 

Qua Nova Romano nunc via iuncta foro est, 
ffuc pede matronam nudo desöendere vidi etc. 



246 



Die Vclia. 

UnKerti'eniilich voll der Untersachong über das Forum 
ist die ErörtemDg der Frage, welcher Raum von den Römern 
mit dem Namen Velia benannt worden sei. Daher haben anch 
BitrBiondo und Lucio Fan no, welche die Lage des Fo- 
rum richtig erkannt hatten, zum Th eile auch Mar liani, ein- 
geseheti, dass darunter die Höhe zu verstehen sei, welche vom 
Palatin (beim Utasbogen) ausgehend nach dem Esquilin sich 
erweiternd hinzieht und so die Tiefe des Forum von der des 
Colosseüm scheidet ^^*). Aber schon Andreas Fulvius 
bezog den Namen auf die Höhe des Palatin selbst*^), auf den 
Theil niUnlich, der über dem Yestatempel gelegen ist \ und die 
verkehrte Ansicht von der Lage des Forum hat Nardini ge- 
nSthigt, das ebenfalls anzunehmen, dem Yenutif Nibby, 
Canina ohne weitere Prüfung gefolgt sind. Dagegen strei- 
tet indessen schon, dassVarro ausdrücklich sagt, zur vier- 
ten sei*vischen Region (Palatium) seien der Germalus und die 
Velia gezogen worden ®^) ^ was keinen Sinn hätte, wenn die 
Velia ein Theil der oberen Fläche des Palatin selbst gewesen 
wäre. Dah^r hatNi^buhr, und nach ihmBunsen, sich 
mit R^cht dör früheren Meinung wieder zugewandt und die 
Höhe verstanden, worauf die sog. Basilica Constantini und der 
Tempel der Venus und Roma (teuiplum Urbis) steht ^7)« Da- 
gegen ist AmbroSch aus lauter ungegrundeten Bedenken 
d^r Annahme d^r Italianer gefolgt« 

Es sind zwei Beziehungen , in welchen der Name Velia 
genannt wird : dek* Tempel der Penaten und das Haua des P. 



384) Blond. Flav. Koma instatir, III, 73. „IIIdc ergo diximns 
Veliam fViisse ea in Palatii parte , quae iuxta Palla<Ham contra fceh' 
siam S. Mariae Novae eeltior insurgiU* Lucio Fanno« Aniieh, 
di Roma. p. 67. Marliani, Urb. Hmn, ttupogr^ II, 17. p. 98 Graev. 

85) De Urku anUquit, p. 210. 

86) L. L. V, 8. p. 60 Sp. Qtiartae regionis Paiatiam, quod Pa- 
iantes cum Evandro venerunt, qui et Paiatini, -^ huic Cermalum 
et FelioM eoniunxerunt. 

87) N i e b n h p, Mm, Gesch, I. 8. 431 . Bansen, Betehr, d, 
St. R. III. A. S. 8t. — Ambro seil, Stud. u. Andeut, S. 119 f« 



«47 

Valerius Poplicola. Der Penatentempel wird von den Schrift- 
stellern übereinstimmend mit dem Monumentum Ancyranum 
als aaf der VeUa stehend angegeben 3"*), aber durch alle diese 
Erwähnungen würden wir nicht in den Stand gesetzt sein, den 
Ort, wo er sich befand und somit die Velia selbst genauer .zu 
bestimmen, wenn nicht eine Stelle bei Dionysius darüber 
erwünschten AufscUuss gäbe. In der bekannten Erörterung 
über die Bedeutung der römischen Penaten sagt er I, 68. vcdg 
iv 'Pfi/iijj deixrvrai tijs dyoQas ov ngoam uard %i^v 
inl Kaqivd^ <pi(fovoap inlTO/ttov iiov, vncQoyy 
anovEiVOß i9QV/iiivog ov /jiiyaQ» Xiyitai dh nard ti^v ini)i(a^ 
Qiov yXwTtav TneXalats %6 yuigiov. iv ii Tovroi xeJv- 
Tai vfSv TQmuiov d-imv dnoves^ anaaiv oqäv, JENJlS 
iniy^uq>'^v i^ovaaiy dr^XoijQav tovq üsvaTag* Diese 
Worte haben eine doppelte Corruptel erlitten, einmal in Be- 
treff der Inschrift '*) , was hier gleichgültig ist, dann in dem 
Namen des Orts , *TntXaiaiQ '®) , worin jedermann sogleich 
die Velia erkennen wird (sub Velia). Denn wenn es auch ir- 



388) Frgiiit. Arg. b. Varro L. L. V, 8. p. 59. Veliente sexti- 
eeps in Feiia apvd avdfsm Deum Psuotium. Varro b. Noo. XII, 51. 
p. 531 Mcrc. p. 3l>3 Gerl. Tullum Hottilium in Feliis ubi nunc est 
aedis Deum Penatium, Eben so Liv. XLV, 16. Solln. 1, %2, End- 
Uch iia MoDQm. Aocyr. A£DEM DEVM PEIHATIVM LN VGLIA. 

80) 8. Ambroseb. S. 231 ff. Vgl. Cl aasen, AeneoM t/. die 
Penaten. II. 8. 6t4. N. 1116. De Romae veL mur, atq. port p. 49. 
Es bleibt nir immer oocb wabrscbeiolicb, dass die Ipscbrift PENATl- 
BVS war, oder weil in der alten Scbrift D und P sich kaum unter- 
scheiden , wie Dionysius las, ÜENATIBVS , was er, wie gewöhnlich, 
griechisch umrormte, so dass er geschrieben haben mag JBNA^I^ 
weshalb er hinzusetzte , es sei so viel als IIENA2L Dann erklärt 
sich voUkommen die folgende Bemerkung i 8oiU€ yi^ fiot, rov H fiijnm 
y^afAuaroe avQtffifvov , rtf diXra dylovv ryv ixtlvov Svvafiw rovf 9ra- 
latovg, Ais der ursprüngliche Name in JEMlS übergegangen war, 
musste natürlich auch geschrieben werden t xov G ftijitw «. r. A. Auf 
diese Weise scheint sich Alles sehr leicht zu erklären. Der Einwand^ 
dass schwerlich auf dem Denkmale bloss Penatibus möchte gestanden 
haben, würde nichtig sein. Wenn auob die Inschrift vollständig war 
D. PENATIBVS, oder D. M. PENATIBVS , so hatte doch Dionysius 
keine Veranlassung mehr als den Namen der Penaten anzuführen. 

90) Die Varianten bei Sylburg, Reiske und Ambroseb geben nichts 
als : vTi tkalats , vmhiust vTTtXaias, Schon Cftsaubonus zum Mo- 
num. Aocyr. emendirte: Oviluu, Cuiacins übersetzte richtig Sub 
Velia. Es scheint geschrieben werden zu müssen: ^VneUaig oder 
'Tntkitf. S. De Romae vct. mur. p. 44. 



248 

geud zweifelhaft sein könnte, ob Dionysios den Penatentempel 
meine^ so dürfte man doch keinen* Anstand nehmen, den Na- 
men der Velia wiederherzustellen, da nahe am Forum, wo 
jede Stelle durch ein bekanntes Gebäude bezeichnet ist, die 
Annahme eines sojisi nie und nirgends erwähnten Bezirks Sub 
oUvis etwas ganz Unerhörtes wäre. 

Dagegen ist es so ofTenbar, dass Dionysius vom Penaten- 
tempel spricht, dass man sich des Zweifels daran gar nicht 
hätte versehen sollen ^^'). Nachdem er iip vorhergehenden 
Capitel von den geheimnissvollen layinischen Gottheiten ge- 
sprochen hat, sagt er : TOt)p dh ^eov^ tovtovq 'Pw/ialoi fHV 
Heruvaß xaXovaiv. Dann führt er an, was Timaeus von der 
Gestalt der Gottheiten lin Lavinium berichte und angeblich von 
den Einwohiiern gehört hfibe, worauf er fortfährt: iyd dk 
oaa filv o^äv cinaatv ov d^f/nSy ovi€ nagd tüv ogtivTiav 
ditov^iv, ovif civ iniyQ(iq>£iv oiofiai ielv. — ^U dk avTo^ 
ve Idiüv inioTotfiai %ui &ios ovStv cino^faXv€$ //« ns^l av-^ 
Tiav Yqd(p$iv %oid8u iarip pcfoe iv Pdfifj 9tUvv^at %y^ 
dyoQÜs ov n(i6ow «. t* X» Man müsste Dionysius für den 
ungeschicktesten Schriftsteller halten , wenn mau etwas Aur 
deres erwarten wollte, als dfiss er pun von dem römischen 
Penatentempel zu sprechen anfange $ und in der That wäre es 
höphst seltsam, wenn er mit Uebergehun^ dieses hochwichti- 
gen und vor allen Anderen hier in Betracht kommenden Hei-> 
ligthums voi| einein Paar Statuen auß einem namenlosen Tem- 
pel spräche; höchst auffallend auch, dass sich die eixovaQ 
Tfiy TQfaikwv ^€fav in einem anderep u|id nicht ip ^em Penar 
tentempel, wohin sie gehörten, sollten befunden haben. Wenn 
aber das alles undenkbar ist, und wir mit völliger Gewissheit 
anzunehmen haben, dass der Tempel, den Dionysius be- 
schreibt, kein anderer ist als die aede* Deum Penatitim in 
Velia ^ so ist e« auch offenbar, dass der letztere ^ame die 
Höhe bezeichnet, worauf die Basilica Couslantini und der 



391) DemuDgeacbtct ist ps lebhaft bestritten wordeo Yt^i) Am- 
bro seh, Stud. u, Anbeut, S. 1^7 ff. S. mcioe Schnti De Romae 
vft, mur. atq. port. p. 42 — 48. 



249 

Tempel der Roma und Venus stehen. Denn darauf weisen 
deutlich die Worte hin: vije dyogaQ ov ngocfo xaxd %^v 
inl KaQivdß (piqiyvüav inivofiov 696v. Wo auch immer 
die Carinen gedacht werden mögen, auf der Höhe oder in der 
Tiefe; so viel ist durch Varro**^) gewiss, dass sie an die 
Subura grenzten und also nördlich vom Colosseum lagen. 
Dorthin konnte man nun jedenfalls auf mehreren Wegen na- 
mentlich- auf der Sacra via und auf der hinter dem Romatempel 
hinweg führenden Strasse gelangen; nennt aber Dionysius aus- 
serdem noch einen kürzeren Weg, so kann dieser nur bei SS. 
Cosma e Damiano vorüber gegangen sein, was auch selbst von 
dem an der Basilika vorbei fuhrenden gelten könnte, so dass 
die Vermothung allerdings grosse Wahrscheinlichkeit bat, nach 
welcher man in dem antiken Rundgebäude, welches jetzt die 
Vorhalle jener Kirche bildet, eben den Tempel der Penaten 
erkennt. Für diese Gegend ist allerdings der Name Sub F'elia 
ganz angemessen. 

Kann demnach über die Bedeutung und Lage der Velia 
kein Zweifel sein, so bleibt nur noch der Widerspruch zu be- 
seitigen, den man in den verschiedenen Nachrichten über das 
Haus des P. Valerius Poplicola hat finden wollen. Alle stim- 
men darin überein, dass Poplicola auf der Velia bauete, und 
zwar auf einer hochgelegenen Stelle, so dass das Haus gleich- 
sam das Forum zu beherrschen und eine feste Burg zu werden 
schien. Da diess aber bei dem Volke Verdacht erregte (die 
Häuser der Könige hatten ja auch hier auf der Höhe gestan- 
den), liess er das Gebäude niederreissen und bauete sich ein 
anderes tiefer unten, wo nachher die Kapelle der Vica Pota 
stand. Die Schriftsteller'^) schmücken das nun auf verschie- 



392) L. L. V, 8. p. 53. Eidem regioni aitrihuta Sabura, qUod 
sub muro terreo Cartnarum. Subura lunius teribit ab eo, quod 
ßterit sub aritiqua ürbe; qtioi testimonium potesi esse , quod subest 
et loeoy qui Terreus murus voeatur. Sed ego a pago potius Sueeu-* 
sano dietam puto Sueeusam* — Pagtts Succusanus , quod suecurrit 
Carinis. 

93) €ic. de rep. II, 3t. aedes suas detulit sub ß'eiiam post- 
eaquam y quod in exeeisiore loeo Feliae eoepisset aed\ßcare, 
fo ipso, quo rex Tullus habitaveraty suspieionetn tnovisset etc, 
U'iv, II, 7. aedißeabat in summa yelia. ibi afto^ munitoque loeo 



250 

dene Weise aus. Cicero sagl, das Haus sei excetsiore loco 
Veline erbauet worden, und zwar auf der Stelle, wo das Haus 
des Tullus Hostilius gestanden habe. Livius bezeichnet den 
Ort in summa Velia, alto munitoque loco. Damit stimmen 
die Uebrigen im Allgemeinen überein, doch emäbnt keiner 
ausser Cicero die Regia TuUi. Für den Penatenlempel nun 
und mithin (ur die Lage der Velia wurde aus allen diesen An- 
gaben nichts folgen, wenn nicht Cicero sagte, das Haus habe 
da gestanden, wo die Regia Tulli gewesen sei, und Varro 
(b. Non. XH, 51.) und Solinus (l, 22.) den Tempel der 
Penaten au die Stelle derselben setzten. Dagegen ist zunächst 
zu bemerken, dass beides nicht wohl neben einander bestehen 
kann ; denn der Penatentempel ist jedenfalls älter als die Re- 
publik und stand er auf der Stelle der Regia Tulli, so konnte 
Valerius dort nicht bauen. Es könnte aber auch das Argu- 
ment nur dann Bedeutung haben, wenn Cicero selbst den Pe- 
natentempel genannt hätte, denn dann hätte er ihn als in ex- 
celsiore loco Veliae bezeichnet. So aber verbindet er nur das 
Haus des Königs und das des Valerius, Varro nur das Königs- 
baus mit dem Tempel, so dass man mit Recht fragen kann, ob 
beide sich die Regia Tulli an derselben Stelle gedacht haben 
mögen ; wie streng die Worte eo ipso in loco zu nehmen sind ; 
woher endlich beider Nachrichten stammten. Bei allen Er- 
wähnungen aller Stätten, deren Andenken nur in der Sage 
sich noch erhielt, ist es ganz unstatthaft, topographische Ge- 
nauigkeit zu erwarten. Andere lassen ja selbst den Tullus 
auf dem Caelius wohnen (Liv. 1,30.). Aber sein Haus mochte 



areem inexpugnabilem fore, — Deiata conjestim maieria omnU in- 
fra Feliam et^ ubi nunc ß^icaepotae est, dotttus i n inji m o 
clivo aedificata. Dionys. V, 19. ör» %iiv otiUmv tv imtf&oyt^ ronoj 
fCarcoKCvaoaro 9 Xoipov vn^qKi i(i,evov TtJQ ayo^äe vyfffXor 
intiiHiog xal ne ^it o f$ov , öV naXovoi' 'Pwiiauo^ *Bklay^ futXt^a" 
fiivos, Plutarcli. Popl. 10. Kai yoff qvt<oq o OlaiXt^iot fxttr^a^ 
yixivTt;ov vtto rijy maXovftlvrjv Ovikiav, otxiav tJtotf^efiafiivrjv Tp ayo^q 
Hak xad'vffvHjay «£ v^ffov^ navra, — *BBI%ovto yoQ oi ipihn %6v OyaX' 
/J{ßi4>i', ux^tg op riirov tdumev o dijfiQS avrt^ »al uainmtvaatv outtav 
tniivfi^ fUT^narif^y^ onov vvv U^qv iattv Ovixaf llorag. Vgl. Q d a e s t. 
Ho in. 91. Valer. Max. JV, 1, 1. de har. reap. 8. Leber tlic 
Nameo *E}Ja uoci Ovina Jlova s. De Romae vet, mur, p. 4i. 



251 

immer auf der Vella sein ; es folgt daraas keiuesweges, dass 
alle drei Gebäude auf einem Platze standen. Endlich würde, 
wenn man auch das zugeben wollte, sich daraus nichts weiter 
ergeben, als dass der Penatentempel nicht bei SS. Cosma e 
Damiano gelegen haben könnte, sondern höher hinauf ^''^), wo- 
bei er immer noch ov sigoato t^s uyoQae bliebe. Die ^tki- 
tOfioQ 69oQ könnte dann im Gegensatze zur Sacra via die 
hinter dem Tempel der Roma und Venus weg fuhrende Strasse 
sein. — Erweisen sich nun auch diese Einwendungen als nich- 
tig, so sind noch viel irriger die Folgerungen, weh-he man aus 
einer Stelle des Asconius abgeleitet hat*^). Er bemerkt 
gegen Cicero's Behauptung, dass ihm allein vom Staate ein 
Haas erbaut worden sei, Valerius Antias berichte, dass einem 
Valerins Maximus, Varro, dass einem M. Valerius 
(es war nach Dionysius V, 29. des Poplicola Bruder) ein 
Hans auf dem Palatin gegeben worden sei. Er selbst fügt 
hinzu, dass Poplicola eine Baustelle snb f^elia^ ubi nunc ae- 
dis f^ictoriae estj erhalten habe. Mithin hat die Lage sub 
yelia mit der in Palatio gar nichts gemein : es sind verschie- 
dene Häuser. Was aber Asconius aedis Fictoriae nennt, das 
ist offenbar die Fica pota und wahrscheinlich ist dieser Name 
zu restituiren. Gleichwohl hat man dieses Sacellum als ei« 



304) Glaasen, Aeneoi ti. die Penaten, 11. S. 624. versteht un- 
ter vniifoyy aitoTtwQS im eigentlichea Siaae den VoripniDd^ der Velia. 
Viel richtiger ist es ^ohl, das Wort als adverbialisch stehend zn be^ 
tniohteni 

05) Z. Cic. in Pis. 22. p. 13 Or. JntiquU enim t^mpon'hu 
idem contigii; navi Falerto Max im o^ ut Antias tradidit , inter 
aii0* konorts domtu quoque pubiiee aedi/loata est in Palatio, cu-- 
ius exitus, quo magit insignis esset , in publicum versus declinare- 
tur, hoe est, extra privatum aperiretur. Farronem autem tradere, 
3i. Falerio, quia saepius vicerat , aedes in Palatio tributas, 
Julius Hyginu» dicit in libro priore de viris claris. P. Falerio 

Volusi ßlio PHblicolae aediurn repul [Io]rum sub Fe - 

/tu, ubi nunc aedis Fictoriae est, populum ex lege , quam 
ipse tulerat, concessisse Iradunt, Valerins Antias, der uo zuverlässig- 
ste aller rSmischen Annalisten, knüpft an den Namen Valerins Maxi- 
Aius die Geschichte von den Thüren , die gewöhnlich in Bezug auf 
Poplicola erzShlt wird (PUlarch. Popl. 20.); aber Pilo. XXXVI, 
15,24. giebt an, dass ihm, wie seinem Bruder dieselbe Auszeichnung 
so Tbeil geworden sei , und zwar setzt er in Betreff des Letzteren 
ebenfalls hinzu : qui bis in eodem magistratu Sabinos devicerat* 



Ä52 

gentlichen Tempel der Victoria angesehen und den inßmus c/i- 
vus bei Livius für den Clivus f^ictoriae geballen. Da nun 
dieser an der Westseite des Palatin (S. Teodoro) bei der Porla 
Romanola genannt wird (S. 114.), so musste daraus eine heil- 
lose Vem^irrung entstehen, in Folge deren auch das Thor 
nicht an seiner einzig möglichen und ganz unzweifelhaften 
Stelle bleiben konnte. Allein der Clivus Victoriae war kei- 
nesweges nach einem in der Tiefe gelegenen Sacellum benannt 
(wofür es überhaupt kein Beispiel giebt) , sondern, wie der 
Clivus Capitolinus , Salutis , Martü , nach dem auf der Höhe 
des Palatin gelegenen Tempel der Victoria, dem uralten Hei- 
ligthume, das älter als die romulische Stadt gewesen sein 
so]] 396^^ Was man sonst aus der gänzlich missverstandeneu 
Stelle über die (falsche) Porta Romana bei Festus gefolgert 
hat, das bedarf keiner Widerlegung mehr »9. 

Wenn es übrigens scheipen könnte, als ob die Schilderung 
der Velia bei Liyius, Dionysius und Plutarch, aU einer be- 
trächtlichen Höhe, der Wirklichkeit nicht entspreche, so ist 
erstlich zu bedenken , wie genau solche Ausschmückungen zu 
nehmen sind, und dann nicht zu vergessen, welche Verände- 
rungen der Hügel durch die grossen Bauanlagen erfahren ha- 
ben mag, welche Yon Nero bis auf Mastentius hier ausgeführt 
wurden. Indessen ist auch so noch die Erhöhung keinesweges 
unbeträchtlich ; denn das antike Pflaster unter dem Titusbogen 
erhebt sich über das Niveau de» Forum um 53 Fuss, und der 
Boden der Basilica Constantini um 43 F., ganz nahe bei SS, 
Cosma e Damiano. Wer aber die Velia auf der Höhe des Pa- 
latin suchte, der hat sich keine Rechenschaft davon gegeben, 
wie Dionysius sie als einen selbständigen Hügel bezeichnen 



396) Angeblich von dea Arcadero gegründet. Diooys. I, 32. 
ßnl di Tp ito^vfp xov lotpov r^ riyff NiHfjS xi^^voi i^eXov^ 
t€£, ^aiae xtü ravfjf TtatsaxTjaarTO difXTjaiov^, äff «ai «V Ifiov 'Pw 
ftatoi ^vov. Das war der Tempel , welchen L* Postqmins weihele 
(Liv. X, 33.) nad wohin anfänglich die Magna Mater gebracht wurde. 
L i V. XXIX, 14. in aedem Fictoriae , quae est in Palaiio, 
perf ufere deam, nnd hier welhete M. Porcius Cato die aedicula Fieto- 
riae Ft'rginis, Liv. XXX,V, 9. prope aedem Victoriae. 

97) Ausführlich ist über den ganaen Irrthum gehandelt: De Ho- 
mae vet, miir. afq, port. p. 46 ff. 



253 

konnte ^'^); wie es möglich war, dass ausdrücklieb Velia 
und Palatium sich entgegen gesetzt wurden*»). — Der 
Name lautet ' gewöhnlich f^eh'a, bei Varro aber auch Fe- 
/we^^^)y wobei vielleicht auf den doppelten Abhang, nach dem 
Forum und dem Amphitheater Rücksicht genommen ist'. Er 
findet aber keine Anwendung auf die Gegend des Titus- 
bogens, weil für diese der Name summa Sacra via der übli- 
che wurde. 

Arg^ilctum. Lautumiae. 

Es ist allgemeiner Charakter der römischen Topographen, 
dass sie die wichtigsten Fragen, über die nicht eben der Au- 
genschein belehren kann, entweder ganz übergehen, oder mit 
kurzen Worten abthun, dagegen die gleichgültigsten Dinge 
genauer Untersuchung unterwerfen. Das unbedeutendste Co- 
lumbarium, aus dessen Auffindung sich nicht der mindeste Ge- 
winn für die Kenntniss des römischen Bodens ziehen lässt, 
wird sich jederzeit einer grösseren Aufmerksamkeit zu erfreuen 
haben, als die aus alter Zeit stammenden bedeutungsvollsten 
Namen ganzer Bezirke, die sich freilich nic^t ans noch vor- 
handenen Mauerresten erklären lassen. So ist es namentlich 
mit dem Argiletum geschehen, dem man auf eine schlechte 
Autorität hin ohne alle weitere Untersuchung und ohne Rück- 
sicht auf die mannigfaltigsten Widersprüche seine Stelle anzu- 
weisen für gut gefunden hat. 

Die einzige Andeutung fast, aus welcher sich auf die 



39S) V, 19. X6<pov vni(f9itifitvov t^e ayo^as vxffijXov (nntudi^ ttal 
nfqlrofiov, 

99) Mo Dum. An cyr. ABDEM. DBVM. PENATFVM. m. VELIA. 
AEDEM. IVVEiTfATIS. AEDEM. MATRIS. MAG. DEIAE. IN. PALA- 
CIO. FECI. So heisst es auch in der Rede de har. resp. 8. P. 
Falerio — data domus est in Felia publice: at mihi in Palatio re^ 
stituta., und ebeo so nnerklärUcb würde es seio, wie Livius, Diodt- 
Sias und Plutarch, überhaupt aieihand den Palatin neooen mochte, 
weno die' Velia nicht eine besondere Hohe , sondern ein Bezirk aof 
der Höbe des Palatin war. 

400) L. L. V, 8. huic Cermulum et Felias coniunxerunt. ebend. 
Feliae unde essent, plares accepi cauiaw, b. Nou. XII, 51. Tut- 
tum Hottilium in Feliis. 



254 

Lage des mit diesem Namen bezeichneten Bezirks schliessen 
lässt, ist die Nachrickt, dass an seiner tiefsten Stelle sich der 
von Numa erbauete lanustempel befand. Liv. I, 19. lanum 
ad infimum Argiletum indicem pacis bellique 
feciU Da nan dieser Tempel, die forta belli (S. 119.), am 
Forum war , so wäre über die Lage des Argiletum entschie- 
den, wenn nicht Servius ausdrücklich eine ganz andere 
Stelle angäbe. Er sagt z. Yirg. Aen. VII, 607. ^ySunl'ge^ 
minae belli portae.^*' Sacrarium hoc Numa Pompi- 
lius fecerat circa imum Argiletum iuxta thea^ 
trum Marcelli, quod fuit in duobus brevissitnis templis. 
Duobus autem propter lanum B ifr ontem. Postea captis 
Falisds^ civitate Tusciae. inventum est simulacrum lata cum 
frontilms quatuor. Unde quod Numa instilu/ratt translatum 
est ad forum Transilorium et quatuor portarwn tmum tem- 
plum est institutum. Offenbar sind hier die verscbiddensten 
Dinge auf die ungehörigste Weise vermengt. Denn das Fo- 
rum Transitorium wurde ja nebst dem lanus Quadrifrons erst 
durch Domitian erbauet, und Letzterer kann gar keine Bezie- 
hung mit dem angeblich bei der Einnahme von Falerii oder Fa- 
lisca gefundenen gemein haben. Die Hauptsache aber ist, dass 
Servius den lanustempel im Argiletum und zugleich am 
Theatrum Marcelli gelegen angiebt. Diese ausdrück- 
liche Erklärung war nun viel zu bequem und überhob in viel 
zu erwünschter Weise die Topographen aller weiteren For- 
schung, als dass sie nicht allgemein als gültig hätte anerkannt 
werden sollen. Durch den entschiedenen Widersprach viel 
bedeutenderer Autoritäten, die nur nicht auf so ausdrückliche 
Weise vom Argiletum sprechen, und von unlösbaren inneren 
Widersprüchen iiess man sieh nicht irre machen : es war ent- 
schieden, dass das Argileüim bü dem Tbeaimm Marcelli sein 
müsse. 

Um das ttarichüg z« finden, moss man sich znvörderst 
überzeugen, dass der Tempel, von dem Servius spricht, kein 
anderer ist, als der des lanus Bifrons**^^) oder lanas 

40t) Virs. Aen. VIIi ISO. XU, 198. Bei Ovid. Fast. I, 89. 
laniu h\formis. 



• 155 

Gemintts^^^^), oder lanus Quirinus ^), welche Namen 
jederzeit auf den Tempel bezogen werden, dessen Thüren im 
Kriege geöffnet, bei allgemeinem Frieden geschlossen wa- 
ren*^), und eben diesen Tempel des lanus Geminus nennt 
Servius allenthalben als den von Numa erbaueten. Nun ist 
aber darüber kein Zweifel, dass dieser Krieg und Frieden an- 
zeigende Tempel am Forum stand. Es sagt diess ausdrücklich 
Procopius ^) und erzählt, wie die Römer in der Bedräng- 
niss der Belagerung zu dem alten Aberglauben zurückkehren 
und die Thüren des Tempels hätten öffnen wollen. Es sagen 
dasselbe eben so bestimmt andere Schriftsteller ^) der ver- 



402) Das ist der gewShnUchste Name. Varro L. L. V, 32. p. 156. 
Lautoiae a lavando^ quod ibi ad lanum Geminum aquae caldae JUe^ 
runt. PI IB. XXXIV, 7, i6. Iühvm Geminut « Numa reg9 äiomius* 
^^l. XXXIH, 3,1.3. Flor. 1,2. lul. Capit. Gord. III. 26. Gros. 
IV, 12. Maerob. Sat. I, 9. Serv. z. Aen. I, 29i. 

3) Hör. IV, 15, 8. vacuum duellis lanum Quirimtm elu$it* 
SaeU Aagust. 22. Macrob. Sat. I, 9. 

4) Um der daraod eatsteheDden Verlegenlieit z« eotgebeii , hat 
man aogpenommen, nicht nur Nama, sondern schon Romains habe einea 
lannstempel erbauet, und das sei die belli porta , das der lanuM Qui- 
rinus (Qnirini, i. e. Romali!). Sachse, Geseh, d. St, R. I. S. 96 f. 
127. Bansen, ßesohr. d, St. R. III B. S. 116. Man hätte sich doch 
fragten sollen, was römischer nnd was sabinischer Caltns sei, and über 
den Namen konnte allenfalls , wenn maa nicht tiefer einfehen wollte, 
Macrobias belehren : Quirinum (lanora invocamas) quasi beilorum 
potentem, ab hasfa, quam. Sabini eurim voeant, , wiewohl da mehr 
als ein Mittelglied fehlt. Wenn nach Serv. z. Aen. 1,294. XII, 198. 
einige angaben, der lannstempel sei von Romalas und Tatias nach dem 
Bändnisse gestiftet, so geschah das znr Erklärang des Doppelgesichts; 
er selbst aber nennt ihn jederzeit als von Noma herrährend. Und 
auch in jener witzigen Auslegnng ist immer das nene sabinische Ele- 
ment anerkannt. 

5) Bell. Goth. I, 23. p. 122 Dind. fxsi Sk t6v vaov iit 
tri ayoga ngo rov ßovlevTTjQlov , oUyov imBQßavrt ra x^a 0«ra. 
9VT0> yao ol 'PuifMtioi raff Mol^ag vevofiitcaat xeJUiv. 6 Si vew9 mxa^ 
Xodxovg ih TCT(fayojv<ff axijfiatt tOTtjns^ tooo^qv fiiv oaav ayakfui tov 
lavov auiniiv, iaTi 3i xaJjtovv ovx yoooy fj ntjvwv %iwT9 r« oyakfHt 
TovTOf ra luv akXa voLvra ifiq>tgU avd'Qfony^ oiirooaumov di t^v im* 
tpal^ ^toVf xal rov ngootonov d'aregov fiiv ngog iawxovra^ ra Ss mgop 
iroog dvovra ^Xiov rizgamat, S'vgat 3i xaiuu itp ixatig^ ngoamntg 
atQiv. 

6) Ovid. Fast. I, 257. 

Cum tot sint lani, cur stas saeratus in »no. 
Hie ubi iuncta foris templa duobus Kabes T 
Seneca, Apoeoloc. p. 396 Ruhk. primus interrogatur sententiam 
Janus pater — qui semper videt afia nffoaw nal onüw. 1$ multa d*' 
serte, quod in/oro vivat, disUt etc. Mit Procopias aber «timait 



256 - — 

schiedensten Zeiteu, so dass darüber nicht der entfernteste 
Zweifel Statt finden kann, dass der lanus Geminas des Numa, 
die noXifiov nvXf], sich nirgend anders als am Foram befand. 
Dazu kömmt nun, dass Livius eben diesen index pocis belli- 
gue ad in f im um Argiletum erbauen lässt, so dass wir 
hinsichtlich dieses Namens nothwendig in die Gegend des Fo- 
rum hingewiesen werden. Und diess erhält die vollkommenste 
Bestätigung durch mehrfache Erwähnung des Argiletum aus 
einer Zeit, in welcher ein Irrthum unmöglich war, und in 
Verbindung mit anderen Namen, welche über seine Lage gar 
keinen Zweifel lassen. Martial redet I, 3. sein Buch an: 
Argiletanas mavis habitare tabernasj 

Cum tibiy parve Hber, scrinia nostra vacent? 
woraus sich indessen nichts weiter ergiebt, als dass im Argi« 
letum der librarius oder bibliopola, bei welchem Martials Epi- 
gramme verkäuflich waren, seine Tabeme hatte. Dagegen be- 
zeichnet er diese genauer, wo Luperens, welcher das Buch 
vom Dichter sich erbeten hatte, angewiesen wird es zu kaufen, 
I, 117, 8. 

Quod quaeris^ propius petas licebit, 

Argi nempe soles subire letum: 

Contra Caesaris est forum taberna 

Scriptis postibus hinc et inde totis, 

Omnes ut cito perlegas poetas. 

Illinc me pete, ne rogesj Atrectumi 

Hoc ftomen dominus gerit tabemae. 



■ierkwprdi| iiberein DioCass. LXXIH, 13., der von Didius futianas 

ftvQtäv avTov &vo£tv ^fteXiip, und cap. 14. 'dre t« eiair^Qia itQO 
Tov povXevttj ^iov l'^vtv 6 ^lovXiavos. , Stellen, welche man gar 
nicht beröhrt bat, vielleicht weil man glaubte, dass sie mit der Lage 
der Curie in dieser Zeit nicht vereinbar wären. Unberücksichtigt darf 
auch trotz allem Irrthume nicht bleiben, was sich bei dem Schol. 
Cruq. 2. Hör. Sat. M, 3, 18. findet. lani autem ttatuae tret eranh 
una in ingrettu forty altera in medio , uhi erat eins templftm, 
prope basilicam Paulii, vel pro Rostris, huc eoncurrcbant et potUsi- 
mum suas »tationes habehant foeneratores , alii ad reddendum Joe- 
nvs, alii ad aeripiendtttn, Tertia autem statva erat ad exittimfori, 
vgl. dens. z. epist. I, 1, 54. 20, f. So arg die Verwechselung der lani 
des Forum mit Bildsäulen des Gottes ist, so beruht doch die Angabe des 
laDastempeU prope basiliram Pattlli auf eine!« richtigeren Vorstellunfi^^ 



»7 

mid a«f noch «rwiiiiflcbtere Weise daroh zwei unzweifeHiafte 
Pankie I, 2, 5. 

Ne tarnen ignores, tibi rim venalis, et erres 
ürhe vagfis tota^ me duce tmius erü. 

Liberium docH Lucemie quaere Secundum 

Limina posi Pacis Palladiumque forum. 
Die genauere Bestimmung dieser Plätze kann erst weiterbia 
erfolgen; hier genügt die Gewissheit, dass sowohl der Frie- 
denstempel als das Fomm Nervae, welches der Dichter tob 
dem Tempel der Minerva Palladium forum nennt, kurz aUe. 
von ihm angegebenen Oerllichkeiten (man möge das Forum. 
Caesaris erklären, wie. man wolle) nordöstlich vom Forum Ro- 
manum nach dem Quirinal zu lagen. Befand sich nun jene Ta- 
berna Argiletana in der Nähe des Forum Nervae und des Frie^ 
denstempels, so ist die nothwendige Folge, dass dort auch das 
Argiletum war^^'^). Und diess erhält zum Ueberflusse noch 
die vollkommenste Bestätigung durch eine vierte Stelle des 
Dichters 11, 17., wo er sagt: 

Tonstrix Suburae faueibus sedet primü, 
Cruenta pendent qua flageUa iortarum^ 
Argique letum mulius obridet suior. 
Die Subura ist eine der gewissesten Gegenden im alten Rom ; 
es ist im Wesentlichen die vom Esquilin, Quirinal und Vimi- 
■al eingeschlossene Tiefe, wo noch jetzt eine Strasse und am 
Quirinal die nahe Kirche Sta. Agata alla Suburra (stgfer Su^ 



407) Niemand wird daran Anstoss nehmen wollen, dass in dem 
einen Epigramm der Bachhändler Atrectas , in dem aoderen Secnodua 
genannt wird. Jeder Gedanke an zwei verschiedene Taberoea ist fchon 
dadurch aasgeschlossen, dass alle drei Epigramme sich auf die Her- 
ausgabe desselben Bacha beziehen. Wenn bei H erat, epist. I, )K0, 1. 
Fertumnum Janumque, Über, tpectare viderü: 
Scilicet ut prostes Sosiorum puinic6 munäus, 
03 mSglich scheinen kann, dass zwei verschiedeae VerkaofsSrter ge- 
meint seien, so ist das ein ganz anderer Fall. Denn es sind eben J^a- 
tres Sosiiy and so lässt es sich wohl denken (obgleich es keinesweges 
nöthig ist), dass sie den Handel in zwei verschiedenen Tabernen trie- 
ben, liartials Bochh&ndler hiess wahrscheialieh Atreetus Sectmdus. 
Wollte man übrigens dennoch gegen allen gesunden Sinn die Identitiit 
nicht anerkennen, so käme darauf nicht einmal viel an ; denn die Naeh- 
karschaft des in dem einen Epigramme genannten Foram Caesaris nnd 
der SnlNir« weisen dem Argiletam aUein sekon dieselbe Gegend an. 

17 



S58 

bm^ram) den alten Nemen bewahren. Was nmn von Martkl 
primae Jauces Snburae genannt wird, das kann nur die Cre-* 
gend sein, wo die Spitzen des Quirinal nnd Esqoilin sich ge- 
gen einander biegen, und wahrscheinlich ist es gidchbedeutend 
mit der prima Subura^ welche derselbe XII, 3, 9. nennt. Die 
Subuia hat man sich nichl als eine Strasse, sondern als einen 
grösseren Bezirk zu denken. Allerdings wurde sie von einer 
Hanptstrasse durchschnitten^ welche vorzugsweise Subora ge- 
nannt werden möchte, und sie meint Appian. Bell. civ. I, 
98. iffiqovs »ara ri^v xaXovfiipTjv SvßoifQQav ado¥ nefid-- 
ntfimv* (vgl. d. Abschn. über d. Esquilin). Diese Strasse 
ist es unstreitig, welche als Subura maior bezeichnet vor- 
kömmt -*<'^) ; woraus sich nicht schliessen lässt, dass ein ande- 
rer Theil Subura minor geheisscn habe, sondern der ganze 
übrige Bezirk, jedenfalls mehrere Gässchen enthaltend , bildet 
den Gegensatz. Ihm gehört auch der von Martial. V, 22, 5. 
genannte CUvus Suburanut an. — Grenzte nun das Ai^le- 
tum an die Subura, worüber nach Slartials Worten gar kein 
Streit sein kann, und reichte es zugleich an das Forum Roma- 
num, wo der lanus stand, so ist es offenbar, dass keine an- 
dere Gegend gemeint sein kann^ als die von der südlichen 
Spitze des Qairinal sich nach dem Capitolinus nnd dem Forum 
erstreckt. Die ausgedehnten Anlagen, welche die spätere 
Zeit hier entstehen sah, m^en freilich den Namen for den 
grössten Theil ausser Gebrauch gesetzt haben, so dass in Mar- 
tials Zeit hauptsächlich die von ihm bezeichnete Gegend zwischen 
der Subura und dem Forum Nervae und Templum Pacis so be- 
nannt werden mochte. 

Nach diesen Beweisen liegt es klar am Tage , dass Ser- 
vius sich dnes schweren Irrthums schuldig gemacht hat, und 
es ist nicht schwer nachzuweisen, wie er enlsleheu konnte. 
Denn- am Theatrum Marcelli war allerdings ein zweiter Tem- 



pos) In eiaer losebrift b. Marini, AtH de' frai. Arv. h p. 347. 
S« ist nicht die eiuis« BrwlibB«ii9, ^'^ Orclli, /fwer. b. S. aeiat. 
Die Beaenneag flauet fioh aach beim SekeLCraq. i. Hör. Sat. 
1, 6, 113. ocfperftfMim kie forum dieiiur mmi Subura «at'ar, im 
qua. vetpari res JkwHoam fß^mdebrnmiur^ aut mimi$ J^equoms fimna. 



259 

ftl 4e0 lanns, ilea im ersten pimiselieii Kriege C. DuHiiM er- 
baaet batte, mA dessen WiederhersteiluDg Angnstas anord- 
nete. Ahtr er erlebte seine Vollendung nicht , und Tiberins 
weihete ]hn'^<>*). Seiner gedenkt anch Festus, in anderer 
Art als Serrins irrend ^% und in den Fasten ist der Tag be- 
zeichnet, wo hier dem Gotte geopfert wurde "). Ausserdem 
wird nichts über ihn bekannt; es giebt kein Zengniss, ans dem 
hervorginge, dass er alter sei als Duiltns, und dieser ihn nur 
neu erbaut habe; denn der angeblich in diesem Tempel gefasste 
die Fabier betreffende Senatsbeschlass ist ein Missverständniss 
und eine Senatsrersammlung in einem lanustempel iiberhaupt 
niebt denkbar. So viel ist aber gewiss, dass dieser Tempel 
nichts mit dem lanus Geminus des Nama dem index belli pa- 
■ cieque gemein hatte , und selbst das ist sehr zweifelhaft, ob 
sidi je dort ein Bild des Gottes befand ^^). — Dieser zweite 
lannstempel nun hat unstreitig zu dem Irrthume bei Servius 
' Veranlassung gegeben« Der Grammatiker, der erweish'ch mit 
den Oertlicbkeiten Roms sehr wenig vertraut war, wusste reo 
einem lanus am Theatrum Marcelli, den ja seihst die 
Fasten nannten ; er fand aber auch , dass Numa den Tempel 
des lanus geminus ad infimum Argiletum «fbauet 
habe. Der Name Argiletum , damals wohl lange schon eine 



409) Tacit. Adii. TI, 49. lisdem temporibus deum aedes vetw 
State 9ut igmi aboJUus €90ptesque ab AuguHo dediea»ii — lano Um- 
plum, quQd qpud forum Olitorium C. Duilius struxerat etc. 

tO) P. f^85. Reiigioni, S. darüber S. 133. Anm. 198. 199. 

fl) Fast, gnfra».. XVI Piü. Sep^. JANO AS> THJSATAVlf 
MARCELLI. 

12) fis folgt diess fast mit NMfawendiekeit aas Orid. Fast. 

Cum tot tint lanf, cur stat sacratus in uno, 
Hie ttbi iuncta fort$ tempia du^bu* habes t 
Was darüber Merkel p. GCtXin. bemerkt; der Temvel an Theater 
möge längere Zeit verrallen gewesen, oder der Aufbau langsam betrie- 
buea wordea sein, woraas sich Ovids StUlsoit^'eigea erklüre, das bat 
tun sa weniger WahrscheiDllcbkcit, als ebeo an den Ort sich ein jähr- 
lich wiederkehrendes OpTcr knüpfte. Das Bild, dessen Pliuius ge- 
denkt, ILXX.VJ, S. n. 28. /qtnuf paier in suo iemplo dieatus ah An- 
gusto, ex Aegypto advecius etc. kann nur in dem eigeatliehen Tem- 
pel des laoas Geminus am Forum gedacht werden, da der Tempel am 
Forum Olitorium erst drei Jahre nach Augustns Tode dedicirt wurde. 
• {>ftbei iat es gleiebgfilttg, ob man interpungirt, wie oben, odor mit 
Merkel verbindet : ab Augusto ex Aegypto advectue. • 

17* 



280 

Antiquiläl, war ihm seiner topographischen CielUuig nach nn- 
hekannt : kein Wunder, dass er den lanus Gfeminus des Noma^ 
den index bel/i pacisqae oder die porta belli j sammt dem Ar- 
giletum an das Thealrum Marcelli setzte. 

Wenn demnach seine Nachricht gegen die Zeugnisse 
Martials, der denn doch wussle, welcher Ort mit diesem Na- 
men genannt werde, gar nicht in Betracht kömmt, so ist nor 
noch nachzuweisen, dass einige andere Erwähnungen mit den 
aus Martial gezogenen Folgerungen wohl übereinstimmen. Zu- 
vörderst wird das Argiielom auch von Varro^^') genannt 
und zwar mitten unter anderen Namen, zum Theile bekannter 
Punkte. Dadurch hat man sich verleiten lassen zu glauben^ 
es lasse sich daraus auf die Lage schliessen, indem man an- 
nahm, Varro erkläre die Namen nach einer bestimmten ört- 
lichen Reihenfolge. Ich habe aber schon früher gezeigt, dass 
diess keincsweges der Fall ist, dass vielmehr Varro nach ganz 
anderem Plane verfährt, wenn man dieses Hin- und Uersprin- 
gen überhaupt einen Plan nennen kann« Er fasst abschnitt- 
weise mehrere unter einen Hauptbegriff gehörige Namen zu- 
sammen, hie und da auch wohl Einzelnes einschaltend« So 
werden denn zuerst die Fora und Macella abgehandelt; dann 
arx und carcer, beides ab arcendoi dann mehrere an sehr 
verschiedenen Orten gelegene Haine: Lauretum^ Cometa^ 
Esculetumy FagvtaL Nach Einschiebung des Armibutrum 
folgen dann die Circi^ dann das Camitium. Darauf erklärt 
er fünf Namen, welche gewisse Gegenden der Stadt bezeich- 
nen: Lautolae, Aegtrimelium^ Ad busta Cralüca, Doliola^ 
Argiletum. Endlich werden zwei CUvi (der eine am Aven- 
tin, der andere am Qnirinal) und einige yici genannt. Dar- 
aus ist also offenbar, dass «ine topographische Ordnung hie- 
bci durchaus nicht befolgt wird, wozu Varro in einem ety- 
mologischen Werke gar keine Veranlassung hatte , und dass 
ans der Zusammenstellung, Doliola und Argiletum, die Nach- 
barschaft beider eben so wenig folgte als das Lauretum auf 



413) L. L. V, 32. p. 157. S. dariiber De Romae vet mur. atq. 
pori. p. 58 f. 






261 

dem ATentin und die Cometa an der Stera via, oder 
CUöUM PubticiuM und der Clmis des Capitolmm vetut. — 
Dagegen stimmt mil der angenommenen Lage yorlrefflich 
überein und ist nur unter dieser Voraussetzung erklärbar die 
Stelle Virgils, wo Aeneas von Evander zu den denkwür- 
digen Stellen der nachmaligen Stadt fuhrt. Aen. VIII, 345. 
f^t'x ea dieia : dehinc progressus monstrat et aram. 
Et Car mentalem Romano nomine por tarn, — 
Hinc lucum ingentem^ quem Romulus acer atylum 
Retulit, etgeUda monstrat sub rupe Lupercaij 
Parrkasio dictum Panos de more Lycaeu 
Nee non et saeri monstrat nemus Argileti 
Testatarque loemm^ et letum docet bospitis Argi* 
Hinc ad Tarpeiam sedem et Capitolia ducit. 
Wenn Evander von der Porta Garmentalis kommend erst das 
Lupercal am Palatin (unweit S. Teodoro) zeigte, und dann das 
Argiletum, so ist es dochwohl offenbar, dass dieses nicht beim 
Tbeatrum Marcelli vor der Garmentalis sein konnte. Wohl 
aber erklärt es sich, wie vom Lupercal, um nach dem Auf- 
gange zum Capitole zu gelangen, beide das Forum betreten 
musslen, in dessen unmittelbarer Nähe das Argiletum war, da 
der lanostempel ad Argiletum und inforo stand. 

Der Ursprung des Namens ist ganz ungewiss und dunkel. 
Am nächsten lag es an argilla, argilletum zu denken, und 
diese Ableitung, die nichtsdestoweniger höchst zweifelhaft er- 
scheint ^^-^), giebl wirklich Yarro an^^). Aber er gedenkt 
auch einer anderen, nach welcher, wie bei Virgil, der Name 
sich von dem Tode eines hier begrabenen Heros herschreiben 



414) BuDfeD, Betchr. d. St. E. III B. S. 116. sagt voo den 
angeblicheo romalisebea Tempel: „Als laens des Romaltts bildete er 
einen Gegensatz mit dem Heiligtbome desselben Gottes, welches Numa 
am eotgegengeselzten Abhänge des Berges, nach dem Flosse hin (wo 
allein nach sich Thonerde findet, von welcher die Stätte 
argiletom hiess) errichtet and welches nnter Tiber ( 1 ) Duilins von 
■eoem erbaut hatte/* Ich habe kein Urtheil ober die Thonschlchten 
Roms; aber die Bebaaptnng scheint in geradem Widerspruche mit 
dem zu stehen, was Hoffmann in der Beschr. I. S. 61 f. sagt. 

IS) L. L. V, 39. p. 157. Argiletum sunt qui soripserunt ob Ar-' 
gola, seu guod ü hue venerit iSiqu9 sit tepuHusf alii ab argillo, 
quod ibi iä genus terras. 



2Ö» 

s<rftte, üad die maniügraltige Gedtalt, in weleber diese Sage 
beichtet wurde *^^) , so wie die Tmesis (^r^i nempe sobs 
jtubite leium etc.), beweisen deatlieh, dass dieas die berr« 
sobende Meinung wAr« 

Ein eben so missverstandener, leicht abgefertigter Name 
ist der der Lautumiae. Von Lucio Fauno an bis auf Bun« 
sen scheint niemandem ein Zweifei darüber beigegangen eu 
sein, dass es nur eine verschiedene Benennung des Gare er 
Mamertinus sei^'). Dieses in der römischen Geschichte 
so bedeutungsvolle Staatsgefängniss, erbaut von Ancus Mar» 
cius ^^) , und von Servius Tullius mit einem noch schanerli« 
cheren unterirdischen Kerker, demTuUiannm, versehen >*), 
wo die Mitverschworenen Catilina^s erdrosselt wurden *^) und 



410) Serv. z. Aeo< VIII) S45. fuhrt aitden tenohiedeae Erklä« 
ruDsen an. 

17) Blond ui Flav. Roma tnstatir, III, 71. bat bScbst seUsam 
di^ Lautumiae nach 6. I^ieola itf careere , saweit Piaasa MoBtanara, 
verlegt. 

18) Liv. r, 33. eareer ad (Btrorem incresoentü attdadae media 
urbe imminens foro aedifieaiar. Der allgemein üb liehe Name Career 
Mamertinus d. i. Afariiut lässt sich mit einer alten Autorität nicht 
belegen; aber zufällig kann es kaum sein, dass im Mittelalter niebt 
nur das GePiingnisa so hcisst, sondern auch die von da nach dem 
Marsfelde führende Strasse (Salita di MarfuHo) uiit demselben Namen 
genannt wird. ImOrdo Romanus vom Jahre 1143, bei Mabil- 
lon, Mas, ItaL II. p. 118* ProsiUens per S. Marcum ascendit sab 
arcn manus carneae per cUvum Argentarium inttr insulam eiusdem 
nominis et Capitolium; deseendit ante prtvaiam (i. e. carcerem) 
M am er tin i elc, Auastas. in vita Anast. p. 63 Blanch. Hio 
Fecit basih'cam, quae dicitur Crescentiana (n regione secunda fn via 
Ma mertinia in vrbe Roma, vgl. N i b b y , Fora Rom, p« 128. 1 64. 
Der Name ist viel zu gelehrt , um im Mittelalter entstanden sein zu 
können. 

19) Varro L. L. V, 32. p. 150. Career a eoereendo^ quod exire 
prohibentur. In hoe pars quae sub terra , TuUianum , ideo quod 
additum a Tullio rege. Fest. p. 356. TulUanum^ quod dicitur pars 
quaedam earceris, Ser. TuUium regem aedißcasse aiunt. L i v. XXXIV, 
44. Pleminius in inferiorem demissus carcerem e*t necatusque. Ders. 
XXIX, 23. (von demselben) patefacto dein seelere delegatum in Tut* 
lianum ex S, C, 

20) Salust. Catil. 55. Est locus in oareercy quod Tallianum 
appellaiur , ubi paullulum eseenderis ad laevam , eirtiier duodeeim 
pedes humi depressus. Eum muniunt undique parietes atque insuper 
camera lapideis fornieibus vinela ; sed ineultu, tenebris, odore foeda 
atque terribilie eins Jacies est. In eum locum postquam demissus 
Lentuius, quibus praeeeptum erat, iaqueo gulam J)regere, — De Co- 
thego, Statilio, Gabfnio, Caepario eodem modo syppUtium sttmtum. 



f 



263 

logurÜiA nein „kalles Bad*^ und den Huni^erlod fuid^^^), ist 
nach driltehalb Uiuead Jahren, was wenigstens den unteren 
Theil anlangt» noch heute wahrscheinlich in seiner Ursprung* 
lichkeit am capitolinischen Hügel zur Hechten des jetzigen Aui- 
gangs Tom Forum zu sehen, und auch die auf eine Wieder- 
herstellung vom Jahre 775 sich beziehende Inschrift ist erhal* 
ten^^). Nun werden aber auch die Lautumiae mehrmals 
als Staatsgefangniss genannt, und so hat man geglaubt, auch 
diesen Namen auf das der Könige beziehen zu müssen. Am 
meisten schien daliir zu sprechen Varro L. L« V, 32. p. 150. 
Carcer a coercendo, quod exbre prokibentur. In hoc pars 
quae sub terrae TulUanum^ ideo quod addilum u TuUio rege. 

Quod Sjfracusit uld de causa cusiodiunUir vocantur 

Latomiacy et de Lautumm iranslatum, quod lue quoque in eo 
loco lapidicinaefuerunt. Vgl. Paul. Diac. p. 117. LautUr 
miae. Etwas Unbequemlichkeit entstand nun allerdings aus 
der Nachricht, dass Cato, um die Basilica Porcia zu bauen, 
ein Paar Grundstücke m Lautumiis angekauft habe ^^) , zumal 
da diese an die Curia Hostilia grenzende Basilika unmöglich 
bei dem Carcer am Capitolinus angenommen werden konnte. 
Auch stimmte mit jener Annahme nicht wohl überein. die Schil- 
derung einer am Forum ausgebrochenen Feuersbrunst, welche 
nicht nach dem Carcer hin, sondern in entgegengesetzter 
Richtung fortschreitend die Lautumieu und den Fischmarkt, 
endlich auch das Yestaheiligthum ergriff ^'^); allein durch sol- 



421) Plutarcb. Mar. 13. tutl §ifza %qv d'^lafißov ttg ro Stouiw 

21) C. VIBIVS. C. F. RVFINVS. M. COCCEIVS . . . . IVERVA. 
EX. S. C. Jetzt «teht zam Theile darüber die Kirche S* Pietro in 
carcere e S. Ginseppe. 

23) Liv. XXiüX, 44. Cato atria duo, Maenianum et Titium 
in Lautumiis et quatuar taberna* in publicum etnit, baeilieam" 
que ibi/ecit quae Porcia appeilata est, 

24) L i V. XXVI, 27. pluribus simul locis eirca forum ineendium 
ortum. eodem tempore septem iabernae^ quae postea quinque, et ar^ 
gentariae y quae nunc novae appellantur^ arsere. Comprehensa po^ 
stea privata aedificia; neque enim tum basilicae erant: oompre- 
hensae Lautumiae forumque pis catorium et atrium re- 
gium. Aedes Festae vix d^ensa est etc. Man sieht deutlich » dass 
das Fener auf beiden Seiten des Forum zugleich ausgebrochen war 
und sich nach der Velia bin wälzte. 



264 

che Bedenken haben sich die römischen Topographen 'nie in 
ihren einmal beliebten Ansichten stören lassen. Nnr B u n s e h 
sah wohl, dass die Basilika nnd der Garcer Mamertinns nicht 
zusammengehören könnten, und nahm deshalb an, dieses Staats» 
gefängttiss habe zwar den Nameti Lautumiae geführt, aber deiv 
selbe sei auf einen grösseren Bezirk ausgedehnt gewesen ^^^), 
Nur die letztere Behauptung enthält Wahrheit; dagegen wird 
es sich zeigen, dass das alte aus der königlichen Zeit stam- 
mende Staatsgefangttiss nie den Namen Lautumiae führte. 

Eine aufmerksame Vergleichung der Stellen, in welchen 
des einen oder des anderen Namens Erwähnung geschieht, 
lehrt, dass der Garcer immer nur genannt wird, wenn von 
Einkerkerung Einzelner, schwerer Verbrechen Schuldiger oder 
Angeklagter die Rede ist. Es ergiebt sich auch diess schon 
als uothwendig aus der Beschaffenheit dieses Gefängnisses, von 
dem wohl mit Sicherheit angenommen werden darf, dass es 
nie grössere Ausdehnung hatte ; nnd wenn man bedenkt , wie 
selten überhaupt und nur in ausserordentUcheu Fällen öffent- 
liche Verhailung Statt fand, dass selbst behauptet werden 
konnte, der Angeklagte dürfe vor Entscheidung der Gentüriat- 
comitien nicht ins Gerängniss geführt werden ^^) ; dass selbst die 
Mitverschworeuen Gatilina^s bis zu ihrer Verurtheilung in tibe- 
ratn cusiodiam gegeben wurden >') und überhaupt die Ein* 
kerkerung nicht selten erst nach gerälltem Urtheile erfolgt zu 



425) Betehr, d. St R, fll B. S. 28. „Dieser Name (laatomiae) 
ist durehans nur der eines Stadtviertels am Forum, den Livios bei der 
Crossen Feaersbranst vom J. 544 ansdräcklicb als solchen mit dem 
Fomm piscatoriam nennt. Man hat deshalb gar keinen Grand, an die 
unmittelbare Nähe des Mamertinischen Kerkers zn denken , welcher 
von den alten Steinbrüchen (Tafgpruben) des Capitois, in denen er an- 
gelegt war, auch lautumiae genannt wurde.'* 

26) Liv. III, 13. nrginius adripi iitbet homfnem et in vineula 
duei. patrteii contra vi resistunt. T, Quinctiut elamitat: Cui rei 
capitalis dies dieta Mit, et de quo futurum propediem iudfcium, eum 
indemnatum indicta causa non debere vioiari. Tribunus supplicium 
negat sumturum se de indetnnato; servaturmn tarnen in vineuiis esse 
ad iudicii diem, — Jppellati tribuni medio decreto ius auxitii sui 
expediunt in vineula eoniiei vetant etc. Er giebt die ersten vo- 
des publ, 

27) Sa last. Catil. 47. Senatus deeemit, uti abdieatus ma^- 
stratu Lentulus, item eaeteri in liheris cuttodiii haberentur, S. 
Lips. I. Tacit. An.n. VI, 3. 



265 

sein scheint ^>*), weil der Career zugleich auch der locus sup- 
plicii war, so ergiebt sich auch kein Bediirfniss eines umfas- 
senderen Gerängnisses , das ohnehin nur bei schweren Ver- 
brechen Anwendung fand ^*). So mag denn längere Zeit der 
kleine Career Mamertinus mit dem Tullianum ausgereicht ha- 
ben, und darauf bezieht sich luven. III, 312. 
FeUces proavorum atavoSy felicia dicas 
Saecuia, quae quandam ntb regibus aique iribfiHÜ 
Viderunt uno contentam carcere Romam, 
Dagegen musste sich nach und nach das Bedürfniss eines 
zweiten Gefängnisses geltend machen und namentlich sobald 
man in den Fall kam, zahlreiche Fremde als Staatsgefangene 
zu bewachen, die gleichwohl nicht als Verbrecher behandelt 
werden konnten. Jedenfalls ist es ein deutlicher Fingerzeig, 
dass nur in Beziehung auf solche Fälle die Lautumiae genannt 
werden ; nie wo es sich um Einkerkerung eines Verbrechers 
handelt. So im J. 555. bei Befürchtung einer Verschwörung 
der karthagischen Geiseln und Gefangenen : Liv. XXXII, 26. 
trivmviri carceris Lautumiarum^^) tntentiorem cu^ 
stodimn kaberiiussi.; und in gleicher Weise wird mit den ge- 
fiingenen Aetolem verfahren. XXXVII, 3. principes Aetolo^ 
rum ires et quadraginta — in Lautumias coniecH sunt. 
Wenn man femer lieset, dass der Volkstribun L. Flavtus den 
Consnl Q. Metellus Celer auf Pompejus Anstiften ins GeFäng- 
niss führen Hess, und Metellus daselbst den Senat versammehi 
wollte, ja, als der Tribun vor dem Eingange sitzend jedermann 
den Zutritt wehrte, Anstalt machen liess die Mauer zu durch- 
brechen, um so den Senatoren den Weg zu öffnen^'), so 



4!») Sal. Cat. 55. Anot. ad Her. I, 13. Gic. de !nv. II, 50. 
Tacit. AoD. III, 51. Aoders ist es bei Maolins, dea Decemvirn a. s. w. 
S. Geib, Gesch. d. rom. Crim. Proc. S. 118. 

29) Cic. Cat. II, 12. esse carcerem, quem vindicem nefariorum 
ae manifestorum srelerum maiores nostri esse t^oluerunt. 

30) Schon Daker hat hiezu bemerkt, dass diese BeDenoung un- 
l^wShnlich und eioer der beiden Namen überOUssijp sei. Sehr richtig, 
wenn nor ein Gefängniss gewesen wäre ; aber eben zur Unterschei- 
dung ist Lautumiarum hinzugesetzt. 

31) Dio Gas s. XXXVII, 50. «Vi nav 6 MirtXXoS äv&iora/ievos 



266 

wird man sich leicht fiberzeagen , dass diess auf dea Kerker 
am Capitole gar keine Anwendung leidet. Aber mit völliger 
Gewissheit ergiebt sich die Verschiedenheit des Carcer nnd der 
Lautomiae aus dem Antrage des lulins Sabinusi der aus dem 
Grefangnisse vor den Senat geführt nach bitteren Klagen über 
die Behandlung im Carcer bittet» man möge ihn von da hinweg 
in die Lautumieu bringen« Senec. Controv. 27. p. 300 Bip. 
Cum tntroductus esset ex carcere in senatum, postulaiurus ut 
diaria acciperet, tunc dixit defame questus : Nikä onerosmn 
a vobis petOy sed ut me aut mori veUtis , aut vivere^ — Et 
cum dixisset Senianus, locupletes in carcere esse: Homo^ äi- 
guit, adhuc indemnatus^ utpossimpivereparricidaspa^ 
nem rogo. Cum movisset homines et ßebiä oratiane ei 
diserta, rediit tarnen ad sales. rogavit^ ut in Lautu^ 
mias transferretur* Non est^ inguitj [quod] quem^^ 
quam vestrum decipiat nomen ipsutn Lautumiae : illa ani" 
mo meo iauta res est. Diese Stelle erweiset so klar, 
dass der Carcer Mamertinus der härtere Kerker für 
schwere Verbrecher (wie die parncidacj welche sich mit Sa-> 
binus dort befanden), die Lautumiae ein leichteres Gefäng- 
niss waren, und die Versetzung aus dem Ersteren in die Letz« 
teren als eine Wohlthat erschien, dass über die Verschieden- 
heit beider ein weiterer Zweifel gar nicht Statt finden kann. 
Es steht auch damit durchaus nicht im Vt^iderspruche , was 
Var ro L. L. V, 32. p. 151. sagt: Carcer a coercendo, quod 
czire prohibentur* In hoc pars quae sub terra, TälUanum, 
ideo quod additum a Tuläo rege. Quod Syracusis ubi [simi^ 
/i ] de causa (Miill. delicti causa) custodiuntur vocantur La* 
tomiacj et de Lautumia translatum, quod hie quoque in eo 
loco iapidicinaejuerunt. Das ist keinesweges so zu verste- 
hen, als ob Lautumiae nur ein zweiter Name fiir den Carcer 
wäre, sondern Varro musste nach der hier befolgten Methode 



aiap ivTCLvOa a^ffotatu i-&tl^o€u. iTttl Si ixuvoc (uiouxws ii Sij ^loQvüts 
utvouoitTo) Torc fia&^ov t6 S^ftoo^uioy iv avr^ t^ ila69uf aitov idTjua 
$ial «V avtif Ma&i^Ofifyos ifiTioSvjp wat* fitfiiva i^Uva* iyfyvizOf %iv 



«7 

(ßi 260 fl.) beide Gefängnisse zusammen nennen^ so wie mit 
beiden wieder die Arx verbunden wird. Er brauchte freilich 
tiir Römer niebl zu erinnern, dass die Lautamiae ein besond^ 
res Grefängniss seien. — Dadurch hebt sich nun gänzlich di« 
Schwierigkeit, welche in der Erwähnung der Lantumien an 
einer vom Carcer ganz verschiedenen Stelle liegt und man hat 
nicht nöthig, die ganze Gegend hinter der Nordseite des Fo- 
rum darunter zu verstehen. Was nun »her die Lage der Lau** 
tumiae, das heisst, des ganzen mit diesem Namen belegten Be-< 
zirks anlangt , so ist dafür die Nachricht entscheidend , dasS 
Cato, um die Basilica Porcia zu bauen, Grundstücke in 
Lautumiis kaufte. Denn da die Basilica an die Curia 
Hostilia grenzte '^^^), und diese, wie sich zeigen wird, auf 
der Nordseite des Forum, gegen den Faustiuatempel hin gele^ 
gen haben muss, so werden wir in die Gegend hinter eben die«^ 
sem Tempel und der Curie gewiesen* Damit stimmt uberein 
die Nachbarschaft des Forum piscatorium, das bei jenem 
Brande (Anm. 424.) mit den Lautumien zugleich zerstört, 
dessen Wiederherstellung aber noch in demselben Jahre (544) 
unternommen wurde '') , und das M. Fulyius Nobilior (574) 
beim Baue der Basilica Fulvia neu einrichtete ^). Es lag 
ganz nahe bei der Basilica. Demnach grenzen die Lautumiae 
mit dem Argiletum und können vielleicht selbst als ein Theil 
desselben (denn der letztere Name ist unstreitig älter) angese- 
hen werden; so dass es nicht unwahrscheinlich ist, dass Mar-^ 
tial mit den Worten t Cruentjß pendent fua flagella torio* 
tum (S. 257.) die Stelle des Carcer Lautumiarum be^ 
zeichnet. — Die Erklärung des Namens Lautumiae, sei-» 
nem Ursprünge nach, ist sehr zweifelhaft. Was Varro sagt ( 



AZU) Daher wurde sie avch beim Brftode der Carie von den Flam« 
men ergriffen. Ascon. z. Cic. p. Mil. Arg. p. 3i Or. Quo igne 
ei ipsa qnoqne cnria fiagravit, et item Porcia basilica y quae erat 
ei iunctUy ambusta est. 

33) Liv. XXVH, 11. Looaverunt inde reficienda^ quae circa fo- 
rum ineendio cone«mta erant (XXVI, Ü7.), septem tabernäs, macei- 
lum^ a tri um regium% 

34) Liv, XL, 5L M. Fuloius plura et matoris locavit usus, — 
huiltcam post argentariat novas et forum fU^^torium, 



268 

f$iod hie quoqu9 in eo loco lapidicinae fuerunU , das wird 
niemandem, der diesen Schriftsteller genauer kennen gelernt 
bat, von gprossem Gewichte erscheinen. Es ist eben nnr eine 
Folgemng, die er aus dem Namen zieht, und allenfalls ziehen 
konnte, wenn die Lautnmien dicht unter der Velia lagen; und 
ob dort sich Steintuf oder Bröckeltuf fand , darauf Rücksicht 
zu nehmen wird ihm niemand zumuthen. Es trägt aber auch 
diese Erklärung den Widerspruch in sich selbst; denn wären 
wirklich an der Stelle, wo sich die Lautumien befanden, einst 
Steinbrüche gewesen, so könnte diess doch nur von uralten 
Zeiten gelten und dann wäre ein griechischer Name für einen 
Bezirk in Rom etwas Unerhörtes und fast Unmögliches. An- 
ders als mit dieser gelegentlichen Bemerkung verhält es sich 
mit der eigentlich von Varro abgegebenen Erklärung, dass 
der Name der Latomien bei Syrakus auf das römische 6e- 
fängniss übergetragen worden sei. Die Lautumiae werden 
erst seit dem zweiten punischen Kriege genannt, und so ist 
es allerdings möglich, dass der fremde Name dem neuen 
Staatsgerängnisse beigelegt wurde. Nimmermehr aber wird 
man zugeben können, dass der Bezirk früher als das Gefang^ 
niss und von alter Zeit her den griechischen Namen geführt 
habe; vielmehr ging er jedenfalls erst von diesem auf die 
Umgegend über. 

Erscheint nach diesen Ergebnissen das Forum in Osten 
(sndost) von der Velia, in Norden (no.) von den Lautnmien 
und dem Ai^letum, in Westen (nw.) vom capitolinischen Hü- 
gel eingeschlossen 9 so. ist nur noch die südliche Seite (sw.) 
zu berücksichtigen. Hier zwischen dem Palatin und der Ro^ 
pes Tarpeia hat sich sehr früh die Tiefe mit Wohnungen ge- 
füllt und es sind daher in unmittelbarer Nähe des Forum nur 
zwei Strassenquartiere (Stadtviertel) zu nennen, Yicus 
Tuscus gegen den Palatin und Yicus lugarius gegen das 
Capitol. Weiterhin lag dasVelabrum und darüber hin- 
aus, zwischen Circus und Fluss, dasForumBoarium. Doch 
diese Namen sind hier nur zu nennen, da die Betrachtung 
dieser ganzen Gegend einem besonderen Abschnitte vorbehal- 
ten bleibt. Sindttun aber durch das bisher Gesagte die be- 



nachbarten Oertüchkeilen im ADgemeinen besliimDt, an ktiamU 
ea zunächst daraof an, die eigentliehen Grenzen des Fonmi 
und seine Ausdehnung genauer anzugeben* 

Grenzen des Fornni. 

Die oben aus den Nachrichten der Schriftsteller gezoge- 
nen Folgerungen für die Ausdehnung des Forum vom capito- 
linischen Hügel bis zur Velia, denen später noch ein evidenter 
aus Statins entnommener Beweis beigefügt werden wird, er- 
halten auf das Erwünschteste Bestätigung durch die Ergebnisse 
älterer sowohl, als und besonders der neuesten Ausgrabungen* 
Es haben dieselben erwiesen, dass das Forum keinesweges, 
wie man leicht anzunehmen geneigt sein kann, ein regelmässi- 
ges Viereck (Parallelogramm) bildete, und daher der Vorschrift 
Vitruvs '^^^), der ein Oblongum verlangt, nicht genügte. Es 
hat sich ferner ergeben, dass der freie Platz unstreitig auf al- 
len Seiten von begrenzenden Strassen '*^) eingeschlossen war, 
die sich durch ihr Pflaster aus unregelmässigen Stücken Ba- 
saltlava zu erkennen geben, während der Platz selbst mit Tra- 



4^3) Er bat dabei natorlich die FSIle vor Augen , wo res inte§;ra 
war, d. b. die Anla^ neuer Städte oder weoifsteoa Fora. Die gaose 
Vorschrift, wie sie für das it«iliscbe Bedürfniss, im Ge^jcensatze zu dem 
bei den Griechen Ueblicben, einzurichten seien, ist sehr dienlich , na 
sieh ein deutlicheres Bild von einer solchen Anlage zu machen. Er 
sagt V, 1.^ Itaiiae vero urbibttt non eadem est ratione faeiendumy 
ideo qnod a maiorihuM eontuehtdo tradita est, gladiatoria munera 
<A /oro dari, Igitur cireum speetacuia spatiosiora intercolumnia 
distribuantur^ circaque in porticibus argentariae tabernae maeniana- 
que ntperiorilniM eoaxationibti$ eoUoeentur ^ quae et ad usum et ad 
veetfgalia publica rede erunt ditposita. Magnitudines autem ad co* 
piam hominum oportet ßeri^ ne parvum spatium sit ad ttsum , out 
ne propter inopiam popuii vastum forum videatur. Latitudo ita 
finigtur, uti longitudo in tres partes cum divisa ßieril, ex his duae 
partes ei dentur : ita evim oblonga erit eius forma tio, et ad speeta^ 
üuiorum rationem utitis dispositio. Ein solches längliches Viereck 
von 4SZ Fuss Länge, und 144 Breite bildet das Forum in Pompeji. 

36) Auch darin weicht die Einrichtung von der Anlage in Pom- 
peji ab, indem dort jede Fahrstrasse vom Forum ausgeschlossen ist, 
wie die erböheten Schwellen der Eingangsbogen allein schon beweisen« 
Aber der Wiederaufbau Pompeji^s und mithin die neue Anlage des 
Forum-^filüt kurze Zeit vor der Verschattung, und in dieser Zeit nahm 
man freilich diese Rücksiebt, wie denn auch die später in Rom ent« 
standenen Fora voa allen Stnusen trtit abgeicklossene RlUuna tiad. 



270 

veitinpbtteii belegt ist. Dass diese Strassen wirkKeh die Greii* 
zen des Fornm ausmaohteo, darüber kann kein Zweirel sein ; 
denn wenn die Lage desselben mitten in der Stadt und zwi- 
schen Höhen es unvermeidlich machte, dass verbindende Stras- 
sen durch diese Tiefe geführt wurden, so ist es doch ganz un- 
denkbar, dass das Forum selbst von ihnen durchschnitten wor- 
den sei* 

Die eine dieser Strassen , welche die nördliche Längen- 
seite des Forum begrenzt, war die oben nachgewiesene Sacra 
via. Ihre Linie ist durch das Pflaster vor dem Arcus Severi, 
durch dessen mittleren Bogen sie führte, und ein ihm entspre- 
chendes Stück gleichen Pflasters, das in den Jahren 1810 und 
1830 vor dem Faustinatempel aufgegraben wurde, bestimmt. 
Völlig damit übereinstimmend wurde bereits im Jahre 174?, als 
man den Kloaken nachgrub, unter den Ulmen vor S. Adriane 
ein gleiches Stück entdeckt, dass schon Ficoroni richtig 
für die Sacra via erkannte ^^^). Hiedurch ist die nördliche 
Grenzlinie gegeben, welche vom mittleren Durchgange des 
Arcus Sevcri nach dem Faustinalempel zu ziehen ist, so dass 
dieser das äusserste Gebäude am Forum ist, wie auf der ent- 
gegenstehenden Seite die Regia. — Mit gleicher Sicherheit 
lässt sich nun auch die südliche Grenze bestimmen. Bei den 
Ausgrabungen um die Phokassänie, in Folge deren 1835 die 
wichtige Entdeckung der Basilica Julia Statt fand, wurde zwi- 
schen der Säule und den Stufen der Basilica ebenfalls eine 
zweite gepflasterte Strasse aufgedeckt, welche das oflen gelegte 
Travertingetäfel des Forum abschliesst. Diese Strasse verlän- 
gert führt an den Stufen des Gebäudes der drei Säulen vorbei, 
bei deren früher schon erfolgter Ausgrabung ebenfalls ein Stück 



iST) FesHgie di Roma ant. p. 73. „Nel ultimo scavo, che tr«- 
versava la Via sacra per gli alberi fioo a S. Adriaoo, gi trovo an 
pezzo di grossa colonna di franito rosso, che fa tagliata io mezzo in 
detto laogo. Ivt il chiavicoae maestro del coodotto, come sopra, ei 
oaservö aoUerra mene di 40 palni; e con maravigUa si vidde coati- 
1^0, e DOB tanto basso il paviaiento della Via sacra eompoito di ^roui 
pezzi di seiei ; mostrando, cbe a retta liaea yeoiva dall' Areo di Tito 
tra 1e ile degli olmi verso il Foro Romaoo/* Vgl. Fea, MüeelL i. 
p» 157 f. ftansea, Mesehr, d. SL R. 111 B. p. 19. 



r 



«71 

des Pflasten nm Vorseheine kam. Von da hat man die Liwe 
der Strasse bei der Stelle des Vestaheiligthums yoriber (Sta. 
Maria Libcr.) bis eu iem Pankte zu yerKngem, wo oben, 
dem Favstiaalempel ge^enäber der Fomix Fabtns angenommen 
worden ist (S. 242.). Sind anf diese Weise die beiden LSn- 
genseiten des Fomm gefunden, so ergeben sich die nbrigen 
Grenadinien von selbst ) denn in Westen schliesst es mit dem 
Abbange des eapitolinischen Hügels ab, in Osten machte die 
von der Regia znm Faustinatempel nnter der Velia weg füh- 
rende Sacra via die Grenze. In gleicher Weise muss auch 
unter den Tempeln des Clivus Capitolinos eine Strasse vorüber- 
gegangen sein. Die Längenliuien laufen aber niclit parallel, 
sondern coavergiren nach der Velia bin, so dass sich die Breite 
des Forum allmählich bedeutend verringert. Es misst in der 
Länge 630 Fass pariser Maass; unter dem Capitole beträgt 
die Breite 190 Fuss, beim Fanstinatempel nur 110^'*). Wenn 
ein solcher für das Forum bestimmter Baum für die colossale 
Stadt und die politische Wichtigkeit unvcrhältnissmässig klein 
erscheinen mag, so muss man nicht vergessen, dass diese 
Stelle gewählt wurde, ehe die kühnsten Hoffnungen nur ahnen 
lassen konnten, es werde einst hier sich ein hehtn entfalten, 
dem dieser Raum nicht genügen könne, und dass späterhin 
eine Erweiterung an sich schwi«*ig und durch des Römers s« 
«charakteristisches Festhalten an dem alten Herkommen , durch 
die hohe Bedeutung der vielen geweiheten und darum nnverän- 
derlichen Stätten ganz unthunlich war. Indessen ist allerdings 
seit dem zweiten punischen Kriege viel für die Erweiterung 
des Forum gethan worden: nicht durch Vergrössemng des 
freien Platzes — das war unmöglich geworden — wohl aber 
durch Anlage von Basiliken, welche eben auch für den öffcnlr 
liehen Verkehr bestimmt waren. Diese Basiliken aber standen 
nicht auf dem ursprünglichen Areal des Forum, sondern et 



438) Sq ffiebt es Boosen, Ln forum Mammnum* p. 7. «ad l^sß 
forum de Rome. I. p. 15. an. Ii i«r Besekr. d. St. M. Jli B. 8. 20^ 
wird 4it grSs«te Brcile aaf 110 Fqss aogegfibcD, die eioh «ilmähtie)i 
-Mf tOa Fnet verringere. Dass das e^cht riehiif sei» lehrt der ^Vt 
gesscheU, med es wideraprickt dep aupk dar Piaa, 



272 

worden (ur diesen Zweck am Forum getegene Grondstacke 
von Privaten angekauft. Daher kann Cicero (adAtt. IV, 
16») von einem solchen Ankaufe sagen, er sei geschehen: ut 
forum laxaremus. Jeder Annahme eines grösseren freien 
Platzes widersprechen die Thatsachen auf das Bestimmteste 
und eben so geht aus den Nachrichten über die älteste Be* 
schaffenheit des Forum deutlich hervor, dass die es umgeben- 
den Hallen und Tabernen auf denselben Linien standen , wo 
sich nachher die Basiliken und Tempel fanden '^^^). 



439) Es wird aasdräcUich gesagt, wie weiterhin ansrdhrlicher nach- 
gewiesen wird , . dass Tarqainias Priscas das Forum mit Hallen und 
Tabernen umgab. Dass diese auf den oben angegebenen Grenzlinien 
standen und nicht erst später die Gebäude weiter in das Forum her- 
einrückten, das ergiebt sich erstlich aus der Erzählung von Virginios, 
der seine Tochter bei der Cloacina erstach, indem er aus der Taberne 
eines Fleischers das Messer nahm; deutlicher noch daraus, dass die 
Basiliken auf beiden Seiten (Liv. XL, 51. XLIV, 16.) anfänglich hin- 
ter den Tabernen des Forum lagen. Für die Nordseite ist übrigens 
schon der Lauf der Sacra via entscheidend , die ja doch in keinem 
Falle das Forum durchschneiden konnte. Daher ist es eine ganz ir- 
rige Vorstellung, wenn man meint, die Area des Forum sei durch Er- 
bauung von Tempeln und Basiliken immer kleiner geworden (C a n i n a, 
Sugli ant. ed\l\ giä etitt. nei luogo ora occup, dalla chiesa di S, 
Martina, p. 5.) ; vielmehr gewann das Forum durch diese Anlagen 
mehr und mehr Ausdehnung. — Die unstatthafteste Anwendung aber 
ist von einer Stelle Varro^s gemacht, und dadurch dem Forum ein 
Flächeninhalt zngetheilt worden, welchen die Oertlicfakeit gar nicht 
bergiebt. Es sind die bekannten schwierigen Worte de re mst. 1, 
9, 9. Eiusdem gentts C. Licinius tribunut pleb, cum esset, post reges 
exaetos annis CCCLXV, primus populum ad leges aeeipiundas in 
Septem iugera Jorensia e eomitio eduxiL Bus ch ke , Ueber die Stelle 
d. Varro von den Liciniem, Heid. 1835. S. 21 ff. hat nach Pighius 
Vorgange kein Bedenken getragen, die septem iugera forensia auf den 
Flächeninhalt des „plebejischen Forum'^ d. h. mit Ausschluss des 
(patricischen) Gomitium, zu beziehen. Es ist nicht nÖthig, hier auf 
den Sinn der dunkeln Stelle einzugehen ; es bedarf auch nicht der 
Erinnerung, dass eine solche Messung nach Iugera etwas beispielloses 
sein würde; dass das ,, plebejische Forum'' ja längst der Ort der Co- 
mitia tribnta geworden war ; dass endlich, was Cicero von G. Licinins 
Crassus , Plutarch von G. Gracchus erzählt : es bedarf dessen nicht, 
weil nur einige Kenntniss der Oertlichkeit hinreicht, um bestimmt ver- 
aeinen zu können y dass ein solches Forum von sieben Iugera , wozu 
überdiess noch das Gomitium und dann die umgebenden Gebäude kom- 
men müssten, schlechterdings zwischen Capitol und Palatin nicht Platz 
finden kann. Legen wir die sieben Iugera in ein Oblongum, so dass 
die Breite zu 1^40 Fnss angenommen wird, so betriigt die Länge 840 F. 
und nimmt man an, das Gomitium habe nur y4 des Ganzen betragen, so er- 
hält man. WVi F., und soviel mag etwa die ganze Entfernung vom 
Gapitolinns zum Titnsbogen betragen. Will man aber an der Länge 
kürzen nnd der Breite suiegen, so geräth man entweder auf der einen 



- 273 



Das Comitium. 

Bei weitem die wichtigste, aber auch die schwierigste der 
das Forum und vielleicht aller die römische Topographie be- 
treffenden Fragen ist die, in welchem Verhältnisse man sich 
das Comitium zum Forum denken solle. Um dasselbe ver- 
einigen sich die bedeutsamsten Punkte des Forum : d i e R o - 
stra^ die Curie, das Tribunal, und nach ihnen bestim- 
men sich wiederum andere, so dass zuletzt die gesummte 
Anordnung von der Beantwortung dieser Frage abhängig wird. 
Da nun gleichwohl jede Spur des ehemaligen Comitium mit 
den glorreichen Denkmälern der Republik im Alterthume selbst 
schon verschwunden war, und seiner zwar sehr häufig, aber 
immer nur in unbestimmter und zweideutiger, ja oft anschei- 
nend widersprechender Weise Erwähnung geschieht, so liegt 
eben darin der Grund, dass eine Restauration des Fonim, na- 
mentlich für die Zeit der Republik nicht mit der völligen Si- 
cherheit gegeben werden kann, welche gerade in diesem 
Theile am wünschenswerthesten wäre. Um nun wenigstens 
der Wahrheit so nahe, als die flüchtigen Erwähnungen es 
möglich machen, zu kommen, ist zunächst die Frage darauf 
zu richten, was das Comitium war? 

Uebel angewendete Subtililät, der das nahe Liegende 
nicht genügte, leitete den Namen Comitium von der Zu- 
sammenkunft zwischen Romulus und Tatius und dem auf die- 
ser Stelle geschlossenen Bündnisse ab^-^^). Richtiger sagt 



Seite in die kaiderlichen Fora , oder aaf der andern ist der Palatin 
im We^e. Hnsphke scheint freilieh noch mit Nardini das Porom zwi- 
schen Capitol und Palatin nach dem Forum Boariam hin zn legen ; 
allein anch hier wnrde es den Vicas Tascns nnd das ganze Velabrum, 
ja wohl auch noch ein Stück vom Forum Boarinm verschlingen, zumal 
da hier die Breite gänzlich fehlt. Karz die ganze Erklärung ist ohne 
Erwägung des vorhandenen Raums und dessen, was möglich ist, ge- 
macht, und es folgt daraus nothwendig, dass Varro von etwas ganz 
Anderem spricht, als von dem Forum Romanum im Gegensatze zum 
Comitium. S. JNiebuhr, Rom. Gesch. III. S. 13 ff. Göttliug, de 
loco M. Ter, Farronis de re tust. etc. Jen. 1831. 

440) Plutarch. R*om. \^,"Onov de zavra avvid'tVTO, ftixQi vBv 
Kofil%u}v iMüUiTa«. xofiii^e yii^ *Fmfiaioi rb awil&tiy ituXovüt. Zoa. VII, 4. 

18 



274 

Varro L. L. V, 32. p. 154. Comtltum ab eoj quod coibani 
eo comitiis curiatis et litium causa. Es kann indessen diese 
Erklärung leicht zu der ganz irrigen Meinung Veranlassung 
geben, als sei das Comitium lediglich ein patricischer Ver- 
sammlungsort gewesen ^*^). Es hat seinen Namen allerdings 
von den Zusammenkünften der Curien erhalten ; in einer Zeit, 
wo es andere Comitien als curiata nicht gab, und als nach- 
her die centuriata im Marsfelde, die tributa auf dem Forum 
(im engern Sinne) gehalten wurden, blieben die curiata un- 
verändert auf dem Comitium, wenn sie nicht in gewissen 
Fällen auf dem Capitole vor der Curia Calabra Statt fan- 
den ^^). Dagegen war das Comitium von jeher der gewöhn- 
liche Ort der Concioncs, und nicht nur für die Patricier, oder 
den populus^ sondern nachher auch für die plebes^ wie sich 
das bei Bestimmung des Vulcanal zeigen wird. Das eigent- 
liche Forum war anfänglich unstreitig blosser Verkaufsort, 
durch keine Anspielen für Zusammenkänlte geweiht: fiir sie 
war das Comitium abgesondert. Späteres Bedürfniss hat die- 
sen Vei4:auf vom Forum Romanum weg auf besondere Plätze 
gewiesen, und der frei gewordene Raum ist eigentliches ple- 
bejisches Forum geworden. — Schon daraus ergiebt sich, wie 
ganz irrig die Annahme derer ist, welche sich unter dem 
Comitium ein Gebäude vorstellen oder wenigstens einen mit 
Säulen umgebenen, überdachten Raum^^). Vielmehr ist es 



441) Spatere UnkaDde hat es wirklicli so verstanden. Psendo- 
Aseon. s. Cic. Verr. I, 22» CiHniiiutn: Loetu propter senatum, 
quo eoire equitibu» et populo Romano licet* £s ist richtisp, wenn et 
nnr anf die Comitien bezogen wird. 

42) leh denke dabei nicht nnr an die Comitia ealata, sondern 
inck an den Notfafail bei der Belagcrnng dnreh die Gaiiier. Liv. V, 
46. Aeeepto inde eenatue deereto , ut et eomitiie euriatü revocaiue 
de exsilio iueeu populi Camtilus dictator extemplo dtceretur ete. 

43) Die ältesten Astygraphen haben anch hierin viel riehtiferge- 
nrtheilt. S. Blond. Flav. Rom. inetaur, II, 67. Lacio Fanno, 
Antieh. dt R, p, 62 ff. und besonders Marliani, Urb. Rom, topogr. 
III, 1. {Graev. thee, III. p. tOl.). Unklarer ist Donati. Im unendli- 
ehen Gewirre seiner Irrthiimer kam Nardini, Roma ant* t. II. p. 
151. ed. Nibby. auf den Einfall, die Ruine der drei Sänlen fnr das 
Gomitinm zu halten, und obgleich Vennti, Deser, di Roma ant, I. 
p. 54. zur früheren riehtigeren Ansiebt znriickgekehrt war, ist ihm 
doch Nibby, For. Rom, p. 60. in dieser tbSrigen Meinung beigetre- 
ten. Aneh Ganina, For, Rom. p. 60. 165. IndieoM, topogr. p. I5S. 



275 

ein Tbefl des Fonun seAst, der von seiner poEtiscken Be- 
stimmnng den Namen erhalten hat , während der übrige zu 
anderem Verkehre angewiesene Theil schlechthin Fomm heisst, 
nnd dieser Name anch beides, die ganze ayofa, bezeichner« 
Daher wird häafig das Conitiam dem Forum enigegenge-« 
setzt ^, und Ersteres der wichtigste Theil des Markts ge* 
nannt ^*). Es ist dn freier unbedeckter Platz, wie das übrige 
Forum , wie sich daraus ergiebt , dass Truppen darüber zie- 
hen '^^), das es Blut und Milch darauf regnet ^^, dass darauf 
der heilige Feigenbaum (ficus Ruminalis) stand ^*> und die 



omteliliesst es mit Mauern nnd ^®bt ihm S&nlen imd Bedachan;. Die 
richtige Ansicht hahen zuerst Piale, Del Foro Rom. Rom. 1832. 
(1818.) p. 1& ff. QDd Niebvhr, Besckr. d. St. R. Ili A. S. 61. in 
Schutz genommen. Vgl. H ns ohke, Ufiber d. Stelle des Farro u. s.w. 
S. 47. 

444) An et. ad Her. II, IS. Rem uki pagunt, orato; ni pagunt. 
in comitio out in foro ante meridiem eaiuam eonicito. ans den Xll 
tab. (Gell. XVII, 2. Qnint. /. 0. I, 6.) Cic. p. Sext. 35. cum fo- 
rum, eovtittam, eurünn multa de noeie armatu hominibu^ ae iervü 
plerisque oeeupavüsent. Verr. I^ 22» vidi simul eumpopulo Romano 
Jbrum eomitiumque adomatum etc. III, 4. Lir. XXaIV, 45. inßito 
ot eomitio et CapiMio sanguinis guttae visae sunt. PI in. XV, 18, 
20. in foro ipso «c comitio. Snet. Caes. 10. Aedilis praeter eo~ 
mitium ac forum basiiieasfue etiam CqpitoUum omavit portieikus 
ad tempus ewstruetis. Vgl. Anm. 455. 

43) Dionys. I, 87. rov Xiovxa tov Xl&tvov^ o« lk««ro rtJQ ayoQcie 
xiji twv*Pwuaioßv iv rif> nffarhrtf x^9^V naqa roi9 i/iß6loi9. II, 29. x^** 
f/or Tt, tp ^ ica&eiofureg idtna^ip iv r^ tpays^rartif t^9 «^ojpoff. III, 1. 
nal ^antBtm n^ xmv ßaoikdwr iv tff nQaxiottf r^g o/o^äff ton^ (Ho^ 
atilins). 

48) LIy. V, 55. Die bekannte Erzählung, als nach dem galli« 
sehen Brande das Volk nach Veji aaswandern wollte: quum senatus 
post paullo de kis rebus in curia Uostilia haberetur eokortesque ex 
praesidiis revertentes forte agmine forum transirent, centurio in eo- 
mitio exclamofnt: Sign\fltr, statue Signum: hie manebHnus opHme. 

47) Liv. XXXiV, 45. in foro et eomitio — sanguinis guttae 
visae sunt. Vgl. I n 1. Obs. 83. in Graeoostasi et comitio sanguine 
fiuxit. e. 103. in eomitio lavte pluit. 

48) Taeit. Ann. XIII, 58« Sodem anno Ruminalem arborem in 
eomitio, quae super oetingentos et quadraginta ante annos Renii Ro- 
mulique infantiam texerat, mortuis ramalibus et areseente trunco de- 
minutam prodigii looo habitum est, donee in novos fetus revireseeret. 
Fest. p. 169 Mali. Navia: fieus quoque in comitio appellatur Navia 
ab Atto Navio augure. PUn. XV, 18, 20. Colitur Jteus arbor in foro 
ipso ae comitio Romae nata etc. Dionys. III, 71. tixopa naraonsvacat 
uvTov {Ntßlov) ^ee^t/i', aviaTfjaiv inl tijg ayopäg ' fj nal iig ifii ^v Ic» 

' fi(f6 TOV ßovkevttjQiov nsifUvff, Trlrjoior rijg Uf^ag avnfjg. Die Statne 
stand aber in eomitio, Liv. I, 36. Statua Atti — tu eomitio in gradi- 
bus ipsü ad laevam euriaeßiit. PI in. XXXIV, 5. Vgl. S. 277. 

18* 



276 

Rostra selbst ^'^^); und wie könnte überhaupt ein Ort, wo 
Versammlungen (conciones) gehalten wurden, zu denen man 
von der Rednerbühne sprach'*'), bedeckt gewesen sein. — 
Veranlassung zu dem Irrthume hat eine missverstandene Stelle 
bei Li vi US gegebep. XXVII, 36. Uo anno (&i&) primum, 
ex quo Hannibal in Italiam venisset^ comütum tectum esse 
memoriae prodümn est^ et ludos Romanos semel instaura- 
tos etc. Von dieser Zeit an also, glaubte man, sei das Comi- 
tium mit Bedachung versehen gewesen. Es hat aber schon 
Piale darauf aufmerksam gemacht, dass auf diese Vt^eise die 
Worte: eo anno primum ex quo Hannibal in Italiam ve- 
nisset^ gar keinen Sinn haben würden. Vielmehr ist nichts 
anderes gemeint, als dass nach zehn Jahren der grössten Be- 
drängniss zum ersten Male das römische Volk wieder freier 
aufathmete, zum ersten Male die Spiele wieder mit grösserem 
Aufwände und in gewohnter Weise feierte. Dabei war denn 
schon früher das Comitium mit Segellächern {vela) überspannt 
worden, wie es auch später geschah und wie es im Theater 
und Amphitheater üblich wurde '^) , damit die Zuschauer der 
auf dem Forum Statt findenden Gladiatorenkämpfe gegen die 
Sonnenhitze geschützt wären ; denn die ludi Romani fielen in 



449) Ascoo. z. Cic. p. Mil. 5. p. 43 Or. (Trib. pl.) concio- 
nati sunt eo ipso tempore — quo propter Clodii corpus curia incensa 
est ; nee prius destiterunt, quam flamma eius incendii fugati sunt e 
eoncione, Erant enim tunc Rostra non eo loco, quo nunc svntj sed 
ad Comitium , prope iuncta euriae, Daraas erklärt sich 
Cic. p. S e X t. H5. cum ad fratris salutem a populo Romano depre» 
eandam venisset, pulsus e rostris in comitio iacuit. Plin« 
XXXIV, 6, 11. In qua legatione interfecto (Octavio) senatus statuam 
poni iussit „quam octilatissimo loco^^ ; eaque est in Rostris, Das ist 
es, was DioDVsias (s. Aniu. 4i5.) iv rcj» tfavtQonarta t^s ayo^as nennt. 
Vgl. Cic. Phil. IX, 2. 

50) Man vergleiche z. B. Liv. X, 24. III, 10. 11. VIII, 33. 

51) Plin. XIX, 1, 6. Postea in theatris iantum umbram fecere, 
quod primus omnium invenit Q. Catulus, cum Capitolium deaiearet. 
Carbasina deinde vela primus in theatro duxisse traditur Lentulus 
Spinther jlpollinaribusludis. Mox Caesar dictator totum forum Ro^ 
manum intexit viamque saeram ab domo sua ad clivum usque Capito- 
linum. Dio Cass. LI II, 31. xal t^v ioor^v ßv ift t^s ayo^avo/ita^ 
iTTsriXti avv9ia^(U kafiTr^g^ üaxs xr^v re ayo^av iv narrl T*f &iifei iv 
naifaneraofiaai Marä xo^vq)^v SiaXaßuv x. r. X, LIX, 23. Toaavni ya^ 
vneQßokij avTMv (raiv navpMTtbv) iyivttOy wate tial naoantraofiaxa vnt^ 
t^s ayo^äe vni(fTad^ipfai, Wegen der Theater vgl. Becker, GalluM 
oder röm. Seen, I. S. 245 ff. 



277 

die heissen Tage des Spätsommers. Darom setzt auch Livius 
beides in VerbinduDg. 

Kann nun darüber kein Zweifel sein, dass das Comitium 
ein freier Platz, wie das Forum selbst war, so entsteht die 
Frage, ob es in dem oben abgegrenzten Räume , vom Fuss« 
des Gapitolinus bis zur Velia in der angegebenen Breite, ent- 
halten war, oder ob man isich ausserdem einen daneben gele- 
genen Platz denken müsse? Es ist nicht zu leugnen, dass die 
meisten Stellen, in welchen des Comitium gedacht wird, der 
letzteren Annahme günstiger scheinen können. Dahin rechne 
ich zuerst die, welche von der Curie in einer Weise sprechen, 
als habe sie auf dem Comitium selbst gestanden. Cic. de rep. 
n, 17. Fecitque idem et saepsit de tnanubüs comitium et cu- 
riam (Tullus Host.) ; wo man unstreitig saepsit am natürlich- 
sten auf eine gemeinschaflliche Umfassung beider bezieht, wel- 
che nur dann möglich ist, wenn die Curie auf dem Comitium 
selbst erbaut war, nicht an der Seite desselben, wo sie durch 
eine Strasse von ihm getrennt werden musste. Femer Liv. 
I, 36. Statua Atti — in cotnitio in gradibus ipsis ad laevam 
curiaefuit: zumal, wenn man damit PI in. XXXIV, 5, 11. 
vergleicht : Alti Nävi statua fuit ante curiam , cuius basis 
conßagravit curia incensa P. Clodii ßincre. Eben so auf- 
fallig ist es , was über den Standort der Bildsäulen des Py- 
thagoras und Alcibiades gesagt wird. Plin. XXXIV, 6, 12. 
Invenio et Pythagorae et Alcibiadi in cornibus comitii 
positas (statuas) — ea (simulacra) stetere ^ donec Sulla di- 
ctator ibi curiam faceret. Die Curie aber wurde von Sulla 
nur wiederhergestellt, nicht an einem anderen Orte erbaut; 
denn bis sie abbrannte grenzte sie ja an die Basilica Porcia. 
So sagt denn auch Plutarch. Num. 8. ioTt^aar Inl vijg 
dyoQois ^horag ^aXxus ivo, Tijv f*tv ]AXxißtdSoVj %iqv 
dh IIv&ayoQov.i also nicht geradezu iv Tg ayoga. Dazu 
kömmt Varro^s freiUch höchst unklare Beschreibung, in wel- 
cher die Graecostasis ein locus substructus a comitio ge- 
nannt wird'^^^). Sie aber und das darüber gelegene Sena- 

45!^) Die gooze, für den Römer freilich verstäadliche, uns, denen 
die Autopsie fehlt, mehr verwirrende als aufklüreode Stelle lautet 9oi 



878 

eutum stebea in der nächsten Beziehung zur Cnrie. End- 
lich ist es auch allerdings auflallend, dass nie ein Gebäude 
auf der Südseite des Forum (wenigstens aus der Zeit der Re- 
publik), nie das VestaheUigthum und die Regia als am Comi- 
tium, sondern schlechthin am Forum liegend angeführt wer* 
den* Ausserdem wird zuweilen das Comitium in einer Weise 
genannt, nach der es als ein ganz vom Forum getrennter 
Platz erscheinen kann« So z. B. in der Erzählung von der 
Bestürzung, welche die Nachricht von der Niederlage am 
Trasimenus verursachte. Liv. XXII, 7. Romas adprmum 
nuntium cladis eius cum ingenti terrare ae tumuliu concur^ 
MUS in forum populi est faotus, Maironae vagao 
per viasj quae rspens clades adlaia, quaeve fortuna exerd^ 
tus esset» obvios percunctontur. et quum Jrequentis conoionis 
modo iurba in comitium et curiam versa magistra" 
tus vocaret, tandem etc. Man kann hier mit Recht fragen, 
warum die auf dem Forum versammelte Menge nach dem 
Comitium und der Curie gewendet die Magistrate 
rief, nicht das Comitium selbst füllte, wenn es nur eine Ab« 
tbeilung des Forum war. Wer sich etwa die Menge, ob<* 
gleich Livius sagt populi concursus^ ab Plebejer denken 
wollte, die auch in solchem Tumulte respektvoll sich fern 
vom Comitium gehalten hätten, den würde, wenn auch nicht 
überhaupt eine solche Sondernng sich als ganz unstatthaft er- 
wiese, eine ganz ähnliche Stelle widerlegen. Es ist der Fall, 
wo die Abgesandten der in der Schlacht bei Cannae Gefan- 
genen im Senate um ihre Loskaufung bitten. Liv. XXII, 60* 
Ubi is ßnemfedt^ extemplo ab ea turba^ quae in comiiio 
erat, clamor ßebilis est sublatusj manusque ad curiam ten» 



L. L. V, 32. p. 154. Comitium ah eo, fuod eoibani eo eomitiis auriaÜM 
ei litium causa. Curiae duarum generum ; nam et uhi eurarent taeer* 
dotet res divinas, ut euriae veteres, et übt senatus humanas, ut curia 
Hostilia, quod primus aed{/lcatfit Hostilius rcx, Ante haue rostra, 
quoius [loci Mall.] id voeahulum , [quod Sp* M.] ex hostibus eapta 
fixa sunt rostra. Sub demtra kuius a eomitio locus substruetus^ ubi 
nationum subsisterent legati, qui ad senatum essent missi. Is Grao^ 
eoitasis appellatus a parte, ut multa. Senaculum supra Qratcosta^ 
sin^ ubi aedis Coneordiae et basilica Opimia. 



17» 

debänt Qrmde$^ ut tibi iiberosy Jratrts^ cognalos reHerenU 
FemtnMi quoque metus ac necessitas in foro iurbae huic viro- 
rum imwuscuerai» 

Diese Stellen, denen sich noch mehrere, nur weniger 
signifikante beifugen Uessen, können allerdings auf den Ge- 
danken bringen, dass das Comitium ein vom Forum ganz un- 
abhängiger, d. h. nicht in dem oben begrenzten Areale ent- 
haltener Platz, auf dem sich die Curie befunden habe, gewe- 
sen sei, jeaseit einer der begrenzenden Strassen und also 
doch dicht am Forum gelegen, und man würde vielleicht an 
der Nordseite des Forum, in der Gegend des Faustinatempels 
einen hinreichenden Raum dafür ermitteln können. Allein 
demungeachtet scheint es nicht, als ob einer solchen Vor- 
stellung Baum gegeben werden dürfe. Hauptsächlich spricht 
dagegen die Lage '^der Rostra, welche unmittelbar an, oder 
vielmehr wohl auf dem Comitium waren. Von ihnen wird 
nun aber auch ausdrücklich gesagt, dass sie sich ungefähr in 
der Mitte des Forum befanden'* ^3), und jedenfalls war ihre 
Stelle auf der Grenze zwischem dem Comitium und dem ei- 
gentlichen Forum. Das ergtebt sich besonders daraus, dass 
bei der Rednerbühne als Auszeichnung für besondere Ver- 
dienste Plätze zum Zuschauen bei den auf dem Forum gege- 
benen Gladiatorenspielen verliehen wurden ^*). Hält man da- 
mit zusammen, dass eben bei diesen Spielen das Comitium be- 
deckt wurde (S. 276.), so ersieht man daraus deutlich, dass 
hier der zum Comitium bestimmte Theil des Forum begann, 
der natürlich von den Kämpfen frei blieb und nur mit Zu- f 
schauern sich füllte. Nur so erklärt sich auch die Neuerung, 
welche C. Licinius Crassus oder C. Gracchus einführte, in- 
dem er als Redner auf den Rostris sich dem Forum zuwandte, 
während es bis dahin üblich gewesen war, nach dem Comi- 



453) Dio Cass. XLIII, 49. ttal t6 fi^fia iv fi^aty nov 11(^6' 
t tffov r^s äyo(fois ov is xbv vvv zottov wi%fu(fiQ^, A p p i a n. B. 
C i V. I| 94. iv ayoo^ f^^H ^Q^ '^^^ iftßoXtnv» 

54) Gic. Phil. IX, 7. senatui p/acere , Ser. Sulpicio ttatuam 
pedestrem aeneam in rostris ex huius ordinis sententia sfaluiy cir- 
eumque eam statuam ludis gladiataribusque iiheros posterosque «ius 
quoquQ versus pedes quinque habere. 



280 

tiam und der Carie bin zu sprechen ^^^), und nur unter dieser 
Voraussetzung ist der Vergleich bei Front o ad Anton. 
Aug. I, 2. p. 148 Rom. passend: quanto rostra foro et co- 
mitio svperiora stmt^^). Eine solche Lage des Comitium ist 
aber auch darum nothwendig, weil auf demselben sich das ur- 
sprüngliche Tribunal praetoris befand ^7), das aber auch 
schlechthin auf dem Forum genannt wird ^^). Bei dem Tri- 
bunal aber war das Puteal Libonis oder Scribonia- 
num und dieses wird ausdrücklich als in der Nähe des For- 
nix Fabius und des Atrium Vestae, auch der Rostra, 
endlich der aedes D. lulii angegeben ^^). — Bei dieser 



.455) Cic. de amic. 25. (C. Licinias Crassus) is primum insH* 
tuit in forum versut agere cum populo. Dageg^eo erzählt es P l u t - 
arch von C. Gracchas. c. 5, «al xoiy 'jtQo avrov navtotv dt^/iayat' 
ydiv TTQOQ xrjv ovyTtXtjrov ttfpoQwvratv tcati ro «aXovft^vov «ofiiirtor, tt^m« 
TOS rote ar^atpiis 1^0» 'Jtqos T17V ayooav dijfiijYo^ijaai , xal ro Xotnov 
ovTio TTOiiiv «s ixiivov, fiixqi na^iyxMOii xal fitTa&iati. a;|ri7/uaroff ftfyct 
n^äyfia utavtjaai n, r. X. 

56) Niebahr, Rom. Gesch. I. S. 470. hat dieses VerhältDiss 
des Comitium zom Forum richtig erkannt; dagegen ist irrthümlicb 
das Geläfel von Giallo aotico, von dessen AuflßQdong Fi coro ni (Fea, 
MitcelL I. p. 157.) berichtet, auf das Comitium bezogen nnd daraus 
auf die prächtigere Einrichtung der „patricischen Mahlstatt^' im Ge- 
gensatze zu dem Forum geschlossen worden, das mit Travertinplatten 
getäfelt ist. Niebubr, der noch in der Nardinischen Ansicht von der 
Lage des Forum befangen war, konnte das für möglich halten; wie 
mau aber trotz der richtigeren Ansicht darauf sich berufen konnte, 
ist unbegreiflich , da jene Nachgrabungen gar nicht im Bereiche des 
Fomm Statt fanden. 

57) Liv. VI, 15. (Dictator) tetla in comitio potita viatorem ad 
M. Manlium misit: qui dictatorvt iussu vocatus — agmine ingenii 
ad trihunal venit. XXIX, 16. Deoem iegati Loereniium — in comitio 
tedentibus consulibus — ante tribunal cum Jlebiii voc\feratione humi 
proeiibuerunt. Gell. XX, 1, 11.47. (aus den Xll tab.) ad praetorem 
in comitium, Varro L. L. V, 32* p. 151* Plaut. Poen. III, 6, 11, 
Macrob. Sat. II, 12. 

58) Liv. XXVII, 50. XL, 2. 44. 

59) Porphyr, z, Horat. epist, I, 19, 8. Puteal autem Li- 
bonis sedt's praetoris fuit prope arcum Fab ianum, dictumque 
qitod a Libone illie primum tribunal et subsellia locata sint. SchoU 
Cruq. ,, puteal Libonis^' : tribunal. quod autem ait Libonis , hinc 
svmsit, quod is primus tribunal in foro statuerit. Ders. z. Sat. 
II, 6, 35. puteal locus erat in foro, ad quem conveniebant mereatores 
et foeneratores ad tradendum et recipiendum. alii dicunt fuisse pro 
rostris, ubi tribunal erat praetoris. Fest. p. 333. [Scribooianum 
Bp]peltatur ante atria [puteal, quod fecit Scri]6omt/« etc. Damit kann 
nichts anderes gemeint sein, als das Atrium Vestae, nnd das stimmt 
luit der Nähe des Fornix Fabius vortrefflich überein^ welche aoeh der 



181 

Uebereinstimmmig mannigfalüg^er Andentungen miiss man sich 
allerdings bestimmt fühlen, die Anordnung Banse ns, nach 
welcher er den oberen Theil des Foram, etwa von den drei 
Säulen bis zur Yelia als das Comitium annimmt, im Allgemei- 
nen für richtig anzuerkennen, und die oben angeführten un- 
klaren Aeusserungen über das Verhältniss der Curie zu dem 
Comitium dürfen daran nicht irre machen. Auch lässt sich 
vielleicht der scheinbare Widerspruch in der Hauptsache durch 
die Erwägung beseitigen, dass, wenn auch der Raum, wel- 
chen die begrenzenden Strassen einnahmen, sich durch Pfla- 
sterung von dem inneren getäfelten Platze abzeichnete, er doch 
nichtsdestoweniger zum Forum selbst gehörte, und also die am 
Comitium hinlaufende Sacra via eben auch als Theil des Co- 
mitium galt. Auf diese Weise kann dann die Curie immerhin 
unmittelbar an demselben gelegen genannt werden. Dass aber 
das Comitium erhöhet gewesen und Stufen zu ihm hinauf ge- 
fuhrt hätten, wie Huschke und Bunsen^^^) meinen, ist 
eine durch nichts gerechtfertigte Annahme. 

Das Forum der Republik. 

Die hauptsächlichste Schwierigkeit, welche dem Entwürfe 
eines Plans vom Forum oder der topographischen Bestimmung 
der es umgebenden Stellen und Gebäude entgegensteht , liegt 
»n dem vielTältigen Wechsel derselben. Die Republik sieht 
nach und nach die Anlagen der königlichen Zeit mit Ausnahme 
des Vestaheiligthums und der Curie verschwinden und der An- 
fang der Kaiserherrschaft findet die wichtigsten Denkmäler der 
Republik nicht mehr oder doch an verändertem Platze. Das 
Comitium hat seine Bedeutung verloren und an der Stelle des 
Tribunal erhebt sich ein Heroon ; die Curie ist einem Tempel 



S cb li a s t z. Pe r s. S a t. IV, 49. bezeugt : Foeneratores ad puteal 
Seribonü Lieinii (Scribouii LiboDis), quod est in portieu luUa ad 
Fabianum arcunit eonsütere solebant, Üie&e porticus Julia kaon 
nur als zam Tempel des Divas lalias gehörig betraebtet werden, aod 
dieser wurde auf dem Foram vor der Regia erbaut. 

460) Huschke,- Ueber d. Stelle d. Farro. S. 47. Bansen, 
Besehr, d. St, R, III B. S. 56. Richtiger vrtheilte Niebu h r a. a. 0. 



XoZ 

gewichen nnd die Rostra sind an einen anderen Ort gebracht. 
Der neronische Brand zerstört wiederum einen Theil der 
neaen Anlagen und der Wiederaufbau geschieht unter wesent- 
lichen Yerändernngen, Neue Tempel entstehen; zuletzt der 
des Antonin und der Faustina, und von dieser Zeit an scheint 
keine bedeutende Veränderung mehr eingetreten zu sein ; nur 
dass unter Commodus der Vestatempel abbrannte und gegen 
das Ende des dritten Jahrhunderts der westliche Theil des Fo- 
rum, dessen Gebäude Diocletian wiederherstellte. Daher ge- 
hört denn der Entwurf eines einzigen das Forum durch alle 
Zeiten darstellenden Plans zu den Unmöglichkeiten ; aber auch 
eine geschichtliche Darstellung der Veränderungen, in wiefern 
sie mit topographischer Bestimmung der einzelnen Anlagen 
verbunden sein soll, hat grosse Schwierigkeiten. Sie würde 
sich leicht geben lassen, wenn jeder Punkt an sich oder durch 
Monumente seiner Zeit bestimmbar wäre ; hingegen lässt sich 
die Lage mancher uralter heiliger Stätten nur mit Hülfe von 
späten Denkmälern ermitteln, fiir deren Bedeutung es wiederum 
des Beweises bedarf. Die Frage über den Castortempel hängt 
genau mit der über die Basilica lulia und das Gebäude der drei 
Säulen zusammen; die Tempel am Clivus, zum Theile der frü- 
hen Republik, zum Theile der Kaiserzeit angehörig, erklären 
sich nur gegenseitig; die räthselhafte Zweibeit der Basilica 
Aemilia lässt sich nicht aufhellen, ohne die luIia zu berühren. 
Es ist daher unvermeidlich, dass entweder manches in eine 
spätere Zeit Gehörige voraus genommen, oder mancher Beweis 
ausgesetzt wird, bis die Denkmäler an die Reihe kommen , mit 
deren Hülfe er nur geführt werden kann. Unumgänglich nö- 
thig ^r ist es gewisse Perioden anzunehmen, welche durch 
wesentlipbe Umgestaltung des Forum bedingt sind, und deren 
lassen sieh hauptsächlich drei festsetzen. 

Die erste a;eigt uns das Forum der Republik; denn 
diese fand die Anlagen der königlichen Zeit noch unverändert 
vor und schuf sie den Bedürfnissen des mehr und mehr sich 
entwickelnden Lebens gemäss um. Als Römer und Sabiner 
den Bund der Vereinigung schlössen, soll die Tiefe zwischen 
Qapitol und Velia mit Gehölz bewachsen gewesen sein und 



— »s 

sumpfige SleUen gehabt kaben, weshalb maa jedoch nicht an- 
zuuebmea braucht, die ganze Fläche sei Sompf oder Bruch 
gewesen. Vielmehr ist es hauptsächlich wohl von dem Forum 
im engeren Sinne zu verstehen, das erst durch den Cloaken- 
bau völlig trocken gelegt worfen sein mag. Darauf weiset 
auch die Deutung des Lacus Cnrtius hin, der sich ungefähr in 
der Mitte des Forum befand, und deshalb wurde wahrschein- 
lich der der Velia zunächst und ursprünglich wohl etwas höher 
gelegene Theil zum ältesten Forum oder Comitium gewählt -^^i). 
Daher werden zwar den ersten vier Königen auch mehrere 
Anlagen am Forum zugeschrieben, wie dem Romulus das V«l- 
canal, dem Numa der Vestatempel und die Regia, dem TuUos 
Hostilius die Curie, dem Ancus das Staatsgefängniss; aber mit 
Ausnahme des Letzteren, das nicht sowohl zum Forum als 
zum Capitolinus gehört, liegen alle diese Punkte am Conutium. 
und von dem übrigen Räume ist gar nicht die Rede. Dagegen 
ist es jedenfalls bemerkenswerth, dass Tarquinius Priscus, der- 
selbe König, welcher das Riesenwerk der Cloaken unter- 
nahm ^>), auch die ersten Anlagen am unteren Theile des fo* 



461) Varro L. L. V, 3t. p. 149. Piso in Annalihut seribit, Sa-, 

bind belia, quod fkit Romulo et Tait'o , virum fortiMtimwm Metiitm 

Curtium Sabinum , cum Romulus cum suis ex superiore parte im- 

pressionem feeisset, Curtium in locum palustrem , gut tum fuit in- 

joroj antequam eloaeae sunt Jaetae^ seeessisse atque ad suos in Ca^ 



12. Ueber die frühere BcschaifeDheit des FoniM: Dienys. II, $0« 
(S. 217.) Ovid. Fast. VI, 395. 

Hoc, übt nunc fora sunt, udae tenuere paludes: 
Amne redundatis fossa madebat aquis. 

Curtius Ute taeusj siceas qui sustinet aras, 
Nunc solida est tellus, sed lacus ante Juit. 
62) Liv. I, 38. iT{fima urbis loea circa forum aliasque in* 
feriectas eollibus convalles,quia explanis locis haud/aeile evehebant 
ßquas, eloacU e fastigio in Tiberim ductis siecat. Diooys. III, 67. 
V^Saro Si «al tos vnovofiovi ooimiv rawgovg. Vgl. ffcmta. XVI, 10. 
Pliü. XXXVI, J5, 21. Aupel.Vict. Vir. ill. 8. Strab. V, 3. p. 
935. Dia Ca«s. XLIX, 43. Die BeendisuDg i^ Baue« erfolgte erat 
unter dem zweiten Tarqainier. So ist za verateben, was Liv. I, 56. 
von diesem Konige sagt: er habe nnteraommea, cloaeam maximam^ 
reeeptaculum omnium purgamentorum urbis, sub terram agendam. 
»nd amdrüeklich sagt es Dionys. IV, 44. ngo^vfiiav ^%wv ixl ^$ 



— 284 

nim machte, indem er den Platz mit Hallen und Tabenien 
umgeben liess *^^), Von da an besteht erst das Forum in sei- 
ner ganzen späteren Ausdehnung und nun erst findet ein Un- 
terschied zwischen Comitium und Forum Statt. 

. Am Comitium nun, das zunächst in Betrachtung zu 
ziehen ist, giebt es keinen üiichtigeren Punkt als die Curia 
H o s t i 1 i a , gestiftet vom Könige Tullus, nach der Zerstörung 
von Alba^^) und über sechshundert Jahre der gewöhnlichste 
Versammlungsort des Senats. Dass sie an der Nordseite des 
Forum, der Linie zwischen dem Faustinatempel und dem Se- 
verusbogen, lag, ist durch die merkwürdige Stelle bei Pli- 
nius, wo er von dem früheren Mangel an einem Mittel den 
Tag einzutheilen handelt, eine Gewissheit. Er sagt N. H. 
VII, 60. Duodecim tabuUs ortus tantum et occasus nomi- 
nantitr: post aliquot annos adiectus est mertdies, accenso 
constUum id pronuntiante, cum a Curia inter Rostra 
et Graecostasin prospexisf-et solem^^). Es musste 
also die Curie nothwendig nach Mittag gewendet sein , wenn 
der vor ihr Stehende die Sonne über den Rostris sehen konnte, 
und folglich lag sie auf der Nordseite des Comitium. Indessen 
entsprach die Richtung keinesweges vöUig der Mittagslinie, 
sondern um am Mittage die Sonne vor sich zu haben, musste 



Idiai a^X^Q ra xaraXtiqyd'ivTct ^fjUeq/ya vito rov naitnov reXetwaa* , ras 
fiiv i^aywyifiovQ twv v^axiov Toup^ovs, äff ixHvos ogvmiv ij^^aTo fii%((i 
xov Ttorafiov xarayaysiv. Das ist eben die Cloaca maxiina. Vg^l. 
Nie bohr, Böm, Gesch, I. S. 433. Bunsen, Beschr. d. St, R. I. 
S. \5% ff. , wo mit Recht der noch Torhandene Baa dem Icünigiichen 
Rom vindicirt wird. 

463) Liv. I, 35. drca forum privatis aed\ficanda divUa sunt 
/oca. vorticus tahemaeqve faatae, Dionys. 111, 67. rijv t« avoQaVy 
iv p oixaiovat nal imtXtjatatovui , xal raff äXXae tntxfXoZüi Tro/irucaff 
nffaißiQ, ixeivos iuoofit^afv, fQyaortjgioiQ rs xal roTff aXXoi9 «oa/iiois nfoi- 
Xaßtov, Dionysias hat hier das Forum seiner Zeit im An^e ; aber da- 
mals war der untere Theil ohne politische Bedeutung und am Comitium 
befanden sieh nie Tabernen. 

64) Liv. I, 30. Cic. de rep. II, 17. Varro L. L. V, Z%. p. 
155. Anrel. Vi ct. Vir. ill. 4. 

65) Niebuh r, Beschr, d, St. R, III A. S. 60. hat zuerst auf 
die entscheidende Wichtigkeit dieser Stelle hingewiesen. Unbeküm- 
mert darum nehmen fortwährend die Itali'aner die Curia Hostilia auf 
der südlichen Grenzlinie beim Gebäude der drei Säulen an, wobei die 
Sonne in Mitternacht zu stehen kömmt. 



285 

man sich etwas links wenden, und darum werden die beiden 
Punkte, Rostra und Graecostasis genannt, zwischen 
welche die M ittagslinie fiel. Hinsichtlich der Letzteren macht 
allerdings Varro's Angabe einige Schwierigkeit. Er sagt 
y, 32. p. 155. Jlnte hanc (curiam) Rostra, quöius id 
vocabulum, es hostibus ctqftaßxa sunt rostra. Sub dex- 
tra huius a comitio locus substructus^ ubi natio^ 
num subsisterent tegati, qui ad senatum essent müsi. Is 
Graecostasis appellatus, aparte, utmulta. Nun ist es 
geradehin unmöglich, dass, wenn die Rostra (ungefähr in der 
Mitte des Forum) vor der Curie waren ♦•*), die Graecostasis 
dieser zur Rechten liegen konnte; denn dann fiele die Linie 
zwischen ihr und den Rostris nach Abend und nicht nach 
Mittag. Zu verbinden : Sub dextra a comitio, d. i. vom Co- 
mitium aus gesehen, stanti in comitio, scheint nicht statthaft ; 
vielmehr gehören jedenfalls die Worte zusammen : a comitio 
locus substructus. Aber gleichwohl muss nothwendig ange- 
nommen werden, dass Varro bei Betrachtung der einzelnen 
Stellen das sub dextra genannt habe, was dem Beschauer vom 
Comitium aus zur Rechten lag. Die Graecostasis hat man 
nicht als ein Gebäude , sondern nur als einen erhöheten Platz 
{locus substructus) zu denken» unbedeckt, wie die Nachrichten 
von Prodigien lehren ^^), und daher kann eine Kapelle der 
Concordia darauf gesetzt werden (s. u.). Dass aber ein sol- 
cher der Curie zur Seite und in keinem Falle auffallend her- 
vortretender Platz als Bestimmungspuukt für die MittagsUnie 
gebraucht werden konnte, erklärt sich vielleicht daraus , dass 
vermuthlich die Curie etwas weiter zurücklag, während die 



466) Mit VaiTo*8 ausdrücklicher Erklämog: ante haue Bottra, 
stimmt übereil! Diodor. Sic. XII, )^6. zeXao^BlarjQ r^g vnaxaifiiyift 
ro/^o^eoiag ravTtfv ets dciSexa j^ceiücovc niva$t»g xn^ciartsg ol vitaxot^ 
TT^ogijXwaav Totg itQO rov ßovXevxijfflov rore %sif/kivo ^g ifi^ 
ßokoig. Damit ver§^leiche maa C i e. p. F 1 a c c o. %i. speeulatur at- 
que obtidet rostra vindex temeritatis et moderatrix qffleii curia., was 
zwar figürlich, aber jedeofalls mit Rücksicht auf die Oertlichkeit gesagt 
ist. Ferner As COD. z. Gic. p. Mil. 5. p. 43 Or. erant enim tun0 
Rostra non eo loco, quo nunc sunt, sed ad Comitium prope iuneta 
curiae. 

67) lul. Ob seq. 91. In Graecostasi iaete piuit vgl. 83. 87. 



286 

GraecosUsis bis an das Comitiam oder die Strasse reichte. 
Denn ancb die Curie war erhöbet und es führten zu ihr Stu- 
fen ^^*); die Graecostasis aber war jedenfalls dicht daneben. 
Höher noch als Letztere — ob aber nördlich oder östlich ron 
ihr, bleibt ungewiss — lag das Senaculum, unter d^i man 
sich eben auch einen freien Platz zn denken hat, der den Se- 
natoren zum gewöhnlichen Sammelplatze am Forum dien- 
te ^^). — Ausserdem wird aber an derselben Stelle auch das 
Vulcanal angegeben , ein seit den ältesten Zeiten und an- 



468) Sie werden ansdricklicli erwahot in der BrxSlilaps vom Bade 
des Senrins Tallios. Liv. I, 48. Tum Tarquinius — medium adripii 
Serotum, elatumque e curia in inferiorem partem per gra- 
aus deiieiU Dionys. IV, 38. yevoftevoc 9 Ifat roi ßovlevnK^iav 
luxioiQov iSotgnaaas avxov — ava^^inxtt xara riüv »qijti Idmv rov 
ßovXsvTijQlovTWvelsTO ix*XnataaTVQ&opae(fovauiv. Zo- 
nar. VII, 9. avnj^otaw «vroy nal «fofac mce ««to twv n(fo T9v 
ßovXBvxtiQlov avaßa&fi.wr. Vgpl. Diod. Sic. fgnit. Scriptt. 
vetL nov. coli, ed, Mai. t. 11. p. 99. Daraus erklärt sich aoch Cie. ad 
Quint. fr. II, t. Deinde eius operae repetite a Graeeostasi et grad^ 
hu* clamorem sati* magnum sustulerunt. Von der Statue des Attas 
Novius, weiche auch in dieser Gegpend nnd zwar tu gradibus ipsis ge- 
standen haben soll, wird weiterhin die Rede sein. 

69)Varro a. a. 0. Senaculum supra Graecoetasin ^ uhi aedit 
Concordiae ei hasiliea Opimia. Senaculum voeatum, ubi senatue 
aut uhiienioret comisterent. Bestimmter noch Valer. Max. II, 2, 6. 
antea senatus assiduam ttationem eo loci peragehat^ qui hodie quo^ 
que senatuium appellatur; nee exspeetabat, ut edicto eontraheretur, 
»ed inde citatue protinue in curiam veniebat. In ganz anderem Sinne 
nimmt das Wort Festns p. 347. Senacula tria ßiisse Romae, in qui-' 
bus senatus haberi solitus sit, memoriae prodidit Nicostratus in libro, 
qui inseribitur de Senatu habendo, unum, ubi nunc est aedis Concor- 
diae inter Capitolium et forum; in quo solebant magistratus D. T. 
cum senioribus deliberare. alterum ad portam Capenam. fertium eitra 
aedem ßellonae, in quo exterarum naiionum legatis, quos in urbem 
admittere nolebant, senatus dabatur. Hier ist also senaculum in der 
späten Bedeutnng des Worts (Lamprid. Elag. 4. Vopisc. Anrel. 
49.) der Versammlnngssaal des Senats. Aber anch ausserdem ist Vie- 
les unklar : namentlich, weshalb die Curia Hostilia übergangen nnd ein 
sonst unbekannter Versammlungsort unter dem Capitole erwähnt wird. 
Es kSmmt hauptsäehlieh in Frage, wer jener Nicostratus war; ob die 
Notiz von Verrius herrührt; in welehem Verhältnisse sie zu der bei 
Paul. Diae. p. 337. vorhergehenden steht: Senaculum locus senato^ 
rum. Selbst eine Verwechselung mit der aedis Concordiae des Opi-> 
mius am Senaculnm bei der Curia Hostilia scheint nicht unmSgliek. 
Indessen wird allerdings von Macrobins ein Senaculnm am Clivus Ca* 
pitolinns erwähnt (s. u.). Dass aber in guter Zeit dieser Name nicht 
den Versammlungssaal, sondern einen dabei befindlichen Platz bezeich- 
nete, lehrt am besten Liv. XLI, 27. porticum ab aede Satumi in Ca-- 
pitolütm ad senaculnm^ at super iä euriam. 



387 

geblich yon Romiihis ^^^) dem Crotte geweiheler Ramn« Es 
war dort kein Tempel ; Tielieieht ein Altar; nnd daher wird 
auch yon Griechen niemals ¥a6ßi sondern nnr bpoV %a€ 
^Hfpmlutw oder 'JlfpaiütMlw gesagt'* )• Vielmehr war es 
eben anch nnr eine Arem, nnd das ist der Ausdruck, den 
gewöhnlich die römischen Schriftsteller gebrauchen '>)• Es 
war ebenfalls ein höher gelegener Platz ''^) über dem Comi- 
tinm'^), wo Romulus nnd Tatius zu gemeinschaftlicher Be- 
rathnng zusammen gekommen sein sollen'*); wo Ersterer 
angeblich eine Quadriga als Siegeszeichen aufstellte'*), und 
wo bis auf Plinius ein uralter Lotosbaum als Rest der vor 
der Gründung der Stadt hier bestandenen Waldung sich tt* 
halten hatte "). Fragt man, welche Ausdehnung das Vulca* 
nal gehabt, und wie es sich zu den beiden anderen 



470) Plutarcb. Qnaest. Rom. 47. Jut rl vo top 'Btpalarov 

*h^ov ^m ^oUott o 'JPwftvXog i9(^üttrü. Es war Regel , dast der Ttwt* 

pel des Valcaa aasserbalb der Stadt geweibet warde. Vitrav. 1,7« 

und so findet sieb aacb später ein solcher im Marsfelde. h\r, 

XXIV, 10. 

71) Ausser Plotarcb aacb Dionysios. s. Anm. 474. 475. 47S. 

72) L i y. XXXIX, 46. quod tanguine piuüset in «rwi Fuleani. 
XL, 19. IX, 46. lal. Obseq. 69. 60. Fest. p. 238. Füeatarii ludL 
Gell. IV, I. 

73) Geil. IV, 5. vod der Statte des Horatias Codes, welcbe «r* 
sprüaglieb anf dem Comitiam stand (Liv. II, 10. Dioays. V, 25.): 
consHütque emn statuam — in ioeum editum tubdueendam , «ff «• 
ita in area F'uUani mblimiwri ioeo ttatuendam. Vgl. Platareh. 
Popl. 16. Plln. XXXIV, 5, 11. Aurel. Vict. Vir. ill. II. 

74) Fest. p. 290. Statua, in Folcanali, quod est mprm e^mi* 
Ham, Vgl. Anm. 47S. 

75) Dionys. II, 50. nal ras owodovs ^yravd'a tjroMvire, «r 
^Htpaiatov fQtjiiattiovxig Uq^ fu*Qov inartavtficön r^s ayogmg. Ander- 
wirts wird angegeben , dass die beiden Könige anfSnglieb getrennt, 

i'eder mit seinem Senate beratben babe. Plntareb. Rom. 20. *B(fo9» 
svovTo dt Ol fiaadeU ovn %v&is iv xoivf /i^ oiUifAof, ^JU' isiarspM 
yr^0re{fov iditf fieta xwr inarhvy sha ovrcv« si« Tttvrot' iknaurca« avr^otf» 
and mit denselben Worten Zonar. VII, 4. Das kann Tielleiebt rieb» 
tiger sebeinen, and vielleicbt eitiSren sieb daravs die beiden Senaevla 
am Fomm. 

76) Dionys. II, 54. a?ro reiv loifo^mv {Tm¥ Kaftaoi^mv) xi^^m^ 
90V %aixBov avi^Kh rif 'Hfpaiartjf «. r. i. Platarcb. Rom. 24. *£p 
di Totg alXotg Xuij^oo^e moI ^jrcMfovv htofitat ri&^tmmfr in JüOfis^ims» 
TovTO Si itvioniaiv iv x^ it(fif ro» 'Htpaitnov gtotajaiftivot smvrov iM 
Nbaj9 er€^«rov/«f t'Ofr. 

77) Plia. XVI, 44, 86. altera hto» in FuleanaUy quod Romm^ 
iu9 eonstiiuit ex nietoria de deeumie, aequaeva Vrki itUeiUg^iur, ui 
auetor tat MasuHut, 



288 

der Graecostasis und dem Senaculnm verhalten habe, so kann 
es allerdings etwas befremdlich scheinen , dass mehrmals be- 
richtet wird, es hätten von da die Volksredner znr versam* 
melten Menge gesprochen ^^^). Ein solcher Ort kann natür- 
lich nur in der Nähe der Curie, nicht gegen das Ende des 
Forum hin gedacht werden, wo der Redner die Versammlung 
nicht vor sich gehabt hätte. Dort aber finden wir schon die 
Graecostasis und das Senaculum, so dass kein schicklicher 
Raum übrig zu bleiben scheint. Allein das Bedenken ver- 
schwindet, wenn man die Zeit bedenkt, auf welche sich diese 
Nachrichten beziehen, jedenfalls eine Zeit, wo es auf dem 
Forum noch keine Rednerbühne gab 7^) , und die Magistrate 
von dem über, dem Comitium hochgelegenen Vulcanal zu dem 
Volke sprachen. Eben so wenig aber gab es damals eine 
Graecostasis, deren Bedürfniss sich dann erst geltend machte, 
als die römischen Eroberungen die Grenzen Laliums und end- 
lich Italiens überschreitend häufigere Berührungen mit frem- 
den Nationen herbeiführten. Für diesen Zweck wurde nun 



478) D i o D y s. VI, 67. ira^el&opTsg (o» vTraroi) i'Jtl to tsQov rou 
'Hfpaiarov , ^v&a tjv ^oQ avTott täs inxX^aias iniTt^iv» VII, 17. 9ud 
n^lv ijfiiqav Xafnr^av veviad'ai maxaXaßofjLivoi {pl dtifia^%oi) ro 'H<pa&^ 
areiov, iv^a ^v td'OQ avtoi^ inathjauttnv, htaXow fiiv sU itotXnaiav tov 
dijfiov. ithjifm&elariQ Si Tt/S ayo^äs — nageld'vtv *IkÜ.io9 6 oi^fiaQxo^ 
«. r. X, Vou dort spricht Doch der Decemvir Appias Claudius. XI, 39. 
ovaßaQ inl rou ^Htpalarov rb itgov iftaXa rbv Bijfiov «<V innia^ülav. , wo 
Liv. III, 49. nur la^t: In coneionem Jppius adseendit V^I. Dio- 
nys. X, 9. 

79) Es scheint kein Grund anzunehmen, dass diese Rednerbühne 
schon vor dem Siegle über die Antiaten (417) bestanden habe, and je- 
denfalls hat es Li vi US so gemeint. VIII, 14. Naves AntiaHum par- 
iim in navaiia Romae subductae, partim incensae , rostrisque earum 
tuggestum in foro exsiructum. adomari placuit : Rostraque id temr- 
plum appellatum, Aehnlich PI in. XXXIV, 5, 11. eodemque in eon- 
tulatu in suggesiu Rostra devictis Jntiatibus fixerat a. U. CCCCXFJ. 
Wenn gleichwohl Liv. IV, 17. sagt: Legatorum, qui Fidenis caesi 
erant, ttatuae publice in Rosfris positae sunt. , so Lann diess nur 
von dem nachherigen Staudorte gelten. Sie wurden in comitio ge- 
setzt, cV rc{» (pavegtaraTij^ r^« ayogägt dort wurden auch die Rostra er- 
baut. So sind auch Cic. Phil. IX, 2. und PI in. XXXIV, 6. au be- 
urtheilen. Uebrigens befand sich der Schmuck der SchUfssehDäbel 
tief unten an der Bühne und .darum sagt PI in ins von der Corona 
rostrata XVI, 4, 3. Antea rostra navium tribunali pratfixa fori de^ 
cus erant, veluti p, R. ipsi corona imposita, Posfquam vero tribu- 
nitiis seditionibus caicari ae pollui coepere — tum a pedibus eo-> 
ft/m subiere in eapita civium rostra. 



289 

ein Theil der Area Vulcani zunächst an der Curie abgegrenzt ; 
vielleicht derselbe, von dem früher die Magistrate die Volks*- 
versanimlnngen geleitet hatten. Das wird fast zur Gewissheit 
erhoben dadurch, dass die von Cn. Flavius errichtete A e d i - 
cula Concordiae bald auf der Graecostasis, bald auf dem 
Vulcanal genannt wird-^^^). Ein anderer Theil behielt seine 
Bestimmung als Senaculum und durch weiterhin entstehende 
Gebäude mochte endlich das eigentliche Vulcanal auf einen 
sehr kleinen Raum beschränkt werden, was um so weniger 
befremden darf, als unterdessen der Gott sein Heiligthum , w^ie 
es Regel w^ar, ausserhalb der Stadt erhalten hatte. 

Auf der entgegenstehenden (südlichen) Seite nahmen den 
grosseren Theil die den Complex des Vestaheiligthums bilden- 
den Gebäude ein, von denen bereits oben (S. 222 ff.) gespro^- 
eben worden ist. Es ist dort erinnert worden, dass die Ae*- 
desVestae, ein Rundgebäude ^') und kein templimi im rö- 
mischen Sinne ®^) , nicht bis an das Forum reichte , sondern 
etwas zurück nach dem Palatin, ungefähr bei Sta. Maria Li- 
beratrice, stand. Vor dem Tempel aber lag wahrscheinlich das 
Atrium regium, ein Theil der Regia Numae^^), fnr 
öffentliche Zwecke bestimmt*-^), womit jedenfalls das mehr- 



480) Liv. IX, 46. aedem Concordiae in area Fulcani gumma 
invidia nohilium dedicavit. PI id. XXXI II, 1,6. Flavius vovit aedem 
Concordiae , st popuio reconciltasset ordines. — aedieutam aeream 
Jecit in Graecostasi^ quae tunc supra cotnitium erat. 

81) Fest. p. 262. Rotundam aedem Vestae Numa Pompilius, 
rex Romanorum, consecrasse videtur, quod etc. Platareb. Nam. 
11. Nofias 9i Uysrai xal t6 Tyc^Boriag U^oy iyxvidiop ne^tßaJUo&at xt} 
aaßlartif nv^l (fQovQov, Vgl. Ovid. Fast. Vi, 265. 

82) Gell. XIV, 7. Jnter quae id quoque scriptum reliquit 
(Varro), non omnes aedes sacras templa esse ac ne aedem quidem ß^e- 
stae templum esse. Vgfl. Serv. z. Aen. VII, 153. IX, 4. Aom. 346. 

83) Daraus erklärt sich , wie beim Brande am Fomm das Atriam 
abbrennen und der Tempel dennoch gerettet werden konnte. Liv. 
XXVJI, 27. XXVri, 11. Beide Male heisst es: atrittm Regium, bei 
Ovid. Fast. VI, 263. Atria Vestae. Vgl. Anm. 353. Es ist der we- 
sentlichste Theil der Regia Numae , die durchaus nicht davon zu un- 
terscheiden ist. Ovid. Fast. VI, 264. Trist. III, 1, 27. Tacit. 
Ann. XV, 41. Solin. 1,21. PIu la rch. Num. 14. üeber die Schick- 
sale des Tempels und der Regia vgl. S.^. Nibby, For. Rom. p. 77. 
Ambro seh, Stud. u. Andeut. S. 16. 

84) S. Ambrosch. S. 11 fif. Vgl. auch Dio Gass. XLV, 17. 
Was aber Servins von Senatsversammlungcn schreibt, kann nur Misa- 
Terständniss sein. 

19 



290 

erwähnte Saerarium'^®^) in Verbindang stand. Die Re|p« 
selbst reichte als Wohnung des Pontifex Maximus bis an das 
Ende des Forum beim Fornix Fabius. An sie stiess, jeden- 
falls zunächst am Tempel die Wohnung der Vestalen, bis ihnen 
die Regia überlassen wurde. Weiterhin nach dem Forum (im 
engeren Sinne) scheint in dieser ganzen Periode ein öffent- 
liches Gebäude nicht gestanden zu haben. — Ueber der Ost- 
seite des Comitium oder der es begrenzenden Sacra via erhob 
sich die Yelia und von hier gelegenen Gebäuden ist nichts be- 
kannt ; doch haben im 17. Jhdt. Nachgrabungen in der Linie 
von SS. Cosma e Damiano dargethan, dass diese ganze Ge- 
gend mit antiken Gebäuden angefüllt war und dass also der 
freie Platz des Forum über den Faustinatempel nicht hinaus- 
reichte «*). — Auf diesem freien Platze nun, und wahrschein- 
lich gegen die östliche Grenze des Forum hin , war das alte 
und in früherer Zeit einzige Tribunal (S. 280.), eine durch 
Aufmauerung über den Boden des Comitium erhöhete Terras- 
se®^: ihm gegenüber, auf der Grenze des Comitium und 
Forum die Rostra (S. 279.), ein jedenfalls geräumiges, 
mit den antiatischen Schiffsschnäbeln verziertes und wohl mit 
einem Geländer umgebenes Suggestum ®®). Zunächst an den 



485) Nicht nur des Mars (S. ^29.), sondern auch der Ops Coosivia. 
Varro L. L. VI, 3. p. 202. Dea Opeconstvüy quoius in Jte^ta sacra- 
rium. Fest. p. 186. Opima spolia. Wenn auch anderen Gottheiten 
hier geopfert wurde (Ambro seh. S. 12 f.), so lässt sich deshalb 
doch, nicht auf besondere Sacrarien derselben schüessen. 

86) Mcmorie di Pietro Santi Bartoli. 50. (Fea, ATtf- 
eeli. I. p. 234>) Incontro SS. Cosma e Damiano , ncl mezzo appunto 
di campo Vaccine fa cavato in tempo del pöotificato di Alessandro VIT. 
da Leonardo Agostini ; e vi si trovarooo edifizj sotterranei in qaantita 
tale, che non pareva, che m&i vi fosse stata piazza alcuna : ben e vero, 
che non parevano dclli tempi U pin antichi. 

87) Daher adscendere in trihunal, Cic. in Vatin. 14. Lir. 
XXVIII, 26. Mart. XI, 98, 17. Daraus erklären sich die gradus Au- 
reiii in Verbindang mit dem trihunal Aurelium, das jedoch von dem 
alten Tribunal ganz verschieden ist. Cic. p. Clnent. 34. p. Flacc. 
%%, p. Sext. 15. in Pis. 5. ad Qiiir. p. red. 5. p. dom. 21. Wer 
mit Bansen diese gradus von den Stufen des nach seiner Meioang er- 
höheten Comitium erklären ivill, nimmt diesen Stellen allen Sinn. In 
gleicher Weise warde im Lager das Tribnnal von Hasen aafgebaut. 
Dio Cass. LXII, 2. Plin. Paneg. 56. 

88) Nardini, Roma ant t. II. p. 141 ed. Nibby. hat geglaalt^ 
aaf einer Münze (s. ansere Taf.) mit dem Namen PALIRANVS die 



. — »1 — 

Roftlris standen zahlreiche Ehrendenkmäler und andere Stn^ 
Inen, wie die der drei Sibyllen (PI in. XXXIV, 5, II.), von 
denen in der dritten Periode die Rede sein wird ; die Statuen 
getödteter Gesandten (Cic. Phil. IX, 2. Plin.XXXlV, 6.), 
Sulla undPompeius (Dio Cass. XLII, 18. Suet. Ca es. 75. 
Appian. B. C. I, ti7.), und gewiss noch mehrere. Ausser- 
dem aber werden noch einige sehr alte Denkmäler genannt, 
deren Bestiinmung grosse Schwierigkeit hat. Es sind deren 
namentlich drei, welche im genauesten Zusammenhange ste- 
hen: dieStatue des Attus Navius, der heilige Fei- 
genbaum {ßeus RutninaUs oder Navia) und das Puteal, 
unter welchem der Schleifstein vergraben sein solltcl Alle 
beziehen sich also auf die bekannte Erzählung, dass Tarqui- 
nins Priscus, als er jene Veränderung mit den Rittcreenturien 
vornehmen wollte , an dem Augnr Attas Navius Widerstand 
fand; dass dieser vor des Königs Augen einen Schleifstein mit 
dem Scheermesser zerschnitt und so demselben Achtung vor 
der Prieslerweisheit einOösste. Der Schleifstein und das Mes- 
ser wurden auf dem Comitium vergraben und dem Attus Na- 
vius wurde eine Statue gesetzt. Eine Erweiterung der Sage 
brachte wahrscheinlich auch noch den Feigenbaum damit in 
Verbindung. — Von jener .Statue nun sagt Li v. I, 36. Sta" 
tua Atti capüe velato, quo in loco res acta esty in comitio^ 
in gradibus ipsis ad laevam curiae fuit. coteni 
quoque eodem toco siiam fuisse memorant, ut esset ad poste- 
ros miraculi eius monumentum. Diese W^orte enthalten oOen- 
bar die Erklärung, dass die Statue nicht mehr vorhanden war 
und damit stimmt überein Plin. XXXIV, 5, 11. Namquer 
et Atti Nävi statuafuit ante curiam^ cuius basis conßagra^ 



Roslra dargestellt za sehen, ond Baasen (fll B. S. 67.) hat dieß» für 
eine Gewissheit angaoomnieo. Allein der auf dieser Münze befindliche 
Gegenstand kann eher alles Andere yorstellen als Rostra und iasst zu- 
nächst an eine Brücke denken. S. d. Abscbn. von d^n Bräeken. 
Eben so wenig steht eine zweite Münze, das Sacrum Cloacinae dar- 
stellend^ irgend mit der Rednerbiibne in Beztebnng. Bansen erkennt 
liier in einem undentlicben Gegenstande ein Aplostre; aber was hat 
ein Apluttre mit den Rostris zu schaffen? CJebrigens nehme ich anf 
dessen Anordnung der Denkmäler anf dem Gomitiam hier keine Rück« 
sieht weiter; denn gegen solche Willkühr und Unkritik giebt es nnr 
ein Remedinm, von «lern Martini. IV, fO, 7. spricht. 

19 • 



292 

tii euria ineensa P> Clodii ßmere. Cicero gedenkt ihrer 
gar nicht; er sagt nur de divin. I, 17. Cotem autem Ulam 
et novaculam defossam in comitio supraque impontum puteal 
nccepimus. Gleichwohl beschreibt eben diese Statue als Au* 
genzeuge Dionys. III, 71. dnova Kavaanevdaag awov 
yjuX%i]Vy dv6aTf]a6V ini Tijg äyogag, ^ nal etg ifkh ijy 
srt ngo rov ßovXeviijQiov ueifiivfiy nXrjolo^ 
^fjQ IsQcig ovxijg, iXdvvwp wigog /nergiov, vi^v negi- 
fioXfjv exofioa %aTd tijg n^qiuXrjg. oXiyov ih dno&iv avt^s 
ij re dnQVi} %£KQvq)&ai Xiyerai 9ta) 6 ivQog uaTa y^g vno 
ßißfiü Tivi*, xaAeiTa« dh ^giag 6 ^onog fSno %iv 
!Pc0juaicoy. Klingt dieser Widerspruch Livius und Plinius 
gegenüber an sich seltsam, so erscheint er noch weit befremd- 
licher, wenn man bedenkt, dass in der Zeit, von welcher 
Dionysius nur sprechen kann, die Curia Hostilia gar nicht 
mehr vorhanden und die neue Curie an einem anderen Orte 
erbaut worden war. Denn er kam, wie er selbst I, 7. sagt, 
im Jahre 723 nach Rom und blieb dort bis 745. Schon 710 
aber war auf der Stelle der Curia Hostilia der Tempel der 
Felicitas erbaut worden. Stand nun demungeachtet die Statue 
vor der Curie, so miisste man annehmen, dass erstlich bei 
dem Brande die Basis zwar zerstört worden sei, das Erzbild 
aber sich erhalten habe, und zweitens, dass sie später vor der 
neuen Curie aufgestellt worden sei. — Nicht weit davon nun 
war, wie Dionysius sagt, der heilige Feigenbaum, und in der 
That wird derselbe von drei anderen gewichtigen Schriftstel- 
lern als auf dem Comitium befindlich genannt. Die bedeutend- 
ste, leider schwer verderbte, Stelle ist bei Plinius XV, 18, 
20. Cotitur ßcu$ arbor in foro ipso ac Comitio Romae nata, 
sacro fulffuribus ibi condüisj magisque ob memoriam eius, 
quae nutrix fuit Romuli ac Remi conditoris appellata, quo' 
niam sab ea inventa est lupa infantibus praebens rumen {ita 
vocabant fnammam), miraculo ex aere iuxta dicato^ tanquam 
in Comitium sponte transissetj yitto Navio augvre. Iliio 
arescitf rursusque cura sacerdotum seritur^^^). Nun war 



W) Wie sehr auch dieeer der SilUgscIieii Aasgabe entnommene 



293 

allerdiogs der Feigenbaam, unter welchem die Knaben gefun- 
den sein sollten , ficui Rumtnalü , keinesweges auf dem Co- 
mitiura gewesen, sondern bei dem Lnpercal am Palatin (S. 
Teodoro), und dort befand sich auch die Erzgmppe, welche 
die Wölfin mit den Knaben darstellt '*^^); allein von ihm spricht 
auch Plinius nicht; er war schon vor seiner Zeit nicht mehr 
vorhanden, wie man deutlich aus Dionysins ersieht: ein Fei- 
genbaum auf dem Comitium war an seine Stelle getreten und 
von ihm ging die Sage, dass er durch ein Wunder eben jenes 
Attus Navius vom Lupercal hieher versetzt worden sei, und 
darum hiess er 9Lnchßeu$ Navia. Das erhält glücklicherweise 



Text fehlerhaft ist, springt ia die Augen. Maller 2. Fest. p. 168. 
lieset grössteotheiis oach Buuseos Vorschlägen : CoUtur ßcus arbor in 
foro ipso ac comitio, ante Rom am nata, sacra futguribiis ibi 
eondiiis , RuminaÜsque ob memoriam eius , quae nufrix fuit 
Romuli ae Remi, eonditorum Urbis, appellafa, quoniam iub ea 
irtventa est Ivpa injantibut praebens ruinen {iia vocabant mawinam): 
JVavia au lern miraeuio ex aere iuxta dicato ^ tanquam in comi' 
tium sponte transisset Atli Nävi augurio. quae cum aretcit, 
rursUs eura sacerdotnm seritur. Das ist indessen eine sehr ge- 
waltsame Kritik. Nach den HUlfsmitteln, welche der Thuan. u. Vet. 
Dalech. an die Hand geben, seheint im Wesentlichen so verändert 
werden za müssen : Colitur ßeut arbor in Jbro ipso ac comilio Ro' 
mae nata, sacra {X) fulguribus ibi eonditis^ magisque ob memoriam 
eius, quae nutrix fuit Romuli conditoris ac Ruminalis ap^ 
pellaia, quoniam sub ea inventa est lupa infantibus praebens runien 
{ita vocabant mammam): miraeuio ex aere iuxta dicato , tanquam 
in comitium sponte transisset, Atto Navio augure, 

490) Auch dafür ist Dionysins die gültigste Autorität. I, 79. 
xb piv ovv aXao9 (IlavoS) oitUrt Siapivtt, tu dt avxQOVf i^ ov n hpinQ 
ixoidorai r<p Halatitu n^oftffxodoptipjlvov dtlm*vTai xaza rifv titl xov 
mnöB^opov tpi(fovaav oSov. xal Tipiv6g iaxtv avvov hXt/oiov, i'vd'a ttnwv 
usirai tov nad'ovs, kvxaipa naiSioiS Bval rols paarovs tnixovaa noi^» 
fiara iraXaiäs i^aoiae. Das ist das Erzbild, welches die Aedilen Cn. 
u. Q. Ogulnii von den Strargeidern weiheten ; hier am Lupercal , und 
keinesweges auf dem Comitium, wofür jede Andeutung fehlt. Liv. X, 
U^. adßeum Ruminalem simulacra infantium eonditorum Urbis sub 
uberibus lupae posuerunt. Vgl. 1,4. Varro L. L. V, Ä. 0. 60. 
Paul. Diac. p. *^7I. RuminalU. Plvtarch. Rom. 4. Ovid. Fast. 
II, 410. Serv. z. Aen. VIII, 90. Wenn Letzterer sagt, das Lupercal 
sei in Circo , so erklärt sich das aus Dionysins. — Bekanntlich be- 
wahrt auf dem Capitole der Palozzo de* Conservatori eines der in- 
teressantesten Denkmäler, eine bronzene Wölfin in schönem altera 
Style, ganz wie sie mit den Knaben auf bekannten Münzen vorkömmt- 
Es seheint nichts der Annahme entgegenzustehen, dass es jene W^ölfla 
vom Jahre 458 d. St. sei. Die Knaben fehlen. S. Micali, JUonuin, 
U 4%, \. Müll. tt. OesterL Denkm. a. K. L X^ 58» 



294 

seine Bestäüguug durch Festas^^^), der nur leider aueb 
wieder traurig verstümmeU ist; aber so viel ersieht maD 
daraus mit Gewissbeit , dass er von jener wunderbaren Ver- 
setzung spricht. — So darf es denn auch nicht befremden, 
wenn Tacitus^^) den Feigenbaum auf dem Coniitium für die 
wahre ficus Rurainalis nahm> die laugst verschwunden war. — 
Fragt man nun aber, wo sich dieDenJcmäler befunden haben, so 
lässt sich darauf keine bestimmte Antwort geben. Li vi us sagt, 
die Statue habe (ehemals) in gradibus ipsü ad laevam curiae ge« 
standen. Das kann nnr von der Hostilia und ihren Stufen ver-- 
standen werden. Aber Dionysius kann diese Curie nicht 
meinen und da nur durch den von ihm angegebenen Standort 
der Statue die Stelle des Baums bestimmt wird, so hängt diese 
von der Frage ab, wo die spätere Curie war (s. u.). Nur 
eines der drei Denkmäler scheint gewiss zu sein, das Puteal > 
welches angeblich über dem Schleifsteine stand ; denn obgleich 
Cicero es nicht näher bezeichnet, so lassen doch Dionysius 
Worte, xccAfiTai 8h ^qsuq 6 rono^ vtio tmv 'Pwfjiaiwv, 
kaum einen Zweifel, dass damit das allbekannte Scribonia> 
num gemeint sei, dessen Lage beim Ti^ibunal schon oben 
(S. 280,) nachgewiesen worden ist»*). — Noch war auf dem 
Comitium eine Stelle mit einem schwarzen Steine bezeich- 
net *•*) , so viel sich aus der verstümmelten Nachricht abneh-^ 
men lässt, eine Grabstätte; ursprünglich für Romulus be- 
stimmt, aber der Sage nach sollte Faustulus da liegen. Nach 
einer anderen Nachricht bezeichnete des Faustulus Grab eip 
marmorner Löwe»^); aber auch nach Varro soll des Romulus 



491) Fest. p. 169. „Navia'^ . ßeus quoque in comitio appellatur 
Navia ah Atto Navio au^ure. ^un folf^t die Geschichte vod TarquH 
nias ; üana aber kaon man aas den kümmerlichea Restea dea Zosam^ 
sieohang^ nor erratben. 

93) Ann. XIII, 58. Eodem anno Ruminalem arborem in eomi- 
tio, quae super octingento* et quadraginta ante annos Remi Romuli- 
que infuntiam texerat, mortuif ramalibus et areseente trunoo demir 
nutam prodigii looo habitum est, donec in novos fetuM reoireseeret, 

93) Anderer Meinung ist Salmas. Exercitt, IHin. p. 1139. 

94) Fest. p. 177. Niger lapis in Comitio locumfanestum signi- 
ficat, fit alii j Romuli morti destinatum. Med non usu obv[yeiui, at 
ibi scpellretur, sed FaQ>/u/«m »tt^'[ciam eins etc.]. 

93) Dtonya. I, 87. uvig di xcU top liovta xoy ki^woTf o( Isrnro 



295 

Grab lei den Rosiris und darüber zwei Löwen gewesen 
aein^^^). Ausserdem mochte manche Statue als Ehrendenkmal 
hier stehen, wie z. B. die des Hermodorus, des Interpreten 
bei der Decemviralgesetzgebnng. PI in. XXXI V^, 5, 11. 

Der untere Theil des Forum, oder das Forum im engeren 
Sinne, war, wie schon gesagt, seit Tarquinius auf beiden 
Längenseiten mit Hallen (porlieus) und Tabernen umgeben. 
Sie gehörten wenigstens zum grösseren Theile Privatleuten, 
denen die Plätze überlassen worden waren '^), bis nach und 
nach öffentliche Gebäude sie verdrängten. In den Tabernen 
mochte Handel aller Art Statt finden, wie die lanienae in der 
Geschichte der Virginia beweisen. Bei derselben Gelegenheit 
werden sogar Schulen, ludi Uterarum^ hier angegeben"^). 
Als aber auch dieser Theil des Forum grössere politische Be- 
deutung erhalten hatte, wurde wohl aller eigentliche Marktver- 
kauf entfernt und es blieben hauptsächlich die Tabernen den 
Geldwechslern, wovon sie nun selbst argentariae tahernae 
genannt werden ^^). Von diesen Tabernen nun haben beide 
Längenseiten des Forum ihre Benennungen erhalten, indem 
man alte und neue Tabernen unterschied und so die eine Seite 
sub Feteribusj die andere sub Novis nannte. Die wichtigste 
Stelle für diese Namen ist bei Cic. Acad. IV, 22. , wo sich 



ini t^ awfiart rov ^avarvXoo xidijvai cpaaiv. 

496) Sc hol. Graq. z. Hör. Epod. 16,12. Nam et Farro pro 
rostris tepulerum Romuli dixit, uhi etiam in huitu rei memoriain 
duos leones erectos fuisse constat, 

97) Liv. I, 35. 8. Anm. 463. Noch XXVI, 10. Mgt denelb« 
von dem grossen Brande: Cotnprehenta po$tea priuata aedißcia; n«- 
que enim tum basiticae erant. 

98) Liv. IH, 44. Firgini venienti in forum (ibi namque in ta* 
bemis iiterarum ludi erant) minister deeemviri libidinis manum in» 
ieeii, Dionys. Xf, 28. rjv 9t ra dt9wntaXiia rwv ncUSwv %6t6 ^e^i 
rt/v ayoQÖLv, 

99) Varro b. Noo. p. 532 M. p. 364 Gert, hoe interoallo pri- 
mum Jorensie dignitas crevity atque ex tabemis lanienit argentariae 
Jaetae, Leider fehlt die Angabe der Zeit. Die älteste Erwähnung 
geschieht wohl Liv. IX, 40. beim Triumphe des Papirius Cursor: ut 
aurata scuta dominit argentariarum ad forum ornandum divideren^ 
tur. XX VI, 11. tabemas argentariat , guae eirca forum Romanum 
iuno essent. vgl. 27. Varro L. L. Vi, 9. p. 269. ut eomitia indicap 
dt roMtrie et argtntarii tabemas oeoludant. 



296 

die alte und neue Akademie, wie die allen und neuen Taber* 
nen entgegengesetzt werden : ut ü, qui sub Novu Molem non 
ferunt^ item ille^ cum aestuaret, veterum^ ut maeniano^ 
rum ^^) SIC Academicorum umbram secutus est. Diese eine 
Stelle beweiset evident, dass sub Novis die nördliche, nach Mittag 
(Südwest) schauende Seite des Forum genannt wurde, denn sie 
ist ja die Sonnenseite ; die südliche aber sub yeteribusy denn 
dort war die Schattenseite. Wie aber hier durch den Gegen- 
satz beiden Seiten zugleich ihr Name angewiesen wird, so 
sind eben so entscheidend für jede einzeln die Nachrichten, 
welche von dem Baue der gleich zu besprechenden Basiliken 
reden, von denen die eine post argentarias novas, die an- 
dere pone veteres aufgeführt wurde. Da nun über deren 
Lage gar kein Zweifel ist, so haben wir auch die entschieden- 
ste Gewissheit darüber, dass die Novae auf der Linie des Ar- 
cus Severi und Faustinatempels, die f^eteres auf der Seite der 
drei Säulen lagen ^). — Eine besondere Gruppe dieser Ta- 



500) Du das Forom bis zu dea Zeiten der Kaiser zug^leich Platz 
rUr öffeDÜicho Spiele war, so bedurfte es einer Einrichtung;, weiche 
den Zuschauern hinreichenden Platz gewahrte. Vitruvs Vorschril^ 
V, I. circum tpoctaeuia spatiosiora intereolumnia distrihvantur^ ciT" 
cßque in portioibtis argentariae tabernae moenianaque supertoribu4 
coaxationibui eollocentur. entspricht jedenfalls ganz der Anlage des 
römischen Forum. Auch hier sind porticus et tabernae und über den- 
selben die maeniana, d. h. Balcons oder Loggien, denen dadurch eine 
grössere Tiefe gegeben wurde, dass man die Träger derselben über 
die Linie der Gebäude oder Säulen hinausreichen liess. Paul. Diac. 
p. 135. Maeniana aed\ficia a Maenio sunt appellata. Is enim pri-* 
muM ultra columna» extendit tigna, quo ampliarentur superiora. 
laidor. Orig. XV, 3, II. Maenius coitega Crasti (s. Mull. z. Paul.) 
in foro proieeit materias, ut essen t loca in'quibus speetantes insi^ 
sterent, quae ex nomine eius maeniana appellata etc. Pseud. - 
As COD. z. Cic. Divin. in Caec. 16, exceperat ius sibi unius oo^ 
lumnaey super quam tectum proiiceret provolantibus tabulatis, undo 
ipse et posteri eius spectare munus gladiatarium possent, quod etiam 
tum in foro dabatur. Vgl. Varro b. Non. p. 83 M. p. 5V Gerl. 
Non. p. 65. (46.) Salm. z. Spart. Peso. li. Schneid, z. Vi« 
truv. l. I. Müller z. Fest. 1. 1. lieber den Ursprung des Nameas 
vgl. unten Basilioa Porcia und Columna Maenia. — ' Die Mae^ 
niana sub yeteribus waren nach Varro b. Plin, XXXV, 10. n. 113. 
von Serapion gemalt« 

1) Es fehlt aueh ausserdem nicht an Erwähnnngeo dieser Ta^ 
bernen. Varro L. L. VI, 7. p. 237. Sub Novis dieta pars in foro 
aed^eiortfm, quod vocabulum ei pervetustum. Plin. XXXV, 4, 8. 
Hinc enim ille Crassi oratoris lepos agentis sub yeteribus, cum 
testis cotnpellatus instaret: Die ergo^ Crosse, qualom me rerisf Jtf-» 



«97 

bernen hiess Septem tabemacj später Quinque tab, *^^) , je- 
deofalls im eigentlichen Sinne zu nehmen. Sie scheinen nicht 
Privatbesitz 9 sondern Staatseigeuthum gewesen zu sein, da 
sie von den Censoren publice wiederhergestellt werden '). 

Die Seite der Novae ist bis zur Zeit der Basiliken durch 
keine bemerkenswerthe Stelle ausgezeichnet; dagegen ist die 
der Veteres desto reicher daran. Zuerst lief hier dicht unter 
dem Capilole der Vicus lugarius in das Forum ein, an 
dessen Anfange der LacusServilius war. Darüber wird 
indessen besser in Verbindung mit der Basilica lulia gespro- 
chen. Eben so mundete weiterhin der Vicus Tnscus in 
das Forum, dessen genauere Lage im Abschnitte, welcher 
von der Tiefe zwischen PalaÜn, Aventin und Capitol handelt, 
angegeben wird. — Ob an dieser Seite sich auch die Pila 
Horatia, wo die Spolien der Curiatier aufgehangen worden 



lern, inquitf ostendens in tabula pietum inßcetUtime Galium., womit 
zn verpleicbeo Cic.de o r. II, 60. demonslravi digito pietum Galiutn 
in Mariano Mcuto Cimbrieo *ub Novit. Das Bild war also dem 
sub Feteribus Steheoden gegenüber. Vgl. Qniut. I. 0. VI, 3, 58. 
For die Novae s. ooch Liv. III, 48. XXVI, *i7. XL, 5t. fdr die F^ 
ieres P I i a. XXXV, 10, 36. L i v. XLIV, 16. S o e t. Au g. 100. Plant. 
€arc. IV, t, 19. Sub Feteribut^ ibi ntnt, qui dant, quique accipiunt 
/oenore,, woraus erhellt, dass es eben aach argentariae waren, wie 
die Novae ansdriicklich genannt werden. 

502) Eine sicbere Gewähr für die letztere Benennung giebt es in- 
dessen nicht. Livios sagt von dem grossen Brande am Forom XXVF, 
VI, pluribus eimul ioeis eirea forum incendium ortum. eodem temn 
pore tepiem iabemae , quae pottea quinque , et argentariae , quae 
nunc novae appellantur , arsere. Allein die Richtigkeit der Lesart 
ist schon von Maret in Zweifel gezogen worden. „Nnmeri notam (V) 
potant esse, quae uon erat. Habet enim antiquus liber quae postea 
vet. et argentariae." Nun ist es allerdings bemerkenswerth, 
dass sie als Septem iabemae, nicht als Quinque^ wieder aufgebaut 
wurden (Anm. 503.) ; dass sie aber auf der Seite der Novae gelegen 
haben, sollten , ist durch nichts erwiesen , ja nicht einmal wahrschein- 
lich. Denn Livius sagt ja ausdrückUch, dass an verschiedenen Orten 
sugleich Feuer ausgebrochen sei, dass gleichzeitig die Septem tabeiv 
oae und die Novae in Flammen gestanden hätten ; das scheint aber 
den Gedanken auszuscbliessen , als wären die Septem unmittelbar bei 
den Novis, auf derselben Seite gewesen. In jedem Falle bleibt die 
Sache zweifelhaft, und so viel ist gewiss, dass bei luven. I, 105. 
quinque iabemae Quadringenta parant, nichts nSthigt, gerade an 
diese Tabernen zu denken. 

3) Liv. XXVII, II. Locaverunt inde r^eienda, quae eirea 
forum ineendio eonsumta erant, septetn tabernas, maeeilum, 
atrium regium. 



298 

waren ^<'^), befand, ist ungewiss. Es wird nar gesagt, dass 
sie am Anfange der einen Halle stand. — Nach der Schlacht 
am Lacus Regulas wurde hier eines der berühmtesten Heilig- 
thümer , der Tempel des Gastor und Pollux , gewöhnlich nur 
Aedes Castoris genannt^), geweihet. Die Sage, dass 
namittelbar nach der Schlacht die Dioskuren am Lacus lu- 
turnae erschienen seien, und dass man au dieser Stelle den 
Tempel erbaut habe^), giebt uns ziemlich genau die Stelle 
des Tempels an. Denn der Quell der luturna war nahe bei 
dem Vestaheiligthume und folglich konnte auch der Tempel 
nicht entfernt sein. Daher haben sich manche bestimmt ge*- 
sehen, die Ruine der drei Säulen für den Castortempel zu er- 
kennen ; dass diess aber unrichtig ist, und vielmehr dieses Ge- 
bäude zwischen dem YeslaheiLgthume und dem Castortempel 
gelegen haben muss, wird sich weiterhin zeigen. Die Weihe 
erfolgte im Jahre 269. Id. Quinct. '). Der Tempel, der 



604) Dionys. llf, 22. tziQov 9i riJQ agsr^e, fjv tneSaiiaTO *ata 
xijv fiaftiv, fiUQTVifiov 17 ywvtaia orv^s , t/ t^€ iri^at naaraSog 
aorovoa iv »Yoga, i<p vg ixetro rä oxCXa rwr *j4Xßavwv rgtSv^ 
ftwv. za fitv ovv oTiAa ijtpmiatai oia ftt^xog x^ovov^ rr^v o tnijUfjaiv t/ 
OTvltg «pvlarrei ri^v ctvz'ifv *0^aria xaXovfiivrj iriXa, Liv. f, 26. 
spolia Curiatiorum ßxa eo ioco, gut nunc pila H oratio appeUor 
tur. Es scheint fast, als sei der Name aar aus Missverstandniss aaf 
den Pfeiler überf^etragen. Mao hat allerdio|;s die Ilallea am Porom 
nicht sovohl auf Säulen, als auf Pfeilern ruhend zu denken, und noch 
Ca tu 11, 37, 1. nennt sie: a pilealis nona fratribut pila» Allein in 
Tullus Hoktilios Zeit (^ab es noch §;ar keine solchen Hallen und Livins 
scheint auch gar nicht pila als Pfeiler zu verstehen ; denn er sagt 
veiterbin : inier iila pila et spolia hoMlimn. und damit vereinigt sich 
Prop. Hl, 3, 7. Et cecinit Curios fratres et Horatia pila. 

5) Daher der Witz des Bibulus, dem Collegen Caesars in der 
Aedilität. Dio Cass. XXWII, 8. 6 ovv BißovXog avxog intaxoJTTTwr 
l'ityev , or* to avrd r^ IlokvStvnei ninoi4^iag eit/, rov yäg to» vaoi 
tnowoH ot TiDoe tov adßltpoy roy Kaazo(*a ovzot , in ixtiyov ftorov ^ 
e^Oiyv/Aia avrov yiyverat, Sa et. Ca es. 10. 

6) S. Anm. 344. Den dort angeTuhrten Stellen sind noch hin- 
zuzufügen : Plutarch. Coriol. 3. *£y ixtlvfi de rfj fiaxfj ««^ tov« 
^looxovgovs tTtitfavijvaA JUyova*, xal fihra rrjv paxfjv tv&i/S 6q>^i}ra* 
geofUvote i8(fWTi toIq 'innoig iv äyogä rrjv vun}v anayyiXkovrae, ov rov 
Traget T^y xgyv^v vews ionv avrotg idgv/M^os, Flor. 11, 12. Minoc. 
Fei. Octav. 7. Der doppelten Sage gedenken auch ohne £n»'ähnung 
des Erscheiocus an dem (juell Cic. de nat. deor. II, 2. Tose. I, 
M. Flor. I, 11. 

7) Liv^ 11, 42. Plutarch. Coriol. 3. "O&tv nal t^v i7fi*>ay 
intrixtov ovaav iv rta *Iou)u4^ /^'/''^ ^^C tidoifQ J*oox6gots arUQiuxaat. 
Vgl. Merk. z. Ovid. Fast. p. CXXVI. Mit welchem Rechte aber 



299 

einzige eigentlich am Forum siehende, scheint in der Zeit der 
Republik von massiger Grösse gewesen zu sein, vielleicht nur 
ein einfacher Proslylos *°®), auch nach seiner Restauration 
durch L. Melellus Dalmaticus ^) ; aber eben die Lage am 
Forum, die ihn zum Zeugen des gesammten politischen Trei- 
bens machte, während von dem Spiegel der zu ihm führenden 
Stufen, wie ehemals vom Vulcanal, zu der Volksmenge ge- 
sprochen ^°), in ihm häuiig Versammlungen des Senats gehal- 
ten und wohl auch Gerichtsverhandlungen gepflogen wur- 
den '^) , hat ihn zu einem der berühmtesten Tempel Roms ge* 
macht. Er wurde von Tiberius neu erbaut und 759 VI Kai. 
Febr. geweihet, unter seinem und Drusus Namen**) 5 viel- 
leicht weil er im J. 747 (wohl zugleich mit der Basilica lulia) 
abgebrannt war*^). Der unsinnige Caligula verband den 
Tempel mit seinem palatinischen Palaste , liess die Hinlerwand 
der Celia durchbrechen und fand ein Vergnügen darin, sich 



dort gesagt werde, der Tempel sei ,,bieonip post votaiu*' geweiht, ver- 
siehe ich nicht. 

5U8) Das scheint hervorzagehea aus Cic. Verr. I, 56. Utrum 
exütimatis minus operis esse unam coiumnam ejficere ab integro no^ 
vam nullo lapide redivt'vo, an quatuor Utas reponere ? cap. 5U. qui 
waiore pecuniä quatuor eolumiias dealbandas, quam ille omnes ae^ 
dificandas locaverit. vgl. cap. 55. 

9) Cic. p. Scaur. 40. L* ipse Metellus, avus huius, sanctis^ 
simos deos ilio consUiuisse in templo videtur in vestro conspectu, 
iudices etc. Dazu Ascon. Casforis et Pollucis templum Metellus, 
quem nominat, refecerat, Verr. I, 59. Dazu P seud.^-Ascoo. Ex 
aede Casforis, quam de manubiis //. Metellus exstruxerat ; qui Me- 
tellus suhactis Dalmaiis JJalmaticus appellatus est, Plutarch« 
Pomp. 2. 

10) Dio Cass. XXXVdl, 6. xcü itQoQ {aIv to Jioaxovgeiov atf 
ovTTCQ ixttvos (Caesar) i^t^pr^yogsi dunias. Eben darauf beziehen sich 
Cic. p. Sext. 15. p. dorn. ;jl. Plutarch. Cato mio. ^7. Süll. 
33. Appian. Civ. 111, 41. 

11) Cic. Verr. V, 72. vosque, omnium verum forensium , conr 
siliorum maximorum legvm iudiciorumque arbilri et testes, celeben^ 
rirno in loco P. R. locati, Castor et Pollux, I, 49. in aede Castoris, 
celebcrrimo clarissimoque monumentoy quod templum in oculis quo- 
tidianoque conspeetu populi Romani est positum , quo saepenumero 
senatus convocatur; quo maximarum rerum frequentissimae quotidia 
advocationes fiunt. Vgl. p. Quint. 4. 

n) Dio Cass. LV, 27. Sueton, Tib. 20. Ovid. F^st. I, 
705. Pont. H, 2, 85. Fast. Praon. 

13) Dio Cass. LV, 8. Mo Dum. Aocyr. Vgl. Me rk. z. Ovid, 
Fast. p. CXXVl. 



300 

zwischen den Statuen der Dioskuren zu zeigen <^^). Claudias 
stellte ihn wieder in der früheren Weise her i^). 

Mit dem Jahre 569 beginnt die wichtige Periode der 
Basiliken, Gebäude, welche für öffentlichen Verkehr, haupt- 
sächlich kaurmännischen bestimmt waren, und erst späterhin 
auch zu Gerichtsverhandlungen benutzt wurden"). Vom 
Jahre 544 wird ausdrücklich berichtet, dass es damals in Rom 
noch keine Basiliken gab i^) . hinter den Hallen und Tabernen 
lagen Privatgebäude. M. Porcius Cato war der Erste, wel- 
cher in seiner Censur vier Tabernen und einige Privatgrund- 
stücke in Lautumns (S. 267.) kauRe , um daselbst eine Basi- 
lika zu erbauen, welche nach ihm Porcia genannt wurde ")• 
Sie grenzte an die Curie und lag also zunächst dem Comitium ; 
ol sie aber bis an das Forum selbst reichte, oder hinterwärts 
lag , lässt sich mit völliger Sicherheit weder bejahen , noch 
verneinen*»). Als die Curie abbrannte (700), wurde auch 



5U) Dio Cass. L[X, 28. Säet. Calip. VI- 

15) Dio Gas 8. LX, 6. antSwite Si xal rois Jioanovgotg rov vetur, 

16) lieber die Anlüge der Basilikeo nod ibreßchtiminaDg Vitr. V, 1. 

17) Liv. XXVI, 27. Comprehensa postea privata aed\ficia: n e- 
que enim tum basilicae erant. 

18) Liv. XXXIX, 4i. Cato atria duo, Maenium et Tilium, in 
Lautumüs et quatuor tabernas in publicum emit, batHitamque ibi 
Jecity quae Porcia appellaia est. 

19) Es ist allerdings oicht nöthig, unter den vier Tabernen solche 
zu verstehen^ welche unmittelbar am Forum lagen, obwohl es das IVa- 
tiirlichste ist. Zweideutig ist auch Plutarch. Cato mai. 19. lIoX^ 
Aa ot nal ir^ug t^v r^g Saaüuxijg xaraottev^v 7/vavriw&7jaav, ^v intivog 
*« X^fMiTutp notvwv V TT o xb ßovXevT^Qiov Tji ayo{fa naQißale 
9uU Uo^xiav ßaaiXtKtjv Tr^ogTfyÖQevoe, Bedeutender aber ist ungeachtet 
einer argen Verwechselung die Nachricht des Pse u do^Ascon. z. 
Cic. Divin. in Gaec. 16. Maentus, cum domum suam venderet Ca-' 
*?".' '^ jP/öcco censoribut, ut ibi basilica aedificaretur, exceperat ius 
sibi unius columnaCj super quam tectum proiiceret ex provotantibus 
tabuiatis, unde ipse et posteri eius spectare munus gladiatorium pos- 
sent^ quod etiam tum in foro dabatur. Eben so Schol. Gruq. z. 
Hör. Sat. I, 3, 21. wo es geradezu heisst: domo sua, quam ad fo* 
rwn habebat, divendita. Wenn auch Ersterer aus Unwissenheit 
diess auf die Cofumna Maenia , eine Ehrensäule, bezieht, so be- 
weiset doch schon die richtige Angabe beider Gensoren und dio 
Uebereinstimroung mit Livius, dass seiner Bemerkung eine viel äl- 
tere, von ihm nur falsch angewendete Nachricht zu Grunde liegt; und 
verbindet man damit, dass eben Maenius der gewesen sein sollte, qui 
primus ultra columnas exfendit tigna (Anm. 500.), so erhält diess 
noch mehr Gewicht. Endlich wird auch diese Basilica in Gicero's Zeit 
als der Versammlungsort der Volkstribunen genannt. Plutarch. Cato 



301 

sie vom Feuer ergriffen, ambusta est^^*^). Ob sie damals 
wiederhergestellt wurde, ist zweifelhaft; wenigstens findet 
man sie seitdem nicht weiter erwähnt. 

Viel grössere Berühmtheit hat die zweite Basilika erhal- 
ten. Das Jahr 574, wo M. Aemilius Lepidus und M. Fulvius 
Nobilior Censoren waren, ist eines der merkwürdigsten in 
Bezug auf römische Bauunternehmungen. Neben der Ausfüh* 
rung anderer grossartiger Werke erbauete Fulvius auch am 
Forum, posi argentarias novas, eine BasiUca ^^). Livius 
schreibt ausdrücklich alle bedeutenderen Baue dieses Jahrs dem 
Fulvius zu ; allein es ist nicht zu verkennen, dass beide Cen- 



niD. 5. 'H 8i KoXovfiiiij Iloifxtit ßaoiXtx^ TtfiffTinov tjy ard&tjfia rov 
naXaiov KarwvoQ. Bu'jd'orts ovv txti XQV^^^^^^^^ ^^ Sijfia^j^oi xal mio» 
rot TOis Bitp(fOii tfiTTodojy ttva^ doKOvyros, tp^ojaay v(ptXtiv avtbv ij /ucro* 
OT^aai, Daza scbeiat oao oUerdiogs eio Ort nomittelbar am Forum 
geeigaeter als hioter der Garie. Was dagegen oogeführt werden köoDte, 
Ist die unmittetbare NÜbe des Porom Piscatorium) nach Plaat. Gapt. 
IV, 2, 33. 

Tiim piscatoreg, qui praehent populo pisceg foetitfos, 
Qui advehuntur quadrupedanti cruciatiii (?) eavterio, 
Quorum odos subhasilicanoi omnes ahigit in forum. 
Indessen kann aucb dieses Forum nabe genug gelegen babeu, um in 
d«r Gegend der Basilica öbelo Geroch zu verbreiten , und im Grunde 
hat wohl Bunsen (Beschr. 111 B. S. 29.) sie nur vom Forum weg- 
gewiesen, um für seine zwei aemilischen Basiliken Platz zu schaffen. 
Vgl. indessen Anm. 538. — Uebrigens wird die Basilica Porcia aoch 
noch io einer zweiten plautinischen Stelle genannt. Cure. IV, 1, 11. 

Ditis damnosos maritos sub basilica qtiaerito. 
Abgesehen von dem dunkeln Sinne der ersten Worte ist jedoch die 
Erwähnung der Basilica in zwei plautinischen ComÖdien höchst auf« 
fallend. Denn wenn er während des Consulats des P. Claudius und 
L. Porcius starb (Cic. Brut. 15. Hitachi, De aetate Plauti. Bonn, 
1841.), also 10 demselben Jahre, wo Cato Censor wurde, so konnte 
ihm überhaupt am Forum keine Basilica bekannt sein, und überdiess 
ist die Porcia hinreichend durch das Forum Piscatorium bezeichnet* 
Nun iässt sich zwar füglich annehmen, dass die ganze Scene des Cur- 
eulio, eine Art Parabasis, welche mit dem Stücke selbst in keinerlei 
Zusammenhange steht, späterer Zusatz, wiewohl immer aus frühester 
Zeit sei ; ob aber aucb in den Captivis die Annahme einer Einschal- 
tung zulässig sei, dürfte schwerer zu entscheiden sein. Dem Scharf- 
sinne des Herausgebers der plautinischen Comödien bleibt die Lösung 
dieses Widerspruchs vorbehalten. 

520) Ascon. z. Cic. p. Mil. Arg. p. 34 Or. Quo igne et ipsa 
quoque curia flagravit, et item Porcia basilica, quae erat ei iuncta, 
ambusta est 

2t) Liv. XL, 51. M, Fulvius plura et maioris loeavit usus, — 
hasilieam post argentarias novas et forum piscatorium, cireumdatis 
tabemisj quas vendidit in privatum. 



302 

soren, welche, früher erbitterte Feinde , ein schönes Beispiel 
aufrichtiger Verhöhnung und inniger Eintracht gaben ^^^), anch 
in ihren Bauunteruehmungen gemeinschaftlich handelten. Nur 
so erklärt es sich , dass die Fulvier in der Folge gar keinen 
Antheil an den Veränderungen haben, welche die Basilica er- 
fuhr ; dagegen alle Restaurationen von den Aemiliern ausge« 
ben. Schon im Jahre 675 mag eine solche durch M. Aemilius 
Lepidos Statt gefunden haben, da er Schilder mit den Bildern 
seiner Vorfahren (cltpeatae imagines) darin aufhing*®). Dem« 
ungeachtet gilt sie noch als Fulvia oder, wenn genauer ge- 
sprochen wird, Aemilia et Fulvia*-^). Schon im Jahre 
699 aber fand, wie es scheint, ein völliger Umbau durch L. 
Aemilius PauUus, den Bruder des nachmaligen Triumvir Le- 
pidus Statt. So erfahren wir durch eine sehr wichtige, jedoch 
etwas räthselhafle Nachricht bei Cic. ad Att. IV, 16. Paul- 
las in medio foro basüicam tarn paene texuit iisdem anti- 
quis coluvmis; Warn autem^ quam locavit, facit magnifi-- 
centissimam, quid quaeris? nihil gralius illo monumcnto^ 
nihil gloriosius, itaque Caesaris amici (me dico et Oppium^ 
dirumparis licet) in monumentum illud^ quod tu tollere lau- 
dibus solebas^ tU forum laxaremus et usque ad atrium Li- 
bertatis explicaremus , contetnpsimus sexcenties HS. cum 
privatis non poterat transigi minore pecwiia. Aus diesen 
Worten geht soviel mit Gewissheit hervor, dass derselbe Ae- 
milius Paullus zu gleicher Zeit eine Basilica am Forum wie- 
derherstellte , und eine zweite , neu zu bauende in Contract 
gegeben hatte. Was nun die erstere anlangte, so kann darun- 
ter eine andere als eben jene Fulvia-Aemilia gar nicht 
verstanden werden, und ausdrucklich wird sie von Plutarch 



51^2) Das sa^t nicht nar Livius, somlern auch Gell. XU, 8. 
Vgl. De Romae vet, mur, atq. port. p. 80. and den Abschn. von 
den Brücken. 

?3) PI in. XXXV, 3, 4. Post eum (App. ClaudiaAi) M. Jemiliut, 
CQÜega in consulatu Q, Lutatii, non in basilica modo Aemilia^ ve- 
rum et domi suae posuit, 

H) Varro L. L. VI, !^. p. 187. Solarium dictum id, in quo ho- 
ras in sole inspieiebantur, quod Cornelius in basilica Aemilia ei 
Fulvia inumbravit, s. d. folg. Anm. 



303 

genannt ^^^). Dagegen ist die Frage, wo die zweite durch 
nichts näher bezeichnete erbaut worden sei, voll grosser 
Schwierigkeiten. Man hat sich begnügt , Cicero's Nachricht 
nur eben gerade so hinzunehmen und hat zwei Basilicas Ae- 
milias neben einander auf derselben Seite des Forum angenom- 
men ^^). Nun kennt aber das ganze Allerthum , bis auf die 
Notitia imperii herab, durchaus nur eincBasilica Pauili 
oder Aemilia ^^) und so hat sich denn Buusen durch die 
Annahme zu helfen gesucht , Paullus habe beide, die Fulvia- 
Aemilia und die neue Aemilia mit einander verbunden und ein 
Gebäude daraus gemacht ; wiewohl sie auf seinen Plänen im- 
mer getrennt erscheinen. Bei diesem traurigen Versuche, 
dem Widerspruche zu entgehen, sind die Fragen nicht berück-» 
sichtjgt: wann diess geschehen sein könne? welche Gründe 
vorhanden sein konnten, dass man nicht vielmehr beide Basi- 
liken neben einander bestehen liess, oder, da die Restauration 
der einen und der Neubau der anderen in dieselbe Zeit fielen, 
nicht lieber einen einzigen Prachtbau aufführte? Endlich ist 
nicht bedacht, welch seltsames Gebäude wohl daraus b'iiie 
entstehen müssen , wenn man zwei jedenKiUs sehr ungleiche 
Basiliken, die eine aniiquis columnü, die andere magntficen* 
tisnma^ so mit einander verbunden hätte, dass sie nur ein 
Ganzes ausmachten und für eine Basilica galten. — Der Wi- 
derspruch scheint sich vielmehr auf andere Weise zu heben. 
Denn wie ich fest überzeugt bin, dass es zu keiner Zeit mehr 
als eine Basilica Aemilia am Forum gegeben hat, so ist es 
mir auch nicht zweifelhaft, dass die zweite, von Cicero er- 
wähnte, für deren Neubau eben erst die Privatgrunds lücke an- 
gekauft worden waren, keine andere war, als die nachherige 
Basilica lulia. Die Nachrichten stimmen darin überein, 



525) Platarch. Caes. 29. Ilavli^ Si vnir^ ovrt %lXta naX^iv- 
Tonoaia ToXavra dovrog, atp tjv «cU riyv ßandirniv isteivos, ovo/iaaroy 

26) Nibby, For. Rom. p. 156 ff. Canioa, Jndioa%. topogr. 
p. 79. 166. B un se n , Besehr, d, St. K. Ul B. S. 29 ff. 

27) Tacit. Ano. 111, 72. Plio. XXXVl, 15, 24. Stat. Silr. 
!• 1, 29. Plutarch. Caes. 29. Galb. 26. Dio Gass. XLIX, 42. 
UV, 24. Appian. Civ. 11,26. JNotit. Reg. IV. 



304 

dass PauHns mit Caesars Gelde bauete. Sie stellen das so dar, 
dass er, wie Curio, in seinem Consulate von Caesar mit einer 
bedeutenden Summe (1500 Talente) bestochen worden sei und 
diese zum Baue verwendet habe ^^^)^ Darin liegt nun ein unbe- 
greiHicherweise unbeachtet gebliebener Widerspruch. DennCi« 
cero^s Brief ist im Jahre 699 geschrieben, wie aus der Erwäh-' 
nnng des Processes des Scaurus und anderen Umständen un- 
zweifelhaft hervorgeht. Das Consulat des PauUus fällt aber 
erst in das Jahr 702, also um drei Jahre später, als bereits die 
nngeheuere Summe für den Platz, auf dem die Basilika sich 
erheben sollte, verausgabt war. Niemand anderes hatte die- 
ses Geld hergegeben als Caesar, und das geht deutlich ans 
Cicero's Briefe hervor. Denn was könnten die Worte : itaque 
Caesaris arnici — in tnonumentum illud — ut forum laxa* 
remus — contempsimus sexcenties HS. für einen Sinn ha- 
ben, wenn Caesar der ganze Bau nichts anging? Vielmehr 
sieht man deutlich, dass PauUus für Caesar und auf dessen Ko- 
sten bauete, und das begründet sich noch mehr durch folgende 
Erwägung. Niemand gedenkt mit einem Worte des Baues 
der Basilica lulia ; sie erscheint mit einem Male als von Au- 
gustus vollendet^'). Dass die Beendigung so spät erfolgte, 
darf, auch abgesehen von der oft noch längeren Dauer der 
römischen Bauten, keinesweges auffallen ; denp bald nach dem 
Beginnen trat die Störung der öffentlichen Ruhe ein, die end- 
lich einen fnnQährigen Bürgerkrieg zur Folge hatte. Bei Cae- 
sars Tode aber war die Basilica fast vollendet, wie Augustus 



528) Plntarcb. Caes. 29. (Aom. 525.) Appi an. Giv. If, 26. 
JlavXov Se %tXii>tv nat nevroKoaiwv raXayrwv iir^iato — . HavXoc fUy 
dij ri^i' IlavXüv XtyoftivTjv ßaaiXutrjv ano rdtv^e twv x^i^atiftv avi&tfltS 
^J'atfiaioig, oixoSof^T^fia ne^ixaXkis. 

29) Ihre Dedicatioa wird allerdio^s von Hieroo. p. 399. Olymp. 
183, 3. aogepeben : Romae basilica Julia dedicata. Das fiele in das 
Jahr 708; allein weder Dio Cassius noch Snetoo erwähnen etwas da- 
von ; beide sprechen nur von dem Forum lulium , das noch vor der 
Beendigung dedicirt wurde. Wollte man aber auch annehmen, die Ba- 
silico, wiewohl eben auch noch nicht völlig beendigt, sei dennoch da- 
mals auch mit geweihet worden, so müsste man, um so mehr Kugeben, 
d^ss sie schon um Vieles früher begonnen worden sei, wie denn auch 
der Bau des Forum vor dem Bürgerkriege angefangen worden war. 



305 

ansdriicUich sagt **<')• Wenn nnn demungeaishtet Platarch 
und Appian angeben, Paullos habe mit dem von Caesar erhal- 
tenen Gelde die Basilica Aemilia gebant, so erklärt sich diess 
leicht. Denn wenn es überhaupt fest stand, dass das Geld 
«im Baue einer Basilica verwendet wurde , so war es natur- 
lich , dass man diess auf die seinen Namen tragende bezog, 
welche ja tiberdiess zu gleicher Zeit von ihm wiederhergestellt 
worden war. Will man aber daran Anstoss nehmen, dass 
eben diese Aemilia als eines der prachtvollsten Gebäude Roms 
angeführt wird'^), während nach Cicero sie iapide redivwo, 
also wohl weniger glänzend hergestellt wurde, so muss man 
nicht vergessen, dass des PauUus Bau in der Zeit, in welcher 
sie gepriesen wird, ja gar nicht mehr vorhanden war. Eine 
Nachriebt meldet, dass die Basilica schon im Jahre 7 18 (720) 
von dem Sohne des proscribirten L. Aemilius Paullus, dem 
Neffen des Triumvir, neu aus eigenen Mitteln erbaut 
worden sei '^). Allein etwa zwanzig Jahre später brannte sie 
ab und warde dem Namen nach von demselben Paullus, in der 



530) Monom. Aiicyr. FORVM. IVLIVM. ET. BASILICAM 
QUAE. FVIT. hNTEIi. AEÜEM. CASTORJS. ET. AEDEM. SATVIliM 
COEPTA. PROFLfGATAQVE. OPERA. A. PATRB. MEü. PERFECI 
ET. EANDEM. BASJLICAM. CONSVMPTAM. INCKNDIO. AMPLIATO 

EIVS. SOLO. SVß. TITVLO. iNOMINlS. FILIORVM LXCOHAVl 

[et si] VjyVS. JVON. PERFECISSEM. PERFICI. AB. HAEREDIßVS 
(ncis iassi). Es i«t g^ewUa bemerkenswerth, dass Angastos die Basilica 
Dicht lolia Depot, soodern darch ihre Laf^e zwiscbeo den beiden Tein- 
pelo bezeichoet: wahrscheinlich weil sie eben noch nicht als lulia 
dedicirt war. Das Forum aber war schon als loliom geweiht, and 
daher wird es auch als solches genannt. 

31) Plin. XXXVI, 15. 24. Nonne inter magn\fica basilicam 
PauiU columniM e Phrygii$ mirabilem» So auch Appian: outoÖo* 
(iTj^a irtQixaXX^g, und Pinta rch: ovouaaxov avä&tjfia. 

3^) Dio Ca 88. XL IX, 4!^. naX tjJv aroav twv Jlavkov utdovfii- 
V7JV Atfiikiog AiTtidoQ Jiavlos ldioi9 riltaiv i^tono^ofitja^ %av rfi 
vnattiig, Ka&a^wosv. Was Dio aroa nennt, ist nichts anderes als die 
Basilica, wenn es auch eine Portions Aemilia gab. Es ergiebt sich 
mit Gewissheit aus einer zweiten Erwähnung (Anm. 533.). Ungeachtet 
DDD gesagt wird, dass dieser Paullus aus eigenen Mitteln banete , hat 
maa doch aDgeooramea, damals sei erst die 699 wiederhergestellte Ba- 
silica, von der Cicero sagt: tarn paene texuit, beendigt worden. Wahr- 
scheinlich nahm man iSoixoiofitiy fdr den Bau vollenden. Allein es 
ist niehts anderes als aufbauen: und wäre diess auch nicht, so würde 
doch nichts darin iiegea, als- dass PauUus seinea Bau damals be- 
endigte« 

20 



300 

m 

That aber von Aogustas und aaderen Frenndeo wieder ad%e« 
baat ^3'). Nun erst wurde es die prächtige Basilica mit Sin- 
len aus phrygischem Marmor, die Plinius und Plutarcb sahen 
und priesen; nur dass sie unter llberius im J, 775. soboa 
wieder eine Ausbesserung erfahren hatte ^). Von einer zwd« 
ten aber ist nie und nirgend die Rede '^). 

Für die Stelle der Basiiica ist Cicero^s Nachricht entsehei* 
dend. Sie lag in medio Jaro^ wobei man nur nicht an die 
Mitte des ganzen Forum mit Einschlnss des Comitium zu den- 
ken hat. Vielmehr ist es ungefähr die Mitte des eigenUicheB 
Forum, nicht völlig gegenüber dem Gastortempel, und diese 
Gegend bezeichnet Cicero auch anderwärts mit denselben Wer» 
.ten 3^). In keinem Falle aber reichte sie anfänglich bis an 
das Forum, da Livius ausdrücklich sagt, sie sei post argenta" 
rias novas angelegt worden. — In dem Grunde der Kirche S. 
Adriano hat man 1655 eine Marmorbasis mit einer Inschrift 
gefunden , welche vom Aufstellen einer Statue in einer Basi» 
lica spricht®'). Das stimmt mit der angenommenen Lage sehr 
wohl überein ; denn die Kirche fällt zum grösseren Theile in 
die Basiiica. Dass aber in derselben noch Mauern der Basiiica 
vorhanden seien, ist eine durch nichts zu erweisende Annah- 
me. — Wenn nun aber nachgewiesen worden ist, dass die 



533) Dio Gas». LIV, 24. ^ t$ 9TPa^ Havltfc istap&tf , nttl r« 
flrvA &7f etvT^s yrffos ro'JBoTfOuov itfiMtzo — . 17 jnir ovv otoa futa tovto 
oivouaxi fiiv vTso AlfitXiovt is ov to rov notffQavtOi nmt avn^f yipQ^ 
ihjAvd'ti, Ttf Si i'ifyif 9n jHyovatov naX vn» %wf rov IlavXov ^Uutr 

34) Tacit. Ann. Hl, 712. lüden diebus Lepidus m senatu pe^ 
tivit, ut basilieam PaulUj Jemilia monumonta , propria petunia Jir» 
maret ornaretque, 

35) Maa ver^leiclie sämmtlicbe bisher angefahrte Stetlea, und 
man wird sich überzeugen, dass das ganze AUerthum nur eine Basiüea 
Aemilia kennt. So auch bei Statias Silv. I, t, 20. sublimiM regia 
PauUi; and so die Notitia im. Grensveneichnisse der viertea 
Region. 

.. 36) Ad Qu int. fr. 11,3. Disei.pr^ Beetia de atnMu apud prme^ 
torem Cn, Domitium in foro media. Das ist die Gegead de« 
Caslortempels. 

37) GABINIVS. VETTIVS. PROBIANVS. V- C. PRAEF. VRB. 
STATVAM. CONLOCARI. PRA£C£P1T. QVAE. ORNAMENTO. BASI- 
LICAE. ESSE. POSSIT. INLVSTRl. S.fiibby s«Nard. J{om. m#. 
t. 11. p. 228. Faro Rom. p. 155. 



BftsiBca, von deren Neubaiie Cicero sprioiit, nimiiiermehr ein« 
Aemilia, sondern die lulia war» so folgt daraus auch , dass das 
willkühriich zusammengesetste Fragment des capitolinischen 
Plans in keinem FaUe aof die Aemiiia zu beziehen ist ^^•). Zu* 
gleich aber ergiebt sich, dass zwischen der Aemiiia und der 
Curie hinreichender Raum fiir die Porcia wai*, wenn diese 
wirUich bis an das Forum reichte '*). 



538) Mit diesem Fragmente (Bellori. t. IV. am (^enanesten bei 
P i r a D e s i , Antick, di RomM, t. I. «ad auf G a n i n a ' s Stadtplane) 
iftt merkwürdiger Missbranch getrieben worden , nad Tast jede neoe 
Abbildung zeigt es anders, namentlich in Hinsicht der Schrift. Wer 
es bei Nibby {For. Rom, tav. 2.) oder gar bei Bnaaen {Begehr. 
III B. t. 1.) sieht, der mass nothwendig getaascht werden nnd es für aus- 
gemacht halten, dass die Basilica Aemiiia dargestellt ist. Allein die 
Saebe y«riiält sieb gaaz anders. Das Fragment besteht eigentlich a«s 
zwei Stücken (s. nnsern Plan.) nnd gehört leider zum grossen Theile 
za den nicht mehr im Originale vorhandenen, sondern nach Bellorfs 
«od HDgeblicb Falvins Ursinna Zeichooagea wiederhergestellten Tb«i- 
len. Das mittlere kleine Stack zeigt die Inschrift BASIL und in anderer 
Richtung die Bnehstaben RTAT, die darch das grosse nachgebildete StHck 
saLIBEftTATlS ergänzt werden. Damit bat man aua ein (wenn ich aielit 
irre) auch nicht mehr im Originale vorhandenes kleines, einzeln gefun- 
denes StBck verbunden, worauf EMILI steht, offenbar nur aus dem 
Grunde , weil man nach Cicero die Basilica Aemiiia und das Atrium 
Libertatis sich beisammen denken zu müssen glaubte. Man scheint 
dafür auch noch ein Argument aus Plntareh und Tacilos entnommen 
zu haben. Als nämlich die Nachricht von Otho*s Vecrath und dem 
Abfalle der Pratorianer an Galba gelangte, wurden von seiner Parthei 
die deutseben Truppen, welche im Atrium Libertatis lagen , herbeige- 
rufen. Tacit. Hist. l, 31. ut Germanieos miiites e Libertatis atrio 
arcesserent. Nun sagt aber Plntareh, die ersten Truppen seien 
durch die Basiliea Panlli auf das Forum gekommen. Galb. 26. «ipci^ 
vovxo jrqiMtov tmtilg^ sha ojtXUai 8iä trj9 IlavXov ßautiXtnrJ9 ^(^ostpeQo- 
usvot. Allein das sind die aus dem Marsfetde oder vom Lager der 
Pratorianer herbeisturmenden. Die Deutschen schwankten lange : Ger-' 
fnaniea vemilla diu nutavere; oder sie kamen nach Sueton. Galb. 
JO. zu spSt: itinere devio per ignorantiam locorum retardaü; was 
auf die Lage des Atrium bei der Basiliea nun gar nicht passt. Vgl. 
d. Abseha. über den Aventin. 

39) Sie ist so auf dem Plane II. angegeben , ohne jedoch eine 
solche Lage Tdr gewiss ausgeben zu wollen. Man könnte selbst zwei- 
felhaft werden, ob die Aemiiia dem Forum ihre Fronte zukehrte, oder 
ob sie ihrer Lange nach an demselben lag. Denn da sie post argen- 
tarias novae gebaut wurde , so kann damals ihr Haupteingaog nicht 
vom Forum gewesen sein. In diesem Falle würde eine zweite auf die« 
ser Seile nicht Platz finden. Dieses Bedenken erhält noch mehr Ge- 
wicht durch eine Münze, welebe sich auf die Wiederherstellung durch 
M. Lepidus bezieht und die Basilica von der Seite zeigt (s. unsere 
Taf. n. 7.). Ob dagegen wiederum in Gic. in Vatin. 0. und ad fam. 
XIV, t. verbmden mit Plntareh. Gat. min. 5. ein Grund liegen kSnne, 
die Porcia nebes der Gorie am Foram anzuaehmen , will ich nieht eat- 

20- 



306 

Weniger wissen wir von der dritten BasiCca, der Sem^ 
pronia, im J. 584. vom Censor Ti. Sempronius Gracchua 
erbaut. Er kaufte dazu das Haus des Scipio Africanus und 
mehrere angrenzende Tabernen , pone f^eieres^ bei der Bild- 
säule des Vertumnus ^'^^)« Dieses Signum f^ertumni aber 
stand im Vicus Tuscus, und zwar am Ende desselben ^^), so 
dass es sehr zweifelhaft wird, ob die Basilica überhaupt als an 
Forum stehend betrachtet werden kann. Die gewöhnliche Mei- 
nung ist) dass die lulia an ihre Stelle getreten sei ; allein dem 
stehen mehrere Bedenken entgegen , worüber bei Letzterer z« 
sprechen ist. Wenn man berücksichtigt, dass der Vicus 
Tuscus, das Velabrum und Forum Boarium Orte lebhaften 
Handels waren, so erscheint die Anlage einer Basilica in die- 
ser Gegend als sehr angemessen. Die Sempronia wird aber 
weiter gar nicht erwähnt und so ist es uugcwiss, ob sie in 
späterer Zeit noch vorhanden gewesen , oder ob vielleicht 
durch eine der Feuersbrünste, welche diese Gegend mehrmals 
verheerten, sie ihren Untergang fand und nicht wieder erbaut 
wurde. 

Ausser diesen drei Basiliken, über deren Existenz in den 
Zeiten der Republik kein Zweifel ist, wird noch eine vierte, 
die Opimia, genannt. Sie ist aus eiuer einzigen Erwähnung 
bekannt, bei Varro L. L. V, 32. p. 155. Senaculum supra 
Graecostasin , übt aedis Concordiae et basilica Opimia, 
Ausserdem findet sich nicht die leiseste Andeutung über sie. 



scheiden. Die tabula Faleria soll allerdinfs an einer Seitenwand der 
Curie gewesen sein (Anm. 599.)? ^^ ^^^ ^^^ Cicero^s Worten folge^ 
dass dort der Versauiinlungsert der Volkstribunen gewesen sei , ist mir 
nicht klar; und auch dann noch ist der Beweis nicht stringent. So 
bleibt also jede geoanere nestimmuog höchst unsicher. Vgl. S. 310. 

540) Liv. XL IV, 16. Ti. Sempronius ex ea pecunia, quae ipsi 
atlributa eratj aedes P, AJrieani pone yeteres ad fertumni »ignum 
lanienasque et tabemae , eoniunclas in publicum emit b(uilieamqu0 
faciendam euravit, quae pottea Sempronia appellata est. 

41) Pseudo-Ascou. z. Cic. Verr. I, 59. Signum rertumni 
in ultimo vico Thurario est (i. e. Tusco) , sub basilicae angulo fls- 
ctintibus se ad postremam dexleram partim. Der ullimus vieus Tuscus 
kann nur an der Grenze des Velabrum gedacbt werden ; sein prinei- 
pium ist, wie das des Ingarius, am Forum. Ob aber die erwähnte 
Basilica die Iniia, oder einer alten vom Scholiasten benatztea Nach- 
richt zufolge die Sempronia sei, das ist ganz ungewiss. 



— so» 

und darf man aueh sonst von nar einmaliger Erwähnang sonst 
unbekannter Stellen kein Bedenken gegen die Richtigkeit her- 
nehmen, so seheint doch in diesem Falle der Zweifel sehr be» 
gründet. Nach dem Untergange des C. Gracchus erbauete der 
Consnl Opimius nach dem Beschlüsse des Senats einen Tem«. 
pel der Concordia^^). Darunter kann in keinem Falle 
eine Wiederherstellung des von Camillns am Clivus Capitolinus 
geweiheten Concordientempels verstanden werden, sondern 
ein Neubau, der eben unter diesen Umständen anstossig er- 
schien. Gleichwohl stand auch er am Markte und es scheint 
mit Sicherheit anzunehmen, dass er an die Stelle der von Fla- 
vius auf dem Vulcanal errichteten Aedicnla Concordiae trat. 
Diesen Tempel nun meint offenbar Varro ; aber dass Opimius 
zu gleicher Zeit eine Basilica gebaut habe, davon wird nir- 
gends etwas berichtet. Der Text Varro^s scheint verderbt zu 
sein. Der Havniensis , welcher nach dem Florentinus *^) die 
beste Autorität zu sein scheint, lässt den ganzen Satz, Sena^ 



542) Appian. Civ. I, 26. ^ Si fiovXfj xal veuw 'Oftovoias ttvTOP 
IV oyo^a TTf^oiira^Bv iytiQai,, Plotarch. C. Gracch. 17. yviaas rove 
noXiiois t6 xaTOcnuvaa&iv'Ofioyoiae U^ov i/no xot'Onifiiov. Aaj^astia. 
de civ. dei. 111,25. Eleganti $ane senahttconsullo eo ipto ioco, tibi 
fttnereus ilie /umullvs commu$us est, uhi tot cives ordinis cuiuaque 
cecideruni, aedes Concordiae Jacia est, ut Gracckorum. poenae testis 
coMcionantum oculos feriret etc. Sehr zweiFelbaft bio ich , ob viel- 
leicht hieher aach der aoerklärlicbe Vers b. Plaut. Cnrc. IV, 1, 2i. 
gehöre. 

Ditis damnosos maritos apud Leucadiam Oppiam. 
Bs ist offjCDbar aar der amgemodeUe Vers 11. 

Ditis damnosos maritos sub basilica quaerito, 
aber nebea seiner Unverstäodlichkeit ist er auch metrisch uorichtig. 
Der Vet. cod. Cam. hat allerdings nach Pareus Oppiam : aus geringe- 
ren Handschriften führt derselbe an Operiavi. Die Vermuthung liegt 
also nahe, dass Opimiam zn lesen sei. Den Namen Leucadiam aber 
gestehe ich in keiner Weise erklären zu können. Sollte zu lesen 
sein : apud Concordiam Opimiam ? Oder liegt darin irgend eine ver- 
borgene Anspielung auf das Gehässige des Baus, da auch Piutarch an- 
führt, dass einmal ein Spottvers daran geschrieben worden sei? 

43) Was hier von dem Florentinus zu halten sei, darüber bin ich 
ganz im Unklaren. Spengel giebt nach Victorius durch den ganzen 
Abschnitt Varianten ans 'ihm. Gleichwohl sagtNiebuhr, ßesehr. d, 
St. R. III A. S. 67. ,,Bs scheint offenbar, dass die Stelle des Varro — 
unklar, wie dnrcbv^nsg sein Tezt^ und hier fehlt leider die f le- 
ren tini sehe Handschrift — doch so viel darthut, dass vom Co- 
mitium na<^h der Curie gewandt, die Basilica Opimia und das Vnloanal 
racbts 1agcn.<< etc. 



— 3ia — 

eulmn ^^ Opimia aus« Ich denke mir es als iii8|^ch, dass 
gestanden habe: ubi aedü Concor Aae Opimia et basiUea. 
Ob dann noch Porcia hinzugefügt gewesen sei, will ich nicht 
entscheiden ; aber sie, glaube ich, ist gemeint, und das wurde 
dann allerdings gegen die Lage am Forum selbst sprechen. 
Wie dem auch sei, so viel ist gewiss, dass die Existenz einer 
Basilica Opimia sehr problematisch erscheint. 

Das Vulcanal mnsste, wie schon erwähnt worden, fast 
ganz von dem Goncordientempel , der Graecostasis und dem 
Senaculum eingenommen werden; von den Schicksalen der 
Curie aber wird bis gegen das Ende des siebenten Jahrhun- 
derts nichts bekannt. Es hat nicht fehlen können, dass auch 
sie mehr als ein Mal erneuert worden ist; allein Sulla der 
Dictator ist der Erste, welcher als Wiederhersteller genannt 
wird ***). Sein Bau brannte bekanntlich im J. 700. bei Clo- 
dius tumultoarischem Leichenbegängnisse ab-^^), und in her- 
kömmlicher Weise erfolgte der Wiederaufbau durch seinen 
Sohn Fauslas-*^). Allein der neue Bau stand nur kurze 
Zeit-^^), weil Caesar Sulla's Namen auch von diesem Monn-^ 



544) PI In. XXXIV, 6, !2. Jnvenio ei Pi/thaf^orae et Alcihiadi 
in eornihus comHii positat (staluas) cum hello Samniti Apollo Py- 
Ihtvs fortUsimo Graiae gentis iussisset et altert saptentissimo n- 
mulacra eelebri ioeo dicarL ea steiere donee Sulla dictator 
' ihi euriamfaeeret. s. die Anm. 546. Der Ausdruck in corni" 
bus comitii macht einige Schwierig^keit. Es kann domit nichto gemeint 
sein^^ als die Ecken, gerade wie Tacitos vom Tribunal sagt, Ann. 
I, 75. iudiciis adsidebat in cornu tribunalie, ne praetorem eu* 
ruli depelleret, woFdr bei Sneton. Tib. 33. assidebafque mUtim, 
vet ex adverso in parte primori. Allein wären die Statuen an ver- 
schiedenen Ecken aufgestellt gewesen, so hätte doch nur eine dem 
Baue Sulla's im Wege sein können. Also ist wohl in eomibu* soviel 
als t'n cornu. 

45) Cic. p. Mil. 33. mit Ascon. p. 34 Or. Philipp. VI, 4. 
Ascon. z. Cic. In Pis. 4. p. 8. Dio Cass. XL, 49. Appian, 
Civ. II, 21. 

•*6) U IQ Cass. XL, 50. t<5 r« ßovXtvr^^tor rtf *avar« rf tüS 
JvXXov vtu avotxoSofi^acit frQoSiTuiap, ^v fiir ya^ ro 'OatiXun^ ^ /»«r«- 
axivaüTO 3i vno rov SvXXüv. XLIV, 5. fiovXtvTJJQMy xi r* »aiv6p 
jTot^aat n'^ociraSar (Caesari), insi^^ ro 'OorüUor xotirc^ aromoSofui» 
^*v *ardrf(^(hj * n^oipaaiv fUv rov paov Biwxla9 iyrav&a ouufioptf&n* 
1'«*, bv ual 6 ^iir&dos iinta^xiiaae ii^noi^aiv • ijpy^ ^i, ouot9 f^^re «r 
txeii^i^ ro rov JSMov ovofia awZ^tro. 

47) Erwähoongen 4er Curie »ach dem Wiedemafbaae b.Cie. p, 
M. Marc. 3* 5. p. Lig. 12. p. Deiot. 2. 



Sil 

neDte tilgen wollte. Ein GelöMe Aente zn» Vorwande, sie 
niederreiisen za lassen und an ihrer Stelle einen Tempel 
der Felicitas zn weihen (708.). Ob denrnn^jeaehtet sie 
später wieder erbant worden sei, darüber wird in der nächsten 
Periode gesprochen. 

Nachdem so die Hanptseilen des Forum mit ihren Gebän^ 
den bestimmt sind, bleibt noch die Betracfatnng der westlichen 
Seite anter dem Capitolinns übrig, und am schicklichsten be- 
rucioiichtigt man Uer gleich die sämmtlichen am Fusse und 
Abhänge des Hagels gelegenen Gebäude, weil sie gewissei^ 
massen zum Forum gehören, oder doch unmittelbar sich au 
dasselbe anschliessen. Dieser kleine Raum ist noch jetzt mit 
zahlreichen Resten der bedeutungsvollsten Denkmäler ange*- 
fallt, weiche zum Theile erst neuere Ausgrabungen offen gn^ 
legt haben, und es giebt daher im alten Rom nicht leicht eins 
Stelle, deren Restauration sich so vollständig als hier geben 
liesse. Eben daher ist aber eine chronologische Nachweisnng 
weniger nöthig und erspriesslich, indem die noch vorhandenen 
Reste sich gegenseitig erklären müssen. 

In der Linie der Sacra via, welche an der Basilica Paulli 
vorbeiftthrte, steht jetzt, noch im Forum selbst, der Triumph- 
bogen des Septimius Severus. Die Strasse führte 
durch seinen mittleren Bogen und wandle sich dann links, wo 
der Clivus Capitolinus, der zum Tempel des lupiter fuh- 
rende Steig, der Weg der Triumpbzüge nach dem Capitole, be- 
gann ^'^^). Hinter dem Triumphbogen zur Rechten des Clivus 
sieht man noch zum grössten Theile den Plan des berühmten 
Tempels der Concordia, von M. Furios CamiUus (388?) 



548) SeiD Pflaster liest Jetzt, to weit die neaeo Aolagea die Auf- 
Srabaog gestattet habeo, 08*00. Et dürfte wohl Dicht nebr dasselbe 
eein, 60$ die Ceasoreu Q. Fuivius Flaceas ead A. Postumius Albious 
im J. 579. wie es scfaeiot, zuerst Anlesen iiessem. Liv. XLI, 27. e/i- 
tfum Capitolinum stitee stemendum euraverunt et porticum ab aede 
Satumi in Captfoiium ad $enaeulum etc. Aaf sehr anschanliche 
Weise erklärt sich hiernach, was Cicero von dem Gebraoche, beim 
Anfsteigeo des Triamphs zam Capitole die Geransenea in das Gefäog- 
niss fahren zn lassen, sagt. Verr. V, 30. cum de foro in CapHolium 
CHfTum ßmetere indpiunt, iiios duci in earcerem iubent. Das Ge- 
fängniss liegt zar Rechten, der Zog wendet sich links. VgL Zon. VII, 'iU 



31« 

nach Ausgleichimg des Zwistes der StSnde gegrändet ^»), Die 
grosse Vorhalle des Tempels, zu deren Höhe Stufen fahrten, 
war yielleicht in früherer Zeit die mehrmals erwähnte area 
Concordiae*^), und vielleicbt ist davon das hier genannte 
Senaculam nicht verschieden^^). Der. Tempel wurde im 
J. 747. von Tiberlus neu erbaut und unter seinem nnd Dnisus 
]>^amen geweihet ^^), Eine Menge trefflicher Kunstwerke wuN 
den darin aufgestellt ^^). Wie er übrigens in der Zeit der Re* 
pubb'k häufig zu Senatsversammlungen gebraucht worden war, 
so diente er dazu auch noch unter den späten Kaisem ^). 

Neben dem Tempel der Concordia, ebenfalls über den 
Clivus, steht die Ruine derdreiSäulen, die sehr verschieden, 
am häufigsten aberlupiterTonans benannt worden ist. Dass 
sie dem nicht weniger berühmten Tempel desSaturnns an- 
gehört, ist eine der entschiedensten Gewissheiten, die nnr noch 
von Leuten, welche ihr Dafürhalten höher stellen als die Quellen, 
oder absichtlich die Aogen verschliessen, verkannt werden kann. 



549) Ovid. Fast. I, 641 ff. Platarch. Camill. 42. T^ ^ vor«- 




o 

Tempels, der gerade dem Foram zugekehrt ist. Eben so treffend sagt 
Fest, p. H47. uhi nunc est aedis Coneordiae, inier Capitolium et 
forum ; denn der Tempel liegt dicht am Berge und anter ihm, jenseit 
des Clivus, beginnt das Forum. Endlich bezeichnet seine Lage genau 
auch Dio Cass. LVIII, 11. nhfoiov tov oixr/fiaTos ir xtf *Oftovohi^f\ 
denn der Carcer liegt ganz nahe bei dem Tempel. 

50) Liv. XXXIX, 56. sanguine pluUse in area Coneordiae sa* 
iig credebant. XL, 10. Jn area Fuleani et Coneordiae »anguinem 
pinit, lul. Obs. 59. In area f^ulcani per biduum^ in area Concor^ 
diae totidem diebus sanguinem piuit, vgl. 60. Indessen Ist es aach 
möglich, dass die Concordia auf dem Vulcanal selbst gemeint ist. Die 
Treppe des Tempels erwühnt Cic. Phil. Vll, 8. (eqnites Romani) 
qui frequentissimi in gradibus Coneordiae tteterunt, vgl. Anm. 573. 

51) Fest. p. 347. So nahe es liegt, an eine Verwechselnog mit 
dem Senaculum am Comitium zu denken, wo ja auch ein Concordien* 
tempel war, so wird diess doch widerlegt durch M aerob. I, 8. (Sa* 
turnus) habet aram et ante senätttlum. Die ara Saturoi aber war 
eben hier. 

52) Dio Cass. LV, 6. Sneton. Tib. 20. 

53) PI in. XXXIV, 8, 19. n. 73. 80. 89. 10, 36. n. 66. 131. 
XXXVI, 27, 67. XXXVn, 1, 2. 

54) Lamprid. Alex. 6. Quum tenatui frequen» in euriam, 
h, e, in aedem Coneordiae tempium inaugttratutn eonveniuet Vo* 
pisc. Prob. 11. 



313 

Ehe jedoeh der Beweis gelBhrt wird, ist die äheste Gesciüehte 
der satomischen Heiligthämer am Clivns Capitolinas zu beruh'» 
res. Es be&nd sich dort, angeblich ans den Zeiten der satur- 
nisehen Colonie slammend, eine uralte Ära Satnrni, wel- 
clie Dionysios als noch in seiner Zeit bestehend augiebt and 
die also von dem später erbauten Tempel zu unterscheiden 
ist ^^^). Dabei soll auch ein Sacellum Ditis gewesen 
sein ^^). Der Tempel aber soll im J. 256. A. Minucio M. 
Minucio Coss. geweihet worden sein, wiewohl Andere berich- 
teten, dass die Dedicationsinschrift einen Consul des vorher* 
gehenden Jahres, T. Lartins genannt habe, nnd das Beginnen 
des Baus dem Tarquinius Soperbus, ja selbst Tullus Hostilius 
zugeschrieben wurde ^^). Er wird von den Schriftstellem 



555) Dion ys. I, 34. xal t6v ßiafxov t^ Kqavta rovs*Eneiol9 i8qv' 
aßod'ai fii-&* *HQtutliov9, 6s i'r« *al vvv SiafiivBi itctqa zfj ^i^fj 
Tov Xotpov «aza rr^v avodov ryv an 6 xiJQ dyo(fäe wi^ov 
aar siQ ro KantroHtov^ t^v re -d^vaietv, rjv ttal tn ifiov Pojfia7o$ 
t&vov X. 1. X, lo eioer zweiten Stelle, wo von dem Baue des Tempels 
die Rede ist, kauo es zwar scfaeineo, als habe dieser den Altar er- 
setzt : VI, ] . iitl TOVTfuv (paal rwv vnaTvnv tov vtotv xad'uq(0'&^va& r^f 
KQovta xuTu typ avodov tt/v ete to KayriTwXiov ipi(fOvaav in t7]S ayo^äs 
»al d7jfioT6Xc7g avaSiiyj&7^va& reu d'tt} xa^* txaarov iviawov iograe re 
ttal ^vaias. ro ^e fr^orov ßwfiiv avzod't mad'iBgvad'ai Xlyovaiv vqt *Hip(C« 
ftUovQ Ttareaxtvaofiiyov ic. r. X. Allein anderweitige Erwähnungen des 
Altars lassen an dessen Bestehen unabhängig vom Tempel nicht zwei- 
feln. Fest. p. 32^. Satumii quoque dicebantur, qui castrum in imo 
clivo Capitolino incolebant, ubi ara dicata ei deo ante bellum Tro- 
ianum videtur, quia apud eam snpp lican t apertit eapiti- 
bu8 etc. Das ist also ein Schlnss aas dem Gebraache, der noch be- 
stand. Mac roh. Sat. I, 8. unterscheidet aosdriicklicb Altar nnd 
Tempel: habet aram et ante tenatulum. illie Graeco ritu captte 
aperto res divinaßt, quia prima a Pelasgis, post ab Hereule ita eam 
a principio faetitatam putant Aedem vero Satumi aerarium Ro- 
mani esse voluerunt. Vgl. d. folg. Anm. 

56) Mac r ob. Sat. I, 11. Pelasgos — eoepisse Satumo cereos 
poHut aceendere et in saee llum Ditis arße Satumi cohae* 
rons oscilla quaedam pro suis capitibus ferre, 

5T) Liv. Iljji^ Dionys^ VI, 1. s. Anm. 554. Er setzt hinzu: 
ri^v Sa yQag)^v rijs tSqvaewf rov vaov nvfs fxiv torooovat XaßeTv Tiror 
^apxiov TOV imavsvaovra r«? Tt^oa&sv tviavTtS, oi oh ßaatila Tagnif 
viov Tov inmeaovra Ttjs «(>r^C" xijv Bi »a^i^gtoatv rov vaov XaßBiv JTo- 
oTovttov Kouivtov xarä yn^tptofia ßovXijs* Macrob. I, 8. Tu If um Ho* 
stilium, cum bis de Albanis, de Sabinis tertio iritemp hasset j inveni 
fanum Satumo ex voto conseeravisse et Satumalia tune primum 
Romas instittita, quamvis Varro libro sexto ^ qui est de sacris ae- 
dibus, scribat, aedem Satumo ad forum Jaciendam locasse L. Tar^ 
qtiinium regem. T. vero Larcium dtetatorem Saturnalibus eam de- 
dieasse. Nee me ßfgit, Gellium scribere^ senatum deerwisse, ut ao" 



314 , 

fAs unmittelbar am Forum stehend genannt, am untersten Ende 
des Ciivus ^^^). Wie vortrefflich aber auch diese Beseichnun- 
gen auf die Ruine der drei Säulen passen, so sind sie doch 
nicht so stringent, dass sie nicht auch auf einen anderen nahen 
Tempel bezogen werden könnten. Denn diese Seite des Fo^ 
rum zeigt überhaupt drei Tempelruinen : den Concordien- 
tempel, über den kein Zweifel ist; die drei Säulen, 
und die Ruine der achtSäulen. Letztere, zur Linken des 
Ciivus steht dem Forum noch näher und kann allenfalls auch 
lA imo cliüo genannt werden. Da nun im Monumentnm 
Ancyranum die Basilica lulia tnter aedem CoMtorU et 00- 
dem Saturni angegeben wird, so bat Ganina ^*) die acht 
Säulen für den .Saturnustempel erklärt, die drei Säulen aber, 
die auch er früher dem lupiter Tonans zutheilte für den Tem- 
pel des Yespasian^^). Das diess unrichtig sei, lehrt schon 
S e r V. z. A e n. II, 1 16. Orestü vero ossa Aricia Romam trans^ 
/ata sunt et condita ante templum Sattitni^quod est ante ciivum 
CapitoUnum iuxta Concordiae templum.i denn liegt 



des Saturni ßeret, eique rei L, Furium tribunum tniiiium pratfuiise, 
Daj köoote nur «ioo HesUaratioa sein, etwa 323. 

558) Varro b. M aerob. 1. I. ad forum. Taeit. Hist. I, 27. 
per Tiberianam domum in Velabrum inde ad Miliarium aureum Mub 
aedem Saturni pergit. Das Miliariam stand aber in capite fori. Daher 
Sneton. Otb. 6. fi< se in foro sub aede Saturni ad Miliarium 
aureum opperirentur. Vgl. Pia tareb. Galb. 24. Fast. A mite rn. 
XVI Kai. Jan. Saturno ad forum. Anderseits wird er an den Anfang 
des Cüvas gesetzt. Serv. z. Aen. II, 116. ante templum Saturni, 
quod est ante Clivum Capitolinum. VIII, 319. (Sataroos) et eibi op- 
pidum feeit $ub Ciivo CapiloHno, ubi nunc eiue aedes videtur. Vgl. 
Fest. p. 322. in imoclivo Capilolino, Varro L. L. V, 7. p. 46. Sa^ 
tumi fanum in faueibu* (Capitolii). 

59) Indiea%. topogr. p. 159. Foro Rom, p. 30. Es sind avch 
einige wilikährUeh verbundene Fragmente des capitölinischen Plans za 
Hülfe genommen worden, die Nibby zuerst auf die Basiliea lulia be- 
sogen hat. S. dar. in der folgenden Periode. 

60) Ich erinnere mich, gelesen zu haben, dass Canina bei der 
neuesten Aufraumung des Tabularium (s. Bullet, d, Imt, 1841. 
Ifarz.) die Bestätigung dieser Ansicht gefunden haben will, indem 
die vom Tabularium herab führende Treppe durch den Tempel der 3 
Säulen verschlossen worden sei. £r müsse daher spater erbaut und 
deshalb der Vespasiantempel sein. Dabei ist aber übersehen , dass ja 
der Saturnustempel mehr als einmal, zuletzt von Septimias Sevents 
neu gebaut ujid jedenfalls erweitert worden ist, wodurch sein Verhält- 
nUi zum TabBlarioB noth wendig verändert wenlen musste. 



315 

aneb der Tempel der acht S&ulea dem der Coocordia nahe, so 
wurde er doch sehr unschieklich iusta genannt werden ^^'). 
Aber es giebl viel schlagendere Beweise dafür, dass vielmehr, 
wie Bansen richtig annimmt, die drei Säulen dem Sa- 
tnrnns, die acht dem Vespasian angehören. Das 
Grenzveraeichniss der Notitia, das sich in dieser Region 
(VIII) vor allen anderen mit völliger Klarheit verfolgen lässt, 
nennt vom Carcer Mamertinus herkommend: Templum Con- 
cordiae, et Salumiy ei Fetpasiani^ et Titi, Da nun die 
drei Säulen dem Concordientempel zanächst sind, so ist es 
scht)n daraus klar, dass sie dem Satumustempel angehören. 
Aher noch viel grössere Gewissheit erhält diess durch die In- 
schriftensammlung des Anonymus von Einsiedeln. Durch 
sie sind uns glücklicherweise die vollständigen Inschriften aller 
drei Tempel, die theitweise noch an den Rainen zu lesen sind, 
erhalten. Sie lauten : Senalus populusq. romanus incendio 
eon\sumpium restiUäi dwo vespasiane augmtol* S. P. Q. B» 
impp. caess. severus et antoninus. | pü Jelic aag restüm' 
runt. S. P, Q. B. aedem coticordiae vetustate eoUapsä. in 
ine\üorein fadem opere et cultu splendidiore restituerunt ^% 
Ist nun schon die Uebereinstimmung mit der Notitia in der 
Reihenfolge der Tempel von der grössten Bedeutung, so wird 
endlich entscheidend, dass sich auf beiden in Frage stehenden 
Tempeln die Inschriften zum Theile noch finden. Denn über 
den acht Säulen lieset man : SENATVS POPVLVSQVB ROMANVS 
INCENDIO CONSVMPTVM EBSTITVIT. und auf dem Archilrav der 
drei Säulen stehen noch die Buchstaben ESTITVER. Diesem jeden 
Zweifel niederschlagenden Argumente hat Canina dadurch zu 
entgehen gesucht, dass er die Inschriften, welche beim Ano- 
nymus fortlaufend geschrieben sind, falsch abtheilte und die 
Worte Divo Fespasiano Augtute zu der mittleren Inschrift 



561) Gerade so 6ageD dieMirab. Romae {Monffauc. Diar, IlaL 
p. 293. Effemeridi letter. di Roma. I. p. 383.) Templum ConeardiaB 
iuxta Capitolium, ante qvod areus triutnphaiis , unde erat atoensus 
in CmpiMium, iuxta aerarium publicum <t quod erat templum Saturni. 

02) Die loschrifleo sind nach der diplomatisch senaoen Abschrlfl 
meines verehrteo Freaodes Gastav Haeaef gegeben. 



316 

zog. Nun ist zwar die Interpunktion in dieser Handschrift, 
wie in vielen, etwas sehr Unzuverlässiges; dass aber hier 
das Punctum richtig die beiden Inschriften scheidet, erweiset 
sich aus einer ähnlichen (wenn nicht gar im Wesentlichen 
derselben) Inschriftensammlung, deren Handschrift sich in der 
Riccardiana zu Florenz befindet ^^^). Sie giebt die drei In- 
schriften getrennt also: 

S. P. Q. R. incendio consumptum restüuit dioo FeMpa- 

siano Aygusto^^). 

S. P, Q. R. imp, Caes. Severus et Antonintts Pii Jelices 

Aii^gg* restituerunt. 

S, P* Q. R, aedem Concordiae vettistate collapsam in 

meb'orem faciem opere et cultu splendidiore restitue- 

rwTtf«*). 
£s kann also darüber kein Zweifel sein, dass der mittlere 
Tempel, von dem noch die drei Säulen stehen, der Saturnus- 
tempel ist. Er wurde (710?) von L. Munatius Plauens neu 
erbaut ^®) und , wie wir aus der Inschrift erfahren , zuletzt 
von Septimius Severus erneuert. — Vor dem Tempel stand 
in aller Zeit ein heiliger Feigenbaum und bei ihm eine 
Bildsäule des Silva uns, um derentwillen er entfernt wer- 
den musste^'). Der Tempel selbst aber diente seit den äl- 



563) S. Osann, Sylloge inscr, p. 502. und die loschriften p. 
518 f. Avs Ganina, SugU antieki ed\fi%J — dalla ehiesa dt S. 
Martina, p. 2i. ersieht man, dass in Florenz eben anch eine Hand- 
schrift des Ilinerarinm des Anonymus sich findet. In welcher Biblio* 
tbek, hat er nicht für nothig f^efonden anzugeben ; allein es ISsst sich 
vermulhen, dass das Ilinerarium auch hier mit der Inschriftensamm- 
lung verbunden ist. 

64) Ueber die Frage , wo die letzten drei Worte gestanden haben 
mögen, wird weiterhin gesprochen. 

65) Die Inschrift des Concordientempels befand sich ehedem in 
der Laterankirche. S. Nibby, For. Hont, p. 137. Poggio, Rui- 
nar. urb, Romas descr. p. 5t. (1513) Tührt von den acht Säulen eben- 
falls die Inschrift, doch auch schon nur bis restituit an und giebt das 
Gebäude irrthümlich für den Concordientempel aus. Nibby p. 145. 
nimmt davon mit Recht Gelegenheit, auf die grosse Unsicherheit aller 
topographischen Angaben aus dieser Zeit aufmerksam zu machen. 

66) Sueton. Aug. 29. Inschrift b. Grut. CCCCXXXIX, 8. 
Orell. 590. 

67) PI in. XV, 18, 20. Fuit et ante Satumi aedem (ficus), Ur- 
bis anno CCLX sublata , saero a restalibut Jaeto , cum Siivani «»- 
mulaerum subverteret. 



317 

testen Zeiten der Aepnblik als Schatzhans des Staats, Aera- 
rium^^^), worin die öfientUchen Gelder, wichtige Docu- 
mente und Register , wie auch die 9igna miiztaria^*) auf* 
bewahrt wurden. In wie weit dazu ein in keinem Falle sehr 
geräumiger Tempel geeignet sein konnte, weiss ich nicht an- 
zugeben ; jedenfalls aber stand er deshalb späterhin in genaue- 
ster Beziehung mit dem Tabulariom, das unstreitig selbst 
auch aerarium war und genannt wurde. Dieses Tabularium, 
das eigentliche Archiv des Reichs, von dem noch ein grosser 
Theil als Unterbau des Palazzo Senatorio erhalten ist , erhebt 
sich, aus Quadern von Tuf und äusserlich Peperin erbaut '<'), 
unmittelbar hinter den Tempeln der Concordia und des Satur- 
nus und nimmt die ganze Breite des Forum ein. Es war er- 
baut nach dem Brande des Capitols (670) von Q. Lutatius Ca- 
tulus, und die Ded'.cation (674) war noch in Nardini's Zeit 
zu lesen 7'). Dass es nicht das erste Tabularium war, wel- 
ches Rom erhielt, ist jschon fräher (S. 30.) bemerkt worden, 
und schon die Gleichzeitigkeit des Baus mit dem des capitolini«> 
sehen Tempels lässt darauf schliessen, dass das frühere bei 
demselben Brande untergegangen war; aber an dieser Stelle 
wurde es wohl erst von Catulus erbaut. 



568) Platarch. Pool. !2. rafiulov fih anidtiia tot rov Kqq^ 
vov vaoVf cp fil%Qiwvv xQiofjLivoi ButxiXovQi. Qnaest. Ro m. 42. Paol. 
Diac. p. 2. Solio. 1, 12. Macrob. I, 8. Serv. z. Georg. II, 502. 
z. Aen. VIII, 319. 3-i2. 

69) Liv. III, 69. Uaeo omnia adeo mature p$rfecta accepimus, 
ui Signa eo ipso die a quaestoribus ex aerario promta delataque in 
Campum quarla diei hora mota ex Campo sint. 

70) Eine ausrübrlichere BescbreibuDg giebt Bunseo, Beseht, 
d. St, R. in A. S. 40 ff. Was die Resaltate der vor zwei Jabren vor*- 
genommeuea AofraQinung im lonern gewesen , ist mir noch nicht ge- 
oaaer ersicbUich geworden. 

71) Q. LVTATIVS. Q. F. Q. N. CA'fVLVS. COS. SVBSTRVCTIO- 
PTEM. ET. TABVLARIVM. EX. S. C. FACIVNDVM. COERAMT. Grut. 
CLXX, 6. Nardini, Rom, ant, II. p. 300. Nibby, For, Rom. p. 
149. Oreil. Inscr, 31. Ueberall finden sich Varianten. EX. S. G. 
giebt Grater. S. S. Nardini. DE. S. S. (de senatos sententia) Ma- 
zocchi (nach Or.). Am merliwiirdigsten aber ist die Angabe bei Pog- 
gio, Ruin, Urb. R. descr, p. 50. „Extaot io Capitolio fornices da- 
plici ordine novis inserti aedificiis, publici nanc salii receptacalam, in 
qaibas sculptnm est litteris vetostissimis atqoe admodom humore salis 
exesis, Q. Luctatiam, Q. f. et Q. CattuUnm coss. (sie) sabstructioaem 
et tabalarinm de suo faciundam caravisse.*' 



318 

Links vom Satarnostempel (für den davor Stehenden) nnd 
etwas tiefer liegt die sogenannte SehoIaXantha, eine Reihe 
(jetzt drei) gewölbter nicht nnter einander verbundener Gemä- 
cher, indem jedes nur vom Tempel her einen Eingang hat. Es wa-^ 
ren, wie die bei der Ausgrabung in Marliani's Zeit daran ge* 
fundenen Inschriften zeigen, Expeditionszimmer oder uber-^ 
haupt Amtslocale für die Scribae und Praecones der Aedi« 
len ^72). Es ist wahrscheinlich, dass diese Sehola in früherer 
Zeit zum Aerarium gehörte, da die scribae in eHvo Capito* 
Uno ausdrücklich genannt werden ^^). Eine Reihe ähnlicher 
Gemächer oberhalb des Saturnustempels , an das Tabularium 
angelehnt und von da in einem stumpfen Winkel dem Clivos 
sich zuwendend, ist durch die neuesten Ausgrabungen zn 
Tage gefördert worden. Vor ihnen liegt eine schöne Säu- 
lenhalle, von wo aus die einzelnen Gemächer ihre Eingänge 
haben« Offenbar hatten diese dieselbe Bestimmung wie jene 
untere Sehola. Merkwürdig aber ist es, dass eine Inschrift 
auf einem Stücke des Architravs der Halle von der Weihe 
der Xll DU Consentes spricht '*), deren Aufstellung an die- 
sem Orte um so wahrscheinlicher wird, da schon Yarro ih- 
rer Bildsäulen am Forum gedenkt ^% Die Halle, deren SSu- 



572) C. AVILIVS. LICINIVS. TROSrVS. CVRATOR. SCHOLA- 
RVM. DE. SVO. FECIT-. — BEBRYX. AVG. L. DRVSrANVS. A. FA- 
BIVS. XANTHVS. CVR. SCRIBIS. LfBRARIIS. ET. PRAECONIBVS 
AED. CVR. SCHOLAM. AB. INCHOATO. REFECERVXT. MARMORI- 
BVS. ORNAVERVNT. VICTORIAM. AVGVSTAM. ET. SEDES. AE- 
NEAS. ET. CETERA. ORNAMENTA. DE. SVA. PECVNIA. FECE- 
RVNT. Grat. CLXX, 3. Marliani, Vrh. topogr, W, 10. Lucio 
F t n n , Ant. di Roma. p. 49. 

73) Cic. Phil. II, 7. Quü enim eques Romanus, quü praeter U 
adoleseent nobiiis qui uHiut ordinis, qui se eivem meminisset , cum 
senatuM in hoo templo (Coocordiae) ettei, in divo CapitoUno non 
fuit? quiM nomen non deditf quamquam neo eeribae Mt^fficere, ne» 
tabuiae nomina iiiorum eapere potuerunt. vgl. p. Sext. 12. ad 
AtU II, !• p. red. in sen. 5. 13. 

74) S. Buiiei. d. InsL 1835. Bunsen, BeseAr. d. St. R. III B. 
S. 9. S. die Naohtriige. 

75) R. R. f, 1. Et quonfam [ut aiuni] dei faetenfe» adiuvant, 
prius invocabo eos ; nee, ut Homerua et Ennius, Musas, sed XII deoe 
eonsentie ; neque tarnen eos urbanos, quorum imagines ad forum au-^ 
ratae stant, sex mores et fnninae totidem , sed iiios XII deos , qui 
mas^ime agrieolarum duees sunt. 



31» 

ien (so weit wegen der tteuen Strasse bat aufgegrabeii wer- 
den können) noch wiewohl zerbrochen oder doch in den Ba- 
sen erhalten sind, fasst eine Terrasse mit marmornem Pavi- 
mente ein, zwischen dem Tabularium und dem Clivns. — Den 
achmalen Gang zwischen der ScholaXantha and dem Satnmiis- 
tempel nimmt Bansen för den Ort, wohin am 15. Jani jeden 
Jahrs der Unrath aus dem Vestaheiligtbame gebracht wurde, 
und glaobt noch Reste der Porta Stercoraria zu finden; 
allein weder kann man das ein angiportum nennen, noch war 
jener Ort am untern Ende desClivus, sondern in der Mitte ''*). 
Von andern Denkmälern ist aus dieser Periode nur noch der 
aaf der anderen Seite des Concordientempels am Berge selbst 
gelegene Carcer zu nennen, von dem schon oben (S. 2ß2 ff.) 
gesprochen worden ist. Nicht weit von ihm, im Forum nach 
derBasilicaAemilia hin, lag auch der berühmtelanu Stempel, 
der schicklicher in der dritten Periode in Betracht gezogen 

wird. 

Auch der innere freie Platz zählte wichtige alte Denkmä- 
ler. Ungefähr in der Mitte war der Lacus Curtius, an 
den sich die doppelte Sage von der Sabinerschlacht und von 
der Aufopferung des M. Cnrtius knüpfte '7). Mit VerwerAing 



57S) Das folgt schon aas Varro L. L. VI, 4. p. 1^13. quod 00 
die ex aede Featae etereus everritur et per Capitolinum eli» 
vum in loeum defertur eertum. Aber deatlicher sa^Fest. p. 344. 
Siereue ea aede Festae XFII Kai. lul, d^ertur in angiportum 
medium fere clivi Capiiolini, qui loctn elauditur p&rta 
Stercoraria. Vgl. Paul. Diac. p. :K59. Quando. Weoo aaeh naek 
M aerob. Sat. I, 7. Satnm den Beinaniea Stereuiue hatte, so hÜagt 
das doch damit in keioem Falle sasammen und die Mitte des Cllvaa 
Capitoliaus, der bis sur Hohe fahrte, kaon ja doch nicht ao seiaea 
Anfangfe sein. 

77) Die erste Sage giebt Liv. I, 13. monumentum eiue pugH&0, 
ubi primum ex profunda emersus paiude equue Curtium in vaäo #to- 
tuit^ Curtium lacum appellarunt. Diooys. II, 42. 6 Si Koi(^toe 
^okia fiofdijaag evv %lfOvt^ QioZtxai i% 1^9 lifä>yrj£ za onla Ixmv $mI 
ets rov %a^axa aTtayerat. ovros 6 ronot ct^ox^x^ora* fiip ^Sij, ««AfXrcM 
S* ii iiui^ov rov na^ov^ Xov^wf Xazos, «V fitatf fialtara eiv r^g 
'J^wftaivjv iyoQa£. Plutarch. Rom. IS. Ovid. Fast. VI, 31^6« 
Stat. I, I, 68. 78. Von der zweitea spricht selbst oogläabig Liv. 
VII, 6. Plio. XV, 18, 20. Valer. Max. V, 6, %. {in media parte 
fori.) Zoii«r. VII, 25. Gros. HI, 5. PaoK Diftc.p.4<^. Curiiiaoum. 
Aagnst. de civ. d. V, 18. 



320 

beider gaben Andere in natürlicherer Weise über den Namen 
Auskunft, indem sie berichteten, dass der Ort vom Blitze ge- 
troffen und deshalb vom Consul G. Cnrtius (308) nmsehlossen 
worden sei, wonach man sich den Lacns als ein Puteal zu 
denken haben wird ^^^). Ganz nahe dabei standen, gleichsam 
als Wahrzeichen der plebejischen Ackerbürger ein Feigen- 
baum, eine Weinrebe und einOelbaum; Letztere viel- 
leicht etwas entfernter und bei ihnen ein Altar, der bei den 
Spielen zur Leichenfeier Caesars entfernt wurde ^^). — Zwei- 
felhaft kann es scheinen, ob das Sacrum Cloacinae auf 
dem eigentlichen Forum oder, wie gewöhnlich angenommen 
wird*^), auf dem Comitium stand. Wenn auf der einen Seite 
die Sage , dass Romulus und Tatius an dieser Steile sich ge- 
sühnt hätten ^^), während zugleich von ihrer Zusammenkunil 
das Comitium den Namen erhalten haben sollte, für die letz- 
tere Meinung zu sprechen scheint, so weiset auf der anderen 
die unmittelbare Beziehung auf den Cloakenbau auf das untere 
Forum hin. Und ein solcher Standort wird deutlich bezeichnet 



578) Varro, nachdem er die beiden Sagen angeführt hat, fahrt 
fort L. L. V, 32..p. 150. C, AeliuM et Lutatius tcribunty eum iocum 
esse Julguritum et ex S. C, sepium esse, id qitod factum est a 
Curtio consule, quoi M. Genucius fuit coUega, CitrNum appellatum. 
Auf das Puteal weiset auch hin Suet. Aug. 57. Omnes ordines in 
iaeum Curtittm quotannis ex voto pro sattife eins stipem iaciebant. 
Dasselbe ist die ara bei Ovid. Fast. VI, 397. 

CurtiuM nie locus, siecas qui sustinet aras^ 
Nunc solida est tellus, sed laeus ante fuit, 

79) Plin. XV, 18, 20. Eadem (ficus) fortuito satu vivit in me- 
dio foro, qua sidentia imperii Jundamenta ostento fatali Curtius ma» 
ximis bonis, hoc est virtute ac pietate ac morte praeclara expleverat. 
Aeque fortuila eodem loco est vitts aique olea, umbrae gratia seduli- 
tate plcbeia satae; ara inde sublata gladiatorio muncre Divi lulii, 
quod novt'ssime pugnavit in foro. Buns'en, Beschr. Hl B. S. 45. 
versteht unter der ara den locus Curtius oder das Puteal selbst, was 
ganz unstatthaft ist; denn in welches Jahr man auch diese Spiele 
setzen möge , so ist doch so viel gewiss , dass sie früher fallen , als 
alle jene Nachrichten, welche vom Lacus als noch bestehend sprechen. 

80) B u n s e n , Beschr. III B. S. 59. C 1 a us e n , Aeneas u. d. 
Pen. H. S. 736. 

81) Pilo. XV, 18; 36. Fuit (myrtus) ubi nunc Roma est, tarn 
tum cum conderetur; quippe ita traditur, myriea verbena Romanos 
Sabinosque, cum propter raptas virgines dimicare voluissent, deposi» 
tis armis purgatos in eo loco, qui nunc signa f^eneris Cluacinae ha» 
ket; dum enim antiqui purgare dieebant. Vgl. Serv. z. Aen. 

1 , 7n. 



321 

durch die EnShlung vom Tode der Virginia, welche vom Vater 
nach den Novae tabemae bei derCloacina, wo er aus einer /r»it«- 
na das Messer nimmt ^*^), geführt wurde. Die Tabemen waren ja 
aber nicht am Comitinm, sondern am Forum. Bedenkt man öber- 
diess , dass jene Sage vom Ursprünge des Namens Comitium 
viel mehr auf witzig grammatischer Spitzfindigkeit als anf hi- 
storischer Ueberlieferung beruht , so wird man Grund genug 
haben, die Cloacina anf dem eigentlichen Forum, wenn auch 
nahe dem Comitium , an der Seite nach den Novae tabema« 
anzunehmen. — So möchte ich auch glauben , dass die Sta- 
tue des Marsyas, welche als Sinnbild städtischer Freiheit 
galt*^), nicht auf dem Comitium, sondern dem Forum im en« 



582) Liv. HI, 48. tedueit ßliatn ae nutrieem prope Cioacina0 ad 
tabemas, quibus nunc NovU ett nomen, afque ibi ab lanio euiiro ar- 
reptQ etc. Auch bei Plaatas werdeo Comitium acd sacrum CioaeinnB 
unterscbieden. Cure. IV, I, tf. [v^l. Anm. 603.] 

Qui periurum eonvenire mtlt hominem miito in eamiiivm ; 

Qui mendacem et gioriorum, apud C/oacinae saerum, 
MÜDzeo der Gens Massidia stellen dieses Sacram dar. S. uns. Taf. V. d. 4. 
Was man alles daraaf hat erkeDoen wollen, ist bei Bunsen und 
Clans en a. a* 0. zu finden. Ich kann mich mit solcher Denkmttler- 
erklamoff nicht vereinbaren. Das Denkmal erscheint als ein erhöhe- 
ter Platz ^ vom mit einem rundlichen Geländer mit der Inschrift 
CLOAG umgeben, hinter dem zwei (auch drei) weibliche Figuren 
•leben; daher bei Plinius: Signa Cioaoinae, Dass bei dem Gelinder 
nicht an die Rostra za denken sei, ist schon erwähnt worden (Anm. 488.); 
eben so wenig aber möchten darin die Sehranken, welche das Comi- 
tium vom Forum schieden, zu erkennen sein, obgleich eine solche 
Abtheilung wahrscheinlich Sutt fand. Die Umfassung ist aogenrallig 
gerundet und zeigt das Sacellum von der Vorderseite als einen locus 
septus. Ob die ganze Form auf eine Schiffsprora in beziehen sei, 
will ich weniger bestimmt verneinen ; nur wurde sie eine andere Be- 
deutung haben müssen als die des Comitium als SUatssckiff. — Selt- 
sam klingt die Nachricht von einem Prodigium dea Jahrs 575. Inl. 
Obs. 62. Jncendio circa forum cum plurima esscnt dcusta , aedes 
Feneris sine uilo vestigio cremata. Wenn hier nicht aus dem Sa- 
cellum Veneris Cloa4$inae eine aedes Feneris geworden ist, ao bleibt 
es unerklärlich ; denn einen Vennatempel gab es am Fomm nie ; am 
wenigsten in jener Zeit. Dio Cassius sagt zwar LIX, II. nal 
{*ha) is t6 ^ti; ayo{fi uätpQcSia&ov ayakfia avri7ff_(Dmsillae) ioofiir^ii^ 
TOP T4f ngffi ^tov inl xat9 ojiioiaig TiftaXß na^if^mdjj. ; allein hier iat je- 
denfalls der Tempel der Venus Genetriz auf dem Forum inlinm zb 
verstehen. 

83) Schol. Cruq. z. Hör. Sa t. I, 6, 120. Marsya statua erat 
pro rostris, ad quam solebant eonvenire causidici etc. Serv. z. Aen. 
IV, 58. (Lyaeo) Qui — apte urbibus libertatis est deus; unde etiam 
Marsyasy minister eius, civitatibus in foro positus , libertatis tnäi- 
dum est; qui erecta manu testatur nihil urbi deesse. Vgl. n. III, 2^- 

21 



329 

geren Sinne gestanden habe» Sie wird -gaass nabe den Roatris 
genannt ; aber erst in einer Zeit, wo diese nicht mehr an ihrer 
früheren Stelle , sondern sub Veteribus waren, — Auf dem 
Forum stand auch dieColnmnaMaenia, eine Ehrensäole, 
welche dem Sieger über dieAntiaten errichtet worden war^*^)« 
Dabei bleibt eine andere Stelle bei PI in ins unerklärlich. Er 
spricht von dem früheren Mangel eines Mitteis, den Tag in 
regelmässige Abschnitte einzutheilen und giebt die oben er- 
wähnte Weise, den Mittag zu bestimmen an, wenn der Ac- 
eensns Cos. vor der Curie die Sonne zwischen Graecostasis 
und Rostra wahrnahm. Dann fahrt er fort YII, 60. a eobtmnu 
Maenia ad carcerem mcUnato sidere supremam fronuntiabMt. 
Ob diess auch vor der Curie geschah, ist ungewiss. Yarro 
L. L. VI, 2. p. 187. sagt nur: postea lex Praetoria id gue- 
fue iempus üibet esse supremtün^ quo praeco in comitio 
supremam pronuntitmt populo^^). Der Sonnenuntergang ist 
nun überhaupt nie von irgend einem Punkte des Forum zu se- 
hen, weil das Capitol im Wege ist ; er ist aber auch nicht ge- 
meint, sondern der letzte Abschnitt des Tags bis zum Unter- 
gange. Unbegreiflich bleibt nur, wie der Carcer genannt 



Di« Nike 4er Rostrt bezeui^t auch S e n e e. de b e a e f. VI, 39. (luliae) 
ffmim, tp^um ac rostra^ ex quibut pater Ittgem d$ udulteriU iuierat, 
filiae in stupra plaeuüte, quotidianum ad Marsyam eoneursum. Vgl. 
Dio Cagi. LV, 10. Plin. XXI, 3,6. Martial. II, 64,8. 

584) PUb. XXXIV, 5, 11. Antiquiw eolumnarum (celebratio), 
aieut C. Maenio^ qui devieerat priscot Latinos. Livins VIII, 13^ 
spricht voD einer Reiterstatve. yg\. Niebahr, Rom, Gesek. III, 167. 

85) Durch Varro's ansdräcUiche Erklamos, dass es ia coaitio 
^schah, widerlegt sich allein schon (wenn solch abenteaerliche Idea 
überhaupt der Widerlegung bedarf) die Meinung Hansens, Besehr. 
III A. S. 70. B. S. 44., der verbindet: a eolumna Maenia ad oaro&rem, 
and anoimtnt, dass »an durch eine angelegte Leiter jedesmal sar 
HShe der Säule gestiegen sei und dort das Sinken der Sonne beobach- 
tet habe. — Der Schol. Gruq. z. Hör. Sat. I, 3, %t. nndPseado- 
Ascon. z. Cic. divin. in Caec. 16. beziehen die Colanma Maenia 
irrthümlich auf die Basilica Porcia ; aber auch selbst bei einem sol- 
chen Standorte bleibt es unmöglich, die Sonne in der Gegend des Car- 
cer zu sehen. Es gedenkt der CoIumna Maenia auch Cic. p. Sezt. 
58. , wo von dem Emprange des Sextius bei den Gladiatorenspielen 
auf dem Forum die Rede Ist : venit — ad eolumnam Maeniam, tan^ 
iuM est ejf omnibtte gpeetacuiis tieque a (fapitolio , tantut em fori 
tanoellii plausus ewcitatus etc. Das scheint anzudeuten, dass di« 
Säule gegen das Ende des Forum am Gapiteliavs stand; denn von da 
baginat da« Beifallklatseheo. 



— ita — 

werdea kovale; deaa woUn man auch Cnrie und Cottdtfauii 
1^ und wie man sich nberhaopt aaf dem Forum stellen mag, 
so liegt er jederzeit nördlich. Wenn nnn unstreitig tu Ver« 
binden ist: sidere a columna Mnenia ad carcerem inelüatöj 
d. h. wenn die Sonne an der Sanle voritter sieli nach der Seite 
des Carcer neq;te , so scheint nach der mir Torschwebenden 
Otientimng ancb seihst im Sommer der Carcer ein sehr an- 
geeigneter Punkt ta sein« Daher IXsst sich anch die Stelle 
der Sittle fiicbt genauer angehen. — Eine zweite berihmt^ 
Ehrensiiule war ehenhUs hier, die Golnmna rostrata« 
welche im ersten pnnischen Kriege dem Seehelden C. Dni- 
lins gesetzt wnrde ***); und ausserdem gewiss manche Ststuey 
wie die Beiterstatue des L. CamOlns und nach Livins auch 
des Maenius , des Q. Mardos Tremulus ror dem Castortei»« 
fdl, wo später auch dem L. Antonius, dem Broder des 
Trinmvir, die von Cicero so bitter verspottele Statue aufga^ 
stellt wurde '^). Indessen mögen die Denkmäler auf diesem 
Theile des Forum nicht so zahlreich gewesen sein als auf dem 
Condtimn, da Sonst der freie Platz den mancherlei Zweekcv^ 
denen er diente, nicht genügt haben würde. Denn hier Wür- 
den erstlieh seit d. J. 282. in der Regel dieComitia tri«« 
buta gehalten, wobei man den ganzen Raum durch gezogene 
Seile in die nötUgen Abtheilungen schied *>)• Sedann hcfand 



580) PHd. XXi, », 11. Sil. ftal. VF, 163 IT. Qaint. J. 0. I. 7. 
eolumna f^niraia , quae •»€ C. Duilio in ftv p&$itm. BelMDotUcb 
ist, wiewohl lehr frogiiieDtift , dra hscirift d«r SKiile noeh crhahtfO 
«Dd bolndet sieh in die Basic einer medernen NaeMiidaog der Sttak 
«iafesetst aaf dcai Gapitale^ lai Palazaa de* Coatervatarl. Sie wurde 
bei« Aren» Sereri gefondea, woran» tieh einlsennassea auf des Stand« 
ort der Saale sebliesaea lässt. Wevv ^e Inseirriflt , wie man meint, 
einer spttterea Wiederharatelloag des Monnmeots aagebtfrt, so \si we« 
nigstens die altertbümiiebe Perm beibebaften. y$k Platner,. Besekr^ 
d. St. R. ili A. S. »00« 

87) Wegen Ganillita and Maeninv, Liv.VIlI, 13.; wegea Mareia«» 
IX^ 43. Mareiu9 de Hemieia ttiamphafu im nrketm reäiit, $latuaqu€ 
equegfriw in f&ro daereta ett^ quoB anfn templwn Cas$orii poHU Bit. 
ibrar sedenbt anoh in bitteren» Ver|:leiebe mit Aatoaias Gic. Pbil. 
y\y 5< In foT^ L, Ant0tHi rtahfum widemw, tieut iUmm Q. TremttH, 
qui Msrmeow deHHi, mntB €^ioris. Vgl. S. 91H. 

88) D i o n V s. VU, 59. oi ii d^it^fot, ov^aM^v^ «o si^aa /«*» 
^rp^ipMxm imltfüiap, faßmUit^p ofroiödsB fgMofpwiamim^y hr aJs tfi^itXov 
as f»^ afir<«af>^iu mff wtis. Appiaa. CiT. ttly 80. o» ^i #Mras 

21 • 



24 

aich hier wenigstens noch ein zweites Tribunal, das aasdrfiek« 
lieh in media foro genannt wird, was auf die Cregend dei 
Castortempels hinweiset ^'^). Gleichwohl ist es zweifelhaft, 
ob dieses dasselbe ist, welches als Tribunal Aurelium 
wiederholt genannt wird'°), und das eben in der Nähe des 
Castortempels gewesen zu sein scheint. Das Tribunal des 
Praetor urbanus scheint auf dem Comitium geblieben zo 
sein; dagegen sind es durchaus quaestionesy welche als auf 
dem Forum verhandelt angeführt werden; aber quaesUone» 
verschiedener Art'^), und es kömmt daher in Frage, ob jeder 
Praetor sein eigenes Tribunal hatte, oder verschiedene Falle 
auf einem und demselben verhandelt werden konnten. Wahr- 
scheinlicher ist es, dass mehr als ein Tribunal (natürlich nicht 
für alle Quaestionen) auf dem Forum war '^) ; nur muss man 
sie nicht als von Stein gebaut, sondern von Holz aufgeschlagen 
denken *'), so dass sie ohne Mühe weggenommen ui^d wieder 



ir« fiyy ayo^av neQiaxotvtaifisvoi ryp Xo'jfrtv ixaXow, Tiese Eiafacbbelt 
WiMf in 80 spSter Zeit, von der Appiao erzShlt, allerdiogs aafTalleD 




CharikL I. S. %n. 

589) Cic. ad Quin t. fr. II, 3. düti pro Bestia de amhitu apud 
fraetarem Cn. Domitium in foro medio maximo eonventu. 

90) Cic. p. Sex t. 15. in Pis. 5. p. Claent. 34. p. dorn. 2* 
Mao Dimmt an, dass es vom Consnl M. Anrelins Cotta im J. 680 erbaut 
worden sei. 

91) Z; B. de repetundis: Cie. p. Place. 28. Verr. I, 59. 
p, CIneot. 34. de ambitu: ad Qnint. fr. II, 3. inter tiea^ 
rioe: p« Rose. Amer. 5. de venefieiis : Liv. VIII, 18. lege 
Lieinia Junta: in Vatin. 14. Aucb Milo^s Anklage findet aaf 
dem Forum Statt. Das ergiebt sich daraus, dass Pompejns seinen 
Platz während der Verhandlung vor dem Saturnnstempel nimmt. Ascon. 
arg. p. 41 Or. Sedebat eo tempore Cn, Pompeiue ad aerarivm, nnd 
ipee pro aerario ui pridie eontedit sepius deleeta manu miiitum. 
Ihn redet aber Cicero an. e. 25. non hoe iam Ciodianum crimen fi- 
memue, sed tuas, Cn. Pompei {te enim iam appello ea voce, ut me 
üudire potsis), tuas, tuas, inquam, euspiciones perhorreseimus. 

92) Nur so erklärt sich Cic. in Vatin. 9. quum cum tu eon» 
ivlem in vineula dueeree et ab tabula Faleria eollegae tui mitti i»- 
berent: feoerisne ante Rostra pontem eontinuati* tribunalibus , per 
quem eon*ul populi Romani — non in earcerem , sed ad supplicium 
et ad necem dueereturf und.c. 14. iudiees quaestionum de proximie 
tribunalibus esse depulsos. vgl. p. Glnent. 27. 

93) Daher wird das Holz zum Verbrennen des Clodios von den 
Trlbanalen genommen. Aston. M ilon. arg. p. 34. Populus düee Sem. 



8t5 

aufgebaut werden konnten« — Ausserdem aber war das Fo- 
rum bis über die Zeit der Republik hinaas der regelmässigt 
Schauplatz der Gladiatorenkämpfe, wobei das Volk ringsam 
auf Schaagerüsten und den Balcons oder Loggien (maeniana) 
sttschauete ^**). Es geschah nach Plinias zum letzten Mala 
bei der Leichenfeier (oder Tempelweihe?) des vergötterten 
lulius Caesar, womit indessen andere Nachrichten nicht über- 
einzustimmen scheinen'^). Jedenfalls steht die Veränderung 
in genauem Zasammenhange mit dem Bau des ersten Amphi- 
theaters durch Statiiius Taurus, obgleich anfangs wahrschein- 
lich noch oft der alte Schauplatz beibehalten wurde. — In ähn- 
licher Weise und bei gleichen Gelegenheiten wurde auch das 
Foi*um zu öffentlichen Gastmahlen benutzt ^^). Um diesen 
Zwecken zu genügen, musste nothwendig darauf gesehen wer- 
den, dass der Raam nicht zu sehr von Denkmälern in An- 
spruch genommen wurde; und darin liegt wohl auch ein Grund, 
weshalb einmal Censoren alle Statuen'^), welche prioaii 



Ciodio scriba eorpus P, Clodii in euriam intuiii eremaviique MubielHü 

0t tribunulibus ttmensU et eodieibus librariorum, Dio Cass. XL, 49. 

594) Platarch. G. Gracch. 12. "^/mA^Uv o diffiog e^sao&M fto* 

feaTootuvaaavrts i^tfiiad-ovv, Vitrav. V, 1. Gic. p. Sext. 58. Lir. 
XXIII, 30. XXXJ, 50. Prop. IV, 8, 76. 

95) Pliu. XV, 18, 20. ara inde sublata gladiatario munere Divi 
lulii, quod novissime puf^nauit in foro* Dagegen sagtnook 
von Agnppa's Leichenfeier, 747. Dio Gaas. LV, 8. innatinot inlxf 
*Ayifin'Jiq, oTtKofiax*^ — ^^ ^^^^ SsiktoX^^ Sia re rijv n^oQ rov 'jiy^hmmif 
T^ifATjp^ nal 8ta t6 noXla rcivv ntf^l xijv ^o(fav oiioaofitfftaTatP MiMi»a^ct«» 
iyivovzo. Demnach wäre in dieser Zeit noch immer das Forum dar 
regelmässige Ort Tiir lodi fanebres gewesen; und damit stimmen öber- 
ein S u e t o D. T i b. 7. MunuM gladiatorium in memoriam pairis et ai- 
terum in avi Drusi dedit dioenie temporibut ae loeia : primwm Ai 
foro, $ecundumin amphitheatro, und Ovid. Art. I, 163, 

HoM aditus Cireueque novo praebebit amori 
Sparsaque so lÜ cito trietis arenaforo* 

96) Liv. XXXIX, 46. P, Lieinii funeris causa viseeratio dat€ 
et gladiatores eentum viginti pugnaverunt, et ludi fanebres per tri" 
duum facti, post Indos epulum, in quo, quum toto foro strata trieli- 
nia essen l, tempestas cum magnis proeeilis coorta coegit plerosque 
tabernacula statuere in foro. Dasselbe geschieht D i o C a s s. XL, 49. 
and so ist L i v. XLI, 33. zu verstehen. 

97) Plin. XXXIV, 6, 14. L. Piso prodidit, M. Aemilio C. Po- 
piiio II coss. a censoribus P. Cornelio Scipione (Nasiea) M, Popili^ 
statuas circa forum eorum qui magistratum gesserunt, sublatas omnes 
praeter eas quae popuU aut senatus sententia statutae essent Aar. 
Vict. Vir. iU. 44; 



326 

$ieh a«f 4em Forum gesetot hatten, wegschaffen liesaea, wie«^ 
wohl 49S Bauptmotiv Jedenfalls war» dass es Aaszeichming 
hleiben sollte. Bei festlichen Gelegenheiten aber, wenn die 
Pompa circepsis über das Forum ssog» wurde dasselbe voröber- 
gebend präcblig geschmückt ^'^) , uod ausserdem waren die 
Maeniana und zum Tbeile die Seiteuwände öffentlicher Ge- 
bäude, so wie deren Inneres mit den wertbvollsten Gemälden 
decprirt^^), — Zuletzt sind noch die lani des Forum zu er- 
wähnen I wenn mau nach dem noch erhaltenen vierfachen la- 
nus des Forum Boarium sie beurtheilen darf, sehr umfängliche 
Durcbgangsbogen , über denen sich Gemächer befanden, wel- 
che den Geldwecbslern besonders bei ihren Geschäften als 
Obdach dienten. Das Forum hatte ihrer drei, wie ausdrück- 
lich gesagt wird, am Eingange (von der Velia her), summua, 
gegen die Afilte, medius, und am unteren Ende, imus^^^). 



598) Cic. Vcrr. I, 22. III, 4. IV, 3. 57. Liv. X, 46. IX, 40. 
Sa et. Caes. 10. 

09) Das erste Beispiel g%h M. Valeriut Messala. Plin. XXXV, 
4, 7. Dignatio avtem (picturae) praeeipua Romae inerevit — a M. 
Falerio Messala; [qai] prineeps tubtslmm picturae proelii, quo Car» 
thaginienses et Hieronem in Sieilia vicerat, proposuit in latere ew- 
riae ffostiliae, anno a. Ü. c, CCCCXC. Aof dieses Bild beziehen die 
Schoiia Bobieosia za Cic. in Vatio. 9. die dort und ad fan. 
XIV, 2. i^eoannte tabula Faleria and erlclaren aaf gleiebe Weise die 
p, Quint. 6. erwähnte tabula Sextia, So stellte nach Plinips aaoh 
L. UostilittS Maocinns ein die Einnahme Kartha|^o*s darstellendes Bild 
aaf: L. Host. Mane, qui primus Carthaginem irruperat, situm eiue 
easpugnationesque depictas proponendo in Joro et ipse assistons po- 
pvlo speetanti singula enarrando. So bekleidete die maeniana sub 
Feieribus ein grosses Bild Serapions (Anm. 500.)* Nach der Binnabne 
von Korinth warde es gewöbnlieb, Gemälde griechischer Künstler Eom 
Schmuck des Forum zn gebraueben. Plin. 4, 8. Deinde video et in 
Jbro positas vulgo etc. 

600) Ho rat. Epist. I, f, 54. haee lanus summus ab imo Pro- 
doeet. Sat. II, 3, 18. Postquam omnis res ntea Janum Ad medium 
fraeta est. Wenn der Schoüast lar letzteren Stelle angiebt, es seien 
drei lani gewesen : in ingressu fori, in medio and ad eantum, so ist 
kein Grund, das mit Bentley and Heindorf zu verwerfen ; im Gegen« 
theile ist die Annahme, Janus sei der Name eines Fieus, ganz on- 
atattbaft. Denn der Ort, welcher lanus medius genannt wurde , war 
sub Novis, worüber kein Zweifel ist. Derselbe Seholiast sagt zur er« 
ateren Stelle: Duo lani ante basilicam Paxilli steierunt (s. u.), uhi 
locus erat foeneratorum. lanus autem hie platea dioifur, ubi mcr^ 
eatores et foeneratores sortis eawta convenire solebani* So richtig 
das ist, indem die Gesohäfle nicht nur innerhalb des Bogeni^ abgemaeht 
irarden, sondern überhaupt um denselben der Saramelplats jener Laot« 



r 



«7 

Daron war BftmenUich der lanns medius der Oü/ an dem 
die meisten Geldgeschätle gemacht wurden, gewissermassen 
die römische Börse ^^). Diese lani haben sich jedenfalls auf 
der Nordseite des Foromi zwischen dem Arcus Severi und 
dem Faustinatempel befanden und mit der Nachricht, dass der 
eine nahe der Basilica Panlli gestanden habe, stimmt vortreff- 
lich iiberein der Bericht, denLabacco von einer Nachgra* 
bong zwischen S* Adriano und dem Faustinatempel giebt. 
Man fand ein mit Säulen geschmücktes viereckiges Gebäude, 
das man mit Unrecht für den Tempel des lanus gehalten hat'). 
Gewöhnlich nimmt man an , dass sie über der das Forum be-^ 
grenzenden Strasse (Sacra via) gestanden haben. Es würde 
sich darüber entscheiden lassen, wenn die Stelle, wo jene 
Boine gefunden wurde, genauer bezeichnet wäre. — Zum 
Schlüsse dieser Periode möge die mehrerwähnte Schilderung 
aus Plaut. Cure. IV, 1. hier stehen, worin die verschiede- 
nen Stellen des Forum und seiner Umgebungen als Sammel- 
plätze gewisser Classen bezeichnet werden. 

Qui periuntm cojt venire toU hominem^ mitto in Co* 

initium\ 
10 Qui mendacem et gloriosum apud Cloaeinae iä" 

crum. 

Diiis damnoeos fMriios $uk ba$ilioa quaeritOf 



war, §• kABi ja do«h £e Eusteas 4e8 Bo^aa lelbst ia keiadm FalU 
geleogoet werden, aacb wenn man von dem durch Labacco berichteten 
Fnode absieht. Hless naa aber dieser Bo^en lanus medius, so mvst 
es auch eiaea summus nod imus gegeben habea ; denn das« die gansa 
Seite des Forum lanus geheissen habe, ist eine ganz willknhriicha 
Behauptung. 

601) Cic. de off. If, 125. Sed de tote hoe genere^ de quaerenda, 
de ooUoeanda peeunia , etiam de utenda eammodiau a qvihusdam 
opHmie viris ad medium lanum sedemHbus , quam ab ullis pkiloso- 
phis uila in sehola disputatur. Darauf bezieht aicb Cicero'a Spott 
über die Insebrirt der Statue des L. Aataaias : Sed illa statua pal" 
maris, de qua, si meliora tempora essenty non passem sine risu di^ 
eere: „L. Antonio lani medii pairamo*', Itanef lanus medius in L. 
Antonii cUentela sit? quis unquam in iOo lano initentus est, qui L. 
Antonio mille nummum ferret expensumf Vgl. ausser Bentlay «• 
Heindorf a. a. 0. Beier z. Cic. d« off. 1. l. Obbarius s. 
Hör. epist I, 1, &4. p. 72. 

2) S. Canina, Indicaz. topogr, p. 167. Labaeoa's Werk« 
waria sich ein Gmndiisa dea anfjj^fandeaen Gebäudaa befinden soll, 
habe teb siebt baootsea köuaa. 



SJM 

Ibidem erunt scorta ewoleta^ quique stqnUari solent, 
Symbolarum coUatores apud forum piscarium. 
Inforo infimo boni homines atqiie dites ambtihnt. 
15 In medio propter canalem, ibi ostentatores meri. 
Conßdentes garrulique et malevoli supra Lacum^ 
Qui alteri de nihilo audacter dicunt contumeliam^ 
Et qui ipsi sat habentj quod in se possit vere dicier. 
Sub y eteribus ibi sunt, qui dant^ quique acci- 

piunt foenore, 
20 Jfone aedem Castoris ibi sunt, subito quibus cre-. 

das male. 
In Tu SCO vico ibi sunt homines, qui ipsi sese ven- 

ditant. 
In Velabro vel pistorem, vel lanium , vel aruspicem^ 
Vel qui ipsi vortqnt, vel qui aliis ut vorsentur prae- 

beant, 

[Ditis damnosos maritos apud Leucadiam Oppiam,"} ^^) 

Die hier namhaft gemachten Oertlichkeilen sind bis auf einige 

bereits in Betracht gezogen worden. Was V. 14. forum in- 

fimum genannt wird, kann nur die Gegend unter dem Capi- 

tole sein. Ich möchte damit vergleichen Cic. de or. III^ 33. 

M. vero Mamilium nos eiiam vidimus transverso ambulantem 

foroy quod erat insigne, cum, qui id foceret, focere civibus 

, Omnibus consilii sui copiam etc. Was aber mit den Worten: 

in medio propter canalem gemeint sei, ist mir sejir zweifel-r 

haft, wenn nicht ganz einfach darunter eine in die Kloake 

führende Abzugsrinne zu verstehen ist^). Supra Lacum end- 



603) Ich enthalte mich hier eben so wohl der Kritik der Stelle, 
fdr die es mir an genügenden Hölfsmittelo fehlt, als der specieüeo 
Erklämng. Mehrere Verse zeigen sich schon von Seiten des Metrum 
als nnrii^htig. V. 9. ist vielleicht nach voU zu interpnogiren and statt 
hominem za lesen eum. Auch V. 20 kann so nicht bestehen. Ueber 
den Doppelvers II. u. 21. s. Anm. 542. Aber auch eine Erklämng, 
aus welchen Gründen der öden jener Art Menschen der eine oder der 
andere Ort angewiesen wird^ möchte, in wie weit sie überhaupt möglich 
Ist, erst nach der allgemeiuen Kritik der ganzen Scene versucht wer- 
den können. Denn es ist mir zweifelhaft^ ob alle Verse einer und 
derselben Zeit angehören. 

4) Darauf könnte in der That eine Stelle Tertnllians dt 
palL 5. fuhren t Ego nihit qffieio advigilo, nutia rostra praeocpt/po^ 



329 

lieh wird wohl als die Gegend der Rostra za denkea sein. — 
Wenn sich aber auch nicht von allen in dieser Schilderung 
berührten Einzelheiten Rechenschaft geben lässt, so ist doch 
die allgemeine, auch durch anderweitige Andeatangen bestä- 
tigte Bemerkung nicht ohne Interesse, [dass im alten Rom 
Leute eines gewissen Schlags gewöhnlich ihre Sammelplätze 
an bestimmten Orten hatten ^^). 

Das Forum yon lulius Caesar bis auf 

Domitian. 

Die Veränderungen, welche das Forum durch Caesar 
erfuhr, dürfen keinesweges als willkührlich getroffene und aus 
blosser Laune hervorgegangene betrachtet werden; vielmehr 
stellte sich nur jetzt erst in den veränderten Oertlichkeiten 
die Umwandelung äusserlich dar , welche in der Geltung der 
einzelnen Theile seit langen Zeiten vorgegangen war. Das 
Comitium hatte längst, wie die Curiatcomitien selbst, seine 
frühere Bedeutung verloren ; der Zauber, der in alten Zeiten 
die Curie, wie den Senat, umgab, war gewichen ; die Rostra 
waren der Tummelplatz der wildesten Leidenschaften gewor- 
den und wie das ganze politische Treiben sich dem unteren 



nulla praetoria observo, c anales non odoro, cancelhs non adoro, 
suhtelUa non contundo. , wenn diese Lesart Dicht ^ar verdächtif 
schiene. Paul. D i a c. p. 45. Canalicolae forenses homines pau- 
pereg dicH, quod circa canales fori consuterent. giebt aoch kei- 
nen weiteren Aufschlnss. 

605) Dergleichen Andeatangen finden sich nicht selten bei Cicero. 
t. B. p. Quin t. 6. ipse suos necessarios ab atriit Liciniis et a fau- 
cibus maceiii corrogat. Dazu Verr. III, 6!^. Albam Jemilium so- 
deniem in faucibus mareUi loqui paiam ,,vicisse Ferrem ; emtos ha- 
bere iudices'* etc. — Aibam habebo iudicem ; entn fiominem , qui $e 
ipse sciirram improbistimum cxistimari vuU etc. p. Qoint. 18. Fi- 
xit enim semper inculte atque horride ; natura tristi ac recondita 
fuit: non ad iolarium, non in Campo, non in conviviis vertatus est. 
(Nicht hieher gehörig ist wohl od He renn. IV, 10. Ita petulans es 
atque acer, ut ne ad solarium quidem idoneue elc. Es scheint za le- 
sen: ßd sipariom.) Dahin rechne ich auch p. Place. 28. Hoc nimi- 
Tum est tllud, quod non longe a gradibus Aureliis haec causa dicitur. 
ob hoc crimen hie locus abs te, Laeli, atque illa turba quaesita est. 
«d fam. VIII, 1. (Coelius Cic.) Te a. d. IXKal. lun. subrostrani 
{quod illorum eapiti sit) dissiparani periisse. 



990 

Theile des Fornm zogew^ndet kalte, so musste auch den De* 
magogen eine mehr in der Mitte desselben gelegene Stelle 
geeigneter für ihre Vorträge erscheinen. Aber das Festhal- 
ten an dem Hergebrachten hatte keine Vernickung der ein«' 
mal geheiligten Stätten zugelassen, bis der Zeitpunkt gekom- 
men war, wo überhaupt die alten Formen zerbrochen wer- 
den, und das gesammte Volk sich dem Willen eines Einzigen 
fügen sollte, den es der Mehrzahl nach selbst zu der Höhe 
emporgehoben hatte, auf der er allein zu stehen würdig war. 
Verworfen von- der Nobilität, aber stark durch die Gunst des 
Volks, musste Caesar sich um so mehr veranlasst sehen, die 
Denkmäler, an welchen die Erinnerung an die Herrschaft der 
Aristokratie haftete, zu beseitigen und dem Forum eine sei- 
ner jetzigen Bedeutung entsprechendere Einrichtung zu geben. 
Die Zerstörung der ehrwürdigen Curia Hostilia, gleich- 
sam die Leichenfeier der Republik selbst, erleichterte es ; die 
neue von Faustus Sulla erbauete brauchte weniger geschont 
zu werden. Von nun an sollte dem Senate ein Versamm- 
lungssaal angewiesen sein, der den Namen dessen trug, der 
über Rom herrschen wollte. Noch blieb die Curie am Co- 
mitium; aber dieses selbst wurde noch bedeutungsloser, in- 
dem die Rednerbühne mit ihren Denkmälern ihm entzogen 
wurde, und wenn diess auch nicht alles durch Caesar selbst 
zur Ausführung kam, so sind doch alle unter Octavian ein- 
tretenden Veränderungen nur Ausführung der von Caesar ent- 
worfenen Pläne. 

Die nähere Betrachtung derselben beginnt billigerweise 
mit der Curie, Es ist bereits erwähnt worden, dass die neu 
von Sulla eii)auete unter dem Verwände, einen Tempel der 
Felicitas an ihrer Stelle zu weihen, niedergerissen wurde, 
gewiss mehr weil der Senat seinen Sitzungssaal von Caesar 
erbalten sollte, als aus Hass gegen den Namen Snlla. Es 
scheint mehr als ein Jahr vergangen zu sein, ehe beschlossen 
wurde, dass eine neue als Curia lulia erbaut werden solle, 
was erst kurz vor seinem Tode geschah *°*). Daher hat er 



606) D i C a 8 s. XLIV, 5« ß9vUtmi^v ri r» tuMfbr ««ft^oai irfOf-^ 



531 

sislbst aa dem Nedmo keinen Theil, sondern Octavian begann 
nnd vollendete ihn, wie das Monumentam Ancyrannm 
bezeugt, wo die Cnrie an der Spitze der eigenen Werke 
Octavians steht, während andere als von Caesar begonnen, 
▼on Ersterem nur beendigt angegeben werden. Fragt man 
nun aber, an welcher Steile des Forum die neue Curie er- 
baut worden sei, so erweisen sich alle darauf bezügliche 
Nachrichten als unzulänglich für eine bestimmte Beantwor- 
tung, und es lassen sich darüber nur V ermuthungen anfsteK 
len. Ein doppeltes Zeugniss haben wir dafür, dass auch sie 
am Comitium stand ^<* 7). Nun sagt freilieh eine Nachricht, 
dass nach Caesars Tode (711) in Folge yieler Prodigien be- 
schlossen worden sei, die Hostilia wiederaufzubauen^), und 
man könnte dadurch bestimmt werden, zu glauben, dass der 
Neubau auf derselben Stelle nur unter verändertem Namen 
ausgeführt worden sei; allein dem widerspricht, was man 
nicht beachtet hat, Varro^s Angabe , dass die neue Curie als 
locus profanus erst zum templum habe inaugurirt werr 
den müssen'). Indem man sich nun nach einer anderen 
Stelle umsah, welche am Comitium sein konnte, hat man die 
Ruine der drei Säulen neben dem Vestatempel dazu ersehen, 
da dieses Gebäude wenigstens zum Theile noch am Comitium 
gestanden haben muss. Diese Ansicht konnte dadurch Be- 
stätigung finden, dass eines Theils auch die Rostra ihren 
Platz sub Feterihus erhielten, und dann dass die Fragmente 
der Fasti consulares hier ausgegraben wurden, die sehr schick« 



ita^av , tJtttSri ro OoriXtov ualve^ aromoiofifj&tP uad^i^i&rf, — oVwff 
/Eit^r« «V iiuifif> TU Tov ^vkXov ovofia ata^otvo ndk HtSQOv «x naw^Q «oro- 
intevaad'iv 'lovkiov ovouaad'tltj, Z o n a r. X, \%. 

607) Plio. -XXXV, 4, 10. Jdem in curia gtwqut, quem in eomi- 
tio eeusecrabat (Aagastns) , duas tabula» impressii variBti ete. D i o 
Ca SS. XL VII, 19.^ nal to ßovXsvnJQwv ro 'lovhov in avrov nXifd^ty 

8) Dio Cass. XLV, 17. »al Sta tovto t6 n ßovkBvrti^wv rö 
'Oariitov avomoSofttf&^ai — i^tpio&vf. Es ist jedenfalls nDterbliebeo. 

9) Gell. XIV, 7, 7. Tum adseripsit (Varro) de loci$, in quibtü 
senatuseonsultum ßsri iuf passet, doeuitqne eor(/irmatjitque,* nisi in 
Uca per augures eonstiiuto, quod templum appellaretur , senatuscon^ 
suHum factum esset, iustum id nen fuisse. Ptopterea et in curia Bo* 
stilia, et in Pompeia, et post in Julia, eum pro/ana ea l^ea 
fuissent, templa esse per augures eanstitttta. 



332 

lieh in der Curie gedacht werden mögen. Demnngeachtet 
itelit sich dem eine grosse Schwierigkeit entgegen. Das M o- 
nam. Ancyr. nennt an der Spitze der von Augustns aus- 
geführten Bauten : GVRIAM. ET. CONTliVENS. EI. CHALCIDI€VM. 
Nun gehört allerdings der Name Chalcidicum zu den noch 
nicht hinreichend erklärten ^^^), jedoch ist so viel gewiss, dass 
an die Curie noch ein anderer Bau stiess, der von einiger 
Bedeutung sein musste, da er besonders unter Augustus Wer- 
ken aufgeCuhrt wird. Dio Cass. LI, 22. nennt zugleich noch 
ein drittes Gebäude: %6 %e ^^-d-tivatov %a\ %6 XaXnt8t%ov 
fivofintafiivov , %a\ to ßovXevtiJQiov v6 ^lovXieiov — xo- 
&itQfaaev* Da nun die Noti tia neben dem Castortempel ein 
templum Minervae anführt, und unter Domitians Bauten eine 
Minerva Chaloidica genannt wird ^^), so hat Bunsen, wie 
schon Chishull gethan hatte, angenommen, das im Monum. 
Ancyr. genannte Chalcidicum sei ein solcher Minervatempel 
gewesen ^^), und ihm gehöre die Ruine der drei Säulen an. 



610) S. Schneider, Stratico u. Marini zu Vitr. V, 1, 4. 
Die 6 1 s s. fs i d. erkläreo, Chalcidicum, foris deambulatoriutn, quod 
et peribulum {•jttQißoXot) dicitur et iterum (pterom, ala). und damit 
verträgst sich wohl Vitruvs Vorschrift Tiir Basilikeo von bedeutender 
Länge : Sin autem locus erit amplior in longitudine, Chalcidica in 
extremis partibus constiluantur. Dagegen bietet die Halte der £n^ 
machia zu Pompeii, deren Dedication an demselben Gebäude Chalcidi- 
eum, cryptam, porlicus unterscheidet, nichts dar, was man auf den er- 
ateren Namen beziehen könnte, so dass er unerklärt bleibt; man müsste 
denn vermnthen wollen, dass ein Solarium in superiore parte zu ver- 
stehen sei, wie auch Bansen, Les Jor, de Rome, I. p. 6U. annimmt. 
Bechi, del Calcidico e della Cripta di Eumaehia etc. Nap. 1820. 
Tersteht es gewiss irrig von der Vorhalle. 

11) Euseb. od. Hieron. Ol. 217. p. 443 Rone. Auch derCa- 
tal. Imp. Vienn. t. II. p. 243 Rone, nennt unter demselben Kaiser: 
Templum Casiorum et Minervae. 

12) Dabei wird vorausgesetzt, dass bei Dio zu lesen sei: ro re 
'j^&ijvaiov t6 Mal XaltuSuiov wyof*. Man übersieht aber ganz, dass das 
Monum. Ancyr. den Minervatempel ja auch und ohne alle Beziehung zur 
Curie und dem Chalcidicum nennt. Ueberhaupt wollen dergleichen 
vieldeutige Anklänge sehr vorsichtig benutzt sein, und wie sehr sie 
täuschen können, sei hier an einem Beispiele gezeigt. Die Notitia 
Donnt eben auch in dieser Region, von der Gegend des Carcer aus- 
gehend ; Senatum, Atrium Minervae, Der Senatus ist nach dem 

' Sprachgebrauche der Zeit nichts anderes als die Curie, und wollte man 
sie als die lulia betrachten, so wäre nichts natürlicher, als unter 
dem Atrium Minervae das ^Jd^vatov XakiuButov zu verstehen. Da 
■u aber die Curia lulja am Comitinm gelegen war, sö würden wir 



333 

Wie grundlos diese Annahme sei , wird in der nächsten Pe* 
riode gezeigt werden ; ausserdem fallt es aber in die Augen, 
dass, wenn hier ein solcher Tempel stand^ kein Platz iiir'die 
Curie blieb. Dieser Verlegenheit hat Bnnsen durch den sehr 
unglücklichen Gedanken zu entgehen gesucht, dass die Curie 
hinter dem'Minerventempel am Palatin, wo sich sehr bedeu- 
tende Reste eines grossen Gebäudes finden, gewesen sei. Den 
Hauptbeweis dafür findet er in der Notitia, welche in der 
zehnten Region die Curia vettu nennt, was im Gegensatze ztf 
einem (wie ganz willkührlich angenommen wird) von Theodo- 
sius erbaueten Senaius die Curia lulia bedeuten soll. Das 
Unstatthafte dieser Annahme wird jedem einleuchten, der be- 
denkt, dass dann die Curie weder Ton Plinius in eomitio^ 
noch von Dio Cassius na^ee rä Ko/unitp genannt werden 
konnte ; dass es überhaupt zu den nnglaublichen Dingen ge- 
hört, sie sei in der zehnten Region (Palatium) und nicht in der 
achten (Forum Romanum) erbaut worden ; dass sie dann nicht 
fuglich continens Chalcidico sein konnte, da nothwendig beide 
durch die Nova via geschieden werden mnssten, und der Ge- 
danke, sie seien durch einen über die Strasse gespannten 
Brückenbogen verbunden gewesen, ist doch gar zu abenteuer- 
lich. Der grösste Missbrauch aber ist mit der Angabe der 
Notitia getrieben ; denn die von ihr genannte Curia vetus wird 
der ganz deutlichen Reihenfolge nach auf der entgegengesetz- 



dabin gebracht werden, dieses ftin Capitole zu «neben, wenn wir nicbt 
g^Iücklicherweise binreicbende Beweise hätten, dass es am ent§^e{^enge* 
seUten Ende des Fomm \^%, Und dass diess nnzweifelbaft ist, dafdr 
fuge ich dem oben Gesagten hier den schlagendsten Beweis hinzu« 
Herodian. If, 0. erzählt von einem Traume des Septimins Severus: 
fiiyav nal ytyvaiov 'iimov flaoiXtxotS <paXttQo&^ Mxoofirjfiirov ^tj^ Ski* 



K. 



^iw€U, avTif di äXXws iotwti vno^vvai xs avxov^ xal OQafUVov inl Toif 
VioxotS (pi(fuv Tt aatpaXws »al ar^vai ßfßaifuQ inl xij ^ äyogäs fii» 
0ij£ X. r. X. So war also das alte txKhjataatTKfioVy wie durchweg das 
Comitium genannt wird, da, wo von der Sacra via man in das Fomm 
eintrat, und von da erst gelangte Sevems auf das medium forum^ 
wo nachher zum Andenken an das Tranmgesicht seine Reiterttat«« 
stand. 



334 

tea, dem Caelins zugewendeten Seite des Palatia angegeben 
und bedeutet nichU anderes als die Guriae reteres, wie schon 
oben gezeigt worden ist (S. 99 ff.). Endlich gab es in der 
Zeit, wo die Notitia verfasst ist, sicher keine Curia loüa 
•mehr. 

Es ist mir nur eine Andeutung bekannt , aus der man 
schliessen könnte, dass die Curie an diesem Orte gewesen sei $ 
aber entscheidend ist auch sie nicht, da die ganze Stdle höchst 
unklar ist. Sie findet sich bei Prep. IV, 4., wo der Dichter 
von dem Verrathe der Tarpeja erzählt: 

Lucus eratfeHx kederoso contüus antro, 
Mtdtaque nativU obstrepit arbor aquh. 

Sitvant ramosa damusj qua du/cü ab aettu 
Pistula poturaa ire iubebat twes. 

Hunc Tatiusfontem vallo praecingü acemo 
Fidaque suggesta castra coronai humo. 

Quid tum Romafuitj tubicen mcina Curetis 
Quum quateret ienio murnmre saxa Iovu7 

Atque ubi nunc terris dicuntur iura mbactü^ 
Stabant Romano pila Sabinaforo. 

MuTua erant montei i ubi nunc est curia scpta^ 
Bellicus ex illo fönte bibebat equus» 

Uinc Tarpeia deae fontem libavit etc. 
Die Curie kann keine andere als die lulia sein und am nach* 
sten liegt es, bei der Quelle an den Lac us lu turn ae neben 
dem Vestatempel zu denken. Wäre nun wirklich zum Tem- 
peldienste der Vesta das Wasser der Intuma gebraucht wor- 
den, so würde man mit ziemlicher Gewissheit annehmen dür- 
fen, dass die Curie sich neben dem Vestatempel befunden habe. 
Das ist aber eben nicht der Fall; sondern es wurde für den 
heiligen Dienst täglich das Wasser vom Quell der Camenen 
vor Porta Gapena gehoh^^). Vietleicbl bat Properz sich über- 



•13^ Plitarck, Nam. 13. Ir« ^i %^a$ Movaati xa&Aefdiüiu ri 
fw^lov-^ in«iiV0 «cU rät tm pi avto X€9fM»pa6 -— . n^y ^i fnffh^f V ^^^^9^ 

Xaußip099a* naff fffU(^a» aywl^Qw* sm^ ^ai0m9i Yo «brdwropor« Vgl. 
ÖlaaseD, jieneas u, die Penaten, 11. S. 718. 



335 

h«iipt gar keine genan bestknmte Oerdiciikeit gedacht, sondern 
mit dichteriseher PhanUsie ein Bild vom damaligen Rom ent- 
worfen, ohne danach zu fragen, ob der lucus^ das hederosum 
mntnm nnd die Quelle in der Wirklichkeit vorbanden gewe- 
sen. Bei dieser Unzulänglichkeit der Nachrichten wage ich 
nber die Stelle der Curie kein bestimmtes Urtheil auszuspre- 
chen ; wenn inde^en nochmalige genaue Messungen den hin- 
.reicbenden Kaum ergeben, so würde ich es dennoch am 
wahrscheinlichsten linden, dass sie an der Stelle der drei 
Säulen gestanden habe, und wurde unter dem Chalcidicum 
eben ein deambulatorium verstehen, das die Stelle des Se* 
naeulam bei der Curia HostiUa vertrat. Ausserdem würde 
man, da es einen anderen Platz am Comitium nicht giebt, 
sie auf der Stelle des ehemaligen Vulcanal zu suchen haben, 
was indessen viel weniger Wahrscheinlichkeit hat, zumal da 
die Graecostasis , welche doch nicht ganz abgelegen von der 
Curie gedacht werden kann, sich dort in dieser Periode 
nicht mehr befand *^^). — Was sonst noch über die Curia 
Ittlia und namentlich über den Altar und die Statue der Vi- 
ctoria zu bemerken ist, das verbindet sich besser mit der 
Erörterung über das Senatsgebäude der dritten Periode. 

Eine zweite bedeutende Veränderung, welche Caesar 
vornahm, war die Versetzung der Rostra an eine andere 
Stelle des Forum. Ehe jedoch diese genauer nachgewiesen 
wird, ist es zweckmässiger von dem Tempel zu handeln, der 
ihm nach seinem Tode als Divus lulius geweiht wurde« 
Es ist schon früher erwähnt worden ^'), dass Caesars Leich- 



614) Plin. XXXin, 1, S. in Graeeostast, quae tune tupra eamf' 
tium erat. Die Graecostasis bestand aber bis in die spätestea Zeiten. 
Für diese Periode ist mir indessen nor noch eine Erwähnung bekannt. 
Kalend. Pinc. IX Kai. Sept. LVNAE IN GRAECOSTASI. Weniger 
Schwierigkeit würde das Bedenken machen, ob dort noch Raum für 
die Curie sein konnte. Denn es ist zweifelhaft, ob die Goocordia 
Opimia noch bestand, und vielleicht kSnnte damit zusammenhängen, 
dass zugleich mit dem Baue der Curie auch der eines neuen Concor- 
dientempels beschlossen wurde. Dio Gass. XLIV, 4. vsmy rs 'Ofwr 
voUtQ Katvijii (Uff nal 9t oütov et^ijvovvtes olxodo/i^aa$ koI rTan^yv^mf 
avrijv injoietp a/eir tyvwaav. 

15) S. X%i' Aura. 348. Vgl. De Romae veU mur, atq. port, p. Vt, 
Gie. Phil. 1,9. Dio Gass. XLIV, 90. 



33« . 

nam auf dem Forum (Comitinm) vor der Regia oder, was da- 
mit sehr wohl übereinstimmt, afite Rostra verbrannt wurde. 
Auf dieser Stelle wurde zuerst ein Altar, dann ein Tempel 
errichtet •^«). Daraus ergiebt sich , wie irrig die Annahme 
Bunsens ist , dass dieser Tempel jenseit der das Forum be- 
grenzenden Strasse an der Velia gestanden habe. Vielmehr 
war er auf dem Forum (Comitium) selbst errichtet und mit 
seiner Vorderseite dem Capitole zugekehrt ^7). Es war ein 
peripteros pycnostylos *»), und die Halle vor der Regia schloss 
wahrscheinlich das Puleal ein, da dieser locus religiosiu sei- 
nen Platz behauptete (s. Anm. 459.). Der Tempel scheint 
sich auf hohem Unterbaue erhoben zu haben und wahrschein- 
lich führten zu ihm zwei Reihen Stufen, so dass der zwi- 
schen ihnen hoch gelegene Spiegel einen passenden Ort 
gewährte, um zu einer Versammlung zu sprechen. Diese 
%ijfinlQf wie Dio Cassius es nennt , wurde nach der Schlacht 
bei Actium mit den Rostris der erbeuteten ägyptischen Schiffe 



616) Ap plan. Civ. H, 148. Vv{^a ßviftoQ npwTOf hi^, vvv T 
tarl wwff avTov KaiaaQog, III, 2. yip^ofitevog ovv ttara rijvSe njv wron 
tc^ioiv avyytvis rf Kaiaagi (C. Amatius), vnB(f^kyn fiaXtara avTOv t«- 
^twToe Mal pwfiov vTTi^i^xodufiti rij nv^a. Dio C a s s. XLIV, 51. fiat^ 
fi0v Ttva iv T<jf TtJQ nv(fäe x^9^*9 l^Qvoafievoi. Es scheint diese ara 
nicht verschiedea zu seio von der von Aadoren erwähnten columna» 
So et. Caes. 85. Postea sotidam. columnam prope XX, pcdum lapidis 
Numidiei in f ovo statuit, seripsttque PARENTI PATRIAE. Sie word» 
durch Dolabella wieder umgestürzt. Cic. Phil. I, 2. eversio illius 
exsecratae eolumnae. ad Att. XIV, 15. mirifictim DolahtUam 
meuml — columnam tollere,- loeutn illum stemendum loearel Gleich- 
wohl ist es unstreitig dieselbe columna, welche von Brutus auch ara 
genannt wird. Cic. ad fam. XI, 2. fit tanta Jrequentia militum w* 
teranorum, quos ttiam de reponenda ara eogiiare audimus. Auf der- 
selben Stelle wurde nachher der Tempel des Divus Julius erbaut. Dio 
Cass. XLVII, 18. %al ^q^ov oi tv rs rjj ayoQf xal iv rif roTrtj», *V f 
ixUavzOt nQonaTißaXXovTo (triumviri). und so auch Appian. Kalend. 
Antiat. XV Kai. Sept. AEDIS. Dl VI. IVL. DED. Am it. DIVO. IVLIO 
AD. FORVM. 

17) Ovid. Metam. XV, 841. 

— ut semper Capitolia nostra forumque 
Vivus ab exceUa prospectet Julius aede. 
Bp. ex Pont. 11, 2, 85. 

Fratrihui assimilis, quos proxima templa tenentu 
Divus ah exceUa Julius aede videt. 
|S) y itr. III, 3. Ergo Ihfcnostylus est, cuius intereolumnio uniua 
et dimidiatae eolumnae crassitudo interponi potest; quemadmodum 
est Divi Julii et in Caesaris foro Feneris^ 



— w 

gescIuMckt ^i^), null voa dieser Zeit aa Rostra lulia 
genannt. 

Die3S masste yoraasgesehiekt werden , um mit JUarheil 
voa der Veränderung sprechen zn können, welche die eigent* 
liehen Rostra ^°) erhihren. Es ist schon bemerkt worden, 
dass die Lage der Rostra in der letzteren Zeit der Republik 
nicht mehr recht angemessen erscheinen konnte, seit der Red- 
ner zu dem auf dem nnterea Forum versammeltea Volke zu 
sprechen hatte. Daher kömmt es unstreitig, dass die Dema- 
gogen häufig statt derselben die Stufen des Castortempels wäh- 
len (Anm. 510.). Dass nun eine Versetzung der Rednerbühne 
Statt gefunden habe, ist gewiss ^^) ; wenn aber berichtet wird, 
dass es noch durch Caesar selbst, kurz vor seinem Tode ge- 
schehen sei 22), so erheben sieh dagegen nicht zu beseitigende 
Widersprüche. Wir wissen nämlich, dass ihre neue Stelle 
sub f^eteribus war, und natürlich konnten sie da nur ungeBhr 
in der Mitte sein, also entweder vor dem Castortempel, oder 
noch weiter nach der Basilica Inüa hin , weil nur auf diese 
Weise der Redner die Versammlung vor sich haben konnte. 
Nun spricht aber Cicero j9ro rostris^ Phil. VI, 5. AdMfi- 
die a sini$ira itlam equs9trem statuam inauratam etc., 
and diese Statue stand, wie er gleich darauf sagt, vor dem 
CastiNlempel: In fore L. Antwdi staiutm videmus, Hcui il- 
lern Q. Tremulif qm Hernico$ devicily anie Castoris. Man 
könnte nun freilich seine Zuflucht dazu nehmen, die Worte 
ante Castoris nur auf die Statue des Marcius zu beziehen; al- 
lein auch diese koante ja nicht mehr ab vor dem Tempel ste- 
hend genannt werden, wenn die Rostra sich dort befanden 
und übrigens ist das nicht der einzige Widerspruch. Eben so 



619) Dio Cass. LI, 19. r^ xt ttptjniSu rov lovlu/ov ^(»4pot; roU 

%0) Bansen hat sie richtige unterschieden; dagegen ist allea, 
was Caaina, Indieazione iopagr. p. I&3. 163. Sui ro$tri del foro 
Romano, Atti Rom. VIII. p. 107 ff. sagt, voll der grös»ten Ungereimt- 
heiten. Bei iliin sind die Rostra foUa die von Caesar versetole». 

*il) Ascon. z. Cie. p. Mil. 5. Erant enim tune Rostra na« 
eo loco, quo nune sunt, sed ad Comttium, prope iunota Curiae, 

22) Dio Cass. XLIII, 4». »al ro ßtjfia «v iiiaif irov n^^vi^ov 
Tf); 470^£$ or« i£ top 9fvr %onov at^txw^o&tj. 

n 



338 

unvereinbar mit Dio ist Cicero^s Vorschlag, der Familie des 
Sulpicius Schauplätze an den Rostris zu geben (Anm. 454.), 
wenn diese selbst auf dem Forum standen, wo die Kämpfe 
Statt fanden und kein Zuschauer Platz haben konnte ; endlich 
aber ergiebt sich, dass bei Caesars Tode die Rostra noch auf 
ihrer alten Stelle waren, entscheidend aus Liv. Epit. CXVI. 
Caesaris cofyus quum in Campum Martiumjhrretur^ aplebe 
ante Rostra crematum est. Diese Verbrennung ge- 
schah aber vor der Regia (S. 224.) und also offenbar zwischen 
den alten Rostris und dem Tribunal. Man muss daher noth- 
wendig annehmen, dass die Versetzung zwar noch in Caesars 
letzter Lebenszeit beschlossen, aber eben so, wie der Bau der 
Curie erst durch Octavian ausgeführt wurde. Dass nun die 
neue Stelle der Rostra sub F'eteribus war, erfahren wir ^urcb 
die Nachricht von Augustus Leichenbegängniss. Säet. Aug. 
100. bifariain laudalus est: pro aede Dwt lulii a Tiberioy 
et pro Rostris sub f^eteribus a Druso Tibertißlto.^ und dabei 
werden ausdrücklich die Rostra lulia der eigentlichen Redner- 
bühne entgegengesetzt. Dio Cass. LVI, 34. nQors&eiof^s 
9k Tije TcXivfig inl %ov i^/iifjj'OQiUOV ßijfiatoQ, and 
filv iueivov o Jgovaog vidvdyvw dno di TcSy iTiqm¥ 
ifj^ßoXfav tiiv 7ovXl(or o TtßtQios di^/tioatov äij Tira 
xard toyfiaXoyop in aVTiji roiovde ineXdiavo ^**). — Beider 
Rednerbuhne standen die Statuen des Sulla und Pompejus, wie 
früher an der alten Stelle. Beide waren nach der Schlacht bei 
Pharsalus weggenommen worden, aber Caesar stellte sie wie- 
der auf '^)., Davon war wenigstens die des Sulla eine statua 
equestrü ^^). Ferner zwei Statuen Caesars ^®) und eine 



6!23) So wurde aach der Octavia eine doppelte Laodatiö von bei- 
den Rostris sebalteo. Dio Cass. LIV, 33. xi^v ^Oxiaovtav t^v adth- 
^nv iarod'ai*ovaav itifoi^tto int roi 'lovktov ^Qt^ov Trabant raauaTi xai 
TOT« tni Too vex^Oü x^aaftBvoQ, ital ülvto^ re ixti xbv iniratpwov ehre, 
ica2 6 jQOvaot inl rov ßi^fiaTOS, 

^ ;J4) Dio Cass. XLII, 18. rote luv eixoraQ rov re Ilofimfiov »al 
rov JSuXXov ras ml rw ß^fiax^ iavwaas avfiJiov. XLffI, 49. »al avr^ 
Os^ pr^fioTi) Tj Toü JSvaXov rov re JIofiTtfjtov tintotv amdo&rj, S n e t. 
C a e s . 7 5 . Sed et ttatuas L, Sullae et Pompeü a p lebe disieetasreposuit, 

25) Appian. Civ. I, 97. tinova re aviov inii^vaov tnl 'iitnov 
ir(fO rdßv tfißoXwv avi&eaav, 

26) D i G a s 8. XLIV, A. «al int yt rov fii^fKtros 9vo {arSQtayraii)^ 



Reiterstatoe Octavians *^7). Ausserdem haben wohl aacb die 
in alter Zeit in Rostris aufgestellten £hrendenkniäler hier 
ihren Platz wieder erhalten. 

Was nun die schon in voriger Periode besprochene B a - 
silicalulia anlangt, so ist über die Stelle, welche sie am 
Forum einnahm, kein Zweifel, vielmehr vereinigen sich alle 
Nachrichten über sie mit den Ergebnissen der Ausgrabungen, 
um ihr mit völliger Gewissheit ihren Platz anweisen zu kön- 
nen. Das Monumentnm Ancyranum giebt sie als zwi- 
schen den Tempeln des Castor und des Saturn gelegen an 
(Anm. 530.); eine Bezeichnung, welche höchst angemessen 
erscheint, wenn man bedenkt, dass in Augustus Zeit zwischen 
ihr und dem Satumustempel kein Gebäude stand, und erst spä- 
ter dicht unter diesem der Tempel Vespasiaus erbaut wur- 
de ^®). In später Zeit wird zwischen diesem und der Basilica 



vor fttv ius TOPS TTolirat aemcw^roff, rov 9i we ryv noXtv ac nohofftUaQ 
iirifmfUvov^ fiträ rdr üti<pavmy ttiiv inl toU TO«ovro«ff i^ivouioftivmy 
id'ifvaavto, \f;\, Cic. ad iftm. XII, 3. 

627) Vellei. II, 61, 3. konorutum equestri $tatua^ quae hodie- 
que in Hoslrü poiita etc. Cic. ad Brat. 15. Dio Cass. XL VI, 1^. 

28) Das eben scbeioeo die SberseheD zq baben, welche die Raine 
der acht Saale n forden SatorDoatempel erklärten. Nibby, For, Rom. 
p. 94 ff. bat zwei St'uckeu des capitoliniscben Plans (s. unsere Taf. IV. n. 3.) 
aof die Basilica lalia and den Tempel des Divos lalias (den er dicht 
daneben setztj bezo^n, nnd G a n i n a ist ihm darin mit einigen Abwei- 
cbnngen gefolgt, die den Irrtbum nar noch scblimmer machen. Es ist 
ganz annötbig^ nach erlangter richtigerer Ansieht von der Lage des 
Forum ond seiner Gebaade alle dawider sprechenden UnmÖglichkeitea 
hervorznheben. Nar einige allgemeine Bemerkungen mögen gegen eine 
solche Deatong gemacht werden. Abgesehen davon, dass die beiden 
Stücke, sowohl was den Gruudriss als die Schrift anlangt, von ganz 
verschiedener Grösse sind, was man vielleicht daraas erklären könnte, 
dass nur das eine Original, das andere nach Bellori (angeblich Orsini) 
gemachte firgänzang ist, gleicht dieser Grundriss sehr wenig einer Ba- 
silica, am wenigsten, wie man sie in Caesars Zeit erwarten muss. Es sind 
nnr zwei um eine oblonge Area laufende CryptaeoderPorticns, durch viele 
leicht aogedeatete Pfeiler gebildet. Kein» Säulen , keine Stufen , wie 
sie die Ausgrabung zu Tage gefördert hat, kein Tribunal, deren noto- 
risch mehrere darin waren, während der Plan diess alles überall auch 
bei ganz anbedeutenden Gebäuden, selbst in Privathäusern genau an- 
giebt. Es ist ferner nicht bedacht, dass, wenn dieser Risi der Basi- 
lica angehören sollte, sie ihrer Länge nach am Forum gelegen haben 
müsste , wodurch den beiden Tempeln , welche entschieden zwischen 
ihr und dem Vestatempel gelegen haben, der Platz weggenommen 
würde; es ist nicht bedacht, wo die Graecostasis Platz finden solle, 
welche derselbe capitolinische ?\mü, ganz anders als die angebliche 

22* 



340 

iMiek üt Graecoslasis ed^, wie es nmm aach kamUt^ das 
Graeeostadian erwähnt; warn aber diese Ueher verlegl 
worden sei, darüber ist nichts bekannt. In dieser ReihenlUgc 
finden sieh die Gebinde in der Notitia anfgelnhit: Tewipham 
Coneordfae H Satumi ei f^espatimm et TiÜ*^^). Cmpkmlutm. 
Miliarium auremm. Viefom, lugarium. Graecoetmiium. Baei- 
tica lulia^ templum Castamm ete. Damit stinat femor vor- 
trelHieh nberein die Angabe, dass der Laens Serrilins 
am Anfange des Vicos logarios bei der Basilica lalia gewesen 
sei *^) \ wie denn eben auch die Notitia den Vicns lugarias 
nennt, der von der Porta Carmentalis am Capitole sich hin» 
ziehend bei dem Vespasiantempel in das Fonun einmiindete. 
kömmt daxQ noch zam Ueberfinsse die in der nächsten 



Bsiilica, als eio sehr lUUliehei Gebaode seist« (Vgl. sosere Tafelo 
und die dazu gegebene BrUäroog.) Dass sie aber neben der Basilica 
lag, geht ans der Notitia nnd dem Catal. imp. Vienn. p. t47 
Rene, auf das Klarste berrer. WUI man aua etwa fragen , was demi 
aber der GmadrfSs bedente, so ist daran f nar sa aatworten, dass die 
eapitoliniscben Fragmente iiberbaopt fast aar Gebäude zeigen, die 
Hiebt nor ihren Namen naeh, sonders oft aueb , was die Art der Ge- 
binde anlangt, ans vnerklärlicb bleibea. Hier ist aber jeder Versneh 
zvr Erkl&fiiBg überhaupt bedenklich ; dean erstlich ist es sehr zwei- 
feihaft, ob die Stfickea zusamueagehlirea , and dann würde aas aar 
daaa ein sicheres (Jrtheii haben können , wenn wir Originale vor oas 
hüttea. So aber kans die Veründcrnng eines einzigen Bacbstabeas 
dem Ganzen eine gaaz falsche Dedealaog gegeben haben. Ich kaan 
mit Bansen in dem Grundrisse nichts als eise Porticus erkennen, 
gerade wie eia anderes FragUMut (Bellori t. XVI.) die Per tica a 
Aemilia zeigt. Es ist sehr glaublich, dass es eiae Porticus 
I u I i a gab ; denn Angnst dedicirte eiae sdehe Halle unter den Namea 
seiner Enkel Cains und Lucius Caesar (Aam. S3t.) , so wie er unter 
deren Namea auch die BasiUca neu bauete. So wie aber diese nicht 
Basilica Caii et Lucii, sondern lulia geaannt wurde, so wird aach die 
'Portions diesea Namen gehabt haben. Will man einwenden, dass das Mo- 
num. Aoeyr. nichts von einer solehen Porticus meldet, so ist darauf 
SU erwiedera, dass mehrere von Augostus zwar erbaaete, aber unter 
anderem Namea dedicirte, wie die Porticus Liviae und OctaWae, dort 
aicbt anfgerdbrt sind. Die Basilica aber hatte er schon früher aus- 
gebaut. 

629) Voa einem Templum Titi 4st mir weiter nichts bekaant. Das 
Capitol aber darf an dieser Stelle aicbt befremden. Die Beschreibung 
geht vom Vespasiantempel auf die Hübe uad kSmmt mit dem Vieas 
lugarias wieder an das Forum , wo das erste Gebinde die Gfsecoata- 
sls Ist. 

30) Fest. p. 290. Senfiiiw laeut appeUabatmr [ab] ea, fui eum 
/meiendum eurmvtrüt im prineipio viti iwgmrii, eomtintfu In 
MUte^ in pio i^eo JkH nffigi^ hydrae pofita m M. jigrippe. 



J4l 

Periode geheftd x« machende Stelto ans Stalius, welebe die 
gaase Orienlining in Bevög auf die Statue Domitiaiis giebt. — 
Diese aa sich schon ganz klaren Beaeiebnungen haben nun 
auch durch die Entdeckungen des J. 1835 die entschiedenst^ 
Bestätigttag erhalten. Bei der Aufgrabung des Bodens des 
Forum bei der Phokassäule kam jenseit der das Getäfel be- 
grenzenden Strasse ^e lange Linie von fünf Marmorstu- 
fen zum Vorsehein , die offenbar einem grossen Gebäude an« 
geborten, das für kein anderes als die Basiiica lulia erkannt 
werden kennte. Das erhielt denn auch seine volle Bestätigung 
durch Auffindung einer Marmorbasis, welche Reste einer in- 
sebrift zeigte, die zwar s|Nuiieh genug, aber doeh roilkonunea 
hinreichend sind, deren Idenlität mit einer schon im sechzehn^ 
ten lahrirandert vollständig abgeschriebenen unzweifelhaft dar-» 
zutbun, welche die BasiUca lulia nennt *^^). Selleil treffen 
aUe Umstände so erwünscht zusammen, um ein (Sebäude to{MH 
graphisch bestimmen zu können; und da wir wissen , dass in 
der Folge zwischen der Basiiica und dem Vestaheiligthume 
noch zwei Tempel lagen, so ist dadurch die Restauration die-* 
ser ganzen Seite des Forum vollständig gegeben. Zwischen 
der Basiiica und dem Castorlempel lief wahrscheinlich der Yi- 
cus Tusctts in das Forum ein ; wie weit aber Erstere in den- 
selben hineinreichte , ist ungewiss. Pseudo-Ascon. z. 
Cic. Verr. I, 59. sagt: Signum f^ortwnni in ultimo 
vico Turario est sub basilicae üngulo fltcttn- 
tibu9 se ad postremam dea^tram partem* Das wird 



631) Sie ist schon von Panvinioa im KegioneBverzeicIiiiitse mitge- 
theilt (Graev.^thes. 111. p. 39<J.)- Groter CLXXi, 7. giebt an, 
aie sei bei den drei Säulen gefaoden worden ; aber Panvin sagt : prope 
columnam, d. i. die Phokassanle, also dieselbe Stelle, wo sie ne« 
euCdeckt worden ist. Das heutige Fragment yorhält sich zn der frii- 
hereü Abschrift also: 

GABimrS. FETTIFS 

A PROBUNFS. F. C. PRAEF. FRB. 

ASILICA STATFAM. QFAß. ^ASILICAÄ 

ER. ÄEPARATAB IFUAE. A. SE. NOFJTER. AEPARATAfi 

SET. ADIECIT ORNAMENTO. ESSW^. ADIECIT 

Vgl. Buihtino d. hut* 1519. Mftno. Biinsen, Buckr. d. St. Jl. 
m I. ». H. 



342 

von Bunsen (III B. 8. 41.) auf die lalia bezogen. Mir ist 
die Sache zweifelhaft. Die lulia war unstreitig ein sehr gros- 
ses Gebäude, wie sich aus dem ergiebt, was sogleich über ihre 
Benutzung gesagt werden wird. Wenn aber die Bildsäule des 
Vertumnus am Ende des Vicus Turarius, d. i. Tuscns, stand 
und doch auch ganz nahe der Basilica, so scheint doch entwe- 
der der Vicus auf einen zu kleinen Raum beschränkt zu wer- 
den, oder Letztere müsste eine unglaubliche Ausdehnung ge- 
habt haben. Es kömmt also in Frage, ob man mitNardini 
(II. p. 176.) dieSempronia verstehen dürfe, für welche al- 
lerdings die Grundslücke bei dem Signum Vertumni angekauft 
wurden *®*). — Die Basilica brannte noch unter Augustns ab 
(Anm. 530.) und wurde von ihm neu unter den Namen seiner 
Enkel Caius und Lucius erbaut s^). Im Jahre 282 wurde sie 
mit vielen anderen Gebäuden wiederum durch Feuer zerstört 
und von Dioclctian wieder hergestellt ^). — Sie diente vor- 
zugsweise zu Gerichtssitzungen und namentlich wurden hier 
die catisae centumviraies verhandelte^). Da nun diese vier- 
fach waren, d. h. vier besondere conciUa zu Gericht sassen, 
so hatte sie auch vier Tribnnalia, die ausdrücklich ge- 
nannt werden 3«), Ausserdem finde ich sie noch dreimal er- 



632) S. ADm. 540. Baosen meint, die lalia sei an die Stelle der 
Semprooia gelrelen, aber eben dagegen spricht die jedeofallä beträcht- 
liche EntferouDg des Vertumnos. (Jebrigeos ist es durchaus nicht nö- 
thig anzunehmen , dass der Scholiast von seiner Zeit spreche. Die 
"*"i^,x ^^^^^ ^^\ ^«*t s'"^ •«» älteren SchrirtstcUcrn entnommen. 

33) Monum. Ancyr. (Anm. 530.) Suet. Aue. 29. Ouaedam 
etiam opera sub nomine a/ienö , nepotum sctUcet et nxorü sororis- 
que/ectt: lUporticum hasilicamqu e Lueii et C aii: item 
porticus Liviae et Oetaviae theairumque Marcelli, 

34) Catal. imper. Vienn. t. Jl. p. 247 Rone. 

35) PI in. ep. V, 21. Descenderam in basilicam luiiam — . Se- 
dehant iudices, centumvfrf venerant etc. II, 14. VI, 33. 

3Ö) „Wenn die Topographen von vier Tribunalen träumen, so ist 
diess ein blosses Missverständniss einer leicht Ter t ig gelesenen 
oder nachgeschriebenen andern Stelle desselben Plinius , wo 
er von einem vierfachen Gerichte spricht". Bunsen, Besehr, III B. 
Ä. 87. Dagegen mussten, wie er sagt, drei Tribunale darin gewesen 
sein, weil Plinius ein primum tribunal, nicht pritu, nenne. Es ist 
jederzeit schlimm , die alten Schriftsteller leichtfertig zu lesen; 
aber noch schlimmer, sie gar nicht zu lesen und die von Anderen ci- 

SI- k? D I . ? "**'"* *'"""•' nachzusehen, endlich sie zu verwechseln. 
Xlicht P 1 1 n I u 8 nennt ein primum tribunai und nicht nacl» ilim (VI, 



343 

wähal : erstlich In Bez^g aaf Caligala, der mehrmab vou ib- 
rem Dache Geld unter das Volk auswarf^^^), und ausserdem 
von Statins und Martial. s. d. folg. Periode. 

Auch derCIi vus Capitolinus hat in dieser Zeit melu*^ 
fache Veränderungen erfahren. Augustus stellte hier das Mi- 
liarium aureum auf^^)$ der Form nach wohl den ge- 
wöhnlichen römischen Meilensteinen gleichend, aber wahr- 
scheinlich miJt vergoldeter Bronze bekleidet. Seine Stelle wird 
angegeben am Anfange des Forum Romanum,. unter dem Sa- 
lurnuslempeP^). Seine Bedeutung ist nicht völlig klar. Irrig 
ist jedenfalls die Meinung, dass von ihm die Messung der rö- 
mischen Strassen begonnen habe ; vielmehr ist es gewiss, dass 
die Meilen erst von den Thoren au gerechnet wurden. Eben 
so irrig hat man aus PUnius scbliesseu wollen, dass darauf die 
Entfernung der einzelnen Thore von diesem Paukte angegeben 
gewesen sei ; denn Plinius spricht nur von der Vermessung 
Vespasjans, und im Grunde hatte dieselbe in einer Zeit , wo 
Rom schon weit über die alten Tbore hinaus sich erstreckte, 
geringen Werth ; noch weniger kann sie Beziehung auf Au- 
gustus Oberaufsicht über die römischen Heerstrassen haben. 
Dagegen wird es durch Plutarchs Angabe, dass hier alle 



33.) haben die ,,leichtfertigeD'' Topographen vier Tribaoalia angeoom- 
nieo, sondero es sagt diess mit klaren Worten Qu int. I. 0. XII, 5, 6. 
von dem Redner Trachallns : Certe cum in basilica lulia diceret 
primo tribunali , quatuor autem iudieia, ut tnoris est, eogeren- 
tur atqtte omnia clamoribuM fremerent ^ et^ auditum eiim et intelle- 
ctum, et, quod agentibui eaeteris oon turne Host ss im um 
J'uit, laudatum quoque ex quatuor tribuna li but 7ne~ 
min i. Ich habe das nicht übergehen wollen, om, weil es gerade mit 
kurzen Worten geschehen konnte , an einem Beispiele za zeigen , auf 
wessen Seite eigentlich die Leichtfertigkeit und das tfXvagtiv ist. 

637) Suet. Calig. 37. Quin et nummos non medioeris summae 
fastigio batilicae luli'ae per aliquot dies sparsit in plebem. Viel- 
leicht hatte er sie Benutzt, um darüber seine Brücke nach dem Capi- 
tole zu scblogen. cap. 2!2. 

38) Dio Cass. LIV, 8. rote di^ avros re jrooazaTijg zoiv ttcqI 
xijv *F(/jfAfiV bSifiv ai(jed'tls xal t6 %(fvaovv /liXtov utithjfiivov laxijas, 

39) Plin. III, 5, 9. mensura currente a Miliario aureo in ca- 
pite Roma ni fori statuta ad singulas portai. Tacit. Hist. I, 27. 
(Otho) per J'iberianam domum in Felabrum; inde ad Miliarium au^ 
reum sub aedem Satumi. Suet. Oth. 6. ut se in foro sub aede 
Üaturni ad Miliarium aureum opperirentur, s. d. folg. Anm. 



S44 

Wege ludiens ihren Endponkt gebabt^^^^), wahrscheaftikb, 
dass auf dem Miliarium die Namen und Längen der versohie* 
denen von Rom auslaufenden Strassen verzeichnet waren. Es 
wurde in so fem als der Mittelpunkt, umbitieusy des römischen 
Reichs angesehen. Neben dem Triumphbogen des Septimius 
Severus haben die Ausgrabungen eine grosse runde Basis zu 
Tage gejfordert, die von Bunsen^^) als dem Mtliarium an- 
gehörig erkannt wird ; angeblich ist auch ein Stück der Säule 
gefunden worden. Mit Tacitus und Sneton stimmt das aller- 
dings nicht fiberein ; denn sie liegt nicht unter dem Saturnus- 
tempel, sondern gerade unter dem der Concordia. Man müsste 
also annehmen, dass irgend eine Anlage am Clivus, yielleicht 
die des Vespasiantempels die Versetzung des Miliarium veran- 
lasst hätte. Und allerdings nennt der Anonpnus von Ein- 
siedln wiederholt: Sei. Sergii^ ubi umbiticum Ramae, Die 
Kirche SS. Sergio e Bacco lag aber hinter dem Arcus Severi 
zum Theile auf der Area der Concordia. Indessen macht 
dagegen doch die Reihenfolge, in welcher die Notilia die Denk- 
mäler nennt, bedenklich. Sie giebt nach den Tempeln am Cli- 
vus und dem Capitolium: Miliarium aureum. Vicum luga- 
rium. Graecaitadium, Basilicani luliam etc. Stand nun das 
Miliarium unter dem Saturuustempel, so war es allerdings zu- 
nächst am Vicus lugarius. Es könnte daher jene Basis auch 
einem anderen Denkmale angehört haben, s. d. folg. Periode. — 
In dieser Zeit wird auch ein Denkmal erwähnt, das wegen 
der wiederholten Verbindung mit dem Concordientempel hier 
anzunehmen sein wird. Es ist der Tempel (oder wohl mehr 
Kapelle, aedicula) des Genius Publicus oder Genius 
populi Romani'^^), den ausserdem eine späte Nachricht 



SO) P lata r eh. Galb. 24. dia Ty9 T$ße^iov titdovfUpfjs JOuUas 
äff ißadi^iv ets ayo^itv, ol xqvaovQ tiazr^xst vtlutv^ eis ov ai xt- 
iiva& T^S^Irallag odol icaaai tele vTwa&r, 



6 SO) 
ftaraßat 
T fiijfii: - , 

41) Le forum Rornanum, p. 14. Beschr. d, St. R, III B, 
S. 10t. 

42) Dio Ca SS. XL VII, 2. yv%lq r« in\ rov vim %ot Ftviov rov 
iijfiov Kai inl njfff 'Ofiovo/ag naftnXi^&Bit t9^v&tj90tv, L, 8. »aX ßvae tt^cu- 
Tov fup is tov T^ff *Ofi9VOias vabVf ^itetra 91 »al titl rovg äXlovs nivrae 



84S 

mit den Rostris in Vei%indinig bringt*^'). Endlich wurde im 
J. 767, wegen der Wiedereriangong der unter Vanis verlore- 
nen römischen Feldzeichen bei dem Salurnnstempel ein dem 
Tiberios geweihler Triumphbogen errichtet**), von 
dem jedoch keine Spur mehr übrig ist. Ein anderer Triumph- 
bogen war dem Augustus auf dem Forum errichtet worden ; 
seine Stelle wird aber nicht näher bezeichnet**). — An dem 
Lacus Curtius , wo Galba ermordet worden war, wurde ihm 
spater eine Statue aufgestellt *<»). 

Das Forum seit Domltian. 

Das entsetzlichste Ereigniss, welches Rom betroffen hat, 
war der grosse wahrscheinlich dorch Nero angestiftete un< 
absichtlich weiter verbreitete Brand. Bd weitem der grössl» 
Theil der Stadt mit den altehrwärdigen Denkmälern der kö* 
aiglichen Zeit und der Bepublik, den glänzenden Anlagen der 
ersten Kaiser und den herrlichsten Werken griechischer Kunst 
wurde efn Raub der Flammen. Nach Tacitus bekannter Schü-' 
dernng (Ann* XV, 38 — 41.) blieben von den vierzehn He«^ 
gionen nur vier und jedenfalls die unbedeutenderen verschont; 
drei wurden von Grund aus vernichtet, von den sieben ubri* 
gen blieben nur einzelne ebenfalls stark beschädigte Gchäude 
stehen*^). Unter den letzteren war auch die achte Region 



lavv6To inl vb tov vaov rov Piviov rov 8t)aov idov&ij. Vgl. Fast. 
Ami lern. Vlil Non. Oet. GENIO PVBLIGO. 

643) Catal. iuip. Vieaa. p. ^46 Rone. (Aureliaaus) Crejitampo- 
puli Rüfnani aureum in rostra posuit, S. d. fol^. Periode. 

44) Tacit. A BD. II, 41. Fine anni arcut propter aedem Sü" 
iurni ob reeepi^a iigna cum Faro amissa ^ duetu Gertnanici, auspi^ 
eiu Tiberii (dicatur). 

45) Dio Cass. LT, 19. tuä aifnSa rQ<maio^6^oy Xv xs x^ B^sv 
reßiia, ttal 6ti(fav iv xij 'Fututtiff o/o^^ tSwxay. 

46) Säet. G a 1 £. %^[ SenatuSy ut primum licitum /uit, statuam 
ei deerwerat rostratae coiumnae svperstantem in parte fori, qua 
trucidatus est. Taeit. H ist. II, 55. populus cum lauru ac ßoribus 
Gaibae imagines cireum templa tuÜt, eongestis in modum tumuU 
eoronis iuxta Laeum Curtii, quem loeum Galba moriens sanguine 
ij^ecerat. 

47) Cap. 40. Quippe in regiones quatuordecim Roma dividitur, 
quarum quatnor integrae manebant; tres solo tenus deiectae; septetn 
teliquis pauea teotorwn vesiigia supererant laeera et semiusta» Es 



346 

oder das Forum Romanam, doch blieb das Gapitol UBVersehrt 
und wahrscheinlich auch der untere Theil des Forum. Da* 
gegen brannten die Gebäude am Comilium, von denen Tacitus 
die Regia und den Veslatempel ausdrücklich nennt, nieder, 
und also jedenfalls auch die Curie, sie mochte nun neben der 
Yesta stehen, oder auf der entgegengesetzten Seite. Ihr Un- 
tergang aber wurde nun eben Veranlassung, dass jedenfalls 
Domitian eine sehr bedeutende Veränderung an dem Forum 
eintreten liess. Ich finde zwar allgemein angenommen, dass 
die C u r i a I u 1 i a bis in die spätesten Zeiten bestanden habe ; 
aber es fehlt an jedem Beweise dafür. Die letzte Erwähnung 
derselben geschieht nach der Ermordung Caligula's, wo der 
Senat aus Widerwillen gegen den Namen der lulier nicht in 
ihr, sondern auf dem Capitole sich versammelt <^-^^). Von da 
an gedenkt niemand mehr des Namens; wohl aber wird aus- 
drücklich gesagt, dass Domitian ein neues Senatsgebäude auf- 
führte. Die übrigen Topographen scheinen gar nicht weiter 
darüber nachgedacht, sondern in sicherer Ruhe angenommen 
zu haben, dass, was von Augustos gebaut worden sei, auch 
durch alle Zeiten habe besteben müssen ; Bunsen aber ist of- 
fenbar zu der gleichen Annahme durch die späte Erwähnung 
eines Denkmals veranlasst worden, das sich in der Curia lulia 
befand. Augustus nämlich weihete darin einen Altar der 
Victoria und eine Bildsäule der Göttin^'). Sie war in 
Dio^s Zeit noch vorhanden, wie er ausdrücklich sagt, und wird 
noch später erwähnt ^^). Sprächen nun nicht andere Gründe 



scheint das doch etwas zu viel gesagt. Von der achten Region blieb 
jedeofalls ein Theil stehen, und auch die neunte kann nicht so total 
yerwüstet worden sein. Dio Cass. LXII, 18. sagt indessen auch: xk 
Svo Ttov fii^ij (rz/g noktwi) ixav&fj. 

648) S u e t o n. C a 1 i g. 59. Et senatus in asserenda lihertale adeo 
eontensit, ut Coss. primo non in curiam , quia lulia vocaba^ 
tur , sed in Capttolium convocarent. 

49) Dio Cass. LI, 22. iviazriai Si ig avro (t6 ßoyXevT^^Mv) r o 
a^aXfia rö ry/ff Nixt^g ro »al vvv ov St/lüiv, m «b«i«v, or*w«|p 
avT^g zifv a^xV^ inTyaaTO. yv dt 8tj tüiv Ta^avrivwP xtü ixti'&iv igvyv 
'PioiAtjv TCOfiHfüiv IV TS TCji Qwtdgiif idgv&t^ xal u^iyvntiotg Xafpv(jotg 
ixoofiTi&tj, Vgl. Sueton! Aug. 100. /<mti« triumphali porta dueen-- 
dum, praecedente Fictoria, quae ett in curia, 

50) Herodian. V, 5. (Heliogabalus^ nifiipag xf «ff x^^FiffiifP 
iniXeiQiv iv r» ftsoaiTdrtff xijg QvyMkyxov xoniif vynglQxdxm ve v^v tutiva 



r 



347 

dagegen, so wäre «s allerdings das Natürlichste, sie fortwäh- 
rend an ihrer ursprünglichen Stelle zu denken; erweiset es 
sich hingegen, dass das spätere Senatsgebäude an einem Orte 
stand, wo die Curia lulia niramermehr gewesen sein konnte, 
so wird eben so natürlich anzunehmen sein, dass die Statue 
der Göttin, das hochwichtige Heiligthum der Curie , bei dem 
Brande gerettet worden sei ; es ist auch selbst möglich , dass 
die Curie, da nur ein Theil des Forum abbrannte, nicht so 
völlig zerstör! wurde, dass nicht die Statue, wahrscheinlich 
ein v^oldetes Bronzebild, erhalten worden wäre. Mit einem 
Worte, von der späteren Existenz eines beweglichen Kunst- 
werks lässt sich in keinem Falle auf die Fortdauer des Ge- 
bäudes, in dem es sich befunden hatte, schliessen. Dagegen 
erfahren wir, dass Domitian einen Senatus, d. i. in der 
späteren Latinität eine Curie, bauete^^'). Vespasian fand 
nach seinem Siege über Vitellius Rom noch zum grossen Theile 
vom neronischen Brande her in Schutt und Asche ^3). Der 
Aufbau der Privatgebäude war unterblieben; die öffentlichen 
Bauten hatten jedenfalls der einen unsinnigen Anlage des gol- 
denen Hauses nachstehen müssen ; dazu kam noch der Brand, 
der das Capitol bei dem Angriffe der Vitellianer zerstörte. Die 
zehnjährige Regierung dieses Kaisers und die zweijährige sei- 
nes Sohnes Titus konnten natürlich nicht hinreichen, um die 
Ungeheuern Anlagen, welche von beiden unternommen wurden, 
zu beendigeu ; zumal da dio letztere wiederum einen grossen 
Theil Roms in einem mehrtägigen Brande untergehen sah. Da- 
her fällt die Ausführung und Vollendung derselben überall Do- 
mitian zu. Die Curie war jedenfalls nicht das dringendste 



avaTt&tjva* tmtQ xetpal^e roo ayakfiaros r^s NUtji, VII, 1 1 . wo Nea- 
fierde einige Soldaten Maximios in die Curie treibt: ovo di tj rfftis 
vt^tt^'OTtoor ineatovaai rwv ßovXtvofilvtuv -d'cAiJoarrcf «iV ro avvi^Qiov 
iigt^X&ov, MS TOP lif^vfiifoif ßwfiov rijs NUr^i vittQßijva^ tovvovq, Noch 
spätere firwäbnnngen s. Anm. 658. 

651) Hieron. ao. 92. t. I. p. 443 Rone. Prosp. Aquit. p. 571. 
Cassiod. Cb ron. t. 11. p. 197. Catal. imp. Vienu. p. ^43. 

52) Saeton. Vcsp. 8. Deformis urbt veteribus incendiU ac 
rtnnii erat: vacutu areas oecupare et aed\ficare^ $i possessores ce«- 
sarent, cuicunque permüU. 



848 

Bedfirfniss ' gewesen, da eine Menge Tempel ihre Stelle ver- 
treten konnten; übrigens war es ja anch schon gewöhaiieh 
geworden, die Versammlangen im kaiserlichen Paläste zu hal- 
ten. So wurde sie jedenfalls erst von Domitian erbaut ; aber 
nicht an ihrer früheren Stelle. Wir erfahren diess daraus, 
dass seitdem vor ihr der lannstempel stand und da beide Ge- 
bäude sich gegenseitig bestimmen, so ist hier der Ort, za- 
nächst die Stelle des Tempels zu erörtern. Es ist oben (S. 
255 IT.) gezrigt worden, dass dieser Tempel des lanus 
Geminus oder Quirinus, der index beUi pacisque oder 
die poHa belii, am Forum stand ; jedenfalls aber an einer et- 
was abgelegenen Stelle ^^^), da bei so unzähligen Stellen, wei- 
che die Oertlichkeiten des Forum berühren, seiner nirgend Br^ 
wähnung geschieht. Für die genauere Bestimmung ergeben 
sich nun allerdings Schwierigkeiten aus den dunkeln Sagen, 
welche von seinem Ursprünge reden ; Sagen, welche uns nur 
durch Dichterstellen oder Grammatiker der spätesten Zeit be- 
kannt werden. Demungeachtet sind Letztere durchaus nicht 
geradehin zu verwerfen, da ihre Nachrichten gewöhnlich aus 
alten Quellen stammen; und muss man auch anerkennen, dass 
in den meisten Fällen, namentlich wo es sich um topographi- 
sche Fragen der älteren Zeit handelt, sie aller klaren Vorstel- 
lung ermangeln, so kömmt es nur darauf an, dass sie getreu 
berichten, was sie fanden. Das scheint aber eben hier ge- 
schehen zu sein und die arge Verwirrung, welche man auf den 
ersten Blick in den Nächrichten über den lanustempel wahr- 
nimmt, ist nicht ihnen zur Last zu legen, sondern denen, wel- 
che eine Sage aus frühester Zeit auf ein späteres Denkmal 
bezogen, ohne zu ahnen, dass dadurch zwei ganz geschiedene 
Oertlichkeiten identificirt wurden. — Alle treffen darin zu- 
sammen, dass sie an den lanustempel die Sage von einem im 
Kriege gegen Tatius den Römern vom Gotte geleisteten kräf- 



653) Das heisst in Bezog auf das Fonim selbst ; fibriseos an einer 
gewiss sehr lebhaften Stelle. Mart. X, 78, 3. vom lanns vor Do- 
mitian: 

Perüiu$ txiguoM habitabas ante Penates, 
Plurima qua medium Roma terebai Her, 



Ugen Beistände kvipfen. Als nämfich 4ie Sabinen (durch Ver- 
raUi, oder mit Gewalt) durch ein Tber eindriDgen wollten, 
liess lanns einen mächtigen Quell heissen Wassers iiervor- 
k«chen und trieb so die Feinde zurück. Den Ort» wo diess 
geschah, und der von dem wannen Quell den Namen Lau« 
tolae führte, setzt Ovid unter den Capitolinus, in dessen 
Nähe ja eben der lanuslempel stand $ als Begebenheit aber, 
wobei der GoU sich hälfreich zeigte, giebt er den Yerrath 
der Tarpeja an. Fa st. I, 359. 

liie manu mulcfins propeücam edpeeiara barbam 

ProtinuM OebaUi rettuUi arma Taii, 
Utque Uvk atstoi armillü eapia Sübinis 
Ad iummae tocüas iuxerü arcis Her. 
Inde^ velui nunc est, per quem deseendUis^ inquity 

ArdHU9 in volles et ***) fora cUvus ^at. 
Et tarn centigerat porimn^ Satumia euius 

Bempserat opposüas üisidioea sera$* 
Cum iäntö veriius committere numine pugnam 

Ipse meae movi ealiidus artis opus, 
Oraque, qua potlens epe sum, fontana reclun 

Sumque repentinas eiaculatus aquas. 
Ante tarnen madidis subieci sulpAura venis^ 

Clatiderei ut Tatio fervidus hnmer Her. 
Cnius ut utüita^ pultis percepta Sabinisj 

Quaefueraty tute redditaforma loco est. 
Ära mihi posita est pareo ceniuncta saeeUo etc. 
Es ist oEettbar, dass Ovid sich das Thor, durch welches die 
Sftbiner eindringen wollen, am Fusse des Capitolinus denkt; 
es verschitesst den CKvus, welcher zur Ii6he fuhrt. Ob ^ 
damit den Clivus Capitolinus meine, oder einen anderen , lässi 
sich nicht entscheiden. Letzteres ist jedenfalls passender; 



654) Merkel bat den hasdseliriflTicbeii Anteritäten folgeiid d» 
frSbcre Lesart per fwra wieder aafgeaoiUDe« und xur Priifvnf dertel*- 
beo aof^fordert. ?ioch Heiner Ueberttea{raQ|f giebt iie gür keinen Srn«; 
denn wo der Cltvai besinnt, da bSrt das Fomm aitf nnd es lassen sieb 
wobl/mi ptr vßlle$, triebt aber vailw peffora^ neek weniger ein 
elivus per fora denken. 



350 

wenn auch nicht gerade nothwendig, dass Ovid es so gedacht 
habe; die Erwähnung des Fornm passt aar den einen wie 
auf den anderen. Genug das Thor stand unten am Berge 
und da hier das Wunder der plötzlich vorbrechenden heissen 
Quelle geschah , so hätten nach Ovids Vorstellung auch die 
Lautolae hier sein müssen. Endlich ist es das Gewisseste, 
dass der lanustempel hier stand ; denn ihm zu Liebe ist ja die 
ganze Erzählung in dieser Weise von Ovid gedichtet ^*^). 
Ganz anders hingegen berichten darüber die Grammatiker. 
Ohne Rücksicht auf das Bestehende zu nehmen, ja ohne viel- 
leicht genauere Kenntniss davon zu haben, erzählen sie nur, 
was sie bei alten Schriftstellern, vermuthlich Annalisten oder 
Yarro darüber gelesen hatten, und lassen die ganze Begeben- 
heit in der Gegend der Carinen am Esquilin vorgehen. Die 
wichtigste Stelle ist bei Mac roh. Sat. I, 9. Cum belle Sa-- 
bmo — Romani portam^ quae sub radicibus collis 
Viminalis erat^ quae postea ex eventu lanualis vo^ 
eata esiy claudere festinarent, quia in ipsam hostes ruebant^ 
poslquam est clausa, mox sponte patefacta est. cumque ite» 
rurii ac tertio idein contfgisset, armati plurimi pro limine^ 
quia claudere nequibantj custodes steterunt, Cumque ea: 
alia parte acerrimo proelio certaretur^ subita 
fama pertulit^ fusos a Tatio nostros. Quam ob cau^ 
^am Romanik qni aditum tuebantur territi proßigerunt. cum* 
que Sabini per portam patentem irrupturi essentj Jertur ex 
aede lani per hanc portam magnam vim torrentium undis 
scatentibus erupisse — . ea re placitum^ ut belli tempore ve-> 
lut ad Urbis auxilium profecto deofores reserarentur. Diese 
Angabe, dass das Thor, wo der heisse Quell hervorbrach, un"- 
ter dem Viminal gelegen habe, ist den Topographen sehr an-* 



655) Es bleibt nocb Manches in Ovids Erzablun; seltsam, noch 
nehr in Met. XIV, 775 ff., wo dieselbe Geschichte mit einigen Ab- 
weichungen berichtet wird. Das Sonderbarste ist, dass der Versach 
der Sabiner, sich der Borg zu bemächtigen, gegen alle Geschichte als 
durch des Gottes Beistand vereitelt dargestellt wird. Es ist das in- 
dessen natürliche Folge der Verbindang zweier ganz verschiedener 
Sagen ; denn der lanvs steht zvr Tarpeja nicht in der entferntesten 
Beziehung. 



361 

stössig gewesen. Das Leichteste war, sie geradeza für Eid- 
sehaltQDg eines Abschreibers (!) zu erklären oder za emen- 
diren*^^). Dabei übersieht man, dass anderwärts der Name 
iauiae Cainnae von den dort befindlichen Laatolae, in Ueber- 
einstimmnng mit Macrobios, abgeleitet wird^'); nberhaapt 
aber zeugt jeder Versuch zur Aenderung von mangelndem 
Verständniss der ganzen Sage. Denn aus Macrobius selbst 
ist es klar, dass von einem ganz anderen Orte, als vom Forum 
die Rede ist. Wie man immer vom historischen Standpunkte 
aus über jene Sabinerschlacht nrtheilen möge : so viel ist ge- 
wiss, dass die Sage sie als eine Doppelschlacht darstellt, wie 
denn gleich anfangs Romulus sein Heer in zwei Schaaren al^- 
getheilt haben sollte, deren zweite Lucumo befehligte. Auf 
dem Forum, wo das Haupitreffen geliefert wird, kämpfen Ro- 
mulus und Tatins : der zweite Kampf findet bei den Carinen 
Statt. Darum sagt Macrobius: Cumque ex alia parte 
acerrimo proelio ceriaretur^ subito fama pertulü j ßtsos a 
Tatio nostros. d. h. die jenes Thor Vertheidigenden hörten, 
auf dem Forum sei Tatius Sieger. Und so spricht denn auch 
ausdrücklich von der Doppelschlacht Dionys. II, 41. X) dh 
TttTioc %al oi Saßivoi (pQWfQiev jfiVOfABVoi uaftiQOV xvg$9i 
— ix Tov äag>aXove ^äfj %6v noXt/iov itifpMQOv. noXXal fukp 
ovp avTtov iyiyorro xoi fiä noXXäe nQoq>da$ie Tro^cor^a- 
ton€9ivx6t(i9v dXXiJXoeg di oXiyov nsJgai re xal avfinXo" 
xul — • /nfytatat if ix nagatdiews oXats Talß dwdiM9$ 
ngos dXXyjXag fidxcti 8$%val xal (povoß ixavigmv no^ 



656) So Nibby, Mura dt Roma. p. 69. Baasen, Besekr. d. 
St R. J. S. 145. Richtiger urlheilte Niebohr, Rom. Gesch. I. S. 3:^0, 
ohne auf deu Widerspruch einzu§;eheo. 

57) Serv. z. Aen. VIII, 361 {Lautae Carinae) Mit, quod R^ 
mani Sabinis instantibus fugientes eruph'one aquae /eroentü et ipH 
Uberati et hoste* ab insequendo repretsi. aut quia ealida aqua /o- 
vandis vtdneribus apta Juit, locus Lautulus appellatus ost. Vgl. 
z. I, 295. Huius autein aperiendi vel elaudendi templi ratio varia 
est. alii dicunt, Romulo contra Sabinos ptignante, quum in eo esset, 
ut vinceretur, calidam aquam ex eo loeo erupisse , quae fugavit ex^ 
trcitum Sabinorum. Mine ergo traetum morem, ut pugnaluri ape^ 
rirent templum, quod in eo loeo fuerat constitutum ad spem pristixi 
auxilii. 



38« - — 

Ivß ^^). Demnach scheint die Lage der Laaiolae unter den 
Carinen gewiss, aber sie waren längst verschwanden und die, 
welche, wie Ovid, den lanus am Forum kannten, suchten sie 
natürlich auph dort, und konnten nun keine andere Beziehung 
des göttlichen Beistandes finden, als zum Verrathe der Burg» 
Dass aber Macrobius sagt, jenes Thor am Fusse des Viminal 
(das wenigstens nicht zur palatinischen Stadt gehören konnte) 
sei nachher Porta lanualis genannt worden, enthält einen Wi- 
derspruch ; denn der lanustempel (und der ist ja gleichbedea- 
tend mit der Porta lanualis) gehört erst dem zweiten Könige 
an. Oder hätte Numa wirklich denselben bei den Carinen, 
ad infimum Argiletum, das wir noch spät hier finden, 
erbaut und wäre er erst bei dem Neubaue an das Forum und 
d^n Capitolinos versetzt worden? In diesem Falle würden 
auch Varro's Worte, L. L. Y, 32. p. 156. Lautolae a 
itf«df/i<^o, quod ibi ad Ißrmm Geminum aquae caldae J^U0^ 
runU von der alten Stelle zu verstehen sein. 

Wenn diess unentschieden bleiben muss, so ist dagegen 
gewiss, dass in der späteren Kaiserzeit er vor der Curie stand. 
Ausdrücklich sagt es Procop« Goth. I, 25. iyjii ik %6p v$mv 
iv T^iiyoQÖi ngo %ov ßovXntv^Qiov , oXIyov VTtsgßdvfi %tt 

JUfy«, und, es folgt daraus nothwendig, dass das Senatsge- 
bäude von dem oberen Theile des Forum, dem ehemaligen Ce- 
mitinm, hinweg in die Gegend des Carcer verlegt worden war. 
Weil man sich nun von der Vorstellung, dass die Curia lulia 
bis in die spätesten Zeiten müsse bestanden haben, nicht 



658) St) scheint den Sinn dieser Worte, wenn Ich recht verstehe, 
anch Merkel z. Ovid. Fast. p. GXX. ^efasst zn haben. Anderes 
ist irrig. Varro giebt keinesweges die Porta lanualis !n der Maner 
der ältesten palatinischen Stadt an; w'w war« das anch möglich ge- 
wesen ! Intra murot gilt ja von der servischen Maner, die in Varro^a 
Zeit nech die Stadt nmschloss. Pie lautulae 9wtra urbem bei Paul. 
Diac. p. 118. sind nicht mit Müller als ausser der romaliscbea 
Stadt za verateben. Sie sind ganz verschieden von denen, die einst 
bei» lanus waren. Nicht hieber gehörig ist übrigens Angnstin. de 
eiv. dei. III, 13. Siquidem ad obsidionem quoque perventum esi et- 
vitatii clausüque portü te tutbantur. QuibuM dolo nperÜM admÜMS- 
que hostibus intra moenia in ipso foro — pugna commissa est* Er 
denkt offenbar an den Verrath der Tarpeja. 



353 

trennen konnte., hat man die Tbatsache, dass in Procopius 
Zeit das Senatsgebäude am Capitole war, durch folgende Hy- 
pothese zn erklären gesucht. Es ist bekannt, dass unter Va- 
lentinian II. und Theodosius vorzüglich auf Ambrosius Betrieb 
dem heidnischen Gultus in Rom kräftig entgegengearbeitet 
wurde. Damals wurde der bis dahin erhaltene Dienst der Vesta 
auFgehoben und da noch immer in der Curie der Altar der 
Victoria stand, diess aber für den dem Christenthume anhän- 
genden Theil der Senatoren Gewissenssache war, so wurde 
dieser hinweggeschaSt;. Symmachus als Praefectus Urbis und 
an der Spitze der heidnischen Parthei stehend, bat dringend 
um Wiederherstellung**^), aber des Ambrosius kräftiger Wi- 
derspruch verschaffte dem Christenthume den Sieg *^). Darauf 
hin nimmt nun Bunsen mit grosser Sicherheit an, um den 
Streit der Partheien ganz beizulegen, habe Theodosius ein 
neues Senatsgebäude hergestellt und die Curia lulia sei seitdem 
geschlossen gewesen*^). Man erwarte dafür keinen Beweis ; 
es ist nicht die leiseste Andeutung eines solchen Baues, über- 
haupt einer Veränderung der Art vorhanden : es ist reine Hy- 
pothese, offenbar nur deshalb ausgedacht, weil die Victoria 



659) Epist. X, 61. Quis ita familiaris est barbarisj ut aram 
Vtctoriae non requirat ? Cauti in posterum sumut et tristium rertim. 
ostenta vitamusi reddatur tantum nomini honor, qui numini dene- 
gatu9 est. 

60) Am\>ro8. ep. (ad calc. Symm. ed. Parei.) 1. p. 470. Si &o- 
die gentUis aliquis Imperator, quod abstt, aram statueret simulacris 
et eo convenire cogeret Christianos — et in ea Curia sententiam 
diceret, ubi iurati ad aram simulacri in sententiam eogerentur etc. 
2' p. 473. Cum vir dar. Praefectus Urbis Symmachus ad clementiam 
iuam retulisset, ut ara, quae de urbis Romae curia sublata fuerat, 
redderetur loco etc. p. 482. Sic deam esse et yictoriam crediderunt 
•te. — Huius aram strui in urbis Romae curia petunt, hoc est, quo 
plures eonveniunt Christiani. Es ist wohl zn bemerken, dass nnr 
der Altar, nie die Statue der Victoria genannt wird ; denn ara simu- 
lacri bei Ambrosius ist nnr der einem Götzen geweihete Altar. — 
Wenn übrigpens Ambrosius durchdrang, so kann Claudia n. de VI 
cons. Honor. 597. 

jliffuit ipsa suis ales Ficioria templis, 
Romanae tutela togae, quae divite pompa 
Patricii reverenda Jbvet saeraria coetus^, 
nur figürlich verstanden werden, wiewohl auch dann noch die Erwäh- 
nung seltsam bleibt. 

61) Les forum de Roms. I. p. 64. {Annali d. Inst. t. Vllf. p. 
:268.) Besehr. d. St. R. III B. S. 108 f. 

23 



354 

nun einmal schlechterdings in der lulia gedacht werden sollte. 
Allein dabei ist ganz übersehen, dass der lanus vor der Carie 
schon] in viel finihercr Zeil erv^ähnt wird , eben der Curie, 
welche der eigentliche Ort der Senatsversammlungen schon 
damals war. Denn als Didius lulianus zum ersten Male als 
Imperator in die Curie kömmt, opfert er dem vor ihr stehen* 
den lanus. Dio Cass. LXXIlI, 13* ual tiXog, ineiiilj ngie 
%6 awedgiov i^X&e Kai rdi 'lavü rm fiQo ftiv &vqwp avtov 
&vaBtv f/uAAfV, iSex^ayov ndvzeg %. t. A. cap. 14. o%9 xd 
itQnijQia ngo %ov ßovXhVT%Qiov i^vev 6 VovXiavog*^^), 
So finden wir also schon lange vor Theodosius die eigentliche 
Curie in der Nähe des Capitols und es ist kein anderes Ge* 
bände, als der von den Chronisten (Anm, 651.) genannte Se- 
natus, den Domilian erbauete. Denn mit demselben Namen 
nennt sie an derselben Stelle, wo sie einzig gesucht werden 
kann^ dieNotitia: Reg. FIIL Forwn Romanum magnum. 
Continet Rostras III. (s. u.). Gen/um popuü Romani (bei 
der Concordia). Senatum. Airium Mineroae. Forum Cae- 
sarisy Augusti etc. Die Nachweisung der kaiserlichen Fora 
wird das noch deutlicher machen ; einstweilen vergleiche maa 
meinen Plan der Fora. — Es hat aber ein glücklicher Fund 
uns noch überdicss die ausdrückliche Bestätigung in die Hände 
geliefert. In der Kirche Sta. Martina (bei S. Adriano und dem 
Severusbogen) befand sich sonst eine Inschrift, welche von 
der Wiederherstellung des Secretarium Senatus im J. 407. 
spricht <^'). Der Ausdruck Secretarium Senatus kann in kei- 



662) Damit süraint aueb vortrefflich überein Inl. Cap< Pertin. 
4. De caitris nocte quum ad senatum venisset, neque inwniretur ae-- 
dituus y in iemplo (Joncordiae resedit. Wird aach auderwärU der 
CoDcoi'dientempel selbst als Curie betrachtet^ so werden beide sich 
doch oifenbar hier eutfcf^eogeselzt; aber sie liefen ganz oahe beisaiik- 
men und deshalb wartet Pertiaax im Tempel. 

63) SALVIS. DD. NN. HONORIO. ET. THEODOSIO. VICTO- 
RIOSISSIMIS. PRINCIPIBVS. SECRETARIVM. AMPLISSIMI. SENA- 
TVS. yVOD. VIR. INLVSTRIS. FLAVIANVS. INSTITVERAT. ET 
FATALIS. IGNIS. ABSVMPSIT. FLAVIVS. ANNIVS. EVCH.^RIVS 
EPIFANIVS. V. C. PRAEF. VRB. VICE. SACRA. IVD. REPARAVIT 
ET. AD. PRISTINAM. FACIEH REDVXIT. Crut. CLXX, 5. Oreil. 
:28. Nardini. II. p. 230. Nibby, For. Rom. p. 151. Caniaa, Sugli 
ant. ed\f. gid e$üt nel luog. ora occup, dalta eh* di S. Martina. 
p. 14. 



nem Falle, wie Bunseii gethan, von der Curie selbst verstan- 
den werden, und die etwas spätere Notitia nennt das Senats- 
gebände selbst noch Senatus. Vielmehr bat man eine beson- 
dere dazu gehörige Localität zu verstehen oder einen Theil 
des Ganzen, man möge nun annehmen, dass er als eine Art 
Tabularium oder für andere Zwecke gedient habe. Nach der 
Inschrift scheint es, dass Flavianus, der 309 Praef. Urb. war, 
dieses Secretarinui zuerst gebaut habe (instituerat) ^ der Se- 
natns war aber längst hier***). — Nach dem allen scheint es 
unzweifelhaft, dass die Curia lulia seit dem neronischen Brande 
nicht mehr bestand; dass Domitian ein neues Senat^gebände 
schul; dass dieses in der Gegend der heutigen Kirche Sta. 
Martina (Acad. d. S. Luca) stand, und vor ihm der lanus, ein 
kleiner mit Bronze bekleideter Tempel (Anm. 405.), vor dem 
wahrscheinlich ein Altar war *^). 

Wenn nun oben als das Annehmbarste hingestellt wurde, 
dass die Curia lulia die Stelle der drei Säulen eingenommen 
habe, so gewinnt diess noch an Wahrscheinlichkeit dadurch, 
dass späterhin sich dort ein jedenfalls auch von Domitian er* 
bauter Minervehtempel befand. Denn die Notitia nennt 
auf der Südseite des Forum : Graecostadium^ Basilica lulia. 
Tcmplum Cas forum et Minej'vae. Festam. Darin findet nun 
Bunsen, wie schon oben (S. 332.) gesagt worden, den Be- 
weis, dass das von Dio Cassius zugleich mit dem XaXKi&iKOV 
und der Curie genannte lt4&ijvaiov ein hier von Augustits gc- 
weihetes Templum Minervae Chaicidicae gewesen sei **) , den 



664) Darum wird er «ach bei einem Brande noter Garious mit dem 
Porum Caesaris , dem Graecostadiom und der Basilica lalia genannt. 
Catal. imp. Vienn. t. II. p. ^47 Rone. Es iat der untere Theil des 
Forum, -«elclier zerstört wird. 

65) Darauf fuhren v i d s Worte : j4ra mihi posiia Mt parvit 
coniuncta sacello. 

66) Les forum de Rome, I. p. 60 f. Beschr. d. St. R. III B, 
S. 94 f. „ — so wollen wir doch noch bemerken , dass der Ausdruck, 
welcher keinen Zweifel übri^ lässt, dass Curia et Chaleidicum die 
Curie mit dem ihr vorgebauten MinervenheiU^tbum bezeichnen, näm- 
lich Curia cum Chalcidico Minervae, wirklich derjenige ist, mit wel- 
ehern jene Anlage in der, dem Aitgnstischen Verzeichnisse seiner Werk« 
und Thaten am Ende beigefügten Zusammenfassung aufgeführt ist.** 
Man erstaunt in der That über solche täusobeade Angaben. Das Frag- 

23^ 



356 

nachher Domitian neu erbaut habe. Es kann kaani eine leicht^ 
sinnigere Combination geben. Der Minerventempel, von wel- 
chem Dio spricht, wird im Monum. Ancyr. lange nach der 
Curie und dem Chalcidicum genannt. Es war jedenfalls em 
Tempel auf dem Aventin^^^^). Domitians Minerva Chalcidica 
aber lag im Märsfelde unweit des Pantheon^*). Demunge- 
achtet wird man den Tempel am Forum auch als dieses Kai- 
sers Werk anzusehen haben. Domitian hegte für zwei Gott- 
heiten besondere Vorliebe: [lanus und Minerva^'). Wie 
überall in der Stadt durch ihn lani erbaut wurden ^o), so wei- 
hete er auch mehr als einen Minen^entempel, z. B. auf dem 
von ihm angelegten Forum Transilorium, die erwähnte Chal- 
cidica im Marsfelde und jedenfalls auch den Tempel zwischen 
der Vesta und den Dioskuren. Vielleicht wies er eben des- 
wegen der Curie (wenn diese als lulia hier gestanden hatte) 



meflt des am Schlüsse des Mod. Anc. angfehäogten Sammariom giebt 
io der vierteo Zeile nnr (Pulvinar) AD. CIRCVM. CVRIAM. CVM. 
€ . . . Der übrige grüsste Theil dessen , was anP dieser Zeile stand, 
ist verloren: die fünfte fängt an : IVLIAM. Die Minerva ist also nur 
ein Geschenk Bunsens ; die Inschrift weiss nichts davon. Er sagt nnn 
fVeilich, jede andere AusfiiUnng der Lücke sei unstatthaft: ,, Tont au- 
tre Supplement parait coatraire a Tespace, qn' occnpe la lacnne/' 
Aach das ist eine ganz falsche Behauptung. Die Zeilen des Monnm. 
zählen in der Regel über 50, bis 61 Buchstaben; bei seiner ErgSn- 
zong aber : ad Circum. Curiam cum Chalcidioo Minervae stve luliam, 
würden auT die vierte des Epilogs nnr 39 kommen. — Wenn in sol- 
eher Weise die versproohen« y.ganz vollständige'' Wiederherstellung 
des Monum. Anc. gegeben werden soll, so wird die römische Topogra- 
phie davon keinen Gewinn haben: hoffentlich wird das aber nicht der 
Fall sein. 

667) Vgl. Fast. Praen. XIV Ral. Apr. Fest. p. 257. Quinqua- 
frtf*. p. 333. Scribae. Ovid. Fast. Vl^ 722. Kalend. Amitern. 
u. Exqnil. XIII Ral. Inl. Merk. z. Orid. p. CXLI. und d. Abschn. 
üb. d. Aventin. 

68) Die Notitia (Curiosum) nennt den Tempel der Minerva Chal- 
cidica in der nennten Region. Die Mi ra b. R o m. (M o n t f a u c. Diar. 
Jtal. p. 28d. Effemer. lett, I. p. 163.) bezeichnen so den Ort, wo jetzt 
die Kirche S. Maria sopra Minerva steht: luxta Pantheon Tempium 
Minerve Calcidie, vgl. Nardini, Rom, ant, III. p. 131. 

69) Dio Ca SS. LXVII, l:j ^6ov filv ya^ r^v jä&t^vw ig rcc fiA- 
iiota ijyaXlg, 

70) Das glänzendste Monument der Art war der Tempel des la- 
nns Quadrifh>ns auf dem Forum Transitorium. Ausserdem sagt Sue- 
ton, Dom. 13. lanos arcusque cum quadrigU et insignibus trium^ 
phorum per regiones urbis tantos ae tot exetruwit, ui tuidam Graeoe 
iiueriptum iit areui: ^^7. 



J57 -: 

einen anderen Platz an, um iiir seinen Mjnei*veniempel die 
Stelle zu gewinnen. 

Am änssersten Ende der nördlichen Seite unter der Velia 
wurde der Gemahlin des Antoninus Pius, Fanstina, der 
Tempel erbaut ^''), dessen noch jetzt sehr bedeutende Reste 
der Kirche S. Lorenzo in Miranda angehören. Wie die In- 
schrift sagt, wurde er später Antonin selbst zugleich mit Fau- 
stina geweiht'^). 

Von den Veränderungen, welche am Glivus Capitolinus 
vorgingen, ist zunächst zu erwähnen der Tempel des 
Vespasian, dem, wie oben gezeigt worden (S. 315.), die 
Rnine der acht Säulen angehört. Er erhebt sich auf einer 
20 Fuss hohen Substruction von Traventinquadem und war ein 
peripteros hexasiyloM. Seine Vorderseite war nicht dem Se- 
verusbogen zugekehrt, sondern auf der entgegengesetzten 
Seite. Das beweiset nicht nur der Unterbau, an dem deutlich 
zu erkennen ist, dass nie eine Treppe dort hinauffährte, son- 
dern auch die durch den Anonymus vollständig erhaltene In- 
schrift (S. 315.). Denn auf dem Architrav über deu sechs 
Säulen stehen nur' die Worte : Senatum populusque Romanus 
incendio consumium restiluit. Für die eigentliche Dedication: 
Divo yespasiano , ist auf dieser Seite kein Platz und ist es 
auch wohl ungewöhnlich, dass eine Inschrift halb auf der Hin- 
terseite eines Tempels steht, so entschuldigt das doch hier die 
Lag^ desselben und am Triumphbogen Constantins findet eben 
auch eine Theilung der Inschrift Statt ^^). Uebrigens gehört 
die Restitution, von welcher die Inschrift spricht, unstreitig 
der Zeit tiefen Verfalls an, wie die schlechten und ungleichen 



671) lul. Capitol. Ant. P. 6. Tertio anno impern iui FautH- 
nam vxorem perdidit , quae a senatu consecrata est, delatis circeu' 
sibus atque templo, vgl. 13. 

72) DIVO. ANTONINO. ET. DIVAE. FAVSTINAE. EX. S. C. 
Ucber die Bedeutuog der loschrift und die Angehörigkeit des Tempels 
liod allerdings die Meinungen getbeilt, indem Andere sie auF die jUn- 
gere Faustina und ihren Gemahl M. Aurelius Antoninus beziehen. S. 
Nibby, For. Rom, p. 183. und dön Abschn. üb. das MarsTeld. 

73) Vgl. Piale, degU ant. templi di Fespasiano e de IIa Con^ 
rordia, Rom. 1834 (1818). Er nimmt richtig die acht Säulen für den 
Vespaaiantempel ; aber die drei halt er noch für den lupitor Tonans. 



1 



358 

Capitelle und Basen und die Säulenschäfte selbst zeigen, de* 
ren einzelne Stücke zum Theiie falsch über einander gesetzt 
sind 9 so dass einige oben dicker sind als unten. Ueber ein 
schwerlich mit Recht auf diesen Tempel bezogenes Stück des 
capitolinischen Plans s. die Erklärung zu Taf. IV. n. 5. 

So standen nunmehr, die Vesta und den lanus-, so wie 
den später hinzukommenden Faustioatempel nicht gerechnet, 
am Forum wenigstens sechs Tempel, und wenn man den der 
Felicitas noch als bestehend annehmen darf, sieben ; dazu zwei 
grosse Basiliken. In der Mitte dieser Herrlichkeit beim Lacus 
Curtius stellte Domitian seine colossale. Reiterstatue auf, und 
hier ist der Ort, die berühmte Stelle aus Statins anzuführen, 
welche der bisher gegebenen Anordnung gleichsam das Beglau^ 
bigungssiegel aufdrückt. Silv. I, l, 22. 

Par opej*i sedes : hinc ob via limfna pandit, 
Qtäjesst/s be/lis assertae munere prolis 
Ptimus iter nostris ostendit ad aelhera Divis. — 
At laterum passus hinc luUa iecta^^*) luenturf 
lUinc beUigeri subliinis regia PauUi, 
Tergapater blandoque videt Concor dia vultu. 
Ipse autem puro celst/m capui aerc septus 
Templa superfulges et prospectare videris^ 
An nova contemptis surgant Palaiia flammis 
Pulchrius; an tacita vigiletface Tt'oicus ignis, 
Alque exploraias tarn laudet f^esta ministras. 

Eine Vergleichung des Plans der Fora wird die vollkommenste 
Uebereinslimmung mit dieser Beschreibung lehren. Gerade 
gegenüber der Statue erhebt sich der Tempel des Divns lulius ; 
zur Rechten die Basilica lulia, zur Linken die Basilica Ae- 
milia ; im Rücken die Tempel der Concordia und des Vespa- 



674) So hat Markland mit Recht, wenn auch nur nacb einer 
Handschrift, geschrieben, während die Vulgata templa hat. Piale, 
fiella hatilica Giulia p. 14. scheint irrig anzunehmen, es sei Conjectur. 
Gerade so sagt Mart. V(, 38. 

/fl;/t clamor centumquc viri, dentumque coronae 
yulgnsy et if{fanti Julia tecia plaeent. 
wo die Erwähnung iler CeDtainviralgericbte die Basilica bezeicbneo. 



389 

siau. Der Kaiser selbst, mit etwas rechts gewendetem Kopfe 
schaut nach dem Vestaheiligthome und dem Palatin» Dass die 
Statue beim Lacus Curtius stand, sagt Statius selbst v. 68. 

Nach Domitian scheinen in der Nähe der Curie (Senatus) 
und weiterhin an der zum Marsfelde führenden Strasse meh- 
rere Triumph- oder Ehren-Bogen errichtet worden zu sein 
(Anm. 6ä7.). Die abenteuerlichen Benennungen, welche ib>- 
oen im Mittelalter gegeben werden, wie Arcus manus car- 
iieae, vielleicht anch panis aurei, geben nichts. an die 
Hand, wonach sich ihre Bedeutung mit einiger Sicherheit 
bestimmen liesse, und übrigens sind diese Denkmäler nicht 
Ton so allgemeiner Wichtigkeit, dass dadurch eine weitl&u^ 
tige Untersuchung gerechtfertigt würde (vgl. d. Abschn. vom 
Capitol.). Am Forum selbst aber wurde der noch erhal- 
tene Triumphbogen des Septimius Severus erbaut, 
auf der Grenze der Sacra via und des Clivus Capitolinus und 
zur Hälfte vor dem Concordientempel stehend. Im Mittelalter 
war zwisch6b ihn und den Tempel die Kirche SS. Sergio e 
Bacco eingebaut und ihr Thurm stand auf dem Bogen. — 
Neben ihm, nach dem Vespasiantenipel hin, haben die neue- 
sten Ausgrabungen eine hohe, nach dem Forum einen sanf- 
ten Bogen bildende Terrasse offen gelegt. Ganina hat sehr 
glücklich in einem Relief am Triumphbogen de» Constantin 
die Darstellung dieser Seite des Forum, mit allen Tempeln 
und anderen Denkmälern am Clivns erkannt. Es zeigt Con- 
stantin auf dieser mit einem Geländer versehenen Terrasse 
stehend und zu dem Volke sprechend, und dadurch hat er 
sich bestimmt gesehen, hieber die Bostra zu setzen ^^^). 



675) Sui üostri det foro Romano. MH Rom. VIII. p. 107 9. In- 
dicaz. topogr. p. 163. Was für Roslra er aber eigentlich aiiter deu 
piu antichi verstehe, das Hi mir bei den zahlreichen Widersprüchen, 
in die er sich verwiciccit, nicht iilar geu'orden. So viel sieht man 
wühl, dass er sie den Bostris laliis entgegensetzt; aber diese selbst 
sind ihm ja (irrig genug l) die von Caesar versetzten J^ostra der Re- 
publilL. /nätcas. p. 153. Bansen h^t^Betehr. III B. S. 103.)dioss mit 
Hecht verworfen ; aber seine Annahme, dass Domitian die Rostra hie-' 
her verlegt habe and der daher ihnen beigelegte Name RostraPla* 
via, ist um nichts begründeter. Es scheint hiervon jeher eine freie, 
vielleicht auch erhöhote Area gewesen zu sein. Darauf lasst sich vicN 



1 



360 

Nuu aötbigt zwar nichts anzunehmeu , dass es gerade die 
Hostra sein müssen, von denen der Kaiser spricht; indessen 
ist es allerdings möglich, dass in später Zeit sieh hier eine 
Rednerbühne befunden hat. Es wird diess wahrscheinlich 
erstlich dadarch, dass dasCuriosnm urb. Rom. das Yer^ 
zeichniss der Reg. VIII. beginnt: Rosirwt IIL Das wären 
die lulia, die sab f^eleribus und die am ClivtUy und somit 
würde die ganze Area des Forum bezeichnet sein. Zwar gab 
es in der Zeit der Republik auch Rostra auf dem Capitole ^'^)$ 
allein es ist weder wahrscheinlich, dass diese noch im An- 
fange des fünften Jahrhunderts bestanden, noch kann fuglich 
das Verzeichniss sie hier mit berücksichtigen. Dann aber 
sagt der Catal. imp. Vienn. t. II. p. 246 Rone, von Au- 
relian : Genium populi Romani in rostra postät. Da nun das 
Curiosum unmittelbar nach den Rostris den Genius populi Ro- 
mani nennt, so wird es in der That wahrscheinlich , dass es 
hier auch Rostra gegeben habe, und vielleicht könnte die 
runde Basis neben dem Severusbogen, die man für das Milia- 
rium aureum gehalten hat, eben dem Genius angehört ha- 
ben "). 



leicht -schon beziehen, dass Pompejos beim Process des Milo hier sei- 
nen Sitz nimmt. Ascon. Miion. ar{^. p. 41 Or. Aber deutlicherwei- 
set darauf hin Sueton. Tib. 20. y/ Germania in Vrbem post biefi" 
nium regressus, friumphum , quem distulerat, egit , proseguentibtis 
etiam legatisy quibvs triumphalia ornamenta impetrarat Je priu9- 
quam in Capitolium ßevteret ^ desrendit e cum/, seque praesidenti 
patri ad genua submitit. Es ist die Scene , welche der grosse Wie- 
ner Cameo darstellt. S. E c k h e 1 , Pierres grav. I . M o n g e z, Iconogr. 
Born, 19. t. IL p. 62. Eben dabin hatOtho seine Verschworenen bestellt 
(Anm. 639.) ; aber damals gab es dort keine Rostra : sie waren sttb 
Feteribus, Die Folgerungen^ welche Bunsen ansDioCass. LXXIV, 
4. 5. gezogen hat, sind ganz willkührlich. Eben diese Stelle , vergli- 
chen mit llerodian. IV, 2. und Plin. Paneg. 65. spricht recht ei- 
gentlich dafiir, dass es noch die alten Rostra waren, wo die laudatio 
herkömmlich gehalten wurde. 

676) Cic. ad Brut. 3. Nam fantae multitudinis , 'quantam co- 
pit urbs nostra, concursus est ad me /actus, ea cum usque in Capi- 
tolium deductuM maximo clamore atque ptausu in rostris, cotiocatus 
sum. Vgl. de nat. deor. I, 38. Sie konnten auch dort gar nickt 
Tehlen. 

77) Canina unterseheidet gewiss irrig Umbilieus Romae 
und Miliarium aureum. Was sollte der Umbilieus anderes sein? 
Aber er sah richtig, dass das Miliarium hier nicht wohl gestanden ha- 
ben könne. 



361 

Noch ist znriickzukonmeii auf die schon oben (S. 291.) 
erwähnten Statuen der Sibyllen; Denkmäler der 'älte- 
sten Zeit, welche dennoch den Untergang des Reichs überlebt 
zuhaben scheinen. Von ihnen sagt PI in. XXXIV, 5, 11., 
wo er die ältesten Erzbilder aufliihrt: Equidem et Sibyllae 
iuxta Rostra esse non nuror^ (res sint hcet: una, quam Sex. 
Paeudus Taurus aedilis plebis instituii; duae^ quasM. Mes* 
saU. Primas putarem hos et Atti Nävi, positas aetate Tat' 
quinii Prisci, nisi regum aniecedentium esseut in Capitolio, 
Plinius kann nur die rostra sub f^eteribus meinen : ob sie 
, auch früher bei denselben standen, bleibt ungewiss. Wenn, 
nun von diesen Sibyllenstatuen sich keine Erwähnung weiter 
indet, so ist es um so merkwürdiger, dass sie in ganz später 
Zeit, wenn auch unter anderem Namen wieder auftauchen, 
und dass sogar eine ganze Strasse davon ihre Benennung er- 
halten zu haben scheint. Es sagt nämlich Procopins in der 
schon mehrmals angeführten Stelle über den lanustempel, 
Goth. I, 25. iyu ii vov vemp iv %^ dyoga ngo %ov ßoV" 
XeVTfjQiov oXiyov vnsqßaifTi %d rgia fpava. ovtm yaQ 
'Pw/ualoi Tag Moiguß VBVOfAiinaai maXtlv* Es ist nun 
nicht zu verkennen, dass erstlich Procopius wirklich drei Sta- 
tuen meint und dann, dass diese drei als Parcae bezeichne- 
ten Bilder keine anderen sein werden als die drei Sibyllen. 
Ihren damaligen Standort nimmt man in der Gegend von S. 
Adriano an, und in der Tfaat wird diese Kirche als in iribus 
Jaus erbaut genannt ^^^). Aber dasselbe wird auch von SS. 
Cosma e Damiano gesagt ^^)j so dass man annehmen könnte, 
es sei entweder die ganze Gegend des Forum oder wenigstens 
die ehemalige Sacra via so benannt worden; denn beide Kir- 



678) Anastas. Vit. Honor. I. p. 121 Blaoch. Fecit eeelesiam 
beato Adriano martyri in trihut fatit. Einige HdäcEr. haben ia 
tribus foris, was gpewiss falsch ist. 

79),Ana8t. Vit. Hadr. I. p. 254. In eecletia vero beatorum 
Comae et Damiani in tribut fatis vestem de sfauracin fecit 
Ob bieher auch za ziehea sei, dass Martioas Pol. sowohl als die Mi- 
rab. Rom. bei S. Martina nad S. Adriano ein templmn fatale anfüh- 
ren, m^g ich nicht entscheiden : es kann anch vom lanustempel ver- 
standen werden. 



36» 

dien führen auch den Beinamen m Sacra via. Ueber diese 
Vennuthangeu lässt sich nicht wohl hinausgehen ^^<>); der 
Name verdient aber , wegen der daran sich knüpfenden Be- 
stimmung mehrerer Pankte Beachtung. 

Das letzte Denkmal, welches das Forum, als ein grosser 
Theil seiner Herrlichkeit schon untergegangen sein mochte, 
noch erhielt, war die im J. 608 vom Exarchen Smaragdus 
dem nichtswürdigen Kaiser Phokas gesetzte, noch auf dem 
Platze des Forum stehende Ehrensäule. Die erst im J. 1813 
ausgegrabene Inschrift der Basis s. b. Fea, Iscrisioni dimo- 
num. ant. irov, nelle attuali escavasioni etc. Rom. 1813. 
Nibby, Foro Rom. p. 164. Bunscn, Beschr. IIIA. S.271. 
Zwischen der Säule und dem Pflaster vor der Basilica Julia 
sieht man drei grosse Basen, welche Statuen trugen. Andere 
Denkmäler der Art standen beim Severusbogen ; darunter 
wahrscheinlich eine Statue Constantins, deren Inschrift 
der Anonymus vor der des Sevenisbogens giebt. Er sah also 
jedenfalls die Statue noch. -Später befand sich die Inschrift 
im Lateran, und unter ihr die des Concordientempels ^^). 

Die Fora der Kaiser. 
Forum lulitan. 

Es scheint ein Widerspruch darin zu liegen , dass in der 
Zeit, wo das Forum, das den Bedürfnissen der Republik ge- 
nügt hatte , seine Bedeutung der Hauptsache nach mehr und 
mehr verlor, an die Anlage neuer Fora gedacht werden konn- 
te; und dass eben der Mann, durch welchen die Republik und 
mit ihr das politische Leben auf dem Forum den Untergang 
fand, selbst zuerst daran dachte, Rom ein zweites Forum zu 



680) Ausrührlich handelt davon Bansen, Beschr. d. St, R. III B. 
S. 124 f. V>1. Merkel z. Ovid. Fast. p. CXX. — Was Erstercr 
S. 121. nach einer, wohl aoT etwas ^anz Anderes sich beziehenden 
Inschrift beim Anonymus v. E. von einer spälercn Aasdehnan^ des 
Forum unter den Palatin sa^t, wodurch zu dem Hauptschiffe des Fo- 
rum gfleichsam das Kreuzschiff gekommen sei , das seheint keine Be- 
achtung zu verdienen. 

8!) Nibby, Foro Rom. p. 137. Bunsen. III B. 8. 114. 



3Ö3 

geben. Allein diese neuen Fora hatten auch keineswegei die 
Bestimmung, dem politischen Leben zu dienen, was überhaupt 
in dem Namen nicht liegt, da ja die Yerkaufsplätze ihn eben 
so gut und im Grunde ursprünglich führen, und also neben 
dem Forum Romanum auch ein Forum Boarium, Piscalorium, 
Olitorium u. s. w. bestand. Vielmehr war es einen Theiles 
bei der immer wachsenden Volksmenge und den ins Unendliche 
sich mehrenden Rechtshändeln Bedürfniss, neue Gerichtsstäl- 
ten zu errichten; auf der anderen Seite aber sollten diese 
prachtvollen Anlagen zugleich Denkmäler ihrer Erbauer sein. 
Daher bieten auch diese Fora nicht nolhwendig freie Plätze 
dar, sondern jedes ist ein von einer Mauer eingehegter Com- 
plex von Gebäuden, oder auch nur ein Tempel mit einem t/- 
ftBVog und mQtßoXoQj woraus es sich erklärt, dass das von 
Vespasian erbauete, keinesweges aber als Forum dedicirte 
Templum Pacis dennoch in späterer Zeit Forum Vespasiani 
oder Forum Pacis genannt wurde. Von dieser Art sind in der 
That die drei ersten Kaiserfora, welche Rom erhielt und erst 
die grosse Anlage des Forum Traiani umfasste mit anderen 
Gebäuden auch eine Basilica. 

Caesar hatte schon vor dem Beginnen des Bürgerkriegs 
die Anlage eines neuen Forum beschlossen und mit ungeheue- 
rem Aufwände mitten in dem lebhaftesten Theile der Stadt, 
wo alle Besitzungen ausserordentlichen Werth hatten, das 
Areal, auf dem es entstehen sollte, angekauft ^®2^. Welche 
Einrichtung er damals beabsichtigt habe, und in wie weit der 
Bau angefangen worden und fortgeschritten sei , ist nicht be- 
kannt ; als er aber in der Schlacht bei Pharsalus der Gottheit, 
von der sich der Stamm der lulier ableitete, als Venus Ge* 
netrix einen Tempel gelobt hatte, und dieser seinen PLitz 
auf dem Forum erhielt, musste nothwendig dadurch die ganze 
übrige Anlage bedingt werden. Es wurde ein ve/uevos, von 
dem, wie es scheint, aller Verkauf ausgeschlossen war, und 



68>^) Sueton. Caes. 26. Forum de manubiis inchoavit , cta'us 
area super HS millies consHHt, PI in. XXXVI, 15, 24. Pyramides 
regum rmraviur, cum solum tantum foro exstruendo HS miilies Cae-r 
sar dictator emerit. Wahrscheinlich im J. 702, 



J64 

die Gella des Tempels selbst wurde zuoiTribuual beslimml ^*^). 
Im Vergleiche zu dem Forum Romanum war es jedenfalls von 
viel geringerem Umfange und daher wurde dieses seitdem und 
bis in die spätesten Zeiten auch Forum magnum ge- 
nannt ^^). Die Dedication erfolgte 708 nach seinem Trium- 
phe ^^) , ehe es noch völlig beendigt war, so dass selbst die 
Statue der Venus damals nur im Modell aufgestellt werden 
konnte ®^). Erst durch Augustus erhielt es seine Vollendung, 
wie dieser selbst im Monum. Ancyr. sagt. 

lieber die Frage nun, wo dieses Forum gelegen habe, 
hätte man nicht einen Augenblick zweifelhaft sein sollen, und 
doch sind darüber die verschiedensten Meinungen ausgespro- 
chen worden. Die älteren Topographen haben es meistens hin- 
ter dem Faustinatempel gesucht. Richtiger, doch ohne ge- 
nauere Bestimmung wies ihm schon Nardini seinen Platz 
hinter S. Adriano an, und damit stimmt auch Piale überein; 
den Beweis aber hat allein Ganina geführt ®7), wiewohl er 
sich noch vollständiger geben lässt. Dagegen hat B u n s e n ^^) 
eine ganz andere Stelle dafür gefunden. Im Ganzen jener 
älteren Meinung sich anschliessend nimmt er seine Lage auch 
in der Richtung vom Faustinatempel nach dem südlichen Ab- 
lauf des Quirinal, dicht unter diesem an, und glaubt im T o r 



683) Appian. Civ. 11, 102. *AviavrjüB %aX t^ reysTsi^tf zoy vawv, 
i^cntQ yv^ato fiHXoDV ev ^a^aki^ fiaxtia^ai. xal rijuivos t^ vtia 9r£- 
(fti'&t^Hey , o 'Pi'jfiaiotS ^ra^bv ayoQCtv ihan , ov twv (oviwv , om inl 
TiQu^eai avnovTOßv is aXlr^kove, ttad^a xal Hi^aatt yv xtQ ayoqa ^ijtov^ 
Qiv rj fiavd'otvovai rä dixata, 

84) Dio Ca SS. XLIK, 22. ryv ya^ ayogav xyv ht avrov nexh/^ 
fiivnv xaTeaxevaoaTO ' xal lari fiiv ne^tataX^azi^a rys 'Pwfiaiai , t6 
S* a^iwfia t6 ixelvtfS inyv^asv, wäre xal fityaXyv avryv ovofiat.ea&at, 

85) Dio G a s s. a. 0. ravn/v te ovv xal top veutv tov ryg *AtpQO' 
SiTtjs, WS xtU aQ)[9jyiTi3oS rov yivovs alrov ovoyg, no&t/aas, xad'id(fwaey 
ev^g Tore, Vgl. Appian. Civ. III, 28. 

86) Plio. XXXV, 12, 45. (Arcesilans plastes) Ab hoc faetam 
Fenerem Genetrieem in Joro CaesarU et priusquam abtolveretur fe- 
$tinatione dedicandi positam. 

87) IVardioi, Rom, ant. II. p. 236. Piale, de' tempj dt 
Giano, p. 5. della hatilica Giulia, p. 10. del tempio di Marie Ul^ 
iore, p. 9. Caoina, For. Rom, p. 04. und besonders Sugli ant, 
cdif, giä esist, nel luog, ora oceup, dalla Ch, di S, Martina, p. 8. 

88) Lu forum de Rome. II. p. 7 ss. Bekehr, d. St, R. 111 B. 
S. 144 ff. 



365 

de^ Conti die Cella des Tempels der Venns Genetrix ge- 
funden zu haben. Es ist nicht nöthig, auf eine besondere Wi- 
derlegung dieser Ansicht einzugehen, da sie ihre gänzliche Be- 
seitigung bei Nachweisung der unzweifelhaften Stelle des Fo- 
rum luHum von selbst finden wird. 

Die Schriftsteller geben nur einige wenige Andeutungen 
darüber. Plinius erzählt, dass auf dem Vulcanal ein Rom 
an Jahren gleicher Lotosbaum gestanden habe, dessen Wur- 
zeln' bis zu dem Forum Caesars vorgedrungen seien ^®^). Da 
nun das Vulcanal bei der Curia Hoslilia war, so werden wir, 
wenn auch eine genauere Bestimmung sich daraus nicht er- 
giebt, doch dadurch hinter die Seite des Forum gewiesen, wo 
die Basilica Aemilia lag. Wichtiger ist die Angabe Yitruvs, 
dass der Tempel der Venus ein pycnostylos gewesen, d. h. 
dass die Intercolumnien das Maass von 1 % unterem Säulen- 
durchmesser oder 3 moduli gehabt'^). Nun giebt unsPal- 
1 a d i eine für unsere Frage unschätzbare Nachricht von einer 
Auffindung, welche unter seinen Augen in der Gegend, zwi- 
schen der Salita di Marforio und dem Tempel des Mars Ultor 
(Forum Augusti), als man den Grund zu einem Hause grub^ 
Statt fand. Man entdeckte die Reste eines Tempels, bedeu- 
tend genug, um den ganzen Grundriss aufnehmen zu können^ 
den Palladio mittheilt. Die Intercolumnien waren 1 V2 Durch- 
messer der Säulen weit, weniger Vii Durchm., was Palladio 
besonders hervorhebt, da er nie eine so dichte Säulenstellung 
gesehen habe "i). Leider hat er die Stelle nicht genauer be- 



689) Plio. XVf, 44, 86. Ferum altera lotos in Fulcanali, qw>d 
Romulus insliiuit ex victoria de decumis, aequaeva Urhi inteliigi- 
tur, ut auctor est Masurius. Radtees eins in forum usque Caesaris 
per stationes municipiorum penetrant, 

90) Vitr. III, 3, 2. Ergo Pycnostylus est, euius intereolumnio 
unius et dimidiatae columnae erassitudo interponi potest, quemadmo- 
dum est Divi lulii et in Caesaris foro Feneris, et si quae aliae sie 
sunt comparatae, 

91) Palladio, Architettura, Venet. 1642. lib. IV. p. 128. „Rio- 
eootro a1 Tempio di Marte Veodicatore , del qoale sono stati posH i 
disegai di sopra: oel laogo, che si dice in Paotano, che e die- 
tro di Marforio; era aoticameDte il Tempio, che segne: le cui 
fondamenta farono scoperte cavandosl per fabricar voa casa; e vi fa 
ritrovato anco aoa qaaotita grandissima di marmo lavorati tatti eceel- 



366 

zeichnet, so dass man nicht erfahrt, wie nahe oder fern er dem 
Tempel des Mars IJItor gestanden. Die Uebereinstimmnng 
aber mit Vitrnv, bei der Seltenheit solcher Tempel mnss an 
sich schon ftir entscheidend gelten, dass dieser Tempel kein 
anderer war, als der der Venus Genetrix auf dem Forum lu- 
lium. Damit aber vereinigt sich auch noch auf das Erwünsch- 
teste die Angabe der Notitia, welche dem Forum auf das 
Klarste hier seine Stelle anweiset: Genium popuURomani, Sc- 
natum. Atrium Mineroac, Forum Caesaris^ At/gustietc. ^^^). 
Wie nahe nun das Forum lulium dem Forum Augusti zu setzen 
sei, das kann zweifelhaft scheinen. Canina lässt es bis S. 
Martina reichen und sieht die antiken Bogen, welche in dieser 
Gegend erhalten sind als Theile der Einfassungsmauer an ^^), 
Dadurch hat er sich den Platz für die Basilica Aemilia weg- 
genommen, die nun in schräger Lage zwischen die Fora ein- 
gezwängt erscheint. Es würde aber doch möglich sein, das 
Forum so weit herabzurticken, wenn man annimmt, dass die 
Basilica der Länge nach am Forum gelegen habe (Anm. 539.). 
Dagegen ist es aus einem anderen Grunde nicht wahrschein- 
lich : weil die Notilia zwischen dem Senatus und dem Forum 



lentemcnle. Noa si sa da chi egii fossc cdfficato, ne a qnal Dio fossc 
consecrato: ina perche ne* fragmenti della Gola diritta della sua coi^ 
nice si vcdono de' Delfini intugliati, ed in alcuni luoghi tra Tun DoU 
fino e i'aitro vi sono de' Trideuti, mi do a creder che egli fosse dc- 
dicato a Nettano. L'aspetlo an» era TAIato a toroo. La saa maniera 
era di spesse colonne. Gli intcrcolunnij erano la uodecima 
parte del diametro deÜe colonne meno di un diametro 
e me zz o: il che io repnto degno di avertimento, per noii haver vednto 
intercolunnij cosi piccioli io alcnn altro ediGcio antico. Di questo Tein- 
pio non si vede parte alcana in piedi : ma dalle reiiqaie sue, che sooo 
iiolte^ s'i poluto yenir in eogoitione degli universali, cioe della Pianta 
e deir Alzato, e de' saoi membri particolari, i qaali sono tatti lavorati 
eoB roirablle artificio.*' Es bedarf kaum der Erinnerung, dass jeno 
Sculpturen nicht im mindesten berechtigen, an Neptun zu denken, des- 
sen Tempel hier etwas Unerhörtes wäre. 

692) Wenn man damit Bansens Plan der Fora vergleicht^ so 
erscheint seine Anordnung als eine reine Unmöglichkeit, da bei ihm 
das Forum Nervae zwischen dem Forum lulium und dem Forum Au- 
gustl liegt. Das wird sich aber noch entschiedener erweisen , wenn 
gezeigt wird , dass das Forum Nervae nimmermehr in diese Region 
gehörte. 

93) Diese Bogen sind auf unserem Plane mit Bunsen zur Ba* 
silica argentaria gezogen, welche die Notitia nennt; es ist aber durch* 
ans keine Genvissbeit, dasa diese hier gewesen. 



367 

noch ein Gebäude, das Alriam Minervae nennt, für das dann 
kein Platz bliebe. 

Wenn man nun also daran gar nicht zweifeln darf, dass 
das Fornmiulium zwischen der Salita di Marforio und dem 
Forum Augusti lag , so ist nur noch ein scheinbarer Wider- 
spruch zu beseitigen. Martial sagt, in einer schon oben 
(S. 256.) geltend gemachten Stelle, die Taherne seines Buch- 
händlers sei contra Caesaris forum und doch auch in Argl- 
leio. Nun ist zwar dort angenommen worden , dass das Ar- 
giletum von der südlichen Spitze des Quirinal sich bis nach 
dem Forum erstreckt habe (vgl. S. 352.), wo der lanus- 
tempel stand ; allein in Martials Zeit scheint nur die Gegend 
vom Forum Nervae und dem Friedenstempel nach der Subura 
hin so genannt worden zu sein. Ueberdiess nennt aber der 
Dichter dieselbe Taberne limina post Pacü Palladiumque 
forum^ und das kann nur eben Jenes Argiletum sein. Daraus 
wird es klar, dass Martijil nicht von dem Forum des lulius 
Caesar spricht, sondern von dem, welches der Caesar seiner 
Zeit, Domitian, eben angelegt hatte; dem Forum Transito- 
rium, oder Palladium, oder Nervae. Der eigentliche Name» 
welchen Caesars Forum führte, war unstreitig Forum lu- 
lium; denn so nennt es das Monumentum Ancyranum. 
Nun ist es wahr, dass gewöhnlich es Forum Caesaris 
genannt wurde ^^) ; allein demungeaohtet konnte ein von dem 
eben herrschenden Kaiser erbauetes Forum in seiner Zeit 
schlechthin Forum Caesaris genannt werden ^^) . Uns 
freilich kann das zweideutig klingen ; aber wenn einem Römer 
gesagt wurde, ein Ort sei im Argiletum und zugleich contra 
forum Caesaris, so konnte er natürlich nicht irren, sondern 
wussle, dass Domitians Forum gemeint sei ^^). So löset sich 



604) Vitr. a. 0. Plin. XVI, 44, 86. XXXV, 10, 36. Kaleod. 
Pinc. VI Kai. Ocü 

95) So hat man ja die Worte Ovid. Trist. III, 1, VI. Haew 
Munt Jora CaeMarU^ durchaus nur auf das eine Forum Augusti bezie- 
hen wollen, was nicht nöthig scheint. 

• 96) Dass .Domitians Forum mit dem Mi nerven tempel schon damals, 
wenn auch nicht vollendet, stand, sagt ja Martial seihst zu Anfange 
des Buchs. Wenn daher 111, 3S, 4. VII, 65. und VilJ, 44, 6. nur eiu 



368 

der scheinbare Widerspruch leicht und man hat nicht nöthtg 
anzunehmen, dass das Argiletum, wenigstens in dieser Zeit zu 
beiden Seiten des Forum Nervae, nach der Subura und nach 
dem Forum Romanum hin gewesen sei. — Nun leuchtet aber 
auch ein, dass wenn Ovid. Fast. I, 257. sagt: 
Crjm tot si'nt lani^ cur stas sacratus in tmo 
Hic^ ubi iuncta Joris templa duobus habes ? 
keine anderen gemeint sein können als das Forum Romanum 
und das lulium. Denn auf der Verbindung beider steht aller- 
dings der lanustempel, wiewohl dem ersteren näher. Wie 
man an das Forum Augusti denken könne, begreife ich nicht. 
Wenn man auch das Forum lulium hinweg denkt, so hat doch 
nie das Augustum so weit herabreichen können, dass die Be- 
zeichnung irgend passend erscheinen könnte. 

Was endlich den Lotosbaum anlangt, dessen Wurzeln 
sich so weit erstreckt haben sollen, so kann in Betracht, 
dass Pliuius etwas Ausserordentliches melden will, darin 
kein Widerspruch gefunden werden. Denn das Forum lu- 
lium und das Vulcanal können sich allerdings so nahe ge> 
kommen sein, dass man nicht nöthig haben wird, eine grös- 
sere Entfernung als von etwa 150 Schritt anzunehmen, was 
bei manchem anderen Baume nicht besonders auffallen würde, 
für einen Lotos, man möge nun Celtis australis oder rich- 
tiger wohl Diospyros lotos verstehen, allerdings bedeutend 
scheint. 

Das Forum lulium mag sehr prachtvoll gewesen sein. 
Vor dem Tempel der Venus stand die Reiterstatue Caesars, 
das seltsam geformte Ross darstellend, das ihn allein als Rei- 
ter sollte gelitten haben «^ 7). Berühmte Gemälde griechischer 



forum triplex genannt wird, so bezieht sieb das nnr auf Gerieb tsver- 
handluDgen , die vom Forum Transitoriom ausgeschlossen waren. Es 
sind die ti*ia fora , die auch Ovid. Trist. III, 1:2, 2^. nennt: Ro- 
manum, lulium^ AugtttH. 

697) Sueton. Caes. 61. Utehatur autem equo insigni pedibu» 
prope humanis et in modum digitorum ungulis Jltsisf quem natum 
apud se cum haruspiees Imperium orbii terrae signifieare domino pro- 
nuntiastent , magna cura aiuit, nee patientem sessoriä alterius pri^ 
mus adtcmdit: euiuM etiam instar pro aede' yeneris Genitrieii pott- 



360 

RiiA^Mr «chmfiekleii den Tempel ^*^) , der aach anssefdem 
reiche Weihgescbeiike enlhielf). — Uebrigens iät das P<h 
nun lulium jederzeit als eines der drei jiirislischen Fora zu be- 
trachten (Anm. 696.) nnd es fanden im Tempel auch wohl Se- 
natsversammlungen Statt ^^^). Sonil ist von seinen Schick- 
salen sehr wenig bekannt. Wahrscheinlich blieb es beim ne- 
ronischen Brande verschont; vielleicht weil seine hohe Ein- 
iassnügsmaner es schützte i oder anch weil die Verwüstung 
nicht bis dahin reichte. Dagegen wird es unter den Gebäuden 
genannt, welche die Feuersbrunst unter Carinus zerstörte und 
Diocleüan wieder hersteÜte *). Dass es noch der Ordo Ro- 



ea dedieavtt. 1^1 in. Vllt, A% ßl» Neu Cd^saris Dietatoris quem- 
quam aiium reeepüse dor»<k equu$ traditur, idemque humanis timileg 
pedes priores habuisse, hae ^ffigie loeatus ante Feneri$ GenetrieU an* 
dem. Dem widersprieht s«1tstttt Stat. Sflv. I^ f^ 86* 

Cedai 0yt(«f> Latiae qui e^ttra templa Dionee 
Caesarei stat sede /ort; quem tradere es ausus 
PellaeOf Lysippe^ duei} m^a Caesmris efa , 
jivrata eerviee tuUt. 
^fS) PI IQ. VII, 38. XXXV, 4, 9. Unarktirlich bleibt mir immer 
avH. Art. I, 79. 

Bt fora eonvehiw/it — quis dredere pos*it 7 — awutri^ 

Flammaque in arguto saepe reperta foto* 
Stthdita qum Fensris faeto de marmore tempUf 

Appias expressis aera pulsat aquis^ 
Uta saepe loeo eapitur e^tuuiius Jtncri ete. 
mU HI, 451. 

Hos Fenus e templis multo radiantihus aur^ 
Lenta vides Utes Appiadesque de'ae: 
vgl. Rem ed. am. 660. Non, illas Utes Appias ipsa pröhal. Das9 
voa dem Forum laliam «od dem Tempel der Veona Genetrix die Rede 
sei, scheint ausser Zweifel; aber mit Bentiey z. Herat. Od. l, 
^, 14. an einen von der Aqua Appia ausgebenden Sprinf^braMien zn 
denken, ist (^anz nnmÖg^Iich, da diese von der Porta Capena nach der 
Porta Trifemiaa gefdhrt und überbaopt anter allen die niedrigste war. 
99) PI in. XXXVII^ 1« 5. Caesaf Diotator sex dactyliotKeeas in 
aede Venetis Genetrieis eonsecraoit, IX, 35, 57. qttoniam Divüs lulius 
thoracem, quem Feneri Genetriei in templo eius dteavif, eX Brilan- 
wids marg^aritis factum tfoiuerU intelligi* 

700) Taeit. Abu. XVI, 27. At postera iuee, duae praetoriae co»- 
hartes armatae templum Genetrieis Fenetis insedere, Aditum sena» 
ins ghbu9 togatorum obsederat non öoeultU gladiis; dispersiqve per 
fera ae baeiiieas ettuei militares^ inter quotttm astpeeius et minas 
imgressi euriam semUores. Die Curie kann kier nur d^f Tempel 
selbst sein. 

1) Catal. imp. Vienn. p. )4T* opeta publha arserunt, Se- 
natum, Forum'y Caesaris Patrimonium ^ Basilieam luliam et Graeeo- 
Stadium, Es ist offenbar zu verbinden Forum Caesaris; was aber 



370 

luanus V. J. 1143 erwähnl, wird unten gezeigl werden f e$ 
kann aber schon damals Ruine gewesen sein. 

Forum Augfustum« 

Wenn man vom Platze der Trajansäule, sich links wen- 
dend und die kleine Kirche S. Maria in Campo Carleo rechts 
lassend, unter dem Quirinal nach Tor de^ Conti hingeht, sieht 
man bald zur Rechten eine ungeheuere Mauer von gewaltigen 
Pepcrinblöcken , die mit vielen Biegungen gegen 140 Schritt 
sich hinzieht. Ehe sie endet, gelangt man an einen Durch- 
gangsbogen derselben, jetzt Arco de' Pantani genannt 
und von Traventinquadern gebaut, der wegen der bedeutenden 
Verschüttung jetzt ziemlich niedrig erscheint. Wenn man 
durch diesen Bogen tritt , um nach der zum Campo Yaccino 
führenden Via Bonella zu gehen, so sieht man sogleich rechts, 
an dem Kloster S. Annunziata (früher S. Basiiio), drei schöne, 
hohe korinthische Säulen mit ihrem Gebälk, worüber man den 
Glockenthurm erbaut hatte. In ihnen hat schon Palladio mit 
vollem Rechte den Tempel des MarsUltor auf dem Forum 
Augusti erkannt 7^2). Jene Mauer ist nichts anderes als 
die Einfassungsmauer, welche das Forum von der übrigen 
Stadt absperrete und ihm bei den so häufigen Feuersbrünsten 
Schutz gewährte ^) ; der Arco de' Pantani war ein Eingangsbo- 
gen, zu dem Stufen führten, wie frühere Nachgrabungen ge- 
zeigt haben; denn Fahrstrassen waren von diesen Anlagen 
gänzlich ausgeschlossen. 

Augustus hatte im Kriege gegen Brutus und Cassius dem 
Mars Ultor einen Tempel gelobt. Die immer wachsende Volks- 
menge und gleichzeitige Vermehrung der Rechtshändel be- 

mit Patrimonium anznrangeD sei , weiss ich oicbt. Uoter Diocletian 
beisst es dann': tnultae operae publieae Jabrioata* sunt. Senatum, 
Forum Caesaris, Basiiica lulia etc. 

702) Palladio, Arehitett, Hb. IV. p. 15. Piale, del tempio 
di Harte Uitore etc. Vgl. N i e b n h r s vortreffliche Beschreibang der 
Ueberreste, Besehr. d. St. R. III A. S. 275 ff. Abbiidongen b. Deago- 
d e 1 1, Ed{f. ant. d. Ä. p. 139. v e r b e k e , Restet de tane. R. pl. 38. 

3) Daraos erklärt sich, was Tacitus yom neronischeo Brande 
sagt, XV, 38. neque enim domus munimentü septae, vel templa 
murii eineta, aut quid aliud morae interiaeebal. 



371 

stimmte ihn, damit ein Forum zu. verbinden, und es wnrde der 
öffentlichen Benutzung übergeben, noch ehe der Tempel be- 
endigt war, dessen Dedication erst im Jahre 752 erfolgte ^^*). — 
Das Forum war auf der Stelle erkaufter Privatgrundstücke er- 
baut ^), und deshalb fiel es kleiner aus, als Augnstus ge- 
wünscht hatte, indem andere Besitzer ihre Häuser nicht frei- 



704) Sae to D. A.ns. 99. Publica opera plurima exstruwit — /o- 
rum cum aede Martit Ultoris — . Fori exstniendi cautafait 
hwminum et iudiciorum mulMudo, quae videbatur, non si^fflcienlibus 
duobus etiam tertio indiger: Itaque festinantiuM necdum perfecta 
Martis aede publicatum est. — Jedem Marli bello Philipp ensi pro vl- 
tione paterna sutcepto voverat. Bei DioCassias LV, 10. ist leider 
eioe Lücke ^ darch die «ns alles eotzogeD ist| was er aber den Baa 
f^estk^i haben kann. Wenn derselbe LIV, 8. bei Gelegenheit der von 
Phraates zaräckgegebenen Feldzeichen erzählt: *ai veu)v*'A^eo£ T^ 
fAw^ov iv rcj» KaTTiTatXl^ xara ro tov Jios tov ^k(f€TQiov ^ijh/if^a 
n{f6s Ttiv Twv orjfiiUav ayu'd'taiv nal ^tjtpiO'd^vai ixfktuaSf xal inol^ae., 
so scheint mir die Annahme einer Umstellung der Worte , so dass iv 
%£ KaniTwXii^ zu dem Tempel des lapiter gehSrt bitte (s* Merkel 
z. Ovid. Fast. V, 55!^.), doch sehr bedenklich; denn weder wurde 
der Tempel auf dem Fomm aas diesem Grande erbaut, noch lässt 
sich zwischen ihm und dem des lapiter Feretrias irgend eine Bezie- 
hung auffinden. Man raässte Dio eine Verwechselung Schuld geben, 
da Augustus auch den kleinen Tempel des lapiter Feretrias nen bauete. 
Aber die von Nibby dem zweiten Bande Nardinl's beigefügte Münze 
Aogasts (n. 31. s. uns. Taf. n. 20.)^ beweiset, wie sehen Piale p. 10. 
und Niebahr S. 281. geltend gem'aeht haben, dass nothwendig ein 
zweiter Tempel des Mars Ultor angenommen werden mnss; denn der 
kleine runde Tempel, den sie zeigt, kann ja doch nicht dem Forum 
angehSren. Und im Grande lassen sieh doch die Worte Ovid. Fast. 

Nee eati» est meruitse sctmI eognomina Marti: 
^ Persequitur Parthi tigna retenta manu, — 

Rite deo templumque datum nomenque bU ulfo, 
Et meritUM voti debita solvit honor, 
eben auch von einem zweiten Tempel verstehen , wenn auch freilich 
daraus kein Mars BisuUor geschliffen werden darf. Dann würde aber 
auch aus Dio nicht folgen , dass der Tempel auf dem Fornm erst 734 
begonnen worden sei. Geweihet wurde er ober nach völliger Beendi- 
gung doch erst 752., wie man aus Dio trotz der Lücke und schon aus 
dem Inhaltsverzeichnisse des Buchs ersieht, und ausserdem sagt es 
Vellei. II, 100, 2. eo ipso anno, quo magn\fi,centissimi gladiatorii 
muneris naumachiaeque spectaculis D, Jvgustus, abhinc XXX annos 
se et Gallo Caninio Coss, dedieato Martis ternplo animos oculosque P, 
R. repleverat ete. Auf diesen langen Verzug, dessen Ende Augustus 
uBgednIdig entgegen sah, bezieht sich der Scherz bei M aerob. Sat. 
II, 4. Cum multi Severo Cassio aecusante absoluerentur et architectus 
fori jiugusti exspeetationem operis diu traheret, ita ioeatus est: Fei- 
lem Cassius et meum forum accuset. 

5) MoBum. Ancyr. PRIVATO. SOLO MARTIS. VL- 

TORIS. TSMPLVM. FORVMQVE. AV6VSTVM (feci). 

24' 



1 



372 

wiHig abtreten wollten ^^^). Es erweiterte sich su Iwiden Sd- 
ten des Tempels in zwei Halbkreisen, wie die schon von Pal* 
ladio ziemlich vollständig anfgenommenen Reste zeigen. Das 
wird wahrscheinlich unter der von den Schriftstellem erwähn- 
ten doppelten porticus verstanden , worin Augustns die Sta- 
tuen der berühmtesten römischen Feldherren habüu triumphali 
unter Beifügung ihrer tUuli aufstellte ^. Ausserdem werden 
zahlreiche Kunstwerke , welche dem Tempel und Forum zum 
Schmucke dienten ^), und überhaupt die Anlage als eine der 
prächtigsten genannt ^). — Unter Tiberius wurden zu beiden 
Seiten ^des Tempels dem Drusus und Germanicus Ehrenbogen 
errichtet, die ihre Statuen trugen ^o). Sonst erfahren wir 
über die Schicksale des Forum nichts, als dass es unter Ha- 
drian eine Restauration erfuhr^')* — Seine Bestimmung war 



706) Sa e top. Aag. 50. Forum angustitis feeity non au$uä ex^ 
torquere postesMoribu* proximas domos, Dass iodessen der Raam oieht 
allzusehr zu beschränken sei, ersieht man aus i) i o G a s s. LVI, %7, 
ra TC u^^cMii Tora fUv^ iniiS^ o Tifia^iQ top imroS^ftop n^otutwdoxev ^ iw 
rj Tov AvyovQTOv ayoff^ ttaX ^inniov SifSfit^ r^onov % iva mal &tf^ü»r 

7) Sueton. Aug. 31. Froximum a diis immoriaiibus honorem 
metnoriae dueum praestitit, qui imperium populi Romani ex minimo 
maximum reddidieeent, Itaque efopera euiueque manentibus titutie 
restituit, et etatuae omnium triumphali effi^^ie in uiraquefori eui por- 
tieu dedieavit. Dio Gass. LV, 10. Gell. IX, 11. Lamprid. Alex. 
Sev. Itö. Der tituli, welche Snetoo nicht erwähnt, gedenkt Plio. 
XXIF, 0. Aemilianum quoque Scipionem Varro auctor est donatum 
obsidionali in j^flnca, Manilio Coneule, cohortibue eervatit totidem-- 
que ad servandat eas eductis, quod et etatuae eius in foro suo Divus 
Augutttu subtcripsit. Dabei hatte er auch sich selbst nicht verges- 
sen. V eil ei. II, 39^ 2. D, Auguetus praeter Hiepaniae aliasque gen- 
tes, quarum titulit forum eius praenitety paene idem foeta Aegypto 
stipendiaria, quantum pater eius Gaiiia, in aerarium reditus eontulit, 
Ueber die Meinung, dass diese Inschriften Grundlage der Viri ill. des 
Aurel. Victor seien, s. S. 56. 

8) Plin. VII, 53. XXXIV, 8, 18. 13, 40. XXXV, 4, 10. 10, 36. 
n. 94. Ovid. Fast. V, 555 ff. Trist. II, 295. 

9) Plin. XXXVI, 15, 24., wo es mit der BasiUea AemiUa uud 
dem Tjcmplnm Pacis inter magnifica genannt wird. 

10) Tarit. Ann. II, 64. structi et arcus eiroum latera tempii 
Mortis Ultoris cum ejfigie Caesarum. 

11) Spart. Ha dr. 19. — Erwähnungen aus dem Mittelalter sind 
mir nicht bekannt. Vielleicht war es speitig zerstört und ft« der Stelle 
des Tempels die Kirche S. Basilio erbaut worden. So wird seine Stelle 
im Ordo Rom. v.J. 1143 (Mabill. Mus. Jtal. U. p. 143.) beseioli^ 
net. Denn dass es im Mittelalter den Namen Martls forum gefihrt 
habe, dardr finde ich kcinoo Beweis. Di« Mirab» Rom.» auf die sieh 



873 

• 

vorzugsweise für causae pubUoae und sortiHonBs iudicutn 'i^). 
Ausserdem aber verlieh ihm Augustus mehrfache Aaszeich- 
BUBg) indem er verordnete, dass hier die jungen Caesaren die 
toga viriHs nehmen (oder wie auf dem Capitole sumta togu 
opfern) $ die zur Verwaltung der Provinzen bestimmten Magi» 
strate von hier in dieselben abgehen; hier die Triumphe be- 
wiUigt und die Insignien der Triumphatoren , so wie die er- 
oberten Signa militaria niedergelegt werden sollten o. s. w* ^'). 

Forum Transitorium oder Forum Nervae. 

Eine ähnliche Anlage, wie Caesar und Augustus, machte 
anch Yespasian, indem er das prachtvolle Templum Pacis er- 
bauete. Sie glich jenen in so fem ganz, als ebenfalls eine 
Umfassungsmauer den Tempel mit seinem %i/i9Pog umschloss; 
aber sie hatte nicht die Bestimmung als Forum zu dienen 
und kann ako auch nicht hieher gezogen werden, so genau 
sie auch mit dem Systeme der Fora zusammenhängt. Es 
wird sich weiterhin zeigen, dass dieser Friedenstempel nahe 



Baoseo (IIF. B. S. 152.) beruft, haJ>ea deo Namen |^ar nicht. Die 
seltsame Benennung des Marforio aber, das beisst eben der jetzt 
ifflMna. Capitol. befindlichea Statae eines Flassgottes, die hMtimulaerum 
Mariü, bald MamerHniy vom Anonymus von Einsiedln richtiger * 
Tiberis genannt wird, kann keinen Grund abgeben, dabei an den Tem^ 
pel des Mars zu denken , so leicht anch der Ankiaog dazu verleiten 
mag. Wie hätte auch das Forum Augusti je bis an die Salita di Mar- 
forio oder nur in deren Nahe reichen können. Vgl. den Abschn. vom 
Capitole. 

712) Sueton. Aug. 29. cautumque, ut separaHm in eo publica 
iudicia et sartitiones tudieum ßerenl. Von Tr^ao aagt Dio Cass. 
LXVIII, 10., dass er dort Hecht sprach. Vgl. Mart. Vn,51. 
Pompeium quaeras, et nosti forsitan, Auetum; 

UUorii prima Marlie in aede seiet, . 
Jure madene varioque logae limatue in ueu. 
wovon Piale den Beweis entlehnt, dass es zwei Tempel ^es Mars Ul- 
tar gegeben habe (prima in aede) 1 

13) Dio Cass. LV, 10, — lavrw di tuü rovs i^ovovs, oooms av 
i&ekiiaafai, rovs r§ tn rtav italSwv iftovrag nal it rovs ^^ßovs iyyoo' 
ipo/Uvovf ixeias navrwQ a^tmfihO'cu, xoi roug ini tag ctQxäe tag Mo^- 
fiovs oTtXXouivovg iüttd^cv a^o(^fiäoO'a*, raff t£ yvwfiag rac ^^Q^^ tmv 
vunjTfjifivap fx(Z ^rjv ßovX^r nouitf^<ti. Mal rovg nifiif/avzag avxa T«p 
^Aq^i Tovtijf xal to QKnm^ov xai rbv ozitpayov aratri^iva*.^ — ^ av vi 
iror« aiififla ezf^axuoxMa h noltfilovi äXovza ayanofna&p, «V rov vaov 
«9Ta xid'e0&a$. 



374 

M 

an der BasiÜca Constantini, hinter der Aedes Penatium und 
dem TempluDi Fausünae hg. Dadurch war zwischen ihm und 
den Foren Caesars und Augustus ein noch mit Privatgebäa* 
den besetzter Raum geblieben, und diesen benutzte Domi- 
tianum ein viertes Forum anzulegen, dass auch nicht 
die Bestimmung der drei juristischen Fora haben, sondern 
nur zur Verbindung der sämmtlichen Fora und des Templum 
Pacis dienen sollte. Nerya erst hat es vollendet und dedi- 
cirt und daher sowohl als von seiner Bestimmung und end- 
lich von seinpm Haupttempel hat es mannigfaltige Namen er- 
halten (Transitorium, Pervium, Nervae, Palla-* 
dium), die vor Allem als identisch zu erweisen sind. Nach 
einer Nachricht kann es scheinen, als sei der Bau dieses Fo- 
rum schon von Yespasian begonnen worden. Aur. Vi ct. 
Ca es. 9. (Vesp.) Namqye Romae Capitolium — aedes Pth 
cisj Claudii monumental amphitkeatri tanta vis, multaeque 
aUae^ ac forum caepta ae patrata. Allein Andere sagen 
davon nichts | die Anlage wird Domitian zugeschrieben. Sue- 
ton. Domit. 5. (exeitavit) forum, quod nunc Nervae vo-^ 
catur. Damit vergleiche man nuuLamprid. Alex. Sev* 
28. Statuas cofossas velpedestres nudas, pet equestres dhns 
tmperatoribusinforo Divi Nervae^ quodTransitoriutß 
dicitur, ioeavü. pnd Aurel. Yict. Caes. 12. (Nerva) de^ 
dicato priusjbro^ quod appellalur Pervium, quo aedes JUi" 
nervae eminentior eonsurgit ei magnißeentior ; endlich, da 
der Tempel des lanus Quadrifrons ein wesentlicher 
Punkt auf dem Forum Domitians ist, loann. Lyd. de mens. 
IV, 1. {TB%Qdfio(iq>ov) %al roiovvo^ awov uyaXfJia iy ▼«! 
ipoQia %ov ^sQßä Iti xal vvv Xfysrai OBüViagjiivov. V^I. 
Serv. z. Aen. VII, 607. (S. 254.). Der Name Palla- 
dium forum bei Mart. I, 2, 5« erklärt sich aus dem Tem- 
pel der Minerva, 

Bei so vielen ausdrücklichen Erklärungen der Identität 
ist es nun fest unglaublich, dass es jemandem habe einfallen 
können, das Forum Transitorium fiir verschieden von 
dem Forum Nervae zu halten; gleichwohl hat Bunsen 
aus diesem einen Forum zwei gemacht, das Forum Nervae 



375 

mit dem Tempel der Minerva und das Transitorium Domitians 
mit dem lanus. Beide zusammen sollen dann gleieh sein dem 
Fomm Palladium Martials ! — Wäre das nur eine der zahl- 
losen Phantasien, die in der römischen Topographie jeder sich 
erlauben zu dürfen geglaubt hat, so wurde es gar keine Be- 
achtung weijfcer verdienen, sondern zu dem vielen Unnützen 
zu werfen sein, das auf diesem Gebiete geträumt worden ist. 
Wenn aber der Grund zu dieser Annahme tiefer liegt und sie 
nur als ein mit Entstellung der alten Zeugnisse geflissentlich 
«rsonnenes Mittel erscheint, um die Unmöglichkeit einer an- 
deren verkehrten Ansicht zu verbergen, so erheischt das eine 
nähere Beleuchtung und nebenbei eine strenge Rüge. 

Das unschätzbare Grenzverzeichniss derNotitia nennt 
in der klarsten Reihenfolge das Forum Transitorium 
(i. i. Forum Nervae) in der vierten Region; dagegen in 
der achten Region: Forum Caesarisj Augusti, Nervae 
Traiani. Da nun Bunsen das Forum Caesaris bei Tor de* 
Conti annimmt, so dass das Bbrum Nervae zwischen ihm und 
dem Augustum zu liegen kömmt (s. seinen Plan), so ist es 
unmöglich, dass das Forum Transitorium oder Nervae zu der 
vierten, und das For. Caesaris zu der achten Region gehören 
konnte. Anstatt nun darin den Beweis zu finden , dass Cae- 
sars Forum nimmermehr an jener Stelle h'egen konnte, hat er 
stillschweigend den Text der Notitia gegen alle Handschriften 
und Ausgaben anders interpungirt und lieset Forum Caesaris^ 
Avgttsti, Nervae^ Traiani; wobei natürlich verschwiegen 
wird, dass dann die Stellung sein mtisste : Caesaris , Nervae j 
Augusti^ Traiani* So konnte nun freilich neben dem Fomm 
Nervae noch ein besonderes Transitorium in der vierten Re- 
gion dem Alterthume zum Trotze geschaffen werden, wobei 
allerdings das Templum Pacis seinen Platz verlor. Hiernach 
beurtbcile man, mit welcher Gewissenhafb'gkeit in der römi- 
schen Topographie verfahren worden ist» 

Die Lage des Fomm ist ausser Zweifel • Wenn man von 
den Säulen des Mars Ultor kommend aus der Via Bonella sich 
links in die Via Aless^qdripa wendet, so kömmt man sehr 
bald an zwei tief verschüttete korinthische Säulen, deren mit 



S76 

«ehr verslümmelften Ueiieb verziertes (SebXlk eine Attike trügt, 
in deren Mitte zwischen den Säulen nun auch in Rdief dia 
Figur einer Minerva sieht. Die Säulen werden seil langen 
Zeiten le Colonnacce genannt^ eben jenes Bild der Mi-* 
nerva aber ist Veranlassang zu der thörigen Annahme gewe* 
sen, man habe die Reste eines Tempels der Göttin vor sich« 
Vielmehr stand dieser Tempel, nämlich kein anderer als der 
Tempel des Forum Nervae, noch im sechzehnten Jahrhundert 
in einer schönen Ruine mit Nervals Dedication vor den Colon* 
nacoe ^^*). DfieRingmaner, von welcher die Colonnacce ein Theil 
sind, schloss sich, wie bei dem Forum Augnsti an den Tempel an, 
und auch hier war neben demselben (auf der Seite der Colonnacce) 
ein grosser Eingangsbogen. Aber Paul V. liess die grossen, 
h^rlichen Ueberrefife abbrechen und den Marmor zum Baue 
der Acqua Paola verwenden, Gleicha^eitig mit der Anlage der 
Via Alessandrina wurde der Platz fiberbaut, und selbst die 
Erinnerung an den Tempel verlor sich: man bezog, was die 
älteren Berichterstatter von ibu)«|sagten , auf die Säulen des 
Mars Ultor ^^). — Ausser dem Minerventempel war ein zwei- 
tes Hauptgebäude des Forum der Tempel desIanusQuadri-« 
frons '*), den wir uns der Form nach ungefähr wie den la- 
nus am Forum Boarium vorzustellen haben. Dieses Gebäude 
war es wohl, welches im Mittelalter d^n ^ameq Area di No^ 
fährte« — Uebrigens ifit es sehr wahrscheiplicb , wie Nie- 
b u h r bemeriLt, dass das Fonup deshalb Transitorium odei« 
Pervium genannt wurde, weil durch dasselbe, was bei kd^ 
nem der übrigen Kaiser-Fora Sutt fand, eine Hanptstrafy^ 
nach der Subura fülirte, weshalb auch der Eingangsbpgen bei 
Ik Pdrac ausserordentlich weit erscheint. — Im Mittelalter 



714) So tbeilt sie Du P^rae t. 5. mit. Er tagt dasa : „ossi^i 
DOn ai vede vestig^ di foro io Roaia pik Utiani di asso.<< Aaeh bei 
Gamucciy j4niiehitd di R. p. 55. Badet sieb eine Abbildang. Diet 
Coioonacce bei Desgodatz. p. 159 If. Overbeke.pl. 39. 

15) Vgl. Niebplirs seboa erwabnten vortrefflieben AarsaU, B&^ 
sehr, d, St. R, III A. S. 276 ff., wo aaeb von der venicbiedea milger 
theiltea iaacbrift dea Teapela gabaadelt wM^ Avaaenla» Piale, 
del tempio di Marie ültore etc 

16) Martini. X, 28. StaL Silv. IV, 3, 9. Sevv. n. loann, 
hjd. a. •• 0. 



377 



wurde es fibrigens, wie Bansen wahrscheinlich gemacht hat, 
Forum Traiani genannt, nnd man unterschied ein Forum 
maius und minus dieses Namens '^9* 



717) ßesehr. d. Si. R. III B. S. 1S4. Ich cebe hier die höchst 
merkwürdige Stelle ans dem Ordo Rom. vom Jahre 1143, wo der 
Zog des Pabstes am zweiten Ostertajj^e von der Peterakirche naeh dem 
Lateran beschrieben wird. M ah i\\, Mus, ItaL II. p. 143. Proniiens 
per Parionem (?) inter eircum Jlexandri (Piazza Navona) ei theatrum 
Pompeiiy deseendtt per porlicum Jgrippinam (eine Hdschrft setit 
binza : sanetae Mariae Rotundae, Pantheon), aseendit per Ptneam (?) 
iuxta Pülatinanty proeUiens ante sanctum Marcum (Pal. di Venezia) 
OMcendit tuh areu Manne corneae per elivium argentarium (Salita di 
Marforio) inter insulam eiusdem nominis et capitolium, deecendit 
ante privatam Mamertini (carcer) ; intrat tut areu triumphali inter 
templum fatale (S. Martina oder laous?) et templum Coneordiae, 
progrediens inter forum Traiani et forum Caesaris ; eubintrat arcum 
Neroiae inter templum eiuedem Deae et templum fani, aseendit ante 
asylum (T. Di vi loiii?) per silicem (Sucn via), übt eeddit Simon Ma" 
gus, iuxta templum Romuli (Aedes Penatiam) ; pergit sub areu triam- 
phali Tili et f^espasiani, qui voeatur Septem lueemarum; deseendit 
ad Metam sudantem ante triumphalem arcum Constantini^ reelinans 
manu laeva ante amphitheatrum et per Sanctam viam iuxta Colo- 
seum revertitur ad Lateranum. Len^^oen lässt es sich nicht, dasa, 
wenn man aneh unter Forum Traiani das Fomm Nervae versteht, der 
Zog doch eioen seltsamen Weg nimmt. Denn nachdem er schon -bei 
dem Carcer nnd Concordientempel an das Fomm Romannm gekommen 
ist, geht er wieder znriick nnd kSmmt bei SS. Gosma e Damiano wie- 
der herans an dasselbe Fomm. Dass aber templum Romuli die Aedes 
Peoatium bedeutet, und nicht, wie Bansen will, den Tempel der V^ 
nns nnd Roma, ist eine Gewissheit. Letzterer heisst gewöbnlieh tem- 
plum Concordiae et Pietatis. So sagt Martinas Polonus: Item 
retro S, Cosmam fuit templum Pacis, Item foris fuit templum Ro- 
piuli. Item ubi est S. Maria nova, fuit templum CShcordiae et Pie- 
tatis. Eben so die Mirab. Rom. p. 294. Montf, Effemer. lett, I. 
p. 385. Retro (S. Cosm.) fuit Templum Pacis et Latouae^ super idem 
templum Romuli, Post S, Mariam novam duo templa Conoordime 
et Pietatis, Bei Anastas. Vit. Fei. IV. p. 9T. heisst es: Hie f^ 
eit basilieam Sanctorum Cosmae et Damiani in urbe Roma, in loeo^ 
qui appellatur Fia saera iuxta templum urbis Romae; aber dass dar 
mit der Tempel der Venus und Roma gemeint sei, ist kaum glaublich 9 
denn er ist ziemlich weit entfernt. Andere Handschriften setzea 
hinzu: vel Rontuli. Noch Poggio, de variel, fort* p. 51. sagt: Ro* 
fßuli templum^ cuius pars muri vetustissima quadrato lapide nuno 
quoque mirandam speeiem sui praebet : hodie Cosmae et Damiani 
martyr/bus eonseeratum. Jenen Doppel tempel nennt er Castoris et 
Pollueis. Es ist wahrscheinlich, dass man die Bilder der Penaten Air 
Romulus und Remns hielt« — Das asylum erklärt man für den Tem- 
pel des Diws lulins, der nach Dio Cass. XL VII, 19. zum Asyle ep- 
hobea worden war. Mart. Pol. dagegen sagt: Item in eeelesia S. 
Cosmae (hinter der aedes Penatinm) ßtit templum asyli. und die Mi- 
rab. S, Cosmatis eeelesia, quae fuit templum asyli. Sind auch bei^ 
der Benennungen gewöhnlich absurd, so kommt es doch hier nur dais 
auf an, was in ihrer Zelt so genannt wurde. Nimmt man nun das 



378 



Forum Traiani. 

So hatte sich denn vom Fasse des Capitols^ und Palatins 
bis unter den südlichen Abhang des Quirinals eine ununterbro- 
chene, allen Privatbesitz ausschb'essende Folge prachtvoller 
üiFentlicher Anlagen gebildet, die nicht übertroiTen werden zu 
können schien. Und doch schloss sich ihnen unmittelbar dar- 
auf folgend ein neuer dieselbe Bestimmung habender Prachtbau 
an, der nicht nur den Glanz der früheren Anlagen verdun- 
kelte , sondern auch die gesammten Fora Caesars , Augustns 
und Nervals an Ausdehnung weit übertraf. Das Forum, wel- 
ches Traj an durch den grossen Meister Apollo dorus von 
Damascus 7^*) erbauen liess, wird als die grossartigste Pracht* 
anläge geschildert, und die späte Zeit, welche die Schönheit 
im Einzelnen nicht mehr zu würdigen verstand, staunte iqi 
Gefühle ihrer Unfähigkeit Aehnliches hervorzurufen das Rie- 
senhafte des Baues an i^). Zeit und Barbarei haben auch 



Foram Traiani als Foram Nervae — wie donn die Mirab. p. 29S. 
Effem. p. 38!^. ähnlich sagen: ii^fica hune terminum fuit tempium 
(BIT. palatium) cum duobus foris Nervae cum tempio suo divi Ner^ 
9ae, cum maiori foro Traiani — * so kann der areu$ Nerviae nichts 
sein, als ein Biogan|^sbogen vom Foram Gaesaris zum Foram Nervae, 
und das tempium eiutdim deae der Tempel der Minerva (ob daher 
oder von dem daran stehenden Namen Nervals?). Zwischen ihm und 
dem lanns Qaadrifrons würde dann der Znf^ hindurch gehen. — Un- 
verstündlich sind mir sonst in der Beschreibung der Procession die 
tarnen: perParionem,^ obgleich noch jetzt in diese^ Gegend eineStrassp 
Via di Parione heisst. Die Mirab. p. !^92. sagen: Ad ooneham PO' 
rionis fuit tempium Cnei Pompei, Dann per Pineam iuxta Palati- 
nam; aber noch jetzt heisst dieser Bezirk, die neunte Region des 
neuen Rom, Rione Pigna, so wie eine Kirche S. Giovanni della Pigna, 
nnd die Kirche S. Marco in Pal. di Veaezia hiess ad Paiatinas, Der 
areus iriumphalis inter tempium Fatale et tempium Coneordiae kann 
natürlich nicht der Severasbogen sein, s. S. 359. dnd den Abschn. 
vom Gapitol. 

718) Dio Gass. LXIX, 4. ^jinoXUBmQev rov a^iv^urova roy f^ 
ayo^är tcal to t^Ssiop, x6 zs yvfivaoiaVf rä rov Tfcüaifov iro&ijfiaTa iv 
t^'Pfif^fJ ttaTaoKtoaaavra» 

19yAmmian. Marc. XVI, 10. erzählt von Gonslantius Besuch 
in Rom : Ferum cum ad Traiani forum venisset , eingularem sub 
omni eoelo structuram, ut opinamur, etiam numinum aeeensione mi' 
rabilem, haerebat attonitus, per giganteoe eontextue eireuu{feren$ 
mentem, nee relatu [in]effabiles, nee rursus mortalibus appetendos. 
Omni itaque spe huiußmodi quidpiam eonandi depulsa, Traiani 
equum so tum locatum in atrii medio , qui ip$um prineipem vehit. 



S79 

'dieses Wunderwerk zerstört und verhältnissmässig geringe 
Ueberreste lassen den Zusammenhang des Ganzen nur er- 

rathen.'* 

Wie es scheint hat Trajan gleich nach seinem Regie- 
rungsantritte den Bau begonnen. Seltsam klingt eine Nach- 
richt Anrelius Victors, dass er die von Domitian be- 
gonnenen Fora prachtvoll ausgeführt habe ^^) ; um so. mehr 
als die Chronisten, sonderbar genug, den Bau des Forum 
Traiani übereinstimmend unter die Regierung Domitians 
setzen ^^). Ob man daraus schliessen dürfe , dass Domitian 
den Plan gehabt, ein solches Forum anzulegen, oder dass 
Trajan den Bau vor seiner Regierung begonnen habe, will 
ich nicht entscheiden; das aber scheint gewiss anzunehmen, 
dass derselbe nach seinem eigenen Plane ausgeführt wurde. 
Leider sind wir fast ohne Nachricht darüber, da Dio Gas- 
si us nur ganz kurz davon spricht, und nUr nach den Er^ 
wähnungen der dazu gehörigen Theile und den noch sicht- 
baren Ueberresten, zugleich aber auch nach den auf die De- 
dication geprägten Münzen lässt sich eine Restauration ver- 
suchen ^<). Diese Theile sind 1) die Area fori und gleich- 



fmitari se velle dicehat et potse, Cut prope adstans regalis ffor^ 
misda, cuius e Perttd$ discessum supra monsfravimus , respondit 
gestu gentili: j4nte, inquit, Imperator, stabulum tale condi iubeto, 
ei vales : equus, quem /äbricare dftponit, ita late meeedat, ut üte, 
quem videmus. Vgl. Cassiod. Varia r. VII| 6. Traiani forum vel 
sub astiduitate videre miraculum est. 

7^0) Ca es. 13. {TtKieinJ) Adhue Romae a Domitiano eoepta 
fora atque alia multa plus quam magn\/iee coluit omavitque. 

21) Hieron. t. I. p. 443 Rodo. Multa opera Romae facta , in 
quibui Capitolium, Forum traruitorium , divorum Portieus , Isium 
ao Serapium, Stadium, Horrea piperataria, Fespasiani templum, Mi- 
nerva Chaloidicay Odeum^ Forum Traiani, Thermae Traianae et 
Titianae, Senatue etc. Eben so Prosp. Aqait. p. 57 f. nad Cas- 
siod. ChroD. If. p. 107. Letzterer i^iebt für das Forom Traiani das 
zehote Re§rieningsjahr Domitians an. 

%%) Erst die in der Zeit der franzosischen Herrschaft, leider sehr 
beschränkt nnteroommenen Ansi^rabangen haben es g^estattet, den Ver- 
such dazu zu machen. S. Tournon, Etudes itatist. sur Romt, t. II. 
p. 293. pl. 28. 29. Fea, Notisie degli seavi neif Anßteatro Flavio 
e nel Foro Traiano, Rom. 1813. De rs. herizioni di Monumenti pnb- 
hlici. Rom. 1813. p. 7. Nibby, Del Foro Trqfano. Anhan§r z. 2. Bd. 
d. Nardini. mit Plan von Ant. de Romanis. Fea, / reclami del Foro 
Traiano. Rom. 1832. Bansen, Les forum de Rome. II. p. 24 ff. 
Der 8. Beeehr. d. St. R. III B. 3. 159 ff. 



380 

bedeutend damit jedenfalls Atrinm fori mit der Reiter* 
Statue Trajans '»). 2) Basilica Ulpia ^^). 3) Co- 
lumna Traiana ^^). 4) Bibliotheca Ulpia 2«). 5) 
TempIumD. Traiani^^). 6) Arcus triumphalis Tra- 
iani ^®). Davon sind nun der Anschauung ein Stück der 
Area, ein grosser Theil der Basilica und der freie Platz auf 
dem die Säule steht , nebst den muthmasslichen Resten der 
Bibliothek wiedergegeben. 

So viel ist denn unzweifelhaft gewiss, dass das Forum 
Trajans sich umnittelbar an das des Auguslus anschloss, und 
der offengelegte Theil lehrt, was auch sonst nothwendig an* 
genommen werden müsste, dass diesem zunächst die Area 
fori' oder das Atrium lag* Man kann sich darunter nur 
einen freien Platz oder Vorhof vorstellen, ringsum von hohen 
Säulengängen umschlossen, und dem entspricht auch das auf- 
gegrabene Stück. Bunsen hat sich durch einige Münzen, 
welche einen Tempel zwischen zwei Säulenhallen oder auch 
bloss den Tempel mit der Umschrift S. P* Q. R. OpHmo 
Prmcipi S. C. und auf der andern Seite Trajans Bild mit 
Bezeichnung des fünften Consulats zeigen (s.uns. Taf. V. n. 10.), 
bestimmen lassen, darin den Tempel des Divus Traianus zu 



723) Gell. Xin, 24. In fastigiü fori Traiani sitnuiaem iuni 
Sita etc. — Quaerebat Favorinus cum in area fori amhularet 
ete. Ammian. Marc. 1. 1. Traiani equum solum locatum in atrii 
medio. 

24) Lamprid. Co mm. 2. adhuc in praetexta puerili eongia- 
rium aedit atque ip$e in basilica Traiani praesedit. Die Man« 
zen haben die Inschrift Basilica Ulpia. s. aus. Taf. V. n. 13. 

25) S. Anm. 736 — 738. 

m Dio Gass. LXVIII, 16. nareoHSvoos di nal ßißUotv wxofhi- 
M^9, Gell. XI, 17. sedentibus forte nobis in bibliotheca templi Tra^ 
iani. Später befand sie sich in den Thermen Dioclelians. V o p i s c. 
Prob. 2. Usus autem sum — praecipue libris ex bibliotheca Ulpia j 
aetate mea thermis Dioeletiani. Aarel. 1. Tacit. 8. Nichtsdesto- 
wenif^er mass sie von da wieder aaf das Forum gebracht worden sein ; 
denn Sidonius Apoll, saj^ IX, 16. Cum meis p<fni statuam per- 
ennem Nerva Traianus titulis videret . Inter auctores utriusque 
fixam Bibliothecae, and noch deutlicher carm. 8. Ulpia quod 
rutilat porticus aere meo, 

27) Spart. Hadr. 19. Quum opera ubique i^ßnita fecisstt^ 
nunquam ipse, nisi in Traiani patris templo, nomen suum scripsit. 

28) Dio Cass. LXVIII, 29. xcti oi fuv iifiBa alrf T(foneucq>^ 
ifov n(fog noXlois aXlo$9 iv airp Tp ^o^ avrov noQswweiov, 



381 — 

erkenieB vni ilm hier ft«f ian Tordenten lltdle des Pomm, 
der zuerst beendigt worden, anzunehmen. In fie beiden Hai- 
Jen legt er die Bibliotheken. Ich habe kein Urlheil über die 
Aecbtheit dieser mir unbekannten (bei Eekhel fehlenden) Mün- 
zen; aber die Saehe ist unmöglich. Denn nie ist einem rö- 
mischen Kaiser bei seiiiem Leben in Rom selbst oder ItaKen 
ein Tempel erbaut worden. Ausdrücklich sagt das I>io Cass. 
LI, 20. iv jftiQ i^i *B^ äam av%£ Ty re äXXjj ^TaXia ovn 
ia%iv OQViC vc»y mal if onoaovovv Xoyov nrog a|/o»v 
hiX/^fjae vwto notijcai* ft€%aXkalaüt /jtivvoi Ktivrav&a 
volff if&äQ awa^fiaafnv aXXai tb laod-Boi Ttpal 9l9o¥^ 
Tutf %al &ij *al fJQ^a notslvat* Wenn nun auch Bnnsen 
annimmt, der. Tempel sei erst später von Hadrian dem Tra- 
jan geweiht worden (was an sich höchst seltsam ist; denn 
Trajan wird doch nicht auf seinem Forum einen namenlosen 
Tempel erbaut haben, der nach seinem Tode ihm dedicirt wer- 
den könnte), so widerspricht dem nicht nur Spartian, der 
auf das Deutüehste sagt, Bfadrian habe den Tempel Trajans 
selbst gebaut, sondern es wurden das auch die Münzen selbst 
• widerlegen ; denn sie müssen sich ja doch auf die Dedication 
des da^estellten Tempels beziehen, und in welcher Weise 
könnte diese Statt gefunden haben 7 Man könnte allenfalls nur 
an einen Tempel Nervals denken, der hier gestanden habe, da 
allerdings gesagt wird, dass Trajan seinem Adoptivvater Tem- 
pel weihete 7^). Allein auch das ist schlechterdings verwerf- 
lich, da Ammian ausdrücklich sagt, die Reiters tatue Tra- 
jans habe allein in der Mitte des Atrium gestanden: Tra- 
ianr equrnn solum hcattm in atrii media, qni ipsum 
principem vehit., und darauf beziehen sich Hormisdas Worte: 
ita Ute »uccedaty ui iste, quem videmns. FreiKch hat Bun- 
sen das wichtigste Wort solum bei der Uebersetzung wegge» 
lassen I Hier war also nichts von einem Tempel, und so hat 
es auch richtig Canina angenommen. — Zu beiden Seiten 
des Platzes , namentKcb aber unter dem Quirinal finden sieb 



ItÜ) PI IB. Paneg. 34. Nervam laerimü primum, ut ßiium de' 
euit, mox templü honestoiti. 



38» 

bedeutende Reste grosser halbziileUormiger Baue. Die Letz- 
teren werden gewöhnlich die Bäder des PauUus Aemilius 
(Bagni di Paalo Emilio) genannt und davon der Name 
der Strasse Magnanapoli abgeleitet, welche von der Säule 
nach Tor deUe Milizie bei S. Caterina di Siena auf die Höhe 
fuhrt ^^°). Jedenfalls ist es vielmehr ein zu dem Forum gehö* 
riger Bau, da nach Canina^s Untersuchungen auf der entgegen-^ 
gesetzten Seite- (le Chiavi d^oro) sich die Spuren einer glei- 
chen halbzirkel formigen Erweiterung verfolgen lassen 'i). 

Zunächst an diesem Atrium fori liegt die fiinfschiffige 
Basilica, ihrer Länge nach querüber das Forum sich aus- 
dehnend und also die eine Längenseite dem sogen. Atrium zu- 
kehrend. Ihr mittlerer Tbeil liegt offen, so weit, dass jede der 
vier Reihen 10 Säulen zeigt, von denen die Basen zum Theile 
an ihrer ursprünglichen Stelle gefunden wurden '^). Wie weit 
sich das Gebäude nach beiden Seiten hin ausdehnte, ist unent- 
schieden ^3). Die ßreite beträgt gegen 170 Fuss. Der Ein- 
gang war von dem Atrium her, also auf der Längenseite. Er 
war dreifach, d. h. zu beiden Seiten des Haupteinganges wa- 



730) Der Name Mt§paaDapoli ist wahrscheiDlicIi aas magnanimi 
Patillt entstanden, was Worte einer Inschrift sein mögen. 

31) Canina, Jndicaz, topogr, p. 177 s. 

Z%) Man hat seit der Ausgrabung die zum Theile sehr ansehnli- 
chen Brnchstiieke grauer Granitsäulen, welche hier gefunden wurden, 
in den durch die Basen bezeichneten Reihen aufgestellt. Es ist aber 
zweifelhaft, ob diese Säulen dem Innern der Basilica angehörten und 
ob dieses nicht vielmehr Säulen von Giallo antico und Paonezzato hatte, 
wovon auch Reste gefunden worden sind. S. Nibby, dei Foro Tra^ 
jano. p. 353. Piatner, Besckr. d, St. Ä. IH A. S. 287. 

33) Ganina, Indieaz, top, p. \72. wendet auf die Basilica das 
Fragment des capitolinischen Plans an, von welchem oben bei der Ae- 
milia gesprochen worden ist. Er Tugt daher statt des Stücks mit dem 
Namen EMILIA ein anderes kleines Fragment mit der Schrift VLPIA 
an (s. uns. Taf. IV. n. 6.). Den Namen LIBERTATIS erklärt er da- 
her, dass hier die Hanumissionen Statt fanden: Sidon. ApolL carm. 
^ fia. 

Nam modo not iamjetta vocant, i9d ad Ülpiapoteunl 
Tejora^ donahis quos tibertate Quirites, 
Quorum gaudentes exeeptant verhera malae. 
Es bleibt auch das immer ungewiss , aber jedenfalls spricht diese An^ 
Wendung Jes Fragments mehr an, (s. den Abschn. vom Aventin.) und 
darüber kann kein Zweifel sein, dass der Name Libertatis dem Ge- 
bäude selbst angehört, in dem er steht, und nicht einem ausserhalb 
gelegenen, wie denn das Fragment auch uieht einmal eines zeigt, auf 
das man ihn beziehen könnte. 



— -383 

ren zwei kleinere ^^) ; zu allen fahrten Stufen von Giallo an* 
tico» Auch der Boden der Basilica war mit Hatten dieses 
Marmors und Paonezzato getäfelt» Ihr Dach, und vielleicht 
überhaupt die Bedachung aller bedeckten Theile des Forum 
war von Bronze '^). 

Jenseit der Basilica steht die Säule , mit dem Piedestal 
117 Fuss hoch, bei einer Stärke, welche unten 11, oben 10 
Fuss beträgt Der Schaft ist von dem durch einen Lorbeer- 
kranz gebildeten Wulste gerechnet und mit Ausschluss der 
zwei über dem Capitell die Basis der Statue bildenden Stücken 
aus 19 Cylindern von weissem Marmor zusammengesetzt, in 
welche zugleich die Stufen gehauen sind (184), auf welchen 
man im Innern zur Höhe aufsteigt. Sie erhalten durch 45 
OeJFnungen (rimae) einiges Licht. Um den ganzen Schaft 
schlingt sich ein Band von vortrefflichen Reliefs, welche die 
Kriege Trajans gegen Deeebalus darstellen. Man zählt darauf 
allein 2500 menschliche Figuren ^*). Die Säule sollte neben-^ 
bei ein Denkmal sein , in welcher Höhe der Berg , welcher 
hier nach dem Capitolinus hin sich abdachte, um für das Fo« 
mm die Ebene zu gewinnen, abgegraben worden sei. Es sagt 
das nicht nurDio Cassius, sondern auch die Inschrift des 



73 i) So zeigeo die Basilica aach lIHnzen, s. vds. Tat. V. n. 13. 

35) Aof das Foram Traiani Dämlich bezieht man, wie es scheint, 
mit Recht Pansa d. V, 1^, 4. wü ^ *Pw/iai(ov ayo^a xoofiov t§ i'lvitta 
Tov Xomov ^iag d^ia. Mal ftdliara it tov 0(f0(f4iV xahtov itsnottigUvav* 
nod X, 5, 5. */*wftcc/o<c 9k 17 avof^d /uyi&ovQ i'ivma mtX natoümviji r^t 
aXhjs ^aviMi ovaa naQixsxat, t»v OQotpov laiätovy. Es %9M damals vor« 
zugsweise als das römische Fornm. So sart aoeh Cessio d. Ghroa. 
H. p. 204 Rone, von der Verbrenauegp der Syographa (Anm. 738.) : Ttf- 
hulai debitarum in m^dio Ramana9 urbis foro ineendio eoner&- 
marunt. 

30) Sie ist aasfdhrlich behandelt von Fabretti, de eolumna TVo* 
iana, Rom. 1590. fol. s^stochen von Pietro Santi Bartoli. Daa 
grosse Pracbtwerk Piranesi^s, Tro/eo sia magn\fiea colonna eo« 
eiide etc. giebt die g^nze Sfiale in einem ans 6 Tafeln bestehenden 
10 Fnss hohen Blatte vnd die Details in 20 Tafeln im grossten 
fol. Vgl. Platner a. a. 0. Hirt^ Gesch. d. Bank. II. S. 355. Die 
Höhe wird sehr verschieden angegeben, was sich wohl ans der Ver- 
schiedenheit der Maasse erlüärt, zum Theile wohl anch, jenachdem die' 
Statne mitgerechnet warde, oder nicht. Die Notitia (Gnrios.) sagt:. 
Coiumnatn eochlidem altam pedes CX2LFII S, gradoe intus habet 
CLXXX. /enesiras XLF. Andere Handschriften geben 128^1 Fuss nnd 
185 Stufen ao; Cassiod. Chron. p. 200 Rone, die Hohe aaf 140 F. 



S84 - — 

Piedestals selbst ^'^). Die Säole trog die Statue Trafans ; jetet 
steht darauf der Apostel Petrus. $ie war jedenfalls sekon ur» 
sprünglich zum Grabmal Trajans bestimmt, dessen Asche aaefa 
darin beigesetzt wurde <^). Aber die Ruhestätte des ,, besten 
Kaisers'^ ist nicht verschont geblieben. Als Sixtns V. (1585) 
die Grabkammer offnen liess, fand man sie leer. Jetzt ist sie 
vermauert. — Die Säule stand auf. einem nicht grossen freien 
Platze -von 66 F. Länge und 56 F. Breite. Auf zwei Seiten 
wurde dieser Platz durch Hallen mit doppelter SäulensteHung 
begrenzt. In den dahinter gelegenen Gebäuden vemnitbet man 
die Bibliotheken, Graeca et Latina. 

Das Forum reichte aber noch weiter, obgleich es nnge- 
wiss bleibt, ob es diese grössere Ausdehnung schon durch 
Trajan, oder erst durch Hadrian erhielt. Ausgrabungen aber 
die Säule hinaus haben Stücken ungeheuerer Granitsäulen za 
Tage gefordert und es wahrscheinlich gemacht, dass hier der 
Tempel stand, den Hadrian dem Trajan weihete und den 
dieNotitia mit der Säule nennt. So sprechen auch einige 
hier gefundene Inschriften von Ehrendenkmälem, welche theib 



737)SENATVS. POPVLVSQVE. ROMANVS 1 IMP. CAESAR!. DIVI 
NERVAE. F. NERVAE | TRAIANO. AVG. GERM. DACICO. PONTIP 1 
BIAXIMO. TRIB. POT. XVII. IMP. VI. COS. VI. P. P 1 AD. DECLA- 
RANDVM. QVANTAE. ALTITVDIISIS | MONS. ET. LOCVS. TANTä 
e]feriB\S. SIT. EGESTVS. Dio Cass. LXVIH, 16. «at ¥aT7iawir 
r^ oyoQ^ *al nlova ftlyunttv^ afia fUy is raopi^ iavrf, .ikfia 9k eig inU 
cstSir rov scora t^v iyoffav l'^you. navzoQ yoQ rov xwflov ineivov OQe^^ 
rov. ovroCy »ariaKaipe tooqvxov oaov • nliov avlQ%Bij wÜTtiv 
ajQotof i% TovTov irsdtPT/v xaTStnuvaaa, Um so seltsamer klingt Ur* 
lieh 8 Behauptung, die loschrift sage nur aus, dass die Ahgrabung nur 
k der Höhe der Basis Statt gefunden habe {Besckr. d. St. R. III B. 
S. 362.). Aber die Dedication gehört ja doch nicht der Basis^ sondern 
dem gauzen Denkmale an. Es ist natörlicb, dass nicht auf der Stelle 
der Säule 120 Fuss hoher Berg war { aber er musste wegen der Anlage 
des Forum jedenfalls weitbin abgeböscht werden, und die Höhe, ia 
der diess gesehab, bezeiehnet die S&nle. 

38) Dio Cass. a. a. 0. und LXIX, 2. rSt, 9i rosr 2\fa7avov hcra h 
rf uiovi avrov KareTi&f^. Aur. Vi ct. Ep it. Huius exutti eorporü 
eineres relati Romam humatique Traiani foro $ub eius columna et 
tmago mperpoiita, Eutrop. VIII, % Cas slod. Chron. p. 200. 
Hieron. p. 450. Oisa eius in urnam atiream eollata et in foro euh 
eolumna posita : tolusque omnium intra urbem septtitus est. Letzteres 
ist nicht gegründet. S. De Romae vet mur: atq, part, p. 69. und 
den Abschn. üb. den Qntrinal. 



385 

vonHadrian demTrajan erriehtet, theils ihm selbst gesetzt ymr- 
den^^'). DenTriumphbogen nimmt man gewöhnlich auf 
der Seite des Porom Augastom als Eingangsbogen an, und 
damit stimmt allerdings überein, dass Flaminio Vacca in 
der Gegend der Kirche Spolia Christi (S. Maria in Campo 
Carleo) Reste eines solchen Bogens ausgraben sah. Memo- 
rie, 9. (bei Nardini. t. IV. p. 7. Fea, MiscelL I. p. 
56.). — Es erstreckte sich also das Forum Traiani von 
dem Forum Augusti wahrscheinlich bis an die Via lala oder 
die Nähe des Marsfeldes, wo andere grosse Anlagen sich 
anschlössen. Wie lange es bestanden, ist nngewiss ^). 
Der Anonymus von Einsiedln nennt es noch auf dem 
Wege von Porta Nomentana nach dem Forum Romanum. 
Später im Mittelalter scheint, wie schon gesagt worden, das 
Forum Nervae so genannt worden zu sein ; doch lässt sich 
daraus nicht schliessen, wie viel noch von dem wahren Forum 
Traiani gestanden habe. Indessen scheinen dieMirab.Rom. 
davon als von etwas Verschwundenem zu sprechen. 

Das Gapitol. 

Der capitolinische Hügel, der kleinste der sieben , erhebt 
sich kaum 300 Schritte vom Ufer des Tiberis , von Südwest 
nach Nordost sich hinziehend (S. 87.), und zerfällt von Natur 
in drei Abtheilungen, nämlich den südwestlichen Giprel, wo 
Palazzo Caffarelli, den nordöstlichen, wo S. Maria in Araceli, 
und die beide trennende beträchtliche Vertiefung, jetzt Piazza 
del Campidoglio. Die Höhe von Araceli ist bedeutender als 
die von Caffarelli; der Boden der Kirche wird auf 151 F. über 



739) S. Bunsen, Beschr, III ß. S. 179 f. Die ietelere bezieht 
sich aaf deo Eriass der Gelder, welche Privatpersoaen dem Fiscus 
schuldeten. Hadrian hatte die Syn^ rapha aof dem Forum Traiaai ver- 
breonea lassen (Spart. Uadr. 7.) und deshalb wurde ihm hier das 
Denkmal gesetzt. 

40) Erwähnungen aus alter Zeit, zum Theil in Bezug auf dort 
errichtete Denkmäler finden sich noch bei lul. Capit M. Ant. 17. 
112. Lamprid. Alex. Sev. 2d. Vopisc. Tacit 9. Anrel. Vict. 
Epit. 16. 

25 



386 

dem Meeresspiegel angegeben. — In den vier Regionen des 
Senrius war der Hiigel nicht begriffen ^*^) : es wird nicht ge- 
sagt, weshalb, oder was sein Verhältniss za ihnen gewesen 
sei* Man hat gemeint, des Senrius Eintheilang beuehe sieb 
anf die vier plebejischen Tribus und der CapitoUnus sei durch" 
aus patricisch gewesen. Versteht man darunter, dass nur Pa- 
tricier ihn bewohnt haben, so widerstreitet dem neben Ande- 
rem, dass nach des Manlius Verurtheilnng beschlossen wurde^ 
es solle fernerhin kein Patricier auf Burg oder Capitol woh- 
nen '^^). Ein solcher Beschloss ist nicht denkbar, wenn dort 
eine eigentliche Patricierstadt war. Richtiger nimmt man an, 
dass der Bei^ als Veste des Staats eigentlich keinem Einzelnen 
Privatbesitz gewähren, oder wenigstens nicht einer Region 
einverleibt werden, sondern allen gemeinschaftlich sein soll- 
te ^^). Dass drei Argeerkapellen auf das Capitol kamen, ist 
sehr wahrscheinlich, da nach Varro deren 27 waren und die 
vier Regionen augenscheinlich nur 24 enthielten. Es stimmt 
diess auch ganz mit der angegebenen dreifiaichen Abtheilnng 
überein. Diese drei Abtheilungen werden schon im Alterthume 
mit verschiedenen Namen genannt und es werden die beiden 
Gipfel sich als Capitolium und Arx entgegengesetzt^). 



741) Varro L. L. V, 8. p. 50. sagt, nachdem er bereits vom Aven* 
tin und Capitol gehandelt hat: Reit qua urhis olim dfscreta, eum 
Argeorum saeraria in septefn et XX partes urbu eint disposita, Nan 
folgen die vier Regionen. Vgl. S. 127 f. 

A%) Liv. VI, 20. ne qui$ patrieius in arce out Capitolio hahi- 
tarei. Platarch. Gnmili. 36. Quaest. Rom. 91. Yaler. Max. 
VI, 3, 1. 

43) Göttling, Geech, d, vom, Staattverf. S. 235. Vgl. Husch- 
ke, rerf. d, Serv, Tüll. S. 100 ff. Doch wird mit solcher Künstelei 
sich niemand einverstehen können. 

44) Strabo V, 3. p. 230. Mera de rijv xtiaiv m'd'gwnovS ov}^ 
nXvSas 6 *Pwfiiloi yO-^oi^ev, anoSel^as aavkov Ti rifievos fteraiv 
T^s aM^as xal Tov KanitaßXiov, Dionys. 11,15. to ycw /* «- 
To£ü %o}qIov tov T« KaniTwXiov nal rng axpoff, o ßutXtira»^ 
vvv xara xijv *Poi(ialwv SiaXcmov fis&o^iov cvoiv S^vfimv, *al 
^v rote TOV avfißeßrjxoTOQ inwvvfiov vXais äfixdttipia$ xar afnporf^ag 
raff ovyajtTOvaas roU Xitpotg ka^'ovag inimuovy iiQOV aveU aavlov mitaii^ 
ftaX vaov Kzl TovT<ft xaTamuvaaafievos. Gell. V, 12. Est autem etiam. 
aedes Feiovit Romae inter areetn et Capitolium. So findet 
sieh häufig verbunden Capitolium et arm, Cie. Catil. IV, 9. Verr. 
V, 72. Liv. IF, 7. 49. III, 18. IV, 45. V, 39. 4d» 41. 47. 51. VI, 20. 
XXXVIII, 51. 



_i- 387 

Die Vertiefiing zwischen beiden wird als das alte Asylant 
bezeichnet, und fahrt den Namen In ter dnos lacos^-^^). — 
Anf welcher der Höhen nan aber der capitolinische Tempel, 
auf welcher die Barg gewesen, darüber findet bis auf den heu- 
tigen Tag der hartnäckigste Streit Statt. Andreas Fnlyius 
scheint zuerst die Arx anf die südwestliche Höhe gesetzt za 
haben. Mit hellerem Blicke wies ihr Marl iani die Höhe von 
Araceli an; aber Donati verwarf es und setzte beide, Ca- 
pitolinm und Arx, auf die Höhe Caffarelli. Nardini endlich 
in seiner Unklarheit kam zu dem Resultate, dass die Burg auf 
dem südwestlichen , der Tempel auf dem nordöstlichen Gipfel, 
also auf der Höhe von Araceli gelegen habe, und nach ihm 
haben dasselbe alle italiänischen Topographen als gewiss an- 
genommen. Die deutsche Forschung hingegen verwirft diess, 
und setzt den Tempel nach Pal. Cafiarelii und die Burg nach 
Araceli ^^), und diess ist die einzig richtige Ansicht. 

Die Beweisführung wird allerdings durch das Schwanken 
der Schriftsteller im Ausdrucke etwas erschwert; denn ob- 
gleich, wo genauer gesprochen wird, Capitolium und Arx aus- 
drücklich unterschieden und sich entgegengesetzt werden, so 
wird doch auch häufig der ganze Berg CapitoUum genannt, und 
wiederum wird er in seiner ganzen Ausdehnung als Arx, die 
Veste des Reichs, wie er es war, bezeichnet. Daraus folgt 



745) Die Hanptstelle h. Dionys. a. 0. Liv. I, 8. locum , qtii 
nunc teptus dcscendentibus tnter duoi iucos est, asylum aperit. V e I- 
lei. I, 8, Ü. asylo facto inter duos Iucos, Vitrav. IV, 8, 4. inter 
duos Iucos Feioois (aedes). Fast. Praeuest. Nou. Marl. VEDIO- 
VIS. INTER. DVO..VCOS. Ovid. Fast. III, 429. 

Una nota est Marti J^ouis, sacrata quod Ulis 
Templa putant Iucos Fediovis ante duos. 
Dasselbe ist bei Prop. IV, 8, 31. Tarpeios inter lueos. s. iras uotea 
über das Haus des Maalius, die Moaeta uod das Asyl gesagt wird. — 
Man hat dieser VertieFuDg den Namen Intermontiam gegeben, den 
das Altertham gar nicht kennt. Wenn er sich nicht schon früher fin- 
det, so stammt er wahrscheinlich von Andreas Fulvius her, wel- 
cher {de Ui'h,' antiquit. p. 85.) /is&OQioy 8vo7v dgvp^oiv bei Diouysias 
fälschlich übersetzt: intermontium duorum quer ce forum, 

46) Neben den Topographen ist za erwähnen Aycqaius de Ca- 
pitoiioy für nasere Zeit ganz nnbranehbar. Hirt, Der oapiloUnische 
lupitertempei, AbhdSMdl, d. Berl, Akad. 1813. mit richtiger Ansicht 
von der Lage. Niebahr, Rom, Gesck, I. S. 558. Am genügendsten 
handelt davon Bansen, Besehr. d. St, R. 111 A. S. 14 ff. 

25* 



388 

dann weiter, dass auch, wo nar entweder der Tempel oder 
die Burg in Betracht kam, bei UDgenaaem Ausdrucke der eine 
wie der andere Name gebraucht werden konnte. Ueberhaapt 
aber scheint das Verhältniss der Burg zum ganzen Berge so 
beurtheilt werden zu müssen : die Höhe von AraceU, dem Qui- 
rinal zunächst, ist die ursprüngliche alte Bnrg, arx^ welche 
im Kampfe mit den Römern die Sabiner inne haben, und wo 
ihres Königs Tatius Haus ist'* 7). Später erweitert sie sich, 
so dass sie die gegenüberliegende Höhe, den Mons Tarpeins 
einschliesst, wo das Capitoliuro entsteht. Beide wurden jeden- 
falls von einer gemeinschaftlichen Befestigung umschlossen und 
das Capitol, ohnehin die grössere Fläche dari)ietend , ist von 
jetzt an der wichtigere Theil, daher aucb auf ihn zunächst alle 
Angri iTe gerichtet werden. Aber der einmal zur Arx gestem- 
pelte Gipfel behauptet vorzugsweise für sich den Namen ; um 
80 sicherer, als geheiligte Gebräuche sich an Ort und Namen 
knüpfen*^). So ist nun der ganze Berg die Burg der Stadt 
und des Reichs ; aber im engeren Sinne heisst so die nordöst- 
liche Höhe und ihr wird in gleichem Sinne das Capitol entge- 
gengesetzt. Die Erzählungen von den Ereignissen, durch wel- 
che das Capitol entweder durch List eingenommen oder er- 
stürmt wurde, sind es eben, woraus sich hauptsächlich der 
Beweis für die Lage des Tempels entnehmen lässt. Die erste 
und wichtigste betrifft die Ueberrumpelung durch He rdonins. 
Er landet des Nachts an der Stelle, wo das Capitol ist 
und der Fluss noch kein Stadium von dem Berge 
entfernt; also offenbar gegenüber der westlichen Spitze. 
Er dringt durch das carmentalische Thor, das an dieser 
Seite lag, zur Höhe und bemächtigt sich der Festung {tp^ov- 
Qtov)' Von da dringt er erst weiter vor nach der nahen 



747) Plntarch. Rom. 20. "SiiKCi Si Tarto^ fuv, Ötiov vvv o t^s 
JHon^Trjg vaos iori. Solin. 1, 21. Tatius in aree, ubi nunc est ae- 
des lunonis Monetae, 

48) P • n 1. D i a c. p. 18. Auguraeulum appeliabant antiqui, quam 
nos arcem dieimus, quod ibi augures publice auspicarentur. \g\. 
Varro L. L. V, 8. p. 53. VII, 2. p. 289. Cic. de off. III, 16. Liv. 
I, 18. 24. Serv. z. Aen. XII, 120. Valer. Max. Vlil, 2, 1. 



— ^— «KKr 

Barg und besetet auch sie ^'^*). Die&e eine Erzählung, wo 
ausdrücklich das Capitol dem Flusse zunächst und an ihm das 
carmentaliscfae Thor genannt wird, und erst nach Einnahme 
der westlichen Höhe die Schaar des Herdonius weiter nach 
der nahe gelegenen Bui^ zieht, ist allein entscheidend. Es 
ist aber damit zu vergleichen , was in der gallischen Belage- 
rung von des Pontius Cominius Bolschaft und dem Ver- 
suche der Gallier, das Capitol zu ersteigen, berichtet wird. 
Der Bote ersteigt ebenfalk den Felsen an der dem Flusse zu- 
nächst gelegenen Stelle bei dem carmentalischen Thore, wo es 
nachher die Gallier, welche seine Spur bemerkt haben, ver- 
suchen. Von hier stürzt sie Manlius hinab ^). Man hat nun 
freilich darin gerade den Beweis finden wollen, dass die Burg 



749) DioDVS. X, 14. nlavoat St Sut rov Tißigtatt notajjtovy 
n(fo9i0%B Tfji *PwfAtji «ara tovxo ro x^^iov , tV'&a ro JCanirciiiov 
ianVf ovS* okov 0%adiov an ixov rov nora/iiov. yoav 3i 
pUaai TijvucavTa vvxtss mU noJdx na^ ohjv xifv nohv tjov^la' iljv ovv' 
egyov iaßotv i^efiißace tovg Svi^aQ nara anovBtfV Kctl dia tiSv catkei" 
aratv nvitSv (elai yc^ rtt^ßs u^al nvlat rov KaitiTotUov nara zi &ia(p<tr 
TOP ayetfUvaij Ka^ fievrivae tuTag naXoSatv) avaßißaoag r»v Svva' 
fitPf ths ro q>(fovQiov. imi^Bv 9* in\ rt/y au(fav tiaauevog 
{^art oi Tip JCamtwXi<if n^ossxV^) acifttivtfg iyeyovBi %ü- 
^log. Unbedeuteod der Kürze wepeo ist Liv. III, 15. Espsule$ servi- 
que — duee Jppio Uerdonio Sabine noete Capiiolium aique arcem 
oeeupavere. Bei der Wiedererobernog wird der Kampf nur um deo 
Tempel gesehildert (c. 18.) and es beisst donn: Ita CapitoHum reou- 
peratum. Die Barg wird als Nebensache behandelt. Dionysias hin- 
gegen nennt wiederholt rä tp^ov^ut. Oros. II, iZ» und Augast. d. 
civ. d. III, 17. sind ohne Bedeatang. 

50) Liv. V, 4Ö. Pontius CominiuMy impiger ittvenis, operam 
pollieilus, incubans eortici secundo Tiberi ad urbem d^ertur, inde, 
qua proanmum fuit a ripa, per praeruptum eoque negieeium hostium 
eustodiae saxum in Capiiolium evadit. c. 47. Gaiiiy teu vettigio no- 
tato humanoy qua nuntüu a Feiis pervenerai, teu sua tponte animad- 
verso ad Carmen tis saxorum adecensu aequo — in summum evasere. 
P 1 a t a r c h. C a m i 1 1. 25. fcal na^alkaTTwv ael vovg iy(^ffyo06Tag roTg 
tpiyyiot »al rtf ^oQvßat Tsup-iu^fisrog ißaSi^e n^g r^v KaQ/isvrld§L 
jrvAtfv, n nieiünjv elx^y ffOv%laVj nal fiaitara %ax oottjp OQ&iog 6 rov 
KaatixviMov Xiq>og aviattfiu. Vgl. Dio Gas 8. fgm. 31. Liv. VI, 16. 
VII, 10. Plutarch. de fort. Rom. 12. Camill. 36. Serv. k. 
Aen. VIII, 652. Tune Manlius, eiistos Capitolii , Gallos delrusit ex 
aree. Wer das von der eigentlichen Barg verstehen will, bedenkt 
nicht, daas Virgils eigene Worte : 

In summo eustos Tarpeiae Manlius arcis 
Stabat pro templo et Capitolia eelsa tenebat, 
gerade daa Gegentbeil aassagen. Die arx Tarpeia ist ^htn das 
Capitol. 



380 — 

hier gewesen sei, weil des Manlios Haus sich in dieser beftiB- 
den haben soll. Das kann aber nur für die Grewicht haben, 
welche in jener Nacht sich jeden, wie im tiefsten Frieden, in 
seinem Hanse schlafend denken und überhaupt voraussetzen, 
dass uns in solchen Erzählungen jeder einzelne Umstand mfisse 
berichtet sein '**). 

Eben so anschaulich ist die Beschreibung, welche Taci • 
tus vom Sturme der Yitellianer giebt^^). Der Angriff ist 
lediglich auf das Capitol, das heisst die Höhe des Tempels ge- 
richtet, und dabei brennt dieser selbst ab. Tacitus nennt das 
abwechselnd Capitolina arx und Gapitolium. Die Stür- 
menden rücken zuerst, wie es scheint, auf dem Clivus Capito- 



751) Hirt und nach ihm Bunsen haben gehend gemacht, dass 
die der Inno heiligen Gänse , welche durch ihr Geschrei den Manilas 
herbeiriefen, nur bei dem lupitertempel gedacht werden konnten, da 
ja der Tempel der Inno Moneta auf der Barg erst spater erbaut wurde. 
Es ist das allerdings wahrscheinlich; aber stringeut ist der Beweis 
nicht ; denn warum sollten diese heiligen Vögel nicht auch ganz unab- 
hängig vom Tempel gedacht werden koaoen? Schon Nardini hatte 
sich dagegen verwahrt; und wenn auch Plutarch. de fort. Rom» 
12. sagt : X^ytg it^ol ittQl rov vewv tije *'H^as ir^itpovro S't^ancvovreg 
r^v &t6v.9 so ist darauf gar kein Gewicht zu legen. 

52) II ist. HI, 71. cito agmine forum et imminentia foro tem-- 
pla praetervecii erigunt aeiem per adversum eollem uique ad prinuu 
Capitolinae arcia fores. Erant antiquitus portieus in la» 
tere elivi, dextrae subeuntibus: in quarum iectum egressi 
taxit tegulitque Fitellianot obruebant. Neque Ulis manus nisi gla- 
diis armatae; et arcesiere tormenta aut missiiia tela longum vide- 
batui\ facea in prominentem portieum iecere et leqvebantur ignem ; 
ambujttasque Cepitolii fores peneprassent, ni Sabinus revulsas undi- 
que statuasy decora maiorum in ipso aditu vice muri obieoisset. Tum 
diversos Capitoiii aditus invadunt, iuxta iucum asyli 
et qua Tarpeia rupes centum gradibus aditur. Impro* 
Visa utraque vis: propior atque aerior per asylum ingruebat. nen 
tisti poterant seandentes per coniuncta aedificia, quae, ut 
in multa paee , in altum edita solum Capitoiii aequabant. 
Hie ambigitur, ignem tectis oppugnatores iniecerint, an obsessi, quae 
crebrior fama est, quo nitentes ae progressos depeilerent. lüde lapsus 
ignis in porticus appositas aedibus. mox sustinentes fastigium aquir 
lae vefere lignc traxerunt flammam alueruntque. Sie Capitolium 
elausis foribus indefensum et indireptum ronßagravit, D i o C a s s. 
LXV, 17. Sueton. Vit. 15. und Gros. VII, 8. geben nichts lopo- 
graphisch bemerkenswerthes * indessen stimmt S n e t o n s Angabe, dass 
Vitellius vom Palatin aus dem (gegenübergelegenen) Palaste Tibers 
der Stürmung zugesehen habe, wohl überein. Wie übrigens Tacitus 
sagt Capitolinae areis fores, so auch L i v. XXVIIl, 39. lovi Optimo 
Maximoy praesidi Capitolinae areis. Das ist in beiden Fäileo das 
Capitol selbst. 



r 



S»l 

iinus an. Dabei weisen die Säalenbalien zurRechlen ent- 
Bchieden anf die aödwesüicbe Höhe hin. Auf der anderen Seite 
würden sie, wenn sie dem Aubteigenden zur Rechten waren, 
von den Belagerten durch die Strasse getrennt gewesen sein, 
und sie hätten nicht von deren Dache abwehren können. Da 
hier der Sturm fruchtlos ist, greifen die Vitellianer anderwärts, 
Ton zwei rerschiedenen Seiten (dtversos aditus) an ^^^) : vom 
Haine des Asyls ^'^), d. i. von der Seite , wo jetzt beim Pa- 
lazzo de' Conservatori die grosse Treppe nach Monte Caprino 
fiihrt (s. uns. Plan lU.), und da, wo die Cenium gradus zur ru- 
pes Tarpna führen. Ob diese Centum gradus bei S. Maria 
della Consolazione anzunehmen seien oder weiter westlich, 
kann hier unentschieden bleiben, da so viel ausser Zweifel ist, 
dass sie zur Höhe Caffarelli führten. Vom Asyle her (Pal. de' 
Conservatori) war die Gefahr dringender. Da wo jetzt die 
Treppe zu Monte Caprino führt und auf der ganzen Seite stan- 
den angelehnt an den Berg Häuser, die bis zur Höhe des Bergs 
reichten (m altfim edita solum Capiiolü aequabant). Diese 
wurden in Brand gesteckt ; das Feuer ergrilT dann die angrenzen- 
den Hallen und endlich den Tempel. — Wer nun den lupiter- 
tempel auf der Höhe von Aracell suchen will, für den bleibt 
Tacitus Schilderung in jeder Hinsicht unerklärlich. 

Ein zweiter eben so schlagender Beweis für die Lage 
des Tempels auf der südwestlichen Höhe liegt darin, dass er 
auf dem Gipfel des Bei^s erbaut wurde, welcher den Namen 
Mens Tarpeius fiihrte^^). Der Name sollte sich bekannt- 



753) BuBsen Bbersetzt „Nun priffiBB tie die aBdern Zapäof^e 
des Capitols Ba'% und nberiiaBpt bat man aus dieser Stelle %e^]i\o^ 
000, das» 08 aar drei Anfsäosa zum Capitoliaas i^gebea habe. Das 
kSaaea iod^BseB die Worte ^ar niebt bedeatao ; es siad vielnehr Za- 
gäog^e auf entg^cgeogesetzteo Seilen. 

54) Nicht der Clirus Asyii, wie Baasea meiat; voo Ihm ist 
hier %^v nicht die Rede. Es seheint BBzweifelhaft, dass za beiden 
Seiten des Tabnlariam Wege zum Asyle (Piazza del Campidoslio) 
führten. Von dem Platze aus störmen die Vitellianer. 

55) L i V. I, 55. Indfi ad negotia urbana animum eonverh'i, quo- 
rum erat primum^ ut lovis templum in monte Tarpeio mitnumentum 
regni sui nominisqtte relmquerei. Dionys. Hl, 69. aarods&Satrwv S' 
m^Toip (tdhf ouavBiMtvtBmvy tov vnBqiuifUvoy Ti}€ ayOQat X&tpov, og rota 
luv imakiito ToQnrj'ioi, vvv de KantTiuMvos, ad&is iuilsvasp avtovs Jus« 



392 

lieh von dem Verrathe der Tarpeia herschreiben, eme Sage^ 
über welche die Alten selbst sehr verschieden dachten. Nur 
darin stimmen alle fiberein , dass nach Erbaunng des Tempels 
der Name ausser Gebranch kam; dass die Höhe seitdem Ca* 
pitolium genannt wurde und nur eine Felswand derselben 
Höbe, die bekannte Richtstätte, fortdauernd Saxum Tar- 
peium hiess ^^^). Und wie noch Tacitus die Gentnm gradus 
bei der rupes Tarpeia nennt, so hat sich der Name bis auf un- 
sere Zeit erhalten. Denn nicht nur heisst noch immer ein 
Gässchen bei Tor de^ Specchj Yicolo di Rupe Tarpea, 
sondern es stand auch hier bis gegen das Ende des 16. Jhdts. 
eine Kirche, wdche den Beinamen S. Caterina subTar- 
peio hatte ^^). 

Dass ferner die Burg auf der Höhe von Araceli war ^^), 
ergiebt sich eben so gewiss daraus, dass sich auf ihr der Tem- 
pel der lunoMoneta befand. Er war auf der Stelle erbaut, 
wo das Haus des verurtheilten M. Manlius CapitoUnus gestan- 
den hatte, und dieses war, wie schon bemerkt worden, auf der 



/lavTtvaafUvovS tintiv, iv onolff rov U<pov x^Q^^ &io^ai 9ei^aei rovg 
&ifieXlo»s. 8. d. folg. Aom. 

756) Varro L. L. V, 7. p. 47. Capitolium dictum^ quod hie, ctim 
fundamenta foderentur aedis Jovis^ caput humanuni dieitur inven- 
tum, hie mons ante Tarpeiut dictus a virgine Festale Tarpeia, quae 
ibi ab Sabinls necata armis et sepulta, qvoius nominis mönimentum 
relictum, quod et tarn nunc eius rupes Tarpeium appel- 
latur saxum. Piutarch. Ram. 18. Tffs j*ivTo$ Ta^ytas iiuZ ra* 
ifilatj^i 6 kotpoQ (uvo/iaCsTO Tagnifiot, ol%qi9 ov TaQTtvviov ßaadAmg Jtt 
tÖv ronov xa&iCQOvvTos a/ia rs rä kfitpava fiitri%'l%d^j nak rovvopu t^9 
Ta^tjiae i^iXine, TlX'^y nirgav IV« vvv iv rtf KaTiinaXifo Ta^wtjtav 
uaXovaiv , atp t/s if^iirrovy rous uaxov^ovs. Vgl. DioBys. II, 40. 
Prop. IV, 4. ZoBar. VII, 3. Was Festas p. 343. Saxum Tarpe- 
ium, gesagt habeo möge, ist bei der Verstämmelaog oiebt mit Gewiss- 
heit za errathen ; nur kann bei obigen ausdräcklicbeo firklaruageB, 
dass eio Theil desselben Bergs , wo das Capitol erbaut wnrde , noch 
immer Saxum Tarpeium heisse , die Ergänzung nicht widersprechend 
ausfallen. 

57) S. Bunsen, Beschr, d. St, R. III A. S. 14. Bei Lucio 
Fauno und Martin eil i indessen, auf die er sich, wie immer, ohne 
nähere Nachweisuog bezieht, ist mir wohl die halb verfallene Kirche, 
nicht aber der Beiname vorgekommen. 

58) Ich habe in der Schrift De Romae vet, mur. atq, port. p. 3. 
die Vermnthuog geäussert, dass die ganze Benennung S. Maria in Ära-» 
celi Entstellung von in arce sei. Dasselbe war aber schon von Hirt 
und Niebuhr ausgebrochen. S. Platner, ßeschr. d. St, R, III A. 
S. 348. 



S93 

Bnrg'^*). Es sagt aber Ovid, dass von dein Tempel der 
Concordia Stnfen zur Inno Moneta führten*^), und da dieser 
nnbezweifelt neben dem Aufgange zur Höhe von Araceli lag, 
so ist dadurch auch die Lage des Tempels und der Burg be- 
stimmt. Es konnte also Nardini, welcher die Ruine der acht 
Säulen für den Concordientempel hielt, die Stufen der Moneta 
nach der entgegengesetzten Höhe fuhren; wie man aber das- 
selbe mit der jetzt bekannten Lage jenes Tempels vereinbar 
finden könne, ist unbegreiflich. 

Endlich kommen noch mancherlei andere Argumente hin- 
zu. Dahin gehört, wie Bunsen bemerkt hat, dass Caligula 
vom Palatin über den Tempel des Augustus (und wahrschein- 
lich die Basilica Inlia) eine Brücke nach dem capitolinischen 
Tempel schlagen liess ^i), was ganz undenkbar ist, wenn die- 
ser auf dor Höhe von Araceli war; denn dann hätte die Brücke 
über das Forum geführt werden müssen. Femer erzählt Li- 
vius, dass ein grosses Felsstück vom Capitole nach dem 
Vicus lugarius herabgestürzt sei*^), und ein anderes Mal 
spricht er von einer Substruction des Capitols über dem Aequi- 
maelium ^^) ; das war aber eben hier bei dem Vicus lugarius. 
Endlich hat man auch mit Recht angeführt, was Cicer^o von 
der Wiederherstellung der durch den Blitz herabgestürzten 



759) Liv. V, 47. cui universi seiibras JarrU et quartarios vini 
ad aedes eiut, quae in arce erant, contulernnt. VI, 20. quum domus 
eius futsset, uhi nunc acdes^ atque qfficina Monetae est VII, 28. 
Plutarch. Camill. 36. Ol Si *Pwfiaiot ri^v oiniav atrov naxatmor 
y^avTSS is^ov idQvoavto d'eac, vv Movi)Tav MaXova& xal to Xotnov iy/t^tpi' 
aavTOy fitjSiva tiuv JlatQixiwp inl r^s ax^as ttaronutv. Vgl. D i o C a 8 8. 
fgm. 31. Ovid. Fast. VI, 183 ff. 

60) F a s t. I, 637. 

. Candida, te niveo posuit lux proxima templo^ 

Quafert sublimes alta Moneta gradus, 
Nunc hene prospicies Latiam Concordia, turbam clc. 

61) Sueton. Cal. 22. super templum Divi Augusti ponte trans- 
misso Palatium Capitoliumque coniunxit : mox, quo propior esset, in 
area Capitolina novae domus ßindamenta iecit. Vgl. d.Abscfao. v.Palatia. 

62) XXXV, 21. Saxum ingens sive imbribus, sive motu terrae 
leviore, quam ut alioqui sentireturj lab^actum in vieum^ Jugarium ex 
Capitolio procidit et multos oppressit. 

63) XXXVIJI^ 28. SubstrueÜimem super Aequimaelium in Ca- 
pitolio, 



994 

lupilerstatue anf dem Capitole sagt ^*^). Sie wurde nach Mor- 
gen gerichtet und sah nach dem Fornm nnd der Gorie : das ist 
nnmöglicb bei einer auf der Höhe von AraceU aufgestellten 
und nach Osten gerichteten Statue ^^). — Zn dem allen lässt 
sich noch hinzufügen, dass schon die Richtung des Clivus Ca- 
pitolinns, über den jetzt kein Zweifel mehr ist, nothwendig auf 
die südwestliche Höhe hinweiset; denn er fahrte ja zum Tem- 
pel und hat von ihm seinen Namen. Endlich fallt es auch in 
die Augen, dass die sehr beschränkte Höhe von Araceli gar 
nicht den hinreichenden Raum für den grossen lupitertempel, 
die area Capitolina^ wo Volksversammlungen gehalten wur- 



764) Gatil. III, 8. iidemque (hanispices) iviserunt timulacrum 
jovü /aeere maius et in ixcelso collocare , et contra, attfue ante 
Jüerat, ad orientem convertere, ac se sperare dtxerunt , si 
illud Signum, quod videtis,. solis ortum et forum curiamque 
conspiceret, fore etc. Vorher aber ist ausdrücklich gesagt, dass 
die Statue in Capitolio war. lo Rom horte ich dasselbe Argument 
für die Lage bei Araceli geltend machen. Man nahm an, das Bild 
habe auf dem südlichen GiebeJ des Tempels gestanden, wobei man an 
der Richtnng nach Osten keinen Anstoss nahm. Aber die Statne hatte 
keinesweges auf einem Akroterium , sondern ganz unabhängig vom 
Tempel auf einer SSuIe gestanden. Dio Cass. XXXVII, 9. tv yaQ 
T9f KanixmJdt^ avä^&dvres ts noXXol tmu »sqawiBv ovvi%u»vtv^oav, %al 
ayaXfiara aXXa re xaljiog inl xiovoe Idgvfiiv ov, Inl. Obs. 
i^. Signum qiie lovis cum columna disiecCvm, und so wurde auch 
^ie neue aufgestellt. Cic. de div. I, 12. 

Tum fore ut occultos populus sanctusque senatus 

pemere conatus posset, si solis ad ortum, 
•ponversa inde patrum sedes populique vi der et, — 

Atque una ßxi ac signati temporis hora 

Jupiter exe eis a elarabat sceptra columna. 

65) Auf die benachbarte Läge möchte ich auch beziehen, dass 
pnter Vespasian eine Wiederherstellung des Theatrum Marcelli nölhig 
war. Sueton. Vesp. 19. Ludis per qups scena üfarcelliani theatri 
restituta dedieahatur. Wahrscheinlich war sie beim Brande dps Capi- 
tols auch vom Feuer ergriffen worden. Vielleicht erklärt sieh daraus 
auch Hierqn. p. 465 Rone. (Gommodus) Jn Capitolium fulmen ruit 
et magna inflammatione facta hibliotheca et vicinae quoque aedes con- 
crematae, und Oros. VII, \^. f ulmine Capitolium ictum, ex quo fa- 
cta inflammatio bibliothecam illam maiorum cura studioque composi- 
tam aedesque alias iuxta sitas rapaci turbine concremavit. Von einer 
Bibliotheca Capitolina ist mir nichts bekannt; wohl aber ist es mög- 
lich, dass die unter dem Capitole gelegene Bibliotheca Octaviae von 
den Flammen ergriffen wurde. Sie war schon unter Tituft verbrannt, 
aber doch wohl mit der Porticus wiederhergestellt worden. Uebrigens 
schliesst bei Dio Cass. LXVf, 24. auch hier das Verzeichniss der 
vom Feuer vemichtetes Gebäude mit der Porticus Octavia und dem 
Capitole« 



895 

den, und so riele andere Tempel und Denkmäler darbieten 
konnte. 

Nach diesen Beweisen muss ich die Frage als völlig ent- 
schieden betrachten und man wird mit allem Rechte die bedeu- 
tenden Reste , welche im Bereiche des Palazzo Caffarelli in 
früherer Zeit zerstört worden sind und zum Theile sich noch 
finden, namentlich die gewaltigen nicht tief unter dem jetzigen 
Boden liegenden Sabstructionen 7^^) dem capitolinischen Tem- 
pel zuei kennen darren. — Der Bau des Tempels wurde be- 
kanntlich von Tarq^inius Priscus beschlossen, wohl auch der 
Platz dazu ausersehen; aber begonnen wurde er erst von Tar- 
quinius Superbus ^7). Ob es Regel war, dass den drei Gott- 
heiten jederzeit auf den höchsten Punkten der Stadt der Tem- 
pel erbaut wurde, oder ob das römische Capitol erst für spätere 



766) S. Memorie di Pietro SanH Bartoli. 111. Fea, MUcelL V. 
p. CCLIII. Baasen, Beschr. d» St. R. 111 A. S. 23. Noeh zeist 
man Reste des lapiterteinpels in eiocin zu Pal. Caffarelli gehörigen — 
Hohnerstalie. 

67) Gic. de rep. U, 20. aedemgue in Capitolio lovi Optimo 
Maxiino hello Sabino in ipsa pugna vovisse faciendam etc. c. 2i. 
Votum pairis Capitolii aedificatione persolvit, Liv. I, 38. (Tarq. Pr.) 
et aream ad aedem in Capitolio Jovis, quam voverat hello Sahino — 
occupat /ündamefitis. c. 53. (Tarq. Sup.) qtium — fundamentis tempUiü" 
eiendis — intentumse esse simularet, e. 55. utJovis templum in monte 
Tarpeio mottumentum regni sui nominisque relinqueret : Tarquinios re^ 
ges amhosy patrem vovisse , ßlium ff er/ecitse, Dionysius lässt al- 
lerdings die Exaogaratioa schon outer dem älteren Tarqaintus gesche- 
hen (111, 6tf.) und selbst den Unterbau vollenden, IV, 59. ixeivog yitQ 
*K t4» rslevrattf noXifitj^ faa%6fisvog 7t{^h9 2'aßlvovg T^v^aro Tw Jit nal 
«jf "fl(p7 xal Tff 'A'ÖTjvf, täv v$nijap rfl fiaxfj • vaohg avro7e xaraanevA» 
961P ' Hai Tov pip^ mUntkoVt tv&a i^f^votaS'at i'ueXle roo9 «d^covC ctva- 
Xfippaol-TS tuU %iofiaai psyälei^ i^ti^aaaTO n. r. L Das ist aber nicht 
wahrsebeiotieh. Vgl. Niebohr, Rom. Geseh. I. S. 401. 543. Ta- 
eitus ijt der Einzige, welcher gewiss irrth Um lieh und vielleicht selbst 
mit Verwechselung des Dianentempels von einem noter Servius fort- 
gesetzten Baue redet. Hist. \\\y VI. Foverat Tarquinius Priseus rex 
hello Sahino, ieceratqtie fundamenta spe magis futurae magnitvdi^ 
nis, quam quo modicae adhuc populi Romani res suffleerent, mox 
Servius Tullius sociorum studio, deinde Tarqmnius Superhus eapta 
Suessa Pometia kostium spoliis exstruxere. Eben so unwahrschein- 
lich ist es, dass der ältere Tarqoinins schon die lupiterstatue bestellt 
habe, wie Plin. XXXV, 12, 45. sagt. Wenn Hieron. t. I. p. 298 
Rone, und Gas sind. Ghron. t. 11. p. 166. gar von Numa sagen: 
Capitoliitm qnoque a fundamentis aedificavit, so liegt vielleicht eine 
Nachricht vom Capitolium veius zu Gmnde. S. d. Abscba. vom Qni- 
rinal. 



— 396 

Anlaf^en die Norm abgab, lässt sich wohl nicht entscheiden ^^*). 
Der Mons Tarpeius aber, der in Rom dazu bestimmt 
wurde, war nicht frei von früher dort geweihten Heiligthü- 
mern: sie mussten exaogurirt werden, um Raum für den Tem- 
pelbau zu gewinnen. Aber Terminus und luven tas, die 
eben auch hier ihre Altäre hatten, willigten nicht ein und ihre 
Heiligthümer mussten in den Bau eingeschlossen werden (s. 
unt.). Bekannt ist die Sage , dass beim Graben des Grundes 
ein menschliches Haupt gefunden worden sei und dass davon 
Tempel und Höbe den Namen erhalten haben ^^). Der Bau 
erhob sich jedenfalls auf einer gewaltigen Substruction J<>) über 
unterirdischen Felsenkammern und brunnenartigen Tiefen, die 
man theilweise wieder entdeckt hat '^). Eine vollständige 
Restauration des Tempels ist mehrfach versucht worden und 
lässt sich auch g^ben, liegt aber ausser dem Plane dieses Buchs. 
Es sei nur bemerkt , dass das Maass der vier Seiten zusam- 
mengenommen achtPlethra oder l'^ Stadium betrug 7^) und 
dass die Vorderseite nach Mittag gekehrt war ^s). Tarqninius 
führte das grosse Werk aus, indem er tyrannisch die Plebs zu 
Frohndiensten zwang 7-^), und es war fast beendigt, als sein 



768) Vitror. I, 7. lovi et lunoni et Minervae in exeeUüiimo 
loeo, vnde moenium maxima part eonspieiatur, areae disiribuantur. 
Vgl. Mueller, Etrtuk. IL S. 146. 

69) Varro L. L. V, 7. p. 47. Dionys. IV, 59. Plin. XXVIII, 
2, 4. n. 8. w. 

70) Damit sind aber oicht zu verwechseln die substrueiiones in- 
sanae Capüolü, welche Plin. XXXVI, 15, 24. ooter den Wandern 
des alten Rom nennt. Vielmehr ist das von dem Abhänge des Bergs 
xn verstehen. Liv. VI, 4. Capitolium quoque saxo quadrato sub^ 
struetum est: opu$ vei in hae mtign\ßeentia urbis eonspiciendum. 

71) Bansen, Nacktr, %. Betchr. d. St, R. III A. S. 649 f. Es 
sind die favisiae Capitolinae, über welche Varro schon keine genü- 
gende Auskunft geben konnte. Gell. II, 10. Panl. Diac. p. 83« 
Faviisae. 

72) Dionys. IV, 61. Inotr^^ ^ in\ niffiptidoi vyniXnQ ßißtjxmg^ 
oxrcbr^^fof rijv ntf^iodov^ diaxoatutv noSmy lyyiora v^v niev^op ^x^Z 
ixamjv, oUyov di ri ro SutXXarTav tvQOi ng av T^i vniffOfji^ rov 
fiijxovs 9ro^o TO niatos ovS* oXt»v nsvrmaidena noSwv, 

73) D i o ny 8. a. a. 0. ix fuv rov uatä nffocmnov fU^fovg ir(f6g fu^ 
Qtiftß^v ßlinorros. 

74) Liv. I, 56. Intentus perjiciendo templo fabris ttndique ex 
Etruria adcitis non peeunia lolum ad id publica est usus, sed oparis 
etiam ex p lebe. Daher sagt Cic. Verr. V, 19. etenim vel Capito- 



397 

Sturz erfolgte. Daher warde der Tempel noch im ersten Con* 
sularjahre vonM. Horalius Palvillas geweiht '7^). — Er konnte 
als tuscanischer Bau keine gefällige Form haben: breit und 
verhältnissmässig niedrig, iiberhaapt von gedrückten Verhält- 
nissen. Von den drei neben einander gelegenen, durch ge* 
meinschaftliche Wände geschiedenen Gellen gehörte die mitt- 
lere dem lupiter. Das Bild des Gottes, ursprünglich ein 
thönernes, als dessen Verfertiger Turanius von Fregellae ge- 
nannt wird , stellte ihn sitzend dar, das Gesicht mit Minium 
bemalt und wahrscheinlich bekleidet mit einer Tunica palmata 
und Toga picta, da die Triumphatoreu daher dasselbe Costüm 
entlehnten 7^). Rechts war die^ Cella der Minerva, link9 
die der Inno ; beide Göttinnen waren stehend dargestellt, wie 
die Münzen zeigen, s. Taf. Y. n. 15. 16. Es ist wahrschein- 
lich, dass Jede Cella eine besondere Kapelle hatte, worin die 
Statue der Gottheit sich befand, indem von der Aufstellung ei- 
ner vergoldeten Quadriga über der aedicula in der cella lovii 
und von dort auFgehangei^en vergoldeten Schilden gesprochen 
wird '^). — Ausserdem waren im Bereiche des Tempels , wie 
schon bemerkt worden, die Altäre und Kapellen des Termi- 
nus und der luventas; ersterer im Pronaon der Cella Mi- 
nervae, wo über ihm, wie es der Cultus verlangte, ein Hyp- 
aethron gelassen war; letztere in derselben Cella nahe dem 
Standbilde der Göttin ^^). Endlich befand sich wahrscheinlich 



lium, sicut apud maiores nostros factum est, publice, gratis, coaetis 
fabris operisque imperatis exaedißcari atque t^ffici potuit., wis sich 
in keinem Folie auf den Bau dnrcb Gatnius beziehen kann. 

775) Polyb. in, 2%. Liv. II, 8. Platarch. Popl. 13. 14. Dio 
Cass. fg^mt. 2b, Serv. z. Aen. VI, 8. XI, 2. 

76) S. B'dttiger, KunstmythoL II. S. 19t ff. Becker, de to- 
micis Rom. fab. p. 34 s. 

77) Liv. XXXV, A\. de multa damnatorum quadrigae inaura- 
fae in Capitolio positae in cella lovis supra fastigium aediculae et 
duodecim elipea inaurata, 

78) Die römischen Schriftsteller sprechen indessen gewöhnlich 
Dar von dem Terminus. So Cato b. Fest. p. 152. Nequitum: et 
Cato Originum l. /. Fana in eo loco eampluria fuere: ea exaugu- 
ravit, praeterquam quod Termine Janum Juit, id nequitum exaugu* 
rari. Liv. I, 55. nam quum amnium saeellorum exaugurationes adr 
mitterent aves^ in Termini fimo non addixere. Dagegen V, 54. hie 
quum augurato liberaretttr Capitolium^ luventat Terminusque ma- 



396 

in der Cella lupiiers die goldene Victoria, welche Hiero 
dem Senate in den Zeiten schwerer Bedrängniss gesandt hatte 
und vennuthlich hatte sie auch eine Kapelle erhalten 77>). 

Auf dem Akroterium jedenfalls des südlichen Giebels stand 
gleich anränglich das thöneme Viergespann , dessen wunder- 
bares Anschwellen im Brennofen als Vorbedeutung der künfti* 
gen Grösse Roms angesehen wurde ^<*). Eine l$tatue des lu- 
pilcr wird dabei nicht erwähnt, woraus indessen nicht folgt, 
dass sie gefehlt habe. Im Jahre 458 stellten die Bruder Gn. 
und Q. Oguluii ein anderes, wahrscheinlich bronzenes Vier- 
gespann mit der Statue lapiters ebenfalls in eubnine auf. Dass 
es an die Stelle jener vejfentischen Quadriga getreten sei , ist 
bei der hohen Bedeutung, welche ihr beigelegt wurde (Serv. 
z. Aen. VII, 188.), kaum glaublich. Es hatte also vielleicht 
seinen Platz über dem nördlichen Giebel. Dieselben Ogulnier 
legten im Tempel eherne Thürschwellen und weiheten Silber- 



ximo gaudio patrum nostrorum moneri se non pasH, Nar den Ter- 
miaus scheint auch anzaerkenocn Ovid. Fast. JI, 665. 

Quid novo cum ßerent Capitolia T nempe deorum 
Cuncta lovi eestit turba locumque dedit, 

Terminus, ut veteres memorant, inventut in aede 
Restitit et magno cum Jove iempla tenet. 

Nunc quoque se supra ne quid nisi sidera eemat, 
Exiguum templi tecta foramen hahent. 
Verl. Paal. Diac. p. 368. Eben so Serr. z. Aeo. IX, 448. „Ca^ 
pitoli immobile saxum^'. ood Lactaot. 1, 20. Die loveotas aber 
neont neben dem Terminus Dionys. III, 69. tSo^i Si Toig olwvoTtoXo&Q 
vni^ ixdinov ßwfiov rwy xa^iS^v/Uvwv SiafuiprevaapivoiS, iav na^axtw 
^Qtv oi ^sol, Tore utvuv ovrove. oi fitv ovv äkXoi <>6oi r« 9tal Saiuoptf 
tnit^e^ßttv avToig £ip *«()a xtoQia rovg fiutfiove fjteTatpi(feiy' ol dl tov 
TiQfiovoi »aX x^g NtovrjtoQ noÜla naganovfiiroig zoU fiapziot %aX hna- 
ffOvüM'V ovx txtiad^eaVf ovv^ ^viaxovto na^axw^ijotu tiZv zonwv. TOiyao^ 
ro& avfiTreQieXijfp&r^aav avToiv ol ßwfiol rfj nazaaxavfi räiv UQoiy, «al wr 
6 p.kv 'ixe^^og iax&y iv x^ ngovai^ xy g *jä'&tiväg , 6 S* sxi- 
ifog iv avxijf r«f a^x<j» nXr^aiov xov edovg. Endlich fdgt bei- 
den August in. de civ. d. IV, %Z. noch den Mars hinzu, der sich 
weiter nicht erwrähnt findet. Der aedicula der Inventas gedenkt auch 
Plin. XXXV, 10. n. 108. (Nicomachus) Pinxit hie raptum Proserpi- 
nae, quae tabula Juit in Capitolio in Minervae delubro super aedi- 
eulam luventatis, 

779) Der Senat, der hoehsinnig, wie das ganze rSmisehe Volk, 
trotz der ^oik aUe Gesehenke an Geld dankend ablehnt, antwortet 
dem Könige : L i y. XXII, 37. Fietoriam omenque aeeipere ; sedtmquo 
0i se Divae dare, dicare Capitolium, templum lovis Optimi MiMsinU. 

80) PIntareh. Popl. 13. Plin, XXVIlf, )8, 4. XJXV, «, 4». 



399 

gescbiiT in lopiters Cella'^^), wie Camillns drei golden« 
Schaalen daselbst niedergelegt hatte (Lir. VI, 4.). Aach die 
Statue des lupiter Imperator, welche T. Qainctius Cincinnatus 
Ton Praeneste weggeführt hatte, war in dem Tempel aufge- 
stellt *^) und überhaupt mag sich derselbe nach und nach mit 
Weihgeschenken gefüllt haben. Wie im J. 561 die Aedilen 
am Giebel vergoldete Schilde aufhingen (Liv. XXXV, 10«), 
so waren mehr und mehr selbst die Säulen mit Schilden und 
Feldzeichen behangen worden ; so dass die Censoren M. Fnl^ 
vius Nobilior und M. Aemilius Lepidus sich veranlasst sahen, 
den Tempel von dem entstellenden Schmucke zu säubern ^'). 

lieber 400 Jahre hatte sich der ursprüngliche Bau erhal- 
ten, da brannte er im J. 670 während des sullanischen Bür- 
gerkriegs aus unbekannt gebliebener Veranlassung ab^^). Die 
Wiederherstellung wurde von Sulla unternommen ^^) und 
nachher Q. LutatiusCatulns übertragen, nicht ohne Wi* 
derspruch Caesars ^^), der noch später beabsichtigt haben soll, 



781) Liv. Xy 23. aenea in CapitoHo limina 0i trium mensarum 
argentea vasa in eella lovis, Jovemque in oulmiue cum quadrigis -— 
posuerunt \gU Piaat. Trin. l, 2, 46. 

Nam nunc ego tt tt surripuisse iuspicer 

Jovi eoronam de eapite • Capitolio, 

Qui in euhnine adstat summo etc. 
8. Becker, de comicis Rom. f ab. p. 3H sqq. 

82) Liv. VI, 29. T. Quinetius — Romam revertit triumpkani^ 
qu€ $ignum Praeneste adeeetum lovi* Jmperatorie in Capitolium tu-* 
lit. Dedicatum est inter cellam lovis ac Minervae. Aba ia keioer 
der Gellen, sondern wohl an dem Pfeiler der Wand, welche beide 
schied. 

83) Liv. XL, 51. aedem lovis in Capitolio eolumnasque eirea 
poliendas aibo locavit: et ab his eolumnis , quae incommode oppo^ 
Sita videbantur, signa amovit\ eiipeaque de eolumnis et Signa mili» 
taria a^fixa omnis generis demsit. 

84) Appian. Civ. I, 83. t6 rs XamrwXiov, vno rafy ßaaiUot» 
TeT^oMoeioig nov n^oa&ev Ir^o« yevofievoVf ivanQtfod^ jcoi r^r euviap 
ov^sU ijt€v6e$, yg^l. 86. Tacit. Hist III, 72. Arserat et ante Capi* 
tolium eivili bello, sed fraude privata. 

85) Tacit. 1. l. Curam vietor Sulla suseepitj neque tarnten de^ 
dieavit. Vgi. Anm. 789. Plntarch. PojiL 15. rov de 8evre^v avi^ 
an/as fikw ^vXXag, iney^d^ ds rj Mad'ts^feaei Kavovlos, ^vlXa n^^ano» 
^etrovroQ, 

86) Sneton. Ca es. 15. Primo praeturae die Q. Catulum de 
r^ectiime Capitolii ad disquisilionem populi vocavit^ rogatione pnH 
mulgata, qua eurationem eam in alium tran^ferebat. Dio Cass. 
XXXVII, 44. cT^arri fUv ya^ , öttoi« %h fUv tov KarovXov Brofia etxo 



400 

Gatulus Namen am Tempel zu tilgen und den seinigen dafiir 
zu setzen ^^^), was indessen nicht geschah. Während aber 
im römischen Tempelbaue nach griechischen Mustern bedeu- 
tende Veränderungen vorgegangen waren , wurde das Capitoi 
aus religiösen Bedenken ganz in der früheren Weise , nur von 
prächtigerem Materiale erbaut ^^), wozu Sulla Säulen vom 
Tempel des Zeus Olympios aus Athen kommen liess ^*). — 
Nach der durch den Slurm der Vitellianer herbeigeführten 
Zerstörung liess Vespasian es sich angelegen sein, den 
Tempel so bald als möglich wiederherzustellen ^^), Auch jetzt 
wurde er aber nach dem früheren Plane wieder erbaut, und 
die Haruspices gestatteten keine Aenderung, als dass an der 
Höhe zugesetzt wurde ^^). Aber Yespasians Bau stand nur 
kurze Zeit. Gleich nach seinem Tode, als der Tempel kaum 
geweihet worden, wurde er in dem grossen Brande, der be- 
sonders die neunte Hegion verheerte, wieder zerstört und Do- 
mitian bauete den vierten mit einer vorher nicht gesehenen 



rov vaoü Tou Jtos rov KaniTwXiov aupat^t&eifj (nXonTfQ re ya^ otvTOv tv» 
&we %al Tov XoyiOfiov zdiv mfahofUvwv x^iiäzfov otti^tci)^ t«? ifi ify 
Ilofi/Jiijt^f T« Xotnä TTQose^eQyctaao^at tniXQaiteitj. V(jl. Liv. epit. 
XCVIII. Templum Jovis in Capitolio, quod incendio eoTuumtum ao 
r^ectum erat, a Q. Catulo dedicatum est. Gell. II, 10. 

787) Dio Cass. XLIII, 14. ro t« ovofia avzov {KaiaaQos) inlro 
KanntoMov avrl rov Karoukov, ciff jcoi tov v6ojv, i<p oi zp ixaon/ati «ü- 
d-vveiv iiuivov inex^^V^^^f ^^^^^^^^^*^^ om)'y^a<p7Jvai f.x4ktvaav» Ta- 
cit. Hist. 111, 1%. Lutatii Catuli nomen inier tanta Caetarum opera 
usque ad niellium mansit. Vgl. Cic. Verr. IV, 31. 

88) Dionys. IV, Öl. inl yoQ ro7( ocvrocff ^efitUoiQ 6 fjLträ rijp 
tfiTt^Tjaiv oiKoSouTj&aU xara rovc naxlgag ijfioiv tvfjiO^ , rjj nokvrtXsitf 
Trj9 vhji fiovov OiaXkäxTOiv rov a^xaiov. Tacit. l. l. lisdem rursut 
vettigii* situm est, postqnam interiecto CCCCXF annorum spatio 
L, Scipione C, Norhano coss, ßagraverat. 

89) PHd. XXXVf, %h, 61. Sic est incfioatum Athenis templum 
Jovis Olympii, ex quo Sulla Capitolinis aedibus advexerat columnas, 

90) Dio Cass. LXVI, 10. rov re V£(bv rov iv KaniTOtXi^f £u&vs 
owoBofiuv "^Q^aro, avros re rov xoo ngöÜTog i%(pogit)oai x. r. A. S o e - ^ 
ton. Vesp. 8. Jpse restitutionem Capitolii a^gressus ruderibus pur- 
gandis manus primus admovit ac stto collo quaedam extulit. Anrel. 
Vlct. Caes. V. Plutarch. Popl. 15. 

91) Tacit. Hist. IV, 5S. Curam resHtuendi Capitolii in L. 
Festinum confert — . Ab eo contracti haruspices monuere, ut reliquiae 
prioris delubri in paludes aveherentur : templum iisdem vestigii* siste- 
retur, nolle dcos mutari veterem formam, — Altitudo ae- 
dibus adiecta, id solum religio annuere. Die Granüle^ang geschah 
XI Kai. lul. 



401 

JVacht ''^)« Aus späterer Zeit wird nichts über den Tempel 
bekannt, ausser dass mit ungenauer Angabe von einem firande 
auf dem Capitole unter Commodus gesprochen wird (Anm, 
761 •)• Aber Domitians Tempel stand wahrscheinlich noch un- 
ter Uonorius, wenn etwas Wahres an der Erzählung ist , dass 
Stilicho die goldenen Platten, mit welchen die Thüren beklei- 
det waren, abnehmen liess*^). 

Vor dem Tempel war die Area Capitolina, ein freier 
aber wohl nicht sehr geräumiger Platz, wo häufig conciones 
und cfmäiia^ nicht bloss die calata^ gehalten wurden ^^). 
Dabei die Curia Calabra, vor welcher an den Kaienden 
jedes 3ionats die Geltung der einzelnen Tage desselben ver- 
kündet wurde '^) \ dass aber dabei auch eine casa Romuli ge- 
standen habe, beruht vermuthlich auf einem Missverständ- 
nisse ^^). Von der Curia Calabra, die nur für Sacra bestimmt 



792) Platarch. Popl. 15. **jiua voq rm rekevr^aai OvsoTtaata» 
vov iy^Tt^TJad^ zb KanvtothoVm *0 ii rirüLQTOs ovros vmo Jofiaxiavov 
ual avvtitXio^ %oX na&iiQw^tj. Vgl. Dio Cass. LXVI, Zi» Saetoo. 
Dom. 5. 

93) Zosim. V, 38. xal ovroe ya^ d'vgaf iv rf t^s 'Fduijt Ka» 
niTottkita x(f*^^*V noXvv 'üatovti arit&fidv fjfxtpuafjiivai anoXiniaat ngos- 

^vffwv yfvgafifiivov ' mtsero regt servantur, 

94) Liv. XXV, 3. quam dies advenitset conctltumque tarn fre- 
quem plebis adesset, ut multitudinem area Capiiolü vix eaperet, 
5CXX1V, 53. ea bina comüia (triumviris creaodis) Cn, Domititu prae- 
tor vrbanus in CapitoUo habuiL Vgl. XLIII, 16. XLV, 36. Pin t- 
arch. Pauli. Aemil. 30. ni{fl tov oq^qov av^is uavaXafißavovTat 
%o Kanawkiov. ixsi yaQ oi diffia^xot Tr^v ixxltjolav t(itM.ov ä^tiv. 
T i. Gracch. 17. Die unmittelbare Nähe des Tempels ergiebt sich 
besonders aus Appian. Civ. I, 15. (Graechus) uariiafie roB Kaitinu- 
Xiov TOV vidiv f ty&a %ti(^OT0VTja6iv tfitXkov , xal ra uioa t^« imtXrjaiai. 
Bei dem folgeodeo Tumulte beisst es : («ff rovc rc of^fioQxovg 9thavva9 
diatpvytiv ix fUaov »at tov veviv tovq isqias inixleiaai. 

95) Varro L. L. VI, 4. p. 208. Primi dies mensium nominati 
Ealendae ab eo, quod his diebus calantur eins mensis Nonae a pon- 
tificibuSf quintanae an septimunae sint futuraSy in Capitoiio' in Cu- 
ria Calabra etc. Vgl. Paul. Diac. p. 49. Curia* uad die folg. 
Anm. 

96) Es sagt diess Macrab. Sat I, 15. calaia, id est, vocata 
in Capitolium plebe iuxta curiam Calabram, guae easae Romuli 

froxima est. Non war aber die casa Romuli am Palatin. Dionys. 
, 79. (es sind seine eigenen, nicht Fabius Worte) ßlo9 S* atroti (no- 



402 

war, ist eine zweite für den Senat bestimmte zu unlerscbei^ 
den, die im Jahre 579 auf dem hier befindlichen Senaculum 
erbaut wurde (Anm. 469.). Endlich musste natürlich die 
Area auch eine Rednerbiihne haben: es sind die von Cic. ad 
Brut. 3. erwähnten Rostra. 

Ausserdem werden eine Menge Heiligthümer erwähnt, 
die zum Theile wohl als Sacella, zum Theile aber auch als 
grössere Tempel gedacht werden müssen. Hier stand der kleine 
Tempeides lupiter Ferelrius, der für den ersten in Rom 
erbaueten galt; der Tempel, wo zuerst Romulus, dann Cos-* 
6US, zuletzt Marcellus spolia opima geweiht hatten. Es ist 
nicht die mindeste Andeutung vorhanden, dass er auf der Burg 
gewesen sei, wie noch von Bunsen angenommen wird; im 



^fOfAOvarottpovQfii Xayovo q*P(ouvXov Xiyofiivrj, tjv <fv^ 
XazTOvaiv Ufiav oh tovtcjv inifiekae^ ovoiv tnl t6 as/nvore^ov i^ayov^ 
reg. v^l. Plutarcb. Rom. ^0. Dio Cass. XLVIir, 43. LIII, 16. 
LIV, !29. Senec. Cons. adHelv. 9. Endlich nenot sie auch wirk- 
lich die Notitia io der zehotea Regioo. (V^l. den Abschn. üb. den Pa- 
latin.) Man hat daher anfeooinineD, es habe zwei casae Romuii gege- 
ben, was in so fern {^anz anwahrscbeinlich ist, als gewiss nicht zwei 
Gebäude denselben Namen fährten. Vielmehr scheint Macrobius Vir« 
gils Worte, Aen. Vi!/, 654. 

In sumtno eustos Tarpeiae Manlitu arcis 
Stdbat pro templo et Capüolia ceUa tenebat, 
Romuleoque recens horrebat regia eulmo. 
falsch anfgefasst und aus einem Gebäude zwei gemacht zu haben. 
Denn Virgii meint wahrscheinlich die Curia Caiabra selbst, wie es 
Servias richtig erklart: Curiam Calabram dicit^ quam Romulus 
texerat eulmi*. Damit stimmt sehr wohl überein Senec. Gontrov. 
6. Jnter haee tarn effusa moenia nihil est humili easa nobilius. fa- 
stigiatis tupra teetis auro puro fulgent praelucet Capitolium. und 
Controv. 9. Colit etiamnum in Capitolio eatam victor omnium 
gentium populut. endlich Martial. VIH, 80., denn in keiner der 
Stellen wird die Hütte CQMa Romuli genannt. Seltsamer noch klingt 
es freilich, wenn man bei Vitruv. II, 1. lieset: Item in Capitolio 
commone/acere polest et significare mores vetustatis Romuli casa in 
aree saerorum stramentis teeta. AUein das hat Vitruv nicht geschrie- 
ben. Alle Handschriften und die Ausgaben vor locundus (die Princeps 
und die Florent. v. 1496.), ja die erste Ausgabe des locundus selbst 
(Ven. 1511.) haben: Romuli easa et in aree saerorum stramentis 
teeta. Erst in den späteren Ausgaben bat er das et gestrichen und 
dadurch den Widerspruch herbeigeführt. Es ist zu verbinden : et in 
aree teeta saerorum stramentis, was auch ohne Hinzufugung der Pi€- 
position Vitruvs Ausdrucksweise ganz angemessen ist. Es gab also 
auch auf der Burg Sacella, deren alterthümliche Bedachung geflissent- 
lich erhalten wurde. Man hat übrigens nicht bedacht, dass, wenn 
auch an der Burg viele heilige Gebräuche hafteten , doch arx saero- 
rum eine seltsame Benennung sein würde. 



403 

Gregentheile wird er durchaus in CapitoUo genannt , was in 
Urkunden, wie das Monnmentnm Ancyranum, entscheidend 
ist ^*'). Wenn Dioaysius in seiner Zeit die Längenseiten auf 
nur ISPnss angiebt, so klingt es seltsam^dassLivius (1, 33.) 
von einer schon durch Ancus Marcius geschehenen Erweite- 
rung spricht. In Dionysius Zeit war er verfallen ; Augustus 
stellte ihn wieder her**). Zu den ältesten gehört ferner der 
Tempel der Fides, von Numa gegründet, im ersten punischea 
Kriege (495) von A. Atilins Calatinus und nachher von M. 
Aemilius Scaurns wieder erbaut ^*). Er stand ganz nahe dem 
Inpitertempel und war geräumig genug, dass darin Senatsver- 
bandlungen gehalten werden konnten *^^). Der von Cicero mit 
ihm genannte Tempel der Mens war zugleich mit einem da- 
neben stehenden Tempel der Venus Erycina nach der 
Schlacht am Trasimenus gelobt und beide zwei Jahre später 
geweiht worden*). Auch ihn hatte M. Aemilius Scaurus 



797) LSv. I, 10. tpoUa ducis kos f tum eaesi tuspensa ad id apt9 
Jereuio gereut in CapitoUum adscendilj ibique ea guum ad quereum 
pattoriius saeram deposuitäet^ simul cum dono designaoit templo /o- 
vis JlMes, eognomenque addidit deo: Jupiter Feretri^ inquit etc. — 
Haee iempli est origo, quod primum omnium Romae sacratum est, 
D 10 DYS. II. 3i. iitxk oi xyr vefinijv rt xal d'vgiay vfdtp xaraaxevu' 
cas ^ FiOfAvioQ tTtl xrjg utoffvtfijs rov JCannmliov h&tfov Jyo^y ev iiuxei' 
Xjoüqi *ihafuuoi ^i^t^ior, w fUyav irt ya^ airov oin^trat agyalep 
IXV09 iUittovaQ ij vivTS voimv nah diita raff fit^ove nlev^as t/wv, \g\. 
Plntareh. Rom. iS. Marc«ll. 8. Bio Cass. XLIV, 4. Propert. 
IV, 10, 45. Serv. t. Aea. VI, 860. 

98) Monom. Amcyr. IPf. CAPITOUO. lOVIS. FERETRI — 
ABDBM. L i v. IV, to. Hoe ego quum Augustum Caesarem, templo- 
rum omnium conditorem aut restitutorem, ingressum aedem Feretn'i 
Jovis, quam vetustate dilapsam refeeit, se ipsum iu thorace linleo 
scriptum legisse audissem etc. 

99^ PI u ta rc h. N a m. 16. IX^mtop H (paoi xai Hiareote scai Ti^ 
fioroi uqov iSQvaaa^tu, vgl. Liv. 1,21. Cic. de aat. deor. II, 23. 
ut Fides, ut Mens, quas in Capitolio dedieatas videmus proxime a 
M, Aemilio Scauro; ante autem ab Atilio Calatino erat Fides eon- 
secrata. de off. Iu, 29. Qu£ igitur iusiurandum violat^ is Fidem 
vioiat, quam in Capitolio vicinam lovis Optimi Maximi, ut in Ca- 
tonis oratione est^ maiares nostri esse voiuerunt, \gi, Dio Gass. 
XLV, 17. Fast. Amitero. IUI. Oct. FIOEI. LN. CAPITOLIO. 

800) Appian. Giv. I, 16. rtyrouivwr Si roüretv ^ ßovJJj ovv^Ji^ 
^ep sie TO ri7« JUersut^ Uifov. Val. Max. HI, 2, 17. in aedem. Fides 
publice eonvoeati patres eonseripti a eonsule Mudo Seaevola, 

I) Liv. XXII, 10. Feneri Erycinae aedem Q, Fahius Ma- 
ximue dietmior vovii, quia ita ex /atalibus libris editum erat, ut is 

26* 



404 

wiederhergestellt®^^). Ausser der Vcnns Erycina wird aach 
ein Tempel der Venus Capitolina und der Venus Vi- 
ctrix erwähnt'), wohei es ungewiss bleibt, ob darunter 
verschiedene Tempel zu verstehen sind. Ferner zwei Tem- 
pel des lupiter^) und ein Tempel der Ops ^). Plut- 
arch. de fort. Rom« 10, giebt auch einen Tempel der 
Fortuna Primi genia als von Servius auf dem Capitole 
erbaut an ; allein erwähnt wird ein Tempel dieser Göttin nur 
auf dem Quirinale. Li v. XXIX, 36. XXXIV, 53. XLIII, 13. 
und es scheinen bei Plutarch hinsichtlich der Lage der Forta- 
nentempel mehrere unrichtige Angaben zu sein. Auch bewei- 
set die von Nibby, For. Born, p. 145. aus Palestrina ange- 
führte Inschrift: Tu qtuie Tarpeio coleris vicina TonanÜ Vc^ 
torum vindex semper Fortuna meorum etc. vielmehr das Da- 
sein eines Tempels des lupiter Capitolinus oder eines Capi« 
tpls zu Praeneste, als eines Tempels der Fortuna auf dem 
Capitole zu Rom; und dass praenestinische Inschriften die 
Fortuna häufig nennen, ist sehr natürlich. Indessen mag 
die Göttin immerhin auch einen Tempel auf dem römischen 
Capitole gehabt haben, und möglich ist es, wie Nibby meint, 



voveret, euius maximum Imperium in eivitate esset, Menti aedem 
T. Otaeilius praetor vovit, XXlil, 31. Interea duumviri ereaü sunt 
Q, Fabius Maximus et T, Otaeilius Crassus ae^ibus dedicanäis, 
Menti Otaeilius, Fabius Feneri Erycinae, Utraque in Capitolio est, 
canali uno discretae. Darauf bezieht Merk. z. vi d. Fast. VI, 
^1., wie es scheint, mit Recht Varro's Worte bei Philarg. z. Virg. 
Georg. IV, 265. canalis eas dispescit. Kai. Maff. and Venus. 
VI Id. luo. MENTI. IN. CAPITOL. 

802) Cic. de pat. deor. 11, 23. Plutarch. de fort. Rom. 
10. *ffr» de icai /Vw.wjyff, ^ vr^ Jia EvßovUaQ vswt, i}v Jdivz£fi tutXov- 
aiy alla nal tovto ^xavQOC AitUhog tts^I tä Ki^uß^uta, toU X9^^^*^ 
ytyovats 9ca&ti(ßOja6y. 

3) Sucton. Cai. 7. Uabuit in matrimonium Agrippinam, Af. 
jtgrippae et luliae ßliam, et ex ea novem liberos tulit: quorum duo 
infantes adhuc rapli, unus iam piierascens , insigni festivitate cuius 
^ffigiem habitu Cupidinis in aede Capitolinae Feneris Livia dediea- 
vit. Vielleicht der so oft wiederholte Bogenspaoner. Galb. 18. Fast. 
Amitern. VIII Id. Oct. VENER. VICTR. IN. CAPITOL., 

4) Liv. XXXV, 41. Aedes duae lovi eo anno in Capitolio rfe- 
dieatae sunt. Foverat //• Furius Purpureo praetor Gallico hello 
unam, alteram eonsul, Dedicavit Q, Mareius Ralla duumvir, 

5) Liv. XXXIX, 32. quod aedes Opis in Capitolio de eoelo 
taela erat. Fast. Gapran. VIII Kai. Sept. OPI. IN. CAPITOLIO. 



405 

dass sich auf ihn bezieht C 1 e m. Pr o t r e p t. IV, 51 . p. 15 Sylb. 
*P(a/ialot dh m fUyana naTOQ&dfuxTa t^ ^29 dpan&iv^ 
%€c — q>iQorTeQ9lß TÄv uonQfova dvi&tiuav avrtjv^ a|ioy ¥imf 
%6v dijpedQiiiya v^ifMiinaQ %fj &m. Mau würde nämlich an 
die Porta Stercoraria (S. 175.) zu denken haben: sie war 
in der Mitte des Clivus Capitolinus und also könnte der Tem» 
pel schon auf der Höhe gestanden haben. Nibby, der frü- 
heren Meinung folgend, hielt den Vespasiantempel dafür. Ob 
Piutarch auch den Tempel der Fortuna Obsequens hie- 
her setze, ist nicht klar. Die Basis Capitolina nennt einen 
Vicos Fortunae Obsequentis in der ersten Region, Porta 
Capena. 

Aeusserst dunkel sind die Andeutungen, die sich mehr- 
fach über ein Templum Honoris et Virtutis finden, 
welches G. Marius weihete, wobei auch auf das Capitol 
hingewiesen zu werden scheint. Es sagt Cic. p. Sext. 54. 
Semei, inquam^ se ladis hämo papularis commisit omnino^ 
cum in templo Honoris - yirtutis honos esset hü" 
bilus virtutiy Caiique Marii, conservatoris huius impe- 
rii, monumeutum municipi eius et reipubUcae defensori 
sedem ad saiutem praebuisset. Er spricht von dem Senalus- 
consultüm, durch welches seine Rückkehr beschlossen wurde, 
und wenn das dem Vf. der Scholia Bobiensia auffällig 
gewesen ist, da dieser Beschluss im Tempel des lupiter 0. M. 
gefasst worden sei (nach c. 61.), so beseitigt sich das leicht, 
indem mehrere Senatusconsulte in dieser Angelegenheit er- 
folgten. Daher erklären denn dieselben Scholien zur Plane. 
32. ,,t7fo Senatusconsulto ^ quod in monumento Marti 
factum est, quo mea salus omnibus est gentibus common^ 
dala^^, richtig; in templo scilicet Honoris et f^irtutis ^ in 
quo actum primum videtur de restitutione Ciceronis. Allen 
Zweifel benimmt endlich Cic. de div. I, 28. ut audivisses^ 
in monumento Marii de tuo reditu magnißcentisshnum 
illud senatusconsultum esse factum. Dass aber Marius ei- 
nen solchen Tempel weihete, bezeuget nicht nur Vitruv UI, 
2, 5. ad Mariana Honoris et Virtutis sine postico a Mutio 
facta (aedes). und Praef. 1. VII, 17. (Mutius) qui magtia 



406 ■ '■ 

scieniia cor^fisus aedes Honoris et VirtuHs Maritmae eettae 
columnarumque et epütyUorum symmetrias legitimis artis 
instüuiis perjecit^^^)^9 sondern auch zwei dem Marius ge- 
setzten Ehrendenkmälern angehörige Inschriften, welche den 
Tempel ausdrücklich nennen ^). Wenn daher Vater. Max. 
ly 7, 5« von demselben Traume Cicero^s sprechend sagt: Nam 
in aede lovis Mariana S. C. de reditu eius est factum.^ so 
wird man geneigt, einen Irrlbum und eine Yermengung der 
Senatusconsulte im lupitertempel und in dem des Honos und 
der Virtus anzunehmen. Marius nun hatte an zwei Orten 
Monnmenta mit Trophäen errichtet, deren eines dem jugur- 
thinischen, das andere dem cimbrischen Kriege gegolten zu 
haben scheint. Val. Max. VI, 9, 14. qtä Afrieam subegUy 



80.6) Dass Vitravs Text fehlerhaft sei, beweiset schon das doppelt* 
Ohjekt. Das' Wahrsebeiolicbste ist mir, dass man lu lesen und xq 
verbinden bat, aedi$ Honoris et Firtutis Marianae , so lästig auch 
die Hänfaog der vielen Genitive ist Rode bat nach Piranesi's 
Vorgänge geändert aedes Honoris et F. Marceliianas und Sachse, 
Gesch. d. St, R. I. S. 451. hat mit wahrer Verwegenheit Marius Na* 
men auch aas der ersteren Stelle Vitriivs und endlich aus Festus her* 
auscorrigirt. Zu solcher Kritik ist er immer bereit, wo er keinen 
Ausgang sieht. Aber abgesehen davon , dass nun auch Cicero corri- 
girt werden miisste, ist es ganz absurd, bei Festus an die Aedes Ho- 
noris et Virtutis des Marcellus zu denken , da dieser Doppeltempel in 
der Tiefe bei Porta Capena lag und also nie den Auspieiea hinderlicb 
seia konnte. 

7) Die erstere, von der Basis einer einst in Arrezzo befiodlichen 
Statue des Marius entnommen, steht bei Gori, Jnscr. 1. p. 248. In 
ihr sind seine sämmtlicben ttiuli angegeben, und gegen das Ende beisst 
es : DE MANVBIIS CIMBRICIS ET TEVTOMCIS AEDEM HONORI 
KT VIRTVTI VICTOR FECIT. Auch bei Orell. 543. Die zweite 
giebt Nardini, Roma ant, HI. p. 138, Sie ist, wie es scheint, nur 
eine vermnthlich fehlerhaft gelesene Wiederbolung* jener, oder beide 
hatten vielmehr wohl ein gemeioschaftliches Original. Die letztere soll 
zwischen dem Mausoleum Augusli und dem Piiicius gefunden worden 
sein, woraus man ganz irrig gefolgert hat, dass hier das zweite Mo* 
niimentum Marii gewesen sei. So nimmt auch Urlichs, Besehr, dm 
St, R, III B. S. 205. an ; aber diese Inschrift gehört ja doch nimmer- 
mehr einem von Marius erbaueten Denkmale , sondern , wie die zu 
AreZzo, einem ihm gesetzten Ehrendenkmale an. Ausserdem sagt der- 
selbe seltsam genug von den Trophäen des Marins auf dem Esquilin: 
„die Meinung, dass ein gewisser Mucius daneben der Tugend umI 
Ehre einen Tempel gebaut habe, beruht auf einer Verwechslung mit 
dem berühmten Tempel des Marcellns und auf einer falschen Lesart 
bei Vilniv. III. 1." (2, 5.). Aber die Inschrift, auf die er sich vorher 
berufen hat, nennt ja selbst das templum Honoris et Virtutis und be- 
glaubigt so zum Ueberflnsse die an sich schon ganz sichere BrwKh- 
nnng Vitruva. 



407 

lugw*tham reg^m ante eurrum egit; qui Teutonomm Cimr 
brorumque eserciius delevä; cutus bina trophaea in 
Urbe speciantur. Eines derselben aber scheint auf dem Ca- 
pitole gewesen zu sein. Das machen nicht nur obige Stellen 
wahrscheinlich; sondern ganz besonders Properz, der mit 
Unwillen von dem llebermuthe der Cleopatra sagt : III, 11, 45. 
Foedaque Tarpeio conopea tendere saxo (ausa); 
Iura dare statuas tnter et arma Mari. 
womit man vei^leiche Dio Cass. L, 4, wo%' av%i]v %a\ lüv 

inwi %£ ofivvoij noielad'ai %6 iv tu KaniTwXim 9i^ 
%daat. So viel ist übrigens aus Festus gewiss, dass der 
fragliche Tempel auf einer Höhe stand, p. 344. Summisstorem 
atüs aedem Honoris et Firtuiis C. Marius fecit, ne, si 
forte qfficeret auspiciis publicis^ augures eam demoUri co- 
gerent* 

Augustus erbauete auf dem Capitole einen Tempel des lu- 
piterTonans. Bis vor kurzer Zeit hat man, verleitet durch 
den erlogenen Victor, die drei Säulen am Clivus Capitolinmi 
(Saturnustempel) dafür gehalten« Er wird aber durchaus in 
Capitolio genannt ^0^), und da Augustus in Folge eines Traum* 
gesichts ihn für den lanilor des Capitolinus erklärte ') , kann 
er nicht fern von diesem gewesen sein. Wenn übrigens Au- 
gustus wirklich als Seitenstück zu dem lupiter Feretrius dem 
MarsUltor eine Aedicula weihete (Anm. 704.), so wird sie 
sich auch hier befunden haben. — Domitian erbauete zum Anden- 
ken an seine Rettung während des Kampfs mit den Vitellianern 
erst dem lupiter Conservator amVelabrum ein Sacellum, dann dem 
lupiterCustos einen grossen Tempel auf dem Capitole ^^) . 



808) MoDsm. Aa«yr. Säet. Aug. 29. aedem TonantU lovis in 
Capitolio. '. — Tonanti loui aedem conteeravit liberatue perieulo, cum 
Expeditione Cantabrica per noelumum iter lectieam eiut Juigur per^ 
etrinxiseet eervumque praelueentem exanimaeset» Pilo. aaXVI, C, 
6. marmoreos parietee hahuit soena if. Seauri, non faeile dixerim, 
teetos an solidi» glebis positot, »iouti est hodie loeis Tonaniis aedes 
in Capitolio. Vfl^l. Dio Cass. LIV, 4. Fast. Amitoro. KaU Sept. 
lOVI. TONANTI. IN. CAPITOLIO. 

9) SiittoD. cap. 91. Dio Cass. I. I. 

10) Tacit. üist. III^ 74. Ac potiente rerum paire, disieeto ae- 



408 

Der letzte Tempel, den ich erwähnt finde, war der der Wohl-^ 
thätigkeit, welchen das Capitol darch Marc-Anrel erhielt*"). 

Zahllos mag die Menge der Stalnen, Ehreudenkmäler nnd 
Weibgeschenke gewesen sein, welche theils den Tempel des 
lupiter, theils die Area füllten i^), nnd mit Recht sagt woU 
Serv. z. Aen. II, 319. in Capitoliq entm deorum tymnium 
simnlacra colebantur. Wie es schon früher einmal von Cen- 
soren geschehen war, so sah sich anch Augastus veranlasst, 
den Ueberflnss za entfernen und anderwärts aufzustellen >'). 
Zweifelhaft ist es, wo der von Tacit. Ann. XV, 18. er- 
wähnte lächerliche Triumphbogen Nero^s gestanden habea 
möge. 

Während nun so die sudwestliche Hohe oder das eigent* 
liehe Capitol sich allmählich mit Tempeln angefüllt hatte, wer- 
den auf dem nordöstlichen Gipfel oder der Arx nur einige we- 
nige öffentliche Gebäude namhaft gemacht. Es hat da^ zum 
Thelle wohl seinen Grund in der Beschränktheit der Fläche, 
welche diese Spitze darbietet, mehr aber gewiss in der ur- 
sprünglichen Bestimmung als eigentliche Veste, und als das 
eigentliche Templum für die auspicia publica^ das einen Platz 
mit freier Umsicht verlangte. Denn hier war das augtiracu- 
him, der Stein, auf welchem der Augur Platz nahm, wenn er 
himmlische Zeichen beobachten wollte ^*). Nur zwei Tempel 



ditui contubernio (wo er verborgea gewesen war) modieum saeeilum 
lovi Conservatori aramgue posuit, casusque sitos in marmore expres^ 
Sit, Mo3f Imperium adeptus lovi Custodi templum ingens seque in 
iinu dei sacravit, Suet. Dom. 5. Novam autem excitavit aedem in 
Capitolio Custodi lovi» 

811) Dio Cass. LXXI, 34. nhiarordi tv i^i^ytolq^ ^»ijy«y. 

Tctrcj» «a^ pr^ito} axova&ivTi nQOtmoXiaaQ avTi^y, 

12) Es Hesse sich ein lang^es Verzeichniss geben, wenn es einen 
besonderen Werth hätte. Ich erwähne nnr die Statnen der rSmischea 
Könige am Tempel der Fides. A ppian. Ci v. I, 16. Dio Cass. 
XLIil, 45. Pliu. XXXIV, 5, II. Ascon. z. Cic. p. Sranr. p. 30 
Or. und die beiden Golosse, Apollo und lupiter, Plin. XXXIV, 7, 18. 
Eine columna rostrata, im ersten panischen Kriege (499) errichtet, 
erwähnt Liy. XLII, 20. 

13) Sueton. Cal. 34. Statuas virorum illustrium ab Aitgnsto 
ex Capitolina area propter angusHas in Martium eampum coliatas 
ita subvertit atque disiecit, ut restitui salvis Htulis non valuerint. 

14) Die Hauptstelle ist bei Liv. I, 18. (Nama) inde ab avgurp 



409 

werden hier genannt. Der erste wurde der Inno Moneta 
cAaut, ein Name, den die Göttin angeblich in Folge einer 
von der Bnrg herab gehörten göttlichen Stimme erhielt «i*). 
Es geschah im J. 408. und es wurde dazu die Stelle ersehen, 
wo das Haus des M. Manlius Capitolinus gestanden hatte >«). 
Mit dem Tempel wurde nachher die römische Münzstätte ver- 
bunden"') 5 er selbst wurde im J. 580 neu erbaut. Liv, 
XLII, 7. — Der zweite war ein Tempel der Concordia 
ohne besondere Berühmtheit; erbaut im zweiten punischen 
Kriege, 536. *•). Wenn aber auch weiter kein Heiligthum 
genannt wird, so lässt es sich doch nicht bezweifeln, dass auf 
der Burg noch mehrere und vielleicht uralte Sacella waren, die 
nur weniger Berühmtheit erlangt haben, wie denn überhaupt 
der Glanz des Capitols die Burg in Schatten stellte. Ob dahin 



— deductus in arcem in lapide ad meridiem versus eonsedit. Augur 
md laevam eins capite velato sedem cepit etc. Paul. Diac. p. 18. 
Auguraculum appellabant antiqui^ quam nos areem dieimus , quod 
ibi augures publica auspicarentur* Sehr uDgeoaa sagt Pia tarcb. 
Nnm. 7. nagalaSrnv di fiavrete xal isqiU avißatvtv «<V to Kanixdi)MV. 
Taffnri'iov avro kowov ol ror« ^Patfuuot nffo^yoQ^vov, Dana beisst es ! 
Ooxtt» Si xrjv ßaaJMiTjv ävaXaßuiv ia&^ra Marifiatve Nofiäs ih to nX^&o9 
obro Tij£ ofx^ciff. Vgl. Anm. 744. 

815) Cic. de div. I, 45. cum terrae motus /actus esset „Ut sue 
pleno procuratio fiereV^ vocem ab aede lunonis ex arce exsHUsse, 
quocirca Junonem illam appellatam Monetam, vgl. If, 32. Das würde 
vopanssetsen , dass der Tcdipel »Iter sei als der Name ; die Zeit sei- 
ner Erbauang aber keaaen wir genau, s. d. folg. Anm. 

16) Liv. VII, 28. (Camillus) inter ipsam dimicationem aedem 
Junoni Monetae voviL — locus in arce destinattts, guae area aedtum' 
M, Manlii Capitolini fuerat. — Anno postquam vota erat aedes Mo- 
netae dedicatttr. Vgl. Plntarcb. Camill. 36. Ovid. Fast. VI, 
183. Macrob. Sat. I, 12. Fast. Blaff, nod Venas. Kai. lun. Auf 
derselben Stelle giebt Sei in. I, 21. die WohouDg des Tatios ao ; 
schwer vereiobar aber ist damit (Cic.) p. dorn. 38. ergo eius (Maolii) 
domum eversam duobus lucis tonvestitam videmus. Wenn die duo 
lud Dicht fuglich andere sein könneo als die des Asyls , so scheint 
eine ganz andere Vorstellung von der Lage des Hauses zu Grunde zu 
liegen. Vgl. Anm. 745. 

17) Liv. VI, 20. Adieetae morttto notae sunt: publica una, quod, 
quum domus eius fuisset, ubi nunc aedes atque officina Mo^ 
netae est, latutn ad populum est, ne quis patricius in arce aut 
Capitolio habitaret. Vgl. Snidas. Jl/or^rcc. 

18) Liv. XXII, 33. In religionem etiam venit, aedem Concor-' 
diae, quam per sedittonem militarem biennio ante L, Manlius prae^ 
tor in Gallia vovisset, loeatam ad id tempus non esse, itaque duum- 
viri ad eom rem ereati — aedem in aree faciendam loeaverunt 
Fast. Praan. Non. Febr. CONCORDIAE. IN. ARCE. FERIAS etc. 



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vieUeicb( auch die Aedes Yeneris Calvae (Lactant. I, 
20.) unddie Aralöris Pistoris (Ovid. Fast. VI, 387. 
Lact, ebend.) zu rechnen seien, ist ganz ungewiss» 

Dass in der Vertiefung zwischen beiden Gipfeln das 
Asyl angenommen werden muss, ist schon oben nachgewie- 
sen worden (Anm. 741.}. Alle Nachrichten sprechen, wie 
das der Begriff des Asyls erheischt, von einem gleichzeitig ge- 
weihten Tempel, d. h. Heiligthume, unter dessen Schutze die 
hier sich sammelnde Menge lebte ^^^). Aber der Name der 
Gottheit wird nicht genannt ; das Alterthum kannte ihn selbst 
nicht. In keinem Falle darf man an den Tempel des Veio vis 
denken, der noch in später Zeit bestand, während die eigent- 
liche Stelle des Asyls von einer Ummauerung umschlossen war, 
um keine Gelegenheit zu Missbrauch zu geben ^^). Jener 
Tempel des Veiovis aber wird zwar inter duos lucos oder 
inter arcem et Capitolium genannt (Anm. 740. 741.), viel- 
leicht darf man aber annehmen, dass er auf der Seite der Burg 
stand, da er nngenau auch in arce angegeben zu werden 
scheint ^^). 

Es bleiben noch die Oertlichkeiten am Abhänge des Bergs 
der Betrachtung übrig. Die wichtigste Frag« hiebei ist, wo 



819) Liv. n, 1. Quid mim futurum fuU , *i illa poitorum eoti" 
venarumque plebs, trans/uga ex suis populisy sub tutela inviO' 
lati templi aut libertaUm. aut cerfe impunitatem adepta, toluta 



Tijff noXfOjg T^v fCQwrnv 'iC^vaiv Xafißa^ 



riuiarco. nom. ». Jinttra rijg noAfOJS tijv »r(>a;ryy iw|»ir»»»' a«^/*»- 
vovarjs uq6v r$ fv^ifiov toiQ a<p*aTafiivott nazaaTUvaaaivxiS , o &eo9 ^ 

:^0) Dio ias«. XL VII, 19. Nachdem er voo dem mit dem Tem- 
pel des Divas lulius verbundeoen Asyle gesprochea hat: ottc^ ohdsvi 
ovdi rdiv ä'ewv, sriU/v töüv inl rov ^PwfUXoü yevofUvwP, iSf^tutttaav. ««/- 

TOI Ktti ixslvo To vtnnutv avnu.tt.TL rnv aavliav Uirä tvy XütV avdoWf 



fa*. naher sagt ebeDLiv. 1,8. loeum^ qui nunc septus »wpw- 
dsnlibus inter duos lucos est, asylum aperit. 

2i) PI in. XVI, 40, 79. JVonne simulaerum Feioms in arce 
e eupresso durat, a eondita ürbe DCLXl anno dieatum T Schwerlicli 
wird mao das Holzbild vom Tempel treBoeo kSooen. Die VermnChaag 
Merkels«. Ovid. Fast. p. CXXVIII., das» urx Fediovis eioe ü