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Full text of "Heidelbergische [afterw.] Heidelberger Jahrbücher der Literatur"

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HEIDELBERGER 



JA HRBÜCHER 



der 



Literatur 



cmter der Sledactioii der ProCessorea 

C nircäienr. Ä JS. G. Fav^mts^ .^ C Hofradi F. i^RcvzEn. 
<j,l{irchenrk F.H,C. ScBfTJMz. ) .Hofirath fVtLH, Muncke. 
t^. Hofrätli C S. ZjicnjtRtjL \ G. Hofrattli F. C. Schlosstk. 
Frofbs^r G. F. ü^jm^b. 5 €. R. Ritter J^T. C. i'. I.£o/rÄ-#Äi>. 

G. Hofrath F. TrwiEJ/^jvy, < HofraA ^ Ä Ä^i/. 



*^^S;JEBE3IIEHNTER JAHRGANG 

odec 

• N.E 'VC F O l C^ E^' ■ 

VIERTER •JAHRGANG. 



Erste Hälft*. 

Januar i>isJuny. 



HEIDELBERG, 
Druk und Verlag v^ji Atcox Osswalo's Universitäts • Buchliancllung. 

18 2 4. 

' . ^ Jigitizedby VjOOQIC 




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N, 1. 1824 

Heidelberger 

Jahrbücher der Literatur^ 

MIHI II— BMBtBggg ■»■— — ;^ 



Vthtr die Gruncfaätze der Jbfassung eines populären 
aligemein brauchbaren Lehrbuchs der christlichen 
Religion für die pro lest, Jugend, von Dr. Johann, Chri" 
tum Gottberg Johannsen, Diak. an der Stadtkirche ^ Pastor 
an der KönigL Straf anstaU , Mitgliede des KönigL theoloe. 
Examin. und Schul •CoUegä su Glückstadt, jiltona, bti Jon, 
Friedrich Hammerich. i8a3. a Thlr» 4 ^'** 

Der Kescheidene Verf. hat nach Ref« DafiLlrhalten einen 
Gegenstand bearbeitet , der alles Interesse verdient f der 
zwar schon Öfter zur Sprache gekommen ^ aber noch kei« 
nesweges so durchgesprochen und abgeurtheilt ist, dafs 
mun jedes weitere Wort darüber fßr überflüssig halten 
dürfte. Gerade jetst nachdem hie und da die Vereinigung 
der beiden protestantischen Kirchen in Deutschland glück« 
licfa zu Stände gebracht worden, und dasBedfirfnifs eines da* 
durch nothwendig gewordenen geineinschaft)icht>n Lehrbu- 
ches der christlichen Religion, scnärfer hervortritt, mufs je- 
nes Interesse steigen und jeder Beitrag zur Vereinbarung in 
den Grundsätzen f nach welchen bei der Abfassung eines sol- 
chen Buches zu verfahren ist, mit Dank angenommen wer- 
den. Ist man erst hierübei im Reinen, so dürfte /sich doch 
wohl auch ein Lehrbuch erwarten lassen, das den wahrhaft 
verständigen Freunden und Lehrern des Christenthums 
genügte. Denn dafs wir bis jetzt vielleicht keines derglei- 
cben haben , bfeweifst schon die ephemere Dauer der Cate- 
chismen, die, seitdem die alten aufserCursges^etzt worden^ 
in zahlloser Menge erschienen sind , so wie der Umstand, 
dafs selbst die von obern kirchlichen Behörden inzwischen", 
eingeführten, doch nur so lange sich zu halten vermögen, 
als ihnen das Ansehen dieser Behörden zur Seite steht. 
Dies scheint sehr gegen ihren innern Gehalt zu zeugen, 
daneben aber auch ms Schwankende in den Grundsätzen zu 
verrathen, von welchen sowohl die Verfasser solcher Lehr- 
bilcher, als deren Beurtheiler sich ini gemein leiten lassen. 
Uebrigens wird man dies begreiflich finden^ sobald man'er* 
XVli. Jalirg. 1. Bah. 1 



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g PrackiMbo Theologie 

wBgt, wie verschieclen bis jetzt die Ansichten sind^ tbeila^ 
über das ^ was wesentlich in den /Umfang der christlichen 
Lehre gehöre, was hloise Einkleidung sey , und allenfalls 
nur als Zusatz aus der Zeit betrachtet werden naüsse^ in 
welcher diese Lehre angefangen, sich als tVTeJtreligion zi& 
constituiren, theils auch darüber, was sodann, wenn dio 
bestehende LXiflerenz hierin ausgeglichen ist , jedem Un— 
terrichtsalter aus der Masse des Ganzen mitzutheilen sey^ 
und in welcher Weise. Der Verfasser hat unläugbar ein 
schweres Werk untempmmen; denn er will Grundsätze 
aufstellen zur Abfassung eines populären Lehrbuchs der 
christlichen Religion', das nicht nur s^einer Ueberzeu- 
gung und seinem Kreise genügen, sondern sogar all« 
gemein brauchbar erfunden werden soll« Wir wollen 
nun kürzlich sehen, ob und wie er seine Aufgabe gelöset: 
hat. 

In der Vorrede spricht sich der Verf. klar und um- 
fassend aus über die Wichtigkeit seines Gegenstandes, über 
die ÖbrgtJalt, womit er bei der Prüfung seiner Grund- 
sätze, die er als echt Lutherische, echt symbolische, und 
darum desto gewisser zur allgemeinen Vereinigung der 
beiden protestantischen Kirchen führende betrachtet wis- 
sen will, zu Werke; gegangen , Über die* Hülfsmittel die 
er benutzt, und Über die Veranlassung, die er gehabt 
habe , seihe Schrift zur Kenntnifs des Publikums zu brin- 
gen. Dagegen wird kaum etwas zu erinnern seyn. Man 
wird ihm in allen diesen Dingen gern beipflichten, und eben 
so unbedenklich auch das Urtheil unterschreiben, das er 
theils gegen diejenigen fällt , denen das mannhafte Bei- 
wort ; „protestantisch^^ etwas ans töfsig klingt, theils 
gegen eine gewisse andere Classe von Menschen, die es 
am gerathensten finden , . das Volk in Religionsangelegen- 
heiten so recht im Dunkeln au halten. 

Die Einleitung handelt von der Möglichkeit eines po« 
j)ulären, allgemein brauchbaren Lehrbuches der christli- 
chen Religion, von dessen Nothwendigkeit , von^ den 
Mängeln des kleinen Lutherischen Gatechismus, neben 
allen ihm eigenthümlichen Vorzügen , wobei namentlich 
. die alte bekannte Instanz, dafs es, die Sittenlehre ein- 
zwängend in die engen Schranken des Decalpgs , dieselbe 
viel zu mager behandle, wiederhol^ wird, was indessen 
Ref. , wenn er erwägt, was Luther in die Erklärung der 
zehn Gebote gebracht hat, nicht so geradezu und ohne 
alle Einschränkung behaupten möchte« Hiernächst wird 



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Piaetifloitf ThocOogi«. « 

(las Erfordierntaa zweier Lehrbflcherf das eine ftr die un« 
lern Klassen der Volksschulen (denn die hdhern Schulan« 
staken werden hier unberücksichtigt gelassen ^ weil ffir 
fliese z« B. schon durch das Niemeyerscoe Lehrbuch siem« 
lieh gesorgt sey) das andere für die ob^rn nachgewiesen, 
und dabei bemerkt, dafs ersteres auch wohl ein Auszug 
BUS letzterem seyn dürfte , berechnet nach dem geringern 
Bedürfnisse und der eingeschränktem Fassungskraft der An« 
fanger« Ref. pflicbtet dem Allen vollkotnoien bei^ mufs 
oher zugleich Bemerken » wie erwünscht es ihm gewesen 
wäre, \irenn es dem Verf. beliebt hätte y auch die höhern 
Schulanstalten ins Auge zu fassen , für welche, seiner Ue* 
berzeugung nach 9 ein tüchtiges Lehrbuch der christlichen 
Aeiigion, die mit der sogenannten Vemunftrefligion kei« 
neswegea einerlei ist> noch immer vermifst wii^a. Senn 
darüber ist er längst mit sich einig , dafs das Niemeyer« 
sehe gerade in dem Theil^ der die Glauben swahrfaeiteu 
enthalten soll, bei weitem das Gehörige nicht leistet, und 
dafs es nicht sowohl seiner Yortreffjichkeit wegen schon 
die zehnte Auflage erlebt hat , als vielmehr darum 9 weil 
es bis jetzt beinahe das einzige in seiner Art ist« 

Was nun die Grundsätze betrifft | nach welchen ein 
Lehrbuch^ wie es der Verf. im Sinne hat» ausgearbeitet 
werden mufs, so glaubt derselbe: der sicherste Weg zu 
deren Entdeckung sey der historische und vergleichende^ 
indem auf alles , was man hierüber a priori festsetzen 
wollte, die subjective Ansicht zu sehr einwirken würde. 
Zu dem Ende will er die wichtigsten unter den vorhande- 
nen Lehrbüchern zusammenstellen 9 überzeugt, dafs durch 
Wahrnehmung der Frincipien, denen sie folgen, ein 
gründliches Ürtheil über den fraglichen Gegenstand am 
leithtesten eingeleitet werden könne. Sehr wahr 9 aufser 
wenn etwa der Verf. das ihnen Gemeinsame schon defs* 
haVbf weil es Gemeinsames ist^ als das Richtige, dem 
man unbedenklich folgen könne , ansehen , das aber^ wor- 
in sie von einander abweichen , eben darum als unstatthaft 
verwerfen 9 und also überhaupt in dieser Beziehung keine 
Norm a priori gelten lassen wqllte. So wird es jedoch 
nicht gemeint seyn. Denn auf eine solche Norm wird er 
sich in der Beurtheilung doch immer stützen müssen. Ist 
aber dies der Fall» so kann er auch —» des sichern Bo- 
dens ^ auf dem er steht 9 ungeachtet 9 nicht ganz der Ge- 
fahr ausweichen, in Aufstellung der angekündigten Grund- 
sätze hie und da von seiner besondern Ueberzeugu^igs- 

1 • 



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4 Proetisciie Theologie« 

weise SU selir geleitet zu werAen ^ woraus dann von «elbst 
folgt, dafs durch den Gang^ den er gewählt hat, die Aus« 
Stent, etwas von ihm zu erhalten, das sich des allge-» 
meinen Beifalls erfreuen werde, noch keineswegs sicner 
verbürgt ist. Dies nur im Vorbeigehen. 

Die Schrift selbst zerfällt in vier Abschnitte. Im 
ersten Ab schnitte wird geredet: von den ersten 
Sätzen, von welchen das Lehrbu.ch auszuge« 
hen bat, oder von der Einleitung desselben, 
und zwar mit Hinweisung auf die Yerscniedenheit die 
desfalls in den vorhandenen Lehrbüchern zuerst wahrge- 
nommen wird« Hier nun die vorläufige Frage : ob das 
Lehrbuch mit det Glaubenslehl^e öder mit der Sittenlebre 
den Anfang machen müfse? 

Der Verfasser antwortet richtig: mit der Glaubens- 
lehre; aber dann will er auch die Sittenlehre nicht 
etwa bei den einzelnen Glaubenslehren gelegenheitlich an- 
gebracht, sondern als ein abgesondertes Ganzes im zwei- 
ten Theile des Lehrbuches behandelt wissen. Dies, meint 
er, fordere die Vollständigkeit und innere Haltung, die 
jede der beiden Disciplinen anzusprechen habe. Ref. läfst 
diese Ansicht gelten , sobald von einer wissenschaftlichen 
Darstellung der Glaubens • und Sittenlehre , also von et« 
was Mos vor das Forum der- Reflexion Gehörigem die 
Rede ist, nicht aber da^ wo ein populäres Lehrbuch für 
den Religionsunterricht in Volksschulen gegeben werden 
soll. Da müssen beide in innigster Verbindung mit ein- 
ander stehen, und zwar so, dafs das Princip des Glau- 
bens überall als das vorwaltende, die Sittlichkeit nicht 
blos bedingende und begleitende, sondern völlig durch- 
dringende erscheint. Denn wie im Leben Glaube,^ Ge« 
sinnung , That nicht chemisch von einander getrennt wer- 
den können , ohne ihre eigenthümliche Kraft und Würde 
einzubüfsen , und gleichsam in ein Caput mortuum tiber- 
zugehen, 60 auch in einem Lehrbuche nicht, worin das 
Bild eines christlichen Lebens , nach seinen Hauptumris- 
sen in Wort und Rede gefafst, aufgestellt werden soll. 
Dies ist nämlich die Tde/;, die Ref. von einem solchen 
Lehrbuche hat. Allerdings wird dasselbe seine Ab • und 
Eintheilung haben müssen; aber nicht in der Weise, dafs 
die Glaubens- und Sittenlehre aufsereinander fallen, son- 
dern nach Momenten, die beide unter sich begreifen, und 
somit auch in ihrer Vereinzelung etwas Lebendiges dar- 
stellen« Ref. fühlt wohl die Schwierigkeit einer solchen 



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Arbeit, halt aber die Ausführung derselben » mit gSndi« 
eher Vermeidung des von dem Verf. S. 39. folg. bemerkten 
Uebelstandes für möglich; wenigstens wird er diese 
Schwierigkeit nie als einen gültigen Grund ansehen ^ auf 
dem Wege 9 der scheidet ^ was. seiner Natur nach nicht 
neben, sondern in einander gehört, stehenzubleiben» 
Dafs der Versuch 9 die Glaubens- .und Sittenlehre in sol- 
cher Verbindung darzustellen, bis jetzt noch nicht gelungen 
ist y beweifst nichts für die Unmöglichkeit eines künftigen 
Gelingens 9 wohl aber dies , dafs es leichter ist , ein aifjaf 
demisches Compendium zu schreiben , als einen den reli« 
giösen Sinn des jugendlichen Alters ansprechenden und be« 
triedigenden Catechismus, Ueberhaupt scheint der Ver£ 
viel zu viel auf eine den Forderungen des Verstandes ak?« 
gemessene Begründung, Consecjuei^z und Vollständigkeit, 
namentlich im Gebiete der Sittenlehre , zu bauen , gXeich-« 
sam ala ob der Catechismus vornämlich zur Uebung der 
Denkkraft bestimmt wäre , und das Gemüth für christliche 
Ueberzeugung und christliches Leben gewonnen werden 
könnte^ sobald derselbe in wissenschaftlicher Form und 
Gestaltung auftritt. Es soll damit keineswegs gering« 
schätzig über jenfe Begründung, Consequenz und Von«- 
ständigkeit geurtheilt werden. Bef. weifs dergleichen 
Dinge recht gut zu schätzen und möchte sie auch an einem 
Gitecbismus nicht gern ganz vermissen; allein auf der an- 
dern Seite ist es ihm bis jetzt noch nicht einleuchtend ge<* 
worden, wie durch sie eine Trennung der Sittenlehre 
von der Glaubenslehre schlechthin nothwendig werden, 
noch weniger ^ warum ihnen eben da ein überwiegender 
Einflufs veratattet seyn soll, Wo man die Absicht hat 
mehr -den religiösen Sinn zu beschäftigen, als das discur«» 
sive Denken, 

Was der Vf. S, 45. ff. gegen Spieker erinnert, der die 
Sittenlehre der Glaubenslehre vorangehen lälst, und sich da- 
bei u.a. auf Luthers Vorgang beruft, hat seine entschiedene 
Bichtigkeit« Nur hätte noch angeführt werden sollen, wie 
Spieker sein Verfahren auf ganz andere Gründe stützt, 
als Luther und die Beformatoren überhaupt das ihrige. 
Diese nämlich dachten nicht entfernt dar^n , das Fflichtge« 
bot als etwas von Gott Unabhängiges , lediglich in der 
Autonomie der Menschen Vernunft Gegründetes, durch sich 
selbst Ehrfurcht Gebietendes, änztlsehen, Sie räumten 
also auch der Sittenlehre nicht defswegen den^ ersten Platz 
ein« w^il ^i^ ^^^ i^ Geiste der Kantischen Schule von je« 



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^ PrAciifoiifi Theologie. 

<l«r fremdartigen Beimischuitg entfernt halten) oder ersr 
4urch sie den Uebergang sur Religion finden wollten. 
Vielmehr raht nach ihnen die Sittenlehre , in die Fächer 
jiea Decalogs eingeschoben 9 und überälU ausgehend von 
jder Formel: ,^Wir sbllenG-ott fOrcfateji und lie- 
ben, (« durchgängig, auf dem religiösen Element^ und es 
ist ihr der Vortritt verstattet 9 blos in der Ueberzetigüng, 
daf» sie uns , sobald wir zu dem demöthigenden Bewafst*- 
geyn unsers sittlichen Unvermögens gekommen, am si- 
-chersten zu Christo 9 als dem alleinigen Stifter unserli 
Heils j leiten werde. So dachten sie sich die Verbindung 
-«witschen Gesetz und Evangelium. Durch diese Bemer- 
iimg nun hätte sich der Verf. dert Weg gebahnt zu der 
Untersuchung, ob und wie viel Wahres an der Ansicht uii- 
.srer Reformatoren sey, ob und wie weit folglich dieselbe 
noch jetzt berücksichtigt werden müsse, wenn ein Catechis-i 
'muÄ das Prädicat eines christlich-protestantischen verdienen 
»oll. Ref. gesteht aufrichtig, hier eine JLücke gefunden 
»«u haben , die er um so Weniger mit Stillschweigen' über- 
gehen kann , als es einen Gegenstand betriift , der nicht 
nur von historischer Wichtigkeit ist, sondern auch— 
wenigstens von seinem theologischen Standpunkte aus — i- 
den Kern des Christenthums zu berühren scheint. 

Das oben bezeichnete Streben des Verfs. Vorzugs« 
-weise den Verstand «u befriedigen, verbunden mit der 
Nichtachtung des Unterschiedes zwischen einem Catechis« 
mus und. einem zu wissenschaftlichen Zwecken bestimm- 
ten Compendium der Dogmatik und Moral , leitet ihn hier 
auf S, 60. folg. auf die Irage, voii welchem Princip man 
auszugehen habe, um '.den Glauben' an Gott in einem 
christlichen Hiehrbuche iu begründen. Mit Recht verwirft 
er in dieser Beziehung das eudämonistische Princip, des- 
aen Unhaltbarkeit er luisführlich nach weifst , will aber da- 
für ein anthropologisches geltend madhen , was Ref. ehen 
60 wenig billigen kann. Ehe man nämlich an den Artikel 
von Gott geht, mit welchem der Catechismus ohne Zwei» 
fei zu eröiFnen ist, soll ein Langes und Breites gespro«« 
chen werden über dei Menschen Natur und Wesen, in- 
sonderheit über die Seele und deren j Vermögen, als da 
sind: Erkenntnifs - , Gefühls- und Willens vermögen, darin 
wieder bei dem Erkenntnifs vermögen über die >verschiede- 
nen Thätigkeiten desselben , als Sinnlichkeit , Gedächtnifs, 
Erinnerungskraft, Einhildiiiigskraft, Verstand und Vernunft. 
Verstand aber nennt der Vf. beiläufig S. 57. dasVermdgeit 



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^ Pfteti^olM Theologien f 

das SihiienßQIige^ Vernunft = das Verm^rgeti/ dat^ IJeherAnn* 
liehe SU erkennen 9 über welche Distinction mit ihniwei* 
ter nicht zu rechten i^; ' Ist huntdies alles* genugsam ein« 
getrichtert, so soll man den Kinderii aeigen ^ wld Und 
vnmun (?) die Vernunft unter allen diesen Kräften die 
höchste ist, und alle andern^ beherrschen solL Dadurch, 
meifit der Vf. sollen dieguten Geschöpfe zu der E^insicht g^ 
bogen, dafs die Vernunft, weil sie unsere höchste Kraft 
ist, auch vorzugsweise ron uns gebraucht und ausgebil- 
det werden soll, und dafs wir vor allen Dingen uns zu be« 
mühen haben, durch sie uns immer niefar .Kerintnifs d^ 
Ueberainnliöhen zu veracha£Fen, Ii*rt R^f. nicht , so will 
das sagen 9 ehe man noch an die Glaubenslehren gekommen 
ist, sollen die Kinder, der Theorie des Verfs, schnür* 
strad^s entgegen , einen vorlSußgen Gang in das Gebiet 
der Fflichtenlehre thun, also ietwas anticipiren,' was oben« 
drein aller Begründung ermangelt* Und nun der Ueber- 
garig? — - „Unter all«! übersinnlichen Gegenständen unsrer 
Erkenntnifs , heifst es S, 58. giebt es aber keinen böhern, 
als Gott,' das voUkomn^enste Wesen und den Urgrund 
aller vorhandenen Dinge. Nichts kann uns daher wichti« 
ger äeyn , a]s Gott kennen bu lernen.*« ' Das soll Begrün« 
düng des Glaubens an Gott heifsefn, was offenbar nur eine 
vireithergeholte, dem Kindesalter unverstfiiidliche , unef- 
weckliche und ermttdende Gelegenheitsmacherei ist, ttth 
von Gott zu reden^ 

Nächst dem, wie werden die Kinder sich "überzeugen' 
lassen ,''da{^ Gott der höchste Gegenstand uiist-efr Vernunft, 
und ihn erkennen unsre wichtigste Angdeg'enheit ist, 
wenn sie nicht schon die Idee- von Gott mitbringen ? Brin« 
gen sie sie aber mit, und 'sind uie sich ihrer bereits "be« 
wufst , worauf man mit' Sicherheit rechnen kann ,' indem 
sie , im Schoofse der christlichen Kirche geboren , nicht 
blos von der Zeit, da sie dem Religionsunterrichte gesetzt 
lieh beiwohnen, sondern von ihrem Eintritte an in die 
Welt unter der ununterbrochenen , sie allseitig berühren* 
den Einwirkung dieser göttlichen Anstalt $tehen, »o ist 
wahrlich nicht zu begreifen , warum zu solcher Idee erst 
eine Brücke gebautS werden soll, zumal eine, wie des 
Verfs. seine, die, ihrer Länge ungeachtet,' am Ende doch 
noch einen herzhaften Sprung auf das gegenüber beßndli- 
che Ufer nothwendig macht. Die Idee von Gott ist ein- 
mal vorhanden; sie hat ihre Begründung in sich selbst^ 
auch darJF sie nur durch Betrachtung der Werke der Natur 



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«a P»ctiscl\e \Tiieologte. 

un^der menseliUcben Scbicksaile — för Kinder der veratänd-' 
Jicü«te und aoxieheridste Unterricht *- zu gehöriger Klar^ 
h^^t entwickelt werden 9 um sofort den Glauben an ihr& 
iobjective Gültigkeit hervorzubringeii. J>Ian hat eiiwi Zeit- 
lang den Lehrbüchern der Logik eine psychologische Ein- 
leitung gegeben, den Lehrbüchern der reinen Mathema- 
tik ei^en Kurzen Abrifs der Logik yorangeben lassen: 
will man einen ähnlichen Unfug mit der Antnropolosie in 
unsern Catechismen treiben? Ist man beim chrisuicben 
.Il<?ligionsunterricht für Kinder verlegen um einen schick- 
lichen Anfangs- u^d Uebergangspunkt , der zugleich das 
N^hfolgende, awf die hier erforderliche Weise, wirklich 
begründen kann, so sey es, der Gedanke Hebr. UI, 4* • 99 ^ i' ^ 
jegliches |Iaus wird .von j epiand . bereitet , 
der abet alles bereitet, das ist Gott.«* Und da« 
, init wird man gleich auf den reichten Fleck zu stehen kommen» 
Im Folgenden von S. 63 — 71* erklärt sich der Vf. über 
die Lösung der Aufgabe, den Kindern das Daseyn Gottes 
zu b e Vv.e i s e n , ehe man sich auf die Darstellung der ver- 
schiedenen OiFe)?})arMngs9rten desselben einlälst. £r nennt in 
dieser Hinsicht zweierlei Weisen , eine thetiscfa -ana- 
lytische, und eine genetisch-synthetische, die 
er beide näher charakterisirt und;beurtheilt. ' Am Ende 
entscheidet er sich ftlr die erstere, die auch Ref. für die' 
,rii<:htig/ere hält, sofern nämücb von einem Lehrbuch iür** 
die obem Classen gelehrter Schulen , und nicht von einem 
für den Unterricht 4ör Kinder, in Volksschulen einzüfüh-, 
r enden Catechismus die Rede ist. Da sind wohl beide 
Jni^ht an ihrem. Orte. Denn was sollen die sogenannten 
Beweise von .Gottes Daseyn für das kindliche Geinütb , bei 
dem sich keii^ Zweifel dagegen regt, und das vorerst nur 
das Bedürfnifs hat, die -noch .dunkle Idee, deren es sich 
gar nicht entledigen kann, in lebendiger Anschauung zu 
erkennen? Und werden solche Beweise, wie sie hier ge- 
geben werden können , vermögend seyri. , den Zweifeln zu 
wehren, welche der zu allerlei Sophistereien über Gott 
^nd göttliche Dinge geneigte Verstand etwa künftig erhe- 
ben dürfte ? werden überhaupt Beweise , selbst wenn sie 
diesen Namen verdienen , da/ von einiger/ Wirkung seyn,. 
wo man anfängt mit dem Herzen vom Herrn zu weichen ? 
Man will — . und das wird doch der Verf. nicht in Abrede 
ziehen — ,einen frommen Glauben an Gott bei den 
liind^n erwecken. Dazu aber bedarf es keines künstli» 
eben* Apparats von Beweisen., ^ sondern, wie schon be« 



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Zc.tscimü fSr g^ild. evang. ChriiC 4. Q. 9 

merkt f nur .einer klaren» gemfithvollen Exposition des* 
sen, was die Idee von Gott in sich schliefst; ja qaan ver- 
dächtigt und erschüttert durch solche Beweise bei Kindern 
die Realität dieser Idee, ohne dieselbe nachher durch das 
Spiel aait Reflexionen — - denn auf etwas mehr^ als auf ein 
Spid läuft es nicht hinaus -» wieder feststellen su können. 
So sieht es mit des Yerfs. Grundansicht über christ- 
lich* protestantische Catechismen aus. Ihr Charakteristi- 
sches besteht , wie sich auf allen Seiten seigt , darin ^ dafs 
sie eine 9 vornämlich durch Untersuchungen des Verstandes 
▼ermittelte wissenschaftliche £rkenntnifs des Christen- 
thums fQr ndthig erachtet 9 scilicet^ um einerseits dem un- 
pTotestan tischen Auctoritätsglauben zu steuern 9 anderseits 
aber den Kindern gegen die Ansteckungen des Judaismus^ 
Muhamedanxsmus , fohismus^ Lamaismus und gegen alle 
andern Ismus und Asmus ein tüchtiges Präservativ in die 
Hand zu geben. Ref. kann sich wegen des beschränkten 
Raums' dieser Blätter auf keine weitere Kritik einlassen 
zumal 9 weil er sonst selbst ein Buch schreiben müfste^ 
das an Umfang dem des Yerfs« kaum nachstehen würde. 
£r läfst gewifs dem guten Willen , der Belesenheit , dem 
Scharfsinne 9 der Darstellungsgabe des Yerfs. alle Gerech- 
tigkeit wiederfabren , bekennt auch mit pank,' im Einzel« 
nen viel Tre£Fliches in der anzuzeigenden Schrift gefun* 
den zu baben. Dennoch hält er die Tendenz des Yerfs« 
im Ganzen für verfehlt und den Standpunkt, auf den sich 
derselbe gestellt^ ft\r einen solchen von dem aus sich nie 
ein wahrhaft -brauchbares christliches Lehrbuch für den 
Religionsunterricht in Yolksschulen entwerfen läfst. Und 
darüber glaubt er sich in (fieser kurzen Anzeige genügend 
ausgesprochen zu haben. 0« 



Zeitschrift für gebildete Christen der evangelischen 
Kit che, {in yerbindung mit den Herrn CR, Aiugusti, Bruch, 
Küpper, Möller ,• Nattörp , mit Prof, Dr. Nitzsch, GenereU^Sw 
perint, MoJ's und Prof Dr, Sack, herausg. von Dr. J, C. L, 
Giescler tmt Dr. F. Lücke, ord, Professaren der Evang^ 
Theologie an der ( Prtsifs, ) Manuniversäät. Erstes Ueft^ 
Elberfdd i8:l3. h. Büschler. idy S. in 8. 18 Gr. 

Der Zweck dieser Zeitschrift ist; über alle Yerhält- 
nisse unseres kirchlichen Lebens , insbesondere über die, 
weiche gerade in dieser Zeit auch in gröfseren Kreisen be^ 
sondere Aufmerksamkeit auf sich gezogen haben ^ über 



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ta teitMirift für geLild. evang. Christ; t; U. 

'Welche mancbe^ef M^iniingen , Itücli Mifsvei'stäädnisse im 




Zu den Gegenständen , ivelciie gegenwärtig eine h^ 
sondere Berücksichtigung verdienen , rechnen die Verfas- 
«er besonders die neuesten Angriffe catholi-- 
)'cher Schriftsteller auf ^ie evangelische iKir- 
Cheünddie HeformatioTi^* die Verhan'dldingen im 
Innern der evangel. Kirche' über die Uni öti d e r b i s « 
"her getrennten Gonfes's'iönen^ über Kirchen - 
Verfassung, Verb esiser ung des Cultus, und 
die Ve^^tfctiiedenheit der dogmatischen Sy- 
'Stern e. 'Auf gelehrte Erörterungen wird so weit verzich- 
tet 9 als. dieselbe liicht zur gründlichen Beweisführung für 
tfie Hauptsachen nothwen4ig sind. Keineswegs übet wird 
^um Charakter d'er Zeitschrift seichte Popularität gemacht. 
Welche den StQ£F nach dem ' Bedürfnisse ÜRrei; Form mifs- 
tandelt. Auf der Ändern Seite aber Wird auch, wie die 
Heraiisgeher trSfti^' und bestimmt zusagen^' fein et in 
dunkeln Id'e'e.ii und GeftJ.hlen schwärmende 
li e h r t o n , der ii<!;h leider hin ' upH wieder "h^ren läfst, 
ein (Ht alleiAdrv'erljanht. „Da)j , was deutlich gedacht ist, 
Icann auch' für die Fassung jedes Gebildeten deutlich aus- 
gesprochen werden,«' wenn iuir die technische 'Termino- 
logie und die nCthigen Vordersätzfef ; welche bei GeljBhirten 
vom Fache voräusgesetaSt weiden können , gehörig ent- 
wickelt werden. 

Kürzere „ Mittheilupgen <• betreffen ' ausgezefchnete 
öder merkwürdige Schriften aus dem Gebiete der tljeolog. 
Literatur, kirchliche Neuigkeiten* mit den riothwendigen 
Erläuterungen , Bericht! gungefi historischer Unrichtigkei- 
ten, welche in neuerh Schriften Ober kirchliche Dinge äl- 
terer und neuerer Zeit laut W4»rden, besonders sofern 
«ie fQr die evangelische Kirche eigenthümliches Interesse 
haben. , * 

Der Inhalt des 1. Hefts, zeigt, dafs die Yerff. und 
Mitarbeiter ihren Blick au£ das Zeitgemäfse gerichtet ha« 
ben. Sehr w^nschenswerth ists, dafs Übe^ das^ was 
Zeitbedürfnifs ist und was , eine manchfache Vielthätig- 
keit in die Zeitmeinungen einzuschieben versucht, ,das 
Dafür und, Dawider so ausgefilhrt werde, wie es auch 
nichtgelehrte, 'denkfrohe 'Zeitgenossen durchdenken 
könneir. Dennoch ist der Ton der'Abhb« nicht polemisch« 



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In dem su Bonn erseheinenden ApoIog«ten Wurde, /sum 
Beispiel naxnentlich gegen Gollegen von dex evan- 
gel. Confession geschrieben* Hr. JDr. LtiStck-e erlflutert 
dagegen, hier den. oft gemifsdeuteten , g^g^>^ eine Stelle 
•US Mani*s Epistola Fundamenti gerichteten Ausruf Augu« 
stins: Ego vero Evangelio non credereni) nisi me catho* 
Acae ecdesiae coounoveret ( Einige : commoneret } aucto« 
ritas, sehr bündig , aber mit der löblichen Delicatesse^ 
welche alle persönliche Besiehung vermeidet* Die römi- 
sche Kirche, so bestimmt S* 53. Hr. Dr /Lücke den Streit« 
Eunkty stellt der für unzulänglich und dunkel gehaltenen 
eiligen Schrift die Tradition des nicht geschriebenen 
cötdichen Wortes theils ergänzend, theils erklärend zut 
Seite ^ an Würde aber völlig gleich ; sie unterwirft beide 
£rkenntnifs<{uellen der höchsten richterlichen Gewalt dei' 
Kirche 9 dergestalt dafs sie erst von dieser, als dei: unmit- 
telbar von Christus vor der Schrift gestif|:eten , vom heili* 
gen Geiste stets erfüllten Gemein schart, der Gläubigen» der 
untrüglichen Wächterin aller Offenharungen Gottes ihre 
Haltung und das Maafg ihres Ansehens empfangen ; und 
damit über der kirchlichen Autorität Nichts, unter 
ihr aber Alles sey, &o hat sie dieselbige auch noch zur 
al^jingültigen und in letzter Instanz entscheidenden Ausle- 
gerin der heiligen Schrift und Tradition eingesetzt.. Die 
evangelisch - protestantische Kirche befreit dagegen auch 
die Auslegung der heil. Schrift, von den Banden der kirch- 
lichen Autorität völlig, indem sie der bermeneuti sehen 
Kunst und Wissenschaft, sofern dieselbe unter der Lei^ 
tung des heiligen Geistes ihr Amt gewissenhaft undge^» 
setzmäfsig verwaltet , das volle Keclit einräumt ^ :über den 
Sinn der heiligen Schrift in letzter Instanz zu entscheiden. 
Es ist leicht eihzusehen, dafs in diesem Unterschied eine 
Hauptquelle aller andern Unterscheidungslehren der evan- 
gelischen und römischen Kirche ^u suchen sey. Wie die 
römischen Theologen in ihrer Art, das Verhältni£» zwi- 
schen der Kirche und der heiligen Schrift zu bestimmen, 
eins der sichersten Fundament^ ibre3 Lehrgebäudes zu ha- 
ben' glauben, so bauen wir auf unsere Ansicht von der 
Sache nicht nur das Bedit der ursprünglicl^n und immer 
fortgehenden Reformation ^ sondern auch die Wahrheit, 
Freiheit und Reinheit unserer Kirche und Lehre. 

Hr. Dr. Lücke zeigt ganz richtig» dafs die oft au« 
dem 2^usammenhang herausgerissene Stelle (des patristi« 
ichen Rhetörs) zu der spitzigen £olexoick Augustins go^ 



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i% Zeiucurilt f3r gebiJd. evaiig. Ciurist. i« Ü. 

hörty weldbe wohl den Gegner stützen machen und ver^irir— 

f Ten kannte, aber eigentlich sich seihst verwirrte. Der N'ach— 
denlceitde glauht, dafs die Schriften desN^T. uns den ächten 
Inhalt des Urchristenthums Überliefern^ weil sie von gleich«^ 
seitigen Sachkundigen . abstammen. Diese Abstammung 
aber glaubt -er der histori^hen Ueberlieferung der dem. 
-Ursprung nSheren Kirche, insofern er von dieser Ueber«- 
Jieferung derselben , nach verständig erweislichen trtl- 
f ungsregeln der historischen Kritik , einsieht , dafs sie die- 
ses geschichtliche selbst auf glaubwürdige Art wufste und 
fortpflanzte. Augustin hält nun den Magusischen Chri« 
sten oder Manichäern entgegen : dafs aber die Kirche, 
welche (geschichtlich) ihm das N. T. glaubwürdig mache, 
ihn gegen die Manichäer warne und dieselbe ihm (philo- 
sophisch-dogmatisch) des GlaubeilS^ unwürdig darstelle. 
Wenn nun Mani wolle, dafs er ihn um des N, T. willen 
für einen Apostel Christi achten solle ^ so könne er, Au- 
gustinus , sich auf 4^eBe Beweisführung schon deswegen 
iiicht einlassen, weil eben die Kirche, welche selbst ihm 
das N. T« (historisch) glaubwürdig mache 9 ihn gegen 
Mani (im philosophisch -dogmatischen Sinn) warne. Der 
(grofsef) Dialektiker schliefst nun: £r müfste entweder 
ohne die v(historische)iUeberlieferung' der Kirche d*ni 
N. T. selbst nicht glauben und alsdann sich auch von den 
Manichäern nichts aus dem N, T. beweislich machen las- 
sen, oder aber gebühre ehen derselben Kirche in ihrer Ue- 
berlieferung sowohl für das N. T. als wider Mani aein 
Glauben mit gleichem Rechte. Die Sache genauer beleuch- 
tet, erkennt man also in dem spitzig scheinenden Dilemma 
des Gepriesenen nicht den grofsen, sondern den sich selbst 
veHvirrenden Kunstdenker, dessen Häsonnement nur dann 
richtig wäre, wenn die Maxime gälte: Wem ich in Ei- 
ne r Art von Ueberlieferung ( in der historischen nach kri« | 
tischer Prüfung ) glaube , von dessen Ueberlieferung mufs 
ich mich, auch wenn es eine andere (die philosophisch- 
dogmatische) Art von Wahrheitforschung betrifft, leiten 
lassen» — -^ — Und so ists, wie Rec. hinzusetzen mufs, 
gewöhnlich mit den bewunderten, kunstreichsten Argu- 
mentationen dieses Vaters so vieler dogmatischer Mifs- | 
friffe, welcher doch bald schwachdenkende bezaubert, | 
ald verwandte Subtilitäten-Freunde an sich zieht. Indem 
JNichtunterscheiden des Aehnlichen, aber doch nicht Identi» 
sehen , und in dem rednerischen Verwickeln der nichtiden« ' 
tischen Begriffe durch den Schein von Identität besteht fast 



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Zeitschrift für gebikl. evang, ChtUi, i* H. iS 

immer jene überrliscbende und wie mit Fesseln bindend 
scheinende Spitzfindigkeit » welche diejenige anstaunen^ 
die sich trotz aller Warnungen der (verwünschten) Logik vor 
der quatemio terminorum (vor dem Vertauschen des Aehn* 
liehen mit dem Identischen ) nicht genug in Acht nehmen. 
Solche Netze einer 'falsch berühmten Kunst sind, wenn 

Sleich nicht durch ein Zerschneiden , aber desto sicherer 
urch Auflösen der Knoten in das 9 was sie sind, in uA«- 
haltbare, unzusammenhängende Bruchstücke zu verwan* 
dejn ; vrie Hr. Dr. Lücke hier sehr gut gezeigt hat. 

Hr. Dr. Gieseler giebt in gleichem Sinn No. V. Ge« 
geneinanderstellungen ultramohtanischer kathol, Polemiker 
und teutschkatholischer Lehrer i^d Selbstdenker. MOgen 
nur diese achtbare Mitforscher die Achtung gegen Autori« 
tity als Leiterin y von der Anbetung derselben als infallib« 
1er Entscfaeiderin , desto heller unterscheiden, je mehr^ufs 
neue jene Gegensfitze^ von dem kirchlichen Herrschergeist 
begünstigt, für acht katholisch gelten wollen. AudivH« 
die Notizen über einen dem Dr. Luther (nach dem nach« 
ahmungs würdigen WeisTinger aufs neue durch Hrn. v. Ma* 
stiaux und den Maynzer Katholiken) untergelegten Sohn^ 
Andreas, und VUL kurze Anzeigen der neuesten für die 
Geschichte der evangel. Kirche merkwürdigen Schriften 
sind von diesem geschichtlich forschenden Theologen« 
Auch XU. der kurze treffende Auszug aus der Litt. Ztg. 
fiar kathol. Religionslehrer, mit eingestreuten Bibelsteyf- 
len, (als der kürzesten Interlinear -Berichtigung) und IL 
Erinnerungen, an den (durch die Universal -> Inquisition 
Fius des Y. 1566 martyrisirten )Aonius Falearius sind 
von gleicher Tendenz, Dieser^ Aonius ists, der auch die be* 
deutungsvolle Unterscheidung, nicht blos Christi Ver- 
dienst j sondern seine Verdienste ( merita} kennen und 
verehren zu lernen, frühzeitig bemerkbar machte. Wir 
bejammern einen Servet und die wenige, von dem Geist 
des Protestantismus ewig zu beklagende Opfer des ver« 
irrten Glaubensrichtergespenstes. Woran aber liegt es 
denn, däfs noch jetzt die, welche in der rdm. Kirche für 
entscheidend gelten, die tausende solcher Opfer noch nicht 
fdr Molochsopfer halten ? dafs von der Glaubensarmee so- 
gleich auch der Grofsinquisitor zurückgerufen und, da die- 
ser nicht nachfolgte, eine nicht blos politische sondern zu« 
gleich kirchliche General - Folicei • Intendanz eingeführt 
wird ? Kann dem Wahren ein solcher Qegensatz so unier« 
trenn] ich anhangen ? ? 



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14 VVeiaiieri pMlmaiv 

I • UeBrigens verfehlt schon der Anfang dieser Ze itschrif t 
nicht, auch andere Gegenstände, "wie I« die in den Grund- 
sätzen der beiden protestantischen Kirchen gegründete 
Union durch eine Abh. von Gieseler^ und III. einige My- 
1;hen der Kirche (durch sinnreiche Combinationen von Dr. 
Augusti) "zu beleuchten. Mögen so würdige Mitarbeiter 
lange recht vieles Wahre und Gute acht popuiarisiren, d. i. 
durch kräftige Deutlichkeit in weitern Umlauf bringen. ^ 
, H. E. G. Paulus. 



Die Psalmen. In gereimten Fersen übersetzt von Franz Joseph 
JVeinzierl, Domprediger zu Hegensburg, Suhbach b. SeideL 
8. 358 S. i8a4. ^ FL 

Die Klagelieder des Propheten, Jeremias und die übrigen G e - 
sänge der heiligen Sehr ift , in gereimten Fersen übet - 
setzt von F* J, fVeinzierl, — Ein Anhang zu ^Dessen üben- 
setzten Psalmen, Sulzb. b. SeideL i8^4* ^ ^ ^^ ^< 

Des Yfs. Zweck Ist mehr die Erbauung ^ als das voll« 
ständige Uebertragen des Textes. JDoch weicht er von 
diesem nicht zu weit ab^ giebt vielmehr, mit Leichtigkeit 
im Keim , den Sinn ^ allgemein verständlich und anwend* 
bar. Die Vulgata liegt ^ wie sich von selbst verstehen 
mag 9 zum Grunde, zugleich aber wird auch des Verfs. 
sonstige dogmatische Ansicht , mehr als bei einer Ueber- 
traguiig des alterthümlichen Sinns erlaubt ist^ hineinge- 
legt. Nur ein Beispiel aus Fs« 2. : 

Jehova's Wort hat sicji zu mir geneiget : 

Du bist, Mein vielgeliebter Sohn. 
Aus Meinem WeSen hab* ich dich erzeuget^ ; . 

Am Heut* der Ewigkeiten schon, y 
Auch dieser Verf. bemerkt also nicht , wie weAig 
auf das geistige, nicht gewaltsame Reich Gottes durch Je« 
sus jenes alles anwendbar wäre, wenn der Psalmist an das« 
selbe gedacht und doch ausgerufen hätte : 

„Begehr*! Ich gebe Völker dir zur Gabe. 

Der Erde Gränze sey dein Thron, 
Beherrsche sie mit einem Eisenstabe, 
' Brich sie, wi6 ein GefäO von Thon;** 
Das Evangelinm Jesu und ein Eisenscepter ? Wie 
wären diese identisch ? 

H. E. G, Paulus. 



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Phalaxidia ßpistolae ß^ O. H. Schaofef. i$ 

fkalaridis Epistolat. Latüuu ftcit et intevpositü CaroU ßojrU. 
H'ttis , c» »tiunentario iüustravil Jo annes D unitl a Lennepm 
Mortuo Lenncpio , ßnem-operi imvosuit , pmcßuiovem et aeinota^ 
tiones {puisdam praeßxit Lt C» Kalckenner. Editio altera,* 
textu pnssim reßcto correctior twtisrfue tuUlilis (tuciior. Cta'avit 
Godufr, Heni\ Schäfer. Lipsiac apud GeHturätmi J'^L-iscfie» 
nun. JinCCCXXJIL XXriII tuul 4 J4 S. in ffr. 8. a TlUr. lu r>.' 

Herr Scliäfer^ der bereits darch mehrere fllinliche Ab« 
drficke von -wichtigen holländischen Ausgaben ^ deren SeU 
tenhelt neben ihrer Brauchbarkeit, ja Unentbehrllchkeit, 
forden Philologen in unsern Tagen höchst fühlbar gewor*. 
den war , einem lebhaft gefühlten Bedürfnifs abgeholfen, 
hat dnrch die Besorgung vorliegenden Abdrucks den Dank 
alJer Freunde des Altertnums zu erwarten. £s schliefst sieb 
derselbe in Absicht auf Sorgfeit und Genauigkeit früheren 
ALdracken der Art an 9 er ist nicht minder reichlich ausge« 
stattet durch eigene Zusätze, wie sie uns bei des Heraus. 
gebers Scharfblick und feinen Kennersc^iaft der griechi« 
sehen Sprachen nur erwünscht seyn konnten. Möchte er 
U08 noch ferner mit einer Heihe solcher Ausgaben be« 
schenken! 

Es geht dem Ganzen voran: Valckenaerii Prae« 
fatio in Phalaridis Epistolas Lennepii, wobei sich 
gleich S; IX. eine Berichtigung von Seiten des deutschen 
nerausgebers findet. Dann folgen: Testimonia Ve* 
teruniy q[ul Phalaridis, ut Epistolarum scrip- 
torisy mentionem faciunt. Auch hier zeigt der 
Herausgeber, wie das aus Tzetz. Chil» XH» 461 entlehnte 
Zeugnils auszuscheiden^ dagegen ein anderes aus den Scho« 
lien zu Aristoph. Plut. l42 hinzuzufügen sey. Daran schlie« 
fsen sich Li, C. Yalckenarii Adnota tiones in Epi« 
stolas ficti Phalaridis et .in observata Len« 
nepi i mit einigen eingeschalteten Bemerkungen (S.XH — 
XXVIII.). Darauf erst Phalaridis Epistolae. Zahl- 
reiche Bemerkungen des Herausgebers sind Überall in den 
Noten Liennep's eingestreut^ ^bald gröfser^ bald kleiner^ 
theils bjerichtigend die Behauptungen Lennep'^ , theils er- 
läuternd 9 und durch nähere Nach Weisungen bestimmend^ 
theils die ältere 9 mit Unrecht angefochtene Lesart verthei- 
digend, theils in schwierigen verdorbenen Stellen bessere 
Lesarten vorschlagend. Manche Lesart» findet sich auch 
im Text berichtigt y was jedoch in den Noten stets ange« 
zeigt wird. Man wird auch nicht umhin können 9 Hrn. 
Schafer meistens ohne weiteres Bedenken beizupflichten. 



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16 Laurop» Jahrb. d» Forts- o. Jagdwiss. 

So hat sicli der Herausgeber 9 indem er un$ das frtlhere 
vollständig und genau wiedergiebt^ dabei es aber auch mit 
eigenen Zusätzen (die indeis stets durch Klammern ge« 
schieden sind) berichtigt und vermehrt 9 doppelte Ver<« 
dienste erworben. Die Seitensahlen der Sltern Ausjgabe 
sind überall am Rande beigefügt, so wie auch am Schlüsse 
der fünffache Index I nach der Seitenzahl der altem Aus« 

fabe. tn dem letzten oder fünften Index Herum et V evm 
orum, quae in notis explicantur^ hätten audi Hrn 
Schäfers Bemerkungen hie und da mit aufgenommen wer«» 
den können* Druck und Papier sind übrigens befriedi« * 
gend. 



Jahrbücher der gesammten Forst* und Jagdwisseri' 
Schaft und ihrer Literatur. Herausgeg, tfonC» P, Lau- 
rop. u Jahrg. ns Heft. Heidelberg, &• Groos. 1823« 



Das '1. Heft ist in No* 32. unserer Jahrbücher vom 
vorigen Jahre angezeigt worden. Im 2ten findet man an 
Origmalaufsätzen die Fortsetzung der Beschreibung dea 
Spessarts (worüber nun von Behlen ein ausführliches 
Werk erschienen ist)» und des Tagebuchs einer Heise in 
den Schwarzwald, femer 7 Hecensionen und eine Nach* 
rieht voii der Zerlegung dreier Bodenarten im Tübinger 
Forst. Würtembergische Dienstinstructionen sind S. 33 — 
90. abgedruckt, -die Weimarischen S. 95—126. im Aus« 
zuge mitgetheilt. 



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N.2. • -- •■• ••• ' 1824. 

H e i.d e 1 b .e,r^ e r 

Jahrbücher der Literatur; 



Neueste Einrichtung: de^ käthöiitc'h&U' Kirche Hwkse dt 
in den Könige, Preüfe, Staaten, ^«r pUpstUckb iftih 
vom id. Juli i8ai ^nd'Königl, Sanc^n cUfmlben mit eiiur. Ein^ 
kumg geschichtU<^^n un4 erläuterndtin Inh^s, J^ranÜurt a, if. 
wder Andreitiaoken BuchhancÜung^ i8a2. 8.;ia5 S» fS^ Kr^J 

Die im (refplge d^r fratizd/siltfcheri ReVolution herbei« 
jeffihrteii und durch VdenR^ichsdeptitdti6ji;jbauptsc1ilüia 
»anctionirten Verilndei'urigeri iri Döut'iöhland hatten' li^- 
nientlich auch ftlr d|e katnöliilche Kircliei Deüt3Chland$ die 
nacbtheilksten Fölgeii,; ' M^t AiJürmlmle jder östreichiicHen 
Lande und einiger iireüfsischen PrbVifi25eri wurden fjigt W|fe 
Rstliumer, Stifte und', Abteien iSoiiJaristrt und hiördurth 
lam ein^e « jabrlichid Einnanitie ' vöti mettr /ali . 41 MillioneÄ 
Gulden iri weltlicl^e tiknde. ' Zvv^ar hatte das*ell\e Ileich^- 
jesetz den Forsten eine V'erWertdutig «aculariüit-ter iGöV^l- 
Z'ir festen nnd bWlieild'erf Ausstattung derJ^nrgjSn'poitttir- 
cb 2tir Pflicht .'ÄeraiiclitV ^j^elclle.' ^^dx-Zlen bdibeliujteirt 
Verden;* ciie n'acnioljgepdön Zeitei-eigni^ÄÖ,' welchö' «'o^si^ 
^'e Auflc^jiung dös. dfeutÄiAen Reichs bevfirkteii, verhindfer* 
ten Jedoch die AhsfttKrudg und es kkta; tiUf die Vorlegung 
<!« erÄbischöflichen SitzÄ au MxVpt jttlic^'Hegefiibürg'iJU 
Stande. Noch viel tV^riiger lielsen' die irtiTsetordeniüicHört 

Eolitischen Um Weisungen während der Herrschaft Napoi • 
ons eirie thatige' TheiJVäbpie an äeiA 2 er i*Ütteteit Zu- 
stande 'dtei? kathdJidcht^ Kifcbenangelegenlieiten zu. Auf 
^em Wiener Con^rqÄSÖ M^urdfen dahör^. liam entlieh vom 
papstlithön Legateji',:^ die^ drlngertdstefrt VorAtqllungesjr in 
«iejer Binsicht Vemacht ^ es tVaren dieselben jedoch «d 
Welt umfassend ,^ dals öian es vorajog ,' dief Sache votierst 
noch luicfrörtert ?ü lassen, i. , . ,. . . 

Indessen ^ard das Bedürfnifi» einer neuen Organi^aji« 
tlön der katbolischert Klfcbe nach wiefderhergestellter Rirhi; 
J? Deutschland immer dtin^eiider- ßs wäi'en mittlerWeilö 
jie meisten Bischdfe gestorben und bei der »ö sehr verän^ 
werten Staateneinrichtung auchte man auch die neu eitizxu 
WH. Jahrg. 1. HeÄ. • • ^ 

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i^l^.ilf^ J^ l^ifi. H^pf^^i l^ofi prewl»i«fcb«« Seile Mß: Xjn* 
t^^}^^d}ungen mit .depai r.<Mn« S^ubJ 4ur€h. . «inefi deir ^«u«^^- 

x|fe^ .. Eü^^A^K^H^g • 4^S;L.)katl)olM*5feei>, ItM?ch«»J»te4^PJir f^ixm 
gi:0fsji;ei|i fiedOrfnisSie: ip achte. .W^brehd -dei: pettf^^nlichen 
An«irje#enh^it ,;de*j StaatÄkanxIers» von Hardenberg: . ilt,iR.Qm 
wurde die letzte Hand zur Üeber^inkunft.mit ddm 2a^te 
Wi^}^%h wd^i^Ofg^lßbien de^ 16. Juji .|83i eine pfttustliche 
j^r^lle;,. worin ;44eJ^fiWichefif,A|igftlfigP»]beitien JPreujCsens 
»?gwRr,t('Jwtirden und. welchern4Är,;,Kd^g .den> 23* AvUgust 
löJi diiß: §ai?jctfpn;;^r;tlieUte rM^t^f a«a^ri>cklichettit.Vprbe-? 
bftlOf F: M^y^xjiti^t^^h^ uä4 luibe^f^a^ der 6T«»ge)i9i:beiik 
Hirj^köj des Stallt^.. ,^,:u _.. r -.; rii.H ;.:h , ' '.- ^ •,:.-, . 
.^ Beide Actenatücjce ^pl^hlüt iie,V0tiief^^ni^ Äqfci^ft auj» 
4er Geaetz^aaipiliiuig jfftr die Rdmgl 1 Er^.uft . 5t^cKesk> iö2 1. 
^€i* ih^t- und , 3}Wdr die BjuU^ in lateiiüMcbea' Sprache; .Mild 
de^^9ti/sriafjiciQl}€i;;I^jj^^r»etBung|\^ iin dieB^n^ Ab« 

4^uiB^ft{ßin, und ^i'^4?'^i!^®'^^«saei^^ i^t<. .4ujE»er4ein i$t a^ber 
nel^h'i^lfe E¥^.I^^^^^'f^^P.^.^^>^®^^U"^ ' d^l^ neuern ,Scbii(<k^|^ler 
d^/ k^l^pl til^if che i^, Peut8/chlaY)4 u.M. ^^ne ]purze Uejber-« 
»iph^l) 4fi8. 1?bf»lU , de?: ,g|[p«tjicben: ^JÄ^ vorau»ge^bÜckt#, ,und 
d|^^i@knleitu:ag ^eicl^et $ich 4HFPh 4ie SadbkenmnU'a und 
Ii§ä|ipr)gupg.ibi;^8 Vis^ j( des bekaws^n PtAliöi*t59n Kl üb et, 
trtefl^fC? sich Bj;innert . gelegen ii^ijr.Jiaben) • spfer troi^beil* 
h9f^]B|Lipi« :; pie .Hs^up^data sind acbo^O^en imits^tbeilib wor^. 
aen.uirid Kec. fientdahee.togjeicsb^ziii; nKbei^n JDe»€Jb|]*^ibung. 
dpTöpäpsti. Pal|.e,Äber. , ' , 3 . ^ 1 .. I 

. .ii.i:Sc\ion die. Form ^ ifi Welcher j]xe.peb,eteinkut)lt^.t^reu«* i 
U^^jt^xx\\t 4em röm« jStuble ausge^rÄ^k^ ist 9 verdient eine 
nib^r!^,Bqfracjbtu|;gv JVIit Baiern utyd apdren, katholischen 
StAfli^ci^i^^ eiAfärailicb.esCoBC0rdatsr^ge^bk>sflfen; fürPreu- 
£sieo <l|^t dagegen der, F^pat eine vom j^dniAeaanctionirte Bulle 
qf]a%^en} . ebensoj^taucb mit Polen k^inConcordat geschloSi^ 
^n^rund aus den> AeuiseruiTgen 4es Papste^ bei den V ei^liand^ 
lu|}gi9l der vereinigten proteatanti^chjen Fürsten wird ea 
klar^ dals er e» v^erm^^det,, mit nicbtcatbo)iachen Re^ei^un-* 

tj^^ e/ij,solf;b.^3 fip* uneben (S. neue9J^e. Gruiidl^g^n u,;». w. 
.f,397*).' öer,yf/ der rorUegen4en Schrift bem.^ict;mit 
ELeahti^ dal>.,e$ ,iii ;lj;^Jnem Fall;» jlp)i;ie|\4e Mühe s^y,| auf 
^ ' förmlichem Coiicordat binz^u^rb^it^^n. ,^ d^fm , \ Rec.^ ist 
überzeugt ^ 'dals.iiei dem cpn8^<}u<^n.t|en Festhalte« der cu- 
rialiaiti mpben Gru^dsäOse von Seiten 4.€ft Papstes nothwen- 
4ig s^hon in der Abj^«ss^ng dep ^qrte eine# Cozicordats 



-*. 



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mandia Nacfatheile Vielen | welche ^e ^ät}iclie Mddit 8U-> 
zugeben scheint , da da« Concordat auch ih ihrem^Natnen 
erscheint, während bei' einer Mofsän'*pabttl»; Bulle dlif 
König von Vteuüen den Ausweg i&nden könnte, ' nxit die 
sathlicfaen Verfüg^ungen derselben zu sahcfeionirert, 
abgesehen davon ^ dlafs bei einem Solche Yerfahren 'üib 
Verhandlungen sehr abgekür&t werden« 

Durch die ncuie £inrichtuiig sind fiir Preufsen 2 Ers« 
bischöfe und-6 Bischdf ef angeordnet, der Erzbiischof 
der vereinigten Kirchen von Gnesen tind Posen nftmlich' 
und der von Cöln; die Bischöfe von Oakn^ Brealau, £r« 
meland, Trier, Möinter und Paderborn; da jedoch die 
vereinigten Kirchen von Gnesen und Posen noch immei^ 
zvrei besondere bischdfliche Sprengel mit eigenen Öoiiica- 

titeln bilden und jeder Erzbischof auch einen besondern 
ischöftichen Sprengel hat , so ist das ganse Königreich in 
9 bischöfliche und 2 erzbischöfliche Sprengel eingetheilt 
mit Aucnaliine der Grafschaft Glate und eines kleinen Theils 
von Oberachlesien » welche noch jetzt unter Östreichischen 
Prälaten stehen, während alle übrigen Theile der Monar-r 
chie der Verbindung mit fremden Erzbischöfen und Bischö« 
{en enthoben sind. Dem Era&bischofe von Cöln sind als 
Suffragane die Bischöfe von Trier , Münster und Paderborn 
untergeordnet; dem Erzbischofe von Gnesen und Posen der 
SischoJ: von Culm, während den Bischöfen von Breslau 
und Ermeland ihre bisherige Exemtion erhalten wurde. 
Vergleicht man die Anzahl der Erzbischöfe und Bischöfe in 
Preufaen mit denen in Baiern, so wird man finden, dafs 
sie ganz gleich ist ; da jedoch Baierri überhaupt nur 
2,600,000 XDatholiken, Preufsen aber über 4 Millionen 
zählt, ao zeigt es sich, dafs Preufsen in dieser Hinsicht 
dem Vorwurfe entgangen ist, welchen man dem 'Baieri* 
sehen Concordate wegen der vielen darin angeordneten Bis« 
thümer gemacht hat, — Die Bischöfe und Erzbischöfe werw 
den nicht wie in Baiern vom Könige vermöge päpstlich^pn 
Indults ernannt, sondern es ist der deutschen Kirchenver- 
fassung gemäfs das Wahlrecht den Domcapiteln erhalten 
worden. Hinsichtlich der erzbischöflichen Kirche zu Gne* 
sen und Posen (deren Capitel zusammen wählen^ und der 
bischöflichen von Culm und Ermeland enthält sich der 
Papst etwas Neues zu verfügen, und es bleibt hier bei dem 
bisher bestandenen entscheidenden Mitwirkungsrechte des 
Königs ;^ hinsichtlich der Kirchen vgn Cöln, Trier, Mün- 
ster. Paderborn und Breslau sind dagegen nähere Bestim« 



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öiW§W IgetroffW .«T/^orfäep. Die ,w4EUkfc#it imct i^reiCh^ 
m^QPki «ollen j^^iplicb ])ei.jedei: Erledigung J^ii|Qßii»3. Mo-* 
^at^n. eitlen mit rd^p ^nonischen: Erfurdernia^en, ire^atebio^. 
u<^n p r e u Ia i ft cti e.n .Geistli^heiv ohi^e RüQktipht..ai#f S|:arL^ 
i^lidii^UQhe Geburt i|n,d ( was ebenfalls sehr ^w^dc^m^fsig 
ilLt) p.bfie yi|1:ef^j{^d i^iJri.^cben ßl^isioi} und FpsCulatioo. 
gebörig wäblen. In; einem b^«on4ern 9;icbt d&n^li^b be^ 
k^pfit[geinachjtea;Bi7ere<i^e;9 ihnen jedoqbi M?iQ:^«r Verf. 
4/9r JE^leitiuig, aBgii^t» zur V&i^kt ^eina^bt, nur solcha 
F^TSQJien XU wlblen» {Welche de^ Kdnige angenebip ^sii^d 
ux^d sieh hiervon y a ? der feierlidlen, .Wahl zu versichern« 
Gleichsam bei)äu£kg,bi8^t der Papst in der Bulle ein altef i\.e- 
%e;cvatre4:ht bei dieser Gelegenheit wieder erneuert , ii^deca 
er .das Wahlrecht: nur auf Erledigung der Bisthüm^r qi^txsk 

Rpm^am. curiain festsetzt. Ydn.der^ gröXspen Wichtig- 

)E.eit ist das päpstliche Recht, die erwählten £i$chö£e &ix 
bestätigen^ weil durqb die beliebige . Verzögerung .oder 
Verweigerung der Con^rqiatiQn..der Papst selbst noch iu 
der neuem- Zeit bei jedem .Streite mit. den Regierungen 
(^ch wegen weltlicher Angelegenheiten} zum Nachtbeil 
der Kirche, die 3pitze zu bieten gewufst hat; Es.ist da- 
her ein dringendes Bedürfe iJTs fi^r das ^ wahre Wohl der 
Kirche 9 diesem Rechte bestimmte und unschädliche Grän« 
zen ^u setzen. Bekanntlicb wuf^te Napoleoi^ nach jahre- 
langem Bemühen endlich die Einwilligung des Papstes da- 
bin zu erhalten y dafs im Falle die Cionfirmation nicht bin« 
lien 6 Monaten erfolge , der Erzbischof Namens des Pap« 
stes diq^elbe erth^Uen . sqlle ('s. päpstl. Breve vom ^O.Sept, 
iQfl); dennpch Is^un es nicht £ur Ausfährung. In den 
nachfolgenden Co,ocord£^^en wurde diese Beschränkung gar 
nicht erwähnt, ujad den. vereinigten protestantischen JTür- 
s^en, w.elche eine .6 monatliche Frist zur Ertheilung der 
Contiiirniation besjtimmen wollten , erklärte der Papst auf 
dfs pa^^hdrücklichste, er liefse sich keine Zeit in dieser. 
Hinsicht vorschreiben {S, neueste Grundlagen S. 367.).. 
In .der. Bulle für Preufsen ist nun diese wichtige Sache fol« 
gendermafsen bestimmt: über jede geschehene Bischofs wähl 
. Süll eine Urkunde an den heiligen Stuhl geschickt werden.; 
wenn der' Papst alsdann die Wahl für. canonisch vollüpgei^ 
anerkannt und kraft der Untersuchung ^ die- der P^pst je« 
derzeit. einem pretifsischen Bischöfe, au^ftragen werde, 
sich von der Tüchtigkeit des Erwählten ,über2»eugt habe, 
so werde er jede solche Wahl, bestehendem Gebrauche ge» 
aiäfs, confirmiren. Man sieht also, dais hier (wie im 



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iai^fi^hen^CMpo flirte) i^ein^ Fri4t;4)^tiannt wurde,; pnd 
nur der Prop^is d^: Xüchtigkf it ist au$4rüc]i:licb eii|^m BU 
schofe in. p^tibus ühertra^en worden (wovon d^s Baieri« 
sehe Concordat nichts erwüKrrt , nach welchem es viehnehr 
luxu foruias CQnsuetßSf. gß^hen soll),!* 

Ausfüfadiche Be&tipunungeu enthält die Bulle über di^ 
£rnchtung voji Ca pi t,e 1 n, Aufser den Domcapfteln füf 
die einzelnen, £rzhisthjjiiQer und, Blsthümer ist auch ein 
Collegiatstift zu ^Af^^h^p. Statt . di^s ^upprimirten Bisthums 
daselßst angeordnet.. Die Domcauitel hesteben cfei' flegej 
luich aus zwe^ Dignitäten (duo dignitates heilst e^ ineh- 
rereinale irn lateinischen Originale)^ nämlich dem Propstp 
\md I>echa|iten , , f't^rner ays 6 — JÖ Doinherrn, (4 Ehren- 
domherrn und 6—- Ö .Vicarenj dajj Collegialstift au^ eineqi 
Propste und 6 Domherrn.. Die Bestfitzmig dieser Stellen 
soll für das erstemal von dem Voll« ieher der päbstl. Bulle, 
dem Bischöfe Joseph von Ermeland vorgenommen werden 
(also doch von eine.m preufsischen Bischöfe 9 während in 
Baiern dem päpstlichen Nuntius dieses überlassen 
wurde) ^|Itt Zuj^unf't sollen {S^mmtliche Propsteien 
und al^e in .den päpstli eben Mo na ten (Jan, 
März, Mai , Juli , Septbr. und Novbr. ) vacant wer« 
4€nde,ji Canoni^cate von dem Papste besetat 
wer den 9 jedoch so,; wie es bisher im Breslauer Dom- 
capitel geschehen ist , d, b. mit Berücksichtigung derjeni- 
gen Peisonen, welche der Wille des Königs bezeichnet; 
die Dechaneit^n, so wie die Canonicate in den übrigen Mo- 
naten,, und sävimtlicbe Vicareien haben die Erzbisqhöfe 
und Bischöfe ^n|it Vorbehalt landesherrlicher .Genehmigung 
zu ertheilen. Die auTserordentliche Menge von Verlei- 
hungen deutscher Kirchenpfründen, welche .hierdurch 
dem Papste wiederr eingeräumt sind, verdient die . ^rn&t- 
licbste Betrachtung. Mögen nie für die deutsche Kirche d^e 
daraus zu befürchtenden Folgen entstehen, wenn die rö« 
mische Curie ihre guten Freunde nunmehr auf eine so 
glänzende Art^belohn^H.Jcanp. Hier ist offenbar das baieri- 
sche Concordat bei. weitem vorzuziehen, wo in den päpst* 
liehen Monaten cJerJiönig die Stellen besetzt und nur die 
Props^teien dem fapste eingeräumt sind , obgleich schon 
hiergegen sich die allgemeine Stimme, erklärte. Rec. will 
nicht das Gut^ verkennen , was* der päpstl. Stuhl hinsicht- 
lich der Selbstständigkeit der katholischen Kirche gehabt 
haben mag; allein s.olche dem Papste verHehefQe Rechte der 
liiri:heiig*hWiilt in den e i n z e 1 n e Ji Ländern zum Naph- 



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ihAVAev Ijfationalkiri^he . und <!l^^br%i)l!IicÖen -V^hatd^ 
Uab^ii fest nie einen guten Erfolg gefaaBt. Bei diesbir Ver«» 
iBiliiihg der CanöniciS^ ist nicht einmal' äustirücklich' Be- 
stimmt, dafs e« nujr preiiftische Gejistljphe seyn Rollen ^ 
weli.lj<? der. P^pst wählen' soll} d6»if €<$ heifstj «ü Cafloiiici 
seyeri tauglich ,, welche die böhej^n 'V^rilaen erhalten uncl 
wentgÄlens 6 Jahre lang 'der Kirche liült^ijihe Dienste ge-- 
leistet haben u^d Äwar in de?n ^aupt-- pdcr pülfs^^el^ 

teranft ^ oder ^n deni Eehratnt 'der Göttesgelahrtheit ode|r 
es Ciinonisciieri Jlephts;, öder in efnes jpreul». Bischoik 
Di6cesenyer)Valtühg,c öder ^en^ iiie dei^ Dpctorgrad in. 
der Theologie oipr"^ d^ franonisch^i {lecbt erbalten h'dhßt\ 
( dieses ' letiJt^re ' Erfoideniil's soll jedoch «für den Verlauir' 
der ndcha^t^n 10 Jahre npph ausgesetzt se\m)j Stand ^rid. 
Gel urt \v erden nicht erfordert^ Die IX)mherrn rnHi^en 
dem £ist:ho£e piit ]p.atfa beisteheii utid' JcÖhnen' in Beziehung 
auf ihren Dienst ^ wdhl^ namentlich auch das Abwarten deV 
Chorstunden ge|iÖrt , Statuten errichten. Die Ehrendomr 
berin, welche aüi? den Erzpriest€|-n gevrfUilt wer^ep, sind 
'nicht ^ur persönlichen Ke^tidenz ^u^d zum ^IKpofdjensf;^ 
verpfli<!:htet, Wohl ober zur Bjschpfswahl, berecim^t. 

Zur Bestreitung dieser neuen Einrichtungen' bat def 
König von Freufsendie Dotationen, bespn'defs flir die 
hol ein ß:^llen mit der grßfsten Freigebigkeit bewilligt. 
Jeder der beiden Erzbiscböfe erhält 12,000 Rthlr. jährlich, | 
ein jed^r Bischof 8000 B:tblr,| dei: von Breslau J 2,000 j 
die Einjctinfte des Bischpfs von Erm^land ^qlle^ für j^tzt 
keine VerÄnderung erleiden { in dep Dpincapit^lp erhaltet^ 
Fropst und Decharit jeder 1200— 2000 Rtblr.; jeder Ppm- | 
berr 800—1200 Rthlr», jeder Ehrendömher|- 100 Rthlr,, 
jeder Vicar 200 RtWr. (In $aiern erhalte^ die jBischöfe 
nur 6000~10,POO Goldep, dieEr^bhchöfe 10,000— 20,p0q 
Fl., Fropst und Decan 1 60p — 4000 Fl. , jeder Domherr 
1000 — 2000 FL, j^der Vipar ßOOTr-ÖOO Fl.) Die ganzq 
Ausstattung beträgt mitAusnab^ne des fcboi\ früher bestan* 
denen Domcapitels von Gnesep und des ganzen Bist (i ums 
Erxneland die Summe von lC»li600 Rthlr. jährlich (ip Baiern 
283,600 Fl.). Aufs^rdem ist noch diß Austattung der erz- 
bischöfliph^n und bischöflichen Cansqleien. ^ey Weihbi« 
schöfe und Generalvicare , der in j^der Diecese zu errich- 
tenden Seminarien und der Baufonds für di^ biscböfl. Kir« 
eben versprochen , so wie das AnspbaJpFen ypn Wohpungen 
fßr die Erzbischöfe , Bischöfe, das Domcapitel, die Ganz« 
lei und die einzelnen Mitglieder der Domcapitel| endlic^ 



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|C9^L Si^chjenirei^ ill d. Preufs. Sratften. tS 

audi das £inf icbten' von Versorgungshftiiyem fflr tchwflch« 
liehe Prief te|r und von Oorrectipnsbfluseni fhr mifsrathene 
Geiitliche« * « . 

Diese ganze > rpn Staats wegen zu gesicherte ^ neue 
Ausstattung oder Ergänzung des Vorhandenen soll in j3hr* 
Heben Grundrenten festgestell t werden , die als Real« 
ii5t auf Staatsdomanial Waldungen rad^cirt und vqn den ein« 
srbeii Oidcesen unmittelbar (Erhoben werden kOnnen. Weil 
jedoch diesß Waldungen noch bis sum Jal^r 1Ö33 an Staats* 
gläubiger verpfändete sii^d ^ ^q sollen einstweilen die Jahr« 
renten aus der Regierungshauptca^se entrichtet werden^ 
upd weyin im ^abr iÖ33 die Fesstellung ^er Grundrenten 
nocji nicht thunlich wfire^ $o werden vom Staate so viele 
Grunds tücke erkauft und den Kirphen sum Eigenthum 
fiJ)ergeben f iah der Ertrag davqn dem Betrag jener Grand« 
renten gleichkpmin^. Man sieht | daf^ der rapst Alles an« 
wendet ; um ^ie Einkünfte d^r Kirche von der Staatscasse 
|o unabhängig f|lf( mdglich su machen u^d es lllfst sich frei« 
lieh nipht ljiugnei\j ' dals nur dadursh eine selbständige 
Stellupg der Kirche b^rbeigefiührt werden kann. Das Aus« 
kunftmittely welches in Freufsen getro^^n ist, scheint in« 
dessen noch ziep)l^c)i weit aussehend su seyn , denn wäh« 
reud der ersten 12 Jahre sind die Ausstattungen dei|npch 
geradezu an ^ie Staatscasse angewiesen, und es ist schon 
init Recht benierj^t worden, dafs. wenn nach Ablauf dieser 
Zßit Freufien die verpf{tn4etßn Waldungen nicht einlösen 
iann , e^ noch weniger ini Stande s^yn wird , eine hinrei« 
chende^ Ansal^I von Grupdstücketf zu kaufen* 

>Fas8en wir schliefslich das Resultat, welches der 
Inhalt der pSp^tl, ]^ulle uns darbietet, zusammen, so Ittfst 
es sich nicht lllugnen, dafs Freufsen auf eine ehrenvolle 
und lobenswürdige Art sich bemüht hat, die durch langen 
Gebrauch und religiöse Ansichten der katholischen Unter« 
thanen geheiligten Verhältnisse zwar so viel als möglich 
zu ^phofienit aber auch die Nachtheile zu vermeiden, «welche 
die neuefn Goncordate durch zu grofse Nachgiebigkeit ge« 
gen die römische Curie hervorgebracht haben. Manches, 
was in dexn baieriscben Goncordate den Keim zur Wieder« 
lierstellupg der frühern Herrschaft der römischen Gurie in 
sich enthält, finden wir daher in der Bulle für Frei^fsen 
nicht, insbesondre die Bestellung eines Nuntius, die 
durchaus frei^ (Dommuiiication der Geistlichen und l^^aien 
mit dem römischen Situhle, das ausdrückliche Gebot der 
lateinischen Sprache bei der Liturgie, die Beschränkung 



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4er' Pr^J3?fml\^^t durch die 5J3c)ic5fe und die : Iflrirlcbtupg 
von' Klöstern, Dem ungeacW^t sind niauclie.uiie;i;w|art«te 
Aufopferungen von Seiten ^der preufsischen Reg,iejru2ig zu 
Gunsten der römischen Curie geschehen ^ namentlich das 
päpstl. Verleihungsrecht der .Cappnicate, . di^ stilkchwei- 

S^eede Wiederhersjtellung der Amiaten, Con&rmations* und 
'alliengelder durch Anordnung einer . Cao^rnertaxe für die 
^rz- und Bist^üri^er. Auch in Rücksicht dpr B.^stUtiguiig 
der Bischofs wählen ist man zu keinem ganai genügeiulen 
Resultate gelangt, wiewohl freilich die Ärol'senSchwierig- 
k'eiten hierbei, nicht zu verkennen siqct und ^enigsten.% 
binsiiphtlich des Information^processes die wahren Bedür^'« 
nisse dt- Kirche berücksichtigt^ wurden» Manche sehr 
^ichti^e und streitige Vi^rhältnisse sind gar nicht berührt, 
St. B* die Appellationen nach Rom , die .Dispep^atio nen 
n^bsf deren Taxen und vprzüglich die gemischten £hün. 
Wenn es auch, von der Fertigkeit und Würde der preur$i« 
schon .Regiejung zu erwarten ist, dafs- sie in der Ausübung 
nicht zugeben wi^rd,, ,was, dem wahren Wohle der Kirche 
und des Staats entgegen wäre 9 so ist doch deshalb nicht 
laicht eine CoUision zwischen den Kirchen- und Staatsbe- 
hörden zu vermeiden, wie es sich noch neuerlich bei dtm 
gemischten Ehen zeigte. Eben daher erklärt sicl)^ auch 
wohl die ^uifallende Erschei^nttiig^ daJCs ungeachtet dem 
Executor dieser Bulle das Refht,: über etwaige Einwen- 
dungen inappellabel zu entscheiden,, verlieh/sn ist, d^nuocb 
mehrere zu Bischöfen erwählte Gei;5tliche diese Stellen aus- 
geschlagen haben, wahrscheinlich aus dem Grunde, weil 
sie sich hei einer poUision zwischen Staat uxjd. Kirche, und 
in ihrer jetzigen Lage, wo sie durch das Beziehen des 

Gehalts aus der Staatscassc gew isser m^ifsen von der Weltli- 
chen Gewalt abhängig .sind , nicht hinreichend gesichert 
£ühlen. Rec. ist indessen überzeugt, «dafs solche Bedenk- 
liebkeiten diejenigen graJe am wenigsten zurückhalten 

sollten^ welche sich berufen fühlen, in dieser bewegten 
Zeit für das wahre Wohl der Kirche und derep zeitge- 
9iäfse Verbesserung kräftig und furchtlos zu würken. 



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tifswiäk^ Eni Wurf eioe3 firtiujiclieta GivitgofflUiiuoUt. 9,1 

Revidif^4^T . Entwurf einef. Bernischen Civilg.^it1fjk* 
buchs* Erster T,h£il, Personeni^ccJit. Bern b, Halter, ijti'23. 

Rec«. hau in 4en JaUrbücbepi ,l822» N. 55. die Anzeige 
des far die Stadt. und Bepublik^BeFn erschi^neaien Frocei's^ 
gesetzbuohtf geliefert , und beeiU ifich den vor Ku^rzeii <ei:r 
^hienenen .£Qtvfurf des Civilgesetzbucbf Aui^siigsweise 
fflitzutheileii) WeU Kec. glaubt « dal's jeder neue Entwurf 
einen . inerk.würdigen Beitrag, zu den Verhandlungen der 
Frage ülier' die Notb wendigkeit eines neuen Civiigesetz* 
buchs lirefevt y un4 weil in unserer vielfach auch im Felde 
der Legislation aufgeregten ^eit jeder legislative Versuch^ 
der in ir^nd einem JLan de gemacht wird, lehrreich . für je* 
den andern Legislator wirkt, indem das Experiment jentwe*> 
der vor jIM ifsgriffen warnt,, oder auf neue vf icbtige Qesichts»* 
punkte aufmerksam macht. — Die CivilgesetzgeDung Berns 
gr&ndet sich auf die Handfeste von 12l8, au welche sich 
bald sogenannte Stadt vödel ^ als. Sammlungen von Statuten^ 
anschlössen* Aus diesen ging 1539 die (nie gedruckt er« 
scLienene) Sammlung des Stadtrecbts hervor; erst I6l4 er* 
schien die Geridbtssatziing 9 aufweiche schon das römische 
Recht bedeutend eingewirkt hatte, ur^geachtet noch viele 
altdeutsche Gebräuche und Gesetze darin aufbewahrt sind, 
l^ie in 'der Zwischenzeit anwachsende Masse von Entschei- 
dungen und Verordnungen veranlafste 1761 eine. Revision 
der Gerichtasatzungy woraus di^ noch jetzt geltende Ge^ 
riditssatsung hervorging, in welcher der erste. Theil in den 
15 ersten Titeln das Personenrecht , in Tit, 16 — 28 frag«- 
Bientarische Verfügungen über die Verträge, Ti.t, 29 die 
Verjährung und in den nachfolgenden Titeln das Erbrecht 
enthält, der 2 te Theil enthält, die summarischen Frocefsar- 
ten, der dritte den ordentlichen Procefs und der ^te Theil 
die Bestimmungen über Verbrechen und Strafen. ^Der Haupt- 
redakteur der öerichtssatsung war Professor Lerher.. Der 
erste Theil, welcher dos eigentliche Civilrecht enthielt, 
war freilich höchst lückenhaft, weil die Redaktion nur die 
wirklich vorhandenen Gesetze aufnehmen durfte; da nufi 
keine Vorschriften über die Rechtsverhältnisse des^Eigen- 
tbums, der Dienstbarkeiten, d^ Verträge vorhanden wa- 
ren, so mufste der Redakteur der Gerichtssatzung alle diqs^ 
Materien weglassen , und es- ent;st;0nd daraus die nachthei- 
lige Folge, dafs die Bürger nicht wufsten , nach welchem 
Gesetze sie ihre Rechtsgeschäfte eingeben tollten , und die 
Gerichte keine Grundlage für. ihre ürtheile hatten. — Was 



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t% ilen(ikt«r Eatwurf eines BieraiKhea Giyiigesetii»tMli«; 

in diesem Zustande der UnvoUstHndigleit des Rechts- von 
Seiten der.Döctrin geschehen konnte, um durch vorsichtige 
Anwendung allgemeine {lechtsgriAnds^tse ^ durch die £nt* 
Wickelung d«i^ Sinns der 'Statuten aus den KlWn Oüe))<^n 
durch Vergleich ung mit t'arallelstellen- und die A;usnlilung 
der Lücken vermittelst richtiger Kechtsanalogien den Rich«> 
tern einen Leitstern zu gehen, geschah vo^ idem Prof. 
Schnell in seinem Handhuche des Zivilrechts in einer aus* 
flüirlichyn Erörterung der wichtigsten Gegenstände d0ssej-» 
hen mit besonderer Hinsicht auf die positiven Gesetae de» 
Cantons' Berpii Bern 181I. Schon vor 6 Jahren erging in 
Bern der Auftrag ^ eine 'Revision und Vervollständigung 
der Gerichts^atziing vöraunehnien, und nachdem die Theiie 
il, und III, der Satzung in dem Frocelsgesetz buche bear- 
beitet umgearbeitet erschienen waren, rCihr-t das Bedftrf* 
nil's auf die Umarbeitung des ersten Theils, Als eines der 
thätigsten Mitglieder der zur Revision niedergesetzten 
Comihission erscheint Prof* Schnell^ und schon dieser Uin«- 
stand erweckt ein günstiges Vprurtheil für das neue Ge- 
setzbuch 9 da Schnell eben so sehr mit den Gesetzen seines 
Vaterlands vertraut, als mit achtungs würdiger Kenntils 
d^r Fortschritte deutscher und französischer JurisprudenTs 
ausgerüstet ist. Die Gesetzgebungscommission erklärt in 
ihrem Vorberichte (S. IX.) dal's es ihr darauf ankomme, 
die alte Gerichtssatzung durch ein anderes Gesetzbuch zu 
ersetzen, in welchem die Grundsätze des vaterländischen 
Rechts nicht verändert, sondewi nur weiter ausgeführt 
werden sollen, wobei die Sprache des alten Gesetzes mit 
der neuen Zeit und den veränderten Umständen in üeber- 
einstimxnung gebracht würde. In dieser Erklärung liegt 
ein sicheres Zeugnifs der Gründlichkeit und der Besonnen» 
heit mit welcher die Commission ihre Aufgabe sich klar 
machte, und dadurch ihrer Arbeit höchst wohlthätige 
Schranken setzte. Wer die ]\Ja>se neuer Gesetate beobach- 
tet , welche rasch in den verschiedenen Ländern auf einan- 
der folgen, wer unpartheiisch das Urtheil der Praktiker 
welche das neue Gesetz anwenden sollen, und die Stimme 
des Volks hört, weiches im Gesetze die Richtschnur seiner 
Handlungen linden soll, wer die Erscheinung, nach wel- 
cher neue Gesetze schon nach wenig Jahren reform irt wer- 
den, in ihren Gründen verfolgt, mufs vor jeder übereilten 
legislativen Arbeit und vorzüglich vor jener Art Gesetze 
zu machen, bei welcher nur Oiiginalität und Neuheit blen- 
dender Institute als Vorzüge eiiies Gesetzbuchs betrachtet 



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werden f Billig. Scheu tragen» f ohne deawecen ffui ewiger 
AengftltchjEeit und au« dei9 Grunde, dafs Voll kpaomenheit 
doch nicht er«eiid)t werden kOntie« euf jede Verhesserung 
der Gesetse zu versiebten und schon, a prioriogegen jedes 
neue GesetshMOb hlos deawegekii Wf il ea ein^neaet i^i, ein 
Torurtheil; ^a hegen* Wenn ,der X^egi^latQr.lieineii Stand« 
jKinkt richtig auiTafst^ Wenn es erwägt f dals %\U Qeaetze, 
irennsie dem Yolke anpassen üolIeD« aus dem Leben .und den 
Verhältnisef^n ^iß Vo] Jces hervorgehen » daher vorerst aU 
Gewohjih^ten ßi^ ausbilden mOf^en » und aymHhUg unter 
d«r weie«^. ;ßM(wirktin^.d0.r.3flh#ifen foi'tgehildiet vt^^i;den v 
«ollen I ap. wird, f^ hei aJlesi.Gesetiire Visionen vocerst.aa ^ 
das bisher^ A.ec1|t:«iiQh aülehU^eii:, vüdldie Orundafltse 
des natioaa$Biai Rechts : als (GrAiMl^g^ hetrachten ^ . 4r wird^ 
rerzichteir^ auf d^e logei^^^iit^ Genialität jtrioea kuhnea 
»chdpferis^en Gesetzreformal^ts VPn dem hisherigen Hecht 
nur in soferA ahweiph^n , ß\$ -di^ v^eränderten Verbdltnissa 
eine Veränderung verlang^i^ «r wird Miüihraa che ^ die 
Inder Zwischenzeit; «ich eio^pb^eichj^n, abschneiden^ Strei« 
tigkeiten. welche | diurch .sweideuvige- Stellen des alte» 6e«* 
setze» veraiilaf^t iilnirden , vorheu ge:|i ^ und UnvioUstttndign . 
keiten ausfüllen*. Die Gesetzcouimi^sion, welcher. die Be« 
arbeitung de« vorliegenden Entwurfs oblagt hat^ wie die 
genauere Yergleicbung des Entwurfs lehrt» würdig und 
besonnen. 9 die Grundsätze des elte^ Hechts heibebalten» 
daher darf auch die Kritik des Entwurf« nicht unberQck« 
licbtigt lassen 9 daCs manche Bestirpmungen« . wetcheman 
rielleicht liebe^ wegsti^eichen. und mi deren Stelle mm an<^ 
derc als trefflich' i« neuerer Zeit, gerühmte Institute wün- 
schen mochte^ von der Commission deswegen beibehalten 
worden sind, wei) das alte Institut schon sobier^lich «ich 
dem Volke und d^m Bedtirifnisseengepafst bat, , dafs ^ ein 
gef&hrlichesi^pt&rittient biltt/e werden können,: an die Stelle 
des erprobten Aliie^ ein durch ni<^* verbürgtes Netzes su 
setzen, insbescpidere darf der nusländiscbe Kritiker, dem 
die Lokal Verhältnisse und die.Kenntnifs der Art, wie das 
alte Gesetz in JBern sich acclimatisirt hat , fremde sind ^ nur 
mit grofser Vorsicht ein , Urtheil . aussprechen. --^ , j&ine 
Hauptschwierigkeit, welche j<^dexn Gesetzgeber eines Lan^ 
des sich aufdringt, das in.. verschiedenen frpvinze.n auch 
verschiedene Gewohnheiten . pnd S.tatuten hat, stlefsauch 
der Commission auf: was sollte, mit denj bisher igm Statu« ' 
ten angefangen werden ? sollten ii^ . den einzelnen Xi^n des« 
theilen die Lioka^statuten (ortdau^rA? sollten sie unbedingt 



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öufgehöbeft werden? zwar' hafte' die Cmn'mUkl^n in eine in 
liandeV däsiiut i<escbfähktlfn Urafarte Imt^ lind nicht atts 
h^tetogen'en 'durch Verfcbiedenheit der Abutaihikiung und 
der Sitten -^on eihartddl^'höthöt^ VörschiedetifeA I/ahdestheilö» 
besteht', seine'Aöfgabi»vhjMeichter als der 'Gesetzgeber ei- 
nes gröftern Röichsv wo Iw den dtfrckihöhif af^ fOO'Meileii. 
getrennten Prövinaen dieVdrsfchiedfenhelt sd sdhreiettclher-^ 
Vorti>itt,'d«!fs das neue G^tta in einem Läfndestheil^hotbr-^ 
wendig 'eine gewaltsaiöe Ers^hißtterung ^äs »'bestehend erl 
hervorbringt^ xWährend in den andern J^fbviWzfeti^ nur da»" 
bisherige^ Reeht bestätigt «cWiiit., Öer^ßwi^ivörf iTi^hlte* 
den ' ttuch von- attdereii neüew Gesetzb»cl]f<;bW/ ei^r iffenenr 
'Weg, und'bestiftiitttein €ktai848' (dA dats' Gyset^'büöhJ über 
d^i gerichtliche Verfahren^ eiÄ' Thöil "deä" "gahfceft Gei-etz-' 
buchs werden sollte, so hätt& lensm. die iiii'Ettt*wurf6 eÄthaW 
tene Gesetaesreihe ani di-e» jöAe» Ges^t^buth^> äkrgesschloaw 
«en) ddfs öUe Statutarrfechte ^hre Kraft verl4e«i*en> Mis sie 
von der Regierung revidJrt und^ rieiierdingft'bestätigf vr^^ 
ren , "daher die Ortschaften-^' welebe ihre SttttiitiE«it ieiiube- 
haltett wünschten , ün« -die ReviÄioh und die ^BfestHtigüng' 
nachsuchen und die? bestätigten Sta^uteii ^d'rücfe^n' lassen 
morsten.' Dadurch wird allerdings deneini^elÄen Statutar- 
bezirken andglich gemacht^ für ihr Interesse zii ia^geri-und 
den Souverän mit den Gründen für die Beibehaltung ^ihret* 
Statuten bekannt zhx ttiäi^en;*' Der Bisher'voiiiegei^de Entw 
wurf enthält* nur rfas PersöneWrecht und hÄt'4 TitWl Und ei* 
nert Eihleitungfttitel. I. Titel von den- Eigenschaften deir 
Personen und den persönlichen Verhält« i's's'eA*; itii^Allgiemei- 
nen. il. Titel von döm. Eherecht; IHjVoYi 'detii Rechts-? 
Verbalt^iis-Se «Vtrischeil A'eUet^ftU^d Kinderh. c IV. Von der 
Vormündsk?heft. Der Eihleiturtgstitel e^ithäR die schon 
ifcnvor aifigrföhrte Voracbrift 'über die Statliteh;,' •und'Nör- 
fheh ilb^r Aufeiig und Aufhörender Verbindlichkeit der» Gö- 
Äetze, liber ihr^n'üitiftttgj- Über Anw eW^Tuhg-fi^luder Gel 
ÄetÄe,f iXh^t^ AetojTfiort Uftd 'öesetzesurt^w^i^senhfeit.. ' Der 
Entwiitf <hai: nur die 'allgelneinen Grund'b%2?e äusgesj)rö* 
eben ^ ■obne^die Folgesätze äfnziigeb^n. si. Ö. /helfet es hur 
(SatÄ 347>J' ^,kein Geset2S Söir auf Thatsächen angewendet 
Werdeh , *diä sich 'vor deihEiotritte des Zeitpunkts zuge- 
tragen, d«r'fttr den ^ntäkl^'d^r Verbindlichkeit angegeben 
ist,*-* dd6f (Satz 352):' „rtie Erttschuldigung, dafs jemand 
ein gehörig- bekafnnt gfei#äöh*ib 'Gesetz nicht gekannt hab<», 
soll "von'' keinem Ge*fi(Ate' 'beachtet werden.*'" Freilich 
werden- Viele Juristen,' ^dieauf^die Kraft -des eigenen Ur« 



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ReViOirtet fiölwiz^f eines Berofeciliöi Ciriigeiettbu^lw. |i 

fheils mifstraiteifd nur !n didbleibigen vollstttüdigeli G^sets^ 
bOcbern -ihr Hell ' suchen , b^orgen , daft " Mitch solche 
kurze SStzse, wiederEritwurf iiöiutstyit, nicht hihreickeiid 
dem Streite vorgebeugt sey, allein vrenn man etWÜ^t, dalSs 
auch dasr angehhch V-oirstandfgite- Gesetzbuch rticht fftr alle 
Kiogiichen Fälle 'Norme h «inthältim kann,'^ unä daft immer 
er«t dem yerstande der RicHtei* die Artvrehdän^allgemeU 
iier ReöKtssäfcÄe überlassen 'werderr^mUfs ', 'sb'^dtlrfre der 
Entveürf in diCsfer hinsieht 'i^öUV gert;cbttAtigt werden 
können. •" ' - ^- ■• • • ^' •" .-- ^ :''■'—/' 

Im ersten Theiri.TiM'erklätt §. 353.: ',,]e(i^ Menäch 
ist fähig unter dbri 'gesetzJiöhten Pedingungfeh Rtechtö «U 
erwerben * ünd'yetbindfichkfeieen' feiniügehen-, tirid heifst 
in dieser Hmsiilit eine Per^oii , ^^ woiii dies'er §. ? Er ent- 
hält tbeils eine sich ^oii ielbst 'verstehende -Ri^gtä theils 
eine Art von Definition , die in 'ein Corapendium aber in 
kein GeÄfet25buch gehört, selbst' der Satz 354.: „die'Per- 
sönlichkeit eintes Mensfcfien hebt in dem Zeitpunkte an, 
wo er lebendig iund lebensfähig zur Welt kommt, und 
währt bis zu seinem Tode' ,-*^' is^t/zü compendieitartig ge- 
stellt, und vvird durcH Satz ^355 'ühcid 360. überflüs'sig. Sati 
556. vermuthet vpn jedem lebertsfilhigeri Kinde, 'ddis es le- 
bendig zur Welt 'gekommen ^ij/ Sollte liicht besser ge* 
wesen seyti\'/iie Yot^cht^'ih Al^ß preufsischdn Landrecnts 
1, Tbl, 1. Trfdi $V iS., nach 'welchem das Kind als leben* 
dig geboren angenominen wir'djj'' wenn uhvthdiichtige bei 




n'ge^ tmd listige 
oren durch diese der ^tgermaiti'sshen Ansicht hielir Sich nä- 
hernden Preufs. Vorschrift besser "vorgebeugt',- - ^Is durch 
die die Rechte der Verwandten leicht beeinträchtigende 
Bestimmung des Entwurrs. — ' ' Eine würdige Vorschrift 
enthält Satz 362, : „Die bürgerliche Ehrenfähigkeit besteht 
in der Fähigkeit zu öifentlichen Aemtern zu gelangen und 
vor Gericht Zeugnifs zu reden. Jede Person hat diesen 
Zustand, welchen derselbe^:^ ^ph^t g erichtlich abgesprochen 
worden. Personen, . welche wegen eines Verbrechens in 
Untersuchung sind, das mit einer Strafe bedroht ist, die 
der bürgerlichen Ehre unfähig macht, sind bis zu ihrer 
Lossprechung, Mehrjährige welche bevogtet, oder mit 
rjchterlicher Bewilligung verrufen worden nis zur Aufhe- 
bung der Bevogtung oder Verrufung, und Geldstager (d, h, 
in Concursprocefs verwickelte) bis zur Aufhebung des 



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9t B^TJidirter Untyrnf ^otA^ Bernucheii CmlgeHUbttah«. 

Caldst;^ in ihrer bflrgerUc^fA tbte eiiigestellu So sweck* 
mfifsig di« Vor^cbrift is(^ ,«a findet ^$ .dftcii.Rec. bedenke 
lieh 9 daXs auch heyogteik T^er$iyfieii liierher gerechnet wer* 
/den, Di^ Infamie darf . weg^ unverschuldeter und sufäl- 
liger Erei&nis^ fi^g^" Nii^inanden erkannt werden 9 und 
auch eine Uoise SufpensicTn der Ehre ist schon drück^nd,^ 
weil immer eine Makel anklebt. Dafs der wegen Geistes« 
krankhei^ B^vogtete niclit m Äemtern gewählt wird f .ver- 
steht sfch ,V9^ s<tt*t, und daf» er picht Zeuge ^eyn J^ann^ 
ist nicht Folge seinet* Bevogtung ^ sondern seiner Kranke 
heit, welcte die Glaubwürdigk^eit tfemer. Aussage, entzieht. 
Es scheint daber,^ d^B dujrch/die,Au8debf^ui;)g^^w^^ 
Entwurf . gemacht bat ^ .die .^^no Ansicbt\ jron.JE/hreheotzie- 
bung leidet/ . Auch entsteht pin Zweife| üjber Vereinigung 
dieses $« mit dem $. öZ2. pattl^ ^elcbem der ßeklagte die 
Einlassung auf die ScbwSngerungsklage verweigern kann^ 
wenn idie Klägerin mit ; einer . entehrenden Strafe belegt 
worden; da hier durch $. 52^. ,al» Fplg« der.Erleidung ge- 
wisser Strafen ein Verlust feines Hechte, aui^gesjproehei^ isr^ 
ao hatte davion aucb bji :$^ 36{2. . di« Rede '# eyn oder die 
Vorschrilt darnacb eingerichtet werden mü^s^Q. . Aucb in 
Satz S79« ist eine im Satz 362» nicht entbal^ne^Folge dos 
Ehren veriusts ausgesprochen« Selbst mit! i^m Sskjite 223« 
der ProcefXsordnung sollte^der jSf^z 362, noch m^br, in Har- 
monie gebracht werden, da. naca 4em. ^» 2 i^3< .diejenigen 
unfähige Zeugen genannt werden , weJcte wegen Verge- 
bungen in ihrer Bürgerlichen, Ebrenfähi^eit Angestellte* 
oder mit 4»i}ier Strafe belebt worden , die sie der bargerli- 
eben EhreTi unfähig mflFcbtf . odei^ die eines Verbrecbeii» 
wegen in Untersuchung sind,, welches das Gesetz mit -ei« 
^^r solchen Strafe bedrobt« . \ ^ ' 

! fBeschlufi folgt J [ 



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N. 3. 1824 

He idelberger 

Jahrbücher der Literatur. 



Revidirter Entwurf eines Bernischeja, . 
Civilgesetzbuclis. 

( Btschlufs,J 

Jh der Lehre van der Verwandtscbaft (Satz 364 — 69.) 
"Wird die Ver^randucbaft in der Seitenlinie nach Graden 
berechnet. Ueher den Sinn de« Ausdrucks > "Verwandte 
erjdärt Satz 369,9 ^^^^ in allen Fällen wo <}a8 GesetK den 
Verwandten einer Person ein Recht ertheilt , dieselbe zu eig- 
ner Handlung zu ermächtigen , oder eine • Aufsidit ober . sie 
zuführen^ sowohl die väterlichen' als die mütterlichen Ver*- 
Wandten des männlicbeh Geschlechts bis iind- mit EinschluTs 
des vierten Grades verstanden Werden ; da noch andere Ver- 
hältnisse vor kommeTi y in welchen der Sinn« des WortsL: 
meine Verwandte Streit erregt. (eben jetzt schw^eht in Fraolt^ 
Teich ein Proceis iYberiein. Testament, in welchem ein reif- 
cW Testator alle sei n e V e r w a n d t e als Erben ein*- 
setzte), so dürfte noch eine gesetzliche Bestimtnting nothwen« 
<üg werden^ Der z.w^flte Titel enthält das Ekerecht. Bern 
hat schon seit 1528 eine Reihe von Ehegerichtssat Zungen, die 
in historischer Rü|;ksi«ht höchst merkwürdig sind (viele No* 
tizen darüber finden sich' in einer Schrift: ,j Einleitung zu 
einem Comov^ntar über die Bernische Consistorialgesetzge- 
htmg. Bernoidid.^^). ^ Sehr zweckmälsigibat die Com missiou 
tiie sonst in der Ehegericfatssatzung.beündlichen Vorschriften; 
in den Entwurf des Gesj§txbucfas selbst au&enommen. Zur 
Eheschliefsung gehört dafs Männer 18, Weibspersonen 16 
Jahre alt sind (Satz 373«^. Miii^erjährige die nicht eigenen 
Hechts sind und Mehrjährige welche bevagtet sind, dürfen 
ohne Zustimmung ihrer eneHchen Eltern oder GroTseltem 
keine Ehe eingehen (Satz 376.), die Zustimmung der väter«» 
liehen Grofseltern mackt die der mütterlichen unnöthig; (Sa4re 
377.}, wenn die minderjährige Person weder Eltern noch 
Grofseltern hat, oder diese üidit ehrenfäfaig sind, so ist üß 
XVn, Jahrg. 1. Heft. 3 



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M , tBpYidiiter JSnAwurf eine« fi«riüichea Civilge^eubucli v , . 

Zustimmung de« Vogts erforderlich (Satz 379^)* Minde 
jährige von uh«ehfriic4i«r i^elAirfc «unSd (ersotien die von d 
Gemeinde besteuert worden und die empfangenen Steue; 

4^iihkr das' AMin^S«* derkienMnde •^eiiie£5en5 Milr&ii oIm 
Zustimmung dieser let25teren keine Ehe eingehen (Satz 3Ö0. 
7er«onen die gemeinschaftlich einen "EhfebruCh hegange 
dürfen nachwärts sich nie miteinander verheirathen^ auch d 
Person, über welche ein Ehegatte wegen verdächtigen Üt 
gaiigs mit seinem 'Ehegatten Klage gefClhtt , darf sich nie m 
diesem verheirathen^ wenn das Ehegericht dem Ehegattt 
den Umgang mit ihr verboten hat (Satz 38^.). Zwischen Ve 
wandte in auf- und absteigender X4nie , zwischen voll- ui 
halbbürtigen Geschwistern und mit den voll - upd halbbürt 
igeii Geschwistern detEltern i/it die Ehe verboten (9at9:38d. 
Es soU keine Wittwe vor dem; Auslaufe der Wartaeit s{{ 
•wieder verehelichen (Satz 391.). In Bezug auf Sata 376. fii 
^et Rec» manche Bedenklichl^eiten ^ da viel^ Frag4ent welcl 
über die Erholung- des Consenses sich 'ergeben^ gar nicl 
durch den Entwurf erledigt sint^ z. B. wie soll d^erjenig 
welcher des Consenses bedarf , denselben einholen^ was i 
Rechtens, wenn Vater und Mutter beharrlich verschiedeni 
Meinung sind z. B. die Mutter nicht einwilligt? Nach Sa* 
377. scheinen beide Eltern Consens. ertheilen zu müsse 
wenn die Ehe gültig seyn solj. Wie ist es, wenn die mii 
•derjährige Tochter mit Consens der Eltern sich verheirathe 
und ihr Ehemann injt ersten Jahre wieder stirbt j ohne da 
«ie nath den Jahren noch majoren' ist? Sollen hier die, Eltei 
«liebt bei einer zweiten Verheirathung gefragt werden mü 
sen? Nach Satz 510. No. 3.^ nach welchem durch yerheir; 
«thung des Kindes die Gewalt aufliort, scheint die Tochti 
•dann keinen Gonsena mehr ndthig zu baben. Wenn jema^ 
an Kindebstatt'VOn^ner Person angenommen ist^yioder wei 
jemand von seineoi' natürlichen. Elterii. verlassest und van a: 
de'ren. aufgenommen war 9 .bedarf .es nur de& Consenaea d 
ierblichen Eltern ? «Nach Sats 377; scheint diea. der. Fall 2 
«s^yn, und doch dürfte die RüiC&siclkt'auf die zarteren i^enscl 
Wichen Verhältnisse denjenigen, w.elche als PAegfieltern u 
idaa Kind beisoi^t waren, die näch^ceii; Rechte geben. Wei 
«von den GrofBeltern die müttecGofaen« das Kind zu sich genoij 
*fnen und erzogen haben , sollen nicht diese d^en« Vorzug v< 
di^n väterlichen haben.? Deim ReoüSckeint auch da(a aine g 
setrliche Bbstimiimng übdr dia Fälle noth wendig wäre;, 
weldben die Eltern :5der.Grofs«ltern::&ur Ver^weigsrung ihri 



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Rerlciwter Bntwucf eincft Benuidieii Giri%e»et4biielui, 95 

Consenses berechtigt wSrttn ;v was gilt als eafa^dtobw GrunA? 
oder will man lieher die £ltem von derPiflidbf , den Wc^ig«« 
rungsgrund anzugeben ^.hefreiett? df^ür 6|>richt allerding« 4ii[9 
Zaräeit des elterlichen Verhältnisses ^ -.und die uneucilicU^ 
Mannigfaltigkeit von Gründen die idie Eltern aur Uebere^Ur 
gung bewegen können;, dals ihr Kind mit derjenigen Persona 
vreiäe der Sohn oder die Tochter heirathen will^ nicht glückr 
Ucb seyn werde. Wer aber den Eigensinn und die Yoror^ 
tbeile mancher Eltern kennte dürfte doch wohl ein Einschreir 
ten der Gesetsgehung rechtfertigen » damit nidit die Tochter 
da& Opfer des elterhchan- Eigensinns werde. Rec. • benüt«|t 
die Gdegenheity um dieXieter auf ein netie^ Ges^s aufmerk;- 
sa\n zu machen 9 in ^reichem Hber den elterlichen CotiMti« 
tbenso zw^eckmäfsige als'VOHitändige Vorsöhriften ai^MebeA 
sind; es ist dies das Gesetz welches 1Ö22 untei^ dem TiteU 
Erläuterungen , Veränderungen urid Zusätze ^u «inigen Tif. 
teln der Anhaltischen Lanoesordnung 9' desgleicheof zu^d^ir 
Procefsordnung. Dessau 1822, erschieneh ilst. Dort wird 
zum Titel V. vi. §. 3* verlangt, dafs diejenigen i deinen Eins* 
williguug erfordert wird, nicht. ohne erheblichen Gri^nd di^ 
&elhe versagen ; erhebliche Gr&nde heifsf^n ynar. diejenig^il^ 
ausweichen eine vernünftigie und wahrscheinliohi3.Besor.gi?ifi^ 
entsiebt, dafs die künftige Ehe unglücklich: und mifsvergnüg)^ 
seyndfii-fte, dahin wird gerechnet, wenn den künftigen Ehiü^ 
leuten das nothige Auskoiilmen fehlen w^rde|. wenn der a^ 
dere Thetl zu einer infaitlirendbn oder ^udh^nur sohst n^clk 
der gemeinen Meinung (?i?)' schimpf liehen. 5 träfe durcb<^in 
Crioiinalerkenntnifs verurtheüt worden, .wenn ' derselbe 4^F 
yerschwenduiig, Trunkenheit, Liederlichkeit oder sons.t «ei* 
nem groben Laster ergebcri ist 5 wenn er »chon 'einmal ai?* 
schieden und in dem Scbeidungsurtheile für sden 8chuldige]| 
Theil erklärt ist u. A.. Freilidhi wird übbr diese Gründe Streif 
entstehen können, allein es ist auf die vernünftige Auslegung 
des Ehegerichts zu rechnen und dadurch, -dafs die Eltern. g«^ 
Lötbigt sind , Gründe anzugeben, ist wenigSil^ns der Eijmrit> 
kung des unbegründeten Eigensinns :bedBut^d.vo!rgeJ>eMgt,frr 
Zweirer Abschnitt'«^ Ein einfachlss Ehevclrlöbiiiis jiii^f- 

E'indet fttr keine Person eini Klägrecht (Satz 392^) wenti <e^{i^ 
e mit Zustimmung der zum Gonsense Jbetechtigten F^nso«- 
nen ein oder mehrere Mäl<9 visrkündigt worden ist, so so9 
das Ehegericht diejenige verlobte Person,, welche ohne zu(r^^ 
chenden Grund sich der Völleietiung der Ehe wider setzt,, auf 
den Antrag der andern zu ^iner angemessene« Entschädigung 
verurtheilen (Satz 393.). Der iiiapTttnglädM. Est Wurf entJ^ie£ 

3 * 



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"liliefte Vor4cliVift> mthtf dagegen: ein^ andere, , AkTs rerloLi 

-Personen ein«A' Vertrag scbii eisen dürften, in Folge des«fi 
diejenige weldie oime zureichende Gründe von dem Verl öl 
mi&e aurücktrin, der anderen eine verhältniism^fsige En 
•ScbSdigung an beal^hlen verspricht. Rec. glaubt/ dafs iri 
B-feciht dieser SatÄ weggelassen wurde; schfatie Dirnen wü 
•den nichts erhalten haben, weil sie schwerlich darauf gedacl 
-bJft*en , sich! juristisch fein eine Abistandssumrrie zu bedinge! 
■D«fs da» Kläger t«ht la us dem * Vexlöbnifs tibefhäupt aufgehe 
beri -wordeii V ist>'gewifs Kochst z Wecken äfs ig , in der Schwe] 
•bätigt'^ie Warschritt noeh mit dexrt sogenannten Kiltgange z\\ 
-B^ißtnen-, -den bekanntlich Fischet .aius: dem jurae primae no^ 
^-ableiten wollte. Äec. beüitzt zwdi Schriften die über dc^ 
»Kilt^ang die iriet*kw^rdigj*ten AnfacUüsse geben; die Schri] 
teri neidse^ t >Beiinden> über die! Stafndesbestimmung der uneh<j 
44öhen Kindern Bern 1017./ un^dr. Zwei Ansichten roxi d< 
■ßtlÄndesbestittimung der unehel». > Kinder; Bern i8i7. ;. daraM 
Wgifebt' si^h dafs bisher der Kütgang, bei welchem es niclT 
-iiO unschuldig zTtgebtJ, als mancher sentimentale Reisende veij 
vi^heirt^ die Einkitung zur künftigen Ehe bei dem Lande il 
der Schweiz' laacht^. und in dfer iweiten ebenbemerkten Schril 
i(9* S:0.) wird versichert, dafs es eine Maitime de» Bernerischej 
Landvolks *ey 5 keine Ehe ohne vorherige SchwÄngerschafti 
0ie5childerung welche in den Schriften gemacht werden, sin^ 
niederschlagend, und begründen; den Wunsch, dafs die Gei 
^etigebung dem Uebel Einhalt zu thun versuchen möge. Di( 
^Vorschrift de» Entwurfs . (S. 39?0 niag hierzu ein zweckmä 
ftjges Mittel seyÄ- r** Sehr hatt kann in manchen Fällen abe 
-Satz S96, des^ Entwurfs werden^ nach welchem keine Ehe voll 
-sogen werden d'aif,: wenn sie nicht, vorher an drei aufeinandei 
folgenden Sonifitargen in der Kirche verkündigt worden ist. Ei 
kann mancW Lagen des Lebens geben, in welchen eine ra- 
•«^öhe Einsegnung northwendig wird , z. B. wenn der Verlobte 
•»dinell abreisen mufs und .dife Eh« nicht verzögert vterden 
kann, oder wenn eine Person die inr. näheren Verhältnisse mit 
Tefn^r andern' lelitev plötzlich bedeutend krank wird, und nur 
'durch Ehe den Ruf des anderen Theil« retten will. Soll hici 
^ine Dispensation gar nicht Statt finden ^ ao fügt did Gesetz 
-gebüng nlch%'Seken einer Familie einen nicht leicht «u vergü- 
tenden Nachthetl zu. Damit hängt Satz 403. zusammen, nach 
*wdcherti die Trauung immer öffentlich in der Kirche gesche- 
hen -sol. In derm eben genannten «weiten Falle ist also in 
rBern eflne-Efienicfet möglich, — Bei .Ehen von Personen ver« 
schiedenen ©laub^akbekenntaiCies ioU die Trauung durch ei< 



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Revtdirter {otwiirf «ine« Beroischeii CiWIgeiMklMiclif. ijF 

nen Geistlidien der Confession gescheheh , rti welcher sich- 
der Bräutigam hält. Warum soll es nidit gaois den Brautleu«^. 
ten heimgestellt virercjen , welchen Geistlichen' sie wjlhlen wol» 
len? Nach Satz 424, (die Sätze §. 4Ö9-*-423. handeln von 
dem Einsprüche und dem Verfahren dabei) mufs j«de ini Aus* 
iandt; geschlossene Ehe eines. StJEiatshürgers* von dem £hege« 
richte in Bern anerkannt werden ; doch hat die Anerkennung 
(wichtig -we^en der Kinder) rückwirkende Kraft (S. 424«)* 
Vierter Abschnitt, Von den Wirkungen der 
Ehe, Die Ehegatten sind sich gegenseitig eheliche Treue 
schuldiges« 42>.). Der Ehemann ist Haupt der Familie , er 
ist verpflichtet seine Fr&u zu sich aufzunehmen , ihr Schutz 
und eine seinem Stande nn# *V&rmdgen' gemäfse Versorgung 
zu gewähren und sie in ihr^ rechtlichen Angelegenheiten ge-, 
gen Andere zu vertreten (S. 438.). Es ist sehr zu billigen^ 
Mi der Entwurf nicht in ein groi-ies Detail der wechselseitig 
gen ehelichen Rechte und Pflichten' sich eingelassen hat. In 
Ansehung der Vermögensrechte der Ehegatten war die Regu- 
lirung im Entwürfe höchst schwierig ; von jeher war in Bern 
Streit ob eheliche Gütergemeinschaft dort^ gegolten habe, was 
richtiger geläugnet werden mufste (s. auch Schnell Handbuch 
desCivilr. S, o6B.); nach der geltenden Gerichtssatzung, er*, 
hielt die Ehefrau für die Hälfte de* zugebrachten Vermögens 
ein pririlegirles Pfandrecht auf das Vermögen des Mannes^ 
und die Satzung (Satz 1. Seite 4l,) bestimmte, dafs der Mann, 
kein Recht habe die Hälfte des Vermögens dpr Ehefrau su 
verb/auchen oder zu versetswn. Die Erfahrung lehrte die Un- 
«iclierheit dieses Systems , die Commission suchte , indem sie 
die älteren Grundideen beibehielt , die Sicherheit dadurch su 
hegründen , dafs sie der Frau für ihr Zugebrachtes sichere Be-* 
Weismittel verschaffte, und bestimmter^ Vorschriften über 
die Versicherung der Hälfte des Vermögens gab; In der er« 
>ten Rücksicht sollen nach Satz 439. die von der'Ebe&au dem 
Manne zugebrachten Vermdgensstücke eidlich geschätzt, und 
in ein Verzeichnifs mit Angabe der Schulden gebracht w^er* 
den; das Verzeichnifs soll 2fach ausgefertigt und in jeder 
Ausfertigung der Empfang des darin enthaltenen Werths v^n 
dem Ehemanne besdieinigt werden. Jedesmal , wenn der 
Ehefirau Vermögen anfällt, soll der ihn zuzuordnende Beistand 
dafür sorgen, dafs der Ehemann ihr die Hälfte des Zu gebrach-* 
ten sogleich yersiehere , und es soll ihm das Verminen nicht 
früher ausgeliefert werden bis er Sicherheit geleistet hat; 
(Satz 444.) nebei^ der besonderen Sicheirheit haftet noch das 
gesammte Vermögen des Ehemannes fär die Hälfte des Zuge^ 



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9^ AeritUrteK £ut«yiarC..(uat;s.B«drmsciu2n CivIlgesetebacUü;' 

brachten ; die Frau, kann dem EHeinclnne weder die Yersiclie 
r4iiig' der' Hälfte nacblajsaen noch auf ihrgesetj&llclies - Vorrecli 
anders Ver^iclit thun, als mit Ermäcbtigung der Vormunflj 
«chaftsbehörde (S. 446.) ,■ sie kann aber aucb , wenn sie dil 
Sichierbeit nachgelassen bat, .nachher wieder den Ehemani 
atur Versicherung anzuhalten (S; 44öj) ist der Ehemann aufse 
^taiid Versic^beriing zu geben, somufs er die Hälfte des Gut 
Ffandsweise bei der Vormundsdiaftsbehdrde hinterlegen, wel 
che ihm die Einkünfte« davon nach Abzug der Verwaltuiigs 
kosten verabfolgen läfst (S, 451.). Da« Vermögen welciiej 
der Frau im Zeitpunkte der Trauung als. eigenes Gut oder erj 
baltene Aussteuer angehört , so wi& dasjenige, welches ih^ 
während der Ehe anfällt, ist ,da» zugebrachte Gut uii(] 
geht auf den Ehemann über , der die darauf haftenden Schul 
den zu bezahlen 4iat.(S. 4i4.), was .der Ehefrau zur freiei 
Verfügung überlassen ist, heist vor behaltenes. Vermöge« 
und dazu gehören Kleider, Zieri*athen und zum persdnlichei 
Gebrauch der Frau bestimmte bewegliche Sachen, der von 
Ehemanne ihr zum willkürlichen Gebrauche ausgesetzte Ge^ 
halt, die vom Ehemann versprochene oder ausgerichtete Mori 
gengabe, alle von Seiten verwandten oder von fremden PersoJ 
»eri unter Bedingung dafs sie zur Vermehrung ihres vorbelialn 
tenen Gutes dienen sollen, der Ehefrau gemachten Geschenk(J 
(S. 435»). ünbezweilelt ist dies System viel einfacher und 
daher den Streit eher beseitigend als das der Gerichtssatz ungi 
und auf jeden Fall sichernder für die Ehefrau ; unterdrück! 
können jedoch einige Bedenklichkeiten nicht werden. Di< 
Ehegatten treten nacn diesem Systeme schon mit organisirteir 
Mifstrauen in die Ehe ein , und im Widerspruche mit de 
altdeutschen Ansicht, nach welcher die Ehefrau , welche den 
Manne ihr Höchstes^ was sie hat, hingiebt und sicn und ihn 
Person ihm anvertraut , wähl kein Bedenken tragien soll, ih 
zeitliches Gut ihm anzuvertrauen, fordert sie wie von jeden 
ihr fremden. Contrahenten , Sicherheitsleistung für ihr Gut 
Will man auch, nach deii Verhältnissen unserer Zeit, in wel- 
cher leider bei der Ehe der Gesetzgeber mehr die prosaische 
Seite als die idealiscbe Hervorheben mufs , von dieser Rück« 
sieht abstr^hiren , so. ist doch nicht zu läugnen daXs in vielen 
Fällen die Ausführung des Systems grofse Schwiet-igkeiten 
haben wird, . Wij soll es gehalten werden, wenn der Ehe- 
mann kein Vermögen hat, und daher keines verschreiben 
J^ann? ' wie! leicht kann es geschehen, dafs er selbst keine 
Bürgen antre£Fen kann? wie soll es werden j wenn das Ver- 
mögen der Eliefirau noch von yerschiedenen Ereignissen ab 



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RoTidlrter ^atmnt^w* BtrniMliei^ Gli«lge»»(i]moli«» #9 

Unct^ und <idi nicht eut IbestlrAoien iffst? welchen Anschlag 
macot man , wenn aas Venndgen nur in jährlichen Renten be«« 
steht? Höchst drückend kann endlich dies System bei Kau& 
Icuten werden; dadurch ^ dafs die Hälfte des Guts immer ver« 
sichert seyn soll , verliert der Ehemann die Möglichkeit der 
Disposition darüber I und es ist f(\r ihn ebensoviel als wenn 
ihm das Vermdj^en gar nicht siigebracht ^worden wäre. Reo. 
hesciieidet sich jedoch gerne dais über alle diese Funkte noch 
nicht definitiv abgesprochen werden kann, weil alles davon 
abhängt, welche Sestimmungen- der £utwurf über das Recht 
der Ehefrau sich für den £bemann zu verbürgen , über da« 
Recht der Ehegatten sich wechselseitig zu schenken , über die 
Behignifs Testament zu machen lind dergl, vorschlagen wird. 
DurÄ die Vorschriften über diese Punkte n/üssen sich erst 
die Schwierigkeiten ausgleichen, welche jetzt vorhanden zu 
seyn scheinen. Fünfter Abschnitt, Von der Tren- 
nung der Ehe. Die bestimmten Ehescheidungsgründe 
sind; 1) Ehebruch, jedoch so dafs wenn ein Ehegatte den 
Ehebruch seines Gatten selbst veranlafst hat ( dieser Ausdruck 
ist zweideutig , die zanksüchtige , häfsliche, oder die Ehe« 
frau, welche dfn Beischlaf ihrem Ehegatten ungerne gestattet^ 
oder welche die hübsche Verwandtin ins Haus aufgenommen 
hat, veranlafst gleichfalls den Ehebruch) oder aus einer 
strafbaren Absicht dazu behülflich war, er das Klagerecht ver^ 
Jiert (Satz 468.)* 2) Verbrechen und grobe Vergehen, wenn 
ein Ehegatte zur bürgerlichen Ehren Unfähigkeit nach sich zie-^ 
henden Strafe oder zu 4j ähriger Einsperrung oder Landesver- 
weisung^ verurtheilt worden. o) Erbliche odfer ansteckende 
Leibesgebrechen , welche die Erfüllung des Endzwecks un- 
möglich machen (welchen Entzweck mei/it der Entwurf? BeL* 
scldaf ist kein Entzweck). Wenn der Ehegatte auf ScheU 
düng anträgt, so soll das Ehegericht ihn anweisen, den An« 
dem während l8 Monaten durch patentisirte Aerzte besorgen 
KU lassen und dann ein Befinden von zwei Aerzten zu den Ak» 
ten zu legen« (Dies pafst nicht bei Scheidung wegen ImpOJ 
tenz ; aucii dürfte* als Bedingung der Klage wonl angenommen 
werden, dafs der Ehegatte die Krankheit oder das Gebre- 
chen des anderen Theils zur Zeit der Eingehung der Ehe 
nicht wufste» 4) Religionsänderung des einen Ehegatteni 
wenn der andere nicht einwilligt; dies ist nicht zu billigen^ 
so gut gemischte Ehen überhaupt bestehen können, eben s^ 
gut können sie puch fortgesetzt werden ; die Religion darf 
an begründeten Rechtsverhältnissen nichts ändern ; der Geist 
der Liiebe und der Eintracht fordert die Weglassung dieses 



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40 Eefidirtot Eatwuxf eine« Bernii^en CirUgeteubttdif; 4 

Scheidungsgrundes.. ' Aufgabe de« Landredits von JSeiti 
o^a Ehemanns, ^wenn die Ehefrau ihre Zustimmung nicht < 
tbeiltfe. 6) Böslich^ Verlassung (S. 464..) Wenn ein Eh 
gatte wegen Anschlägen, die sein Ga^te auf sein Leben,, seil 
Gesundheit oder seine Ehre gemacht, wegen gcober Mii 
bflndlupgen, die er von ihm erlitten , w^gender^unsittlichu 
AulEClhrung desselben, wegen anhaltender Vernadilässigu]'^ 
oder: anderer dergleichen Gründe auf ^Ehescheidung oder Ei 
aielluing der Ehe aptrHgt , so soll das Ehegericht die «Sache u 
tersudien und nach Eid und Gewissen dasjenige erk(nnei 
was es der. Ehrbarkeit geniäfs eracbt<;t (S. 46ä.). £inste 
lung soll nie iSngtr &h auf 2 Jahre erkannt werden. Im £h 
scheid ungsprQcesse treten als £igenthümlichkeiten ein, da 
der . QeKlagte eine Widerklage anb,ringen darf, dafs kein 
Farthei der anderen einen £id suschielien darf (Rec. kan| 
aitis den im Archive für civil. Pia^is Band II. No. 36. apg< 
gebenen Gründen nicht beistimmen) auch mufs im Urtbei 
linmer die Wartaeit| um sich wieder ku verheirath^n , m^g< 
geben werden; sie betr|[gt für den Unschuldigen 10 Monate^ 
ü^/den Schuldigen höchstens 4 Jahre (S. 472— *4.), Di^ 
l^lagerechte erlöschen durch Wiederaüssöhnung des Ehegatten 
wid die Unterlassung des beleidigten 'Ehegatten (der Aus<- 
druck ist unpassend, s, B« wenn vom £hescheidungsgrunde 
wegen Krankheit die Rede ist) binnen 3 Monaten vpn dem 
IJ^eitpiinkte an ^u rechnen als er suverljissige Kenntnifs vom 
S<^eidungsgrunde erhielt , seine Klage auszubringen « ist als 
Wiederaussöhnung auszulegen (S. 4ö0.). In der Reg^l soll 
d^r Ehemann seiner Ehefrau den Belauf ihres Verpiggens in 
Geld oder aicKeren Effecten heraus geben. Das. Ehegericht 
entscheidet auch , ob der schuldige Theil dem Unschuldigen 
eine Entschädigung ^u bezahlen habe (S, 474,) Dritter 
Titel, Von den» Rechtsverhältnisse zwischen 
Eltern und Kindern. Abschnitt J. Wenn das Ver- 
baltnifs dujTch die Ehe begründet' wird, Kinder 
welche während der Ehe oder 300 T^ge nach ^er Trauung 
derselben von der Ehefrau geboren werden» haben den Ehe^ 
mann zum Vater (S. 488.) ; d^sr Eheman kann den ehelichen 
Stand durch den Reweis anfechten , daf» es ihm vom 300, bis 
j80. Tage vor Vier Geburt physisch unmöglich gewesen , sei« 
^er Frau beizuwohnen; das Recht erlöscht, w^nn der Ehe« 
j^nai^n selbst die Taufe anordnet oder während der Nothfrist 
von 3 Monaten (zu rechnen von der Zeit an» wo der Ehe- 
ii^an^i zuverlässige Nachricht von der Geburt des Kindes ex* 
halten) seine Klage nicht anbringt (5, 49P.) * nach dem Tode 



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Emdixler £ntw«irf eine« BeraiMliea CiyilgeteUhyriiä. 41 

des Ehemanns haben das Anfeclitungsrecht sein« Erben mit 

Ausnahme der Kinder, welche er mit dieser Frau erseu^t* 
(S. 4910r B.ec. billigt diese Zartheit ^ weil die Kinder die 
Schande ihrer Mutter nicht aufdecken sollen. — Ein unebe» 
Ucbgebornes Kind erlangt den ehelichen Stand, v^enn seine 
Utem sich miteinander verheirathen (S. 49 2*)* -Die Eltern 
sind yerpfiichtety ihre Kindep zu erziehen, und für ihre 
Ebre^ Gesundheit und anständigen Unterhalt zu sorgen; die 
Vormundschaft sbehdr de soll darüber wachen, dafs die El« 
tern ihre Pflichten gegen ihre Kinder erfüll eif) auch sind ver* 
mögliche Eitern schuldig , ihren Kindern 9 wenn sie in die 
£be treten 9 oder das Alter der Volljährigkeit erreicht haben 
und ein eigenes Hausvyesen einrichten wollen « auf Abschlag 
ihres Pflicotheils eine Aussteuer zu geben (S^ 496.). Die 
Rechte w^elche de^i Eltern zustehen , um sie in den Stand zu 
iHzen ihre Pflichten gegen die Kinder su erfüllen 9 machen 
(Jie elterliche' Gewalt aus; sie wird von dem Vater als dem 
Haupte derFaqiUie ausgeübt, und ist der Vater bevogtet oder 
todt , so übt sie die Mutter , im ersten Falle mit Hülfe des 
Vogts, und im letzteren mit Hülfe ihres Beistandes^ so lange 
sie im Wittwenstande bleibt , aus (S. 498.). Die Eltern ha« 
Leu das Reeht die f^rziehung der Kinder zu^ leiten ^ sie zu 
ßeTu{s«und häuslichen Arbeiten '^anzuhalten , und wenn sie 
ihnen muth willig entweichen| oder von Anderen vorenthalten 
werden, sie wieder in ihre Gewalt zu bringen $ auch sind die 
lüiern befugt, ein migehorsames Kind, das weder durch Er« 
ni&hQungen noch durch erlaubte seiner Gesundheit unnach* 
theilige Züchtigungsmittel zum Gehorsam angehalten werden 
ianji, mit Bewilligung des Raths auf eine Zeit, die nie über 
2 Jahre und nie über die Volljährigkeit hinaus dauern darfp 
an einem ölFentlichen Enthaltungsorte einsperren zu lassen 
(S. 501.). 80 würdig in mancher Hinsicht diese Bestimmun* 
gen sind, so lassen sie doch manche Zweifel zurück. Dadurch 
dafs nur von älterlicher Gewalt gesprochen ist, und nach Satz 
49Ö. der Vater als Haupt der Samilie diese Gewalt ausüben 
90II, scheint es f djifs die Mutter gar keine Erziehungsrechte 
kat, so lange der Vater sie ausübt, und dies scheint um so 
oiehr angenommen werden zu müssen, als die Mutter nur die 
Gewalt nach S. 498. ausüben soll, wenn der Vater bevogtet oder 
tod istf Wie soll e^ nun gehalten werden, wenn der Vater z. B, 
ein Kaufmann , in Geschäften abwesend ist? soll die Mutter 
dann keine Gewalt haben und z. B. den Sohn zur Arbeit an- 
halten können ? Selbst wenn der Vater gegenwärtig ist , soll 
<Ue Mutter gar keine Q.echte haben über die Kinder ? soll sie 
bei jeder Ermahnung oder jeder augenblicklicUrnoth wendigen 



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4i lUnMkbir IfLnMuti eines BeraUche» Cmlgeietilmehs« 



Züchtigung «Y$t .die' Genehmigung dea Vaters einholen? Sollt« 
<s nicht zweckaiälsiger seyn,. die Rechte elterlicher Zuch 
von der eigentlichen Gewalt zu trennen ^ und die letzte den 
Vater zuzuerkennen , .jedoch so, dafs sie der Mutter nach den 
Tode oder während der Bevogtung des Mannte zustehen? — 
Wenn die Erbschaft der mütterlichen Grofseltern den Kinderi 
unmittelbar anfällt, so hat der Vater das Aecht, das Vermö 
gen ^o lange zu benutzen, als die Kinder seiner. Gewalt un 
fcerworfen bleiben ; wenn das Kind auf andere Art Vermöge] 
erwirbt < Über dissen Benutzung keine besondere Verfügung 
vorhanden ist*« .so «können die Litern nach erhaltener Erlaub 
nifs der Vocmundschaftsb^hdrde. den Ertrag desselben gan; 
oder zum Theil auf die>Erziehung dieses Kindes , oder wem 
•ie sichln unverschuldeter Dürftigkeit befinden , zur Verpfie 
gung. der .Familie verwenden (S, 502 — 87) ; in BetrefiF dei 
Muttergutst treten die Kinder in die Rechte der 'Mutter, trit 
der Vater in fernere Ehe, so soll er jedem Kinde, das aus sei* 
ner Gewalt kömmt 9 die Hälfte seines Muttergutes herausge^ 
feen (S. 505.), Gewifs sind diese Vorschriften passender ^ aL 
die Unterscheidungen der Fekulien, allbin dem Rec. schein! 
dafs noch immer zu viel unterschieden sey'; — woher dai 
VermÖgcui der Kinder komme, ist gleichgültig bei der Frage^ 
ob die Eltern Nieisbrauch haben seilen, der eigentlich docl 
nur eine Benützung des Vermögens zur Erziehung der Kindei 
ist, und wo in der Gemeinschaft zwischen Eltern und Kin< 
dem- keine Frage seyn soll, woher' das Vermögen hömmt 
warum soll auch erst die Vorraundschaftsbehörde entschel 
den? Nach dem Satze 503, schiene es als wienVi bei jeden 
kleinen Geschenke welches die Kinder erhalten , erst die El 
tern bei der Obervormundschaft anfragen sollten, was damii 
geschehen dürfte. Die Ausdrücke im Satz 502 — 5. dürftet 
daher auf jeden Fall einer schärferen Prüfung unterworfei 
werden. — Zur Gültigkeit eines Vertrages, welchen der Va- 
ter oder die Mutter mit einem unter ihrer Gewalt stehendet 
Kinde »chliefsen , ist erforderlich dafs das letzte mit Händeirt 
eines aufserord entliehen Beistandes handle , und der Vertrag 
durch den Oberamtmann bestätigt werde (S. 507.). Ein un^ 
ter elterlicher Gewalt stehender Sohn, dar mit Zustimmung 
derjenigen Person, welche diese Gewalt auszuüben hat, ein^ 
Stelle verwaltet oder auf eigene Rechnung einen Beruf aus< 
übt , kann sich den daherigen Erwerb zueignen wird abei 
durch die Handlungen die et in Folge jener Stelle oder diesei 
Berufes vornimmt, persönlich verbindlich, ohne dafs die El 
ternifür ihn einzustehen haben (S. 509.)* Die elterliche Ge< 



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Bevidiner Entwurf eia«ft B^rnisdiea Civilgetetsbvcklk 4f 

walt hört auf: mit dem Tode oder der Bevogtune der Eltern odetf 
des Kindes; 2) mit der Volljährigkeit des Kindes und d'ei' 
Herausnahme des YerinÖgens; yvivd das Kind nach dem An* 
tritt des 24- Jahres noch tortdauernd von seinen Eltern erhal* 
ten. so vrährt die elterliche Gewalt so lange fort, als dies 
Terbältnirs Besteht; 3) durch Veiheirathung des Kindes; 4) 
Jurch die Jafargebung ; 6) durch die Eingehung einer ferne« 
Ten Ehe der verwittweten Mutter (5. ölO.). 2, Abschnitt; 
Wenn das Verbältikifs aulser der Ehe entsteht; 
Hier fand in der Schweiz , insbesondere in Bern , ein merk« 
würdiges Verhäknifs bisher Statt; jede aufserehelich Gä- 
scWäng^rte mufste den Namen vor der sogenannten Geniefst 
anzeijjen , und wahrend der Niederkunft ein Examen über 
den Vater Lestehen ; gab hier die Mutter einen Namen an , 
so mufste , der Beklagte, wenn er die Vaterschaft läugnete, 
den Keinigungseid leisten. Mit Unrecht glaubt man , dafs 
dies nur in Bern vorgekommen sey; sehr umständlich erklä» 
ren sich auch andere schweizerische Rechte z. B. die Zürcher 
Ehegerichfsordn. (in Lieu eidgenossisches Stadt- und Land» 
recht. 1. Tbl. S. 430.) aber auch aufsei der Schweiz kommen 
alfiiliche Statuten vor; so helfst es z. B, in der Nassauischen 
Landesordnung von l498 Art. 75. wörtlich : ,.item der Vaiter 
des unehelichen Kindes, den die Motter zu den Zitten als sie 
des Kindes in^ Arbeit gehett der wisen Frauen und andeten 
so alsdan hei jr sint, bei Glauben und waren Worten offent- 
Vich nennen soll , derselb soll der Mutter ins Kindbett ge- 
ben etc.** Es scheint dafs man den Zustand der Geburts- 
schmerzen für einen Zeitpunkt gehalten habe, in welchem dSe 
Luge verstumme, und nur die vVahrheit an den Tag kommie. 
Die Comniissionhat, wie Rec. glaubt, mit Recht sich vdi^ 
der modernen Ansicht, alle Schwängerungsklagen aufzuhe« 
ben , nicht leiten lassen, sie hat den verführten und unglück- 
lichen Mädchen die Mittel , den Vater zu seinet natürlichen 
Pflicht aufzufordern, nicht abschneiden wollen, aber sie 
beugt den MifsbrMuchen und jenen Geldpressenden Versu- 
chen schamloser Dirnen vor, welche die Schwängerung»kla^ 
gen als Mittel des Gelderwerbs benützen; das Examen wäh- 
rend der Geburtsschmerzen (eine 'wahre geistige Folter) ist 
mit Recht aufgehoben worden, dagegen mufs jede aufser der 
Ehe geschwängerte Weibsperson öO Wochen nach der Ent- 
stehung der Schwangerschaft sie einem Mitgliede des Chorge- 
richts anzeigen (S. 611.) worauf das Gericht die Person über 
den Urheber i Ort , Zeit und Umstände der Schwängerung 
(ist hier nicht zu viel verlangt ?) vernehmen und ihr auftragen 



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44 Rendirtcr Entwurf euies Bemischexi CivilgeseUlmohfl; 

niiifs 9 zur Niederkunft awei Zeugeh herbeiaurufen » um sich 
die Zeit bescheinigen £u lassen (S. 5l3,). Das Ehegericht 
spricht das Kind der Mutter zu, welche das Kin^ erziehen 
iif\dl verpfiegtm muls , doch Jcaim der Vater verlangen , dafs es 
ihm zugesprochen werde. Die Mutter hat das Recht dieje«- 
ifiige Mannsperson , welche sie der Vaterschaft überführr, zu. 
einem Beitrage aur Verpflegung des Kindes durch das £he-v 
g^richt verurtheilen au. lassen, will sie von diesem Rechte 
iiicht selbst Qebrauch machen , so .kann sie hierin von der 
Gemeinde vertreten werden. Die Klage auf den Beitrag kann 
erat nach der Standesbestipimung des Kindes und nuiis bini» 
nen der jNothfrist von 3 Monaten angestellt werden (S,öi9.). 
Der Beklagte hann die Einlassung auf die Klage verweigern, 
"VV'enn er au beweisen im Stande i$t, ent\v'eder; 1) die Un'^ 
J9>dglichkeit dafs er an dem bestimmten Orte und zu der be« 
trimmten ^Seit die Schwängerung verursacht 2) oder das un« 
süchtige lieben der Klägerin, welcbt<8 sich unter anderen 
daraus ergiebt, wenn sie bereits ein Kind aufser der £h^ ge- 
boren , oder ihre gerichtliche Aussage über .den Urheber ih* 
rer Schwangerschaft abgeändert , oder 3) dafs Klägerin mit 
«iner entehrenden Strafe belegt worden (S, Ö22,;. EiÄe 
Weibsperson die die im Satze ^11. vorgeschriebene Anzeige 
au usachen unterlassen od'er durch ihr Verschulden unterlas<r 
^en hat, Zeugen zun Niederkunft zu berufen, verliert -ihr 
Klagereght (S, 533.). Eine Weibsperson die d^s 24. Jähr an- 
getreten , hat kein Klagerecht gegen einen Jüngling der das 
i 6. Jahy noch nicht zurück gelegt hat (S* 626.)« ^^^ Chor- 
gericbt sendet die instruirten Akten mit L|e umundszeugnis« 
sen an dos Ebegericht, welches die Farth^ien vor. sich be<» 
scheidet und auFmüncUiche Abhörung urtheiit. Bleiben nach 
beendigtem Fartheienvortrage dem £hegericht noch Zweifel, 
so kann dasselbe, wepn der Beklagte kein £hemann ist, auf 
den Reinigungs.* oder auf den E^rf'ülluugseid erkennen, je 
nachdem die Klägerin die günstigere Verinuthung för sich bat. 
Durch den ErfüHungseid beschwört die Klägerin die Thatsa- 
che, dufs sie zwischen dem 300. und dem 1^0. Tage vor ih-t 
rer Niederkunft mit keinem Manne fleischlichen Umgang als 
mit dem Beklagten gehabt; ähnlich wird die Formel des Rei- 
nigungseides normirt (S. 532.). Das £hegericht verurtheilt 
den Vater zu einem nach dem Vermögen aer Erwerbsfähig«» 
keit des ^klagten und nachdem Grad der Vollständigkeit des 
gegen ihn gefdhrten Beweises au bemessenden Beiträge, der 
ins aairückgelegtem 17. Jahre des Kindes bezahlt wird. Das 
. Ehegericht soll den Vater ies^ ui^ebelichen Kindes noch ilberdiefs 



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. . Rerklirtct Botwurf einet Benuiohttn Cirt%M«Ulm0liiL 44 

I / 

^ fiu einet EntBchädigungssumAie verurtbeilen^ welche erdef 
Gemeine zu bezahlen haZ^ der das Kind änf'fillt; die Summe 
beträgt nie über 500 und nie unter 50 Franken (S* 358, 9,)* 
Die Vater dcbaf't ^nes Abgesterbenen mufs durch ein von ihm 
eigenhändig geschriebene« unterschriebenes oder vor öfFentli- 
cher Bebörae oder vor Notar und Zeugen abgelegtes Gestand« 
nils bewiesen werden. Alle diese Bestimmungen sind aus 
dem bereits geltenden Gesetze* vom 13. April 1020 über Stan« 
desbestimmung der unehelichen Kinder genommen, sie sind - 
reich an 'weisen Vorschriften , scheinen aber dem Rec. in 
manchen Funkten zu hart; $o z» B. ist es hart, da& Mädchen 
Bu ndthigen, sur Niederkunft Zeugen zu rufen, und ihr 
das Klagere<^t abzusprechen, wenn sie die Zeugen nicht bei^ 
sog; zwar hat das Gesetz die Worte : ohne ihr Verscbul«- 
den hinzugefügt, und diadurch ist vorauszusehen^ dafs dar- 
über ^ ob sie die Unterlassung verschuldete, mancher Streit 
entstehen wird, bei welchem die Beweisführung dem Mäd* 
eben hart fallen mufs. Auch scheint da^ Erleiden einer. ent. 
ehrenden Strafe nicht im Zusammenhange mit dein Klageuv 
rechte wegen Schwan gening zu. stehen ; warum soll das Mäd* 
chen doppelt gestraft werden:? dadurcäi, dafs sie nach der 
Schwängerung ein Verbreche« verübt ^ kann «ie die Hechte 
nicht verlieren , welche sie aus der Schwängerung gegen den 
Vater des Kindes erworben hatte. Titel IV. V^-nrder 
Vormundschaitk Der kleine Kath ist- der oberste Vor« 
mund; in jeder Gemeine ist der Gemeinrath die ordentliche 
Yormundschaftsbehdrdje der. Gemeinshörigen; die. .Vormund«* 
schaftsb^hörden sind für allen Schaden verantwortlich, der 
einer untet ihrer Aufsicht stehenden Person deswegen zu» 
wächst, weil auf die Verwaltung der ihrer Geschälte nicht 
derjenige Fleifs verwendet worden ist, den ein ordentlicher 
Hausvater auf segie eigenen .Angelegenheiten verwendet 
(S. 54a,). Die Minderjährigen, die nicht unter der elterli* 
chen Ge'voalt stehen und nicht verheirathet sind, und die 
Volljährigep , welche von der. Behörde in der Verwaltung ih- 
res Vermögens eingestellt sind , sollen mit einem Vogte und 
die volljährigen nicht in der Ehe lebenden oder unter väter« 
Heber Gewalt stehenden Weibspersonen sollen mit einem 
Beistande versehen seyTi (S* 550.) , bei volljährigen hat die 
Vormundscbaftsbebörde die FjQicht und di« Verwandte ha- 
ben das Recht, auf die Bevogtung wegen geistiger und kör» 
perl icher Gebrechen anzutragen (S. 5%}».^* Das Verfahren 
dabei ist sorgfältig bestimmt (S. 554 -*• 7p.), Die Eltern 
sind die natürliqhen. Vögte ^et unter ihrer Gewalt stehenden 



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M R^tidirttfr Bntwuif einet BermMhen CiW1ges«txbochi. 

Kinder, die eigenes Vermögen hab«n , sie müssen jedesma 
wenn einem Kinde Vermögen anfällt , der Vormündscbaftsbe 

- hörde davon Anzeige machen, damit diese .die Atif'nahme de 
Verzeichnisses veranstalte. Tanfpfcnnige und Heine Gabei 
die den Rindern selbst zugestellt werden, sind von der Vor 
Schrift ausgenommen (S, 674.). (Rec. glaubt dal's die Be 
Stimmung noch immer drOckend genug bleibt und ans einen 
nicht zu billigenden Mifstrauen gegen die Eltern hervorgeht 
Höchsten» möchte man bei Vermögen das über eine im Ge 
setze zu benennende Summe sich beläufV) dies vorschreiben.; 
Jedermann ist verpflichtet eine aufgetragene Vogt ei über Per 
sohen zu ttbernehmen , die Angehörige der Gemeinde sind , 
gesetzlicheJEntschuldigungsgründe sind: 1) Würde «ines Mit- 
g'lied des kl^ineii Raths, Amt des 5taatssc)tre]bers , geistlich« 
Stand ; 2) Verwaltung von 3 gewöhnlichen- oder 2 beschwer« 
liehen Vogte$en| 3) Alter von 70 Jahren oder bedeutend« 
körperliche Gebrechen; 4) Wohnsitz aufserhalb des- Amtsbe- 
zirks (S. 584.). Ei^^e verordnete Vogtei dauert 2 Jahre, nach 
d<3ren Ablauf Niemand gezwungen werden kann^ die gleiche 
Vogtei langer zu verwalten (S. ö90,)» Der Vogt vertritt d'U 
Stelle des Vaters und leitet unter Aufsicht dei* Vormund- 
schaftsbehörde die Erziehung' des Minderjährigen (S.öi^l.)» »o 
oft der Vogt es notfawendig findet in Ansehung der Person 
oder desi Vermögens des Pflegbefohlenen neue Einrichtungen 
iu treffen, die wichtige Folge haben können, soHev.sich von 
der Vormündschaftsbehörde Weisung ertheileniJassen(S. 595.). 
Beim Antritt der Vogtei wird, ein Verzeichnifs des Vermö- 
gens aufgenommen (S. 697:); ein Pfiegbefohlener der das l8. 
Jahr angetreten und' gehörige Verstandesfähigkeitcfn besitzt, 
soll zur Aufeiahrale oder Anetkennung des V ermögen sverzeicb- 
hisses und zu allen wichtigen Berathungen über sc^ine Angele- 
genheiten' beigezogen werden (S. 600.). Einem Vögte wird 
hur derjenige Theil der fahrenden Habe des Pflägbefohlenen 
zugestellt, 3er zu dem eigenen Gebrauche des' letzteren noth«J 
wendig ist; das übrige soll an sicherm Ort aufbewahrt oder 
Viach Weisung der Behörde- öffentlich versteigert werde« 

• 1[S. 601.). Steht der Pflegbefohlene mit anderen Personen in 
Virier* QenieiHschaft von Rechten, so ist diese, wenn es ohne 
Nachtheil geschehen kann ,• aufzuheben. Zu Datlehen und 
zu allen wichtigen Geschäften mufs Consens der Vormund- 
schaft eingeholt werden (S. 605 — 11.). Die • Liegenschaften 
des Pflegbeföhlenen sollen nie ohne erhebliche Gründe un4 
verkaufsweise in der Regel nur an öffentlicher Steigerung 
verSufsert werden (S. 612.). Die Vormundschaftsbehörde| 



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Rerldlrter Sntwurf .fldq«» Ekmimhaa Civilgeieubuohs« 47 

mufs SU allen Verauf8eriuigen£riiifichtiguilge>rthel)eh(S.6l4.}* 
Der Vogt mufs alle 2 Jabre über die geftihrte Verwaltung 
Rechnung ablegen CS. 61 8.). E« tritt strenge Prüfung ein 
(S. 619 — 24J. Die Vogtei hört ^uf wenn der Pfl^gbeiphlne 
das 24. Jahr angetreten hat , wenn er sich verheirathet, odeir 
vom Rathe eine Jahrgebung erhält. — r Wphl mag manchem 
Leser ein Bedenken darüber entstehen , dafs nicht der Ent« 
Wurf den in neuerer Zeit so sehr gerühmten Familienrath 
aufgenommen hat^ allein Reo. glaubt , d^fs der Entwurf 
sehr Recht hatte , wenn er den französischen f^ämilien- 
rath nicht adoptirte ; eben so Überzeugt ist aber ^auch Rec. . 
dafs die Idee des Familienraths , welche rein germanisch i&( 
und in den älteren Schwelzerrechten eben so vorlcömmt^l mit 
der vom Entwürfe vorgeschlagenen £inry:htung leicht hätte 
verbunden werden können* Rec. sieht wohl ein f . dafs der 
Gemeinderath an die Stelle des Familienraths .gesetzt worden 
ist, allein warum wollte man nicht die Vorschrift ertheilen^ 
dafs dem Gemeinderathe zwei oder 3 Verwandte des Fflegbe- 
foblenen adjungirt würden? Besser als die gegen der Familie 
gleichgültigen GemeindeglifidßS... wissen den Verwandten die 
feineren Familienbeziehungen und können daher viel leichter 
zumBesten des Fflegbefohlenen geeignete Vorschläge machen; 
alle Vortheile diö der Entwurf beabsichtigt würden hierdurch 
erreicht und dife Tutel' hörte"iliAt"auf eineP*am{lienangelegen- 
beit zu bleiben ;* auch artet dies nicht in den eben so lästi- 
gen als \v^f3nig sichernden fran^örischen !|l*amüienrotk aus. 
Kec. würde a^ch nach den^ Beispiele def;,, n^eisiten nei^er^ia 
Vormundschaft^ordn langen eine Belohnung ; für • .dep Vormun4 
in Vorschlag bringen. So, wie die Meijischen.. einmal sindt» 
werden sie dadu,rch zur bes^erßn B.etreihui^fir .der Geschäfte 
angespornt .und . dem Schweizerrechte (s... Li^U eidgenos«. 
Stadt» und |^andrecht. 1« .T.hl. S^ 580^) ist^.dipse jSelohnüng 
nicht unbekannt. — Den Schlufs des Entwurfs macheii djb^ 
Abschnitte über die Geschlechtsbeistandschaft (S. 639 — 4Q.)f 
nnd» eine Beistandschaft der Abwesenden (S. 649 — 663.), 
Darüber, ob nicht die -ii U e rdi tt gs - drückende und manche 
Streitigkeiten veranlassende Geschlechtstutel besser weggelas- 
sen worden wäre 9 kann, wie Rec. glaubt, nur von demjeni» 
g^n, welcher die Lokal Verhältnisse der Schweiz ganz kennt» 
ein Urtheil gefällt werden. 

Die bisherige Anzeige, hat ihren Zweck erreicht ^ wenn 
sie das Publikum auf den an weisen und durchdachten Be- 
timmungen unfehlbar reichhaltigen Entwurf aufmerksam* ge- 
macht hat.' Mittermaier* 



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4$ Kon» Amt^igdB» 

f^pruü 'und ßfigtnmat, an der 'Strghtrafs^^ dem Neehar und im Oden 
ivald. JErifinerungsblätter för Freunde dieser^ Gegenden von A, 1 
Grimm» Mit 55 Kupfirtafeln^ Dartnstadt b, Leske, 470 S, in V2 

''Diese Schrift verdient vot manchen anJiern ähnlichen In 
halts aus dem Grunde ausgezeichnet und empfohlen zu wei- 
den, weil sie der geschätzte Verf. mit sehr vielen geschieht 
liehen Notizen , ort dem Resultate sehr mühsamer üntersu 
chungen, ausgestattet hat. Auch der Volkssagen gedenk 
der Verf. fleifsig ; dagegen vertieft er sich weislich nicht ii 
mahlerische Beschreibungen 4er Gegenden.' Die sauber ge 
Stochene Xupfertäfeln sind von Haldenwang und einigen an 
dem »Künstlern. -^ Die vielen Nachrichten von den Spurei 
des Aufenhälts' dejr Römer in Deutschland,' die in diesoi 
Schrift vorkommen, haben in Rec. von neuem den Wunscl 
aufgeregt /' da fs wir doch 'bald ein Werk erhalten mögten 
welches diesen Gegenstand — vestigia Roman or um in Ger. 
tnani^ — vollständig behandelt. . 



f/eber den am 3o« jiprä iSai erfolgten Blitzschlag, auf dem KircJtthurml 
zu Rofsstaü im Jifizatkreise u, s. w. Von Dr, J» C, tf, Ye l in u, s, w 
mit einer KUffertafeL München 1823. 19 «S*. 8.* 

Auf die»e kleine aber gehaltvolle Schrift wollen wii 
Dicht verfehlen * alle dierjenlgen aufmerksam äu mächen , wel- 
che Gebäude durch Blitzableiter zxx sichern wünschen, im; 
bei <le» vielen und oft einander widersprechewden VorschriP 
ten hierüber das Urtheil eines gründlichen Sachkenners zti 
benutzen. Einen- Auszugs* oder Überhaupt ' liUr den Inhall 
näher ansugebeii , verstatti^t ' defr Raum unserer Zeitschrifi 
Yiidit. 



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N. 4 1824. 

Heidelberger 

Jahrbücher der Literatur. 



Desaifftion geologique des erwiront dt Paris, par M, M, G, Cuvier 
tt Jlex. Brangniart. NouvelU Sdäion, dans laqueüe on a üv 
leri la descripäan ePun grand nombre dt Ueux ttAUemagtu, de U 
Suisse, de FltaUe etc., qui prdsentent des terrains analogues ä eeux 
du, hassug de Paris. Avec a Cartes et i6 Planckts. Paris , cAes 
Ikfmr et E. tPOcagne. i8aa. f7£(. et 4^0 p. in 4« 

Die Gegend f in welcher die Hauptstadt des Fransdsi« 
sehen Reiches Hegt , gehört, was die Folge der verschiedenea 
<ie zusammensetzenden Felsgebilde und die von denselben 
umschlossenen aufserordentltchen Üeberbleibsel eines vorzei« 
tigeo Thier - und Fflanzenlebens betrifft f zu den merkwür« 
«iigsten, welche bis daher beobachtet worden. 21ahliose 
Meeresmuscheln , mit denen regelmäfsig Süiswassermuscheln 
virecWln , bilden die Hauptmasse; Gebeine von Liandthi«- 
Ten, gegenwärtig selbst den Geschlechtern nach gänzlich un- 
kebmit, erfüllen gewisse Theile des Gebietes; andere Ge» 
Wne, ausgezeichnet durch ihreGröfse^ und von Thierge- 
scblechtern abstammend , deren lebende Analogen nur in sehr 
^ernlandischen Gegenden getroffen werden , finden sich zer« 
streut in den obersten Lagen ; ein sehr bezeichnendes Merk- 
inal einer gewaltigen , von Südost her eingetretenen ^ Irrup- 
tion liegt m den üestaltverhflltnissen der Vorgebirge und in 
den Richtungen der bedeutendsten Hügel ; mit einem Worte» 
^sgiebt nicht wohl eine Gegend, mehr geeignet uns zu be» 
lehren über die Umwälzungen, durch weiche die Bildung des 
Festlandes vollendet worden. — Und dennoch war das Ge- 
l)iet) von dem die Rede, bi3 zur neuesten Zeit in geogno- 
itisch -geologischer Beziehung nur wenig erforscht werden, 
^ie ADhandlung von Lamanon über die Gypse und die 
von denselben umschlossenen versteinerten Knochenreste, die 
Beschreibung des Montmartre durch Desmar'ets und die 
^on demselben Gelehrten gelieferten Nachrichten über das 
Beden der Seine, der Versuch einer mineralogischen Skisze 
<ies Departements von Paris durch GiUet de Laumont, 
«^n^iilch die umfassenden und schönen Untersuchungen La* 
XVII. Jahrg- , i. HcÄ. 4 



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60 . Descript. göol. des environsde Pari^. 

mai^Gks über die fossilen JMuscheJn in d^sr Ümgegeiid dec 
Hauptstadt uild die gedgnostische Bescliteibung von Coupe, 
müssen zwar allerdings als WerthiroUe Vorarbeiten gelten, 
j^lein j^e Abbandlungon-aind^doch alle weiriger oder meht 
«a«a einseitigem Ge«ichtd]^if]efe^ auf^^efafst; bald best^bäftigen 
sie sieb ausscbliefslich mit dem Mineralogischen ^ ohne dafis 
auf die so denkwürdigen orgünischen Ueberbleibsel auch nui 
die mindeste Rilcksicbt genommen worden^ bald sind sie 
rein geologischen Inhalts , so , . dafs man die Lagerungsweisc 
der fossilen Körper, oder die I^elsarten, von welchen sie ein- 
geschlossen Werden y nicht gehörig beachtete« JJen VerfaSJ 
Sern bleibt sonach das wohibegründete Verdienst ^ von dei 
-Pariser Umgegend das erste umfassende geognostisch-geolo« 
gische Gemälue geliefert zu haben ^ zugleich machten sie uns 
mit ein er^ Menge höchst wichtiger neuer Thatsachen bekannt 
und mit mehreren Gebirgsarten , die späterhin zwar auch an 
andern Orten nachgewiesen worden^ allein, ohne die. JVXei- 
^sterarbeit der Herren C u v i e r und Brongniart vielleicht 
noch länger einer sorgsamen. Beadbtung sicn entzogen haben 
würden. 

Die erste Ausgabe des vorliegenden Werkes , das mit 
dem gültigsten Hechte als Epoche machend in unserer Wis- 
senschaft angesehen werden nlufs^ erschien im J. l8l(); da 
eine Anze'ige derselben in unsern Jahrbüchern versäumt wur- 
■de^ 80 erachten wir uns verpflichtet bei dieser neuen Aus-* 
gabe^ die, um der vielfachen gehaltreichen Zusätze willen, 
als ein neues Werk gelten kann , so lange zu verweilen , als 
die Wichtigkeit des Buches solches verlangt und der Raum 
dieser Blätter es gestattet. 

Die geognostische Beschreibung der Gegend von Paris 
«erfilllt in drei Hauptabschnitte. In dem ersten werden die 
.verschiedenen Felsarten aufgezählt und charakterisirt, welche 
den Boden der in Frage liegenden Landschaft zusammensetzen« 
Der zweite Abschnitt liefert sehr umfassende Angaben über 
ihre geographische Verbreitung, nicht nur um Paris und in 
andern Gegenden Frankreichs, sondern auch im Auslande. 
(Die letztere, in so niannichfacher Beziehung interessante und 
wichtige Aufgabe hat Herr Brongniart mit vieler Umsicht 
gelöfst. Er Weist nach, wo an verschiedenen Orten in 
Deutschland, England, Italien, Spanien, in der Schweiz 
und selbst im nördlichea Am<^rika Glieder der ' sogenannten 
Pariser Formation, einzeln oder zu mehrern gruppirt, vor- 
kommen und unter welchen (Jinständen sie gefunden werden, 
und erwirbt sich durch diese Angaben ein hohes Verdienst, 



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Descript. g6ol. det enrironi de Paris« 5t 

V indem er suy genauen Untersuchung so mancher Gegenden an« 
regen wird y deren Gebirgsgesteine bis jetst aus nicht rich- 
tigem Gesichtspunkte beurtheilt wurden.) Der dritte Ab« 
schnitt enthält die Nivellements und Durchschnitte und all- 

Semeine. Betrachtungen über die gegenseitigen Beziehungen 
er geschilderten Formationen unter sich. 

Die verschiedenen Glieder des Gebildes sind nach ihrer 
relativen Altersfolge: 1. Kreide; 2. Töpf'erthon, 
Braunkohle und Sandstein; 3. Grobkalk und 
der ihn häufig begleitende Sandstein; 4. kieseliger 
Kalky Knochen*Gyps und S üls wassermergel; 

5. gypsiger Meeresmergel^ Sandstein u. Sand, 
Kalk und Mergel (alle als Meeresahsetzungen geltend); 

6. pordse Quarzgesteine (^Meulieres) mit und ohne Mu« 
schein ^ Süfswassermergel, endlich angeschwem m« 
te s Li a n d und R o 1 1 s t e r n e. 

Wir wollen , mit Rücksicht auf eine vor uns liegende 
sehr vollständig<e Reihenfolge der Pariser Gebirgsarten^ die 
Hauptzüge der Charakteristik derselben mittheilen. 

Die Kreide, das älteste Gebilde der Gegend , dasje« 
nige, welches alle übrige untei te ift, geht nur selten zu Tage 
aus. Ihre Oberfläche mufste, ehe dieser ältere Boden durch 
die verschiedenen neuern Formationen überdeckt wurde^ 
sehr ungleich gewesen seyn ; Vertiefungen und Hervorragun« 

5en bildeten Tbäler und Hügel. Diese sind noch erkennbar 
urch das Hervortreten der ICreide aus den jungem Gebilden 
an mehrern erhabenen Stellen; das Vorhandenseyn der Kreide 
in jenen ist -nachgewiesen "durch den Steinbruchbau und 
durch Ausgrabungen zu anderem Behufe angestellt* Die Krei«' 
deablagerung ist sehr mächtig« Deutliclie Schieb tenabtheilung 
wird nicht wahrgenommen, nur in der Art wie die, für das 
Gestein Bekanntlich sehr bezi^ichnende, Feuersteine vertheilt 
sind, liegen unverkennbare Andeutungen jenes Verhältnisses ; 
dagegen sind die Kreidemasjsen häußg von fast senkrechten 
Spalten durchzogen. Die Felsart läfst drei, durch Lagerungs- 
Verhältnisse und mineralogbche Merkmale verschiedene Ab- 
änderungen wahrnehmen : gewöhnliche weifse Kreide ; gcgme 
und sandige , statt Feuersteine meist Hörn steine einschlie« 
fjende Kreide (genannt craie^tufau) und die durch chlorit- 
artige Einmengungen bezeichnete Varietät (craie chloritee 
oder glauconie crayeuse). Zu den interessanten Entdeckun- 
gen neuerer Zeit gehören die Krystalle von schwefelsaurem 
otrontian , welche man unfern Meudon nicht nur in den 
Feuersteiilagen, sondern auch auf den Wandungen der Klüfte, 



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52 DeScript, g^ol. da enrirons de Paris. 

von denen die Kreide so häufig durchzogen wird \ gefunden | 
hat. Mehrere Pariser Sammlungen haben ausgezeichnete ' 
Krystalle der Art aufzuweisen. Die von der weifsen oder 
ohern Kreide eingeschlossenen Versteinerungen (eines der 
-wesentlichsten geognostischen Kennzeichen) sind: Belemni* 
test Lituolitesy TrochuSy Ostrea^ Catillusy Crania^ 
Pecten^ Plagiostomaj Mytilus^ Ter^bratula^ Magas^ Spi" 
rorbisy Serpula^ jisterias^ Ananchites ^ Galer Uesy Spa" 
tangus und Millepora* Auch nicht eine Gattung dieser 
fossilen Thiere kommt im GrohkalJc vor; die Kreide seigt 
sich mithin von der zuletzt genannten ^ über ihr gelagerten 
Gebirgsart wesentlich verschieden und es ist , so viel man bis 
jetzt darüber abzuurtheilen sich berechtigt achten darf 9 auch 
nicht einmal ein Uebergang beider Felsgebilde wahrgenom* 
men worden ^ weder bei Paris , noch an einem der andern 
bekannten Orte ihres Vorkommens. Dagegen zeigt sich die 
Kreide bei weitem weniger scharf geschieden von dem Kalk« 
stein, auf welchem sie ihre Stelle einnimmt, so, dafs gegen- 
seitige Uebergänge, oder wenigstens Anräherungen w^ahrge- 
nommen werden. Ausgemacht ist namentlich, dais die Kreide 
anderer Länder versteinte Muschelgattuilgen einschliefst, 
welche man bis jetzt in^der Pariser Gegend nicht gefunden, 
Gattungen die denen im Jurakalke vorkommenden sehr 
ähnlich ^ind, wenn sie nicht als vollkommen identisch mit 
denselben gelten müssen» Diese Thatsachen beweisen , dals 
die Kreide keineswegs, wie man bis daher zu glaubenge- 

• nöthigt gewesen, den, Formationen von sehr jugendlichem 
Alter zugehört« £ine Meinung, welche veranlasste , dafs die 
Charakteristik dieser Felsart durch manche, irriger Weise 

, ihr beigelegte , Merkmale schwankend geworden , indem 
man nämlich gewisse kalkige Mergel und andere' Dinge mit 
der Kreide zusammenfaiste, Gesteine, die weder in mine- 
ralogischer^ noch in geognostischer Hinsicht dazu gehören. 
Bemerkungen über den durchaus ungünstigen Einfiufs; wel- 
chen die reine Kreide auf das Pflanzen - Wachsthum übt« 
Mehrere Gewächse lassen sich selbst im dürren Sande an« 
bauen , aber die Kreide hat man bis jetzt vergebens urbar zu 
machen gesucht. £in Glück für die Pariser Gegend ist , dafs 
dies Gebilde, wie bereits bemerkt worden, im Ganzen nur 

" selten ohne Ueberlagerung erscheint; sonst würde die Land« 
Schaft, di^e Hauptstadt umgebend, vielleicht ein nicht min« 
der trauriges Bild gewähren , als dieses in der Champagne an 
so vielen Stellen der Fall ist. (£inen auffallenden Gegensatz 
bietet , in dieser Beziehung , die Englische Kreide , welche« 

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Descript. g^o). dß$ eilviroDs de Parii. 6S 

wie uns noch neuerdings öo n y b e a r e und Phillips in 
ihrenf dassischen Outlines qf the Geology flf Eneland and 
JVtdes versichern , einen ungemein fruchtbaren Boden lie-* 
fert und wo selbst die aus Kreide gebildete Dünen treJBFliche 
SchaafWeide abgeben.) ' ;v • 

Fas(t die ganse Oberfläche der Kreidemasse ist mit ei^ 
nem Töpferthon und' Brau nkohl en*Ge!b ilde über- 
deckt. Der Tdpferthon ( argile plastique ) iat w^ifs^ 
grau undjrötbUch von Farbe y vor dem Lfdthrohr unschmels* 
Kar und enthält, nach Berthiers Zerlegung, '24^-3^5 
Thon, 64 — 56 Kiesel und fZ — l3 Wässei*. Mari 'findet 
zwei Thonlffgen, Die obere ^ von den Arbeitern JnUj^ies 
glaises genannt , ist sandig und schvrärzlich und von der unf» 
tern , deren Kennzeichen bereits angegeben worden 9 durch 
eine Sandschloht geschieden. - Jn der untern ' Töpfer thonlage 
iommen nur höchst? selten organische Uehc^rhieibse} vor,' dtl 
welchen die obere Lage mitunter isehr reich ist und durch die 
sie auf eigen thüm liehe Weise bezeichnet wird; Die Braiin^ 
kohle (lignite ou bois fossile bitumineux) '^eigt eich bald 
in blofsen Spuren verkolilter Stämme, Zweige oder Blätter, 
bald erscheint sie von voUkonamener Holztextur und unte^ 
der Gestalt,- wejche die begrabenen Bäume hatten , aas de« 
nen die Ablageruilgen bestehen; oder sie bildet in Schichtefn 
abgethöilte Lagen erdiger Massen. In diesen Lagen» oder in der 
erwähnten Sandschicht, oder in einer thonigencMergelkge findet 
man häufig £isenkiese und einzelne mehr oder U^eniger grofse 
Bernsteinnieren. Diefossilen Muscheln, welche sehr gewdhn'lichl 
und mitunCerin bieträchtlicher-Menge^ die obere Ablagerung dek' 
Tbones , oder des kohligen Mergels , begleiten, gehören, was 
die lebenden ähnlichen Gattungen betriSt, theils den Meeren 
theilsdensüfsen Wassern an. Sie erscheinen in ungemein schmäle 
aber dennoch deutliche Bänke versammelt und- finter einander 
gemengt, -jedach so, dafs man leicht sich überaeugeh kann, dafs 
die Suis Wassermuscheln der Braunkohlen «Formation angehö« 
ren. — Die Gesammtheit der Merkmale trägt das Thon- und 
Braunkohlen »Gebilde nur im Soissonnois, namentlich in der 
Gegend von Vauxbuinj das Becken von Paris hat die For- 
mation nicht in ihrer Gangheit aufzuweisen. Was die fossi- 
len Körper betrifft, v die am häufigsten in den Thon- und- 
Braunkohlen -Ablagerungen vorkommen, so gehören dahin 
von Ueberbleibseln der Thiere , welche die sülseh Wasser 
und die Oberfläche des Landes bewohnen: Ranorbis^ Fhysd^ 
Limneusy Paluditiaf Melania$ Melanöpsis ^ Nerita^ Cy^ 
renal in deai Gemenge der obern Schichten erscheinen von 



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^4 Descript. g^oL des enYiitms ^ß Paris« 

Jüeeresmuscbeln: Cerühiumy ätinpullaria vLni rOstreä^ end-- 
jich Meeres- und Sumpfpflanzen. Töpfertbon und Kreide 
unterscheiden sieb mithin wesentlich durpb die^ or^ni^chen 
Reste, yi^ eiche $\e eingeschlossen Enthalten, . uniieiri üeber- 
gang beider Gebilde hat nicht statt; darauf erglebü sich, dafs 
tfie un^ter wesentlich verschied^en Verhältnisse«: entstanden 
sind,. — Aufspi: dem Pariser Boden findet msixi die jTöpfer- 
tbon<r upd Braunkohlen - Formation noch an mthrern Orten 
in Frankreich, ferner in den' Rheingeg^ndeii, voraüglicb 
l^ber um Lpi^dön ,, wo «Jer Töpferthoii Xplutstic^pluy-y nacl^ 
^ex' ,f^«führ]ichen Schilderung vpn B u c k 1 a nd,. dies^e Stelle 
einpiitimt, \vie bei Paris , "^ d. h. über der Kreide; endlich 
Wiird. jene Formation in der .Scbweis getrQffen^ im 7i$rdliif 
^hen Amerika u. s. w. 

Auf den T^pferthon folgt der Grobl^alk {fioieaire 

frossier^ und die ihm zugehörigen, J^eer.esmu$cheln ifübren* 
^iri Sandsteine (gres eoquüliers marifisX Diese Formation — 
SQ; interessant durch ihre Zusaiiimensetzung und an 4er e Yer«- 
bSUni^^eiK undbis zur Zeit de); £^rsicih.einung der ersten Ausgabe 
des vorliegenden Werkes ganz yeniachl^ssigt, in Deutsdhland 
i^ogar bi$ auf die neueren Zeiten mifskannt — - aeigt si^h in 
de;r Gegend, mh Pari' bei weitem ausgebreiteter, imd nian- 
9ichfacher,^<dls jetie dfsr Kk*eid<?. Si^e bildet, in der ]){|^itt& dei^ 
"^^1% . ged^ehnteu Kr^eidebeckens , eip grof]ses , von ' Thälern 
dui-chsi^hnittepes , Plateau, dessen Oberfläche theils uhbe-^ 
de^k^ i^t Cwiß namentlich auf dem nördliche^ Seineufer zw i- 
,scbe|;L der£pte und de^ IVJarne) , tb^ils von Gypsmassen luid 
Qai^d^treifeii überlagert wird, Dex Qrpbkalk ruht übrig en^ 
]?ijpbt jMjnmi.ttelbar auf dem ThX»n ; er zeigt sieb hMu&g durcb 
iimß mehr . tAiid i^^niger mjlchtige Sandschicht davoii geschie- 
den , vpn.der sichinicht mit Gewij(sheit sagen läjpst, welcher 
ViOp beiden KprqiatiQnen sie zugehört. Dal» Kalkgebilde }>ee 
sjüei^t aus wechselnden Schiebten von mehr und mindfsr festem 
Grqbkalk, von tbonigem und von kalkigem Mergel, welche, 
i^ der weiten. Erstreckung des untersuchten Gebietes , ge« 
la^u dieselbe Lagßrungsfolge wahrnehmen lassen. Die ersten 
X'agen, die am meisten bezeichneten der Kalk -> Fprmation, 
sind ^ehr sandig und zuweilen selbst mehr sandig , als kalkig. 
Iper Kalk nic^t nur, sondern auch djer Sand enthialten fast 
Ätets G,r A n e r d e in staubartigen Theilchen, oder in Kör- 
i^ejcn eifigßmengt. Pieses Eisen-Silic^t , das ) nach den Jlesul- 
tat,en ^er . B^ |;.t b i e:r * sehen Zerkgung, grofse üebereinstim« 
n>K16 zeigt, mit ,dem bekann^^,}(OSBiJ von Veir^pna, ist blofs 
auf die. ]Lint^i;n Kalkschicbten . bes^htänkt ,, . Weldbte äcbi^bten 



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Deaflripf. g6olf in enviroas de Paris« .. 6i 

auü^erdem . »ocb durch «ine gewaltige Menge fossiler Mu«« 
(cheln bezeichi^et werdon f die sie enthalten., Muscheln den 
jetz lebenden Gattungen dei weiten» mehr fremd ^ als die in 
den obern Lagen eingeechlossenen. Hier findet man nament« 
lieh die N am m u 1 i t e n (^^amdrines) tbeils allein , theils im 
Gemenge mit Madreporen. Die meisten Muscheln dieser 
Schichten 9 wozu, aulser den eben namhaft gemachten^* 
4straea.9 Turbinoliaj fkeieporites ^ Lunulitesy Fungia^ 
Cerithiumf lAiditißj Cardium^ Voluta% Crßssa(ieUa^ Tur* 
ripelU ^nd Qstrea gehören » zeigen sich meist ganz , v^ohl 
erhalten , - mitunter gelbst noch perlmutterglänzend und sind 
Wicht ablösbar von dem sie einscbliefs enden Gebirgsgestein. 
Die übrigeii Schieb tensysteme sind minder deutlich , Die 
mittlem JUdgen enthalten eine sehr grofse Zahl Muscheln^ 
lu den am meisten ausgezeichneten (die Gesammtzahl der 
Arten beträgt beinahe 600) gehören.: OrbitoUbest Carditas 
09üliteff yj^lvealües, Turritellaj Terebellum^ Cßlyptrßea^ 
hctuncülusj Cithereaj Miliolites und vielleicht einige Ar« 
ten von Cerithium (aber nicht C giganbeum^ welche Art 
(iusscbU^sUch den untern Schichten zusteht und nicht C, la* 
yiiumt pabrioolutUf cihcbum und pligabum% 90 wie einige 

! andere, die. nur in der ^weiten Meeres -Formation , welche 
den Gyps überdeckt, vorkommen), Fa<t alle diese Muscheln 

I gehören der .JBank von Grignon an und wurden von La*» 
'Qarck beschrieben. .Unter den Sphiphten findet sich eine, 
die bald weich und von grünlicher Farbe ist (was aur 3enen<« 
»H banc i^erb Veranlassung gegeben hat)^' bald hart und 
gelhlich. Sie schliefst häufig in ihrer uptern Hälfte Abdrücke 
Brauner Blätter und !anderer Ffianzentbeile' ein, untermengt 
mit Cerithieny Ampullarien u .a^ Meevesmuscheln, Die mei« 
iten der sehr deutlichen und mannichfachen Bl^tterabdrücke' 
lassen sich auf keine der bekannten Meerespflanzeri zurück». 
führen. Das dritte oder obere Schichtensystem enthält we« 
J>i§€r Muscheln als die beiden vorhergebenden, es gehöre» 
dahin; MilioUies (jedoch im Ganzen seltner), Cardium^ 
Lucira , ^impuUaria^ Ceribhium (namentlich buberculabum^ 
viutabile f lapddum 9 pabxi^ium u, a. aber nicht C* gigah^ 
teum)^ Co^bula Uy, s. w* Weber dieser letzten Lage de» 
Grohkalkes f^en die h£urten und dann die weichen Halkipergel 
und beide . sind geschieden vpn einander durch thonigej» 
Mergel und» durch kalkigen Sand. In diesem vierten Sy* 
«tem werden die Fossilen Muscheln meist fast gfinz vermifst, 
^ie B^nke^s zweiten und dritten Systems schliefsen hin 
und wieder Lagen Von Sandstein ein und Massen von Hörn« 



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66 Deictipt. gM- dn eaviroa» d« Paris. 

«tein^ die mit Afeeresmuichehiy wie: CidfpirMß$ Othpaf 
j^TtäiUaf F'oltUaf FusuSf Ceritkiums JmpuUaria^ Nueuia^ 
Cardiur^f yenericardia $ Cythereaf f^enus und Lucina 
ganz erfüllt sich zeigen. Zuweilen werden die Kalkbänke 
von diesem Sandstein vertreten. Die Muscl^eln sind 
weifs, kalkig und alle Wohl erhalten. — Ausführliche 
Angaben tther die Verbreitung des Grobkalkes in dem Pari» 
ser Becken und in andern Gegenden von Frankreich, dann 
in Spanien, England (das Bassin von London ^seigt eine 
denkwürdige Ueber einstimm ung mit jenem von Fatis)^ in 
der Schweiz 9 in Italien (namentlich im Yal Aonca)) in 
Deutschland (Maynzy in welcher Gegend das Gestein sehr 
verbreitet ist und in den mahnichfachsten und schönsten Ab. 
änderilngen vorkommt ; Ebenen um Wien, beschrieben durch 
Herrn rrevost), in Ungarn (nadi der Schilderung des 
Herrn Beudant}^ in Aequmoctial - Amerika (nach den seit- 
dem bekannt gewogenen Angaben. des Herrn voi^«Huni» 
k oldt) u. s. w. . > ' 

Die Lagerungsverhältnisse des auf den Xjrobkalk folgen* 
den Gebildes ^ des kieseligen Kalkeis (calcßite siliheuoc^ 
waren weniger leicht ausKumitteln, indessen ist er d,en Ve'rff. 
gelungen; weit genügendem Aufschlufs zu geben, als in der 
ersteh Ausgabe« Der kieselige Kalk nimmt seine Stelle Über 
dem Grobkalk ein und vertritt denselben sogar mitunter^ 
wie es den Anschein hat^ ohne indessen der Formation <di 12- 
* ses Gesteines anzugehören. Er ist ein , durch das Ganze 
seiner Masse 9 von Kieselsubstanz durchdriingenener Kalk, 
weifs oder grau und umschliefst viele kleinere und grdfstrre 
Höhlungen« Von Fetrefacten enthält er, bald mehr bald weni« 
ger häung , Süfswassermuscheln; Seine Verbreitung ist sehr 
bedeutend; denn er setzte ohne, von einem andern Gebilde 
unterbrochen zu werden , ein unermefsliches Plateau zusam* 
meh. Die mit dem kieseligen Kalke wechselnden Mergel ent« 
halten einen Magnesit, ein fast reines gewässertes Silicat 
der Talkerde (nach der Zerlegung, des Heren Berthier). 

'Die zunächst folgenden Formationen , die des Kno- 
chen führenden G y p.s es (Oypse h ossemens) und der 
Suis Wassermergel {Marnes d'eau doiue)$ und jene 
dergypsigen Meeresmergel (Marnes g^pseuses ma^ 
rints) erscheinen in denv Pariser Boden , ihrer verschieden- 
artigen Entstehungsweise ungeachtet , fast stets, miteinander, 
und, was besondere Beachtung verdient^ das zweite Gebilde 
begleitet den Gyps bei weitem häufiger, als die über ihm ge- 
lagerten Sand - und Kalksteine , obwohl die letstern, gleich 



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D«t«ript. g^I. des entiraai de Paris. 57 

d«ii gjpsigm Mergeln , meeriscben Ursprungs ind, '•— Die 
Gyps «* Formation setst nicht» vrie der KalJc, weit erstreckte 
riateaus susdmmen; sie bildet am häufigsten vereinzeinte 
HCigely welche theils auffallend konisch gestaltet sind, theils 
eine mehr Iflngliche Form haben und sich immer sehr scharf 
Jtegrenzt zeigen. Sie besteht aus wechselnden Liagen von^ 
Gypsy yon thonigem Mergel und von Kalk, welche ohne 
Ausnahme die nämliche Folge wahrnehmen lassen^ und nimmt 
ihre Stelle unmittelbar über den Meereskalk ein. Der 
Montmartre ist eine der lehrreichsten Stellen, um von die- 
sem so merkwürdigen Gebilde eine genauere KenntniJb zn 
gewähren und die arofseni seit $o langer Zeit daselbst betrie* 
Denen , Steinbruchbaue , die gewaltigen dadurch entblöfsten 
Wände y erleichtern die Betrachtungen des forschenden Geo- 
gnosten in hohem Grade. Man erkennt am Montmartre, wi6 
an den Hügeln , welche als Fortsetzungen desselben erschei- 
nen , zwei Gypsmassen. Die untere ist aus wechselnden^ 
wenig mächtigen Lagen von krystallinischem Gyps , von fe- 
sten kalkigen Mergeln und von sehr blättrigen thonigen Mer- 
geln zusammengesetzt. In jenen werden vorzüglich die grofsen 
gelben GypskrystaUe gefunden ; diese scbliefsen die Menilite 
ein. Did untersten Theile dieser Masse scheinen mitunter 
au{ kalkigem Meer esmuschelsand abgesetzt und enthalten, iü 
soJchem l^alle, einige Seemuscheln. Die am tiefsten gelagert 
ten Bänke der obeni Gypsmasse^ welche in jeder Beziehung 
als die wichtigere gelten mufs , indem sie bei weitem /iie 
mächtigere ist und ,nur von wenigen mergeligen Schichten 
hin und wieder unterbrochen wird , schlieX'st eine * Vielzahl 
höchst interessanter und mannichfacher organischer Reste ein 
und wird namentlich durch das Vorhandenseyn der Gerippe 
und Gebeine von Säugthieren besonders bezeichnet. Ueber 
dem Gyps sieht man mächtige, theils thonige, theils kalkige 
Mergellager. In der untern Hälfte einer dazu gehörigen 
Bank weilsen, zerreiblichen Kalkmergels wurden zu verschie- 
denen Malen in Kieselinasse umgewandelte Falmstämme ge- 
troffen« Der kieselige Kalk, die Kalksteine und die Mergel, 
organische Reste einschliefsend , welche nicht zu Meereser- 
zeugnissen gezählt werden können , die Gypse , so wie die 
mit ihnen wechselnden und sie überdeckenden Mergel , ma- 
chen folglich das zweite Süfswassergebilde der Pariser Ge- 
gend aus. In dem Gypse, und in den auf ihm gelagerten 
Mergeln , findet man Reste von Palaeotherium und Anoplih' 
therium, von fleischfressenden Thieren und von andern Vier- 
hifsern , ferner Ueberbleibsel von drei bis vier Gattungen 



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68. BeSQriptit g^l* ^^ eafirons. de ^P«m 

Vdgel, von mejbrern'SchiMkfdtjen, voa einem Krolcod«} f von. 
drei bia vier Gattiingen Fische ^ ,von'Mollusken endlich Cy 
clostomid m^mia* In den obern weiüsen Mergeln kommen^ 
aulser den bereits erwähnten Palmstämmen , R^ste ;V9n Fi- 
schen, vonLymneenjund PJanorben vor. — Aufser der fariser 
Gegend wird der Knochen führende Gyp« auch bei Pi^y- en» 
Velay und mn Aix in Provence gefunden. 
^ Die sechste Formation 9 oberer Meere^sands tei n 
oder mperischer Sand ( Gres et sables maritis supp* 
tieurs)j bildet fast alle Gipfel de^ H(}gel und Plateaus^ Bei 
finer siemlich einförmigen. Structur, stehen ihr nur wenig be-« 
inei^leitsw^rthe EigeiithümlicI^Jce.iten «u. 5and und Sandstein, 
^an mag Muscheln darin finden« oder nicht» gehören dem 
letztem M^^i^^sahsa^e an;,gie rn^nhen Bänke aus., oft von 
bedeutender Mächtigkeit und sehr weiter Erstreck u{)g 9 ab^r 
selten sind beide Qherfiächen parallel. Sand und Sandstein 
zeigen sich nur von dem obern Süfswasserg^bilde beideckt 
ungLyon den demselben «ugehörigen^ porösen >Juarzeesteinen. 
Der Sandstein , bald röthlich , naldgfau, zerreiblich, mit 
^onigem Bindmit^ely schliefst ziemlich mannichfaltige Mee« 
resmuscheln.ein, namentlich Oliva^ Ceriüifumf Pectuncu- 
luSf Cibhertßf Corbulaf Ostrea u. s.w. Diese Formation 
fies obern meerischepi Sandsteins hat übrigens nicht selten die 

tröfste AehnHchlceit mit dem Sandstein, welcher dem, unter 
em Gyp^e gelagerten, M^^i'^skalke zugehört, sq, dafs,, ohne ~ 
das Vorhandenseyn 4?s Gypses , die Unterscheidung beider 
schwierig wird. 

Das dritte und oberste Siifswassergebilde begreift die 
JVE e r g e 1 und~ dip porösen Quarzgesteinee^porpae 
Münieasteine, Meuliires). Es uhterscheidcit sich von 
'der vorhergehenden durch seine Lagerung und durch einige 
geognostische Merkmale; aber die letztem sind nicht immer 
zureichend scharf und bezeirjbinend , um die Formation nr|it 
Sicherheit zu erkennen, wo sie einzeln auftritt, ' Nach den 
verschiedenen Oertlichkeiten besteht das Gebilde aus mpn« 
nichfac^en Felsarten; kalkige Mergel, Hornsteine«^ poröse 
luid dichte Quarzgesteine , ohne irgend eine Spur von Ver^ 
«teinerungen, oder eanz erfüllt mit ü^berbleiliseln , einer fr<i- 
hern Thier- und Pflanzenwelt u, «. w, ym Paris ist das 
näusch^lfreie poröse (^uarzgestein herrschend. Es Hegt un« 
niittelbar über dem die San^^te^ne einschUefsend.en Sand^ 
Mit dem Quarzgestein — ^' fast ^:eine Kieselmasse, ^ehr fein« 
k-örnig, stellenweise ins Dichte übergehend und mit zahllosen 
unreg^im^fsigen Höhlungen ,,\f eiche. nierenfö4.'mig^ <j[uaizige 



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Pesoript, gM. des enViroiif d« Pari«. S9 

Infiltrationen und fadenShnlidie <{iiarzige Gebilde, auch kleine 
Quarzkrystalle enthalten , oder mit Thon oder Mergel erfüllt 
sm4 -** ^ecMeln , ohne bestimmte Lagerungsfolge , Sdbich« 
ten von thonig «- eisen $chüS8igem Sande und von Mergel, der 
bald grünlicl^» bald rdth]ich| oft auch weift ist. Die For- 
mation der pordjsen Quarzgesteine ruht siemlicfa häufig auf 
einer Banlc thoi^igen IV^ergelS| welche) dem Gypsgebiide anzu* 
sehören scheint; hin und wieder wird ^ie aucn durch eine^ 
mehr und weniger mächtige, Lage von Sand, oder yon Sand« 
steiiii geschieden von dem Mergel, Ueberdeckt seigt sie sich 
stellenweise nur mit fruchttragender Erde; häufiger, liegen 
auf der^ell>«n diphte Quarzgesteine oder Mergel, weiche Suis* 
Wassermuscheln und andere Heste nibbt meeri^cher Thiere 
einschli^ssen, oder es findet sich auf ihr Scfatittgebirge, groTs« 
kdrnig<^ Sand mit Rpllsteinen« 

Die übrigen , diesem, dritten Süfs Wasser gebilde s^ugehö« 
renden ^ Fdsarten sind die Hornsteine und die kalkigen Mer* 
gel. Bald sieht man beide Gesteine unabhängige von ieinander^ 
bald untermengt mit einander, gleichsam innig verbunden* 
Der Sdbfswasserkalkstein der l/mgegend yon Paris ist weils 
oder gelbliphgrau , theils weich und zerreiblich , wie Kreide^ 
thiels dicht , feinkörnig , muschelig im firuehe. Sehr oft um» 
scUiefi^t er unregelmäfsige cylindrische Höhlungen, die ge- 
wunden, ahßT demungeachtet (ast parallel yertheilt sind. £in« 
Wirkung yon Luft und Wasser zersetzt das Gestein leicht. 
Was diese Formation wesentlich bezeichnet, ist die Gegenwart 
Von iSüfswassermuscheln und von Landmuscheln , neinahe 
ohne Ausnahme denen ähnlich, die noch lebend in der nach« 
Wichen Gegend getroffen werden, wie Oyclostomaf HeliXf 
Lymneus^ Salimu$^ Plßnarhis u. s. w« Eine umfassende 
Beschreibung der, ^em Süfswassergebilde eigenthümlichen^ 
Muscheln hat Herr Bron gni art a, a. O. geliefert (^Ann. du 
Mus, ^hist. liat* t. XV. p* 367. eto.). uie Formation ist 
stets zu weit entfernt vom meerischen Gebilde , als dafs su« 
fallige Mengungen mit Uei^eprestön yon Meeresgeschöpfen 
bätte statt habjEoi können. Sie nimmt ihre Stelle über allen 
apdern Gebilden ein und »eigt sich nicht nur bei Paris sehr 
verbreitet , sondern auch* in andern Theilen von- Frankreich 
namentlich im Caiital und im Departement Fuy-de-Ddme, 
renuir kommt dieselbe in Spanien, in England^ [im Jura^ in 
Deutschland, Ungarn, Italien ' u. s. w. vor.. 

Zum letzten Gliede des Pariser Bodens fgehören das 
Schuttland, Felsblöcke, Rollsteine und der gröbere Grufs, 
'"id das eigentliche aufgeschwemmte Gebilde, erdige 



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60 DtfSoript. g^ol. des e&yiraas de Paris« 

TheiJe, welche längere oder kargere 'Zeit vom Wasser getra« . 
gen und 9 beim ruhigen Stande desselben^ abgesetzt worden^ 
^«ndy thoniger Merkel untermengt mit Fflansenresten und 
ange&cbwängert mit JLoUenstoff » wodurch sie eine braune, 
i>der selbst eine schwarze Färbung erhielten. Zum Theil ge* ' 
hören diese -Gebilde der vorgescfaiclitlichen Zeit an und wanr« 
»cUeinlich der letzten Umwälzung, wodurch unser Festland 
^eine gegenwärtige Gestalt und Ausdehnung erhielt. In dem 
Schuttiande dieser Epoche werden die grolsen Baumstämme 
getrofiEen, die Gebeine von £Iephanten| Büfleln u* a« Ue« 
Jierreiste von Thieren decen Aehnltche weder gegenwärtig, 
]<K>ch'zu irgend einer geschichtlichen Zeit in dieser Gegend 
vorhiindeii waren. 

-. . ..Als Anhang findet sich eine Beschreibung der« in dem so« 
genannten Terrain de Sediment superieur vorkommenden, 
veg^etabilischea Ueberblei bsein von Herrn Adolph Bro n- 
{^«iart, welche zum Theil nur auf bekannte Fflanzenge« 
fudblechter zurückgeftlhrt werden können. 

Zum Schlüsse wollen wir noch eine Erklärung des oben 

gebrauchten Ausdruckes Terrain de Sediment superieur ge- 
eh;, da eine Verständigung über verschiedene, von den 
Gtfognosten Frankreichs neuerdings eingeführte, Kunstaus«' 
drücke uin so mehr Bedürfnifs scheint, als eine Mifsdeutung 
derselben unrichtige Begriffe hervorrufen würde. Nach der 
grofsen Abtheilung älterer Gebilde nämlich, die krystallini- 
ächen und anderen Felsarten der sogenannten Ur- und Ue- 
bergangszeit umfassend , wie Granit , Porphyr , kdrnig^r 
Kulk u. s. w. , folgt eine zweite grofse Abtheilung, jene der 
durch Niederschlag oder Alhsetzung entstände« 
ner Gebilde, welche den Namen Terrains de sedimens 
erhalten haben. Sie zerfallen nach den Herren Brongniart, 
Omalius d'Halloy u. A. , in drei Klassen : Ter. de sed* 
iuferieur^ alle Gebirgsgesteine v<)n den letzten Gliedern der 
ijebergangszeit an bis zum Gryphitenkalk begreifend, folg- 
lich die Steinkohlen- Formation, den Alpenkalk und den ro* 
then (altern) Sandstein; Ter* de sed% moyen% vom rothen 
Sundstein bis zur Kreide sich erstreckend, dabin vorzüglich 
der Jurakalk und die Kreide; Ter* de sed. superieur (auch 
Ten tertiaire genannt), von der Kreide, oder von dem 
Töpferthon- und Braunkohlen »Gebilde und Alles Uebrige 
ein schli eisend, bi/i zur Erdoberfläche, oder vielmehr bis zu 
den letzten Absetzungen des alten Meeres. 

Die Ausführung der Karten und Durscbschnitte. verdient 
alles Lob* beide gewähren, wie uns die Ueberzeugung an 



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C. ▼• OeynliauseB g<»gn. B«ielir. r. Oberaehles. " Hf 

Ort und Stelle belehrt hat, die wesentlichsten Dienate beim 
Studium der Gegend » von welcher die Rede. 



) 



Versuch einer geognostischen Beschreibung von ObersckUsien and den 
näcitst wigrenzenden Gegenden von Polen, GaUzien und Oestreicfusc/i 
Schlesien» Fon Carl von Oeynhausen» Mit einer geögnnsU^ 
sehen Karte und drei Special* Abrissen* Essen, bei ßiideker. iS'r.i, 
%. XXXiy. und 471 S. ^ 



Der Verf. 9 weichem aftere Reisen und ein dreijähriger 
Aufenthalt in dem 9 im Titel nahmhait gemachten , Gegendc^n, 
Gelegenheit darboten 9 sich eine genaue geognostische Kennr- 
nifs derselben eu erwerben, beabsichti&t vorzüglich die iVIit- 
theilung seiner Beobachtungen; er nat sich nicht gestattet 
Folgerungen daraus absuleiten , ausgenommen in soweit 
ihm die Entwickelung eigener Ansichten nothwendig schien, 
um seinen Liesern den Standminkt zu bezeichnen, von dem 
aus beobachtet wurde ^ weil dieses, zur richtigen Wurdi* 
gung der Beobachtungen selbst , unumgänglich erforderlich 
m. ^ Fremde (Quellen, aus denen geschöpft wurde , findet 
man mit grolser Genauigkeit angegeben. 

Betrachtungen tiber den äulsern Uihrifs der Gegend sind als 
eine zweckmäfsige Einleitung vorangeschickt. Wir finden hier 
eine allgemeine Schilderung der, durch ihren bergmännischen 
Reichthum merkwürdigen, Oberschlesischen Ebene, was 
ihre Lage, Ausdehnung, geognostische Constitution u«s. w. 
lietriflFt; Angaben übet den Lauf des Schlesisch- Mährischen, 
des Karpathischen Gebirges ,u. s. w^ so^wie über jenen dtr 
davon abgehenden Seitenarme und über den der Höhenzüge 
der Ebenen ; endlich Angaben über die Flüsse der verschiede* 
nen Gebirge und der £ben& u^ s. w. Eine Beilage gewährt 
die Uebersicht der vorzüglichsten Höhenpunkte Oberscble- 
siens und des Tatra - Gebirges in den Karpathen^ und liefert 
aufserdem eine Vergleichung des Schlesiscjien Maafses und 
Gewichtes mit dem neueren Freufsischen und mit andern 
Maafsen. 

Das Buch selbst zerfiillt in fünf Abschnitte , deren Auf- 
schriften: Ur- timl Üebergangs- Gebirge , Flöz- Ge- 
birge, Trapp - Formation, aufgeschwemmtes 
Gebirge und geognostisches Verhalten sämmt- 



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62 C.' ▼. OeynhdttSeD geogn. BeMhr. y. Öbertdhlet. 

lieber öebirgs-ForiDÄtionen^ Vom Inhalte eine allge- 
meine Andeutung gehen« 

Erster Abscnnitt. Ür- und Uebergangs-Forma-* 
tionen. Die Gebirgsgebilde der Obersctilesischen £bene 
finden sieb , obgleich sie alle dedi Gebiete der Flözzeit an- 
gehören, in genauem geogn ostischen Verbände mit den Ur« 
felsarten der Sudeten uncr Karpathen, roii welchen beiden 
Gebirgen jene £bene £eist halbkreisförmig umschlössen wird. 
Granit und G n e i f s erscheinen in der Ebene. Erster er 
liegt fast söhlig und meist nur in geringer Teufe unter Tage; 
letzterer^ in Granit und in Glimmerschiefer übergehend, 
zeigt sich auf die tiefem Punkte beschränkt und ist im Allge« 
meinen ziemlich gleichförmig , auch ohne bedeutende Gang« 
Formationen^ dagegen schliefst er öfter untergeordneter Lager 
von Urgrünstein (Diorit) ^ Hornblendschiefer und von kör- 
nigem Kalke ein, Gneifsy Granit und Glimmer- 
schiefer sind als ein zusammengehöriges Ganzes zu be- 
trachten ; denn einp scharfe Grenze diesfer Formationen findet 
nicht statt. Der Glimmerschiefer^ welcher zu den /lu- 
fsersten Höhen emporsteigt,, macht das herrschende Gestein 
in dep Sudeten aus, Er fällt zwischen. 50 und 70 Gr. gegen 
Süd^ und Nord -Ost. Je welter die Gebirgsart gegen O. 
vorrückt, desto dünnschieferiger wird das Gefüge, wo- 
mit eine Zunahme des Glimmer.- Gehaltes verbunden ist. 
Unmerklich geht das Gestein in Thonschiefer über. Modifi- 
cationen der wesentlichen, Bestandtheile und mannichfache 
Beimengungen, wie Feldspath , Granaten, Epidot, Andalu* 
sit, Bergkrystall , Eisenkies, Magneteisen und Graphit, be- 
dingen die vielfachen Abänderungen dieser Felsart. Vorzftg- 
lich ausgezeichnet «ist der Glimmerschiefer in diesem Gebirge, 
wie überhaupt, jlurch eine Menge fremdartiger Lager , kör- 
niger Kalk, Quarz^pGrünstein und Homblendeschiefer, Ar- 
senikkies, Graphit, Eisenglanz, Roth «Eisenstein, M.ignet- 
eisen u. s. w. Auf Lagern im Glimmerschiefergebirge wurde 
in früherer Zeit am Hackelberge unfern Zuckmantel Göld- 
nnd Silber- Bergbau getrieben und u. a* im Jahre 1591 ein 
Stück gediegen Gold 9 Pfund schwer, im Werth 456 ein 
Viertel Gulden Ung. gefunden. Als verbindendes Glied zwi- 
schen dem Ur« und Uebergangsgebirge tritt der Thon- 
schiefer auf; denn mit dem Glimmerschiefer schliefst sich 
in diesen Gegenden die Formation der Urzeit. Der Thon- 
schiefer ist mit dem Glimmerschiefer gleichförmig gelagert; 
mit seinem Erscheinen nimmt, die Höhe der Ber'ge ab. Fremd- 
artige Lager und Erzführung sind von keiner Bedeutung in 



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C. ▼. Oeynhausen geogn. Besohn ▼. OI>er$ehIes. 6S 

dem altern l*hoiischiäfer. So Wie dieses Gestein steh allmäh« 
lig dem Uebergängs • Thonachiefer .nfthert, erscheint auch die 
Grauwacke in mehr und weniger mächtigen Lagern und 
endlich wird sie zur herrschenden Felsart. Keine bestimmte 
Grenze scheidet diese Gebirgsmaasen vom Urthonschiefer. 
Der weiten Verbreitung ungeachtet, zeigt sich die Grau- ' 
wacke in ihrem Vorkommen höchst einförmig und an den 
entlegensten Punkte;» der Karpathen so ähnlich , dafs in der 
Regel kein Unterschied aufzufinden ist; dieselbe Gröfse in 
den Bruchstücken des Trümmer -Gesteines, die nämliche 
Farbe, derselbe Wechsel mit Thon-nnd GrauWackenschiefer. 
In dem Schlesisch 7 Mährischen Gebirge waltet der Thonschie- 
fer vor* Man sieht ihn, mit der Grau wacke, gleichförmig 
auf Urtlionschiefer und auf Glimmerschiefer» gelagert.* Von 
Versteinerungen enthält die Grauwacke nur selten einzelne 
Spuren, wie namentlich Abdrücke fossiler Muscheln (Mytu- 
Uten und Ghamiten)« Pflanzen «Abdrücke kommen äufserst 
sparsam und fast nur in der Nähe des Kohlen- Sandsteines 
vor. Häufig erscheint Anthrazit eingesprengt. Fremdartige 
Lager kennt man in diesem Gebirge, Alaunschieferlager ab- 
gerechnet, nicht. Der Alaunschiefer ist sehr bituminös, fast 
brennbar und sehr reich ari Eisenkiestheilen. Von Erzen 
ftbrt das Grau wacken- Gebirge Roth -Eisensteine auf La« 
gern. Man findet mehrere Sauerbrunnen in diesen Gegenden. 
Der Carlsbrunnen gehört dem Gl immer seh iefergebirge an, dage- 
gen treten die Sauerbrunnen zwischen Seiten dorfu. Lichten ent- 
schieden aus dem Grau wackengebirge hervor. Das Grauwacken- 
gebilde der Karpathen setzt hohe, steil ansteigende Berge zusam- 
men; an keinem Funkte hat die Felsart sich beträchtlich in der 
Ebene ausgebreitet. Die Thäler sind ausgezeichnet durch ihre 
flache, oft über eine Stunde breite Sohle. Die Schichtung der 
Grauwacke und ihrer Lager von Thon- und Grauwacken- 
ftchiefer ist deutlich und regelrecht; die Schichten fallen meist 
gegen den Gebirgszug , daher die Steilheit des nördlichen 
Abfalles der Karpathen. Südlich, ganz in der Nähe von 
WielicÄka, tritt schon das Thonschiefer- und Grau wacken- 
gebirge auf. Der Kalkstein von Krakau und die Steinsalz- 
diassen von Bochnia und Wieliceka sind demselben bestimmt 
aufgelagert. (In dem vor uns liegenden XVII. Jahrgange , 
des Taschenbuchs ftlr die Mineralogie von Leonhard fin-- 
det sich S. 751. ff. ein Aufsatz des Hrn. Prof. Pusch zu 
Kielce, in welchem mehrere geognostische Meinungen des ' 
Hrn. von Oeynhausen bestritten werden. Namentlich 
glaubt Ür« P. es aey irrig, wenn man den Sandstein der 



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64 C. y. OejRh9U9en geegn. Besfihr. ▼. OberscUIrs. 

Karpatben für Grauwacke erkläre« Wir lassen die Sache vof- 
läuEg dahingestellt, bis Hr.P. , der ein ausi'ührlichea Werk 
verspricht 9 seine ]|ehauptung weiter entwickelt haben wird. 
^Bekanntlich hat Hr. Beiidant in seinem Voyage mineralogique 
en Hongrie den Sandstein der Karpathen für Kohlensandstein 

irenommeh« Hr. von O eynha usen sagt S. 76, ausdrückl- 
ich; „das Grauwackengebirge dieser Gegenden hat manche 
Aehnlichkeit mit dem Kohlensandstem , dem es in viel« 
fältiger Beziehung verwandt ist« , Lieicht könnte es mit dem« 
fielbei^ verwechselt werden, träte nicht bereits beilsdeb- 
nik, zwischen Gdow und Mislenitz, an den Ufern derRaba, 
und selbst ndrdlich von Gdow die Grauwacke so c h>a - 
rakterisisch hervor, dafs über die Natur der« 
• elbea gar kein Zweifel mehr übrig bleibt.*^ 
Ferner bemerkt er S. 79.: „Weit interessanter ist das höch«t 
seltene Vorkommender sehr grob« und grolskörnigen Grau- 
wacke. £in solches grobkörniges Conglomerat zeigt aicfa b<fi 
Camesnicza und in den Gegenden der Wielka Magura ; es ist 
ein^ Sammlung der mannichfaltigsten primitiven Gesteine, oft 
in faust- und kop&rofsen Stücken von eckiger, »charfkanti« 
ger Form; ein wahres Urf eis «Conglomerat, von sehr acho« 
nem Ansehen u* s. w.<f An fremdartigen Lagern ist das Ge« 
birge auffallend arm; seine ErzfQhrung ist wenig bekannt uvui 
noch nicht gehörig untersucht* — Längs dem nördlichen, Fuiae 
der Karpathen erscheint Uebergangskalk. In mächtige 
Bänke abgetheilt, ruht derselbe auf der Gragiwacke, Vorzug« 
lieh bezeichnend für den Kalkstein, der ungemein häufig Ei- 
senkies eingesprengt enthält, ist ein reichlicher Gehalt voa 
Thon und .bituminöser Substanz. Versteinerungen werden 
an mehrern Punkten gefunden, indessen scheinen auch gan^se 
Strecken vollkommen frei davon« In einzelnen Functen sieht 
man sie meist familienweise gruppirt. Fremdartige Lager 
kommen nicht häufig darin vor; dahin gehören : Thon« und 
Alaunschiefer u. s. w* ' 

, . (Biachlufs ßlQtJ^ 



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ff. 5. 1824 

Heidelberger 

Jahrbücher der Literatur. 



e.V. OBTiiHAUSEN, gcogu OS tische Beschrei- 
bung von Oberschicsien. 

fBeichiur/s.J 

Dies sind die Gebiretmasaen ^ welche in dem Scfalesiach« 
Mähriscken Gebirge und in den Karpatben al& Glieder der 
Ur- und Uebergangs • Formation auftreten. Die Zahl dersel« 
l)en ist nicht grofs ; desto bedeutender aber «eigt sich die 
Autdehnung der einzelnen Gebilde und ihre gegenseitigen 
Uebergänge sind ganz unmerklich. Aus iom Granit« und 
Gneifs «»Gebirge bis zur weit, verbreiteten Grauwacken - For« 
mation scheint eine nicht unterbrochene Periode der BU^ 
düng geherrscht zu haben , und eine Hegel mäfsigkeit und 
Huhe, welche allein solche unmerkliche Uebea'gänge möglich 
machten. Und selbst bis in die Flötzzeit läfst sich die unge« 
störte Progression der Bildung nachweisen« namentlich durch 
die Grauwacke und den^Kohiensandsteint^. s^wei Formation 
nenf welche so viel Aehnliches iii ihr^u Bestand theilen 

Zweiter Abschnitt. F l ö t a^E e b i r ge. ^ Während die 
Glieder der Ur«. und Uebei^angs • Periode dem Laufe derGe« 
Wefo^en^ sind die Massen, des FldUgebirgßS über weit 
gedeh]ite.t£benen fast mit söhliger Lagerung ausgebreitet« 
Das Flötzffekirge dieaer^Gegenden scheint in ^ne sdiarf ee^ 
trennte^ "mttchtige Sand* und Kalkstein ^Formation geschie<i 
i'in^ gegen welcne beide Hauptgebilde alle übrige Felsarten 
(aat versdtiwinden. Untflo: den hierher gehörigen Gesteinen 
nimmt der Kohlensan Latein die erste Stelle ein . Er ist 
filier eine Fläche von ungefähr 21 — 22 Quadratmeilen veri« 
Witety aber er geht nur an einzelnen ^ nicht zusammenbän« 
genden Punkten zu Tage. Dieser Kohlensandstein, ein sehr 
(einkörniges Conglomerat aus Quarzkörnern ^ enthält mäch« 
^ige Lagen von Schieierthon und ist der Verwitterung sehr 
Uark unterworfen, so dafs zerstörende äufsere Kräfte das 
XVII. Jahrg. 1. Heft. 5 



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6il C. r. Oeynhausen geogn. Belehr, v. Öbetsehles. 

Gebirge häufig auf i>eträchtlic)xe Tief«» weggewaschen haben. 
Die gewöhnlicben Arteli deir< Ob^si^hlisischai Kohlen sind 
Grob * , Schiefer - unÜ Glanzkohle und die daraus bestehen« ' 
den FIdtze» Eoi^en sifph meist Vehr «liphti^^ . Wjen^ tSP^^^ 
And- in be^rrchtlieher Ehtfe#iAing -Wh «iuyiJ^« gSag^st, \ 
auch ist ihr Streichen sehr regelinäfsig und constant. Manche 1 
sind indessen auch schmal) ßist saiger und folgen einander j 
in geringer Weite* Um einen vollständigen Aufschi ufs der 
Formation zu ^gewähren ^ ist der dortländische Bergbau^ 
welcher ersfe vor ungefähr i& Tahi^en ancefangen hat sick zu 
heben) noch, zu jung. . In der I^^he der KohWflötze sind 
dem Schieferthon Abdrücke von l^flanzen eigen ; noch deutli* 
cheV kommen sie im Tboil • £isenste^ vor, der Nieren und 
Lagen in diesem Gebirge ausmacht und besonders in den < 
eJbei'ii Teufen und in der Nähe schmaler Flötze gefunden wird. 
Sprünge und Verwerfungen ^ dem Kohlen «• Sandstein so ei- 
genthümlich, Werden auch an diesem Gebirge überaus häufig 
getroffen.' Nicht selten erreichen sie eine hedautende Mäch- 
tigkeit und dies um so mehr^ j4 grofser die Zahl der Flötze 
ist 9 ie mächtiger dieselben sind* Auf manchen Gruben wer« 
den die Flötze um m^r als 20 Lachter verworfen. Dio 
Sprünge sind wahre Senkungen ^ Hisse und Klüfte des Ge- 
birges, und alle von ziemlich gleichem Alter ^ denn oft verei« 
»igen sich mehrere , ohne sich zu durchsetzen oder einander 
zu schaaren. Sie erweitern sich bald, bald ziehen .sie sich 
zusammen; überhaupt zeigen sie sehr viele Erscheinungen 
währer Gänge, aber meist init wreniger Regelmäfsigkeit* 
Iht. Fallen ist selten unter 45 Gr., gewdhülich mehr odec 
weniger senkrecht, jedoch nicht immer gleichbleibend« Als 
eiiie praktische ,.' sehen trügende . Regel giebt\dev Teri. an^ 
dafs alle Sprünge, welche anwirta fäDend ange£alisei( werdeit 
i^iis Liegende , alle diejenigen ,- welche entgegenfail^nfiL ange« 
fahren werd«n,. ins Hangend« vevwi3^fen*$t eine iErfahridnig, die 
für die bergmännische Au« ido&tux^ derselben* un^eqscitLwick* 
^g ist. Die Sprunge -sind meiirt init Schieferthonv init Procken 
Ton Steinkohlen und vo-n Sandstein, Alles in aufgeldfstem. Zu- 
stande , ausgefüllt, selten i'ühreb sie Strahlkies . od^ Baryt« 
Späth; w«hre Saalbänder siiid: ihnen hie eigen.. «^ Beschreibung 
der einzelnen Niiederlagen des •Stehikoblen« Gebirges iiind der 
verschiedenen dln-auf vorgerichteten Baue ; Angabed de^^speci-* 
fischen- Schwere der Kohlen ; Gebalt derselben anKohlet^stofl^^ i 
Bitumen uiid Asche;. Verhalten der Kohlen bei 'der Verkoak- 
nfig u. s, w, Grubenbrände. Sie entstehen aus/stattEnden«- 
dem Wetterwechsel im alten Mann. «*. Der Flötzkalk^ 



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C. V* Oeyohauseo geogn. Beselir* ▼. Obersehlet. ^7 

stein seist sich in Oberacbleaien und Polen $o aiugedehnt 
und mächtig , dafs betnahe alle übrigen Formationen gegen 
seine gewaltigen Massen verschwinden. Mit ihm sieht 
man eine durchaus veränderten Bildungsperiode ihren An« 
fang nehmeh; et ist übergreifend gelagert auf der Grauwacke 
und auf dem Steinkohlengebirge ; Uebergänge finden nicht 
statt. Nach dem Verf. hat man einen Erae führenden und ei- 
nen vireifsen Fi dtzkalk stein zu unterscheiden. (Gewöhnlich 
wird der £rze führende Kalkstein der Formation des Alpen« 
kalkes' (Zechateines) , der weifse dem Juragebilde beigeord- 
net, indessen ist. der Erze führende Kalk auch schon als zur 
Formation des Muschelkalkes ff ehörig angesprochen worden.) 
Jener besteht aus Dach- und oohlengestein , zwischen denen 
übrigen» kein geogn os.tiscber Unterschied statt hat. Das 
Sohlengestein ist dicht , grobsplitterig im Bruche; deutlich 
geschichtet; umschliefst selten Kalkspath- Drusen; Feuer« 
stein, Mornstein und Quarz sind ihm fremd; dagegen besitzt 
es einen grofsen Reichthum an Versteinerungen (zumal Te- 
rebratuliten , Ostraciten, Ghamiten u. 8. w.). Das Dachge« 
stein, w^elches einige Aehnlichkeit mit der Hauch wacke bat^ 
wird chilrakterisirt durch starken Eisengehalt, daher seine 
gelbe Farbe; es 13 1 nicht geschichtet, aber stark zerklüffiet; 
Nieren urtd I^agen von Hörn- und Feuerstein finden sich 
sehr häufig darin und Porosität ist ein sehr wesentliches 
Merkmal desselben. (Das letztere Merkmal würde die Frage 
anregen, ol^ die Felsart nicht dem jüngeren Dolomite beizu- 
zählen seyn. dürfte, allein einer solchen Annahme entsprechen 
andere Kennzeichen derselben nicht.) Die Versteinerungen, 
welche das Dachgestein jedoch nur in einigen Gegenden in 
Menge führt , sind meist undeutlich ; als die merkwürdigsten 
darunter gelten grofse Knochen -Bruchstücke. Der Erzreich« 
thum dieses Kalksteines besteht in ausgedehnten» aber nicht 
zusammenhängend gelagerten muldenförmigen Fldtzen von 
Bleiglanz, Galmei und Eisenstein, welche über eine grofse 
Fläche des Kalkgebirges sich ausbreiten. Genaue Grenzen 
lassen sich zwiachen diesen drei Erzbildungen nicht ziehen ; 
sie sind vollkommen gleichzeitiger Entstehung und finden sich 
oft gemeinschaftlich auf einer und derselben Lagerstätte. 
Der Oberschlesische Blei - und Silberbergbäu blühte vorzüg- 
lich im XVI, Jahrhundert; nur unvollständige, ziim Theil 
übertriebene Nachrichten haben sich von demselben erbalten, 
vor allen zeichneten sich die Gegenden von Tarnowitz und 
Beuthen aus. — Der im Gegensatz des Erze führenden be- 
reits erwähnte , nach der bei ihm herrschenden Farbe so 

5 * 



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gQ C. T. Oeynhausen geogn. Besohn y« Obers(^le«. 

fetiänntft, weifse Flötzlcalksteiit steigt 9 unter allen Flötzge-« 
irgs - Formationen , zu dem höchsten Niveau hinan und ist 
durch Felsenhildung vorzöglich ausgezeichnet. Schichtung 
wird an ihm nur selten wahrgenommen. Er ist nie krystal- 
lihisch, sondern hat oft ein kreideartiges Ansehn ^ oder er 
zeifft einen splitterigen Bruch. Feuersteine kommen in Menge 
darin vor und ah schönen xmannichfaltigen Fetrefakten ist der« 
seihe aufserordentlich reich, zumal in einzelnen Bänken sieht 
«lan sie sehr zusammengedrängt, — An die Formation dieses 
weifsen Kalksteines schliersen sich sunächst jene des altern 
\F10tzgypses, ^es Salzthones und Steinsalzes an. 
•Gegen die gewaltige Masse des Kalksteines ist zwar ihre Ver- 
ireitunc nur gering, aber siemufs dennoch in den meisten 
Fällen a!s selbsständig gelten 4 die bildet ein zusammengehöri« 
oes ffeogn ostisches Ganze#, obgleich- ihi-e Schichtung höchst 
regelios und ihre Lagerung nicht selten unterbrochen ist. 
Das wichtigste Glied der Formation ist das Steinsalz, wel- 
ches in grolsen strahlförmigen Massen und in einzelnen nicht 
zusammenhängenden Nestern eingelagert ist. Der Salzthon 
^ndet sich häufig im Hangenden d€»r oteinsalzmassen. — Be- 
merkungen über das Steinsalz -Gebirge bei Wieliczka, über 
^le Form (?) und Ausdehnung des Salzkörpers u. s. w. — 
Jüngeres Flötzgyps- urid Kalkstein-Gebilde. 
Meist Gypsspath und Mergel. Ruht theils äüf Grauwacke, 
theils auf Konlensandstein und führt Schwefel und Salzsoole. 
- . Jüngste Sandstein- und Steink ohlenr - F or- 
mation. Die Mächtigkeit der Kohlenflötze ist nie bedeu- 
tend und das Gebilde überhaupt in seiner ganzen Verbreitung 
auf einige Thäler beschränkt. 

Dritter Abschnitt. Trapp-*Formation. Nur an ein- 
zelnen zerstreuten Punkten treten Massen von Grünstein, 
Porphyr und Basalt auf. Def Grtinstein (Diorit) ist 
auf den Uebei^angskalk im Fürstenthume Teschen besdurfinkt^ 
aber sein Verhältnifs zu dieser Felsart noch problematisch. 
Er zeigt sich bald krystalHnisch, bald mande] steinartig und 
stets un geschichtet. Auch die Lagerungs- Beziehungen des 
Porphyrs (nach allen Angaben des Verf. ist es kein Homstein- 
Porphyr, wie er hier genannt wird, sondern ein Fei dsteiÄ- 
Porphyr, d.h. Feldstein - Hauptmasse wesentlich bezeich- 
net dnrch eingemengte Quarzkrystalle und Römer) .liefsen 
sich nicht genüglich ausmitteln. Die bedeutendste und höch- 
ste Basaltmasse ist der S%. Annaberg. Auf dem nördlichen 
Abfall der Karpathen verschwindet die Trapp - Formation, 



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Baöul-Rocbiime hii^. de la R^rol. Helvöiique ^9 

wahrscheinlich weil sich die Flötzgebirgsrnassen daselbst su 
sehr anhäuften« 

Vierter Abschnitt. Aufgeschwemmtes Gebirg e^. 
Nicht leicht wird man in andern , gleich hoch gelegenen Ge- 
genden ^ solche mächtige Lagen aufgeschwemmten JLandes 
finden ^ solche gewaltige Massen , Welche viele Quadratmei- 
len in nicht zu ourchsinkender Mächtigkeit bedecken. Es ge- 
hören dahin wechselnde Lagen von Sand und Thon , rein und 
in mannichfachem Gemenge, Lager von Torf^ ]\|oorkohle, bi- 
tuminösem Holze und Hasen -Eisenstein, selbst vielartige 
Kollsteine älterer und jüngerer Gebirgsarten u* s. w* 

Den fünften Abschnitt, von dem geognosti sehen Verhal- 
ten sämmtlicher Gebirgs - Formationen Nachricht gebend, 
können wir übergehen, da wir das. Wichtigste bereits in dem 
Vorhergebenden mitgetheilt haben. 

Wir glauben durch den ausführlichen Auszug , den wir 
von dem Werke des Herrn von Oeynhausen zu geben für 
nöthig erachteten , den Beweis von dem Werthe dargeboten 
za haben , welchen wir auf diese Arbeit legen. Es zeichnen 
sich die Schilderungen der Felsarteh sehr vortheilhaft aus von 
den in manchen andern neuen geognosti sehen Schriften vor« 
handenen. Ohne zu lästige Ausfünrlichkeit macht der Verf. 
den Leser mit allen wissenswürdigen Verhältnissen derselben 
bekannt, Ueberall erkennt man den wohlunterrichteten, 
sorgsamen und unbefangenen Beobachter, den getreuen Schil- 
derer der gefundenen Thatsachen. Dabeli trägt das Ganze das 
unverkennbare Gepräge lobenswerther Anspruchlosigkeit. 
Wir können zum Schlufs den Wunsch nicht unterdrücken, 
dafs es dem Hrn, v. O. gefallen möge, dem mineralogischen 
und bergmännischen Publicum auch von seiner neuesten wis- 
senschaftlichen Reise in mehrere Gegenden Frankreichs , in 
den Niederlanden u. s. w. recht bald Öffentliche Kunde zu 
geben. 



Hittoire de la Revolution Hdvetique, de 1797 ä i8o3; par M, Maoul' 
Röchelte. Paris, Nepveu, i8a3, 8. pag, XFI, 539, nebst einer 
Charte von der Schweiz. 

Der gelehrte Verfasser der vorliegenden Geschichte der 
Schweizer -Revolution, hinlänglich bekannt durch seine Ge* 
schichte der Griechischen Colonien , durch seilte Ausgabe des 



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70 Rmml-Rochette bitt. de h R^dI. Helv^d^ö. 

Theaters der Griechen | durch seine Griechzachen Alterthümer 
des Cimmerischen jBosphorus; durch seine Briefe über die 
Schweiz und viele einzelne Abhandlungen und Aufsätze , seit 
MiUins Tode Conservateur des Königlichen Antikencabinets 
in Paris und Mitglied des Instituts , liefert hier die Darstel« 
lung von Begebenheiten 9 welche zwar in die Periode seines 
Lebens füllen, die er aber nicht als Augenzeuge oder gleich- 
zeitiger Beobachter schildern kann , da er beim Anfang -dersel« 
ben erst sieben Jahre alt war, die Materialien dazu also aus 
fremden Schriften und Nachrichten entnehmen mufste. IVIit 
allem Fleifse hat^ er diese gesammelt , sowohl die allgemeine» 
ren als ^ie spedellen gebraucht, und überall in seinem Werke , 
angeführt« Vorzugsweise hat er die Arbeiten von Zschokke I 
benutzt, obgleich dessen Meinungen weit von den seinigen 
entfernt seyen, dann Fosselts Europäische Annalen unter 
dem Einflufs derselben Prxncipien geschrieben , und Planta's 
vortrefEIiches Werk, das er aber nur für das erste Jahr der 
Revolution benutzen konnte. Hätte Planta sein Werk been« 

, digt^ so würde Hferr Raoul-Rochette nicht daran gedacht 
haben das seinige zu schreiben* Für die Geschichte der mili* 
tairischen Operationen hat er vorzüglich die officiellen Be- 
richte , die Werke von Dumas und von Erzherzog Carl , und 
vom General Dessolles mitgetheilte Nachrichten zu Rathe ge- 

> zogen, 

Ueher seine Ansichten erklärt er sich unumwunden da* 
iiin f dafs Eine Idee in dem ganaSen Werke vorherrsche, näm-» 
lieh Hals der Revolutionen, gegründet auf die Ueberzeu^ 
gunc, dafs sieden Charakter der Völker erniedrigen, wenn '■ 
sie ihnen auch in Beziehung auf Industrie und politische Ein« \ 
sichten einige späte Vortheile bringen. Und hiervon gebe 
die Schweiz einen anschaulichen Beweis, da sie durch die 
Revolution ihre moralische Kraft und ihr fiufseres Ansehenj 
verloren habe. Das eingebüfste Vermögen könne durch" 
eine weise Verwaltung wieder ersetzt werden , aber nicht 
könnten es die Früchte ihrer so lange für unverletzlich gehal- 
tenen Neutralität, nicht die hohe Meinung der Fremden von 
ihrer Kraft, nicht das Zutrauen das ihre Bewohner früher in 
sich, in ihre Felsen, in ihre Einrichtungen gesetzt hätten. 
Nunmehr sey die Schweiz arm und schwach, von innen er- 
niedrigt, von aufsen begehrt, scbaamvöU über die Vergan- 
§enheit, unruhig über die Zukunft. Er müsse deshalb deia 
chweizern vor allem andern Eintracht' empfehlen ; die wech- 
selseitige Eifersucht der Europäischen Staaten sichern sie vor 
der Eroberung einer einzelnen Macht ; bei einem Militäretat 



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Gbogle 



Eaoitl-Aoohetto last, de la R^vol. H«lved^e. 71 

von 6O9OOO Sfaiuiy der leicht auf das doppelte gebracht wer« 
den könne, und der allgemeinen Bewaffnung würden aie je^ 
dem Angriff hinlänglichen Widerstand entgensetzen können. 
Frankreich sey ihr nothwendiger AUürter^ dieses müsse ihr^ 
Unabhängigkeit schütsen« 

Der Verfasser beginnt seine Geschichte mit einer Sdhil« 
derung des glücklichen Zustandes der Scliweiz gegen Ende 
des achtzehnten Jahrhunderts« Geachtet von aufsen habe sie 
die Früchte ihrer Industrie genossen 9 den höchsten Grad von 
bürgerlicher Freiheit und religiöser Duldung gestattet 9 den 
Fremden aller Meinungen einen Zufluchtsort dargeboten; in 
allen Verhältnissen habe man die Spuren einer väterlichen 
Regierung wahrgenommen. Dagegen habe ihre Verfassung 
vielfache Gebrechen gehabt, theils hinsichtlich der ungleichen 
staatsrechtlichen Verhältnisse der einseinen Cantone gegen 
einander, der ungleichen persönlichen Rechte und Verhält« 
nisse in diesen , wo Aristocratien neben Democratien stan« 
den, Gemeinheiten die Oberherrn anderer Gemeinheiten waren^ 
hier ein Senat, dort ein Abt 9 dort Bauern regierten ; theils 
hinsichtlich des Mangejs an irgend einem Mittelpunkt, irgend 
einem festern Zusammenhang der lose vereinigten einzelnen 
Theile des Bündnisses. Aber mehr in der Theorie als in det 
Wirklidikeit wären diese Gebrechen begründet gewesen ; bis 
zum westphälischen Frieden habe sie gemeinsamer Geist für 
die Erhaltung der Freiheit einig erhalten, wenn sie von 
fremden 'W^affen bedroht waren; i^päter habe sich nach und 
nach zwischen den verschiedenen Fartheien der kleinen Staa- 
ten , der Religionen , der Stände ein gewisses Gleichgewicht 
gebildet 9 was die alten Zwistigkeiten unschädlich gemacht, 
und allen die Ueberzeugung aulgedrungen habe, dafs sie der 
glücklichsten Verfassung genössen« n 

Indessen wurde in Bern die gerechte Klage geführt, dafs 
wenige Fatricische Familien sich in Besitz aller Gewalt , des 
Staats Vermögens, und der nicht genug durch feste Gesetze ge« 
regelten Regierung befänden; dai's die Erziehung des zu den 
höhern Stellen bevorrechteten Adels vernachlässigt würde, 
Künste und Wissenschaften zu wenig Unterstützung er« 
hielten« 

In den Handelsaristocratien 9 wie Zürich , Basel , Schaff- 
hausen 9 war alle bürgerliche Freiheit durch Handelsbeschrän- 
kungen und ausschlielsende Rechte zu Gunsten der Bürger der 
Stadt, durch Frivilegien und Monopole , durch Zünfte gefes-. 
seit; nur die höheren Stände erhielten eine liberale Bildung^ 



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7t Raoul* Röchelte liisr. de U R^vol. Belvftiqtte, 

und den Bewohnern des Landet war jede Freiheit desGewer^ 
hes entsogen« 

Zwar hatten die kleinen Cantone^ vorzüglich Schwyz« 
Uti und Unterwaiden noch am besten den Geist ihres ur- 
sprünglichen Bündnisses und der reinen Democratie erhalten, 
aner sie waren keineswegs frer von den Un Vollkommenheiten 
des einen und dei||fJM[ifshräuchen der andern. Ahergläubisch, 
roh , stolz auf die ehemals erfochtenen Siege und auf die ge« 
genwSrtige Souverainität , verlangte das Volk bei der selte« 
nen Ausübung dieser geschipeichelt und dabei bezahlt zu 
werden*; war dieses bei der jährlichen Wahl seiner Beamten 

Sescheh^n , so kümmerte es sich nicht weiter um seine Frei* 
eit. ^ ^ ^ 

Bei allen diesen Mängeln war die Schweiz in Europa 
das Land 9 dessen Zustand alle andere Nationen hätten benei« 
den können. Die Gesetzgebungen der einzelnen Cantone wa« 
ren den Localverjbältnissen angepafst , und ans ihnen hervor*«» 
gegangen ; eben so waren es die Einrichtungen einzelner Di* 
stricte und Gemeinden, ohne dafs diese dabei die Normen 
der Cantone beibehalten. hätten , denen sie angehörten. Eine 
Folge hiervon war die Festigkeit dieser einmal durch die 
Zeit als passend bewährten Einrichtungen. Ueberall fand 
Unverletzlichkeit der Personen und des Eigenthums Statt, 
und die Basis derselben war so fest gegründet, dafs eine 
höchst unbedeutende bewaffnete Macht zur Erhaltung jener 
und zur innern Sicherheit völlig hinreichend schien. 

In den meisten Gantonen uiid vorzüglich in Bern lebte 
der Bauer in glücklichem Wohlstand f den ihm regelmäfsige 
Ordnung und Thätigkeit verschafft hatte. Mit sehr mäfsi- 
gen Einkünften hatten die einzelnen Cantone grofse Dinge 
gethan. Zürich hatte zahlreiche f wohl unterhaltene und reich 
dotirte Hospitäler und andere Wohlthätigkeitsanstalten ; 
Bern hatte mit gleicher Freigebigkeit seine Fürsorge auf alle 
zufällige Unglücksfälle ausgedehnt; ebenso zeichneten sich 
andere gröfsero und kleinere Städte durch ähnliche Anstalten 
aus. Ueberall waren Strafsen zum Tbeil unter grofs^ Schwie«» 
rigkeiten gebaut ^ und die Gasthöfe selbst in scheinnar völlig 
unwirthbaren Gegenden bewiesen durch ihr Inneres den 
herrschenden WohistandMes Landes. Dieser aber begünstigte 
die Industrie in einem hohen Grade welche namentlich in den 
reformirten Cantonen grofse Fortschritte gemacht hatte. 
Wissenschaftliche Bildung war sehr allgemein verbreitet, 
für den ersten Unterricht war an allen Orten gut gesorgt, 
man fand Bücher und literarische Kenntnisse unter Ständen, 



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wo man sie »onstwo nicht leicht hätte suchen dürfen; daher 
aber auch die Menge von ausgezeichneten Gelehrten ^ welche 
der Schweiz ihr Daseyn verdanken« Dies war nach Herrn 
Raoiil • Aochette der Zustand der Schweia su*der Zeit^ als es 
das Oirectorium unternabniy sie durch seine Armeen neu su 
gestalten; frei 9 ruhig, glücklich im Innern , genois sie von 
Aufsen Achtung und Ansehen« £inige schwache und fehler» 
hafte Einrichtungen würden nach und nach durch die Weis- 
heit der Regierungen und die Fortschritte der Aufklärung im 
Zusammenhang mit den Sitten der Nation verbessert worden 
leyn. 

Wir haben bis hierher die Ansichten des Verfassers in 
gedrängtem Au ssuge wiedergegeben 9 was uns am geeignet« 
sten zur Begründung eines Urtheils schien« Bei der Darstel« 
lung der Gehrechen der Schweiz folgt er fast wörtlich der 
Geschichte der Schweizer von Mallet , doch ohne ihn bei der 
Kßrze der Einleitung zu nennen j wie er es späterhin thut^ 
wo er seine (Quellen immer sorgfältig angiebt. Angedeutet 
sind in der Hauptsache alle Verhältnisse auf denen der dama» 
lige gesellschaftliche Zustand der Schweiz beruhte , aber zum 
Tbeilwi^ es uns scheint etwas zu kurz, obgleich in der 
Folge noch manches nachgeholt wird 9 was jenen betrifft. 
Eine bedeutende Unzufriedenheit war, unabhängig von äu« 
I&eren Ursachen , in mehreren Cantonen der Schweiz^ bei der 
Mehrheit der Bewohner derselben rege geworden. Mehrere 
Verfassungen und Einrichtungen hatten sich mit dem Fort- 
gange der Zeit in vielfacher Hinsicht verschlimmert ; manche 
alte Keöhte waren dadurch in ihrer Gestalt und in ihren Wir» 
kungen sehr verändert worden; diese zu reformiren that in 
vielen Fällen Noth; aber die meisten Aegierungen verweiger« 
ten dies hartnäckig 5 ja widersetzten sich zum Tfaeil mit allen 
den Mitteln, die ihnen der Besitz der executiven Gewalt dar- 
bot) der Untersuchung der Rechte, welche ihre Unterthanen 
in Anspruch nahmen, und die diese auf die früheren Verträge 
und Urkunden hegründen wollten. Andere Beschwerden fan« 
den an andern Orten Statt, welche gleichen Widerstand von 
Seiten der herrschenden ^Parth ei erfuhren, und es schien dafs 
keine Abstellung derselben , wie es unser Verfasser annimmt, 
von der Weisheit der Regierungen zu erwarten w^ar. Dies 
war dann die Ursache warum so viele einer Aenderung der 
Dinge mit frohen Erwartungen entgegensahen, die Regierun- 
gen aber nur wenig auf ihre Unterthanen zählen konnten. 
Diese erhoben laute Ansprüche auf Gleichheit der Rechte, 
oder bildeten diese Ansprüche wenigstens im Stillen , da sie 



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74 Raonl*Rdc],iette lüst« de la H^rol. HeMtique. 

▼OTi der Französischen Republik ilberall auch pTOcIamirt wor^ 
den waren 9 und so gestalteten sich in der Schweia verschie« 
dene Partheien 9 die entweder den bisherigen Zustand beibe» 
halten y oder ihn geändert wünschten , was doppelt gefähr* 
lieh war 9 als nun die Zeit kam, in der nur strenge Eintracht 
vielleicht noch im Stande gewesen wäre, den Sturss des Va« 
terlandes 2u verhindern. vVir wollen nun aur Erzählung des 
Verfassers surückkehren 9 welche grofsentbeils das oben he<* 
merkte bestätigen Wird. * 

In den ersten Jahren der fransöfsi sehen Revolution nahm 
die Schweiz keinen unmittelbaren Antheil an derselben , aber 
die Emigrirten f welche sich dahin begaben , verursachten 
bald Verschiedenheit der Ansichten über jene, und in der 
Schweiz entstand dadurch eine politische Spaltung. Die an 
Frankreich gränzenden Cantone waren fär die französische 
Revolution, die ihnen vielfachen Gewinn gebracht hatte; im 
Waadtlande kam Hafs gegen die Berner Aristocratie hinzu, 
welche alle öffentlichen Stellen ausschHelsend für sich behielt. 
Indessen beobachtete die Schweiz eine strenge Neutralität ge- 
gen Frankreich, obgleich mehrfach hinsichtlich ihrer Regi« 
menter in französischem Solde gekränkt, während sie unbe- 
deutenden Störungen im Iiinern eine unnöthige und übertrie- 
bene Strenge entgegensetzte. Bern schickte 3000 Mann mit 
Artillerie ins Waadtland , weil in Lausanne sich einige Men- 
schen nach einem Trinkgelage grobe Störungen der öffentli- 
chen Ruhe erlaubt hatten , an denen jedoch das Volk keinen 
Antheil genommen hatte; eine Mafsregel, die nur dazu die- 
nen konnte, die Bewohner des Waadtlandes noch abgeneigter 
gegen die Regierung zu machen , als sie es früher schon ge- 
wesen waren. 

Im Jahr 1792 besetzte Gcistine die zu der Schweiz gehö- 
renden Pässe von Forentruy und einen Tbeil des Bisthum« 
Basel, dessen Bewohner unter diesem Schutze eine Republik 
Rauracien:proclamirten, Vergebens verlangten die Aljiirten 
dals einem Odrps Oestr eicher und dem Gond eschen Corps dßv 
Durchmarsch durch Basel gestattet würde; forderten dann 
mehreremale die Schweiz zum Beitritt gegen Frankreich auf; 
diese erklärte auf einer Versammlung im Mai, dann im Sep« 
tember-auf einer in Arau feierlich ihre Neutralität. Demun- 
geachtet mufse der General MontesG[uio,u nach der Eroberung 
von Savoyen Genf angreifen, das Hülfe von Bern und Zürich 
erhielt; Montesq'uiou gestattete ihm eine Gapitulation , statte 
gegen die lang verbündete Stadt zu wüthen , wie seine Be- 
fehle lauteten • Glaviere aus Genf verbannt, nunmehr Mini* 



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RftottURoohette hiit. de U tiivoi, Hely^tigue. 76 

Star in Paris, hatte diese aus Hals gegen seine Vaterstadt er* 
wirkt, und Montesqruiou entging nur durch die Flucht der 
Hinrichtung die seiner wartete , weil er jene Bef'ehlev nicht 
vollaog^n hatte. Claviere bildete nun mit andern Emigrirten 
aus dem JWaadtlande den Plan die Schweiz an drei Orten an- 
zugreifen , der jedoch aufgegeben werden niufste , da die 
französischen Waffen in den Niederlanden Verlust erlitten, 
und der Krieg gegen England und Spanien beginnen sollte; 
Die Schweiz blieb nunmehr in einem Zeitpunkte neutral, wo 
ihr Beitritt zur Coalition fOr Frankreich im höchsten Grade 
gefährlich gewesen seyn Würde ; sie blieb das einzige Land 
aus dem Frankreich Nahrungsmittel und Kriegsbedürfnisse er- 
hielt. So konnte dann auch in Basel als einer neutralen 
Stadt im Jahr 1795 der erste Frieden der franzöfs Ischen Ke« 
publik geschlossen werden. Im folgenden > Jahre nöthigten 
die Feldzüge des Erzherzogs Carl und Moreaus ernstlichere 
Malsregeln zur Erhaltung ihrer Neutralität zu ergreif en^ 
welche nach der Behauptung des Verfassers weniger gegen die 
fliehende Französische als gegen die verfolgende Oessreichi- 
Kbe Armee gerichtet gewesen wäre 9 worauf er folgende of* 
fenbar ganz entstellte Angabe hinaiuftigt : f^Der General Mo« 
reau verlangte den Durchmarsch und erhielt ihn. Während 
zwölf aufeinander folgender Tage wurde das Helvetische Ge« 
hiet von Französischen Soldaten überschwemmt, die meisten 
zwar ohne Waffen und Bagage , aber sie erhielten überall auf 
ihrem Durchmarsch eine wohlwollende Aufnahme, eine grofs« 
Biüthige Gastfreundschaft 9 wurden von den Einwohnern ge- 
leitet und ernährt, während auf dem andern Rheinufer der 
Oest reichische General vergebens $eine Beute verlangte ^ die 
ihm mit der verletzten Neutralität entwischte.«* Wer kann 
hier Moreau's Rückzug über die Rheinbrücke nach Hüningen 
erkennen , der in der besten Ordnung statt fand ? Das hier 
erzählte gilt nur von einzelnen herumschweifenden Haufen« 
Moreau liefs strenge die Neutralität der Schweiz respectiren, 
und sein Marsch durch das Höllenthal nach Hüningen konnte 
ihn gar nicht durch dss Gebiet derselben führen. Auf der 
gleioi folgenden Seite (43.) wird die Behauptung wiederholt, 
seine Armee habe ihre Rettung nur dem Umstände zu ver^ 
danken 9 dafs sie von der Schweiz in ihr Gebiet sey aufge» 
nommen worden. Als bald darauf zur Nachtzeit eine Oestrei« 
chische Colonne aus Irrthum das Baseler Gebiet betrat , wur« 
den auf die vom Franzöfsischen Gesandten Bartheleniy erho- 
bene Klage drei Baseler Officiere des Schweizer Gontingents 



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76 ^aoul - RcäslieUe lüsL d« la R^?oI. Helv^tique« 



/ 



ins 'Gefängnifs geworfen 9 weil sie dle^e Verletzung des 
Schweizer Bodens nicht verhindert hätten. 

Indessen verwandten sich' die verbannten Waadtländer 
und namentlich Friedrich Cäsar Labarpe für ihr gedrücktes 
Vaterland , verlangten in Paris die Wiederherstellung der al- 
ten Liandstände^ und zu dem Ende Franzdsisdie .Vermitte- 
lungf weil, was hier nicht bemerkt wird, Frankreich die 
Garantie des Lausanner Vertrags vom Jahr 1564 , VFodurch 
Savoyen das Waadtlaud an Bern abtrat, übernommen habe« 
Völlig unpassend war die Berufung auf diese Garantie inso- 
fern , als Savoyen bei der Abtretung. die früheren Rechte der 
Waadtländer nicht gewahrt , sondern das Land unter der 
Bedingung an Bern angetreten hatte, dafs es diese« wie seine 
übrigen X^änder regieren könne, ohne dafs ihm deswegen von 
den Herzogen von Savoyen oder irgend jemand anders zu ir- 
gend einer Zeit ein Vorwurf g-emax^t werden dürfe ; die Ber- 
ner !sahen es also als erobertes Land an, nahmen ihm alle 
Rechte , und liefsen es durch ihre LandvÖgte regieren, 

^ Die verbannten Waadtländer und Laharpe werden hier 
von Herrn Raoul^Rochette etwas hart bebandelt« Er nennt 
sie Aufruhrer , - welche die Vermittlung des Französischen 
Gouvernements angerufen hätten; „würdige und muthige 
Handlung dieser edelmüthtgen Bürger, über, Bern, wenn 
auch schuldig, und über die unschuldige Schweiz die 
Schmach einer fremden Dazwischenkunft anzurufen und alle 
Geifseln eines Einfalls !« als ob das Letzte eine nothwendige 
Folge der Bitte um Vermittelung gewesen wäre, die Ver- 
bannte doch gewifs wohl irgendwo nachzusuchen berechtigt 
sind. Von Laharpe aber sagt der Verfasser: „Dieser , erst 
Advocat in Lausanne, dann, in seiner Eigenschaft als Waadt- 
länder beauftragt, die Groisherzoge von Rufsland das Fran- 
zösische zu lehren , darauf, dafür dafs er sie in der Gramma- 
tik unterrichtet hatte, zum Obersten ernannt, hatte in der 
Mitte eines nordischen Hofes und bei -der Erziehung von un- 
umschränkten Fürsten , weder seine Waadtländischen Vorur- 
theile noch seine republicanischen Grundsätze vergessen.«^ 

Mit ein Paar Worten wird nun der Unruhen am Zür- 
cher See erwähnt, .wo der reiche Flecken Stäfa Gleichheit 
der politischen Rechte mit den Bürgern der Stadt verlangt 
habe; diese hätten die Empörung für beigelegt gehalten, 
weil die Anführer derselben ins Gefkngnifs gesetzt worden 
wären. Man hätte dies so wenig beachtet, wie andere Be- 
mühungen Empörungen zu stiften; Frankreich habe man 
^nicht gefürchtet, weil man das Directorium nach dem Cha« 



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RaoiH-Rocheet« hiit. de la R^rol. Belr^ticpie. 77 

rakter seines Gesandten Barthdemy su gttnstig beiirtheili^ 
habe. Die Unruhen am Zürcher See hatten doch wohl eine 
andere als diese in ihrer Kürze etwas schief lautende Darstel« 
lang erfordert 9 sumal da ihr £influfs auf . die Folge der Be« 
gebenheiten so wichtig war. 

Auch nach dem Vertrag yon Campo Formio dauerte die 
Sicherheit der Schweiz fort, obschon Veklin, Bormio und 
Cbiavenna vom Graubündner Land losgerissen worden wa« 
ren. Barthelemy und Carnot, welche bisbet im Dir^ctorium 
die Schweiz in Schutz genommen hatten, WBBengtfaUen; die 
Expedition nach Egypten war besdilossen , ;«ber es fehlte an 
Geld dazu ^ was Bern hatte« Nadi den daselbst seit idrei ^ 
Jahrhunderten gesammelten Schätzen hatte sich Buonaparte 
bereits erkundigt; auf seiner Reise durch die Schweiz hatte 
er offen seinen Widerwillen gegen die Berner Aristocratie zu. 
erkennen gegeben, indem er keine der ihm bestimmten Fest«* 
Jichkeiten annahm , und den voni Amtsschultheis erhaltenen 
Besuch nicht erwiederte, Solothurn machte . deshalb keine 
Anstalten zu seinem Empfang, und liels den Artillerie - Com« 
luandant Zeltner, der ihn mit Kanonenschüssen begrtf Ist hatte, 
gefangen setzen , mufste ihn aber bald wieder auf Verlangen 
des Französischen Gesandten freilassen. In Basel erklärte 
BuoTiaparte , dieses sey die erste . Republik die er in dler 
Schweiz gesehen habe« Seine • Durchreise» hatt« ihm die 
Schwäche der Schweiz deutlich gezeigt^ nach seiner Ankunft 
in Paris ward die Besetzung derselben beschlossen, und 
Brune bestimmt, Bern zu plündern. £s mufsten nun Vor- 
wände aufgefunden werden, um «diese Schritte zu rechtferti* 
gen, 'was bei der bisher bewiesenen Geduld der Schweizer 
nicht ganz leicht war; und Französische Journale mufsten an 
der Stelle einer officiellen Erklärung der Welt die Beschwer« 
den der Französischan Regierung über die Schweiz vorlegen. 
Diese waren ^ in Ermangelung aller auch nur einigermafsen 
gegründeten, der übermäisige Gewinn welchen die Schweiz 
während des Kriegs durch ihren Handel mit Frankreich ge- 
macht habe; ^gebliche Verfertigung falscher Assignate in 
der Schweiz; die Unterstüzungen welche die emigrirteu 
Priester und Royalisten erhalten hatten; die Gegenwart eines 
Englischen Gesandten , welcher die Truppeuwerbungen für 
die coalisirten MäSbte begünstigte ; zuletzt die Verfolgung 
der Freunde der Freiheijt und die Abneigung gegen die 
Grundsätze der Französischen Regierung, Hierzu fügte man 
noch die im 'Jahv'^l79S von Oestr eichischen Agenten auf der 
Schweizer Granze vollzogene Verhaftung der Französischen 



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7S Raoui;-;IlQcheue hist. de la R^roL Hdr^tique. 

Gesandtöii Maret und. Semonv^lle 9 so wie die oberwafante 
Verletzung das Schweiz er gebietea durcli die Oestreicher im 
Jahr .1796 bei Hüningen; 

Vergebens .Suchte 4er B^rner Senator CL« von Haller 
sein Vaterland gegen diese Beschuldigungen zu vertbeidigen^ 
bewiea noben den andern Widerlegungen , dafs man im Jahr 
1796 out Vergangen des FranzcUsiscben Gesandten die £mi« 
grirton aus .Bern verwiesen hätte ^ ^ein Beispiel dem dann die 
andern SohM^eizer«» Regierungen gefolgt waren; der Englische 
Gesandte Widcham. verliefs Bern « um es durch sein Dablei- 
ben keinen wästern Unannehmlichkeiten auszusetzen; aber 
das Directorium wurde nur ungeduldiger seinen Plan auszu« 
führen. Als Fraazdsischer Gesandter war Bacher auf Bar- 
thelemy gefolgt , der aber weil er zu furchtsam und Vorsich- 
tig war von Mengaud. abgelöst wurde. Dieser ^ ein Verwand- 
ter vom; Director Heiibel^ machte es sich z.um Hauptgeschäft^ 
die Schweiaer« auf alle Art zu. Schritten zu^reizen.^ die etwa 
einen Vorwand jmm. Angriff bilden ^nnten , und so unver- 
schämt er ^diJes^ fauch that, so wenig brachte es doch den 
verlangten Erfolg hervor, ..Man liels also de;i General Saint* 
Cyr mit .einem iCorps von der grofsen Arm^e von Deutsch- 
land den 15« Deoember 1797 dem Theil des Bisthums Basel, 
der zu der Schvneia gehörte, besetzen, und Mengaud erklärte 
noch/2 Monatis dajiauf, dafs das Directorium gar die Absicht 
nicht habe 9 in das Schweizer Gebiet einzufallen. • In Bern 
sah man nun die Nothwendigkeit ein , erristliche Mafsregelii 
zu ergreifen, zog einen jQordon.an der Grenze, unterhandelte 
mit Mengaud , und su<dite Hülfe .beim Canton Schwyz nach. 
Auf das . Verlangen von Züreh wurde eine allg(>nreine Ver- 
sammlung 'Von Schweizer Deputirten in Arau gehalten, auf 
welcher Schwyz erklärte seiner Religion und seinen alten 
Gesetzen, treu bleiben 5 .und sie aufs äulserste vertheidigen zu 
wollen. Zugleich sandte es seinen alten ]Uan.damman Carl 
von Beding als Deputirten und Vermittlet nach Bern. 

Durch die Bamühungen von JLiaharpe und Feter Ochs von 
Basel nahm sichnuh das Directorium unmittelbar der Waadt- 
länder an, so dais es sogar:. den Regierungen von Bern und 
FreibuTg erklären liefs ^ dals es die Mitglieder derselben per- 
sönlich für die individuelle Sicherheit und das Eigenthum der 
VVaadtländer verantwortlich mache, welche sich an die Fran- 
zösische Republik gewandt hätten , oder noch wenden vrür- 
den , um ihre Vermittelung in Anspruch zu nehmen ^ damit 
sie in ihren Rechten erhalten , oder in dieselben wieder ein« 
gesetzt würden^ *' Auf diese. Vermittelung , dijS so gut wie 



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Jlaoul • Rochette hist. cU la R^roL Rely^ti^ue. 79 

eine Kriegserklärung war, antwortete Bern, es bähe nur 
Gott und seinem Gewissen Rechenschaft abzulegen ^ seine 
Constitution und Gesetze seyen seine einzigen Schiedsrichter, 
£s fafste ^en Beschlufs dafs die Waadtländer unter den Waf- 
fen den 10, Januar den Eid. der Treue ^egen ihren Souverän 
erneuern sollten , und schickte ihnen zu diesem Ende Com* 
missarien« ^fach Herrn Raoul-Aochette soll dieser Eid fast 
allgemein und loit grofser Freude geleistet worden seyn, da 
andere Nachrichten das> Gegentheil versicherji.^ und bei ihren 
detaillirten ^Angaben mehr Glauben verdienen. Auch übergeht 
er die vorher in Bern durch den Magistrat von Lausanne 
eingereichte Bittscl^rii't um Zusammenberufung von Abgeord* 
neten aus allen Gemeinen des Waadtlandes mit . Stillscowei« 
gen. Er erzählt nur in. Vevav^ Au^onne und Moudon sey 
der Eidesleistung von den JVIunicipalitäten und der Miliai 
Widerstiind geleistet worden , und Wie dann die Miliz vo^ 
Vevay durch einen falschen Befehl an den Commandanten de» 
Schlosses Chillon im Genfer See, dieses an demselben lO. 
Januar besetzt , und damit die Schweizer Keyolution ihren 
eigentlichen. Anfang genommen habe^ 

Berxi schickte nunmehr Commissaire mi^ zwei.Deputir- 
ten der ^rduer Versammlung ins VTaadtland, um die Klagen 
anzuhören 9 u|id .Genugth.uung anisubieten^ lUncl ernannte den 
Oberste?! vpn'W.eilsj Li^ndyogt ii? Moudon zum Militärcom- 
mandanten.der Provinz mi,t dem Auftrag Truppen auszuheben. 
Dieser aber brachte seine Zeit, mit Brief Wechsel und dem Her^ 
ausgeben vpn Broschüren hin, ..bis er von den Franzosen und 
den Aufrtihr<?rn gedrängt nach Neufchatel und.Iverdun ent- 
floh, und daselbst noch fortfuhr ^ mit dem Senat von Bern, 
den Feinden, .den Rebellen und der ganzeiji Welt zu corre- 
spondiren. So ging das Waadtland für Bern verloren. Zwei 
den 26. Januar Abends um 10 yhr ii^ -der Dujikelheit von den 
Berner Wachen erschossene H,u^ren, die einen abgeschicktei^ 
Adjutanten des Französischen Generals Menard Begleitet hat- 
ten, mufsten diesem zum Vorwand dienen, sich tlner ein un- 
erhörtes Attentat der Trabanten der Oligarchie beschweren 
zu können; den folgenden Tag rückte er ins Waadtland ein, 
und den nächsten schon, den 27« Januar, Wurde in Lausanne 
eine Lemanische Republik proclamirt, das Staatsvermögen 
eingezogen , . und^ ein aus Paris gesandter Constitutionsent- 
Wurf betannt gemacht und sogleich angenommen. 

Zu gleicher Zeit fand die Revolution in Basel Statt 9 ge- 
leitet von Ochs j damals in Paris , und von seinen Freunden 
in Basel« Der Aufstand begann den 11. Januar unter einem 



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EO Raoi2l»lloc^ett6 hisi. d« k, R^roL H^lr^ti^e* i 

Theil des Lian^dvolks 9 das Oleicbfaeit der Rechte mit der 
Stadtbürgern verlangte. Man schickte von Basel Deputirte 
dahin um die Empörung in ihrem Entstehen zu unterdrücken, 
das waren aber gerade Begünstiger dersel}»en 9 deren Gegen« 
wart diese nur noch authorisirte« Sie kehrten darauf nacl 
Basel zurück um den Magistratspersonen Niederlegung^ ihrei 
Stellen anzurathen. Den i&. Januar vertrieben die jBauerr 
einige Beamten aus ihren Schlössern ^ zerstörten diese j unc 
Zogen 600 an der Zahl in Basel ein 9 wo ihnen fünfzig ihreii 
Freunde die Thote ö£Fneten. Den 20. Januar wurde feierlicli 
eine Erklärung der Menschenrechte proclamirt , und mit dex 
Zustimmung deji Bürgermeisters» des grofsen und des kleineij 
Kaths verseben. Ein Freiheitsbaum wurde in «Basel aufge«^ 
pflanzt, die Abgeordneten van der Arauer Versammlung zuJ 
rückberufen , und eine provisorische Regierung von Mitglied 
dern aus allen Ständen » doch mit AusSchlufs der bisherige^ 
Magistratspersonen , etnannt. 

Aeijnliche Bewegungen fanden in Zürich, in Toggei 
bürg, im Thurgau, in Unterwallis Statt, wo sogar dit^ 
Geistlichen das Volk zur Empörung auBForderten« Die Ver- 
sa*nmlung in Ärau bot ein gleiches Schauspiel von widerstre« 
bendeh Meinungen und Leidenschaften dar« Zwietracht 
und gegenseitige Eifersucht herrschten^ und niemand schien 
das Loos zuäbnen, das der Schw'eiz" harrte. Die Abgeord- 
neten der democratischen Cantone 9 die lange Zeit eine ge- 
heime Eifersucht gegen Bern und die aristo cra tischen Staaten 
genährt hatten , Sahen in den Unruhen riur Streitigkeiten 
über die Interessen einiger privilegirten Familien, hielten 
sich selbst hinter ihren Felsen und alten Constitutionen voll- 
kommen gesichert, und glaubten nicht, * dafs die Auflösung 
der aristocratischen Regierungen, um die es sich* am Ende 
blos drehe, ein Unglück sey, Zu dessen Abwendung man sich 
den Gefahren eines ungleichen Kriegs aussetzen dürfe. 



CBescIdu/s folgt J 



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N. a 1824 

Heidelberger 

Jahrbücher der Literatur. 

^saammmasamamtmmsmmmmmBmmmmmBmmi 

Raoul-'Rochettb his^oire de la ReTöIü-' 
tian Helretique. 

Diese iretscliiedenen Ansichten begünstifte der Frsnzd« 
^iche Gesandte Mengaud^ Versicherte | Frankreich WoWe nur 
(^ein Despotismus von Freiburg ^ . Bern und Solothurn ein 
£ncle machen^, und so erklärte die Versammlung den i9. Januar ^ 
dem Senat ron Bern,^ dais wenn seine Streitigkeiten mit 
Frankreich wegen des Waadtlandes asu Feindseligkeiten füh« 
ten sollten 4 diese Regierung auf den Beistand der Übrigeii 
Cantooe nicht ^u sähien habe ; man lade sie vielmehr ein« 
Hebef dem Wunsph ihrer empörten Unterthanen nachzugeben^ 
als durch einen unnüti^en K^mpF ihre eigene £xf stenz und das 
Wohl des* ^mzen Bundes auf das Spiel zu setzen« MengauJ 
benuttte in Arau den Z usannnen.il ufs aller Unzufriedenen aus 
det Schleis, Überall da^ Feuer der Empörung durch sein^ 
Instructionen 4 durch Versprefchungen 5 durch Oelegenheits^ 
Schriften an;zuf^chen \ .. er suchte durch sein Betragen SehvreM 
zerMagistratsperspnen Zu Beleidigungen zu reizen ^ um ih^* 
nen dann daraus ein Verbrechen machen zu können^ vrurde 
^es aber zujietzt selbst mÜde, Den 11 < Januar benachrich« 
ligte et die Versammlung, Ad^ÜB wenn sich das Gerücht von 
einem Einfall der Oestreicher in Graubünden bestätigt e^ 
Frankreidi sich gei^wungen sehen würde ^ seinerseits /auch 
Truppen in die Schvireiz rücken zu lassen« Nun erWacbte 
endhch daä Gefühl der Unabhängigkeit in den Deputirten uiiijl 
lie beschlossen feierlich den Vertrag ihres ursprünglichefi 
Bflndmsaea zu 6ri)euern ^ wM auch den 25« Jauuar Statt iEand^ ' 
•bet mit Ansnaht^e der Baseler Deputirten y . welch« vorher 
lurüekberufen worden waren« 

Wir, kdimen nicht umhin 5 . hier auf dje chronologische^ 
Schwierigkeiten aufmerksam zu machen 4 auf die man in ei^ ^ 
XVU« Jahrs^ i. Beft«. q 



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<^r 1 ' i Rao«l-Rccl»eite hür. de hi R^wl, Belv^ti^e. l] 

nef Zeit per iod^ ^töX^t^ w;o pah,^ol9h^ ^ap nioht erwarteti 
sollte. Wir halten obige* Bestimmung des '25* Januars für 
den Tajg der Ernq^ejUing des Schweizerbtliylnisses /nit Herrn 
y^i*|.?{;jJJfe^Ä:^| ftr|ich«h; f^l^en infÄ.fa|t ülff rff^f^hii 
dene Angaben. Diese sind der 24, Januar, oaer unnestimmt, 
gegen Rüde des.Jainuirs , oder wie, die meisten ,. auch Planta, 
und die neue Fortsetzung der Aj-t de verifier les dateä haLeiiy 
der erste Februar. Letzte Angabe ist ganz be)s.timmt unricli* 
tig* : Dagegen, J^n^eii ' wir lceij|;i^n| Zusammenhang in der £r* 
Zählung des Herrn Raoul»Kochette finden^ wenn er ale' Ver- 
sammlung in Arau unter dem l9. Januar obige Erklärung 
an den Senat von Bern thun läfst, dals er keine Htilfe von 
den übrigen Cantonen' 2U erWaVten habe^ und d^nn erzählt, 
wie dieselbe Versammlung , zufolg« der von Mengaud unter 
dem 11. Japuar abgegebienen J^rkl^rung, die Emeuerunjg des 
Bundes beschlossen habe. Auch War, was hier ilöcW xii cht 
erwähnt wird, vor Aufhebung der Versammlung die' Stellung 
eines doppelten Contingents, also von 26,000 Mann , be- 
stimmt Worden, Die Angabe des 11. Januars für Mengaud's 
Erklärung findet sich an mehreren Orten; woher die vorher- 
gehende vom I9i Januar, die damit so wenig Übereinzustini- 
men scheint, genommen ist, vrissen wir nicnt. Di« Erzäli-| 
liing selbst beruht auf einem Aufsatz in der Minerva; da- 
selbst ist aber keine genauere Zeitangabe bemerkt. 

Dieselbe Unentschlossenheir, dieselbe Verschiedenheit der 
Meinungen d|e unter den Schweizern im allgemeinen Statt 
fand, herrschte auch in der Regierung von ßerri. * An der 
Spitze d^r einen Parthei stand der ehrwürdige Schultheis 
Steiger, der seine Vaterstadt' eine Reihe von Jahreii hindurch 
- regiert battei Von jeher eivt^chjederier Feind der FjtHinedrsi- 
schen Revolution hatte er uWdbifässIg' gearbeitet ihr in 'der 
Schweiz und aufser derselben Feinde zu erwecken.. Üeber- 
zeugt dals jede Unterhandlung mit der Frans&öfsischen Regier 
rung unmöglich sey , verlangte seine Färthei den Krieg, um 
Wenigstens ehrenvoll zufallen. Diier entgegengesetze rlirthei 
hoffte durch Nachgiebigkeit jeder* Art den Feind zu entwaff«! 
nen,' und so den Frieden erhalten «u könnisn. An ihrer' 
Spitze stand Frisching, ein Mann von vielen Tafciiten; zu 
ihV gehörten die meisten jungen Patricier, die in den 'gtöfsen 
R^th gekommen Waren, als sich dieser im Jahf 1796 durck 
Öd* neue Mitglieder ergänzt hatte^ Seit mehreren Jithren batt*j 
die Rivalität zwischen Steiger und Ftisching beät&ndige| 
Schwanken iii den Beschlüssen der Berner Regierung hervor 
gebrächt. 



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Baoul^Bodhtflte Iii^. de la R^vol. Helr^tiqod. A3 

Das Waadtland war Terloren, det* Obriat Wcifs hatte 68 
mit seinen T|uppen verlassen; nun fiel auch Arau ab, er« 
klärte sich ^)r unabhängig | als'kauin die allgemeine Schwei« 
zer- Versammlung aufgelöist war, und pflanzte einen Frei« 
heitsbaum ; aber der Berner General von Büren besetzte niit 
den treu gebliebenen Landmilizen die Stadt und stellte ^die 
rechtmäfsigc Regierung wieder her. Zwei Franzdfstsche 
Corps rockten durch das Waädt|and und das Bisthum Basel 
gegen Bern vor, das ihnen hinlängliche Truppen hätte entgeh 
^enstellen können. Die Oberländer erschienen alle vollMutha 
i>eidem Berner Heer; die Franzosen . hatten 4000 Freiwillige 
Waadtländer aufgeboten, aber ksium hundert zuiamnienge* 
Wacht, * ' •• ' • 

In den letzten Tagen des Januars rief der souverän« ^ 
Katb 52 Deputirte aus den Gemeinden und Städten in seine 
Mitte, -um gemeinschaftlich tlber die Mittel, die Wohlfalirt 
und Ruhe des Landes zu sichern, zu berathen. Am dritten 
Feiiruar erschien eine Erklärung wodurch die bisherige Con« 
stitution abgeschafft , und die' Grundlagen bekannt gemacht " 
Wurden, ^uf denen die künftige Constitution beruhen sollte« 
^och war keine * Farthei damit zufrieden, unä Mehgaud, 
d^mman sie durch Abgeordnete mittheilen liefs, um sich mit^ 
^em Directotium auszusöhnen | machte die unverschämtesten 
I'orderungen. Man hoffte b^essere Bedingungen von Brune 
ehalten zu können, der nunmehr als Obergerieral der Franzosen 
^gekommen -yi^ar ; dieser aber kam immer auf Mengaud's Forde« 
rungen zurück, unmittelbare Abdankung aller Magtstratsperso« 
neu und Bildung einer democratischen Regierung, Mengaud 
behauptete in einer itberall ausgestreuten jProcla^ation noch 
immer die friedfertigen Gesinnungen seiner Kegierui^, und 
nachte Bern und Soßthurn für die Bewegungen der Fr^nkd« 
tisclien Armee' verantwortlich,, während diese JBienne be« 
*^(zte, es mit Frankreich vereinigt erklärte , und' 60 Kinder 
^on Etnigrirten wegnahm i die von Frankreich ^he republi«^ 
c^msche Erziehung erhalten soUtep. Eine neue Deputation 
^schien den 15. Februar bei Brune ^ um den Rückmarsch der 
Franzosen luiter aHen mit der Ehre Aet B'erner zu vereinigen« 
(^^n Bedingungen Bu unterhandln ; es erfolgte aber nur ein 
Waffen stifstand ^ori If Tagen, weil Brune zu weitereh Un^ 
Vernehmungen erst noch Verstärkungen erwartete; Dieser 
^Waffenstillstand erregte die höchste Unzufriedenheit in der. 
Denier Armee 9 welche darch Französische EmissUrien auf aller 
^rtnoch vermehrt wurde« Zwar gelang es dem Obergene» 
Tai der Berner , -von Erlach , als er den 26. Februar mitÖO ^ 

'•■... Digitizedby Google 



Q^ Raoul-R(Khetfe bist« de k H^VoU Heltr^tic|ii«. 

OfHcieren^ andere sagen mit emige|^ all« Mitglieder de^sou. 
verfinen Raths ^ in diesem er&chien , dafs ihm na^h Ablaui: dej 
WafFenstillstands uneingeschränkte Vollmacht ^ur Führung 
des Kriegs tibertragen wurde , was einen allgemeinen £n^ 
thusiasmus in der/ Armee hervorbrachte; aber nadh ihm eil 
schien in derselben Sitzung des grolsen Raths ^in Adjutani 
von Brune mit der Nachricht^ 'daXs dieser General nun Vo\\\ 
macht sur Unterhandlung mit Bern erhalten habe, und ei 
wurde beschlossen^ deshalb eine Deputation an ihn z^ 
schicken« . D\esß Unterhandlung ha^e aber nicht den gel 
wünschten Erfolge da Btune als Ultimatum die Abdankung 
der alten Magistrat spersotidn^ die Annahme der neuen Schweif 
zer Constitution und die Auflösung, der Berner Armee 'Ver^ 
langt. Die an ihn geschickten Deputirten Fi!isehing und 
Tscharner. hohen deshalb aus eigener Autorität hei der Arj 
mee das Verbot auf ^ den ersten März die FeindseligVeiten z\\ 
beginnen. ^ s 

Da aber die .Minorität im grpfsen Rathrin Bern durcl 
die Abwesenheit Erlachs und der 80 Officiere bei der Arme^ 
die Stimmenmehrheit e;rh^lten hattet so nahm sie, ; unter| 
stützt von einer Deputation vx>n Basel und Sthaffhausenj 
Brune's Ultimatum an, und decretirte die Atifldsung der be« 
atehenden Regierung^ und Errichtung einer neuen pro^yisoril 

' sehen ^ Freiheit und Gleichheit der Einwohner des Bernei 
Gantons, und Einheit der ganzen Schweiz. Vergebens eilt^ 

, Erlach nach 'Bern lun die Aufhebung dieses Decrets zu erwürl 
ken^ das . allgemeine Unzufriedenheit erregte, und den Unj 
willen der Armee und die Zwietracht in derselben bei de^ 
stets wecbse}iiden.Maisregeln au£ den höchsten Grad steigertöi 
Brune benachrichtigt, dafs ihm der General Schauenbun 
Verstärkungen zuführe, verlangte liun , als ihm die Berne] 
Decrete üb erbracht wurden,, unmittelbare Auflösung de| 
Schweizer-Armee. Von neuem Ward hierauf der Befehl gegel 
ben , den&ampf /in der Nacht vom ersten auf -denzweitei 
März, zu^ begifinen f gleicli aber auch wieder'ein WaEFensti]l| 
stand votbjäO' Stunden geschlossen, dessiifn Ablauf Brune je^ 
docb nicht abwai^tete, sondern am Morgen des zweiten Marl 
aes den Kampf begann. Solothnrn und Preiburg ergaben siel 
beim ersten Erscheinen der Franzöfsi sehen Armee durch di^ 
Feigheit ihrer Magistrate. Die Berner Truppen kämpften bij 
zum fünften März Überall als Verzweifelte, aber ohne Einj 
heit des Plans, ohne Gehorsam ^egen ihre Qfficidre,*' die sU 
für Verräther hielten^ und atim Theil ermordeten.- Mit.ihj 
nen kämpften Greise » Weihte und Kinder,, ,und bewiesd 



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■ was man mit ihnen hätte ausrichten kdiinen , hätte man «ich 
einige Wochen früher zum Krieg enUcblieiVen können. Ver*- 
geben« «ucht der ehrwürdige Steiger den Tod auf det» . 
Scblachtfelde. durch Feindes Hand I er fai^d ihn nicht, ent«- 
im aber kaum mehrmaliger Todesgefahr von> Seiten der Bex* 
ner Truppen 9 die auch ihren General Erlach umbrachten, zu 
(lieser Griuelthat durch die einev Mei^ von ihnen schrift« 
lieh mitgetheilte Nachricht hestimmt , Erlach habe verspro«^ 
eben, sie schlagen zu laasen und dem Feinde in die Hände za 
liefern, so fiel Bern durch Unentschlossenheit , Uneinigkeit!, 
Betrug und Intrigue. Den vierten März , Morg,ens, . ward 
eine neue Regierung niedergesetzt , den fünften , Abends^ 
zogBrune in Bern ein ^ ,1^0. nur noch der Föbel geblieben 
v^ar. Nach der Plünderung ward ein iTceiheitsbauin errich» 
tet, wobei Frisching das alte Oberhaupt der Fnanzösischeii 
fartheiy nunmehr Präsident der provisorischen Regierung, 
i'iid allein beim Umsturz seines Vaterlands noch übrig, den 
traurigen Vorsitz führen mufst^. 

Wir sind bisher Herrn Raoul • RocBette ziemlich enge 
in der Darstellung einer der traurigsten Umwälzungen^ 
Welche die Französische Revolution begleiteten, bis zum 
lall' von Bern gefolgt ^ mit welchem der von der Schweiz 
so gut als entschieden war. Der Raum dieser Blätter n&- 
tbigt uns zu einer weit gedrängteren Angabe der Folge die- 
ser Geschithte, und das vorhergegangene wird hinreichen um 
^'>i seigen dafa der Verfasser die Begebenheiten im Ganzem 
treu und ohne Begünstigung einer Parthei erzählt« Es^ folge 
1*"« eine kurze Geschiente der Revolutionen von Lücern, von 
'Zürich, von Wallis, von Schaffhausen, wovon unserer Meir 
iiung nach die von «Zürich mehr Ausfiührlichkelt verdient 
bätte; dann eine Darstellung der neu gebildeten Republiken 
von Basel und von Lern an, wovon die erste unter ihrer pro- 
visorischen Regierung von sechzig Gliedern gleich anfangs ei- 
-fl<?n regulären G^ng erhielt, die zweite aber mit vielen Hin» 
<lerni$8en zu kämpfen hatte, da an die Spitze der einzelnen 
verwaltiingszweige Märmer kamen, denen diese Gegenstände 
bisher fremd gewesen waren, und nun auch gleich für die 
Franzosen Geld und Truppen aufgebracht werden mufsten. 
^iese bemächtigen sich der Schätze, Kiriegs- und anderer« 
vorräthe von Bern, Solothum, Freiburg, Liucem und Zu« 
"ch indem sie an einem Orte weiter, am andern Orte weni-* 
p weit griflFeli, namentlich aber in Bern keinen Theil de* 
^taatsyermdgens unangetastet liefsen. Gleich nach der Ein^ 
nähme dieser Stadt beschäftigte aich Brune etwas ungeschickt 



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fi'li^ >abe. Von obij 

11 6 Millionen angesetzt ; 

ien, da sich die UnmögUchl^ 

eten attfzubringen. 1 

tel des folgenden z^veiten BiM 



ken ^^ * 
*te* 

Bf 

J 



xlemen Cantone gegen die Fran^ 
• fast ganz der Gesca' ' " 
tischen Berg- \i; 

erzählt er die et^ „ w^^xüilc^ 

Arau, bis jetzt nur aus den 



fast ganz der Geschichte vom Kau] 

.weizerischen Berg- und Waldcantc 

Darauf erzählt er die ersten Schritte < 

.l..nir in Arau, bis ietzt nur aus den I 



/on 



und end 



.nlung in --»-^t -y - 

Cantonen bestehend , d«enen sich aber i 
en abschlössen; dann den Widerstand und 
' Walli». In der Schweiz^ eig teil «ich m 



lAe diß Vortheilß aer aiuen V^onstitut 

J'^^'^uen verbinden wollten, das heilst, die Una 

. V > der einzelnen Cantons unter einer gemeinsct.fr 

-1^ inisJration. und eine Central-RegierLig mit VoU 

"^ ? STwSnsW^^ Diese dre. Partheien^Ände. sl 

^/ ^^U^rmeinen Versamnilung der -Schweizer Deputirte 

> *''Ättrhrenfi^nf Directoren du.ch Intriguen! dur 

'^t'-p^^d öffentlichen Krieg, durch lanl« Debatte 



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^aout-Kochettc liist. 4e la R6?pL H«Ive(i<jiW. t7 

durch e^ne Menge von. Decreten- und Gesetzen auszeichneten^ 
welche alle Icaun^ erschienen auch gleich wieder vergessen 
wurde^. Als Cammissär d^s Französischen Directoriums an 
Lecarliex's Stelle kam nun der unverschämte, rauhsüchtige 
Rapinat, um alle Verworfenheiten auszufilbren ,' deren Maafs 
für das unglückliche Land noch nicht voll war» ' Seine Greuel 
werden nach dem^ Moniteur , einer gewifs hi^r zuverlässigen 
Quelle eraählt« Seinem Willen muTste von der Schweizer 
Regierung Folge geleistet werden, ungeachtet sich nvanche 
Stimmen im grofsen Ratb dagegen erhoben. Folgsamer zeigte 
sich der Senat. Z^vei der Directoren mufsten ihre Stellen 
niederlegen, welche Ochs und Laharpe erhielten. Durch 
seine lange Abwesenheit war der letzte der Schweiz und ih« 
ren gegenwärtigen Verhältnissen entfremdet; er folgte Ideen 
die unter den jetzigen Umständen keine Anwendung mehr 
Enden konnten, ertrug keinen Widerstand, und begegnete 
ihm mit MaTsregeln , die in Grausamkeit übergingen. Mit 
den Eranzdsischen Behörden' war nun das Directorium ausge» 
söbnt, die neuen Gesetze und Anordnungen, die daraus fol- 
genden unerschwinglichen Abgaben^ setzten das Volk in Ver- 
zweiflung. Feudalrechte, Zehnten und Grundzinsen wurden 
aufgehoben, die teiden letzten gegen eine geringe, Abkaufs- 
summe ; und ohne für andere Arten des Einkommens zu sor- 
gen, sollten dennoch jährlich, für das Budjet zwanzig Millio« 
nen Franken aufgebracht werden. Durch die Aufhebung der 
Zehnten wurde die Geistlichkeit, die namentlich in den klei- 
nen Cantons so grofsen flinflürs hatte, beleidigt; die letztern 
wurdeii es noch besonders, als man die Zahl ihrer Abgeord« 
neten von 48 auf 12 herabsetzte, Durch einen Offensiv- und 
Defensiv - Vertrag mit Frankreich übernahm die Schweiz, die 
Stellung von l8,000 Mann Truppen, was die auswärtigen 
Staaten unmöglich gleichgÜ'ltig ansehen konnten. Nun er- 
schien den 12. Juli ein Gesetz, , .das unter Androhung des 
Verlusts der Bürgerrechte gebot, der Helvetischen Consti- 
tution den Eid 'der "treue zu leisten. Diesem Kvidersetz^en 
sich in den kleinen Cantonen die Geistlichen, und so kam es 
zu eii^^xQ neuen Krieg derselben gegen die Franzosen , der im 
Canton Schwyz bald beigelegt, in dem von Ünterwalden aber 
"iit desto gröfserer Hartnäckigkeit* geführt wurde, und nach 
den gröfsten Anstrengungen rast die ganze Bevölkerung die- 
ses Gantons vernichtete. Die vorzüghchste Quelle, welcher 
der Verfasser hier gefolgt ist , sind Zschokke'ai historische 
Denkwürdigkeiten, Nach diesem unglücklicheiiKriege nabfn 
f estalozzi hundert eitern^- und hülflos gewordene Kinder aut. 



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88 ItMiii. Röchelte hisU de la RUrDl, V^tltd<pi. 

Und begründete damit «eine Er^iebutigtanstalt« Obgf^en 
Sisichnete sich das Directorium durch di^e alifcheuUfihit^ii De* 
creie gegen die bedauentswürdigen Sehläcbtopfer i»in^ llf afs» 
regeln aus» , und der Französiscne Genera) Schauenburg »^ der 
sie vollsleben sollte 9 ^ceigte eine Menschlichkeit f' die der 
Schweizer-Regierung fremd geblieben war» 

Der Yerfesser erzllhlt nun nach Zschokke^ die Begeben«* 
beiten in Graubündten, das eingeladen wurde sich mit der 
^Helvetischen Hepiiblik zu vereinigen, wodurch aber die frü- 
her mächtige , seit einiger Zeit unterdrückte Partber der Sa« 
Us wieder die Oberhand erhielt , ihre^ Gegner auswandeH 
ntufsten, und die Oestreicber in da^ Land ruckten, dikselbst 
K auch den Winter von 1798 auf 1799 blieben» Wir bfttten au 
Anfang dieses Capitels eine etwas ausfQhrlichere Darstellung 
der früheren Verhältnisse vonGrraubündten nach^schokke ge- 
wünscht, die hier nur angedeutet werden. JE{ieraüf folgen 
die wehiger bedeutenden fJmwälzungen in der Italienischen 
Schweiz ^ denen eine Darstellung des Landes selbst voraus« 
eehtf beides grofsenthei}« nach Z^chokke; dann Betrachtun» 
gen über den traurigen Zustand der Schweiz zu Exide des er^ 
sten Jahres ihrer Freiheit. Im folgenden Jahre 1799 knüpft^ 
sich ihre Geschichte unmittelbar an die des allgemeinen Krie« 
gesy dem sie grofsentbeils zum Schauplatz uienen mufste, 
Herr RaouY^iRLOcherte beginnt daher sein drittes Auch mit 
sehr tretenden Bemerkungen über die Lage JSuropa's zu An« 
fang dieses Jahres, über die Absichten, der verschiedenen 
Mächte; welche die zweite Coalition bildeten, und über die 
Politik des Dixectoriums; worauf er die Kriegsvörf^Ue er« 
zählt die in näherer Beziehung a^f die Schweiz standen | die 
Eroberung Griiubündtens durch Massena, das Vordringen der 
Franzosen gegen Tyrol , und deren Rückzug ^ nachdem Jour« 
dan gegen den ErzherzQg Carl die Schlacht bei Stoekach ver« , 
loren hatte. Das Schweizer Directorium betrat nun den Weg 
der äufsersten Strenge, um Geld und Truppen gegeil.die dro« 
< hende Gelahr zusammenzubringen , aber nichts geltfng ihm 
als die zahllosen Verhaftungen» womit es alle Gefängnisse 
fällte*. Indessen empürten sich, von den Oestreichern auf« 
gefordert 9 von -ihrer eignen • Regierung bedrängt»' mehrere- 
Uantone gegen diese , ehe noch die Oestreicher nahe genug 
waren^ sie zu unterstützen» Die Franzosen überwältigten 
Schwyzy Utif Graubünden und Wallis nun; nach ungeheu« 
rem Blut ver giefsen der Bewt>bner dieser, und zum Theil der 
^benachbarten Cantone; die Italienische' Schweiz aber rils 
sich vom Helvetischen Bunde wieder los* '. ' ' - 



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Oor Ershmog Carl draiig hierauf in cUeSehwei» ein und 
hemftf^tigt^ aidi der Stadt Zürich nach der Schlacht gegen 
Maseelia nei diea«r Stadt, Grauhündten. war vorher, schon 
ganz von den Oeatreichern erobert worden. Nun fokte in 
der Schw^eiis eine Unterbrechung des Kriegs von s vvei sSlona- 
ten, ireil dem Eraberzoij Carl von Wien aus weiteres Vor« 
rücken untersagt war* Früher hatte er die Schweizer aufge« 
fordert^ sich wieder in den Besits ihrer alten. Freiheit und 
Verfatsung zu. setsen^ aber es kam bestitnmter Befehl von 
Wien f dais alles euf dem Fufs bleiben sollte ^ auf dem es die 
Oeitreidier bei ihrem Einmarsch gefunden hätten; nurScha£F* 
hausen , in das sie zuerst eingerückt waren ^ hatte seine alte 
Constitution wiedelr erhalten. Die. Erzählung dieser Kriegs«i 
vorfalle aind sehr sc£i^n, und verdienen alle Berücksichtigung. 
Indessen verfolgte Souwarow seine Siege in Italien^ und des 
Itiik» FlOgel des Erzherzogs .Carl unter Bellegarde mufste sich 
mit ihm vereinigen. ^ 

IVfit dem lö. Juni i799 kam in Paris «iike neue Regie« 
rung an 4lie Spitze der Geschäfte , die zu den aulserordent- 
iichsten Mitteln ihre Zuflucht nahm ^ um die gegenüberste^ 
bende Coalition zu bekämpfen« Ein gei^wungenes Anlehen 
*yon hundert filillionen wurde auf tias Vermdgen der wohlhai» 
bendsten Bürger gelegt^ und alle Franzosen vom zwanzigsten 
bis fjinfundzwaiizigsten Jähre ohne Rücksicht auf Verhältnisse 
unter die Waffen gerufen. Neue Generale wurden ernannt p 
von Genua aus sollte Moreau an den Rhein gehen; nur Mas« 
««na blieb denn Erzherzog Carl gegenüber stehen» Dieser 
aber durfte den günstigen Zeitpunkt dieses Wechsels nichl 
benutzen und verlor ihn unter ^Verhandlungen mit Souwa« 
row und dem Wiener Hof. In der Schweiz war man mit den 
Oestreichern sehr unzufrieden. In Gräubündten und an an- 
dern Orten waren provisorische Regierungen* von Menschen 
aus allen Partheien niedergesetzt wordien; die Schweizer 
Emigrirten wurden in kleine Corps unter die Oestreichische 
Armee Vertheilt, und blos als Soldaten behandelt, die man in 
den ersten Reihen fechten liefs, ihnen aber gar- keinen Ein- 
fluls auf di^ poIiti«»cben Verhältnisse ihres Vaterlands gestat» 
tete. Man verminderte den Sold der Sqhweiizer Hülßtrup- 
pen, und verlangte von den Bewohnern der Schweiz, welche 
die Waffen gegen die Franzosen ergreifen wollten ^ von den 
Bergbewohnern von Glarus und Appenzell, die sich in Masse 
dazu erboten ^ d^fs sie sich verbindlich machen sollten , mit 
den, Oestreichem fttnf Jahre hindurch überall gegen alle 
l^'einde der Coalition zu fechten 9 was sie | meistens Bauern 



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itind Famili^nväjter , sehlecfaterdings nicbt eingek^n konnten. 
So entstand in der Seh weis allge^meine Abneigung gegtsn die 
Sache der Alliirten. Die Französische Hevolution vom ±9» 
Juni ahet erhob wieder die Hoffnungen der Französischen 
Parthei in der Schweiz und der wahren Freunde* ihresL Vater- 
lands. l>ficht als Sklaven sollten, die Schweizer mehr» spn« 
dem als Verbündete der grofsen Nation behandelt werden, 
und man* machte dem gefallenen Directori um sein Betragen 
gegen die Schweiz zum Hauptverbrechen«. - Nuft wurden 
j3ay auf gesetzmäfsige Weise durch das JLoos^. Ochs gewalt« 
sam^ von seinen Coilegen aus dem Schweizer Directorium 
ausgeschlossen; Sieyes^ Chef des Französischen 'Directb- 
riuras^ schrieb an Lisharpe, den Chef des Schw^eizer Direc- 
toriums, und rieth Vergessenheit defi Vergangenen ^ Ver- 
sprach eine bessere Ziikunft^ und Hülfe an Iruppen und 
Geld; ein neuer Commissär der. Französischen Regierung 
Montchoisy begab sich in die Schweiz um gut zu machen, 
iras noch gut zu >machen war. Die Scihw'eizer Regierung 
' ging einen gemäfsigteren Gang, und ergriff fgelindereMals« 
regeln. Eine allgemeine Amnestie Ward publicirtV man 
suchte, allen Mifsbräuchen'' abzuhelfen , die Constitution zu 
verbessern, und die Regierung arbeitete mit ^ler Nation ge-« 
meinschaftlich daran , das erlittene Unglück witeder gut zu 
machen, - 

'Die Alliirten dagegen w^aren in ihren Absichten uneinig, 
ihre Armeen waren es; Oestreicber und Russen halsten sich 
mehr als Oestreicher und Franzosen. Die Raubgier der Rus- 
sen und ihre Robheit machten sie überall , wo sie hinkamen, 
zu einem Gegenstand des.Abscheus« Zürich, ward während 
der Waffenruhe der.Xummcflplatz der Vergnügungen' und der 
Jntriguen. Generale, fremde Minister und diplomatische 
Agenten, Franz. und Schw^eizer Emigrirten, die immer leere 
Horfnungen verfolgten , eine Menge von Abentheurern aller 
Länder und Stände fanden sich daselbst ein; 'Belustijgungen 
aller Art traten in der Mitte des Sommers an die Steile des 
Kriegs. De^egen war der ,Z us tand der Bferggegenden der 
Schweiz so traurig. v diese so ganz verödet, dais mati kaum 
der Beschreibung der Augenzeugen Glauben beimessen könnte, 
wäre d'ifise nicht l^inlänglich durch .die vorhergegangenen Be- 
gebenheiten gerechtfertigt. Nach den Befehlen seines Hofs 
mufste der Erzherzog Carl gerade zu .der Zeit die Schweiz 
verlassen , als er hoffen konnte , vereinigt mit den Russen 
«ein entschiedenes', Ueberge wicht zu erhalten« Diese sollten 
^^a eine. Stelle einnehmen^ ..und Kofsakow kam nach Zürichy 



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Baonl»RocheUe liist, de H R^rol. Helr^^c« Sl 

wufste «ich aber nicht so lange gegen Masiena su vertheidi« 
gei), l)ls sich Souwarowmit ihm vereinigt. hatte « iliid. erlitt 
eine völlige Niederlage« Als darauf Souwarow über den St. 
Gotthard zog , f|ind er alle Foftitibn^n von den Franzosen be» 
3etzt , und es gelang ihm nur unter den grölsten Mähselig- 
keiten und unter beständigen Kämpfen sich einen Weg nach 
Graubündten zu bahnen und sich daselbst mit den Oestrei- 
ehern ku vereinigen. Bald darauf wurden die 2luS;Sen bei 
nunmehr veränderter Gesinnung ihres Kaisers ^zurückgerufen. 
Indessen war das Elend in den östlichen Theilen der ächweizf 
in den Bergcantpnen, noch weit höh'^r , gestiegen« Gegendta 
die gewöhnlich für ihre eignen Bewohner Laum die nötihig- 
sten Nahrungsmittel hervorbringen ^ sollten jnun grofse Ar- 
meen, unterhalten ; in allen Richtungen wurden sie während 
ditses Jahrs durchzogen, Armeen bahnten sich an Orte Wege^ 
die vorher kaum ein einzelner Jäger betreten hatte« Die ho« 
ben Thäler der Schweiz hatten fast keine Bewohner mehr, 
man brachte hunderte von Kindern zusammen , die in den 
verödeten Districten ohne Eltern»- ohne Wohnung herumirr- 
ten. Die ganze Bevölkerung von Schwyz war mit aenOestrei« 
ehern w^eggezogen , ein einziger Mann , der Besitzer einer , 
Herberge war zurückgi^blieben. Die Natur hatte freien Lauf; 
die fruchtbare £lrde W4,rd. von den sonst angebauten f eidern 
geschwemmt , die 'Waldströrae stellten überall VerwiJstungen 
An', da diese nirgends imehr eingeschränkt wurden ; die Brü- 
cken und Wege» die Menschen gebaut hatten, hatten die Men- 
schen im Laufe, des Kriegs zerstört. 

In dem ganz erschöpften I^ande mufste für die Bedürfnisse 
der Franz, Trujfpen gesorgt, und nach deren B-friedigung an. 
der Wiederherstellung det Innern gearbeitet werden. Laharpe 
verlangte die Errichtung eines Tribunats j um die Bürger zu. 
richten , welche den Einmarsch der fremden Truppen begün- 
stigt hatten. Wogegen sich aber die gesetzgebenden Behörden 
««rkl Wirten. Um amn Finanzen aufzuhelfen ,' wollte er ein An- 
leihen von, den reichsten Städten erheben^ , und ein^n Theil 
der Staatsgüter dafür verhypotheciren; et fand gleichen. Wi- 
derstand , .»elb st unter seinen Collegen im Directorium. 

Nach dem Fall des Franzi Directoriums den id. Brumaire 
Wurden alle Partheien in der Schw^z wieder rege, und jede 
hoffte bei der neuen Veränderung zU gewinnen. * Laharpe 
Wollte die Constitution reformiren und dadurch gröfsere Ge- 
walt eijialten; aber seine Bemühungen kehrtet sich gegen- ihn 
selbst, das Directorium wurde den 7, Januar 1 800 aufgelöfst» 
üßd ein Vollziehungsratb von 7 Mitgliedern an dessen. Stelle 



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^ Rtoni-RoelieU« hisc, de U Röto)« Hfllv^tkpie,, 

gesetzt 9 d«m eind Wohlfalirt^-Goloaittte van iO MMnaem 
zur Seite stand, £« sollte eine neue , einfachere und zweck« 
-mäisigere Constitution gemacht werden; darüber enstamd 
i)aid Uneinigkeit 2wisc,ben den verschiedenen Autoritäten 
und den einzelnei^ Gliedern derselben 9 und so wurde den 7. 
August die Aufhebung der gesetzgebenden Rätbe und eine 
provisorische Regierung herbeigefuhrt| die gleith der vorher- 
gehenden von Frankreich anerkannt wurde ^ und. bis zum 
Frieden von LjineviDe blieb. Der Zustand der Nation war 
um nichts gebessert;. die Forderungen eines grofs<*n Budgets 
mufsten aufgebracht und zugleich ein Franz. Observationft- 
Xorps von IO9OOO Mann unterhalten werden. 

Im Frieden von Lüneville ward die (Unabhängigkeit der 
Helvet, Nation aiierkannt , ohne dafs sie di^elbe dadurch er- 
hielt. Fortdauernd strebte jede der 3 Fartheien ihre Plane 
'auszuführen , die welche Einheit der Schweiz wollte 9 die 
welche ftlr die alten Verfassungeh w^ar, und die welche die 
beiden andern Fartheien zu vereinigen trachtete.^ Keine aber 
war stark g^nug, ihre Ansicht gegen die der beiden andern 
durchzusetzen, und so machten sie sich selbst notbwendig 
von fremder Vermittlung abhängig. I}ie Schweizer Regie- 
rung hatte eine neue Constitution entworfen^ und sie anmio- 
xiaf^Tte geschickt; dieser aber miXsbilligte sie , und gab dem 
Schweizer Gesandten einige Tage darauf einen neuen Entwurf, 
der den 29l Mai 180I von der provisorischen Regierung ange- 
nommen wurde, Deputirte der ganzen Schweiz auf den 7. Sept. 
nach B?rnzusammen£erufen, sollten ihn sanctioniren« Abeirmeh« 
rere derselben, unter ihnen Aloys Reding, wollten bei der Erd£F- 
nung der Versammlung ^ine Constitution nicht beschwören, die 
noch nicht Staatsgesetz geworden wäre; nach einigen Ver*- 
handlungen ob man sie dennoch als Deputirte annehmen solle, 
wurde hierfür ertschieden. In der Versammlung hatte die 
Fartbei die Oberhand, welche Einheit der Helvet. Republik 
verlangte, die bald zugleich mit der Centralregierung ange<« 
nommen wurde. ^Hierauf .verliefs'Reding mit den zwei Ce« 
putirten, die vorher mit ihm pro^estirt hatten v die Versamm- 
lung, Acht andere verliefsen sie gleichfalls, als cii ziir Ent- 
scheidung über die Zehnten ung Feudalrechte kam. Aller 
Widerstand war nunmehr entfernt , den 23. Oct, wurden die 
Verhandlungen über die Constitution geschlossen, und in 
den folgenden Tagen ein Helvet. Senat unter den Freunden 
def neuen Verfassung erwählt. Die Tagsatz lang war im Be- 
griff s/ch gesetzmäfsig aufzulösen , als sie durch Gewalt dazu 
gezwungen wurde« Anhänger der leiten Verfassungen in der- 



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Baotil*Hochen« }^«t« de in R^rol. HeMti^e. 95 

selben» Arjfltbcraten iind Democraten kandeii,. l3>.Mitglied«i; 
an der Zalil| in der Na<jht vom 27. Oct. in einem Pnvathaus 
in Bern mit Dolder und Savary suaammen , beschlossen did 
AufheMing des Vollziehungsraths und der Deputirten Yer« 
Sammlung ^ und die Bildung eines neuen Senats, der grofsen« 
theils aus den Anhängern ihrer Farthei bestehend 9 nach drei 
Mubaten einer neuen Versammlung den Entwurf einer ConstL«^ 
tution vorlegen sollte. Die vollziehende Gewalt erhielten 
einstweilen diejenigen Mitglieder dei Vollsiehungsratbes, 
welche nicht, su gleicher Zeit Deputirte bei der Tagsat« uaig 
Waren. Ein neu ernannter General besetzte sogleich das 
HauS| wo die^e ihre Sitzungen hielt 9 den einzelnen Mitglie* 
dern wurde^ so wi^ sie ankamen 9 ihre Auflösung bekannt 
gema<;hty in die sie sich alle ohne Widerstand fügten, und 
so hatte ohne Blutvergiefsen die eine l'arthei die Oberhand 
erhalten. Den 21. Nov« ^nannte der Senat den Aloys Re^. 
ding asum^Oberlandammaa, der sich sogleich nach faris be* 
gah , um den, ersten Coifsul für die neue Ordnung zu gewin* 
nen ^ wa» jedoch nicht den gewünschten Erfolg hatte« fiuor 
naparte äufserte den Wunsch, dafs 6 Mitglieder dea VolU 
«iehungsraths 9 Anhänger des alten Systems ^ durch $ Anhang 
ger des neuen ersetzt werden mdcbten| dieses geschah 9 der 
fartheienkampf begann, vOn neuem im Vollzieh ungsrath 9 un^ 
in einzelnen C}an tonen Entstanden auch wieder Unruhen. Den 
27« Febr. 1802 erschien eine allgemeine Organisation dec 
Schweiz , durch die sich die neue Re&ieruTig auagedehnt«^ 
Gewdt zu verschaffen suchte ^ und die eben so W^nig Beifal} 
fand 9 als ihre gesammte Administration , wobei mit grofsei: 
Willküht verfahren wurde, Ihre Bemühungen , ; OestreicV 
und England ^zu gewinnen, war vergebens«; mit Frankreicb 
fanden Sti^itigJceiten wegen Wallis Statte das für einen iScbweir' 
zer Canton erklärt worden war; den vierten April JieXs Bupf 
naparte die Heltet«. Regierung benachrii^btigeir', dafs diesem 
Land zu einer unabhängigen Hepublik erhoben Wprdei^ seyf^^-. 
AuF Ostern begaben sich viele Glieder der bestehenden 
Regierung näah Haus; der Senht hatte sich vertagt. Die Jüisf 
ker unterdrückte Farthei. der Unitarier bemächtigte sich ntin 
durch den kleinen llath ^ n»chd^p} aie sich Vorher der Zustim-^ 
mung Frankteicbs versitcbert hatte , am l7, April der Regi/q« 
rung^ ebetisa leicht ui^d mit eben fo wenigem .Widerstandf 
als eita: halbes Jahr y orh et. ihr^ Vorgang getban b^it^n.; 
Küttimanii, wurde • zum provisorischei^L OJt^^erkndeaunai^ d^r 
\Schvneb ern^iipt) .und auf, dfen 2^, Aprii,eine V^saipmluiig / 
von Bt^rgern. aller' Cantone «usamm einberufen 9 welche wahr« 



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94 Faour?!ldcliette'hist. <k la R^roL Halr^h'^e^ 

haft würdig des Vertrauens der Natron seyen , und die dei: 
kleine Rath namentlich bestimmte. Reding eiltie den 20. April 
aus Schwyz herbei und pratestirte } dar war aber auch alles 
was er thuii konnte. ' 

Die Schritte d^r neuen Regierung erhielten «o wenig 
Bdfell wie die dei'' vorhergehenden. Unruhen, worunter auch 
religiöse Waren, fanden an mehreren Orten Statt; eine neue 
Constitution ward verfertigt , überall hin zut* Untetschrift 
geschiiikt,' und da nur wenige sich unterschrieben, erklärt^ 
dafs die es unterlassen hätten, dadurch deren Annahme aner- 
kannt hätten, Oeffentlich bildete die Gegenparthei der alten 
Verfassungen einen genreinschaftlithen Revolution splan aus, 
der sich über den gröfsten Theil der Schweiz erstreckte^ und 
vorzflgliche Unterstützung in den Bergeantons fand/ Aloys 
Reding und Rudolph von Erlach standen an dessen Spitze. 
Im Juli Würden die Franz, Truppen aus der Schweiz zurück- 
gerufen^ welche dadurch ihfem Schicksal übelrlassen blieb. 
Die letzte Regierung hatte sich nur unter Franz. Schutz hal- , 
ten können. Offen Urach in den Bergeantonen , uiid bald in 
mehrer6n andern die Empörung aus ; die Regierung Verlangte 
Hülfe von Frankreich und erliefs den 2. Septembr. ein Deeret, 
worin Äie feierlich «di^ Vermittlung Frankreichs * anrief, aber 
Btiönaparte zögerte absichtlich mit der Zusage 'derselben. Ein 
WaJfen still stand wurde abgeschlossen ^ während dessen der 
General Andermatt den 10. Sept* Zürich für die Regierung 
b^etzen wi^lte, ixt^A da sich diese Stadt weigerte ihn aufzu- 
nehmen , sie mehrere Tage hindurch bombardirte , bis ein 
HelVet. CommissHf ankarti und diesem Kampf ein Ende machte, 
worauf den 16. Sept. eine Capitulätiön 'geschlossen Wurde^ ' 
Reiche alles im vorigen Zuatänd liefs. Zu gleicher Zeit Wurde 
ah andern Q^rten gestritten; Rudolph vom Erlach Wufde den 
11. Sept. zum Qeneral einer Armee ernanritj die noch nicht 
existirte^ fand sie dfen l3, ganz gebildet in Baden , • und ^og 
schnell vor 'Bern, wohin aJoei» noch vor ihm Emmanuel von 
Wattewille mit den Oberländern kam; die ihn vom Serfat an 
Doldet^ Stelle' angebotene Wördd eines Uandammans' aus- 
^sthlugy die Stadt kurze Zeit beschbfd, und dann iiui^ch eine 
CapituIation der Regierbng fr^^ien Abzug gestattete«, Etlach 
und WattewtHe 2 ogen 'gemein ^hafftli^h in Bei'n ein. Ih Bern 
und Zürich Würde» die Vetfassungen hergestellt wiewe ehe- 
inals vor der Revalutfon gew'fetfeil waren ; aber eiWAt ittBern 
niedergesetzte Commi^sion yoti f Männern , dief eine Int^- 
imsVegierung bilden sollte, zeichnete sich durdh ihre drehende 
Sprai£e und die^ unerhörte HSrte ihrer Edikte aus* Vo^Alöy» 



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. Raottl • Roehette hisf,- de. It E^Vol. HelV^ti<|ue^ 95 

Aeding eusämmeiigertiferi wurde den 27. Septbr. eine Tagw 
Satzung i^ 'Scfagryz eröffnet, da die vorherige Regierung nur 
noch die Cantone Tessin, Fpeiburg und Leman für sich natte^ 
und in Lausanne residlrte« . * ß^ide Partheien wendeten sich 
2u gleicher Zeit an'Buonapartey- auf dessen Entscheidung es 
am Ende allein ankam) begannen aber am 27, Septl^ nach' Ab« 
lauf des in Bern geschlossenen Waffenstillstandes, den IB^rieg. 
Von neuem. Die Föderalisten i^ahmen unter «dem General 
Bachmann Freiburg nath einem. 2 tägigienBesclhieisen,: schlugen 
•ihre Gegnier «ntsOheidend , ' und rtJCÄten ins Waädtland ein.- 
Der Helret. Senat war im Begriff Lausanne zu terbasen , als 
der General Rapp mit einer Frodaittation des evtften Consuls 
ankam , welche sogleich die Lage der Dinge gftnslich yerän« 
derte. Bachmann' schlofs unmittelbar darauf Waffenstillstand ; 
der Senafr In Bern ^ dem Rapp den 6,» Oct. den Befehl brachte 
&ldi aufzulösen, erklärte^ dafs nur der Tagsatzung in Schwyz 
eine Entscheidung darüber zustehe; Abgeordnete wurden an 
dieäe geschickt. Ungeachtet einer Nadiricht von Basel dafa 
Franz. Truppen in Anitnarseh seyen,, beschlols die Tagsatzung- 
Fortsetzung des Kriegs, ^bickte an Bachmann den Beft:;lil 
dazu, und suchte neue Unterhandlungen mit Buonaparte, so 
wie zu gleicher Zeit mit dem Wiener Hof anzuknöpfen, wo«' . 
hei sie sich auf die. EntscheiduTfg des Lüne viller Friedens be» 
rief, dabet^^beV'in ihr^eü» Sühteibeit a^ Rapp: erklärte, dals, 
sollte Buonaparte seine Dro^Ui^g^: ^ausführen , •' 40,000 Mai^» 
Truppen in' die Schweiz ei^ü^Üceik sii lassen, sie diesen kcfi«!'^ 
nen fruchtlöften^ WiderataYid ^gegevi letzen, sondert! sich un^* 
t'erwerf^WlItde. > Diese' B^Siehla;s^ waren einstimmig nach 
reiflicher Ueierlegung^ge&rvt worden; man haitte anm dar« 
duf gerechnet^' ^dai's Oestreich und ^nffland. eirie. be&rtimmte 
Herrschaft Frankreich«! über die Schweiz noch /nicht ziigebem 
würden. Indessen war die Vtirspiache aller Mächte in rarit 
nur lau; Baglatid allein schien m^hr Interesse zu nehmen, na« 
I mentU(^ dadurch y dals es der' Xagsatziing in «Schwyz, im 
Falle sie Frattkviicb meinen ernstlichen' Wui^tatand leisten 
wollte, Geldunterstützung anbieten liefs; aber der Brittisclie 
Agent kam nur iiach Constanz, um daselbst den Fall der 
Schweiz in der ^ähe mit ^nsfiis&en«! 

Die Abgeordneten, welche dem General Bapp die Ant« 
Wort der Tagsatzung für den ersten Consul überbrachten, tr^ 
kielten voh. jenem wie es scbien günstigere Zusicherungen, 
^nd ieinen ne.uen Aufschob von 5 .Tagen , während dessen die 
vorgeschlagene Vermitjtlung ohne Aenderung angenommen ^ 
Werden sollte. Indessen zog aber der iGeneräl Ney , bevoll* 



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M Bdool'RoebeClc UsU d« U üifoL Helted^nc , ^ 

»acbtigter Minittet in der Schweiz^ hei HOBtogen 20^00^ 
Mann zuftaininen, mit denen er in der Nacht iMua l4, au^ (^i 
16. öct. in die Schweiz einrückte^ und die nacusten Cantom 
lieseCzte; ein andere« Armeecorps sog von Italien aus in dii 
Schw^eiz ein; Die Tagsatzung bescDlofs eine feierliche Pro: 
tesfation gegen diese Ungerechtigkeit Franki^ichs^ 'welche si| 
an alle Behörden zugleich mit dem Befehl schickte f die Frai^ 
zosenohne Widerstand aufzunehmen« Die Schweizer Trupi 
penffluisten die Waffen, niederlegen« nur die tur innem 51 
cherheit nöthig waren w^urden beibehalten | mit der Mi Hl 
der kleinen Cantone besetzte diese Bach mann militärisch 
gleichsam ab letztes Bollwerk der Helfet» Freiheit, Die Kei 
gierung kaai Ton L^auaanne nach Bern zurück ^ wo man ihi 
deutlich alleemeine Verachtung zu erkennen gab. £in Decrej 
des Senats bestimmte die Wahl Ton Abgeordneten f welch^ 
den 15. Nöy. in Paris zur Berathung einer neuen Verfassung 
fißr die Seh weis zusammen k<nnmen sollten« JNu^ gezwungei| 
durch die Gegen^nrart der Franzosen lofttenr sich einzelne Kej 
gierungen und die Tagsatzung auf| diese protestirte rorhe^ 
^ierlicb, dals sie dadurch den Rechten der Nation nichts ver^ 

feben wolle« Die verbündeten Cantone wurden von den 
ranzctsen als Empörer behandelt und entwaffnet ^ eine Con<^ 
tt-ibutioh von 626,000 Franken ^mufste bezahlt werden | Aloy^ 
üeding würde mit einigen andeui «Is GoiMelnjd^ offen tii-^ 
dien Ruhe in Aarburg ge&ngen gesetzt«. I 

In Paris erhielten BartbelenQr» Fouche^ TBLodefet ütid 
Desmunicnrs den Auftrag mit den streitenden Sfiiw^izetdefu^ 
litten an einer^ Verfassung zu arbeiten y und 9m 20« Febr.l 
ld03 wurde endlich die Vermiltlungsakte publicirt^ did nachj 
Tl^achen Schwierigkeiten «u Stande.gekommen Wäi^ und 
die verschiedenen FarderungeH und Interessen ao viel mog- 
Kch beräcksichtigte. Der General Von. Affry ward, in derseU 
ben zum ersten JLandamman der Schweiz bestimmtf er erdiOF- 
nete di€ erste l^gsatzung den vierten Juli ^ auf der auch Re^ 
ding wieder als Deputirter ron Schwjz m9cbie»M 



(ßuMu/s fol^J 



- r ' • - - 



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N, 7. • •; . ' 1824, 

H ei i d e 1 b e r fi" e r \ 

Jahrbüclier der Literatur. 

Raoül-Roc^jbttc histoi.re de la Revolu«- 
tion Helv^tique. 

{Besehlufs.} 

Hiermit scUielst Herr RaouKRocbette seine Ge«cbicblt^ 
der Schweizer Revolotion^ die wohl viele Leser finden wird^ 
und sie durch lebhafte Darstellung und gedrängte Erzählung 
auch verdient» Wit hätten gewünscht , dafs er ihr in man^ 
chenTheilen mehr Ausfähtlichkeit gegeben V^tte, als er fiür 
gut gefunden hat zu thun. Manche Verhältniftse sind nurbe« 
rührt, die einer ausi'ührli eueren Darstellung bedurft hätten; 
I viele Details sind übergangen , die man ungern verroifst, un^ 
I ^ie viel zu gtöfserer JDeutlicbJceit und Bestimmtheit dw 
I Erzählten w(}raen beigetragen haben. Wir bähen dies ob^|& 
hinsichtlich des, frCihern Zu^tändes einzelner Can tone bereites 
I hemerkt; wir erinnern es hier noch narnentlich ih Beziehung 
Bu{ die Bedtinununfien der so oft veränderten Constitütiom^ 
I die, wenn sie aucli nur auf kurze Zeit galteri ^ doch mäbeur 
I ^ach ihren GrundzCigen hätten. entwickelt werden müssen^ da 
das Gesagte kauip eine hoChst oberflächlich^ Kenntnii# dar« 
^«r darbietet , un4 die Nachweisung« WO die ganze Q^nsti« 
^ution zu finden ist ; biet e^was ungenügend scheinen möchte. 
^as ganze W^rk würde unserm Bedanken nach bierduisch um 
etwaaehtbia zehn Bogen ^stärker geworden s^yn. Die Briefe 
[ ^es Verfassers übctc die Schweiz haben in der Zeit eines Jah- 
wes bereits drei Auflägen erlebt ; sollte eine neue Ausgaihe des 
vorliegenden Werks ndth ig Werden > so' würden wir .die acv» 
gedeutete^ Erov^fiterufigen nicht für unfeweckmäfsjg halten. 
Wenn sie nicht Herr Aai^ul i^- Ho^hette bestimmt seinem fkil 
i^ach ausschlieXsen zu müssen glauben sollte« 



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96 . PSlita f di0 StaatswliteDSohafietai 

Du SiaatMwitstnsühafktn im Uehü murer 2iUf dargutdU von Carl 
Mmnr. Ludw* Pölii%, €rd. Lehr, der StaaUwus, an der ünivert.su 
Leiin. JJl Thl^. dfuM JBinrüAt* 1. U. Th. ^ 71Ur. 16 Gr. .iDaS. 

m.2% 1S2L 8. > • 

Der Yerf^ erklärt sich über deii Zweck dieses Werkes in 
der Vorrede so : ,,£s soll die Aufgabe lösen , die gesammten 
Staatswissenschaften 9 theils wie ich mir den ganzen Kreis 
derselben 9 theijs das Yerhälthifs der einsehien otaatswissen- 
schaften gegen einander denke , nach ihrem Innern Zusadi« 
menhange zu einer bestimmten Uebersicht über dieselben zu 
vereinigen, und zwar wie diese Wissenschaften, nach ihrem 
neuesten Anbaue und auf der gegenwärtigen Stufe ihrer Bil- 
dung und Reife erscheinen , und wie sie eben so für den aka- 
demischen Vortrag, wie für das eijgene Studium gebildeter 
Zeitgenossen dargestellt werden mflssen««< — „Wenn auch, 
da das Werk nur auf drei Bände berechnet war, keine der 
einzelnen Staatswissenschaften im. vollen Umfai^ge des Sy« 
Sternes behandelt werden kann; so soll doch jede wichtige 
Lehre , welche in die einzelnen Staatswissenschaften gehört, 
nach einer logisch geordneten und deutlichen Begriffsbezeich- 
nung vtirgetragen , das Ganze jedAr Wissenschaft nach seinem 
inner!^ nothwendigen Zusammenhänge verbunden , jede ein« 
zeln^ Staats Wissenschaft auf den Standpunkt, den sie gegen- 
wärtig nach ihrem Anbaue erreicht hat , gestellt , überall die 
wichtigere Literatur beigebracht , und die Darstellung selbst, 
nach der stylistischen Form, so gehalten werden^, dafs nicht 
blos Männer vom Fache und Studirende das W'erk in die 
Hand nehmen , sondern auch Geschäftsmänner und gebildete 
Leser dadurch fQr das Interesse an diesen Wissenschaften ge* 
Wonnen werden. Eine solche Behandlung und Darstellung: 
der Staatswissenschaften beabsichtigte ich, als ich sie auf dem 
Titel als eine Darstellung im Lichte unserer Zeit bezeich- 
nete.«< Noch bemerkt der Verfasser in Beziehung auf den 
Charakter seines' Werkes, dafs er, ohne Synkretist oder 
Eklektiker zu seyn, eine feste Neutralität im Kampfe der phi- 
losophischen System ie. und der politischen Partbei'en , so wie 
' immer, so auch in diesem Buche, zu behaupten gesucht habe* 

Es ist also das vorliegende Werk eine Att von Encyklo« 
pädi« disr Staats wisfenschaften, Aifch scheint das Werk , nach 
«iner weiteren Aeufserung in der Vorrede, aus den Vorlesiin^ 

Sen erwachsen zu seyn, welche der Vf. ül^er >die Encyklopä« 
ie der politischen Wissenschaften auf der Universität in 
Leipzig zu. halten pflegt. Jedoch unterscheidet es sich von 



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Nettelbeok's Selbstbjograplue. 99 

* ' 

hnlichen Werken durch eine gröCiere Ausführlichkeit ülid 
urcb die (^meinfafuHchkeit der Darstellung? * 

Da übrigens die Absicht des Vfs. nu.« dahin ging, äte 
lauptresultate der bisherigen Staats wissenschaftlichen Unter« 
uchungen in einer systematischen OrdniiBg und mit besoa« 
lener Auswahl darzustellen f (eine Absicht, welche dem Vf., 
lacb Rec.'s Urtheile, recht wohl gelungen ist, so dals das 
iV^erk allen denen willkommen Seyn wird , welche sich eine 
rorläu&ge Uebersicht von dem heutigen Zustande, der Staats« 
Wissenschaften verschaffen wollen,) und da die glückliche. 
Darstellungsgabe des Verf. schon sonst sattsam bekannt ist, 
io beschränkt sich Rec.^ nach dem Zwecke dieser Blätter, auf 
die Anzeige des Inhalts der einzelnen Thelle des Werks. Der 
erste Theil enthalt das Natur- und Völkerrecbl:, das Staats- 
und Staatenrecbt und die Staatskunst; der zweite die 
Volkswirthschaft , die Staats wirthschaft und Finanzwissen» 
Schaft und die Foliceiwissen Schaft $ der dritte die Geschichte 
^es Europäischen Staatensystems aus dem Standpunkte der 
Politik. (Mit diesem besondern Titel ist der dritte Theil 
«uchali ein für sich bestehendes »Werk erschienen.) 



^oaehimNettelkeck, Bürget' %U Cotb^rg* Eine Lehmsheickreibung, 
von ihm selbst aufgezeichnet und herausgegeben von.J. C L. Htikeru 
Drittes Bäiidchen. Mit einem Plane der Gegend um CMerg, Leivzig. 
f* A, Broekhaus, i8a3. X und aao S. in 8. • i Thlr 

Den hochbetagten Mann sehen wir hier nochmals die Fe« 

ergreifen , den Lesern , welche theilnehm^nd eine Fort» 

itzung seiner Leben «geschleifte verlangen^ auch die Ereig* 

'^86 2u berichten, welche ihm nach seinem 45* Lebensjahre'- 

»ebneten. £r beginnt daqiit , wie er nun, .„nachdeoker 

1 in 4er Fremde genugsam herumgetummelt und die Hör* 

r abgelaufen,^ sich zu ruhigem Erwerbe, nach seiner Vä« 

^ Weise, zum Bierbrauen und Branntweinbrennen einrieb» 

^e. Daawischen regt sich suweilen noch sein abentheuer« 

^er, von mütterlicher Seite ererbter Geist., und man liest 

ck ohne. Interesse* die Erzählung von der doppelten Gefahr 

^Ertrinkens, von der geretteten Brücke und den aus dem 

^ai)en gezogenen Leichnamen. Um se^ine Vaterstadt » fährt 

ertüchtige Mann fort« sich verdient su machen» aber er ist 

» »einem eigenen Hause nicht glücklich. Von seinem Weibe 



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1Ö0 , Nt;ttelb€ck^s Selbstjbiograplue« 

betrog«;i9 sieht ersieh 2ur Scheidungii g^ndthigt / und seir 
einziger hoffnungsvoller. Sohn wird ihm durch den Tod ent 
rissen. Da er ^i»:!. in dem J. 1799 mit, einer Fischerwittwe 
verheirathet, hat auch diese zweite Ehe denselben £rfolg, 
wie die erste. Doch nun werden wir zu dem wichtigsten 
Theile des Inhaltes dieses dritten Baildes geführt i de^ so au' 
fserordentlich merkwürdigen Belagerung vonColberg in jenen 
f'ßr die Freulsische Monarchie Verhängnifsvolleh Jahren 1Ö06 
und 1807, wobei' Nettelheck eine ausgezeichnete Rolle spielte^ 
so dafs ohne sein männlich kühnes Verhalten und seinen ho- 
hen Patriotismus kaum jene Festung gerettet und^ wie so 
manche andere , vot einer schmachvollen Uebergabe bewahrt 
worden wäre. Ein ausführliches Gemälde jenec Belagerung 
können wir hier freilich nicht entwerfen und müssen den Le- 
ser auf das Buch selbst hinweisen ; doch wollen wir einige 
'Hauptpunkte hervor heben. 

An dem 8. November erschien, gleich nach der Einnahme 
vbnStettin, zuerst ein Franz« Officier, welcher die l/eb ergäbe 
rfer Stadt verlangte. „Es folgte zwar eine abschlägige Ant- 
wort, allein es ist gewifs, dafs der Französische Abgesandte^ 
statt allein zu komii&en ^ nur einige wenige Hunderte zu sei« 
nen Begleitern hätte haben dürfen; um unter den damaligen 
Verhältnissen una^ifhaltsam in den Thoten von Colberg ein- 
zuziehen.« Denn seit undenklichen Zeiten war nichts für 
tlie, Festung gethart Worden; Wälle und Gräben waren- ver- 
fallen., von rallisaden keine Spur; alles Geschütz lag,* hod^ 
von Gras überdeckt, an dem Boden; in den Mauern befan(^ 
sich eine nur geringe Zahl von Yertbeidigern. Dazu kam did 
allgeifleine Entmiithigung, der gänzliche Mangel an allen Bej 
dür&issen und ein Commandant ^ der , für diese . Zeit und 
liage der Stadt durchaus nicht geeignet, so verkehrte Anstah 
ten traf, dafs selbst seine Treae einige Male verdäcbtii 
würde. Denn dieser Befehlshaber, Obrist von lioucadou 
war 'ein alter, abgestumpfter, in seinem \militärischen EiJ 
gendünkel erstarrter Mann , der statt dem Feinde das Heraw 
dringen zu 3er Stadt zu verwehren und mit den eifrigen ,un| 
patriotischen Bürgern gemeinsame Sache zu machen, diei 
verlachte, als sie aufsen Schanzen aufzuwerfen begannen, ui 
sich auf eine unmittelbare Vertheidigung der Fe^ tungsweri 
beschränken wollte. Dabei war es ein Glück, daifs in dier 
Zeit der (damals) Lieutenant von Schill , der sich selbst 
gemacht batte^ unter den Versprengten in der Stadt eint« 
und mit dem von ihm , errichteten Freicorps die Mai kühl 
ein Wäldchen und den Schlüssel *zu dem Hafen» befestigt 



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Nettolbeck^ Selbstbiograplüe, ' < 191 ^ 

undbestttttt hielte und hierdurch di« VerJbinduog mit der See ^ 
behauptet wurde y ohne welche gar eine längere Vertheidi« 
gung der Stadt nicht möglich gewesen wäre f weil ihr tor 
daher allein nur fortdauernd Kriegflrbedürfnisse und Verthei- 
diger 2iilramen« 

Dodi alle die von Schill versuchten und nicht immet 
glitoklichen Onternehmungen 9 so wie die von den Bürgern 
und dem^vou dem Kdnige gesandten Vicecominandanten , dem 
Hauptmanne von Waldeniels, getroiFenen Mafsregeln Waren» 
bei der grofsen Stumpfheit des ersten Befehlshabers » zu Si* 
cherung der Stadt nicht sulängHch. Als daher der Feind im 
März des folgende^ Jahres ld07 mit seinem Belagerungscorps 
nahte, so gelang es ihm nur allzu sdinejl , die ganze Stadt zu^ 
umschliersen und sich, einiger der wichttgsten r unkte aufse« 
7u bemächtigen. Die Vertheidigung innen wurde ungeschickt 
geleitet und der unselige Zwist zwischen dem Commandan- 
ten und der Bürgerschaft dauerte fort. Iii dieser gefährliqken 
Lage erschien , eben noch zu rechter Zeit, der neue, von 
dem Könige gesandte , Befehlshaber^ der Majo^ von Gneise« 
nau , und „nunmehr ,<< Sagt der Berichterstatter , „kam ein 
neues L/eben und ein neuer Geist , wie von dem Himmel 
herab, in alles, was mit und um uns vorging.«« Aber auch 
dieBeiageiier liefsen es an dem Ihrigen nicht fehleh ; die Wolf- 
schanze-, einer der wichtigsten Aulsenpunkte , mufste in ihK 
ren Händenr bleiben; es begann das vd)lige Bombardement 
der Stadt, Tief ergreifend ist die Schilderung der Scenen, die 
jetzt Statt £lnden , z. B. der' entsetflicheii JNächt vom 1. Juli^. 
,ylch befand mich ,<^ ssTgt der :£rz§ hier , „neben uns erm Co m^ 
iDandflfntenf auf der Bastion Freufsen, als dem höchsten Punkt, 
den imsere Wälle zum Umschauen darboten. Von hier aus 
konnte -man beinahe alle feindliche Schanzen tibersehen, und 
eben so lag die Stadt vor uns. Es ist nicht au seu spreche», 
wie hdllenmälsig daS AufbVuzen und Donnern des Geschützes 
Schlag auf Schlag und Zuck auf Zuck um uns her wüthete; 
während autc]) das Feuer unserer Festung in seiner Antwort 
iiichts s<^uldig blieb. In. der Luft schwärmte es lichterloh 
von Granaten und Bomben ; wir sahen sie hier und da Und 
Öberallihren lichten Bogen nach der Stadt hereinwälzen; hör- 
ten das Krachen ihres Zerspringens , so w^ie das Einstürzen 
der Giebel und Häuser; vernahmen den wüsten Lärm, der drin- 
'Jen wogte und tos'te , und waren Zeuge , wie bald hier , bald 
dort, wo es gezündet hatte, eine Feuerflamme' empor loderte. 
Von dem Allen war die Nacht so hell , als ob tausend Fackeln 
bi^nnten; « und da^ gr ^sliche Schauspiel schien nicht ein Meli* 



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i02 .. Nett^lb^k'A Sdbst]iic9graphitp* 

•chenvrerk 9U seyn 9 «ond«rii 6« war $ alt ob alle Elemente 
gegen einander in Aufruhr gerätheni^ftrexif ui^ sich au aer. 
«t^ren.«^ S. 146. ^ 

Die Schrecken au vermebrisn , ging des Midrgena die 
Maikühle an den Feind verloren. Es tblgte eine* »efue Nacht 
des Grauens. In: dieser höcUsten Noth erschien ein Farla- 
inentär, dsfs der Friede geschlossen und Golherg gerettet j 
«eye. Die gröfste Zahl seiner Vertheidiger war 6CK>0 gewe- j 
'aen.|, Während diesen an dem Ende der Belagerung aufsen 20 ! 
bis 24fOOO Feinde entsegenkämpften«. | 

' Die ganze Darstellung bietet ein grofses Interesse dar. 
, Es wird anschaulich , wie die andern Festungen znm Theil 
,so Schmachvoll übergeben werden konnten. Zweiausgeseich* 
nete Männer » von Schill und Gneisenau % treten hier 9 noch 
in decp Beginne ihrer grofsen l4|iu£bahn ^ voraus das Zukünf* 
tige verkündend« vor unsern Blick; und wem gewänne nicht 
yoj^. allem der Berichterstatter selbst mit seinem mäntilichen 
.Geiste und alles, opfernden Patriotismus gleiche Liebe als 
Achtung ab, wenn wir sehen, wie er für die Bedürfnisse der 
Stadt Sorge trägt, mit zu den Schanzarbeiten «hiuausaiebt, in 
gefK^rlicher Zeit die Schiffe in den Hafen filhrt ^ die Schilli« 
sehen, als ihr Vater , versorgt , bei den Ausfällen, mit dem 
'Wagen folgt, die Todten einzubringen^ wie er als Farlamen* 
tär XXL das teindliche Lager geht^ innen die Bürger anfeuert 
und in seinem Eifer sich so weit binreifsen läfst, dais er ein« 
jnal den Säbel gegen den unwürdigen Loucadou zieht und 
mit dem Tode des Erschiefsens bedroht wird , wie er dann 
unermüdlich dem neueti Befehlshaber zm,x Seite steht und die 
Schleusen werke unter sich hat/ dem Feinde durch Ueber« 
acbwemmungen den nähern Zutritt zu der Stadt zu ^wehren, 
so wie er früher einige Male in seinem Eifer sich an die Fer« 
aondes Königs selbst uni Hülfe wandte. — Die goldene Yer* 
dienstmedaille lohnte seine Treue. 

Eine Pflegerin für sein Alter zu gewinnen» verheirathete 
4Br sich nochmals in dem J, I8l4» in seinem 75. Lebensjahre, 
un4 wurde gleich in deiil folgenden Jahre Vater einer Toch- 
ter>. Seitdem lebte er als glücklicher Vater und Qatte; eine 
Pension des Kanigs Sichert ihn, da er in der Belagerung sein 
{Vermögen einbüfste, vor Sorgcfn; und wir wünschen dem 
Manne, der ains das aulserordentliche Beispiel einer fast un* 
zerstörbaren Natur 9 eines gewaltigen männlichen GeisteSf 
einer nie ermüdenden Thätigkeit und einer sich überall dem 
alkemeinen Besten opfern^n Liebe giebt -^ Sjollte er nicht 
inoTessen in das Jenseitige hinüber getreten sey^en, — ^ eii^n 



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r 



lfateri«lieo £ür iiüp2g*«ebge&fnig» iOl 

ftillea und. frohen LelientaliQnd » iat^ von «it£i«a gleicK er« 
keitemd fidr ihn eeyn möge , als er innen durch da« fiewultu 
seyn seines irGUhrachten Xi^ns sich gehoben fahlen nuTs. 
Dem Iieser aber, der schon den beiden. ersten Banden dieser 
Lebemgesebichte seine Theilnahne nicht versagte , geben 
vir die Versid^erung, dars er in gleichem, wenn nicht &n ei^ 
neo noch hdbem Gr^de durch die Geschichte der Belagerung 
TonColberg sich angesogen fühlet und er suletat nicht, ohne 
eine innere Erweckung und das gestärkte Gefühl seiner eige« 
Ben männlichen Kraft, das Buch SL^B den Händen legen werde. 



MatmaUen ßth Müntgesetzg^un^ und AAei mut^hmtk Er6rUrungm 
AtDaUnUUuurn und ßechtsgelehrten %ur Bthtnigung, P'rankf: «• M^ 
bä JndreiL i8aa. Xlf^ md 4^4 S. B. in farbigem Umschlag. 

/V. 4 #t 3o Ar. 

Dies Buch ist unverkennbar als eine Fortsetsusg der im 

Jahr 1817 zu Frankfurt erschienenen ,,Aphorisinen aua dem 

Fache der Münigesetsgebung und des Münz Wesens der ver^ 

gangenen und gegenwärtigen Z^it<« su betrachten. (Als Verf« 

beider wird der oenator Cleynmann in Frankfurt^ angege<< 

ben.) Wie die Aphorismen mit Beifall und Dank aufgenom«, 

men wurden, so ist auch die Herausgabe der Materialien 

ohne Zweifel verdietjstlich , weil gerade , wie die Vorrede 

richtig bemerkt , nähere technische Kenn tnils des Münz we« 

tens selten . bei den Staatsbeamten angetroffen wird, - Insge* 

mein nimmt sich aufser dem Münzbeamten von Handwerk 

nicht leicht Jemand die Mtthe^ diese allerdings nicht sehr an« 

ziehende Materie gründlich su studir^ n. Die Schriften über 

National» und Staatswirtbschaft geben nich^ ins Einzelne, 

stellen nur die allgemeinen Grundsätze der Münzpolitik auf, 

und gerade der so wahre als wichtige Satz, dafs das Münz« 

Wesen nicbt tis Quelle von Einkt^nften für den Staat benutzt 

werden dürf^ 9 hat vielleicht zur Vernachlässigung der Sache 

heigetragen. Die Kapfleute bekümoiern sich nur sorweit, al# 

es ihre Unternehmungen erheischen , um die Münzen ^ ohne 

sich eine allseitige Kenntnifs derselben zu erwerben. Gleich« 

wohl. Ut der. Gegenstand ^nrichtij; genug. Soll es besonder^ 

in Deutschland za einer bessern Einrichtung kommen, somufa 

der bisheri|;e Zuetand mit seinem* Gebrecfaenui^^ deren Ursa« 



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ip4. Materialteb fiir Mün^^sel^gefamig, ' 

'' ' • 

- - ' \. 

eben erst genau erbannt s&^ni hätten mr uns' aber' «in^r^^so^ 

dien (dringend wünsohenswerttieB) Yevbesserttng nicht ^su er^ 

~ £reaen,' so müfs^en w^ir desto eifriger das Bestehende «einer 

selbst wiJlenBu "erforschen suchen'. . . >. . j 

Die'AphoHsmen besjtehen aus 16 Aufsätaien, w^ovon ±4 
historisch - statistisch , 2 aber politischen Inhalts sind, Di» 
roriiegenden Materialien enthalten' Ö Abhandlungen , von den 
rien nur die iichte mfinzpoU tische OBrwIlgLingenvaiiBtellt^ die 
änderen das ÄJan^'wesen'dei» Vbrzeit.odor Gegenwart zum 
Gegenstände haben» 'und theil8in*jur»di#ioh<»r- Hinaichti, tbeils 
für die national- und staatswirthschaftliche. Gesetzgebung 
über JVIün^^^rhäUnisse lehrreich sind. | 

In N4'. I. wird gezeigt, dafs' selbst das Reichskammer- 

Sericht bei Straf'erkehntnJLSsen sich in die „löthige JVIark Gol- 
es** nicht recht zu finden wulste, 

11« Hauptzfig^^der administrativen Anordiuun^en bei dem 
V^rn»a]igen KeichsmÜn^wesen, Die in den WaMcapitulatio- 
nen der Kaiser enthaltenen Bestimmungen , die.luer gesamt 
jnelt sind , fruchteten bteJcanntlich nichts und figurireh blos 
als wohlgemeinte Vorsätze ohne Kraft der Ausführung. Vf. 
^ermifst eine oberste iVXanzbehdrde , und wünscht, ^ diJTs sie 
^oui deutschen Bunde aufgestellt werden möge, Wer wird 
Ihm nicht beistimmen , wenti man auch nicht gerade auf daa 
Argument S. 76. Gewicht legt, dafs Münzgesetze in Dö^sch- 
land zu den Landfriedensangelfegenheiten gereclmef w*urden ? 
£s 'werden nun die Pflichten der Aeichskreise e&c. angegeben. 
ÄurVergleichung ist die Frapzös. Verordnung v» 10*rratr.XI 
nebst dem Conimentar aus dem Moniteur Huf S« 94^^126* 
intt abgedrlickt. , 

III, Veber das Remedium» Verf. thut dar,tdaism8n 
!n Deutschland schon im 16. Jahrhundert das Remediiim un* 
gefähr so gesetzlich bestimmte i wie in Frankreich esst l803 
geschah. Aec. wünscht, dafs hei (dieser Materie, mdhr aufs 
'Technische der Münzkunst Rücksicht genomraren worden 
Wäre , weil nur hieraus die ftir jede Zeit nothwendige Grölse 
des Remediums abgeleitet werden kann. ; 

rV. Erörterung des im Jahr 1766 ^on 'MajH»^ Trier, 
Pfalz» 'Darmstadt und Frankfurt -geschlossenen BIäiaav«reins. 
Es wird in diesem Verein der ^p^.Fufs von 1763 zu ©runde 

Selegt^ mit der merkwürdigen Bestimmung im 3. Absats^, 
afs wenn künftig nach den ümstädd«i das VerhaJttiiA de$ 
Goldes zu deim Silber abgeändert werden müJTste,'. dies- ledig* 
lieh durch äiVdere freissätze- der Goldmünzen gegen Silber ge- 
schehen solle; • Dfidurch hörte im Grunde das*GoM aufi-sUge* ' 



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Mat«flialkn fUr M(bi2geSetfgßbuo^ e luS 

meinet Freismaa&ztt.tayn. ^-^ Der Vf. kommt an mehreren 
Steiles, %: B« S« 68» mid 204* auf den achon in den Aphori»» 
men Sv 160*. eifrig verfochteneu Sats surClck^ .da£i es gef&br^ 
lichsey, fremden Münzen im ' Lande Um]auf zu £e6tatte% 
oder wenigflfteBS de wie die * inlflndiffcben nach Scarot und 
£om zu würdig^i und ihnen einen Schlagi^chatz zu gestat- 
ten. Man mufs gestehen, dafs das Beispiel der meisten S (aar 
ta und die Geschichte des Lauhtbalers in Deutscbiand dieseii 
Satz unterstützen; der Nacbtfaeil für den VerJkebr zwischen 
den Völkern wird zugleich um so geringer^ .je ijiiedriger übec« 
all der Schlagsehatz abgeordnet wird. Durch die letzte Ver- 
ichlechterung des Laubthalers erhielt dieser in Deutscbiand 
einen Schlagscbatz von 4 Procent 9 zum grOfsten Schaden für 
die deutschen Münzstätten. Der Schlagscbatz wird in jenem 
Vereine auf .20 Kx* von der Mark: oder 1,69 Froc. gesetzt, 

DieV, Abb. berichtet die^. schon im J» 1766 not big ge- 
wordene Abänderung jener Uebereinkunft | wobei man sich 
Eenötbigt sab, im Handel und W^andel den Gebrauch das 24 
Fi. Fufses zuzulassen. 

VI» Unter dexi aus dem .2iei träum 1766^'-^ l8i5 gesam- 
melten geaetaliäien Anordnungen ist hesönders die 179i nacU 
Ausbruch des Revolutionskrieges geschehene Zulassung dep 
Biabanter Thalers für einen Curs von 2 Fl. 42 Kr, merkwür« 
dir , Sie geschah dem Kaiseir zu Gefallen, weil man es ftlr 
i)iiiig Uelt, seiner Münze picht zu verweigern, was man der 
de$ Feindes bewilligte. Diese Ueherschätzupg des Brabanter 
Thalers (Kroi^thiilers) .b.eträgt 2 Frocent und es müfstemitr 
hin diese Münze fär 2 Fl. 3& zwei Fünftel ^r.' genomq^en 
werden , wie auch in Oestreich selbst nach, dem Patente vosi 
IS02 geschieht« Vgl. die Abb-* XIII in den Aphorismen, 

yll^ Kdnigl* Preuls. Mübzvalvationsverordnung vom 
28. Febr. 1^16 und Gesetz über (üe Münsverfassuns voib 30, 
Septbr. Idil. — Das letztere nimmt das Verbäftnifs. des 
Goldes «um Silber auffallend niedrig, nämlich ~I 1 : 13,85 
an, dies wird: dem Verkehre ! nicht schaden, da es nur die 
Staatscassen^etrifft, aufser insofern gewisse Zahlungen in 
Gold gesch^en 'müssen, wobei naca den jetzigen hohen 
Preisen dieses Metalls der Zahlende bedeutend verliert. Bei 
den neuen Silber gro sehen wird die feine Msi^k zu 16 Thlr« 
ausgebracht, also entsprechen jene gerade den 3 Kr» Stücken 
des ^4 Fl. Fulses, sie werden aber als ein Dreifsigstel des 
Thlr zu 3,4 Kr, gerechnet ^ wenn man diesen , da 14 Tblr. 
n 24 Fl. , zu 1 Fl, 42,8 Kr. setzt. Das gesetzliche Re* 
mediuih an Schrot und Kom beträgt (fii.4390 0,^0096 des 



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SD6 Mal|!^kliea fär MÜtftzgoieUgebttiig. 

'Werthei btfi Th«lei-ni In der Val^ratioii v. ±9tii wird der 

«rabanter Thäler auf 1 Thlr. 15 Gr. Ä Pf. zn 2 Fl, 34 
s'eths Siebentel Kr. gesetzt y vras einen Schlägsohats von ein 
•und ein halb Procent andeut4»t, , 1 . • . , 

VIII. f)a Hannover adk 1« Oct, I8l7 die Annahiae des 
l!6 Fl. Fufses erklärt hat, so steht der allgemeinen Geltung 
desselben in Deutschland, auis^ Mecklenburg -Schwerini 
Hamburg und Lübeck 9 die bekanntlich aus der Ma^k 11 ein 
Drittel Thlr. oder 34^Mark prägen, nur hoch der Preufsiscbe 
6taat entgegen, Dals in diesem der Graaniannsche l4 Thlr. 
Fürs bei der neu^n Gesetzgebung beibehalten worden ist, 
niufs man in Hinsicht der grofseh Vortheile, weldie die 
Gleichförmigkeit der M<|n2^nt durch ganz Deutschland haben 
Würde, lebhaft bedauern. Wäre- nur der ÖO Fl. Fiif» allge- 
mein herrschend {die Rechnung nach dem 24 FI« Fuf« im süd- 
ivestTicheh Deutsehland ist ' dur-ehaus nicht nachth eilig , da 

^ i)ekanntlich bis auf die 6 Kr. Stücke hinab die nämlichen Sor- 
ten gebraucht wenden und das-Verhältnifs 6:^6 i)ir alle Re- 
ductionen bequem ist) , so könnten wir ^ uns au^. ohne eine 
'ganz neue, nach dem Decimalmafc^e gestückelte* Bundeimünze 

'^efcht *w6hl Irefinden. »Nach dem Patent vom i. Nov. l823 
wird auch im lombärdisch-venetianischen Königreich der 
20 Fl. Fufs eingeführt und die, östreichische Lira von 100 
Centesimi kommt genau mit dem Kopfstück übeteiii, .der 
Scudo.mit dem Conventiönsth'ahBr, virährend bisher die Siira 
italiana dem Franken gleich war, also 27 drei VierteUÄr, be- 
trug. Die'se Ei^ichtung erleichtert den Verkehr Deutscb- 
iands mit Oberitalien und verstärkt die Beweggründe, einen 
Fufs zum allgemeinen deutschen zu nlachen, der ber-eits auf 
einer so grolsen Ijänderstreeke besteht. Allerdings wäre je* 
doch noch viel dringender, dafn eingedenk des Art. 19. der 

.Bundesacte die Sämmtlicben deutschen Regierungen Sich zu 
einer gleichförmigen Festsetzung des Schlag schätz es der Schei- 
demünzen verbinden und dann ihren Scheidemünzen Wechsel- 

. seitig freieTi Curs durch alle deutsche JLande gestatten. Die 
neuesten Retorsionen mehrerer Regierungen machen das Be- 
dürfVlifs ein^r solchen Uebereinkunft höchst fiflhlbar. Ei» 
Blick auf die Gharte^iseigt, wie störend für den Verkehr das 
Abschliefsen d^r eineelnien Gebiete* gegen fremde Scheid emün- 
se seyn würde, wie es den kleinen Gränzverkehr ^ idas Rei- 
sen, den Waarentranspört erschweren müfste. Gi<üchwobl 
wäre eine blofse Verabredung ttbier-^denc ungehinderteii Um- 
lauf nicht zureichend , ^ weil sonst die' bessere Scheidettiünse 
leicht gegen Uchlechtere eingewechselt 'und in denrTi^el ge* 



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BerooulUi ül>fr di» Zoofirfrfdsstiag. iv7 

workn vrerien mtfdit^. Wird ab«r diesem U^helatande Vor> 
gebeugt 9 ßo fallen für den d^ut«^en Bund die Grflnde unser* 
vfs. gegen di» vplle Vibration ^^itider IVIün&sor(en hin^reg« .. 



lieber den haehtheÜigen EAifluft der Zanflverfas$ung aUf die Industrie. 
Mü bdionderer Jiücksicht auf Ba^eU Fon (J^istoffk BernouUi^ 
Professor. Basel, 1^3. f7 tf. .i38 «f. 3. 1 A 

Während man sich in Bern ifiit der Wiederherstellung 
ies Zunftwesens f in einer veredelten , den Zeit]>edürfDifsea 
entsprechenden Gestalt beschäftigt » und ein reif durchdacht€fr. 
von dem Frocurator Wyfs ausgearbeiteter Eaitwßxi (Bern» 
gedruckt bei Haller, 1821. 52 S. 4.) nodi dejc Berathu^ng unr 
terliegt,' erhebt sich in Basel eine gewichtige Stimme 
für die gänzliche Vernichjtiung des Zunft Verbandes. Hier ist» 
wie die Darstellung S. 1— -11, zeigt, der Zwang^zum £xtre;n 
setrieben, dort iindet man bei der unbedingten Freiheit 
Mängel. Die angezeigte Schrift ist unter denjenigen , welche 
gegen die Zünfte fprecUen, eine der vorzüglichsten , und sie 
vetdient auch von den Anhängern der entgegengesetzten Mei« 
nung auimerfcsam gewiesen zu werden , besonders weil die Be« 
buptungen häußg durch Th^^tsachen belegt oder durch L07 
calyerhältniTse erläutert sind, obgleich nach des Hec. Da« 
Erhalten der Verf. Manches zu schwarz ge;seicbnet hat , in 
loanchen Puneten zu weit gegangen ist. . £s soll aber nicht 
in Abrede gestellt werden , dafs , wenn auch das Institut im 
Gänsen Erhaltung verdient, doch viele einzelne S|[^i;en dess^lbei^ 
sehr oaangelhaft sind uud eine durchgreifende Verbesserung 
erfordern. Die neu entstandene Wissenschaft der Gewerke, 
^e Technologie, auf Chemie und Mechanik gestützt, mu£s 
notkwendig den handwerksmäfsigen Betrieb vieler Gewerke 
vernichten f weil gründliche wissenschaftliche Vorbereitung 
Biit zunftmäfsiger Erlernung nicht Vereinbar ist; es dürfen 
also nicht alle Gewerke'^nach einerlei Regel behandelt werden, 
seihst ein imd dasselbe nicht in allen Ländern auf gleiche 
Weise. . £s ist unmöglich , sich dem Aufkommen grofser Ge- 
werk^anstalten entgegen zu stemquen ^ denn was wir bei uns 
verhindern» ges^tattet das Ausland, und der Schaden ist desto 
pöfser, folglich muXs zwischen Fabrik -und Handwerksbe- 
trieb eine bestimmte Grenze gezogen , jener frei gegebeiii 
^dauch von aplchen Gewerkeni die der Landmann neben* 



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i06 ; ' Tuni»ias von Pyrker. ' 

-ber betreibt , jede Fessel genommen Wet^äen* Ü^afs bei vielei 
Oewörberi Niemand im Stande ist, die Zabl dar Meister, di^ 
sieb gerade ernähren kdnx^en ,' >mit Sicherheit vorauszusehen 
dafs mithin auf dies Streben , für angemessene Besetzung z^ 
sorgen y in vielen Fällen verzichtet werden mufs^ ist neuer] 
lieh durch einen Aufsatz in der Freufsischen Staatszeitun^ 
(abgedruckt in der Sc hnlzi sehen Schrift, s; No, 33. un 
serer Jahrb. v, 1023) übdrjseugend dargethan worden« Au 
.solche Weise ist es möglich, daS; Zunftwesen /von denjeni^ei 
Z^angsmafsregeln , die oft de^ Entw'icklung <ies Gewerbnei- 
fses hinderlich waren , zu befreien , ohne dabei die Nach- 
theile zu Wege zubringen, welchö mit der Anordnung jähr- 
licher', ganz rüoksichtlos erth^rlter Patente- nothvrendig ver- 
iirlinden sind, '* ' - 

f ' ■ Der Verff berührt^auch mehrere änderte Verwandt^ Gegen- 
stände; so verdienen z. Bu die Bemerkungen ttbet den Nach- 
theil der J^ahrmärkte (Zunächst auf die besonderen Verhält- 
'nisse von Basel berechnet) und des Hausii^ens beachtef zu 
•werden; - 



Tunisias, Sin Heldengedicht in zwölf Gesängen,' von. Johann Ladislav 
Pyrker, JVien iBaoi bei Carl Ferdinand Beck, g^r. 6. 542 ^' 3 ^f 

„Eine grofse (sagt die Vorrede des ungenannten Heraus- 
gebers dieser Tunisias) das Schicksal der Menschheit 
entscheide^nde BegebjBnheit, «die Eroberung von Tunis, 
tdfe Befreiun#Kron mehr ails 20,000 Christeh5<;laven aus allen 
Völkern; die Rettung Italiens von drohender Knechtschaft 
unter dem eisernen Joch der Bärbaresken , ist der Inhalt die- 
ses Gedichts** -.. — und hieraus wird gefolgert^ dafs es der Tu- 
nisias nicht an der GröTse des epischen Gedankens 
fehle, und daft Kaiser Cars v. Heeresfahrt nach Afrika für 
einen würdigen Stoff eines Epos gelten müsse. Eben diese 
Vorrede des ungenannten Herausgebers spricht Seite H. dem 
Gedicht auch „einen solchein Reichthum der Cothposition zu, 
dafs alles Wesentliche des menschlichen Lebens in ihr zusam- 
mengedrängt erspheine,' namentlich einen Reichthum von 
interessanten Charakteren , unter welchen der Held ^ CerlV., 
ausgezeichnet durch' Hoheit der Gesinnung und ruhige Gröfse, 
durch Tapferkeit und Thrttkraft hervorragt, und das Interesse 
der Handlung Torztiglich airf sich binzieht.«« Endlich wer- 



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Tunisict' von Pjrker. t09 

den noch aU VorsUge der Tunisias in deren AnerJrennting die 
Melirheit der bisherigen Beurtbeiler übereinkommen«, S« HL 
der VoFede angegeben : ,',gewahlte Gelehrsamkeit ii^ der Er« 
findüng.; Weisheit in der Anordnung des Garaeh; Phantasie 
und Empfindung in Gemälden, die bald schön, bald erl^aben^ 
immer mit einer aus vielseitiger. Weltanschauung und tiefer 
Metiscbenkenntnifs geschöpften Wahrheit und L<ebendigkeit 
entworfen jsind^ Und dies «llies in edler kräftiser Sprache; 
dabei ein unübertoffener Reichthuih an glänzenden oft kühjv 
nen Bildern' und Gleichnissen; ein Yeisbau, der uns den 
bisher bezM^eifelten deutschen heroischen Vers , den epischen 
Hexani^eter siebt , wie uns'Scbon früher ^ofs den idyllischen 
gab:'* — Aber der Dichter war unk die Maschinerie sei« 
nes Epos verlegen. Es. sollte ja herkömmlicher Mafsen das 
epische Gedicht ,,dai Irdische an ^ das Ueberirdische ^ daa. 
Sichtbare an das Unsichtbare knüpfen , ^und das Wunder der 
ewigen Ordnung aussprechen , es sollten überirdische Wesen 
erscheinen und \n die Handlung des£px)S einwirken, und dies 
alles. sollte aus lebendigem Volksglauben hervorgehen , oder 
diesen Glauben vielmehr selbst aus bilden. <« (5. Vor« 
rede IVO Die alten Götter des OJymns taugten hierzu be-^ 
gr^iflicher Weise nicht; eben so wenig die Engel und Teu- 
fel Miltons und Klopstocks , weil es ihnen an Bestimmtheit 
und Individualität fehlt, und hoch weit weniger die Götter 
dernordischen Myt^hologie y die uns immer fremd geblieben . 
sind« Wie half sfch hier der Dichter? Die Auskunft hier« 
^ber gibt ar selbst in einem Briefe, der in der Vorrede abge« 
druckt steht. ^^Nach jahrelangem fruchtlosen 6innen , sagt 
evy hat eine Stelle im ersten Brief an die Gorinther XV, 24« 
die Ideen in mir erweckt, nach welchen ich die Maschinerie 
meines Gedichts aufzustellen gesucht h ab e.<<^-—> Diese Stelle, 
verglichen mit Rom. VIII, 37., Ephes. VI,*1Ö— fä., Ephj, 
III, 40. etc., über welche die Kirche nichts entschieden 
hatte, deren Auslegung mithin frei blieb, regte die Phantasie 
des Dichters an , sich m den höhiem Luftraum aufzuschwin« 
gen. „Siehe da (heilst es in dem, erwähnten Briefe der Vor- 
rede VII.) ich erkannte die Geister der Vorwelt, die, noch 
immer ein Spiel des Irrthum^ und der Lddenschaften , die sie 
au{ der Erde gängelten , ^weder glücklich noch völlig elend, 
mit jener bestimmten Fbysiognomie, wie selbe die Geschichte 
zeichnete, 'mir entgegen treten. Es -gab starke,, kräftige 
Naturen darunter, und da die Flamme des Kriegs fUr ^ie Ret- 
tung der Ghristensclaven zu Tunis vor meinen Augen auflo^ 
i^tej so sah icbjie dahin sieben^ und schalten und walten 



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$iO Tunwiat Ton Pjrken ' . 

nach ihrer, vorigen Weisen so weit sie^ als des irdischen Lei« 
hes Beraubte f durch eingehauchten Rath sich unter den Le« 
bendeu thtttig erweisen konnten etc,^< -^ I^iese Geister un« 
ter dem Himmel sind denn auf Seite des Kaisers Alexander 
des Gr. 9 Cäsar ^ Hannibal, Saladtn; auf Seite der Christen« 

' feinde Mahomed und- Attila, 

Geht man nun nach Lesung der Vorrede an das Lesen des 
Gedichts selbst, so dürften schwi^rlich viele Leser gefunden 
werden , welche mit dem Herausgeber durchgefaends in der 
Lobpreisung einverstanden sind) die er diesem Heldengedicht 
beilegt. Sogleich der erste Gesang ist nicht zum Weiterle- 
sen einladend. Das Gedicht beginnt «chön und würdig; dafs 
der Kaiser zur Abendstunde im Dom zu Madrid betet ^ und 
den Allmächtigen um Sieg anfleht, ist natürlich; aber dafs 
nun dem Kaiser die Geheimnisse des Geisterreichs enthüllt 
werden, dafs der Dichter es unternimmt, durch eiiie lange 
Reihe von Versen ,ein0 Geogonie zu geben , und spgar die 
2!iehhraft des Magnets , die £ntstehung des Nordlichts , d«r 
Vulkane etc. zu erklären, ist minder natürlich, und auch 
nicht von poetischem Gewinn, weil die Einbildungskraft des 
Lesers ermüdet. w;eil der leere übersinnliche Raum, das 
Lichtreich, und die, ip. demselben wandernden Geister i^vi 

' nichts zu denken geben , und in diesen Regionen alles in 
einander verfliefst. Offenbar gelingt dem Dichter besser, 
seine Leser anzuziehen und ihre Aufmerksamkeit fest zu hal- 
ten , wenh er auf dem festen Boden unserer Erde verweilt, 
und die wechselnden Scehen des Kriegs beschreibt, und die 
Gefühle und Gesinnungen seiner Helden uns .verkündet. 
Ueberhaupt sieht Rec. die Nothwcndigkeit nicht ein , eine so 
künstliche Maschinerie, wie man's nennt , zu ersin- 
nen und anzulegen* Ein . ächter Dichter fragt nichts nach 
den angenommenen Regeln einer vielleicht falschen Theorie, 
•ondern entwirft undfüort aus sein Gedicht, wie es ihm sein 
eigener reicher Genius eingiebt, und überläfst ganz unbe- 
kümmert den Kritikern und Klassificatoren die prosaische 
Mühe , es entweder in alte Rahmen einzufügen , oder weim 
dieses nicht gehen will , nur dafür zu zimmern. So macht 
es' die Natur , so die wahre schöne Kunst. 

Uebrigens hält Rec, des Gerügten, ungeachtet, dieses 
Gedicht für ,eine Bereicherung der deutschen Literatur in 
diesem Fache der Poesie. Herr Fyrker besitzt ein hich^ ge- 
meines poetisches Talent und eine grofse Gewandtheit der 
-Sprache und des Verhaues ; seine Hexameter sind flie&end, 
wohlklingend und grdlstentheils oh^e Härten» und die Cha- 



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MSrJ^liA übtr dit Urfortpen der niederii Orgflnitmem lii 

raktere der handelnden Personen sind bestimmt un^^ sieb un« 
terscbeid)&nd* Das Gedicht hat eine Mannigfaltigkeit von. 
Scenen und Ereignissen; es beginnt^ wie schon erwähnt^ 
mit dem Entschlüsse desKaisers, die gefangenen. Christendda« 
ven zu erlösen , und «ndet mit dem Einzüge des siegreichen, 
Heeres jEM Tunis. 



Btirachiungen über die Urformen der ftiedem Orraniemen* Von Georg 
Friedrich Märklin^ Apotheker %u fViesloch, tnefirerernaturfor» 
sehenden Gesellschaften und pharmaceutischen Vereine Mitglied, Hei"» 
ddberg bei C. F. Winter 1823. 83 S. 8. i FL 8 Ar. 

Um die Gesetze unseres Instituts nicht zu übertreten 
begnügt sich Recens. nur eine allgemeine Inhaltsanzeige die« 
ser kleinen Schrift zu liefern 9 welche aber hinreichend seyn 
wird) die Aufmerksamkeit der Naturforscher auf dieselbe rege 
zu machen y und zu ihn/em Durchlesen einzuladen. 

§. 1-^8. beschäftigt sich der Herr Verfc mit der ErklS« 
rung der Eigenschaften aer sogenannten pri^stleyschen grünen. 
Materie. , - . 

$.9 und 10. wird (Ue wahre Natur der Oscillatorien er- 
läutert, die Herr Märken als reine miti.den oxygenen nicht^ 
zu verwechselnde Hydrophyten ansieht , über deren Entste« 
huDc derselbe interessiiite Versuche angestellt; hat, die seine 
Ansicht von diesen Geschöpfen vollkommen bestätigen. 

§• 11 -und 12. sucht der Hr. Verf. die Entstehung der 
Keimkdrnchen in den Conferven*Köhrchen und selbst die 
Bildung ihrer Reihen Ordnung zu erläutern. 

§. 13. ist derselbe bemüht die Befruchtung der Laub- 
moose 'und das Gerinnen des Schleimes in der Mooskapsel 
zu Keimkdrnchen zu erläutern , und gibt in einer Anmerkung 
4ie Art und Weise der Befruchtung der Najaden an. 

§» 14- wird von der Ohara pülchella Wallr. als einer hei- 
mischen Schmarotzerpflanze gesprochen', auch su^t der Herr 
^erf. nachzuweisen dafs die Menge der in den letzten Jah- 
ren neu entdeckten Cryptogamen der nassen Witterung im 
Jahre 1816 zuzuschreiben sey, die deren Entstehung begün- 
«tigte. * . . ', 

§. 14 wird zu beweisen getrachtet, dafs die bekannte 
'^femella Nostoc L. nicht« weiter als ein meteorischem Pro- 
dukt seyj 



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H2 Äförklirt übrt die Ürfojfmen der aiedcrn t^rgaBiunön.- 

§. 16. Enthält merkwürdige Versuche, die da «eigei 
daft die Bildung der vertchiedeneitPormen def niedersten Oi 
ganismeii blos von äuiVfcsrn Einfiitssei^ abhängt^ und kein 
Grundlage zu- einer bfe&timiüten organischen Crestalt vorhar 
den ist. ' ' 

§. l*/» wird der Beweis geführt, dais Wasser in*^eichei 
Conferven wachsen nicht fault, auch die Ursache dieser E; 
scheinung erklärt* * • , 

§• Ib, inacht der Herr Verf. einen Unterschied 55 wische 

heimischen und wandernden Schinarot2er|>flanzen ; erster 

' nennt er solche, die nur auf hestiainiten,v letztere die ai 

^ mehrereil Gewächsen vorkomc^eii , er hält dafilr, dkfs die he 

mifchen Parasiten von geronnenen Flianzensdften entstehen. 

§• 19. ist von der Natur dös Lycopödiuni - Pollens di 
Rede; der H^rr Verf. sucht nachzuweisen, dafs Willdenow' 
Ansicht, der ihn fär Saamen ansah, irrig sey. 

' §. 20— -22, gehören den Flechten an ; besonders werde] 
von der Dauer der JLiej^rarien auf Molz und Stein merkwür 
dige Beobachtungen mitgetheilt. Höchst wichtig i>st das 
was der Herr Verf. von der ForroenVerwandlung derFlechtei 
aus seinen langjährigen Erfahrungen mittheilt. 

§. 23 und 24. ist von der Wirkungsart des Sauers'toff 
auf die niedern Vegetabilien die Rede; « 

$.25 — 35* sind der Betrachtung der Schwämme gewi^ 
met, über deren Entstehung, Entwickelung'u. s. W;, ein( 
Reihe von interessanten Thatsachen mitgetheilt wird. 

Die. Schrift Schliefst mit aphoAS tischen Sätzen odei 
Scblulsfolgerungen zu denen der. Herr Verf. sich nach seinei 
Untersuchungen, Beobachtungen und Er&brungen berechtig 
hält. . ' 



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N, a -^ 1824: . 

Heidelberger- 

Jahrbücher der Literatur» 



De neroi sympathedci humam fabrica usu et morhis , ۧT^mentatio 
(matomicO''physiolc^gicO''pathologicaf tabutis aeneis et litfiogra^ 
■phicis illüstrata, aucto)re JoK Fridr, Lobsteittf meduina» 
clinices et anatoihiae jkuhologicae infacuitate mediea Argentora»* 
tensi Professors, Parisüs 6t Argentorati apud F« G, Lewaalt» 
1823. 170 pßg. in 4,' ^- « ^ 



I^icbt ohne grofse Erwartungen ivifain Hec. diese Schrift ei« 
»es Mannes zur Hand, dessen Talent im Beo^aehten und For^ 
»eben sicji bereits durch mehrere gehaltreiche Schriften ana» 
tömischen , physiologischen und. pathologischen Inhalt« sat*» 
»ambewährt hat. Zum besoodern Vergnügen gereicht es uni 
•las Gestäfidnifs niederschreiben zu können ^ "^ dafs . diö 
{erechten Erwartungen übertroffen Worden sind , und dal^ 
»ins seit geraunfer Zeit kein Werk durch Gründlichkeit, Reich« 
iialtigkeit an neuen Thatsachen, ' SJchärfe des ürtheils un3 
Warheit der Darstellung so angezogen hat, als eben dieses» ^ 
Der Gegenstand, .mit dem sich die 6chrift beschäftigt, gehört 
»^ie Wkannt, sowohl in^ anatomischer als physiologidcheir 
Einsicht, zu den schwierigsten und dunkelsten,' aber eben 
leswegen üuch zu den anziehendsten der Naturlehre des 
»ejischJichen K^örpers. In Betreff der Pathologie bietet er 
tonoch ganz unbebautes", mit dem Unkraut der Träume« 
föen rfeicnlich bewachsenes Feld dar. ' Der Verf., mit den 
wbeiten seiner Vorgänger vertraut , hat nicht nur die hier* 
i« gehörigen wichtigsten anatomischen und physiologischen 
^batsachen mit Klarheit und Umsicht zusammen gestellt, 
oudern auf eigene mühevolle Untersuchungen sich stützend^die 
'ür der äu w^ürdigen weifs , der sich in solchen Arbeiten 
ersucht, hat er vieles berichtigt und verbessert, und 
lanches neue hinzugefügt. Im Gäiete der Pathologie; de« 
ympathischen Nervensystems gebührt ihm die Ehre diie Bahn 
jebrocben zu haben^ ein Verdienst, das ihm kein hüHg Aert^ 
»nder Arzt «treitijg machen^ wird, Hec. beeilt «ich daher die 

XVU. Jahqj. 2. Heft. 8 



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il.4 liobttein de neiTi sjrmpatli. hvxb. faBriea* 

Aerzjje auf, dies«« treffliclu« We^k,. das IVesijltai vieljäKrig 
Forschen s 9 eines im F^che der Anatomie, Physiologie u 
Pathologie jglei(jhi au^gezeichru^ön Mannes ^ duf ph eine tiai 

iDas W'ak zerfällt , wie schon der Titel andeutet, 
drei Abschnitte, einen anatomischen, physiologischen u 
Pathologischen. Das erste Capitel des anatomischen Abschrii 
liefert die Beschreibung der Lage , des Verlaufs j der "V 
bindungen und Verzweigungen des sympathischeil Nerv< 
nebst seine?» Gj^nglien , vom Kopfe, bis zum Becken her. 

, Den ol>,ereiT. Kehlkopfsnerren vom Vagus sah der Verf. i 
dem oberen Hulsnervenknoten nicht nur durch Zellgewt 
sondern auch durch weiche Nervehraasse •2?usarainenhäng 
woraus denn folgt, dafs dieser Nerv,-, welcher bei den A 
mungsbewegungen des Kehlkopfs eine so grofse Holle spi( 
einen gemischten Ursprung aus dem Cerebral -. und Gangli< 
JNervensystem nimmt. Mit, gröfserer SovgfVl^, .als bisl 
£esdhehen ist, hat dejr Verf. den Verlauf der Herznerven i 
.tersucht. Er zeigt, dafs mehrere Faden für sidh, und nr 

; in Begleitung von Arterien , in die Muskelsubstanz eindi 
gen, und dais sie keineswegs so weich und von fast gallert 
tiger Beschaffenheit sind, wie Scarpa angibt, was mit ^ 
Reo. Untersuchungen vollkpmmei^ übereinstimmt. Sehr ai 
führlich sind ferner die Nerven des Magens, -der Leber , < 
[Milz, der Bauchspeicheldrüse, des Darmkanals und der N 
yen beschrieben. Dagegen sind die Nervengeflechte 
Beckens und der Zeugungsorgane nicht sorgfältig genug. 
-tersucht. So hat der Vf. die Faden des Geflechts, 
ches die Arteria spermatica umstrickt , nicht bis zu den 
den und Eierstöcken verfolgen können, was Rec. mehr 

feglückt ist. Die Nerven^ der Gebärmutter wurden in 
icichnamen von Dr. Ehrmann untersucht (w;ie in den 
jtamenti's p. l68. angeführt ist) unJ ihr Ursprung und 
lauf ganÄ ao befunden, wie sie Rec. beschrieben und a 
bildet hat. Bei dies^er Gelegenheit äulsert der Verf.: O 
yero surculi usque ad uterunx progressi sub membrana 
dem sese subducebant extima, et in Strato superHcjali f 
rum uteri iiniebantur, Hac occasione monendum e&sti ( 
quod, tunica uteri externa sublata, multae ffbrae occurrunt, 
vario modo sese decussant, et, ope telaecellulosaelaxae, tau 
ter se, quam sabstantia^ uterinae profundiori atque den.^ 
uniuntur. Hae fibrae, guarum indoliem ignoro, facile 
cohtinuatis nervoruai ramulis habentur, a quibus vero , 
solum rätione directionis atque crassitici maioris^ sed t 



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Lobfteilr d« n^tri tjmpatb, htim^' fabriea« 115 

• 

ratione figuraesua^. magU complanatae» dtfferu^t« Quocu^« 
{ueautem modo sese habeant nervi, uterini, id certum mihi 
ipparuit atgue evictum, eosdem in uteri substantiam haud se 
immittere. Der Verf. begeht hier offenbar einen Wider« 
ipruchy dienn im Eingang sagt er^ die Nerven hätten 
»ich, unter der vom Bauchfell nerrührenden Haut der Ge- 
bärmutrer verlaufend in der äu£seren Schichte von Fasern 
der Gehilrmutter geendigt; da er aber diese Fasern, deren 
Beschaffienheit er nicht kennt, doch als constituirende Theile 
der Gebärmutter betrachtet 9 indem er sagt, sie seien mit der 
üeferh und compacteren Substanz der Gebärmutter durch Zell« 
eewebe verbunden, so ist 6s einleuchtend, dafs die Nerven 
deinem andern Theil als der Gebärmutter angehören können, 
Auch das unterste mit NervQ^knot&n untermischte Becken ner- 
rengeflecht, woraus Zweige zur Gebärmutter, Scheide und 
Harnblase gelangen , ist. nicht genau bieschrieben. 

Das zweite Capitel führt die Ueberschrift, Animadversio- 
nesin varia momenta, quae ad nervi sympathetici historiam 
jertiuent. Zuerst wird von den Verbindungen des Kopf« 
tlieils des syolpathischen Nervens mit den Hirn nerven gehan« 
delt, v^orüber in älterer und neuer Zeit vielfache Streitig« 
Wn unter den Anatomen geführt worden sind. Den histo« 
riscben Theil über 'diesen Gegenstand hat der Verf. keines«. 
^egs erschöpft, denA Haller*8 und Taube's (Diss. de vera 
aervi intercoatalis origine. ' Gott. 1743), Schmiedens (£pi« 
«ola anatomica qua de controversa nervi intercostalis origine 
luaedara disseruntur.Jirlang. 1747.), lyEunnichs (Observatio« 
^esvariae. Gröhing. I8ü5.),und einige andere schätzbare Un- 
tersuchungen werden nicht erwähnt, nur die von Winslow, 
I^ontana , Bock^ Kihes, Laumonier und Gloquet sind ange« 
führt, Der Verf. will bei seinen zahlreichen Untersuchung 
l^n, die er zur Aufhellung dieses streitigen Punktes ansteJlte, 
«ine andere Verbindung des sympathischen Nervens im Kn- 
öil der Kopfpulsader gefunden haben als die mit dem sechsten 
^«irnnervenpa^r und mit den Vidischen Nerven, Oefters sah 
^ zwar Faden sich, mit dem dritten Hirnnervenpaar verbinden, 
«lein bei genauer Untersuchung mit Hülfe des Vergröfaerungs« 
Jses will er sie als blofse Faden durch Zellgewebe gebildet 
*annt haben. Hierin kann Rec. dem Verf. ^icht beistim« 
*"^ denn er Bah zuweilen nidbt nur wahre Verbindungen 
|i|rch Nervenmasse vermittelt mit dem dritten, sondern seibat 
|Jt dem zehnten und zwölften Hirnnervenpaar. 

Hierauf wendet sich der Verf. zu der neuerlich von Ja« 
bson zwischen dem Vidischen, dem ^ungenschlundkopf- 



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aß ' Lobstein du nervi ijäKpatti^ hooir fabrica« 

nerven und dem symptitlscben Netv'en aüifgefuh denett Veirbiri^ 
düng. Aus den beigeftigtfeh voft Dr. Ebrrtiann ärfgestellten 
Untersuchungen ergibt sieb, däfs das Ganglion, des Seblund- 

. kopfnervöns einen Zweig durch einen Canal des Felsenbeins 
in die Paukenhöhle abschick«^ der sich daselbst in drei Faden 

' theilt, vdo denen eiiier äuiH rutideri Fenster gelangt, der an- 
dere sich niit dem oberflächlichen yidischen JNerVeh vereint, 
Und der dritte in den Kanal deir Kopfschlägader dringt, wo 
et sich mit dem diese Fulsader umstrickenden Nervengeflecht 
des sympathischen Nervei verbindet.' Aufserdijm sind noch 
verSfihiederie von Haller , 'Wrisberg , Portal und Bichat be- 
bbihchtete Abweichungen des sympathischen Nervens ange- 
fahrt. 

Am Schlufse dieses Capitels'end)i'ch Witd vöti dem Ver- 
Kdltnifs der Zweige des sympathischen Nfervens za den Gpft- 
fsen gehandelt. 5augadern und" Velien erhalten keine Ner^ 
Ven , mit Ausnahme der Pfortader , der Lungenvenen in der 
Nähe des Herzens und der Drosselvenen. Die Stämme dei 
'Hohladern empfange^ jedoch näCh deS Rec. Untersuchungen 
' ebenfalls feine Nervenfaden, ebenso die Saugaderdrüsen, 
Zu den Pulsadern verhalten sich die Nerven auf folgende 
Weise { lyiartche Nervetizwöige umgeben grofsis Arterien ohn« 
init ihnen in irgend einem genauen Zusammenhange äu stehen; 
kei Weitem die mefisten Nerven der Ganglien aber umstricket 
nicht nur die Arterien, .sondern sie sind auch mit ihren Häu^ 
ten verbunden , und dringen mit denselben in das Parencbyri 
der Organe ein. Diese Nerven sind weich, breiartig um 
verschwinden großtentheils in der Zellbaut der Arterien 
-^um Theil abet gelangen sie auch in die Faserhaut der Arte 
tieri. 

Im dritten Capitel ist die BildungSgeschichte des sympa 
thischen Nervens in der Leibesfrucht angegeben. Die Unter 
Suchungen begintien erst mit de^M 4. Wochenach der Empfang 
nifs, und also sehr spät. Der yf, folgert aus denselben i dafs d^ 

• sympathische Nerv schon im Embryonen bestimmt vorhandel 
•sei ; dafs der Stamm innerhalb der Brusthöhle verhältnifsmä 
fsig dicker erscheine als beim erwachsenen Menschen, wei 
die Nervenknoten gtöfser i^nd näher aneinander gerückt sincl 
itnd'dafs die Nervenknoten schon die gewöhnliche ihnen eigen 
thümliche Färbe haben, V^ halbmöndförmigert NervenknO 
ten zeigten dch jeddch verhülti^ilsmctrsig sehr klein. Rec 
der sich gleichfalls mit der Bildungsgeschichte des Sympathi 
sehen Nervens beschäftigt bat, und seine Untersuchungen gel« 
^entlieh bekannt machen wird, ßndet die Angaben des Vf. ri cliti 



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{«obstcln do Derri sjmpath, hum, fabma. J17 

und fügt noch folgendes hei. Die Ganglienkette iSifgtt der 
Wirbelsäule ist schon in der fiinfte^ WgchjB nach der EJm- 



^ gnih, vorhanden; die Ganglien sind ungemein grofs, • 

so- dafs sie sich in der Prust mit ihren l£ndeii wechsel- 
seitig berühren und 2;usai|iinenfliersen ohne deutliche Yerhin- 
dungsfaden zu bilden. Unter dem Vergröfserungsglaß be- 
trachtet erscheinen sie au^ Ki^gelchen zusammengesetzt, ^ie 
zeigen ferner schon in der frühsten^^jit ei^ie. ansennlipheCon- 
sistenzy während die Substanz des Ilücke^iparks und Hirn$ 
noch fast ganz flüssig ist. Den>nach $i«ht sich der Kec. a(u 
der An.nahme genöthigt^ dafs sich das Ganglien J^fervens7SteI^ 
für sich bildet und mcht von dep Verbinfiung8ä,sten des Of» 
hirns und Rückenmarks aus ; es verl^ttetpic}^ n^i[ic mit dpmselbeii 
olme aus den^selheh sejinen Ursprung ^anpi^v^^^p Wfö einigp 
feuere Anatomen fälschlich 4iinebmen» , . ^.^ 

£)er Verf; hat ferner seine Aufmerksamkeit au( die Ä^r 
schaffeuiheit des sympathischen Nervensystems In ]V(ifsg^ur# 
ten gerichtet. In mehreren Schädel» un4 Hi tnlospn JN^iisg^ 
burten fand er dasfelbe nQrmal beschaEen, ;»elbst in einer, dp)* 
ren RiSckenmärk ungewöhnlich klein war. Auqh die$e Thafr* 
Sache spricht für die so ehen geäulserte Ansicht des Rec. 

Im hohen Alter erscheinet die Nervenknoten blafser. ua4 
weniger weich als iip jugendlichen AJter. Dies beobachtet^ 
der Verf. namentlich in 4^m ^-.eichnam eines vier und achtzig«- 
jährigen Mannes j in den! zugleich die aus den Nervenknoten 
entspringenden Zweige weniger zahlreich vqrhanden waren* 
Rec, der seine Aufmerksamkeit ehenftjls. au^, die Beschaffen^ 
beit des sympathischen Nervens in den vejrschi^d^ren Alters-^ 
periqden gerifchtet hat, fand die N,ervenknoten bei Qreisen^ ^ 
stets kleiner , härter, gefäfsarnjer und weniger roth als i;i 
der Jugend und im Mannesalter. Auch die aus den Nerven^ 
Inoten hervorgehenden Zweige sind in Greisen dünner , fe- 
«ter und in geringer An25ahl vorhanden. 

Das vierte Uapitel , die Ueberschrifi: führend , Intim^ 
nervi sympathetici f^biica, handelt ausführlich von i^fß 
Stamme, den Gangjien> Geflechten Bind Zweigen dieses Nar- 
vens. Da der Verf. die Nervenbündel des Stammes durch dip 
Nervenknoten hindurch* voii dem Halsstück bis ajum Becken*» 
stück verfolgen ko^"te, so verwirft er mit Ilecht , Bicbat» 
Meinung, der keinen Starnnjee.; annahm, sondern den sypiM- 
thischen Nerven aus vielen I>fervenknoten mit ausstrahlenden 
Verhindungsästen bestehen Uefs. Hinsichtlich der Textur 
der Nerveiiknbten i^timi^t der Verf. in der Hauptsache mit 
Wutzer überein. / 



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118 ' liobst^iu de aervi sjmpath. hum, fabrioa« 

Im physiologischen Abschiiitt werden im Eiügang^ die 
vorzüglichsten üher diesen Gegenstand aufeestellten Meinun- 
gen geprüft, und dann sucht sich der Verf. durch einige all- 
gemeine vergleichend anatomische Betrachtungen, ühef das 
Nervensystem den Weg zu äeinen Untersuchungen über die 
Verrichtungen des sympathischen Nervens zu bahnen. 

Dem rJervensystem , als einem denThierörganismen zu- 
gehörigem AjJpÄräte, schreibt ^r eine eige'nthttm liehe-. Kraft 
'zu , mit der das Leben der Thiere in genaiiSter Verbindung 
stehe; Alle ^n den Thf^en wahrnehmbare Thätigkeits^^fse- 
irungen jeien durch die Nervenkraft: Vermittelt^ i4nd bedingt. 
'An dem Nervensystem bemerke man' unverkennbar eine stu- 
fenweise EntfsfltUng und Ausbildung vdn den niederen oder 
einfacher orgrffiiSirten'Thieren bis ^u.den höhern und zusam- 
mengesejtzterp. In den Tbiere/i der unteren Clg^jssen i; den 
Stt^hlthteren p Holothurien und Seesternen, so wie,' bei den 
"köjifloseln Mollasken , komme ein den Mund uingeben^er 
TNcervenring. ,vOr ^ , od^r es , seien nur einige Ner^'^enknoten 

. Vo'rhjinden'i' ^ti6; denen Faden zu den Organen der EtnShrung 
'ih^ingep. Bei den Mollusken aus der Ordnung' der Gastropo- 
den lind Cephsilöpo'den seien aufs er jenem Nerven,ring und der 
T&i:' die Ernäfcüngsorgane-bestitomten Nervenkno.teri rioch »"- 
'dere Anhäufungen der Nerveiis v^bs tanz zugegeh,* Weldi^ die 
"SiVines- und Bewegungsorgari^'Äiit Nerven versorgen. In den 
'gegliederten Thierep i. den W^tlrmern , Insekten und Krebsen 

. 5bige steh Hne Reihe von Nervenknoten, die sowohl dem 
Sympathischen Net V eh als dem Rückenmarke gleidie, und aus 
"denen die Nerven* für die VTerkzeuge der Ernä)iruiig »so wie 
für die Sinheisf- und Bewegunj^sbrganfe hervorgingen.. In den 
'Wftbelthieren endUch seien zwei verschiedene Nervensysteme 

4 Vorhänden, •das Cerebral- und Ganglien -Nervensystem ,- von 
2eneh letzteres seine Zweige an die Organe des bildenden Le- 
bens ^schicke, und die ErnähruDgis* Verrichtungen bedinge. 
ÜieSes Nervensystem erreiche dann von denFischen^n bei den 
yimphibien, Vögeln un^d Säugethieren eine gröfsere Zusam- 
mensetzung und Ausbildung, am meisten entwickelt zeige es 
«i<;h gleich dem Hirnnerven systeih beim Menschexi, Im All- 
gemeinen sind diese Angaben in den Hauptpunkten richtig, 
wiewohl 4^^ bei den wirbellosen Thieren vorkommende Ner- 
vensystem' eigentlich ein st)lchi^ ist, welches deh animalischen 
'und vegetativen Verrichtungen zugleich vorsteht, daher denn 
alle ihre geistigen Verrichtungen durch Triel»e und Instinkt- 

'^rtige* Öäröllungen sich äussernd, das Gepräge' der blinden 
Nothwendigkeit und der Automatie haben/ Einige Irrthü- 



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Lob3tein de nervi s;^iziphar, hum» fabrica. il9 

1 
mer haben sjob in der allgemeinen Darstellung eingeschlichen^ 
80 ist namentlich die Angah^^ .dafs dei: sympatbische Nerv 
der 'Vögd am Halse unterbrochen Sei, falsch, denn durch 
deutsche Anatomen ist längst erwiesen , da|s sich das Hals- > 
stück des syppatbischen Nervens Itingst der Wirbelpulsader 
herabzieht,, , ' 

Nach dieser Digressi qn wendet sich . der V^rf, au der 
Ausmittelung der Thätigkeits - und ßi:aftäurserungen des syra^ 
patbiscl^en Nervens, der Verriclitungen denen er vorsteht, 
und der Art und ^V^ejise seines Wirkens,. In Beziehung auf 
den ersten Punkt könne nicht, bezweifelt "werden ^ dais der 
sympathische Nerv mit (ierselben Kraft begabt sei, ,. wie d,ie 
Hirnnerven i und dpTs überl;iai^pt« gtir keine y^qs^^ntlicbe Ver- 
schiedenheit w,eder in anatortiiscb^r. npch pl^yst^logiscber Hin.« 
sieht zwischen ^eiden obwalte., ,, Der symp^tbi^sche Nerv sei 
die Hauptguell^ der Belebung rür^alle diejenige^ ij^rgane^ die 
er mit Nerven versorge. Ihre Wirksamkeit ^ Stimijnung und 
Energie? hänge- v^Qn der, Nerve r^lr^ft des J^ympathiscb'en Nervens 
ab. Es sei ferner wahr sehe inj ich, dafs die Neryenl^noten^ des 
sympathischen Nervens Werkstätten df abstellten, in denef^ 
das belebende, Nervenprir|cijp. eii^enjgt, i^ijd.^urch die ;5u den 
Qrganep» sicK begebenden Nerven fortgel^itet oder zugefüjirt 
werde, pas Neryenpr^ncip ströme wie in den ;Hirnnervenf 
tbeils. von .df?rti Stamme und den (ijanglien durch d^ie^este und 
Zweige zu d^en Organen, tbeiU jvon diesen wieder. bei Rei- 
zuneeji /ZU ^^Ti. Ganglierj ,?5urückf Die. zahlreichen zu der 
Muskels ubst.anz des Herzeni , des Magens und Dar.mkanajs, 
.sowie zu andern Muskeln sich begebeii den Ae.ste des sympathi- 
schen Nervens Verhielten sieh, ganz wie die zu den will- 
iürlicblsyjiiViuaikeln. gehejfiden tlif7?nerven , ; nämlich das Prin- 
cip Welches' sie zu Bewegungen befähige,, gelange von den 
Gan gl ijßp ^ dg.^ch die. Aes ]t c z m^ M u s kel s üb s t a n z . . , : A ufser de rn 
könne nicht Äeläagnet \p^^j;(j[en,. dafs die zahlreichen in die 
SchleipbaYtdes Magens., .der :Gedärme und. <ler Ausführunas- 
gänge, so wie in das Parehchym der, Organe sich vettheilenqe 
Nerven^wjsige <fes Gapgliensystebis dieisen einen gewissen 
Grad von fempfindlichkeit ertheile, Und dafs sie das Vermö- 
gen besä^sen Heizuijgex» gfgen die«, Nitrven knoten fortzuleit^n 
auf gleiche Weise wie' die Nerven der Sinnesorgane die Rei- 
zungen zum -(febirn. fortpflanzen. . lE^s iwde nur der Unter* 
scbied statt, dafs die in deiiJElingeweiden der Ernährung yor- 
kormpepdjeir ,B:^izungeni.iuid Erregungen ifn norrpalen^.^ustand 
in den jGranjgliei? verweilten u^dniTcbt durch die Verbindungs- 
, faden tis zum Gehirn gelangteni JJnter gewis&en Zustänim 



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^20 Lobstein de uetyi $ympath, hum« fabrica 

^Ägegeij', xiam6ntKciibei.heftigön und kranküj^ftett' AieiÄung en 
febeijschrittenäfe Aufregungen die Ganglien, und theilten sich 
'd^il(^ Geliii*!? itiit^ Jn welcheiö Falle denn ät er auch eigenthüm- 

Ticbe. Gefühle erzeugt wütden. Req, freut sich htftr ein« Lehre 
aufgestellt äu Äehen, die auch er bereits seit mehr«rn Jahren in 
seinen physiplogidchen Vorträgen zu verbreiten gesucht hat, 
und^fOr die. sicn so viele ^elege ' anführen lassen. So ist es 

Tbekannt, dafs wir im gesuntlen Zustand ke^nfe Gefühle t^on. 
•dem Magen, detriDarnmanar, der Leber, def^ Nieren u, s. vr. 
erhalten, obgleich hier stet^ .Reizungen und flVt^^ungen statt 
ifindeh. Werden diese Organe abef äij' ab normie Weise gereizt, 
sind sie veifv^^undet, befinden sie sich im Zustand der Ent" 
züpdung, 'iit ihri Thätigkeit verändert , sc^ bewirken sie 
«chm er sshafte Gefühle eigenthümlicher Art, indem die hefti- 
gen lind abnorme Reiauxig^n durch die Ganglien hindurch sich 

jmittelst det. yerbindungsäste dem Cerebral - Nervensjrstem 
Witheilen» . , , , 

[ Da die sehr zahlreichen Aeste des eängliöset^ Ne^vensy* 
Sterns die Anerien umstricken und die ftinsten Faden sich in 
'den Wand üngei;! der zu' den verschiedenen Organen gelangen» 

^den Pidsaderä'stieW .Endigen und sich in dem Zellstoffe ties Fa- 
Venchyms der Organe gleichsam auflösen, so ergäte* sich dar» 

^aiis, d^f^ *j(ön.ö Gefäfse vorzüglich unter die Herrschaft des 

\Närve'nirysVeni« gestellt seien , und dafs sie von dieieii die ei- 

"genthtttnllqhe Wirksamkeit tfeim' Emährungs-'ünd Absohde- 
Tungspröcefs/ehtlieKen. Der Verf. vermuthet ferner, da» 

'Nervenprincip oder ein durch die lebenden Nerven erzeugtes 

"Agens ströme inittelst jener die Arterien begleitenden Nerven- 

'iiWeige'in diö'Organe aus und durchdringe sie, so difs jedfes 

*0,rgan dem belebeiiden,£inäürs ein^r Nerven - Athmosphäre 

*ausge$et^t.sei. * ■ ' . . ' 

": ■ Was nutl den zweiten Punkt der üntersuchungeli betrifft, 
ninillch die, Ausmittdlung der Verrichtungen , welche ^ durch 
ijeh .sjrmpathischeh Nerven bedingt sind, so stellt der Ver£ 
folgende Sätze auf ; 

' ' i) D,^ sympathische Nerv stehe dem Geschäfjte der Er- 
nährung vor. / ' ' . ' 

/ 2) Er zeige sich bei der 'Absonderung der verschiedenen 

"Flüssigke.iten thätig. , ^- 

3) Die Kraftäufseftingen des Hörzens'und' der Blutum« 
lauf worden durch ihn vermittelt' ' ' ^'* , 

4) Dieses Nervensystem , unterhalte die Wechselwirkung 
der verschiedenen Organe des bildenden Lebens^ urid verkette 
sie auf die innigste Weise» ^' 



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Löbstefai'de nerri fjmpath. humi; fubrica. ^ 121 

' 5)-E« wetdö hei den GemütfrsheVvegungen vorzüglich 
crgriÄen. 

6) Und endlich seie es allen Verrichtungen der im Un^ 
terleilie enthaltenen Organe vorgesetzt, und «eige »ich in 
seiner Wirksamkeil: ebenso an gewisse Perioden gebunden 
wie das HirnriervensyÄtem. 

Die für diese Sätze von dem gelehrten Verf. beigebrach'-i 
ten Gründe, erlaubt der Kaum nicht aAwjfilhren und Kec. ver- ' 
weifst daher die wifsi^ierigen JLeser auf das Werk selbst. ' ^ 

Hierauf handelt der Verf. von der Art und Weise,' wie 
der sympathische Nerv bei der Vollziehung seiner Verrich- 
tungen wirke, ^ Alle bis jetzt über die Wirkungsart der Ner- 
ven aufgestellt^ Theorien , die Annahme eines gröberen Ner- 
venfluiaujiis, dip Schwingungen der Nerven u, s.w. aeien 
unhaltbar, Sovie| hönne nur mit Wahrscheinlichkeit ange- 
poimwen werden,* dafs ein höchst edles uitd feines materielle« 
Princip in dem lebenden Nervenmark durch den bei der Er- 
nährung statt fendendeti vitaUchemischen^Frocefsaus dem arte-; 
riellen Blüte abgeschietlen oder erzeugt werde, welchesdas wirk- 
same Agen» im' Nervensystem sei: Dieses Frincip, das der 
Verfasser Nervengas oder organischen Aether nennt , ffei eine • 
unwSgbarf? seÜr bewegliche Materie und zwar ein ens sui ge- 
neris,' von dem elektrischen und magnetischen Fluidum ver- 
schieden, dasselbe werde vorzugsvyeisein den, gtöfseren Ner- • 
venstoff JVJäfsen dem Gehirn , dein Rückenmark und den Ner- 
venknoten, erzeugt, und seie während des Lebens in Strömung 
gen b^gtiffeh,' theils von^ jenen Mafseh durch die . Aest^s 
und Zvi^eige zu den Organen^ theils von diesen wiedei- zu den 
Nervenstoffmässen zurück. Diese feine imponderabele und 
dunstartige Materie durchdringe und belebe nicht nur die Or- 
gane, sondern s^ie werde aeibst dem Blute und abgesonderten 
Jplüssigkeitetl' beigemischt. : , 

Als Gründe mr die Arinihole eines solchen Nerven äthers 
werden mehrere ;m gesundeh und krankha'ften Zustand vor- 
lommeilde Erscheinungen angeführt. Unter anderen zählt er 
"dahin den besoiidet^ in 'Folge' 'Von Getnüthsbewegungen und 
Vorstellungsrejzen . statt findenden vermehrten Zuflufs des 
Bluts zu einzelnen .Organen, die Röthe de^ Antlitzes, die 
Turgescenz der Geschlechtstheile u. s.w. Von pathologischen, 
Erscheinungen Bahrt er aif diii^' bei'entzüridlicben Krankheiten 
vorhandenen?^ Phänomene, den harten und vollen Puls, die 
Aüfschwellung der Venön, die "Vermehrte Wärme des> Kdr- 
per», die er als. eine Wirkung des Nervenprincips auf da* 
Blut ansieht. ' ' , ., . 



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122 Lobstein 4e nervi «jmpath.» I^iua. faMca^ 

i. Allei^dings Utes mehr als wahrsd^eip^llcfay ^a£i iml|if«rven- 
system wäbrend des Lebens ein imponderabeles Ag^ns erzeugt 
-Mrerde, das nacl\^ diei^ versqhiedenen Thätigk.eit$äufsei;ungen 
,de& Nervensystems in Strömungen begri£Fen ist. Bei (ter Rev- 
iZiUtig, der peripherischen Nervenenden in; den Sinnesorganen 
und anderen Gebilden scheint in Folge der 4^ufregung. durch 
die Rei^e ein Strömen jenes .an\yägxiaren Age^s g«gen die 
JSeT^enstoSinas&ßn statt zu finden. ; Bei den durch die Ner- 
ven bewirkten Bewegungen dagegen erfolgt wahrscheinlich 
Sne jStrömung jener reinen Materie zu den Muskel», durch 
J^eren 'Einwirtung -die Muskularaction hervorgfxofen. wird, 
JDieses Agens scheint auch die|Bil4ung der Ernähr ungsflüssig- 
-Jkeiteri zu bewi^k^n 9 unA die, vitalchemischeii Vorgänge der 
i£]:nährung und Absonderung zu reguliren. Für dj'^s^ Mei- 
oiung spricht y dafssowohl die Fo^^tleitung der Reizungen der 
«Sinnesorgane ^um. Gehirn, als die Leitung der ixn Gehirn er- 
.«eugteil Heiz^ zu den: Muskeln- mit einer Schnelligkeit erfolgt, 
^ie nur der FoTtb<5wegung des. ek9trisci^en,.Fluf\dv3ipa durch 
JMetalldräh^te , odej: der Bewegung^ 4esXiichts zu,. yer gleichen 
ist. Was nun ^iberdie BescKaflfenheit der im,,jy^i^vensystem 
.erzeugten unwägbaren Materie betriff^,/ so scheint" sie Reo. 
•nicht mit einem Gas -oder Dunst ^ sondern vielmehr mit 
•dem Lichte m^hr verwandt zu seyn. ., . Hiq^füx tß-pvichtf dafs 
'-alle diejenigen Verrichtungen und Vorgänge, welchjB ,in den 
-Pflanzen durch den Licht einfluis von aufsen Jsedingt^ sin^y 
'dämlich die 5af'tbew6gung , das Athmen, die. Ijrjiahtung , die 
automatischen Bewegungen und|die Zeugung , b4?i ,^ei^^ Thie- 
ren durch die Thätigkeitsäulserung'ep desNeryeix3yst6müs ver- 
jxijttelt sind. Während da^ das JPflanzenleben unier fialtende 
und bedingende Agens von derSönn^ ausströmt und seine Ein- 
.wirkungen vpn aussen stattxjinden , so .scheint tei d^n Thier« 
Organismen dieses Agens in ihnen selbst durch da^ >t^crvensy- 
•iM^em er.z6ugt zu werden un4 Vo,^ diesem aus ,zur, )ßelebung 
J^eizutragen. Für di^se Ai^sicht l^&s^ sich die. Beobachtung 
;gen von Licbterscheinung^n an. labenden Nerven . pj^jcühren. 
R^c. behält sidi vor an einem andern t)rt die "lyeit^rn Gründe 
£ür diese Ansicht zu ontwickeln. . • • 

Jjn dritten Abschnitt handelt,.der. Vf. von denKrankheitcn 
des sympathisqhien Nervei^s und deiif enigeiji krankhaften Er- 
.scheinungen , die aus der gestörten . ^hätigkeit des Ganglien- 
Neryensy Sterns , ihren Ursprung nehmien. Zuept 'zählt er die 
in einem primären L^idep^/ler.Thäti^keitsäursqf langen dieses 
JKeryensy Sterns btegründeteti Krankheiten^ auf, ^^Ö^hin gehören 
die Hypochondrie und Hysterie. £rstere ist najch :des Verf. 



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*Lob<teia de nervi sympath. lium. fabrlca. 123»^ 

Ansicht in einer Neuralgie des Baucbstdols dea syrapathi« 
sehen Nervena begründet. Bei der Hysterie dagegen seien 
vorzugsweise die Nerven der Gebärmutter afficiit, und von 
diesen aus theilen sich die trankhai'ten Reizungen den Nerven 
anderer Organe mit und ziehen sie in Mitleidenschaft, Hier 
aber geräth der Ver£ offenbar mit sÄinen anatomischen Un- 
tersuchungen über die Nerven der Gebärmutter in Wi- 
derspruch^ von denen er irrigervreise aussagt,' dafs sie nicht 
in die Substanz dieses Organs eindrängen. Nach des Reo« 
Ansichten gehören noch folgende Krankheiten hierher, hei 
denen das jfeckenstück des sympathischen Nervensystem pri- 
mär afficiert zu äeyn scheint, nSmIich die Nymphomanie oder 
Mutterwuth^ und der Wahnsinn der Wöchnerinnen; aufser« 
dem liegt wahrscheinlich die Ursache der krampfhaften Er- 
scheinungen welche dem Monatsflufs vorausgehen, so wie die 
Convulsionen der Gebährejnden in einher abnormen Reizung deA 
Beckenstücks des gangliösen Nervensystems. 

Ferner zählt det Verf. zu den dynamischen Krankheiten 
des sympathischen Nervens die Melancholie und Manie, bei 
denen, hauptsächlich das obere Bau ebner vengeflecht ergriffen 
sei, und durch seine Rückwirkung auf das Gehirn die See- 
lenoperationen störe, Auch der Sitz der Ble*^ikolik scheine in 
einer krankhaften Affectioai der Unterleibsnerven begründet 
zuseyn^ und die dabei, vorkommenden Erscheinungen deute- 
ten unverkennbar auf ein primäres Leiden dieser Nerven; 
Bei der Angina »pectoris oder Stenocordia seien 'wahrschein- 
lich die Nerven des Herzens und der Lungen prirnär afficirty 
wie die!datnit verbundenen krankhaften Erscheinungen anzeig- 
ten. Die in den Leichnamen von Personen, welche an dieser 
Krankheit listen, gefundenen Verknöcherungen der halbmond- 
förmigen Klappen der Aorta und Lungerfarterie , so wie 
der Klappen an den venösen Oeffnungen der Kammern, 
und der Häute der Kranzarterien des Herzens hält er für eine 
Folge ^ nicht für die Ursache der Krankheit. 

Aufserdem entilich sucht der Verf. darzüthun, dafs da« 
Alpdrücken^ der Keuchhusten, die Arthritis latens,, die in- 
termittirenden Fieber , :die Paralysis und Apoplexia abdomi- 
nalis in einem primären Leideii des sympathischen' Nervens 
begrünäet aeten. 

Dann wendet er sich zu den consensuellen Krankheiten, 
die aus den idiopathischen Affectionen dieses Nervensystem» 
entspringen. Dahin .werden gerechnet die Hemicranie , der 
Schwindel , die sympathischen sopordsen Zustände und Deli- 
lien, die consensuelle Schlaflosigkeit u» «• w. u. s, w» 



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124 Lobstein <b loervi ij^oipath. hnm» fabriea. 

Am Schlüsse endlich theiU * der Verf. höchst, ^ch^tzbarc 
Krankengeschichten und Leichenöffnungen mity aus denen sicti 
zur Evidenz ergibt^ dafs der sympathetische i^erv mit" seinen 
Ganglien mancherlei krankhaften Ver^nd^erungen in der Texn 
tur unterworfen ist. I^ dem JL^eichnan^ einer Frau ^ die vor] 
den ersten Jahren der Pubertät an mancherlei krampfhaften ZuJ 
fällen, ui>d späterhin an einem apoplectiscben Anfall gelitteri 
hatte 9 und während der ersten Schwängersijbajft naph drei 
Monat Jangem ÄrbrecheA verstorben war, fand er'd^sGang-^ 
lion semilunare in hohem Or^de entzündet. In dem Körper! 
eines Kindes das an Keuchhusten, krampfhaften Erbrechen 
.und endlich an chronischen Convulsionen, die auf keine W^eisei 
durch Arzneimittel zu heben waren» krank darniederg/jlegen 
hatten jzergte sichdielinke Seite des oberen Bauchnervengeflechts 
entzündete In dem Leichnam eines^ Ki^abens, der nach zu- 
rückgetretenem FrieseJ, unter heftigen öppressionen der 
"Brust und Anschwellung des, Unterleibs gestorben war, sah 
der Verf, den S^ainm des linken sympathischen Nerven« zwi- 
:«chen der achten und neunten Ripj>e sehr stark entzündet, 
' ebenso den neuhten und zehnten Brustknoten und die beiden 
yerbitldungsäste mit den Zwischenrippen -!M er ven. \Noch [ 
mehrere andere wichtige Lieichenöffnungen sind erzählt. Zehn 
dem Werke angehängte Kuprerta^'elri , , die vprzüglicb die ana- 
tomisch-pathologischen Zustände des sympathischen Neryens 
versinnlichen, sind ungemein schön gezeichnet und gestochen. 
In jeder Hinsicht' geht also dem Werke nichts ab, was den 
Rec. berechtigt es den vorzüglichsten Schriften über die Nerven- 
lehre beizuzählen". Und so schliefst er denn diese gedrängte An- 
zeige mit dem Wunsch, dafi^es dem würdigen, nach Wahrheit 
strebenden geistreichen \Verf. gefallen möge, die Literatur 
noch ferner durch ähnliche gehaltreiche Werke zu berei- 
chern. , Auch den Wunsch kann Jlec, ni^ht unterdrücken, 
dafs^ manche Pathologen diese Sqhrift bei ihren Arbeiten zum 
Muster nehmen, und aus derselben die üeberzeugüng ge- 
winnen mögen , dafs die Pathologie nipht in einem' gedanken- 
losen Zusammenschreiben von unzähligen Symptomen bestehe, 
sondern in einer richtigen Deutung derselben aus der Phy- 
siologie» 

TUdemann* 



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SeliHftM iilier Ktttecheiik« ^29 



Jjhrhuch der KatBchettk ihh hesondertt Ansicht auf den ktuholU 

I sehen Religionsunterricht , vlon He inr, Sil U ILe r ^ Dr, und Profi 

der Philosophie und aujserordentlicher Professor der Theologie^ 

'2te Auß, Altona bei J, F. HatnmericK iS2Z, (^XlFu, H7 S.) 

Die erste Auflage ergohien l8i5 nach dem im Jahr vor- 
her erfolgten Tode des Verfassers. ^ Der Herausgeber , Herr 
Funk zu Altona j rühmt mit edlen Gefühlen von ihm 9 dafs 
^r in einem mehr als 30jithrigen Amtsleben als ein sehr ver* 

^ dienstvoller Bildner, insbesondere als ein ausgezeichneter 
Katechet bekannt gewesen. Auch rühmt eben diese Vorrede 
seine Bescheidenheit, nach welcher er selbst seinem Lehr« 
buch jetzt nicht den Beifall versprochen hätte, welchen das«« 
selbe „zwei (also jetzt etwa drei) Decennien früher, wo die , 
katechetische Literatur sich ers^ zu heben begann, unfehlbar 
gefunden haben würde>< Zu wilnschen war indessen , dais be» 
sonders die 2t($ Auflage mit Berichtigungen wäre begleitet 

; tvorden, da seitdem die Ansichten in der Katechetik manche 

I Veränderung erfahren haben, auch die B.egeln der Katechi« 
sirkunst sich in andern Lehrbüchern, kürzer, bestimmter und 
anwendbarer zusammengestellt finden; wir J) rauchen nur an 

* das von D int er zu erinnern. Die Unbestimmtheit in dem 
Begriff Katechetik erscheint hier noch vielfältig. - Vorerst als 
Verwechselung der formalen und materialen ^ da die erstere^ 
die Katechisirkunst , hier nur behandelt wird, die' letztere 
aber insbesondere für den Religionsunti^rricht von ganz ,,an-. 
dem Principien ausgeht , und sich, der Regeln der ihr gir . 

I *ehr untergeordneten Kate^hisirkunst nur .mitunter bedient. 

I Sodann die Mein)ing| als sey das Katecbisiren , und di« 

■ Kunst des Sokratei^ einerlei , was freilich manchem Zögling 

I in einem Schulmeister-Seminarium gar nicht mifsfallen mag. Der 
Weise von. Athen hatte weder Knaben zu lehren nocn den 

' Verstand erst zu entwickeln, sondern die Sophisten zu de- 
Kütbigen , und die Kunst der Gorgiasse aUf ihre Nichtigkeit 
zurückzuführen. Dazu gehöhte j«ne Jronie des sp^eculativen 
Geistes, der über den Meinungen der Menschenkinder stand» 
Aber unsere Katecheten haben ein ki;idliches GemÜth nöthig, 
das in den engen Kreis der Unmündigen sich einzulassen ver« 
steht um dem, was noch rein in ihrer; Se^le Hegt zur ^ 
Sprache zu verhelfen. ' Daher sind untergeordnete Köpfe oft 
bessere Katecheten , als z. B. ein., Herder. Ein unerkann- 

i ter Fehle^: der neuern Katediisirkunst ist ihr Mysticismus, 
>«?elcher in den hier gegebenen Regeln kaum geahndet wird. 



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i26 Schriften über Kateeheiik. 

^ Er besteht in dem Zurückführen auf dunkle Begri£Fe) bei der 
Meinung doch einen Begrifl aufgestellt zu haben 9 ^ie z» B, 
statt der veralteten Wiedergeburt, di^ moderne Herzensver- 
edlung,, das denn wohl in einem ZeitalteD, wo von Vered- 
lung z. B. der Schafzucht geschrieben wird, verständlicher 
klingt. Kec. hat viele gedruckte Katechisationen seit mehr 
als zwei Decennien gelesen, aber keine einzige, gefun- 
den , die bei aller ihrer Wortklarheit von solcher Begriffdun- 
kelheit frei wäre — ausgenommen etwa mathematische« Die 
formale Uebung des Verstandes ist übrigens keineswegs eins 
und dasselbe mit der katechetischen, und so finden wir in dem 
voipliegenden Lesebudh in wenigen auf einander folgehden Zei« 
len einen graden Widerspruch, wenn es heist, daß Pestalozzi 
aus dem Geist der Katechete^ spreche, indem er Anregung, und 
Bildung der Kraft für die Hauptsache des Jugendunterrichts 
erkläre, und dafs et damit der geistlosen Fragmethode ent- 
•ge^en gewirkt, und ,dc)ch weder den Inhalt der Katec^hetik 
unmittelbar bereichert, noch die richtige Anwendung der 
'katechetischen Regeln begünstigt habe. Wir dächten der In* 
halt könne gar nicht unmittelbarer bereichert, als durch Ein« 
föhrung des wehren Geistes und die Anwendung nicht siche- 
rer begünstigt werden, als durch Zurückweisung. aller Mifs- 
griffe im geistlosen W-es&Q, Nein, Pestalozzi weiset auf das 
Heuristische lind Genetische hin, was der Methode der gei- 
' .sttgen Entwicklung wesentlich ist, und hierzit ist die kate- 
. chetische Form manchmal wohl dienlich , aber gewils nicht 
-einzig und allein. So wenig vvir der Pestalozzischen Schule 
je darin recht gaben, dafs sie die Lehrart in Frag un4, Ant- 
■wort^ herabwürdigte, so wenig können wir dem Verf. zustim- 
men,' wenn' er das Fragen gerade für nothwendig hält,« um 
jene Selbstthätigkeit anzuregen. Bestin^mtere ui^d deutli« 
chere Begriffe von Methode, lichrform,- J^atechisiren über- 
heben bald aller solcher unnt)tzen Streitigkeiten,. Abgese- 
*ben nun von diesen Fehlern , welche diese Katechetik so zu 
sagen mit jenem Zeitalter vor einigen Decednien gemein bat, 
wollen wir ihr nicht ihre Brauchbarkeit noch für manche Ge- 
.g<fnden Deutschland» absprechen. ' Sowohl die allgemeinen 
Hegeln im ersten Theil, als die besbndern im 2ten sind gut, 
und werden durch den fafslichen Vortrag, des sei. Verf. 
auch von minder gebildeten Schullehrern verstanden. Nur 
denke man nicht, dafs man hiermit die Katechetik im kirch* 
liehen Sinne erlernt habe, denn unser .Religionsunterricht 
verlangt doch noch etwas ganz 'anders dls blofse Fragekunst, 



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Schritten <iber Kateehetik* 127 



Bandback' der ICqtechetik oder Anweisung das Ratechisiren auf eins 

sichere und gründliche ff^eise zu erlernen^ von Ernst Thier-» 

hachf Fürstin Schijparzburg, Consistorialrath und Sujjerintend» 

iu Frankenhausen^ Erster Band^ Frankenh^ hei ^ dem Verf^ un^ 

. Erfurt in Comm. der Keyserschen Buchk, i822* Zweiter ßandm 

Die Einleitung handelt von dem^ was zum Unterrichten 
Inder Religion etlrordert wird, und der erste Theil dessel- 
henvon d.en zu Ertheilung des Religionsunter- 
richts erforderlichen V^or kenntn iss e n, welcheer 
auch vorträgt, Sie sind Religion, subjeCtiye, objective, Ver- 
bindung der Glaubens- und Sittenlehre, Schwierigkeiten für 
die Rel. Erkenntnifs , die Religion für die verschi<^denen See« 
lenvermögen, für die verschiedenen Lebensverhältnisse , für 
die innere und äufsere Cultur \ insbesondere ihre Beförderung 
von Seiten dfer drei Hauptseelenvercaögen, und hajuptsäcWich 
durch die sittlich- religiöse Erziehung, wozu auch der 
ScWllehrer wirken soll. Alles sehr ansführlic^h. Noch mehr 
verbreitet sich der Verf. über die Erfordernisse, die bei Leh- 
rern und Schülern vorauszusetzen sind, sagt auch hierj3ei von 
der Aufmerksamkeit und den Mitteln sie zu unterhaken viel 
Gutes, das die neuere Pädagogik gewonnen hat. Der zweite 
Theil handelt von denVorschriften, nach welchen 
der R*eligioniunter r i cht bei den verschiede- 
nen Lehr weisen zu ertheilen i^t. Auch dieses sehr 
ausfühdichi Die Vorschriften für den Religionsunterricht 
werden ganz ricttig sowohl aus dem Object als aus demSub- 
ject entnommen, , und hiernach werden im ersten Abschnitt 
die allgemeinen Regeln aufgestellt, 4 Qu'ellen für diesen Un- 
terricht sind hauptsächlich die Bibel, dann die Geschichte, 
zunächst die biblische, und jdie Natur; die Vereinigung di<?- 
ses Verschiedenen hätte besser gezeigt werden könnön. Der 
Religionsunterricht soll »ich der Speculationen und der Pole- 
mik enthalten, er soll deutlich und' gründlkh seyn, die rein 
sittlichen Beweggtünde vortragen, wohlgeordnet zusammen- 
hängen, und sich auf das Leben der Schüler anwenden.^^ln- 
dem der Herr Verf. dieses auseinander setzt, sagt tfr viel 
Wahres, das der K^tecbet nicht immer bedenkt, z. B. S. 2o3. 
„Ein Tijölliges Begreifen und gänzliches Aufhellen des hierin 
Rede stehenden jedesmaligen Gegenstandes ist einfe unend- 
liche Aufgabe , die nie ganz gelöfst werden kann ;** ein wei- 
teres Eingehen auf das rrincip würdö jedoch selbst zur Deut- 

^ ■ • Jigitized byGdOgl.e 



1S$ Scbrl&en über Katechetik.^ 

lichkeit lyelg^tragen hab^Hf um die Religionslehren hiernach 
leichter zu.iericennen: Der äuf^ere Vortrag der Rqligionaleh« 
ren ist nicht übergangen. 

Zweiter Abschnitt, Von den yer schiede« 
nen Unterrichts weisen hierin; also vom Auswen« 
cHgldrnen, Vom Vot* - und Nachsprechen, von dem zusammen- 
hängenden Vortrage y dabei auch von den Mittis^ln bei dem 
Religionsunterricht, Beten , Sihgeri , Kirchenh>«üch, insbe- 
sondere denn von dem kat^ch et i sehen Unterricht?. Der Be« 
griff desselben ist so gesteHt| dafs die Form als das Wesei^ 
angesehen wird , denn es heilst : .,yDas Wesen, dieser Lehr* 
art besteht darin ^ dal^ sie sicl( der Fragen bedient^ um dem 
Schüler auf eine für ihn bildende Wei'se au der Erkenntnifs, 
die «r von den Wahrheiten der Religion sich erwerben nall» 
iuBZuleiten.^* D«r katechetische bnterricht hat zu. seinem 
Wesen die Binfohrung in die Erkönntnifs der christlichen 
Keligion, nujn stimmen Wir a^v«r dem Ver£ bei,\ dafs das 
liauptsächlich durch ^rotematische Form gesChieiht , aber dafs 
diese nicht die einsige sey, gibt* er iselbst hin urid wieder zu, 
indem ^r aucll durch Anreden und dergl, eine Belehrung hierin 
statt finden läfst. Den Tadel , der in neueren Zeiten öfters, 
und nicht mit Unrecht, gegen die katechetis<?Hr (erotemati- 
sche) Form ausgesproclien worden , findet er ai dem Jl^S" 
' briiuch derselben begründet; er spricht darüber Ur«ffend. So 
überschätzt unser VerL zwar nicht den Werth des Katechisi- 
rens , er bestimmt ihn aber nicht genau und gründli<Jh g^iiug* 
Was er von der durch diese Lehrform bewirkten Uebung des 
Gedächnisses sagt, ist wanr und bemerkens werth. 

^Dritter Abschnitt. Von dei^Frage und Ant- 
wort, üeber Begriff, Zytreck, Beschaffenheit der Frage 
re^ht gut, nach dem was schon in den früherh Liehrbtichern 
angeg4?ben worden ; so auch über die verschiedenen Arten, 
nur dafs, so viel Eintheilungen der Fragen auch vorkommen) 
sie doch liicht scharf nach ihrer materiaien und formalen £i- 

fenschaften unterschieden M''orden« Die Erfordernisse um 
ragen i\i bilden sind angegeben. Der Vf. billigt nicht das 
Verfahren, dafs der Lehrer seine Fragen an alle Rmd^ richte ; 
wir 'wissen aber aus Erfahrung^ dafs das auch mitunter recht 
gut seyn kann» • 

' * ^Bescklufs fölgt,^ 



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N- ft 1824 

Heidelberger 

Jahrbücher der Literatur* 



Thibrbach, Handbuch der Katechetik 

(Beschiufs.) 

An Beispielen Ifiüit er 68 mit Recbt nicht fehlen, ifHeiti ne 
sind nicht immer musterhaft« Recht gut spricht er über die 
5okratischeli Fragen in den Platonischen Dialogen als sehr 
verschieden von unserm katecbetischen Unterricht ; nicht min« 
deren Werth haben .die Bemerkungen über die. falsche Beur« 
theilung der Kinder die aus Bibelsprüchen gefragt werden». 
alssefen ih#e fertigen Antworten ein Beweis ihrer vortilgli« 
clienErkenntnifs^ Ueber das Verhalten bei den Antworten, 
je nachdem sie ausfallen ^ gibt der Vf« die bekannten Keeela: 
ausfährlich, mit )?igenen Bemerkungen und Beispielen; Kec«! 
ündetaber sein Urtheil ^ dafs in den meisten ^Liehrbüchern. 
der Katechetik diese nur kurs ausgefertigt werde, als. Vorwurf 
genomineny unrichtig. Denn die Kürze ist da ein Vorzug, 
Wo die Sache nichts weiter bedarf. Die andern I^ehrbüchei:. 
«teilen am rechten Orte die Grundsätze auf 9 wonach diese, 
•Materie Sehr leicht ihre Erledigung erhält« Daffir kdnnte so- 
gar unserm Vf. der Vorwurf gemacht werden ^ dafs er » bei/ 
seiner Liebe zur Ausführlicnkeit , er 2u wenig über den 
H\ rede, Wenn gar keine Antwort erfolgt^ was doch andere 
Lehrbücher thun. Sehr recht ist seine Erinnerung S« 455«: 
vGerade die schlechten und ungeschickten Katecheten werden. 
die fehlerhaften Antworten eher jedem andern Umstände etc. 
2I5 sich selbst beime^en/^ 

Der zweite Band fMhrt mit dem dritten Thei4 
fort,> Von den katechetischew»- Lehrarten.. Der 
Vf. nimmt deren 3 an } die zergliedernde^ die entv^ickelnde^ 
^^6 prüfende i ganz gut« Dafs er-abe^ den bisherigen Lehr« 
küchern den Vorwurf macht* 9 als hätten sie hierin manches 
ül^ersehen« und namentlidt die zergliedernde Katechisatioii zu. 
Wenig beachtet 9 darin sagt er zu viel. D^xm es läfst. sicU. 
Xra, Jahrg. t. ficft. 9 



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l30 Schriftea über Kateehetik» 

»ehon bei GrSffe nachweisen^ ßa£s dieser Lehrer gar ausfäfir« 
]i<;h von dem Zergliedern spricht, und hei Jt^einem fehlt es 
ganz; es kommt wöhl unter dem Worte analytische Ka« 
techis^i|ii44i^ ^4<^r*| VeiJjip^fDgen ys)j^^ ^e^sukch 'gut^J|ind^ 
SDll-dis^eiJMHciuLehthttche ^lub' Vorwiär& g.äi:e»^tn ^ Jlf^ e,3t, 
und zwar aus Gründen, eine Materie kurz behaiidelt, die ein 
A aderer glaubt umständlich auseinander setzen zu müssen, so 
würde de& Büchermachens kein Ende seyn', und <iie BibJio- 
theken würden sich ihit ganzen Fächern von katechetischen 
Lehr)t)tifhem,anftdlen, yi^e\\ grafle Werin ei;i. Kleinlichkeits- 
geist sicti einfindet , den man wohl Schul meist er ei' nennen 
mag. Rec. rügte das sch^n vor 2,4. Jal^rea ö£Feiitlich an den 3 
Bänden von Gräf'fVs Lehrbuch, die danials erschienen wa- 
ren , und seine damaligen Andeutungen haben sich geschicht- 
lich bewährt. Er muis daher dle^s^lb^n Andeutuxigen bejL vor- 
' liegendem Buche wiederholen, .da(s e^nie ins Bf e^te und Kleine 
gehende Katechetik in ein unendli^^hes Regelwerk ,yerwickelt, 
und: damit zugleich einen veracbtendeai , Widerwillen gegen 
eine Lehrart einflöfst, die das an sieh nicht ir^rdient.. ^Pas 
BLichtige in diesem Abschnitte stände reiner ^nd klärer da,, 
weph die formale Katechetik van der materiellen nnterschieden 
und diese Wissenschaft nicht so ausschlieislich im Gebiete der 
Religionslehre betrachtet wäre; denn. die logischen, u\id am 
bestiiumtfeäten die mathematischen Gegenstände sind- am mei- 
sten geeignet, die katechetische Lehr^rt, und. hier i^.x^;ts ana« 
lytische, synthetische, examinatorische Verfahren, das Zer- 
gliedern und Vereinigen u. s. w. aufzuzeigen, . Üebejhaupt 
hat dieses Handbuqh hierin einen Mangel geg/^n mehrere sei- 
ner Vorgänger. Zu loben ist, , dafs der Verf. für^, die ^phul* 
lehrer das Zergliedern, besonders der Bihelstejlen,,' vorzugs- 
weise hervorhebt; denn im Religionsunterricht ist. .i,hnen in 
der'Regel nicht viel mehr zuzugestehen,, in ander ii Gegen- 
ständen mögttn sie desto mehr ihre entwickelnde Gesc:hick- 
IjobkeiJt üben. Der Verf. spricht :g«gen das Bibellesen in den 
Schulen, ohne jedoch diesen viel bestrittenen Gegenstand zur i 
gründlichen Entscheidung zii bringen. Der Gr\iud (S. 88. fg.), 
dafs in den Worten und Sätzen der Bibel gar k^ine Rücksicnt 
airf das stufenweise Fortschreiten, der Kindei: g%iijpxnmen 
werde,, dafs sie nicbt. das Einfachere dem Zusan^mengesetz« , 
tern, das Leichtere dem Schwereren vorangehen l^sse,. spndern, 
einem' höbern Ziele nachstrebend ^ nicht Anforderungen .be- 
achte^ wie sie Dinter in seiner Anweisung zuip Gebrauch i 
der Bibel, und^ andere des Jugend Unterrichts kundj^e Män«.| 
n;er an Lesebücher £ür das Kindesältec ^hun , würde auch be-. 



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Sdaihßti über Kftteokedk» l3i^ 

WeiBän^ 4a£i mftii daa Kind' iiioht aolle Bum Himinel.hiQauf. 
sehen lassen^ Wo Sor^ne^ Mond und. Sterne sind, weil. d\p 
HiaimeUlichter nicht nach §i)iem Katechismus der Aitrono* 
mie herableucbteh. Uisbrigens. empfehlen wir. des Verf* IV«» 
jeln zu Bibelkatechesen ne&t den gelungenen Beispielen. Was 
über die Bebaaidlung der Katechismen gesagt. wird, jst ehen« 
falls meist empfehlenawerth« A'tßo* J^ann aber nicht mit allem ^in* 
stimmen« auch nicht mit den angeführten Urtheilea einige^ 
neuern Lehrer s) vielmehr w.ei/s et Aqa eigner, t^ firem4er Er- 
fahrung, daüsdieae neueren Anaficht^sn aich-niphjt al& dte |)9^t^i| 
ieiirährt haben. - r: . -• . 3;^, ; .., 

Dritter .ÄbschÄitt^ Von d^m p^.t wici^/n 
oder vovl der Sokratis.c'hen L^.hifar^« fj^^r.seig^ 
sich so tecbt,' wie der Verf4 mit ünrecfl^t Aeine* Vorgäagei; 
hesckuldictyi'in den lJatwä<iiißd von dem ..^(^rgUedex*n v<^4 
£ntwiclebi wenigstens nicht genug eingegangen su-^s^y/}* 
Würde et gea^u angeseheifc hab^^nf waa; inehitefe.vpn apalyti« 
sehen und synthetischen Kat^hi^ationefn Iehiren(9itt9.inufft26.er; 
finden «»dafsi sie unter .dieaenii Namen daaselb/e ivorrlxagen , ,]^ 
er m ufste finden ^ dafs siie auch, seigen f iwia • b^ide« /öifcers z^k^ 
verbinden. s«y^waa er icaujn berührt. 1 Aw?hrhäji;t0{er auf A^a^ 
Wesen d^r genieti sehen liehrarjt eingeben Boüen-s i^ita das.therfyp 
iristischd- fVei^&ltJren auch . für dl» Katech^e.sui^^igoni .1^% 
Urtheilülier dea. Sokcates EqtWicklunGskuHijt . J[;op]Ue' da g)8^iii^ 
wegbleiben ^ ^ w^^o nuan doch' nicht auf die.: Fiat QniiSi^h^niJd^ei^ 
eingeht^ mit dehi Lehren 1 dies Cbrist^ntbuni^ Vi^rhält es sicU 
ohnebin aaiders 9 wie iiach 4^^ 1 Angabe^. ,4^r QßfiJien &iv dei^ 
entwickelnden Keligloiisunt^Btchtiiti daiv&)]g* -^^^ jftnn4hmeji7./ 
Als solche 9ind ang«geb^ I A?iacbaiiiungen « .^rfg^htu^iigeii, } £ff<^ 
kenntniaae«:' Fertigkeiten , <Sefülil> iSptacb^)miAefa..£lie]W9bl 
geluTigfme 'Katechisation über • Erlösen ', .ab Beispiel itlr/.diei 
letztere Qaelle^ ist übrig0naiT0nMeine.r.eergHe<J^r;i4te<iinn4cbtA 
8u unteyschriden ; .sie is^ eine Verd^itJicbuog ^4 Bi9g|iffA 
durch anilytisches Erfragen/ über delk Gidbxatl^ph des WiorteSM 
£s folgen^ nun nachieinander JElegeln .für >daa Entwickeln;, r )ii« 
liefsen sich, anBeatimmtbiait mr die Anwendung jitthttV^e* 
lierend>ielaiehr g^wlnn^nd^ > sehr .ik»s JKur^e. {sieben ; i dann 
hätte stauch' die Widerlecüfig der Vorwürfe viel bühdig^iil 
c!rgebext, d«nn Vorwürfe vei^dleiit. daa übertriebene Entwiekebif 
undipiÄiigeni - • . .♦ -»i .• /' ■ ' ^ • j - • ' •/ .- : .. r, *'■ 

Dritt er Abschnitt rVon- <de.t& .W.lederhoietir 
und Prüfen.* Viel Gute«, nur wieder zu viel, u^nd doch 
nicht genug über dps P rüfe n ; "^ *h fr er-gerade haben die bisheri- 
gen Lehrbücher eine Lücke gelassen ^ und es ist f^r die Vi<« 



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t32 Schriften «Ib^ tat^jlifeiik, ^ 

iitationsberifclite, für die UrAeile lEfber Lehret vinA Schüler, 

ftir die 'öffentliche Erbau'ung doch so» hochwichtig. I 

' "Vierter 'Abschnitt, Von dem Dialoge/ Sehd 

techt ist auch dieser' Form eine Betrachtung in der Katechetik 

gewidmet, und zwar. wie unser Vf. thut ohne da» Wesen de» 

iMälogs Äu erschöpfen 5^ um 25u zeigen, dafs in dem Religio nsn 

önterritht ftir'die Jugend davon kein Gehrauch gemacht werH 

defn kann. ' , ' | 

"' ^ Dfer vierte Theil diese* Werke« handelt von der 

Fertigkeit i lA 'Kate<;h i s i ren ; im ersten Akschnj 

wie sie erworben wird. Auch hier wäre mehr Kürze bessed 

ieWesen,";da bhtiehin v^ieles, w*as hier- gesagt mrd, schon 

vorher und zum Theil mehrmals gesagt worden^ Im zwei-j 

ten Ab sehn, sind die verschiedenen Arten d^^r Religions^ 

iatechisationen angegeben, in diesem Abschnitte* ist der Vf. 

zü'körÄ.- .*■"', ^ "r:-^-' 1' .' 

-' Fitigen wir Titmi für wen der Herr Vf.- dieses liehrl^ucH 

gesdhrleben Äabe? so fcönnitfn' wir doch nicht' antiers vermu^ 

fhen ,* als für •ünötu^i'rte. Denn' Einern Theologen' konnte erj 

Äriraöglich uoeh einen solchen breit auiseinander geführten U]U 

terricht ertheilen wollen. Also für- iinstudirte .SehuJlekrer^ 

AHein für d-iese ist es einestheils zu wenig, "denn da mölstö 

eintieför und' umfassender Unterricht ini dem Christenthuml 

f'drau «gehen j' da ''überhaupt in der Religion nur «derjenige? ka- 

techisireti katin , der sie gründlich versteht; f weshalb^ um sot 

mehr die Kiat^chisirkunst auch für andeile Lehrgegejistände 

hätte vbrgeirragen Werden sollen ;^ anderiitheils iat es.für sie 

viel fcu viel f r^enri' tfirf^sind nicht dazu .berufen solchen Unter 

rieht au ertheilen^ • und die- vielen Wiederholungen machen 

. das Durchlesen diesels Buches iiicht . nur lästig y. sondern er 

Äohweten ^uch' das' Verstehen; Logische Ordnuns gibt 

Kürzel üiid Klarheit,^ Unsere' vorzüglichsten* neuem Anwei 

»lihgjen^ de>r> jC^t^h^tik' »tehen Wohl in disem oder je 

n«m einzelnen!' iPunkte* dem vorfiegenden nadb., ^'sind :aber in 

mi^r^rn ändern Vorssüglicfa^fl'f und köinnen im Ganzen nicht 

gegen dieses neueste zurückstehen ;. auch seltjsn. wir nicht, 

was die' Wissenschaft, dteiieit einigen Decennien. doch wohl 

Fortschritte gemacht hat , 'durch' dieses Handbuch gewonnen 

kfltte. Darum abei* kann ihm^Rec/ nicht seinen grofsen 

Werth in Angabe vieler Materialien, gelungener Beispiele, 

«tid' fiuchtbairer Gedanken abspredieh. 



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byCoogk 



Siehnftte iSber Kateofaetik* Üi 



Veher das P^rhältnifs des : Ifvangeliunti eu der th^ohgUiihen 
Scholastik der neuesten Zeit im kathoHsthen Deutschland. Zu^ 
gleich als Beitrag zur Kateähetik. Fori Dr. J. B, Hirspherf 
fProf. deV Theol. aikder katkol. Fac. in ^TtfÄm^^». Tub. hei 
KLaupp. 1825. (nu «. 294.) iFl. SO Kr. 

Dieses Buch 9 eine Lichterscheinunff in der Literatur, 
insbesondere der ^ katholischen Kirche , kann theils von der 
dogmatischen, theils von der katechetischen Seite gewürdigt 
werden. Da der Herr Verf, selbst die ganze Tendenz seinep 
Schrift als eine praktische angibt , so betrachten vrir sie hier 
von der letzteren Seite, Beide vereinigen sich indessen, \yeiJ 
das Buch nicht die katechetische Form sondern den Stoff für 
den christlichen Religionsunterricht behandelt. Wir lassen 
den Verf. darüber selbst red6n (Vorr. S. YH.): „Ich wollte 
mit ihr zugleich einen Beitrag zur christlichen Katechetik ge- 
ben. So gewifs es einerseits ist, dafs das katechetische Amt 
in der Seelsorge bei weitem das wich trgste ist; so wenig 
pE^gt dasselbe zur Zeit noch in manchen Gegenden und von 
manchen Geistlichen dafür angesehn^ zu. werden. Und so un» 
läugbar die Abwendung groiser Gefahren , welche der Sache 
des Christenthums in unsern Tagen zu drohen scheinen, und 
die Eöiporbringung einer schönen christlichen Zeit von der ^ 
treuen und ziweckmäfsigen Handhaoung jenes Amtes abhängt! 
80 unbestreitbar ist es auch , dafs , trotz dem Rühmlichen, 
was man bisher für die Katechetik getbsn hat , > die Theorie 
derselben keineswegs vollendet, noch weniger aber, ein wahr- 
haft erspriefsliches katechetisches Verfahren unter der Geist- 
lichkeit allgemein geworden ist. Urtd so scheint denn jedei^ 
Versuch eines weitern Beitrages «u jener Theorie undt zut 
Beförderung eines solchen Verfahrens ait seinem Orte zu 
seyn.«' lyer Verf. kritisirt in dieser Beziehung das Werk^ 
Welches den Titel führt: 

Entwürfe zu einem vollständigen kateche tischen Unterricht zunf 
ßehiif der Geistlichen; aus dem Franz» übersetzt und mit Zm- 
Süizen vermehrt vou A, Ras, Prof. und Direct^ im bischöfli^ 
chen Seminar in Mainz y und N* ff^eisf Pfarrer, in Rheine 
baiern. 4^ Bde, Mainz i82i. v 

Er charakterißirt : die neue Scholastik dieses Werkes 
damit,' „dafs diese^Ibe die eigentlicfie Bedeutung ujld Ktaft 
der einzelnen Heilswahrheiten und Anstalten, wie diese ih- 
nen im Systeme : der ßeilsordnung zukommt^ nicht erfafs«L 



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li^ Scliriftüa über KvteeHv^k, 

und festhalte, sueleich auf unnütze Untersuchungen und Ne« 
|)enfrag^n, auf wiUkührliche^ d«m Chris tenthum fi^mdc^vuncd 
irrige 3sbAuptu^g^9i irerfalle,. und nicht nur das Xiicb^ und' 
, die Fülle de» Evangeliums nicht enthalte, «.ondern .e$v verdun- 
kele^ entstelle, und entkräfte.«* Nachdem «r mit ruhiser, auf 
Gründe, dje auch innerhalb der katholischen Kirche geXten, ge- 
'stützter Polemik, die einzelnen Glaubenslehren jenes Lehr- 
Jbv.ches durchgangen, hat , liegt jenes yrtbeil\dem I^eser be* 
gründetrvor. Dje I^ehre soll überhaupt zur .christlich,en Ge« 
$innun'g führen und das Herz hessern, ,,aber,«f '^T^g^ 
ier Verfasser f „was haben jene alten i vom ölanben, vom 
jehendigen^ dpostQlischen, einfachen und ehrlichen Christen- 
glauben abgewichenen Diialektiker mit dein eigentlichen Chri«« 
stellglauben 2} abschaffen ?*< Und von den Uehersetzern jenes 
für Frankreich . bestimmten Lehrbuchs sagt er 2;um Schlufs, 
„dafs sie dem katholischen Deutschland ein Werk mitgetheilt 
'b^ben, dessen Verfasser das. Weisheit- und Gnadenyolle der 
in Christus g^offenbart^n Heilsordnung nicht überschaute ;<f 
f;r besse^chnet es als ,|eine Theologie, welche mit dein Evan«» 

feliuni imeinem merklichen Widerstreite liege, so dafs der 
^ampf für dieselbe nichts anders^ sey , - als ein Kampf der 
Scholastik gegen da$ Evangelium.«' In demselben theologi- 
scheiV Geiste spricht er die treiflichen Worte: „Dem Evange- 
lium ni<:ht aber der Scholastik ist die ünüberwindjichkeit 
von oben 'zugesichert« Halten wi^ uns an jenes,, .sq werden 
wir biegen.** . ^ 

Der. zweite Theil zeigt eben so gründlich , dafs d^e Sit« 
tenlehre jenes Buches „weder von dem Wesen und Geist al» 
les rl^ristlich Guten, noch yon. irgend sonst einem Px*incip 
«ausgehe.^ Die Mosaischen Gesetzestafeln stehen da, und von 
Glaube, HoffiTung, Liebe, ist nur Anhangsweise die Rede; 
die Fflichtenlehre macht die Zöglinge zu ,^W erkzähler n,** 
jind 1^ den hiin'mlischen^ Sinn der Neugebornen wird 
nicht gedacht; die läfs'lichen und die Todsünden werden auf 
eine Weise unterschieden, welche die nachtheiligsten Folgen 
haben mufs; Verwirrung überall, 'nirgends der christliche 
Geist. Der Leser, sey er Katholik oder Protestant, wird 
«iqh ganz besonders dieses belehrenden Abschnitts erfreuen. 
Auch zeigt der gelehrte Verf. , wie durcb jenes Lehrbuch die 
Pflichtenbestiromung so verwickelt wird , dafs es ängstliche 
Gemüther leicht verwirren und leichtsinnige au Frevel ver- 
leiten und in Talmudistischen Kleinigkeitsgeist verstricken 
kann^ Zum Schlüsse dielser Abtheilung heifst es: ^Wo mdg« 
lieb ist d^e 'TiiUnung des jQbristenthums hier- noch grÖfs«r, 



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Sohrift^ii über I&atechetik, ' 155 

wenigstens^ unmittelbarer als in dem dogmäti fliehen Theile 
der ReligioTisliebre. Upd es ist -demnach g<ewifs 6ine beilige 
Pflicht alter Verehrer des Evangeliums«', - dasselbe in,»eint*r 
Heinheitzu vertheidigen,gegensolcJie Verunstaltungen, mit de- 
nen ^s von unserer neu entstehenden Scholastik leider mehr 
als blos bedroht, wird.« Seine allgemeine Jlilge *ist nur zu 
sehr gegründet, „dafs der Mangel an ethischer Tiefe bei sehr 
vielen, zumal praktischen Schriftstellern , über Gegenstand« 
der Mdtal anrntreJEFen sey, und sich sSum gröfsten NachtheU 
des prakt. Christenthums noch immer «dd^ Vorurthetl erhalte, 
dafs die £thik zu den leichtesten Fät:hern tie)^ Theologie^ ge- 
höre.« Er verlangt von dem katechetiaichen Vortrage, dafs 
durch denselbei} auch der (glaube entstehe und wachse, ,,der 
Glaube, i das Gewissen und Festnahme der dbersinnHchen 
Dinge; die Emporrichtui^ des Geistes Zu ihnen, das Beste- 
hen desselben vor ihnen; aus dem die Liebe 'kommt>« Wie 
treffend unser Vert das gewöhnliche Verfahrön,. insbesondere 
in der Moral rtlgt, wie gründlich er eingeht», sehe man s^. B. 
bei dem BegriflFe v9ni der Hoffart und dem entgegengesetzte!! 
von der Demuth j wo er rait tiefen Blicken in das mensch- 
liche Herz zeigt, dafs vielmehr dieser vorangestellt und iih 
Gemütb erzeugt werden müsse,' wenn jener recht verstanden 
werde und zur Selbsterkenntnifs nicht zum Fharisäismus füh- 
ren soll. So erinnert er bei dem Geiz , dafs ,• da der irdi- 
sche Sinn nur das Irdische» sucht, alles Schmähen auf den 
Geiz fruchtlös bleibt, so lange nicht ein andrer Sinn geschaf- 
fen Worden, So deckt er auch auf die falsche Heiligung un« 
serer\ cortventioneiien Rechtschaffenheit, ,,d^r pharisäischen.«* 
Und man wird ganz besonders in diesem Capitel lernen j da& 
nicht wenig dazu. gehöre, ein rechter Kätedh et zu seyn. Ja, 
wir8tiö;iroen von ganzem Herzen ein: „mit solchen Xugend- 
mitteJJehren u, dergl, mufs es von Grund aus anders werdpn^ 
und es wrrd anders ^werden , sobald die Katecheten einmal ' 
recht begreifen, dafs sie Erzieher sind in und zum Christen- 
thume," Auch dieses erklärt er, indemer ^uf die Grundtu» 
genden im kindlichen Herzen hinweiset, welche durch den 
«atechöti sehen Unterricht; entwickelt werden sollen , und in- 
dem er auch den, Weg andeutet, auf welchem, der Katechw 
mene zur innigsten Anerkenntnifs der Tugend gelange, so 
dafs „der Zögling, dem seine vorbereiteten Gefühle und Gesin- 
nungen in bestimmte kraftvolle Worte gel^fst und ausge- 
sprochen worden 9 in seiner Seele ein unbedingtes freudiges 
Ame;a spricht.«» Gerade diese Winke , die manches eröffnen, 
worannocb ^enig in Lehrbüchern gedacht worden, geben 



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X^6 Spliirifteii über K«tec)i«tikr . 

diesem Buche einen ganz vorztlgÜGhen Werth zur Bildung 
.des Katecbe^tie^« Die Kateche|ikliat yonLtehfßtn in der k£v 
itholischjeiL Sirclie , yon Vierthaler und von W int er r, be 
-sonders in ihrer fpnnalen Seite viel gewonnen, durch unser^ 
Verf. gewinnt sie einen erfreulichen Fortschritt vpn der ma 
t^riellen Sbite. Auf die Katechisirkunst läfst er sich -^ gar nich 
ein. Unser Zeitalter bedarf .auch bei w.eitem.mehr derBelel^ 
rungjäber das Materiale des Religionsunterricht» ^ da die Re; 

Sein jener Kunst scfapi^ genügend bekannt ^ind,. aber nur vo] 
em girt geübt werden, der den katecbetischen Stoff gründlich 
durchdacht und verajcbeitet hat« . Daruni aber tadeln wir dij 
Kürz^' dieses JBuches, 'Hätte der Verf. nur noch einen Thei 
hinzugefügt, welcher positiv dem Katecheten dep verarbei 
teten Stoff in die Hände gab » so hätte er sein Verdienst un 
mehr als die HMfte vermehrt, 

Herr Dr. H. hat seiner Kirche in Deutschland einen gro 
fsen Dienst geleistet 9 dals er ein ausländisches Produkt vol 
1er fremdartiger, um das mildeste Wort zu gebrauchen, Vor 
Stellungen, worüber er ausrufen kann? „ist das christkatho- 
lisch und ist es verantwortlich sie auf solche Weise zu näh« 
.ren?(< ein Lehrbuch, das sidb d^m frommen nnd heliisren 
Qemilthe der Deutschen aufdringen will, mtt Gelehrsamkeit 
und ruhiger Beurtheilung siegend widerlegt , und zurückzu« 
weisen sucht. Wir zweifeln um so w^eniger, dafs dieses sein 
Verdienst auch von seiner Kirche werde erkannt werden, weil 
er so klar seine Tendenz für das praktische Christenthum aus- 
spricht. 

Aber wir verdanken dü^sem Buche insbesondere für die 
Katechetik Belehrungen und Anregungen, welche den Reli- 
gionslehrer tiefer in das Wesen seines Geschäfts blicken 
lassen,, und ihm* linter andern beweisen, wie wichtig das 
Studium der Ethik für ihn sey. Auch Rec. ist hiervon über- 
zeugt, wie dieses seine Lehrbücher der Pädagogik, Kateche- 
tik und Ethik darlegen, und er mufs bei dieser Veranlassung 
recht nachdrücklich zu einer bessern Behandlung der christli- 
chen Sittenlehre auffordern, als man sie in ,unsern Katechis- 
men zii finden gewohnt ist, und als sie gewöhnliche in der bis- 
herigen J^ildung unserer Theologen lag. 



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r* Aretin, Slaatiraobf 4er conitituttooell^a Monarch^. 13? 



Stmsrä^^ der oongtitutionollen Monarekia» Ein Handbuch .fiir G^m 
sihäfesmännffr f stadierends Jünglinge und gebildete Bürger, 
In sttwi Bünden, Von Jah, Chr. FreUierrn von Jiretin^ 
Kön, Buierisch. ^pppUaüonsgeriehts 'Präsidented. ,u Bd, 27$ S, 
Akanbnrg* Litßratur • Comtoir. x824. 8. i Thlr. i% Gr, 

Sehr gerne apricht JElec* sein Vergnügen aus. über eine 
geistreich freisinnige Dai^stellung , welche aus gründlich den«- 
«endem Studium vieles sine ira und auf das einleuch* 
tendste geordnet hat^ was man ))äulig durch pedantische , za<* 
gende, zweideutige oder polemische Einkleidung gehässig 
macht. Auch mit Anstand und lichter Freundlichkeit das No- 
tlüge zu sagen und durch diese Heiterkeit uneingenommene 
Beurtheiler dafür zif gewinnen ^ ist wenigen so giücxlich ge* 
gelten, wie Hrn. A« und dem Yerf, jener anziehenden Lebens- 
erinnerungen , welche, unter dem Titel : Das Merkwürdigste 
aus Meinem Leben und aus Meiner Zeit, I. II. fid. manchen^ 
die denkwürdige, nächste Vergangenheit noch einmal mit durchs 
zulehen einladen» , ' ' 

Die Einleitung S. 1 — 138. filhrt auf die Warheit: Ea 
demum tuta est pötentia , quae .viribus suis m o d u m im«- 
posuit. Der Verf. braucht dafür S. 24. auch eine gewichtige 
Stelle äussern Neuentdeckten von Cicero's de Kepublicä (Ro- 
mae p. l96^). Was gleichzeitig Zachariä in seinen Staat s- 
wissenscfaaftlichen Betrachtungen über Cicero's wiedergefun« 
denes Werk vom Staate (Heidelb. 1Ö23.) in diesem Sinn be- 
merkt bat 9 wird Hrn. A. willkommen seyn^ nämlich die 
volksgeschichtliche Erläuterung S« 64. Ö5. warum j^allerdings ' 
(las , was Cicero gegen die Volksherrschaft (und deren u n « 
mittelbare Ausübung) sagt, nicht gegen dieVerfassung 
£evrendet werden ^Ürfe , iii welcher sich das Volk in Bezie- 
hung auf alle und jede Regierungsgeschdfte durch Männer 
»eine'r W%hl vertreten läfst." Eine solche 'Verfassung 
würden die Alten den Aristokratien beigezählt haben. — 
Wenn man in diesem Augenblick ein Aug^ auf Frankreich ^u 
richten sich nicht vertagen kahn , 90 mufs Rec» allein dies 
hinztisetsen ^ dafs nur die Männer einer wirklich freien Wahls 
die o^iffTot aus dem* Volke seyn werden und für den grdfsen 
Zweck jdes öffentlichen Vertrauens das. gewünschte Mittel 
bleiben^ wovon auch der Staatscredit untrennbar ist. Die 
besten unter sich herauszufinden, dazu reicht ohne Zwang und . 
List der Volksvers|an4 wohl hin; und alltnählig wird sewif 
auch dM sinnigem TeutscI^andf 40 gut wie England und r^ord« 



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, l38 Y. Ärztin, Staatsrecht der codstitutionelleä 'Mdn&rehie» 

amerika zur prüfenden Oeffentliclikeit über Personen, welche 
/ «i(^ dem Oeffentlichen hingeben, über einefa lle«t von Per- 
^«onalitüts^yorurtheilen' hinweg die Bahn findifn. 

Das Ke^ultat der Einleitung ist S, lS7. : „Aös den Un* 
Ordnungen, deren Zeugen wir gewesen , ist da« Bfedftrfnifs 
einer politischen Ordnung hervorgegangen, die das Recht des 
Volks (der Gesammtheit Aller Einzelnen) schütze, ohne das 
Hecht de« Fürsten zu verletzen, . . Napoleon (bder Napo- 
leonismus^ heilt uns von der. Vorliebe für die absolute Mo- 
narchie,- der Ultra •Royalis inus> von dete Hange für Aristu- 
eratie, der Jacobinismus von der Neigung zur Demokratie. 
Diese Erfahrungen zusammen zeigen , dafs unser Heil^nurin 
der constitutionellen Regierungsart blüht, Welche alle drei 
Frincipien vereinigt, eines durch das andere befestigt, kei- 
nes vor dem andern begünstigt. 'Wir sind jetzt, sagt, der 
Verf« , bei dem Schlufs des Veroneser Congresaes , auf dem 
Mittelpunkt^' unserer Ruhe zum Ziel angelangt, nämlich bei 
der vorliufi'g vori einigen Cabinetten erklärten Anerkennung 
'•dei: Treff li^k^it von Constitutionen, welche das rechte 
M|iars halten zwischen dem Ultra -Royalismua und Ul« 
tra-*Iiib<»ralismu$ (d. i, z^wischen deip AbsolutismusMer Re- 
gierten sowohl als der Regierenden)^ Lasset uns dieses eb- 
bende Vertrauen erhalten durch Klugheit, Mäfsigung undFe- 
8tigkeit<( u, s, w. Gar gut giebt der Verf. ein .Reispiel , wie 
-man Gegensätze in Barnu)nie auflösen soHte, bei der Frage 
(S, l34.) über Constitutionen^ die sich, wie die der Cortes, 
zur Democratie hinneigen. Den faktischen AusgWng deckte 
noch, da A. schrieb, der Schleier der Zukunft.» Aber auf 
die J^rage: Soll Spanien seihe Verfassung modificiren? ant- 
wortet Ä. durch Zerlegen des Problems. „M u fs die Modi- 
^cation geschehen ? oder :.I<t es rathsam? Die Erfah- 
rung , wie der Verstand, sprechen: Thutihr, was rathsam 
ist, nicht, so lange ihr selbst rathen könnet, so- wird das, 
was seyn soll , selbst die Zwingenden nÖthigeA , am Ende 
doch nur da^ Rathsame zu thun. Aber , wer weifs , durch 
wie viele höchst beschwerliche Umwege J Leider ist des Vfa. 
Aufschrift allzuoft wahr: Minu« valent praecepta, ^am ex- 
perimenta. , 

Der 1. Theil zeichnet das Staatsrecht der constitutione]« 

len Monarchie. Wie sorgfältig der Vf., mit allen' Rechtden- 

f kenden, die gewöhnlichen Klippen vermeidet, zeigt II., §^2. 

der Art. von Volkssouverä^ität. Das Volk ist S. 151. ei- 

f entlich die Gesammtheit der Staataeinwabn«r', ailso auch den 
ür^ten snit einbegrüSen^ iia9b dem bekannten Spriüx^^ : De* 

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me unutn tuth^ erit ; . ndde Unum , populut est. » . . $ouve« 
rainität ist glelchb^tfdeutend (8, 163.) mit dfem G^saiDYntwil« 
len, (.welcher superior ist als aller Einselwille) folglidi der 
InbegrifF der gesammten (pfl ich tacbt enden} Macht dea Staats- 
vereiiis . . V0lkssouveraiiiität im demagogischen Sinn^ näm« 
lieh so jgedacht , dafs die IVI« jesftät im Volke liege , daf« 
die höGDSte R^gietungS'gewalt ron deiriseiben' öder in dettsel« 
kn Namen I nach' Bei iahen, und ohne (von Pflichten 
ausgehende) Beschränkung ausgeübt wc*rden könne (dürfe), 
ist ein Unding und von . den freisinnigsten Fuhlicisten, 
Schlözer, Klüber, Krug, Benj, Constant mit der Bemerkung 
verworfen ,- dafs sie faktisch eine gefährliche Lehre wird.** 
Auch die I^iteratur , besonder« bei dergleichen Stellen , giebt 
der Verf. mit kritischere Blick. Sie geht bis auf die ersten 
Bände des Foelizjscben umfassenden Werks, dessen Vol« 
lendung zu erwarten. Rec. mächt nur noch auf den Ab« . 
schnitt VI, aufmerksam: Nothwendigkeit der Fürstenei'fcie- 
hung in constitutionellen Stakten. JDiese machen für den al^^ 
lerhöcb^t stehenden vprnehmlich den hellen Blick zur allge*«^ 
meinen ordnunghaltendeii Oberaufsicht und Auswahl depTüch-* 
tigennöthig, ungeachtet die OefFenTtlichkeit alle Staat sbeam* 
ten ausgebildeter zu werden antreibt, indem M selbst in der 
Menge alle Köpfe, die denken können, dasSto weckt und er«« 
zieht. Dai« Glück gut^r Farsten schildert S, 226. 
eine historisch kräftige Stelle aus Jouy JVJorale applique'e k 
la Politique, Eine historische Bildergallerie dieses ^Jjatrio«* 
tisch -erfreulichen Inhalts 9 ohne viel Räsonnement , nur 
durch die Gedanken und Thaten der Ruhmwürdigen selbst 
das Musterhafte au« der Wirklichkeit der Zeiten zusam- 
menstellend, könnte dies nicht eines der wichtigsten Werke für 
Mensohenwohl werden ? Wer würde nicht darin seinen Plat9 
»ich siebfern wollen ? 

H, B; G. Pßulus. 



Fmäldae Tragosdiae liomanae^Scripsk Jdolphus Ootilch L.ang0, 
Proßfssot Seholae Vortensis. 4. Lif^uM 1822, Sumtibu» Ftid. 
Christ. GuiL Vogeliu 64-^. in 4. ' ' 

Eine sehr schätzbare und dankenswerthe Arbeit, mit 
eben, so richtigem Urtheil^, als groXsem Fleifse abgefafst,. 



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^u/^h durch, die Spai^he und Darstellung »ich empfehlend. Ei 
»rar hnher fast nur eine Stimme unter den Liiterarhistori- 
Icern und Kunstricfatern gewesen,, däfs die Tragödie in Rom 
SP gut wie ganz vernachlässigt worden sey, und' maU hatte 
dies fiXv so ausgemacht gehalten , dafs maii nur die Ursachen 
d^ von .aufsuchen SU müssen glaubte f und «ie näftürlich < auch 
fand» ja fast a.priori bewies, warum die Römer kein tragii* 
sches Theater hätten haben können; wie denn T. ßaden I7ö9 
einö eigene Schrift: De causis neglectaea Romanil 
T r a g o e d i a e . herausgab, Da sollten die Römer Hberhauptl 
unpoetiCche Naturen, blof^ 2aim Krieg und zur «Politik ge- 
schaffen j gewesen seyn, nur' fremde Tragödien schlecht über» 
setst und nachgeahmt haben ; ohne einen poetischen Hinter» 
grund ihrer Geschichte, ohne epische Poesie, bei gänzlicher 
Verachtung der iSjchauspieler und dem Wohlgefallen des Volks 
an Possenspielen und Oladiat'or kämpfen habe^ ^g.^^ man, Am 
Sinn, für das eigentliche Tragische ersticken müssen oder 
vielmehr nie aufkommen können. Unser Verf. zeigt nun, dals 
diese Qründe theils nicht richtig sei^n^' theils zu viel, also 
hichts , \ beweisen ; dafs überhaupt bei einem/ Gegenstände^ 
der , auf historischem Wege ausgemacht werden mufs, das 
Theoretiairen und Construiren eine mifsliche Sache sey; ja 
dafs man aus dt^a gröfsern Ernste, der in^dem Charakter des 
Römers ,> als des 'Griechen, Hege, eher schliessen sollte, die 
Römer müfsten die Griechen . in der tragischen Dichtkunst 
ühertroflFen haben; Weit entfernt indessen, den Römern glei- 
chen Rang mit den Griechen, geg^n die Zeugnisse de« Alter-| 
thums zuschreiben zu wollen, sucht der Verf. vielmehr aufl 
dem alleingültigen historischen Wege nur den' absprechenden 
Tadel und den Wahn zu widerlegen , dafs die Römer über-j 
baupt in diesen^ Fache wenig oder nichts geleistet liaben, wel- 
ches irgend ein &tück des Pacuvius oder Attius, pder der 
Thyestes des Varyis, auch wohl die Medea des Ovidius am 
besten widerlegen könnte, anstatt dafs 'die allein geretteten 
, Tragödien des seneka nur dazu gedient haben, die römische! 
tragische Bühne ganz in Mifscredit zu bringen. Nachdem 
der Vf, nun die auch verloren gegangenen Quellen der Ge« 
schichte der tragischen Literatur der Römer auj^ezShlt hat, 
geht er auf diese Geschichte selbst über, um zu beweisen, 
„dafs- die Tragödie von den Römern in Vergleichung mit den 
Griechen zwar mit mittelmäfsigeo^,' in Vergleichung mit an- 
dern Völkern aber, mit grofsem Eifer und grofsem' Ei'folge 
cultivirt worden sey; dals es weder d^n Römern an guten 
tragischen. Dichtern gefehlt hab^^ inoch das Voik vjooi Sinn 



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Längt ».^laaiciMTita^a. Ron« L.. l4l 

and Oeicbmack dafür verlassen gewesen s^.«* . Mit dem Be» 
ginne der gebildetem Poesie zu Rom durch Livius Androni« 
eu5 (6X3. p. u. c.) begann auch die Aufführung von Trag^« 
[dien, die immer fortgesetzt wurde , und Ennius, PacMvius^ 
Attius,^ Yarius erwarben einen Ruhm, der dadurch nicht 
verdächtig gemacht werden darf, dafs, man sagt, die Zeug« 
slsse der römisdien Schriftsteller fQr die VortreiEIichkeit ihrei^ 
tragischen Bühne seien /partheiisch« Unser Verf. bemerkt 
yielmehr mit Recht, das strenge Urtheil des Qellius über die 
Komiker (I^ 24.)' der Äömer gebe dem günstigen Urtheilei 
desselben über ihre Tf^giker Gewicht. . Auch für reicher aik 
tragischen 'Dichtem^ als man , sie gewöhnlich voi^stelle 9- er« 
klärt er die Römer, und berechnet ihre Anzahl auf etwa 60, 
die Anzahl ihrer Stücke auf ungefähr 300; freilich auch hier, 
ein grofsei:. Abstand ! von den Griechen 9 deren ungefähr 12£^. 
Tragiker über 2000 Tragödien hinterlieüsen. Nun w^rdeit 
die tragischen Dichter .der Ro^er urid was wir von ihnen 
wissen 9 aufgezählt,' wie 'sie noch nirgends beisammen ste«. 
ben, und auch in dies er. Hinsicht ein schätzbarer Beitrag zur 
Literargescbichte geliefert. Die meisten Tragödien der Rö« 
mer behandeUen griechische SxoScf worüber man sich wun«, 
dem mag ,. da die römische Geschichte des tragischen Stoffes, 
nicht wenig darbietet, unid. Livius und Tacitus oft wahrhaft 
tragische Darstellungen geben. Wenn F. Schlegel in seiner 
Geschichte der Literatur (I, 105.) unter andern sagt, „das in 
den römischen .Nationalsagen sich aussprechende ps^triotische. 
G^hl stana der Gegenwart für die dramatische Darstellung 
zu nahe ;<<.so> hält ibfn ui^ser Verf« entgeaen, dafs dennoch. 
Pacuviu«., . Attius und Andere vaterländische. Geg^enstände be- 
arbeitet haben 9 daTsj-auch 1 die Griechen äufserst sdten histo« 
rische StoEe genommeil., ^die Römer aber. sehr frühe mit der 
griechischen GöUerwelt and H^roenzeit ihrer Urgeschichte in 
Verbindung gesQtst haben. Uebtigens ahmten die. römischen 
Dichter ihre Urbilder nipht:, so sclavisch nach, wie es ihre. 
£pik(^ mit., den .Alexandrini sehen Dichtern gethan; ' und dafs 
sie so viel möglich die griechischen Metra nachbildeten, an«- 
statt ihre Sat;urnischen Vers^ beizubehalten , mag man ihnen 
wohl 8um iLohet .{anstatt zum Tadel anrechnen. , Man mufs 
zwei Zeitalter .der tragischen K^nst der Römer annehmen; 
ieg frühern RepräMntanten sind Ennius, Facuviusy Attius^^ 
des spätem Vau US 9 Ovidius und Fomponius. Dem frühern 
tdireibt der Vt* eine r ud i o r ,g r a v i t a s ^ dem spätem eine 
doctior elegantia au; jene haben derti Volke, diese den 
feiner Gebildeten m^hr gefallen; indessen €ey doch wahr« 



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BeheitAieb Set VMuet d^ frühem möhr/^ •. ali der dei' «pStem^ 
' zu i>ek]^gen 9 mld'mit dem Zeitalter dea Augustu^ habe die 
Kunst h^r (Bits zu* sinken begonnen.^ -^ Hierauf werden die 
berühmtesten tragischen Schauspieler aufgeführt^ auch. gezeigt, 
daJfe lile Schauspielerinnen bei Aufführung der Tragödien ge* 
braucht' worden 9 »wie die Kunst gestiegen und wieder in 
Verfiall gerathen; was dr§ Theater der.Römer Eigenes gehabt, 
und wie sie auch den scenischen Apparat der Griechen nach-« 

femacht haben ; wie ferner vom Augusteischen Zeitalter a» 
ie Reciti^tion en ror GeseBscbaften aüfgekommeA ^ von 
Nero's Z^t an-'die certamina inusica um alisgesetzte 
Preise; auch dift Pantomimen ^ deren es ai^ch tragische gab «^ 
"Von da gebt der Vf. zu ^em Beweise itibei*^ dals kich auch das 
r^Ömische Volk wirklich für die Tragödie intereisirt habe; 
dafs die V^bi^athtung, -in der die Schauspieler gestanden seyn 
sollen, vor zl)gl ich, die komischen Schauspieler. getrbiFe»!^ und 
dafs die^ Zusthauer oft Sinn für Rythmus und Wohlklang ge* 
z^igt^ so ^^iö für die feinern Empfindungen^ die die Parstek 
lung erregen will. Datauf spricht er von dem Eindusse der 
tTagischen Poesie der Rdmer auf die übrigen Theile der X»ite- 
raturund die Übtigen' Künste sehr gründlicb tmi ausfübrlich^ 
besonders was ihr die Redner -vetdabkten ; endlich, Mrelchen 
Eihfiufs die Tragödie auf die Sitten und die 'Siiil^chkeit: ge* 
äufsert,'Und wie sie' au eil nicht ohne Wirkung auf Äe Politik 
und da» Staatskben geblieben* * Von S, 43. an folgen inhalt- 
r^iche Und' von dem kritischen Scharfsinn des' Verf. » «engende 
Parerg^i von denen wir blos die Uebersthriftje». angeben 
vi^öllen^ da der Raum dieser Blätter Kürze göbieter: l. JLoci 
^uidam Di omedl» et Doti at i tractati.' '11. Acto^ 

res Graeci. Actü's, ter tius. Mbnitö res<>:III,'9 ^i"" 
tili ^ na quae dam s cenitJ a rgunient i. » . IV, Onpo-: 
s'itoruin et relativer Uih qüaedäm ratio;' rrag- 
lAe n t a i n de n nnr u Ha t^ a g i c or Aüi « i 1 1 u s tT a t a« 
V. Job. IjyAus de tragoedia et cömoedia Ro- 
mana. VI. Locus iii Piätonifr MenbxenJo.' ''Taci- 
fbsftragicüs. ' ' ^ ' "^- ' ♦ 

^ Und hier könnten wir ^ie Äri«eige dietfer^ih-^edef Hin- 
sicht empfehluiigswerthen Schrift 'sehllefsen^ ^ wenn wir nifcht' 
auch die Rfeeensentenpfliclit des'Berichtigerts und Töiddns zu 
erfüllen hätten. In bei dem aber haben Wir schlefekterdings 
tiuT Kleinigkeiten zu erinnern, Zti b^^rlcehtlgen' ist S. 15. 
das Ci^at in Not. 19; Creuzei». 'Sf\hhi II; (nicht III.) 995/ 
S. 22. Not. 31. das Citat Heriiiahri. Elfern.' Doctr Metf. p,385* 
s(jv (nicht 384^). • S. 4ö. uhtari ist diu Nötd=^ wegen der Schrei*. 



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Wefasdocff Progr. Cioron* Orat. pra t^igari.o eto. l43 



/ 



bung 9(ca«nicus zu G^c. de N, D. p. ,642« von Qi^oser, nicht 
von Creuzer* Zu t ad q In. ist an der reinen Schreibart der. 
etliche Male widetkebrende J^usdruck at tem pers^r e; die^ 
Ueberschrift von Parerg., Itl. (^uintiliana quaedvam; endlich' 
der unverbe&serte Veiß aus dem Noniu8 (S. 37*) Huc au* 
cupat um con.cu r ris tis domo ) wo mit leichter Hand 
e domo corr^girtvverd^n. könnte«^ 



Ai PuhUcam Eicplor'ationem a« il, XVlt^ Märt, •-»- ^t ad Örw 

tion'es y quac <f. XFit, ''jip'r,'—' haS^ntür ^XhäbehurUur 7 ') i/i^ 
vitai <?,' ö. Pf^e r hsdÖ rf.j ' Schölae ' Cathedra i^ambur^4 
Rector etc, Praeimissa sunt : Q u de s t^i ö n 6's ''C r iftic att ' i w 
Ci c eronis. Or ätiöh'e.f pro, Li g'ar io' ^j pro Re gia.i De^*- 
jota.ro et Roscio Amer ino^ 4« NutnbuTgi^ apud 'A^J £/ 
BUrgerum. JB2S. $0 ,S. * '» <?/-n 



]Pcogi;an:^me anzuzeigen oder gär au recehsireny' ge* 
stattet die Einrichtung- dieser Jahrbücher nicht. Wir ma- 
chen n^uf =in wenigen Zeilen bei diesem eine Ausnalime, urii 
die künftigen Bearbeiter dieser Redeii^ aufmerksam zu ma« 
eben, dufsni er Bemerkungen niedergelegt sind, die Berück- 
sichtigung vetdiei^en; wie sich diefs denn voii dem verdienst-' 
vollen Herausgeber der Philippiscben Reden des CiCerö 'nicht 
anders erwarten läfst. Er verspricht auch eine Ausgabe der 
genannten drei Reden, denen er die pro Milone und die 
zweite Pliilippiscbe beigeben will, \ welcher Ausgabe wir mit 
Verlangen entgegensehen. Dafs der Vortrag in dieser Schrift 
gut ist, versteht sich von selbst; <^afs mehrere der kritischen 
Bemerkungen allgemein werden ^ davon sind wir überzeugt; 
und mit Vorbeigehung aller von uns gebilligten , wollen wir 
dem Verf. nur ein Paar Stellen liennen, wo wir nicht gana 
beistimmen kdnnen. Pro Lig. 2. Cujusego caussam^ 
animadverte, guaeso, q;ua fide defendam, quünt 
prodo meam. JDafs hier q; u u m ausgestrichen werden 
müsse, davon können wir uns nicht überzeugen, gesetzt 
auch es sey währ, dafs die vis orationis dadurch ge- 
winne. |Spll d a 8 zum Emendiren berechtigen , so kann mäit 
in alten und neuen Schriftstellern Tausende von gesundeni 
Stellen durch Emendation zu einer gröfsern vis hinauf« 



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144 Wenuäotf f ttoff,. Cieeton. Oran pto Ligand et«. 

schrauben, Ib, Cap. 7.: Naiii *i crimen est, in«mvo 
luisse etc. Hier Wundern wir uns, dafs dei* Terf. gege 
Cicero's Spracbgebrauch das Grutersche lillum in den ai 
firmirenden Sat2 aufgenommen wissen will, wie auch Schmiß 
der in seiner Auscahe der Orat. Select. gethan hat. Pro rej 
Dejot, 3. Ferdexteramteoro, non tarn in belli 
et in proeliis, ^uam in pr^missis et^in fide fii^ 
m i o r e m. Hier mufs tarn ausgestrichen werden , mag i 
auch in allen Handschriften und beim Friscian stehen. Den 
dafs es sonst heifsen 'mtlfste : in bellis et in proelii 
non firmiorem, c[uam'in promissis, wie Hr. ^^' 
meint, halten wir für ganz uni^öthijg^ Noch schlimmer vei 
theidigt Schmied^r dlefs tarn durch eine beabsichtigte Tei| 
^schung zweier Constructionen : lion tarn in bellis 
quam in prom. et fide firmam, und: non i n^ bei 
Us*quam in prom. et fide fi,rmiorem. Das no 
tarn -firmam wäre watrlich keine sonderliche captati 
beneToIen^tiae dem Cäsar gegenüber ! Pro Rose. Amer. 2(i 
äed si ego' hos bene^novi, literam iltam (den Buch| 
Stäben K)^ cui vos usque eo inimici estis, u 
etiam Vai omnes oderitis, ita vehementer ad capu 
affige nt etc. Hier können wir uns unmöglich trotz allen 
Zureden des Herrn Verf. entschliefsen, zu eas omnes zt 
Suppliren 1 i t e r a s K. Denn brauche man das K zu so mani 
cherlei Dingen/ als men wolle; es bleibt immer die litera ö 
und es werden hie literae K. Am Schlüsse rügen wir nocl 
auf S* 29. den Gebrauch der Plautiniscbcn subUsta fidss* 



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N, 10. 1824» 

. ., H e i d e 1 b e rg er . ». 

JahrbüchCT der Literatur, 






^ö^W «n £cowd Äi auv lies ,H^7frides, par L. J, Neckar de, 
Säu3sure,. Pro[stS9ur honoraure : 4o , I^fyteralogis 0t de.Gfy4 
logia t^il'Jcßdemie^dß Qenev^,ept.. Tofn^Jfif, XLd^ et .4j{J.|». 
Tome 2d. 5ii p. Tome Sme» 623 p. 8. iÄ2j^ Qerteve et Pariip 
chex J.\,J^ Pachout. , .,,; . , /.';,•'.. ; ;. ) 

Die ^Gegenstände , . welchen. d«r V^rf.-^ bei einem: lUii?« 
gern Aufonthake in Schottland, seine ^Aufmerksamkeit v^ei« 
görnite,; wAren NAtungeschvQlU:e und voxztlglM^h Miiieralogi^l 
<iann da4.StudlMin dca?, Sitten,. aus.allgexiiÄixiemGeiliQhtflpunjit^ 
und in ihr)^ SeziiehMOg zuc malten Ver£asjiuhg » !' . selbst v. sur 
Natur ;Si:]|o4;tlands;* ..damin bri^t es' »djemi Werke, vorf 
dessen Inhalt wir Rechenschaft £^hleged »Collen y weniger 
Nachtheil i daCSvdesa'en B^kannfai|<ihung; eine Reih« von J«pJm 
lenUn^ricb gi;hindert Wordetoj^ials wenn .dieiBeobachiun.^ 
gen auf G^g^stände (gerichtet >^tiyv^w iwüten , . w^lthe Ji|ii^ 
aemReiÄii (der Neuheit, zugleich ihn uVerdißnat,, ihre Wipl»<f( 
tigteit eijigtehvifst hätten. ' • \'':f;:uij ' >i« ' .. , mT 
Da§ Vorwort, in dem Herr.Nf dliS^fzftuehy .nicht zu gAr» 
drängt, |4iei:^.den^0Qh keinßfl^wegs lästig ;».fmsftpricht überiduSy« 
was bisher aut Entwi^kelungi dex geognosti^^oben^Verhäitnissex 
des inteile9santen Eildn^^ß ^^ackehen, {i^er diie irrigen^^VoruFfi' 
^eiJe gegen die Schotti«(Jhe-iNation u, si..»^. b#4art* hier:W«t 
Qer au'^fi^irXichen Erwähnung ; nur bei eini^i^niDiilgen achien 
^irför notKw^ndig zu VerweSJen. .ti:j,7.'i( r. «t'y . 

Der Vit prkennt?.di€ Verdienste Fa.ujafftjdie St)i¥.onA^ %> 
um die G/ßognosie Schottlands^ bemerkte iedooh' gantB tridhl^g, 
dafs d^ zvi«weit.au^edjehal3e Begriff des MiTortfes ^''a vai, desrr 
&en sich.di^0r Fi-anzÖsbche Gebirgsforatiier, nar zu häuügy 
Und gar: 6i% ohne «org^a/ne. .unä verständigie Schilderung rdeiy 
dami^ bi^zeiobn^ten Geg^n^t^n^^t bedient^, #eikieR. Arbeitten. 
nicht weniger Nachtkeil 'gebraobt, als dies. bei den (früheren) 
Schriften J'^ m e ^ o li Sv^ wegen zu blinder Anhänglichkeit an . 
^ie neptunische Schuld der Fall gewesen. . Er besonuldigt den 
^etzt^rn selblat, dai's er abaichtlich Thatsach^j? anas^führen un« 
XVII.:ralirg. a.Heft. "f 10 



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. \ 



N. d« Saussur« Voya^^ en Eeosse. 



terlasBen habe, die^ um d«r «^chlufsfQlg^n willen^ welche lie 
der geognostischen Leh'fWifise dargeboten haben würden, ala 
höchst wichtige gelten* mulsten ^ dafs er diese Thatsachenonit 
StilU9hweigen aber^ngen halTe^j au^ .4ß9i -G^^l^^l« j^^ «^ 
inKÄfenbaTem Wtdefspruehe stA beönd^eti hri^ afeiti^^ateiöe 
der Freiberger Schule , der James on, als Liehrling Wer- 
ners, mit zu blindem Glauben 'ereeben gewesen sey* Den 
Bemühungen Boues um die Schottländische Geognosie, läfst 
Herr N. de S, die Gerechtigkeit widerfahren, Welche das rege 

^ireben des kenntnifsreichen jungen Gebirgsforschers in vol- 
lem IVIafse verdient, und mit lobenswerther Bescheidenheit 
spricht er sich da aus, wo er mit den Ansichten desselben 
nicht übereinstimmt. ' • , • 

Der Verf., entfernt von ^em anmafsenden Gedanken^ ein 
vollständiges Gemälde von Schottland su liefern ^ hatte sich, 
tti ihineralo^ischer Hinsicht , ala besonderii Zweck , die Be- 
abachtung gewisser geognostischer Erscheinungen vorgesetzt^ 
über weiche die Schottländischen Gelehrten verscbi^enet 
iMeinung waren. -Die Gebiete der sogenannten Trapp* 
Formation, die Basalte und andere Felsgesteine gleiichartiger 
Natur , boten ihm einen eigenen Gegenstand zum Erforschen 
dar^ weil', wie bekannt^; der Ursprung üerselben von den 
Gtologen auf sehr mannigfaltige Weise gedeutet worden« 
Er ^macht aufmerksam darauf ,< dais H u t to h , in setner Theo« • 
1^6 der Erde^. am frühesten gewisse ^' von ihm in Schottland 
beobachtete,: denkwürdige Thatsachen, den Gran tf^ und die 
Trappgesteine betreffend y niedergelegt habe; dafä jedock 
diese, ebenso neuen ' alk interessanten, Thatsachen, da sie 
in einem Werke Mrstreut waren, welches vorsügKcb die 
Entwickfilung' geogonischer Theorien beabsichtigte j von den 
Geognosten nur wenig gekannt und darum bis jet2st bei wei- 
tem nicht in den Grade benutzt werden , wie sie ejs verdie« 
nen. Das bfiAte Gemenge von Hypothesen und Beobachtun- 
gen, und das Schwankende in der gebrauchten Momenclatur, 
Warenjiiili^ >wemg geeignet , den Naturforschern unserer 

* Zeit Vertvauen einzuädiaen; Diese Ueberzeugung erweckte 
in Herrn N. de S/den Vorsatz die Thatsachen an Ort und 
Stelle zu püfen,' «Urne sich dem Glauben an eine« der herr- 
schenden illiied&reen f neptuniscfaeH>der vulkanische , hinzuge- 
ben; Thatsadien aufzustellen, war mehr seine Absicht, aU 
Meinungen darzulegen , und diesem lobeiiswerthen Vorsatze 
ist er im Allgemeinen auch sehr getreu geblieben. Mehr flüch- 
tig sieht man den Verfe Gegenstände berühren, bei denen ihm 

' ein genaueres Studium^ nickt vergönnt gewesen; darum findet 



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2f. iß Sattstttre Vojage eü Soössd* l47 

man maxicbe Tbeil« Von Schottland in det mineralogischen Be* 
Schreibung ganz t^bergangen. Im Gahzeil Jbediente er $ich in 
seinem Reiseberichte der W e r n e r*8chen Kunstsprache' und 
befolgte übrigens den wohlbegründetenRath von S^iussufe^ 
dafs man , beim geringsten Zweifel hinsichtlich der Bei;ien» 
nung, die irgend einer gefundenen Mineral - Substanz zu ge« 
len^y,' eine möglichst getreue und um£ei8Sen(de Beschreibung 
derselben Isu liefern habe." * Mit der bescheidenen Bitte um 
Nachsicht •— ein Brauch der manchen fugendlicben geognp« 
stischen Schriftstellern mepaHch fremd gein^orden' — he« 
schlieÄfc'deT Verf. seih Voft4rott. ' , 

Mit besoiidetem fiitfe^.es»^ haben wir, bh^rohl wir bei 
weit&ifi'nficbt ganz eiVivisTstähdisn sind, d^s} eilige gelesen^ Va^ 
der Verf. (B. fll, S. 54* ffi 4W der Note) kür Reehtfertiguhg; 
des von ihm Beibehältiefhen' Auidrucks . T V a ^ ](» -^ Ffi r m a t i o n 
sagt. Wir lassen ihii, in einer mdgU'ohst getreuen Ueber« 
setzang selbst reden« ,,Pa :^u der Zeit, kU ich meine Reis^ 
hie jersdirieb , die Ansichten' disr Geognosten , und nament* 
lieh der Oeognosten Sdibttlahds', mit dmkh! von WerfaeV 
fest durchaus Abereinstimmten, st) war' es^ ftti^ mich von WicH^ 
tigkeit; um jener Pöröbiio^' Ihre ve'a^Wi Sielle anzuwei-' 
sen, das SjrstenT zu breftUm'jbf&n', weHch*^ dieselbe den gel 
schichteten Gebirgsgebllden neizählte«' '^^i^enwärtiz haben[ 
slch^ib Meinungen sehr geändert; die Französischen Qebirgs« 
forscher, selbst diejenigen, welche in früherer Zeit der. Wer« 
Herrschen Lehre zugetha^ gewesen , glauben jetzt in' allen bar 
sältischen Gesteinen entschiedene vulkanis'ibhe Etkeiignisse zu 
erkeimen. Auch Herr Janieson scheint diesen Glauben fäc 
gewisse Theile des Trappgebildes angenommen ^u haben. Ich' 
will keinesw^egy bestreiten, dafs ^Ändie 'auffallende Bc^ziel 
hangen, was ^iiieralogi sehen Bestand und Strucktur betriff t^^ 
zwischert^ deÄ ErzefugtHSucn der Vulkane und den fldtztrapp« 
Gesteinen bestehen; 'ledlein jene Beziehungen Acheinen miif 
nicht zureichend, um daraus mit logischer Gewlfsheit entlieh«' 
men zu kdnnen» dafs diese Felsarten wahrhafte Trachyte 
sind, oder wahrhafte Laven , abstammend von Vulkanen, 
ähnlich denen, welche "wir heutiges Tages noch brennen se-. 
Iien. leb bin der Meihi4ng , daxswir, im strengen Sinne^ 
nur diejenigen Produkte vulkanische nennen dürfen^ welche 
^urch vulkanische* Vorrichtungen gebildet worden ,, ähnlich 
^en noch thätigen , die unter, uns nicht unbekannten, Ver- 
hältnissen wirken ; dafs wir jedoch diesen Erzeugnissen Nichts 
gleichstellen dfirfen, als was augenBÜlig die Gesammth eit der 
dämlichen Mei'kmale trägt« Dali die Schottländischen Fldtz* 

10 • 



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l48 N.^d« rSaiissur« Voyag« ea Ecusse«^ 

trapp «Gesteine nicfal^. )in :dieai,.KalI .aind , ^ läßt «ifch bewelderi. 
Es ist bekannt , clali ^^e /gtöfsere Hälfte der^aven (?) schlackig 
ist und dafs .selbst die sogenannte;! dichten Laven sich mehr 
und weniger pprö^ zeigen, d^ß sie Blasenräume i^ -stärkerer 
oder geringereir Zahl aufzuweisen haben; dasselbe ist dei 
Fall bei den Trachyten, die s^ets von Bimssteinen Ijeeleitet 
yrpic^en ;, aber unt<?r » den Flöt^trapp - Gesteinen .Schottlands 
findet man .ungetewrq Öawfwerk/B "^gt J^^salt ,^ ?|i<iht nur ohne 
Sctilacken p . olir^ poröse I^aven,, sovidern,. aijch vom. difshtesten 
Gj^fftgey frei. yo^. jedep Blas «jn^^a^^,. penn die .hOl^lei^ vollen 
Trappgesteine ( tyäps caverneuo^).^.^^^^ H^if rn Mac^Cj 4 jlocli 
^aifn.^ich nicht ßfhlaf^^. iJf^i^en^j. e^j^ppi^, ^erjfgjis^tp :ßMä^t^» 
umgewapdelt .4.ur,(:l^'y die ^ Ajti90^pJ^jjli^^]o,dydurx:hi4^ Qewalt 
3er VTogeji'i: -is, syid' bas^ltf^ß^j JV^a^eJsUine ,/, 4|?^en Kerne 
^rausfieleiv upd,, vfijr^o\iw^anc^ein ^^ , ^eJsftr^n^ die., übrigens nur 
einen sehr kl^i^en Tbeil.der. baja^tjschjen Mas^se a^s/nachen. 
Noch wenigerf.wer.de ich die^e lyi^ndelsteine. i^iit, djgfi;! Namen 
iLaven bezeicnnejji'ji^wenn s^lb.styf^Vfjie.Herr B^pue ^gt» sol- 
che^ i^er Kej|;njp^^^(^ijaübt;ej, Eel^art^ jV^H'^*^'^ jfcifjtavicjien in 
eine .Säviere p.Qrokf j^a^&.f J^^rs^ellen,,,. den.Ij|^v.en dijirchaus 
fthnli,ch. Der. Qe^pj^e^, d^^ d^^; v^cfn. ,^n Kpi^en . .eingenom- 
menen Stellen ^zu^s^^^J.^^ w;$;i^ejn,.und| spdaijyi^^ifjfcl^ i^nfiltia- 
tiopen erfüllt wuj;^n, is^fieifUft^^ijrpiüt^esß, ^^Jche .^n^an zu 
u^nst^n, des vulkanischen llrsp^:vffifi;s., jenet Gqs^eii^e ^son- 
nen. Und wenn,. der Gedanke ».übHgQ^S; so w,abi'.scheiniicli 
wäre, als er es nictt-ist, wie soIc^esTvon Breis J ai dar^e- 
ttan worderi.j .. was^ j.würde. di^^ daraus . (^zuleitende , Scjalulj»- 
folge seyn,,. ajs.fwpe Ijypothese b^v^ipsen ^urc.h eine, ^deif 
Hypothese.^ E|}en.j^(j.y.iel gut na^r.di^.JHcj tlio- 

ijigeii Eisepsf eine t y^^n. Las.^kische, B.pjip . (Ptf enJ^n^f* * ^^' 
Zeugnisse z^setzter , Scht^jckeiji^ s^yen... 2iua^j,.ljissen. die 
Scbottisphen B4sail^i%asfen|jki^i^e.f>v,egS; die, Form ,y/M;i ^trönien 
w^hmehme^;' sje g^hen; nijqht von efi^iffp gt^^einsafl^ep Mittel- 1 
punkt aus.vÜie ang^i^chen Tr^by^e., vpn .denen., man. vermu- 
tten ; konnte dafs sip gegenr eBspnnepe jyi^ttelpLinJi^te gelagert 
seyen , . \;^erden jiicht^» wie. dies spnst immer, der. FaiJ , von 
bimssteinartigen ^T^acbyte begle/tet, sie haben nicht das po- 
röse Gefüge trachytischer.Gesteine, esjsteht.ibnen nicht di' 
^igenthüiiniche.. Glockenge? ^altj der 3erge» zu;/ häufig siml 
selbst die- muthn^iafslichen.trachytiscben Mi^teJpunkte, nichts 
als crariitische^ pö^pbyrisjche /oder fel4^i;einige ]V|$i^s^n. ' Wie 
will man endlich , in der .y]ulkanisclien Hypothese , von den 
Tf-appgängen Rechenschaft. ablegen %' parf man m^t ]^r?kt Bouc 
annehmen y dafs. $t^öm^ von Lav,en in . ihrem. Lau& die Spal- 



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W. ie Säusslire- VojRge en Ecofs^. 149 

t'en gebildet und ausgefcrilt HaBen? — Allein,' <Äne Von äev 
hypothetische Zer st Örurig jener Lavenströme' zu reden, von 
denen man keine Spür mehr sieht, kafiri m'an die Frage auf- 
stellen: ob die Lava in den Felsgebilden, üb^r 'streiche sie er« 
gössen 'wird, gewaltige Spalten der Art zVr erzeugen ver- 
möge? -- Und zugegöbbn, dafs dies der Fä\\ 'seyn könne, 
würden die ,- auf solche VVeise entstandenen und ausgefülltenf 
Spalten ganz das Ansehen der Trappgänge haben? Dies 
scheint mehr als zweifelhaft. Man wird ' zwar einzureden 
ceneigt s eyn, 'daifs' die <iintei^meeri sehen Vulkane/' volllcommeri 
dichte Liaven hen^o^zubringen und die Gestalt- Verhältniise 
und die Natur der Ströme zu ändern vermögen ; allein eine . 
solche Einrede fuhrt wieder ins- Gebiet der Hypothesen, Weil 
wirnicbt bekantit sind- mit der Wirkungsweise submarini- 
scher Feuerberge. — Diejenige^, welche' den Trapp -Fels- 
arten einen feurigen Ursprung zuschreiben,' sind folglich, gis- 
nöthigt einzuräumen dafs die tfnt er irdischen Feuer, die jefrie 
Gesteine* erzeugten, unter ümständö^n wirkten, -sehr ver«cfaie» 
den von gegenwärtig thätigeh Vujkaneh. Bei dieser Lage der 
Dinge, würden die befragten Felsarten besser Erzeugnisse 
des Feuers, als Erzeugnisse der Vulka[ne genannt werdeii^ 
da jene Bezeichnung wteni*g^stensf nur^ eine allgemeine Andeu- 
tung enthält; aber derjenige welcher sich Idissagt von jeder* 
Hypothese Hber den Ursprung der Gesteine wird dieselben 
mit einem Nameii belegen,- der gänzlich ohne Beziehung ist^ 
und darujn habe ich die, nichts sageatie Benennung Trappge« 
steine beibehaltet. Uebrigens Kann man nicht, in Abrede 
stellen , daß , wenn auch 'wesentliche Beziehungen die Glie- 
der des* Trappgebildes den ünläugbär vulkanischen Produkten 
nahe bringen , dagegen andere, nicht minder denkwürdige, 
Beziehungen zWiscfhen demselben Gebilde und den Porpbyr- 
und Granit- Formationen (d.-h. den Schottländischen) beste- 
hen. Bei dem gegenwärtigen Stahde des Wissens glaubt man 
jene drei Arten von Gebirgsgebilden als einzelne Glieder ei- 
ner und derselben grofsen jfcette ansehen zu dürfen, welche 
mit den 'Vulkanen verbunden ist. Aber die Mittelglieder, 
die das Getrennte Verbindenden , feblen noch. Diese zu su- 
chen , sey das nächste Geschäft des Geologen; nichts wird 
jedoch den Erfolg solcheh Streben s inehr hindern, als Ivenni 
nian, mit voreiliger Schnelle, durch erzwungene Annäher urif 
gen, die vermifsten natürlichen B^'ziehungen zu ergänzen sich 
erlaubt."— Dafs der Verf. übrigens nichts wehfger als deda 
neptuhischen Glauben ergeben, ist bereits gesagt worden und 
der 'Verfolg dieser Anzerge aoll es noch möhr dartbun, und. 



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160 N, d« Sttuiure Vojage «n Eomm. 

turie k(Snnte ar das auch In eineni Land«,, ^o die denkwttrdigsten 
Verhältnisse der --» räthaelhaften Gebir^smass^n auf sehr 
fibc^rseugende Weise das Einwirken feuriger Gewalten an« 
deuten? 

Der 1. Band enthält diö Schilderung der Stadt und der 
Gegend von Edinburgh die Reise nach dem Eiland Arran^ 
dann Bemerkungen Über klimatische Verhältnisse , Ackerbau 
und Sitten der' Bewohner dieser Insel. Wir verweilen bei 
dea interessantem Angaben. Die Hauptstadt des Schotti- 
schen Reiches ist ausgezeichnet durch das AuffiJlende ihrer 
Xidge, durch den pittoresken Anblick welchen sie gewährt, 
und durch den stets wachsenden Glanz ihrer Hocoschule, 
i^(-. und Neu-Edinburg unterscheiden sich nach dem Aeu« 
fserlichen 9 wie nach ihren Bewohnern, Jenes ist der Sits der 
Unterrichtsanstalten und des Handels und Wandels ; dieses 
ist der Winteraufenthalt-der Reichen und der Edelleute, der 
' 'X^tümA^ldXz geselliger Vergnügungen. In der alten Stadt 
sieht man nur enge 9 meist sehr gewundene Strafsen 9 welche, 
I^iazur neuesten Zeit 9 fast alle durch ihren Koth , einen be* 
sondern Ruf erlangt hatten. Die Häuser zählen mitunter 
zehn bis zwdlf Stockwerke. Eines der m^kwürdigsten Ge- 
bäude ist^der Palast Holyrood^ der eh^knalige Wohnsitz 
der Könige Schottlands. Zwei Thürme9 gegen Norden ge» 
legen , machen den ältesten Theil des Schlosses aus ; sie sind 
die einzigen Ueberreste von dem 9 was die Flamqi^n unter 
Cromwells Regierung zerstörten. In dem einen jener 
Thürme zeigt man dem Reisenden noch dio Zimmer der un* 

SlücklicI^en Maria Stuart9 in demselben Zustande er- 
alten, in welchem- sie von ihrer Bewohnerin verlassen wur- 
den 9 um nie wieder von ihr betreten zu werden. Von der 
Abtei HoW Crojsf unter David J. im Jahre li28 erbaut, 

.sind nur die Trümmer vorhanden; Im westlichen Theile der 
Altstadt erhebt sich die 9 auf Basaltfelsen vb^ 300 Fufs Höhe 
erbaute 9 alte Festung» Bei der Kriegskuipst heutiges Tages 
wtiirden ihr die nahen Hflgel S alishury^Craigs^yinA, Ar» 
thurs^Seat sehr gefährlich werden. Die Zahl der Studie* 

' renden9 unter welcLen man selbst Ost« und Westindier sieht, 
betrug! 1807 und l8üÖ über 1700, obdeich der' Verkehr mit 
dem Europäischen Festlande zu jener Zeit gänzlich unterbro« 
chen war. Die', von den Einwohnern Edinburgs vor etwa 
3o Jahren, zum Behuf eines neuen Kollegien »Gebäudes un« ! 
terzeichnete Summe machte 38iOOO Pfund Sterling aus« Leider 
gestattete die zu grofsartige Weise, in welcher der Bau be- 
gonnen wurde, seine Ausführung nicht« Die Studierenden 



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]Nf» 4« Stttifurt Voj«g# «n £«08«e; 151. 

viroilnen eioz^lii serstreut ]iel den fiüfgern uäd seicbnen sich 
nicht, wie auf den Englischen Hochschulen» durch besonders 
Kleidung ans. Der Verf. ist des Glaubens, dajTs Iceini andere 
Stadt in^ £uropa rücksichtlich der Unterrichtsmittel! Aich mit 
Edinhurg vergleichen lasse (!) 

Alt- und Nea-£dihbtirg werden von einander /geschiei« 
den durch ein^ niobt angebaute sumpfigte Schlucht , der ehe^ 
malige Grund eines kleinen Sees^ In diesem Theile derSchotip 
tischen Hauptstadt ist Alles neu • das älteste Gebäude zählt 
kaum ein halbes Jahrhundert. Statt der Spuren al^tbümli-« 
chen Glanzes, sieht man überall au£Fallende u^d un«weifel<v 
hafte Beweise gegenwärtiger Wohlhabenheit« ^ 

Vorzüge der Schottländer 9 was das gesellige Lebefi be* 
tri^t ji im Vergleich zu den Engländern. In Schottland ist 
e^ bei weitem^ weniger wesentlich , als in Elngland f- dafs man 
reich sey, um in der Welt eine angenehme Stelle' za! behaup- 
ten. Die Schotten sind mehr vor uitheilsfrei , man fiiidet bei 
ihnen nicht die ^heu vor Fremden. — Der Verf,. leitet , und 
wie uns scheint keineswegs mit Unrecht , diesen allerdings 
^entwürdigen Unterschied zweier Nachbarvölker von dem en-^ 
gen Verbände^ her, das früher zwischen dem Schottischen Kö- 
^igthum iind mehrern ^Staaten des Festlandes, namentlich mit 
Frankreich bestand. -— Der Tanz ist in Edinburg die allge- 
äeinste Belustigung 9 der man selbst bei vorgerückten Jahren 
tiicht zu entsagen pflegt. Nidhts . ist gewöhnlicher , afs dafs 
Vater und Sohn ^ Mutter und Tochter in denselben Contre- 
tanz auftreten.^— Die Schottische Musik hat eine eigene 
Wildheit und ist in dßxh Gr^de national ^ dafs ein Eipgebore« 
ner sfe nichts mit kaltem Blute anzuhören vermag. Schon die 
ersten Töne eine* der » unter dem Namen Strathsp^ys be- 
ita;)nten Lieder. können^ in einemf Schaüspielhause, Parterre 
und Logen in Bewegung bringen. Alles scheint tanzen zu 
Wollen; Niemand ist im Stande ruhig seinen Sit^ zu behaup- 
ten. —. Auch der grfeierte Dichter Walter Scott be« 
wobnt £dinburg ; sein glänzender Ruf als Dichter und mehr 
i^och das Angenehme seiner Unterhaltung machen 9 dafs er 
von allen Seiten gesucht wird. Seine lebendige £inbildungs* 
Wt , die Frischheit ^ wodurch seine: Schriften in so hohem 
^rade ausgezeichnet sind , erscheinen unter veräiiderter Ge« 
8talt in der geselligen Unterhaltung, welche er durch eine ei- 
genthümlichen Heiterkeit des Geisten anzuregen versteht« Er 
erzählt meisterhaft und weifs den Anekdoten aus dem Mittel« 
alter, woran er vmerschöpflich reich ist, einen seltnen Reiz 
tu verleihen« -*• Der vorzügliche Gegenstand gelehrten Strei« 



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152 N, de SÄOssure Voyfg^^M lEoisse. 

• - • • ,. r .^ _ ^ , , ' j 

tt»i, istft/Zeit «l« der Yerf* Ectfiibufg bewohnte , feesog^ siel 
(.awf die BiWungsweide unfieres Erdköirperi.» Die VuHcanistei 
.t>der Pkitonisten, .waren iai 'lebhaftesten Kam^e mit dej 
Neptui^stei^*' Jene^, die sidi^auehHuttonianer nennen , hat 
ten die Herren Pia yfair, Hope, 5ir James Hall, Lorj 
Web bf^e y m o u r , A 1 1 e n 41, A. an ihrer Spitze ; 311 di^ 
ser zähltext sich die Herren Ja ni e son, Murraiy, Tomp 
sonü.s. wj Keinem Schottländischen MineBalogön ' w^ar e 
vergönnt neut^-al zu bleiben; .er raufste die eine oder die ar| 
dere Pai|ä^ei iergreifen , und der mit reg^m Eifex* geführt 
Streit f hat der Wissenichaft nicht wenige Entdeckungen vo| 
Wichtigkeit gebracht. — Edinhurg besitzt mehrere berühmti 
wissenschaftliche und literarisphe Gesellschaften; die Köni^ 
liehe Soeietät, die Gesellschaft der Altertjiumsforscher , dii\ 
Bu Ehren des Freiberger Naturkundigen gestiftete, Wernerii 
sehe SociVtät u. s* W. , Untere den Sammlungen zeichnen sicj 
vorzugsweise die Mineralienkabinette der Herren' All en un 
I m ri es 4US und das Museum für Naturgeschichtabat einen sei: 
bedeutenden Zuwachs erhalten duröh den Ankauf der sthöuei 
«oblogifschen Sammlung des.HerrnDuf reihe zu Paris. — 
Für Malerei, Bildhauerkunst u.. s. w. zeigen die Schottei 
wenig Anlage; eine rühmliche Ausnahme macht der Land 
.Schaftsmaler Na y 8 mit h. . , v 

Das .Klima von Edinhurg ist »aiift, aber feucht; als mitt- 
lere Temperatur kann man -}- ÖYj ör. R* .annehrnen, fliä 
höchste Kälte übersteigt nie — 9 Gr. R. , die gröfste Hitze 
beträgt nicht über -{- 24 Gr.,R. j^an findet hier nicht die 
düstei'n , drückenden Nebel liondons. Die herrschenden 
Winde sind Ost und West'; ihre Richtung ist bestimmt 
durch die Lage deB Thaies , dessen Grund der Meeresbusen 
von Fortk füllt. Zur Winterzelt geniefst man häufig des 
glänzenden Anblicks der Nordlichter. 

Gegen die Schönheit der Stadt und das Regelrechte ihrer 
langen* Xtrafseii sticht die Alpenn^tur, das Wilde ihrer nörd- 
lich^p Umgel^ang seltsam ab. — Zahllose Landhäuser finden 
sich in der Nähe vpn Edinburg; auch ist die Gegend reich an 
interessanten geschichtlichen Erinnerungen (Felsen v.X incaidy 
Loch Levertf Eiland Inch- K'eith^ Frestdnpans u, S.W.)« 

Mineralogische Beschreibung der Gegend um Edinburg« 
DerGr,und des Thaies besteht aus wechselnden Schichten von 
Sandstein, Schiefer thon und S chiefer kohle, den 
Gliedern des altern Steinkohlen -Gebilde«. Ueber diesem 
tjehiete , Erheben sich Basalte,^Wacke, Klingstein 
(Porphyrschiefer) und Mandel stein in kegelförmig g«" 



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.Hf^'dk Sauiiure Voyage en Saosm^ 153 

» 
stalteten Bdrgisn. •-*■ Herr N. di S. erklärt sict, S. äo5« tt.f.» 

Segen die beioiiiiite neptunisobe Ansiebt der fiil^ungsweke 
ieser Gesteine vkii dän von ibm nahmhäft* gemachten 'G(t<llif« 
den bätten laicht noch einigii. gewichtige beige£cigt> Werden 
könnfen, wenn ,hier der Ort •£« solch -einer 'Entwickeliing 
wäre. »- Der*' grdJfoere Tb^il der Hügel um fidinburg, Ar* 
thur^Seatf Caltän-kilti Bruid" n, , Blackfor d^hilti^ 
mehrere Felsmaasen des i^rdlicben Ufers vom Firth of 
Forth, ^or t h^^ü&sms/er.jt y*yi Burntisland u, s,, j so 
wie auf dem südlichen Ufer Tra-pr ene'-Lß.w^ Bafs^ Craig* 
Uith u. s. w. gehören aur sogenannten Flo tz trapp - For- 
mation. iDa9 alte Schi ofs"^ Von £din bürg seht auf einem Fels 
aus schönem schwarzem Baaah, der ungefähr 50 Tpisen über 
des JVIeeres - Niveau emporsteigt und» gegen Ni und W. sehr 
steil abfgllt. Am nordwestlicheu Gehänge zeigt ^ich das Ge* 
stein von vielen vertikalen Spalten in regellöse eckige Mass^, 
geschieden» Mitunter rufen diese Spalten, denen jedoch aller 
rarallelismus abgeht, das scheinbare Ansehen eines Ab« 
getheiltseyns in Schichten hervor. Ob der Basalt von .C « / - 
ton^hill^ wie der Verf. sagt, wirklich so reich ist an ein- 
gewachsenen Heiden Hornblende- Krystallen , * oder . ob 
diese vermeintlichen Hornblende -Krystalle nicht vielmehr 
A u g i*t - Krystalle sind, möge unentschieden , bleiben; 
wir sind, aus, den Mineralogen zur Gentige bekannten, 
Gründen, geneigter das Xietztere' zu * glauben« Zu den 
interessantesten und mehr ungewöhnlichen Einschlüssen 
der Felsart gehört Prehnit (der • Verfasser hatte das 
Mineral zuerst ^ nach Kennedys Angabe , als Grammatit 
bestimmt, fügteaber eine Berichtigung bei). — ^Von deniy 
an Caltdn^hill auf ein^m Conglomerate gelagert seyn sol- 
lenden , porphyrartigen Gestein ist die Beschreibung nicht 
genügend. Besonderes Interesse verdient Salithury^Cr ai gs. 
Bei der Schilderung dieses, durch kühne, wahrhaft alpinische 
Formet! ausgezeichneten, Hügels hat der Verf. einige Zwei- 
fel in uns angeregt; über welche Rechenschaft zu geben wir 
uns für verpflithtet achten, iim so mehr, da sie eitien Gegen- 
stand betreffen , disr ^Beachtung verdient und der^ obgleich 
nichts weniger 'als ganz neu, dennoch die Aufmerksamkeit der 
Geognosten im Allgemeinen nicht in dem Grade angeregt zu 
haben scheint, wie, zu' erwarten gewesen wäre , und der von 
Manchem wohl, gar noch, gänzlich verkannt wird« Es handelt 
sich nämlich um die genaue Unterscheidung der Gesteine, 
welche früherbin unter dem gemeinschaftlichen Namen Grün- 
stein ziisanimengefafst worden, WTir setzen als bekannt 



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id4 Jf. de Sautture Voj9g$ eto Clodts«« 

voraus ^..daiTl diese Felsarten der altern eeognüMttscheii Schule 
^s JLrystaUinisch^kdrniga Gemeiiee aus Hornblende uiid feld« 
Späth galten* Bei einem. Tbeile derselben , bei den , nach ih« 

^ remmithmarslicben Alters «Verbältnissen so^enanntöli, Ur* 
lind Ueb,ergangs« Grün steigen ist }ene Aiisidit die 
vidhtige ; sie besteben aus H o r n b 1 e ki d e *;'und F e 1 d s p.a t h- 
Theilen, wieder Syenit, «nur mit detnl Unterschiede, daffli 
.das Gemenge inniger» fester ist» und dafs die einzelnen Tbeile 
meh^ regellos mit einander. v^rlsunden» gleichsam in einander 
verschmolzen sind. Ein anderer Grflnstein, der sogenannte 
Fl dtz* Grün/Stein, weicht wesentlich ab rücksichtlich 
seiner Gemengtheile; denn er bestebt aus Augit, Feld- 
spat b und Magneteisen». welche Gemengtheile Im mehr 
oder minder deutlichen krystalliniscb«* körnigem GeAüge ver» 
bunden sich zeigen. Man hatte also Gebirg s arten von 
Wesentlicbverschie denen Gemengtbeilen irriger 
Weise un^t er einem gern einscbaftlicben Namen 
begri ff en und~diese Verwechselung, welche zu entschul- 
digen war, zu einer Zeit, wo man noch keine scharf be- 
zeichnenden Merkmale kannte » um die Hornblende und 
den Augit^ zwei allerdings in manchen Beziehungen einander 
nicht unähnliche Mineral« Gattungen zu unterscheiden^ hatte 
manche nachtheilige Begriffs * Verwirrungeji zur Folge, ^ Und 
eines solchen Fehlers macht sich unSer Vf. theilhafcig^ Denn^ 
nachdem die wahrhi^fte Natur beider Gestefitie tön gst^ erkannt 

' worden», nachdem manfür.deii^ aus Hornblende undFeldspath 

femengten, Grünstein, nach djem Vorgange von B'r o n g n i a r t, 
ie Benennung Diabase gewählt ( H aü y nannte die Feh* 
artDipri't), und fttr das Gemenge aus Adgit, .Feldspat!) 
und Magneteisen die Benennung Dolerit ( ode): Mi m o se 
nach Gordier), beschreibt Herr N. de ä. eine Gelurgsartf 
die nach allen Verhält;nissen Dolerit und» ni cht 13 ia- 
b a s e ist luid nennt dieselbe Diabase« £^ sagt zwar aller- 
dings , das Gestein bestehe aus Hörnblende und Feld- 
spath, und der dritte wesentliche Gemengtheil ^ das Eisen- 
oxydul ist seiner Aufmerksamkeit entgangeif; allein darin 
liegt gerade sein Versehen^, das wir ihm um so weniger zu 
' gut halten können , als ein anderer gründlicher Beschreiber 
'^ der Gegend ujn^Edinburg (Bou^ Kssai geologUfue sur PEcotss, 
p. 187. etc. ) tehr bestimmt., von Dolerit bei der Schilde- 
rung des Salisbury Craigs spricbt. — Je einfacher das Mate» 
rial ist 9 welches die Natur anwendete » um die mannigfalti- 
gen gemengten Gebirgsgesteine zu schaffen, desto sorgsamer 
müssen wir in Untersuchung und Schildefung derselben seyn; 



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Göogie 



nur auf tokb« W^be wird ein« gra^dUdici $:eimtniü ibrec 
wahrhaften NaXms ^iriangt. Au« dem weitern Verfolg dea 
Werkes (B« III, $^ 654 ff«> ergil»t aich ntin zwar «UerrUngil« 
dafs Herr N« da $» Jcein^swegt den Unterschied seines Diät« , 
base (des Dölerits)» der ren ihin dift auch Diabase 
trapeenne g^annt wii;d 9 von dem eigentlichen Diabase 
(D i o r i t) übersehen bat $ alleih es, ist dennoch von demsel- 
|)en als von eixiem Gemange aas Feldspath, Hornblende (?) 
und Augit dielVede, Während, nach den bewährtesten neuern 
ErfEtbrungäUv, gerade die Abwesenheit, öder das hdcbst spar- 
same 9 mehr suTällige Erscheinen der Hornblende bezeichnend 
{flr den Dqldrit ist. Und so wird die Sache keineswegs in €*in 
vollkommen klares Licht gestellt. Was der Verf. von den all«^ 
mähltgen Uebergängen aus Dolerit in Basalt , aus Basalt in 
PhonoüUi \i/s. YTßf so wie von dem diese Erscheinungen 
Bedingenden sagt,- ist sehr wahr^ daraus dürfte sich aber 
wieder ergeben , dafs eriDolerite und nicht D i o r i t e be« . 
schrieben hat , denn Uebergänge aus Diorit ii^ Basali: sind 
nicht anzunehmen. 

Nach dieser kleineil Abschwei|:ung kehren wir 2um Sa^ 
Ushury'»'Craigs zurück. Sandstein von feinerem und 
gröberem Kerne setzt den Fufs und überhaupt den greiseren 
Theil des Hügels zusapimen. Der Gipfel besteht aus Dale- 
r i t (Diabase des Verf.) , welcher auf dem S a n d s t^e i n . rubt^ 
angeblich al)er, wie u, a. am nördlichen Abhang in der Nähe 
des Palastes von Holyrood-^^Bouse^ auch von Sandstein 
überlagert sejxx soll. Wir sind eher geneigt zu glauben, dafs 
diese scheinbare vUeberlagerung davon herrühren dürfte, 
dafs dem Dolerit ein gangartiges Vorkommen zusteht; auch 
sagt Herr N« de 5^ seihst: genau genommen (?) liefse dejrT 
aefbe :sich nicht als Lager ansehen. An kleinen Ralkspath- 
Theüchen* und eingesprengtem Schwefelkies ist der Dolerit 
sehr reich, und Kalkspath - Gäng& mit Drusentäumen erfüllt 
von Analzim«» und Amethyst* Krystallen gehören zu den ge« 
wohnlichen Erscheinungen, VVaa vorzüglich beachtungs« 
werth» das sind die AenderUngen^ welche beide Felsarten, 
Dolerit und SandsteinT" da erleiden , wo sie einander berüh- 
ren. Dieser wird härter , Jaspis- oder hörnsteinartig, selbst 
({uarzähnlich , meht und weniger schwarz von Farbe und mu- 
schelig im Bruche; seine Schichten^ erscheinen ihrer Ursprung-» 
liehen Lage entrückt und , zumal nach der Teufe , gebogen 
und gebrochen. Stücke, selbst ganze grofire Massen von 
Randstein findet man^ ringsum eingeschlossen von Dolerit. 
Und dieses Hegellose bi der Liage 9 diese Erhärtung » die^e* 



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iÖ6 N, de SflQiSure Vojag« W EcSos^m. 

\ . ■ ' ■ * 

^ A^nderuDgcte' iih ga^)£eit We8«k der PeUftrt sind auf der wei« 
t«n Ausdehnung der Massen Wohl beöbscältbäi^ündhie^eny 'wie 
Uti^ 'scheint^ ifeieailich u'nz^weideutige. Beweist ^b^r> die Bil- 
dui)gsaft, -welche wir füi* den^.Dolerit aneuiiehmeh haben. 
Auch das letztere Gestern hart eine jLTtnwand^^ng«^ erfahren, 
da wo es den Sandstein ünmictelbfff» berührt«; lies wird mehr 
gleichartig, 'die Geinenge verfliefsen inniger mit einander, der 
£ruch ist eben , selbst unvollkommen muschelig,' glanzlos. — 
Der, 12^ Toisen Seehöhe inessende,' kegwörmjge Hügel 
Arthur-^Seat ist meist 'aus l^ra ppt uff zusäBimengesetzt, 
der von zahllosen Kalkspath-'Aderh durchzogen wird, und auf 
einer Folge (?) von Eholerit *• und Sandsteinlagen (?) ruhen soll. 
Di« über dem Trappt üflF sich erbebende Spitze besteht aus 
einem por ph yra r tigen G estein e mit basaltischer 
Grundmassd, welche Olivin-, Augit- und Feldspaththeile 
enth to. — - Die B ra i d - und ' Bläc kfö r d - Hügel 'werden von 
Mandelstein gebildeJt. — <■ Die, längs der Küste Aes 
Birth of Forthy weithin sich erstreckenden Ebenen sind mit 
mächtigen Ablagerungen von Geschieben überdeckt, unter 
welchen auch manche Rollsteine sehr f er nländis eher Gebirgs- 
arten getroffen worden. — Im südlichen Theile von Fifes- 
Jiirej so wie . um Bor^oust biviiefs und Dalkelth trifft 
ihan * unermefslich« Steinkohlen - Niederlagen , deren 
Schichten ,^nacb der Tiefe zu, mächtiger werden.- Das Dach- 
gebirge besteht aus Sandstein und Schieferthon. Hin und 
wieder, wie namentlich auf der kleinen Inse) Inch^Keii^i^ 
erscbeinei^ auf . dem Kohlen- und Sandstein -Gebilde Wacke, 
Basalt u. s, w. Dolerit trifft man noch an vielen Orten, so 
X. B. he\ Not th' QueenS'Ferryy ferner längs dem Hafen 
von Aherdour bis in die Gegendvon Pettycour u. s.w. 
i— ' In den Steinkohlen zw^ischen Kinghorn -und der Largo- 
Bucht setzen V mehrere S.asalt- und Dolerit -Gänge auf. Der 
Klingst^in - Kegel North'*Berwick-Law steigt mitten aus 
dein Sandstein dej: Kohlen -Formation hervor. Die Felsen 
der Küste her Dungla/s bestehen aus Sandstein* in der 
Nähe voin Ciap K eale ruhen die Schichten dieser Felsart auf 
Grau wacke. Hier ist die Grenze der Edinburger Stein- 
koblen -Formation, Die Lamme rmüir''Hilis so wie das 
steile Gestade' vom Siccar'-'pojnt bis Berwick sind aus 
G.rauwacke zusammen gesetzt , welche mit Grau- 

, wacke n schiefer wechselt. Das von PJ'ayfair angege- 
bene Vorkominen eines Liagers von Granit in der Grauwacke, 
hält unser Verf. für zweij^elhaft; er bezeichnet das Gestein» 
welches er für keinen wahren Granit zu halten geneigt istf 



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wovon, öfi jedoch nur-ein^ iebr oln^rflftchlkbe Beschreihung 

Qiiccheilt , .#mt\ dem Namea iCrnmle Mnidquß de transition, ' 

Ausflug 1 aaaieh dem Eilande Arrmn. In dem lebhaften 
Streite . aiiyischeQ den Huttoniänetn und Wcomeriftnern' wirci 
dieser Ii^el öiU erwähnt, ala. des Sitzes höchst wichtiger gecH 
gnostif chec^Ei^ciiftinung'en ; auch 'Ja m>e s O'H s gedvftngte Sohil«« 
derung fiea:le^njbsi(te 4^s Verfi«Fx»schbegifird« rege gemacht» 
er besc^lp|> .4^b4ll> mit leigenen ' Augen t\x sehen. ^ Von 
Edinburg «(fis^fi^t der Weg durch kleine- ohsnde Dörfer, dia. 
ganze &ege^dllr^t den ChäraJUer einer ^unangöttehmen Ein« 
iOrmigkeit, Ei^t wenn man sich* Glasgow .nähert, gewinnt 
dieLandschaft m^hr In^er^esse. Die Stadt ist schdi»; ihre Stra-«. 
I^en slndlht^eit :und gerade^ Sie. läfst. sich, was diebeträchtliche 
Zahlihi;e)^])iIaniifACitur.enJ[)e^cifftyinit Manchesiev^ und, bifk«^ 
sichtlich dj^fl[Au9gl$d$hntej(i ihrer femländisohen Handeisvprbiviw 
düngen,, m^t. lK%ver,pA.Oil nsBgleidben« Die Frächtliebe iiii. 
Bauen, i^^ upi Yi^l^s .grölser;« '>als^in. der Hauptstadt Schatt- 
Linds. Die- Universität g^mehtf eines, wohlbegründeten Kn- 
ies; das» ff^i^hAlPgssjrstem w.eidit. jedoch wesentlich ab von 
dem, in J^d^nl^^rg. eingeführten lund nähert sich, mehr j^nem 
der Englis^c^Hochsphuleh. Die Studieuenden , der^n Zahl 
z^ifner JS9it,ungefähir>4p0.^b«tr)Ug, sind etder .eigenen Disci-f 
pjin ^pte^g§^(t^öt und m(jbss^ stets in langen rothen Rl^i-. v 
^ern gehen.^/ Pi^s.KrAnlL^enhauSjiftt mit der I?i^cht' eines Fa]al<^ 
steserb^t^ . !Qi^ Hauptkirche g'ehOrt; zu. den äl besten in £u«' 
u)pa. und i^ f W^ iMOn jenen , gegencWelche. der fanatische £1- • 
foder Pu;rüs((i^r/ainiWetiigsteni^«wüth^t. Bek.Tri^ky'^hall 
Felsen vßfi, , j|I,9 xi:d;e.ts t e iini, , «i^^saichnet* dUi'cti mahche 
interessff^t^ ]^jUis<;hl|^99et. wiei^eolithy/^nälziin, Frehnitete«- 
Der ¥fi]$iiä^^.^oii PumiiA^TJan i^t. schöner Aohwareer Basalt»' 
der ayif .T[v:Vjp;|pi3^1fiden. i(?>*£*llg«n toA grauem 5 Cihi eferthon 
und vom grAidicWiT.'WiKkie ^uiMh, fi^o:!.!;' wdr -bezweifeln» 
^als der yerfl.'dieiSe«&tscb^tng. richtig «nfgefa&t habe, um 
^ mfHxXfi 4a> <s^ ipjoirl /dep»: »Sonder baren, d^t- seoik rechten 
Stellung^^^Ji^fJC dif ♦er ;s.o^<?^tfi»nten Lagen ;^psiiöh^.;(so-wie wir, 
<ienn üb^irh9upt)()i^s It^erMi<gS)^jerhältnirs. mitunter klarer ent- 
\^ick«lt z\i seh^n gevitfln^^'ktätt^)« Da^ Sclilofs macht sich 
bedeutend durch &ßm^ ]U9g^< am 'Eingänge eines der Haupt« 
thäler vonrHo»ch^$(;ho|t]and:^.nd«AQ^ Ufer det Qlyde, — • Dei^ 
Rubrer der j^ejae^den.» . lei^j^^r^vo^fden Veteraiiei] der kleinen 
Besatzung f^^^e^ ind^i^i er;ini.t dauerndem JBlidke a^f einige 
Kanonen hin,Wii|^<4. „Sip:habefi ^Y>9^rm C4il(^ur Gf^ariie) ge« 
bört.cc D^»' Andenken a^ den Unglück) icbmi Fr ätcu^denten hat' 
^icb in ^n Sergen Schottlands s^ht lel^aft. erhalteh. f^ Auf 



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dem Wege von Dumhartpm nadi InDtfrary^entftiltet sich, 
gleich hinter Jl0ftM>ii, Mf^ man die Ufer des Lomohd-Sees 
erreicht, einö schöne und diannigfaltige Aussteht; ^Besonders 
^ngenehn^ ü^g^ ^s Jüeine Dorf Lafs, Am entgegengesetzten 
Ufer erbebt \ sich der B e n * Lomond, Zii' aen ' vc^feügÜGh 
schauerlichem Thälem der Umgegend gkhövi'y^i ^n^MoU' 
Cham. Dh westiiche K^te^deS'L^^A Lö ik'd Hil i^emiäjit aus 
Urgehirgaarten;^ Talkschiefer ^ der in zsUkblttbeh ^^tleinbrü- 
ehen gewonnen wird, ist das herrschende 4}e6tein, Unfern 
der Stadt S^lteouts siieht man die Trüxüm'ef^dbi dten Scblos« 
aes ^ndr^i#4in;^ bekannt aus der Zeit, in Welcher die Dä- 
nen sich dieses Theiles Von Schottland hemeistert. 

.Mineralogie der Küsten von Ayt^hirg, D^ f^elsen, das 
Möeresufer hegrenxend ; bestehen euS SandirtlUn und erheben 
aiehhin und wieder zur beträchtikfaen Hdhjll' - Die Felsart, 
äüs t^uarzJcömern mit wenigem thopigem Bihdeolitteb «usam* 
mengesetat, 4^t in Schichten abgetheOt 9 wriche) liäth allen 
Richtungen von^ Basalt« lind Doleri tgän gen- durchs ekat wer- 
den. Im Hangenden und Liegenden zeigen . sich diese "Gänge 
meist vollkommen eben; dae Jrallen derselben ist iiöohs^' ver- 
schieden ^ einige sind fast senkrecht, andere i^gar vol^om- 
men horizontal. In mehrern. dieser gaftgartigen^Weit-ungen 
ist dier Basalt durch kngf ährige anhakende Einwirkung der 
Meerie&waftser gänißHch zerstört* und hinweggeftlhrt -worden; 
der Sandstein schliefst in solchem Falle leerenäume ein, wel« 
che theils Kanälen, tfaeils Riiuchiängen ähnlich v ^aber aufial« 
lend regelmäfsig axndi gleiche den At'beiteh vdniMenschlicher 
Hand. ^ Das Sddofs^ jindroi^san ist aufSäulen^Basal^^rbaut; 
tiefer liegt Sandstein, der- von vielen BasaltgSngM dUtchzogen 
Wii^d, in deren Nähe er seine rothe> «Färbung ein^ebüTst hat 
und höchst fest geworden Ist^ Etwas weiter sflIWirtS be- 
s^eh^das Ufer ans Schiefertben ^ in 'welchem ebenfalls zabl- 
reicbe Basaltgänge aufsetzen. Diese firseheinungeti nimmt 
man. wahr hiß Salteoptt und in der Mitte dieser Stadt zei- 
gen sich Basaltl^änge , welche BnithstOdciB von Si^tefertbon 

V einschliefs^n , die zwar noch das £igei|thümUcbe ihf ea Gefil- 
^ gea erkennen lassen , aber eine beträchtliche Härt6 angenom- 
men haben. Unter dem Scbiefeithon kommt Steinkohle vor 
und hier zeigt' sich 'das denkwürdige Phänomen , ' dessen 
schon Play fair (IHustraiio^Y 0/ et» Huttoidäh TkBorjr §. 2660 

^ erwähnt, ntmlich dafs die^ auch inr der Kohle tfufM»tzenden 
Basaltgänge diese ihrer bitümindsen« Materie- beraubt und sie 
im verbrennlich gemacht haben, — Die Insel A ^tä» gewährt 
einen Anblick von seltner Wildheit« Hohe Be^ge besetzt mit 



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^ K- d« Sami^irr^yoytge «o Ecotir« |5d 

kablen Felsujirftiidisny unwirthbi»:e Thller; dat, w-as man. eine 
Stadt nennt 9 :JS ro4icJk, nur aus wenigen 9. einzeln zerstreu^ 
ten, elenden Hftttenbeetehend. Die Bewohner haben mit ihren 
Nachbarn nur sehr wenige Verbindunci, sie stehen fast nocli 
auf demselben Stande der Kultur ^ auT welchem sie sich Tor 
mehrem Jahrhunderten befanden« Dieser Mangel an fort^ 
fichreitendieir Giiitilisation dürfte V4»rztiglich dem uniruchtbareit 
Boden und dbni kalten feuchten Klima zuzuschreiben seyni so 
wie den heftigen in diesen Gegenden stets wehenden Win* 
den, woduprch das Meer stürmisch und -for^ einen grofseii 
Theil dea Jahres unfahrbar wird« J!>^ igänve Ertrag des EU 
landes) dessen^ Volksmenge im Jahr tbOl'nur 5179 Seelen 
betrug (nadk Headrick belief sich > die Zahl im J. 1793 
auf 5do4> wird au{4000 Pfund Sterling jährlich angeschlagen« 
Allein f&ff den Naturforscher und für den JLandschaftsmaler 
liefert diC'Xnsd Yiel Wichtiges ^ hur hat man, im Innern der^ 
selben reisend, mit den grdl^ten Schwierigkeiten au kämpfend 
Nicht ei^. einsiger fahrbarer Weg; der Gebrauch derBrÜcke«! 
noch unbekannt; armselige Hl^tten»^ • u^ Weniges 'besser als 
die Wofanuiigen der Tobesten Völkef Schäften. 

Der 2, jfand beginnt mit der Schilderung der mineralogi«^ 
sehen Merkwürdigkeiten der Inael Ar ran. Die Ebene ^ s Wi- 
schen de^ Bergen und der BroJi öA-Bucht besteht gane aus 
aufgesehwemmtem X^ande \ aus Oeschiiaben ^ Grufs und Sand| 
nur eine geringmächtige ÖaeMtterdedecke ist darüber ausge« 
breitet« Am Walde von JBfv^^tftf Ansieht man- ejksiige Sandk» 
stein «.Felsen. Sie müssen als Fortsetsung der<Bergreihe gel« 
ten^ durd/ welche Glen-Scherrig und Oien Clor von 
einander geschieden werden. In der Mitte 9er Sandstein^ 
Massen findet sich (wohl ohne Zweifel als- AurfllUung eines 
gangartigen Raumes) obsidian&hii^^cbWr ^f echstein 
mit vielen eingemengten kleinen Krystallen ghsigen Feldspa«» 
tbes. In der Nähe des Fechsteins i^ der Sandstein kehr er« 
härtet. Ein Vorgebirge , dessen erhabenste funkte der 
Dundou und D u nfe une ausmachen, trennt die Buchten von 
Lamlash und von Jir^odick* Rother Sandstein setzt 
dieses Vorgebirge in der Tiefe zusammen; er wird häufig von 
Fechatein-9 Basalt« und Doleritgängen durchzogen. Höher 
sieht man einen Feldstein-Porphyr mit vielen einge« 
mengten Quars- und Feldspath • Krys teilen. Der Verf. schil- 
dert das letztere Gestein^ was seine 2^usammen8etzung, die 
mit der Verwitterung- u. s. w, iverbundenen Erscheinungen be* 
trifft redit ausfahrli^ und gründlichy so» dafs über dessen 
wahrhafte Natur kein Zwejifel bleibt 9 vorausgesetzt ^ dals 



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alle Angaben gendu sind, und raaiii -f ermag aiich'liaclit au ei 
klären, wie Janneson jdazit> gc^kommen,. ^.dies^ .Oebirgsa 
für öinenJPorphyr mit Wackß-GEUondmass« (Whkkkn" porphyr^ 
gelten ^tt lassen. — Unter allen :'geogno6tischen Phänomen^ 
de« Eilandes .erachten i wir ^dgens dt^ Verzweigungen di 
Qrai^ilies in dejsi Scbie£eIimasslen^ ifüf das wic\itigste;.<. IJie £i 
Sßheinung iativoriöglich bex»baohitj)Br an deii Falb wänden d\ 
Htfes^tlicbea Tbeiles des ToiirW^ ud<4n9\on, welcbeoT'Befg ^üdos{ 
wdrts ivöm^^ y \B^.d nm an See^ ii wlsoben : > den > Tbalern Glen 
fi.0nz>a^ imiki Ol'jaä''ijinahi'nac\h;i^e}eg4n.' In der. Nabe d*^ 
Qranites J)üX9t- äsx .Sshiefdr^ die^mantelfdrmige Umlagern nj 
jenes .Ge^elnQS^isaiokalk^ti^es We^en. gSnadich diil, er wiri 
Oillmfihlig .au Thtüiachiefet;^ itiraditiscliQ Gänge von ^^r veij 
Spbiedensten iBfläfcrhÜjg^eiti idij^dhseti}en.r den >Tb&nschiefer i\ 
deji vielartigsten. HicHtungdiu. Wiö, diel öängei ihren Anfaii| 
nehmen^, :ist der.Gcaüuit grolsk^snig, durehaiis jeneih der Ge| 
birgsiiia^«^ ähnlich, >llein nach und naich>9 aq \i^ie.die Gängj 
Sßhiniler wenden 9. er^bei^t das. Korm fetner» jiukI. zugleici 
, ititt eine auJGFaUende Aen<)erung'in den wesentlidie^ Gem^ng 
theilen ein, indein zuerst <d^ G}ianner zurücktritt uhd emi 
Ij^hj. yerlghwindet 9 sodann auih. der Feldspath >icfa verliert 
und das^GaUggestein zul^^t j^ur laüs reinem Q^uarse l)estebt 
^lle .Gänge kj^eik sichr^ebc schärft aas, , Aw dem« Wahrhaften 
^usanim^.nbange» derselbeu/mit der. granätiacben Geinr^smass 
ist übi:ise)9is. ui(Jit) zu zweifelvurnd 0eidejgebdfea:lo£eitJbar ti 
»er Bildunäft^ieitian, — ,<Ai}^in0i. mochte. ; diese /ithsitsaphe 
»ach dear YV^^rinie fachen I^ehrel.yo» der U^sh^nlagerking und 
von der Ausfüllung ;de» Gänge #qhfwer z vi erklären ^yn* Und 
äbtilicbe 54'scl^inung0n . wurden an andern Orten hacbgewie- 
^n, .so.naiin««tlicht!vot Hur^^ton und Piayfair am südli- 
chen j Abbanjj ^^..C^tjatfi/fldf. in 'mqhrecn. Gegenden d(^s 
GJ e^n^MQsa^ •U!^^in de^ /g^eooü Süden das ::^i0Js.-.<S an no^^ 
begtitrnz^nden S<^geh ii^, a«iWf«'.. •. av' . . ^ 

, . . l . . • • ■ u ' 1 ^ I . I. ■'.:.. . > « • . . - . ("v • : i . ; • 



) -. 



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N. IL 1824 

Heidelberger 

♦ 

Jahrbücher der Literatur. 

saag^ i\ ,„■,.,].,, ^i i|i,'„j ii i 

Necker de Saussure Voyage en Ecosse« 

• . . I ... 

(Bes'<:hlufs,) 



Die Ueberfahrt von Brodick nach Rothesay auf der 
hsal Butej eine. Entfernung von sieben Stunden,' wird, bei 
günstigem Windo in zvi^ei Stunden zurückgelegt. ÄufFallend 
ist der Unterschied beider Inseln was dal's äufserliche Anse- 
hen des Landes ,.xlie klimatischen Verhältnisse, die Produk« 
tionen und selbst die Einwohner betrifft. Auf Bute ist die 
Luft mild , der Pflanzehwuchs ti'ppig , Alles trägt das Ge- 
piüge des Wohlstandes. . Der Hnuptort ist Hot'hesay, Von 
dein Schlösse der Schottischen Könige sieht man nur noch ei- 
nen nindei^ Thurm, — Am Meeresufer Felsen aus San\l- 
stein, ähnlich denen von ytyrshire und ^^rrarij und gleich 
diesen durchsetzt von Basalt- und Doleritgängen, vvt^lcne die 
näralirhen Erscheinungen wahrnehmen lassen. — Die ScKil- 
derung der Sitten der Lowlc^ndarSf oder der BeAvohner des 
niedeni Schottlands ,' den Inhalt des Vf. Kapitels im zweiten 
Theile ausmachend, ist zu keinem Auszifge geeignet. 

Reise nach den Hebriden. Der Weg von Edtnh urg 
nach S.terl i n g führt.durch Linlithgqio,T)ie Trümmer des altert 
Schlosses, die Geburtstätte der Königin Mar isrS t u ar t, sind 
reich an geschichtlichen Erinnerungen, — Nicht weit davon 
die kleine Stadt Falkirkj bekannt durch die Schlachten von 
1296 und 1746j* und das Dorf Bannockhum^ in dessen Nähe 
■Ro&tfrt Bruce l3 14. den denkwürdigen Sieg über Eduard II, 
erfocht. ^ — Mit dein Dorfe C allen der ^ drei iStunden von 
Sterling entfernt, erreicht man den Eingang der High'' 
iands. Hier zeigt sich eine gänzliche Aenderung der geog- 
nostischen Beschaffenheit des £odens. Von Edfnjb u r g his 
Sterling undvop dabis Callender herrscht noch immer das 
Steinkohl enr Gebilde; nur hin und wieder ist QdLSse'ihe 
überdeckt von Trapp - Gesteinen. Bei Callender \^hex Ite^ 

XVU. J^hrg. 2. Heft. ^ 11 



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162 N, de Salusur« Vo/pge tn £oöSft*»' 

ten Urfelsarten auf: tie sind von den Fldtzgestelnen ge- 
schieden (durch Lägen efne^ ^öbet-eituönglooierates, welches 
auf eineni Gemenge aus Quarz;^und Chlorit ruht^ dann folgt 
tmmittelbar der Gli in m«r schiefe? vpn Ben Ledu Der 
ijtbeh' Kath ritt Ht unttfr der Seen Spfiottlärids* der ireiftliitd 
an Natur -Schönheiten. Er hat viel Aehnliches mit dem Lu« 
zemer See. Der Ben Lo'mondj die nachbarliche Ebene um 
600 Toisen Übersteigend , gewährt eine herrliche und ßehr 

fedehrite Aussijcht. Gegen Norden und Nordwest fallen seine 
'eiswände steil, fast senkrecht ab* Das herrschende Gestein 
^«t ein, von häufigen Quarzgängen durchsetzter, Glim- 
merschiefer. Das Thal Glen Fruin^ an den Ufern Aei 
Loch LomoTtJ, ist merkvrürdig durch die bekannten blutl- 

fen Auftritte zwischen Allaster Macgregor und den Laird von 
iuss -Sir Huraphry Colquhoun im Jahre 1602. Die Berge 
den See gegen Westen begrenzend, bestehen aus T alks ch ie- 
£er. Der nicht weit entlegene Loch Long hat salziges 
Wasser. Das Thal von Glen^Croe erii^nert, durch seine 
Wildheit an die Gebirgspässe der ertabensten Alpen^eigenden. 
Nicht weit von luv e rar. y wird bedeutender Steinhruchbau 
in Fe Idstein -Porphyr, betrieben. In einiger Entfer- 
nung steht körniger Ürkalk an und zwischen diesem Ge- 
stein und dejn Porphyr sieht man Gl i m m e r s chi ef ^r , die 
um Inverary vorzüglich verbreitete Felsart. ^er Ürkalk 
und der Porphyr machen untergeordnete Laj^er im Glim- 
merschiefer aus, — Am*Fufse der Krua^o han^Beni^ i^ 
der Nähe von Bunawe ^ liegt 'eine gewaltige Menge Blocke 
• aus verschiedenen Gesteinen , Gtanit, Syenit, Diorit, Feld- 
atcin- Porphyr u. s, w. bestehend; der Verf. konnte jedoch, 
gedrängt durch die vorgerückte Jahfesieit , eine genaue Un- 
tersuchung der.Berge, von welchen jene Trümmer abstammen, 
nicht vornehmen. — — Fahrt von Ühan nach Stajf^* 
Die Insel war, zu der Zeit, als Herr N. de S. sie besuchte, 
völlig unbewphnt. In der Nähe des Landungsplatzes ein klei- 
nes Vorgebirge, durchaus von Basalt zusammengesetzt, der 
in sehr regelrechte Säulen abgesondert ist, welche ungefähr 
wagerecht liegen^ so, dafs map, wie auf einer Treppe, über 
dieselben hinwegsteigt. Von dei; Höhe des Felsens bietet 
sich dem überraschten Auge ein wundersamer AnblickJ 
Nach allen Seiten 'sieht man nur Basaltsäulen in allen denkba^ 
fen Stellungen uiid Lagen , senkrecht und wagerecht und geJ 
neigt in allen Richtungen und unter den verschiedensten WinJ 
kein* Die meisten Säulen sind gerade, nur 'wenige zeigen 
sich gebogefn* Bei dies^em Maniiigfaltigen hat das Gänse dem< 



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N* d% SauiiuTe Vorrage cn Ecoite. 163 

ungeadb't«t etwas Geregeltet ; denn die Sftulen ttnd In wohl 
erkennbare Gfuppen abgeschieden 9 jede Gruppe stellt gleich- 
lam ein Ganzes dar , das eine eigenthümliche Gestalt hat und 
wesentlich abweicht von allen Übrigen. Auf dem kleinen 
Eilande Boojchallaj von Stoff a nur durch einen engen 
und wenig tiefen Kanal geschieden 9 finden sich die Saiden 
vorzüglich klein und regelrecht; dieT entgegen liegende K<)ste 
aber zeigt sie' in gewaltigem . Maßstäbe |. von < * i bis vier 
Fuff Durchmesser und mehr als fünfzig Fufs Höhe« Alle ste- 
hen vollkommen senkrecht und bilden , dicht an einander ge« 
schlössen , eine kolossale Mauer von beinahe einer Meile 
Länge. Schilderung der Finaalsgrotte u. s, w, — Ueher die 
Entstehungsweise der Felsgebilde auf Staffa legt der Verf; 
seine Ansichten nur sehr im Allgemeinen dar. £r ist nicht 
geneigt, die Insel alsrErzeugnifs eines eigentlichen Vulkans 
zu betrachten , sondern glaubt vielmehr, dafs wir die Basalte 
yon Stoff a, so wi^ jene der Eilande Viva, Gom^tra, 
Mull li. &• w« als der Trapp - Formation zugehdrend anzuse« 
hen hätten. . Ueberbaupt erachtet er die Insel für wenig b^^ 
lehrend in Hinsicht des Geolegischen, Vom Basalt sagt er, 
dafs derselbe feinkörnig seye, mitunter auch von erdigem An- 
sehen , und die letzte Abänderung ist es vorzdglich, welch« 
die schönen Mesotype in gröfster Häufigkeit einschliefst ^ fef« 
ner Stilbit, Analzim ,' Ghabasie (in Rhomboedern, nicht in , 
Wurfein,, wie, wohl nur durch einen Schreibfehler, gesagt 
wird), Cbalzedon, Braunspath u. s, w. D^s Olivins, der - 
aulser^em so gewöhnlichen und für den wahren Basalt so be« 
zeichnenden Einmengu^ng, gedenkt der Verf. nirgends ; dieser 
Umstand, und überhaupt ^'^^ ^^^ von der Felsart auf 
Staffo gesagt worden,' ipacht.un^ geneigt zu glauben, daJfft 
hier mehr von Dolerit, als von Basalt die Bede seyn 

dürfte. Ausflug nach dem Eiland Jona. 'Der Sound of 

Jona^ ein äufserst schmaler Meeresarqi, scheidet die kleine 
Insel gegen Osten von.dem Eilande Mu.1 1 , welches in dieser 
Gegend den Namen Ros4 of Mull führt und an de^ Küste^ 
aus nackten, niedej-n, granitischen Felsen besteht. Gesichicht^ 
liehe Thatsachen dielnsel^o».* oder J' Colnt'^ Kill betref- 
fend. An altert hümlichen Denkmalen ist sie reich ; dahin- ge«' 
hören li. a. die Trümmer der St, Or«» -Kapelle und in de- 
ren Nähe der Todtenhof , wel<?her so viele -herühmte Leichen 
einschliefsen soll, namentlich die Gräber von 48 Schottischen 
Königen, von Fe'r gus ü. bis zu Macbeth. Eine' tfaon- 
schiefer* ähnliche Feisart herrscht in der Nältp des Dorfes, 
Gegen S. O« findet man körnigen Kalkstein , welcher in gro« ' 

11 * 



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164 N. d« Ssiussure Voyage «n £co<f(e. 

ften FeUen vom Meereaufer hervQrtritt; • Welkntcblag iin 
StrÖmungeli haben alle Ecken und Kanten ^des Gesteines abg< 
rundet und seiner Aufsenfläche eine scböne Politur gegebe 
In dem Kalk kömmt edler Serpentin (Ophit) in nierentörmig 
!iy[aä|8en vor. Die Gescbiebe dieses. Minerals sind in Schott 
land unter der. Benennung Jon rf p * 65 /er' bekannt. — D 

. lijsel ülva ist felsig und unfruchtbar. Basalt (Dolerit?) zeij 
sich benähend; seine Unterlage vermiig. man nicht auszumii 
teln, denn überall unterteuft er die Meereswassfer. Zeolitt 
Nieren machen das Gestein oft ganz mandejsteinartig. — Al 
dem Eilande Coil bestehen die Felsen der Küste und des Ir 
nern aus G n e i f s , der. von mächtigen Feldspatbgängen duicli 
setzt wird j welche häufig Quarz, Glimmer und Hornblend 
führen. Die Gänge sind offenbar granitisch und tait demOe 
birgsgesteiti von gleicbzeitiger Entstehung. In der Gang 
raasse- finden, sich Drusenräumen . mit zierlichen Strahlstebi 
(Epidot-?) Krystallen.. Im südlichen Theile von Co// durch 
iiehen mehrere Basalt- (Dolerit*?) Gänge den Qneifs; sii 
durchschneiden the^ls die Schichten der Felsart, theils laiilei 

•sie derselben parallel. Die Gangmasse Wird, da wo sie dei 
Gneifs begrenzt, mitunter feinkörniger^ Die einzige, Li 
jetzt in der Insel aufgefundene, metallische Produktion h 
^ "Bleiglanzv Sand findet sich da, wo kein Gestein zu Tag ausi 
geht, in gewaltiger Menge aufgehäuft. — Die Inseln Col\ 
und Tyrie werden durch eine schmale Meeresenge >etreimt 
Tyrte gewählt, nachdem man. den sandigen Wall, welcliei 
das Ufer begrenzt , überschritten hat, einen ung-emein freuiiA 
liehen Anblick. Sie ist die fruchtbarste, die am besten angd 
baute von allen Heft r£c/€j^7a. Derselbe Gneifs, welcher deJ 
Boden von Coli zusammensetzt, findet sich auf Tyrie nm 
umschliefst ebenso Gänge grofskörnigen Granits. Bei B 
laph aitrich findet man darin ein Lager von fleischrothe 
höchstfeinkörnigeiTrl Kalk. Diesss schöne Gestein^ unter cl« 
Namen des Marmqrs von Tyrie bekannt, ist auch darum i 
teressant, weil dasselbe den Malakolith in kleinen Körn^ 
und rundlichen Massen und inBlättcheri in grofser HäufigkJ 
enthält. Mit dem rothen Kalk kommt auch wcifser vor, vi 
gröberem Korne , hin und wieder mit beigemengtem Stra 
stein, mit einzelnen Feldspath- Krystallen, endlich sieht 

.darin eine Substanz, welche der \er§. geneigt ist für Hau 
anzusprechen. -^ Das kleine Eiland Soey i)e&teht ebenl« 
aus Gneifs, in welchem Feldsteingänge aufsetzen, die Kr 
stalle von HJallagon einschliefsen. •— Fahrt von Coli iH 
Cä.nna, Auf der kleinen Insel Eigg der Scour Eigg (^ 



; m 



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N, d« SflWurc Vo/age ea BtoMf». 165 

dem Jaihetoilf in teinem Outline of the Mlneralogy of thß 
Scotish Ishr, eine gelungene Abi)i]dimg geliefert hat)^^ dessen 
säulenförmige Absonderungen nach He^rrnN. de S. aus einem 
obsidi^na rti gen : Gestein bestehen, für welches er, 
zur Unterscheidung von dem glasigen Obsidiani die Benen- 
nung Obsidhrmelithoide vorschlaget. In seiner Masse sind zahl- 
reiche Krystalle glasigen Feldspathes und angeblich auch mi- 
kroscopische Ma^neteisentheile enthalten. — J^ui Fufsedes 
porphyrischen Kammes vom Scour zeigt sichBasalt, welchen 
zwei Gänge von gläsigein Obsidian durchsetzen. In der Mitte 
des Raums ist der Obsidian «unrein dun{j:el-bouteillengrÜDy 
muschelig im Bruche und schliefst hin und wieder Krystalle 
von Feldspath ein. Da wo Obsidian und Basalt einanaer be-' 
grenzen, wird" jener noch glasiger und schwärzer von Farbe ; 
die Verbindungslinie beideir Gesteine ist sehr scharf und 
deutlich und allmählige Vebergänge finden nicht statt, auqh 
scheint det Basalt in der Nähe der Obsidiangänge keine auf»» 
fallende Aenderung erlitten zu haben. Besonders merkwür- 
dig ist der eine von diesen Gängen durch die Masse einer 
Felsart, w^ eiche er umschliefst , und" die, wie fes scheint, au*- - 
fserdem nirgends auf dem JEJilande vorkommt, jQi'e , nach 
allen Seiten von schwarzem glasigem Obsidian umgebene 
Masse ist lichtegrau , körmg und besteht aus einem innigen 
Gemenge von Feldstein- unu Quarztheilen mit. sparsam zer- 
streuten Eisenkiespur\kten. --- Unter den häufigen Grotten^ 
die man. längs dem Meeresufer findet, enthält di^ eine mensch- 
liche Ueberreste in grofser Menge; traurige Denkmale aus 
den Zeiten bürgerlicher Kriege, welchen die Schottischen 
Stämme geschlagen, -r- Auf dem Eilande If.um Sandstein, der 
an der we8t;Hchen Küste jn sehr steilen Felsen das Meer be- 
grenzt; die Schichten fallen unter 60 Gr. in W. Der Gipfel 
des Scour nio r e besteht auS einem' wackepartigen M a n d e 1 -i 
stein, dessen Blasenräume mit Chalzedon und Heliotrop 
erfüllt sind, auch schöne Krystalle yon -Kalkspath und vor* 
züglich prachtvolle Bergkrystalle einschliefsen. Die ganze . 
Insel ist übrigens nur. eine einzige Gruppe von Bergen, welche 
fast alle eine^ Seehöhe von 300 Toisen erreichen. . Die höch- 
sten Th eile dieser fels^iireichen Berge sind, nach IVJacc^i-' 
loch, ohne Ausnahme doleritisch^ — Die Meeresenge., wel- 
cbe Canna von Rum trennt', mifst liur anderthalb Stunden» 
Breite. Der Gipfel des Compass hill ist bekannt durch 
seine Einwirkungen auf die Magnetniidel;' diese F.igenthüm- 
lichkeit hat ihm auch den Namen verliehen. Er besteht aus 



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166 ' N. d« Saasture Vojag« en Eeoffe. 

' ■ « 

Basalt und die f'elsart zeigt nicht selten in 1)lofsen Band 
Stücken das erwähnte Phänomen. 

Im 3. Bande erzählt der Verf. zuerst seine Ueberfahr^ von 
Canna nach Skye. Gewaltige Felsen aus- sehr augitischem 
Dolerit bilden das Gestade bei Talisker; unermefsliche 
Haufwerke von Felstrümmern und Blöcken sieht man am Fufse 
der Berge. Purch häufig eingepieAgte Kristalle glasigen 
Feldspäthes erlangt das. Gestein ein porphyrartiges Ansehn 
Andere Theile desselben sind blasig : die Räume erscheinen 
mit Kalkspath- und Zeolith- (Mesotyp -*) KVystallen ausge- 
kleidet, ujnd mitten zwischen diesen zierlichen haar- und na« 
delförkigen Gebilden findet man die schönsten AnaUim-Kry- 
stalle. — Die Cu^llen'mount aim^ diese erhabenen steilen 
Berge, mit gewaltigen pyramidalen Felsmassen, deren l^Öch« 
ster Funkt der B6tn-na-Cai//ic^ ist, gehören, —nach 
den Bruchstücken und Kollsteinen zu urtheilen , welche der 
Verf. am Fufse derselben fand, denn eine genaue Untersu- 
chung gestattete ihm die Kürze der Zeit nicht — den Gebil- 
den der Urzeit, Granit, Syenit u. s. w. an. — In der Nähe 
jener Berge trifft: man, in einem kleinen See, Eriocaulon 
decangu.lare, eine Pflanze, welche in dem übrigen Europa 
nicht vorkommt, die jedoch im nördlichen Amerika sehr hau- 
Hg ist« Ihre Anwesenheit auf dem Eilande S^kye gehört zu 
den für die botanische Geographie schwierig lösbaren Auf- 
gaben. 

Rückreise über Elgin^ die Hauptstadt der Grafschaft 
Moray^ nach Edinhurg. — Wir können von den mannig' 
f altigen interessanten Bemerkungen des Verf.. keinen weitern 
AusEWLig liefern, indem wir für räthlicher erachten , von dem 
uns noch vergönnten Räume für eine gedrängte Uebersicht 
der geognostischen Verhältnisse Schottlands im Allgemeinen 
Gebrauca zu machen. Aus demselben Grunde selben wir uns 
auch veranlafst die Abschnitte, welche von den Sitten der 
Hochländer vor und nach der Rebellion von 17.45 handeln, so 
wie jenen, in dem von Aechtheit der Gesänge Ossians die 
Rede is^, u. s. w, zu übergehen. Mit dem zuerst genannten 
Gegenstande sind wir, die Nachrichten von Fennant, Bu- 
chanan. Garnett, Mac-Donald u. a. älteren und 
neueren Schriftstellern abgerechinet, vorzüglich in neuester 
Zeit durch Walter Scotts liebliche Dichtungen vertrau« 
fer geworden. ' ^ 

Zum Schlüsse wollen wir nun die Uebersicht der 
geognostischen Verhältnisse Schottlands (Band 
iTlI, S. 475 ff.) im gedrängten Auszuge geben. (Den wohl- 



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N, dff' Saussure Vojag« eu Ecotse. ' 167 

geratbenen Abschnitt; Corifiguration du $ol pß divUions hydro^ 
graphiquef empfeblen' wir s um Nachlesen; nur bei Verglei« 
cbung der .Karte gewährt derselbe dais Interesse, welches er 
verdient.) Hoch -Schottland besteht aus Urgesteinen: die 
Berge des südlichen Theiles von Nieder -Schottland, nament- 
lich jene von Lammermuiri werden von Uebergangs^ Fels« 
arten gebildet. Zwischen beiden Gebirgsmassen erscheint das 
Flötzgebilde 4 welches aufserdem die niederu Gegenden längs 
den IJfern des Meerbusens von Morray und an der Ostküsta 
von Sutherland'XX, C aithnessshire u. s. W. zusammensetzt. 
Das aurgeschwemmte Land sieht man, als oberflächliche, Be« 
deckung, besonders an weniger erhabenen Stellen. Zug der Ge- 
birge und allgemeinstes Streichen der Felsschichten aus N.O« in 
S. W.; das l* allen am häufigsten in S. O. *-. — Unter den 
Ur-Fo rmat ivOnen herrschen öneifs, Glimmer* un4 
Chloritsc.hiefer, der letztere gilt als Stellvertreter .d*s 
Thon Schiefers. Ob der Gneifsnn der Teufe auf Granit ge^ 
lagert sey, ob Oberhaupt Urgranit, d. h. ein mit Gneifs nicht 
mehr im Wechsel erscheinender, in Schottland zu finden^ i^t 
unentschieden. Von den untergeordneten Lagen dieser Gc- 
birgsärt ist Quarz das bedeutendste; aus dem Gheifse hervor« 
tretend bildet er (Nord -West »Küste) Berge voi>' 500 Toisen 
absoluter Hohe. Gänge von Granit durchsetzen den Gneifs 
in grofser Häufigkeit. Erzführende Lagerstätten kommen 
nur bei S trontian im Gewässer vor. Eine höchst auffal- 
lende , indessen wohl noch einie sorgsame Beobachtung ver- 
dienende Erscheinung ist der, am Loch Eribal an der n(Srd« 
liebsten Grenze Schottlands, statt finden sollende Wechsel von 
Gneifs mit Bänken eines Muscheln führenden Kalkes. Wir 
sind weit davon entfernt, uns einen Widerspruch, gegen die, 
durch einen so bewährten Gebirgsforscher wie J^Tac-Cul- 
loch zuerst aufgefundene Thatsache zu erlauben und über- 
^ben dasjenige nicht, was im WaUiserl^nde und in Savoyen 
nachgewiesen werden (wo Gneifs wechselnd mit Grau wacke,. 
Tbonschiefer und Kalk vorkommt); allein ganz uiiwillkühr« 
lieb sind uns Leopold von Buchs entscheidende Einre- 
den gegen die bekannten, vom Grafen Marzarif Peii« 
cati in den Bergen Tyröls beobachteten, Lagerungs Verhält- 
nisse des Granites gegenwärtig geworden. — Die erhaben« 
fiten Berge Schottland;» bestehen aus G 1 i m m e r s c h i e'f e r^ 
welche Felsart mitunter bis zu einer absoluten Höhe von 600 
Toisen emporsteigt, — Die Chloritscb ief er- Formation 
(von frühem Schriftstellern ohne zureichenden Grund dem 
^'bontchiefer beigezählt f denn dieser tritt nicht herrschend 



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168 * Vi de Saussure Vöjagc en Ebosie; 

auf, sondern kommt auf un tergeor dp etöii Lagern vor) zeici- 
iiet sich, aus durch eiiie reiche Mannigfaltigkeit untergeordneter 
Lager. — Unter den tJ e b e r g an g s g e b i l d ^ n ist die G r a u- 
wapk e das einzige in Schottland auftretende ; es nimmt^jedoch 
nicht ohne Unterbrechung, einen grofsen Räum ein. Die mäch- 
tigen Lagen der,' zurGrauwäcke gehörigen, T.rtimmergesteine, 
wechsehid mit feld&pathigen Gesteinen und mit IMaridelsteinen, 
ruhen auf den letzten Schichten der Urformätioh. Die ei- 
gentliche Grauwacke ist zumal in der ICette der Lämmer^ 
muir-Berge zu Hause. Sie führt; auf Kalk- jurid BärythspatL- 
gangen, Kupfer-, Eisen-, Animon- und andereErze. (Die 
Ang^^abe, dafs in den von der Grauwacke eingeschlossenen 
Gängen auch Gediegen-Eisen (?) vorkommen soll , mag 
ivohi-auf einein Druckfiehler- beruhen.) — • A e 1 1 e r e r Sand- 
stein erscheint im Grunde mehrerer Becken. Seihe Schich- 
ten- sjnd, in Streichen und Fallen, sehr . regellos. Auf un- 
tergeordneten Lagern fiihrt er Felsarten , die wesentlich ver- 
schieden sind von denen der Grauwacke, — Kohlen-^§and- 
ite'in; Steinkohlen. — Aufgeschwemmtes Lani 
Aufser diesen Gehirgsgebilden hat Schottland noch die 
85 'denkwürdigen s elb s tst ändi g^en und örtlichen 
F örma tip-n en, wie . sie der Verf. nennt, aufzuweisen, 
welche gewiss ermafsen im Gegensatze der bereits angedeute- 
ten allgemein verbreiteten betrachtet werden müssen, alsGe* 
birg sg es teilte, die in besondern Ligerstätten einges6hlossen 
lind. Diese letztern Formatiohen , denen keine Schichtung 
«•ustöht, dringen mitten in die Gebirgsmassen^ein , gangartig 

festaltete' Spaltungen ausfüllend;' darum ist die Älters/Äezie- 
ung. derselben, sowohl zu den sie umlagernden Felsgebilden, 
als auch ihr gegenseitiges Alters- Verhältnifs nur höchst 
Schwierig auszumittelii (und dürfte in nicht seltenen Fällen 
wohl ganz unentschieden bleiben müssen). i^Herr'N. de S, 
entwickelt diesen interessanten Gegenstand auf recht sachge- 
mäfse Weise und legt manche wohl' zu beachtende neue An- 
sichten dar. Wir wollen nur das Wichtigste aushebert. Die 
Formationen, in die zuletzt erwähnten Kategorieeri gehörig, 
sind : a. g r an i t i s c h e , d. h. eigentl^icher Granit , Syenit» 
Diorit u. s. w. ; die Lage nachbarlicher Schichten wird durcb 
läiese Massen stets geändert; tHeils sin4- es gröfsere Gänge, 
■welche, nach verschiedenen Richtungen, sich mannigfach ver- 
zweigen , theils sind es Gänge von ansehnlicher JVIachtigkeit 
und Erstreckung, aber ein Zusammenhang mit grÖfseren Gän- 
*^cn läfst Sich nicht nachweisen," oliwöhl sie gleichsam nlir in 
der Nähe der letztern versammelt erscbeinea und in gewisser 



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17.* dt Sauisure Vojage eu £eossr« 169 

Entfernung von denselben nicht bemerkt werden ; b. F o t « 
phyr-Fo rmati onenj sie zeigen im Allge^ieinen die näm« 
liehen Erscheinungen und finden sich zumal im Glimmer« 
schiefer und in der Grauwacke; c. T rap p-F or matio- 
nen, Dolerite, ßasalte» Porphyre und feldspathige Trapp- 
gesteine (wie Fechsteine und Ohsidiane.» welche, obwohl 
sie in den äufsersten ihrer Glieder sich sehr verschied^nafttig 
zeigen, dennoch durch allmälilige Uehergänge ihr Verwandt- 
seya dartbun); an allen Stellen, wo Massen oder Gänge die« 
ser Art die Felsschichten berühren » ' sind letztere mehr oder 
weniger auffallend umgewandelt worden, Dolerit- und Ba- 
saltgänge lassen oft einen überraschenden Farallelismus wahr- 
nehmen und sind in gewissen Distrikten ungemein zahlreich,* 
wo sie Gesteine der verschiedensten Formationen durchsetzen; 
die feldspatigen Gänge trifft man im Ganzen seltner. - — Bei 
dieser Uebersicht der geognostischen Verhältnisse des Schot- 
tischen Reiches , hat der Verf. , neben dem Resultate seiner 
eigenen Forschungen; die neuesten Beobachtungen von Jame* 
son, Macknigh t, Imrie, Flemming, Mackenzie^ 
Hihbert,- Flayfair, Webb Seymour, Mac»CuU 
loch u. A. sorgsam benutzt. 

Zuletzt Folgt eine Uebersicht dtrs'Gebirgsbe- 
standes der S chot t i-scb e n Inseln Long Island^ 
Coli, Tyrie, Skye^ Rona, Raza, Scalpa, Rum, Eigg, 
Mall, Lismore u. s. w. und an diese findet man einige all- 
gemeine Beinferkungen über die südliche Gruppe der Hebri~ 
derij über die Eilande des C/y^i«- Meerbusens und über die 
5 Act /an J- Inseln gereihet. ' 

Wir beschliefsen hier die Anzeige eines Werkes, das 
wir, obgleich wir manchen Ansichten und AussprÖchen des 
des Verf. nicht beipflichten, mit wahrhaftem Genüsse ^und 
vieler Belehrung gelesen haben. ' 

Eine synoptische Uebersicht der, den Schottischen Bo- 
den aüsammehsetzenden, Felsgebilde und ein vollständiges 
Register erleichtern den Gebrauch des Buches. Daß letztere 
ist zwar nicht mit der umfassenden Ausführlichkeit bearbeitet, 
wie da3 in einem andern neuen geognostischen Werke ent- 
haltene, wo man, sonderbar genug, ü. a. m. die Angabe fin* 
det: Mineurs f leur comflahance , ^ lettr enihusiasme ect. Solche 
nutzlose Ausführlichkeiten,, 'denen- selbst jeder Schein eines 
gründlich Umfassenden abgeht, erinnern unwillkührlich an 
Jas bekannte GebA/bUch , in -welchem' eine • Ftlrbitte für ei- 
"en, vom Dache her unterfallend jsn , Dachdecker, enthaK 
ten ist. -^ • 



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170 V. SclilfgeJ Indul«lie Bibliotliek; 

l)ie Beigefügten Karten erachten wir für giit , dagegen 
aind die Kupier sehx xnitteloiärsig. 



Indische Bibliothek. Eine Zeitschrift von August ff^lhelm von 
Schlegel f Professor an der Königin Preujs^ JELheinuniversU 
tat y Aitter des St. Wladimir " und des Wasa* Ordens ^ Mit* 
gliede der Königin Preüfs. Akademie der "Wissenschaften^ auS' 
ti>äHigem Mitgliede der KönigL Baierisch, Akademie der WiS" \ 
senschaften f der Königl, Societät der Wissenschaften zu Göt- 

' tingen und anderer gelehrten Oesellsehaften* Erster Band, 

Bonn'bei Eduard Weher. i825. 8. j). XJ^I, 467. 

Mit Vergnügen zeigen wir den nunmehr beendigten er- 
sten Band dieses gehaltreichen Werkes an , das im Jahr lö>^ 
angefangen wurde, nur langsam fcdtsch ritt, da der Verfasser 
Iteine Mitarbeiter hatte uhd erst später einiße wenige irisinde 
iVufsätse erhielt , dann gehinc^ert wurde mehreres drucken zu 
lassen , bis er sich im Besitz einer Sanskrit •< Druckerei sah, 
die unter seiner Leitung auf Kosten der Preufs. Regierung 
errichtet 'wurde. Der -vorliegende Band ist reich an den 
iichdnsten Beiträgen zur Philologie, Beschreibung und Ge- 
schichte eines Landes^ das in neueren Zeiten fast aller Augen 
auf sich gezogen hat ; an Bemerkungen über ^iele Gegenstände, 
die mit obigen bald in näherer , bald in entfernterer Verbin- 
dung stehen; und ist vorzugsweise geeignet eine Menge von 
Kenntnissen und richtigem Absichten zu verbreiten , als der 
bisherige Mangel an indisch gelehrten Sprach- und Geschieht- 
forschem es zuliefs. Seinen Zweck giebt. der Verfasser in 
der Vorrede selbst dahin an theils das bisher bekannte im 
Fache der Indischen Literatur und Alterthumskunde* zusani« 
nien zustellen, zu prüfen Und, wo es nöthig, zu berichtigen; 
theils das neue, das in Europa oder in Indien selbst ans Licht 

teförder^ werden mag, allgemeiner bekannt zu machen. Bei 
em Zusammenhang Indiens mit andern Ländern , bei dem 
vielfältigen Einflufs, den es auf diese geäufsert hat^ nimmt er 
alles in seinen Plan auf, was zur Erläuterung dieser Verhält- 
nisse dienen kann. Er verbindet damit alle Arten von philo- 
logischen Untersuchungen sowohl üher das Sanskrit als auch 
über die mit demselben verwandten Sprachen hinsichtlich die- 
ier V^rw^and tschaft. Eine kurze Angabe der einzelnen Ah' 



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r. Scli]egel IndUehe Bibliotliek. 171 

handlangen diese« Bandet' wird nachweisen, wie neben. 

gründlichen Untersuchungen die Unterhaltung su gleicher Zeit 
vielfältigen Sloff findet. Von mehreren Auisätzen, die ihrer 
Natur nach wcNler §ines Auszugs fähig sind, noch Veranlas- 
sung zu besonderen Bemerkungen daroieten, werden -wir nur 
die LFeberschriften als Nach^yeisung des Inhalts dieser Zeit« 
Schrift geben. ■ ' . \ . ■ 

I< Ueb'er den gegenwärtigen Zustand der Indischen Fhi-* 
lologie. Geschrieben im Sommer 1819* Dieser Aufsatz er« 
schien zuerst, im 2. Heft 6 des Jalirbuchs der Preufs. Khein- 
Universität, und wurde in der Biblioth&q^ue universelle und 
in der Revue encyclop^dique ins Il'ranzöfsische übersetzt. £r 
weifst die fast unübsrwindlicheti Schwierigkeiten nach 9 die 
sich früher dem Studium des Sanskrit entgegensetzten 9 und 
was darauf von den Engländern für dieses gethan wurde. '. Et 
geht die einzelnen erschienenen Grammatiken und* Wör- 
terbücher mit kurzer Kritik durch und zeigt wie viel hier für 
den anfänglichen Unterricht noch Zu leisten übrig ist. Dann 
folgen Bemerkungen über einzelne 'Uebersetzungen und Aus- 
gaben Ihdiscbet- Schriften , und'über die unzweckmäfsige, un* 
kritische Behandlung der mei^sten derselben; zugleich Nach* 
Weisung dessen, was unumgänglich nöthig ist^ um das Stu» 
dium der Sanskrit Literatur, in ihr^fi ganzen Umfang. zu be» 
fördern. ^ / * 

II. Indische Dichtungen. Vorerinnerungen dazu enthal« 
ten Bemerkungen über den Werth derselben als Quellen der 
Mythologie, welche bisher grofsentheils sehr verunstaltet 
• durch die Werke der Missionäre uns überliefert worden 
8ey , und über 4ie. Art Indist:h^ Dichtungen ins Deutsche^ zu 
Öbersetz6n. Das Urtheil das hier S. 34 — 35. dann 307. 
über Ward*s View öf the History, Literature and Religion 
of the Hindoos gefällt wird, ein Buch welches zuerst in Se- 
rampore, dann mehr emale in England in immer veränderter 
Gestalt herau'skam, scheint uns weit zu hart; es enthält die- 
ses Buch eine Menge Notizen ^:^e man zum Theil nicht leicht 
anderswo finden wird » wenigstens nicht ohne müjii^gies Zu« 
«ammentragen aus sehr verschiMenen. Werken;' ^s »enthält 
«ehr brauchbare Auszüge aus Indischen Schriften, nament- 
lich über die philosophischen Systeme , und wir würden es 
denen, welchen Indische Mythologie und Philosophie noch 
fremd sind, vorzugsweise für ^exi Anfang ihres Studiums 
empfehlen. Die brauchbarste Ausgabe davon ist als dritte 
in vier Bä^nden in London in den Jahren l8t7— 1^20 er- 
schienen; darauf sind die letzten beiden Bände vom Jahr 



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172 V« Sclilegel Indisch« Bibliothek/ 

iüZO mit neüvorgesetztem Titel «JsBand 1 t^nd 8 einer neuen 
Ausgabe verkauft worden, uiid als dritter Band wurde ihnen 
das zugegeben, was die beiden ersten Bände vom Jahr IQn 
entkielten , aber .mit Abkürzungen. Herr von Schlegel sagt 
dagegen.: „Wen es vergnügt , ein paar Bände hindurch auf 
das verruchte {leidentbum schimpfen zu hören, der' mag das 
Buch von Ward lesen, welches jedoch in England viele Le. 
«er zu finden scheint, -wiewohl der Verfasser nebenhej: in sei- 
nem eigenen Fache, in der Theologie, nicht mehr Stärke ver- 
räth , als in der Philosophie»*« Wir theilen nicht alle An- 
sichten des angteführten Buches, abei' wir gesteben, ihm nichts 
desto weniger einen hohen Grad von Brauchbarkeit zu. Hier- 
auf folgen zwei Abschnitte über das epische Sylbenmars der 
Indier, und über den deutschen Hexameter; dann einer üher 
Schreibung und Ausspruche der Indischen Nam^n , wo sich 
der Verfasser jiiit Recht für die von den Engländern einge- 
führte erklärt, wie sie Jones vorgeschlagen', dann Colehrooke 
und Wilkins näher bestimmt haben., Eme neue auf deutsche 
Orthographie und Aussprache gebaute wür^e nur unftötbige 
Verwirrung, verursachen. In den Endungen Indischer Namen 
weicht Herr von- Schlegel von der sonst gewöhnlichen Form 
ab, und seine Gründe hierfür, die wir mit. seinen eigenen 
Worten anführen . woller^ sind nicht zu verwerfen. „Die 
Indischen Sprachlehrer,'' sagt er, „erkennen eine absolute Form 
der Nennw^örter.an,^ die allen Biegungen zum (Grunde Üegfj 
oft aber , mit keiner einzigen übereinstimmt, und nur in Zu- 
sammensetzungen zum Vorschein kommt. Die Europäischen 
Gelehrten haben die Namen in dieser absoluten Form aufge- 
fafst, z. B, Vischnu , Siva^ Freilich hat liian dies nicht im- 
mer befolgt, sonst müfst^ es. Brachra^an und nicht Brachina 
höifsen. Hieraus entsteht der Nachtheil , dafs man uiiier den 
insgemein auf Vocale ausgehenden Namen die .männlichen 
nicht von den weiblichen untersdieiden kann, ' D^s schlie- 
fsende a der weiblichen Namen ist zwar imra^r lang, wie hei 
den Griechen in der Dorischm Mundart, al)er unsere. Aus- 
sprache vernachlässigt diesen XJntei schied, - Das Zeichen ^^^ 
Nominativs im männlichen Geschlechte ist meistens ein s, 
weiches in einen schliefsenden Hauch ("visarga) übergeht, dei: 
dann noch andere Verwandlungen erleidet; vor . gewissen 
Buchstaben tritt aber das ursprüngliche s wieder hervor. Da- 
durch , dafs ich die Namen im Nominativ auffasse ^ werflen 
die männlichen besser von den weiblichen unterschieden, uh'1 
gewinnen zugleich ein mehr classi&ches Ansehen. Die weih« 



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X 



t», Sf(^ilegei Inditdie Bibltpthek. 173 

liehen Namen nehmen auch asuweilen im NominatiT ein s an^ 
jedoch niemals nach diem langen a,** ' 

Inder Scans£t)n . der Namen sah «ich der Verfasser ge« 
zwangen sich einige Ah weichungen vöh ihrer Quantität in 
der Ursprache zu erlauben, weil-sonst manche, gar nicht in 
einen Hexameter zu bringen gewesen wären. 

Die Seiten ÖO — 7^. enthalten in 'zwei Gesängen die 
Herabkunft der Göttin\Ganga nach dem Ramayana in Hexame- 
tern, worauf bis Seite^ö. Aninerlcungen dazu folgen. Die. 
Yaksha'^ deren hier S; 93. Erwähnung geschieht, sind Ge- 
fährten und Diener von«Kuvefa, dem Gott des Reichthums. 
Sie fliegen durch die Welt und erhalten den Reichthum der 
Menschen Die Furana*s sollen eine Menge von Geschichten 
über ihre Streitigkeiten . und Intriguen enthalten. Sie 'kam<v 
men bald als gU^te bald als boshafte Wesen voV. Die Siddha's 
sollen 8 an der Zahl seyn , untergeordnete Geister und Die* 
ner der Götter. Etwas nähe?:es weifs Rec. auch nicht darüber 
anzugeben, * , , • ■ ^ 

lll. Ausgaben Indischer* Bücher , enthält eine Recen- 
slon von ,Bopp*s Ausgabe des Naius S. 97 — 120. 

iV* Zur Geschichte des Elephanteuj ist ein höchst in« 
teressanteir Aufsatz von S. 129- — 23 1. Er enthält Bemertnn- 
gen über den Unterschied zwischen „den Asiatischen und Afri- 
canischeri Elephanten., über die bedeutende Stelle, welche 
der EUphant in der Indischen Mythologie einnimmt*, und 
dafs sich auf den 'Aegyptischen Denkmalen keine Syur , von- 
demselben finde, da er doch im* oberen Aethiopien einhei- 
misch war, von den Ptolem'äern ElephanteniJagden^ngestellt 
wurden, und n^an auf Aegyptischen Sculpturen das Bild der 
Giraffe und von Löwen findet. Dies schiene gegen die Mei- 
nung derer zu sprechen^ Welche in Aethiopien den Ursitas 
der Aegyptischeii Cultur suchten. Schon in frtihern Zeiten 
gieng der Handel mit Elfenbein üb ef die wahrscheinlich daher , 
benannten Aegyptischen Inseln Philae und Elephantine , wo- 
hin jenes vermuthlich von den Aethiopiern gejbxatht wurde. 
Der griechische Name ikäipag Bedeutete' 'nrsprünglida blos El« , 
fenhein , und wurde erst später auf den Elephanten jüberge« 
tragen. Sehr früh verstanden die Griechen die Kunst da« 
Elfenbein «u bearbeiten und kostbare Geräthschaften daraus 
zu verfertigen , upd es kommt in dieser Beziehung häufig in 
den Homerischen und einmal in den Hesiodischen Gesängen 
vor. Von den Phöniciern erhielten die Griechen das Elfen- 
hein., und'j^ne holten es wahrscheinlich aus Africa, wo es 
weniger benutzt, und bei der grofsen Verbreitung des Ele* 



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174 Y. Sichlcgel Iii4is«lie fiiblioUiek* 



/ 



phanten daselbst Wohl leichter £u haben w^r ei$ in' Indien, 
wo Ton Alters her der Elephant gesäbmt wurde^ dieEIepban- 
tenjagd königliches Vori^echt geviresen 2u seyn scheint ^ und 
der starke inländische Verbrauch des £lfenbeins die Ausfubi: 
vermindern mufste. Hierzu kommt^ dals in Afrii» beide Ge- 
schlechter der Elephanten die lang hervorstehenden Fang« 
zahne haben , in Indien die weiblichen nur wenig Zoll lange 
Zähne ; dafs ixi Ceylon die meisten Elephanten beider Ge- 
schlechter g^ keine Fangzähne haben, und die Africanischen 
Elephanten diese wahrscneinlich alle zehn Jahre wechseln, so 
dafs man deren häufig in den Wäldern findet. Nach Quatre« 
idere de Quincy war zur Zeit des Fhidias in Griechenland El- 
fenbein im Ueberflufs vorhanden , wurd^ aber im Fortgange 
der Jahrhunderte immer seltner. Auch die Kdmer kannten 
tind gebrauchten das Elfenbein früh, da sie die Sitte der cu- 
rulischen Stöhle vqn den Etruskern angenommen haben sol- 
len. Sie erhielten ihr Elfenbein vermutlilich von den inAbiax 
angesiedelten Fhönicierii , namentlich den Carihagern. 

Herodot bedient, sich unter den auf uns gekommenen 

friechischen Schrifirstellern zuerst des Wortes iXs^a; für Aeu 
ilephanten» und läfst ihn nördlich der Africanischen Wfiate 
in Gegenden zu Haus seyn, wo er später ausgestorb^en ist. 
Nach seinen Nachrichten über das Heer des Xerxes waren in 
diesem keine Kriegselephanten, woraus folgt dafs damals kein 
einziger Indischer Fürst iii Abhängigkeit von dem Persischen 
Reiche stand, wiewohl Darius sich rühmte, in Indien grolse 
Eroberungen gemacht zu haben. Die angeblichen Indier des 
HerOdot sind keine wahren Indier, Sanskrit oder eine abge- 
leitete Mundart i:edende und unter Brachmanischer Gesetzge- 
bung lebende Völker, sondern rohe Stämme , negerartige Au* 
tochthonen am rechten Ufer des Indus, im heutigen Candehar 
u^id Baluchistän. Ungeachtet dei: nahen Verwandtschaft der 
Perser und Indier fand wie es scheint damals nicht der ge- 
ringste Verkehr zwischen ihnen Statt, und sie lernten sich 
erst später ,als,Freihde wieder kennen. Aus dieser Unbekannt- 
schaft de^Perser mit Indien ergiebt sich auch, dafs dieses da- 
mals wahrscheinlich noch nicht von den Fhöniciern vom Ära« 
bischen Meerbusen aus besucht wurde, . 

Ungefähr sechzig Jahre nach Herodot gab Ktesias ^suerst 
Hinter den Griechen eine etwas ausführlichere Beschreibung des 
Elephanten aus eigner Ansicht, aber wie gewöhnlich nicht 
bhne Beimischung von Fabeln. Es f^nd damals einiger jK>li- 
tischer und /Handelsverkehr zwischen Indien und ^ Fersien 
Statt, Indische Fflrsten »endeten den Sömgen ron Fertien 



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T. Schlegel Xdditoh« BibUotheV, 175 

nach ndorgenläiidischer Weise Ehrengeschenke 9 und dafbiit 
kam auch wohl der Elephant nach Babylon , welchen Ktesias 
daselbst sah. In der Schlacht des* Artaxenies Mnemon gegen 
den Jüngern Cyrys hatte d^r etste keirte Elephanten ; eben so 
wenig Darius Codomannus in der Schlecht bei Issus ; aber 
bei Arbela hatte er deren fünfzehn dicht vor seinem Kriegs« 
wagen stehn. Was spätere Persische Schriftsteller von den 
Elephanten ihrer früheren Könige erzählen , gehört wohl alles 
ins Reich der Nabeln , womit sie ihre alte Geschichte $0 frei- 
gebig ausgeschmückt haben, Elephanten die bei Arbela in 
die Hände Alexanders gefallen waren , gaben wa]^rscheinliph 
dem Atistoteies die Gelegenheit zu seiner ausfürlichen und 
orilndlichen Beschreibung dieser Thiere, ein Gegenstand 9 der 
bei Bestimmung der Zeit^ m welcher er Wohl seine Thierge- 
&clüchte schrieb, nicht unberücksichtigt gelassen werden 
durfte, ■ 

£he Alexander nach ](ndien ging, suchte er so viele Elephan« 
ten als möglich zusammenzubringen. Um sie denen der Indischen 
Heere entgegenstellen zu können , was ihm. auch im heuti- 
gen Kabul und Afj^hanistan vollkommen mit Erfolg gelang, des- 
sen tapfere Völkerschaften entweder völlig oder fast unabhän- 
gig von Persien gewesen waren, und wo kleine Dynasten 
mehr Elephanten hesai[sen , als der Köipig von Persien gehabt 
batte. Nach Besiegung des Porus., der ihm. die altherkömm- 
liche Indische Schlachtordnung entgegengestellt hatte, erhielt 
Alexander dessen Elephanten, dann 70 von Abisares. ' Aber 
zu weiterem Vordringen wäre doch* vielleicht Alexander zu 
schwach gewesen , da nach einer sehr glaubwürdigen Angabe 
bei Diodor und Plutarch die Mäcedonier vornemlich durch 
die Nachricht geschreckt wurden , dafs der König der Ganda- 
riten und Prasier 4 bis 6000 Elephanten mit einer angemesse- 
nen Heeresraacht unterhalte. Alexander brachte aus Indien 
«wischen 2 bis 300 Elephanten mit sich zurück, und. von nun 
anwurden sie fast drei Jahrhunderte hindurch fortwährend in 
den endlosen Kriegen um die Weltherrschaft gebraucht, bis 
die Römer endlich Sieger blieben. Ihr Einfluls auf den Er- 
folg der Schlachten war sehr bedeutend, und ist oft viel 'zii* 
gering geschätzt worden ; sehr viel hing von ihrer Stellung 
und von ihrer Anwendung im passendsten Zeitpunkt ab. Sie 
entschieden sehr oft die Sclilachten zum Nachtheil der Feinde 
oder der eigenen Armee; Für die letztere wufste sieHasdru- 
^äl, Hannibäls Bruder, unschädlich zu machen ^ aber freilich 
Wurden sie dabei aufgeopfert. 

Alexanders Elephanten wurden Eigenthum mehrerer seiner 



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176 , > Schlegel ladiMh« BibÜolhek. 

N^clifolger und gingen vx>n einein zum andern über 9 von al- 
len als ein wichtiger Beditz sehr geschätzt. Die zwanzig £le. 
phanten^ diePyrrhus nach Italien brach te, rührten noch daher. 
Als^Seleuciis nach seinem Indischen Feldzuge iind noch vor 
der Schlacht bei Ipsus mit Sandrol^ottus. oder vielmehr Chan- 
draguptas, einem mächtigen Könige und Eroberer am GangeS) 
eil? fiündni/s schlofs,^ erhielt er von. diesem 500 Elephanten, 
die vorzilglieji viel zum Sieg über den Antigonus beitrugen, 
und fortwährend einen Haupttheil der Syrischen l;triegsmacht 
bildeten. Antiochus der Grofse brachte von seinem Feldzug 
gsgen Bactrien und Indien wieder neue Elephanten zu seinen 
früheren mit sich zurück, aber später benutzten die. Rö- 
mer die Unmündigkeit des Aaitiochus Eupajtor und lie- 
fsen alle Elephanten der Syrer umbringen , . und die Kriegs* 
schiffe derselben verbrennen. , Die mittlere Lebensdauer deß 
Elephanten o^er. vielmehr . seine Dienstzeit wurde auf 120 
Jahre geschätzt. 

Ptölemäus Philadelphus lifefs Aethiopische Elephanten 
fangen und zum Krieg gegen die lyrischen zähmen, jedoch 
ohne den gevt^ünschjien Erfolg , da bald die allgemeine Erfah- 
rung nachwiefs, dafs Africanische Elephanten gegen die Inrli- 
.schen nicht Staivd hielten j es .meistens gar. nicht zum Angriff 
• kommen liefsen , da sie die Simme und den Qeruch derselben 
Glicht' ertragen konnten.. Bei ,dem Kriege gegen Pyrrhus in 
Sicilien lernten die Garthager Avahrscheinlich* deu Gebrauch 
dieser Thiere. Von nun, an ist von Streitwagen bei ihnen 
jiicht mehr .die Rede, an deren Stelle die Elephanten getreten 
zu seYxi scheinen,, Mauritanien lieferte diese ,^ und die Car* 
'thager wufsten sie,, zu schätzen und zu benutzen. Die Kö- 
nige von NumidieA und Mauritanien folgten ihnen im Ge- 
brauch derselben , selten die Römer zu den Zeiten der Repul»- 
lik , lind nie mehr unter den Kaisern. Dagegen verbrauch- 
ten sie so viele in den Spielen des Gircus, dai's wahrschein- 
lich- dieses ihr völliges Aussterben in Mauritanien zur Fol^^e 
hatte, das wegen der zwischenliegenden Wüste keine mehr 
^us dem inneren Africa erhalten konnte.* Andere Unterhal- 
tungen, welche die El</phanten dem Volk gewähren mufsten, 
beweifsen , ..dafs die Mauritanischen aii Gelehrigkeit den In- 
dischen nicht nachstanden« . ^ 
i 



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N, 12. 1824 

Heidelberger 

Jahrbücher der Literatur. 



^ 



A. W* Vi ScntJ&GZhy Indische Bibliot^iek. 

(Beschlufs,) • 

it>te Könige <ler Fartfaer faaitei^'Iieihe KtibgselephMiteiiy 
die auch zu ihrer Art Krie^ zu führen nicht •onderltch' paA« 
ten ; dagegen kommen sie aber gteioh b^i den Sassaniideii wie- 
der, zum Vorschein^ trelche sie in> zienilith«r Anzahl hegiifsen / 
wenn auch die einzelnen Angaben darüber tibertrieben «ind 
Im Jahr des Elephanten*, • dem G«hurts)aliv Mohanuiivds , zo- 
gen die Abyssinier gegen Mekkah und führten Elephlinten 
mit ihrem Heere*- Diese Begebenheit vrar in Arabien viel zu 
bekannt und zu neu^ dainoch yiele Menschen- lebten, zu* deren 
Zeit sie vorgefallen 'waryi sie hatte ztf grofses Aufseheh er- 
regt, als dal's von der Frage des.Yerfjlssers die Rfedc/seyn 
kann: ,,Oder endlich, hat der. Prophet 'das g*iz<> JVIirakel 
xiuT in einer seiner Teevrorremen Vtsi-onen erträumt?«^ 

Es folgen nun diejenigen Namen des Blephanteti rm SansJ 
krit, welche wegen ihrer klar vorliegenden Deutung beiiierkt 
zu wetden verdienen»'* Ein alter Name y der jetzt nicht mehr- 
gebräuchlich Zu seyn scheint y undivoiideoi das Persische pil 
und arfibiscfae 'ffl alizul^ifcen. sind ^ ist' pi>U«' Zu dem, wis djer 
Verf. sact^ fägen wir die Nacfaweisung von Abel Reih usat. 
aus d»i Fundgruben des-Ocients lY^ S,%&S^^lQ6 hinzu, wo» 
in einer Sammlung, v^on Sanskrit 9 fanget ^- Mandschu^ Monm 
golischen und Ghinesiachen Wörtern fiüd&a*mit demBeiila^ 
men Pilupati Herr des Elephanten voi:'kommt. Auffallend ist 
es dafs Naga inr Saktskrit'^ und Nage-jim Aetbiopisohen',, Bei« 
des ein plephant heilst. Der Verfasser erläutert nun noch 
die mythologistb'en iBei^^huligeii''des Elephbiit^m bei den In - 
diem^i sein Vorkommen: in den Dichtqngen derstslben^ ' auf 
ihren Monumente;i Mind lAitbeiten; der n^u^ri Kunst. 

' y;r/Indische «SphiibM ' >UnUr dienet-' Aufschrift will> der 
Verf. .von Zeit zu Zeil! Fanden .iindZapt;u$ify krOPtragen, Wiiiko^ 
Andeutung^ii und. votllnfig« Zu«am'iiletistellu^gen mittfaeilen, 

XVII. Jahrg. 2. Heft, 12 

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'l\-l 



T. Schlegel Indische Bibliothel:« 



auf Spuren aufmerksam machen 9 die in der Folge vielleicht 
auf eine Bahn leiten: l|dB|ie|i^ ' Hiör. w'xifd ' Querst der Ge- 
scKlechtsnaine der Ostgothischen Könige , Amaler aus dem 
Sanskrit , übereinstimmend ^niirt der P.eutf^ von ^ Wa(|)lte% 
4ui^ (io&efleckt etU^rt , ivs^vLlH^h 9.'^ maciAav «umdi. (jeliijiiar- 
sein enden a. Das GothisQhe schliefst ^ich bekanntlich vor- 
M^Viek nahe an darSati^krit in'rielen seiner Formen an. 
im Niebelungen Lied heifsen die Ostgothen immer die Ame- 
lungen. Mit dem Worte Amala sind andere Namen zusam- 
mejngesetsti WJ6 Amalabfi^rga, AmalasyinthLa^,AmaIafred,. Ama- 
laricn, die. zuvörderst bei Angehörigen des Ostgothischen Kö« 
nigsstammes» danti au^h bc^ andeirn. deutschen Völkern 'Vor- 
kommen. 

^ . :. Bei, dem folgenden Stücke hebien. wir de« Verfaaseits ei- 
gebe Worte aus. '. . i. .. 

-M . 2v Kunde des Mittelälter» von Deutschen in Asien^ ^yln 
dem.Iiiol)igesange^uf idem heil« Aano heilst es von 
dl$n Baiern: . ; 

. V D^e gesiebte dare:quäm Willin ere> . / 

jt Von Armenie d et herin. 
I - 'Da ,Noe uz der arkin> ging, 

: Du'r diz olizwi von der tuvi» intdeag; 

Iri seichin hoch du archa havit . ' 

.Vf>den b&rgin Ararat. 
Dann fügt d«r Dichter binzu:' « . 

Man sagt das dar ia.h^lvin noci^ sin 

Die dir Diutistbij» a^reccbin^ 

Ingegin India vili verro. 
-U4. Der sogenannte* Lphgosang ^ dehv man der Sprache ' nach 
xt^weilen üSr älter: gehalten hat, ist in: der zweiten Hälfte des 
xwölften Jabi^uriderta geschrieben. >Dibs Iftfst sich bew«^*^'^ 
alis der. Vergleicbungi mit der Vatibaniscb*-Heidelbergi6ehea 
Handschrift einer- a}ttn I^aiserch^ron'ik in deutschen Kei« 
men, yrelche bei ^aii^er Conrad des dritt(9n Kreuazuge. (im 
Jahr 1147) abbriohtj!.: VieleStellen stimmen genau .mit Stücken 
dea Xiobgesangesittfeexeinf und ^war dergestalt, dala man 
nicht bezweifeln kaAn, sie siad in ^eok letzten aus der Chro« 
nik entlehnt. . . - \ : i- ' ' '• .1 . • • 

-.. £3 wür4e 8ebk}.nOtdicb.sejn,.!fÜrd]eiA]terthüider:un6e« 
fer Geachichteund Slpraid^^l, biBSooiders aber für die ^etint« 
niis derDenkarttdea^Mittekltens^ i^l^ik^eincründlicheff Kenner 
diieses Wteste 'Ge(9c}|icbtJ>u«h >in DeutM^hef < «Sprache , . Jtwar voll 
^on Bög^ndeh lupid liiider>cr.ajiokiygiuschjen Erzdklungen, abet 
in den letzten ^dtflViii^b^'biat^rischenllnbalts^ M(ich'ha)ie «« 



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4. SMegel ladiselie- BiÜlii^thilc. 179 

gftii8 tdoVcfa^egen' und gtofie ' Stüok^ daraut «b^achriebdn) 
aus der'lleidellpei^i'sdhen^ dem Aiigensphein nbch ujigdähc 
gleichzeitigen Handscbrii't faerau«gä^e^, utid es ikritiiK^h aus« 

/Die ersten >9ecb 8 v^on den atigefükriteii Zeilen »eehen fast 
wdrtlicl» so iti' der K^i^erchrodik ; die drei letzten sind aber 
^iik':^ti8ata t^ah deiü Verfasser' des liabgesanges. < Ich £rag6 
niüi^: wiekam ein Mönch des ewdlften Jahrhunderts .zu der 
leltMitpCuhg ,' es gebe M^eit naöh A^eii hineilt ^ ^^S^^ ^^ 
Gränze von i^di^n zu , ein Oetitsdh redendes Volk^ Hatte er 
' es etwa in einem Liateinischen Buche g^fundeii ? -Ich WÜr^o 
dem Gelehrten »ehr verbunden »eyn , der mir dieses ältere ' 
Buch ndch Weisen kannte u. svw;«* 

' 3*. Ueber^Thier^ämen; ist ein sehr beaohrtungswerthar 
Aufsatz über'diö Wichtigkeit detselben fflr das v'crgleichende 
Sprachstudium mit>Ihter^ssanten[ Zusammenstellungen« Eben 
80 der folgende ^iette'« Namen dtsr Metalle. 

*-' 5.' Hei^eliung einer Leseartb^^kn Athenftus« Hier wir4 
nachgewiesen 9 dafs wie schön die Englischen /Gelehrten ge* 
fanden ii'Ä\ren\ äaf^ 'jener mSrihtige König undiErbber^r am 
Gaii^s^ ^(lei'Bahdesgenösse desISeleucüs, Sandrokottus, Ghan-> 
drägüptas gefaeiftt^' haben müssen dieses Chandra ^gu{>ta^< der 
Mondbeschüt^tei Völlig rtchti'g;^ und Aftdem Namen -wi^ Brah^ 
ma«|^upta analog sey; dafs sich' aber auch di-e ä6hte Sübrfei^ 
hang SdvS^^tfuVrö; in de<n Handschriften • des' Athenäu 8« ediai teil 
habe, in den b^ideii ftltesteh Ausgäben so stxbe ,' und nur 
von späteren Herausgebern willkübrlich verändert ^ worden 
«ey, weil sie beim Strabo und sonst Tavi^oHorr^^ geiese«! 
hätten.- '..''.!••:.' ' ^ . :..■ .. 

6. Deutung einiger Indischen Namen bei Griechischen 
Geschieht scbreiberrt* Diese sind t ' S«v5f.a/i»j; > beim Diodor 
Xrn, 93, zur Zeit Alexanders des Qfofsen^ König dar ?ra- 
sier und Gandariten. . - . ' 

Ghandramfts ist der vollst Sndigerä Name des' Mondes der 
auch Chandra heilst; masa für ftich allein ist Moriat; (Grie- 
chisch fx9ti oder fjiJlq.) '• ' 

'AfjiiT^öp^aT>;< , beim Athenäus XIV, 67. aus Hegesander, 
Ein Indischer Kdnig, • mit welchem Aiitiochua?^ wahrschein- . 
lieh der erste, in freuipdschaftHchen Verhältni^Äen stand. -^ 
Amitra — jit F^iifdeSbesieger, kommt in den Genealogien vor. 
Vöftmitra,' Freund i ainitra, Feind; ji, besiegen, jita, be- 
siegt; abfe* so einsyibig angehängt haben die Zeitwörter in 
der Compositi<>]f einfe active Bedeutung. * 

SdCpaVoö^oÄ '^«^n» Polybiüs Gap. XI, 32» Ein Indischer 

12 * 



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180 r. SchfKi^l.l^aisoV« ^LbU49(i2ie]^ 

König 'i»i^: .'wekhenii Mtloäius der Gro£^et: :<^in; $((iti4iiifi 
schloi'sw Stibhaga * sSnaa , Au i^ti . «3 , subbaga. glücjrlicb , s^nk 
Heer; der Führer eirtes ^ü<:Uif[^en Heerjea.. 

K)}r8u$) beim Diodorus XIX, 33, 34. Ein Indischer 
Krieger von böben» Ad^t» der Anführer Indischer Hülfttrup- 
pen, der in einer Schlacht d^s: £um^nes gegeit dQn:Aijitigon.ut 
ruhmvoll aein Leben einbüfate;. Ketu j notß, K^tu« ^ Jb^iClt 
«ine Eabae^ und iat ^>inß gewohnUcbejEn^Mi^g «usaöiinenge'* 
setzter ^rrve»«» . s&i B. rCbitra-Mtus buntfah^ig;, ab^ Ketui 
kommt auch för sich aUeiifi^ al» eigener Na iftQ :t.<WK, .,. / . .ii.i) 

ga%öM beim Arrian VI, 1^. Indisches VplIC-- 5i*>-St«?'^ 
von Kshatriya'iBr oder Kshatra's* eBvog.^MtSü uv^itcfioy-' :.- 

Zo^/oaSeio? 9 der Indische Gptjt des iWifM^^f if i Ä^im. Athe^* 
jiäua, Epit.J j 48 j nach Charts v<>n Mityle«ie ,i. der die Ge- 
schichte Alexanders geschri^l|^:*hatt€^, iJ^i^^l^n :Gott habiea 
die Indier nicht. Es ist;Siir7a-dSyasv.,4&r;i$iPiMi<^|)g9tt^^der 
die Trauben reifer^ tnajcht.- . jGharfts fügt i^iaau;, ^e'^^jui^vcucr^ iSi 
:Rk)Jbt $'a»»5 ,; ßi^o^oipg. Sura bedeutet at«;h, eija g^isrtges Ge- 
tränk.-' . . ■', ■ .' - , - ,.;.,., v-'-' ^ . .; . 

Die Grier^hen nahjBen »ich manche I>^;)faeijt.«iit ^en Jüdi- 
schen^ Namen, So m^phtje. Megasthenea , .-^t^i« S, W. Jones 
bemerkt hät"^ au^ elnern ßeipamen des i^l^SjSöÄ S^nas^. Hira^i 
xiyoti^ihua^, . der G^ldarwige». oder Hir^nyav^ha^,!^ der pojd- 
fübreitde» ;!£(.«iiyoi3/a$>' 4*^11 n lieblich, H"alje]ri4e. 43ies l^^t der 
Auslegung maische Schwiefigli^iten i».;d€i«i Weg^ - oischpn 
das Saziakrit. spr ^e^ $\& iye .Griecb^n mit indmn fie^&AnK 
wurden 9 völlig so /ftjsirt war , ' wiq.wir §^At den Schriften 
lea^ii.-; --^^'. . -.'•.o- t .,.. 'r ......^ ..\ \ ;' ^, - 

7-. , Wpdan und Buddha, Hier erklärt sich der Verfasser? 
und > ( öffenbsQL' jnii voll^^m, . üeciht . Ig€^4n 1^^ : Jdentitäl; , des- 
Deutsch -Gophischön "VM^odan^ .undi^des IpdiscbexK Jleligiona«« 
Stifters Buddha. ^ boct),s(fj^^i|^t.(in$. hif>j^t die, gapze $M;eit* 
frage noch nicht abgethan zu seyn* Von ..obigem' Budjäha. in 
jeder. Hinsicht vers.chied^p ,« imch in td^r Orthographie (nur 
nicht in derE|;yiiiolog^.e de«.l!j[ameris, die bei beiden dieselbe 
ist) ist der Indische Buddha, der Vorsteher des Planeten Mern 
xurius , und auch dieser jplanel- selbst. ,.Es bleibt immer ein 
höchsit 'merkwvirdiges^VerJ^iäJjlinifg, dafs bei dr^i Völkern i für 
deren religiöse . Doctriiiefi^ der gegenseitige Z^usammenh^nsg 
noch nicht nachgevisiest?n ist , die siebep ; VVocbejjtagje gl^ichi 
förmig nach. Sonne, Mond unxl den fünf Planeten nach d^ersel« 
ben Keihefolge benannt sind, eine Keibeiblgejdie.vnabhängig 
" von einander gewifs nicht von verschiedenen NatipneJiiaujdeicb 
würde angenommen worden s^pa. Die dr^i Vöiker 4ina die 



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GöogI(i 



v^ Sebieg«! Indi^efW Bibliothelu , l>6l 

Indier, dbs Ae^yptettxtii die Germanischen Nationen« Qie 
beiden ersten ^Latten unsere Wochentage schon in sehr alten 
Zeiten; von 'den Aegyptern gi^n^eifi sie zu den Griechen xpiA 
Römern , obgleich früherhin flieht in den gewöhnlichen Ge- 
brauch tlber.* Der deutsche Wod^n giebt entschieden dem« 
selben Tag seinen Nainen, den ihm der Indische Buddha 
giebt; von diesem Namen stammt noch der englische Namen 
VVednesday für den Mittwochen her, für den Tag der im Sans, 
krit fiudhavära) dies mercurii heifst. Den Wodan erkJUrt 
Paulus Diac. de gestis Longobard. 1,9^ für den Mercur, den 
alle deutsche Völker angebetet haben sollen , und auch sonst 
wird Mercur als Gottheit der Deutschen genannt, nur ist 
die Frage nicht leicht zu beantworten, worauf solche Ver- 
gleichungen Komischer und Deutscher Gottheiten beruht ha- 
ben. Wäre Wodan der Indische liuddha, so würde diesem 
die Bedeutung, die der erste Namen dann später im Gotbischen 
und Angelsächsicl^en erhalten h|(tte, nicht entgegen stehen^ 
es wäre nicht der erste Namen , der in andere Spräche über- 
getragen, in dieser eine von der ursprünglichen Bedeutung ' 
abweichende hätte. B und W aber- in beiden Namen sind 
eins, selbst nach einer obschon nicht ganz^ richtigen Sans kr it- 
rcgel, die es für gleichgültig erklärt, ob man ein b oder ein 
w schreibe j und in den verschiedenen Indischen Alphabeten 
sind die beiden Buchstaben i^ur Varianten eines und desselben, 
Zeichens. Was dieser Vergleichung am meisten entgegen- 
steht, ist, dafs dieser Rest einer Indisch religiösen Beziehung 
so isoiirt dasteht , und dafs es dann au&Uend erscheint , daU 
der in Indien wenig bedeutende Buddha .unter den Deutschen 
als Wodan zu einer der höchsten Gottheiten erwuchst; diefs 
ist aber ein höchst zufälliges Verhältnifs, wovon der beste 
Beweis der seyn kann, dafs ja auch in Menüs Gösetzbuch 
Vischnu kaum, undSchiva gar nicht erwähnt werden,.- welche 
doch später zu den bedeutendsten Gottheiten Indiens sich 'er- • 
hoben haben; zur Zeit der Abfass^ang dieses Buchs Waren sie 
das noch nicht, ihre Secten hatten noch nicht das entschie- 
dene Uebergewicht erhalten, wodiirch der frühere Brachma*^ 
nismus ftst ganz verdrängt oder umgestaltet wurde. Ebenso^ 
mufsten bei den Griechen und Römern ältere Gottbeitön- den • 
neueren Platz machen. Hätten wir bessere Nachrichten ttbier 
die Germanischen Gottheiten, so lielse sich vielleicht hoch 
manches nachweisen. Da wir übrigens keine Behauptung 
aufstellen^, sondern nbr Gelegenheit zu weiterer Untersuchting 
geben wollen, so ist es vielleicht nicht unpassend, ilooh auf 
folgendes ^usammentreiFen aufmerksam zu machen; .r. > 



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1^2 V. Sqhlegel li^dlfübc Bibliotliie):« 

^ona ade^ F^eia. Als solche fälk sie oodt d^V Y/enuft zusami* 
lAen, . Sie ;erscheint aber auch in n^ännlich^ Voxsr^ unter, dem 
ijainexi flrippo. ,Sö wui:den, wie. auch. H^rt T2i>]» Schlägel, 
hemerkt, nach Adam von Bremen als Hauptgoittheiten in Uprci 
'sala, Thor zwischen^ Woda^ und Fric(to sitzend, vei?ehtt, 
Jp, ^inem alten Schwur bei Hiebes kommen dieselben dr/si Gott- 
heiten vor t dasejbst ist aber Freia weiblich: Bialpi mier >u^ 
Freia, Thor, Qcbin alqiathi as« In Indien erhält der Freitag 
seinen Namen von dem Vorsteher des Planeten Venus, oder 
dem Planeten selbst , dem Scbukra. Dieser ist ein Sohn. des 
Rischi Bhrigu, und heifst auch selbst Bhrigu. Der F;re]tag 
aber hat die zwei Namdn im gewöhnlichen Leben , Bhrigvar 
und Sch,ukervar. Nun scheint allerdings die Namen sab nlich- 
k^eit von Fricco Und Bhrigu auffallend ^ zumal da das ältere Bh 
sehr leicht in da» weichö F übergeht, wie es auch in iiöue- 
ren Indischen Dialecten, in der gewöhnlichen Aussprache der 
Fajl ist. Mit der männlichen und weiblichen Foriit der J^reia 
lielsti^ sich.dapn die von Lunus und,Luna vergleichen; dann, 
dafs der iiQännliche Soniiengptt .der Indier Surya unter dem 
Namen 3iirya - Savitri als Gattin des Chandra » des Mondes 
erscheint. 

Ob Thor blos als Donnergott, und vielleicht ak höchster 
Qott, mit J,i/pi]ter verglichen wurde, oder ob noch andere 
Vergleichungspunkte vorhanden waren, wird nun nicht mehr 
auftZumitteln seyn. Wie dieser., gab er dem Donnerstag sei- 
nen Namen, Thorsdag, was auch noch zur Vergleichung ge- 
dient habei;! kann» Als Dphnergott kann er mit dem Indischen 
Vorsteher des Planeten Jupiter ^ dem Vrihaspati nicht zusam- 
mei]g.^stel}t vverden; auch der> abendländische Jupiter ist als 
Donx^epgott'undHerrscber des Himmels jiur mit Indra zu ver- 
gleiche^ »/ während sein Nam« in dem oblicpien Casus, Jo- 
vis u, s.w. kaum mit einem der Name;i des Vrihaspati eine 
Aehnjichkeit darbietet y nämlich mit Jiwa, Leben ^ Seele. 
Jupiter; eher und Diespiter vergleichen sich, mit Indra's Na- 
men Pyupati^ Herr des. Tags, des Himmels. ^ Zu berücksich- 
tigen i$t aber vielleicht noch, daXs die drei zusammengestell- 
ten Gu9rmantschen Gottheiten getade die sind , welche drei 
auf einander, folgenden T^gen den Namen geben. 

Wir würden ,uns keine so weite Abschweifung erlaubt 
haben t wäre diese nicht gerade durch den oben angegebenen 
Zweck djer hier unter . dem Namen Indische Spbin« aneinan- 
dergereihten^ ; Aufsätze einigermafsen gerechtfertigt. Ueber 
das £i>de des letzten derselben sind die Bemerkungen von 



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1^. Sdikgd Ijidisclie BiHidthek. 183 

Herrn Mone Im zw^it^n Theil seiner ^e^thidite d^es H^iifeh^ 
thums im ndrdlichen Europa p. i49#-i. i5l. «u rerglfeifeH^n'.' • 
VI. Die Einsiedielei dels Kaiidu , 'nÄch dem Brahtna «Pu- 
rana , einer epischen Dichtung aus dem höclisten Alterthum. 
£ine akademische Yorlesung von Herrn von Chezy (aus dem 
Französischen übersetzt von Herrn' von Schlegel). 

VII. De Studio Etymplogico. Dieser Aufsatz soll eine 
Einleitung zu einem Werke J3ildcn, das Herr von, Schlegel 
untei^ folgendem Titel berauszugcbfejn gedenkt: Etymologi- 
cum novum sive Sinöpsis linguarum, qüä exponitur paralle« 
lismus linguae Brachmanum sacrae cum lingua Graeca et La-* 
tina; cum reliquiis Hngiiae Etruscae, Oscae, ceteraruniqiie 
indigenarum vetefis Italiae dialectorura; ' deni^ue cum diyer- 
«is populorum Teutonicorum linguis , Gothica , Savonicai 
Francica, Alemannica, Scandica, Belgica. Die LtVcke , die 
in dieser Sprachvergleichung durch Auslassung des Persischen 
entsteht 9 glaubt der' Verf. Andern zur Ausfüllung überlassen 
zu müssen, um die Vollendung seines Unternehmens nicht fcit . 
weit hinaus au schieben. Wir glauben hinzufügen zu- müs- 
sen, dafs neben dem Persischen., das Armenische und diel 
Slavischen Sprachen -eine sehr reiche, noch fast gar nicht be- 
nutzte^uelle zur Vergleichung mit den genannten Sprachen 
darbieten, welche schon beim ersten Anblick und Lei nuf 
flüchtiger Untersuchung eine Menge gemeinschaftlicher Wortö 
und Foriben mit obigen Sprachen zfsigen^ und die wichtigsten 
Beiträge zur Vervollständigung und Erläuterung ' des angege^ 
henen Sprachehcyclus liefern. In dem vorliegenden lateinifcH* 
geschriebenen Aufsatze spricht der Ve'rfasser von der Etymo- 
logie im allgemeinen, von dem Weg den: er bei seinei; Arbeit 
einzuschlagen gedenke, von dier Art der Verwandtischaft zwi- 
schen den genannten Sprachen. Wir wünschen recht sehr, dafs 
dieses, Werk recht bald erscheinen möge, das ganz vorzüglich 
die Sprachwissenschaft in vielfacher Hinsicht befördern mufs.- 

Vni. Wilsons Wörterbuch. Dlefs ist auf 7o Seiten eine 
Beurtheilung dieses im J. J8l9 in Calcutta erschienenen Sans- 
krit Wörterbuchs mit vielen trefflichen Bemerkungen übefr 
das Sanskrit und dessen Literatur, von denen wir einiges' 
ausheben wollen. Nach der tJebersetzutig eines Theils der Vor- 
rede von Wilsons Wörterbuch erklärt sich. Herr von Schlegel 
mit Recht gegen diejenigen, welche das Alter der Sanskrit Lite- 
ratur bestreiten, selbsständige Eigenthümlichkeit der Indischen 
Kultur nicht gelten lassen* wollen, und zu dem Ende einen 
neueren Vikramadityas annehmen, um die Blüthe Irfdischer 
Literlitur- nicht <in die Zeiten dessen setzen zii müssen , van ' 



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i^ ; die , 4^rÄ ihre^ Nawnp» b^t, . w^lrfw^ 5Q JfaUre jrgf. dei^ 
uniijigß«.; Uireu AlRfan^ qlinmt. Die Yerwechselung ypn h uni 
y vffii'd ßu^ dem jSpanisch^n erläutert, d^iin sagt der yerf. :' 
^^Das va s^eht f^st iaimer da» yv{> im L^a^ef nischei^ ifnd Optici« 
f cb^n efn vau , un4 wp im Grle.chi^chen eip Digamma s^usg^« 
fallen ist. IJier nur euiige Beispiele : vamati, vpn^it; var« 
tat<5, V prtit; yah^ti, yehit; v^shtita, vestitus,. Ein 
paarmal stellt im L4|:einiscben der Consonant ni^d VqcjiI ner 
hen einander I wo im S^nsli;ril blqs d«r Voqal; u1y4> yulya; 
Vilkä^, Feder, Flaqime^ ei^ Feuerbrand , ein feurige^ Bjeteor, 

' Vulcairus. Waß ds|S £)igamma betriflPt, §o ist dies^ eii^e 
ver^yic^elte Streitfrage, w^cbe ausfQl^rliph ^^^ möglichster 
Lfmsicht behandelt ?}u werden verdient, Jedpcb wage ich hier 
vorlliuftg die J\|eini(ng zu äufse^n, dafs die AnnahoTe de^Di« 
.gamm^ bei diesem oder jeiiem Worte allerdings 4^dufcb be-» 
^t^tigt werden kann^ wenn zu der Analogie des Ivatejni'SQben 
nocb difj des S^tn^krit und yieU^icbt des Gotbisjcben l^inzu- 
^ommf^t wie nicht selten der Fall jst»«^ 

Hierauf fplgen Bemerkungen über die drei 8 im Sanskrit, 
n^ttieptlicb das pala^ale-, über, dessen Aussprache ,die Englän- 
der nicht ejiiig sind und es entweder durph sfca oder .durph sa 
mit einem Abdeichen bezeichnen/ Wir werden die erste- Be* 
a^öichnung vorziehen, auch schon darum, weil d^s Hjndiista-/ 
nisobe Alphabet, wenn es sich Fersischer, ^uchJltaben bedient^ 
das palat^le s durch das Arabische Schin ausdrückt. Die Ai^s- 
spVache des cerebralen und palatalen s ist 8.ehr- abweichend in 
4ßn verschiedenen Indischen Provinzen; dieSeiks haben diese 
beiden s aus ihrem Alphabet weggeworfen, u,nd bedienen 
^cb überall nur des dentalen s. Wie die zwei obigen Buch- 
S^ben ausgesprochen Wurden, a)s das Sanskrit noch lebende 
Sprache war, möchte jetzt wqhl nicht mehr, auszumitteln 
^eyn, man kann nur Gründen .eine^ Systems folgen, . wenn 
man die eine öder die andere Beziehung^art w]ililt, «-3 „Das., 
'dentale sa friedet sich gewöhnlich in den .verwajidten Wörtern 
des Lateinischen wieder; oft auch des Griechischen, wq^n^cht 

' ein Spiritus asper ^n die Stelle des urs^rC\ngUchpn Sigma ge* 
treten jst. JVJit dem palatalen sa hat e^ aber die eign^ B^- 
Vr^ndtnifs., da(*s an dessen Stelle in den entsprechenden Grie-. 
chisrhen und I^ateini^chen Wörten> ein.öijtturalhucbstabe, 
ipeistens cjn k, ein c oder qi\ steht. 25. B. da?a, 5gH«> de.r 
<; e m ; sankla , u 6yx^ » c o n c h a ; dadarsa , 3fe5c£J<« ; pasii»» p <^ f 
GUS, pecu; svan , derijund, im siebenten Casus, fluni, und 
auf äbniii:be Art in andern obliquen Bieg M.ngen; ;sunji,.die, 
IJüj)d;p? HvVN^Kyvojf c^nis; sat^m, centuiji, incv^ojM^iVX^V 



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r. SM^el it^ajbolie BibUoüi^^ .185 

leicbi uraprüpglieh Sv - K«re^v., 4«Jmi Doriscb rfta - »öJtiw u, •• W# 
yinsati,, zlyanzig; ti&ch /einer Dorischen rorm FIKATJ ♦), 
Lateiniscji mit ßijaachiebung des Nasenlauts aji ^iner ändi^ni, 
Stelle p als wa er im Indischen steht p yigint.i. Jedoch 
finden sich Ausnahmen ; z. . B, k&^si p (c a p 1 1 l,u s) , kesara, 
(iuta),cae s a*r i e s. Dieselbe. Hegel gilt g^uch vom Gothi- 
schen; nur dafs, nach der Neigurig- der altdeutschen Mund* 
^en zu den HAuchbuchstaben, nicht selten ein h an die Stella' 
tritt, Z, 3. sveta, weiXs; Gäthisch : hu^its.« Ein äbnli« 
che« VerhältniXs wie aus k und dem lateinischen c. unser deut«^ 
«eher Ton seh wird , bemerken wir an einer Menge von frau-% 
zösischen Wörtern » die obige Buchstaben in diesen Laut umr^ 
wandeln. Z.B. mJcmv» canis , chien; carboy charbon; 
ifo^AA);;, caballus, chevalp Gaul; k(3(|uii;Ao$ f camelus, cha- 
Qie^u; cantarej chanter u. s, »w. Das Sanskrit bietet noch 
andere Eormen dar, welche in ihrer Aussprache mit Gri^chi* 
sehen, Latefinisthen und Deutschen verglichen, sich zu die- 
sen verhalten wie das Italienische zu dem Lateinischen, sq 
^afs eine ältere härtere Aussprache in eine neuere ühergegan»* 
^ep zu seyn scheint, wie dies auch wohl schon aus dem AI* 
phabet selbst hervorgeht, das viele den verwandten ältere|i; 
Sprachen vöUig fremde Töne bat, insofern sich nämÜch die 
Aussprache jener durch Zusammenstellungen und Analogien 
muthmafslich bestimmen läfst. . ^ 

Der vorliegende Aufsatz Enthält v;ele sehr schone Be,-, 
merkungen über Etymologie des Sanskrit,^ die Ansichten, 
welche Indische Gr^nämatiker darüber haben, und wie sie sie 
behandelten; dann was Europäer und namentlich Wilson da*, 
Itir gethan haben. Eine nähere Angabe dieser Bemer-'f 
kungen vv^ürde uns hiör zu weit führen , nur auf eine 'glaur, 
hen wir noch aufmerksam machen zu mÖsse,n, nämlich auf d^^; 
Seite 358 aufgeworfene Frage , ob alle vier erblichen Stande;^ 
der Brahmanischen. Gesetzgebung aus demselben Geblüt enti- 
Sprüngen seyen, was sich wenigstens für den untersten Stand 
bezweifeln lasse, da auch der Indische Namen für Gaste, 
varna, Farbe^^ diesen Zweifel begünstige. Diese Frage. 
"\yird durch die veranlafst, ob nicht das Sanskrit Beimischiiu- 
gen von Sprachen der* Urbewohner Indiens habe , wie dies 
allerdings der' Fall zu s.eyn scheine. Was die, erste Fragfe be- 
trifft, so scheint: un§ sehr viel 4afür zu. sprecheii, dai's der« 



*) S. ^fac. Herapl. Hier vrärc denn also auch ein Beispiel voi^ der 
Vebereinstimmung der drei Sprachen in Bezug - auf das pigamma, 
und zwar zächt ein hypothetisches , sondern ein geschiditficlies, 
auf eine alte Inschrift gegründetes. 



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l86 ▼• Sohlegel Indische Biblicythek. \ 

, vierre Stand »ichl: g6inisxnsani«n Ursprungs mi% den. drei bhe- 
reri sey. Da» Daseyn einer sehr starken Urbevölkerung In- 
diens ist durch dessen südliche Provinzen erwiesen , in die 
offenbar in vreit ipätiren' Zeiten erst Cultür aus dem nördli- 
chen kam ^' und wo sich- die früheren Sprachen mit dem Sans- 
krit vermischten. . Dief Schudras erscheinen ganz in der Cate- 
gorie eines unterjochten , zur Zeit der Unterjochung noch 
rohen Volks, In Mena's Gesetzbuch findet sich 'beständig ein 
5ehr auffällender Unterschied zwischen den' dre^ ersten und der 
t'ierten Ca'ste^ * eine Menge Gesetze beziehen sich auf jene al- 
lein ^ odfeir sind für die drei ersten anders gestaltet-' als für die 
1 vierte. Öie drei ersten Classen siind die Wiedergeborenen ; 
vori der Beobachtung jedes heiligen Gebrauchs der wiedetge- 
. borenen Classen -ist ein Schudr»* ausgeschlossen; H,- 103. 
Die Schudras beifsen 11^ 12f7 ^ 155, geradezu Sclaveii, Nach 
mehreren Stellen können die drei er3te^% Classen zussnimenes- 
tfen; so VIII, 392: Wenn ein Priester zwanzig Leuten aus 
den tlrei ersten Classen ein Qastmahl giebt u. s. w. Die 
Gränzlinien zwischeh den oberen' Classen scheinen früher in 
vielen Stitcken lang nicht so stark gewesen zu seyn , als sie 
es im Verlauf der Zeit wurden ; dagegen waren sie weit 
schärfer in Bezug auf die Schudras gezogen. Diese sind an den 

(meisten Orten gegenwärtig weit davon entfernt sich für ge- 
ringer als die Vaischy'as anzusehen; im Gegentheil sie hal- 
ten sich weit' über sie erhaben , und sehen sie sogar mit Ver- 
achtung an. 

IX. Nachrichten. Erscheinung ^^^ dreizehnten Bandes 
der Asiatick Researches. Ankündigung einer neuen Gramma- 
tik des Sanskrit (erschienen 1820 in Calcutta). Reise Wil- 
son*s nach Benäres um die dramatische Poesie der Indier in 
ihrem ganzen Umfange kennen zu lernen, i Nachricht dafs ein 
jünger Mann von Vermögen und edler Geburt, Radhakanta 
Deva, vinit Hülfe der ausgezeichnetsten Pandits ein neues al- 
, phabetisches VVörterbuch ausgearbeitet hat, welches in Ben- 
galischer Schrift unter dem Titel Sabda-Kalpa-druma zuCal- 
cütta erscheinen- soll. Nachricht über Öife neuen JLettem in 
Devanagari-Schrift, welche Herr von Schlegel in Paris schnei- 
den und giefsen liefs , wozu er die Handschriften daselbst zu 
Rat;he zog. Der erste Gebrauch davöri iii der Indischen Bi- 
bliothek viprarde bei der Anzeige' von Wilsons Wörterbuch 
gemacht. Die neue^ Schrift ist sehr schön und d-e»tU€h-, Herr 
von Schlegel bemerkt dabei: „Was ich niir schmeichle, in 
der That als eine neue Erfindung betrachten zu dürfen , ist 
eine Vorrichtung, vermittelet defen die Vocal- und spnsti- 



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y. Sehlegfil Iddiseht Bibtiotbek, 107 

gen Zeichen über und unter der Linie dergestalt eingefbgt 
werden ^ dafs jede Zeile nur aus einer festgeschlossenen Aeihe 
iißsteht, während i^ei allem bisher gedruckten drei Reihen. 
dazu erfordert wurden.c^ 

X. Neueste Mittheilungen der Asiatischen Gesellschaft 
zu Calcutta. Au&ztlge «uft aem di^isehnten Ban.de derselben 
und Seiner i^nngen darüber , bandeln vom Uimalaya Gebirge 
und den Quellen de« Ganges, S. 372 — 39o; von unentdeck- 
ten Pflanzen sämmtlich beschrieben von dem Oheraufseher des, 
botanischen Gartens bei Calcutta Herrn Dr. Wallioh, S. 39o 
])isÖ9i« Bemerkungen des Herrn d* Alton über den Asiati- 
schen Tapir, 9 veranlafst durch den Aufsatz des Herril Far^u« 
har, S, 393* — 399* üeber die Colonien, welche,' von In- 
dien aus, Religion und Cultur nach Java gebracht haben; 
über den Brachmanismus und Buddhismus daselbst, zugleich 
über das YerhältnUs dieser Religionen in Indien , veranlafst 
durch die Bemerkungen des Herrn J. Crawfurd über die Fort* 
dauer der Hindu -Religion auf der Insel Bali, und Beschreib 
bung der Tem|>el- Ruinen von Brambanan in Java, 5« 399 bis. 
42]5. Die Fhansigars , Räuberbanden, welche hauptsächlich 
in Mysore ihren Sitz haben, nach dem Aufsatz^ des Herrn 
Scberwood; dabei Bemerkungen über die Zigeuner, S. 425 
bis 43o. Die Königreiche, nach einer jßrzähtunc des Herrn - 
Brown von der Krönung eines Raja.im J. 1778, i>. 430—4^2. 
Da die Darstellung in diesen Aufsätzen, die nur Auszüge, 
mit neuen BemeriLungen seyn sollen , zu gedrängt ist , so 
würde ein neuer Auszug fast so^ weitläufig werden müssen, 
wie diese Abhandlungen selbst« £s genXSgt den Reichthum 
des Inhalts , angedeutet zu haben. 

XI. lieber die in Sanskrit-Sprache durch die Suffixa tva, 
und ya gebildeten Verbatfonnen ; ist die erste Abtheilung ei- 
nes Aufsatzes von. Herrn S^aataminister Freiberrn von Hum- 
boldt, mit einigen Bemerkungen des Herausgebers, S. 433 
bis 467. 

Die Vollendung dieses ersten Bandes, die glückliche üe- 
berwindung der am Anfang bemerkten .Schwierigkeiten , be- 
rechtigen uns zu der angenehmen Hoffnung, diese gehaltreiche 
Zeitschrift mit. kürzeren Unterbrechungen fortgesetzt zu se* 
ben, als es bisher der Fall war, eine Hoffnung, die gewifs 
alle mit uns theilen, die sich, nicht allein für Indische Lite« 
ratur , sondern für Geschichte , Alterthumskunde und Philo* 
logie übifa^rhaupt interessiren. • 



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las Rittf^ GeStfUlehle M Jon. I'hlfös., 



O^J(chioht& dßr Jonischen Phihsophlß von Dr% SUinr^ jR.it tßr* 
Berlin bei Trautwein, 1821» 8. 323 <y* > • , 

Herr Dr. Ritter liefert ^urch diew Schrift^ indem er di» 
besonders durch Schlei ermacher und Böikh ftlr die Geschicht«- 
forscbüng im Gebiete der. Philosophie vtevL eröffnete Bühn eben 
80 glücklich zu verfolgen wie gründlich zu /Würdigen weii's, 
einen sehr wichtigen Beitrag %vit. tieferen Kehritnils ^ der Ge- 
schichte der älteren Griechischen Philosophie. Vorzüglich 
bestrebt in die Grundlehren der Jonischen Physiologen einzu- 
drirlgcri, iind auf diese Welse gründliche Einsicat in die 
Gliederung ihrer Lehrgebäude zu erlangen^ hat er oft wider- 
streitende Abgaben der Berichterstatter zu "vereinigen , - oder 
unter ihnen zu entscheiden und aus yerieinzelten schwer ver- 
ständlichen Nachrichten über wichtige Lehrsätze Licht zu 
verbreiten gewufst. Dafs Herr Dr. Ritter ohne in Schleier- 
macherd hie rhergi^hö'r igen Arbeiten Muster und Leitfaden «u 
^ finden, iri den Sinn der alten Griechischen Physfk nicht so 
tief eingedrungen seyn würde, wird der Kundige nicht ver- 
kennen, aber darum die Verdienste des gelehrten ui\d selbst*» 
ständigen Nacheiferers nicht weniger dankbar anerkennen. 
Nicht selten hai: auch Herr Dr. Ritter sich von den Meinun- 
gen seines Lehrers entfernt, oder sie im einzeTnen modificirt 
und ge][iau«r bestimmt. ^>* Statt Auszüge au^ dieser Schrift 
zu geben, wird Rec. -die Puncte h er vor hebten , die ihm ent- 
weder vorzüglich glücklich,' oder noch nicht genügend aufge- 
bellt zu seyn scheinen, üeber die Bedeutung ,^die der Ver- 
fasser dem Ausdruck, Jonische Philosophie ,. beilegt, und 
über die Reihenfolge, in der er die Jonischen Philosophen 
zusammenordn'et, wird Kec. sich im Laufe und am Schlufs 
dieser Anzeige einige Bemerkungen erlauben* 

In der kurzen Einleitung wird bestimmt in welchem Sinn, 
und auf welche Weise „wir in der' späteren Jonischen Philo- 
sophie das zu erkennen suchen müssen , wonach Thaies und 
die früheren auf eiijier niederen Stufe des wissenschaftlichen 
Bewufsts^yns gestrebt babe^^ mögen ;** uird darauf durch einige 
vorläufige Bemerkungen über die Anordnung der einzelnen 
Glieder iti der Jonischen Schule, der Üebergang zu der ei- 
gentlichen- Darstellung vermittelt, die mit dem Thaies be- 
ginnt. Ohne die Erwähnungen vorgeblicher JBüAerides'iTba* 
les bei »päberen<5*^iechischen Schriftstellern einer überflüssigen 
Prüfung zuAinterwerfen-, iEllu't*d#*-*Vepf, an, dafs Aristoteles 



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deren nicbl ^ekah^iit faabe. Aber hajtte Aristoteles yielleicht 
äitere Deiilcf^brifti)n,über. die;jLefare des Tbalesvo^r sicbf odet 
Honette Job, Fbiloponus ,. der m seinem Coiii6ieiit9kr su Aristo* 
ttfles von der^^seljß. . (ii C^p. 7.) aolcber erwähnt f. nvir.eu« den 
Aristot^li^h^ii Worten (de Anima J^ 2*) «^ w« dtofxvkifi^yivov^t^ 
Dafs die VetacbtuHig desi geschriebene^. Wortes in irtiberen 
Zeiten allg^m^in gewesen (sj p» 8.) 9 wird woW etw^s über* 
eilt aus! Pi%toiirb»e4r. p..274 «^q- geschlossen. Unter den 
Scbrifes(e]Jef*n^ wekbe die Gründe; fiii: de» Thaies 3ebaup(ung 
vom Urgrj*n{ie der.Di«ge «ng^bea, istSimpliciuji.zur Phy« 
sik djes Atii^.: f. ^v nicht ä^it aufgeführt wo rd^tn , der im All« 
geiDetneh niit^deo Ang^l^^n b^i.AristQt^eleSi Stobaevis u^.s^.w, 
völlig einstiminig.,. dem yo»;.d^ JE^tvj'rick^lnilgrideB Warnjei> 
aus dem l^eMcbcen herg^n^aundnQn.Gfmlde. hip^)^g'^füg.t., dafa 
ja auch in I d^^n : A|{f^ j^hs.tierbe .die,f^ucbjtigkeit, austrcfckehe. 
Dals Tbales von^dejt Gri>pdsi|is(:bf^i^g. ausgegangen .^ 9,die 
Welt sey eintlebe^diges.G^nase^.-welcbes sich au« einem K^U 
me entvrichek ba.be.Mnd iiach Ai't dfCrTbiere fortlelw; durch 
eine seinein urspri\ngiicben Wesian angen^essei^e Nabrang,<< 
möchte R^C^.Äwnr pi<;ht .gerstdeziu in^. Äl)reqle stellen, abec 
nicht mit .denn Verf. 4:araMS fo^ge^fPf; ,,dafs Tb. an seioetn alU 
gemeiner» Bilde, von eivem-.tliierisjcbtfn Leben der Welt festhal- 
tend , jede YöjweR^l^^ nur js^ls- e/ne neue EotyVickfjJung des , 
Leh^nsprooei^Sie^ jingeseheii babe^*^ , Denn ai|cb zugegeben^ 
was wohl i|ic^i 2|(^gegeben w^erdexi.kann, eine SQlcixe Durch« 
Üibrung einest; eij:iz^g«n Bildet wfj^er^pr^che nicht de^ Qeist 
der, Slt^#ten;eiirf'acbst^n Forspli^ng-, ,, wie läfst , ^iqh iWO.Ul aus 
dem wenigen. w^^:4eT yeriV.fi\if ; Sijij^e Ansicht »nftibtj:» mit 
einiger Sicherheit ]Bc)ilieIs|en 5- ^.hales , bebe ehßa dieses £il4 
durch gef üb rli? \yi,eJW»tMcb.l;ai Geg€iu,tbeil vert^p^iea,,^. dals 
er darüber, hinausgegangen , ^^9n!er, i>acb Acis^Qteles,; Be- 
richt , für &eine Gxundanjnabme auch atiführte, , dafs die, Erde 
vom -Wasser. ;g.et|-a gen ;>vevde, ; Npcl^ \f»reniger darfin^Yi frei<r 
lieh annebaiiej?{>. Thaies habe , • wie Heraclidtjs Ifonticu« . und 
Alexander ,b«bau}?jt^, yerwapdlu^g.dpr Dingte durch .Ver- 
dichtung und.,V,efdä^niing,, n^jqb cj^^n vi^r ^l^n*e»tarifi3ben 
Grundstufen , , |reiebf1tf; Denn, tbeiJsr M^ard die Lebfe, von der^. 
yierElen^nten.&ebr.vieLspätei; ai^&gebildet, thef^s b^tte Theon 
pbrast (bei SimplidHA; zu^r Pkyjsik i^ 32.) behauptet, 1 nut; 
An^ximenes (al^o wie man aiu:^ ^.a^. nur\ verft^hpn wUl^gie^. 
wifs nöcb ni<^ti Tbafes) habe au^ . Verdicbtiang iii^d Yerdün-i 
nungdes Urs^t^lFs.die Dinge bervorgeben lassep».i' W:ie ^ich< 
aber Thaies das Werken ged^^iibt , .veroiQchten ojfei^ar schon 
Aristoteles '^; a^;alt^.iB|eiriebt!ei;stejt^e^ ni^i^t aiis^mil|i;rf In (5tel« 



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193 Ritter Q«schidit# cUr Jan* ThiUsdphUi ' / 

fand sie datin als Wirkende und 3ie fernere Au^scheidting dutch 
Verdichtung uite Verdünnung fördernde Kräfte der Bildung 
dör elementarischen Massen Vorangestellt in haben. Völlig 
ferwiesen scheint Rec. , Was' der Verf. p, 35. aqq. nachzüwei« 
Jen sucht j dafs Anaxim. nicht unmittelbaren Üebergang von 
'^Luft zur Erde, sondern Verdichtung durch die Mittelstufen 
von Wind und Wolken angenommen , wie Origene» im Wi- 
derspruch m'it Plutarch u^ ä^ berichtet (also die (^uadruplici* 
tat der Elemente noch niclrt irf ihrer Sonderuhg 'gekannt)^ und 
ää£i jet d*n Gegenisata von Körpe/r und '8eele !nöch nicht her- 
vorgehoben habe, weshalb bei itim*^ wie beim Th^lel, eben 
ÄO wenig die Rede von Weltsödö^ #ie Von Materialismus 
seyn könne (p. 29. s^q.). . ' - ^ 

Dafs Diogenes aus Apclllonia ^ den der Verf. tini^ittelbar 
auf den Änaximenes folgen läfst, einem bedeutend späteren 
Zeitalter angehöre als Analciineneis, glebt Rec. djfem Verf* 
(s. p. 4o.) nicht nur völlig z\i^ Sondern ist sogar- tiberzeugt j 
dafs er jünger äU Anaxagoras gewesen. Denn 1* wt> SimpH-* 
cius (in Phys, f. Ö< A.) ihn den jürigst^en der Physiologen nennt 
und behauptet err-habe einigeif nach dem Aftaxagofäs j ander» 
nach dem Uedcipp* geredet , hatte er oflFenbar Theophrasts 
Buch vor Augen, und angenoiinmen äuch^ wife /Schleierm|icher 
fri seiner xheisterhaften Abhartdliihg behauptet (s. Abhandle 
der Acad; Äu Berl; idl6)^,.' dafs dieser Schriftstellfer-^ron ihm 
nur in BeÄ'ug auf die angefühtt&h L#ehrmeinungiöii ; nicht auf 
die chronologi^ch'Än Angabe^i angezogen - werde ■, so ist' doch* 
Weder Wahrscheinlich , däfs Theophrasfe in seinfei* Monogra- 
phie , Übfer das Zfe'itaker de* Diogenes sich gar-niiht geSli8- 
AHr% hoch dafo der sorgfältige Simplicius eine solche Aeufse- 
rung übersehen haben sollte. -2. lllfst sich nicjhti Wohl ein* 
sehen ^ wie Diogene» so au sfÄhrlich^ zu beweisen öichbdmüht 
baben möchte j'^iiais das Giimdwesen nothwendigtheils ein 
eirriges seyn ^ theils die Intelligenz in sich • begreifen mösse, 
wenn er nicht^- einerseits di^enigen zü bekämpfen gehabt 
hätte , die jßine Mehrheit oder gar eine unendliche Mannig- 
faltigkeit der GmndstoÄe. annahmen , andrei^seifes 'sokbe , die 
wie AnaÄagoräs'^ Infelligena' und Materie dualiatisch'^ son- 
derten; • ••'••'< . ' ' :i i w- :-. 

,:*..•! ■ * •. . - '•■ ,>.■-• 

(ß b seh tüf^ folgt.) . .• •• 



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N. 13. 1824 

Heidelberger 

Jahrbücher der Literatur. 

Esjiriu kiTtsn Geschichte der Jonischen 
Philosophie/ 

(BBsehlufs.) 

Dafa «ich In den vorhandenen Bfuchstflcken des Dioge« 
ne« nicht auch Widerlegung der Änaxagoreischen Lehre vom 
Mischzuatande der Elemente findet^ darf uns nicht Wunder 
nehmen ^ da theils ein nur aehr kleiner Theil der Schrift des 
Diogenes uhs erhalten | theik auch kauin vorauszusetzen ist, 
dafs Diogenes die Liehre des Anaxagoras Funct für Pünct po- 
lemisch verfolgt haben werde. Aulserdem mochte er eben 
hier Polemik fSr sehr tlberfltlssig halten , da er leicht wMhnen 
konnte^ zugleich mit der nothwendigen Einheit des Orsto^ 
seine Einfachheit nachgewiesen zu haben. Für die Annahme^ 
dafs Diogenes versucht habe die^ Intelligenz • Materie in eine 
Einheit zusammenhegreifendei Grundanschauung der älteren 
Jonier gegen die Ansprüche so wie deaXlualismus 9 so auch 
der Lehre von einer Mehrheit oder unendlichen Mannichfid* 
tigkeit von Grundsto£Fen zu vertbeidigen , liefse sich wohl 
noch durch einige andere Einzelheiten sehr wahrscheinlich 
machen, die auszuführen dieser Ort nicht ist. Einen hohen 
Grad der Wahrscheinlichkeit scheint Rec. die Annahme des 
Verf. SU haben, dafs Diogenes das Urwesen sich als eine von 
Wärme entzündete Luft gedacht und, dadurch einerseits den 
Porphyr ius und NicoL Damascen. veranlafst auf ihn das Ari« 
itotelische Mitte] wesen zurückzuführen^ andrerseits die ein« 
ander widersprechenden Nachrichten hervorgerufen habe^ die 
Luft sey ihm das dünnste gewesen und durch Verdichtung 
und Verdünnung habe er die Dinge aus der Luft bervorge. 
hen lassen (s p. 64 aqq.) 

Besonders ausführlich und mit sehr begreiflicher Vorliebe 
wird die Lehre des Heraclit behandelt, deich zu Anfang die^ 
tes 'Abschnittes (p. 71 ^q*) wird das schwierige Bruchstück 
XVn. Jahrg. t. Heft 13 

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1^4 Ritter Geiehicht« der Jon. PliilotopUie. 

i(Stob. Serm. III, p. 99. ed. Schow cf. Schleierm. No. 17.) 
sehr kühn so erklirrt» awf -de^^ ein^n Seitdliabe er (Heraclit) 
nur solche gefunden^ die gleich den Thieren den Sinneii allein 
Glauben beimessen, auf der 'andern Seito-^ djip w»illkübrlich 
Hber göttliche Üinge redeten , *als göhörteji si^ selber zu den 
Göttern, So die Worte: ^ yi^ $eo4 >j B*}^tov 25u fassen^ müs- 
sen wir uns verbieten, so lange nicht analoges in Sprach- und 
Denkweise des Alterthums angeführt wird. Für das Alter der 
dem Heraclitischen Werke bei Diog* Laert. beigelegten üe- 
berschrif't, die Musen, hätte die ähnliche Bezeichnung desBu- 
rhes^es PhiFolaüs, die Bacchen, angeftfhrt wferden können 
(8. Böckh p. 34 sqq.). Dals aber die Veberschrift nrafi ^ifftai; 
blöfs aus dem Inhalt geschöpft und späteren Ursprungs (p. 76.) 
sey ist unerweislich. Galen (^gj» arot-x^aiwv I, p« 56, 36 
ed. Ba^il) hielt diese den älteren philosophischen Werken ge- 
meinsame Ueberschrift ftlr authentisch, uhd Aristoteles (Me- 
teorol. IV, 4.)^'*^^^' vS^teg neu 'EfJtnr^onkijq i^oi>j9ev iv ro7i (pv- 
m-Acli* I^i^ Dunkelheit, der schon das Alterthum den Hera- 
clit be&chuldigt, ist auch Hec. sehr gencugt nicht ausschlieis« 
lieh für grammatisch , sondern zugleich für Folge seiner ei- 

Sentbümiichen Anschauungsweise zu halten (p. QO &qq.). Pi^ 
»ebauptung, Heraclit habe seinen Grundsatz vom ewigen 
Wlnb der Dinge auf das Gebiet der Erscheinungen beschränkt, 
das Feuer aber als das ewige und in sich einige Wesen der Welt 

fedächt (s. p. 9o sqqO» sucht der Verf. besonders durch die 
ekannte Stelle in Platon*s Sophisten p» 246. festzustellen, 
lAdem er auf den Empedocles^e zieht, was Piaton von der 
Verachtung und Verwerfung alles unkörperlichen sagt, und 
auf den Heraclit^ vi^as dort von der entgegengesetzten Parthei 
der Philosophen ai^geführt wirxl , die versicherten, dafs nur 
gedachte und unkörperliche Arten das wahrhaft sey ende wä- 
ren. Auffallend ist es , dafs der Verf. Schleiefmachers duicK- 
a^s verschiedene Erklärung ^ die in den von Piaton bezeich- 
neten Materialisten aufser den Atomikern die Gyrenaiker, in 
den .Freunden der Ideen die Megariker erkennt, nicht einmal 
angeführt und zu widerlegen versucht hat. Schwerlich möchte 
es ihni gelingen, seine Erklärung gegen. Schleiermachers 
auch nur scheinbar zu begründen. Denn von Empedocles und 
Heraclit ist in jener Piaton. Stelle, längst nicht mehr die Hede. 
Und wie sollte Piaton den Leucipp und Democrit, um von 
den Cyrenaikern nicht zu reden, nicht gekannt oder die An- 
sicht des Empedocles filr materialistischer gehalten haben? 
Auch dafs Heraclit die sinnliche Erkehntnifs keineswegs völ- 
lig aufgehoben^ hätte nur gänzliche Unkunde seiner Lehre 



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Ritter Geschichte der Jon« . Philosophie, 195 

verkennen köi^nen ,' wie aus des Verf. eigenen Darstellung 
hervorgeht. Aber eben so wenig der Behauptung selber, wie 
diesem für sie geführten Beweise, kann Rec. beistimmen« 
Dafs nämlich Heraclit den Flufs der Dinge und das Feuer wie 
Bewegung und Ruhe einander entgegt?ngestellt habe , ist 
schon darum nicht anzunehmen, weil er, wie der Verf. 
p. 94. s<j(j. selber anerkennt, das Feuer als das 'beweglichste 
vor allen Übrigen Stoffen hervorhebt, und es eheri darum für 
das reinste Substrat der ruhelosen Bewegung hält. Heraclit 
konnte, ohne seinen Grundsatas aufaugeben, im Stoffartigen 
durchaus nichts im Seyn Beharrliches anerkennen ; und in der 
That scheint er einzig und allein in den Gesetzen des Wer-, 
dens öder der Wiederkehr ein unveränderlich - beharrliches 
gesucht und auf diese Weise die Lehre vom ewigen Werden, 
m ihrer Reinheit aufgestellt 25 u haben. Wo man die Kraft« 
des Werdens in ihrer höchsten Function aum Bewu|istseyn 
der Gesetze sich steigert, nach denen sie wirkt gemäfs der 
ewigen Vorherbestimmung, auch da kann sie zwar des Sub*. 
strats nicht entbehren, bildet sich aber das dem Ablauf der Be» 
wegung am wenigsten widerstrebende Substrat des reinen 
Feuers^ an: daher die Lehre vom, it«^i^P^ou ^QtitCjqig und vu^ost^iiq* 
Vollkommen stimmt Rec. dem Verf. in derti bei , was er von 
der doppelten Bedeutung des Feuers bei Heraclit (p. 93.), 
von der Entstehung der Ansicht. des Aenesidem, Heraclit habe 
die Luft für das Urwesen gehalten (p, 95.)' und den Irrthum 
derer sagt, die ihm die Lehre von Verdichtung und Verdün- 
nung, Vermischung und Scheidung beilegen (97 sqq,)* E!ben 
so hat der Verf. völlig befriedigend gezeigt, dafs Heraclit in 
seiner Lehre von der Verwandlung der Dinge keine Art der 
Bew^egung ausgeschlossen (105 scjq-.), und gleicher Weise die 
Verschiedenheit der Richtung und Geschwindigkeit in An- 
»clilag gebracht (111 sqq.) und nicht mehr als drei elementa« 
risch^ Mittelstufen bedurft habe (p. 113 sqq*). Auch die 
liehre vom Weltbrande wird man schwerlich anstehen mit 
Herrn Dr^ R. und gegen Schleiermacher, für Heraqlitisch zu 
halten, wenn man sie nur mit ersteren, nicht für ein Aufhd« 
ren zugleich der Bewegung und des Vielen, sondern als Rück« 
kehr znr vollkommensten Bewegung betrachtet und auf diese 
Weise die scheinbare Einrede der Piatoni scheai Stelle (Soph, 
242.), worauf sich Schleiermacher hauptsächlich Stützt, Le* 
seitigt. So gefafst aber ist aucti die Lehre vom Weltbrande 
eben nichts andres als die Lehre von grofsen Weltperioden, 
wie sie auch Schleiermacher (p. 47l,) dem Heraclit zueignet. 
Vom Heraclit kann man wohl mit grdfserem Recht , als von 

13 * 

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19i Ritttr Geicbicht« dvr Jon. PhUofoplib. 

irgend einem der andern Ionischen Philosophen behaupten, 
dals er durch die Annahme eines xa^/^p^ov (p^tv^^a; eine Weltseele 
gesetzt (p. l39.) habe; nur darf man nicht vergessen, dafs ihr 
Sewufstseyn kein freithätig schaifendes, sondern nur die aus 
unabänderlicher Vorherbestimmung sich ergebenden Gesetze 
der Bewegung in sich abspiegelndes seyn konnte. Indem der 
Verf. , nachdem er sehr Lehrreiches über die dem Heraclit 
vom-Sextus EmpiricuS zugeschriebene Entgegensetzung voii 
Sinn - Vernunft gesagt (s. l44 8qq;.)> der eigenthünilichen 
G^dankenreihe des Heraclit nachforscht, gelangt er zu dem 
Resultat, dafs Heraclit durch physische Betrachtung des 

' menschlichen Geistes zu seiner Naturanschauung gelangt sey. 
Aber aus den angenommenen Stellen^ namerrtlich aus dem 
merkwürdigen Fragment (No. 62. bei Schleierm,) läfst sich 
nur abnehmen, was sich auf andere Weise bestätigt findet, 
dafs H(j;raclit die Lehre vom ewigen Flufs der Dinge auch auf 
das erkennende Subject ausgedehnt habe« Zu dieser Lehre 
selber, die ohne Zweifel solcher innern Erfahrung, wie sie 
fr. 62. andeutet, .vorhergehn mufste, ward ^r wohl durch die 
Grundfrage aller alten Physik geleitet : was das aller Verän- 
derung zu Grunde liegende sey. Nachdem man nämlich ver- 
geblid^i versucht dasselbe in einem bestimmten Und eben dar- 
um nicht letzten, oder in einem bestimmungslosen und darum 
begriffslosen Urstoif nach s^u weisen , mufste sich nothwendig 
der Versuch aufdrängen es als Kraft des Werdens über allen 
Stoff hinauszusetzen. — Des Heraclits Lehre durchaus mifs- 
verstanden und was physisch gemeint gewesen dialectisch ge- 
deutet zu haben , beschuldigt den Aristoteles Herr Dr. B., 
wie es Schleier macher vor ihm gethan hatte. Nun will Rec» 
zwar nicht in Abrede stellen, dafs Aristoteles ins einzelne 
der Lehre des Ephesischen Weisen nicht genugsam eingedrun- 
gen sey, aber als nothwendige Folgerung aus dem consequent 
durchgeführten Begriff vom ewigen Werden wird man doch 
gelten lassen müssen , dafs eben weil er alles beharrliche aus- 
schliefst, ihm zufolge die einander entgegengesetzten wech- 
selnden Beschaffenheiten zusammengefafst werc^en, und daherf 
wie es Aristoteles (Phys. 1, 3.) noch schärfer ausspricht, 

jjicht vom Einsseyn der Dinge, «oYidern nur vom Nichtseyn 
kann. Nur indem Heraclit eine durch fatale Vorherbestim- 
mung geordnete Wiederkehr der Dinge postulirte, suchte er 
sich dieser Folgerung zu- entziehn , vermochte aber jenen Be- 
griff nicht dialectisch zu begründen, weshalb ihn sch^on seine 
nächsten Nachfolger aufgaben. 

So wenig Reo. »ugcben konnte ^ ddf$ sich ^wiscb^n dA 



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RiUM 6ei«hieht« der Jon. Piiilosophie. 197 

Anaximandrlschen und Anaximenisclien Xielure nichts überein« 
ctimmendes finde , eben so wenig kann er sich überzeugen» 
dafs Thaies und Anaximander einer ganz ^verschiedenen Rieh« 
tung der Philosophie folgend ohne afie Uebereinstimmung ge- 
wesen, und dafs, letzterer als Urheber einer neuen Entwick- 
lungsperiode von Thaies , Anaxioienes und Heraclit getrennt 
werden müsse. Den ürstoflF zu ergründen war Anaximander 
wie Thaies bestrebt, und jener setzte wie dieser voraus^ dafs 
derselbe zugleich die Urkraft in sich enthalten müsse. Nur hatte 
Anajcitnander eingesehn, dafs der Ursto£Fnicht als ein irgend« 
wie bestimmter, sondern als an sich bestimmungs- und form- 
los gesetzt werden müssen nannte ihn daher das Unbestimmte 
oder Unendliche, und erhob sich auf diese Weise bedeutend 
über den Thaies. Dafs man diesen schwierigen Begriff nicht 
festzuhalten vermochte, sondern sehr hatd wieder den Begriff 
des avtt^ov als blolses Prädicat eines bestimmten U^stoffs be- 
trachtete, darf uns nicht wundern. " Heraclit scheint den 
Anaximander begriffen und den Begriff des Bestimmungslos'en 
zu dem der reinen Kraft des Werdens gesteigert zu haben; ja, 
eine wahre Kluft würde den Thaies und Anaximenes Vom 
Heraclit trennen, wenn nicht die Lehre des Anaximänder als 
vermittelndes Glied dazwischen 'getreten wäre. Dafs aber 
Anaximander-sein aTTs/^ov nicht blojTs als unerschöpfliches und 
schrankenloses, sondern zugleich und vielleicht zunächst, als 
bestimmungsloses gefafst habe, dafür zeugf aufser dem alten 
Sprachgebrauch wie er sich bei Piaton findet, die Nachricht 
bei Simplicius und a. An. habe als Urgrund der Dinge nicht 
irgend eins der Elemente, sondern eine andere J^fatur gesetzt 
(Simpl. z. Physik f. 6.). Was war ihm nun diese andere Na- 
tur ? nicht das Aristotelische /wöragu , wie Schleier macher und 
nach ihm Herr Dr. Ritter (p, 170.) bewiesen hat: eben so 
wenig eine Mischung schon vorhandener Stoffe; denn der 
Ausdruck fxiyixa bei Aristot. u. einigen a. darf, wie auch Herr 
Dr. R. erinnert, nicht zu wörtlich gefafst werden' und Theo- 
phrast (bei Simpl. zur Khys. f. 6.) scheint den Unterschied 
zwischen der Lehre* des Anaximander und der des Anaxago- 
ras dahin bestimmt zu haben, dafs bei ersterem nicht wie bei 
letzterem die Mannichfaltigkeit und Bestimmtheit der Stoffe 
im aTwg-ov sich schon finde, vielmehr durch Ausscheidung der 
Gegensätze erst erzeugt werde. Auch findet sich aufser je- 
nem unbestimmten Ausdrbck, fAtyfxa^ nichts, woraus sich 
schliefsen liefse, dafs sich Anaxim. 'eipen irgendwie qualitativ 
bestimmten Urstoff gedacht habe : Von' solcher Amphibologie 
des Sprachgebrauchs aber möchten sich wohl noch mehrere 



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id^ Hitter öciehichte der Jon. Plulosoplue. 

Beispiele bei den Mitesten Gfiech. Philosophen nachweisen 
lassen t denn freilich ist dem Anaximander das SvatQov nicht 
ausschliefslich das bestiminungslose^ sondern zugleich das 
räumlich und zeitlich unbegrenzte gewesen. A uch Hr. Dr; R.' 
be^merkt (p. löl 8<iq;.) dafs der Begriff eines Lebendigen, mit 
eigenthümlicher Bewegung begabten Eins beim Anaximander 
nicht zu verkennen sey, findet aber dennoch eine gröfsere 
Neigung zur mechanischen Weltbetrachtung bei ihm als beim' 
Thaies, Anaximenes u. s, w. , w^eil beim Anaximander „die 
Trennung der einzelnen Dinge aus dem Urwesen heraus ge- 
sehene und in diesen Theilen njcht' eine lebendige Verwand- 
lung gesetzt werde, sondern ein Entstehen nur durch' das 
Nebeneinanderseyn des gleichartigen.'« (p. 185.) Wie aber 
findet wohl eine lebendigere und mehr dynamische Verwand- 
lung statt, wo man die Einzeldinge durch Verdichtung und 
Verdünnung, oder Zusammenziehen und Ausdehnen, ent- 
stehn, läfst , als da wo eine Kraft gesetzt wird, die nach 
den ewigen Gesetzen ihrer Natur aus' dem ihr sich ent- 
wickelnden qualitätslosen Stoff zuerst Gegensätze und dem« 
nächst bestimmte Stoffe und Einzeldinge bildet? Denn dafs 
sich beim Anaximan'der diese Ansicht gefunden, erkennt Ari- 
stoteles (Metaph. XII, 3.) ausdrücklich an, indem er von 
demselben sagt, die Dinge entstünden ihm dem VermÖgeü 
nach aus "dem Seyn, der Wirklichkeit nach a^us dem J^Jicht- 
seyn. — Dafs bei der Lehre des Anaximander, alle Wesen 
müfsten nach der Ordnung der Zeit Bufse und Strafe ihrer 
Ungerechtigkeit geben, nicht an Weltbildung unter dem Bilde 
eint^s sündlichen AbfaUs zu denken sey , darüber ist Rec. mit 
dem Verf. völlig einverstanden, kann aber nicht mit ihm die, 
Annahme einer Rückkehr der Dinge in den Zustand des ur* 
sprOnglichen Gleichseyns aller Dinge in derselben finden, 
sondern nur dieUeberzeugung, dafs jedes Gewordene zu sei* 
ner Zeit'andren Werdenden weichen müsse, damit die Natur 
des Unendlichen sich immer weiter entfalte. — Dafs Ana^j. 
nicht blofs eine successive sondern zugleich gleichzeitige Un- 
endlichkeit der Welten gelehrt habe, und dafs durch d. W. 
Ko<r/xo5 Weltkörper, durch ov^avU Bahn oder Atmosphäre deS« 
selben bezeichnet sey, ist durch Herrn Dr. R. Beweisfüh- 
rung sehr wahrscheinlich geworden (p. 193 sc[q[.) 

Vom Anaximander geht der Verf. unmittelbar zum Ana- 
xagoras über (p. 203.) und zeigt sehr scharfsinnig, dafs der 
Grundsatz des letzteren , alles sey in allem, nicht blofs auf 
dem Aggregatzustand, sondern zugleich auf den Urzustand 
der ursprünglichen Saanien der Dinge zu beziehn, nicht aber 



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mtttr Oescliidite d«r Jon. Piuloiophitf. 199 

von einem wirklichen Gemischtseyn,, sondern nur von einet 
allgemeiiren Wechselwirkung der Dinge unter einander au 
verstehen sey (p. 213 sqq.). Diese Annahme eines untrenn- 
baren Zusammenhangs unter der Allheit der Dinge bezeichnen 
auch wohl Aristoteles (Metaph. XII, 2. I, 3.) und Theo- 
phrast (bei Simpl. zur PhyS, f. g. B,), indem sie die Gesammt« 
heit der Homöpmerien das J^ins nennen. — Der Behauptung, 
Anaxag« habe das Wirken des .Geistes blofs als ejn K^lnstle- 
risches, nicht zugleich als ein sittliches beschrieben (p. 229 sq.}, 
widerspricht Aristoteles (Metaph. XII, iQ cf. XIV, 4.)» 
wenn auch des Plutarchs Angabe , Anaxag^ habe den Gegen-* 
satz zw^isohen Gut und Bös auf den (^egensatz von Geist und 
Materie zurückgeführt, nur für Folgerung aus jenen Aristo- 
telischen oder ärmlichen Stellen zu halten i^t. Dafs Ankxag. 
dem Geiste kein kg^perlicbes Substrat beigelegt, obgleich er 
ihn das dt\nnste nannte (p, 235.), dafs er keinen Weltanfang 
in der Zeit gesetzt , sondern nur der JLehrordnung w^g^n 
und um das Geschiedenseyn von Geist und Materie recht stark 
hervorzuheben, von eineoi chaotischen Zustande geredet 
(p. 249. sqq."); ferner dafs er ein allmähliges Fortschreiten in . 
der Bewegung und Weltbildung angenommen habe, wtJil er 
vorausgesetzt der Geist 'wirke nicht unmittelbar bewegend, 
sondern die Bewegung pflanze sich durch das einmal bewegte 
fort und führp immer heues bisher ruhendes in den Kreis des 
bewegten (p. 225 sqq.); endlich (um nicht npch mehr einzel- 
nes anzuführen) dafs er die Sammlung des Hellen, Trocknen, 
Warmen und Dünnen Aether, die des entgegengesetzten Luft 
genannt habe (p. 277.) — alles dieses hat der Vörf. auf eine, 
nach Rec. Urtheil völlig befriedigende Weise' nachgewiesen, 
Herrn Dr. R. hartes und wohl ungerechtes Ürtheil über den 
Dualismus des Anaxagoras , den er insofern er das Geistige 
vom Körji^erlichen im Begriff getrennt habe der Lehre des Dio- 
genes von Apollonia nachsetzt (s. p, 2^0 sq^.)» näher zu 
prüfen, würde^ zu weit führen. — Sehr scharfsinnig sucht 
der Verf. die höchst abweichenden Nachrichten über den Ar- 
chelaus (p. 3oOsqq.) unter einander zu vereinigen. Was er 
darüber sagt hat Rec. in der Ansicht, dafs auch Archelaus, 
wie Diogenes von^ Apoll., zu der Naturanschauung der älte- 
ren Jonier zurückgekehrt sey, nur noch mehr bestärkt. — 
Dafs Empedocies und die Atoraistiker aus der Reihe der Jo- 
nischen Physiker auszuscbliefsen, und ersterer den Eleaten, 
letzere den Sophisten beizuordnen seyen, wie Herr Dr. R. 
theils in Wolfs Analecten IV. St., theils in vorliegendem 
Werk« (p. 3o7.) zu zeigen versucht hat, davon kann sich Rec. 



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200 Mohammed und Motenelibi vo» n BagjmßU ' 

durchaus nicht übfirzßugen, mufs aber die AusfQhrunff teinea 
theiU aus Zeugnissen des Ari9toteles u. a, alter Gewährsmän- 
ner , tbeils vom inneren Zusammenhang d^r Lehren diä^eir 
Fhilosophen mit denen der übrigen Jonieri hergenomnjenen 
Gründe, einem andern Orte vorbehalten, *— Durch eine kurz^ 
Üebersicht ihrer Resultate werden diese reichhaltigen Upter» 
suchungen beschlossen. 

Iftec^ schliefst diese Anzeige qiit dem lebhaften Wunsch^ 
dals der Verfr denselben recht hM $hnUch^ folgen }as$en 
möge. ' < 



Mohammed odßr die Eroberung von Mekka, tan historUfihes Schau" 

* spiel von dem Kerfp der Schirin und des Rosenöls» Berlin 

18209 bei Schlesinger. XFIÜ und 1S8 Sf 8, 20 6r. 

Motenehhif der grZjste Arabische Dichter^ yZum ersten Male ganz 
übersetzt von Joseph von ßammer, Ritter mehrerer Orden 
und wirkl, Hoftath und Hofdotmetsch an der Km K. geheimen. 
Hof" und ^taatskanzleiy auch Mitglied mehrerer Ahidemien 
der Wissenschaften und gelehrten Gesellschaften ete, Wien 
UTA. bei Heubner. LFl und 427 S, gr. 8. 4 FK 

Es biietet sich bei solchen Nationen besonders ^ denen 
wie manchen Menschen vorzugsweise Charakter zugespro* 
chen .werden mufs, die interessante Erscheinung dar, dafs 
ihr hervorstechender Geist von Zeit zu Zeit in zusammenge- 
drängter £raft aus Einzelnen auffallend stark hervorleuchtet« 
welche dann von aufserordentllcher Einwirkung auf ihr gan- 
zes Volk als verehrte Sternbilder an dessen Himmel strahlen. 
Die. auf solche Weise allgemein ausgesprochene historische 
Bemerkung erhält aber ihre besondere Bestätigung in dem 
höchst merkwürdigen Arabischen Stamme und namentlich 
in dem Propheten Mohammed und dem gefeiertsteh Dich* 
ter M ö te n e b b i. Denn in beiden genannten Männern ver» 
körperte sich der erhaben -poetische Aufschwung des freien 
Geistes der Araber in der überwindenden Gewalt des tönen- 
den Wortes als glänzende Doppel »Pyramide de» Religion 
und Poesie, vor der der Sohn der Wüste mit freudigem 
Stolze und heiliger Demuth sich beuget. Mohammed näm« 
lieh 9 immerfort behauptend , er sey nicht Foet^ sondern 



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Mohainintd und AiotMfbbi vob t» Kämmet. tOl 

Prophet, d; h. er babe nicht durch Dichtung erfunden^ 
«ondern nur in himmlischer Entzückung das unerscfaaffene Wort 
seiner L^hre gefunden, siegte doch vorzüglich durth die 
vrahrhaft poetische Begeisterung, kraft welcher er seine OEenba* 
rungen in dem tönenden' Zauber der weltüberwindenden^Sprache 
wie einen Donner vom Himmel in die erstaunte Volksmenge nie« 
derrauschen Uefs» Motenebbi aber, zwar nicht Prophet, 
der er gerne seyn mochte, doch Poet im höchsten Sinne des- 
Worts wird von seiner eigenen Nation der Sultan der 
Poesie genannt und sie huldigt ihm als dem glänzendsten 
Genius ihrer vaterländischen Pichtkunst» Aber wie selten 
wurde noch Mohammed national-historisch aufgefafat und 
Motenebbi als Arabischer' Dichter gewürdigt I Zur 
lebendigen Erfas^sung des Propheten in seiner aufserordentll« 
eben Einwirkung auf die Arabische Nation sowie zur gerech- 
ten Würdigung des Dichters, den sein eignes Volk den er- 
sten nennt, gehört mehr als jenes Biograpnie in der Urspra* 
che Abulfedas lesen, und dieses* Gesänge mit Hülfe schwerer 
SchoHasten erklären zu können — es bedarf dazu noch eines 
Geistes, der mit Mohammeds Phantasieschwingen die Him- 
mel zu bereisen und mit Motenebbis kühnem und vielgebil- 
deten Dichtersinne aus allen Steinen der Wüste des Ijebens 
poetisches Feuer zu, schlagen weifs. Nun zeigt aber die Ge« 
schichte der historisch* und poetisch- orientalischen Litera- 
tur, dafs nur selten mit der durch Fleifs errungenen Fertig- 
keit, die fremdartige Sprachform zu durchdringen, die .von 
der Natur verliehene Fähigkeit, den hinter jener verborge* 
nen Geist in seinem eigenthümlichen Orientalismus trtiu aufr 
zufassen, verbunden erscheint. So, um auf unsern Zweck 
hinleitend, ein gethanen Ausspruch bewUhrendes^Beispiel zu 
geben^ war Johannes vonMüller vom Hauche des Ostens 
vollkommen geweihet , den Propheten Mohammed hiatorisch 
zu würdigen und man vermifst nur bei diesem ausgezeichne- 
ten Historiker die selbstständige Besiegung derSprachsahwie- 
rigkeit, welche das Studium Arabischer Geschichte aus ihren 
eigenen Quellen darbietet, während H e i s ke , mit allen Waf- 
fen arabischer Sprachgelehrsamkeit wie selten einer gerüstet, 
das wahrhafte Bild oes Propheten hinter der rühmlichst er- 
stürmten Spranhmauer, die der Fürst der Arabischen Geschicht- 
schreiber um sich gezogen, nicht zu erobern wufste, Wie 
denn derselbe verdienstvolle Herausgeber Abulfedas in den 
mitgetheilten „Proben aus Motanabbi in verliebten und 
traurigen Gesängen«^ sich nur ein Denkmal seines für die ei- 
genthümlichen Vorzüge dieses Dichters gänzlich verschlosse- 



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202 . Mohammed und MoUnebbi y«a r^ Hanunfr^ 

nen Geistes gesetzt hat. Es ist daher eine $ebr erfreuliche 
Bemerkung, dafs in einem Manne, welcher in der mit dem 
Oriente in einem nahen Verhältnisse fl^tehenden deut. Kaiserstadt 
einem rein -.orientalischen Berufe lebend von einer benei- 
detiswerthen Fülle orientalischer Schätze umgeben ist, die 
so seltene Vereinigung jener beicien oben erwähnten zur Ver- 
wirklichung des IdeaU eines Orientalisten nothwendigen Vor- 
zöge gerade geglückt ist. Joseph von Hammer/ von 
Natur mit einer orientalisch - poetischen Anschauungskraft 
lind einem aufserordentlichen Sprachtalente begabt , von Ju- 
gend auf in den Zungen des Morgenlandes, wohlgettbt und 
w^ährend eines langen Aufenthalts im Oriente von seiner Luft 
und Sonne genährt, war ganz besonders berufen zum deutschen 
Maler des Propheten und zum Uebersetzer des nicht ge- 
kannten oder verkannten Dichters Moteuebhi. Der 
von Voltaire als ein schllndlicher Bösewicht auf dieBühne 
gebrachte Mahomet erscheintnun im Drama von Hammers 
als ,der aus reinem Arabischen Volksgeiste erzeugte und ge- 
borne vom Sturme morgenländischer Beg.eisterung emporge- 
tragene Prophet des Islams Mohammed, und der von 
R e i ske zur wahren orientalisch -occidentali sehen Carricatur 
verzerrte Motanabbi begeistert uns nach der neuesten 
tJebertragung als der grdl'ste Arabische Dichter Mote- 
nebhi. 

Den merkwürdigsten Mann Arabiens nicht nur, sondern 
des ganzen neuern Asiens in der wichtigsten Epoche seines 
Lebens, wo das grofse Werk seiner Laufbahn durch die, Er- 
oberung Mekkas und den Umsturz der Idole gekrönt waid, 
tr«u nach Sitte und Charakter darzustellen, ist der Zweck 
des dramatischen Gedichts , welches , schon eine frühere Ar- 
beit des schöpferischen Verf. , erst in dem vergangenen Jahre 
gedruckt erschien. Lange trug sich der Verf. mit einem Bilde 
des Propheten, das 6r aus den (Quellen seiner Lebensgeschichte 
und aus Nachrichten der Reisebeschreiber zusammengesetzt, 
aber es wollte nie feste Haltung und sichern ümrils .gewin- 
nen. Es gingdamitetwawie mit dei^Portraiten berühmter Män- 
ner , die man aus ihren Werken, aber nicht von Person 
kennt, von denen sich die Phantasie ein selbstgefälliges Bild 
schafft, bis sie aus wirklicher Ansicht eines andern belehrt 
wird. „Als er aber hierauf mit Arabern unter Palmen und Zel- 
ten gelebt, als er mit £mirn in Städten und mit Beduinen 
aus der Wüste Gespräch und Umgang gepflogen, als er wäh- 
rend des Aegyptischeu Feldzuges im Jahr löOl die persönli- 
che Bekanntschaft eines Beduinenscheichs gemacht ^ der in 



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Mohammed uhd Motenebbi von v» Hammer. fi03 

der reifsten Blütbe männlicher Schönheit und Kraft, und im 
Hufe der Heiligkeit , letztern weder dem Uehergewicht von 
Vettern und Stammverwandten , noch dem ReichthMm an 
Pferj^en und Kameelen , Sondern i)los dem n'attirlichen Zauber 
himeifsender Beredsamkeit dankte, der wenn er sprach und 
gcliwieg, seine Umgebungen unwiderstehlich an sich zog, 
und in der vollsten Ueberzeugung seiner Unverletzbarkeit und 
seiner höhern Sendung seine Jünger den feindlichen Feuer- 
schlünden entgegen führte,' und mit einem unnennbaren Et- 
was alle Geister und .Gemüther durch die Emanazionen des 
seinigen in Flammen setzte — da stand auf einmal, wie 
durch den Schlag einer Zauberru.the , das Bild des gottbegei- 
Sterten Arabischen Dichters, des gottgesandten Sehers der 
Wüste in voller Klarheit und Bestimmtheit da, und wie es 
dem Verf. vor Augen stand, so steht es hier in Mohammed 
durch Seine eigenen Worte und Thaten irn ,Umrifs," Und 
50 erscheint denn in von Hammers geschichtlich - treuem 
Charakterschauspiele, dessen ästhetische Würdigung nicht 
meines Berufes ist, der Prophet Mohammed als das verkör- 
perte Ideal Ai;abischen Volfcsgeistes, glühend von irdischer 
und himmlischer Lust, wirkend' als Araber auf den Araber 
durch das Feuer des unerschrocken geschwuncenen Schwer- 
tes und des aus poV?tisch- religiöser Entzückung gewaltig 
strömenden Wortes, schwörend auf Schwert und Wort, sie- 
gend durch Schwert und Wort. Den vorzüglichsten Auf- 
sehliifs über sein Wesen und Wirken gibt er in einem Selbst« 
gespräche: , • 

Es brandet und es wogt in me?nem Busen 

Ein Feuermeer, das überflielsen mufs, 

Durch Wort und That in meines Volks Gemüther, 

Zwar göttlich ist das Feuer seines Ursprungs, 

Und brennet rein im Flammenborn des Herzens ; 

Doch wenn es sich ergiefst in diese Welt 

Dui^ch Sinnen und durch Bild , da färbet sich 

Die reine Flamme grün und roth und blau, 

Versetzt mit irdischem Salz und Harz und Schwefel : 

Es schau n*s die Araber mit "V^ohl gefallen, 

Erspiegeln und erwärmisn sich daran ; 

Vor reinem Licht verblindeten die Augen; 

und besser so als dicke Finsternifs, 

In der vorher die Völker tappend irrten. 

Den Stein, das Holz, die Glut und das Gestirn 

Ergreifend , als die Götter ihres Lebens. — 



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S04 MahiAliMd nad Moteaobbi ron v. Btam^er* 

1 

Zu sinnlich sind die Söhne der Natur« 

Der Wüsten Volk , mein Volk , die Araber J 

Ich selbst« in dessen Brust das Himmlische 

Rastlos den Kampf mit Irdischem besteht. 

Ich selber trage stets den Zoll der Sinne, 

Die Schuld des vaterländischen Himmels ab, 

Kaum hebt mein Geist sich zu dem Göttlichen« 

So zieht das Menschliche die FHlgel nieder. 

Ach 1 meine gröfste Seligkeit hienieden • 

Ist nicht nur im Gebet« nein« sondern auch 

In WohlgerOch'en — und in schönen Frauan» 

Die Frau'n sind Blüthen ; filüthen duften sf^fs« 

Gebet ist vor dem Herrn e\n slifser Duft. 

IJnd so berühren sich Gebet und Frauen 

Im Wohlgeruche zwischen £rd und Himmel, -y 

Wenden wir uns nun zur Beurtheilung des zweiten und 

fröfseren Werkes der neuesten literarischen Erzeugnisse von 
[ammers« der Verdeutschung Mote neb b i s^ so möge 
hinsichtlich derselben dem Verf. sogleich das doppelte Ver- 
dienst nachgerühmt werden; dafs er zuerst den ganzen 
Dichter uns vorführt« gleichwie er auch früher den nur aus 
einzelnen Blüthen bekannt gewordenen "persischen Rosenhain 
Hafisens in seinem vollen Glänze und Dufte auf deutschen 
Boden verpflanzte« und ihn zugleich gegen so viele Verun- 
glimpfungen fremder Critiker als den von meiner Nation 
gefeierten König der Ppesie siegreich vertheidigt. Vor von 
Hammer hatten acht Orientalisten (Golius, Reiske» 
Wahl, Ouseiy« Sylv. de Sacy, Freitag, Grange- 
ret de la Grange und Horst^ aufser den Bruchstücken 
zusammen hiebt mehr als zehn vollständige Gedichte bekannt 
gemacht, welche ungefähr nur ein Zehntel des aus 0494 Di- 
stichen bestehenden Divans bilden. Reiske besonders war 
der erste, welcher unsern Arabischen Dichter durch einige 
Frohen seiner Gesänge im deutschen Publicum einführte« aber, 
was^wohl selten im literarischen wie im geselligen JLieben an- 

fetro£Feiv wird , ihn mit einem Empfehlungsbriefe begleitete, 
er den neu Auftretenden eben nicht liebenswürdig schildert: 
„als einen mifsveirgnügten « aus Dichter und Philosophen zu- 
sammengesetzten Pedanten « mit einem stolzen« in sich selbst 
verliebten, tückischen« unversöhnlichen Herzen , dem nichts 
in der Welt recht ist « der Alles in Allem ist« dessen Ver- 
diensten nie Gerechtigkeit widerfährt« der überall Feinde ge- 
wahr wird« sie veraltet« sie anscbnautset und ihnen droht," 



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MoTiammafl uaä Motvatbbi ?ob t, Btauiitr« M6 

Wenn nun auch der Veff, in unterer Zeit der Mühe tiberho- 
Len war , von dergleichen beschmutzenden Schmähungen iVJo» 
• teiiebbi zu reinigen, durfte er doch die schon auf dem Titel- 
Watte seines Werkes ausgesprochene Ueherzeugu^g, der von 
ihm übersetzte Dichter iey der grdl'ste der Araber, in ih- 
rem starken Widerspruche , mit dem Urtheile anderer bedeu- 
tender Orientalisten , die höchstens unsern Poeten mit deim 
Beiworte grofs beehren'^oder ihn Wohl gar als den Verder- 
ber des Arabischen Geschmacks betrachten, nicht ohne wei- 
tere Erörterung und Vertheidigung lassen. Solchen Widersa- 
chern seiner Meinung hält nun der Verf. das lobpreisende Ur- 
theil der ganzen Arabischen Nation tiber ihren Dichter und 
namentlich die denselben zum g r ö fs t e n stempelnden Ehrenr 
Diplome nicht nur der inländischen sondern auch der persi- 
schen anerkannt vorzüglichsten Kunstrichter entgegen, indem 
er sich hierbei auf den ganz richtigen Grundsatz stützt: „übe^ 
die GrÖfse und das Verdienst seiner eigenen Dichter wenig- 
stens in so weites sein« Sprache und seine Verstellungs- 
art betri£Ft , urtheilt doch jedes Volk am richtigsten , und der 
Ausspruch seiner Schriftgelehrten gilt hierin mehr als der al* 
1er europäischen Orientalisten.«* Und so würde immer der 
Titel geg<?nwärtiger Ueberset«ungMotenebbis in seiner hoch- 
ehrenden Bezeichnung des arabischen Dichters unberührt ge- 
lassen werden müssen , wenn auch alle europäischen Orienta- 
listen nebst ^n NichtOrientalisten , die als Geschmacksrichter 
vielleicht noch unbefangener urtheilen möchten, mit dem poe- 
tischen Geiste Motenebbis sich nicht befreunden sollten. Der 
Unterzeichnete ist aber der Meinung, dafs allerdings v o n H a m- 
mers richterliche Entscheidung in dem ästhetischen Frocesse 
fiher Motenebbi eine ganz vorzügliche Beachtung verdiene, da 
nur der Dichter den Dichter; wahrhaft zu würdigen weifs und 
dem Sänger, der Schi r in schon seit langer Zeit der hohe Ruhta 
poetischer Meisterschaft von unserer Nation zugestanden ist. 
Möge zum Beschlüsse Motenebbi s^lbstauf echt orientalische 
Weise sein Lob aussprechen , wie er sich selbst schon er- 
kannte noch im Aufbrausen poetischer Jugendkraft: 

Wer unwissiend mich schilt, weifs nicht, dafs er selber 

unwissend, 
Kennt mein Wissen nicht, seine Unwisseriheit nicht; 

Weifs nicht, dafs ich beherrsche die Welt mit ihren Be» 

schwerden, 
Dafs das höchste Gestirn unter dem Fufse mir weilt; 



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20^ Twamlf j und Majer übti Benutzunf^ der MUch. 



1. Die vorthßilhafies^B Benutzung der Milch hei ff^irthscjiafien^ welche 
auf Butter' oder Käseerzeugung eingerichtet ^ind, von Twam* 
ley , aus dem Englischen von C* Mayer* Wien hei Morsch^ 
ntr nnd Jasper. 1829. 192 S. mit einem Steindruck» 21 Gr. 

2« Veber ein neues und vortheilhaftes Verfahren , die Sahne vpn der 
Milch dbuisohdern^ von C, Mayer, ff^ien bei WallUhäuser^ 
182$, 14 S^ mit eitler Aujffertafeh 4 Gr- 

Bei Schriften y die in das Gebiet der Landwirthtchaft, 
der tfrchnischen Gewerbe und Haus wir thschaift; einschlagen, ist 
nichts erwünschter, als wenn nebst den allgemeinen Regeln 
die feinen Nuancen in den Arbeitsmethoden und in der Be-« 
handlung des treffenden Gegenstandes überhaupt nicht ver- 
nachlässigt sind, Bücher mit allgemeinen Regeln haben wir 
genug , aiber «^n detaillirten Vorschriften fehlt es oft — daher 
die Klage der Praktiker , dafs sie nach den schriftlichen An- 

faben nicht arbeiten können. Gan2s in die Categorie der 
chriften , welche im Stande sind , nach und nach diesem 
Mangel abzuhelfen , gehört die vorliegende sub, No. 1. 9 wel- 
che zum Theile eigenen Beobachtungen des Verfs. ihre Ent- 
stehung verdankt. 

Der Verf!, bringt sie in 2 Theile, deren erster von der 
Butter gewinnung und deren letzter von der KSsebereitung 
handelt. 

1. Th. l. Cap, Vom Milchhause und den erforderlichen 
Geräthschaften. Eine angemessene niedere Temperatur ist 
bekanntlich die Hauptsache im Milchhause« Um sie herzu4 
«teilen empfiehlt der Verf. eine doppelte Wand , in welcher 
die atmosphärische L#uft circulirt. Sie geht in ein doppeltes 
Dach über, in welchem zwei Fenster angebracht sind, um 
Licht in das Innere zu lassen. Die Dünste entweichen aus 
dem Inneren durch eine Art yon Gamin , der aber mit Klap- 
pen oder Deckeln geschlossen werden kann« An der einen 
Seite der Milchkammer wird eine Eiskammer und an der an- 
deren ein Gemach zur Aufbewahrung .d,er Molkereigeräth- 
schaften angebracht, (Hierzu eine Zeichnung.) Die Gefäfse 
sind nach dem Verf. am besten von Holz; doch empfiehlt er 
auch solche von Gufseisen , die verzinnt sind., Diese zeich- 
nen sich durch Dauerhaftigkeit, leichte Reinigung, und auch 
dadurch aus, dafs sie den erforderlichen Grad Von Kühle« der 
zum Aufwerfen der Sahne so nothwendig istj'-leicht verschaf- 
fen. Man behauptet in England, von gleichen Milch^uanti- 



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Tf?aml«y ui^d Majrcr über fitntitiuDg 4«r Milch. 207 

taten in solchen Gefüfsen', ein Drittel Sahne mehr zu erhalten 

alj in hölzernen Geschirren, \ 

2. Cap. Von der Auswahl der Melkkühe und ihrer taug« 
liebsten Nahrung, Bei der Buttergewinnung kömcnt es. natür- 
lich aut'Qualität und Quantität der Sahne an, die in der Milch, 
welche eine Kuh gibt, enthalten ist. Wer eine Molkerei an- 
fängt , mufs freilich zuerst seine Melkkühe auf dem Markte 
J^auien. Allein er soll sich bald von den wahren Eigenschaf- 
ten der Milch einer jeden Kuh überzeugen (was leicht durch 
Absonderung und Beobachtung der Milch von jeder einzelnen. 
Kuh geschieht) und später soll er seine Melkkühe selbst auf- 
ziehen, indem er nur die in jeder Hinsicht vorzüglichen Kühd 
zur Nachzucht wälJt. Mit diesem Satze, als Regel, sind wir 
ganz einverstanden, glauben aber, dafs es einzelne Fälle, als 
Ausnahmen, giebt, in w^elchen es vortheilhafter ist, immer 
frischmelkende Kühe zu kaufen, besonders wenn man sie baldl 
darauf mästen und an den Schlächter absetzen kann, 

3. Cap. Von der Behandlung der Kühe im Allgemeinen 
und vom Melken. Der Vf. erklärt sich im Allgemeinen für 
die Stallfütterung , und empfiehlt eine sanfte Bahandlung der 
Tbiere und das reine Au^smelken. 

4. Cap. Von der Absonderung der Sahne. Hier gibt der 
Vf. etliche Aphorismen , die wir unsern Lesern nicht vorent- 
halten dürfen; 1. die Milch, die zuerst gemolken wird, ist 
immer dünner und für die Buttererzeugung schlechter^ als die 
zuletzt gemplkene; 2. die Sahne, die sich zuerst aus der Milch 
abscheidet, ist besser, als die nachfolgende ; 3» je dicker die 
Milch ist, um so weniger wirft sie von der Sahne, welch« sie 
enthält, auf. Mischt man die Milch mit Wasser, so gibt siemehr 
Sahne, die aber schlechtere Butter liefert; 4« das Tragen, 
Schütteln und Abkühlen der Milch —ehe sie in die Geschirre 
zur Absonderung der Sahne kömmt — mindert die Quantität 
und Qualität der Sahne. Aus diesen Aphorismen leitet nun der 
Vf, praktische Regeln für die Behandlung der Milch her, mit de- 
nen jeder Kenner der Milchwirthschaft einverstanden seyn wird. 

5. Cap. Von der Behandlung der Sahne Und dem Verfahren 
heim Rühren und Einmachen der Butter, Entschieden das beste 
Cap. im ganzen Buche. Man sieht, dafs der Vf. aus- eigener 
Erfahrung spricht. Er empfiehlt eine fast ängstliche Sorgfalt 
in der reinlichen Behandlung, in der genauen Beobachtung 
der Temperatur, der Zeit, und aller anderen einwirkenden 
Umstände. Seine Vorschriften sind durchaus praktisch, g^stat« 
ten aber keinen Auszug, und müssen im Buche selbst nachge- 
lesen werden. 



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SOS Twamlfj «od Maj« fibtr Btnutitmg dar Jjfilok. 

2*' Tb. 1. Ca{>, Von der fär ein KMsehaus schicklichen 
Liage^ dessen Einrichtung und Geräthschaften« 2, Cap. Von 
der zur Käsehereitung best imoiten Milch y von der Zuberei- 
tung des Laabs und der Färfeemateri^. 3, Cap. Vom Setzen 
des Quarks und der Behandlung des Käses in der Fresse. Man 
findet zwar auch hier gute Vorschriften zur Käsebereitung, 
allein dieser Theil der Schrift ist doch nicht mit der Sorgfalt 
bearbeitet, wie der erste über Buttergewinnung; daher wir 
uns niit der blofsen Anzeige begnügen. Den Schlufs macht 
das 4. Cap. , worin die verschiedenen Arten der vorzügliche- 
ren Käse , die in Grofsbrittanien und auf dem (kontinente er« 
xeugt -werden, aufgeführt seyn sollen, mit Bemerkungen übet 
ihre Bereitung. Vvas die englischen Käse anbetrifft, so mag 
diese Darstellung treu und ziemlich vollständig seyn ^ in Be- 
zug auf die fremden Käse. ist sie es aber keineswegs, und es 
scheint der Verf. nur einige gekannt zu haben. Dessenunge- 
achtet wird die Schrift ihre Stelle in der Ökonomisch • techno- 
logischen Hiiteratur behaupten, und Verdient im praktischen 
Lieben berücksichtigt zu werden, "" 

No. 2. enthält die Beschreibung eines Verfahrens, die 
Sahne abzusondern, welches der Vf^ (der Uebersetzer von 
No» 1.) während seines Aufenthaltes in England im J. 1821 
kennen lernte. Es besteht im wesentlichen darin, dafs man 
die frisch gemolkene Milch in grofse viereckigte, flache, nur 
2*A— 3 Zoll tiefe Gefäfse bringt, die aus Blei öder Verzinn- 
tem Gufseisen bestehen. Die Gefäfse haben eine Abflufsöü- 
nungnach unten, die mit einem Stöpsel verschlossen ist; Ist 
die oahne ausgeschieden , so lUfst man durch den gelüfteten 
Stöpsel anfangs die untere Milch , dann durch den ausgezoge- 
nen Stöpsel die Sahne selbst in untergesetzte Gefäfse ablaufen. 

In der Grafschaft Norfolk sah der Vf. diese Gefäfse von 
Blei , und man bediente sicli ihrer schon 40 Jahre ohne Nach- 
theile für die Gesundheit; doch dürfte es immer räthlich seyiiy 
gitlfleiserne mit Verzinnung anzuwenden. Diesen kann man 
dann Dauer, leichte Reinigung, Beförderung der Sahneab- 
scheidung nicht absprechen , und wenn man ihnen die vom 
Verf, heschriebene Form gibt j so wird der bei kleinen Ge- 
fäfsen nicht ganz vermeidbare Sahneverlust geringer, und die 
Arbeit des Sahneabnehmen s sehr erleichtert. Da sie .aber ein 
bedeutenderes Anlage • Capital verlangen, und nur bei einer 

Sröfseren Milchmenge ihre Vortheile besonders zeigen, iO 
ürften sie auch nur für gröfsere Milchwirthachaften passen« 



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N. 14. 1824 

Heidelberger 

Jahrbücher der Literatur* 



/• Christliches Glaubensbeksnntnijs des Pfarrer Henh'öfers 'von MiM^ 
hausen: jetzt evangelischen Pfarrers zu Graben im Grcfsh^frzo'^^' 
thum Baden, Seineir ehemaligen' Gemeinde ^ seinen ehemaligen 
Zuhörern und allen seinen Freunden gewidmet. Zweite unoer^ 
änderte Auflage y vermehrt mit einer geschichtlichen Rechtferd' 
gung der Rückkehr zur evangelischen Kirche, Heidelberg bei 

' C. K' Winter. x824. LXXXII u. i47 S. in 8. 45 ir» 

//, Bericht des Decant und Pfarrers JäcTi zu Kirehh<ifen^ vörmalh^ 
gen Pfasrrverwalters zu Mühlhausen aH der Würm , Über dia 
pietistisbhen Umtriebe des- 'Pfarrers Jtloys Herihtfer und die 
durch ihn bewirkt^ GlaubenssjfältUng in der kathöHschen G«* 
meinde daselbst. Ein SeitenstUck zu dem Berichte des Herrn 
Superintendenten Tzschirner zu — -!- Leipzig, l Vorgetratren 
in der Pastoralconferenz des Landcapitels Breisach* (ohne Drucke 

" ortiy In alUn Buchhandlungen Deutschlands zu haben, Z8244 
n und 80 S. ins. 

tiina förmliche Kritik über die^e Schriften zu g^ben^ verhie;» 
ten die Gesetze unsers Inatituta, welche von einheimischen 
Schriften nur eine erzählende Uebersicht de» Inhalts geKät-^ 
ten; eine Regel, deren Kraft in gegenwärtigem Fall auch noch 
durch andere billige Rücksichten verstärkt wird«. Dabei 
scheint es sibex doch schicklich, von beiden am besten sich 
selbst charakteriairenden Schriften etwas ausführlichere Nach- 
richt zu ertheilen , da sie ein in seinen Ursachen und Wir- 
kungen nicht unbedeutendes, uns durch seine'Nähe besonders^ 
berührendes Zeitereignifs, in so verschiedenartigem Lichte 
darstellen, dafs auch eine, wenn gleich nicht selhsturthei« 
lende ,, doch das Urtheil -Über beide Erssählungen eiideitende 
«nd erleich<!ernde Innaksaif zeige wünschenswertfa seyn kann, 
Henh&fers Glauben sbekenntnifs, welches hier unverändert, 
aber ^ 'mit einer geschichtlichen Rechtfertigung des üebertritts zur 
^\' angelisch --protestantischen Ktirche V0rmehrt, Wieder erscheint, 
XVn. Jahrg. $. Heß; ** 



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210 ' Henliöfer und Jäck über den UrspruDg der neuen 

ist so vielfach verbreitet, dafs sein Inhalt im 411 gemeinen 
als bekannt vorausgesetzt werden kann. Doch w^ollen wir die 
Hauptgedanken dieses merkwürdigen Bekenntnisses in weni- 
gen Sätzen,. grofsentheils, mit Henhöfer« eife^nen WorteiT, in 
Brinnerung bringen.' ..^ 

„Der Hauptzweck jeder Religion, besonders des Chri- 
steiithums ist und mufs seyn freie Wiedervereinigung des gefalle- 
nen Menschen mit Gott^ dös Geschöpfes mit dem Schöpfer, 
des Kindes mit dem Vater, Beseligung des Menschen durch ' 
Heiligung* Zu dieser Heiligung und Beseligung sind drei 
Stücke wesentlich noth wendig 1) wahte und richtige Erkßnntnifs 
Gattes^ vornehmlich in seinem Verhältniis zum Menschenge- 
schlechte. Am herrlichsten aber oflFenbart dich Gott für den 
denkenden Menschengeist wie für das fühlende Menschenhera 
in Christo und der durch ihn gestifteten Erlösungsanstalt — 
deiui er offenbart sich hier, wie son^ nirgends^ als Vater, 
als erbarmende Liebe, welche will^ dafs alle Menschen vom 
gröfsten bis sium kleinsten Sünder gerettet werden, und 
»ur Wahrheitserkenntmfs, tu Kraft und Frieden, zur Selig- 
keit und ^IXV^ ewigen Lieben gelangen. Um dies möglich und 
wirklich su rtiaehen, und vornemlich um das, was den Men- 
schen allein von Gott trennen kann , die Sünde au entfernen, 
ist. der Sohn Gottes in Knechtsgestalt Mensch geworden, und 
nicht blos £^ls Lehrer^' sondern au.ch als Heiland und Erlöser 
der Welt erschienen, und hat als Mittler zwischen Gott und 
den Menschen, als das wahre von Gott verordnete Qpfer, die 
Sünden der Weit auf sich genommen und der Gerechtigkeit 
Gottes Genüge gethan. Diese Erkenntnil> Gottes in Christo 
eignen wir uns aber 2) auf eine für uniere Bes*>ligung aHein 
wirksame Weise an durch u7a^ren und Uhendigen Jßnuhen^ wel- 
chem roraingeht eine, gründliche^ aus .der Betrachtung des Ge- 
setzes Gottes und errister Selbster kenntnifs entstandene Bufse. 
Eis unterscheidet sich aber dieser Wahre Glaube von 'eiuem 
blos todten Wissen oder leeren Bekennen der Heilswahrheiten 
wesentlich dadurch, dafs er , unter dem Einflufs göttlicher 
Gnade erzeugt , das ganze Wesen und vOi'zügUch das Herz 
des 'Menschen mit dem beseligenden Bewufstseyn der I^iebe 
Gottes in Christo durchdringt una den Menschen besonders 
in Beziehung auf sein sittliches Jjeben von Grund aus ins 
Bessere umbildet und fortwährend hJeiligt. Denn 3) die r noth* 
wendig erfolgende Frucht des wahptti lebendigen Glaubens, 
ans der seine unsichtbaren Wirkungen allein erkannt werjden 
können , ist die dankbare und liehevolle Erfüllung des g'dttliehen 
fVillens od^er das nei-e Leben. Wo dieJl#iebe Gottes wabrh; U 

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£vctngeiiicbto ^emcindd tu Mü^illiatisea^ .211 

erkannt und ins zerschlagene Sönderherzf aufgenommen wird) 
da muls sie auch keimen und Früchte tragen. Die Früchte 
defÄ neuen Menschen 8in4 aber Liebe ^ Freude, Friede, Ge* 
duld u, 8i w. Der welcher auf diese Weise -durch den Glau- 
ben in ein neues Leben eingegangen und in fortwährender 
Heiligung tegriffen ist, gehört jsur wahren, geistigen, un- 
sichtbaren , seligmachenden Kirche^ iDie Mittel der Erzeu* 
gung und Förderung des Glaubens und sittlichen Lehens, 
welche die Sclitift allein kennt, sind Gottes Wort, Sacra* 
mente und Gebet. CärimOnien gehören der Kirche an." 

Diese Grundgedanken ron Henhöfers Schrift sind S. 1 — 30« 
Weiter ausgeführt 

Was nun folgt ist grofsentheils gegen solche Lehren und 
Satzungen der katholisqjben Kirche, vbn deren Widerspruch 



enhöf'er nach und nach , überzeugt wutde, auch zum Theil 

ch wider deti besseren Sinn 



gegen den Sinn des einfjsichen ursprünglichen Evangeliums 
Henhöf'er nach und nach, üb ' ' --^ - 

gen solche Mifsbräuche, < 
äer Kirche selbst in den Volksgottesdienst eingeschlichen ha* 
hen^ gerichtet. Hat Henhöfer hierbei, wie ihm so heftig 
vorgeworfen wird, die katholische Kirchenlehre nicht immer 
ganz rein dargestellt, so steht gründliche Berichtigung und 
ruhige Widerlegung von Seiten katholischer Lehrer frei, die 
aber nur dann ai§ gültig angesehen werden kann , wenn sie 
selbst mit historischer Treue den reinkirclilichen^ das heilst 
ttidentinischen Katholicismus als Mafsstab nehmen. 

Henhöter will — dies geht schon aus dem obei^Mitge-* 
theilten, no^h bestimmter aus seiner ganzen Schrift hericor — 
ein ptactisehes, lehensthätigBs Christenthum , „einen Glauben der" 
in Liebe thatig ist/V er will eine solche Aufnahme Christi in 
Geist und Herz, welche nicht blos bei kaltem Wissen und 
todtem. Lippenbekenntnifs, der Lehre Christi stehen bleibt, 
sondern lebendige Nachfolge des göttlichen Meisters wirkt. — 
Offenbar sind ihm auch nicht die Lehren des Christenthuras, 
welche spitzfindigen Schulbestimmungisn so vielfach ausge« 
setzt waren und ^och sind^ sondern diejenigen tlie Haupt* 
Sache ^ welche auf Heiligung des Willens, auf Beruhigung 
und Friedeti des Gemüths unmittelbaren und entschiedenen 
Einflufs liaben, — Ferner : Henhöfer will biblisches Christen'» 
thunif nicht Schul« uud Kirchensatzung, sondern reine Bibel- 
lehte. Die Alleingültigkeit des in die Schriften ded neuen* 
Testaments gefafsten Evangeliums zur Bestimmung dessen, 
VtM ursprünglichi reinundächt cÄrw^/icÄM^, "anerkennend, verwirft 
er das, i?^as ihm nicht als mit dieser geschriebenen üeberlie- 
ferung vom Gottesworte übereinstimmend nachgewiesen wer* 

14 ^' 

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212 HoAhSfer und Jack ü])er den Urspriuig der fteuen 

den kann *). Henhöfer will geistiges Christenthum ^ da« heifst 
ein Ergreifen des Christus, der, selbst Geist und Leben, Ali« 
betung seines Vaters in Geist und Wahrheit verlangt, ein 
Ergreifen dieses Christus und seiner'beseligenden Lehre durch 
unser Denken, Empfinden und Wollen, eine Aufnahme des- 
selben in unser ganzes geistiges Wesen, nicht aj)er eine blolse 
Uebun^ äufserer Religionshandlungen, deren falsche Schät- 
zung in Beziehung auf Seligkeit so leicht von dem , was ei- 
gentlich Noth thut, abführen kann. Und zuletzt will Heii- 
höfer auch — - ich weifs es nicht anders auszudrücken — ein 
historisch positives Christ ä nthuth ^ worin nicht blos auf die Sit- 
tenlehre ' Jesu, in wiefern sie mit der sogenannten Ver- 
nünftiiioral üfcereinstimrat, und Überhaupt nicht blos auf die 
Lehre Jesu , sonderri auch auf seine Person , sein Leben und 
seine Geschichte, und die. in seiner gahzen Erscheinung ge- 
gründete Erlösungsanstalt ein vorzüglich hoher Werth gelegt 
wird. Mit einem Wort Henhöfer ist OJÖFenbarungsgläubiger 
im strengeren Sinn , ohne dafs' er jedoch ein entschiedenes 
durchgängiges Anschliefsen an die Bestimmungen kirchlicher 
Orthodoxie zeigte, eben weil es ihm mehr um einfach biblisches 
und practisches äh theoretisch dogmatisches Christen thum zu 
thun ist. Wir wollen hiermit blos H.s Streben bezeichnen. Ob 
er das ursprunglich biblische, lehensthätige , geistige, histo- 
risch gegebene Christenthum tiberall rein aufgefafst habe, ist 
eine Frage, die, weil hier keine gründlichen Erörterungen dar- 
über illoglich sind , auch nicht beantwortet werden soll. 
Wir fragen nur: wer darf sich einer solchen vollkommeri rei- 
nen Auffassung rühmen ? — Henhöfers Strehen darnach scheint 
aber bei ruhiger Betrachtung unverkennbar. 

JflfcAi Sdhrift, die sich nun ebenfallg mit wenigem selbst 
charakterisiz'en mag, hat eigentlich nicht den Zweck, eine Dar- 
stellung der. religiösen Ueberzeugungen ihres Verfassers, son- 
dern eine Erzählung der Mühlhauser Glaubensänderung und 
dessen, was zur "Verhinderung derselben versucht worden 



*) Dies war auch ^iner der fiauptklagieptitikte gegen HenhSfer ron 
Seiten der Katholiken« Unter den Beschwerden » die gegen ihn 
vorgebracht wurden, heifst esNo. 34-; »Kurz sein Hauptirrthnm 
besteht darin : die heilige Sehnig ist Alles j Kirch und Tradition, 
Drblehre ist nichts j defsWegen ist et auch geneigt mehrere Sacra- 
mente wegzuwerfen , wie die Protestanten/* S. Aloys HenhÖferi 
religiöse Schwärmereien Und Schicksale. Gmünd l823« S. 69« 



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Eraogeliflohen Gemeimle lu Mülilliamen. 213 

ist, zu geben« Sie kann mithin als 'eigentliches Glaiibensbe* 
ikenntnils mit der Henhöf'erischen Schrift nicht verglichen 
werden; allein sie zeigt uns doch mehrere nicht undeutliche 
Spuren von der religiösen und wissenschaftlichen Denkweise 
ihres Urhebers, und giebt uns mehrere Proben seiner Philo- 
sophie *) und Geschichtforschung. 

Jäck beginnt die — wenn man will» dogmatisch philo« 
sophirende — Einleitung zu seiner Schrift S, 4« «^it dem 
Satze; ,)Dt0 Religion j als Idee des Göttlichen, milste in jedem 
menschlichen Individuum individuell seyn* Die Religion des indi« 
viduelleli Menschen aber zur Religion aller Menschen machen 
zu wollen, wäre nicht nur göttlicher und menschlicher JVIacht 
unmöglich; sondern auch furchtbafer Fanatismus und eoipö- 
rende Tyrannei/* Ist man nun hierin (die Ausdf ucksweise 
etwa ausgenommen) mit Herrn Jäck einverstanden, so. sieht 
man doch schwerlich ein , wie J^ck mit sich selber im Einyer- 
ständnifs ist, wenn er gleich auü der folgenden ^S ei te fort- 
fährt: „Was der menschgewordene Gottessohn Beseligendes 
auf Erden brachte, übergab er nicht dem Individuum — in 
ihm würde alles individuell sich rcrstalten; er hinterlegte es dem 
Institut, das er einsetzte, der durch den heiligen Geist be- 
lebten und geleiteten Kirche und Körperschaft der Apostel,** 
Von dieser Kirche lehrt Jäck: „Nur durch sie wird der reli- 
giöse Glaube göttlicher Glaube^ Seligmßchend — nur in dieser 
Kirche ist göttliche Qewifsheit, göttliches Zeugnifs — ohne 
sie müfste aller göttliche Glaube aufhören. Das Kriteripn der 
Göttlichkeit bat nur die katholische Kirche ; während dem alle 
anderen Kirchen behaupten und öffentlich sagen, dafs sie 
nicht unfehlbar seyen, — erklärt die voi) Jesus gestiftete wahre 



*) Von der Philosophie seiner Jugend sagt Jack pag, 51. : „Auch 
wir waren jugendh'ch weis y auch uns kiUölte das sublime alte sa'^ 
■per» j dity- Stelzenweisheit, Als Mutter Philosophie die Eiwelt un- 
seres Jugendlebens auf pickte y und wir uns fühlend als freudige 
Küchlein in die grof«e Welt hineinpippten (das mufs reoht artig 
gewesen seyn f) glaubten wir nicht auch^ weiser 9\i Mutter Henne 
geworden zu seyn ? 1" Frage : Wer ist die Mutter Henne 7 und 
wie verhält sich die Mutter Philosophie zur Mutter Hennel Oder 
ist der Satz so zu verstehen ; Afs die von der Philosophie heraus- 
gepickten jungen Küchlein siol^ weiser dünkten als die Mutter, ^ 
die sie herausgepickt hatte, #. h. weiser als die Philosophie 
selbst T 



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Gopgle 



214 Heiiliofer und J^ek über .den Ursprpag 4er nejien 

Imaier gegenwärtige, immer ihm Zßugnifs gelendß Kirche «ich 
mit dem göttlichen Geiste identisch y ihre Aussprüche sind göttli- 
ches Zeugnifs, machen /o/^/£cA jedem, der sie hört und an- 
' nijnmt — seinem (jlaulien zuva ganz ^'öttlishen GJauben.*f Dies 
von der katholischen Kirche, Dagegen urtheijt Jäck über 
die protestatitische Kirche S. 27 S. tolgendennafsen. Er nennt 
gleich vorne herem alle sichtbare Kirchen ohne sichtbares 
Oberhaupt ^fRump/kirchen^* und fügt den Ausruf bei : „Wie 
sehr ist die arme Christenwelt durch solchß Rumpfkirchen seit 
18 Jahrhunderten beunruhigt und zerfleischt worden?!" Er 
hält dafür „das Uphte Gestirn der Humamiät (vom 12. Jahrhun- 
dert an immer höher steigend) hätte seine schönen J-<icbtstrah- 
len ^llmählig über ajle Reiche beseligend hingegossen. — 
Sianft, WQnithätig (höchstens mit liXßrarischpn Federkriegen^ als 
yjürzenJeu Episoden des geistigen Lj^bens untermischt) würde so 
vorn l4' bi3 zum l9. Jahrhundert dieses rege geistige Leben 
zuj" Allgemeinheit sich erHoben haben. -;- So ^äre Christus 
allenthalben ^n sein Jjigenthuai gekommen — - — - — Allein — 
theologische Köpfe, qu/gehlasen von Selbstsucht, zerschellten 
sich (?) am gemeinsamen Bau, SJe konstruirten ^ich eigene 
Mauerw^erjce, und stellten Scheidewände jn die allgemeine 
brüflerliche yV'ohnung, die nup die Chris tenfainiliei noch lange 
Jahrhunderte getrennt , aus einander halten werden. Diese 
in das Triebwerk der vorschreitenden Zelt ge\valtsam ejijgrei- 
fenden Menschen- Refon^ationswerke hemmten d^n ^gemeinsamen 
Gang zur Veredlung der Menschheit, und nöthigtep zum Still- 
stapa, zu Rückschritten f die vieljeicht: noch mancher Jahrhun- 
derte bedürfen, j^yver? — die Rückschritte? — und wessen 
Rückschritte?) bis diese menschlichen Scheidewände von der 
Zeit untergraben — unschädlich zusammenstürzen,^^ 

In Erwägung, „dafs'dem nicht wißder zu vergütenden üti" 
heil f 4a5 ^*® theologischen Köpfe des iß. Jahrhunderts .auf die 
teutsche Nation gewälzf hatten , zusteuere, ioj J. l64S der 
WCStphälische Frieden ,,,,a/> Barriere gegen neue Theologieen^^^' 
festgesetzt wurde<> fragt Jäck, indem er sich zur Henhöferi- 
schen Sache hinwendet: „Soll dieser theuer erkaufte Reli- 
gionsfriede zernichtet werden ? ,— Sollen teutsche Regierun-' 
gen die Hand bieten, neue Glaubejnsreformeii zu begünstigen^ und 
zu neuen Religionskämpfen die Zunder zu legen'i^* Einen friede- 
liebenden Menschen mag Wohl hierbei ein kleines Grauen vor 
dem furchtbarsten der Uebel,^inem Religionskriege, anwan- 
deln; aber wenn er sich ein J|ischen die Stirne reibt und ru- 
higer die Sache überlegt, sd^vird er kaum begreifen können: 
wie ein neuer Religionskrieg entstehen soll, wenn etwa an- 

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JSTangelüohen Gemeinde zu MühUiauseo. 215 

dertbalb hundert Menschen ganz ruhig und gesetsUcb von ei- 
ner christlichen Kirche zur andern tibertreten *) , wie von 
neuen Glauhensrefornien gesprochen werden kann , wenn In- 
dividuen ein schon Jahrhunderte lang gesetzmäisig anerkann« 
tes Bekenntnifs annehmen ? Und am wenigsten wird er be- 
greifen, \^ie teutsche Regierungen zu solchen Glaubensrefor- 
inen die Hand bieten und zu neuen Religionskriegen die Zun- 
der legen, wenn sie o£Fenbar weiter nichts thun, als dai's sie 
eben einen solchen Uebeift-itt von einer Cöni'essiön^ ^ur an- 
dern, deri?n jede vom Staate rechtlich anerkaixnt iit^ nicht r#r- 
hindern. Sollen denn teutsche Regierungen solche Leute mit 
Gewalt in ihre alte Kirche zurücktieihen i — r 

Wir kommen auf den Punkt, worin eigentlich bestimm- 
ter die beiden anzuzeigenden Schriften einander gegenüber 
gestellt werden können , auf die beiderseitige Darstellung der 
Mühlhauser Glautrensänderung nach ihren Ursachen und Fol- 
gen, Auch hier können Mfir nichts thün als einep kurzen 
Ueberblick der £rz^hlungen beider Theile geben ^ das IJr- 
theil dem verständigen und unpartheiischen Leser selbst über- 
lassend. 

1. Henhöfer steWt den Hauptztigen nach die Sache fo dar: 
Bei seinem Amtsantritt suchte er die von seinem Vorfahren, 
einem frommen aher älterschwachen Klpstergeistlichen in der 
letzten Zeit etwas verwahrloi'ste Gemeine wieder sittlich zu 
heben. £^r predigte ernst und strenge , Moral über Moral. 
Sein £ifer machte einigen Eindruck , h^tte ab^r bei weitem 



*} Freiherr Julius von Gemtningen lagt in seinen Worten der christ- 
lichen Liebe und des- Trostes u» s. w, folgendes eiofaclie bieder« 
Wort : 

y>Ich glaube es ziemh'ch im Namen aller Bürger, welche mit 
mir zur evaDgeli.<iclien Kirche übergehen ,* versprechen zu könne^i» 
da fs Friede, Eintracht , Duldung und Lieber selbst gegen ihre 
heftigsten Verfolger und Feinde , ihr Hauptbestreben , und die 
Erfullang christlicher Nächstenliebe ihr freudigstes Bemühen seya 
wird. Sollten 9 wie iu jeder ^ nuoh der kleinsten Gesellschaft 
von sehwachen Menschen ge^scliieht, Fehler unter ihnen dagegen 
vorgehen, so wird doch die Gesammtheit si«h gewifs fest verbin- 
den , durch Liebe und Duldung die Eintracht und den Frieden 
bestmöglichst zu erhalten. ff^enn also ihre katholischen Brüder 
' nicht besondere Veranlassung gehen , und den Frieden gewaltsam 
stören, so wird er gewi/s dauerhaft fortbestehen," 



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S16 Henhjffer und Jaok über d«n. Unprung der neuen 

nicht, die Wirkung einer allgemeinen und gründlichen 
) Verbesserung. In dieser Zeit ging in Henböfersini^erem Le- 
sben eine bedeutende Veränderung vor. Ein Scböler Saliern 
veranlafste, dafs in ihm durch Selbsterkenntnifs ein Bedürfnifs 
nach den Heilswahrheiten der ßibel rege wurde. £r schöpfte 
-nun mit wachsender Lust aus dieser Quelle, begann seinFre- 
digtamt in neuem Geiste und mit neuem Muth , verkündigte 
' von nun an vorzugsweise das Evanffelium von der Liebe Got- 
tes in Christo 9 suchte unter gdttlpliem Segen ^^einen in Liehe 
thätigsn Glauben^* in die GemtUher zu pflanzen , und sie durch 
innige Hingabe an Gott und Christum zum Frieden, durchJEr- 
regung des Dankgefühles gegen den liebevoll gnädigan Gott 
£u einem neuen sittlichen Leben zu führeh. Vornemlich la^» 
erklärte und verbreitete er dieses ^ in jenen Gegenden seltene 
Buch, in welchem er selbst das, was Npth thut, und Friede 
für seine Seele gefunden hatte. Solche Thätigkeit blieb nicht 
fruchtlos. Manche Glieder der Gemeinde wurden gebessert« 
Andere widersetzten sich der Einwirkung der Lehren , die 
Henhöfer^ mit so theilnehmendem Eifer verkündete. Es gab 
Leute, die aufser dem todten Namen von Christus nichts wis- 
sen wollten. Mit äufseren Religionsübüngen , Messe hören, 
Kosen kränz beten , * Wallfahren (ins Weckenthal und nach 
Wallthürn) und dergl. zufrieden , scheuten sie den Christus, 
der Geist ist, und lebensthätige Nachfolge, Anbetung Gottes 
in Geist und Wahrheit verlangt. Solchen Menschen Suchte 
Henhöfer begreiflich zu machen ^ dafs das Reich Gottes nicht 
mit äufserlichen Geberden komme , sondern ein inwendiges^ 
geistiges sey; ihnen suchte er ihre falschen Stützen zu ent- 
reifsen, indem er lehrte, wie Cärimonien nicht allein frucht- 
los, sondern auch schädlich seyen, wenn man ohne lebendigen 
Glauben und daraus hervorgehende wahre Besserung in ihnen 
sein Heil suche. Von dieser Seite, das heilst von Seiten des 
Mifsbrauchs griEHenhöfer das Cärimoni«inwesen an. Damit 
predigte er. noch nicht wider den Katholicismus , denn der 
reii^e Katholicismus will nicht, dals man über Cärimonien- 
dienst das sittliche Seelenheil versäume. Dessen ungeachtet 
ward Henhöfer als Feind und Verächter der katholischen Re- 
ligion , als Lutheraner C^^als wenn Glaube uttd Liebe nur lu- 
therisch, nicht auch katholisch wären'*) ausgeschrieen, nicht 
minder als Pietist, Separatist u. s. w, Worte, die nur auf den 
Unverständigen zurückschreckend wirken können, den Ver- 
ständigen aber veranlassen müssen , die Sache um so genauer 
zu untersuchen. 

Der Lärm , durch die benachbarte Geistlichkeit^ welcher 



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Erangeliadieii Gtmeind« zu M&hlliaaseD. 217 

das Zuströmen -zu Henhöfers Fredigten unangenehm war, un« 
terhalten , wurde immer gröfser. Ein ZolJgardist wurde be« 
stellt , die Lutheraner jeden Sonntag von der Kirche abzu- 
halten. Dies und ähnlicjies vermehrte natürlich den Zudrang 
zu ^en Predigten und den Eindruck derselben. Endlich ward 
Heiihöfer aus besonderer Veranlassung vor das Vica^^iat beru- 
fen , und schon durch das Einherufungsdecret zugleich von 
allen Amtsverrichtungen suspeiidirt. Osterdienstqg 1822 kam 
ßt nach Bruchsal und wurde ins Seminarium gewiesen. Der 
Ortsvorstand und fast alle Glieder der Gemeinde Milhlhausen 
baten, die Unschuld ihres Lehrers bezeugend, um Rückgabe 
desselben. Vergeblich. Eben so w^enig wurde eine von Hen- 
höfer verlangte Untersuchung am Orte selbst vorgenommen; 
Nach'dömH. 12 Wochen herumgezogen, endlich aucn in engere 
Verwahrung gebracht worden war, litt seine Gesundheit. Kaum 
und nur unter Mitwirkung landesherrl. Stellen, erhielt er die 
Erlaubnifs , sich zur Erholung in das v. Gemmingscbe Haus 
begeben zu dürfen. Von da aus schickte er 'an das £ischöf«- 
liche Vicariat eine Abhandlung, welche Zweifel über manche 
Theile der katholischen Kirchenlehre, besonders über das 
Abendmahl und die Messe enthielt, mit der Bitte, „f^n aus 
" Gottes Wort eines Besseren zu belehren y oder aus der kathoL Kirche 
auszuschliejsen.^* Das letztere geschah. Das Vicariat erklärte: 
nach solchen Aeufserungen könne H. weder ein kathol« Christ^ 
noch viel weniger ein kathol. Seelsorger seyn. 

Die- Gemeinde Mühlhausen erhielt nach Henhöfers Ent- 
fernung einen eifrig katholischen Pfarrverweser. Pieser, (wie 
es scheint, in der liesten Meinung) predigte streng- katholi- 
sches Kirchenthum und eiferte heftig gegen die Andersdenken- 
den 'und Abtrünnigen,. Natürlich machte er damit die Sache 
schlimmer und bewirkte das Gegentheil von dem , was er 
selbst wollte. Es kam so weit , dafs ihm die Mädchen in 
der Kinderlehre geradezu widersprachen. Kein Wunder, wenn 
der gute eifrige Mann wirklich Sätze vortrug wie folgenden : 
„Wenn heute die Apostel zur Thüre hereinkämen, die Gäri- 
monien sähen , die Lehre hörten , so würden sie ausrufen : 
f f gerade so haben wir es eingesetzt I^^ 

Da die kathol. Kirchenbehörden sahen, dafs derTfarrver- 
weser Baumann bei dem redlichsten Eifer ihren Absichten nur 
entgegenarbeitete, mufsten sie rathsam Enden, einem beson- 
neneren , gründlicher gebildeten , aufgeklärteren , pastoral- 
klugeren Mann die schwierige Mission anzuvertrauen. Die- 
ser fand sich in der Person des durch seine Fsalmenüber- 
setzung literarisch bekannten Herrn Decan Jäek. In der AJj- 



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2l3 HeahQfer uad Jack über dea Urspraug der. neuen 

Sicht den Leuten zu zeigen , dafs mati da9 1* wa/i sie ander- 
wärts zu suchen drohten, in. der katholischen Kirche eben so 
gut, und n^ch besser und vollständiger hab$, suchte Jäck 
mehr durth Vorträge als äufsere Religionsübungen zu wirken, 
predigte evangelischen Glauben und evangeTiscbes Leber»! 
sprach w^nig von äufserlichem Christenthum und behandelte 
die Cärimonien mit vieler Freiheit. JVJanche vjrurden dadurch 
mit der Kirjjhe ausgesöhnt. Andere sagten; »fper vorige 
yfarrverweser hat mit Prügeln darein geworfen, dieser legt 
seidene Stricke ; doch ist es nur darauf abgesehen, uns in die- 
sem entscheidenden Augenblicke zu fangen; ist einmal dieser 
günstige Zeitpunkt vorüber, §9 wird man uns schon wieder 
sagen , was wir und unsere Kinder zu thun und zu glauben 
haben.*« 

So wurden also diejenigen, auf deren Ueberzeugungfn 
Henhöfers Predigten vorzüglich Einflufs gehabt hatten, von 
der katholischen Kirche nur weiter entfernt durch die polemi- 
sche Derliheit des einen Pfarr Verwesers , wie durch die sanf- 
tere Klugheit des andern. 

Der Grund des Hebels schien hauptsächlich im Gebrauch 
der heiligen Schrift zu liegen. • Man warnte vor^den:^ „luthe- 
rischen Bibellesen** und schickte den Zollgardisten herum es 
zu verhindern. ,, Wenn das Verbieten des Wortes Gottes katho- 
lisch ist, so wollen wirnimmer katholisch bleiben^*« sagten die 
Leute und gingen von dem an, immer bestimmter darauf aus, 
die kathol. Kirche zu^verlassen. „Es war nie meine Absicht,«' 
sagt Henhöf^ S, 33., „weder selbst von dieser Kirche zu 
geaen, noch Andere wegzuführen, sondern in dieser Kirche 
wollte ich wirken für Christum und sein Riich p für einen reinen von 
ßlifsbräuchen und Vorurtheilen befreiten in Liebe thätigen Glauben, 
weil ich, für mich der üeberzeugung» war, dafs dies der 
ächte Sinn der katholischen Kirche seyn sollte und daher aucH 
seynmüfste. Auch sah ich wohl die Schwierigkeiten , die 
sich einem solchen Unternehmen in den Weg stellen, die Ver- 
folgungen, die es geben würde. Ich mifsrieth also in allem Ernste 
diesen Schritt ^ verwies die Leute zur Geduld, zum Gebet — 
und gab ihnen Hoffnungen auf bessere Zeiten unter einem 
vernünftigen Pfarrer.*' So drang also Henhöfer darauf, dafs 
der Schritt des Uebertritts bei allen das Werk freier Ueber- 
Zeugung wäre. JEr selbst war der letzte, der sich zum Con- 
fession&wechsel meldete. Zuerst erklärten 4 Gcmeindeglie-. 
der, während einer durch eine Reise veranlafsten Abwesen- 
heit Henhöfers von Mühlhausen , förmlich , aus der kathol. 
Kirche austreten zu wollen« Bald folgten, mehrere. Diese 



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EiraugeHsehen 6e|peinde ni Muhlhaniep« 219 

wen^leten sich an ibren Grundherrn 9 Julius Freiberrn von 
Gemmingßn , d^r sich in ständischen Angdegenhöiten in Carls« 
ruhe hetand. Herr von Gemmingen , inre evangelischen IJe- 
Leraeiigurigen theilend , leitete für sich und jene Gemeinde- 
glieder hei Sr, Königl. Hoheit dem ürofsherzog, den gesetz- 
inäfsigen Uehertritt zur evangelisch protestant. Kirche ein^ 
welcher denn auch wirklich am 6. April 1823 in der Schlofs» 
kapelle zu Stein egg 9uf eine feierliche Weise erfolgte, Hen» 
höfer, nach vorangegangenem (jollQq[uiam unter die «vemgel, 
Landescandidaten aufgenommen , hlieh einige Zeit PfiarrvftP* 
weser der neuen Gemeinde, wurde aher dann auf dringendes 
Bitten der Katholiken versetzt,. Die evangelische Gemeinde 
in Mühlhausen aher', die nicht auf Henhör'er , so wenig als di9 
prqtestant. Kirche, zu der sie gehört , auf Luther oder Zwinglif 
sondern mtt dieser auf Gottes Pvort und den Grund y aufser wel- 
chem kein anderer gelegt werden kann, gebaut ist , dauerte 
auch nach H, Entfernung fort, vermehrte sich noch, und sieht 
beiden ungemein theilnehraenden Beiträgen, die ihr aus allen 
Gegenden des hadischen so wie des ganzen teutschen Vater* 
landes, ' ja selbst des Auslandes zufliefsen, einem fröhlichen 
Gedeihen, entgegen. 

2. Hören wir nun dagegen auch in der Kürze dicDarsteU 
lung des Decan Jäck, Er schildert uAs zuerst die MOhlhau« 
ser Gemeinde vor Henhöfers Amtsantritt als ein, zwar nicht au» 
lauter Heiligen bestehendes, aber doch im Ganzen bei ^ufserer 
Armuth , innerlich bi<?deres „F0/WW/1," dessen Hauptzqg vor- 
herrschende GutmiUhigkeit, neugierige Gelehrigkeit u:pd zu- 
trauliche Lenksamkeit gewesen und das in stiller Ruhe der 
Gläubigen Wege des christlichen Heils wandelte. Zu die- 
sem armen aber gutmüthigen Völklein fS. 8. ff,) wurde AI, 
Hftnhöfer im J. 1818 als Pfarrer mittirt; er schwur naph ab- 
gelegtem kathpl. Glaubensbekenntniis den Investitureid^ Er 
nätte in der anspruchlosen Thätigkeit eines Landpfarrers viel 
Gutqs stiften können —allein „in der^tille Gutes wirken, den 
gegebenen vorgezeiehrpeten Pf^§g der hatkoUschen Kirchenlehre wandeln, 
das war nicht seine Sache, Der, welcher als Jüngling durch 
Singularitäten (i^)' und Faradoxieen Sich auszeichnete, wollte als 
Mann — Celebrität erwerben.'« Diefs konnte er nicht durch 
solide Gelehrsamkeit?, ec „suchte also durch -pieünische Charla^ 
tanerie die Augen der unteren Menschen klasse auf sich zu zie- 
hen.*» In jenen Gegenden giebt es (nach Jäcks Erzählung) 
eine Menge wandernder pietistiscber Charlatane, „die in den 
pietistischen Versammlungen die Kunst üben, im Gefühls- 
säuseln das frömmelnde* Völklein in ein sanftes, liebliches, 



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220 HenhajTeT und Jäck über den Ursprung der neuen 

gutmüthiges Wogen der' Empfindungen einzuwiegen," yor* 
zOglicb glückHch in solchen „frommen SchauspielerkUnsten^^ soll 
der arme Sc^reinermeister Brougiur gewesen seyn (dem gele- 
gentlich alles mögliche Böse nachgesagt wird) und durch das 
lockeudeVorbild, wie durfh dieLehre dieses „bibelmeisternden«* 
Schreiners liefs sich denn auch Henhöfer verleiten, „eine ei- 
gene Kirche., eine eigene Gemeinde, und in ihr ein neues 
Theater zu bilden, auf dem er vor dein Publicum — das mit 
Beifall .u^4 Honorar zahlen sollte — eine beseligende Haupt- 
rollie spielen konnte/* „Tn allen Hallen pietistischer Gesell- 
schaften,*^ föhrt Jäck S. 11, fort, „tönte der Ruf Ae% neuen 
PropagantisteA, während dem das katholische ^ö/Ä/tfi/i trauerte, 
und die Verunglimpfung seiner Confession mit Wehmuth vor 
fremden Glaubensgenossen anhören mufste, frohlockte Hen- 
böfer im Triumphe des erhaltenen Beifall » Klatschens ^* 

Auch die Gemahlin des Grundherrn, die „ultrapietistisch 
gesinnt, nur dann glaubte fromm gewesen zu seyn^ wenn die 
impfindung durch das Spiel gesteigerter Phantasie in dämmernden 
Oef ahlen schv^ärmte^^ unterstützte durch ihre Popularit.ät, en* 
thusiastische Gespräphe von innerem Kirohenbau , innerem 
Christus u. s, w JFlenhöfers Beginnen gar mächtig *), 

Wie Henhöfer allmählig zu seinen akatholischen und dann 
antikatjioli^chen Ueberzeugungen gekommen, darüber dür« 
£en wir natürlich bei Jäck keine bestimmteren Nachweisungen 
suchen. Er sagt darüber nur S, 15.: j>Ich müfste sein (IXen- 
böfers) Glaubensbekenntnifs abscbreibÄn, wenn ich den Stu- 
fengang verfolgen wollte, auf dem Henhöfer durch Meister 
Brougiers Licntfunken vom gedankenlosen Katholiken zum 
freien Selbstdeaiker herausgebildet wurde, Kurz, drei Jahre 
lang rifs }{. am katholischen Kirchenritus in Mühlhausen zu« 
sammen, und baute nebenbei in seinen Privatversamnilungen 
an dem geliebten Separat - Kirchlein einer Brüdergemeinde — 
worin geseufzt, begeistert, gekufst, geliebt werden sollte,'* 



*") Ref. braucht ivbhl kaum ru erinnern, dafs er kein Vergnügen 
daran findet, solche persönliche Angriffe weiter zu veii^reiten« 
Allein sie gehören — wahr oder unwahr ! — zut Charaeteri- 
stik des Buches , in dem sie slehen« Die Freifrau von Gemmiogeo, 
über welche es noch andere Urtheile giebt, aJs das von Herra 
Dekan Jäck ausgesprochene , hat wider ihren geistlichen Gegner, 
der sieaus denistillenhäuslicheDK^reise so bittertadelnd vor dasPubli- 
cUm führt , kein besseres Vertfieidigung&mittel als -^- Schweigen, 



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Srangelischea Geisieind« zu MilKlhaaieo. 231 

Wiederholte Klagen der beunruhigten Katholiken in Mühl» 
hausen veranltfsten endlich das. Vicariat auf Versetzung oder 
Beförderung des Pfarrers Henhöfer anzutragen. Allein „der 
Grundherr Julius von Gemmingen mit dem Selekt der AnhänV 
ger Henhöfer s, bestUrmtenSe^ Kpnigl. Hoheit den Grofsherzog 
mit Bitten und Vorstellungen, H. seiner Gemeinde zu &e1a»« 
sen.*« Die Versetzung unterblieb, „Dies war nun ein Sieg 
der Schwärmerei, ein Triumph des inneren Lichts. Der 
geistliche Stolz zeigte sich nun o£Fenbar. Die separatistischen 
und pietistischen Eiferer erhoben ihn in Himmel; Henhöfer 
seihst glaubte kühner, auftreten zu dürfen ; sein Tadel gegen 
den äusseren Gottesdienst wurde heftiger \ ' seihe Angriffe 
stürmender U.S. w." 

Henhöfer wurde vor das Vicariat zur Verantwortung ge- 
rufen. Der Kaplan Baumann wurde Pfarrverweser. y^Sein 
frommer ,. obgleich vielleicht übertriebener Eifer\ sagt Jäck von 
dem letzteren, sein Ernst, mit der er jede Gelegenheit ergriff, 
seiner Kirche heilige üebungen in Schutz zu nehmen , wurde 
von den Anhängern H/s mifsdeiitet, als Verfolgung, Intolle« 
ranz (sie !) — Tyrannei , kurz als charakteristischer Zug de« 
kirchlichen Geistes der Katholicität erklärt.«* Die Partheiung 
in der Gemeinde Mühlhausen dauerte fort. Henhöfer liels 
unterdessen sein Glaubensbekenntnifs drucken und wurde aus 
der katholischen Kirche ausgeschlossen. Nun trat Decfin Jäck 
selbst in Mühlhausen auf. Die kalthoUsche Kirchenbehörde 
„wechselte den jugendlichen Eifer des Vicars Bautnann in Mühl« 
hausen mit der cr/aÄrm/ireichern Gelassenheit eines älteren Geist« 
liehen (nämlich des Herrn Decan selbst).*«* „Dieser, üher^ 
zeugt in sich, dafs die Lehre seiner Kirche, und der diese 
Lehre begleitende Kultus sith selbst vertbeidige — glaubte 
keiner Polemik und Controverse zu bedürfen. Er ergriff die 
kirchliche Anstalt der Fastenzeit — diese feierliche Aufforde- 
rung zum christlichen Bufsweik, zur Sinnesänderung des 
Menschen ; täglich las er beim Morgengottesdienste die vor» 

feschrieb enen Episteln und Evangelien. Er hob aus diesen 
'CsestÜcken die erbauende, belehrende Seite, ansprechend 
die sittlich religiösen Gefühle Aex^ zahlreich erscheinenden Paro- 
chianen« Mit der Predigt verband er die Schul- und Kirchen« 
katechesen, und benutzte so jede in der Hircbenordnung lie- 

fend^ Gelegenheit, di^ .Christuslehre nach dem katholischen 
lehrbegriffe, frei von aller Controverse, darzustellen. Da« 
bei wandelte er mit unbefangener Partheilodgkeit ^ fröhlich ^bei spärm. 
licher Kost und Pflege, wie die Müh! haus er sagten, freundlich 
md gegen älU Menschen gleich gütig in seinem Benehmen.*^ Dies 



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222 Honhofev und Jaok üb«r den Uxcpning' d«r neuen 

ist das Weientlidi€i^ was Jäck von seiner Thäti^keit inMübU 
hausen ^rzäblt. Man mdchte meitr, besonderj^ im Einzelnen^ 
berichtet wünschen, llenhöfer giebt einige ^äge von Jäcks 
3enehmen S. 4? S. ,, die man bei ihm selbst lesen mag. 

Jäcks Wirksamkeit war nicht im Stande den Schäden 
ganz zu repariren* Der Uebertritt ton 167 Personen zur 
Protestant. Kirche erfolgte auf die angegebene Weise. — 

. ' ,,Wenn wir ,'* »agt Jäck gegen den Schlufs seiner Dar- 
stellung, )9tor dem Irrsinn des exaltirt«n Fietisnitusi yor der 
Arroganz des.geistlichen Stolzel schauem, von der Ostentation 
^der affe^tirten Frömmelei wkelnd'uns wegwenden i lasset uns die Ir- 
regeführten , .die Versehtohänen nicbt hassen! Mitleid erfülle 
unser Herz -*- — Unsere eigene Mensoklichkeiten fühlend, wol* 
. len wir die , Aß$ Nei)e^me|isGhen. schonend ertragen.** 



Iliet liegt nuri ein kur^e^ Au^ä^ug äuB beiden £rz8hlun« 
gen vor. Def verständige und billige Leser entscheide über 
ihre Aechtheit und T^reue nach eigenem Wahfheitsgeftihl. Et 
entscheide , ah die Ursachen der Mühlhauser Conressionsän« 
^erung'in wildUchwärnfendem^ Sinn und Geist betäubendem 
Ultrapietismus (wie' Jäck es darstellt) — ocler ob sie, nach 
Henfaäfers Bericht, darin lagen, dafs dieser auf das einfache^ 
ursprüngliche 9 lebdiisthätige Christenthum des neuen Testa<' 
mentes ziurückgtthend ^ Sinn und Geist seinem GemeindegHe- 
<[er von der Dumpfheit zum Licht führte? — ^ Die Reforma- 
tion des 16. Jah.Tbunderts geschah ohne soh wärmenden Fi ^Is- 
mus durch die Kraft des schlichten klaren » mlit gesundem 
Verstand und lehendigem Glauben gehandhabten Gottesw^ar- 
tes^- Und Was i/U 16. Jahrb. durch dieses Mitte'l^im Grolsen 
bewirkt wurde, ist heute durch daa nitmlicfae Mittel audi 
noch im Kleinen inl^gliefh, ^ 

.Referent erlaubt sich nuf noch wefnig^^ wie ihm scheint^ 

'nicht unwichtige Bemerkungen. 

Üinen merkvtrürdigen Beitrag ium urteil üher die PFah* 

' heitsliehe und Glaubwürdigkeit des Decan Jäck liefert folgender Ünt' 
stand: Auf der 46. Seite deiner Schrift erzählt Jäek : y^Besorgt 
füf die Erhaltung der katholischen kirchengemeindlichen Rechte y nicht 
ohne Grurtd neue Spaltungen befürchtend ^ kamen ftie 8 'Vögte 
des Gemniingischen Gebieta zum Ffarrverweser in Mühlhau- 
•en (ihm ^ dem Herrn Dec^n Jllck) den 9^ April und baten ihn^ 
ihre Vetrstettungen aufzunehmen y und an dats Generale ieariat und 
Grofshetzogliche Ministerium einsMbe gleiten $ bittend y Henbd- 



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Brangelhohen Gemoindt zn Mühlhausen. 223 

fers .£i}tlas$üng bewlrl^en tu wollen^ Wobei 4i> sich auf dai 
. landeshercliche £dici: ^from 17. Mai 1807 beriefen/« 

Hiermit vergleiche man nun dd3 von Henhöfer mitge« . 
tbeilte Proio.cM des OheramU Pforzheim^ worin die unter:&eich« 
öeten Vögte des Gemmingschen Gebietes über diese Zusam« 
raenkunft mit Decan Jäck am 9. April urkundlich folgende» 
aussagen:' ^fSie, die Vögte , kamen jiicht aus^ eigenem An- 
trieb (und in der Absicht für die- Erhaltung der katholischen 
kirchengemeindlicben Rechte zu sorgen) zu Herrn Decan Jäck^ 
iondern sie waren von ihm selbst he stell t ^ und wufsten (aufser dem 
Vogt Gall) vorher gßnz und gar nichts von dem Zweck ihrer Zusam^ 
menkunft, Dieser 2>weck wurde ihnen vom Herrn Decan Jäck 
damit erö£Enet) dafs er ihnen eine von ihm selbst verfertigte 
Schrift vor/aj, und in aller Schnelle auf eine* solche Art zum 
Unterschreiben vorlegte, wobei sie der Unterschrift nicht wohl aus^ 
weichen konjiten, ' Die guten Leute wufsten Überdies zum Theil 
gar nicht recht, was sie unterschrieben hatten. Vogt Reinkuns 
von Schdilbronn verstand nicht alle Worte, insbesondere er^ 
klärte er nicht zu wissen , ob in dem vorgelesenen Aufsatz 
etwas „von lügenhaften Beredungen Henhöfer s und von Zu- 
sicherung Ärundherrlicher Gnaden und Ungnaden*« gestanden 
habe. VogtEnghofer konnte sich des letzteren auch nicht er- 
innern.^ Vogt Rund möinftf die Worte gehört zu haben.* Sie 
alle dachten, dafs sie wohl unterschreiben könnten , „»«j ein 
Mann wie Herr Decan Jäck ihnen vorlege,** -^ Zugleich erklärte 
Vogt Rund von Möhlhaiisen : „Schon vorher habe ihm Herr 
Decan Jäck eine Schrift vorgelesen , worin stand, dafs jeder 
Bürger ^ welcher die katholische Confession verlassen würde ^ alle bUr^ 
gerlichen Nutzungen verlieren solUe , und habe ihn aufmuntern 
wollen, zur Ausführung Beihülfe au leisten, allein er habe 
entgegen gehalten, dafs er iieeiflcf oh solches neben der, Kirchen^ 
freiheit aurführb/trseyn würde /^' , 

Zuletzt kann Ref. folgende Bemerkung nicht unterdrücken. 
Obwohl Henhöfer von seinen Gegnern (ohne Beweis) ein bor- 
nirter Kopf, ein. unwissender Schwärmer und dergl* genannt^, 
wird, so. Endet. man doch weder bei Jäck noch bei Anderen 
entschiedene Angriffe a»/'' j6fA0 Sittlichkeit f die durch nachge- 
wiesene Thatsacnen unterstützt wären; man findet keine 
Vorwürfe, dafs er ein Heuchler und Scheinfrommer sey -*— 
keine Vorwürfe, dafs er äufserliche Absichten auf „schändli- 
chen Gewinnst«^ gehabt, oder den Schranken des Cölibats habe 
entgehen wollen und dergl. Wäre etwas von der Art aufzu- 
bringen gewesen , schwerlich hätte es der Mantel der christ- 



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224 Stepham TheMurns. 

liehen Liebe bedeckt« Dies i«t kein geringes Zeygnifs — ' 
audi für seine Lrehre. An ihren Früchten sollt: ihr sie erkennen. 
Der am häufigsten wiederholte Hauptvorwurf geg^n Hen- 
höfer ist, dafs er seinen Priestereid verletzt habe. iDagegen 
y^rtheidigt er sich selbst S. 23. iÖF. — Wir können hier nicht 
diaräuf eingehen. 

• Es sey hiermit genug ^ und für diese Blätter übergenug! 
Möchten doch diese religiösen Bewegungen , die natürlich 
auch manches Widerwärtige aufgeregt haben , das Ihrige dazu 
beitragen , dafs immer mehrerelPersonen unter allen Gonfes« 
sionen veranlalst werden üb^r die ernsteste Sache ernst nach- 
zudenken , und Befriedigung für die Bedtirfnisse ihrer Seele 
da zu suchen, wo sie wirklich zu finden ist^ in dem hellen, 
einfachen Gottes wort der Bibel! 

C« Üllmatm* 



eHrATPOS TH2 EAAHNIKHS TAfirSHS- Thesaurus Orae- 
eae linguae ah H. Stephano constructns, Editio nova auctior 
et enißndatior, Vol» 1, A — Ar.Q* Praeßxum est leocican vocum 
peregrinarum» Londini in aedibus Valpianis» Prostat etimti apud 
hibliopolas LondinenseSf Cantabrigienses'^ Ediaenses, Oxonien- 
ses et Dublinienses. I8i6 • Z8i8 foL —^ (Bis zum Anfaiige des 
Jahres 1824 sind 24 No« erschienen. Das lefcste Heft se^efst in 
OA. pag, 6710 (alte Ausgabe p»g. 1286)). — 

Der Zweck gegenwärtiger Anzeige ist die Lfeser dieser 
Blätter 9 die die Gelegenheit nicht haben dieses erstaunens« 
würdige Werk selbst zu sehen und zu gebrauchen , von dem 
Plane der Herausgeber und dem was »ie bisher geleistet, zu 
beiiacbrichtigen« Ref. ist wirklich in Verlegenheit wie er 
ohne die Gränzen seines Raumes zu überschreiten zugleich 
ohne einen bedeutenden Punkt zu übergehen, 'seinen Liesern 
von dem einen Begriff geben soll, was in diesem Werke bis- 
her über alle Erwartui^g geleistet worden ist, 

(Besehlufs folgt.) 



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N, 15* 1824 

H e i d d 1 b e r g e r 

Jahirbücher der Literatm** 



SrBPVAN'i TheBaurus. 

Die Herausgeber wurden' bei diesem Werke durch fol- 
gende Beitrage unterstützt : ' 

Papiere von BoissonadB von sehr bedeutendem Werthe, 
Sie bestehen zum Theil in Zusätzen von Stellen für die seit» 
Deren Wörter bei Stephanus ^ zum Theil in neuen Wörtern^ 
die 4em Stephatius unbekannt waren. Sie sind aus gedruck- 
ten und handschriftlichen Werken gezogen , die gerade suiH 
lexkalischen Zweck von Boiesonade durchgangen wurden. , 

Die Papiere von ^chweighäuser 94 Quartseiten' enggeschrtai> 
ben enthalten zahlreiöhe Citate von Stellen^ die Stephanus ohiilß 
Angabe des Buchs oder Capitels anfährt. Ihm verdanken die 
Herausgeber* auch>die Papiere von Brmteln die in einigen Zcb- 
Sätzen zufn Scapula bestehen* £r hat auch ein Wörterbuch 
in Folio entdeckt^ Welches viele neue Wörter von Hippocr»» 
tes, Galen 9 Theophrast^ jDioscorideS und besonders voh 
Trallian sammt einer lateinischen UeberSetzung enthält;^ 

Pdrr hat die Herausgeber mit gutem Käthe - unterstützt^ 

und ihnen einen sehr brauchbaren handschriftlichen GlossarM 

lnd9x zur Basler Ausgabe, des Hippocrates gelieheti^ der J. 

lleekie gebötte« £r enthält in lateinischer Sprache das We- 

. sentUche der Materien, dfe man in den Glossarien des Qalen 

I und Erotian findet^ und aus Foäi^, Oäcon, H^TpocN Vergleich* 

I s^telfen und gelegentliche Anffibrungen. 

l Von J. Seaß0r von Welsch Biknor «Sit sehr teiches Sup ple- , 

xnentvoil manchen neueii Wörtern ausPlato^ A^^istoteles^ Pia« 
tärch , Diogenes Laert. PolybiuS » den Tragikern f Rednern^ 
Chrysostomus und andern. Quellen. 

Von 6^at7 handschriftliche Bemerkungen über den Thei» 
saurus von Stephanus^. 

Von Dyer erhielten sie zum Gebrauche ein weitläuftiges 
handschriftliches latein.«*griecfa. Wörtnbucb von J. Barnes 
XVII. Jahrg. .«.Heft. 1* 

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226 t Stephan! Thesaurus. 

.•?■•-*' ^ . ' . '■ ^ * 

-Handy welcli6s viele heue Wörter und, viele^Stellen ftir be- 
reit» gesammelte Wörtet enthlllr. ^ • » • 

\on Loheck gelehrte Bemerkungen zum Fhrynichus. Die 

H^c^u^geber haben ihn eingeladen au» d«n W^ki»'. geleianen 

€eferift-«telltfrn Material ztim nduen Thi§s^änis \ü' rfammdrt'. 

Eben so haben sie Hermann ersucht ^inen Commentar zu 

iStfeJJhaftu^ Tractat von den »Dialecteii zu 'scbreibeh/ 

Von Coray eine Reihe lexicalischer Bemerkungen mit ei« 
,nigen neuen Wörtern. 

üoi«Ai{hat) ibsie») ^in>£iieniplar von Hederä:k^ tjeSk, gelie- 
hen, worin er zahlreiche Belegstellen aus Flato» Aristoteles 
und andern Schriftstellern j^ wfid*toAncbe neue Wörter aus 
Epiphanius und besonders aus den griechischen Vätern be- 
,' -merkt hat. • / «i .• . • ' ' ' '■ ■,••" ■ ' '■ 

Manulscripte von Wakefieldvon sehr b'edeutendem Werthe. 
Vdn.dem verstorbenen. Stackhöuse mäniihe "vt^ichtige Be- 
-m'erkungen und aeitie Papiere über Athenäus, Aristoteles H. 
Ji und Aelians. V. H, und H. A; 

Von Kall von «Copenhagen Papiere von grofser Bedeu- 
>tung. 

. r'tf/c&ATtaer'i handschriftliche i^usätze zu Scapula's Lex. 
•äron grofsem Werthe , enthalten viele Verbesserungen ^ von 
Stellen der griech. 5phrift stell er, 

• . ' iJ,'Loveday lieh ihnen ein Exemplar des Stephanus, wel- 
ches vi«le Bemerkungen von Gataker enthält*. 

. ' . iMe sehr bedeutenden Papiere von Schaf er, der schon seit 
•mekreten Jahren zur Mitwürkung eingeladen Vear, haben die i 
'Herausgeber angekauft. I 

Von Schleusner häbien sie folgende wichtige Papiere ge- i 
.kauft: 1. einen Quartband von 2bö Seiten* „Dan. ^pf^ilh. TriU 
ieri ob3S,y c<mjecU, et em6ndd, ih Hesychii JLteKtcpny ed. CornJ Schreib' I 
lii.L,'B^ 166Ö. 4« adscripeae ^ quihus et suäs et aliorum adjecit J.Fr»\ 
Schleusner.^ 2, einen Folioband von 355 Seiten, yyNotatorvm\ 
. ad quid^m coÜectanea.*^ 3. einen ,Foliöband von eben so vielj 
^Seiten f iyObss* et coneett, in Hesychii lei^,i 'otss, in ThavorJ\ ohiA 
in J. Pöllucem. ' ' ^' 

.. • Dahler hat auf ihre Einladung das Lejctcon vocum peregrh 
aärum in Gr, setliptafibus obviärum vervollständigef . 
Dem neuen Thesatirus sind vorgedturkt: 
1. Die zweierlei Titeliülätter der alten Ausgabe die bei 
kanntiichzu der Vermbthung einer zweiten Ausgabe des Sie* 
phanus Veranlassung gegeben haben. 

• «. jffenriei Stephani adnkonitio de thesauri sui epitomej qua 
titulum lexici GraeccA/ noi>i präeferi, ' ' * 

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Stephan! Thesauni«« 227 

J. Epistola dedicataria et epigranunata duö de thesauro Gr* 

4> Catalogus auctorum Graecorum, in quörttm jcriptis vo^ 

eabula et loqtithai genera, eorüm item uhde expositiones vocabu^ 

lortan nuVtüquehdi generüm petitae sunt in hoc thesauro Graecae 

linguae, 

5. Scipidnii CäHerömaehVPis^ofiensis oratio de 'laudihiu 
literarum Graecart^m: ' * ' . ' , ' ' 

'6* Ar. jiiitohii Ahtimachi de literarim Gräecarum laudihus 
oratio. . ' ' ö , , . .. 

7- 'Eji' Cönradi Hertshachii ordtione in cämmendationent 
Craeeariüh literärutn excerpta. ' *' "^ - 

S. /fenfici Stephani ad leetorem epistota, seit ptaefatio in 
ipsius thesäUTum lihguae Gr. 

g, Excerpta ex H. Sthphani epistola, a* 456g edita, qua 
ad midtaj multorwn amicorum respondet, de suae typographiae 
statu ß nominatintquede säö thesauro linguae Graecae. 

40. Excerpta ex J. A. Fahricii hihliotheca Graeca, VoLVL 
py654 -'— 68. edyjtarles, ' „Lexicd Craeco - Latind recentiofum 't 
4 4. Excerpta ^it WVa H. Slephani Secundi 'd Mic. Maittai^ 
rieTdohscripth.; y "" • r 

' y«. he Hfiriiy' Graechrum ntediis L. Kusteril ' j. Clerici, 
S. Clarkii et JB. Schhiidii commentationes a ft^ollio, qui suam 
ndjeeitj teeensitae, Una cum Dresigii et Boi^jreri riotis. 

43. Ogerius „de linguae Graecae affinitate cum Hebraica.** 
44' J* A. jSrnestius j,de pestigiis linguae Hebraicäe in lin^ 
gua Gr'* • . ' * . 

y5. Excerpta e Chr. D. BecUi ß,dissertatione de lexicis Gr* 
et Xat. omnino, et r^centissimis singutatim.** 

46. P. E. JahlönsMi disquisitio de linguä Ljrcaohica. 
4y. Fr. Guil. iSturzii de didlecto Macedonicd et Alexan^ 
drina Über. . . . . ; . ' . v 

' ' 48* P» J?. Jablons/cii glassarüim ifhcüm Aegjrptiäcarum. (yotan 
^hti Excerpta e praefatione Gaii. Tewaieri.^ 

{g* Tewateri auctariumß i^ocum paw^Orum, recte aut secus 
pro Aegyptiacis habitarum, 

' ^o. L. C. Valcienaerii dissertatio de uocdiulo iagt^* ' 
ß4. Specilegiun% vocum pauc.arum recte aut secus pro Aegyp*^ 
iiatis haiitarufk^ post P. E. Jäblonskiwn, Guil. Tewaterum et 
GitH: StUrziiufi' cöUegerunt thesaüri Stephaniäni editoreis (So Föf. 
8€ften)r- '••- •••^- • - -,>'*. ^ -^ ' .■;'/•' >• .. • 

ÄS. Lexitiin"^ iföcum pefegf. in öräecis auctoriiüs^ glqsso** 
graphis maxinne obi^iarum . (top t^äMer i 1 3 Fol, Seiten). 
u3. y'oeabUläVDatlerö praeterfhissa (8i Fol Selten)* 

15 ♦ 

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1128 Stepliani^ Thes^nrui. 

. • ' ^ . r' 

»4' Indetf votahulorutn, ^ z 

Versprochen war noch: 
'^Hadr, Relandi dtsser,tatio de veteri Ungua Indica* 

Hadr* Relandi dis^ertatio de reliquiis veter is Ungute Per* 
sicae, * 

'LexiciQnTarentinuma'loAJuvenecon^eriptum*\ 
^ wovon hi$ jetzt noch nichts erschienen ist« ; 

Die Werke« die hinter dem Thesaurus abgedruckt werdet 
sollen J^wovon nereits einiges erschienen ist) will Ref mit den 
eigenen Worten der Herausgeber in Kürze bezeichnen : 

Novam thesauri editionem excipieht opuscula^ quße Stepha» 
nus edidit». vel ad initium quinpi tomi thesauri, yel ad libri, qui 
glossaria continet, finem, Quod ad libellos adtinet Gregorii df 
dialectis geußraliter, et Stephani ipsius de Attica dialecto spe- 
^iatim, ki duo, alter alterurh. subse^uentnr ; quorum hie adorna^ 
litiir scriptis ineditis Godofredi Herrnänni»^ ilüf nqtis G. H* Schatz 
' feri. * . 

^djicietur opusculwn Apollonii Djfscoh} quod primus edi' 
dit Reitzius ad cßlcem libri Maittairiäni de dialectis» 

. Quod ad iibeilos Tryphonis ira^i '»raScuv A^acüVi fit *Kti(i f^vit^Vt 
attinet^ uterque imprimetur adßdem exemplaris in Musae<r Cri- 
iico Cantabrigiensi Np. Lp. 3si^sqq, editi opera Blomfieldii» 

In Ammonio denuo. imprimendo ab editione quam X. C% 
Valckenaerius procürayit } religioni est editorihus discedere, ita 
tarnen:^ ut, ubicunque res postjulaverit , de penn suo aliquantu- 
htm addant, Huic de differehtia vocum libello suhjicietur, syl' 
löge satis ämpla vocum synonymarum e scholiis et lexicis Grateis 
Haust a in ordinem AlphabeticijLrn ügesta. 

Quidquid contulerit Mohtfautonius et Kusterus ad emendan-- 
dum opusfiulum ,Orhicii, de ordinibus militarihu^^ id omne de- 
prometiir, adjectis Küsten notis. , 

Xfactatus jfferodiani. tri^\ a^i5fi(»y» Galeni item; €iliorumque 
ir«^i fA/r^tt)V KOI drABiAwv^ scriptis ecrum, qui res i^tiusmodi ü.tti^ 
geriritj illus tr abunt ur, . . . , 

Sihi editores etuditisqtie gratulantur , quod Siepkani com- 
mentärius de mensibus^et partibus eorundem aitgeri atque illustrari 
possit conferendis interse et describendis scriptis auctorum,. quos 
commemorayit Sturzius de diaL Maced. et Ale(f. p./fiS^ZzCLXV' 
JTicp glossariorumx quae Stephanus evulgavit, sujfficientur iila 
^ude annis centum post edidit Lahhaeus: „^ui, ,,,,t)ü^Cangie 
pidic^ /* *'i4a in opere cpndendq versatus est,,ui non modo ai 
,H, Stephano edita glossaria sirfiifi contuterit ^ sed et vocahula, 
quatin vnomasticaLaL 4fr^ ff Jnsy flöge. a f^ttfcanio puhlicatis 



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Stephan! Thesaurus. 229 

in tadem vocahulorwn serie ädmUcuerit/^ Hüne Du- Cangii 
senlentiam editores labore tfuo'conßrmare malunt, quam pro co/i- 
firmata hahtrej ideoque iis curae erit üt utriusque ed^tionis com- 
paratio ßßi , et quidquid a Lahbaeo fuerU ^omissum suppledtur. 
Quo auiem' lectpris cömmoditatibus consulatur,' fastigationes in 
utrumque glossarium ad calcejn paginae *) , non,^ ut in editione » 
veteri, ad ßnem lihri exstabunt ; interqiie ea$ locum habebunt 
aliae etiam emendationes', vpl' a jLabbaeo omissae, vel post 
Labbapum a M, Martinio , J. F. Fisphero , lo. Albertio, ceteris^ 
<iue Hesychii iftterpretibuf fact(ie. 

Glosßario Latino adjicietut iltud qUöd Isidorum auctorem 
habet ^ cum Graevii et Almelovenii notis. 

Cum Ant» *Schultens satif accurate ediderit i^eteres gtossas 
iferhorun% juris jf urta cuni suis äliorumqup notis, nihil aliud re- 
stat quam ut repetitae editioni adjicianti^ nqtae Atbertii^ ßt lexi'* 
con Theophilinum ^a R^itzio ei^ulgatum^ 

His Omnibus glossariis praeßgetur notitia litteraria e biblio- 
theca Graeca Fabricii. — 

Bisher ist unter dem Titel: ,,L. Labbaei Glossaria Graeco- 
Latina et Lafint»- Graeca*' folgendes erschienen; 

Die Ti|;elblatt^r iin4 Vorreden der Aasgaben des habbaeus 
und Stephanus» P^S' ' — '^* 

Cyrilli Philoxeni aliorumque veterum -auQtorüm glossßriq 
Graeco'' Latina a C. Labbaep collecta. pag. /7— Z^/. 

Cyrilli Philoxeni etc, glossc^ria L,atinO'-Graccß a C* J^abbacQ 
collectf^.' py^SS — 345. ■. ' 

,]^xeerpta e glossarioGräecO''LßtinQ et glossae aliae Grcteco^ 
Latinqe. p. 34fi — J5a. 

Castigationes, et ememfationes in utr\imquß glossarium^ pßg* 
353 — 384. .' / 

Titelblätter und VoiTede4 des^ Onomasticgn von Fkilcanius, 
p, 38^ — 3go. 

Bon. f^ulcdnii Brug. notae et easfigationfs in glossßria 
utriusque Ungute, p. 3$ i — 4^3. 

Colloquia vetera Gr, Lat. etc* p? 4^3 — 433^ * 

Cqllectiö ifocum, quae pro dispersa signißcationß accentum 
dipersum accipiuni. p. 433 — 44^' • • 

Feter es glossae verboriim jurU. p. 44^ — 4^^* 



*) Ist nicht gesohehen , <dndera die Castigaktones sind hinter den 
Glossarien abgedrupkt«. 



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230 Stophaai Thtsaains^ 

Hadriani sententiae, responsa et rescript<fcQmQQld߻tinQ* 
tis\ p. 48g — 5oo. , 

f^erborum quorundum themata quae vel sunt oHomala vel 
poMtica etc. p, 5o» — 5^9, (bis zum Worte Mvcav.) 

Auf dem ersten. Hefte vom Jahre iQ\5 war der Subscrip« 
tionspreis eine« Heftes auf gewöhnlicbem Papier (jsmall paper) 
ssu 1 Ffun4 1 Schilling, V auf grofseoi Papier (largepaper) zu 
2 Pfund ,2 Schilling bestimmt. Auf dem neuesten Hefte 
(No. XXIVO V. J. 102.^ ist folgendes angekündigt: „der 
jetzige Subscriptionspreis ist für «ein Heft auf gewöhnlichem 
Papier 1 Pfund 7 Schilling, auf grofsem Papie^ 2 Pfund l5 
Scbilling, Die «Preise .werden für künftige Subscribenten fort« 
während gesteigert. Der Subscriptionspreis bleibt fürs ganze 
Weirt auf dem Preis de« Heftes, bei welchem man zuerst ein- 
tritt. Die Zahl der Subscriptionen ist bis jetzt 1Ö86. Das 
Werk soll innerhalb 2^/^ Jahre beendiget seyn. . Es soll 39 
nros, uinfassen^ was darüber erscheint, soll gratis ausgegeben 
werden.«' , 

Das sogenannte small-pap^r (wovon Ref. ein Exemplar vor 
iich hat) hat das Format der alten Ausgabe des Thesaurus und 
ist sehr weifs und stark Die Lettern sind hinlänglich grofs 
iind durchgehends scharf. Die Columnen haben ÖO oder 61 
^ Zeilen (in d. alt. Ausgabe 760' Mit Recht ist die von Valcke- 
naer gebilligte etymologische Ordnung der Wörter b^ibehaU 
ten. Die AKtikel aus Stephanus sind im Ganzen unverändert 
wiedergegeben, /Bei Hauptwörtetn ist das Geschlecht j wo es 
in der alten Ausgabe fehlte hinzugesetzt. (Dagegen ist häu- 
. fig der Genitivus ausgelassen. — Warum?) Die Citate sind 
genau nach Vers.od^r Capitel bestimmt. Fehler in den Accen- 
ten sind verbessert. Durch Abkürzungen in -den Eigennamen 
und anderen gewöhnlichen Ausdrücken ist im Ganzen viel 
Haum gewonnen. Auf die Artikel des Stephanus folgen in 
9» ** eingeschlossen die Nachträge aus dem Appendix von Ste- 
pbanus und dem von Scottus, dann, in [ j eingeschlossen! 
Nachträge aus anderen seit Stephanus erschienenen Wörter- 
büchern , endlich ebenfalls in [ ] die handschriftlichen Mit- 
theilungen der genannten^Gelehrten und die Citate der Stel- 
len, an welchen über dies Wort von Gelehtten gehandelt wor- 
den'ist. Doch ist diese Ordnung, w^ie natürlich , nicht bei 
allen Artikeln dieselbe. Hier folgt ein kleines Beispiel, da 
der Raum mir nicht erlaubt ein gröfseres zu geben. 
Alte Ausgabe, » 

A* X p < 1^ , tdem quod akat^a§ , ajmd Homerufn saepe , ut 
Odp 6., X^WT ixoviirreaBcu nai iiciy^^i^ffBcu aAw(p3- Od. ^-, »; ft^ 



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Stepba&i Tiiesannis* > 23'1 

hf^hv dvo yigoif i^rtM uXöt^vf» übi Etutatk,- vuh akcf^>iv ess0 oleum 
quod ad unctionem adhibetur. Item pro adijPe, jut akit<pa^i //^.r.,— 
xoXkoi bk ffviq BaXiBovra'; dXot(p^- Appellatur etiam dkottp>j rh ' tcuw 
roiy^oiV HoviOfMat ut doest idem Ettstathius- Te^torium Latine dici 
possit _ fortasse. Et A* kot(ps7ov f ou » ri 9 quo utehantur dXhitcra»» 
EttsU A*XBifptov^t Hes^ At A*AÄ/(pij in vulg^ lex. GraecpL scriptum 
etiam reperitur» Et A kei^oßtov^ apud Hesychium hahemus {per a 
scripta seeunda) expositum ir^vijra^t id est pauperes, Fortasse quasi 
Adipe viventes. — Es folgt nun:^ 

'ATlaksiipa) Et 'ESflil«/<j)c«. 

Neue Ausgabe, ' 

*Akot^ij9 (>j,) i* q, akst^a^y öp. 'Hom* saepe y ut. Od, 2» 
(17&.) X^'wr dxovtvrsffBat aal hrty^^i sxr^at aA.o/(pJ. Od. ^' C220.) 
¥1 yuQ 9ij^ov dxo %qoo^ M^rtv dkot^J^i^ $ ubi Eust, vult dkot^i^v esse 
Oleum qaod ad unctionem adhibetur. Item pro Adipe ^ ut akei^a^: 
Ih I. (46 c^-) 'Kokkoi hh crus; Bak^S-ovrsg aXcwCpJ. Appellatur etiahi 
aA.oi(]p)j ri Twv roiywy KovtajjLay ut docet idem Eust, Tectorium La-* 
tine 4i^i possit fortasse. Et 'AA.oiC{)s7ov , to , (puo utbbantur dkstir- 
rat, Eust, *AX«f'$iov, Hes. At Ak&t^>} in W, LL, scriptum etiam 
reperitur. Et * Akst<poßtovs up, Hesych, haben^us per Ü scripta se^ 
cunday expositum iriTvijTas / Pauperes. Fortasse quasi Adipe viventes* 
[„•AAiMVpf, Hffy«. Hom. 5, 574- Piut.^ de S. N. K 94. De do^ 
liisy VaUk, ad Theoer, det, Idyll, 123. *AX. s^vSod^ Fac, ad 
Paus. /, 185. Kuhn 115." Schiif, Mss. Polyaen, 6,' 34- Plut. 
€onsol,409- Olossae: 'AAcHJ))^. Unguen, * * Akoi(patx) , Oblinio , Ob^ 
dücOf Aqu, Gart, 6, l4- ünde * Akoti^a7o;f uf Jj- inquit Schneider, 
Lex,; sed rectius sctipserit, at'ay öjJcv, LycOphr, 579.. De v,*AA8t* 
(p6ßtoü^ consulemdus est Schneider Lex,^ 

[* ,f AvakttiJ^üi 9 Brimck, Aristoph, 3, 200." ScKäf, Mss, 
yyCiem. Alex, 178.*' Kall. Mss.] 

[*' AvÄAfi<({)o? » p9 >5 > Non unctus , delibutus, Themist, Or. ■ 20. 
p. 235« Tau? hk trokkoi»^ VTtj 3AV0V Weil ^aS-tJiAia; avp^.aHTOuj t| i^i^ 
Xtiv, Hoi dvaksi(po'oi ^tayvavf^sü'^at''} . 

„*AvfliX«(p/»j, 17 , Non ungi, ro ova' dk8i(ilsa'^atj ut cum Uippocr. ' 
de Diaeta (97, 5^IZ362.) ait: 'AAoucr/iy gijfa/v«/, l^aravaki&viofJLivcx} 
rou vyqou' 'flcarjTwq -iij kui ij dvakst'^i*!* kivvi ha Ss^fxatvst %• nai, 
vy^atV9t-Ka) /xaAao*-«/." [At * ' Avaksiy^t'a 9 yj t Defectus unct^onis^ 
extat ap, Syttim, Ps, 108» 24«] 

[**AvÄA««irrof , <J» ^i »• ^» dvdkst(po;^ Bekkeri ^Mvay- Aag. xf'Jf* 
AvsihjiTToq acrrt rt 'EAA»}V«kov, ovy(i avaAg/Tro;, ou5s tre^ov toiovU: 
oxibiv» übt leg» avijkstvTo; P'^o dveik^TTOi- Zonar, 'Av^A/irro^ kiyow 
9^9 p^y^t dwifkt(poq i o'j^a dv(X,ktipo;' Ubi Tittm, ^yCodd, D, K, dv^" 
AiiTT05,'* («* quidem rectej) »»/>^* «v-jAito?, quod vide paulo ante • 
^Avijktxog' e dinjTco^yiToq'y* Imo non confundendum est' a-jnjktiro^ 



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33s St^piiaiii TiiMauniif 

^4vi/xi<t>o(9 Non ut^ctut.i Esfprgtnan: 
V [A'K9>^t(pa> et 'Ega^fttpco. 

Zum Bel9piele.dt«ae noch folgendes $ c 

^A'y a^<l 9, (ohne die davqn abgeleitete^ Wörter) füllt in der 
l^euen Ausgabe 39 Columnen , — in den alt«ii Ausgabe nicht 
ganz fine Columiie, — , 

'^Ayw «aoirnt dep dairon abgelait^ten und damit zusam- 
mengesetzten Wörtern föllt in der neuen Ausgabe ^6o Colum- 
nen, — in der alten Ausg. 33 Columntn'. — No. I. his XV. 
(d. h. bis AIA) enthalfen ohngefähr tü^OOa Wörter, die bei 
{itepbpnus fehlen.. 

Die Quantität 4er Wörter soll im General-Ipdex bemerkt 
werden» der n^ch dem von ^ermann empfohlenen Plane von 
^eifs^gen und gelehrten Sohulmilnnern vorbereitet ist un4dem 
ßchluSse des ^ unmittelbar, folgen wird. Dieser GeneraWn- 
de^f wird unmittelbar auf das. Wort weisi^ni wo. es. steht. — 

D^fs die 'Heransgebei: dieses Werkes .und an ihrer Spitze 
der gelßhj-te IJerr Barker Gegner haben und Tadel erfahren 
würden, vjrar vorfiuszHsehen. ^S. Clasfical Journal No, 36f 36, 
57. — Qwirterly Bieview ^p, 44, 48. — ^ reply to the Quarterly 
I revieiper oj Stpphqns* Grepk Thesaurus -^ B.ema%ks on the rcview rplo" 
tive to Stephens* Greek Thesaurus in the Quarterly review. Nß 48, 
From the Classipal Jarurnal JSo, 46.) — ^weekdienlicfae .Bemer- 
kungen von Sachverstjkidigen Werdeii dje gelehrten Herausge-^ 
her gewifs mit Dank ^o möglich benutzen; im übrigen .mö- 
gen^ sie siph d^mit Itrösten, d^fs Niemand es Allen recht ms« 
chen kann » auch Niemand von menschlichen Kräften ein ab? 
splut volll^emmenef Werk erwarten soll Der laute Beifall der 
gelehrtestert Männer (Sieh die bei Vol. J. Pars« 7, abgedruckt 
^en Briefe an BarVjsr von Boissonade,, Creu^ert ,Friedemami, 
Hermann f Osann 9 ^tackhpuse, Sturz <) und. das qllgeixieine 
Staunen über dieses Werk wird die Her^usgel>*er gewifs filr 
^IJe Widervjrärtiffjceiten , mit denen -sit? zu kämpfen Jiaben, 
hinlänglich entschädi^n "nd besonders Herrn Barker . über- 
zeugen., dafs er sagen, d^rf; exegi monumetitum aiere perennius^ 
Ref, schliefst diese Ansteige mit Hermanns Worten: ^fOptamus 
- ex änimo, ut et valetudo ac vires E(iit'oribu4 ad su'stinendos tantos^Jd' 
JfQres sappetqnt , et guaevis alin^e obtingatit ad perficiei^am hme utilis- 
Hm^ lihri e4itionpm cqmmoditates atque opportunitates^** . 



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Ifteiiiia|;m JakrbiriBlier f, WCitcoib, Vaterliil4fkuQ4«, g33 



W&rtemkfir^qhß JqhrhUeher fUr Faterldnd, Öeschichtß , Qeogra>t 

fhUf Statistik und Topographie ^ herausg* vonJ,0»G» IVfemf 

I Ringer. Jahwg.lfi22, Erstes Heft. Stßtpg, u^ Tuilngen h, Cotta* 

I 1822. FflJ. ^. 252 S. in kl, 8, ? Fl, 

Der den ^konstitutionellen. Ltändevn eigentbümliche Hang 
' sur Oeffentlicfakeit führt auch in Würtemberg, wo der König 
und die Regierung diese Freithätigkeit fördern und nutzbar 
machen,, immer mehr zu .Vermeidung des hier S, l. zum ^ort 
wort genommenen Ausspruchs; Turpe est, ia'patria vivere et p»t 
friam.i^wrar«. "Das gegenwärtige Heft war sogar bestimmt ge- 
wesen, der Vorläufer einer Jortdauernden Zeitschrift au seyn, ' 
welche der neue Verein für Vaterlandsknnde unter dem, et^vas, verr 
.änderten Tite} d^s bisherigen Jahrbuchs herausgeben wollte« 
Unerwartet erhob der La/uiwirtHtchaftliche yerein gegen seinen 
neuen Cullegen Schwierigkeiten, welche am Ende die Folge 
hatten, dafs da$ Jahrbuch nun wieder als eines Einzelnen Pri^ 
Tatsache erscheint. 

Ungeachtet eine genaue Qrenzl/nie zwischen beiden Ver* 
einen gezogen werden sollte , und eigentlich schon durch dei^ 
Zweck beider Vereine gebogen war,* nach welchem das , was 
für den einen Mittel wird, für- den andern Zweck ist/ sp 
verlangte doch der Jtiandw. Verein j dafs der V. f. V.' auf Er- 
^ forsohüng des natürlichen Zustandes oder auf die Naturge« 
schichte des Landes ganz verzichten müfste, mit der Behaup^ 
timg, dafs nur er allein das Recht habe sich damit' zu befa<« 
sejjf "Auf die Vorstellung, 4^^^ der V, f, Vi im Grunde nur 
eine Erweiterung des Statist. Topogtapb. Bureau sey, und 
dieses die Bestimniui^g habe, eine vollständige Topographie det 
' Landes zu liefern, da-bei aber doch die Naturgeschichte nicht 
eutbel^i^t werden- könne, wurde nicht eingegangen, obgleich 
die Vj^raicherung damit verbunden wurde, dafs man dein Li. V, 
aufweine Weise in seinem Wirkungskreise in den Weg tre. 
ten, vielmehr ihm j^^de Mittheiluhg zugehen lassen wolle^ 
die fftr ihn einen Werth habe/ Der Verein beharrte auf sei« 
nem Monopol umlso mehr, als, nach seiner Ej:i^lärung, da$ 
von ihm ausgehende Cqrrespondenzblatt unter der neuen Zeitschrift 
leiden könnte. LJa^ nun so viel als möglich nachi^u^ehen, eint-^ 
schlofs sich 4er V. f. V» die Herausgabe einer' eigenen Zeit» 
Schrift zu unterlassen. Inzwischen sind die Unterbandlun« 
gen noc^ nicht geendigt , wenn gleich man auch durch' ein 
treffliches Gutachten von Staatsrath ^ielmeyer » dessen Sach-» 



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234 MenuQiogexs Jahrbücher f^ Wfitttinb« Vaterlandsfauid« 

kenntniftse so sehr wie seine Denkart sich über das Be- 
schränkte erheben, alle Hindernisse gehoben zu sehen um so 
gewisser hoEen konnte^ da Er selbst auch von dem Landw. 
Verein Mitglied ist. / 

', Da's jetzt gelieferte Heft der W. Vßterlandskunde giebt 
zuerst hoffnungsreiche Notizen über die ihrem Zweck zu Ge- 
bote stehende Mittel. Schon längst förderte denselben vor- 
nehmlich der durch eine Stufenfolge von Local - und Special- 
kenntnissen gebildete Finanzminister, von fVehkerlinj nach 
der entsprechenden Einsteht, wieviel ^^m richtigen Staats- 
kostensystem, an dem richtigsten Detail von den Krähen und 
den Bedürfnissen des Landes gelegen sey. Daher wurde zu- 
förderst das statistisch- topograph^ Bureau aufgestellt u. durch 
sicbere amtliche Mittheilungen unterstützt. Wie viel an- 
ders, als ein^t, wo selbst der Professor der Statistick zu Tü- 
bingen, was er über die Patria aufbringen konnte, wie ein6 
Art von Familienschatz zu betrachten Ursache hatte, Moser 
aber und selbst noch Spittler fast wie Vaterlanasverräther be- 
wacht wurden , wenn sie etwas Einheimisches, worüber viele 
2U1 denken nöthig gehabt hätten, enthüllten. Wurde doch 
X« B. Spittler s Abb. über dL^s Würtemberg, Privilegium de non» 
appellando selbst zu Göttingen im Abdruck unterbrochen. 

Aus d^m Statist. Büreati entstund der umfassendere f^iffrtfi» 
für Vaieria-ndskunde. Bearbeitet wird' ein neues Kataster ^ das 
auf jeden Fall es möglich machen soll ^ die Steuern auf Ge- 
bäude, Gewerbe und Grundeigentum schon im Etatsjahr 
1822 — 23 nicht mehr blos provisorisch umzulegen, das aber 
zu beurtheilen Rec. sich nicht Vorkeniitnis^e genug zutraut 
und der Specialnotizen entbehrt. Damit s^eht eine genaue 
Landesvermessung, deren Mittel hier beschrieben sind, in Ver- 
bindung. Hülfe leistet für mehreres eine lithographische An- 
stalt, welche nach einem wohlthätigen Beschltifs' des Königs 
«auch Zöglinge bildet. Von den topographischen Charten ^ wel- 
che das Ganze darstellen werden , ist das Oberamt Reutlingen 
als Probversuch bearbeitet. 

Nach der Chronjfi des Jahrb. stund des Königreichs J^evhlke' 
rung den 1. Nov. 1821 fi)uf 1,445,3^9 Personen, wovon 703,532 
männlich, 740,633 weiblich, 989,040 protestantisch, 445,759 
kathol., 475 nichtkirchliche Christen , 8,892 Juden. Neben 
1,442,42g Bürgerlichen sind ^ — :• 1,736 Adeliclre. Ackerbauern 
und Weingärtner sind 101,575 GeWerbsleute 108,496, Tag- 
löhner 4l,9l3. Vom Vermögen lebende nur 8i793, im Allmo- 
sen lebende aber 22,818. Die Zahl der Jiogen. Bediensteten er- 
scheint grofs -— :• 53,849. Aber darunter wird auch jeder 



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W«lkgfidiMhte iiD AniiKVgt als Statncnrurbiull.' 235 

Commundi^r Ms sum FeldtdiÜtzen herab geaftUt ; eb^nifo sind* 

die l^,o3d in Militärdiensten stehende mitgerechnet. AUc^;* 
dings; denn sie sind stmtntlich durch die Verfassung nicht 
mehr Miethlinge ^ sondern durch Sold fih: die Pflicht der Va- 
terlandsvertheidigung erhaltene Mitbürger. Das Summarische' 
dieser Bsvölkßrungslistßn wif^ hier bis S. 175. legitimirt durch 
die Special - Verseichnisse nach Greisen ^ Oherämtern und den 
einzelnen Wohnorten. Weiter folgen Aufbewahrungen der 
Lebensmittelpreise, der Witterungakunde , Beschreibung der 
Eisenwerke, eine Tabelle von Hdhenmessungen, Beobach- 
tui^gen über die Temperatur in Hdhen und Thälern. Die Pro«» 
fessoreh v. Bohneherger und Schlibler wirken als accurate Mitar- 
beiter, Topograph, und althistor. Notizen über die Jchaim 
und deren ehemaL Grafen giebt S. '225 — 235, Vgl. eine kleine 
Schrift von 1790. „Arhalm i^nd Metzingen*« von Wekherlin 
(dem jetzigen Finanzminister). Was man zu Heidelberg 
Mayfische netmtj kam sonst nicht *übw die Wehre bei Heil- 
bronn. Jetzt hat dieser Rheinhäring , Qlupea alosa Linn. nach 
S. 224. seinen Zug (wie überall die lebendige Welt nach un- 
beschränkterem Verkehr strebt) im Neckar weiter hinaufge- 
funden. Möchte doch auch die teut&che Schiffahrt von Heil^ 
bronn an bis in den^Rijuein und bis in die Nordsee hinaas 
bald, eben so ihren freien Zug finden können. 

H. E. G. Paulus. 



TVelt geschickte in einem gedrängten Auszuge für die Jugßnd. und 
ihre Lehrer, auch solche y welche sich selbst unterrichten wol-» 
len^ Dritte j bis zum Jahr 1822 fortgesetzte Ausgabe^ (^Aus 
dem Elementarbuch für den Unterricht der Jugend und den 
nothwendigsten ^Wissenschaften -'— besonders abgedruckt) Zeitz 
h. PVebeL 478 «9. in 8. ^ , l Thlr. i2 Gr. 

Eine solche Schrift, welche bis zur dritten Auflage ge- 
kommen ist, hat sich schon ein gewisses Publicum gefunden. 
£ine neue Kritik ist deswegen darauf nicht so ganz an wen d* 
bar. Die ältere Geschichte, behandelt der Ver£ viel kürze». 
Alles vor Julius Cäsar geht hur bis S. 100. Behauptungen, wie 
S. 6 , dafs die Aegyptier zu einer Zeit, welcjie über unsere 
Zeitrechnung weit hinausgeht f bereits den Thierkreis kannten, 



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93<6 Weltg«soliiditd Im Aufragt ali ^ettitatatbiMl». 

oiet dafa dia hebrfiisdien' Namen ^tUm uni Eoa in unserer 
Sprache Mann uni f^eib besseichnen etc* sallten vermiede^ 
sejn. Da der Vetf. bei Hauptbegeben^ieitea ausfahrlicher zu 
s^eyn sich varb&bält, «o wundern wir uns, wie er S. llö. l32, 
über Urüprutig^ und Fortbildung des Christentums seilte allzu 
wenige r Andeutungen für genügent^alten konnte. Auch Mu- 
bainmed ist $. li^. als ein ehigeiziger Flanoiacher ^ar liicht 
richtig QharaJkterisirt. Ein solcher wartet nicht bis ins tiefe 
Mannsalter lu Nicht einmal, dafs er mWa Handelsreisen ge^» 
macht habe,, vi^eifs die Geschichte«^ In einer Schrift zum' tjn» 
terricht is^^ aufser der leichteren Veripeidung aller ünrichtigi^ 
keijtei}, die Auswahl der Gegenstände, welche belehrend und 
anziehend werden saljen, und das Erhebende,' Kräi'tige der 
Datstellung das hauptsächlichste Erfordernifs. Der Ausdruck 
nun ist zwar meist klar und fafslich. Aber im Ganzen könnte 
ihm leicht mehr Würde und Gediegenheit gegeben werden. 
Bücher für die Jugend bedtfrfen vornehunlich, dafs sie in der 
Anordnung und Darstellung musterhaft sind. Materialien fin- 
den sich überall. Aber eine logikalisch und ästhetisch edle 
I^orm, dem jungen Gemüth oder dem bildsamen Leser über- 
haupt vorgehalten , veredelt wundersam, 
^ ♦ Die neueren Zeitereignisse folgen von S^ßß bis 474. 
Sie verdienen aller-diogs den meisten R^um. Denn die meh- 
reren sollen nicht im speciellen Altertum, desto kundiger aber 
in ihrer Zeit und ii> den Ursachen der Bildung ihrer .Mitwelt 
)ehen. Um so sorgfältigere Bearbeitung fordert dieses Wich- 
tigste. Nicht nur die Sachen müssen richtig und bedachtsam 
gewählt seyn, sopdern auch der Ausdruck. Wie konnte der 
Verf. S, 437, seiner Feder die vernachlässigte Stelle entfallen 
lassen; „LouveU Dolch traf das Pferz des IJerzogs so wohK 
dafs er schon am.folgenden Tage verschied. ^,Be^onders was 
über die Entstehung teutscher Verfassungen S, 445. ff. gesagt 
ist, sollte weniger durch Worte,' als durch die Thatsacheri, 
das ist, durch den Inhalt der Hauptgrundsätze an.schaullch ge- 
macht seyn. Um so gewisser f^lft alsdann gelbst der Schein 
von Leidenschaftlichkeit oder Amnafsuug im Ijobeii und Ta- 
deln weg. Zur Probe von der Behandlung" des Vetfs, mag 
eins einzige Stelle ^hinreichen S. 44^»? 

„In dem grofsen Preufsischen Staate war von jeher Frejt 
sinnigkeit an der Tagesordnung; durch sie erhieh derselbe 
das Üebergewicht über Staaten, die ihm in physischer Hin- 
sicht überlegen waren , und sein freisinniger Kdnig fühlte es, 
dafs auch in Zukunft seine Stärke davoii abhängen werde. 
Freiifsen hatte zu Ende des Jahres 1818 die gegründetste 



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Wffhgeieludiite im AtlMUg, ilt ülWratmrüruch^ ^ >237 

Aussicht der trefflicfasten Verfassung, Nach kutt ciarauf er« 
schienenem Outachten der Immediafe • Justisscommiasion duxf« 
ten die. VdJker dieses Staates^ «446. jf.iiatisFerfasf mig der Ge-» 
schwor.n^n erwartißn. Die Quelle der Zweifel über die Heil« 
$amkeit des Reprä^entativsjsteiii/y .eulsprungeit. litis Uiotrie«« 
beb gewisser Far.th^iei}, welche di^.)»et^gli.che Zwischen st el« 
lung ;&Wischen König und Vplk^ zwar zu beider Nacbtbeil^ 
aber zu ihrem Yoitheile , %u verlieren fCtrcl^te^e^ i fing leider 
reichlicher zu quellen an; denn die gedachte Farthei benutzte 
den Wahixßjnn ,ei^ig er Schwärmer , übers^s^nnter Jünglinge 
und Kinder, -^. um wohlwollende Fürsten für ihre* persfSnli^ 
che Sicherheit . besorgt zu inficheilf und so der £u|en Sache 
manch* Hl ndernils iip, Weg zm jfttellen» Doch diesß Furcht wird 
versieffen; denn 4ttrcÄ dsn heitigep. Bi^ itd .reicheii /ifi^^ dif^Monar;» 
eben aller christlichen Confessioi»en d^e Bruderbf^^d , .mfi4 yp\^ 
1er friede und freundschaftlicher Wechseldienste w«'deit si^ 
sich auf einen Grund befestigen y den die alte Diplan^atil^ der 
^ahinetter , a^m .Verderben der'Völher, oft zu verhöhne« ge» 
wagt hat.'* Sq der Verfasser. Bei Johannes Malier \f$^ wi|f 
iip XilV. Bujch.S* 606. über dieÄe drei . MonarchieenS „Allee 
beruht auf. deopi Ceist ; nicht die Masse giebt . Kraft ^ Diese 
kann durch StoXse fallen , und erscheint — wenn der Geist^ ' 
der. einst sie hob ,. wieder sie Jjelebt — glänzender' nach Un* 
fällei^ , Ünd.S. 53 t. : „Das seh^ wir, daf^ Glück undMacbt^ 
bei Staaten und Partii^ularen das Werk festen (gerechtenr) 
Willens., grofser (zweckmäfs^ger) 'Thätigkeit .und (vojn^hm- 
lieh), richtigen Ür.theils sind| wo hingegen Scbyäche^ Furcht* 
sainkeit und ja^les . jW,as .die Entwicklupg inWolmender Whig* 
keiten bindert, .Staaten und finzel^estürtzt^ Erf;Ül|e die ton 
dem Schicksal dir angewiesene Sfellej hierin, scheine dir 
nichts zu hpch^ nichts zu gering* Dadurch ^werden. Kdnige 
eroft} dadurch erwirbt der Mann von Geist eigene Lorbeern; 
«adurch erhebt der. Hausvater' seine Familie über Bedürfnisse 
und Abhängigkeit von Andern.'« ,. y 

A t.,0. Pätäuu 



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^58 SdiuU Selbststtafligkek und Abiiängigk«in 



SM^seändigksit und Abhängigkeit oder Phüosäpkie und TheotägiB 

* . ht ihrem gegenieitigsm y^rhäitrnsse hoträckttt,' ^in hUtorÜch 

■kritischift Versuch \o'n 'Df, Prtedr. '^dadtd Schulz ^ aujier^ 

ördeml« Jh-afessOr dn der' Ludioigs^lMiversität ^iu Giesseh). 

GiW^» iöis» hei O. F.' Heyer. 147 S. in 8* 4^ Kr. 

Der kenritnifsreich* VerfasHer dicset kleitiiitSchWft, Jör, 
so' viel Rfec. weifs^, hier ztim erstelnidal !als Sdirif^teller auf* 
tritt> aieftzte sicKlaut' seihet eigenen ErklStüng' die Aufgäbe, 
JiactlÄÜwfeiiieh , daß da* gegenseitige VerhSltnils der PhiToso- 
Jihie' liiid Theologie nur dann rfchtig «rföfst werde f wenn 
man den 8ti*eifgen Gegens=äti atferkehne, ' def ^Wiscli^ beiden 
Wi^ssienscbaft^h statt lihdet; Dieser Gegerfsa^fz aber' sey der 
läeif S^'elb^tständi^keii und dfer Mhängigkek^ 'und damit sey auch 
für den, tfer' dieses 'zugiebt*, bereits das VerhältniB beider 
Wissens'chdfteii ziu einander aiisgjjsprochen.' ' V ' .' 

'Da^ Buch zcrfMllt daher inMi'ei Abschni^tö;' ' Ihi'efrsteri un j 
stSiikiiten untersucht' der Vetf. den Begtiff uiid*' di4 Probleme 
der fhflosophie bei Aken und Neuen äiif demfTiistOTrsch-kH- 
tischen -Wege. Er glaubt vier' Prpbfertie iiAter^schöiden zu 
können, Vdn denen er geschlchtlich'ihit vielem' Belesienheit er- 
•Weiset; däfsj »ie von jeher VOh dfen.Pbilbsfliülifeh''aIs diejeni- 
gen anerkainht wufdeh ,* deren 'IJösung die Pniiosojiihie versu- 
che. Dies«, Pf bbleme sihtf d6m' Verf. ziifolg^ Ti daö Problem 
des fiemdert Ifeseyns oderr.der Aussenwelt^ der \NatuT im en- 
gern Sinri^;; 11. das Pröblim des eigenen ;!Da$eyns /odör des 
Ichs; JH.. das ^Problem de^'Abspluten od6r dps If rkf üiides des 
JFremdeh'SVie des eigenen Da^eyiis; IV. das Prdfclem der Rea- 
lität der mertschl. Erkerintnifs. Da nicht Veläognet werden 
itann, dafs diese '4 Hauptputiite' vp'irklidh dü^eiiigeri sind, über 
Svelcbe di^ Philosophie Äu'Äkuttft- er theilensoH, \ixi^ auch' viel- 
fSltig Änwort gegeben hat, ig o folgert der Verfi, mit Recht, 
dafs in den Kreis dieser Wissenschaft Alles hin^iufällt, was 
Gegenstand des Denkens und Forschens fdr den mehschl. Geist 
seyn kann.' Diese -Probleme liegen denn auch mehr .oder min- 
der deutlich Jen verschiedenen Definitionen , die der Verf. 
anführt;, so wie den verschiedenen Eintheilungen dieser Wis- 
senschaft zum Grunde. 

Im zweiten Abschnitte untersucht Hr. Dr. Schulz eben- 
falls auf dem historischen Wege das Wesen und die Entste- 
hung der christlichen Theologie mit Scharfsinn, Geschichts- 
und Bibelkenntnifs ; er setzt wie billig ihren Begriff dabin 
fest \ dafs sie sey eine Wissenschaft der ächten durch keine 



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SehttU S(flbststk*kid2gk«lt und AbhSiIgf^keiü 239 

fremdartig«« Zusätze und Abänderungen entstellten Lehre^ 
Jesu ^ ' eine doctrinä ex yerhp Dei exstrut^ta, (nach Qitenstedt) 
oder eiike /ei^ntia rerum dhinarunif ,yrout ex scrfptura Sacra nöbis 
constantf (nach Buddeus) er. behauptet mit Planck f sie gehöre 
in den Kreis der historischen Wissenschaften j denn ihr Haupt« 
geschäft soll . blds darin bestehen, uns mit d^r ächten Reli« 
gidnslehre Jes'u gehör jg und vollständig , und zwar als mit ei« 
ner göttlichen oder geoffenbarten Lehre bekannt zu machen. 
Jedoch verwahrt sich der Verfk ausdrücklich davor, als wolle 
er allen Vernunftgebrauch von der christlichen Theologie aus- 
geschlossen wissen, und erklärt, dafs sie es sich zum Haupi" 
geschäft mäiMen müsse, d«n chrlstl. Glauben -vtir der Vernunft 
zu rechtfertigen und du rch di e Vernunft zu^begröndÄi innerhalb 
der yo-m Ghristenthum gesetztfen Schranken S. 12Ö. ' Welche» 
sind di«8e Schränken? Im drittth Abschnitt ehdlichi,ttber das' 

Segensekige VerhSltniis der Philosophie und Theolc^'ie« wer- 
en rititi beide Wissenschaf^eti neben «einander gestallt. Es 
wird , wiewohl sehr unvollständig, gezeigt^ dal's sie einer- 
lei Probleme haben, mit Ausnahme des oben angegebe- 
nem IV« ,: wurlches der Philosophie- eigen sey, dafs aber beide 
Wissenschaften ihre Aufgaben auf verschiedene Weise "lösen, 
die Philosopl^iie nftmlich aelbst ständig 9 und auf keine Autorin» 
tat Rücksicht nehmend'9 die Theologie hingegen, so, r<wie 
jChristua gelehrt habe , der ^ich dabei- auf göttliche Offenba- 
rung beruft. Die Untersuchung über die Aecbttieit der Of- 
fenbarutig gebühre den Theologen ; diese Untersuchung |cÖnnb 
nur entweder gelingen oder mijslihgen. Gelinge- sie^ so sey die 
näehate und natürlichste Folge sicherlich keine andere, als die 
Anerkennung des Vorranges der göttlichen ^isseA&chdXt vor 
der rn^nsehlichen; gelinge sie nicht^ so habe Philosophie uhd 
ihre Erkenntn ifs quelle , Vernunft, den Vorrang,' und die 
Theologie werde sich in dieNothwendigkeit versetzt sehen, den 
Grnnd der Annehmbarkeit ihrer Lehren allein 4n deren Ue« 
bereinstimmung , mit den Resultaten der freien Vernunftfor- 
schung oder der Philosophie zu suchen^ Welcher von bei- 
den Fällen, der des Gelingens oder der des 'MiJfsKngens} nun 
wirklich eingetreten a^ ^— diese Frage will Hr. Dr. Schulz 
nach S, 142. nicht entscheiden, und wir können nicht anders 
als diese seine Bescheidenheit billigen , obgleich hierdurch 
seine Schrift des Endresultates entbehrt. So weit der Ver- 
fasser. Der unterzeichnete Rfecensent möchte aber auch noch 
wissen, wer, ob die Theologie oder die Philosophie, entschei- 
den soll, ob Jen« Untersuchung gelungen oder mifslungen 
sey 1 wer soll • den Begriff' der Offenbarung bestimmen , wer ^ 



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£40'' Krieg wtu Hochfelden, Oesohi<sUt« cl^s SpaOi |Criege8« 

festaetzei^. wie man sich Offenbarung f wi€^ man ^ich ii)er* 
haupt die Gottheit zu denken hal)e? wer soll die Mert^malel 
einer ächten Offenbarung y einer ächten Philosophie ^ an-« 
lieben ? • 



Ö^SiUchliickk Barsuilaug tümmtluiker itgeber^iAten und Kriegsnor^ 
.\ JälU der Grofsh» Badisehen Truppen in Spaniisn uon •tSOS bis- 
X8i8 in Verbindung d^t allgetnisinen bedeutenden Ereignisse der 
rheinischeA Bundisdivision .vi der FraHzi GesoHiHt -> ;drmelß be^ 
arbeitet von TV. Krieg vpri Hoch/ el den Ui s.Wi^mit ec-* 
hem Tkelknpfer iutd ftnfir JfjLoHe neii Spameni Freib^g, XVt 
und 2%4 S. Si , ; t FIp 4S Kn 

.t)iä Oe^tz(^ undüres lnstitut«is erlauben ünsijofs äin4 
Anzeige diesbs Werkchens ^ welche virir indefs unsern Lesertl 
nicht vorenthalten woljen ^ überzeugt ^ dals' d^r ytelen übef 
diesen denkwürdigen Feldzug erschienenen Schrifteii tinge^ 
•achtet dasselbe mit grofsem Iiiiieres^e gelesen werden wird: 
in der 'Hauptsache erzählt der Herr Verfasser die Begeben«* 
belten^ welche er Selbst erlebt oder dus^ genaüeh Nachrichten 
kennengelernt bat 4 einfach und ungekünstelt, abdr no l^ben* 
dig^ dais oian sich lebhaft in die einzelnen Kriegssceneh ter; 
4etzt fühlt. Man lernt hierauf namentlich in Beziehung auf 
.die neiiesteil £reignisse^d$;>n ^eigentlichen Charakter der spanii« 
.sehen Soldaten kenn^n^^ und begreift leicht, wie durch gegen- 
seitige Grausamkeiten die Erbitterung allmählig So gesteigert 
.wurde ^ dafs^ Zuletzt die ismpörendsten Gräuelscenen an det 
.Tagesordnung waren , von denen z^ur damaligen Zett nur we* 
nigev^. wegen ihrer Unnatürlicfakeit oft nicht einmal geglaubte^ 
Nachrichten ins Publicum kämen; Di'e.beigefagte Charte von 
Spanien giebt ein Mittel an die Han4 i den Operationen der 
erwähnte» Corps au. folgen^ 



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N. 16. • 1824 

Heidelberger 

Jahrbücher der Literatur. 



1. AfAang M Cw ^. A Sum0h Bm^lmehe der Mhmkbuuhfn 

GaickUhte vom Hr*. Q» A. H. $.t9n%al^ Projesior der Qäm 

sMehia mm .^r^ Utdvsrskät m Breikm. Leipzig i8a4., M 

- BmrA. , ' . 6im 

2. Erimufnukgm .t«l BemiheUwng a^ Bertog Mguti ChrisHmn 

Friadrhh VMt 'Jmhak '^ Köthen ,. vvaniafit dfurch dmi van Herrm 
g Frafessor SHmei Urrnfgegekene H^n^brnh der Jbüudtimtdkm 
GetMektep tutt$t m^ e^m. Z^rkH 2821». 

3» Jweh EtW0S Uher . Me JuiMtimseke . OeeMehte tmr PrBfimg und 
BmrtheUmng der Xhviehigkeken itnd Verunglimpfengen' in. des 
Berm . Pro/eisot. Stemteh Hmndbaeh dies^ Gesehkhke von J« 
C* Mann^ Präeidenten hei dem .Here» Anhtdt^ und FumL 
Sehwarzhmrgisehe» Geeetmm - OberappMiaomgerieJu edlhier^ 
Zerbii IHU • • [ 

.; .f. • ■'..■. •^•/ 

4, Jndie Leser des Stendelsehen PUenJOnu^ der jinkaÜ&ehen Ga^ 
schickte von L* Basedow, BentogL Ankaliiseheri Begiermnge^ 
raike» Dessau't4M. . 

Der unteraeichnete Terf. dieser Anseiee (welcher gele« 
gentlich bittetj ihm keinen Antheü an andern als den mit 
seinem Namen unterzeichneten Recensioiien zuzuschreibend 
glaubt sich durch mehrere Gründe recfatferticen zu können^ 
wenn er eine fQr das grdlsere Publicum nicnt sehr interes* 
sante Streitigkeit hier berührt* Er weifs recbt gut^ dafs eiii 
solcher Streit ein Sturm im Bierglase ist , der ausgetobt hat« 
wenn der Trinkende den Athem an sich hält, es ist aber hier 
die Nebensache wichtiger als die Hauptsache, welch« den 
Anlals gab. ^rstlicb war es Rely der des Herrn Stenzels öem 
schichte in diesen Blättern ehemals anzeigte 9 und wie Herr 
Stenzel No^ 1- S. lo4. «ehr richtig anführt, ihm eben darüber 
Beticenz vorwarf, worüber ihiA hier Übelwollender. Tadel 

XVII. Jahrgi a. HflL 16 



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Ai;lialtinische Geifchiclite, 






f' • • . 

vorgeworfen wird ; zweitens »mvifs er bei die#er Gelegenheit 
klagen igid zwat aBs.'^^rbfeisöt fter desclbiühtfe^ bitterlich kla* 
gen {tou d$Xto\) — 73 vtai övgav^ yiana) dafs es ganz unmöglich 
seinnftijs^d^l^dlie ä^8cht«ht« ^in DevtschtUn^ 'zu^s^feKHi!. 
WeiiA MÄifcch,' ^cH^igt ÄVicT/hieri^diPP^ii^teti; ll«^<triÄ^ 
gen, Minister auch einwilligen, dafs man über die yorige 
ZeTt 's el HlTTWrein ufig^^ ^' raäm*^ ~Öle:35'^täir" AöBierer ^Xeiten 
der nachfolgenden Warnung werden, so leiden dies, wie Au« 
genslch'ein lehrt, doch die Präsidenten, Regierungsräthe, Fi- 
n^n&rdtlMH^f firrer,' B^^flß^hälBeyi 'änd^'^hi^ Bfekiern ni«Üt^ unj^ 
det* arme ^Historik^i^ liiisigsivh nur fiti^ ihk*^ T«8pe6ti«'env)Waf- 
ieh , i V^tm den ; furchtbaren 4rer Bu€h9taben<de»' 'Presidenten, 
deh'V.R. W, , bis zur Mistgabel des Bauern, isollti/eßnach 
Zerbst oder nach Hoflilau kommen , tüchtig in Acht nahmen. 
u.:.\rJ^T Verf^dleser^-Animge-bat dber^uTsir dem «>n«^ani! 
»pecielkn Oruäid-,' in-idie^eP^Saehe Äu-"dp#»feben'^ dti l^inielbst 
BiA/5t0bfci\^ii'öin(li»'A«hkltitt^r»ist^^*^U!wi Viele von xkti'^egen 
Herrn Stenzel von detti H^f^th^P-^sidellt^MfiBin ^verfcbeWigte 
Anhaltina aus eigener Erfahrung kennt, weil seine Jugend 
Wfti jjiw^uich Fri'3<Mx:h'AtiguBli uiiSthttMi reii- 

ctieP'Bi>'£rfahrtingBn wai-d^' als sonsr^ebzelkii 3m Strande der 
linwrrtbbaTön Nordsee in <ier Mitte un^tgrÜndUiphen ßchliinims 
4es Ät tbn-'MärschlaHTteV V erleb te Jahre •= Wölken •. g^W'ese^ 
.s , ,j)a »i'bh die Sehrtfr^^r^l. le^igiidh a^lt* di«- droUaftdern 
bezieht, so mufs, von diesen WQhl zuerst gertedetuw^arden. 
Ref. bemerkt daher hier zunächst, dafs No. 2. eigentlich dem 
TrDjaitlsibejA Pferde ^^cb'i^ecftli oben 'And^Jik^s^ gleicht, \ denn 
sie. »eblje&t in ihreihv ^enn gleich nicht sehn dicken, Bauche, 
docl^l zwei geharrnischte Pfarrer ein , d^isu einige streitbare 
Schulzen, [Bauern und einen Finainzrath. Der I^etzte scheint 
von der, Gesellschaft jder Feinste 2^ seynj denn er schrieb 
nicht gegien Herrn 'S^enjveT,j, die Ändern ^|hd sich an Grob- 
heit ' uiid ^ Mangel' ' ah! JFähigkei^ , sich gut und sprachrichtig 

^auszudrücken , völlig 'gleich. Von dem Streit selbst glaubt 
Aef.* am besten einen Begriff zu geben',, wenn er des Alten 
qui'iene dUtinguit hene ^iocet eingederik Bleibt.. Er uriterkchei- 
det; eiiieii dreifachen Kämpf mit Herrn Stenzel, den Einen 
'über die Anhaltini&cbe Geschichte überhaupt,'.' den andern 
über gewisse neuere Begebenheiten, den Dritten — -i-'über 
gaT Nichts. Den ersten. Kampf be»tebt der Herr Präsident 

. als künftiger Geschichtsclirciber Anhalts ganz allein , der An- 
dere ist ihm niit der 'sehr gemischien Gesellschaft in No. 2. 
gemeinschaftlich, |und der Dritte dem Herrn Basedow persön- 
lich.' Der Letztere scheint selbst geftthlt zu haben, dafs er besser 

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Aalu^tinüehe Gesohiehte. ^'3 

gescl^wiegen hätte, er sffgt jd^fMifliHIck^icby dafs Mos *dtt Atc^ 
iorderung. dM Pi4lsidim(t^ii ibn> b«<vi^g««i hab^ , 6^9 VVbi^< sa 
nehtnenv unU Btt£. hat ebdiifellfl^-ttii- viei Defetenz fiXt Rang und 
Titelordniinjr sf^jadideri^arau^fi^i^rs^ndenf £hrerbie):Lirt'gy ala dafs 
er iie». milüaniHigett 4oMtd» • ! •^'!' ^. '• « •• ••• 

Was iiu-n die Oi*6cliiGhte Anhak« im ÄUgeiheifidn 'angeht, 
«d -^iU HfirxtMaiinioiii^»« O^Ycfa^thto' mit Urkhhden und ge- 
lehrtet iJliteraachuiigdn harauagab^n , - tras serhr - wttnschens« 
und'lobenflMrairlih M«. 'denn* er "behkiptet daran vierzig Jahr 
seftammelt zu haben/ Wie k»iiik> aber doch der' H^rr Präsi« 
3ent den'Heirn^Sten^e},' der va Nd. Lu «ehi* b^scfhei^en von 
aetne^ Arbeit appich^i titid noch beaeheiden^ g^g®^ Ref.* unter 
-vier Augeddardii iprich', der «la junger Mann"<lu¥cii einen 
Buchhändler' belogen wurde, -eift Süchlein zum allgiemeinen 
^ausgebraücl^ über d) eis^: Geadhithbe zu' schreiben , ' wie kanb 
ihtt, lragon»iiH¥,^4»ifc Urkun^iei^') ^i/eUeii, Forschungen und 
ricbteirMchep- Gravität' gepan«5erc.'der- Fräftideht ao* ftircbtbar 
biisehnarren? Döc^nun fragen virfr ibtii^rillfg, ^itid'fanto dignum 
ferethie ftrömiistöf Aiätü^ ' VoH' Seite 8»-^l6. von ';NiiF. Si« fljtiden 
wir ni4r DYn^e'erWähftt,, djie j^ei^ '9tenzel hsttid üttterauchen 
iBüs^to; wefti^*ik^hitie diplottiatiaeh«i»gen^al6gt«<ih«^thronoIb« 
^scheDedu^iliA'hStceilfehreib^Ti' wollet!^ für aein^hlFlaii abdr 
•waren dieSicbleili «beW ^& uh^efletftehd, 'ala sie Herrtl^ Manh 
wiöhtig acheifnenl' lieare Nateett^'^ V^rwattdschafteit, -Tddi- 
ter und Krauehiund^dereft Oentfiiö^i^^l wbt'9^tlk "dreie inei- 
nem Buche, fvie^daa^ Haridbuch4'St?DlEira ttkai^ sich'tfber "AW 
dergleichen Ding^ d^Abutfedämfb eitlem lyö^nWeilTa^ am be- 
sten, wie elseigehtlicb gewesefA ist,«« ahweisÄrt« WCW^dei'JÄct« 
tig' streiten Aanft-, fet^wäifs^ HeiV-^tr^el ih -Ko^/i;;^' wo er 
sich Seite 70 ^Vf^^Huf vier' «l^g^lf^Seilte^ weidlich inft dein 
Präsidenten: datjaber bfifrumb^fst, Vb SM^f kgraf : Alb^ei!ih1f9 • Ge^ 
mahlin aus deih' Hause der ötawn '^(M Rieiiefck'i^fefff oder 
nicht war?' Nöstfunt ridn 'est tiintä» cofnponi^if ^^f^»^. Erben aa We- 
nig wollten' wir= uns in denMSti^eit -über ^»die Geihahlih Her- 
zog Beri^hard^^ VOb ßachseft taierigett. ' Wichtiger iat, wäa 
Seite 1 6 ^>pi §.' Ä, erinnert vWrd \ und über d^s , waa dort 
bemerkt laiV'^ß^'^deii uns die Forschungen und Docuniieiite des 
Herrn^MöÄn'aehr ^Villkominfen' steyn, lind wirfreueii üris, dafa 
auch Herr StJen* et dieses anerkennt/ Dasselbe gilt vönt' Seite 
19 —29. V ^ Her^ Mann aiideutef. •w'äi er in den bisher b4* 
kannt^ Geichtehtert Verbessern i?rtn. ^ So dänfeenaw'efth diea 
ist, so kanh inäiJddcb HerrÄ;St*hfc^l4eiheri^orWu(rf diarüber 
mächen, daft 'tör Aütöritäefe^'g^fölgl: istf diitf wii* lall fe' bisher 
anerkannten und anerkennen | bis Ilerr Mann una eines Bea« 

' . . ^. . . Digitized by VjOOQ IC 



*ern bd^hTien.wirdf tJehsx da» Zunfewesen hat der Präsi» 
d«n;ti ,9l]erdi.ng8 den F<rofesftor belehrt y nur. -mt^seti. ihm leidet; 
Qerr Stenzel IJehereiluiigeii pach^ d|e fücein^ Juristen und 
dessen vierzigjährige Arbelt ^ besonders am grünen Holze in 
Rücksicht des dürren , nicht die besten Aspecten geben. Das 
wäre nun aber auch Alles , ^as der Herr JPräsident vorbrin- 

fm.lL^nn» : Du lieber Gxjtti war das sokheh Lärmensr upi 
eterges^hreies werth ? . A-ch nein ^ es ^alt eigentlich einer 
gahz ander^ Sache^ in dßr neu^esten Gestsbißhte machen all^ 
djeXeute Chorus, sie woUeii weifs bjennen,-: was ewig 
Achwarz ist und bleibe ^ sie i^achen es durxh ihr tolles Ge- 
lärm nur ncH^h schwärzer, und wühlen in Gt>l|b^rnt die si^ h^s^ 
seriindurchwühlt hätten ruhen lassen. Auch hier hat der Präsi- 
dent noch einen besondern Straufs mit.Hrn. Stj^n^el^ er mall auch 
Friedrich August von Zerbst u; dessen Friseur uvöeheimerath^s^ 
CoUegium^i diffamirten AndenJpens^ in Scb^tz^ n^bnieh ,. . die. An« 
dem nu:^ d*$^ Ietzt<en, pd?r .wenn man will» .ers^tenHerj^og voh 
\K0then. . Wir trennen dahet billig auch iies^: Sache von der 
eesat|iin;te% ai^tiicjcen abear eine allgemeine B^me^rkung vpraus, 
Wii; l^teii d#£^r, dafs so lange Reg^ent.unA Regierung iden- 
tisch ^si^.ji^des Ürtheil über noßh lebende Re|(^nl)enU{ad ihre 
£landlMngen} unvorsichtig und fast niejnütj^Uch seyn. kann, 
f Wjeil maiii das oMifnschUche He^i^ niqht ken^|M|n inüC» te » um, 
biöchst seltene Natqren a/usgen^mmen^ Vorth^ile davon. zu er* 
^ warben tr ^ji^ Gestorbenen gehdj;iei^. aber: der Geschichte an. 
Wir-sind dabei:, der JVIeinung^ daTsr, nur 'ein unverständiger 
Mann lebende, Regenten dffemtliich tadeln , ^ur eiu scblecl^ter 
Bürger sie. schmähep können dals aber auf der andern Seite je- 
der fWelcher^durchj Denkmale,- Zeitungsartikel >: Ausposau- 
nen nnbede^tendex H^dlungj^n 9 Jaiutes^UPid.ainverständigi^s 
/Liob u. S WW ihrer Notiz ^i^h^^u^drängen oder dadurch Vartheiie 
erschnappen will) da(s er .die Regierungen über ihre Pflichten 
täuscht , w wie j^der w^lcb^er die. Geschichte der verstorbenen 
Fürsten verfälschen 9 tfsrtuscbenj verstecken will», um so nie- 
^d^rtfäcbtiger.sey, je weniger er zum Appllpigel;en berufen 
war^ Fürsten und, zur Reg^ejrung bestellte. Männer sollen ja 
durch die Geschichte lernen^ wie man. vpn» einem andern 
Standip'uncte aus ihre Handlungen ansehen kann /und ansehen 
li^irdy vrie kann dieses geschehen, wenn mannicht jedem seine 
Weise des CJrtbeils vergöni^t, :wenn m^ eine Regierung wie 
die Andere loben spll? FreiUchist auch hiejTj wie sich das 
in gutei^ Gesellschaft ohnehin versteht, und fiir die schle<^^^® 
•9)1 man nicht schreiben | ein'.Ton»' eine Mi^nie^- asu wahren, 



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Anhahinisebe Qeidäolät, 245 

das hat aber. Herr Stenzel nicht veraäumt , er ist vorsichtig 
und bedachtsam 9 und ^enn er als junger Mann Ton ^ Feder 
und Urtheil nicht immer völlig in seiner Gewalt: hatte , i«t 
das eine Todsünde ? ^ . 

Hätte flbrigen^ Herr Mann sich bejnägt, i&u sagen,. Fried- 
rich 'August war ein zu bedauernder Mann , seihe Narrheiten, 
die weltkundig sind, haben unmüjtelhar nur wenigen gescha» 
det, so wollten wir das gelten ksseu,. wenn er aber deA 
Friseur und seine Verv^altung und die saubere Oligarchie in 
Zerbst, während der unglückliche Fürst sich herumtrieb, oder 
in Luxemburg war, in Schutz nimmt, dann Schaudert' unt 
vor dem Formalisten, dem das Römische Recht und der Säch- 
sische Frocefs ein aes triplex circum pectus gebildet haben. Re£ 
spricht aus eigner Erfahrung, da er er die ersten' si^zehii 
Jahre seines Lebens unter dieser Regierung durchlebt hat^ 
auch leicht vieler noch lebender Männer Zeugnisse beibringen 
könnte, er will aber die Leser nich4: damit ermüden, da Herr 
Stenzel.die Blöfse des Apologeten jener gemeinen Zeit aufgebt 
deckt bat. Der Duo de Rovigo hat sich neulich auf ähnliche 
Weise prostitu irr, wie hier Herr Mann , .man vergleiche da*» 
her Nn. 3. Seite 35 — 60. mit Herrn Stensels Antwort No. 1; 
Seite 92 '-—lo4. I^er Präsident hat aber steinen Lebern ein 
ActenStück über die Leut^ jener Zeit mitgetheilt, das eben 
so laut spricht, als irgend Etwas von dem . was Herr Sten- 
zts] gesagt hatte. Jlr läfst einen Hofrath Köthe, Schwieger- 
sohn des oftgedachteii Friseur Schöne, in höchst eigner leben« 
diger Person attestirend auftreten, und sich und''deiheh etie^ 
maligen Collegen in der Gunst des Friseurs ein testimöhium^ 
sammae ignorantiae et malidae ausstellen. Oieser Herr Böthe^ 
sagt von sich selbst No. 3. S. 49.: „dafs er um jener 2ieit ex« 
pedirenderv Secretär gewesen sey, und dafs hei dem Gehei-' 
men Raths- CoUegium, ohne sein VVisSen und Zuziehung^ 
(jic) keine Ausfertigung geschehen' konnte.'* Nun lesä man 
einmal das Attestat, das dieser gute Mann ausstellt, und wel- 
ches eine ganze Seite einnimmt. Was ijjufste' da» fitr^tfeitle: 
Landesregierung seyn, wo der Impuls durch eineh Füriten 
kam, der nur einzelne Worte an den Rand kritaeltü (z.B. wie 
Herr Mann selbst erzählt , wenn ihm etwas von den Räthett« 
Geschriebenes mifsfiel, blos das Worth Kampeln) durch einen 
Friseur in zweiter Instanz besorgt ward, und durch ein'Col- 
legium ausgeführt, dessen Expedient, -wie scriptura zeigt, ohne 
gemeinen Menschenverstand, ohne hinreichende Gewalt über 
die Spradhe, um sich ausdrücken zu können* und dabei heftig'' . 
und boshdSt War. Die» Alles schliefst Ref., der wicht die' 



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246^ Aid^^iijj[|c^|B Gescheht«. ,^ 

Ehre ,^i^tj,, i^t ^den ^^exw,^tigpi yer4ieiis^i|id«s Uofrath 
I^ot^q bek^pqt .zu fcyn^ }>Jq5f aus dem At^^t^t;. $elb»t. Den 
]VJfingel,^n Mau sehen ver&ts^id .\ind Sprachfäbigkeil:; daraus, Ms 
in diesem für den Druck geschriebenem Attes^t^t ^.e^^r Sinp, 
nogh/yeriBtandj,.^ noch Zusatp^enhuiiag 9 ifipcb grammatische 
. Richtigi^eit de« 4^f4'^WQ^« **<^ifi"<i«f 5 .Heftigkeit und JB^s*^ 
beit . iolg^jrt i^r aua deqi jgegen Herrn; Stensel gerichteten 
Schlüsse;. £s. gilt eine JpÜrzäh}nng,. . deren Wahrheit oder 
^.dlscbbeit Ref. hier nicht untersuchen k^nu , die er aber als 
Primaner vqn allen Zerbstevn, die er kannte,. l)at erzählen 
b^rc^nf^^.und die er ebne Bedenken eben so wie Herr Stenzel 
vtkrde nc^cherzählt babeny^bis.er eines Bessern wäre überführt 
w;ordenf;. Wegen dieser J^zilhlung erklärt sich der kothige 
j^pologet einer 4cIu]:tutzig«n,.Zeit folgend^rmarsen.über Herrn 
^teifz^.: .».der nichtswilrdigfi (Ij) .Crfind^r diesdr . ial^eschmack- 
ten Fabel .Sann, wo Jil keine andere; Absicht (?.?') gehabt haben, 
als langst verstorlj^on^.jVJänn^r» A\^ sijch .nun^ freilich nicht 
mehr yertJieidigen, iLönnen .,' .durch yerläiUitiderische (!!)An- 
dichtuaig (!^). einer sp -^nsinnigen und heillps^n . Handlung, 
•W.enigstjen's be^ L;eichtgl|^vibig^fi, noch im Gr^ix^.einenSchand. 
fl.eck ^zuhängen« , Was-kf^n^tq ein üt/Ijinn piit<^^. Logik und 
^^ £rI4(^eru](ilg^ ytreun^eT. un]p|^s|2l;i,ränkte. i\{acht zu schaden 
blatte» v^ie er sie dam^s* hätte, .nicht ausüben ?, Dem Verstän- 
digafvwird di^s binreiich^nd :Skej^n:^ ;<Andäre würde die Aus« 
fÜjbrlicbkeit ermüden» 

. . /Vjfa^s den I^er^og A"g^*t Christian Friedrich vop Anhalt- 
Köthei]|JS^nigeh^,Y ^p v^t^ßi^^t .uns. der He^r Präsident auf die 
in. Np, 2. gesam.melti;i? )Sieb^iifit£(chelcben9 >liud wir wenden 
unfi^^^^^if diesen, kennen ^ber . d^^ nicht, uxp hin zu bemerken, 
da£^ ^)^ d^r. Her^ J^ann,., obgleich Riqhter und Jurist, eben 
so ^i^idie Aaäer{^ , deip , wapkern « ..anspruchlosen, von aller 
Feipds eligl^ei^ en^fen^t;!^ JH<^i*rn S^en^t;! ohne allen Beweis 
Bol^b^itund Gott *w.eiA'4, W»^ poch- Alle# sonst, Sc)iuld'gjebt. 
Dier H^r;&Pg wav bekanntlich*. einer dier.'Fiirsten. in* der Bona- 
part^s^^en; %eit, di^ d^s^ groTseii Gedanki^A^ entsprossen zu 
seyn auf i^r^lte^n.FürsJien^i^^hlechtQ, gewurzelt ^u seyn in 
diQr Erinnerung und hev Ij't^hk^ eine« ranzet» Yplkssj^amms,, der 
in seinen Fürsten sich s^lbsjt ehrt, pnd ihnen freundlich wie 
das KJndl dem Vater .gehoi:cht, .so .weit yergalsön, dafo sie 
djem^ynterdrü(^ker kriechend entgegenkainen, und nicht nui' 
<i4« thaten^ MTas Alle Ipider tl^un mufsten,. der .Zeit gehorch- 
ten, ^s/inder|i} ihr vorauseilten und dadurch Aen Fremden selbst 
^ verächtlich und lächetlichi yrurden', und die Natiop, an deren 
Spit^ sie standen, verächtlich ma^chteti; VTer kennt nicht 



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des Herzogs Duad^aj-,: ,neln Sedes^Misuilitörium? / W^r ^Wt 
nicht gelachfc über die Köthensche Armee mit allen Wajfent 
gattungen ? . Wer vrird nicht lachen^ ^eiin erbei dein Apolo- 
geten «elhst findet . (sieh den Finaazrätb: Albert, in ATd. .2« 
Seite 62i)dars die Chasseur« h cheval auf 2 ^^nn reducirjt 
weiden.? Was bleibt nun andere übrrg,..ijU ijach der Aeg^ 
der Frogreasion drei Viertel IVIannGenad'arfnes^und ein Achtel 
Gensd'armeiSi d*£]ite anzunehmen? Was. wollen nun Aie beir 
den Ehren •Pfarrer die in No. 2.. aufti-eten? Was wijl ;deir 
Stadtrath von Bauern und dieScbul«^nt umher^ die zvirar nipht 
ultra crepidamf aber doch ullra fimun% et dav«x> und nPisb ^4^^ 
wie äerr Stenzel aehr gut beweiset, grundfalsch #t^st|i<en;| 
Was will der Finanzrath xind Consdrten ?. Beweisen > ^w.Qtan 
kein Mensch je gejju^etfelt h^t, dalsausi'^in deuUchei) Her^ * 
zen uralter^ Adel der Gesinnung, wie djesj Bluts nicht; ga^st 
verschwunden war, dafs, deutsi^h^ Gemüj^hlichJ(eit_.?UfWeilen 
ihr Siecht behauptete. Wo hat Herr Stenzel daran.gez^wei- 
felt?. Wo hat er den Fürsten für ein Ungjpheuer ausgeben.? 
Wo b^t eir es nur für mdglich gehalten^ dafs Einer ^ujErter Ae^n 
Fürsten der. Deutschen-, Sie ihren Regenten $o treu, so. her 2; V 
lieh anhängen y ein eigentlicher Tyrann seyn Jtönn^.?:.. Ab^ei? 
wahrlich! der Herzog war doch nahe daran,- und von Vieteoiy 
wa^^Herr Albert von ihm , berichtet » mujsjnan sa^eri». — . setL 
s^rtt tetdehai cluuda pömitentia "peda, , Ref, ' hat die Seit.en. .2^? 
bis 301 , in Herrn Stenzels Handbuph -noch eiv^m^l. nf^hg^let* 
^en, und kann versichern ^ dafs dort nui: di-e T^h^t^ibs^^x^ «u*» 
samoienges teilt sind, welche für s-ich selbst reden- ^W^rtn raa^. 
aber das öifantliche Geschehehe nicht mehr in der Ge#thiphte b.er 
richten und darüber urtfieilen dürfte,, .wie furcfcgtl^ar. wörde,i3^ 
dann endlich die Steine schreien? i£i^ie einzige Stelle «auf d^ 
Seite^ g*?g«n deinen Inhalt sich die Herrn- sa furchtbar erh<ehei% 
würde indessen doch auch Ref». tadeln^ tiämlich die .S.tejje», 
Seite 301*, W^O von Trank und geihfiner LÜderlichkeit die IXfij^ß 
ist. Zuerst ist nämlich die Sache nicht erwiesen, .^Äweit^ns 
gebärt sie dem Privatleben an, das man ohne Noth C^xiA ^iesfi 
war hier nicht) nicht hervorziehen soll, oder dpch mirso w;ei|t 
hervorziehen, als es zur Erklärung gewisser Begebenheiten 
schlechterdings nothwend ig ist. Wer weifs iilch|., ;und hat 
nicht erfahrien , dals der Menschen Neid u4d Rosbeit ^ogrpfs 
ist , dtfs sie, umi dem., der nicht z,u ihrien.g^Ört, Eins:0u- 
zuhängen, wenn, kein Tadel oder Flecken auf ihn gebi^acht 
M^erden kann, oft gerade das Beste und ifed^lste, was «r ip 
seinem> Privatleben thut, mit ihrem Giftie besudeln ^ M^d U#- 



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248 AnliiltfQiftBlie Gesahidite« *^ 

bei' deh' verworfensten Geschöpfen als ~ihi?en eignen Augen 
ti*at>en? ' - ' ' 

Jetzt wallen wir kuvz die Zeugen für den Hevsog und 
Herri^tenzel als Coritradictor vernehmen. Zuerst erscheint 
in No. 2. S. 4^. äer Stadtrath in^Rofslau und eine Anzahl 
Dorfschulzen und attestireh „dafs der Herzog kein türkischer 
Passä gewesen ^ dafs aber das Bild desselben sich ganz anders 
in ihrem Herzen abspiegele ^ u^td dal's sie dessen Andenken 
stets segnen 'werden«<* Dais die Schulzen der Dörfer »mRofs- 
lau und- der ackerbauei^de > Magistrat in Kofslau der Türki- 
«^chen Ortographie und des deutschen Ausdrucks nicht mächtig 
airid^ vi^ollen wir ihnen nicht übel nehmen, göiinen ihnen 
auch das nach dem leihlichen Tode des Ori^nals sich in ihren 
Seäen spiegelnde -Bild desselben; aber sie. attestiren noch 
andere Dinge , wie siehts dan^it aus? -Herr Stenzel beweiset 
Seite iS— 17. $ dafs sie falsch sind» was soll manNnun zu den 
Leuten sagen , die ohne selbst der Feder mächtig zu seyn, die 
der Bauern führten ? Dies Attestat ist unter oem vielen un- 
gewaschenen Zeuge der ersten neunzehn Seiten die Haupt« 
sac^he. Fofgt ein Attestat des geistlichen Inspector Sintenis, 
däfs unter/ dein Herzoge die Besoldung der Xiandschullebrer 
verbessert sey. Dies giebt Herr Stenzel No. 1, S. 9. zu ,. es 
acheint aber, als ol) dabei wieder Sachen zur Sprache kämen, 
die ohne Herrn Sintenis Vorwitz dem gröfseren Publicum un- 
bekannt geblieben wären. Einige Kdthensche Landschulleh- 
rer hätten 15, schreibe fünfzehn Thaler jährlichen Gehalts, 
ai^ erhielten 20 iThaler Zulage, die Lehrer der gelehrten 
Schule in Köthen selbst hatten 70->- |00 und eben so vie] an 
Accidentien , sie erhielten keine. \)er Rector erhielt eine 
Z;ulage von 30 Thalern ^ diese wurden aber dem Nachmittags« 

5 rediger abgenommen, der nun nur ^0 Thaler behielt. JDa 
er Mann mit 60 Thafer zum Leben zu wenig hatte ; graben 
wahrscheinlich nicht konnte, und zu betteln^ sich schämte, 
so ward er Informator der Kinder des Inspectors. Als dieser 
versetzt ward , und \yeder der Inspector, noch Gemeinde, 
noch Consistorium die Ergänzung der Besoldung bewirken 
konnten, so mufste de^ bisherige Prediger, um nicht Hungers 
zii sterben, seine Bändel schnüren und den Stab weiter setzen. 
Fplgt ein Herr Regierungsrath Bäntsch, ^it dem die Ge- 
schichte nichts zu scnaffen hat, weil er Seinen guten Kötbe- 
nern nur seine Empfindungen vorträgt, die Thatsacben aber 
für den Herrn Stenzel reden. Der Eifer des- Herrn Bäntsch 
wird hoffentlich einige Aufmerksamkeit auf ihn ziehen, die 
wir ihm gern gönnen ; doch können wir nicht umhin zu wün- 



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< AldkaldyMiie «ctisUi^t«. ^ 249 

Beben 9 daCi sein edler Eifer weniger bHnd gewesen wärH, 
denn in Na. I/S. 26. werden ihm neue Tha^sarben entgegen* 
gestellt y die ohne ihn im Dunklei geblieben wären. Ge^ifi, 
es wäre besser gewesen, er hätte d^ese Empfindungen lieber 
für sich bebalten ! Das einaige eigentliche historische Stück 
in der ^ganzen Sammlung ist aie Schrift des Finanerath Albert ; 
die lettten Lehenstage Sr, Durchlaucht Herrn Auffust - Friedrich regier 
renden Herzogs zu Jnhalt r Köthen, Diese Schrift war schon 1812 
erschienen 9 und' ist also nicht gegen Herrn Stensel gerichtet^ 
sondern wird nur von diesen unverständigen Apologeten ge« ' 
gen ihn gebraucht. Wie trübe würde das Resultat für die 
unberufenen Apologeten seyn , wenn wir das iSchriftchen bi»* 
storiscif analystren y und es als Urkunde gebrauchen wollten^ 
aus' weicher man das Treiben des Herzogs und der Leute unr 
ihn f nicht aus der Erzählung ^ sondern aus- der Anschauung* 
erkennte i 9-ef. will aber dit^ses Grab gern nicht noch weiter 
aufw^Uhlen, da er das cut ftono nicht einsieht ; allein er mufs« 
gestehen 9 er möchte keinen von ihm gepriesenen und gelieb«* 
ten Fürsten in i^^r Lage, wie der Herzog hier erÄcheint , ' je' 
erblicken-, und wird eifrig beten, dafs kein Regent deutschet: 
Lande .je mit einer so sichern Erwartung die Thränen nhd 
Seufzer der hungernden Bedrückten jenseits als Kläger zu. ver*. 
nehmen entschlummern möge, wie dieser entschlummert ist. Vor 
allen möge ihn Gott aber in seiner ewigen Gnade . bewahren,' 
eines solchen Regenten vertrauter Finanzbean^er b^i dessen' 
Leben gewesen zu seyn, damit er nicht des Gestorbenen Apo«, 
löget zu werden brauche I VVas in den Thatsachen zu berich* 
tigen war hat Herr Stanze] in No. 1. von S, 4or.^5l. sehr of* 
fen selbst berichlugt und hat dadurch bewiesen, wie wenig er ' 
die Absicht hatte, zu schmähen, oder nur heftig zu tadein« 
Zuletzt müssen wir noch ein Wort über No, 4. sagen, und 
über, den Streit des Herrn Basedow mit dem Herrn Stenze^, 
den wir einen Streit über Nichts genannt haben« Herr Bafre-i* 
dow sagt , Herr Stenzel habe Unrecht gehabt , seinen Valferf 
der, leider I mit seinem Erziehungskram nur zu sehr der deut- 
schen Geschichte angehört, irgend hart zu tadelet weil dieser 
und jener, die ej: S. I4i nennt, den alten Bas(^dow geachtet 
habe^ Was (las. für eine Logik ist 1 Basedows Leben und 
Manier ist so notorisch , dafs selbst sein Sohn darüber nichts 
zu sagen wagt; eben sp notorisch ist, dais eine solche Re- 
formation, wie Basedo.w wollte , nur dlirch einen Solon, Ly» 
curg, Socrates.) einen FTthagoras, oder einen Äsceten ganz 
eigner Art könnte zu Stande gebracht werden, warum vy^ill 
der Herr Regierungsrath durch Schimpfen den Herrn Stenzei 



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und seine Freundes- reizen,: die Bl^$«n,d^ft.F&i]8ii|;1)]:<Qpeii auf- 
zudecken? Könnt er die Stellen, nicht t wo diPr.feinrte Mann 
iinserer Zeit, wo Göthey von Basedow spricht? Sollen wir 
ibin vor dem Fublicuio ins Ohi: r^uni^n» .was; Herder sagt? 
Dieser schreibt an Hamann , in Hamanns Werken' vOn Roth, 
4.! Th, 5* tö4«. Als neulich mein Schvrager der Jäger hier 
war, .erziSUiUe -.er von eim^r neuen Methode, Eich wilder in 10 
Ijgihren %u mach^nr, wie sie sonst- nut' in fünfzig öder hundert 
\srürdenj d^lst m&n. den jungen £ichen. unter dei: ;£rde die 
Herzwurzel nehiue , so sebiesse über der E^de »Hes in Stamm 
ünd^ Ae^te. . Dafs ganze Arcanum , tles Basedöwiscben Planes 
liegt ^ glaube ich y darin , und ihnif den ich -ffirsöniich kenne, 
möchte ick keine Kälber ^zu erziehen: . geben ^ gfischmei^^. \Mensdhen* 
Ref. hat in-den.achtziger Jahren, als Knabe, Gelegeihheit ge- 
Jbabt, von Zerbfetern und Dessau'ern und von lever^ner^, die 
zu dem neuen Philanthropischen Wuader ger eiset waren, die 
Dessauer Wirths^haft beschreiben, zu ^hören> und bewundert 
daher die Dreistigkeit des Hercji Hegierungsraths^ diese Sache 
sur Sprache ^u bringen* War deit Pi^sident^ de fn hier der 
Herr Aegierungscath so unbesonnen gehorcht hat^ damals 
nicht Kegieruiigsadvocat in 2!erl>st, oder wat er es noch 
nicht? Auf jeden Fa^ll werden dessen Verdienste) um den alten 
Basedow» die der Sohn rühmt,, wahrscheinlich darin bestan- 
den haben, dafs, -wenn, wie das oft der Fall war, die Herrn 
Welt verbefilserer.^ sich im. trunkenen Muthe in- der Kegelbahn 

febalgt hatten, und eine AnKlagescbrifjt cum apponta zerrissenen 
lock an di»s Gericht kam , Hjörr Mann als Advocat den Welt- 
und Religionsve^-besserungs- General -Feldmarschall juristisch 
vertheidigte? Doch jetzt bemerkt» Ref. erst, dals diese An- 
zeige vie) solang ist! Achi. könnte man doch in Zerbst, in 
fCöthen^ in Dessau, und überall lernen, was Hesiod spricht, 
dafs oft das. Halbe besser als ^das Ganze und zugleich was 
Saiomo sagt, daXs oft das Schweigen besser <denn das Reden! 

Sehlasser,' 



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^91in«is geMal^jpieho TaUUctt. 251 



Supplement- TafeiM %U Johtmn Hitjbmers. gensalogUchen Tähellen» 
1. UtBfmruttg, Kopenhagen rlS22. gedruckt in der Sehulzesehen 
Ofßcin auf J^erläg der Ißfbeuu 2. Lieferung, d829. ehändat^ 
8. Liefirtmg l62a. ebendms, Jsd» Lief» tJFhlr. ' 4. Lieferung^ 
182$. ehendae» Querfolio*' 

Wie iinentb«hrHch genealogische Tabellen filfr die Euro- 
päische Geschichte sind , ist jedem' htekannt, der steh mit der. 
neu ern Gesdiichte' auch nur hlos' eum Vergnügen beschttftigt^ 
wie schwierig es ist^ Tabellen ins-Fublicumzu bringen, die 
blos sum Nacoschlageii bestimmt sind ,> vris^en alle Yerleg^ry 
man hat daher um ^n^alogische Schriften liefern zu können^ 
andere, fUr den; Historiker und für den Dilettanten anbe^ 
quemere > Formen « wf(hlen« müssen ^ Genealogische Handbü« 
eher, genealogischen Taschenbücher und'Calender^ koiÄiten 
unmöglich 4^s ersetzen, waif uns seit Hübner in dieser Art 
abging, Voigtel^ weil er die Hübivetschen Tabellen 1811 nur 
in abgekürzter FörnL bekannt: machen wollte , - niufste friqh da« 
mit begnügen , die allern^thdürfcigsten Notizen über die Zei* 
ten und Familien' napb Hübners Zeit hinzuzufügen; es wird- 
daher gewifs Von dem historischen Publicum als eine Wohl« 
tbat von hoher Hand an genom inen werden, wenn es in die« 
sen Fortsetzungen Hübners ein neues., lange erwünschte« 
Htllfsmittel erhält« Da die Sache selbst, wäre sie auch 
von einem darf tig«nf Gelehrten des Göldverdienstes w^gen un- 
ternommen, des Lobes und der Aufmunterung Werdi wäre; 
«0 darf Ref. nicht, darauf aufmerksam machen, wie aufmun- 
ternd es für Dänische Gelehrte so wie für Deutsche unter dem 
Schutze Dänemarks ist, dafs ein so grofser Theil der kost- 
barsten M^^fs 6 auf die-Erleichterung -d^s historischen Studium» 
80 edel und grofimüthig verwehdet Ward. Verwundern wird 
man sich darüber duTobaus nicht, daP demr' ganzen Euf^opa hin« 
reichend bekannt ifft ,* was von einem vernSltniDsmärsi'g nicht 
so gar reichem Staate, wie D^eoiack, für die Wissenschaf- 
ten gethan ward^ Wer »kennt nicht die Sammlungeny For- 
schungen, IVeisen , die von Dänen auf Kosteh der Regierung 
veranstaltet sind? WerWeifs nicht, was in Copenhagen ge» 
schehenist, : und was wir, um nur Eins zu gedenken, -vqti 
Männern 'WiB Brdnstedti und Rask erwarten dürfen ? Dem 
Plane nach sollen diese Tabellen, die wichtigsten Tabttilen des. 
Höbnerscheii Werk», das l?is 1737 reichte, bis auf unsere 
Zeiten fortsetzen i damit aber auch derjenige , der .«die Hüb. 
nerschen Tabellen nicht besitzt ^ das Werk benutzen kailn,. 



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252 . Hibiiers geaealoj^eke Tabel)«ii;( 

so istvdurcb eine aus Hübnec beigefügte Tabelle oder durch 
einö historische Notie dafür 'gdsorgr, dafs. man die bei deii 
Supplementen Vorausgesetze' Ascendena übersehen könne. 
£in sehr wesentlicher VortheiL dieser Tabellen seheint uns in 
einem scheinbar geringfügigen Umstand e, dessen Wichtigkeit 
aber die erhabene Verfasserin sehr richtig erkannt. hat ^ zu 
liegen.' Die Tabellen sind nämlich auf sehr gutem Schreibpa- 
pier gedruckt^= und niciit blos ein Kaum unter' jeder Tabelle, 
sondern auch die ganze rechte Seite weifs gelassen ; dadurch 
wir4 man in den Stand gesetzt") Jahr f&r Jahr die Tabellen 
fortzuführen, und. sich jedes andere Hülfsmittel entbehrlich 
SU machen. Auf diese Weise wird .zugleidi ein ande/er Zweck 
erreicht, es wird aufser dem Denkmal , welches dei; hoben 
' VerjEasserin , in den Herzen aUer Dänen, längst errichtet ist, 
ihr aiif vergänglichen Blättern ein anderes errichtet, das in 
der Bibliothek eines, jeden , der sich mit der Zeitgeschichte 
• abgiebt, nicht fehlen darf, und auch so leiqht nicht durch ein 
andres ersetzt Werden wird. Die Druckfehler sind sorgfältig 
angegeben und einzelne Tabellen, die irgend eine Unrichtig- 
keit entgelten g in den nachfolgenden Lieferungen durch; an- 
dere eraetzt worden. Die erste Lieferung besteht aus 24 Ta- 
bellen in folgender Ordht!ing : 'Spanien, jBprtugaT, Frankreich, 
Tab. 9 — 20., endlich Grofsbrittanien. Die 2, Lieferung ent- 
hält Dänemark, Holstein -Gottorp Tab. 27. 28. % Holstein- 
Sonderburg Tab. 29 — 3ö., Rulsland, Schweden, Polen, wie- 
der 24 Tabellen. Die 3. Lieferung enthält. 28 Tabellen: Oe- 
aierreicb, Lothringen ,, Baiern, Sachsen, Tab» 62 — 75. und 
76. Curland. . Die 4* Lieferung enthält 25 Tabelleil und 
zwar 77^83.. das !^andenburgische Haus 84-^90. Braun- 
schweig 7 Lüneburg, 91 — 94. Mecklenburg, 95 — 98. 
Würtemberg, 98 — - idl* das Haus Hohen zollern. Wenn 
hohe Personen einen edeln Zeitvertreib wählen , frohloclct 
mit Recht das ganze Volk; wenn sie aber einmal nicht nur 
durch ihren Schutz und durch ihre Unterstützung, son- 
dern durch eigne Bemühungen 9. thätigen An^heil an den Ar- 
beiten der Gelehrten nehmen, und. in diesen ihren Arbeiten 
glücklich sind, so wird jeder Freiund der Menschheit ^ich ge- 
Wifs um so viel mehr darüber freuen, je mehr diese nicht das 
Froduct des Moments, oder eine Frucht des an den Höfen 
einheimischen leichten Tons, sondern Beweise von ernster 
Ausdauei^ sind. Wenn Aegentinnen überall die hier sicbi zei- 
gende Kenntnifs der Geschiic^te hätten 4 wenn sie wie hier 
geschieht, die ganze Reihe der Thatsachen , alle guten 
und edlen, wie die schlechten und niedrigen Seelen,' die einen 



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üiituriMAi« &faiift;iä v6ii SdwbecU 25^ 

Anspruch iüf did Erinnerung 4er Nachwelt durch ihre Geburt 
edangt hatten ^ An dea.Fingern heraählen könnten, lyie leicht 
warde dann. die Geachichte ihraa.achdnaten Zweck erreichen ! 
Wie würden die Lehren ^er Erfahrung dem Regehten »u« ge- 
liebtem und geachtetem Munde ao gane andera klingen 9 ala 
wenn sie fern- von unten l^er ihm mit heiser Stimme augeru« 
fea werden ! Das Dflnische Haus ist freilich den Deutschen 
YiOB, dieser Seite her durch yiele Wohlthatea bekannt ; . denn» 
wer gab dem Sänger der Messiade den Hafen d«r Ruhet als 
DänemaiTk und der edle Carl Friedrich von Baden?. Wer ehrte 
in. Vofs die Musen und die Gelebnamkeit , als ein Fairst des 
Holsteinischen} Hauses und der ehrwürdige Carl Ptiedricb 
^ronfiadei^?:' . . L , . 

: / 1:;a . .: • S€kl0Si9r. 



1. Da Ra^ttähormn a^iüihus frodriMMi eomeripHt» Fri&dr^ Gmliel^ 

SchtAert*- 

2. Disitertatio ' historieö" chronologiei» de guberAatqrittts Borüisiae 

seculo dectn/io t9rtio, Conscripsit F. G. Schubert, lipsiae 
1820. 8. ' . 

3. Prenfsehs erstes -politisches auftreten unter Friedrich ' ff^lhelm 

dem Grofserif von Dr. FPtlhehn'^Sch'uh ert^ jetzt aufierOr» 

' dentUchem' VrSfessor der Geschichte ht IKÖntgsberg. KUnigS" 

herg. 1823. t Gtm 

4* JdhrhUcher Johannes Lindenhlattsii ödihr Chronik Johannes von der 
Pusilie, X^ßcials tu Riesenburg, zum ersteh Mit hisrausgege-m ' 
heri von Johannes Vo igtj ordentlichem Professor' der' Geschichte' 
und geheimen .Archiv »J^irectot u, s* w»' und Fr. ff^iihelm 
Schuber^ n. 's. w. Königsberg i82S. XXXlf^ stnd ^^ Sei- 
ten in S* ' 

Der Verfasser dieser Anzeige hält es fiXv Pflicht, isL$ Fu» 
hlici^m aufmerksam .darauf zu ^mach^n, wie tijLchtig auf den 
Preufsischen Universitäten das historische Studium gegenwär- 
tig getrieben wird 9 und welche, Ij^pffnungen das gesammte 



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254 HUtoiiMiie SehviftMi yoa ^iuiliert; 

^deutsche Vatsrleitid' von 4en*^BemtlIitiiig«n^diaRf' jVbtgarii htü* 
rer und ihrer- aablreichan^ SdhOler fassen!' dar^ • iln Breslau 
}]at «ich defc' «Prof V StönselJ micteltenär Aufbpf^fUng^ von dem 
-Weg;e''y tden, die Anhaltinische Gesdiichte* absiuieuten 9ckien, 
h in w^g gew^n detiy und wird , -eäneil Tifaeil -^4er ' cbsutscheh^ Ge- 
«schichte flut den Quell^ui und: wi^^ensdäafclichi ' bearbeiten; 
in'K&nigkbetg bat der Herr iPk'of&. Schub drt,^ dbenfalk ein 
jüngerer Mat^ii» > ^tirch - mtodHlcbe^Iiefare und* Sciiriiten ischon 
^etz-t viel'fflr die Historie gl^then, 'un^jg^tebtlfi&Vidie Zq^kwaSt 
die^schöh'st;^!^' Hoffnungein«^^ In Kdnigabdre^hBdheintr'^ine ei^ 
"g^ndiebe PHanzschuJetüv^^ünFtige Historiker und Kenher deir 
•Historie zu- bestebeii; D^uimmn reiht sicU dan" t^lcbtigsten 
Arbeitern unter den Franzosen, einem Le Tronnfey CbampoV- 
lion , Set. Martin an ; Voigt lehrt mit Glück die Hülfswissen« 
Schäften ,- tind^Herr Schubert- lehrt nicht allein mit vielem Ef- 
fect, sondern er hat ein historisches Seminar gestiftet , wel- 
ches sich eines glücklichen Fortgang* erfreut. Was 'nun die 
oben angezeigtem^ Schrifte n b etr i fft , so fet No. 3, eine gele- 

S entlich von Herr Schubert gehaltene Vorlesung , deren Ton 
en reinen und würdigen historischen Geschnrack des Verfas- 
serfii,u>^4'di«rLihige Haltungvd^ Vortrag», ^^-^J^i^^yon aller 
Faselei ist, ebenso beurkun4et als No. 1. und 2^.seine|^ennt« 
nisse und seine Gelehrsamkeit. Die Chronik No. 4-, diie wir 
dßvsx Eifer, «^er Herrn. yoigt un,d 3chubeift:ve^4^n]{:^en^. begreift 
dif, Jjahre- 436O7T l+i^ -un^4« würd^ J?4!2.*R <Ste^^chen Leser 
schon aus dem Grunde doppelt wichtig seyn, weil s^e die 
kleine Anzahl deutsch geschriebener Geschichtbücher jener 
Zeiten vermehrte, wenn ef picjit leid/^^ nur jJe her Setzung 
Wär^.\ Wie Kcjnigshof^n.im Eliafft^T^i^ürde u;j;^^ohannes in 
.Freulsen mitdemGe\st feiner Zeiten und Qegen^qen in seinem 
jßjig entlichen Ausdruck ganz anders bekannt mache^ ^ a^s ge« 
schehen konnte, da er seine Bemerkungen durch das Medium 
. äer.<I^at;t?ipji$.jpiben Sprache an^un* ^elai^gen la?(f?fn..^p,U^i?y.;üe- 
„ber dej^ Verfasser der Chronik hat He^rt j^oiat iiuf de» ersten 
23 S^iteaauaführlipl^ gehandelt, und .ni^c^Jf M^^ 
9C%ii^l^ch,;geKiacht, daC* es Johannen ypn ^d^r Jfusilie.gewe- 
.sen «ey^, »son^dern er hat^auct^ ^^i^^j. .^i^t T^^^^lfi *^*>^ ^^^ 
^ie Chronik ie^lbst, für ihre Glaubwürdigkeit und fojr ihre 
historische Bedeutung w^ird. Den Nansen Johannes Linden- 
b^att leitet Herr Voigt von einem Einfaill des gimon Grünau 
* her I es -Will Uns abö^r scheinen ,' äU bB ' S'iitioit (Grünau , auch 
' sogaHn-dfen yöii Herrrt* Voigt angefübt^eri^Worten, nut nach- 
spreche , Was er als ihfn Übetlieferte Tbatsatihe annahm; doch 
hindert diestes nichtV**ff»^ir nicht def ^^eberzeugung ^HU 



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mtiovifibhet Schuften rtn SdiuberU 265 

ren^ H^r 'Voigt liabe seihen .Sisits hinreiohesul^ dargethan^ 
wenn er (lucB nicat erklärt habe ,' woher der Irrthum stamnie; 
Von Seite 11. an giebtHerr Voijgt eine vortreffliche Analy^ae 
der Cbroriii&i Iheils in Bie«iebung>.auf die Perftdnliiihkeit de^ 
Tonihrü angenotnttienen Vecfas&era.^ theils »und. hauptsächlich 
in Bezieh ung-aof «die Historie selbst. Aus inneren' Gr<lnden, 
ta denen noch einige andere ^^ aui der Besq)ia£Fe|aheit der.aU 
ten Handschrift hergenommene hinzukommen , beweiset her* 
Häch Hc^rr Voigt/ dais das Stück -der Chronik von 14^7 bis 
l4t9 einen *an4ern Verfass<er haben. müsse , 'ab die übirige £r^ 
Zählung^ ' Sehr,wi«btig wäre'es «dann Ireilichizu wissen^ wer 
der Mahn >war ^ ^^r' der CJ^onik das deuischb* Gewand gaby 
in wekbeM «ie^hler erscheint«! • Alt« ist «dio' Oeberseliaiing ge« 
wif«^ da^ ae]gt»dieSpraohie^'.{ier^:'Vrdigr*wa^SeiletA7 Lier« 
ik her 'Aicfarts :^ A ü sgemachtea > 'au^itatellen i, • derch. *jir er di uthet er, 
dar^^^eHJebet^^etitung mohtlaäigivnacb.' deebigehtUchea Ver* 
fas^iers Tod^a gemacht sej. 'BHib^laihrt'die'Slihiohe'und sogar, 
die Schrift; td^i ManuscrtptJ J dafs aWr 4ei\ zweite^Nad^foJger 
Johannes Krön <dler<Pusi]ie,'Johftl>ineSi von ilkeden, Kortsetzer 
und gar Üebei^et:&er *ej ^'^ i^Bc^einz . uns durchaus Nicbta Ütr 
sich zu'habem '•(DietBekadfitttiiichxing ':de8 Bltehs verdient .uqi 
80 mehr den 'Dank der- Gelre8ichtforsch«tr>, ala Herr Voigt be** 
richtet^ dafi' I^utas David'^^ Sctvdtz,. Henneb«rger- und ;Harl:^ 
kn och diese Anmalen nicht 'gekannt .haben. . Die üerausgeher 
haben sich 41»!'' alle diejenigen ,? welc&e atii > 4er Fr^uilslschcn 
Geschichte 'k^iÄ^JeigeAtllches'Stttdiani machen,, durch ihre. die* 
ser Ausgabe beigefügte >un<d irngepiein verständig, und besoti'- 
nen abgeüafsten Noten sehr verdient gemacbty »uiidwir -glau- 
ben den- Leisern 'dieser Blattei^ ^eitlen; Dienst zu'^thun, -wenn 
wir darüber noch' ein Wort hinausetzan. ^ Von r diesen. No teil 
gehören die au den Jahren l379 ~ l406 deiii Herrn Prot- 
fessor Schubert ganz alkin,« die zii <d etil übrigen Jahren 
sind den^ beiden Herausgebern gemcfinscbaEtllch!^' wie HZ- 
i^rent zufällig trt Erfahrung^ gebrächt Jbat4 die aefarschätabä« 
ren Beilagen 'gehören ebenfalla- dem Herrn/ Schubei^t. Wak 
nun die Noten selbst betrifft^ ' so haben .die V«rfasaer jede 
Art von Ostensibh sorgfältig gemieden, bab^n., wo dies 
der Sacbö wege<n nöthig schien,, und wo sie der Meinung 
Waren, dais iifi den gedruckten Büchefn 'über die FreufsiscWe * 
Geschichte hinreichender Aüfschlufs über den vorliegenden 
Punct zu finden sey, biosauf diesen hingewiesen, oder auch 
diese wieder selbst aus der Urkunde berichtigt; viele Rück* 
Weisungen auf Bücher über fremxle Geschichten hätten gleich- 
wohl immer noch erspart werden können. Unter den Berieb« 



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^ tigungen nennen wir hier des tBeispiels wegen ritir Ü^ £rläu» 
terung su Kotzebne Th. 3. S. ^25. durch die Stelle der Chro« 
nik S. 12 1%: ,,In desin Jare (i399) vor«atzte der koning von 
Swedin deine Ordin das lant zca Gdtlande und diie Stat Wis- 
«enbuge vorXXXtausend nohilen, der wordin ym TOrt Xtau- 
send gegebin, die hindere: XX tausend wordtn vor den «chaden 
und kostin gerechint, die der 0rä>n dapuffgetbaa hatte, do 
er die Seeroub^ von dannen treib us dem« lande^^^* Nllchst 
ißdseoi sind aber auch ,in denselben Noten aus den Ar<2faivep, 
denen Hc^r Voigt .vorsteht, theils l)edeutender Bevichtigun-. 
gen der von andern gegebenen Urkunden ieigohracht , theils 
ganz neue «und sehr int^essante Stücke ganz neu. und zum er- 
sten Male abgedruckt« Was daa Erste angeht, no würde man 
dur<5h diese Notea^ erfehreir^i #efui man es niciyt achom. längst 
.gewufit hätte, wäe nadildtsig; itnd unrer^qhämt« Sat^ebue, 
^wenn er.Uduindenjgiebt,. vcNr&hreäivt. Kot^ebue citirt z.B. 
die hier gedruckte Chronik säbi^tiuKd behauptet in ihr werde 
statt Carls -des Kühnen der Hersog von. Xriifcth|i.iien bei 
einer Gelegenheit genannt^ da 4odi in der £hnd#9hri{t, die 
er will benutzt haben, Herzog von Lothringen gdeutUch steht, 
(S. S. 126 j Not.X. Die Urkunde üb«» das BündniA .dfes deut- 
«chea Oidens mit Ungarn gegen Polen ^ welche Kotaebu« UI» 
Si 3'62. abdrucken läist , so wie er. sie giebt^ ist; schlechter« 
dings unklar, man muTs also aus der Note hier S« 207 — 208.| 
14 bedeutende Fehler, die hier verbessert wordmif. berichti- 
gen , -wenn man sie gebrauchen wilL £s heilst hier i^ugleich, 
es sey durchaus nicht wahr, .was Kotzebue behaupjtet, dalJs 
die Urkunde durdh Stockfl^ecken unles^rUdi g^wpcden und 
«schwer au entziffern sey; doch bemerken wir^ <ia&^das Liecz« 
'tere bei einem Ungeübten wahr und doch bei einepi- Archivar 
falsch seyn könne. Zu dem Strafshurger Friedebrief, den 

'Kotzebue III. 410« abdrucken läfst ^ muls man noth wendiger 
Weise ebenEslls die Note S. 286. vergleichen, w^tman, ohne 
die 22 hier angegebenen Fehler verbessert zu, haben ^ die Ur« 
Jcunde gar nicht verstehen kann. Den Abdruck, des Instru- 
ments, das Kotzebue ältSre Qesdli. Freufs. ir Tiu S. 4l2. 
Jeliefert hat , finden die Herren Voigt und Schubert so aber 
ilen Begriff schlecht, dafs sie in der Beilage No.V« d^ ganze 
Instrument noch einmal haben abdrucken lassen. 

{B^sehlufs folgt.) 



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N. 1% 1824 , 

Heidelberg er 

Jahrbücher der Literatur* 



Historische Schriften TOn ScHUBERTi 

s 

- (Bästhlufs.) 

V 

Wir begnügen lini die» Wenige Iron sehr Vieleiii Bei- 
»piehwei&e antuiühreu, und gedenken nur noch einiget heuen 
JBeiträge aus dem Schatze von Urkunden^ det den heiden 
Hetren.au Gebote stand« Wir rechnen daliupi die hiet S. 144« 
zum erstenMale abgedruckte Bulle Bonifaciuä IX* an den detit* 
scheii Orden ,und an den Hochmeister. Fernes den vom Kö* 
nige t'on Polen, JEmdi^laus, an den neuerwäh]ten Hochmei^ 
8ter Heinrich voii Plauen gerichteten Gratulationsbrief S. -233. 
Dieset Brief ist nicht blos, wie das Dominus Rex -per sahe-a 
zeugt, von dein Könige eigenhändig concipirt und geschrien 
ben , sondern enthält auch die treffendste Anspielung auf das 
damalige Yerhältnils der ritterlichen Obern zu dem Köhige 
von Polen. Er Schreibt ^^Magnifict et yenerabili^ Eure Er* 
lauchtigkeit wird bekannt Seyn, wie sehr wir uii(S immer und 
jedes Mal Eurer Standeserhöhungen gefreut haben , und mit: 
wie herzlicher Zuneigung wir Euch also ' Gliläk dazu wön* 
sehen ^ dafs Euch der hohe Wille des gdttli'chen Rathschlusses 
endlich zur höchsten Spitze der ausgezeichnetesten Würde er- 
höbt hat| und wie es uns ergotsitj dafs gerade Ihr vor Andern 
diese Würde erlangt habt. Es blühte ja in vorigen Zeiten 
des Friedens unter uns beiden eine wechselseitige Freund« 
liebkeit liebreicher Zuneigung , wjir hoffen also, dafs diese 
auch noch jetzt unter dem gnädigen Schutze des allgütigen 
Schöpfers fbrtblühen möge,, welches gewifs der Fall seyn 
wirdjW-enn nur der Uebermuth, den Eure Vorgänger gott- 
loser Weise g*g^n unsere Majestät geiseigt haben, in Euch 
nicht Statt hat. Sollte dies seyn , so wei'den kostspielige 
Kriege und feindseliger Hafs, die bis dahiii jämmerlicher 
Weise u^ter uni best^ndeb sirid^ leicht beendigt und in Frie- 
den verwandelt werden. Uns war dies stets verbalst und 
widrig, vi^er der Urheber war, weif« Der, dem nichts 
?Vn, Jahrg. s. Heft.. 1? - 



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2$8 • ▼• Humboldt und FrfEjstattowski übei^ Vulkaue* ^ 

r * ^ • - ■■ ■ 

unbekannt ist, und der mit seiTiem Ricfaterauge unser reines 
Gewissen durch&chaut. Damit nun alsb jener von oben her 
in uns beiden erregte sehnliche Wunsch, d^s erfüllen könne, 
vv^pnach unSLere Seele stet» gestrtjbt , ^a«ji,tStftnne feindlicher 
TrefFen. gestillt werden, damit das ch-ristHche- Volk nicht fer« 
ner unter zahllosem Ungemach erliege, sondern der Güter des 
Friedens:» g^niefae^ sxx wüfrschen wir^ daf& Ihr uns in dem 

I Stück willfahret, dals Ihr Euch mit uns nacHKaczarils begeht, 
wo wir nach unserer beiderseitigen Rathgeber Angaben als- 
dann über ^ie Beil^giin,g unserer i^^fiÄtigk-eit per^dnHch un- 
terhandeln können. Gegeben in ^Brzescze i4lO. Ein sehr 
merkwürdiges Stück, UnteV diesen in dei^ Noten gegebenen 
urkundlichen Stücken ist ferner auch das S. 240-^-246, Mit- 

^ getheilte. . £s sind Klagen , die der deutsche Orden im Jahre 
1411 gegen die Stadt Dankig zu führen, hatte. Es sind 29 Ar- 
!iikel, .die. unter derAufschrift : Dis nochgeschrebin synd die 
Artikel wedir die Stadt Danczk, aufgezahlt werden. ; Wir 
»jachnen ferner dahin den Brief von Heinrich von Plauen, 
Herrn zu Gera^ ai^i den Landgrafen von Thüringen und den 
Markgrafen von Meissen , der S^ 27Ö — ''76. angegeben ist. 
Doch, wir fürchten vielen Lesern dieirer Blätter schon viel 
zu, ausführlich über urkundliche Bereicherungen der Geschichte 
gewesen zu seyn , und schliefsen mit dem aufrichtigen Wun- 
^chcf dalis diese Art von Studien, wie sie von den Königsbei- 
ger Gelehrten getrieben wird, lecht viele Aufmunterung fin- 
den, und überall von dem jugendlichen Publicum, so gut auf- 
gefaXst werden mdge, aU dies in Königsberg der Fall seyn soll. 

Schlosser* 



Üeh^t den Bau und M9. Wirkuhgsart der Vulkane in, verschiedenen 
Erdstrichen von Alexander von Humholdt* Bprlin t823. 8. 

-/' 56 ;s. • ' " ' 

(Jeher den Ursprung der Vulkane in Italien von Rudolph von 
Vrzystanouoski» Berlin 1822. 6. IV» und 78 S^ 9 Qr* 

Unter allen Erscheinungen im Geheimfeicbe der Natur hat 
keine den forscbbegierigen Geist des Mensehen auf eine mehr 
lebendige Weise undackofn spirähe angesprochen , als- die Be- 



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t. Httmbdidt und Prsjifanow^ki übet Vnlkane. . '259 

trachtung det Feuerberge und ihrer' grofdattigen Wirkungen. 
Bei den ältesten Dichtern kommen Spuren des Bekanntaeyna 
mit Vulkanen yor« Aus der geschichtlichen Zeit sind uns 
Beschreibungen des Aetna und seiner Ausbrüche aufbewahrt, 
aber gaiiz in mythisches Gewand gehüllt. Unter den Rdmerii 
tritt noch Virgil durchaus in ihre Spüren ; nur etwas weniger my- 
thisch. In d^r bekannten Fabel vom Empedokles scheint schon 
eine Spur von Beobachtung der Phänomene , von Forschung, 
sich zu finden. Worauf auch die Hypothese über Entstehung 
des Feuers bei Lucretluis beruhen mag (der ^ wie bewulst^ in" 
seinem Gedicht Vieles ded Empedokles philosophischer Poesie 
verdankt) ; dieselbe ^IjEypothese bat sein jüngerer Zeitgenosse^ 
der Grieche Strabo. Wie wenig aber überhaupt das Alter-* 
. thum selbst über Dinge, die es» wie die Feuerberge interes« 
sirte, Forschungen anstellte, ersiebt man daraus , ^dafd mit 
einziger Ausnahme des Ovid , der mehrere Hypothesen auf- 
stellte , dieselbe Hypothese fast von allen folgenden Dichtern 
und Prosaikern wiederholt wird, Ihre Nachrichten *über die. 
Vulkane sind also nur in sofern fbr uns interessant, als sie 
uns geschichtliche Data geben , o^er mehr und weniger ge* 
freue Beschreibungen der Berge und ihren Eruptionen Über« 
liefern, »— Die vulkanischen Erscheinungen, sagt einer det 
bewährtesten geogn ostischen Schriftsteller neuester £eit^ 
sind ein Labyrinth i in welchem eine Erklärung sehr oft ver« 
Schwindet 5 wenn wir uns schmeicheln sie erfiilat 2u haben% 
Die Phänomene def Ausbrüche mit* ihren vielartigen Bessijö* 
hungen, das ununterbrochene Wirken mancher VulkanÄ, €in^ 
sehr zusammengesetzte Natur andeutend^' im Gegensätze ZU 
den ruhigen Zwischenräumen* anderer ; di&Föjm und Aus* 
dehnung de5 umfassenden Kreises, so wie der d ^^ugbleireZu* 
sanunenhang , das gleichzeitige Tbätigseyn w^t entlegener 
Feuerberge und die ewige^lY^annigfaltfgkeit von Wirkungen 
in Anziehungen, Verbindungen und Trennungen bei ihrem^ 
in langen Perioden sich gleich bleibenden ii)dividuelleli Cba^ 
rakter ; die Entwicklung von Kräften , Summen und Graden 
nach unermefslich — das Ganze vulkanischer Erscheihungeii 
deutet einen mehr allgemein verbreiteten Naturprocefs an. Es 
läfst sich vielleicht siurÜckfÜhren auf elektrochemische Pro- 
cesse 5 auf galvanische "Vorrichtungen von kolossaler Gföfse* ^ 
Denn alle Phänomene der Vulkane beweisen^ _ dafs die unter- 
irdischen Feuer entweder „dynamisch^ spannend und erscbtfti 
ternd irri Erdbeben , oder producirend und chemisch ändernd , 
sich äufsern;«« sie bewei«en^ dafs jene Kräfte nicht obijrfiäch- 
Uch, au» der 9 ufsern Erdrinde ^ sondern tief aus dem Innern 

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260 V« Humboldt und Frzystanowski über Vulkimt. 

unseres Planeten, durch Klüfte und unausgefüllte gangartigi 
Räume nach den f erlisten Stellen der ErdQäche gleirbzeitig 
hinwirken.' Nicht unmöglich ist ^ dafs -der LipJ^kreis als das 
ganz allgemein verbindende Glied erscheint, wodui*ch die che- 
mische Thlitigkeit an den entlegensten Funkten gleichzeitig 
*auf dieselbe Art angeregt, begünstigt oder gehemmt wj,rd.— 
f Herr TOn Pf^ystanowski — au&. der Schule PJ/erner^s her* 
vorgegangen 9 der, während eines fünf jährigen, Aufenthaltes 
4n Italien y eifris beobachtete uxid,. als Kesultat dieser For- 
schungen , eine Reihenfqlge denkwürdiger und neujer Thatsa- 
chen darlegt — ist, wenigsteVi.s was die Vulkane ttaliens be- 
trifft ^ der Meinung^ dafs Schwefel denselben Das^yn und 
Fortdauer gehe. Der Schwefel Endet sich nach ihm mit Ei- 
senkies, Antimonglanz , Asphalt, Steinkohlen und Steinsah 
eingelagert im Kalkstein, Mergel und Gyps, Er bildet Flötz- 
zttge die mehrere Meilen weit fortstreichen ; auch grofse hut- 
zenartige Massen Endet man von demselben zusammengesetzt. 
Auf «wei Hauptzügen erscheint jene brennliche Substanz ver- 
theilt« Der eine dieser ZiVge ist der Adriatische, an der dem 
♦mittelländischen Meere zugekehrten Seite ,der Apenninen; 
der andere Zug^ der mittelländische, ^begleitet die Apenni- 
nen auf der Seite des Adriatischen Meeres, Es zeigt- sich, na- 
inetitlich in de^imittelländischeA Zuge, eine, nicht vomMeere, 
sondern vom Zutritt der JLtift und .des Wassers durch die 
Klüfte des Kalksteines beg(;Lnstigte, so grofse und raannich- 
fiache chemische Tjiätigkeit, dafs man nicht staunen darf, 
wenn sid bis zu der Höhe und Heftigkeit gesteigert wird, wie 
dies bei Vulkanen statt hat. Die chemiscbe Thätigkeit zer- 
fällt in zwei Hauptabtheilungen; eine, worin die jErscbei- 
nungen mit^ färnie und Feuer verbunden sind, eine zweite, 
^ Jjei welcher sie ohne Wärme und Feuer statt haben. Zur er- 
sten gehören die naächtigen heifsen iSichwefekju eilen, die we- 
nigen heifseri Solfataren , . die Fumachien und. die Vulkane ; 
• zur zweiten ist man berechtigt die Schwefelseen zu zäbleii, 
die vielejii kalten Solfataren ^ die Salsen oder kleinen Schlamm- 
vulkane. Herr von Pr, führt, zur Unterstützung seiner Hy- 
pothese 5 den Umstand an , dafs alle Feuerberge Italiens auf 
dem erwähnten mittelländischen Schwefelzuge liegen und zum 
Theil bei Solfataren« 

Herr von Humboldt äulsert sich dagegen über die interes« 
»ante Materie auf folgende Art: Es ist oft Sie Frage aufge- 
worfen worden, ,was in den Vulkanen brenne, was die Wärme 
errege 9 bei der Erden und Metalle schmelzend sich mischen* 
Die neuere Chemie antwortet: was da brennt| sind die Erden, 



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Hj Harlefs d« Epichanno. 261 

die Metalle, die Alk^alien selbst, «laß heist die Metalloide die- 
ser Stoffe. Die feste, iTereits öxydirte Erdrinde scheidet das 
umgebende sauerstotfhaltige I^tiftmeer von den brennbaröiii 
uiioxydirten Stoffen im Innern unse« Planeten. Die Erfah- 
rungen, die man unter allen Zonen in Bergwerken und Ho- 
len gemächt, beweisen dafsscbpn in geringer Tiefe die Wärme 
des Erdkörpers um Vieles höher, als an denselben Orteti die 
mittiefe Temperafur des Luftkreise« ist. Eine so merkwür- 
dige und fast üllgemein bewährte Thatsache steht in Visrrbi«- 
durg mit dem , was die vulkanischen Erscheinungen un» leb- 
reif. Ltaplace bat sogar schon ^die Tiefe au Berechnen ver- 
sucht, in welcher man den Erdkörper als eine geschmolzene 
Masse betrachten könne. Welche Zweifel mati auch, trotz 
der gerechten Verehrung, die einem so grol^sen Manne g^* 
buhrt, gegen die numerische Gewi fthei t eineir Solchen Rech* 
mmg, erheben Icann, so bleibt es doch wahrscheirtHch'^ daß 
alle Vulkanischen Erschein-ungen aug wirrer s^ht ^iniacheii Ur- 
sache, aus einher iteten oder- vorübergehenden Verbindung 
zwischen dem Innern und Aeirfserii "unseres Planeten «nt^te- 
hen. Elastische Dämpfe drücken dje geschmolzenen, sich 
oxydirenden Stoffe. durch tiefe Spalten aufwärts;* Vulkane 
sind, so zusagen,' intermittii^ende E^dquellen ;'f die flüssigen 
Gemenge von JVJetallen, Alkalien und Erden ^, die zu Laven* 
strömen erstarren, fliefsen sanft und stille, ' wen» sie, geho- 
ben, irgendwo einen Ausgang finden; Auf khnliche vveis^« 
stellten iich die Alten (nach Flaton'sPhädon) alle, vulkanischen 
Feiierströme , als Ausflösse des Pyrip biege thonvörl 



Dd Epicharmo scrijfsit Hemfanmus Harlefs, Ph\ Dr» A4» LLf M» 
Essendwaf supiptHtts Q, D, Bapdecker, i822,; 65- <^, 8« Q Qr, 

t Ein Inauguralspecimen , nachher umgearbeitet und' aiini 
Druck befördert. Der Verf. hat die Absicht, späterhin die 
Fragmente jdieses Kontikers herauszugebeir. Der Gang der 
Untersjchung in ^dieser Schrift ist folgender: ;Die Üntersa*< 
chung über den Ursprung und die Fortbildung der grieghi* 
sehen Komödie ist durch Bentlei, Dahlitiann, BLanngieCser, 
O. Schneider. ü/A. noch nicht als geschlossen zu betrachten. 
War nur ein Epicharmus , oder waren es nur zween'^ Ist jder 
Philosoph ein.' Anderer y als der Komiker? E» ist nur rin Epi 



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i^^ CiaerQjii^ 4t J^ef» ^a« inpexs, tpp, Steinaqkerns,. 



JYJj Tulli Cieeronis De Repuhfica quM vi Codier .VaticanQ si^n» 

.. ,4un(,r — : aum ^ngßli Maji -praefationq.integfat ^chgliis €t ad- 

jnoiatiombtcs sql^Gfiis s it, speci^ine palipipsejti V-atic^i^^^ .Ji«- 

e^nsuit et cojnplurjj^n^ in lopU en^en^apit'Fßrdin^n4(is Stein" 

^-^ fickei^^us» Affc^dpt ■ E^isjiola Godcfredl Ifjßrmanni, JLipsiae 

, jfunßptihus Har(k(wchiiL MDCCCXXHL 8, Xr S. For/'/ 16 S. 

pie Mp» Hermanni, i^XlV. #,. Die Profif* 4 Mf^h 4(^ Werk 

. ; selb^^ i§6 S. und ^^. 444* ^t Carx. ... , , iXUr.^AOr. 

_,^ Kai^ip ßin Jahr Ut 4a^ mit «o V^^} Sehnsucht ^rwai:tete 
Werk in den Hän4en.,<Jes Publicuqas, und.^cbpn sind 9 Aus- 
gaben ei:schienep4,. und eine JO. und 1 1. ist angekündigt, ja, 
wir dürfen erwarjien,, da^s, pbr^e dafs m^n davgn Nptiz hat, 
yielleicbt jetst schqu nqcU. einige unfiei; dei? ITeder der PHilo- 
Jpge^ fin^ und wjir w^underai un^ üur, dal's nian, 11^3 npcb 
Jcein^ deutsch^ U^bersetzung ajuin Jv^uf au^biptet.*). prschie- 
jien sji^d bis jetzt: 1) T^ie Ed, princeps yoii A.Majus^ ß.pmae 
1Ü22. .. 2} Der gleicbzejitige Abdruck d^yon Stuttg.und^Tüb, 
bei Cptta, 3) per gjeiicbzeitige Ahdr,"ck.ii^it der frapz. Ue- 
J)eraet^ung von Vijlemain. Paris^ . 4) Ein Abdruck bei Tauch'- 
jiit:^ in Leipzig, als l3. Tb^il der Werl^e d^s Cic, in ,12, 6) 
Jliji Abdru(3c bei Groosii} Heidelberg, in 12» (sehr §cböp). 
£)) Die kleine-Ausga^i? von- .ßtfmrw^. 8, ^onxi bei iVJapcq.^» 7) 
Die Ausgabe von ^c/jiä/z ^Is dfittei* Band (Jes Iß. '|'he^)s st^inec 
Äu«g, ^ps Cice^-p. >8. Leipzig bei iTleischer. ö) Die ^u&gabQ 
yon Lechner. 8. Sulzbapb oei Seidel,, die yv\v jedoch npch p,iclit 
jj gesehen bab^n , ungeachtet. *ip der Mefskatalog als fertig an- 
giebt, 9) Die vor uns liegende ^teinackersß}ie. A"^§6rd^/H be- 
sitzen wir ,bereit-p: i^taatswUsenscJ^ajp^liche ß.etc^btungen , übqj^ Ci' 
fero's neu aufgefundenes PP'erk de -Rep^ von D. J^. S» v» ^«fÄa" 
yi«. 8, Heidelb. b. Oiswald, 182 i. 

Diese Tbätigkeit förlVerbreitung und für Verbess^irtuig 
pder vielmehr Reirjigung des Weyks ist ein beweis, ^mit wel* 
cbem. waripen Interesse d.as Buch , b^^i^onder^ in Deutschland, 
a}ifgejiommen.wprden ist^ |ind in spfern k^pn ipan dfe^ejbß 



t) So eben kommt uns die Ankündigung der Hoossch^Q Bwcliband- 
luüg ih Pulda zu Gesicht {70m Jul, l82o) nach welcher eine 
üebersetzung des Werkes mit Einleitung und erlä'nternden An- 
merkungeu yon Pierre ^ als unter der Presse befindlich, bis zur 
Hichaelismesse 1823 versprochen wird. - . 



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erfreulicb neiüien« ]Jn&euncllicb geatimmte k^nn^n fr«iUcI]|. 
ander« Ansiebten haben, können von Speculationen , £i1ferr 
tigkeit und d&rgleicben gar erbauliph feden , und in 90 allge« 
meinen Setzen,, dafs sich ihnen. wenig entgegen l^alten lüXst, 
Wir *wolJen indessen nicht in ihre Klagen einstiinqien , ditj 
Abdrücke zun^ Behufq der Verbreitung loben t und h^i den 
Bearbeitungen nicl^t fragen, in welcher ^eit sie gefertigt \yor« 
den, sondern ob sie etwas taugeii. Sind denp iiiim^r diejeni^ 
gen Büchef am besten ausgefallen ^ at> denen Jahre la|ig gear«; 
Leitet wurde ? Wenn uns also Hr. St. gesteht, dafs seine Arri 
Leit das Werk von eii| Paar IVJonaten sey, so soll dies nicht 
geradß ungünstiges Vorurtheil gegen sie erregen^ Er vfolltje. 
keinen ^a^hcommerjtar schreiben, sondern nur den Text be- 
richtigen ^ und dies hat er denn auch compWrihus in loßisy wie 
der Titel sagt, gethan. ZUese compl^ra hcq sind freilich nrcht 
viele, die Jim, Sf. . ejgerjen Verbesserungen o^Öchten sipi^ 
wohl nicht üb^r ein Paar Duta^end belaufen und'seine Anmer« 
iungeij dürften wohj keinen Bogen füllen. Aber sie verdie- 
nen zuQi Theil Beifall, einige sin4 auch von dpr-Art, dai*a 
fast jeder, der das We^k o^it Aqfoierksainkeit liefst, darauf 
kommen nnufs. Jlef, l^at sich im Laufe dieses Jahres viel mit 
dem W:^rke 4^ Ätfp. beschäftigt, und in den ersten Monaten 
clesselben. ^ne^ vielmal gröfsere Anzatj! yc^n, Stellen^ als Hr. St.^ 
kritisclx bearbeitet; späterhin d^nn die ^Ißii^e Heincich^che^ 
und diese Ausgabe mit ^eiyien Bemerkungen vergliche^, und 
z, B, die Stellen fl, 2. V, 5. von beiden ganz ss>\ wip er ge- 
than hatt^, vevbe^sert gefunden ., in einigeiis andern fand, e^r,. 
hald Hrn. H. b^ld Hrn. St. mi^ sich ttbereinstimq:^en(l. — l^, 
der gut gescl^r^ebenen Vorrede sagt Hr. St.,, er sey nicht av§ 
«ignen. Antriebe an die Arbeit gegangei^ , ^ondera von einem 
Buchhändler aufgefpfdert, dem flrn. Prof. Herrmann eifie iV^i^f 
gäbe zu yer^nstalten gerath/sn habe* Pie. Arbeit sey ihm in*, 
dessen lieb geworden^ der Buchhändler aber wegen derJV|enge 
der Ausgaben, 'dje kanten oder angekündigt worden, zi;;*üc^ 
geti*eten. Hr. Pr, H. schaffte efnen andern Verleger, und das- 
Werk wurde ^cbmell. gedruckt... Dem Hrn^ Ang, JVfaj. wird 
gFofses Lob jgespendet , das wir demselben, ungeachtet manf- 
cher starken Mifsgriffe, auch nicht zu schmälern gedenken ;.. 
einige Ergänzungen des Hrn. A. JV^ werden aufgenommen 
und einige Noten desselben; die ganze Zusammenfügung des 
Buphes' w^ird beibehalten I (wie sie denn. 4. M^ wirklich mit 
vieler Einsicht und Umsicht angeordnet bat) , die Fragmente 
dieser Bücher aber, die sich bei andern Schriftstellern, je- 
doch nicht im Manuscript, finäen^ weggelassen | diejenigen 



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266 Cictroiiit dd Eep. ^nae superä. ree« Steinifteketus. 

aüsgenompien , wekhe so in dier Lücken der Handschrift fal* 
len, däfs sie mit dieser aufs Engste» zusammenhängen^ Einer- 
seits glaubte Hr. St. | der erste^Herausgeber wÖrde besser ge- 
than haben, jene Fragmente ans Ende zu stallen; anderer- 
seits abt^r verm[Utbete er, '^s-möchten wohl noch manche gai; 
nicht aufgezeichnete und gefundene Fragmente in den alten 
Schriftstellern stecken, die zu sammeln ihm die Zeit nicht er- 
laube, und lieft' deswegen alk schon früher bekannte Frag** 
xnente weg, wodurch denn seine Ausgäbe, besonders in den 
letzten Büchern, weniger Capitel bekam und vom 6. Buche in 
ihr nichts zu les^n ist. Von Hrn. A, M. weicht er auch dari'n 
ab, dafs er die offenbar falsche oder veraltete Orthographie^ 
die jener beibehalten hatte, jedbfch mit Vdrsicht, verbessert. 
Manches aber', als dem Gewöhnlichen vorzuziehen , . beib«» 
halteh hat, z, B, die Accusative omnis ^ prohabilU^ detestahilis^ 
auch, bei der doppelten Schreibung der Alten, ' die Genitive 
Optimathim, locupletium , civitatiüm^ wo sie die Handschrift hat, 
ferner Mar!, Tulli , ' Opimi y jiichimedi (als Genitiv J), relicuus, 
cadide , utruhique j ' fortan y quattnorj niilliens u; dgl. "^Y'^^i ^^®^® 
Schreibungen ihm richtiger schienen, • 

> Wir berf^hi^n nur noch efinige Stellen , wo «der Heraufege- 
ber Aenderungen gemacht oder vorgeschlagen hat. L. I. 1. 
0t qui sunt procul ah aetatis hujus memoria , com.memorarer eqs desino, 
ne quis se auf suorum atiquem praetermissüm queratur* Hier Jgiebt 
Hr. St. in der Note dieConjectur : et quonlam sunt non pro» 
cul, ohne zu bemerken, dafs schon A. iVI. emöndirt hat et qui 
sunt haud procul, wiie Sogar im Texte steht, ob er.. gleich* die 
Conjectur in den 4ddendis zurückgenommen hat. ; Uebrigens 
Würdfen wir die Verbesserung des Hrn. A.M. vorziehen, und 
finden 7«omflm gar nicht nöthig , welches zu stützen Hr. St. 
nonnulli supplirt , welches Gic. , wenn er es dachte, in dieser 
Construction auch* hätte schreiben müssen. — Gap. 8. et in 
explicandU ^ratiönibus rerum. civilium quandam facultatem nön modo 
usuy sed etiäm studio discendi et doeendi essemus auotor e s» Hier 
verwandelt Hr. St. das offenbar corrupte auctores in nactiy wör-. 
aus, wenn nancti geschrieben war, leicht auctores werden 
konnte. Diese Vermuthdng gefällt uns sehr. Ref. hacfrCl-, 
her adejjti emendirt , und ein Jenaer Recensent assecuti *).' 



*) Heinrich hat sich begtiiigt , durch' ein Sternchen auf eine Cor« 
ruption aufmerksam zu machen. In Erwjartung seiner gröfsera 
Ausgabe enthalten wir uns von seiner kheinen eigentliche Anzeige 
lu geben. 



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GieeroüU cU Rep, ^paa mpers, r^o, Steihackcru^. 267 

C. 16. qui ut scrihit anno quinquagetimo CCC. fe^ra p» A. «. nortis 
lunis soll luna ohstitit et nox, Hiet emendirt Hr. St. : qui adscri^ 
izV, und achreibt die Worte Nonis —7- et non richtig aU eiuen^ 
Hexameter, dem die erste Sylbe fehlt. — C. 22. ,menüneram^, 
-persaepe te cum Panaetio disserere solitum coram, Polyhio duohus vel 
graeci^ vel peritissimis, rerum civilium» Da3 erste vel scheint in 
der Handschrift ausgestrichen! und A. IVf. hat e^s weggelas« 
sen. . Hr, St. hat es wiederhergestellt, und .erJdärt ia, der 
Note t Duo jifricanuf disserendp effecit , primo ut rem Romt^na^ a 
majoribus irutitutam lange optimam- 6sse sustinerßt advertus Oraecds,, 
tum ut adversus Oraecos non golum , ted eo^dem rerum eiviliupt -peri^ 
tissimos viros, ^ Aber wir zweifeln, oh vel' vel diese Bedeiituns' 
haben kann, wie man zuweilen sive^sipe gebraucht, oder dajls 
es soviel als nicht nur ^— sondern auch bedeute. Beweis^)tel]ei>. 
oder Beispiele aus Cic. anzuführen, unterläfst Hr, St. .wi^ 
durchaus , so auch hier^ . Wir dachten {»chon, ob nicht viel* 
leicht die beiden \jel au^ Abbreviaturen entstanden seyen, und 
man. läsen könnte duohus vir is graeois et (i, e, iisque') ferttissiT- 
mis rerum civilium, — C. 2^^ wird eine sehr einleuchtende/ 
Emendation von Hermann mitgetheilt; Nam Uli regi.r^. jiu^^sti 
ad invitandam (kür immutandi) animi licentiam crudeltfiipius ille". 
Phalaris» — C. 4o. Ergo etiam illud vides^ de quo progrediente^' 
oratione Ventura me dicturum puto. Hier sagt A» M. : „ZtA. , 
Cod» gentur a (^aut fu. tura) 2, manu , quam I, fuiss^t uita. At^ 
quiutrumque omitti pottdt/* Und in ,den AddJ p, 333., Sagt er J: 
uentu rä corr» futura* Hierauf hat Hr^ St, mit.Jiacht keine. 
Rücksicht genommen, denn wie sollte Cic. progredie'ns oratio 
futura sagen»kdnnen? Eine leichte Emendation schlägt d^ir ge>» 
liannte 'Jenaer Recensent vor, nemlich fUr Q&ntura jsu lt?seit. 
iterunu Hr. St. streicht das Ventura als Glosse des vorberge^ 
henden -progrediente weg. Dies wäre aber eine klägliche Glosse« 
Unsere Ansicht der Stelle ist diese. Wenn man nicht lieber 
das vorgeschlagene iterum annehmen will, so lese, man; vides^ 
quo progrediente oratione genjiurum nie puto,.^ Zu dem quo^^oen^ 
turum hatte ein Glossator über die Zeile geschriebien de qub — ^ 
dicturum 9 und als diese Gloss,e einmal in den- Text eingeschli- 
chen war, veränderte man oenturufp ih Ventura» — C. 45. esso 
aliud auctoritate principum partium ac trihutum; esse^ 
quasdam. res servatas judicio voluntatique multitudinis» Aus dem ver« 
dorben scheinenden partium machte A.M. partum. Dies genügte 
Hrn. St, so wenig als dem Ref. Er emendirte also im Ein- 
verständnifs mit Hermann auctoritate prindpum .pavtitum ac> 
tributuntf i, e.. dii>isum «0 distributum sagt^er* Ref* stufst sich-' 
noch an ^auctorifate $ und vermiithet entweder auctoritati 



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> \ 

36ft GieeroDi« de^ Rep, ^ua« lupen. rec. Steirtsckern«. 

j ' . . ,' . ■ 

jfAncipum -partum ae(i, e. ieique) tributum , oJer auctoritüil 
frincipum partiurri (dem Einflüsse der Partei <!er Vornehmen) 
ßttribuitujgiy wie Ör, 'pro Fontej. 6, 12. steht: aut cupido 
auctarit^s attrihuta videatur* '. — II. 4 ut res ad vlctäm " nß" 
pesfarias non solum.mani a^ s orbere tj sed etiam acciperet ex terra, 
A, M. sagt hier': moneor ut corrigam suhveheret; doch begijeift 
ßt nipht recht, wie ein Abschreiber daraus 'ßhsorheret machen 
Konnte!. * Wir auch nicht. Heinrich hat suhveheret aufgenom- 
rtien. In den Add. sagt A.M. aber t absorh^ret videtur quäedam 
' pitiosa metathesif tx süb&e heret. I>ies6ni giebt Hr. St, kein 
Gehör, sondern vertheidigt die Lesart der Handschrift so: 
tfiari dhsorhe ret est tjußsi (ja Wo\\\quasif) e muri sorherei. ,jEle* 
gatttissima Cicero et vdee et imagine , ap^issimaque significandae rei 
usus est, Qn0d eriim mare abundat commerciis y afßuUque reram ad 
dictum tiecessariarum copia, dicitur urbs ex ubere ejus ^ quasi murictSy 
pictum suunty ut ore animal ^ ßuminis ostio trahere,** — - Credat Ju^ 
4t*9Üs Jpellaf Also schwülstig und unlateinisch zugleich soll 
Gicöro geschrieben h^aben? Das ist zuviel auf einmal.* Wir 
^oHeh nicht entscheidend sprechen, aber muri ar c e ssär et 
iti'4bhte der Wahrheit dxfch wohl näher komtnen : S. Epp. ad 
Fam. VII, • 23. sed tarnen » certiorem velim me fäczasj ubisint, 
^ando'üre^esfantür^ q^a genere cectu rae, Cap. 31. Itd* 
^ue' ^Pubiieoiä lege itla de prö&ocatione laia^ statim securisr de fnsci' 
im$ dämi jussit. Im Cod» steht sublata pertß ^ ' ^h^r perta' ist aus- 
gestrichen« Hp. A. M. 'Streicht' auch iioch smb weg, tind giebt 
' Uns Uta; welches Ör. 'St> acceptirt. Aber woher denn die 
wuntlerlicbe liesart des Cod. ? Ohne Zweifel hatte sich die 
i^lschiB Lesart süblata itiXhe eingeschlfchen ,- weil ein Abschreie 
her auB statim -^ demi jussit schieis, es sey etwas abgeschafft 
worden. Ein anderer corrigirte dasRkhtige darüber etwa so 

pgr-^ta j^g dann ein dritter gedankenlos nebeheiiian^er schrieb. 
suhlatoj ^ ^ 

0a£s perläta iihev dat Richtige ist, kann Liv.II. S.^ den A.M« 
9elb^t citirt , » lehren. -•— G. 40. immani insidens beluae , eoenst et 
yegitheluani'i quocunque vuh — inßectit illoih feranu Hr. St. er- 
klärt coercet et regit beluam ftlr eine öloss«', und schliefst die 
Worta mit Klammern ein, M^eil bald darauf komn}(3 unam coer" 
pet beluam. Qä» letztere al)er spgt. Spipio absichtlich nach ei- 
j>er kurzen Zwisöhenrede dtfs Läh'us; und dai's beluam steht, 
nachdem kaum .^«^»«8 vorhergögangen ist, ist wohl eben so 
wenig izu tadeln als Cic. de Legg. I, 1,2. T'amen erit in his 
' locis quere US 9 quam, J^ariantsm quer cum vocent, AVir verniis^ 
aen an ^jjnserer Steile nichts, als et vor quaemique^ welches leicht 
ausgefallen svyn kann» Doch wir brechen hier ab, um noch 



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Ciceroais d^ Rep. ^uh« siiperSi fife* St^inack^ros« 269 

ein Faar Worte über die Epistota Herjt^anni an deii Herausgeber 

lu sagen. , ' , , . 

, Diese Epistota wurde veranlafst durch eine (die längste)' 
Note des Ürii, St. liber II. a2. , wo A. M. zu der Stelle über 
die Cent urien : iSTa/ic ra^ionem videtis $ss9 -r- solae si -accessöruntp 
Niebuhrs Ansicht in einen- Note mittheilt ^ und ihr seinen 
Beifallgiebt. Hr. St. will die Stelle retten und rechnet Hrnw 
N. die Unrichtigkeit seiner Verbesserung vor; bleibt aber am 
Ende. noch in Verlegenheit, wie siqh Cicero's' Erklärung mit 
den abweichenden x\ngaben des Livius und Dionysius von 
Haiik. vereinigen lasse. Mit dieser Vereinigung nun beschäf- 
tigt sich die scharfsinnige £pistoia Hermhnnifden wir bisher 
auf dem Felde d^r römischen Alterthümer nicht haben ÖiFenta 
lieh auftreten sehen, i^s.ist uns unmöglich^ ohne für diese 
Blätter ^u weitläuftig zu werden, .in das Einzelne dieser Un- 
tersuchungen einaug^en, da wir erwarten dürfen, dafs^ohhe 
dies Jeder i der sigh für. die Sache interessirt, sich mit den 
Actenstü<iken hierüber bekannt machen werde. Wir können 
uns aber einer Erörteruug hierüber um so mehr überheben^ 
da dei; Meister im räche , Niebuhr selbst, zu meiner Recht- 
fertigung die Feder ergriiFen, und in einer uns am Schlüsse 
dieser Anzeige zugekommenen Schrift j^ene Einwürfe beleuch;^ 
tet hat- , Sie liat den Titeh 

lieber die Jtfachriciit von den CorttUien der Centurien im zweiten 
Buch CicSro\ de re puhlica* Von B, Gi Niebuhr» Bpna 
bei Ai Motens. 1823» 90 S» S4 • iB Kn 

Noch ehe uns diese Schrift zu Gesicht kam ^ , wat uri^ die 
Leichtigkeit verdächtig (wir möchten fast Leichtfertigkeit 
sagen), mit der Hr. St, mit^einem Manne wi-e N. fertig ge- 
worden zu.seyn wähnte, der der Erforschung der alten Ver- 
fassung Roms schon weit mehr Jalire gewidm.et hat, als Hr, 
St. seinem ganzen Buche Wochen. Diese kleine Schrift N*s. 
ist von Wichtigkeit und eine unentbehrliche Beilage zu allen 
Ausgaben des Gic Werks. Er giebt zuerst sein. Urtheil über 
Cic. Werk , und die (geringe) Ausbeute an Notizen für die rö- 
mische Geschichte und das römische Staatsrecht ab, erklärt, 
dafs er in Erwartung bedeutender Aufschlüsse die Fortsetzung 
seiner römischen Geschichte, verschoben ttabe, dafs aber über 
d^n entscheidenden Uebergangspunkt von der mittlem' zur 
spätem Verfassung des Republik die nämliche Dunkelheit, 
wie vorher, geblieben sey. Dann wendet er sidb an Hrn. St. ^ 
und bitit^t ihnf nicht ohne Ironie«^ um. Nae^k Weisung der alten 



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970 Paiil/ üb«r Gymnastik. « 

Schriftsteller aufser deiüDionysius, 4i0 193 Cfehturien an« 
geben, weil er in seiner Note sage: tfui (numerus) ah omnihus 
•ptraeque scriptoribus . traditus estf erläutert a^nä Ansicht der Sache 
und erklärt dann,, jene vön A;M. als Emendatiön aufgenom- 
Aiene Stelle habe er demselben nicht als .£mendation oder 
Herstellung d<*Ä Textes mltgetbeilt, sondern nur um bestimm* 
ter vorzuzeichnen , was der Inhalt^ gewesen seyn müsse , und 
bedaure nur, Hrn. A. M. tiicht gebeten zu haben, seine von 
ihm demselben ausführlich mitgetheilte Anmerkung in einem 
Excurt anzuhängen , weil, dann H. waiirscheinlich dem Re- 
chenexempel des Hrn. St, seinen Beifall nicht geschenkt, und 
sich auch seine eigene, bei allem Scharfsinn dennoch ver- 
fehlte , Cbmbination erspart haben würde , die er dann , mit 
der einem Manne wie H. gebührenden, urid heide Theile eh* 
renden Achtung und Schonuhg zu widerlegen sucht, wogegen 
Hr. St. gelegentlich mit seiner , von uns oben'mitgetheilten, 
Vertheidigung des falschen ahsorbereeClI, 4.) noch schlimmer 
als bei uns wegkommt. Als wahre Emendatioa der bespro- 
chenen und streitigen Stelle giebt er nun folgende, durch die 
ganze Schrift mit Gründen belegte Schreibung derselben: 
Nunc rationem videtis ess6. talerh ut primat classis , addita centurta quae 
ad summum usum urhis fabris tignariis est data, LXXXI centurias ha^ 
h'eati quibus ev CXIf^ centuriis , tat enim rßliqua sunt , | ecfiutunt 
centuria^i cum sex suffragiis^ decem et \ octo, solae si accesserunt, *>- 
Doch genug, um auf die Wichtigkeit dieser kleinen «S^chrift 
aufmerksam ÄU machen , die mit der erfreulibhen Nachricht 
schliefst, dafs ihr Verf^ „die Fortsetzung der römische^ Ge« 
«cbichte endlich wieder unternehme«« 



üeher Gymnastik. Zin Gespräch Luciähs^ Von August pAuly, 
Tübingen, in Contmission htti Chr. Friedr. Osiandef, f82$* 
65 fJ. (Vorrede iis S* 20. , du 3 letzten Seilen Anmerkungen)^ 

- W. 8, 

Diese Uebersetzsung (denn eine Üebersetgting ist es, tvai 
der Titel nicht sagt) hat unter andern den Zweck, eine phi- 
lologische Bearbeitung drei)&r Lucianis'chen Schriften anzu- 
kündigen, in welchen zusammen „die Idee harmonischer Aus- 
bildung des Geistes und Körpers zum Wirken fürs Vaterland 
nusg^spro^hen erscheint, n7im\ic\i SmtrUum (fiAet der Streit 



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Paulj üb« Gji«uia«tik. Ä71 

der WissenAGhaft; gegen Handwerk u|id Philistersinn) dieser^ 
Anacharsis sive de gymnasiis und Patriae , encvmium**^ Di^ 
Ausgabe wird für Studierende seyn. Dafs es zu einer solchen 
Ankündigung keiner üebersetaung bedurft hatte, ist klar; 
allein der Uebersetz^i; hatte auch noch die Absicht dabei 9. in 
der Vorrede jene Ausbildung selbst aiu empfehlen, und er 
thut dies mit guten Gründen, und einer Wärme, die nicht 
vergifst, dafä das vor einigen Jahren so allgemeine Ti|irnen 
»ich „durch affectirte Veutsch thümelei fi/^rj widerlich,' und 
durch eine gewisse Geheimthuerei verdächtig und gehässig 
machte ,•' aber darum vernünftig geleitete Leibesithungen 
denno'ch für sehr richtig und Wttnschenswerth erklärt. Die 
Uebersetzung liest sich leicht und fliefsend^ ohne dafs das Co* 
lorit des Originals dadurch verwischt oder unkenntlich gewor- 
den wäre. -i)er Verf. folgte dem Reizisch ea T^xt von dem 
er nur an 5 Stellen abweicht, welche in den Noten ahgege« 
ben sind. Man findet diese Stellen nicht ohne Mühe, da da« 
Buch keine Capiteleintheilung hat und auch auf die Seitenzah- 
len nicht gewiesen wird.. Wielar^ds Uebersetzung ist benützt« 
„Mit diesem Meister,'« sagt der Verf., ,jum die Palme der 
Gewandtheit und' gefälligen Flusses der Rede tu ringen, w^re 
eitel vergeblich gewesen, ich sifichte ihn dagegen an iFreue zu 
übertreffen.*« Di^s können wir dem Vf. zugestehen und be« 
zeugen, dürfen' jedoch nicht verhehlen, dafs auch mit ihm ^ 
noch ein anderer Uebersetzer um ^en Preis der Treue rin- 
gen könnte , wie aus den wenigen Bemerkungen hervorgehen 
wird, die \irir noch dieser Anzeige der empfehlungswerthen 
Schrift anhängen ' wollen i C. 1, iastvctf) Einer. C. 3, Aani-ir 
io'jfft stossen mit den Füssen. C. 6. *uX/ou<7<v aAA>;Aoü;, wälzen^ 
sich, Q* 10. Tov hh vivLyjffavra «utcuv tffoBsov vo;ji/?Oji*evov 5 ihr^ 
Sieger aber götter gleich geachtet werden (st, der von ihnen, 
welcher siegt, Göttern gleich^ o^er einem Gotte gleich, gep- 
achtet wird). C. l3. ahv^hts yia) dfJi(pißoXa)i umgerissen, C. l6- 
d sieiv.snqayors^ rolg icukatovfftv i diesem Geschrei. — ■(J)Xo'ynxiv rouTovI 
eine fP'ärme, -^ ivLyia\fra o-K-jcta oYst dvttX^rici- iivai* wenn du 
zuvor alles dessen dich entlediget hast, was du glduhst dage^ 
gen sagen zu' können (15 Wörter für 5). C. 20. vawo-o/jtdu? : 
Zeughäuser. C« 22» coQ^Kfrai xai (p^Aoo-oCpoi * ff^eltweise. —^ afxt/- ^ 
vom; yyjvovTOil dies geschieht um s^ zu bessern. In demselben 
Cap. fehlt die ganze Zeile nai jtK toC JVou derXyjkoig crufAicoAiTau* 
»Bai. CJ. 24. T^vfxaTO)vl Schmerzen. Ebd. fehlt oroo-itaX/fffl^ ; 
Auch sind die Anreden tu^aujuiao-/«, cJ jüMtKä^i» ein Paarmal un- 
tibersetzt geblieben'. Doch dies mag genug seyn,. dem Verf, 
zu beweisen, dafs wir seine Arbeit nicht nur oberflächlich 



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279* / Kurt« Aazelgeo; 

angciehen hah^. Ob Wir abör gleith noch metoetfe Bemefi 
klingen dieser Art machen kdnnten ^(wie denn nichts leichter 
ist, als eine UebfefSetzung tadeln), so tragen, trir dennoch 
kein ^Bedönken, die üebefsetÄimg im Ganzen gelungen in 
lifemien ; namentlich Ätebt sie in jeder Hinsiebt unendlich weit 
Über der im J', 177^ erschienenen Waserischen , von der wir 
äu^h'^inen Thäil mit der Arbeit des .Hrn. Pr^ P; und demOri^ 
ginal verglichen habehw 



^nßingsgtÜHdh der. Differential» und Integral 'Rechnung^ Von P,Xi 
Brosiuif Gyntnatiallehrer in Düren^ Kölni8t2, M S^ 8. 2 FL 24 £r. 

, Der Raum unserer Blätter etlaubt e4 nicht^ die sMihlrei- 
cheii mathematischen Gompendien anzuzeigen^ iioch weniger 
^ine ausführliche Critik derselben, .aufzunehmen, Rec. hält 
indefs aas vorliegende wegen der Richtigkeit des Inhalts, der 
Klarheit 4er Darstellung und der Zweckuiälsigkeit in der Aq-^ 
Ordnung der einzelnen Gegenstäiide für eins der vorjZügliche- 
ren ^ und macht, des wegen das Publicum darauf aufmerksam^ 
damit es nicht untör der grolsen Mehgeauf einen kleine^ri 
Kreis beschränkt übersehen werde. Druck und. Papier sirM 
ftehr gut 9 jedoch hätten die sahireichen Druckfehler billig 
vermieden werden sollen, tline Anzeige derselben ist beige« 



Ü^ber den $. Gothaiscfeen Su^e^sidn^fall iit heuerlich 
hoch folgende Schrift erschieheh: s 

Einige Bemerkungen über zwei letzthü%, erschienene kleine Scfiriften 
in der S, Gothaisehen SuccessiönssacJiä' Im Pirc&r, 182S. iS Kr*. 

Wir gedenken auf diea^e Schritt zurfljckziikomitien. Wir 
bemerken 'bei .dieser Gelegenheit, d^£s wir als der Vf. den in 
diesen Blättern N* 77. v. J- angezeigten Schrift * (wie uns ein 
Privatbrief gefälligst belehrt hat,) irrig den Freiherrn v. Ga- 
gem (dermalefi int Darmstadt) genannt haben. Wir wurden 
.2u diesem Irthum durch die Schlufsworte der Schrift 'Verlei- 
tet, welche so lauten ^ «Ich weifs^ dafs die Art. 2* und 11. 
die Urtheil barkeit der .(deutschen) Staatfen gärantir^n" und 
unterzeichnet »ind : „von Gagern ,^« ohne dafs irgend etwas 
auf ein Ctt^ hiRdeutet.» 



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N/ia 1824. 

Jahrbücher der Literatur. 



&siU sur iä tonstitttiion geegHostiijuä ^däPyt^es^ päf Ji da Ckär^ 
jfßntitr f Directeur des mine^ du earitott de Fandf Merhbrä 
de la sOfietd helvetiqu4 de ieiences naturelles etc* Owürag^ 
ebuironAe pär Vlnstitut Royal db Ftiirice, Avee ünä -plancha 
Bt une tärtd geognostiqüB das Vyirdndesk "Basrli^ thep F4 O, Lti^ 
vratdtf iZti* 8. XFl Bt $9^ p* 

Hie erli8(i)etie Gebii^gskette 1 ^paäiöH Von Aäm franzöü* 
sehen Keiche scheidend, hat awar in den drei letzten Deeen* 
ni«'n an Maldus, d'Arcet^ Palassou^ dela Fei« 
rdufe^ de Dietrich^ Raüiönd de Carbonietes^ I^r* 
suüiot, Dralety Reboul^ Vidal^ Ct>rdier u« a« Be<* 
Schreiber gefunden, die| tbeiU das Oanse naturkvindiger Ge* 
genstinde b^a^htend , theik iiur einselni^n Zweigen der Wis« 
senschaft ergeben 4 unar likhr oder minder utnfasa^nde Schill 
derungen und Reiseberichte geliefert; ciÜein keihe dieser Hte* 
rfirischen Arbeiten läf&tei die Aufgabei des Vorliegenden Wer« 
keSf keine lieferte ein geognostisches Oemalde der FjrenÜen» 
Der Verfasser^ als sehr ausgezeichneter Beobaebteif 
durch frühere schriftstellerische Arbeiten bekjmnt/^ verweilte 
vier Jahre in dem denkwürdigen Gebirge. Sein Haupts weck 
wai^ das Geognostische ; indessen vergönnte^ er auch andern 
Gegenständen^ seii^ Aufmerksamkeit^ wie Sitten. und Ge«' 
brauche, Sprache^ Behandlung der Eisenerze u. s. w», und 
fiber diese verspricht er 9. eine Zusage defen^ Erfüllung wie 
mit Vergnügen entgegensehen 4 • besondere Schriften zu lie« 
fem. . ^ 

Sehr sweckmäfaig hat Hr^ v. Gh. seine Beobachtungen ^ 
nicht in geographischer Ordnung zusammengestellt^ auch nicht 
in der Folge , in welcher sie i^m ihm während der Kreisen 
gemacht wurden^ sondern man sieht sie gereiht nach der W^ise 
die sieh aus der Gesammtheit der aufgefundenen ThatsiK^hen 
ergab.. Diese Art ist durchaus geeignet, um den Lesern die 
Erscheinungen in ihrer Allgemeinheit und im EinzeKie^f wie 
in ihren gegenseitigen Beziehungen darzustellen^; dabei Wer* 

XVn. JaJwrg. 8. Heft 18 n 



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274 ' * Ch^rpenller sur la cönstiu g^oga» des Pyrönies, 

**.,*• , '■'. 

den viele nutzlose Ausführlichkeiten und Wiederholungen 
vermieden und «iifi genau verfafstes -Register erleichtert dem 
Reisenden den Gebrauch an Ort und Stelle. 

» Die Pyrenäen bilden eine .Gebirgskette tvyi^chela dem 
Oceaif und dem mittelländischen Meere , welche* in ^chi^ger 
Richtung, aus O. S. O. m, W. N. W., die zwischen 42 « 
26^ und 43« 23 ', nördlicher Breite und 16« 52 ^ und 20^ 
60' der Länge des Meridians , von Ferro gelegenen Lande 
durchzieht. Die Länge der Kette beträgt ungefähr Ö5 Stun- 
den, ihi-fe Aittlere ^Breite 20 Stunde ^ und die Oberfläche, 
ftbe-r welcher sie ausgebreitet Ltt, mag 1198 Quadratm^ilen 
stusmachen* - Gegen Norden wird dieselbe durch eine weit 
gfidehi^te Ebene begrenfct. In der -Mitte ihrer Längen -Er- 
»trecküng haben di« ^Pyrenäen eine Einbiegung und die west- 
liche Hälfte tritt um 16,000 Töisen^ g^g^n- Süd an- -am rück. 
Zahllose Verzweigungen sendet die Hauptkette gegen Süflen 
und gegen Norden., AuTh einxelhe, der ÖaUptkette- parallele, 
kleinere Gebirgsreihen nimmt man wahr. Der nördliche Ab- 
hang der Pyrenäen scheiin i^ Allgemeinen sanfter, als der 
Ȇdiicfae. (Dies war bekanntlich die Ansicht von Ramend 
und andern 'berühmten Näturforschdrn; der Verf. hat weder 
fSttr, noch gegen jerre Behauptung entscheidende Thatsachen 
Auffinden können.). Jn der Längen -Erstreckung fällt das Ge- 
birge steiler gegen Ost als gegen West. Alle grolsen Thäler 
der Pyrenäen^ si»d Qu^rthäler; die Längenthälet zeigen nur 
eine geringe Ausddiinung. , Die meisten lassen eine, Foli^e 
von Becken undEngpässen wahrnehmen; in den höheren Stei- 
fe» erheben sich diese Becken sehr jähe über einander, so, 
dafs die Thäler, statj: allmählig und gleichnSäfsig zu fallen, 
stockwerkartige Absätze bilden. Mehrere der Beeiden enthal- 
ten einen oder einige Seen, und bei ahdejm sieht man unläug- 
feare Beweise, dafs sie in früherer Zeit vVasseuL- Sammlungen 
bewahrt haben. Meist treten ein . oder mebrere Thäler in ei- 
iiein Becken zusammen. Der Abhang der die Thäler begren- 
zenden Berge ist nur seltW gleichförmig, öfter hat er klip- 
penarrfge Abfätze u. s. w. die ganze- Thalbildung scheint das 
gemeinsame Wetk von WaSser und Luft. Auf dem nördli* 
eben Gebirgsabfall zählt man neun und zwanzig gröfsereQuer- 
thäler; die Zahl der am s^lichefi Abfall befindlichen belauft 
sich auf acht und zwanzig; Dii» von den Pyrenäen längs des 
fiOdlichen Abfalle herabkoniimenden Wassef fallen ohne Aus- 
Tiahme in den Ebro; die vom nördlichen Gehänge abfliefsen- 
den , iergiefsen sich theils in das mittelländische Meer, theils 
in den Ocean. Flüsse und Bäche werden meist durch Quellea 



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iGhatp^tiet snr la coxMtit* g^ogn* des l^yx^nitis, «275 - 

ü jiteriialten ; das Wasser^ welche« die Gletscher liefern, ial: 
'im Gänsen sehr unbedeutend. Die erhabensteh Gipfel der Ge- 
birgskette liegen nicht auf dem hohen Gebirgsrücken selbst, 
andern. mehr, oder weniger davon entfernt,^ die einen gegen 
Norden j die andern gegen Süden, Die Pyrenäenkette er- 
scheint nicht von. gleicher Höhe auf ihrer ganaen JLängenef« 
•treckung* Yod deni mittelländischen Meere bis zum Golde 
Periüs bettlet di^ mitöere Höhe' tiur ungefähr 260 bis 300 
Toisen^ Hier, fängt sie an beträchtlich zu steigen und von 
den Bergen im Grunde des Thaies von Teta bis zu dem des 
Thaies ron^pTbidsisiiis mifst sie. im Durchschnitte ^twa 1000 bis 
1100 Toisen. Yon da bis ^um Thal der Garonnekatin man 
die Erhabenheit zu 1200 Toisßn annehmen. Dann fällt die 
Kette' etwas und«rhält eine mehr südliche Richtung.; allein 
SLtti PoH d^Espöti wo sie dem alten Streichen wieder- folgte steigt 
dieselbe von neuem am und am Port deViella beginnt der hoch« 
«te Theil de* Gebirges ^ welcher bis zu den im Grunde d«s 
Ofiau •- Thaies gelegenen Bergen sich erstreckt und etwa- l300 ' 
Toisen miist« Darai nimmt die Höhe allmählig db utid die 
Kette endigt ih der lang gedehnten ^ in den OceÄn > vortraten« 
den Spitze^ welche das Vorgebirge Von Fon^^r^tiid bildet. *-i- 
•Auf dem nördlichen Abhang der erhabenstön^fierge ^ndet man 
mehrere Gletscher» - Die beträchtlichsten kind di%l Gletscher 
der Malädettaf von Cräbitmles ^ vom Moht'*P&i€u, von der 
firhche de Roland utid von NeöuvUUe» S%e erscheinen. zumal in 
der Richtung der - Bergkämme ausgedehnt | ihre Senkung ist 
meist sehr jähe , dabei zeigen sich dieselben durchzogen von 
breiten und tiefen Spalten. Die Grenze des ewigen Scluiees 
wird 9- Dftch den Beobachtungen von Ra.mond, in einer 
Meeresköhe von 1250 Toisen getroffeni. Im Allgemeinen ist 
das Klima in den Pjrrenäen sehr sanft;. die Temperatut zeigt 
sich uux Vieles höher an den beiden Enden der Kette-, als im 
Mittelpunkte* Das Pflanzen - Wachsthum ist ungemein schöri^ 
besondears iii den, gegen den G^birgsfuTs gelegenen^ Thß« 
lern. * » 

So weit der Inhalt des ersten Abschnittes, • der Darlegung 
deräuf&erliche^ Verhälthisse des zu schildernden Gebirges ge- 
widmet. — Wir fassfti^ urh den uns vergönnten Raum nicht 
zu überschreitetiiy den jiw^iteh und dritten Abschnitt, die all-* 
gemeint An^iöbt des vgeognostlschen^^ Bestandes- und diß aus- 
Bihrli che Beschreibung der einzelnen Felsgebilde enthaltend, 
zusamnhen« '\ ^ 

Der erste Anblick' macht den Glauben tege, es fänden 
sich in den Pyrenäen Thatsachen^ die mit den, in den übri- 
' . 18 * 

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^ 276 Charpentkr sur ,1a eonstit« geogn. des Pjr^a^t. 

# 

Sen Gebirgen beobachteten, unrertrS glich wären, welche das 
Leiultat von Gesetzen seyn rotifsten • jenen geradezu wider- 
sprechend, nach denen die Natur bei der SUdun^ anderer 
Berginasaen verfahren zu »eyn* scheint« Allein eine 8orgs|^ 
mere Unters uchting ffthrt sur Ueberzeugung, dafs jene täu- 
schende Anaicfat nur durch die Vielzahl voil Ursachen bedingt 
worden 9 welche da» Gesetzmäfsige in dem System minerali- 
achejr Massen , und in den gegenseitigen Beziehungen ihrer 
Theüe SU verschleiern streben, und dais die Pyrenäenkette in 
ihren allgemeinen Strukturverhältnisseh die vollkommenste 
Uebereinstimmung zeigt mit den Erscheinungen in andern 
Gebirgak.etten. -^ Das Urgebiet^ im Ganzen von grofsei Ein- 
fachheit, besteht vorzüglich aus Granit | Glimmerschiefer 
und körnigem Kalk« Das Streichen der geschichteten UrfeU- 
arten ist, gleich dem der Kett^ selbst, aus O. S. O. in W. 
N. W< Im Uebergan^sgebiet sind zumal Thonschiefer, Grau- 
wacke^ Grau wackeschief er und Halk herrschend« Unter den 
Fldtzgebirgsarten findet man rotben Sandstein, Alpenkalk, 
Jurakalk and Trapp. Das Uebergangsgebiet ruÜt in ungleich- 
fdcmiger Lagerung auf dem Urgebiet und beide sind von 
Fldtzgeateinen bedeckt« 

Das\granitische Gebilde^ die Unterlage aller an- 
dern Felsnftiasen der Pyrenäen (der Verf. hat von demselben, 
beretta vor mehrern Jahren , eine meistermäfsige Schilderung 
.geliefert, welche, durch Gilberts und Leonbards nh^- 
aikalischa und mineralogi»cbe2^itschriften» in Deutschland be- 
.kannt geworden) , aetzt eine Kette ^ofser Hervorragungen 
sitaammen ; nur an wenig Stellen mqcht dasselbe den Kamm 
4ea Gebirges au», aber gegen Norden^ ist es nicht, weit. davon 
entfernt. Diea Gebilde iat^ regelrechter in dem Östlichen 
Theile der Pyrenäen, als in dem weatlichen. Der Granit, 
eine der gewöhnlichsten Felaarten in diesem Gebirge^ zeigt 
aich aehr mannichfach 'und nicht selten treten seinem Ge- 
, menge fremdartige, aufserwesentlkhe Theile hinzu; so na- 
mentlich, um einiger minder gewöhnlicher zu gedenken, Epi- 
dot, Wernerit,. Frehnit, Blende, Graphit u. s. w« Schein- 
bar iat daa Geatein in mächtige Schichten abgetheilt« Unter- 
feordnete und fremdartige Lager »ind tthm häufig eigen ; au 
en intereasantem gehören;' körniger Kal^L, Dioritschiefer, 
Graphit, Eiaenapth |i. a. w. Viele Spalten und Klüfte 
durchziehen die Felaart in den verschiedensten Hichtungen. 
Von metalliachen Substanzen findet man nur einige »Bleierze 
auf Gängen und etwas Eisen auf I/agern. Stellenweiae ist der 
Fyrenäengranit sehr geneigt aich zu sersetzf n. Uebergänge 

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Chaipender Mir |a OQiiftü« g^ogo. des Pjr^a^es« 277 

m' andere Gesteine gehören su den gewöhnlichen Ersehe!« 
nungen. Zu den denkwürdigen Thatsacben müssen noch ge* 
2fthlt werden die kleinen, im granitischen Gemenge einge» 
schlössen vorkommenden , rundlichen Stücke von teinkörni- 
gern Granit und von Diorit; ferner die GranitgÄnge in Gra« 
nit, welche den zerstörenden Einwirkungen der Atmosplfflre 
mehr Widerstand zu leisten wissen y als das Gebirgsgestein« 
I3ie äufserliqhe Gestalt granitischef Berge scheint vorsüglich 
durch die Höhe derselben bedingt zu werden ; nur die mehr 
erhabenen zeigen steilere Abstürz ungen ^ Nadeln , Hörner 
u. s. w. ^ • 

Gneifs kommt überaus hftufig in den Pyrenäen vor; 
9d)er er tritt nicht selbsstündig auf, sondern ist stet^ dem 
Granite untergeordnet und mu£r ab eine Anoinalie dieser ^Fels* 
art gelten, ' 

« Der Glimmerschiefer, im Alter dem Granite unnlit« 
telbar folgend, setzt, im Norden des. Granites, einen wenig 
regelrechten- Streifen zusammen , der, im Vergleich zumGrä« 
nit , von niq^t bedeutender MHchtigkeit ist,* ufid aufserdem 
öftere Unterbrechungen leidet. Ein anderer Streifen scheiiit» 
nach den Ueberresten 2*11 uftheilen, die noch hin und wieder 
davon gefunden werden, dyrch frühere Katastrophen zerstört * 
worden zu seyn. Des Glimmerschiefer -Gebilde besteht aus 
eigen tliclieih Glimmerschiefer, aiis ThonScbiefer und aus 
Talkschiefer. Glimm£rschie*fer ist das herrschende Gestein $ 
die beiden andern Feisarten erscheinen nur als Modificatio- 
nen desselben. Er hat zahlreiche Abänderungen aufzuweisen 
und ist besonders ausgezeichnet durch die ihm häufig einge? 
mengten Krystal^e von Chiastolith (Mach 9 ^Haüy), Der 
Thonschiefer ist meist sehr dünnblättrig und geht, auf vielr 
artige Weise, bald in Glimmersphiefer, bald in Talkschiefer 
über. Dieses Felsarten sind in .der Regel äuXser^t deutlich 
geschichtet ; die Schiebten findet nian mannichfach gewunden 
und gebögen. Das Gebilde schliefst Lager von Kalk« Hörn* 
bleifd^, Graphit, Diorit und Feldstein ein. Auf ^eringmäch» 
tigen Gängen kommen Bleiglanz und'Eisenkies'Vor. 

Porphyr und Syenit scheinen in den Pyrenäen gänzlidl 
zu fehlen ; wenigstens traf sie der Verf» nirgends als selbst» 
ständige Gebirgsmassen. 

Der U r k a 1 k kommt nicht blofs im Granit und im Glim* 
merschiefer auf untergeordneten Lagern, vor, sondern $iuch 
als eigenthümlirhes Gebilde , welches , scheinbar neuer wie 
das jäes Glimmerschiefers, im Süden des Granites als ein Strei- 
fen er^b^int, der yom Thal der Arriege bis zu< dein der Garbit^fs 



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278 Charpentier lar JL^ wmalit, g^ogn,, dLss JPyr^nu&es» 

' erstreck^ i»t und, an Sßirien erhabenste Stellen^ etiie Mee^^ 
reshöbe von 900 bis lOOO^Toisen erreicht. , Das Gef'Oge des 
Gesiteines ^eigt sich am häufigsten deutlich kdt'ni^g. Mehrere 
Abänderungen desselben entwickeln beim IVeiben einen by- 

' drosulphurischen Geruch* Von zufälligen Gemiengtheilen um- 
ftchlk/^st der Kalk; Quarz , Grammatit, £pidot^ Couser^init 
w<^ s,*Wa ;. Die Schienten ^werden durch- grofse Mächtigkeit 
«fnd^U'did»^ Als untergeordnete Lager, ti:et0n auf : Augit, 
Diorit .uind. dichter 1 Grünstein/ (Aphanitf). . ßraf ühvend ^stt ' 
das &alkg^bilde nur. wenig. '£ini'ge ziemlich geräumige Höh-» 
len werden vp# demselben umschlossen. In den Verhäitnissea 
(Lufserlicher Q'estaltung z^igefi' die Kalkherge viel. Aehnliches 
mit den^granftischea Bergien^. nur sind sie im Allgemeinen 
8 ehr 'unfruchtbar, zumal aa, w'O der Kalk dolomitartig wird. 
Der Augitfejs (Pyroxene ou Augite en röche ^ auch LÄ«r- 
%oiith0)t \^%n e^genthümÜchetf Gestein des. £yrenäengebirges 
(denn/nur. in TyrdI sch^init nach Broccbi etwas Aehnli- 
ehes vtvzuk6iiimen)y<imit4e$sen. Charakteristik eane .frühere, 

^ Abhandlung 'des 'Verf. (J^n^ü^^de^ Minvs ttnd daraus! in JLean- 
b a r ds mim Taschenbuche) beri»it)s bekannt machte , ist kein 
selbststindigesiiFelsgebild^^ aondern kommtt^ > in. gleichför- 
miger, aber abgebrobhenek:f'<X^a^erving im Gabietjs.des Urkal« 
k^s vdr/ .Der Augit £els; d^/Zerstdrungdurqh die Atmosphä- 
rilien in- geringerem Grade ausgesetzt , als- viele «andeie Ge* 
birgsarten'i «eigt Schichtung , scHlielst keine >&eipartigen La- 
ger ein- u. '4* W.- . ^' ' ■ ' '- '! '■•.!. 

' £in selbstständiges Urt^>app«GebiIäe ^.^ der Verf. 
bat' diese Benenn uh^ beibehalten ^ was wir n tobt ganz billigen 
können 4-«' ist in den Pyrenäen nicht vorbegiden. AHe dabin 
gehörige Eelsarten — Feldstein^, dichter: Gi^üns tein^ Dio- 
tit- lind: Hörnblendeschiefer, -m,. findet mah andern Gesteinen 
ünterg^rBnet^ besondersi dem Glimmersöhiefer,% Die. Glieder 
deS'SOg^n^n'nten ürtrapp^ Gebildes sind üherau^8 reich an man- 
ilichfältig^rveirigemengten Mineralien. Sie zeigen deutliche 
fifchichtung; aber die Sehlchten lassen vielartig«? Windungen 
wahrnehmeni / ■ Fremdartige^ Jüsger umadiiitfrsen dieselben 
liilcWc;4hfe 'Berge, meist kiippig und steil, tragen ohne Aus» 
liahme da« ÖepTägieerlittÄneri »Zerstörung, • ♦ 

Auch der Ur kieselschiefer (sollte re» einen KiesfiU 
nehiefer der' Unzeit geben ? fli'e neuesten EifahiiungeÄ weisen , 
bekanntlich dem Kios^elscbibfer eine Stelle in der Uebergaiigs» 
Periode an, nnd der Umstand, dafs bliese Felsart hifir im 
Glimmeirschieför untergeordnet vorkommt, würde mit jener 
Behauptung nicht im Widerspriiche «tehen), der Quar a; und 



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Charpßotier .4ur. la coostit. g^ogo. des Pjreaeen, 279 

den. ältere Gy^.s .ers<:^eiuep in d^n PyrjBfifien nicht fl^bst« 

ständig, . • • ' ' 

yan allen Formationen i^t d^ der 'Uebergangs»G«s|eine, 
der^n Bildung in zieoilicl) langer r^ist na'ch jenen Ucfelsarteg 
erfolgt se.yn dürfte , am. weitesten verbreitet. . Mit .wenigen 
Ausnfijiai^ $^t?ien die,se .Gebilde , bi« zu i445 und 165o Toi- 
sep,(Pw 4f Mon^vi^lUer un^ P'^^^e 4*Estats) ,und selbst bis zu 1668 
[foisen.Aiisteigend^XPiij ltong)% die erhabenen Tbeile'der mitt- 
lern, |5^ei;5fe jpusammen.u.nd häufiger i^och bestehen die weniger 
hohen ßerge aus deu^ellfenjy von welchen man^die Französi- 
schen Thäier begrenzt siebt. Si& ^werden oboo Unterbrechmig 
von «uix^in Ende der Kett^ ibis zum a.n4ern «gefunden , und un» 
gefichtej du^ stallten I jUicist dep Senkrecliten nahe iomme^^ 
fleii,. S^^bichtenfallos,;. durchwandert man Querthäler votniünf 
J)is Sj^pi^s Stunden Exstiieckung ohne das Uebergangs - Gel^iel: 
zu verlassen. Die herrschenden Gesteine sind, wie/bei:,^jts 
er\¥,iihn t j >v;o rden^t X^iojisc^biefer undiKalk. . Ijet* tere» 
aeigt sich dicht, ;8C^iefepg.und körnig. Dem Kalk, '^ejtner 
dem Tbp]nschiefer untergeordnet, tritt ein kalkiges Trümmer- 
Gestein auf, aus. thtjiils abgerundeten, theiU eckigen Ktilk- 
Brucjistücken bestehend, . denen sich. zuweilen noch Fragm^^njte 
von Granit, Gneifs^i Thonschiefer^ (^uarz , Kieselscjiiefer 
Vt, s, w. .beigesellen;' das Ganze durch einen dichten, , oft mi^- 
Jigen Halkte^e gebunden, Eiii dichte«. Quarz- G.e fi t e i % 
|:eiij, oder gemengt, mi}: Blättchen von Talk und vonQIimme/'', 
macht sich. bedeiitend,;in^ der Zusamme|isetzuug des Uebei> 
gangs - Gebiete^, , Es wird,: in Lagen von heträchtlichef 
Mächtigkeit, von .Thon^chiefer eingeschlos^eii. Besorider^ i{|l 
Thale, von Baigorry sieht man dasselbe sehr verbreitete Dj^ 
eigentlijChe G rali w^ack^e, stets dem Thonschiefer unterge»- 
ordnet, ^'üllt keine groisen Räume; häufiger erscheinet ^dep 
Grau Wjacken schiefer unter lihnUchen Lagerungs-Bi^ier 
bungei?. Die, als untergeordnete . Lager in den genannten 
voiuierrschenden Gebilden a/if tretenden, Felsarten sind : Wetz-fi, 
Alaun- u. Zeichnenschiefer, Anthrazit, Kieselschiefer, Fejdf 
stein,, Feldstein - Porphyr ,. dichter Grünstein, Gyps u^ s. w. 
terzlager und Gänge finden sich auch in der Formation. Auf 
jenen brechen meist Eisensteine; die Gänge führen. J^isen, 
Blei, Kupfer, Zink,, Antimon , Manganj Kobalt, Wismytbp 
Nickel und Arseniks Die Gangairten sind Quarz , Kalk -,. 
Baryt- und Flufsspath. , Bäi:gba,u wird ni^r. auf Lagern getrie- 
ben; di«^ G^nge zeigen -sich zu arm und z.u wenig erstreckt. 
Üeberreste organischer Körper, thierische und pflanzlich^, 
triffj jqa^an in* allen Theilen der Pyrenäen - Kette, Die Thier- 



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280 Gh^endesr «ar b pon$^, S^o|o# <Ui Pyr^n^atv . '{ 

^arstein^ruiigen 9ind um Vielem häufigert ^al» die andern^ und ' 
Btammen alle von Meereft-iVfollusken ab. Das gewöhnliche I 
jMuttergefteln dieser Fetrefaktep iftKalk; die vegetabilischen I 
'Reste kommen zumal im Thpi^- und Grauwackenscfaiefer vor,. | 

Daj» Gebiet der Fldtzeeit gestattet 9 nach der Altersfolge 
der demselben sugehdrigen Feisarten , rother «Sandsteiiif 
Alpenkalk (den Jurakalk mit eingeschlossen) und j ü n - 
gerer Grttnst ein {Ophit von Palasspu), eine drei« 
&che Unterabtheilung« £9 fipdet j^iich auf beiden Abhängen 
der JPyrenftenlette und bildet n^yr^i Arme p Vielehe , der eine 
|m Norden 9 der andere im Sfldei^ des Gebirges, längs der Er« 
atreckung . desselben hin^iehenp Def sfidlichste Arm ist der 
inl^chtigfcte; er steigt au^ deii ßbepen Spaniens zu sehr be> 
«ietttjBnder Höbe ^n und erreicht selbst stellenweise den Kamm 
der /geographischen Mi ttelkette^ inri«^ i^an^ei^tlfck zwischen dem 
Thale von Hea^ und dem Oeean» 

Das f othe Sandstein^Gebilde -^ in den westli« 
^eh Pyrenäen vorzüglich Verbreitet und in ungl^chförmiger 
Liagerüng auf Uebergaiigs* und Urgesteinen unmittelbar ru« 
iierid -—besteht aus poinemund weifsenkSandstein^ aus Sand« 
St^nupd aus einer Breccie. MitjAusnajhme einiger Kalkschichten 
fandet man darin keine untergeordnete Lager, Die einzigen 
^Erzlagerstätten sind Gänge von ]£isenspath und von (^arz^ 
«irelcKe Kupferkies führen. Häufig füllt Bary.tspath , den zu|| 
weilen »kohlensaures Kupfe^^pscyd und J^isenocker begleiteni 

Sangfdrmige fläume im rothen Sandstein, Organische 'Veb er« 
leibsei zeigen sich nur äufserst selten, yqn den beiden Ge- 
, birgsstreifen, welcbe das Gebilde stisammofisetzen hilft, hat 
der, im Norden der Hauptkette gelegene, grofse Zerstdrun« 
gen erlitten; der Zusammenhang ist hier stellenweise sehr 
unterbrochen worden. Die hc^<^hsti? Höhe zu der das' Gestein 
ansteigt i beträgt ungefähr 1 lt)0 Toisen (Berg Lary in gerin- 

fer Entfernung vom MoMf^Perdu)^ Die Mächtigkeit des Ge« 
ildes ist gering ; für sich allein oiacht dasselbe keine B^ig« 
massenyon Bedeutung aus. 

Unter der , Benitnnüng Alpenkalk begreift der Verf., 
{n Uebereinstimmung mit der* Mehrzahl Deutscher Geogno« 
Sten, denjenigen Flötzkalk, dessen Bildung der des rothen 
Sandsteines gefolgt ist^ Ueberall , wo beide Feisarten zirsam« 
mentre£Fen, sieht man den rothen Sandstein vom Alpenkalk in 
gleichförmiger Lagerung üfoerdecli^t. Der Alpenkalk entspricht 
dem Zechs^ein eide'r dei^ ältesten Ftotzkalk von Werner und 
Freieslebea Hr. von Gh bemerkt , dafs die Benennung 
Alpenkalk nicht ganz g^t gewählt sey» indem man dadur(£ 



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]i«zeidin«]i woBe 9 da|Si das Gestein In den Alpeii lesofideti 
deutlijcfa auftrete ; jrrun scheine es tiber. nicht nur «usgemacbty 
dafa deri den gröTsem'Theil der Schweizer Alpen ^u^aiumen* 
setzende, Kalk dieser Fonn,?tion'nicht :&M^ehÖre^ Sondern al- 
tern tJrsprüngi sey* und als «Glied des l/^hergangs - Gebietes 
betracbtet' werden müsse ^ ja ma)iche bewährte .Gebirgsfpr- 
scber sweifeiten selbst, dafs (was Wir keiileswegs ßinzi^räumen 
geneigt sind) die Alpenka)]^ » Porniation (jberhaup): in der 
Schweiz vorhanden seye. -aw — *-. Tn <i^i} Pyrenäen bestehen 
zwei Drittbeijd aller FldtzgebUde ß.u$ Alpenka)k^ Das Qer 
stein Boigt viele Abänderungen^ 4^^ ^^9^>^^^ic;^sten sind^ nadh\ 
unserm Verf. , ^der gleichartige^ d^r sandige und ^er thonige 
Alpenkiilk. 'In^ niedern Theile des Departen^ents de PJrriegJ 
und de V/hdß findet nian eine kalkige Ablagerung, welche^ 
durch die Gesammtheit ihrer S^erkinale, n4nientli(j^ durcl} di^ 
von ihr eingesGhlo3S<fnen Yersteinprungen,^ durch die Rog^n*' 
stein -Bänke 9 welche sj^ enthält t Analich d^rph ihre Stellung 
auf deni Alpenkalke, grofse yebereinstiihrnung mit deh^ 
J u r a k a 1 k e wahrnehmen läfst ^ die aber deqnoqh ' dem AI« 
penkalk?* Gebiete anzugehdreri , odeir demselben wenigstens^ 
innig verbunden «u seyn scheint. -^ Von untergeordneten 
Lagern sieht man im Alpenkalk ; Sandstein, Stinkkalk ^ iVIer^ 
gel, körnigen Tbön-Eisens^tein u. s« w. An 1Jeberb)eib$eln 
f<pssiler Meeresthiere ist die Felsart sehr reich , zumal tn der 
Nähe dj&s AJont-Perdu, (Zu bedauern i^t, daf« derV^rf., ^ut 
Zeit ^Is er 4^6 Pyrenäen bereifste , mit dtsm Studium der Pe^ 
trefa^ton sicli nQch ^u wenwbefajist hatte , u^nd dafs fast alle 
dahin einschlagenden ausfl^rlichern Qen^erkungen in den» vor« 
liegenden Werk« yermiC^j^ wcrdan,) \tß J)ton( • Per'd^ erhebt 
sich 4er Alp^^Mlk bis sju 17ö3*Toi^en, 

Das dritte FiötzgebUde ist das i99 Jüngern Qrün- 
fteines ( Terrapt amp^ßoHquo ^epondairp)^ da^ P a } ^ $ s u z u- 
erst aufgefunden und genauer 'beschrieben hat. Die Haupt- 
feUaft ^dieses Gebildes,/ durch ihr^sn Entdefpker mit dem Namen 
Ophite bezeichnet^ Ist ein Gemenge aus Horiiblehde und Feld* 
Späth ^ und je nachden; der eine oder der andere dieser Theilsr 
VQrwaltet, wird die Gebirgsa'rt ba)4 dem Hornblende • Ge- 
stein, bald de*m Grünstein ( I^iorit ) ähnlicher, Zufällig 
schliefst der sogenannte Opbit Eisenglanz , JVfagn'eteiseni Ei- 
sen • und Kubierkies, Glimmer, Talk, Asbest / ßpidot, Stil- 
bit, Prehpit und Ouarz ein. Das Gestein zersetzt sichÄeicht, 
Die J^in Wirkung der Atmosphärilien ruft in^döipselbeii kuge« 
lige Absondeirungen heryoi^y Die Schichtung ist wenig deut- 
lieh» Fremdartige Lag^r werden nicht darin gefunden. Von 

.' ' \ 

- ^ DigitizedbyVs^OOQlC 



^ganischpn. Ueb^jrJTCSten . i«t Mine;, ^puy yogtandai?. Der 
Ophit uii4 die denselben Ge^teine^^ Thpn,. Gyf$ und Kalk, 
s.lnd $chejnhar sfchir neuer Ent3«t^tung; vielleicht «nufs mau 
ibre Bildung ielb^t als später, aiisv^hineny wie.d^s Werden der 
jneisten TTbälpr in; den Pyrenäen. ,Die höchsten Stpl^enf zu 
welcher die Glreder dieser Fqrmation.anstei^^n, .messen un« 
gefähr 700 Toisen über dem Meeres > Niveau. .Die •fiprge sind 
sticht selten kegej^ormig, ihr^tGijtVl.abgeplattet^. ,:,..: 

\A^s Atibangt^ndet pan eine Ziisamm,enstfiUfi;fg^4er "w^^^' 
^igsten HokepL^nkte im ,Pyreq^,en -.Q^birge nacl^ deai ^qobach- 
t^ngen des,,)^9rfassers .und naqh denen vop {VQ^l^eJUlayei 
ifi^e.cl^aiT?., ; Reboul, Vidali d'Auhu;iss,o^y JPl^Q- 
^$ide-^3VJargu^t«* Victor, C.p rdrer,' Pag^ep u,!fA. 

./ Wir emplehlfni dieses nützliche, und lehtrejcl^ ^uch der 
Ajiffmerksamk^it des mineralogischen ,P.ublicun|s,vnd sd^lefseii 
4iese Ansjpj^g^ ip^t dem Wunsch^.,.. 4a|s.,^ar frjanchai O^birgCy 
von d^r^i^. gp9gnpstlscfaen JBes4!aK:dfi| wb; iiur« w^nig jjjijterricb- 
^t, ;sind, , oqer, d^j^iqiji/UntepSsUphung in eine Zei t'f^llt , die äl- 
tef isj^, a|s dfe,.v(ri^senschaftliche^^etignosief rechte i^ald auf 
jjbj^liche gßh^lty,^]^^ VVeise gesql;ii^^]rt; wer.den? ^ögM, 



.1- 



Dßher die*'Atnbeiidüng'des Bergi ohrers' %Ur Jiufsuchung vbn'^Bruniv 

quelUri und ^über die Art de^/ldnlage der Brünnen in der 

Grafschaft li^i^tois'* Eine ^ekr^iL^>eisschrift, vpn 'dem Kö- 

nisL Ber^ioeSen^'^ Tnorenieur F,'^Gafn ie^r. ' Aus'' dem^' Fr'anzö' 

' sischert äSersetzt 'und mit l^usätten über die" BöRrv^rsnch-e auf 

' Quellen Ut den ' egenden von London Und 'Pf^en' von J, TV» 

" von PT^a Id e'nstetn f K. K. Hofeöncipisten\' Mit *20 Stein* 

" drücken. Wikfi lei CrF. Beck. iBZ^f gr, ».' ' ' Z Thln 

•.V- .j; : . .....-.— . .:• \. -. ( ^ 

.' • •''*•( . . • ' " 

Ejine,,um ihrer praktischen Tendenz willen, reclit niUz- 
liphe und empfehiungswerth^< klejije Schrift , auf welche das 
Publicum aufmerks^iij zu n^ac^eii , wir un§^ bi^^ilen. .. k. 

. Die, von 4^r G«sellschaft zur ßefcirderung der National- 
Jndustrie aufgegebene, Prfjj^saufgarl^e : .in Yj^elc^ej;! .Fällen, 
und durch weJcbßs|'jyerfahren mSLQ,\ vermittels.t des ^ßergboh- 
rers ,, ^unterirdische Wasser aufzusuchen u^d auf die Ober- 
fläche des, Bodens, zu bringjsn. hsihßn^ verlangte einmal eine 
Bestimmung der örtlichen Ursachen., oder der geognostischen 
Xhatsagheny nach, denen di^ .^utsu^bung voa Wassej in ei- 



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Oatnier über d«ii Bergkohrer» ' • < ' .' f ^3» 

ner Gegend vorgenommen w^räen kann , in welcher dasselbe 
bis jetzt vergeblich gesucht wurde^ und sodann eine Beschreib 
bung der Afbeiten, 'die notbwendfg sind, uxn.das Wasser bis 
an den Tag^ oder bis .^u gevv'isserj JHöhe übei;^ di^ Oberfläche 
des Bodens zu bringen. . . ■, 

Diese verschiedenen IVücksichten haben den Verf. ija der 
Abtheilurigvseiper. Schrift geleitet. 

Im %, Capitel.giebt derselbe ^^acin'i(jht yon^ 4«n j^öhrver-, 
suchen, ./v^eicfee »ixii : der alten Provin? Artois vor^enopanjei^ 
wurden, um unterirdische Wasser zu suchen,, so wie, ?f0Uk 
der Tiefe, die »}an mit denselhen errc;ichte; er schildert iif^ 
wasserhaltigen Terraihs mit grofser A»^sführlicbkei.t mj4 J^i^.^ 
tet dadurch ein Abhalten für ^hnliphe Forschui^gen,, in a^derx^ 
Gegenden. Jp.is ,^, Capitel Jiajjd^lt jVpn- der Unter^up^iung 
wasserhaltiger!, Terrains im Allgeai^in.-§p, Im 3. CapiteJ folg^ 
die Beschreibung des ErdbohrtirSf». des; Br^nne^hohr^r^i'^^nd 
ilirer Theile; ,a^i?h ^ie Geräthscbaft«fn» füi; zäjifin .Thqn,, :di^ 
Werkzeuge mn, ,d^8 J^intreit^n dei) llöhr^n in Sandschicbt^^, z\\ 
erleichtern u^ ^^vy, sind angeg^b^n^ > Von den.Qind^rnifseni; 
die man bei greisen Bohrver^uch^n. ?iAftb<?r winden hat^ ist. inv 
4. jGapitel di^ I\ad0, Dann folgt ei^ie sehr utnfassende.E^^kläit 
rung der Kupfortafeln , deren gehörige NachweMMng a^c^ 
s^hpii inl,T^3jt^ kt^irijesweg^ .vermifstiyir^. 

AU ^siit9^fimjj|lmaa der Abhandlung, angehängt: jeine^ 
Theorie der'9*^^^^^i ^'® Beschreibung des Becken ^> Von 1-ipn-^ 
don (na/cb. dem bekannten Werke von Cony^bie^re, Mn4 
Phillip^s) und die geognostisclip 3tfscbaffenheit des $Qd$!n» 
in der nächsten Uing^uJung.von Wien (nach den. Beobachtup- 
gen von. B.iepl). ! , - : 1. , 

Wir erachten diese Zusatz» für sehr jiachdiisnlicii und 
schli eisen die^e Anzeige mit der Bß^nerk^ng, da£».,I{ir> von 
Waiden s t e i n eine dankbare • Arbeit unternommeni habe, 
denn bei' der klaren t Darstellung . wird ^ich das- vorliegende 
Büchlein nicht blofs .für Männer [vo^^ Fache,, im strengsten, 
Wortsinne., brauchbar bewähren,, e» kann ai^ch Öxjtlichen Po-, 
liceibeamten , Bauine-iatern u. s^ .w. von gr6£9«m Nutzen 






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Die Ubß' «ad Hßia^fenißn Wf^ J# If, Tpn Qwäng^ 



Die Lahn^ nni' Maingegenden 90n Enibs hU Frankfurt, antlqnem 
Tisch und histotisch pon J, JT, von Öernin g, Ipf^esbadetf 
hei L. Schellenbßrg , Ho/buchhifndlßr etCf J8ai, XIIJ und 271 
S. h 9f % FL 24 Kr. 

^ yyir haben bereits Jahrgang 1$21 No. 10. p*g. 164 ff, 
Aleser' Blätter, die früber erschienene Schrift des Hrn. von 
Gerning ^ 9 fiher die Rheinsegenden yon Mainz bis GölUi^* mit 
deni gebührenden Lobe angezseigt, vorliegende' Schrift if deren 
J^nxeige dureh eineii Zufall irerspÄtet worden) glaubten wir 
um so 'weniger übergehen ziu dürfen, da sie gewi^8et:ttiarsen 
iine Fortsetzung der pbenervrähnten frUhern Schrift ist, und 
oiij: dieser verefnt -Ein Ganzes bildet, das nach denselben 
Grundsätzen ausgearbeitet ist, Ueberlasse man dem blofsen 
Statistiker pder Politiker die genauen Angaben-über Häuser» 
und Seelenzahl , Viehbestand u, deigl.; für den mit Sinn 
Reisenden werden solche trockne Notizen uiid .^ahlehver« 
zi^ichnisse minderes Interesse haben, ihm wird, daher er- 
wünschter bei seinen Wanderungen eine Schrift seyn, der^n 
Hauptgegenstand Alterthum und Geschichte ist, eine Schrift, 
di9ih]^ tnit der natürü^hen Be«ehaff«nheit der Gegenden , die 
fr durchreifst, ebenso- «ehr wie njit den Veränderungen^ wel- 
che dieselben seit Jahrhunderten , ja Sdd» lahrtausemen erlit- 
ten, auf eine gründliche und angenehme Weise in bündiger 
Kürze bekannt macht, Won diesem Standpunkt aus mufs man 
vorliegende Schrift des Hrn. non Germng betrachten, um sie 
auf die gehörige Weise würdigen, und f\)n den gewdhnli- 
iphen fabrikmäfsig gearbeitete ten Reisehandbüchern untere 
scheiden zu köni^enr Der Verf* hat mit dem ihm eigenenTa- 
lent de« historischen Stoff, den er durch gründliches Quellen- 
studium gewonnen , angenehm zu verarbeiten und so seine 
Schrift tor jeden gebildeten Leser höchst anziehend zu ma- 
eben gewufst. Der Verf. hat sich dahei einer löblichen ge- 
drängten Kürze beflissen, ohne dadurch in einen trocknen 
Cbronike<?styl afu verfallen; er- beginnt seine Schilderung mit 
'Bmhs\ dessen Gründung aus» Römer ^it her durch historische 
Zeugnisse, wie durch Römische Alterthüm^r, die mßn an 
Ort und Stelle gefunden, erwipsen wird^ Ai> die anmuthi- 

fen Umgebungen der alten Emhasis reibt sich die Burg Nassau^ 
as Stammschlofs eines in der Weltg1?schichte durch grofse 
Thaten berühmten Heldengeschlechts Die hier, wo so reicb- 
licher Stoff dem Verf. sich darbot , gedrängte historische üe* * 
bersicht, wird gewifs den Leser nicht unbefriedigt lassen. Von 



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Die Lahn-' «od Mtiogegendea roA X J# m Gerning« 285 

dfl an entlang dta ÜfcnVi der Latin eilen wlf ^uJen Herif^uel« 
len von Geilnau , Fachingen und Sehers« Dann verlassen wi? 
das Lahngebiet und wenden uns nach demTaunpsgehirge, zu«« 
erst am Fufse desselben nach Kronberg.^ reich^y so wie sein« 
nächsten Umgebungen , an manchen Erinnerungen der Rittes* 
»eit , dann nach dem Gebirge* selbst in seinen zwei Haupte 
gipfelt! 9 Altkönig und Feldberg mit der Aussicht über ein^r 
^Itecke f die mit mehr als 70 verschiedenen Orten , kleinen 
wre 'grdfsern/ besäet i»t. Den Umgebungen dieser Bergspitzen 
sind (Ue nSch^ten Abschnitte gewidmet , als den Ritterbur^ 
gen Ftdksnsfin f einst der Sitz eines Geschlechts , das selbst 
mit den deutschen Kaisern verwaifidt war^ Kdnigsteinp auch, in 
j>euerer Zeit berühmt ^ den reizenden Tbalgegenden ton £pA 
stein y Soden sammt seinen Heilquellen^ Neuenbain u^ s. w^ 
Am Main schildert der Verf. Höchst, dann weiter Rddelheimi 
das Römische Hä der nheim (Ctfutra H^driani)^ dann in der Nähe 
von Homburg die durch Römische ^ wie Altdeutsche Alter» 
thßmer merkwürdigen Burgen: Saalburg und Kapersburg^ 
erstere das älteste Römerdenkmal am ganzen Taunus» wo Ca« 
sar, Agrippa und Drusus geweilt, letzterer sogai^^e^tarben^ 
Auf die kftr;&ere Schilderung von Homburg (der Stadt) folgt 
eine etwas ausführlichere historische Darstellung der,, Fürsten 
Homburgs.«* Sie theilt uns vondem Vielen, was diese Für« 
stenfamilie AusgeaSeichnetea seit Jahrhunderten gethah^ das 
Hauptsächlichste in gedrängter aber aoagenehmer Kärze mit, 
ohne irgend Etwas Wesentliches dabei zu übergehen. Was 
äbef diese Ueb ersiebt besdfnders vr'icfatig und beächtensWerth 
macht, ist der. Umstand, dafs der Verf. hiebei nicht blos die 

f rundlichen aber mühsam zu durchlesetiden Werke eine^ Sen^ 
enberg, 'Wenk u.A. benutzte, sondern dafs er durch seine 
besondern Verhltltnisse sich hi den Stand gesetzt sah , aus bis 
jetzt, unbenutzten Urkunden , archivalischen Nachrichten 
u. dgl» Zu schöpfen « >a sogar mündliche und schriftliche Bei- 
träg^ de» vef st&rbenen Li^dgrafen f Friedrich V. , seines er« 
habenen Gönners und Freundes, zu erhalten. Homburgs Um- 
gegenden werden kürzer geschildert ^ und so kehrt der Verf. 
über einen Theil der Wettereu, über Friedberg, die Glau- 
burg, den Schwalheimer Gesundbrunnen, Viloely Bergen 
und Wilhe^mlbad nach Frankfurt zurück^ — jenes Weltkfei- 
nod (mmtdi microcosmus) , jene freundliche Tochter MercurS, 
wie sie ein Dichter des Mittelalters genannt, also von ihr 
singend i 

Cid nil Da supäri, ad nÜ uatnrt^ ^negavit, ^ 

Nam si qwae desuntf nsc sihi riumdui habetk 



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Und in der That^ die getreue Schilderung ^ die der Vf. 
in so treffenden Zügen vom alten , wie vom neudn Frankfurt 
\ins inittheilt ,' ist geeignet jenen Ausspruch nur noch mehr 
zu bekräftigen^ und wir verargen les dem Verf^ nicht^ weim 
er am Schlufs S. 230'. seiner geliebten Vatefrstadt zuruft 2 

O J ■ dreimal beglücktes • s ■ 

und ö£t beneidete a Frank ftti^t» 

Ein Anhang (S* 233 — 271.) giebt duefst eiiie deiii 
Antiquarier und Historiker tvichtige üebeAicht von rö-» 
mischen Alterthümer» in den von dem Verfasser in diesöm 
Werk- beschriebenen Gegenden ^ sammt einigen lÄSchfif- 
ten «, dgl. , dann S. 242 ff. ein Verzekhnifs de« yorzügU- 
cheril und Ausgezeiönneteren^' was die* verschiedenen einzeln 
neri Privatsam'mhmgen enthalten , darauf 9* 35^1 ff. F^eldbergs* 
Ansichten, und zum Schlufs einige poetische Versuche: das 
Lied eine» Nassauers (von dem verstorbenen Pfarrer FlUdnet 
zu Epstein)^ Langbein's Jjied VOn der Nymphe zu Geililau, der 
Feldberg von Fi». SMegelj Lied an die Nyniphe des Karber 
Sauerbrunnens vom Pfarrer Fritzäh^ Soden und der Uf seier 
Bach vom P^crf, und Lobgesang zur kirchlichen Feier desEiii-« 
zugs der Verbündeten in Paris 1814 von F, L* %U Hessen* 



RechtserforschüH^än fuf Juristen und NicJtijüHstem t^ön H. '£. ö. 
^ Paulus y der Philosophie ^i Theologie und Reehtskuhde Dr,f 

Otoßherzogl, Badischem Oehi Kirehenrath und ord, Prof. ätfr 
-\ , Xfieölogie und Philosophie .zu Heidelberg* i^ HefC Heidelberg 

und Leipzig bei K. Öroos* 1Ö24. U^S* in 8. i Fl, il Kj;. 

Das so lange >8chon b etti ebene Probleto : oh und wie der 
Na<fhdruck y^rf^wcÄ als Unrecht zu Ober weiden sey ? ist Vpn 
''Herrn Dr. Griesinger . zu Stuttgart und andern erneuert und 
verneint worden , sogar mit der höchst unerwarteten Wir- 
'kung, dafs ein vi^'ichtiges Gutachten an den deutschen Buhdes- 
tag den Vorschlag gebracht hat :. den Nachdruck nach- sechs 
Jabrfen bei jedem Buch fttt erlaubt^ tu erkläreli pnd riur für 
' diese Frist allgemein zu verbieten. Bier nun entsteht, mei-' 
nes Erachtens, die Hauptfrage : Ist nicht' »chon^ ohne ein be- 
sonderes Gesetz , die öffentliche Gerechtigkeit der Staaten 
schuldig ,/jeden Verkäufer / wenn er bei einem Verkaufsver- 
^-^^e; eine nicht ungerechte Bedingun'g mftcht, ununterbrochen 



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V Reditserfoncbungtn Von Dr« Paultis« 287 

und überall g^en den, welcher den bedingten Vertrag »um 
Schaden des Verkäufers verletzt, durc];i die ordentlichen Ge» 
richte zu schützen? Diese Frage behandelte ich, da um Ostern 
1823 die Veranlassung neu war, als ^.Vertheidi^ung dts schrift- 
stellerischen Erwerhrechts^^ im Conversationsblatt in vier offenen 
Schreiben an Se. Excellenz, den damal. -Würtembergischen 
Gesandten , Freiherrn von PVan^enheim» Jeder Hervorbringer 
eines schriftstellerischen Products velfkaüt^ odet verschenkt, 
wenn er nicht ausdrücklich jeden Gebrauch desselben frei 
giebt^ jedes Exemplar mit der stillschweig^den ^ leicht auch 
auszudrückenden Bedingung, dal's er es zu vielerlei Aftwen* 
düngen, jiur aber nicht daltu abgebe,- dafs es zuinSchfiden sei- 
nes dadlirch nur allmählig möglichen Erwerbs vervielfältigt 
werde. Geschäftsmänner behaupteten , dafä meine Ausfüh« 
rung besonders auch durch Kenntnisse de» buchhändlerischeit 
Geschäfts, we]<;he den Gelehrten oft fehlen, und ditrch alU 
gemein fat'slidie Parallelen undExemplißcatio^eH sich einleuch«« 
tend mache. Ich hielt es nunmehr bei einem derTliitefatur^ 
den Bildungsbegierigen allen j den Staatsfinanzen "und der Ge* 
rechtigkeit interessanten Gegenstand füi sachdienlich, hiach 
dem Wünsche des verstorbenen Brockhaus' selbst jene Gedan- 
ken durch einen verbesserten Wiederabdruck* S. 1 — 74^ tioch 
mehr in Umlauf zu, bringen. S. 75. — 112. folgen daÄu Nach" 
^rä^e^ nrid weiter^ juridische Baweisfähtkngenj dafs auch jetrt 
schon die Gerichte gegen^ den ^^^achdruck als Bruch einer 
ofFenba^en Vertragsbe«dingung zum bleibenden Sc^hutas des Er- 
werbs zu erkennen berechtigt seyn. Zugleich eine Bitte an 
Gelehrte, consequent zu seyn* insofern der Re^htanspruch 
auf dieseijwßchutz entweder nicht richtig wäre, oder durch ihii 
jede Einscljränkungauf eine dem Hervorbringer des Erwerbmit- 
tels schädliche Frist auszuschliefsenist. HI. habe ich noch ei- 
nig'es ungedruckte aktenmfffsige am deip, FonkUehen Vrocejs^ Welcher je- 
dem Mitfreund der Oeffentlichkeit fortdauernd interessil»en mnfs,. 
ZU liefern, das den Psychologen und Criminalisten interessi-' 
ren wird. IV. Eine polizeilich 'juridische Anekdote ,• »die wirkliche 
Wiederholungeines sonst nur einer gewissen Reichsstadt auf- 
gebürdeten Beschlusses , einem Diebe die Kosten ausbezahlen 
zu lassen , damit er sich ^andeirswo henken liefse. Das nächste Heft 
folgt unverzüglich. 



I 



H. £. G. Paulus. 



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SB^ KrelM BehcnJIunf der Stdrindof« 



JniichtäH i>0H ä^f 'AdkanMung äär Mtdrinäe^ tUt frutkt^ und Eoti* 

iurziehüng ^ ein Beitrag zur Cottaisehän Baumfe'ldiöirthschafii 

Von Christian KrebSf Lieutenant' in der KönigL' Sächsischßri 

, Arn^d und .Ritter der Königh Franz: Ehrenlegion» Dresden 

1822 hei Arnold, l^l^utid 08 S^ gr^ B4 rHÜ 1 Kp/r. 1$ Gn 

Der Verf.' «agt ea dtutsdriicklicii in iet Vorr^de^ und acigt 
es -Weit mehr noch im Schriftcbren selbat^ dafs er in ddt Forste 
und Lainiwirtbdchaft h]oh Dileltant sej. So höchtft b«schei-' 
den er nun auch auftritt^ und so sehr^man ^ohl seii^^fotf , deni 
Fublictim a^uges[i6'^erten ^ reinen^ guteri Willen hii^siclitlicb 
der Hdr'aüsgabe dieser Scfntift irettrauen darf^ so eräFcbfeint es 
doch iiAai^er demr Aef. als eine kleine vAnmdfsung, dajs d^r Ver- 
fasser eä Wagte, in eine von grO^ndHeben^achJBennerR bereits 
f i^lseitig behandelte Apgel^genheit dermafsen ausführlich mit 
einzusprechen^ ohne derselben gewaehsefn 2&u sejn. Aus der 
<inaigen Stelle äui der ^eite lö.* wo der Ver£r die Mittel an-* 
zug^ehen ^versucht y "^ wodurch d^r »a sehr gesrunhene Zustand 
der Wälder wieder Verbesse^rt^ und letztere von ifirem gänz- 
lichen Verderben gerettet wei-afen sollen » wird man leicht ab* 
nehmen ^ wie unerfüllbar der Wunsch des Verf.sey: ^jääji 
Irtan säinä Ansichidn (strefig prüfen und) ißerhesikttt täöge^ Sie 
läutet folgender Gestalt: afyf allem r^iUse 0an älUs Lßuh in den 
noeh ihU Holz bestandenen Arten lassen und dasselbe nach jedäimali^ 
gern ünuriähe des Holzes in din Soden uhtärhringSm ,4 « • « 
Dief dei gut^n Badens beraubten (^ff^ald*) Abhänge ujnd Bergkuppen 
nülfsten wieder mit däm in dar Tiefe zur öngehükr (? 1) ungehäuftenf 
an Dammerde reichhaltigen Boden^ Oh^rschüttet und g^menak^ werdän.^* 
Wie sehr aäuls man nach diesen Befispi^'len bedauern, dafs 
in der neuesten Zeit icon angesehenen Forstmännern , die 
steta einen s^ahlreicheh Anhang von Nachbetern haben f so 
.sehr viele. €ielegei»heit 2^um Verirren in unntitte Speciilatio« 
neny 2um wahrhaften Zurftckgehen in des WiMenachaft, ge« 
geben Wirdll i 



i 



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N. ig. iS24 

Heide 1 h e r g e r 

Jahrbücher der Literatur. 



Systmn dar Technik 0on,i)ri Augmt KiHlet Berlin 1822. 8« 



Herr KÖlle exitwitkelt in^ det vor ütiä Kegenden Schrift 
viele geistreiche Ansichten ^ weshalb wir solche der Be^ttck- 
sichttgung keineswegs unwerth achten, obgleich wir uns übri- 
gens' mit den Grundsätzen uiid Ansichten^ worauf ihr Eigep- 
tbümliches beruiit^ nicht ganz befreunden zu können gestehen 
messen. 

S. 1 4. erklärt der Vf. dafs das Wort Tetfhnik eine Thätigkeit 
des MenscTien bezeicl^ne , welche- diö Unterwerfung der Na- 
tur ^«m Zwecke habe; und früher (S. X.) , ddfs der nächste 
subjective Zweck der Technik nichts anders als d^r Erwerb 
sey. In Verlaufe der Schrift selbst finden wir Jene Gewerbe 
abgehandelt, wd<}he man mit ' d«|i Namen der Stoff-hervor- 
bringenden und irerarbeitenden be^ei^^hnet. Es läfst; sich die 
WillköhrUcbkÄit in d^r Wahl jenes Namens zur Bezeichnung 
dieser Gegenstände nicht bergen ; jedoch Vollen wir bei der 
Sehwlerigkeitj, für solche einen gemetnscba&lichen einfachen 
Namen au£|afinden,; hier nicht ferweilen, zumal da solcher 
für die Fd^ezeit vielleicht kaum ndthig seyn möchte. Es er- 
hellet mithin 9 daTs <ier Verf; uns hierein System der StofiFbe- 
arbeitungs K Gewerblehre , jedoch mit Ausnahme der Handels- 
wissenschaft, bieten wolle 5 und da die Äusf(lhtung dieser 
Schrift mehr'dahii? zweckt, den einzelnen kleineren Zweigen 
jener Lehre^ihre.Sttelle im Systeme anzuweisen und solche: zu -■ 
rechtfertigen 3 als Neues vorzutragen, pder zum Gewerblbex 
triebe Anleitung zu geben ^ So glauben wir unsere Untefsu- 
cbungen hierauf <fas jenige, was dem Buche eigenthümlich ist, 
beschränken und somit bei Beantwortung der Fragen staben 
bleiben zu können: *1) In wiefern in dieser SchriSrt der Be- 
griff der (s, V, v.) Technik festgehalten und durchgeführt wor- - 
dßh ? 2) Von welcher Beschaffenheit die für dieses System ge- 
'uräfalten Eiifitbeilungsmomiente seyen? *3) In wiefern dessen 
Gliederung eine nähere Beleuchtung^ aushalte?' 

XVII. Jahrg. s. Bp'ft. .19 

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290 KoDe, System äa Teclliiik. 

2u 1« •— Lange Zeit hat man die Lehre yon den Stoff« 
bearbeitenden Gewerben nur einseitig behandelt; man hat 
von den zwei Seiten derselben, der rein gewerblichen und der 
geschäftlichen, nur die letztere berücksichtiget /bia man das 
Mangelhafte in. ipeu er er Zeit mehr und mehr eingesehen hat, 
und sich bemühet auch von der andern Seite die Fortschritte 
der Wissenschaft tu fördern/ Am umfassendsten hierüber 
hat sich liederlich untör denen ^ die bis jetzt öffeivtlich gewor- 
den sind , Herr Prof. Geier d. jung, ausgesprochen (lieber 
deji Haushalt in der Technik, Würzb. 1620.)« ^^^^ »» der 
That w{\rden die obengenannten Wissenschaften ohne Ver- 
bindung mit den Wirthschaftsgrundsätzen , die^in jeder der- 
selben einen eigenen- bedeutenden" Abschnitt ausfüllen , und 
allenthalben als erstes Bedingnil's für die Auf- und Annahme 
der übrigen gelten müssen, nur zur angewandten Naturwis- 
senschaft u#id Mechanik herabsinken* Den praktischen Be- 
w^eis von der Wichtigkeit jener Grundsätze ^> wenn ein sol- 
cher nöthig wäre , könnte die häufige Erfahrung liefern, . dafs 
Mathematiker und Naturforscher, denen ganze Welttheile Be- 
lehrAing über das Mathematische und Naturvrissenscbaftlicbe 
in den Gewerben dankenf sich aus Unkunde oder Nichtbeach« 
tung jener Wirthschaftsgrundsäts^e dkonoraisch ruinirt haben, 
sobald sie ein Gewerbe selbst unternommen. Um so befiremdlr- 
clfier war es uns, aulser der, anfangs er wähnften Äusserung des 
Vf*s;den reinwirthschafttichen Theil der Technik durchaus wicht 
^wähnt zu sehen , ja nicht einmal -eine Stelle zu treffen , wo 
er hur eingeordnet werden könnte^ keine solche Grundsätze 
lind Lehren eingeflochten zix treffen 9 -und endlich (S. 17.) so- 
gar die unerwartete Aeüfserui^ zu finden «^dafs das gan^eOe- 
iverbsweaen mit 2* Falstoren habe 9 Mechanik und Chemie, oder 
Metamorphose der« Gestalt uiid des* Inhaltes.«* Da wir mit- 
hin alle Basis einer Gewerbswissenschaft in diesem ^ySystem 
der Technik*^ gänzlich vermissen, so motten wir es. höch- 
stens nur für ein Systein angewandter Naturwissenschaft gel- 
ten lassen 9 denn auch von der Mechanik ist wenig aunu- 
finden« 

Zii 2s *- „Im Ganzeit** Saat der Verf, (S* 19-) „bieten 
sich. 4 f'auptansichten der Technik (zur Begründung eines 
Systems), dar ^ nemlich di^e des Materials, der Werkzeuge, 
der Arbeit und des Produktes. Das Material ist der Keim, 
VVelkzeug und Arbeit aber sind die beiden bildenden Fakto- 
ren , wodurch das Produkt entsteht/« Wir fragen , wohin 
die arbeitende Kraft gehöre 9 ob solche vomrVert 4^' Arbeit 
etwa untergeordnet werde 9 während dieser das Werkzeug 



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kdUe, System der Techniki 291 

öntgfegeögesteilt ist?* I>er Gesicht^punlct des Material, sagt 
der Verf. weiter, gebe eirife auerst, von Beckmann verlangte 
technische Materlalku^de. 4 . Dipr Zweite Gesichtspunkt gebe 
eine durch geftthrte Gönstruktiori aller Werkzeuge j deren Ge- 
werb$arbeiter bedürfen , um die Materialien th Produkte zu 
tervlrahdelö* Diese wichtige Anforderung seye bisher am 
vollsten dig^teri v'om Conservatoirb des arts et des metierS in Paris 
getefst worden. . . •• . Der dritte Gesichtspunkt gebe eine 
durchgeführte CfOnstructlon aller Arbeiten j die Beckmann 
und roppe versucht. • , . Der vierte endlich gebe, eine durch- 
geführte Canstruction aller tecKmsebeh Produkte als sokbei-j 
Er sey der selblstständigste und wtchtigite; zugleich audh der 
höchste. Denn das Produkt habe die Entwickelungsstüfen 
derVoHgen Momente schon durchgeAacht , uttd während die 
frühern Gesichtspunkte threri Zweck ilur im Gewerbsleben 
haben ^ habe dieser ihn im allgemeinen Loben.. Es raüfs* 
ten abqf ^ unl darauf ein durchgreifendes System gründen zu 
idHhen^ die tobet) Materialien als die ersten Produkte ange- 
sehen werden^ • Dieser Gesichtspunkt ist es nun auch # oen 
der Vefrf. seirfem Systeröö 4u Grunde legt. Aber wir körinen 
nicht ^tidefs tli den^selbön für den allerfremdartigsten und tin- 
passeitdst^n halten ^ ebefn weil er äus d^m allgemeinem:^ Leben 
entnommen ist ^ aber im Ge werbsieben und in der Gewetbs- 
Wts&enschai^ nurein^ Äejir untergeordnete Bedeutung hat. -Der 
Systemätiker, welcher ihm folgt, wird die verschiedenartigsten 
Lehren neben und durdheänander aufstellen, und sie unzäh- 
Ji^e^HJale wieder abbrechen niüssert. Er wird das Gemein* 
sdräftiiche der . Wirthschaftsgruridsätze — der wichtigsten 
flus dlle]$ ^-^ nicht zusammenstellen tonnen^ wie solches 
schon der VerfasjSer t-örliegender Schrift zeigt. Der Gewetbs-' 
lüanTi ttiüftte, ihm folgend, die verschiedenartigsten Arbeiiten 
Jiach den Elementen der heterogensten Wissenschaften mit den 
verschiedenartigsten Wferkzeugen u.'dedk ungleich artigsten Ma- 
tetiale vollführen müssen, ganz seiniei' Gewetbstendenz zuwi- 
der. Denn ob seine verschiedeneh Produkte einen analogen 
oder verschiedenartigen Gebrauch haben, odet nicht j ist ihm 
sehr gleichgiiltig ; Gewinn^ Erwerb ist seine wahrö'T^iidenz, 
nicht aber an und iiStt sich did Darstellung irgend eines Pro« 
dukteSi^ ' ' 

Zu ;3^ — Was nun Ale (jliederuiYg eines jeden SYSteme^ 
von Wissenschaft angebt, so halten wir für eines der ersten 
Erfordernisse, dafs solche dem Grundprincip der Wissenschaft 
entsprechend und daraus hergeleitet sey. Der Verfl hat nun 
mit greller Con^equenz die Vierfachheit alTer nebeneinander 
V ' ■ •• . - 19 * 

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92 KöUtfy. Sjsiwk der Techi^ik« 

/' 
geordneten Glieder durchgeführt; ah^r wij' Vermögen nicht, 
solche' der oben aufgestellten Forderung gemäfs »u Enden; 
und sq sehr uns auch die Gleichförmigkeit iin Baue eitle» Sy« 
Sterns wünschenswerth erscheint, und so wenig wir geneigt 
sind das Versudieii des Bessern, auch wenn es milsl in gen sollte 
zu tadeln, so können wir uns daöh zu der Art, wie diüs Auf« 
Stellung der Glieder hier versucht werden j kein Glück wün-« 
sqhen, und würden uns besser berathen glauben l>ei irgend €fi* 
ner natürlich entwickelten, wenn auch etwas ungleichförmig 
gen Anordnung, als bei einem isulchen in fremdartigen For- 
men gewaltsam eingepijpfsten Systeme* -^ Bei der Anwendung 
der Vieir auf die Ghedetung ging der Verf^ von der Ansicht 
aus „dafs jede Entwicfcelung init der u na u (geschlossenen Einm 
heU des Daseyn^ beginney dafs sie. sich hierauf in einem Ge* 
gensatze, welcher die Erschöpfung aller Verhältnisse, nach oui-» 
Jen und nach innen umrafst^ auf doppelte -Weise, zu gestalten 
vti^suche, und dafs endlich aus der erschöpften Ein sei tigkc^it 
dieser beiden entgegengesetzten Richtunjgen die Erscheituing 
def itotälUät hervorgehe^** . f : , 

wir können uns hitfr der Unte^sücnung, entheben^ in 
wi«^ £ern Pi/agner Absicht und Ursache gehabt^ jenes Gesetz so 
allgemein auszudehnen, und uns mit der Forschung begnügen^ 
in wie ferne es auf da^. ^ysteip der Technik anwendbar, und 
mit Welchem %rfolge es insbesondere in vorliegender ScUrift 
angewendet Worden^ 

Wir find'en jenes ßijd in der That wiedergegeben in der 
ersten llauptgtiederung des Systems, dämlich ; „A. Erzeugung« 
B. Entfaltung, C. Verarbeitung., I>.,. Veredlung.»« uiid wir 
Wilfsten gegen dies^ Abtbeiluhgkaum etwas anderes e^zawen- 
den,^aW dafs die drei letztem Glieder doch viel näher unter 
sich, als mit dem ferstet verbunden sind. Aber vi^r vermis« 
sen jenes Bild durchgängig in allen ibjgei^den Gliederungen, 
so d^ts dort die Vie'rlachheit.defselijifn m »ich nicht nur keine 
Nothwetidigfceit enttält^ Sondern sogar widerllfatürlich und 
unlogisch erscheinen muls. Zwar sucht der Verf* jenes Bild 
nun wieder nachzuweisen > allein wir gestehen aU der^Art 
wie solches geschieht keinen Geschmack finden zukc^nnen« 

Durch die, Erzeugung gewinnt der Mensch der Natur die 
rohen Sto£Fe ab , durch die Entfaltung werden sie für die fol* 
genden Arbeiten' gesondert, durch die Verarbeitung s^uge- 
richtet und in zum Gebrauch geeignete Formeh gebracht, durch 
die Veredlupe sollen nur Materie und. Form mir gleiche Weise 
möglichst vcFuendet w«»rdenf tu Luxusgebrauche* 



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Kö'lle, System der Teehnik. 295 

^rftte Unterabtbeilung & • . 

,,A. I: Bergbau. II. Fgratbau. III. liandbau, IV. ttier- 
gewinnung.«* 

Aber 'Foi'Stbäu und Landbau, auf denselben Grundwahv- 
beiten beruhend, können, wa^ auch der, Brauch ei i^z ein er Län- 
der fttr dfe Praxis verlange, \,n Theorie niernäls getrennt" 
werden , und andere als wiJJkdrliche Grenzen lassen sich nicht 
angeb^gn , indem sich die Landwirth^chaft in Mittelstufen 

fanz alhnählig und vollständig der Forstwirth Schaft annähert. 
Volke man s^hev auch diese iTeni^ung beider zugesteheilj so 
morste man nebenbei bekennen, dafs ^s incpnsequent sey da-> 
gege»! die ganze Thiergewinnung , neqfilich Viehzupht, Jagd, 
Fischerei ü. dgl. zu vereinig-en. 

\jA. I. 1. Meji^allische, 2, Erdige. 3. Salzige, 4. BreAii- 
lich« F©$silißrt.*f 

„A. I. 1. a, Edle Erze, b^ IVJinderedlfl. c. Geringedle. 
d. Unedle Erze,«* * 

i^'jA. 1/2. a. Gebirgsarten.. b. Siese)reich. c. Thonr uni 
Talkreich, d. Alkalisches Reich.«' 

„A. 1/3, a. ürsalz' (Steinsalz). b. Erdige. S. . C. Me« 
Gallische S, d. Söuern. 

„A. 7, 4. 9. Schwefelj- b, Graphit^ c^ Kplile. d. Erd- 
harz,** 

Die vier ersten Hau-ptgliederuntej: den Vqr&tehenden sind 
auf verschiedene Eintheilungsgesichtspunkte gegründet, daher 
die Eintheilung nicht rein. Was soll man aber zu df^n Säuern 
sagen die unter den Salzen stehen? Oder was liegt der Berg- 
baulehre daran, zu welchem Zweck die Fossilien verwendet 
werden, die sie gewinn^ lehrt (denn nach der Verwendbarkeit 
sind obige Gliederungen A.I. f — 4. grofsentheils gebildet , was 
sich an den Namen nicht erkennen läfst), ^fahrend es {hr 
ungle+ch wichtiger ist, ihre verschiedene Art des Vorkom- 
mens 3du kennen, wovon die Art ihrer Gewinnung abhängt^ 
so wie sie zumal die ve^scl^iedeir^^i) Qe^fllinungsart^n selbaC 
hauptsächlich beachtet. 

A. II. 1. £rd- und Rankenholz. 2. Halbsträucher. 3. 
Ganzsträucher. 4. Stammholz.'*^ 

A. II. 1. a. Sommergrtlnes Erdh^ b. Immergrünes E. c. 
Sommergrünes R. "d. Immergrünes ll.** . ' 

A. tl. 2f dl. Weiche sommergrttne H. b. fiarte 8, H, c* 
Weiche immergrün H. d. Harte i. H.*« 

"A. ll. 3. a. Weiche sommergrüne G, b. Harte a. G. c. 
Weiche immergrüne G. d. harte i. G,*« 



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294 KSIlo« System der Tiee]p{kt 

. A. II. 4. ^. Weiches Nddell^plz. b. ^rtes N. c. WeU 
ctea»Laul>holz <J. Hartem L/* 

Die ganzen Abtheilungen A. II.. 1 , 2. lepjhaUen Pflanz^ii, diß 
trein Gegän«tai?4 der (}ßyn?rb«thäugkeit^ mindestens nicht der 

iderem Zwecke — 
jezilblt werd|Bn,^ 
lUfvi^n Blättern 
die Safjtbewegung im * Winter #uf höre , bei imm'ergrünen 
fortdamere, ^eiveiü'} •=•-• Die hier gemachten Unterschiede 
zwischen Halb-» u. Ganz« Sträuchern haben für dje J'orstwirth- 
Schaft wenig Bedeutung« Der' Forst betrieb selbst noch einge- 
theijt in ,^BpdenkuQde ^ Holzzupht^ Forstbetrieb (Vermes* 
sungt Beschreibung, Taxation) , Forstnutzun£,ff wfrd hin« 
^ter dem ^obigen angt^hängt.^ ^ 

„A, Il^n 1. Enifammlung, 2, Qrasgewinnung, 3^ Äcker« 
bau. 4« Gartenbau,, v ^ v 

„A. III. 1, ^. Wurzel, b. Stengel, c. Blätter. 4. Früchte.« 
. (wp die Blüthe?) - • 

,,A. lll. ^/ a. Natürliche Weide, b. yVephfel weide, c. 
Ackerweide, dl Wiese.f« 

„A. 1I|. 3.. a. Futterkr, b. Hackfrücjite, c. JVfehlfröchte. 
d, Jlandelsffew.ächse.«« , 

^,A. Ill- 4. a, Küch^ngart^n. b« Qb^tg. c. 4p<^tbekerg. d. 
Botanischer G!f* . ^ 

Der Betrieb s^erfällt ail^ch hier wieder i^ J^pdenkundei 
I^ehre vpyi den Betriebsmitt;ejn , Arbeit, Ffücbten. ,Es scheint 
un^ hier und hei der vorigen Klasse dqch eine kleine Iriconse- 
. gupnz im Sy^^tem des Yetfs,^ ,dafs er den Betrieb* wie in ei- 
nem ßbiwagen angehängt, noch hintendreinschickt, ohne dafi 
solcher irgiend eines der 4 Glie«ler bildet, ob$chon derselbe 
beiläufig gesagt, gerade dijs Hauptsache • die Kennt nifs der 
Pflanzen aber die Nebensache ist. ' . 

,,A. ly. 1. Vogelfang, 2, Fischerei. 3. Jagd, 4. Zucht,«' 
j, ,';A. IV, 1. a, Erdvögel, b, Sumpfv. c. Schwimmv, i 
Luftvög^el." 

„Ä. ly. 2, a. Würmer und Insecten. b, ^Ainphibien. c. Fi- 
sche, d. Säugethiere.«' 

„A. ly. 3. a. Würmer und Insect«n, b. Amphibien, c. 
Unedle Säugethiere. d. Edle Sängethiere.'* 

j,A. IV; 4. a. Würmer undlnsecten. b. ^mpbibien und 
Fische, c. Vögel. 4. Säugethiere,«« . 

fein'blofser Blick auf letztes Schema deckt viele Inconse- 
quenzen und Gewalt consequenzen auf, die der Verf. nicht ge« 



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Eimbeeke appwatnt.inedleamioiUD« 295 

iiügend «u redbtfertigen vermag^ Veber allgemeine Grund- 
Pfütze der Thierwirthschaft ist hier so gut als nichts erwähnt. 

Ganz auf Ähnliche Weise ist aurb die Entfaltung, die 
Verarbeitung und die Veredlung durchgefflhrt ^ von welchen 
wir nur noch die nächsten Unt«rabthejilungen angeben, weil 
wir rait diesen gelegen genug gtJaagt zu haben glauben, für 
diejenigen sowohl, die Freundesolcher Zwangssysteme sind, 
als für solche^ die mehr Zuneigung 2su jenen haben,' die sich 
aus dem Grundprincip durch ajlgemeine Grundsätze 4uf eine 
Weise entwickeln, die wir für natürliche): halten. 

„B. I. Bergwirthschaftl. Gewerbe. IT.- Forst vyirthsch. 6. 
. III. Landwirthsch. G, IV. Thiejwirth^ch. G.«' . 

„C. I. r^Tährge^werbe. II, Klöidgewerbe, III. Ba ugewerbe 
IV, ületisiliengewerbe.M 

„ü. I. Nahrungrfuxus G, II. Kleiderlu^us Q, III, Wob- 
nungsluapus G. IV. Geräthlujcus G." 

Wir würden 4n diesen letzten Gliedern *dieselbelPBemer« 
Jkung^n Z}x wiederholen haben, ^wje die obigen sind. 

CJeber dieses ganze Systeof fügen wir no^h die Bemerkung 
bei , dals dar^n sehr schön auseinander gelegt ist , wie aur 
durchkreuzenden Wegen die verschiedenartigsten Bedürfnisse 
oft aus gleicheji 'Quellen befriedigt werden u. u. , und dafs 
sich zu diesem Behufe ^e^ Ve^i^. jVlethqde nach unser Dafür- 
halten allerdings befser eignen möge, ^ ne^onders wenn die 
Glieder ^icU et\^as freier und ohne ^gewaltsame Schnürung be- 
wegen können. * Jedenfalls gibt uns die9er Verbuch auch Ge- 
legenheit den Scharfsinn und ^ie Consequenz^ des Verf. (im 
Ganzen genauer) zu bewundere. Wir ^chliefsen mit dem Wun- 
sche, dafs der Verf. uns gestatten möge, unsere Ansicht hier 
ebenso freimüthig au$zusprecheny mag auch gleich seine 
Schrift die nächste Veranlassung dazu abgegeben haben — als 
er die seijiige dem Fublipi^m ^upvfirdepj^t vorgelegt 1^9t^ 



jippßratuf^ Medicaminurti» E4idU Geoifglus Eimh0ck0, Med. et 
Phily Dr^ ^ Collegü Sanitatis HamburgensU membri ord. Sacie^ 
latis medico^phys» ^rlangensis sociu Editio auctior et correc^ 
tior^ ' Hamhutgi MDCCCXX* f^eiui apud Hoff mann et Campe, 
236 S. 8. I Thlr. i6 Gr. 

Unter dem Titel Apparatus Medicamhium gab der, berühmte 

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296 Eimbecke ap^nios medicamiiium» 

Murray ein i^ ehr bekanntes Werk heraus, das zu den geschätzi- 
^tes;ten unter den vielen gehört, Sie sich* mit der Arsneimit- 
tellehre beschllftigen. Wer in vori^iegender Schrift etwas ähn- 
liches suchen virolite, würde sich sehr getäuscht finde^i, indem 
sie nichts anderes ist, als — eine i^harmakopoe nach der 
neuesten jefzt gewöhnlichen Fprm eingerichtet. Nach der 
kurzen Vorrede findet sich in deutscher 6prache ein Conclusum 
des Senates der freien Stadt Hamburg, welches den dortigen 
Apothekern anbefiehlt, alle jene Bereitungen, die nicht in 
der Freufs. Pharmakopoe enthalten ^ind, nach den vorliegen« 
den Vorschriften des Herrn Dr. Eimbecke su fertigen,. Be- 
zeichnender • und deutlicher würde es daher gewesen seyn, , 
wenn man diesem Buche den TiteJ Pharmacopoea Hamhurgensis 
gegeben hätte. Die Schrift zerfällt m zwei Haupttheile, wo» 
^von der eine die Matevia -pharniapeuucä^ der andere die. Vor« 
Schriften zu denPräparatien.und Compositionen enthält. Beide 
sind mW vielem Fleifse bearbeitet und können recht gut den 
besseren VVerken der Art de^ neuesten Zeit an die /Seite ge- 
stellt werden, VV^ir wollen aus beiden Einiges auszeichnen.— 
Nebst dem Jrnylum Tmici ist hier noch ein A*nylttm Mara^tacf 
Pfeilwurzelmebl , aufgestellt, vvelches^von Marania indicaTus» 
sac ^ einer in Ost- und VVestindien vorkommenden Pflanze, 
erhalten werden soll. £s ist a^s ein sehr weifses, unschmack- 
haftes, der gewöhnlichen Stärke gleichendes Pulver beschrie- 
ben 5 :yvelches sich leicht mit Wasser mische , etwas hart an» 
Zufühlen sey, und zwischen den Fingern gerieben ein Ge- 
räusch mache. Es weide, wird hinzugesetzt, oft mit Kar- 
toffelstärke Vßrfäjscht, Zwischen Canella alba lind CorUix Win' 
teranus wird kein besonderer Unterschied gemacht, sondern bei 
der Beschreibung des weifsen Zinjmets blos erinnert, es sey 
Weifser als die Wintersche Rinde, weniger zusammengerollt 
u* s. w. Chinarinden sind drei aufgenon>men, Corteoc Chiiuie 
cinereuSy regius und ruber ^ die erste soll von CinchoAa nitida Ruiz 
kommen und öfters mit andern Chinaarten verwechselt oder 
untermischt werden, namentlich mit den Rinden der braunen 
China, Diese Behauptung ist um so auffallender, da gerade 
einige Schriftsteller die braune Rinde von Cinchona nitida ab- 
leiten. Dazu kommt noch ein besonderer 'Umstand: Bern- 
bardi (Hackers praktische Arzneimittellehre. 2r Band.S. 17.) 
bemerkt unter andern, hian könne' gegenwärtig kaum daran 
zweifeln, dafs Cinchona cordißjlia MJtis die braune Chinarinde 
liefere; die Ursache, warum man diesem Baume die gelbe 
Hin4e Zugeschrieben habe, liege rn einer Verwecbl^lung, in- 
dem man sich durch die Französischen und Spanischen Namen 



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jEilDbecke «pparätns- t|ii*dicauiinuni. 297 

dieser Rinde (^(^in^kirm Jaune, Qüina, amariUayhsihe zu glauben 
verleiten lassen, dafs darunter unsere gelbe Chinarinde ver^ 
standen sey, LetztA'e aber stamme von Cinbhona iancifolia 
Mutis, — — Nun weifs man aber dafs C. Iancifolia Mwnj und 
C. nitida Ruiz synonym sind! Herr Dr. Eimböcke giebt (Irbrr- 
gens ketn^ Mutterpflanze der Königsrinde an. und* leitet die 
rothe 'China von Cinckona ohlongifoliü Mutis ab. iViit Unrecht 
wird die Quassiarinde blos der Qua3sia amara L. zugeschrieben. 
Die Fichurimbqhnen werden, wie bisher immer geschah, von 
einer Art tfluroj abgeleitet;, nach Sprengel (J.ahrbücher det 
Fharmacie 1821.) kotpmen sie von e\nex Litsaea oder Tetran» 
th»ra, — Mit Vergnügen • h^t Rec^» bemerkt , dafs in Hinsicht 
der Angabe der officin eilen Art des Sturmhuts hier sehr sorg- 
fältig zu Werke gegangen worden ist; es ijt nämlich Moni» 
tum ötoerkeanum Reichetibachii aufgezeichnet und dazu als Syno« 
nyine hinzugesetzt »v^« Napellus ^toerkii^ ^, neomoi\tanum PVill» 
dtmow und A^ in^ermedium De CandolU, dann ist auch die Abbil- 
dung der Pflanze bei Schkuhr (III, l45.) und Sturrp (Flor^ 
Genn. II, 6.) verwiesen^ indessen d^rf doch nicht übergangen 
werden dafs Störks Aeonitum von dem berühmten De Candölle 
unter demJSfamen A» -paniculatum kürzlich beschrieben worden 
ist, folglich die genannten Pflanzen nach dessen Autorität, 
nicht als* synonym betrachtet werden dürfen. — H^rha Lactucae 
virosae et Scariolae sind zusammen als pfflcinell genannt, indes- 
sen midchte es doch ni<:ht ganz gleichgültig sejrn,' ob man das 
Extrakt von der ^inen oder der andern Pflanze bereitet. Ein 
sehr wichtiges noch nicht gehörig und überall bekanntes Mit- 
tel ist bTer mit Recht aufgf^nomm^n, nämlich H^rha Rhois radi^ 
cantis 9t Toäcicodendri f,^^ SO wie 9uch das Pariserblau oder blau- 
saure Eisei^, Ferrum zooticum, — Rec. kann es nur als einen 
Druck- oder Schreibfehler ansehen, dafs die Schwarzwurzel, 
Radix Consolidae major is *. Symphyii VOn Delphinium Consölida 
hier abgeleitet ist, bekanntlich sammelt man sie von Symphy 
tum officinaJe L. die Grindwurzel^ Radix Lapathi acuti, Soll von 
Rumex nemorosus Schraderi eingesammelt werden : .eine sehr 
zweckpiäfsige. Angabe^ wenn nur noch die Schrädersche De- 
finition beigefügt worden wäre.» Bisher sammelte man dies 
Mittel meistens von Rumeoe ohtusifoUus oder R^ crispus*, denn 
es ist bis auf die heutige Stunde schwer ans;ugeben, welche 
Pflanze .Linne's Rumeoc acutus ist. üebrigejis kümmern sich 
die welligsten Phaiimaceut^n genau um die wahren Mütter- 
pflanztjn ihrer Mittel, sie lassen ihren Wurs^elgräber daffVr 
sargen, der auswählt was ik'm am besten dünkt, — « Qbsolete 
Mittel äind ziemlich viele beibehalten, Veovon wir nur einige 



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nepuen wollen » wia CpceumfiUä S^tümpumt^^, Ploräs Ctfrän* 
mine pratensis f F. Lamü alhi, Fn$ci;us Elat$rü, Opmmae Populi^ 
Hsrka G^nistae u. ». w* 

An Fräpar«ten uii^l Compositipnen i«t dle^e FJb^rmaköpoe 
weitreicher al|diePreuif8ische, übrigens 8 ii|d, sie mit loliens^err 
ther Sorgfalt xin^ i cq Ganzen ^ehr zweckmi^^sig abgefaXst. — 
]^ec. begnügt siph einiges Eigen jthümlioha au^zühebfBn, wohia 
zu rechnen. leyn möcnte:. jicetum iUf&K pdaei Sat^chßjratiun ^ eine 
Mischung von gleichen Theilen Himbeersyrup« und rohem Kv 
f ig, die gltrirt un4 aufbewahrt wird^ ^«tker Suiphurhus 4iy* 
drdrgyratusi eine Lösung Vpn ätzendem Quecksilbers ublimat ii^ 
3ch\^efelnaphta mit einer ganz geringen Quantität Campher, 
jffther Suljfiuritius Zinci^ eineLösCing vQn trocknem salz^a'urem 
JZink in njitVVejngei^t etwas verdünnter Seh wefel|^aphta..C<f/canVi 
phQsphorica (äbiata. Ein Pfund gera^pelt^ Hörner Ufid 2 Pfund 
Antimonlom orudum 'werden zu«ainmen in einein. ei^erj^en Gtt* 
fchirre so lange geglüht, bis das Ganze eine^aue Farbe be« 
lliQmmt, /die S^asse. wird her^u^genpmmen | zu Pulver gerie- 
ben und in einen Tiegel gebracht^ mit dein man einen andern 
unygekehrten am Boden durchlöcherten "^i^^g^l ^usammenkit« 
tet, auffliege Weise wird dieJVIasse zwei Stunden lang glü- 
hend erhalten und der Rückstand dann sehr fein pulverisirt. 
Qltoeolc^a cum Uch§n0 islqndico. ^u vief Pfund gerOsteten Ca- 
caobohnen und dHttehalb Pfund Zucker wird ein und ein hal- 
i)e$ Pfund gewaschenes und gepulvertes Isl^ndifche« JVJqos ge- 
mispht| und dann wie begannt in Tafeln zugerichtet/ Decoc* 
tum Ichtyocollae (fampositum^ Elixir Aurantiorum myrrhatum, £nf- 
plastrum ' foeni gra§ci compositupi » Ferrum phospkorUum acldulum l 
Cbosphorsäure, in beliebiger Quantität wird zur Hälftä ihrer 
Flüssigkeit abgerc^Licht^ dann in diese frisch präcipirtes noch 
etwas feuchtea Ferrum oxydatum fuscum so viel eingetragen, als 
die Säure aufnehmen kann. Die Lösung wird zur Trockne 
abgedampft und der Hück^tand in gut verstopften Gläsern 
aufbewahrt. Pie hier gegebene Vorschrift zur Bereitung des 
Liquor C C< Succinatus i^t nicht die gewöhnliche , und oürfte 
befsonders in Rücksicht det zu verordnenden Gaben Aenderun» 
gen erfordern; e^ soll nämlich eine Unze trqckne Bernstein« 
säure in acht Unzen destillirtem Wasser gelöfst, und d#r Lö- 
sung so viel Ammonium pyro oleosum 'siccum zugesetzt werden, 
als zur Sättigung erforderlich ist. Unter dem Namen Liquor 
corrosious ist eine Compositiora angeführt, ^ie eben nicht nacb 
den Regeln der Chemie abgefafst zu. seyn scheint; sie besteht 
aus ätzendem Quecksilbersublimat 9 Alaun 9 Camphor, Blei- 
zucker , Essigsäure und höchst rectificirt^m Weingeist. — 



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BdoierJ^^n^werth sind ferner lÄquor Kali eitratl^ l^iqupr KtkUnns 
^yro^oleosuSf M§1 S^tißgao^ Manuli rh^arbarinif PilultM nrs0nU 
cales; eine Öracbme wetlser i^r^^f^ik und sieben Dr9cba>en pul« 
7(frisirter 8cb)varzer Pfe^Fef weiteten gemi^cbt , und daraus mit 
Hülfe eine$ Schleimen aus «rabiscbem Gummi 430 Pillep ge- 
iQacht -7- -^ eine Vprscbrift die wabrlijch niicht 9M den be- 
«ten^ebört -*- — Plumbum 4pytod^psicum, In ein qpncentrir« 
tes Decoct von Eichenrinde wird so lange ^leies^ig gegossen, 
als eip leberfarbenes Ful^rer (caloris hepatizonis) niederge^cbla«- 
gen wird, I)er Fräcipitat^ welcher d^e Gonfisten^ eines 
Lin-iii|,ent^ hat, wird mit etv^a^ Weingeist gemischt und stellt 
nun das verlangte Präparat dar. Die angeführten Sppcw. pro 
Sinapismo Werden in eiT>er eigeiien Note aU vorzüglich zur fie« 
reitung der Senfpflaster gerühmt; diese ^pecies be^tehen.aus 
gleiche^ Theilen Pulver ypij Senf$|Eiaman, JVIeerrettfigwurzei und 
Kornm^b}. Nach des Rec. jVJeinung läfst sich von dein Pulf 
ver der getrbdtnejei^ Wurzel A^u IVIeerrettigs nicht vfej erwar^P 
ten, frisch geschabt und dem T^ige beigemischt möchte siß 
mehr leisten. Bei den Pulvern , Tincturen| Syrupen^ Sa}« 
ben u« 8, w. findet sieb noch qaanches Interessante, welches 
allef anzuführen zu vielen Raum einnehmen würde« Der 
dritte Theil der Schrift enthält Nachträge ^ Zu^^tze^ Aende^, 
rungen und Verbesserungen die Präparate und Compositio^ 
nen betreffend ^ hier findet §ich unter andern eine Vorschrift 
zur Bereitung, des Midi zootici^ des Fcrri phorphprici, des Kali 
fidero^zooticif ein Oxy^el jirmoraciae ^ eine Tinctura Afion%ti vmA 
Digitßlfs ^alina-^ zu deren Bereitung die genannten Pflanzen mit 
Spiritus Minderen dfgeript Wjerden,' — Der vierte Theil enthält 
einen Catalog von Keagentien mittelst deren die Arzneimittel 
chemisch geprüft werden sollen. • Der fürifte Theil enthält 
Tabellen in denen der Qehalt starkwirj^ender IV^ittel in den 
Composi^ionen nachgewiesen wird. — Eine JVJenge veralteter 
Mittel, die a5um Theil nicht dje zwecl^mäfsigsten seyn mööh^ 
ten, enthält diese Pharmakopoe noch^ wovon gewifs nicht 
wenige ohne Schaden hätten wegbleiben können ^ aber s^e 
enjthält auch sf vie} Qutes und Nützliches, dafs.sie besser be- 
kannt und mehr beachtet s;u seyn verdiente, als es wohl bis-^ 
her geschab» auch verdiente sie eine Stelle in dem Codex nie» 
dicamentarius eutbpaeus, in sofern auch die Pharmakopoen einzelner 
Provinzen ui^d Städte aufgenommen werden sollten. * 



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300 Th^ Kuddimamii Iüai, gruis. fat, ed> $(«llbatiiiy, 

f , .. , . 

ThomttP Rnddirnanni Ins^tuti@nes Orammaticae'Latinae carante Gor 

dofredo Stallhaum, -- Pars Prima Etymologiafn conti» 

V n&ns» Pars secunda Syr^täxin continens, ' XXiy und 328 * S, 

dann 424 S, Apppndix, (^Orthographie und Prosodie enthcd' 

tend nebst Reßi'shrn) 4SI ^, gr, 8. Jaipfiae swjivtibus C H^ F» 

. * Hartmanni. JVfD^CCXXIff^ ' ' • ' 4 TA/r. 

Längst sind di«, Stimmen derjenigen verhallt, welche 
nach Erscheinung der Gramatiken Scheilers und Bröder^ aus» 
riefen jiiun hätteq wir ^irtaial vortreffliche Grammatiken und 
man brauche nun nichts vv^eiter als immer neue Auflagen der- 
selben; eii^e Ehre; die der Brqder^cliQn Grammatik seit 36 
Jahren 16 Mal widerfahren ist. Viel gegrilndeter war die 
IClage, dafs wir, ^yahrend die Griechische Sprachlehre die 
Grammatiken von Buttman, MatthiU iin4 Thiersch, die Ar- 
beiten eines Fischer, Hermann^ Schäfer, Sturz und Anderer 
aufzuweisen habe, .diesen Werken in der Lateinischen ,so gut 
wie keins an die Seit^ zu stellen haben, obgleich schon seit 
mehrern Jahren Seyferts WerkerKhienen war, dessen Verf. 
bei grofser Belesenheit einen Mangel an philosophischem Geist, 
Sdiaffsinn und umsichtiger Anordnung des Stoffes nur gar zu 
häufig verrieth. War- nun gleich in neuern Zeiten 'durch 
WeuK, mehr noch durch Grotefend, vorztiglich aber durch 
• Zumpt in der lateinischen Grammatik viel gethan, waren auch 
von C. Li, Schneiders aiisffthrl icher Grammatik mit Recht die 

fröfsten und erfreulichsten Hoffnungen gefafst worden ; so 
onntön doch eijierseits je/ie für deri ü^jrerriidht herephneten 
Werke das Bedörfnifs eines grammatischen^Sprachschatzes ihrer 
Natur nach nicht befriedigen, ^ und aridererseits war durch 
Schneiders frühzeitigen Tod .die Hoffnung auf Vollendung 
seines Wetkes so gut wie abgeschnitteli. Aber gerade Sehnei- 
der, und tor ihm F. A.Wolf, hatten auf das, seit fast 100 
Jahren fder t. Theil erschien zu Edinburg 1725, der zweite 
173 1) vorhandene, aber in Deutschland ,' überhjiupt aufser- 
halb England, unbekannt gebliebene Werk de#Ruddima*nnu8 
aufmerksam gemacht, .das so reich ausgestattet ist, dafs ihm 
aufser dem.Aristarchus des grofsen J. G. Vossiu^ (und auch 
dieser nur in Hinsicht ^der Gelehrsamkeit ^ nicht der Anördr 
liung des Stoffes, kein iflteres und.neueres Werk dieser Art 
an die Seite gestellt werden kann. Der vollständige Titel ist: 
Grammaticae Latinae Institutiones ^ facili atqu6 ad puerorum .captum 
. aecjommodata methodo perscriptae^ Additae sunt ^in prooectiorum gra- 
tiam notae perpetuae ; quibus non solum Latini sermonis praecepta ple* 



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' Tit.. EuddimtQDi löst. Ut« gman* «d« Sullbattm. 301 

nius eTpticanturi sei et äu pterä^ue aifiniOy ifuM a tUfwnU grafhnUH 
ticis aliisque ad hänc artsih illustrandam säht dbseroata^ suecinftesi^ 
mul j)erspicuec^ut träduntur, ' Ptrfecit et suis animadversianibus auxiB 
Th» Rüddimannusy J; M. Von diesem Werke giebt es nun 
auch' eine Llos für Schttler berechnet^ Ausgabe, welche den 
Text ohne das enthält, ii^äs auf dem Titel des gröisern, von 
Additae sunt an , llngegeb^n ist« Von dieser erschien im Jahi^ 
1704 die' 15. Ausgabe au Edirtburg auf 296 S. kl. 8; Der 
Haiiptvorzug dieses Werkes besteht in der relative^ grofsen 
Vollständigkeit#der Aufzählftng des Sprachgebrauchs in der 
Etymologie und Syutax, vir^i^on hi^r ein wahrer Schatz nie* 
<^l'rgelegi* ist : man ^sl. z. B. die Aufzählung der abstracten 
Substantive, die im rlürali rorkommen^ I. S. l4o. die. Auf* . 
sählung'der Adjective^' die sich mit dem .Genitiv construirt 
finden, mit genauer Aogabe der Stellen II. 5« 73^ bi3 f^. did 
Verbajieutra , die. bbi verschiedener Bedeutuhg verschieien 
constrüir( werden. S« 134 bis 14^« andere Verba mit doppekeC 
Construction S, löl-»^ i59. Verba neutfa mit dem Accusativi 
S. 220 — 223. und so manches Aehnliche. — Dank verdient 
der Verleger för den Vorsatz, dafs seltene und für dieMAteii 
unbcÄablbar theure Werk auf deutschen Boden au verpflan- 
jJen^ und der vtrördige Herausgeber^ dafs er die Besorgung 
übernahm, und für die Art, wie er es ausführte. Da Rudd. 
es unterlassen bat, in seinem' grofseri Werke die 'Orthogra-- 
pbie und die'Prosodie zu bearbeiten , scf hat Hr. St. au eini* 
gern Ersätze dieses Mangel» den oben angegebenen Anhang 
aus den für Schulen herausgegebenen Instit," aDdruck(;n lassen, 
welches auf Jeden Fall dafjkenstveftl^ ist, tV-^iln auch diese 
zwei Artikel weder erschöpfend behandelt sind, noch Neues 
darin zU' finden seyrr mdchte, -tVYaa aber dieser Ausgabe des 
Werks einen^ entschiedenen Vorzug vor- dem Original giebt, 
ist daa genaue Inhaltsver^eicbnifs und das. Register ^ welches 
zu fertigen Hr« St, mit Recht Hir s^weckmafsig gehalten hat«. 
Man kann es rdativ. vollständig nennen ^ ob sich gleic^ viel- 
leicht es Mancher nodh ausführlicher wünschen: möchte. Die 
Zusätze des Herliusgebers im Text und in den Noten, ob sie 
gleich nicht' s^ebr zahlreich sind ^ sind doch nichts weniger 
als unbedeutpfid^ vV^'nehrbdchst schätzbar und^trefflfth; auch 
nicht immer von kleinem Umfang, z.B. diei Berichtigung, 
über den Gebrauch der Tempp- und Modd. H. 8. 378 — 3ö3. ; 
Ober die Construction det Conjunctionen II* S. 340, sq. Häu- 
fig bestreitet der Herausgeber die nach ehemaliger Gewöhn* 
beit angenommenen falschen Ellipsen , z. B« II. S. 273; 196. 
165. 1Ö3. l8o. 163. 156. i32. 122. 118« 116« und a« nt. O. 



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302 Seliiipphit ltb«r l«t< Partietpialoonstmoeion».. 

Oh yreiüt et auch ne^^ F^stjbuiigen noch^ %. B. tfbet den 
jJLecus.. eum Inf* II. $j 231 07. f über netcie an uUus tind miU 
lus wo auch aUenialls noch Jen; Litztg. l820, N. i5i<^ und 
Ocläsner zm Oliv^ts £c]ogg, Ciceton. p. 156 aq. genahnt wer« 
Aen konnten. Dafa natt^rlich nock «inegar §röfae Mienge^An« 
iiiericungen un^d%2usätä6e^ mäglicii wäre» i$t iiat:ihrlich9.^z« B. zu 
ll) Srf' lOi Not. O'^ dvgnus üdium ^u^Teren^S Aiidr. Vj 4^ 38< 
die Form i/i^»« I. Ä. 283. au« Gic. de JN. O. l!l. 27. 68. , wo 
sich ein Vera -einea alten Dicktera in allen biab^Hgen Aii^ga^ 
Ben (>di0;it)einere dea Ref. aüuageffomnieii) in Ar Prosa des &«' 
oero verstecbft- hat u. s:'^. Ah^t das Buch ^wäie daiih asu>cor'- 
pulent und vielleicht dann' auch wieder fttr Manchen Äu theue^ 

Geworden« Wir hoffen^ dafa bs^ kein Philolog und kein 
chdmann mehr ^eyn werde ^ der nicht durch Studium und 
Gebrauch das Wierk nach seiner ganzen Vortrefflichkeit kennt, 
eni4ialten uha deswegen einer ausführlichem Beschreibui^ und 
jileurthedlung^ und heisaen es iui deiitscbem. Boden herslicb 
Witllkommen« •; 



ßie lateinisch^ Participiaiconstruction vöH ÜK Öeörg Philipp Seliäp* 
piuSf Direftor und Professor des Oymnasiumsi zu Hanaui 
jils fiinlddung zu den Prüfungen im GytHnasio 1822* Mana&i 
gedruckt in der Campeschßn Tff^Uenlittufh^üehdtUckeHi^ 42 8* 
in di {öhnp di6 Sthultmchrichten^^ 6 (/r. 

SchOh einmal haben wir mit' einer ähnlichen Sihrift ät9 
Vetf. (über netciö an üllus und ntscio an nullus) eine Ausnahme 
"Von der Regel gensaeht^ dergleichen kleine Schriften fticht an- 
2(uzeigen^ und glauben damit den Datik manches Schulman- 
nes gejvonnen zu haben 9 der' durch jene Anzeige auf eifte be- 
achtenswert he Schrift aufmerksam gemacht wurdeT. Nicht un- 
beachtet ausbleiben irerdieht auch diese Sehr ifr^ wekhe eifren 
}n Aen meisten Grammatikei^ 'entweder unvoilstäridig ^ oder 
unklar und retw^orren Vorgetfageneik Gegenstand in lichtvoller 
Ordnung. und mit BerücksiGhtigung aller vorkommenden Fälle 
auseinandersetzt. Der Verf. gie:bt diese' Schrift als eirteft Ver« 
auch zur Verbesserung der' Br&der sehen Grainmätth,^ derglei« 
ehen e^r noch mehrere zu g^ben gedeckt ^ und will denselben 
besonders aus dem Gesichtspunkte beurtheilt wissen^ dafs die 
Arbeit für die Schule beatiinait sey. L^gen wir diesen Mals« 



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Schüppiu» Ober Iat# Ptfnioipalfi«n«rrueUoa< 303 

Stab all) s6 können Wir denn Veff. una^tnietMl ihTi^niAuü^ 
axif das Wesentlich« seiner Arbeit nicht versagen, ob wir' 
gleich, die treffliche Beispiejsaminlung abgerechnet, di« gahtii - 
ürödersche Grammatik für setir unklar, unk>gi8ch und man-' 
gelbaft in Farm und Dafrstellung und in Beziehung auf Voll- 
ständigkeit erkläl'eh milssen^ und es nur ihrer bequemen £in« 
richtung und ihrem. geringen Preise, so wiö* der Angewöh- 
jiung der Lehrer, an sie, 2vu8ehfeiben können^ d'afs sie notb- 
iiicbt von spfätern und bessern Gramfnätiken dier* wir ja bef»* 
kanntlich besitzen, verdrÄngt worden ist. Doch v^irw oll efii 
von dieser Abschw^ftfung zur Sathe zurückkehren und eineit 
jcurzen Begriff von dem Inhs^lte def vorliegenden Schrift ge*' 
}ien, ^er Verf« t heilt die Fartidipialconstruction in regeltfiä* 
fsige (mit einem vt^irklicheh Fartkip, und Weglassung desHö- 
lativs oder einer -ConjimctiOn) Uftd in unregehnäfsige ' (mit an-* J 
flern "VVörtern^ », B. einem Substantiv oder Adjectiv, Wobei, 
ein Particip. supplirt wird^ oder wenn nicht unmittelbar diö 
"VVeglassun^ des Relativs oder einer ConjunCtion Veranlas-, 
sung dazu £iel\t:)j^ Die rigetmäfsige theilt er w.ieder ein in're«* 
Jative (jjariicipiHm conjunctum) und absolute (participium ohiolutum^ ^ 
die unregelmäfsigft eben SO , und hie von in 26 $§, di^ zwei er- 
sten CapiteJ. Dad dritte ist öbers(:hrieben : Fon dem zu wäh^ ' 
lenäpn tempore particlpii ^ wenn man eine Participiafconstrui^tio'n md' 
'chen willy bis zu ^. 41* Eil» Äntiang enthält Noch einige ^6met^ 
kungen über di6 Participialconstrüction in 3 §§• '£s i^t uns nichC 
erlaubt^ hier in das Einzeln» zu gehen ^ unfl v^ir können nui^ 
die Bemörkungert des Verf« der Benutzung, solcher Schulmän- 
ner Empfehlen, .diö nicht zu bequem oder zu egoistisch sin^^, 
und die durch das Studium fremder Ansichten e;ntweder etwa» 
lernen, dder wenigstens zu eigener Forschung verantafst.virer- 
den zu kdnnen glauben. Ohne bebauprten zu wolle)!, dafs. 
durch diese Schrift der Gegenstand /erschöpft , sejj 'dafs die 
Darstellung nicht noch hier und da et,was klarer seyn kötintef 
könrfen wirdoch aus gemachten Proben versichern ^ dafs sie 
für den praktischen Gebrauch sehr zweckmässig und genügend; 
sey. Aber gerade bei dieser Probe haben wit einen .Mangel 
entdeckt, auf den wir den jwllrdigen Vf. aufmerksam machen 
müssen. Dieser Mangel, Ncler an mehrern Stellen autfallend, 
ist ^ besteht — nicht in den Regeln, nicht in .den Beispielen 
und der Wahl derselben, sondern — in der deutschen tJeber-, 
Setzung der Beispiele und ihrer Erklärung, die oft geradezu 
verfehlt i$t. tVir theilen- s^unt Sthliisse unse|fer Anzeige nur 
ein Paar Stellen als Belege \inserer Behaupitung mit. Mutato 
jiomine de te /abula narr^tur ^olhheibei^ l jEs wird 0an dir eins 



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304 Willenbüeher Lekhenxtede« 

Anekdot» mit ^9fäHd£tt^mNamän4frzähttijyie'Ste1ieävi$ 
Cic^ 4^ jQ^*. etwas abge^n4ert 1/ orqtionem latinam Isgendis Cuero^. 
nis jcriptU efficies jtleniorem SoW .\kQl£sBn l durjck das Lesen dei" Schrift 
teil Cicero^s wirst du- den lateinischen Ans druck 9ollkom^ 
Tiie{ter niacheno Ferner:, ^i quid feceris lege juhente^ he metuas 
\yird über&etzt: wenn du ^twßs thuft wie es das Gesetz he^ 
fiMt, so fürchte dick nicht, (^««^ Yevi'i ist alsiO aüch das sich bei 
sUh.fUrcIuen dßt AcGusativ.?^ Legati Cyranensinm dona attuleref 
pacdm j}et»ntes bei ist 2 Diö Gesandten der Cyrenenser brauten 'Qe^ 
schenke utfd,h(iti{num Frieden, Noch eins 5 vobiseum äro hunc li* 
hrum legentihus Vfilpd gegeben: J/P'enn dieses Buch wird gelesen 
werden , we^ de ich zu Euch komtnem Wif enthalten uns 
aller Correctui;,; und fligen nur hinzu ^ dsifs sich diese und 
ähnlicUe Mängel Äyjrar leicht verbessern lassen^ daf» aber ihre 
Yerbessetung für den Gebrauch mit Schülern^ unef laralich ist« 



Biäii äfft Sal'^ä' äe§ liöchet^ öraferi ftäfii zii Mriai>hf tör dtt 
Beisetzung ik die Familiengruft zu IVtichelstadt am 14. März 
J823 und söddnri in veränderter und erweiterter ' Gestalh als Ge- 
dßchtnjfspredigt nach Sprchiöm 10, 7. am SonnL Jud, geholte^ 
. Und' mit Nächrichten äui dem Lehen des hohSn ' Vollendeten^ 
degleit et^ von 7. PV. Pt^i Itenhäcker^ jnspecior der . Diöcesä 
Ej^ach lind' Pfarrer zu ^rehsh ach urjd Niedei^eihstächi Ltatin^ 

/tddi'tS2^[ ifei^C fV. Leske. i^ S. 

'- • • •• .' « • ■ '. - ' *- ' ■«. 

' Wir glafuberi unsefri IJeseriij die ^üride von dieser ilei- 
«erf Schmitt nicht vorenthalten zu dürfen. 'Die fromme 
Trauer vieler Herzen um eirien edlen Fürsten!,' ist. in j^sel- 
bell wäräig auargssprocheh^' In s:einer preifsv^ürdigen Regie- 
rung sorgte derselbe' besonders auch für Kirchen und Schu- 
len , aber lim die gelehrte Welt hat er. sich auf eine eigne 
Weise gfofsö Verdienste erworben, JEr hat ausgezeichnete 
Sammlungen von Alterthümern verschiedener Zeiten und 
Völker angelegt ^ und sie standen in seinem Schlosse zu Er- 
bach wie auch in dem nahe gelegenen Eulbach jedermann of- 
fen. Reisend^ aus der Nahe und Ferne kamen häufig dahin; 
und dankbar rühmen die Gd ehrten, .'welche von diesen wich- 
tigen Schätsien für^ ihre Alterthumskunde Gebrauch machten, 
die Liberafitär des kenntnilsfeichen Besitzers, Das Anden- 
ken dieses Edlen steht also augh im Reiche der Wissenschaften 
hoch. Die Spt-ache des Redners » der sein Andenkeji erhebt, 
trägt durchaus daft Siegel der Wahrheit« 

* ^ * * ' Schwan» 



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N. 20. 1824 

■ * ■ ' ■ 

Heidelberger 

Jahrbücher der Literatur. 



JcoMih Laarentii Lydi Db OstentU tfüae supersant, nna eurtt ßag>- 
minto Itbri Dd Meiuihus ^jusdem Lydi^ fragmentoque MaiU^ 
Boithii D4f Dös et Pthesensionihus* £» Codd. ttgiis edidit, 
Ctaecaqu0 swppl&üh et latine veftit Carolas Bünedietus Hasß, 
inf Schola Regia ' 'speciall . lAngudruni OrientalU recenriorr, PtO'* 
. fessoti in Bibliothecae- Rsgiae parte Codd. tnss. Graecos et 
•Jjatinos tompiectente jigens^ ordinis S, TVladimirt Etfuesyt jica» 
demiae Scientiar. Irtrp, Tetropolitanae « Regiae Berolinennt etc* 
Socius. Pari^iis, TypOgraphia Regia, MDCCCiiXIll XX^ 
und 4o6 <$• 8« 

£ji ist erfreulich^ tu h^inerlE^tt ^ wie ti eben den unzfth« 
iigen neuen Ausgaben Jder schon . läfigst bekannten Schri^tstel«* 
]er des Alteirthums , die ohne UnteriaJfs veranstaltet werden, 
von. Zeit zu Zeit doeh auch wieder eine früher unbeltannt ge«* 
Viresehe Griecbis(^he odef Römische Schrift« wenn auchnüiriA 
Bruchstücken, aus dein Staube der Bibliotheken ku Tage ge«* 
f drdert und so . dem gänzlichen ^btargang entriasen wird. 
Noch ist es nicht viel über ein Jahr « dafs diese Jahrbücher 
von den neu aufgefundenen Fragmenten des Ciceronischen 
Werkes De RepuhlUa'tiüchricht gaben; und nun können >td 
»choti wieder einet f in solcher Vqllatändigkefit früher noch 
nicht bekannten « Griechischen Schrift aus der altern Zeit. £r* 
wähiiung tbun« Das dritte»^ bis jetzt bekannt gewordene 
Werk des Johannes Laurentius aus Lydien. -BOÜ jetzt angezeigt 
vrerdien. 

Zwar darf dieser Griechische Schrtftstellet dem.obenge« 
nannten Römer in keiner Hinsicht sich an di^ Seite stellen^ 
In» Jahre 4^0 n. Cbr, erst geboren, >a]so' im Justii^ianeiscben 
Zeitalter lebend und schreibend^ ist er schon dutch die Fe«* 
tiodefy in welche steine Schriften fallen ^ in einigem Nach* 
tbeilri Ferner weder durch Originalixät det Gedanken^ 
nodb du^cb Scharfsinn^ der sich in v^iner critisch ge* 
nauen Sichtung dea Wahren und . Mindef falschen vom Min» 
derwabren und .Falschen in aeiaem Mittheüungen kundgab«, 
XVIL Jahrg- 5. Heft. 110 



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3tMt> lo. Laur. hfdi De Ostenüs, ed* Haae« . « r) ' *" 

noch auch durch hesondere Fertigkeit und Geschmack in dem 
Gebrauche der Grierhi^cben Spracbe ausgeiieidinet , kann er 
mit den auf uns gekommenen Schriften nur auf die £hre eines 
sorgfältigen Auf bejwabrers. inanCher Sfj^lU^^sKi^^äJterA ♦,,yftl9- 
r^'gegangenen claBsiiLhen.Au^tafen una0ii>e8ilel6 igfe nliSa mro-». , 
lers von Notizen über Staatswesen', religiöse Einrichtungen 
uiT'il^'Gebräuche, Glätiben und Aberg4auJ»en vorzüglich :d^ 

, Römer und von Liehrsätzen alter Philosophen , Aiispruch ma- 
chen. Sollte er aber nicht gerade darum dem Alterthumsfor- 
spherb/si Bearbeitung seiner Wissenschaft sehr schätzbar seyn?. 
Je g€rii?gern Werth ni^i^^ber di^lj^laise von Scjiriftstel- 
lej\i(i'^ w,ox.iJiyi?ter Jafi.Juydu^, gchqrt,^ha^> ysrerm man von ihrem 
Inhallj^ absieiht,.',u^id seinen Blick ^^ 4^^ Form, wendet; je 
Wt^^^iger sie den herrlichen, durc^^ Inhalt, und Form gleich in- 
teressanten Qassikern gegj^nObecy anzieheja .können: desto 
naehr ^mqs«en sorgfältige,; mi.t, Aufopferung, von . 2<eit und 
Mfth^5 Gölejirsamkeit i^q4 Scharfsinn d^rchgefchite J^eacl)ei- 
t;>^^en .derselhen als . yerdienstliche Unternehmungen g<?lobt 
werden. .; ,. i.,.,. 

JDeni um die alte Literatur vielfältig verdienten Professor 
HuEse ge-bührt bfei^ der .Mittheilung des vorliegenden ^Wei-k es 
diiesBa Lob in hohem. Grade ^^ und man -kann sich hei näherer 
Absicht -seirif€T .Arbeit des Wunsches «nicht, erwehren, dafs. 
dodp jalle Schriftsteller des Alt^thums hei'ihrer ersteh Bekannt-, 
nilicttung durch den, Druck gleich gelehrte, fl eifrige Und ge» 
wissenhafte Herausgeber :erhaltei) haben mddhtien. • 

' . f4^as gibt.un» nun ^der Herausgeber mit dieser 'Schrift^ 
und wie gibt era ubsI , . , 

Nachdem schon im Jähr 1 7M durch den gelehrten Dänen 
Nik^ Schoto das nur 'in Excerpten auf uitfs gekommene - Werk- 
chen von. unserm Johanne«' Laurentius^n^J /Ujjvüüv aus 'RjÖmi-i 
sehen» Handschriften war. bekannt xgemacht worden,, folgte im. 
Jähr 1812 eine zweite, vollständigere Schrift desselbe^i /Üfifi 
a^j^tCv '^j' 'Ptü/xa/wu VeX/ri/«^ von der fleii^igen Hand des ge- 
genwärtig an der Universität zu Lüttich lehrenden Professors 
J, IX fVi/jr;, dier sich damals in Paris aufhiöh. Aus Auftrag des 
ht^rühmten iGrafen Choheul - Goii/j^tf^ veranstaltete er die Aus« 
gäbe aus; einer durch Scbeiikung während seines Aufenthaltes 
in Constaritinopel a. 1784 in dessen Besitz gekommenen Hand- 
schrift Cjetzt Eigel^thum der Konigl; Bibliothek), worauf ihn 

, der gelehrte yUloisony der in seiner Begleitung war, aufmerk- 
aam gemacht hatte. Dies» Ausgabe begleitete bekanntlich 
Hase mit eine^: schätzbaren > Com mentation^, worin alle be- 
kannte den Scbrif titeller befcfeifende ^iterarit^e u« a. Notiseti 



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lo« Xftur^ Lyell Do Oatentrs, ed.^ Hase. * 307 

zuiäiQihe^eiteI&>ln4i In dieser Abhandlung schon hatte er \ 
die Herausgabe der ebelifalls in dem genannten Codex Caseoli* 
nus enthaltönen Schrift versprochen , womit er jetzt die ge- 
lehrte Welt, beschenkt- -^ Ihr Inhalt ist folgender. Das Buch^' 
überschrieben n«^ ^$o&yif*9twy$ beginnt 

I« mit einer im Anfange verstümmelten Uiideitung über den 
Ursprung und Fortgang- dsr Auguralujisseneeliaft (Divination) hei den 
Römern (Capw I^^VlII, p. 2 — 3o). Nach dem grofsen Zo* 
roasteir werden hier «Iff^Bearbeiter dieser Wissenschaft Imeson« 
ders Petosiris und Antigonus genannt« jirUloteles, Heliodorus und 
Atcldtion (Asciettiria), aiich der Thebaner Dapsus i^ind Follesy und 
vor ihnen dex^ ^Qttlxche Ftolemäus bemühten sich, durch ihre' 
Schriften . Licht in die* noch dunkle Sache zu bringen , ver- 
mochten . es j4docb nicht gan^« Tages {ypivto; *EgiA^; nach 
P-roclus) war bei dein. Italienern der erste Meister in der Kunst 
(^i'Xiy^^ Töu *^ayiJLaTO(;) 9 und ist unserm Schriftsteller im Vor-, 
trage d<er Wissenschaft Hauptgewährsmann« Doch -will er auch 
die Uebrigen benutzen, nämlich den Ütaruspex Tarchon ^ den 
r0x säcrorum L. Tarquitius^ den Pontifex Capito, Nun eine 
Notiz über diese Mäjinet und ihre Schriften^ worin besonder^ 
das über Tages Gesagte Von wunderbaren Mährchen wimmelt.'. 
Aus Tarchons Werk schöpft er mit Beihülfe seiner -Ausleger 
At, Capitp , Föntelul,. L. ApuleiuS^ Vicellius, Antist;Labeo9. 
B. Nig% Figulus* C. P4inius. — Den Gegenstand meines Wer- 
kes stellt er Cap.IY, p. 12. mit folgeridän^Worten fest: TtpuBJ} 
5f -^jMv i&rivff. u-m7v x,6qi TB ^haytfSiv mo^ ^ •^^X.i;V/akcuy ii^t&itta&fJiu'rtuv 
(mw ya^ rk^ fiK^si-^t^txa? rtuv (j^Jcutöuv cXtarBifc'Bt; sKstvot itaAoü^t}, mo- 
füjtcSv Ti KÄi t>J< Mar aurcu« Bi^ttga^t äüAöik /o'/itÖv -fs v.at tBiai^oyttuv 

teüv aA.A(uv Äi^ittw T^ötieracSvi na« «fo ^ ^fo/^ *Bqi &8t&iJtf»u Hat e/x- 
tt^vjiFfjtfv ^ Hai rij^ «jt tou«**« pÄyrfi/'a^ *— mit dein oen^weck näher 
l^s^mmenden Beisätze (p. 14.) : oiy^ m^re ra; (t>v(ftvL^; dirfe^;^ ijf 
ri r6^)i'oJTe3V'8iiritv S-ew^vjfJMra' • (piActfoCf^wj^a? ^*1 '^^ **?* T9Jtart>av«<'öfdco "- 
aXX* tlV«u.; {\>OCUottw^y of of. ri «^riVf «k tovrtuv Zij rtuv Sio^i^jjLsttS ¥ rijv 
«5v effofiivwif J'irte^ ic^o{4av!^av9tv airoßw^iy'^ •'— welche Stellfä Wtr 
auch in des Herausgebers Uehersetzung. beifügen wolle« : Pro^ 
positum nohis est^ dicere.de s<Uis luttaeque ohüHthfationibuä {sie eelip» 
tica lumimtm detrementa Uli voännt)») de ^eonutis detfue discrimihe tnter 
ipsos , de sulcifi et trajecüohibus stellaruM , " de fulgetris , ^onitrihus^ 
fiilminibus, de feliquis per aerem prodigiis ; -postremo de terraemotibuSf 
incendiisi et de divinatione quae inde ßätm Neqüe id y nt naturales 
ostentorum atuiafy colnnientationesquä super Ulis Bxponainns \ pMloso^ . 
phis id licentt j«J si quid ejus fieri possit^ nt i^x hts de e&elo signis 



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SQ9 Io. Laur« Ljdi De Ostentis, ed. Hase. 

r^rum faiurarum JorU 'ptaenotcamus eventutn» — * Nun folgt eine 
weitere Ausführung dieses kurzem Satzes und Aufzeigung 
von Wunderzeichen in der Geschichte und in der Natur, mit 
jedesmaliger Angabe ihrer Bedeutung« 

II, Von den ff^irkungen der Sonne und von deren Finsternissen, 
(Cap. IX, X, p. Soff.) Thaies und Sulpicius Gallus sehen 
eine Sonnenfinsternifa vorher; Deren verschiedene Bedeu- 
tungen. Am Ende des X. Cap. Lücke im Codex von wenige« 
stens 2 Blättern, die der Herausgeber aiis Flinius I^^ N. Q ^ 
c, 26 »<!• ergänzt. 

I1I# Excerpte aus Campestrius über die Conieten (Cap, XI — 
XVI. p* 36* ff,). Hier werden die verschieidenen Arten von 
Conieten der lleihe nach mit ihrer verschiedenen Bedeutung 
v-' angegeben: Ke/j6>jr>;< o koAcw/jisvo; /inreu;, koju. ^/(^i'a; , XajKiraS/af 
yLcyJfTVii^ k<jp>/t>|? (vorzugsweise so genannt). Von letzterm er- 
fahren wir j um nur eia Beispiel anzugeben, er sey der Stern 
des Zeus und-zeichne sich vor allen übrigen aus^ wefshalb er 
auch allen Stel-nen dieser Art die Benennung Cometen gegeben. 
Wenn ef einen glänzenden und silberfarbenen Schweif gegen 
Ost^n werfe^ während Jupiter im Krebse, oder im Scorpion, 
oder in den Piscinen stehe, so bedeute er für die Parther (n^^- 
C«/;) grolses Heil; denn sie würden dann aufstehen, die" Rö- 
mer überfallen und ihrer Städte und Vestungen, sich bemächti- 
gen, würden unendlich viele Gefangene machen^ sich eines un- 
^eh^uren Schatzea bemächtigen und sieggekrönt in ihr Gebiet 
atirückkphren^ ohne irgend ein^n Widerstand zu erfahre«. 
Gehe jener Comet mit abgekehrtem Schweife auf, so verkünde 
er denen, gegen die er gerichtet sey, das Fehlschlagen ihrer 
Erwiirtungen (rig d^.oyia^ ivtCfi^^aO. Sey er gegen Süden ce- 
r-ichtet, So werde der Nil mehr anschwellen; Friede und Ue- 
herfltuls werdgn in Aegypten herrschen, Eintracht und Ruhe 
auf. dem Erdkreis u. s. w* '• — Nun wieder eine Lücke von 
wenigstens einem Blatt in der Hatndschr. Dann Gap. XV. der 
Satz, d^r Mond sey Ursache der Entstehung und Zerstörung; 
und endlich Beweis, dafs Sterncleuterei kein gottloses Unter- 
fangen »ey, indem 'sie Vielmehr zu dem Allvater hinführe, 
nach der Angabe von Fulvius Nobilior., der aus Numa ge- 
schöpft hat. — Nun wird nach einem auf jenen Beweis ge- 
gründetem üebergange 

IV. (Cap, XVII— . XX. p. £4 ff.) der Einflufs des Mondes 
auf die Erde nach seinem Stand in den zwölf himmlischen Zeichen an- 
gegeben, nachdem, was unser Schriftsteller bei den ver- 
schiedenen Vorarbeitern gefunden. Als Beispiel stehe hier 
der Anfang. ^^Der Mond int Steinbock. Wenn det Vollmond 



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lo. Laur« J^ydi Dt Ostentis» ed« Hast. 309 

Ueich erscheint t so läfst er Ueberflufs hoffen» Zeigt er sieb 
um die zweite Nachtwache ebenfalls blafs^ so «eigt er einen 
bevorstehenden feindlichen Einfall an /» . f . (Lücke)» Das 
Durchlaufen eines Sternes bedeutet den Tod von Menschen.. 
Steigt ein Nebel auf, so wird Hagel fallen. Wehei; die Winde 
heftig, so zeigen sie die Annäherung von Feinden an. J)er 
Mond im Wassermann. Erscheint der IV|ond um die er9tQVbder 
zweite Nachtwache blafs, so wird Krieg folgen. Ist dies iim 
die vierte Nachtwache der Fall, so kündigt er Frieden nebst 
Mangel an Lebensinitteln an. Erfolgt ein Erdbeben oder ein 
Getöse vom Himmel, so sind dies Vorboten von Krankheiten 
u. s. w/« Auf gleiche Weise werden dann auch dje übrigen 
Bilder des Thierlreises der JEleihe nach durchgegangen^ 

V. Vofn Donnßr. (Cap. XXI— XXV. p, 06.) Nach einer 
Angabe der l^ntstehungsart des. Donners nach den verschie- 
denen philosophischen Ansichten, etwa vvie wir sie bei Flu- 
tarch in den Plac. Fhilös. IH, 3. lesen, wird hier Cap, XXII. 
der Satz aufgestellt, j^eder Donner . bedeute etwas , vorzüg- 
lich der von der'linke;i Seite der Welt (von Süden) herkom- 
mende. Nun wird die Bedeutung des Donners he\ dem jedes- 
maligen Stande der Sonne in den verschiedenen Zeichen ange- 
geben z. B. ;.,,Die Sonne im Steinbock, im Januar. Wenn 
es donnert, \y'ährend die Sonne sich dem Steinbocke nähert, 
so wird es dichten und rauchenden Nebel geben, so dafs.die 
Feldfrüchte auf den Halmen vor der Zeit dürre werden und 
der Wein geschmacklos, dauert der Nebefbis zum Aufgange 
des Hundssternes an, so wird es das Jahr hindurch viel Krank- 
heiten geben und wenig Getreide, J^auptsächlich wird dies 
in Macedonien, Thracien , IJlyrifn , Ober -Indien, Ariane, 
Gedrosia geschehen; denn diese Länder biegen unter dem 
Steinbock u. s. w,** — Und nurj folgt 

VI. ein vollst2(ndiges Donnertßgttbufh nach dßm Mondijahre 
(jeder Monat hat hier 3o Tage) — C'Eqp>jit>tsi'05 ßqovrov^Qicta to- 
Tty^ii^^hi r^y ffshfyyjv — Cap. XXVII — XXX VIH. p. 100 ff.). 
Es ist dies wörtliche Uebersetzung des Buchs von P» ifigid. 
Figulus f der aus Tages geschöpft. ßs beginnt mit dem Mo- 
nat Juni und schliefst mit dem Mgi.^ Z. B. ; „Donner am l. 
'Juni bedeutet eine reichliche Ernte, mit Ausnahme der Gerü- 
ste: aber gefährliche? Krankheiten werden den Leib heimsu- 
chen'. Donnert es am 2, Juni, so wird das Gebähren leichter 
von Statten gehen ; das Vieh aber wird umkommen, an Fi- 
schen hingegen wird man üeberflufs haben u. s, w.** 

VII. Ein ganz ähnliches Donrtcr&McA , wörtlich übersetzt 
aus den Schriften desFonteius (Cap. XXXIX— XLI. p. 157 ff.), 

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310 io. Lanr. Lydi De Oftentis, «d» Hase, 

wieder liach dem* Stande des Mondes in den Verschiedenen 
Bildern des. Thierkreises eingerichtet. 

YJ^I. (Cap/ XlÄh p. 164 ff.) ^ Allgemsine Beohafhtangen 
über die Blitze nach dem Monde, aus dem Laheo wörtlich über- 
setzt, vom Sommersolstitium an (KaSoX/KjJ iirtT^^ei^ ir^o? ir6X>;- 

i^.fjLy}V9i'av iri&*5 Arfgrv, «xo t^? Ba^^tv^; r^oir^O» Hier erfahren wir 
z. B.» dais, wenn der Mond zur Zeit des Solstitiums in dem 
Krebse stehe, ein in jeder Hinsicht fruchtbares Jahr zu er- 
warten sey u, dgl. m, -^ Und min wieder 

IX. ein eigenthtimlicher Aufsatz aber die Blitzlehre der 
Alten (^Ts^t xf^auvcMv) nach Lateinischen Schriftstellern gearbei- 
tet (Cap. XLIII — LiII, p. 168 ff.). In diesem Abschnitte 
wird hauptsächlich gezeigt, welche Bedeutung den Blitzen 
nach der JLiehre der Tuscier baigelegt werde; wir lernen, wann 
und wo hauptsächlich Blicze fallen; dafs sie verschiedener 
Nsitur sin4 (roi? fJ^'sv yaq '^•o^o^vrai; »f xeiXatcry^q xaA.$7» rovq 51 cjf- 
y^ra; ^xjjirov? rjj v.a] ir^y^Tyj^.ai) 5 dafs der Lorbeer - und Feigen- 
baum vom Blitz unbeschädigt bleiben , indem sie der Sonne 
angehören , ebenso auch der Adler und der Seehund ,(vgl. hier- 
mit den ganz ähnlichen Abschnitt des Buches De Mensihus 
p. 127.);' dafs es manchmal auch bei heiterm Himmel blitzt; 
warum bei einigen Wunderzeichen auf den Stand des Mon- 
des, bei andern auf den der Sonne gesehen worden sey. (We- 
gen des Zusammenhanges des feurigen Blitzes mit der Sonne 
wurde nämlich bei^ der Auslegung des Blitzes der Mond aus 
dem Spiele gelassen und auf die Sonne allein gesehen.) Hier-« 
^auf folgt dann wieder die Lehre^'nach dem Stand der Sonne im 

Thierkreise vorgetragen. -^ Hieran schliefst sich 

X. und XI. ein Abschnitt über Erdbeben (ts^i cstvfmv) an 
(Cap; Lni — LVni. p. 187.). l^a« Eacordium (Cap. LUI. u. 
JLIV.) war bis jetzt bis za den Worten Taura ixkv av n; , »^o; 
rä; (pw/x^; iwffta; d<po^wv — noch nicht edirt. Von diesen 
Worten an besafsen wir aber den Abschnitt, jedoch sehr 
fehlerhaft, als Anhang zu dem von Scbow herausgegebenen 
Werkchen De Mens ibus, Dafs es wörtliche üeberseczung von 
des l^Öm ers yicellius Buch sey, d*T nach den Versen des Ta- 
ges gearbeitet hat, sagt Lydus selbst in der Einleitung. 

Xll. jin^ahe des Avf^ und Unter junges der Gestirne , aus des 
Tusciers Claudius Schrift über dieseii Gegenstand (^E^i^iM^og tou 
iravTOf ^iviOüToZ f yjyovy cryjfjigi'a:ffti ixtrokfuv ra xai SwTfxSSv rwv iv oO- 
pavai (pa«vo/^«vcüv , «X rwv KXä'jBtov roZ Goucxoy > x^' i^/xi^va/av T^^oi 
X^yiv)'. (Cap, LIX -— LXX. p. 202. Hier heilst es z. ß. 
^lavowl^toi' a KaXiifSat^» *0 ^Xto^ o^/curai« © 5' dsrSg aiv rw 9Ttr 

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|o« Laun Ljdi De Ostenth, fi- Haie. 3li 

To* 3i [Mia-ov ToZ xa^Atvav Sjträu , naJ c/ avsfAOt ivakkarrovrat, U. S. f. 
durchs ganze Jahr, 

XIXI.. Schlufs, (Cap. LXXr. p. 2Ä6 — 26ö.) Nachdem er 
hier aufser dein Claudius auch den Eaäoxus, Democritus^ M. T«- 
rentiäs Varro ^ Hipparchus f' WIetrodorus und Jul/ Cäsar als Oe« 
währsmanher für das im ^e|zten Abschnitte Vorgetragene an- 
geführt hat^ so gibt er kurz an, "Vielehe Qimate unter den 
verschiedenen Zeichen des Thierkruises liegen, -^eil die letz- 
tern nicht gleiche Wirkungen auf der Erde hervorbringen. 
Hier erfahren wir, dafs unter dem Widder Britannien, Gal- 
lien, Germanien, die Bastarner , Cölesyrien und Idumäa lie» 
gen; unter dem Stier die Cydaden u. s. w. 

Dies eine möglich kurze A'hgabe des weS^^ntlichen Inhal- 
tes der neu mitgetheilten Schrift, womit wir unsern Lesern 
den Standpunkt gezeigt zu haben hoffen , von welchem aus 
sie ihrem Wesen nach au betrachten ist. Hoffentlich wird e« 
sich auch aus diesen wenigen Bemerkungen für den Sachkenner 
schon hinlänglich ergeben , dafs Herr Hase mit der Heraus- 
gabe des Werkes eine dankenswerthe Arbeit unternommen 
hat. Als eine so'reiche Sammlung der Resultate einer im Alter- 
thuhie für so wichtig gehaltenen Disciplin , der Astrologie' 
und Zeiche'ndeutekunst und ein so vollständiges Magazin ei- 
nes grofsen Theils des Aberglaubens der Alten, kann es dem 
Alterthamsforscher nur willkommen seyn: und als ein treuer 
Reflex von* der Richtung 'der Gemüther in der schwärmeri- 
schen Theodosischen Ze^t dürfte es auch für den Historiker 
seinen Werth haben. 

Ehe wir nun zu dem zweiten jTheile unserer Anzeige 
übergehen, müssen wir noch zweier als Anhang beigegebener 
Stücke erwähnen. Das 'erste ist ein Fragment von dem vollstäti» 
digen PVerke unsers Juctors De Mensijbus, welches uns Schow nur 
noch in Excerpten geben konnte. Je näher diese dem Ende 
des Buchs kominen, desto spärlicher fallen sie bekanntlich aus. 
Um so schätzbarer ist dieses Fragment f das einen gröfsern 
Theil des Monats November und ein Stück vom December in 
zusammenhängendem Vortrage enthält. Bei Scho\?v steht be- 
kanntlich vom Novembe^ nichts , als eine kurze ^otiz über 
den Namen d^s Monats aus des Cincius Buch über di^Feste» 
Woran sich die kurze Nachricht von dem am 25. Nov. erfol- 
genden Eintritte der Sonne in den Schützen aus dem DemocwU 
tus lind über den Favunius anschliefst. Hier aber wird uns 
nach der im Anfange verstümmelten Erzählung von der wun- 
derbar abgewendeten Opferung der Helena über den 2. und 3» 



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3 12 lo» Laor» Ljdi De Ostsntls, ecL Hase« 

6. 7. und 8a Novemler Bericht erstattet. Nun wieder eine 
LiQck^ von wenigstens 2 Blättern* Hierauf aber eine siem- 
lich ausfuhrliche^otizüber denKronos (wovon in derScbow- 
sehen Ausgabe p. 26. und 26. Einiges steht.) Dann Eini- 
ges über den 1. Decemb. (p. 282.), wo wir das bei Scbow 
p^ 53. befindliche Eragment über die EmpfängniTs des Eros 
w^örtlich lesen; endlich eine Nachriebt über den 2 und. 3. 
December« wovon uns in kalendarischer Hinsicht die Schow- 
'schen Excerpt^ so viel als nichts sagen. — Die zweite Zu- 
gabe ist ein Lateinisches Stück : ^nicU Moni, Sev. Boethü De 
Diis et Praesensionibui sx ipsius Conimento in Topiea Ciceronis Frag- 
mentitm. £s füllt die Seiten 344 bis 355. Der Herausgeher 
hatte dies noch nicht edirte Fragment des schon im Jahr 1546 
in Basel mit dea sämmtlichen Werken des BoÖthius erschienenen 
Buchs schon früher aus dem Könjgl. Code^ 7711 (aus dem XII. 
Jahrb.) abgeschrieben, um es mit andern von ihm gesammel- 
ten Fragmenten, ^welche über die altrömischen Keligionen 
* laicht verbreiten , herauszugehen. Da eben anderswo eine 
Ausgabe von jener Bo^ tbischen Schrift veranstaltet wird, wollte 
er es dem Herausgeber nicht vorenthalten und hängte es also 
an seinen Lydus an. Es beginnt unmittelbar nach den letzten 
Worten des schon bekannten Stückes ; taUs etiam fortuitanm 
verum concursio est — vervollständigt indessen jenes nicht ganz, 
indem es auch abgerissen ist. 

Und nuh könnten wir zu der Frage nach dem fVie ? der 
Ausgabe übergehen. Eine genauere Beantwortung derselben 
erheischt vor allen Dingen eine kurze Nachricht über den ge- 
genwärtigen Zustand der Handschrift, aus welcher der Text 
genommen ist. Wir geben diese nach dem eigenen Berichte 
des Herausgebers in der viele schätzbare gelehrte Mittheilun- 
gen enthaltenden und sehr fleifsig gearbeiteten Vorrede p. Vif. 
Der pergamentene Codex aus dem 9. oder io* Jahrb., der 
einst die drei nun bekannten Werke von Joh, Laurentius en.t- 
hielt, war schon im Jahr 1765 am Anfang und Ende vetstüiD' 
melt, und jetzt sir^ nur noch 102 Blätter übrjg. Zwei von 
diesen enthalten die Fragmente der Schrift De .MensibuSf 37 
das Buch De Östentis ^ die übrigen d^s De Magistratibus, Von 
den 37 gedachten Blättern waren die letzten 26 zusammenge« 
heftet, numerirt und hingen mit dem ganzen Codex zusam- 
men ; die elf erstem waren losgerissen und lagen, ohne Nuoi- 
mern zu .haben , unordelSülich unter einander in einer Kapsel. 
Das. erste Geschäft des Herausgebers mufste daher ein der 
pag. 12. vom Aiictor gegebenen Inhaltsanzeige gemäfses An- 
einanderreihen der einzelnen Stücke seyn. Dies geschah i»i^ 

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I 



80 glücklichem Erfolge, dafs der Herausgeber das vollstän- 
dige Werk gegeben zu habei^ glaubt, die wenigen Stückp aus- 
genommen , welche die angezeigten lyOcken ausfüllten. Zwei 
Hauptschwierigkeiten müssen ^ber bei Beurtheilung der Ar- 0' 
beit des Herausgebers ja nicht aus den Augen gelassen wer- 
den: einn^al die Verstüipmejung h|iupt sächlich der 10 ersten 
Blätter des Code;^, und dann die unendlich greise Fehlerhaft 
tigkeit, wpmit er durchaus geschrieben ist. — Schreibt doch 
der gelehrte ViHoison schon in seinen Prolegomenen zur lliade 
p, XL VI. von der Handschrift, sie sey so «ehr von Wein 
vei'dorben,^' dafs man die Schriftzüge kaum unterscheiden 
könne und es das Ansehen habe , als ob ^ie eher in eii^em 
Keller, als in einer Bibliothek gelegen hiitte^ Hier als Probe 
ein bvich^täblicher Abdruck deB ersten und achten Blattes (p. 2, . ' 
und 3, und p. l6. und 17.), wie ein gröfser Theil der ersten 
sechs Abschnitte de^ Werkes urjd das ganze Fragment D« M«n- 
sihus, nur mit Weglas^ung dep ipeist fehlerhatten Accentusi- 
tio;i , über dem ergänzten Text und dfer demselben gegeiiüber-» 
steherfden Lateiij, Version abgedruckt ist ,^ „^K^Mzam iVar^ur 
mento t quod totum conjecturale est , alii aliter ätque ego süntirü pos^ 
sutH ^ -praeserdm uhi -pro-pemodum des-peratOi (sunt) folia^^^ 
FoUq 1 regto ••'•••••••• TouT/irfarr«/vaipaYy«A<2/x€vo/ * r^(r}A^ ' 

' ^ * * * * * ' * >)yTS^((fVTWvaXyj^8tüiy68st!^9V^yjy6vofxsvyjTOV 

''•*•• * * aTavTyjva-vfxßouTarwvy.d^yt'O^tl^QVwvTrs^ffaiVß 

*'.*••' Xf</ixsvr»vo5^ovTOU7^vo/i4fivij|ixef.<VV. ^vvrofJLeräTyjv 

• ' ' • 07Tgo(p*iv<x}(T0tGVT8Xaßovtra ' sByjXo^ya^^ij^TyjvTQMyL^a 

•,*•.,••• XswffvmviV'j'KavTwvkoitrovTWVT^äyfJiaTaov^T>jff 

10 •*•'*•• fjt.a^Tv^tagy^aCpetvvs^iTwvyotonTiovTcgoij'^Byjv * • 

Folio 2 verso, ijffivtne ?•••••••• ^j, . • . lea^Bi^aituv * • • 

BoVfXaV •*•?•• f . • TOTUTCÜVKgVT * ' • 

$ avaro •• «^ •••••• f • » tv^aßs^varoBsysaa' • • • 

v.ailJLS(Tyjyt. ••*•..••••••••• a^t^^acr^M • * » • 

^Xofa ••••»•#ff«»F egas^KT * 

<5/ar *'* •••• gcffßieifgvas^aiti^i9iß ' * 

TwUmXß • • ,* (b^vaegoffS • • • • ßiatoTSQovay 

10 y. •^...•. vriou.(psfof*8VO«yvoTOV8irÄY*'» tcu, 

' ya§w • • • • • ccTtpvgKfjwvfio'j^aTOüvTOv^oö'/ycoü/^fif'CüvSiav/^rat 

ixkvwvaairovaegctwgsjärp VTXyjTrovrfnvfji.yjSßvoo'a'viffAaroT 

Welcher Leser hält wohl beim ersten- Anblicke solcher 

Blätter eine auch nur einigermafsen probable Eigänzung für 

Qiöglich? Auch der scharfsini^iige und in diesen Dingen so ge« 






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3l4 lo« Lanr. Lydi D« Osleafis, cd. Ha«e, 

übte Herausgeber zweifelte ajifangljch an der Möglighkeit ei- 
ner Ausfüllung solcher Lücken. Doch gerade die Scbvi^ieng- 
keit reizte ihn zu einem Verswehe, und so gelang es ihm bei 
angestellter mOhsarofer und sorgfältiger Vergleirhung der les- 
baren Stellen unter einander selbst und anderer Schriftsteller, 
z. B. des altern Plinius, J. Firmicus Maternus u. a. , w°[".^"* 
der Auetor geschöpft hat, mit denselben bei genauer Berück- 
sichtigung der GrOfse der Lücken , mit wenigen Ausnahöieii 
das Werk zu ergänzen, ' Dafs seine Aufgabe weit schvrieyi- 
ger war, als die der Ausleger alter Inschriften und *^^^ ^^it* 
derhersteller der Herkulanischen BOcherrollen , thut er V'^ ' 
, undVllI. mit Gründen dar, die jbder Unpartheifsche tOr 
triftig genug erachten wird. — In wie Weit es iho» geJun- 
gen, mögen die oben verstümmelt mitgetheilten Blätter m i 
rer Ergänzung Ä igen: ' , . ^ 

P. 2 toüt) tr^avTSiv sirayystXaiisvot» T^f f*^»* v^"*' ^"', 

flro)XXa?v 3og)j5 Kay«; x^-cü>jv STvyxavov tu'vi hoi Yi^a/a/zara i^oy(i J 

•iriToX»} [«Virsic Ss a|;.a »Jv ra ybvojAsvov [Num AsYfl/^fiVftV^] wC^J* 
. ^i t} 5i)<i TauTi^v <r\J{Jißdi<ra twv HavtoSar/jiovüov ^ns^^^rcuw s(4)o5o;> ^* ^Xj^ 
IJiiv TWv'O^ovroM ysvofUvyj /ms^tSv,' «rjvrc/utüüriTJjv (5s T»yv u^rjo^'^C' *^ 
TM« olov Tt Xaßovffa [ih^Xoxj ya^* hCi köii^tjJv TO\i yi^aCrUioTaroM ^ß^O ^* 
wK>jv]» u«"' auTWV Aotxov rtuv tr^ayixaTwv f xai t^5 (sJ ayr^O l^^ 






V% 1(5 Syo-'V o'irOvS^f.a; tKirg/xircuv 5««Tfs)x«'» A*^^^) / / j^-v,) 
clvaro(X)}y A«'y*" *^* Öy<r/v, oJtc»? €<rr)* kcißs7v' ctiro 85 'V^ "^'^l^^^t^ni 
/SiaioW^a« civ^fxtüV «Vfijr«;. Kai 91 fxsv) sg a jxtou 'hiriy^"* **"^L.;a;» 



mit 
ide: 



ik 



ODV» fx>j5€V65 owfiiaro; — , .1 

Diejenigen Stücke, welche theils mit andern, ^»°?\de: 
iltern Drucken verglichen werden konviten, «i^^. !^^ pj- 
für'i trsta die in^^üwfio ^tvnVi-Wu, cap. 2l ,: — 26., <1*® 'rrXXI^ 
riser Codex 2oÖ J, lol, 70. vvrj.T imd in dem Venediger ^^^^ '^^^ 
lieh befindet, Dds Biuriam tonUrual^ vo»» P. Ni§idii^ f'^^'ff j 
(ft-hlerhift »war) schon in jjni Rittgersii Varr. ^^^\ ^ji«. 
1018. |N 247 — 261«, abgt^^ruckt. Atas der Pariser HdschN^^ 
ßcn ^ch viele ¥eri>tf*äeindc Wirian^en enlnehmen. ^ ^^ 
• i«^ F<M»r#iiM Äbeht auch im Pariser Codex 2381' ^* 




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. lo. Laor. Lydi Da Otteotis, ed, Ffase. 5 15 

verso ^^ 71. reäto. Ebendaselbst p. 7i. racto findet ^i'ch de« 
Läheo OhserviUio de fulminihus und die andere Abbündlung ober 
"diesen Gegenstand (p. 168— tö7,) in dem eneinals Königl. 
(jetzt Venediger) Codex CCCXXIV, Die Uhtersucbung D» 
causis terraemotuum Steht ebenfalls in dem Cod. 23di. fol. 70. 
recto und im Pariser 1991. fol, 1. recto ^ in letztenn jedoch sehr 
mangelhaft, PVas von Cap» 54. an folgte befindet sich nicht 
nur in den beiden genannten Handschriften, sondern ist^auch, 
wie schon oben erwähnt worden , der Schowschen Ausgabe 
der Fragmente D« me/trt&. jedoch sehr fehlerhaft, als Anhang 
beigedruckt. Der alte Römischa Kalender endiich,v welcher ^®" 
Auf- und Untergang der Gestirue angibt, war «chon Latei- 
nisch mitgetheilt in Petavii üranolog. L*utet. Paris. l63o. fol. 
94 — 101. > unter dem, Namen des I*tolemäus. Der Griechin 
sehe Text, der hier zum ersten Mal im Druck erscheint, be- 
findet sich ausser dem Cod. • Caseoliniis noch in den zw^ei 
Königl. Hdschr. 2381. fol. 74. recto — 75. verso ujid 1991 fol. 
17. recto — '24. verso. 

Mit diesen Hülfsmitteln ist der 'J^xt des ganzen Werkes 
•constituirt worden. Wie billig, so erhielt in zweifelhaften 
Fallen die Lesart des Cod. Caseölinus als die des altern, mei- 
stens den Vorzug. In den Stücken, die verglichen w^erden 
konnten, sind die Varianten auf dem IVande immer sorgfältig 
angegeben; oder wo ex ingenio emendirt worden ist, die ur- 
sprüngliche Lesart der Handschrift, Die Ort^iographie ist nach 
der heutigen Art, das Griechische zu schreiben, verändert. 
So ist das Nu s^sA/uo'rmov, d^s immer, auch vor Con^onanten, 
im Codex steht, im letztern Falle immer gestrichen. Durch 
eine ganz angemessene Capiteleintheilung hat der Herausge- 
ber das 4Eiflren und Nachschlagen sehr erleichtert. 

Dem Griechischen Texte steht auf der rechten Seite die 
schon berührte sehr genaue Lateinische üehersetzung gegenüber. 
Treues -Wiedergeben des Sinnes und eine möglich genaue 
Nachbildung der Ausdrucksweise und des Anstriches der llö- 
miscben Schriftsteller, die ähnliche Gegenstände behandelt 
habeiT, w^ar nach seiner eigenen Angabe (Praefat. p. XV.) 
das Ziel , dem er dabei entgegenstrebte. Julius Obsequen* 
(De Prodigii^f' L. Jun. Columella, die von J. Mäzochius, 
Ald.Manutius, Car. Sigonius, Raph. Cyllenius, Gruterus, 
Blanchinus herausgegebenen Calendarien wurden daher nach 
Gebühr benutzt. Bei den aus dem Lateinischen ins Griechin 
«che übersetzten Stücken w^ar der Ilückübersetzer äufserst ge- 
nau , um aus der Griech. Uebemetzung die Lat. Ausdrucks- 
weise des Originals wo möglich herauszufinden. 



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WS» 



316 I0» Lauf, hyiü, Do O^teaHs, ed« Hase. 

•An den Text und die Uebersetzung der Laurentlschen 
Sicliriften schliefsen sich jinimad(y0rsiones in librum de Ostentis, 
de,sgleichen in Fragmentß De B/fensib, ßni^ Sie i'llllen die S. 291 
his J40. , und haben hauptsächlich den, Zweck, die Ergan- 
;&ung des Te?cte$, die Emendationen und die Uebersetzung zu 
leichtfertigen. Conjecturen , die dem Herausgeber zur Auf- 
nahme in den Text nicht eenug begründet zu seyn schienen, 
^ind bipr her verwiesen, ^ie und da sind auch Naish Weisun- 
gen anderer Schriftsteller . und Bemerkungen beigeftlgt, die 
^um genaue?:n Verständni83e des Inhalts dienen. Besonders 
«ind manche Quellen kurz nachgewiesen, aus welchen Lau- 
renti^is geschöpft h^t^ Lexicographi^cbe Winke sind auch ge- 
geben, die von den Bearbeitern (griechischer Wörterbücher 

^.xiicht übersehen werden dürfen. Dies Alle;j in möglicher 
K.ür2^e , jedoch nicht ohne die schönsten Beweise der e^usge« 
breiteten Qelehrsamkeit uiid des geübten Urthcils des Heraus. 

^gebers. Vorzüglich mufs den JCeser dieser Noten die Vor- 
si,cht freuen, womit ihr Verf. in Aufnahme seiner Verbesse, 
rungen in den Text verfahrjen ist ; eine unerläisliche Bedin- 
gung bei der Verausgabe alter Schriftsteller und eine beson^ 
ders bei ein^r Edifio princeps nicht' genug zu empfehlende criti- 
ßche Tugend. , 

Ein sehr vollständiger Indeoß auotoruntf verum , verhorum 
mtfocim^ memorahilium ^ qufitquot in textu notisve leguntur aut citaiu 
tur, bildet den Schlufs der^zugLeich auch durch eine recht lo- 
benswertbe typographische Ausstattung §ich empfehlenden 
Ausgabe. 

Indem Ref. zugleich im Namen aller Freunde des Grie- 

xhischen und Römischen Alterthums dem würdigen Herausge» 
her filr das hauptsächlich durch seinen aufopfern d%ilMFlefiis so 
schätzbar gewordene Werk seinen innigen Dank darbringt, 
wünscht er ihm die Mufse u^d Gesundheit, die erforderlich 
ist, um die Altertbumsforscher recht bald mit der in der Vor- 
rede versprochenen Schrift über die (puellen, woraus Joh, Lahren' 
tius gfischöpft jiat (nach Art der Heerensqhen Schrift über PIu- 
tarchs Quellen für die Biographien, Gott. 1820) und eine an* 
dere, die uns mit den noch unbenutzten har^dschri/tUchen Schätzen 

/der Pariser Königl» BibUothßk bekannt machen soll , beschenken 
»u können, ' ' . 



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Di« Etile « yon Pr« Garn« v 3l7 



Kauz oder Min$n^i^s Vogel ^ die Eule» Ein Melödrafna auf Na^ 
tertf nach Weise des liter, FreisohUt;ien, Mit Variationen 
und ' transparenten NachtstUcken nehst angehängtem Grundrijg 
der iBi}Q candemnirten Kirchen ^ und Kettergeschichte, naturge^ 
treu dargestellt von tmman, Friedr. G am^ Dr, der PhUosopK 
und Theol,, »ormals Königin Würtemberg. Hofcaplan» 1828«, 
400 .S« tn S« 

) 
Aec. welcher eher dafür ist, daCs fecbtliclre Gegenstände 
«treng historisch und rechtlich , als satyrisch dargestellt wer- • 
den, beginnt bei Anzeige dieser Tornehmlich tut Wörtem- 
Lerg interessanten , doch auch för uns einheimischen Schrift 
gerne vom £nde. Am Ende dämlich giebt det jetzt 70jährige, 
aber immer noch thätige Vcrf^ S. 363 — 390* den 'ümri/s sei'^ 
ner ff^ilrtemb, Kirchen und Ketzer gesdhiehte^ das ist, des Werks, 
\fQ\zhei zxk^&eitiex unmittelbar vort dem Qabinet aus (s. Ff. Günz« 
lers Beleu<5htung der Gamischen Aschenfunken« Stuttgart 
1819. S. 49i lli.) befohlenen Verletzung von der zweiten 
Predigerstelle bei* Hof auf eine Dorfpfarrei unter König Fried- 
rich 1. wenigstens die Gelegenheit gab; woraus alsdann, weil 
diese Stelle nicht einmal sefinen- vorigen Dienstertrag sicherte, 
noch mehrere Beschwerden Ober Verluste, die nach den für 
die Wtirtemberg, Geistlichkeit allgemein geltenden Rechts» 
grundsätzen ihm Zu Vergüten blieben , entstunden. Nach dem 
g<^gebenen Umrifs hat des Vfs. immer noch ungedrucktes Ge- 
schichtvrerk , besonders als Schilderung , wie sich einst die 
gewaltbabende Orthodoxie, oder Kirchen thu ms -Dogmati k, 
in Würtemberg gegen die mit ihren Lehrformeln nicht über« 
einstimmende Kleinere, aber dort vornehmlich häufige, christ- 
liche, Religionspartheien betragen habe, äo viel merkwürdi- 
ges, anziehendes und Wenig bekanntes, dafs es in der That 
Schade wäre, wenn es ungedruckt bleiben sollte. Es ist in- 
defs selbst durch einen Gegner des Vfs. (Ff. Günzlers Be- 
leuchtung S. 3Ö —48. , welche dem Verf. durch Bekanntma- 
chxmg officieller Actenstücke unabsichtlich viele Dienste lei- 
stet) der ganase Bericht, was allein die damalige Censur in 
dem Werke abgeändert haben wollte, wörj:lich abgedruckt. 
Dieses alles betrifft wenige Nebenstellen, welche, wenn es 
nöthig ist, auch jetzt noch gar leicht ganz wegzulassen wä- 
ren. Ohnehin betrifft der erste, als ganz ausgearbeitet ange- 
zeigte Theil , das localkirchliche und — wenn -man will — 
ketzerische in Würtemberg, bis zum Jahre 1600; ^Iso aus ei- 
nem Zeitraum, über welche die Muse der Geschichte und ge« 



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320 Hörst Zasber 4 Bibliothek. 

• . 

sogar ftr den Inhalt, der äbet nach der durch diejEule vor* 
gelegten. Skizze Itein er fremdartigen Reizmittel hedürfte^ noch 
zu Mehrung der Aufmerksamkeit und Prüfung etwas beizu« 
tragen vermögen. Nur möge sich der Verfc hei der nochmali« 
gen Durchgeht des Ms. nach den gemachten Erfahrungen die 
Bemerkung gefallen lassen 9 dafs eiiie gtündli(!he , kräftige, 
aber ruhige Schilderung und Ueberweisung des l^adelnswür- 
digen doch gewirkt , iijUn aber dianches irt'eparabile damnum er« 
spart baben' möchte« ^ 

a B. G. Paulus^ 



Zauber • BthHöthek öAettöH 2lauhetäf ^theutgts Uüi Maiittkf Zaulc 
rerriy Hexen und Hexenprocess^n y DämoHen , &esp0nst0rn' und 
G eiste rerscheinuftgen, Zta* Beförderung »ine^- feifi^Btökiohfilichenf 
PO« 'Aberglauben und üngtauden freien Bä»rtheÜung' dthä^r Ge* 
genstände, f^on G, B, Horst j Gro/sh, JSess^ Geisfh Oehei* 
menrathe, 4f « ThL Mit Abbildungen* Main» bii^Fli IQapforberg* 
182S. 574 .5; B FL iS Kr, 

Wit haben die VOi*lgert Tlieild Seiner 2eit nilt gebühren- 
der fimpfehlung angezeigt. Denn dieses Werk dient ^ nach 
^ngabe des Titels, den Lehrern 2ur Ausrottung mancherlei 
Aberglaubens ; es dient aber audh den Gelehrten irrt ge^dhirht- 
liehen, juristischen, anthropologischeil und physischen Fache 
durch die mWkwÜrdigen Efelegö, welche der fleifsige Verfc 
aus Verschiedenen Zeiten und Völkern mit diplomatischer 
Treufe^ liefert. jEin Werk der Art ist eine wichtige Samm- 
lung von bleibendem Wertb, und um so verdienstlicher^ da 
die rtitthsamen und wohl auch kostspieligen NacKforschungen 
nicht unmittelbar deil Geist deS Schriftstellers bfeltJBneil. Der 
Verf. weifs indessen die Ergebnisse derselb^^' rtiit Seinem 
Geiste und seiner Gelehrsamkeit «ur unterhaltenden Beleh- 
(ing des Lesers "Zu begleiten. Wir Wünsdben difesem Werke, 
[as eine Lücke in der Literatur ausfilllt,' fortv^äh^end eine 
günstige Aufnahme, dafs es bald 2&u sdtiet Vollstllndigkeili 
gdange* ' ' ' ' '. 



i 



1 

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N, 21. 1824 

Heidelberger 

Jahrbücher der Literatur. 

Ceognostfsches QemäLle von BräsUiett^ und wahrscheinlichet l^utUt^ 
gtstdin der piantantciif w>fi Pf^, von Eaehive g e , Oberst d09 
Ingenieur - Corps und Gen&riddifektor der Goldbergiverke der 
Provint^ ][lin€U Geraes , Ritter des Ordens von jivit ete^ 
Mit einem Kupfer» Vlfl und 44 S. in 8. PFeimar im Ker* 
U^e ^s Industrie • ComptQiu\. 1822. ^ 12 Gt* 

Bei den Iiöcbat mangelhaften und tum Theil auch durch« 
«u« unrichtigen Nachrichten , welche wir bis jetzt über die 
Gebirgshe^cbaffenheit eines 9 . in dieser Beziehung so unge« 
mein interessanten, Landes ^ wie Brasilien , besaisen^ kann 
es nicht anders, als sehr effreu]ich seyn, rfal's uns^ durch 
vorliegende kleine Schri£t, ein mehr befriedigender Auf-* 
scbluls , wenigstens in Andeutungen j gegeben wirdj und mit 
lebhaftem Erwarten sehen' wir der baldigen Zusage des Hrni 
V£, ausf^JirlicheNachrichte'n über dieGeognosie tfrasiliÄns au 
Jiefern , entgegen* .— Zwar ist allerdings nicht' in Abrede »u 
stellen, dafs in diesem Büchlein manchen Sätzen die Klarheit| 
manchen feegriffen das Bestimmte abgehtj allein wer wird dar* 
über rechten wollen mit einem Landsmannes dem^ nach eilf^ 
jäbrigem Aufenthalte im Portugiesischen Südamerika^ die. bei« 
matblicbft Sprache fast fremd geworden, und der deshalb im 
Vorworte i/j-it solch anspruchloser Bescheidenheit sich äufsert4 
Herr von E. wird, wir sind dessen gewifs^. das Manuscript 
seines gröfsern Werkes einem sach- und sprachkundigen 
Freunde zur Durchsicht vertrauen und auf solche Weise auch 
jene kleine Schattenseite entferrieri, ' 

Wir Wollen vom Inhalte dieser BJMtter itnsern Lesern irt 
einem bombst gedrSngtei; Auszugs- Rechenschaft ablegen und 
zugleich einige Bemerkungen beifügen^ zu' welchen die höchst 
interessanten geognostischen Beobachtungen desHrn« V.£. uns. 
Veranlasfung gegeben. 

Auf dem erbahenen flateau Brasiliens steigert diö höhe^n, 
Gehirgszögc empor $ deren Röcken mitüntet^öOOO Fufs Höho 
messen« Öie Hauptrichtung derselben 5 gleich dum Streich«» 

XVn, Jahrg. \.li^tU 4i 



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322 ICioltwegf Aber Brasilien. 

der Pelsschithteli , ist aus N. nach S. Einem dei' Hauptzflge -7 
in welchem die erhal^emten Funkte des Landes liegen, der 
Jtacolumi hei Villa Rica^ ^ie Särra do Carassa bei. Cattaf Altas 
nui ji^T^ lt<«nhe hei Vüla Je Principe — d«r iixßch Aie Vtovmz 
^Ä Mihas sich erstreckt, hat der Verf. den Namen [Setra.do 
Espinha^o beigelegt. Er ist für^den Naturforscher von gröfster 
Wichtigkeit^ denli et macht nicht nur in geognb^tiscner Ber 
Ziehung eine denkwürdige Grenzlinie, sondern zeigt sich auch 
ungemein reich in botanischer und zoologischer Hinsicht. Im 
O^ten dieses Gebirgszuges herrschen Granit , Gneifs , Glim- 
mersthiefer und Syenit; gegen Westen findet man schfeferige 
und körnig-schieferige Gesteine jilngerh Ursprungs, dann Ue- 
bergangs- rhonscliiefer ; Kalk und' Grauwacke'. Die östlich- 
sten Gegenden des Zuges siihd, bis zum' Meere hin , )Blit den 
üppigsten Urwäldern l^ed^fckt; die westlichsten Tbeile zeigen 
kahle^ nur mit verkrüppelten Bäumen und mits Gras'bewach- 
*ene Berge, Dem andern , in sehr gebogener Linie erstreck- 
ten, grofsen Gebirgsrücken, der die südliche und nördliche 
Wasser Scheidung bestimmt, erth^ilt der* V^rf. den Namen 
Serra do^ Veruntes, "-* Der Kern Brasiliens , dieses Hochland 
zusammensetzend, besteht aus Gtanit; ifam folgen zunächst 
Giieifs, Glimmerschiefer, Syenit und.Hoxn- 
blende-G esteine. Die zweite Urbildung , von welcher 
die eben erwähnte erste grofsentheils überdeckt wird, hat den 
Itacolumit, Itabir^t ü. a. interessante Gesteine aufzu- 
weisen, die uns gleich nachher ausführlicher beschäftigen 
sollen. Dann folgen die Glieder der Uebergangszeit : Th on« 
s'chiefer, Kieselschiefer', Grauwacke und Grau« 
wacken schi ef er und dichter Kalkstein, Einige 
Sandsteinkuppen abgerechnet, fehlt die eigentliche Flötzbil- 
dung im Innern Brasiliens, d. h. auf dem allgemeinen Plateau, 
ganz« Dagegen spielt das aufgeschwemmte jL^nd, wegen des 
Goldreichthums , der von ihm umschlossen wird,, und wegen 
mancher ■ sonderbaren ; Verhältnisse , eine wichtige KoUe* 
Seine Glieder erscheinen theils fest, theils lose; sie erfüllen 
Thäler und überdecken hohe Gebirge, ' Ra gehören dahin un- 
ter andern ein , in der alten Welt unbekanntes, Eisenstein« 
Congljpmerat (Tapanb o.aca n ga ); die goldführende^ leh- 
migthonige, mit eckigen Quarz- und Eisenstein -Brocken un- 
termengte Pammerde ; die losen Gerölley abstam^iead von al- 
ten, und neuen Ueberschwemmungen und unter' dffti Ndmen 
Cascalho bekannt u; s, w. 

DU, Brasilia eigenthümlichet]i , vpm Verf. genauer ge- 
ithilderten Felsärten,.sin4: 



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Go(5gIe 



Ejohweg* fibcr Brasilien» 323 

Itacolumit (Name nach dem ^ aus ihm bestehenden^ 
erhabenen Itaeolwni)^ der die ausgedehntesten und höchsten 
Gebirge des Landes bildet. £r besteht aus Quars und Talk 
oder Chlorit im körnig -schieferigen Gefüge verbunden. Von 
zufälligen .Gemengtheilen finden sich Eisenglanz«' Oktaedet 
(soll wohl heifsen Magnet eisen -Oktaeder^ denn dem 
Eisenglanz können keine oktaedriscbe Gestalten zuste« 
ben)^ Eisenglimmer und £isenkses< Der Itacolumit f ausge^ 
zeichnet geschichtet, wechselt mit Thün schief er ^n geWalti« 
ger Mächtigkeit auf weite Eratreckungen ; aua ihm sind die 
ausgedehntesten und höchsten Gebirge des Landes gebildet; 

Eitenglimmerschiefer^ aus votwakendem Eisen« 
glimmer und Quarz wesentlich zusammengesetzt. Enthält^ 
als zufällige Einmencungen, Eisenglanal- Oktaeder (1)^ Eisen- 
kies, Gediegen »GoTd, Disthenu« s.w^^ und auf Lagern gold« 
führenden Quarjs, Magnet« und Braun ^ Eisenstein, Chlorit« 
und Talkschiefer u. s. w. Das Gestein , im Alter dem Ifa« 
coluqnit und dem Thonschiefer gleich, ist seh^ yenbteitet^ zu^ 
mal in der grofsen S9rra do EspinhofO* 

itdbirit (nach dem Berge Itahirt» benannt}. ' £in öel* 
menge aus Eisenglanz , Magneteisen und etwas Öuar«. Dai 
Gefüge körnig- schieferig. Schliefst Zufällig Goldtheile, Chlo«^ 
ritL Strahlstein u. s« w. ein ^ und ist bald dem Thonschiefer 
aufgelagert , bald ruht er auf Itacolumit« 

Tapavnhoacdnga (Benennung nach der Serra dö Tapän^ 
hcacanga bei Congonhas do Campo) 9 ein TrÜmmergestein aus 
eckigen, scharfkantigen Bruchstücken von Eisenglanz und 
Magneteisen , die durch Eisenocker gebunden sind 9, hin und 
wiederkommen auch Talk- und C!bJoritiicbiefet • Thcfile und 
Brocken von Itacolumit darin vor. Das Gestein ist oft seht 
goldreich. ]>Serkwürdig sind die^ Mänganlager mitj^fofsen 
VVavellit- Nestern, welche der T. umschliefst. Dtis Conglo-» 
meraty den Eisen gjimmer schiefer und Thonschiefer über- 
deckend, nimmt seine Stella nicht blds inThälern und an ^en. 
Berggehängen ein, sondern findet sichf Seltsam genüge . aucb 
auf den erhabensten Gebirgsrücken« 

Die Diamanten wurden iin Jahr l727 zuerst in tlfr^silien^ 
in einigen, kleinen Bächen des Di'Striktes von Sdtra dat Frioi 
aufgefunden. Man verwandte sie anfangs, als glänzende 
Stemchen, £u SpielmarJ^en« - Im folgenden Jahre, erkannte 
man ihre wahrhafte Natur in Lissabpu und entwarf nun n*an- 
cherlei Gesetze üb^r die Gewinnung derselben. Das Resul- 
tat d6r Beobachtungen dea Verf / über da* Yoxkarümeti 
der Diamanten ist^ dsfs ihr Muttergestein sehr 

21 * 



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^24 J£äcUwg% {Sb«r Bf«siU«ii.^ 

Tralirscbci ni ich kein ändert seyii dürfte, ali' 
der Braun-Eisenstein aas dem jBisengl im tn«r* 
seh i e.f er- oder Itabi rit-Gebil de. , 

Herr von E. bemerkt in der Einleitung, dafs er mitd&oif 
was vor dieser kleinen Schrift ,.>in Journalen u. a a. O., über 
geognostis(:he Gegenstände, Brasilien betreffend, von ibm, 
imniittelbar und mittelbar , bekannt geworden , nicht gans 
zufrieden sey. Dies überhebt uns einer AnsEeige jener verschie- 
denen Schriften; nur von einigen derselben gestatten wir uns 
anhangsweise den Inhalt mitzutheilen; 

pf^' von Escfiwe ge f Nachrichten aus Portugal und Jessen Ca» 
' -lonieen, mineralogischen -und bergmännischen lakaltes- Ein 
SeitenstUck ^um Journal von ^Bnuilien» In Auftrag des 
yerf assers herausgegeben und mit Anotarkungen und ■ Z.w 
Sätzen 9on J, C. I*. Zi^icken^ Herzogl, Braunschweigi- 
schein Berg* und HUttenrevisor, jMIl i Kupfer, XI und 
274 S, 8. Braansdiweig bei Meyer. i82e. tT}Jr.,aör. 

# • . 
^ I, Reisebemerkungen geognostischen Inhalts (von Fi- 

fueiro dos Yinhois na(£' den nördlichen Provinzen; nachAra- 
idä und nach Fampilhosa). IL JSfachriöhten vom Portugie- 
sischen Hüttenwesen (VYiedercfuf nähme der Eisenhütte- vua 
Foz d'Alge; Versuche ini, Frischfeuer der Figueiioer Eisen- 
hütte; Portugiesische Zu stellungsmas^en und Frischmethode*, 
G^schiph^ der Eisenhütte von ^5'ig"eirp und Thomas; alte 
vorgefundene Nachricht im Archive det -Figueiroer JEisen- 
bütte u, s^ w.), III. Nachrichten, vom Portjirgiesischen Berg- 
bau i(Goldwäd6cbereien der Alten am Zezereflusse; Steinkohlen- 
grube zu Buarcos; bergmär(nisobe Untersuchungen am Rio 
Cdima; Schürfv ersuche auf Braunkohlen bei Vallo .u. s.w). 
IV. 'Miscellen (üeber Setzungen aus den Schriften der Lissa« 
boner ^Academie der Wissenschaften). V^ Zusätze des Her- 
ausgebers (das« Wichtigste ist ausgezogen aus dem Journal 
yon Brasilien Und aus , den neuen Jahrbüdiern für Berg- und 
Hüttenkunde von IVIoll; vielen Kxystall -Beseht ei bun gen ge^ 
bricht es leider an Klarheit und Bestimmtheit). 



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. Kc{|;gerath <li« Geinrge m EheinlfliM^-Wastphales«^ 335 



Das Oehirgß in Rheinland *•> Tf^estphalen nach minerahgischem und 
chämischatn Bezugs, Herausgegehen von Dr» Jßkob Nög* 
goräth, JC. Pr, Oberbergruthe j ord, Professor deir Minera'^ 
logieu, s» w, an der Rhein" Universität» Zweiter Band, mit 
~- ^ illuminirten und 2 schwarzen Sieintafelnj X und 587 S»s 
dritter Band y mit 9 - illuminirten und 2 ' schwarzSn Stein^/eln 
und einer Kupfertafel^ Vllt und 291 S. 8« Bonn hei £• PVe^ 
her^ iS2S und X824» . ' 

Die rasche Fortsetzung dieser Schrift, mit deren erstem 
Bande wir unsere Leser beKanilt gemacht haben, Jjeweifst die 
erfreuliche Theilnahme des Puhlicums und zugleich , welcjj^r 
Erweiterung unser geognöstisches und mineralogisch • geo-« 
graphisches Wissen noch fähig ist, da es sich hier doch nur 
um die genaue Untersuchung eines, im Vergleich zur gesamni- 
ten Aufsenflächevunsers Planeten höchst beschränkten, Land- - 
Striches handelt, — Wir wünschen nichts mehi:^ als dafs- es 
dem Herausgeber auch fernerhin nicht an wohlwollender Ün- 
terstiUzung, an gehaltreichen Beiträgen fehlen, und dafs er* 
nie dem Grundsatze entsagen möge, keiner Schule^ keinem 
Systemp'j keiner Hypothese ein Vorrecht einzuräumen. ^ 

Inhalt des n. Bandes. . L Geog n os ti seh e Bemer^ 
kjingenüber den nördlichen Abfall des Nieder- 
irheinis ch-Westphälis ch'e n Ge b i r g e s von Hrn. H, 
von Dechen« (Ein Aufsatz, der fast die Hälfte diese» 
Bandes füllt.) Das Gebirge, von welchem die Rede , ist da« 
zwischen Rhein j^nd Weser, zwischen Lipge und Lahn^ ein- 
geschlossene. Die älteste 'Pelsbildung, ein «ausgedehnter 
Grauwackenzug, wird vom* Rhein und ^ön der Lahn durch- 
brochen , und erstreckt sich unbedeckt in südliche* und west« 
lieber Richtung; auf dem östlichen und nördlichen Abhang . 
treten neuere Gesteine als Üeberlagerungen auf. Oberflächen- 
Ansehen wechselnd, nach den verschiedenen G|ebirgsarten. 
(Es Scheintuns, hei dem unzweifelhaften Zusammenhange, 
zwischen der Natur der Felsarten und den äufserlichen Ge- 
stallt- Verhältnissen ihrer Berge , allerdings recht zweckge- 
mäfs, wenn der geognostischen Schilderung irgend einer Ge- 
gend ein solches physiognomisches Bild vorangeschickt, wie 
dies Hr. von D. gethan hinsichtlich des^ von ihm zu beschrei- 
benden , Landstriches^) Bemerkungen über die verschiede- 
nen Gebirgs- Bildungen in der Reihenfolge, in welcher die 
Ueberlajgerung derselben scheinbar statt haÄ Grauwacken- 
i chiefer ist das älteste Glied* Ausdehnung und Begreii* . 



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326 K^ggeralh dU Geblrg« xn Blheiiiland« Westphalen. 

aung seines Haupt^uges zwischen dein Rhein und der Rubr. 
per Züsämit^nAetzün^ nacii ist das Graüwackeilscfai^fef-Ge- 
})irge einfach ; es besteht aus wechselnden Lagen von Grau- 
wacke^' Schief^riger Grauwacke und grauwackenähnlichem 
Thanscbiefer. Die Grauwacke ist meist höchst .feinkörnig. 
I>er grauwackeniihnlirhe Tbonschiefer bat ein undeutlich 
kruinnischieferiges Geftige ; dünne Lagen niehr reiner Thon- 
nchieferniassen scheiden sich aus den, mit Körnern von Quarz 
und GUmmerSchuppen, gemengten» Von Versteineruli gen führt 
der Grauwackenscbiefer vorzüglich .^nkriniten (namentlich 
tincrbiiffis epUhoniui)^ ZWat nur in einigen Lagen » aber hier 
desto gedrängter», Pflanzliche Reste fiuden' sich in undeutli- 
eben Spuren« ^ Untergeordnete Gebirgsmassen kommen im 
Ganzen nicht häufig Vor» Es gehören dabin: dichter Feld- 
spath - (richtiger "Feldstein-) Porphyr , Hornstein (oder 
Feldstein?, der Zweifel hätte sich leicht durch Löthrobr- 
Versucte beseitigen lassen) , Grünstein (Diorit) und Kalk« 
stein» Als Gangbildungen kennt man bis jetzt : Eisenstein, 
Barytspath und BJeiglahr führenden Quarz, üebergangs- 
kalk, im Allgemeinen ziemlich scharf begrenzt, doch bin und 
wieder auch mit Andeutungen von Uehergängen in nachbarliche 
Gebirgsmassen, £r tragt an vielen Stellen das Gepräge eines 
Korallenriffes. Deutliche Schichtung fehlt häufig; aber Spu- 
ren eines Abgetheiltseyns in Schichten werden fast nie ver- 
mil'st. Nach a^en Hichtungen sind die Massen zerklüftet und 
durchschnitten von Absonderungsflächen , die, bei nicht sei* 
ten statt habendem Parallelismus , das täuschende, Ansehen 
von SphichtUngsklüften erhalten« Höhlen mit Knochen von 
Vierfüfserru sjnd sehr bezeichnend für dieses Kalksteinlag^r. 
Zu den fossilen Ueberbleibseln , w'elbhe die felsart ein- 
schliefst > gehören jsumal JVJadreporiten. Auf untergeordne- 
ten Lagern trifft man kieselartige Massen (theils reinen^Quarz» 
theils ein Mittelding zwischen Hornstein und Kieselschiefer) 
und Tbonschiefer, Zwischen dem Grauwackeschiefer und 

' dem I^alkstein liegt ein zuSammenhän^nc^erZug von Nestern^ 
erfüllt mit Letten, seltner mit Sand, im welchen Massen von 
Galmei vorkommen fiserlohn bis Westich), Dichter Roth-Ei- 
senstein fi.ndet sich theils auf Klilften, theils stockförmig. 

.^Bleiglanz bildet zusammenhängende plattenförnrige Masses; 
auch trifft man ihn mit Quarz, Blende u, s. w. auf Gängen. 
Tbonschiefer, K iesel seh iefer 9 Alaunschiefer 
und platten förmiger Kalksteinj die den Uebergangs- 
kalk bedeckenden. Schiebten, v/erden von dem Verf. als eih 
Ganzes betrachtet. Sie umfassen freilich sehr verschiedene Ge« 

• ( 



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.Nög^erattdlt Gebirge io Rheinland -W^tipbaleQ. ,$t7 

birgsarte»; indeMen weisen ihnen die Liagerungs « VerhSh« 
nisse eine gemeinsame^ Stelle smscben den Hauptkallcsteinla* 
gern uod den Sandstein »Bildungen an. - Die Grenze zwischen 
Uebergangs •• und Flötzgebirge scheint hier zu liegen ; die fol- 
genden Felsbildungen n^üssen der Flötzzeit beigezählt wer- 
den. Fl&tzleerer Sandstein (von Hövels rauher 
Sandstein); eine Bildung aus Schichten von Sandstein |r in 
allen Ueber gangen bis zum Schiefertbon , und von Schief eiV 
thon in sdinen Uebergängen zum Brandschiefer. ^ Die festen 
Sandsteinschiebten sind der körnigen Qrauwacke sehr ähn- 
lich; der Schieferthon erlangt mitunter ein thonschi eierarti- 
ges Ansehen. Stein j^o hlengebirge. £s füllt bedeutend* 
grofse Mulden, als die hängendste Gebirgsart aller , von der 
Grauwacke an^ in unmittelbarer Reihenfolge, auf einander ge- 
lagerten Scbtchten. Die dasselbe zusammensetaenden Gesteine 
sind : Schieferthon , Sandstein Und Grobkohle (eine Verbin- 
dung von wahrscheinlich sehr eisenhaltigem Schieferthon mit 
Steinkohlen messe) Im Allgemeinen sind -die einzelnen Schich- 
ten des Kohlengebirges mit gleicher Mächtigkeit sehr aus-^ 
dauernd; daher auch im Grofsen ein au£Fallender Farallelism 
der Schichtung; Die einzelne^'' Schichten erleiden jedoch 
nicht selten Störungen; sie werden verdrückt, keilen sich 
aus u. s. w. Von den Abdrücken vegetabilischer Tbeile, die 
Steinkohlenflötze begleitend, kommt die. gröfste Form enmanr 
nigfaltigkeit in Sternbergs F^miiie Lepidodondron vor. An 
Abdrücken von.Folypodien scheint das Gebilde, im Vergleich 
zu andern , ärmer. Reste von Saamenkapseln ^nd Früchten 
sind selten und undeutlich. Aelterer Flötz kalkst ein, 
bezeichnet durch das Vorhandensein me^elartiger Kupfer- 
schieferflöt'ze. Jüngerer Fl<5tzsandstein (bunter Sand- 
stein), ist dem FJötzkalkstein aufeelagert. Mergel und 
jüngerer. Flötzkalkste in. Für den Mergel ist das 
Vorkommen von ^Versteinerungen sehr wichtig; sie Rnden 
sich besonders mannigfach uhd in grpfser Menge in dem so« 
genannten Mergelgrandß. • — II. (Je her das Kupfer- 
«chi ef er gebirge . im . Her z ogth u m W*estphalen 
vonHr'n. B.er g.meis ter Buff. Ein vom Herausgeber 
veranstalteter Auszug aus einem gtöfsern Aufsatze des Verf., 
vom Jahre I8l9. (Das Publicum wird es dem Hrn. B. sieber 
Dank wissen, -wenn für die Folge von den, selbst 'für den 
Zweck dieser Zeitschrift zu ausführlichen, Abhandlungen, 
nur gedrängte Auszüge des Wissenswürdigsten gegeben wer- 
den. Manche Gegenstände aus dem Gißbiete der Geogposie 
tind des Bergbaues verlangen , für die besondere Absicht der 



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BeÜörie » welche Aufklärung würi^t ^ oder Von der Ent- 
scheidung erwartet, wird, eine sehr um ständliche Bearbeitung; 
aber solche Ausführungen gehören in die Archive der Berg* 
Ämter, nicht für 4as gröTsere Publicum, dem sie keinen Ge- 
'winn bringen , für das sie nur lästig seyn können,) Das äl- 
teste Fl öt2S des Westphälischen Kupferschiefeir-* Gebirges ist 
der Zachst ein (Alpenkalk). Er ruht ufi mittelbar auf der 
Thon- und Kies^lschiefer - Formation und zwar in abweichen- 
der Lagerung.. »Versteinerungen sind ihm Seitenwind meist 
nur in Bruchstücken eigen. Zwischen den Schichten des 
Zechsteines tritt der Kupferschiefer in dünnen Flotzea 
auf, bald in gröfserer, bald in geringerer Zahl, von 10 bis 30 ^ 
Flötzen übereinander. In einzelnen Parthieen beträgt sein Ge- 
halt ly^ bis 2 Pfund Schwarzkupfer im Centner^ Auf den 
Zechstein folgt die Raüchwacke, deren obere Lagen einen 
Uebergang in Rauch kalk machen. Die neuesten Flötze 
d«s Kupferschiefergebirges bestehen aus 'T hon- und^^ Sand- 
stein;, Versc&iedene Gänge , oder Rücken, setzen in dem 
Gebilde auf , alle Flötze desselben durschrieidend. Die Aus« 
füUungsmassen der Räume sind vorzüglich Brüchstücke von 
Thon- oder Kieselschiefer, gebunden durch Letten, auch 
durch Kupfererze. Im Allgemeinen stimmt das Kupferschie- 
fer- Gebirge mit der gleicnnamigen Formation anderer Gegen- 
den durchaus überein und' gehört mit denen des Harzes und 
des Thüringer Waiden, einer Bildungszeit an ; nur fanden 
beiln Entstehen der altern Glieder anhaltende Störungen statt, 
w^odurch das regelmäfsige Entwickeln gehemmt und die öftrere 
Wiederholung der Kupferschieferflötze V^j^ijf^cht Wurde. — 
III, MerkwOräiges Zu saqimen-V o rkiimmen eines 
Conglomerat- und eines Eisensteingaoiges im 
Grauw ackengebirge des tieif z ogth ums West- 
Iphalen von Hrn. Ber gmeist er Buf r^ ^Das Trümmer« 
gestein , einen gangar^ig-en Raum von q|»ebr als 20 Laehter 
Mächtigkeit füllend, besteht aus Grau wackengeschieben, die 
eine, mit Rotheisenrahm innig gemengtet Lette zusammen-, 
hält. In* deij mächtige^n Gange setzen mehrere Klüfte auf, 
deren wichtigste / ein Eisensteingang ist. — IV, Einige 
Zusätze zu Fr. v. Oeynhausens geognostischeu 
Reisebemerkungen über die Gebirge der Borg- 
st r a fs e von Hrn. Berg m.e i s t e r Fr. Schmidt« (Die 
Abhandlung, zu. welcher Zusätze geliefert werden, findet 
«ich im I. Bande dieses Werkes S. 146 ff.) Der Kalkstein in 
der^Gegend um Frankfurt, OiFenhach u. s. w. wird hier all 
jüngerer Flötzkalk (oder Muschelkalk) angegeben; sdlein dai 



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NSggerath di« Gebirgf In Rhetnlaad-Wcsfphalen, 3i29 

Gestein gehört, nach allen seinen Beziehungen, b'estimnft dem^ 
ersi; in neuern Zeiten genauer erforschten ," Grobkalk (Ca/« 
r caire grossier\ an, Braunkohlengebirge vwischen Seligenstadt 
und Klein- Krotzenburg am linken JVIainufer. Basalt (Dolerit?) 
unfern Neu-Isenburg. Gegen Sprendlingen zu Trappsandstein 
{wir wünschen sehr, daXs dieser nichts sagende* Ausdruck^ 
mit dem so manche schwankende BegriiFe verbunden werden, 
recht bald durch eine sachgemäfsere Benennung sii:h ersetzt 
•eben mög#) und Trappporphyr (warum sagt der Hr. Verf. 
nicht Trachyt, denn da^ Gestein'Jist, nach Handstücken 
ZM urtheilen, welche uns vor kurzem davon vorgekommen 
sipd, allerdings Txachyt und seine Auffindung in dieser Ge« 
gend gevvifs höchst interessant}. Um Darmstadt grünsteinar« 
tiger Trapp (Diorit- Mandel stein), das Material, woraus die. . 
massiven GeLäu.de der grofsherzogl. Residenz aufgeführt wer:» 
d(^n. Die Chärakterisirung dieser Ft^lsart -(S. 179 £), wel^ 
che in der That «chöne und mannichfache Abänderungen auf«^ 
zuweisen hat, ist recht gut. Rother Sandstein bei Xjangen 
u. s. w. Feldspath- (Feldstein-?) Porphyr am Glasberge im 
Bessunger. Forst. Syenit und GVünstein zwischen Darmstadt, 
Rofsdorf und Traifs^. Dafs dieser Diorit ein Glied der Ur- 
zeit* sey/e , ist uns etwas zweifelhaft. Am Herrnwingerts- 
Lerg und an andern höhern Punkten um Darmstadt trijR mau 
Granit. — . V. Uäber die Entstehung des Basaltes 
hinsichtlich $eines Vorkommens in der^£ifel 
von Hrn. Hut teny e rw alter Stengel. Nicht Vrohl 
zu einem Auszuge geeignf t.. Der Verf. erklärt sich für den 
vulkanischen Glauben , und die yon ihm dargelegten Thatsd- 
chen und Bemerkungen verdienen alje Beachtung. -^ VI, 
U eher die Ke sselthäler der vulkanischenEifel. 
Br uchst ü ck e ineb Briefes. -— VH. Ueber das.Vor- 
kumoien des Basaltes am Druidenste^in bei He« 
cker&dorfund in der Zeche neue Mahlscheid 
unweit Daaden, im Bergamts -Bezirk Siegen von 
Hrn. ßergrat.h J. Gh. L#. Schmidt. Der, durch seine , 
aiiifallende Kegelgestalt, schon, aus der Ferne als BasaltlJ^rg 
«ich ankündigende Druidens'tein'liegt auf dem hohen Gebirgs- 
rücken zwischen der Sieg und der Heller, Seine Spitze, nur - 
ungefähr 10 Pachter über die , aus Thonschiefer und Grau* 
wacke zusammengesetzte, Basis emporsteigend , hat eine 
Seehöhe von 1679 Fufs,. Der Druidenstein steht auf dem 
Streichen des mächtigen an lOOO Lachter zu Felde aufge« 
schlössen, Eisensteinganges vom Hollerterzuge; jedoch ■ 
^ind hier die nächsten Bäume dieses weit erstreckten 



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330 Ko^erath di« Oebirg« ii| Rhemhad * Westplialen. 

QrubengeBäudes noch 8(k> Lacbter davon entlegen«. Dieser 
UfDStand veranlafste, bei Gelegenheit der Entwerfung. eines 
Stollenplanes y einige4Schurfarbeiten, und diese führten zu. 
gleich interessante geognbstische Resultate herbei. 'In etwa 
li Liachter Länge hieb man einen, augenscheinlich durch 
Wirkung des Feuers veränderten, erdigen, lei€ht zerspreng- 
Jbaren , jaspisartigen Thonschiiefer an; nach di^esem folgte 
gleich der Basalt. Aufwärts von der Steinscheidung fand sich 
das letztere Gestein ungefähr S^Fufs weit blasig tSid beinahe 
eben so Weit w«r der äasalt zu weichem Thon aufgelofst, der 
allmä'hlig in den festen Zustand dieser Gebirgsart- überging. 
Das, den Basalt begrenzende, Grauwackengebilde ist nicht über- 
all^ von Feuer gleichaiäfsig angegriffen und verändert worden. 
Stellenweise zeigt sich die Feuer -^ Einwirkung nur auf eine 
Tiefe von wenigen Zöllen; an andern Orten lindet man die- 
selbe weiter eingedrungeri ; einzelne grauwack'enartige Frag- 
B^ente sind dem Forzellanjaspis ähnlich u -s. w. Hin und 
wieder ist indessen der Thbnschiefer in der Nähe des Baches 
Wenig verändert und zwischen beiden Felsarten steKt ein röth- 
lichbrauhes opaljaspisähnliches Fossil an.— VIII. Die ßa- 
aalt -Steinbrüche ^am Rückersberge bei Ober- 
jkasselam Rh^in vom Herausgeber. Die lehrrei- 
chen Bemerkungen über die denkwürdigen Absonderungs« 
Verhälthisse des Basaltes begleitet eine wohlgeräthene bildli- 
che Darstellung. — IX. Aufforderung zur nähern 
Ermittelung der ch emischen Bez ie hungen, wor- 
in die Gebi rgsschichten Zu einander stehen 
yoin Hrn. Pr ä.si denten von Hoevel. Sehr beberzi- 
gungswerthe -Bemerkungen. — X. Chemische Untersu- 
chung des i^aserbaryts von Ghaud-Fontaine bei 
Lüttich VjOn Hrn. Dr. R. Brandes, Das Resultat der 
Analyse ist: schwefelsaures, Bariumoxyd 95,5000 schwefel- 
saures Strontiumoxyd O96208 Eisenoxyd 0)2500 Kieselerde 
2,^000 Wasser und färbende Substanz. — XL Chemische 
Untersuchung der Alaunerde Werner^s vomPütz- 
Berge bei Friesdorf unweit Bonn vom Hrn. Apo- 
theker Bergemanrt. Der sehr zusammengesetzte Gehalt 
des zerlegten Fossils ist: Thonerde 100,000, Kieselerde 
455,000, Schwefel 39,400, Kohle 59,500, fiisenoxydul 
65,000, Manganoxyd 6,000, schwefelsaures Eisenbxydul 
67,290 ^ schwefelisaure Thonerde 12,000, schwefelsaure Kalk- 
erde 17,100^ schwefelsaures Kali 17,490, salzsaures Kali 
3,510, Wasser l65,000, Schwefelsäure 4,742.— XTl. Uebcr 
'Ha.uy.n (L^atialit, Saphirin}, Nos^ean (Nosiai^y 



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17i>gg«nith die' Gebirge ia RhciaUnd-.Westphalen. Üi 

Nosln, Spinellan) Sodlalitund Lasurstein in mi- 
neralogischer und chemischer Beziehung von 
Hrn^ A. Bergemann iind von d^em Herausgebet, 
Die Ergebnisse der chemischen Zerlegung des Hauyns vom 
Laacher Sß'e (rzi Kieselerde 3 7,00 i Schwefelsäure 11,56, 
Thonerde 27f60,^ Manganoxyd 0,50, Kalkerc^e 8,l4, Eisen- 
oxydul 1,15, Natrum 12,24 und« Wasser 1,50) upd des Spi* 
nellahs oder Nosins (Kieselerde 38,ö<;, ' Schw^efelsäure 8,16^ 
Thonerde ^9,25, Manganoxyd -1,00, Kalkerde l,l4, «Eisen- 
exydul 1,60, Natrum 1(),56 und ^Wasser 3,00) berechtigen al- 
lerdings ein sehr nahes Yerwandtseyn beider Substanas^n an« 
zun<^men und aus der, von Hrn.. Nögger a t h angestellten, 
mineralogischen Untersuchung des Hauyns und der Rheinge- 
gend des Spinellans , 'fiodalit^ und, l^asursteins gehen denk- 
würdige Uebereinstimmungen in anderer Beziehung hervor^ 
und eine Vereinigung der ,j3is jetzt in den oryktognosti^chen 
Methoden getrennt aufzuführenden, Fossilien scheint r^thlich ; 
allein dafs der vorgeschlagene Gattungsname N o s e a n> Billi. 
gung und Nachahm ulig finden Jwerde, bezweifeln wir sehr. 
Hl'. N, scheint Bedenken zu tragen den Italischen Haiiyn mit 
dem aus der Gegend von Andernach zu yereinigetly weil der 
letztere nicht schmelzbar ist j Natron statt Kali' enthalt und 
eine geringere Eisenschwefe hat. Allein wir finden, wie 
bekannt, jelie beiden Alkalien häufig sich vertreten^ in den 
Fossilien, womit ohne Zweifel auch jtja* verschiedene speci- 
fische Gewicht gegeben ist , und nach wiederholt angestellten 
Versuchen des Hrn. Hofrath L. Gmelin ist der Andernacher 
Hauyn gleichfj^^. |K:bmelzbar^ Mit einer Analyse dieser Sub- 
stanz ist der gWt^rAe Chemiker gegenwärtig beschäftigt. — 
XIII; Beme r je u ngeh über einige, im ersten Ban* 
de dieses Weries verhandelte, Gegenstände 
von Hrn. Präsidenten von Hövel. Sie betreifen d-ie 
Grenze zwischen^ Uebergänas- und Flötzgebirge, das Vor- 
kommen der Porphyr- und (sogenannten) Trapplager im älte];'n 
Sandstein , den Ursprung des Basaltes u. s. w. 

Inhalt ^es 111. Bandes. ', I. G e o g n p s ti s ch er Reise- 
Bericht über einen Theil des Herzogthums 
Wes tphalen vom Herrn Fairsten zuSalm«Hor^t« 
'mar. Die Erhebungen zwischen Lippstadt und Geseke be- 
stehen aus l^alkstein, der nicht reich an /Versteinerungen ist 
(dahin zumal Echiniten, seltner Ammoniten) und auf Sandstein 
ruht. Der Hr, Verf. betrachtet beide als von gleichzeitiger 
Bildung, glaubt den Sandstein zum Quadersaii49teih , den 
K^kstem aber 2um j ungern Flötzkalk (Hau fs mann s weifser 



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332 FSggeniili ^ Gdbirg« la Rliciiiland^Weaplidleii. 

Kalkstein) zSblen su ;durfen. Bei RQhden liegt der Sandstein 
unmittelbar auf Grau wacke und Thonschiefer AufdenThon« 
schiefer folgt Uebergangskalk. Nabe bei Sundwig umscbliefst 
der Kalk eine grofsc; Höhle, , die viele' denkwürdige fossile 
Reste enthält. £s geboren daku, iiacb den Bestimmungen des 
Hm. Prof. Goldfufs': Schädel, Knochen u. s. w. von Or- 
sus spelaeus, Hyäna rpelaea , Cervus giganteas , Cerous EIejfhas fit» 
silisj Gulo spelaeus j Sus -priscus u. s. w, Jen seit Hagen wird 
der Thonschiefer von einem, wabrscbeinlicb zumHohlensand- 
stein gehörigen , Sandstein bedeckt. Der bekannte Bergbau 
bei Massen unfern Siegen wird auf, im Thonschiefer brecben- 
derif Eisenspath getrieben. * Bei Silbacb ragen. Grönstein-« 
(Dioritr) Kuppen, und bei Bruchbausen bobe steile Felsmas- 
sen von Feldstein - Porphyr ai^s dem Thonschiefer hervor. 
Um Brilon ist dichter Uebergangskalk herrschend. Um Stadt- 
Tjergen besteht der Gipfel eines Thmischieferberges aus Rauh- 
kalk. (Nach mehrern angeFührten Merkmalen zu urtheilen, 
besonders nacb den so bezeichnenden kleinen, mit Kalkspath- 
Rhomboedern besetzten, Hölungen, dürfte dieser sogenaniire 
Rauhkalk neuerer I^olomit seyn.) Allgemeines Stieicben 
der Schichten aus W. nach O. das Fallen nicht gleichartig; die 
entgegengesetzten Richtungen S. und- N. die herrschenden. 
Die Hauptrolle im Gebirge spielt der Thcyi schiefer. Als un- 
tergeprdnete Lager und Gänge kommen darin vor? Grauwacke, 
Quarzfels ; KieselschidEer^ kalkiger Thonschiefer", Kalkstein, 
Rotb- Eisenstein, Eisenrspath, Kalkspath, Diorit und Feld- 
steinporphyr. Der Uebergangskalk bildet wahrscheinlich 
mächtige Lager im Thonschiefer, mit dem er gleicbz ei tig ge- 
bildet ist. Im- Kalk sieht itoan untergeordnete Lager von 
Thonsehiöfer, von Roth* Eisenstein und von Quar? — II. 
Geognostisch e Bemerkungen über das Kreide- 
gebirge in der Grafschaft Mark und im Herzog- 
thum Westphalen und über dessen Soolfüü- 
rung von Hrn. Bergmeister Buff^ Das, Kalk -und 
Mergelgebirge, vom Vert. bisher Kreidemergol genannt, ver- 
breitet sich vom Einflüsse der Lippe in den Ebenen des Mün- 
sterlandes bis nach Ostfriesland , ja wahrscheinlich bis in die 
Niederlande, Es i^t dem flötzleeren Sandstein (diese mehr 
Örtliche Benennung wurde im Vorhergehenden bereits erklärt), 
dem «Koblengebirge , dem altern Flötzkalk, dem buntenSan'i- 
stein, dem Muschelkalk und dem' Quadersandstein aufgelagert; 
allein im Streichen und Fallen seiner Schichten entspricht das- 
selbe, nur denen des (puadersandsteines, nur ah* dieseoi sieht 
man es mit gleichförmiger Lagerung abgesetzt, folglich findft 



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Kö^ggrrath di« Qiibirg* iu El^nlai^ii - W^lph&I«n. 333 

bloÄ hier eine natürliche Begrenzung ttatt. Der Kdlk>«»tein isP 
kretdevf^eis , deutlich geschichtet und wird häutig kalk Ig tho^» 
Tiig (mergelig).^ Im letztern Zustande nimmt ckfrselbe oft» 
kleine i chloritahnliche , Körner und mitunter in solcher Fre- 
quenz auf, daß ganze Schichten lauchgrttn oder r^ihenschwarfr 
geflammt erscheinen. Versteinerungen komnien in einzelnen 
Schichten sehr viele v^r und meist findet sich eine Schicht 
durch die nämlichen Versteinerungen bezeichnet. Am häufig- 
sten erschethen ; Ostraciten , . Echiniten ^ Turbiniten , Pekti- 
juten, Ammoniten. Knollige Feuersteinmassen werden ziem- 
lich oft g^troiFbn. Aus* den Beobachtungen- d*s Verf., sowie 
aus don durch Hausman^n, Steffens u. A> mitgetheilten 
Erfahrungen -scheint sich zu ergeben, dafs,Kreidegehirge die 
ganze nördliche' Niederung von Stid^-England- und' Schweden, 
und zwischen dem nördlichen I>eutschla«d, d^n Niederlanden 
und dem nördlichen Frankreich ehemals ausgefüllt haben, di^ 
unmittelbare Verbindung aber sp^ter^ theils durch Entste- 
hung des jetzigen Seegrundes, theils durch Verwitterung und 
allmählige Zerstörung einzelner Gebilde aufgehoben worden 
sey, ' Die Kalkmfergel- Formation \l(estphalens wird von dena 
Verf« vorläufig mit dem Namen Kr^eidemergel bezeichnet, um 
dadurch Altersbeziehungen und natürliche BeschaflFenheit 
derselben kehntlich zu machen. . Was- die angebliche ^oalfüh- ' 
rung dieses Gebjj^ges betriflFt -^ denn der Umstand , daf» 
aus dem .Kreidemergel viele Salzquellen entspringen, hatte 
denselben für soolführend entsprechen lassen- — so glaubt 
Hr. B. dafs dasDaseyn des altern Flötzkalkgebirges unter dein , 
Kreidemergel, das äusschlielsliche Hervortreten der Quellen 
am Bande dieser Felsart , ihr gänzlicher Mangel in der Mitte 
undÄuf der nordwestlichen Verbreitung- derselben, so v^ie 
der Unterschied der Temperatur, und des Gehaltes der am 
südlichen Rande gelegenen Salzquellen^ wohl zur Schi ufs folge 
berechtigen, dafs. der JKreidemergel nicht soolführend sey, 
sondern dafs die Salzquellen ihre Entstehung den , im ältei:n 
Flötikalkgehirg^ enthaltenen*, Steinsalz «.Niederlagen z.u 
verdanken haben. — III. Gibt Tacitus einen hi- 
sto ri'sch en Beweis von vulkanischen Eruptio- 
nen, am Miede rrh'ein? A;ntiq uariisch-naturhisto - 
riscb üniersuQht von; den Herr enC. G, Nees von 
Eienbeck und J(. Nögg^eratb. Einö recht interessanta 
und grütidliche Abhandlung, welche wir mit besonderem Ver- 
gnügen ^durchlese]^ haben. Die nächste Veranlassung zur Ab-/ 
lassung dieses Aufsatzes gab die, allerdings höchst aufFalleiid« 
und sonderbai«^ Anwendung und Auslegung, welche sich Hr» 



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334 N^genth die Gebirg« iii Rheinland ^Weitphalen. 

^ S te i n im g e r von der , bekannten Stelle im T a c i tu s (Ann« 
L. XIII, C. 57.): sed ewitas luhonum^ socianohiSf mala impraviso 
affUcta est; natn ignes ^ terra editi , villas ,' ar^a pasjim eorripübant 
etc. erlaubte, indem er derselben grofses, Gewicht beilegte und. 
ihre Bedeutsamkeit für seinen Zweck noch mit der Erzählung 
des Fundes einer Römischen Münze in' vulkanischen Produk- 
ten aus der Hh^ing^g^^d unterstützte, wodurch, seinem Aus- 
spruche nach , das Altex' der Eruptionen in der Eifel undi am 
B.heine bestimmt werden konnte. Aus d^r Untei^süchung der 
, Verf aber ergibt sich das einfache Resultat : d a Is. d i e fr a g* 
liehe Stelle des Tacitu« als ein geschichtli^er 
Beweis für dje. vulkanischen ÄusbrüchfBam 
Rhein und in der Eifel durchaus von keinem 
Werthe sey, indem rn derselben höchs'twahr- 
scheinlich nur von einem» dn der Gegend von 
Kölln vorgefallenen» Moor« oder fieidebrand 
die Rede ist, — -IV. Die vulkanischen Funkte in 
der Gegend um Bertrich . im .RegierungsbezixJc 
Koblenz von Hrn. H. von Dechen, Die, in TOn 
letztem Jahren , von den Herren Keferst ein und St ei- 
»inger über die Gegend umBertrich bekannt gemachten, un- 
ter si^h durchaus abweidienden , Ansichten boten die Veran- 
lass ung zu diesem Aufsatze, der eine Mittheilung im Aus« 
2(uge nicht wohl gestattet^ Nur das am ^cfalusse deff Auf- 
satzes beigefügte freimüthige Bekenntnifs, zfi welbhem Hr. v, 
D. sich verbunden glaubte, möge hier eine Stelle finden: 
die. vulkanischen Erscheinungen bei Bertrich sind von der Art, 
dafs sie unmittelbar zu gar keinem bestimmten und aus« 
gezeichneten Resultate führen ; dennoch bat die Gegendjpan- 
nichfaches Interesse, sowohl wegen der räumlichen V^Bslt- 
nisse der vulkanischen Gesteine zu den Schiefern, als wegen 
des Uäbergangs von Basalt in Schlacke. — V.' U e b e r das 
Vorkommen des Basalts am Druiden stein bei 
Heckersdorf im Bergamts-Bezir k Siegen von 
Herri^i Präsidenten von Hövel. — VI. Pyrotech- 
nische Vers uche mit Niederrheinirsch'en Basal- 
ten, nebst Folgerungen voü O, C. 0, Die^ Absicht 
war, zu erfahren, welche Aenderungen ein l^asalMttleide^ der 
einer, von oben nach unten wirkenden, HitsC ausgeset;st 
wird. Angehängt findet man eiitige Bemerkungen über die 
Rheinischen Bimssteine^ — VII, Uebfcr die Ent- 
deckung von Kunstprodukten in der Braunkob« 
1 en«>Formärtion auf dem hohen West erw^ald und 
in>B5hmen von Hrn. Oberbergra:th Pecher. Di^, 



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Nöggerath di« G«Lir£t io Rhcinlaad n Wtatphal^a. 335 

im Jahre 1810 von Wendeist ad t bekannt gemachte , £nt» 
deckung eines eisernen Kinges im hituminOsen Holze des 
Wester Waldes .ist sehr prohlematisch ; auch von Muscheln hat 
man (wenigstens bis tum Jahre 1815) -nicht eine Spur gefun« 
den. Wie mag es sich mit der^ angeblich in der Braupkohlo 
hei Oberl^ut^nsdorf in Böhmen getroffenen 5. eisernen Kugel 
verhalten? Sollte sich dieselbe nicht, bei sorgsamer Früfungf 
in eine Strahlkies -Kugel umwandeln? *-- VIII. £inigti 
geogn osti^che Beobachtungen in den Arden« 
nen angestellt, besonders über ein merkwür di« 
ges Wetzschiefer-. Vorkomm en bei Salm*Cfaa* 
teau und über von. Kau mer's Granit im Hangen« 
den des Steinko hlen- Gebirges , bei Montherme, 
aus Briefen von Hrn, von Dechen, Der Wetzschie^ 
fer findet sich nicht in Schichten wechselnd mit Schiefer, 
sondern er durchschneidet die Schichten desselben und ist, 
in allen seinen äuisern räumlichen Verhältnissen, den Gängen 
ganz ähnlich. Der sogenannte Granit ist ein porphyrartiges 
Gestein, welches Schichten im Thonschiefer und in der Grau« 
wacke bildet. — IX. Allgemeine Bemerkungen über 
die Galmei-, Eisenstein«^ undBJeierzformation 
in der Gegend von Aachen, mit Bezug auf ähnp 
liebe Bildungen in Westphalen und in Ober« 
Schlesien von Hrn. K. von 'Oeynhausen. Um 
Aachen ist die Gallbeihildung nur auf einen sehr kleinen Raum 
des weit verbreiteten Kalksteingebirges beschränkt ; Bleiglanz 
und Eisenstein sind ungleich weiter ausgedehnt/ Der Galmei 
kommt meist in unförmlichen Nestern vor; ob er dem Kalk- 
stein gleichzeitig oder ob derselbe als von späterer Entste- 
hung zu betrachten ist, bleiht zweifelhaft, denn feste regel- 
mälsige Kälksteinschichten finden sich nie über demselben. 
Wo Eisenstein und Bleierze gemeinschaftlich mit Galmei er« 
scheinen , sind die Verhältnisse deS Vorkommens völlig 
gleich. — X.^ Besonderes Erzvorkommen in, mit 
taubem Gestein ausgefüllten, Gängen im Grau« 
wack.engeb irge der niedern Lahngegend von 
Hrn.'Berg r ath Schneider. In der Gegend von Holz« 
appel trifft mtti diese interessanten Erzlagerstätten , welche 
von manchen' Geognosten als gleichalt mit dem Gebirgsgestein 
angesprochen worden. Während sie Anderen als spätere Bil- 
dungen gelten. Von erdigen Fossilien finden sich dann nur 
Quarz- und Kalkspath; letzterer scheint jedoch im Ganzen 
mehr zufällig. Unter den wesentli<^hen metallischen Substan- 
zen herrscht die Blende gegen den Bleiglanz yor , und diese« 

• 

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336 Jloggerath äim Gebirg« in Jllieio)aiid*Wc5lplia!eju 

gegen den £isenspath; auf serw€ send ich kommen Tor^: FabU 
erzy Eisenkies und^ in höherer Teufe , wo der Bleiglanz an 
Menge abnimmt und endlich gans verschwindet, oxydirte und 
' gesäuerte Bleierze (Bleierde, VVeifs-, Grün- und Braun-Blei- 
erz); endlich verschwinden auch diese, und die Lagerstätte 
erscheint als eine aus Quarz und eisenhaltigen Mineralien Le- 
Stehende Masse« ' Die Ei^lagerstätte wird häufig von Jüngern 
Gängen durchsetzt. Alle zu dieser Formation gehörigen Gange 
sind mit einerlei^ Masse ausgefüllt; Letten, der stellenweise 
schieferig wird und sich dem Schief er thon nähert« In der he» 
kannten höchsten Teufe liegen in jener Ausfüllungsmasse re- 
gellos zerstreute Q.uarztrümmer, die, nach unten sich vermeh- 
rend, stets häufigere Spuren von Blende und Bleiglaiiz auf- 
nehmen u. s.w. — XI. Nachtrag zu dem Aufsatze: 
Giht Tacitus einen historischen Beweis von 
vulkanischen Eruptionen am Niederrhein? vom 
Herausgeher, — XIL Erzeugung von krystal- 
-lisirtem Kupferoxydul an einem Römischen 
Gefäfse, beohachtet vom Herausgeber* Anden 
Bruchstücken eines, in der Nähe von'Bonn ausgegrabenen! 
kupfernen Gefäfses sieht man über einer , die äufsern und 
innern Wände bedeckenden, dünnen Rinde de^ schönsten 
a^rugo nohilü ähnlich f eine krystallinische Hafit, w^elche das 
Sucbglas als« zierliche, dem Rothkupfererz älmliche Kiy* 
stalle (H a u 7 s- Varietäten dodscaeäre , cubo • cetaedrs und primi' 
iive) erkennen lälst. — ' . • 



(Besehlufs folget.) 



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N. 22. 1824 

Heidelberger 

Jahrbücher der Literatur. 

NÖGGBftATH die Gebirge in Rheinland-« 
Westphalen. 

* {Beschlu/s.) 

Xni« Geolo2i8cb«>geognotti8€be Z vreifet und 
Fragen vom Hrn. Präsidenten von HdveL -^ 
XIV. Nachricht von einigen "^enig be^apnten 
Basaltgängen in He säen. — XV. Vermeintliche 
•Spure>ii jetstseitiger vulkanischer Tbätigkeic 
auf d^ra Westerwalde i^o m Herausgeber. Serich« 
tlgung einer j von Hrn. Stein inger ;bu voreilig verbrei« 
teten, Erzählung eines Gastvrirtbs au Beilstein« *— AVI« Ue^ 
ber das Vorkommen dea Dolomits in des-Nähe 
der vulkanischen Gebilde der Eifel von Hrn» 
L. von^ßuch« . A^s dieser interessanten Gebirgsart beste- 
hen i^amentlich die wunderbaren Felsen von Gerolstein ^ die 
giinze Mauer, welche den Ausbruch der Hagelskairle um« 
gibt u. s W. — XVII., Neue Fundorte verschiede- 
ner merkwttrdiger Fossilien (Hyacinth , Anthophyl-. 
lit, Harmotom^ Cprdierit, Apatit, Mennige u, Wl. w.) in 
den Rhei n gegenden vom Hera'us'g. Beim Vorkommen 
des hyacinthrathen Zirkons (Hyacinth) wird bemerkt^ dal's dt'r 
ihn einschliefsende Basalt häufig Stücke von Basaltjaspis (?) 
enthalte; was hier unter Basaltjaspis gemeint, s^y, wissen 
wlrnichty das unter ähnlicher Benennung uns zugekommene 
ist, der damit angestellten (Jnteisuohung zu Folge, Feld- 
stein. — XVIII. Calymene macrojpihtattna von C r o m f o r d 
hei IVa^tingen im Bergi sc hen von Hrn.Honing« 
hau». 



XVIT. Jalirg. 4. Heftv ^ 1% 

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^3d. Lehrbücher der Statik und M^ehtnik. 



5a Die Mechanik in ihrer Jnwemlung auf Künste und Oewerh, 
Gemeinverständlich dargestellt von A, B aum g är^tne r ^ Pro^ 
^ fessor an der^ üntöersiti^/t i^ TVien ji, s* Wm' .Mk' 8 XR/i^jWu; 
. WienjlS2$. XXII undk'^ S. B. . .1 ^ \ 

2. 'Lehrbuch der attgewandten Mathematik^ enthaltend die Anfangs- 

gründe der Mechanik ^ Hydrostatik und Hydraulik. Zunächst 
für solche Individuen y welche sich dem Forstfache widmen ^ so 
wie auch für jene , die jii^h ü^berhäupt Kenntnisse aus den ohi' 
gen Zweigen der Mathemcftik erwerben wollen. Von G- PUfinl' 
ler, Professor der Mathematik an der K, K. ForstlehriSsstalt 
in Mariabrunn hei fVien, Mit 1 Kyfr. und 6 lithographischen 
Tafeln. Wien i82t. kPl und 25S S. 8. Ü Thlr. 4 Gr. 

3. jinfangegTÜnde der Statik^ und Dynamik fester Körper ^ als 
JLehrbuch zum ersten Unterrichte für Baw und andere Schu- 
len, Wie auch zum Selhetunterrichti für angehende Architekten^ 
entworfen ven 'G.A. Fischer^ Profesior der Mathematik 
der' Königl. Säcf^s. Cadettencorps, 1. Th. Dresden 1822. H 

*-' kn4 a&8 S» B. mit 4 Kupfert0eln. 2 Thlr, 

. 4. tjehrhuch der Gesette des Gleichgewichts und der Bewegung 

i fester und flüssiger Körper von H, fV^t^ßrandes, an der 

. Universität in BresUn. t. Tä. XVI und 255 'S. 8. mit 5 l^tf, 

Leipz. 4617. 2. Th. XVI und S^o ^,8.' mit S Ktf. Ebend: 

*«I8. « rWr. 12 Cr. 

^Diefast in jä<ier IVtesse erscheinenden Hand- und Lehr- 
Bücher üLer 'einzelne Zweige der reinen und angewandten 
Älathematfk gewähren die erfreuliche Upberzeugung , dafs 
die«e so vbrjstiglich nötzlichen wissenschaftlichen Disciplinea 
l/iebbaber finden 9 und airinählig weiter und allgemeiner ver- 
breitet werden. Sogehören unter andern #, von Reo. minder 
Keachieten, Werken die vier genannten hlofs ^ür Mechanik, 
behandeln aber ihren Gegenstand auf so Verschiedene Weise, 
dafs sie recht gut neben einander bestehen und nützen kön- 
nen , wie eine kurze Darlegung der Form, und dl|| Inhalts cr- 
Mreisen wird. 

N. 1. hat eine durchaus practi^che Tendenz, ist sebr klar 
und populär geschrieben, mit Vermeidung einer son^t leicht 
einschleichenden trivialen Weitschweifigkeit. Die allgemei- 
ne mechanischen Gesetse werden angegeben .und «viautert. 



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LthrbUi^ d«r SUiik »ad Mechanik. 5ä9 

\ 
die danach construirten Maschinleh erwShnt und beschriebeit 
ohne Hülfe geooieti^i^cher Fofoieln und des Galcüls, indem 
man bloa dann ZaUen fiadet^ wenn diese zur Bezeichnung 
eines Maalses oder de« Effecte« eii^r. Maschine erforderlich 
ftindy wobei sich freilich die JLeaer ^ t.B. bei derBesümmung 
der Stärke des Wind^tofses S« l3Ll. auf die Autorität des Vf. 
ohn<| weiterei Brfifung. ▼erlassen müssen« "^Man bemerkt indefis 
bald', dafs dersisflbe die Sachen vebr. gut inne hat , und dafs 
die individuelle plasiei Darstellung absuchtlich gewählt ist,' um 
auch von Ijesörn^' welche der mathematischen Sprache und 
B«£eichnungsart unkuadig sind^ verstanden zu w^erden, wie 
dieses in der Vortedte misdrücklich gesagt ist« Nimmt man 
bineu^ dafs die wichtigsten und gangbarsten Maschinen sehr 
▼ollständig und kjar. beschrieben , 'zugleidi auch durch recht 
eigentlich elegante unil i|f rauhende Kupfer anschaulich gemacht 
sind, so läfst.ftidi nicht zweifeln y dais dieses VVerk tsben so 
▼ieleLeaer finden, als grofsen Nutzen stiften wird« Zum 
Beweise der Aufmerksamkeit Will Rec« eine nähere kurze An« 
gäbe des Inhalts mit «inigeii Bemerkungen von Kleinigkeiten 
verbinden |. welche bei einer neuen Aullage leicht verbessert 
werden kd^iinen. .gchwierige^i dürfte dieses bei. Taf« IV. seyn, 
worauf sich &g, 76. doppelt ifinvlät^ die eigent^licb« fig. 77« 
aber;fehlt. i . .1" • nt 

• Nach einer allgemeinen Fesllst^llung der ndtfaij^^ten Grund« 
begriffe handelt der erste Abschnitt von den bewegenden Krä& 
ten sm Allgemeinen ^ der zweite^von den. bewegenden Knäften 
i^sbesondcire 9 nadentlich voiv der Schwere und dem' Drucke 
der fe^ii Körper« der tropfbai^en Fifissigk^iten und derLufty 
Ton^ der Ausdehnsamkeit (Expansivkraft) der lüuft und Dämpfe« 
von der Klasticität« dem Sfeofsev der Muskelkraft ^undJ einigen 
Kräften, von 'besonderer' Anwendbarkeit« worunter ,die deß 
Schieispulvers 5 der. Wärme« der allgemeinen und der electri« 
sehen Anaiehnng gerechnet>wefdefli Der Vpllständigkeit wegen 
bätte auch die magnetische Anziehung erwähnt Werden kann en^ 
obwohl es nodhfraglicl^ ist, ob diese letztere mit gleichem fechte, 
idsidie Electricität in Zamlioni's 5äulein die Mechenitk gehört. Im 
Allgemeinen Uälst «ich gegen die- Behshdlungsart dieser Ge- 
genstände emwendeil ^ . dals schon hier' die dahin gehdrigeil 
Masöbitien beschrieben werden , weli^es indefs det Vf« mit 
der jiesiipr^Mtischen Tendenz des Werkes entschuldigen wird^ 
Im Kinzetnen ist Biec^folsendes aufgefallen^ S. 32, wird, das 
Gewicht eines Cub; F; Wassers t:::^ ^^n^ Pf d/ angenommen« 
Welche« wahrscbeinlidb 'fOr Wiener Maafs* gilt^ indem es 
•enst W ge«ing«^ #Miie« Damit ^idiereifnstima^end ist die S^i* 

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recbniing d^s tLoiftdrucket S. 78,',1 wo die Barometdfkdh^ sU 
28 Z. angegeben- ist^ gleichfalls in diesem Maafse, für den 
Uiittleren Stand in Wien; woraus aber 4iei der allgeßieinen 
Annahme von 28 Z. par. mittlerer Höhe im Niveau de< Mee» 
res leicht Miisverständnifs entstehen kann. Dals die Erschei- 
nungen des CirkriitÄfer Sees, wie die der intermittirehden 
Brunnen aus unterirdischen Hebern nach,S*.82. erklärlich seyn 
eilten, hat .Otto in seiner Hydrographie genügend widerlegt; 
Nicht gartz richtig ist es Wohl , dafs nach ;SJ 1 14. >vieU Wäg^n 
,xnit Dampfmasdiinenim Gebj^auche seyn sollen,' ihdeai' nach 
PartiHgtön vielleicht gar- keiner mehr existirt^* und .eben so 
ist sicher nie eine Dampfmaschine nach* Art des Segnerschen 
Wasserrades gebaut, di^ Kempe]<uisdie Spielerei abgerechnet 
Dagegen aber* wird das Mas terman'sdbe Had,: welches neuer- 
dings in München durch J; Baader in ziieaiUohi grofsemMaars* 
#tabe verbessert ausgeführt ist^ hier gar nicht erwähnt. 

Der dritte A-4)Schnitt hehandeltit die widerstehenden 
Kräfte; richtiger wohl die .Hindernisse !^ecrBew«gung, in^« 
dem namentlich die Reibung' wohl nicht i'aglich eine Kraft ge« 
nannt werden kann. Hier^wird von der Keibui^,, dem. Wi- 
derstands der. Mittel und den SteiHieit der S^ile. gehandelt« Zti 
bemecJcen ist, dafs der Qranitblock in Petersburg ni^tauf 
Walzen, sondern auf Kugeln in Rinnen bewegt wurde, lauch 
haben 'S,-l49'<i'bi3i' zu luaiide-dde 'seh werstei^i Fracht wäg^ ei- 
»erne Aken ^ welche die viel dickeren und', schwer beschlage- 
neiievv^cidaernen an Gev^ich.t nicht sehr ühertreffen. Yob tii- 
ner'R^ibunlg W;er Felgen * auf den StraXialen >kann nicht ei^ot^ 
lieh die llfede seyn , da esstere über letitefe weggewälz:t wer- 
den^ -Der Wiilei^stan()'t^itsteht hauptsächlich dadurch, dafs 
die Lrasteii auf die Erhähenheiteol d-dr Steige gehoben werden 
müsseit'y . wora-us der Vortheii de^ Eisenbahnen .hervorgeht. 
Der vierte lind. fünfter- Ab Schnitt iiandelt von den Maacbinen, 
deh einfachen und 2usamme»ge&etzten, dann vonxlen Mittel« 
theilen derseHyen, ^nämlich denen, welche eine Bewegung 
unter veränderter, ode»^ unveränderter Ki<bhtung. fortpflanzen 
tfnd dfesellsi« Teg.uUren* Sehr vollständig ist "hierin von::dfa 
meisten gangbaren und< pr^ctisch* brauchbaren Maschinen.ge* 
handelt, zugleich so kfer;) (dafs es auch. dem ungettjken I^eser 
verständlich seyn wird;. Indefs ist »die Zetcfanung 147- un« 
richtig, und da im'Text ^die:Sa)che kurz erläutert» üb«rrgens 
aber. alles auf die Zeichnung bezogen wird, so mufs sie den 
NichtkenT)er in einiee Verlegenheit setaen«. ) Nach Art der 
hier erwälvxten Baadersehen Wassersäule zur Fortpflanzung 
einet Bewegung auf w«U« (Strecken bat; «chra icübei Fapi« 

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V Xithrbtoh«? der Slatik imd MiMluimlu S4l 

die Zjuft iiL langen Rdhren empfohlen t und es i«t fraglich^ ob 
•ich hiervon nicht mit Vortheil Gehrauch mabhc^n lieise.. *■ 

Im sechsten Al)3chnitte wird das ^Wiclitigs(e über dio^^ 
Festigkeit der Materialien kurz beigebracht, und im sieben^ 
ten endlich aind .einige allgemeine Kegehi tür den Maschinen- 
baü^ z«B.'übeF WaU und Güte der iVJaterialien , über Mo- 
delle u« s. w» enthalten, ^ Als Anhang sind einige elementare 
Hauptsätze aus. der Arithmetik ^ -Geometrie und $terepinetria 
hinzugefügt), deren Darstellung an. Klarheit und Falslichkeit 
dem übrigen Werke nicht nachstellt. 

No. 2. ist so ziemlich nach dem. nämlichen Plane bearbei- 
tet, insofern eine practische Tendenz gleichfalls .vorherrscht, 
auch lälst sich gegen die Richtigkeit der Sachen und die Deut- 
lichkeit der Darstellung im Allgemeinen .nichts einwenden. 
Wenn auf der einen Seite die vorzüglichsten und gangbarsten 
Maschinen nicht so vollständig aufgeführt und die vielfachep 
Anwendungen der allgemeinen mechanischen Grundsätze nicht 
mit gleicher Ausführlichkeit dargelegt werden, ao findet man 
dagegen die Gesetze durch Formeln ausgedrückt und gröfsten^ 
theils. durch Rechnungen erwiesen. Aufserdem sind einige 
Theile, namentlich aus der Hydrostatik und Hydraulik hier 
ausiührlicber behandelt, z. B. das Messen Her Stromgeschwiiv 
digkeiten, das Holzscbwemmen u. dgl. m. £s läfst sich da- 
her ~der Werth dieses Ruches nicht verkennen,, und der 
Nutzen desselben um so weniger in Abrede stellen f als auch 
dieses mit genauen , die Sache sehr anschaulich machenden 
Figuren .versehen ist« Bei einer Vergleichung beider Werke 
steht aber.dieses letztere in ao fern. nach, als die allgemeinen 
mechanischen Gruncl^ll^ee weit' weniger klar und bestimmt 
ausgedrückt sind, so^dafs sich zwar an der Saclik enn tnifs des 
Verf. nicht zweifeln läiist, wie sich vorzüglich aus der deut- 
lichen und ausführlichen Beschreibung der verschiedensten, ^ 
auch flehen angewendeten MaschienenVrgiebt, däls aber den-* 
noch mitunter anscheinende Unrichtigkeiten aufstofsen. So 
wird z. B. d^r Ausdruck S. 6* auffallen, ,^Die B^iohltfunigung der 
Schwere beträgt, in und bei PVien 15,5 fVien, F. Die Demonstra- 
tion des bekannten Satze3, dafs c 2g S. 17. ff macht die 
Sache minder deutlich,- als die gebräuchliche, dafs die Ge- 
schwindigkeit, womit ein,Rdrper mit beschleunigter Bewe- 
gung in einer gegebenen Zeit- einen gegebenen Raum durch- 
läuft, die mittlere zwischen der aniänglichen langsameren 
und endlichen geschwinderen seyn mufs. VVarum in Bezie- 
hung auf Pendelschwingungen der Fall eines Körpers durch 
den Bogen^kürzer ist als durch dess^en Chorde'S. 41. hätte bil- 



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343 Lehrbüober der Statik ihi4 Meebandc. 

lig .Jb«wiesieii oder wenigstens der Grund darbii angedisutet 
werden sollen , da doch der Bogen länger ist als sein^e Sehne, 
und eben so wird di^ in dei? Anm. S. 43. blofs hingestellte Be- 
hauptung, daXs das Secundenpendel unter dem Aeij^uator arä 
kürasesten seyn mUtse , den Unkundigen £anz ulibefriedigt las- 
sen« Eben so steht 4. 36« : „Dafs die ^rdise und RiclUung 
der mittlern Kraft auch trigonometrisch bestimmt werden 
könne 9 erhellet von selbst.^ JR.ec. mdgte bemerken: für den 
Sachkenner allerdings 9 allein für diesen schrieb, der Verf» 
nicht. Der nach Be&hrung begierige Anfilnger aber wird die 
nicht so geradezu vor Augen liegende Auflösung schwerlich 
selbst finden» 

Dergleichen liefse sich noch einiges anführen 5 wenn es 
hier der Ort wäre, alle kleinen Verstofse namhaft zu machen, 
die der Verf. bei seinen übrigens gründlichen Kenntnissen 
leicht selbst finden und künftig verbessern wird. Eine nä- 
•here Inhaltsanzeige würde überflüssig seyn , indem der Titel 
angiebt, was man hier zu suchen berechtigt ist, und auch fin- 
den wird. Die Hinweisung auf eine specielle Bestimmung 
des Werks für Forstmänner ist übrigens kein blolser Aus- 
hängeschild; vielmehr findet mfin eine Menge Gegenstände, 
welc|ie sonst in den Handbüchern der Mechanik- nicht aufge- 
nommen zu werden pfiegen» namentlich die Beschreibungen 
der Maschinen zum Ausreissen der Baumstämme von Romers- 
hausen und Riefelsen I beide leicht aufzufindende Anwendun- 
gen bekannter mechanischer Hülfsmittel. Dafs man die letz- 
tere auch aufser Wäldern nicht in Anwendung gebracht habe, 
darüber scheint sich der Verf. mit Recht nicnt im Ernst zu 
wundern ; denn das Ausroden eines Stumpfes auf gewohnte 
Weise kostet kaum so viel sls Transport f Aufstellung und 
.Schmiere der Maschine, alles übrige nicht zu rechnen, ferner 
findet man hier die Sägemühlen , Holzriesen und die Vorrich- 
tungen zum Schwemmen des Holzes vollständig beschrieben, 
desgleichen eine Berechnung der Kraft, welche der Wind bei 
gegebener Geschwindigkeit gegen Bäume ausübt 9 woraus die 
Verheerungen durch Stürme leicht Erklärlich werden. Wir 
können daher auch dieses Werk mit voller Ueberzeugung fär 
seinen Zweck als vorzüglich brauchbar empfehlen. 

Das Werk No. ä. obgleich ^benfalls^ für die practische 
Anwendung bestimmt | unterscheidet sich der Form nach we- 
sentlich von den beiden vorhergehenden, indem stets die 
streng mathematische Methode befolgt ist. Es werden da- 
her gleich anfangs die allgemeinen mechanischen Hauptsätze 
kurz aufgestellt, dann folgen von S. 5. an die Untersuchun- 



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Xtlirhiich^r der Statik «ad Meohaiiik« 343 

gen Aber einfacfafe und zusamm^ngesetete Kräfte, flbeV den 
mathematischen .Hebel , die Lage des Schwerpunktes/ und 
demnächst die einfachen * und zusammengesetzten Maschinen 
für den Zustand des Gleichgewichts ^ im ersten , der Statik 
fester Körper geewidmeten , A hschnitte«. Gehörigen Orts sind 
die Bestimmungen deir Festigkeit und des spec. Gew. der fe- 
sten Körper, des Heibungscoefficienten und des aus der Steif- 
heit der Seile entstehenden Hindernisses der Bewegung mit- 
getfaeilt, um auf dieses bei den folgenden Berechnungen stets 
Kttcksicht zu nehmen.' Jeder Satz Virird als Lehrsatz aufge« 
stellt , und dei Beweis vollständig mi% Hülfe der elementaren 
Geometrie beigefügt; zugleich aber sind jederzeit ein oder 
mehrere practische Beispiele mitgetheilt und gleichfalls voll« 
ständig gerechnet , damit die Art der Behandlung solcher Ge« 
genstände deutlich erkannt werde. Aufserdem aber folgen bei 
den mehr zusammengesetzten Gegenständen für jeden Fall 
noch eine Aufgabe, wovon blofs das Resultat der Rechnung 
mitgetheilt wird, damit der Anfänger sich hieran üben möge. 
Alles dieses wird jeder sehr zweckmässig Enden ^ weniger da- 
gegen die Fragen, welche über die einzelne^ Sätze noch hin- 
zugefügt ^ind , indem ein jeder, welcher die ^Demonstration 
. verstandt;n hat, sie eben so leicht selbst aufwerfen als -beant- 
worten kann* Det zweite Abschnitt enthält dieDynamik fe« 
ster Körper y oder Mechanik in engerer Beziehung, und ist 
auf gleiche Weise behandelt. Weil indefs das Verhältnifs 
der Schwingtingszeiten und der Längen der Pendel nicht an-» 
ders als durch die höhere Analysis bequem gefunden werden 
kann, so ist die Formel hierzu S. 2^1>. ohne Beweis aus Ey- 
telweins Handbuche entlehnt, und dann sind die erforderli- 
chen Anwendungen hinzugefügt. Der Einflufs der geogra- 
fhischen Breite auf dir Fendellängen hätte füglich wegbleiben 
önnen^ da derselbe unbedeutend,' hier aber weder erläutert 
noch bewiesen ist, und aulserdem die Correction wegen dep 
Erhebung über der M^eresfläche und des Widerstandes der 
Luft fehlt, und hier auch nicht wohl beigebracht wetden 
konnte. Als Anhang sind zur Erläuterling der Wurfbewe- 
gungen noch die Eigenschaften der apollonischen Far^abel hiu- 
z^igeftlgt, . 

Der zweite Theil, welcher den Ankündigungen zuF^lge 
schon erschienen seyn soll, ist Rec. noch nicht zugekommen, 
und da die Bearbeitung der darin enthaltenen Lehr^^n der Hy- 
drostatik, Hydraulik, Aerometrje u. s. w, ohne Zweifel mit 
der im ersten Theile gewählten übereinstimmt; so scheint es 



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344 Lehrbücher det Statik und Meehatxik. ^ 

un$ besser, die Anzeige des ersten Bandes , und ^der andern 
Werke niclit länger zu verzögern. 

Das unter W 4. benanhte Werk hätte hillig schon früher 
ausfüdrlich angezeigt werden sollen, allein es ist dieses durch 
verschiedene zufällige Umstände versäumt. Gegenwärtig, 
da über dasselbe bereits anderwärts geurtheilt ist, und es 
«ich wahrscheinlich in den Händen aller derer befindet, wel- 
che sich für ein ernsteres Studium der Statik, und Mechanik 
interessiren , käme eine ausführliche Beurtheilung iiuf allen 
Fall zu spät, und es wird daher hier neben deri drei übrigen 
blofs deswegen mit aufgeführt, um den Schein zu vermeiden, 
als hätte Rec, gerade dieses übersehen , oder sey es der Be- 
achtung minder werth, als die übrigen. ^Zugleich mag es 
auch deswegen zuletzt genannt werden , weil es zwar sehr 
deutlich geschrieben ist, auch alle Aulgaben vollständig ge- 
rechnet und nicht etwa blofs die Formeln ohne weiteren Be- 
weis enthält, daneben aber sich in so fern -von den drei vor- , 
her angezeigten unterscheidet, dals derjenige, welcher das- - 
selbe ganz verstehen will, nicht blofs einige Fertigkeit in der 
elementaren Mathematik, sondern zugleich auch einige Ge- | 
wandtheit im höhern Calcül besit-zen i^ufs. Der Verf. hat ' 
nämlich die Methode gewählt, in nicht el^n kurzen Anmer- \ 
klingen auch den GeüEteren zu zeigen, wie man mit Hülfe ^ 
der höheren Geometrie einige Aufgaben allein, andere, aber j 
-weit kürzer, bestimmter und eleganter aufzulösen im Stande ' 
ist , als vermittelst der elementaren. ^ £inigen hat es besser j 
geschienen, dieseri letzteren Weg allein zu wäKlen; allein 
Kec. glaubt, dafs sich dieSache sehr wohl vertheidigen lasse. 
Es gieht nämlich eine grofseZahl solcher, welchen die Kennt- 
xiifs der Statik und Mechanik uneiitbekrlich ist, die sich aber 
init der höheren Mathematik einmal nicht befassen wollen oder 
können; diese finden hier das Ganze so vollständig, als es 
auf diesem Wege vorgetragen werden kann, und sie mögen 
die Anmerkungen immerhin überschlagen. Eine nicht geringe 
Zahl derjenigen aber, welche es so weit gebracht haben, 
um das Werk überhaupt verstehen zu können, wird zu den 
schwereren Rechnungen hingezogen, lernt beide Arten der 
Behandlung kennen und mit einander vergleichen. 

Rücksiditlich des Inhaltes hat das Werk einen hohen 
Grad der yollständigkeit, und wird demjenigen, welcher über 
irgend ein daliin gehöriges Problem Belehrung sucht, nicht 
leicht unbefriedigt lassen. Die Maschinenlehre sel«i6t hat der 
Yerf, nicht mit aufgenommen ^ indefs wird häufig, und selbst 
da , wo man es weniger zu erwarten berechtigt isty die prao 



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^ Ampere und Plaff über Electromagnelifmuf^ S45 

tische Aniirendung der theeretischen LehrtStze gezeigt; z. B. 
Th. 1. Abscbn, l3, welcher Anwendungen der Statik auf ei- 
nige beim Bauen vorkoqwpende Hplzverhindungen ejithält» 
Statt einer Inhal tsan zeige, welche entwedel- mangelhaft oder 
für unsere Zeitschrift zu weitläuftig werden würde , begnügt 
^Icb Rec. damit, alje diejenigen ,' denen es um ein gründliches 
Studium der Statik und ]VIe(%<^nik zu thun ist, auf das sehr 
reichhaltige und vorzügliche Werk aufmerksam zu machen» 



ii Darstellung der neuen Entdeckungen üher die Electricität und 
den Magnetismus 9on Otrstedt y Arago , Am-pere , H. Davy^ 
Biot 9 Erman , Schweigger , de ta Rive' u. s. iD, durch Am" 
pePe und Babinet* a. d. fr. Leipz^ i822« 118 S, S. mii 
2 Kptf. 16 Gr. 

2« Der Electro - Magnetismus , eine^ historisch - kritische DarHeltung 
der bisherigen Entdeckungen auf dem Gebiete desselben , nebst 
eigenthümlichen Versuchen von Dr, C, H. P/aff ii, /* lo, ' 
Hamb. 1824. mit 8 Abbild, VIII und 288. S. % iThlr ^20 Gr. 

Schon seit geraumer Zeit hatte Rec. zu wi ed er hol tjen Ma- 
len die Absicht, die erste der beiden^ genannten Schriften an* 
zu zeigen, indem wir es für unsere FÜicht halten, kein Werk 
aus der physicalischen Literatur von einiger Bedeutung unbe- 
achtet, zu lassen, wenn es uns anders bekannt wird.' Zufällige 
Hindernisse verzögerten dieses, bis eine Anzeige zu spät 
schien. Diese ^Irklärung mag zur Entschuldigung dienen, 
dafs bisher diese Sclirift nicht angezeigt wurde, deren Haupt* 
tendenz zwar dahingeht,, die Th^rie des H. Ampere, wor- 
auf er die gesammten oft eben so rlthselhaften als höchst in« 
teressanten Erscheinungen des Electromagnetismus zurückzu- 
führen sucht^ nebst den Veirsuchen zur Begründung derselben 
vorzugsweise 4ielvorzuheben, welche nebenher aber die Be- 
mühungen anderer Gelehrten keineswegs verkennt, und durch 
Zusamraenstellimg der vielen , Jji den Zeitschriften zerstreu- 
ten, Thatsachen eine leichtere üeberslcht des Beachtenswer- 
then in dieser physicalischen Disciplin gewahrt. 

In einem weit günstigeren Zeitpunkte erschien indefs 
die zweite Schrift, nämlich am Schlüsse .des vergangenen 
Jahfe«, als die äl]«eitig so unermüdet eiirig arbeitenden Fhf- 



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346 Amp^r« fiod Ffaff Über EleetToxuagnetismafl. 

j . , 

ciker in ihren Versuchen und Mutfamafsungen gleichsam einen 
Stillstand machten , um mit mehr Mulse, und man darf wohl 
sagen, mit ruhigerer Fassung, die zahlreichl?n Thatsacben zu 
durchdenken;, wie auch der, den Gang der wissenschaftlichen 
Forschung scharfsichtig üherblickende Gilbert sehr richtig be» 
merkt hat. Schon ^ind die Erscheinungen des Thermomagne- 
tismu^ in so weit vollständig bekannt, dafs man iHcht hoffen 
darf, durch ein^ naheliegende Combinatioh derselben unerwar« 
tet i)ald den Schlüssel zur Erklärung des Electromagnetismus 
2uiinden, und so' ist also eine Zusammenstellung der über 
diesen letzteren bekannten Thatsacben und Hypothesen aller« 
dings eben so zeitgemäfs als verdienstlich. Eine nützliche 
Arbeit würde selbst die gewesen seyn, wenn jemand blofs 
dasjenige^, was in den reichhaltigen Annalen der Physik von 
Gilbert iiber diesen Gegenstand enthalten ist, in einer bündi- 
gen Uebersicht hätte zusammenstellen wollen; besser aber 
ist es allerdings auch^ die übrigen Quellen berücksichtigt zu 
.b^ben. Alles ,• was Rec. über diesen Gegenstand bisher ken- 
nen lernte, hat der Ver£ benutzt, mit Ausnahme einer klei- 
nen Schrift des IJ. P, Burdach, betitelt: Berichts von d, K, 
anat^ Anstalt zu Königsberg. Mit Ansichten des Electromagnetis- 
inus. Leipz, ii^2 2 i welche Aec, gelegentlich in seinen Abhand- 
lungen erwähnt hat; 

Eine Hauptfrage ist aber allerdings diese, wie die Zusam- 
menstellung vom Verf. gemacht ist. In dieser Hinsicht glaubt 
Rec. Seinen vollen Beifall äuXsern zu müssen, ein Urtbeil, 
welches sich hei dieser Schrift leicht durch einige allgemeine 
Andeutungen rechtfertigen läfst, ohne den Inhalt einzeln an- 
zugeben, was ohnehin liei einem so heuen Gegenstände ganz 
überflüssig seyn würde. Sehr interessant ist namentlich die 
gleich im Anfange gegebene Uebersicht des eigentlichen Be- 
standes der einzelnen Disciplinen der Electricität und des 
Magnetismus nebst ihriAn gegenseitigen Verhältnisse vor 
Oerstedt's überraschender Entdeckung , und die hierauf 
gegrünaete klare Zusammenstellung dessen, vvas alle Physiker 
erwarten durften , mit dem , was wirklich gefunden wurde, 
Öerstedt's Verdienst bleibt immer ungeschmälert , wenn es 
auch noch so evident ist, dafs er aus den vorhandenen Prä- 
missen seine Entdeckung nicht folgern konnte. Liefse- sich 
die Vergleichung machen, so könnte man anführen, dafs ja 
eben das von Columbus entdeckt^^ Land diesem den Weg zu 
demjenigen versperrte, was er i^ach so richtigen Combinatio- 
nen suchte. Mit Vergnügen folgt man dem Verf. dann wei- 
ter bei dem gegebenen Ueberblicke der unglaublich zafalrei* 

•JigitizfedbyCjOOQlC 



€h<iElR0mflbvt%en; womit £i«t alh Physiker vom Fack und 
zablr^icbQ Dikttanten « letsKtere mitimter hdchtt scharfftinnigt 
4en glänzenden Fun4 sich zif eigneit«n , und die neuen Phäno- 
mene mit bekannten Tbataachen xa v<^r einigen bemüht . wa* 
ren. Abßolut.VlijlUtä^dig hat der Ver£ in dieser Hinsicht 
ohneZy^eifd ni^^ht seyn wollen^ abt^rdea Wichtigen ist nichts 
übersehen» Dabei wird es bei künftigen Fors'cbungen in der 
Geschichte der Naturlehre angenehm seyn zu bemerSen., dafs 
sich auch nicht ein Arbeiter von Bedeutung in ein luftiges 
Spiel mit dunklen und unverständlichen Worten von verhör- 

Senen Kräften und Thätigkeiten verirrt hat , sondern dafs alle 
ie Sache selbst rein und nach klarer Anschauung zu erfor- 
schen bemüht waren. 

Bei der grofsen ^Vollständigkeit ^ womit alle bedeutenden 
Momente dieser neuen physicaiisehen Disciplin zusammenge- 
stellt sind, glaubt Rec, inzwischen dennoch, dafs eine hauptsäch^ 
liche^durcheben so unleugbare als entscheidendeXhatsachengenO- 
gend begründete ModÜioation dieser neuen Erscheinungen nicht 
völlig genügend gewürdigt ist, welche übrigens bei der gang- 
barsten undvon den meisten angenommeneaTheorie einer Um« 
kreisMng des Magnetismus (oder.der Electricität^ um.den electri- 
sclien Leitungsdraht gar sehr in Betrachtung kommt, nämlich 
die Weite, bis aufweiche die Wirkung des electromagnetischen 
Ltfitungsdrathes sieb erstreckt« iSwar wird erwännt, dafs 
bei starken. £le et romoto ren noch eine Bewegung der Nadel 
bis auf seAn Fufs ^ welches also einen Cylindtfr von zwanzig 
Fufs Durchmesser voraussetzt, beobachtet s^y. Weil dieser 
Versuch aber keine so bestimmte Grofsen zu einer Rechnung 
liefert;- so hätte wohl auch des verewigten Bdckmanns schon 
früh aufgestellter Versuch^ wonach .Stahlnadeln in «inem mit 
Drath umwundenen Gestelle auf söwei Fufs Entfernung durch 
.einen einzigen Flascheiiscblag stark polarisch wurden , eine 
Erwähnung verdient, liec. hat das Nämliche bei 1 F, Ent-. 
fernung und 160. F. Orathlänge schon sehr häufig beobachtet, 
^ber die durch Bock mann und v« Al^aufs erhaltenen KesuU 
täte sind viel auffallender» Hiernach durchlief der Flaschen- 
Schlag 750 F; Drath, und machte die Stahlnadel in einem Ab- 
stände von zwei Fufs polarisch. ^ Für dieses unleugbare, kei« 
ner Täuschung möglicheriVeise unterliegende, Factum finden 
nach der Theorie der Umkreisiing nur zwei Erklärungen 
statt, nämlich, dafs wähtend des Durchlaufens der Electricität 
entweder zwei'^raagnetische Cylinder, einer von -^ M und 
der «mdere von — iVI. 7öO F. lang und 4, F. im Durchmesser 



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t48 Atnp^ro lud FMFtibcv £laotroiii»gn«tuino0. . 

in entgegengesetster Richtung dieii lelt^ihden Drath umkrei« 
4eii, oder dals l^eide in einer Art vßn $ühraube«iwiildung vom 
Anfange Lis zum £hde < de* Drahtes diese Umkreisung erUi- 
den. Der letzteren Hypothese steht schon die ^ ungeheure, 
hierzu erforderliche Geschwindigkeit entgeg^il. Wollte man 
liämlich die Dicke eines solchen ach rau bengang es , ffir die in 
jedem Funkte stattfindenden Wirkungen apf die feinen Mag- 
netnadeln ^ mdgli^hst grofs gerechnet| zu 0|25Lin. annehmen^ 
so müfsten die äufsersteh Theile ein«t Geschwindigkeit von- 
6000 geogr. Meilen in einer Secunde erhalten , wenn wir die 
b^kanntli^ unmeÜsbar kurie Zeit«^ während welcher der 
electr, Funken^ den Draht durchläuft, zu 0)50 See und en an- 
nehmen. Ob der Strom der galvanischen Electricität sich mit* 
gleicher Geschwindigkeit in den JLeitungsdrSthen boi^egt, ist 
-noch "nicht ausgemuchtf Wäre dieses, aber der FIkll, und 
dürfte, man nach dem oben erwähnten Versuche die Wirkungs- 
sphäre auf io F. Radius setzen; so käme gar eine Geschwin« 
digkeit von 25000 geogr. Meilen heraus , und wollte man die 
(Geschwindigkeit des Durchganges der Electricit^t doppelt so 

frois annehmen^ w^ozu die bis jetzt bekannten Vet*sticlie aller* 
ings vollkommen bereditigen ;' so käme man über die Ge- 
schwindigkeit des Lichtes hinaus/ Hec. gesteht gern zu, dab 
einfe solche /Geschwindigkeit, auch' wenn das ErfoTdernift 
derselben stringent erwiesen wäre,: die Hypothese von einer 
Umkreisung nicht absolut uoizustofsen vermdgte, indem Biot 
•ehr richtig bemerkt , dafs die Grenzen der Geschwindigkeit 
und Langsamkeit der Bewegung, ^eben wie der Grdfse und 
Kleinheit der Körper .und Räume in der Natur, noch keines- 
«wegs bestimmt sind; allein da diese Theorie auch selbst nach 
der klaren Darstellung des Yerfw die eine oder die andere der 
g^enannten Bewegungen nothw^ndig 'fordert; so mag es im-^ 
inerhin an d^s Rec. individueller Vorstellungsart liegen, wenn 
er bis jetzt noch keine derselben sich deutlich zu denken ver- 
mogte^ wünecht aber deshalb sehr, dafs Bockmailn's in dieser 
Hinsicht so wichtiger Versuch bei der Menge der vorliegen« 
den Thatsachen nicht übersehen werden indge. 

Ein vorzüglicher Theil der überhaCipt so schätzbaren Ar- 
beit ist. eine zuletzl gegebene Nebeneinanderstellung der ver- 
schiedenen, bisher zur Erklärung der Phänomene aufgestell- 
ten Theorieen, nebst den wichtigsten Argumenten für und 
wider dieselben, wodurch insbesondere demjenigen, welcher 
die ganze Sache zu studiren anfängt, ein leitender Faden in 
.den Irrwegen, dieses labyrinthischen Zaubergebildes gegeben 
wird« Einen Auszug hieraus können wir eben so wenig mit- 



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Ami^ibr» «ii4 Pf«ff f^ktt Sk^troaagottisiii««. 349 

theilen^ «U einen Bericht fiber die zahlreichen Vertuche Ae$ 
Verf 9 lim 5o mehr als für jeden, welcher eine genauere. Kennt* 
nifs der $ache vetrlangt^ die ganse .Schrift unentbehrlich ist; 
noch-weniger aber darf Rec. sich 9u£ eine Critik der einen 
od^r .4er andern dieser^Tbeorieen einlass^en , ohne partheiisch 
zu scheinen 9 da er einmal Parthei ergriffen bat^ und als solche 
au-ch' a^igefQbf tt ist;. , Dagegen wir(^,aber das offene Bekannt* 
niis auch hier;«ifh^^ ^m unrechten Orte stehen ^ dafs die vier 
gleictinamig.gegei^übecstehenden, folglich mit -4^^« und -^ 
i\I.wecb sei fiden polaren Linieii das Umlaufen, d^r Spitze ei« 
ner Magnetnadel nothwendig nach einer Seite^ nebst aljen hier« ' 
n^^. zu^ammenhängjenden FhdnomeiieTi keineswegs erklären. 
Q^eg|ei;i folgen :.sie allerdings aus vier combinirten polaren. 
Linien f .allein eben so gut au& sechs ,, acht und überhaupt aua 
2 n solcher CO mbiiyirter. Linien» . upd. so lange dahef der 
Werth von n nicht genau ausgemittelt ist» welcl^s: B,ec, n^ch-* 
•tens aufs NfsujB ,a^i| versuchen sicV yorgenommi^n. hat » g^ht 
die ganze I()e^., nicht ruber das^ rein Hypothetische hinaus« 
Wäre n Unendlieh, ao^ .wQrde ^iesej auf die durch Seebeck 
und Fohl vertheidigte Circularpolaritäthinauskommen. Allein 
eine unendKch,e Mei]^ge von Linien (oder. Funkten) um den 
Leitungsdraht hebt den Begriff, yon Rechts und Links auf, 
weil dieser einen Aaum.yoraussetzt, die unendlich dünne Linie 
aber (diegeQmetFische).kieinen Haum einnimmt. Die eigenthüm^ 
liehe Wirkung comhiMii^ter ungleichnapigerFole auf di«fJVIagnet- 
ijadel aber, woduroh.Rec. anfapgs .übexrascht ,wurde,,^kann wohl 
nicht füglicb ^Is fi\n neues Gesetz aufgtiührt wß^Aex^^ so sehr 
auch die Erscheinungen mit denen durch den electromagileti- 
acben Leiter sich. zeig.enden ■zusamm^allen, noch viel vf eni- 
ger aber kann sj[,e, wozu der' Verf. fast geneigt, scheint, in 
Zweifel gezogen Wierdjen, da ^e^. in seiner folgenden Ab-^ 
bandlung in d^n^Anni|len der Fhy>ik gezeigt hat^ dafs und in 
wiefern^ sie .^u^.jdem. noch ni/cht bestrittenen Coulomhscben 
Gesetze der magnetiscivei? Anziehung nothwenrjig folgt. Das^ 
Kesultat der Darstdlung des Verf. ist ühngens, dafs pis jetzt 
noch die y^rtheidiger. der verschiedenen Theorieen gegenüber 
stehe^y ohrfevdftfs einher dieser letzteren ein ent^cliieder^es Ue- 
bergewicht zugestanden >^ird9 und es sicji daher erst künftig 
ergeben inufo, ob, dieser Zustand der.ungewifshe.it., wie bei 
4en zwei Theorieen über da» Wesen der Electricität , fort- 
dauern,, oder ob eine der. bestehenden ^ yro nicht g^r ein «^ 
ganz, neue als filein gültig sich legitiniiceQ Iverdo. > 



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)50 UMaädi «wruiiiite* 



tiudcoid tPilimäi d^ eonstkuendm re^ jmblica^ Carmirui, Latinitati et 
metrü Horatianh peitkä yenusinae Mmsaä amatoribus offen od* 
jecto textu oerna^ulo Oustavks Schwab* 4. Stutgmrdiae in U* 
hrana Cottae. MDCQGXJlh S6 Xr. 



* Wir dürfen '^obl •vbrÄiissetz6ii , ' da& abct aufserhalb 
Würtemberg die im Jahre f8l7 Tabingerr Bei'Fues herausge* 
kommetien jyYateiflSndischen- Gedichte*« vöh Ludw^ig Uhland 
a ich >erbr ei tdt haben, und nxjt verdienter Theilnahme gelesen 
Worden seyen. ^ • * « 

Von diesen nun aind die vorliegenden Carmina d$ eonih- 
tkenda ri -publica eine aöhr gelungene U^bersetsung ^ die Wi? 
dem Freunde Lj CJhlands , Hrn. Prof. Schwab in Stuttgart 
verdanken. £s finden »ich ^abei amScUusse drei Gedichte, 
die erst nach der Erscheinung der obeil^lrdhhteri Uhlandschen 
Sämoilung gedichtet sind, gicb aber ihren^ Irifaalt nach ganz an 
die „Vaterländischen Gedlchtfe*^' anschli^seii ^ uhd mit diesen 
in der neuen Ausgabe von li.UhlandsGiediditeil stehen. Diese 
3 sind:"- • •/ . ..' • ■' - - - •V;^ ' •• '•'*'' 

i) XH; MBeum O. iH Gebtet eines Würtekiibetgers. 

2) Xin. Lauäatio. Näthrtif urid * , ' ^ ' 

3) XiV. Pfologus Erneiti Suevi , tiei* „Pf olbg vor Auffi^h- 
rung des Herzog Ernst am Värfessungsfedte«« (it^. Oct, l8l9J 

Letzteres , deutsch' in fünffüßigen' fieinfreien Jamben, ist 
lateinisch int dem Römischen Tfagödieninetrüm Von sechsfCifsi« 
gen Jamben gegeben , während fast ieille übrigen Gedichte^m 
der Uebersetzung die mannigfaltigen Odenmetra haben. 

Der üebersötzer , mit des Dichters Sinn und Geist und 
Darstelhing; vertraut und verwandt, beweifttr ssugleich eine 
ifusgezeichnete Bekanntschaft kiiit der Hotasi^cheil' IVIusey und 
dieX<eichttgbeit, Natur uifid Anmuth, die uns in seinen eige- 
nen Gedichten anzieht, finden' wir aufeh' iif' €ieser Ueber- 
setzung , bei der nicht wenige und nicbt geringe Schwierig' 
keiten zu überwinden Wären ^ wenn sie s6 irdmisch und doch 
so treu ausfallen sollte, wie aie vor uns liest, -^-^ Gelungen 
nennen wir diese Uebertragting mit Recht darltmy weil sich 
in ihr durchaus das^ findet ^ Dvas 'gefordert werden mufft, nem- 
Hch aiif ddr einen 3eite ein Vergessen deutschet* Art und Kunst, 
und auf der andern doch zugleich ein Festhalte an den Ideen, 
ja sogar, wo es möglich war, an den Worten, so dafs ft«^ 
Zeile für Zeile dem Original Srhnlich ist. Zum Beleg hieft^ 
diene sogleich dar Anfang des ersten Gedichts^: 



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Uhkndi oatmiiiab 35f 

Die ScUacbt der Vdlier Ward getchlageiif 
Der Fremde wich von deutscher Flur, 
Doch die befr eisten Lande tragen 
Noch manches vor'gen Dranges Spur, 
Conjunc^s prbis prqelui^ miscuUf 
Germana tellus -profulit exteros, . 
S0d.wumskiin terra foluta 
Servitii nota multa priseL 
Unter die grdisten SchVierigkeiten sind su rechnen di^ 
Strophen S. lö. : 4 

]VIeint ihr, dafs in den heifsen Gluten 
-Die Zeit, ein Fhönisc, »ich ^rnei^t, 
Nur um die Eier auszubrüten, . . 

Die ihr geschäftig nnterstreut? ' 

Ergo vos calidis integra ab ignihnSf 
Phoenix qüalis avis , temjiofa sttitgere^ 
üt -porxQ fo9eant suppgß,ita^rtH(is 
Vestris ooa , putabitU ? •, . . < 
und noch mehr das Lplium VU* ; 

Schwindelhab^r , Dippelhaber . etq« . , . 
Eine nicht geldlste, aber :auch^ nicht wohl, su lösen dif 
Schwierigkeit ist S. 19.: , 

Ihr Fürstenräth und Hofmarschälle 
Mit trübem Stern. auf kalter Brust etc« 
Regni a consiliis deniqus vos , quibus 
jiurum dorda tegit frigida pallidum ett^ 
Wo die y^Hofiharschlille*« gariiicht übersetzt »ind; •XMlt regni 
a consiliis machte regt 9u. setaen seyn, ' ' 

Stellen y die wirklich nicht getreu gegeben sind, wie 

S.6. •. ^ .• • .' • V : 

Das Recht ^ das mächtig Stenren. schreibt^ 
Und wohl zu rechnen weils ^ 
huentaht ^modUe qua6 veqtigatia 9wi^ 

$ evra tfuaestoirem prvm'unt -— • « .' 

eben SO «uch S9lche9 die eirien Fleonasmus enthalten , wiei* 
S.7. 

Däs uns allein duFch Liebe fest, /: 

Am Mutterboden hält,' ' 
Qua9 patrh fietate solo nos tndca figmti 
Duleiqju^ amot0 eontinentj 
sind selten. Wenn nicht die angeführten di«' etuksigen aind^ 
die dieser Vorwurf tri£Ft. ■ - 

Mehf^ als das deutsche Gedicht sagt die Uebersetiung der 
Stelle S. 34. • - 



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359 Braun, der angehendt Fönten 

Daf«' Weisheit nicht das Recht begraben^ 
Noch Wohlfahrt es erst^tzen mag 

Jus cedere ipsi non sapientiae aut 

Salute conJi posse p re c aria 
die prekäre^ Wohlfahrt hatte der Dichter allerdirrgs gewifs im 
Sinn/ ' 

Unter die gelungensten rechnen wir No. X. und III.; in 
welch letzerin dem für die Uebertragung so schwierigen 
Vers: . . ' 

Und sind nicht deine Frauen 

So häuslich, fromm und treu? 

Erblüh tindeinenGauen 

Nicht W einsberg ewig neu? 
die glückliche Wendung gegeben ist; 

Foeminae quaiüa pietate lueentp 

^ua domus cura , ßdehd laude / 

Ferre trafis hostes hunieAs maritös 
^ üsque parata&l 

Aufser dem Werth, den die üeb ersetz ung an sieb hat, kommt 
ihr zugleich der zu, dafs iäfe jyngen- Studirenden als Muster 
dienen kann ,> we^n sie sich in Horazisc&en Versmafsen ver- 
suchen wollen. 



Der angehende Förster und Jäger , . oder Beantwovtung der Fragen 

des Kön^l, Preujs, Staatsrathee Herrt% Georg. Ludwig Har» 

tig aber das Forst' und Jitgdioesen^ Ein nützliches Händbuch 

.^ für Forste und Jagd r Candidäten f auch alle Liebhaber dieser 

Wissenschaft. Von Georg Braun. Ulm in der Stettinschen 

' Buchhandlimg I82i. 446^. in S^ • %Fl.doK\ 

Vorliegende Schrift stammt, wie Kef» ganz zuversicht- 
lich weifs, von einem sehr, schätzbaren Dil4;ttantenab, der 
seine vielen- aeschäftsfreien Stand-en, die- ihm glückliebe 
Frivatverhältnisse zu Gebot stellen, zufällig einmal dazu be- 
nutzte, um die sog. Hartig'sqhen lllxaminatiönsfcagesi schrift- 
lich zu beantwocten. Sein Manusccipt, was er — wie seine 
reiche Büchersammlui)g Üherbfiupt — so willfährig Jedem gern 
mittheilte, kam unter Andern *auch;^n einen jungen Mann, 
der nun eind Abschrift nahm, und diese der bezeichnete 
Buchhandlung zuni^ Verlag übergab, ohne dafs der wahre Vc 
fasser davon unttfrrichtist war. 

(Besehlu/s folgt.} 



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N. 23. 1824 

Heidelberger 

Jahrbücher der Literatur^ 

mmmmmammmmmämmmmmmmmmmammiimm 
Brjitjn, der angehende Pörister; ' 

(^Bescfilu/s.y 

Dies ist die Entstehung jener Schrift ^ ^ deren Inhctlt 'sldt 
daraus beurtheilen läXst, adfs die Hai'tlg'schen Fragen $eibt 
vollständig im Spinne der I^ehrbüchfer ein^Borkhausen^ Cotta^ 
Laurop, Becl^stetn^ *-^ besonders aber eln^s Burgsr^orf und. 
Hartig beantwortet 5 aufserdem aber in dem Abschnitte ro« 
der Jagd, auch gar manche neue und beachtenswert he £^rf^4i« 
Tungen aufgenommen sind, Dafs dieses'ünter einend erdich« ^ 
teten Namen und ohne Absicht des Verfas^r» erschienene Werk* 
chen allen denenj die nur studiren ^ um dereinst leben ztf 
kennen, und während dem Studireti ^ifch ^nut atUein auf dst« 
hevorstehenrfe Examen vorbereiten^ * sehr willkominen v^al*^ 
iiefs sich leicht voraussehen; dafs dadurcb aber, und di^^dh 
Abfassung von besondern Examinationsfragen die Winsen* 
Schaft., das Studium und die Prüfungen gewinnen wetievi^ 
das wiH Kef, gerade nkht behaupten, ^ - »» 



Ric^rphß ^ul Temjnio di Seräpida ht PozzüoH iet CdHöraeo Jjlä.Anf 
,,drta de Jorioi Upetior generale- della istruaione jfuhhlißAy '^^ 
sopiQ bnorario dell Aeademia di helle attU . . Napoti nelUt 
stapiperia della <§ocie^h Filomaäca i920s 69 S* 4. ,iriüt drei 
Kupfer tafeln >, (B^san^erBr Abdruck. ßHs den McfnumenU in0^ 
^i^ip Neapel i» demselben Jßhr.y ^ .. " « 

Der CanoniQus de jforio < als gelehrte^ A\tistt%mi^£QtM 

Bchßt riüinalichst bekannt (durch mehröte iSchriften (wi? z* Ö, 

überdieReliefs.in einein Grabe zu Cuniae^ über die Art, wia 

die Alten die Thpiigefäfse ^emahlt, durch-»ein«n Fühteryoii 

XVII. Jahrg. 4* Heft-. ' ' ^3 

, * • • '" JigitizedbyVjOOQlC 



daff der Tempil wabrscheinlich tiach -Yiinivi yor»elirifc in 
dei9 Emiporium der Stadt gestanden habe, i)er,{lh'rt (p. 2^» H[») 
er die Sitte der Aegypter, die Serapeen- auTserkalb der Städte 
ZH verlegen. Hiexaus hat WyttenLaoh in den Anmerkungen 
sii!iir Eunapius (p. 147 — 150. ed. Boissonade) ein für das rich- 
tige Verstäpdniis vieler Stellen der. Alten sehr fruchtbares Er* 
gehnifs .g^foigert, Häqilicjh 9 dafa , einer; der gröfsesten Serapis- 
temfßl de$ . Alterthuins in ^iner 'der >VocAiiftdt6 vDn Alekan« 
dri$, wodurch diese- Metropole mit 4©)f Stadt Canobus com» 
municirte, ^^einenPlatÄ gebfjjt» , und di^fst die Schriftsteller, die 
bald, von einer Canpbisiche;^, bald VOini^inein AI eatandrini sehen 
Serapß.um reden, diesen €»ii)f)n Tempel , meinen und.man also 
an kein besonderes Serapeuria. an jedfrt di^^Qr '^«eid^n Orte zu 
denken habe. Die Ursache^ ^«rum m^ij gerad:e bei Heilc[uel- 
len dep, :Serapis g^genwär^g gla^rfjte , ],ag. nicht allein,, wie 
4er Veif. meint, in. der allgemeinen yol?stel]^ng, dafs er ein 
ärztlicher Gott sey,,. weswegen man ih» auch, wip biemerkt 
wirU? oiit dem^Aesculap identificirte^ . sondern w^l man in 
ihük ^e> telhirischen Kräfte verkörpert gl|iLibte\ besonders wo 
F^uer :und \!Vasser ^b^tig waren. ( Axistid. orat. in Serap. 
p. 93» «q. PQrphyr. de rabstinentia IV, ,p^ 373,). — Aber die 
I^gö. des Serapeums. ztf .Po2szxio]q> erinnert no^h an andere 
' Dinge, peinlich ah das ^ant^iimv und an d^nycfvwßiafAoif e^gen« 
thtümliche Bezeichnungen d^r Genüsse., um d^rer willen zu 
Sjrabo's Zeit (XVII.. p. 631. Tzsch. ^ergU p, 6340 . vi^l« 
nacb Canobus und zum' Serapis wallfahr teten,-.' Das Einatb« 
«n^ii der frischen Seeluft ;ujid der schwelgerische* Gen ^ifs der 
frischen Seepro duckte mit allem Zubehör, der raffinirtesten'Sinn- 
lichkeit lockten bei Tag und bei Nacht , wie der Geschieht- 
schteiber versichert^,. Schaaren von MäiiMp^uodd Frauen dort- 
hin. So mochte auch;' der am' Me^i^ geWe^Q . Serapiateropel 
zu.Fijiteoli nicht allein Ktapyri^ten (K4^^o^a^ wie si§ h^ifsen, 
mit vv»'^v<'V v^^^^'^^^O *^ä ßfldegäste in.-die Dampfzimoper her- 
anJcK^keii', sondern auch Scfiwe.lger an* die , Meeresufer und in 
die; Nähe di^r Austernbank^, wie npqb heutzutage an See- 
land BadeÖrtern. P^r VerlF. erinnert bei, .fieschreibung des 
Innern jenes Tempels, an eine noch äi^&||yjAMS8jcl;^45ifungy wo 
er aber, hätte er die Stelle des Josepg^ seihst nachgesehen) 
(sie steh^ antiq, Jud. XVHI. 3. 4.rp..87Ä. Hayercamp.) statt 
^erapide gesetzt haben wurde JnuJiUe* Ifja^ beschliefse hie- 
mit die Anzeige dieser Schrift des erfV.hn^en Alterthumsfor- 
schers, von/ dem wir (loffentl^ch ji^^Ksb. mehrere Werke gleichen 
Gehalts erwarten dürfen, t . 



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HeoattftnQi .<!• tonlictioit* ?a96rum''iiae. ^etilxam« 357 . 



Jb. Frii, Ludi Hausrhanni, Phit. Prof» ordin» Britanniar. Hanno^ • 
vera9qae Aiil, .ConsiL Comm^ntatio de Confection» Vasorum 
Antiquorum ßctiUum, qnae vulgo Ktruscae appellantur, Goetti»' , 
gae apud Henr, Dißterich i825* 

Bekanntlich hat sich mit dem .fieifsigem Sammeln ui^d 
Betrachtender altgriechischen thön'ernen Gefüfse unsere Kennt- 
nifa der alten Kunst auf eine vor Wirckelmanns Zeit noch 
kaum geahnete' Weise. erweitert; und viele dieser fälschlich 
sogenannten Etrurischen Vasen stehen in ihren Formen und 
Malereien als nach ah mungswerthe Muster vor den Augen der 
neuern Künsftler, Es' fehlt aber noch' viel, dafs wir uns einer 
durchgreifenden Kenntnifs derselben rühmen könnten. Selbst 
ihre Fabrikation ist noch in manche Dunkelheiten gehüllt. 
Der Verfasser vorliegender Abharidlung, einer unser trefflich- 
sten Naturforscher , benutzte seine Italiänische Reise dazu, 
diese zahlreiche Classe der üeberreste antiken Kiinstfleifses 
nach allen ihren' Ahtheiluiigeai kennen zu lernen und die Ar* 
chäologeh' sind' ihm verpfnchtet, dafs er seine Gelehrsamkeit 
undseinenForschüngsgeist diesefnc(}y*gen stände zugewendet hati 
Mehr um diesen schuldigen Daiik hier öffentlich auszuspre- 
chen ,- als um auf eiheiri mir fremden Gebiet den Kritiker 
machen zu wollen; geschieht es auch, dafs ich dieser gehalt- 
reichen Untersuchung hier Erwähnung thue. Nur durch die- 
gegenseitige Hdlt'e, die sieh einzelne Wissenschaften, wie hier 
Chemie Und Archäologie, leisten, können wir über viele Pro- 
bleme erwünschte Aufschlüge hoffen^ und diese Gefäf*e, die 
schon zu Jul. Gä^rs Zeit* als ehrwürdige Ueberreste' der al- 
ten-' Kunst die Forschbegierde der Römer reizten (Sueton» 
Jul, Caes. cap, t^i,)fV&Tdienen gewifs noch heut zu Tage ein 
Gegenstand vereinigter- Bemühungen der Gelehrten zu seyn.' 
Der Verfasser ist mit deil Schriften der Archäologen bekannt| ^ 
lind geht vollkbmmen unterrichtet über alle Momente, die 
hier zur Sprache kommen, in seine Untersuchung ein. Wir 
erfahren hier sowohl die verschiedenfn Meinungen der Künst- 
ler und Aherthumsforscher als die Ergebnisse der Untersu- 
chungen der Ghemikör und Technologen Es wäre zu wün- 
schen, diese Abhandlung würde in deutscher Sprache für alle 
lesbar gemacht, die *ich für solche Gegenstände interessiren 
und deren Stimmen man mit Nutzen einsammlen würde. Ich 
mufs mich hier darauf einschränken, einige Sätze mitzutheilen| 
die mir besonder» bemerkenswerth geschienen. In der Ein- 
leitung und im 1* Abschnitt ist das Allgemeine, vorgetragen. 



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i^q, ^acharia fiber Cicero^ ron» Staate^ 

^ich:Cicörö zu weilen, über die ürtheile d^sVis^ zu beschwe- 
ren Ursacl^e hätte., .Aber wenji die Todten nicht sprechen 
kiJanenf so haben sie zugleich das grolle Vorrecht, dafs. sie 
nicht zii sprechen ir«BcÄ«n. Auf jeden Fall .ward es dem Le- 
ser einiges Vergnügen gewähren, zuweilen an Cicerp's statt 
nait de&\ Vert. zu rechten, -rr Da die An2ieige eines, Buchs, 
"Vifelche von dein Vf. des Buches selbst verfertigt wird, einem 
Monologe in einem Schauspiele nicht unähnlich ist, soMwird 
es mehr, als gentlgeii, wenn.'hier noch die in dem Buche abge- 
handelten Gegenst^ide nahmbaft gemacht werden. .£$ sind 
folgende : , 

Vorrede, Ueber Cice r o's. Bii che r vom St,aate 
im All g jB m ein en- Cicero. Die, Staatslehre der Alten in 
Besiehung auf diei heutigen Europäischen Staaten betrachtet, 
üeber das e^'ste B uch des Werkes. Ob der Philo- 
soph an Staatsbärideln thätigen Anth(?il nehmen soUeit An- 
fang des Gespr^Jchs. Warum Scipio redend eingeführt w-erde? 
IJeber die politische /Wichtigkeit der Naturwisisenschaften. 
Uehergang, zum Hauptgegenstande des Gesprächs. ' Inhalt des 
ersten 'Buches, Von der Grundlage der Staatsgewalt. Von 
der Form der Staatsverfassung im Allgemeinen. Von der 
Volksherrschaft., Von der Ei nher,r schatte Von den / zusam- 
mengesetzten Beherrschuhgsformen, Ueber das zweite 
Buch. des Werkes» Inhalt .dieses Buches. Von der Ge- 
setzgebung, ^Is dem Werke einzelner Männer. Ob die Praxis 
vor der Theorie den Vorzug verdiene. Vx>n dem National- 
«tolze. Von der Lag^e ..der Stadt Rom, als der Hauptstadt 
des Staates* Von. der Jleligion.in Beziehung auf den Staat, 
J^tiam populo ahquid tribuendum esse; Für die Aristokratie 
des Reichthunres. Grundsatz der Lehre von der Organisation 
des Staates, : Wie Fürsten ihre Herrschaft verlieren. In 
conservanda civium libertati? privatum eo^e neminem. Wie 
das Königthum untergehe. Welche' Folgen vder Untergang 
d«s Königthunaes in Rom hatte. Was *eine^ Regierung zu 
thutihab^, deren Macht durch eine Veränderung in der Ver- 
fassung beschränkt worden ist. Was der Adel zu thun und 
zu lassezi habe. Von aufserordentlicheix Mafsreg.eln. Plebei 
cum.patribus connubia ne sunto. Von der Macht, der Frauen. 
Dafs eine KcJrperschaft am meisten die innern Feinde zu fürch- 
ten habe, - Von dem Einflüsse der Verfassungsgesetie auf 
privat Verhältnisse. Ueb*rrgang zu den folgenden Büchern. 
Ueber das dri tte Buch des Werkes. Inhalt dieses 
Buches. Von der Ungevf'ifsheit der letzten. Gründe unserer 
Ueberzicugungfin. Dio^ Offenbarung als eine Zuflucht bei 



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^ Vaxlihageii biogmphitthe Denkinali. . )ii . 

dieser Ungewifslieit. Von deai Christen tkum 9 als einem er;^ 
haltenden und anregenden Friacipe. Voti der Uebe'relnstim« 
raung unter, den. Folgerungeit auäewiander entgegengesetzten 
praktis€ben X^.u|kd«atser}. Ob. dr« Verfassung o3er die Per* 
sonUcbkettder Regierenden die Hauptsachia sey. üeber das 
vie-rte3acb des Werkes* - Inhalt dieses Buches^v Von. 
den Grundltigen '.der Sittlichkeit- bei den .heutigen Europäi-', 
sehen Völkern )^ in Beziehung auf den Zweck des Begierens, 
Von"4er ^tfentUcb^n und ^er. häuslichen £iziehung. Üeber 
das fünfte Buch dp 9 Werk ej^, Inhalt dieses Buches/ 
Von dnm Staats man nei des A AI tertl^u^es , der heutigen 'Zeit. 
Ueberdas sechste B,uc}i des Werkes, Inhalt die- 
ses Buches. , Die philosophische Geschichte der Hevoiutiö-. 
nen. Wie und warum Cicero sein Werk vom Staate mit der 
Lehre von der Unsterblichkeit der Seek — dem Traume deS' 
Scipio — beschlielsö? 



Biographische^ DenhmßU von K, AI Varnhagen. von Ense 
Berlin hei G. Reimer^ l8^4. 4o8 S, in kl, 3. 

' .' ■ ^ . - • " 

Den Verfasser dieser Biographien hat es versucht^ die 
Geschichte in derjenigen M'anier zu behandeln, in welcher 
Engländer und Franzosen so ^nanche der feinern Welt lesbare 
Bacher geliefert haben , ohne in d^n faselnden, spiele>idenf 
phantastischen Ton übai'zugehen , den die Deutscheji, wenii 
sie schdn schreiben wollen, so leicht und gern anstimmen. 
Die Ursache der IjBtztern Erscheinung ist leicht angegeben. 
Diejenigen, welche in Deutschland über Geschichte schrei- 
ben, sind entweder Professoren oder eigentliche Belletristen; 
die Ersten können die Welt und den guteji Ton selten Rennen, 
die Andern haben immer ihre eigepe Wei^e, die dann vopi 
ihrer. Parthei allein beklatscht wird,. Wir haben daher Com- 
pendien die Fülle, viel5 Ur- Urgeschichten und eine .Menge 
,von Pbantasieen- über Geschichte, die der Kenner' belacht; 
ferner eine Anzahl manierirter steif in der Malier der. Alten, 
lobapii von Müllers, Schillers, .oder im neu orientalischen 
Styl geschriebener Geschichten, das Produkt des unabhängi- 
gen Geistes aber ist selten, und wird auch nicht eiinmal ver- 
uiiXsl(. Der Herr. Geheinne I^eg^tionsrath Varnhagen von 
Ense^ hatte \m$ neulich mit einem älteren Pjroducte dG^utscbej: 



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36Z ' Vamliagoo l^iogn^iiehf Deakmättv 

Dichtkunst I deiner eitm moderne Form gegeben ^^ Bekannt 
geinacht, (Geistreiche Sinn- und Schlufsreime' aus dem Che- 
rubinischen Wandersmann de^ Angelus Si}esius, Hamb. 1822. 
12.) und ist als Schriftsteller durch Arbeiten ausgezeichnet, 
von denen man einige auch ins J'ranzÖsisiihe übertragen hat, 
er erscheint hier indesseh auf einem neuen Felde, Wir fürch- 
teten, er möchte den Dichter nicht vergessen können, allein 
dieser Tadel ändet nicht Statt, dagegen werden wir ihm her- 
nach hie und da vorwerfen müssen, dafs der Diplomat mitun^ 
ter zu sehr ein adoocatus diuholi geworden ist* Mit Worten 
' und Gedanlten wird nie ein Spiel getrieben, der mittlere Styl 
ist durchaus und leicht. gehalten, -der gute Ton nie verfehlt, 
und man fühlt auf jeder Seite, dafs der Verf. der Lebens- 
weisheit ganz Meister ist, und ^inen Ausdruck, so wie 
die jedes Mal passende Maxime Vortrefflich zu wählen ver- 
steht. Erhat.yich hier die, wenigstens bei Theodor nicht 
leichte,^ Aufj^abe gewählt, drei Abentheurer verschiedner 
Gattung und Standes von' ihrer vortheilhaften Seite darzu- 
stellen , und mufste natürlich Von dem^Grundsatze ausgeben, 
dafs das Leben ein gewagtes Spiel sey, in welchem der, wel- 
cher den Andern durch folsche Würfel betrügt, mit Recht 
den Verlierenden auslacht , virenn diesei' das Blei in des Ge- 
winnenden Würfeln Schicksal und Gottheit nennt. Sollte 
man dem Verf. vorwerfen , er hätte die schwache Seite seiner 
Helden nicht so leicht übergehen, den Schleier. des Innern 
mehr lüften sollen; so wird er sich durch seine Stellung im 
Leben und durch seinen Zweck rechtfertigen kannen. Trübe 
Moralist^en haben überhaupt hier kein Recht zu reden, denn 
entweder haben sie sich hinter den Folianten, bei der Lampe 
Und ii? schlechter Gesellschaft den Ton verdorben , oder sind 
sie auch so unglücklich gewesen, ihn in der besten nie er- 
werben zu können. Die drei Männer, die sich Herr Varn- 
hagen gewählt hat, sind: der sonderbare Graf Wilhelm Voni 
Schaumburg ^ Lippe, der Graf Schulenburg und Theodor ^von 
Neuhof, der sich einen König von Corsica nannte. Von die» 
sen dreiten hatte hekanntlich Graf Wilhelm grof«e Verdienste 
um Portugal , Graf Schulenburg zeichnete sich im Kriege der 
Vönetianer gegen die Türken im Anfange des Jahrhunderts 
aus, Theodor allein wird in und djurch des Verf. Feder aus 
einem Gaiinner ein Held. Was nun die erite dieser Lebens- 
beschreibungen angeht, so hätten wir gewünscht, Herr 
Varnhagen^von £nse, als Diplomat, hätte uns nicht Überall 
den König von Portugal vorgeschoben, d^r ganz andere Dinge 
SU thun hatte» als sica um das Kriegswesen zu bekümmern, 



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Vatiih«£«a biographisch« Denkmale^ 363 

«onJern liätte ups genauer Fombals (den er einen ^ro/j^n Mann^ 
nen^t) Verhältnifs zu dem wunderKchen General gezeigt;^ 
Auch "Alibts, und besonders I^erders Verhältnifs in Bücke« 
hiirg hätte ei: .uns mehr im Einseinen zeigen ^ als im Allge« 
meinen andeuten sollen. DaXs der Festungshau des Grellen 
im Steinhuder Meer die Wichtigkeit hatte, die ihm Herr 
Varnhagen schalkjiaft gielit, wird er gewiX's nicht glauben — 
er war ja selbst Militär« Die StüfkgieXsereien im Liippischen, 
die Kanonen na^h £ngland und Portugal liefern, , findet Herr 
Varnhagen gewifs mit uns liicherlich, so ernsthaft er sich 
auch stellen mag. Unterhaltend, geistreich, bündig, ist 
übrigens diese Biographie el.enso wie die beiden folgenden* 
Bei Schulenburgs Leben •mü$3en wir üher den Ton einige Er- 
innerungen machen, und hoffen, der Herr Verf. werde dies 
defti Freunde verzeihen , da der Verf. auf diese Weise am be- 
sten, beweisen kann , dafs er bei seinen. Freunden keine An« 
zeigen bes.lellt, und daJCs Kec. keine bestellte Arbeit macht 
oder colpprtirt, weil er beides für niederträchtig hält. Zuerst 
schlüpft der Herr Verf, über das abentheuernde Treiben Schu«. 
lenhjurgs in der Jugend ganz hinweg, dann sagt er uns nichts 
von seinem Verbältiiifs zu dem schrecfclicjien HoJVesen in Sach« 
8en , wo er imm^r über Cahale klagt, und doch immer oben 
schwimmt und immer Steinaus Schmach, theilt. Endlich aber 
heifst es sogar wie Schulenbürg als Sächsischer General mit Säch-m 
sUchen Truppen beim kaiserlichen Heer steht, als er den Befehl 
erhält zurück^sukehren, als dies ihm bei Lebensstrafe be-^ 
fohlen wird, §• l47, er habe ein grofses Verdienst dadurch, 
dafs er diesen Befehl seines eignen Herrn glücklich ausgeführt, 
weil er ,ydurch diesen entschiedenen S/:hritt um undankbarer. 
Verhältnisse willen seinen besten Gönner aufgab.^^ Nach dem Alt*- 
ranstädter Frieden traut Carl XII., auf die Treue d-er Sachsen, 
Schulenburg macht denJPlan, ihn aufzuheben, nach König-, 
stein^zu bringen, zu einem andern Frieden zu zwingen -^ 
und Hr. Varnhagen, um seinen I^elden nicht fallen zu lassen^ 
nimmt den Schein an, als- sey da,s ganz in der Ordnung, Es 
heilst hier S. 2o6. „Die Sache war ganz in der Ordi,ning; 
allein der König konnte sich inichti entschliefsen, und erschrak 
(über die That ? nein— ~) über die Folgen, welche die Sache hal- 
ben könnte , nicht erwägend , dafs die Furchtbarkeit des Feindes mit 
dessen Gefangenschaft auf gehört hätte^, IDie schändliche, d^s Völ-' 
Iterrecht uiierhört yerletzende Verhaftung Fatkuls, die seinen 
grausamen Mord zur Folge hatte, über den Voltaire ini Le- 
hen Peters des Grofsen so kräftig und beredet klagt, wird 
bier alt eine dßx Mafsregeln , die Sihulenburg angab und a^us* 



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364 Variili^g^ j^iographische peDkmale. 

führte, ' Seite 1T7/ mit dön Wot-ten a})ge£ertigt,^',\clie Sacb« 
erregte vielfaches Aufseheh und grofsen Unwillen u. s. w." 
Schulenburg kommt spät ter nach Venedig, gewannt biet durch 
niedrige Schmeichelei und niederträchtige Bestechung die» 
Staatsbeamten, die ihm frirfier abgeneigt wären, • hei d^r Ge- 
legenheit sagt Hr. Varnhagen S. 2iO. „Wenn Schul^nburg auf 
diese Weise nicht eben zart in der Wahl* seinfer* Mittel er- 
ßcheint, so gebührt iWi dagipgeh das Lob, in der Wahl sei- 
ner Zwecke desto strenger gewesen zu- seyn u, s, w^.*' Es 
wrd' allerdings , wie Reo täglich erfährt,' von den frommen 
und gutefl Leuteh, wie man sie nennt, wie von den göttlo- 
sen und schlechten, im Verkehr der Welt' das Mittel stets 
durch den Zweck geheiligt, alle diese lieben Leute wollen es 
aber doch nj^eht Wort haben, da sie wohj einsehen, dafs, 
sobald ihre Handlungsart als Grundsatz gebilligt ist, zugleich 
auch die. Grundfesten der menschlichen Gesellschaft erschüttert 
sind. Wenn übrigens bei diesen und ähnlichen Anlässen Hr. 
Varnhagen von Ense seinen Helden nur durth eine/unuatür|i- 
cbe Anstrengung seines Talents halten kann , wenn er sieb 
vergeben« bemüht, ihn im Kriege gegen Carl ^11, eine be- 
deutende Rolle spielen zu lassen, (denn aus wackern Sachsen 
konnte ein guter General gewifs gute Ttwp^en. schaffen) so hat 
er dagegen ein leichteres Geschäft j ^ie Schulenburg gegen 
die Türken steht. ' Die Geschichte der Veftheidigung von 
Corfu ist vortrefflich, n'ur Scbade, dafs der Verleger, der 
das' Buch n^it stumpfen Lettern auf grauem Papier druckte, 
keinen Plan dev Festung und Insel beifügen liel's. Besonders 
scheint un's die Beschreibung des Sturms Seite 246. gelungen, 
und vortrefflich im mittlem Style lebendig gehalten , • ohne 
je in das Poetische überzugehen, " üeberall hätte aber der 
Vert, genauer im Jahr und Datum seyn müssen, damit man 
sich mehr auf dem Felde der wahrhaftigen Geschichte fühle. 
Rügen müssen w:ir, dafs Hr. Varnhagen, ein Protestant, 
Seite 26b. den Pabst ein ehrwürdiges Oberhaupt, nicht etwa 
der Kirche, sohdern dem Zusammenhange nach der Fürsten 
nennt, dem einige katholische Fürsten aus schnödem TrQtx 
und aus übermüthiger Anmafsung gewisse Ceremonien ver- 
sagt hätten. Wen meint er? Doch nictt Joseph II^ ? Wenn 
er ßonaparte meint, so war der weder Fürst, noch katho- 
lisch. So heifst es Seite 276, vori Schulenburgs Schwester, 
der berühmten Mätresse Georgs I, ,;wenn an ihren Verhält- 
nissen «tiöa «tirax mangelhaft w*ar , SO wurde es nicht nur dnrch 
Macht und Gröfse , sondern auch durch Würde und Bildung 
glänsend überdeckt.«« Wir denken j^ wer in eines Köflig< 



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Varahagcn biographiich« Benkmido* 365 

Bett ruhe 9 darnach bätt^n wir nichtf ,eu fragen , auch kein 
W.eib darüber zw iKede z\x steilen , ob sie sich preifsgebe ^ 
oder liicht. Macbt.und Gröfse aber gebührten nur dem wahren 
Verdienst, und Würde und Bildung sey von Ißhre und dem 
JjlaUen, auf Anstund unzertrennlich. Die dritte Lehensbeschrei- , 
buiig.,. ui^&treitigdie unterhaltendste von allen dreien^ ^^^ ^^^ 
bloi^es Kunstwei'k und macht deip Talent , des .Verfassers die 
grölste £hre.< Auch den Grafen Görz nimmt 4^r, Verf. in 
Schutz,, irrt abett vi'enn er S, 292 — 93,, .die etwaf kühne 
Redensart schleudert: },da£s Qörz dem unvers/^nlich zürnen- 
den Könige. (Carl Xll.) gegenüber unjcettbar verloren schien,** , 
Gö^rz hatte auf Holsteimsch^ Unkos^ten ja den li^abricius bei 
Carl XII, in der T^^kei Verschwenderisch unterhalten, und 
den König von Schweden .dadiirch ganz in seine Gewalt ge- 
bracht, und ihn für sich eingenommen, "das wird Hr. Varnba- 
feu aus den Staatsbrief'en des Herrn von Fabricius und deren 
riechenden Ton gegen Görz hinreiclipnd erkannt haben. Was^ 
Theodor angebt, so t^Sk dieser unter andern. Seite 299. Kost- 
barkeiten, und Gelder zirsammen, geht da^it eilig von Madrid 
;nach Carthegena, und von dort nach einemvFranzösischen Ha« 
fen und endligb nach Paris. Da er nun nie Gelder und Kost- 
barkeiten hatte, da er. damit durchging, während seine, von 
ihm schwängere ^^ Gemahlin ins E&curial gefahren war, so 
Kheinen deven Gelder urwl Kostbarkeiten gemeint, und' der 
Held wird einem Gaudieh so ähnlich, wie eii:| Ky dem An- 
dern, In Paris und überall findet er immer noch a\te Gläubi- 
■ger, Hr. Varnbagen hütet sich aber wohl das Wort .Prellen, 
leine expression mal sqnnqnte, j zu gebraueben. Seite 303. rühmt 
er von ihm sogar: „Ohne zuverlässige F.inkünfjte wufste er 
fast immer iil grofsem Aufwände zu leben (das.is.t.in LTond^oA 
ein ordentlich Handwerk, und heifst to ohjtain iHoney underfalse 
pr^tences, 4oc\i st^ht auf solphe Heldentbaten jetzt Zuchths^s- 
strafe), und, wenn.^inige veFßifJgten, andere .zu. eröffnen. 
Unerschöpflich war sein Talei>t im.$chuld^nmache1i, überall 
flöfste er Tb;?ilnahmi9 und Vertrauen ein 3, sein pe ist erfand 
unaufl^örlich neue Gebilde und Aussichten, die er einleuch- 
.tend vorzustellen wVifste^ in seiner ganzen Persönlichkeit lag 
ein. Zauber,' der die Menschen atu seinen Gunsten bestach 
n. s. w,*< . flier bat Hr. Varnbagen yon.Ense uns schwerfäl- 
lige, papijfil^fdhe. Pedanten', die den grofsen , guten und ge- 
nialen Ton der )>e9ten Gesellschaft^, jene reizende^, brillanfe 
und petillante Convei;sation nur. dem £^amen nach kennen, 
doch offenbar zum QespÖtt; ,cr. vvendet auch schriftstellerisch . 
9^9 was una müs^dlich vorgebraciht so oft verdutzt macht. 



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36B Qroyhtiff ^Tiy sitteli • ohemiscb« ForaohtlTig^D. 

-Manne einen weiten Spielraum zxxx Aufstellung vieler, oft 
sehr glöcklicher Hypothesen y während dcmselhen die Bedrhei- 
^tung ponderabler Stoffe, besonders dey Schwef'elblau säure, min- 
-der gelungen ist. n , < 

Die in diesem Bande enthaltenen- 9 Abhandlungen sind 
folgende:, 

1« Üeber die themischs Wt^irkun^ des Lichts und der Eleetruität^ 
"besonders über einen-merkwürdigen neuen Gegensatz dieser pj^irksamkeitf 
den das Licht auf gewisse Substanzen dajserty jenachdem es entweder 
aus nicht oxydirenderi Körpern , oder aus der atmosphärischen Luft in 
dieselben eindringt, -^ Ein kurzer Auszug dieser Abh^idlung 
befindet sieh in Gilberts Annalen B. fei, S. 5o ; doch fehlen 
diesem Auszug viele hier mitgetheilte vi^ichtige Erfahrungen. 

2. Merkwürdige Zersetzung des Wassers durch Pf^ asser im 
'Kreise dtrVökois^ihen Säule, -i^ Bereits in Schweiggers Journal 
;2öj 3l5 und in Gilberts Ann.-'ölj 65 eiithaiten. 

3. übber die Verbindung der Antkrazothionsäüre mit iLobaltoxyd, 
i — Findet sich, im Auszug in Gilb. Ann. 61,^0; 

4. ZweirneUt^ Heilmittelf der Heilkunde vindieirt, — , Eine auch 
in Schwöiggers Jo'drn; 29 , ., 44^ und auszugsweise in Gilberts 
Ann; 64 V 7-:^ enthaltene 'Notiz. , 

. / ' 6. Beitrag zur Geschichte der Anthrazothtonsäure,.'—^^ I>ie schon 
•in Schweiggeirs Journ, 20 , 2l25 mitgetheilte Abhandlung« 

6. Versuche über ^ie ' Verbindung deß Phosphors mit den -Metallen 
4^nd ihren Oxyden ; ut^ über eih besonderes Gas. -^ — Diesef Abhandlung 
■erschien in- den Ann ales deChimic64ji95 und wurde von daüus 
durch -Hildehrandt in Gehlens ' Journal für Chemie u. Pbys 6, 
^59 übergetragen. rGrötthufs- liefs bereits • weingeistiges Kali 
auf Phosphor einwirken , und erhielt so dieselbe t Verbindung 
^unte^phoSphorigsaures Kali T^yW eiche SemeAtifii später für Phos« 
■phorkaliauÄgab; 4nur dafs O/otr^u/r. diese Verbindung nicht 
genauer untersuchte^ und. sie blofs zur Fällung schwerer IVIe- 
tailsalze anwandte^ um sogenannte Was^erstoffphosphor-Me« 
t^lloxyd'e ^u erhalten. , • , » 



(^Beschlufä folgt,') 



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N. 24; 1824 

Heidelbetger / 

Jahrbücher der Literatur, 



.GftOTtättss' physisch-chenaisclie 
Forschungea. 

% Oeher die gäUdhischä Z^rseUüng des tVoMrs und ibir gätöi^ 
tin Substanzen. -— Aus dieser 9 1805 in Roiti und 1806 ili deit 
Ann. de Chinl. 689 64 ^gedruckten Abhandluiig ergibt sich| 
dafs Gr, der erste x/i^ar, 'welcher zur Erklärung aer Zersetzung 
von Wasser «nd andern Materien die Ansicht aufstellte # daTs 
die Zersetzung zu gleicher Zeit in der ganzen Strecke , zwi« 
sdben den beiden rolardrätbeii erfolge, jedocb so^ dafs 
in dei* Mitte durch eine Art von Uebereinandersclijeben im« 
mer Ausgleichung erfolge ) und bjofs an dein Enden di^ 
Zersetzungsprodukte gesondert auftreteii» Wenn später an^ 
dere berühmte Chemiker dieselbe T[*heorie vortrugen , ohn^ . 
ihren ersten Urheber zu nennen , «o ist di&ses gewifs blof» 
davon abzuleiten^ ilafs sie von dieser Abhandlung keine Kennt« 
tiih ha|:ten. 

. 8. üehef den Einflufs der gahanisehen ^lectritität auf Metattpö* 
getationen4 — - Aus den Ann. de Cbim. ^3, 6» 

9, (Jeher die Theorie dtr Metallreductipnen desHrn» V0n Örötiliüf* . 
und über die Eintoeridungen einiger Chemiker dagegen^ von Heint^ Rose u§ 
Berlind , — . Diese Yertheidigungj besonders gegen Fischer und 
Ruhland ^ ist iiuf interessante VerSache gisstüta^l und| in Aee# 
Augen I siegreich durcbgefObrt^ 

t. OmeUäi 



•MM 



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370 Lauchs y das Neueste und Nüttlichst« der Erfindungen« 



Das Neueste und NtUtztichste der Erfindungen, Entdeckungen und 
Beobachtungen f besonders der Engländer^ Franzosen und Deut- 
Stilen in dör Chemie, Fab'rikwissenschaft , jipothekerkunst, Oe» 
konomie und ■ PP'aarenkenrttnifs, hauptsächlich füf Kaußeute, 
Fabrikanten, Künstler und Handiöerker (^ohne Angabe desVer' 
fassers) ; votK di eizehnten Bande an noch mit dem besondern 
, Titel: Neuestes Hamlhuch für Fabrikanten ^ Künstler, Hand^ 

loerker und Ob}ionomen u, s, «>. von Johann Carl Leuchs 
u, s$ Wm ^~ Int X^anzen 21 Bände in ;8* 20i[) ^i* 600 S. J^ari, 
welche von 1798 bis 1824 in Nürnberg erschienen sind^ 

. Die 12 ersten Bände wurden von dem altern Leuchs^ in 
Verbindung mit einigen andern Gelehrten herausgegeben; 
vom l3, Bande an hat der durch mehrere ökonomische, tech- 
nologische und mefcantilische Schriften rühmlichst bekannte 
J, Carl Leuchs (det Sohn des oben Erwähnten) die Heraus- 
gabe übernommen*^ 

Indem diese Zeitschrift , dem Titel zufolge, für ein Pu- 
blicum bestimmt ist, dem, besonders in unserm Vaterlande, 
Hur Äti häufig gruntUiehere technologische und die hiezu erfor- 
»derlichen mechanischen und chemischen Kenntnisse abgehrti, 
^o-k^nn e« nicht auffallen, dafs neben der Beschreibung neuer 
in'det Tecl^fnologie gemachter Entdeckungen , welche immer 
Tden gröfsten Raum einnimmt, auch belehrende, nichts Neues 
enthaltende, Abhatidlungen über einaelne^Lehren der Tech- 
nologie vorkommen, in denen freilich das Chemische öfters, 
Vorzüglich in den frühern Bänden, etwas'rfi^ngelhaft erscheint. 
' Die hier raitgetheilten neuen Entdeckungen sind thelU 
fremde, theils eigpe. - Der jetzige Herausgeber, welcher dem 
Unternehmen einen viel gröfsern Schwung gegeben hat, ischeint 
es sich zum Gesetze gemacht zu haben, durch Benutzung 
sämmtlicher im In» und Auslände erschienenen Schriften al- 
les Fremde möglichst vollständig mitzutheilen« Die üeher- 
«etzungen und Auszüge sind gut und richtig , so weit Rec 
.einige derselben zu vergleichen Gelegenheit hatte. Nur ist 
es nicht zu billigen , und benimmt gewifs dem Unternehmen 
einen Theil seines Werthes , dafs , wenigstens bei den aus- 
ländischen Abhandlungen, fast nie ihre Quelle angegeben wird. 
Dieses 4itf( das Unangenehme für den Leser, dafs er bei zwei- 
felhaften Steifen (denn wie leicht schleicht si^h nicht ein üe- 
bersetzungs- odqr. Druckfehler ein?) keine Vergleichung -mit 
d«ai Original anstellen ^ und dafs er.^ überhaupt nicht wissen 



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Bistoiiieh« Sehrifbn« Von Becker, SohSti, Fdriter. 371 

kann, ob er die vorlieg^üJtf Abhandlung nicht schon sonst 
wo gelesen hat» 

^Das vom jetzigen 'Herausgeber beigefügte Eigne besteht 
in der Mittheil^ng von jnannigfaltigen Versuchen, und zum 
Theil hierauf gegründeten Vorschlägen; sie betreffen z. B.c 
die Schwefelsäurebereitung; den Pottaschengehalt Vieler Pflan- 
zen; das Austrocknen und Aufhewafhreif organischer Körper, 
wie des Fleisches; das Lichterzieben; die Leimsiederei; die 
KäsgSbrüng; die Wein-^ und Essiggährung; die Wirkung der 
Kohle auf schmekeilde und riechendeFlüssigkeiteh ; die färbende 
Kraft bis jetzt nicht gebrauchter FflanzeiikörperJ das FSrben 
mit Luftdruck ut^d so n^anches Anderem Die Versuche i nach 
welchen Milchzucketf Guolmi öder Stärlutiehl^ eitter gäly^nden 
Zuckerlösun^eigemischt^ die'Menge der nachher bei det'aauren 
Gährung sich erzeuseodett Essigsäure ansehnlich vermehren 
(Bi 20. S. 3()t)i| vei'dieneh alle Aufmerksamkeit« Auf der an- 
dern Seite iiidchteil einige der mitgetheilten Vorschläge und 
Ansichten upstattbaft sepri vAe das über die künstliche Man« 
tiaerzeugung und üb6r dw Uebe^ang det Erdarten ineinander 
Oesagtei 

Kupferfafeliii und Holzschnitte erhölieii die Brauchbarkeit 
dieses Werkes^ welcheiti^ wegen des allgenieinen Nutzens, 
den es stiften mufs , ein fecht guter Fortgang zu wünschen 
ist. Möge der Verf< immer mehr bemüht «eyn^ die tehren 
der Technologie und ihrer mechanischen Und chemischen Fr in* 
cipien zu entwickeln^ und auf diese Art die grofse Zahl von 
Empiriker n in TeutscbÄnd möglichst in tati<]^nelle Arbeiter um- 
zuschaiFen,' womit wenigstens aine Art Von Üeberlegenheit 
der ausländischen' Industrie beseitigt werden würde«; . 

^L» Gmelin* 



üm^ 



1. Historisehe BasreU^i, flUir'sgehiUßtt Löser aus allen Ständen* 
. Von * r. Zweiter Bd. Lnpzig k* KeUin. zd2S. 243 1^. iit 6« . 



Die Erzählung ist eben so gut auswälend , lebhaft und 
anziehend, wie wii* dies schon vom ersten Bändchen nachge- 
wiesen haben. Hier ist geschildert: 1. Heinrich IV. der Erste 
der Könige vom Hause Bourbon. 2. Die türkische Eroberung 
Ton Cyp^rn, 3. Fiesko*s Verschwörung eu Genua. 

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372 . Bistorischt S«hriflt»o. Vo« 9eok«r» Sobftti« FSirit^r« 



2* Leben und Charakter der Herzogin von Odean»$ Etuaheth 
Charlotte (geh» CkurpHnzessia von der Pfalz) ^ nehst einem 
Auszug des Denkwürdigsten aus ihren Briefen^ ££/i Beitrag 
zur Charakteristik des FranzÖs. Hofs unter Ludwig XIV» Von 
Prof. Schätz zu Halle, Leipzig bei Vofs. 452 <^; tu % 

Solche Sehte, gleichzeitige^ offenherzige Memoiren sind 
unentbiehrlich , äo lange die Rückerinnerung an ihre Zeit nö- 
thig ist.' Der Verf. hat zur £r]äuterung des JLebens der wahr- 
haft deutschen Vßn. und der Hauptpersonen vieles dienliche 
löblich beigetragen. Wer tüchtig^ GeSchichtwährheit will, 
darf nicht (wie S^ittlers Delicatesse , fn seiner Staateng)?. 
^schichte) zweifeln, ob man wünschen solle y daf» (solche) Prin- 
ssessitinen viele Briefe schreiben und lüese aaf^ die Nachwelt 

" erhalten werden, Hr. Prof. Schütz wünscht naft Recht, daf» 
alle ihre Briefe ans Licht^kämen utid dem prunkenden i^i^c/s da 
LoKwXJA^ eegenüberstünden. JftxchM Pfälzischen (Badischelil 
Bairischenf) Archiven müfsten sicb^ohl noch manche solche 
Anekdoten finden lassen. Sollten sie nicht , wenigstens -pour 
la bonne btfache f aufzusuchen seyn?) Wie viele Generationen 
hindurch würden sie, in jeder einmal wieder, mit Lust auf- 
gefrischt werden. Von dem grofsen Ijiouis XIV. lesen wir 
S, 1 87; aus der Feder einer Frau, die gewöhnlicl? in seiner 
nächsten Nähe war :' Der König und seine ganze Race, aufser 
m^ineqi Sohn (dem Äachmal, Prinz-Regent). /torj^n das Lesen, 
Das ha^ihn Ignorant gemacht. Er schämCe sich d£t^ selbst dar- 
über« Man hat den König seel^ und Monsieur nichts gelernt , konn» 
ten kc^um läsen und sckräiben, • , . Der Cardinal Mazärin W'ollte 
regieren. Hätte ^er diese Königl. Personen gelehrt werden 

' lassen , würde man. ihn nichts mehr geachtet haben und ge« 
braucht« , ^. . Die Reine Mere fand alles gut , wa$ der Cardi- 
nal that, und das folgte ihrer Inclination , däfs man Aen Car- 
dinal brauchen sollte. -»••.— 8. 190. Der König hatte keine 
Superstition^ als in geistlichen Sachen, Mirakeln etc, S, 192. 
Man konnte in der pp^elt nicht einfähiger seyn^ in der Religion , als 
der König war, , . Di%. alte Zojft».:(IVIaintönon) undder Pa^er 
de lä Chaise baben den König perstiadiert , dafs alle Sünden^ so 
Ihro Maj, mit der Montespan begangen,, vergeben seyn wlJLrden^ wenn 
er die Reformisten -plagte uad^. wegjagte • , das hat der arme Kö- 
nig fest geglaubt; denis er hat in seinem Lehen kein IVort in der 
Bibel gelesen und darüber ist die hie;/ige IPersecution der Refor- 
mirten angegangen. Er wufste nichts anderes, worin dieRo- 
ligionlbestünde , als in d^m*» Was ihm «eine BeichtrMter sag- 



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BUtoi^pd»« Sohrifteci«. Voa- Becker» ieUStt, FSritcr. S7S 

ten. Sie hatten dem Kddig Weifa gemacht, in Religiomsacben 
wäre nicht eriaubt 9 zu räsonniren, man müfite die Vernunft 
gefangen nehmen^ um selig zu werden u. dgL m. Und docfay 
wird man sagen ^ ward LiOuis XlV. , der kaum lesen und 
schreiben konnte, der grofse. Allerdings; aber so.dafs durch 
alle die Anstrengungen der Nation ^ welche den Ruf der blo- 
fsen Maohtgrö/sa erringen mufsten , gegen das Ende seiner Re- 

fierung das Land entkräftet. und entvölkert. Er entnervt, der 
[of in Bigoterie träurend und freudenleer , die Familie fast 
ausgestorben und in Zwitracht warj , In Teutschland nannten 
xvir auch Einen den Grofsen, einen Denker, der keinem Cult 
Uebermacht und Herrschsucht gestatteteV aber Religion und 
Srziehung verbinden lehrte, und das erkünstelte in nichts 
mit dem bleibend wahren verwechselte, der unablässig auf 
der Entwirrung der Äechtspflege das öffentliche Zutrauen, 
und auf der Nachhülfe für den Nationalwohlstand seine Gröfse 
gründete, der, nachtsiebenjährigem Kampf des Verstandes 
gegen die Ihm Erniedrigung drohende Uebermacht, in eben 
derselben Quelle' des Seibstdenken^ Mittel fand, sein Land 
vergröfsert, zugleich aber auch weit wohlhabender, weit ge- 
ordneter zurückzulassen ; kurz, der das Wort: Ich hin ein 
Preußel ohne Ehreijlegionszeichen auf lange Zeit^ nach seinem 
Hinscheiden zum Ehrennamen zu erheben wufste. Alles dies 
erinnert deh Rec. an eine neue Sammlung glaubwürdiger 
Naichweisungen : 

4 
3. Friedrichs Jes Großen Jagendjahre, Bildimg und Geist;, Aus 
unbekannten Aktenstücken , ^hier zuerst mitgetheilten Briefen > 
(^Tagebüchern) und den Schriften des Königs ^ dargestellt von 
Fr, Förster, Nebst ^ einer Üebersicht der Regierung Frie* 
/ ^drich Wilhelms I^ und einer ausführlichen Recemion der 
PVerke Friedrichs des Großen* ßerlin 1823 hei Schlesinger, 
468 S* in 6' 

Der Titel sagt nicht zu viel. Eine Menge wörtlicb au- 
thentischerNotizen versetzen uns in eineZeit zurück, von der 
wir eher um 1000 als ' um .IW Jahre uns entfernt scheinen^ 
Und unter solclien Umständen,, müssen wir wohl fragen, 
wurde doch Friedrich, Was er in der Geschichte ist. Aueh 
auf den Vater aber fällt, neben dem, was längst als Schatten 
bekannt ist, manches erfreuliche Licht. Man lese sein eigen« 
bündiges Unionssqhreiben (S. 20.) an Probst Rolof. Es fängt 
(datirt vom 10. Sept. 1726) so an: „Der Unterschied zwischen 
unsern beiden Evangelischen Religionen ist wahrlich ein Pfa^ 



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3174 Huti^iteUt Sohrifteo, Von Qec|p«r, SchStt, FJrafer^ 

fengezänki denn etc. • • aber es -wird nifht'belfsen: bist dii 
Jutheriach? bist du reformirt? oder bist du ein braver Dis- 
' put^tor gewesen« 1^9 wird beifsen : weg mit dir letzten ins 
Feuer; die meine Gebote gehalten, komthtj^unwr in nlein Reich, 
Gott gebe f . allen seinen ßvangelischen I^indern ^ daf^ sie mö- 
gen seine Gebote halten und da^s Gott möge ;^um Teufel 
schicken alle | 4}^ Uneinigkeit verursaehen. Friedrich ff^ilhefmß 
(und dieses , , 1726! {) »>Wär' ich bei König William geblie- 
ben, sagte er (S. ?3^) noch ah i^önig» Er hätte ge^wifs einen gro^ 
fsen IVJann aus mir gemacht.«* In diesem Geist schrieb er 
nachher (S, 135.) ^J* er den Kronprinzen bei der Domänen- 
kammer beschäftigte ; y^Fritz soll nicht blos untersijhreiben, der 
soll seihst ßrheiten.^^ Friedrichs geistige ßildungsgescbichte 
heginpt S, 253, Der Verf. concentrirt yiel richtiges in die er* 
sten Worte ; „Friedrich erscheint auf dem glücklichen Mit- 
telweg z\/^ischen deutscher IJnbehtilfJic'bkeit und französischer 
Leichtfertigkeit. E,r hat n^it dem redlichsten Eifer es sich 
sauer werden lassen bei den Schriften TVolfs und bat sich aus 
Voltaire den hessern Theil gewählt. >,Von Prediger uickard 
will er-(März 1736) nicht überredet, sondern Überzeugt sejrn , . , 
und (S, 254.)? t*^b habe schon seit meiner Jugend eine unwi- 
derstehliche Neigung zürn Quten und Sphönßftf un4 diese stimmte 
mich gleich bei den ersten Reden , die ich von Ihnen hörte, 
für' Sie . , f Mehrere Schriften ypn Wolf liefs er sich ins 
Französ, übersetzen. Nur Pedanten oder *Andächtler mögen 
tausendmal wiederholen/ Fr, habe leichtsinnig über Religioa 
philosopbirt. Selbst an Vpltaire schickte EJr S. 264 — 65. 
tjel?er^etzungen au^ Wolf, und philosophierte (S. ?67 ff.) 
aus fiesem' streng mit jt^nem. S. 3o8. sagt d^r Verf. sehr 
wahr : ffirgends richtet Friedrich seinä ^ngriff^ auf das innere Höilig" 
thum dßr christl. Lehre, »her 1762 Schrieb er an d*Arg«ns, mitten 
in Gefahren, von seinen ^irchenhistqr. Studien aus dem Lager 
von Bettlern ; ,,Ich bin jetzt bei dem grofsen Schisma im Oc- 
cident un4 möchte glauben: Von Qqnstantin an bis auf Luther sey 
die ganze H^elt blödsinnig gewesen^ S. 309. Wer so denkt, ist 
freilich für alle EJteignoirs ein Atheist. In seinem Auszug 
aus Fleuiy schreibt £r : Und hätte Luther nichts weiter ge- 
than, als die Regenten und Völker von der knechtischen Sclave- 
rti befreit, in fler sie die römische Curie hielt, er hatte 
verdient, dafs man ihm Altäre errichtete, wie einem Befreier 
des Vaterlandes^ Zerrii's er auch nur die Hälfte der Binde dh Ahef 
glauhens, Welchen Dank ist ihm die Warheit schuldig! ! — — 
Möchte doch eine geordnete, vollständige Sammlung ^^^ 
Schriften erscheinen, in denen Friedrichs Geistesdenkmaffori- 



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Kaanegi«rs«(.siir GdSch'cHt« des Premlauer GjamaiituBi« 375 

Ifsbt und den Vetlannten der dankbaren Nlichvtrelt aufhevrahrt« 
Der Verf^ giebt einexl guten Plan dazu. 

H, £« O. Paulus. 



Ahschiedsrele des Kectors K^ L« Kanne gfefser^ vom Gymna^ 
slum zm Prenzlau» Nebsi Gösch, des G/tHnas» Pr^/is/au 1822. 
S. U S. 

Abgehend an eine Stelle zu Breslau konnte Hr. K, wohl 
ein Wort zur Verbesaerung sagen. Es mag also auch von 
auswärt» wieder töJRi und vielleicht um so eher wirken. 
Die älteste Nachricht über das Gymnasium findet sich, nach 
S. 18. in einem Kirchönvisitationsrecefs von 1543. Damals 
gewann die Reformation zu Prenzlaü besonders dadurch Raum, 
dafs die Nonnen des Jungf'rauenklosters in der Neustadt (das 
jetzt nicht mehr vorhanden ist) das ihnen vomPabst J256 be- 
stätigte Patronatrecht über die 4 dortige Hauptpfarren an den 
Kurfürsten Joachim II, abtraten, der es dem Magistrat ein* 
jäumte. Zuerst hatte die Schule 3 Lehrer; bald wurde die ' 
Zahl auf 6 vermehrt. Das Gymtiasium hat gegenwärtig 9 

• Lehrer, nämlich 4 Oberlehrer, 3 Kollaboratoren , einen 
Schreib ^ und Rechnungslehrer und einen Hülfslehrer. 

Die äufsere Lage der Lehrer des Gymnasiums war ur- 
sprünglich und noch bis vor wenigen Jahren höchst traurig. ' 
Die Dürftigkeit der Lehrer ging gegen die Mitte de/* vorigen 
Jahrhunderts so^weit, dafs der ilffc^orProco/^iwj seine Einnahme 
mit allen Accidenzien auf 222 und seine Ausgabe auf 426 Tha- 
ler berechnete, und deshalb in seiner Vorstellung klagte.: 

^ dafs ihm in seinem Alter die nöthige Pflege uaid Erq^uickung 
fehle. l8l7 Wurden die. Einkünfte der'Letirer durch die 
Gnade des Königs bedeutend vermehrt — wi^hrend doch das i 
'Gymnasiumsgebäude sich noch durch Schlechtigkeit auszeichnet. 
Die Zahl der Scbüler hat seit 1817 jährlich ^ugenommen und 
ist jetzt noch einmal so stark als Vor diesem Zeitpunkt, wo 
mehrerf Jahre läng die Gesaramtzahl im Durchschnitt nur 74 
betrug. Bei den wissehschaftlichtm Anforderungen , die der 
Staat, und der preufsische in vorzüglichem Grade, an jeden 
»einer Diener verhältnifsmäfsig rnnf-ht, werden die Schulen, 
ungeachtet mancher ungünstigen Yerhältnia^e , x. B, des Man«** 



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} « 

■ ^ * 

S76 Kannegiefief fof Getöiiiohte 4ci Pfentlattet OynmarfntKf« 

frels an Mitteln cur Unterstützung anner Schüler» wahrschein« 
ich nofh grölseren Zuflufs erhalten. Mag denn auch die Zahl 
der eigentlich Studirenden stets gering bleiben : dieso^eringe 
^afa] m den ohern Klassen kann um so sorgfältiger uriterricn« 
tet und vorbereitet werden. 

Am wichtigfiten- ist derSchlufs des Jahres l8l£ durch die 
verbesserte innere Einrichtung des Frenzlauer wie der sämmt« 
liehen Märkischen Gymnasien. Früher und besonders in der 
eisten .|I^Iftede| vorigen Jahrhunderts war die Bildung, zu- 
mal in den obern Klassen der gelehrten Schulen eine jiefan« 
gene theologische und philosophische. Das Sprach- und 
philosophische Studium ward endlich wieder begränzt, und 
die Scheidewand zwischen Gymnasien und Universitäten fe- 
,«ter gezogen. Der eigentlich philosophische Unterricht ist 
•jetzt fast gänzlich aus den Märkischen^ Gymnasien entfernt^ 

^und nur di^ philosophische Sprachlehre nebst Rhetorik und 
Poetik wird auf dem Prenzlauer beibehalten, Dagegen hat die 
Mathematik und Physik freieres Feld, die erstere vielleicht 
ein zu grofses, gewonnen. (Siehe Pudor's Denkschrift auf 
die 3te Jubelfeier der ReformatrOn. Berlin itilö, welche eine 
Beurtheilung des Lehrplans der preufs^ Gymnasien von S» 
274 — 3o4. enthält.) Latein wird zwar von der 6. als der un- 
tersten Classe auf gelehrt,- doch ohne die übrigen wesentli-^ 
chen Uf terrichtsgegenstände zu verdrängen; die Uebung in^ 
Lateinscbreiben wird nidht vernachlässigt, obgleich es 
nicht mehr das Hauptbestreben ist, lateinische Stylisten zu 
bildeji. Die griechische Sprache ist der lateinischen fast gleich 
gesetzt, und auch im Griechischschreibenf werden Uebungen 
angestellt. Der Hauptzweck ist in den Sprachen das VerstCr 
hen der Schriftsteller, die Bildung der Urtbeilskraft, des Ge- 
schmacks und Charakters. Die höhera menschliche Bildung 
sollen alle Vorträge zur Absicht haben und der ganze Unterricht 
eip allgemein veredelnder seyn, nicht ein blofs für die Zwecke 
des börgerlicben Lebens berechneter, wie man vor einigen 
Jahrzehenden wollte. Und möge man bei dem etwa erneuerten 

' "Wunsche, beide Zwecke zu vereinigen, nur ja nicht die Wis- 
aenschaff zur Magd erniedrigen, und lieber frir die besQndern 
^wecj(;e besondere ünterrichtsanijtalten errichten J 

Ä, E. C, F«»/«/» 



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Cobttti» oompendium of finanee. S79 



London hy Phülipsi Compendinm of finaneeA containtn^ mt account 
of tke origin, progref* and present State of the public dehts,^ 
• Tß^enue y expenditura^ National hanks and currenties crf France^ 
Russtaf Prussiaf th^ Netherlands, Austna^ Isfaples^ Spain^ 
Portugal <^ Denmatkf'Norwayy Haiiöter and otfier German.sta» 
tes^ U» S* of America, Buenos » Ayres ,^ Columbia and Chilif 
arid shewing jhe nature of tke different public Securities , with 
the manner of making Investments thereein. Also an historical 
sketch of the national deht of the british empire* ^ Authisnticated 
hy oßicial documents* By Bernard Cohen»^ 1822. Qo, 
XXXL u. 264. Urkunden und Anhang 280 S. 

Es ist diese Schrift fast gleichzeitig mit der sachverwand« 
ten von Nebenius erschienen, und von derselben in Genauig- 
keit uiid Klarheit übertro£Fen, ' Indesseh ist zu verwundern 
dafs sie noch so gut in England gerathen, wo es dem Schrift- 
steUei^schwerer als in Deutschland wird, die i^iicher über 
einen bestimmten Gegenstand zusammen zu bringen, weil 
die Buchhändler dort nicht in solcher Verbindung wie die 
deutschen stehen ^ und den Sortiments- und Commissions- 
handel nicht wie. diese treiben. Und doch ist auch zu ver- 
wundern^ dafs dort, an dem Hauptsitze des Staatspapierhan- 
dels, und zu seinem Behufe kein besseres Handbuch der Fi- 
nanzen zu Stande gebracht ist, weil es sich reich belohnen 
würde , weil die Nachrichten dazu sich bei einiger Bekannt- 
schaft unter d^n dortigen Banquiers wohl- erhalten lasset!, 
und weil ihnen selbst ein solches Buch zur allgemeinen üe- 
bersicht und Nachweisung nützlich seyn würde. Sie würden 
freilich dieses Handbuch nicht zu Rafhe ziehen, wenn sie mit 
einem Staate ..ein Darlehnsgeschäft abschliessen oder abbre- 
chen, weil es ihnen ^e nöthigen Angaben zu ihrer Berech« 
nimg nicht so vollständig und frisch zu liefern vermag j als 
sie dieselben durch ihren bisherigen Verkehr, durch die 
Anleiheverhandlung* selbst, und ihre Co^respondenten h^ben 
können u^d müssen. Diese Berechnung ist aber ihr Geheim- 
nifs und würde am wenigsten ^um Diuck mitgetheijt werden. 
Auch gibt es Finanzen, woraus die Finanzminister selbst 
sich i>icht finden können, und wovpn also» die Schrift nur die 
Verwirrung nacl^weisen konnte, wie der Verf. \.on den Spa- 
nischen thut. Hrerin hat ^r ziemlich geleistet ^ was sich 
leisten läfst, und im übrigen wenigstens die Bahn gebrochen, 
um den Engländern für den-Sta^f^apierhandel eu einem eben 
so guten Buch tu, verhelfen ^ als sie für allen andern Handel 



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978 Co)i9o^ oampj^^uoipl Softooe* 

baben. Sie hätten es wohl schon , wenn i|Br Handel mit 
auswärtigen ätaatspapieren nicht zu neu wäre. Sie haben 
fiich dessen erst nach dem Frieden bemächtigt 9 und daran ist 
aum Theil die Niederländische Gesetzgebung Schuld, welche 
den Holländern das Geschäft ;iuswärtiger Anleihen verküm- 
mert hs^t, das vor deni .Kriege fast ausschlieislich in ihren 
Händen war. ^ 

Sollte hier nun der Inhalt der vorliegenden Schtift skizzirt 
werden ohne Fehler und vermeid^iche Dunkelheiten zu über- 
tragen 9 so würde das mehr Mühe machen, als eine Abhand- 
lung über ihren Gegenstand zu schreiben, da selbst-das Rieh« 
tige in ihr durch Druckfehler unrichtig gemacht Jst. Es soll 
nur ein Aiuszug in Betre£F der nordamerikanischen Finanzen 
gegeben werden , deren Darstellung zu den gelungeneren und 
jtür unsere Leser interessanteren gebort, und welche aucli zu 
einigen Bemerkungen über die Tendenz der eben jetzt dort 
angenommenen Steueryerfassung Anlafs geben können^ Ln 
Jahr 178«5 betrug die gemeinschaftliche Scliujd der vereinigten 
Staaten 42.000375 Dollar und ihre Verzinsimg 2.4l595ö Doli. 
^s gab. keinen Fonds i^ür Zinszahlung und Schuldentilgung. 
Die Staatspapiere verkauften sjch ifm eiß Zehntel ihres JSlenn- 
werthes. In den folgenden Jahren, bis 1790, geschahen 
«war einige Zinszahlungen, aber der gröfste Theil der Zinsen 
blieb rükständig. Nach dem Bericht des Schatzamtes \rom 
9. Jan, 1790 betrug die auswärtige Staatsschuld; 
bei dem französischen Schatze . 1 

«u5p.C. ; . .., . 24.OOO0O0Livres ^ _ 
unteir.französ. Bürgschaft in > 6-296296 Doli. 

Holland 4 p. C. . . . lO.OOOftOO -r- I 
bei dem spanischen Schatze 6 p.C. • , . 174Q11 — 
/ In Holland 6 p* C» . ♦ • . 5000000,0. J 

desgleichen 4 p. C, . • . . 2000000 - [ 3 . 6OOOOO. 
desgleichen 5 p. C. • , * . 20ÖOOOQ • j 
die Zinsrückstände darauf . . . . , . 1. 640071.63, 
die innere Schuld •...-.,->.. 27. 33S917. 7i 
die Zinsrückstände darauf ♦ , , ^ , , l3. 03oi6Ö. 20. 

die geordnete Sfchuld ., , ^ . . • . 62. 124464. öü. 

die schwebende Schulde angenomiöen . , 2, 000000 — 

Im^ Ganzen, \ . . / 54.134464.56. 

Unterm 14. August 1790 ging das Gesetz durch, daf$ 
xr jn dem folgenden Janr an 2/3 der innern Schuld 6 p.C. Zinsen 
tragen j' das bleibende 1/3 aber vom Jahr 1^01 an gleichfall» in 
Verzinsung und auf gleichen Fufs treten ^ dafs der Zinsruck- 



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ptftnd Cftpitalisirt uvA mit 3 p,C« verziniet werden ' solle» 
JOaßselbe Gesetz , die Grundlage aller folgenden machte 21 
Millionen Schulden der einzelnen Staaten znr gemein schaftli« 
eben Schuld, so dafs davon 4/9 von 1792 an mit 6p,C und 2/9 
yon derselbe^ Zeit an mit 3 p. C. die übrigen 3/9 aber von 
iöOO an init 6 p, C. verzinset werden sollten. Man behielt 
sich vor, auf die 6 p,G. Papiere einen jährlichen Abtrag yori - 
5 p C* zu machen 9 und die 3 p«C« Papiere nach Ermessen 
einzuldsen* Zu di^s^n Zins- und Capitalabträgen wiefs man. 
Zollgeiälle, den Ertrag verkaufter Staatsländerei und die Zin<* 
sen dev eingelösten Papiere an, und vermehrte ihn durch das 
GesetJ5 vom 29. Aptil 10b2 auf 7.300000 Dollar, Um diese 
Zeit war die Staatsschuld 72 MiHionen, wovon die Fremden, 
über 32 Millionen und die einzelnen' Amerikaner ein Drittel 
weniger , 22r/3 Millionen , die einsjelnen Staaten und die 
Körperschaften' 152/3 Mill. besafsen^ Um die französische 
Schuldforderung abzutragen , hatte man Papiere zu 6r/2 und 
4i/2 p, C. ausgegeben , zum KriegsschiiFbau tieue 6 p. C, . 
(NavystQck) 179^/9 geschaifen , zu den Krieg skosten ferner 
durch Öp.C. Papiere Rath geschafft, ' 

Als nun im Jahr' 1Ö03 für Louisiana nach Abzug von 
Amerikanischen Forderungen zu 3.7500OO Dollar an Frank« 
reich 11.260000 Doli, in 6 p. G. Papierenabgegeben wurde», 
deren Zinsen zu Loudcm, Amsterdam und Paris zahlbar und 
. deren Zahlungen mit i8l8 in vier Jahresfristen fällig waren, 
so. ward der Tilgxmgsfond auf 8 Millionen erhöhet. 

In denflB'riedensjahren für Amerika von l800 bis 18^12^ 
wurden 46<[VIillionen abgetragen und die Schuld best^d nocK 
aus 45.164,189 Dil. ^^ ^ 

Hierauf war der Vorlaufer der I^riegserklärung wider ' 
England ein Anlehn 10.184700 zu 6 p. C., welches über die 
Hälfte von den Banken geliefert wurde. Diesem folgte l8l3 
eine Anleihe von 16 Millionen zu 6 p. C, und dem Course 
von 88, und eine zweite von 71/2 Millionen zu 6 P.C., wo- 
von Il3 D. 3l C. för baargeliehene 100 Dollar gegeben 
wurden. Die Anleihe von I8l4 zu 26 Millionen bitte über 
15.954619 in« 6 p.C, zu 80 keinen Fortgang, da die Staat^- 
papiere fielen und hin und wieder schon zwischen 60 und 70 
verkauft wurden. Die Regierung half sich durch vermehrte 
• Ausgabe von Schätzkammerscheinen. Sie hatte schon l8l2 
verzinsliche Schatzkammerscheine mit 62/6 Projcent Zinsen in 
Umlauf gesetzt , und ward 1§15 ermächtigt, für-2ö Millionen 
Schatzkammerscheine in- gröfserem Betrage als 1 00 nach Er- 
messen mit oder ohne Zinsen und die kleineren ohne Zinsen . 

', . Jigitizedby Google ^ 



auszugeben. Jene trurden für 6 p* C. Papiere wieder einge« 
zogen^ zumTheil durch die Anleihe von l8l5 welche 1 2.288149 
ergab ^ und diese wurden in 7 p. C. Papiere verwandelt, Sie 
mochten auf diesem Wege ^ oder als Steuerzahlung eingehen^ 
so durfte der Schatz sie bis l6t7 wieder ausgeben^ in wel- 
chem Jahr sie vernichtet wurden. 

(Hätte der Krieg mit £ngland länger gedauert, so würde 
er die Amerikanischen Finanzen zerrüttet haben. iVIit jeder 
Anleihe stiegen ihre Kosten und Schwierigkeiten 5 so dals 
man dadurch l8l5 schon kein Geld 9 sondern nur Schatzkam* 
merscheine erhielt. Aber das Hülfs'mittel der Schatzkammer« 
scheine erschöpfte sich gleichfalls und verwandelte die Staats- 
JEinnahme aus baarem Gelde in Papiergeld. VVas blieb nun 
noch übrig?) Bis 1844 hatte man für 50 Mill. Anlehen 
43 vMill. Darlehn erhalten, also 7 Mill. eingebüfst, und 
1812/5 für 36.680794 Schatzfcanimerscheine in UmJauf gesetzt. 
Die Schuld ward l8i6 noch mit 7 Millionen 5 p. G. Papiere 
vermehrt , aber nur dem Namen nach und in der That ward 
die Staats -'Einnahme vermehrt, weil diese Papiere ajrf Ein- 
lage der neuerrichteten B^nk gegeben wurden, und gleiche 
Dividende mit den andern Papieren gewährten, welche und 
zwar die 6 p. C. für voll, die 7 p. C. für 106,051 und die 
3 p.c. für 65 von den übrigen Bank -Actionären in Zahlung 
(gegeben werden konnten. Während der Bankfond von 35 
Millionen einen Theil der Staatsschuldscbeine aus dem^ Um« 
laufe zog, vertilgte 1&17 der Tilgungsfond die.Schatzkammer- 
scheine und erhielt eine ständige Einnahme von 10 Millionen 
mit einem aasserordentlichen Zuschufs von 9 Millioiien. Der 
Präsident berechnete in der Botschaft vom Nov. 1Ö20 diß 
gesamtnte Schuld bei dem Frieden sschlufs auf • l58«7l3o49* 

den Abtrag auf ... 66.719166 .^ 
ihren Stand auf .... 9l.99ööö3' 

worin bereits eine neue Anleihe von 3 Millionen begriffen, 
und 1821 eine zweite von 5 Millionen hinzukam. Das Ganze 
bildete sich aus folgenden Schuldbeträgen : 
6 p.c. von den einzelnen Staaten übernommen (deferredstoci) 
...... 1.753148.38. zahlbar bi4 1824. 

3 — .....'. 13.295956. 4.. - - nach Er^aessen. 

6 — von 1796 . . • - 80000^ - - - nach 1819, 
6 — vom Umtausch 1812 2,668974.99. - - nach 1824. 
6 T— Louisiana , . . 5553.15. / 

6 — Anleihe von 1812 6.187006.84. - - von i825. 
6 — - - - I8l3 15521136.45. - ^ . i826. 
6 — - - - • • 6.8362J2.39L - ^ « 1626. 



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6 — Anleihe wnl8i4 ll01l437.63^ • • - 1827. ^ 
(5 --, . - . lölö 9-490099.1p* - • . • l828»^ 

5 — ^Schatzkammei:- 

scheine. '• . 1.464895. 7. - - - 1825. 

7 — desgleichen . . 8.606365.37. / - « • 1825» 
5 — Bankrorderung (Sub- ' 

Script. toU.S.Bank) 7.OQ0000« — • - nach Erfnessen* 
♦6 p.c. von 1819 - > 2.000000. 
♦ö'-T- desgleicheh . 999999.13. 

ö •« voiuMärz.i821 4.73529#^3o. * • - nach 1834» 

■■■■..■■ ■ .1 .^wm t ■■ 

Im Ganzen . . 93.656095D.74C, 

Im Jahr l8i9 ist keine Anleihe gemacht, sondexn im Jaht 
1820 von S Millionen zu 5 p. C, Die obige Angabe der An- 
leihe von l8l9 zu 6 und 6 p. C. ist also nicht richtig. 

Aufmerksame Leser werden bemerkt haben , dafs dio 
Aushülfen bei^ den Amerikanischen Finanzen eine Nachah- 
mung der Englischen sind, dafs aber den Amerikanern die 
Kräfte der Engländer fehlen. , Einzelne Kaüfleute mögen un- 
ter jenen vielleicht noch reicher seyn als unter diesen, aber 
das zählt im Ganzen nicht. Wie die Gevrerbleute unter ih- 
nen im Gegensatz der Landleute unbeträchtlich sind, so ist 
es «auch ihr Gewerbvermögen Jm Gegensatz des landvv'irth- 
schaftliohen Vermögens und blofse Capitalisten im Europäi- 
schen Sinn sind dort selten. Unsere Leser werden sich er- 
innern, dafs' vor dem Kriege der gröfste Theil der Amerika- 
nischen umlaufenden Staatsschuld in Europäischen, besonder^ 
Englischen Händen war. Als man nun mit England in Krifeg 
gerieth, so verschlofs man dadurch gerade die Quelle, woraus 
man das Geld 15U den Anleihen hätte schöpfen können. Bei 
den Landwirthen liefsen ^ich allerdings für ihreLieferung von 
Kriegsbedürfnisseu 6ine Menge Staatspapiere anbringen, in- 
defs entstand doch unter ihjien bei, der mangelnden Gelegen- 
heit zum Umsatz im Innern dadurch mancherlei Zahlungsver- 
legenheit; aber dieKaufledte mufsten bei ihren Lieferungs- 
verträgen die Staatspapiere gleich anfangs von sich abwehren, 
da sie die gelieferten Europäischen Waaren damit entweder 
gar nicht, öder mit grofser Gefahr von Verlust decken konn- 
ten. So vermogte denn bald der landwirthschaftlicbe und 
kaufmännische verkehr bei noch so' sehr steigenden Preisen 
und Gewinnen von Landesfrüchten und fremden Waaren neue 
StaatBpe^iere rficht mehr aufzunehmen, weil es noch keinen 
Capitalistenstaiid gab , der an Geld und Cre^dit reich genug 
gewesen wSre^ um das Capital an sich tuBiebeto, welcbfes 



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382 Cohen, ddm|»endittiit orfina&ec^ 

der Schat« för die gelieferte Frttclite und Waareii,iri Umlauf 
setzte 9 und tim es wieder gegen Staatspapiere ainden Schatz 
und in Umlauf zu bringen, so dais es also umlaufendes Capi. 
tal und doch zugleich für den Stand der Capitalisten stehen« 
4erErwerhstamm»gevrorden wäre. Zwar vei'suchten die Ban* 
ken in den einzelnen Staaten den Capitalistenstand zu vertre- 
ten, und lieAen sich als Hauj^tunternebmer in die ersten 
Staatsanleihen ein j aber sie fandefi mit ihren Banknoten den 
Umsatz eben so schwierig, wie die Land wirrb«^ mit den 
Staatspapieren, nni sie n^tifsten grofsentheils < \e Zahlung 
^ einstellen, als nach dem Frieden die auswärtigen Kapitale aus 
dep. Amerikanischen Fonds in die Europäischen Anleihen ge- 
zogen wurden. Da mait nun wohl in Amerika. Staatspapiere, 
Schatzkamnierscheine, Liefefiings vertrage gleich den EngU- 
schetl^ aber nicht zugleich die Englischen Capitalisten, die desto 
mehr darleihen können, je mehr geliehen wird, und zugleich 
die Englischen Gewerbe ^ wofür die gröfste Lieferung des 
Kriegsbedarfs immer noch nicht grofs ist, verotdfteft konnte; 
da man ferner eben so wenig als m England die Entvrertbling 
des Grundeigenthums durch Gruft d steuern und die Zwangslie- 
ferungen y;erördnen konnte; so konnte man es mit den Staats- 
anleihen, Schatzkammerscheinen und Ankätifen 2$um Kriegfüh- 
ren kaum so viele Monate treiben , als es England Jahre ge- 
trieben hatte, und so lange fort^etrieben haben /würde, als 
es hätte kriegführen wollen, und so mufste man mit dem 
Kriege ein Ende machen, weil die Anleihen und Lieferungen 
ihr Ende sich selbst machten. Aber das bittere Gefühl der 
Schwäche durch den Mangel der Gevirerbe blieb nicht ohne 
Folgen in Amerika. Kaum athmete man wieder Friedensluft, 
. so wollte man der Entwicklung der GeWerbsamkeit / dem Be- 
trieü des Handwerks und Maschinendienstes ^ dem Fortgang 
der Kunstarbeiten durch die steigende Zahl müfsiger Hände 
bei der iLandarbeit nicht ihre Zeit lassen^ sondern so schnell 
als möglich von dem Auslande in allen Kriegsbedörfnissen sieb 
unabhängig machen, und so viele Weber, Schmiede, Tuch- 
fabricantlen , auch Branntweinbrenner als möglich habe^n. Also 
ward der Einfuhrzoll auf alle Waaren schwer und schwerer 
gelegt, die mfin einheimisch machen wollte, und sie wurden 
in der That weniger eingeführt, und mächten sich auch ei- 
nigermafsen einheimisch. Aber es ward auch weniger ausge« 
führt 9 und das geschah gerade als die hohen Kriegespreise 
von den Landes&üchten sich in die niedrigsten Fri^denspreiie 
umsetzten, und die auswärtigen Capitale sich aus den Arne« 
rikanischen Fonds zurückzogen^ Die Zerrüttung in UmsatSi 



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/ 



BeutUri aoim« crit. lo Hömerum et VirgUium. 383 

Erwerb lAd Vermögen war arof« undl ging aus dem btirger« 
liehen Haushalt in den Staatshaushalt tiber. Alle Einnahmen 
schlugen zurück; für die verkaufte Staatsländerei fehlten die 
Zahler, für die feilgebotene die Käufer, die Zölle Anken von 
beinahe,22 Mill. im Jahr I3l8, auf 17 Mill.im Jahr I6l9 und 
auf,i5 im Jahr id20. Seidem hat man den Ausfall durch An- 
leihen jäbrHch gedeckt, Sie machen zwar nur ö -— » 6 p. C. * 
Kosten und tragen' nur 5 p. C. Änsfen, sie mögen auch ein 
gemeinscbaftlijches Interesse mehr wider die Auflösting des 
Verbandes zwischen den Staaten .^yn ^ aber sie geben doch 
dem Cäpitalisiren eine falsche Richtung^ und vermehren da- 
durch das Uebel, woraus sie entstehen, die Erkünstelung von 
Gewerben auf Kosten des Landbaues, die Verkümmerung des 
auswärtigen Handels itA Geben und Nehmen, sie schwächen 
den Tilgungsfonds , welcher sonst wohl nach eingelöfster 
Schuld ein gemeinschaftliches Capital ff Ir die vereinigten Staa- 
ten ergeben könnte. Und ein gemeinschaftliches Vermögen 
ist doch ein stärkeres Interesse, als eine gemeinschaftliche 
Schuld, ^ 



^nimadvcrsiones ' criticad in Uomernm et Virgiliunty quas , — ad Ma» 
gisterii honores et jura rite impetranda, U. L. C, die XXIIU 
Aprilis MDCCCXXIIL ^ dejen^et Joannes Georgias Ludoi)icus 
BeutleruSf Gothanus ^ Phil, D^ ^ Seminarii philologiei- et 
tlieologici sodalis ordinariuS4 Jenae, 34 S> 4« 



1/5. 



Diese, dem Oberconsistorialrath , Hrn. Dr. Gahler zu 
Jena, einem der Universitätslehrer des Verfassers, zugeeig- 
nete, Inauguralschrift verdient Lrob wegen 4^8 sichtbaren 
Fleilses, womit sie ausgearbeitet ist, und wegen der unver- 
ächtlichen Kenntiiisse,' welche Hr. Dr. Beutler an den Tag 
legt. Dagegen vermilst man in den kritischen Theilen sichern 
Takt und Unabhängigkeit des Urtheill; in der grammatischen % 
Abhandlung bestimmtem Ausdruck und vollständigere Bele- 
senheit j im Ganzen aber durchgängige Äichtigkeit und fei- 
nere Ausbildung der Sprache ; Mängel , welche die Jugend 
des Verfassers bei Billigen gewifs entschuldigen wird. 

Die Schrift besteht ^us 3 Capitehi, deren üeberschriften 
sind: /. Di^bitatur, num postremi sex versus, qui in qua^ 
Iliadis libro leguntur ,' ab Homero gröfecti sint; 2» De notio^ 



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r 



364 Beutleri aulm^ bcit^ in Hoin«nün et VirgUioii«. 

nibus*loci apud Homeram; 9. Tentatur nova versus iog et 
4 40. qui exstant in iertia' Virgilii, ecloga, interpretatio,. 
^ 1. Wa^ das erste Capitel anlangt, so enthält bekanntlich 
jenes BucH der Ilias^de'n Bitich des Waffenstillstandes durch 
Pandarus, und die darauf folgende blutige Schlaeht, aus der, 
wie gewöhnlich, mehrere Hauptkämpt:e namhafter Streiter 
hervorgehoben werden , nach der«n Erzählui^ Homer in die« 
sesEpiphonem ausbricht : 

"'Ev^a xfiv oux^ri {jg^ov av)^g> Jvoo-o/ro ftcriA^aiyf 

Der \ Verf. w\mdert sich^ dafe wedet Ifefne Uöcli ff^olj 
diese Verse für unächt erheimen. „Sic enim ego mihi per- 
juamm habeo^ neque catalogum naviiim, qui vulgo appellatuTt 
neque eo^ versus, per quos tempora, quihus pugnatum sit, (?) 
notantUTj tarn luculeata, quihus velxtti (?) spurii arguantur, 
pr ödere vestigia, quam Uli (illos) i>ersus, -^^ Quisquis enim 
JueritJ qui Iliadem atque Ödysseam condidit, sive unusj quod 
haud i^erisimile est, (jy sive plures, id 0Mt<^ omnem duhita- 
ti^nent] positum est, cnrmina Homer ica, or^mtaditü, quae non-^ 
' 7iisi memoria tenerentur , intev cantandum a rhapsodis et sin- 
gulis verbis mutata et novis üdditamentis aiicta esse, Ea vero, 
quae rkäpsodi addiderant , seriori tempore , cum jcarminä Ho^ 
meri a Pisis^rato in unum corpus colli gerentur ß et in cum, 
quo nunc ea legimus, ordinem rediger entup, tanquam ah ipso 
Homero prafecta exkibebantur» Unde factum est, üt plures 
virsusj qui Homeri non esse (esse' non) possunt, tarnen' in 
Omnibus codicihus legantur. Somit anterniöiillt ^ es also 
selbst, zor beweisen, ^,illos versus neqüe per se dignos esse 
ingenio .ejus poStae, a quoreliqul Iliadip libri profecti sintj 
neque convenire et antecedentium et insequentium versuum con' 
textui/^ 



(Besehiu/s/olgt.y 



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N. 25- . 1824. 

Heidelberger 

Jahrbücher der Literatur. 



Ji G. L. BjfiütLERi änimädversiones criticae 
in Hoiuörum et Virgilium« 

NactMlem et Ae§ ßust^tbius allegorische Auflegung CToioS« 
9o; i äv Mfii l^iArlii i rov ittUffau (1 sfc ^ «afi) <, tt 0V r&v to\i 
4roA«'fii«u xaMcSv f«erj'^«#> «UA^ fou rtov ToAf/tJiikcuy ^li} yiy t^«a}y 

pt)i);$ flt'.ßXovt etc.) verworfen^ und die eig^ntlithe det Vilhi^ 
sonUcken Schollen gebilligt hät^ erklätl er leinselne Vt^örter» 
cLie in der Stelle. Vorkommen ^ und ^eht dann sur Hauptsache 
Über ^ nämiich zu den GrCLnden ihrer vecmeintlicfaen Unttcht» 
heit. Es sind folgende. -^ « 

l^r^tBns hah0 der goHas Sat9 HtWM ÜnpastmtdM und fPidm'Hntd^, 
ges {ßHifuid iiiepjti ätqu» intojtcinni):^ denn Wetn mdge in. solchem 
2ti8giiimenhange e\n miUsiger Mensch behagen | den Pallas siy 
eher durch die Schlachtteihen führe ^ und der nui). dem Kampf 
nicht tadle, . sondern höchpreise^ (lion T^pl^ifhen^At^ oux 
eWc'Är«} sed oalde c.omprahft^')sLU ieinep recht wilden und 
grausamen? Das Jcönne nur ein feiger Bäs,e wicht (mafui et ti» 
midusJiomQ)f dergleichen^ «onst l}omer nicht auf|;r^ten Wse: 
denn verschieden B^y es , wenn Aehnlicbes^von de^ Pallas und 
dem KriegSgotte' erzählt werdet wie a.. B. Iiis^r>l^, .1Ä7.: 
Götter hätten Ji^in menschliches Denk* und Gefüliiaveiraiteen^ 
u^d |{r:^rden, 4^^ V<»n^ den i^eiden der Sterblichen i^ic^it^ l^c^t 
gerfimt. . * . , . , . 

Dieser Orund beweifst wenig oder nichts. . Ein V4|n der 
Pallas Gef(!^rter ^st keip gemeiner Mensch i alao. d^r Aufmerk- 
samkeit ))oipfi^Mch^Xieser sticht unwürdig.^ Eerner:|)raucikt 
er ^in BasjG^iclit . oder eine Memni^ ^i^AH^ > ^n& 4en . Kampf 
Xm Jahrg. 4. He|i! iS 

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336 » Betideri anim. erlt. to Homerum et Virgitiaio. *' 

nach allen Seiteh zu durchaiust;ern und i^e Anftiengxingen der 
Streiter tadellos, zu fiiidfcn'^ - baer eiA lefcr-feuschauer von 
Schlachten und andern blutigen Schauspielen müi'ste gleichem 
Vp/wurfe ilQfsg^sttJBt s^yo, 'so wahW^IOÄd* t)dÄ: .wif^ßA» 
act^ftlnlb «ucb seine-Absi^t'tfe^n tnftcht^.- '£ihiHdh^kdmi«n 
ja Homers Götter für nichts mehr gelten als für potenzirte 
Menschen. ^ '^, • • 

Noch unbedeutender sind andere . Einwürfe ; «* B. dafs 
. cvüirt nicht passe, da es doch der Villoisonische Scholiast fafslich 
erklärt; .«(tv ouv TO^'oAa^w/t/^v euxi^rr ü^yoy i? yqo'pEir oy.^t^/ouTv n 
'ra^>aX>}*4^cJf<fi5a > w? ort .x'^ora^ov i^sv ovorov ijv to .sjpYpy» vüv Bk ou- 
MsVi: dafs iVr'äuch im nächstfolgenden Verse stfehe; dafs s^ov 
(fkovovf lahorem^) für sich allein nicht wohl Schlacht jbedeuten 
könne; dafs oivijq in solcher Yörbind^ng, ^^ubi inservit generali 
notiöni exprimendae ,^^ fast immer rt^ bei sich habe; dafs unruhi- 
ges Herumtrdib^ (BiviCsiv) dem^BiegriBF eines ZuBchaueri wi- 
der spre9he9' der still an Einem Ort '^ stieben müsse (^Spectaton 
autem aonßenit^ ut e laco aliijuo' prospiciens. trarupälh eculos in pug" 
nani cqnvertat) ; endlich dafs die angestochenen .Verse weder in 
4ies.Bud[i der Uias gehörten ^ das mit den Worten VoUoJ ^ 
«•^fxrt/yovT« iM SkX.ct ir'eekt gut «chliefse f nobh, dem folgenden 
zui^en, -jwelches^mlt derselben Partikel fiü&a anfange. £s ist 
nnnötliig/'^llö diese r<iilu)t#tt/a#'bis<in ihre letzten Schlupfvirin- 
Jcel^Bu Verfolgen ^ sie beurtbeilen si>ch selbst 9- und wivi begnü- 
^i^n uns 9 liuF noch Einen dieser Scheingründe näher zu linter- 
«jLichen; ida.er nüt ^mehr als «gewöhnlichef]^ Zbversichtlichkeit 
ausgedrückt ist. Nee ratio j heifst esS* q^^ua Miners^a spe^ 
•ctaltn'em'pügnaetujetur,'lI(fjp!ieHcäe'r(Uioni, quae estinlliade, 
j(Uis\acö0mm0d{tta esfse videtur. Mineti^am enim- Iliadis aucfor 
^dlfi^^eahihei tanqüäm deam tsivoroftvivi guae ' '<^mnem cum ho- 
miviibu^' ioii'Metudinem fugiuK ; Haud^ igitttr i^erisimile mihi 
^sse tpideiur i ItöMerum sen$€ntiäniß ,,si-quis tutics a telorwn 
W spectatoT pugnae fuisset/* ita ' ^xpressisse i ut diceret: si 
•quem I^nervh manu dueereti' Alio autejn ftiödo res se halti 
'4n Odirsstag'^ uhi- ded lila familiaH cti/n homixiibus con^uetu- 
*di7ie niitärs ^^\l&scd 'mh& sick 'über 6oI)cb6 Behauptung wun- 
4^rii. «Eberi in i^ies^m' Buche der Illäs gesellt sibh Pallas in 
^ftren^ehÜcfber Oöstalf zti PanH^rös ,und tjthiähpft Ihn, auf Me- 
Tvekisi^iriäil Pfril abzusehiefsen. Im folg'ehdöW' (V; 8OÖ.) rtf- 
det sie zu Dipmedes , so wie auch iQ, 5q5. ; im^ 17.> V. 556, 
zit Me^elaos ; 2l, 28*4 *ff» i>ßi*Uhigt ^s'ie und. Poseidon den mit 
Xanthos ringenden Achilleus ', ' mit ^elciefm We sic^ aufser- 
dem iii'ersten Gesänge, Vi 207 ff.; -imd' besonders B. 23, 
2^16 ff. umötred^t^y ^'b siö^'-^ih Oei^hotds^Öerftalt, auch zu 



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Bfmkdt 9Di«^ .^it. w Uoiaerw .^t ViijBiUttni. S87 

Hefetpt «priqtt. .;r?n^t That,, vv^rum. aoU di<&a P«11m .nicht 
ebensowohl ajs Pö^eidot) oder ,App]]pA? sind die^e >y einiger 
a«ivoi J^fifli/? J^i^, sorgfältigeres ^tudium Homerg hatte 4*?« Vf.. 
var.diefiejp Miii^gtiiE^ bewahrt; un^i.j^o ruten vvfir <iflnn hei 
diem ,G^e^eiih(^t ^pwohl .ihm'43.. qia^Gh^m. anderji Jünger 
der Philolpgie ein..wQbl(neinendes Ca\re,.zu9 überzeugt, daCs. 
Kritteleien, diq&er Art», dufch aiifsyerstaiidene Beispiele «inig^er 
Koryphäen yeranlafst^, selten Veiter als «iu die Vorhallen des 
Tempel? f'ühri§ny,.uo^;nur. z,\i oft di^ darin Befangenen Zeitle- 
hens in ihren beschränkten Kr ei&. bannen« Was Homerisch. 
sey, w;;aStni(^bt,|Hi9a>erisch,^und qb IJi^3- und Ody»see.£ipen 
Verffsier haben,; df^, ??u;. sagen isp nicjbt Jedermanns Sacher 
sondern geziemt, >t^wa , war den Phfs, Wqlf^ und Männe.rp^ 
wie Ä« £. Schuhav^h, Ve^fa^ser der „Ideell über Honaer Afnd 
sein Z^talter;«^.;. .,i- ,. . . . i • ; • n . 

H, JÖ^e ;Wichtigkeit; der Orts.begri!ßfe [„Cutn a notioni^ 
ius. locijt *fiuas. affij-Qr^eeijf , i\lüs JUatim casihus v^xprimunl, 
fereyr^p^taMun h^on v&pl\m Mr)^<kn$.^ s^ etiam /(tfufid tarnen 
aum rec-^ßatM^d^thitcbn^lia^) ,Qffine^ älia» rationhs, ifa&Jt* c/i- 
sihus. iiigtkißoaiUur .^cw'^] betrog, dea Verfasser, .die Ax%\ wie 
insou4e"rb>*it ,H<kja(i.er > d^r Vafcer griechisober Litetvaiur'^ <liea# 
Begi'iffe p.iii&dri^ckt;9^u untersMchä^ . Bekanntliok »ririd 'dax^u 
sowq'hl de^ Genitiv, ftUider Dativ und Accuftativ «gebraucht« 
Herr S* g«bt dahen^ diesi9 drei Casus durch » and vfers^u^bt' iihre 
Grundideen zu erfassen^ • .So heirs.t es« vom Geoitiv^jS. l3».: 
Dicändtun est^ l exprimi eo nomine k qu^ in Gemtivb j>diM9r 
tur^ rem eam, (»eltacam eum^ d4 ^ü^'rmaliqmid ^a>n^- 
quam .pars pettinet^ vel pertinui'A -Dafei^eie.Deiil* 
nition zu eng ist, zeigt sich an Beispielen^ wieliiai 1^432.^ 

il. 6, 608.: , , V •• -. 

£<(u^cu$ ^vs^Bat iv^^sT&g 'jeoTOfxetOf . 
und. sondern. Allgemeiner, und daher tve£Fender, wird 4^t 
Dativ charaliteiisirtt j^Dativus ex primitivß, quae ei fuif^ 
videtur, significaüone locali noiat locwn, cui aliquid pYopius 
admopendum ß offerendum , appUpandum, atque conjtmgendvifh 
est, * Ufoji enim e'orum j^rohaverim sententiam, qid, illum^Da^ 
tivi iisum,. quippe qui lingua Graeca magis. excultoh paene 
ohsolesceret ^ (?)^parvm curuntes, eam Dativo tribuunt vnn 
primitit^an^ qMa locus,, üb i nliquid fiat , vel situm ^it, desig" 
natur : . ntttn ab hac mltera illa niotusiiw aliqü etn ^ loc u,m 
signißcaiiQ nulbk^ modo, deduci posse mihi videturJ* Die Be- 
ziehungen dea AcecwatiTS sina liber baupt klarer', imä mai^ 

^ \ 

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38& B^ntlerf «DÜn. atit. 4ti Homenilta H Vtfgiftam, 

kann mit dieser Fassanj^ seines Haaptbegriffs woÜ euMe^ 
ßeynt ßpAccustttwus dentque lacurh signißcai, ' in quem vtl 
ad quem äliquid dirigituri 3We ibi (eo) Hon adi^eniat-, sivt 
adt^eniat,'^ Doch 'mlnschten wir, dals der Yerf. in diesem 
grammatisc&en Aufsatse umsichtijger zu Werke gegangeh wSre, 
indem er die Ansichten seiner berühmtesten Yorgäiiger einer 
Prüfung gewürdigt hätte , da {etzt Keiner dex^selben auch nur 

fenannt ist. Das philologische Studium ist grofsentheils «in 
istorischesy in welchem man, ohne BeiivtlBung alles Vorheri- 
gen nicht fortkommen kann, ' ' * 

^ ' IlX Wir schreiten nun au dem letzten Und anziehend- 
sten Theile dieser Schrift, welcher sich mit Erklärung der be- 
kannten streitigen Stelle in Virgili drittem Idyll bescbäfftigt. 
Herrn B's. Bemühungen * auf diesem Felde sind mit Dank an- 
zuerkennen , und wir fühlen uns durch die einsichtsvoll« und 
vorsichtige Behandlungsart-, welche er hier zeigt , veranlafst, 
ihn zu ähnlichen Arbeiten aufetimuntern, zu welchener vorzüg- 
lich geeignet scheint. In dem bezeichneten Gedicht singen 
die mrten Menalkas und Damdtas ihre Wettverse vor dem 
Nachbar Palämon, den sie zum Schiedsriditer erwählt haben. 
Der 'Inhalt dieser Verse ist gr^fstentheils; L4ebe, die beiden 
Jünglingen ihren Honig , aber auch ihren Wermutb f zu 'lio- 
aten gab , und zwar' des letzteren mehr dem Damdtas« Ob- 

Sleicb nun dessen Dichtungen im Ganzen glücklicher sind als 
ie seines anmafsenden Gegners ^ so findet doch F^lämon ent- 
weder die. Entscheidung zu schwer^ oder er scheuet es, einen 
der beiden ^ ihm gleich werjrhen , Kampfsängec zu beleidigen ; 
kurz, daver das Urtbail sprechen soll^ weicht^ er ihm mit fol- 
gen der. Wendung aus: 

Non nostrum inter vos tantas componere \lites. 
' Et vitula tu dignus, et hie p et quisquis amores 
Ant metuet dulces, ani experictnr amaros. ^ 

lind ohne irgend eine'ErWiedoruttg « absnwarten ^ bricht er das 
Gesprc(di ab , indem er seinen Knechten, zuruft« 

Ciaudite jamrivosy pueri: ^at prata bibernnt» 
'80 endigt das Idyll, merWürdig durcb die HirsTerstandnisse, 
die diese Schlufsrerse veranlafsten: denn i^oht allein wurden 
die etwas nngew6hnlicb.gesagten Worte e^ quisquis' amores Aut 
^metuei dßlces , aut ejoperieturamaros* auf yerscbiedene Art ge- 
fafst^ auch das offene -Wort -Noh nostrum (est) ^inter i^os tantas 
eomponere Utes schien anstofsig, und ward yon Castehetro 
• Opera er it.* p» /J^. :fur eine Frage angesebn^ ut,Pafaemo roget 
(toit Hm. !d*.2u reden): An non meae sunt partes, sententian. 
/err$ de certamine vestro 7 Quid ergo ? quum vitula sit pignv 

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^Beiidtfri. «oitt. ,«rk. ts H^enim et Vtcgilliim«^ S89 

• ■■'■.- ^ , 

depo4itum, hune dePhyllide^ MenalcHs iöftteris, tis tta mutas 
praetnitwi? (MeiiftU&as schUeist oamlich ^^ Wett^aiig mit die«* 
sen Versen: 

Dicß qmhus. in lierris inscripti nomina regum 
Nascantw flore^y et PJ^ylii da solut habeio.) 
Meum est , pronuntiare sententiam » qui ca/ pures judico» et vi- 
tula tttrumque dignum^ nee in cantando modo pares^.sed et in 
amando, quia qiu amor.es ama^os expertus est, spe mitioris puel- 
lue susiineri debetj.. ut etiaruj qui duleibus potitur, "^debet me^ 
tu^re, ne mutet puella animum.- Jta utrobique parem esse eondi^^ 
tienem; nee habere DamoeUwiß quo d de Galathea fugiente qußr- 
rülar, nee Menaicamy quod gl'orietur 4^ Amanta ultro se offe^ 
rente , sed amores esse <itriusque amaros ß velfuturos, Noc)l Ter* 
Lehrter i^t die Interpnnctiou £eseti Verses, diö sich bei Nonius, - so« 
yno in dem, von Burmann yerglichenen, codex Regius desVirgil 
findet, und wekheServius mid^jFÄiricjW annehmend Non (ul- 
terius progrediendiim est contendendo, yne FabriciuS $af^i na- 
strum, inter vos täntas componere litest quasi dieatl 
'Ef^o sum vestri -ceriaminis arbiterf ei vi tula t u dig n u s» e t 
hie, I. e* parem eantando gloriam estis adepti. ßurmann/ der 
diese Auslegung mit Recht ta^elt^ irrt gleichwohl ebenso weit 
Tom rechten. Wege ab^ wenn er schreibt: Ego puto etiam, 
'Palaemonem, curinnderet, litem crescere, et animose nimis edr- 
tari, quia Menalca^ß cum £xerat Phjrliida amo ante alias, 
nunc confidenSß aenigma suum solin non posse ab adversario, ee^ 
dere esset paratus^ nee de viiula amplius.soüicitus esset t Palae-^ 
mortem, dico ,- metuentemy fie acerhius etiam quid oggererei Da-* 
nwetas, rnpisse contentionem ß etmonuisse, ne in amando aut 
nimis fiderent dulei amori, aut desperarent, si amarior Pidef^tur, 
quia uterque varias iUds cmtoris vicissitudines egregie eantantfo 
cxpresserantj et tandem utrosqüe esse dignos, ut voti sui eompo^ 
tesfiant etc. Kein Wunder^ dafs Heine sich bei SQ].dierIei Er- 
klärungen nicht beruhigte. Aber was thut er seffiit? — Er 
verzweifelt, fafst ohne Weiteres das kritische Messei|r^ und' 
schneidet dife Worte Et vi tula ^^-*_ experietur amore^ aus dem 
Text: döhn wassej dies für ein Gedanhe Et vitula tu dig-- 
nus et hie ß et quisquist ut uterque vitula remuneranduS sit 
(atqui alter poeulurnfirre dehebat)? Mult^ minus ferri potest, 
ut et tertius vitulam ferat , et omnes alii pvaemium idem*ferant, 
et^ quidem non propter victoriant, sed propter. amores infaa. 
*3tosX?). Quis tandem locus praemio in hoc 7 quorsum vitula ' 
an pro puella amäta ? (!) Sin Sententiam ab antecedentibus se . 
junctamfacias ß ut sii Et vel At qüijquis amores aut me- 



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390 BcttCleri aniin. erit* in fiEomefBH) et Vlrgilivm» 

^ ^ . • • 

tuet» aüt € vip ertetur, primo sent0ntid ef(^ tönt^riß, oIh 
scurdi et, si expeditam-dederis ß a loco aliena^ qiiorsum enim 
repente cunores?' De cantu agebaturs praemium debebatur ei, 
qui cantu superior esjet; nunc, aütem ämho cantu erant pares, 
non arhord felices ,• aut infelices (?)i tum i^ero grammatieae ad- 
verSätur- koc , ut quisquis^ sit unusquisque; — multo mi- 
nus quisquis de duobus^pro uterque dicticm esse potest." 
Also «ey vermutblich die Stelle Et vitMh y-^ aiitar6s das unnütze 
EinScUebael eines ^ oder jnehr aI» Eines ^ Grammatikers, in 
-der Absicht , den kurzen und nachdrücklieben Ausspruch ^on 
noitrutn inter vos tantas componere lUet weiter aufzuführen , und, 
8Ö Gott, will» zu begründen. Wif übergeh^^ Woh^MM 
-nicht weniger gewaltsame Umstellung 

, ' ' ' et qtds^uis amaros 

Aut metuetj dulces aut experietur amores. 
deren Sitin noch dazu theils dunirel, thcils unbedeutend ist, 
und eilen- mit dem Verf. zu J. Ä Fofs* Dieser geübte Ausle- 
ger und Uebersetzer Virgils äuiisert sieh üb«r die vorliegende 
Stelle unter andern. sq.;. „FalAmon urtheilt mit einer Bescheid 
•denheit» die dem Verdienste der Wett Singer und dem Gefühl 
eine« Kenners gemäis ist: d^r Sieg sey unentlschiieden ^ wie* 
«wohl er sich zum-Meiialkas/su. neigen scheine (?)• Uns^ ei^ 
nemwieno^ir, ziemt.es nicht, über zwei so tre^iche Käm- 
pfer dep Ausspruch zu, thun. — Dann fügt der verständige 
.Schijffner (?) von gesetzt^im Alter für dia Jünglinge, deren 
.Ge8ai?g«ait Liebe ai^fing^ V, 64 — 83, f unji endigte, V. 100 
bis 107. f einen ernsth$it'ten Hath hinzu 9 und ^war, zugleich 
nachdrfipk]icher und. schonender, als allgemeinen Sittenspruch: 
^ocU scheue ein Jeder, wer er auch B4^y (alt oder jung), die 
«üfse Liebe, oder er wird sie bitter . erfehren,' VirgiU ^i 
verderbten die Abschreiber in Etf und meiuat fast alle in me" 
tuet^ weil sie durch die neue Bedeutiing des quisquis getäuscht» 
eine Fortsetzung des ürtheils erwarteten : auch jeder Andere 
' verdiene e\ne Kuh, der entweder die süfse Liebe scheue, oder 
die bittere Hebe erfahren werde. Die Albernheit dieser er- 
zwungenen Fortsetzung rührte sie nicht* .In der Sprache 
des Plautus und Lukrez wird quisquis uni unt^t4squis f sammt 
dem gleichbedeutendem. ^uis^B« und quicimque, häufig mit aus- 
gelasseaiem est für ein Jtf</«r gebraucht; welche Bemerkung des 
Manutius und Lajnhinus wir in* deutschen Museum (1786 B. 1. 
S. 24.) hinlänglich scheinen bewährt zu haben« Gegen das 
Augustische Zejitalter behiejt tjuisquö diesen Sinn ausschlie- 
«fsend, seltener ,ftt£^f mV ^ &u[serquoquo modo ^und -pacta, auch 
quicunque zuweilen. — Das Wesentliche dieser lErklärung» ab* 



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Ttmt Im inifl nMOäif finde iGb s^on Jieijxi. wackern Jscmubiis 
OuUifäiSf 1.0» Ifiäounque h 6st^ nonsoluni vös , säd ortmis mortßlis { 
dem der 'spanische Uebersetaser /^i^^ö L^^ej^ folgt.*' JEJr. B., 
den Jkeine der vorigen Erklärungea befriedigt^ a^immC aucb 
dieser nicht l>ei. Srstlich reriniiat er .den. Be#eis , daXs ^»iV« 
^tr.auob hei Virgil unusquisque heiss^. DarAi scheint; ihm die 
.Veräiiderung. desvsehr J^Iaren Jt mfitmu in das dupl^leFe fy m«- 
^attfi virenigär wahiTficheinlii^h als ui^gbl^ehrt di&£inschwärsung 
der arstei>eri Le^eart durch irgend Jeyaanci ^ det die letzter.e 
nicht verstan(i.. ^Kr ^e]b&t unternimmt es hierauf^ pl^rsuthun, 
dafa die in liede stehenden Verse nicht allein ffuten Sinn ha- 
ben 9 sondern dals sie auch nicht ausgemersti werden kennen, 
ohne den Zusainin^nhang der ganzen Dichtung ^u störeii. 
Nämlich da J*al4njf>n die Entscheidung dieses Dicbterstreites 
ablehne 9 so- müsse ,.er .verniVnt'tiger VVeise sagÄir, warum; 
und das geschehe in jenen Versen. ,'Dann sey au«h ohne sie 
.der ScJüiUS zu kahl« M^Non ita Virgilius , qui verbis splendidi^- 
simis^ es^hiiita sit^e j'ucfinda aliaBia^üfißgine,' sive Iqco aliquo 
communis e^logas coricludere soUu* Er fühlet die Endyerse 
des ersten und vierten Idylls /ZumQ^weise an y dann geht er zur 
Erldariuig der Stell^ a^lbst über* Im to9« Verse lie:^ielie §ich' 
mauf*]|Iena]Jkas, den P^Iämon der Kuh würdig halte; dem.Da-^ 
wix^r deivsie selber« «»toi Br^ise.ausg^set^t, könne detKampf- 
richti^r sie nii^t a^usp^echen und d^$ fiol^nde et hie (Damoetas, 
ßigim^ est i^iiida) seykut negUgentias, ex lAore coücquenUum, 
gesagt ,^ui en^ntiatio fe^rimeretun et hie dignus aÜqua vi- 
tula,'ißel tOili praemia, quate est vitula. *— Est u.i^ 
ttila es ea, quae trihtutur pastoribuSj, jöogitandi loquenelijque 
'ratione positum^ ut ^piagmtm, aliquo d viotoriae pfaemium signifi-^ 
cetur/^ . . } ^ 

Ueber die streitigen Worte et quisquis * — nma^as erklärt 
er sich folgendergestalt. Es sej dabei au yerstehen dignus ^t 
tantö praeniio^ quantum est vitula. Der Satz be|i|ehe aud £W«i 
Theilen, die einander entgegengesetzt und durch die. Parti j(«l 
aut unterschieden seyeh. ,^Respicit autein Palaemo in distin- 
guendis et opponendis istis enun ticuioni 6 iis Judicium itlttdj quod 
de utroque certantiunk tuherat : ■ Ef vitüia tu di'gnuS, et 
hie. Cum vero prior e ioco äppellat^isset Mehalcantj ad euni 
sententia^ purs prinia et quisquis a mores aut metuet 
dutces referenda est ; altera ad Damoetam, qui secundo loco 
sigmßcatus erat, Neque duBitare potest ', * et quisquis amx>~ 
res metuet dulces sigrüficare aliquidi quod opp onatur eäun- 
tiatieni amores e xp eriri amäros/^ AmorcS metuere 
sey Hiithin soTielals amores non.eTperiri , nmörihrt.t ^ non dare, 



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. ^92 .B«ldeil ' aoini^ «rft« ia BonumRD fH l^rfDIiiitf. 

*\ ' 

amorei fugete, Utare, lAemkahtiHoTaB'mi^ueMSsabnmAß^^f 
metuit culpari lese* Bei dulees sej quanwis m Terstelui) ivie 
öfters, sjl^B« Idyll 8*9 V« so. in den Worten extremä ma- 
riens tarnen all o quo t* hora. „Metuere ämores igi^ 
turhooloeo ^ignificdt .vitare, fugere amores, quam^vis 
dulces; u e. duthes ei^ quik^osnondumexfßrtus est; 
ergo, qui dulces esse videntur, re ^era -non sunt. 
' ßene autem dicit Palaemo, Msnatcam respicisns^y motu er e 
amores dulces^ nam ilfe puellapüm mnorem non magnopere 
curofveratß sed totum se dederat uni p'uerof neque minus apte ad 
Damoetam verba illa aui experietur ambres referuntur. 
Omnia tanien haec dicta sunt, sieuti loquenti in mentem venc" 
runt^ iiSjf quae nexum orationis constituissent, omissis, Accu-- 
ratißs enim et clarius Palaemo ita dixisset: $,„Npn solum nos, 
sed quicunque vohis in arte eanendi par est, dignus est magno 
praewiio/^*^ i, e,: umi^uisque, qui aui amotum contem ■ 
tum tarn bene quam Menalcas, aut amorum amaritudi" 
nem tarn bene quam Damoetas, canere possit, dignns^st, qui 
accipiat artis suae profimium/* 

So Herr B., unglücklich 9 wie seine achtuhgswürdicen 
Vorgänger , auch hei dem besten Willen uifd Bestreben« l9ur 
da& ist richtig, dafs nt«iii«e soviel heifst als fugtet oder •tdtdbit 
(m, vgl. die Ausleger des Horas bei den Worten metuenth red- 
iere soldum^ Sat 2« 5, 65 )» und daXs quamvis bei dulces hitizM- 

fedacbt werdenVcann, • Uebrigena ist hier kein Gegensatz, 
eine künstliche Besiehung bald auf den Einen, bald auf den 
Anderen der Wettsänger* Auch 4>azeichjiet oktda nicht des 
, Menalkas Freiskuh, sondern jede Kuh überhaupr, und tm 
kann daher ebenso gut auf Menalkas als auf Damötaa bezogen 
werden, ^m allerwenigsten ist der Sinn von amores ittetuere 
und amores, amaros experirii mnorem contemtüm^ oder amoru antarl^ 
tudinemi bene oanere^ Fofs erkannte sehr wohl, dw der 
Greis Falämon die . Jünglinge zum Schlufs vor der Liebe 
^arne; aber der etwas fremdartige Gebrauch der Partikel aut 
an i)eiden Stellet liefs ihn die Verbindung der Worte et quis- 
-quis '^ amanos mit den vorhergehenden Et vitula tu dignus et hicf 
fihersehn, Falämon sagt: „Line Kuh^(den höchsten Preis in 
der Hirtenwelt) verdienst du sowohl, als dieser, und wer 
immer die süfse Liebe entweder fürchteih, odej: ihre Bitter- 
keit erfahren wird ;« d. h. Wer immer der Xiiebe widerstebn 
wird , will er anders nicht ihre Qualen empfinden : denn et 
quisquis amores Aut metaet dulces f aut experietur ätnaros sagt, nach 
einem bekannten Sprachgebrauche nichts Anderes als et qmsqMt 
fugUu amorejf lusi amaros eos eo^periri oelit^ Wie unerwartet und 



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Bettderi aolmr oriu in Homeram €t VlrgUium. .393 

sinnreich', di0 Wendung des Gedankens €t qmuquU — mitaroi, 
ist) wie fein sich dieser^ allgemein scheinende 9 und dach auf 
die J4ingen Wettsänger bauptsS^hlich gemünzte, Freundeszu* 
ruf dem Riebterlichen Ei vkuia tu dignus^ et hie anschliefit^ 
naufs Jeder fühlen , und zugleich den Zutall hevmndern , der 
diesen« zwar etwas versteckt, ,aher doch in der Tbat sehr 
nahe ^ liegenden Sinn der Stelle so lange Zeit von den besten 
Auslegern verkennen liefs. Der alte Hirt achtet einen Ueber» 
winder der Liebe desselben hohen Kampfpreise^ werth, den^ 
seiner Meinung nach 9 beide Wettsänger verdient haben; und 
wer erinnert »ich hierbei nicht so mancher Dichferstellen^ 
worin die Macht des ^£^0$ traviofiaTtnf verherrlicht wird ? 

'^^t fUv yuv (sagt Sophokles Traqbjn. V. 441») Zwrti «^ 

IIvKnff ?vcp; k X**S^9 oi MoXmg ^^oiuSf — *•• 
und Menander ; 

OO^T avToq i HpOErnv iv oC^va» Sffwv 

(Ein schlechter Vers. Vielleicht ward fjy hinter dein 
ähnlichen /v übersehen.) 

2ku$» dk)C fkiivw Wvr dfoyKO^BBti vou7» 
JVL vgl. Euripides Hippolyt V. 63o ff«» wobei der belesene 
Francis Henry EgBrton in Seiner prachtvollen und seltenen Aus«* 
.gäbe des Stücks sowohl diese Stellen , als auch Theo krit, Op- 
pians Cyneget, V, 4lO. (*Ef«5, J: "£^«5, *o<r<>< cV^/O, dessen 
Halieut. im 4. Buch, ferner Orfeus Hymnus aii^Egwva^ He- 
liodor» niehi;ere bei Stobäus, Athenäus, B^.l3. , und von 
Neuerh P^trarka im Trianjo d*Amore^ 'xxniCamoens y Lusiade^ 
9. Gesang 9 anführt« welchen man viele Andere hinauf ügen 
konnte* 



y^fsuch einer Anioelsnn» %ur Forstbetriebs ^ Regulirung nach neuem 
Einsichten bearbeitet von dem Forstmeister *) Philipp Engel 
Klipstein ^u lAch* Gießen bei Hey er» 1823« XXIV* und 
174 S. 8. ndt Tabellen. 1 Fl. 40 Kr. 

Der Verfasser dieser Schrift, der dasjenige, was wir un- 
ter Forsttaxation zu verstehen gewohnt sind, duxch Betriebs'» 



^) Seit kursem von seinem Landesherm als Direokor des ganzen 
Forsltwesen^ naeh Pannstadt h»cufen. 



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394 Ktlpstein /F0nd>otTiMi$«It»giMniftg, < • 

BegMwtglknmcknetf iit als eki^ sowqlil t^^hfereiumluifiäioh, 
als praktisch , c sehr gebüßter Forstmann längsten^ bekannt. 
Besonders mid dem ForsttaKations:wesen hat sich derselbe in 
<j enen Gegenrien , Wo' ein Barii^ seine erste I^aufbahn zurück- 
legte und seine frühsten Schritten über Hp'kstKsht, Forstab- 
schätzung etc: rerfBi'ste, -;rr also auf eineib eigentlich klassi- 
schen Bodfen ^— ^ sehr frühe !S<ihon beschäftigt und darin rühm- 
lichst aasgeaeichnet. Ref; glaut* dieses deshalb anfuhren zu 
müssen, weH Seither gewisse Kritiker |m forstlichen Fache, 
da s^ie selbst- erst kaum a^us dem Uiiterriahte d«r herrschenden 
Schulen herausgetreten sind , ^n diesen Fall gern alle Schrift- 
steller veif^etzen mochteiv und ihnen gewOhnlicjb nächzuwei-^ 
sen bemifl^lisind , dafs sie ihre jl¥[|ttheilungd]) ganz» oier zum 
Xheil von Hartigf Üottfi u. (i. w^ entlehnt hatten t Qhne hierhei 
zu bedenken, •dafs^. ^J^^ is^^iü^kige FoFstxBänner -unserer 
Zeit gleichzeitig mit und'»fffc«»jen^n forstlichen Autoritäten, — 
also nicht erst durxth sie ^^ i/nterrichtet, sondern aus (l^rsel- 
hen Quelle getränkt worderi sind, woraus jene das 'Material 
für ihre'bferfibpit gewofdei^fei) 6clii»iften keach^pft ha&en. 

Wenn also Ref, über die VdrUegende Schrift des Hrn. K. 
sich dahin ausspricht, d^fs" sie in der Hauptsache den Hanig- 
C<7ftotxc^0/i^FriA€;ipien sich anschliefse,. so wird man den Ver- 
fasser derselben nurt nicht meht sls einen Nachbeter jener Au- 
toritäten betrachten, sondern aüc^ beim Durchlesen der Schrift 
leicht bemerken <| dals»sie ebenso das B.esul tat eignen Nach» 
denkens und fieifsiger Uebuiig im Taxationsgeschä^e ist, als 
die Werke jenf^ Schriftsteller« Man darf somit- sagen : Hr. 
K. habe -«*- mit Jenön von ein und demselben Punkte ausge- 
bepd --- den Gegenstand eigenthünilich ausgebildet und dar- 
gestellt. Das Eigenthümlicbe und U ebereinstimmende in je- 
nen Frincipien besteht hauptsächlich in der Feststelljung eines 
nacMialtigen Ertrages auf , eine ganze Ümtriehszeit hin, und'^Jjjoar mit- 
telst SchlageintheUung^f oder auek um^t^nderlicher VorausbestimJ^ang 
der BahantUung und Fällungszeiten für jeden eigenthUmlich bestände^ 
nenf und, im Altet abweichenden ^ einzelnen ForsttheiU 'Dieser bis« 
her herrscljiend '"gewesenen Methode beginnt all mähli^ aber 
eine andere sich zur Seite zu stellen, wo von solchen speciel* 
len .Vorausbestimmungen und festen Eiiigrenzungen in ge- 
wisse Räumö (Schläge) und Zeiten (Perioden) gar die Rede 
nicht mehr ist, sondern wo die für eine nächste Z^it QDecewwtm, 
oder der gl,) nach den allgemeinen und voUkommensiäa^R/ßgeln der 
Hulzzucht mögliche, jährliche Nutzun'gsgröfse nach dem augenhückli" 
chitn Holzvorrttthe und' Zuwachse des gan&eh Forces oder ff^thschhfw' 
ganzen summarisch und so, bemessen lOird., dafs der PP'irthschafier 



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W^fi^^ f Qtttbfltdebi • tttffjH^ran^f $96 

hlBrdnrph' liidar an 0inä geüyhse NuHungsgröfse \ oB«r hinsichtlich der 
Auswahl dds fährlidheu fillhnd^n BbstandBs nicht gerade üü feiU y in 
höchst entfernte Zeit^ fortlaufende ^ unabänderliche Bestimmungen ge» 
hunden~ist^ Man kann ^onait sagen t es ftey eine Ertragsaus. 
mittlung ohne Betridbsregulirung \ da jene erstere MethOttd uiA^ 
gekehrt, eine auf Betriebsregulirüng gegründete E,Ttrags^A\xsmitt^ 
iung genannt yi^erderi mufs. Dieses h^eue Verfahren gewährt 
also nicht hlbs mehr, durchaus nothwendige, Freiheit rind 
Spielfaunf, sondern an sich au et bei weitem' mehr 'Eilifach«^ 
heit; indem die dabei allerdings pothwendigen, periodisch 
zu wiederholenden Rechnungen sehr einfach und wohl bei kei* 
her lyiethorde ganz zu vermeiden sind. Diese letztere Me^ ' 
thode isü jedo(^ bis jetzt erst kauni in- ihfen Hauptumrissen 
ßfiFentlich bekannt geworden , so dafs wir eigentlich ausser 
Stan4 sind,' sie dermalen schon mit den frühem vollständig 
vergleichen zukönnen, und uns also damit Jbegnö^en, „ihrer 
vorei-st^ ajs Gegensatz au den andern, zu erwähnen. 

In -der Vorrede nimmt Hr. K, Gelegenheit, sich gegen die 
allerdings sehr zu bedaurenden, unfruchtbaren Speculationen 
vieler iForstschriftateller unserer Zeit auszusprechen, — r die — 
aus Eitelkeit und oberflächlicher fienntnifs entspringend -^ 
für die Wissenschaft zwar keine Rückschritte beftlrchten las« 
sen , ihr aber doch keineswegs zur Zierde gereiche^i. Beson- 
ders hat er die paradoxe Ansicht dafs nemlich der niedrigste Um* 
trieb y uvd namentlich die 'Niederwdldtoirthschaft y den schnelleren Ca^ 
-pitalumlauf am meisten fördere uhd hierdurch der National -^ Reichthum 
wesentlich vermehrt werde y SQ vollständig widerlegt', dafs til\rx • ^ 
wohl die schwächlichsten Nj^chlDeter solcher Behauptungen da- 
von abstehen müssen. 

Der Hr. Verfasser geht von diesem Gegenstande au dem 
sehr richtigen Grundsatze über, dafs die Auffindung und Fest- 
setzung der (für jede Holz- und Betriebsart) angemess^sten 
Umttiebszeit der wesentlichste Zweck der BetrieDsregulirung 
sey , und alle übrige Bemühungen derselben blos die Auf- 
rechthaltung jener Ümtriebs2ieit (bei Erwürkung eines mög- 
lichst nacl^haltigen , d, h. jährlich gleichen, Ertrages) zur Ab« 
sieht hätten. Eben so richtig bemerkt er, dafs die an man- 
chen Orten ^nach Lehrbüchern und Geschäfts -Instructionen?) * 
in Anwendung gekommenen, Vveitschichtigen Formalitäten 
' bei der Begränzung , Vermessung dei^ Forste und dem Ent- , 
werfen der Betriebsplane dafür, u. s. w. nicht wenig dazu 
beigetragen hätten, über dergleichen Zeit und Geld raubenden 
Proceduren gegen das ganze Geschäft eine völlige Abneigung 
zu ertegen; Hierzu habe auch noch deV Umstand, dafs das | 

^ , " ' • ■ ■ 1 

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39$ KUpctdu^ forit]}«trid)<«ReguliiiiQ(. 

G^sdiftft ungeschickten Hfinden ftberlassen und deibalb frühe 
Achon mängelbaft befunden worden sey , -«- das seinige wobl 
beigetragen. ^ Ueberhaupt beruhe aber^ liuch bei der grdis* 
ten Sor^ak und Kenntnift ^des Taxators« die Ertragsbestim* 
mung immerbin , besonders aber in sehr entfernte Zeit bin« 
.aus 9 bei weitem zu sehr auf Wahrscheinlichkeiten und Zu- 
fälligkeiten « alsdafs man durch Anwendung einer mehr um* 
ftMßdUchen MS^thode gerade mehr Züveriässigkeit erlangen könne; 
luid hierdurch werde denn^ eine grdfsere Vereinfaehuitg der Form 
([unbeschadet der Gründlichkeit bei Aufnahme des gegenwär- 
tigen Hol&vorra(thes und Zuwachses) unbedingt noth wendig; 

^worin dem Verfasser, namentlich in Hinsicht auf die Jnstruc^ 
tion für die K6nigl. Freufs. Forsttaxatoren u. d^K, gewifs, 
alle hierin geübte, selbstdenkende und vom Sphuuwang freie 

V Forstmänner beistimmen Werden. Jenes Problem , d. h, die 
mäglich^te Vereinfachung der Formen für die Ertmgsausmiulukg , — 
bat nun der Verf, zum Gegenstande seiner Schrift gemacht.. 

- Ehe wir auf den Inhalt derselben eingehen können, trennt 
Ref* die, bei jeder* Ertragsausmittlung in Betracht kommen- 
den, Gegenstände zuerst in zwei Haaptoperßtionen^ ^nemllch 
ersten^ f in die Aufnahme 4^ Waldzustandes, dt^'s vorhande- 
nen Hulzvorrathes und Zuwachses; und zweitens, in «die Er- 
tidgsbereohnung auf den Grund dieser Aufnahmen. Die erste 
dieser Operationen gescbiebt im Wald^ selbst; ferner bleibt 
«|e für alle mögliche, verschiedene Metboden ziemlich ein und 
dieselbe , und endlich so macht sie wohl immer den zuvet-läs- 
Sigsten Tbeil dei;;Ertragsausmittlung aus« Nur in der zwei- 
ten, im Zimm^ auszuführenden , Operation, finden abwei- 
chende Methoden statt; sie ist auch die weniger zuverlässige, 
und zwar um so mehr, je weiter der Zeiträum reicht, für 
den man den Bätrieb und Ertrag tles Waldes voraus zu be- 
stimmen bemüht ist. ^ , > * 

Auf diesen letztern Theil nun hat unser Hr. Verf. seine 
Schrift hes(^hrunkt, den erstem aber — wie; billig -—'bei 
demjenigen Publikum, für das er schrieb, als bekannt voraus- 
gesetzt. ' Nach dieser Abgrenzung der Schrift, können wir 
ihren Inhalt dahin summarisch zusammenfassen ydals ihr Vf. 
keinen dahin einschlagenden einzelnen Gegenstand unberührt 
gelassen, sondern alle mit tiefer Sachken ntnifs kritisch zer- 
gliedert, eigenthümlich behandelt und frei von aller Schola- 
stik dargestellt hat. Gehen wir weiter auf die einzelnen Ge- 
genstände ein , um zu prüfen^, in wie weit dem Verf. die be- 
absichtigte Vereinfachung der Formen gelungen sey, so mufs 
Ref, gestehen, dafs hierin allerdings vieles geschehen (na- 



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Kij'fsteii». ForstJ)etneb»»Regulirttng. 397 

mentiich. in Bezug auf jene moderne Freufs. IhstrucUoii)^ al- 
lein dennoch manches zu thun übrig gebliebe« sey, was 
Hef«, -^ da sich das Ganze sammt den Tabelleneinrichtungen 
dnüiöglich speCiel) durcWeben läfst — mittelst etU<^her Haupt- 
gegens.tände vrenigatens darauth unversucht, 

In dem Abschnitte über di« For stirer messung. und Char«^ 
drung z, B, ist allerdings recht viel Zweckmdriges yerwoiu 
fbn, und Wesentliches , Einfacheres dafttr in Vorschlag ge« 
kommen und namentlich gegen das iijeuerdingssurMode^ewor«« 
dene Aufhauen ilutzlöser Abtbeilungs - Streifen gesprochen 
worden; allein dessen ohngeachtet nimmt der Verf. die theil« 
tveise Nothwenijigkeit derselben für die Schtegthdlung d#s 
Niederwaldes und diese letztere selbst doch; wieder an , nach-» 
dem man an- vielen Orten das nutzlos Erschwerende dieser 
Schlagein^etlüng doch längstens erfahren und nach Verlust al* 
1er daran verschwendeten Zeit^ Mühe und Kosten aufgegeben 
hat. AuchhSlt Ref« eine gewisse Anzahl der fQr die Forstcnart^ 
in Antrag gebrachten Bezeichnungen für überflörssig^. Ferner, 
filhrt auSi die Forderung des Verft, äafa^ bei Abschätziuig 
sämmtlicher Forste eiiios Landes Aei Anfangspunkt der Ferio« 
den - Abtheilung bei allen Forsten^ in ein und dasselbe Jahr 
tallen ^ und auc& die Perioden allerwitrts gleich lang und bei 
allen Hochwaldungen durbhaus auf 20 Jahr gesetzt werden 
sollen, — gewifs nicht zuf- beabsiehtigteh Erleichterung des 
Geschäftes. — Ref. glaubtr gerade in solchen , nicht in den 
Natur det Sache begründetexi^ ^ ^<>^<l^rn von- individuellen Ge^ 
wohnheiten ausgegangenen Bestimmungen, liege die Ursache;, 
waFüm wir in der Lehre vom Abschätzungs Wesen noch ni^t 
zu mehr Allgoneinkeit gelangt sind«« sondern uns noch so sehif 
um das Forrtienwesen drehen. £he wir uns gewöhnt habeh^ 
von jeder hierher gehörigen Mafsreg«l den ab stracten Begriff 
und. all ^meinen .Zweck richtt»dar%ustßtt0nj hängien wir auch 
gewöhnten Formennoch zu sehr an, und Thaer hat Mch bei 
ähnlicher Gelegefiheit (Flotow*s Vferanschl, 4er Landgüter) da- 
hin ausgeSpTOoheny da£i die Lehre von der landWii^th. Ertrags«- 
ausmitiiting so lange lioch'nich^ sieher und allgemein (wissen-* 
schaftlich) begründet sey, als man in den dahin einschlagende^ 
^ny^exsxm^enmBhr lißchnumgabßispiete und Plyrjfmiartr^* >als cdlg&^ 
Tneine Onutdsiitze finde. Da diese Behauptung JEth^den^ Haupt- 
zweck der vorliegenden SohrU^ sehr wichtig ist^ so wolkh 
wir sie hinsichtlich des oben verlassenen Gegenstandi^s erwei- 
sen. Es ist nemlich darditau^ keinhali^iirer Mafsstah ifOtr: die ' 
Gröfse pd^ den Z^itun^ang der^eriodend&i undälbss, was man 
^s solchen aufgestellt bat, «iS« die' A]»aU-Jabre| binnen welr 



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398 ' Klips toiu FombAtiE^bd'KjiguUvuo^,. 

c^^r^i^.OvMP^hfotstungen ^,iti(dei?hol^ tu vreifdenpäegtia (für, 
die^e Einthwlung. stimmt auöh der Verf, 8..3äi,),Mijit€rliegt 
nach Iilia>9.ii ßoiitin ,' Lage^ VYlitbachafugebraucb. und nach 
Verschitjdienheit der in einein Wirthscbaft^g^naen v^J'^inigteu 
Holzarten u. dgl. m.^ -r-' sp -vielen iijOthweadig^ix AJ)virßichun^ 
gen und . yeranlarst ^o viele Coßi&lonen^ 49Xs 4as?elbje un^ 
xQÖgUco bestehen ktnij^p J^^t^ so viel bleibt in j^n^ Hinsicht 
gewifs und als Gru9ids£^tz,.au£9telljba]r: a« da/s ntxt da.eine Fe.<« 
ripden • Abth.eilung noth^epdig isty wo auf . ^in^U; bedeuten- 
den Zeitaäum. bia,die £i:t^*äg< oiacb einensi gewis&9nMa£»stal)e( 
vertheUt wecde« sollen (»Is^. bei det ersten von den .angeführ- 
ten TaKationsmiethodexi)-; bn/dais es alsdann iSur^rliQißhteriuig 
des Geschäfts beiträgt » iWßnfH «ie aliei gleich. bngy ^^ und zur 
grölsern jEliQbtigkeit » t — r Wen« si^« <V nicht, Ubec/^ine xnafsige 
Anzahl Jahre ..groXs , « gewählt. , werden ; itidem ' A^r mdglicl^e 
Fehler, der dncch Eintheilen 4^t Bestände mit ib^ei^ Haub^« 
ktfit.in die verschiedenen Perioden entsteht ^ um 90 bedeuten- 
der wird 9 }& längere Zeiträume, diese begreifen. (Dieser 
mögliche Fehler ist leider^ uAch. in, kein enll.4ebrbisicbe ausführ- 
lich genug . auseinander ge^e^t«^«} Nun ist es. fj)er gleich« 
§lütig9 welche Feriodex^ -,<Eiintheilung ii| den v^rs^iedenen 
^heilen eines Landes besteht,, w^AU riur jeider Forstwirth- 
achafter AufschluJCs geben J^^i|> ..j^yji^ sich d^rErtr^ seines 
Forstes, .imden liefragU<iJte»,'r^; i^ch gewöUnU.dier Zeitrech- 
nung ängiegeb^iieA —. Zei4:p4.ijKiktep.öd^r Jabven. ve^b^lt. 
. V .AehnlipheFÄlle,^ yva/i^v,Hn*Y^rL sei« V^rei"facbungs- 
^rincip inp^b i%ich^ ^treag^ g/spi«^ durphgaführthalCi) Nielsen sich 
juacb hiaf^jichtlich der, nptl^ig: /befundenen. JBo»it4Ültsda.ssen für 
•Halzbesitand vf.n^ Bo4em.v f^rni^? J>ei AbtUeiJahg ios J!*^ieder- 
;waldesin Jahves^i>hjäg:e.u, i$J Wv.pichweisi&j»4Käleiai B.^. — 
als eifriger *Aubä<iger' der. zwü\f0np^ oben be««ipbaetea Taxa- 
^ionsm^^odti, b^füfchtet bei.jF^ahe^-r*, i^ 4er:,gegeiiifüfslerischea 
iÄttsidbt.bj^feiigen v-^. üb^p.den Hbo. Verf.. au einseitig zu ur- 
4jliei(ien,'.:ünd.4»^' ßabii^fst;ftUp7iQ'dec Ueberz^guAg,^ dafs jeder 
.JLreser dieser Sjöbrift dum V/erfii.da4 Vördiens^r wird zuerkennen 
•müssen) füi; die Vereinfaqbun'g.'d.er Focstertc«lg«.»-Äusmittlun- 
igen durij^ B?trieb^regulirvi|ig. die, Sahn geebneft und nioch wei- 
*tere Schritte vo^ereitet eu^ haben; -^obsqho«» na<;b desBef. 
Ansicht foidi^. höchst^ ,Yerei«iachung nub.rin .derienigenMe- 
•thöde e«f ei(^t .WjB^den; wUd*,, dUrdb die, man dea Forstertrag 
-phn'e jed^.;:B^tl^iebsr9guUvusng.aflZlttgeb^ll im .Staude ist. Dal« 
man übrigj33ttS..üWhaüpt,.äwi:db sj?iir . eiöfaehe . Mittel die Be- 
itrags verl:\»ltEn.i4sA>iein&s JF)<aa^St^:«bhr «taBähernd «ur. .Wahrheit 
'i^s&e aulAi)dig.9ift(^n'käli2UaA% .orgidb^^ieb «wpbl dar^ui, 



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A» BruoDqueU Staatsrecht« dos deutsehenffiunclea« 399 

dafff Bi&her «h» iro nöc^h «6 rWeiiige Fotst» ff üttnAhais weise 
taxtrt sind. *«-*; dennoch auf Id^Mehrssahl dextselbeA sc^t un- 
denklicher Zeit eine ziemlichioiscbhaltige .Wirthschtf£l $t^tt 
gefunden bat 9 und je^dei" einigermaisen jeH'abrene Füi^wiirt-h 
ohne .Weiteres i den möglichen ^Ertrag seines Forstes hailMiaiig 
amÄu geben vermag. Was hierbei der blofseipriiktiache Blic« 
leistet^ läikt . durch . Forstvermessi^g. und- eihen s sehr eio-i 
fechen Kalkül so weit sich - echäf&W^ dafs der i^f, cDehreiTQ 
Ergebniese-. dieser.' Avt kennt^rrdie rem dem ResuJbite det sorg«^ 
fältigsten Taxation "«t^enig ah^^eichen- d^rjEten. . .Ni^ht« weniger 
istdiei»es bei. den >£rtragsatismittlimgen odec.rVeranschlägunf 
geh landwlrthschaftlicher GründistÜGke der FbIKh .; ^ : 
. . - • .. .» . • .ji -. •. ... 



Staatsrecht des deutschen Bundes und der ßundeisstaaten* PptltUch 
und , rechtlich erörtert vor^ , Aug, Brunn^uell^ Qf, ^ S» f^eim^ 
Regier ungsrathe» J« , jihth» das Staatsrecht dßS^ deutschem Bun^ 
des» 319 Sf .IL uihth^ das Stadtsrefsht der deutschen BundeS'^ 
Staaten, 196 S. Erfurt in der ^ Key Se'r sehen. Bachh. l824, 8. 

Der Vf» erk)?rt sich in der Vorrede Über de^ Zweck sei-*- 
nes Werkes so: Die Bestimmung ^liesor Schrift ist keineswegs 
die , eine goUstandige Darstellung, unseres heutigen iöffeotlichen 
Rechts zumiBehu^' ^ei: Selbsthelehrung« oder akajl^mischer Vor- 
lesjLing^n aiujiiefe^n, 3onderu es soll durch d^es^ Schjrift d.ep 
JPj:ei:^n4en Afnsef^s .ö,ffeptlicheii Rechtazustan4es in Deutschland 
die Verfassui?g un^seJ-es dei;^tscb.en Vaterlandes; wähjrend der 
Perioden der ehemaligen deütafchen Reichsyerfa^^Hng und de^ 
JlhqinbundfSSi ii^ das, GedächjrniiV^t^r^ckgerufen lUnd hiermit 
eine ausflihrJich^r^ Parstelli|ii\g der ppjiti^scben «^n^ rechtlichen 
Teudenz dps 4^t^9)igP>? d(eut^c^ei) Bundes ihexk^i^l^/Vtr^fden. 
Die Darstellung des Geistes und der Politik des deutschen 
Bundes im Allgemeinen war der Hauptgesichtspunkt. 

Der Vf. deutet in dieser Erklärung auf eine Aufgabe hin, 
deren Aufldsung in niehr aTs^emer Hinsicht von der gröfsten 
Wichtigkeit seyn würde. Welches Interesse oder welche In- 
teressen haben die deutschen Buifidesstaaten als solche 1 diese 
Staaten theils als Gesammtheit theils einzeln betrachtet? 
Welche Stellung hat der deutsche Bund in dem J^uropäischen 
Staaten Systeme überhaupt? In wekihem Verhältnisse steht er 
zu den einzelnen £uropäischen. Staaten? sti RuXsland^ tu^ 



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400 A. BrunoqueU Staaur«ehc dti detitseheii Buttdet, 

Fralikreich u. i; w« ? In tf eichen BeziBbungen nebt das Int^r* 
esse des deutschen Bundes init der Verfassong und Verwal« 
tung der einzelnen Bundesstaaten 7 Haben diese Staaten ein 
gemeinschaftlicbes, Handelsiateresse oder^ nicht?. In welchem 
Verhältnisse steht Oesterreicb ^ steht FreuXsen zu dem deut* 
sehen Bunde? und umgeJtebrt? Welchen Charakter erhftitder 
deutsche Bund dadurch , ^Xs mehrer aBundesglied^r zugleich 
Souveraine siolpber Staaten Sind, welche nicht; zum Bunde ge« 
hdren? Durch welche Interessen, werden die Sod» und aie 
Norddeutschen Staaten, die grdlseren und die kleineren deut« 
sehen Staaten Init einander verbunden oder von einander ge« 
sondert? u» s. w« 'Mit einem Wertet Worauf sollte dieüo« 
litik der deutschen Bundesstaten gerichtet seyn? 

Nun kann zwar Rec« dem Verf. nicht das Zeugnifs geben, 
dafs ^r diese Aufgabe zur Genüge geldfst habe. I)er Haupt« 
tadel , der das Werk trifft, dür^e der seyn» dafs der Vf. zwei 
wesentlich verschiedene Gegenstände ..^^'das d. Bundesrecbt 
und die Fplitik der ' d, Bundesstaaten •— zugleich abgehandelt 
bat; dafs er wenigstens den ersteren (schon so oft in Schrif- 
ten abgehandeltien) Gegenstand «tt att{/il^r/ic& erörtert. hat; dals 
er dagegen den letzteren nicht selten , seiner eigenen Erklä- 
rung ungetreu, aus den Augen äu verlieren scheint. Allerdings 
ist die Politik der d, Bundesstaaten mit dem Rechte dieser 
Staaten auf das genaueste verschlungen. Aber,' was dieses 
Recht betrifft^ konnte Vieles blos angedeutet oder als bekannt 
Vorausgesetit werden, A^uch darf bemerkt werden, dafs das 
Staatsrecht der d. Bundesstaaten nur als ein Theil der Statistik 
dieser Staaten die Grundlage der Politik des d. Bundes ist« 

Jedoch auf einem Felde unserer Literatur, das hoch so 
wenig angebaut ist, wie das der angewendeten Politik, ist 
schon ein Versuch verdienstlich. Und so wie der rfechtswis* 
setischaftliche Theil der Schrift mit sichtbatem Fleifse ausge« 
« arbeitiet ist, so *enthSlt die Schrift auch in ihrem politischen 
-Tbeile yiiele 'schatzbare Untersuchungen und Bemerkungen. 



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N.26. 1824 

4j,,.H e i :<l e I b e p ß'-e t 

. .. ,:■'. 'I ."■:>..•• '■ ■ ■■ ■ ■ ■■'■■■ ■' 

Jälirbiioiier der Literatur^ 

J, ''BS^if' A# krA^inng Elftes Krfdiimrätnts jßr das kdnigretoÜ' 

'BäT^hu^ r^äußgB- MitthMtuhgen vion'Gltr. trh.v. ArBtln^ 

' ^'PläsidentMi dis^ K^fnigL JppüUationigdfivhtes für den liegen^ 

' kfdif. Mättofum'bei LentOifr. iS^S.yz S. B. "*'' ZÖ^Kr^ 

i» Jitiif&hrtiphe Dhrkälttmg der hMschdrt CredihxBrdinsnnstak^ Und 
iliter Bedingnisse sowohl für dio Outshesttzer ^ als auch für diö. 
CriptialisternJ' Vott deim% MäHch^n'hii Fuüterliti. 1023. XXJl^ 
150 ttiiJ 145 iS^i ?• 1 i^ 4Ö kr. 

Pi0 geg^n^Ji-tigÄ JÖedrängTiijfs ^et iandbauendeft Cbis3ö 
ist durch. ganz .Europa k^ii^em Zweifel unterworfen^ obgleieb 
über ihre Ursachen dif Mejinung^n sehr von eihandA abweiJ» 
cheru . i?ie:tohert Steuern und die Verminderung Asr in deii 
Kriegajahren stärk^jf jg^w^aenen Nachfrage .nach rohen .Stdfeik 
möEeny{ie\ mitwirken, djLe Hauptursach^.^cheint aner dsarin' g^^ 
sucht werden zu müssen ^ dafs während d^r letsteti theuem Jahre 
und^sclLp^a frühei; der JLandbau bedeutende Fortschritte ge- 
macht hat y . das Angebot vergyöJfsert worden, und eine Reihe 
Tuter tl^ntpn eingetreten ist. A\\q dies|fer Umstände drfkikteii^ 
(en Pieis . der Bo.denef Zeugnisse tief heräb^ \^ährend die Preise 
ler Qe.wefkswaare;^ «f^P^.wt den übrigen, Ausgaben dleselhm 
dieh&xi^ Für den Augenblick thut dem I^andmann. vorAfiein 
kedit xi.ofh und dieses dringende BedÜrfnils )iat untev andern' 
a der trorlieg enden Schrift durch vers(;hied<Bne specieUe.Anga« 
en dejatlich 5!?n¥g clarg^than} allerdings wütde aber der Grc- 
it ^Jleip.F^ichfr helfen kbtirißXi^ wenn nicht füjr.das landwirth- 
:haftiicli^^G^w^):i3.Sjßlbst günstigere A-u^^ gehofft «ww-» 

m dürfteii. ^^ ... . 

Aetnliche ^r^di^^losij^eit jl.er Orundeigentbümer hat m9ai 
■ter wajirgenon^^iijäiK ,ßie. zeigte si^cl^k a, 6. in Schlesien n»cb 
?m. Br^l>«rt^hurger ^rieflen in detise]:ben Erscheinungen wie 
mt iu\ Tage j hur .wird, tnaii ^le^.wf^fWÄr den Fortschritten 
X -noiii^sQ^en Q}^^^ alaWoftöa 

XVII. Ährg^ 4. Heftk v W 

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4^." Aretiii fiber den t)axxl5cI\c;t|KCre{UtV9reiii« 

C?<yWiii«in^c/ betrachten köhiien^ wie^rnfnjM jp BetiehuTxg auf 
Schlesien that upd>d«f ge y^öhbl ich« ^rafchgellriauch noch jetzt 
sich erlaubt; es ist vielmehr Mangel an Capital. In Schlesien 
führte jener Zustand 176^9" auf die j^^editfemmgifngen^ der 
grofse^'.eii fiutsh^sit^ir , weiche iiachl^^-aii4Jh-ld.a*jie#en-Btt)* 
vinzen des Pfeufs. Staates (1777 in der Mark, 1782 in Pom- 
i^e]:n^ t7ß7 in West^reiiiie« > 178§ in Ostgpreufs]cn^ jind in 
anderen 'Landern errichtet wurden. Die nähern Einrichtun- 
gen dieser Anstalten mufs Rec. als bekannt voraussetzen. In 
Jingland und. Schweden .^ird durch' tA'ulehftel der Banken* der 
IjandBait'üiiterstützt;; aui\ gleiche VKeiÄe: v^ar })ei.. d^m. Ent- 
würfe/ der „bairjl'sch^n Bank'/^. welch4i?? l$i^2 der 2. JKapimer 
von dem*'Finanzmjnifiter,iufB. vorgelegt wurde,,.. auf dasvAuslei- 
h'eli äri die Laridwirthe für mäfsige Zinsen Rücksicht genom- 
men wotden, und im Ijaufaj.dejr Verhan^dlungen wurden von 
V ei* sc)jiie denen Abgeordneten .^ndere j^^itvj^ürfe zu Cjreditanstal- 
-ten, vbtgel<5gt^ die manäiii 2. Beiläge^^^and^ der Verhandlun- 
ghjiunaei'j nach dem von Heyw££»*schen .Vqrß^h^age .($,-270.) 
sölhe ' eine blofse Creditvereinigung nach dem Vorbilde der 
Schlesischen gebildet, nach dem Vorschlage von ützschneiden 
C&j^Sß:) imd ijiöii€/i?j*w(S. 28l.)sdfit.e gie fett'der Bank ver- 
Jriinden werden, ' liideß vr^ä tori ■der'ä-'Eamm'er det ganze 
Bänkplaif nach langen Vörhän^dlüngen verworfen. Der Verf. 
der oibigett' Schrift hatte «chon als K'Sf:' des ^Ausschusses öb^-f 
da*-Hypotheke^gäs^t:5 für ^ine »Cr editänÄltaStt gesprochen, mit 
BeÄiehuiSi^ auf di^e EhtM^ürfe des Grafen von «Sö^/^ij/au. ]^urhards\ 
die» Eab* Veranlasiuiig j« dafs er im Jahf 18^3 mit einer „G^- 
»elk(iafe"Von Capiralisten und Gäschaft^üriterni^hmern»'« i" 
Verbindung trat, liiid' durch ein CirciJIar vom 6. 'Pebr.*, dana 
durch, zwei spätere die (Bi^ündeigeifthümer aufforderte , de:u 
neu tu erri<;htend«n CreditvereHne böizutreteh, ^ Die heidcQ 
ersten Circulare nebst 'einigen erläut:erndeli und Einwürfe wi- 
derfogeuden Bfemerfciingen sind in Nr.'l^ zu finden; Die LV 
terhehmttng syjhemtf in Bäiem viel'^heiliikhme gefunden z'J 
haben I sie wurde 'mündlich' und scbriftficji besprochen, get> 
dielt 'utid vertheidigt; die Reg ierlii^g»' ordnete eine besomU'r^ 
Gpmmission an, uiii den Entwurf iu 'prüfen. Ehe ntich öb^^ 
den Erfolg 4iöÄ€li? Üintersuchjung etwas v^rRititete (ausgeno'i' 
men die Bemerkung S. 96.), machte d^r Verf. in Nr, 2. ö'' 
ganzön 'aiisführli<rheh''!P/än' bekannt, ^^tf ein er einem kurzen 
i^onfmentäir undinattch'erle? -Beilagen von j[)61emischem InhaU^^i 
Aiifsat«e»voAGeg«erfi^ t¥i'derIäguAg'd^i*sfeIbert von ihiii selbst 
Briefe von Anhähgermii>'Vlgl; btfifdgtö; Die Angriffe v^er^r^ 
tddtit JbhM manch« tiltef ei- die Absichtöi ^er^Jegnei^ anscbu- 

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Axetto tiber 4eo lldtiseheD tir^tretehü 403 

äig^niö B^nietkungen abgehalten i besonders geschieht dies 
S. XXII. in Beziehung auf die anonyme Schrift ^,üeber Cre- ' 
flitvereine, Basel 1023*', welche aus 2 in dei^ Justier und 
Polizeifatna zuerst örschienenen ^ und hier in den Beilagen 
init abgedruckten Abhandlungen be&tehti Reo, findet .keinen 
Beruf, in diese nicht leidensehaftslosen Streitigkeiten ^^iniu-* 
gehen, und beschränkt sich daraulF/ über den li>r)twujtf ^ wie 
er vorliegt) einige auf nationalwirthschaftlJfchen. Gründen Ijie^ 
ruhehde Bemerkungen auszusprechen j wobei es jedpch hier nicht 
möglich ist, den ganzen künstlichen, umfasseudeiiPlan in $einö 
Einiselheiten au verfolgeil, -• . . 

Wiö«*s*dem ungenannten CorreSporidenten auf S. llg. de^i 
Anhähges beg€lgnet ist^ au glauben ^ die Sach^., kprtnö gar' 
nicht' ernstlicTi gemeint seyn, " w.elldi^.Bedingutigert. ft'ir deri. 
GruncleigenthLlmer tu günsti'^. seyen^ so machte :es .mehreren 
Lesern gehen ^ wönn Sie erfahren j| .dafs der'Scturdn^r, de^ 
auf die Hälf't4 seines "Guts\yerthes ein.e Anleihe empfanaen hat^ 
nichts zu thuri braucht, als sie' 56 Jahre hindurch mit 4 
Procent zu verzinsen^ worauf er (oder seine Erben) äl]e^Vfer* 
bindlichkeit los ui^d ledig wird, Der im Jahr iS^i^.im Grofs« 
iierzogthLfni Posen errichtete *Creditvöreiri (s, Preuf?.. Staats* 
zeiturig, l82f3* Nr. l3-) hatte das fi^iispiel einer auf 4l Jahrö 
berechneten Tilgeanstält g^gejien^ wobei der Schuldner Ä 
Procent enttichtet^ dev. Gläubiger nur 4. empfängt Und das S, 
mit Benutzung des Zihseszinses zur Tilgung verwendet wird; 
Öier dagegen soll der Pfandbriefs - Gläubiger die -hinsein fc.u 5 
Procent erst erhalten, wertil ihn das JLoos trifft^ heimgezahlt 
zu werden^ so dafs Jemand, der im 49. Jahre Refill Capital 
zurfcick empfängt, zugleich die Zinsen für 4Ö Jahre oder 340 
Procent zusammen bekommt; dägeg€fjl Werden von denGrund- 
eignern die Zinsen alle halbe Jahre entrichtet und sogleich 
von der Anstalt als Capital angelegt* Für die Entbehi^i^ng^der 
iährlich^n Zinsen werden die Capitalisten entschädigt durch 
die zugleich mit deri Pfandbriefen zu verlosenden Prämien, volt 
denen eine sogar 500^000 Fl. beträgt, D4 inzwischen diese 
Prämien mehr betragen als die ersparteit Zwisohenzinsen^ in* 
dem, -Wie Rec. berechnet, sogleich im ersteil Jahre (voraus* 
gesetzt, dafs jährlich ißö der Pfandbriefe getilgt wir^) die 
Ausgaben 827,4öO Fl,, die Einnahraeii bei 5procentiger Nut*, 
zurig des Geldes nur 770^687 ausmachen, so ist eine Zöt^Mank ^ 
zu HiXlte genommen, Welche leiht^ discontirt^ au<?h e\n Giro* 
und Öepositengeschäft führt ^ Zettel unter dem Napiert von 
C asse Tischeinen m Umlauf setzt uii^d dafür die Tilgung der Pfand- 
briefe liberninjmt^ öiö wird liWär UUr teihbank genannt, aber 

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>f04 Arertn jjltxos den. I^^iiiBekßci, Ccedkj^tvet^« 

eft ist kein Zweifel^ daf» die Cassenscheine ufigeacbtet ihrer 
Verzinsung mit i 1/5 Pro cerit währe Banknöten sind.. 

Äec. theilt 90 wenig aU. der Verf. die ängstliche Scheu, 
die man in Baiem vor dem Papiergeld hegt. Wird der Be- 
' griff so gefafst, dafs auch Banknoten darunter zu verstehen 
sind, sodarEman nicht untjedingt demselben entgegen seyn, 
ind^ddriii einer repräsentativen Verfassung eine zweckmälsig 
eingerichtete^ Privatbank, unabhängig von der. Regierung, die 
liesteiiDitlAste leisten kann, ohne Jemand in Gefahr zu brin- 
gen. * Bekanntlich gehen neuere Schriftsteller,^ z. E, Ricardo, 
jioch* X^elter" Und» halten 'selbst Staätsjpapiergeld uiiter gewis« 
sen Bedingungen für ungefährlich« Auch ist es ein guter Ge- 
danke , der Bank für den Vorth^il. welchen sie aus der Aus* 
gäbe von Zetteln zieht, die Verpflichtung aufzulegen, dafs sie 
'wohlfeile Darleihen aii die Gruiideigentaümer .mache. Aber 

terade der' Haupt jiiunkt^ die Gassenscheine, ist ^t hinten im 
Intwürf iii 4 §§. zu kurz fei:klärt wordeiy Die ^»zinsung ist 
ziemlich entbehrlich , ^^e'iiti kd nur ah der pünktlichen Einlö- 
sung nicht febit. Wenn ;nan die verschiedenen Creditpapiere 
gena\i üt^te^scheidet, .so steigt sich,, djäfii die verzinslichen 
Obligätibxien kein Umlaufsmitte], kein Ersatzmittel der MCinze 
siiid, ivie Viele meinen, .T^eilebeii der. VbrtKeii, den ihr Be- 
sitz ee^Jv^Urt, vom sehn eHeri'Auigeben abhält; dagegen bedür- 
fen ocheine, die jederrnhäb'er beliebig gegen Münze umwech- 
seln kann, Jceiner Zipaen, und.l1/5 rrocent ist zu wenig, 
um die Aufbewahrung rathsam' Zumachen, . Schön in dem mi- 
nistertellen Bankplane kanien verzinsliche Bankzettel neben 
unverzirislichen vor, Ät/2 Procent tragend | vielleicht bat mau 
für dienlich gebalten , der allgemeinen 'Abneigung gegen Pa- 
piergeld* ein solches Opfer zu bringen. Bekanntlich kommt 
. es bei ^Banknoten und Staatspapiergeld Vor Allem darauf an, 
dafs ein riehtiges Verhältnifs zwischen den ausgegebenen Zet- 
teln Und der vorräthigen zum EJinlösen verwendharen Möna- 
menge bestehe. Darüber ist hier nichts bestimmt; es heifsc 
SBWar im §, l44., die Cassenscheine dürfen 2/s des Betrages 
nicht tiberstei^en, für -welchen kaufmännische Deckung vor- 
handen ist, auch nicht mehr als sämmtliche Hjrpbthekanlei- 
hen betragen. Ajlein die kaufmännische Deckung , wie sie 
B, B. von Closen in seiner Rede über den Bankentw^urf ver- 
steht, (Verhandlungen V, 12.), reicht nicht" zu., um dieEin- 
lösung der Zettel auf Sicht zu verbürgen, und bei.ftypothe- 
kanlehen ist dies hoch wetiigeif der Fall. Sollte die Bank ein- 
mal die nöthige Vorsicht vernachlässigen, sollte sie augen- 
blicklich aufsei Stand kommen, die Scheine einzuldsen, &<> 



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Areik über deo bairi^dien CreJUvereifi. 405 

wfird^e dies dem Credit der ganzen Anstalt überaus schädlich, 
werden. Das Discontiren kann auch unter den §.tl4(y. vorge- 
schriebenen Bedingungen nicht für gan» ungefährlich .angese« 
hen werden," da' in ungewöhnlichen Handelskrisen auch als' 
„solid anerkannte Firtnen<< unzs'uverlässig sind« ^ec. ist der 
Meinung, dafs eine Pfandbriefsanstalt gana auif der Festig- ' 
keif des Grundeigenthüms" beruhen müsse, dessen unzerstör« 
b.arer'Werth ein Sinken der Güterpreise über eine gewisse 
Grunze hinab nicht zuläfst; er würde schon des vollen Ver» 
trauens willen, den ein Creditverein einflöfsen mufs, eine 
minder enge Verbindung mit der Bank rathsam findeh, so dafs* 
die Verzinsung und Tilgung von der Vereinscasso besorgt' 
würde* und die Bank das Geschäft durch Darlehen tu geringem 
Zinae beföuderte , ohne tu. dem Gelingen dessen unentbehr- 
lich zvL'seyn^ damit ein, bei der Bank immer denkbarer Zu« 
fall dem Credit der Pfandbriefe nicht schaden könne. 

In der Erfciärung , was Pfandbriefe seyen, in J. 65.» i*t 
das Merkffial „ — auf die Hypothekobligationen der Gutsbe- 
sitzer ifundirte Urkunden — <* nicht ganz richtig, weil von 
den l7i/2 Mill. Fl. Pfandbriefen wirklich nur 12 Mill. hypo- 
thecirt sind (§. 59.). Dies ist ein besonders wichtiger Um- 
stand, der mit dem Wesen eines hypothekarischen Pwndbrie- 
fi?s schwerlich in Einklang gebracht werden kann. Jene 12 
Mill. FJ. werden? den Grundeignern geliehen, 4> 2 00/000 Fl, 
in die Leihbank gegeben , 1,300)000 zum Kauf eines Hauses, 
Emissiotisgebühren etc; verwendet, „ohne den Gutsbesitzern 
oder den Actionärs 9ur Last su'fallen^ wie sich aus'd'er über- 
gebenen Hauptrechnung zeigt.'* Diese Hauptrechnung ist 
dem Publicum niclit mitgetheilt, es ist also hier eine Dunkefl- 
heit geblieben, wie sich deren mehrere finden. Die 49200,000 
H^i. wenden durch die Unterpfänder der Leihbank gedeckt' 
;§. 60.), die 1,300,00 Fl, durch das Regiecapital von 3öo,OOÖ 
bl. und die Caution der Actionärs ^on 1 MilUFl. Die Actio- 
lürs sind blosnöthig, um diese Caution «u stellen, (die ih- 
len aber bald aus. dem Reservefonds erstattet und bis dahin 
'-erzinset Wird), und für den Fall, dafs Verluste eintreten, 
nzüsctiiefsen ($. 96.); das eigentliche Stammvermögen ; der 
Jank liefern jene 4,200,000 Fl., die man für Pfandbriefe er- 
Oset. . "Warum hat man nicht lieber den Betrag der Actieh um 
oviel vergröfsert, und dafilr den Pfandbriefen ihre W^sen* 
eit, hypothekarische Verbörgung, gelassen? SoHten dieAc- 
en weniger beliebt seyn, als die Pfandbriefe? Wird nicht^ 
in T^^eil dar Pfandbriefsgläubiger ununllkürlicfa tu Bankia^ 



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tei es^enten gemacht , ohne doch auf eine Diridende Anspruch 
^ü haben? ^ ^ 

Ueber den Stand der Leihhank in jedeip Sei^e$ter der 5o 
Jahre, ist S, 129, eine Berechnung gegeben, deren Gründe 
nicht dargelo^t aind. Man siebt daraus , dafs die Bank vom 
37. bi$ zum 42. Jahre 27-^29 MiU. Fl. besitzt. Die Prämien 
hetragen i^ jeden^ der letzten Jahre über 4 Mill. El. f dagegen 
bis zum 35. meistens unter 400^000, Fl. 

Die^e Prämienejnrichtung kann Reo. nipht für gut halten, 
Zw^T begegnet der Verf. mehreren Einwürfen durch die Ver^ 
Sicherung, dafs bereits durch Unterzeichnung die zur Emis- 
sion der Pfandbriefe erforderlichen Summen ^ejdeckt seyen 
(Anhpng S, 71.), aber dafs d}e Capitalistei^ und <Jrundeigner 
für den Augenblicl^ mit dem Plane zufrieden sind, beweifst 
noöb nicht seine Zweckmäfsigkeit \m Allgemeinen, Das Bei- 
spiel einiger Staatsanleihen ist zwar dafür, daw'ider aber der 
tJn/stand, dafs in unseren Tagen die Menschen bereits mehr, 
als gut ist, auf plötzliche, mühelose , blos dem Glück au ver- 
dankende Gevrinnste ihren Sinn richten, wodurch sie mehr 
und mehr von dem unverdrossenen Fleifse abgewendet und zu 
Speculatiqnen verlockt "vv^erden, die nur einen erkünstelten, 
nicht gemeinnützigen Umlauf der Güter !^u Wege bringen; 
diese Sicht ung sollte man so wenig durch solche Prämien als 
durch qiFentliciie und Privatlotterien verstärken. Der Verf. 
ist S. 97. minderer JVJeinung, Nur sehr begütertö Menschen 
können ferner Summen anlegen, ohne.regelipäfsige Verzinsung 
zu fordern. Für die Mehrzahl, der Capit^listeii , für das be- 
wegliche Vermögen der Stiftungen u. dgl. ist diese Art des 
Ausleihens gar nicht passend, weil für die jährlichen Ausga- 
ben nur dui'ph regelmäfsigö Einnahme gesorgt werden kann. 
Sollten mehrere Vereine dieser Art zu Stande kommen, so wür* 
den sich leichterTheilnehmer finden, wenn Statt der Möglichkeit, 
eine Prämie zu gewinnen, die Gewifsheit pünktlicher Zin- 
senzahlung dargeboten würde, Der.Vf-jerwiedert, es sey ja 
die" Aufkiindung erlaubt. Wenji jedoch von dieser Erlaubnils 
häufiger Gebrauch gemacht wird, so möchte es schwer hal- 
ten, achnefl genqg neue Capitalisten zur Annahme der zurück- 
kehrenden Pfandbriefe zu bevtregen; viele Menschen werden 
eher in ein unbeijuem scheinendes Verhältnifs gar nicht ein- 
treten , aU sich durch die Möglichkeit des Wiederaufttreteni 
bestin^men lassen. Ueberdies ist das Aufkündeh nur 1 Monat 
in jedem Jahre erlaubt und §. 62. Nr* i. macht das Aufkün^kn 
von Pfandbriefen unter 100 Fl.. au schwer. Von dieser SciU 
» verdiente die Poseiischfl Einrichtung* wegen ihrer Einfachheit 



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un4 kUgeimeineiii AhwehdWkeit den Vorzug, Für die Gruhd% 
rigentliüinx^r ist der Plan äüfserst vortfaeilhaft, da die Tügupg 
der Schuld)l)ei' so niedrigem ZInsfuiis eine so-grofse Erleicb« 
ttihingist, dafa man sieb dabei die strenge Eintreibung det 
Zinsen, wohl gefallen lajtsen .kann, . We^n« man indefs über« 
haupt das Beste der JLandwirthe befördern will, so möfste 
{bnea.'das Austreten aus dem Vereine vor Ablauf der 50 Jabre 
daduccb erleicbtei-t werden^ dafs sie ni-cbt das ga^ze empfan^ 
gene Capital 2u. erstatte». braucbten (^.10.); 

. Die Bestimmungen über die Verfertigung der Pfandbriefe 
(§• Ö7i) s^wecken. offenbar darauf ab, von dem Nacbrnticben 
derselben, abzuhalten. Die geheimen Zeiöhen können im Ver- 
kehre dem Betrüge durch falsche Briefe nicht abwehren. Si« 
cherer mochte das Indossiten seyn^ da ohnehin solche Schuld- 
briefe mpbt.gar häufig uralanfen; übrig^sns macht Rec. auf die 
Benutzung oes damascirten Stahls zumOruck unnachahmlicher 
Papiere aufmerksam, wovon im 4. Bd. der Jahrbficher des 
poiytechniÄchen Instituts zu Wien Muster anzutreffen sind. 
Die Bank leiht i/$ ihrer Fonds auf Hypothek an Landwirthe 
und Gewerksieute, für höchstens 6 v. H. und vierteljährige 
Vorzahlung der Zinsen (§. l3ö«)« Hier wären leichtere Be- 
dingungen höchst Wtoschenswerth^ damit auch die kleineren« 
Landwirthe, ^die nicht 20)000 Fl. nach dem Schätzungspreise 
besitzen , mehrV^ortheil von der ganzen Anstalt ziehen könn- 
ten. Die Bank leihtierner auf Wolle, Häute, wollene Ta- 
cher und dergl» his au 5/4 des abgeschätzten Werth^ss (§.l3o.). 
Welche Waareng^ttungen sind , ausgenommen ? wird diese 
Maisregel nicht blo3 auf die Nähe voa Augsburg beschränkt 
Beyn, wo die Bank ihren Sita' hat und wohin man die Unter- 
pfander wird abliefern müssen? Darleihen werden mit Aus- 
nahme voa §. ,l3.8i nur auf 3 Monat gegeben, gegen höchstens 
f) Procent jährlich, die man sogl<jich abzieht (§. l3l.). Dies 
ist unwürdig ausgedrückt, denn ös macht 6j33 Procerit der 
wirklich hezahlten Summet Wie soll es zugehen ^ dafs Je- 
mand auf },, Geldmünzen, die gesetzlichen Umlauf haben*« 
eine j^nleihe sucht (§;il8.)? 

Wer. den ganzen Plan entworfen hat, bleibt unbekannt, 
II. V, A. erscheint nach S. 92, nur als Ref. An zwei Stellen 
wird man auf eine störende^ Welse an die „Urheber des Cre- 
ditvereinsplanes«' erinnert; sie leiten den mercantilischen 
Theil des Emissionsgeschäfts der 175,000 Pfandbriefe (§. 1S4-) 
und beziehen sogleich anfangs eine l'rovision von 6 Procept 
der den Grundeignern vorgestreckten Summe. Die letztere 
Bestiniinurig ist nicht so einfach, als es hätte geschehen kön« 



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jjen« Yaii4em auf ^e«nem Umwege^' ' den JGtee; ntcbt*. liSfigt, 
außgedrückj^;, e3 solleiL nämlich die Zinsen ito den 6 Ersten 
Jahren 6 IVocent betmgon Und dies Ä. Frocait »oll sogleich 
von der Anlehnssumme abgezogen werden (§, 9). Wozu die 
Piction von 6 Jahres dienen soll, da die Sache so deudi^ist| 
lUfst «icbiaum absehen , sudem erhöht sich wegen dieses Ab-» 
Zuges der Zi^^sfufs auf, 4i/i Procent, weil die Sohuldnev fac 
94Tj. achoa 4 FL Zins «u entrichten haben. Unstreitig würde 
es dem Entwürfe s^hr genützt haben^ waim die Urheber auf 
jeden anderen Vortheil, als den Dank der Mitbürger , ver- 
zichtet und dadurch eintfn AnlaXs zu ung;ünstigen fieurdiei« 
lungen beseitigt hätt^. 

Diese Bemerkungen mSgen zum Belege des UrtheSJs die^ 
jiien, dafs der Entwurf noch bedeutender Ve»besserutigen fä- 
hig ist y mit dens<elbeit aber allerdings wesentUdie Vortheile 
zu gewähren verspricht, . . ^ 

lt. Ä a«fcK 



Miscellanea maxvmaih pßrum critioa. Caraveruru Frid* ' Traag, 
pAedsmann «.* /• D. Godqfr. Saeh^^dei p^ol.IIi Partie. L 
MI)GCQXX1JI. Prostant IVittevibergae apud ^immemunatf 
Londinif Pat4^Ü4 $t Ar^eiuorati apud Treutt^l et W&rti» 



Das Verhältnifs, in welchem Ref. jbu vorliegender Zeit- 
schrift als Mitarbeiter steht, scheint ihm keine eigentliche 
Kritik derselben zuzulassen. Eine ganz einfache Inhaltsan- 
zefge de& ersten Heftes ihres zweiten Jahrgangs *) inag daher 
genügen i um die Leser dieser Jahrbücher mit Zweck und 
l'ian derselben' bekannt zu machen. 

Dieses erste Heft, das die Namen J, H^ L. Reeren und 
J* D. Reu/s an der Stirhe trägt, beginnt mit I, uiag^ Boeck* 
hii oratio de antiquarum literarum disciplina, jam 53sten Geburts- 
feste des Königs von Preufsen (i. Äug. 1822) gehalten. — 



•*) Eä ersoheinen jährlich vier , in farbigem Umschlag geheftete, 
<^»"-ke (jedes von ungefähr 12 Bogen in gr, ß.) i die nicht gc« 
werden 9 zu dem Preise von <Hf / Thlf,- SäcU«, 



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ütAMBabötf oriHoa eartav. Fri^demant» et Scfeb^e. ' 409 

EsSai^errlE.bitn^'iLuhnkenziephtoiaff öd 45/ öi' Säynivmy 
t H.Fo^ssium et Fi Äl Wolfium datae. Wii« h*beA die«e» 
Briefe deqi JEIrn. -Prof, Bosr$rt ia verdanken. Unter derti Nach- 
lasse seines Schwiegervaters befartiÜen sich «wan^ig' an »der 
Zahl 9 hidr werden fünf e an Heyne"^ einer. an V^f» und einer 
an Wolf mitgetheilt. Vosseirs Antwortschr^ben ist ebenfall» 
beigegeben. Die übrigen verspricht Hr. Director FH^»man» 
in seiner Sammlung von Ruh liken'» kleine» Schriften ^ - die ei^ 
schon früher in 4en Misoell, angekündigt , imtzUtfaeilen. — » 
III. Specimen Olossarii antiqui cum notis editoris ätionymU 
Eine Persiflage der Liätinität mancher Schriftsteller <ier neuern 
Zeit. Als Probe stehe hier nur einer der kürsern Artikel, 
ACCOMMODHtaM EST ^D] Jpte cadit ad; O vstustm^ 
tem elegantem! Qids vätqüam fando auditAt , sie dici possei '*Nihti 
est actjomniodaeius ad hist^riam tradendam, {fwani 
hbmo a^ omni partium studio Über? Öuanec^ nos melius 
cum nostro glossatore t ' Ap tius nihil emdere pot&st^ qwam 
y^arronis persona^ ad philosqphiain jintiöchi,' "^ IV^- 
Oratio de Saeouli Nos t ri Misoiogi Of ht Lustrtuitme Gymn» 
Luhec. hahita a Mi Chriiti Jul, (, u i/. Mo sohe^- Oymn. Dir, 
( Lubecae 1 8 1 5 )• jicoeditnunc annotfUio 7. A. JL. - PVe g s c^ e-i de r i. •^— ' ' 
V. üeber einige Stellen alter Schriftsteller von Pä, Buttmofm. 
Die behandelten Stellen sind*ü. ft. Theoer. 7, 72, 73; Aristoph. \ 
Thesm. 18 und 56.; Odyss. y, 248 \x.\^^ W. — VJ. De Verho 
'AxTat'vw 0«i 'AKrärygcO j icr. E, H. Barker, — " Yll> Scholia anti' 
qua in Homeri Odysseapi a Buttmahno edita nonnullis in loch efhendat 
C L. Struve, Ein ganz kurzes Programm von Königsberg 
1822. — VIII. Gasparis Garatonii ExcurStts ad f^errinas. 
Aus den opuscoU letterarii T, /. {Bcflogha per Ahnäsio Nohili 1818, 
p\ 5 - 12 . ) aligedruckt, -'r- ^IX. Commentatio Em. € a-r, Fri <£• 
Pvunderlichii to0. ftaKap/rou in Epigrammh Bacehylidis aUt Si" 
monidis in Br. onnaL T. L^ Pag. 14t. Anth. Palat. T. 11* Pag, Ö42. 
edidit Fr. Ja cp h s, — - X, Dan. Wy ttenöachii additamenta 
ad Phaedonis Platonici editiohem* Abgedruckt au s des 
Verfassers MisoelL Doctrinae Amst. I8l7. VoL III, p. 82-109. — 
XI. Ch, A, Loheckii Dissertatio L et II, de my steriorum 
Graecorum ar gumentis. Zwei kurze Königs^b. Programme 
von 1820. ^- XII. De Accentus Lege, quam Graeci in pro» 
nunciandis Nominativis oocum monosyllaharum tertiae declinätianis se* 
cuti suntj scripsit Car. Guil, Göttling. Ein Bonner Pro. 
grainm von 1821.— XIII. Commentatio hreois Jo, Gram^ 
mii de rehns literariis a S* V. Ahhate Jo. Laut. Moshemio" in 
Dania a, i722 gestis, occasione loeorum quorundam in Thes. Epist, La 
GroZ' 7. /f ad umus alteriusque ämkofum pedtionam scripta. Ex aw 



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to^rapho ed. TorK Bade tu -^ XIV. De podd^^BiBHothecäaC^eh 
, Qov, scn Gull MilnnicK Pars IL Dtß codd% uarn^argffmentf* 
(Der er:5te Theil steht in den JkKssell. Fol /. .P. if% p..69o.) — 
XV, De Xenophontis Ojecohamiei oap,^ XFl serm Jlf. Fr^ 
Aag* B arne mann y Prof ^ -äfran^ Mis^ Ein ve;:b^Ä«^«Jtär .Text 
mit Anmeirkuflgen,. — XVf, 4dadb. Barth. Kayssleri et 
J 0, . T A#'« e/ii S ah neideri S meto nis , vitae*. ^orip^it Franc» 
Passows Schon, itn. Jahre XS22 in Breslau erachienen. — 
Xyil* Jo» O-e orgii Oraevii. Scholia i/k Q io yeifanis de officiis 
libf L ekll pd.^.GuiL Röther, Ph. D. Oymn^. Heidelb. Prof. 
Diese ^cholien befinden- sich aw£ dem Hände des der Heidel- 
berger .Uni K^psitätsbihJliotUek »uaehörigen, aus; Gr^fvius Bi- 
bliothek mit; mehreren andern Büchern dahin; gekommenen 
Exemplars ron dessen Aufgabe , ^inslerdaca . I68d« Sie sind 
von des yerfas^ers eigner Hiind* \Re£. hat sie sc^rgfältig ab- 
geschrieben ' und mit Voi-an^setsung der betreffenden Stellen 
ifnd Wgrte nebst den nothw0i»l4ig«t.ai? Anmerkungen abdrucken 
lassen,. und.hofft,xdea Fre«ndea.;Qi<eero;s und des.Vfs. mit sei- 
ner Arbeit einen Gefallen erwiegeji.i&ii! haben. Für.diejenl- 
gem, welchen, di^ TWXtpö/fccrl«.. nicht »urijand $iad^ ist eia 
besonderer. Abdruck veranstaltet .w?«rd^n^:. 



Indeip<.Eef« dies schreibt, erhält e^ das zweite Heft des 
zweiten Sandes., .jj^s.b^gi^^nt mit dem JBQSchlufs der Scholia 
Graeviana, Unter den 9 übrigen Stücken, die es enthält, zo- 
gen des Ref.. Aufmerksamkeit besonders auf sich Fr.Jacoi' 
sii Additamenta nonnMa ad Varias JLß Colones in quaedem mi' 
nora fsih{an^i.Sophiseae Scripta» (scr^ GuiL Röther^ a];igedr, 
in d^n lf€isp^ V, I, P. IV») i und er freut sich >. ihrem würdi- 
gen Verfasser hier ÖÄentlich seinen Daijik' für die lehrreichen 
Bemerkungen und Zurechtwei^ui^gen, die sie e^ithalten, ab- 
statten ?u können. Von einen^ ^/c/i«/» Manne und d^xxi sphh 
Weise abgefafst nimmt .man gerne Einwendungen an, wenn 
mari sich auctj^ nicht von der Richtigkeit . alier überzeugen 
kann. Wie sehr würde Ref^ sich dem Hrn. Verf,. verbunden 
fühlen, wei^n derselbe, aus dea^ Schatze seiner, critiscben 
Sammlungen ,., falls sie sich dahin erstrecken sollten , auf die- 
sem Wege .auch Bemerkungen. über des Libanius Aoyog x^fr t;J; 
^:tutoC Ty^*?^ mittheilte, wiö er hier zu dessen Declamatiun: 
der Parasit& atis d^r Münchner Handschrift XCVI schöne Va- 
rianten mit critiscben Noten mi^gßtheilt bat. Sor könnte des 
Ref. Entschluß, jej^e Biographie,, vora^glicb.mit.Benutaung 



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von "VVTy ttenbachi ,IUjceijpjon dqrReiskeacben Aif«gabe^ ne^ 
3541 edir^p , viQJleiiitt hald ausgeführt werden* 



Die ddm aweiteri Hrfte voi?atig^S(BtÄte Naobrfclit vet. 
spricht 40 iheils schon gedruckte , tbeils noch iingedlruekte 
Stücke ftlr die fplgenden Hefte , worunter fVyttenbaphü oratio^ 
jies ßt dissertt^' variae, Valckenarii orat* da Philippi Ätiiyntn indole etif>, 
mehrere Lebensbeschreibungen , u. a.' die vfta 'PFyhenbachn scr. 
Mahne f Mich, Pselli epistolae ineditae , ed, Fr^ Creuf,er, und an» 
dere iLleinere und grofsere Schriften die besondere Aufmerk- 
samkeit der Le^er auf sich ziehen' dürften, 



Dß Fructißcathnh GenerU Rhhomorphae Commentatio^ Scrip/nt Fr^ 
G. E^ chwe.il er» Acoedit novum Qenus Hyphomycetum» 
Cum Tabula aenea» £lberfildiae , Sumübns Biiscklerianis 1822* 
64 S. 4* 66 Krm 

IVJit Vergnügen zeigen wir das Erscheinen dieser kleinen 
Schrift an,' welche als Erstling ihres Verfassers in Zukunft 
noch vieles Sohörne und «Brauchbaret Yofii ihm erwarten läfst. 
Die Pflanze, welche^hier nähfer beschrieben wird, ist Rhizo"- 
viorpha suhteYr,anea Verspan ^ die i^iun^ als Uchen radidiformis und 
Scopol i untier dem Namen ösnea xadkiforims in .seine Werke 
aufgenommen, hatte^ Niemand aber sah und bes.chrißb die 
Fruchttheile dieser Pflanze, die der IJr. Verf, folgendermafsen 
bezeichnet: 

' Jrnc^ificätio sessilis szihglohosa hicuspidata^ ' peristhecio dftro sub'rw» 
gulosa denium tjuovis apice perforato f 'Suhstantia propria cellulosae ita^' 
cleo primuni cotnpacto Jioccis intemUoafis, äß