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Full text of "Heldenbuch: Altdeutsche Heldenlieder aus dem Sagenkreise Dietrichs von Bern und der Nibelungen ..."

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Heldenbnch. 



Altdeutsche Heldenlieder 

ans^dem 

Sagenkreise Dietrichs von Bern 

und der 

Mbelnngeiit 



Meist ans einzigen Handschriften znm erstenmal gedruckt 
oder hergestellt 

durch 

Friedr. Heinr. von der Hagen. 



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HILDEBEAlSro ■*■*•' ■•■*• 

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Leipilg^ 185S. 

Verlag T«>a Hemuum Schnltn. 
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B«rliOy Pet86li*«ehe Bncbdnickerei 



Adolf Holtzmaim, 

den Tröste des Nibelnigeiliortes^ 

gewidmet. / '^- CT. 



Vorbericht 



Mit disem Werke, villeicht dem letzten, kehre ich noch- 
mals zu meiner ältesten, nicht rostenden und nicht rasten- 
den Vorliebe in der Dichtkunst zurück. 

Schon als Schüler durch Ovid, Virgil und Homer 
vor allen auf das Heldengedicht gesteuert, kaufte ich 
alle mir erreichbaren Deutschen Gedichte und Ueber- 
setzungen diser Art zusammen, und ich besafs eine sel- 
tene Sammlung derselben, welche später, als das dunkel 
darin gesuchte warhafte Heldengedicht geftmden war, 
durch ein Büchergericht meiner Freunde Solger, Krause, 
Kefsler, bis auf ein vor allen sanft einschläferndes, zwar 
nicht zum Feuer, jedoch zum Trödel verurteilt ward. 
Meine Sammlung war zunächst auf das vaterländische 
Heldengedicht gestellt, und durch den schon im vorigen 
Jarhundert angeordneten Ausverkauf des alten Lagers 
der damaligen Kealschulbuchhandlung sehr begünstigt, 
erhielt sie daher auch einige Altdeutsche Gedichte diser 
Art, namentUch Wilhelm von Oranse; welche ich zwar 
dem Büchergericht entzog, aber als einen mir selber ver- 
schlofsenen Schatz bewai-te, bis ich (durch Gräters 
Bragur) das alte Heldenbuch als Volksbuch kennen 
lernte, und endlich die Nibelungen, die durch Bodmers 
Balladen (1780) zuerst mir kund wurden, als der lange 
dunkel gesuchte Hort, mächtig einleuchteten (1803-4). Und 
so begann ich mein Tagewerk in disem unerschöpflichen^ 



/ 



VHI Yorbericht. 

fortwarend vor allen gern bearbeiteten Felde, mit der 
Erneuung und Herstellung des Nibelungenliedes aus 
Handschriften, zu welchen der erste grofse Verkün- 
diger desselben (1783), Johannes Müller, mir verhalf, 
sowie meine genannten und andere vertraute Freunde, 
denen ich es vortrug, mich zur allgemeinen Mitteilung 
desselben ermunterten (1806 — 7. 1824). Wie ich mit 
Tieck unwifsend hier in änlichem Untememen zusam- 
mentraf und mir dadurch seine bis ans Ende bewärte 
Freundschaft erwarb, habe ich zu dem aus seinen mir ver- 
^ ehrten Handschriften mitgeteilten Anfange seiner zum Teil 
nach dem übrigen Heldenbuch weiter ausgedichteten Er- 
neuung der Nibelungen (1853, in Germania Bd* 10) be- 
richtet; sowie ich früher (1836, ebenda Bd. 1) Goethe's 
gleichzeitige (1807 — 8) mündliche Verkündigung der Ni- 
belungen für einen erwälten Kreis erwänt habe. Bald 
darauf (1810) liefs ich die Nibelungen in der Ursprache 
folgen, als den ersten Versuch einer wirklichen, vergli- 
chenen und berichtigten Ausgabe eines Altdeutschen 
Werkes, mit Zueignung an Wolf, dessen Homerische 
Vorlesungen mich in Halle (1797 — 1806) vor allen anzo- 
gen. Sie war auch bestimmt „zu Vorlesungen" an der 
eben neu gegründeten Berliner Universität; welche Vor- 
lesungen ich hier 1810 begann, dann, zu den widerholten 
Ausgaben (1816. 1820. 1846), in Breslau (1812—24) hielt, 
und wider hier in Berlin noch fortsetze. 

Der innige Zusammenhang des dadurch erst recht 
verständlichen letzten und grösten Nibelungenliedes mit 
dem übrigen Heldenbuch, als Inbegriff aller noch übri- 
gen alten vaterländischen Heldenlieder und Dichtungen, 
forderte die Aufsuchung und Betrachtung der zumteil in 
einzigen Handschriften übrigen, oder die alten volksmäs- 
sigen Drucke daraus herzustellenden Gedichte dises 
grofsen, vor allen wichtigen, gehaltvollsten, in der Dar- 
stellung vollkommensten Sagenkreises. 



Vorbericht. IX 

Den Umfang dises Sagenkreises ergibt am voll- 
ständigsten die Wilkina- und Niflunga-Saga, welche 
im 13ten Jarhundert in Norwegischer Prosa zunächst aus 
Norddeutschen Liedern und Sagen und anderen Denkmä- 
lern, namentlich der Hansestädte Soest, Münster und 
Bremen, zusammengeschriben ward. Sie heifst eigentlich 
Dietrichssaga, weil sie mit dem Stamm uncfden Genos- 
sen des eigentümlichsten und grösten Deutschen Helden 
Dietrich von Bern, welcher allein mit seinem Meister 
Hildebrand durch und über die Nibelungen -Not hinaus 
schreitet, als der wirkliche Träger und Beschliefser des 
grofsen Sagenkreises, anhebt, und bewart allein uns noch 
einen sehr grofsen Teil der Dichtungen oder abweichen- 
der Darstellungen desselben. Meine schon 1814 erschie- 
nene Verdeutschung dises 'v^dchtigen Sagenbuches läfst 
in der eben (1854) vollendeten, aus den Handschriften der 
Dänischen, Schwedischen und Norwegischen Vorarbeiter 
berichtigten und vermerten Ausgabe, solches bedeutende 
Verhältnis leicht erkennen. 

Unvergleichlich mangelhafter gewärt die erst im 
fünfzehnten Jarhundert geschribene alte Vorrede des 
Heldenbuchs eine solche Uebersicht, auch zum Teil 
aus nicht mer vorhandenen Dichtungen, oder noch an- 
ders abweichenden Darstellungen derselben; wie sie hier 
auch zuerst aus der einzigen Handschrift dem neuen Hel- 
denbuche voransteht. 

Beide alte Arbeiten umfafst und ergänzt durch Aus- 
zuge aller noch übrigen alten Gedichte des Heldenbuchs 
nach ihrer mythischen Zeitfolge, meine Zusammenstellung 
des vaterländischen Sagenkreises mit und zu den Helden- 
bildern, welche der Bildhauer F. Tieck fiir seinen Bru- 
der, den Dichter, und nach dessen Anweisung, in Mün- 
chen 1805 malte, in Verbindung mit den Ritterbildem 
der Sagenkreise Arturs, der Tafelrunde und des Heiligen 
Grales, sowie Karls des Grofsen. Dise 60 farbigen 



X Vorbericht. 

Bilder, mit vorherrschender Farbe jeder der 4 Reihen, 
der roten Nibelungen, blauen Amelungen und Hennen, 
gelben Tafelrunder und grünen Kärlingen, und jede Reihe 
mit ihren zwölf Haupthelden, einem Risen, Zwerg und 
Ungeheuer oder Thier, alle mit den vier Zeichen der 
Spilkarten, wurden durch meine „Heldenbilder" (1821 
— 23. 3 Teile) zuvörderst bei den einzelnen Bildern 
kurz erklärt, daneben aber ward im Zusammenhange aus- 
führlich ihr gemeinsames Schicksal erzält, mit Hinwei- 
sung auf die Quellen der einzelnen Dichtungen. Eine 
schon lange nötige neue Ausgabe dises Heldenbilder- 
buchs, nach den Urbildern, welche ich als teures An- 
denken der beiden Brüder beware, bis auf die beiden 
verlornen Bilder Tod und Teufel, welche dem Dichter 
zum Spil mit disen Blättern dienten, wird die Bedeu- 
tung derselben noch vollständiger erkennen lafsen. 

Vor und neben disen cyklischen Arbeiten liefs ich 
mir noch mehr die Herausgabe der noch ungedruckten 
oder nur in einzigen alten Drucken vorhandenen Gedichte 
des Heldenbuchs angelegen sein. Im ersten Bande der 
mit G. Büsching unternommenen Sammlung „Deutsche 
Gedichte des Mittelalters" (1808) gab ich: König Ro- 
ther, aus Tiecks Abschrift der einzig vollständigen Hei- 
delberger, damals noch Vatikanischen Handschrift; Her- 
zog Ernst, aus der einzigen Gothaer Handschrift; 
Salomon und Morolf aus Eschenburgs, dann Nag- 
lers, jetzo des Königl. Museums Bilder-Handschrift und 
dem alten Druck. Der zweite ganz solchen Heldendich- 
tungen gewidmete und auch „der Helden Buch" betitelte 
Band (1820 — 25), mit A. Primisser, enthält die gros- 
sen Heldengedichte von Gudrun, und Biterolf und 
Dietleib, beide aus der einzigen Ambras- Wiener Hand- 
schrift; denGrofsen Rosengarten zu Worms (verschi- 
den von den alten Drucken) aus der Strafsburger und Hei- 
delberger Handschrift; dasSigfridslied aus meinen zwei 



Vorbericht. XI 

einzigen alten Drucken; Dietrichs Ahnen und Flucht, 
und die Eavennaschlacht, aus der Heidelberger und 
Ambras -Wiener Handschrift; Kaspars von der Kon 
Heldenbuch, aus der einzigen eigenhändigen Dresdner 
Urschrift, welches einen grofsen Teil der Heldenlieder 
dises Kreises im löten Jarhundert bänkelsängerisch ver- 
kürzt, namentlich: Ortnit; Wolfdietrich; Etzels Hof- 
haltung; Rise Sigenot (verglichen mit der Heidel- 
berger, Straf sburger und Veesemeyers Handschrift und 
dem ältesten Drucke) ; Ecken Ausfart (verglichen mit 
dem ältesten Drucke); Dietrich und seine Gesellen; 
Zwerg Laurin; der Kosengarten zu Worms (dem 
alten Drucke des Heldenbuchs entsprechend); das Hilde- 
brandslied (mit Veesemeyers und dem Wiener Bruch- 
stück); das Meerwunder; Herzog Ernst (beide in 
der nach dem letzten auch benannten Berners-Weise 
des Sigenot und Ecke). 

Zwischen disen beiden Bänden begann ich, in Ver- 
folg meiner ersten Emeuung der Nibelungen, eine Bear- 
beitung der dazu gehörigen Heldenlieder in „der Helden 
Buch", dessen erster Band (1811), zumteil aus den ge- 
nannten Quellen, enthält: das Sigfridslied; Etzels 
Hofhaltung; das Kosengartenlied, aus der Münch- 
ner und Dresdner Handschrift, als Herstellung des alten 
Drucks; AI pharts Tod, aus der einzigen Handschrift; 
Ecken Ausfart, aus der unvollständigen Münchener 
Handschrift und meinen zwei einzigen alten Drucken; Kise 
Sigenot, aus der Dresdner (Kons) und Strafsburger 
Handschrift und meinen vier einzigen alten Drucken. Die 
Fortsetzung dises, Goethe'n zugeeigneten Werkes, zu 
welchem sich Tieck mit mir verbunden hatte, und dazu 
noch Ortnit, Wolfdietrich, Laurin bereit ligen, ist jedoch 
unterbliben. 

Aus Anlafs der Jubelfeier des Heiligen Kockes (1844) 
gab ich einzeln das Heldengedicht vom „Ungenähten 



"KU Vorbericht. 

Grauen Rock Christi", aus der einzigen Strafsburger 
Handschriflb und meinem nur noch einmal, in München 
vorhandenen alten Drucke. 

Zur Vollendung diser sämmtlich auf das Helden- 
buch gerichteten Unternemungen war ich fortwärend 
um Erforschung und Herbeischaffimg aller sonst noch 
übrigen Urkunden desselben, in Urschrift oder Abschrift^ 
bemüht. Und so endlich im Besitz alles sonst noch aul 
disem Gebiet als vorhanden bekannten oder neu zum 
Vorscheine Gekommenen, fand ich mich genugsam aus- 
gerüstet zum vorligenden neuen Heldenbuch in der 
Ursprache, als Ergänzung und vorläufigen Abschlufs 
desselben. Es erscheinen daher nunmehr, meist zum er- 
stenmal und aus einzigen Urkunden, die schon lange ver- 
missten alten Heldenlieder, welche aufser den vorge- 
nannten noch übrig, oder unter disen nur erneut sind. 

Zuvorderst stehen hier die älteren Darstellungen des 
grofsen Gedichts von Ortnit, Hugdietrioh und Wolf- 
dietrich (Dietrichs von Bern Anherren), welches den 
Hauptinhalt des alten gedruckten Heldenbuchs ausmacht, 
und darin zu Einem weitschichtigen Dichtwerke verbun- 
den und verarbeitet ist, wärend hier noch die ursprünglich 
gesonderten einzelnen Heldengedichte, oder, obschon ver- 
bunden, jedoch in der altern kürzern Gestalt hervortreten. 
L Ortnit. Aus der Ambras- und Windhag- 
Wiener Handschrift. 

Die jüngste zwar, jedoch umfafsendste, noch in andere 
Sagenkreise übergreifende Sammlung, ist die Wiener, 
vormals Ambras er Hds. Perg., 5 und 237 Bl. gr. Pol. 
aus dem Anfange des 16ten Jarh., enthaltend: 

1) Frauen Lob. Bl. 1—2. 

2) Erzälung von Nero dem Wütrich u. s. w. 
(der nur gelegentlich vorkömmt; eigentlich von 
Bitter Mauritius und Gräfin Bea munt ). Bl. 2—5. 

3) Ritter Jwein, von Hartmann von Aue (voran 



Vorbericht. Xni 

geht die Dichtung vom Wunderhorn). B1.6 — 20. 
(Grundrifs S. 120.) 

4) Gespräch von der Liebe, von demselben. 
Bl. 22 — 26. 

5) Einer Frauen Liebesklage. Bl. 26 — 28. 

6) Ritter Erek und Enite, von Hartmann von 
Aue. Bl. 28 — 50. 



7) Dietrichs Anen und Flucht zu den Hen- 
nen, von Heinrich dem Vogeler. Bl. 51— 75. 
(Grundr. 72.) 

8) Die Ravenna-Schlacht. Bl. 75 — 92. (Grund- 
rifs 74.) 

9) Die Nibelungen -Not. Bl. 95 — 127. (Grund- 
rifs 79.) 

10) Die Klage. Bl. 131 — 39. (Grundr. 79.) 

11) Gudrun. Bl. 140 — 66. 

12) Biterolf und Dietleib. Bl. 166 — 95. 
13') König Ortnit (Bl. 196 — 205); und 

IS»») Wolfdietrich (Bl. 205—14). Grundr. 20. 



14) Das böse Weib. Bl. 215—16. 

15) Die getreue Ehefrau, von Herrand von Wil- ij.^vj, 
donie. Bl. 217. 

16) Der verkerte Wirt, von Herr and von Wil- 
donie. Bl. 217 — 18 

17) Der nackte Kaiser, von demselben. Bl. 218 
—19. (Grundr. 365-) 

18) Fabel von der Katze, von demselben. Bl. 

219 _ 20. 

19) Ulrichs von Liechtenstein Frauenbuch. Bl. 

220 — 25. 

20) Der Meyer Helmprecht, von Wernher dem 
Gartener. Bl. 225 — 29. 

21) Der Pfaff Amis. B1.229_33. (Grundr. 350.) 



XIV Vorbericht. 

22) Bruchstücke des altem, Eschenbachischen Ti- 
turel. Bl. 234 — 35. (Grundr. 99.) 

23) Vom Keichtum des Priesters Johann« Bl. 
35—37. 

Das prächtige, mit Band- Arabesken, einem Titelbilde, 
den beiden Tirolischen Bisen Haimo und Thyrsus unter 
dem Tiroler roten Adler, und mit gemalten Anfangs- 
buchstaben gezierte Buch zeigt Bl. 215 in einer Eandmale- 
rei die Jarzal 1517 mit den Buchstaben V. P. (vermut- 
lich des Malers), und K. Michäler liefs schon 1776 zu 
Insbruck, daraus den Jvein (Nr. 3) abdrucken, als die 
Hds. noch in Tirol war, wo sie, bei Versetzung der alten 
lurstl. Hausbibl. auf dem Stammschlofse Ambras unweit 
Insbruck 1665 nach Wien, nebst manchen anderen Alter- 
tümern und Hdss. zurückblieb, und mit disen erst 1805 
nach Wien in die dort annoch abgesonderte Ambraser 
Sammlung kam, aber durch die unruhige Zeit noch lange 
verpackt blieb, nochmals nach Ungarn geflüchtet ward 
u. s. w. (vgl. Oesterr. Beob. 1810, Nr. 30. Beil.), bis 
1816 der Aufseher diser kostbaren Sammlung, Alois 
Primisser, sie mir zuerst bekannt machte, und ich sie 
weiter verkündigte, in Büschings wöchenü. Nachr. I, 
385 — 96. Vgl. Primissers Beschreibung der Ambraser 
Saminl. (Wien 1819) S. 275 — 79. Die Handschrift, welche 
ich 1819 in Wien selber eingesehen^ ist in 3 Spalten, je zu 
68 Zeilen zwischen roten Linien, mit s.' g. Kanzlei- 
schrift, die Strophen und Keimie fortlaufend geschriben, 
jene mit gemalten, dise mit rotdurchstrichenen Anfangs- 
buchst, und Punkten bezeichnet, die Einschnitte der Lang- 
zeilen mit Strichen; die Ueberschriften der einzelnen 
Gedichte und Abenteuren sind rot. Die dritte Schrift- 
tafel zu „Gesammtabenteuer" Bd. 3 (1850) gibt ein 
vollständiges Bild des Anfanges der Gudrun (Nr. 11). 
Von den nicht mitgezälten 5 Blättern vom enthalten 4 
das Inhaltsverzeichnis, ncut der roten Ueberschrift: 7a- 



Vorbericht. XV 

bula des Held enp^uchs. Das fünfte Blatt ist das Titel- 
bild, die beiden gewappneten alten Eisen, in laubiger 
Einfafsung, daran über ihnen der rote Tirolische Adler. 
Ueber dise noch in Tiroler Sagen und Denkmalen, 
namentlich zu Wilten bei Insbruck, lebenden Eisen 
Heyme und Thyrsus, wie jener, um 860 aus Lothrin- 
gen kommend, disen am noch so genannten Thyrsen- 
bach erlegt, und zur Sühne das Kloster Wilten stiftet, 
einen den Bau hindernden Drachen tödtet, und als Laien- 
bruder um 875 stirbt, s. den Tiroler Almanach 1804, 
S. 244 — 46. und 1805, S. 225; vgl. auch die Abbildung 
des Klosterbildes, Haymo mit der Drachenzunge in der 
Hand, in Merlans Oesterr. Topogr. (1649) S. 142. Ganz 
ebenso erscheinen beide Eisen mit dem Tiroler Wappen 
auf der grofsen Burglechner'schen Karte von Tirol, mit 
der Aufschrift: „Tirolisch Wappn, sampt baider Tiroli- 
scher Biesen Haymonis und Thyrsi." Thyrsus ist ohne 
Zweifel das allgemeine Nordische und auch Altdeutsche 
Wort Thurs, Turs (wie noch in Namen Thyrsen- 
bach, Tirschenreut, Dusnang, alt Türsenwang) 
für Eise; und Heymo ist mit dem im Heldenbuche so 
berümten Becken Heime verwandt, der (laut der Wil- 
kina-Saga) auch einen Drachen erlegt, in das Lom- 
bardische Kloster Vadmcusan*) geht, und den das- 
selbe bedrückenden Eisen Aspilian erschlägt. 

Die Hds., welche in einem alten Verzeichnisse der 
Hdss. des Erzherzogs Ferdinand (bei Primisser S. 276) 
als „das holden PuecH'^ aufgefiirt steht, ist nun ohne Zwei* 
fei, wie* ich gleich anfangs vermutete, von und far den Kai- 
ser Maximilian veranstaltet, wie folgende unter sei- 
nen Gedenkbüchem von Shottky aufgeftmdene Urkunde 
von 1502 bestätigt, welche hier wol Mitteilung ver-^ 

*) Die Altrömische Colonie Veldidena stand, wo jetzo Wilten, 
sonst auch Wilden, Wilthin, Wilthan genannt: eben diefs ist vor- 
nratlich das obige (Nr. 16. 17) Wildonie. 



XVI Vorbericht 

dient*), da sie so erfreulich die Sorgfalt des Reiehsober- 
hauptes auch für dise Gegenstande ausspricht: 

„An Wilhelmen von Oy, Säklmeister, von 
wegen seines Schreibers. 
Getrewer lieber, Wir haben vnnseren lieben getrewen 
Paulsen von Liechtenstain etc. beuolhen, vnns das 
helldenpuch an der Etsch ausschreiben zu lassen, 
dartzu er dan deines Schreibers notturfftig wurdet, Em- 
phelhen wir dir mit ernst das du demselben von Liech- 
tenstain deinen schreyber furderlich hinein an die Etsch 
beruerts heldenpuch daselbst abtzuschreiben zu schig- 
kesst, vnd das nit lassest, So wirdet jn bemelter vnn- 
ser Marschalh mit Zerung vnnd anderm wie sich ge- 
burt versehen vnd vnnderhalten, Vnd du thust daran 
vnnser ernstliche Mainung. Dat. Fuessen den xv tag 
Aprilis Anno xvC vnd jm anndem." 

Hier ist zugleich ein. merkwürdiges Zeugnis über die 
Urschrift dises Heldenbuchs, an der Etsch: etwa zu 
Brixen oder Trient, die auch in der Wilk. S. und im Ort- 
nit und Wolf dietrich (13 *• *») vorkommen; oder gar zu Gar da 
s» Garten, Verona « Bern? Es scheint, der Paul 
/ von Liechtenstein hat sie besefsen. Villeicht läfst sie 
/ sich noch wider aufspüren. Zu dem Schriftbild und Ab- 
drucke des vom Prorector Heffter in Brandenburg mir 
verehrten Pergamentbruchstücks der Nibelungen -Not, als 
Buchdeckel vom Inn her gekommen, habe ich in dem 
Monatsberichte der Berliner Akademie der WW. 1852 und 
in der Sonderausgabe von 100 Abdrücken S. 10, beides 
aus dem Alter, der Grofse der ebenfalls dreispaltigen, 
74zeiligen Handschrift, ihrer gleichen Einrichtung, Schrei- 
bung und Abteilung der Stanzen und Zeilen, ihren ge- 
meinsam eigentümlichen Stanzen und meist buchstäblichen 
Uebereinstimmung, selbst in Fehlern \md Mängeln, erwie- 

*) Wie ich sie schon im Neuen Jahrbuche der Deutschen Gesell- 
schaft in Berlin, oder Germania Bd. I (136), S. 266 gegeben habe. 



Vorbericht. XVII 

sen, dafs hier noch ein Stück des „Heldenbuchs an der / 
Etsch" übrig ist, welches damals in der Nibelungen - Not 
schon unvollständig war, und seit des Kaisers Abschrift 
weniger geachtet, völlig zerschnitten ward. Aus ihr kön- 
nen aber. die jetzo noch unnachweislichen Stellen solcher 
Heldengedichte, sowie der Nibelungen, bei dem etwas 
spätem Lazius (Grundr. 87. 88) nicht wol sein; denn in ^ 
Maximilians Abschrift, wo jene auch fehlen, ist für dise 
zum Teil leerer Raum gelafsen, sodafs sie one Zwei- 
fel damals schon in der Urschrift selber fehlten. Auf 
jeden Fall bewart uns dise, zwar in der Sprache und 
Schreibweise ihrer Zeit, dem Maximilianischen Pracht- 
drucke des Theuerdank änlich geschribene Samm- 
lung, welche mit Recht, nach ihren acht Hauptstücken 
(Nr. 7 — 13^), das Heldenbuch hieifst, zwei bis dahin 
ganz unbekannte, nicht weiter vorkommende und höchst 
wichtige Heldengedichte, Gudrun und Die t leib (11. 12), 
sowie das Rittergedicht von Erek (Nr. 6). — Abschrift 
sämmtlicher Stücke des Heldenbuchs, sowie einiger an- 
derer Stücke (Nr. 12. 14. 16. 19. 20. 23), habe ich von 
Primisser, Schottky, Frz. Ziska und Frz. Goldhann. 
Gedruckt ist nunmer der meiste Teil diser reich- 
haltigen, so vil Wichtiges einzig bewarenden Hand- 
schrift. 

Kaiser Maximilian, „der letzte Ritter," hatte one 
Zweifel seine reiche Abschrift des Heldenbuchs an der 
Etsch, auf welche Gegend die meisten eigentümlichen 
Stücke derselben nahe Beziehung haben, sowie das Ge- 
dicht seines eigenen ritterlichen Lebens den Theuerdank, 
und das Prosabuch von seinem Vater, dem „Weiskünig," 
in Prachtausgabe mit Bildern zum Drucke bestimmt, und 
hat in seinem Gedenkbüchlein 1509 bis 1513 bemerkt, 
dafs er neben einigen anderen nächsten vaterländischen 
Gedichten (Neidhart, Pfarrer von Kaienberg und Pfaff 
Amis) auch „Dietrich von Bern", den Haupthelden und 



XVm yorberioht 

Träger des Heldenbuchs, „aufs Neue herrichtea wolle" 
(mein Nibelungen-Bruchstück S. 12). Ueber drei Jarhun«- 
derte darnach erfolgte erst unser oben erwähnter Abdruck 
der wichtigsten Stücke: Gudrun (11), Biterolf undDiet- 
leib (12), die Vergleichung der Nibelungen-Not (9) 
und Klage , aus Primissers, Ziskas und Schottkys Abschrift 
(vgl. Germania VIII, 1, Primisser und Schottky inBü- 
schings wochentl. Nachr. 11, 342. III, 9), und Dietrichs 
Ahnen und Flucht zu den Hennen (7), und die Ba- 
vennasohlacht (8) aus Schöttky's Abschriften; sowie 
gegenwärtig Ortnit (13*), und Wolfdietrich (13*»), nach 
Goldhjums durch Endlicher besorgten Abschriften. *) — 

Unser Ortnit in diser Ambraser Handschrift ist, 
wie die meisten Gedichte derselben, aus guter Quelle, 
älter und vollständiger als in der folgenden Hand« 
Schrift, deshalb auch in unserem Abdrucke widerholt. 
Der Vorzug diser jüngsten fast aller Abschriften des 



*) Von der übrigen grofsen Sammlung sind gedruckt: Eschen- 
bachs Titurel durch Schottky, in den Wiener Jahrbüchern 1819. VgL 
Minnesinger IV, 210. Hartmanns Minnegedichte (Büchlein und 
Leich. 4. 6) zumteil in den Minnesingern (der Leich Bd. III, 468 ; Aus- 
züge lY, 274), nach Goldhams Abschrift, welche ich Lachmann mitteilte, wo- 
rauf der Prof. M. Haupt das Ganze herausgab (1842). Derselbe gab die dem 
I w e i n (6) voranstehende Dichtung Tom Wundermantel, in den Altd. 
Blättern II (1839), 217; den Priester Johann (23, den Schottky zum 
Druck abgeschriben) ebenda I (1836), 308, und machte eine Ausgabe des 
Erek aus diser einzigen späten Handschrift (1889), nachdem Primis- 
ser nähern Bericht und Auszug davon gegeben in den Wiener Jahrb. 
1821. Von Liechtensteins Frauenbuch (19) gab Jos. Berg- 
mann, Primissers Nachfolger bei der Ambraser Sammlung, einen Ab- 
druck (184 J). Die schon früher dazu bestimmte Abschrift Schöttky's erhielt 
Lachmann von mir, worauf diser in seiner Ausgabe von Liechten- 
steins Werken es dem Frauendienst beifügte, beides aus einzigen Hand- 
schriften. Die Erzälungen erschienen meist in Abdrücken von Berg- 
mann: Helmbrecht (20) von dem Gartener (aus Garten, Garda, 
am Garda-See) in den Wiener Jahrbüchern, und daraus besonders 1839 ; 
das üble Weib (14) ebenso 1841; und die 4 Erzälungen Wildonie's 
(14 — 17) in einer Ausgabe ebenso 1841. Eine Ausgabe des Helmbrecht, 
mit Vergleichung meiner (jetzo der Berliner Bibl.) Handschrift, lieferte 



Yorbericht» XIX 

Heldenbachs und ihr befseres Verhältnis zu ihrer alten 
Urkunde, ungeachtet der Schreibung nach der Aussprache 
ihrer Zeit (für die Erneuung durch den Druck), besteht 
besonders noch in der Bezeichnung der Stanzen, 
welche selbst in vil älteren Pergamenthandschriften (wie 
in meine Bruchstücke des Ortnit und Wolfdietrich) so 
wie in fast allen Papirhandschriften (wie die hier folgen- 
den Handschriften des IV Ortnit und Wolfdietrich, und 
V Alpharts Tod) ganzlich übersehen. 

Dise andere Wiener Handschrift, welche zwar nur 
drei Stücke der vorigen (7. 13». 13**) enthält, mit wel- 
cher sie auch durch ihren sonstigen Inhalt verwandt 
scheint (Nr. 3), nur durch das Kais erb uch (Nr. 2) noch 
mehr ein umfafsendes Geschichtsbuch darstellt, ist dage- 
gen durch ihr höheres Alter wichtig. Es ist die im 
Grundr. 548 angedeutete, aus der Windhagischen in die 
Wiener Bibliothek gekommene Handschrift Nr. 2259. Perg. 
Fol. 170 BL (eigentlich 171, da zwischen Bl. 36 und 37 
1 Bl. überzält ist), um 1358 zu Wien geschriben, vne 
folgende, gleich auf BL 1, Sp. Ij nach 2 kurzen Gebeten 
zum H. Kreuz (das erste 14 prosaische, das andre 21 
gereimte Zeilen), folgende Anmerkung derselben alten 
Hand bekundet: ^^acA chrisH gepurd drewa&ehen hundert 
Jar darnach in dem acht und funfcsägsten jar hat mein 
fraw die Tursinn ir opher angehaben %e weichnachten mit 
%welif wienner phening vnd dm hat si alle Jar gemert mit 
drin phenningen* Daneben steht von anderer, mit K. 



Haupt, Zeitschr. IV (1844). Zuletzt hat Mafsmann in uns. Jahrb. IX, 
(1850), 103 den Ritter Mauritius und Gräfin Beamunt (2) geliefert. 
Vom Helmbrecht, dem üblen Weib, den Erzälungen Wildonie's hatte 
ich längst Schottk/s Abschriften, sowie von Wildonie's Kater-Sonnen- 
freier (18) Goldhann-Endlichers Abschrift, welche ich zu den Auszügen 
bei dem Minnesinger Wildonie (vgl. Minnesinger IV, 299. 902) und zur 
Ausgabe in Gesammtabenteuer XU. XLIII. LXXI, benutzte (1850). 
VergL ebd. Bd. HI, S. 777. 

B* 



XX Vorbericht. 

Maximilians Handschrift genau übereintre£Pender Hand 
ein unvollständiges Inhaltsverzeichnis« Die alte Hds. ist 
rein und wohlerhalten, bis auf einige Ausschnitte (in 
Nr. 9 — 10), jede Seite in drei Spalten, von etwa 60 Zei- 
len, in Nr. 1—4. 9. 10, in den übrigen nur 51. Die ein- 
zelnen Gedichte haben grofse mit Farben und Gold ge- 
malte Anfangsbuchstaben, und wie die einzelnen Abenteu- 
ren darin, rote Ueberschriften ; die häufigen Absätze, sowie 
die Strophen, wechseln mit blauen, roten und grünen 
Anfangsbuchstaben. Der Inhalt ist nun: 

1) Von einem Jünglinge, besondem Verehrer der 
H.Jungfrau. Bl. 1-2 (Gesamtabenteuer LXXV.) 

2) Das Kaiserbuch, bis 1126, doch in der Ueber- 
arbeitung. Bl. 2—46 (Grundr. 225. Schottky's Ab- 
schrift der Wiener Hdf. 833 ist in der Berlin. Bibl.) 
Vgl. Mafsmanns Ausgabe des altem Gedichts aus 
der Heidelberger Handschrift, mit Vergleichung 
derVorauer, in drei Bänden (1849 — 54). J. Die- 
mers Ausgabe der Voraue r Handschrift dessel- 
ben 1855, angemeldet in Haupts Zeitschr. H, 228, 
573. Vgl. Gesammtabenteuer IH, 702. 

3) Hartmanns von Aue Iwein. Bl. 46 — 68 
(Grundr. 118.) 

4) Von der Heidin. Bl. 68— 71. (Grundr. 323, 30. 
Gesammtabenteuer XVlll). 

5) Kaiser Ortnit. Bl. 71 — 85. 

6) Legende von den Sibenschläfern. Bl. 85— 88» 
(Herausgegeben von G. v. Karajan 1839). 

7) Von der Kreuzfindung. BL 88 — 89. (Beide 
zu Grundr. 297.) 

8) Fünf kleine Gedichte: 2 Beispile des Strickers; 
von einem (Marien-) Ritter; von einem Maler, 
und von den Teufeln. Bl. 89-90. (Grundrifs 383. 
Gesammtabenteuer LXXIV. LXXVI. LXXVH. 



T<ffberi€ht • XSl 

9) Dietrichs Ahnen und Flacht zu den Hen- 
nen. BL 91 — 111. (Der Schiufa und Anfang 
des folgenden Gedichts fehlen mit einem ausge- 
schnittenen Blatte.) 

10) Die Kaven na- Schlacht Bl. 112 — 130. Am 
Schlufse stehen noch, die beiden letzten Zeilen 
rot, die hier (X) buchstäblich widerholten Beime, 
welche den frühem Abschlufs des Buchs andeuten. 

11) Heinrich von dem Türlin: der Abenteure 
Krone. BL 131—70. Unvollständig. (Grund- 
rifs 151. Goldhanns Abschrift dises Gedichts 
ist in der Berliner Bibliothek; eine andre von 
Prof. A. Keller besorgte Abschrift der Univ.-BibL 
zu Tübingen ist zu der Ausgabe der Heidelbeiger 
Handschrift durch G. H. F. Scholl in der Samm- 
lung des Stuttgarter Utt. Vereins Bd. 27 (1852) 
verglichen). 

Abschrift der drei hiehergehörigen und einiger 
anderer Stücke habe ich von Schottky und Goldhann, 
sowie Nachricht, Anfang und Ende, von allen Gedichten 
diser Sammlung, und Abschrift aus Schwandtners hand- 
schriftlichem Verzeichnisse, wonach dise Handschrift aus 
Windhag nach Wien gekommen. Vgl. Graffs Diutiska 
HI (1829), 369. 

Beide Wiener Handschriften, welche durch und in 
mehren gemeinsamen Stücken nahe verwandt sind (wol 
durch das Heldenbuch an der Etsch), stimmen auch bei 
disemOrtnit, wie im richtigen Namen Ortnit (bei Kaspar 
Ortnei; in der Wilkina-Saga Hertnit, anstatt des üt- 
nit in anderen, zumal dem alten Drucke zum Grunde li- 
genden Handschriften) , ebenso durchgängig auch in 
Stanzenfolge und Ausdruck völlig überein. Nur hat die 
Ambraser Handschrift acht Stanzen mehr (73 — 75. 205. 
463. 480. 524—25), deren sechs sich auch in Handschrif- 
ten des alten Drucks (Mone's Ausgabe des Otnit St 82 — 



TTT T • Vorbericht. 

84. 216. 476. 503) widerfinden ; sowie die zwei übrigen dem 
den beiden Wiener Handschriften eigentümlichen Schlufs (St. 
625 — 97), und bei Kasp. v. d. R. St. 255—56 entsprechen. 

Dise den Ortnit vom Wolfdietrich sondernde Darstellung, 
welche, wie Kaspar, selbständig mit Ortnits Tod abschliefst, 
ist zu den beiden folgenden sehr verschiedenen Gedich- 
ten von Wolfdietrich verwendet, gehört jedoch mit seinen 
7 Abenteuren zunächst zu dem hier einzig darauf folgen- 
den, ebenso in (17) Abenteuren gedichteten 

n. Wolfdietrich, one einen Hugdietrich und one* 
die Eomulus-Wolfs-Sage, mit ganz andrer Andeutung der 
Benennung Wolf-Dietrich (St. 101). Diser ist auch hierin 
zunächst in Uebereinstimmuug mit Kaspars von der 
Ron Verkürzung des Ortnit von 587 Stanzen auf 297. 
Anstatt der 551 St. des Ortnit im erweiterten alten Druck 
(in Mone's aus den Handschriften vermerter Ausgabe gar 
569 St.) haben die beiden Wiener Handschriften, bis zu 
jener Fortsetzung innerhalb des Wolfdietrich, die Ambra- 
ser nur 524, die Windhager des Ortnit 518 St. Bei disem 
nahen Zalenverhältnisse deuten einzelne eigene Züge 
kaum auf eine noch andre Urkunde Kaspars. Beide 
Gedichte kündigen zum Schlufse den Wolfdietrich an, 
als Rächer Ortnits und Trost seiner Witwe. Mit diser 
letzten Uebergangsstanze, etwas verändert, schliefst auch 
die Fortsetzung des Ortnit bis auf seinen Tod, innerhalb 
des Wolfdietrich im alten Druck, und beginnt darauf die 
zweite Abteilung des Wolfdietrich (Grundr. 16). In der 
Heidelberger und der gröfsem Strafsburger Handschrift 
fehlt sie, mit meren vorhergehenden Stanzen, deren In- 
halt dagegen auffallend nur bei Kaspar v. d. R«, in St. 
293^96, widerkert. 

Wie im Ortnit, stimmt auch im Wolfdietrich diser 
Bänkelsänger, welcher den Wolfdietrich noch mer, von 
700 Stanzen auf 333 St., verkürzte, im Inhalt überein, 
und die Abenteuer, deren Abteilung seine auf Einen Vortrag 



Vorbericht. . VXUT 

berechnete Abkürzung nicht gebrauchte, sind Schritt iiir 
Schritt dieselben; sodafs auch hier seine Quelle noch allein 
bewart ist, und dieselbe ihm in gleicher Verbindung mit 
dem Ortnit vorlag; welcher letzte, sowie er zu dem folgen- 
den, verschiedenen III Wolfdietrich unverändert gehört, 
sogar auch den Handschriften des alten Drucks vil nä- 
her steht, als diser und der folgende Wolfdietrich, und 
zwar daxin verarbeitet und verflochten ist, jedoch die in 
den Stanzen selber ausgedrückte Abenteuer -Abteilung, 
bis zum fünften, noch behalten hat. Da die einzige Am- 
braser Urkunde des Wolfdietrich mit Abent. XVII, St. 
606 abbricht, und Kaspar mit St. 235 S. weiter bis zu 
Ende erzält, so hatte unser Wolfdietrich auch wol die 
700 St. seiner Quelle, sodafs ihm nicht etwa noch eine 
andre Bearbeitung vorlag. Sehr zu beklagen ist, dafs 
uns dises ältere Gedicht nicht vollständig erhalten ist, 
welches vermutlich im Heldenbuch an der Etsch auch 
schon mangelhaft war, sowie noch mehr die Nibelungen. 
HI. Ortnit imd Wolfdietrich. 
Noch mehr sind wir bei disen beiden Gedichten 
durch die Zerstörung der alten Handschrift verkürzt, bis 
auf die wenigen vom Buchbinder zerschnittenen Perga- 
mentblätter, welche mir zugekommen sind. Es ist das 
Blatt Kinderlings, welches ich durch Koch habe (vgl. 
dessen Deutsche Litt..Gesch. Bd. H (1798), 99). Eine Ab- 
schrift bekam D o c e n von Koch, und liefs sie in seinen Mis- 
cellaneen Bd. I (1807), S. 86 abdrucken, unvollständig und un- 
genau, wie vermutlich schon die Abschrift war. Das Blatt ist 
fast vollständig, nur auf der einen Langseite etwas wegge- 
schnitten, in unserm Abdrucke das dritte Blatt. Später 
ertauschte ich von Ebert in Dresden zwei andere quer- 
durchschnittene Blätter (fiir den seltenen unvollendeten 
Bd. 3 der Müll er sehen Sammlung, von welcher ich die 
letzten übrigen zu Tüten verbrauchten Abdrücke in einem 
Kaufladen zu Breslau fand). Das erste gehört auch zum 



XXIV Vorbericht. 

Ortnit; das andre sind zwei Blätter des Wolfdietrich, weil 
noch ein Stück des Doppelblattes daran sitzt Ebert fand 
dise Blätter in Wolfenbüttel. Dazu kömmt ein aus 
Meusebachs Nachlafse herrürendes Doppelblatt (das 
von Mafsmann in Germania X, 186 erwähnte), ebenfalls 
querdurchschnitten, das zweite und vierte des Ortnit Die 
Pergament -Handschrift nähert sich auch äufserlich sehr 
der Windhager: jede Seite zweispaltig, die Halbzeilen 
mit grofsen Buchstaben abgesetzt, 44zeilig, one Stanzen- 
bezeichnung, mit gröfseren gemalten Buchstaben der Ab- 
sätze. Um 1300 geschriben, bestätigt sie das höhere 
Alter auch dises Wolfdietrich, im Verhältnisse zu den 
folgenden Darstellungen, bis zu der dem alten Drucke 
zum Grunde ligenden, welche sämmtlich nur in Papir- 
handschriften vorhanden sind. Ebenso bekunden dise 
Blätter die Verwendung des vorigen Ortnit auch zu di- 
sem Wolfdietrich. Die ganze Schreibweise zeigt unser 
buchstäblicher Abdruck, sowie die gemeinsame Bezifferung 
die nahe Uebereinstimmung und nahe Verwandtschaft der 
Handschriften des Ortnit nachweist. 

Der merkwürdige Inhalt des Wolfdietnch, soweit 
er aus den Bruchstücken noch erhellt, Wolfdietrichs 
Aussetzung, Klage seiner Mutter, Bertungs Ungnade, 
stimmen zumteil mit der vorstehenden Darstellung des 
Wolfdietrich (bei Kaspar von der Ron St. 33. 49): aber 
die Namen, der Mutter Dietlind und des Vaters Trip- 
pel, in Athenis, und mehre andere Umstände sind wi- 
der ganz eigentümlich. Auch deutet manches hiebei, 
sowie die Jagd, wo Wolfdietrich von seinem Vater ge- 
funden wird, auf eine änliche Vorgeschichte desselben, 
wie die von Hugdietrich und Hildburg im alten Druck 
und den dazu gehörigen Handschriften (dergleichen auch 
die hier folgenden sind), und selbst der Name der Bui^ 
Athenis weist auf Hugdietrichs Vater Attenus dort. 
Ortnits und Wolfdietrichs gemeinsame Abenteuer werden 



Vorbericht. XXV 

aber auch in diser Darstellung gewiss fehlen, da sie den 
Ortnit der vorstehenden Darstellung, welche mit Ortnits 
Tod abschliefst, als ersten Teil behalten hat, wie die ge- 
naue Uebereinstinunung mit den entsprechenden, und 
darnach bezilBPerten Bruchstücken bezeugt. 

Eine Ausgabe des Ortnit, aus Abschrift einer der 
beiden Wiener Handschriften (weil die vormals Ambraser 
unbekannt blieb) versuchte der Prof. L. Ettmüller in Zü- 
rich 1832. Avent 11 widerholt Gödeke Mittelalter 431. 
rV* Hugdietrich und Wolfdietrich. 

Verschieden von dem vorstehenden Wolfdietrich, ist 
ebenfalls eine einfachere Darstellung, mit der Vorgeschichte 
von Wolfdietrichs Vater Hugdietrich, wie ich solche in 
der so vil bekannt einzig vollständigen Handschrift be- 
sitze, welche ich 1816 beim Professor Mannert in 
Landshut fand, und mir derselbe (für Schweighäusers 
Herodot) überliefs. Sie besteht aus 57 Blättern Ochsen- 
kopfpapir in klein 4., aufser einem leeren Blatte vorn, 
und gehört in die Mitte des 15. Jarh. Die Reime sind 
in Langzeilen abgesetzt, mit grofsen Buchstaben, fast 
one weitere Bezeichnung, auch nicht der Einschnitte und 
Stanzen, deren 898 sind. Nirgends sind Absätze und 
Ueberschriften, nur anfangs einige leere Stellen fiir die 
zu malenden Anfangsbuchstaben, und weiterhin am Vor- 
derrande Haken oder C (« Capitel) zum Zeichen der Ab- 
sätze. Auf jeder Seite stehen vornherein 26 Zeilen, 
weiterhin, dichter geschriben, bis 35 Zeilen. Die beiden 
gegenüber stehenden Seiten von Blatt 9 und 10 sind leer, 
aus Versehen des Schreibers, denn es fehlt nichts. Wie 
zu Anfange, stimmt auch weiterhin der Text im Ganzen 
mit dem alten Druck und den entsprechenden Handschrif- 
ten, z. B. mit der ersten Strafsburger Handschrift (Grundr. 
2. 7) in der Geschichte von Ortnits Ende, dessen Ein- 
flechtung hier in den Wolfdietrich also auch einen hiezu 
gehörigen Ortnit one Abschlufs mit Ortnits Tode voraus- 



XXVI Vorbericht. 

setzt. Auch besteht Ortnit hier zuvor noch mit Wolf- 
dietrich mancherlei Abenteuer, wie noch mehr im al- 
ten Drucke, davon natürlich nichts in dem vorstehemlen 
Ortnit (L III), noch bei Kaspar von der Ron, vorkommt 
Mit den beiden letzten stimmt jedoch in meiner 
Handschrülb der Ausfall sämmtlicher Abenteuer Wolfdiet- 
richs auf der Meerfart zum gelobten Lande, der Kämpfe 
für das Heilige Grab, und die märchenhafte Dichtung von 
den Zaubereien der Tochter des Heiden Belligan (Bel- 
Gian); dann ist aber vnder anders die Befreiung der 
Liebgart (Sidrat), Ortnits Witwe, vom Lindwmnai, ihre 
Entfahrung in der Tarnkappe durch den Zwerg Bil- 
lung (aKibelung im Sig&idsliede; wie Alberich, 
Ortnits Vater: oder Bildung, Baidung « Balmung?), 
und ihre Widereroberung im Wunderberge (wie imLau- 
rin), wo zwölf schöne Jungfrauen aus einer Zauberlinde 
treten, Wolfdietrich darin versperrt wird, aber die Büchse 
und das Hörn gewinnt, welche ihm in der Isot Hülfs- 
mannen zaubern, und wodurch er endlich seine treuen 
Dienstmannen erlöst« Nach der Heimkehr folgt weitläuf- 
tige Länder Verteilung, nichts vom Kloster (Tustkal) 
und den Abenteuern dort, davon jedoch etwas bei Kaspar 
von der Ron erscheint, wo auch einige jener Zaubereien 
angedeutet sind, nur vor Ortnits Rache (St, 290 — 95). 
Auffallend fehlt Wolfdietrichs Kampf mit den zwölf Räu- 
bern (in der Wilkina-Saga von Witig erzält; vgl. ebenda, 
und im Walthersliede den Zwölfkampf Walthers, andere 
im Dietleib, im Rosengarten und in X), welchen Kampf 
die jüngste mit der ältesten (11) Bearbeitung gemein hat, 
und damit im alten Drucke den Wolfdietrich abteilt 

Die letzten beiden Wörter sind in meiner Handschrift 
abgerifsen ; das Uebrige diser Seite und die ganze Kehr- 
seite sind leer: sodafs wol nichts weiter fehlt 

Eben dise Darstellung enthält nun auch die Wiener 
Handschrift, 299, (vormals auch in Ambras 438)^ wel- 



Vorbericht. XXVII 

che ich früher (1809) teilweise aus L. v. Seckendorfs 
Abschrift bekannt machte (die 24 ersten Stanzen und den 
Schlufs, im Museum I, 618), und seitdem durch Schottky 
ganz in Abschrift habe* Sie ist auch eine Papirhand- 
schrift des 15. Jahrb. in Fol. 77 Bl., deren letzte 28 Kon- 
rads von Würzburg goldene Schmide und zwei kleine 
Minnegedichte einnehmen« Beim Hug- und Wolfdietrich 
sind die Stanzen abgesetzt, die Keimzeilen fortlaufend ge- 
schriben. Dise Handschrift gewärt einen etwas befsem, 
hie und da vollständigem, jedoch gegenseitig sich ergän- 
zenden Text, in 546 Stanzen, von welchen auffallend nur 
St. 376 — 98, die Versönung Ortnits und Wolfdietrichs 
nach dem Zweikampfe, mit dem zwar wider erweiterten 
alten Druck und den ihm entsprechenden Handschriften 
stimmen. Die Abteilung der Stanzen trifft meist mit deren 
Andeutung durch Absätze in meiner Handschrift überein. 
Das Wiener Bruchstück bricht St. 554, mit der 7ten Zeile 
ab, ohne Kaum zu lafsen, und vermutlich war dessen 
Urschrift schon mangelhaft. Eigen ist diser Handschrift 
der Gebrauch des b für w, ja manchmal auch umgekert. 

Einen Abdruck dises Bruchstücks liefert K. Fro- 
mann in Haupts Zeitschrift Bd. IV (1844), 401. Aus- 
zug gibt Gödeke Mittelalter 404. 

Endlich gehört diser Darstellung des Hug- und Wolf- 
dietrich auch die im Grundr. 23 angefiirte Vatikanische, 
jetzo wider Heidelberger Handschrift 109, welche, nach 
Wilken 345, auf Papir, in 4., laut der Schlufsschrift, 
von Simpertus Kroll, Weber zu Augsburg 1516 ge- 
schriben ist, und auch nur den Hug- und Wolfdietrich 
enthält, obgleich Görres Vorrede zu den Altdeutschen 
Volks- und Meisterliedern (1817) S. XXXVH, darin 
auch eine verkürzte Bearbeitung des Ortnit sah. Von 
Ortnits Geschichte kömmt hier zwar mer vor, als in den 
beiden vorigen Darstellungen des Wolfdietrich (H. HI), 
jedoch nicht mehr, als in der bisher allein bekannten Be- 



XXVni Vorbericht. 

arbeitung und Erweiterung im alten Druck und den ihm 
entsprechenden Handschriften, seine Abenteuer mit Wolf- 
dietrich und sein Tod. Ich habe dise Handschrift 1827 hier 
gehabt und eine Abschrift derselben für die König], Bibl. 
(Quart, 346) durch W. Wackernagel veranlafst, dieselbe 
genau mit der Urschrift, und dise mit dem Wiener Bruch- 
stück und weiterhin mit meiner Handschrift verglichen, 
wobei sich nähere Uebereinstimmung jener Beiden ergab. 
Sie ist durchweg wie Prosa geschriben, one Absätze und 
Stanzenbezeichnung, nur meist ein Strich hinter jedem 
Reim. Wilken gibt den Anfang und Schlufs. Der letzte 
trifft schon 3j Stanze vor dem Schlufse meiner Hand- 
schrift, und bestätigt, dafs in diser nichts mangelt. Aus- 
serdem hat der Augsburger Weber nicht nur einzelne 
Reimzeilen und Reimpaare, sondern auch Stanzen weg- 
gelafsen, und diselben vilfach verwirrt; sodafs seine 
Abschrift nur 3563 Reimzeilen zält, welche Wackemagel 
in 894 Stanzen teilte. Der alte Abschreiber hat jedoch sei- 
nen löblichen Sinn für die vaterländische Dichtkunst auch 
noch dadurch bekundet, dafs seine 174 Blätter star- 
ke Handschrift, von welchen Hug- ' und Wolfdietrich nur 
Bl. 3 bis 76 einnimmt, im Uebrigen durcheinander ge- 
sammelte Volks- und Meisterlieder, zwischen häuslichen 
Aufzeichnungen, enthält. 

V. Alpharts Tod. 
Dise Papirhandschrift des löten Jarhunderts, in 
klein Folio, zälte vollständig 46 Blätter, laut der alten 
Bezifferung, von welchen aber das erste Blatt und inner- 
halb Bl. 22 — 35 fehlen. Die Reimzeilen, deren 26 bis 
32 auf jeder Seite stehen, sind abgesetzt, mit grofsen 
Buchstaben, sonst aber nicht bezeichnet, eben so wenig, 
als die Stanzen der vorhandenen 1896 Reimzeilen. Ab- 
sätze sind durch gröfsere, manchmal nicht ausgefurte 
Anfangsbuchstaben bezeichnet, selten durch eine nur mit 
CO CO CO ausgefiillte Zeile. Dise Absätze jedoch zerfal- 



Vorbericht. XXTX 

len meist richtig durch ihre Zeilenzal in die vierzeilige 
Heldenstanze, welche auch Inhalt, Ausdruck und der 
ganze Zusammenhang unzweiflich machen, und auch der 
neue Abschreiber schon zu bezeichnen versuchte. 

B. Hundshagen in Hanau, bekannt durch sein 
Werk über den Gelnhauser Kaiserpalast (uns. Mus. H), fand 
dise Handschrift, gab mir durch Dr. Wolfart hier Kunde 
davon, und überliefs sie mir 1810 käuflich^ zum Abdrucke 
mit Einleitung von ihm, im zweiten Bande der Deutschen 
Gedichte des Mittelalters, welcher, ganz dem Heldenbuch 
in der Ursprache gewidmet, auch mit dessen besonderm 
Titel, aber erst 1820 — 25 erschien. Ich erhielt von ihm, 
mit näherer Beschreibung und Auszug, zugleich eine 
eigenhändige buchstäbliche Abschrift, welche ich vorläufig 
zu einem Auszuge mit Stellen, in Erneuung und Herstel- 
lung (wie bei den Nibelungen 1807), im vaterländischen 
Museum (Hamburg 1800, Bd. I, St. 2, S. 216 — 21), be- 
nutzte; demnächst zu einer vollständigen Erneuung in 
meinem neuen Heldenbuche Bd. I (1811). Die _aJte Hand- 
schrift kam jedoch nicht in meine Hände, und so unter- 
blieb seither die Ausgabe in der Ursprache. Zum endli- 
chen buchstäblichen Abdruck in vorliegendem Helden- 
buche bemühte ich mich durch Freunde um die Urschrift, 
welche mit ihrem unglücklichen Besitzer verschollen war; 
aber vergeblich, und nicht einmal sichere Kunde über ihr r ^'^"7^ 
Schicksal war zu erlangen. Und [so blieb nichts anders *^ * ^ 
übrig, als die Abschrift, deren buchstäbliche Treue ver- 
sichert ward und auch unverkennbar ist, hier widerzu- 
geben, so wie sie zum Abdrucke bestimmt war. 

Die von mir gemachten Abteilungen treffen nicht im- 
mer mit den alten Absätzen, welche auch hier die gros- 
seren Anfangsbuchstaben bezeichnen, überein, deuten je- 
doch nicht auf einzelne Rhapsodien, aus welchen das Ge- 
dicht zusammengeschofsen sei, wie die s. g. höhere Kri- 
tik wollte. Das Alpharts-Lied, des jungen künen 



XXX Yorbericht 

Helden Taten und Tod und Rache ist ein treffliches 
Ganzes, und gehört mit der folgenden Rayennaschlacht zu 
den herrlichsten Heldengedichten dises Kreises, nächst 
den Nibelungen. Beide bewegen sich in den Kriegen 
zwischen dem Römischen Kaiser Ermenrich und seinem 
Brudersohn Dietrich von Bern, deren Ursprung durch Si- 
bich das Gedicht von Dietrichs Ahnen und Flucht zu 
den Hennen und die vorgedachten alten und neuen cykli« 
sehen Auszüge erzälen; und beide haben auch darin Aen- 
lichkeit, dafs sie den Untergang von Heldenjünglingen 
durch die alten furchtbaren Helden Witig und Heime 
darstellen: wobei jedoch das Alphartslied kürzer und ein- 
facher, eben nur von Alphart singt, anstatt der drei Jüng- 
linge der Ravennaschlacht; ebensowie dises Lied auch durch 
die Rache in dem völligen Sieg über Ermenrich sich mehr 
abrundet, dagegen die zwar umfafsendere Ravennaschlacht 
von ungenügenderm Erfolg ist, und Dietrichen, wie naöh 
früheren Versuchen zur Heimker, (in dem Gedichte von 
seinen Ahnen), eben nochmals zur Flucht zu den Heunen 
zwingt, wie wir ihn in den Nibelungen finden. Die Ra- 
vennaschlacht ist freilich das letzte grofse Vorspil der 
Nibelungennot , aber erst nach diser folgt die volle 
Rache für Etzels Söhne und Dietrichs Bruder in Dietrichs 
letzter Heerfart gegen Ermenrich und Sibich, bis zu sei- 
ner sigreichen Heimker und Erhöhung zum Römischen 
Kaiser, wie allein noch die Dietrichs-Saga erzält. 

Bestimmte Hinweisung auf den Inhalt des Alphartliedes 
findet sich in dem Rosengartenlied (2439), -v^elches zuerst 
in den Deutschen Gedichten des Mittelalters Bd. 2 gedruckt 
ist, und in dem Auszuge desselben in der alten Vorrede des 
Heldenbuchs (348— -53), sowie in der Ravennaschlacht 
(St. 10) , auf welche Schlacht widerum auch hier hinge- 
deutet wird. In dem Gedichte von Dietrichs Ahnen und 
Flucht zu den Heunen ist Alpharts Tod, doch nur kurz 
und anders erzält. Die Wilkin^-Saga hat keine ent- 



Vorbericht. 

sprechende Erzälung, dagegen (Kap. 17 ff.) eine, worauf 
Alpharts Tod (St. 7 ff.) sich bezieht. Auszug: Helden- 
bilder 481; Gödeke Mittelalter 481. 
VI. Die Ravennaschlacht. 
Zu den beiden in meiner ersten Ausgabe dises Liedes im 
ew6itenBande der Deutschen Gedichte des Mittelalters (1825) 
gebrauchten Handschriften, der Heidelberger und Wien- 
Ambraser, ist seitdem noch dieWien-WindhagerHand- 
schrift (oben S. XIX) gekommen, welche mit der letzten wie 
bei den vorigen gemeinsamen Gedichten von Ortnit und 
Wolfdietrich, nahe verwandt ist, villeicht vermittelst des al- 
tem „Heldenbuchs an der Etsch", da die Windhager Ab- 
schrift auch erst um 1300 gemacht ist. Die nahe Ver- 
wandtschaft zeigt sich auch darin, dafs alle drei Hand- 
schriften das Ravennaschlachtlied als zweiten Teil des Ge- 
dichts von Dietrichs Ahnen und Flucht zu den Hennen, von 
Heinrich dem Vogeler, haben, mit welchem es zimächst 
zusammenhängt« Der Windhager Abschrift fehlen zwar mit 
einem ausgeschnittenen Blatte das Ende des vordem Ge- 
dichts (Z. 9857—10124) und die ersten 16 Stanzen der Ka- 
vennaschlacht: jedoch, als die älteste Handschrift (die Hei- 
delberger ist von 1447), gibt sie, mit der Absetzung der Keim- 
zeilen und Beimstanzen, allein auch die Abteilung und 
Ueberschriften der Abenteuer, überhaupt die befsere Schrei- 
bung; und so ist sie denn hier zu einer verglichenen und 
berichtigten Ausgabe verwendet; wie sie das vor allen 
trefiliche Gedicht, neben Alpharts Tod, dessen Bedeutung 
and nahes Verhältnis zu demselben schon erörtert ist, 
wol verdiente» Mein firüherer Abdruck der Heidelberger 
Handschrift gibt in runden Klammem meist nur die Er- 
gänzungen aus der Ambraser; die übrigen Lesarten der 
letzten, sowie die gegen eine oder beide Handschriften 
zurückgesetzten Lesarten derWindhager, werden später nach- 
folgen. Hier bemerke ich nur, dafs ich dise Vergleichung 
besonders auch in Bezug auf die eigentümliche Stanze, 



XXXn Vorbericht 

durch welche dises Gedicht sich ebenfalls auszeichnet, 
geübt habe: namentlich ist die vierte Keimzeile diser sonst 
an die jüngere Titurelstanze nahe anklingende Helden- 
stanze, nicht vierfüfsig gehalten (wie in der bis dahin ganz 
übereinstimmenden Titurelstanze gar fünifüfsig); jedoch 
sind die hier, auch in der Windhager Handschrift, ja in 
allen drei Handschriften häufig noch länger auslaufenden 
Zeilen nur durch Andeutung des Ueberzäligen mit ecki- 
gen Klammern bemefsen. 

Anstatt der weiblichen Reime der ersten und dritten 
Zeile stehen auch manchmal männliche Reime mit einem 
Fufs länger: dise sind aber eigentlich als dreisylbige 
Reime zu betrachten mit überklingender Endsylbe: sowie 
beides in dem auch frühe gereimten weiblichen Einschnitte 
der eigentlichen Heldenstanze der Nibelungen wechselt. 
Und so entsprechen auch hierin die beiden kurzen über- 
schlagenden Reimzeilen dem langzeiligen Reimpaare« Die 
beiden Schlufszeilen sind denen der Titurelstanze ganz 
gleich. 

Aus meinem frühern Abdrucke dises Gedichts nach 
zwei Handschriften hat der Prof. L. Ettmüller in Zürich 
1846 die Urgestalt desselben herstellen wollen durch einen 
kleinen Ausschnitt von 250 Stanzen aus den 1140 des grofsen 
Gedichts: vermittelst derselben dictatorischen Kiitik, durch 
welche er die noch gröfsere Gudrun nicht klein kriegen 
konnte (1841), sodafs der Prof. K. Müllenhof in Kiel ihn 
hiebei noch überbot (1845). Er findet den ursprüngli- 
chen Inhalt des „mehrmals überarbeiteten" Gedichts nur 
in dem Tode der Etzels-Söhne, mit dem Versuche sie zu 
rächen: Da% maere ton vraun Heichen ßnen. aus der Ra^ 
vennascfdackt ausgehoben. 

Ueber das Verhältnis der ganzen Ravennäschlacht 
zu dem Gedichte von Dietrichs Ahnen und Flucht zu den 
Heunen in noch voUständigerm Zusammenhange, habe ich 
in Bezug auf das änliche, nur umgekehrte Verhältnis der 



Vorberioht UXIU 

ebenfidls von dem Nibelungenlied unzertrennliche Klage in 
der Einleitung der Ausgabe von 1820 S. XIII gehandelt. 
Im Gnmdrifs S. 75 wird vermutet, beide Gedichte seien 
auch von Einem Verfefser, dem Vogel er, welcher, nach 
den 8o lebhaften Kampf- und Schlacht-Beschreibungen, ein 
Kirigsmann zu sein scheine. Dise Darstellung, wie die 
Oertlichkeit und der ganze Inhalt, stimmt auch völlig zu 
der Zeit, wo die Deutschen Krigsscharen nach Wälsch- 
land, besonders über Bern (Verona an der Etsch) hinein- 
und herauszogen, zu vilen wechselnden Krigen und Schlaoh» 
ten, zumal unter den Hohenstaufen. 

Im Grundrifs sind auch die Hinweisungen auf den In- 
halt der Ravennaschlacht, am vollständigsten und nächsten 
in äet sie als allbekannt voraussetzenden und durch sie 
mitb^ründeten Nibelungenschlacht, wie ausdrücklich 
in der Klage, und in Bezug auf den Tod der Etzels- 
Sohne und Diethers im Ecke (Str. 174) bemerkt Die Wil- 
kina-Sage erzält alles im vollständigsten Zusammen- 
hange, mitErmenrich, dem ungetreuen Sibich, dem 
treuen Eckart, dem Tode der Ermenrichs-Söhne 
und der Harlungen (welcher letzte in dem Gedichte 
von Dietrichs Ahnen und Flucht zu den Heunen nur kürz 
erzält wird, davon es aber laut der alten Vorrede des Hel- 
denbuchs (389 ff.) eigene Deutsche Lieder gegeben hat). 
Hierauf (Kap. 248 — 58) folgt Dietrichs Vertreibung (Kap. 
269—68), dann die grofse Schlacht (Kap. 293— 316) ; dicht 
darauf (Kap. 317—18) noch Heikens Tod und Bestat- 
tung, als üebergang zur Niflunga-Saga. 

Aus allen damals bekannten Quellen ist die Dar- 
stellung diser Dichtungen in den Heldenbildem S. 411— - 
595. Godeke Mittelalter S. 502—9. 



iXXXPr Vorbericht. 



Zweiter Band. 

Vn. Sigenot 
^ Mit disem Liede beginnt eine Reihe fast den ganzen 
Band füllender Gedichte, welche insonderheit die Helden- 
taten Ditrichs von Bern verherrlichen, in einer Lied- 
und Sangw^ise, welche bald darauf und lange nachher 
beliebt war und nach disem Helden vor allen die Berners- 
Weise heifst; demnächst auch Herzog Ernsts-Ton, 
nach einem spätexn Gedichte von disem Altdeutschen 
Odysseus, das auch Kaspar von der Ron verkürzte 
(Grundr. 181), und in welchem Ton noch ein Lied von den 
Taten des Deutschen Glaubenshelden Luther gedichtet 
ward; sowie diser Ton, mit leichter Veränderung, auch 
bei den Meistersängern, und sonst zu erzälenden und 
anderen weltlichen und geistlichen Liedern gebraucht ward, 
namentlich als Jörg Shilhers oder Schillers Hofton, 
oder als Flammweise. Die unter disen beiden Benen^ 
nungen eingetretene Verlängerung der letzten Langzeile 
zu zwei männlichen Reimparen fand schon Anlafs durch 
die ältere Veränderung , indem der zuweilen auch hier 
lint dem weiblichen Einschnitt wechselnde dreisylbige Ein- 
schnitt mit überwigender Schlufssylbe ständig und die erste 
Halbzeile dadurch vierfüfsig ward, und zugleich die zweite 
Halbzeile gleichfalls vierfüfsig verlängert ward» Dise Ver- 
längerung haben schon die Gedichte von Dietrich und 
seinen Gesellen (IX. X) und Albrechts von Kemenaten 
Brautfart Dietrichs (XI); sowie das Herzog Emsts-Lied, 
zumal im alten Drucke. Auch ist sie in Kaspars von der 
Ron Verkürzung diser Gedichte durchgefürt, und in den 
beiden, von ihm nicht sowol verkürzten, als überarbeiteten 
Gedichten Sigenot und Ecke ist wenigstens die Verlän- 
gerung der letzten Halbzeile vorherrschend geworden. 



Vorbericht. XXXV 

Dise vilglidrige Strophenbildung, deren Dreiteiligkeit 
hier auch, wie bei der vorigen Stanze (VI), durch grofse 
Anfangsbuchstaben bezeichnet ist, und welche im Alt- 
englischen, neben den einfacheren erzälenden Stanzen, 
sich der durch Widerker desselben Keims in Verbin- 
dung mit Allitteration noch künstlichem zwölfzeiligen 
Xristanstrophe vergleicht, liefs die Gedichte darin för 
spätere ansprechen"*, zumal da von denselben fast nur 
Papirhandschriften des löten Jarhunderts bekannt wa- 
ren. Indes beurkundeten auch hier, wie beim Ortnit 
und Wolfdietrich , Pergamentbruchstücke schon das hö- -y 
here Altertum, beim Ecke, Dietrich und seinen Ge- 
sellen; und bei Dietrichs Brautfart ergibt es der Name 
des Dichters. Allein der Sigenot war noch one solche 
Beglaubigung, obgleich die Begründung des Inhalts, durch 
IHetrichs Helm Hildegrim in der Wilkina-Saga (Kap* 
16), so wie die Darstellung des Ecke ebenda (Kap. 
40—43) schon das 13 te Jarhundert bezeugte. Nunmer 
ist aber durch die von demFreiherm Joseph von Lafs- 
berg auf der Karolinger Mersburg am Bodensee ent- 
deckte Pergament -Handschrift beiden Liedern auch in 
diser Gestalt dafselbe Alter gesichert. Sie ist, laut Lafs- 
bergs Vorrede zu seinem Abdrucke des Sigenot, in klein 
Folio, 148 Blätter, meist dreispaltig, einige zweispaltig, 
klein und zierlich geschriben, und enthält vorne noch 
Rudolfs von (Hohen-) Ems Wilhelm von „Orlenz" 
(Grundr. 192), Konrads von Fufsesbrunnen (in der 
Schweiz. Vergl. Minnesinger IV, 860) Leben Maria 
und Jesu, und Konrads von „Himelfürte" Himmelfart 
Maria (Grundr. 271). Auch dise Verbindung beider dar- 
auf folgender Heldenlieder mit Schweizer Dichtern des 
13ten Jarhunderts deutet auf gleiche Zeit und Oert- 
lichkeit. Die Stanzen der Lieder sind wol, wie ihr 
Abdruck, mit grofsen Buchstaben abgesetzt, ebenso die 
Reimzeilen und auch die vorletzte reimlose Zeile (von 



XXXVI Vorbericht. 

den Meistersängem Waise genannt). Lufsberg liefs den 
Sigenot 1830 zum Neiijargeschenk für Freunde buch- 
stäblich abdrucken mit der Ueberschrift: Ein scAoen und 
kurzweilig Gedicht von einem Riesen, genannt Sigetwt^ wie 
der Koenig Bieterichen von Bern überwand^ und in einen 
Schlangenturm warf^ darnach aber von dem alten Meister 
Hildabrand erschlagen^ und der Koenig durch diesen erlöset 
wavd- Aus der ältesten Geschrift guten Freunden %u Lust 
und Lieb also %um erstenmal ans Hecht gestellt , in dem 
kalten Winter 1829. durch Meister Seppefi wn Eppishusen^ 
einen farenden Schueler. Gedrukt am obem markt ufNeu- 
Jar 1830. Anderthalb Bogen in 8, welche Joseph (Sepp) 
V. L., damals auf Eppishusen bei St. Gallen, in Constanz 
drucken liefs, sogleich als Seltenheit, nicht für den Buch- 
handel, sowie später auch den Ecke. Daher liefs er 1839 
den Pfarrer O. F. H. Schönhut zu Dorzbach den Ab- 
druck beider Gedichte mit der Klags (wie früher schon 
die Nibelungen, aus seinem Liedersal) widerholen, mit 
Einleitung und Wörterbuch (Tübingen 12), welcher Ab- 
druck jedoch durch vile Feier, ja Auslasfung ganzer 
Reimzeilen entstellt ist, Berichtigung aus den auch mir 
vom Herausgeber verehrten Abdrücken war also not- 
wendig, und weil dise ersten Abdrücke schon vorhanden 
waren, so durfte die älteste und beste Handschrift auch 
in sich noch folgerichtig gemacht und verbefsert werden. 
Solche Widerholung beider Heldenlieder in unserm Hel- 
denbuche war um so mer geboten, als wir hier eben die 
älteste Urkunde und zugleich die kürzeste Fafsung des- 
Sigenot haben, nachdem Kaspars von der Ron Bearbei- 
tung des längern Gedichts schon vorligt, dessen Stanzen- 
izal, so weit sie in dem kürzeren Gedichte nachweislich, 
hier ihm beigefügt ist. Demselben mufs aber der kür- 
zere Sigenot nicht bekannt gewesen sein, weil er 
sonst wol, bei seiner durchgängigen Abkürzung der älte- 
ren längeren Gedichte, jenen ergriffen hätte. Beide Lieder 



Vorbericht XXXVU 

acheinen auch hier von Einem Dichter herzurüren, und 
Anfang und Ende des Sigenot weisen bestimmt auf den 
Ecke, als Fortsetzung, hin, sowie beide Gedichte 
überhaupt oft zusammen erschinen sind, auch in den alten 
Drucken. 

Von dem langem Sigenot beschreibt der Grundr. 
24 — 32 ausffirlich: die Strafsburger Papirbandschrift 
des löten Jarhunderts, in der ebenda 2. 6. 7 erwähnten 
Strafsb. Hds. des Ileldenbuchs, welche auch die alte Vor- 
rede, denOrtnit, Ilug- und WolfUietrich, und den grofsen 
und kleinen Rosengarten (Laurm) enthält, nach meiner Ab- 
schrift von J. J. Jundt; die Dresdner Handschrift des 
15ten Jarhunderts (Kaspars von der Ron eigenhändige 
Bearbeitung, nach meiner Abschrift). Dann die alten 
Drucke: Heidelberg, Heinrich Knoblochzer 1490, 
Fol. (hab' ich). Nürnberg, Valentin Neuber, o. J., 
um Mitte des IGten Jarhunderts (hab' ich). Strafs- Ww<.^ 
bürg 1510, Fol. (besafs auch Nagler). Strafsburg, *^-^ '^^ 
Christian Müller, 1577, 8 (hab' ich). Leipzig, 1613, 8.; /.xu/, 
nach Kochs Deutsch. Litterat.- Gesch. H, 23ö angeb- 
lich in Prosa. Nürnberg, Mich- und Job. Fridr. 
Endter 1661, 8 (hab' ich). Einige Blätter in 8 eines 
unbekannten, dem Neuberschen änlichen Druckes besafs 
W. Grimm. In Göttingen war ein „Gedicht von Diet- 
rich von Bern" (vermutlich Sigenot), Augsburg, 
Manger, o. J., jedoch schon 1792 nicht mer zu 
finden. 

Mit disen Mitteln unternam ich 1811 die Erneuung 
des Sigenot, und gab daraus die Lesarten zum Abdrucke 
der Dresdner Handschrift 1825. Bei disen kam aber noch 
die Handschrift hinzu, welche ich 1816 bei Prof. Vcesen- 
meyer in Ulm fand (Briefe in die Heimat I, 130), der mir 
selbe dann nach Breslau sandte, wo sie E. D renke 1819 
(zuletzt Director in Fulda) für mich abschrieb, nachdem 
schon Weckherlin in den Beitr. zur Gesch. Altd. Spr. (1811) 



XXXVm Vörbericlit. 

angezeigt hatte. Vergl. Gesammtabenteuer III, 795. Sie 
ist auf Papir, kl. 4, nachläfsig geschriben und enthält 
unter meren anderen Gedichten (wie des Kaiser Lucius 
Tochter, Kaufmann von Venedig, gedr. in Germania TX, 
187), auch den Anfang des Hildebrands -Liedes 
(gedr. in den Deut. Ged. des M. A. Bd. 2, S. 234), und 
das Lied vom edlen Möringer (aus andrer Quelle in 
der Volkslieder - Sammlung von Büsching und mir 1807, 
Nr. 44), an dessen Ende der Schreiber sich nennt: 
Di9% buch ist an gefangen worden vmb sant Johanstag der 
ewangeUst als man %alt von crist geburt MCCC^ LIX^ 
per me thoma palm^ Die Strophen und Reimzeil^i, 
auch die vorletzte reimlose Zeile, sind mit grofsen Buch- 
staben abgesetzt. Vom sind einige Blätter ausgerifsen, 
so dafs der Sigenpt in Str. 27 der folgenden Handschrift 
beginnt: 

Nu ist mir dick tnd vil geseit^'' 
Sprach sich der degen vnuer%eyt 
-i-iMyn gut ros% sye geschwinde: 
Das tvil jch doch versuchen hie 
Vnd hye an dissem gewilde." 
Sin Rosz er an ein springen liesz 
^ Vnd vber gant% gebirge^ 

Er Rann mit gewalt dem tier hyn-^ 
Er falt es mit dem swerte: 
Der furste waz tmuer%aget. 

Mit dem vierten Bl. feien Str. 37, 9—41, 2. Das 
Uebrige ist da, und die Schlufsstr. lautet: 

Sye gingent %u den Rossen dan, 
Vff sossen die %wen kune man 
Vnd Rytten heym gein Bem(e)^ 
Do wordene sye enp fangen wol^ 



Vorbeiieht. < 

ito man fursten byllich sol^ ' ' 

Do sack man sye gar gern(e). 
Do dagtent sye jr vngemach > 

Den Ryttej:n vnd den frauwen^ 
Was yenant jn dem land beschach, 
Wie sye musten hauwen^ 
Von der aller grosten nolt 
Seytl Hyllbranl der alte. 
Dys% lyett eyn ende halt, 
Amen AMEN. 

Von der im Grundr. 26, nach Gl ö ekle 's Mitteilung, 
ei'wähnten Vatikanischen, nun wider Heidelberger 
Handschrift, Nr. 67, Pap. 102 BL kl. 4, habe ich 1821 
in Breslau Abschrift und Abbildung durch Beinling (jetzt 
Archivar dort, der auch den vorigen Sigenot schrieb) nemen 
lafsen. Sie scheint noch aus der vordem Hälfte des löten 
Jarh. und verrät unter allen Handschriften dises Gedichts 
noch am meisten die befsere Urschrift, auch in Sprache und 
Schreibung, und hegt noch altertümliche (vilmer mundart- 
liche) klangvolle Endungen (Str. QA gemaloty ^^ ledigot^ 90 
türost u. a.). Strophen und Reimzeilen, auch die vorletzte 
reimlose Zeile, sind abgesetzt mit grofsen Anfangsbuchstaben 
und Endstrichen. Ueber jeder Str. steht ein Bild, welches 
die Oberhälfte jeder Seite einnimmt, und worin folglich 
diselbe Handlung, mit kleinen Fortschritten, häufig wider- 
kert. Vile diser Gemälde sind jedoch merkwürdig durch 
den Gegenstand, und alle gehören zu den besten Ma- 
lereien in Papirhandschriften, und stammen auch wol 
aus älteren guten Vorbildern. Die Zeichnung ist gut, 
die Farbe glänzend, und die ganze Darstellung fiir 
die damalige Vorstellung von den alten Helden (in 
krebsartigen Harnischen), sowie för die Altertumskunde 
überhaupt, wichtig; die Gesichter und Gestalten sind aus- 
drucksvoll und gleichartig widerkerend, insonderheit der 



XL Voibericltt 

junge Dietrich und der alte Hildebrand, dann Wolfbari, 
Sigestab und der ganze Hof zu Bern; auf der andern 
Seite, der wilde rauhe Mann, der ungeschlachte Sise und 
Sjßin Haus, und die guten Zwergelein. Die Handschrift 
ist sonach eine der prächtigsten ihrer Art, und vermut- 
lich für einen Fürsten gemacht: sowie ihr alter Leder- 
band das in Gold geprefste Bildnis und die Namenszüge 
des eifrigen Merers der Heidelberger Büchersammlung, 
des Pfalzgrafen Otto Heinrich, mit der Jarzal 1558 
tragt. Vgl Wilken, S. 123, der auch & 332 die An- 
fangsstr. gibt. Das Ende ist: 

(Str. 203) Sy giengen %t den rossm dan. 
Dar ufT ßa$8en die %wen man 
Vnd ritten hin gen BemCe)^ 
Do wurden sy enp fangen wol^ 
Als man die hocheti fürsten sol^ 
Do sach man sy gar gem(e)^ 
Do clagten sy ir ungemach 
Den rittern vnd den fruwen^ 
Wie in in dem wald geschach^ 
Vnd wie sy musten howen^ 
Von der aller grasten not 
SCeJyd Hyltbrand der alte: 
Der rys% ist gelegen tod. 

Hie haut rys^ Sigenot ein end: 
Got vns allen kümer wendt 
Lud. Hennffttn. 

Der letzte Name und Beim, von derselben Hand, ist 
one Zweifel des Abschreibers, der nach der Schweiz zu 
gehören scheint. 

Die von Johannes Müller erwähnte Wiener 
Handschrift „von Dietrich von Bern" (Grundr. 26) ist 
wol eher der kleine Rosengarten, von welchem sich 



Vorberieht. XLI 

zwei Handschriften, aber kein Sigenot, dort gefunden 
haben 

Einen noch unbekannten alten Druck fand ich 1817 
in der Strafsburger Bibliothek, dem Heldenbuche von 
1609, Hagenau durch Heinrich Gran, Fol., hinten an- 
gebunden, auch in Fol. mit dem Titel: Von dem aUer^ 
khnsie weygant herr dietrich von bem: vnd to HiUebrani 
seinem geireuwen Meyster: wie sie wider die Riesen 
sirüent. Darunter der Holzschnitt aus dem grofsen Ro- 
sengarten des Yoranstehenden Heldenbuchs* Der Druck 
ist in 2 Spalten und beginnt BL 2 mit gleichem Titel 
darunter ein Holzschnitt^' mit Ueberschrift, sowie inner- 
halb alle Holzschnitte, deren einige blofs rohe UmriTse 
(es schienen mir dieselben, wie im ältesten Heidelberger 
Druck), manche aber mer ausgefurt, wie im Heldenbuch 
1509. Einige sind aus dem ältesten Drucke des Eck; 
z. B. wie Dietrich vor den drei Königinnen sitzt, mit 
Ecken ficht u. a* Die Strophen und Reimzeilen stehen, 
wie in folgendem Schlufse: 

Sy iraiefi %u den rossen an 

auf Sassen die saeen konen man 

vnd reiten heym gen bereu, 

Do wurden sy empfangen wol 

als man denn fUrsten büUch sol 

man sack sy auch gar geren. 

Do klagten sich die herren hart 

was sy heten erüten. 

Do von dem risen auff der vart 

wie sy ketten gestriten. 

Daruon sagten sy fru vnd spat 

Uemit will ichs besckUessen 

das lied ein ende hat. 

Gedruckt %u Stras%burg auff 
Grineck jm. XV^. vnd V. Jar. 



XLn Vorbenoht 

Merkwürdig ist da, wie in meren älteren Liederhand- 
schriften (der Jenaer, Leipziger u. a.), die von mir hier, 
wie bei den Liederdichtem (Minnesingern) durchgefurte 
Bezeichnung der Dreiteiligkeit der Strophe durch grorse 
Buchstaben ; woneben im alten Druck auch noch ~die Keime 
diser drei Teile punktirt, sowie die den beiden Stollen an- 
lichen Glider und der Schlufs des Abgesanges ebenfalls durch 
grofse Anfangsbuchs1;aben und Punkte bezeichnet sind. 

Villeicht ist dise Ausgabe, welche ich seitdem auch, 
in Naglers Sammlung fand, die in die Königliche Bi- 
bliothek gekommen, eben die im Grundr. 29 angefiirte 
Strafs burger Folio- Ausgabe von 1510, und x für r ge- 
lesen, wie umgekehrt bei dem angeblichen Heldenbuch 
von 1505 (s. Grundr. 18). Der bei Seelen abgedruckte 
Titel stimmt fast buchstäblich. 

Zwei Blätter eines sonst unbekannten Druckes, mit 
Holzschnitten, von 1553, fand G. v. Karajan in Wien, 
und widerholte sie in des Prof. M. Haupt Zeitschrift V. 
(1845), 245. Noch ein andrer alter Druck ist von JFrid- 
rich Gutknecht zu Nürnberg, o. J., in 8, mit Holzsclm. 
196 Str.; ihn benutzte W. Grimm, Heldensage (1829) 
S. 271, und erwähnte dazu (S. 401) auch die Nider- 
deutsche Uebersetzung des Sigenot, sowie des Sigfrids- 
Liedes und des L aurin. Es ist also derselbe Druck, 
welchen der Prof. H. Hoff mann in einer KirchenbibKo- 
thek in Zelle fand, mit denselben Niderdeutschen Ueber- 
setzungen und einigen anderen alten Drucken diser Art. 
Alle, zusammengebunden, wurden darnach vergeblich dort 
gesucht. Dem Bibliothekar, Archidiakonus Heimbürger 
gelang es aber, den alten kostbaren Band wider aufzu- 
spüren. Derselbe teilte ihn dem Dr. O. Schade mit, 
welcher den Sigenot ( W. Grimm gewidmet) und Ecke dar- 
aus widerholte (Hannover 1854, nur lOOAbdr.), und zum 
Ecke das Letzte berichtet, auch ein vollständiges Inhalts- 
verzeichnis des alten geprefsten Lederbandes gibt, der zu- 



Vorbericht. XLIH 

letzt zwar sein Sammtüberkleid verloren, jedoch durch den 
meist einzigen und ursprünglich heimischen Inhalt, zum 
Teil zugleich mit der merkwürdigen Niderdeutschen Ueber- 
tragung, die rümliche Sorgfalt des alten Sammlers bezeugt, 
und ist nur meinem zwar noch reichhaltigem alten Bande / 

aus der Ebnerschen Sammlung in Nürnberg, der auch den 
(Neuberschen) Sigenot, Sigfrid, Peter Leu, enthält, 
zu vergleichen. Er bewart folgende 12 Stücke: v^c^?' 

1) Ecke. Strafsburg, Christian Müller, 1559* 

2) Sigenot. 

3) Das Sigfrids-Lied. Frankfiirt a. M., Weigand 
Han, o. J. 31 Bl. 

4) Der kleine Rosengarten. Nürnberg, Frid- 
rich Gutknecht, o. J. 64 BL 

5) Sigenot, das Sigfridslied und Laurin, die 3 
vorstehenden Gedichte Niderdeutsch. Ham- 
burg, Jochim Low, o. J. 80 Bl. Abschrift hat 
Godeke. 

6) Thedel Unverferden von Walmoden — . durch 
Georg Thym. Wolfenbüttel, Konrad Hörn, 
1563. 45 Bl. (Grundr. 192). 

7) Peter Leu. Frankfurt a. M., Weigand Han, 
o. J. 39 Bl (Grundr. 360). 

8) Salomon und Markolf, Frag' und Antwort, in 
Prosa. Ebenda, bei demselben, o. J. 23 Bl. 
(Grundr. 360). 

9) Guifscard und Sigismunde. Prosa. Strafs- 
burg, Jacob Frölich, o. J. 16 Bl. 

10) Bruder Bausch. Nürnberg, Fridrich Gut- 
knecht, o. J. 16 Bl. Vgl. Endlichers Wider- 
holung des alten Drucks in 50 Abdrücken. 

11) Gespräch dreier Landfarer, dafs kein Geld 
im Lande ist. 1565. o. O. u. Drucker. 40 Bl. 

12) Der Finkenritter. Strafsburg am Korn- 
markt (wo Ch. Müller und J. Fröhlich druck- 



XLSV Vori>6ri£lit 

ten) o. J, 16 Bl. (Gorres Volksb. 106, 79.) 
Sämmtlich mit Holzschnitten, in 8. 

Die Widerholung dises spätem Druckes des Sigenot, 
welche doch etwa nur dem ältesten gebürte, hätte man 
um so eher gern für den erst noch versprochenen Ab- 
y druck des Niderdeutschen Sigenot entbert Dafs 
diser nur eine Ueb ertragung des Ilochdeutschen ist, 
obgleich K. Godeke (dem der Schade'sche Abdruck des 
Ecke gewidmet ist) zu XIII, Ermenrichs Tod (S. 4). 
UrsprüngUchkeit dem ersten zusprechen mochte, leidet kei- 
nen Zweifel, nach allen inneren und äufseren Verhältnis- 
sen, wie schon der entstellten Namen. 

Den S.trafsburger Druck, 1577, durch Christian 
Müller, 8., welcher 1559 den obigen Ecke druckte und 
auch 1577 widerholte, fand Tieck schon als Göttinger 
Student bei Panzer in Nürnberg, mit dem daran gebun- 
denen Ecke, den siben weisen Meistern und Melusina, 
beide von demselben im selben Jare gedruckt ; woraus Tieck 
beide abschreiben liefs und später (wol in Dresden) aus 
E!aspars von der Ron Heldenbuch die Vergleichung eigen- 
händig beischrieb: welche Arbeit ich aus seinem Nachlafse 
habe, sowie das alte Buch selbst aus Panzers Versteigerung. 
Der Grundr. 29 beschreibt dafselbe ausfürlich. 

Die Leipziger Ausgabe von 1613, „in Prosa" (S. 
XX XVn) erwähnt Koch ohne Nachweis, vermutlich aus 
Wackerroders Collectaneen, welche ich von Koch bekam, 
und Ws. innigstem Jugendfreunde, Tieck schenkte, aus 
dessen Nachlafs ich sie auch widerhabe; sie steht darin, ver- 
mutlich aus der Gottinger Bibliothek, ganz mit dem Ti- 
tel der Neuberschen Ausgabe, „kurzweilig zu lesen oder 
zu singen," sodafs sie sicher nicht in Prosa ist; was 
auch W. nicht angibt. 

Der jüngste der alten Drucke, der von 1661, zu 
Nürnberg bei Mich, und Joh. Fridr. Endter (der 
alten Nürnberger Volksbuchhandlung) in 8., hat feine 



Vorbericht. XIjV 

Holzschnitte^ deren Zeichen, ein von S aurchschlungenes 
T, des Tobias Stimmer (1570— .96) war. Hinten an- 
gedruckt ist das Hildebrands-Lied. (Grundr. 94.) 

Aus einem der alten Drucke ist auch wol Hans 
Sachsens Anspilung in seinem Trauerspil Tom Hürnen 
Sigfrid (Grundr. 48) Act. 6; sowie Agricola's, in der 
Vorrede zu den Sprichwörtern (1528), und Spangen* 
bergs Kunde, der im Adelspiegel Th. H, Bl. 172**, den 
Risen „Signot" unter den verlorenen oder seltenen Ge- 
dichten des Heldenbuchs auffiirt, und BL 173* den In- 
halt desselben andeutet. Den Inhalt berürt auch die 
Sietrichs-Saga (oben S. XXXV). Auszüge: in Walchs 
Programm über den ältesten Druck 1774; in meinen Helden- 
bildem S. 114—23; Gödeke Mittelalter 444. — Des Dietr. 
V. Stade Wörterbuch zum Heldenbuch, welches hand- 
schriftlich in Hannover ligt, geht auch über den Sigenot, 
aus dem ältesten angeblichen Druck von 1510. 
Vn. Ecke. 

Der Grundrifs 34 kannte von disem Gedichte hand- 
schriftlich, aufser der Dresdener Handschrift und 
Bearbeitung Kaspars von der Ron, Bl. 201 (205 Str), 
die Münchner, von Augsburg dahin gekommenen zwei 
Hefte des Endes: 6 Bl. (Str. 174—86) des ältesten Drucks 
und 12 Bl. (Str. 228— 78), Pap. Fol.; mit einem 19ten Bl., 
welches einzeln als Ergänzung zu Bl. 3, S. ä nachgetra- 
gen scheint, mit 5 Str., deren letzte unsere 206te ist, mit 
dem Schlufse, welchen auch der alte Druck in die fol- 
gende Str. 183 versetzt; als 6te Str. ist noch 184 wider- 
holt. Laut des Schlufses, wovon ich Durchzeichnung 
habe, ist die Handschrift im J. 1455 zu Hochstetten 
gemacht: es scheint, von demselben, der 1458 die Heidel- 
berger Handschrift des Wilhelm von Orleans (Grundr. 
192) geschriben hat und sich da „Conradus Schreyber 
von Oettingen" nennt (Wilken 305). Sie hat grofse 
rot und blau gemalte und verzierte Anfangsbuchstaben der 



XLVI Vorberioht. 

-Strophen, vile leere Eaume fiir Gemälde, deren rote 
.Ueberschriften schon dastehen« Die eine von Docen 
(Miscell. n, 194. vgl. 190) mitgeteUte Strophe (69; bei 
Kaspar v. d. Ron 79; 63 des ältesten Drucks; 80 meiner 
Erneuung) aus einer Münchener Perg. Handschrift in 
il; 8., welche vermutlich das Gedenkbuch eines farenden 
Singers war, indem es neben einigen ganzen Liedern, vile 
Anfange, und solche einzelne Strophen enthält, beurkun- 
dete schon das Dasein dises Gedichts in so früher Zeit: 
wodurch zugleich für die übrigen Heldenbuchslieder, von 
xienen bisher gar keine Pergamenthandschriften, oder auch 
nur einzelne Pergamentbruchstücke, aber spätere, bekannt 
waren, gleich hohes Alter zu begründen war. 

Solches bestätigt sich nun völlig, zunächst in Bezug 
Äuf Ecke, durch die Lafsbergische Handschrift, worin er 
auf den Sigenot folgt, S^ 132—48, Sp. 2 mit den beiden 
Stollen der Str. 245 abbricht, imd damit die Handschrift 
selber. Lafsberg liefs ihn auch nach dem Sigenot, auch 
nur für Freunde, abdrucken (mit Widmung an Beneke), 
und ebenso durch Schonhut widerholen. Sein den Dichter 
angebender Titel lautet: Eggen-Liet^ das ist Der Wal* 
lere, von Heinrich von Linowe^ einem schwäbischen 
edlen. Guten Freunden %u tust und Heb , aus der ältesten 
gesckrift^ also zum ersten mal ans Hecht gesteUty durch 
meister Seppen von Eppishusen^ einen farenden schueler^ 
gedrukt am obem markt, uf neu iar 1832. Meiner vor- 
ligenden Widerholung und Berichtigung dises Druckes 
sind die Strophenzalen des Abdrucks der Dresdener Hand- 
schrift beigefügt, soweit sie zusammentreffen; demnächst, 
mit Str. 188, die Komischen Strophenzalen des ältesten 
Druckes, sowie der Bearbeitung Kaspars von der Kon 
(205 Str.) die Strophenzal eben dises ältesten Druckes 
(284 Str.) beigesetzt sind. Schon aus disen Zalenverhält- 
nissen ergibt sich auch eine beträchtliche Kürzung in 
Kaspars Bearbeitung. Das vorligende älteste Gedicht wird 



Vorbericht. >. XLVO 

'dagegen wol nicht kürzer gewesen sein, als der alte Druck, 
-(welcher mit der Münchner Handschrift fast Str. für Str. 
übereinstimmt), indem Lafsbergs Handschrift schon in 
J>ietrichs Streite mit Fafolds Schwester abbricht. Diser 
.Halbrisin entspricht aber im alten Drucke Fafolds Vater- 
schwester, die Eisin Kutz mit ihrer Tochter; wie denn 
beide, der älteste und der neueste Druck, auch sonst in 
.manchen Zügen und Ausfürungen abweichen, besonders 
-nach dem Hauptgegenstand, dem Streite Ecke's gegen 
Dietrich, mit dem Eintritte Fafolds, Eggenots, der Risen- 
weiber; worauf auch Kaspars Bearbeitung immer freier 
wird. Die Wilkina-Saga läfst Fafolden sogar nur besigt 
in Dietrichs* Zwölf heldenkreis aufnemen, und erzält von 
ihm noch mancherlei Geschichten (Kap. 43. u. 44. 189. 
219. 328. 330), welche seine Verwandtschaft mit dem 
Pusold des E-osengartenliedes verraten. Die mit Kaspar^ 
Bearbeitung gleichzeitige Münchener Handschrift erscheint 
fast wie die Ueberarbeitung für den ältesten Druck, da 
beide, um Augsburg heimisch, so nahe übereinstimmen, 
selbst in Fehlern, wie Auslafsung und Versetzung oben 
nachgewisen sind. 

Die im Grundr. 36 — 42. ausfürlich beschribenen drei 
alten Drucke, sind: 1) Augsburg, Hans Schauer 
1491; (zu München. J. B. Bernharts Beschreibung in 
V. Aretins Beiträgen Bd. 5, S. 61). 2) Nürnberg, 
Wolfgang Huber 1512; (nur die beiden letzten Blätter 
sind allein zu München). 3) Strafsburg, Christian 
Müller 1577. (Hab' ich aus Panzers Versteigerung; so- 
wie den ältesten Druck). Sie sind sämmtlieh in 8., mit 
Holzschnitten, welche in dem ältesten Drucke, mit eigen- 
tümlicher Schrift, blofs Umrifse, in den folgenden mer 
ausgefurt sind, sodafs dise Ausgabe in beider Hinsicht der 
ältesten Ausgabe des Heldenbuchs änhch ist. 

Der letzte Druck erweift sich nunmer als eine 
Widetholui^ durch denselben Drucker, ebenda 1559 ^ in 



XLVm Voibeiichl. 

der beim Sigenot beschribenen alten Sammlimg zu 2iette 
(Nr. 1), woraus der Dr. O. Schade ihn, wie den Sige«> 
not, widerholte: Hannover 1854. — Auf dem Titel ^Iwef 
schöner newer Ueder. Das erst Weis» ich mir ein %aries 
JunkfrewleinJ^ Nürnberg bei G. Wächter (vgL Grondr. 
59) jBog. 8., finde ich einen Holzschnitt, welcher sieht* 
lieh zu einem, vermutlich Wachterschen Drucke des 
Ecke gehört, weil er nach dem im ältesten Drucke (Bog* G, 
BL 6) stehenden Holzschnitt gemacht ist, wie Fafold eine 
Maid jagt, aber nicht verkehrt ist, wie der ebenfalls dar- 
nach gearbeitete in dem Drucke von 1577 (Bog. E, BL 5)* 

Aus alten Drucken sind auch die meist mit dem Si- 
genot verbundenen Anspilungen bei Agricola (vor den 
Sprichwörtern), Hans Sachs (Tragödie vom hörnen Sig- 
frid), Fischart (Geschichtsklitterung Kap. 27), Span- 
genberg (Adelspiegel U, 172, der Fafold unter den 
verlorenen oder seltenen Gedichten des Heldenbuchs auf- 
zält). Desgleichen, die von Goldast zu den paraenei 
teti. angefarten Stellen, welche der Grundr. 41. 42 in 
meiner Emeuung des alten Liedes nachweist. 

Tiecks Abschrift des alten Druckes von 1577, und 
beigeschribene Vergleichung der Bearbeitung Kaspars von 
der Ron ist schon beim Sigenot erwähnt. Meine Er- 
neuung (377 Str.), im Heldenbuch Bd. 1 (ISll^ ist zu- 
nächst aus dem alten Druck und den Münchener hand- 
schriftlicden Papir- Bruchstücken, mit Vergleichung von 
Kaspars Bearbeitung, gemacht, und dabei das Strophen- 
verhältnis, Zal und Folge, auch in Betreff der einzelnen 
Str., der Münchener Pergamenthandschrift, angegeben. 
Meinem Abdrucke des Ecke in Kaspars von der Ron 
Heldenbuch, sind umgekert die Lesarten des alten Drucks 
und der Münchener Handschriften beigefiagt, so weit sie 
vergleichbar sind. 

Das „Eggen-Lied" erscheint allewege in vorligen- 
der, nur aus sich selbst verbefserter und folgerichtiger 



Yorberioht. XLIX 

gemachten Ausgabe der Lafsbergischen Handschrift, mit 
Bela&nng der altertümlichen und örtlichen Schwäbisch- 
Schweizerischen volUautigen Endungen, am ältesten und 
ursprünglichsten, in diser beim Sigenot mer besproche- 
nen Strophe und Sangweise, nach dem Haupthelden Ber- 
ners weise genannt; sowie dise selber hier mit der al- 
tem abschliefsenden Langzeile erscheint. Mit dem Alter 
der Abschrift, welche freilich eine noch befsere vollstän- 
dige Urschrift voraussetzt, hat sie die sorgfältige Beach- 
tung des Strophenbau^s, die gute gebildete Sprache, den 
bestimmten Ausdruck, die straffe Darstellung, welche di- 
sem Heldenliede von dem gewaltigsten und längsten Streite 
Dietrichs gegen den risigen Recken Ecke*) so angemes- 
sen ist. Disem, auch in den übrigen Handschriften und 
Drucken am meisten stehn geblibenen Hauptinhalte, wel- 
cher Dietrichen nächst dem Helm Hildegrim (vgl. Sige- 
not) und dem Alberichs-Schwerte Nagelring (beides 
in der WiUdna-, d. L Dietrichs-Saga, Kap. 16) furder aus- 
rüstet, ist auch das Folgende hier entsprechender, als das 
zum Teil Unklare und Ueberhäufte dort* Die gemein- 
same Erzälung von Wolf die trichs, früher Ortnits 
Panzerhemde, das Ecke aus dessen Nachlafse trug, gibt 
einen Mafsstab jenes risigen Ahnherrn Dietrichs, weil sie 
disem ein Klafter zu lang war (Str. 21 ff, 147). Ebenso 
gemeinsam ist die Geschichte des auch vom besigten Ecke 
gewonnenen und nach ihm benannten Zwergen-Schwertes 
Ecken-Sachs (von Sahs, Schwert, der darnach benannten 
Sachsen) mu* in Namen imd Umständen verschieden (Kas- 
par Str. 85 ff., alt. Dr. 66 verkürzt), steht jedoch hier (Str. 79) 
durch den früheren Herrn desselben, König Budlieb, in 



*) Anfiallend erinnert hieran aus nenrer Zeit die herrliche Qe* 
schichte von dem Heldenkampfe eines Schweizers mit einem Franzosen 
im Graoholze bei Bern 1798, Alpenrosen, im Schweizer Almanach 1818, 
Bern 12, 8. 126 -^87, 



L yiMriMtidit* 

Zuscumnenhang mit der Dichtung yon disemHeldta^ irelefae 
nur utiYoIlBtandig, in LeoniniAdMa Yerseii de« 10--11« Jar- 
hunderts^ vermutlich vom Tegemseer Geistlichen Frou- 
mund, übrig ist,*) und worin ein gefangener Zwerg ihm 
Beeigung und Hort des Königs Immung and seine« Schö- 
nes Härtung verheifet. Wie den Eokensax^ welchen ein 
Zwerg im Berge gestolen^ Konig Rudlieb bdcam und sein 
Sohn her Pott (befser Herbort) damit Hugebolden er«** 
schlug: so brachte, laut der Dietricfa«*^Saga Kap. 40, 2w^rg 
Alberich den s^nem Vater gestolenen Eckensax dem 
Könige ßozeleif, dessen gleichnamigef Sohn damit 
»igte« Die Erinnerung, dafs Witig (mit dem Mimung) 
Heikens und Etzels beide Söhne und Dietriche Brud^ 
Diether erschlug, erst gegen das Bade (im alt, Dir, 174^ 
womit die Münchener Handschrift begiiant), könnte WcA 
mit dem Schlufse des altem Gedichts ISsleni jedo<i^h Stellt 
eich dadurch der Inhalt erst nach der Ravenn^i'^ßchlaoht^ 
wärend er in der sagengeeohichtlichen Zeitfblge Mi 
den frühsten Taten Diefdichs^ eben eu seiner AtiSru&nuti^ 
mit Waflfett und Gefilrten, gehört, wie die Dietiicbs-Sfcgit 
es erzält. Die Münchenet Handschrift nennt dide tleld^th- 
tat gar Dietrichs letzte mit Eckensax. Der alte Ditfök 
lafst ihn, als den geschiditlichen Theodoritsh, damit 
noch den Otochar besigen undKöiiig vonKom werdet. 
Das Letzte geschiht auch in der Dietrichs-^Saga, tiber dhirdh 
den Sig über Ermö nrich und Slbi ch, der a'öch hier fttt^ den 
Ot acher des Hildebrandsliedes und der G^chichtfe steht. 
Die alte Vorrede des Heldenbuchs deutet dafselbfe dtttoh 
die letzte grofse Schlacht vor Rom an. Sie stellt ihre Er*- 
c&lung von Ecken auch vom zu detii etstern Taten Dieti4<^* 



^) Welches Üoeen schön bekatmt machen Profite (Mbift^lhfti^en). Vgl. 
A. Schmeller« Ansgabe (Göttmgen 1889) S. 220. Der König Itd- 
cinch klkigt zugleich an das berfimte Heldensöh^^ Bftlntilig:, Welche 
me scbmidete. 



T<Arl»Mi%. LI 

Diset Auszug ist aus der Bearbeitung des alten 
Dn»okB utid der Mdnehener Handscbrift, wie die überdin^ 
stimoieiidfe Abetamlnimg £eke'8 und Fafolds und die 
liamen ihrel- Sippschaft bezeugea (Str« 136). Und damit 
«titnmt Eucb meist die ErkKÜung in den Heldenbüd^in 
{Su 146-^63), naoh tomn^ Emeuung des Heldenbuchs; 
doch mit Rücksioht auf die Dietrichs'-Saga. Zu diser Tgl. 
MuUers Sugabibliothek 11^ 179. Gödeke Mittelalter 452. 

Das älteste Eckenlied il3t auch in den Ortsnamen, 
^lei'en Gesichtskreifs, mit Dietrich von Bern (Yerona), zu- 
nächst dae Gebiet um den alten Uebergaag der Alpen 
ist) am rich<%steii. Der Kanel (K^nal, der tiefe Talweg 
aus Eärüten)) zwischen Klam (Kur^ im a. Dr.) und der 
Kineo (Str. 207)^ d. L die Et seh- Klause^ der Eng- 
paft «nd Bm^g am Etsch-^Uebei^ange. Ecke aber komxiit 
Yoa Giripiail (Agripinan, Colonia Agrippina, Köln), in 
der Di^trichs'^aga toü Drachenfels bei Bonn« Joch- 
rim, Jochgrim <Stn 196, 138, 160) ist nicht auch 
Agrippinan, sondem tine alte Stadt und Burg im Elsafe 
bei Bhein-Zabem, jeteo Jockrim%*) Helfrich, der mit 
4r8i Gefärten, darunter auch Ortwin von Mainz (Metz?), 
V)On Dietrich besigt, Ecken warnt (Str. 69), wird selbst 
in der Münchner Pergamtotschrüt von Lutringen ge- 
Mucmt, wie im alten Dr., in der Münchner Fapirhand- 
»ohrift Lunders, in d^ alten Vorrede des Heldenbuchs 
Buaue (wie Bonn Lat« Bunna, im Mittelalter auch Ve- 
txml^ Bern), bei Kaspar tob der Boa Lob, — wird durch 
liitne (Lnna in Oberitalien) berichtigt, -*- in Ueberein- 
stidunung mit dem folgenden Gedichte von Dietrich und 
s^eB Q^eseilen^ wo aber diser tramontane GesichtskreiCs 
nach dieutlicher und Tollständiger hervortritt. 

Helfrich wird als Quelle und Gewärsmann der nur 



*) Sebopttn Al0Mia Ulustrata ü^ 178c op^Mdom Jockgri«. Ürk. 
1366, mit Burgfofft 46f BIseboft irM StfafMwrg. 

t>* 



LH VothmixikL 

von ihm gesehenen nächtlichen Heldentat Dietrichs an- 
gefurt, und auf ihn beruft sich noch die Schlufsstrophe 
der Münchner Handschrift. Deshalb hat auch der Sammler 
des Münchner Pergamentbüchleins die frühere Berufting auf 
Helfirich ausgeschriben.*) So steht dise Berufung in naher Be- 
ziehung auf den Dichter des Eckenliedes in diser Stro- 
phenweise, der gewis ein namhafter kunstfertiger Singer 
war. Ein solcher Dichter, zugleich der berümteste seiner 
Zeit, um 1250, war der Schwabe Konrad Marner, der 
neben Minne- und Meister -Liedern auch erzalende Gre- 
dichte verfafste und eine lange Reihe Ton disen aus dem 
Sagenkreise der Nibelungen und des Heldenduchs, na- 
mentlich auch Herrn ,^cken Tod," den darnach begin- 
gen Leuten sang, wie er selber sagt (vgl. Minnesinger IV, 
529). Das scheinen jedoch noch kürzere Tolksmafsige Lie- 
der gewesen zu sein, als das vorligende lange Helden- 
gedicht in der Bemers-Weise. Früher ward, mit Bodmer, 
(dem dafselbe unbekannt blieb) ein solches Gtedicht deoL 
Konrad von Würzbnrg zugesehriben, weil diaer eine 
Spottstrophe auf des Meisners wundersame Dichtung, mit 
der Spitze schliefet: „ebenso kann ich leiern, spradi einer 
der von Eggen sang." Hier meint aber Meister Konrad t. W. 
sich selber ebensowenig, als ihm die Klage, und wol gar 
die Kibelungen dazu, beizulegen sind, wie nadi Bodner, 
(der jedoch zulezt für Konrad Mamer stimmte) audi wol 
geschah, Ton Adelung u. a. (Grundr. 91). Eher konnte 
Konrad den vom Meisner verspotteten Manier sugkiidi 
spöttisch meinen (Minnesinger FT, 720). Rudolf Ton 
(Hohen-) Ems verweist im Wilhelm von Orleans und im 
Alexander die Frau Abenteure, seine Muse, unter andern 
auch auf den gleichzeitigen Heinrich von Linowe, ab 

*) Docens Abdnick derselben« welchen die Leautcn la Kaifsn 
EckcBÜed Str. 74 widerfaolteiif «ad worin ■■Iwndkn, TonJ. CIl SckMid, 
iaJdnnnldie, Kr. 32. ab ein cigenw Wort liur „li^svnktr*' trkliit wn^ 
bcffiektizt MafsMann am d«r rndwift duck 'iiiftii 



Yorberieht LUI 

•auf einen befsem Dichter, und rümt dessen Gedicht „der 
Waller," worin er „Ekkenis Mannheit" gedichtet und 
gesagt (Minnesinger lY, 867, 869). Schon dises und eine 
andere Anspilung auf den Inhalt (Beschreibung des Tur* 
nirs zu Empoi) liefs Docen (in uns. Museum I, 170) 
nur JEUi ein Nordfranzosisches Bittergedicht denken und 
ein Eckenlied abweisen; er nannte es ein „Gedicht von 
den Abenteuern Erecks:" wie das damals nur dem 
Namen nach, auch durch Budolf, bekannte, seitdem von 
Primisser (oben S. XTTT) entdeckte Gedicht von Hart- 
mann, nach Christian von Troyes, worin Erek mit 
seiner Enite rastlos auf Abenteuer umherzieht. Das 
obige „Ekkenis" läfst sich auch eher in Erekkes^ als in 
Eggen berichtigen; sowie umgekert wol Erek für her 
Ek(ke) geschriben ward. Gleiohwol hat Lafsberg auf 
dem obigen Titel seines Abdrucks des Eckenliedes den 
Heinrich von Linowe, welchen er einen Schwäbischen 
Edlen nennt, als Dichter desselben angenommen, und 
die Benennung des Gedichts der Waller wol auf die 
Wanderung Ecke's, den kein Boss tragen konnte, gedeutet 
Das ist aber gar nicht annemlich, und der Dichter bleibt 
nach wie vor (Grundr. 42) unbekannt. 

IX. X. Dietrich und seine Gesellen. 
Die einzige vollständige Handschrift dises Gedichts 
ist die Heidelberger, Nr. 324, kl. Fol., 352 Bl. Papir, 
mit Gemälden (1096 Str.). F. A(delung, Nachrichten 
von den Altdeutschen Handschriftnn im Vatikan I (1796), 
23, 179 — 201, gibt Anfang und Ende, üeberschrif- 
ten, meist der Bilder (für welche manchmal Raum ge- 
lafsen) und Strophenanfänge. Laut der barbarisch-lateini- 
schen Schlufsschrift, welche auch Wilkens Verzeichnis 
(1817) 409 gibt, hat Johannes Port von Strafsburg 
sie geschriben. Ich habe sie 1827 hier gehabt und eine 
Abschrift derselben für die Konigl. Bibliothek (Ms. Ger- 
man., Fol. 435) durch W. Wackernagel veranlafst, 



welche ich mit der Urschrift verglichen habe. E« weeh* 
Beb durm drei Hände, wie so Str. 313 und 339 bemerkt 
ist. Auch ist die Handsehrift ttD vwoi SteUen verbmiden, 
welche die Ahsehrift anze^, und meist in der richtigen 
Polge hat: BL 302, 305, 303, 304, 307, 308, 306s 309; 
BI. 330, 336, 338, 327, 328, 329, 333, 3äL Die vilfaUBge 
Yerderbnis diser Papirhandschrift deft 15ten Jarhunderta, 
der die rohen Malereien entspreehen, würde aiftck diaos 
Gredieht, wie die beiden Torigen, in derselben zwolfiret- 
migen Weise, für jünger anapreohen Wsen, als ea die 
Pergankentbmchstüeke desselben, um 1300, gestatten. 

Daa Kinderlingische Bmchatftck habe ich ans 
einer Abschrift Kinderlinga im Grundr. 46 beschriben. 
Seitdem ist die Urschrift mit Meuaebaeha Kachlafit Im 
die KonigKche Bibliothek gekommen, und habe ich daraus 
die Abschrift berichtigt* ISs ist das Oberteil einea IK^ 
pelblattes in Fol., von welchem abet das hintere Bbi^ 
bis auf einzelne Wörter und Buchstaben des Anfangs der 
Vorderseite und des Endes der Kehrseite, abgeschnitten 
ist. Mit dem Unterteile sind 14 ^eilea von Jeder der bei- 
den Spalten we^efallen und 32 gebliben, sodaCi 
jede Seite 46 Zeilen hatte.^) Die Reim^eilen sind 
mit grofsen Buchstaben und meist mit Punkten hinten, 
abgesetzt, die einzelnen Strophen mit rotgemailten Buch- 
staben dnrch zwei Zueilen he^eich^et. Die Schrift ineiat 
nm 1300, und das Ganze ist sehr änHd^ meinen Peiga«« 
mentblättem des Ortnil und Wolfdietrieh (lU). Der 
buchstäbliche Abdruck (X) des Bruchstücks, die Stro-. 
pben^alen weisen auf das ToUstandige Gedicht bin, wo die 
entsprechenden Strophen 66—70^2,73^ 7&, 78, 98-*-»4, dnrch 
K. I-^Xn bezeichnet supkd« Bedeutend ist auf BL 1, S. 8, 
Sp. 2 der Abgang ¥on 14 Strophen. Pie av|f dem ange- 



*) Str. 72 sollte die fehlende Zeile durch (. ) bezeichnet 

si«n. — 8te. 94,6 i«t 9eme fSr rtme (rmane) Bmickfeler. 



bogenen BI. 2 stehn geblibene Schrift ist, auf der Vor- 
derseite: E» r— De% ku^ Waner^ Vit man-- Der vor-- 
So ztar— In ztark— VU ifefe— Die i#— Manige— Zu 
vtnte— Dem fitr— D^-^ D— Von ber— Da dru— Er 
war V% man — Durch w-^ Begund-^ Schefte— Dar an — 
Ba% er — Da% ges— Sw— E— Da» kan — Vim' im— M— 
Die Kehrseite zeigt nur wenig Heim-Ueberbleibsel: — ist 

— ete. —nyder. — teyder. —ete. . — brant. 

— eAron^. .... — n. . — uwe. — dani%. —f. — «ä. Die 
Strophen, denen dise Laute gehören, habe ich nicht auf- 
gefimden. 

Zu derselben Handschrift gehört one Zweifel, schon 
der Sprache und Schreibung nach, ein Pergamentblatt, 
welches F. Ch. Christ in eiiiem Sammelbuche „Villaticum'' 
(Leipz. 1746) S. 232 mitteilt, nur in verkerter Folge der 
Vorderseite hinter der Kehrseite, wie es auch der Prof. 
M. Haupt, Zeitschrift VE (1847), 308 widerholt. Die- 
selbe Scheere hat dises Blatt durchschnitten, indem auch 
unten 14 Zeilen feien zwischen beiden Seiten und so auf 
einander folgenden Spalten, und auch 32 und 36 Zeilen stehn 
gebliben sind. Mit den zwischen^ beiden iBruchstücken 
feienden 96 Zeilen sind die beiden zu dem letzten ge- 
hörigen Spalten weggefallen. Die widerholten Lese- und 
Druckfeier des folgenden büchstSbfichen Abdrucks, mit 
den Strophenzalen des vollständigen Gedichts, lafsen sich 
aus disem berichtigen: 

(56) ...» ruf den dag getr . . . 

• • ene nun zarge si da hin • 

. . ch 8i wltu den firauwen sagen . 

(57) Dirre werde helt tnstet für mich . 
Getwerg na hebe von h. • nen dich . 
. . ge den firauwen mere . 

• • ge das ich si genesen • 

. er% si hohes müdes wesen * 
. gangen ist min sweee . 



LVI 



Vorbarieht. 



. da% sie ir valwen locke reii. . 

. er die oren strichen . 

• vf ir kreni%elin ein bereu . 

. da% i mtädeUn buchen « 

. . la%en mid ir wengeUn rot . 

. . erhelt wun frideschüt « 

« • id nun sin vor den dot . 

(58) Da% getwerck ton dannen ging . 
Einen stig e% ane toing . 

einen holen steinen . 

a% die kunige obe . 

kleidet mit keiserüchem lobe . 

und ir megede reine • 

sie sahefi da% getwerck . 

fragten i% der mere . 

Uten %u im vor den berg . 

in dem walde were . 

getwerg mit auhten sprach . 

. • ssur mit fride ein ander hat « 

. • r leid vnd vngemach • 

(59) Da» antworte nit die kunigin . 
E» were %it vnd m . tes sin 

Kehrseite: 

(60) was wit . 

. . . . . em berge lit . 

. . die vögeUn störten • 

Das sie von den boumen flogen . 

Vnd gesanges gar verga%en . 

Vnd sich vff hohe festen zogen . 

Vnd do mit sänge sassen . 

Von grünem laube wo» ir.tach • 

Ob iergent rauch von swerten ging . 

Der det in do kein ungemach * 

(61) In %orne sprach her hiltebrant . 
Were dem von beme mm strit bekant 



Vorbericht. LVH 

Er mohte nun wol späten . 
Das ein einig Sarrazin • 
Sich hat so lange erweret min . 
Vn ich in gant%en roten 
Im hude kan gesigen an • 
Ist da% niht ein wunder . 
Ich moste in vngestrafet Um . 
Ich weiü wol vnd besonder . 
Da% sich nun wert ein ehäg mati . 
Ich muste bi» an minen dot * 
In vfi manigen vngestrafet lau . 
(62) Sie liefen aber einander an . 

Da wart e% ba% dan e getan • 
Die ringe sach man risen . 
Von iren swerten da% geschach . 
Da% vil der starken nyten brach . 
Von stahel vnd von ysen . 
Hes heiden brmdge mustt lan . 
Durch freisen allenthalben . 
K^in meister da% geheilen kan . 
Meissel noch die salben . 
Enhorden nach sinen siegen niht • 
Er sprach dir enhelfe danne der vi . . 
Kein leit mir nu von dir gescMht . 

Die Leipziger Pergament- Handschrift der Raths- 
bibliothek, welche Blätter dises Gedichts enthalt, und im 
Grundr. 45, nach Gottscheds Dresdner Abschrift (Nr. 90. 
1) beschriben ist, habe ich seitdem auch hier gehabt und 
meine Abschrift darnach berichtigt. Sie ist Nn 1, Fol. 
102 Bl. , in 2 Spalten zwischen Tiinien, von verschiedenen 
Händen, meist Niderrheinisch, und gehorte, laut der 
neuen vom eingeschribenen Nachweisung, dem Gerhard 
von Maastricht, von welchem Eckhart die voran- 
stehende Chronik erhielt, zum Abdruck in s. Corp. 



LVm Varberidil. 

bist. med. ae^^ T. 1. Die erste Seite ist leer, die Kehr- 
seite beginnt mit einem grofs«u «ierlich gemalten Buch* 
Stäben den gereimten Prolog, worin der das weifse Kreuz 
tragende Vf. Witkint seine, der Kürze wegen in Prosa, 
nach Martinus (Pol onus, bis 1277) geschribene Chro- 
nik den beiden Gerharden, Yon Hammerstein und 
Landskron, zueignet, welche bis zu K. Fridrichs L 
Zerstörung von Mailand (1155) geht, imd mU dem angeb- 
lich ebd. von der Sibylle geschribenen hiemuf gedeuteten 
Leoninischen Distichon der Jarzal 1162 scUiefst; dann 
folgt von andrer Hand eine Lat. Forts, der Chronik bis 
1237; weiter, die Gesch. Alexanders und Karls d. Gr., 
die Minnelieder (Grundr. 508 — 13; und endlich unser 
Bruchstück, womit das letzte Heft beginnt, von andrer, 
es scheint, etwas jüngere Hand, xnit blftfserer Dinte, aber 
nur 2B1. und 1^ Spalten einnimmt, nutten in einer Strophe 
abbrechend und das Uebrige der Seite leer lafaend : sodafs 
es auch wol nur Abschrift eines schon damaligen Bruch- 
stücks ist (änlich dem filtern TitureL Grundr. 98.) 

Die Schreibung ist meist, wie bei den Minneliedern, 
von welchen ich ein Schriftbild (Minnesinger IV, Taf. DI) 
gegeben, und dise Handschrift aufgefürt habe (S. 905). 
Nur die Strophen sind abgesetzt, deren Anfangsbuchstaben der 
Schriftmaler aber nicht ausgefürt hat; die Beimzeilen haben 
zuweilen grofse Anfangsbuchstaben, die Reime meist Punkte. 
Nur zwei der 29, den Strophen 111 — 33, 135^40 des voll- 
ständigen Gedichts entsprechenden Strophen (114-^15) sind 
ebenso abgesetzt, wie die der beiden vorigen Bruchstücke, 
Die Niderdeutsche Entstellung ist hier noch gröfser, als bei 
den meist aus einzelnen Strophen verschiedener Lieder und 
Dichter bestehenden Minneliedem. Die Berichtigungen der 
aus Gt)ttscheds Abschrift im Grundrifs mitgeteilten Steüen 
rechtfertigen sich fast alle. 

Den Anfang der Strophe XXIV aus disem Leipziger 
Bruchstücke gibt schon Eckhart, dessen Abschrift da- 
von W. Grimm hat, in Franc, Orient I, 859. 



Vorberioht. LIS 

Kaspars von der Ron Bearbeitung in seinem Hel- 
denbuche Bl. 814»— 44» (130 Str.) ist in „der Helden Buch In 
der Ursprache", von Prtmisser und mir II (825), 143—59 
gedruckt. Einen Auszug derselben habe ich zu denHel;! 
denbildem 163—75 gegeben. Gödeke Mittelalter 409, 6S3^ 

üeberall hat dises Gedicht schon die oben (S. XXXIV) 
gedachte regehn&fsige Verlängerung der letzten BeimzeUe, 

Der Bearbeitung Kaspars Hgt schon eine kürzere ür- 
»ohfift, wie er am Schlufte sagt, von nur 408 Strophen zum 
Grunde, auf Änliche Weise wie beim Wolfdietrich (Dl) 
und auch wol ebenso im Inhalt manigfaltig abweichend, 
aumal nach hinten. Die Vergleichung mit Kaspars Arbeit 
hxA sich durch unserm grofsen Gelohte beigefügte Stro- 
phenzalen derselben nicht durohfOren lafsen. Das in der 
Mitte ligende küraere Gedicht bot Kaspam vermutlich schon 
den eignen einfachren Abschtufs mit der Befreiung der von 
Heiden, Bisen und Lindwürmern bedrängten Königin durch 
Hildebrand, Dietrich und Kentwin und dessen Vater 
Helfrieh von Lune, und Dietrichs Hochzeit mit der 
Königin, deren Brautnacht ein lustiges Seltenstück zu der 
in den Nibelungen ist. Merkwürdig sind dabei die heid- 
nischen (Slavischen) Ausdrücke. Unser fast dreimal so lan- 
ges Gedicht erweitert und erhellt dagegen zuvörderst den 
schon beim Ecke (IX) erörterten überalpischen Schauplatz, 
nächst Garten und Bern: Ar6ne 159 (Arona am 
Lago Maggiore), der (Berg) Septemer 155, die Tüne(?), 
MAter 512 317 (Modena, Lat. Mutina), Tuschan 
(Toskana); besonders Lüne 100 (Luna, das auchinder 
Ragnar Lodbroks-Saga 13 vorkömmt), die Burg H e 1 f ri c h s , 
der hier mit seinem Son Rentwin und allen den Seinen 
TomämKch hervorgehoben wird, und dessen Taten im übri- 
gen Heldenbuch ich zu seinem Bilde unter den Amelungen 
zusammengestellt habe: auf welche Heldenbilder ich auch 
in BetreflF der übrigen Nibelungen, Amelungen und Heunen 
verweise. Die bedrängte Königin V i r g in a 1 von' J eraspunt 
(S^) mit Ihren Zwergen wont im Gebirge, Auf ihre Befreiung 



IjX woriMridiL 

folgen hier noch gehäufte Kämpfe nnd Tomire , worin 
Dietrichs Gesellen von Bern (Wolfhart, Sigestab, 
Heime, Witig n. a.), auch gegen Bisen und Lindwür- 
mer auftreten, und audi Biterolf und sein Son Diet- 
leib von Steier, BlOdelin (von Bledelingen, Plat- 
ling bei Passau und der König Ymian von Unger- 
land) herbeigeholt werden. Dietrichs Grefangenschaft zu 
Muter durch den hinterlistigen Bisen Wikram fbhrt einen 
Zwölfkampf herbei, gegen die Bisen, darunter auch 
Aspirian, und auf Dietrichs Seite Gernot, Ortwin, 
und Beinold von Mailand; ja ein solcher Zwölfkampf 
wideiholt sich nochmals gegen 12 Waldrisen: nach dem 
Vorbilde des Bosengartens zu Worms. Der feste Grund 
der Dichtung bleibt aber auch hier Dietrichs und der Sei- 
nigen, vomämlich des weisen Hildebrand und des un- 
bändigen Wolf hart, urbildliche Darstellung, und Dietridis 
Verherrlichung, als eigentümlich gröster Deutscher Held. 
Obgleich auch dise seine Heldentaten sich, wie sein Ecken- 
sieg, nach der Bavennaschlacht (VI) stellen (654), so 
ist er jedoch hier auch der jugendliche : er erschrickt, als 
ihn die Frauen zu Bern nach Abenteuer fragen, und sein 
Zuditmeister Eüldebrand führt ihn alsbald tief in die un- 
geheuerlichsten Abenteuer, neckt und verspottet ihn, als er 
davor zurücktritt, in dem Sinne, wie im Bosengarten zu 
Worms, wo der Alte den Jungen sogar durch Schläge zum 
Streite treibt, und von ihm widergeschlagen, sich todt aus- 
rufen läfst, und ihn so zum Sige reizt. Dietrich mahnt 
in diser tiefen Scheu und Zaudemis, das Furchtbare, Un- 
geheure zu enthüllen und anzugreifen, an jenen Zögling 
der Wittenberger Hochschule, der über sich Wehe rief, 
dafs er die aus den Fugen gekommene Welt wider ein- 
richten solle. Dietrich ahnte so sein grauenvolles Schick- 
sal, dafs er allein (mit dem blutenden Eüldebrand) aus 
der Nibelungen -Not hervorging, sodafs er auch über sich 
Wehe rief und sich den armen Dietrich nannte. Wie er 
jedoch hier auch Siger war, so vollbrachte er überall die 



Vorbericht. LXI 

allergrüste Heldentat mit alles besigender Gewalt, wenn er 
sie, oder sie ihn, einmal erfafst hatte. Ihm allein war der 
feurige Zomodem dämonisch angeerbt, wodurch er seine 
ebenso dämonisch ausgerüsteten und gebomen stärksten 
Feinde, Sigfrid und Hagen, in der Niflungs-Saga be- 
sigt. Man könnte ihn so, mit anderm Wortspil, den Die- 
trich aller Helden nennen. Das wüste Hildebrand wol, 
stürzte ihn getrost in die gefärlichsten Abenteuer, und liefs 
sich schelten, er wolle ihn nur beerben, das gebüre aber 
seinem Bruder Diether (den Witig in der Bavennaschlacht 
erschlug!). Hildebrand tröstet ihn, dises Elend (Verbannung 
auf Erden) habe freilich wenig Gemach, zumal Ritterschaft 
in Frauendienst: derselbe biete jedoch den süfsesten Lohn. 
Dietrich findet disen zwar zu sauer, sowie er bei einer Aus- 
forderung spottet, keine Jungfrau wolle mer einen Mann 
nemen , den er nicht bestanden habe, läfst sich ihn jedoch 
in Freuden bei schönen Frauen gefallen; und bei der be- 
freiten schönen Virginal ergreift ihn selbst die Gewalt der 
Minne, die stark ist als der Tod (972), und er vermalt sich 
mit ihr: obgleich das Gedicht nicht mit der Hochzeit schliefst, 
sondern mit Freudenfest in Bern, wohin Dietrich eilt, weil 
die Bürger sich von ihm lossagen wollten, wenn er nicht 
bald heimkäme. Der Schlufs weist auf sogleich folgende 
neue (Kriegs-) Arbeit Dietrichs hin. Das Dietrichs -Lied 
von Etzels Hofhaltung (Xll) singt weiter, Dietrich 
müfse, nach seinem Verschwinden, in der Wüste täglich 
mit drei Lindwürmen streiten bis zum jüngsten Tage (wie 
Thor bis zur Götterdämmerung). Laut der alten Vorrede 
des Heldenbuchs, scheint erimVenusberg (Rosengarten) : 
er ist aber, in jenem Liede wie hier*), der Erwälte der 
„Frau Saide", und wird also mit seinem in See versenk- 
ten Schwerte zum Heile widerkeren. — 

Der volksmäfsige Dichter fordert zuletzt, dafs ihm und 
„uns allen" (Zuhörern Wein) geschenkt werde. Sein langes 



*) An dM D&moiiisohe reihen Bich die dem Arianer feindlichen Sagen. 



Gedicht befleifBigt sich» neben den vilen Heiden*, Rieen'- 
imd I^dwttrmk&mpfiai, zum Gegienge¥richte , Tomlniliok 
der Schildemng von Fieudenfesten auf Bulben, unter Zdi*- 
ten, im Walde, in Auen, unter der Linde, mit schOnen 
Frauen aUe in reichen Kleidern, beim frohen Mahle, Ge^ 
^rich, Gesang, Tanz imd Bitterspil; zum Tanse Sang und 
Klang, Singen und Sag^i, Abenteuer-erzilen. Du Letzte 
tun beaonders die Boten, Fräulein, Kniq^n und Zwerge, 
B&ldelin, Merzelin, vor allen der cierliche Zwei^ der 
Königin, Bibung: dee Dichters Liebling, der anch in 
Tumei gegen Imian, wie Merzelin gegen WoUhart, seine Bitteiv 
Schaft bewärt, und durch das ganze Gedidit hin und ksr 
rettet, und mermale dieselben Abenteuer, zumteil wörtlich 
widerhak: ja zuletzt erzält Dietrich selb^ der Köoaigili 
nochmals das Abenteuer, wonach die Frauen ihn au Aat- 
bog vergeblich fragen. Die Ausffirung ins kleine Einneln 
steht wcd zu dem ungeheuerlichen Inhalte. Dabei zeugt 
die leUiafte SchiMerung von Anschauung des damals den 
Deutschen, wie früher den Gothen, gehörigen überalpiaohfln 
schönen Landes imd seiner Sitten : obwol der Dichter audi 
sdme Heimat andeutet durch sein Gleidmis vom Dnn'rei»- 
berg (834. Donnersberg — des Donnergottes Beig) am 
Oberrfacin, dem der Godesberg (Wodansberg) adi 
Nidarheine gegenüber steht. 

Vile überhäufte Abenteuer, zumal nach hmten, wie 
schon die Namen, z. B. der Waldiisen, die Wälsohen Frw uu t m 
namen, Virginal, Macitus, Partholaphe, und ^ie 
über Gebür vorkommenden antik-^episdien widerhoken SN 
zälungen sind kenntlich spätere Erfindung, Erweitemng wüi 
I^schiebsel des letzten Dichters in das von Kaspar ver- 
kürzte mittlere Gedicht Daa in dem Beriiner Perga- 
mentblatte Fehlende ist ganit entberlich, und zeigt eineSpnr 
davon«. Andere dergleichen Zusätze verraten sich «igleich 
durch spätere Eedsche Bdme (zwei Kürzen, oder ^ alier 
männlicher Reim, anstatt einer Länge mit einer Kürze, welche 
der ake w^Uiche Beim fordert). Manches auch faievon 



Vorbericht. L3cni 

verschuldet freilich wol der schlechte Abschreiber , zumal 
der letzte, «owie yil fmdem Unsinn. 

Die ganze verhältnism&fsig jüngere Dichtung verrät 
«ch auch dadurch, dafs keine alte Anspilung darauf vor^ 
kömmt, und die Dietrichs -Saga nichts ihr Entsprechendes 
enthftlt, aufser das Sintram Hildebiands Verwandter durch 
Dietrichen ebenso aus dem Bachen eines Lindwurms befreit 
wird (Kap. 44), wie hier Rentwin durch Hildebrand. 
XI. Dietrichs Brautfahrt. Von Albrecht von 
Kemmenaten. 

Dises kurze Bruchstück eines vierten Dietrichs-Liedes 
in der Bemers- Weise, von einem namhaften Verfafser, der 
auch die Teilname der Edlen und ritterlichen Dichter an 
Bolchen vi^ksmäfsigen Heldenmären bezeugt, läfst sehr 
lyedauem, dafs es nicht vollständig ist. Es steht in einer 
BaumwoUenpapir- Handschrift des 14. Jarhunderts in 8, Bl. 
127*» — 29**, worin es der Freiherr von Aufsefs endeckte, 
im Jftre 1848 in der Versammlung der Germanisten zti 
FtHnkfatt a. M. mitteilte und gegenwärtig in dem von ihm 
gestifteten Germanischen Museum zu Nürnberg 
bewart. Nach einer Abschrift desselben machte der Pro- 
feflsor M. Haupt in der Zeitschrift für Deutsches Alter- 
tum Bd. VI (1848), Seite 520 eine Ausgabe davon. 
Mafsmann nam von der Urschrift für mich eine Abschrift, 
welche ich hier buchstäblich abdrucken liefs; Cursiv 
bezeichnet, dafs wirklich so geschriben steht. Die Blätter, 
wdche glücklicher Weise den Anfang des Gedichts, Str. 1 
bis 10, mit dem Namen des Dichters, enthalten, sind die 
drei letzten (127 — 29) eines Heftes von 4 Doppelblättem. 
Weiter zu disem Gedichte gehören aber offenbar die sechs 
Zeilen aus der Mitte einer Strophe auf Bl. 122^, zwichen 
welchem und Bl. 127^ Arzeneien und Kräuter verzeichnet 
Btehen: die Doppelblätter sind also umgebogen; BL 122 ge- 
hört hinter Bl. 129 (wie es jetzt auch als viertes Bl.*) iigt), 

*) Im Abdrucke muft die Blattbezeichnnng (I,«) und (1,^) blofs (1^) 
n Anbiig tein. 



LXIY Vorbaricht. 

und zwischen beiden fehlt wenigstens ein Doppelblatt^ Die 
Abschrift des Gedichtes ist aber sichtlich nur bis zu jenen 
Zeilen gekommen , und Bruchstück gebliben. Die Stro- 
phen sind abgesetzt 9 die Anfangsbuchstaben aber vom 
Schriftmaler nicht alle ausgeführt, die Reimzeilen sind fort^ 
laufend geschriben, meist nur durch Striche geschieden. 

Dises Gedicht stellt sich auch in Dietrichs frühe Ju- 
gend, wo er, wie im vorigen Gedichte, noch Frauenminne 
verschmäht, und nur auf Streit gestellt, auf Abenteuer aus- 
zieht, und da im Gebirge Trutmunt (?) bei dem Zwerg- 
könige Goldemar eine gewaltsam entfürte schöne Jung- 
frau findet, welche derselbe ihm verbergen will, deren Be- 
freiung aber den Helden reizt — Den weitem Inhalt er- 
gänzt uns glücklicherweise die alte Vorrede des Heldenbuchs 
(357 — 63), wonach die Schöne He rtelin hiefs, und Tochter 
des Königa von Portugal war, der tapfer gegen die Hei- 
den streitend, von ihnen erschlagen ward, worauf König 
Goldemar ihm die Tochter stal, und die Mutter vor 
Leide starb: da nam Dietrich sie dem Goldemar wider 
„mit grofser Arbeit", und sie ward seine erste Frau^ nach 
deren Tod er Herraten heiratete. Das noch ungedruckte 
Rittergedicht Eeinfrid von Braunschweig (Grundr^ 
185) erwähnt vergleichungswelse noch die Risen, wodurch 
der „kaiserliche" Zwerg Goldemar den Wald und Berg vor 
den Wölfingen (Hildebrands Stammgenofsen und Diet- 
richs Helden) verteidigte (W. Grimm Altd. Wald. I, 
297. Deut. Heldensage 174): one Zweifel in disem Ge- 
dichte. Derselbe ging noch zu Ende des 14. Jarhimderte 
als Burg- und Hausgeist (Incubus) um, in der Grafschaft Mark 
an der Rur, bei dem streitbaren Neveling ( Hochdeutscdi 
Nibelung) von Hardenberg, von welchem selber^ so- 
wie von vilen Anderen, Gobelin Persona, Dechant zu^ 
Bielefeld, vemam, imd in seiner Lateinischen Weltgeschichte 
(Cosmodrom. aet. VI, c. 70, bei Meibom scriptt.rer. Gram}. 
I, 286) erzfilt: wie diser sich König Goldemar nen- 
nende Geist mit Rede und sülsestem Saitenspil ergetzte, 



Vorbericbt. LXV 

Würfel um Geld (Gold) spilte, Wein trank, oft mit dem 
Wirte in einem Bette schlief, sowol Gelstliclien wie Welt- 
lichen verlangte Aussprüche gab, oft aber auch die Geist- 
lichen durch Offenbarung ihrer Sünden beschämte. Seinen 
Hausherrn warnte er vor den Anschlägen und Anzug der 
Feinde, liefs ihn zuweilen seine zarten weichen Hände be- 
rören, jedoch nicht sehen. Er sagte, der Christen Glaube 
beruhe auf Worten, der Juden auf Edelsteinen, der Heiden 
auf Bjräutem. Neveling hatte eine schöne Schwester, um 
deretwillen er dort verweilte, wie einige meinten, sowie er 
wol ihren Bruder Schwager nannte. Er lehrte ihn noch den 
Segenspruch: unerschaffner Vater, unerschaffiier Sohn, uner- 
Bchaffher heiliger Geist I Nach drei Jaren verschwand er, 
one jemand geschadet zu haben. — In den Grundzügen 
ist in disem mit der Zeit christlich-zahm gewordenen Haus- 
geist Gt)ldemar (dessen ich auch bei dem alten Liederdichter 
Goldener (Minnesinger IV, 715) gedacht habe), der alte 
heidnische Zwergenkonig Goldemar nicht zu verkennen, 
zumal durch Vergleichung mit den verwandten und be- 
kannteren Dichtungen vom König Laurin und Eiberich, 
Alberich (Nibelungenzwerg): zwar nicht mer als Entfürer, 
wie dise drei Zwerge (Eiberich für Ortnit), jedoch 
als Liebhaber der schönen Jungfrau; als Spilmann, als 
Wifsender, Vorkundiger und Unsichtbarer, wie Eiberich 
und Laurin. Zunächst berürt Goldemar sich mit Laurin, 
der Dietleibs von Steier schöne Schwester SImild ent- 
fürt, und in seinem Berge durch Zwerge und Risen gegen 
Dietrich, Dietleib, Witig, Hildebrand und Wolf- 
hart verteidigt, aber besigt, und zuletzt Hofzwerg zu Bern 
wird (welches Ende in der spätem Fortdichtung sich schon 
dem Goldemar nähert). Das vorige Gedicht (x) berürt sich 
mit dem Goldemar insofern, als die von den wilden Heiden 
und Risen, vomämlich durch dieselben fünf Helden befreite 
Königin, in ihrem Berge mit guten, dienenden Zwergen, 
als Dietrichs erste Gemahlin erscheint» 

Der zwar, nach Gewonheit jener Zeit, als dritter sich 



LXyi Yorberieht. 

nennende Dichter Albrecht von Kemenaten ist one 
Zweifel der gleichnamige Dichter, an welchen Rudolf von 
Hohen-Ems im Wilhelm von Orleans und Alexander seine 
Muse, die Frau Abenteuer ebenso verweist, wie an Hein- 
rich von Linau (oben S. LI). Im Wilhelm werden beide 
dicht neben einander gerümt; im Alexander wird zwar 
Albrecht v* K. noch mer hervorgehoben als der weise (er- 
fahrne) Mann, der meisterlich dichten kann (Minnesinger 
lY, 867. 869). So bezeichnet ihn Rudolf schon als einen 
älteren Dichter, zwar gleichzeitigen (um 1250), sowie in 
seiner Nachbarschaft am Bodensee. Denn Albrecht gehOrt 
sicher zu den dortigen Edlen von Kemenaten (auch 
Kemenat), von welchen damals namentlich die Bruder 
Mark ward und Volkmar v. K. in Urkunden vorkom- 
men. Sie waren Kämmerer des letzten Hohenstaufen, Ko- 
nig Konrads des Jungen (Wälsch Konradin), welcher 
in der glücklichen Zeit seines JVIinnegesanges, in der Nähe 
seines trefflichen Vormundes des Bischofs von Konstanz, 
Eberhard Truchsefsen von Waldburg, zu Arbon, auf der 
Burg seiner beiden Kämmerer verweilte. Und unter disen 
wird Volkmar von den Minne- und Meistersingern, Mei- 
ster Fridrich von Sonnenburg als lebender, imd 
von Rumeland von Schwaben nach dem Tode noch 
geprisen; und Meister Kelin, ein farender, dürftiger 
Singer, der klagt, dafs er nicht reitet, sendet ihm nach 
Schwaben (wozu die Deutsche Schweiz damals, und in 
Warheit noch gehört, wie Elsafs) einen Dank für einst bes- 
sere Aufname dort bei ihm, dem er in der Feme drei (nicht 
vorhandene) Loblieder gesungen habe : eins zuWensberg 
(Weinsberg?) und zwei auf dem Sande, d. i. vermutlich in 
Wien auf dem Sande, wo er auch hintrabte.*) Die 
Stammburg dises edlen Geschlechts ist warscheinlich Ke- 
menaten (aus Lat. Caminata, festes Steingemach), jetzo Kem- 



•) Minnesinger IV, 8^ t>49, 76, 708, 716. Die urkundliche Geschidite 
dises ausgebreiteten edlen Geschlechts 650—51. 



Vorbericht. LXVII 

maten, in Tirol, wo Volkmar in vilen früheren Urkunden 
1240 — 75 vorkömmt, zuletzt als (Schwäbischer) Kämmerer. 
Zwar steht auch im Thurgau eine Burg Kemenaten schon 
1165. Arbon kam aber erst durch Volkmars Mutter Mechtild 
an sein Geschlecht, und ward 1282 an den Konstanzer 
Bischof Rudolf (von Habsburg) verkauft, und sind dabei 
Markwards Söhne, Markward und Volkmar genannt. Volk- 
mar hatte auch einen Sohn Markward, der mit ihm und 
Konrad von Schwangau (vermutlich des Minnesingers 
Hildbold Sohn) Konradins Schenkungen 1263 in Wilten 
(Tirol: oben S. XV) bezeugt. Andere Schweizerisch - Schwä- 
bische Spröfslinge dises weitverzweigten Stammes sind nicht 
bekannt, dagegen erstreckt sich sein edler Name früher, wie 
epftt^, aufser Tirol, auch in Oesterreich, Baiem und Franken, 
mit verschiedenen Wappen; und ein He ekel v. K. er- 
scheint noch unter K. Rudolf H als Vcrfafser eines in Wien 
handschriftlichen Gedichts von der Schöpfung, dem Para- 
dis, Sündenfall und Erlösung (Grundr. 455). Den altern 
Dichter dises der Dichtkunst heimischen und den Dich- 
tem gastlichen Hauses, Albrecht v. K., habe ich bisher 
nicht urkundlich aufgefunden, halte ihn jedoch im ganzen 
geschichtlichen Zusammenhange für einen Spröfsling des 
Schweizer -Zweiges. Das von seinem Dietrichs-Liede uns 
Uebrige zeigt auch dafür redende mundartliche Belege, 
wie : Aand für habet, wend für weit, wellet; habint für ha- 
bet; mahtiifa: mähte; tüsenffii^vtÜ8entvL.B,J. Solche Eigen- 
heiten, die kein Reim beweist, können freilich, wie andere 
Laute (waird für ward^ genamen fiir genomen) und Schreib- 
feier, dem spätem Abschreiber zugehören; welcher über- 
difs das von Rudolf gerümte meisterliche Dichten Albrechts 
manigfaltig verderbt hat : obgleich der fiische, kräftige und 
sinnvolle Ausdruck des ritterlichen und volksmäfsigen 
Abenteuerdichters auch in der überhaupt haraischartig 
hemmenden vilglidrigen und kurzzeiligen Strophe sich 
rüstig bewegt und frei durchbricht. 



LXVm Toilieridit 

Xn. Etzels Hofhaltung. 

Von disem bisher nur aus Kaspars TonderRon 
Heldenbuch (Bd. 2 der Deutschen Gedichte des Mittelalters) 
bekannten Gedichte, an welchem wider die alte ein&che 
Altdeutsche Heldenstanze, zwar in der sp&tem achtreimigen 
Ausbildung, erscheint, fand und habe ich einen alten 
Druck, der unerwartet das Tolksm&rsige Fortleben diser 
jungem Dichtung, neben den alten Drucken des Helden- 
buchs und der einzelnen Gedichte Sigenot, Ecke, Sigfrid 
und Laurin, und wol so mancher anderen älteren Helden- 
gedichte, von welchen noch keine alten Drucke bekannt sind, 
beweist. Der bedeutsame allegorische Inhalt wirkte hier 
aber wol mit zur Beliebtheit. Vermutlich kannte Span- 
genberg dises Gedicht auch nur aus dem alten Drucke, 
wenn er im Adelspiegel H, '272** unter mereren Liedern 
des Heldenbuchs als noch vorhanden auch anfurt „von Kö- 
nig Etzel und dem Wunderer." 

Die einzig übrigen Blätter des vorligend buchstäb- 
lich, in gleicher Abteilung und Bezeichnung wideihol- 
ten*) alten Drucks, von welchem ich in der Vorrede 
SU Beta' s Emeuung der Nibelungen (Berlin 1840) kurze 
Nachricht gegeben, sind nun die letzten drei Blätter des 
Gredichts (St. 188 — 255): es hat aber dises Buch nicht etwa 
noch andere Gedichte enthalten ; das ei^bt die Bezeichnung 
der 3 Blätter in kl. 4. durch Eiy £(/» jEiiff, indem bei un- 
ge&r gleichem Zalenverhältnis der feienden 13 Blättern, 
dise wol nicht mer als die feienden 187 Stanzen des 
Credichts enthalten konnten, wobei Titelblatt und Holz- 
schnitte in Anschlag kommen. Dise Holzschnitte fidlen 
in vorligenden drei Blättern an der bemerkten Stelle fiist 
jede halbe Seite, sodafs nur Baum für 4 Stanzen bleibt, 
und nur die dritte Seite, one Bfld, acht Stanzen hat. Die 



*) Keae Dnickfeler sind jedoch: St. ISS keri lor htrr. 193 wider- 
hohes «s. 203 Ernng für Komig. 205 fnmdt fJ^ frimJe. 207 irideiliol- 
«es ne. Dsgegen alte Dnickfcier sind: 200 «•! ftr wit 202 cmcsf 
ftr enem. 201 mmm fikr mm. 208 Mf fikr sie. 



Vorbericht. T.TTX 

Schrift ist durchweg Schwabacher, wie damals gewonlich 
für dergleichen Bücher war. Am Ende steht In der heune 
weiiß» Disehier zuerst und allein vorkommende Benennung 
der Heldenstanze , welche sonst der Hildebrands-Ton 
heifst (vor dem Sigfridsliede. Grundr. 48), nach dem vor 
allen noch spät herab (im 17ten Jarhundert) einzeln und 
beim Sigenot (oben S. XLV) gedrucktem und gesunge- 
nen Hildebrands -Liede (Grundr. 94) bezieht sich wol 
auf die Heunen (Hmne schon bei Gotfrid für Rise, wie 
noch Hüne) und ihre Kämpfe im Rosengarten (Alphart 
n. a., und erklärt zugleich, wie die Meistersänger dieselbe 
achtreimige Stanze, mit ihrer Sangweise, als die Hön- 
weise Eschenbachs auffüren konnten (Minnesinger IV, 
230, 921), mit Erinnerung an sein hönisches Singen im 
Wartburgkriege. — Hierauf folgt noch die Unterschrift des 
alten Druckers: C Oedmckt %u ErffUrdt durch Matthes Maler 
hn M. ccccc vrmd xviij. iar* 

und darunter auch ein die halbe Seite füllender Holzschnitt 
mit seinem Druckerzeichen : ein Löwe hat einen Schild um 
den Hals und hält ihn mit den Klauen, in welchem ein 
doppeltes M, aufrecht und verkert, in einander verschlun- 
gen, und ein Kreuz mitten darüber steht, die beiden An- 
fangsbuchstaben des Namens. Ein Spruchband schlingt sich 
rings nm den Löwen und den Schild, und die Schrift 
darin lautet Mathes Maler de Erffordia. 

Die starke Uebereinstimmung mit Kaspars von der 
Ron Urschrift, Stanze für Stanze, meist wörtlich, selbst 
in Feiern, läfst ein nahes Verhältnis des alten Druckes zu 
ihm annemen, wenn auch kein unmittelbares; denn manch- 
mal weichen, zumal die hinteren Stanzenhälflen, auch im 
Reime ab, und haben selbst befsere Lesarten (St. 189. 
195, 196, 202, 209, 210, 215), obgleich wider eigene Feier. 

Es whd zwar (St. 211. 212) eine ältere Urkunde des 
Gedichts angegeben, aber dafselbe verraten auch Sprache und 
die feierhaften Reime als ein jüngeres, wenngleich es dem 
Kaspar selber nicht angehören mag. Die ganze Dichtung 



LXX Vorbericht. 

überliaiipt greift nicht tief in den alten heimisclien Sagen- 
kreis ein, obgleich sie dessen breite Grundlage geschickt 
benutzt, und erscheint als ein späterer Widerschein aus 
demselben, mit Wälschen Erinnerungen. Etzels Hofhal- 
tung wird anfangs ausdrücklich mit Artus Hof verglichen, 
wo sich gewönlich die Abenteuer durch Ankunft eines not- 
bedrängten Fräuleins einleiten. Die leibliche Verdichtung 
abgezogener Begriffe ist auch mehr spät imd fremd: wie 
die Frau Abenteure, die Romanische Muse; und Frau 
Minne wechselt mit Frau Venus. Die Handlung, der 
sonst nicht Entsprechendes vorkommt, ist zum Teil Wider- 
holung aus dem Ecke (Vni), wo dessen Bruder Fasold 
ebenso eine Jungfrau mit Hunden hetzt, imd Dietrich sie 
befreit. Es ist hier freilich der wilde Wunderer, der 
böse Wundertäter, Zauberer, Teufel, gegenüber der Frau 
Saide (Glückseligkeit, Heil), welche zwar die Tochter des 
Königs von Morenland und Schwester zweier Brüder, 
deren einer Menschenfrefser ist, wieder Wunderer siefrefsen 
will, die aber von Gott so hoch begabt ist, und in ihres waren 
Vaters Land, zu Gott, heimkert, nachdem sie ihren Better 
Dietrich belont hat. So trägt alles eine höhere Bedeutimg 
in nächstem Bezug auf Dietrich, auf dessen Verherr- 
lichung das Ganze angelegt ist. Auch dises ist wider die 
erste Heldentat des löjärigen Jünglings, aber nicht um 
eine irdische Jungfrau oder Braut, sondern er ist der Aus- 
erwälte einer gottgesandten Himmelsbotin , vor allen Hel- 
den des Hofes, selbst vor dem ebenso tapfem als ofiilden 
Rüdiger, Königsöhne von Mailand (im Biterolf von 
Toledo), und Dietrich empfängt durch sie die Weihe seines 
unbesiglichen Heldenlebens in rastlosem Streite mit Recken, 
Heiden, Risen imd Ungetümen aller Art, wie schon das vor 
allen hievon erfüllte Gedicht (IX) ihm solchen Segen der Frau 
Saide zuteilt. Dise Kämpfe sind das Vorbild und Vorspil 
derselben über den Tod hinaus, vibner ohne Tod, bis ans 
Ende der Tage. Solches weifs allein dises Gedicht und die 
Mörin des mit Kaspar gleichzeitigen Hermann von 



Vorbericht. LXXI 

Sachsenlieim, mit gleichem Reime, dafs er in der Wüste 
täglich mit (drei) Wurmen streiten müfse. Vorligendes Ge- 
dicht gibt noch den Grund an : weil Dietrich zu Bern sich 
mit Bede gegen Gott vergangen, habe ein teuflisches Ross 
ihn in die Wüste gefürt; was die Dietrichs -Saga ge- 
schichtlich durch seine Arianische Ketzerei erklärt, als 
er zuletzt Kaiser in Rom war; worauf vollends die feind- 
seligen katholischen Erdichtungen, zumal in Wälschland, ihn 
vom Teufel in den Feuerberg, zur Hölle, holen läfsen. Da- 
gegen fügt Kaspars Gedicht den Trost hinzu, dafs Gott 
den Helden einst (am jüngsten Tage) aus der (Höllen-) 
Pein heKen werde. (St. 130 — 33), Die alte Vorrede des 
Heldenbuchs läfst den Teufel ganz aus dem Spile: ein 
Zwerglein habe zuletzt den Bemer mit dem erhabenen Bibel- 
spruche, sein Reich sei nicht mer von diser Welt, hinweg- 
gqfürt, man wifse nicht, wohin, und ob er noch lebe; am 
selben Tage seien auch alle Helden erschlagen (durch ein- 
ander, heifst es vorher); auch glaube man, der treue 
Eckard sitze vor Frau Venus Berg bis zum jüngsten 
Tage (Ö19 — 32). Das versteht sich, der treue Eckard warnt 
dort, wie schon in den Nibelungen Eckeward vor Grim- 
hildens Blut-Hochzeit, deren Vorspil ihre Hochzeit im Ro- 
sengarten ist. Namentlich näher steht der Venusberg in 
dem Tannhäuserlied, xmd der Venusberg der Mörin, worin 
auch Grimhild und Brunhild bedeutsam auftreten und 
Eckard warnt. Noch allgemeiner schreitet in den Sagen 
von der wilden Jagd der langbärtige Eckard mit weifsem 
Stabe voran: dises wütende Heer aber ist ursprünglich 
Wodans Heer, die von Wodan durch den Tod auf der 
Wal-Statt (Schlachtfeld) nach Wal-Hall geladenen 
Einherien (Alleinkämpfende beim Zweikampfe), welche 
dort, in ewigen Festen, bei den Wal-kyrien (zum Tode 
kürenden streitbaren Jungfrauen) mit Odin-Wodan zum 
unaufhörlichen Streite aus- und einziehen, bis zur Götter- 
dämmenmg, d. i. Untergang imd geläuterte Erneuung 
der Welt. — Der Schlufs des vorligenden alten Druckes 



LXXn Vorbericht 

hebt, abweichend von Kaspars Handschrift 5 nochmals her- 
vor, dafs Dietrich fortwärend mit Wurmen streite, und von 
allen Helden allein noch lebe. Und so darf man wol noch 
hinzusagen, dafs Dietrich, den Frau Saide als den grosten 
Helden erkennt, der in der Dichtung imsterbliche Held und 
Kaiser, fortlebe, wie Etzel im Nibelungenhort-Berge, Artus 
mit den Grales-Eittem in Avalen, Karl der Grofse im 
Unterberge , Fridrich Barbarofsa im KifEhäuser, die drei 
Teile im Grütli u. a., und dafs er, wie dise, einst in der 
grösten Not als Trost und Hort seines Volkes wider hervor- 
gehn werde. 

Weitere , besonders geschichtliche Erläuterungen dises 
Gedichts habe ich gegeben in der Sammlung für Alt- 
deutsche Literatur und Kunst (Breslau 1814, als Fort- 
setzung des mit Büsching, Docen und Hundshagen 
1809—11 in Berlin herausgegebenen Museums). Auszüge 
geben die Heldenbilder 105 — 9, und Gödeke Mittelalter 530. 
XTTT. Ermenrichs Tod. 

Dises erst neulich nur aus altem Drucke zum Vor- 
schein gekommene Heldenlied ist auch merkwürdig durch 
die zumal in disem Gebiete so selten vorkommende Nid er- 
deutsche Sprache, in welcher auch unlängst erst Si- 
genot, Sigfrid und L aurin entdeckt sind, freilich nur 
als sichtliche Uebersetzung der vil älteren Hoch- 
deutschen Gedichte.*) Eine solche Hochdeutsche Ur- 
kunde ist jedoch bei dem Ermenrichsliede nicht aufzuweisen, 
imd es liefse sich eine Niderdeutsche Ueberlieferung wol 
annemen, da wir in Norddeutschland dise Heldensage früh 
im Gange finden. Abgesehen von den Altnordischen 
und Angelsächsischen Liedern, sind da: das Altsäch- 
sische Hildebrandslied (villeicht aus Karl d. Grofsen 



*) Dm von Scheller 1831 angekündigte Altniderdentsche Ni- 
belungenlied ist handgreiflich Machwerk, welches nicht über den bei- 
gcfflgicn Anfang hinauskam. Anders verhält es sich dagegen mit des 
Prof. Bcrrui^e zu Gent Altniderl&ndischen Pergamentblättem einer 
UebertmgUDg der Nibelungen. Germania I (1836), 339. 



Vorbericht. LXXIII 

Sammlung); dann, im 12 — 14. Jarhundert, das inJütland ^ ^ 

zur Warnung gesungene Lied des Sächsischen Sängers ^ 
von Grimhilds Bluthochzeit; die manigfaltigen Sächsi- 
schen Sagen, Lieder und andere Denkmale , auf welche 
die Dietrichs-Saga (Wilkina- und Niflunga-Saga) sich be- 
rufL Femer auch die bedeutende Reihe Altdänischer 
Heldenlieder von (Wolfdietrich,) Dietrich von Bern, seinen 
Helden, vomämlich dem nordheimischen Witig, Wie- 
lands Son, von Sigfrids Tod, und merfach von der Ni- 
belungen-Not: welche Lieder erkennbar zunächst aus Nid er- 
deutscher üeberliferung hervorgegangen sind, obgleich 
mit Einwirkung der eigentümlich Altnordischen Dar- 
stellung, dergleichen die Dietrichs-Saga ausdi*ücklich unter- 
scheidet; sowie selbst jene (die Edda-Lieder von den Nibe- 
lungen) bei Sigfrids Tod auf verschiedene Deutsche Sagen 
sich berufen. Die Färuer-Lieder dagegen, von Sigfrid, Grim- j^. xc, 
hild, Nibelungen-Not u. s. w., welche allein dort noch leben, 
gesimgen und getanzt werden, sind zunächst mit der Be- 
völkerung von Island ausgegangen, wenn auch später 
Dänisch-Deutsches eingewirkt hat. Bisher sind zwar durch- 
aus keine ursprünglich Niderdeutsche, das Fortleben diser 
Dichtungen auch dort bezeugende Urkunden gefunden, und 
das vorligende Ermenrichslied hat, wie die genannten 
drei unzweiflichen Uebersetzungen aus dem Hochdeutschen, 
die entstellten Namen, die verwarloste Sprache, Unreime 
und fast Auflösung der alten gebildeten Heldenstanze meist 
in ungegliderten überlangen Reimzeilen: zu dergleichen 
„Streckversen** die Niderdeutsche Dichtkunst von jeher pro- 
saische Neigung zeigt. Indessen hat, gerade weil in disem 
Liede die Verderbnis in aller Hinsicht weit gröfser ist, und 
dabei der Reim holt: olt (St. 5) nur Niderdeutsch , nicht 
Hochdeutsch (stolz: alt) reimt, diser spätere volksmäfsige 
Druck die schon längerher lebendig verändernde Nider- 
deutsche üeberliferung für sich. Dafür spricht auch der 
eigentümliche Inhalt, und dafs es kein Hochdeutsches Lied 
davon gibt, wie von dem zunächst stehenden Hildebrands- 



LXXIV Vorberichft. 

liedc, dessen Inhalt schon im 9 — 10. Jarhundert Alts&ch- 
sisches Allitterations-Lied war, ausNiderdeutschland 
in die Dietrichs - Saga überging, aus einem der vilen alten 
Hochdeutschen Drucke (welche auch mit alter Sang- 
weise bis in die neuste Zeit manigüaltig erneut sind) ins Dä- 
nische übertragen ist (A. S.VedelsKämpeviser-Samndung 
1695. I, 10), ebenso Altniderländisch (Brüssel 1425. 
Uhland Altd. Volkslieder S. 1013), und vermutlich auch 
Niderdeutsch vorhanden ist. Wenigstens bemerkt der 
Entdecker des Ermenrichsliedes, K. Gödeke, zu demsel- 
ben (S. 3), er kenne „Niderdeutsche AufiGEtfsungen der Lieder 
von Sigenot, hörnen Sigfrit, könink Lorin (die obigen 
drei), van dem olden Hillebrant und andere » die 
zwar nur Hochdeutsche zu widerholen scheinen, ebensowohl 
aber auch die ursprünglichen sein können.^^ 

Beide Lieder, das Hochdeutsche von Hildebrand und 
das Niderdeutsche von Ermenrich, in ihrer kurzen volks- 
mäfsigen Fafsung , jedes als ein kleines Ganzes, zumal daf 
noch mehr abgerundete Hildebrandslied in seinem mehi 
als tausendjärig fortwandemden Leben, dienen vor allen 
als Beispile von den ältesten Heldenliedern der Yolkssänger 
und des Volkes, auf welchen fortdichtend die ritterlichen 
Aventüren- Dichter ihre gröfseren Helden- und Bitterge- 
dichte hervorbildeten, und neue Abenteuer zum weiteren 
Ganzen verbanden, bis zum Abschlufse des alten Sagen- 
kreises. Widerum wurden dise gröfseren Gedichte dann 
auch wol manigfaltig verkürzt, und so ihren ursprünglichen 
Quellen wider genähert; wie namentlich Kaspars von 
der Bon Heldenbuch im 15. Jarhundert in den meisten 
Stücken bewärt, von denen nur das kürzeste, eben das 
Hildebrandslied etwas verlängert ist. 

Der Inhalt des Ermenrichsliedes, zwar nicht ander- 
weitig bestimmt nachzuweisen, beruht jedoch, wie das Hilde- 
brandslied, nach der Nibelungennot, auf den fortwärenden 
Kriegen zwischen Dietrich und seinem Oheim Ermenrich, 
dessen treulosen Batgeber Sibich das älteste Hildebrandslied 



Vorbericht. LXXV 

Otacher (Odoaker) nennt. Umständlich erzälen dise 
früheren Kriege die grofsen Gedichte von Dietrichs Flucht 
(vor Ermenrich) zu den Heunen, und von der Bavenna- 
8chIacht(V), das Alphartslied(VI), und die Dietrichs- 
Saga; die letzte allein erzält die letzten Krige, welche die 
alte Vorrede des Heldenbuohs auch kurz . andeutet. Frei- 
lich ist Ermenrichs Tod dort anders, als hier, indem er sich 
auf Sibichs Bacherath das übermäfsige Fett von den Ge- 
därmen winden läfst; und wider anders wird er in den 
Eddaliedern von den Nibelungen von Gudruns (Grim- 
hilds)Sönen im Bette erschlagen, zur Bache der Schwester 
Swanhild (Sigfrids Tochter), welche er von Bossen zer- 
treten liefs, was auch die Gothische Geschichte und Sage 
noch anders weifs. Unser Lied, das ihn misverständlich 
König von Erment-, Arment-Beich in Frankreich 
nennt, läfst ihn von Dietrich, für den und dessen Helden er 
schon einen Galgen errichtet hatte, erschlagen, in seiner Burg 
Freysack. Die letzte klingt an Breisach, wo Ermen- 
rich die beiden Harlungen, seine Brudersöhne und des 
treuen Eckards Pfleglinge, hängen liefs, wie in der Edda 
seinen Sohn, beides auch auf Sibichs treulosen Bat. Frei- 
lich liegt Friesach in Kärnten näher an Bern. Aber 
Bern (wie auch Bonn heifst) ist auch hier schon so unbe- 
stimmt nach Norden gerückt, wie Etzelnburg in der 
Dietrichs - Saga nach Soest, in anderen Deutschen Sagen 
nach Eisenach, und in den Dänischen Liedern auf das 
Eiland Hven (als Huna^landh in der Edda nach Nor- 
wegen, wie Ermenrich an die Ostsee. Und so ist im Ni- 
derdeutschen Liede villeicht zunächst gar an unser Mär- 
kisches Frisack bei Bhinow gedacht. Auf Ermenrichs 
Seite ist Beinald von Mailand ganz kenntlich; die 
zwölf Dietrichshelden sind aber meist so entstellt, wie 
Hildebrands Frau Ute villeicht in van der Tynnen (4). 
Es sind auch hier, wie in den Deutschen (oben S. LX) und 
Dänischen Gedichten, die fast sich fern, ja feindlich stehen- 
den Helden, worunter der für drei Helden widerkerende 



LXXYI Voriierieht. 

Name Wulfram-Diderik wol einmal durch das Beiwort 
„der rasende" auf „den wütenden, Streites nie satten" Wolf- 
hart zu deuten, die anderen beiden jedoch schwerlich auf 
die Wülfingen Wolfbrand und Wolfwin (in den Nibe- 
lungen), sondern eher durch die in der Dichtung, wie selbst 
in der Geschichte, vorkommende Verschmelzung imd- Ver- 
wechslung der verschiedenen GothischenDietriche, Theo- 
doriche. Wolfdietrichs Lindwurmkampf und Vermäh- 
lung mit Hertnits (Ortnits) Witwe Isold erzftlt die Die- 
trichs-Saga eben von Dietrich, nach seiner zweiten Frau 
Herrat Tod (als Ergänzung in der neuen Ausgabe meiner 
Ucbersetzung Kap. 382 — 88); imd ebenso besingt den Lind- 
wurmstreit eins der Altdänischen Heldenlieder (bei Vedel 
I, 13), welches, anstatt Ortnits, König SIgfriden nennt, 
der, laut des Gedichts von Dietrichs Ahnen, Ortnits Schwe- 
sterson ist. Der dritte Dietrich wäre Wolfdietrichs Vater, 
Hug-Dietrich (IV). Hildebrand wird hier noch der 
junge genannt, wie in der alten Vorrede des Heldenbuchs 
eben für die ältere Zeit Wolfdietrichs (245). Der zwischen 
den drei Wolfdietrichen genannte Isaak ist wol Ilsan, 
Hildebrands Bruder. König Blödelln ist der bekannte, 
wie In IX, hier nur noch bedeutsam hervorgehoben, mit 
"drei*) Spannen weit von einander stehenden Wimpern, der 
als zwölfter Held geholt wird und das Beste thut Lumr 
merth uth dem garden ist Amelold von Garten, Hilde- 
brands Schwestermann, Wolfharts und Alpharts Vater. 
Hardenacke mit dem barde mag Eckhard sein, der mit 
langem weifsem Barte dem wütenden Heere warnend vor- 
anschreitet. Hoernhick mit seinem hörnen Bogen ist Hörn - 
böge. In der Dietrichs-Saga (K. 157) einer der 12 Helden 
Dietrichs. In ein Degen steckt villelcht Herdegen, in 



*) Samson, Dietrichs Ahnherr , hat nur eine Spanne dazwischen. 
Sigfrids Speer ist 3 Spannen breit (auch in den Nibelungen). Laut der 
Dietrichssaga (K. 149) berürt Sigfrids Schwertspitze die Aeren, wenn er 
durch ein Kornfeld geht. 



Vorbericht. LXXVII 

der Dietrichs-Saga (K. 209) Dietrichs Schwestermann und 
Vater Sintrams, der zu Dietrichs 12 Helden gehört, aber 
einen Lindwurm im Schilde fürt (weil erEentwin, Sohn 
Hei f ri ch s in IX ist). Einen Löwen*) füren von den 12 Hel- 
den nur noch Ecke und Faso Id. Dietrichs broder van 
der tigere ist Dietleib von St ei er (wie in IX), welchen 
der Anklang an Diether zu seinem Bruder gemacht hat. 
Dises merkwürdige Lied entdeckte A. Gödeke in 
Hanover, der seinem vorzüglichen Handbuch der neuem 
Deutschen Litteratur durch „Das Mittelalter. Darstellung 
der deutschen Literatur des Mittelalters" (1852) die ge- 
hörige Grundlage gab; er machte dafselbe mit J. Grimms 
Schreiben darüber 1851 bekannt, und gab davon im Mittel- 
alter (S. 157 — 62) einen Auszug und Zusammenstellung der 
übrigen Sagen von Ermenrichs Tod. Der einzige alte Druck 
ist nur Ueberbleibsel einer gröfseren Sammlung, und zu 
Hamburg oder Magdeburg um 1560, zwar als fliegendes 
Blatt i 8 Seiten klein 8. gedruckt, aber mit der Bogenbe- 
zeichnung F, und das Vorangehende auch durch dieUeber- 
sclnift andeutend : Twelede volgenl C Bat erste vanDifickI 
van dem Beme / wo he sUff twölffte / den Köninck von Ar^ 
mentriken^ mit veerde j halff Hundert Man I up synem ejgen 
State^vmmegebrachtlhefft^ C Datander^ Van Junker Baltzer. 
Neben dem Holzschnitt auf der Titelseite steht, von oben 
nach unten gedruckt: M eyns Mans Werken erschint wol 
wat man em verdau vortruven schal. Die Stanzen sind ab- 
gesetzt, die Beimzeilen fortlaufend gedrückt. Gödeke's 
buchstftblicher Abdruck hat auch dise Langzeilen abgesetzt. 
Er widerholt zugleich das Lied vom Junker Baltzer, dessen 
Landsknechtzug für den Dänenkönig (Christian II) über 
Holland nach Norwegen (1531), gesungen vom Landsknecht 
Meinrt vam Hamme, indem Störtebekers-Ton, der 



*) drier Louwen modl : gudl (St. 1 G) versteht villolcht das Nidcrdcutsche 
modf mud für Mund: als drei Löwenrachen , wie solche Sevelingen im 
Schilde fftrt Minncsingor, IV, 157. Anch in der Weingarter Handschrift 



Lxxvm 



auf einem Liede von 1564 auch nach disem Junker Bolzer 
benannt wircL Ich wiiierhole g^enoa Gudeke*s Abdrack, 
und habe hier aach seine und J. Grimour Anmerkungen 
beachtet 



So dnrchmifat Toriigendes Heldenbach buet den ganzen 
groTsen Kreia deasdben, Ton Dietrichs Ahnherrn Wolf- 
dietrieh bis auf Ennenrichs Tod, nach welriiem bald aach 
das Ende der wenigen noch tifarigen Helden, Hildebnuidy 
Heime, Witig folgt, mid Dktrichd Venchwmden den Kieis 
abachliefat, dessen Epigonen nur noch zn Worms (in der 
Klage) und m Etzels Ende beim Nibduigenliort (in der 
Dietriehs-Saga) Toitreten. Zu disem Heldenbuche gdiuien 
aber auch die IKchtongen von Orendel, Morolf und 6a- 
drun, obwol, bei wenig Berünmg mit demAmdangen-Ni- 
belangen«Kreis, in eigenen kleinen Kreisen sich bew^end, 
jedoch TonhcdierBedentong, TtNniimlich Gadnm. Dise^ wie 
der ftltere Beowalf, besonders nnr Niderdeotsch nnd Nor- 
disch erscheinende Dichtung, Terdient w(d, nach den bei- 
den Zergliderungen durch das kritische MeTser (S. XXXH), 
eine neue verbefserte Ausgabe des ersten Yersudis einer 
HersteHung aus später einziger Handschrift Ton A. Zie- 
mann (1835). Dergleichen versuchten A.J.Vollmer (1843) 
und T« Plön nies (1853) zugleich mit Emeuung, wie schon 
Oervinus in Hexametern (1836), San-Marte (A.Schulz) 
nach Art der Frithiofsaga (1839), A. Keller (1840) und 
Simrock gaben. Von Morolf, der nach dem Morgenlande 
hinweist, soll, mit Hülfe zweier seit meinem Abdruck in den 
Deut Ged. des, M. A. Bd. 1 (1808) mir bekannt gewor- 
dener Handschriften und des in Gotha und Berlin yollstftn- 
digen alten Drucks (1499 Strafsburg, Hupfuf), eine Ans* 
gäbe und Herstellung der übersehenen, eigenen vierreimigen 
Stanze erfolgen. Der Orendel, womit die alte Vorrede des 
Ileldenbuchs, als dem ältesten Helden, anhebt, oder das Ge- 
dicht von Christi ungenähtem grauem Bock, welcher 
m Helden unverwundbar macht, wie den Wolfdietrich 



Vorbericht. LXXIX 

sein Panzerhemde, St. G e o r g e n - H e m d, bildet zugleich die 
älteste, noch mythische Grundlage des letzten, schon mer 
der Geschichte angehorigen Sagenkreises der Kreuz- 
züge, aus welchem wir nur noch das Heldengedicht von der 
Belagerung Akkon s 1190 vom Landgrafen Ludwig dem 
Frommen (V) haben. Von dem letzten Gedicht habe ich neu- 
lich (1854) einen Abdruck der einzigen Wiener Handschrift 
herausgegeben; sowie schon 1844, zur Jubelfeier des hei- 
ligen Rockes, denOrendel aus der einzigen Strafsburger Hand- 
schrift und meinem alten Druck (1512), im Verlage undDruk- 
kerei dises Heldenbüchs, und in gleicher Druckeinrichtung 
und Behandlung, sodafs er sich völlig als ein Teil desselben 
anschliefst. Erneut von Simrock, und P. Laven 1845. 

Aufserdem kommen aber noch folgende, in den ältesten 
Sagenkreis einschlagende alte Gedichte in Betracht, deren 
eine handschriftliche Sammlung von 1476 folgende enthält ; 
Örtnit, Hug- und Wolfdietrich des alten Drucks; 
den grofsen Koseijgarten zu Worms (meines Helden- 
büchs 1820); und den Morolf. 

1) König Rother (Grundr. 5), von welchem ich 
Tiecks eigenhändige Abschrift der einzigen Handschrift des 
12ten Jarhunderts im Vatikan, seitdem dise wider in Heidel- 
berg ist, daraus berichtigt habe in meinem Abdruck (1808) ; 
was schon Wilkens Verzeichnis 401 anfing, auch Mafsmann 
vollständig ausfürte, der dann (1837) einen neuen Abdruck 
liferte. Beigefügt ist das etwas jüngere Pergamentblatt 
V. Arnswaldts zu Hanover, welches, in den regelmäfsi- 
gen Reimparen, den^Schlufs ergänzt. Ein andres Bruchstück 
zu Baden im Argau gibt Graff Diutiska H, 376. 
Beide widerholt Mafsmann. 2) Ortnit, Hug- u. Wolf- 
dietrich der letzten Bearbeitung vor dem alten Druck 
(Grundr. 6). Zu den sämmtlichen Papirhandschriften in 
Strafsburg, Heidelberg (zwei), Frankfurt (von Dr. 
Thomas beschiaben, in dem von mir besorgten Jahrg. 1813 
von Gräters Iduna) kömmt noch die obige von 1476, 
und die Oehringer des Hug- und Wolfdietrich vor 



LXXX Vorboricht 

1434, aus welcher P. F. Oechsle 1834 einen Abdruck 
des Hugdietrich gab. Von den angeblichen Hand- 
schriften in Eegensburg und Darmstadt erhellt nichts 
mer. Mone's Ausgabe des Ortnit, nach den beiden 
Heidelberger, und Strafsburger Handschriften, hat die 
Deutsche Gesellschaft hier in Berlin zum Drucke be- 
fördert, 1816. Erneut und hergestellt aus der er- 
sten Strafsburger Handschrift habe ich den Hugdie- 
trich, in dem von Groote zu Köln 1816 herausge- 
gebenen „Taschenbuch für Freunde Altdeutscher Zeit und 
Kunst." Auszüge: Alte Vorrede des Hb. 141—233; Hel- 
denbUder 61 — 102; Gödeke Mittelalter 430. 463. 486, 
aus dem alten Druck. Von der ersten Ausgabe di- 
ses mit den Handschriften gleich alten Druckes, o. J. u. O. 
Fol. (Augsburg, Zainer?) welcher auch die Vorrede, den Eo- 
sengarten und Laurin enthält, ist, aufser dem Göttinger Exem- 
plar, und meinem Bruchstück (welches jetzo Beinling in 
Breslau hat), das schöüste Exemplar, mit Naglers Samm- 
lung in der Berliner Bibliothek, eins auch in Darmstadt, 
und habe ichBrentano's Exemplar aus der Versteigerung 
seiner Bücher hier schon 1817 hoch erstanden. Von der 
nächsten Ausgabe, vor denen von 1509, 1547, 1560, 1590 
(in 4.), fand ich 1823 in München das einzige bekannte 
Exemplar: 1491. Augsburg, Schönsperger, FoLmit 
Holzschn., die aus der ersten Ausgabe verkleinert sind, wie 
in der vUleicht auch Augsburger Ausgabe von 1545. Die 
angebliche Ausgabe von 1579 (Grundr. 18) habe ich nun 
als die von 1560 erkannt. 3) Eosengartenlieder 
(Grundr. 54). Zu dem erst 1820 in meiner Samndung 
gedruckten Liede gehören : die obige Handschrift von 1476, 
die Berliner (Meusebachs) 19 Papirbl. des 15ten Jarh., und 
eine kürzere Frankfurter (des Dr. Klofs: wo jetzo?). 
Zum alten Druck, one Etzels Zug nach Bern, gehört die 
von Docen angezeigte Hds. von 1453 (Bair. Int.-Bl. 1802, 
Nr. 7); es ist die Hoheneigner sehe, und nach Waller- 
stein gekommen. — Eine hinter dem Kaiserrecht stehende 



Vorbericht. LXXXI 

Handschrift v. 1456 besafs T.O.W ei gel in Leipzig, und ist 
1855 dort versteigert (wojetzo?) „durchaus vonW. Grimms 
Ausgabe (1836) abweichend". — Meine Erneuung und 
Herstellung aus der Dresdner und Münchner Hds. s. jb „der 
Helden Buch" (1811), und Kaspars v. d. Ron verkürzte 
Umarbeitung in „der Helden Buch in der Ursprache" H 
(1825). — Ueberbleibsel einer Niderländischen ganz 
freien Verarbeitung, wie aus dem Gedächtnis, aus einer 
gräflich Schönbornischen Hds. in Pommersfelden von 1470, 
der Anfang, durch L.K. Bethmann in Haupts Zeitschr.V 
(1845), 369. — Den in der Dietrichs-Saga entsprechenden 
Zwölfkampf s. oben S. LX. Aenliche Kämpfe in den 
Dänischen „Kämpeviser". — Bemerkenswert ist auch von 
allen den Eosengartenliedern keine Pergamenthandschrift 
gefunden. Das Münchner Bruchstück soll aus dem 14teu 
Jarh* sein. — 4) Von Laurin (Grundr. 64) sind dagegen 
mehre Pergamenthandschr. da: aufser der Kopenhagener 
mit der Fortsetzung, 4 Blätter in 12«, die ich in Breslau 
von T. Heinze habe (Jdima 1812). Eine Pergament- 
handschr. war zu Freiburg, aus deren Abschrift v. 1753 
der Prof. L. Ettmüller den ^,Luarin" gab (1829). Ein 
Papirblatt in 12. habe ich von Grat er. Von einer itm 
die Hälfte kürzern Bearbeitung sind zwei Papirhand-^ 
Schriften in Wien, welche mir Schottky abgeschrihen hat. 
Zu disen gehören, aufser der Freiburger, alle genannte Ur- 
kunden, auch eine Eegensburger (Mone's Anzeiger 1838, 
Sp. 493), welche Dr. F. Roth abschrieb, sowie des Dr. 
Klofs in FrankAirt a. M. Papirhandschrift (darin auch das 
Kosengartenlied), und das von Docen angezeigte und von 
A* Koth 1845 gedruckte Münchner Bruchstück. Ebenso 
sind alle folgende Bearbeitungen daraus hervorgegangen und 
gehören dahin auch die von Lazius aus seiner Nibelun- 
genhandschrifb angefürten Stellen (Grundr* 98). Kaspars 
V. d. Ron verkürzte Umarbeitung in der achtreimigen Stanze 
stecht in „der Helden Buch in der Ursprache" H (1825). 



LXXXII Vorbericht. 

Aus dem alten Drucke des Heldenbuchs, mit dessen weitem 
Ausdehnung nur die Strafsburger u. Freibiufger Handschrift 
stimmen, ist allein dises sich dem meisterlichen Heinrich 
von Ofterdingen auch in der kurzem Gestalt zuschrei- 
bende Gedicht einzeln gedruckt: 1500, Strafsburg, 
Hüpfuff, in 4, habe ich von Dr. Thomas in Frankfurt 
a* M.; dann 1509, Strafsburg, in 4 (Panzers Anal. Zus.), 
gleichjärig mit dem Hagenauer Heldenbuch. Die Nürn- 
berger Ausgabe und den alten Druck der Niderdeut- 
schen Uebertragung s. oben S. XLHI. — Das noch 
gangbare Dänische Volksbuch, auch in Reimparen, 1701 
ff, (Grundr» 62), ist aus dem kürzern Gedichte, sehr abge- 
kürzt. Nyerup widerholt es in seinem Dänischen Werk 
über die Dänischen Volksbücher (1816) S. 66 — 84. Er fand 
in Stockholm eine ältere und befsere Papirhandschrift 
des 15ten oder 16ten Jarh. Vgl. Thiele Dan. Volksb. — • 
Kaspars v. d. Kon Umschmelzung des kurzem Laurin 
in die achtreimige Stanze steht in „der Helden Buch in der 
Ursprache" H (1825). Tiecks Emeuung derselben für 
das erneute Heldenbuch 8, oben S, XI. Neuste freie 
Bearbeitung des Laurin von P. Bäfsler. Eine voll- 
ständige Ausgabe, zu welcher ich alles was ich ha- 
be mitgeteilt, ist von F. Roth zu erwarten. — ^]L§ijg* 
fridslied im Hildebrands - Ton (des Hildebrandslie- 
des). Zu den beiden einzigen Abdrücken der Ausgaben: 
Nürnberg, Wächter, o.J, (uml545) welche ich jetzt auch 
habe, und 1585, o. O. (Grundr. 65), beide widerholt in „der 
Helden Buch in der Ursprache" I (1820), kommen nun 
noch: 1591, o. O., aus des SchulIeBt-ers Blenz Nachlafs, 
dann des Prof. Heyse Samml. hier, in^der Königl. Bibl. 
Noch eine spätereAusgabefandW.Wackernagel: Basel, 
1594 (dessen D. Litt. Gesch.208). Die Ausgabe von Frank- 
furt a. M., o. J. (ein Holzschn. hat die Jarzal 1538), und 
die Nider deutsche Ausgabe: Hamburg, Lowj o. J.(um 
1545), sind schon S. XLHI angefurt. Gödeke hat Ab- 



Vorbericht. LXXXni 

Schrift der letzten, und vergleicht sie in seinem Auszuge 
(Mittelalter 549), bestätigt jedoch die Uebersetzung 
durch stehn geblibene nur Hochdeutsche Eeime. Die 
Liesarten erklären sich durch gewis noch vil andere alte 
Drucke, wie aus den Holzschnitten z. B. des Heldenbuchs 
1560 erhellt (Grundr. 51), und dergleichen Fischart, 
Hans Sachs, Goldast, Spangenberg (Adelspiegel 
11,272) hatten^ — Das Prosa- Volksbuch, das einzige noch 
lebende dises Kreises, scheint zunächst aus dem Nider- 
deutschen, oder doch von einem Niderdeutschen aufge- 
löst (es hat Teige für Zweige); vorgeblich ist es aus dorn 
Französischen übersetzt (wie freilich Florigunde für 
Grimfild, und die Fortsetzung, das Turnei, aus einem 
der genannten Volksromane). Koch (H, 246) setzt es 
ins I7te Jarh. ; die älteste bekannte Ausgabe ist eine 
Braunschweiger, 1726 (Reichard KomanbibL, Bd. 20, 
S. 29 u* f.). — Der Meistergesang vom h. Sigfrid 
ward zu Worms gesungen, wie ich aus J. Starizii 
Heldenschatz (1648, o. O.) in Büscbings wöchentL Nachr. 
I, 5) gewisen; sowie die bildlichen und baulichen Sig- 
frids-Denkmäler zu Worms aus Quaden von Kinkel- 
bach Deutscher Nation Herrlichkeit (1609), in Jduna 1815, 
und aus Fr eh er orig. Palat. (1612) in der Einleitung zu 
den Edda-Liedern (1812). Am letzten Ort ist auch Ver- 
gleichung der Altnordischen mit der Deutschen Dichtung, 
und Dietrich-Saga, sowie bei diser in Müllers SagabibL 
n, 209. Tiecks beide Romanzen von Sigfrids Jugend und 
Liindwurmsig berüren auch dise Nordischen Darstellun- 
gen. — Das Altdänische Lied von Sigfrids Tod, das ich 
in Büschings Erzälungen etc. (1614) übersetzt habe aus 
(Vedels) nur in Einem Abdruck übrigen „Tragica" 1657 (den 
Nyerup mir sandte) gehört als Vorderteil zu den Dan. 
Liedern von Grimhild (oben S.LXXIH), wie imNibelun- 
genlied. — Neure Darstellungen der Sigfrids-Sage in Prosa 
sind von A. Schwab^ u. von G. Görres, mit Bildern von 



LXXXIV Vorbericht. 

Kaulbach. — 6) Walther. Das in Wien vermtitete 
Gedicht (Gnindr. 71) hat Schottky dort als Hart- 
manns Gregor (Grundr. 231) befunden (Büschigs w5- 
chenth Nachr. IV (1818), 21). Dagegen fand G. v. Kataj an 
und übergab der Wiener Bibl. zwei Perg.-Bl. eines, wie 
scheint, gröfsem Helden-, Ritter- und Minnegedichts, 
welches er in „Frühlingsgabe" (1839, mit neuem Titelblatt 
„der Schatzgräbber 1842") abdrucken liefs. Mafsmann 
berichtigte aus Vergleichung der Urschrift manche Stelle, 
welche ich in der versuchten Herstellung und Ergänzung 
des Bruchstücks mitteilte (Germania V (1843), 114), djsssen 
zunächst mit Gudrun verwandte Nachbildung der Nibe- 
lungen, auch in der eigentümlichen Stanze, ich (ebd. IV, 
113) erörtert habe. Es beweist das damals noch manig- 
faltige Fortleben der Dichtung (in Dietrichs-Saga) auch 
dort, in Oesterreich, und erinnert an Walthers v, d. 
Vogelweide Ruf nach Hildegunde (Minnesinger IV, 
178). Von dem Lateinischen Gedichte, Quelle der 
Novalese 'sehen Legende und Bogu'phals Lateinischen 
Verarbeitung zur Posen sehen Geschichtssage (Grundr. 
XXIL Deutsch von Büsching, Volkssagen (1812) S. 3) 
zält J. Grimms Ausgabe (1833) und Godeke's Mittel- 
alter (274) fünfzehn Handschriften, die sich noch wol ver- 
meren lafsen. Deutsche hexametrische Uebersetzung \md 
Erläuterung: von G. F. Klemm (1827), und San-Marte (A. 
Schulz) 1853). Nach dem Lat. Ged. neu gedichtet von 
A. Schwab (1829). — ^ 7) Heinrichs des Vogelers 
Gedicht von Dietrichs Ahnen und Flucht ist in der 
Wien - Windhager Handschrift (oben S. XXI) ab- 
sichtlich verkürzt, eben um Dietrichs Ahnen bis auf Wolf- 
dietrich, und beginnt mit eigenem kurzem Eingange 
um Z. 2295 meines Abdrucks aus der Heidelb« und 
Wien- Ambraser Handschr. (1825). — 8) Dietrich 
und Wenezlan, der Polenkönig. Von disem, wie scheint, 
auch grofsem Gedichte fand W. Wackernagel 4 Perg. 



Vorbericht. LXXXV 

Bl. bei Dn Schnell in Basel, und gab sie in den Altd. 
BL I (1836), 320. Es ist zunächst dem Dietrich ver- 
wandt, auch in den kurzen Reimparen, obgleich dise 
durchaus sechszeilig abgesetzt sind, jedoch keine Stanze 
bilden, wie die 4 Reimpare von Liechtensteins Frauen- 
dienst, mit durchgängig 4füf8igen Reimzeilen. Daher aber 
▼iDeicfat die neue Weisheit von der epischen Sechs«* 
zah — 9) Biterolf und Dietleib. Mit Gudrun, das 
froste und bedeutendste, allein in der Wien-Ambra- 
ser Sammlung bewarte Gedicht dises Kreises, und mit 
ihr in „der Helden Buch in der Ursprache" I (1820) 
gedruckt; zwar noch mehr Rittergedicht, denn die heldi- 
sche Gudrun, auch in den ausgebildeten Reimparen, und 
durch Umarbeitung eines Altem Gedichts, wie Strickers 
Roncevellschlacht des Pfaffen K'onrad, und wie die 
Nibeluhgenklage des letzten, auch in Oesterreich (Pu- 
ten) heimischen oder befreundeten Diphters. Mit disem 
ist der letzte Dichter des Biterolf und Dietleib überhaupt 
zunächst verwandt, wenngleich nicht einer und derselbe, doch 
im änlichen Verhältnis wie bei Gudrun und Walther, auch 
in Hinsicht der Zeit, nach dem Nibelungenlied» Es ver- 
herrlicht den Markgrafen Dietleib von Steier (dem- 
nächst Rüdiger von Bechelaren), der auch im Lau- 
rin,- Dietrich und Wenzlan (8), und Dietrich und seine 
Gesellen (IX) rümlich hervortritt. Erste nähere Kunde 
davon gab Primisser im Int. Bl. der Wien. Lit. Z. 1816, 
Nr. 48 und in Büschings wochentl. Nachr. HI (1817), 
26. Mehr darüber: Direct. F. Zinnow (1846 hier gest.) 
in Germania V (1843), 26; und ebd. VI (1844), 181, in 
Bezug auf A. v. Spann, in der Zeitschr. des Museums lxxxw//, 
zu Linz, Nr. 12-— 16, 29 — 35, der dises Gedicht dem 
Heinrich von Ofterdingen zuschreibt, wie den Laurin, 
(wonach Heinrich aus Oesterreich: Efferding?), ja selbst 
die Nibelungen (mit W. Schlegel). Vgl. dessen „Hein- 
rich V. Oft. und das Nibel. Lied" (1840), davon er das 



LXXXVI Vorbericht 

Linzer Bruchstück fand (Germania V, 13). — 10) Hilde- 
brandslied (Grundr. 94) ist schon (S. LXXIV) besprochen, 
und mein Abdruck des Wiener Bruchstücks, sowie des in 
Veesenmeyers Hds. (beim Sigenot), und des verlängerten 
Liedes bei Kaspar v. d. R. angefürt. Der alte Druck 
des 17. Jarh., den Eschenburg im Deut. Mus. 1776 wi- 
derholt, ist durch Meusebachs Samml. hier in der Ko- 
nigl. Bibl. Den Nürnberger Druck, bei dem Endter- 
schen Sigenot 1667, aus welchem Herder ebd. 1781 
Lesarten gab, hab' ich. U bland zält zu seiner Ausgabe 
in den D. Volksliedern (1845) S. 1013 noch folgende funi 
alte Drucke: einen Strafsburger, als den ältesten. 
Nürnberg, Jobst Gutknecht (um 1515), in Weimar. 
(M. A. Aue, in Mone's Anz. 1839, Sp.377). Ebd., Chri- 
stoff Gutknecht (auch in Prof, Hey se's Samml., deren 
Verzeichnis 1854, Nr. 909, und daraus in der KSnigl. 
Bibl.). Ebd., Valentin Newber (der auch den Sige- 
not druckte). Basel, bei Sam. Apiario. Frankfur- 
ter Liederbuch Nr. 203. — Niderländisoh: Papir- 
handschrift der Bui^undischen Bibl. zu Brüssel 1425, FoL 
Antwerper gedrucktes Liederbuch Nr. 82. — - Zu der 
Dänischen Uebertragung in den „Kämpeviser" erwähnt 
Nyerup zu seiner Ausgabe derselben T. V (l^l^)» S- 
60 einen Druck von 1692« -r— Nach Eschenburgs Wider- 
holung in neuer Schreibung in seinen Denkmälern (1799) 
S. 437, ist dises Lied, weit^i* erneut, in die meisten 
Volksliedersammlungen (Herder, Wunderhom, v. Erlach, 
Kretschmar, Uhland), und in Litt. Handbücher überge- 
gangen, wie das älteste Hild^brandslied und Ludwigslied. 
Kretschmar, Deutsch. Vplksl. mit S^ingweisen, gibt 
dazu den alten „Hildebrands r Ton^% worin, das Sigfrids- 
lied ist, und in welchem er selbst das Nibelungenlied zu 
singen pflegte. Eine genaue Abschrift des alten belieb- 
ten, aus diideia Gebiete noch fdlein zu uns herüberklin- 
genden Sanges, wie ihn Joh. Sth^l in BicMß galUca, 



Vorbericlit. LXXXVII 

laäna^ Germana ex praestantissimis Mmicarum monu- 
menUs collecta* t. 1 (Wittenberg, Ge. ßhaw 1545. 4), mit 
der ersten Stanze allein, gegeben hat, verdanke ich dem 
Dr. W. Dehn an der hiesigen Bibl., welche auch Mea- 
sebachs eigenhändige Abschrift des seltenen Buchs be- 
wart. Dafselbe befand sich vormals auch in der Samml, 
des akadem. Chors, nach Mafsmanns Mitteilung. Dise^ 
Sang ging selbst in die Kirche über, ins Koburgische 
Gesangbuch 1621, wo jedoch (S. 53) ein Lied mit dersel- 
ben üeberschritt in der Berners weise (oben S. XXXIV) 
ist; sowie der Eolandston ebd. zu gleicher achtreimiger 
Stanze (Grundr. 173) sich auf den Sang eines ßoland in 
Ayrers Fastnachtspilen bezieht. Ebenso ist der Ben- 
zenauer (1504) oder Tpller-Weise (Belagerung von 
Tul), welche ich von 1546 habe, verschieden, zu dersel- 
ben Stanze, welche auch das Teilenlied, die Lieder im 
Veitenton und Wilhelm von Nassau haben, bei an» 
derer Sangweise. Nicht minder manigfaltig sind die Wei- 
sen, anderer Lieder in diser Stanze, dergleichen auch die 
Gesangbücher aufgenommen haben, und die eigenen Weisen 
solcher geistlichen Lieder: so stehen in Freilingshau- 
sens grofsem Gesangbuche (1741) zehn verschiedene 
Melodeien zu noch vil mer Liedern. — Der „Hilde- 
brandston" des Sigfridsliedes gehört eigentlich zu der lang- 
zeilig vierreimigen Stanze, in welcher auch das Hilde- 
brandslied ist, das in Kaspars v. d. R. Verlängerung erst 
achtreimig dl^'chgefürt ist. Er stimmt also auch zu dem 
Ton, welchen die beiden Meister zum Wolf die trieb er- 
fanden und ihn weit und breit sangen, laut des Eingan- 
ges der im alten Druck auch erst achtreimig ausgefurten 
Darstellung, u. zu anderen alten Heldenliedern in diser ur- 
sprünglichen Weise. Die abschliefsende Verlängerung der 
letzten Halbzeile scheint dem Nibelungendichtcr zu gehö- 
ren, und von dem Gudrun- und Walthersdichtcr weiter aus- 
gebildet. Die ältesten Liederdichter in solcher nach Kü- 



LXXXVni Vorbericht 

renberg benannten Weise, Eist, Rietenburg, Seve- 
lingen, sämmtlich Donauisclie, haben schon Anlage 
dazu» — Der Eitter v. Spann hat in obgedachtem Buch 
über den Nibelungendichter 9 Oesterreichische Volkswei- 
sen verzeichnet, welche zu der Nibelungenstanze passen, 
und wonach seine Töchter sie auch sangen. Die 4 mit 
Worten (hier die 4 ersten Nibelungenstanzen) begleiteten 
Weisen sind sugleich Tanzweisen, Ländler, in |-Takt 
und dreiteilig durch Widerholung des ersten Teils, 
wie die Hönweise, doch nicht der Hildebrandston. So 
mochte man freilich Tormals auch dort die alten Helden- 
lieder singen und tanzen, was noch die Färoer tun. — 
11. 12) Nibelungen und Klage (Grundr. 79) haben 
seitdem durch Abdrücke, Ausgaben, Emeuungen, Be- 
arbeitungen aller Art, in Versen und Prosa, ebenso 
Uebersetzungen und Erläuterungen einen so reichen Zu- 
wachs gewonnen, dafs sie allein eine Bibliothek bilden 
und eine eigene Literargeschichte fordern. Meinen An- 
teil daran habe ich schon (S. VTH) berürt; ich erwähne 
hier nur noch die zur letzten Nibelungenäusgabe gehörige 
Klage (1852) mit der Einleitung zu beiden; und die bei- 
den früheren Büchleins „Nibelungen'^ (1818), ursprüng- 
liche mythische Deutung und poetische Bedeutung (vgl. 
Solgers Nachlafs 1819); und „Nibelungen'* (Wien 1820), 
geschichtlich ; und die „Anmerkungen" beider Art zur zwei- 
ten Ausgabe meiner Emeuung (1824). Die Auffindung 
und Beschreibung, auch Abbildung von Nibelungenhand- 
schrifben, deren wir schon zwei Dutzend zälen, die ich in 
Germania I — X mitteilte, hat Gödeke Mittelalter (& 
392) einzeln nachgewisen. Der späteren einzelnen Berichte 
darüber aus den Akademieschriften (1853 — 54) ist auch 
schon gedacht (S. XVI), sowie zum Teil der früheren Be- 
richte in Büschings wochentl, Nachr. I— IV (1816 — 18). 
Di^ Nordischen Uebertragungen der Nibelungen 
un^ ^er Deutschen Heldensage überhaupt, Dietriphsr 



Vorbericht. LXXXIX 

Saga, Jarl Magus-Saga, Blomsturralla - Saga, 
welche letzte Blnmenthals - Sage ieh ans Nyerups Mit^ 
teilung zuerst drucken Hefs (1814), und ihre Verbindung 
mit der eigentümlich Nordischen Gestaltung der Nibelungen 
zeigte, trieb mich früh zur Heranziehung der Eddalieder 
Ton den Nibelungen und deren Kreis, welche ich, eben- 
falls nach Nyerups Mitteilung, zum erstenmal herausgab, 
mit ausfurlicher Geschichte und Sagenvergleichung (1812); 
worauf meine Uebersetzung (1814) folgte, die nach Kasks 
Ausgabe (1818) und nach der grofsen Eopenhagener durch 
Finn Magnussen (1818), zu befsem und vermeren ist. ?) 
Die dazu gehörigen Erzalungen der Prosa-Edda, die 
Volfunga- und Ragnar Lodbroks -Saga, Norna- 
gests-Saga (auch in den Färöer Liedern) widerholte ich aus 
den seltenen Ausgaben (1815), u. übersetzte sie in Folge der 
Dietrichs- oder Wilkina- und Niflunga-Saga(1814), 
mit welcher sie nun auch in neuer Ausgabe, als „Altdeutsche 
und Altnordische Heldensagen^^ Bd. 3. 4. (Edda^Lieder als 
Bd. 6) erscheinen werden. Meiner Verdeutschung der wi- 
derum den Deutschen näher stehenden Dänischen Lieder, 
von Sigfrids Tod, Grimhilds Hache (in Nyerups Ausgabe 
I, 109; deutsch in Büschings und L. Kannegiefsers Pan- 
theon 1810) ist auch schon gedacht (S. LXXXHI). 

In Betreff der lebendigen Wirkung der Nibelungen, 
seit ihrer Widererweckung auch durch und mit den ande^r 
ren Künsten, bewären ihre urbildliche und malerische 
Gestaltung: die wimderwürdigen Zeichnungen von Corne- 
lius (1816) und Gemälde von Kaulbach, die Cartona von 
Kolbe zur Säulenhalle des Königlichen Marmorpalastes am 
heiligen See bei Potsdam; manche bedeutende einzelne 
Blätter von Ruhl, Fohr, Fellner, Ganglof, Hen-» 
ning; die mit Holzschnitten begleiteten Prachtausgaben 
des Gedichts zur Jarhundertfeier der Deutschen Buch- 
druckerkunst, nach Zeichnungen von Hübner, Bende- 
mann, Rethel, Schnorr (neben dessen grofsen Wand- 



xc 



Vorbericht. 



Uli. 



gemaMen des Nibelungensais zu München), und zu meiner 
Ausgabe (1846), nach Zeichnungen von Holbein. — Die 
mancherlei dramatischen Darstellungen, romantische, auch 
*'aatikische und Nordische (von Fouque nach dem Alt- 
nordischen, 1810), strebten zur Gesammtwirkung der Eede, 
Gestaltung und Handlung, und dem bühnengewandten 
ßaupach gelang es auch hier zuerst (1828, 9. Jan.) die 
Nibelungen über die Bretter schreiten zu lafsen und sie da- 
rauf zu halten. Ja heuer (1854) haben wir die Nibelungen 
auch in einerglänzenden Oper (von E. Gerber, betont von 
H. Dorn) mit Beifall singen gehört, welches Spil der Kom^ 
ponist und Poet des Tannhäuser und Lohengrin 
(R. Wagner) durch eine dreitägige Nibelungen-Oper, die 
auf dem Grunde des Eheins anhebt, und deren Text schon 
als Manuscript gedruckt ist, überbietet. Und so keimen 
wir es wol noch erleben, die vilgestaltigen Nibelungen 
(im mythischen Ursprünge als Elementar- Geister, Alben, 
Elfen) in einem Zauberballet über die Bühne dabinschwe«' 
ben und tanzen zu sehen: sowie die Deutsch -Nordischen 
Färöer Nibelungenlieder (welche der Botaniker H. Gh. 
Lyngbye entdeckte, und P.E. Müller 1822 zugleich Dan. 
herausgab) noch auf Hochzeiten zugleich gesungen und 
getanzt werden, nach dem auch aufgezeichneten Sänge; 
denn allein dort, auf den entlegenen Eilanden, findet sich 
noch warhaft ein Fortleben der ewigen Nibelungen. — 

Emeuungen, zum Teil Umdichtungen der meisten all 
diser Heldengedichte, enthält S im rocks Heldenbuch, 
5 Bde. 1843—45. 

A^szügß auch all diser Gedichte geben meine 
Heldenbilder, upd Gödeke's Mittelalter zugleich mit aus- 
ge walten Stellen derselben. 

Die alte Vorrede des Heldenbuchs, welche in 
der einzigen Strafsburger Handschrift vor einer gröfseren 
Sammlung steht und zum Rosengarten derselben gehört, 
nicht zu dem der alten Drucke, wird von disen auch als 



Vorbericht. XCI 

Vorrede nur in dem ersten und letzten Drucke gegeben, 
in den übrigen als eigener „Teil" hinten. 

Die Litteratur des Heldenbuchs, soweit es ge- 
druckt ist, liefert sehr vollständig J. G. Th» Grässe, 
„die grofsen Sagenkreise des Mittelalters" 1842 und 
widerholt die Vorrede nach dem Druck von 1509^ 



An meinen Ausgaben des Orendel und Ludwig ist 
zugleich für vorligende Sammlung die Verschiedenheit 
der Behandlung zu erkennen, welche, bei gleicher Sel- 
tenheit ihrer Urkunden, jedoch das eigentümliche Verhält- 
nis der einzelnen Werke zu disen Quellen forderte. 
Alle einzigen Urkunden sind buchstäblich abgedruckt, 
wie ich bisher stäts bei ersten Drucken solcher alten 
Urkunden füij- PAicl^* gehalten habe, sollte das alte Werk 
erweislich auch anders gelautet haben, z. B. /, ö, ei^ au^ 
uo anstatt ef, aUy ai^ au, u. Nur Unterscheidungszeichen 
sind, wie durchgängig, eingefürt, und Abteilung der Keim- 
zeilen und Stanzen« Die drd Teile der Stanzen haben 
allein grofse Anfangsbuchstaben. Die Einschnitte bezeich- 
net grofserer Zwischenraum. Zusammensetzung trennba- 
rer Worter sind nur näher zusammengerückt, nicht Ein 
Wort, wie die mit untrennbaren Wörtern, l^inzele offen«« 
bare Fehler sind berichtigt, Mangelndes in runden Klapi? 
mern ergänzt, Ueberflüfsiges durch eckige Klammern aus^ 
gewisen^ Die Verbefserungen, zifmteil Verbindungen, ii^ 
runder Klammer sind durch ein Fragezeichen ynterschien 
den. Wo zwei Urkunden vorligen, ist die ältere, weni| 
auch später geschribene oder gedruckte, zum Grunde ge-. 
legt, und nur in sich selber folgerecht gemacht; welohee^ 
letzte auch bei den Lafsbergischen einzigen Hand-e 
Schriften des VII Sigenot und VIII Ecke und seinen 
seltenen Abdrücken derselben geschehen ist. Der aucü 
in zwei Handschriften vorligende, und aus der einen schon 
gedruckte I Ortnit muste sich nach dem einzigen II 
Wolfdietrich richten, mit welchem er, zwar in jüngerer 



XCII Vorbericht. 

Abschrift (in K. Maximilians Heldenbucb, oben S. XIIT) 
verbunden, aber vollständiger und befser steht (vgl. S. 
XVJil), als ohne Wolfdietrich in der vil altem Hand- 
schrift (um 1300). Nur bei der VI Ravennaschlacht, 
welche ich früher schon aus zwei Handschriften gelifert 
(1825), ist an der seitdem entdeckten dritten der Abdruck 
einer wirklichen, verglichenen und berichtigten Ausgabe 
möglichst genähert (vgl. S. XXXI). Die hier, wie in IV 
Hug- und Wolfdietrich, aus der Vergleichung in den 
Text (ohne Bezeichnung) aufgenommenen befseren Les- 
arten sollen sich durch Mitteilung der übrigen erheblichen 
Lesarten rechtfertigen. Dafselbe fordert der unbezeich- 
nete Lesarten-Vorzug bei zwei Urkunden (wie im I Ort- 
nit), imd bei einzig vollständigen Urkunden in Be- 
2ug auf die Bruchstücke, gleich welchen, sie sonst 
buchstäblich abgedruckt sind. Ja selbst bei ganz ein- 
zigen Urkunden sind Bemerkungen über einzelne Stel- 
len notwendig. Auch disem Erfordernis habe ich in den 
beiden obgedachten Abdrücken (Orendel imd Ludwig), 
wie bei den meisten Arbeiten diser Art, zu genügen ge- 
sucht, namentlich bei denen zum Heldenbuch (1808 — 25), 
nur, noch unvollständig bei Dietrichs Ahnen und Flucht, 
und bei der ßavennaschlacht. 

Bei vorstehender, auch dort nicht fehlender Nach- 
weisung und Rechenschaft über die Quellen, deren Ver- 
hältnis und Gebrauch, 'habe ich auf die Vorarbeiten ver- 
wisen, jedoch überall das Notwendige beigebracht. Zu- 
nächst habe ich dabei den „Litterarischen Grundrifs zur 
Geschichte der Deutschen Poesie von der ältesten Zeit bis 
in das 16te Jarhundert", Berlin (1812), welchen ich mit 
Büsching untemam, jedoch bei dessen Abwesenheit in 
Schlesien, allein ausfuren muste, auf solche Weise ge« 
braucht, und ihm Berichtigung und Ergänzung zugewandt, 
die schon längst zu einer neuen Ausgabe vorbereitet sind. 
Das war um so gebürlicher, als diser Grundrifs den va- 



Vorbericht. XCHI 

terländischen Sagenkreis vor allen ansfürlich darstellt. 
Nachträge zu demselben, vornämlich in Bezug auf die 
Nibelungen und deren Handschriften, brachte ich früher 
schon in „Germania oder Neues Jahrbuch der ßerliner 
Deutschen Gesellschuft," dessen Herausgabe ich rorläulHg 
mit dem lOten Bande (1854), im Verlage dises Helden- 
buchs, geschlofsen habe; und fast jeder Band hebt an mit 
„Nibelungen", wie er mit „Goethe" schliefst, und gern 
„Luther" in der Mitte hat. In Betreff der Nibelungen 
habe ich dann in der Berliner Akademie^ der Wifsen- 
schaften vier Vortrage über vier Nibelungenhandschriften, 
darunter drei unbekannte, gehalten, welche aus den Mo- 
natsberichten derselben 1853 — 54 in Sonderausgaben von 
nur 90 — 100 Abdrücken, mit Schriftbildern, hier erschi- 
nen sind. 

Neben diser Litterar - Geschichte vorligender alter 
Volks- und ritterlicher Heldenlieder ist ihre damit ver- 
bundene Entstehungs-" Geschichte und hievon nooh 
unzertrennlichere Sagen-Geschichte nicht überall gleicli 
ausfärlich behandelt. Es war zuvorderst darum zu tun, 
neuen bisher verborgenen Stoff zu solcher Forschung zu 
Tage zu fordern. Und das ist vornämlich für die Dich-» 
tungen von Ortnit, Hug- und Wolfdietrich gesche- 
hen, welche durch ihre letzte Bearbeitung in den alten 
Drucken des Heldenbuchs, als Hauptinhalt desselben, zwar 
am meisten bekannt, jedoch am Wenigsten in ihren älte- 
ren Quellen zugänglich und erforscht sind. Und dennoch 
sind gerade sie für die Entstehung, Entwickelung und 
Bildung des volksmäfsigen Heldenliedes und des ritterli- 
chen Heldengedichts vor allen merkwürdig, wichtig und 
lehrreich, durch die Anzal und Manigfaltigkeit der uns 
noch vorligenden Darstellungen und Bearbeitungen« Es 
sind dieses nunmer, mit Einschlufs der Nordischen und 
Niderländischen Sagen und Lieder dises Inhalts, nicht 
weniger als folgende zehn, welche die manigfaltigsten 



XCIV Vorbericht 

Verwandlungen und Umgestaltungen in unserem Sagen- 
kreise darbieten. 

1. Ortnit und Wolfdietrieb, gesondert und nur 
durcb Wolfdietrichs Raebe an dem Lindwurm, und Ver- 
mäblung mit Ortnits Witwe verbunden; ohne Hugdie- 
trichs Brautfart: 

a) Ortnit allein, aber am Ende den Wolfdietrich 
ankündigend. Windhager Handschr. (unser L) 

b) Ortnit und Wolfdietrich. Ambraser Hand- 
schrift. Ortnit ist in beiden Handschriften 
gleich, sowie er zu allen folgenden Darstellun- 
gen des Wolfdietrich behalten ist, gehört aber 
eigentlich zu disem darauf folgenden Wolfdie- 
trich, der allein ebenso wie der Ortnit in Aben- 
teuren sich im Text selber abteilt. (H.) 

2. Ortnit und Wolfdietrich, auch gesondert, 
ohne Hugdietrichs (hier Trippeis) Brautfart; Ortnit 
mit Wolfdietrich in anderer Darstellung. Hagens Bruch- 
stücke, im Ortnit mit I. H verglichen. (HL) 

3. Ortnit und Wolf dietrich, verflochten durch 
gemeinsame Abenteuer und Versetzung von Ortnits Tod 
in den Wolfdietrich, ohne Ortnits frühere Geschichte und 
Brautfart, welche jedoch notwendig dazu gehören und eben 
auch wol, wie an den beiden folgenden Bearbeitungen, 
der Ortnit von 1. 2 sind. Dagegen beginnt es hier mit 
Hugdietrichs Brautfart Hagens und Heidelberger 
Handschrift und Wiener Bruchstück. (IV). 

4; Ortnit, Hug-undWolf dietrich, ebenso vereint, 
\ne 3j dazu Ortnits Vorgeschichte und Brautfart, wie zu 1.2: 
aber durch vile Abenteuer um die Hälfte erweitert Die 
heuen An- und Auswüchse in der achtreimigen Stanze, 
neben der vierreimigen in den alten Teilen, sowie in al- 
ifen tbrigen Darstellungen (vgl. oben S. LXXXVH). Die 
Jäandsch. diser zu den folgenden alten Drucken des Hel- 
denbuchs als nächststehend genommenen Darstellung sind 



Vorbericlit. XCV 

oben S. LXXIX angeffirt. Der Oehringer Handschritt 
fehlt auch der Ortnit. 

5. Ortnit, Hug- und Woli*dietrich der alten 
Drucke des Heldenbuchs, als dessen Haüptteile, und ge- 
wis für den Druck ganz umgearbeitet und die achtreimige 
Stanze durchgefürt. Die über ein Jarhundert sich er- 
streckenden alten Drucke (vom o. J, u. O. bis 1590) er*- 
neuten dann noch fortwärend die Schreibung der Aus- 
sprache. 

6. Kaspars von der Ron Ortnit und Wolfdie- 
trich, gesondert, wie !• 2, in rhapsodischer Verarbei- 
tung, Verkürzung, und auch, mit den alten Heldenbuchs- 
drucken gleichzeitiger Umschmelzung in die achtreimige 
Stanze. Sollten einzelne eigentümliche Züge noch eine 
andre Urkunde von 1 und 2 voraussetzen lafsen, «o würde 
noch eine Bearbeitung hier jedoch nicht mitzuzälen sein^ 
weil sie eben nur in Kaspars ümdichtung erhalten ist. 

• 7. Das Gedicht von Dietrichs Ahnen u. Flucht 
zu den Hennen (oben S. LXXXIV) gibt, mit widerholter 
Berufung auf bekannte Sage und Buch, den Ortnit, „Sigehers 
Sohn", in kurzen Zügen (2083 — 250), mit einigen eigenen 
Namen, (Heidenkonig Godian), übereinstimmend mit dem 
allen vorigen Gedichten gemeinsamen Ortnit, und zwar 
ebenso gesondert von Wolfdietrich, wie 1. 2. 6. Die 
Herkunft und frühere Geschichte Wolfdietrichs, mit wel- 
chem die vom abgekürzte Windhager Handschrifl anhebt^ 
ist als allgemein bekannt, so kurz angedeutet (2256 — 
301), dafs nur noch aus dem Namen von Ortnits Witw^ 
Liebgard zu erkennen ist, dafs die älteste Gestaltung 
(1 und Kaspar) vorgeschwebt hat. Vgl. Heldenbildei' 
57. 103. Gödeke Mittelalter 461. 

Die alte Vorrede des Heldenbuchs i^ bloß 
Auszug dises Hauptteils der alten Drucke (141 — 294)^ 
wie die Auszüge der Heldenbilder (1821 — 23) und Go-s 
deke's Mittelalter (1852). 



XCVI Vorbericht 

8. Die dem Ortnit und Wolfdietrich entspre- 
chenden Erzälungen der Dietrichs-Saga (Wilkina- und 
Niflunga-Saga), eben auf mündliche Sagen nnd Lieder 
Norddeutschlands gegründet^ haben in ihrer Kürze auch 
nur die gemeinsamen Hauptzüge: beide Teile geson- 
dert, mit anderen Namen^ Hertnit und Isold, und 
Dietrich anstatt Wolfdietrichs, sind eben als ein Teil 
der*Dietrichs*-Saga, wie noch kurz vor dem Ende hinzuge- 
fugt (Kap. 382 — 88), aus der alten Verschmelzimg der vier 
Gothischen Dietriche (oben 6. LXX VI), welche Die- 
trich von Bern auch sonst (als Etzels Held u. s. w.) 
enthält. 

9. Das Altdänische Lied von Dietrichs Lind- 
wurmkampf für den Löwen, den er im Schilde fürt, und 
zur Kache des Königs Sigfrid, dessen Schwert Adel- 
üing (wie Sigfrids Schwert auch im Dänischen Sigfrids- 
liede heifst « Nagel ring Heime's, Adelgers Sohnes) er 
gewinnt, überträgt auch Wolfdietrichs Abenteuer auf 
Dietrich von^Bern, welchen allein die Dänischen Lie- 
der dises Kreises kennen, und vertauscht noch weiter 
Sigfriden mit Ortnit, von welchem sie gar nichts wis« 
sen, dagegen der vom Lindwurm getödtete König Sigfrid 
auch in andern Dänischen Liedern (VUI, 10. X, 72 bei 
Nyerup) als Vater des kühnen Orm (Wurm) und einer 
schönen Tochter genannt wird. Siward im Sigfiidsliede, 
wie in anderen Dänischen Liedern, von ihm, ist nur andre 
Aussprache für Sigfrid, wie bei uns Seifart, Seifert, 
Sievert; Island. Sigurd; Färöisch Sjür. Eigen Nor- 
disch ist das Gespräch des Lindwurms und Löwen, auf 
welchem Dietrich, dessen Boss die Wurme gefrefsen, heim- 
reitet. — Nyerup erwähnt in seiner Ausgabe/der „Danske 
Viser fra Middelalderen" T. 1 (1812), S. 371, noch ein- 
zelne Ausgaben dises Liedes 1713, 1778; im „Samler'' 
1797. Dänische Nachbildung von Oehlenschläger in 



Vorbericht. XCVII 

dessen „Digte" 1803. Verdeutschung von W. Grimm, 
Altdänische Heldenlieder (1811), S- 13. 

10. Das Altniderländische Lied „de Jager 
uyt Grieken", welches dort in mehren Holländischen Lie- 
derbüchern noch gangbar, ist in den mit dem Dänischen 
gemeinsamen langen Reimparen der Romanze, nur nicht 
mit den vorherrschenden dreisilbigen Einschnitt und one 
den Kehrreim derselben, also noch mer unserer halben 
Heldenstanze entsprechend. Es singt, wie der junge Kö- 
nigssohn von „Griechen" im Walde jagend ein Risenweib 
trifft, die ihn ergreift und samt dem Pferde zwanzig Meilen 
hoch über die Berge trägt, wo im tiefen Tale zwei Men- 
schen gesotten ligen und der dritte am Spiefse steckt. Als 
sie vernimmt, dafs seinVater der Griechenkonig ist und seine 
Mutter Margareta heifst, bietet sie ihm ihre Tochter, vor 
welcher der Teufel aus der Hölle selber erschrocken ist 
(vgl. Nibel. 1782. 1816). Er will sogleich zu ihr, und die 
Alte leiht ihm ihr Pferdchen, er schwingt sich hinauf, 
sprengt davon und verhönt die alte „schwarze Hure" 
und ihre böse Tochter. Sie ergreift einen Knorren und 
schlägt auf die Bäume, dafs all der Wald bebt. — Hier 
sind aus der letzten Erweiterung des Wolfdietrich einzelne 
Abenteuer kenntlich, wenn auch namenlos und mit an- 
drem Namen: wie im Gebirge ein scheufsliches Risen- 
weib Romina (Runy, Kuny; vgl. Rutze, Runze im 
Ecke) ihn in ihrer Burg, wo siben solche Risirinen sind, 
gastlich aufnimmt und ihn sammt dem Rosse 72 (20) 
Meilen übers Gebirge nach der Lombardei zu Ortnits 
Witwe trägt (Heldenbilder 86). Zuvor,- auf der Seefart von 
Apulien aus, an ein Land verschlagen, wird ihm ein 
Schiffsmann durch einen Waldteufel geraubt und am 
Spiefse gebraten: wobei er das Ungeheuer erschlägt (Hel- 
denbilder 81); wie Odyfseus: dagegen das Lied beide 
Abenteuer füglich verbindet. — Dises Lied widerholte 
J. Grimm, mit Erläuterung, in den Altdeutschen Wäli 



XCVm Vorbericht. 



I (1815), 161, Uebersetzt von O, U B. Wolff, Haus- 
schatz der Volkslieder (1846) S. 475, 



Hier haben wir nun die groste Manigfaltigkeit von 
Darstellungen eines kleinen Sagenkreises in dem grofsen 
vaterländischen Sagengebiete, als da sind: kurze, wirk- 
liche Volk- und Heldenlieder mit Sang (und Tanz), 
Ueberliferungen in Sage und Buch, Heldengedichte, grof- 
sere ritterliche Aventüren-Gedichte, Erweiterungen aller 
Art, hinwiderum Abkürzungen, Auszüge; sämmtlich mer 
zum Lesen als zum Singen, obschon noch in Liedern 
(Strophen): alles stätig sich erneuend und verändernd in 
Sprache, Schrift und Druck. Von ortlicher noch lebender 
Aneignung der Wolfdietrichs-Sage gedenke ich hier nur, 
dafs, laut des Universal-Lex. von Baden S. 223, Burk- 
heim (anstatt Tuskal) das Kloster ist, wo der Held zur 
Bufse mit allen von ihm Erschlagenen den letzten Kampf 
bestund. Davon ist ein Lied von C. O. Müller in 
Schnetzlers Badischem Sagenbuch I (1846), 311. 

Entfernter gehören hieher noch solche einzelnstehende 
besonders feenhafte Gedichte, wie Fridrich von Schwa- 
ben, Wilhelm von Oesterreich, Reinfrid von Braunschweig, 
Witig vom Jordan u. a., welche in Vermischung mit Roma- 
nischen Dichtungen und Namen, spätere, teils willkürliche 
Verarbeitungen einzelner Züge der Heldendichtung ent- 
halten, teils umgekert, aus anderweitigen Quellen, zur 
Erweiterung derselben gedient haben. In nächster Bezie- 
hung auf Wolfdietrich erinnere ich hier nur noch an das 
Kopenhagener Pergamentbruchstück eines solchen Ge- 
dichts in den ausgebildeten Reimparen, welches J. Grimm 
in Haupts Zeitschr. V (1845), 6 bekannt machte, und 
worin der umirrende Ritter Abor (Habor?) im Nord- 
walde von seinem Freunde geschieden, ein Meerweib findet, 
die ihn im Jungbrunnen verjüngt, und durch ein Kraut die 
Vogelsprache lehrt, ihm die Befreiung des Freundes und 



Vorbericht XCDC 

der Königin verkündet, und ihn zur anderweitigen Ver- 
mählung entläfst. 

Durch solche Vermischungen reicht die Geschichte der 
Ortnit- und Hug- und Wolfdietrichs-Dichtung weit 
ins Ausland, und weist auch im Ortnit, wie in dessen und 
Wolfdietrichs Farten, ins Morgenland, durch Berufung auf 
ein Buch, welches die Heiden zu Sud er s (Sidon, Tyrus) 
vergraben hatten: also wol dafselbe Buch , welches, laut 
des Einganges zu dem mit Ortnits Abenteuern verfloch- 
tenen Wolfdietrich, im Kloster zu „Dagminde" (Admont?) 
gefunden, aufwärts in Baiern dem Bischof von Eichstet 
gesandt ward, dem die Abenteuer darin bis zum Tode die 
Zeit kürzten, worauf sein Kaplan es der Aebtifsin von 
St. Walpurg (die dort noch Wimder wirkt) brachte, und 
dise es durch Zween Meister (des Ortnit u. Wolfdietrich?) 
dichten liefs, die den Ton dazu fanden und es in den Lan- 
den verbreiteten (Grundr; 8). Dergleichen freilich oft in 
Gedichten vorkommende Berufungen, welche Cervantes so 
gründlich parodirt, haben wenigstens sagenhaften Grund, 
z. B, in dem Griechischen Romane des Diogenes, 24 
, Bücher von unglaublichen Dingen jenseits Thule, Irrf ar- 
ten und Liebesabenteuer des Karthagers Dinias, der in 
Tyrus starb, wo die Holztafeln seiner Geschichte mit 
ihm begraben und bei der Eroberung von Tyrus von Ale- 
xander gefunden wurden {Dunlop Mstory of fiction, Lieb- 
reclits Uebersetzung 1851 S. 4). Es erinnert zugleich 
daran, dafs 1845 durch Zeitblätter (mich dünkt auch in 
der Augsb. Allg. Z.) sich dunkle Kunde verbreitete von 
einem in Kahira gefundenen Heldenbuche: welches sich 
jedoch als ein anderes Altdeutsches Gedicht soll ausge- 
wisen haben. 

In der Germanisten -Versammlung zu Prankfurt am 
Main im September 1846 hielt der dichterische Sagenforscher 
(Thor 1836), und sagenhafte Dichter L.U bland, der kürz- 
lich (1852) hier den Volksliederhort erhub, und unsre 

, 7";. . Q* 



C Vorbericht. 

Deutsche Gesellschaft; als Mitglied begrüfste, — er hielt dort 
einen Vortrag über die Spilmannssagen und Wolfdietrich 
und zeigte dessen Uebereinstimmung mit dem Shahna- 
meh« Im April desselben Jares hatte ich hier in der 
Akademie der Wifsenschaften einen Vortrag gehalten über 
die meisten oben aufgezälten Urkunden des Wolfdietrich, 
welche ich teils in Urschrift, teils in Schriftbild vorlegte: 
wie ein Auszug in dem Aprilhefte des Monatsberichts der 
/ Akademie besagt* Dadurch ward der Prof. K. Müllenhof 
7 in Kiel veranlafst, mich um Mitteilungen zu einer Arbeit 
/ über die Wolfdietrichssage anzusprechen, und erhielt von 
mir die gewünschten Abschriften, auch meiner eigenen 
Handschriften, Als jedoch dann sein Untememen sich 
auch auf Herausgabe ausdehnte, zog ich zurück und be- 
hielt mir mein Eigentum vor. Seine Behandlung der Gu- 
djL-un u. Kavennaschlacht (S. LXXVHI) konnte mir nicht 
weitere Teilname erregen. Ich war solches meinem lange 
vorbereiteten Untememen schuldig, dessen Ausfürung erst 
; durch die alles Vaterländsche fordernde Unterstützung 
Sr. Maj. des Königs möglich ward. 

Die geschichtliche und vergleichende Mythen- und 
Sagenforschung, in enger Verbindung mit der Ge- 
schichte der ältesten von Mythus und Sage durchdrunge- 
nen Volks- und Heldendichtung, ist mit der vergleichen- 
den Sprachkunde, sogar schon über den Indisch-Germani- 
schen Stamm hinaus, vornämlich von den Deutschen zur 
Wifsenschaft erhoben, welche sie auch fürder gründlich 
ausbauen werden. So wird denn dieselbe, wie schon 
mancher bedeutenden Götter- und Heldensage, auch wol 
dem so reichhaltigen Stoff bietenden Wolfdietrich zu Gute 
kommen. Und da habe ich nun vor allen den Mann im Sinne, 
der, mit dem Germanischen des Morgen- und Abendlandes 
gleich vertraut, neulich in dem grösten und bedeutendsten 
Streit auf disem Gebiete, dem^Jibelungenstreit, so kühn 
bervorgeritten ist^ und sighaft das Feld behauptet, und 



Vorbericht. d 

dem ich darum, und auch zur herzlichen Erwiderung, 
dafs er zugleich mich, den ihm sonst fremden und fernen, 
so freundlich und kräftig in Schutz genommen hat, dises 
alte und neue Heldenbuch zugeschriben habe: Adolf 
Holtzmann, der da ist „den Nibelungen ein helflicher 
Trost," am Mittelrheine, wo der Hort versenkt ward. Er 
hat einen bedeutsamen Stand in der Mitte zwischen dem 
Niderrheinischen K. Simrock, der die Emeuung defi 
Wolfdietrich in seinem neuen Heldenbuch aufschob bis 
zur Erscheinung der nun vorligenden Urkunden, und frei- 
lich auch die „Zwanzig Lieder" aus den Nibelungen er« 
neute,— und zwischenW.Wackernagel, auf der Deutschen 
Warte am Oberrhein, der auch schwerlich bei der „Zwanzig 
Lieder-Epopoia" (1851) verharren wird, deren Ausschnitte 
nach dem Divisionsexempel mit der Sibenzal J. Grimm 
so freimütig und folgenschwer aufgedeckt hat (in den 
Gotting. Anzeig. 1851): welches Zalengeheimnis ich dann 
weiter in der frühern Anwendung des Erfinders auf die 
tragischen Chore, überhaupt auf die Tragödie der Grie- 
chen (1819), nachgewisen habe, zu den neu geftmdenen 
Nibelungen-Handschriften (1852—53). 

Jedem unbefangenen Gemüte schon mufs, bei dem 
ersten Eindruck und Ueberblick des ganzen grofsen ritter- 
lichen Heldengedichts die Vorstellung widerstreben, das- 
selbe sei hervorgegangen aus zwanzig einzelnen Liedern, 
von eben so vil, ja noch mer, man weifs nicht, ob Volks- 
und Bänkelsängern, oder ritterlichen Aventüren- und Hol- 
dichtem, und von endlichen Zusammendichtem, allzumal in 
demselben erst gleichzeitig, oder gar eigends dafür erfun- 
denen, also nicht altepischen (Otfrids-) Versmafse, und 
dabei in gleichem Ebenmafse, wie verabredet. 

Es gibt allerdings ein Kunststück diser Art, an dem 
Italienischen Prosa-Volksbuche von dem Spmchwettstreit 
und den Abenteuern Salomons und Markolfs, welches, 
ins Morgenland zurückgehend, aus dem Lateinischen all- 



Cn Vorbericht. 

gemeines, auch Deutsches Volksbuch ist, sodafs unser Hel- 
denlied von Salomon und Morolf (oben S. LXXVIU) 
sich an dafselbe auch ortlich anlehnt. Als dises Italienische 
Buch zu Anfange des vorigen Jarhunderts in Bologna, mit 
Abbildungen nach den Gemälden des Spaniers Crespi er- 
scheinen sollte: da vereinten sich 23 Mitglieder der Crusca 
daför zu einer epischen Darstellung des dort schon drei- 
teilig ausgewachsenen Stoffes (Bertoldo, Bertoldino und 
Cacasenno), und ihrer zwanzig verfafsten jeder einen der 
zwanzig Gesänge in der Italischen achtreimigen Stanze; 
der 21ste dichtete dazu den kurzen Inhalt der 20 Gesängre. 
und die beiden übrigen gaben Auslegungen und Anmerkungen 
zum Ganzen (1736); welches alsbald auch in die Italischen 
Masken -Mundarten Bologna's und Venedigs überging und 
allgemein beliebt ward. — Hier treffen selbst die Zalen mit 
den Zwanziger-Nibelungen überein, und nimmt man den Zu- 
sammendichter und Ausflicker des Ganzen, als den 21sten, 
dazu, so hat man auch hier die mafsgebende Sibenzal, zu- 
gleich in Verbindung mit der bedeutsamen Drei (3X7=21).— 
Freilich sind dise namhaften Kleien- Gesellschafter in und 
um Bologna keine farenden Volks- oder Hofsinger, und 
dichteten .nach Einem Allen vorligenden Buche, in der 
seit Boccaccio in Italien allgemeinen epischen Stanze: 
wärend die Nibelungensinger auf dem gemeinsamen Grunde 
der Sage, „durch die Gewalt des Mythus," one von ein- 
ander zu wifsen, in einer gar nicht altgemeinsamen Stanze, 
so eingreifend sollen zusammengedichtet haben! Der ei- 
gentliche Mythus, die Göttersage, war jedoch, aufserhalb 
der Heldensage, damals längst verschollen, und die ein- 
zelne mythische Züge aufnemende Heldensage ward, im 
Lauf eines halben Jartausends sich mischend und wan- 
delnd, auf die manigf altigste Weise, nach Inhalt und Form, 
gesagt und gesungen, in wirklichen Volks- und Helden- 
liedern, neben lesbaren, ja gelehrten Lateinischen Fafsun- 
gen: welches Alles für den letzten und einzigen grofsen 



Vorbericht. CIII 

Nibelungendichter aufs Innigste verschmolz, wie das un- 
scheidbare Korinthische Erz, und in ihm lebendig und laut 
ward zu dem umfafsenden ritterlichen Volks- und Helden- 
gedicht, in welchem er selber als Volker, der edle Frei- 
herr, freudigste Held, und der Könige Spilmann, so herr- 
lich hervortritt. — In der Zwanziger -Epopöie haben wir 
dagegen disjecti membra poütae (wie nach der Nibelun- 
genschlacht), in so vilen Stücken, welche einzeln gar 
nicht recht verstandlich, nicht anziehend und befridi- 
gend, weil nicht abgerundet und vollständig sind, wie 
die obgedachten warhajBken kurzen Volks- und Heldenlieder, 
sondern nur im Grofsen und Ganzen trefflich wirken. Das 
Zwanziger-Epos wäre ein Gesamtabenteuer im absonder- 
lichen Sinne, vergleichbar dem Märchen von den 72 Dolmet- 
schern, oder der Rufsischen Hornmusik, wo jeder Hornist 
vermöge autokratischer Abrichtungnur Einen Ton im Stücke 
bläst, — eine poetische harmoräa praestabiUta, Eine sol- 
che Entstehung unsers Epos erscheint so unmöglich, wie 
die Epikurische Entstehung der Dinge; auch sind die 
jüngeren Anhänger desselben über Zal und Anteil der 
Einzeldichter (auch der Gudrun) nicht nur unter ein- 
ander, sondern auch in sich selbst uneinig, gleichwie 
die jüngeren Anhänger der Homeriden. — 

Wir dürfen uns hier eben so wol auf das Gefül berufen, 
als in letzter Stelle die Zwanziger durch ihr „Erfölen" 
und „Herausfülen" des Aechten, auch tun. Wobei es uns 
aufserdem, zumal seit Holtzmanns Auftreten, weniger an 
Beweisen fehlt, als ihnen, die meist nur behaupten und dem 
Meister ihrer Schule nachbeten. Solches tun sie nicht 
allein selber, sondern empfehlen und raten auch Anderen 
solche unbedingte Hingebung als das alleinige Heil, und wer 
dem widerspricht oder gar abweicht, der ist ein dummer, und 
unwifsender, ein schlechter Mensch, ein Verräter, Verbrecher, 
ein Ketzer, der mit Hohn und Schimpf gebrandmarkt wird. 
Darin zeichnet sich vor allen die im letzten Kieler Um- 



/ 



CIV Vorbericht. 

schlag erschinene Nibelungenstreitschrift aus, welche ein 
wirkliches, verabredetes Ge8ammtabenteuer(wie Holtz- 
mann parodisch treffend dai^etan), eine offenbare Schand- 
und Schmähschrift, den Unwillen nicht ihrer Gegner allein 
erregt hat, und auf das Haupt ihrer Urheber selber zu- 
rückgefallen ist Sie fallen, wie der siglose Saul und sein 
Waffenträger, durch ihr eigenes Schwert. Holtzmann hat 
in seiner Antwort, wenige Tage nach Erscheinung des 
jarlang zusammengeschribenen Libells eben so gewandt 
als streitbar, alle ihre Waffen gegen sie selber gekert und 
ihre heimlich und öffentlich geschofsenen Pfeile von sich 
abprallen lafsen« Er hat seine Ueberlegenheit nicht blofs 
durch ernste Entgegnung, sondern auch durch Ironie, 
heitern Scherz und Witz, durch Anstand und Feinheit 
bewisen, und zeigt wie solcher Streit von beiden Seiten 
gefart werden sollte, ritterlich und edeL 

Es waltet ein Unstern über die noch so junge Altdeut- 
sche Philologie, dafs von jeher Misgunst, Parteiung, Anfein- 
dung, Hohn und Schimpf, soga r vom collegialisc hen Kathe- 
der herab , gehemmt und geschadet haben, und der Urheber 
dises warhaft unsittlichen Tons und Thuns der Jünger hat 
es schwer zu verantworten. Gleichwol ist es erfreulich, dafs 
in unseren Tagen, neben der „Orientalischen Frage," auch 
die Germanische „Nibelungenfrage" so lebhaft erwacht ist, 
dafs auch hier wol noch Mancher in den Streit gezogen wird. 
Wunderbar: wärend im Wälschland auf Befehl des Pap- 
stes Kardinäle und Bischöfe im Gonclave die generatio aequU 
voca der Jungfrau Maria (durch ihre Mutter Anna) von 
neuem verhandeln und als Dogma feststellen, — da haben 
in Deutschland die Autori^tsgläubigen sich einen infalli- 
beln hyperkritischen Papst, mit dreifachem Doctorhut ge- 
macht, und die nicht minder wundersame Geburt der Nibe- 
lungen aus einem Paar Dutzend faxender Singer (wie Heim- 
dall aus neun Müttern — ein Musensohn?) als alleinselig- 
machendes Dogma ausgerufen. Die freien Deutschen lafsen 



Vorbericht. CV 

sich aber auch von disem Dogma nicht imponiren, und 
werden ihren Protest auch hier sighaft durchfechten. 

Es freut mich, dafs ich auch dises noch erlebe, und 
Teil daran nemen kann, auf jüngere Kräfte vertrauend. 
Zwar ward ich durch schweren Unfall am vorletzten Tage 
des vorigen Jares und äurch langes Schmerzenslager des 
.Beinbruchs, 'im Alter der goldenen Hochzeit mit dem 
Staate, wie mit der Gattin, und durch noch andern schweren 
Verlust, in fast jeder Tätigkeit gelämt, und wird auch di- 
ses Werk erst heute hiemit vollendet. Wiö ich mich 
jedoch viler freundlicher Teilname getroste, und daför 
herzlich danke, so habe ich namentlich auch hier meineh 
jungen Freunden Dr. E. Rosselet und Stud* G, Flügge 
(aus meinem Geburtsdorfe) fu^r treue Hülfe bei dem zwei- 
ten Bande zu danken, dessen letzte Bogen Rosselet im 
Drucke besorgte. Noch danke ich besonders dem Verleger 
H. Schnitze, .der sich bei disem Werke mehrfach als 
wahrer Freund bewisen hat. 

Zum Schlufse ist nun noch in Betreff der Recht- 
schreibung dises langen Rechenschaftsberichtes zu be- 
merken, dafs es dieselbe ist, wie in den letzten Bänden 
der Germania und der Akademieschriften ; in welchen letz- 
ten eine Vorlesung „ Deutsche Rechtschreibung, Ausspra- 
che und Sprachgebrauch" (1852), sowie ein Vortrag in 
unsrer Deutschen Gesellschaft, sich ausfürlich darüber er- 
klärt, auch über die nicht pedantische Durchfürung, zum 
leichtern Uebergange. Dafs es zu disem kommen mufs, 
dahin drängt das starke Bedürfnis der Schnell- und Fem- 
schreibekunst (Stenographie und Telegraphie), und die von 
der Sprachgeschichte her an yilen Stellen zugleich daför 
laut und sichtbar gewordenen Stimmen (Weinhold, 
Eckart, R. v. Raumer, Moltke, Günther); sodafs 
der Staat für den Unterricht die Sache in die Hand nemen 
mufs (wie selbst Oesterreich hierin vorangeht,' mit Hano- 
ver). Unsrer Deutschen Gesellschaft gebürt auch ihr An- 



CVI Voibaricht. 

teil an diser Bestrebung, neben der Sprachreinheit, und 
eins ihrer thätigsten Mitglider, Dr. Michaelis, hat sie, 
von derStolze'schen „Kurzschrift" ausgehend, nun auch 
allgemein wifsenschaftlich durchgefürt. Dafs, wie im alte- 
ßten Deutsch, dem Gothischen, Schreibung und Sprach- 
lehre, am vollkommensten, so noch im Mittelhochdeut- 
schen beides vil einfacher und befser war, als jetzo, 
ist anerkannt, und <}avon zunächst auszugehn, vilmer da- 
hin zurückzuk^!H|||ib Um so eher darf und kann mit und 
an solchen Mittelhochdeutschen Werken, wie die hier vor- 
ligenden, ihre richtigere Schreibung hervortreten: sowie 
auch hierin mein unlängst erst im hohen Alter immer noch 
zu früh verstorbener edler Freund Lafsberg schon 1820 
in seinem „Liedersaal" vorangegangen ist. 

Und somit seien alle lieben Freunde herzlich gegrüfst! 

Berlin, am längsten Tage 1855. 



Inhalt 



Seite 
Vorrede des Heldenbucbii. Aus der Strafsburger . 

Handschrift. 

I. Ortnit. Ans der Ambrajs- and Windhag - Wiener 

Handschrift 1 

II. Wolfdietrich. Aus der Ambras-Wiener Handschrift . 71 
in. Ortnit und Wolfdietrich. Hagens Bruchstücke . . . . 161 

IV. Hugdietrich und Wolfdietrich. Aus Hagens Hand- 

schrift. 167 

V. Alpharts To^. Aus der einzigen Handschrift 279 

VI. Die Ravennaschlacht Aus der Windhag- und Am- 

bras-Wiener Handschrift . 347 



Alte Vorrede 

des 

Heldeiibach(i# 



Aus der Slrafsburger Handschrift 



> I« '> 'i I »> / '> ^ l / 



•>:el*i%i'^Ssi'»i'J'>l^ 



i^^i^^^ Vorred zu dem Heldenbuch, i^^/wjcc/. 

-^ ^ (ß. i) 

Dis buch seid, wie die heild har komen sind, 
der stond ein deil in disem buch, vnd ist zu wissend, 
das der andern heild vil dusent sind gewesen, die nit 
hie slonl; vnd seit, wie all heild ab sind gangen vnd /jf.r?/. 
wie sü ein end haut genomen vnd von wem sü geborn 
sind oder wan(n)en. 

JVüuig Erendelle von Triere, der was der ersteheilt, der 1 
ie geborn wartt; der für über mer, vnd do er vff das mer 
kam, do hette er gar vil kiele, wanne er was gar ein richer 
kiuig. do gingen ym die kiele alsamen vnder; doch kam er 
mitt sim üb vsz, vnd kam ein viscber faren vnd balff dem 5 
heren vs. vnd also wz er lang by dem viscber vnd balff ym 
viseben; vnd binden nach kam er gon Jberusalem vnd kam 
zu dem beiigen grab, do was sin frowe emz kingez dobtter, 
die was geheissen frowe Bride, vnd wz ouch die scbönstte ob 
aln wiben. Vnd donach wartt ym geholffen von andern gros- 10 
sen heren, vnd kam wider gen Triere, vnd starp ouch zfi Triere 
vnd litt ouch zu Triere. vnd also ertnincken jon al sin die- 
ner, vnd verlor grosz gÄtt vff dem mere. 



A T*^/-Ali^w./.c^^^>:x//;. 



CXn Alte Vorrede des Heldenbuchs. / ^"^ ^Wy^ 



Von den landen vnd stetlen, wie die vor zillen 

band geheissen; vnd sind ouch die land YO^«sHtten der 

heild gesin. 

CS. 2) 

Vor zitten Lies das land zu Kelle vnd zu Oche vnd 
dar by vmb vnd dumbe, das liiessz Grippigen-land. in 15 
Jej»»»' *#»• disem selben lande worent vil heilde; der ein hiessz Luge ast y. t?^v< //^. 
y^ * (Lüdegast?), der ander Hug von Mentze, der dritt Grt- 
tewin von Bünne. 

Das land, dz nun heist Vngernland, das hiessz vor 
U/.f^<^|{S. ziten Hunnen land. in disem land wz king Etzel ein 20 
here; ez stössett an Oe strich land. 

Das land vnd die statt Wurmez, das hiessz vor zitten 
Burginne das (Burgunden?) land. in dem selben land wz 
king Gibich ein here vnd frowe Kriemhild sin dohtter; 
der selben der waz ouch derrgsegartteii. 25 

(Es ist ouch zu wissend, war vmb gott die deinen get- 
twerch vnd die grossen risen vnd darnach die heilde liessz 
werden. Zu dem ersten liessz er die gettwerch werden, vmb dez 
willen, daz das land vnd daz gebirge[n] gar wicste vnd vnge- 
buwen wz, vnd vil guttez vnd (von?) gold vnd von silbcr vnd edel 30 
gestein vnd berlin dor nütz, vnd dar vmb mahtte er die 
gettwerch gar listig vnd wise, das sü al ding wol erkaaten, 
wozu al ding gutt wz. sii künden ouch wissen, wozu die 
stein weren gutt. ettelich stein, die gebent grosse sterke; ette- 
lich stein werent gut, wen einer die stein by ym hatt, den 35 
l^yfl^ \ mohtt nieman gesehen: das hiessz ein nebcl kappen, vnd dar (5.3) 
vmb gap got den gettwerchen kunst vnd wisszheit; vnd do 
von so buwettent sii gar hübsche berge; — vnd gop in adel, 
das sü kinge woren vnd heren also wol, also die heild, vnd 
gap in grossen richtum. vnd do nun got die rise n liessz wer- 40 
den , das wz dar vmb, das so soltten die wildin dier vnd die 
[grossen wirme erschlahen, das die gettwerch deste sicherer 
i werent vnd das land gebuwen mohtt werden, darnach über 
lüzel jor do wurdcnt die risen den gettwerchen gar leid dun, 
vnd wurden die risen böse vnd vngctruwe. dar nach beschuff 45 
gott die starken heild: dz was do zfi mol ein mittel folg^ vnder 



4. ,vr^..v.. -: ii'.i-ic^^is (jfiJ^w^^ 







der diigcr hamd Mg. ¥ad ist xft viss«fed« du & kttkto irur 
fil jor gar g c ua»e racBd vnd gar bideib; md dar mb ao^ 
t ent sä äe^ getweiyn a& hil ff koitteQ_wider_jj fe Tngt tmwtwi 
lisen rad «ider dfe wflden &r Twtd wmme; waane daa la&d 50 
r^y^^'waz in den ntten gerb Tngebuwen md wieste. dar ^rmb 
^'^^liafctte got starg lieQde Tnd gap den heilden ein aattur«« dai 
ir matt Tnd suüjiipme miestent ston vff manheid Tnd rft ero Tnd 
vff stritten Tnd beisen , do was ooch ettewio fil king« Ynd ^ 
heren Tnder den getweigen, die betten ouch ettewio fil liten 55 
zu £enem; wanne sd al wegen bettent rube Tnd wieato weld 
Tnd gelnrge nohe by ir woninge figend. Es ist oaob lA wis- 
send, das äae heild al wegend firoweniülitt Tnd ere an sobond, 
Tnd das OT wjttew^ Tnd weisen bescbiimeten, tnd das sü kd-(^/) 
ner £rowen kein leid dottend, ei wer danne libi nott, Ynd tl fiO 
wegen £rowen zu hilff komen, Tnd dai sü tU manbdd durcb 
der firowen willen dotten in eniest Tnd oucb in scbimpff. Es 
ist oneb zu wissen, daz ^ risen aUesamen woren koisor vnd i A Ai///» \ ^ 
kinge Tnd berzogen Tnd grofen Tnd beren Tnd dienstlütto Tnd [ ''' * ^** 
ritter Tnd knehtte, Tnd woren all samen edel liitte, Tnd wartt 65 
rs^ nie kdn pure nie kein beild, Tnd doTon sin d all b eren Tnd >*. cKKn/, 
,^rj^^er ädel komen, ^f^^r^Myf^ .fi^^^-^JL. />/..ffM,S,/>^/^sX AiV 

Hagen Ton Trowe, dn kieniip bald. '^^^//* 'j^^'j. 

Waltter Ton Kerlingen, ein^heiltt 
Felcher Ton Altze, genand fideler: er ftbrtte ebi 70 
fidele in sim schild, dorTon nanta man in also, 
er WZ frow Kriembieltt swestersfln. 
Stieffang, ein kiag Ton Ypperland, dai litt in 

Vngernland. 
Ein rise biessz Asperion; der fdbrtt zwej swertt in 75 

einer scbeiden , do mit er vebtten kmid. 
Scbruttban, ein rise; dem warent die Prnssen Tnti 

an daz mer Tndertan. 
Herbotte, ein herzöge Tnd ein starker heilt 
Wolffhart; der wz Hilttebrandez swester sfln, vnd 80 
WZ Amlung Ton Gartten sin Tatter, Tnd wz 
herzöge Brebtungsin grosz Tatter Ton der mAtter 
bar. vnd Alphartt wz sin brftder; wz oucb ein • 

kiener heild. 

H 



CXIV Alte Vorrede des Heldentmohi. 

Sigestup waz ouch Hilttbrandez swester sun, vnd 85 
waz Ameling von Gartten ouch sin vatter. nün(5,j) 
lid Gartten vnd Berne nohe bigenander.^ t^^/. 

Von Dennenmarg ein king wz, jung vnd hiessFrüt. 

Margrofe Riediger von Bechelor; dem gap king 
Ginter ein dohtter: daz wz king Gibichez 90 
süns dohtter. 

King Härtung vsz Russen land. 

Der 8ch6n Diettrich usz Russen land. 

Witt ich, ein heiltt. 

Wittich owe, sin brÄder. 95 

Jr vatter was genant Wie land vnd wz ein herzöge, 
vnd vertribend in zwen risen vnd gewanen im 
sin land an. do kam er zä armüt , vnd do nach 
do kam er zä king Elbe rieh vnd wart sin geselle 
vnd wart ouch ein schmid in dem berge zu Gloc- 100 
kensassen. do nach do kam er zu king Her- 
ta ch, vnd von dez dohtter do mahtt er zwen 
sien. 

Jtem ein heiltt hiessz der getruwe Eckhartt von 
Brisach, von dem geslehtt der Harlinge; der 105 
waz ouch diz land in Elisas vnd in Pris gowe. 
vnd do kam ein keiser, der hiesz keiser Ermend- 
rieh; derselbe hing die Harlunge. dem selben 
Eckehartt dem wurden enpfoln die jungen Har- 
lunge; donach slüg er keiser E(r)mentrich zu 110 
dode. der selb Eckehartt der sol noch ston 
vor frowe Fenuz berg, also man seit. 

Ein heild hiesz Heime, was Adelgerz sün, einz her- 
zogen, vnd hette iüj eilen b ogen. (.S*6) 

King Gintterz sün der ersl&g den alten Hiltte- 115 
brand vor der statt zÄ Bernne. Do wurde(n) 
ouch all heild erschlagen. 



cxmvii 



AÜ^ Ycmrede des Heldenbud^s* CXY 

XK/. Heilde in Gripdenland^ daz ist in dem land Kelle 

vnd darby. 

Ein heild hiesz Ludegast; der wartt von dem von 
Bernne erslagen. 

vnd Hug von Mentz wartt ouch von dem Bern er 120 
erslagen. 

Orttewin wartt ouch von dem Bernner erslagen. 

Helffericli von Bunne. 

Diettlip von Stiere vz Stirmarg, der wz Bitte- 
rolf fz sün, der waz viff der Dünowe gesessen. 125 

Ecke vnd Vaso(l)t vnd Obendrott, die worend 
Menttigerz sien vs Cicilgenland; vnd Menti- 
•gerz wip hiess Gudengartt, die wz der driger 
süne mütter. • 

Frowe Heriche wz kingEtzelz wip, die Lette zwen 130 
sien, die erslug Wittich vor Haben zu dod in 
dem stritte. 

Kunze, die was Ecken vatter swester, vnd Heuti- 
ger waz ir bruder. die selb Küntz hatte zwen 
sien: der ein hiess Zerre, der ander hiesz Wel- 135 
derich. 

Rünzen bruder Heutiger hat ouch zwen siene: der 
ein hiesz Ecke witt, der ander hiszEckenod. 

Ein heilt wz genant A d e 1 g e r ; der waz H e y m e n vatter. (s.7) 

Von Ottnid dem keiser. 

Keiser Otnidez vatter der waz ein mehttiger king vnd 140 
hatte vü gütter land vnd lütte vnd wz gesessen in dem land 
Lamp arten vff einer birge, hiesz Gartten, das noch hütt 
dez dagez in Lamp arten lid. do nam der selb Ottnid ein 
wip, die was dez kingez von Bussen swester. vnd do sü 
1/ lange bigenander gewaren, do betten sü gemne ein kint geha- 145 
ben: do mohtte ez nit sin. do botten sü gott vmb ein 
kint: dz mohtt aber nit sin. das wüste king Eiberich dz 
twerch wol, dz sü also got bottent; wanne er nohe by yra 



CXVI Alte V^nrede des Heldenbnehs. 

(yn?) gesessen was. er wz ouch gar wise von dem gestimne 
vnd an kunst vnd wüste wol, das su von dem manne kein 150 
kind wnrd machend; vnd wz ez king Eiberich gar leid, das 
sie solten sterben on libez erben; wanne er fo(r)htte, daz ym 
böse, vngetruwe nochgeburen in sin lande wurden gesettzet, 
dz ym schaden m6htte, vnd gedohtt: „du bbt ein king vnd 
bist also gutt, also sie ez ist; weger, do werd dem lande ein 155 
here, wanne nit." vnd ging dar vnd nam ein fingerlin an sin 
hand: do waz ein stein ynne; wer das fingerlin oder den stein 
by im drfig, den mohtte nieman gesehen: daz hiesz in den 

/. >«c>(A. zitten ein nebel kappen, vnd f&r zfi der kingin, Ottnidez 

m&tter, vnd kam zu ir in ein kemnotte, do sü an irm gebette 160 
was, vnd mohtte sin nit gesehen, nun was king Eiberich 
gar starg, das kam ouch von edelm gestein , vnd über kam 
die kingin wider ieren willen, do wart sü keiser Ottnidez 
swanger. do seitte er ir, wer er wer, vnd gap ir dz fingerlin 
vnd seit ir, warvmb er ez geton hette, durch dez besten wil- 165 
len. vnd darnach über x ior, do waz der altt king Ottnid(sr.^) 
ein altt, swach mann, vnd gebott gott über in, daz er starp; 
do enpfalch er sinen sün dem kinge von Russen; wanne er 
waz siner m&tter brüder. vnd also viel das king rieh an den 
jungen heren Ottnid, vnd wartt darnach Bömscher keiser, 170 
vnd waz er king Elberichz liplicher sün, das nieman (wiste), 
wanne er vnd die kingin. 

l: Cm ^ Derselb keiser Ottnid, Elberichz sün, was gebom vs 

31^^ Lampartten land, ein mehttiger king. 

'^ Kaiser Ottnidez mütter die waz king Elegastez swe- 175 
ster von Russen land. der selb king von Rissen der 
wartt zoruig über sin swester Elberichz wegen, do dis Ei- 
berich befand, do brohtte erz mit sinen listen wider vmb zu 
frintschafftten. 

Dem selben keiser Ottnid, dem dient Russen land vnd 180 
ouch daz land zu Bernne. her Diettrich von Bern wartt 
dz selb land Bernne donach über zwey c® jor. 

Keiser Ottnid betwang die land von dem gebirge vntz 
an daz mer; ym diende ouch Rome vnd Latran. 

Er waz gesessen do zu mol in Lamparten lande vff 185 



Ahe Vonede des Heldenbnchfl. OXVn 

einer vesten, die wz nohe gelegen by dem land Bernne. 
Ottnid hatt zij man sterg. 

do hatte er vff der festen zu Gartten hzij man; dz 
waren ein deil grosse heren vnd herzogen vn grofen vnd dinst- 
man, die ym nohe zu gehortten von sibschaft. Keiser Ottni- 190 
dez vatter vnd alz sin geslehtt furtten einen helfPand an dem(s>9) 
sdultte vnd vff dem helme. 

aber do Ottnid Bemscher keiser wartt, do f&rtte er 
einen swarzen adeler, also onch alle keiser noch dunt, die do 
Bdmsche keiser sind. 195 

Dise waren keiser Ottnid ez diener vnd sin rot geben: 
der king J g^legast von Bdssen; der waz siner mftt« 

ter brftder; 
der trossesse ab Oartten; der wz keiser Otttnid(8) 

8 wester sfln; 200 

der margrofe von Thftschan vnd (der) keiser die 

woren zfin andern kinden; 
herzog Gerwartt von Trowe; wz Ottnidz swoger; 
do waz herzöge Zache ri es; der wz gesessen zwi- 
schent der Ettsche ynd dem mer; der was von 205 
ym verlehent. der selb herzog dett Ottnid grosse 
frindschaffl;: er besteltte vil spisen vnd kiel, do er 
über mer wollt fom. 
do WZ der king von Messin sin lieber diener vnd 
rottgeb. 210 

Keiser Ottnid nam ein elich wip ginsitt merez; das waz 
einz kingez dohtter; der waz ein beiden, gesessen zu Bachaol, 
vnd WZ sin lant geheissen Nider Snrgenland, vnd in dem 
land lag em stat, genant Sfiderz. er hatte aber ein statt, 
die was geheissen Mijptabur. vnd in der selben statt do 215 
WZ der king alwegen gewenlich mit sim wib vnd mit siner 
schonen dohtter Siderott aber Ottnid nam ym die dohtter 
mit gewaltt vnd deifiltt sd, vnd wartt sin elich wip. vnd do(8.iO) 
schickett ym der heyde zu leid j risen vfi sin wip vnd zwen 
ling wurme; die sollten sd ziehen, vntz sd grossz wurden, heim- 220 
lieh in Ottnid ez lande: also euch geschach. die selben 
wunne woltte keiser Ottenid erslahen; vnd also drugen die 
wurm keiser Ottnid In den berg vnd ossend in, dz er starb. 



CXVin Alte Vorrede des Heldenbifchf. 

darnach enpfand ez Wolff diettrich; der erslög der wurm 
vil zu dod, vntz an einen: den erslüg her Diettrich von 225 
Bernne darnach wol über Ixxx jor. vnd do Wolff diett- 
rich also die wurm erslagen hatte ynd sinen gesellen Otnid 
gerochen, do nam er Ottnidz wip zu der e; die hiess Side- 
rott. Otnid waz in der eiltt, also Wolff diettrich; doch 
WZ Ott nid vüj jor eiltter. ^3 

Herzog Brehttung was ein richer, biderwer herzog vnd 
ein wiser man; was von Merian gebom, vnd hatte sehzehen 
sien: das woren all herzogen, vnd waz der vatter vnd die 
sienne all Hug^el diettrich(s) vnd Wolff diettrichsz die- 
ner vntz an iren dott. 235 

Herb r and wz Berttungez sün der eilste. der nam dez 
riehen Wer(n)herez dohtter zu Derenfals (Terfis?); die 
hiesz die schön Am ige. Herbrand wartt ritler zä Dusch an 
vor dem closter. der was des altten Hilttbrandez vatter vnd 
minch Eilsams, und AmenQld(s) von Gartten frowe die 240 
was sin dohtter. 

Hache wz ouoh Bertun^ez sän. 

B^echeler wz ouch Berttungez sän. 

B(r)echttung, der jung, wz ouch sin sün. (ä//) 

Hilttbrand , der junge, wz ouch sin fön. 245 

Vnd sesse sin er sien wurden erslagen von Wolff di et t- 
richs br&der Waözmut vnd B^gen, by Wolffdiett- 
rich vor Wolffdiettrichz vnd siner diener vesten., 

Die andern fier siene komen darvon. Vnd also staxp 
herzog Bertting, diser knaben vatter, in king BogenB vnd 250 
in king Wasemütz gefengniase. Dise zwen kinge woren 
Wolffdiettrichz brieder, wie wol sie Wolffdietrich vsz 
geetossen hatten von sim erbe vnd jm sin dienstUtt gefan- 
gen hetten; aber Wolffdiettrich betwang sü zu lest vnd 
loste sin dienstmanne wider, vnd besa^ er sin erb wider vmb. 255 

Also WZ der altt Hildbrand vnd sin geswister — (^e 
waren Hachen swester vnd siner aadem geswister br&- 
der kind. 

Higel4iettrich(s) vatter was ein king in Kriechen- 
lande, vnd waz em gütter Eristen, vnd wz geheissen king An- 260 
zigus, vnd wz gesessen z& Constautuopel vff einer vesten. 



Alte Yoirede des Heldenbuchs. CXDL 

vnd do er gestarp, do erbet Hügeldiettrich daz ganz king- 
rieh vnd wz ouch zu Constantnopel. 

Vff den selben dag, do king Anzegus starp, do waz sin 
sün Higeldittrich ahzehen jor altt. vnd furtt king Anzi- 265 
gus ein rotten lowen in dem schiltt: das selb hat ouch sider 
gefiret sin sün vnd Wolffdiet trieb vnd ir nachkomen. 

Higeldiettrieh der vorgenand erwarp sin frowe mit 
sidennegen vff eim dumne. vnd die selb junfrowe er also 
erwarp; die waz genant Hiltteburg vnd ir fatter king Wol- 270 
gunt vnd ir mütter Liebgartt, vnd woren gesessen vff einer 
birge genant Salnecke. also mahlte Hugdiettrich iij 
sienne mit der selben frowen Hiltteburg. 

. Der erste sün hiess Wolffdiettrich, wartt ein B^m'{SJ2) 
scher keiser vnd wartt dez Bernerz gross vatten 275 
Der ander sün hiessz Wasemütt; ein king. 
Der dirtt hiessz Bogen, ein king. 

Wolffdiettriehz erste wip wz genant die ri(u?)che 
Elise; dornoeh wart sü genant Sigeminne, die schönste ob 
alhi wiben. 280 

Darnach mahtt Wolffdiettrich ein sün ynd 0iiie[il} 
dohtter mit keiser Ottnidez selgen wip. das selb wip wz 
einz beiden dohtter ginsitt merez vsser Surgen land. 

Der sün wartt genannt Diett mar; vnd der selb dett den 
ersten stritt an die beiden vor dem closter zu Thuschan, do 285 
er oueh ritter wartt gemahtt, vnd wartt ouch in der selben 
woehen zu keiser gemahtt: daz sehüff Wolffdiettrich sin 
vatter vnd besehaeh mit aller firsten vnd heren willen, vnd 
also was frowe Siderott Diettmars mütter. 

Wolffdiettriehz dohtter hiesz ouch frowe Sidrött. 290 

Also mahtte der selb keiser Diettmar iiij siene. der 
erst Diettrich von Bernne; vnd wartt ym oueh der name 
„der her von Bernne." also wz Wolffdiettrich dez Ber- 
nerz gross vatter. 

King E(r)menttrich vnd king Harlung woren ouch 295 
Diettmars sien. nun hatte Diettrich von Bernne ein 
brüder genant Diett er; der wartt .erslagen in sinen jungen 
tagen. 

Ez ist zu wissend, do des Berners müter den Bernner(Ä'.y^) 



cm AHe Vorrede des Heldenlmdii« 

drftg vnd sin Bwanger was worden von irme. manne Diettmar, 300 /. ^^/ 
de ist ssu wissend, das Machmett, also heissen etdich besen 
geister an den selben zitten, do der selb Machemett mahtte 
'sin gespenste, der schüff, daz dez Bernerz mütter einer nahtt 
getreimett in dem sloff, wie ir man by ir slieffe vnd in der 
selben zit wz Diettmar in einer reisen, vnd do sü erwachette, 305 
do greiff s4 neben sich, do greüf sü vff ein ^faolen geist. do 
sprach der geist; „du soltt dich nit fe(r)htten, ich bin ein ge- 
höret geist: ich loss dich wissen, den s&n, den du von Diett- 
mar treist, der sol werden der stetkesi.g^ist, der ye oder 
iemer gebom sol werden, vnd von dem drom, also dir ist ge- 310 
treimet, dovon so wmii; jm^das fir yssz deip^.mnpd schiessen, 
80^ er zornig württ, vnd gar ein biderber heillt** Vnd also 
bnwett der diifel ein g&tte schon bürg in drigen dagen: dz ist 
die bürg zfi Bernne. 



Hiltfbrand vnd sin geswister sind herzog Brehthingez 



Hilttbrandy der altt, wz Herbrandez sfin. 315 

AGnch Eilsam was Herbrandez sfln. 

Amelott von Garttenz frowe wz Herbrandez 
dohtter. 

vnd also was Hach vnd sin geswister diser vatter brfider. 

also WZ herzog Brehttung diser groszvatter, Hillt- 320 
brand(s) vnd siner geswister. 

Amelott von Gartten hett Hilttbrandez vnd minch 
£il8am(s) swester, mit der hette er dise nach geschriben siene; 
der waren drige, vnd wz Berttung iv groszvatter: (S.N) 

der erst sün wz Wolffhartt, der ander Alphartt, der 325 
dirtt wz Sigestap. die drig waren Hilttbrand(s) swester sien. 



XV. 



AUe Vmrrede des Heldentraelis. CXXI 

Das sind die heren rssz Niderland vmb Wnrmez 

ynd Meintz vnd Kell vnd Och. dis land hiessz vor 

zitten Grippem .'^'^ das selb land wz king Gipis von 

Warmez ; der hatte ein dohtter Kriemhiltt, die [die] pflan- 

zett ein rosegartten woneclich zu Wurmez an dem Rin. 

Frowe Kriemhiltt nam Sifritt vs Niderland. 

king Gintter wz king Gippis sftn. 

king Gernott wz king Gippis sün. 

Giseler wz ouch sin sün, der wartt jung erslag^n. 330 

]g;eilckej von Altz(ei), ein fideler genant^ der was 
Krimhiltt swestersün. 
Sifritt ein king vsz Niderland, dez waz daz land Wur- 
mez vnd do noheby, das land lag nohe by king Gibich ez 
land. sin vatter hiessz king Sigemnnd vssz der Nibelunge. 335 
dem Sifritt wartt Kriemhiltt gemaheltt vnd wart in dem 
Rosegartten erslagen von dem Bernner. 

King Gib ich vnd sin dohtter Rriemhilt bettend ein fer-(^,/^) 
gen zfl Wurmez an dem Bin, der waz gar ein grosser, star- 
ker man vnd heiltt, vnd der hatte zwölff sien. der selb ferg 340 
WZ genäl Nottbrehtj . /. jiif ^^^L J^i^p*-UKh 



Von den heüden vnd von den heren von der 

Hdnen land, das felb land heissett nun Yngem land vnd 

dz selb land wz hing Etzelz vssz Vngemland. 

Dise noch geschriben heren vnd heild waren alle king 
. Etzelz diener vff die reise, also man in den Bosegartten zoch 
vmb die rosen stritten, vnd hiess Ezelz frowe Heriche. 

Diettrich von Bernne wz Diettmarz sftn. /.)^.^#«>a345 

Hilldbrand waz Herbrandei sfln. 

minch Eilsam Hillbrandez brftder. 

Amelang von Qartten der was Alphartts vnd 



CXXH Atte Vorrede des Heldenbaebsl 

Wolffharz vatter, dem wartt enpfohlen dez Bernerz land 



vud sin erb vnd ouch frowe ütte sinz swogerz Hilttbrandz 350 
wip. do sprach Ämelüng von Gartten zu Hilttbrand 
sim ö woger,* das er ym Hess enpfolh sin AlpEortt vud Wolff- 
harit sin-siene. 

Dez Berners erste wip hiessz Herttelin, die wz dez kin- 
gez dohtter von Porttugal. er waz gar ein biderwer king. 355 
et vahtt al weigen an die beiden vnd wartt ouch von den hei- 
I»//v J^A^^Xx/xjJ^n erslagen. also kam king Gro^ldemar vnd stal ym sin 
'dohtter, das die altt kinginne von leid starp. do kam der Bern- 
ner vnd nam sü Golde mar wider vmb mit grosser arbeit, 
doch bleip sü lutter vnd rein von Golde mar. also do dis 360 
erste wip gestarp, do nam er das ander wip, die hiessz(5./tf) 
Herr Ott vnd wz king Etzelz swester dohtter vsz Vngern 
land. vnd wz der Bernner salb fird gebrfider, der ein 
hiessz E(r)mentrich, der ander king Harlung, der dirtte 
Dietter der jung[e, der] erslagen wartt. 365 

C Ez ist zu wissend, daz der vor gesehriben Emen trieb 
I hatte einen marschalg, der sin oberster waz daz land zu be- 

sorgend, der waz geheissen der getruwe Sibiche. der hatte 
gar ein schone wip, vnd sü waz ouch gar biderb, vnd die selb 
die hatte Em en trieb zumal gernne besloffen. vnd er ging 370 
ir lange zitt nach, vnd sii woltt sin wiUen nit dun. do ging 
Ementrich vnd schickett Sibich gar verre, das er mieste 
xij Wochen vsz sin; vnd die wil do fand der keiser einen fund 
vnd leitt an mit andern frowen, daz sü ein hoff an leittent, vnd 
hatte ouch bestellet mit ettlichen frowen vnd ouch mit sinen 375 
dienern, das sd yin liilfen wege öÄchen,' wie er sü über keine, 
also ni&n der hoff wartt gemahtt, ez mohtt nit gond; do wartt - 
aber ein hoff gemahtt, vnd do noch zwenne: vnd an dem Ver- 
den hofe do wartt ein fand gedohtt mit besen wiben, das sü 
mieste sinen willen dün, zfi Badowe; vnd das mieste sü dün 380 
über irz herzen willen, vnd mit grossem leid, vnd also wartt 
die frowe gar vngemütt vnd betrtebtt eweclich vntz an im dott 
do nun Sibich ir man er heim kam, do fing die frowe an vnd 
seitt ym, wie die sach ergangen waz. do sprach ir man: „nun 
bin ich ie vnd ye gewesen ein biderb getrwe man vnd wartt 385 
mir der namine geben „der getfuve Sibifeh:" n&n "«fil ich(Ä.//) 



Alte Vorrede des Heldenbuelu. CXXUl 

werden ein vngetruwer man vnd wil werden (ge)heißsen der vnge- 
truwe Sibiche." vndving do an vnd sprach zu sim heren, keiser 
Ement trieb: ersoltte sins bräder kinden ir land vnderston vnd 390 
soltte in ein slossz nach dem andern angewinen. das waz daz land 
in Prisszgowe vnd vmb Brisacb. wanne sin bruder Har- 
lung hatte gelossen zwen sien, dz waren zwen starg junge 
kinge, vnd waz jnnen zu vogette geben ir land zä besorgend 
vnd zu eim zühttmeister ein her, der waz ein heild vnd waz 395 
yiv/L genant der ,,getruwe Eckhartjt." der waz gesessen vff 
einer birge nidewendig"^Brisach. der was der jungen Har- 
lung zühttmeister. 

C also schückett der keiser nach den jungen Harlungen, 
sinz brüder kint, vnd hiessz sü erhenken; vn das beschach. 400 
nun waz vff den dag der getruwe Eckhartt nit doheim by 
innen vnd wz geritten ein reisz wohin, das er in ir land be- 
sorgette. darnach enpfand ez Eckartt schier, vnd gieng 
dar vnd befalch vnd besatte alle slossz, das sii nieman sollten 
inlossen. also reid der getruwe Eckhartt z& dem Bernner 405 
in sin land vnd seitte jm die mere. do för der Bernner 
vnd Eckhart in Ementrichz land, vnd gewanent ym das 
slossz an, do er vff sas, vnd erslügen ouch gar fil hundertt 
heild. do kam der keiser vnd Sibich zu fusse dar von. dar- 
nach slüg er dem Bernner ettewie fil heild zfi dode vnd ving 410 
ir wol ehttewe. do bette ouch keiser Ement rieh zwen siene, 
der hatte der Bernner den einen ouch gefangen, also schik- 
kett der Bernner zu sim bröder king Ementrich, daz er jm 
soltt sin diener lassen [soltt] lidig, so woltt er im sin sün ouch(i9./^ 
lidig Ion. do enbott der keiser Ementrich sim br&der' wider 415 
vmb, er mohtt mit sim.sün dun, wz er wolttc, do lege ym kein 
nod an; wollt er sin viij heUd han, so mieste er ym als sin 
land lidig lossen, vnd darzü sin sÄn ouch lidig, vnd zt f&sse 
enweg go(n). do wüste der Bernner nit wol, wie er dün 
soltte, vnd nam sin rott geben, do sprachen sin rott geben, 420 
ez were weger, er ferlür sin heild, denne sin lant; so mieste 
er doch ein arm mensch sin. do sprach der Bernner: „daz 
wel got nit! do ist ir dol (dolest?) keiner vnder den viy heilden, 
lege er allein gefangen, eb ich in liess d6tten, ich ginge e 



UXXIV Alte Vomde des Heldenbnelis. 

von alm mime lande/' vnd also gap der Bernner dem keiser 425 
sin sün vnd sin land wider, vnd loste sin heild, vnd ging er vnd 
sin diener zfi f&sz enweg. do kamen sü gen Bechelor zu 
margrof Kftdigerz wip. die gap in allen zu essend vn zu 
trinken, vnd do gingen sü firbas in ein ander slossz. do 
kam der margrof e Rüdiger on al geferd geritten: do sach er 430 
die heren an ein fenster ligen. do reid er in dez worttez hus, 
do sach er den Bernner: do knuwett der margrof nider. do 
sprach der Bern er: „stont vff, ich bin ein arm man/' vnd seit 
ywLy wie ez ergangen waz. do sprach der margrofe zu dem 
wurtte: ,,gip jm zfi essend vnd trinkend genüg." do enbott der 435 
margrof Büd ig er dem kinge Etzel, wie ez vmb die heren er-(5jp) 
gangen waz. do kam king Etzel mit vil luttez vnd f&rtte den 
Bernner vnd sin heild vnd den Hilttbrand mit jon vff sin 
rxx/ borg zu firowe Herc^in, king Ezelz wip. nun was &owe 

Herche gar ein stoltz kindig wip. do nun der Bernner wol 440 
vi\j dage do waz gewesen, do hatte sd den Bernner neben 
sich, vnd sprach also zfi dem Berner: „sustu Bern er, min 
here Ettzel hatt einer swester dohtter, die soltt man lange be- 
ratten han, do kund sd nit iren glichen über komen. nun hat 
min her vil king rieh vnd vil landez von heren, rittem, kneht- 445 
ten, die ym verbunden sind zu dienend; do wil ich dir ahtten, 
das dir dry king rieh werden, min her hatt doch on das ge- 
nüg, so bekomestu dinz leidez wider vmb.'' do nam sich 
der Bernner zu berotten mit dem Hilttbrand. do riet im 
Hiltbrand: sit ein mol daz ez also ergangen were, vnd euch 450 
dz sü ein wolgebom wip were vnd jrm wol gezem, so wer ez 
weger, er dette ez, wenne nit. also wartt die brut (brutloft?) 
voUendett, vnd wartt ein grosser hof gemahtt, vnd kamen vil 
heren vnd heild dohin. do schickett der king vssz in Vn- 
gernland, also wite ez waz, wenne ez sin eigen land was^ 455 
nach allen hengesten vnd rossen, die man iergen kund finden 
. vnd gap dem Bernner vnd allen sinen dienern ross vnd 
pferd, vnd gap inn wol xviij dusend der besten heild, vnd ge- 
wanend do dez Bernerz land alz wider vmb. also kam der 
Bernner wider zu sim land vnd lütten. 460 



Alte Vorrede des Heldenbuehs. CXXV 

(S.20) 

Wie alle heild ein end namen ynd alle erslagen 
wurden, vnd wie Diettrich von Bernne ferlorn ist wor- 
den, dz nieman weisz, wo er ist kernen. 

Es ist zu wissend, do king Etzel sin frowe He rieh e ge- ^xx;/ 
starp, do nam er darnach king Gibichez dohtter, dz wz 
frowe Kriemhiltt, die vormals king Sifritz wip wz in Ni- | 
derland, der do erslagen waz von dem Bernner in demRo- I -'Y^-! 
sengartten. daz mütte frowe Kriemhiltt gar sere, vnd %65 
wartt dez Bern er z vnd aller Wij finge figend, cQe do vss 
der Hünen land waren, do vand sü ein b6sen frmd, wie daz 
die Wil finge erslagen wurdend, vnd darvmb so nam s4 
king Etzell, wanne er was der richste vnd der gewaltigeste 
king; vnd sü meinte, daz er den Wil fingen aller hast mohtt 470 
wider ston, vnd mahtt ein grossen hoff vnd dett den schrigen^ 
yn alle land zu allen heilden. do komen alle heild do hin. 
das wz zu Ofen, in der statt, die litt in Vngern land, vnd dz 
selb land wz king Etzelz. do hatte sie gar ein grossen has 
vnd nid heimlich in jrm herzen an die Wil fing vb Hinen 475 
land, vnd wz darvmb, daz sü hatten iren man erslagen in 
dem Rose gartten, dz wz Sifritt der hirnin vsz Niderland. 
also waz der hoff geleid zu Ofen; die selb statt wz ouch king 
Etzelz. do ging die kingin zu Hagen fon Drowe vnd h&U(s,2f) 
in, dz er dSe heild zu im neme vnd ein gereisse ane finge 480 
vnd ein hader, also dz die Hünschen heild al erslagen würden. J(l. ' 
do sprach Hagen: daz kund er mit kein eren an gefohen; 
wer ez aber, daz den stritt ieman an finge, so woltt er sin 
aller bestez dün. do nun fro Kriemhiltt sach, dz Hagen lRMi}fwr'\ 
nit wider sin ere wolt dün, do hatte die kingin ein jungen sün 485 
von zehen joren, zu dem sprach (sü): „louff, slach Hagen an ein l 
backen; ez ist giner, der dortt sizett." do ging der knab vnd ) 
slüg in an ein backen, do sprach Hagen: „dz wil ich dir gern 
verttragen vmb diu kindheitt; wer ez aber, das du mich me 
sliegest, ich mohtt dirz nit vertragen.'^ do wz sü fro, vnd sprach 490 
aber zum kind: „louff vnd slach in ander werb.'< der knab dett 
daz in sin mütter hiess. do er in nun aber hatte geslagen, do 
stund Hagen vff: „daz hastu nit von dir selber getan.^' vnd nam 
dz kind by dem hör vnd slflg ym dz hobtt ab. 



CXXYI Ahe Vorrede des Heldenbachs. 

C Do wüste jederaian vff, vnd einer, vnd aber einer, do zwen, 495 
do drige,.bitz man ez vmb^n dunb in dem öbem sal gewar 
wartt, vnduJo in der stat, vnd do vmb. vnd do lieffen die heild 
al zu samen vnd sl&g je einer den andern zA dode , vszgeno- 
men der Hilttebrand, der bieg vna stach sich vsser in, doch 
so wurden ym zwo wunden gehowen in sin hobtt. 500 

CDo WZ der Bernner in der stat in einem andern huse 
vnd wüste nit vmb die sach, vntz dz Hilttbrand wund züym 
kam vnd ym die mer seitt. do lieff der Bernner bald vnd 
woltt lügen, WZ der mer wer. do vand er frowe Kriemhild(^.22) 
zwen Jydedfir i^ die ving er vnd band in al üer zu samen vnd 505 
ging do enweg. donoch kam frowe Kriemehiltt vnd fand 
ir zwen brieder also gebunden ligen : do lag ein swertt neben 
in, do nam sü das swertt vnd biege in beiden dz. houbtt ab 
also gebunden, do kam der Bernner vnd woltte han bese- 
hen die zwen gebunden man: do wz in beiden dz hobtt ab. 510 
do sach er frow Krimhiltt for ym gon: do hatte sü ein 
swertt in der hend. do sprach er: „ir band den zweigen dz 
hobtt ab geslagen." do sprach sü „io." do nam er daz swertt 
vnd bieg sü mittel ynne enzwey. also wartt gar vsser mossen 
fil heild erslagen. also reit der Berner vnd Hiltbrant en- 515 
weg. die selben wunden woltten Hilttbrand nie geheilen 
vntz in sin dott. 

C Vnd do nach wartt aber ein stritt bered, der geschach 
vor Bernne. do wartt der altt Hilttbrand erslagen vnd 
king Gintter, das wz frowe Krimhiltt brudor. vnd do kam 520 
, ^^ ie einer an den andern, vntz sü all erslagen wurden, alle die 
;iit, heild, die in aller weit worend, vntz an den Bernner. do kam ^'^' '*. 

ein cleinz getwerch vnd gien(g) zu dem Bern er vnd sprach zu 
ym: „Berner, Bern er, du soltt mit mir gon." do sprach der 
Bemer: „wo sol ich hin?" do sprach aber dz twerch: „du soltt 525 
mit mir gon, ^ rieh ist nit me von diser weltt." also ging er 
enweg, vnd weis nieman, wo er komen ist, vnd ob er noch lehj(S.23) 
' oder wo er vff ertrich hin komen sige. vnd vff den selben dag 
wurden all heild abe geton vnd erslagen, ' vnd wz niergen kei- 
ner me in aller weltt. iw^ y. rx;// ^. 530 

C Man meint ouch, der getruwe^ Jl c kart sü noch vor frowe y. cxk/m 
Venuz berg, vnd solle ouch do sin vntz an den jungesten dag. 



cx»v . 



Ortnit 



Aus der Ambras- und Windhag-Wiener Handschrift 



Knnig (ta*tnides Pnecb hebt sich an« 



I. 

E[BlCXCyi,S,i,Sp.a] 
z ward ein p&ch fimden ze Suders in der ftat, /yy^v. 
daz hei fchrift wunder, daran lag manig plat. 
die haiden dureh ir er^e^ die ketten daz begraben: 
nu foi wir von dem pueche guet kurzweile haben. 

2 Swer in frewden welle, in kurzweile wesen, 
der laz im von dem pueche (Ingen oder lefen, 
von ainenä kunigreiche, daz hat Lamparten namen, 

daz endarf vor allen krönen fich des namen nicht enfchamen. 

3 £z wuchs in Lamparten ain gewaltiger kunig reich, 
dem was bei den Zeiten dhain kunig geleich 

vber allen lant ze Walhen, daz bezeichente daz, 

die weile vnd daz er lebete, daz er gewalteklichen fafs. 

4 Si muften alle furchten den kunig vnd auch fein her, 
deulant het er betwungen von dem gepirge vnz an das mer, 
den zins Q^ im muften bringen, die bei im fafsen do, 
die muften alle furchten fein gepot vnd auch fein dra. 

5 Durch fein knniges wirde gab man im den preis, 
gehaifsen was er Ortnit, ze ffcnrm was er weis« 
Breiffen unde Ferne daz was im vndertan, 

im dient auf Garte tagelich zwen vnd fibenzigk dienstman. 

1 



2 König Ortnit. 

6 Nach rechter kuniges wirde in seiner togende er rang, 
im hülfen die seine, daz er deu lant betwang. 

zwelf manne fterke het der wunder kuene man: 
im diente mit gewalte Rome vud auch Latran. 

7 Alfo der degen edelc gepanket het den leib, 

do rieten im die feine, daz er im name ain weih, 

die im ze haben zame vnd fra^e mochte fein 

vnd auch mit cren hiefse vber Lamparten ain ktinigein 

S Do fprach der kunig edele: ,,nu ratet mir, mage vnd man, 
als ichs in meinem lande allertenrifte han, 
wa ich ein frawen vinde, deu mir genpfsame fei, 
daz ich vor irem geflechte der fchame beleihe fk*ei/'* 

9 Do fafsens an dem rate wol in ftlnf tagen, 
vnd künden für die warhait dem kunige nicht gefagen, 
wa ß. ain frawen funden, die er mit eren m&chte nemen, 
daz ßi ßch irs rates hernach nicht dorften fchamen. ; 

10 Do fprach der marggraue Helmnot von Tufcan ; 
„fwaz kunige vus ift gefefsen, die fint dir vndertan; 
wirkännennindertvindeii dishalb meres über allev lant, /'iSip. ^7 
da ift kain kuuig fo reiche, er mdfse dienen deiner hant.^' 

11 Do fprach Ton den Reufsen der kunig l^liaB^ 
wan er nach Ortniden da der tewrifte was; 

„ich waifs ain firawen fchone vnd auch wolgebom, 
der gepat nie kain man, er biet daz haubet fein verloren.'^ 

12 Do fprach der kunig Ortntl: „nu fage mir furbaz, 
iriias, lieber ohaim, wavon mag wefen daz? 

wer ift ir geflächte? wer mag dev frawe feini 
. mag n mit eren haifsen vber Laroparten kunigeinr^ — 

13 „Iren vater wil ich dir nennen, der haifset Marchorel, 
geporen von Montabtire, fein leib hat moren fei, 

im dienet haiden mere, dan der Chriflenhait, 
.ze Iherufalem der herre die kuniges kröne trait. 

14 ^d_ei::s in Syrie daz ift fein hanb(e)tftat; 
fwer in potfcheften der frawen ie gepat, 

der muft den leib verliefen durch die kunigein: 
waz wil du mer ze fragen? fi wirl nimmer dein. 



Erste Äbentenre. 3 

15 Si leucht auz allen frawen als das fehöne golt 
tut neben ^nkem j^eie, daz du gelauben folt, 

fi leucht auz allen weihen recht als dev rofe t&t; 

ez ward nie kint fo fchJne; man fait, A fei aueh g&t.^^ 

16 Do fprach von Lamparten der kunig Ortneit: 
„nu bringet mich des innen, ob ir mir wage feit, 
ich wil mich getroflen des kunigreiehes mein, 

ich möfs den leib verliefen, oder mir werde di? kunigein.**^ 

17 Do fprach der kunig von Re wfsen : „ nu fei ez goi geklagt, 
daz ich dir difev mare hewle han gefagt, 

dev nach deinem tode dir anf erftanden 0nt, 

ich widerriet ez gerne dn pift meiner fwelter kint.^^ — 

18 „Swer mir daz widerratet, dem wird ich nimmer holt; 
ich han gehayen^ lange filber vnde golt, 

den hört wil ich na pieten, ich gewinne ain creftig her : 
ez ergee mir, fwie got welle, ich muznaeh ir hin ifber mer."^ — 

19 „KumbUt du ze Montabure^ fo fich dev zinnen an, 
zwainvndfibenzik haubet hat er geft ecket daran, 

deu er durch der frawen willen den polen hat abgeflagen: 
daz ich ir ie gedachte, daz wil ich gote clagen. 

20 Daz mir fo grofise jaraer davon nn künftig fint." [kint? 

. do fprach der [kunig] von Lamparten : 9,wie ift im fo lieb fein 
er fol nach feinem rechte loblichen tfin, 
gebe fi ainem manne, fo hat er tochler vnde fün." — 

21 „Daz ift im wol geraten, des hat er dhainen mut (Sp.e) 
vnd wil dich des berichten, warumb ers nicht entut: 

er hat im f&rgefetzet, des er fich folte fchamen, 

fwenn im den muter ftirbet, fo wil er die tochter nemen. 

22 Er fuhe gerne toten der frawen m&ter leib, 

durch daz fein fchöne tochter wurd fein liebez weib.*^ — 
„daz fol im got verpieten,^' fprach der kunig Ortneit 
„ich gerfie nimmer, vnz fi mir nahen geleif* 

23 Do fprach aber von Reufsen der kunig Tlias: 
„feit du dein gemuete daran gewendet has, 

vil manigen Lamparten wirt dev raifo ain fventag: 
iedoch wil ich dir helfen, fo ich aller pefte mag.'^ — 

!• 



4 König Ortnit. 

24 ,,Swer mir der raife hilfet, dem bin ich immer holt. 
Im fei auch mit getailet mein filber vnd mein golt, 
lanl Tnde bürge, darzu leni vnd gut; 

ich wil im immer danken, fwerz willigklichen tut, 

25 Dem bin ich immer wäge, dieweil vnd ich lebe, 
daz mir goi die falde vnd daz gelncke gebe, 
daz ich den halden irre feiner vnrainikait, 

vnd auch die maid fchone bringe her in die Cristenhait. 

26 Vil liebe fchargenofsey wir muefsen auf densee; 
got vns der falden gunne, daz ez vns wol ergee! 

f welch Criftenman erflirbet, dem wil ich geben froft, 
dem ift auch immer mere fein reinev feel erloft« 

27 Nu lat euch nicht verdriefsen, fart frolichen dar, 
wand wir muefsen fliefsen mit ritterlicher fchar, 
fwer mir nu helfen welle, der bedenke sich enzeit, 
mit frolichem mute''* fprach der kunig Ortneit 

28 „Wolln wir die haiden toten, die ninder Oriften fint/' 
do fprach Tlias vohRewfsen: „du bift meiu[er] fwefterkint, 
von rechte fol ich wagen bei dir leib vnd leben, 

ich wildir[fueren]laufentritter vndauch mich selben geben.'' 

29 Do fprach der Lamparte: „du halt in kurzer frift 
mir daz wol erzaiget, des du mir fchuldig bift; 
getrewer frewnde hilfe dev ift vil wunnicleich: 

vnd fent mich got herwidere, ich mer dir dein kunigreich/' 

30 Do fprach auf Garte der.burggraüe Engeiwan: 
„du haft auf difer bürge zwen vnd fibenzigk man, 
den biftu zu ainem vogte* gefetzet vud geporn, 

vnd klagent fi daz fere, folfc du da werden verlorn/' 

31 Mit Zorne fprach fein prueder, der kuene Uelmnot: 

„du enwaift, warumb du reiteft nach frawen in den tot, 

du folteft wol billichen bei deinen landen fein: 

ains reichen [edlen] fdrften tochter war dir wol kunigein." 

CS. 2, Sp. aj, 

32 Do fprach der Lamparte: „du magft mirz nicht erweren; 
furchteft du des leibes, fo folt du mir nicht fweren. 

du haft doch ie geboret,'^ fprach der kunig Ortneit 
,5daz piderfoes mamies erbe in allen landen leit". 



Erfte Abentenre. 5 

33 Do fpraeh der truchfetze, ir valer Hateger: 

9,wir wifsen deinen ern(e)ft, wir irren dich nibt mer, 
dir gebent auf difer borge zwen vnd slbenzigk [dienst] man 
iegfclicb hundert ritfer, wilt du sis nit erlan.'' 

34 Do fpraeh der Lamparte: ,,daz Ist aiii freundes rat, 
daz disev bürg ze Garte fo manigen ritter hat, 
vor aller meiner helfe wams ie mein erster ftreit^ 

& fuln der marehe hueten/' fpraeh der kuuig Ortneit 

35 „Fnrften, grauen^ freien ynd edele dienfUnan, 
fwaz ich der, ane Garte, in meinem Jande han, 
die mich willichlichen diser fart gewern: 

wif rbllen vns eilenden, des mag ich nicht empem/' 

36 Do fpraeh der Marggraue Helmnot von Tuscan: 
„fo nim von mir ze fteure funftaufent kuener man, 
die wil ich mit dir fenden, herre, über den wilden see: 
fol ich felb mit dir fliefsen, fo wirt ir leichte mee/' 

37 „Got Ion dir deiner gäbe!'' fpraeh der kunig Ortneit 
,,du faaft mich gefte&ret auf lobelichen ftreit, 

du haut mich wol getroflet vngebeten vnd vngemant; 
ich bevilhe dir auf [dein] Irewe, baidev, le&t und lanf^ 

38 Reicher furfte reiner, daz ift wol su dir bewart, 
wenn ich von lande reite mit lieber herefart. 
Garte vnd al[le] mein ere fol dir bevolhen fein, 

ich beuilhe dir auch mein mAter, herre, auf die trewe dein,'' 

39 Do fpraeh von Troyen der herzöge Gerebart: 
„ich wil dich, herre, ftewren zu deiner herefart, 
mein funftaufent beide la dirs ain dank fein, 

vnd wilt du, ich fleufs auch felbe mit dir nach der kunigein/^ 

40 Do fpraeh der Lamparte: „des wal ich muten nicht; 
du haft mich wol gefteuret, fwie et mir gefchicht, 
daz du mir haft gehaifsen fo manigen Holzen degen: 
du folt hie haime felbe des hergebirges phlegen,'' 

41 Do fpraeh der von Cecilie, der haiden Zacharejjs: 
„ich Atse in dem gedinge, du bifl mein obrifl reis, 
des du ander leule flegeft, daz tun ich vngepeten, 

ich wil dich hohe ftenren, f wenn du auf den see wilt treten. 



6 König Oitnil. 

42 Sweone da will fliefsen auf den see von ftadeo, 

ich wil dir zwelif kiele vol reicher fpeife laden [Sp. b.] 

vnd mit pestem weine, den man kunigen ie getrdg: 

nu fitz auf, fwenn da welleft, ich gib dir drew jar genfig. 

43 Ich wil dich hohe (teuren, reicher kunig Ortneit, 
zwainzigtaufent helden phelle vnd dar zu sameil, 
reichev tuch vol golde, wolgewefell vnd geweben, 

des wil ich dir den vollen vnd z wainzigktaafent helden geben/'' 

44 DofprachderLamparte: ,^ich wil [auch] fueren über see 
dreifsigtaufent beide, vnd dannoch leute mee, 

daran folt du gedenken, ich wil mit frewden farn: 
die ich hie haime lafse, die mveze got bewarn ! 

45 Ir fult daran gedenken, ir helde, feit gemant, 

ich wil dehainen fueren, [oder] er(n) habe Aumigewant, 
er fei auch ain edel ritter oder rifters genoz: 
mir envolget dehainer, ifli im ain vmger ploz.'^ 

46 Do fprach der kunig von Reufsen: „ich fuer dir vber see 
funftaufent fneller helde liecht als der fnee, 

in liechten stahel ringen, nindert man fi plecken ficht: 
fwar ich meiD[en] fanen naige, dauon fo koment fi nicht/' 

47 Do fpräch der marggraue Helmnot von Tufcan: 
„ich wil dir emphelhen manig hohez kaftelan, 
funftaufent fneller helde, daz ift mein erfier grus, 

fo gefweiche dir mein trewe, ob in indert plecke ain fnfs, 

48 Er fei mit stahelringen bedecket vnd bewart.'' 
do fprach aber von Troyen der herzog Gerebart: 
„Nutfchir vnd Bonevente daz ift mir vndertan, 
darz& wil ich dir fenden auch funftaufent man, 

49 In liechten stahelringen, edel vnd wolgeborn, 

als ich dirs allerpefte in meinen landen han erkorn." 
„ir habt mich gesteuret" fprach der kfinig Ortneit 
„mit funfzigtaufent helden auf der argen haiden Itreit. 

50 Vinde ich noch hunderttanfent, den wil ich gehen folt« 
fwer hinder mir beleibet, dem wird ich nimmer holt/^ 
do fach man manigen dringen durch gab vnd auch durch gut, 
dar drang auch fumelicher durch feinen hohen raut 



Erste Abenteure. 7 

51 Si waren alle willig dem reichen kunige her, 
des gefallen fumeiiclie Lamparten nimmer mer, 
ros vnde ringe wurden da gegeben: 

durch des gutes willen wagten si daz leben. 

52 Vii manige knaben junge emphiengen von im fwert. 
,,wolmich,"fprach der Lamparte ,,daz iemaug&ieageriCSp.öJ 
ez rtet ein türm ze Garte, darlnne ieit mein hört, 

der ift gefallet mit fchatze von dem podem vnz an den port,^' 

53 Doch gab er alfo lange vnz des giites nicht beiaib, 

die feiner kamer phlagen, die fchufen, daz man fchraib 
dreifsigtaüfent fchilte vnd alf maniges ritters dach, 
die waren auch beraitet, daz des nicht da gebrach. 

54 ,,Ohaim vnde herre'% fprach der kunig Ylias 
,,feit du von ftarkem gute die grofsen tugende has 
vnd auch so reiche wirde, nu keus dir ainen man, 
der dir geraten kiinne: an wen wilt du dein ere lanl'^ 

55 Do fprach der Lamparte; „ich bin dein[er] fwefterkint, 
„feit daz die ftirften alle in vnferm gewalte fint, . 

ich wil dich ze vater kiefen, du bift der vater mein, 
dieleute vnd auch mich felben emphilhe ich auf die trewe dein,^^ 

56 „Ich fage dir,'' fprach derReufse „vnd verft du auf daz mer, 
du mochteft wol ertrinken, du vnd al dein her, 

der segelwint ift bufe^ ez ift nicht varens zeit." — 
„ich far, als du gepeuteft^' fprach der kunig Ortneit. 

57 „Wenn ?ns der maierfcheinet, gen den [Uechtenjfumer tagen, 
fo pit des deine freunde, daz fi iren beiden fagen, 

daz n 0ch beraiten, fwie ez in darnach ergee, 

daz wir mit vogelgefange varen auf den wilden fee.'^ 

58 Do fprach von Lamparten der kunig Ortneit: 
„feit ellev mein freude vnd wünne an ewch Ieit, 
fo laiftet ewr trewe, die ir mir habt gegeben^ 
daz wil ich verdienen, vnd fol ich lange leben,'^ 

59 Den trewe wart gelaiftet, H lobten im alfo, 
daz siz vil gerne taten, des wart der. kiuiig fro. 

dem kunige wart der winter [vnd] di^xkWDf^. tilge, laug, 
. davon daz in dev minne vnd d^r flüi |k« 



8 König OrtDit 

60 Si waren fro der flege, fwes er fi wolte piten. 
vrlaub fi do uamen von Garte ü do riten. 

mit mioniklichem m&te er [io] alleo vrlaub gab: 
des volgte tugend vnd ere dem kuoige in fein grab. 

61 Do fi alle von im fcbieden, biz an den ainen man, 
den baiden von Pulle, den woli er nindert lau, 

vnd aucb den kCinig vonRenfsen, die zwen er het erweit, 
die waren in feinem lande ze den pellen auz erzdt. 

62 Do fpracb der Lamparie: „got lafse mich geleben, 
daz ich dir des gcdanke, daz du mir baft gegeben, 
tugeutreicber baiden, des ieh dich nie gepal: 

vnd woHeft du Grillen werden, ich hei dich an brueder flat/^ 

63 „Enruch, hin ich ain baideu, vnd ift mein trowe gut, 
ob ich dir mer gediene, dan dir ain Criften tut, 

mein trew ift vngebrochen, fwa ez dir an die sorge gat, 
ich diene dir als gerne, als der die tauf emphangen hat.^^ 

64 Do fpvach Ylias von Reiifsen: „ez nahet gen den tagen, 
du folt im wol getrawen, pit dir den baiden fage», 

wa du die kiele vindelt, die er dir geben wU, 

daz du dich darnach richtefl, pit dir fagen ain zil.'^ 

65 Do fpracb der weise baiden: „wa mocht ez anders fein, 
da er die kiele funde, ez gefchehe in Mefsei n, 

in meinem kunigreiche vnd in meiner peften habe^ 
da alle marnäre [muefsen] fitzen auf ?nd abe.'^ 

66 Do fprach der Pullichei:: „nu lafs mich, herre, varn, 
fol ich deine kiele berichten vnd bewarn, 

daz du die alfo vindelt, als ich gelobet bau/' 

do fprach der Lamparte: „wie wol ich dir des ganP^ 

67 „Ich wil auch gegen Rehfsen'', fo fprach der kunig Ylias 
„ez nahet faft dem jare, daz ich dahaime was ; 

ich fähe gern dahaime mein weih vnd auch mein kint, 
ich mufs die beide fchawen, die dir gehaifsen fint? 

68 „Oot gefegen euch baide'' fprach der kunig Ortneit 
vnd lafs euch des geniefsen, daz ir getrewe feit, 
daz ir fo gerne laiftet mein pet vnd mein gepot, 

ich getar euch nimmer irren, nu gefegen euch baidegot.I'' 



Zweite Abenteure. 9 

SuDil gab er in beiden urlaub, ane dank« 
ich wan, von Tagenden dingen der maide fcböne in Iwangk; 
im het anch ir minne vil nach benomen den fin. 
Ortneides abentewre ifl ietzo aineu hin. 



IL 

Abentenre Wie Ortneit feinen vater Albriehen 
rant, do er im den harnaseh gab. 

70 Mit züchten fprach fein mftter das minnicleiche weih: 
„du wild in grofse forge bringen deinen leib; 

du foltert billichen han deiner freunde rat, 

ez erget vil feiten ebene, fwaz man ane rat hegaV 

71 „Muter vnde frawe'% fprach der kunig Ortneit 

„du folt mir nicht irren den willen, noch den ftreit. 

fwaz du mir gepeuteft, fra^i^e, daz gefchicht: 

het aber ich taufent mdter, durch die belibe ich nicht/^ 

72 „Ich folz nicht widerraten,'' fprach die kunigein 
„vater vnde herre, man vnde kindelein, 

feit diehs fo fere gelullet, fo wil ich dirz nicht wcren: CSp^ö) 
nu mdeze dir geliicke vnd fUde got da befcheren!'" 

73 Do fprach der Lamparte: „mir ift ain träum bekant, 
vil lieber camertre, [nu] bring mir mein fturm gewant.'' 

. do fprach mit clagenden Worten daz mlnnicliche weih: 
„8un, du gerueft nimmer, du verliefeft dan deinen leib.''' 

74 Do fprach der Lamparte: „firawe vnd muter mein, 
ain man mag auch nimmer an vngelucke fein, 
dem ich mich bevilhe, der mäz mich bewaren. 
ich han gerdet lange, ich wil aber irre varen, 

75 Ich han nach abentewer nu lange nicht geriten, 
muter Ynde frawe, du folt mir gutes piten, 

wan ich dich nie erzürnte, des ich gelaubig bin: 
vnd wereft da mir die reife, fo wil ich doch dahin»'^ 



10 KöBif Ortaiik . 

76 Do fprach dev fraw in zuchtcD: ,,du bift mcinliebez kint, 
feit alle meine mage an dich gedigen fint, 

rnd auch an meinen bmeder, dein[en] ohaim Ylias^ 
den kunig von wilden Reäfsen, der dir ie getrewe was.'*'* 

77 ),Bring mir meine ringe'% alfo fprach der hell bald 
,^ich muz nach abentewre reifen in den wall. 

mir ift mein mät fo ringe, mir gelinget leichte wol: 
der piderbe an allen dingen fein heil verfucheu fol.'^ 

78 Do fprach fein liebev mdter: ,,dy will in forgen* leben, 
vnd f&chft da abentewre, ich wil dir mein flewr geben, 
daz du mir immermere mnft defter holder fein, 

fwenn du nu von mir reiteft, fo gib ich dir daz vingerlein/'* 

79 „Mjiter vnde frawe, ich fwer dir einen aid, 

daz ich cz gibe niemen, ift ez dir anders laid/^ — 

^,fun vnde herre, nu hab dir daz golt; 

vnd gibft du ez aber iemen, ich wird dir nimmer holt.'' 

80 Als der Lamparte daz vingerlin erfach, 

er fchawetz vleifsiclichen, er lachte vnde fprach: 
„nu weft ich harte gerne, y\\ liebev muter mein, 
waTon fo lieb dir wäre ditz claine vingerlcin/' — 

81 ,^Daz vingerlein ift reiche, vnd dunkt dich nichfes wert, 
du fucheft abenteuer, feit des dein herze gert, 

wiltu in die wilde reiten, fo lafs ez von dir nicht: 
du vindeffc abentewre, von dem ftaine daz gefchicht* 

82 Du folt mir daz gelauben, ditz felbe vingerlein, 
daz du daz nicht gäbeft, ob deu reich wären dein, 

daz golt hat nutzes klaine, der ftoin ift aber fo ftark, C^.O 
er fr&mbt dir in difem jare vber fuufzigtaufent mark. 

83 So du von Garte reitett^ fo keer zu der tenken haut, 
vber rone vnd vber gepirgp neben der flainwant, 
vnd warte, wa ain linde vnder dem gepirge ftee 
vnd auz der (lainwande ein kuler prunne gee. 

84 Dev linde dev ift gmne, darunter aln anger prait, 
fünfhundert rittern fchone dev linde fchaten trait; 
kumbnt du vnder die linden, fo mnft du mir des jehen, 
folt du abentewer finden, daz muz al da gefchehen,'*'' 



Zweite Abentenre. 11 

85 Do oaig et der Lamparte der lieben mnter fein. 

fi fprach: ^^du foit nicht pergen, fan, daz vingerlein, 
fwar du wellelt reiten, fo lafs ez pleeken par, 
folt du abenteure vinden, die weifet ez dich dar.^ 

86 Da rait der Lamparte vil irnFerzagter dan 
von der bürg ze Garte an alle feine man. 

daz was den getrewen vnd auch den biderben laid, 
daz er des niene wolle, daz ieman mit im rait. 

87 Do mait er daz gevilde, als in fein müter pat, 
vnd keerte in die wilde, an Arafse vnd an phat, 

do habt er gen der funnen daz vingerl vnd die haut, 
er rait die vngeverte ze tal die ütainenwant 

88 Do kam er in ain awe neben dem Garte fec, 
da fprungen auf der haide plumeu vnde klee, 

die vögele fchone fungen, da hört er fuefsen doz: 
die nacht het er gewachet, des reitens in verdrofs. 

89 Dcv funne gen dem morgen durch deu wölken fchain, 
do befchawet er dicke daz golt vnd feinen ftain: 

da vant er vber auger daz gruene gras geweten^ 

er fach mit klainen fuefsen ain fchmalez phat getreten, 

90 Demfelben phade er volgte vnder die ftainewant, 

da er den kuelen prunnen vnd auch die linden vant, 
er fach die gruenen haide vnd auch der linden alt, 
n het auch auf ir reife vil manigen werden galt. 

91 Die vögele darauf fnngen vil laute widerftreit. 

,,iGh wane, ich reite rechte''% fprach der kunig Ortneit. 
do erpaifset er vom rofle, vnd zoch ez an der hant, 
do frewet üch fein herze, daz er die linden vant. 

92 Die linden fchawet er lange, er lachet vnde fprach: 
„daz wizze got von himele, du bist ain fchdnez dach.^ 
ez gieng von ainem pawme nie fo fnefser wint. 

da lueget er vnder die elte, er fach ain klainei kint. 

93 Daz het Ach gedrucket nider auf daz gras. 

done wefte der Lamperte laider, wer ez was: (CÄCYII,ija) 
ez het an feinem leibe die allerpeften wat, 
die jnnget oder altez in der Weite nindert hat. 



12 Ktoig Ortnit. 

94 Mit edlem geftaine was gezieret fein gewanl. 

do er daz kint alalne vnder der [gruenen] linden vant: 
„awe, wa ift dein m&terl'' fprach der kunig Ortneit 
„dein leib yil vnber&cbet vnder difem pawme leit. 

95 Du baft an deinem leibe vil ritterliebev klaid, 

ich getar dich nicht erfchrecken, wie bin ich £o gar verzait! 
durch dein kindes fchone getar ich dir nicht getuu: 
daz wolte got von himele^ vnd wlireft du mein Tun! 

96 Du birt in kindes mafse des vierden jares alt; 

ob ich dich mit mir fuerte, waz hulf mich der gewalt, 
ich het es lutzel ere, feit nieman huetet dein, 
awe, wa ift dein muter, vil liebez kindeleinl'" 

97 Von golt vnd auch von feiden was fein gewäte gar, 
da ftund er vnd fchawete den leib vnd auch daz bar, 
in dauchte harte fchone daz kind vnd auch fein dach: 
ez kam von ainem fllaine, daz er in ligende fach, 

98 In ainem vingerlein(e) fuert er in an der hant. 
er ftund in roanigem mute, do erz ligende vant, 

er fprach: ,,dein grofsev fchone vnd dein wat ift alfo guet; 
fwie ich dich aine vinde, du bift nicht vnbehuet. 

99 Ich bin nach abentewre geriten dife nacht, 

nu hat mich got der guete vnder dife linden bracht. 

feit ich nach abentewre her geriten bin, 

vnd ich nicht anders vinde, fo miift du mit mir hin/' 

100 Sein ros daz haft er vafle an ainer linden zwei, 

er fprach: „ich wil Yerf&chen, ob ieman bei dir fei. 
wenne wilt du wachen?'' der Lamparte do rief: 
der claine bracht im inne, daz er nicht vafte flief. 

101 Er wolt in zu dem roffe in kindes weife trägen: 
des wart im zu der prüfte ain grofser flag geflagen, 
der claine do den grofsen mit der feufte fiug, 

da half im des fein fterke, daz er in nicht entrug. 

102 Do fprach der Lamparte: „wer feine veinde fpart, 
vnd feinen freund erzürnet, [der] hat fich nicht wol bewart, 
der mag villeichte an baiden vil grofsen fchaden nemen: 
froächer veinde vnd [clainer] wunden fol fich der man 

[nicht fchemen. 



Zweite Abenlevre. 13 

103 Wie bilt als vngefuege?*^ fprach der kanig Ortaeit 
wayon kumbt dir den üterche, dea an deinem leibe leitl 
du wilt mir entrinnen leicht an meinen dank/^ 

fich fegent der grofse dicke, do 6r mit dem klainen rangk. 

104 Der grofse was ersfirnet, der klaine der was fro; 

der aine lachte laute, dem andern was nindert fo; (Sp. b.) 

doch zoch an der lenge des grofsen (terke bin, 

do betraug den dainen fere fein bochrart vnd fein fin. 

105 Von feinem grofsen fpotte, ward im fein preis genomen; 
vnd het er nicht gelachet, [fo] het er in nicht vberkomen. 
der grofse nam den clainen ynd warf in auf daz gras: 
daz kam von den fchniden, daz ez fein wille was. 

106 Zwelf manne fterke het der Yngefdege man: 

den clainen behabt er kawme, daz er im nicht enfran. 

alfo von dem grofsen der claine nider' lag, 

do graif er zu dem fwerte vnd wolt im ainen flag. 

107 Daben geflagen mit neide, der im gieng an feinen leib, 
„la fteen!^^ fprach der claine „du magft gern flahen ain weih, 
wilt du mich fere fcheiteu, [vnd] darzu ze tode flahen, 
des haft du lützel ere, du magft mich gerner vahen.^^ 

108 Do fprach der Lamparte: „des tun ich entraun nicht, 
ich han fein immer fchaude, fwa man dich gevangen ficht, 
fo getar ich difer mure von dir nicht geizigen: 
desgelaubetaufmicbniemen, daz ich dich habe hie erflagen. 

109 Swa ich dich nu fiierte mit mir gevangen hin, 

fo fpottent mein die leute, weil ich der grofse bin, 
fo fprechent alle laute: „wie vbel ez Ortnide ftat, 
daz er ain fo klainez kindelein durch rum gevangen hat!'' 

110 Wil dich mein fwert nu fneiden, fo mfifl du ligen tot. 
ich kom von ainem manne nie in fo grofse not, 

du brächteft mich in fchande, liefs ich dich lenger lebeu.^' 
„entrewen,'^ fprach der claine „du mfift mirfridegeben.'^ 

111 Do viel im ze fnefsen der vil Ibtzel gefchaft, 

er fprach : „la mich, knnig Ortnit. durch deine herfchaft, 
fo gib ich dir ze minne. ain fo gnet farewat, 
daz nieman in der weite fo veftes nicht enhat 



14 Itaic Oitait. 

112 FänCng taafeiil Mark goldem lA d€¥ pmane wert, 
zo den balsper^e wil idi dir gebca aia fwert, 
das alle rii^e fcfarotet, als fi aie gewBBBen (lal: 
ja ward nie belai fb rette, es td in fcfaadea aaL 

113 Zu dem balsperge gehört aio paniffewaiit, 

da ilt DiBdert rin^k fo eblainer, im tmit Beia lelbea lianf . 

werdeilt dir die ringe, da folt ia wefeo holt: 

da ift Dielit yalfches iniie, es fei alles laalergolt. 

114 leb wfai aoeb, ia der weite idit fo gfites fei; 
icb Dan ez in ainen lande, das haifset Arabei» 

das golt ift Talfebes ane, vnd [ift] lauter fau ain glas: 
ieh nam ez an ainem perge, der hailsei Cancafas. 

115 Zu den Ijechten ringen gib ieh dir ainen fchilt, 

fo Teilen ynd fo ftarken, ob du mirs danken will, 
den nie gefcbofs verwundet, noeh dhaines fwertes flag, 
noeb dhaines feV^ers hitze dardurch gewinnen mag. 

116 Das fwert wil ich dir nennen, des varbe dev ift Hecht, 
fwaz da damit geftreiteft, fo hat ez der fcharten nicht: 
dev klinge haifset Rofe, die nenne ich mit namen, 
fwa man ellev fwert erzeuhet, da darft du dichs nicht 

[fchamen. 

117 Zu allem dem gefmeide gib Ich dir ain haubet dach, 
daz man ob ritters haubte fo fchönes nie gefaab; 
der man ift immer falig, fwer den heim trait, 

man keufet auch fein haubet vber ain halbe meile prait/^ 

118 Do fprach derLamparte: „feit du fo [grofse] gäbe geift, 
fo wil ich dich nicht lafsen^ du fagft mir, wer du feift.'^ 
„do fprach aber der claine: „ich bin ain wildez getwergk, 
mir dienet in Lamparten manig tal ynde perg/' 

119 ,;Nu fag mir, wie du baifseft.^^ fprach der kunig reich, 
„wilt du mich gerne nennen, fo ruef ot Alberejcb!'^ 
do fprach der Lamparte: „du bift [lafsens] vngewert, 
ja mag dich nicht gehelfen dein prbnne vnd auch dein fwert, 

120 Noch [alles] daz du mir gebaifseft vnd auch magft gegeben, 
daz mag dich nicht gebelfen, daz ich dich lafse leben, 
ich fchlach dir vnder der linden ab daz haubet dein, 
du(n) helfeft mir erwerben ain fchone kunigein.'^ 



Zweite Abentevre. 15 

121 „Wer in fie, der du mutefti'' fprach aber Albereieh 
„ift ß leibes vnd gutes ain kuniginne reich 1 

mag aber & mit eren haifsen wol dein weib, 

fo erwirb ich dir die fraweo, oder hab dir meinen leib/^ ~- 

122 ,Jr vater hat vil der lande jenhalben an dem mer, 

ich trawir nicht gewinnen, ich fuech & dan[ne] mit her; 
ir vater ift als vnraine, der wil fi niemen geben, 
dhain man gctar ir gemuten, man neme im dan fa daz leben. 

123 Er ift ain kanig gewaltig vber al die haidenfchaft 

hat er gen allen kanigen jenehalb mers vil grofse kraft. 
^v^. er ift auf Monta bur(e), da hat er haimleich.^^ 

„vil wol ich in erkenne^^ fprach aber Albereieh« 

124 ;;Wilt du mich noch lafsen/^ fprach der vil klaine man 
„fo wil ich dir laiften, daz ich dir gelobet hmrCCÄCVIII,2,aO 
do fprach der Lamparte: „ich wSn, des icht ergee, 

du wirdeft ledig nimmer, du fetzeft dan purgen ec." 

125 „Du wilt mich hohe betwingen/^ fprach der klaine knabe 
„du aischeft von mir purgen, ja wän ichs nindert habe, 
du folt gotes gedenken,^^ fprach der vil klaine man 
„la mich, ich wil dir laiften, daz ich dir gelobe han.^^ 

126 Do fprach der Lamparte: ,,hie wirt lafsens nicht, 

vnz an die liechten ringe, daz die mein ange anficht.^^ 
„entrewen,^^ fprach der clajne „fi werdent nimmer dein, 
die weile ich mufs gefangen in deiner gewalte fein/^ 

127 „Nu rat daz pefle vns baiden.^^ fprach der kfinig reich, 
„des wil ich dich befchaiden/^ fprach aber Albereich 
„la mich auf mein trewe, dir mag guet von mir gelchehen/^ 
„nain ich,^ fprach der Lamparte „ich mufs die ringe 

[vorhin gefehen.^^ — 

128 , Jia mich auf mein trewe, fo geet dir freude zu, 

du magfl mich gerne lafsen, ich binz ein kdnig, als du^ 

mir jehent mein genofsen, daz ich getrewe fei: 

wie vil du haft der lande, ich han roer dan dein drei. 

129 Du haft ob der erde gewaltes harte vil, 

fo han aber ich darunder allez des ich wil, 

ich gib wol, fwem mich gelüftet, filber vnde golt, 

ain man der wirt gereichet, wird ich im mit trewen holt. 



16 Ktaig Ortnit. 

130 Ma la mich,^ fprach der claine „ich fwer dir ainen aid 
vnd gib dirs mein trewe md mein Aeherhait, 

daz ich dir nieht enleage/^ fprach aber Albereich: 
„icb wag ez auf dein Irewe.'^ fprach do der kfinig reich. 

131 Von im fliefs er den clainen, vor im er fchone ftfind 
mit zöchtiglichen vorchfen, als die gefangen tunt. 

do fprach der Lamparte: ^Jelt da gefangen flafi, 

nu hin, rnd bring mir balde, daz du mir gelobet haft/^ 

132 Hitzfichten fprach der claine: „nu gewer mich ainer pet, 
darch aller kunige wirde, ee daz ich von dir frcf/^ 

do fprach der kanig Ortnit: ^^waz mag dev pete sein1^< 
mit zhchten fprach der claine: ,^ ift nicht der fchade dein/' 

133 7, Nu laza mich doch boren, wes du gepiten macht/^ 
mit züchten fprach der claine: ,,ich han mir fein gedacht, 
ich wil dein dien(e)(t immer vnd dein aigen fein, 
durch aller kunige wirde, gib mir dein vingerlein/' 

134 Do fprach der Lamparte: >,entrawn, ich entar^ 
ich gäbe dirz vil gerne, ez ift mir verboten gar; 

fwes du anders an mich müteft, des wil ich dich gewern : (Sp. h) 
ich gäbe dirz vil gerne, ich mag fein nicht empern/'' 

135 Do fprach. aber der klaine: „warzu ift ez dir gfit? 
waz fol dir kunig reiche, du(u) bubft auch milten mut? 
daz dich fo fcre erparmet ditz clain(e) vingerlein: 

pat ich dich deines roffes, daz wurde nimmer mein/' -— 

136 „Ich gäbe dir noch lieber ain purg oder ain lant, 
denn ich dir ietzo gäbe daz golt ab meiner baut; 
daz aber dein mut fo fere nach difem golde tobt, 
fch gäbe dirz vil gerne: nn han aber ichz verlobt. 

137 Ez gab mir mein muter, der han iehz verfworen; 

ich furcht, ob ich dirz gäbe, ich het ir hulde verloren^' 
„awel^^ fprach der claine: „warzu fol dir dein [grofser] leib, 
vnd auch dein mannes fterke, vnd furchteft du ain weib. 

138 Daz du fo fere f&rchtefl ain[e]s weibes gertenflag, 
ich wan, dein leib von wunden da nimmer genefen mag/' 
„n(n) bat in guter weile [nie] mit gertenmich geftagen; 
miriftaberfoliebmeinmfiter, daz ich ir gern wil vertragen. 



Zweite Abenteore. 17 

139 Vil wee tut meinem herzen, wen es fi trawren ficht 
nu laGh(e) oder lurne, ich gib dirx iw«r(e) nichf/^ — 
t^entrewcD/^fprach der daine i^damagft nicht geweren mich^ 
ich fhrcht, ob da mirz gibeft, dein muter fluege dich. 

140 Ich wane, ez ward nie kanige fo lieb ain vingerlein; 
magft du micbz lafsen fchawen- auf die trewe mein/' 
er fprach: „feit du fo fere nach difem golde Arebeft, 
an gib mir des dein trewe, daz du mirz wider gebeft/' 

141 Er wolt es in nie erlafsen, er mueft im aide fweren. 
do graif er nach der hende, des torft er im nicht weren, 
als er im ab der hende daz vingerlein gebrach, 
zehant verfwant der claine, daz ers nimmer fach. 

142 Do fprach der Lamparte: „fag an, wa bift du hin?'^ 
mit zorne fprach der claine: „nu enruch, wa ich bin, 
du haft von deiner hende ain vingerlein gegeben, 
daz du nicht vberwindelt, vnd folt du langer leben. 

143 Do du mich erlle vienge, vnd dich mein äuge fach, 
von difem felben ftaine, daz gelAcke dir gefchach, 
ich mueft dir immer dienen, heftu daz vingerlein: 

nu hebe dich, fwar da welleft, daz wirt nimmer dein/^ 

144 Do fprach von Lamparten der kunig Ortneit: 

„lat mich des geniefsen^ daz ir ain kunig feit. (Sp. cO 

feit ich auf ewer trewe hie gelafsen han, 

fwaz ich noch gutes hate, daz was ench i^ndertan. 

145 Mit z&chten fprach der claine: „du haft nit rechten mut, 
fwaz dir dein vater rittet vnd dein muter, daz ift g&t, 
wa faheft du auz henden ie geben gewunnen fpil? 

mir ift der ftain fo nutze, daz ich dirs nicht geben wil/' 

146 Do fprach der Lamparte: ,4<> !>>» ^^^ vngewert: 

wilt da mir aber bringen den halsperg vnd daz fwert, 
daz da mir haft gehaüsen, des mache ain tail doch war.^^ 
„ich ker mich'' fpraeh der claine „an dein rede nicht vmb 

[ain bar." 

147 Do fpracb der Lamparte: „mir ift vbele nu gefchehen; 
mocht ich dich erlaufen oder' knnd ich dich geAshen, 
daz da mir haft gehailsen, daz muft da mir tragen, 
oder da wardeft bei dem baine vaft vmb difen ftain 

[geflagen.'^ 
2 



18 ir«iii|r OrlnH. 

148 „Wae folten dir die ringe'? '^ fprach aber Albereieh 
„oder waz fol ainem toren fo hobez kunigreicb? 
icb wil die ringe fenden ai[ne]ni, der ir baz bedarf/^ 
mit vngefaegen ftainen er nn do nacb im warf. 

149 Do gurte er feinem roffe in zornigem mfite baz^ 
von danne wolt er reiten, in zorne er darauf gefa6, 
in Yil grimmem m&te reit der kunig reicb. 

,,ber gut man, beleibet! ^' fprach aber Albereich, 

150 „Wem wiltn nu laften dein liebes vingerlein? 

[oder] wer fol dir hnlde gewinnen vmb die muter dein? 
du magftz vngerne verliefen, der ftain ift alfo gut. 
wie mich die Hege erparment, die dir dein m&ter iutl" 

151 Do fprach der Lamparte: „des muz ich mich bewegen, 
ich bin doch meiner mfiter fo nahen bei gelegen, 

daz ich billichen leide, fwaz mir Ton ir gefchicht: 
wir fein gefreunt fo gute, ß flecht mich ze tode nieht^^ 

152 „Ich wil dich [aber]bazgetr6ften,^' fprach dannocfa Albereieh 
„gib mir des dein frewe, gewaltig kunig reich; 

daz du des nicht enzurneft, fwaz ich rede von der muter dein, 
oder waz ich mug gefprechen^ fo gib icb dir daz vingerlein.^' 

153 Do fprach der Lamparte: „ich liefse dir ee dein golt, 
vnd macht auch reden fo f bele, ich wiird dir nimmer holt, 
du magft fo fere (trafen daz tugentreiche weih. 

weite ich, wa ich dich funde, ich nftme dir deinen leib.^^ 

154 Mit züchten fprach der claine: „wol dich, faelig kint, 

du haut der trewen aine, da die leute mit behalten ßnU^ 

(CXCV/II, 2, a.) 
do fprach der Lamparte: ,Ja muz ich nu vertragen, 

fwaz du von ir gefprieheit, wan wiltu auch heute fagen.^' 

155 „Ich fag von deiner mutef nicht wan die warhait, 
du zurneft ein weile, vnd wirt dir doch nimmer laid, 
ich mach dirz alfo fuefse, daz duz wol boren mnft. 
gib mir des dein trewe, daz du mir darumb nicht entoft.^' 

156 Do fprach der Lamparte: „ich wil dirz mein trewe geben, 
daz ich dich nicht erzürne al die weile wir leben, 

ain man mag des waren Tagen alze vil: 

du magft reden auch fo lange, daz ichs immer hören wil.^' 



Zweite Abentenre. 1$ 

157 Hit zachten fprach der klaine: „ex rnnt iiu gelob(e)t feki; 
ieh wart auf deine trewe, nini hin dein vtngerlein/^ 

do fpraeh der Lamparte: ^^fo bin ich dir holt, 

ich enrfieh, waz da nu klaffeft, vnd wirt mir wider das golt/^ 

158 Der Laniparte liAig vnd aueh der fterker Waa, 

daz golt mufl er im pieten, do warf er in auf daz gras. 

za im gefafs er nidere: „nu fage mir, bofer geilt, 

ee ich dich talang verlafse, iiu fag mir, was da weift.'' 

159 Daz golt an feinen vidger der Lamparie ftiefs, 
allrerft fach er den elainen, von im er in nicht liels, 

do fprach der wilde waifes - ,,her knnig, wie fer ir tobt! 
nn huetet ewer trewe,^ waz habt ir mir gelobtf 

IM Do fprach der Lamparte: ^gefelle, ich tun dir nicht, 
vnd fretit fich des mein herze^ fwan dich mein äuge anAcht, 
mir ift dein leib noch lieber, danne daz vingerlein. 
fag allez daz du wi&efl von der lieben muter mein/' — 

161 7,Sö fage ich dein mfiter von allem wandel Arei, 
ich wan, ein weih fo gute in Lamparten Inder fei; 
doch hat & ain tail dinges in irn tagen getan: 
Ach, wer dein vater wäre, A het zwen(e) man/' 

162 Do graif er in daz mefser, do grift er in daz fwert. 
der claine wSre lafsens gerne von im gewert« 

do erblaichte im fein varbe, er wart vi! dicke rot, 

er fprach: „nu fag nicht mere, vnd lafse mich an not/^ 

163 „Ich fkircht(e) mir nicht fere/' fprach der klaine Albereich 
„nu fchone deiner trewe, piderber kunig reich, 

Ach verkert harte dicke ewr herze vnd ewer mut, 
vnd feit doch fo getrewe, das ir mir nicht entut. 

164 Ich dunk ench gar ze claine, vnd feit vber mich ze groz 
vnd feit vber alle kunige baz danne rifen genoz, 
vnfer leut an vns baiden vil vngeleiehe Ant: (Sp. b) 
fwie groz aber ir euch dunkel, fo feit ir doch mein kint/' 

165 Do fprach der Lamparte: 9,da häft iezo gelogen , 
prach ich nicht mein tr^we vnd war nicht Vngezogen, 
mein herze ift vngefiiege, vnd getar dir doch nicht getun/' 
er fpraeh aai zornes mimde: „vnd bin aber ichz dein tunV" 

V 



20 Kdiiig Orlnil. 

1S6 Mit suchlen fprach der klaine: „da bift mein kindeleie.^ 
„des masE auf ainer hurde ^inoen dev muter mein, 
daz bei ir ieman mere, an meinen vater, lag, 
ynd rinde ich ai ze Garte, A geneubet fein niiamer tag/'* 

167 Mit zorne fprach der elaine: „da bift hie ane fin; 
du bift davon gehohet, das ich dein vater bin, 
dein falde vnd dein gelAcke ift dir vnbekant: 

du halt von meiner lere baide, bürge md lant 

168 Do ich bei deiner muter aUererft gelag, 

daz was in gruenem mayen vmb ainen roittentag;. 

fi wainte harte haifse, da Ichs alrerft betwang: 

du folt mit ir nicht rarnen, ez gefchah an iren dank« 

169 Detn[en] vater vnd dein m&ter die bort ich fere piten, 
nach altlichem orden in wirdiclichen fiten, 

daz in got befcherte ain clainez kindelein; 

des pat dein vater tewre vnd auch den mAter dein* 

170 Swie lieb A [an] einander waren, doch wtl ich rechte fageii, 
deu frawe von dem manne mocht kindes nicht bejagn, 
do was ßi anch fo gehewre, daz A ir kainen mer kos; 
A klagten baidev tewre, daz ir lant wurde erbelos« 

171 Ich gedacht in meinem mute: vnd Airbet nu der man, 
fo Wirt zehant verltofsen den ftrawe wolgetan, 

daz lant muz immer mere mit vniSlde leben: 

da gewan ich A ze weibe; daz fol mir got vei^eben. 

172 An ir vil fchonem pette A aines tages fals, 

A wunfcht nach liebem kinde, ir äugen wurden nafs; 

in der kemenate torft nieman bei ir fein, 

durch daz A watnen mATte, do liefs A nieman ein. 

173 Do fltund ich vor dem pette vnd hört waz A do fprach; 
davon ward ich ir gewaltig, daz A mich nicht enfach; 
fwie fere A Ach werete, fo ward A doch mein weib: 
nu minn mich alfo clainen fnr zwaier kdnige leib. 

174 Ich trawe mer betwingen, dan da vnd al[les] dein her, 
Ach getar kain kunig gefetzen wider dich ze wer/^ 

do fprach der Lamparte: „ich muez ez vberfehen: 
fwaz ich darvmbe täte, fo wdr ez doch geCchehen.^^ 



Zweite Abentevie. 31 

175 Nu fitse, kniiieh, ain weile vnd behdl dein Tingerleiii, 
fo wil ich dir lailten daz geihbde dein, C^. cO 
ich wil dir aof mein Irewe nicht gelegner worfe Tagen, 
ich wil dir her die ringe in deinem fehiUe tragen/^ 

176 Als fchier rnd im der elaine entwaich da in den perg, 
do trug. er von der eise daz ¥runnicliehe werk, 

Ton golde lieehte ringe, ain[en] newen fchilt vol, 
alz ez an feinem leibe ain man zereehte tragen fol, 

177 Lauter als ain prnnne vnd liecht als ein glas 
fatzt er im die ringe nider auf daz gras, 

zu dem halsperge ain[en] veften heim liechf, 

der was geworcht fo vefte, dhain fwert daz fhait in nicht* 

178 Do was der Laroparte fk*o der ringe fein, 

er mocht ir nicht gefchawen, fo fdidne was ir fchein, 
„ich wdne, ez welle ain wonder^^ fprach er „hie gefchehen, 
ich mag vor liechtem glafte der ringe nicht gefehen/^ 

179 Do fchawet er die ringe, die waren ftales ploz, 

vil vngefuege dicke, guldin vnd [auch wol] yingers groz ; 
do er A genug fchaweie, do legt ers al[le]rerft an: 
die ringe H&nden ebene, des freute fich der man, 

180 Si waren (rechte) gemefsen, ze kurz, noch zelang^ 
zeweity noch zeenge, frolich er drinne fprang. 

der heim was vmb gefpenget, gleich dem liecht erfchain 
auz ieglichem orte ain karbunkel ftain ; 

181 In der mitten darinne ft&nd ain adamant; 

fein rieme was ein porte, den heim er auf gepant, 
„got Ion dir deiner gabel^^ fprach der kunig reich: 
„Ant dir die ringe rechte 1^^ fprach aber Albereich* 

182 „Mir wart bei meinen zeiten nie wat als ebene bracht/^ -« 
„ee ich dich ie gefahe, do het ich dein gedacht; 

nu hau ich wol gezieret, Lamparte, deinen leib: 
wiltn daz ich dir diene, fo erzflrne nicht daz weib. 

183 Ich gib dir (des) mein trewe, [Tndjerzumftdudiejnfiterdein, 
fo mnezen wir gefchaiden immer mere fein.^^ 

do fprach der Lamparte: ,,gem laift ich dein gepot, 
ee daz ich A erzürnte, ich erzürnte lieber got. 



22 König Ortoikt 

l$4 Got lone meiner muter, von der ich die gstbe haiit 
ich wil mich alles dinges an. dein genade lan, 
wider deinen willen mein herse nimmer ftrebet: 
mein muter dein geneuf^et al die weil fi lebet/' 

1$5 Der Lamparte in freuden zu feinem rode graif, 
do wolt im der claine haben den ftegraif, 
do Xprach der Lamparte: ),ich den hie difen tag, 
nu ich dir mit nicht anders den dienft erweren mag.'' 

186 Mit vnversagtem mute gurt er dem rolTe baz; 
da raumbt im der wilde, vnz er darauf gefafs. 

do fprach derLamparte : „nu raich mir den ii^^V^CCXCIX^iya) 
i,ich fihe wol/' fprach der claine „daz du Ton mir wiit/^ 

187 Er den fchilt emphienge, do fchawet er fein fwert; 
^r I]prach: ^»icb bin in noteu ze ftreite wol gewert 

f wer mit der Rofen fleuhet, der muz fich immer fcbamen/^ 
do fant er paidentbalben daran gefchriben feinen namen. 

188 Guidein was fein fchaide; daz der vefsel folde fein, 
daz was durchflagen von golde, ain porte feidein, 
daz oberthalb der heize was des fwertes kloz, 
da^ was ain karfunkel wol dreier febfte groz« 

189 Den fchilt nam er ze balfe, do wolt er von im dan: . 
„got muz dich gefeguen!^^ fprach aber der klaine man 
,,du folt mich nu nicht meiden, als du bedurfeft mein, 
du magdfc mich nimmer verliefen, haCt du daz vingerlein." 

190 Der Lamparte kerete von im in den walt, 

fein mut der was ringe, fein freude was manigualt; 
er fprach: „ich bin ze ftreite alrerft nu gewert :[fwertl'' 
war kam icb, dazich verfuechete mein harnafch vnd mein 

191 Sein phat daz rait er widere neben der ftainwant; 
er was in vngeuiAte, do er nicht ze ftreiten vant, 

er fprach : „fol ich daz wunder vondem fwerte nicht gefehenl 
mit mir enftreitet nieman: ez mflz vor der bürg gefchehen/' 

192 Für fich rait er nach ftreite vnz an den dritten tag, 
daz er vor vbermfite dehainer rue phlag. 

do fprach der Lamparte: „ich vil vnfalig man, 
daz ich nach meinem willen picht ze fechten han!'' 



193 Die fein ToÜEinft emparen, die waren gar Terzait; 
die im nicht gutes gunden, die beten in verclait. 
ze Garte vnd in. dem lande was jamerlichen not, 
R wanden al geleiche, der kdnig wäre tot, 

194 Jimerlichev fware hat die muter fein; 
getroften nieman künde die edlen knnigein, 

die not lait nach ir kinde daz tugentreiche weih: 
war er nicht komen fchiere, fi het verloren den leib. 

195 An dem vierden morgen der Lamparte rait 

für die pnrg ze Garte in die gruene awe prait, 

^Is der morgenXterne durch finlter wölken prach, 

dem fterne fcbain geleicb(e) fein heim vnd auch fein dach. 

196 Do was dem wachtaere der gaft Til vnbekant; 
gleich dem morgenplicke lauchte im aljlez] fein gewant; 
fbr die bürg ze Garte rait er in daz gruene hag, 

daz res er hafte vafte; do wart ez auch liechter tag» 

197 Er gieng mit gewalte vnz an den burggraben, 
geleich als er die maure wolt erllurmet haben. C^^ bO 
do fpracb der wachter : „[vnd] trueget ir ymmer fewrein 

[fchein, 
fwie vaft [aber] ir nu dringet, euch enlat doch nieman ein.^^ 

198 Do fprach der Lamparte: „nu fchleufs auf mir daz tor, 
vnd fage den peflen allen^ ir herre fei hie vor.^' 

der wachter rief vil laute: „wes flaefet difev diet'?[fchiet. 
ez in heut der vierde morgen; daz mein herre von hinnen 

199 Vor difer bürg gemaure ftet ain vil kuener man, 
von füeüsra vnz an daz hanbct ift er gezündet an; 

er gieht, er fei mein herre, als ichz von im han vemomen: 
er ittleiehtdem teufel entrannen vnd auz der heilekomen.^^ 

200 In forgen do erwachte dev edle kbnigein, 

fi l&get durch daz venüler, do A erlach den fchein, 
Q. fprach: „fieb, der prinnet alfam ain kerzen Hecht i 
meines funes ringe die fint 16 fchone nicht^^ 

201 Die in der bürge waren, baidev, weib vnd man, 

die giengen durch daz wunder auf an die sinnen ftan, 
do fprach der burggrave: „herre, wer mögt ir reint 
ir muefset euch airerft nennen, s« wir eueb l«fsi*u i<iii." 



24 König Ortait 

202 Sein ftimmö Ach Terkerte, fein rede der was gros, 
fein haubet vnder helme het yngef&egen doz, 

do fprach der hnrggrave: ,,nn fagt, ber[re], wer ir feit.^^ 
do fpsach der Lamparte: „ich binz, dein herre Ortneit/^ 

203 „Wer gab euch dife prunne vnd difen heim liechl, 
vnd auch den fchilt newen? des entrog mein herre nicht/^ 
do fprach der degen kuene : „ich wil dir die warhait Utgen, 
ich binz, ein wilder haideu, vnd han den herren dein erflagen, 

204 Nu fint auf difer bürge zwen vnd fibenzigk [dienft]man^ 
diefuln den fchaden rechen, den ich irem her[re]nhan getan, 
die hat der Lamparte alle mir [genant vnd] gezelt: 

ich peit(e) vor der porte, ob ir in rechen weit" 

205 Do fprach der burggrave: „entrawen, ez m&z fein/^ 
alrerft flug Ach zun prüften deu arme kiinigein. • 

do tet den vil gefrewen irs herren fterben wee, 
da flauft er an die ringe weiz al8(o) der fnee. 

206 Daz tor vnz an den angel er auf mit zorne warf^ 

ß. gezugkten auf der pruggen zwo fchbne klingen fcharf^ 
fwie kuene der wirt wäre, doch erzürnet in der gaft, 
er fchriet von ime die ringe recht als daz faule palt. 

207 Er fing vil vaft hinwidere, fein fwert was aber enwieht, 
auf feinen erbherren vnd verfchriet der ringe nich{^(sp,ej 
er flueg in für die fuefse, er het in fanft erflagen« 

do fprach der Lamparte: ),nu haifse in von mir tragen.^^ 

208 Het er im nicht erparmet, er het im den leib benomen, 
indes was auch gewafent der ander brueder komen. 

do fprach der Lamparte: „des ftreites ift genug, 
nu muz ez got erparmen, daz ich in heute niderflug, 

209 Alrerfte wil ich gelauben, daz ir mir getrewe feit: • 
nn vergebet mir dife vntugende, ja bin ichz Ortneit, 
alrerft A in bekanden vnd lieben in do ein. 

do fprach der Lamparte: „wa ift deu muter meinl^^ 

210 Do wart vil wol emphangen der herre fazehant. 
do weiften in die leAte, da er fein mueter vant 

deu fraw in fehler bekande, fein haubet daz was ploz: 
do ward alrerft vor liebe der frawen wainen groz. 



Drille Abentewe. 25 

111 Dogienger ^ber den wanden, der von im verhawen lag: 
„awe, daz ich dir heute geClag dehainen flag, 

daz muze got erparmen! du folt mirz vergeben: 
ich wil dichs immer mere ei^etzen, M ich leben/^ 

112 „Nu Tag mir,^^rprach fein muter „wergabdirdazgewant^^ 
„ich rait, als du mich hiefseft, neben der ftainwant^ 

da han ich dein genotsen, daz ich dir [yÜ] wäge bin.'^ 
Ortnides abentewre ift aber ainen hin. 



111. 

Abenteüre. Wie Ortnit herferte nach der frawen 
vber mere« 

213 Sein mAter f^agt in dicke: „wa naioeit du daz dachl^^ 
do Taget er ir von erfte a1[lez] daz im dort gefchach. 
,,ich mag dirs nicht gelangen,*^ fprach daz fchftne weih 
„ich wil in dein genade fetzen meinen leib/< 

214 Si hiels ynd(e) kuft in, mz er ir freunt ward, 
do bagnnd ez fchiere nahen feiner herfart; 
doch pait er auf Garte, vnz im kam daz jar : 
die mit im varen folten, die komen alle dar. 

215 Er emphaleh dem purggraven die mfiter vnd daz laut: 
die herren fchwum im hulde. do hub er Ach zehant 
mit feinen fchargenofsen, vnd namyrlaiibTon dermaler fein, 
er für mit feinen beiden in die habe ze Mefsein. 

216 Da emphieng in minnekleichen der haidenifche man, 
die kiele er im beraitte, zehant hueb er Ach dan; 

im waren zo dreien jaren die kiele wol gelBdien,(CÄCIX,2,a) 
die anker A do loften, vnd flufsen von den ftaden. 

217 Do ffir der Lamparte mit fkreuden und fein her. 
an dem zwelflen morgen da kam er vber mer. 
an des maspawmes ende ain marner oben trat^ 

er gefaeh die bürg ze Suders vnd des haiden hauht.C^'^« 



22 König Ortoikt 

» 
l$4 Got lone meiner muter« von der ich die gstbe han! 

ich wil mich alles dinges an dein genade tan, 
wider deinen willen mein herse nimmer ftrebet: 
mein muter dein geneöfsel al die weil fi lebet/' 

185 Der Lamparte in freuden su feinem rode graif, 
do wolt im der claine haben den ftegraif, 

do fprach der Lamparte: „ich ften hie difen tag, 

ttu ich dir mit nicht anders den dienft erweren mag.'' 

186 Mit vnyersagtem mute gart er dem rolTe bas; 
da raumbt im der wilde, vnz er darauf gefafs, 

do fprach derLamparte: „nuraiehmirdenfchilt/Y^^C^^AiO 
i,ich fihe wol," fprach der claine „daz du Ton mir wilt/^ 

187 Er den fchilt emphienge, do fchawet er fein fwerl; 
er I]prach: ^,ich bin in noten se ftreite wol gewert 

f wer mit der Rofen fleuhet, der muz fich immer fchamen.'^ 
do fant er paidenthalben daran gefchriben feinen samen« 

188 Guidein was fein fchaide; daz der Tefsel folde fein, 
daz was durchflagen Ton golde, ain porte feidein, 
daz oberthalb der heize was des fwertes kloz, 
daz was ain karfunkel wol dreier febfte groz« 

189 Den fchilt nam er ze hälfe, do wolt er yoh im dan: 
„got muz dich gefegnenl^^ fprach aber der klaine man 
„du folt mich nu nicht meiden, als du bedurfeft mein, 
du magdfc mich nimmer verliefen, haft du daz vingerlein." 

190 Der Lamparte kerete von im in den walt, 

fein mut der was ringe, fein freude was manigualt; 
er fprach: „ich bin ze ftreite alrerft nu ge wert :[f wert!" 
war kam ich, daz ich verfuechete mein barnafch vnd mein 

191 Sein phat daz rait er widere neben der ftainwant; 
er was in vngemAte, do er nicht ze ftreiten vant, 

er fprach : „fol ich daz wunder vondem f werte nicht gefehenl 
mit mir enftreitet nieman: ez mflz Tor der bürg gefchehen/' 

192 F&r Ach rait er nach ftreite vnz an den dritten tag, 
daz er vor vbermfite dehainer rhe phlag. 

do fprach der Lamparte; „ich yU vnfalig man, 
daz ich nach meinem willen oieht ze fechten hanl" 



Zw^U^ Abenl^nre. 23 

193 Die fein TDÜanft emparen, die waren gar Terzait; 
die im nicht gutes gunden, die heten in verclait. 
ze Garte vnd in. dem lande was jamerlicbeu not, 
A wanden al geleicbe, der kdnig wäre tot« 

194 Jimerlichev fware . hat die muter fein; 
getroften nieman kuode die edlen kunigein, 

die not lait nach ir kinde daz togentreiche weih: 
war er nicht komen fchiere, fi het verloren den leib. 

195 An dem vierden morgen der Lamparte rait 
für die purg ze Garte in die gruene awe prait^ 
^U der morgenXterne durch finfter wölken prach, 

dem fterne fcbain geleich(e) fein heim vnd auch fein dach. 

196 Do was dem waehtaere der gaft vil vnbekant; 
gleich dem morgenplicke lauchte im al[lez] fein gewant; 
fbr die bürg ze Garte rait er in daz gruene hag, 

daz ros er hafte vafte; do wart ez auch liecbter tag« 

197 Er gieng mit gewalte vnz an den burggraben, 
geleich als er die manre wolt erllurmet haben* CSp> bO 
do fprach der wachter: ^^[vnd] triieget ir ymmer fewrein 

[fchein, 
fwievaft [aber] ir nu dringet, euch enlat doch nieman ein.'^ 

198 Do fprach der Lamparte: ,,nn fchleufs auf mir daz tor, 
vnd fage den peflen allen^ ir herre fei hie vor/^ 

der wachter rief vil laute: „wes flaefet difev diet? [fehlet 
ez in heut der vierde morgen; daz mein herre von binnen 

199 Vor difer barg gemadre ftet ain vil kuener man, 
von füefsen vnz an daz haubct ift er gezündet an; 

er gicht, er fei mein herre, als ichz von im han vemomen: 
erittleiehtdem teufel entrannen vnd auz der heilekomen/^ 

200 In forgen do erwachte dev edle kbnigein, 

fi luget durch daz venfter, do fi erfach den fchein, 
fi fprach: „ficfa, der prinhet alfam ain kerzen liecht; 
meines funes ringe die fint fo feh&ne nicht'^ 

201 Die in der bürge waren, baidev, weib vnd man, 

die giengen durch daz wunder auf an die zinnen ftan, 
do fprach der burggrave: „herre, wer mugt ir fein? 
ir muebet euch alrerft nennen, ee wir euch laben ein/^ 



22 König Ortoik. 

l$4 Got lone meiner muter, von der ich die gsrbe han! 
ich wil mich alles dinges an. dein genade tan, 
wider deinen willen mein herse nimmer ftrebet: 
mein muter dein genedf^et al die weil fi lebet/' 

185 Der Lamparte in freuden zu feinem rode graif, 
do wolt im der claine haben den ftegraif, 

do fprach der Lamparte: „ich den hie difen tag, 

ttu ich dir mit nicht anders den dienft erweren mag. '' 

186 Mit vnversagtem mute gurt er dem rolTe bat; 
da raumbt im der wilde, vnz er darauf gefafs. 

do fprach derLamparte: „nuraichmirdenfchilf/YCJC/I|/,a^ 
i,ieh fihe wol," fprach der claine „daz du Ton mir wilt/^ 

187 Er den fchilt empbienge, do fchawet er fein fwert; 
er I]prach: ^,ich bin in noteu ze ftreite wol gewert 
fwermit der Rofen fleuhet, der muz fich immer fchamen/^ 
do fant er paidenthalben daran gefchriben feinen namen. 

188 Guidein was fein fchaide; daz der vefsel folde fein, 
daz was dnrchflagen von golde, ain porte feidein, 
daz oberthalb der heize was des fwertes kloz, 
da^ was ain karfunkel wol dreier febfte groz. 

189 Den fchilt nam er ze hälfe, do wolt er voii im dan: 
„got muz dich gefegnenl^^ fprach aber der klaine man 
„du folt mich nu nicht meiden, als du bedurfeft mein, 
du magdfc mich nimmer verliefen, haCtdu daz vingerlein/' 

190 Der Lamparte kerete von im in den walt/ 

fein mut der was ringe, fein freude was manigualt; 
er fprach: „ich bin ze ftreite alrerft nu gewert :[fwert!'' 
war kam ich, dazichverfuechete mein barnafch vnd mein 

191 Sein phat daz rait er widere neben der ftainwant; 
er was in vngemAte, do er nicht ze ftreiten vant, 

er fprach : „fol ich daz wunder vondem fwerte nichtgefehenl 
mit mir enftreitet nieman: ez m&z vor der bürg gefohehen/* 

192 F&r fich rait er nach ftreite vnz an den dritten tag, 
daz er vor vbermute dehainer riie phlag. 

do fprach der Lamparte: „ich yil vnfalig man, 
daz ich nach meinem willen nicht ze fechten hanl\' 



193 Die fein Tnüanft emparen, die waren gar Yerzait; 
die im nicht gutes gunden, die heten in verclait. 
ze Garte vnd in. dem lande was jamerlichen not, 
R wanden al geleicbe, der kdnig wäre tot« 

194 Jamerlichev fware hat die muter fein; 
getrollen nieman künde die edlen kunigein, 

die not lait nach ir kinde daz tugentreiche weih: 
war er nicht komen fehlere, fi het verloren den leib. 

195 An dem vierden morgen der Lamparte rait 
für die purg ze Garte in die grueno awe prait, 
^Is der morgenXterne durch finfter wölken prach, 

dem fterne fcbain geleiGh(e) fein heim vnd auch fein dach. 

196 Do was dem wachtaere der gaft vil vnbekant; 
gleich dem morgenplicke lauchte im al[lez] fein gewant; 
fbr die bürg ze Garte rait er in daz gruene hag, 

daz ros er hafte vafte; do wart ez auch liechter tag» 

197 Er gieng mit gewalte vnz an den burggraben, 
geleich als er die maure wolt erllurmet haben. CSp» bO 
do fprach der wachter: ^^[vnd] trueget ir ymmer fewrein 

[fchein, 
fwievaft [aber] ir nu dringet, euch enlat doch nieman ein.^^ 

198 Do fprach der Lamparte: ,,nn fchleufs auf mir daz tor, 
vnd fage den peften allen^ ir herre fei hie vor/' 

der wachter rief vil laute: „wes flaefet difev diet1[fchiet. 
ez in heut der vierde morgen; daz mein herre von hinnen 

199 Vor difer barg gemaure flet ain vil kuener man, 
von füefsen vnz an daz hanbct ift er gezündet an; 

er gicht, er fei mein herre, als ichz von im hau vernomen: 
er ift leicht dem tenfel entrannen vnd auz der heilekomen.^^ 

200 In forgen do erwachte dev edle kbnigein, 

fi l&get durch daz venfter, do & erfach den fchein, 
fi fprach: „Ach, der prinnet alfam ain kerzen liecht; 
meines funes ringe die fint fo fehone nicht^^ 

201 Die in der bürge waren, baidev, weih vnd man, 

die giengen durch daz wunder auf an die sinnen ftan, 
do fprach der burggrave: „herre, wer mugt ir fein? 
ir maebet euch alrerft nennen, ee wir euch laben ein/^ 



•30 König Ortnit 

254 Ez mag immer mere daz lant defter baz; 

helfet mir zu der maure, ich wil dar ane haz/^ — 
„rwer alfo grofso bringet, der Fol willekomen fein/^ 
fpraehen die galinare, vnd flufsen wider ein. 

255 Do het auch ir gewartet der conftabel von der fiat/ 
der fragt auch A der mare, ftille haben er A pal. 

fi fpraehen: ,,herre, er f&eret fein kiele g'e wände« vol 
vnd mutet aines gelaites, ob man imz geben fol. 

256 Sijehent) fwer kauffcbaz ffieret, der fol hie haben fride^ 
den fol man in gepieten bei dem hals ynd bei der wide.^^ 
do fpraeh der Hat richtaere: ,)ich fol daz wol bewarn, 
daz man in icht tu gewaltes, ich wil felb mit in fbrn. ^^ 

257 Do hiez er im gewinnen auch ain raub galein, 
wol vierzigk pufaunere die falzte er zu ita darein. 
aiD[en] fanen ynd ain creutze er oben an den maspaum pant, 
damit er in beweifte, daz in fk'ide wäre erkant. 

258 Do rief der naucler laute, der auf dem maspaäm fafsj 
„gehabt euch wol dort nidere, ynfer ding yert abeif baz, 
wir füllen auf den kielen froiichen faren ein, 

ja wil der ftatmaifter rnfer gelaile fein.^' 

259 Vor den haiden allen der richter felbe yloz, 
ob der galie ohne manig p&fawn erdoz ; 

die gefte emphieng er fchone, ynd belaites in^iehHbe^(*Sp,öJ 
er fpraeh: „fwenn ir nu wellet, fo fart in barken abe/^ 

260 Do warens auf dem wage den tag vnz an die nacht,, 
auch het er feine kiele gar zefamen bracht. 

„nu rat an vnd lere, ril lieber Albereicb, 

wie wir die ftat gewinnen.^^ fo fpraeh der kunig reich. 

261 „Dev porte dey ftat offen, ich wbn, vns ieman wer; 
fwenii alle lebte entflafen, wir dringen ein mit her, 
A muefsen des entgelten, daz alle haiden Ant^ 

wir fuln A felbe toten, ir weih vnd irev kint.^^ 

262 Do fpraeh der claine weife: |(,wer leret dich den lift? 
fo ftuend(e) daz vil vbele, daz da ain kunig bift, 

daz du erzdrnen wolteft deinen haus genofs, * 
ynd im nidit widerftigft, daz waer ain iafter gros,^^ 



Dritte Abenleiife. 31 

263 Do fpraeh der Lamparte: ,,dai mnefs er mir vertragen, 
der baiden ift fo Eomig, im gelar niemen widerfagen, 
ich fend auf fein genade auch dhainen polen dar, 

tun ich im fünft icht laides, er wirt fein wol gewar/^ — 

264 „Entrewen,*^ fpraeh der claine ,,daz lafter Wurde dein, 
daz man dich dämm befchnite, ich wolC ee pole fein» 
man foitz mit eren werben, wie bift du fo Tersait? 
will du mirs nimmer danken, ich hau im fchier wi derfait/^ 

265 Do fpraeh der Lamparte: „des bin ich immer fro, 
auch dank ich dirs ril gerne, ob ez fich gefueget fo. 
fol ich dein albie peiten?^ fpraeh der k&nig reich, 
„ich kamb dir morgen widere.^* von im fuer Albereich. 

266 Er bracht in des wol innen, das es waer ain getwerk, 
dem wilden dem was kundig, paidev, tal md perg, 

er wefte wol, waz bürge in der haidenfchefte lag. 
ez kam ze Muntabore, ee das ez wurde tag. 

267 Do fafs er neben der maiire nider auf ainen flain 
ynd paite des vil kaume, mz daz der tag erfehain, 
daz er die potfchaft würbe, die man in werben pal. 
der haiden auf die maure ob im an die zinnen trat; 

268 Durch die fueisen winde to gieng er an den luft. 
Ja het er durch die hitze geraumet feine gruft. 

mit züchten fpraeh der claine: ),wer ift» der ob mir ftat? 
getar ich dich gefragen, fo gib mir deinen rat. 

269 Wa ift des haufes herre?^^ fpraeh er: „daz bin ich/^ 
do vorchte Ach der haiden, vil raft er fegnet fich. 
9,waz ift, daz da fprichet, daz ich des nicht enfihe?^^ 
er fpraeh : „bift du&, der teufel? was tuft du danne hie?^^ 

270 )^Nain ich,^^ fpraeh der claine „ich binz ain anäer^ot, CSp.cJ 
mich hat daher gefendet mein maifter vnd mein got.^^ — 
„auf deines gotes mare darauf enacht ich nicht, 

fwaz er mir mag gepieten, daz danket mich enwicht 

271 Ich achte harte lutzel auf deines gotes petx 
ich ftarchte wan ApoUen vnd meinen Hachmet, 

den wil ich gerne dienen, die fint die gote mein.*^ ^- 
),nii fagan,^^J]prachder claine „wielang wilft dum Alig fein? 



32 König Orinit. 

272 Daz du an in nicht gelaubeft, daz wirt auch leicht enwicht, 
daz du den nicht enfurchteft, dem man gewaltes gicht^ 
der daz hat befchaffen, daz du bift menfchleich. 
Maehmet vnd Apolien, wa ift der himelreich?^^ — 

273 ,>Si fein fwa ß^ wellen,^^ fprach der haiden do 
„mich vnd meine genofsen machen A dicke fro/^ 

mit Witzen fprach der claine: ,,du bift der finne ain kint: 
nu bin ich aine fterker, dan deine goter fint/' 

274 Do fprach aber der haiden: ^^nu tu mir doch bekant, 
fag mir, waz du werbeft, warumb du her biftgefanl/^ — 
,^da hat mich hergefendet zu dir der maifter mein, 

daz du ainem. reichen kfinige gebeft die tochter dein.^^ 

275 Mit peden feinen banden fo ranft er auz den partt 
„awe/^ fprach der haiden ,,daz ich ie geporn warti 
ilaz mich meiner tochter nie dhain man gepat, 

ich liefs im ab fein haubet flahen an der ftat.'^ 

276 Do fprach aber der claine: „auf dein ted acht ich nicht; 
ez ift gefchehen dicke, daz nimmermer gefchicht; 

ich fag dir o£fenlichen^ gibft du im nicht die mait, 
daz er dich mit here fuchet, dir fei von im widerfait.^^ 

277 Der alte haiden laute wainte, vndo fprach: 

„daz mir bei meinen Zeiten daz lafler ie gefchach! 
mir getorft bei meinen jaren nie kain man widerfagen: 
daz ichez nu muz hören, daz wil ich den goten clagen, 

278 Du folt mir daz gelauben, het ich dich in meiner haut, 
vnd war der himel dein aigen, ich flueg dich vmb ain want/' 
ainen ftain vngefuegen den ftiefs er in den graben, 

da wolt er den clainen ze tode erworfen haben. 

279 Mit zorn(e) fprach derclain(e): „waz hilfet dich dein wert 
nu gib im dein tochter, oder er fuechet dich mit her, 
ee den du icht wifseft, fo fiheftu in hie vor: 

er nimbt ä mit gewalte, vnd hengket dich für daz tor/^ 

280 Der haiden fehrai fo laute, daz perg vnde tal 
vnd auch dev purg ellev von feinem doz erfchal; 
die in der bürge fliefen, die erwachten davon gar, 
durch dev grofsen wunder fo hAben fi Ach dar, (CC, i,a) 



Dritte Abentenre. 33; 

281 „leh wfto, da feift Tofinoig/' fprach der kdnigelD. [mein ; 
„nain ich/^ fprach derhaiden ^^maopitet [mich] der tochter 
mir hat yil zorniclicbeD ain ftimme widerfait: 

ich mag mich nicht errechen^ daz fei Machmete geclait!^* 

282 Er fprach su feinen haiden : „lauft vmb den barggraben, 
daz er yns icht entrinne, ir fvlt in Tmb(e)haben/* 

die haiden alle fprungen nider an daz gras, 
fi nfigen vnde Aachen, da Alberich da was. 

283 Hinders haiden rngge verparg fieh daz twergelein: 
y,kunig, du folt gepieten, daz fi ir werfen lafsen fein, 
Yor fchdfsen ynd Tor würfen traw ich wol Tcrpergen mich : 
wel[le]nt fi mein lange ramen, fi treffen! leichte dich/i 

284 Mit zome fprach der haiden: ,,lat fteen md werfet nicht, 
wie wolt aber ir den treffen, den man nindert ficht? 
fwaz er nu talang claffet, daz muz ich im vertragen/^ 
do fprach aber der claine: „waz fol ich dem kunige fagen ?^^ 

285 „Daz mir got muz richten yber ewr Haider leben, 
ich wil dir nicht gelauben, da folt mir briefe geben/^ 
er fprach: ,,feit ich der briefe hier nicht gelaiften mag, 
dabei foitas gedenken/^ vnd fing im ainen packenflag. 

286 Die ieute ez alle horten, fo laut erhal fein haut. 

der haiden ward vnfinnig, durch wueten man in gepant. 
dcT tochter vnd ir mueter vielen an ir gepei, 
ä clagten alle ire lafter ApoUen vnd Machmet* 

287 Da het auch wol erworben fein potfchaft Albereich, 
do keert er von der maure gegen dem knnige reich, 
ß. ramten fein mit werfen, do was er anderswa. — 
Ortnides Abentewre ift aber ainea da. (Sp. b) 



34 K^oig Ortnit* 



IV. 

Abenteure, Wie Siiders zerprochen ward. 

288 Do kam er zu den kielen ee daz ez ward nacht. 

do fprach der Lamparte: „waz mare haft du mir bracht ?^^ 

„ich bringe dir bofev mare von der kunigein, 

du(n) gewinnen fi mit ftreite; ja wirt Q. nimmer dein. 

289 Ich han iren Tater erzürnet, daz man in gepnnden hat/^ 
do fprach der Lamparte: ,,nu gib vns deinen rat/^ — ^ 
„gewinnen wir die vefle, fo hab wir allez laut. 

ich trawe; euch wol in harken fueren auf den fant. 

290 Dev nacht ift iezund vinfter, den mane nieman Aehl, 
fo hutent auf der maure die wachtaere nicht; 

wir ful[lejtt in harken fliefsen yerholhe zu den gftaden: 
fi fArehten auf dem wage dehames veindes fchaden« 

291 Ich trawe auch vns die barken wol verholne ftelen. 
auch fult ir ftille fweigen vnd foltz mit züchten helen;*^ 
die zwen(e) kunige volgten nun dem klainen man. 

bei der burgkmauer fünfhundert barken er gewan. 

292 Die der barken hueten, die wurden gar betrogen, 

fi wanden, daz die vnde ü heten auf den fee gezogen, 
do fprach ir ieg(e)licher : „ich enwaiz, wa mein barken linf: 
die keten pfeftent alle vnd emphuert & vns der wint,^^ 

293 Si fprungen ab den kielen alle in die barken nider, 
fi komen dar Iure, vnd flufsen balde wider, 

des morgens ieg(e)licher feine barken vant: 

fi trugen dreifsigtaufent heida do des nachtes an den fant. 

294 Si fprungen auz den barken auf die erde do ; 
daz A enpunden waren, des wurdens alle fro. 
Ortnit von Lamparte vnd von Reufsen Ylias 
giengen auz den barken nider auf daz gras. 



Vierte Abenlenre. 35 

295 Do fpraeh der Lamparfe: „na rat an, Alhereicb, 

daz wir die flat serHoren ze laid dem ktinige reich.^^ — 
,,ir fecbt wol/^ fpraeh der klaine ^,dai dev porte offen ftat, 
ich kan ew ze ewrein Ureite geben dehainen rat.^* 

296 Do fpraeh der Lamparte: „da darfft vns nimer roanen. 
Tlias Yon Redfsen, nim meinen flurmfanen. 

er fang aach anders nieman ze fberen an der hant; 
fwera ieh in anders gabe^ daz w^r nicht wol bewanf/^-^ 

297 9)De8 fult ir mich erlafsen, ohaim Ortncit; 

ich han ftonflanfent beide gefuer^t in den ftreif, 

die ieh billicben weifen vnd laifen fol: (Sp, c) 

ain alfo groüise? menige bedarf ir berren wol/^ 

298 Do fpraeh der Lamparte: „ich mag dichs nicht erlan, 
feit ich dich ze trofte mit mir gefüeret han; 

wir mngen wol bede Areiten vnder ainer panier liecht: 
die wir her haben gefiieret, die entweichent yns nü nicht^' 

299 ,,Dazwaif9got/'fpraehderReufse „nagibmirinandiebant^^ 
«inea fwarzen fanen er do angepant, 

daratiz ain lewe leuchtet von fchonem golde rot: 
die swene kdnige fäerten vil manigen in den tot 

300 Si waren gar beraitet, als der tag anfprach. 

ain haiden anf der manre in lauter ftimme fpraeh: 
„na wolauf, wachet alle! vns ift ain kaufXchatz komen: 
fwer za dem kaufe gäbet, dem wirt der leib fchier benomen. 

301 Er mag fein wol entgelten vnd feines kindes kint. 
wol dreifsigtanfenl ritter hier vor der mauer lint, 
in liechten ftahelringen, weifs alfo der fnee : 

Ton difem kanffchatze gefchicht vns allen wee/* 

302 Davon y\\ manig haiden in der ftat erfchrak. 

do kam in mit laide dev fänne vnd auch der tag. 
▼on dem kauftebatze ward da maniger T«rlom. 
Ortnit drang in die porten vnd plies fein herhorn. 

303 Die haiden Ach do fcharten, vil michel ward ir fchal. 
vii fchiere A Ach fambten vor dem eomadn vberal. 
wol fechzigktaufent haiden komen für den palas, 

dft. der eonftabel^ ir richter, inne was. 



36 König Ortnit» 

304 Den gelten er entgegne mit grofser menige rait, 
Ortnit neben dem Retifsen gewalticlichen ftrait. 
do ftaphten A zefamne auf forgfamen (treit, 

do rief der Lamparte: „fcheFalier Ortneit!^^ 

305 Do drang gegen der dicke von Rewfsen Ylias, 
do enweft man, welhez Griften oder baiden was, 

da kam fo vil der baiden, das man nicht furbas liefs: 
des kuniges fanen enroitten er auf den palas ftiefs. 

306 Do tet der Lamparte vil manigem . baiden fcbaden; 
fi beten in gefueret auf ir kumber von den ftaden; 
fwem do der vngebewre gab da ainen flag 

mit feines fwertes orte^ vor im er toter gelag. 

307 Die baiden wicben alle vor dem vil kuenen nian, 
da getorfte im au der enge ir dbainer vor geftan, 
vil itaanigem kuenen baiden benam er da das leben: 
ez komen auch die feinen nicbt an vnvergeben. 

308 Vil manige weite Incken er baidentbalben flug* 

der Reufse an feinem rngke den fanen nach im trug. 

„lause die beide ftreiten !^^ rief aber Albereich . 

„da wellent dir die baiden entrinnen, kunig reich. (CCIy ia) 

309 Ja fint die porten alle laider vnbewart, 
die beflofsen waren, die babens aufgefpart; 
fich, ob duz mfigeHt erwenden, kunig Ortneit, 

fi prennent dir die kiele, vnd nement, fwaz darauf leit/^ 

310 Ainen fnellen turken der Lamparte twang, 

er kam mit feinen beiden, ze ainer porte er auzgedrangk, 
da entwichen im die baiden, fo creftig was fein her, 
er flug ir vil ze tode vnd ertränktes in dem mer. 

311 Alfo der Lamparte dem Reufsen ze tal entwaich, 
do ward im fein bilfe , gen den baiden ze waicb, 

do nam er fcbaden grofsen, den er nicht mocht verclagen, ^ 
er verlos funftaufent beide vnd ward felb nidergeflagen. 

312 Do kam auf ainem t&rken der claine nachgeriten, 

er fprach zum Lamparten: „du haft genvch hie geftriten, 

nu keer wider bei zeite vnd rieh deinen zorn^ 

du halt den kdnig von Reufsen fnd feine b^lde ve^rlom.^^ 



Vierte Abentenre. 37 

313 Do fpraeh der Lamparte: y^ohaim Ylias, 

na nines ez got erparmen, daz ich pei dir nicht was! 
ich mda nach deinem tode immer traurig wefen/^ 
mit zorne keert er widere vnd half im genefen. 

314 Oo het fich der Reufse feiner hilfe [gar] rersigen, 
den fach er Jamerlichen [mitten] vnder den yeinden ligcn; 
dieweil md er gemochte, da het er fich gewert: 

im kam deii hilfe fchiere, davon ward er emert. 

315 Do het er vmbefangen den fanen mit ainer hant, 
fein fwert in der andern, da er in ligende vant; 
von (tarken flegen groOsen ward er vngeßint, 

er Tant in ligende far toten^ vnd was doch nindert wunt. 

316 Daz fwert nam er zun banden, den fchilt ze rugke er warf, 
alrerft mueft er verfuechen die feinen klingen fcharf, 
nach frennden vnd nach veinden er tobelichen flilg: 
auf den fl ee vaft drangen, dem ward do raames genhg. 

317 Harte jamerllche der k&ne Renfse fpraeh, 

do er durch helmes venfter den ohaim ob ime fach: 
„nn mnefae got erparmen, daz ich ie ward geborn! 
daz liebeft, das ich bette, daz han ich laider yerlorn/' 

318 Des fronte fich der kuene, daz er in lebenlig vant, 
anfenkl er in (helle von der erde mit der hant: 
„ei mag 4ifev rei£ß ane fchaden wefen ; 

ich wil dich« wol ergetzen, vnd traweflu genefen/^ i-* 

319 99 Wie magft da mich ergetzen des fchaden den ich han? 
nü ligent vor vn« verhawen alle meine man/^ (ap* b) 
der Renfse fpraeh mit jamer : „ich genafe noch vil wol, 
na waiili aber ich vniälig nicht, zweu mir mein leben fol/^ 

320 „Sieb mos der man getroften^ fpraeh der kunig Ortneit 
„des leibet vnd der leute, fwer get in ainen ftreit, 
fwaz er darinne verlenfet, des mus er fich bewegen, 
ich wln,dnmagft nicht ftreiten, la mich des fanen phlegen/^ 

321 „Nain,<< I^rach der Reufse „mir wirrrt fehlere nicht; 
fi werdent wol vergolten, die man hie tote[r] ficht; 
ich wil dir aber helfen, da folt mir den fanen lan: 

do gefichft mich heate fterben, oder icbgeriehe meine man>^ 



38 König OrUüU 

322 Do rtueud vnde warte gen in den haidenfdiafli 
wenne fi verfuechten aber ir manAes eraft. 

do fprach der Lamparte: ,,wir mdeüien el aber att fie, 
wir liefsen dife toten vngeroehen vbele hie.^^ 

323 Ze famene ä do drongen, da mifehete fieh ir fdia^; 
da wurden Uechte riinge gleiche plut gefar. 

do mueften aber die gefto dem wirte angefigen, 

do fach man manigen haiden vor dem Lamparten ligen, 

324 Si beten zu der erde manigen toten bracht; 

die haiden fioh irerpurgeo, Biemen mit in da vacht; 

& hetten manigen toten gevellet anf daz gn». 

,,mil wem fol icli nu rechten?'^ fpraeh von Reofsen Yiias. 

325 „Ee du dich gehabefl immer alfo j&merleich, 

ich zeige <lir taufent haiden,^^ fprach aber Albereich 
,.die fich habent verporgen: wiU du rechen deine man.^^ 
,,vil gerne/^ fprach der Reufse: ,,herre, na woldaal^^ 

326 Do fürt in der claine in ain ftaine want, 

da er wol taufent haiden vefperret inne vant, 
da (tiefs er mit dem fuefse auf rigele vnde thr: 
„vnraine Sarazine, ir m&efset doch herfbr/^ 

327 Do vielen« im ze fuefsen: „herre, lat vns leben, 
in ewers gotes gnaden wellen wir vns geben/^ — 
„vil gerne,^^ fprach der Reufse ,,vnd geltet mir meine man, 
mit difem befem reife wil ich ev Haben den pan. 

328 Ich wil eu puefse fetzen, der ir enprechet nicht, 
man fol e weh alfo fchawen, als man fi ligen ficht, 
fwen ich mit difem reife flach heute ainen flag, 

der muz die puefse vaflen biz an den j&ngiften tag.^' 

329 Der veinde er ieg(e)lichen zu dem liechte trug, 

er nam in bei dem bare, daz haubt er im abe Hug, 

ze tode flAg er ä alle, vnz er ir nimmer vant: 

het er ir icht mer fünden^ fi het auch erflagen fein hantfiSi^.i?; 

330 Do drang er durch die toten aber fuere baz, 
er kam in ain gewelbe, daz vollez frawen fafs, 
die vielen im ze fuefsen; „herre, lat vns den leib, 
du halt fein liltzel ere, fläbfl du vns armen weib/^— 



Vierte Abenteure. 39 

331 ,,Ir feit mir alle geleiche, weib vude mao, 

ir nmefset mir die gelten^ die ich verloren han/^ 

er nam fi bei ir vaefafe vnt tel in auch alüam. 

do zamet alrerft der claine vnd ward dem Rehfsen gram. 

332 Der elaine hueb fieh balde von im auz der ftftinwant 
anf das wal der toten, da er Ortniten vant: 
„deiaohaim fledit die fra wen^ des magft du dich wol fchemen: 
die gerne Driften würden, den wil er daz leben nemen>^ 

333 Mit zorne der Lamparte do zu dem Reiifsen fprang, 

er fpraeh: „du bift vhfinnig, dein leib der hab vndank! 
die ftrawen fint vnfchuldig, den du hai% iren leib benomen: 
macht du daran gedenken, du bift auch von frawen komen. 

334 Wilt du dehaines dieiiftes von mir fein gewert, 

£6 tu ez durch meinen willen vnd dtofs ein dein fwert. 
da pift an deinen finnen laider gar ain kint: 
woldan! hilf mir ze taufen die gerne Criften fint^^ 

336 Mit zorne fpraeh der Reufse: „da keer ich mich nicht an^ 
du feit mti deiner taufe mich mit fride lau: 
fwelhe ich se wafser fuere, die werdent vngeAint, 
gefbhehent ä auch mir ze taufen, ich ftofs fi in den grunt/^ 

336 Do erpat er in des kaüme, daz er fein fwert in ftiefs, 
vnd die armen frawen mit gemache liefs; 

die gerne Criften wurden, die tauft der kiinig reich, 
vnd half im des vil vafte der lutzel Albereich. 

337 Mit zorne gie der Rebfse von im in daz wal; 

fwelch wiinter ficb aufrichte, den ftiefs er wider zetal, 
den Criften zu den haiden, dem trat er in den miint: 
die wol genefen wären, die macht er vngefunt. 

338 Mit zorne do der claine zu dem Lamparten fpraeh: 
„wir haben vor difem trolle talangk dehainen gemach; 
er mochte doch den Criften wol ainen fride geben : 
fumelicb, die wol genafen, die lat er nicht leben/^ 

339 Do fpraeh aber mit zorne der kunig Ortneit: 
„ohaim, du wilt et nimmer laiseu deinen ftreit; 

waz richeft an den ledteu, die durch vns erftorben fint? 
du bift, enrecbten trewen, ains vngehewren mannes kint/^ 



^0 König Ortoit 

340 Vil kaume ward der Reurse von der vngefuege braehf^ 

(ccr, /, aO 
do het er im aber fehiere ainer [newen] ragefuege erdacht, 
er gie zn der haiden pethaus, da er die abgote vaat, 
heraiiz trug er die farke vnd fliig A vmb ain want. 

341 Do fpraeb derLamparte: ,,gol mdz dir [rechte] Ao befcherii! 
wie laug fol ich dir heute dein Tugefdege weml 

nu hab auch deinen willen, tue et, waz dich dnnke gät: 
du wilt durch mich nicht lafsen deinen wunderlichen mutt^^ 

342 f,Volge mir, Lamparte/^ fprach aber Albereich 
„ynd fuechen wir die toten, daz i(t gewifsenleich, 
die wol genefen kunnen vnder difem her, 

die fenden wir in harken zu den kielen auf daz mer.^^ 

343 Do giengens TudCe) fuechten, den laide was getan, 
vnd funden Tuder den Criften wan fünfhundert man, 
die wol genefen mochten, die fand er auf den fee: 
do tet dem Lamparten der jamer harte wee»* 

344 „ich fag dir,^^ fprach der daine „du hall genomen fchaden, 
ez ift vil maniger laider her auf fein[en] tot geladen, 
her kunig, fwenne ir nu wellet, fo plafet ewer hörn: 
nu lachet, oder wainet, ir habt newntaufent ritter verlorn/^ 

345 „Got lafse michs gepuefsen,^^ fprach der kunig Ortneit 
„daz alfo manig toter in meinem dienfte dienfte leit! 
der abent ift ze nahen, furbala ich nicht enmag, 

wir mdefsen hier beleiben, vnz morgen auf den tag.^^ 

346 „Nu fich,^^ fprach er zu dem Re&fsen „waz hülfe mich 

[mein zorn? 
fwie vngefuege ich wäre, fo warens doch verlorn, 
ze langer herferte geboret dhain gewin: 
. meiner vnfalden ift aber aineu dahin.^^ 



Ffinfte Abentenre. 41 



V. 

Abentenre. Wie die flat geben ward ynd für 
die ftat fdren« 

347 Dev nat ward befelzet ynd anch dev naclit behuet 
fwax den Lamparten Tnd den Reufsen dauchte gut, 
die haiden taten gerne, des fi der kunig pat, 

A gaben im auf genade ir leib vnd aueb die ftat. 

348 Sonfl lagens ane forgen die nacbl ?nz an den tag. 
do fpracb der Lamparte: ,,nicht lenger ich enmag 
in difer (tat beleiben, nu wol auf! es ift zeit, 

/23. wir fnln fSrr Montabure!^^ fpracb der kunig Ortneit. 

349 Nn wolanf} k&ner Rebfse! vnd reeben vnfem zorn, (Sp. b) 
ancb rechen mfer leute, die wir han verlorn! 

die loten ligent immer in dem herzen mein, 

deir rergüse ich nimmer, mir werde dan dev kunigein/^ 

350 Die dannoch bei im waren, die faumbten fieh do nicht, 
vil manig weifsev prunne vnd manigen helm[en] Hecht, 
herte fta(he)l ringe, die hettens angeieit^ 

fl zagen auz der vefte auf die grbene haide prait. 

351 Do fprach der Lamparte: „nn wolauf, meine man! 
alrerft wil ich ftreiten, nn ich ze leben han, 

ich muz die pnrg gewinnen, oder ich verlens meinen leib : 
ich gerfie nimmer, mir werde dan daz weih. 

352 Die mir her haben gevolget, die wil ich alle manen: 
Tlias von Refifsen, nim meinen ftiirm fanen, 
fechzehentaufent beide die voigent vns an den graben; 
vns getar der haiden nimmer die pnrg mit Hreite vorgehaben.^ 

353 Mitjamer fprach der ReAfse: „ich wiEiifs nit, war ich fol; 
in Walhifcben reichen het ich die künde wol, 

daz ich die leute fuerte die rechten ftralse hin: 

A riten nach mir irre; ich enwaiz, wa ich ÜSelbe bin/^ 



42 König Ortait. 

354 „WoU ir mir nu volgen/' alfo fprach daz getwerg 
,,die beide wil ich weifeo durch, tal vnd auch durch perg, 
vnz an des perges h&he, da Muntahiire leit/^ 

,,iiu Ion dir got von himele!^^ fprach der kunig Ortneit 

355 „Dein ros daz haifs mir leihen, daz man fuert an der hand^ 
den fanen \fil ich f&eren, vnz in des k&niges lant 

ob Q. dich darumb fragen, die dir reitent bei, 

wer deinen fanen fdere, fo fprich, daz ichz der engel fei»^^ 

356 Im gab der Lamparte daz ros in fein gewalt 

vnd fatzt in darauf gereH e. . fein progen ward manigTalt, 
den fanen habt er yafte, do rait er fdr daz her, 
da weifet er die helde die ftrafsen ane wer* 

357 Die Walhen fprachen alle, vnd fegeute(n) fere fleh: 
„reicher fcunic here, wenn wilt du fegen dich? 
flheft du nicht daz wunder, daz dir ift befchertl 

wer ift, daz auf deinem rolfe, mit deinem fanen ttrtV^ 

358 "Deg lachten ä vU fdefise, die zwen(e) kunige her,: 
A fahenz alters aine, vnd ander(8) nieman mer: 
„ez iilt der gotes engel,^^ fprach der kunig Ortneit 
„der vns fein gelaite f&r Huntabure geit 

359 Daran folt ir gedenken, fwelhe hie verfarn, 

die f&ert er hin ze himele: irfulteuch [nicht an ftreitejfparn,^^ 
des waren die Lamparde alle harte fro: 6^. cj 

9,fo fuln wir gerne Areiten,^^ fprachen fi „vnd ift im fo.^^ 

360 Dem zaichen fi do yolgten vnd namens alle war. 

do fprach ir ieg(e)licher: 9,nu fwenne kumb wir darl^^ 

do riten die vuuerzaiten furbaz auf daz velt 

vil laute rief der claine: „nu fchlacht auf ewr gezelt. 

361 Wilt du die purg fchawen, fo reit her, Ortneit, 
ietzo wil ich dich weifen, wa Muntabüre leit. 
nu gib hin dem Reufsen den fanen an die haut, 

ir fehet nu wol die hohe vnd auch die ftainwanh^^ 

362 Ez uam der ftarke Reufse den fanen in zorne do; 
daz ä die bürg gefahen, des waren alle frof 

der Reufse wolt vor zorne niudert aufgehaben, 
er trug die panier vafte vnz an den bürg graben. 



Fünfte Abenteiire. 43 

363 In die burglaiten er den fanen ftlefs, 

des Lamparten leute er da heil>ergen hiefs. 

der marfehalk in erlaubte neben der barg das velt, 

do dacbtens irber anger vil manig berlicb gezelt. 

364 Als ims der reicbe baiden ze Mel^in bet gegeben, 
der waren zwai Yon golde geftricket vnd geweben, 
fwenn man dev zerbraite, ir daeb den febaten Irfig, 
daz bundert ritter beten darunder raiimes genug. 

365 Von belfenpaine Aangen, lauter als ain [rpiegel]g^as, 
da« an der ftangen orte der knopb der b&tten was, 
da was eingefenket ain karbnnkelftain, 

der in des kuniges palas aUam ein kerze fcbain. 

366 Si beten der bürg ze naben ir butten aufgezogen; 
A weiten danne treiben die baiden mit iren pogen* 
„wir iigen al ze naben,^^ fpracb der kunig reieb. 
„ieb traw ez wol erwenden/^ fpracb aber Albereich. 

367 9) Vor difer burg[ge]maure fult ir ftille Iigen* 

ich macbe, daz noch beulte ir fcballes wirt gefwigen: 
fwaz ä auf der burgmaure gefcbofses mugen haben, 
daz wU ich in allez precben vnd werfen in den graben.^^ 

368 ,)Ich wil noch beinte bueten,^^ fpracb aber daz getwerg, 
vrlaub nam ez zu dem kunige,. vnd bueb ficb auf den perg, 
do Ittcbt ez auf der manre, fwaz ez gefcboises vant, 
daz prach ez gar mit alle Tnd warf ez von der want. 

369 Do fprach von Lamparteu der kunig Ortneit: 

;^fibe, wa dey wer der baiden allev in dem graben leit! 

nu flafen wir mit frebden biz morgen fr&e, 

wir fein des vi! an angeft, daz man vns nu icbt tu. ^^ 

370 Die baiden riefen laute: „der teufel der ilt komen, . 
des wir zu der wer bedürfen, daz hat man ti^ benomen. 
dufoldeftdifemkdnige dein tocbter gerne geben: (C€IJ,i,a) 
Tnd wirt er vnfer gewaltig, erbenimbtvnsallendazleben.^^ 

371 Do fpracb des kuniges frawe dev gute baidenein: 
„dn mocbteft wol dem kunige geben die tochter dein, 
du macht fein wol entgelten, wilt du im dein kint Verlagen, 
der Snders bat zerbrochen ¥nd die leiite darin erflagen.^^ 



44 König. OrtnH. 

372 Auf h&b er die faäft(e) vnd flug fi in den munt: 
,,wil(u mirz icht mer raten, du wirdelt yngefunt.^ 
do l^rach dev kuniginne: ,,fein got geb im die kraff, 
daz er noch yber vns baide werde ligehafl/' 

373 Do (^rach ain weifer haiden zu dem kunige: ,,nn nim raif, 
feit das die bürg fo vefle der were nicbt enhaf/^ 

der haiden fpraeh in zorne: „feit wir Tierzigk taufent haben, 
wir füllen mit in vechten morgen auf dem burggraben.^^ 

374 Alberich erhörte fehlere, daz fi beten gelobt, 

er fpraeh zu dem allen haiden : „her kunrg, ich wan, ir tobt ; 

euch mdgen nicht gefrillen alle die lebeutig fint: 

er beugt dich an die zinnen, oder du gebeft im dein kint/^ 

375 Mit zorne fpraeh der haiden: ,^ wer bat. dich nuh^pracht? 
der rede, der du muteft, der ift mir vngedacht* 

daz ir fo Haben komet, daz mugt ir gote clagen, 
des mdz mein burgemaure ewr aller haubet tragen.^^ 

376 „Des wirdeft du wol innen,^^ fpraeh aber Albereich 
„ob Tor der b&rg nicht waere der Lamparie reich, 
du muefeft dein(e) tochter mir alters aine geben: 
dich befchirmet nieman, ich benem dir dein leben/^ 

377 Hit Recken vnd mit ftainen warf er dem clainen nach, 
er forclit fich harte klaine, von im was im gach. 

er het in gerne troffen, do er in da nicht fach, 

do ward er aber fo zornig, daz er fein bar auzbrach. 

378 Do bub fich aber der klaine zu der (tainwant 
nider zu der erden, da er Ortniden Tant: 

, Ja enpeutet dir der haideu den offenlichen ftreit/^ 
„fo enger ich nicht(e)8 mere/^ fpraeh der kilnig Ortneit 

379- Do flief er in den forgen die nacht vnz an den tag. 
wie fehlere er do erwachte! fwie er in rfie lag; 
in manlicher ftimme er yil laiite rief 
dem kunig von den Reufsen, der dannoch bei im flief: 

380 „Wie lange wiltu flafen von Reufsen Tliasi 

wir füllen mit dem plute begieDsen daz grüene gras 

fl wellent mit vns ftreiten auf dem burggraben: 

nu heben wir vnsbei Zeiten, daz wir den perg behaben/^6^jp. b) 



Fönftß Abenleare. 45 

381 Ir liechtez flurm gewale das legten A do an, 
do trug man gen der porte den Ortnides fao, 
den der flarke Reufse mit gewalte trug: 

hei, waz der Laroparte der haiden nider llug! 

382 Die haiden riefen alle: „na fetzen vns ze wer!^^ 
ez gahet gen der bürge der kunig vnd fein her/^ 
innerhalb der mawre ward fein gelndem groz, 
4er haide gerte flreites, die porte man auf floz« 

383 Do drang da zefamne den fturm gelte dietf 

fi wollen fi(oh) verfbehen, nieman fi da fehlet, 
do wereten fleh die gefte den wirten vnverzait. 
da nfig lieh zn den prüften der minnicliche maid, 

384 Daz bar, alfam die feiden, A auz der fwarte praeb, 
A Torcht irs vaters todes, do A den ftreit gelacb. 
den muter nam ir tochter mit jamer bei der hant, . 
A gte zi| ir pethaufe, da A die farke vant, 

385 Vor den abgoten fprach A ir gepet, 

A Aehet harte dicke ApoUen vnd Maehmet. 

daz bar ir von dem nakke gieng nider für den fufs, 

zerraufet ynd verworren: jamerlieh was Ir gruz. 

386 Do fchain ir durch ir zophe ir hals alfam der fnee, 
do tet Albriche der maide jamer wee. 

fwa ir durch ir zophe daz nSckelein erfchain, 
daz pran alfam ez waere ain karbunkelflain. 

387 Ir mund pran als ain rofe vnd als ein rubein, 

gleich dem vollen mane Uuchle ir [baider] äugen fchein, 
A was in rechter gröfse, ze haiden feiten fmal, 
gedraet alfam ain kerze von den armen hin ze tal. 

388 Ir arme flecht, Ir hende an fchdne nicht geprach, 

Ir negel daran fo lauter, daz man Ach darinne erfach, 
ir wengel mit den trehen(en) warn baidenthalb beftreut, 
recht als ez perle wären: dev magt was vngeflreat. 

389 Do ward der maide jamer hart grozlichen flark; 
A vlegten ir gote baide vnd vielen für den fark« 
Ach kratzte vnde raufte dev Irawe minnicleich: 
do hnd» er ir die hende der lutzel Albereicbt 



46 König Ortnit. 

390 Ir hende er niinneclicbcn in fein hende gefie. 

die frawe fprach za ir muten f,wer ift bei^mir hie? 
wer in, der mich da vahet ynd mich fo vafte hat? 
er tut ynhoflichen, daz er mich nicht lat/' 

391 Do fprach dev maget fchone: „la mich durch meinpet; 
weder bift dui Apollo, oder biftnz, Machmet? (Sp, cj 
hilf mir auz den forgen, biftuz, mein abgot.^^ 

,,nain ich,^^ fprach der claine ,,ich binz, vom himel ein pote.^^ 

392 „Wie getarft du mich dan rneren vor den goten mein? 
du folt mich balde lafseti,^^ fo fprach den magedein 

,,fi handeln dich leicht vbele, nu fint fi bei mir hie/^ — 
,,noenrueche,^^ fprach der claine „ich bin (terker, wan fie.^' 

393 ))Nu fag mir, waz du wirbeft,^* fprach dev fchone maid. 
mit züchten fprach der claine: „ez wirt dir wol gefait: 
9,mein maifter von den himel(e)n hat mich zu dir gefant, 
du folt kuniginne werden #ber alle Walhen lanl.^^ 

394 Do fprach dev maget edele: „an der rede bift du betrogen^ 
ich bii^ in der haidenfchaft geporn vnd anch erlsogen, 
da m&z ich inne erfterben,^* fprach dev kunigein 

„ich wil bei meiner m&ter vnd bei meinem vater fein/^ 

395 Do fprach aber der claine: „den rede frumbt dir nicht, 
an deinem fchAnen leibe ain.wnnder groz gefchiehl, 
daz du nicht vberwindeft al die weile vnd du lebeft, 
davon daz du fo fere wider deinen fchepfer ftrebelt/^ 

396 Do fprach devjnnckfk*aue: „waz [en]waiz ich> wer derift, 
der mich da bat befichaffen?^^ er fprach: „der hsifset Griff, 
er ift gewaltig i^ber die erde ^nd vber daz himelreich 
vnd vber alle gerchefte/^ fo fprach aber Albereich. 

397 „Swes du dir magft erdenken, daz ift im vndertan: 
wilftu den Lamparten nicht zu ainem man, 

verfagft du im deinen willen, fo dnnkeft dn mich tamp : 
an henden vnd an fdefsen machet er dich krump. 

398 Er benimpt dir deine fchdne vnd mach[e]t dich darzn pllnf. 
du folt an in gelanbcn, nu bift duz doch fein kint, 
von ime haftu dev fcböne vnd anch dev varbe liecht/^ 
do fprach dev junkfraue: „deinen got f&rcht ich nicht^^ 



Fünfte Abentenre. 47 

399 Do half ez in vil lutzel, fwaz er ifl mer gepat. 

den llreit wolt er fchawen, an daz venfler er getrat, 
do wart er, welhez pefser an dem ftreite mochten haben : 
die Criften triben die haiden vaUfc vber den purcgraben. 

400 Der Laraparte ain lucken baidenthalben Hng, 
der Reuffle mit gewalle den fanen naeh im trftg, 
ynz an die purgporten vnd lainte in an die want: 
do namen A da pede die fwert zn beder hant 

401 Do fprach zn der jangkfrauen der latzel Albereieh : 
,,wilta den ftreit fehawen, knniginne reichl (CCn^,a) 
waz dir mein got gepeutet, laft da des nicht gefchehen, 
fo mnlt in difem ftreite deinen yater toten fehen/^ 

402 Do i)>rach dev junkfrane: „der haiden ift doch rW^ — 
,,fo hilfe ich meinen gefellen alles des ich wil.'^ 

dev Junge vnd auch dev alte traten zu im do: 
do fi den ftreit erfahen, fi wurden baide vnfiro/^ 

403 „Siheftu^^ fprach der klaine ,,meine8 gotes zorni 
verkerft du dich nicht fchiere, fo ift dein vater verlorn, 
du magft den Lamparten gern kiefen zu ainem man, 
ee* daz heute an eu allen grofser fchade werde getan/^ 

404 Do fprach dev maid in züchten : „man, waz ift auch dazl 
ich gelob dirs nimmer, dn(n) befchaideft mich fein baz/^ 
„du gelerncft harte fchiere'^ fprach dev muter „mannes fit: 
ee daz dein vater fterbe, fo tue^ des er dich pit^^ 

405 Mit züchten fprach der klaine: „vilguet ift mannes lei; 
wilt du den mannen volgen, fo muft du werden weih; 
gewoneft dus ain weile, die nacht vnz an den tag, 

ez mag dir alfo gelieben, daz ^irz nieman erlaiden mag/*— - 

406 „Nn fei mir, wederz welle^ lieb oder laid, 

ich wil mich doch nicht keren an dein knnterfait^ 
'ich gelaifte nimmer dein pet, noch dein gepot^ 
idi fech danne, ob du fterker fein mugeft dan mein got. 

407 Nft gefach ich dich heAte fo creftig, noch fo ftark, 
daz du meine gote ruereft, oder den iren fark/^ 
vil fehlere )iet der claine die fark auf erhaben, 

er ring fev vmb die maure vnd warf fev in den graben. 



48 König Ortolt, 

408 ,>Warta!^^ fprach der Rcufse „der Itreit ift wunnendieicb, 
den da freit auf der maure der l&tzel Albereieh. 

ich enwaisE, wer im helfe, er hat den Itreit erhaben: 
der haiden bailigen alle die ligent in dem poregraben/^ 

409 Do was auch der haiden harte wenig bievor, 
do triben fi die Criften vnz in daz bargtor* 

do fprach dev jankft*awe: ,,nu wia fein fridefcbilt^ 
daz ich den vater icht verliefe, ich tun allez daz dn wilt/' 

410 Mit Witzen fprach der klaine: y^des folt da dich nicht weren, 
wilt du die haiden vnd deinen vater neren, 

wilt duy daz ich ez lafse mit gutem fride fein, 

den kunig foltn kiefen, vnd fende im dein vingerlein. 

411 Ich hanz im gehaifsen, nu muz auch ez gefchehen/^-r- 
,^fol ich fein ze frednde muten, fo lafs mich in erül fehen/^ 
do fprach aber der klaine: \,fihe(tu,. wa er dort ftat! 
jener, der fo vil [der] haiden fdr Ach genagen hat, 

412 Aufs allen balspergen fo leuchtet fein gewant, 
fam in vinfterm häufe ain kerze wirt erkant; 

er vicbtet vor in allen, plutig ift fein fwert," — 
„entrewen/^ fprach ir muter „eriftaines piderben weibes 

wert." CSp. bO 

413 Do fprach dev jnnkfrawe: „nu bring im hin mein golt, 
fag dem Lamparten, ich bin im mit treuen holt, 

bit in, daz er entweiche von der bürg mit feinem her: 
ich tun, fwaz er gebeutet, daz er mir den vater ner/^ 

414 Do was der cläine piderbc der rede harte ftro, 
daz vingelin er graifte, zu dem knnige gie er do: 
„o wol dir difer märe^ kunig Ortneit, 

daz fehler ain fchone jnnkfraw an deinem arm geleit!^* 

415 Der kunig ward getroftet, daz er des ftreites vergaz, 
do fprach der Lamparte: „nu fag mir furbaz, 

waz mein fraw empiete, der edle kunigein/^ — 

;,daz tfit li ir holde minne, vnd fand dir daz vingerlein. 

416 Nu haifs et den Reif fsen aufboren, ir habt nu genug geftriten» 
dein fraw und auch ir muter die bai&ent dich des piten, 
daz du der bürg entweicheft vnd die haiden laDieft leben: 
den ir leib fchonen wil fi in dein genade geben/^ 



Fönfle Abentenre. 49 

417 Do rprach der Lamparte: „enfrewen, dai mui gefehehen, 
war ich nar fo fSlig, daz ich A folfe Tehen!^^ 
in zome l^prach der Re&fse: „lafs ei ▼ngeft'idel fein, 
dir wirf doch wol der firawe, hilf mir la der portcn ein/^ 

.418 Mil zome l^prach der clalne: „wie Toll ain Tchunei weih 
bei dem gewinnen freude^ der irem vafer nam den leib! 
er mocht wol tan mit eren, des in die frawe pat: 
in nummer dnmmer namen ! da wirdoft nimmer vechtens fat'^ 

419 Do fpraeh der Lamparte: „ich wil ir nicht verfagen/* 
do beten anch die haiden die porten ingeriagen, 

A wolten nimmer flreiten, zu flugen A daz tort 
Ortniden vnd die feinen liefsen A hievor. 

420 Do plies der knnig reiche fein l&tzel herhorn. 
da het er (einer beide ain uicbel tail verlorn, 
dreifaigtaufent beide het er wan fechstanfent man: 
ynd torften doch die haiden die Criften nicht beftan. 

421 Do keerte von der vefte der piderbe knnig reich, 
„nu fvl wir vns verpergen/* fpraeh aber Atbereich 
„bei ainer wifen gruene da waifs ich ainen pach, 

da kan vns nieman vinden, da hab wir gnt gemach/' 

422 Do nam aber der Reufse den fanen an die hant, 
do rait er trawriclichen von der ftainwant, 

er kerete in ain wilde anf ain baide prait, 

dar in der claine weifte, da wart daz her gelait/^ 

423 ^^Wir zwen muefsen biriwidere,^^ f]prach daz getwerg * 
„da folt mit mir reiten, Ortnit, für den perg; 

des ich got wol getrawe vnd den liften mein, (Sp.c) 
daz «wir von danne icht keren, vns werde dan dazmagedein. 

424 Du folt Ach haifsen warnen ze ftreite al dein her.'^ 
„für die burgkmauer fuert ich wol leute mer, 

fo Werdens vnfer innen, wir m5chten nicht gehaben, 
vns bernefe der wachter anf dem bürg graben. 

425 Wir fulpe]n vil kaume widere kämen vngeftriten. 
du folt den k&enen Reufsen vnd feine beide piten, 
fwenne fo ich in ruefe, daz A dir ze hilfe komen: 
fanment A Ach lange, fo wirt dir dev maid benomen/' 

4 



50 König OrUiil. 

426 Do riten die hergefellen wider sn der ftainwanf, 
B^ komen vnvermeldet für die burkmauer gerant 
da hiefs er Ortniden an der bnrglaiten haben ^ . 
do gieng er vnvermeldet auf den barggraben. 

427 Do riaig er vngcwarnet da zu der maure oben ein, 
er vant die jankfrauen vnd die alten kunigein 

bei ainander fitzen, vnd manig baidnifchez weib» 
die fafsen ob den toten vnd quälten fere iren leib. 

428 Ez fafsen bei ainander die kuniginne reich, 
zwifehen ir baider feiten verparg fich Aibereieh, 

do fprach der klain vil fanfte zu der jungen k&nigein: 
„wenne wiltu laiften daz gelubde deinl^^ — 

429 ,,Daz tun ich vil gerne, fweune fo du wilt. 

der kunig hat aber den haiden des feufels niifgefpilt 

wiltu mich« nicht erlafsen, fo gib mir deinen rat, 

wie ich dem beide werde, der mich fo tewr erarnet bat/^ 

430 Do fprach aber der klaine: „wiUu laiften mein g^ot, 
fo fprjch zu deiner muter, ez fei aber kumen got^^ — 
„ich hanz wol gehoret,^^ fprach des [alten] haiden weih 
„ich f Archt, ob ich ir helfe, mir neme ir vater den leib/^ — 

431 „Nu volge meiner lere, daz iffc eu haiden gut, 
kumpt nicht auz meinem rate, ich fag eu, waz ir tut: 
du folt deiner tochter erlauben, daz fi gee, 

daz fi ir abgot flege, Machmeten, daz er aufftee/^ 

'432 Do fprach in lauter flimme daz fcbone magedein: 
„wiltu mir erlauben, fraw vnde router mein, 
fo wil ich für die porten auf den burggraben, 
des vnfer abgot bede mich gepeten haben* 

433 Si habent mir gehaifsen, Gl wellcnz wider tön, 
daz vns hat geleftert des Lamparten fun, 

vnd jehent, welle ichs vlegen, fi koment wider ein/' — 
„dir fei der gang erlaubet.^^ fprach deu alte kunigein. 

434 „Muter vnd(e) frawe, fi habent mich des gepeten, 
ich fol altersaine zu in für die porten treten, 
dazichsalaine fchawe vnd anders niemanmer/^ — CCCllI,f,a) 
„dir fol nieman volgen/^ des ward dev maget iier. 



Fünfte Abenteare. 51 

435 Si wol((e) nicht gef^rten, Twie vil man ßs gepai, 
auz der barginaure dev vrowe alaine trat. 

do nam der wilde klaine die maget bei der hant 
TDd facrt A an die laiten, da er Ortniden rant. 

436 Do het Ortnit in ftreite d^n tag fein fwert gezogen, 
er was von nidede entflafen auf feinem fatelbogen. 
der elaine rief im leife; do er ims tu vertrug, 

da er nieht wachen wolte, mit feuften er in flhg: 

437 „Da wilt mit flafen rerliefen die ere vnd den leib dein, 
nn wache, Lamparte, ich bring dir die kunigein.^^ 

der Lampart von dem flafe erwachet vnd(e) fprach: 
„o wol mich, daz ich [ie] gelebte heut(e) difen tag! 

438 Lhge ich nu an dem tode, ich wurde doch gcfunt.^' 
er Vmbfie die frawen vnd kuft A wol hundert Rund, 
„ich wil dir daz erlauben/^ fprach do Albereich 
„das da halfert vnd kuffeft die kuniginne reich. 

439 Du folt aber nicht ze weibe gewinnen daz magcdein, 
vnz daz 11 wirt getaufet, fi ift ain haidenein, 

nu hebe dich bald von hinnen, gefelle, daz rat ich/^ 
er fprang in fein geraite, die maid nam er fbr Ach. 

440 Von der burgklaiten fi do bede riten, 

ir ros gie enfchaufte, niemants ß da erpitcn. 

die haiden wolt er irren, Alberich, der was klug, 

der abgot er aiucn in die bürg getrbg. 

441 Daz tet er durch die haiden, er machte ainen fpot; 
fi wanden, daz ez fpräche Machmet ir got: 

do rief er bei dem farke, dannoch in nieman fach, 
die haiden wolt er äffen, in lauter ftimbe er fprach: 

442 „Yallet alle nider(e) vnd fprechet ewr gepet, 
danket der junkfrawen, hie kCimb ich^ Machmet. 
ir fillt alle danken der jungen kunigein, 

die hat mich des erfleget vnd den gefeilen mein, 

443 Daz wir herwider wellen in vnfer ftainwant. 
focht zö> ich han mich felben gelainet an die want. 
die maid fol nieman irren, des hiefs ß euch alle piten, 

den kan vns wol geflegen nach haidenifchen fiten.^ 

4» 



N 52 König Ortait 

444 Alfo Iiet er betorel die haiden al geleich, 
nach dem Lamparten h&b fich do Albereicfa, 

durch gepirge vnd durch (taine, da er Ortniden Tant, 
des ros trug harte Twaere, darzu het er fieh rerrant 

445 In ainer kemenaten der haiden fafs verfpart, 

vor zorne vnd ror grimme rauft er auz den pari, (Sp.b) 
daz er dem Lamparten daz laiter rouft vertragen: 
„t&t anf!^' fprach der cämeraere ,,ieb wil eu gdtevm&re 

[fagen." 

446 Do fprach aber der haiden: „fag an vnd fint fiegul/^— 
,,ich Wil ewr fwäre eü ringen vnd ewren trvben nifit: 
Machmet vnd Apollo die komen wider ein, 

vnd hat fi des erfleget deu junge kunigein/^ 

447 Mit zorne fprach der haiden: ,Jaherre,wariftmeinkint?^^— « 
;^ez ift noch vor der porten, da ir gote fint'^ — 
„awe!^^ fprach der alte „wie vnfaelig ich nn bin! 

nu wolauf, zu den rolTen! mein tochter ift dahin.^^ 

448 Do wurden aber die haiden ze ftreite fchier gegart, 
mit zwelftaufent haiden het er fich fchier gefchart. 
do was auch Ortnide[n] der raife harte gach: 
iedoch für im der haiden auf feiner flege nach. 

449 Auf manigem fnellen rolTe die haiden ranten dan; 
davon der Lamparte fliehen (do) began. 

^ fahen in verre reiten, der n)ane laucht in liecht: 
Ortnides ros was milede, ez mocht(e) furbaz nicht: 

450 „Nun rat vns zwain daz pefte, vil lieber Albereich: 
awe! wem fol ich lafsen die maget wunnicleich? 
nu muefsen liech<e ringe von plute werden rot: 

ee ich mich von ir fchaide, ich gelig ee bei ir tot/^ 

451 „Daz waiz got, '^fprach der claine „ich han mir nicht erdacht, 
wie ich dich von hinnen bringe: reit fo du pefte macht, 
ich waifs hie vil nahen ain[en] prunnen vnd ain mos, 
da mag man vber reiten dehainer flachte ros.^^ 

452 Do fprach dev knniginne: „ich wände, ez waer dein fpot, 
wes traureft du fo fere? nu hilfet dir dein got 

wie bin ich dem entrannen, der mich da hat erzogen ? 
%g, ift ain trugen weife, das mich da hat betrogen. 



Fünfte Abenteure. 53 

453 Ich rate dir daz pefte,^' fprach daz inagedein 
„daz da vil drate entrinnefl; dem argen vater mein. 

er zeucht dir auz deine aderu, vnd erwifchet dich fein liant: 
ich mag dir nicht geirolgen, fetz mich nider auf den fant. 

454 Ich han verlorn mein eere, vnd [tut mir] an dem leibe nicht: 

doch clag ich immer mere, ob dir fchade durch mich 

[gefchicht." 
do fprach der Lamparte: „daz wil ich dir widerfagen, 
ee ich dich heute lafse, ich lige ee bei dir erfiagen/' 

455 Sein ros trug in fchone, vnz daz er vant den pach, 
do fprang er zu der erden, da er daz wafser facb; 

do bewag er fich des markes, daz het der raife genäg: 
die maget er an dem arme vber daz tiefe wafser trAg, (Sp. c) 

456 Von dem pache verre, vnd fatztes auf daz lant; 

den fchilt warf er ze rugke, fein fwert nam er in die hant, 
fwie vil der veinde waren, doch fatzt er Ach ze wer. 
von im hCib ßch der claine vnd pracht im allez fein her. 

457 Daz fi daz wafser fundeu, daz kam in (da) ze ftaten; 
li mochten nicht geriten, A müften zu im waten. 

der haiden do mit zorne erpaizet auf daz gras, 

vnd auch fein ftarkev menige, dev mit im komen was. 

458 Do hub fich zu dem fwerte der haiden vnd fein rot. 
do vacht der Lamparte ze (läge vnd ze gepot, 

er m&ft et Tafte vechten^ do mans in nicht erlie: 

er fing fo vil der haiden, daz man trucken vber A gie. 

459 ledoch betwang in die m&ede, da er ze lange facht, 
do entwaich im in den armen dev craft vnd auch dev macht: 
„ich mag nimmer geftreiten^ awe, war fol ich nü?^^ 

do Agen die Sarrazine allenthalben zu. 

460 Do fprach der Lamparte: „mein leib des frides begert, 
weltir mich neren, her haiden, fo gib ich eu mein fwert; 
ich enruch, ob ir mich vahet, daz ir mich lafset leben: 
ich wilz eu auf ewr trewe vnd auf ewr gnade geben." — 

461 „Durch meiner tochter willen, fo nim ich dir den leib." — 

„ich(n) waiz [nicht], wes ir mich zeihet, A ward noch 

[nie mein weih." — 

,^alle die nu lebent, die mugen dich nicht erneren." — 

„fo wil ich mich" fprach der arme „noch ain weile weren) 



54 König Ortait. 

462 So wer ieh mich doch armer, fo ich allerlenglYe magp/^ 
do fach er leute reiten vnd hftrt irea hufflag, 

fein herse in hoffenunge ain wenig crefliger was: 
„na wer dich, lieher ohaira!'^ [^rach Ton Bebfsen Titas. 

463 Die tarken fah man fpringen ril baz dan enzelt. 

der Reufse rait ze vordrifl, vnd erpaifset anf daz veU 

zu feiner fwefler kinde, daz da in noten was: 

daz fwert gab da zu den banden von Reufsen Tiias. 

464 Do fprach der Lamparte: ,,ich taug nicht an den ftreit^ 
ir beide, ir fuit mir helfen, wan ir geruet feit; 

ich gewan bei meinen jaren nie fo grof8[e] herzen Ter: 
obaim, nu nim die Rofen, ich mag ftreiten nicht mer.^^ 

465 Des freut(e) lieb der Reufse, do er die Rofen vanl, 
er nam dem Lamparten daz fwert auz feiner hant, 
alrerft buh ßch ain j am er vnd ain ftreit alTo groz. 

da viel der Lamparte der frawen in die fchoz. (CCIII^ 2,a) 

466 Si fprach: „mir ift vil fwäre, daz ir in meiner fchoz liget^ 
ir miigt davon wol fterben, ob ev mein vater angefiget.'^ 
er fprach: „mir ift vil laide, daz ich dir nicht naher 

[bin gelegen: 
nn ergee mir, fwiegot welle, ich ban mich fein gar bewegen/^ 

467 Do erpat er fi des kaume, daz li im den beim abgepanf, 
ii wifchet in mit ir Hauchen vnd mit ir welfsen bant. 
als in der alte haiden in ir fchoz ligende fach, 

do viel er nider vor zome, daz er nie wort erfpracb. 
46S Vnderdes die haiden mit den Oriften fere ftriten, 
Ii kamen i^ber die toten gegangen vnd geriten. 
„nu wol auf !^^ fprach der Reufse „ez ift aber an der zeit, 
muget ir icht gefechten, fo hebet euch wider in den ftreit/' 

469 Do fprach der Lamparte: „daz muz et aber fein; 
nu wflnfcb vns baiden bailes, vil liebev fk*awe mein; 
ich waiz wol, wes ß muetent, des werdent ß aucU gewert.'^ 
do fprach der Lamparte: „nu gib mir wider mein fwert/^ 

470 Zefamene ii do traten, manig haiden wart da gefalt; 
in lagen auch vor den fuefsen die Criften vngezalt. 
do fprach der Lamparte: „alrerft bebt fich der not, 
mir ligent meiner beide aber wol viertaüfent tot/' — 



Fünfte Abenkeiire. 55 

471 S)Na ful wir fi rechen !'' fprach von ReAfsen Tiias. 
do druDgen fi do bede, da der alte haiden was. 

der begunde ia do entweichen mit feinem fturmfancn : 
do begunde anch der Lamparte die feinen yafle mauen. 

472 Pie haiden rauften, entwaichen, vil l&tzel was ir her, 
A getorften gen den Oriften lieh fetzen nicht ce wer; 
fi vorehten alle fere Ortnides If^nzucht: 

die panier lag da nidere, der alte gab die flacht. 

473 Ortnid begunde in xorne da feinen f weher jagen; 

vnd mocht ern han eri-aichet, er het in gerne erflagen; 
er ward Tor Jllantabure gejagt vnz an fein tor: 
darein entwaich der haiden, Ortnid belaib hie vor. 

474 Die veinde wurden alle von dem ftreite taub, 

von roflen vnd von ringen uameu die Criften [grofaen] raub. 
do fprach zu der junkfrawen der lutzel Albereich: 
„nu m&fs dein vater fterben, kuniginne reieh/^ 

475 Do wart der junkfrawen jamer harte groz, 

ir vielen von den äugen die traben in die fchoz: 

„fol mir mein vater fterben, fo fei ez got geclaiti 

ich foltznu aber nicht wifsen/' fprach deufchdnemaid. CSp»ö) 

476 „Er mag genefen nimmer, fo grimme ift fein m&t; 
auch hat erz wol verdienet, ich enruch, waz er im tdt.^ 
do kam der Lamparte wider zu in geriten: 

alrerft het er dem haiden den fig gar ab erftriten. 

477 Er fprach zu der junkfrawen: „fagan, wiegehabftdudich? 
freundinne Tnd(e) frawe, ftand auf vnd kufse mich.^^ — 
„daz getun ich nimmer, du(n) wel[le]n; mir erfte fagen, 
kunig, auf dein trewe, haft du meinen yater erflagen ?^^— 

47S „Nain ich/' fprach der kuene „du folt g&tea mutes wefen, 
vnd bis mir defter bolder, dein vater ift genefen: 
war er mir nicht entrunnen, ich hiet im den leib benomen?'* 
do fprach dev maget fcbbne: „fo bis mir willekomen/^ 

479 Si namen vil der rofle vnd ander ff urm gewant. 

fwaz er der lebdigen wunden vnder den Criften vant, 
die wol genefen mochten, die f&rt er mit im dan, 
gefimder vnde fiecher het er neuntaufent man. 



56 ^^oi^ Oitnit. 

480 Do fatst w die juukfrawen auf aia caflelan, 
A ritea vnverborgeu vil offenlichen dan. 

ze Suders in der vefle kundens des nicht bewarn: 
er wolte zu den kielen mit feiner frawen vam, 

481 Der raife ß im woi gunden, da fAr er auf den fee, 
do het er von den haiden deliain angeft mee, 

do mocht er auf dem wage ftreites ficher fein. 
Alberich vnd der Keifse die tauften im die kunigein. 

482 Ee A ze lande komen, do ward dev maget ain weib; 
ir vater vnd ir muter vergafs* ä durch feinen leib, 
an dem neunzehehden morgen fi fueren in Meffin, 
da hiefs in aber der haiden got wiliekumen fin. 

483 Do ward vil wol empfangen der kunig Ortneit, 
er het auf Garte mit der frawen hochzeit. 

die fdrften im riten entgegne, freien vnd dienftman, 
hin ift dev abenteure, heben aber ain anderz an. 



VI. 

Abentenre. Wie der haiden der wurm ayr fände 
feinem aidem Ortnide. 

484 Der haiden fieh verfparte aine in ainen palas, 
daz nieman in der weite bei im darinne was, 
fünft Ulfs er verporgen vnz an den dritten tag> 

daz er vor feiner erge trinken, noch efsen phlag. (SpxJ 

485 Im getorfte nieman ruefen in getorfte nieman fehen; 
fwer in erzürnet bette, dem wäre fchade gefchehen; 
efsens, noch trinkens getorft in nieman piten, 
noch dehaines flafes. do kam der jager dar geriten. 

486 Der fragete, wa waere der liebe herre fein. 

man jach, er w&r beflozzen vnd liefs et nieman ein. 
do fprach der jager weife: ,,ich m&fs in zwar(e) haben, 
het er fich vnder die erden vor den leuten begraben.^^ 



Sechste Abenteure. 57 

487 ledöch ward er geweifet an der keineDaten tdr^ 

do fpraeh er zu dem kunige: ,,herre, nu trit herfdr, 
dein kint ift wol behalten, daz darft du nimer clagen: 
wilt du mirs immer danken, ich wii dir gätev m2r(e) Tagen. 

488 Seit dir ift fo laide, daz du verlorn haft daz weih, 
wilt du dem Lamparten nemen feinen leib, 

wiltu mirs immer danken, ain ding ich funden han, 
daz mAz dem Lamparten an fein leben gau. 

489 Davon im harte fchiere fein leib wirt benomen.^^ 

mit freuden fpraeh der haiden: ,,daz wirt dir immer friimen.^^ 
do entfloz er auf die porte vnd liefs den jager ein, 
er fpraeh zu dem wildenare: ,,fag au, waz mag ez fein, 

490 Daz dem Lamparten grofsen fchaden tuet? 

mag er davon erfterben, dev miete dev wirt g&t.^^ — 
„ich het nach den hunden ze verre mich verrant, 
do kam ich vnverwaifet vnder ain ftainwant. 

491 Ainen wurm vngefuegen fach ich darauf geen, 

het ich taufent manne fterke, den wolt ich nicht befteen ; 
er het auch mich verflnuden, het er mich da geweft: 
ze wald liefs ich in flelchen vnd hub mich in fein neft. 

492 Noch grofser dan mein haubet vand ich da ain ai, 
do fuecht ich do mere, ich vant da nicht wan zwai, 
dev waren vngefuege groz vnd fwaer genug, 

alfo daz ich fi kattm(e) haim in mein haus getrug. 

493 Ich vorcht(e), ä verdürben, vnd iegets in ain warm[ez] loch ; 
fwaz darinne ift, daz ift lebentig; die ayerhan ich noch; 
davon fuln fi der wfirme in dem lande da bekomen: 
fwer mit dem teufel vichtet, dem wirt der leib benomen. 

494 Die ayer wil ich fueren in der Lamparten lant, 
vnd wil die wurme pr&teu in ayher ftainwant} 
koment ß. zu iren jaren, in tuet der hunger wee, 
fo wan ich, in dem lande vor in icht da beftee. 

495 Yber vihe vnd vber leute dan ez fo ergat. (CCIV, i,ä) 
fo ift Ortnit alfo kftene, daz er die wurme beftat, 

fo mag er fleh des ainen nicht erwern wol: 
ift, daz er in begreifet, er tregt in in fein hol. 



58 K6n>g Ortut 

496 So muz er von den wurmen verlieren fa daz leben/^ 
do fpraeh fa der haiden: „darumb wil ich dir geben 
alles dea dn m&teft, daz du den degen Itark 

mit den w&rmen Idteft, ich gib dir tanfent mark/^ 

497 Do fpraeh der jager weife: ,,ieh wil dir geben rat, 
vnd wil dich felber leren, feit ez got gefneget hat: 
dn folt mir zwen(e) faume mit gefmeide haifsen laden 
vnd mit edlen geflainen, vnd fend mich [vber] 'zu den 

[gftaden« 

498 Von panmwolle vnd von feiden lade mir ain fanmfchrein, 
da füllen ftaliclichen deu ajer inne fein, 

in hitze vnd in werme, anders entaugens nicht« 

ich fag dir, daz von den wurmen den Criften f chade gefchicht 

499 DeiD[e] briefe follu fenden der lieben tochter dein, 
du welleft holt irem manne vnd deinem kindc fein, 
mit edlem geflaine fende in daz grofse golt: 

fo wellen fi des waenen^ du feifl in baiden holt/^ 

500 Des volget im der haiden : auf ainen kiel er l&d 
von golde vnd von geftalne in pulgen roichel g&t; 
als der jager wolle, alfo rofift man im laden. 

do vloz er in dem kiele ze Römifchen ftaden. 

501 Da gab man im gelaite in Lamparten land 

vnz auf die bürg ze Garte, da er den kunig vant 
vil potfcheftlichen er nach deu faumen rait: 
in ainem faumfchreine was lalder kunterfait, 

502 Alfo der weife beiden auf die bürg gegieng 

vnd für die pnrg porten, der portner in enphieng; 
do vernam et nieman da die rede fein: 
an Ortnides willen liefs man nieman ein. 

503 Do faget man ez dem kunige, es wacr ain pote komen, 
ii beten bei ir jaren nie folhe rede vernomen: 

„er bringet zwen(e) faume, die vil fwaere tragen; 
waz er mit rede meine, des kunnen wir eu nicht fagen.'' 

504 9,Nv bringet mir die fawme, vnd auch den frembden man.^^ 
man liefs in ein zu der porten, vnd hiefs in für fich gan: 
,,waz ift, daz du wirbeft?^^ der haiden fpraeh alfo: 
„künigy ich bring[e] dir mare, der du muft wefen fro.^^ 



Sechste Abenteure. 59 

505 Do fagt er im vil inare^ vnd gab im ainen brief. 
als in der kanig fcbawte, von freuden er do rief: 
,;daz er Ach hat bekeret, des fei [immer] gol gelobt, 
daz der Til vbele haiden nicht immer mere tobt/^ 

506 Den poten er do weifte, da der kuniginue was, (Sp, b) 
den brief gab er der frawen; do A die fchrift gelas: 
,,er bringet g&ten mare/^ fprach do der knnigin 
,,Tns hat empoten hulde der liebe vater mein. 

507 Er hat empoten vns haiden minne vnd auch flreuntfchaft. 
er preifet hart(e) fere dein gelueke vnd dein crafi, 

die weil er dich waiz iebeutig, fo get im freude zn; 
er gicht, im fei in der Hvelte niemen lieber, denne du. 

508 Er wil Ach laben taufen vnd wil her in dein iant. 
nu la dir nicht verfmahen^ daz er dir hat gefant. 

du folt im daz gelauben, des.du au dem brief horftjehen/^ — 
„ich wil each^^ fprach der haide „fein gäbe lafsen fehen/^ 

509 Vier fwäre bulgen er im do fdr geträg, 
da lag inne goldes vnd edier ftaiue genug: 

da fach er für im ligende furfpan vnd vingerlein. 
ir vater vil fere dankte dev edle kunigein. 

510 Der haiden Jfprach : „ain pulge leit noch vor dir vol, 
ez ift noch nicht gewachfen, daz man dir geben fol> 

es pringet dir edle Haine, ich fag dir,^^ fprach der pote. 
„ez ift auz dem garten ain abrahemifche krote. 

511 Swenii(e) dev gewachfet, dev pringet ainen ftain, 
daz in der weit dev funne fo guetes nicht befcfaain. 
ich wil dir fagen mere, waz dir ift gefant: 

ich fol dir, herre, ziehen ainen fchonen helphant 

512 Der mag an gepirge nicht genefen wol. 

ich gib dir« baidev fchiere, beweis mich in ain hol/^ — 
„ich gefchaffe dir gepirge, vnd darzn allen rat, 
rnd haifs dein phlegen fchone meinen poteftat.^^ 

513 Do hiefs er in weifen in*ain ftainwant, 
bei der flat Triente, da er den perg vant, 
fein fchalklich gez Achte er in den perg get rüg, 
des er darin bedorfte, des gab man im genug. 



60 Köniff Ortnil. 

514 Do was er xwelf monate in dem perge, oder mer, 
da het er mit den wurmen groaer herzen fer, 

ee ers z&ge ze rechte, do het er arbait: 

elf waz er doöh forgen mit den w&rmen laid! 

515 In dem halben jare die wurme wurden groz, 

fo daz ir maifter fere des lebens bei in verdroz, 
daz fi dicke warteten, wie fi im benimen da« leben, 
in wolt auch der richläre der fpeife nimmer geben« 

516 Si beten daran zu klaine, fo man in gab ain rind. 

do fpradi der richtare: „ez ilt leicht des teufeis kint; 
mein her[re] mocht gerner lafsen difen helphant, 
ee dan er im verflunde ain ftat vud auch ain lant/^ 

517 Do der jSgermairier den wurmen nichts enpot (sp. c) 
vnd fi vor banger waren ietzo vii nahen tot, 

fi twang der hunger ferCf do ramten fi des man: 
do zenet ers zu dem iiechte, vil kaum er in entran. 

518 Swa der piderbe den bofen zeucht, der ift daran betrogen: 
alfo het er an den wurmen feine veinde gezogen. 

do !\ fich Termochten, da enachtens auf in nicht: 

er liefs fich nemen felber, vnd weifet fi an daz lieeht« 

519 Von grofser hungers geite wart da den wurmen zom; 
fwaz in dev äugen fahen, daz was gar verlorn; 

fwaz fi in dem lande fünden, daz verflunden h, do gar: 
fünft beten fi ir erge mer dan ain ganz(ez) jar. 

520 In walde vnd in gevilde künde in nicht vor bcftan, 
fi heten auch der weite grofsen fchaden getan, 

fi. taten an den leuten dev crefticlichen laid : 

vor in man auf den ftrafsen weder gieng, noch rait. 

521 Vuz für die bürg ze Garte der ain daz lant betwang, 
da muften im entweichen die leute ane dank, 

^ torften auf dem velde ir acker nicht gefaen, 

noch getorften vor den walden ir wifen nicht gemaen, 

522 Si beftuenden kuene ritter durch ir vbermut, 

vnd auch durch rumes willen: daz ward ir kainem gut, 

jagern vnd gepawren namen h daz leben, 

die wnrm(e) wollen nieman kainen fride geben. 



Siebente Ab^ntenre. 61 

523 Do horte man [da] zu kirchcn die pfaffen Tber fi klagen, 
do rprach der Lamparte: ,^er wirt nimmer erflagen^ 

er Itirbet laider nimmer, ane meinen ftreit: 

ich mu2 yns von im erl6fen.'^ fprach der kunig Orlneit. 

524 Sanft lag er aines nachtes bei der kunigein, 
do begand er aber denken an die forge fein: 
„ob mir nn miflelinget, verleus ich meinen leib, 
awe, wem lafs ich danne das eilende weiht 

525 Den vater vnde muter durch mich hat verkorn; 

ich waiz wol, ftirbe ich aine, fo fei wir baide verlorn« 

awe! nn muz ich aine meinen cnmber dagen, 

nn getar auch ichz yor jamer meiner fraven nicht gefagen. 

526 Nu elag ich nicht, zeware, weder bürge, noch der lants 
ich elage mein(e) frawen, die ich alfo ftaete vant; 

ich getar irz^nicht gekunden, ynd wil doch den wurm beftan.^^ 
der Ortnides forgen hebtfich hie aber ainea nn.CCCIV,i,aO 



VII. 

Abenteure Wie Ortnit ftarb vom wupm. 

527 ^n het er fich gerichtet aber in die forge fein, 

er wände, ez horte nieman: do erwacht dey knnigein, 
dadurch praft ir herze, ir Jamer ward fo groz, 
daz fi mit äugen regene fein prüft gar begoz. 

528 Si drukt in zu den prüften vnd kuft in [wol] taufent ftund: 
,»herre got von himele, waz wil mir werden kunti 

o we mir armen frawen, waz wil mir nu gefchehen! . 
o wafen fber den angen, damit ich dich hau gefehen! 

529 Vnd wafen vber die arme, damit ich dich ymbfangen han 1 
knnig ynde herre, wem wilt du mich nu^anl 

nu han ich gelafsen^' fprach dcY knnigein 
„Tater vnde mfiter durch den willen dein, 



62 KöAi|r Orinil^ 

630 Vnd alle meine mage:'^ fprach deu kunigin her 

,,Yerleu8 ieh dich alteraaineD, fo> han ich uieman mer; 
alle meine raage die liefii ich, ber[re], durch dich : 
reicher kuntg edle, wem wilt du lafgen michl*^ 

531 Do fprach der Lamparie: „ich wil dich empfelhen got 
vnd wii mich ergeben, frawe, in dein gepot: 

fwie aber mir gelinge, ich verliefe meinen leib, 

532 oder ich behalt in leichte, mir ward nie lieber weib/^ 

Do fprach fi parmiclicher „haffc aber du rechten fin, 
du folt dich bä2 bedenken, Ortnil, wa wiltu hin? 
magft du doch rates fragen grauen, freien diennman/^ — 
„uain/^ fprach der Lampartä „ich wil den wurm beHan. 

633 Von deines vaters liften kam der wurm in dits lant: 
nu m&z ei got erparmen, daz in nicht flug mein haut, 
das ich in le gefparte durch den willen dein.^^ — 
„das mfi2(e) got erparmen.'^ fprach aber der kunigein. 

534 ))Ja hat er gefchupfet die wurme auf meinen leib/< — 
„got muz vns vber in richten/^ fprach daz vil fchftne weih 
„daz alfo tiI der Criften ift durch in erflagen: 

daz ich ic kam in Lamparten, daz wil ich gote clagen/^«— 

535 „Du folt dich felber trotten,'' fprach der kunig reich 
„ich kumb dir fchier(e) widere, frawe minnikleich, 

ich getrawwol an dem wurme gerechcn meinen zorn/^ 
fi fprach: „da furchte ich fere, du habft den leib verlorn« 

536 Seit daz der wurm fo vbel(e) vnd fo unfaelig itUfSp.öJ 
daz vor feiner erge nieman nu genift, 

uu haft auch wol erzaiget, herre, dein frumbkait, 
dich mocht woi verdriefsen jarlang der arbait/^ — 

637 „Daz lint die edlen flaine^ die mir dein vater hat gefant, 
nu hat er verderbet mir leute vnd auch mein lant: 
er muz mir den fchaden gelten, der mir ift vonimgefchehen. 
du folt mir hailcs wfinfchen, ich muz die wurme fehen. 

538 Du folt nicht feer(e) wainen, liebev frawe mein.'^ — 
„wie m6cht ich daz verlafsenl'' fprach dev kunigein. 
,,da merkent ditz die leute, wiltu zu fere clageu: 
freundinne vnd(e) frawe, du folt ez nieman fagen.^^ — 



Siebente Abentenre. 63 

639 „Da will des nicht erwinden, du wellett, herre, därl'^ 
do fprach der Lamparte: ,^daz ift mein wille gar.^^ 
do fpraeli der kuniginne : ^tch muz mich dein bewegen , 
ich han dev jar gemerket, .der ich bin bei dir gelegen : 

540 Es ift in dem fechften jare, daz du mir wurdeft knnt; 
mein herze idt ane wafen. vnd ane fneide wunt; 
alrerfl; folt ich mich nieten, vil lieber herre, dein: 

nu wiltu Yon mir fchaiden/^ fprach aber dev knnigein 

541 „Na-mnefs es got erparmen, daz ich dich ie gefach!^^ 
ir herze hört er krachen, daz in ir leibe prach. 

do i^rach dev kuniginne: „berre, nu beleih, 

dir kumbt dev raife f bele.^^ fprach daz fchone weih. 

542 ,>l!7u folteft du mich troften: fo verfagft du mir mein leben.^^ 
fi fprach: „du wilt ze fere nach deinem tode ftreben.^^ 
dofchain im durch daz venfter des morgen plick(s), ainliecht, 
do woU er auz dem pette: fi liefs in von ir nicht. 

543 Swie kuene fein herze wäre, des zornes er vergaz^ 
im wurden feinev äugen von groüsem jamer nafs, 

do in dev frawe fchone mit armen vmbeflofs: 

fi wainten baidev fere, daz wafser vber ir prüfte floz. 

544 „Fraise, ich mute vrlaubes, des mag ich nicht empern.^^ — 
,,fwie vngern ich dirs gunne, doch muz ich dichs gewern. 

. du wilt nicht hie beleihen, got der muz dich bewarn !^^— 
„nu lafe mich, fchdnev frawe, mit deinem vrlaub farn/' 

545 Do fprang er auz dem pette, anleget er fein gewant. 
ob im tet er daz venfter auf mit feiner haut, 

do fprach der Lamparte: „fwaz dir die leüte fagen, 
des folt du nicht gelauben, du folt nicht fere clagen. 

546 Kuniginne vnd frawe, gib mir dein vingerlein ; (Sp, cj 
fwer dir daz wider pringe^ dem gelaube den tot mein, 
fwer dir daz vingerl pringet, dem ift vil wol gefchehen, 
der pringet dir dev maere, daz er mich toten hat gefehen. 

547 S wer des wurms haub(e) t pringet, der hat den wurraerflagen, 

oder [aber] zerhauen die zungen, die er in dem munde 

[hat getragen. 

fwer daz haubt an saugen bringet, der hat dich betrogen: 

. fwer aber die zungen fderet, der hat dir nicht gelogen« 



04 Ktaif Oitait 

548 Gelaabe nicM in baiden, tiI edier kuoigeia. 

fwer dir die Rofeo bringet ynd die liecbten pnmne iieiD, 
daran des wiimies snngen vnd diU yII daiae golf, 
der hat aiicii gerochen, dem bis mit rechten trewen bolt. 

549 Der bringet aneh villeichte den belli vnd anch das TwerC: 
derfelbe fol Ton rechte mit dir fein gewerf. 

lobe mir, das du dehainen nemeft immer mer sn dw ee, 
fwie Ter er dich betwinget, er flach dan den wnrm ee.^' 

550 Hit somigem mute flanf er in fein nnmgewanl. 
dcT frawe tII gewainte, da fi Im die riemen gepant. 
do lag Tor feinem petle zn allen zelten ain prackelein, 
das mutt mit im sc walde, fo er aine wolle fein. 

551 Vrlaub nam er von der frawen, do hub er fich sehaal 
f&r fein kemenaten, da er fein ros gefatelt vanf, 

den fchilt neben der feiten, den pracken hinder Ach. 
fi fprach tII parmiklichen: „got gefegne dich!^^ 

652 Als er do ain weile von der burgk gerait, 

do het er aines [dinges] yergefsen, das was im yil lait, 
do gedacht er: ,,ich mfiz widere zu der kunigein. 
Ich finde nicht Albriches, ich hab dan daz vingerlmn.'^ 

553 [Dan] noch ftund R auf der mawre vnd fach im alles nadi, 
fi freat fich, do im her widere der raife was fo gach; 

fi wande,er woldebeleiben, vndgienggegen im an den graben: 
„du waenlY, ich welle erpaifsen: dafür folfl duz nicht haben. 

554 Ich het es gar rergefsen, gib mir mein vingerlein.^^ 

do fprach deyfra w in jamer : „bei wen fol ich gedenken deint^^ 
9,bei maniger nacht vil gfiten du mein gedenken folt^^ 
dey frawe haifse wainte, vnd gab im dar fein golt. 

555 Do keert er von der bürge gegen dem wilden pergf, 
vnder der linden grnene da vand er daz getwergk: 
„war haft du dich beraitet?^^ fprach aber Albereich, 
„ich wil aber in die forge/^ fprach der kunig reich. 

556 „Wider wen wiltu nu nreiten? wer hat dir ichtgetan?^' 
do fprach der Lamparte : „ich wil den wurm hetlan^*'iCCV,t,ä) 
mit Zorne fprach der klaine: „du wilt vngerne leben, 
war vmb wilt dn aber fo fere nach deinem tode firebeii? 



Siebente Abenlenre. 65 

557 Wili du mit im vechteD, daz tuft du an meinen rat; 
er ift auf mein trewe ain tor, der den wurm beftat.^^ 
do fprach der Lamparte: „ich han miehs angenomen, 
ei ergee mir, fwie got weile, ze febaden oder ze frumen. 

556 Nu frage ieb dieb rates, du folt mir geben trofly 
wie der vngebewre des leibes werde erlolt/^ — 
„nu leide,'^ fpracb der fclaine „fwaz dir von im widerfert, 
du wirdeft fein woi innen, fwaz dir got bat da befcbert. 

559 Aber mit ainem dinge icb dieb uocb troften fol: 
knmbft du mit im zeftreite, du flaebeft den wurm wol: 
ieb wfine aber, an im klaine werde dein gewin: 

ynd vindet er dieb flafvnt^ er Iregt dieb entrewen bin. 

560 leb wii dir daz verpieten, daz du entHafefl nicht, 
fo Tag ieb dir zeware, daz dir bail an im befcbicbt. 
got mfize dieb gelegnen! gib mir mein vingerlein: 
ynd gefendet dich got widere, fo ift ez aber deiu/^ 

561 Im warf der Lamparte daz vingerl auf daz gras, 
Aibericbes herze ron der raife betrübet was, 

er l^raeb : „zu folhen dingen gebort micb.el arbait/^ [rait. 
„gotgefegnedieb !^^ fpracb dergrofse^ you dem Iclainener do 

562 Do rait er vngeweifet durch daz gepirge hin, 
als in fein mfit gelerte vnd fein Aurmlicber fin. 
do rait er Yngerdwet den tag vnz an die nacht: 
dannoeh was im lange flafes vngedacht. 

563 Do erpaifst er zu der erde, fein fewr er auz geflug, 
vngefueger ronen efte er felbe daran trfig, 

durch daz der wurm erfaebe deftee des fefires fchein: 
do fuert er an dem fatle fein fpeis Ynd feinen wein. 

564 Do fafs er auf dem gruene, er trank Ynd(e) afs, 

Yud gab auch dem brachen, der in feiner fchofse fafs. 

da bet er nieman mere, wau fich alters ain : 

fo fafs er bei dem fewre vnz daz der mane erfchain. 

565 Do wolt er aber reifen, fein mark er fchiere enpant 
vnd mut (in) bart(e) fere, daz er den wiirm nicht [enjvant. 
fünft rait er ane rue die nacht vnz an den tag, 

do kam er auf ainen anger, da yü der rofen lag. 



66 Köiiir OrtBit. 

566 Vnder ainem gräenen pavme erpaifste do der degen, (Sß,^) 
do het er auch tu gerne ain weile da gelegen; 
yngefsen vnd vtigelrunken rones er da laider lein, 

do het er an dem fatele weder fpeiie, noeh den wein. 

567 Sein herze im was hefwaeret, fein leib yil mnede gar, 
do neigt er fich ain welle durch fein rue dar, 

ain lutzel wolte er ruen, der flaf in des betirang, 

daz im daz haubet nidere gen dem grnenen enger fangk. 

568 Der flaf kam im ze forgen, des waehens in Terdrez, 
do leget fich der braeke auf des Lainparten CA^ift^ 

daz kam von feinem flafe, daz er des wurmes nicht erfach, 
davon dem Laroparten der grofse fchade gefchaeli« 

569 Der brach durch laubes dicke, die pa&me Imcket er nider; 
der pracke lief zu dem wurm(e) mnd zu dem herren wider^ 
fwaz er in lauter ftimme gepal, daz yerflief der gaf^ 
der miledc auf des hundes pellen achtet nicht ain paft. 

570 Swaz in daz weif gecratzte Tud in die ringe paifii, 
da lag als ein tote, der fich nichts verwaiz. 

als des wurmes haubet vernam des mannes gefmak, 
do ftraich er algerichte, da der muede Yor im lag. 

571 Der bunt wolt in da peifsen, do er het den wurm yemomeii, 
do mocht er Ton dem helme nicht zu dem haubte kernen, 
der wurm vngehewre rakt feinen fnabel berfnr, 

fein maul ward im noch weiter, dan ain mifsige tftr. 

572 Vnz an die fporu baide den ritter er verflant: 

daz kom von den fchulden, daz er in fchlafunde vant; 

dem clainen hundlein wolt er alfo haben getan, 

er ramte fein mit dem zagele: derbrak im kaum entran. 

573 Dem wurm was von dem paume gen der ftainwendegach; 
durch feines herreu trewe lief im der braeke nach, 
vnz alfur daz gepirge, da er mit nefte in[ne] fafs: 

do verebt auch im der braeke vnd getorfte nicht fftrbaz, 

574 Die jungen beten darinne von hnnger grofse not; 
fwie er ynuerhawen waere, doch mäft er ligen tot; 
er trfig in feinen kinden in ainen holen perg: 

die mochten in nichtgewinneu, vnd fugen in durdi das werk. 



Siebente Abentenre. £7 

575 Do verlos der Lamparte mifr jamer feinen leib. 

das dannoch niene wifte auf Garte fein liebez weib. (Sp.c) 
man klaget in durch fein ere, die er dem lande erwarb, 
daz ift der abentewre, da Ortnit inne erftarb.— - 

576 Sich hub der bracke wider(e) haim anf fein(e) fart. 
als der kuniginne des hundes innen ward^ 

do getorft fi offenlichen ir jamer nicht geclagen, 

fk gedacht aber in irem herzen : „mein herre der ift erflagen/' 

577 Die do den bracken fahen Tud erkanten feine fite, 
die wanden der genaden, daz ir herre nach im rite ; 
er mufte dort beleiben, des twang in grofsen not: 

fi mochten lange warten, er lag in dem perge tot. 

578 Si fragten a1[le] geleiche: „war ift mfer herre komcnl 
der bracke kom alaine, im ift [villeicht] der leib benomen^ 
in hat verraten leichte dev edle kunigein, 

A mag an feinem tode vil wol fchnldig feinl'^ — 

579 „Nu(n) welle got von himele!^^ fprach daz fchdneweib 
„vnd werdet ir des inne, fo nembt mir meinen leib.^^ 
do i^rachen aber die peften: „waer dir fein Aerbenlaid^ 
dufolteflTnanachim weifen ; du waift wol, wa er hin rait/^— 

580 >,Wazt han ich davon zefagen(e)?" fprach aber dev kunigein 

„ich getar euch dar nicht geweifen, ich gelobtz bei den 

trewen mein. 

ee daz aber ir nü zürnet, weit ir michs nicht erlan, 

ich fag eu, wa er kerte: er wolt den wurm beftan/^ 

581 Do begunden die Lamparten irn herren alle clagen, 

fi fprachen al geleiche ^jin hat der wurm hin getragen; 
fwer in nn rechen welle, der hebe fleh enzeit: 
ez enwirt in Lamparten nimmer dehain Ortneit, 

582 So piderbe vnd fo kuene, der lande künde gephlegen : 
vnfer troft vnd freude ift an im gelegen.^^ 

do fahen fi den Jamer, den der bracke da begieng, 
daz er ir ieglichen bei feinem geren fieng; 

583 Swelher im ie volgte, den zoch er vor daz tor: 
er wolt A alle weifen auf des wurmes fpor. 

„er waiz wol meinen herren/^ fprach von Garte aindienftman 
„raich mir meine ringet ich wil mich legen an^ 

^* 



68 K<^nig Ortnit. 

584 Vnd wildem brackenvolgen, ynz mein aug^dazpbat anfleht: 

fwie lieb mir mein ber waere, ieb befteen aber des 

wnrmes nicbi/^ ^ 

docb volget er dem bracken, die ArafiBe kand er wol, 

des weift aucb erdenkuenen Tilnahenfar dazfaol. (CCV,2,aJ 

585 Als er des warmes ftapfen alfo pl&tigen vant, 
nicht furbaz weit er reifen, vnd kerte wider sehant. 
do Taget er bofer märe, fein ber der war(e) tot: 

do hnb fich auf Jßarte jamer vnd(e) not. 

586 Von dem grofsen jamer, den [do] laid den kunigein^ 
vnd von des funes tode ftarb aucb der muter fein, 

A ftarb Yon dem jamer, daz A in feben folt nicht mer. 
do bet auch nimmer freude dcv kuniginne ber. 

587 Sunft lebtes in dem jamer vns in daz dritte jar, 
daz ir die Lamparten namen kaine war. 

do verlos ir liecblte färbe den ^rawe wolgetan: 
fi wollen fi des twingen, daz fl näme ainen man, 

588 Davon beruecbet waeren ir lente vnd auch ir lant^ 
an dem daz kunigreiche w&re wol bewant. 

do fprach dev kuniginne: ,,ir dürft mir dhainen geben: 
mangenimich nimmer, er benemedandem wurm fein leben/^ 

589 Do fi nicht volgen wolte, die fk*awen man verftiefs, 
alles irs knnigrciches man ir nicht enliefs, 

des fi lieb neren wolte, wan kupbers hundert phiint, 
daz was ir gelt des jares: do ward ir jamer kunt. 

590 Auf der bürg ze Garte was gemauret ain turn hol, 
der was vnz an daz ende von gründe fcbatzes vol; 
daz fl nicht mannes wolte, darumb waren R ir gram: 
fi mocht fein nicht geniefsen, die fldfsel man ir nam. 

591 Swie vil fl ir laides teten, vil ftate was ir mAt, 

fl begieng fleh von ir benden, als mauigcu frawe ttit; 

daz hülfen ir gewinnen ire maide vnd ir weib: 

fl worchten mit iren benden, daz fl betrugen ir leib. 

592 Dev frawe lebte in forgen, haidev, nacht vnd tag. 
der leute vnd auch des landes laider nieman phlag, 
do zoch ir ieglicher zu im, daz er begraif: 
davon des landes wirde ynd ere gar entflaift 



Siebente Aben teure. £9 

593 Do fprach der marggrane zu der kunigein: 

„mir ift vi\ laid deiu kumber, fraw, wilt du mit mir feiul^' 
mit jamer fprach dev fraue: ^,ich euruch,fwaz mirgefchicht, 
da2 m&z ich allez leiden: ich kumh von Oarte nlcht/^ 

594 Do fprach der marggraue : ^^nn erparmet mich dein not, 
ich wil durch deinen willen rechen meines herren io\ CSp*öJ 
doch wil ich erpeiten vnz mein fun gewachfe ze [aincm] man, 
daz ich vil rechte wifse, wem ich mein erbe fülle lan.^^ 

595 Ir phlag.vil wol der furfte vnd auch dev marggrauin, 
fi fanden ir auf Garte die fpeife vnd auch den wein, 
ze hochzeiten dev klaider, ir filber vnd ir golt: 

fi waren die weil fi lebten, der frawen in trewen holt. 

596 Sunft mufl in grofsem jamer deu arme frawe leben, 
dem do div kunigii^^e von Lamparten ward gegeben^ 
vnd der den wurm totte, von dem Ortnit ward verloren, 
des m&ft fi lange peiten, wau er ift noch vngeporen. 

597 Er mufe in forgen wachfen, von dem der wurm wirt er- 

flagen. 
ich wil eu fein geflächte vnd feinen vater fagen: 
fecht, daz was von Ferne hern Dietrichs alter an. 
ditz lied daz h&ret gerne, alrerft hebt ez fich an. 



Wolfdietrich. 



Aus der Ambrafer Handfchrift. 



Bas Ut Wolffdietricbs pnecb: 

wie er geporn ward, Tnd die franen nam ze 

weibe» die Otnides was» 



1 il.uf Kunftcnobl ze Kriechen eiu gewaltiger käuig fafs, 
an dem tagent, noch ere, noch nianheit[e noch] nie vergafs 
fein maifter ynd fein fchepfer, der in da werden liefs: 
an im gepraft nicht mere, wann daz er ein hayden hiefs. 

2 Im dienten durch Kriechen der Bulgerie walt, 

von Hunifchem gemercke betzwanng es fein gewalt, 

im dienten mit gewalte Kriechifche kunigreich : 

er fals auf Knnftenobele und hiefs herr Hugdiettreich. 

3 Botelnnges fwelter von den Hünen was fein weih, 
die het.g£te witze ynd tngentlichen leib, 

ty was alles wanndels vnd miflewende frey: 

ly trug auch bey dem Kriechen fchoner fune drey. 

4 Sy waren lieb der frawen Tnd auch der k&nigin reich, 
durch die grofsen liebe [da] hiefs maus alle Diettreich. 
do fy der fhne zwen(e) bey dem kunige gewan, 

do gieng den kunig reichen ein(e) beerfart an, 

5 Die Tolbracht er mit eren vnd gewan auch beide genftg, 
da wifset nicht der Krieche, daz ty den tritten tr&g, 
mit Berchtunge von Meran er do di^ heerflEirt Ichwur, 

. der was fein rat getrewer, von recht er mit im für* (Sp, c) 



74 Wolfdietrich. 

6 Da wolt er feinem freunde einem kunige laid t&n, 
Ton Tennemarche Fruten, feiner fwefter fun. 

da fprach der kunig reiche ze Berchtunge von Meran: 
,,wem fol ich meine leate vnd meine pnrge lan, 

7 Mein laut vnd mein erbe, auch mein kunigreich, 
vnd mein liebe frawenl'^ fprach Huge Diettreich. 

da fprach der vii getrewe: ,,wer mochts bas behabeo? 
bevilch es meinem gefellen, dem herlzogen Sahen, 

8 Alle deine reiche, die dir vndertenig fint, 

darfzu meine[r] frawen vnd deine vil lieben kint.^^ 
den reichen fArften Saben(e) hiefs er do fdr fich gan, 
allez das er het(e), daz machet er im vndertan* . 

9 Eint vnd knnigreiche, wejb vnd alles fein lannl 
bevalch er im auf [fein]trewe: das was nicht wol hewanl. 
als im den rugken keerfe der [vil] liebe herre fein, 

er trat gezogenlichen fhr die kunigein. 

10 Er fprach zu feiner frawen: „nu mein herre fei geriteUi 
nu feltu nicht zürnen, ich wil dich etwas piten.^^ 

fy fprach gezogenliehen: „ich zürne nicht wider dich, 
wiUu gef (keger dinge muten, es gefchicht 

11 Du magft aber auf mein trewe folher pete gern« 

daz ich ee mit dir zürnet, ee ich wolte dich gewero.^^ 

er fprach valfchlichen: „die pet ift aufgefchoben, 

ich getar gen dir nicht mbtcn, du welleH; zorn verloben/^ 

12 Da fprach die wolgezogne: „die pet erlaubet £ji 

ich wayfs dich fo getrewen, ich bin lafters von dir fr^. 
dein her[re] hat mich empholhen dir auf die trewe dein: 
ich wayfs dich fo getrewen, du vareft nicht der eren mein/^ 

13 Da fprach der valfches reiche: „ich fag dir, was ich wil, 
du haft vrlaup mir zu zürnen, nu pit ich auch nicht vil. 
ich han mich meines herren auf difer fert vertzigen; 
er kumbt doch nimmer widere: nu la mich bey dir ligen/^ 

14 Die fraw(e) da vor zorne ir hertze in Jammer brach, 
do flofs ir von den angen vber die prüft ein pach« 

fy fprach: „du haft zerbrochen an mir die trewe dein; 
vnd fenndet in got herwidere, ich klag es dem herrenmein/^ 



Erste Abenkevre. 75 

13 Da er ir aDg(e)ft horte, da tct er, als ein man, 
der wol mit yalfchen liften fein red verker(e)n kan, 
da fprach er znchtikleichen: ,,ich het es nicht gerficht, 
du folt nicht z&men, frawe, ich han dich nun damit 

Terfuecht. 

16 Ich han wol verfuechet dein ftate vnd dein tugent: 
dubaft in deinem hertzen [bede] keufche vnd gantse tugent; 
was ich mit dir gefchimphe, das foltu mir vertragen,^cn7, i,a) 
du folt meinem herren kain vntrew Ton mir nicht lagen.'' 

17 Sj fprach: „haft dus in fpotte gegen mir gerait, 
fo wirt es meinem herren von mir nicht gefait; 

ich wil dirs mein trew(e) vnd mein [weiblich] ere geben: 
gewaheftus jmniermere, es geet dir an dein leben.'^ 

18 Da hört er an iren worten, [daz] ir wille was nicht gut, 
er dacht: „ich han gehöret, däz fys nyene tut, 

ich getar nicht mer erzürnen hiemit das fchone weib: 
vnd Tagt fjs meinem herren, es gat mir an den leib.'' 

19 Da nahnet es dem jare, daz das dritte kindelein 
geporn folte werden von der edlen kunigein. 

fy was ein hayd(en)inne, vnd gelaubet doch an got: 
wo fy vor vorchte mochte da laiftet fy fein gepot. 

20 Sy lag eines nachtes in irem pet(t)e vnd flieff, 

fy was nicht toI entflaffen, vntz ir ein ftymme rieff: 
„frawCe), du folt wachen, ditz fchrecken mir vertragen : 
nu du an got gelaubeft, ich fol dir gute mar(e) fagen. 

21 Dein man vnd du feyt haiden, doch tregft ein kindelein, 
gof wil dich(s) nicht erlafsen, es mufs Crilteu fein." 
fy fprach: „wie gern ich laifl;(e) fein pet vnd fein gepot, 
fo fol michs an dich lafsen vnd an deinen got." 

22 Er fprach: „diefe ma(e)re alfo wäre fint, 

[alsjdaz du an demfümfften morgen, fraw,gewinneft ein kint, 
das dir dein fch&pfere vnder dein herze hat gefmmbt; 
du folt auch daz nicht lafsen, wann es zu der weide kumbt, 

23 Vber ein halbe meile fitzet ein guter man, 

du folt mit deinem kinde zu dem ainfidel gan, 

das foltu im bringen an einem morgen fin&e, 

▼nd folt in des nicht irren, was er mit dem kindiein thu.'^ 



76 WoUdietridi. 

24 An den fanfflen morgen kam (j aus aller not 
da (j fich vermochte, fj tet, was er gepot, 
tj trAg aus der purge ir kindelein verftolen 

▼nd gieng zum klanfen&re verfiorgen rnd verliolen 

25 Sj wefte nit, war ty folte, vnd gieng doch rechte dar} 
er war auch da gefefsen mer dann viertaigk jar; 

als die kuniginne zu dem heuAin gieng, 
derfelb(e) klaufenare fjr mjnniclichen emphieng. 

26 Er hieffl fy vleifaiklichen got willekomen feyn: 
,,dein fnn fol Grillen werden, gibe mir das kindelein.^' 
£y werte fich des lannge, das kind fj im doch liefs: 
£j lach das hart vngerne, da ers in das waCier ftiells. 

27 Da fach fy ob dem wage fcheinen kertsenliecht, 

die es im (taufen) hülfen, der enfach (ß) laider nidit. CS^.^) 
das kindel er in feiden vil fchone do bewant» 
▼nd gab es feiner mflter wider in die hanndt« 

28 Da fprach er zu der frawen „fej dir lieb das kindelein, 
fo behalt [es] vntz an fein alter das tauffgewante fein, 
ich wil dir fagen, frawe, was im darvon gefchicht, 
vnd £ej dir lieb das kindelein, fo verleufe das gewant nicht. 

29 Wenn du in in forgen fendell, fo leg es an feinen leib/^ 
„fo Wirt es im ze claine, furcht ich/' fprach das weih, 
„er wirt in feinem alter ein vngefueger man: 

wie ennge aber es dich duncke, fo legt ers doch wol an. 

30 Wenn ers in ftreite füer(e)t, fo i(t fein leih gefunt, 
von dhainer flachte waffen wirt er njmmer wuudt, 
von wafser vnd von fewr(e) verleufet er n jmmer feinen leib/^ 
„(o wil ich ims gern behalten.^' alfo fprach das weib. 

31 „Ich wil dir fagen mere, wie lannge es dir fol leben: 
ich wil ymmer zum jare eines mannes fterche geben; 
von der gotes gäbe wirt er funfftzigk jar alt, 

vnd funfftzigk maunes flerche hat feid leib gewalt. 

32 Du folt vmb in nicht forgen, er kumbt vil dicke in not, 
er kumbt auch vil offle, daz im nahen ift der todt, 
vnd wil dir fagen mere, daz er mit fein aines hanndt 
ein fch&ne k&niginne erftreitet vnd ein lanndt^^ 



Zweite Abenteare. 77 

33 8y het wol gelairtct 'ein pefser gewant: 

da vorchtCe) fy des fere, fy werde darione erkant. — 
das fol des wurms veiude erlte abentewr(e) fein: 
noch lebt anf Garte in forgcn die arme kunigein. 



II. 

Abenthenr. Wie der kunig kam rnd das 
kint fach« 

34 Do wuchs der junehherre, des phlag fein muter wol 
mit m&terlieher trewe, als ein frawe irem kinde fol, 
als Til [gern] lieb den frawen ir junge kindel findt: 
derfeib(e) was ir lieber, dann anndre ir kind. 

35 Sy het in got ergeben, vnd dem teufel gar benomen. 
da nahnet es dem jare, daz der kunig folt kumen, 
da enwifset er nicht dahayme des jungen funes fein, 
da wuchs auch vollichlichen das liebe kindelein. 

36 Die poten yalle gachten gegen dem kunig reich, (Sp» c) 
fy Tagten im die mftre, die waren wunikleich: 

„nu gib ms, herre miete, du haft einen fchdnen fun.^^ 
mit freuden fprach der Krieche: „das wil ich gerne tun/^ 

37 Da was im lieb zu dem weihe vnd [ze dem kinde] er het 

es recht, 
da trug man im entgegne den wunniklichen knecht: 
das kind was alfo fchone daz ers vil gerne fach, 
vnd freute fich fein hertze, daz im fein muter jach. 

38 Da fatzt(e) man den klainen, daz er bei der tavel ftund. 
da er gelauffen mochte, als noch die kindel tund, 

da gab man im durch liebe prot in feiu(e) hanndt: 
welch hundt im aber das zugkte, den warff er an die want. 

39 Do das die leute erfaben, £y fegneten alle fich; 
die wejfen alle fprachen: „got behuete mich! 
vil vngefuege fterche hat dein vicrhalbes jar/^ 
durch des kindes wunder fAr vil der leute dar. 



78 WoUdktridu 

40 Wer do des kindei fterehe bej^der fehtae anlk^ [ffradi 

der Segenti fieh darch wunder, in dem koBige maniger 

die worf, als man da fpricliet, die da gar mn&txe fint: 

,,herr kunig, nu hajfset in fodten, er ifl des vMn tea- 

fels kindt. 

41 Ir foU das gelauben, er ift von dem tebfeL ktttnen: fl 
wa her foll er diefe Aerche (tm fleh) hau ^enomen? 

laft du den fenfel waehfen, dir wirt forge davon bekaot» 
kumbt er zu feinen jaren, er yerderbet leut rnd Uot.^ 

42 Der kdnig dicfe mare bort Tngeme fagen. 

da bcgunde er an dem kinde fehone vnd fernen leib clagen; 
daz ers verrecben folte, das gieng im an fein [eben: 
Tor vngebewr(e)n dingen er wolt im ni^t fride geben. 

43 Da fant er baymliehen nach dem vngetr^^wen Saben, 
da fpraeb der kunig: ,,icb wSue, wir vbele gebiietct babeoi 
mein ere mus ieh verliefen vnd das kindelein; 

aucb fprecben alle leute, daz es nie wurde mem.'A 

44 Da gedacbt im aber Saben(e), der vngetrewe leib, 
wie er die luge erfnnde, damit er erzürnt das weib. 
er het in feinem herfzcn behalten manigen tag, 
wie er irs auf gehfiebe, daz fy bei im nicht lag. 

46 Da fpraeb er zu dem kunige: ,,berre, ich fag dir das, 
was ich eines nachtes horte, da ich hey meiner frawen fafs, 
ü fprach: „ynd wolt der teufel ymmer bej mir fein!^^ * 
von denfelben fachen ift komen das kindelein/^ 

46 Do dacht er aber wider (e): han ich das auf fy ge\ogen(CCVI,2,a) 
£y fugt villeicht die warhait^ fo bin ich gar betrogen, 
„du folt mich darumbe nicht melden, daz fy fo hat getobet: 
ich folt es nicht gefait haben, das het ich ir gelobet.^^ 

47 Da fprach der kunig: „mich geduncket, daz vnfchuldig 

fey das weib. 

doch ratynn8,hcrreSaben(c), daz wir im benemen den leib ; 
rat, wie werde dem kinde fein fchoner leib benomen 
daz (es) dem (wider) werde, von dem es £ej bekomen/^ 

48 Da fprach der valfcho Sabene: „wol ich geraten kan: 
hayfse dir gewinnen Berchtunge(n) von Heran; 

du hafk ir ny[ndert] wann zwcne, die dir getrewer fein: 
den bayfi vcrbolen(e) todton das klaine kindelein. 



Zweit« AbeBteore. 79 

49 Gerchichl es offenlicheii, die leole todhIs« Anl. 

ff xeichent dich Tilleichle, da habft erlotet das kint. 

do folt im ▼eriioleD(e) hsTfseii nemen fein leben/*' 

er fpradi: ,,icli wil dir volgen, du hafi guten rat gegebciu^^ 

50 Da fprach aber Saben(e): ,^des rates thun ich mich abo, 
da Ibll Midi des nidit Beihen, das ich dirs geraten habe« 
aii4 deHfelben rate er fich dam»be nam, 

er wolt, das die getremi wurden an einander gram. 

51 B^rditiing der ward haimlich xu dem kunige bracht, 
da Qprach der alte weyfe: „wea ift nu gedacht? 
herre, lat mich hören, was diefe mire fint/^ 
mitjanmerrprachderKrieche:„darolttodtenmirmeinkiiid. 

52 Hajadich rad fo verholene, das fein nyemant werd gewar/^ 
da Qprach der yü getrewe: ,,feeht, das bchuet ich gar, 
ich wil an feinem tode vil gar vnfchuldig fein: 
mir wer laide, wer todet den erbherrcn mein/' 

53 Der kunig fprach: „nv gedencke, Berchtung von Heran, 
daz ich nicht fo getrewes in meinem reiche han, 

vnd lafs mich des geniefsen, das man dir trewe gicht: 
da folt das kindl töten/' er fprach: .^ich entute fein nicht. 

54 Ynfer swayer trewe nymmer[mcr] gefchaiden fint.'> -* 

„du haft auf Lilienporte fechtschen schone kint, 

yn(d)lange Janckherr(e)ny vnd ein fchoucs wcib: 

die hails ich alle todten, du bcnembft dann dem kind 

feinen leib. 

55 Die fallen dir lieb von rechte vnd auch vil billich fein : 
die hajfs leb alle haben an die zynnen dein, « 
vnd ze aller vordrift dir auch [fclber] nemen das leben/' 
,,ich wil fo grolTen gelt nicht wider das eine gehen^^ (Sp.öJ 

56 Da gedacht der getrewe: „es ift nicht alfo gfit, 

ich thu, was er mich hayfse, vil grimme ift fein mill; 
ee dann er mich hienge, meine kind vnd mein wcib, 
wolt er michs nicht erlafsen, ichnomeim fclber eo den leib." 

57 Da fprach er zu dem k&nige: ,}Welt ir michs nicht erlan, 
fo wil ichs gerne todten." fprach Berchlung von Moran. 
„feyt Jr nicht weit empem, oder es gefchebo, 

fo folt ir mirs antwnrten, daz es nyemand erfelie»'* 



80 Wolfdietrieh. 

58 Des gaben fj do trewe ^aii einander da. 

Berchtung wer aber gerner gewefen anderswa. — 
daz ift die annder forge, das erlaid das kindelein 
noch lebt auf Garte in jammer die (arme) k&nigein. 



Hl- 

Abentheür. Ymb des kindes genift, md ward 
behalten haimlich. 

59 DerkunigfprachieBercbtungen: ,,icbhanmicb wolbc^acbt, 
vrie wir das kind gewinnen: da folft wacben ilife nacht, 
dir mufs der torwart(e) als vndertenig fein/ 
wenn(e) dich gelüftet, er lat dich aus vnd ein. 

60 Dhainen kammerare lafs ich ligen vor der thur. 
alfo das kint entfeblaffet, fo foltu trotten darfur, 
wenn fy in der bürge (al) entflaffen fint 

vnd mein fraw entflaffet, fo gib ich dir das kint^^ 

61 Da tet der vil getrewe, ais in der kunig hiefs, 

er fchuff mit dem torwarte, daz er in in vnd aus liefs. 

da tet der vil getrewe, als in fein herre bat, 

do fy in der bürg entflieffen, für die kemmenat er getrat. 

62 Do redten mit einander der man vnd auch das weib, 
£y betten groITen jammer vmb des kindes leib, 

der kunigfpracbzuderfrawen: „wonameildudaskindeleini 
du namefts von dem teufel.'^— „nayn!^' fprach die kunigein. 

63 Da fprach der kunig mit zorne: „es fol nicht lennger leben; 
ich wil im auch meines erbes ni[mer] halbe ftat gegeben, 
im wirt auch von mir nymmer baide, bürg, nochlandt; 
was ich im erbes gebe, das wer vbele gewant.^^ 

64 Da fprach die frawe in zorne: „das i[i^ eüs du wi\t (Spx) 
nu ift manigwolgeborn(e)[man], der nymmer fueret fchilt ; 
[al]fo mjis er auch vertrofteu leicht (fich) der gäbe dein : 
der in da hat befchaffen, der bewar das kindelein !<' 



Dritte Abentenre. 81 

65 „Gr fol reiStcii Tnd pawen, von art ilt das fein recht 
wer liefs im feine knnigreich? er mach nicht kuniges kneht 
gefein mit feinem leibe, er hat nicht kuniges mfit: 

er fol in dem walde die leute morden ymb ir gut/' 

66 Da fprach die frawe(i)n jamer: ^TÜleichtnu das gefchicht: 
wes im got wil gunncn, des mag man imhenemen nicht; 
wa9 auch aus im fol werden, das ift dir vnbekant: 

fein aines leib erltreitet ain kunigin vnd ein landt.^^ 

67 „Wilt aber das gelauben?^V fprach er zu der kunigein. 
fy fprach : ,,mir ift gelrawmet, das es fol alfo fein.^' 

da fprach aber der Krieche: ^,fol im gefchehen das hail, 
•fo lafs er feinen hruedern alhie fein driltail. 

68 An einem kunigreiche hat er [ymmer] laut genfig, 
vnd kan er das erfechten, fo ift er hart (e) kllig. 
ichgibdirsmeintrewe [vnd meinen atd] vnd lafs es auch war, 
das er al[ler] meiner fannde geneufset nimmer vmb ein bar, 

69 Noch njmmer tail gewjnnet, vnd folt er ymmer leben« 
ich verpeuts auch meinen kinden, daz fy im ichtes geben, 
wann fö ich fterbe, dbain des lanndes mein/* — 

„fo mus im got genaden!^^ fprach aber die kunigein. 

70 Da fchwfir bei den Zeiten dbain kuuig dbainen aid, 
was er in trewen lobte, es war die warhait. 

do kerte fich hinvmbe die frawe Tnd(e) flieff, 

vnd fehlaich er aus der decke, Berchtunge er leife rieff. 

71 Er raunte durch die porte: „Berchtung, bift du dal" 
do fprach mit lejfem worte der yil getrewe: „ja/^ — 
„wajft du, oh in der hurge die leut eniflaffen fint?^' — 
„herre, es wachet nyemand, nu emphelhet mir das kind/^ 

72 Der kunig dennoch forchte, es wachte fein liebes weib, 
da grayf er vnnder die hfil(l)e, an ir mund vnd an ir leib, 
fein handt es alles fuechte, was man an frawen ficht: 
wie dicke ers aber rAerte, fy erwachte laider nicht. 

73 Da gieng er zu dem pet(t)e, da lag das kindelein, 
daz er verfielen wolte der lieben muter fein: 

da getorft er nie gerueren das klaine kindelein, 
er forchte, ob ers weckte, es wecket die muter fein.(^C(7F//,A/i^ 

6 



82 Wolfdietriclu 

74 Er gedacht in feinem m&le: „vnd wirt das kindel laut, 
fo erCehrejet auch die muter, fo lieb ift ir das traut, 
TndbringetBich zefcbannden, noch lieber Terleiiricbs leben: 
ich wils recht ermorden, vnd wil ims alb totes geben/^ 

75 Ze feines pet(l)es haubet fhecht er fein gdrlelgewant, 
nach Walhifchem fite oam er ein meiser an die handt, 
er fpraeh: ,,wilta wainen, vnraines kindelein, 

vntz an die handt das meHier flieh ich in das hertxe dein/^ 

76 Da sugkhet er aus dem pette das kind da ers vant, 
durch feinen todt das mefser trug er an der handt; 
got gab im da ze bajle, daz das kindel flieff, 
annders het ers ermor(de]t, Berchtung im aber rieff: 

77 99 Wie lange wiltn peitenl es ift gen dem tage; 

gib mir das kind bey zeiten, daz Ichs furder trage, 
ee dann die fra w erwache vnd vnns melde des morgens fcheinf ' 
vil laufte fpraeh der Krieche: „tfunjm hin das kindelein/^ 

78 Berchtung der getrewe feinen herren emphieng, 
von der kemmeoaten er vil leyfe gieng. 

da er kam für das gewelbe, da gieng er naher bas, 
f ntz f&r die bürg porten, auf das rofe er gefaCs, 

79 Inn feinen regen mantel want er das kindelein« 

er fpraeh zu dem tor warte: „vnd gewab[n]eft du mein^ 
ich fchlach dir ab das haubet vnd wirff dich in den graben: 
verfweigcft aber du die rayfe, du magftfein frumb gehaben/^ 

80 Wie eben aber er fich fatzte, der rayfe in doch verdros^ 
der torwort im leget(e) das kindelein in die fchoCs; 

er rait vber die prugke, im leuchtet des morgens fchein: 
recht an der burgleiten. erwachte das kindelein, 

81 Da rueffet es in den forgen, als ein kindel tut, 
das auch zu folhem todte hat d(e)hainen mut, 
es fpraeh erparmiklichei „mfiter, decke mich!^^ 

der alte fpraeh in zorne: „ich enrjich, vnd fre&Iet dich/^ 

82 Als im der liechte morgen vnd auch die funne erfchaiu, 
er gedacht an fein trewe, da was er altersain; 

als der funnen plicke durch die [liechten] wolcken prach, 
er was geritten f^ rerre, das in njemands fach* 



Dritte Abentewe. g3 

. 83 Die fteige vnd auch die Itrafse er doreh yorchte vermaid, 
durch wald vnJ durch gevilde er mit im fchaehea rail, 
da erwachet in den ftunden vil gar das kindelein: 
da vergafs es feines froltes wnd fpilte mit den ringen fein« 

84 Alfo das kleine kindel feiner forgen gar vergafis, 

da grayfT es an die ringe vnd fprach : „was ift dauV^ 
des halsperges fchone das kindel nie rerdros: 
das erfach der Krieche, fein jamer war vil gros. 

85 Es leficht im vnder die äugen fein leib als der fchnee; 
was das kind gelachte, das tet dem alten wee, (Sp, b) 
er dacht: ,,ob ich dich todte, das ergie mir nymmer wol: 
mein hertz ift fo hetruehet^ ich wan, mit dir erfterben fol.^^ 

86 Da filert ers auf die hajde an ain vil grhencs gras, 
in ein fromhde wilde, da nyemand bei in was, 

er fatzt es auf den anger, da zoch er ans das fchwert, 
das kind wolt er des todes durch den herren han gewert 

87 Das fchwert begunde er fchawen: da ward fein hertze 
das habt ir wol gehöret vil dicke das gefajt: [vertzagt. 
wem got fein leben wil friften, nicht laides dem gefchicht. 
fein hende es wolten tddten: da geftats fein hertze nicht. 

88 Da fprach er wider fich felben: „wieiftmir fogefchehen? 
ich han vor meiner hende wol hundert man gefehen, 
die ich alle ertötet han [vnd] mit meiner haut erfchlagen: 
daz ich nu bin fo blöede, das wil ich gote clagen« 

89 Daz ich dich nicht dar to(e)dten, wanon kumbt mir dasl'^ 
das kindel er da ffierte mit zorne furbas. 

er gedacht in feinem hertzen: „es hat dir got gegeben, 
du hift villeicht [al]fo falig, du folt bebalten dein leben. 

90 £e [dann] Ich aber von dir fchaide, [doch] wirt dir dein 

leib benumen: 
ich wil durch dein ftcrben zu ^inem prunnen kiimen, 
du muft dich felber ertrenckcn in dem watfer, liebes kind: 
das kumbt von Hechten rofcn, die enmitten darj^nne fint. 

91 Ich ways wol, daz dich trewget dein Junge kindhait, 
daz [dich] dein torfche jugende dich darynn veijaidt, 
der prunne ift tief al vmbe, rnd wildn kindelein, 

die rofen preclkett darynnen, zwar, do relleft darein, 

^* 



84 Wolfdietrich. 

92 So wil ich danne fchawen, wie dir der tot fejbefchert: 
ift dann dein vater ein teafel, er ha( dich fehier emerf 
mit grymmigem mute kam er dar gerant 

an ein'wifen gräene, da er den prnnnen vant, 

93 Mit jämmerlichem hertzen erpajlt er anf das gras ; 
dennoch im hart(e) fchwere ymb des kindes tterben was: 
er fatzt es vber den prnnnen; het aber das kindelein 
gegriffen nach den rofen, fo wer es genallen darein. 

94 Es kam von feiner Felde, die rofen es vermaid, 

da gieng es von dem prnnnen hin auf den anger prait, 
durch fein kürtzwejle viel es auf das gruene gras: 
es achtet des hart klaine,' daz es alters aine da was. 

96 Berchtung der getrewe was liftig vnd(e) karg, 
fein rofs in laubes dicke vnd fich felben verbarg, 
er fprach: „nu wer ich gerne difen tag bej dir: 
ich furcht, ob dir icht wer(r)e, du Tlie&eft beer zu mir. 

96 Ich wil doch bey dir wachen zwar(e) dife nacht, 

du muft beynamen fterben, fo ich dich als verre habepracht. 
ich wil gros wunder heint(e) an deinem leibe fehenr^'SSp.^^ 
vnd geleblt auch du bis morgen, es mag furbas gefchehen/' 

97 Das kint was alters aine vnd het kumbers nicht, 

es wartet des genaden, von dem mau [manig] wunder ficht, 
der phlag fein wol mit trewen, fein hilff es nicht betrog: 
das weih was im zo verre, der prufllin es fog, 

98 Es fafs vntz an den abent, die funne gar verfwant, 

da prach der liechto mon(c) durch die wolkhenfozehant, 
. da buh fich zu dem prunne(n) durch hitze manig wilt: 
da was aber njemand des kindes fridefchilt. 

99 Was wildes eflfen mueüset, [das] mag wa(rer(s) nit empern: 
genas das klaine kindel^ des mueUb es got gewern» 

zu dem prnnnen liefen lewen, pern, wiltfwein: 
mitten vnnder dem gewilde fafs das kindelein. 

100 Was wildes walTer wolte, das mueft et alles dar. 
zujungHb kam gelauffen der wolffe ein michel fehar 
in ftarchem hungers gelte, als man £y lauffen ficht: 
der hunger ^wang fy fere, vnd tetten dem kinde nicht. 



Dritte Abenteilre. 85 

101 Von fuefses leibe(s) gefohmaclfe wart in das kindel khnnt, 
von grofsen hungers note jegliches wolf(e)8 munt 
das kindelein beginto; vnder in [allen] es da fafs: 

fo Tat ward jeglicb(er), dafs er des kindes nicht afs. 

102 Sj Tarsen zu einem ring(e) Tmb das kind auf das gras. 
Berchtung durch das wunder hie nach gefchlichen was, 
er fprach: ,,nu m&fsich fchawen, daz ich noch nje gefach: 
mich wundert, daz die wolffe dir thnnt kein vngemach/^ 

103 Die angen in ireta haubten prunnen als ein [kertzen] liecht: 
der arme was ein tore, vnd forchte fein veinde nicht, 
er gieng zu jeglichem vnd gr(a)iff im mit der handt^ 
wo er ir liechte äugen in iren kophen vant. 

104 Wes er mit in begundc, das multen fj im vertragen, 
fünft gieng er vnnder in ymbe, bis es begunc^e tagen^ 
welherfich fein da werte, den fchlueg er^ daz er da lag: 
der wunder lachte [do] Berchtung die nacht vntz an den tag. 

105 Mitjammerfprachderwejfe: „diriftderleib[viljvnbenomen; 
dir muelTen dife zaichen von gotes guete kumen« 

ich wil das wol gelauben, vnnd wareft du des teufeis parn, 
du wareft von den wolffen erftorben vnd verfarn. 

106 Ob ich nu het den willen, daz ich gerne tdiet dich, 
das ift mir nicht zemute, ich f&rcht, es gerew(e) mich; 
feit dir die argen wolffe fride haben gegeben: 

wes folt aber |ch dich zeihen? ich lalfe auch dich nn leben.^^ 

107 Do in der morgen leuchte, da meret fich fein gewin, 
des armen auf der hayde, die wolffe lieffen hin« (CCYJJ^Z.a) 
da fprach der raine guete: „ich [wil] frifte[u] deipen leib: 
ich wil durch dich wagen meine kint vnd auch mein weib.^^ 

108 Er fprach: „ich wilfet es gerne, von wem du wereftbehhet; 
ich wil dich doch verfuechen, als man die Criften th&t^^ 
er machet von holtz ein creutz(e) vnd ftiefs das in den faut, 
er fprach : „vnd bift du ein teufel, fo brichet es dein hanndt.^^ 

109 Für es in die erde er das cre&tze ftiefs. 

das kind das was fo geliewre, daz es nicht ftecken liefs, 
es fchawet es in manigen enden^ vil lang es anfach, 
vnd het es in der hende, daz es nicht zerbrach. 



sc WaUdiMrich« 

110 ^leh ßhe wol, dai der tenfel an dir Tnfchnldig ifl, 
ich wtfne, du fejefl CriTIeD, dich hat befchaffen Orin. 
bifl aber da ein hajden, doch wil ichs lafsen feyn, 
ich wil dich lennger friClen, tu liebes kindelein. 

111 Nu Terfuenen wir ¥nna heikte, ich was dir geflern gram.^^ 
das kiad er von der erde auf feine« arm nam: 

„da da vonder difen wolffen bifl beliben gefunt,^^ 
er fprach 9,du lebeft noch lennger.^^ vnd kufisct es au 

den mund« 

112 „Ich wil durch deinen willen mich vertreiben lau, 
vnd wil auch durch dich wagen alles das ich han, 

ich wil durch dich nu wagen mein weih vnd meine kind, 
die ftcte vnd auch die bürge, die mir vndertenig fint 

113 Ich wayfs wol, daz diU zaichen von g&ten dingen vert, 
daz du vnnder difen wolffen den leib halt ernert; 

an deines vaters willen wirft du noch ein kunig reich: 
nu mofl auch ymmer mere hayfsen der Wolff-her-Dieltreich/^ 

114 Er trftg in zu dem rofse, darauf er [do] mit im fafs; 
vor feines herren vorchte wurden im die äugen nafs, 
er fprach: ,)mir mocht noch lieber fein dein aines todt^ 
dann ich vnd mein geflechte leiden ymmermere not/* 

115 Sunft rait er in der forge[n] vnd fAerte den herren fein 
zu einem wilden&re, der het ain hewfelein, 

fo feine jager dick(e) das gejajd ze lange triben, 
vnd in dem walde benachten, daz fy dann da beliben. 

116 Da rait er zu dem häufe vnd klophet an die want, 
da kam der wildinare an die ftrafse da zehant, 

da emphieng er vleifficlichen den vil getrewen degen; 
wann er mit fredden dicke was in dem hawfe da gelegen. 

117 Er fprach zu dem wildenäre: „gut man, wo ift dein weih? 
nu wil ieh verfuechen ewer zwayer leib, 

durch ew(e)r bajder trew(e) bin ich zu euch geriten, 
ich wil durch hohe miete euch pettlicher ding(e) piten. 

118 Den hof[e] habe dir für aigen, da du jnne bift gewefen, 
vnd was du von dem walde nutzes magft gelefen, . 
vnd dasdorffdas hiezu geboret, das fol dein aigen fein 
daz da mir nun behalteft das fch&ne kindelein. (J^.ö) 



Vierte Abentewre. 87. 

119 Ob dich die leute IVagen, wo da habeft das knid gtuomen, 

ieh maio, ob es fanden fej, desla dich nicht Tberkamen; 

daz ich« herfurte, das foit auch nj.ennin Tagen: 

da folt des fchweren tewr(e), es hab dein weih bej dir 

getragen. 

120 Du folt im auch mit tailen das pefte das du halt, 
frau, ich wil dirs Ionen, daz dus nicht verderben la[üre]n/^ 
das kindel r[e]7 da namen, dan rait der ffkrlte reich. — 
nu ift aus der dritten rorge[u] der Wolff- Diettreich. 



IV. 

Abentheür« Wie die traw das kindt klagete, 
da fy es nit wiße. 

121 Als es mit grofsem jamnier ward der frawen tag, 

da gr(a)if fj an das pette, da das kindelin eeTor[des] lag^ 
da leuchtet ir mit jammer der kthdne morgen Hecht; 
fj f&ecbet ir [vii] liebes kindel : da Taut fyn laider nicht. 

122 Sj warf an fleh ein hemede, aus dem pet fj fprang, 

ir kindelin ty fuechte vnnder pete vnd [vndter der] pannkh. 
mit Jammer fprach die frawe : ,,awe, daz ich je ward geporn! 
war fol ich gotes arme? ich han mein kind TCrlom!*' 

223 Vor laide do die frawe viel auf den eftrich, 
ir eiage Tud ir wainen was alfo jammerlich, 
fy fprach: 9,war fol ich arme, daz ich fo vnfelig bin? 
was taug ich nu zu leben(e)? tot, nn njm mich alhinl^^ 

124 Sy fchray mit lauter ftymb(e), daz man ir ward gcwar, 
die in der bürge waren, die lieffen alle dar; 

die fy da angriffen, die künden ir nicht gehaben, 
fy viel vnnder fy damidere, daz man fy mufte laben. 

125 Sy fprach : ^,getdrft ich dich fchelten, vil vngetrewer man, 
vnraines khniges kunne, war haft mein kindt getani 

es ift erdorben laider, vnd ill das gewefen dein rat, 
du valfcher vngehewr(er)> wie wol du waift, wer es er- 
mordet hatl^^ 



88 WolMiBlri€li. 

126 9,Da zeiheft mich Tiireeht(e)y ^ fpraeli der kunig reicia ' 
9,folt ith mein kind erto(e)dteii, das wer YninDg(e)leich, 
wiltumichsiiiehlerlarseD, ichiagdir[wol39 waresifl komen: 
TOD dem dos hall erwerben, derhatesaaeliznim genomen/^ 

127 ,,letzo fpriehfta rechte:^' fprach die kunigin 

„ieh hana Ton dhainem man(ne) erworben, es was dein,- 
da halt michs aneh beraabet: das erparme got! 
wenn es die weit gefiraifehet, fo bift da der leate l^f, 

128 Tnd bift anch za einem k&nige jmmermer enwiebl^ 

fo man annder kunige prejfet^ fo hat man dich yernicht. 
Tnd gib(e) dirs mein trewc, daz du roirs haft benomen: 
darnmb ich an dein pette wit nymmermer(e) komen.^' Cßp^cJ 

129 Da ward dem kunige laide, die frawe quelet irn leib, 
er wefte [vil] wol ir t^belCe), vil zornig was das weib, 
in haim(e)lichem rate er do zu 8abene(n) fprach: 

„na mues es got erparmen^ daz ich das kind je gefachl*^ 

130 Mit zome fprach do Sabene: „Berehtung Ton Meran 
der hat an dem kinde vnd an dir Vbel getan, 

daz er dirs hat ermordet vnd im genomen [hat] das leben, 
vnd pift du recht(e) f jnnig, du folt nymmer ims vergeben/^ 

131 „Awe!^' fprach der Krieche „warumb redeUb du das? 
. nu erpat ich ins kaume: wurde ich Jm nu gehafs^ 

das wir ein grofs vntrewe, vnd pracbtefl dus dartza, 
ich hans lutzel ere, was ich im darumb gethue/^ 

132 ,tJa ich wil dich berichten,^^ fprach der vngetrewe Sahen 
„er mocht wol ew(e)r baider damit gefchonet haben 3 
er folts wol han gefriftet doch einen halben tag: 

zu folhen vutrewen njeman wol gefprechen mag. 

133 Ich gib dirs mein(e) trewe, Berehtung ift dir gram; 
wie fere er fich des werte, er tette aber [ainem] allfam. 
er ift als vngetrewe, herre Huge-Diettrich, 

daz er geruwet nymmer, im werde dann dein kunigreich/^ 

134 Da fprach der kunig mit zorne: „gib mir deinen rat, 
feit er die vntrewe an meinem kinde ertzaiget hat 
vndir nochmerzulhun(e)gert, wie ich mich gerochen muge, 
daz ich in alfo verderbe, daz er icht mer entuge/' — 



Vierte Abenteqre. gQ 

135 „Das wil ich dir raten: fände ainen poten dar, 
bit in durch deinen willen, das er ze hofe fätf 
empeut im, da welleft machen ritter, daz iit mein rat, 
fo beginnet er mit im fueren die turlften die er hat^^ 

136 Der böte ze Berchlunge anf Lilienporte ward gefant. 
Berchtung der gelobte die hofefart alzehant, 

er fprach: „wir füllen fchawen meines herren hochzeit; 
woldan, mit mir junckher(re)n ! ob ir gerne ritter feit.^^ 

137 Von manigerhande varbe gab er, rot, geel vnd pla, 
hundert fchwert degene die wolt er machen da. 

ze hofe er der getrewe vnd auch der milte hiefs, 
davon, dafs er fich njeman da vberfchallen liefs. 

138 Da gedacht im der weyfe: „es mag fo nicht gefein, 

ob mich beginnet fragen mein herre Tmb fein kindelein, 
fo m&s ich hayfscn fchreiben, wavon es £ey genefen: 
ob er icht deft holder feinem kinde welle wefen/^ 

139 Da gewann er einen getrewen, der im das alles fchraib, 

von welicher hannde fache dem kinde das leben belaib? 

¥on erft vnlz zu dem letften, alles bededtticlich, 

vnd daz er ward gehayfsen der Wolff-herr-Dicttereich. 

(CCVIir, i, a) 

140 Da kam ze hofe der furfte vnd ward emphangen wol, 
als noch ein piderbe dicke von einem k&nige fol, 

er kam fo werdicleich(e), daz er fchone ward vernomeu. 
der fcunig fprach ze Saben(e): ^jBerchtung der ift komen. 

141 Nu folt du mir aber raten, wavon das gefchehe, 

daz wir in fo betriegen, daz man (in) geuangen fehe/' 
„Berchtung hat von leuten ze hofe grofscn fchal: 
d(e)hainer fchlaehte waffen la du in tragen in den fal. 

142 Berchtung. ift fo kreftig, vnd fetzt er fich zu wer, 

ee dann man in gefahe, er leftert[dich vndj al[les]dein beer. 

vnd wil dir raten mere: wenn er ze tifche geet, 

daz er fich nidergefetzet vnd dein druchfafs vor im ftet, 

143 So folt du dife mare fagen der kunigin, 

daz fy vber Berchtung[e].fchre7e, er hab ertot dein kindelein. 

ir folt bede waffen! fchrejen dreyftund, 

ir folts mit gefchray(e) t&n den leuten allen kundt. 



90 Wolfdietrich. 

144 So foli an deiner hennde den fal alvmbe gan, 
vor Berchtanges tifche hebt das dritte r&effen an 
,,waffen ! ^ber B6rchtunge(n), hat ermordt das kindelein !'' 
feehtsigk man in halspergen hejfs dringen naeh dir ein/^ 

145 In den palas weiten Tatst man die tayel prait, 
weyfse tifchlachen fpa(e)h6 wurden darauf gelait. 
do hiefs man Berchtungen den ffirften von Heran, 
vnd auch die herren alle in den pallas efsen gan. 

146 Da (tunden cammerere, der maniger vmbe flug, 

vnd werten, daz man den helden irefeh wert nicht nach tr&g. 

als(o) yeg(e)licher gefafs an rein(e) Hat, 

der kunig mit valfchem m&te Berchtungen fitzen pat. 

147 Er Iprach: ^^Berchtung, fitze, edel fiirlle, vnd peite mein, 
fo wil ich zu dir fetzen dein fraw, die kunigein/^ 
Berchtung ims wol danckte. der kunig der gie zehannt 
in ein kemmenaten, da er die kuniginne vant 

148 Er fprach: ,,ir folt euch rechen, vil edle kunigin, 

ich wil dich auf den weyfen, der ermordet hat dein kiudelin/^ 
mit jamer fprach die frawe: ,ga, herre, wer ift dasf 
zwar, dem fol wir baide mit willen tragen hafs. 

149 Magrt du mich an die warhait bringen, der mir hat das 

laid getan ?^^ 
[er fprach:] „ich wil euch in nennen: es ift Berchtung 

von Meran. 
den fol wir heute vahen vnd beuemen darumb den leib/^ 
„du tfauft im vil vnrechte/^ fprach das tugenthafite weih. 

150 „Sj haben deiner eren wenig danne gedacht, 

die dich mit lugemaren haben auf den furAen bracht; 
du volgeft alles Sabene(n), der wirt euch [beiden] nymmer 
Berchtungen den getrewen du nichts zeihen folt [holt: 

151 Waift du, was dir der furJRe Berchtung von Meran 
eren vnd(e) gutes vnd [vil] liebes hat getan. (Sp. b) 
ob er nicht mer(e) het getan, wann daz er mich dir gab, 
du fols im ymmer dancken yntz in dein felb(e)s grab. 

152 In mein kemmenaten het in fein sucht gewenndt; 
Botelunge meinem brueder ward ich von im entfpent, 
da erwarb er mich im felben [fich], vnd gab mich dir do: 
wilt du defs nicht gedencken, wie tuft du dann (al)fo? 



Vierte Abenteore. 9t 

153 Wenn du deft Berchtungeu nicht genie&en laft, 

daz du lanndt vnd bürge vnd dein ere von im haft, 
wenn dir Berchtung allaine mit trewen (nie) abe gat, 
fo wifle, daz all dein ere gar ein ende hat/' 

154 Da fprach der kunig mit zorne; ,,er giltet difen mort, 
Wie wol du habft gefprochen heut difen tag fein wort, 
du müft doch f her in fchrejen, er nam dir dein kindelein.^^ 
„nain icb, auf mein trewe!^^ alfo fprach die kunigein 

165 „Ja wil ich im nicht raten an fein ere, noch [an fein] leben, 
pift an dem kinde fchuldig, das wil ich dir rergeben, 
durch daz es Berchtunge an fein ere [n]icht engee: 
ich wil an deinem pet(t)e darumbe Hafen, als ee.^^ 

156 Da fprach der kunig reiche: „des maglt du mir nicht verfagen, 
ich bort dich fo jammerlichen dein liebes kindelein klagen, 
wilttt nicht ?ber in [hie] fchreyen, ich nymme dir dein leib/^ 
„ich r&eff ee funffftund waffen!'' fprach das fch&ne weih. 

157 Da fprach der kunig zu derfrawen: ^^nubereiteteuchdartzu/^ 
„nu fol das got wol wifsen, daz ichs yil vngern[e] th&/' 
do verwarf (fi) ir gepende vnd zerfurt auch ir bar, 
von clagelicher fwäre ward fj vbel gefar. 

158 Der kunig fchray do vil laute, vnd mit im die kbnigin, 
da fy in des fales porte mit alle drungen ynn: 
„Waffen! vber Berchtungen, der hat ermort vnnfer kindt; 
dasklagen wir got von himele vnd allen den die hynnen fint^^ 

159 Das dritte rdeffen laute vor Berchtunge[n] gefchach; 
die mit den halspergen nach dem kunige man dringen fach ^ 
da fafs ir jeglicher vnd fach den anndern an : 

der kunig hiefs Berchtung[en] vahen vnd alle feine man. 

160 Da man Berchtungen in feinen zbchten vie, 
zebannde fprach der gute: „nu bin ich vbele hie. 

ich wan[n]d(e),daz mir;dien(e)rt vnd trewefolte frommen: 
nu mag mir hie d(e)weders zu dhainen Aaten komen. 

161 Ich mfls durch trew(e) leiden, was zu leiden mir gefchicht: 
wie man die an mir brichet, fo emprich ich ir doch nicht 
nu wknent alle leAte, ich hab den herren mein erfchlagen: 
wiffet ich von im ieht gutes, des wolte ich euch doch 

nicht fagen.^^ 



93 Wolfdietrich. 

162 Berchfangen den getreweo man ina{n[en] kdreher ftief«, 
der feinen ledte dhainen man vngefangen liefs, ^iS^* c) 
allererft hat Berchtung forge durch den [vil lieben] har- 
ren fein. — . 
nid lebt noch auf Garte die arme kunigein. 



V. 

Abenthenr/ Wie Berchtnng gefangen far 
gericht kam« 

163 Berchtung do gefangen mit feinen beiden lag. 
die raine kuniginne ir aller fcbone phlag, 

an des kdniges willen betten fy alles des genug, 
des man auf ir tanele eflen oder trincken trug. 

164 Sunft lagen fj gefangen vier monat oder me. 
Bercb(ungc[n] that der knmber durch fein trew(e) wee. 
der kunig hiefs gepieten durch alle feinde) landt, 

daz fy ze hofe ka(e)men, den[n] gerichte war erkant, 

165 Hin ze Chunftenopel für die bürg auf den plan, 

da wolt er hayfsen richten vber Berchtung von Heran, 
er gepot den herren allen, daz fj ka(e)men gar, 
(den)nocb kain gewaffen pr^chteu mit in dar. 

166 Den k&nig muftens furchten, wann er in gewaltig was; 
in fejdener wa(e)te erpaiftens auf das gras. 

da fdert auch njemand ringe, wann der kAene Baltram, 
Berchtunges f wager: dem was der kunig gram. 

167 Der was auch da verholne, daz in da niemand fach; 
ze liebe vnd ze hilffe es Berchtunge[n] gefchach. 
der kunig erparmiklichen im do richten pat. 

den vngetrewen Saben(e) fatzte der kunig an fein Aat 

168 Der fafs auf feinem ftucle, die crone er im verlecb, 
feines kunigreiches er fich durch Berchtung[en] verzech« 
der [vil] vngetrewe Saben(e) winckte mit der handt dar, 
er ra wnet dem kunige in(s) [fein] ore : „nu nim vil rechte war: 



Ffinfte Abentenre. 93 

169 LaA du im Torfprechen, roinagBerchfaDg[TiI]wolgenereD, 
er hat im relb(e) fchiere die pefteu aus gelefen/^ 

der kunig do die feiDen pat rnd auch gepof, 

daz njemand mit Worten hulflfe Bercbtungen aus der not. 

170 Dafafsensandemgerichte, die man welete [do] zu der ehur. 
Sahen gepot dem k&nige, daz er Bercbtungen hrdchte für, 
mit rfieflfen rnd mit gerchrej(e), als- er ee het getan, 
ynd daz er die kuniginne auch hiefse mit im gan, 

171 Der kunig fich enfaumbte nicht, auf fein hurg er do getrat, 
die häeter[e] auf Chiinftenobel er yleifsiklichen paf^ 
daz ty ze liechte pra(e)chten^ den gefangenen man, 
▼nd in gepunden pra(e)chten für fein gerichte dan. 

172 Da fprach zu dem kunige die edle kunigin: 
„nu lafs in noch geniefsen der guten trei' e fein. 

er hat dir wol gedienet; des folt du in geniefsen lan! 
la mich Berchtungen gefprechen, ich wil aine zu im dar 

gan." CCCVIII, 2,aJ 

173 Da fprach der kunig mit zorne: ,,fraw, ich gan euchs woL^ 
da gieng die kuniginne zu im vber das hol, 

da bracht man Berchtungen aus der vinfter an das liecht, 
diefraw(e)gruflretinfchone: da antwurt er ir aber [da] nicht. 

174 „Wilt du mir nicht danckenl'^ alfo fprach die kunigin. 
„wes mocht mich geluften? vi! liebe frawe mein, 

het ich die weit verfencket, ich were genug befchrait: 
na fich ich wol, fk'awe, daz ir vngetrewe fejt,^.^ — 

175 „Ja folt du mirs nicht verweyfen, jatetichs anedanck; 
dir ift laider nicht gewifsen, daz michs dein herre betzwang, 
was ich hab begangen, das folt du mir vergeben: 

▼nd fage mir die märe, ob das kind habe fein leben." 

176 Er keret [er] fich hinvmbe vnd enpot ir klainen grus. 
£y fprach: „hafl; du fein ere^ ich falle dir an de[ine]n fufs." 
da wolt(e) zu der erde die frawe lein gefigen: 
lachende fprach der alte: „ich lafs euch da nicht ligen. 

177 Secht, was ir mir darumbe zu einer miete gebet: 

. Ich gib tiuchs mein(e) trewe, daz ewr kindel noch lebet." 
Ij hallTet Tnd(e) kfilTet in (mer) danne taufend nund[e], 
fy tprtkch: ,,auf dein(e) tre we, vnd ift er aber noch gefund[e]?" 



94 Wslfüelridi. 



nS^IrdagcCtknaMderfwere, ir Mt dM kiad aMt 

fraw, idi liefii es Umhiig^ ir Mis lAer ajcaiMi f^ai. 

a neiBcr T&ociuidirs(e} ich MI faBÜer flieff, 

ias idb a l^catie wifiwt m Mael ba difea bricf. 

17t Des Mt ir Bur bdiattcih ieb Mle Oethem oder gcMfcB, 
▼si weB idi CBck ewrer trewe enBaae, £» iiajlset in kfen.^ 
der kfauff riMei tU laste: ^fl er sock aicbt aas der 

, die beude mm im vaOCe) hiader feiMS m^kcn fudt 

18* Brfpraeii:^liiunBidipiBdeB, aiseiBeaTberfagtesdiebl 
wie vbel bsb nieh haodelt, das ilt BieflBeM lienrcB lieb. 
BS eotgttC ieii aanders Bielit(es) warn der treweB Biein: 
was ich begie je vbel(e)8, das was m dem dieBfle leiB.^^ 

181 Kan Arte für geridit(e) deB farAeB tob Meraa, 

da BiBft er ror Sabea(eD) Bit gepoBdeB hsBadeB Asb. 

ij Ubrjtmj als fy Tor tatefl, TBh ir kiBdeleiB: 

▼Bd was Tor het gewaiael, das lachet darnach die Inaiigein. 

182 Die CraweB hielli aiaa fitsea, da Bdft der hiiB% dagcB 
Tber deB getrewea, er het im feiB kiBd erllageB. 

da fprach der ragetrewe des hdaiges Tormimd: (^. h.) 
f^BOgeBft oder gichflo, BerchtoDg, das Ihn odbs bb ksBdtw^ 

183 Mit witzen fprach der alle! „awe! gefeile Sabea, 

ir fett xe khaige worden, ir folt meiB genade habea. 
des Bich mein berre seihet, da bis ich ynfchuldig an: 
ich getar gereden (n)icht8 mer(e), nn gebt mir einea man, 

184 Dar mit feiaen wortea hent[e] fej mein fride fehilt.^^ 
da fprach aber Sabeae: „(b aym[me,] wea da an wilt" 
▼il wee tet feiaem hertzea, das die heande betten pMini; 
da fnechet er vaader ia allen: d(e)hainen maa er Tant, 

185 Der fein wort torri(e)gefprechen, njemanderpracbt(e)dar, 
fy fprachen hajm(e)lichen: „es ift vns Terpoten gar." 
da Afind er vor gerichte, als ein [vil] eilender man, 

er fprach: „wiewol ich felb(e) mein worl gefprediea kao, 

186 So wil ez ayemaad boren : waffea, yber die firenade meial 
das fj mich alters ain(e) ia difen no(e)ten lalsen fein/^ 
da kam auch zu der fprache her Ballram geraBl, 

im Tolgtea häadert ritter, die fftertea alle Itahlia gewant 



Fünfte ^bentenre. 95 

187 Mit hundert halspergen erpajfsl; er anf das gras, 

der kunig fach im vil laide, daz er alfo [wol] da was. 
fein balsperg im ror zorne an feinem leibe erklang, 
durch die rote für gerichte er zu Berehtunge[n] trang^ 

188 [Er (]praeh:] „bift du verurtailet jetzo, Berchtung von 

Heran?" — 
9>nain, ich ftan hie gepnnden, alz ein hilflofer man." 
er fprach : „bift du gepunden, vnd halt mir das rerholen, 
geleich einem diebe: wo iHt, das du haft verftolen]" 

1^ Da fprach der tH gefrewe: „fy fagent auf mich mort; 
des entredet ich mich vil gerne^ nyemand fprechen wil 

mein wort." — 
^awe!^^ fprach der khene ,,wartzu fol [vorzeiten] für- 

ften lant!'' 
Baltram fchnaid mit zorne Berchtungen ab die paat. 

190 Da rdeffet von Bulgerie der kuene Baltram: 

,Ja haben des edle furften ymmer lafter vnde fcham, 
daz £y verderben lafsen einen furften gut. — 
[Er fprach] vnd thut man ims heute, das man euchs 

morgen thut." 

191 Das im jemant helffen wolte, des wurdens alle fro, 

tj geftunden alle geleiche Baltrame[n] do. [fagen, 

er fprach: „wers gerne tefte^ man mocht wol auf mich 
daz ich alle kunige vnd kaifer het erflagen." 

192 Da fprach vil zomicliche der kuene Baltram: 
„was aber ich kdniges gerichte je vernam, 

fo daucht mich zwar kain teding als(o) vngerecht: 
herr kdnig, des folt euch hengen^ weder ritter, noch 

der knecht, 

193 Daz ir Saben(en) volgct, einem vngetrewen m|in, (Sp, c) 
der bey Botelunge fdrftenampt nje gewnn, 

ja ward er tvi (den) Hünen nie grauen genos, 

daz ir in hie vber vnns ziehet, das iffc ein lafter gros. 

194 Zwar, ir muefset ho(e)ren meines fwagers wort. 

( 

das muef8(t) ir auf in ertzeugen, oder gen in bebaben: 
nu befteet er ew(e)r atnen, ir fejt es^ oder Sahen. 



96 Wolfdietrich» . 

195 Mit fchwerfe vnd auch mit fchilde wil er fich des mor« 

fes weren: 
wer in des heute zeihet, anf des hals wil er das pern, 
daz er des nie gedachte: oder er wirt fchuldig gar/^ 
die reichen zu den armen fprachen: ,,er hat war/^ 

196 Der k&nig fprach haymlicttlen : ,,wiUu vechten mit im, 

Sahen?" — 
,,nain, her[re], das kind ift ew(e)r, ir folt das mort auf 

in behahen/^ 
da fprach derkunig mit zorne: ^,nu find die ra(e)teen wicht: 
das kind hjefs ich iutudten, ich vicht mit imdarumbenicht/^ 

197 Da fprach aber Sahen(e) : ,,fo folt ir in der rede begehen, 
wir kunnen mit kainem rechte dem manne benemen 

das leben, 
du fprichft, du welleft in lafsen gar ynfchuldig fein, 
ob er halt het ermordet das klaine kindelein.^^ 

198 Da fprach der kunig mit witzen: „Berchtung, mir Ift 

vil laidy 
daz ich dir han geholffen in dife arbait. 
ich wais nicht, haft du fchulde, ich wil dich ledig 

lafsen fein: 
was ich nu darumbe täte^ fo wer doch verlorn das 

kindelein. 

199 Berchtung ruefiet vil laute: „nu fej des got gelobt, 
herr k&nig, daz irs gedencket, vnd nicht ymmer tobt, 
vnverdientes lafter tut den getrewen wee. [ftee." 
ftraw kunigin[e], nu hayfset fehen, was an ewrem briete 

200 Da fuechet in die in dem ftauchcn, da fy den brief vant, 
einem capplan gab fjr in yor ir in die handt. 

als er den brief fchawte vnd vor ir auf gebrach, 

der frawen gab er in wider (e), do er die fchr]fi1[e] erfach. 

201 Die frawe fprach mit zorne: „ir feit ein muelich man, 
habt ir den brief gefchawet, faget vnns, was ftet 

daran?" -— 
„fo wunderliche. ra(e)te [die] daran ,mein äuge ficht, 
' tut mir, was ir wellet, frawe. Ich lefe ewch des brie- 

fe(s) nicht." 



Fünfte Abenteare. 97 

202 Was pfaffen fy in do zaiget, die teften alle fam, 

vnd wurden in irem hertzen dem kftnige därumbegram; 
fy forften vor dem kftnige des briefes nicht gelefen, 
fy gedachten: „er ift zornig, vnd lat vnns nicht genefen/^ 

203 Einem caplane gab die fraw den brief dar, 

fy fpraeb : „nn nemet des briefea durch meinen willen war/^ 

fy fprach: „ir folt mir fitzen hier vil nahen bey, 

herr pfaffe, nu fagt mir rechte, was daran gefchriben fey. 

204 Vnd Tagt ir mir nicht rechte, was an dem briefe ftee, 
ich nymb euch ew(e)r pfarre vnd thfl euch dartz&[vilj wee; 
vnd folt in Tagen fo laute, daz man in wol vernem: 
hab yemand mifferaten, daz er fich hewte fchem/^ 

205 Da fprach der pfaffe laute: „an difem brief[e] ftat ge- 

fchriben, 
daz vnnfer jungkherre noch lemhtig ift gebliben; 
es genafs aber nie fo kaume ein klaines kindelein/^ — 
„das find ril gute marel^^ fprach aber die kunigein. 

206 „Fraw, es ift von dem kunige vnnfer m herrn komen, 
das dem kleinen kinde der leib folt fein benomen, 
der gepot es Berchtunge, daz er ym beneme den leib, 
oder er hienge Tor Lilienporte fein kind vnd auch 

fein weyb. 

207 Mein herre ans feinem pet(t)e das kindelein verftal 
▼nd gab es Berchtnnge, der tr&g es durch den fal, 

da fdert ers aus der bürge: da es ertot(en) folt piaben] 

fein handt: 

da (ett)mocht er vor der trewe, die er in fei[ne]m her- 
tzen vant. 

208 Er fuert es zu einem prunnen, der ftund rofen vol, 

er wolt daz es fich het ertrencket: daz bewarte es aber 

[vil] wol; 
het es gefuchet die rofen, es wer geuallen darein: 
da hbb fich von dem prunnen das klaine kindelein, 

209 Vngas vnd mgetruncken fafs es allain einen tag, 

in regen vnd in winte, daz fein [layder] nyemand phlag; 
an allerfchlachte hilffe fafs ez als ein wayfelein/^ — 
,,des mues es got ergetsen!^^ fprach die kunigein, 

1 



g^ Wolfdktriclu 

210 ,)Da fafs es vonder wolffen, fraw, ein lange nacht; 
wolt got kaine« todes do an hn han gedacht, 

fo wer« do erAorben: die wolffe leiten ime nicht: 
wie kaonie es fich gefuege, es hat noch an ftreiden 

phlicbt 

211 Berehtnng ftund fo nahen, daz er die wunder fach, 
daz alfo nienig[e] zaichen an dem kinde gefchaeh, 
da hfii)^ er ron der erde das klaine kindelein, 

vnd kttft auch vil dicke den lieben herren fein. 

212 Er fprach: ^^wie mir gelinge, dir ift der leib emert; 
Ich wayfs wol, daz ditz zaichen von giiten dingen fert; 
du erftirbeft nymmer, du gewinnen k&nigreich/^ 
danon ward er gehaifsen der Wolf^berr-Diettereicb/* 

213 Da ward Tunder der kröne Sahen alfo hayfs ; . 

daz jm durch die ftierne vor forchte drang der fchwayfs. 
er wir(e) michels gerne al(ander)s wa[r] gewefen. — 
„fraw, bej ewren hulden, der brief ift gar gelefen/^ 

214 Da fprach der knnig mit witzen ze BerGhtttng[e] von 

Meran: 
„ich vieng dich ze vnreehte, ich bin felbe fduildig 

daran^ 
ich hin felher fchuldig an ipeinem lieben (an: 
nu rieh[e] dich, wie du welieft^ mich hiefs es Sa- 
hen tun, 

216 Solt ich in difer weite leben tanfent jar, 

fo wolt ich mich an Saben(en) nicht lafsen vmb ein bar; 
er kumbt auch nymmer mere an die hulde mein.^^ — 
nu ift aber Berchtung erlo(e)ret aus der grofsen Torge fein. 

(ßP.b) 



Sechste Abeniamre. 99 



VI. 

Abenthenr. Wie Sabenn das lanndt rerfwfir 
durch fein grolTe rnntrew. 

216 Da fprach der kunig mit zorne: ,,nD rieh dich an dem man, 
▼nd lafs in des engelten des er mns hat getan. 

er het(e) drey tode auf deinen leib berait: 

es Wirt auch im von rechte, das er dir auf het gelait.^^ 

217 „Du folt dich an im rechen,'^ fprach die kunigin. 

,Ja grueb er dir die grueben, da m&efs er felber ynn, 
radebrechen, oder haben, oder prennen auf der h&rt, 
zu der marter alle wolt er dich hau gefbrt/^ 

218 Berchtung nam do Saben(en) vnd fuert in von dan; 
nun durch feii](e) fch6ne bewaint in manig man; 

do wejft er im den galgen, die bürde vnd auch das rad: 
er was als vngetrewe, daz nyemand für in pat. 

219 Da fprach Berchtung der guete: 9,wie nun, gefelle Sahen? 
nu m&eft du in die gmebe, die du mir haft gegraben^ 
darynn hat dich gevellet dein rngetrewer fit : 

du halt des nicht gedien(e)t, daz jemand vmb dich pit.^^ 

220 Da fprach der vngetrewes „ich enrnech, was mir gefchicht, 
wiltu dich erbarmen vbcr mein leben nicht; 

hitt- aber du getrewe, fo erparmeft leich((e) dich/ 
gefelle vnd(e) herre, erparme dich vber mich!^' 

221 ;,Wir fein von kindes jugcnde gefellen her gewefen: 
vnd gunnet es mir mein herre, ich liefs dich gern genefen.^^ 
alfo I^rach der [vil] getrewe Berchtung von Meran: 
„vnd wolte auch verkiefen, das du mir halt getan/' 

222 Da fprach aber Saben(e): „gefelle, wiltu mich neren, 
durch gefeUikliche trewe, lafs dir das lanndt verfweren, 
njmmer darjnn ze komen(e) die weyle vnd du lebelt, 
daz du durch dein trewe mir difen mort vergdieft. 

7» 



100 Wolfdietrieb. 

223 Vnd thAe es durch deine guete vnd erner mir meinen leib. 
hab(e) dir mein fbrlten ambt: la mich vnd auch meinweib 
von allem meinem erbe mit einem flabe gan/' 

,ga hat mir^^ fprach der guete ,,die frawe nicht getan/^ 

224 Da nam er feinen gefellen vnd fürt in bej der haot, 
da er den kunig fitzende vnd annder furften vant, 
er fpraeh cu dem kunige: „la meinen gefellen leben: 
ich han meinen zom lafsen, nu folt du im auch vergebeo.^^ 

225 Da fprach der kunig mit zorne: ,|ich enrfiech, was du 

im getAft: 
ich fag dir, daz du immer dich vor im hiSeten muefl, 
was du in nu lennger frifteft,^ das ift auf den fchaden 

dein." — 
,yer mus^ entrawn hangen.^^ fo fprach die kunigein. 

226 Da fprach Berchtnng mit zitcbten: ^, frawe, lat ewern 

zornj (SP'C) 

ich wils nu wider pringen, daz ir het von im verlorn: 
des lat mich geniefsen, edle kuniginne reich, 
vnd nert mir meinen gefellen, als lieb euch fej Wolff- 

herr-Diettreich/^ 

227 Da fprach die kuniginne: „wiltu, daz ich in ner, 
fo folt du im gepieten, daz er die laut verfwer 

vnd auch den hof mir rawme; jannders mag es nicht 

gefchehen: 
ich wil mit meinen äugen in njmmer angefehen..^' 

228 Du f]prach der kunig in zorüe: „er fol vcftfweren 

die lant 

( 

fein landt hab dir ze lehen vnd leute die darynne fint." 
„nain ich/^ fprach der getrewe „fein weib die trait ein. 

kindt. 

229 Ich wil mich vnderwinden der frawen die weji fy lebt,* 
vnd wil, daz ir des kindes erbe recht nyemand gebet; 
ich wil fy bejde ziehen; ftirbet [aber] das kindelein, 

fo tail ich mit der muter: das annder fej- auch mein.^^ 



Secbile Abentouro. 101 

230 Dez daneket im der yalfche, die lamid er do verfwur, 
vrlaub nam er zun f&rAen: zun Hflnen er do ihr. 

do dannektens alle gelciche Berchtunge von Heran, 
daz er an feinem gefellen het alfo wol getan, 

231 Berchtung lieh berichte, vnd für haym in fein lannd. 
feinen junckherr^ejn nam er, da er in yant, 

er claidte in liechter wa(e)te den lieben herren fein, 
neben im yil geleiche fein lechtzehene kindelein. 

232 Da kam er mit freuden wider auf den hof geriten, 
als do die fbrften phlagen, in fftrftenleichen Uten: 
aller f&rften fchallen was gegen im ein wint, 

da er zu Gunftenopele bracht die Abentzehen kind, 

233 Vil recht(e) frdlichen emphieng fy die kunigin, 

fj fprach: „nu fag an gate(r), wo ift mein kindelinl^^ 
da fprach der getrewe: „nu fecht, wo er dArt geet: 
der lenngift vnd der gro0iilt, der ynnder in allen fleet 

234 Die andern find dein dien(e)ft, vnd auch meine kind, 
die wol in newn jar(e)n vber in elter fint: 

fo wol hat er gewendet feine clainen jar, 

daz er fich mit in allen (yil) wol ranffen getar. 

235 Ich wil euch fagen, firawe, ein arm man (In) zoeb, 
den er vil hart(e) rauffte, daz er ze walde [vor im] Hoch; 
wenn er in icht erz&rnte, er dbg im einen flag, 
wann er in mocht erlangen, daz er yor im gelag. 

236 Sich yerparg auch yor im dicke des armen mamies weih, 
fy clagten auch mir bayde, fy behielten kaum den leib, 
dem teufel aus der helle wurden fj nie So gram: 

fy khften mich yor liebe, da ich in yon in [da] nam/^ 

237 Sein yater wolt in treuten, er was im lieb genfig: 
das kind in nicht erkande, den vater es yon im flug, 
ynd Aiefs in mit dem fuefsc ein yngefuegen ftofs. 

„ja kumbftu njmmermere^^ fprach der yater „auf mein 

fchlofs.** (CCVIIIi;^,a) 

238 Berchtung (do) gedachte an fein erfte hofefsrt, 

fein beide er do furbracht(e), mit den er gefangen ward* 
er fprach: „herr kunig, ergetzet dife gelte ir fchaden: 
fy wurden mit mir genangen, ich het fy auch her geladen. 



iO) Woirdietricli« 

239 Sj wollen hart(e) gerne hie rHter worden fein/^ ^ 
„ich wils irer fehaden ergetzen,^< [al]fo fpraeh die kunigein • 
was ritter haben folteii, des wurden ty beraif, 

fatel vnd(e) fchllde vnnd dreier hande klaidt. 

240 Die kaftelan jeglichem wurden gegeben ftarch, 
dartzu knechte claider, yegklichem yierlzigk mark, 
die hochzeit (da) werte wol fiinfftzehen tage: 

da vergas die kuniginne ir jammerlichen klage. 

241 An dem funfftzehendem morgen fpraeh die k&nigin[ne] reich: 
„wem wollen wir emphelhen der da hajfaet Wolff- 

Diettcreichl'' 
da fpracb der kunig mit witzen: ,,ir folt Berchtungen 

piten^ 
daz er den knaben ziehe: er hat [doch] vil not durch 

in erliten. 

242 Do er feiner trewen erfte an im uicht vergafs, 

defs fol wir im bede dancken: [wann] fein phliget auch 

n jemand has/^ 
im gab die kunigin(ne) den Junckherrn an die hanndt. 
da fpraeh der vil getrewe: ,,zweu fol er mironel^ndt? 

243 Was ir mir bevelh[e]t an im, das iffc nicht verloren/^ 
da fpraeh der kunig: „zware, Berchtung, ich bans 

verfworn; 
fein drittail gäbe ich im gerne, ich entar vor dem ai- 

de[n] mein: 
daz ichs verfwur [ar|fo fere, das macht die m&ter fein. 

244 Die fpraeh, er folt erfechten ein kunigin vnd ein lanndt. 
„zwe w folt im dan[ne]das meinel^^ alfo fpraeh ich[fo]zehant>^ 
die frawe fpraeh mit zorne: „folt er mir annders leben, 
er njmbt(s) im villeicht felber, wellen wir im(z) nicht 

geben." 

245 Da fpraeh der kdnig mit witzen: ,,was er behaben kan, 
des folt du dich vnnder winden, Berchtung von Meran: 
kumbt er ze feinen jaren, ift, daz er ftreites gert, 

fo hau ich im behalten ein hamafch vnd ein gAt fwert. 



Sechs!« Abentenre. 103 

246 Da er ficb feiner veinde vil wol yana erwert; 
vnd ein rofs ^a in nyemand auch gahes auf erfert. 

vnd gebent im feine br&eder nicht, was im serecht wer- 
den fol, 

vnd iit er dann piderhe, er gewinnet feiti[et] tail in ab. 

vil wol. 

247 Dartzu foltn im helffen^ ich emphilhe In dir vmb das. 
bit in, das er beleihe mit feinen bruedern ane hafs. 
bit fy, daz fy im auch gerne geben fein dritten tail, 
[oder] fy werden im [viljleicht alle, Tnd fol er haben haiL 

248 Ich bevilhe dir nach [meinem] tode alles das ich han, 
fdrfle vil getrewer, das fej dir vndertan, 

das das rechte taileH; vnnder meine kindelein) 

vnd bevilhe dir dein Arawen auch auf die trewe dein/^ 

249 Do fprachBerchtung mit Witzen: ;,fo gib ich im die kind, 
die mein vnd meines weibes . von got^s genaden flndt. 

(SP. bj 
vil lieber junckherre, die fein euch vndertan^ 
dartzu dien ich euch felber, vnd wachfet ir ze man.'^ 

250 Berchtung pat vrlaubes, des geweret man in do. 

da f&r er mit feinen kinden ze lannde, vnd was vil f^o, 
daz er behalten hette das leben dem knnige reich. — 
nn tft aber aus einer forge[n] der Wolff-her-Dtettreich. 



VII. 

Abenthenr. Wie Hnge Diettrich ftarb^ 
vnd Saben hulde gewan, 

251 Berchtung nam mit f rewen das liebe kindelein 
vnd bevalch es auf die feie der lieben frawen fein, 
er fprach: „derfelben trewen du ymmer geniefsen muft, 
daz du vnfern erbherren als deinem kinde thjUt.^^ 



404 WoUdietriGb. 

252 Da was auch Berohtupge liart(e) wpl daniUi . 
er lachte yan(e) dick(e) feines herr(e)n fit, 

daz er in. der hurge. njemand nicht vertriig, 

daz er fo manigen Härchen rauffet vnd auch fluch. 

253 Auch ward er in der bur^e fo friael md anch mbelich, 
daz £y alle waffenl fchrjen fber den Wolf Diettrich. 
wenn in herr Berchtung wolte vmb fein vngefuege Onhesi 
fo muften in ymmer rechte (knechte 1) pinden vnde yahen. 

254 Als fj in auch gepnnden, fo flug er in ze fh>niniM; 
des mnft er der vngefdcge deft fehlerer abekomea, 
er flug in hart(e) dicke; die flege im teten wee: 
was er im auch yerlobte, das tet er njmmermee^ 

255 Sufl; nahet es dem tode, als er noch [vil] dicke thnt, 
daz fj alle muefsen fterhen, fy fejn vbel oder gAl, 
arme pettlere vnd edle k&nige reich: 

[al]fo lag auch an fei[ne]m ende Huge Diettereich. 

156 Da bevalch er Berchtunge bürg vnd(e) lant, 

feine fikne all drej(e), vnd die frawen, bei der handt 

da I^rach gezogenlichen Berchtnng[e] von Heran: 

,,wer mir nicht envolget, vmb den nym ich mich nicht an." 
»► ■ ■ ■ 

257 Suft ward der kunig vil fchiere verklagt vnd anch ver« 

fwigen. 
des mun(e) vil der lannde nach im verwueftet ligen, 
do der troft des landes verfchied vnd auch erftarb: 
der vngetrewe Saben(e) vmb feiner frawen hulde warb. 

258 Da ward dem lannde Jammer vnd mort al[le]rerft ge- 

frum[me]i. — 
awe, daz man die frawen fo leichte irberkum[me]t! — 
fy fraget Berchtunge(n), ob er hulde folte haben, 
es warb vmb ir hulde der vngetrewe Sahen. 

259 Da fprach Berchtung mit zorne; „wolt ir im nu ver- 

geben? 
vnde wolt in (frawe,) vor nicht laCsen leben: 
[frawe] vnd gewinnet er hulde, er verderb[ejt euch vnd 

ewr kind, 
er verderbet mich vnd alle, die euch (holt) mit trewen Ant.^^ 



Siebente Abouteore. 109 

260 Da fprach die kaniginne: ,,rol ich dayoii evr gefr^eu? 

die hochften in dem lande haben mich Tmb in gebeten, 
dazicb im gebe holde: was dich na d&ncke(l)g&t?^^— 
,)e8 gerewet euch allererAe, frawe, ob ir es tut.^^ -*- 

261 ^^Sejl daz da mirs verpeätefl, fo wil auch icha nicht tun.'^ 
„rnt tut ira darüber, er verderbet euch vnd ewroi fun.^^ 
daz {j ims verlobte^ ynd im doch hulde ^ab, 

des mufl(e) fj verlieren den rechten laite ftab« 

262 Als der vngetrewe ir hulde do gewan, 

da begande er raten auf Berchtnng von Heran, 
vnd begnade auch raten auf die edl kunigin, , 
wie er die verftiefse vnd ir vil liebes kindelin. 



Da fprach der vil getrewe: „nu [fo] fj im hulde 

hat gegeben, 
nu ratet er auf mich fere, daz es mir geet an [mein] 

leben, 
nu fol man njmmermere gelauben an ein weih: 
o Waffen vber mich felben! warumb nam ich im nicht 

feinen leib? 

264 Wer die argen diebe vnd vngetrewen [leut] fpart, 

die verkeren fich vil feiten: das folt ich wol han bewart ; 
wartzA wolt ich den [le] neren, der mir vngetreire was? 
nu m&si es got erparmen, daz er vor mir genafsl'^ 

265 Da verftiefs man Berchtunge(n) von dem rate [fo] zehant; 
der frawen tnd der kinde Ach Sahen vnderwant, 

er trug an mit den herren bayde, tag vnd nacht: 
da ers hinbringen wolte, da het ers fehlere bracht. 

266 Zu den junckher(re)n l^rach er da alle zeit: 
,,ir folt vil rechte wiffen, herre, wer ir feit; 

von ew(e)r muter valfche ift der dritte kunig en wicht: 
den fy euch da zelet zebrueder, der ift ewer brueder nicht. 

267 Sy trachtet auf ewr eere beyde, nacht vnd tag, 

vnd ift ftäte an dem rate, wie iy euch verderben mag: 
verflofset fjr von der bärge, fj ifl auf ewr[e]a fchaden hie 
vnd nembt ir al[le8] das erbe, daz ir ewr vater lie. 



106 Wolfdietridi. ' 

268 Davon Ir in den lattndan die lenle hafsig flnh 

den fj euch da gibt se br&eder, der ift ein keb(e)skind, 

damit ward zerftdret ewrs lieben vater ee: 

göt gebe, dai ir gefehaffet, dai es ir f bei gee!^^ 

269 Die junckherCreJn bede wan[n]den, er bette des war, 
des ward das weib verderbet von feinen Ingen gaa^ 
¥nd auch dem armen kinde verriet er fein kunigreieh: 
die k&nigin ward verftofsen vnd ir fun Wolf-Diettreich. 

270 Die jnnckher[re]n bede fprachen zu ir muter do: 
„wir fein eines dinges worden hart vn^o: 

fol der Wolf-Diettreich nicht vnnfer brheder feinl^ — 
,Ja er, anf mein trewe/^ fprach aber die kdnigein« 

271 „ Er iffc nicht vaterhalb, m&ter; meines vater kinf, 
das fagent vnns die leute, die des wol bewerfet flnf. 
wir mugen auch vnns [nicht], entrawen, vor dir nicht 

bewarn/' 
da fprach der elter brueder: „du folt von dem häufe fam! 

272 Was folt dir kuniges erbe? du bift nicht khnigin. 
das du bei grofsem gelte dem lieben vater mein 

vnp vnns fo haft verh&ret, das fol dir nicht [ze] from- 
men [komen]: (CCK,Ua) 
nu hebe dich zu dem manne, den du dir da haft genomen/^ 

273 Mit Jammer fprach dieA*awe(e): „nu fey es got geclagt! 
da^ du mich des folt zeihen; wer hat dir das gefagt? 
awe mir, ach, daz Sabene mein hulde je gewan! 
vnd daz ich nicht enuolgete Berchtunge von Meran.^^ 

274 ,^6ot erparme,^^ fprach der junge „daz vnnfer muter (fint) 
ift alfo recht vnraine, vnd daz wir je wurden ewrkind! 
habt ir im nicht geuolget, das wirt wol wider tan: 
hebt euch gen Lijienporteii vnd volget Berchtnng[en] 

von Meran/^ 

275 Mit Jammer fprach die frawe: „awe! fun, la mich [bejr 

dir] hie, 
vnd auch bei dem erbe, daz mir dein vater lie. [fchamen: 
het ich man bej fei[ne]m lebene, des wolt ich mich hart 
[wann]ichwil nach feinem tode, zwar(e), dhainen nemen/^ 



Siebente Abenteure. 107 

276 Da fpraeh der kdnig mit zoroe: ^tch Tag dir, wa« 

du thae, 
du bleibeft hie nicht leoDger, dann vntz morgen frue. 
dein reiche morgengabe ift meines brAedera Tnd mein: 
da wirdeft auf difer bürge nymmermer kunigein/^ — 

277 „Nu mAers es got erparmen, daz ich Sahen je geOsicb, 
daz ich von feinen fchulden han difen vngemach/^ 
wen ty gepiten wolte, das was gar yerlorn: 

die junckherren wolten nye gelafsen iren zorn. 

278 Man liefs ir vil kaume ir rofs rnd ir gewant; 

was fo man in der kammere des reichen fchatzes vant, 
des wolte man der frawen nicht gegen einer marche lan: 
fy mAft alfo arm reiten zu Berchtunge von Heran, 

279 Sy rait [vil] erparmiklichen vntz zu der porten ein, 

da Taget man Berchtunge[n]: „da kumbt die kunigein/^ 
da* fpraeh er: „fo leit im wage^ was wir der erbe haben: 
ich wän, ty hab verftofsen der vngetrewe Saben/^ 

'280 Yedoch er gegen der frawen mit feinen beiden gieng, 
vnd auch mit feinem weibe, die kuniginne er emphieng. 
da fpraeh er zu dem kinde: „nu wollan, herre mein, 
mit mir du folt emphahen die lieben mhter dein.^* 

281 Da fpraeh der jnnckherre: „nu ift doch mein mAter hie, 
fy kam in einem jare vor Lilienporlen nie/^ 

er wanet, es wer fein mAter des Berchtunges weih; 
von demfelben wane befchweret ward fein leib. 

282 Da fpraeh der vil getrewe: „zwar, fy ift dein mAter 

nicht, 
vnd dient dir doch vil gerne, wo dir fein not befchicht; 
alfo tun auch ich^ zware, wo dir fein wirdet not: 
der aber dein vater hayfsen folt von recht(e), der 

m todt." 

283 Suft ward da der rede ir baider vor Jammer gar ge- 

fwigen, 
die freude in ir hertzen die muf!(e) gar geligen, 
yedoch was im vil laide, wie er were ein kindelein, 
da lief er fttr die porte vnd emphieng die mAter fein. 



106 Wolfdietrich. 

384 Berehtung mit fcho(e)nen suchten (da) sn der frawen 

[do] fprach: 
. ^ywas wolt ir, kdnigiDDe, In mein arm[e8] obedach|^^ 
fy fprach: „wir mdefsen fdechen die fk'cAndt, als wir fy 

haben: T^. b) 

meine. (kint) hant 'mich Terrtofsen, vnd hat iu das ge« 

raten Saben/^ — 

285 ^»Des lone in got von himele, das er euch TerHofsen hat* 
er tut an euch taI rechte, feit ir Terfm&het meinen rat. 
wer getreuen freunden volget, des volgen wirt ril gut: 
wer fol fich an den lafsen, der nie gewan getrewen mut?^^ 

286 „Mir irt gerchehen vbele/' fprach do die kbuigin 
„gedencke an dein trewe vnd la mich bej dir fin, 
vnd lafs mich bej dir leiden, furft, was dir gefchicht.^^ 
„entraw(e)n/^ fprach der alte „ir bleibet bey mir nicht. 

287 Ew(e)r fune bede die habent mer dann ich; 
Sahen hat das reiche, des beftat nu lutzel mich. 

ir woltet mir nicht volgen, nu habt auch euch den fchaden :. 
der mich yehet ze veinde, den habt ir zehaufe geladen.^' 

288 Da fprach erparmiklichen die khniginne beer: 

„nu tbfi mir, was du wellelY, ich han et niemand mer/^ 
mit züchten fprach der alte: „ir folt got wiilekomen fein, 
nu feit in meinem lannde frai^ vnd kunigein/^ 

289 Mit züchten fprach der junge: „fraw, ir folt mir feyn 

wiilekomen 
zu meines vater häufe; was ich euch mag gefrumen 
vnd daz ich euch mag gedienen, das tun ich allezeit: 
ich dien euch den(e) gerner, daz ir mein muter feit/^ 

290 Die -fraw gefwaig vor Jammer, daz fy nie wort gefprach. 
da troftet fy der alte, vnd füertes an ir gemach. 

mit guter hanndlung(e) man do der frawen phlag: 
der junge erp(a)ite kaume, vntz es ward des morgens tag. 

291 Da betzwanng in auch der alte, daz im vorchte was 

bekannt, 
daz er im alle morgen mAefset raichen fein gewant. 
er tet es durch fein liebe, wo er fich an im vergafs, 
daz in in frombden landen dienft lUtet defter bas. 



S ichel ! AVeülMn«. IM 

292 Des Borgeas vor den Fel(f)e er efaee ndee IIAml 
md wartet in mit diendCe), als die caamenure Iftiid^ 
Tnts er alles dioges bu der kireben was berail: 
was er haben folde, das hei er angelail» 

293 Aas der kemmenate woll er vor im gan^ 

mit suehten f]praeh der junge: ,,herre, Ir folt (Ulle Itaii^ 
. ir milerset meines ^ienftes ymmermer wefen Arej, 
ir(a) Tagt mir, wer ieh felber Tnd mein gefchliehte fey/^ 

294 Lacbenl fprach der alte: ,,nn bift das doch mein kind, 
da bift mir zwar(e) lieber, dann deine brueder tüV^ -* 
,,rcbweiget/< fprach der junge ,,der fchimph ifl g«r 

enwicht: 
rejrl ir mein vater he&tel nid wart fein gefler nicht. 

295 Ich wil euch fragen, herre, ir folt mich berichten gar: 
in welchem lannde ich rechte nach meinem vater fbr, 
oder wo ich in todten nnde; der rajrfe ift mirvil gaoht 
bin ich von edlem kunne, ich wil auch tftn darnach/^ 

296 Da wenet des der alte, [wann] er des todes wir gewerti 
er trfige ynder rechlTen des edlen furften fwert, (^^ c) 
er fprach: „nu frage die frawen, die gefter herein do raif^ 
die kennet wol dein gefchlechte, rnd faget dir die 

warhait/' 

297 Von im begunde er flreicben, nichts nit er in do pat; 
fich freute des der alte, daz der junge von im trat} 
aus der kemmenaten er von feinem maifter gie^ 
jedoch fprach er mit Yorchten : „das fch wert das laAet hie*'^ 

298 „Entraw(e)n,^^ fprach der junge „das wil ich euch 

widerbgen, 
wam[e]t euch ein[e]s andern Cehwertes, ditz wO leb fei* 

ber tragen«^ 
er trdg vil zornfkliehen das fehwert in feiner bandt, 
hin gie er in das mdnOer, da er fein miieter rant, 

299 Er fprach: „nn faget mfr, frawe^ rnd bayfbel Ir ein 

kiwlgefai? 
wÜTel ir, ob ir erkemet den lieben rater meinl 
fejt aber ir mein mfiter, rnd bin ieb ewer kint, 
ir feit rnieh dabin wejrfen^ Ja meine freande flal.'^ 



110 WolfdieUich. 

300 „Ir vart fo zorniklichen/^ Tprach die frawe g&t 
„vnd bin doch des gelaubig, das ir mir nicht entut 
ich kan dir nicht bewejfen nu mer der freunde dein, 
wann, ich bin dein muter, Tnd da mein kindelein.^^ — 

301 „Hag aber ein kindt von mAter, on(e) vater komen?^^ 
„entraw(e)n,^^ fprach die fraw(e) ,.da8 hab ich nidit ver- 

nomeu : 
von Tater ynd von muter wirt wol ein kindt gepom. 
den vater, den aber du hattelY, den haftu laider verloren/^ 

302 ,,So Taget mir, wo der fturbe, oder wo der fej ge- 

wefen: 
vnd Taget ir mir vnrechte, ich lafs euch nicht genefen/^ 
fjr fprach, „vil lieber herre, ir folt mir nicht entun: 
vier ennden feyt ir eines k&niges fuo. 

303 Dein vater vnd dein mäter was knnig vnd kunigein; 
- du fblt auch von rechte gewaltiger kunig feyn: 

dein vater was ze Kriechen ein gewaltiger knnig reich, 
der fafs auf Chunftenobele vnd hiefs Hugediettereich*^^ 

304 Sy fprach: „ir feit geleret, nu nemet den brief in 

die handt>^ 
fein leben vnd fein flerben er daran gefchrieben vant, 
wie Berchtung in ernerte, an dem brief er da las, 
wanon er was verraten, vnd wauon er genas. 

305 Da naiget er feiner muter das haubat in die fchos, 
da ward ir baider wainen vnd auch ir Jammer gros, 
er halfefs vnd(e) kufsets, ir klaider wurden nafs: 
durch feines mailters liebe des fwertes er vergafs. 

306 Der muter er die tavele in den pufm widerumb fliefs. 
da fuechet er ßerchtungen, das fwert er ligen liefs, 
da pot er feinem maifter vil fenlichen grus, 

er kuflet im an die hennde vnd naigt im auf den fufs. 

307 „6ot muefs(e) dir vergelten, fnrft(e) von Meran, 
maifter vnd(e) herre, das du mir haft getan. 

ich han von deinen gnaden meine ere vnd anch mein 

leben: 
ich wil mieh^ lieber maifter« in dein genad(e) geben. 



Acbte Abentenfe. 11t 

308 Ich hau vil recht erfraget, von waon ieh bia bekomoi. 

CCCX, i,a) 
mir wardt Tobillichen mein erbtail geoomen. 
wayfs got, mir gilt Sabene den vngetrewen rat, 
das er mich vnd mein muter alfo verltoTsen hat« 

309 So bin auch ich ge^wachfen \i\ nach zu einem [ftar- 

chen] man. 
^ man mufs auch mir von rechte mein erbtail yerlan. 
zwar, ich geruvre auch nymmer, ich gewinne ein ku- 

nigreich/^ 
Al[le]rern; wil in die forge Wolif-berr-Diettreicb. 



VIII. 

Abenthenr. Wie WolffDiettrich mit feinen 
zwain bruedem flrite rnd gefiget in an/ 

310 Mit Jammer l^racb der alte: „du haft mannheit vnd[e] 

tngend, 
in deinem grofsen leibe haft du zu claine Jugent, 
es fchadet deinen helden ynd deiner kfntheit, 
daz du ftrebeft al zefi'ue nach feneder arbait.** 

311 Mit züchten fprach der iunge: „wer gern(e) hat gemach, 
der verfnechet feiten fremdes obedach: 

wer aber in dem alter wil mit gemache leben, 

der mufs in feiner iugende nach deni hausrate ftreben. 

312 Du folt mich des nicht irren, alle dieweil ich tuge, 
ich yerfuech in meiner iugende, was ich erwerben mAge. 
es mueflen meine brueder meine veinde fein. 

iy (en)laflen mir mein erbe vnd auch der mueter mein/^ 

313 Mit iammer fprach der alte: „was ich £age, das ift war, 
ich was vor vrlauge geruwet Tiertzigk iar, 

ich mus in meinem alter mit dir haben vngemach: 
nu mufs es got erparmen, daz jch Sahen je gefach I 



112 Wolfdietrich. 

314 Adf den wil ieh dir helffen, vnd auf die brneder dein, 
fy t&n dir dann rechte vnd der frawen mein« 

Fol aber es dir icbt helffen, da wilt nach ftreite toben, 
da für der eeEeit(e), du foU mir daz verloben, 

315 Daz du icht vechteft, wo wir komen in den fireit: 

ich ra(e)ch aber ez vil gerne, nn iflb fein noch nicht zeit, 
des hab wir fite ze Kriechen, er muefk volwachfen gar^ 
daz in jemand fchwerC erlaube, er hab dann viervnd- 

zweintzigk iar/^ 

316 „Nu fweige/^ fprach der iunge „vnd fich ich dich in 

der not, 
ee ich dich fterben liefse,. ich 18ge ee hey dir todt. 
ich wil entraw(e)n vechten vmb mein felbs kiinigreich, 
ich erlaube mirs felber.'* fprach Wolff Diettreich. 

317 ,>Traan,'^ fprach der alte ,yich tar dirs nicht wern. 
wir kummen doch wol wider(e), wil vns got von hi- 

mel Heren, 
vnos diene das land ze Kriechen, oder wir verliefen 

das leben. 
al[le]rerft muft du nu hören, was ich dir wil ze ftewr 

geben. 

318 Sechtzehen junckherren, die liebiften die ich han,6^.^^ 
meine fune fint fj alle, vnd fint dir vndertan. 

£y m&effen aber alle mit dir fueren Hurmgewant, 
. yetzlicher taufent ritter, vnd einen fanen an der haut. 

319 Auch wil ich, lieber herre, dir meren deiu(e) fchar, 
in fchnee weilTen ringen, auch mit taufent dar. 

ich gib dir die beide vnd ein paner Hecht, 

die fint fo ansgefuechet, daz £y dir entweichent nicht. 

320 In der zwelfflen wochen fint fy dir berait, 
fo rechen wir mit zorne baide vnfer laid, 

ez kumbt von vngelucke, man geh vnns ein kdnigreich.^^ 
„got lone dir der gabe!^^ fprach Wolffe Diettereich. 

321 Da mueften fich beraiten die reckhen in die not, 
Ty kamen auf Lilienporten des tages als er gebot, 

die edlen vnd die kuenen, die Berchtnng [da] gerne fach: 
ir dhainem eines ringes, noch aines riemen nie geprach. 



Achte Abenteurt. 113 

322 Hit freuden fprach der hinge: ^fy flnt vil fr&lich kumen, 
vnd wirde ich ze herren ymmer, ei Toi in illen frunicn, 
wes ir einer mfitot, daz wil ich im nicht vorfigen. 

nn welhes ift die prunne, die ich Toi folbe tragen^^ 

323 Er fprach: „ich gäbe dir gerne deines vaters Twfrf, 
da wereft du zu Hreito vil woi [da] mit gewert{ 
des folt du mich erladen, des mag nicht gefeini 

. got vellet dich vil leichte fuereft du oz auf die brue- 

der dein/^ 

324 „Traun, ^^ fprach der Krieche i,ich pin auch meines 

vaters funj 
doch wil ich io mit dem fwerte dhainen fcbaden tun/* 
da hiefs er im gwinnen ain anndre klingen liecbt, 
vnnd einea halsperg g&elen, der was [aber] fo vefta 

doch nicht« 

325 Do fchlaofl er an die ringe, vnd nam vrlanb von der 

muter fein. 
do fprach die kiSoigin(n)e: ^^nu fehooe der braeder d«*in; 
hdb fj 4eB aieht entgelten, ob ff vngetrewe flnt; 
ir ffft doch alle drej(e) wann zwa/er leute Und* 

326 Was ick dir han behalten, das ift dir noeb nit g&t, 
ttft 4mz da nof deine br&eder baft vrlatiges m&U 

[er tfrmAi} ^,»ocbteD wir ty zwingen, 4bz tet meinem 

kertzen woK^^ 
„wol midi/' fprack Wolf Diettrick ,,d«z ich mit in 

reckten fol2 

327 Tciodi kttft ick ril gerne, m&ter^ dein g^yol/^ 
dn kafleC ä den titbem, vnd kevaldb in dUk^e^^. 

rü Imde meiet der [jünekkerre] Talte); ^ravsael (nn; 

daal#ck! 
WM tÜ ir UAm§ datTMc? fte^) (6m^?) k ew«r 

m&terMdbr 
2S Uk htm eweni kmoden «Cesfiek widcrUt: 

fr prii^cs vil der vfindr tmf dm g esne r efcc prait; 

wir vacfatea Asdi Atm rechten dm M »mw got keidkern : 

aÜ dJrevUigfawLEanl ht^dtm wil jum vjum 4m f/tmmrtkt 



114 Wolfdielrich. 

329 ,)Nu lal die faoen fliegen mit freuden vber veltl 
mir wirt an den todten meiner lannd(e) widergelt; 
gan mir got geKtekes^ mir wirt ein kunigreich: 

nu fol wir mit freuden fechten ^^ fpraeh Wollf-her 

-Diettereich. (^^ c) 

330 Dj fchonen canelane[n] ty vor den reekhen zngen; 
die fanen vber die hajden gewaltikliche flugen. 

da mneft man gedranges fein auf den ftaten: , 

has dann vber ein raf!(e) kof[e] man der feheffte fchaten, 

331 Mitten in Kriechen fj gewaUiklich(e) riten, 
daz fy des niemand irrte, vil gar vngeftriten. 
,,entraw(e)n^^ f^rach der Krieche mir geit njemand ein 

kunigreich: 
ich wil mein[en] tail verprennen^^ l^rach Wolff Diettreieh. 

332 Da fuerens [^ber] (unver)borgen durch der Kriechen 

lanndty 
den abent vnd den morgen hvb fich raub ynd prant, 
yntz an dem vierden tage gen dem morgen fru 
da sngen auch die kunige mit grolTer menige zfi* 

333 Vil gewaUiklich(e) was ir (küniges) beer, 

fy fuerten in der. dicke dreyfsigtaufent oder mer. 
gen dem morgenfternCe) als der tag aufbrach 
tntik- iyj, ^l^y^P^^ß/ i^ haider huete mau auf ein ander fteen fach« 

334 ,,Secht ir,^^ Iprach zu den kunige(n) der vngetrewe 

Sahen 
„was wir an Berchtungen beer gebajen habenl 
mit folher fchar grolTer dient er ewrcm vater nie mer: 
▼und fol er leben lange, er tfit vnns grof hertzen feer. 

335 Da fpraeh mit frombdem m&te Bercbtnng von Meran: 
„nu fol(n) auch wir die Kriechen auf die rede beflan. 
des fol lieh heut getro(e)ften der ritter vnd der knecht, 
daz vnns got ymmer danckhet^ wir ftreiten Tmb das recht,'^ 

336 Die fchar bedenthalben zefamme keerten do^ 

die fleh do ftreites tröfteii, die würden alle [ynlfro; 
zefammen fy do dmngen, die fchaffte fj brachen gar, 
ir wejrfe fjr do fangen in baidenthalb der fchar. 



iC 



AchUB AiMJiKeäre. 115 

337 Do b&b fleh baidenfhalbeü aD^(e)ft Tllnd(e) not, 
da nlliefteii Hechte tWige votk blflte werden rot, 
da gegkn liiiiändi^r drnngen die fcbar gemainiklicb : 
da ftrait vor Berchtung^e[ii] der Wolff-hlSr-Diettrieb. 

338 Die fpreyrsi^n gen den wolek^ in von d^ bätinden 

fingen^ 
da ty die fcbeffle braeben, die fchilrff^ (bbilrert fj zSgen, 
rnd elrpayften mn den rofsen nider attf dan gtiAs: 
fy mueflen alle weieben, wo Weiff Dietrich wais. 

339 Er hAWet da hedenthalben lugkeil tnde phbt; 

fj namen alle ir ende^ wen der iunge bin getrau [flund: 
die fthar däk*ehbraeh der Kriebhe ynd BeMitMfig da drej- 
wen er hiebt flfieg zi6 tode, diör waird deeh (Vre Wundt. 

340 Vntz auf den rchwertvellM fcblflg er [manlgen] durch 

den heim: 
da wfird mit mannes plAte begoheh glir der idelln« 
,,Ba fliehe wir,'^ fprach Sabcn(e) zu dehi kuhig reich 
„dits in der vbel feuf(e)l, es ward nie Wolff Dieltreicb/' 

341 Da worden liechte ringe von plute rotgefar; 

des mnefk auch im entweichen die krefflikliehe fehar; 

doch räch er mit grjmme allererft feinen zorn: 

da wät er durch die todten im plut vntz i^ber die l^porn, 

342 Da ward von lebenden lenten die hajde rcbier(e) plos, 

(CCXi, i, aO 
das plut durch liechte ringe vaft anf die erden gos. 
fber den langen Kriecbeil de vil mahiger fchraj: 
des tages flfig WolffDiettrich vil manigem fein baubt 

entzwaj. 

343 Berchtung vnd fein herre die gacbten ^ber velt, 
fy weiten Sahen fuechen: da was lar fein getzelt. 
do fy in nicht enfunden, groz war ir vngehabe, 

fj flugen nider die hutten vnd den rofsen die hachren abe« 

344 Was fy der fliehet fanden, ir dhainer der Irenas, 

fy betnngten mit den todten das velt vnd aiieh das gras, 
die v^nde iaget^[n] üyemand, wen Berchtung von Heran 
vnd feiner fAne zehene: das waren fein aindlif dienftman« 



110 Wolfdklrieli. 

345 Alt fj beidenthalb(en) yaft mit atnander llriteB, 

da wa» auch mit den kunigeii Sabea aaf das rtüt g^ten, 
ff warteten, wie et ergienge dem krellliklielien liaer, 
daran A fahen baide, daz floch on alle wer. 

346 Snft babten auf der balde die Bwen(e) konige reicii: 
„nn wer Bot jhene drej(e)?^' fpraeb WoUT-ber-Dieltreieb 
die ieb dort auf der warte fihe bej einander baben.^^^ 
,Ja Ant es deine bmeder Tnd der vngetrewe Saben.^^ 

347 ,>Sj mifgen ynns nit entrinnen,^^ fpraeb er^nnwoldan!'^ 
„da magfl ir nicbt erreiten/^ fpracb Bercbtmg Ton 

Heran. 
,)daz aber ieb Sabene bette , ^^ fpraeh Wolff-ber-Dietlreieb 
. ,,dar?mb woU ich yerüefen ze Krieeben das knnigreich/* 

348 Wie yil man ims werte, doeb reit er >^ber yelt. 
da rifen aach die drej(e) bas Tor im dann entzelt 
WolffDiettricb rdeffet tH laute: „yngetrewer SabeA! 
ieb wil dir fride gepi(e)ten, du magft wol ftille baben/^ 

349 Da fpracb der yngeirewe: ,,des mag nu nicbt gefein} 
ja furcht ich Berchtungen ynd die yntrewe dein/' 

mit Zorne fpracb der Krieche: ,,wer gab aber dir bail| 
daz du mir folt verirren mein rechtes erbtaill 

350 Oder wer hat dir erlaubet yber mein mfiter zncht? 
das mdft du mir ptieffen^ vnd hulff dich nicht dein 

flucht.'' 
da fpracb aber Saben(e) : y,man hat dich wol gewert, 
dir bat der (kunig) gefchaffen fein harnafch ynd fein gftt 

fchwert. 

351 Da haft du mordere jmmer an genug; 

dartzA ift dir beyolben fein rofs daz in da trug: 

die gäbe iffc dir nutzer, dan alle kunigreich.^' 

,9 mir fol noch mer werden/^ fpracb WolffDiettreicb* 

352 Da fpracb aber Saben(e): ,,re3^l[e] dan auf ynnfer leben; 
dir Yud Bercbtung(e) wellen wir fride geben, 

ynd wellen dir niittailen, daz man dir des peften gicbt/^ 
Berchtung fpracb t „yalfcher hoffart (hofwart?)! er gert 

deines frides nicht/^ 



Aehte Abentenre. 117 

353 Sunfl ward ein inichel fchelten mit zom Timder in. 
do keerten dife widere, ynd iene riten hin. 

vil laute raeff(t) do Saben(e): „ich Tag dir, was du thu, 
[helt,] ob du ye piderbe wurdelY, nu peyt vns hie vnfz 

morgen fru." (Sp* c) 

354 |>Entrau(we)n/^ fprach der Krieche «^daz wil ich wol 

bewarn." 
fein rofs war erflrecket, er künde ir nicht erfarn. 
da ers nicht mocht erreiten, noch der kunig reich, 
da wainte allererft ror zorno der WoIff-her-Dicttreich 

355 Do riten die heer gefellen wider auf das wal, 
was tf der yeinde funden, die fluegen fv ze fal. 

mit zorn(e) fprach der iunge: „vnd wiltdu, maißer mein, 
wir füllen der veinde peilen md hie bis morgen fein/^ 

356 yyDM wil ich widerraten,^' fprach Berchtung von Heran 
^fy bringen frue heer (morgen) bas dann taufent mann, 
die halsperge fueren, ynnd tun vnns grofsen fchaden: 
ich wan, wir fein beede auf groflen iammer heer 

geladen/^ 

357 „Vertzaget nicht als fchiere!^^ fprach [der] Wolif-her« 

Dieftreich: 
„ich mnfs den leib verliefen, [oder] ich erwerbe ein 

kunigrcich/' 
mit zorne fprach der alte: „folichdir die warheit fagen : 
die wir ze fireite brachten, die find alle erflagen. 

358 Ich f&erte dir in den fireite fechtzeben meine kint: 
die fint bejr dir erftorben, daz ir, wdne, zehne find, 
wiltv nu felb zweifle ein gantzes heer beftani 

nu vicht mit wem du wellelY, du halt, wau ich, aindliff 

diennmann/' 

359 „NuCn) welle got von himele,^^ fprach WolffDiettrich 
„daz die fo höbe kauften mein armes kunigrich! 

mir fol nicht an den meinen fogrofser fchade gefchehen: 
ich gelaubo nicht irs todes, du lafseft michs ee fehen/^ 



118 >yi^|fdi#trio!i, 

360 Da fMevle. f» d^r w^J^P ^^P[eii] herren hej 4ec handl, 
da er gefftfili 4if» to4t0n, ^ie hßt PV fpliier erKiint) 

da er k i|ntlitx(ej als fcMi vßf^^rqt^^ fi|ßl|, 

er viel a^f yegUche^, wpr lAi<|e er nief^l eQ[t;|rp|^f^. 

361 Da brach er in abe die keime, ty waren ze tode wuadf; 
da liefs er ir d(e)hainen, er kufset in an den mundt 
fein herfze war betruebet^ fein äugen wurden nafs: 
Berchtung durch feinen herreu der kinde gar vergas. 

362 Da zoch er den inpgen vo(i feinem kind(e;|i hin, 

da fprach ep xv dem herren: ,)Wp irt nu ew(e)r f^nl 
weit ir die herren bewainen, die mir fint erflagen? 
meine kin^t fjr ^i^ren, )^t ipi^h die f^b^ clfig^/^ • 

363 Mit iammer fprach dev Krieche: ,Ja rewet mieh mein 

loben i 
die weil daz ich leble, hefl dn nirs gegeben: 
ich wolt es nemen f&r Kriechen vnd für alle kunigreich^ 
daz meine gefellen lebten/^ fprach WolffDieüreich. 

364 ,,Seydt aber du die herren von mir haffc «verlorn, 
Berchtung lieber maifter, rich[e] an mir deinen zorn; 
du haft von meinen fchulden verloren deine kindelein: 
dir fey vor gol erlaub(e)t, fchlag mir ab das haubet mein. 

36§ DurpJ» gqt fi>I|; ^^^ fnich tp<<tWi fß«l \^h d^han bageri^' 
da wolt er durch ^^^ falber geftochen hau fein fchwerf, 
vil fpftiepe gefach 4.er alte, daz im fein erneft was: 

CSp.c) 
da zi^g)i^h]( er im flfp <;lipgen yn4 w^rffs apf das grps. 

366 Er fpraoh zu feinem herren: „des iammers ift gen&g; 
lat fy di^ frawen bewainen, il^ie fj in ir^m leilip ti*te''^ 
der iungp fprach: ,,ipein fware was ye vnclagelich; 
allererft b^n ich in forden !^^ ^prap^ Wolff Diettr^^b. 



NeoBle Abealevre. II9 



IX. 

Abenthean Wie Wolff Diettrich feine dienßmaii 
elagete, Berchtunges fSitie. 

3fi7 Hit zorne (^rach der alte: ,,iia lafs dein cla|^e feio: 
mein ynd meines weibes waren die kindelein. 
na hilf[e] mir felber raten, vnd Iahen vrir den com: 
was wir darumb(e) tJiten, doch weren fy yerlorn, 

368 Ja ift vnnfer baider hilffe an in nicht verdorben gar, 
ynns wachfent- anuder leute, vnnd koment auch anndre iar ; 
es kan vnns nicht gehelffen, was wir bewainen die kindt: 
ty werden auch nicht lemhlig, die erftorben fint. 

369 Ich fage dir,^^ Tprach der alte „wilt du nu volgen mir; 
nu volge mir mit willen» das pefte rat ich dir. 

ich wil mit dir verderben, dir (en)werde dein k&nigreich/^ 
,,ich tflui was du gebeuteft,^^ fprach Wolff Diettreich. 

370 ,)Ich Tage dir/^ fprach der alte 9)Ynd hewaineft du 

die kint, 
die in deinem dienrY(e) all hie erftorben find, 
wiit du die lenger bewainen, ich diene dir nimmermer/' 
9,fo mflfs ich mit dir lachen/^ fprach der kunig her. 

371 99Pitz wal wir mueßsen rawmen;^' fprach Berchtung 

von Heran 
„du haft auf diefer erde iiun aindlif dienftman, 
damit ful wir entweichen, ez ift nu fliehens zeit: 
vnns kument wol faufent ritter, den hab wir dhainen 

ftreit.« 

372 Mit iammer fprach der iunge: „folt ich nu dein(e) kint 
vngerocheu laben, die bey mir erftorben fint? 

wem liefs ich meine gefellen vnd meine dienftmann?'* 
' „wir füllen nit ftttt(e)s zurnen.^^ fprach Berchtung von 

Meran» 



120 Wolfdietrich* 

373 „Ich Tage dir,^^ [alfo] fprach der alte „fej wir hie Ynte 

auf den tag, 
fo kumbt fo vil der veinde, daz in nyemand eDtrin- 

nen mag. 
nu vliehen wir zu ^nnfer veftcn, das \Ct weyflich.'' 
,,ich vleuhe vil vn^rne!*' fprach Wolff Diettrich« — 

374 „Du folt voa rechte fliehen, wir haheu dhaine wer, 
du hart auch wol gehöret: zwen iint eines her. 

fo körnen vil leichte taufent vud rechten alle auf dieh: 
waruinb(e) wilt du to(e)dten dich felbe vnd(e) mich? 

375 Wir füllen ze walde fliehen/^ fprach Berchtnng von 

Meran 
,,du magft mit aindlif gefeilen nit taufent man heftan, . 
vnd hahe wir dann(e) auch dbainen gantzen fchiU^^ 

(CCXI, 2, a) 
mit iammer fprach der Krieche: „ich volge dir was 

du will." 

376 „So ful wir^' fprach der alte „auf die purg ze Ulienport. 
wir haben an den Kriechen begangen grofse(n) mort/' 

, ja (eM)ruech[el] ich," [alfo] fprach WoiffDiettrich „vnd 

werden fy mir nimmer holt, 
wa(e)r Cunftenopel mein aigen vnd aller Kriechen golt/' 

377 „Ich fag dir/^ fprach der alte ,,ich han alles des genug, 
des man hundert rittern auf taucle ye getrug, 

des gib ichdir auf Lilienport[e] vil genug wol fAnff iar[e] : 
weit aber ir icht mere, daz bringet felber dar[e]. . 

378 Die weyle vnns weret die fpeyfe, die leibnar[ung] vnhd 

der wein, 
fo fol wir vor den veinden [alles] fturmens ficher fein, 
ist, daz man vnns nicht befetzet, wir gemuen daz kA- 

nigreich." 
„auf der burgmauer wil ich erflerben." fprach Wolif 

Diettreich. 

379 Sj bewagen fleh der genge die nacht vntz an den tag, 
da gieng in vor der alte, der feiner kinder phlag, 

fy erftrichen das gepirge, daz was et hoch genhg: 
Berchtungen m&ten fere die ringe, die er an trug. 



Neunte Abenleare. 121 

380 „Du magft mir nicht gevolgen/^ alfo fprach her Diettrich. 
,,ich enrfich, was mir gefchehe, hettelt du ein kflnigreich.^^ 
„fweige!*' fprach der iunge „vnd nym vil rechte war, 

' ich fich ein few(e)r plickhen, da liget, w&ne ich, der 

veinde fchar. 

381 Ee ich auf Lilienporte hinein kum geriten, 

wern es nit gute freunde, mit ine wurd geffriten/^ 
„entraw(e>,^^ fprach ein ander „ich fich auch dort ein 

liecht." — 
„fint es die rechten reinde, fo geni[ef)st ir äiner nicht. 

382 Zwar, ich fol erfterben, ich befehe dann, wer fy flnt/^ 
er fprang in feiner prunne fpielende als ein kint, 
zetal die hohen laiten hub er fich vor in dan, 

daz im geuolgten kaumc fein aindlif dienftman. 

383 Da dauchten in le ze claine die ronen vnd auch die 

graben: 
ee fy im ze hilffe kamen, er het den ftreit erhaben» 
Berchfunges fune gemaine nach im die leyten [da] fprang: 
da erforchten in die veinde, da fo manig prunne erklang« 

384 Ee fy fich aufgerichten ze ftreite allgeleich, 

da het auch fy erfchrecket Wolff-her-Diettreich. 

fy liefsen bei den feur(e)n ir haUperg vnd ir rofs, 

fy verebten nun des leibes, vnd entrunnen auf ein mos. 

385 Fnnftzig kaftelane fy funden da ftan, 

der namen nun aindliff die aindliff dienftmann, 
den zwelfften nam auch (• •) da der Wolff Diettrich. 
fy lielTen [aber] da den veinden mauigen halsperg 

wunniklich. 

386 Mit iammer fprach der alte : „wir fuUn gen der vefte tarn, 
wir vinden morgen gelte, des mug wir nicht bewarn, 
aller meiner lannde ich nymmer geniefsen mag: (Sp.ö.) 
man befltzet vnns auf der bürge ee es morgen werde tag/' 

387 In was geleget heute, doch komens auf Lilienport, 
vil fchier(e) der waehter remam des maifters wort, 
auch h&rt in auf der zinne wol die firawe fein : 

fy iselet doreb die porten nun zehen kindelein. 



123 WoUdietriclL 

388 Denaindiiftenry do vragte: >,Berchtuiig,woiftviirerlier?^< 
mit iammer fpracb der alte: y,wir haben jelxvnd 

nicht mer. 
was vnna ifit erftorben, da9 ift ▼nelagelich: 
gehabe dich vil wpl, frawe, ez lebet noch WolffDiettrich." 

389 Sy fprach vil clagelich(e) : „wo fi|i| nu meine kiut!^' 
mit 90rn(e) fprach der alte: ,,ich wayfs wol, wo fy fint; 
ty haben wol vergolten irs todes hertzen feer: 

ich wirff dich f ber die maur(e), gedencklt du ir ym- 

mer mer. 

390 Was wir zwaj klagen folten, das wirt er aine clagent 
nu trofte meinen herr^n, dem muefs wir es Yertragen, 
daz er der kinde tode vergefse durch vnns zway: 
mich muet der iammer ymmer, daz er fo laute ob in fohray/^ 

391 Suft volget im die frawe^ der kinde fy vergafs: 
verporgeolichen taugen wurden ir äugen nafs. 
da ward in der bürge die clage vnmafslich: 
nycmand claget alfo fere, als der WolffDiettrich. 

392 Suft weret ir aller iammer vntz an den funfften tag: 
doch verclagten fj die todten, die nyemand erwek- 

keh mag. 
an dem funfften morgen da hub fich ein grofser fchall: 
von den argen veinden ward vol perg vnd tal 

393 Geleit vnd erf&Uet, die bürg all vmbe legen, 

fy muften von der vefte der rajfe lieh bewegen. 

die wacliter ruefflen laute: ,,nu wachet vnd huetet wol! 

das velt vnd das gepirge ift alles veinde vol.^' 

394 Da erfchrak an feinem bet(t)e der f&rfle von Meran, 
da trat er in das venfter, vnd erkante manigen man; 
vil manige[u] der gefte die f&erten frbmbdes dach: 
fein hertze erfchrack vil fere, da er fo vil der gelte er&ch. 

395 Da gieng er ^ber das pet(t)e, da fein herre auf lag, 
den wehte er vil fanfte: ,,nu wol auf! ez ift tag« 
deine broeder vnns haben befefsen, allererft gebhicht 

vnns wee: 
es ligent vof meiner bürge funfftaufent oder mee.^^ 



Zehntel Abentevre. 123 

306 Da wurff er einen mantel tber fein prüft plQ$, 

ty traten in das venlter, die menige fahen fj [vil] gros, 
die vor der maur(e) lagen, Sie swen kunig(e) reich. 
,,Bn bin ich erft in forgen!^^ fprach Wolff Oiettereich« 



X. 

Abenthear. Wie er md fein aindliff Tune 
befefsen ward. 

397 ,,Sweige!^^ fprach der alte ,,vnd gehab dich noch wol. 
feines leides niemand fich ze ^ffbele gehaben fol; (Sp.c) 
der man fol feines liebes auch nicht fein ze fro: 

was wir darumbe ta(e)ten, fo w(a)er im doch alfo.^^ 

398 Mit sorne fprach der Junge: ,,feit mir got hat gegebeni 
daz fjr kumen fint fo nahen, fo wil auch ich [nu] mein 

leben 
wagen ynd mpin ere vmb mein kunigreich: 
got lat mich nicht verderben.'^ fprach WolfT-herr-Diet- 

tereich. 

399 Die in der bürge waren, die richten fich ze ftreit, 
* ¥nd was doch vngefperret ir tor ze aller zeit, 

tf liefien nider die prugke vnd giengen für daz tor: 
wes fy in der purge lüfte, daz funden ty davor. 

400 Wie gros ir menige wa(e)re, doch was es Yngeleich« 
da figet anch vil dicke (der) Wolff Diettreich» 

von ftarcher patane (pataile?) hub fich vil offt(e) not: 
die veiude geftritten feiten, ir belibe wol zwaintzick 

todt 

401 Sunft ward von d^n wirten der gefte vil gefalt. 
die wui|4l(e) dannen kamen, die lafs ich vpgezalt. 
alfo erwerten die wir^ den fromden geften gar, 
4fis di diircb ftu^mes willen kam kainer (mere) dar. 



124 Wolfdietrich, 

402 Da ward ein fride gemaehet vnd auch ein gefprach tag» 
Sahen der t&diiig[t]e vnd maifter Berchtung phlag: 
,,ich rafe dir daz pefte,"^^ Tprach der vngetrewe Sahen 
„dez folt auch du mir v^olgen, will du den leib he- 

hahen. 

403 Berchtung, ich wil dir raten, ^nd wilt du gerne lehen, 
du folt deinen Jungkherren vnd die bürg den kunigen 

geben." 
,,nv(n) welle got von himele!" fprach Berchtung von 

Meran 
,,er hat fich gar zu verre auf die trewe mein verlan." 

404 Sahen fprach:,, die kfinige zwene aicl(c) habend gefworn, 
daz fy das velt icht rawmen, die bürg werde [dann] ee 

verlorn, 
dich vnd deinen herren vnd alle deine kindt 
die hengkhet man an die zjnnen, vnd die auf . der 

bürge findt." 

405 Mit iammer fpraeh der alte: ,,des mufs ich mich bewegeil; 
fo bin ich doch in treweu vnd in eren todt gelegen." 
der fride nicht Icnnger weretc, do rayt er wider ein, 
vnd faget dife märe dem lieben herren fein. 

406 Wcs do die ktinige fchwuren, das liefsens alles war, 
fy lagen vor der bürge vntz in das vierde jar. 

da ward des jungen rew(e) vnd auch fein iammer gros^ 
daz er [aI]fo fterben folte: des verligens in verdros. 

407 Von forge ward er weyfe, als die [weyfen] jungen tfind: 
vil frCie an einem morgen er für Berchtungen ftund, 

da fprach vil erpftrmikliche Wolff-her-Di et (reich: 
„mit ruwe erwirbet niemand ere noch kilnigreich." 

408 9)Nu fag an," fprach der alte „was wilt du, daz ich 

[nu] thu? 
wilfet ichs, wie Ichs erwürbe, da hulf ich dir [vil] 

gerne zu»" 
mit iammer fprach der Krieche: „got muel]8(e} dich 

be waren! 
es ergee^ wie got welle, ich m&f laider von dir faren.^^ 



Zehnte Abentevre. 125 

409 Mit sorne fprach der alte: ^,nu wajft du nit, wohin du 

folt. (CCXII, i, a) 

daz du der rede erdencke(8)t, ich wir de dir nymmer holt 
weih [er] vogel ze frue fleuget aus dem nefle fein, 
dem mag wol miffeliogen: alfo gefchicht dir> herre mein/^ 

410 Hit züchten fprach der Krieche: ^^mir fein meine federn 

lanng 
ynnd fein alfo gewachffen, daz ty mich nicht dunckhen 

kranck. 
der fterckhift vnd der lenngift ich vnder euch allen bin: 
als mich die forge zwingent, ich gewinne auch leichte 

fynn. 

411 Erlaube mir die rayfe.^^ — „warumb(e) tuft du dazl^^ — 
„fol ich bei dir verderben?" — „was ift dir defter bazl" — 
^,ich woKe gerne lo(c)fen dich vnnd deine kindt, 

die durch mich in die forge vnd ang(e)ft komen find/^ 

412 Da fprach der gefrewe: „wes haft du dir gedacht? 
dai du dich vnnderwindeft, daz du nit vollenden macht 
▼nd daz du dirs gedenekeft, daran tuft du vnwifzikleick." 
„was taug et [auch] vnuerfuechctl^^ fprach Wolff-her- 

Diettreich. 

413 „Ich wil die weit durchretten vnd dartzu alle lannt, 
mir werde auf difer erde ettwo ein k&nig bekant, 

der fo gewaltig [auch] hayfse, in des dienft wil ich 

[auch] fein, 
daz er mir rechtes helffe an den argen pruedern mein. 

414 Hilffet er mirs bezwingen, darumb wird ich fein man, 
ich wil ein tail des lanndes durch feinen willen emphan.^' 
^^wajs got,'' fprach der alte >,dn rajteft manigen tag: 
den kunig wayfs ich nyndert, der dir gehelffen mag." 

415 ,,Schweig!^^ fprach der Krieche „wie mocht(e) das 

gefchehenl 
ich wil ez nicht gelauben, ich wil es ee befehen. 
was 'taug[t] das leben dem kinde? es fei dann [auch] 

mutes frey. 
ob da jnndert kainen wifseft, den fag mir, wo der fey/< 



126 WolfdiMrich. 

416 ^fSejt du nicht wilt erwindisn,^^ fpraeh Berchfuiig tta 

Meran 
,,da wdleft hilffe foeeheii) fo waifs ich einen man» 
wer er Tnns hiebt le rerre, er Iftft Fnns hte ihit heer/^ 
,,deufelben wil ich Aiechen, rnd wer er f her mei^. 

417 Den folt du mir zaigen, vnd fein landt, Wt> es leidt.^'^— 
„das hayfset Lamparten, vnd er hayf(8)et Otneidt. 
kain känig mag fich im geleichen, To mächtig ift A^n heer :* 
ein fraw mit gewalte nam er einem kunige vber mer« 

418 Im ilt vil wol kundig, was dcckhet tal vnd perg; 
derfelben kuniginne gehalff im ein getwerg. 

wes auch den kunig gelüftet, daz mufs bejnamen ergeen: 
wogegeh er fich genaiget, daz mag vor im hiclkt 

gefteen.^^ 

419 Mit züchten fpraeh der Krieche: „nu erlaube mir^ daz 

ich far; 
ob ichs halt nicht bedorffte, doch fo wolt idi dar^ 
daz ich den kflnig gef(a)ehe^ Ton dem ich h&re [wunder] 

fagen." 
fy wellen aber nicht, laider, daz in der wurm het hin 

getragen. (Sp. b) 

420 Mit Witzen fpraeh der alte: „die rayfe ift dir ze groB, 
du vindeft nynndert ftraf6(e), noch kain n(e)ige blos; 
du kumeft auch hart(e) dicke, daz du mir der war- 

hait gichül: 
du mfift fechs wochen raiten, daz du [weder] lanndt, 

noch leute flchlt: 

421 Es hayfset die Romanie, daz lant, noch leute enhat, 
du vindeft nynndert hübe, noch agker wol beut, 
hebeitu dich auf die ftrafse, kind, ez gerewet dich/^ 
da fpraeh aber der iunge: „herre maifter, troftet mich/< 

422 „Da m&fs ich^^ fpraeh der alte „darumbo die raife weren, 
du magft dich auf der ftrafsen vor hunger nicht erüeren, 
geleiche den vibes hirten da geeht die wilden lew[e]n/< 
,,dn magft mir^^ l^rach der iunge „von tieren nicht 

getrew[e]n." 



Zehnte Abenteure. 127 

423 fjSejt da nieht wilt beleihen/^ fprach Berchtnng von 

Meran 
„fo gib ich dir vil gerne daz ich dir behalten han: 
Voltken den vil gAten, den wejlent dein vater rayt, 
in [vil] manigem volckwige ze fige darauf er ftrait» 

4^4 iSrinen heim, fein prunne, fein[en] fehiit vnd auch fein 

fwert, 
daz han ich dir behalten, ob dein wille dez nu geert.^^ — 
,,den fefailt män^ entraw(e)n, an meinem halfie njinmer 

geficht; 
warntnb folt ich den fneren? mir wart[et] fein ambt 

noch nicht. 

425 Bib[eto] fehiit wil ich mir kiefen [felbe],'' i]^rach der 

lunge man 
„ich wil durch uhermdte alle wilde tier beftan; 
man vermilTet fein doch lutzel, welhes [da]uön mir wirt 

erflagen: 
welhesfich weret allerlengin, de8figk(figur ?) wilich tragen. 

426 Ich wil des fchweren aide, oder ich gelige [dann] todt, 
dez ich durch fein ere immer [mer] au6 aller not 

wil fein genofsen helffen vnd wil in trewe fchweren/^ 
mit iammer fprach der alte: „nu muefs dich got mir 

neren ! 

427 Tiid wilt du nicht beleihen^ vil lieber herre mein, 

gee balde vnd njm vi*lanb von der [lieben] m&ter dein/' 
da giengen fj baide, da er fein mflter vani; 
mit iammer I^rach der alte: „ewr fun dei* Wil In die 

landt/' 

428 ,)Nv(n) w^lle got von himele!'' l^rach da die kiinigin. 
„er M vil viift(e) wallen, liebe muter mim** 

ly l][ik^ch: „fun vnd herre, wem laft du dakinCe) mich?"— 
,)meinem maifter Berchtüngo wil ich bevelhen dich." — 

429 „Got mueils(e) dir behalten, vil liebes kint, dein leben! 
was Ich dir han behalten, das wil ich dir nn geben, 
nu Utas ibh ymmer wainen mein laid te gn>fsem fchaden." 
ly fptaeh za dem langen: „nu raiche mir mdn laden/^ 



128 Wolfdielricii. 

430 Ir hertze ward durchprunllig, do fj die cläider rant, 
ty fprach zu irem [lieben] kinde: ,)nn hab dir ditz 

gewant/' 
wie [vnd] (vil) fy da gewainte, feia äuge ward nie nars. 
das gewant begunde er fcbawen^ er fprach: „muter, 

zwew ift mir dazi (sp, c) 

431 leb name vil michels gerner ein[en] herten haigperg 

liecht: 
gib eS| wem du welleil, mueler, ich wil fein nidit^' — 
,Ja foUu daran gelauben, Fun,- ez ift dir gut, 
wo du wUt ainig raiten: ze kindifcb irt dein mut.^^ — 

432 „Ja bin ich dem gewante gar ein zu grofser knecht, 
an lennge vnd an der weite ift es mir nynndert recht.^ 
fj fprach: ,,nu gib mirs wider(e); tuet es dir ynn- 

dert wee: 
als lieb ich dir je wurde, la feen, wie es dir fltee/^ 

433 Da volget er der mfiter vnd nam es in die hant; 

da meyt][et] er, daz [es] im werc ze wenig das gewant; 
die wat er an fich HauflFte: da ward fy im gar ze weil[e]. 
er fprach: „nufagemir, mueter, ift es guet für dhainen 

ftreit[e]?'* 

434 Sy fprach: ),es were fo lang(e) nicht gelegen in mei- 

ner laden: 
dir kan fewer, noch waffer, noch annders nicht ge* 

fchaden; 
wo es hin gereichet, da wirftu auch nymmer wnndt, 
vnnd pift vor allen waffen darjnne ficher vnd geföndt. 

435 Du haft vber dein hertze der felden tach geflaufft: 
daz^ fint diefelben claider, da du ynnc pift getaufft» 

du folt an got gclauben, fo wirt dir dein kunigreich.^^ 
„nu geruch er mich behueten!^' fprach Wolff-her-Diett« 

reich. 

436 Da hyefs er im gewannen feines vaters fturm gewant. 
fein muter vil gewainte^ do fy im die riemen pant: 

fy warn alle verzweiuelt an dem kuenen degen her 
vnd wolten auch deis wanen, fy gelehen in nymmermer* 



Zehnte Abenteure. 129 

437 Alfo man do mit iammerCOn der |Mirge ynncfn ward, 
daz der junckherre woll auf die fenenden vart, 

die alten su den iungen mochten wainen nicht Verlan: 
es trauret aber niemand fo fere, als fein aindlif dienflman. 

438 Der alte fpraeh zu dem jungen: ,,nu gedenck[et] an 

vnnfere jar; 
kumbrta zu fromhden ledten, fo Tergifieftu Tunfer gar. 
in deiner [kititliche] iugent geliebet dir Tilleicht ein 

weib, 
dauon fo hebt dich ringe, vnd verliefen wir den 

leib.« 

439 ,,Du getraweft mir vilvbel(e);« fpraeh Wolff Diettreich 
,,der mir die fcb&nfte gäbe, vnnd taufent kunigreich, 
vnd dartzu lannt vnd bürge, was ir in der weite fint, 
ich wil nymmer weib gewinnen, ich Idfe dich ee vnd 

deine kindt.« 

440 ^,Dez gib mir dein(e) trewe/^ fpraeh Berchtuog von 

Heran 
„daz du der nicht prechedt/^ da ward ein aid getan, 
den fwur er auf feinem f werte; den aid er ft^te lie: 
wie gut(e) ftate era hate, den aid geprach er nie. 

441 „Ich fag dir,^^ fpraeh der alte „mein armut die itt 

ftarch, 
doch han ich dir behalten goldea dreyfsig marekh, 
ob dich got gefenndet vnder eines wirtes [ob]dach, 
daz du doch des erften habeft damit gemach, (CCXlI,2,aJ 

442 Nu folt dich nicht entrichten, dein rofs tft all ze fnell, 
an dem fatel hange(n)t (vol weines) zwaj parel, 

vnd auch von jager fpejfe anderthalb ein pulge vol: 
wen dir des zerynnet, got dich beraten fol. 

443 Ich mag dir vor der porte zu keinen flaten knmen. 
rait[e], als dich got beweyfe. du haft [ein] dichs ange* 

nomen. 
als man dich ft*aget der märe, fo da reiteft fAr daz tor, 
fo fpilch: „ich pins ein hueter, vnd fol wachen heunt 

hie vor.'* 



180 W^fdiMrich. 

444 80 wellent fy dkh leicht rahen» fo bift aneli dm nidil 

kranckh, 
dn erwereft wol deinen niaDt(e)l an ir aller danekh.^^ 
da man im fein rof^e auf den hof geioek, 
ein yeder menfch das annder Tor grofsem iammer floeh, 

445 Vor iammer mochte niemand den anndern gefehen an, 
da kuften in vil dicke fein aindliff dienftman« 

fy wnrffen auf die porte, ir iammer ward vil gross 
alfo für er vber die prugke feine(r) kindlein plos. 



XI. 

Abentheur. Wie im fein firert brach auf dem 
wilrm Tiid trug in in den perg. 

446 Da er alfo palde von der veile rait, 

im fachen nach die feinen, den was von hertzen layd. 
. do keret er gegen den veinden einem degene geleich; 
aller erft wil in die forge Wolff-her-Diettrcich. 

447 Da ward ein michel fragen, wer er wäre 

vnd von wanne er rite, er fprach zun h&etter(e)n: 
„ich h&ete vor der bürge, die was jeizo aufgetan: 
Wolff-Diettrich wil entrjnnen vnd fein aindliff dienO- 

man/' 

448 Da rait er darch die veinde, daz in da nyemand vieng. 
wer aber im ze nahen inder an dem weg gieng^ 

den letzet er als vnrchone, daz er in nichts raer enpat: 
man trug in dann(e) toten, er kam njmmer von der ftat. 

449 Da rait er vor dem walde die nacht vntz an den tag, 
JfU^ 1^,3. der huel^ gen den veinden er alterseine phlag, 

des tag;es wol zwainzig toten fand er in das heert 
do fis jnnen wurden, fj fluhen ane weer. 



Elft« AbMteiire. ISl 

450 ,^a mues es got erparmeo/^ fprach der vngcfrewe 

Sahen 
,,daz wir fo laft erliehen a][le] hie gehneltet haben, 
daz vnns ift enlrunnen (der) Wolff-Diettreich : 
er gewin[ne]t viUeichte wide(re) alUraain fein kbnig- 

reicb.'^ 

451 Da keeret er auf die ftrafsen des anndem morgens 

frfle, 
er wolf(e) gegen Lamparten, do riebt auch er Ach zu, 
den tag vntz an den abent er vaft fAr fich do rait: 
TÜ fchier da ward er irre, daz m&ft im wefen laid. 

452 Da -zwang in des der abent, er mocbt(e) nicht fSirbas. 
daz er dar het gefueret, ein lutzel er des as; 

er mocht nicht von der mnede, als manigem noch 

gefchicht: 
wie wee im der flaff do tete, docb fo flieff er alles 

nicht. 

453 Da machet er ein few(e)r, daz vber [all] den walt 

erfchain, 
die roncn rngefuege trug er dar altersain[e] : 
da verfuechet er yiI des wildes durch feinen tumben fyn, 
vil gern het ers beftannden, dhaines beftund aber in. 

454 An dem dritten morgen da zoch er furbas. 

wie wee im die rayfe tette, [wie] (vil) feiten er vergas, 
er gedacht an Berchtunge(n) feinen maifter von Meran: 
er beualeb got vil dicke feine aindliff dienftman, 

455 Bis an den funfflen morgen der kitne degen rait, 
die ftrafse vnd auch die fteige er vil gar vermaid, 
allerbande wildes fach er [vil] manige fcbar. 

fein rob begunde mifeden, des ward er traurig gar. 

456 Da mnete in (vil) hart(e) fein ftarche arbait, 
an allen feinen freuden was im widerfait; 

: in begrajff grolise fwaero, des cnknnde er nicht 

bewarn, 
das er in der wilde mdit one Itrafse farn, 

^* 



132 Wolfdieirich. 

457 „Na tauefs es got ^erparmen!^^ fprach der Wolff Diet« 

i-eich 
9fich lafs in difem walde alles mein ktinigreich/^ 
da zoch er ab die prnnne vnd warff A auf ein ron» 
mit Iraurikliehem mute fo fehied er davon. 

458 „Awe!^^ fprach der Krieche ,,wie Fol ich mich ernerenl 
ich mag mich alfo plofser der veinde nicht er^rereo; 
meines vater erbe(s) wartet mir nicht [s] mer: 

wem fo l ich dich nu la ffen ?^^ fprach der kunig her. 

459 IIar((e) barmigliche er von dem gefwerbe floch, 

vber rone vnd vber ftaine fein rofs er mit im [da] xoch, 
da het er im der muede vil gerne gemachet pfis: 
wol drcyer rafte lannge gieng er neben im ze fufs. 

460 mit rtcgken vnd mit ruten flug er im manigen flag; 
vor hunger vnd vor muede das rofs im da erlag; 
in mochte nicht geheJffen, was er im Hege flfig: 

fo lieb was im, fein rofse, daz er den fatel trug . 

461 Da pant er in vil vaße auf den ruggen fein. 

er kam[e] auf ein gepirge, da leuchtet im der funnen 

fchein, 
da erhört er ein fljmme, die vil laute erfchal, ^^^^»^f^ 
U. 8*1,3. das ir ajitwurte Tal dal baide, perg vnd(e) tal . 

462 So vngehewrem ruffe ward nie nicht mer geleich: 
,)ich wän, ditz fei die helle.^^ fprach Wolff-her-Diett- 

reich 
„nu han ich laider njeman, der mir die ma(e)re erfar: 
nu ergee mir, wie got welle, ich muf et felber dar. 

463 Ich wan wol, daz die teufet mir hie vil nahent Ant, 
ich h6r Luciferen fehrejen vnd alle feine kindt^^ 

fein rofs das traib er nidere dielej^ten hin z^X^XiCSp^c) 
vor hunger vnd vor durfte fjr bede teten manigen val. 

464 Mit iammer fprach der Krieche: „got mir ainen fteig 

befcheer, 
da ich den teufel vinde; wie ciain aber fej mein weer^ 
man fol mir das gelanben, ich muefs den teufel fehen: 
fol aber ich na erfterbo», das muefii ulbie befcbeben/^ 



Elfte AbMitowre. 133 

465 Die lejtten zoch er nidere ein waffer er erfach. 
„Waffen!^' fprach der Krieche ,>wie ein Tngeffteger pach V^ 

die vDgefaege[n] helle vnd die teufel die er da rant, ^ yS.*>^ 7»v 
die waren des merea vnde^ vnd flugeii an die ftainwant 

466 Mit Valien vnd mit llrauchen fo kam er an den fant 
anf die eben erden nieder an das lanf; 

da ftnend ein gr&ne linde^ darvndler ein anger was : 
im gteng vnts an die g&rtele die plimen vnd das gras. 

467 Es gab gefchmach vil fuefsen die rofen vnd der klee: 
,,0 wol mich!^^ fprach der Krieche ,,wie halt es mir 

ergee, 
got hat meinem rofse waide alhie befchert ; 
mir ift vil deft fanfter, daz es fieh ernert. 

468 Es wirt hie von dem anger fnr haas nicht gezogen, 
nn wil auch ich hie flaffen auf meiigein futelbogen; 
fol ich vor hunger Iterben, fo lig ich hie lieber tot, 
dan auf der p(l)osen erde: dilz gras[e] ift rofen rot. 

469 Sejdt ich die gruenen linden vnd den anger Fun- 

den han, 
ich enmag vor hungers nol(e) weder reiten, noch gan, 
wo mo(e)cht ich has erAerben? esifthiefo wunneklich.^^ 
da eninief in fönenden forgen der Wolff-her-Dlettrich. 

470 Der dürft vnd auch der hunger het im nach benomen 

den leib, 
aus des meres gründe gieng ein vngehewres weib, 
fy trug an irem leibe von fchueppen ein(e) haut, 
fy fach auch dem geleiche, fam ly were des teufeis 

praut. 

471 Mit langem wafler miefe fl gar bewachfen was, 
als in dem wafler wachfet vil vngeAieges gras, 

ir hiengen von dem kjnne die gran vntz auf den fuefs: 
wie vngeftalt fy wa(e)re, fy het dannoch fenften gruefs 

472 Sj was an allen ennden vil fchleymig vnnd(e) nafs, 
ir har gieng vber die verfen vnd dannoch furbas^ 
ir was die augengrube wol einer fpannen weyt, 
wol zwaier vinger tieffe alda das äuge leit. 



134 WollAietridi. . 

473 Ir mundt was als ein fchaffel, ir zen wol ff anfiel laa^, 
ir fnefse als ein fchaufel, vil vnfelig was ir f;$Migf 

ir was auch ir ftirne wol einer eilen praitt 

da £y den dcgen wegkte, das was dem degen vil lait. 

474 Sj trat vber den Kriechen rndsochim aus. fein fohwerl, 
fy fprach: „nu weis et njeman, wes du haft hegeri; 
du fuecheft abentewr(e) :'^ fprach das wilde weih 

,,er wa(e)r doch hart ybele, wer dir nu näme dei- 
nen leih. 

475 Nu haft du in deiner lügende vil wunnekliche glide, 
vnd weiset ich, oh du edel wäreft, ich g(a)eb dir gerne 

fride." (CCXIII, i, a) 

fein fchwert das parg fy [ril] fehlere^ wan das künde 

fy wol, 
fj verparg fich felb(e) hinder eines paumes hol. 

476 Da der Krieche erwachte vnd des fwertes nicht enfach, 
da wannd er feine hennde, vil parmiklich er fprach: 
,)Wajfs got, mir fint diebe hie [vil] nahen bei gewefen: 
funde ich noch icht gehewres, fo mbcht ich noch Wol 

genefen." 

477 Da nam er feigen briefe mit iammer in die hanndt, 
alle fein(e) fwäre er daran gefchrieben vant 

die frawe leyfe hor((e), vntz daz er gar aus gelas^ 
alles daz an dem briefe von im gefchrieben was, 

478 Da alle fein(e) fwere gelas [der*] Wolff * her-Diettreich, 
da gefprach aus dem paume die fcunigiune reich, 

mit grymlicbem m&te die kunigiune fprach: 

,,wer hat dir erlaubet ditz ligen vnd den gemach?^* 

479 Vil fchiere [da] pligkt er ymbe, da im die frawe ward 

erkant, 
da viel im vor forchten der brief aus der hanndt, 
der Krieche fprach mit forchten: „was mag es dir 

gefchaden? 
ich bin mit vngemache an dife ftat geladen. 

480 Du magft mit fenflftcn werten mir wol fprechen zu, 
vnd lafs mich des geniefsen, daz ich dir nichts fhj. 
ift aber die gruene linde vnd difer anger deinl^^ 
,Ja er irt mein aigen/^ fprach die kunigein. 



Elfte AbenlMire. 135 

481 M^oz ieb hau bie geüaffeD, das lalTet ono zorn, 

vnd helffet mir gerichtes: ich han mein fchwert verlorn, 
das ward mir aus der fcbaide gelogen« da ich da lag/^ 
£y fpraebi „ich bilff dir gerne, vrei ich dir gehelfien mag. 

482 Vnd hetteft du yemand fk*eunde, dir wurde villeicht baz. 
ich fleh wol,^^ fprach die frawa ,,dir gewirret etwas« 
nu fage/^ fprach die frawe „waz ift aber dein not? 
du baft gerundes hertze, vnd ligft doch Cchiera tot. 

463 Es ift doch vil vbele, ob. du verderben folt: 

icli Irawel dir wol gehelfien; wer ich dir annders bolt.^^ 
,,aiir gewirret an dem hertzen, noch an dem leibe nicht: 
es kumbt von. arbeite, daz man mich als ploeden ficht. 

484 6ot> feit ich fol erfterben, fo lafs es fcbiera fein! 
yedoch genas ich villeichte, bet ich fpeyfe vnd wein, 
zu meiner erizuey gehöret lutzol maifterfchaft: 

der durß vnd auch der buuger[e] ben^mpt mir mein(e) 

crafft." — * 

485 „Ich erkenne wol die falben, die dein hertze haben fol: 
dreyfsig taufent ritter die erneret ich aine w.ol/^ 

mit iammer fprach der Krieche: ,,fy ift ein gehew(e)r 

weih, 
vnd ob du an got gelaubeft, fo erner mir meinen leib.^' 

486 „Mir ift vil vnm&re, ob du toter hie geleyft: 

mein hilfie frumbt dich [vil] daine, du fageft mir, wer 

du feyft." — 

„mein vater was ein Krieche vnd was ein kunig reich, 

er fafs auf Chunftenopel vnd hiefs Huge Diettreich. 

Csp. b) 

487 Nu habent mich verftofsen die argen brueder nieiu.^^ 
„das hab ich wol geboret.*' fprach die kuuigeiu. 
„alle meine helde[u] ich von in verloren bau) 

ij haben mir auch befefsen mein aindliff dienftman. 

488 Nymmer Ichs vberwinde, ligent fy ze Kriechen todt.*^ 
fy fprach: „wilt du mir volgen, tj knment wol aue 

der not. 
was dir deine vreunde raten, dapift du vnverdorben mit: 
wiltn genefen gerne fo thue, des ich dich pit, 



136 Wolfdielrich. 

489 Daz du mich nemeft ze weibe, ich geh dir dreu kb^ 

nigreicb/^ 
„nein ich, auf mein treu(e)!^^ fprach WolfTDiettreidi 
„nu la mich alhie Iterben, ich enruch, was mir gefehieht: 
des vbeln teufbls mueter kumbt an meiD[en] arme[n] nicht, 

490 Daz ich dir verfage fo fcbiere, das la dir nicht wefen 

zom: 
ich han dich vnd alle fk*awen vntz an meinen todt 

verrwom, 
oh dn begunneft zürnen, wie folt ich mich erneren? 
na(e)m aber ich alle frawen, dannoch müs ich dich 

verfchweren. 

491 Der teufel aus der helle ka(e)me Wol zu der hochzeit/^ 
vor fheuden ward ir mdndel wol dreyer fpannen weit, 
fult trat fy auf hoher, die fraw(e) fchoner was: 

fy fchleufEet fleh aus den fchuepen, rnd warff fi auf 

das gras. 

492 Sy leuchtet; aus allen weihen als die funne liecbfi; 
aller mayde fchone was gen ir gar nicht. 

des hungers und des durftes er durch ir fchone vergas: 
,,ich watie/' fprach der Krieche „mir geuiel nie frawe bas. 

493 Mein m&t ift mir gehohet, du geuelleH; mir fo wol: 

nu erparmes got von himele, daz ich dich nicht ne< 

men fol! 
nu fltze nlder, frawe, durch got vnd trulle mich/^ 
fy fprach mit fuezeu werten: ,,fag an, was irret diehl'^ 

494 ,,lch han gefworn des aide, frawe wolgetan, 

daz ich nymmer weih gewinne, ich loefe ee mein aind- 

lif dienftman/^ 
„ich fag dir/' fprach die frawe „vnd wiltu gerne leben, 
betwingeft du deine brueder, du folt mir ainen geben. 

495 Ob ich dich pate, herre, vmb dein aines leib, 

des wil mir got nicht gunnen: du nymbft ein annder weyb. 
nu la mich deinen brueder fueren an des meres griindt, 
ich mach im taglich(e) wol taufent wunder kundt 



Elfte Abentemto. 137 

496 Was das mere bedeeket, das fiel in meiner händig 
dartzu ob dem wage wol dreiiTig landt. 

alle fchrawazen wil ich im ze aigeo geben, 

vnd alle meerwdnder: wie mocht er fcboner leben l^^ 

497 ,,Entrawen,^^ fptacb der Krieche „ich gib dir den brne« 

der mein, 
des magfl du auf mein Irewe gar on zweifei fein, 
vnd mag ich in beizwingen, vil fchone frawe beer/' 
da fpraeh die kuniginne: „ich piCte dich nichles mer. 

498 Ich erkenne ein fpejfe, die ift; nulz ?nd gul, 

die dir an dem leibe vnd [an dem] herizen fanffle ihky(Sp*c) 
die du vil fanffte fuerelt mit dir in der lafchen dein, 
fy muet auch dichnichl (.«): ^Y i^ weder fpejfcy noch wein. 

499 Will du mirs loben bey trew(e), fo belelbeftu for- 

gen frey, 
du gib der fpeyfe niemand, wann der getrewe fey; 
ich Tage dir von der wurtzen, die hat folche maifter* 

fchaft, 
wenn du ir newfseft, £p haft du eines lewen^kraft. 

500 Dir illt darauf dein baiibet (....) gelegen ; 

ir ftet vil in der weite, man foll ir [vil] fchone phlegen/^ 
fy fueret in zu dem paiime, da fy die wurtzen erfach/ 
fy lernet in daz ers erkannde, wo ers ymmermer 

gefach, 

601 Als er der wurtze ein wenig genam in rein(en) mflnd: 
,,o wol mich!^^ I^irach der Krieche „nu pin ich aber 

gefiindt, 
mir gewirrel an meinem leibe nicht fo gros als rmb 

ein bar, 
al[ie] meine fterche, frawe, die han ich wider gar. 

502 Ir folt mir, frawe, raten, feyl ir fo getrewe feit, 
wie ich wider z^e feiner fterche bringe mein rauit/^ 
fy fpraeh: „derfelben wurtzen folt du im auch geben 

ein tail, 
fo gewinnet es flerche wider(e) vnd wirdi fro vnd(e) 

gail/' 



f.^.1^ 



138 WalfüelrielL 

503 Ef ward zdiandt verf«eehet, fein rob ward wider ilard^ 
in einem frechen mfite fand er aber fein narch, 
wie mager es aber. wa(e)re, jedoch tr&g es in von dann: 
da kam ans feiner forge[n] der hilAlofe man. 

604 Mh tüehten fprach der Krieche: ,^ftrawe, ift dir ichl 

bekant, 
weichen weg man reitet in der Lanparten lant?^^ — - 
,,da yindeft dhain(e) flrafien: reif[e] nur bei dem meer, 
dn Aehft LamparCen fchiere: got dir gluck da befcheer! 

605 Du foU dich berre buefen, das lant ift an(e) fride, 

da vant man ee gerichte bey dem hälfe vnd bef der 

Wide, 
du wivdeft nymmer irre/^ fprach di& kunigin[ne] reich« 
nu in aber aus den forgen der Wolff-herr-Diettreicb« 



XIL 

Abentheur« Wie er die fehaeher fchläg 
in dem walde. 

606 Ton danue er do keerte durch den grueuen walt, 
als in die frawe lerte, die üteige mauigualt, 
bey dem mere vil nahen durch das wilde lannt: 
die rteige vnd auch die (Itrafle im waren vil vnbekant. 

507 Des r(a)yt er of(t(e) irre^ als ichs vernomcn han, 
an dem vierden morgen da kam der kdene man 
in ein ftarche wilde, da bort er fere clagen, 

da was ein maget vil fch6ne mit gewalte hin getragen. 

508 Da waren in dem lannde fanfftzigk fchachman, 
die beten in dem walde fchaden vil getan, 

ze velde vnd auf den ftraflen raubten [y das lanndt: 

(CCXfll, 2, a) 
das was den landtleuten mit Icbaden wol bekannt. 



Zwölfte AbcMfelire* 139 

509 Dar kom der degen kuene allatiie za geriten: 

owe! hie von dem recken mit eilen ward geflriten! 

als in die fcbacha(e)re zu in fahen komen, 

yeglicher fpraeb befunder, als wir das ban vemomeu: 

610 ,)Dort beer feert ein recke, der fuert ein barnafch an, 
das iblt ir wiffen alle, das felbe wil ich ban/' 
da l^raeb aber der annder: „er doneket Acb nie fo 

Harcby 
er mufs mir in der wilde lafsen bie fein march«^^ 

511 „So gunnet mir des belmes.'^ fprach äet dritte do. 

da fpraeb es der vierde: „fo bin iob des fwertes fro/^ 
fünft ward da getailet, was er mocbte ban. 
als fy erfacb der reeke, er eilte durcb den tan. 

512 Gegen den fcbacber(e)n ward dem degen ger, 

da ward vil fehlere gezugket fcbwert, fcbitde vnd 

fper, 
die bey dem fewre fafsen vnd fcbraiten da die majd, 
der fchlfig er fier vnd zwaiutzig, als vns ifl gefait 

513 Die anndern im entmnnen, fy war[d]en aber wandt, 
da ward die maget ledig(e) an der felben ftund, 

da lieff fy gegen dem reckben, dancken £y im began, 
fy fpraeb: „got mdefs euch Ionen, vil wunder k&ener 

manl^^ 

614 Da erpayfste er zu der erde, der [wunder]kuelie degen 

ftarch, 
er buh die maget edle für ficb auf daa march, 
da keret er durcb die wilde, als vnns das ift bekannt, 
zu einem rentiere, den er da nahend vant. 

615 Dem beualch er die frawen, als wir vernomen ban. 
damit beerte danuen der vil kdene man, 

da faget im niemand märe, im was auch vnbekannt, 
wie berichtet were lefite vnd auch laut. 

616 Wo er auf der ftraflen fdr die leute rait, 

die waren fo betruebet, daz in nyemand frejt; 

da fraget(er) auch niemand, fuft kam er in das laut: 

k&nig Otnides todt der was im ynbekant. 



140 Wolfdietriob. 

517 An einem morgen frbe da geuieng der kuene man 
einen weg vil engen, der trag in in den tan ; 

das kam im ze forgen, der wald vil dicke was, 
wann da was vil tewre beide, veld vnd gras. 

518 Des r(a)it er oft irre, als [vil] dicke noch gefchicht, 
der edle fnrfte kuene der het der fpeyfe nicht: 

wo er die nacht felde het durch das lannd genomen, 
da ward er yo beraten, als wir das hau vernomen. 

519 Da rait der knene recke allen den tag, 

daz er in dem walde vil clainer fpeyfe phlag. 

do esgieng an dem abent, do vant der kuene man 

einen reuttere, als ich vernomen han. 

520 Der hälff im mit derTpe^fe vnd fragte den kuenen degen, 
wes er in dem walde des tagos het gephlegen, 

daz er alfo fpat[t]e wa(e)re zu im komen. (Sp. b) 

allererft Taget er im märe, als wir das han vernomen. 

521 Er Iprach: ,Jch bin von Kriechen komen indifz lanndt, 
ich wolt auch gegen 6art(e); nu thne mir das behaut, 
wo ich die rechten ütrafse reite von dir al dar/' 

er fprach: „vil lieber hcrre, der beweis ich euch vil gar/' 

522 Der reuter der gieng danne mit im in den tau, 

er weyfet in auf ein ftrafse, den auserwelten man.^ 
da was es worden vinfter: daz er nicht da belaib, 
des nympt mich ymmer wunder, was in von danne traih. 

523 Doch keret er durch die wilde, durch das gepirge dan, 
gegen den Gartre(w)e gaben er began; 

ja rait er. in dem walde des nachtes vil kummerlich: 
nu ift aber aus einen forgeu der Wolff- herr • Diettrich. 



DreiiehDte Abeatoare. 14] 



XIII. 

Abentheur, Wie er frawen Liebgarten horte 
elagen ir lieben man. 

524 Den Garifee bort er die((8)en, vinder wasdienaehl; 
von den wBchter(e)n hört er einen pracht, 
vnd ein kuniginne vil jammerlichen clagcn: 
dar begunde er gahen, ee dann es wolle tagen. 

625 Da erpayfle er von dem rofae vnd weyfet es dnreh den tan. 
aber elagen fere höret der kuene man. 
er gedacht: ^^bift du gefangen, To hilffet dir mein leib.^^ 
ja claget Ofniden fein vil fchones weih. 

526 Da was im vnkunde die purg vnd auch das lanndt, 
da kam der edle recke ze Garte fdr gerant, 

fein rofs das pand er palde, als wir hören Tagen, 

er hub fich zu der mawre, vnd hört die frawe elagen. 

527 Sf klaget iammerlich(en), ir clage die was gros: 
,,nn pin ich hie ze Garte vil maniger freuden plos! 
hymelifcher kayfer, was het ich dir getan? 

daz du mich haft gefchaiden von meinem lieben man. 

528 Der gewan mich mit noeten verre in der hayden lant; 
alle meine mage Ant mir vil vnbekant; 

ich was ein haydeuinne» vnd er ein Criftenman, 
wan ich durch feinen willen den rainen tauff gewan. 

529 Nu rous ich mich fein anen, das wil ich klagen Crifl;, 
der ob aller weite ril gar gewaltig ift.^^ 

hie klaget vil kljgelichen die kuniginne reich: 
das horte bei der maur(e) Wolff-her-Diettreich. 

530 ,,Seit ich verloren hau meinen lieben man, 

fo wil ich mich ervallen, vnd mir got [vil] laides gan/^ 
hie ward mit feinem fchilte Wolf-herr-Diettreich; 
. da bebabet ein junckfrawe die kuniginne reich. 



142 ' Wolfdiekrich; 

531 Die was taugenliche mit ir gegangen dar, 

fy nam der knniginne mit gantzen frewen war: 
,,klaget mafjQcleichen, fraw, cwren lieben man: (Sp. c) 
ja lebt noch got der reiche, der euch wol ergetzen 

kan." — 

532 ,, Wie mo(e)cht ich werden ergetzet des lieben herren mein? 
ich w^n, das in der weite nicht fe piderbe [man] 

• mAge fein, 

er Jacli, daz in der weite ni(n)dert were fein gdeieh, 
wann einer von Salnegge^ hayfset W®''"'^^^*^^®^^'^^'*- 

533 Der ift da ze Kriechen gar ein gewaltig man, 
im dient gewaltikleichen geuilde vnd manig tan. 
da Olneit mein herre ze iangeft von mir rait, 
was er guter m&re, mir von dem recken faitl^^ 

534 Allererfte fprach bey der maure Wolff-her-Diettreich: 
„klaget malTekliche, kilniginne, reich.^^ 

da erfcharat(e) fleh die werde vnd wolte danne gau: 
durch aller frawen gAete pat er fj ftille ftan. 

535 „Ir folt mich lafsen ho(e)ren, vmb wen ir iaroroer 

traget, 
wer was der ellensreiche, den ir fo Ter beklagetl^^ 
fy gedacht, es Märe ir herre Otneit ir lieber man, 
vnd het durch verfuechen dife frag da getan« 

536 Trahenc von ir äugen die vielen hin zetal, 
die natzten im die hennde vor dem weiten fal. 

die nacht die was nicht vinfter, fy chos den kuenen 

degen: 
da het die kdniginne fich freuden gar bewegen. 

537 „Bift dus, mein lieber herre?*^ fprach das raine weib 
„das hat mein armer dien(e)ft getan wider deinen leib^ 
daz du mich fo verfnecheft: nu melde dich entzeit, 
vnd fehaide mich von iammer, hoher kfinig Otneit 

638 Nun mutet mich ze weibe der graue Herman, 
der bei deinen zeiien ye dir was vndertan. 
gedencke, kdnig herre, wie itat dir daz anl 
vnd fchaide mich von n5eten, tril tngentlicher man. 



Dreiiehnte Ab«ilenre, 148 

539 Nu DiAfs ich toglichen leiden [vil] grofso not» 
das mir na endicleiche vil lieber were der todt 
ja mutet mein ze weibe^ der vnder Otnide[n] fafs:' 
reicher got von himele, dir fey geclaget das! 

5^10 Seyt Ofnit mein herre zejung(e)rt von mir fchied, 
fejt hot ich leider niemand, der ichtes mich beriet; 
des ift mir foi^ vnd iammer zc allen f Zeiten kundt: 
mau geit mir meines geldes nun kupfers hundert phundt. 

641 Da mufs ich mich zum iare mit no(e)ten mit befragen, 
was ich Tnd meine fre&liii mit hannden mag beiagen, - 
das ift mein gelt zum iare, des ich mich neren mus: 
der fuefse göt von hiraele der thne mir fein fchier pds! 

542 Nu[n] gedencke^ knnig herre, do ich erfte bey dir lag, 
wie recht tngeiitleiche mein dein k&ener leib phlag. 
ich laiite durch de(i)n willen gar ein herte flari: 
daran folt du gedencken,, vil edle fnrften art/^ — 

543 „Ich bius nicht ew(e)r herre, ich bins ein vertribner man, 
der weder lanndt oder leute oder erbe nie gewan. 

gar on(e) mein(e) fchnlde fo bin ich verlriben: 

CCCXIin, 1,a) 
mir ift Acherlichen nicht wann fchilt md fper be- 

liben, 

544 Darfzu mein rofs gefatel(e)t. des mufs ich mich be- 

gan[n], 
ich bin in difetn lannde gar ein elleiid(er) man. 
ich klaget euch gerne, frawe, nein« grofse not: 
nu ift ewr clage manicuelter vmh des edeln herren todt/^ 

545 „Was mocht ich, ellensreieher, ewrs laldes mir geklagen, 
man hat in manigen lannden von mir ainen vil zo Tagen, 
man Taget in difem lannde meines herren todi, 

des leide ich hie ze Garte iammer vnd grofse noV' — 

546 „Nu Tagt mir, kliniginne, wie mag es vmb in ftan?''-— 
„[herre] ich fanto ans difen häufe einen wotbejarten 

man, 
der wolt(e} an d«n wdrmen reche« feinen zom, 
davon ban ich den liebes herren mein verlorn/* 



144 Wolfdielrieht 

647 Er fpmch: ,,durch abenfeur(e) bin ich her komen, 
ew(e)r clage, frawe, han ich wol ▼emomen; 

ich rech euch an den wurmen, oder fy mhefsen mich 

nach im tragen: 
mich erparmet hart(e) fere füllt getanes clagen/^ 

648 i„Daa wil ich wider raten,^^ fprach fi*aw Liebegart 
,,iwelff man(n)e8 Iterche het Olnit mein zart: 
den hat der wurm(e) ainer in den Itain getragen; 
ir mugt wol hie beleiben, lat mich in aine clagen. 

649 Womit het ich verdienet,^^ fprach das raine weih 
,,daz ir durch meinen willen folt wagen ewren leib? 
das geverte ift nach den wdrmen vil fchwinde in 

den tan; 
ich wil euch, degen, raten, dai ir hie folt beftan/' 

650 Da fprach der riter edle: „des mag nicht ergan, 
ich beftan fy endiclichen, vinde ich fj in dem tan, 
feit (fi) Ach mortes rleifsen, fy lafsen mir iren leib: 
der mare fult ir peiten, vil tugeutreiches weib/^ 

551 Yrlaub gert er dannen. fy pat in fülle Aan: 
^,faget mir, riter edele, wie ift ewcr name getan? 
durch ew(e)r tugende willen, nennet ewch kfiencr man, 
daz ich got vnd (umbi) eur ere dedt bas geflegen 

kan." 

552 Er fprach: „kuniginne, des (en)mag nicht wefen, 
ich muefs ee da ze walde Herben oder geuefen.^^ 
er gie zu feinem rofse, des hab er ymmer danck, 
gewappent, on(e) ftegraif, er in den fattel do fprang. 

553 Sere weinende fprach fraw Liebgart: 

„awe, meines herren! ditz geletchet feiner fart. 

wilt du mich bas verfucchen?^' fprach aber das raine 

weih 
„got durch Xein(e) guete behalte deinen leib!^^ 

554 Einen puneiz auf dem rofse tet er auf den graben 
harte paldecliche, als wirs vernomen haben, 

er naig[et] der kuniginne, von danne was im gach: 
nu (imi) tet die tugeutreiche vil manigen fegen nach« 



Vierzehnte Abenteare. 145 

555 Da keret er von der bürge durch den vil tieflfen tan, 
hernider gen der Etfche, da vant der kiiene man (Sp,dJ 
die rechten lanndtflrafsen, die rait der helt fa« — 
WolffDietlriche(8) abenteur(e) ifl aber aine da. 



XIV. 



Abenthenr. Wie er eineu todten ritter tant, 
der was dem wurm emplialleii. 

556 Ze berge bey der Etfche gaben er began, 
harl(e) baldiclicben gegen Triendfe dan. 
da raffen artztleAte an derfelben Itund, 

da teten im die armen iren grofsen lammer kundt. 

557 ,,Got willekommen, herre, beer in ditz(e) lanndt! 
ob euch gol von bimele zu bilffe vns hat gefant« 
vns hat ein wurm wilder zelaide vil getan, 

er hat hie verderbet wol fÜ'nffhundert man. 

558 Das folt ir helffen richten, vil hochgepomer helt, 
ze vogt vnd auch ze herren tus allen fejt erweit, 
er hat rnns verderbet den kunig Olneili 

der was ein kind der jare: fein lob was worden weit.^^ 

559 Es wurden ficherlichen fchiil(e) dargetragen 

mit fchatze yur den recken, als wir hören fagen: 
„ewr gut folt ir bebalten,^^ i^rach der werde degen 
„ich hau durch gotes willen der raife mich bewegen.^' 

560 Da bel(a)ib der ritter edle vntz an den dritten tag, 
fein vnd feines rofse(s) vil guettlieh man da phlag. 
fy dienten im mit vleifse, daz was miehel recht, 
das tet mit gutem willen manig ritter vnd(e) knecht. 

561 Aines tages gen der none ze ruhe (Ruhe?) was der man^ 
da begunde er vragen gen dem wilden tan, 

er pat, daz fy im teten des wurmes fart bekant: 

do zaigten fy in dem (im den?) Meer fee zu der ftalnes want 



146 Wolfdietrich. 

563 Vrlaub Dam do ze Triende Wolff-herr-Oiettcei»!«»:. 
do gachle vber die liayde der bellTilr.JpbeAeieli..- 
er keret auf ein ftrafse in den wildeo jt^oi^:.. . .i,: 
da vand er ficherlichen einen todton urw; * . .. ' 

663 Der was dem wurm emphallen, in derfelben Itdnd, 
erpaifzfe (er) zu der erde, grofs iammer ward im kandt 
er fpracb: ,)Owe, recke, dein knmber ift mir laid; 
du macht wol wefen edcle, feyden fint deine claid, 

564 Du magft ficherlichen wol furftenkunne fein.^^ 

er yand an feiner bennde zway reieke vingerlaiB. 
Hucke von gewande lagen vmb den krays, 
plutig was die ftrafse: in bcgos ein ang(e)n;fwa78. 

565 Eines weibes ftymme die bort er fere clagen, 
die was in den Zeiten mit forgen vmbetragenv; 
die was ein grauinne. wie künde ir laider wefen? 
eines degen kindes die frawe was genefen. 

566 Der vor im lag toler, der was gewefen ir man, T^. fij 
fy bet Ach verloffen von den lefiten in den tan. < 

dar eylte paldicleicben der degen vnbekant, 
£y pot aus vncreften im ir vil weifsen bandt. 

567 Ir was von vnerefften ir fpracb(e) gar gelegen, 
das begunde erparmen den aulferwelten degen, 
darnacb in kurtzer wejle die frawe ficb verfan^ 
£y begunde zebannde fragen den riter wolgetan. 

568 Da fpracb gezogenliche der furfte vil ftoltz: 

„faget mir, frawe edle, wer bracht euch in das bolfz?^^ 
„berre, tnir nam ein wurme den allerliebften man, 
den in difer weife dhain frawe ye gewan. 

569 Inn einem paumgarten beut morgen das gefchacb, 
dauon fieberlichen mein freude allda zerbrach. 

er was milt des gutes vnd gar ein werder man: 
ich ftal mich vor den le&ten daheer in difen tan. 

570 Freude ift mir gezucket, nu ban ich funden not,^^ 
l>racb die tugentreiche „nu nabent mir der tot/^ 

da fpraeh der ritter edle: „frawe, ir muget wol genefen, 
ob fein got geruchet: ick fol ewramme wefen.^^ 



Fünfzehnte Abentenre« 147 

571 Da fprach aus yncreiTlen die frawe lobefamt 
,,awe! riüer edle, da hab ich gen euch fehaiti.^^ — 
„fchame ifi hier sergangen:^^ fprach Welff«>herr-Dieftreich 
,Ja hilffe ich euch aus forgen, ob ich bin fjnnenreich/^ 

572 Von der ftainwannde gaben er bogan, 

in feinem helme balde wafser bracht er dan, 

hie labte fich die frawe, das tun ich euch bekannte 

ir halff aus vncreften da des furften hanndt 



XV. 

Abenthear. Wie er des todten ritters frawen ze 

einem reuter braehte rnd ims emphalch, wie 

das kinde. 

573 Von harnafch ward er geploifet, fein cArfeit von im geiogen ; 
£y was von des recken hilffe Tnbeerogea: 

mit kinde mit alle trug er fy all za haut 

zu einem reuttere^ den er nahen bey im vant 

574 „Phlige mir der frawen/^ fprach Wolff-berr-Diotlreicb 
„mit vil grolTen eren, ich Ifin dich [des] gutes reich/^ 
da fprach der wirt zum gafte: ,yalles das ich han 

.daz fey meiner frawen mit dienfle vndertan. 

575 Da fprach zum reutter(e) der vil kuene man: 
,9wirl[e], durch dein(e) trewe fey dir kunt getan: 
du folt das kindel tauffen, thu fo tugenlleich, 
nenne es nach meinem rater Huge Diettreich/^ 

576 Ir ward von dem wirte mit eren wol gephlegen. 
vrlaub nam [er] von in baiden do der werde (degen), 
wider zu dem todten gachte e^ all ze haut : 

fein rofs der ritter edle dannoch gepunden vant. 

677 Er fprach: „awe, recke, nn rewet mich dein leben. 

(CCXIIII, 2,B) 

got gcruche deiner feie ein ringe weieke in (geben) !^^ 

fünft klaget er jämmerliche des edlen grauen leib, 

er fprach: „ich vant in ooeten heat fein fehAnes weib/^ 



148 Woiraietrieli. 

578 Hie brach er ober den todten beide, laob ynd gras, 
da gacbt er nach dem wdrme, dem er mwlge was. 
die naeht begrayffmit creffle den auflerwelten degen: 
er het fleherliehen flaffes Heb bewegen. 

579 Damit der degen kuene raif alle die naebt. 

er bort in dem walde von YOgele(n) fikefsen bracht, 
die nacht was gar vinller, des rit er [vil] kummerlich, 
nu ifti aber in forgen Wolff-berr-Dietterich. 



XVI. 

' Abenthenr. Wie das rofs den wnrm rertraib 
die weyle er flieff. 

580 Er rait durch ein geuelie gegen einer ftainwant, 
in Infte fere flaifen, das tfin ich ench bekant; 

zu im der tag erledehte, als wir nu haben Ternomen, 
da was der degen kuene auf ein bajden komen. 

581 Da erpayfst'er von dem rofse nider auf das lanndt 
vnd legle Ach rchIafflCe)u in feinen fcbildesrant. 

da nieff der degen kAene wol auf liechten tag: 
der wnrm gieng von dem loche, da er aber der wajde 

phlag. 

582 Durch fein fchnabelwajde gie er von dem nefte dan. 
ein getzwerg von dem ftaine rfleffen do began: 
,,wache, degen ma(e)re, ja ift es an der zeit: 

du manedt; mich grofser laide vmb den kunig Otneit. 

583 Der kam durch den wurm daher in difen tan, 
hie verlos auch fein leben der aufserweite man, 
Otnit der vi! edle verlos hie feinen leib: 

den bewainet noch ze Garte Liebgart fein fchones weib/^ 

684 Dannoch flieff vnnderm fchilt(e) der wunder kuene man; 
der wurm gachte balde zu im durch den tan; 
dannoch flieff vil fere die edle fArften art: 
das getzwerg begnnd fleh ranffen bei dem bar vnd part: 



Sechzehnte Abentenre. 149 

585 „Awe! wiitu nicht wachen, wunderkdene man^ 

fo lebt nyemand in der weite, der die worm dure beütan* 
awe! wiltu nicht wachen, wer fol Fnns fride geben? 
[oder] wer riebet nu die armen, yerleufefl du das leben 1^^ 

586 Dannoch flieff auf dem fchilde der knene degen ftolts. 
der wurm gachte balde zu im durch das holtz, 

das rofs das prach den zaiinm vnd lieff den wurm an, 
CS traib in von dem herren mit^ ftreite in den tan. 

587 Wann es den wurm wilden getraib verre dan, 

fo lieff es zu dem herren, als ich vernomen han, 

vnd wolt in gern(e) weckhen, das tun ich euch bekant, 

es fchlug in mit dem fube auf des fchildes rant« (Sp. b) 

588 Es l(a)it von dem wurme vil rngefuege not, 
das folt ir gelaiiben, yil nahen wf 9 im der todt, 
er begunde im zerren fein vil Tchones fei; 

doch was es in den Zeiten vil kfiene vnde rchnell. 

589 Es het den wurm grofsen verre hin dan getriben« : 
nu was der degen kuene allain hie beliben, 

der was nu erwachet, ho(e)ret, wie er do fprach, 
da er er fein rofs das gute nafs von pl&te fach: 

590 »Wee, das ich nicht han gewachet !'^ fprach der kuene man 
"„ja het ich dir geholfEen, als du mir hall getan; 

ich fichs an deinem fwejfse, du pift gewefen in not: 
wer got vnd dein hilffe nicht gewefen, wir weren [bede] tot. 

591 Nu han ich deiner trewe vnd auch der hilflb dein 
genofsen, daz ich heute han das leben mein. 

ich fichs an deiner gepare, der wurm ift hie gewefen: 
nu hat vnns got geholffen, daz wir fein genefen/^ 

592 Er richte fich von der erde, als ich vernomen han, 

den zäum den machet er balde vnd legi in dem rofs an« 
er mafs des wurmes fuefse: vil eifslich was fein gang, 
die kla vor dem ruXle waren dditm eilen lang. 

593 Da fprach dar ritter edle: 9)fy(ch) was fol dilz wefen? 
der teufel aus der helle, wer kftnde darvor geneCen? 
wer ich alfo tote(r) beliben in difem tan, 

wer het dann erl6fet mein aindlif dienftman } 



150 WolfdielriolK. 

694 Die liefg ieli da ze Kriechen in vil groüser noi, 
Bj ringend täglichen nun vmb den todt« 

herre got Yon himele, lafs mieh die seit geleben, 

dai ich in trüil mit freuden noeh. aineft muefae gaben !*^ 

695 Da gurte er feinem rofao vil reh(n)elliclichen baa, 
in einem grimmen muete er darauf gelafs, ^ 

da keerte nach dem wurme der degen lobelich. — 
nu wii in die Cörgen Wolff«herr-DieltHeh. 



XVII. 



Abenthenr. Wie ims IVert braft auf dem 
TFarm rnd trug iu in den perg. 

696 Da kerel er gegen der wilde durch das gepirge dan 
gen der Haineswende,. aU ich vernomen han, 

da erpayfste der ritter adle nider auf das lanndt, 
fein rofa er faart<e) fnelle zIl einem paume paut 

697 Da gieng gen dem perge der vil kdeue degen, 
er het vil flcheriichen ftreites fich bewegen, 

da er kam zu dem loche, als ir wol habt vemomen, 
in einem grimmen m&te was der helt dar komen. 

698 9>Her wirt, feyt ir hie hayme?^^ fprach der kfiene man 
„da wellent euch die gefle mit flreite hie beitan. (^, c) 
nu wert euch männlichen :^^ fprach der k&ene degen 
„ir geltet mir die todten, die vor euch fint gelegen/^ 

699 Der iungen waren funffe, die gryncn den ritter an 

der alte was nicht dahajme, der was nach [der] fpeyfe gegan. 

„was folt ich an euch welfieren eren hie began^ 

ja wil ich nach dem atten^ der hat rnns laide vil getan/^ 

600 Do keret er von den jungen aus der ftaiueswant 
wider gen dem walde (do bort er al ze hant 
in dem wilden walde) einen frayslicheu flurm, 
den facht ein lewe wilder, das annder was der wurm. 



Siebzehnte Abenteare, 151 

601 Da fueret er an dem fchilde den leiten von goldn rot, 
da fach er dort den wilden ftan in grofser not: 
,,niag ich dir nicht gehelffen, ich wil dir widerfagen« 
daz ich dich njmmer gen)al(e)t an meinem fchilde 

welle tragen." 

602 Das fper zu feiner hennde geaieng der kuene man, 
mit einer ffcarchen tjofte rant er den wurm an; 

das fper zu mauigen flocken vor feiner hannde praft: 
^er künde fein nicht gewannen, das betaurte fere den gaUt. 

603 Da erpayfst der ritter edle nider auf das lanndt, 
fein rofs er hart(e) palde zu einem paume gepandt, 
nam das fwert zu bajden hanndeif rnd fchlug auf den 

wurm: 
er künde fein nicht gewannen, der gaft buh den flurm. 

604 Das fwert ze drejen ftucken als ein aphl hin gefprang. 
da bet der ritter edle vil manigen gedaugk, 

auf rackht er fein(e) hennde: ^^vil genediger got! 

du magft mir wol gehelffen, ich geftee hie in grofser not 

605 Hilff got von himele, gnediclicher Crift, 
hilff an difen zeiten, feit du gewaltig bift! 
vnd ift daz ich todter beleihe in difem tan, 

fo berat doch (zu) den Kriechen [mit] meine[n] aindlif 

dienltman. 

606 Die fint auch verdorben, verleAfe ich hie mein leben, 
fuefser Crift von himele! ich hau mich dir ergeben, 

es Aet an difen zeiten, vmb mich vil kummerleich.^^ — 
allererft ift in n&ten Wolff-herr-Diettreicb. 



Otnit. 

und 

Wolfdietrich. 



Hagens Bruchftücke. 



t n i t 



Erstes Bkitt, 
Vorderseile, Unterhälfte. 



164 



165 



Mrste Spalte, 

ifla doch min kiDt. 

fprach der lampartere 
Dar ane hanu gelogen 
Brech ich uit mine Irnwe 
Oder were ich vngezogen. 
Min hertz ift; fo getruwe 
Ez mag dir nit getan 



Nu Tage mir vff din truwe 
Bin aber ich din Arn 
166 Mit zuhten fprach der deine 
Du bilt min kindelin 

Er fprach dcz mufz vff 

einer hut 
Werden verbrant die mu- 

fcr min 
Daz vor mime vater 
Je kein man by ir gelag 



Zweite Spalte. 

171 Die firauwe wol getan. 
So mufz daz knnigreich 
Mit groHeer de leben. 
Alfo gewan ich fie zu wibe 
Daz Toi mir got Tergeben. 

17*il AN eime heifzea tage 
Ü-Sie an^) irm bette fafz. 
Sie weinte nach lieben 

kinden 
Ir äugen wurden nafz. 
In einer kemnaten 
Do entorft nieman bjr ir fin 
Wanne £e fich erweinen 

wolte 
So liefz &e niemant zu 
ir nin. 

173 Do Hunt ich ror irme bete 

Vnd borte waiz Ae fprach 
Do wart ich ir fchuldig. 



*) an ift Tftihißhergetckruibm. 



156 



König Otnit. 



Kehrseite, Unterhälfte. 



Erste Spalte. 

176 An Arne Übe tragen Fol 

177 Luter alz ein brunne 
Liht alz ein glaz 

Do facb er die ringe 
Yor im in dem graz 

Vnd einen heim fehone 
Von golde waz er lieht 
Gewirket alfo fefte 
Kein fwert enfnidet lin niht 

178 Do wart der lampartere 
Fr4> der ringe fin 

Er enmocht ir niht ge- 
fchauwen 

So lieht waz der fchin. 

Do fprach der lampartere 

Ez ijft ein wunder bie ge* 
fcbeben 

Ja mag icb die ringe 



Zweite Spalte. 

182 Do ban 

Nu ban icb lampartere 
Wol gezieret dinen lip 
Wiltu daz icb dir diene 
So erzürne nit daz tugent- 
rieb wip. 

183 ErzurneAu du die frauwen 
Vfzerwelter tegen. 

So mufz wirfin gefcheiden 
Die wile daz wir leben. 
Do fpracb der lampartere 
leb enbrecb nit din gebot 
Ee danne ich fie erzürnte 

leb wolte ee Herben tot 

184 Mine muter dinegenufzet 
Die wile daz ich leben 

Mine hertz vnd alle mine 
finne 



Zweites dem vierten angebogenes Blatt 



Vorderseite, Unterhälfte. 
Erste Spalte. 

187 Wer mit 
Der mag 
Do vant er zu 
Gefchrieben Anen na 



Kehrseite, Unterhälfte. 
Zweite Spalte. 



204 



^r porten 



Dritte Abentenre. 157 


Erste Spalte. 


Zweite Spalte. 


188 Die Tcheiden waz von g 


olt 


Vnd daz der fefzel folte 


205 urggrafe 


Daz waz ein borte fldin 


fln 


Vnd gap liehtcu fchin 


er bruft 


Qbenthalp der biltzen 


•" 


Dez guten fwertes flof 




Do lag ein karfunkel 


fne. 


Wol einer fufte gro« 


wen 


189 Do wolte der lampar 


we. 


Von im vnd dan 


206 e pforten 


Nu mufz dieb got gen 


Warff 


So fpraeh der wenige 


r brücken 


Du folt micb nit v^mi 


fcbarpf 


Wanne du darfPelt min 


Yö ftahel were 


Du enkanft micb nIt. 


der galt 


Drittes Blatt. 


Vorderseile. 


206 die ringe 


211 leb bans vcb balde ergötzet 


baft 


Bebaltent ir daz leben 


207 n wieder 


212 Viircbirefpracb die muter 


wibt 


Wer gap dir daz gewant 


£ien 


Er fpracb do reit icb bin 


enibt 


Zu der fteinea want 


n fuiken 


Do ban icb din genofzen 


rflagen 


Daz icb dir vnwege bin 


ampartere 


Kunig Otnidea abenture 


on binnen tn^gen 


irt die ander nu do bin. 


208 ben brnder 


213 l^ubant fpracb die mut^ 
A Wer gap dir daz beubt 


komen 




daeb 


fcbonet 


Do feit er ir die mere 


en Up genomen 


Wie daz im gefcbacb 



1»8 



König Olait. 





EnU J^aiie, 


Zweite SjHüie. 




ampartere 


Do enmohte nit gelevkea 


« 


il 


Das tugentbane wip 


• 


fcheiden 


Sie fpracb ich gip an dine 
gnade 


• 


ftril 


Lieber fun minen lip. 


• 


erwiodcn 


214 Mit helfen knfzeii flehte 
fl im 




lange gewefeu genug 


Bi% er ir frunt trarl 




b fere 


Da nahte ez tU fehlere : 




urggrafen flug 


Des kuniges hinefart. 


209 


ich ji^erfuchen 


Do bleip er zu garten 




uwe fit 


Biz vmb quam daz iar 




Fttlogende 


Die im da helfen follen 




here Otnit 


Die qnamcn alle dar 




en 


215 Er befalhe dem burgrafen 




an in 


Die muter vnd daz lant 




lampartere 


Die helde im hulde fwnren 




er min 


Do hup er ficb uff zu hant 


SlO 


die lute 


Er nam mit den beiden 




vant 


Vrlanp zu der muter fin 




enpfingen 


Do reit er uz fehlere 




hant 


Zu der Hat melBn 




hier erkenel 


216 Harte minnenclicbe 




t waz et bl02 


Enpfing in manig beide- 
nifeh man. 




weinen 


Die kiele waren fchon 
bereit 




eit gar groz 


Do fcbiften fie von dan 


SU 


mpartcre 


Sie waren gern dem iare 




uwen lag 


Mit fpife wol geladen 




mnfis es got erbarmen 


Den enker lle do loften 




gepflag 


Tnd flofzen von dem fladen 




h Til fer^ 


217 Do for hart frolichen 




ez Tergeben 


Der lamparter vnd fin her 



Diüto Abentesre. 



159 



Kehrseite» 



Ente Spalte. 



Zweite Spalte. 



217 In der fedbill^ggi wgi^hen 
Do gu{(inei| A\ ulrei» mcre 
Yii Tchii^re der marnere 
^1 dep £^ft{||b«i{/9P 4F^t 
Er Tjpr^jqb ^eh^Ai^'die bürg 
• ' Xunders 

Vnd die guten beupt ffat 

1218 Er rieff mit Inter ftimme 224 
Wie M. VHS gefchehen 
Nii han wir das gute laut 
Zu funders an gefehen 

[218, 3. 4] 

^9 Do Tprach der Tcbiff herre 

^^/«»ivJüijtppÄtg 

Sit ich uch nu gutes 

Nit me geraten mag 

Die winde (Iahen vns zu 225 
ferro 

Wir enkomen^'nieinep 
wieder 

Laut vns die kiele richten 

Vod lanl die Tegel nieder 
220 Do fprach der lan^portere 

Kanftu mir nit gefagen 

Sin wir geflofzen rehte 

Geia fai|^an-i»'die habe 



226 



Vnd enfagHtu mir üit rehte 
Ich nemen dir din ieben 
leb wil dir I weif gülden balde 
Zu bodenbrode geben. 
221 Er fprach wir flu reht 
geflofzen 
Oein flargan an die habe 



Ich bjn i^ff der forte 
Nu.nit .wqL bewart 
Mit, vil j^oljpiem leide 
Er vmäfiMigeQ .waz. 
Du mahl nficb| wol getr 

• . < '* 
Sprach ron rufzen elyas 
Da fpnach^^erfifunparte 
Nein- ich enii^qp 
Nu mufz ez go| erparmen 
Daz ich gelebt ie die* 

jfen ta 
Der miß im folte helfen 
Von den grofzen noden m 
l^ez ez ift mir vergefzen 
Darumb fo mufz ich truri 
Do fprach von rufzen elia 

Du näft doch alle die 

DJe dir helfen woUent 
Ute Hilt bj dir hie 
Zu ftiirme vnd zu ftrite 
Sint He wol bewart 
Drf fzrg: tufent helde 
In ringe wol befpart 
Ich bau äez heften nu 

v'gefzen 
So l)praeh der kunig rieh 
Mit iamer fach er umbe 
Bi im ftont alberich 
Do wart der lampartope 

Ton herzen fere Uro 



160 



König Otoit. 



Erste Spalte. 

Doch wil ich vch droften 
Daz ir uch oit fitzet abe. 
Sit daz viiT zu der £tat 
Zu geflofzen flu 
Zu funders in der feften 
Ift manig raup gallin 

222 Do fprach der marnere 
mir ift nit kundig wol; 
Ich füre ger furbaz 

So enweifz ich war ich Fol 
Den ich der ferte 
Zu meifter hafte gekorn 
Der ift mir zu ferre 
Ich faan in nu verlorn 

223 Ich folt wieder keren 
Waz hilfet mich die yart 



Zweite Spalte 

Er vergafz da al feiner forge 
Vil lute rieff er do 

227 Vater vnd herre 

Waz hat dich her praht 
Erft fo wil ich lachen 
T}ez ich hede Tngedaht. 
Er zucket in an den arm 
Er k&fte in an den mont 
Mit zuhten fprach der 

deine 
Daz iftdirgar vnknnt£228] 

229 Do fprach der lam'partere 
Durch got beweife mich. 
Sage mir uff diu truwe 
Wo haftu verborgen dich 
Er fprach oben in dem kiele 
Vff dem roaftbaum ich fas 



Viertes dem zweiten angebogenes Blatt 
Vorderseite , Unterhälfte« 



300 Wer nach dem kauff geet 
Im Wirt der lip benomen 

301 Wir mögen fin wol en- 

gelten 
Er ift eins kuniges kint 
Driffzig tnfent beide 
In der muren fint 
In den liebten ringen 
Wiz alz der fne. 
Ich forht fere daz vns 

werde 
Von dem kauffman al- 
len we 



306 Nu gap einen flag 

Mit finem guten fwerte 
Wie balde er tot gelag 

307 Sin gut fwert rofe 

Im in der hende erclang 
Vil manig fchilt gefpenge 
Von den flegen zu fprang 
Manigem ubelh beiden 
Nam er do fin lebeil 

Daz quam auch den fijien 



Vierte Abenieiire. 



161 



302 Dp wen)cte,man mapichen 

lielden 
Per do faifcfaes pflag 

Dem effchein zu leide 
Die Tonne vnd auch der 

liehte (ag 

Sie muften alle gach daz 

leben han r^lorn. 

Olnid trauck zu der porten 

Er bliefz vff daz her hörn 

303 Do hup fich in der feften 
Ein vil luter Tchal. 



Zweite Spalte. 

Weiz got gar vneben 
[308] 

Nu lazzen wir die helde 

Ariden 
Alfo fpraeh elbericb 
Ich wene vns wolle uber- 

riden 
Der heidenifch knnig rieh 

309 Die pforten ßnt nu alle 
Leider zu gefpart 
Die Tor offen waren 
Die ^nt alle nu bewart. 



Kehrseite, Unterhälfte. 



312 Der quam ut 

Zu dem kunlge dar gerieden 
Er fpraeh nu bore mich 

lampartere 
Du haft ietznnt genung ge« 

flrieden 
Nu ker'e kere balde wieder 

vmb 
Ynd rieh dinen zorn. 
Wann ez hat der kunig 
Die flnen alle verlorn. 

313 Do fpraeh der lampartere 
Yil lieber oheim elyas 
Nu mufz ez got erbarmen 

Daz ich bi dir nit enwaz 
Ich mufz nach dime tode 

Immer trurig fin 

Nu kere balde wieder 



Manigen kunen tagen 

320 Do l^rach der lampartere 

Der edel kunig otnit 



Wer lute vnd auch fich 

felber 
Fürte in einen horten flrit 
Waz er do verlufet 
l^ez mufz erflcherwegen 
Du mäht nit me ftriden 
Laz mich der vaneo pflegen 
321 Do fpraeh der kunig vö 

rufzen 
Do Von enfcheide ich niht 
Mir enwerde danne ver- 

gölten 
Die man hie liegen fleht 
Ich wil dir gern helfen 



162 Köfti^tHA 

Vnd hilf im vCb den for- Lai «itr die ftffrm fan 
[314] gen fin 

315 Dannoch bat der konig Ich mutz hude Herben 
vö rnfzen 

Die banter in die hant Oder ich rech min dinft- 
t3l5,il man. 

Wie daz er 'von (legen 322 Sie werfen fleh vil fere 

Were worden vngeftint Die Harken heidenfcbafl. 



WolfdietricL 



Erstes Blatt, 
Vorderseite, Oberhälfte. 



Erste Spalte, 

Er zogete nach den diem 

In einen flnlter hol 

Er enwilte war fij quamen 

Der degin lobefam 

Do fchieti er Yon dem walde 

Als ein Irurig man 

Dannoeh die koniginne 

An der hoen zinne lag 

Sj lag biz an den abint 

Der knnig lobefam 

Nach fjnem fchone wibe 

fragen er began 

Und auch nach AnS kinde 
re^e 

Die mere wart yme ge- 
feit 

Da von dem kQtt%# rkh# 



Zweite Spalte. 

Dez mofz ich fchone 
Hie ummer tmrig fUn 
Der furfle rieh vnd edele 
Freude an Ach gewan 
Do dittlint die fchftne 
Sprechin do began 
Er fprach iz ift belbir 
Ein leit danne mer 
Die farften fürten fcfaire 
Von dan die keyferinne 

her 
Vff ejnen pallas here 
Farften freid dlnflman 
Vielin ir zu ftizzen 

Aet keyferinne lobefam 

Rillor TBfM friiiwhi 



164 



Wolfdielrich. 



Erste Spalte. 
Vff flunt grofz h^tzeleit 

Daz hofTe gcfinde war 

befw'et gar. 
Man trug do voa der Zin- 
nen 
Die reyncn fraawin klar 
Trippel der kunig edele 
Drnte fyn fcbonis wip 

Mit armen kreffliclicfae 
Vil nahen an ßn lip 
Vor yme lag die rejne 
Als fy w^e tot 
Zu athenis vff der feiltin 
Hub fich micbel not 



Zweite Spalte. 

Vnd manicb wuniclichez 

ivip 
Droften je die g&te 

Vnd manicb' meyde lip: 

Nu lafzin wir beleiben 
Daz gude buch alhie 
Vnd horin eine ftolze 

mere 
Bie iz Bertunge ergie 
Der werde ritter edele 
Yen krichin do entran 
Hin zu dem wilden rufzin 
Zu dem kunige grippian 
Wan er konde werfBn 



Kehrseite, Oberhälfte. 



zu dem ziel 

Vnd wit fpringin biz der 

werde man 
Yil wunderliche kreffle 
An fynem iip gewan 
*) Grippian d^ riebe 
Wart Bertunge dar 
umb holt 
Er gab jme rofz vnd 

cleyd* 
Silber vnde golt 
Biz er 2um Abluden iarin 
Beleih der kune man 
Do vil derguden botfchaffte 



Der kunig zoch von dem 

walde 
Der junge zoch jme nach 

Vil uafte an fynem fehall 
Dem kinde wart uil gach 
Hin vff die wite 
Volgte im d^ junge nach 

Biz daz kint fach 

Athenis daz floz yzirwelt 
Do er die bürg fo Xchona 
Geyn jm gliefzin fach 
Vz gar Xenfte mute 



*) Rmm füit wAt» ^emdlim^AnfangitbiiehikiBm. 



Wolfdietrieb« 



165 



Er8t$ Spalte^ 
Von krichiti rieht quam 

Blerkint liebin lüde 

Der kluiig grippian 

Lafzin wir bertungen 

den helt lobefam 

Vnd fagin wie iz zu walde 

Dem jungen ergie 

Den batte ie die wolffe 

In dem gevilde hie 

Sj fpifeten in mit wilder 

natnre 
Den degin ab' hie 
Dieilint die rejne 
Sjn muter alle tage gie 
die zinnen hoch 

agte ir vugemach 
tegin von gote 



Zweite BpaUe, 

Der iung mit iiuditin 

fprach 
Ach richer got TOti hj^ 

mele 
Wez ift nu daz lant 
Daz iz fines natir were 
Daz was jme vnbekant 
Ejn ritter knne vnd Harck 
Waz yft daai velt geJPiirn 
Mit habichen vnd mit win- 
den 
Desjunigen beguirde er farn 
Do es quam fo.nah^ti 

Daz er in fiehtig wart 
Erlt lobit der ritt^ edele 
Do die reibe fart 
Sin edele varbe f(^ lobe- 

fam 
Te vafter vnd ie vaftir 
Sacb in der ritter an 



Zweites, dem ersten angebogenes Blatt. 

Vorderseite. Kehrseite. 

Erzte Spalte. Zweite Spalte, 

Wolf diterich 

Daz er fynt ged 

An hirten ftriten ruwin 

Wan er waz in no n 

Als ich uch fagin vollit 

So fprach zu all 



16« 



Wolfdieteieb, 


Ente Spalte. 


Zweite Spalte 


Der degin lobe 


mele 


Nu berat got zu 


fyn 


Mjn eilff dinft 




Sy bttlffeu in de 


yn 


De« Xelbin dagis 


eh getan 


Si flugin durch 


lebin 


Yil maniche dif 




Die helme fy ir 


e 


Mit elleatbaHir 


rieh 


Maniehen hejdin 


ate 


Do njder uff da 


ich 


Die fw't riugeu 




Das die füre bei 




Vz den helmen 




Von nodio beg 




Die edeln beide 




Des wart von g 




manich degin z 


n 


Mancbin 





Hugdietrich 

und 

Wolfdietrich. 



Aus Hagens Handschrift 



iw U^/ T^, 



Hvgdietriekt 



CBl. y, Ä L) 

1 17<8 wachs in Eonftanlinopel ein jnnger künig reieb, 

•"Oewaltig und piderb(e), 8er hiefz Hngdietreich, 
anf von kindes jagend(e) fo knnd der helf wol leben, 
durch got nnd durch ere paide, leihen und geben. 

2 Er was klaine an dem leibe, wolgefchaffen überal, 
getroUen als ein kertse gar über dj hnf zu tai 

* fein har was im. raid(e), darzu langk und fal, 

* es gieng im ftber die achfei auf die hilf hin (se) tal. 

3 Sein Tater was gehaifsen künig Antzius 

aitt kttnig von Kriechenlanden, das puech Tagt uns alAis, 
der het auf feinem hofe ertzogen, das ift war, 
ainen alten hertzogen^ der lebt(e) manig jar. 

4 Das was /hertzog Berrbtung, geboren von Meran. 
der felbig künig Antzius hiefs in' für in ftan, 

er fprach: „hertzog Perchtung, ich han ertzogen dich, 
in wirdikeit, des folt du lafsen geniefsen mich. 

5 Ich enpfilch dir (auf dein trewe nnd) auf den aid dein 
Hng(e)diet(e)reichen mein [tH] liebes kindelein. 

der tod hat mich erfchlichen, dj worlt mufz ich Terlan/^ 
freien, grafen, riter und knecht fach man trawrig ftan. 



170 Hngdietrich. 

6 ErfprachzuhertzogBerchtung: ^^dufoltiniehgeiiieireiilaii, 
ich lert dich melTer werfen, des dar dich niemant beHao, 
da gab ich dir zu weihe dy edelen hertzogio: 

nun 1er es Hugdietreichen, als lieb ich dir imer mag feio/^ 

7 Er fprach: ,,vil lieber herre, des fuU ir ficherfeinf 
was ich kao, ich ler(e)s den lieben herren mein. CS* 2) 
ich trawe got Ton himel(e), ir mügt noch wol genefen/^ 
„naiu/^ fprach der künig „es mag nit mer gewefen. 

, 8 Dar nach in kurtzen jaren da der künig ftarb, 

mit tzüchten hertzog Berchtung vil fchier(e) daz erwarb, 
das er begraben wurde, als man noch künigen tut: 
er nam zu im den jungen, vll trawijg was fein mnt. 

9 Dar nach tzoch er fein herren wol in das tzwelift jar. 
Do fprach Hugdietreich, das fag ich euch fiirwar: 

Lieber maifter Berchtung, ich fueche trew zu dir, 
durch alle deine tugeut foltus ertzaigen mir. 

10 Nach einer fchdner frawen ftat mir mein muet. : 
du waift wol, lieber maifter, ich han ere und gttl,'« 
baide, land und leute ift weit dy herfchafk meint . 
ob ich nu alfo fturbe, wer fplt des erbe fein?'^ 

11 Do was hertzog Berchtung die rede nit lajd, 

er fprach; „ich pin gewefen in landen yerre und brait, 
ich gefach nie mit äugen weder frawen, noch megeleln, 
di9 dir zu einer frawen mug gefuegfam fein. 

12 Hat fy es an dem leibe, fo ift fy ein dienft weih; 
bat fy es an dem adel(e), fo ift ungefchaffen ir leib, 
dar vmb kan ich nit finden weder frawen, noch megetein, 
die dir zu einer frawen mug gefuegfam fein.'^ 

13 Do üandCe) Qugdietreich fer aufz iu feine laut, 
gen hof kam geriten manig kueuer weigant, 
er fprach: „ratet alle umb ein megetein.^' 

fy fprachen all: 9,der rat mufz ligen an dem maifter dein.^^ 

14 VB fprach :„villieber maifter, gib mir deinen thiCBU^Sä) 
JEiSeit der rat aller an dir ainig Hat, 

nu rat mir mit trewen umb ein megeiein, 
die mir zu einer frawen müg genoITam fein.*' 



Hugdietrick. 171 

IS Er i^rach: „tU lieber herre, das taea ich dir kunf, 
er ifl ein künig zu Salneck der hai&el Walgund, 
fein ftraw ift gehaifsen dy fchone Liebgari, 
die habent ein febone tocbter, das nie kein fchänere wart 

,1S Hiltpurg die fcbdne fo ift £y genant, 

man vinl nit iren geleiehen in allem weitem lant, . 
weder kunigin(ne), nocb kainer i€blacht(e) magf, 
die dir %n einer frawen hie als wol behagt. 

17 Sy ift von ander irer art edelen künigen gebar, : : 
und wonel bei tsuebt und ere^ das fag ich euch filrwar: 
fiten und auch fcbam(e), darzu befchaidenbait, 
tugent und auch fcbtoe trjeit die felbig mait. 

18 Auf einem torn verfebloITen ifl die werde mait. 

ir vater hat verfWpren, fy fei allen mannen veriail 

Hat bis an fein ende dyweil er bat das leben: 

das umb fy pat ein kaifer, er wolt im (y nit geben. 

19 Ir pfligt ein wäcbter i gar fchon zu aller tseit, 
und aueb ein torwerlel, fo man ir zu effen geit, 
und ein Junkfraw gut, dj ir dar zu bebagt 
alfo Itt fy befauet(el), die kaiferliche magt, 

20 Was bulf euch, lieber herre, 'das icb euch verjehen bau 
von der wunnikleicben magtl die mneft ir faren lan 
wil all«n ewren Annen mugt irs gewinnen nicht: (S,2) 
ir mueft fy faren laftien, was euch dar un^b gefebicht.^*— 

21 ,,l>tt waift wol, lieber maifter, das die tupoiben kint 
zu fturmen, poch zu (treiten kain nulse fint 

noch zu hohen ra(e)ten, da man ir pflegen fol: 
nu rat mir auf dein Irewe, an mir fo tuftu woL 

22 Nach der fchinen firawen Hat mir der mut, 

ich lerne naen und fpinnen, ob es dich dunkel gut, 
und darzu I^ahe würken mit feideu und mit faden; 
mit weiplicben tzttcbten wil ich mich überladen. 

23 Haifz mir pald gewinnen dy peften maifterin, 
das fy in Ki'ieehen landen nit peffer mug gefein, 
das fy mich lerne würken mit feiden an der ram 
und darauf entwerfen paide, wild und tzam;^ 



172 Hagdietrich. 

24 D(e)w mich lerne an der hauben wander lune lial, 
dar nmb die gülden porten, baide, brait und laial, 
hirfzen und(e) binden, fam fy lebentig fein) ' 

ich mnefz mit liflen werben umb das Ceh&ne aagetein/^ 

25 Der werd(e) hertzog Berchtung den herren fein asfacb« 
das er von tzwelif jaren fo liftikleichen fprach. 

er gewan im mit wunder die pelten maißerin, 
To £y in Kriechenlanden nit peffer mocht gefein« 

26 f^o lernt £y Hugdiet reichen wol ein gantses jar 
"alfo fpahe würken, das fag ich fiirwar, 

was fj im Tor worcht(e) dy gut(e) maifterin, 

des ward er alfo ein maifler mit den henden refai,r///>^<0 

27 Nach weiplieher ftimme kert er den munt, 
das bar liefz er wachfen au der felben flnnt, 
da ward er alfo fch6ne und dar zu minniklich: 
oberhalp der gürtel was er einer frawen gleich. 

28 In weiplieher wät(e) er fich feben lie, 

da er zu Konftantinopel zu der kirchen gies 
dy in vor gefehen betten, den herren lobefam, 
die gunden alle fragen: ,,wer ift dy wol getan? ^^ ^ 

29 Alfo Hugdietreich an im enpfant, 
das er feinen leuten wäre unerkant, 

des frewet er fich im bertzen und höbet fich fein muf, 
er gedacht: ,,gegeu Salnecke mein werben das wirt gut'^ 

30 Er fprach: „vil lieber maifter, gib mir deinen rat, 
feit du wol wairt, das er an dir einig ftat, 

mit welicberhant weife fol ich yon hinnen varenl^^ 
do fprach der alte hertzog: „das wil ich wol bewaren. 

31 Du folt mit dir fueren^ her Hugdietreich, 
funftzig ritter kune, mit claidern lobelich, 
und vierhundert knappen^ die wol fint bereit, 

und fechs und dreifzig Junkfrawen, die tragen reiche klait. 

32 Du folt auch mit dir f&ren dein vil reich getzelt, 

und wenn ir komet für d j purg zu Salneck auf das feit, 
fo baifz es fchon auf fchlaben auf dem weiten plan, 
dar unter fitz mit der kröne, dein diener baifz für dich ftan» 



Hagdietrich. 173 

33 So Wirt Ton dem künige fchier su dir gefällt» 

umb was abenteiir(e) du fejeft komen in das laot. CS^2) 
fo folt da fprechen, vil lieber herre mein: 
„ich pin von Konftantinopel ein edle künigein. 

34 Dar aufz hat mich vertriben mein brnder Hogdietreich^ 
der wil mir geben einen man der ilt'mir nicht geleich, 
ainen ungetauflen aufz der haidenfchafl; 

no pin ich komen auf genade zu dem künig tugenthaft, 

35 Das er mich behalt(e), ein künig aufzerkoren, 

bis mein bruder Hugdietreich mir verlafs fein zoren/^ 

fo lat er dich beleiben, der fiirftCe) lobefam, 

fo beleih du dort felb vierde, das gefind fend wider von dan. 

36 Und wirb du den das pette bis in das ander jar, 
fo wil ich zu dir reiten^ das fag ich dir fürwar, 
und wil daran danne fuechen Tnd(e) fpehen, 

ob dir icht abentewr(e) zu Salneck fei gefchehen/^ 

37 Da ward Hugdietreich des rates alfo fro 
fniiflzig ritter kuene hiefz er klaiden do, 

und vierhundert knappen, die waren fchon berait^ 
und fechs und dreifzig junkfra wen, dj trugen reiche klaid, 

*38 Sein reiches getzelt mufte wefen da perait, 
* und ander fein gefinde, als uns ift gefail:, 
Urlaub namen fy fchiere, als wir haben Ternomen, 
an dem achtzehenden morgen warens gen Salneck komen« 

39 Sy fchiugen auf gar fchone ein reiches getzelt, 
für die purg zu Salneck auf das weite feit, 
vier karfunkel gaben in knöpfen Hechten fchein: 

dy leut(e) nam grofz wunder, wan dj gefte möchten fein, 

40 Ain ritter hiefz Herdegen der wart zu in gefant, 
umb was abentewr(e) fj wgren komen in das lant. 
der ritter aufz der bürge unter das tzelt gieng, (IVjS.i) 
Hugdietreich und dy feinen gar tugentlich enpfieng. 

41 Gerne mögt ir h6ren, wie der ritter fprach, 
da er Hugdietreichen und üy feinen anfach, 

er fprach: „mich hat mein herre her zu euch gefant, 
umb welcherlai abentewr(e) ir feit komen in das lant?^^ 



X74 Hegdietrieh. 

42 Des antwort im Hngdietreich der fürft aoTertsfliC^ 
,,ich pin von Konftantinopel ein )^ttni|pn genniit, 
daraufz hat mich getriben mein brueder Hagdiefreiefa, 
der wil mir geben einen man, der ift mir nn§el^Uh^ 

43 Ainen nngetanften anfz der haidenfchaftt 

ich pin her komen anf genade zu dem knnig fugeiHhafl, 

das er mich behalte, der künig anfcerkoren, 

bis mein bruder ▼erlarz(e) gen mir feinen tsor«n/* 

44 Der ritter gieng hin wider(e), da er feinen herreft fast, 
er fprach : ,^herre, feltzem gelte Ant komen in da« lant| 
es ift von Conflantinopel ein edle kQnigin, 

die ift her komen auf äy gnade dein, 

.45 Das 'du £y behalteft, ein kÜnig anfzerkoren, 

pis ir bruder Hngdietreich gen ir verlafz fein tsoren. 
enpfach fy tugentlichen, vil lieber herre mein, 
feit fj her komen ifl auf dy gnad(e) dein« 

46 Das flat dir herlich(e), feit fj her kömen ift 

fo ferre aufz fremden landen, fo gar an argen IKt, 

du halt fein ftrum und ere, [edler] künig aufzerkord : C8. Z) 

fy i(t ein magt gar fchone und darzu.hochgeborn. 

47 Man hat ir vil gefait, du fei(t ein tugenthafter man: 
des foll du fy, lieber herre, wol geniefzen lan." 

auf hueb fich künig Walgund, aufz der purg er gieng, 
Hngdietreich und dy feinen er tugcntlich enpfieng. 

48 Do naigt(e fioh) Hngdietreich dem künig lobefam. 
do pat fy künig Waldgund vil pald auf (tan. 
Hugdietrich fprach : „ich naig mich zu den fuefzen dein, 
herre, mein liebleich gruefsen lafz mit deinen hulden fein. 

49 Das du mich behaltelt, ein künig aufzerkoren, 
felbvierd(e) pis mein bruder verlafze feinen tsoren. 
des danket dir mit eren mein bruder alfo reich, 
wenn ich kumb zu hulden, das wiffo ficherlich.^^ ^* 

(M) „Seit ir Ton Konftantinopel ein edle künigin, 
fo fult ir ewer kniea lafzen Tor mir fein^ 
mutet was ir wellet, des fult ir fein gewert: 
'das ir vor mir kniet, des pin ich nit wert 



Hngdielricb. 175 

51 Ir und eWr gefinde fult bei mir beflan 

und füllet efsen vnd trinken nacb ew(e)rni willen ban, 
durch Hugdietreichs willen, edlew künigin/' 
do fprach d^r farill(e)y „des mag nit gefein. 

52 Mich hat her gelaitet von Koirflantinopel über mer 
hertzog Berehtnng und dj feinen mit ritterlicher wer, 
der ifk ein ffirft(e) werd(e) und hat ein weites iant: 
ich mnfz ims wider fenden, des ift mein trewe fein pfant/^ 

53 Der künig fprach: „hertfog Berehtung kenn ich wol 

filrwar, f F, S. i) 

er hat mir gedtenet in das dritte jar.^^ 
er fante ims wider haim und klaitte ims ritterlich: 
da belaib felb vierd(e) der künig Hugdietreich. 

54 Kanig Walgund Hugdietreieh(en) bei der hende nam, 
er fürt in tugeutlichen in dy purg hin dan« 

dj aU(e) künigin(ne) in engegen gieng, 
Hugdielreichen und dy feinen fj gartugentlich enpfieng. 

55 Do fprach künig Walgund: „vil liebe frawe mein, 
dife magct fch6ne lafz dir enpfolhen fein, 

und ncmt euch zu gemazen die künigin aufzerkoren: 
wir waren wol ir aigen, als hoch ift fy geboren/^ 

56 Do hiefz man pald(e) tragen fefzel dar, 
darauf feiden kulTe, das fa^g ich euch fürwar: 
„dar auf fult ir fitzen, fraw, in difer ftunt.^^ 

fy fragt in, wie er hicfz(e), er fprach: ,,f^aw, Hildegnnd/^ 

57 Darnach wart klain(e) fpinnen Hildegund zuhant^ 
man het nit iren gleichen in dem gantzen laut, 
darzu hoflich würken dj fchonen vogelein 

mit golt und mit feiden, fam es lebentig mächt gefein. 

58 Da dy künigin(ne) dy reichen knnft anfach, 
gerne mügt ir boren, wie fy zu im f^raeh: 

„ir füllet mir zwo leren der Junkfrawen meln/^ 
er fprach: „das tun ich gerne, vil edle künigein/^ 

59 Dj künigin fprach: „danimb(e) wil ich euch haben holt, 
ich gib euch zu lone filber nnd das golt, 

und was ir turret gemfiten, das ift euch unverfait/' (8, 2) 
des danket ir der fürfte Hugdietreich unyertzair« 



176 Hagdietricli. 

60 Do lert Hugdietreich tzwo jankfrawen, da« ift- war, 
alfo fchon(e) würken wol ein halbes jar. 

manig rchdn(e) tifchtnch wart da fchoD berait^ 
als man zu hocfasciten für ein fQrften trait. 

61 Dar an wilde[r] vogel(e), tröffe! und naehtigal, 
an dem andern orte getzieret hin sn tal^ 

und anderhalb den greifen, nnd anch den adelar 
voran zu geficht(e), das man fein name war; 

62 Und dabei den falken, als ob er dannen Aug^ 
und das ander gefiigel(e) mit im hin tzug, 
und miltenin den lewen und den lintwurra, 

als ob fy mit ein ander hetten ein freislichen llonn. 

63 Hafen und(e) füechfe aufzen an dem ort, 

als ob fy liefen und fchlAgen, außsen an der porl,' 
das eberfwein zu wald(e) mit den hunden rot, 
aller erft man dem fürften ril cren erpot. 

64 Hirfzen und(e) hinden ftunden auch daran 

* von dem roten golde^ fam fy das leben han; 

* feltfamer abentewr(e) der ftunden vil daran: 
das fchone tifchlachen fchawet manig pider man. 

*65 Do fpracli der künig Walgund: ,>wer hat uns das g^enat, 

* ditz fellfam wunder, das vor uns hie flat?^^ 

* do fprach der kamerure an der felben ftunt: 

* „das tut alles von Kriechen die fchone Hildegnnd.^' 

G6 Do wurden im dy leut(e) in dem lande holt 

er wart her für tziehen fein klain gefpunnen golt^ 
da wurkt er ab ein hauben, vil wunder ane tzal, 
dar umb dy gülden porten paide, brait und fmal. 

67 Da er die tzierlichen hauben het berait, 

er fand(e) nach dem künig(e), als uns das puech fait, 
und fatzt im auf die hauben mit den henden fein: 
„dy trag(e)t auf der hochzeit. durch den willen mein« 

68 Ir fult fy vor den geften durch meinen willen tragen ('F/, 5./^ 
wen fy komen zu lande, das fy mngen fagen, 

ir tragt auf ewr(e)n haupte ein vil reiches klait/* 
er fprach: ,,genad, liebe fi*awe, und minnikliche maiti 



Hugdielrich. |77 

69 Ir habt mich wrol geeret, vil edle kfinigin, 
mutet, was ir wellet, des fult ir gewerei fein, 
burg(e), land und leul(e), was ew(e)r herz bcgert, 

ich gib euch- des mein Irewe, des fult ir fein gewert/' 

70 Sj fpräch: ,,vil liebor herre, mag das ftit gefein?'' 
erfprach: ^ja, was ir wellet, das fol gefchehen fein/^ — 
,,fo lat her ab dem turne zu mir ewr ttfchter gan: 

ich beger tfkt die hanben nit mer zu lone han/^ 

71 Er fprach: ,,edle künigin, des fult ir fein gewert; 

ir möchtet [wol] reicher gab(e) an mich han begert, 

purge, land und leut(e)y filber und auch das golt, 

das hiet ich euch geben gerne, ob Ir das nemen woif 

72 Do fchikt aufz künig Walgund in alle feine laut, 
gen hof kom geritten manig kuener weigani, 
herzogen und(e) grafen mit klaidern lob(e)leich. 

do fchikt aufz dy künigin nach mancher frawen reich. 

73 An einem tag dy junkfraw von dem turne gie, 

da liefs fich Hugdietrich fQr fy [uider] auf dy knie, 
fy umbfieng in mit armen und biefs in wil komen fein ; 
und fprach: „(tetauf, junkfraw, und lafst ewr tLUten fein/^ 

74 Dy aU(e) künigin(ne) zwifchen in baiden gieug, 

mit ielweder(m) aroae £y aine umb(e)fiengy (S. 2) 

£y fuert £y auf ein fidel, Ay was alfo reich« 
da fach er alfo gerne dy Junkfraw minniklich. 

75 Do fazt man zu ain ander dy jungen .künigin, 

man bracht in dar zu efsen und zu trinken guten wein, 
da fafz Hugdietreich bei der junkfrawen wolgetan; 
fj plikten baido [an] ein ander lieplich an; 

76 Er bot ir den pecher und fchnaid ir für das brot, 
hoflicher züchl(e) er ir do vil gebot! 

wie möcht im immer fein gewefen pafz, 

dan do er an. dem tifche bei feiner frawen fafsl 

77 Dj alte künigin plikte dik zu in baiden dar, 
ty nam ir baider tugend(e) liepiich(en) war. 

fy raunet in ein or(e) der jungen künigin: * 

„du folt Zucht pei ir lernen, liebe tochter mein.'' 

12 



178 Hugdietrich. 

78 Der werde kiinig Walgund des lenger nit enlie^ 
vil pald er ze hofe zu feinen gelten gie, 

dj er zu der hocbzeit het dar geladen, 

dnreh feins hofes er(e): des nam er grofzen fehaden. 

79 Ein herre begund in fragen, das er im tet bekanf, 
„faget mir durch ewr tugenf, wer hat euch gefant 
dife hauben wähel das ift ein reiches klait.^^ — 
,,da8 hat getan von Kriechen ein minnikleiche mait« . 

80 Dy in in gefinde bei meiner tochter hie/^ 
der werd(e) künig balde für die frawen gie. 

da falTcn bei einander dy tzwo gefpilen gut :CBi.Yif,SJ) 
wer ty het gefchaiden, der het nit weifen mut 

81 Do fprach äy fch6ne Hilfpurg: ,,vil lieber vater u^Oy 
ich pät dich alfo gerne, möcht es dein wil gefein, 
das du zu mir liefzeO; mein gefpilen Hildignnd, 

die wolt mich lernen was £y kan, in alfo kurzer fliind/^ 

82 Er fprach: „vil liebe tochter, dar Tmb pin ioh dir holt, 
und wil dir geben gerne filber und das golt. 

wil fy einen herren, land und leut mach ich ir Untertan." 
„nain," fprach Hugdietreich „ich wil kainen man.^ 

83 Der hof nam ein ende, dy herren riten von dan. 
wie pald(e) künig Walgund df tzwo gefpilen nam, 
er fürt fy auf den tum dar auf man fy verfchlolz. 
des ward Hngdietreichs frewd(e) michel und(e) grofz« 

84 In ward darauf gefchaffen aller der gemach^ 
wes fy baide bedorften, mit willen das gefchach. 

der torwart und der wacht er mueften her aufzen fein : 
wes fy bedorften, das gab man in zu einem fenfter ein. 

85 l^o ward der junkfrawen Hugdietreich alfo holt, 
er lert fy hoflich würken mit feiden und mit golt, 
darnach in der tichte wiirken an der ram, 

und dar auf entwerfen paide, wild und zam. 

86 Nu merkt, wie grofiEcr züchte der edel fiirfte pflag: 
das er acht wochen auf dem turne lag, 

das er fy nie bracht innen, das er war ein man, 

bis dj ftarke minne veflikleichen au im brau, CS* 2) 



Hagdietreich. 179 

87 Do ümb fieng er ff mit armen gar fchon er fy nmbfeliloft, 
fein helfen und fein kttffen das ward alfo grofs, 

das ficb dj A;ark(e) minne uit lenger mocht verhelen: 
do ward fich fein gefelle gar fchon herfiir ftelen« 

88 Do fprach 6y £chSne HiUpurg: ,Jiebe gefpile mein, 
was deutet ditz trauten, oder was mag es gefein?^^ — 
,,nu iiim es zum heften, edle künigin reich: 

ich pin Ton Konftantinopel der künig Hngdietreich, 

89 Vnd han durch deinen willen erliten grofz arbait, 
und wils auch gerne lenger tuen, tiI edle fchine mait, 
ich wil euch erlichen zu einer frawen hao, 

ir fult zu Konftantinopel unter der kröne gan/^ 

90 Do ward fy haifiEe wainen, ir äugen wurden rot: 
„und würd es mein Yater innen, wir müften leidenden tot/' 
er pat fj tugentlichen, das fy ir- wainen lie? 

ty wurden frewdenreiche, ir paider wil ergie. 

91 Da het Hugdietreich dy frawen, das ift war, 
follen(k)lich fechs Wochen und ein halbes jar, 

das fein niemant ward innen, noch niemant wart gewar. 
wie dik dj alte künigin gieng zu in paiden dar. 

92 Do enpfieng die fk*awe von im ein kindeleint- 
Salneck und(e) Kriechen wurden paide fein, 
Tuskan nnd(e) Füllen, Rom und Lateran, 
und alles Romifch reich(e) ward im Untertan. 

93 Als dj junkfrawe des kinds in ir enpfant. 

fj ward haifse wainen, ir hende £j do whnt^(Bi,VIIIfS. O 
fy fprach: „lieber Hugdietreich, du tugenthafter man, 
ich furcht, unfer paider fk'ewde well ein «ndo han ; 

94 Ich enpfind in meinem leibe, ich trag ein kindeleint 
wir muefzen bei ein ander hie gefangen fein, 

und kunnen mit Ynfern finnen nit komen hin ab.^' 

er fprach: „fweig, liebe frawe, durch got dich wol gehab. 

95 An dem reichen got unfer baider leben Aat, 
der mag uns wol gebelfen und geben feinen rat, 
und fol uns behüten unfer leib und unfer leben, 
das er you feineu gnaden uns baiden hat gegeben.^^ 

12* 



IgO Hagdielrich« 

96 Darnach dy all(e) kiinigin des lenger nicht enlie, 
zu ir Cch6nen toehter ty auf den turn gie, 

fy fraget(e), was würket ir fehöns töchterlein 
alfo kom £y mitfrawen zu in haiden hinein. 

97 Do fprach die fchone HKtpurg: ^^liehe muter mein^ 
ich pat dich alfo gerne, möcht es dein wil gefeifi« 
das du uns liefze[8] ein weile an ein zinnen gao, 
oh wir icht abentewr(e) dar an möchten gehan.^^ 

98 Sj fprach: ,,liebe toehter, ich wil dirs nit verfi^geB/' 
ly hiefz ir auf fchliefzen dy turn und das gaden, 

ir fchonen toehter fy bei der hend enpfleng, 
mit den jungen haiden £y an ein zinnen gieng. 

99 Do fahen fj üher das gevilde her flgen einen fao^ 
darunter ritten fchon(e) wol zwelif hundert man; 

und das gefind(e) was den zwaien unkuot: CS- 2) 

wie fchier fy da erkant(e) ft*aw(e) Hildigund. 

100 Sj fprach: „dydort reiten, dy fint mir wolerkanf, 
dj hat mein brueder her nach mir gefant: 

es in herzog Berchtung, ein fürft aufzerkoren: 

es hat gen mir verlafzen mein hruder feinen zoren/^ 

101 Do fprach dy fch6ne Hiltpurg: „liebe gefpile mein, 
(fch)weig durch got den guten, und lafz dein reden fein, 
und folt ich dich verliefen liie üu difer Aunt, 

fo n&m mein frewd ein ende, fchöne Hildigund.^^ 

102 Do fprach Hugdietreich : „vil liebe gefpile mein, 
wSreft du fo lange von den freunden dein, 

als ich hie pin gewefen, und fand(e) man nach dir« 
du fröuteft dich im herzen: das felb gelaub auch mir/^ 

103 Es gieng an den abent, das man in zu efsen trug; 
billicher wirtfchaft betten fy zu allen Zeiten genug. 
Ton in gieng do fchlafen dy alt(e) künigein: 

alfo tet Hugdietreich mit der frawen fein. 

104 Er het die nacht vil manigen herten gedank, 
Ton pitterlicher forge, dy in feinem herzen rang, 
wie er k&m mit fuege von der frawen fein, 

das er behüte ir ere und ir kindelein, 



Hn^ielricli. 181 

105 Er Tprach: ,,liebe8 lieb, als ich dir verhaiiken haO) 
da folt xa KonAantinopel unter der Icrone gan. 

* ir muTset arbeit leiden, vil edle fk'awe reich, 

* des wil ich ench ergetzen/^ fprach da Hugdietreich. 

106 „Wan nu kumbt die seit, das du xu noten folt gaii 
mit nnfer baider kind, das wir von gotes gnaden han, 
den torwart und den wachter nim in dir her ein (/A'^iS./) 
vnd dj junkfrawen, ' das £y taufen das kindelein; 

107 Und haifz es in xwaien tagen zn der kirchen tragen, 
das maus haimlich taufe, das wil ich euch Tagen: 

fei es einknab, fohaifiiCes) Dietrich durch den willen mein, 
irt es ein tochter, fo haifz es nach dem willen dein. 

108 Und gib es ainer ammen, es fei tochter oder knab. 
wenn du denn erft mugeft, fo knm zu mir herab, 
und bring mit dir zwen rilter und zwo magedein, 
den torwart und den wachter, und das kindelein. 

109 Wenn du den kumeft gen Kriechen in das laut, 
fo fchaf^ das der 'ritler einer werd zu mir gefant, 
fo wil ich gen dir reiten mit manigem piderman, 
und dich gewaltik machen über alles das ich han.^^ 

110 Sy fprach: „lieber herre, deiiiem rat ich folgen fol$ 
und über heb mich der fcham und(e) tue fo wol, 

und gewin mir die geiratter(n), dj ich dan mufz han.^^ 
do ward Hugdietrich von dem pet aufftan. 

111 Er gieng an dj zinnen, da er den wachter vant, 

er rueft im an ein venfter, tut uns das puch bekant, 
er fprach: „feltfem abentewr wolt ich dir gerne fagen, 
wareftu fo getrewCe), das du es wollelt verdagen. 

112 So wolt ich auf fchliefzen gen dir das herze mein, 

* des möchtft du wol geniofzen, woUeft du getrewe fein, 
und du es verfwigeft hie an difer Hunt/^ 

der wachter fprach: „Junkfrawe^ e« kumbt ntmer fi&r 

meinen munt/^ — 

113 Er fprach: „fo empfllch ich dir die Jnnkfrawen dein; 
und fei, das fy gewinne ein klaines kindelein, (Bi. X.) 
fo folt du gevatter werden und Xolt das verdagen. ^^ 

er fprach: „fweiget, Junkfraw, was weit ir mirfagenl^^ 



]g2 Uugdietrich. 

114 Wie het ich den gehutel, war iemant komeo her ein« 
pei dem war fwanger worden dy liebe junkfraw mein? 
und horte dife rede mein her künig Walgund, 

er henkt mich an den turn hie zu difer (tunt.^^ 

115 Hugdietreichfprach: „es ill gefchehen an alle deine fchiilt; 
dich mufz dein herre lafzen hahen rein(e) hult: 

ich pin von Konftantinopel der künig Hugdietreieh, 
pei mir tregt das kindlein dy künigin fo reich. 

116 Das Fol du verfweigen) wachter tugenthaft. 

und kum su mir gen Kriechen, ein ganze graffchaft, 
purge, land und. leut(e), das mufz dein aigen fein, 
und bring mit dir dy frawen und das lieb kindelein« 

117 Den torwart und dy funkfraw Fol tu mit dir lan, 
taufent mark goldes mach ich euch unter tan 

und ein ril gute Teften, dy yerfchleufzt mir mein laut, 
fee hin, mein küniglich trewe fy werd ew(e)r pfant/^ 

118 Uo ward der wachter der guten gehaifze fipo, 

mit feinen paiden henden gelobt ers dem herren de, 
er fröwet fich der märe^ das er gevatter was, 
er tat al[les] das er foite, bis dy frawe genas. 

119 Hugdietreich gieng hin wider(e), da er fein ft-a wen fant, 
er fprach: „ich mufs reiten hie von di£em lani^ (BIXI,S,0 
ich hau dich wol bewart, vil liebe frawe mein, 

und dein ere behuet(et) und dein kindelein/^ 

120 Des morgens kom herzog Berchtung auf den hofgeriten 
fy baifzten von den roffen nach ritterlichen fiten, 

fy fuerten von golde menig reiches klait, 

als mans het dem fiirften zu Konftantinopel berait 

121 Walgund der künig reiche im engegen gieng, 
herzog Berchtung(en) er tugenllich enpfieng. 

do fprach herzog Perchtung: „vil lieber herre mein, 
wie mag dy von Kriechen^ dy edle künigeini 

122 Er hat fein zorn verlafsen, ir bruder Hugdietreich, 
man fol fy haim fenden, dy frawen minniklich, 
purge^ land und leuto mag fy wol gehan/' 

do fprach künig Walgund: „ich wil fy niemant lau. 



BüC^klridk. 183 



123 ilack hM icks araier lackier m ener gtfyBm gebe«, 
pd der fo wils bcleibcB d j weil fj kat das lekca, 

dM kat mir Tcrkailkeii dj jonkftvw wol gelam.^ 

do fpracb hersog Bercklong: „ir fall mick fj feken Im/^ 

124 Ab deai Midem Morgeii liefs Mm in tob dem tarn kerdb; 
do gefekack kaioem nie fo laide, dem man t meg an dem grab 
▼aler mde mater, ala Hilfpargen gerehaeh» CS- 2) 
do ff ir lieke gefpilen weder hort(e), BOck fack. 

125 Ala do Hogdietreidi von dem lome gieng, 
kersogea Bercktong er logentliek enpfieiig, 
[erfpradi:] ^fag BÜr, kers<^ Bercktong, auf die trewe dein, 
wie mag Hngdiebreick der liebe bmediv meinl^' 

126 Er nmbfieBg ib mit armeB und raunt im ia ein or, 

[er fpraeb:] ,^ch kaa dj firawen erworbeo, daa fag ich 

dir -f&rwar, 
du folt mich sieht hie lafzen, du trewer dieneftman, 
es mufz mir anders ficber an mein leben gan.^^ 

127 Do fpraeb künig Walgnod: ,,liebe frawe mein, 

ir folt bei mir beleiben, und lat ewr raunen fein, 
pnrge, land und leute fult ir Von mir han, 
das ir bei mir beleibet, junkfrawe wol getan.^^ 

128 Do man nu bet geeflen, und man von tifche gie, 

do liefz ficb Hugdietrich für die kunig auf dy knie: 

„gebt mir Urlaub zu lande, ein knig auserkoren, 

es bat gen mir mein brueder verlafsen feinen zoren/^— 

129 „Über ewren willen mag ich euch nit gehaben: 
des ift meiner tochter ft*ewdc gar rergraben/^ 
do fprach Hugdietreich : „liebe gefpile mein, 

tuet es durch meinen willen und laft ewr weinen fein.^^ 

130 Do zock fy ab der hende ein gülden fingerlein: 
„das fuer haim zu lande, vil liebe gerpile mein, 

du folt es durch meinen willen tragen an der haut: 
wenn du es anplickeft, fo pis an alle trew gemant.^^ 

131 Do hiefs kunig Walgund ein reiches klaid her tragen, 
das was mit rotem golde umb und umb befchlagen, (XII^SJ) 
er fpraeb zu Hugdietreich: „yil edle künigin, 

das tragt in ewrem lande durch den willen mein/^ 



184 Hagdietrich. 

132 Er hieße auch her bringen vier pferd wannikleidi, 

die fchankt er herzogen Berchtung und der frawen reich. 

urlanb namen £y fehiere und riten von dan, 

do belait er fy gar fchone mit manigem pider man, 

133 Do fprach künig Walgunt: ,,liebe frawe mein« 

ich mufz hie haim beleiben, das lat mit holden feiii.^^ 
er fprach zu dem künige: „lafst euch enpholhen fein 
Hilipurgen mein gefpilen und dy tochter dein.^^ 

134 Alfo rait Hogdietreich haim in fein aigen lanf, 
ftet und(e) purge er wol bewart fant. 

da riten im entgegen(e) al fein dieneftman, 
fy enpfiengen iren herren, als in wol gezam. 

135 Er belaib zu Konftantinopel wol ein halbes Jar. 

er ward dik traurigs mntes, das Tag ich euch fürwar, 

* als oft er anplikte das guldin vingerlein, 

gar betrübt was im das herze nach der fk'awen fein. 

136 Alfo tet zu Salneck dj fchone Hiltpurg hie, 
do fy mit grofsem laide auf den turn gie, 
mit paiden iren henden fj das bar aufz brach, 
do fy ir liebe gefpilen weder bort, noch fach. 

137 Do fprach der wachter: „liebe frawe mein, 
trolltet ew(e)r laiden und lat ewr wainen fein, 

* von ftund hinz der weile unz das kom der tag, 

* fo hilf ich euch des peilen das ich kan und mag/^ 

138 So vertrukt in irem herzen, dj edle künigein. 
grofz laid und fchmerzen und maniger bände pein. 

* von ftund hinz der weile das die zeit komen was, 

* das die fraw eines fchunen degen kindes genas. 

139 Dar naSh an einem morgen do der tag auf gie, 
do was die künigin(ne) genefen eines kindes hie, 
der torwart und der wachter giengen zu ir hin ein 
und petteten der junkfrawen und dem kindelein. 

140 Auf hueb es 6y künigin und begund(e) zu haut fpehen, 
ob fy nit abentewr(e) an im m5cht(e) fehen: (S,2) 
do fand fy zwifchen fchultern ein rotes kreuzelein 
dabei fy hernach kante ir fchdnes kindelein. 



Hegdietrich. 185 

141 üo das kint klaine aus dem päd ward g^habeo, 

man waDt es in feiden focher, das wU ich euch Tagen, 
ein künin von palmat feiden man umb das kindel wanf, 
und ein feiden gürtel was fein wiegen pant. 

142 Darnach dy alte kfinigin des lenger nicht enlie, 
zu irer fchonen tochter £y auf den tnrn gie, 

do hiefo fich bald einlafzen äj edel künigin: 
.fj weiten nit, war fj folten mit dem klainen kindelein. 

143 Do fprach der wachter: ,,Til liebe frawe mein, 
wie fnllen wir geparen mit dem kindelein? 

und hörts ewr ranter wainen, das erll ift geboren, 
fo mufsen wir aller erfl(e) unfer leben haben verloren. 

144 Wo fbllen wir hin verpergen das klaine kindelein ?^^ 
„ich kan euch geratep,^^ fprach dj kunigein 

„der lieb got von himel(e) der es befchaffen hat, 
der mag uns wol gehelfen und geben feinen rat/^ 

145 Do fprach der wachter: „fraw, feit wol gemut, 
ich han einen lift fnnden, ob er euch dunket gut: 
wir füllen es über dj inauer in den hag lau] 

an einem flarken falle, des dunket mich gut getan. 

146 Ich traw, es fei wol behütet ewr liebes kindelein.^^ 

do fprach fj zu dem wachter: „es dnnkt mich auch gut fein.^^ 

ee dy alte kfinigin auf den turn ward getan, 

Ty beten über äy mau(e)r das kind in das hag getan. 

147 Dj alt(e) kiinigin(ne) zu in auf den turn gie, 

fj fprach zu irer tochter: „wie piftu erplichen liie?'^ — 
„fraw muter, ich han ein grimmen, ich waifs nit was, 

das ich nahent was geflorben: nu ift mir worden pafz.^^ 

(ßi. XIII, S. i.) 

148 Ichhet Vit nach verzweifelt, fraw muter, umb mein leben.*^ 
fj hiefz ir dar tragen und gute fpeife geben, 

von efsen und von trinken, das ir wol gezam, 
als man den kfiniginCnen) noch wol gefuegen kan. 

149 Zwaierhant forg dy junge in irem herzen pflag: . 
dy ain, das ir kindel hie aufzen was in dem hag, 
nnd fy nit weft(e), wie es behütet was; 

dy ander forge, das fy fein ellendiklich genas. 



186 Uagdietricb. 

150 Das Tertrukt lo irem herz^ dy edle kOnigin 
grofs laid und fmerzen und nianiger hande petD, 
den ganzen tag als langen bis auf den abent ie, 
pis ir Hebe muter von dem turne gie. 

151 Uennoeb lag das kindlein hie aufsen in dem hag« 
▼on morgens bis auf den abent es der ruwe pflag, 
das es fwaig fo flille und es niemant ▼eroamt 

mit pad(en) und mit pinden was im- fein rechl getan. 

152 Ein wolf nach feiner fpeiTe in dem hage gieng, 
da er dicke hAner und kaphan innen fieng, 

er fant das kindlein kleine und fafzt es in den oswit 
und trueg es bin ze walde an der felben Aunl, 

153 Gen einem hohen perge der was innen boL 

der. alten waren zwene, das fag ich euch gar wol, 

dj betten vier jung(e) einer wochen alt, 

mit Witzen und jDiit finnen des kindes gleich geftalt« 

154 Der alte in bracht(e) das klaine kindelein, 
es folt der jungen wölfe fpeis gewefen fein: 
do fchuef ir jugend(e), das fj waren plint, 
das der edlen künigin da genas das kint. 

155 Nu lafzen wir das kindlein unter den wölfen hie, 

und Tagen, wie es der muter zu Salneck ergie. (S. 2) 

fy fprach zu dem wachter: „lieber gevater mein, 

fag mir durch dein tugend(e), wa ift mein kindelein?^^ 

156 Auf (tund der wachter, ab dem turn er gie 
▼nter die mauren, da er das kindlein hin lie, 

er kund es nicht vinden, der wolf hets hin getragen; 
er was laidig und gedachte: „was fol ich meiner frawen 

fagenl 

157 Ich wil hie auüzen beleiben difen langen tag, 
und wil hie fitzen in dem gruenen hag, 

unz morgen frwe, fo es beginnet tagen: 

als ob ichs hab getaufet, das wil ich ir fagen. 

158 So wirt es verfwigen umb das kindelein» 

pis kumbt aufz dem pette dj liebe frawe mein. 

und wurd fys ietzund innen, das kindlein war verloren, 

fo to(e)t f^' fich vor laid(e), dy künigin hochgeboren/^ 



Uagdietrich. 187 

169 An dem morgen firwe, do es begunde tagen, 
do kam der wachter, das wil ich euch Tagen, 
£j fpracb: ,,wachter, lieber gerater mein^ 
fag mir durch dein tugend(e), wie mag mein kindelein?^^ 

160 Er fpraeh: ,,es mag wol, liebe fraw(e) mein, 
ich ban es gelaufet, ewr fcbones kindelein, 
ich und eine junkfraw, dj es mein berre pat. . 
der torwart hat geli&tet heinacht an meiner ftat." 

161 Der künig wolt jagen reiten, als ich euch rag(e) hie, 
do fach man, das der wolf dort in dem hage gie, 

do wart das gejaide auf den wolf gelan, * 

man jagt in hin zu walde, da er den fchaden het getan, 

162 Gen dem hohen perge, der was innen hol, 

der alten wölf waren zwene, das Tag ich euch wol, 

da was kainer fo kuene, der in dj hol wolt gan: 

do iprach der künig mit zorne: „wir mfifzen äy wölfe hau/' 

163 Sein ritter und fein knechte dy muften fan(e) graben 
paidenthalb des hol(e)s grofz(e) arbait haben, 

pis man das edel kindlein an den wdlfen räch, {BiXIV,S.i) 
und dy alten paide in der hol erftach. 

164 Und do dj alten wölfe nu gelagen tot, 
hinein fchlauf ein jager, der £y heraufz pot; 

er fant der jungen Tier(e), der mocht(e) nit mer fein: 
do er von dannen wolt fchaiden, do erwainet das kindelein. 

165 Er nams und truegs an das liecht, fcbauen ers began, 
er fpracb: „ich fach nie mer(e) ain kint fo wol getan/' 
do fpracb der jager: „fcbauet, her künig Walgund, 
ich hau hie funden einen reichen funt. 

166 Schaut, lieber berre, welich ein kind ich funden ban; 
mich dunkt, in aller welt(e) nit fchoners fei getan.^' 
Ty fpracben alle geleiche: „es ift newlich geporen/* 
der künig fpracb: „es muft mich rewen, foltz alfo fein 

verloren." 

167 Dolpracbderkunigzndemjager: „lieber, nufuech das weih, 
ob £y dy wölf nit zuriflen haben, dy trueg des kindes leib." 
do man der frawen in dem perg nit fant, 

wie pald(e) man das kindlein vor dem künig auf pant! 



188 Hogdietrich. 

168 Was ficb den fol fueg^en, zwar, das mufs gefeheheD: 
do ward man abentewr(e) an dem kinde fpehen, 
naturlicb(e) lieb(e) den künig dar zu twang, 

das er fein künicklicb bafz umb das kindlein fwäng^ 

169 Er wolt es niemant lafzen, und nam es an den arm, 
er fpracb: ,,wir füllen frolich gen Salneck hin faren/^ 
fein ritter und fein knecbt(e) des lenger nit befilt, 

fy fürten gen der feHen das kind und auch das will. 

170 Sj komen ritterlichen auf den hof geriten, 

ty paifzten von den rolTen nach ritterlichen fiten, 

do ^nd(c) künig Walgund für fein frawen ftan, [han. 

er fpracb: „fchau, liebe frawe, welicb ein kind ich fanden 

171 Das heften dy wölfe in ein(e)n perg getragen,^^ CS< 2J 
und wie es wart funden, begund er ir fagen. 

„es ift noch ungetaufet und newlich geporen; 

es rofift mich immer rewen, folt es alfo fein verloren. 

172 Haifsets pald(e) paden, vil liebe frawe mein, 
fo wil ichs lafzen taufen das fchone kindelein, 
und wil es fchon(e) ziehen; wirt es ein pider man, 
taufent mark goldes mach ich im Untertan/^ 

173 Do gewan er im zu töten den graven Wiilfin, 
und die von Galitzen ein edle mark gravin 

und den ritter Sant Jörgen, der was ein pider man: 
der torwart und der wachter mueften auf hoher ftan. 

174 Do man trueg zu taufe das fchone klndeleln, 
im folget nach der künig und dy frawe fein. 

fein ritter und fein knecbt(e) dy daucht es wunderlich, 
das er es liefz taufen und hiefz es Dietreich. 

175 Alfo da das kindel aufz dem päd ward erhaben, 
man fchepft im den namen, das wil ich euch fagen: 
es hiefs Wolf Diclreich, der nam ward weit erkant, 
und hiefs Wolf Dietreich ein herre über maniges lani. 

176 Im gab ein mark goldes dy edele margrafin, 
im gab ein mark goldes der graf Wülfin, 

do gab im ritter Sant Jörg ein guldin vingerlein, 
das man defter pafz erzug das fchone kindelein. 



Hugdielrich. 189 

177 Ainer reichen ammen es enpfolben warf, 

dj xoch es alfo fchone, und wart ir alfo zart, 
es ward alfo fchfine dar nach in kurzen tagen, 
von einer purg zu der andern muft man es tragen. 

178 Do wuechs im kurzen tagen das kindlein wuuncfam, 
es ward alfo fchune und fo wol getan, 

das man in dem lande hort(e) da von fagen : 

man mufl es aU(e) wochen dreiflund für den küoig tragen. 

179 Dar nach dj aU(e) künigin des nit lenger enlie, 
zu irer tochter fchöne fy auf den turn gie, 

fj fagt ir der m&re von dem kindelein. iBl xy,SJ) 

do erfehrak in irem herzen dy junge künigchi. 

180 Wie es dy wilden wölfe in den perg heten tragen, 
und wie es ir yater het funden, begund(e) fj ir fagen, 

* wie recht feh6n es w&re, das edel kindelein. 

do fprach dj junge künigin : „ach lieber got, wes mag 

es feini" 

181 Darnach in kurzen ftunden dj muter von ir gie. 
dy junge künigin(ne) des nit lenger en|ie, 

fj fprach zu dem wachter; „lieber gevater mein, 

fag mir durch dein tugend(e), wie mag mein kindeleinl^^ 

182 Er fprach: „es mag wol, yil liebe frawe mein, 

ich han es getaufet, ewr fchAnes kindelein.'^ [mufzgan, 
[fy fprach :] ich man dich des gerichtes, das zuleft über dich 
fag mir die rechten märe, wie es umb mein kint fei getan.^^ 

183 Und do fy den wachter fo tief het ermant, 

im überliefen dy äugen, fein hend er do want, 
er fprach: „liebe frawe, das wil ich euch fagen, [tragen/^ 
ich kund es nymmer finden, ich(n) weifz, wer es hin hat ge- 
*184 Die edel küniginne het nu laides genug, 

* mit Iren paiden henden fy fich zu Iren prüften fing, 

* fL klaget(e) kligelichen, die frawe wol getan: [gewan. 

* „ich klag es got von himel(e), das ich es lebendig ie 
185 Owe! das ich von muter leibe ie wart geporen! 

nu han ich gotes hulde und mein kint verloren, 
und auch Hngdietreicben, den licbften herren mein: 
fol ich von er und gute alfo gefchaiden fein?'' 



]90 Hagdietrich. 

186 Do fprach aber der wachter: ,,vil liebe fk>awe mein, 
tut es durch ewCe)r gute, und lafzt ewr Hainen feiii: 
es bat ewr vater funden ewr fchones kiodelein,^ 

er zenebts an ewren fehaden, des fult ir fk'ulieh fein. 

187 Und weit irs nit gelanben, fo bort, was ich ench tage: 
und pittet ew(e)r muter, das man es her auf trage 
und fcbawet den vil rechte das felbe kindeleln, 

fo werdet ir des innen, ob es ewer mag gefdii.'^ 

188 Dar nach äj alt(e) künigin des lenger nit enlie, (& Z) 
zu irer fchonen tocbter £y auf den turn gie, 

fy ward ir aber fagen ron dem kindeleiu; 

do fprach dy junge künigin: ,,1iebe muter mein, 

189 Ich pAt dich alfo gerne, möcht es dein wll gefein, 
das du mich fchen liefzeft das fcbftne kindeldn.^^ 

fy fprach : „es ifl deim vater lieb, er wil es niemant latt/' — 
„fo haifs dy ammen morgen mit dir her auf gan,^^ 

190 An dem andern morgen bracht £y dy ammen zu hant, 
fy fatzt ir das kind auf die fchofz : wie pald fy es anfjpantl 
da fant fy im zwifchen der fchulter dasgoldfarb krenneleiD^ 
da bei fy wol erkent(e) das es was ir kindelein. 

191 Do zoch fy ab der hende ein guidein fingerlein, 
und gabs der ammen zu dem kindelein, 

das ty deHr pas erzüge ir fchones kindelein, [dig fein/^ 
[fy fprach:] „war ich bei den leuten, ich wolt dir jgna- 

192 Darnach in kürzen zeiten dy muter bei ir fafz, 
fy retten von abentewr(e) paide, ditz und das. 
dy tocbter fprach: „muter, törlt ich dir verjehen 
was mir abentewr(e) kürzlich ift gefcheben?^' 

193 Dy muter fprach: „tocbter, du folt mir wol fagen, 
was dir ift gefchehcn bei allen deinen tagen, 

das traw ich wol verfweigen/^ fprach dy künigin. 

dy tocbter fprach: „muter, das kindlein das ift mein/^ 

194 Wie es dy wilden wölfe in den perg. beten tragen 

und wie es dar zu komen was, das begund fy ir fagen, 

und wie fy het gewunnen das fchone kindelein. 

dy muter fprach: „tocbter, wer mag der vater feinl^^ 



Hogdietrich. 191 

195 Dj tochter fpraeh: ,,muter, das tuen ich dir kunt: 
du waift dj von Kriechen^ dy fchoue Dildlguod, 

dj mich lert(e) wiirken dj hauben wuuderleich, (XYL) 
das was von wilden Kriechen der künig Hagdietreich. 

196 Pej dem han ich gewannen das fchöne kindelein. 
nu nym es zum peften, es mag nit anderlt gefein, 
nn han ich verjehen, wie es umb mich flat: 

wie ich kumb gen Kriechen, des gebt mir ew(e)rn rat/' 

197 9,1ch ft-ew mich der mire, fpraeh dy kunigin 

das du haft ein herren, des du wol magft [aigen] fein, 
nu gehab dich wol, tochter^ wie es umb dich ftat, 
das du kumblt gen Kriechen, des gib ich dir mein rat/^ 

198 Darnach dj alt(e) kttnigin bei irem herren lag, 
kurzweil und abentewr(e) er mit der kiinigin pflag, 
fj fpraeh: „känig Walgund, lieber herre mein, 

wie fol man tuen eim ding(e), das nit anderft mag gefein? 

199 Das in der welt(e) nieman wider bringen kan/^ 

er fpraeh: ,yliebe fraw(e), das fol man faren lan«'^ — 
„des gebt mir ewer trewe, das es Hat mug gefein.^' 
er fpraeh: „ich brich es nimmer, liebe frawe mein«'' — 

200 Seltfamer abentewr(e) mufz ich euch verjehen, 
wie unfer lieben tochter kurtzlich ift gefchehen: 
du fan(de)rt in dem perge ein fchones kindelein: 
das ift Hiltpurgen der lieben tochter dein. 

201 Und wer der vater fey(e), das tun ich dir wol kunt: 
du wain wol von Kriechen dy fch&ne Uildigund, 

die fj lert(e) wiirken dy hauben wunderleich: 

das was von wilden Kriechen, der künig Hagdietreich. 

202 Pei dem hat fy gewunnen das fchone kindelein« 

nu nem wirfz zu dem peften, es mag anderft nicht gefein, 
ir fult nach im fanden, und fult fy im gerne lan: 
purge, land und leut(e) mag er wol gehan.'' 

203 Do het künig Walgund mengen herten gedank, (S, 2) 
von dem groüsen zorne, der in feinem herzen rang, 

er mainte, wie die tochter den herren het angelogen 
und het den torwart und den wachter über fleh gezogen. 



192 Hogdietrich. 

204 9,Gelaiibet ir des, frawe, fo tut ir tArirdi; 

fein fchones antlitz(e). was einer frawen geleicb, 

* fj was niinniklich(e) und dar zu wol gezogen: 

* ]chfürchte,ft-aw, unfertochter hab den berren angelogen.*' 

205 An dem morgen fk*ue biefz er palde ga[be]n9 

den torwart und den wacbter biefs er paide va[he]n. 
er fpracb: ,,ir muft mir fagen tou der tocbter mein, 
pei wem fj bab gewunnen das febftne kindeleln/^ 

206 Do fpracb der wacbter zu dem berren zubaut: 
„gelaupt mir, lieber berre, fo tuen icb eucb bekanf, 

* wie es fei ergangen umb die tocbter dein, 

* pei wem £y bab gewunnen das fchune kindelein. 

207 Hildigund dj fchone nam micb bei der baut, 

auf dem turn an ein feufter, das tun icb euch bekant, 
da fagt fy mir die mare^ dj waren wunderlieh, 
fy wire Ton Kriechen der künig Dugdietreich. 

208 Das biefz micb verfw eigen dj vil tugentbaft; 
und kirn ich gen Kriechen ein ganze graffchaft, . 
purge, land und leute muft mein aigen fein, 

und das ich brächt dy frawen und das kindelein« 

209 Do tet ich als der tumbe und was des gehaifzes f«o, 
mit meinen paiden bendeu gelobt ichs dem berren do. 
fendet gen Konflantinopel : mugs nit alfo gefein, 

fo haifzt mich palde henken^ lieber herre mein« 

210 Sagt mir, lieber herre, was bau ich fchuld dar an, 
das ir zu ewer tocbter Terfchliefset einen maul 
es ift nit ein wunder, hat £y ein kindelein.^* 

do fpracb künig Walguud: „du haft dj hulde mein^*^ 

211 Do fpracb der wacbter: „nu betet ir doch verfworen, 
ir wolts geben kainem manne, dy vil hoch geboren: 
nu bat fj felber gemannet, das fchone magedein. 

nu fprechet, ob ich der aide ledig mug gefein 1^^ 

212 „Ir feit des aides ledig.'^ fprachens all geleich. (XVIfJ 
„ir fult pald(e) fenden nach dem künig reich, 

das er kom zu lande, ir weit im die frawen lau, 
wan er ift ein herre und ein fürfte lobefam.*^ 



Hagdietrieb. 193 

213 Do fprach der künig Walgund: ,,lieber graf Wülfin, 
du und rifter Jörg(e) füllet mein poten fein, 

ir feit paid fein gevattern, des han ich euch erweU, 
und bringet mir von Kriechen Hugdietreichen den helt.^^ 

214 Do waren die herren der potfchaft alfo fro. 
Yier und zwanzig rilter hiefz man in klaiden do, 

die riten mit in [von] danne, tut uns das puech bekant: 
die wolten potfchaft werben in der Kriechen laut. 

215 Der künig hiefz do bringen für fich die fchonen mait, 
er fragt fy, ob es wfire, als der wachter het gefeit, 
„es ift alfo ergangen,'' fprach die kiiuigin 

,,des fol mein werdes haubet (hie) zum pfände fein.'^ 

216 Do fprach die fch6ne Hiltpurg: „gevater, graf Wülfin, 
du und ritter Jörg(e) fult mein poten fein, 

und faget im zu warzaichen, er wifs wol, was er mir riet, 
des nachtes an dem pette, do er des morgens von mir fchiet. 

217 Und haifzet in fenden in alle feine lant, 

das er zu im gewinne mangen flolzen weigant, 

das er kom zu land(e) mit manigem piderman, 

das man in zu Salneck für ein herren müg gehan/' 

218 Er fprach: „ich tun es gerne/^ graf Wülffin lobefam 
>„gebet mir Urlaub fchier(e), fraw(e) wol getan." 

Urlaub namen fj [von] daunen, als wir haben vernomen, 
an dem achtzehenden morgen warens gen Konftantino- 

pel komen. 

219 Sy komen erlich(e) auf den hof geriten, 

fy paifzten von den roffen nach ritterlichen fiten, 

fy giengen zu Konftantinopel für den künig ftan. (S.2) 

do enpfieng £y Bugdietreich der fürfte lobefam. 

220 Da liefz fich graf Wülfin für in auf die knie, 

er fprach: „durch ewern willen, herre, fein wir hie, 

gebet uns das potenbrot, edler künig frum: 

es hat ewr frawe Hiltpurg gewunnen einen fch6nen fun. 

221 Doch fein wir nit her komen umb das potenbrot, 

ich wil euch fagen reeht(e), was euch der künig enbot: 
ir fult kumen nach (Salneck), er wil euch dy frawen lau, 
purge, land und leute macht er euch Untertan.'^ — 

13 



191 Hogdietrich« 

222 ,,Wenn genas fy des kindes, dj liebe frawe mein?*' — 

,,es i(t wol ein halbes jar.^^ fpraeh graf Wölfin. •— 

^^acby reicher got von himel(e), wer mugen nein geva- 

treil feinl*" — 

,,da8 pin ich und ritter Jörg(e)/^ fpraeh graf Wfilfio. 

223 Do was er der gevalreit aufzer malzen fro, 
bei ietweder hcnde fieng er einen do, 

er fürt fy tugentlichen in ein fal hinein, 

man fazt fy auf ein gefidel(e) und fehankt in klaren wein. 

224 „Wenn ward man fein innen umb die frawen mein? 
wie tet künig Walgund gen der toehler fein? 

und dj alte künigin? das het ich gern vernomen// 
fy fagten im die mare, wie es dar zu was komen. 

225 Wie dy wilden wölfe das kint beten hin getragen, 
und wie es der künig het funden, begunden fy im fagen, 
und wie recht wunderliche es nahent wSr Terloren. 

er fpraeh: ,,ach got von himel(e), das ich ie wart geboren ! 

226 Hetten es die wölfe in den perg getragen, 

wie mag es dan haifzen, das fult ir mir fagen/^ 

do fpraeh der graf Wülfin: „das tuen ich euch bekant, 

es haifzet Wolfdietrich dar umb das man es bei den wdlfen 

fant." 

227 Bs gieng an den abent, das man in zu efsen trueg,* 
ieglicher wirtfchaft hetens zu allen Zeiten gnueg. 
wol hundert mark goldes er in zu dieneft pot, 
guete ros, reiche klaider gab er in zu potenbrot. 

228 Do kom herzog Perchtnng geriten in das lant, (XVIII) 
do wurden im dy m&re gcfait fa zu hant. 

er fpraeh: „wir füllen reiten nach der frawen wol getan, 
ir fult fy zu Konftantinopel zu einer künigin han.^^ 

229 Do fand aufz Hugdietreich iu alle feine lant. 
gen hof kom geriten manig kdner weigant, 
zwai taufent helde kuen und unverzait, 

mit dem der künig Hugdietreich hin gen Salnecke raiL 

230 Wol hundert faumer waren fwar geladen 
nnd dy kamer wegen(e), dy da folten tragen 
den wein und dy fpeife durch dy weiten laut: 
das riet im mit eren manger kuner weigant 



Hagdietrich. 195 

231 Zu hallt biefz er beklaidcn maugen ritter gut, 
die zu der hochzeit waren mit eren wolbehuti 
herzogen und(6) grafen, mengen piderman, 

in Alber und in golde facb man riderlicben ftan. 

232 Do fprach herzog Berchtung: ,,lieber herre mein, 
das golt und das Alber lat euch nit zu lieb fein, 
das geb(e)t tugentlichen der frawen und dem man, 
das man euch zu Salne'ck für ein herren mng gehan/^ 

233 Er fprach : ,,vil lieber maifter, als lieb ich dir mag gefein, 
fcliaf, das es ftand nach eren, foichkummit derflrawenmein/^ 
Urlaub namen fy fchier(e), als wir haben vernomen, 

atk dem achtzehenden morgen warens gen Salneck komen. 

234 Do het kunig Walgund lan pauen auf das velt 
manig fürAlich geft&l(e) nnd rilterlich gesell, 
die knöpf auf den zelten gaben Hechten fchein : 

die leut(e) nam des wunder, wan dj gefte möchten fein. 

235 Do kom ritter Jörg(e) Yor in her gerant, 

und fagt im, wie er kttm(e) mit eren in das laut 

wie pald der künig Walgund Ach dar zu berait! 

wol ein ganze tagwait er im engegen rait (S. 2) 

236 Gerne miigt ir horen^ wie der künig fpraeh, 
do er Hugdietreichen von crAen an fach: 

„got wilkomen, her und frawe, wie habt ir mich betrogen! 
ich Ach an ewrem antlitz wol, der wachter hat nit gelogen. 

237 Den wolt ich von ewren wegen, herre, Terderbet han.*^ 
do fprach Hugdietreich: „das war nil wol getan* 

ir woltets niemant geben, ewr fchones löchterlein: 
ich muft mit liften werben umb dy firawen mein.'^* 

238 Do enpAeng man dy gefte alfo tugenllich, 
mangen ritter kuen(en) und auch den könig reich, 
man het alfo fchon(e) mengen werden man, 

^ wie fj waren komen mit dem künig lobefam, 

239 Alfo komen fy fchierCe) in das geft&l geriten, 
darin hetens freud(e) nach hoflichen Aten. 

do fprach Hugdietreich: „möcht es mit hulden gefein^ 
fo fdch ich alfo gerne .mein liebfies kindelein. 



{95 Hagdietrich. 

240 An dem mir nahent was grofz laid gefchehen. 
ich han ander fein freunt vor dik gefehen, 

ich f&ch gern mein liebfies kind, das mir der wolf nam." 
zuhant mufl dj amme mit dem kinde für in gan. 

241 Er nam das kind an den arm zu der felben Annt, 
er halft oft und kuft es dick an feinen muni, 

er fprach: „Wolfdietreicb, liebes kindelein, 
Konftantinopel fol dein aigen vor anderen erben fein/^ 

242 Ain mantel liefz er fallen, der was reilich gar, 
nider zu den fuefzen, das fag ich euch fiirwar, 
der was mit rotem goldo reiche wol befcbiagen, 
den hiefs er äy ammen mit dem kind hin tragen. 

243 Do was die ammo der reichen gab vil fro, 
£y fprach: ,,gnad, herre/' zu dem künig do 

,,got durch al fein gute lafz euch mit falden ld»en! 
ir habt mir reiliche zu dem kinde gegeben/^ 

244 Dy aU(e) künigin(ne) des ieuger nit enlie, (BLXlX,8.i) 
mit irer fch&nen tochter fy zu dem herren gie: 

zwai wol fpilende äugen und ein roter munt 

dj teten Hugdietreichen ain lieplich grfifzen kunt. 

245 Do fprach dy alt(e) kiinigin: „lieber ^herre mein, . 
nu woit ich nit wanen, das es alfo möcht gefein, 
do ir dy fchonen hauben wurchtet wunderlich." 
do ward laut(e) lachen der künig Hugdietrich. 

246 Do fand aufz künig Walgund nach manigem piderman, 
do komen zu der hochzeit manig riUer lobefam, 
herzogen und grafen in dem weiten laut: 

aller erft ward Bugdietreich in dem land(e) wol erkant. 

247 Dem herren man [die] herberge gar fchone da gefieng, 
der werde künig Walgund mit feinen geften gieng, 

an efsen und an trinken wart da nit gefpart, 
und aller notturfl(e) da berait(et) wart. 

248 Dy hochzeit wert(e) drei wochen, das ift war, 

do zugen fy von dannen mit maniger grofser fchar. — 
„weit ir mit mir haime(e), Walgund, fweher mein?" 
er fprach: „das tue ich gerne auf dy trew(e) mein*^^ 



Hngdietricb; Jjffl 

249 Do fand aufz könig Walgund nach inanigem pidertnan, 
wol zwai hundert ritter er zu im gewan, 

dy waren beldCe) kuen(e) und aiich gar unverzail, 
do er mit feiner tochter gen Konftantinopel rait. 

250 Und dy von Oallieien, dy edle margrafin, 
dj woU mit Iren gevatreit auch reiten hin, 
wol fechzig junkfrawen het £y fchon berait: 

nu fchanet, wie herlich(e) dj junkfraw von dem lande rait. 

251 Urlaub nam Hugdietrich, das wifset Acherlich, 
und mit im von Salneck 6y edle künigin reich, 
wol hundert weifze maul(e) waren der kOnigin; 
ietleiches trug gen Kriechen ein fchones magedein« 

252 Do hueb fich zu Salneck ein ungefüger fchal, ^iS^. 2J 
do dy herren von dannen zugen überal. 

Urlaub namen fy von der mutei', als ich euchbefchaiden wil: 
do hueb fich von (vor?) der künigin maniger hand(e) fpil. 

253 Do kauft man auf der ftrafze was iederman begert, 
man tet da niemant fchaden umb eins pfennings wert 
fy riten zwainzig tag(e) mit der frawcn wolgetan; 

dar nach an dem andern morgen faben fy Konftantinopel an. 

254 Do fände hersog Berchtung aufz in feine lant, 
gen hof kom geriten manig kuner weigant, 

er rait dem herren engegen(e) mit manigem piderman: 
er enpfieng in wirdiklichen und die frawen wolgetan. 

255 Sy komen reilicb(e) auf den hof geriten. 

fy paifzten von den pfcrden nach kaiferlichen fiten, 
fy giengen mit der frawen hin auf den fal: 
do hueb fich in der purge ein ungefüger fchal. 

256 Vierzeben tag fo lang(e) wert(e) dy hochzeit, 
das man in dem lande davon fagte weit. 

Urlaub nam künig Walgund und al fein dieneftman, 
von feiner lieben tochter hueb er fich von dan. 

257 Er rait aufz dem lande, als wir haben vemomen, 

an dem achtzehenden morgen was er haim(e) komen. 

er kund(e) da haim(e) dy mar wol fagen ie, 

wie man es zu Konftantinopel mit feiner tochter begie. 



ISS Hagdietrieb. 

258 Es was ir marfchalck worden der grafe WdlfiD, 
und ritter Jörg ein kamerer der edlen künigin^ 
und waa ir pflegerin(e) 6y edle margrafin : 
der torwart und der wachtcr malten auch herren fein. 

259. Da het Hugdietreich dy frawen wol in das achte jar. 
fj gewan dennoch zwen fttn(e), das Tag ich euch fürwar, 
do hlefs der aine Bag(e) der ander Wachsmut. 
darnach in kurzer zeite Yerfchiet der künig gut. 

(Bi. XX, S. i) 



Wolfdietricli. 



260 i^u larsen wir ligen den edlen künig reich, 
und kürzen wir dy weile mit Wolfdietreieh» 

do wuchs SU Konflantinopel das kindlein wannefaoi, 
unz im ftarb fein vater, fein freud was im zergan. 

261 Do Wolf Dielreicbs vater an feinem ende lag, 
feinet* lieben kinde er mit trewen pflag, 

er het zwen Hin junge, 6y hiefz er für in gan, 
purge, land und leu((e), macht er in Untertan. 

*262 Er fprach : „vil liebe kinde, nu hört waz ich euch fage, 
* ich waifz nicht, oh ich lenger mag leben einen tag/^ 
do fchuef er Wachsmulen ain land bei der Tp hindan, 
und fchuef Bugen ein weit land, das dient dem kunen man. 

263 „WolfDietreich, Konflantinopel fol dein aigen fein, 
und was dar zu gehöret, vor andern erben meiu/^ 
do hiefz er herzogen Berchlung palde für in gan: 
;,ich enpfilch dir Wolfdietreichen, du pift ein trewer man/^ 

264 Darnach an dem fünften tag der her fein ende nam, 
und ward geftat zu dem grab, als im wol gezam. 
wie pa1d(e) herzog Berchtung Wolfdietreichen nam 
und fürt in in fein aigen laut: er was ein trewer man. 

265 Da zoch er feinen herren unz in das fünfte jar, 
er lert in manigerlay(e), das fag ich euch fiirwar, 

er lert in weit(e) fpringen und fchiefzen wol den fchaft 
und lert in mit trewen manigcrlai fpils kraft: 



200 Wolfdietricb. 

266 Er lert in mefser werfen, des gefchach im not, 
er war von eime haiden anders gelegen tot, 

do er rtund in noten vor dem haiden hochgeboren: 
er gefigt im an; des half im fein maifter aufzerkoren. 

267 Was in fein maifter lerte, des ward er maifter gar, 
mit mangerlai togent, das fag ich euch fürwar, 

er ward in feiner jugent pider nnd auch gut 

des frewet Ach des werden herzog Perchtungs mut« 

268 Dar nach in kurzen Zeiten heten im fein hruder genomen, 
was im von Kouftantinopel gutes folt fein bekomen, f iS^^ 
fy wollen fein(e) leut(e) im nit dienen lan, 

fj fprachen, er war ein käps kind und mdcht nit erbes han. 

269 Alfo herzog Berchtung dy mare da vernam, 

er gund gar tugentlichen für feinen herren ftan, 

er fprach: „her Wolfdietreich, ir fult ritterlieh leben: 

ew(e)r land und leut(e) mufz man euch wider geben/' 

270 Er fprach: „maifter Perchtung, gib mir deinen tat, 
feit du wol waift, das alles, an dir ainig flat^' 

er nam das fwert nach wirden, an einen pfin(ge)stag* 
der fürft zu allen zeiten grofser züchte pflag. 

271 Do im herzog Berchtung das fwert zu den henden bracht^ 
er fprach: ,>icb han fechszehen fün pider und gefchlachl, 
und fünf hundert ritter kuen und lobefam, 

ich leg mit euch auf die wag(e) al meine dieneftman/^ 

272 Do fante herzog Berchtung aufz in feine laut, 
zwai taufent held(e) komen alfo fehler zu hani, 
dj mueften fweren aid(e), das wil ich euch fagen, 
das fy Wolfdietreich hülfen fein aigen land behaben« 

273 Sy fprachen: ,,herre9 was ir weit, das foi an uns ergan«^^ 
do riten fj mit züchten aufz der ftat zu Heran 

und gruedten gar fchone dy mänge überal 
do riten fy gar fchier(e) gen Open in das taL 

274 Do fpicnens auf dy fegel(e) dy unverzagten man 
und fchiften da mit frewden über des meres trän, 
pis das fy gen Kondtantinopel komen in die hab, 
fy füren drei wochen, got in das gelück(e) gab. 



Wolfdietrich. 201 

276 Da paifzten ty gar fchier(e) nider anf das lant 
in einen grünen anger, manger kuner weigant, 
do fprach herzog Berehtung: ,,lieben herren meiQ, [fein/^ 
ich und mein herre Wolfdietreich mufsen heinacht zu hofe 

276 Er fprach zu feinen funen: ^^ir fult hie beftan, 

und wenn ir hört mein ftimme, fo kumbt ir k&Djsn man^ 
fo gat es uns an die ere, das man Itreiten £o\^(XXIf Sd) 
und kumbt uns zu hilfe, des traw wir euch gar wol/^ 

277 Do giengen fj gar fchier(e) auf der zwaier künig(e) fal^ 
do enpfieng man den alten, das gefiod überal, 

fy enpfiengen herzogen Perchtung, und liefsen Wolf- 

. dietreich ftan. 
er fprach: ,,was hat mein herre zu laid euch getan ?'^ 

278 Do fprach (kiinig) Wachsmut, der was ein junger man; 
„fag uns herzog Perchtung, wem wildu pei beftanl^^ — 
,,das wil ich meim herren Wolfdietreichen deim trewen 



yv* 



man: 



'5 
den enpfalch mir fein vater: ir fult fein erb im lan.'^ 

279 Do fprach küoig Bng(e) ein ungetrewer man; 
„Wolfdietreich ift ein k8ps kind und mag nit erbes han^ 
er id funden zu walde bei jungen wölfelein: 

du folt in varen lafsen und folt unfer aigen fein/^ — 

280 „Was fagt ir mir von wölfenl dj laufent zu holz, 
es ift ein degen kuner und ein ritter ftolz; 

ir fult im fein erbe von recht(e) wider lan: 
ich wil mit im dar legen alles das ich han/^ 

281 Do fprach Wolfdietreich: „ir lieben bruder mein, 

tut es durch got den guten und lat mich bei euch fein, 
und habet euch das lant halbes, das mir befchaiden ifl, 
und lat mir es halbes und dy ftat, das doch wol pil- 
lich in;/' 

282 Do fprach künig Bug(e) der ungetrewe man: 

,9nu pillt(u) doch ein käpskind, und magft nit er« 

bes hau; 
heb dich pald von hinne, und wildu genefen, 
oder es mufz noch heute von mir dein ende wefen.^' 



202 Wolfdiefrich. 

283 Do l^raeh henog Berehlung: ,,es mtifl wir wefea laid, 
foU ich alfo verliefen meiD grofse arbaif, 

dj ich. sa allen seilen auf in gelaget han: 

er mufs gewaltikleichen hie vor ench allen flaa/^ 

284 Do Tprach kQnig BngCe); ,,du aller zigenpart 

das du auf nnferm hofe fo lang ie wurd gefpart! 
. du ervrindeft fein nimmer, du wirft fein andern gewar, (S.2) 
ich mufs den part dir ziehen von dem mnnd(e) gar/^ 

265 Do fprach Wolfdielreicb : ^^jrie ir feit dy bmder nein, 
wer anrdri. den maifter mein, der mnfz verfchrofen fein 
mit meinem guten fwerte, oder ich wil ligen tot'^ 
* alfo anlwort er aus zorne, . des gieng in grofse not. 

286 Do wichen dy zwen herren gen einer für hin dan. 
do wappent Ach auf der pnrge menig kuner mian, 
fj fchlnffen in dj ring(e), als wir haben yemomen, 
fy heten Woifdietreichen gerne fein leben genomen. 

287 Do fprach herzog Perchlung: „lieber herre mein, 
nu tretet für dy tOr und lat niemant aus, noch ein; 
wer aus oder ein wel fchliefen, der mufz fein haupl hie lan^ 
fo werdet ir erft innen, ob ir habt einen dieneft man/^ 

288 Da fprang herzog Berchtung von der für hin dan, 
ein hörn rot von golde plies der kune man. 

das erhörten fein lieb(e) Hin, dy eilten pald(e) dan, 
mit allem irem gefinde komens an die porten hin ap. 

289 Do hub fich in der purge ein ungefüger fchal, 
do dy ritter drangen, auf der purg über al. 

do weite nit der alte, das der jung ftund in not: 
von Wolfdietreichs banden, lag menig man tot. 

290 Sy ftriten einen langen tag, das wil ich euch fagen, 

da wurden herzog Berchtung al fein(e) man e^fchlagen, 
pis an fein fecbzchen füne, dy pliben dennoch gar, 
und fein her Wolfdictreich, uud er felber, das ift war» 

291 Do fprach Wolfdietreich: „wir füllen von hinnen faren, 
nu uns dy hell fint erfchlagcn, got mufz uns bewaren, 
pis an dein fechzehen fün(e), dy fbr mit dir Ton dan: 
und verlur ich der ainen, fo muft ich erft traurig flau.'* 



Weifdietrich. 2031 

292 Do fprach herzog Berchtnng: „lieber herre mein, 
ich und alle mein f&n(e) mufsen bei euch fein, 
und mnfz noch ietlicher hundert man beAan, 

fam tun ich zwai hundert.^^ alfo fprach der khne man. 

293 Sy giengen wider zu (treite, das wil ich euch fagen, {XXfI,SJ) 
da wurden herzog Berchtung fechs feiner fiin erfchiageu: 
wenn er ainen fach Valien^ den herren plikt er an, 
und grufst in t(a)ugenlichen^ der fürfte lobefam. 

294 Do ward Wolfdielreich von in drungen hin dan, 
das maift an im ftundeu wol zwai hundert man. 
do wefte nit der alle, das er ftund in not, 

er want fein herre Wolfdietreich wire gelegen tot. 

295 Do fach man herzogen Berchlung trauriklichen flan, 
im überliefen Ay äugen, dem unrerzagten man. 

do fprach fein fun Hagen, ein filrfto lobefam: 

„ich fleh durch dy fwert plicken dort ftan den k&nen man.^^ 

296 Dy fchilt namen fy zu ruck(e), manigfchlag darauf erhal, 
£y ffcriten grimmiklichen durch das geftad über al, 

fj erfchlugen vil fchiere wol drew hundert man, 
ee das fy iren herren faheu mit äugen an. 

297 Da het beides werk erzaigt der fürftCe) fo gemait, 
mer dan zwai hundert toten het er umb Ach gelaif, 
da mitten flund unter in der wunder kuene degen, 
er het Ach fein(e)s leibes nahent gar verwegen. 

298 Ob im ftund ein degen, der was hoch gemut, 
der warf im ein wunden durch feinen heim gut, 

da von Wolfdietrdch Arauchtc und viel auf den plan, 
und lag in unkreften der tugenthafte man. 

299 Wie pald(e) herzog Perchtung über in dar fprang! 
er hnb in auf gar fchier(e), dy weil was im nit lang, 
den heim von dem haubte brach im der kuen(e) man: 
„wol mir, lieber herre, das ich euch lebendik fundenhan!^^ 

300 Wir ful[le]n von hinnen reiten, das wil ich euch fagen, 
feit uns die beide alle feint ze tod erfchlagen, 
werdent unfer dy Kriechen inne, fo mtifz wir ligen tot^^ 
ty gachten zu den roflen, von dannen was In not. 



^4 WoUiidrich, 

301 Do eilten fy von dannen, dj knnen degen pall, 

fo fy aller peldeft mochten, gen eineni finftern walt 
zwaitaufent ire veinde gaehlen in faft(e) nach: (SJt) 
Wolfdietreich und den feinen was gen dem walde gacb« 

302 Sj konien neben der llra(a(e) in ein wild hin so tat 
auf einen gr&nen anger« gelegen was der fchal ; 

do heten fich die herren Areites gar verwegen, 
doch heten fy hofnnngCe), fy folten lenger leben. 

303 Do beliben da die herren una in dj finftern nacht, 
do fprach Wolfdietreich: „ir herren fo gefchlacht, 

ir fult euch legen fchlafen^ ich wil der fchiltwacht pflegen^^ 
„nun welle got!^^ fprach Hagen, ein wnnder kuner dogen. 

304 Do fprach hersog BerchtuDg: »,lieber herre mein, 
war umb woU ir nns dienen, und wir ewer aigen fein? 
ich und meiD(e) fiiD(e) füllen fdr euch ftan, 

ir füll euch legen fchlafen, ir feit ain mader man.^^ 

305 Do fprach Wolfdietreich ein khner degen her: 

„ich furcht wftrlich, ich diene ewr kaim(e) nimermer; 
lat mich euch heint dienen, das ift der wille mein:, 
das wolle gol von himele, und folt es lenger fein!^^ 

306 Do fprach herzog Berchtung: „ewr varl ein rauhes weih; 
wie weit ir vor derfelben bewaren ewren leibl 

fy ift euch nach gegangen wol in das ?ierde jar: 

fy het euch gern zu manne, das fag ich euch fürwar/^ 

307 Do fprach Wolfdielreich: „wie fol ich das bewaren? 
es ift mir lieber in der jugent, was mir laids fol wider(aren> 
den das es mir wurt gefpart in das alter mein: 

ich mufz arbeit leiden, und mag nit anderft gefein/^ 

308 Do legten fy fich fcblafen, fein ailif dieneft man; 
wachen pis auf miluacht herzog Berchtung began. 
Wolfdietreich wolt nit fchlafen, er was ein trewer man, 
er maint, ob fein maifter gen dem tag möcht rue gehan. 

309 Als da cntfchlief fein maifter, do kam das rauhe weih 
gegangen zu dem feur(e), fy fach des fiirften leib, 

fy gieng auf allen vieren, als fy wäre ein per: 

er fprach : „piftu geheure, oder wer hat dich getragen her 1^^ 

{XXIIL'S. i) 



Wolfdietneii. 205 

310 Do fprach dy ranch frau Elfe: ,,ich pin geheur, zwar, 
nu nim mich, Wolfdietreich, ans forgen hilfieh dir gar, 
ich gib dir ein künigreich, dar zu ein weites lant, 

•das mufz dir, Wolfdietreich, dienen an dein hant/^ 

311 „Nain ich, auf mein Irewe!^^ fprach Wolfdietreich 
„ich mag dich nit minnen> valantinne reich! 

du folt gan zn der helle, da piffc des teufeis genofz: 
mich mftt alfo fere dein ungefüger dofz/* 

312 Von zorn warf ty ein zauber auf den khnen man, 
davon fich Wolfdietreich nit mer wol befan; 

wie pald fy im fein gut fwert und feinen Tolen nami 
ee das Wolfdietreich zu im felber wider kam. 

313 Do er kom zu im felber, er graif nach dem fweri hindan, 
und wolt fich und die feinen damit nmb rifseif han. 

do er nit fand des fwertes, da gieng der kune man 
und ruecht(e) feineu Yolen: do het fy in auch hindan. 

314 Do gedacht Wolfdietrich: „wes fol ich nu hie beftaD? 
ift, das nu erwachent mein ailif dieneftman, 

fo put mir ainer fein fwert, der ander wil mir das fein geben : 
fo kan ich nit wifsen, wie ich mit in fol leben>^ 

315 Vo gieng Wolfdietrich von in in den finftern tan, 

do was gemacht mit zauber ein ftrafz, da er auf kam, 
er lief des nachts zwelif roeil(e), der kbne weigant: 
unter einem fch6nen paume, er dy rauhen Elfen fant 

316 9) Wil du mich noch minnen?^^ fprach dy Elfe reich, 
„nain ich, auf mein trewe/^ ~ fprach der Wolfdietreich 
„gib mir wider palde mein gut fwert und mein volen, 
den du mir, ungefchlachtes weih, poslich haft geftolen/^ 

317 Sy fprach: „leg dich fchlafen, du pi(t ein müder man, 
und lafz mich dir fchaiteln die IScke wnnnefam.^^ — 
„der teufel fol bei dir fchlafen !^^ fprach der kAne degen 
„was mag ich gemaches bei dir, rauhes weib, pflegen ?^^ 

318 Vor zorn warf fy ein pulfer auf den kfinen man, 

das beheujgt im an dem herzen, fchlafe(r)n in began, (S. 2) 

das er muft nider feigen auf den grAnen plan. 

do befchniet fj im dj negel(e) dem unverzagten man. 



206 Woirdidricll. 

*dl9 Sj Barn des hars swtn locke tob de« fdilaf hni daa, 

* fj macht in sb einem toren, den togentlidbea maii, 
das er lief BnTerfnnnen in dem wald ein halbes Jnr: 
Ton der erd nam er fein fpeife, das fsg ich ench lllcwsr. 

320 Do erwacht(e) herxog Berchtong, der getrewe In tehnnl 
erfchrakt in feinem herzen, do er des herrea nil enfant, 
er fprach sn feinen funen: „na greift das peflCe) an, 
und wert der swaier kiinig(e) in Kriechen diaieHman. 

321 So mufset ir fweren aid(e), fich heb(e)t arhnt tIL 
wie ir dj aid behallet, ich euch befchaiden wil: 
wenn ir ewren herren mit engen fehet an, 

das ir der aid den ledig feit/^ fprach der kitne man» 

322 Stab and(e) (lecken nam der kune degen, 

er fprach zu feinen fönen: ,,got mfiJs ewer pflegen !^ 
mit klagen und mit wainen er von den kinden fdüet 
und fuecht(e) feinen herren, als fein fin im riet. 

323 Do teten dj jungen, was in der alt(e) pot, 

fy kerten von der wilde, das tet in grofse not, 

und riten sn den künigen, und wurden ir dienefliQaB: 

und tetens doch nit gerne, dj heid(e) wunnelan. 

324 Do wallet herzog Berchtuog von dem mer binden 
mit traurigem mut(e), pis er gen [allen] Trojen kam, 
da er dj rauhen Elfen vor dem münfler fant: 

fy grufst in tugenf leichen mit frewden fa zu baut. 

325 Do fprach herzog Berchtung: „liebe frawe mein, 
ich pät euch alfo gernf^), möcht es ewr wil gefein, 
das ir mir zaigt mein herren, den ir mir habt genomen, 
owe meins lieben herren I wa ift er bin komen?^^ 

326 Do fprach die rauch Elfe: „ich han in nicht gefehen: 
wie tiirt ir mich fein zeihen! euch mag woi laid gefcbehnl^^ 
„acbi^^ fprach er „liebe frawe, als ich mich kau verftany 
ir feit im nach gegangen: davon ich in verloren han/^ 

*327 [Er fprach:] „numufz aller erri(e) mein freud ein ende han. 

* o we meines lieben herren/^ fo fprach der khne man. 

* „lieber got von bimel(e), wie foi mir nu gefchehenl 

^ und foi ich meinen berren nimmer lebendig gefehen.?^^ 



Wolfdietrlch. 207 

328 Do wallet herzog Berchtung durch ^j haidenfchaft 
mit traurigem mute, leibs het er wol die kraft, 
über perg und über lal: do er fein hern nit fant, 
von iaid was nach er verdorben, der kune weigant. 

(BL XXIV, S. 1) 

329 Do fchift er wider mit laide über des meres trän, 
do fand er fein zehen fün in der künige hof(e) gan. 
er ward fchon enpfangen, im was y\\ Iaid gefchehen, 
ff fprachen: „habt ir noch nindert Wolfdietreichen ge- 

fehen?^' 

330 „Nain ich," fprach der altCe) „ich furcht, er fei tot: 
des leidet mein herze grofs kumer und not/^ — 
„ach, reicher got von himel(e), wie Fol uns gefchehen 1 
fiillen wir unfern herren nimmer in freuden fehenl" 

331 ümb dy trew dy fy beten zu Wolfdietreich, 
dar umb wurden ff gefangen, dy helt lobeleich, 
man fchlug ie zwen zafamene in ein(en) blök gut, 
darin liden fy langte) trawrihlichen mnt. — 

332 Dannoch lief Wolfdietreich wol ein halbes jar 
alfo wild zu wald(e), das fag ich euch für war, 
bis got fein arbeit nit lenger wolt vertragen: 

er fand der frawen ein engel, das wil ich euch fagen. 

333 Der engel fprach zu der frawen: „was haftn getan? 
war umb wildu verderben einen pidermani 

du wider tue ims palde, du ungefehlachtes weih! 
anderft dir nimpt der lonre in dreien tagen deinen 
. leib.*' 

*334 Als die küniginne diefelben ftimme vernam, 

* daz fy von got was komen, do hub tf fich von dan 

* pald(e) hin zu walde, da fy in het Verlan : 

* da vant fy Wolfdietreichen, den gar getrewen man. 

335 „Wildu mich noch minnenl" fprach dy Elfe reich. 

des antwort ir von Kriechen der trew(e) Wolfdiet- 
reich: 
„wjr(e)t ir getaufet,*' fprach der knene degen 
„fo wolt ich mit euch wa^en paide, leib und auch lebea.'* 



3M Er lipnch: „eAe Uaim m faec« mt 
•b idb emek gcnw ■i—ft, wie klm ii 

fr ^ni^ darssK«) Mfai l&t»l tes« kM, 
w»« ieb fs Idbericicbea wol §etmegtm ku.^ 

337 Sj IMe m m ämat kkl, des tusortkaftai bm^ 
40 febiAai fy aut frewdea Ibcr iki 
te bet ff en klm^rcick vad c» wcHcs 
ffffr»db:„wiM«getreirleni, ias dicBl dir M dcia hMit"^ 

3» I>o fint ff im i« d« lMmd(e), dem tiig«ilbafl«i mm, 
Hr eiaea [tohca] per^, da weAff cia j pag hg—q i flaa. 
der was an halb kaii(er), aad aadcrlulb waa 
dareia fpraag die Irawe, fj pat IIA gal hc 

339 Do ward ff getaafei: v or waa fy raacb Ela _ 

na hiefi tj fraw Sigauaae ^ 4j fchoall aber alle laaL 

do bei ff äf raahea baat ia dem braaaea gelaa: 

ia gedaaehly das aie kaia fcb&aer fraw(e) war gefaa. 

*340 8f was aa dem Idbe wol gefcbaffea aberal, 

* getroUea als eia kerze über die baf bia xe tal, 

* ire liehfea weagel waren rofeavar: 

* ff l^gt an [?on] feiden klaider, das Dag ich ench ffirwar. 
341 „Wildn mich noch minnen?'' fprach dj Elfe reich* 

des antwort ir von Kriechen der trew Wolfdietreich : 
,,ir (eit worden fo fchone und fo minniklich, 
ir habt euch wol Terker(e)t, ir wart vor dem fewfelgeieicli.'^ 
^342 9,Da von foltu mich minnen, da tugenthafter maii.*< 
^ des antwort ir Wolfdietrich der fürfte lobefam: 
,,nnd war ich na fo fchAne, als vor einem halben jar, 
fo minnet ich ench gerne, das fag ich ench f&rwar/^ 

343 Do fprach fraw Sigeminne : ,,nnd welleCt dofchon(e) wefea, 
fo fpriug in den bmnnen, fo piCtu wol gcnefen, 

fo wirAn alfo fchoD(e), als ein kint von zwelf jar, 
fchon und minnigliche, das fag ich dir farwar/^ 

344 Do fprang in den brunnen der unverzagt(e) man. 

do er wider heraufz fchiet, fy fürt in zu einem pett bindan, 
dar an legt er fich fchlafcn, der getrewe Wolfdietreich^ 

* zu feiner fchonen frawen: fy waren minnikleieh. 



Wolfdielrich. 209 

345 Do het er hochi cit mit der frawen wol^ehin, 
das er nie geda€ht(e) an fein ailif dieneft man. 

im kom eines nachfes in Tein fin nnd [in] Tein mnl, 
wie er folt(e) Areiten mit Ortniden dem kaifer gnt. 

346 Er fprach zu feiner frawen: y,liebe firaw(e) mein, 

nn helfet mir meins mntes, als lieb ich eucb mug fein, 

das ieh (Ireit mit kaifer Ortnit dem k&nen man: 

(Bi. XXV, S. i) 
ach, reicher got von himel(e), nnd het ich im ^^^ei an!^^ 

347 Do fprach dy fchon(e) f^aw(e) : ,,was hat er euch getan, 
das ir in mit flreite [aljro gerne weitet beftaol*^ 

er fprach: „liebe frawe, das wil ich euch wilsen lan, 
do ich was ein klains kindel, da wolf er mich bezwangen han/* 

348 Er fände mir swelf graven in meins valer lant, 
das ich im das lant folt zinfen, tefen fy mir bekant. 
do pot ich im hinwider(e): wenn ich ward ein man, 
fp weit ich in zn Garten nmb mein aigen land beftan. 

349 Na pin ich gewachfen und worden zu einem man, 
und wil in zn Garten umb mein aigen erb beflan« 
fejn gefell(e) wil ich werden, gefig ich im an« 
darza gebet mir ewem rat, fraw(e) wolgetan/^ 

350 Sj fprach: „ir feit mir alfo lieb, ich hilf euch aufz der not, 
das ir von kaifer Ortnit nit geliget tot/^ 

zu band hiefz fj im beraiten ein kiel wfinnefam 
mit gutem greifen gefider(e) der was wolgetan. 

351 Dar ein hiefz dj ft*aw(e) dem herren fragen dar 

ain hemd von palmM feiden, das ftig ich euch für war, 
Sant Pangrazien hailtum darein TerAgelt was: 
es was von flbenzig fachen ; darin er dick genas. 

352 Do fpien er auf d j fegel(e), der wunder k&ne man, 
do fchift er mit frewden über des meres trän. 

do er kom zu lande, er kert gen Garten hindan, 
er legt Ach unter ein linden, der wunder käne man. 

353 Umb dj felben linden was es alfo getan, 

das niemant durch kurz weii(e) getorft dar unter gan, 
er wir den durch flireites willen komen in das lant, 
alfo was Wolfdietreich der kune weigant. (S* 2) 

14 



210 Wolfdietricli. 

354 Oben auf der linden Aingen vogelein ; 
des ward er erfrewet in dem hersen fein, 
wenn er hört dj ftimme und den reichen fchal, 

er frewet fich der wunne: wol lang fraw naohtigal. 

355 Do het ieder rogel fein flimme fnnder wol. 
da von Wolfdietreich ward der frenden vol, 

das von dem f&fzen fchal(le) entfchlief der kdne man. 
do fcom kaifer Orfnid an ein(e) zinnen gan. 

356 Er ftund an der zinnen der werd(e) kaifer gut, 

bei im fein fchAne fraw Liepgart, die gab im hohen mat 
fy fprach zu im: ,,nu warl(e) hin, du werder degen, 
ich gefach nie kainen mer(e) fo gewaltig dort Ach legen/^ 

357 Er fprach: „liebe fraw(e), des engilt fein leib 
kurzlich von meinen henden, das wifze, fchAnes weib, 
er fert mit einem fchallCe), fam das lant fein aigeft fei, 
es wonet grofser Übermut feinen herzen bei.^^ 

358 Do fprach die fchoo(e) fraw(e): ,,lieber herre mein, 
er mag wol wefen müder und ver geflrichen fein; 
lafz in (iezo) ruen, er ift ein kuner degeu: 

fich torn(e) ficherleich(e) kain zager dorthin legen/^ 

359 Er fprach: „liebe fraw(e), ich glaub, ir feit im holt; 
im kan nit gehelfen fein filber und fein [rotz] golt 
das im fcheinet durch diebrünne und durch den heim gut: 
er mufz mit mir ftreiten^ und war er noch fo hochgemut/^ 

360 Do fprach fraw(e) Liepgart: „warumb wir ich imholtl 
ich gefach in nie^it äugen, dar umb ich fweren woU. 
ich rat euch auf mein trewe, ir fult in nit beftan/^ 
vJa^S fprach kaifer Ortnid „er wirt fein nit erlaa" 

361 Er fprach: „bei meiner Irewen, mit ftreit ftand ich im bei; 
er fert mit grofscm fchali(c), fam das lant fein aigen fei, 
das han ich her behalten von manigem pider man: 

er mus mir ficherleichen mein reich ligen lan/^ (XXVI9 S. i.) 

362 Do fprachen fj do alle die feinen dieneftman: 
„füllen wir mit euch, herre, zu der linden gan?^^ 
„nain,^^ fprach der herre „ich wil euch [her] heime lan, 
ich wil in all ain(e) auf hohen breis beftan/' 



Wolfdielrich. 211 

363 Sein(en) guten harnafch hiefs er pald her fragen; 
do wapnot in dy fraw(e)f das wil ieh euch Tagen; 
ainen fchaft grofsen nam er in fein hant: 

do gien^ er su der linden, da er Wolfdieireiehen fant 

364 Er gab im ein ftofs auf djr brnfk, der kaifer hoch gemut. 
auf fprang Wolfdietreich, zornig was fein mut; 

[er fprach:] ,,pfl^get ir fugent, ir foH(et) mich anders 

gewecket hau: 
ir fordert mich gar ungefüg und habt unhöflich getan/^ 

365 „Ir werdet flreites nit erlan, mit Areit ftan ich euch bei; 
ir faret mit einem fchall(e), als das land ewr aigen fei, 
das bau ich behalten vor manigem pider man: 

ir müfset mir iicherlichen mein reich hie ligen lan/^ — • 

366 ,,So Ctricket mir dj riemcn, feit ir ein pider man; 
ir feit wol fo kdne, das ir mich turret beftan. 
ich han von ewer manheit aifo vil vernomen, 

das ich [euch] durch flreites willen pin herze lande komen/^ 

367 ,,lr werdets nit erlafsen, degen hoch gemut/^ 
auf pand er Wolfdieireiehen feinen heim gut 
und ftriht im dy riemen mit den henden fein, 
do kom hinach gefchlichen dy edle kaiferein. 

368 Sy wolt(e) fchen, weder dem andern gefiget an. 
do giengen zu ftreit(e) dy zwene kune man, 

da wurden fy nicht innen der frawen wolgetan, 
do fafseten dy fchilde dy unrerzagten man. 

369 Sy flunden gen ein ander, ainer den andern ansach, 
gerne mögt ir h&ren, wie der kaifer fprach, 

er fprach: ,>degen kdner, nu fag mir deinen namen, (S.2) 
das ich dich miig erkennen; des foltu dich nit fchamen.^^ 

370 Do fprach Wolf dietreich : „das war mir ein zagheit, 
folt ich von meinem nameu fo palde haben gefailt 
oder wer mein vater wftre, oder w^inn ich w2r geporen: 
was habt ir des zu fragenl das tfit mir auf euch zorn.^^ 

371 „Mich zimt an ewem geparden, ir feit fo hofleich, 
ir feit von wilden Kriechen Wolf-her-dietereich ; 

ich han von euch yernomen das ieh gern geboret han.^^ 
„fo wer' dich, kaifer Ortnit, der wolf wil dich beftan/* 

14* 



JS12 Wolfdielrich. 

372 Do fprangen fy zufamene dj wunder k&nen man, 
es ward michel wunder von in baiden getan, 

es fchlug ie ainer den andern dreiftund auf das laut: 
zu dem vierten male viel Wolfdietreich znhant. 

373 Do rueft er im herzen unfern herren an: 

,,nu berat mir, got, zu Kriechen mein ailif dienelt man, 
nnd herzogen Berchtung den (lieben) maifter mein: 
ach got, lafz mein(e) rel(e) dir enpfolhen fein!^^ 

^374 Wie palde Wolfdietreioli wider auf fprang! 

* und im fein vil gut fchwert in der hende erklang: 

* ,,nu wert euch, kaifer Ortncit, e fich vol endet der tag, 

* fo wirt euch wbl vergolten von mir difer ungefbge fchlag.^^ 

375 Sein fwert der trew Wolfdietreich zu baiden henden nam, 
mit unverzagtem mute lief er den kaifer an, 
er fchlug im auf fein haubet einen fwinden fchlag, 
das der kaifer Orlnit vor im geftreck(e)t lag, 

376' Und das er zu der ftunde weder hort(e)> noch gefach, 
noch zu der felben zeil(e) nie kain wort gefpraeh, 
und im das plnt zun oren und zum mund aufz drang, 
wie pald(e) 6j kaiferin über ir herren fprang! 

377 Sj fprach: ^,1ieber herre, was hab ich euch getan, 
das ir mir habt verderbet meinen lieben maul 
bringet mir des brunnen, das ich lab den herren mein/^ 
do fprach Wolfdietreich : „wo mag das wafser fetnl^^ 

378 Sy fprach: ,,da keret ba1d(e) von der linden hin zetal, 
und fiirdert euch her wider(e) zu uns auf das wal, (H^F//,iS.y) 
das ich lab mein herren, tut es umb den willen mein.^^ 
er fprach: „ich tu(n) es gerne, vil edle künigein/^ 

379 Do gieng Wolfdietreich durch den finftern tan, 
in feinen guten heim er das wafser nam, 

er gieng wider zu der linden, da er fy baide vant, 
do labte fy mit züchten Ortneiden fa ze haut. 

380 Do nam dy kaiferin(ne) Wolfdietreichen bei der haut, 
ff fürt in unter dj linden den kunen weigant, 

do fprach dy fchon(e) fraw(e): „herre Wolfdietrich^ 
ich pit euch umb ein gab(e), der fuit ir gewern mieh/^ 



Wolfdieirich. 21S 

381 Er fprach: ,,liebe fraw(eX ich wil euchs nit verfagen, 
und kan ea an meinen eren mir nit gefchaden; 

das man mirs müg breifen für ein zaghait, 
fo tet ichs nimmer, das fei euch vor gefait/^ 

382 Do fprach dj kaiferin(ne) : ,,nain, lieber herre mein, 
ir müget darumb(e) kain zag(er) nit (ge)feiu: 

ain kttnig und ein kaifer, ir feit zwen kuen(e) man, 
wolt ir [an] ein ander verderben, das war nit als wolgelan/^ 

383 Dj fraw(e) gieng \¥ider(e), . da ty [kaifer] Ortnit het lan; 
da was wider erman(ne)t der (vil) kuene man; 

fy fprach: „kaifer Ortnit, lieber herre mein, 

ich pit euch umb ein gäbe, der fult'ir mich gewerent fein/^ 

384 Er fprach: „liebe fraw(e), ich wil enchf nit verfagen, 
und kan f^ an meinen eren mir nit gefchaden. 

ich hau gemütwillet hie bei langer zeit: 

ee ich tet wider er(e), ee wolt ich verlieren den leip.^^ 

385 Do fprach dy fch6n(e) fraw(e): „lieber herre mein, 
fj mag dir. nit gefchaden an den eren dein. 

ain künig und ein kaifer, ir feit zwen kuen(e) mau: (S* 2) 
woU[ent] ir [an] ein ander verderben, das war nit wolgetan/^ 

386 Sj nam den kaifer bei der hant und fürt in mit ir dan, 
do fand fy Wolfdielreich(en) unter der linden ftan^ 

fy fprach: 9,ir herren baid(e), das fei euch gefait, 
ew(e)r ietlicher mufz mir fweren einen aid, 

387 Das ir feit zwen gefeilen äy weil ir habt das leben, 
und [an] ein ander beiftendig, den rat wil ich euch geben, 
fo waifs ich kain im land(e), der euch müg geflgen an: 
ir feit baide zwen(e) wunder kfine man/' 

388 Do volgeten der frawen dj zwen gefellen gut, 
£y fwureu auch zu famene, dy fttrften hochgemut, 
was den ain an gieng(e) dj weil er het das leben, 

das foU der ander rechen : das riet in dj A-aw gar eben. 

389 Do nam kaifer Ortnit Wolfdietreichen bei der hant, 

er furt(e) in gen Garten [auf dj feflen] den kunen weigant 
do wart fchon enpfangen der kuen(e) Wolfdietreicfa 
von des kaifers hofgefind, dy komen al. geleich, 



214 Wolfdietrich. 

390 Sj giengcn tugentlichen fttr fein tafeL riao, 
und dienten zu tifche dem färrtem lobefam. 
da fafsen ty su tifch(e) und beten frewdQU iril 

mit pufaunern, pfeifern und fpeis was ira berzen 1^1. 

391 Do waren bei ein ander äy zwen gefellen gut 
unz in dy vierden wocben^ d^ f&rAen bocbgemut. 
do fpraeb Wolfdietreich: „ich wil von binnen raren, 
Ortnit, lieber gefell(e), got mufzCe) dicb be waren! 

392 Gebet mir Urlaub von binnen, edle kaiferin reicb. 

got gefegen eucb, liebes bofgefind !^^ fpraeb WolCdietreicb. 
Urlaub nam Wolfdietreicb, und fchifl über des mefes Iran 
hin gegen alten Trojen, als wir vernomen bau. 

393 Do fAr im engegen(e) Sigmin fein fcbönes weih, 
mit allem irem gefinde, gekronet was ir leib; 
fy für im eogegen{e) mit manigem piderman, 

f 7 enpfieng in wirdikleieh(en), als ir wol gezam. 

394 Sj fpraeb: „ich wen(e) gerne dy m&re, (XXYIfJ,S.i) 
berre Wolfdietreich, wie es euch gegangen wäre 

mit kaifer Ortnide, dem (vil) kuenen man: 

faget mir, lieber berre, habt ir im gefiget an?^^ -- 

395 „Es ift mir wol ergangen, edle künigin reich, - 
wir haben zufamen gefworen/^ fpraeb Wolfdietreich 
„er pet mir zucht und ere, der tugenthaft(e) man,'^ 
wie es im was ergangen, fagt er feiner frawen (fan). 

396 Do fehlueg man auf [al]fo fchdn(e) ein reich(es) gezelt 
auf einem grdnen anger nider auf das velt, 

da fafsen fy zu tifcb(e) und beten freuden vii, 
mit efsen und(e) trinken, fpeis was irs herzen fpil. 

397 Do kom der haiden Trifian, der ungetrew(e) man, 
er zaubert hirCs und binden mit golt alfo fcbon. 

do der trew Wolfdiefreicb dy wild [al]fo laufen fach, 
gerne mügt ir boren, wie er zu der frawen fprach: 

398 „Nu laft euch nit verdriefsen, liebe frawe mein, [ein/^ 
ich muiz mit den hunden [nach dem wild] in den wald hin 

* er jagt im nach vil pald(e), und ander feine man: 
do belaib dy fraw aliain(e) unter dem zeit beHan. 



Wolfdietrich. 215 

399 Do kam der haiden Trfian zu der frawen gan, 
er fuerta mit im von dannen über des merea trän 
auf ein guete feften, [d^ was] wunnefam getan, 

dj lag in feinem land(e): da von Wolfdietreich laid gewan, 

400 Do het er dj frawen wol ein halbes jar, 

das niemaot weite, wa fy was, das fag ich euch fürwar. 
Wolfdietreich das gejaid(e) auf den hirfeen nam, 
er Jaget im nach fo lange bis er mueden began. 

401 Do paust der werde furlte uider für den walt, 
da er fein frawen het gelan, der fürfl(e) fo palt, 
er kam des abents fpat(e) zu dem zelt(e) gan: 
do vaud der herre niemant, den er da het gelan. 

402 Do er fein fch6ne frawen nindert finden kunt, 
er was in grofsem le]d(e) zu der felben flunt, 

do fprach gar trawrikleich(en) der trew Wolfdietreich : 
folt ich alfo verloren haben mein frawen minniklichl^' 

403 Aiuen rauhen kotzen legt er an fein leib, (5. 2) 
lein fwert macht er in bolmat und fuechtfeinfch6n(es) weih, 
und kert(e) haim zu land(e), ob fy haim wäre komen, 
oder ob fein dienftieut(e) nicht beten von ir vernomen. 

404 Do er fy nit dahaim vand, er fchift über des meres trau, 
auf einem guten kiele, den im fein fraw het gelan. 

do er hin über kom, do gieng er auf das land hin dan, 
mit trauriklichem mut(e) unz er gen Garten kam, 

405 Auf dy guten veft(e), da er kaifer Ortnit vant. 

do was uiemant auf der purge, der den fürften erkant, 
' wie wol im vor vii liebes was (al da) gefchehen, 
und man in auch dicke in frewden het gefehen. 

406 Do uiemant crkante den tugenthaften man, 

er pat kaifer Ortnit, das er in iiefz da beftan. 

do fprach kaifer Ortnit: „ich wii dirs nit verfagen. 

von wannen haftu gewaltet I des mufz mich wunder haben. 

407 Billu icht vor gewandelt durch dy weiten laut, 

haftu icht von aim vernomen, der ift Wolfdietreich genant? ^^ 
er fprach: „lieber herre, ich hau in nie gefehen 
und kan euch der warheit von im nit verjehen. 



i^lQ Wolfdietriek. 

408 Ich pin wol ferre gewallel durch Ay weiten laut : 
der da halfst Wolfdietreich, der ift mir unerbant. 
der kaifer nam den pilgram und weift in hindan, 
er fest in zu einem tifche, den tugenthaflen man. 

409 Do fach in dj kaiferin dik mit äugen an, 

£j erlacht(e) tangenlichcn, fy erkant den knenen man. 
von dem tifch gieng fehiafen (Ortnit) der kaifer gul, 
mit im fein firaw Liepgart, dj gab im hohen niut* 

410 Do entfchiief der kaifer, £y gieng wider hin dap^ 
do vaut fj den pilgram. auf dem hofe Itan, 

fy enpfteng in wirdiklichen und fprach : ,,iGh ken euch wol." 
des wurden im vor laide fein äugen wafsers vol. 

411 Sy Iprach: ,^Wolfdietreich, wie feit ir fo getan? 

ift euch icht zu laid gefchehen, fult ir mich wifses lan/' 
er Iprach: ,,feit ir mich kennet^ fo mufz ich euch Yeijehen, 
mir ift in fremden landen vil zu laid gefchehen, 

412 Ir fiilt mich nit mären, als lieh ich euch m&g gafein.^ 
„ich tra w es wol verfweigen/^ fprach dy kaiferein, {XXfÄ^ SJ) 
fy gieng wider palde, da fy Ortniten vant, 

do was er nu erwach(e)t der kuene weigant 

413 Sy fprach: „kaifer Ortnit, was fol der ze lone han, 
der euch zaigt Woifdietreichen, den gefunden man?^^ 
do fprach kaifer Ortnit der auizer weite degen: 

„ich wolt im immer gerne baide, leiben und(e) geben. 

414 Und folt ich meinen gefeiten mit angen fehen an, 
mir möcht in aller weite nit liebers fein getan/^ 
dj fraw(e) nam den kaifer und fürt in mit ir dan, 
do vant fy Woifdietreichen in der pur^(e) ftan, 

415 Sy fprach: „nu fchaw dein gefeilen, wie er ift getan; 
und klage wir im fein kummer, er ift ein trewer man.^^ 
gerne mügt ir boren, wie der kaifer fprach, 

do er Woifdietreichen zu(m) erflen anfach: 

416 ,)Sag, warumb(e) laugnoft du gen mir den namen deini 
wenn ich dich nit erkenne, du folt dich nit fchamen fein.^^ 
do fprach gar trawriklich(en) der trew Wolfdietreich : 
„ich klag dir meinen kummer, du werder kaifer reich. 



Wolfdietridu 217 

417 Ich het dj fchonflen frawen, dy ie kain maii gewan, 
dia ill mir Terftolen, davon ich kummer han.^^ -^ 
„wie lang haftn fy gefuchetl das tag mir, werder degen/^ 
er fprach : ^^wol ein halbes jar han ich nngemaches pflegen; 

418 und folt ich lang [al}fo leben, wSger wftr mir der tot/^ 
do fprach kaifer Ortnil: ,,ich hilf dir anüsder uoU^ 
do fprach von (wilden) Kriechen der trew Wolfdietreich: 
fo teteftu xware wol einem kinde geleich. 

419 Dn folt hie zu lande bei deiner firawen beftan. 
warumb woltefln die durch meinen willen lan?^^ 
do fprach gar tngenilichen Ortnit der kaifer reich: 
„ich wil mit dir von hinnen, gefell(e) Wolfdielreich. 

420 Seil ich dich, lieber gefell(e), lebentig hab gefehen, (8.2) 
uns mofs mit ein ander lieb und laid gefchehen/^ 

alfo wolten ty paid(e) mit ein ander von dan: 
do ward hails(e) wainen dy kaiferin wolgetan, 

421 Sy klagt, das fy ie mit angen bei Wolfdietrelchen gefehen> 
das ir (al) fo grofses laid von im folt befchehen. 

do I^rach von (wilden) Kriechen der trew Wolfdietreich: 
ich* wil allain(e) fuchen mein frawen flcherleich. 

422 Da von gebt mir urldub, ich wil von hinnen varen. 
Ortnit, lieber gefeile, gol mdfz dich be waren 1^^ 

do fprach gezogenlichen Ortnit der kaifer reich: 
„ich wil mit dir von hinnen, gefell(e) Wolfdietreich. 

423 Und wil dir helfen fuchen dein frawen wolgetan, 
oder mich fleht zu Garten froUch nimer kain man/' 
alfo giengen dy zwen gefellen zu fuefsen von dan: 
gute ros und kiaider möchten f j wol gehabet hau« 

424 Sy giengen holz und h äide"^ die zwene kuene man, "^^tn y^^fM 
an trinken und an efsen, als wirs vernomen han, 

fy giengen mit einander dj zwen gefellen gul^ 
unz an den vierden morgen, öj degen hochgemut. 

425 Do komens zu eins waidners haus dj zwene kune man, 
vil tugentlichen ers enpfing, als wirs vernomen han. 
do fprach der waldnere: „vil lieben herren mein, 

wdl ir heint hie peleiben, ich gib euch, brol und wein, 



218 Wotfdielridk. 

426 Hftner und auch wiltprat'^ i]praGb der waldnan 
„ir habt mir hie zu walde nie kain laid getan.^^ 

do fprach kaifer Ortnit: „wir wellena dir Bit Terfagen; 
du baft mir vil gedienet, dea foltn giiad(e) habea. .. 

427 Ei M uns alfo gangen, das uns ift gefcbeben not.'' 
ain reiche wirtfchaft der waldner in enpot. 

do Ijirach aber der waldner: ,,Yil lieben berroa naein, 
ir fult euch legen ichlafen, ir mügt wol mud(e) loin/^ 

428 Ala der kaifer da entrcblicf, Wolfdietreieb bub fleh [von] dan 
und liefs kaifer Ortnit hinter im beßan. 
Wolfdietreieb dem waldner gar t(a)ugenlicb verpot, 
[er fprach*:] ,,du folt im nit weifen nach mir^ tut nicht not 

429 Tue das durch meinen willen und baifs den knenen san 
dahaim in feinem land(e) bei feiner frawen beftan/^ (JUXfSJ) 
Urlaub nam Wolfdietreieb und bub fleh von dan, 

er kom an ain fmalen Heig, der trueg in durch den tan. 

2^^. 480 Er gieng bols und haid(e) wol an den flbenten i9gf , 
weder efseiis noch frinkeos er nie (da) enpflag, . 
den laubes und auch wurzlen, dy er su wald(e) nam, 
und auch grAnen krautes nert(e) ficb der kuno man, 

431 Er traibs (al)fo lang(e) unz er müden began, 

er legt fleh für ein hoben perg und fchiief in dem tan, 
vor dem felbigen ftain(e) vant er ein linden ftan, 
dar ob lag ein marbel, der was fo wunnefam; 

432 Dar unter was ein urfprung und edler würzen vil, 
da entfchlief er, der gefchmak was feines herzen ipil. 
derfelbe flain was hoch michel unde brait. 

do bet ficb fraw Sigminne oben an ein fenfler gelait, 

433 Das gieng aus dem perge, darein £y gef&ret was, 
do bet got im zu hail(e) wol gefhget das, 

das ficb fraw Sigmin(ne) an ein venftcr bet gelait, 
ee das er fcbiet von danneu der fiirfte fo gemait. 

434 Do fach fy zu dem brunnen über den wald hin dan, 
do fach fy vor dem flaine ligen den wallenden man, 
do kom zu ir gegangen der baiden Trifian, 

ij fprach: „lieber berre, wild(u) mein buide bau. 



WollilMMu 319 

435 So briag mir deo waller der auf dem fleiii(e) leiii 

fii wil idi bei dir fcblafeo/^ er l^pradi : »»dee wir wol seil/^ 

do gieag aufz der porge der beideD Trifien, 

da er Yand Wolfdietreicben; er hieb in bald auf Han. 

496 Er fpraeh: wildu mit gemache an einer herberg weTeUi 
ich gib dir ein reidie wirtfchafi, dn magft wol geneCen«^^ 
do fpraeh WoUdietreicb: ,,des tut mir alfo not: 
ich wila nmb dich verdienen/^ in swang des hungere not, 

437 ijEa ül (nn) mknig tag daa ich kein wirt nie gewaa/^ 
,,ro gang mit mir von hinnen/^ fpraeh do TriAan, 

er weift in togentleichen auf dj pnrg hin dan^ (s.2) 
er faxt in sn einem fenr(e), das da fchon(e) bran. 

438 Da aljB Wolfdietreich und bet guten gemach 
wie pald er in der purge al nmb ftoh fach, 

er wart nach feiner gewonheit, der wunder kuene man: 
do fach er einen umbbaak, davon er fir6wden gewan. 

439 Der was im mit der frawen aufs dem zeit genomeo. 

er gedacht: ^ich pu zu bail(e) zu difer purg(e) komen.*^ 
wie balde Wolfdietreich von dem fewr auff^rangl 
er befchauet alfo gerne den felbigen umbbang. 

440 Do fpraeh der haiden Triflan: ^^dir möcht wol lieber fetOy 
der dich liefie bei dem feure pflegen des gemaches dein, 
dan das du geft fchawen.^^ do fpraeh der kuene man: 
,,man febant vil dings durch wunder, allb hau ich getan.*' 

*44l [Er l^rach:] ,,ich han vil fremde mar(e) kttraleiehen ver- 

* die nu in dem land(e) erft(e) flnt aus körnen/^ [nomen, 

* do fpraeh der alte Triflan: m^m mag das gefeinl 

* nndmagflduvornntrewen nicht pflegen des gemaches dein?** 

*442Do fpraeh Wolfdietreich; ^^wie fol es uns ergani 
das der fcaifer Ortnit zwingt fo manigen man/^ 
do beten fy der mftre alfo vil gefeit« 
er Mm gezogenlidien mit ganzer wirdikeit. 

443 Bei dem firar dy weile was im nit gar lang, 
bis asao mit den eben zu dem llfcbe drang, 
do ward man lanffej mefen^ das man waber nam: 
do kam sebof gegangen aMiik zwerk wolgetaa. 



444 Es Ih« n des tiTche ncsik iMflich gcswerg; 

Ij paotMi AcherieichcB dj pw)p aad umtk den peiv; 

darBaeh kom gcfaB^ca dj edle kiaigni raidi: 

ly hieb got wttkMieB fein des trawea Wolfdietratdi. 

445 Sj Migt n mit den kaopCe, faa tct der kMM mu, 
do hieb fy des waUer ArkiB efaea gu. 

do ISut aan iai ein felsel m deai tilcli liiadaa, 
do ptikt !■ dy kfiaigiB dick aul irea aBgeB as. 

446 Sy l^prack: „feit ir ichl verre gewallet dareh dy laatl 
habt irTemoBeB TOD aioea^ der iA Wolfdietreich geBaBtl*^ 
er fprach: ,,liebe frawe, ieh han fein ait gefehen 

und kan euch der wartiait von iai nil Terjehen«^ 

447 Da Tafsen fy oh liTche und heten frenden fil (JÜOI, tUi) 
mit eflen nnd aiit trinken, fpeia waa ira henan fpil^ 
und wea fy hegerlen, daran der iaiten klank: 

mit mangerlai knrsweil ir hera nach flrewden rang: 

448 Do «an het geefaen, dy tifch worden hin getragen, 
do fprach Wolfdietreich, daa wil ich euch lageni 

er gedacht in feinem mute: „nu gelraw ich lagen wol, 
wet mir ifl an male: nmh mich ftet ea wol/^ 

449 [Cr fprach r] ,,ich han felxem mare in dem Und Yemomen^ 
die flot kuralichen lu wege her komen.^^ 

do fprach der haiden Trifian: ,,waa mag daa gefein 1 
magfln nit vor untrewen pflegen dea gemachea deinl^^ 

450 [Er fprach:] „es hat zu alten Troien ein junger känig reich 
kürzlich gehabt ein hochzeit mit einer frawen minniklich/^ 
fy ward haifse wainen ir angen wurden [ir] rot, 

fy überluffen ir dicke, ala Ir trewe gepot. 

451 Do fprach der alte haiden: ,,wa8 haftu getani 

du hafibetr&bt mein frawen, es mufz dir an das leben gan/^ 
do fprach die (fchAne) frawe: ^,nain, lieber herre mein, 
fo woltelt dn an mir brechen dy grofsen trewe dein« 

452 Du waift wol, Ich wolt noch nie deines willen pflegen: 
des wil ich mich erwegen, das du in lalseft leben.^^ 

do fprach der alte haiden: „mag das n&t(e) wefen, 
ich wil durch deinen willen, in gerne lafseu genefen,^^ 



Wolfdietrich. 22} 

463 Do fpraeh der aUe haiden; ,,wir fallen rcUafen. gan 
mit frolichem mnte in dy kamer wnnneAini/^ 

die iwerg(e) giengen naher, er nam fy bei der hant: 
wie pald(e) Wolfdietreich fein kotien anfjpantt 

464 Sein IVert aus dem palmat zukt der knene man, 

[er fpraeh:] ,>ry ift hie gewefen lang(e) dy fraw(e) wolgetan : 

fy mnÜB mit mir von hinnen, du ungetrewer man! 

du ftalfl mir fy lafterliehen, do du fy fiirteft von dan/^ 

466 Do fpraeh der alte haiden : „wolteftn dieh ir annemen, (S*2) 
und befl&nd ich dich zaglichen, es mAft mir übel gesemen, 
wir fallen umb ty ftreiten; wer den fig behab, 
dem werd dj fchAne frawe und alles das ty hab/^ 

466 Do wart Wolfdietreich der rede alfo fro. 

drei ril liechte brünne bracht man dem wirte do: 
die ain(e) brün was all(e) und weiter ring(e) gar, 
bj ander zwo waren liecht und filber var. 

467 Er hiefs £y für Wolfdietreich tragen auf den ial, 

er fpraeh: „nu nim dir eine, ich wil dir lan dy wal/' 

wie palde Wolfdietreich zu der alten fprangt 

do fpraeh der alte anfz laide : t,wer gab dir difen gedankl^^ 

468 An wapnot fieh ril pald(e) der haiden Trifian« 
do wapnot Wolfdietreichen dy frawe wolgetan- 
und Ilrikt im dj riemen dy frawe minniklich: 
des firewet fich im* herzen der trewe Wolfdietrich. 

469 Do fpmngen £y zelamen(e) die zwen(e) kaenen man, 
es ward michel wunder Yon in paiden getan, 

es fchlug ie ainer den andern Tier mal auf das laut: 
zum fünften mal viel Wolfdietreich der knene man zu hant. 

460 Do fpraeh dy künigin : „lieber got, wildu mich aber lao?^^ 
do ruft er unfern herren in feinem herzen an, 

er fpraeh: „got Yon himel(e), du folt mir bei geflan: 
und berat mir auch zu Kriechen mein ailif dieneftman!^^ 

461 Do war[en] der wilden zwerg(e) fo vil auf den fal komeo, 
die beten Wolfdietreichen gern fein leben genomen, 

fy fchufsen undCe) würfen auf den kuenen man, 
fy weiten Wolfdietreicheil gerne yerderbet han. 



222 Wolfdielridi. 

*462Wie pM(e) Wolfdielreich wider anffprangr, 

* und im in der hende fein vil gnt fwert erklang! 

* er fprach: ,,nii wert euch, Triflan, es gat eoeh an den leip: 

* wie torft(et) ir es erleben, das ir mir Halt mein weip?^^ 

463 Sein fwert zn paiden henden der trew WoldietreiA M»i, 
mit unrersagtem mute lief er den haiden an, 
er fpielt in von dec achfel nnz auf dy gfirlel dan, 
das er viel zn der erde und da fein ende na». 

4M Do der haus herre alfo lag Tor im tot, 

die Zwerge flohen von dannen, des tet in grofaa not, 
fy flohen in dj winkel vor dem k&nen man. 
Wolfdietrich und fein frawe hoben fleh yon dan. (XXXU^SJ) 

i65 Sy fprach: „mir haben die zwerg(e) ril zu laid getwii.^^ 
„des miffsen fy engelten.^^ fprach der koene man.^^ 
wie pald Wolfdietreich ein fcur nam in fein hanll 
in einer kurzer weile wart dy porg mit in Tcrhraat 

466 Wolfdielreich und fein frawe hüben fleh von dan, 
fjkomenaof ein fmalen fteig, der trug fy doreh den tan, 
fy giengen in fdnf tagen wider zu dem waldesraan, 
Ton dem Tor Wolfdietreich in fiben tagen was gegan. 

467 Er fprach :,,lag mir, waldner, waiftmetngefel hinkonenf^ 
er weift in auf fein ftrafse, als wir haben vemomen, 
do gieng im mit der frawen hin nach der knene weigant, 
das er in kurzen zeiten kaifer Ortneiden vant. 

468 Oerne milgt ir h&ren, wie der kaifer fprach, 
als er Wolfdietreichen ron erfle an fach: 

,,got wil kom, lieber gefell(e), ich hau dich gern gefehen, 
mir raöcht io allen dingen nit Hebers fein gefcbehen/^ 

469 ,,Nu dank dir got der gote!^' fprach der koeno man 
,,wie piflu fo fwars worden! was haftu getaut 

das du mich haft gefuchet, des ift mir laid gefchehen: 
da kundeft mich nit rinden, weder boren, noch fehen.^^ 

470 Do fprach gezogenlicben Ortnit der kaifer reiche 
,,das wifse flcherleich(en), gefell(c) Wolfdietreich, 
ee ich brach die aid(e), die ich dir hau gefworen, 
ee m&ft ich Acherlichen immer fein yerloren, « 



Wolfdietrich. 223 

471 Ich vani vor einem perg(e) einen rifen Itan, 
mil dem ieh nnmafsen faft geftriten han, 

mit einer n&hlein ftangcn lief er mich dick an: 

doch half mir got von himel(c), das ich den Ag gewau. 

472 Vor einem hohen perge, der was innen hol, 
zwerg nnd wilder leute was er aller yoI, 

die zonten an den fchwebel, das pech und das harz: 
Yon dem felben raach(e) pin ieh worden fwarz* 

473 Sy jähen zu einem herren den haiden Trifian, 

dem dienf(e) der felbe perg, das ward mir kund getau.^^ 
do kerten hin gen Garten dj zwen(e) kune man, (S»2) 
da fanden fy fraw Liebgarfen an einer zinnen ftan. 

474 Die het ir mit laide gewartet mangen tag; 

ry frewet fich in irem herzen, für war ich euch das Tag, 
do ty räch die herren, gieog £y mit den jungfirawen dar, 
* Ja ward ir alfo jach, das Tag ich euch förwar. 

475 Sy gieng den herren eogegen(e) dj fraw(e) faznhant 
pald Ober den hof, da £y Wolfdietreichen fant^ 

£y enpfieng in tugcntlichen, den unverzagten man, 

£y fprach: „wa ift mein herre, oder wa habt ir in lan." 

476 Er fprach: „liebe frawe, kennet ir in nicht? 

fo nemet euch da den fwarzen, von dem euch lieb gefcbichf, 

das ift ew(e)r herre,^^ do fprach dj keiferin: 

„wie mag er in kurzen ftunden fo fwarz worden fein ?^' 

477 S^ giengen mit einander auf äy purg hin dan, 

£y wurden fchon enpfangen von [den] frawen wolgetan, 

mit alfo grofsen eren, Ay edle kaiferin 

bat fy und fraw Sigminne got wil komen fein. 

478 Do beliben fy zu Garten wol vierzehen tag. 

er fprach: „ich wil von hinnen, für war ich euch das fag, 
gip mir Urlaub Ortneit, lieber gefeile mein, 
ich mag von meinem lande nit lenger gefein. 

479 „Nun welle got von himel(e)!^' fprach der kaifer reich 
„du muft bei mir beleiben, gefell(e) Wolfdietreieh ; 
wolteftn fo palde von mir von dan, 

fo wurd ich nimmer fro(lich).<^ fprach der kuen(e) man. 



224 Wolfdietrich. 

480 ,Jch mag nit lenger beleihen/^ fpraeh Wolfdietreich 
,,e8 riat Übel in meinem landCe), lieber kaifer reidi; 

es ftet hie deft(e)r wirfcher, daadunnlangpiflanfigawerea: 
wie mügen denn dj meinen fo lang an mich genefenl 

481 Es ift wol ein jar, das ich da haim anafchief^ 
feit hab ich gewallef, wa mir mein An hin riel, 

bis ich han fanden dj lieben frawen mein: (XXXIII, S^i) 
ich muCk haim in land(e), und mag nit anderfl gefein/' 

482 Urlaub nam* er* tou feinem gefellen und Ton der fraw« 

wolgetauy 

* do kert er mit der frawen gegen dem mere dan. 

* er biet in gerne lenger [gehabt], wan er im da« Terjaeh, 

* das er fich freut von herzen, wenn er Wolfdietriehen fach. 
*483 Do fnren fy mit freüden über des me)*e8 trän 

hin gen alten Troyen, als wir rernomen han, 

da ward er fchon enpfangen von manigem piderman 

und von den fchonen frawen, die waren wolgetan, 

484 Do belaib er bei der frawen wol ein halbes jar, 
bis got über fj gepot, das Tag ich euch fürwar. 

fy lag an irem ende, wie fchon die frawe verfchieti 
alfo flarb fraw Sigminne: verkündet uns das liet. 

485 Do nu fraw Sigminne was gelegen tot, 

darnach in kurzen Zeiten kom [kaifer] Ortneit in not, 
dem fant fein fweher in das lant zwen würme fraiflam, 
und ein ungefüges weih und einen grofsen man, 

486 Der hiefs rife Hell(e), der ungef&ge man, 

fein weih hiefs fraw Runtz(e)y ir zorn der was fraiflam, 
djr trugen dy würm gen Garten in einen grofsen lAralt, 

* von den verlos der kaifer fein leben der degen halt. 

487 Dy würm in einem perge er ficherlichen verparg, 

* fy zugens unz das fy wurden gar roichel und(e) ftark» 
do giengens aus dem walde und teten fchaden grofs: 
do was niemant im land(e) der war der wurme genofs. 

488 Do ward man dem kaifer vil davon fagen 

wie dy würme menigen man in den wald beten getragen, 
menigen werden ritter und menigen kdnen man: 
das wolt nit lenger vertragen der kaifer lobeCan. 



Wolfdietrich. 225 

489 Er gond gar tugentlichen für fein frawen ftaa, 

er fprach: ,,edle kaiferin, ich mufz dein Urlaub hau, 
ich wil reiten gen walde und lofen das erbe mein: 
ich mags nii lenger gelciden, folten mein len t verdorben fein.^^ 

490 Do fprach dy fch&ne fraw(e): ,,nain» lieber herre mein, 
du folt hie haim beleiben, als lieb ich dir mug gefein; 
du kenft dy wiirm nit recht(e), ir fireit ift fraiflamy (S,2) 

* und das ungefüge weih, und Iren grofsen man/^ 

491 Des antwort tugentlichen der kaifer lobefam: 
„folt ich lau verderben manigen pider man, 

ee beftund ich mit gotes hilfe allain wol hundert man: 
wie lang folt ich dy leut(e) in folichen noten lan?'^ 

492 Sy fprach: „lieber herre, ich hbr euch das verjehn, 
ir wellet nit erwinden, ir weit dy würm(e) fehen, 

fo mufz ich euch des gunnen und auch mein Urlaub gebn ; 
got vom himel behuete ewr(n) leib und ewer leben !^^ 

493 Sein guten harnafch hiefs er pald(e) her tragen, 
an wapent in fein frawe, das wil ich euch fagen^ 
fy halft in und(e) kuft in (al)fo minnikleich: 

„ich furcht, ich fech dich nimmer mer, edler kaifer reich.^' 

494 Ein ros hiefs im der werde mit züchten ziehen dar, 
ain fchilt mit rotem golde, des nam er eben war, 
ain heim rot von golde pot man dem kaifer dar, 
und einen guten laithunt, das fag ich euch fiirwar. 

495 Als er auf fein ros gefafz, er fprach zu der frawen fein: 
„ich far mit ew(e)rn hulden, vil edle kaiferin, 

und fei, das mir die wilden würm gefigeu an, 
fo foltu dir zu herren nemen einen piderman, 

496 Der nach mir dy würme mit ftreit(e) tur beHan/^ 
do ward haifs(e) wainen dy kaiferin wol getan, 
„doch waifs ich kain fo k&neu und mnetes fo reich, 
es tue den mein gefelle, der trew(e) Wolfdietreich. 

497 Der trait in feinem herzen eines beiden mut; 
uud kam er her zu ]and(e), edle kaiferin gut^ 

und fei, das ich verderbe, fo nim den zu einem man: 
er getar dy wUrme mit ftreit(e) wol beftan/' 

15 



226 Wolfdielrieii. 

498 Urlaub na» er nm der fraweD und kerf(e) Ich Toa dan. 
er kom aaf eiii(e) ChrafsCe), dj tmog in in den tan, 
unter ein grnene linden, do paiftt er in daa grM^ 

da des rifen geverl(e) in allen selten was. (XÄXiV, S, i) 

499 Ein hom rol von gold(e) plies der kaifer gnl. 

daa kort der rise IIell(e), gar lomig was fein mnt, 
er nam ein ftjhlin Aangen, do buk er fieb von daa, 
do find er kaifer Ortneit unter der linden ftan. 

600 Do fpraeb der nngeftiege: „du klaines wicbfelein, 
da haft micb erwecket anfz dem fcblafe mein, 

da erfcblnegft mir su Monlbnren den lieben obem mein: 
nn han ieb dicb bie fanden, es mufs dein ende fetn/^ 

601 Do fpraeb kaifer Ortneit der kuene degen palt: 

„dn valant nngebenr(e), wer braebt dieb in difen waltl 
ieb getraw mein reicb(e) noeb wol vor dir bebaben, 
leb wil dir noeb beal(e) bie gar manlieb wider fagen/^ 

602 Do tet dem groüsen rifen' dy red aufser mafsen soren, 
des bet kaifer Ortneit fein leben nabet verloren, 

fein Hangen boeb bocb auf der ungefoege man, 

er fcblneg der linden efte nacb dem kaifer auf den plan. 

603 Wie pald der kaifer Ortneit von der linden fprang! 
mit feinem guten fwert(e) er auf den rifen drang, 
er fcbriet im ab die ftangen, als ob es plei war: 
do ward der kaifer Ortneit im berzen frewden bkr. 

604 Wie pald der rife Hell(e) binter ficb (da) fprang! 
fein fwert er aufz zukte, das was zwelif eilen lang^ 
er fcblueg den kaifer nider(e), der ungefoege man, 
er wolt(e) kaifer Ortneit gern verderbet ban. 

606 Do wart er laut(e) ruefen der ungefoege man. 
das erbort(e) fraw(e) Rontz da, fj lief in den tan, 
tj nam ein ft abiin ftangen und lief pald(e) dan, 
ir was alfo gacb unter dj linden zu dem man. 

606 Sy ward laut(e) ruefen: „was ift dir gefebebenl 

bat dir iemant icbt getan? des folt du mir veijeben.^^ 
er fpraeb: „ieb ban den kaifer bie zu tod gefeblagen: 
nu nimpt fein berfcbaft'ende, des ful wir frewd(e) baben.'^ 



Wolfdietrich. 227 

507 Do gedacht in feinem mutCe) Ortneit der werde man : (S,2) 
,,reg ich mich iendert, fo mnfz ichs lehen verloren han; 
ich wil ligen flille.^^ gedacht der werde man, 

ob ir ain(e)s gieng(e) von dem andern in den tan. 

508 Der laithont lief in dem wald(e) pellen er began; 
do das erhört fraw Runtze^ ff eilt(e) pald bki dan, 
tj want, es war ein Jeger(e) und wolt(e) fj beflan, 
ty kert hinnach vil pald(e), da tj di nimm(e) vemam. 

509 Wie palde kaifer Ortneit wider auf fprang! 
das im fein fwert Rofe in der hant erklang, 
und fprang ans der linden der unversagt(e) man, 
er lief den grofsen rifen grimmikleich(en) an. 

510 Do fprach der ungefuege: „piftu noch getiefen? 
nn wolt ich doch wänen, es war dein end gewefen. 
dich kan dein manhait gen mir nit verva[he]n, 

ich wil mit meinen henden dich heut zu tod(e) fchla[he]n.'^ 

511 Sein fwert der rife zu baiden henden trueg, 

wie gar kreftikleichen er auf den kaifer fchlueg! 

das im muft entweichen der kaifer lobefam, 

er fchriet der linden efte nach im 'nider auf den plan« 

512 Wie pald der kaifer Orlneit von der linden fprang! 
das im fein fwert Rofe in der. hant erklang, 

er fchlug im in fein rücken einen fwinden fchlag, 
das im fein» nider gürtel bei den fuefzen lag. 

513 Wie pald der rife HelKe) auf den kaifer fprang! 
er wolt mit feinen füefzen in geftofsen han. 

der kaifer was behende und fchlug im fein pain ab, 
als es wer ein fwamb(e), fein manhait im das gab. 

514 Do fprang zu der linden der ungefüge man, 

er graif mit den henden nach des panmes flam. 

der kaifer fprach: „mich rewet, das dich mein fwert 

nit pas verfnait: 
ift dir wider gewachfen ein fuefs, das ift mir lait. (XXXV,SJ) 

515 Ich mufz noch pas verfuchen/^ fprach der kuene man. 
mit unverzagtem mnt(e) lief er den rifen an, 

er fchlueg im ab das ander pain, fein ellenthaffe hant, 
das er nit lenger moeht geftan, er fiel nider auf das laut. 



228 Wolfdietrich. 

616 Do ward er aber raefen einen laufen gal, 
das ea in dem perge and in dem tal erhal. 
do das erhört fraw Rantx(e), das es was ir man, 
fjr vergafs der flählein ftangen, ein jungen panm fy \ 

617 Sj fwang in über djr achfel, das wil ich eadi lagen, 
in möeht vor großer fwäre ein wagen nit getragen, 
dy tolden und die efle liefz fj hangen dar an, 

* do hneb fy Ach vil pald(e) xu der linden hin dan. 

618 S7 fant kaifer Ortneit ob irera mann(e) ftan; 

do fchlng fy nach dem herren, und traf iren man, 
das es in dem wald(e) darnach tofzen began: 
fy wolt den landes herren gern verderbet han. 

519 Do Iprach gezogenliehe der kaifer Ortneit: 

„ich waifz nicht, welcher teufel dir die krefle geit. 
ach, reicher got von himel(e), ich ftan in grofser noi: 
hilft mir nit dein gute, fo mufz ich ligen tot.^^ 

520 Als fy do ward innen, das fj hct troffen iren man, 

do erfchrak fy alfo fere, das fy viel hiuder fich hin dan. 

wie palde kaifer Ortneit auf fj naher trat! 

fein fwert het er in [der] hende zu derfelben ftat, 

521 Er fchlueg ir ab das haubet, der unverzagte degen^ 
do ward fy mit den paineu fall al umb fich geben, 
und ftiefs mit einem fncf8(e) den unverzagten man, 
das er viel zu der erden nider auf den*plan. 

522 Wie pald(e) kaifer Ortneit wider auf fprang! 

das im fein gut fwert (Rofe) in feiner hant erklang, 
er fprach : „warft du noch lebentig, mein forge wure grofs : 
ja ward nie kain teufel, du wSireft wol fein genofz/^ (S. 2) 

523 Do fafz er auf fein gut ros, der fürfte lobefam, 
er kam auf ein(e) ftrafse, dj trug in iu den tan, 
da rait der degen edel(e) wol einer meil(e) weit, 
do hort(e) der fürfte zu der felbigeu zeit 

524 Vor im in dem wald(e) einen grofseu fturm: 

da flreit ein helfant wilde mit ei[ne]m graufam(en) wurm, 
er fürt au feinem fchilt(e) ein helfant, der was rot, 
durch des felben willen er dem helfant hilfe pot 



Wolfdietridi. "" 229 

525 Er trat ron dem roffe, feia fwert zu der hant er nam, 
mit unverzagtem mut(e) lief er den wurm an, 

er fchlueg im alfo rchier(e) tiefer wunden drei: 

der wurm floch Ton dannen, der helfant ftuend im bei. 

526 Er.fprach: „wie nu, helfant? wiit du zu walde gan? 
oder wildu mit (rewen hie bei mir beftani 

fo für ich dich gen Garten,^^ fprach der kaifer her 
„und frei dich vor dem wurme, das er dich engft(e) 

nimmer mer/^ 

527 Er naigt mit dem haupt(e) dem tugenthaften man. 

er fprach: „ich fich wol, helfant, du wilt bei mir beftan.^^ 
do fafz auf fein (gutes) ros der fiirfte lobefam, 
er fürt mit im gen Garten den helfant hindan. 

528 Do komens zu einer linden, dy was gegredet wol; 
da wurden fraW Liepgarten ir äugen wafsers vol; 

i\y was mit zaubere! gemacht, das wil ich euch fagen: 
wer entfchlief dar unter, der fchlief gen drein tagen. 

529 Er trat von feinem roITe nider auf den plan, 
do er dy erden ruret, fchlafeu er began, 

er fprach: „awe! fchlaf, du nimUt mir mein(en) leib, 
dar zu land und 1eut(e) und auch mein fchbnes weib/^ 

530 Do der werde fürfl(e) nider figeu began, 

do entfchlief alfo gefwinde der tugenthafte man; 

fich legt zu im fein brack(e), der helfant nam fein war: 

do kom der wurm wilde gefchlichen zu im dar. 

531 Do der helfant wilde den wurm erft anfach, (XXXVI, SJ) 
do was im zu ftreite gegen im alfo gach, 

do wart ein ftreit fo herte von iu paideu zuhaut. 

der brack fprang auf fein herren, tut uns das^uch behaut, 

532 Er krazt in auf der brurt(e), walgeu er iu began, 
und wolte feinen herren gern gewecket hau: 

er was gefunt entfchlafen, und lag, ob er w&r tot, 
des kom er von dem wurme in ang(e)ft und in not 

533 Er mocht fein nit erwecken, das fag ich euch fürwar, 
fich hueb der helfant wilde von dem wurme dar 

und ftiefs fein(en) herren, das er fich umb(e) want: 
er het in gern erwecket den khnen fa zc hant 



2S0' VfM^dMk. 

534 Er mocht fein nit erwecken, do hub er Ach dar, 

* er wart somiges nntes, das fa^^ ich each farwar, 
mit grim nnd mit lone lief er den wnrm an, 

das TMi im fehrat das few(e)r, ir (trdt was gar frailfam. 

535 Das ros begonde fcharren und (harchen es began, 
es fKeCi fieinen herren und wolt in gewecket han: 
er was vaft entfchlafen und wolt erwachen nieht, 
von dem der edlen kaiierin von herzen laid gefchicht. 

536 Der wnrm was erz&rnet und fliefs den helfaut zu tal, 
das er mnfl serbrechen; des lief« er einen galy 

das er in dem walde lofzen da began: 

do wart der brach ergelfen aber auf dem kftnen man. 

*S37 Do der wurm nn den fig(e) an dem helfant gewan, 

* do kert er nnder die linden, den herren er da nam, 

er fchlikt innnz ander die fiehfen ?il valt in feinen kragen, 
er wolt in feinen kinden zu einer fpeife tragen. 

536 Des ward er nicht innen, der kaifer lobefam, 

bis er fcom anfz der linden: do erwacht der kueneman, 
do hueb er auf fein hende: ,,awe der grofsen not! 
hilf mir got von himel(e), oder ich mufz ligen tot^^ 

539 Er graif in dem wurme nach dem fwert hindan ; 
do er den arm ruret der tugenthafte man, 

do lief der wurm an einen flaiu mit dem kunen degen, 
das er muft zerbrechen und was auch tot gelegen. 

540 Er trueg in mit gewalt(e) paide, perg und tal, {S. 2J 
er legt in für fein jungen, £y betten grofsen fchal. 

alfo ward der kaifer in den berg getragen, 

er ward der würme fpeif(e), das wil ich euch fagen. 

541 Alfo ward verloren der kaifer tugentlich, 

und verlos auch fein leben, das wifsct ficherlich. 
fein ros und fein brack(e) kerten gen Garten dan: 
do vernam fchier dy mar(e) dy fraw(e) wunnefam» 

542 Sy klagt(e) kleg(e)ieich(en) ir grofses ungemach, 
das £y den werden kaifer (mit äugen) ie gefach. 
fy wainet umb iren herren nnz in das vierde Jar: 
alfo tut noch oft aine, und nit all(e) fürwar,— 



Wolfdielricfa. 231 

543 Do nu der werde kaifer het Terloren feinen leib, 
dennoch klagt Wolfdietreich zu Troycn fein fchones weib, 
ob irem grab das krenz(e) der khne an Ach nam, 
durch irer fel(e) willen fchift er über des meres Iran. 

544 Ainen alten waller er zu im (ge)nani, 

den het er an feinem hofe gezogen, der werde man. 
den turt er mit im daunen gen dem hailigen grab: 
da legten ty ir opfer, . für war ich euch das fag. 

545 Do nu wider von dannen fehied der tngenthafte man, 
do ftarb im fein waller, als wir vemomen han. 

er fprach: „got von himel(e)y was han ich dir getanl 
das ich kain(e) fUde umb dich verdienen kan/^ 

546 Do fchift er wider mit laide über des meres trau, 
auf ein gnte ftrafz(e) kam der kAne man, 

da rait er holz und haide, der fürft(e) lobefam: 

an dem zwölften morgen kom er zu Püdens auf den plan, 

547 Da hört' er fagen m&re von ei[ne]m haidnifcben man, 
der kund mit mefsern werfen, den torft niemant beftan, 

* der het ain fch&ne tochter, und fafz in Falkeneifs: 
*.an manigem werden ritter het er bejagt den preis* 

548 Alfo Wolfdietreich(e) dy mar(e) ward erkant, 

er gab auf da zu Trojen dy purg und auch dj laut, 
er rait gen Falkeneifs(e) der trew Wolfdietrich, 
zehen tage rait der kune, das wifset Acherlich. 

549 An dem aiUften morgen kam der degen palt 

geriten ane forgen für einen gruenen walt, (XXXVJIfl^J) 

* auf ain praite haide der fürfte lobefam, 

da fach er vor im (. .) ein fchone purg (tan, 

550 In derfelb^n pürge dreifzig türme lag, 

die zinnen auf der maur(e) lauchten als der tag: 
do fach er an der zinnen fünfhundert haubet ftan, 
und fach auf gen lumel(e) der tngenthafte man. 

551 Er fprach: „das mag dy purg fein, davon ich vernomenhan: 
nu berat mir got zu Kriechen mein ailif dieneftman!^^ 
er trat von dem roITe nider auf das laut 

und klagt(e) klag(e)Uchen der kune weigant: 



232 Wolfdietrich. 

562 ,9 Wie mich nu haben vertriben dy lieben bruder meiny 
nu wölt got, das in Kriechen dy purg roU(e) rein! 
und darauf mit gemache mein ailif dieneftman: 
dar umb(e) wolt ich immer in ungenaden ftan.'' 

*653 Sein ros das was fchone, das gurt der degen paCs, 
* hart vermersenleichen er darauf fafs, 
' da trabt(e) gen der piirge der fürfte fobefam: 
der haiden und fein tochter waren an ein fenfter gan. 

554 Do in die junkfrawe von erft an fach, 

gerne mügt ir hören, wie £j su irem vater fprach. 

[fy fprach:] „lieber vater, herre, ich wildich wifsen lan, 

dort Yor dem wald(e) reit ein Kriften man. 

555 Ich fich an feiner gep&re,^^ fprach dj künigin gut 
^^er fürt in feinem herzen aines beiden mut; 

ir fu][le]t im engegen reiten mit einer fchbnen fchar, 
und enpfacht in wirdikleichen, des pit ich dich für war.^^ 

556 Er (prach: „ich tun es gerne, liebe tochter mein, 

ich wil im geben gerne mein brot und mein(en) wein.^^ 

wol mit hundert pferden er im engegen rait, 

und enpfieug in wirdikleichen den fürlten fo gemail. 

557 Er fprach: „du werder KriHten, du fult mir wilkomen Mo, 
ich wil dir geben gerne mein brot und mein(en) wein, 
durch got, den meinen,^' fprach der haiduifch man, 

der ift gebaifsen Machmet: den folt ir ruefen m,^^CS»2J 

558 Do fprach Wolfdietreich gar an argen lift: 

„her haiden, mir ift nit wifsen, wer dein got Hachmet ift; 
ich wil gerne trinken dein wein und efsen dein brot, 
durch den, der an dem kreuz(c) hat erliten den tot/^ 

559 By fchbne junkfraw(e) in bei dor bende nam, 
fy weift in tugentlichen zu ir fitzen dan, 

fy hiefs ir ainen fefsel tragen pald(e) dar, 

dar auf fafz fy gegen im und nam fein eben war. 

560 Das tet die junkfraw(e) alles nur umb das, 

das ir under Kriften noch haiden nie kain man geviel pafs. 
do gedacht Wolfdietreich und wider fich felber fprach, 
das er kain fchbnere frawen nie (mer) gefach. 



Wolfdielrich. 233 

561 Do fprach dy fchon jonkfrawe: ,,lieber vater mein, 
IsSz den werden Kriften meinen masge fellen fein/< 
er gewert £y tugentlichen, wes fy in (da) pat. 
man bracht in dar die fpeife an der felben Hat, 

562 Man pflag ir hofenlieh(en) mit wild und auch mit zam. 
£y fprach: ,,nu efset vaftCe), mein vater euch des wol gau/' 

. [er fprach:] „an efsen und an trinken fol fich niemant lan, 
wer mit frawen und federfpil kurzweil(e) wil han.^^ — 

563 „Durch alier frawen er(e) fag mir den namen dein, 
das mufs in kurzen friflien dir gedanket fein/^ 

,er fprach: „ich tun es gerne, vil edle kiinigin/^ 
ich pin von alten Troyen genat künig Pilgerin/^ 

564 „Nu hat mein forg ein ende,^^ fprach dj künigin gut 
,yich want, ir wärt von Kriechen ein degen hochgemut^ 
der halfst Wolfdietreich und ift ein junger man: 

der fol mit mefser werfen meinem vater gefigen an/' 

*565Des antwurt(e) mit züchten der k&n(e) Wolfdietrich: 

* ir fiilt mein nit fpotten, fraw(e) nfinniklich, 

* ir fnlt mich fein eriafsen (.....•..) 

* bitt ich aufs der mafsen ( ) 

*566Do fprach gezogenlich(en) die junkfraw wolgetan: 

* „ich hau ewr nit gefpottet, tugenthafter man, 

* das fiilt ir mir gelauben, ritter unverzagt, 

* ich hau euch ficherlichen die warhait gefagt/^ 

567 Sy nam in bei der hende und weift in in ein fal, 
der was 'Von merbelftain(e) nnd leuchtet über al, 
dar in Itund ein iind(e) dy was guldin gar, 

als fy der haiden ftrailfam het gemachet dar. 

568 Zwen und Abenzig eft(e) nam er an der linden war, 
w^^-tv^ dy vogel 6y darauf fafsen dy waren guldin gar, (XXXVIII,SJ) 

//^/^. fy waren gemacht mit liften nnd waren innen hol: 

wenn f j der wint durch waet(e), ir ftimme fungen wol. 

569 Do man gafz und dy tifch(e) waren auf gehaben, 

do fprach der flölze haiden : „ich wil euch wider fagen, 
ich wil euch frid(e) bannen vor allen meinen man: [gan.'^ 
[ich wil] mit euch meCser werfen, es mufz euch an das leben 



234 WolfdieCridi. 

570 Do fprach Aj febbne jnnkflraw : „naiD^ lieber Tater aien^ 
fo wolteft aa mir breehea dj groftea trewe deia: 
gefcbicb im icbt laidea, ich woU mich tanfea laa, 

und wolt(e) feinem gott(e) wefea ander taa.^^ 

571 Do fprach aber der haiden: „^i^^^ lochter amn, 
fo fol der werd(e) Krillen hie bei dir fein* 

hörfltt es, werder Kriften,^^ fprach der haidnifeh man, 
da folt ßld und gelficke bei meiner tochter han; 

572 Bürge, land und leat(e) mach ich dir unter tan 

und gib dir mein tochter/^ fprach der haidnifeh man. 
^,d7 ift flcherleichen dj aller fchdntle mait, » 

fo du ie geiachft mit äugen, die ift dir berait.^^ 

573 Do fprach Wolfdietreich zu dem haidnifchen man: 
„her wirt, was ew(e)r ere fei, das lafst aa mir ergan.^^ 
do fprach aber der haiden: „es mufs alfo gan.^^ 

er fprach: „ich tun es gerne.*' der tugenthafte man. 

574 Man weift £y paide fchlafen in ein kempnat wuna^fam« 
der haiden ein twalm trink en in fein hend(e) nam: 
„nu nim hin, werder Kriften,^^ fprach der haidnifeh man 
„das fchlaf trinken foltu bei deinem pet(te) han,^^ 

575 Do fprach dj junkftraw(e) zu dem haidnifchen maa: 
„vater, dein grofse untrew(e) mag heinacht uit ergan.^^ 
do zukt £j im vil pald(e) das trinken ab der haut, 

ty warf es hinter das pet(te hindan) an die wan%.(S* 2) 

576 Do fprach der ftoize haiden: „tu liebe tochter mein, 
du folt heut froleich(e) bei difem manne fein, 

und fag(e) mir die mare, fo es begin(ne)t tagen, 

ob dich der werde Kriften zu einem friedet well(e) hahen.^^ 

577 Do zoch fy ab ircm leib(e) al(ie)s ir gewant, f.«J>W,3. 
fy l^t es für das pet(te) nider da zehaut, 

; fy het auf irem köpfe ein reilich gebeut, 
da mit die junkfraw zieret iren leib behent. 

578 Sy faüz zu im auf das pet(te), und fprach : „du werder degea, 
ich hau dir behalten dein er(e) und dein leben; 

und heteftu getrunken, du tugenlhafter man, 

fo het dir mein vater morgen mit mcfser werfen geAget an. 



Wolfdietrick 235 

579 Na hat meio forg ein ende.^^ fprach dy kiinigiti reich 
y^heinacht leit an meinen armen ein ritter tugentleieh, 
einer der fcb&nfte, den ie kain fraw gewan.^^ 
aller erfl; plikt fy Wolfdietreich tugentleichen an. 

680 Sy fprach: ,,rehaw du werder, ob [nit] wandeis an mir fei; 
tagent unde er(e) wonet mir noch bei 
nn nim an, werder ritter, und träwte meinen leib, 
ob dir ie lieb wurden alle fch&ne weib.^' 

581 Sy ftuend für in an das bette die künigin hoch gemut, 
und zaigt ir fchone brüft(e) dem edlen fürften gut, 
weifz waren ire hende, verdecket was ir fcham. 
fy fprach: ,,da werder ritter, fichVrawen er(e/ vor dir an. 

682 Du folt (dir lau ge)lieben meinen fchonen leib, 
ob dir ie lieb wurden alle fchone weih. 

und wildu mich nit minnen, das foltu mir fagen, 
•^P fo wil ich allen frawen über dich klagen/^ 

683 Er fprach: „ich min dich gerne; wie^ftet der glaubte) deinl 
wiltu gelauben an Jefum, den lieben herren mein, 

und an Unfer Frawen,^^ l^rach der kuene man 

„mein leib und auch mein feie woU ich bei dir lan.^'— i 

584 „Weft ich, wer dein got war(e),^^ l^rach dy fchone mait 
„und war mir vor von deinem got(e) icht gefait, (XXXIX^ S, i) 
durch in liefs ich mich taufen/^ fprach dy wolgetan. 
do fprach Wolfdietreich: „ich wil dich in wifsen lan. 

685 Sich, in hat ein raine mait an dife^ werlt getragen, 
fy ift genant Maria, das wil ich dir fagen, 

und was auch ein Jüdin, das fag ich dir für war, 

ir verkund ein enget, das fy in uns zu einem hail gepar/' 

686 Sy fprach : „an die du gelaubeft, dy ift ein unhuld fürwar, 
fy hat über all(e) weit üch gebrait(et z)war, 

fy wil dich betriegen, du tugenthafter man: 

noch fland von deinem glauben und ruf Machmeten an/^ 

687 [Er fprach ;] „ich wil an den gelauben, der mich erfchaffen hat, 
er ift gehaifsen Jefus; wie es mir darnach ergat, 

ich traw wol fein genade, das er mich nit lat, 
er feeh hie an mir fein edle hantgetat/^ 



236 Wolfdietrich. 

588 Er fpraeh mer: „da yertailter leil^, warumb fchüteflu die, 
die bei iren Zeiten kain fünd(e) ie begie? 

fj ift ein trorterin(ne) und ain raine mait, 
£y kan eim ieden fünder wol troften fein lail/^ 

589 Aller erft(e) plikt(e) fy Wolfdietrich[en] an:. 

er fach fy gar rch&n(e) in arbait vor im ftan, '^ 
lir weiize wenglein lauchten an der felben ftat, 
I recht als dy Hechte rofe, wenn fy erft auf ga^ 

590 [Er fpraeh:] „nu ftand von deim gelauben und jich dem 

meinen got; 
dein_^ot ift ein güUel, das gelaub ane fpot, 
er kan mit feinen finnen nit machen den wein: 
dein got gen dem meinen mufs er ein gogel fein/^ -jmv/tii 

591 Sy fpraeh: „deftu mich n&teft, des entue ich nicht, 
wenn mir tu lieb(e)s von meinem got gefchicht, 

*(....) puff ander han ich alfo vil: 
mein got ift alfo getan, das ich in fich, vi^an ich wil.^^ 

592 Doch zujangft überredt(e) fy den trewcn degen, ' 
das er fich mun(e) an das pet(te) legen. 

;^x i??,iö. fein fwert zpch er aus der f chaiden und legt eszwifch en^ch^ 

er fpraeh: „wer fich rur(e)t, der verfnei(de)t fich." 

593 Sy nam es bei dem gehilz(c) und warf es fer hindan, 
und fpraeh: „nu leb(e)t freuntlich, des ich euch wol gan.^^ 

I fy graif im alfo fchier(e) nach feiner weifsen hant, (S. 2) 
j fy lait ims tugentlichen, da fy ire brüfllein vant, 

594 Und hueb auf ir weifs(es) paio und legt es über in. 
er fpraeh: ^^edle künigin, nu tuet (. . .) hin, 

und ee ich euch minte, auf dy trew(e) mein, 

ee wolt ich unz [auf] mein end(e) an all(e) frawen fein.^^ 

695 Dy nacjft nam ein end(^e), es kom der liech((e) tag, 
do gieng der ftolz(e) haiden, da fein tochter lag: 
,^nu fag mir, liebe tochfer, auf dy trew(e) dein, 
mag der werde Kriffcen dein gemehel fein?" 

596 Do fpraeh die junkfrawe: „nain, lieber vafer mein, 
er hat dir nit gemin(ne)t dy lieben tochter dein." 
do fpraeh mit zorne der haidnifch(e) man: 
„ich gib im des mein trew(e), es mulz im an fein leben gan." 



V^olfdietrich. 237 

597 Ad wapnot fich pald(e) der fürrt(e) lobefam, 

[er gedacht:] ,,nu berat mir got zu Kriechen mein ailif 

dienen man! 
und herzogen Berchtung den lieben maifter mein: 
ach, lieber got von himel(e), lafz dir mein fei enpfol- 

hen fein!^^ 

598 Sein fwert gurt er umb(e), fein fchilt nam er in dj hant, 
er gieng auf den hof (dan), da er manigen haiden vant. 
do fprach der ftolz(e) haiden: ,,[her gaft,J ir fult an mein 

recht gan/^ 
do fragt in Wolfdietreich: „wie ift das getan?'' 

599 „Ich wil.mit me£sern zu euch werfen, tut ir mir alfam.^^ 
do fach auf gen himel(e) der tugenthaft(e) man. 

ain ring ward da gemach(e)t von manigen haidnifchen 

man, 
fechs mefser undzwen tritftuel bracht man auf den plan. /. ^/x. 4^, 

600 Do fy folten werfen, das wifset ficherleich, 

do fprach von (wilden) Kriechen der trew Wolfdietreich : 
„her wirt, welichs mefser mir geval, das fult ir mir lan/^ 
„hab dir dj wal dar unteri^^ fprach der haidnifch(e) man* 

601 Ainen ftul und drew mefser gab man im in die haut, 
der haiden fprach: „dein got hat dich dir zulaidhergefant/^ 
zwene klain(e) pukler bracht(e) man in dar^ 

die waren einer i]pan(ne) brait, fag ich euch für war. 

^602 Do gab man den ainen da dem kdnen degen; 

* ainen braiten fchiU liefs er zu dem ftul(e) legen. 

„nu zeuch ab dein gewafen/' fprach der haidnifch man 
dreier würf(e) muftu.mir in dem hembd beftan. (XL^S.i) 

*603 Und weichftu von dem ftul(e) gen ainem bar hin dan, 

* ich gib dir (des) mein trew(e)9 es mufs dir an das leben gan.'' 

* er zoch ab feinem leibe alles fein gewant, 

* er legt es zu dem ftul(e) nider auf das laut. 

604 Er fprach: „fol ich nu fterben in der purg alfam, 
fo berat mir got zu Kriechen mein ailif dieneft man ! 

* und herzog Perchtungen, den lieben maifter mein: 

* her gol^ lafs mein(e) fel(e) dir empfolhen fein!^^ 



238 Wolrdietrick. 

605 Do fprach Wolfdiefrieh su dem haidnifchen man: 
„her Wirt) ir habt ench (heute) ain recht genomen an, 
das lolt ir gen mir (• . ) faren lafsent fein: 

na zeuch ab deim(e) leib(e) dy lieehten brünne dein/^ 

606 Do ward laut(e) lachen der küuig Be1gi(a)n. 
. nu waren bei den Zeiten dy recht alfo getan^ 

y was ain man gelobtCe), das mocht er nit abgan. 

( ) 

607 Do zoch er ab dem leib(e) dj Hechten brünne fein, 
er ftund für Wolfdietreichen in aim(c) hemd(^)lein: 
,,waiftu, Werder Kriften/^ fprach der haidnifch man 
,,was ich rechtes in meinem lande hani 

608 Weiher kompt zu meinem bans, das Tag ich ench fürwar, 
der mufz den wirt von erft(e) lafsen werfen dar« 
fichftu dort an die zinnen her, an meinem türelein? 

da mnfz dein werdes haUbet zu einem pfand(e) fein/* 

609 Do fprach Wolfdietreich zu dem haidnifchen man: 
,9wie ift den aim der kümbt her und dir geflget an? 
vor dem foltu dich bitten/^ fprach der degcn gut 
„das du nit eugelteft deiner grofsen iibermut.^^ 

610 „Ich waifs kainen fo kunen,*^ fprach der haidnifch man 
„der mir -mit mefser werfen mag gefigen an, 

den in wilden Kriechen, da wächft ein junger degcn, 
von dem fol ich Tcrliefen mein leib und meid leben. 

611 Seyeftu der felb(e), das tue mir bekant, 

fo gib ich dir zu aigen purg und auch lant/^ 

do fprach Wolfdietreich: „dir fol wider fag(e)t fein: 

ich pin von alten Troyen genant künig Pilgerein.'' 

612 Do fprungens auf dy ftuele, dy unverzagten degen. / ^y 
nnd bei fich der von Kriechen feins lebens nach verwegen, 

er fprach : „got vom himel(e), gnad(en) reicher Krifl 
hilf mir von hinnen, wan mir nit pefsers ift/^ (S, 2) 

613 Der haiden nam das erft mefser in die haut fein, 

er fprach: „nu hut dich eben(e) zu der fchaitel dein/' 

er warf neidikleichen auf den knencn man: 

feins hars zwen ld€k(e) warf er im von der fchaitel dan. 



Wolfdietrieb. 239 

614 Ains wurfs het. er verfalct, der liaidiiirch(e) man, 

er fprach: ,,lieber got Machmet, du folt mir bei beffau, 
als du mir vor dick(e) in noten haft getan, 
das ieh behut mein ei(e), dy ich von dir han/^ 

615 Er nam das ander mefser in dj hant fein. 

er fprach: ,,nu hiit dich eben(e) zu dem herzen dein/' 
do fprach Wolfdietreich : ,,nn pfleg der got mein, 
dem mein leib und fel(e) fol enpfolheh fein!'^ 

616 Er fprach aber: „nu fchirm dich eben, kuner man>^ 
und da er fach das mefser von dem haiden gan, 

auf hub er 'die achfel und liefs es durch (hin) gan. 

z waier wiirf het er gevalet, do fcbrai der (haidnifcb) man : 

617 „Ich w^n, du wel[le]n; mich hen!(e) lafsen, mein got 

Machmel, 
es gefchach mir doch nie mere,^' fprach der haiden an 

der ftet 
„was ich ie warf, das ich zwaier würf gevalet han.'* 
er nam das dritte mefser [in dy haut]: „nu hüt dich 

zu der gürtel dan.'^ 

618 Er woU(e) haben betrogen den tngenthaften man. 
Wolfdietrich wolte wenken, im brach ein paiu vom 

ftael hindan: ^^** •*> 

dennoch ftuend auf den zwaien der ellenthaf((e) degen. 
der haiden fprach: „du muft mir heut hie lau dein leben. 

619 Es ift umb dich ergangen du Kriftenman, 

mir well(e) den mein got Machmet nit bei beftan.^^ 



620 Er fprach: ,)er fol dich lafsen, wan er ein gaukel ift. ^^f^^ft 
nu kum mir zu hilfe, der da halfst Jefus Krltil (XLr,SJJ 

der an dem kreuz(e) geliden hat den tot, 

der fol mir heut(e) helfen aufz ang(e)rt und aufz not.^^ 

621 „Wie nark ift dein glaub(e),^^ fprach der haidnifcb man 
„mein got Mach m et geJIget wol dem deinen an. 

du kumbft liaim zu land(e) ficher nimmer mer: 

du magft deim got wol klagen, das du ie kombt zumir her.^^ 



240 Wolfdietrich. 

622 ,,1ch hoff(e), mein got leb noch/^ fprach Wolfdielreieh 
,,der ift miltund dar zu gnaden alfo reich, 

das er kaini(e) Kriften kain laid lafst gefchehn: 
ich wil fein zu got(e) unz an mein end verjehn/^ 

623 Do fprach aber mit zorne der haidnifch(e) man: 
,)du muft mir dein leben auf dem fluel(e) lan, 

mir well(e) den heut(e) mein got Machmet abgeflan. 
lieber got Machmet, du folt mir bei beftan!'^ 

*624 Do antwnrt und fprach (• . .) der küne man: 

* „Machmeten (« . . .) ruf ich nimmer an, 

* in noch fein(e) muter die weil ich das leben han. 

• ( ......) 

*625 Der haiden verwarf drei mefser, als ich han gefait; 

* des het fich aber gehütet der fiirfte (vil) gemeit, 

* Wolfdietrich der kune von dem ftul auf fprang, 

* gar tief zwifchen den fSifsen in die erd [ein fpanne lang] 

das mefser drang. 

626 Dreier würf was Wolfdietreich auf dem ftul beflan, 
das nie ward wund der tugentbaft(e) man, 

er hueb auf fein hende an der felben frift, 

er fprach: „her, fei dir gedank(e)t^ gnadenreicher Krift!^' 

627 Do fprach der Holze haiden: „wer Icrt dich difen 

fprung? 
den kan auf erd(en) niemant, den herzog Berchtnng : 
biftu Wolfdietreich? das tue mir behaut, 
fo gib ich dir zu aigen purg und auch dy laut. 

*628 Berchtung was mein gefel!(e) wol zwei und dreis- 

sig jar: 

* durch feinen willen lafs ich dich leben zwar.'' 

* do fprach gezogcnlich(e) der tugenthafte man: 

* ,.ja ich herzog Pcrchtung nie erkenn(e)t han." 

629 Do fprach Wolfdietreich: „dir fol wider faget fein, 
ich pin von alten Troyen genant künig Pilgerein, 
und pin durch deinen willen kumen [in das land] auf 

den plan: 
du muft mir heut(e) gelten manigen Kriften man, 



Wolfdietrich. • 241 

630 Den du haut verderbet bei deinen tagen, 

des fol dir von mir (lenger) nit werden vertragen/^ 



631 Do ftuend des haiden tochfer an eim fenfterlein, 
fy fprach mit grofsem laid(e): ,,1ieber Vater mein, 
nnfer got Macbmet wil uns beut in noten lan*; 
awe, lieber valer, wie fol es uns ergan!" 

632 Do fpracb der (Holze) baiden zu der tochter fein: 
,,du bringft mich noch beut(e) umb das leben mein; 
beteft du mich im lafsen das twalm zu trinken geben, 
fo het ich im beut an gefigt und (in) bracht umb fein leben/' 

633 Do fprach Wolfdietreich: ,,ich Itand in frewden hie> 
mein got Jefus (Kriftus) mich nie verlie, 

und fein muter Maria half mir aus not: 

dein got ift ein teufel, und feit mit dir in das kof — 

634 ,,Binu Wolfdielreich, das foltu mich wifsen lan, 
pnrg, land und leul(e) mach ich dir Untertan, (S, 2) 
und gib dir mein tochter, die foltu taufen lan^ 

das mich hie lejien lafseft, du tugenthafter man/^ — 

635 [Er fprach:] „was fagftu hie von wölfen, dy da laufen 

zu holz? 
ich pin von alten Trojen ein ritter alfo ftolz. 
dreier würf(e) muftu mir auf dem ftul beftan: 
das recht aug oder den glenken fufs, das ain muflu 

mir lan/' 

636 Der haiden fprach aufz laide: „awe der grofsen'not! 
huet ich mich unden, fo pin ich oben tot. 

ich Hand in deinen gnaden^'' fprach der haidnifch man 
„lieber got Machmet, du folt mir bei beftan!'' 

637 Do warf Wolfdietreich den erften wurf dar, 

er fach im zu den äugen und nam feins fu(rs)es war, 
er warf im das mefser durch den fufs nnc an das heft, 
er fprach: „han ich dich getroffen, du haidnifcher 

knecht? 

16 



242 Wolfdietrich. 

638 Wildu wifsen, wer ich fei? ich fag dirs ficherleieh, 
ich pin von wilden Kriechen (der) Wolfdietreich« 
da muft mir gelten mangen [Kriflen] man, den du ver- 
derbet haft, 
die weil du mir fo eben(e) auf dem ftuel(e) ftaft/^ 

*639 Er nam das ander mefser in die haut fein, 

* er fprach: ,>na befchirm dich oben(e) bei der fehait- 

* . len dein." 

* er warf es dar mit neid(e) auf den haidnifcheu man 

* da mitten durch den pugler und durch die fchaifel 

dan. 

*640 Der haiden fchrai laut(e), das ball in der bürg [hinjdan^ 

* er fprach: „lieber got Machmet, du folt mir bei geftan! 

* hilffllu mir nit fchier(e), es mufs mein end(e) fein. 

* o we, liebe toehter, wa teteflu mein(en) weini'* 

*641 Do lief die junkfraw(e) pald(e) fa zehant, 

* da fy iren (lieben) got Machmeten fant, 

* fy trug (in) fo bald(e) dy junkfraw wolgetah, 

* da tj iren Tater fach fo in grofsen noten ftan. 

*612 Sj fprach: ^^lieber got Machmet, nu hilf dem vater 

mein! 

* und hilfflu im nit fchier(e), fo mufs fein ende fein. ^^ 

* do fprach Wolfdietrich gar an argen lift: 

* ew(e)r got Maehmet (z)wa(r) er entfchlafen ift!^^ 

643 Er nam das dritte mefser in dj hant fein, 

er fprach: „nu huet dich eben(e) zu dem herzen dein, 

dar zu wil ich dich werfen, haidnifchcr man, 

wo ich dirs nit triff(e), fo wil ich noch verloren han*^ 

644 Do warf Wolfdietreich den dritten wurf dar, 

er ramot im feins herzen und nam fein eben war, 
er warf in in fein herz(e), den haidnifchen man, 
das er viel von dem ftuel(e) und da fein ende nam, 

645 Alfo gefchach dem haiden mit Wolfdietreich. 

do ftuend an dem ring(e), das gelaubet ficherleich^ 
vil manger ftolzer haiden, dy waren fein dieneftman, 
dy weiten iren heri^en da gerochen han. 



Wolfdietrieb. ^ 243 

^6 Sjr griffen zu den fwcrten und liefen den [kuenen] 

man an, 
und wolten Wolf diel reichen gern verderbet han. 
do fprang (er) von dem nuel(e) nider auf das laut, 
Rofe fein gut(e8) fwert nam er in fein haut. 

647 Er fpraeh: „und fol ich heut(e) hie in [grofsen] niitea 

nan, (UIJ, S. O 

fo berat mir got zu Kriechen mein ailif dieneft mau, 
und herzog Berchtung(en), den lieben maifter mein, 
ach, got herre, lafz dir mein fei enpfolhen fein!^^ 

648 Do half im got der gut(e) aufz grofsem ungemach, 
nu höret, wie ein zaichen an dem fiirften gefchach: 
er fchlueg (al eine) funfieig der haidnifchen man ; 
do fluhen dy andern all(e) von im ab dem plan. 

649 Sy fprachen al geleich(e) : „er hat ein ftarken got,- 
der im wol gehelfen mag aufz ang(e)rt und aufz not; 
wir füllen dar umb piten Wolfdietreich den trewen 

man/^ 
do giengen (fj) all(e) mit ein ander dan, 

650 Und fielen im zu fueüsen dem ffirften lobefaio : 
„wir pilen dich, Wolfdietreich, du tugenthafler man,, 
das du uns lafseft taufen, edlMf fürfl lobelam/* 

( • • . . .) 

651 Do fpraeh er, er tets gerne, der tug€fiifbafl(e) man: 
„fo hau ich weder pfaffcn, noch kapp(e)lan/^ 

do fach er alfo fchier(e) auf dem hofe ftan 
ainen werden pfaffen und ein(en) kapp(e)lan. 

652 Er fpraeh: „lieben herren, dar umb wil ich euch piten, 
das ir taufet die haiden mit alfo kluegen fiten.^^ 

fy fprachen: „wir tuens gerne [alfo] hie an difer Itunt, 
wein an den fy gelauben, der an dem kreuz ward 

wunt, 

653 Und an fein muter Maria, . die vil raine mait, 

die kap eipi ieden fünder wol wenden fein lait/^ 
fy fprachen: „wir tuens gerne hie an difer ftat.^^ 
WoirdMreifih den trewen dj mait do zu toten pat» 

16* 



244 Wolfdietrich. 

^4 Er lerts deo glauben [und das pater nofler] der trev 

Wolfdielreich, 
und das Ave Maria, das glaub(e)t ficherleich. 
do wurden fy gut Kriflen an der felbigcn ftat, 
fy glaubton an den, der an dem kreuz lait den (ot: 

655 Do wurden tauft vierhundert haid(e)nirch(e) man. .— 
do gieng des haidens tochter in ein kempnat dan, 

tj zaubert aufsen um die purg ein(e)n wilden fee, 
der tet dem (ge)trewen Wolfdietreich alfp wee« 

656 Do fafz auf fein gut(es) ros der trew Wolfdietreich. 

er wolt ur]aub(e8) pflegen der ed(e)l fürfl(e) reich. CS, 2) 
:do fach er aufsen umb dj purg ein wilden w^ag gan, 
nu höret, wie (er) fpraeh der tugenthaf((e) man: 

657 ))Ach, fuefser nam(e) Jefus, wie han ich mich verdacht! 
wer hat difen wilden wag umb dj purg (her) bracht? 
do ich nechlen fpat(e) zu difer purg her rait, 

do was dj haid mit pluemen alle wol beklait.'^ 

658 Do fach er iibcrs^ wafser ein^glefin brücke gan, 
nu höret, was (er) fpraeh der tugenthafl(e) man: 
„weit ir mit mir von hinnen, edle künigin reich 1^^ 

fy fpraeh: „gerne tuen ichs.^^ und kuft Wolfdietreich. 

659 Wie pald er dj junkfrawen für ßch aufs ros nam! 
er ward Urlaubes pflegen der tugenthafl(e) man. 

do rait er mitten auf dy brück der kuen(e) weigant: 
do viel dy bruck(e) paidenibalb nider fa zu haut. 

660 Zu folichen grofsen noten was er nie komen mer, 
er mocht auf der bruck(e) weder hin, noch her. • 

fj wart zu einer agelafter und flog in die purg hindan 
und liefs in alters ainig in grofsen noten ftan. 

661 Sy fafz in ainer zinnen, wenn fy hin wider fach, 
gerne mügt ir hören, wie dy junkfraw fpraeh: 
„du Tcrtailter Kriften, du giltft den vater mein, 
es mufz in dem wage dein letz(tes) ende fein.^^ 

662 Noch fpraeh fy (mere): „du tugenthafter man: 

„noch ftand von deinem glauben, und ruf Machmeten an, 
al(le)s ditz(e) reich(e) mach ich dir Untertan 
und wil dich hie gerne nemen zu einem raan.^ 



kU 



Wolldielrich. 245 

663 Do Tprach zachUkleich(eii) der tugen(hafl(e) man: ' 
,,du folt dein got Machmeten relb(e)s ruefen an, 
und pit(e) Machmeten^ das er helfe dir: 

Got und fein raine mnter komen zu hilfe mir!^^ 

664 Er fprach : ,,es war deft[er] pefser, und war ich hie uit mcr, 
und muft(e) hie wagen mein leib und mein er/^ 

fein gut ros nam (6r) zwifchen baide fporen 
und fprang ab der brücken in vil grofsem soren. 

665 *Er viel wunder tiefe [hoch} ab in eio(en) grünt: 
do fach er alfo rchier(e) zu der felben ftuht 
ein vil braite haid(e) fach er vor im ffan, {XLIII, S, i,) 
dar ob lag ein hoher perg, der was fraiffam. 

666 Vor dem felben perg(e) er zwelf teufel faul, 
ietliche'r het ein fcolben und ein fwert in feiner hant, 
£y beftunden in neidikleichen und teten im ungemach^ 
das im bei feinen Zeiten wirfer nie gefchach. 

667 Nu merket, ob des zauberns nit war(e) genug: 

ir wurden vier und zwainzig, als er d/ zwelif erfchiug, 
alfo neidikleichen meret fich ir fchar, 
der teufel ward zwen und Abenzig: von in fchlug er 

fleh gar. 

668 Nu wil ich euch befchaideui vonwew das ergie> 
das er in feinem herzen got nie verlie, 

er mant in. mennikleichen, der tugenthafl(e) man, 
das im der fwaifs mit kreften durch dj ring(e) ran, 

669 Der perg und dj haid(e) waren flahlein. 

do ward er man(en) und piten unfern trechtiein. 

in faumbt der perg fo lang(e), das fag ich euch fiirwar, 

das er an dem dritten morgen erft darau^kom gar. 

670 Do nu auf den perg kam der kuen(e) degen pald, 
do fach er darumb(e) gan ein prinnenden walt, 

do muft fich (. .) fchier(e) der trew(e) Wolfdietrich, 
von der hitz(e) muft er keren, das wifset Sicherlich. 

671 Er fprach: „du verzagtes herz(e), was wildu nu tuen? 
nu haflu nie geworben nach welUiehem ruem.^^ 

da der walt am feften bran, da eilt er hinan, 

er wolt es nit erwinden, . bis der zauher ein end(e) Qam. 



216 Wolfdietrieb. 

672 Do kom [wider] in zwelif tagen der kaen(e) weigtnt 
geriten an(e) forgen gen Lamparien [in das] lanl. 

do hört er allentbalb(en) in dem land(e) Tagen, 
wie dy würme fein gefeiten [Ortneit] in den perg heten 

tragen. 

673 Er rait eins abents rpat(e) gen Garten an den graben, 
da bort er den wacbter und dy frawen klagen. 

* ty felb zwelft begund(e) faft(e) klagen ir lait: 

in erbarmet fer der frawen laid den fiirften yJI gemait« 

674 [Sy fpracb:] „ich liefs mich taufen, Maria, durch den 

willen dein, 

* ich wil dein(e) dierne unz an mein ende fein. 

die hat gen mir yerheng(e)t ein alfo grofsen zoren: 
ai die frewd dy ich ie gcwan dj ban ich ganz verloren !^^ 

675 Sy fpracb; „ach got von himel(e), wer k]ag(e)t mir 

mein laif? 
heiligew niuter unfers herren^ das fei dir geklMl CS. MJ 

* das du durch unfern willen ftörb,'^ fprach die firawe 

gut 

* „und wir von deinen wunden fus haben er und gnt!^^ 

676 Do macht nit lenger beleiben der tugentbaft(e) man, 
vor der frawen wainen kert er ßch hindan. 

er eilt alfo pald(e) nach den würmcn in den walt, 
gen einer (hohen) ftainwant kert der degen palt, 

677 Do kom im auf der ftrafz(e) ein wilder waldman, 
den gruft(e) tugentlichen der fiirn(e) lobefam, 

er fprach: „waldner(e), waiffcu den wald nit wol? 
kauftu mir nit zaigen^ wa ift der würme hol?^^ 

678 Do fprach der waldner(e) zu im da zuhant: 
„fccht ir dort jn dem wald(e) die hohen ftainwant? 
da hin fült ir reiten, das wil ich euch fagen, 

dar ein wart kaifer Ortneit von den wUrmen getragen. 

679 Da hin reit pald(e) der trewe Wolfdietreich^ 

da der kaifer het verloren fein leib minntkleich. 

er rueft(e) vor dem perg(e), als eim helt wol gezam: 

,iwurm, pifttt dahaim(e)| fo gang von dem loch her dani 



(6 



Wolfdietrich. 247 

680 Dein wartet vor dem nain(e) ein werder fchtlt man, 
das du trueg[n] kaifer Ortneit in den perg (hiu)dan. 
gib mir den ritler, das wil ich dir Tagen, 

oder ich mafz heat auch von dir in den perg werden 

tragen." 

681 Der wurm was nit dahaim(e) und was in dem walt 
feinen kindeu nach rpeir(e): do erzürnt der degen palt 
und eilt hin nach vil pald(e) der tugcnthaft(c) man, 

er rait nach dem wurme allain in den tan. 

682 Er rait im nach fo lang(e) unz an den dritten t^g, 
das im fein gut(e8) ros vor müde gar erlag, 

von not rauft er [nider] paifsen der !ugenthaft(e) man, 
er trat von feim rofle und fchlueg (es) in den tan. 

683 Er liefs fich [noch] auf fein(en) fchilt der furft(e) lobefam 
und wolt ein klatne weil(e) da geru(w)et hau. , 

do hört er in dem wald(e) ein(en) groisen fturm, 
da ftrait ein wilder lew(e) mit dem grimmen wurm. 

684 Do nu Wolfdietreich den lewen (da) vernam, 

do eilt er zu feim ro(r(e) der tugenthaft(e) man, 
do rait der edl(e) degen fo er peldeft macht, 
da der lew wild(er) mit dem wurme facht 

685 Er fürt an feinem fchiU(e) ein lewen, der was rot: 
da fach er den wilden ftan in grofser not. 

alfo Wolfdietreich den lewen anfach, (XLJV^ S. i) 

gerne mügt ir hören, wie der trew(e) fpraeh: 

686 t^^y^^ lieber gefell(e), das ich dir nit helfen mag, 
davon fo hau ich heul(e) ein laidigen tag; 

doch ger an mich genaden, ich hilf dir aufz der not, 
oder ich fär dich nimmer mer an meinem fchilt(e) rot«^^ 

687 Da mit macht er den wilden lewen alfo gezam, 

mit feinen fneide(n)ten äugen plikt er den fürften an; 
er winkt im mit den äugen, des nam der lew(e) war, 
er fprang von dem wurm(e) zu dem degen dar. 

688 Sein fchilt begund er fafsen der fürn(e) lobefam: 
„nu berat mir got zu Bjriechen mein ailif dieneft man, 
und herzog Berchtung(en), den lieben maifler mein, 
ach her got| lafs mein Tele dir befolhen feint" 



248 Wolfdietriclu 

689 Der warm rant(e) faft auf in und was im ein hagel, 
fein(en) fchiU fchlueg er im an drew ftük mit dem zagel. 
er warf das ain(e) flilck(e) auf den wurm dan, 

fein fwert begund er fafsen der tugentbaft(e) man^ 

690 Er fchlueg es dem wurm(e) vil faft auf fein(en) gebel, 
das im äufz dem half(e) für ein feurin nebel, 

und im fein baupt ergläfte, das fag ich euch für war: 
er kund in nit gewinnen als klain als umb ein har. 

691 Sein baut im von hörne alfo herf(e) was, 

einer fpanne dicke [und] Hecht als ein fpiegelglas; 
er was auf ieder feiten zwelif eilen langk, 
auf vier und zwainzig fuefsen gar fraiflam was fein gangk. 
*692 Manigen fchlag gefchwiuden fürt der kun(e) man 

* auf den wurm wilden, das few(e)r von im pran. 
mit im ftrait der edl(e) helt unz auf den abent dan, 
das im der fwaifs mit kreflen durch dy ring(e) ran. 

693^ Do der lew das fach, das der her fo mäd(e) was, 

do fprang er für den fürlten gegen dem wurm in das gras, 
er wart kratzen und peifsen den wurm fraiffam, 
da mit wolt er Wolfdietreichen gerne geholfen bau. 

*694 Von dannen fprang bald(e) der tugenthaft(e) man: 

* do ftrait der lew(e) wilder mit dem wurm fraiffam. 
er fraibs älfo lang(e) bis im die kraft entwaich: 
ach, wie der lewc wild(er) vor dem wurm(e) kraieh! 

695 Er liefz ein laut(e) flimm(e), dy erhal in dem tan» 
das tet er als umb den lift, als ich euch fagen kan» 
ob fein gefeil in dem wald wäre, das er das ver- 

näme fan (8. 2) 

und im und Wolfdietreichen zu hilfe käme dan. 

e^^ß Do der lew fo mud(e) was, der herre das anfach, 
. gerne mügt ir boren, wie der trew(e) fprach: 
^,lewe, lieber gefeli(e), nu trit au den rücken mein, 
ich wil unz an mein ende dein notgefell(e) fein.^^ 

697 Sein fwert zu baiden henden der tugenthaft(e) trug 
und mit michlen kreften [er] es auf den wurm fchlueg, 
er fchlueg in das gehürne ein gefwinden fchlag, [lag. 
das fein fwert in drew ftücken [brach und] auf dem land(e) 



Wolfdietrioh. 249 

*69S Aid v^fehlüod^ (?) trew(e), grofs was fein bBgemacb. 
* gerne mügt ir horen^ ivie der trew(e) iprach: 
,^01, reicher gol von hiniel(e), was han ich dir getan, 
das ich kain(e) [%ld(e) umb dich verdienen kan? 

699 Lew(e), lieber gefellCe), das ich dir iiit gehelfen mag, 
da von fo han ich heut(e) ein laidigen tag« 

doch wil ich anfehen, wie dein end(e) fei getan.^^ 
do faumpt(e) fich nit lang(e) der wurm firaiflam, 

700 Er nam den lewen in den mund [und] den ritter in den 

zagel ; 
fy heten verzag(e)t baide, der wurm was in ein hagel; 
er trueg fy baid mit gewalt(e) gar fchier in fein hol, 
das was von manigem ritter worden alfo vol. 

701 Er legt den lewen wilden für Ay jungen dar, 

die erzarten in gemain(e), das fag ich euch für war, 
fy fugen im aus das plut unz auf das pain (hin dan). 
aller erft da klagt im der tugenthafl(e) man. 

702 Dj Jungen würm(e) gullen laut, das fag ich euch für war: 
der valand ungehewr(e) der ftrakt fein zagel dar, 

er fchlueg in auf fein(en) heim den fürften hoch gemut, 
das im zu baidcn oren aufz fprutz(te) das plut. 

703 Er graif nach im l^in umb(e), das fag ich eucli für war, 
und lait in alfo pald(e) für dy jungen dar; 

fy betten in gerne gewunnen, das wifset ficherlich: 
fy funden in niendert plofsen den trewen Wolfdietrich. 

704 Vonwew das ergieng(e)9 das befchaid ich euch ficberleich: 
ain bempd vou palmatfeiden trug Wolfdietreicb, 

von zwai und fibenzig fach(en), das frill im fein leben, 
das im fein fraw Sigminue ze Troyen het gegeben; • 

705 Sant Pangrazien beiltum darein verwirket was: 
das half im, das er vor den würmcn genas. 

fy fdgen im dy ring(e), das gelaub(e)t ficberleich, 
fy mochten nit gewinnen den werden fürften reich. 

706 Die jungen gullen laut(e) nach mer luder an, 

do gieng der alte wurm nach dem ros in den tan, (XLV, SJJ 
er fand es bei eim paum(e) und fafsts in den fwanz fein, 
und trneg es mit gewalt(e) zu den jungen hinein. 



250 Wolfdietrich. 

707 Die fpiKcn mit ein ander gar nntugentleich, 

das nachet bet verloren fein leben [der]' Wolfdieireich. 
der alt(e) pegunt(e) walen unter den toten £iiber] al, 
weleber der fchwireft wäre, den Jungen zu eini(e) pal. 

708 Do walt er unter in gemain unz auf den mittag, 
unz er kam auf dj ftat, da der trew(e) lag. 

er zukt in auf bald(e) den unverzagten man : 
do ward ein ungefüges fpil mit im gehaben aq. 

709 Sj polten gen ein ander den treweu Wolfdietreich, 

das nachet het verloren fein leben der furft(e) fo reieh, 

der alt(e) hub fich bald(e) von den jungen dan, 

er legt fich aufsen für den ftain, als ich euch tskgen kan. 

*710 Do bet er nit gedingen, der wurm frailTam, 
^ das im von Wolfdietrichen die jungen gefiget an« 

* das fach er gerne der tugenthafte man, 

do graif (er) alfo pald(e) zu der -erden hin dan: 

711 Den fwaifs von den painen nam der kuene man 

und hnebs zu feim(e) mund(e), davon er kraft gewaa« 

c . .) 

do nam fein forg ein ende dem tugenthaflen man. 

712 Do fucht er pald auf hoher der kuene weigant, 

da er Rofen das gut fwert in einer [hürnen] fchaid(e) vani: 
auf dem knöpfe fchain ein ftain, der laucht(e) als der tag, 
Saut Pangrazien heiltum dar in verwürket lag. 

713 Do fand er in dem perge ain fchilt als ain [dicke] want; 
dabei lag Ortneides bain und alles fein gewant, 

das was ain ftarke brünne, von gutem werk getan: 
do legt er an die brfinne der unverzagte man, 

'*^714 Sein vil grofsc forge (da) ein ende nam: 

* „uu berat mir got ze Kriechen mein ailif dieneftman, 

* und herzog Perchtnng(en) den lieben maifter mein, 

* ach, hei* got, lafs mein rel(e) dir empfolhen fein!^^ 

715 Da fucht aber naher der kuene weigant, 

da er einen guten heim in dem plute ligen fant, 
daraus fchain ein ftain, der laucht(e) als ein glass 
dar in lag ein baubeti das kaifer Ortneides was. 



Wolfdietridi. 251 

716 Die xeher tod den aug^n liefen im fiber den munt, 
er ka(l(e) das lote haabet nier den sehen ftonl. 

[er l^rach:] ,,Ortneil, lieber gerell(e) mein, dn ellent- 

hafler degen! 
her got von himel, geruch(e) feiner fei zu pflegen! 

717 Und erparm dich über dj fel(e) kaifer Ortneits, 

und aneh zu Lamparlen ober fein trewes weih! (S. 2) 
und berat mir zu Kriechen mein ailif dienelt man, 
und den lewen wilden, den ich verloren Lan!^^ 

718 Do fprang er auf frolich der kuene weigapt, 
Rofen, das gut(e) fwert, nam er in fein haut, 

er fchluegs mit paiden henden (vafle) in den ftain, 
das das feur in der hol umb und umb erfchain. 

719 Er graif im nach der fneiden mit feiner edlen haut: 
weder mal, noch fcharten er an der fneiden vant 
er fprach: „feit du des fehlag(e)s ganz bift beftan, 

fo traw ich noch [wol] zu tr&ften mein ailif dieneft man/^ 

720 Von des fwertes gleften fach er dy würme an, 
nu hbret^ wie (er) fprach der tugenthaft(e) man: 

„ir würm, ir fchlafct su lang(e), ich wii euch beflan, 
ich gib euch des mein trew(e), es mufs euch an das leben gan/^ 

721 Do ftrait der degen edel(e) mit den wurmen fraiffam, 
das im der fwaiCs mit krefleu durch dy ring(e) ran« 
mit alfo grofsem zorne figt er den jungen an: 

do verfchlief (es) der aU(e), als ich euch gefagen kau, 

722 Er eiÜ(e) vi! pald(e), da er den alten fach, 
gerne mügt ir boren, wie der trew(e) fprach: 

„alter wurm, dufchlafeft zu laug [wan] ich wil dich beftan, 
ich gib dir des mein (rew(e), es mufz dir an dein leben gan.^^ 

723 Er fchlueg alfo vafte auf den wurm fraiffam; 

da walget Wolfdietrcicli über mangen toten man; 
ich waifs nit, wie im der furft(e) alfo nachet kam, 
das in der alte wurm ergraif und in den munt nam. 

724 Von im raifs Ach pald(e) der kuen(e) weigant, 
Rofen fein gut(es) fwert nam er in fein haut, 

er fchlueg den wurm wilden nach der feiten dan, 
da mit er lieh ledigot(e) von dem wurm fraiffam* 



252 Wolfdietrich« 

725 Do het er in dem perg(e) dy wurm all erfchlageo. 

er fchoaid in aufz dj zungen, das wil ich eneh fagen, 
und etlt(e) alfo pald(e), da Ortneits gebain(e) lag: 
er trueg es aofz dem perge an den lieehlen lag, 

726 Und legt es vor dem nain(e} nider auf das lant 
ein gnldin fingerlein er bei dem fcliiU(e) vant, 

das was gewefen Ortneides, des eilenthaflen deg^o^ 
das im fein fchene fraw Liebgart zu einem gemehel het 

geben. (XLYI, S. i) 

«727 Do beflatt er in vor dem Haine der tugenthafle man, 
er Hunt za dem nain(e) und fchraib auch daran, 
wer dar zu kam(e), es vtiv man oder weih, 
das er da(r)an fähe, da ilig des trewen leib. 

728 Do kert(e) von dem nain(e) der trew(e) Wolfdietreich 
gen einem fchonen perge, das wif(se)t ficherieicb, 

da het er ein gelragen laub und auch gras, 
als er vor ein(em) winter dar in gewefen was ; 

729 Er gurt ab fein fwert Rofe und legts auf ein(en) Raai: 
,,Rofe, ich gewin dich nimmer/^ fprach der kuene man 
„ich fehe den zu Kriechen mein ailif dienefl man, 

oder ein lewen wilden in grofsen nuten ftan/^ 

730 Er fafz in dem ftain(e) uuz an den vierten morgen, 

* do r&t er gar fer(e) und gar [un] verborgen, 
das er weder efsens, noch triukens nit enpflag; 
den laub und(e) wurzlen, dj weil(e) er da lag. 

*7dl Damit wolt(e) er puefsen der fürllt(e) wunnefam 
alle fein(e) fiind(e), dy er het wider got getan, 
an dem vierden morgen hört der degen palt 
ainen lewen wilden fchreien in dem walt. 

732 Alfo Wolfdietreich den lewen da vernam, 

* do gurt er fich mit Rofen und kert in den tan, 

* nach des lewen ftimme rieht er fich hin nach: 

* im was ficherlichen zu der raif(e) gach. 

*733 Er het in gern ergangen der tugenthaft(e) man: 
do kom er auf ein rtraf8(e), dj trueg in fer hindan; 
fein[fGhones]ros was im verdorben, ze fhfsen muft ergan, 
zu einer fchonen linden kam der kuene man. 



Wolfdietridi. 253 

734 Er wolt ein weil da r(o)wen, do kom ein wilder man 
und flal im fein gnt(es) fwerl nnd trueg es in den tan« 
do er erwaebel nnd feins fwerls nit faeh, 

gerne mugt ir hören, was. der trew(e) fprach: 

735 ,,Adi, reicher got Ton himel(e)y was han ich dir gel an, 
das ich kain(e) f)lld(e) nmb dich yerdienen kan! 

weft ich einen lewen Üan in grofser noi, 

und mdcht im nit gehelfen, bei im fo lag ich tot; 

*136 Doch mAft ich (vor) fehen, wie fein ende wllre getan, 

* nn herat mir, gof, zu Kriechen mein ailif dienfiman, 

* nnd hersog Perchtang(en) den lieben maifler mein, 

* ach,hergot¥onhimel(e), nu lafis dir mein fei empfolhen fein/' 

737 Die red(e) erhort(e) alda der wild(e) man. 

, er fprach: „degen kiin(e), du folt hie bettan, 
ich gib dir des mein trew(e), ich wil dir wefen Untertan: 
ich kett dich wol, Wolfdietreich, du pift ein k&ner man ; . 

738 Du bift von wilden Kriechen ein fllrft(e) Ipbefam: 
fe hin dein got(es) fwert! du tugenthafler man. 

dein rorg(e) nimpt ein end(e), das glanb(e) ficherleich: 
du erftreitelt mit dein[en] henden dreuzehen künigrcich. 

739 SichAu dort in dem walde den wunnikleicben perg^C& 2) 
dar aufs dient mir^ wenn ich wil, wol fünfhundert geswerg, 
zwen und Abenzig rifen gar gewaltikleich: 

damit wil ich dir dienen, wen du wilt, Wolfdietreich/^ 

740 Er dankt im fleifsikleichen, do er das fwert zu im nam, 
do kert er hin gen Garten der tngenlhaft(e) man: 

' er vand ein wilden lewen, ee er gen Garten kam, 
von einem farpant(e) in grofsen noten ftan. 

741 Do Wolfdietreich den lewen verreft anfach> 
gerne mügt ir boren, wie der trew(e) fprach: 
„lew(e), lieber gefell(e), ftand an den rucken mein, 
und(e) lafz mich heut(e) dein nofgefell(e) fein.'' 

742 Rofcn das gnt(e) fwert nam er in fein haut, 
er fchluegs neidikleichen auf den farpant; 

das tier erfcbrak des fcblag(e)s und fprang fer hin dan^ 
Wolfdietreichen den trewen plies er mit fewCe)r an. 



254 Wolfdietrich. 

743 Zu fo grofsen uoten kom er nie me, 

von not mufl er fich lenken in ein(en) tiefen fee^ 

do fach Woifdielreich das farpant vaft an, 

er Iprach: ,,dich mugen all(e) leut an mich nit benan.^^ 

744 Do eilt er aufz dem wag(e) nach dem tier(e) dan, 

I er gab im mit feim fwerl(e) manigen fchlag fhiüTam. 
Wolfdietreich den trewen plies es [aber] mit feur an^ 
das der wald und haid(e) aller umb in brau, 

746 Zu fo grofsen n5ten was er komen nie mer: 
en mitten in dem rofcht(e) ftund der fiirfte her, 
er mocht(e) nit entweichen des haifsen feures fink^ ^>i,fji' 
im ergluten an deiki leibe die liechten harnafch rkigk. 

746 Doch balf im got der gut(e}, das er das tier erfcMug, 
und Sant Pangrazien heiltum, das er bei im traeg, 

* und das er auch gefunder (wider) von im kam, 

* do kert er von dannen der unvcrzagt(e) man. 

747 Er nam den lewen wilden an den armen fein, 
er trueg in gen Garten, auf dy trewe mein. 

do er kam mit dem lewen gen Garten in den graben, 
da bort er dennoch den wachter und dj frawen klagen. 

*748 Sy fprach: „ach, got herre, was han ich dir getan 1 

* des (wel) meines lieben mannes, den ich verloren han, 

* der mus (mich) immer rewen.^^ Ilprach das werde weib 

* „ei, der mir riet(e), wie ich verderbet meinen leib!^^ 

749 Sy fprach: „was fol mir mer(e) fo ein weites lant? 
über dreizehn kiinigrcicb(e) was ich ain fraw genant: 
dy han ich geben got, der dy marter an dem kreuz(e) nam, 
das er fleh erbarmet über meinen lieben man, 

750 Den mir dy wilden würme in den perg haut getragen, 
ach, herre got von himel(e), wie Fol ich den verklagen V*" 
kaifer Ortneit, fol ich dich, nimmer mer gefehen^ (XLYII^S.l) 
wie möcht mir armer frawen immer laider gefcheben!^^ 

751 Do giengen fy in ein kempnaten hin dan, 

dar in was gegofsen ein pild(e) nach Sant Amafian. 
do dy kaiferin(ne) das pild(e) an fach, 
gerne mügt ir boren, wie dy fraw(e) fprach: 



Wolfdietrieb. 255 

752 ,)Wie bu, balliges pild(e), her Sand Amafian! 
nu bet ich dir enfpfolhen meinen lieben man: 
den haflu mir verlafsen.^^ fprach dy kaiferin her 
,,da ungetrewer AmaAan, ich getraw dir nimmer mer. 

753 Ich gab dir zu lehen/^ fprach dj wol getan 
9,ich opfert dir al morgen ein guldin^ Amafyan, 
das tel ich alles auf dj genade dein, 

das du mir folteft behüten den (lieben) wirt mein.^^ 

754 Do erfchain ir vor dem alter Sand Amafjan, 
gleich eim alten herren, weifz klaider trug er an; 
die waren ficherlich(e) weifz als der fnee, 

er fprach: „edle kaiferin, dein wainen tut mir wee. 

755 Was war es defler pSfzer, verdürbeft du dich gar? 
het er dir gefoiget, er [het] gelebet noch vierzehen jar/^ 
er fprach: ,,edle kaiferin, ich mufz dir dj warhait fagen: 
in beten doch dj würme zum jüngtten in den perg 

getragen.^^ 

756 Do hiers die fraw(e) pald(e) ein tafel für fich tragen, 
dar an ftuend fj gemalet und ir her, wil ich euch fagen, 
do die kaiferin(ne) die pilde an fach, 

fjr fprach : „du folt nit lachen, grofs ift mein nngemacb. 

767 Du wanft, ich ftand zu frewden, als ich dik bau getan: 
nain ich, ich han verloren meinen lieben man.<^ 
fj zukt ab ein(en) hentfchuech und fchlneg das pild an 

den munt: 
„fchem dich, Terfluchtes pUd(e)! • mein forg tun ich dir 

kunt 

758 Ich mufs von waren fchulden klagen mein grofse not,- 
troft und auch frewd(e) fint mir gelegen tot* 

( 

( ) 

759 Und ift, das fein fel(e) in keinen noten fei, 

herre got, fo macbfl^j) von allen forgen frei, (S. 2) 
. und lafs meiii(e) fel(e) fttr dy feine zu ^n% fein: 
das pit ich dich, herre, durch djr muter, dein. 



256 Wolfdictrich. 

760 Sufse königin Maria, muter, raine mait, 

lafz dich heut erparmen mein grobes hercen lait, 

und laCe dich heut erparmen einer [armer] firawen klag, 

durch deines kindes willen mir armen weib(e) nit verfag/^ 

*16l Die ft*aw gieng do pald(e) an die zinnen ftan, 

* fy klagt alfo fere iren lieben man, 

* [fj Tprach:] „und förcbt ich nicht der felCe), ich fiel 

über die zinnen dan.^ 

* do fprach Wolfdietrich: ,,ich fieug euch, oh ich kan/' 

*762 Do fprach dia kaiferin(ne) : ,)ich [wil] gan an allen 

neit; 

* im fagt mir, edler degen, recht(e), wer ir feit^^ 

* do fprach Wolfdietrich: „ich wil euch für war fagen, 

* ich han ain lewen wilden zu der purg getragen. 

763 Ich pin aufz dem waldc her zu euch komen, 
fraw, ewr grofs(es) wainen han ich wol vernomen. 
hail mir den lewen wunden, edle kaiferin reich, 
durch Orlneides fcl(e) willen/^ fprach Wol fdietr eich« 

764 Sy gewarte kaume bis es begun(de) tagen, 

fy gieng mit iren jnnkfrawen an den purk graben, 
fy vand den lewen wunden und hiefs in naher tragen 
in ein gute kempnate, das wil ich euch fagen. 

765 An dem andern abent fpat(e) gieng er [aber] an den 

purkgraben, 
da hört er den wachter und fein frawen klagen, 
do fprach der wachter: „vil liebe fraw(e) mein, 
trdflet ew(e)r laid(e) und lafzt ewr wainen fein/* 

766 Sj fprach: „drewzehen künigreich, dy ich verloren han, 
vierzig mark goldes, dy mir ab(e) gan, 

des haben Ach under wunden al mein dien eft man: 
nu han ich kaum zu beraten ein armen kappelan.*^ 

767 Aln fl ain lag vor der porten, das wil ich euch fagen, 
den mocht von grofsep fwSre ein wagen nit [haben] ge- 
getragen, 

den warf ^olfdietreich über dj zinnen dan. 
do fprach *gezogenleich(e) dy ft*aw(e) wol getan: 



WolMitifkiu S57 

76B yjhm ift w^ gtMAit) den kaifeff OHmI, 

weMi er des alMils fpat kon, danit wekl er mch lo 

aller leit 
kiflii ndert wild worden ferre im eineflii fao, 
fo larz mich ninner wainen, du toc^nlhafler ma«/^ 

7C9 Do fpraeh tob (wAden) Kriedien der trew Wolfdietrich : 
,,ir folt Binner waiBen, fraw(e) niBniklich.^^ 
er fpraeh: ,,ed1e kaiferin, ieh wil eoeh wifseB Üb: 
ich haB niil meiBem rwerl(e) geroehefl ewreB liebeB 

BiaB/^ 

770 Do ftBBd bei der porteB ein graf lobefam. 
der was von Pilerne, WildnBk was fein nam, 

der hort(e) die niar(e), das glanb(o)l flcberleieh, 

(XLVIILS. O 
das bet erfcblageB dj würme (der bell) Wolfdielreich. 

771 Zu morgcBS rait er fär den perg mit fünfhundert man, 
er enthauptet dj loten warme, die waren frailTam. 
zwen(e) rilter (edele) wolt er bezwangen haben, 

das fy beten gefprochen, er het dj wQrm erfchlagen. 

772 Do wollen die zwen riller im nit (bei) benan. 
fleh ftal der ain(e) rilter von dem grafen dan, 
er kom zu Wolfdietreicben ferre in den tan, 

er fand unter ainer linden den tugenthaften man. 

^73 41s er Wolfdietreicb(en) verreft an fach, 
gerne mügt ir boren, wie der rilter l)prach: 
„feit ir Wolfdielreich, das füll ir mir Tagen s 
fleh hat ein graf des aufz getan, er bab dy wUrm erfcblagen/^ 

774 Al8(o) nu Wolfdietreicb die redCe da) vernam, 
(Ao kert er zu dem grafen in den wald hindan; 
er fand in vor dem perg(e), das gelanbet Acherleicb, 
do fpraeh von (wilden) Kriechen dec trew Wolfdietreicb : 

*775 Als er bb den grafen ferreft an fach, 
* gerne mfigl ir bftren, wie. der trew(e) fpraeh t 
„rprech(e)t ir, her graf(e), ir habt dj wfirm errchhigenl^^— 
„|a ich (Irait mit dem alten wol gen drey(en) tagen 

M 



7SS 

7» Vot dcfli wBiem fcrge, 
M InWt, Mt loM^eX 
«Mi la^el hia ff« Gartoi, idi kab 4 j wim eH^Mt^tmz 
idi s;iii Mch m Im eis girtcs ras, 

777 9,b kai Mk gctnwMl,'' Sprach W^Uüctnidb 
• yie (alsl) wca Bern Tato* wire cu kfiaig dU# 

dm wäre md Meia aiges, JUm idk de« dUcaeftoMB: 
as wolteft flut li^en ^ewiaaen dj Crawca w^daa.^ 

778 Die red beg;nad(e) saraca deai £;rafeB lobefaai ; 

do Aoadea iai %u fehlere a1 reiB(e) dieneftaiaas . . 

do ward Wolfdietreieli gar aeidikleiek beflaa. 
( , . .) 

779 Er trat mit feineai rfiekea aa ein Üaia want, 
Rofea Teia gat(es) fwerl aam er ia feia haat, 

er febla§ dem grafea feliier(e) fonCiig feia» aiaa: 
do ]Nii er got den gotea, das er im half von dan. 

780 Do kert(e) kia gm Garten der graf pald(e) daa, 
do was dy kaiferin fchawen an ein zinnen gan, 

fj fpraeh: ,,gol von himel(e), was han ich dir getan? 
nn was der vor mein aigen, fol ich in nn aeaieB xa 

man?" 

781 Do der graf von Biteme anf den hof kam, 

er fpraeh: „mir haben dy wurme erfcblagen ftmfcig 

[meiner] man: <& i) 

ich gefigt in felbs kaum an, das gelaub(e)t ficherleieb/^ 
die Ted(e) hört ein ritter, hiefs der fchon Hainreieh. 

782 pSr fpraeh:] „dj w&rm hat niemant erfcblagen wen 

Wolfdiefreicb, 
des wil ich euch bekempfen^ das wifset ficberleich: 
graf, ir torft die wlirme nit haben gefeben an/^ 
,)Wes zeihet ir mich (. .)?^^ fpraeh der graf lobefam 

783 ,,Hetet ir den ftreiC mit ewren angen an gefeben» 
wie mir mit den wilden . wiirmen wAre gefcheben: 

ich ftund in grofsen nAten, da war euch vil von kii fagea, 
bis ich die würme in d«a perg(e) han erfehlagea/> 



Woirdietrich. 259 

784 Do gab man die firliweli dem grafen wolgetaB, — - 
do het Wolfdiefreicli su einem wirt ein waldman, 
als, er vernam dy mire^ das gelaab(e)l Aeherleich, 

er hoeb Ach gen dem wald(e) su dem Ire wen Wolfdietreieb. 

785 Air(o) Wolfdietreieb die red(e da) vernam, 

des felben abenfs fpat(e) kom er in die purg gegan, 

er pat den portner(e), das er in het in gelan. 

(d)er fprach: 9,her, das kan an mein maifter nit ergan/^ 

786 Die rcd(e) tet zoren (dem bern) Wolfdietreieb, 

er riiefs anf die porten und gieng für die künigin reieb, 
do nam er im die fpeifCe) zu einem fremden man: 
das tet er umb den lift das man in nil fetz zu der tür bin dan. 

787 Er fpraeb: „du folt nit z&rnen,- vil lieber gefelKe) mein, 
das ein edel man rul(le) dein maße gerell(e) fein: 
gewin ich nimmer gnt, auf dj trew(e) mein, 

das mufs mit dir und mit febon lenten getailet fein/^ 

788 Die f raw bueb auf ein pecher und fand in Wolfdietreieb dan ! 
dar mh trank der kuen(e), und gab in dem werden man, 
do nam er ab der bende Ortnides fingerlein, 

er warf es in den pecber und fand es der frawen fein. 

789 Als die kaiferin(ne) das Angerlein anfach, 
gerne fult ir boren, wie die fhiw(e) fprach: 

„wee mir armen weib(e), das ich das leben [nie] gewan: 
das fingerlein was Ortneits, des vil lieben man. 

790 Den leib bat er verloren ;^^ fprach die kaiferin her 
„ich gefieh In da zu Garten lebentig nimmer mer/^ 
„er mufz mich immer rewen/^ fprach der graf lobefam 
,;ft-a w, laust ew(e)r wainen, wir füllen iezund fchlafen gan/< 

791 Die fraw(e) biefs paldCe) Wolfdietreicben für fj gan: 
„wer gab eueb das Angerlein, tugenthafter man?^^ — ^ 
„das let ainer in dem wald(e), das gelaub(e)t Acherleich, 
der ift gebaifsen der trew Wolfdietreieb.'' (XUX, S. i) 

792 Sy fprach: 9,degen knener, meld(et) euch bei der seif, 
ob euch i(ch)t lieb wurden all(e) werde weiht 
haUiet ir Wolfdietreieb? [das] fult ir mich wifsen lan, 
ob euch i(eh)t lieb wurden, ewr ailif dieneft man.'^ 



260 Wolfdieiricli. 

793 De fprach 'gezogeDlich(en) der frew Wolfdietreieh: 
,,ir falt nimmer iVagen, fraw(e) minnikleieh, 

edle kunigiD(ne), ich wil euch wifsen lan, 

ich han mit meinem fwerte gerochen ewrn lieben man/^ 

794 Ain kappen mit palmatfeiden trueg Wolfdief reich, 
die zukt ^r ab dem leib(e) der edel fürft(e) reich,' 

da ftunden auf wol hundert knopflein waren giildein, 
[er fprach:] „das nim mafz gerell(e), trags durch den 

willen mein.'' 

796 Als dy werd(e) fraw(e) dj gab(e) anfach, 

gerne mögt ir boren, wie man zu dem fiirften fprach: 
„fprecht IT; wie ir dy wttrme habt erfchlagenl^' fprach 

der graf lobefam 
,^lafst fchawen ewre zaichen, tugenthafter man.^^ 

796 Do fprach Wolfdietreich : „das kan nit gefcbehen: 
gräf von Biterne, lafst ewre zaichen fehen.'' 

do fprach der graf (Wildung): „ich wil euch nit ▼«rfageiL-' 
er hiefs der würme haubet (balde) her tragen. 

797 Mau trueg die haubet für dv künigin hochgemut, 
do fprach Wolfdietreich, ein kiiner degen gut: 

„nu get herzu, ir frawen, ir herren, ir dieneftman, 
wa gefaclit ir ic kain haubet an die zungen ftan?^^ 

798 Do graif er pald(e) nach den zungen zubaut, 

er warf fy för die künigin und für ir dieneftleut 

alfant. 
aller erlt ward ein ftreit auf in, das wil ich euch fagen, 
£y zigen in al geleich(e), er het kaifcr Ortneit erfchlagen. 

799 Do kert er den rücken ain halben an die want, 
Rofe fejn gut(es) fwerl nam er in fein haut, 

da muß; er fere Hreiten^ das wil ich euch Tagen, 
er fprach: „het ich mein lewen, den ich zu der^purg 

hab getragen!'' 

800 Als dy kaiferinCne) die red alfö yernam, 

fy liefz au£z den lewen dy frawCc) wolgetan. 

do fprang der lew(e) pald(e) in der purg hin und dan, 

da er fach fein lieben herren in groben noten flan. 



Wolfdietriob. 261 

801 Er geftand im bei baldCe) und half im als ein man, (3^2} 
er ftraicht gen im mit dem wadel(e), mit den äugen 

lacht er in an. 
do ward ein flucht in der purg(e)^ das wil ich euch fagen: 
der graf ward gefangen und fein haupt im ab gefchlagen. 

802 Do gab man dj frawen Wolfdietreichen wolgetan. 
kain(e) kurzweilCe) wolt er mit ir han, 

er wolt fy vor lafsen fehen dy saichen (an), dy er im 

perg(e) (. . .) het getan. 

des morgens bueb er fich für den perg mit allen iren 

dienH; man. 

803 Do fprach Wolfdietreich su der frawen wolgetan: 
,,ewre(r) zwerg(e) zwelif fnllen mit mir gao.^^ 
nun wolte nie kainer mit im in den perg gan, 

do fprach die künigio(ne) : „du folt mich mit dir lan.^^ 

804 Do weilt er mit im in den perg die frawen wolgetan, 
da zaigt er ir dy toten würme gär fraiffam. 

fy fafsen zu einander nider auf das gras: - 

vil fehler kom der alt(e) wurm, dy ir elter muter was. ^ 

805 Mit einem flarken kämpfe hub er Ach an den degen, 
er traib in in den perg mit ungefuegen fchlegen, 

er nam die kiinigin in den wadel, das wil ich euch 

fagen, 
er wolt fy mit gewalt(e) ferro haben getragen* 

806 Sy fprach: >,degen kuener, verleus nit nach mir dein 

leben« 
ob dir ie lieb von weibes pilde Wfir gefcheheln, 
gedenk meiner fel(e), edler fürft reich und her: 
du geflchft mich zu Garten lebendig nimmer mer/^ 

807„Nain, liebe fraw(e)!^^ fprach Wolfdietreich, 

das fwert zu baiden banden nam der fiirft(e) reich, 
er fchlueg auf den wilden wurm, das fag ich euch flir war, 
er kund fein nit gewinnen als klain als umb ein bar* 

808 Er fprach zu feinem fwert(e): „Ros, wildu mich nu lanl 
dich trueg bei feinen Zeiten des leibes gar ein man/^ 
das fwert warf er umbe mit ellenthafter hant, 
er fchlueg es durch dy würm(in), das es anderhalb wider want 



262 Wolfdietricb. 

999 Do het er in dem perg(e) djr wiirine gar erfoblagon, 
, zu im nam er fein [fcli&ne] frawen, das wil ich euch Tagen, 
dy weift er mit im für den perg, dy frawen wolgetan: 
do waren von dem ftain(e) geflohen all ir dienefl man. 

810 Er nam dy edl(e) küuigin mit ellenthafler hanf, 

er wei(t(e) fy vii pald(e), da ^r Ortnides gebain ranl. 
als da dy kunigin(ne) das gebain anfach, (I3 S. i) 

tj klaget alfo fere, das har fj aus dem baupi(e) hrach. 

811 Mit baiden iren henden fy fleh zu den brüften fchlueg: 
„wee mir armen weibe, das mich mnter ie gefrugS 
mein grorz(e) herzen fware, dy ich arme fraw(e) han, 
des mus mein flerk, mein rcb6n(e) in kurzen Zeiten ergaa.^^-^ 

812 ,,Nicht klaget alfo fere/^ Tprach der weiganf. 
fj fafsen zu einander da nider auf das lauf, 

er entfchlief ir in ir fchofs(e). do kern ein wilder man 
und verftal die frawen: ein tarn kappen het er an/ 

813 Er furt(e) fj durch den wald gen einem perg hin dan, 
daraus ficherleichen ein fchoner brunn(e) ran, 

er legt ir an ein tarn kappen, ein würzen in den munf, 
er fürt fj zu tal durch den brunnen zu der felbigen Itont, 

814 Als er erwachet und dy frawen nipimer fant, 
auf gab er da zu Garten purg und auch laut, 

fein fwert barg er in ein kotzen, das fag ich euch für war, 
da wall er nach der frawen wol in das Tierd(e) jar. 

815 In dem yierden jar(e) do kom Wolfdietreich 
gegangen zu dem brunnen^ da die künigin reich 
was durch gefnret, das gelaubct flcherleich: 

do fafz zu dem brunnen der edel fürrt(e) reich. 

816 Als er gefafs ein weile der trew Wolfdietreich, 

do was in dem perg komen zu eim venfter dy künigin reieh ; 
als fy bei dem brunnen den trewen fltzen fach, 
gerne fult ir hdren, wie dj fraw(e) fpracb. 

817 Sy fpracb: „vil lieber herre,^^ Billung hiefs das zwei|^, 
„es in ei|i irdifdier man^ komen für den perg, 

aufz welhem land(e) fei er für difen perg komen, 

er waifs vil fremder mftre, die het ich gern vernomen/* 



Wplfdietrich. 263 

818 Do fprach das gezwerg(e): „vil liebe fraw(e) mein^ 
was dir lieb ilt, das fol gefcheben fein/^ 

an legt es ein tarn kappen, ein würz nam es in Tein munt: 
es für auf dureb den bruunen an der felbigen flunt. 

819 Do eilt es vil pald(e) in den wald [da] znbant, 
da es bei dem bruunen den trewen fitzen fant, 
als es Wolfdie<reicb(en) von erft anfaeb, 

es enpfieng in tugentlicbeu; nu b&ret, wie es fpracb: 

820 „Bis got wil komen, waldner, ber für difen perg. (^S^. 2) 
icb wil dicb gern berbergen.^^ fpracL das gezwerg 
jywildu hie fein beintCe), du edler pilgereini, 

das ift war, icb gib dir gerne mein brolundmein(en) wein/' 

821 Do fpracb Wolfdietreicb : ,,unfer ber loue dir 
der trew und der ere, die du begaft an mir!^^ 

es fazt im auf dy tarnkappen^ ein würz gab es im in 

den munt, 
es fürt in [zu tal] durcb den bruunen zu der felbigen ftunt. 

822 Als nu Wolfdietreicb kom in den perg gegan, 
do facb er in dem perg(e) ein fcbone purg flau, 
in der felben piirge wol drei turn(e) lag, 

die zinnen auf der mauro laucbten als der tag. 

823 Das gezwerg nam den fiirflen mit ellentbafter baut, 
es weift in vil pald(e), da es ein Ziergarten faul, 
darin ein gefldel(e) von merbel was berait: 

dar ob ftuend ein lind(e), die was grnen und brait 

824 Bei der felben linden ftnnd ein emer nran, 

der bet in feiner bende zwen plafpelg wunnefam; 
do giengen aufz der linden fünfbundert ror guidein, 
da fafsen oben dar auf(e) wol f&nfbundert Togelein. 

825 Das was ein fcbdne gezierung, das fag icb euch für war. 
als der wirt wolt kurzweil baben, fo bneb er Ach dar. 
wen das pild dy pelge rurte mit der feiner banf, 

do fungen auf der linden dy vögelin alfant 

826 Da ftund ander balb(en) ein palaft, der was weit, 
darin was gericbtet an der felben zeit 

wol fünfhundert tifebe, das fag ich euch fürwar, 

ob iedem fünfhundert zwerg, dy warn ze wunfche gar. 



354 Wolfdielrieh. 

827 In dem felben palaft flund ein guldin man^ 

der het in feinen henden zwai giefzfafs Mmnnefam^ 
das giefi fafz was getichtet mit flarken liften grofs^ 
das das Telbe pild(e) hundert mannen wafser gofz« 

828 Do tj geafsen, dj tirch(e) waren hin getragen, 

do fpraeh dy künigin: ,,waller, kanftn mir leht gefngen, 
ift dir i(ch)t kund auf Garten? das fag mir flcherleieh: 
da was ein weil gefefsen ein kiinig, hiefz Wolfdietreich. 

829 Das ift reeht wol Tier(t)halb jar, 
das mich im verftal difer waltman: 
ich hau es mit lifte getriben, 

das er meines leibes nit gewalt gewan/^ 

830 Do fpraeh Wolfdietreich: „ich hau in nie gefehen (LI^ S>i) 
und kau euch der warheit von im nit verjehen.^^ 

do fpraeh zornikleich(en) difer wild(e) man: 
„umb die red, auf mein trewe, es mufz euch an das 

leben gan/^ 

831 „Wes woldeft du mich zeihen 1'^ fpraeh Wolfdietreieh 
,,ich kam zu deinem brunnen, das waiftu ficherleicb, 
du batelt mich zu [deinem] häufe und gabeft mir brol 

und wein: 
wolteftu dich nu ziehen gen mir elenden pilgerein 1^^ 

832 Sy fpraeh: ,,du folt fein fchonen, er ift ein armer 

man/^ — 
,,naina, wirt herre, nu ker dich nicht daran: 
ich was in meinem lande^^ fpraeh der kueD(e) man 
,)ain y\\ werder ritter: da bin ich aus (ge)gan.^^ 

833 Ein köpf ftund auf dem tifeh(e), der was guldin gar, 
Wolfdietreich der trewe vil oft plikte dar: 

er hueb auf den köpf, er wart zornig genug, 
wan er in dem wirt(e) an das haubet fchlueg. 

834 Das zwerg fchrai laut(e), das hal in dem tan: 

„das klag ich got dem guten, das ich euch zu hämi 

geladen hau, 
das mnfs mich immer rewen, auf dy trew(e) mein : 
wan du pift Acherleichen ein mulich pilgerein.^^ 



Wolfdietrich. atö: 

835 Das gezwerg hiefs pald(e) fein haraafeh Mr ia tragen, 
lio ward Wolfdietreieh beftanden, das wil ich euch fagen, 
¥on zwaien wilden rifen, dy waren dem zwerg Untertan: 
da ftund in ungenaden der tügenthaft(e) man. 

836 Do muft der her(re) fa(t(e) ftreiten auf fein leben, 

das fwert aufz feinen henden gefehlagen ward" dem degen, 
da ftund der von Kriechen an wer in grofser not: 
und het Sy im nit geholfen, er mAfte fein gelegen tot; 

837 Die fraw bracht palde und gab im das fwert wider Int 

fein haut 
und half [im] aufz feinen noten dem kunen wteigant, 
fj half im williklichen, als ir wol gezam: 
des danket ir gutlichen der tugenthaft(e) man. 

838 Do ftrait fo fürftenlichen der minder kuen(e) man, 
vil mangen zwergen edelen gefiget er an. 

der ftrait wert in der pürge unz an den dritten tag, 
bis der wirt und die feinen vor im tot lag. 

839 Aller erft kand die fraw(e) den trewen Wolfdietreieh, 
fj viel im zu fuefsen dy künigitt(ne) reich, 

er zukt fy auf mit der hende, er kuft fj an den munt, 
da wainot fy vor freuden an der felben flunt (S* 2) 

840 Zu im nam er fein frawen, die was wol getan, 

er wolt fy durch den brunnen aufs gefur(e)t hau: 
do kam ein zwerg (balde), das was wunnefam, 
aufs dem perg gelaufen und hiefs in flill(e) ftan. 

841 Do fprach Wolfdietrich; „wer mag das gefein? 
wer wolt leicht überziehen mich armen pilgereim?^^ 
das zwerg viel im zu fuefsen und kuft in an die haut: 
„flchftu, Wolfdietreieh, diz wunnikliche lant? 

842 Das was mein aigen und was mir Untertan, 
bis das mir es Billung mit untrew abgewan. 
wildu nu, ger&te fchone, die lafz ich didi fehen: 
reichtum und(e) wirdikait magfl du mir wol verjehen.^^ 

813 Es nam in bei der hende, es weift in mit im dan 
in ein würze gfirtelein, da er fach ein linden ftan. 
iy fafsen zu ein ander nider auf das laut: 
das Zwerglein het ein kleines fchlüfselein in feiner haut ; 



96A WoMiMricb. I 

844 Auf fchlofii er dj linden, dag wifset ficherleieh, 

do giengen aim der lindeo zwelf maide wumiikleieli, 
ie awo neben ain ander genomen an die hant, 
ty heten an iren leib(e) menig sierlich gewani« 

846 Ir klaider von filber waren reicb genug, 
ir ietliche ein guldin barbant auf den haupt(e) tru^. 
do fpraeb das gezwerge: ,,tiigentbafler man, 
icb wil dicb lafsen wifsen, was icb in meiner linden faan. 

946 Er nam in bej der hende, er weifet in bindan: 
da faeb er in der linden ein zederpaum ftan; 
der zederpaum in der linden der was guidein: 
dar aufz febankt man den berren moras und den wein. 

847 Do fpracb der bausberre: „ieb wil eucb eingab geben, 
der du mir rauft danken djweil du baft das leben, 
wenn icb dir nit lenge, das TeUn. gelauben mir/^ 
er l^acb: „du pift fo gew&re, icb wil wol getraw(e)a dir. 

848 Des foltu baben gnade, das wil icb dir fagen.^^ 
das zwerg biefs pald(e) ein pftcbfen fQr ficb fragen, 
do gab er dem berren dj pücbfen fazubanl, [erkant, 
es (^racb: „leb wil dicb weifen, wie esumb 6j pücbfen mir ift 

849 Drei ftund in dem jar^e), edler fürft lobefam, 
fo nymeft aufz der pücbfen fünfzig gewapent man, 
Ton welicber baut klaider fy wellen tragen. {LH^SJ) 
dannocb wil icb dir mer(e) von der pücbfen fagen. 

850 Ob dicb woUen vertreiben al fürften lobefam, 
fo finftu in der pücbfen wol buudert dieneft man. 
nu peit bie ein weilen.^^ do gieng es von in dan, 
es verfpart in in der linden und dj frawen wol getan. 

851 Es rueft(e) bin wider(e): „vil lieber berre mein, 
man ledig dicb von mir danne, du muft mein gefangen fein, 
„ficb, wes woltft du micb zeibenl^' fpracb Wolfdietreich 
„icb kom zu deiner linden, das waift wol ficberleicb, 

852 So verr auf dein genade: was ricb(e)n;u an mir? 
du pift wol fo gewar(e)9 vil wol getraw icb dir.^^ 
„fi(cb), wes wolt icb dicb zeibenl^^ fpracb das gezwerg 
„du pift mir zu frumen kamen in den perg; 



863 Land und piirge dy mir meiu vater hat verkm, 
damit wil ich dir dienen, du tugenthafter man/^ 
das gezwerg hracht in der hende ein klaines börnelein, 
es fprach: „du getrewer, das fol dir gefcbenkel fein, 

854 Und kumbRu Ober zehen land, und gefchäch dir fein not, 
fo plaa es zu einem mal(e), das ifl; mein rat, 
fo ift (unb) das hörnelein (es) alfo getan^ 
fo kumb ieh dir zu bilfe und wol hundert meiner man. 

865 Do fprach Wolfdietreich : „mdehteft du mir fagen, 
von wem haAn dife wirdikaiti da» foltu nit verdagen/^ 
do fprach das gezwerg(e): 9,das tun ich dir kun(^ 

und wil dich fein befcbaiden hie su difer ftunt« 

866 Mein vater hieAi Titan, nnde was ein zwerg, 

dem dienten zwelif hundert fein genofsen und difer perg. 
▼OD got hat er drei wünfch(e), tugenthafter man, 
die kund er bei feinen zelten nie pafs gelegen aa< 

867 Ainen an die linden, den andern an das lant, 

den dritten an das hörnelein und an die püchfen zuhänt, 
land und perg die mir mein vater hat rerlan, 
das fei, trewer Wolfdietriebi mit aigen Untertan/^ 

868 Das gezwerg nam den fiirften bei ellenthafter haut, 
es weift in für den perg, der was im wol bekant, 
auf ein praite ftrafe(e) kam der tngenthaft(e) man, 
da kert er hin gen Garten mit der frawen wol getan. 

869 Als er gieng ein weile hin dan Wolfdietreich, 

do bort er in dem wald(e) ein ntm(me) klag(e)leich, 
do liefs er dy kfintgin bei einer ftainwant, 
doeilternadiderftim(me), da er ein wilde frawen van trsf.;?^ 

860 Ir was wee zu einem kind(e), grofs was irs herzen If^wjer : 
„was wirt euch, liebe fk'awe?^^ fpraeh der fllrft(e) her 
„mag ich dir fein pufiien? das tun mir kunt«'' 

fy fprach: „ich tuen es gerne hie an difer ftunt 

861 Mir ift wee zu einem kind(e); ir fult von mir gan ; 
es flUn nit mannes äugen frawen fehen an/^ -<- 
„warumb(e), liebe fraw(e), fchemeftu dich vor mir? 
verpint mir dj äugen, lab mich nach fein bei dir/^ 



368 Wolfdietrich. 

862 Do gieng dy wild fraw(e) unter einen paum anf 

ein gras, 
eines fchbnen kindes 6y ft*aw(e) da genas, 
do fpraeh du wildfraw(e): ,,kfiner degen her, 
nu bring mir des wafsers durch Unfer Frawen er/' 

863 Do eilt er vil pald(e), da er ein brunnen vanf, 
er bracht ir des wafsers in dem beim zu haut, 
da was an der frawen ein jSmerleiche not : 

do er da bin wider koro, do was fy laider tot. 

864 Do taufl(e) das kindelein der trew Wolfdietreich. 

er grueb ein grab der frawen, das glanb(e)t ficherleieh 
als er das grab grueb mit dem rwert(e) fein, 
do was laider tot das klaine kindelein. 

865 Er legt fy zu ein ander in ein grab an der flat. 
und er got in feinem herzen entliehen an pat, 

er fpraeh: ,,her got von himel(e), durch dy fünf wun- 
den dein, 

nu lafs dir difer fk'awen von meins toten fei enphol- 

hen fein!''. 

866 Do eilt er vil pald(e), da er fein frawen het vertan, 
do kert er hin gen Garten der fürflCe) lobefam. 

do erfcbullen dy m&re weit hin den in das lant, 
* wie. Wolf dietrich der trew(e) wäre komen zelant. 

867 Da fampl(en) fich fchier(e) armen und auch reich, 

£y wolten gern vertriben han den trewen Wolfdietreielu 

do ward Wolfdietreich von den feinen beflan: 

do pat er got den guten^ das er im hülfe von dan, 

868 Pei der DülmendtCe) fampl(e) fleh das her: 
do het er niemant zu hilfe, den fein aine wer. 
£y hielten im vor purg und auch mark: 

ir grofse untrew(e) was michel und(e) ftark. 

869 Bei dem felben wafscr hueb fleh ein grofser ftreif, 
zwifchen Pern und Garten, auf der haide weit, 

da ward Wolfdietreich neidiklich beltan : (Lllf, S. O 

do nam er aufz der püchfen fünfzig wol gewapnot 

man. 



Wölfdiatrid. 269 

870 Da half im gol der gat(e) aus grofsem ongemacli. 

nn 1i5rel, wie aia saiehen an dem berren da gefchach : 

er gefigt in an (alten) mil airo grofser kraft: 

er fort(e) ff gen Garten mit einer micheln ritterfehaft. 

871 Do maebt er in dem land(e) ein fchone bochieit, 
das nie warl kein gröfsere, weder vor, noch feit; 

er macht fünf hundert ritter, den gab er pferd und gewant : 
do wart fein loh Ib weit(e) über alle reich erkant. 

872 Da was er bei der ft*awen Tolliklich ein jar 

der wolgezogen (herre), das fag ich euch fürwar, 
uns das er wider gewan pürg(e) und auch laut 
das alles mnn(e) dienen feiner gewaltigen haut. 

873 Do rang er mit ungemach alfo manigen tag, 
kainer kurzweil(e) er mit der fl*awen pflag. 

das traib er alfo lang(e) der tugenlhaft(e) man, 

unz das er doch eines nachtes lag bei der frawen wolgetan. 

874 Sy fprach: „degen kAner, fag mir, was wirCre)t dirl 
ist dir icht wandeis an mir^ das fag du mir, 

das pefser ich dir felber, und tueftu mir es kunt/^ 
er fprach : ^,ich tuen es gerne, fhiw, an difer flunt.^' 

876 Er fprach : „edle künigin, von fchuldeU mufz ich klagen, 
grofse herzen fwure, dy ich an meinem leib mufs tragen: 
ich fech den mein ailif dieneft man/^ fprach der fürft(e) her 
„oder man ficht mich da zu Garten lebentig nimer mer. 

876 Man füer den mich gen Kriechen, da tauft man mich an fcham. 
da hiefs man mich Dietreich, Wolf was mein ander nam. 
land und pörge dy mir mein rater hat Verlan^ 

dy rewen mich nit fo fere, als mein ailif dieneß man/^ 

877 Sy fprach: „dein ailif dieneft man die lafs unter wegen: 
ich wil dir ie wider ainen ailif taufent geben, 

das du die raife lafselt, tugenthafler man: 

durch got, belaib hier haimen, fiirft(e) lobefam/' — 

878 „Waren alle land dein aigen und alle künigreich, 
die nam ich nit für ainen/^ fprach der fürn(e) reich 
„ich wil faren und foechen mein ailif dieneft man, 

dy ich ball in dreifsig jaren nie gefeheo ban»^^ (S. 2J 



270 WölMMriot. 

879 ,,Weiii wildn mich lafoeol^^ fpracli äy kttnisin reidi 
,9tch trag ejn klaines kindelein, das glaube Acherleich, 
und Fol na das verderben, das fey got geklaiti 

durch das belaib hie faaimen, fiirfl(e) ril geüait«^ — 

880 „Tue es durch meinen willen, edle künigln reich, 
werd es ein knablein, fo hairs es Hug Dielreieh $ 
werd es aber ein maidlein fo haifs es Amelgarl durch 

den willen mein: 
morgen wil ich von hinnen, fraw, mit den huldea dein. 

881 Damit wil ich von hinnen, edle kfinigtn reidi, 

da mit pfleg got deiner eren, fraw(e) wunnikleiefa ! 
ich wil gen Konstantinopel, fraw gar wolgetan, 
und fuechen endlichen mein ailif dieneftman/^ 

882 Des andern morgens frwe befampt fich de^ kune man, 
mit drei taufent feiner man fchift er fleh aii 

mit 2waien fchonen kielen gen Kriechen über fee; 
der edlen künigin(ne) tet das fchaiden wee. 

883 Hit zweien grofslen kielen fchift er fleh auf das wag, 
da fchluegen fy die winde unz ab den fünften tag, 
ain kiel [im] zerpraft, im ertrunken zweihundert man: 
do pat er got den guten, das er im hulf gnedikleich von dan. 

884 Da half im got der gu((e) aufz grofsem ungemach. 

nu höret, wie ein zaichen an dem herren da gefchach: 
im fant(e) got zwen kiele, als wir haben vernomen^ 
die waren im zu trort(e) auf dem wilden wag(e) kernen. 

885 Zu Kriechen von dem lande waren fy geflofsen dar, 
do fundeu fy auf dem lande dy eilenthaflen fchar: 
ir forge nam ein ende, das wifset flcherleich, 

do gieng an (den) einen kiel der trew Wolfdiefreich. 

886 Mit alfo grofsen frewden fchiften fy auf dem wag: 
da fchlugen fy die winde unz an den zweliften tag, 
das fult ir mir gelauben, zu Kriechen zu feiner ftat: 
ir forge nam ein ende, IV beten reichen rat. 

887 Do giengen ab den kielen dy knnen degen palt, 
do lag vor Konstantinopel ein kreftiger walt, 
darein fy fich legten, alfo das gefchach, ^ 

"^ gerne falt ir hftren, wie d^ getrew(e) fprach: 



IVolfdietricIi. 271 

"$8S ,^1cli rat euch werden herren recht(e) was ir tat, 

folget meiner lere, das wirt euch allen gut, CUV^ 8, i) 
ieh wil alters ainig gen Konstantinopel gan 
und fuechen endlichen mein ailif dieneft man. 

889 Nu merket ir vil rechf(e)/' fprach der fOrft hochgeborn 
wenn{e) ir vememet difes klaine horn^ 
fo fanmet euch nit lang(e), ir held(e) wunnefam, 
das glaubet enlletchen, fo pin ich beAan. 

S90 Damit pfleg got ewr eren, ir herren allefant!^^ 
do legt er über hamafch pilgrams gewant, 
do gieng er gegen der Itat, traurig was fein mut, 
er klaget alfo fere der kuen(e) degen gut. 

891 Eines abents rpat(e) kom er an den purk graben, 

er parg fleh nnter ein maure, das wil ich euch Tagen, 

da lag er tu und lang(e) • nnz er bei im vemam 

alfo haifs(e) wainen fein ailif dieneft man. /)^ 

892 Der waren nun sehen, der ailift der was tot. 
fjr klagten al geleich(e) fware grofse not, 

fy fprachen: „fuefse künigin, muter und raine maif, 
das du dich nicht ruecheft erbarmen über unfer grois 

laitf' 

893 Do fprach der eltoft nnter in, der hiefs Herbrant: 
„lafset ew(e)r wainen, ir herren alle fant, 

bitet got den guten al andSchtikleich, 
das er fleh ruech zu erbarmen über den trewen Wolf- 

dietreich! 

894 Des wirt morgen an dem tag wol zwai und drei- 

fsig Jar, 
das wir unfern herren nie gebhen, das ift war, 
noch das uns von dem fürflen niemant nit hat gefait: 
raine magt, Saut Maria, das fei dir geklait!^^ 

895 Do fprach Wolfdietreich in dem purkgraben: 

„ir zirkler auf der maure, ich hdr eueh fere klagen; 
was gebt ir im zu miete, ir helt fo wnnnikleich, 
der euch zaigt wolgefiinden den trewen Wolfdiet- 

reieb1'< 



272 

fMHrrpraekaaleeidch:„hekwirg^ iM «»llCca) 



lieg« 
,^af ir is alfa erkauft? oder wa kaU ir ia scfctaf 
läget ms das: €«ck alles lidb an leik(e) aivlk ge- 

rckeka.*"' 

807 ,,Iek wii esek gerne fage»/' fpradi Waliiicliach 

,,za Troiea in den laofl(e) ift der larft(e)rcidk, (S,2) 
dar fiker ill er kerre, nnd ift iai uitertaB, 
land vmA{(t) leQl(e) mag er wol gekaiL*^ 

896 Sj fpraeken al geleiek(e): ,,g«tea kak wir nickt, 
wir Mfigen pald(e) wainen, des laid ons gefekicht; 
.wir arme lenl(e) leiden alfo grofae not: 
des wolf(e) got von kiniel(e), wir waren allelanipi tot! 

899 Von nnfers kersen fware war enek vil xn fagen: 
es fintie swen znfanien(e) in ein kand gefckiagea, 
wir arme lenl(e) leiden alfo grols nngemadi, 

das kalt Erillen lenten nie fo wee gefckaek. 

900 Man gibt ie zwaien ein halb(e)8 brof, das wilicb enek fingen, 
nnd ein(6n) trank wäfsers, dar an m&fx wir baken 
genug ainen tag des glaab(e)t fieberleieb/^ 

do fprach gezogenlicb(en) der trew Wolf dietreiek : 

901 „Ir zirkler auf der roaure, ench pit ein [eilender] pilgerein 
nmb ein fiertail brotes, ob es mit [ewren] knlden m&g 

gefein, 
'dureh der [liebften] feie willen, der ir golfekaldig feit: 
mit alfo grofsem jamer irt be?angen mir der leip/^ 

902 Do fpracb der alt(e) Herbrant der vil knen(e) man: 
,,der mir es alfo ertailte und biefs mir anfitan 
vater und(e) mnter^ von den ich pin geporen^ 

ee ich im gfib ein viertail brots, ich liefs fy fein gar verloren« 

903 ledoch wie es dar umb gat, wol wir uns fein verwegen, 
durch einer fel(e) willen wellen wir eochs geben, 

das irt unfer lieber herre der trew Wolfdietreicb/' 
fj würfen ims brol über dj maur, glaubet ficherleich. 



Wolfdietricll. 279 

904 Er mocbt fein nit enpfahen, das wil ich euch Tagen, 
recht fam er tot w Jre, viel er über den purkgraben, 
in erparmet ir aller wainen, das iy teten, alfo fer: > 
da lag er mit unkreflen der kuen(e) degen her. 

905 Sy klagten algeleich(e) ir vil grofse not. 

[fy fpracben;] ,,nu ift uns der vater in den panden to(, 
und uns von dem fürften uiemant hat gefait: 
raine magt muter Maria^ das fei dir geklait!^^ 

906 Do fprach Wolfdietreich aber in dem graben. 

(^F, S. i) 
9,ir zirkler auf der maur(e), ir fult euch wol gehaben, 
freuet euch gemain(e), ir helt fo wünnikleich : 
Ja kumpt in kurzen zelten der trew Wolfdietreich.^^ — 

907 „Nu wolle got, das er noch lepte und war(e) gefuni! 
darumb.fo wel wir pauen al der helle grünt. 

laider er lebt nimmer, er ift nu zu ftund tot: 
des leiden wir arme leut(e) alle grofse not/^ 

908 Do fprach Wolfdietreich aber' in dem [purkjgraben : 
„ir zirkler auf der maur(eX ir fult euch wol gehaben, 
frewet euch gemaine, ir helt wunniklich: 

ich für in, von Wilden Kriechen den herren Wolfdietrich /^ 

909 Auf rakten fy ir hend(e) zu der felben frift, 

fjr fprachen: „pis gelobt, herre, vater Jefus Krift! 
das wir unfern herren zu ai[ne]m mal füllen fehn, 
des ift uns armen lenten ein herz(en) freud(e) gefchehn/^ 

910 Sy beten grof8(e) forge, wie fj [zu famen] fdlten komen 
zu irem vil lieben herren, den fy [fo nachent] beten ver- 

nomen: 
„das flat an gotes genaden, ful wir unfern hem fehn: 
^an fein(e) raine hilfe fo kan es nit gefcbchn/^ 

911 Auf rakten fy ir hende zu der felben ftunt: 
„gedenk her, vater, Jefds Krift, das du ward(ft) an 

dem kreuz wunt, 
durch dein heiliges plut das dir durch dein fOnf wun- 
den ran, 
DU mehe uns ze erbarmen, uns arme nothafle man!^^ 

18 



ST4 Wolfdietridi. 

912 Do erpariiiet got den guten ir grote mgeaiaeli^ 

und hhrety wie ein salcfaen an dem herren gofehaeli: 
er lediget fy aufs den panden, got Telber uu haut, 
das fx bei ein ander Aunden dy koenen welgaot. 

913 Do giengens mit ein ander df ellenthaften degeii, 
ly Hnenden fr5Iieh(e)n und liefen fieh verwe(j;eo, 
ty liefsen über dy manr(e balde) Aeb blnabe 

( ) ^ ^®B tiefin pnrlEgrabea. 

914 Da fanden ly iren heren fo traurifcleiehen ftan. 

* do fpracben fy (al geleicbe) zu im als wolgetan: 

* ,,got, lafs uns an der fe1(e) nimmer wirs gefchehen, 
das wir den lieblten berren an ffillen febnP* 

916 Er mocbC ir uit enpfahcn^ er fiel in den purbgraben, 
recht fam er tot wire, das wil ich euch Tagen, 
fam teten fy hinwider(e), von frewden das gefchaeh. 
gerne fult ir h6ren, wie der trew (Wolfdietrieb) fpracb. 

916 Er fcuft fy all(e) zehen, fein getrew(e) dieneftmaii: 
„waiftnumein maifter Berchtung? den Ach ich nll ?or 

mir flan." CS. 2) 

Ty fpracben al gcleich(e): „vil lieber herre mein, 
er ift tot vor zehen jaren : lafst ew(e)r wainen fein/^ 

917 Da fpracb Wolfdietreich : „fagt mir, wa ir in hin ge- 

legt habt." 
fy namen in bei der bende, fy weiften in an die ftat, 
vor Sant Jörgen münftcr, da er was begraben: 
von feinem grofseu wainen wur euch vil zu fagen. 

918 Er klaget alfo fere der kiieue wci^ant, 

er fpracb: ,)Vernim mein wainen, ein küng Ober alle 

laut! 
ob du iendert in der welt(e) kain zaichen babft gelaii^ 
des foltu, lieber ber(re), mich beut geniefsen lan. 

919 Haifz mit mir den toten reden aufz dem grab/^ 

( 

) fpracb der fiirft lobefam 

,,dar umb fo wil ich immer fein dein dieaeft i 



Wdlfdietrieh. ^5 

920 Er rpraeh! ,,ieh pit dich, herre, dureh dein: edels pluf^ 
das dir an dem kreni(e) von dein fünf wunden wiif, 
haifs mit mir den toten aufz dem grab(e) reden, 
durch deines grabes ere!^^ fprach Wolfdietrich der degen, 

921 Do erparmet got den guten fein wainen und fein klage, 
er hiefs (da) den toten mit im reden aufs dem grabe, 
in aller der gebare, fam er lebentig was. [genas, 
da gefchach ein grofsC^) zaichen, wan er an der fei wol 

922 Das ern(e) wort das Berchtung aufz dem grabCe) fprach: 
[er fprach: ^bis] got wilkomen, lieber herre, meiner 

fk*eud ein obedach! 
gedenk(e), kiinig her(re), an die dieneft mein, 
und lafz dir mein(e) lieb(e) fün wol enpfolhen fein. 

923 Dar zu tag ich dir mftr(e), du tngenihafter man, 
edler furft(e) her(e), wie es nmb mein fei ift getan: 
dy ift da zu genaden, das gelauh(e)t ficherleich : 
alfo verfich dy deinen, du trewer Wolfdietreich! 

924 Da mit red ich nit mer(e), ellenthafter degen : 
got fol deines leibes und deiner feie pflegen !^^ 

• •) 

925 Da mit des toten fprach(e da) ein ende nam. 

da muft man Wolffdietreichen für toten tragen dan, 

wan er in nukreflen vor der porten lag, 

unz über fy all(e) begund(e) fcheinen der helle tag. 

926 Do erfchullen dy mar(e) gar weit in die laut, [(LVf, S. i) 
wie Wolfdietreich der trew(e) w&r komen fa zu hant, 
dy zirkler auf der maur(e) waren entrunnen gar. 

do befampt(e) fich in dei^ ftal gar ein kreflige fehar. 

927 Sy gewunnen in einer klainer weil mer dan laufent man, 
fy zugen kreftikleichen gen der porten dan, 

da verlegt man in die fteige fiberal in dem lauf, 
tj zugen aufz bei der Hat, da man den filrflen Taut 

926 Als tj der h^^og Herbrant Ton erft(e) anfach, 
gerne fult ir boren, wie der getrewe fprach: 
,>nn wol auf, lieber herre! dy haiden fint komen: 
wir mügen dir nit gehelfen, d(e)w wer ift uns geitomen.^^ 

18* 



276 Wolfdielricli. 

929 Do ward Wolfdietreich von den feinen heAan, 
ty paten got den guten, das er in hnlf von dan. 

(..,... c .... . 

) 

9S0 Do griffen fy an die erden an der felhen llnnt: 

zu nnfers herren opfer namen fy dy [erden] in den mant. 

fj palen got den guten all andächtiicleieli, 

das er fich folt erparmen über den trewen Wolfdietreich. 

931 Alfo nu Wolfdietreich dj parmung anfach, 
gerne fült ir hören, wie der getrewe fpraeh: 
er hiefs dy eilenden an feinen rftcken (lan^ 

do trofle fj gnllieh(en) der tugenlhafl(e) man. 

932 Do fchlng er durch dj haiden manigen gefchwinden pfat, 
er ertrante Hechte ringe und manige farwat. 

mit plnetigen werken gab er in das gelt, 

da tungt er mit den toten dy haid und auch das velt 

933 Er ftrait fo f(t'?)arftikleichen al den langen tag: 
menger ftolzer haiden tot vor im lag. 

er facht fo frümbikleichen, der kuen(e) degen gut: 
man fach von feinem fweri(e) fliefsen das rot(e) pluet. 

934 Da fpraeh herzog Herbrant: „wie lol es uns ergan? 
unfern lieben herren fehen wir in noten ftan. 

wie fül wir nu geparen, das wir im zu hiife komen? 
nu fprechen wir was wir welleu, der leib wird uns 

genomen.^^ 

935 Do griffen fy zu den toten an der felhen Aunt 

fy zugen in ab den harnafch, dy da lagen wnnt, iß» 2) 
wie fehler fj lieh da wapent(en) die degen un- 

verzait, 
fj nameq für fich zu fchirme dy guten fchill(e) hrait» 

936 Sy flriten auf aln vefperzeit, [als] der tag ein end(e) 



do giengcn fy zufamene [auf dy wal] dy vil kaeiieit 

man, 
fy wanten, das fy beten überwunden al ir not: 
aller erft wurden fy beftanden auf den pitterleichen- tot. 



Wolfdietrieh. ^f7 

937 Wolfdietreichs brueder baicl(e) kamen gertten dar . - 
mit drew taufent haiden, dy waren geharnafcli gar, 

ir fchiU laachten fchone, ir helm(e) wunnikleiclK 
do fprach gezogenleich(en) der (few Wolfdietreieb : 

938 ,,Ir Herren, wert euch Yafte, des tut euch grofse not, 
ob ir nit wellet kiefen den pitterleJGhen tot/^ 

ir fwert sbu baiden benden namen fein [getrew] dieneft man, 
man fach ff ritterUehen in dem ftreit umb(e) gan« 

939 Da praden fy a^ufamene gar mit grofseq! neit; 

unz an dem morgen frne vor der (tat wert der ftreit. 
als Wolfdietreich das erfach, das der ftreit nit «ndenam, 
do Tatst er das faorn an den munt, das plies der kuen(e) 

man« 

940 Acht bondert und zwaitaufent man bracht im das ge- 

zwergi 
dem er wider bet gewunnen den wnnniklichen p^rg. 
alfo Wolfdietreich das zwerg an fach, 
er enpfieng es tugentlichen, da zergieng fein ongemadt 

941 Da fieng Wolffdietreich fein brneder baid(«)fanH 

auf gaben fy im zu Koullanlinopel purg vnd auch lant 
do zugens gen der porten, dj waren in aufgetän, 
do ward fchon enpfangen der tugenthaft(e) man. 

942 Vil laut rueft(e) Hacke, ain fürfl(e) lobefam, 

er fprach: „die pürg(er) haben mir zu laid(e) vil getan, 
die ftat dy mus verbrinnen/' fprach der kuen(e) man 
„ich gib in des mein trew(e), es mufs in an das leben 

gan." 

943 „Nain, lieber gefell(e)'' fprach Wolfdietreich 

„du folt ir gerne fchonen, das (tat dir tugcntleich: 
der zwelif poten fiben(e) haben(t) fich hie nider getan: 
des ful wir, lieber herre, fy wol geniefsen lan. (Z^F//,iSf.y) 

944 Wer fich well lafsen taufen, der tue es bei der zeit, 
ob er welle bebalten fei und auch leip. 

wer aber welle der taufe abflan, 

ich gib im des mein trew(e), es mus im an das leben 

gan." 



278 Wolfdiebriofa. 

945 Dj iii»r(e) do errchullen fo weit in das lank 
manger flolier haiden kom da zubaut: 
achtzig taufent baideu wurden tauft in vierzehn tagen. 
Wolfdietreich gab den bruedern das land wider i wil 

ich euch fagen. 

916 Er was gen in gar gut der fiirn(e) lobefam. 
er nam von In urlaub und al fein dieneftman, 
er kert hin gen Garten der wunder kuen(e) man: 
er ward fchon enpfaugen von feiner frawen WQlgetM. 

947 Uo waren enterb(e)t fein zeben dieneft man 

irs Vaterleichen erb(e)8, aU ich euch fagen kan: 

er behalf in wider(e) in ir aigen laut, 

das in muft [gewaltiklicb] dienen, den wunder kuenen man. 

948 Er gab in feins aigen lands ein ganzCes) kunigreieh 
für irs vater tod, das gelaubet ficherleich, 

vnd nUr ir ellenlhaft(e8) leben: 

er tailt unter fy geleich(e) und auch eben. 

949 Da belaib er zu Garlen der tugenthaft(e man) 

bei feiner fchonen frawen, bis er fein (ende nam« «-) 



Alpharts Tod. 



Au9 der einzigen Handschrift. / xKm. 



Alpharts Todt 



I. 



{Bl. 2, S. a) 
fal ichs Tff der hejde keinen djnft von dyr hanl'^ — 

2 ,)No zornet pit zu fere, edeler kejfer rich/^ 
l);»rach Heim ein degen here ,,ro wel ich ficherlich 
drab(e)n hjen gein Bern(e), den helden wederfagen: 
ich thun ys vngern(e), ys wyrt myr nit lenger vertragen/* 

3 Da hjfz er balde brengen der keyfer Enienirich 
eyn (vil) gat ros, das wyfzet fjcherlicb, 
darvff was fcbjr gefefzen Heim der küne man, 
als er zu dem kejfer vrlap da genam, 

4 Heim der (riter) küne vff fein rofz kam, 

da drabt' er Tff die grttn(e) vff ein wyden plan, 

Heim der rjtter küne alfo gein Bern(e) reyt, 

das er her Dyiherich(e) von dem konige weder fejt. 

5 Da fprach gezogentlich(en) von Bern her[re] Ujtherich : 
„Heim, kanltu mjr icht gefagen, wes zjhet mych [mjn 

Vetter] Ementrich? 
wel er mych von dem [myn] triben, das myr royn vater 

hat gelan? 
•das ziehen ich an vch alle, das ichs nit vordjnet han.^^ 



282 Alphartfl Tod. 

6 ,,Neyii/^ (alfo) fprach Heime ,,er hat ms nil grefejt, 
edeler forft' vnd herre: es yft mir an [gantcenj IrfiweD 

leyt/' 
vrlap nani da Heime, er wolt' rjden von dan. 
da fprach der von Bern(e): ,,Heim, du falt myeh wjbm 

lan, 

7 Wer mych des ergetzet/^ fprach der notige man 
,,da8 ich dyr bye mynen zjden fo wel^gedinet han; 
du heftende mych in kjnthejt dorcb din ohermat, 

ich hezwang dich myt gewalf(e)/^ fprach der hell gnt. 

8 „Du gelobf(en) mjr zu dynen;^' fprach her Dytherteh' 
,,wiitdu hyn(e) ryden, fo hrichftu fjch'eriich 

an myr din trüwe vnd dye ere dyn, 

und muft vor allen recken vmber gefchwechet fio. 

9 Du fchwor mjr an den zjden, hylt, dynen eyt; 

du haft fin vmber fchande, wo man ja von dyr feyt: 
wyltu no hjen(e) keren^ wye magftu es verfchamen? 
es fcbat dyr an dynen ercn und an dynem hochgelopfen 

namen, (s. i) 

10 Du ftreck(t)eft myr dyn hende vnd word myn eygen niaD, 
da ich dyr vor manchem recken, heit, gefeget^ an^ 

ich beging au dyr myn ere, gut vnd(e) laut, 
ich nam dych zu fcbylt gefeilen, des hat gedint myr din 

hant." 

11 Da fprach helt Heime: „ich het ys bylch venpefen, 
das ich dorch folich ftraffe wer gein Bern gerieden; 
du falt daran gedenken, forn(e) lobefan, 

das ich dyr in myner Jogent fo vil gedinet han/^ 

12 Da fprach der vogt von Bern(e) : „Heim, ys dut myr not; 
gedech(t)ftu an rytters ere, du fol(t)f(; ee geligen dot, 
ee du dyn drüwe brecheft an keynem geerten man: 
gedenck' by dyr felber, ys ftel dyr lefterlich(en) an.**— 

13 Alfo der rych(e) keyfer her(n) Dytrich wederbot, 
da hub fych mychel (v)reyfen, angft vnd(e) noi. 
der das gern höre, das kau ich gefagen, 

was grofaer untrüwe an dem Berner wart erhaben. 



Alpharts Tod. 283 

14 Wjrfdich Tnd(e) Heime dye brachen gotes recht, 

dje (beiden) her[n] gefellen: hye vor da was es Hecht. 

das niüfz(e) got erbarmen, das js je gefchach, 

das an ejm jongen ry tter man das gots recht gebrach. 

15 Zwene beftonden ejn(en): das was hjevor njt tyede; 
Wjtdich und Heime fwecfaten yr ere fere da myde, 
das fje tS einer wari(e) fromten grofaen fchaden 

an dem jongen Alpharte[n]: des worden fye myt laßer 

vherladen, 

16 Sje konden jne auch su Bem(e) nommer voln clagen. 
er were dan noch eren rjtteriich[en] erfiagen, 

fo hatten fye den jrecken des da bafz vorkom: -^ . 
hdr(rtai) Djtterich(e) wart, vff Heimen zorn« 

17 Da fprach der degen küne: „hocbgelopter man^ 
hao icfa by mynen syden djr djnft je gedan, 

das left du übel fchyneo, rytter unirerzeyt, (Bl jf, S. ä) 
das da myr myn vngemach Ton dem koiiig [«im erften] 

haft geifeyt. 

18 War vmb leAu nit ryden ejnen fremden man?^^ 
da %rach der helt Heine: „forft(e) lobefam, 

da zwang mych mjt gewait(e) der kejfer Ementrich, 
der wel auch mjcb behalden^ das wyfzent fycherMch.^^ 

19 Ba fpracli der rogt Ton Bem(e): „das dut dyr mnot, 
ich behylt' djch gern(e) bjs in mjn(en) dot, 

ich gab dyr hart(e) gem(e) myn.fylber und [auch] das 

golt, 
das wylz, degen küne, ich was dyr ye myt triiwen 

holt." 

StO lyNeyn, forA(e) rtch(e)/^ fprach Heim eyn küner man 
^dcs mfktV ich fydierlich(en) vmber lafter hau; 
manig degen kttne hat mich ufzgefant: 
fye warten alle glych(e), wan ich kom gerant. 

21 Es hat der rych(e) keyfer achtzig dufent man^ 
im wylzent fycherUch(e), gefilert vff den plan, 
die haut mych alters eyn(e) zu eym boden yüzgefant: 
. fya warten alle glych(e), wan ich kom gerant 



281 Alpharto Toi. 

22 Des wert' ich myeh gar fere,^^ fpradi Heun eyii %taef 

man 
,,bj8 das der rjch(e) kejfer somen da b^an, 
er wol((e) myr fin holde dar vmb han yerreyis 
das verfehe ich myn fchulde, darumb ich her gein 

Beni(e) reyl." 

23 Da fprach der vogt von Bern(e): „Heime/ kfiner man, 
detftn es nit gern(e), er heV djchs wol erlan« 

vroW fych der kejfer kiine darumb gezomel hu, 
von der hejde grüne foUefta gereden han,^' 

24 „Nejn, forft(e) rjch(e),^^ Tprach Heim der küne num 
„des roüft' ich fjcherlicben Tmber fchande han» 

wje falt' ich gebar(e)n'{ das müCI'' rojch wonder isan: 
bj allen mynen zyden grofzer forgen ich nje gewmn.^ 

25 Alfo redt' da Heime, als jm von fe(r)cht gezams 

„ere follent wjfzen, herre» da ich vrlap nam (S. ö) 

vnd da ich Tchyet von dan(nen • •) k&ner degen, 
da ftont ys in gut' und in lieb(e), da ich foll^ awer 

plegen. 

26 An (riiwen woln fy [an vch] no wenken, edeler herre 

Dytrich, 
daran folt yr gedenken, ee der fcbade werde zu rych/' 
alfo redf da Heime „got lafz^ vch [da] myl fVeuAen 

leben ! 
da ich vrlap gerfCe), da gerächt yre myr den felbcr 

geben." 

27 Da fprach der vogt von Bern(e): „des geften ich dyr, 
da du vrlap neoie, dyn trüw gelobtu myr, 

das du nomer mere, du erelofer man, 
uff mynen fchaden wolteft ryden, da falt du, heit, ge- 
denken an/' 

28 „Daran gedeckt' ich gern(e)." fprach Heim der kOne 

man 
„myn herre wel vch zu Bern(e) Rryt(e)8 nit erlaii, 
er vnd alle dye fynen forften vnverzeyf 
fye habent fych zu Pe(r)ne vff uwem fchaden geleyt. 



AlpÜarls Tod. 285 

29 Es hat der rj€li(e) keyfer wol aelizig dufent nian, 
dye mogeut jr mjt ftryde f^cherlich uit beftan;- 
befendet üwer beAeo, habent wjCen rat: 

es jft fchade, der fremde[n] geft(e) zu nahe bj jm hu- 

fen laf. 

30 Beradent vch das beft(e), das donkt mich tu gut; 
myn herre vnd dje fynen fint zornig gemut; 

ee das wjr vns fcbe^den^ vff dem wyden plan^ 

fo fo(r)chte[n] ich das jr bejde grolzen fchaden müft han/^ 

31 Da fprach der vogt von Bem(e): „[HenJ du falt mych 

wyfzen ian^ 
wyltu dem rjchen kejfer myt dinfl;(e) bjilan, 
wyltü dy herfort rjdenl das rag** mjr, küner degen/^ 
,ga ich,^^ fprach Heime ,>ich han mjch fyn erwegen. 

32 Ich ban dar umb entpfangen das liechte golt fo rot,' 
ich nam dye rjche m(i)et(e), dye er myr do bot, [born: 
das ich jm wolt(e) dynen/' fprach Heime an (Adelgers?) 
„fwjga!^^ fprach her Dyterich ,,du haft der ejde mere 

gefchworn. 

33 Du geiobt(eft), myr zu dynen, und gebt myr dye trüe din: 
wiltu no (binne) rydenl des falfu ff eher fyn, (Bl 4, a) 
wyder rideRii myr in dem ftorm(e) ader in dem ftryd[e], 
uns zwen' fcheydet nymant, dan die leite zyd[e]/^ 

34 Alfo fprach von Bern(e) der edel forft(e) her[e]: 
„was weuRu das ich verlyfe? ich verlyfe an djr nit 

merfe], 
wann ejn fchylt, eyn ros, vnd eyn vngetriiwen man: 
des mufz ich mych erwegen, fo ich aller beft(e) kan.^^ 
3|$ Da fprach d#r helt Heime : „fal ich aber vrlap han, 
weder zu dem here breyt? du dogenthafftger man^ 
das laCeent mych wyfken, (vil) edeler degen, 
dorch aller frauwen eren^ geruchet mir geleyde geben/^ 

3Q i,Hab' fride vor mir felb(e)ft/' fprach herre Dytirich 
„und vor anders nymant, das wyfz(e) fycherlich.^^ 
„uwe!^^ fprach Heime „yr haut [da]noch manchen man, 
komich byenvfz zu felde, der myner wy (ig?) wol 

dorft^ beftan« 



281 Alpharto Tai. 

22 De» wert' ich roych gar fere,^^ fprach Heim eyn IküUer 

man 
,,by8 das der rjch(e) keyfer sornen da began, 
er wel((e) mjr fin holde dar vmb han Yerreyl; 
das verfehe ich mjn fchalde, darumb ich her gein 

Beru(e) reyl." 

23 Da fprach der rogt von Bern(e): ,,Beime, küner maUj 
detfln es nit gern(e), er her djchs wol erlan. 

woW fych der kejfer kiine darumh gezornet han, 
von der heyde grüne foUefta gereden han/^ 

24 „Nejn, forft(e) rych(e),^^ l^rach Heim der küne man 
,,de8 roüfl' ich fjcherlichen Tmber fchande han» 

wye fall'' ich gebar(e)n'{ das müCI'* mych wonder hau: 
bj allen mynen zjden grofzer forgen ich oje gewmi/^ 

25 Alfo redt' da Heime, als jm von fe(r)cht gezam: 

,,ere follent wyfzen, herre» da ich vrlap nam (8. b) 

vnd da ich fchjet von dan(nen . •) k&ner degen, 
da ftont ys in gut' und in lieb(e), da ich folt^ nwer 

plegen. 

26 An tröwen woln fy [an vch] no wenken, edeler herre 

Djtrich, 
daran folt yr gedenken, ee der fchade werde zu rych/' 
alfo redf da Heime „got iafz' vch [da] mjl fVeuAen 

leben ! 
da ich vrlap gerf(e), da gerächt yre myr den felbcr 

geben." 

' 27 Da fprach der vogt von Bern(e): „des geften ich dyr, 
da du vrlap neme, dyn (rüw gelobtu myr, 
das du nomer mere, du erelofer man, 
uff mynen fchaden wolteHt ryden, da falt du, hell, ge- 
denken an/' 

28 „Daran gedeckt' ich gern(e)." fprach Heim der kOne 

man 
„myn herre wel vch zu Bern(e) Rryt(e)8 nit erlan, 
er vnd alle dye fynen forften vnverzeyt 
fye habent fych zu Pe(r)ne vff uwem fchaden geleyt. 



AlpÜarls Tod. 285 

29 Es hat der ry€h(e) keyfer wol aelizig dufent man, 
dye mogeut jr myt ftrjde fycberlich uit beftan;- 
befendet üwer befteo, habent wyfen rat: 

es jft fcbade, der frenide[n] geft(e) zu nahe hy jm hu- 

Ten lat 

30 Beradent vch das ben(e), das donkt mich vil gut; 
mjn herre vnd dje fynen fint zornig gemut; 

ee das wyr vns fcbeyden, Tff dem wyden plan^ 

fo fo(r)chte[n] ich das yr beyde grolzcn fchaden müft han.'^ 

31 Da fprach der vogt von Bem(e): „[Hen,] du falt mych 

wyfzen ian^ 
wjltu dem rjchen kejfer myt dinfl;(e) bjilan, 
wyltü dy her fort rjdenl das fag' myr, küner degen.^^ 
,ga icb,^^ fprach Heime ,>ich han mych fyn erwegen. 

32 Ich ban dar umb entpfangen das Hechte golt fo rot,' 
ich nam dye ryche m(i)et(e), dye er myr do bot, [born: 
das ich Jm wolt(e) dynen/' fprach Heime an (Adelgers ?) 
i^r^T&A*^^ fprach her Dyterich „du haut der eyde mere 

gefchworn. 

33 Du gelobt(eft), myr zu dynen, Und gebt myr dye trile din: 
wiltu no (hinne) rjdenl des faltu fycher fyn, {Bl 4, a) 
wyder rideHü myr in dem ftorm(e) ader in dem ftryd[e], 
uns zwen' feheydet nymant, dan die leite zyd[e].^^ 

34 Alfo fprach von Bern(e) der edel forft(e) her[e]: 
„was weuftu das ich verlyfe? ich verlyfe an dyr nit 

merfe], 
wann eyn fchylf^eyn ros, ?nd eyn vngetriiwen man: 
des mufz ich mych erwegen, fo ich aller beft(e) kan.^^ 

35 Da fprach d#r helt Heime : „fal ich aber Trlap han, 
weder zu dem here breyt? du dogenthaiftger man^ 
das laCeent mych wyfken, (vil) edeler degen, 

dorch aller franwen eren, geruchet mir geleyde geben/^ 

3Cf „Hab' fride vor mir felb(e)fl,'^ fprach herre Dytirich 
„und vor anders nymant, das wyfz(e) fycherlich/^^ 
„uwe!^^ fprach Heime „yr haut [da]noch manchen man, 
kom. ich hyenvfz zu felde, der myner wy (ig?) wol 

dorft' beftan. 



288 Alpharts Tod. 

60 Heime(n do) fraget^ der edel kejfer rjch: 

„was enbüdet mjr der Berner, 1070 nefe Ujtrichl 
wje wel er gein myr gebaren 1 da(s) faltu mir fagen.^^ 
da fprach der hjll Heime: ,,da8 mag ieh lenger nit ver- 

d[r]agen, 

51 [Herre] da han ich dem von Bern(e) von vch weder- 

feyt. 
ere wollet gern oder vngern, er yft fin vnverzey t. 
wyr mogent wol entgelden finer ellenthaflen hant; 
wan man den forflen felden in zagheyt(e) fant/^ 

62 ,>1>ar vmb Tollen wjr nit geruchen/^ fprach der keyfer 

rieh 
,,wer wel dje wart(e) Tuchen gein mynen nefen Dytrich? 
er wel weder das rych Tych Tetzen, das han ich wo! 

vornomen : 
an eren wel ich jne letzen, het ymant Tolt g(e)nomen/^ 

53 Alfo fprach von Lamparten der edel kejfer rjch: 
,,wen fenden wyr vff dye warte 1 yr recken lobelichu*^ 
dye künen wjgandc fprongen an ejn ring: 

„ich wel dye wart(e) fachen/^ fprach ein hertzog, hjtz 

Woiring. 

54 Da.welet' er von dem ringe zu jm achtzig man, 
dye myt dem hertzog Wolffing hüben fych hindan, 
vnder eym banner rych(e) von golde, vnmafzen breyt: 
achtzig helden kttne myt dem hertzog Wolffing reyt 

55 Alfo wurden vfz bereyt des keyfers wart mann, 
den fanen fie da leytent über den wyden plan« 
no heben wyr zu Bern(e) das gut lyet weder an, 

ere mogent ys hören gern(e), als wyr ys vernomen hau. 



Alphans Tod. 



III. 



56 Wie ys an dem buch(e) bye ftet gerchreben, (S.h) 
was grofzer vndrüw(e) an dem Bemer wart getreben. 
alfo der belt Heime kam ejn myV ron der Aafj 
weder reyt Amelot vnd Nere, nit mer ge]e3rt8 er da bat. 

57 Da drabr er b j der Etzfcb(e) myt dem keyfer zutale, 
da i^nt er by eyb ander achtzig dafeul; vff der wale^ * 
vnder dye kam Heime ferre (dar) gereden, 

da wart er woi entphängen noch rytterlichen fedeft. 

58 Da Tprach der kejrer küne alfo hoffertigHch : 
,,Heime, fage mjnen beiden, was enbüt mjr [mjn nefe] 

Dyterichl 
das fje inyr des da gerner helfen jne vertribeOi 
das er da zu Bern(e) nit langer möge bliben» 

59 Er dreyt vbermüt(e) der vfzerwelte degen: 

er mns mjr dye lant bye r&men, oder ys get ym an fin 

leben»^^ — 
,,b(ere,' da yft dem von Beru(e) gein Tch alfo torOy 
er (hat) von üwern fehulden freude vil verlorn, 

60 Es'kompt von gewaU(e)y das clagt der kfine degen; 
des wyl er gein vcb wagen An lyp vnd(e) leben> ' 
myt allen finen helden der forn(e) hochgenant, 
dye wollent jm helfen reden bfirge md(e) UnV* 

61 Da fprach der rych(e) keyfer: ,,ich geb' jm zomes not, 
er rönfz myn fchylt fo(r)chten bys an fin(en) dot, 

her Dytherich von Bern(e) nnd alle die helden fin, 
fye wolten gern oder rngerne, vff dye trftwe myn.^' 

62 Das weder ret' da Heime dorch des forften er[e]: ' 
,,Tertrybet yr jne der lande, yr verwindet ys nomer- 

mer[e] ; 
tittd das ys vch alle die riydent, die in der wcnit(e) fini, 
ere follent jne nit folgen, er yft üwers bruder kint 

19 



Alpharts Tod. 

63 Wollent yr aKo vortriben den edeln Dytherich, 
Tff alle royn (rüwc, das yft gar vnfrüntlich, 

Ton alle inyn(em) hertzen yft js rojr vrob Joe lejt.'' 
alfo ret' da Heime ejn degen vnverzeyt 

(W. 0, S. a) 

64 Da fpraeh der rjch(e) keyfer als eyn comig fammt 
,,waa vel der von Bem(e) niyt mjr heben an? 
wenjet er vrluges bertten, der edel Dylherieb: 

er mufs mjr dje lande rumen, wan njr dinl das 

Romifch rych. 

65 Ich (ribe js myt jm vmber, dem helfen wel ich nit 

fleh[e]n, 
er gebe myr dan Bern(e), vnd entphae es von wAr an 

leh[e]n. 
her Dytterich von Bern(e) mnfz rQmen mjr das last 
dar zu (die) Wolffing(e) vnd der aide Hjl(de)braiil/^ 

"66 Da fpraeh der helt Heime: ,,ich wel vch Tagen nMr[e], 
ere machet veh der von Bern(e) manchen lafel ler[e] 
wolt JT jn von dem vortribcn, das jm fin valer hat gelao, 
das zyehen ich an vch felber^ ys yft vnfrüntlichen 

getban/^ 

67 Da fpraeh der rych(e) keyfer: „dye rede ilt gar 

verlorn, 
es mufz der von Bern(e) fo(r)chten myn(en) zQro, 
man fyecbt mych fchyer vor Bern(Q) vnd achzig dufent 

man, 
dye ich mit r jeher gäbe her vIT fin fchaden gefüert ban.^' 

68 Alfo warnt an den flonden wederkomen die degen« 
dje dem helt Heime das geleyde hatten gegeben, 
fye warnt gereden ferren, als ich vch fagen kan, 

bys das dje rytter beyde erfahen achtzig dufent man, 

69 Dye myt dem rycheu kejfer zu felde waren komon* 
]ier(n) Dytherich von Bern(e) was fireiide vil henomea; 
er was jr aller herre» der keyfer Ementrich; 

da ging der vogt von Bern(e) vor An recken lob^Ucli. 



Alpharte Tod. 291 



1V^ 



70 Da l]prach der vogi von Bern(e): „no horetit, myne man, 
hert(ze)licb(e) fchwere, dje ich vch zu clagen han, 
das mjch wel vertrLben myn veiter Emcntrtch: 
mocdt' ich vor jm bliben V^ fprach von Bern herre Dythricb. 

71 „Syebich d^r vngetrüwe der hat rat vber mjeh geben 
mjnem veitern £mentrich, vnd wjl mjr an myn leben, 
weit' got von bjmel, das ich jne mit ftride folt' beftaii! 
fo worde TngelrUw(er) rat von Sebichu omer mere gethan ^^ 

72 Da ging der vogt von Bcrn(e) vor fin recken in den 

fal (S, b) 

(• ) 

da fafz mit grofecn cren der aide Hjlbrant 

und manch werdcr recke, die ich fcbyer han genant: 

73 Da fafz Hach der jnng(e), Bange vnd Rotwin, 
Berchter der ftark(e) vnd eyner, hyefz Folkwin, 
Rychart vnd(e) Gerhart und der kiine Wjtzfcbach, 
Helfrich vnd(e) Helmfehrot, die man in ftormen wer- 
ben fach. 

74 Da Mz Echhart vnd Hiinbrecht, Härtung nnd Heinnot, 
Bottel vnd(e) Hannolt, jswene beiden zu rechter not, 
Bramker vnd(e) Wolffing, von Bryfen Amelger,. 

vnd Wolffhart der küne» danoch was der recken mer, 

75 Der ich (iich) aller nit genennen kan, 

dye künen Wolffing(e), herrn Dilherichs man, 

es was ein wjtes könne, da fje in dem fal 

fafzen dje recken Jung(c), man horl' ein Inten fchal. 

76 Da fafz Frederich der jong(e), Wikcr vnd Wjgnant, 
Walderich der küne, vnd ejner, hyfz Sjegebant, 
Alphart vnd Segenftap, die zwen küne degen, [wegen. 
Hjl(de)brant vnd Wolffhelm waren zu den no(e)ten vfser- 

77 Da fafz Amelot vnd Nere, dje zwen* kOne man, 
Walther von Kerlingen, Helmnot von Tützfchgan: [ren, 
alfo fje der vogt von Amelung zu den no(e)ten hat? vfeerko- 
da was by ein ander manch reekCe) hoehgeborn. 

19» 



292 Alphart« To4* 

78 Da fafz einer in eym eck(e), der het gefellen nit, 
er legt' ein fwerl vber fin(e) beyn, das was jnoi als liep, 
er was gehejfcn Njdong, er was zu den broften wyl: 
wan er wart ertzornet, fo gab er bondert goug tttji, 
' 79 ]Br was fFz Dützfchem lande ein hertzog bochgeborn, 
alle ralfcb(e) rede hat' fin bertz' verrchworn^ 
er was ftede vnd gctrüwCe), ein helt zu finer haut: 
im dynet Swaufelden vnd Nornberg der faat. 

80 Pa fafzen danocb recken, den icb wol lop gebin : 
Schiltbrant (unde) Wolffwin vnd Sjgber der dc^^i. 
der faut der Amelung(e) in den fal ging, 

vff fprongen die recken, da man den forften enfphing. 

81 Da Sprach der vogt von Bern(e): „no.fytzent, njoe 

man, 
bert(zig)Ucb(e) fwere dje icb vch zu clagen faao,^ 
das micb wel vortriben von Bome der kejfer rjeh, ' 
das clagen ich vff eiiwer holff(e)/^ fpracfa von Bern 

herre Ditrich. 

82 Sje fchwegent alle ftylle, yr keyner fprach do, 
das eyner myt eym wort(e) mecht' den forften fro. 
als der vogt von Bern(e) dye wort voln fprach, 

in hertziglicbem leyde einer den andern anfacfa. 

83 Sye fpracben alle glicb(e) : „herre, gehabt vch wol, 
wyr woln vch nit entwichen, als wyr von rechten fol, 
wyr woln by Tch wagen lyp vnd(e) leben." 

von fyn rychen mögen wyrt jm guder troft geben, 

84 Des frowt fych an den Honden der edel Dylherich, 

[er fprach:] „ich woffc' gern, wes mych zehe myn Vet- 
ter Ementrich, 
das er myr an(e) fchulde verwöftet lüde vnd~ lant : 
no[ne] dar, yr künen beiden, dorch got fo fyt gemant! 

85 Ere folt dar an gedenken/^ fprach der küne man 
„als vch myn vater Dytmar in giide ye habe gelhäii, 
ere (Ireckt jm üwer hende vnd hant jm [üwer] triiwe geben: 
daran folt jx gedenkeii dyewil yr bant d^s leben« 



Alpharts Tod. 393; 

86 Der mjr no in dyefeo no(e)ten wcl(le) bj nan^ 

myt dem fo wel ich teyl(e)ii, was mjr myii vater hat 

gelan/^ 
da fprachen fye da alle dye vfzerweUen degen: 
„wyr woln by vch wagen lyp vnd(e) leben/' — 

87 ,,No lon^ Tch got von hyniel(e)! vnd gebent mjr üwern rat 
zn mjner grofzen fwere; wau js myr komerlich (tat: 
wie ial ich gebar(e)n?^^ da fprach Alpart: (^S^. d) 
„da föllent yr gein jne fendcn eyn recken vffdye wart'." 

88 ,,Wen Tai ich gein jne fenden]" fprach her[re] Dytherich. 
„das folt yr mych." fprach Alphart „ich wers ys enlich 

(ich werb' es endelich?), 
ich darf wol befinden des keyfers gelegenheyt.^^ 
das er dye warf wolt' fuchen, das was den Wolfingen leyt 

89 Da fprach Wolffhart der küne: „lieber bruder myn, 
no lafz eyn andern recken noch hüde wartman An^ 
[no] lafz Tns vfz den Wolffingen nemen eyn verfnöhten 

degen: 
du byft ein kint der jar(e), lafz ein andern der wart^ 

plegen/^ 

90 Des antwort^ jm myt zorn(e) der junge Alphart: 
„du enganft myr keyner eren, bruder Wolfikrt, 
das ich hye heym blybe, als eyn armes wyp: 

fo het mau vch vor recken, vnd echt^ vff mych su key- 
ner zyt. 

91 Ich wel vfT die wart' ryden," fj^rach der- küne man 
„das wyfz^ bruder Wolfiart, njemant mych des erwen- 

den kan, 
ich wel myn heyl vorfuchen," fprach der hell halt 
„ich wel nach hiide fterben, ader ich werde zu ejm 

recken getzalt/^ 

92 Da fprach auch Alphart [der jong]: „ich hyefz(e) nit ein 

degen, 
was folt' ich (. . . .)) wogt* ich nit lyp vnd leben) 
got ich wol getriiw(e), das yrgent lebe ein man, 
der mych alters eyn(e) möge gefegen an." 



394 Alpharts Tod: 

93 Alfo fprach der küae: „ich" hau mych fin angnomen, 
fynt ?ff dye heyde grüne iinfer finde fint komeu, 
des keyfers dyner(e) getar[fj ich wol beflan: 
ere komen ift myr nit fwer(e), wan ich den lyp zu 

lehen han. 

91 Sye mogeol mych nit erfchrecken.^^ fprach Sygehecesbam 
„heylzent myr verdecken den leben vnd den [adeljarn, 
das mych ny^nant kenne/' fprach der vnverzeyt 
y^wann ich dye finde anrennen, das der bryfs werde 

breyt." 

95 Her Ditherich(e8) wapeu an dem fchylt vordeckel warf. 
,,no fo(r)chi' ich nymants ftrafien/^ fprach (do) Alpart 

(ÄA «, S. a) 
9,ich wel vff dye wart^ ryden dorch myn degc^eyt; 
dorch fo(r)cht, noch dorch iieb(e) wyrt nymant niyii 

name gefeyt.'^ 

96 Alfo ret' der küne: „myn firünde, wyfzent das, 

ich ften nach vnbezwongen, Tnd reden ys an** hafz: 
kom ich vff dye wart(e)) ich fache bafz vff daa zel: 
da yft nyemant alfo küne, dem ich dar ab entwichen 

wel." 

97 Da fprach der vogt von Bern(e): „lieber Alpharl» . 
ich lafs' dych allers eyn(e) ungern uff die wartl 
aller recken geberde fint gcin dyr ein wint: 

der fynne vnd der jare byflu leyder nach ein kyni. 

98 Wer jne harten ftormen zu vil fechten wel,^* 
fprach der fogt von Bern(e) „trybet fin zu vil, 
wytze vnd(e) fynne were jm beyder not: 

es wondet dyk ein wyfer ein ftarken dommen bys in 

den dof 

99 Da fprach Alphart [der junge]: „herre, yr foU mych 

wyfzen lan, 
fal eyn reck"* noch dem andern an mych zu ftride gan, 
als ys her von alter recht yft gewefen, 
in ftormen vnd jn ftriden getrue ich hart(e) woi zu 

genefen» 



Alpharto Tod. 295 

100 Ich wel rtt dye warf ryden dorcli rayn ddgdoheyt t 
wer myr das no wendet, das yffc myr piüde rmi] rmbcr 

leyl." 
alfo redt^ der kfine ,,niyii ftyrk^ ich nye gewagt 
eym noch dem aDdcm geh' ich dufenten ftryts gnug/^ 

101 Da fprach Hylbrant der aide: ,,her[re] nefe, yr Aol eyv 

kyni, 
Yod woU nit wyfzen rccht(e), wer dye recken [dar] 

gcin halp fint: 
es hat der keyfer von Rome fin(en) folt geben 
den dorften in der wernt(e) fo fye hant das Icben/^ 

102 ,,Darumb falt yr njt ruchen/^ alfo fprach Alpbart 
,)ieh wel des da williglicber vff die wartV 

alfo antwurl' der küue dem alden Hilbrant, 

er byefz jm balde brengen ros, barnafch vnd gewant. 

103 Alfo dye andern fahen des künen recken mul, (S. b) 
da begonde fere truren manig rytter gut, 

fye namen jn by der hende, Alpart den jungen man, 
fye fuerten vor fraw Vten die hertzogin lobefan. 

104 Da fayden fye der frawen, wes er het(e) mut, 
da begonde fere truren dye hertzoginfne) gut, 

fye fprach: „Alphart, lieber ohem,, wem wylln myoh lan? 
wer fal mych des ergötzen, das ich dich fo lang« erzo- 

gen han?^^ 

105 Da fprach rormefzentlicb(en Alphart) der junge degen: 
„der rych(e) CryH von hymel(e) [der] fal üww aller 

plegen!^' 
da wol((e) nit b(c)liben Alphart der junge man 
in harnefeh vud in rynge wapent' jne die fraw wol* 

gethan. 

106 Sye gab jm eyn(^n) wapen rock der was gut g(e)nag, 
fye .byefz jm dar zyhen ein ros, das jn wol [terwap- 

öel] trug, 
den f(ch)yU gab fie jm zu arm(e), den heim fye jm vff 

baut, 
da er dau wolt(e) ryden, eyn (per gab fye jm in dye hant 



296 Alpbarto Tod. 

107 Bft faer ia [eins] leben mul(e) Alphart der jonge 
' 4ye hertsogin frauw' Yde weynen da began. 
er fprach: ^^fchondte aller wybe, laft üwer weynen fin: 
gotk ich woU getruwen, darnach dem ftarken cl{l)ent 

myn.^^ 

106 Dar kam ein jonglVaw(e), dye hyef^ Amelgartt 
,,dn falt heym b(e)liben, vil lieber Alparf, 
vnd tält by myr gewin(nen) ein ftreidenrich(e)8 leben: 
gedenk(e), forR^ edel(e), das ich dyr zu der ee bin geben. 

109 Zu Sweden rfz dem lande fQert' mych [ye] her Hyl- 

brant 
jvtz mynes Tater rych(e) myt werlicher haut, 
er gab mych dyr zu wibe: wem wyltu mych lanl ' 
verlöre ich dich no, herre, fo müft' ich einig hye\RBn/^ 

110 Da fprach Yermefzentlichen Alpart der junge degen: 
„wel fin got geruchen, ich wel der wart' [noch hfide^ 

plegen; [(Bi.ff/s.a) 

das thun ich dorch din wyllen, du fchone trfitin. 
no gnade dyr Cryft der ryche! ys mag nit anders fin.^^ 

111 Dye edel jongfrauw(e) lyfz fych an dye knye: 
„gnade, lieber firedel, no wcre du mych hye! 

fyt du nit wylt b(e)liben, fo lafz myt dyr [ryden] ein man, 
der vns fage die mere, wan dich die finde ryden att.*^ 

112 Da wolt(e) nit b(e)liben Alphart der junge degen, 

er wolt^ dye wart(e) Tuchen, des hati er fych erwegett^ 
das er der [wart] plegen wolt(e), der rylter ynverzeyt, 
vnd, [er] keyner helflP gerucht(e), das was den fchonen 

frauwen leyt. 

113 Er kort(e) dye jongft*auwen, jm was von dan(nen) gäch, 
er wolt' dye wart^ da fuchen! da fege(n)r jm nach 
dye hertzogiq fraqw'' Vdde myt yr fne wyfzen hant. -« 
achtzig beiden kitne Alpart vff der wart(e) fant, 

114 Dye der rych(e) keyfer hal(e) vfz gefant, 

her Dytherychen zu leyde, er was jn vnerkant, 
dye hylden vff der heyde, dye rytter vnverzaget: 
da Wart von Jn allen . (an) Alpart wing pryfz bejaget 



Alpharts Tod. 297 

115 Weren aweB(e) hylden in dem here nit gewefeH, 
Tor achtzig dufent man were er wol genefen ; 

dye flugen jn, an den triiwen, das wil ich uch fagen: 
es mocht' fye wol geriiwen : er heV fye bede woi erHagen, — 

116 Hyt vmbgorten rwert(e) er zu dem rolTe ging, 

dar vff fas er (balde)» vnd vrlap er entphing. [myn» 
[er fprach:] f^wer' es no myt wyllen des lieben herren 
dye wart(e) wolU** ich Tuchen, nach grofzen eren fin/' 

117 Da was llphart der junge vff ^n rofz bekomen, . 
da hatte er vmb ynd vmb(e) fchon' rrlap genomen, 
myt gudem willen reyt er gern(e) vor dye ftat: [bat, 
noch jm fege(n)t'' manch fchon frauw(e) dye jm heyl(e)s 

118 Do gingen vff dye borgmuern die rytter vnverzeyt: 
Alpart der jung(e) vber die Etfchbrücken reyt ; (S. ^) 
fye fahen jm nach alle^ fo williclyche reyt der degen, 
fye baden Cryll den rychen, das er des recken wol(le)piegen, 

119 Da wolt' das ros verfuchen Alpart der jonge degen, 
ab er dar vff dorft' wagen fin lip vnd(e) leben : 
aucht clofflem wy((en) ys vnder jm fprang: 

„dye dich myr ye gegab« die hab' vmber dang!^^ 

120 Das fach an der zynne von Bern der wygant, 

er fprach: «^gehabt vch wol da in; wyr haben vfz gefant 
den aller künften recken, der rylters namen ye gewan: 
vor keym** eyngen recken ich fin kein forge han.^^ 



V. 

121 Da ftapet' vber das gefylde Alpart zuhant. 
da f|prach von Bern(e) flu ohem Hylbrant: 

„no langt myr ein gefmyde, ein fromdes ftorm gewant» 
ja wel ich jne zwingen myt myner el(l)enthaften hant. 

122 Ich wel jm nach ryden dorch Irfie vff den plan; 

er müft' mych vmber rfien, folden wyr jne verlorn ban. 
ift ys, das ich jne finde, ich mach' jne nryt(e)s Tat: 
von der heyde grUne muf« er her wyeder in die flat/' 



298l AlpharUi Tod. 

123 Da. wart er beroyt fchyer(e) in ryttcrliehe clejrts 

fln wapenrock myt dyren, myt (^oXde woldorchleyl; 
fyn ros wart jm verdecket, vff fafs der vnvcrzeyl, < 
er wont\ jne erfchrecken, das er jm nach yff die 

wari(e) reyt 

124 IIa flapet' yber das gefylde meylter Hylbranf, 
da er Alparten den mylden alters ein(e) fant. 
alfo jne der degen here von fer(r)em an fach: 

„dort komt des keyfers dyner; wan myt liebers nye 

gefchach. 

125 Myt dem fo wel ich Itriden/^ fpracb der junge man. 
das ros warff er vmb(e) gein jm vff den plan. 

. alfo das der aide von dem jungen er fach, 
gern(e) mögt yr h5r(e)n, wye meyfler Bylbrant Tprach: 

126 ,,Das ich gein eym' kinde zu feldc komen byn, (Bi, W, S, ä) 
ift ysy das ich fyn (nicht) rchon(e), wer gap mym in 

den ryn? 
vnd yft ys, das ich fyn rchon(e)/^ (prach der küne 

man 
„fo wyrt myr nicht zu lonCe), dan das ich fln lafter han. 

127 Ich mufz jm nit entwichen, ich mufz jne bedtan.^^ 
fye ryeden rycherlich(en) beyde ein ander an, 
Hylbrant der aide zubrach fin fper zuhant: 

fye erbeyften von den ror(r)en hernieder vff das lant. 

128 Dye vfzer weiten beyde vnder zwen rchyld[e fye] fych 

bogen, 
vff der grünen beyde, zwey fcharp(fe) fwert fye [da] 

zögen, 
fye flugen vff eyn ander die wol gemuten man, 
das des füres flamme vber yr beyder helme bran. 

129 Da fpracb Alpart der junge: „folt^ ich darvmb .ver- 

zagen, 
ich woU^ ee fycberlych(en) zu dode werden erflagen. 
no flyehen ich doch nit gern(eV fpracb der junge 

man 
>,fynt ich byn von Bero(e) herkomen vff den plan. 



AlpJiarU Tod* 299 

130 leb hori(e) fagen mere/^ fpraoh der ry^ter gut 
,,wyc grofz laQer ys were, wer zegelicheu dut: 
. wert veh froiDygUch(eii), yr vfzerwelter man, 
ich wel vch nit entwychen: ys mufz myr erlich ergan/^ 

läl Alpart der jung(c) gab Hylbrant eyn flag, 

das er vff der heyde grün(e) vor jm geftrecket lag. 

da ryef yü fwinde der aide da zuhant: 

,,da fall inych leben lafzen, ich bins din ohem Hilbrant/^ 

132 „Dem dede ich dach vngern(e).^^ fprach der junge mau 
„ich lyefz jne hüde zu Bern(e) vor mynem herf(e)n flau* 
du fall dich daran nit lafzen, du byft daran betrogen: 
foll' ich den hye finden] das yfl nit war vnd yfl ge- 
logen. 

133 Du wyll dych da myl fryflen, drul gefeile myn, 
dych bylfel nit din lyfte^ ys mufs dyn ende flu, 
der grofzen vngenoden,^^ fprach der rytter gut 

^,dye yr vnuerfchulter dinge dem edlen fogi von Bem(e) 

dut." (S. b) 

13A nl'^eyn ich, vff myn trüwe!" fprach (meifter) Hylde« 

braut 
„es müfl' dych vmber riiwcn, flüg(e) mych din haut, 
bynt myr von den äugen den heim fo 2u haut, 
vnd fyech mych vnder die äugen, fo werde ich dyr 

bekant." 

135 Alparl der junge jm den heUn ab bant; 

er fach jm vnd^r dye äugen, 'er wart jm fchyer bekant: 
„no donket yr mych nit wyfe," fprach der jonge man 
„no fini yr wol fo gryfe: yr folt vns der reyfe han 

erlan." 

136 Sprach Hylbrant: ,ga gern(e), ich han es getan dorch 

gut; 

no flBr[e] myt myr [heym] geyn Bern(e) rytter hoch-. 

gemuf, 
ab der wart(e) grüne, du vlzerwelter degen." 
Qiradi Alpart der jung(e): „ich wel noch hüde der 

wart' plegen." 



300 Alpham Tod« 

137 „So gnade dyr Cryft der rycb(e)^^ Tprach (mriOer) 

Hylbrant 
,,waii myr yft fycherlieh(eu) din manheyt wol erkant. 
das fage ich da zu Bern(e) dem forften lobeüamt . 
er hört ys nit vngern(e)) das du myr haft gefeget an.^^ 

138 Uylbrant der aide da gein Bern(e) reyl, 

da erbeyft er rylterlich(eii) der degen vnnerzeyt 
als Joe der forfl(e) ryeh(e) von fer(r)em an facby . 
er gruft^ Jn dogentlicb(en); no borcnt, wye er fprach: 

139 ))Gre lint gewefen lange, meyfter Hylbrant, 

wo yft üwer gefangen? den yr brenget an der hant/^ 

dem aiden det der fpot zu dem fcbad^n wee, . 

er fprach myt gewalt(e): ,,berre, ich wel vch fagen mee. 

140 Wyr haben vfzgefendet den aller künften man, 
der by vnfern zyden rytters namen ye gewan» 

mych beftond[e] der forfte jong(e) vff dem wyden plan: 
ich fag' rcb , lieber herre, ich mocht' jm nit ror ge> 

flan/^ 

141 Da fprach der vogt von Bern(e), eyn forn(c) lobeüan; . 
„das bore ich nit vngern(e), das er vch bat gefeget an« 
das vch der degen junge zu der erden flug, {BL ii^ 8, a) 
vff alle myn trüwe, ys was von eym' kinde gnug.*^ 

142 Dye vfzerwelten beyde retten da nit mec, 
Alpart ftont vff der beyde, iin ros in dem clee, 
er ftryckr das vorgebiige vnd gurte fin ros bafs, 

es ducht' jne hart' gefiige: wye rytterlich er dar vff 

fas! 

143 Da reyt er vnbezwongen wol eyn raft(e) wyt, 

- ee das der rytter junge kam in den andern flryt. 
achtzig beiden küne jm entgeg(e)n reyt, 
vnder eynem baner grüne, was myt golde dorcbleyt. 

144 Da fach (er) vor jm füren ein hart(e) rych(e) fan, 
den hcrtzog(en) Wolffing vnd achtzig flner man. 
gegen jne ftapffef er fchon(e), fye fraget^ Alpart, 

wer des beres meyfter were, ader beub(t) man rff der 

wart\ 



Alpharbi Tod. 301 

145 Da fprach der hertasog Wolffing alfo vermefsenflych: 
^,da hat vns Trzgefendet der keyfer Einentrieb, [Bern/^ 
das wyr su fchaden [folten] brengen den edlen yogt von 
dye mere hort(e) Alpart voii fyni(e) herrn yngero. 

146 Do" fprach getzogentlich(en) Alpart der junge man: 
„no wcyfz ich nit der leydc, die vch myn ber[re] hab** 

gethan. 
ja er yft üwers genecht(e)s, vfzerweiter degen, 
ere follent in fynem dynfte wagen lyph vnd(e) leben/^ 

147 Da fprach der herf zog Wolffing: „fagt, herre, wer yr fyt, 
das yr alters eyn rydent vff der heyde wyt^ 

Tnd auch fo fere fraget nach des keyfers man: 
das woft' ich hart(e) gern(e), worde ys myr kont von 

vch gethan/' 

148 Des antwort(e) Alpart, er het eyns maunes fyn[ne]: 
,,ere follent wyfzen, herre, das ich üwer fint byn, 
vnd darnach al[ler] der recken, die dem her(re)n myn 
zn fchaden wolten ryden, der fynt wel ich vmber fyn/^ 

149 Des antwort' jm gefwinde der hertzog Wolffing zu hant : 
„da habe ich von dem keyfer gut vnd(e) laut, [ (s. b) 
ich faan den folt entphangen, das lächle golt fo rot: 
wan er myr gebildet, fo mufz ich ryden in dye nof — 

150 „So haltent vfz dyn fände (dem vanen?) dorch üwer degen- 
vfz dem gefinde rff die heyde breyt.*^ [beyt, 
zwey fper namen fye zu den banden die degen vnuerzeyt: 
da wart von jne beyden eyn fwinder juft b(e)reyl. 

151 Dorch yr beyder zorn warn fye zn felde komen, 
eyn fchede]ych(e)s ryden wart fchyer(e) da genonlen. 
Alpart der jung(e) Aach den hertzog her 

vorn z(w)üfchen fyne(n) brüften dorch fin lip eyn 

fcharp(fes) fper, 

152 Das jm entweych krafft vnd macht, fins lebns was er 

eyn gaft; 
er flach jne vor an jn(n)e, das ys rücken halb TfzbraR. 
den fiidel mufl' er rümen, ernieder vif das [grüne] gras: 
in eyncr kortzen wyle die feie von jm gefcheyden was. 



302 Alphartg Ted. 

153 Alib dye andern fahen, das yr herre was dot,l 

fye begonden zu jm ga(h)eii) das det jne gror2(e) not, 
da beftond jn vff der heyde, an^ eyner, achtaiig degia : 
da fnori' Alparl der junge wagen fin werdes leben. 

154 Eyner Tprang von dem rolTe, der hyefs Syg(e)win; 

[er Tprach:] „no müft yr myr gelden den liebften -her- 

ren myn, 
der von ttwem fchulden yff; gelegen dot: 
no wert vch froniiglicb(en), das dot vcb endeUeii(en) 

not.'^ 

155 Da fpracb gezogentlicb(en) Alpart der junge man; 
,,wel myr got no helffen, üwer dufent fyg' ieh an. 
fo went yr an myr rechen^* fpracli der hochgebom 
y,(\es Wolffiug(e)s ende vnd fiwer felbeft zorn, 

156 So woUent yr fanfle killen üwer bertzenleyt, 

ere folt vch vor myr büden, vch fy allen weder feyf, 
▼nd fchermet vch wyrzlich(en) vor mynen fwinden 

[legen: 
ergryffe ich vch zum vcrche, ich wel vch zu üwem 

hern legen.'* {Bi. f2, S.ä) 

157 Alpart Tprang von dem rofle vnd lyefz es von jm gan; 
er dacht' in fynem müde, er muff* auch den beflan. 
Syg(e)win der ftark(e) 4iub an jm den ftryt; 

Alpart der jung(e) flug jm der dyffen wonden wyf, 

168 Myt fynem guden fwerte, er mocht(e) nit genefen; 

„das hab' dyr dorch dynen heren, ab er dyr fye liep 

gewefen! 
du baft den folt entphangen, den du geleyften mag, 
es yft vmb dycb ergangen, dyr nahet fchyer diu jong- 

fler tag.'* 

159 Derbart fprang von dem roITe, gar eyn ftarker man: 
„und werftu glich der düffel, ich wolt' dich aaeh 

beftan/' 
fye lieffen vff eyn ander vff der heyde wyt, 
z(w)üfchen den zweiu wiganden hnb fych ein vnge- 

füger ftryfc 



AlphartB Tod. 303 

160 Sye waren beyde zu ftryde gewafzen gnug, 
Alpart der jung(e) jme dyffe wonden flug, 
das er inuft(e) fallen vnd da gelygen dot: 
Alpart der jang(e) was eyn helt zu rechter not. 

161 Als Alpart (das) erfach, das dye dry warn gelegen, 
,,aller erft foUcn wyr Aryden!'^ fprach der küne degeu 
,,wol aber von den roffen zu myr vff das laut! 

wem got des heyl(e)8 gönne, der fiier' den fyg' an der 

haut." 

162 Da fprangen von den roffcn febcn vnd febcntzig man, 
fye beflonden Alparlen vff dem wyden plan, 

fye wollten alle zu mal [myt fwerten] vff jn gefla- 

gen han; 
da fpraeb eyn alder rylter: „des müden wyr vmber 

lafter ban. 

163 Der man beftee jne befonder, als ys recht fy gewefen; 
es wer eyn mychel wonder, £o\V er hye genefen.'^ 

es was eyn(d)er Wolffing(e), der hat' den rat ge- 

than : 
als Alpart erllug eyn(en), er lyff ein andern an. 

164 Sye vmb zogen jne vff der beyde, das jne nit entwiech^ 

der man: 
da mufl' er alters eyn(e) myt den iGinden vmb(e) gan, 
myt fynem guden fwert(e), das jm in der bende er- 

clang, (Ä ö) 

das doreh dye liecbton belm(e) das blut er vfz traug. 

165 Da [was] (fprach) eyner vnder jn, [der fpraeb:] „wyr 

(fin) nit wol gefarn: [warn, 
wer' ich da heym zu puwe (Paduwe?), ich wolt' ys bafz be- 
das (ich) nomer fco(e)me, gein Bern in das laut: 
es ys(t) nit eyn rytter, ys yft ein düffel vff die wart' 

gefant." 

166 Da nond[c] vff der beyde Alpart der jonge man: 
fyn wolt* nymant erbarmen, des rytters lobefam. 
Alpart alters cyn(e)' bat^ fych ftryts ang(e)nomen: 
er wer' wol myt eren recht von der wart(e) komen. 



304 Alpharti Tod. 

167 Er fair yr alfo manchen, der Junge Alpart, 

der myt fym(e) fwerf (e) Ton dem leben gefcheden 

warf, * 
er bye dorch dye ringe das flyrzende blnl 
¥nd facht myt foichem grymme: kern jong ysBOHMy 

getnt 

168 Es was yr vrlel vnd yr leite zyt. 

das fye An nit erkanten, fye hüben an jm den flryf, 
des muRen fye Ijden fmerzen von Aner* el(l)enfhaffleB 

hant: - - 

vyl liechter ringe Ton yren briiften worden entrant. 

169 Sye muften zn der erden fallen von fyner eyngeu hant, 
des keyfers dyner(e), dye er vff der wart(e) fant: 

dem hertzoge Wolffing vnd achtzig fyner man 
llpart der jong(e) gefeget^ jne lobelichen au. 

170 Der achlzig genafz nit mere, dan(ne) acht man, 
dye hüben fych zu den rolTen; Alpart det alfam; 
man fach iye vber das gefylde flyehen zegelieh: ^ 
nach jne jaget' Alpart vnder eym' baner das was rieh. 

171 Er Jaget' fye nit zu fer(re), als ein notiger rytter duf, 
er hyelt vff eyner ecken, der rytter hochgemut, 

er hat^ geftreden fere, dem hylten dem was heyfz, 
das Jm vff der heyde [grüne] dorch dye ringe trabg der 

fweyfz. 

{Bi. /«, s. a) 

172 Der clee wart begofzen myt dem [heyfen] binde nafs. 
ich weyfz nit, wefz fye genofzen, das fye. dorch yrto 

hafz 
bellonden vff der heyde den kyndefchen man : 
Alpart der Jonge gefach (geAgete'J) Jne lobelichea an. 



Alpbarts Tod. 305 



VI. 



173 Es was (da) yr vrtcl(s tag) vnd yr letzle zyl, 
fye lagen vff^er heyde in dem binde wyt. 

man feyde vns, das er wer(e) der (aller) künite man, 
Alparl der junge, der das leben ye gewan, 

174 Ader Ton mnderlybe ye geborn wart: 

dye fchonefti aller wybe zoch den Jungen Alpart; 
da plag fyn wel myt ercn meyfter Hylbrant: 
er was ftede vnd getriiw(e), }n beides mute man jne 

fant. 

175 Er fuer jn lewen mut(e), fye was an jm nit betrogen, 
dye bertzogin firauw' Vde, dye jne da hat' erfzogen 
▼ff von eym(c) kynde: wye degentlicb [d]er £tr(e)yt! 
bys jm der belt Wytdich noch vff dye warl(e) r(e)yt, 

176 Vnd fyn gefelle Heime, dye nament ryn[er] genode war: 
der düffel vfz der bel(le)n, faert(e) fye bede dar, 

fye ringen jne an den triiwen myt ellentbaffler haut, 
her(n) Dytherich zu leyde: des muften fye rümen dye 

lant. 

177 Da erbeyfzet' er von dem röffe, das fper in dye hant 

er uam, 
weder vff fafz er rcbyer(e) vnd ftapet(e) von dau, 
gegen eyner lynden grüne fach der vnnertzeyf, 
Alpart der junge gein dem fcheyden da reyt. 

178 Alfo Alpart der junge vnder dye lynden kam, 
den rauch fach er flyegen vber den wyden plan, 
er fprach: ,,wolt(e) got, bet' leb dufent man, 

fo worde der rych(e) keyfer von myr ftryt(e)s nyt erlan. 

179 Wan bet' ich Wolffarlen, den lieben bruder myn, 

vnd auch den vogt von Bern(e), des folt yr fycher fin, 
vnd(e) den alden myn obem Hylbrant, [ (S. 2) 

betten dye dry myn gemüde, fye müfleu vns rümen 

dyfz lant/^ 

20 



806 • Alphartf Tod. 

180 Er eiitwope(n)t' fych des helmes, als eyn notig rytter dut,* 
er kert* fych gein der lufPte der degen hochgemut. — 
by denrelben zyden dye aucht J^amen gerant, 

fye erbeyften myt den wonden vor den keyfer vff das 

lant 

181 Myt yren dyffen wonden kamen fye gerant, 

Tor des gezeldes fnüre erbeyften fye vff das lant« 
ere fchylde Tnd yr he]ni(e) warn von binde nafz; 
fy gingen gein dem geze]t(e), da der rych(e) keyfer fafs. 

182 Alfo fye der [rych] keyfer fer(r)e an fach, 

vfz trureclichem müde, no boret, wye er fprach: 
„fynt wylkom, yr recken, wo fint der beiden me, 
dye myt vch vff der wart(e) warn? myr thun üwer won- 
den we. 

183 Wo yft der hertzog' Wolffing vnd achtzig fyner man?^' 
fye fprachen: »^herre, er yft dot, vnd dye andern fint by 

im geflan. 
dye rede yft keyn l(a)ugen, edeler keyfer her[e], 
wyr fahen ys myt den äugen : fraget nach jne nomer 

mer[e]. 

184 Vnfer waren achtzig: der fint ancht her weder komenf 
dye andern haben alle dort yr ende gnomen, 
fyejiegeu vff der heyde alle zu dode erflagen/^ 

da hegenden dye recken alle den hertzog Wolffing 

clagen. 

185 Da fprach der keyfer rych(e) : „no fage myr, byeder 

man, 
wye vil was der recken, dye vch ban gefyeget an?^^ — 
„ich ban es vch fchyer getzelt: ys was ein eynig degen 

( ) 

186 Da fprach der keyfer (riebe): „no [thw fo wol vnd] fage 

myr da von, 
wer was derfelbe recke, der vch hat gefeget anl 
was fiiert er an dem fchylde? kanftu myr ys gefagen? 
das ich jne daby erkenne, wo man jne fycht das wapen 

tragen. {Bl. i4, S. a) 



AlpharU Tod. 307 

187 Ader haflo icht gemerk(6)t,^^ fprach der keyfer rych 
,,ab ys fy gewefen myn veiler Dytherych, 

ader keyner fyner djrner, das falln roych nryfsen lan/^ 
da fpracb derfelbe recke: ^(^0 "^^i vch rchyer(e) kont 

gethan; 

188 Er reyt Tff dem gefylde der degen vnuerzeyt 

V* ••••••••• »J 

der dye beiden (alle) bat in den dot verfneden: 

icb weyfs jne folches müdes, er komt fcbyr her geredea^^ 



VII. 

189 Dye fych gerwet hatten zu ftryde Tff das feit, 

dye fach man zu famen rücken myt bütten vnd getzelt, 
als fye dye flarken mere von dem belten borten fagen: 
fye jageten vor den keyfer rnd gebarten als dye zagen. 

190 Alfo Alpart das here da 2ui!am(en) rücken fach, 
er begonde lachen, no borel, wye er fpracb: 
„reycher got von bymel(e), wo yft jne byen b gacbl 
des keyfers dyner(en), ich fal jne jagen nach.^^ 

191 Das ros nam er by dem zam(e) vnd wolt' darvff ge- 

fefzen ban, 
da gedacht' jn fynem müde der rytter wolgetban: 
„ja, yft, das ich zu jne ryden, vnd worde dan erflagen, 
man fpracb^ es were eyn vbermut, vnd dorfl(e) mych 

nit dagen/^ 

192 Vnder der lyuden grfine hylt er byen zu tal. — 

da fpracb der keyfer kfine : „la[fze]t bliben dyfen fcbal. 
noch fage royr, werder recke, wer was der manl^^ — 
„berre, das wapen icb prüffe, nodi dem [vnd] ich ys 

gefehen hau. 

20» 



308 AIpbarU Tod. 

193 Von dem üwer recken fint erflagen dot, 

er fOert eyn(en) wyfzen fchylt, eyn lewen von gpolde rot, 

darobe eyn golden cron(e), alfo fach ich jne fam: 

ja fäert er nyrgen wopen her Dytherich(8), den adelarn. 

194 Den ich vil wol erkenne, den lychten Hyldengrin, 
der gab da' zu felde keyn(en) Jiechten fchin; 

vor dem von Bern(e) fynt wyr gewefen fryc, (Ä d) 

rnd wer* fyner gewalt(e) rchon(e mer, denne) drye. 

195 Er yft eyn galt dyfer lande, des mufz ich jehen^ 
den felben beiden han ich feiten mere gefehen, 

von dem wyr vfTder heyde han grofzen fchaden gnomen: 
er yft dem vogt von Bern(e) ferren her zu holf(e) komen. 

196 Im mag der vogt von Bern(e) gern fyn(en) folt ^eben: 
er kan helm(e) hauwen den beiden dorch yr leben/' 
yfz den vorwonten der echte eyner fprach: 

,,bei allen mynen jaren ich dterkern (man) nye gefach. 

197 Ich fetze vcb myn triie do wyeder gut vnd lant, 
das yft alles feüge: er füert in fyner baut 

eyn fwert das fnydet fere, felb[er] yft er eyn ftarker 

man, [an.** 

royt Aner eygen (eines?) hende gefyegt er alle dye wemt 

198 Die rede erhorl' der keyfer, fye warn ^m bart(c) leyt, 
er fprach: ,,uwe myner eren! myn laftcr wyrt breyt« 
kompt er [myn] vnder myn recken, er verderb(e)t myr 

dye fchar: 
dye wyle lebet der felbe^ gein Bern gerück' ich nomer 

dar." 

199 Da fafz vnder den gezelten manig küuer man, 

da man dye ftarke mere von den beiden da vernam: 
da fafz myt grofzen eren der bertzog RyenoU 
vnd Randolt fyn bruder^ den gab der keyler beyden 

folt; 

200 Sewalt der aide, gar eyn (tarker man, 

der bertzog von Dützfchgan, vnd der herizog Bertram, 

Wytdich vnde Heime, die zwen' ftarken degen. 

man fach den rychen keyfcr hart(e) druriglicb(en) leben. 



Alpharts Tod. 309 

201 Hervor hycfz tragen der keyfer fylber vud(e) golt: 
,,wer wel fuehen dye wart(e), der neme rychen foH, 
golt vnd edel gefletii(e), was v£f ryDi' fcbylt mag gelygeu/^ 
dye kOnen wygante alle gar flylle fch wegen. {BLiS^s,a) 

202 Was man edels genein(e)s vor dye hern geirug, 

fye fprachen alle glich(e): ^,ber[re], wyr han felber gnug; 
war vmb wolden wyr dan wagen lyp vnd(e) leben, 
vnd vnfer rycb"*? yr folt den folt den fremden recken 

geben.^^ 

203 „Vwe der bertzen leyde!^^ fprach der keyfer rycb 
„bab^ ich nymant vff der heyde, (der) da wolt' reeben 

mych? 
magk ich üwer nit genyfzen, yr vfieerwelfen degenl^' 
man fach den rychen keyfer bart(e) truriglick(en) leben. 

204 „Ich clageu vch alle glich(e) myn krefflges rngemach.^^ 
dye armen zu den rychen, yr keiner nye wort gefprach, 
fye fwegen alle ftylle, yr keyner wolt^ vff dye wari\ — 
danoch bylt vnder der lynden der junge Alpart. 

205 In den felben zyden war(e)nt (da) dye recht: 

wer dye warf woll' fuehen, er wer* rytter oder knecht, 
der plag yr wol myt eren, byfz der tag eyn ende nam: 
alfo det auch Alpart, als eym' rytter wol getzam. — 

206 „No fwygen fye alle ftylle, dye myr gaben den .rat, 

fye wollen mych wenig ergetzen, das myn herz vil 

komers hat. 
ich man dych diner trüe, Wytdich, eyn k&ner wygant, 
fo wel ich myt dyr teyl(e)n bürg(e), gut vnd(e) laol.^^ 

207 Da fprach der helt Wytdich, der was eyn kilner degen: 
„ere hant myr üwer gäbe dycke follyckelychen geben^ 
der müfent yr genyfen, edeler keyfer her.^^ 

er hyefz jm balde brengen her ros, fchylt, harnefch 

vnd fper. 

208 Dar jii wapenf^r fycb vnd ging zu fynem ros hyen dan, 
dar vff fafz er rchyer(e), den fchylt er zu arm(e) nam, 
das fper zu fyncr hende, der degen vnuerzeyt: 

fecht hyen, wyo rytterlich(en) Wydüch zu Alparlen reyll 



310 Alpharts Tod. 

209 Alfo et kam vff das gefylde von dem here hyen dao, 
da begondo fere grufen den vfzerwelten man, 1{S. b) 
da drackten jne dye ringe, dem beiden wart fo heyfic, 
das jm yff der beyde grüne dorcb die ringe Irang der 

fweyfz. 

210 Er fpracb: ,,got von bymel(e), wye yR dem bertsen aiyn? 
ader was mag vff dye wart(e) bude komen fyn? 

ieb folt* dye reyfe laizen/^ dacht' der werde man, 
das ros warf er vmb(e) vnd fach das here weder an. 

211 Er' dacbr in fynem müde (berien?) (h)er weder ala ein 

bell: 
„du mufzt nu lydcn fmertzen, fyt dich bat vfzerwelt 
vfs achtzig dufent mann(en) der keyfer lobefam: 
da wyrt ere begangen^ ader ys mufz myr an myn leben 

gan/^ 

212 Vber das gefylde wart Wytdichen gacb. 

vff fo macht' fyeb Heyme vnd reyt fych Wytdich nach: 
er woW fych ban gerochen an dem kindyfchen man* 
Heim bylt hinder eyn fcheyden bys Wytdich vom ry^(e) 

kam. 

213 Da kam der helt Wytdich gereden vff dye wal, 
da fant er tiI der doden ligen vberal. 

alfo jne Alpart der jonge von ferem an fach: 
„dort kompt des keyfers dyner; wan myr liebers nye 

gefchach." 

214 Den heim bant er zu dem haub(le) zu der felben 

Hont, 
er ftapet' gein jne fchon(e) in eyn(en) dyffen gront. 
Wytdich fraget^ jne der mer(e), ab er jm konde ge- 

fagen, 
ab er der rytter wcre, der dye beiden bet crflagen. 

215 „Ja ich." fpracb Alpart „faget rayr, degen her[e], 

wye gedort yr üwer fper gein [keym] recken geleyden 

mer[e] ? 
es yft vch zu verwyfen das, (ir) fyt ein (rülofz man; 
ja wcyfz ich nit der leyde, die vch min berre habe gethan. 



Alpharts Tod. 311 

216 Er Cchwoert jm zu ftooden, helt, den iiwern eyl: 
den hant yr gebrochen, das yft allen recken leyt 

' Tch bat der von Bern(e) vnd alle fio(e) man 
da her by allen zyden des heften ?il gethan. 

217 Dyr was der vogt von Bern(e) ye myt trüwen holt, 

(Bi. 16, S. a) 
er gab dyr harte gern(e) fyn felber vnd [auch] das golt, 
er lyefz dych fyn eyn geweitig man vber borge vnd 

lant : 
dye Lünen Wol£Fingen dye dinten dyr da zu hant. 

218 Dye rede yffc ungelogen,.^^ alfo fprach Alpart 

,«du wolteft gern oder Tngern, du folgeft myr dye fart/c 
fprach gar vermefzentliGh(en) Alpart der junge degen 
„oder du muft myr din haubet zu eym(e) geyfel geben. 

219 Haftu nit gemerk(e)t, wye gezemet eym'' recken das, 
das man jne heyfzet meineydigl er gewin[e]t der wernt(e) 

hafz, 
das man jne fere fchyldet, der da brechet fynen eyt: 
ich geh'' dyr des myne triie, ys wyrt der fere (felel) dort 

vil leyt. 

220 Du byüt in ganzen eren vor allen recken dot, 

vnd mud auch vor den frauwen ften 4ick(e) fcham(e) 

rof." 
alfo fprach vormefzentlich Alpart der jonge man 
„keym"* wolgeerlen recken magfl du nit glichen an.^^ 

221 Da fprach (der hell) Wytdich: „das were myr harte leyt, 
vnd müft^ mych vmber riiwcn, wo man das von myr 

feyt. 
by allen mynen zyden, in mynen kyntlichen tagen, 
han ich jn norm[en] vnd [in] Hryden den pryfz nach 

rytterlich getragen/' 

222 Alfo fprach der helt Wytdich, der was (eiVi) kiiner man 
„wye lang' fal ich vff dyefer heyde (dir) zu bychle 

Hau? 
es mufz eyner enfgelden von eyns andern ftryt 
no faget, küner reck(e), werder ryller, wer yr fyt" — 



312 Alpharts Tod. 

223 ,,Wai hoRa no za fragen nach dem namen «yn? 
da roogft lieber fragen: ,,wer yft der herre dyn? 
dorch des willen Tcli roych lyb(e)8 vnd Ieb(e)n8 bat' er- 

wegen. 
vmä woll* fyn got gerachen, ich woW noch hude der 

wart' picgen. 

224 HetteA da reclif(e) Tynne, du lyeft die fragen fin^^ 
fprach Alpart der jong(e) „nach dem namen myn. 
ja zye(h^) ich es an dych felber: fo wordefta erfall, 

fo mafs man mych erken(nen) ^^ fprach Alparl (der belt) 

half. CS. b) 

225 Da fprach der hell Wytdich: ,,das wer' myr hart(e) leyf, 
▼nd mllfl^ mych Tmber rüwen, wo man ya Ton myr feyt; 
bey allen roynen zyden, von mynen kinflychen tagen, 
jne ftormen vnd jn ftryden han ich den pryfz ryiterlieh 

betragen. 

226 Ere fint dort alleyn(e), ich byn allein(e) hye. 
myt alfo fcharpen Worten wart ich geflraffet nye, 

bey allen roynen zyden, fyt ich myn leben [ye] gewan: 
ab ich vch das vertrüge, fo wyfz gof, ich hyfz" nit ein man.^^ 

227 Da fprach vfz fryem müde Alpart der jonge degen: 
„wem got des heyl(e)s gönne, der leb" die wiP er [ge]- 

mag leben, 
ich wen% vns [zwen] nymant fcheyde, dan ein(e)8 jong- 

fter lag: 
es da dan Cryft von hymel(c)^ der alle ding volnen- 

den mag." — 

228 „Der weder das recht no fpreche, der het' vnrecht(en) 

fyn[ne]. 
man fprach myr ye das bellte, war ich komen bin: 
das wel ich noch hiide behalten," fprach Wytdich der belt 
„fyt mych der rycli(e) keyfer vfz achtzig dofent bat 

vfzerwelt. 

229 Der kiinrie vnd der beff(e) fal ich vnder jne fyn, 

des da gerner wel ich wagen noch hüde das leben myn, 
al[le] dorch des keyfers ere, wan er royrs felber gebot, 
fo Cefz[en] ich vff die wage myn lyp vor jne in den dot.^^ 



Alpharts Tod. 313 

230 Dye frage naro eyn ende, der frede wart vff geben, 
da jofterten zu fanien(e) dye zwen(e) k0ne degen. 

es was dye groff ere, die berre Wytdich [da] gefebacb, 
das er fyn fper da zu Aücken vff Alparts brüften 

zu bracb. 

231 Da wart von jne (beiden) gar krefftfgiich geftryeden, 
zu ranien(e) fye ftacben myt rytterlicben fyeden. 
Alpart der jonge myt ellentbafler bant 

(tacb den rytter küne nyeder vff das laut, 

232 Das der bylt Wytdicb [fere] binder dem roffe lag, 

er fpracb: „uwe dyfer fcbandef* das icb ye gelebf den 

tag, (Bl.i/,S.ä) 

das mufz got erbarmen, das icb ye wart geborn, 
fal icb alfo rcbyer(e) myn leben ban vorlom.*^ 

233 Da fpracb Alpart der junge: „ys yft eyn anefang, 
mag aber icb ys gefiigen, diu leben das wyrt kräng, 
du mufzt den folt erarmen, der dyr yft (ge)geben: 
von royner eyngen bende geet ys dyr an das leben. 

234 Du fpfecLeft, dycb bab"* der keyfer vnder achtzig dufent 

erweit, 
desda gerner [wei] icb myt (dir) ftryden.^^ fpracb Alpart 

der belt 
„wyr folten vff der beyde den folt deyln myt ftryt, 
wem ys got gönne: wer dann(e) feit, der lyt/^ 

235 Vff fo recbt' ficb Wytdicb, [wan] er vbel gefallen was; 
byen fo lieff Scbym(m)ig, vnd afz das grüne gras, 

er acbt^ den fal[le] gar deine, den fyn berre hüV getan, 
da fycb gerecbl(e) Wytdicb weder vff den plan, 

236 Da erbeyfzet' anderlbalb(en) Alpart myt gewalt, 
in eynem grofzen fcballe, fyn el(ljen das was ball, 
er fpracb vermefzentlicb(en) zu dem kiinen degen: 
„no wer dicb froroyglicben, ab du wilt lenger lebeu>^ 

237 Da zogkten fye von den fyten zwey fcbarp(fe) wapen blofz, 
fye fcbliigen vff cynander, das ys vil lüde erdofz, 

fye gabefen vff eyn ander vff der beyde wyt: [ftryt. 

z(w)üfcbcn den zweyen beiden bub fycb eyn vngefiiger 



316 Alpharts Tod. 

253 Das det ich zu Moufar(e)n, da halff ich dyr vrz[er] not : 
da iiiiirzt(es d)a zwar(e) den grymmyglichen dot, 

da vnd der Ton Bern(e) beyde gnonien han, 

wan das ich vch beyden fo fchyer zu holff(e) kam.^^ 

254 %,Dafi yft war/^ fprach Heime „das ftonde vns vbel an, 
fifigen wyr (nu) beyde den kindefchen man. 

(S.Ö) 
wer ys, das wyr jn bezwongen vnd worde er dan erflagen, 
Ton Ynfern vntrüwen mürt^ man vmber fingen vnd Tagen; 

255 Vrfpronge [irnd] aller vntrüwe niiiften wyr vmber wefen, 
Tör keym' bederman(ne) konden wyr nomer genefen; 
dorch recht folt^ vns fchelden man vnd dar zu wyp: 
ach, wye betten wyr dan gefwecht (unfer) zweyer degen 

lyp!" 

256 „Du fagft myr von vntriie, ee ich verlor den lyp, 
myr were lieber, fchiilden mych alle werde wyp.^^ 
alfo ret' da Wyfdich „H^im, worde ich yrüagen, 

du fteft vor jm in kranker wer, er flecht dich an(e) 

fchaden.^^ 

257 Heim erbeyfzet' nyeder(e) von dem ros vff das laut, 
[er fprach:] „werder rylter edel(e), ergyb dich in myn 

hant. 
ich Tage dyr, degen mere, wye myn ryte[n] yft gethan, 
^ wan ich myn fwert er(b)lof(z)e^ fo lafz^ ich genefeu 

kein man. 

258 Wen ich myt fVormes flofzen myt ftryde byc befllan, 
vnd myt dem fwert crgryfe, fo lafz' ich geuefen kein 

man.^^ 
alfo fprach da Heime: „du falt dich (mir) ergeben: 
duOu nit das fchyer(c), fo gylt ys, hylt, din leben/^ 

259 „So foUen wyr ys verfuchen/^ alfo fprach Alpart 
„wel fin got geruchen alhye vff dyfer wart', 

fo mögt yr mych nyt gefcheyden von rytterlicher 

were: 
ich fage es vch recken beyden, mych crfchrecket nit 

eyn herc." 



Alpharts Tod. 3I7 

200 Des erfchrack da Heime, Adelgeres barn, [den [adel]aru, 
[er fprach]: ,,rehe ich an dem fchylde den lewen oder 
ader herrn Dythericlis wapen, ich woli' üwer ntt be- 

beftan.'' 
Wytdich begonde jne ftraffen : „das haltu myr mee gethan, 

261 Da brech' ye an den drüwen, alfo duftu auch hye, 
wo ich jn harten ftormen myt den finden vmbgyey 
da> plege du alle wege f?ne: als haftu auch hie ^ethan: 
Heim, worde ich hye erflagen, du müft fin lafter han«^^ — 

^262 ffTfo mag tus wol myl^lingen, Wylandes barn, 

(Bi. 20, S. a) 
er yfl der Wolffing' einer, wyr hau nit wol gefarn. 
du Talt das wyrzen, Wytdich, es yft myr alfo leyt, 
das ich dyr ye zu ha]ff(e) noch vff dye wart(e) reyt/^ 

263 Alfo fprach da Heime: nit (nu?) Taget myr üwern namen, 
werder rytter edel(e), des dorft yr Tch nit fchanien, 

. fyt ich vch an dem rchylt(e) [ader an dem wapen] nit 

erkennen kan, 
fyi|t yrs Ton Bem(e) her Dieterich(e)s manl^^ 

264 Da fprach Alpart der jonge : „es wer' nit gut gethan, 
das mych des be2Wonge[n] eyn eynig(er) man, 

das (ich) jm mere feyde zu rechte myn(en) namen, 
wer myn geflecht were: des miiri' ich mych fchamen.'^ 

265 „Na wer' ys Fch keyn (. , .)'' fprach Heim der kfine man 
„beflonden wyr Tch beyde, wyr fin nit [fo] fingerzam, 
es mag vch wol rüwen: der frede fy vff geben, 

vnd wert Fch frumiglich(en), wan yr wolt lenger leben/' 

266 Da fprach vfz fryem mnde Alpart der jonge degen : 
„wem got des heyl(e)s gönne, der lebe dye wil er mag 

leben! 
wolt yr dan nryt(e)s ere an myr beyde began, 
fo rien ich nit a]lein(e), ich wel den zu holffe han, 

267 Der alle recht erkennet vnd jm aueh by geftat: 

ja getrttwe ich got dem gudcn, das er mych nit enlat/* 
Heim das fwert erblofzet, an lieff er den degen: 
da yft Alpart der jung(e) beftanden vmb fin leben. 



320 AlpharU Tod. 

282 Da fragel' ich jn der niere, ab er myr konde Tagen, 
ab er der rytter were, der dye beiden bei erflagen. 
er fpracb gar kÜDlicb(en) : ^Ja^ icb bin der man/^ 

vor keym'' eyngen recken jcb grofzer forge nye gewan.'^ 

283 Auch fo Tprach Wytdich Wylandes barn: 
„Heime, dru(t) gefelle, was wyr jne mögen gerparn, 
das komt vns zu fchaden an vnfer beyder leben: 

du wylt myr als entwichen; es yft eyn vfzer welter 

degen/^ 



vm. 

284 An lyeffen fye jne beyde den kyndefchen man (5. b) 
vff der grünen beyde. Alpart ryeff fye aber an: 

,)noch befteet mych befonder^ yr rytler hochgemut^^ 
das da jm gelob((e) Wytdich, er was zornig gemut. 

285 „Du fprychelt, das wyr befonder dich beftan, des fy 

gewert: 
es du dan gott eyn wonder, du wyrft ftryts hye gevert. 
Heime, lafz mych ruen, (und) lauff du jne an/* 
Alpart der jong(e) das fwert zu beyden henden nam, 

286 Damyt er dem helt Heime eyn dyff(e) wonden fing, 
das daz blut eyner eleu laug durch dye ringe wat, 
vnd das er mufl(e) Itrucben nyeder Yff das laut: 
„Ywe!^' fprach fych Heime „ich han den dot an myner 

baut/' 

287 Da fprach Wytdich: „das wolflu myr nit glaub(e)t han, 
Heime, drut gerel(le), fal ich dyr by geftan, 

fo weder fage ich fcbyer(e), der frede fy vff gegebin.^^ 
„neyn!'' fprach Heime „lafz mych erlich verlyfen myn 

leben/' 



A]phart0 Tdd. 321 

288 Des erfchrak Wytdich, er drat jm vff ßn fporn: 
Wytdich nug[e] (in) hinden, Heim benont jn vorn. 
Alpart der jooge nam Heim gnot(e) war: 

da flug jm Wytdich ein wonden ferlingen dar. 

289 Wytdich da an dem beiden meineydig [wolt] erfcbein) 
jn eynem fteden freden (lag er [dem jongen] derch ein 

bein 
eyn(e) dyff(e) wonden^ das er kum' mocht^ geftan: 
fye flohen [bede] an den ftonden, als fie den mort baten ' 

(getan). 

^90 Alpart der jong(e) da aber rüffen began: 
,,poch, yr zagen bofe,. yr (er)loren man, 
Wytdich Tnd(e) Heime !^^ fprach der junge man 
,,no flyhet yr mych vff eym bein(e): des müft yr lafter han/^ 

291 Alpart der junge fpringen da began, {BL 22, S. a) 
in eyns lewen zorn(e) lyeff er Heim weder an, 
zwa[n] dieff(e) ferch wonden er jm danoch llng^ 

myt fynem guden rwerte(e), das er jn der bende drug. 

292 Da ryff der belt Heime Wytdichen weder an: 

„no hylff royr Tfs der not(e), ,byiKu eyn fromer man: 
doAn das nit rchyer(e), fo gylt ys myn leben/' [geben/' 
da fprach (derhelt) Wytdich: „ich wel dyr myn holf^e) 

293 An lieffent fye jn bede, als fye dadent ee, 

dli geryet fich verben gras vnd der grüne clee« 

Wytdichs gefcbmjde wart nye fo gut, 

Alpart der junge jm ejn [djeff] wonden dardorch flug. 

294 Alfo leden fye alle dry das krefftig vngemach, 
dorch dye lyecbten rjnge das biut man fljfzen fach. 

er mocht^ [gar] lycht han gehabt helffe, der rjtter Tn- 

verzeyt, 
das er dje recht(e) mere gein Bern bet felber gefeyt 

295 Den fchylt warf er zu [dem] nick(e), den er vor [der] 

bende dmg, 
wye ryfch fje Alpart beyde for fych nyeder fingt 
welchen er mocht' erlangen, [der] muft' fallen vff den plan 
von dem flage (fwere), fo ftark was der junge man. 

21 



332 Alpharts Tod« 

296 Zuramen fye da aber fprongen, geftreden wart da bafz, 
fcbylde vnd heim erclongen^ die ftarken (lege er mafz, 
niyt fjm' guden fwerte flog er fchedelich mol 
rtrjt(e)8 des fye gerten: jm wart da verfchroden der 

ft[r]al. 

297 Sye ftoDden gein einander, als [ein] fint gein [eym] 

finde dut. 
fye brachten in äye not(e) den rytter hochgemut, 
da begonde lade ruffen der kjnderche degen:, 
„noch beftat mych befonder! myn junger dot fy vch 

Tcrgeben. 

298 Begent an mjr rytters ere vnd gerncht mycb befonder 

beflan, 
Wytdich vnd(e) Heime, yr (vil) küncn man: (Ä ö) 

wer' üwer eyner fer müde, der ander fpring' in den firyt; 
des banl yr Tmber ere. vergeben fy vch myn lefte zyt" 

299 Da fprach der hylt Wytdich: „ys wirt dyr nit fo gnii 
beftonde dich das here befonder, ys mQfl\ Tergyfsen 

blut." 
an lyeffen fie mit zorn(e) den kyndefchen man: 
von Heime (dem recken) er grofzen fchaden nam. 

300 Alle dye wyl[e] dye lyfte in dem helm(e) lag, 

vnd fye von fchwertes ecke hat' gewon(en) kein(en) Hag, 
da facht an(e) forge Alpart der junge man: 
dye nager fych da loflen 'vnd fprungen von der cron(e) 
^ dan. 

301 Alpart der junge gab Wytdichen eynen flag, 

das er vff der heyde grüne vor jm geftrecket lag. 
Heim das fwert [aber] entbloft(e), myt elienthafter hant, 
erdug [jn] dorch des helracs gebende, das ys vff der 

lyft(en)want. 

302 Dorch heim vnd dorch hoben hyeb er den rytter gut, 
vnd dorch des helmes fpangen, das daz rode blut 
hernedcr begonde ilyfzen vff den jongen man: 

es begonde jne fere vordryfzen, wan ys jm vor dye 

äugen ran. 



A]i>hait0 Tod. 323 

äb3 Wyfs' goU wye er dorch das blat Jeiner!ich(eli) fach! 
dem edlen recken rjeb(e) nahef* fin f^ngfemacfa, 
an lyeffent Tye jue beyde myt ellentliaffker hanl, 
fye fällten jn nyder [yfT] myt den wondcn vff das lant. 

304 Alfo Termöten fye jne bede, das er werlos lag 
rnd vff der beyde grüne nit mere ftryt(e)s plag. 

no weyfz icb dach nit rechf(e), was Wytdieh an (dem) 

edeln [jongen] räch, 

das er jm sd dem MytsCe) ein fwert dorch An lyp 

(tach; 

305 Er iräyb ys in Jm vmb(e) vnd fneydt Jm abe An [joilges] 

leben, 
da begonde lüde rfiffert der kyndefche degen' 
,,poch9 yr zagen bofe, yr [vngctrüen] erlofen man! 

(. .) 



(BL 3S, S. a) 

306 (. . . . • * . • . . .) 

ryl wonderlieben fcbyer(e) fye gein Bryfach da reden, 
fye gingen nijt einander Hylbrant vnd Nilger, . 
fye worden wol enipbangen, die edeln recken her. 

307 Walter von Kerlingen ja ent(g)egen ging, 
da man dye recken hart(e) wol entphing, 

Hug von Den(e)mark(e), eyn vfzerwelter degen^ 
fonf hondert borgmenner entphingen die recken Tfzer* 

wegen. 

306 Ekarl hyefs brengen tU rych gnl cleyt 

den recken, vnd eyn bat was jn tiI fchyer' bereyl; 
darin wyft* man fye baldei Nitger vnd Hylbrant, 
Ton mancher fchonen üranwen worden Ae bald« orkant» 

21* 



324 AlpharUi Tod. 

309 Ekart hyerz balde brengcn ejn begofzeD brot 
vnd ejn kop mji wjne, es det jne grorz(e) not, 
das fchuf des bufes herre, Eckart der degen, 

er fayefs der ftorm müden niynniglich(en) plegen. 

310 Man plag jr rchon(e) bvfz man Jn die fpife bereyt, 
fye gingen zu den difchen. da nocb was vngefcjt 
den Ton Br7rach(e), fye betten gern vomomen, 

vff warz ebentüwer Hylbrant (war') in lande kernen. 

311 Als fye da gefafzen, der aide Hylbrant, 
getronken ▼nd(e) gafzen, da Tat' er js jn zuhant: 

„da enbüdet veh der von Bern(e), der forft(e) lobefami 
vch recken allen vier(e)n : dorcb got gedenkt dar an, 

312 Das der Togt von Bern(e) by allen fynen lagen 
aller recken zocbt(e) an jm hat getragen, 

das er nyemant dut keyn leyt, der edel Dytbericb : . 
des wel jne vertriben der keyfer Ementricb, 

313 An' alle fin fchulde, das byefz er vch Tagen: 

Alpart der junge yft im zu dode erflagen. (S. ö) 

daran follent yr gedenken, an fyn grofzen not, 

vnd folt jm helffen reeben des jongen Alpart(e)8 dot/^ 

314 „So wol myr dyfer roere!'' alfo fprach Eckart 
„das ich dem von Bern(e heir) an myner farf, 

der mich wolt' vertriben dorch den keyfer [Ement]rlcb! 
no left mych lycht b(e)liben von Bern herre Dyf Iberich.^^ 

315 [Al]ro fprach des bufes berre, Ekart der degen, 

„ich wel dorch den von Bern(e) wagen lyp vnd leben; 

ja breDg[en] ich jm zu helfe zehen dufent man, 

myt alfo gudem barnefch, fo fye kein könig ye gewan/^ 

316 Da fprach gar getzogenlich(en) der hertzog' Nifger: 
„no wyfz' esCryft der rych(e)! ich hab' [anders] nieroant 
ich lyefz by dem keyfer zwey dufent man: [mer; 
ich helfP jm alleyn(e), lo ich allerbefte kan/^ 

317 Da fprach von Kerlingen Walter der degen: [wegen/^ 
„dun ich jm no holflfe, des keyfers [holde] han ich mich er- 
„no bricht er nit fin triie, der den fromden myt (dem 

frllndel) by flat," [not gat «— 
fprach Hylbrant (der alte) „wan es jm an dye [ recht] 



Alpharts Tod. 325 

318 ,)No rede ich j9 nit dar ▼]iib(e), das ich jm hab* ge*> 

fworn: 
ich wel des kejfers holde da 1117t nit han ireriorn. 
ja wel ich jm brengen auch zehen dofcDt man, 
dye dem vogt von Bern(e) myt ganzen triiwen by ftan/^- 

319 9)No han ich nit Tyner hulde ;^' fprach der monch Yfam 
„vergebe er mjr myn fchalde, der hochgelobet^ man, 
fo brecht' ich jm zu helff(e) ejlff hondert man, 

dje aber den Hechten ringen trügen rwartz(e) kotten an/< 

320 Da ging vfz dem clofter Hug von Den(e)marky 

n^yt [jn] manchem rjtter jonge, ys waren beiden ftark: 
Hjibrant der aide bad jm helff(e) geben, (Bl, 36, S. a) 
[fye fprachen:] „wyr wold bj dem von Bern(e) wagen 

lip vnd(e) leben/' 

321 Hjlbrant von Bern(e) vor freyden vff fprang, 

[er fprach:] „edeler Hag von Denmark, hab' vmber 

dang! 
no leget vch zu felde^ jv rytter vnuertzejt, 
vnd fendet noch der helff(e), das wyr rchyer(e) werden 

bereyt,*' 

322 Da deden fye gar gem(e), das fye der aide bat, 
Tye lejden fych zu felde zn Brjfach vor dje Hat; 
da kam fchjer* gereden manch kiiner degen: 
Ekarty des bnfes herre, bat yr mynnigUch(en) plegen. 

323 Sye draden von den roITen njeder in das gras, 
bjs er fecbs dufent der heften dar vfz gelas. 

eyn banner fye an bonden, von dan was jn gach: 

in fach an den ftonden manch fchöne frauw(e) hin nach. 

324 Alfo fje die fenmer gereyt vnd vff geladen 
vnd dye kamer wegen(e), die da folten tragen 
drinken vnd(e) fpyfe doreh dye fremden lant, 

da reyt zu aller forderft von Bern meynfter Hylbrant 

325 Eyn banner grüne nam er in dye haut, 
der edel rytter kiine, der aide Hylbranf, 
alfo geweldiglich(en) fechs dufent man 

leyder dorch dye rich(e) an das hocbgebyrge fran (dan?). 



326 AlpharU Tod. 

SM S/e ga(b)leii myi ein ander vber den wjdeu plan, 
noch Hylbrant dem alden manch küner man. 
der dag was Zugängen, an derrelben flonl, 
Studenfufz vnd dye fjnen warn vor tyt fcomen in den 

gront. 

337 Sje draden von den roITeu nyeder vff das lanf, 

fye warent vnverdrofzen, es waren bylden zu der hant. 
da fpraeh H7l(de)brant der (aide) wyfe degen: (s, b) 
„wer wel der fchyltwacht(e) nach hint(e) plegenl^^ 

328 Dye (▼!!) kilnen beiden alle ftylle fwegeu, 
Hyl(de)brant dem alden was es nahe vortze[he]geD, 
fye fpracben alle glich(e) dje vlzerwelten degen: 
,,ll7l(de)branl der aide kau yr aller ben(e) plegen.^^ 

329 ,,Daz thun Ich an den ftonden/^ fpraeh (da) Hjlbrant 
,,dorch her Djlberichs willen, der mych hat vis ffefant 
das laut yft myr wylde,^^ fpracb Hylbrant der degen 
„vnder heim vnd [vnder] fcbylde wil ich yr willig 

plegeq. 

390 Wyr fint den finden nahe vnd lygen forgfam, 
es Tai jm harnefch bliben ein iglich beder man, 
hye nahe lygeut dyener des keyfers Ermenlrich : 
wir mögen jn nit entwichen, wyr mUfzen ftriden ficherlich. 

331 Ich ken fye wol folchs mut(e)8, wyr werden An nit erlan. 
no ddr, jr Aarken wygande! wyr foln fye beflan, 
wyr folo dye flrafzen vff baugen (haiiwen?), yr ryttor 

vnuer (zaget: 
vmb Alparten wirt mancher zu dem dode gejaget.^^ 

332 Sprach Hylbrant der aide : ,,lieben frQnde myn, 
ere folt vmb mynt willen hint jm harnefch An 

myt vmb gurten fwerlen, die ros habt an der hant/^ 
des globten fye da gern(e) dem alden Hylbrant« 

333 Da fpraeh der herzog' Mitger: „lieber ohem myn, 
ich wllle vmb dintwillen nach hint' jm harnefch fin, 
vnd wel der fchyltwachf(e) gern helflen plegen/^ 

„der lone dyr got von hymel(e)!" fpraeh Hylbrant (der 

degen). 



AlpharU Tod. 327 

334 Da fprach voa Kerlingeu Walter der degen: 

,,ich vnd der monch Tlfani wolu fch^ltwacblCe) plegen/' 

(W 57, S. a) 
„das wel ich auch an den nondeu'* fprach (da) Ekart 
„ro wel ich auch myi vch rjden/^ fprach Hug von 

Den(e)niark. 

335 flSo merket m^ch eben(e)/^ fpraeh Hjlbranl der hoch-* 

geborn 
„wan yr höret fchellen myn vil deines horui 
fo komt Tns zu hellf(e), das donkt mjch gut gethan, 
. mjt mjchelmCe) gelffe fo ban(t) vns dje finde beltan/^ 

336 Sje reden alle fonf(e) vber das gefjlde w>t 
dannoch vor niytternacht(e) kam Hylbrant in den Hryt 
der mane jn fchone luchte, als wyr ys han vernomen: 
da waren dye finde zu jne yff dye wart(e) komen, 

337 „^^ fy^^ ^^^ fremde gen(e) komen in das lant/^ 
fprach der getrüw yef((e) meyufter Hylbrant 

,,no zwinget mych dye findternis/^ fprach der küne man 
„das ich yr an den fchylden, nach an den wapen nit 

erkennen kan. 

338 Ere folt myn hje byden,^^ fprach der küne degen 
„Ich wel zu jn ryden, ich han mych des erwegep/^ 
gegen jn reyt er ferro von fjnen gefeilen [hin] dan. 

da waren der finde zwen(e) zu jm komen vff den plan* 

339 Gegen Jn reyt er ferre, der degen vnuertzejt» 
das det der aide gryfe dorch fin degenbeyt. 
da fraget^ fye der more der aide Hylbrant 

von wan(nen) fye wer(e)n, ader wer £ye heV vfz gefant. 

340 Da fprachen da dye zwene alfo vermefzentlich: 
,,da hat vns vfz gelant der keyfer Ermentrich| 
das wjfzent fycherlicheni vil werder man, 

das wyr dye von Bryfach gein Bern nit foUen lan. 

341 Darumb hat vns vfzgelant der hertzog^ fo gemeyt» {S, ^) 
ftege vnd(e) ftrarzen han wyr jn gar vorleyt, 

zu leyde dem von Bern(e), dem forften vnuerzeyt: 
dem keyfer keifen wyr gern(e), belt, das fy vch gefeyt.^^ 



tos AlplwftoT««. 

342 8f6 fragten (ja auch], wer er were. da fpmdi Bjlbnmf : 
9,icli bin ejn foldner(e) Ton des kejfers hani, 

icli hab' die gäbe enipbangen, das liecbt(e) golt fo rot: 
wmt er mjr gebüdel, To mnlx ieh riden in die not." 

343 Alfo fprach r£z Ijflen der aide Hjlbraof, 

daoijt wolt" er fjeb flryflen: ,,no bat njeb fTfcgefant 

der fcejfer ron Rome ber yW defen plan, 

ab mjr jrgen weder rjtte berre(n) DyUheriehs man, 

344 Mjrt dem fo wolV icb flrjäen/** fpracb der kone degea 
,^eb mufs der febilt wa€bt(e) zu allen zjten plegen.^ 
alfo fpraeb mjt Ijlten der aide Hjlbrant 

,fdM mjeb der keyfer ferren binP bernCx (bat) gefant.*^ 

345 Da fpraeben äye zwen": ,,der kejfer bat Tcb nit yfi- 

gefant: 
Ja fint yrs der von Bem(e) der aide Hjlbrant, 
den der Bemer(e) noeb der belflT* hat gefant: 
no wert reb fromeelieb(en), jr bat den dot an der 

bant.'' 

346 ,ßyt das üwer bertze n;ryt(e)s an niyeb gert/^ 
fpracb Hylbrant der aide „yr wert fin gewert, 
wyr foln den folt deyl(e)n vff der bejde wyt: 

get ys nocb got(e)8 heyl(e), ern(e) beb(e)t Tycb ein 

ftryt. 

347 No fint yr dj^oerCe) des keyfers Ermentrycb," 

vnd fraget' Tye der mere „wo myt hat ber Dytteriefa 
Ermentrichs des keyfers bolde (gar) Torlornl^^ 
das was den recken bejden vfzermofzen zorn. 

(BL 38, S. a) 

348 No wert vcb fromiglicb(en), wyr fin vbel gemut, 
ere mögt vns nit entwicben, üwer lyp vnd gut 
das yft vnfer eygen, rös vnd gewant/^ 

„er wel ich vch ertzeigen^^ fprach der aide Hjlbrant 

349 ,,Myn (vil) baldes elleu.^^ fprach er myt guden feden 
„komeu myn gefellen, yr laft vch fredes erbeden.'^ 
an ranten fye JQ bcyde myt ellenthaffter hant: 

es mocht' fye wol gerfiwen/ fycb wert der alt(e) Hylbrant 



Alpharto Tod. 329 

360 Der edel ryltcr küue ejn fcharpes wapcn trog, 

das was gehejfxen Briunig, da myt [d]er [rytter edel 

dyffj wonden Ilug 
dorch dye lieehten ringe an der felbeu zyt: 
fyn fwert bort' man [lüde] ercliugen, fo hart(e) wart 

der flryt. 

351 Da fingen fye da beyde yff den alden man, 
das es begonde erdofzen jm berg ynd jm dan. 
dye liege bort' erfchellen Studenfufz der degen; 

en er den fin zu bel£f(e) kam, es ging jn an das leben, 

352 Als fye die fper zubracben myt [den] fwerten äe da 

flreden. 
Studenfufz von dem Ryn(e) kam fcbyer(e) da geredeu 
myt fechs dufent man(nen) vfT den wyden plan: 
Hylbrant der aide jn grofzer forge nye kam. 

353 „Ift js, das ich no flyeben/^ fpracb der bocbgeborn 
„kere ich [dan] hyn dan weder(e); fo bin ich gar vorlorn ; 
fechs dufent man fint myr eyuig hye zu vil:^^ 

fprach Hylbrant der aide »^dach bin ichs, der ys wagen 

wU." 

354 Das->ros warf er vmb(e) der aide Hylbrant, 
an rant^ er dye finde, myt ellenthaffter haut, 

er begonde dye heim' fchellen vnd hye die wonden wyt. 
das erhörten fin gefeiten: ern(e) hub fich ein ftryt 

355 Da kamen dye Yyer(e) zu jm gerant 

Tyl wonderlichen fcbyer(e). der aide Hylbrant (8, b) 

müft(e) Ton den finden fin ende han gnomen, 

vnd weren jm dye Yyer(e) nit fo balde zu helff(e) komen. 

356 Ere fchare was clein(e), yr el(l)end das was [grofz vnd] 
da det wol das beft(e) Hng von Den(e)mark, [ftark, 
Walther von Kerlingen vnd der monch Ylfam, 

dye kamen myt gewalt(e) anderhalb hin dan. 

357 „No haltent vch zufamen(e),'' alfo fprach Eckart 
„Dement dye fwert zu den henden, fo gerüet f^e dye fart.^^ 
fye flugen vnd(e) ftachen dye L^*oi^^ wolgemuten man, 
das fye das her dorch brachen gar rytterlich byndan. 



330 Alpharto Tod. 

358 Alfo Studenfufz von dem Rin(e) die fin(e) haf* verlorD, 
da blyrz er [auch] noch der helff(e) eyn (vil kleinez) hörn, 
das vernam fin brnder Gere, da er lag in der fcbar, 
fechs dufent beiden küne fant' er jm zu bcl0(e) da^t 

359 Alfo die fonr(e) fahen, das fye waren vberladeo, 

fye fo(r)cbten, f^e nemen von den finden grofzem 

febaden. 
da fprach der aide wyfe meinAer Hyl(de)brant: 
,)Yns an(t) dye vnfern zu ferren, wyr hant den dot an 

der bant/^ 

360 Da fpracb Hylbrant (Eckart?): „ys doukt mych gut 

getban, 
DO lafzen wyr vyer(e) myi den finden vmb gan, 
vnd fenden den fonfilen binder ficb bin dan, 
das vns aucb komen zu belff(e) dye vnfern man/^ 

361 Da fprach Hylbrant der aide: „der bode wel ich fin.^^ 
vyl mancben (er) da falle, er det fin eilen fchin, 

er byeb fycb vfz dem norm(e) ferre dort bjndan: 
da bylt vff eyner ecke Hylbrant der küne man. 

362 Alfo kam [er] vfz dem ftorm(e), der aide Hylbrant, 
vyl endelicb(en) (bhyer(e) er den beim ab bant (Bl 39, a) 
vnd greyff nocb rym(e) bornlin vnd fetzf ys an fin montj 
er blyfz es kreftiglicb(en) nocb der belfr(e) da zuftönt. 

363 Das born er lut' erfcbelle der (vil) küne man, 

da myt er dem bere bedüdei^ bynder fycb byn dan, 

das er myt den finden not bette geleden, 

my t fecbs dufent män(nen) dye lange nacbt bet' geftreden. 

364 Da fpracb gefzogenlicben der bertzog' Nifger: 
„wolvff alle glicb(e) vnd fumet vcb nit mer! 
fynt das dye finde vnier fründe ban beftan, 

wyr komen jn fnel zu belff(e), ys donkt mych gut 

getban. 

365 Ab Hylbrant der aide zu dode wort erflagen, 

wer folt(e) dan den recken mere gein Bern(e) fagenl'^ 

fye gingen zu den rofl'en vnd war(e)n wol bereyf, 

fye ranten alle glich(e), yr eyner des andern nit enbeyt. 



AlpharU Tod. 331 

366 Eyn baner grüne füerl(e) Nitger in der hant 
das fach harte») gern(e) der aide Hjlbraut, 

ala er dye gelrue helff(e)' fo frolich komen fach, 
er reyt weder zu den vier(e]ni no boret, w^e er 

l^rach; 

367 «Vns brenget [dye] getriie belir(e) der herUog' NItger." 
dje here xu beyden fyteu neygeten yr l^er, 

dye fchefft(e) lüde erkrachten von manches beiden hant, 
sufamen fye da kamen, recht als nieder brech' eyn want. 

368 Alfo fye suramen(e) gereden vff dye wal, 

da hnb fych von den recken gar eyn grofser fcbal, 
fye byeben dorch die ringe das flyfzen(de) blut; 
es lag von yrn banden manch küner rytter gut. 

369 Da gab der hertzog* Nitger das banner vfz der hant 

CS,Ö) 
vnd gr(e)yff zu fyner fyten, Aye wyle was [}m] nit lang, 
noch eynem guden fwert(e), das was lang vnd breyt, 
Studenfurz(es) mannen ftyfft\er not vnd arbeyt 

370 Da fftreyt vermefzentlich(en) der aide Hylbrant, . 
nymant kont' jm glichen, er füert^ in fyner haut 
eyn fcharpes fwert rwer(e), lang Tnd(e) breyt^ 
das zu beyden fyten gar crefliliglichen fneyt 

371 Welchen er mocht' erlangen, den lyfz er nit genefen, 
Hylbrant der aide, wye mocbt' er küner [fin ge]wefen? 
er hyeb dorch dye ringe das flyfzende blut, 

er facht myt folchem grymme, keyn alder ys nomer mee 

gedut« 

372 Da ftreyt vermefzentlicb(en) Walfher der degen, 
fyn fwert bort' man erclingen, da facht er fo eben 
und ftreyt auch gar fere au(e) allen wang: 

myt lybe vnd myt gude feyt^ maus jm feder dang; 

373 Das det der [edd] vogt von Bern(e), der küne wy- 

gant 
Walther von Kerlingen füert^ an fyner baut 
eyn fwert das ja dem norm(e) als eyn glock' erdofz : 
(das) Wallher(e)s eilen was vfzer mafzen grofz. 



832 Alpharti Tod. 

374 Hug von Deii(e)inark(e), eyo vr^erweller degen, 
manchem rytter ftark(en) nam er da fin leben, 

er begonde helm(6) haaw^sn vnd mancb(e)8 fchyU(e)8 

« rantt 

airo jo dye fchonen frauwen von Bryfach hatten gefimt 

375 Ekart der küne, eyn mere wygant, 

▼il wonderlichen rcbyer(e) kam er da(r) geranf, 
* er was gereden fer(re)n, das wel ich rch Tagen, 
Stadenfürz(es) bruder bar er fin beub(e)t abgeflagen; 

376 Der was geheyfzen Gere, eyn kiiner wygant* 

Studenfafz von dem Ryn(e) kam fcbyer(e) dar gerant 
royt fechs dufent man(nen) vff den wyden plan: 
Ekart der.küne in grofzer forge nye kam. 

377 Da Hug er Eckarten vff finen fteblen bat, 

dafis man das blut fach flyefzen von dem helni(e) got, 
vff der heyde grüne ftrucbelt' er in das gras: 
Ekart der kiine myt erefflen da beftanden was. 

378 Da kam der bertzog' Nitger zu getragen (gedrangen?) da 

zu bant, 
eyn blutfarbes waffen füert' er in finer bant, 
er fcbrot dye liecbten belm(e) vnd mancben nuwen 

fchylt, 
da folt (falf?) er in dem norm(e) mancben künen bei- 
den mylt. 

379 Eyns bedermans genyfzen dufent kiiner man; 

fo macht eyner eyu her verzagt, der ys nit gel(e)iden 

kan. 
alfo was [der] bertzog' Nitger eyn vfzervv elter degen, 
er fprang zu fin(en) fründen vnd halff jne n;ryt(e)8 

plegen. 

380 Ekart der kiine weder vfffprang, 

fyn gut fwert jm (lute) an der beude erclang, 
es was geheyfzen Gleite vnd was vnmafzen ftark: 
da det wol das beute Walther vnd Hug von Den(e)- 

mark. 



Alpharts Tod« 333 

381 Hylbrant der aide vnd monch Tlfam, 

dye koment myt gewaU(e) ander halb hyen dan 
dorch das bere getrongen, das wel ich reh Tagen: 
alter vnd(e) jonger der wart da vil zu dode erflagen. 

382 Studenfafz von dem Ryn(e) vnä zwölf finer man 
yfz dem harten ftorm(e) an das geberge entran, 
man fach vber das gefylde (fie) fliehen zagelicb 
ynder heim vnd fchylt(e) vor den keyfer Ermcnirieh. 

383 Da jageten fye dye von BryTach wol eyner rart(e) 

wyt: (S. ö) 

da[8] kerten fye hyn weder(e), da gefchen was der 

ftrytj 
da fye in dem ftorm(e) warn znfamen komen, 
da hatten dye von Bryfach eyn febonen raup g(e)nomen, 

384 Ynd erfachlen myt dem fwert(e) hart(e) degenlich. 
Studenfafz von dem Ryn(e) was gut(e)s alfo rych, 
er hat(e) dar gefiiret golt, fylber vnd gewant: 
da(s) hyfz vff laden von Bern(e) meynfter Hylbrant 



IX. 



385 Alfo dye feiimer war(e)n bereyt vnd [weder] vff ge- 

laden, 
vnd die kamer wagen(e), dye da folten tragen,, 
da fürten fye gein Bern(e) das krefftig(e) gnt: 
das fach her Dyttherich gern(e), er was dogentlieh ge- 

mnf. 

386 Studenfufzen von dem ryn(e) wart not vor Erment^ 

rieh. 
Hylbrant myt fynen fründen reyt gein Bern fyoherlich 
vber dale vnd berg(e), der dogenthafile man: 
an dem feb^den abent der bell vor Bern(e) kam, 



331 Klfkam ToJ. 

387 Da fimch HylbrMt der aldk: „li^iMa IHfaide Mys, 
got mUfz" TBfer walte« 1 irma lefl dal% aicflMnt Jac, 
dya ftat yft befloraea:^^ fprach HylbraBt der dagcn 
,,kk wel der rchyl(wacht(e) wylligiidi kye plegca.«' 

3S8 Da deden Be tÜ geni(e), daa fye der aide bat, 
fye legeten fych xa felde Tor Bern dye Hat, 
manch f&er fye yW fingen, die beiden rber al r 
fyeb bnb zn beyder fyten eyn tII Inder Tchal. 

369 „Dye fchylde keret nyeder vff das lant. 

daa tbnn icb dar vmb(e)/* alfo fpraeh Hylbrant 
daa vns nyeman erken(ne), yr ftolsen beiden g^f, 

{Bi. 4i, 8.a) 
da bant wyr Tchyer^ verfaebet der kfinen Wolfingei 

nint.'< 

390 Dye fcbylde kerten Tye ▼nib(e) nyeder vff das lant, 
da wart fchyltwecbter der alte Rylbrant, 
er begonde dye wecbter rnffen vff dem borggraben: 
„vnd (nal) mogent (iry^ Tpracb er ,,der Aat nit behabeo." 



X. 



391 Alfo der lyechfe morgen an den bymel katn^ 
da riont vff myt forgen der forn(e) lobefam, 

der degen (ril) küne, als jne dye forge bezwang s- 
wan jm dye beiden kcmen, dye wilc was jm lang. 

392 Alfo der vogt von Bern(e) dye [beiden] vff dem felda 

erfacb, 
rtt triirigliebem mnde, no borent, wye er i^raeh^ 
,,der vns dye mere erfüre, yr flolzen beiden gut, 
wan dye recken weren/^ er waa trnryglich gemnfw 



Alpharts Tod. 335 

393 99 Wer fal es [bafz] befinden^' fpraeh Wolffart der degen 
„noch bafz dan ich felber?^^ er facht als eyn eher, 
wan er wart ertzomet vnd er kam in den Itryt 

„der dye mere vor mych erfüer(e), ich wolf* jm rmber 

tragen nit." 
[da wapent^ fych (winde der küne Wolffart.] 

394 An leyl' er fin gefroyde, der helt was vnvertzeyt, [feyt, 
eyn gut ros (man im brachte): „yr her[re]n, vch fye ge- 
ich wel alleyn ryden zn Bern vor dye Itat, 

myt den beiden wel ich ftryden.*^ kein helff' er dar zu 

bat. 

395 Hoch wart vnd wyt(en) dye phort' vff getan, 
,an denfelhen zyten Wolffart [wart] hin vfz gelan^ 

vher dye heyde gröne kam er dar gerant, 

gegen jm von Bem(e) fyn ohem Hyibrant, (s, d) 

396 Da hat^ er an fych gekeret das gülden farbant. 
Wolffart [der] fragf jne der mere, wer jn hat vfzgefant 
„da fint wyr vorreyter,^^ fpraeh der küne man 

„vnd foUent herberg' enfpha(h)en dem keyfer vff defem 

plan." — . 

397 „Dye folt yr entpha(h)en nach hüde von myner hanf, 
das ys dem mag verfmahen, der vch hat vfzgefant^^ 
das ros warf er vmb(e), jm wart vnmafzen i:orn, 

er rürer ys kreffliglichen (zen fiten) myt den fporn. 

398 Vber dye heyde grüne kam er da(r) gerant: 

den fchylt warf Hylbrant vmb(e), da fach er das far- 
bant, 

[er fpraeh:] „bifz got wilkom, Hylbrant, lieber ohem 

mynl 

dye helff(e) fen ich geme(e), dye da breng(e)ft iron dem 

Ryn," 

399 Wolffart [der küne] kam weder(e) jn dye ftat ge- 

rant, 
dem edeln vogt von Bem(e) det e¥ dye mere bekant. 
myt fonff hondert man(nen) er vor dye porten ging, 
gar dogenHieb(ea> er dye reeken alle entphing. 



336 Alpharls Tod» 

400 [Er fprach:] „byfs got wylkom, Hylbrant, lieber meya- 

rier myn, 
vnd der berfzog' Nitger, der fal myn obem fin, 
Walther von Kerlingen Tnd Hug der küne man, 
darnach dye recken alle, dye ich nit genennen kan/^ 

401 [Er fpracb:] ,,by8 gotwilkom., Eckart, du vil werder 

man, 
du dragllfc cyn gelrüwes ber(z)e^ ^ du wilt mych nit [in 

noden] lan. 
was ich dyr dorch den keyfer zu lejde ban gethan, 
des wel ich dycb ergetzen dye wyl ich das leben ban/^ 

402 Danoch lag vocborgen der moncb YlXam, 

myt harte grofzen forgen, bys man jm holde gewan, 

er vnd lin cloHter man, eylf hondert wolgethan, 

dye aber den Hechten ringen drugen rwartz(e) kotten an. 

403 Da frager er der mere, were fye mochten An. 

(W. 4i, S. a) 
fpracb Hylbrant der aide: „er hat nit der bolde din, 
ja yft; ys myn brudcr, der moncb Tlfam: 
vergeh jm fin fchulde dorch got, du werder man>^ 

404 „No darff ich nit fyner helff(e)!'^ fprach herre Dyttrieh 
„ich bin fin'fteder fi(e)nt, das wyrz(e) fycherlieb, 

er flug myr vor Garten den lieben ohem myn: 
früntfchafft vnd(e) Tune fal jm gar vorfaget fyn," 

405 „So betten wyr vbel gedinet/' alfo fprach Eckart 
da fagten fye jm der mere, wye er vff der fart 
myt Sfudenfufz(es) manen bette (da) geftreden, 

vnd was er vff der ftrafzen grofzer not het' erleden/ 

406 „Des wel ich jn lafzen genyfzen,^^ fprach herre Dyttrieh 
„eynen freden Uteden^ wyfzent fycherlieb, 

fal er ban gein Bryfach weder an dem Ryn/^ 

alfo fprach der von Bern(e) „des folt yr gewert fin." 

407 „So wol vff fchyer(e) !^^ fprach Eckart der degcn 
„frede vnd geleyde woln wyr im felber geben." [der hant, 
fye wollen alle von dan [fin gefcheden], da erwofcht' fie mit 
„no bydent ein(e) wjle.^' fprach meynfter Hylbrant. 



Alpharts Tod. 337 

408 Da baden yBd(e) fleten jm ^ye ron Bryfach. 
als der vogt vou Bern(e) das zu recht erfoch, 

[er fprach«] „vergeben ffe dye fchulde, dem monch 

Tlfam, 
dorch vch fo hab' er hulde, dafc wjfz' möge viid(e) 

man.^^ 

409 Da enlpbiDg jne lobelich(en) der forflCe) lobefam, 
der edel vogt von Bern(e) vud alle fin(Q) man. 
Wolffart vnd(e) Segeftab, dye zwen(e) küne man, 

fye forten den monch Ylfam ?ber Alparts grab (hin-) 

dan. 

410 Da clageten fye elegelich(en) den kindefchen degen, 
Alpart den jongen, der dot was gelegen. (S. ö) 
[er fprach:] „das we7n(en) laft b(e)liben, (ir) man vnd 

jr wyp, 
vnd achtet, wye man vns vergelt(e) Alpart(e)8 lyp/^ 

411 Da fprach Eckart der gude: „es donkt mich wolgethan, 
ros vnd(e) lüde foln wyr ruwen lan 

bys an den fechften morgen,'^ fprach Eckart der degen 
„fo mögen wyr vff dem felde gein den finden ftr7i(e)s 

plegen.^^ 



XI. 



412 Studenfafz von dem Riu(e) was vor Ermentrich komen. 
Schieb der vngetrüwe hat' dye mere vernomen, 

er fprach: „wolvff, vor Bern(e), lieber herre mynl 
koment fye zu der porten [hin] jn, fo wyrt dye ftat 

nome» dhi.^^ 

413 Sye gahten vber das gefyide, vber dye heyde breyf, 
manig ry tter küne ^ vnd degen vnvertzeyf., 

des heres eyn mychel deyl kamen vff das felts 

da flog man vff dem keyfer manch fehone getselt *— 



3» llphMiiTaiL 



414 AlU W^Mbtt 4er hmme ^e [faitfl WT 



^fo •.-.^« ., 



M rcdb- iai kHrl(e) 9cn(e) rafcr hcrtslicWs fer.<< 



W3T warfca by 4er xyiCeX wm wjr Mks 
4y« TM ▼& des flanke) ^e catwjAcB mSL^ 
tje liaf tca eylf dafest, das (wm) cm cdd dyct. 

4M Ire cdefai WrsfccKre> giascB m des (tm 4cm1) lal, 
je xwen" oiyt erBuder, Tsd (diel) flegea kis »idal; 
der WM w«l xweui^ daleat Tlxcnrciter bsb. 
fpracli Hylbnuit der aide: ^wyr waia dje fiada wtl 

beAaa. 

417 Es doaket (ze wäre) aodb mjck ril gnl gethao, 
wyr lafsea aiya brader Ner(e)n by der portaa ffaur; 
als wyr mfiftea wychea, lieber berre mya, (tt. 49, & ^ 
dem fceyfer Enaeatriebe^ er let rat balde jan.^^ 

418 „No yfl bye nit eatwicbes/^ fpracb Nydoag der dcgca 
,,pebeat myr dye fane, ycb wel yr felber plegen. 

ich tuet' veh fycberliehen jn des Aormes not: 

rns mnfz der keyfer ealwichen, ader woln geligen dof.^ 

419 Da gab man Waldericben das banner in dye bant; 
da wart fin geleyt(e) der kune Sigebant: 

fye füerlen js ron Bem(e) vnd fteckten yt \f[ den 

plan, 
bys das der bindern(e) zum forderAen kam. — 

420 Alf[o] Sebteb der vngeträwe das banner erfacb, 

er Jaget^ rar den keyfer, no boret, wye er fpracb: 
„rns wel der rogt von Bern(e) myt ftrjden bye be- 

ftan; 
bereytet vcb so ftom(e)l ys donkt mych gut getban. 

421 Wytdicb ▼nd(e) Heime, rcb yft der keyfer boU, 
er gybt vcb vil gem(e) An falber vnd fin golt, 
dar an folt yr gedenken, yr vAierwelten degen, 
ere folt in fym(e) dinfte wagen typ vnd(e) leben.^ 



Alpbarte Tod. 339 

422 „Wyltu (tryden, Sebycb,^' fprach Wytiieh der degen 
,^da vnd der keyfer rych(e)i myt üb vnd myt Idireo^ 
wollen wyr by Tcb wagen jn (des) ftormes not^, 

ieb rnd der hell Heime, ader woln geligen dot^^ 

423 9,No wel ich by Tch ftryden,^^ fprach der keyfer ryeh 
„zwofcben üwer [beyder] fyten, das wyOeet ficber- 

• lieh." — 
,,fo bereyt(et) vch zu ftorni(e) vnd üwer here fo breyt: 
den künen Wolffingen yft vmh Alparten leyt." 



XII. 

424 Da »wart heupt meylter Rynoll von MeylaD, (S. b) 
dar vmb wärt jm su miete dye fclbe ftat [fo] gethan. 
jne bat der rych(e) keyfer (balde) Tor fych gan : 

er beftilch jm an den ftonden^ fyne Aorm fan. 

425 Dye fchare (vil) rych(e) worden da bereyt, 
vnder eym' banner grfine, was von golde breyt 
acht banner, rnder yglichen zeben dnfent man: 

da mocht^ der rogt von Bern(e) nit mee dan dryftig« 

dofent han. 

426 Da fprach von Eerltngen Walther der degen: 
,,ich wel des vorftryt(e)s noch hüde byo plegen, 
dorch her Djtterychs willen, des forff en fo zu bant : 
ich thnn ys wel myt eren, ich bin geboren aus Dfltzfch* 

laut." 

427 „Das enwol got ron hymel(e)I^^ fprach Wolffart der 

degen 
9,ich wel des Torftrjt(e)s noch httde hje plegen. 
ich thun ys wol von fcbulden, mych zwingt (des) die 

not: 
Alpart myn bruder yft niyr gelegen dot." 

22» 



340 Alphafto Tod. 

428 Hyt den felben werten erfprengen da began 

▼on Bern Ton der porfen Wolffart der kOne man. 
gegen jm rejt ejn graue von Dntfehgaw geboro : 
Ton Wolflfieirt(e)8 banden batte er den \yp balde ▼erlorn. 

429 Er ftyfo jn von dem reffe bernleder vff das lanf« 
ttocb Jm kam getrongen der aide Hjlbranf, 
Waltber von Kerlingen vnd der moncb Tlfam: 
Aje bere zu bejden fyten faben da eyn ander an. 

430 Da rpracb der vogt von Bem(e): ,,dorcb got, no Bot 

gemant 
vber Wjtticb vnd Heime, die beiden fo zu banf, 
Sebicb Tnd(e) Ermentricb, die vyer worden erflagen: 
fo woir icb Alparten nomer me(r)e geclagen.^^ 

431 Der edel vogt von Bem(e) det fin eilen fcbjD, 

wo er r(e)yt [in dem Ilorm] da vermeldet' jne der Hjl- 

dengryn. (Bi. 44, S. a) 

er begonde dye finde Tuchen hjn vnd. dan, 
Wytdieb vnd(e) Heime, von den er grofzen fchaden 

nam. 

432 Alfo Wytdieb vnd Heime das zu recht erfaeb, 
ere yglicher fyu zeychen von fym' helm(e) bracb, 

dye fchylde fwongen fye zu rücke hinder fych zu hant, 
das fje jn dem ftryde nyemant worden erkant. 

433 Hach(e) vnf(() Hylbrant, dye zwen(e) beiden gut, 
dye byen dorcb dye ringe das flyfzenCde) hlut; 
fye war(e)n in dem Itryde myt zori^ vb erladen: 

da det dem rychen keyfer nymant als(o) grofzen fchadeo. 

434 Waltber von Kerlingen vnd Hug von Den(e)mark, 
dye zwen(e) rytter jong(e), es war(e)n beiden Itark, 
fye byen dorcb dye ringe . das flyfzende blut: 

es lag von yren banden (vil) manig rytter gut. 

435 Da ftrcyt vermcfzentlichen der moncb Tlfam. 

da fpracb der keyfer rycb(e): „was ban icb dem getbanl 
das icb clofter lüden ye fo getrüwe was! 
fye fingen gar Übeln don vnd fein manchen in das 

gras. 



Alpharts Tod, 34| 

436 Nydong nryt(e)8 gert(e), wan er des fanen plag, 
myt Tynem guden fwert(e) det er manehen flag^ 
er byeb eiQ(e) flrafzen dorch dye wyde fchare, 
dye here zu beyden fyten nameii Bn genot(e) war« 

437 Worffart der fliorin gyte vnd meyfter Hylbrant 

zu forderft in dem Hryde, da wart fcbyer^ entpfaDt 

manch rytter jonge vmb Alpart(e)8 dot: 

fye worden vndertrongen Jn des ftormes not. 

'438 Bercbtram von dem Berge manchen man erflug; 

Sewart der aide Ayflt* erft' vngefugk. (S. ö) 

zu dem kam fcbyer' gereden Wolffart der küne man: 
er wont(e) han gefonden dye, von den er fehaden nam. 

439 Anranten fye da beyde den (vil) künen degen, 

fye wolden Jn han gefche(i)den von fyg* vnd vom leben : 
da wolt' jn nit entwycben der küne Wolffart; 
vff der heyde grüne jm fin ros [zu dode] erflagen 

wart. 

440 Da ftont K(w)ürchen jne beyden der (vil) küne degen^ 
fye wolten jn han gerehe(i)den vom fyg** vnd vom leben, 
eyn fcharpes fwert (lute) elang Wolffart in der hant. 
das erhört' jn dem ftryde der alte Hjlbrant. 

441 Hjlbrant der aide kam zu jm gerant, 
da er Wolfiarten jn grofzen noten fant. 

er fprach: ,,ohem WölffiEirt, hab' dyr eynen man, 
▼nd lafz myr den andern, das donket mych gut ge* 

tan." 

442 Bercbtram von dem Berge den flug Hylbrant 

eyn fcharpes fwert fwere füert' Wolffart in der hant. 
er nam ys zu beyden fyten (banden?) vnd gab Sewatte[nl 

eyn[en] flag, 
das er an(e) fchande dot vor jm lag. 

443 Hylbrant der aide ein fcbones mark da gefing, 
d^s jn dem ftryde nahe by fm ging, 

dar vff was fchyer' gefefzen Wolffart der vfzerkorn: 
welchen er mocht erlangen, der hat' fin leben verlorn, 



342 Alpkartf Tod. 

444 Ekart der kiine, eyn mere wygant, 
dorch dye fchylde grüne ryel (veW?) er vff 'das laat 
manch (manigen?) rytier kfine, das wel ich rcb fagei: 
von Eckart(e)8 banden worden dufenl mma erflagen. 

445 Aller erft warf ertzornel Rofchlin das ros |>^f, 
wye faft es vor Eckarten beyfs Tnd(e) flog! 

(Bg. 4S, & i) 
dryhondert man dreyp yfz hinder fych byndan: 
er fuehl(e) Sebycben, [den vngetruen] der den ral haf 

gedan. 

446 Air[o] Sebycb der vngetrttwe Eckarten an fadi, 
vyl [wonderlicbeu] fcliyer(e) er fyn zeycben Ton den 

belm(e) bracb, 
den fcbylt fwang er zu rücke bynder fych sa hanf, 
das er ju dem ftryde nymant worde erkant. 

447 Wytticb Ynd(e) Heime, dye zwen(e) bylden gnt, 
dye byeben dorcb dye ringe das flyrzen(de) blnf. 
fye war(e)n jn dem ftryl(e) myt zorn vberladen: 
da det dem vogt von Bern(e) an lüden nymant fo 

grofzen fchaden. 

448 Waltber von Kerlingen vnd Hug von Den(e)mark, 
dye zwen(e) rytter jung(e), ys war(e)n beiden ftark, 
Hylbrant der aide ¥nd der monch Tlfam, 
dye kerten alle ¥yer(e) geyn den zweyn künen man. 

449 Hug von Den(e)mark(e) ejn fcbarpes wapen trug, 
da myt der degen rtark(e) vff Wytticben da flug, 
das Ionen (Linune?) der beim veft(e) da dreffen (dieÜMn?) 

began : 
da ker<(e) noch dem fchalle Ekart der küne man. 

450 Nagelriuges ecke da vil lüde erclang. 
ymb Wytdichen vnd Heimen wart eyn grofz ge- \ 

trang, 
das dorch dye Hechten helm(e) das wilde füer fchofz. 
Myn furges (Mimunges?) ecke an Wytticbes hende 

lüde erdofo. 



AlpharU To^. 343 

451 Segenftab der junge hawen da began 

eyn ülrarzen wjt(eii) dorcb [dye] «eben dureat oiao. 
als er den vogt von Bern(e) von fer(r)ein anfaeb, 
vfz zomiglicbem made, do borenti wje er fpraeh? 

452 ,,Edeler vogt von Bern(e), lieber berre niyu, 

icb kan jr nyrgen finden, des mufz icb trurig ün, 
Wytfjcbs vnd(e) Ueime(n), dje js bant getan: (^S^. ö) 
»mag icbs aber gefiigen, js wufz jn an das leben gan/< 

453 Der edel vogt von Bern(6) bauwen da began 
ein flirafzen wyt(en) dorcb zeben dufent man. 
Wjtdicb vnd(e) Heime batten den ftrjt erbaben, 
Sebicb vnd Ermentricb [Wjtdicb vnd Heim] dje vyer 

entrou(ncn) geyn Raben. 

454 Da fagel" man Rynolden da dye mere 

vfje Sebicb vnd Ermentricb [da] entronnen were: 
„ro balde icb allzu lang(e).^^ zu der flucbt lejV er 

dve fan: 
da folgt' jm vfz dem ftrjde nit mere, dan dryfsig dufent 

man. 

455 Nocb mer dan fonfi^zfig dufent warnt gelegen dot, 

dye andern fjcb buben vfz dem ftrjde (ufz bnben?), das 

det jne not. 
da jageten fye dye von Bern(e) wol ejner rai!(e) wjt, 
vnd kerten da (bin) weder(e): Zugängen was der flrjt. 



XUI. 



466 Alfo fye [weder] in dem ftorm(e) zufamen war(e)B 

komen> 
der edel vogt von Bern(e) bet(e} gern vernomen, 
was er in dem ftryde lüde bet** verlorn: 
vmb dye was jm le/de, dem forften vfserkom. 



844 Alpharla Tod. 

457 Da fye das vernamen vnd zaramea waren komeii, 
mcl Ymb befahen, da hatten fye rernomen, 
das der von Bern(e) zwey dufent was gelten: 
dye claget' clageHeh(en) der vrserwelte dfegen« 

468 Da fprach Hylbrant der aide: ,,ireber here myn, 
edeler forft(e) ryGh(e), lafzet üwer clagen fyn, 
ere wyft doch wol felber forn(e) lobefam, 
das man Jn folichen ftryden mufx grofzen. fehaden 

ban/' 

459 Da byefz der monch Ylfam vff blafen An herhom: 

{m. 46, S. «) 
da hatte er der fynen da keyn(en man) Terlorn, 
da famelt' er der fynen da eylff hondert man, 
dye aber den liecbten ringen drugeu fwarz(e) ket- 
ten an. 

460 Wye balde der vogt von Bern(e) Jn des keyfers getselt 

giel 
da fant er grofzen hart (bort?), den er gelalzen Jiye, 
fylber vnd gefleyn(e) vnd das goU fo rot, 
das der [edel] forft' von Bern(e) fin beiden da mit eren 

bot. 

461 Des lobet' man jn dem lande den edeln Dyttherich. 
dar kam an(e) fchande manig wytwe rieb, 

vff der heyde grüne, boren wyr nach fagen^ 

da bnb fycb von den frauwen weynen Ynd(e) clagen. 

462 Da fprach der vogt von Bern(e): „ys fal erlaubet 

wefen, 
das man fiicr' zu lande, dye mogent (noch) genefen; 
dje doden alle glicb(e) fal man (bie) begraben; 
fynde vnd(e) fründe foln des vrla(u)p haben.^^ 

463 Dye wale fye da rumten» vnd reden [gein Bern] Ja 

dye ftatt. 
dye mynniglichen frauwen, als man vns gefaget hat, 
myt der bertzogin frauw^ Vden iglich(e) ging, 
da yglich(e) yren man dogentlich entphing. 



Alpharts Tod. 345 

464 Rych(e) fpyfe vnd kofl(e) wa(s) da vil bereyt, 
man plag der ftryt müden, als vns yfl gefeyt, 
frauw* Vde dye rych(e) vor dye dyrch(e) gic, 

der vil edeln beiden plag man (mU) triiwen (h)ye. 

465 Das gut wart gedeyl(e)t vnder dye beiden lobefam. 
da fprach Eckart der küne: ,,wyr foln vrla(u)p haa.^^ 
der edel vogt von Bern(e) fo manig golt fo rot 

er da myt (gutem) wyllen den von Bryfach(e) boh 

466 Vrla(u)p zu der ftonde namen dye beiden lobefam, 
vnd^Eckart der küne auch ¥rla(u)p genam* (S. ö) 
das det der vogt (von Berne) myt trüwen da zu bant, 
(und) der vil getrüw(e), [von Bern] der aide Hylbrant. 

467 Der edel vogt von Bern(e) das nit vermeyf, 

des weg(e)s eyn(e) ran(e) er myt den bylden reyt; 
dabyen gein Bryracb(e) was jne alfo not: 
vnd hat auch dyfz buch eyn eüde^ vnd heyft Alpart(e)s 

dot. 



Die Ravennaschlacht 



Aus der Windhag-Wiener Handschrift. 



Jnu^iU 7hr. //2. 



Die RaTennaseblacht, 



I. 



Well ir von alten maeren ^^ ^^^ 

wunder beeren Tagen, f^'>}iXj9. 

Von rekken lobeb^ren, 

fo fult ir gerne [dar zuo] dagen, 

Von gr6zer her verle, 

wie der von Berne [fit] ßniu lant erwerte 

* 2. Vor dem kiioige Ermricbe, 
daz tnon icb iu bekant, 

Der wolt' gewalteklicbe 
ertwingcn Römifeb lant: 
Padoowe, Garten [und] Berne, 
daz wolt' er allez einig hän vil gerne« 

* 3. Dem tet er wol geliebe, 
als mir ifl gefeit, 

Dem berren Dietriche 
frumt^ er [roanig] ftarkiu lett, 
Hit wnofte und mit brande 
wueftet' er in in ßnem eigen lande. 



/ 



SSO Die Rnyeniiasdilielit» 

* 4. Nu fult ir hoBren gerne 
von gr6zer arbeit, 

Wie der vogt von Berne 

nt gerach finiu leit 

An [Ermrichen] dem ungefriuwen: 

was er begie, daz kam im fit ze riawen» 

* 6. Nu hcBret michel wander 
fingen und(e) Tagen, 

Und merket alle befonder, 

fich hebt weinen und klagen 

Und jAmer M6 Harke, 

der gefchaeh tf R6mifcher marke. 

* 6. Der kühig von Römifch riebe 
befluont nur ein einigez jär^ 

Daz wizzet ficherliGhe, 

nach dirre herverle, daz ift wAr, 

In Hiunifchen landen: 

in ruwen Iin man, die da wären beftanden. 

* 7. Vür die felben flunde, 
als ich vernomen hän. 

Kam nie üz ßnem munde, 

als mir ift kunt getan, 

Guot wort von Dieteriche: 

fwaz ieman tet, er gehabf fich triirekliehe, 

* 8. Mit difen herzen fwaeren, 
die her Dieterich, 

Als ich iu wil bewaeren, 

truok gar heimelich 

Yil tougen in ftm' muote; 

in ruwen harte ßne helde guote. 

* 9. Er lebet** mit getwange 
nalit unde tak, 

Unt treib daz (a])r6 lange, 

daz er niht anders pflak. 

Nun flarkez leit und [michel] forgen, 

alfö klaget' er fich naht und morgen. 



Die Ravennascbladil 851 

* 10* Des pflag er alf6 verre, 
als mir ift gefeit, 

Von Berne (da) der herre, 

dem was getriu]icli[en] ieit 

Umb den kuenen ^Ipharlen, 

er bewetnr ouch dikke den ritark.en Helmfekarlen. 

* 11. Allen den winder 
er mit leide rank, 

Er geliabl(e) lieh vil fwinder, 

groziu n6t in des betwank. 

Im truobten oft fin ougen. 

des nam war vronwe Heike (da) vil fougen« 

* 12. Do ßeh niht des wolt' aäzen 
der herre Dieterich, 

Noch Iin weinen läzen 

fd reht unmszeklteh. 

Daz begunde merken f^re • 

vrouwe Heike diu miUe und diu h^re. 

* 13. Si trabtet' in ir muote, 
als ich vernomen hän. 

Diu reine und diu vil guote 

vil dikke fprechen began: 

„Ow^, nu h6rt' ich [harle] gerne, 

j4, herre! waz wirret dem vogt von Berne, 

* 14. Daz er £6 klegellche 
gebäret allewege? 

Er treit heim(e)liche 

gr6z[ez] Ieit in finer pflege; 

Ich weft^ gern, waz im wsere: 

möbl*' ich, ieh geringe^ im fin fwiere/^ 

* 15. Do fprach gezogenliehe 

der markgräv' Ruedig^r: ^ 

„Küniginne riebe, 

wol weiz ich Iins herzen f^r 

Und allez daz im wirret: 

j& ift ftn vil, daz in leider irret.^^ 



852 IM« RareniMiacMaell 

* 16. D6 f^rach vroaw' Heike drAte 
mit zühten dk zehant: 
,)Her[re] Roedig^r, nü rlite 
üi erweiter wigant, 
Wol bedarf ich diner Ure« 
• Bu enrar vil rehte an dem rekken höre, 

17. Ob im in Etzel(n) lande 
lernen iht hab' gelin, 
Vil geru^ ich daz bekande, 
wold' erz iemen wizzen Un« 
Aw^ ! ja ift mir harte fweere 
umb den tugenthaflen Bern«re/^ 

18« ),Ich tuen, tU liebin vronwe.^^ 
fprach Ruedeg^r zehant 
,,yil wol ich des getronwe, 
mir Tage der künik von Rdmifch lant 
Sin[en] kumber voUekliche: 
er gebftret^ des ich w»ne, trürekllche/^ 

19. Dan gie der markgräv' Ruedegdr 
über hof ze hant, 

Gebiten wart da nimmer m^r, 

da er den Berneer^ vant, 

Mit unverzagtem muote 

fprach mit zühten Ruedeg^r der guote: 

20. ),Edel vogt von Herne, 

ich bin umb fuft niht [daher] komen. 

Ich bset' dich harte gerne, 

wan ich hän daz wol vernomen, 

Du ringelt mit grözen forgen: 

cz ift ftarkez leit in dinem herzen verborgen. 

21. Sag' mir, waz dir werre, 
durch die triuwe din; 

Etzel min herre, 

und euch diu vrouwe mfn, 

Die nimt des michel wunder, 

waz daz fi^ daz dd klageft f6 befander. 



Die RnvennascUachU 353 

22. Alle din herzen fwaßre 
ift in mit triuwen leit. 

Nu Tag' mir din meare, 

kuener rekke unverzeit, 

Daz ich ez diene immer m^re.*' 

d6 fprach mit zühten von Berne der h^re: 

23. 9,Wol mag ich in dem herzen 
weinen unde klagen 

Umh minen gr6zen fmerzen, 
den mnoz ich [leider] eine tragen 
Vnd [dikke] weinen an dem mnote: 
ja riuwent mich die edeln helde guote, 

24. Die ich in R6mirch lande 
alle verloren h'lin. 

Ow^; der gr6zen fchande! 

daz ich mich niht gerechen kan 

An dem kiinige Ermriche, 

daz riuwet mich (vil f^re) fieherliche/' 

25. Dar umh klage niht fdre,^^ 
fprach der mark man 

,,Vil edel vürfte hdre, 

▼il wol ich daz vernomen hftn 

An [vroun] Heiken miner vrouwen: [wen.^^ 

man muoz dich fehlere [aber] in Rdmifch lande fchoa- 

26. D6 fprach der Bernsere 
mit zühten aliehant: 

,,llir fint wol knnt diu mere, 

der kttnik von Hiunifch lant 

Mir hilfet miner ^ren 

und tuot daz gerne, fwie wirz an gek^ren.^^ 

27. ,)Du folt dich klage mäzen,^^ 
fprach der mark man 

„Und ouch dIn weinen Uzen; 

fwaz dir hat Ermrich get^n, 

Daz wirt vil wol gerochen: 

ich hdn ez umbfuft nihi gefprochen.^^ 

23 



934 ^® RavenMMUadil. 

28. Üz dem vnmuote 
den Bernere nam 
Ruedeg^r der guote, 

[er fprach:] ,,darombe d6 dieh fcham, 

Und merke daz fü tougeD, 

es fol Diemen trnebe feben dinia oog^en/' 

29. D6 was ex an ein ende 
komen airan, 

Sie Dlim(en) ficb b) hende, 

Dietrtcb und der mark maB, 

Sie giengen über bof mit gewalde, 

fle ra[be]n bi Etzeln manigen rekken balde. 

30. Etzele der riebe 
tugentlich(en) fprach 

Ze dem herren Dietriebe, 

als er in an gefach: 

,,Got wil komen, ir beide! 

fwen ich ioeh fich^ fd ifl mir nibt leide. 

31. Ir benemt mir min fwere/^ 
fpraeh Etzele ze hant 

„Saelik H daz msere, 
d6 ir mir wurdet erkant! 
* Da von hän ich hiute wunne: 
ir fit mir lieber dann^ allez min knnne.^^ 

32. „Got laz' mich mit gefunde'' 
fprach her Dietrich 

„Geleben noch die ftunde, 

edel künik von Hiunifch rich% 

Daz ich gedien' die höhen ^re: 

inwer trtuwen vergiz ich nimmer m^re.*' 

33. Vrouwe Heike diu reine 
üf den palas, 

Nu merket, waz ich meine, 

mit ir vrouwen komen was^ 

Reht als man ezzen wolde: 

man fafzl' die herren, als man tuon folde. 



Die RaveDRaschlacht» 355 

34. Mit höeh vertig^em muote 
man ob dem lifche faz. 

Etzel der vilguote 

vil feiten des vergas. 

Er trdrt(e) den Berneere: 

,,nü vröut iucb, unrerzagter rekke maere. 

35. Wir fuln volle b6ch (ge)zft 
benamen binte ban. 

Daz wil icb raten äne ftrit, 

von Bern fürAe lobefam, 

Ir füU iucb darzuo ribten^ 

wir wellen ein(e) b6cb zit binte übten. 

36. Bi vrouw(e)n HerrSte 
fult ir ligen binabt, 
Darzno bereit iucb dräte, 

ftn ift rebt air6 gedäbt.'' 

D6 fprach [mit ziibten] der von Berne: [gerne.^^— 

,,rwaz ir und min vrouw' weit, daz leiflt' ieb [allez] 

37. ,)S6 dt b6hes muotes, 
künik von Bömifcb laut, 
Libes unde guotes^^ 

fpracb Etzele zebant 

,,Icb verUz' iucb nimmer mdre, 

icb gelige t6t, oder ir gewinnet [wider] R6mifcb ^re. 

38. 2e dem aller ^rften meien, 
ob icbz geleben fol, 

Swaz ich bftn geheien, 

daz geloubt mir wol, 

Von filber und von golde, 

dai gib** ich durch iuwern willen ze folde. 

39. Icb wil iu mit gelfe 
hundert tAfent man 

Läzen ze helfe, 

die befte[n die] ich gewinnen kan, 
Uf den künig Ermrichen: 

er gefigt uns an, oder er muoz uns entwichen.'^ 

23* 



S56 Dm BaTeMmeUadit. 

40. ,,Ich wü ia Bihl liegea/' 
fprach mark grSki" Ruedeg^r 
,,Noch niemen di mit triegea, 
von R6me edel künik h^r: 
Zwei tüfent helde gaote 

die fner'' ieh mit anTerxagtem muote/^ 

41. D6 fprach üz folaender Jagende 
Nnodunk der jange degen. 

Und oach mit reiner tagende: 

,,driu tüfent rekken [üz]erwegen 

Fner" ich iu, vogt von Berne, 

daz geloobet mir mit rehten triawea gerne.^' 

42. Bitroir der Stieraere 
fprach gezogenlich: 

„H^her Bernaere, « 

fo wil ich iu in R^mifch rieh* 

Drin tAfent rekken bringen, 

d&mit hiir ich in Rdmifchlant betwingen.^V 

43. Mit unverzagtem mnote 
fprach Dielleib der helt: 
„Vier tüfent rekken guote 

die hftn ich [felb] üz geweit, 
Dia Idz*" ich mit iu riten: 
• ieh wil ouch felb durch iuren willen ftriten/^ 

44. D6 fprach Gotel der mark man: « 
„herre her Dietrich, 

An** helfe [wil] ich iuch niht llin, 

daz geloubet mir wierlich, 

Zwei tüfent helde meere 

die bring'' ich iu mit mir zVAr, her Bern»re/^ 

45. D6 fprach der herre Blödelin: 
„ich wil ouch dAhin. 

Verfmaht iu niht diu helfe min, 

enrnochet, wie arm ich bin, 

Ze veld' üf allen Iträzen 

Ich wil iu zwelf hundert rekken l&zen.'^ 



Die Ravennaschlacht. 357 

46. Hornboge von Poiän 
fprach ze dem BernfPr[e]: 
„Fumf türent rekken ich hie han, 
daz fint al[le]8 degene mffir[e] ; 
Die wil ich^^ fprach der (tarke 

,,lu ze helfe fueren üf Römifch marke/^ 

47. Wallher der Lengefaere 
fprach dk al ze hant: 
9,D^swär, her Bernaere, 

[and] w»rn naher roiniu lant, 

Ich braht^ in helde guote, 

die in hülfen üs unverzagtem muote. 

48. Doch wil ich daz niht lazen, 
ich welle mit iu dar. 

Ob ez iu kumt ze mäsen, 
. fo geleift'' ich [noch] wol, daz ift war. 
Aht hundert werder rekken: 
ja helfent iu vil gerne (da) die kekken/^ 

49. »»Ich wil nemen niemens folt, 
daz wizzet alzehant,.^^ 

Sprach von gröjten Ungern Ifolt 
,,ich h&n briiht in Hiunifch lant, 
Als ich iu hie bediute, 
niun tüfent man, m&ge unde liute. 

50. Die fuert mit iu gein Berne, 
herre her Dietrich, 

Ich hilf iu wsrlich gerne, 

üf den ungetriuwen Ermrich. 

Wir fuln niht beliben, 

wir fuln in Az al der werlde vertriben.^^ 

51. „Ich bin ouch üf der reife,^' 
fprach von Lunders Helfrich 
„Wir prueyen michel vreise 

dem ungetriuwen Ermrich, 

Wir ftriten n4ch dem rehte: 

ich hän fehs tüfent [man,] ritter unde kneble, 



368 Die RaTennaschlachi 

52. Die in fcbarpfen firilen 

gar nnverzaget fint. ■» 

Die fuln mit ia riten, 

getriu[wez] Dielmares kini, 

Dd wir Ermrichen vinden: 

wir rechen uns an wiben und an kinden.^^ 

53. ,,Da muezen werden fiechen 
und pluotigiu velt,'^ 

Sprach her Dietrich von Kriechen 

,,wir retlen Rdmifch gelt 

Mit tiefen verch wunden: 

wir tnon den fchaden, des f^r' wirt enpfunden.^^ 

54. Irink der mtere 
balde hin vUr gie. 

Er fprach ze dem Bemaere: 

,,wizzel, daz ich iuch nie gelie, 

Sit ich iuch ie bekande: 

ich wil iu bringen fiben tdfent wlgande.^^ 

55. Norbreht von Bruveninge 
fprach: 3,ich bin iu bereit, 

Mich wegent harte ringe 

zehen tüfent rekken gemeit 

Ze fueren iu, vogt von Beme, 

die helfent iu getriulfch unde gerne.^^ 

56. D6 fprach Erwin von [Elfen] Troie: 
„wol mich, daz ich ie wart! 

Ich bringe iu mit fchoye 

zwelf tilfent rekken an die vart. 

Hey! daz fint alles degen(e), 

in fcharpfen ftriten kuene und verwegen(e).^^ 

57. „Sol dan diu reife vür 6ch g*n,'< 
fprach her Paltram 

„S6 wil ich hier niht beftlin, 

darzuo alle die ich hAn, 

Die volgent mir von hinne, 

Ich h&n tüfent rekken, als ich mich verfinne.^^ 



Die Raveimtsclilaclil. 359 

58. Sintram der kekke 
zuo dem Bernaer^ fprach: 
,,lch und manik rekke 

wir wel[le]n iuren uugemaeh 

Reehen mit rehten triuweo: 

kum wir an Ermrichen, ez muoz in [s^re] riuwen/^ 

59. Aftolt von Moutaren 
fprach alfam ein degeh: 
„Ich wil dal ouch bewftren, 
daz ich mich hie hSn verwegen 
Libes nnde guotes, 

her Dielrichy durch iuch, und bin nooh.dea muotes. 

60. Andertbalp tüfent l^ftelAii 
mag ich gewinnen wol. 

In minen pflegen ich diu han, 

damit ich iu helfen Fol 

R6mifch lant ze retten: 

wir fuln Ermenrichen alfo enpfetlen, 

61. Dae er 4ie herzen ttre 
lang*" und lange muoz klagen 
Und ouch immer m^re 

von difen dingen muoz Tagen. 

Ich weiz wol, her Berniere» 

kum wir ze ftrtte, ez werdent fetel Uere.^^ 

62. Dietmar von Wieneo 
fprechen d6 began: 

„Herre [von Bern], ich wil iu dienen, 
mit allen den, die ieh hdn: 
Fumfzehen tüfent rekken flarke 
die fuere ich iu At R6mirch(e) marke.^^ 

63. D6 Tprach vcm. Oller Franken 
der herzog' Herman: 

^,Her Dietrich, weit ir mir danken, 
r6 wil ich iu bi geftan 
Mit einleftürent [miner] rekken: 
wir fuln Erm(en)richen a)f6 wekken, 



aOB Die RaveuMcUaeH. 

64. Daz er qui an n» ende 
maoz leid und jl^mer tragen 
Und winten fine hende 

und wafen immer klagen.^^ — 

9,Daz fol niemen wider fpreehen, 

mag ich/^ Tpraeh Wolfharl ,yf(6 wil ich miiA rechen/' 

65. Von Bayern her Diepoll 
fprach, als ein hell guot: 
„Vogt von Bern, ich bin in holt, 
aht tüsept rekken höchgemnol, 
Die trouwe ich lu woi gewinnen: ' 

die fuere ieh iu mitfamt mir von hinnen.^ 

66. D6 fprach von Gran Wolfk^r: 
„ieh bellb' niht under wegen, 
Zweinzik ti\fent rekken h^r, 

die hdn ich in mlnen pflegen: 

Hei, daz fint helde maere ! 

die helfent rechen (iu) vil iuwer fw^re/^ 

67. Von Sibenbürgen Tyball, 
bruoder vrouwen Herrät 

Was der maere helt halt, 

er fprach mit ziihten an der flat: 

„Eünik von Römifch lande 

verfchmahent iu niht fehzehen tüfent wigande, 

68. Die fuer' ich iu ze wäre: 
üf R6mifche mark 
Ermriche[n] ze väre.^^ 

fprach der [junge] rekke flark: 

Welt ir mirs gelronw^n, 

ir muezet mich in iurem dienste fchouwen. 

69. Richolt von Ormenie 
ouch mit ziihten fprach: 

Ich und min [er] bruoder drie, 

uns fol ze dienft wefen gäch 

Iu, richer kiinik von R6me, 

nt uns wan holt und gebt uns daz ze lone. 



Die R«T0iiB«goliIacht. 361 

70. Wir bringeo di nnfer marke 
drizik tüfent man. 

Die mag^ wir/^ fprach der ftarke 

,,wol mit [gnoten] ToUen hliA, 

D6 mit dieii[e] wir iu, lierre, 

zwei gansiu j&r nl^hen und(e) verre.^^ 

71. Hinvür trat von Salnike 
der herzöge Berhtram: 
„Nimmer icli gelike(?) 

und alle die ich han, 

Ma^ muoz mich^^ fprach der werde 

„in iorem dienfte fehen üf Rdmifcher erde. 

72. Von EonFtnobel Wlker 
d6 niht lenger fweik: 

„Ift in lieb min wer,^ 

dem Bemsßre er [znhtichlichen] neik 

„Des bringet ir mich inne, 

zwelf tAfent man faer' ich iu von hinne.^^ 

73. D6 fprach gezogenitche 
der markgrAve Berhtunk 

Ze dem herren Dietrlch(e) : 

„aller tugende urfprnnk 

Bift du, Yogt von Berne, 

wir fuln dir mit triuwen helfen gerne, 

74. Min mag ift vil nfthen 
diu fchoene Herrdt; 

Nu l<i [du] dir niht verfm^hen, 

ob dir min helfe ze ftaten fiät, 

[Ich bring** dir] einlef tv^fent rekken r»ze^ 

die hinte min herre Etzel wider fteze. 

75. Ob fie im vtnt w«ren, 
er mueft^ ir forge bän, 

Nu merk' an minen masren,^^ 

fprach der unverzagte man 

„JA fint ez beide ftsßte, 

fi kunneu in nrlingen wlfer raBte.^* 



362 l>i<> Ra?eiin«8ch1acht. 

* 76. Nil merkt An* miflewende, 
waz ich gefaget hdn; 
Nu hat diu hilfe eio ende, 
die dem von Herne wollen geftdn 
Üf den kiinig Ermrtchen: 
nA hoeret andriu m»re fieherltehen. 



IL 



* 77. Was in von herfen firlten 
ie wunder(s) ifl gefeit 

Bt ieman(ne)8 ziten, 
von [gr6zen] herverlen breit: 
Dai ift ein touw' wider dilz' maere: 
da gewan ein her alr^fl der Bernere, 

* 78. Daz nie her fd ftarke 
bekam in Römifeh lant. 

Sich hebt üf Römifeh marke 

Harker roub und brant; 

Tür war ich daz bevidde: 

da gefchach leide roaniger muoler kinde« 

* 79. Des werde im verteilet, 
des fchuld ez ^rfte was! 

Sin f^le n ungeheilel! 

wan ich an bnochen nie gelas 

Von fft gr6zen untriuwen: 

des fol ouch mich Hn fchade kleine riuwen. 

* 80. Ich meine Ermenrichen, 
von dem manigez leit 

Itt komen ficherlichen 

als ich iu 6 h^n gefeit; 

Des engalt ouch er vil f^re: 

er gab darumb fit den Hb und al[le] fin 6re. 



Die RaveimaiGhlacht. 363 

* 81. Merket befunder, 
bic heb' ich wider an, 
Hab(e)t niht viir wunder^ 
nu wil ich iueh wizzen Un 
Diu rehten maere dr4te: 

nü nimt her Dieterich rroD(wen) Herräten. 

* 82. In dem witen palas, 
ää reibe Etzel faz, 

DA vil der [h6hen] rekken was, 

vür wÄr boBre(t) daz^ 

Und manik werdiu vronwe: 

a1[ler]6rn; ich vröud' an dem Bern»r(e) fchouwe. 

* 83. Miehel wart diu h6ch (ffe)zit 
als ich vernomen hän, 

Sich gefamt' nie d, noch dt 

£6 manik h^chedel man 

In Hiunifchen riehen: 

daz töten ß. ze liebe her Dietrichen. 

* 84. Yrouwe Heike diu milde 
diu was unmSzen vr6, 

Tugent fi nie bevilde, 

fi fprach ze künig Etzel äö: 

,,Nü tuo hiute vQrfIlichen 

durch den unverzagten Dietrichen. 

* 85. D4 bite die rekken alle 
üf den palas wit, 

Daz lie kernen mit fcballe 

üf den hof in kurzer zit 

Mit roITen und mit fchilden.'' 

daz täten fie vil gerne durch die mHden. 

* 86. Etzel(e) gie balde 
dd er die rekken vant, 

Er bat fi mit gewalde 

und euch guellich [al] zehant^ 

Daz fi fin[en] willen f«ten: 

des gewerten in die lYarken und die ftmten. 



364 D» RarwiBaschlaelit. 

* 87. ,,1r edeln rekken liere, 
nü rnoehet alle komen 
Baltlichen unde fehlere, 

als ir habt [felb] wol Fernomen, 

Vfir den fal mit h6heBi mnote: 

daz dten^ ich •umh inch mit iibe und mit gnote/ 

* 88. 6ebiten ward nie m^re 
dk von manigem man, 

Dnrch des Berners ^re 

bald[e] gahen man began 

Ze her berge manekliehe: 

da bereiten fich die rekken ellens riebe. 

* 89. Dft hiez man balde fpringen, ' 
als ich vernomen hän, 
Snellekllchen bringen 

diu üz erwelten kaCleHkn, 

Die gnoten nlnwen fchilde, 

die.fiBind'' vrouwe Heike den rekken milde. 

* 90. Die rekken vil vermezzen 
fi&zen üf diu kaHelan, 

D6 w4rt des niht vergezzen, 

Ae zogten [yür fich] uf den plan, 

Yür den palas riebe 

Climen mit rchal[le] die rekken lobeliche. 

* 91. Der buhurt der wart herte 
vor dem palas, 

Manig wider geverte 
mit hertem dringen [da] was: 
'Abel! die bukkel riebe 
die wurden von den Hoezen hertikllche 

* 92. Do zebrochen barf(e) r^re 
den rekken yor der bant. 

Nil vernemt noch mere: 

diu höhen riehen gewant 

Wurden zerzerret kleine: 

man fach den hof geftröuwet von gefteine ; 



Die RavenDaschlaelit. 365 

* 93« Üz den guoten Tchilden 
vielen fi ze tal. 

Vronwe Heike diu milde 

hiez dar geben, äne zal. 

Diu kleider, unverfehr^ten, 

die famit, und manigen pfelle r6ten. 

*94. Dirre buhurt werte 
vil näbe unz üf die naht. 
Swer guotes d4 gerte, 
[dem] gab man (in volle mäht, 
Von filber und von gölde 
hiez vrouw' Heike geben, fwer ez nemen wolde. 

. * 95« Der hof vor dem palas 
aller lak geflröu[we]t. 
Allez daz da indert was, 
daz wart mit guot gevröu[we]t; 
Man gab, fwerz nemen wolde: 
daz wolde got, daz >z nü -wefen folde! 

* 96. Nü merket vil befunder, . 
waz ich in wil Tagen, 

Mich nimt des micbel wunder, 
war komen fi hl difen tagen 
Zuht, miir und ^re: 
daz ifl verpflegen leider alzef^ftre. 

* 97« J^fns von himel riebe, 
war tuot diu weit nd daz guot? 
Daz man f^ lafterltche 

ze allen ziten d&mit tuot: 
Vervluocht fi der weite jugende! 
die mit güot(e) foUen beg^n tugende. 

* 98« Cfetrinwe und ^rbiere 
was diu weit bl alten tagen; 
Ditz^ ift ein altez miere, 

ir habC ez oft beeren fagen: 

NA ift diu tttgent verfwunden, 

mit fchanden lebt diu weit bl difen ftunden. 



366 Die Rt?enB«fchiaclit. 

* 99. Nu verwifet man mir fere 
V^n vluochen und min klagen; 
Daz ich f6 gar die ^re 

b4D über lebt bl difen tagen, 
leb bite des noeb s'wAre, 
'^ das wolte got, waere leb t6t vor manigem ji^re! 

* 100. leb wil mich (aber) mäsen, 
wan ez vervdbt mich uiht» 

Und a1[lez] min vluochen läzen; 
fwaz [gr^zer] fchanden nü gefcbibt, 
Darüf abtet man kleitfe: 
4^ , uü fintrjirfidb' verteilet und unreine! -- 

* 101. An mtnem alten m^re 
hebe ich wider an. 

Wie der Berniere 

die [fehoenen] vrouwen wol getan 

Nam^e einem wlbe: 

dar an, kb nü (. .) Hiete bellbe. 

* 102. D6 diu naht begunde 
zuo Hgen und(e) gän, 

Nu beeret hie ze Itunde, 

d& was ez komen daran^ 

Daz der künig wolde 

ezzen gän, als er (nü) tuon folde. 

* 103. Welt ir nA gern(e) fchouwen 
£6 beeret vil gereit: 

Manig fcboene vrouwen 

und manig berllcbiu meit 

Die mit vrou[we] Heiken giengen: 

bl banden fich die edel' riter viengen. 

* 104. Die Auonden Af dem palas, 
als mir ift gefeit, 

D4 daz gefictel bereit(e) was 
Etzeln dem künig gemeit. 
Gewünfcbet wart dft dikke, 
> di gieag en twer aUd vil der blikke. 



Die RavenBatohlacht. * 367 

* 105. Vrouvre Heike dio fueze 
ntgen (dd) began, 

Si teilte ir werde grueze 

mit maDigem tugenlhaftea maa. 

Daz tet fi den rckken [allen] ze 4ren: 

ir lierz(e) künde fi manig tugenl Idren. 

* 106. Alle die dA w4ren, 
die maoften des jehen, 

Daz B. bi ir jären 

[nie] niht £6 fchoeoea beten gefeben 

Uf der erde in allen rieben, 

als vrouwen Herr4t(en) die tugenl riehen. 

* 107. Si was alfo fcbiBne, 
als icb vernomen bän, 

Daz icb B. immer krcnne, 
beide, YÜr vrouwen und man: 
£z ward in Hiunifeb riebe 
mit fcboene nie gebom ir geliebe 

* 108. £tzel(e) der riebe 
Af ftuont vor manigem man, 
Den herren Dietricben 

hiez er da fitzen gän 

Zuo der fehoenen (vrou) Herr4t, 

er fpraeb: ,,ieb weiz wol, daz ir des willen hät/^ 

* 109. Swaz ir bi iemans tagen 
ber habt vernomen, 

Oder fwaz ir ie beert gefageo, 
des bin ich an ein ende komen 
Mit difem einen maere: 
nü vememl, wie ich in daz bewaere. 

* 110. Allez daz mit vröuden was 
über allen den fal, 

In des küniges palas 

hörte man diefen (diezenl) fchal 

Von Jungen und von aldent 

Ach rrouten d6 die hliden zuo den baldeo. 



368 * Die Raveooaschlacht. 

* 111. Da was ein müchel ^re 
ven maniger hande fpiL 

Nd verneinet mdre, 

was ich iu befeheiden wil: 

Si lazen än(e) fwiere; 

hie mit wil ich enden daz maere. 

* 112. £z wart nie fohcener h6ch (ge)zit 
bi aller küpig(e) tagen, 

Weder 4 (. .)> »och Itt, 

als wir daz [buoch] beeren fagen, 

fr leides fi vergäzen: 

Ulilange fi n&ch ezzens (zlt) dA fd^en. 

* 113. An einer kemenaten 
ein bette was bereit. 

Der vrouwen Herr4ten 

volgf manik herllehin meil: 

D6 gie mit Dietriche 

her Ruedig^r und Etzel(e) der riebe, 

* 114. Und Hildebrant der aide, 
Wolfhart und llfam. 

Und llünolt der balde, 
und Yon P61e [der herzog'] Berbtram; 
Daz wdren [edel rekken] ze allen Hunden, 
die wol ir berren aller ^ren gunden. 

* 115. Ir bette was gerihtet, 
als ich iu befeheiden mak, 

Yil richlichen getihtel, 

dar üf ficherlichen lak 

Pftiche] dek lachen von Troiande ^ 

die bellen fiden üz aller heiden landen. 

* 116« Nd lÄze wir diu maere 
beliben under wegen. 

Vor dem Bernaere 

knief* manger h6her degen, 

Daz täten A im ze(n) 4ren, 

A hülfen im ßn vrdudVitiit triuwen [ze] m^ren. 



Die fiaYenaascIilachl. • 3S9 

* 117« Da beleip nie man inne, 
als ich vernomen hän, 

>vvvi/ii«y Nun [vrouwe] Heike diu küniginne, 
da [her] Dietrich folde flafen gän; 
Mit vröuden fie fich machteCn) 
Hafen: vrouwe Heike des lachte« 

* 118. Ir fegen fi guetliche 
über fie (dA) tet, 

Vrouwe Heike diu riebe 

nam urloub an der ftet" 

Uz der kemenaten: 

da beleip her Dietrich bl Frouwen HerrAten. 

* 119. Mit vrölichem muote 
die naht uuz au den tak 

Von Berne der guote 

da vil lieplichen lak 

Mit armen umb(e)vangen: 

ir leit daz was mit liebe Xdi) zergangen. 

* 120. Wie lleplich ße liegen, 
da wffir* lang"* von ze fageu, 

\ Oder wes A pflägen, 

] des wil ich vür baz verdagen : 

Aber als ich mich Ferfinne, 

zwifchen in was liepliche'minne. 

* 121. Bebt alfam ein rofe 
brau ze allen ziten ir munt, 
Diu fuezen wort 16fe 

kunt' & fprechen ze aller ftuat. 
Uns fagt dikke daz maere: 
y fueziu wort benement grdze fwaere. 

* 122. Vrott Herr&t und her Dieterich 
die lagen unz an den tak 

Bi einander minneklich, 
als ich iu [wol] befcheiden mak, 
Uuz an den liebten morgen: 
fie Wären ze ende komeu gar ir forgen. 

24 



370 IM« RaTennasehlaeht. 

* 123. Ah von himel lühte 
der wunnekliche tak, 
yroQ[we] Heiken des bedühfe, 
dft A bi Etzeln lak, 

Aw^ der [gr6zeii] leide(ii) maere! 

ir troumte, wie ein wilder Irache w»re 

* 124. Gevlogen air6 balde 
darch ir kemn&ten dach, 
Unt kam ir mit gewalde, 

daz ß^ ez mit [ir] ougen fach: 

Owd! ir liebe fiin beide 

er Fuorle Au hin üf ein breite beide. 

*125. Si het in ir goante, 
waz den kinden gefehach: 
Si.fach in dem troume, 
daz ß. der grife zebrach: 
Vor leide fi erwachte 
üz dem fliife unfanfte A erfchrakte. 

* 126. Der Croum faget' ir meere, 
als ez ouch dt ergie, 

Do fi dem Bernsere 

ir [liebiu] kint ze helfe lie: 

Ow^! die jungen künige h^re 

die gefach B. leider lebendig nimmer m^re. — 

* 127. Vron Heike diu gieng drate 
mit zübten fä ze hant 

In ein kemenäte, 

da ä ir junkvrouwen vant, 

Die wahte ß. tugentliche: 

da mit gieng diu kiiniginne riebe, 

* 12& Da fiu (herren) Blödelln 
den werden rekken fach; 
Hoeret iif die (riuwe mtn, 

wie vrou Heike da fprach: 

„Her[re] Blödel, [kuener] rekke h^re, 

nü bring mir [balde] den markgräven Ruedig6r(en)/^— . 



Dfe BaYennasdilaohl 371 



* 129. „Daz tuon ich willekilche, 
edel vrouwe guot/^ 

D6 gieng der rekke riche^ 

unverzagt was fln muot, 

Und feite diu mere 

Ruedig^r dem milden funderbaere: 

* 130. ,>Stand üf, wiltu Tchonwen, 
edel Ruedig^r, 

Vrouwe Heiken mtn vronwe 

diu Mt mich gefendet her: 

Die folt du balde gefprechen/^ — 

,,ir gebot wil ich nimmer zefarechen^^ 

* 131. Üf riuont der h6ch gemuote, 
an ftreich er finiu kleit, 

Ruedig^r der guote, 

dem Yolgten rekken gemeit; 

Sie gähten an den Hunden, 

da fie die tugenthaften Heiken vunden. 

« 132. Welt ir nü blten, 
ich wolt' iuch wizzen Iftn: 
£z wag an den ziten 
[der] künig Etzel üfgeftUn; 
Mit vr61tchem fchalle 
die höhen wlirn ze hove komen alle. 

133. Vrouwe Heike gie dr&te 
mit ir vrouwen dan 
Zuo der kemenäte; 
da was [her] Dietrich ^ gellAn, 
Dö gruozV in minnikliche 
yrouwe Heike diu edele und diu riebe. 

134* ^fienkde, liebia ¥rouwo!'' 
fprach her Dietrich 
^^Triuwe ich an iu fehouwe, 
ir gruezet guetlich mich; 
Got Tuege mir die ftunde, 
daz ieh iuch lange Tehe mit gefundel^^ — 

24* 



872 Die RaTannaMlilacht. 

135. „Ir babt vrlant deft«r m^re; 
und Fol ich lange leben, 

Edeler rekke b^re, 

in Wirt uocb von mir gegeben, 

Des ir iucb gevröut ze allen fhinden: 

ich ban iucb ze einem vriunde /mir eryanden/^ 

136. Micbel wart da der Xcbal 
df dem palas, 

Mit vröuden lebr überal 

allez daz da was. 

Die kuenen beide guote 

die bereiten ficb mit vr6Ucbem muote. 

137* Dar kdmen mit l^refle 
die rekken üf den pUn, 
Da wart mit ritterfcbefte 
der buburt berte getan: 
Dft mit fie dienten gisme 
dem unverzagten vürften (da) von Berne. 

138. Der bubnrt werte lange, 
wol üf mitten tak, 

Sie riten mit gedrange, 

daz man nibt anders [d4] pflak, 

Ze kurz wilen fie gerten, 

fie riten al[le] die wil[e] diu ors erwerten. 

139. Daz gefider was bereitet 
vür den palas, 

Man facb da nider gebreitet 

vil manigen pfeife üf daz gras: 

Mit vrolicbem muote 

gie dort ber vrouwe Heike diu guote, 

140. Mit maniger b6ben vrouwen, 
ze wunfcbe wol bekleit 

Muoft'' man des tages fcbouwen 

manik berlicbe meit, 

Bi banden fi ficb viengen: 

ie zw6 und zw6 neben ein ander giengen. 



Die Ravenmuiohkielit. 37} 

141, Da was vröud^ and wunne, 
des muoft(e) man wol jehen. 

Ich hoere, der Hebten fnnne 

und ir vil Mterm brehen, 

Daz fich dem niht geliehe; 

ir fchin überliuhtel elliuküuik riebe: 

142, Neben der funne Ibbine 
ich geliehen fol, 

üf die triuwe mine 

daz geloubet mir wol, 

Die vrouwen herlichen 

die da giengen mit vrouu Heiken der riehen. 



III. 

Arentiure, wie diu brutloft ende nam und Heiken 
kint Yuoren hin. 

143* Nu Iftze wir daz mere 
beliben vnder wegen. 
Und fagen funderbsre, 
wes da m^r wart gepflegen: 
Mit yröuden fie li^zen^ 
mit liebe Be ir leides (dft) vergäzen. 

144. Ir bdob stt werte 
fehs wochen gar. 
Swer guotes d& gerte, 
[dem] gab man [da]z mit vollen dar. 
Yrouwe Heike diu reine 
diu gab den rekken goit und- edel gelleine, 



374 ^^ iUvaimftfclilaebt« 

14& Die gUQten mcere fdioßne, 
und ouch diu kafteUn. 
Ir fügende ich immer krcene, 
[ich mein'] die Trouwen wolget&n, 
Yroun Heiken die milten: 
ß. gab des rekken diu ors mit den fchilten. 

146. Air6 difiu h6ch (ge>zlt 
ein ende het genomen, 

Nu Ailt ir hoeren äne ftrtt, 

wie ez an daz ende ift komen, 

Nu vernemt ez alle gerne: 

nü Bereitet fich der vogt von Berne, 

147. An' alle milTewende 
fult ir daz vernemen, 

Ez hat nü hie mit ende, 

in mak ze hoeren [wol] gezemen 

Ditz(e) ftarke maere: 

mSi wil fich heben [heim] ze lande der Bernsere. 

148. Nü vernemt endeltche 
reht waz ich iu Tage, 

Und beeret alle geliche : 

[ez gefckaeh] an Sand Jörgen tf^e^ 

So der walt und diu erde 

allez ift gebluemet.in fuezem werde, 

149. D6 wären mit Tchalle 
alle die komen. 

Die n6t geftalden alle, 

als ir ^ habt yemomen. 

Die dem von Herne wolden 

üf Erm(en)richen helfen, als fie folden. 

150. Do diu ftarke famenunge 
ze Etzelburk komen was, 

Hz jähen alt' und junge, 

als uns daz buoidi las, 

Daz üf der breiten erde 

nie zefamen kom Ib numik rekke werde. 



Die Rareiinasehliicht. 375 

151. Was das niht ein nnbildel 
als ich iu Tagen mak, 

Daz breite gevilde 

zwei[er] tage weide [lank] lak 

Mit liuten (da) bedekket: 

alreft wirt Erm(en)rieh mit leide gewekket. 

152. Nu beeret ftarkin insere 
diu ich iu Tagen wil^ 

Und merket Tunderbs&re, 

T6 künd** ich iu [des] wanders vil 

Und wil iu daz beTcheiden, 

und 14t iu ditze meere niht leiden. 

153. Dö daz her Harke 
allez was bereit 

In HiuniTcher marke, 

als man mir [vür war] hat ge£e'ü^ 

Do mnoTf* man jämer Tchouwen, 

d6 Tach man weinen manige wer^e vroawenj 

154« Ez het Etzel der rlche, 
als wir hoeren Tagen, 
Zwen^ TOne herliche 
bi den Telben tagen; 
Vil lieb warn fi im beide, 
an in lak Tiner vröuden ongen weide. 

155. Die jungen kiinigehdre 
die giengen alzehant 

Mit grözem herzen T^re, 

als mir daz maer"* ift bekanf^ 

Vür vroun Heiken die gnoten: 

d6 gie fiu gegen den kinden wol gemuoten. 

156. „Goi wilkomen ir beide, 
vil liebe fiine min. 

Min bluendiu ougen weide, 

daz muezt ir endelich[en] Hn, 

Min öTtertak, min meye: 

Twen ich iueh üch, was vröaden ich dan heye!^^ 



37S I>ie RareiinaMiiladit 

157. Si knfte liepltche 
dia kint an ir munt. 

Diu jangen künige riche 
fprftchen an der felben fluni: 
,,6enade, liebiu muoter! 
aw6! w«r* nü ieman hie f6 gnoter^ 

158. Wir baeten dich harte geme,^^ 
fprach Scharfe der degen 

,,Wir wollen mil dem Fon Berne 

gegen Römifchlanl afler wegen, 

Wir fachen harle gerne, 

divon er heizt, die guolen flal von Beme. 

159. Muoter, liebiu rrouwe, 
bitet den herren min, 

Als ich iu daz getrouwe, 

mag ez mit hnlden Hn, 

Daz er uns der reife gunne, 

dli varnl hin unfer mi^ge und(e) knnne; 

160. Die fchaf er uns ze huote 
dahin uf den wegen, 

Die kuenen rekken guote 

die habent uns in ir pflegen 

Und Uzent uns niht werren: 

nü man^ umb uns Etzeln unfern herren/^ 

161. Vron Heike trüriklichen 
diu kint ane fach, 

Zuo dem künige riehen 
fi vil guetlichen fprach: 
„Der bet^ füll ir iuch mäzen, 
liebiu kint, ir fult die reife Uzen. 

162. Ez kumt iu niht ze guote, 
daz fult ir üf mir hän, 

Siebtes üz dem muote 

fult ir die reife lön; 

Ir mnotet kindeltchen: 

ez ft^t niht wol in R6mifchen riehen. 



Die RaTeniMsdikieht 377 

163. Ez wird mir llht ein rtawe, 
und liez" ich iuch dar.^^ 

Sprach diu vil getriuwe 

,,ich viirhr leider v&r wftr 

Die £riii(en)richs unftaete: 

DU belibet [hiä] heime und volgel mlner raete. 

164. Swie gernö iuch behnoten 
luf der reife alle zit 

Die kuenen und die guoten, 

kumt ez danne an den Hrtt, 

Aw^! fo wirf iuwer rergezzen, 

r6 nt ir tdt.^^ fpraeh diu yü vermezzen. — - 

165. ,,Darumb fuit ir niht forgen, 
liebiu muoter mtn, 

Naht und alle morgen 

fö welle wir beide Hn 

Bi dem herren Dietriche: 

er behuei uns wol, daz wiizet Aeheritehe[n]4^^ 



IV. 

Arentiiire, wie Heiken kinder bdten rater und 
muoter nmb die reife. 

166. Hie mll difem mnre 
kom Etzel gegln, 
Und ouch der Bemiere^ 
aU ich [vUr war] remomen hAn, 
Etzel Tant Acheriiche 
flne liebe füne bAde geüthe. ' 



37S ^^^ lUvennagcUaefat 

167« Als 4iu Trouwe guole 
Etzeln ane fach. 
Mit trürigem muote 
dia riche künigiD[Be] f^ach, 
Ir truobten f^re diu ougen. 
d6 Tr4gt6 ß der künig Elzel tougen: 

168* ,Jttieh wundert in dem finne, 
vrouwe wol getan, 
Edeliu küniginne, 
wer hdt iu [leides] iht getan? 
Jd muel mich harte fdre 
iuwer weinen, küniginne h^re/^ — 

169. nJ^ ^^ mir ze leide 
niemen nihi getin, 

Etzel, din füne beide 

wein des niht rSt hän, 

Siu wein an difen ziten 

mit de» her in B6mirck laut riten. 

170. Des bitent fiu dich f^re, 
edel künig rieh, 

Durch din felbes ere, 

nii wend' ez heim(e)lich. 

Awö! jd Yürht' ich der ftunde, 

ich gefeh' fl nimmer mer mit gefunde/^ ~ 

171. „Daz wirt nimmer min wille 
und rMes ouch niht, 

Offenlich oder ftille, 
[mit minen rät} ez nimmer gefchiht. 
Wes muotet ir tumben beidcl 
überhebt mich und iuch gr6zer leide.^^ 

172. D6 fprach tribriklldie 
Ort der junge degen: 
„Etzel, künig riche, 

wir beliben nimmer under wegen; 
Von diu läz uns üz [der] huote: 
dli Tert hin t6 manik rekke guote, 



Die iUveiiMScUftcht 379 

173. Die ouch d4 weilen fchouwen, 
Bern und R6mirch lant. 

Wil du uns des getrouwen, 

wir loben dir das zehant. 

So wir komen hin ze Berne, 

wir riten vürbaz niht, wil dd [da]z fehen gerne/' 

174. Redet drumb fwaz ir wellet, 
nimmer ez gefchiht; 

Swaz ir mir vor gesellet, 

ich läz(e) iuch [benamen] dar niht: 

Swaz in d& gefebash' ze leide, 

dar umb fturbe ich, vil liebe ÜUne beide.^^ 

175. D6 fprach der vogt von Herne: 
,,nu Iftze wir diu kint, 

Sit fiu f6 rehte gerne 

der reife vlizik fint, 

leb geläz' fi nimmer üz der huote, 

und fcbaffe ze in die edeln beide gttole, 

176. Die fl tf allen ftrftzen 
babent in ir pflegen; 

Si muezen fich des mäzen,^' 

fprach von Bern der degen. 

,,Daz fi nindert vfirder rit«i> 

fw& ich Au lftz% das fiu min Ak biten.'' 

177. Elzel der riche 
fprach an der ftat 

Ze dem herren Dietriche: 
,Jd Türbt' ich Ermriehes'rlit 
Wirt er der kinde da inne, 
er wendet dar zuo alle fine finne, 

178. Wie er fiu verr&te 
und in getue den i6V^ 

Her Dietrich fpraoh vil drüte: 

„des fol uns [nismer] worden n6t 

Ich gefchaf in folhe vefte, 

darinne An hdMOit roo umI refte/^ •«- 



SSO Die Raveminehlacht. 

179. „Nu mitsei Aa der reife, 
herre her Dietrich, 

Machet mir niht vreife,^' 

fprach Etzel der kAiiik rieh, 

„GewUrre mir iht an den kinden, 

dar nmbe mneft' ich immer m^re fwinden.^^ — - 

180. „Uns mag niht gewerren;^^ 
l^rach Orte der degen 

„Ich getrouwe minem herren, 
er llit ans niht ander wegen. 
Went ir uns der reife, künik h^re, 
f6 gef(^t ir uns vrd nimmer m^re.^' 

181. Mit-weinnndem munde 
▼rou Heike fprach zehant 
finetlieh dk zeAunde 

ze dem künige von Hinnifehlantt 

,iEtzel, min lieber -herre, 

dieh manoit dtnin kint alfd Tcrre. 

182. Lkz fin alsbalde riten, 
fit fis niht rftt wel[le]nt hlin, 
und befend' bi dilen ziten 
beidiu, m&g^ und man. 

Und bevilch du, kOnik riebe, 

diu lieben kint dem herren Dietriche/^ — 

183. ««Mir nähet mlchel Imerze, 
daz gefeht ir, Trouwe, wol, 

Mir fiuftet ftaet' min herze, 

mir werdent diu ougen [dikke] toI, 

Mir nähent herzen Cftre: 

fwie ez fich gemegel/^ fprach Etzel der h^re. 

184. „Ir fult in des wol borgen/^ 
Iprach Orte zehant 

„Warumbe weit ir'forgoi, 

edel künik Ton Hiunifeh lantl 

Wir behueten wol zewftre, 

daz wir den vlnden iodert komen ze väre.^^ 



Die RaveniiaMblaeIrt. 881 

185. VrouT Heike tngentllebe 
ze dem Bernsr'' fpraeh: 

,,S6 dir got der rtche, 

du folt dich rihten dar nilch, 

Des bif ich und [Etzel] mtn herre: 

diu kint bevilch ich [dir] ze dinen ^fren Terre. ^ 

186. Mich muoz alr^ft riawen 
diu reife in R6mirch lanl« 

Hinz^ dInen rehten triuwen^^ 

fpraeh vrQuwe Heike zehant 

„Antwort* ich dir, Berna^re, 

diu mtnen edelen kint, die degen maere.^^ 

187. „Welt ir mir» getroüwen," . 
fpraeh her Dietrich 

„Mit gefünde fult ir A fehonwen 

fchier' ^ider in flinnifch rieh, 

Daz habt uf minen f riuwen^, 

ir reife fol iuch nimmer m^r gerinwen.^^ 

188. Urlouhes äö beerte 
her Dietrich ze haut. 

Mit weinen in gewerte 

diu künigin[ne] von Hiunifch laut. 

Her Dietrich huob fich dritte 

dft er vaiil ^ie fchcraen Herr&ten. 

189. Urloub kurzUehen 
nam er an der ftunt, 

Die küniginne riebe 

kuft^ er dikke an den^ munt, ' 

Alf6 tet fi hin widere: 

fi gefach in leider trdrigen fider«. 

190* H^ke dia rlche^ 
als mir ift gefeit, 
Diu het heim(e)llehe 
irn lieben kindeQ bereit 
Zwelf tüfent wigande, 
die A mit ir liebeo kinden ßmde. 



182 Die itofn— lichhrhl, 

191. Die Mbca IneDe rekken 
Wim helde ril Terwegeo. 
D4 bevalch fi den kekken 
die [tÜJ unverzagteB d^^en, 
Ir lieben Ittne beide: 
fit geh6rte fi ir an in vil leide. 

192* Yron Heike bies den Bern^re 
¥il balde zno ir g&n, 
8i fprach: ,,rekke maere, 
drizik luTent [rekkenj wii ich dir Un, 
Die hab' von mir ae flinre/^ 
d6 dankt' er ir vi! gnellich, dw gehiore. 

193. Mit liehtem golde fwere 
liez vroawe Heike laden 

Yünf hundert foamflsre; 

des het ü [tiI] kleinen fchaden, 

Wan fi tet ez gerne: 

daz gali & ze niuwer dem von Beme. 

194. Ez wirt nimmer m^re^ 
als wir hoeren Tagen, 

Von käniginne h^re 

f6 milte vroawe getragen. 

Als vrouwe Heike diu reine: 

ir gnot was al der werlde gemeine. 

195. Als fich der Bema^re 
des goldes underwant, 
Urloub nam der mtere 

von vrouwen Heiken zehant 

Und neik gezogenlichen 

allen difen höhen vrouwen riehen. 

196. Ez möhte got erbarmen 
hie an dirre ftunt, 

Yrou Heike nmb vie mit armen, 

als mir daz buoch ifl [reht] kunt, 

Ir lieben füne h^re: 

fi gefach Au leider lebentig nimmer m^re. 



Die RavennascUacht. 3g3 

197. Die herren an ir hende 
wiff vrouw' Heike dan 
Des hoves an ein ende, 
d& räzens^ uf diu kaflelAn. 
D& muoft' man jämer fchouwen: 
diu kint kuflen Ir muoter und ir vrouwen. 

19a D& hin gen Römifeh lande 
riten d6 diu kint; 
Die Jungen wtgande 
wurden da erflagen fint: 
Aw^ der jaemerlichen vreife, 
diu an in gefchach! yervluochet ß diu reife! 

199. Der weinunden blikke, 
aw^, waz der da gefchach! 
Vronwe Heike vil dikke 

n&ch ir [lieben] kinden fach* 

Aw^ ! ja fagt' ir ir herze 

umb diu kint, awd, welieh fmerze! 

200. Ir Til liebten ongen 
diu wurden ofte r6t 

Den fegen fi vil tougen 

n&ch ir [lieben] kinden b6t: 

Vür die felben Hunde 

gefach man nie lachen von ir munde. 

201. Etzel der rtche 
mit hern Dietriche reit 

[Unz] hinz'' Saders fieberliche, 

[al]r6 hdt man mir gefeit, 

D& was fin wider k^re: 

Tür die stt ge£ich er diu kint nimmer m^re. 

202. Hin zogte mit gewalde 
der herre Dietrich 

Mit manigem rekkan bald« 
durch Saders in Ifterloh 
Üf ßue eigen marke: '- 

nä hcaret maere Ton ei[ne]iB' , 



Sm SkhhiM'm 

Tm lUte Bich« 
■AfiOliralrM 



2M. Als icr TOfil tm Bcne 
WM koacB in B6maUlkhaa, 
Di AheB in tO geive 
die fiaea rckken sc bast. 
Die kdaen oneh wuk fiAalle, 
ia eapficagcn wel die LaoiparteB alle. 

205. RcaÜMr tob Meilaa, 
auf h^lidMD fiteo, 

Uad TOB P61e Bercbtraai 

kea Toz der Hat geritea. 

Als II eBpnJieB waldea 

ir erp herreB, als fi ze rohle foldea. 

206. Als ReiBher tob MeilsB 
dea Bemaer'* an fach. 

Als ein onverzagter man 

der dz erwelle [rekke] fprach : 

,>€lot wilkomen, vogt Ton Berne! 

wir feben iuch mit refaten trinwcn gerne. 

207. Inwer kunA in Rdmifch laut 
ift uns ze ftaten kernen, 

Ze Trdnden ifl ez uns bekant* 

icb enweiz, babt ir [diu mere] yernomen 

Ton dem kiinige Ermriebe: 

der 11t mit ber ze Raben gewaltiklicbe.^^ 

208. „Des mak wol werden gnot(a*) rat/^ 
fpracb ber Dietricb 

„Dli ze Raben vor der ftat 

muoz uns künik Ermricb 

In kurzen ziten fcbouwen, 

im ze fcbaden, des wil icb got getrouwen.^^ 



Die RaTennaschlaeht 385 

209. „Daz vuege got der gnote!^^ 
fprach her Ruedeg^r 

,,Niht anders ich nü muote/' 

fprach der [h6he] rekke h^r .-^ ^ * 

„Wan das wir Eriii(eii)richen 

vor der Hai ze Raben (nü) heftrlchen. 

210. D& M wir aar im rechen 
manigen ungelriuwen rAt; 

Ich wil niht anders fprechen, 

fwaz er untriuwen hkt^ 

Daz mueze got rihten! 

Yogt von Bern, wir fuln ans darzno pflihtien, 

211« Daz nns iemen vinde 
&ne wer üf den wegen; 
Ermriches raete fint fwinde, 
im wartent euch die fnellen degen, 
Die ez wol geturren wagen: 
nü hueten uns vor flnea fwinden lagen/^ 

212. Hie mit dilbm msere 
ritens^ vür fich dan, 
Als ich iu daz bewflBre 
und oQch wol bescheiden kan. 
Gegen Padouwe mit gewalde 
zogte von Herne der rekke balde. 

2ia Sie bew&geti fleh der reire, 
als ichz vernomen hAn, 
Daz kom flt ze vreife 
manigem Ermriches man. 
Die drumbe t6t geHigen: 
dA gieng es alr^fl an ein ftarfcez wAgen. 



S5 



386 Die Baveimttciüaelü. 

V. 

Arentiar(e), wie Ruedig^r und die rekken vor 
Padouwe tjoilierten ror dem ftrtt. 

214. Alf der vog^t yon Berne 
z^ Padouwe was komen, 

Nu fult ir hceren gerne^ 
des ir ^ niht habt vernomeo, 
Und oueh von nie man fidere, 
d4 leite fich daz ftarke her nidere* 

215. Üf daz berliche velt, 
als ich iu wil Tagen, 

Manik wnnneklich gezelt 

wart da uf geflagen^ 

Dft leiten fich die gelte 

mit gewalt ze:Cadouwe yur di^ yeite. 

216. Dd fprach der Bernai^re 
wider flne mau: 

„Der mir nu Tagt diu miere, 

wem ift diu Itat ander taa? 

Daz weHt^ ich alfd gerne.^' 

alf6 fprach der werde vogt von Berne. 

217* Hit zilhten fprach an der ftnni 
der aide Hildebrant: 
„Daz ilt under uns niemen kunt, 
edel künik von Rdmlfchlant. 
Wir werden flu fchier** inne: 
ich ervar ez wol, als ich mich verfinne«^* 

218. Der werde vogt von Berne 
var die Itat felbe reit, 
Er wolde ervarn gerne, 
als ich iu ^ hftn gefeit, 
Wer houptman [in] der ftat wsere. 
daz fagie man im fehler' dem rekken meere. 



Ke fiaveiuiMclüaey. ggf 

219. Er begunde balde gaheii 
üf den bargraben. 
Üz der flat fie da« IMien, 
fie trabten: ^^folde wir dieh haben - 
In unfern pflegen binne, 
wir fchieden dicfa von witcen und von finna^^ 

2^. Der unverzagte Helferich 
ruofen d6 began 
Eime rekken lobeltch, 
den fach er an der zinne fiftn: 
„Hei^! n^ fage mir, rekke guofe, 
de« ich dich vrlige/^ fprach der hoch gemuote 

221. „Wem wartet difia TeAe? 
wer ift hie houptman? 
Vil gerne ich daz welle, 
wen h4t hie Crmrlch verlänl 
Daz hdrt' ich harte gerne: 
des vrftget iuch min herre von Beme>^ 

222* Da fprach dar degen Reinolt: 
„ir vr&gt, im^ wizzet, wea; 
In iCI niemen hie £6 holt, 
oder waz weit ir desi 
Wir Türhten iuch vil kleine: 
difia Hat dienet in vfir bas feine. 

223. Wir haben einen faaubet man,^ 
l)^rach Reinolt der degeH 

„Daz fult ir rehte (wol) TorHAn, 
er kan [wol] nrliugea pflegen, 
Der tuot iu noch vil leide: 
flnen namen ich iu wol hefeheide. 

224. RAnoll ift er genennel 
von Rnrgonie laut, 

Den man vil wol erkennet, 
mit ellenthafter haut 
Hftt er bi flnen ziten 

wunder getün in manigoi harten ftrften.*^ 

25» 



^fj^ Die RareMitcU«eiit 

225. Dd fprach der rekke Helferteh: 
i^möhte daz gefchehen^ 

Den werden rekken lobelich 

den wolden wir gern fehen; 

Mir ift wol kunt fin eilen : 

kk und er wir wären ^ gefollen/^ — 

226. 9,Den werden rekken ziere, 
den mögt ir hiute fehen 

Vor der flat vil fehlere: 

fwaz uns darumbe mak gefchehen, 

Daz welle wir liden gerne, 

wold' uns geben Trid' der herre ron Berne, 

• 227. S^ faßten wir riterfchafl 
noch hiute dz der Hat* 
Wir fehen wol die grdzen kraft^ 
die der von Bern bi im häl; 
Im wartent beide guote, 
die unverzagte fint in irem muote.^^ 

228. „Yride ft in gebannen,'^ 
fprach her Dietrich 

„Tor allen minen mannen 

fit &n' forg' ficherlich, 

Darumb zwivelt ir nim^re; 

tnot riterfchafl^ ikis habt ir immer ^re/^ :-^ 

229. ^,Snl wir danne rtten 
An" angeft vür die ftatl*^ 

Dd fprach an den ziten 
her Dietrich: ,,daz ifl min rkV^ 
Dan fehlet der vürfte maere, 
zuo den finen reit der Bernssre. 

230. Darnach in kurzen zIten, 
als mir gefaget ift, 

Dft fach man dort her rlten 

in vil kurzer vrift 

Mit fperen und mit fchilten 

üz der ftat die kuenen und die miltea 



Die RaTesBaflcMaehlt. 3g^ 

231. Manik fchoßnez kafteUn 
facti man vor der fcliar, 

Als ich vür war vernomen hliii, 

ditz'* ms^re daz ift w&r. 

Do bereiten fich hin gegene ^ 

aht! die knenen Dietriches degene, 

232. Die juftieren wolden 
durch prts al ze hant, 

Die ouch vil gerne dolden^ 

dft von in ^re wart erkant. • 

Heia! ez wären helde gnote, 

jA nenn" ich in die degen hdch gemuote. . 

233. Nd hcert ez an den meren, 
wie mir ift knnt get&n : 

Das ein was von Bechlären 

Rnedeg^r der mark man. 

Daz ander was von Bmvinge 

der rtarke Norpreht, den ouch wak tu ringe 

234. Manllehez eilen, 
des was er ein hell. 

Sol ich iuz allez zellen, 

was der rekke Az erweit 

Hat getan bt Iinen ziten: 

er was «in degen in ftürmen und In Arilen. . 

235. Daz dritte wa» von Lunders / 
der riarke Helfrich. 

NU fchouwet ditz(e) wunder, 

da? fich [d4] huob ficherlldi. 

^hü daz vierde was der Xtarke .• ^r 

Ifolt (dk her) üs Hiunifcher marke, 

236. Ir kaftel&n rerdekket ^ 
ze prife wären wol. 

Üz herzen wart gewekkel 

manlichez eilen, als man fol, 

Aht! üf diu ors Ae fäzen, 

den pnneiz Ae ze rehter IJoft(e) mAzen« 



Die 

249. Dax ich in hü befdieide, 
das ift din w&rheit. 
Sin waren llarke beide, 
Ton den ich in han geleil, 
In Anrmen nnd in flriten 
mnoAVman fiu fdre Türhten zu allen silen, 

250. Gesimiert riterlichen 
w4ren8^ beide fant, 
Sin riten Acherlichen 
diu betten ros din man [d6] vant. 
Ahl! fin^ w&ren llaetea muotea^ 
▼il Terwegen libes nnde guotes. 

251. Die rekken vil Termesaen 
Äsen ^f ir mark. 
Es wart da niht Fergeszen, 
swei fper nnm»sltch[en] ftark 
Diu rnorten a** in ir banden: 
mit verwege(ne)m muole fiu ase famene 

252. Ir fchenkel Tlugelingen 
ze beiden fiten dar; 

Siu liesen dar klingen, 

fiu nämen ▼intlich[en] war 

Wk fiu treffen wolden, 

des warten An, als fiu ze rehte folden. 

253. Din fper von grdzer krefte 
zebraflen von ir haut; 

Siu wären an [ir] riterfohefle . . .^ 

zw^n** rekken üz erkant. 

Die k&enften und die beften: 

des Jach man in von vriunden und von gellen. 

254. Mit verwegenem muote 
üf ir helme ze haut 

Die kuenen beide guote 

bieten diu fper [fehier] verfwant. 

Siu riten vintlichen: 

diu ors muoften von ir Itichen entwichen« 



Die RareBBMohkebt. SM 

265. Maliliches muotes fie wielten-v 
bie üf difem wal. 
Die da den pris behielten, 
daz iHt oueh in miner zai. 
Lät in daz maer'' nibt leiden: 
die Ermriebes muoften fig 168 [von] daone fcbeiden. 

256. Sie wnrden £6 geletzet, 
als mir ift kunt getan, 

Und r6 fig lös gefetzet, 

daz he des hoane muoften hän 

Und fchaden immer mere: 

fie bcjagt«n dk harte klein** 6re. 

257. Hie beleih vor der ftai 
der herre Dietrich, 

Als man mir gefaget bifct, . 

unz [an den andern] morgen fieherlldi. 

Nu fult ir beeren gerne, 

d6 zdch daz her ^f g^en Beme. 

258. Mit rrölicbem mnote 
daz her mit fcballe reit; 

Ton Rdmifcb lant der gnote 

der was ftolz und gemeit; 

Ir leit daz was verborgen, 

fie beten iftf die vinde kleine forgen. . 

259. Air6 se Beme kernen was 
daz her von Hiunifch lant, 

Dft wart geflagen ttt da2^ gras : 

manig gezelt alzebant, . 

Vil vröuden üe pflagea, . •. ,1 

mit h^cfavari und mit Xcballe fie (d4) Isgw. 

260. Sehtoe nnA Miehe 
wart ir ää gepflogen; 

Sie wären guotes riebe, 

alle Dietriches degen. 

Onch gab er in noch mtee^ 

er tot Im in die. vtIrftUchen <yre. . 



894 Die Ravemiaadtlaoht 

261. Des [andern] morgens, als ez tagte, 
dö kom ein bole geranf, 

^ir(6) man mir fagle, 

den het Fridericb gefant 

Ze dem herren Dietriche, 

der U§V im diu msere von Ermrtehe. . 

262. Er kam gegangen fehiere 
▼ür den Berner ze hant, 

D6 feit' der rekke ziere 

•dem [edeln] kiinige von Rdmifclilant 

Diu (larken niuwen m»ra, 

wie gr6z daz Erm(m)ricbs her .w»re. 

263. Als der Togt yon Beme 
den boten an gefach, 

Nu fult ir hoeren gerne, 
wie rehi' guetltch er Sprach: 
, „Heia! nü fag** an, belt guote; 

daz dien' ich nmb dlcb/^ fpraeh der h^eh gerouote. 

264. Nd rage mir bediute,'^ 
I]prach her Dietrich 

„Wie Til mak haben linte 

der ungetrinwe Ermrichl 

Getar ich in wider riten? 

dai wefl' ich harte gern'' an difen ziten.^^ 

265* D6 fpraeh init trinwen (her) Alpher: 
„herre Dietrich, 
Ez ift allez daz kdnien mit wer 
dem ungetrinwen Ermrtcb, 
Daz indert lebt üf erde: 
ieh Wttn% dehein ber [niaimer} m^re £6 gr6zea werde.^' 

266. „Haft aber dA daz geahtet, > 
nü wie vil mag ir finl 
Oder (bat) iemen getrabtet, - 
nü fag' mir üf die triuwe diu. - 
Ez erg^ mir, fwie got welle, 
fwaz halt man mir der eife vor gezeUe/^ 



Die RareniMflcblaehl. 895 

267. Alpher der in^re 

ze dem vogt von Berne fpraeh: 

„Geloubt mir, her BerDsere, 

gr6zer her ich nie gefach 

Bi allen minen zlten: 

ez m§ht' [alle] diu werlt mit forgen gein im riten. 

268. Nu merket vi\ hefander,'' 
fpraeh der kuene man 

„irt daz niht ein wunder, 

daz ich d& gefehen hänl 

Ich fach fln her gefcharte, 

niun hundert vanen tkt einiger warte. 

269« Dar ndch fach ich riten 
▼il manige fchar breit, 
Bt den felben zlten 
aht' manik rekke gemeit. 
Einlef [hundert] tüfent rekken, oder m^re, 
die hat Ermrtch, daz wizzet, künig hiare, 

270. Haht du der gnote» rekken 
wol den Tollen h4n, 

Der ftarken und der kekken,^^ 

fpraeh der unverzagte man 

„Des ift dir n6iw»rHehenr 

ja vürhf ich, wir entrinnen Enn(en)rlcheD.^^ 

271. f^Dü trceft uns untroßftlichen/^ 
fpraeh der mark man 

„Wir wellen AcherllcheA 

doch dar umbe daz niht 14n, 

Ze vlüff oder ze gewinne, . r ■ «^ 

welle wir befehen, wer ab dem tHil entrinne. 

292. Nt& fnlt oneh ir niht btten, 
und bereitet iuch darmä, 
Sit ez g^t an ein ftrlten, 
f6 r^t' ich [wol}, Waz man luo, 
Daz nü ift daz hefte, 
Ir lliei hinder i« 9At6 die vefte. ' 



Bie Ravttinascblacht. 

273. Ob man dar vhihtik k^re, 
daz wir dan[ne] haben tr6n« 
Ich vürhte harte f^re, 
daz werden fetel' erldll. 
Ir fnlt des wol getrouwen, 
ii werden! liebte belni(e gar) verhoawen/^ 

274« 9,DA redeft nibt unrefate,^^ 
tpratch her Dietrich 
„Tr riter und ir knehte, 
nü bereit inch alle gelich, 
Ir fult umb nihtin forgen: 
wir fnln uns von flat heben morgeni^^ 

275. D6 hiez vil balde fpringen 
der vörfte lobefam, 

Des nahtes ze hove bringen 

b^diu, mäQ* und man. 

Dai titen fie vil drSte: 

d6 wart der herre Dietrich ze rate, 

276. Mit yrinnden und mit geften,^^ 
mit mdgen und mit man. 

Mit den aller heften, 

die er inder mohte hän: 

„Nd bit' ich iuch,^^ fprach der Bemaere 

„daz ir mir ratet, edel' rekken msrre.^^ 



VI. 

ArentiarCe), wie vro(u)n Heiken fiin und pieiher 
Tar Haben wurden erflagen. - 

277. ,,Difiu fei^' ift niht ringe, 
dft wir mit umbe gan; 
Wie tuo wir difem 4inge? 
daz rätet.^^ fpruch der kuene man 
„So ez uns [befte] kom ze mAzen: 
uA fprechet, w4 welle wir diu kiat iAze»?^> 



JDÜe BAvennittehlfloliU 897 

278. S6 fprach der Stieraere 
Dietleib der hoch gemool: 
„Edeler Bemaere, 

ich fag' iu, was ir taol, 

Wir r4ten alle geliche: 

lAt hie ze Bern die juBgen kttnige rtehe. 

279. DA finl fiu wol Terborgen 
Tor aller milTetät; 

So dürfen wir niht forgen 

umb fiuy fwiez ans ergäi^ 

Sin fint 4n' angell hinne/^ 

fprach Dietleib „als ich mich verfinne:^^ 

280. D6 fprach der vogt ¥on Beme: 
,,ez ifl onch alf6 gupl, * 
Ich wil ez leilten gerne, 

diu kint fint hie wol behaof ; 

Wir fuln fiu [vil] vrölich rinden: 

nd rM ir, wen ich Uz? hie bi den kinden/^ — 

281. »,Daz tnot der inren einen, 
fwdihen f6 ir weit: 

Blfan den vil reinen/^ 
[alf6] fprach Ruedeg^r der kelt 
„Der ^%et Ir-wol niR*Aren,« 
nnz(e) wir zu in her wider k^ren.^^ — 

282. rJEkkiei ir mir daz mit fchaHe,«' 
fprach her Dietrich 

„S6 fendet n^ch im aUe 
und bevelht im die kfinige rieh, 
Kitfamt mir/^ fprach der maere. 
nfteh Elfa» üande d6 der Bemere. 

283. Alf6 der alte (her) BHüm 
ze höre komen was, 

Her Dietrich und Etzelen man, - 
[die] wftrn gefezzen 4f ein gras. 
Als He den [edelen] rekken ane fitben, 
dd hegnnden«^ fai gnetUeh 4«pfihen« 



S96 ^ RaTeBnucUacht. 

273. Ob man dar vlohtik Mre, 
daz wir dan[ne] haben tr6n« 

Ich vürhte harte f^re, 

daz werden feter erl6n. 

Ir fuU des wol getrouwen, 

ii werden! liebte helm(e gar) Terhoawen«^^ 

274. „DA reden nibt unrefate/^ 
Tprach her Dietrich 

„Tr riter und ir knehte, 

nü bereit iuch alle geltch, 

Ir fnlt umb nihtiu forgen: 

wir fuln uns von flat heben morgen**^ 

275. Dd hiez vil balde fpringen 
der Törfte loberam, 

Des nahtes ze hove bringen 

Mdiu, mäg^ und man. 

Daa t4ten fie vil drSte: ^ 

dd wart der herre Dietrich ze rate^ 

276. Mit yriunden und mit geften^ 
mit mägen und mit man. 

Mit den allerbesten, 

die er Inder mohte hdn: 

,yNu bit' ich iuch/^ fprach der Bemaere 

,,daz ir mir rfttet, edel' rekken msrre.^^ 



VI. 

ArentiarCe), wie yro(u)n Heiken fUn and Dieiher 
Tor Raben wurden erflagen. 

277. ,,Difiu fei^' ift niht ringe, 
dft wir mit umbe gän; 
Wie tuo wir difem dinge? 
daz rätet.^^ fprach der kuene man . 
„So ez uns [hefte] kom ze mAzen: 
uA fprechet, w4 welle wir diu kiat lAzes?^^ 



Die Ravennasofalaolit» 397 

278. S6 fprach der Stieraere 
Dietleib der h6ch gemuot: 
,,Edeler Bernaere, 

ich Tag' iu, waz ir toot. 

Wir rMen alle geliche: 

lät bie zfr Bern die jungen klinige rtcbe. 

279. DA fint fiu wol rerborgen 
vor aller miiTetät; 

So dürfen wir niht forgen 

unib fiuy fwiez uns ergäi; 

Siu fint äti* angeft hinne,^^ 

fprach Dietleib ),al8 ich mich verfinne:^^ 

280. D6 fprach der vogt von Beme: 
„ez ift ouch alf6 gupt, 

Ich wii ez leiiten gerne, 

diu kint fint hie wol behnot; 

Wir fuln fiu [vll] vrölich Yindeni 

nA rU ir, wen ich Uz? hie bi den kinden/^ — 

281. ,,Daz tnot der luren einen, 
fwdihen f6 ir weit: 

Elfan den vil reinen/^ 

[alf6] fprach Ruedegi^r der hell 

„Der pfliget ir'wol mit Aren, 

nnz(e) wir zu in beir wider k^ren.^^ — 

282. ^RAtet iir mir daz mit fchalle/' 
fprach her Dietrich 

„S6 fendet n^ch im alle 
und bcTelbt im die künige rieh, 
Mitfamt mir/^ fprach der m«re« 
nfteh Elfa» lande d6 der Bemere. 

283. Alf6 der alte (her) BIflin 
ze hoye komen was, 

Her Dietrich und Etzelen man^ • 
[die] warn gefezzen Af ein gras, 
Als fie den [edelen] rekken ane' Aben, 
d6 begnnden «^ in gnetUeh «npf Ahen. 



40/0 W% BftTemiafclilacH 

296. Ob ieh iiieh doeh niht alle 
gefuude müge gefehen^ 

[S6] gebe got, daz ez £6 geralle, 

das iu fffilde muoz gefcheheD, 

An allen iuwern dingen 

Uz' in gol baz, danne wol gelingen.^^ -^ 

297. ,,NA gtregen dieh gel, Elfan! 
wir wellen hinnen varn: 

Dir 1(1 Berne underMn» 

dA folt ez [alles] woi bewarn, 

Als ich dir des getrduwe. 

got vnege^ daz ieh dich Trdlich gefchouwel^^ 

296. Der Berner trürikliche 
zno Dielheren fprach: 
„Bruoder, künig riche> 
nd habt hie guoten gemach» 
Und habt in in wer huote 
die li6hen edeln Jungen künige gnole. 

299. Ir m der jftr ein w^ik 
elter, danne fiu fint; 

Nil Ut üz iuwern pflegen niht 

der tugenthaften Heiken kint 

Wellent fiu indert riten, 

daz nnder Aal mit ?ttoge ze allen zlten. 

300. Bleuel inch vor den fchulden, 
TÜ lieber bruoder min. 

Ich gebiut* iu bi min[en] hulden» 

[daz ir] iuwer riten läzet fin 

Üz der ftat ze Berne: 

gedenket, bruoder Dielher, daran gerne, 

301. Daz unfer lanl mit fwaere 
leider vafte ft^t; 

Und wizzet,'^ fprach der maere 

„ob uns inderl milTegftl 

An vroun Heiken kinden, 

f6 mueze wir ouch immer m^re f winden. 



IHe RaTMUuuMsiaachk 40] 

302. An dren und an gaote,^^ 
fprach her Dietrich 

„An vürnenllchem muote 

muez' wir verderben ficherlteh : 

Verlies' wir HiuniTch marke, 

f6 n wir I6t immer m^r»^^ fprach der ftarke. 

303. „Da Ton falt ir gedenken, 
waz ich iu enpfolhen han; 

Ir lät iuch nibi bekrenken 

die [jungen] kiinige wo! getan; 

Durch got, belibet hinne: 

diu kini fini tump, £6 habt ir beszer Anne. 

304 Unrerzagter (her) EIGhi, 
nu gedenke an minin leit. 
Gedenk', waz ich dir enpfolhen hi^n 
und ouch vor h^n gefeit: 
Nu behalte mir min ^e, 
daz wil ich umb dich dienen immer m^re. 

305. Yröude unde wunne 
Mi an dir allefamt, 
Vriunde unde knnne 

[daz] It^t in dln eines haut, 

Des pflige hin z' dinen trinwen : 

nü \äz dich dinen dienll niht gerluwen. 

306. Kumen dir diu m»re, 
daz wir vluhtik [worden] fin,*' 
Sprach der Bernaere 

„f6 huete hl den trinwen diu, 

Des bit' ich dich vil gerne, 

f6 Iftz^ üz dinen pflegen nihi die Hat ze Berne. 

307. Und walte gnoter finne, 
helt, vil lobelich, 

Befitze dich hieinne 
der ungetriuwe Ermrteh, 
So verzage niht, rekke, fftre, 
und Tolge des, als ich dich ie luo i^re. 

26 



ms Wb RarenHMeUtdrt. 

306. St, dac dd dia mer^ 
ie man bcerefl Tagen/^ 
Sprach der Bemaere 
„daz icb [ze t6de] 11 erflagen, 
SM^ 14 dich Ale man triegen 
und M dir die ilat nihi an erliegen/' 

309. Mit s&hten fprach d^ (her) Elfan: 
„nü Tag' mir, herre min, 

Ir falt mich rehte wizzen lAn, 

wem fol ich wartende fin. 

Da inch got wor behnefe, 

▼erderbet ir? vil t^re mich das mnete.'*' — 

310. ,,Daz wil ich dir befdieiden,'^ 
fprach her Dietrich 

„Got behnet' nna vor [allem] leide!'' 
'^ alfd redet^ der künig rieh 

S6 folt dik, rekke flarke, 
Etzelen warten ron Hinnifcher marke. 

311. Und gib im mit gewalde 
diu kint und die Hat. 

Ich weiz wol,'' fprach der balde 

,,daz er daz nimmer gelät, 

Er behalte wol dn 6re 

an minem bruoder darnach immer m^re/' 

312. „Daz tuen ich ?il gerne,'' 
fprach her Elfan 

,,Die flat hie ze Berne 

[die] mach' ich Etzeln undertän: 

Ich wii aber got wol getrouwen, 

ir fult fie noch vil lange felbe bouwen.'^ 

313. „Daz rt^t allez in finer hant,'' 
fprach her Dietrich 

„Der da J^fus ift genant, 
der höhe got von himelrich. 
Er fol euch min reht bedenken 
und helfe mir mlnen vint bekrenken! 



Di« BaTennaaddae^i 403 

314. Des bit' ich dich yil f^re, 
gewaltiger Krifl! 

Durch dtDer marter dre, 

nü hilf mir ouch in dirre yrift, 

Daz ich min leid gereche: 

und velle ouch mich, ob ich nnrehte fpreehe! 

315. Hilf mir wan n&ch mtD[en] fehulden, 
als ich reht h&n« 

Swaz ich muoz j^mers dulden, 

d4 bin ich vil unfchuldig an/^ ' 

Alfo fprach der [werde vogt] von Beme 

„fwaz ich fünden [da] beg^n, daz tuon ich vil nngerne.^' 

316. Vroun Heiken föne beide 
die kdmen da gegjän; 

In was von herzen leide, 

daz fiu folden hie heften, 

Daz klagten fiu vil f§re: 

da trifte fiu vil manik rekke b^re. 

317. Hie mit difem mare 
kom der mark man. 

Er fach mit grözer fweere 

[die] nn[en] lieben herren an, 

Wol tr6ri' er fiu beide, 

[er fprach:] , Junge kttnige, vrarumb ift iu f6 leide?^^ 

318. D6 fprach klagelichen 
Scharfe der junge degen: 

9,Ir herren lobelichen, 

nu lät ir uns under wegen. 

Aw^! daz ifl uns ein herzen f^re: 

wir enwizzen, ob ^ir iuch gefehen immer m^re. 

319. Aw^ des gr6zen finenen, 
der hiur an mir gefchiht! 

Wie ift minem herzen, 

fwen iuch min ouge fcfaeiden flht 

DA hin zuo dem ftrite! 

ich vfirhte harte, daz ich flu nimmer enbtte. 



dW. Dax ir koat kerwidcre 
Az der Aarken not/' — 
Dax gefchach leider fidere, 
wan fin knm den t6t, 
Yronn Heiken fune beide: 
An ligent noch ze Raben lof der beide. — 

321. ^Ir jungen kfinige b^re, 
ir fnlt nibt verxagen,^^ 

AU6 Tprach Ruedeg^re 

^ir Ut in wer gr6sex klagen: 

Ir r&bl nns febier' gefnnde 

bie se Beme in vil koner llande/^ 

322. Die jungen künige riebe 
knite der mark man. 

Harte klagelicbe 

wart ein weinen dk geti^n. 

Aw^ der grdzen bersen (l^re! 

Ae gefahen ein ander [lebendig] nimmer mtee. 

323. Dietleib der Stieraere 
der kufte ouch diu kint. 
Aw^ der leiden msare! 

er gefach fiu nimmer [m^re] fint. 

Dd wurden truebiu ougen, 

äk weint' vil manig edel rekke tougen. 

324. Ez kufte weinnnde 
der kuene Bioedelin 

Mit fiuftendem munde 

die [tiI] lieben herren flu. 

Aw^! da gie ez an ein fcheiden, 

fich hnob grozez weinen von in beiden. 

325. ,,Nik fiuftet nibt ze f^re/' 
fpraeb ber Baltran 

,,6edeDket, künige b^re, 

waz an iu ^ren fol geftäU) 

Und lät iu nibt wefen leide: 

gedenket, waz ir iurem vater gebiezet beide. 



Die Ravenpascblacht. ^|0g 

326. Und Heiken miner vrouwen, 
do ir urloub nämet dan; 

Gedenket an daz fchouwen/^ 

fprach der unverzagte man 

„Daz fiu tet nach iu beiden; 

fiu beweinte vil f6re inwer fcheiden; 

327. Ir klagelich hende winden/^ 
fprach her Baitran 

„Daz fiu tet nach in kinden, 

da fult ir [wolj gedenken an. 

Mir ift [daz] kunt bi difen ziten, 

fi überwindet nimmer [m^r] iuwer rit^u, 

328. Ir weinen äne mäzen, 
des vergiz ich nimmer md. 

Ir klagen wil ich läzen, 

mir tuot tufentAunt als wS 

Etzel, min lieber herre: 

daran fult ir durch got gedenken verre. 

329. Sin weinen bitterliche 
daz tut mir we genuok; 

> Gedenket, künige riebe, ^ 
wie er fich gein dem herzen Ünok, 
Daz lät iu gen ze herzen, 
und überhebt in maniges grözen fmer^en*^^ 

330. B^diu, jung' und alte, - 
kuften da diu kint. 

Aw^ der leide manikvalte! 

fie gefahen s' nimmer [mdr] fint 

Leider mit gefundq, 

dtk* ,datze Babene vil tot wunde. 

331. Dar gie der. Bemaßre, 
da er diu kint gefacb. 

Der edele rekke m»re 

mit trueben ougen [zu in] fprach: 

„Nu gehabt iuch vil wol beide, 

und behuet^ iucb got vor allem herze leide !^^ — 



406 ^® RftTeDnasdilaclit. 

333. „AUb pflegt iuwer got hin wider(e), 
berre, her Dietrich!" 
Die zeher"* vielen nider(e) 
Yon ir ougen ficherlteh 
Üf die hende und üf dia kleider: 
daz was die lefle fchiedange leider! 

333. Baz denne handertnunt 
kuft' her Dietrich 
Stnen bruoder an den munt 
und ouch die [jnngen] künige Heh; 
Alfo täten s"* in ouch tu dikke: 
got moht' erbarmen die weinunden blikke I 



VII. 

AFentiur(e), wie fie Ton dan urloup nämen in 
Roemifchez lant 

334. Hie mit difem m»re 
wart urloub genomen. 

Nu irt ez funderbsere 

al[lez] an daz ende komen. 

Daz fult ir hoeren gerne: 

dau[ne| vuor daz her, und beliben diu kint ze Herne. 

335. Nil g^t ez an ein firiten, 
daz muoterkint bekleit. 

NA beeret an difen siten, 

ob ez iu ^ niht ift gefeit, 

Wie daz her von Hiunifch lande 

Ermrichen wueltet mit roub und mit brande. 

336. S6 manigen rekken balde 
gewinnet nimmer m^r 

Dehein künig mit gewalde, 
als von Bern der r^kke h^r: 
Sie figen muozekliche 
bin ze Raben g^en Ermricbe; 



Die RftvennafloUaciit. 407 

337* Da man folde Itriteu, 
als ez ouch Ht ergie« 
Do was ez an den ziten, 
als ich iu [wil] befcheide[n] hie, 
In dem herbeft nähen: 
der nebel [der] was gr6z, d& von Ae w6nik geiahen. 

338. Daz her von Hiunilch lande 
leite durch diu mark. 

Der die flräze [wol] erkande, 

Hiltprant der rekke flark, 

Üf velde und .üf Utigen, 

da hin gegen Raben begnnde daz her Hgen* 

339. Dd daz her von Beme 
wol rafte lang gereiti 

^(i fuU ir beeren gerne, 

wie mir daz buoch hat gefeit^ 

Aw^! der. jämer twank (vii) r^re 

da ze Bem[e] die jungen künige h^re. 

340. J^ banden flu fich viengen 
der reinen Heiken kint. 

Mit Diethern fiu giengen, 

alfd fagr man mir fint^ 

Da fiu ir meirter runden : 

fiu bäten (her) Elfonen bi den Hunden. 

341« Siu knieten Tiir in nidere . 
und bäten in zehant; 
Daz kom in ze fchaden fidere, 
daz irt mir [waßrlich] woi bekaut; 
Siu kuften im [an] die hende: 
aw4! dö nähentin (damit) der ende. 

342. „Ellan, meitter^ herre,'' 
fprach Orte der degen 
„Wir manen dich verre, 
wir flu hie in dinen pflegen, 
Nu gunne uns ze riten 
Tür die ftat: wir kumen [dir] In kurzen ziten. 



406 1^ RaTViiBasoldtcht. 

343. Wir wolden fchouwen gerne 
ditze bou £6 herlich, 

Die (tat hie ze Berne: 

und l»ge diu in Hinnirbh rieb, 

Wes bedörft' wir danne m^fe? 

fin biete min yater Eteel iiDiner ^re.^^ 

344. Hit triuwen fprach d6 (her) Elfan: 
„Yil liebe herren min, 

Die bete Tult ir flehtes läp, 

wan des mak niht gefln; 

Hin Iriuwe ft^t ze pfände 

dem nnrerzagten kttnig von Römifeb lande. 

345. Ir Tult hie inne btten, 
ich getar lach ninderlän, 

Ich l&z^ iuch ninder liten, 

daz folt ir [herren] kn^ zom b&ns 

Wsdr' iht, daz iu Idde gefcho^he, 

den tdt ich gerner an mir felben tehe.^^ -— 

346. ,)Jä welle wir ninder verre 
riten.'^ fprachen diu kint 

„Elfan, lieber herre, 

wir fin niht £6 gar blint: 

Wir behueten uns [in] der mäze, 

daz uns niht gewirret üf der ftrSize/^ -— 

347. „Nu Überhebt mich maniger fwaere,^^ 
fprach her Elfan 

„Ja vürht' ich den BernsBre, 

gegen dem ich mich Tertriuwet hän. 

Ez möht' mich lihf* geriuwen, 

und wflßr' doch immer krank an minen trinwen.^^ — 

348. „Swaz dö. unblilicbe 
nü beg^fl daran 

Gegen dem her[re]n Dietriche, 

ich daz wol verfuenen kau; 

Ez kumt dir niht ze fwsere: 

wer wsDuen; dA, der ez fage dem Bemaerel 



Die RftTeiiaafdilacht. 40g 

349. L&t uns als balde riten,*^ 
fprach her Diether 

„Wir wel[le]u mit niemen ftriteD, 

wir vuern deheine[r flahte] wer, 

Wir komen her wider fchiere, 

daz geloubet mir.^^ fprach der degen ziere. 

350. D6 fprach der ftarke (her) Elfan: 
„nü fit der bet^ gewert. 

Binder in wil ich niht befiän, 

fit ir ze riten [gern] gert, 

S6 mag ich daz niht läzen, 

ich wil mit in rSten üf der flrazen.^^ 

351. Yrö worden ftcherliche 
diu kint wolgetän. 

Die jungen könige rtche 

die gäliten vr61ich[en] dan. 

Da he diu marke Tunden, 

fie i^zien ^f diu ors bi den Hunden. 

352. Die hdhen kfinige wandeis m 
die gfthten üz der Itat, 

Sie körnen leider alle dr! 

Inf ein unrehtez pfat; 

Dem begunden Re nach riten: 

fie truok diu felbe ftrftze bi den ziten 

363. In reiben ze leide, 
ze Raben üf den fant. 
Über die breiten beide, 
als mir [daz maere] ift bekant. 
Verrluochet fi diu reife! 
an in gefdiach vil jämerliohiu vreife. 

354. £ das fieh her Elfan 
gerihtet^ ^z der itat, 
Nu wil ich iuch wizzen Mb, 
wie man mir gefaget hftt. 
Aw^I d6 gähV er nftch den kinden: ' 
er künde A umbe die ftat ninder vinden. 



410 IMe BaYcmMSchlaefai. 

355. D6 fluoch er fleh ae herzeo^ 
gröz was fin ungemach, 
D6 tobt* er von dem fmerseo, 
do er der kinde niuder fach, 
Aw^! d6 m^rte fich Hn fwiere, 
Yor leide weinte d6 der degen nuere^ 

366. Wan im £6 yü se leide 
bi ßnem leben nie gefchach, 
Üf der breiten beide 
er diu klnt uinder faeb. 
Aw^! d6 maoH;^ er Ailie beiden: 
„nü maoz ich mit j&mer immer alden! 

357. War fol ich nü k^ren, 
ich armer Elfan? 

Der mich daz künde Urenl^> 

tüte ruefen er began. 

Im was leid ftne m^ze: 

Im antwurt' leider nie man üf der fträze. 

358. Yür w4r ir daz geloubet, 
daz ich iu Tagen wil, 

Vröuden wart er beroubet, 

lins leides wart f6 yü: 

Aw^! dö reit er alles umbe, 

er want% er runde die jungen künige tumhe. 

359. In herzen und in gebele 
lak fin Ungemach. 

Tor dem Harken nebele 

er der kinde ninder fach; 

Aw^! fiu riten im üz den ougen: 

do begund' er fnocben diu kint alf6 toogen. 

360« Er trabte In dem muote, 
alfam ein trurik man; 
Yil ofte fprach der guote: 
,,aw^9 waz bän ich get&n! 
Nü muoz Ich Immer m^re 
hin Yür leben mit grdzem herzen f^re/^ 



Die RammascUaehi 4l| 

361. Er traht' in fineni mnofe: 
,,icb weiz wol, daz diu klnt, 

In reiben niht ze guote, 

nach dem her gestrichen fint» 

Aw^! nü werdent fia rerl^ret: 

fiu fint wan zno dem here bin gek^rel^^^ 

362. D6 gort' er ftnen Blanken 
bal'deklichen baz; 

Mit manigen gedanken 

tkt daz kaftel&n er faz. 

Aw^! im was von herzen leide: 

d6 reit er nAeh den kinden ikf die beide. 

363. Nilk beeret vremdin maete^ 
din tuen ich iu kunt, 

Und merket funderbaire, 

waz ich iu Tag' in dirre ilunt 

Von den [jungen] künigen riehen: 

die bricht* niht guotes leider ficberllcben 

364. Üf ein nnrehfe ftrise 
dabin TÜr Raben nider(e), 
Diu truok Ae in der m^ze, 

da in gefcbacb vil leide fider(e)9 

Aw^! da namen fie den ende 

von des ungetriuwen Wiiigen hende^ 

365. Well ir beeren n& den ftrlt, 
den wil ich in Tagen, 

Nu rememt rehr an dirre sit 

von [gr6zem] weinen und (?on) klagen. 

Sie kdmen ficherliehe 

in ein tal, die Jungen kfintge rtehe. 

36ft Sie beten allen den tak 
dem her geltrichen nfteb, 
* Vflr wftr ich iu daz Algen mak, 
in was unmffizllcben gich, 
Aw^! ja wen' lob, zuo dem lelde^ 
dte ^e erflagen wurden tit der beide. 



4U 1^ BAVMUMfcUacIO» 

967. Die edflln jungen h^re 
■raoflen ir riten lAo, 
Sie heten geltriehen f(6re, 
do begnnde [ooch rafte] figen an] 
Diu naht in se leide: 
Ae beUben alle dri uf der beide, 

368* üna^ an den andern morgen, 
das ei begnnde tagen. 
Hit TU gr6zen forgen, 
als leb. in wil Tagen: 
,,NA r4iel, lidien herren,^^ 
l^aeh Dietber ,,idi yfirbte grasen werren, 

860. Das. nnfer meifter (ber) EUiui 
nns vil gefnoebet bSt; 
Wir beben f^re miiletAn, 
wir fin se rerre von der ftaV^ — 
^Das ift nibt mn wunder/^ 
alf6 fpraeh ber Orte (dft) befnnder« 

370. Diether d«r künig b^re 
bet forgen se vil. 

Er fpracb: ,,niich wnndert f^re, 

das Ach der nebei niht üf läsen wil; 

Das befirsret mich entriuwen: 

j& Türbt^ ich, nns muos diu rart gerinwen.^^ 

371. Sie gurten d4 ir marlce 
mit williger hant. 

Die jungen kfinige ftarke 

karten d&mit ober laut 

Gegen dem mere nidere: 

d& yant man Ae erflagen leider Ädere. 

372« Wol se TraeOe)r imbis zlt 
d6 kömen Ae geriten 
tff ein fchcBue beide wit, 
nu rememt mit guoten Aten, 
Do erbeisten s^ ^ der beide 
ber Diether nnd.vronn Helli;ien ffine beide. 



Die RaYewiasclilaeldi. 413 

373. Sie betrahten fU hefnader: 
,Jä herre, wft mug' wir flnl" — 
„Des h&t mich michel wunder/' 
[fprach Diether] „üf die triaw« min, . 
Wir fin milTek^ret, 

uns hat diu wisheit unreht(e) gel^rel.^^ 

374. Hie mit difea fachen 
begunde ez werden lieht, 

Sich hegund' der nebel üf maehen, 

daz hftn ich milTaget niht, 

Vil heiter fchein diu funne; 

,,nü Tröuw.' ich mich^^ fprach Seharpfe ,^difer.wnnne/^ 

375. ,,W4fen, heiliger Krilt!'' 
fprach Orte fftzehant 

,,Wie rehte fchoen^ hie ift 

ditze herltche laut! 

Aw^! Togt Ton Berne, 

ir mugt wol hie wonen immer geme.^^ 



VIII. 

Wie her Diether und Heiken fun mit Witigen 
rtriten, do er fiu fluog, 

376. In den üelben ziten, 
als man mir gefagt h^t fint, 
D6 fi^hen dorther riten 
den ftarken Witigen diu kint: 
Aw^! er was in komen ze nähen, 
dia kint fpri^chen wider ein ander, als fi in erf&hen : 

377« ,,J4, herre got der gnote, 
wer mak jener rekke Hn? 
Der mit f6 vreTelem muote 
dort haltet? trut gefeite min, 
Daz folt dd uns hefcheiden: 
weder ift er ein Eriften oder ein heidenl 



414 



378* Er baldet t^ Trcrvdltdie, 
er mag wol ein rtkke fio. 
Er i(l höhet moofef riebe, 
warn' ieh, ^ die Iriawe min: 
Welle wir zno im riten; 
er gebirel rehl(e) täm er welle IMtea. 

379. Er haldet mder lehilde 
mit manlicher wer.^^ 

Do erblikte ooeb in der mute, 

aw^! der jange Diether, 

Do b^node er fiaflen foagen, 

im wnrden l^re Imebe finin oogen. 

380. Sin leit im in das hene 
reht' Tön gründe fehöz; 

Do gedikhl' er an den fmers« 

nnd an die uDtriawe gr6z. 

Die er an im het begangen: 

fln Itp wart mit leide (66) herangai. 

381. Vronn Heiken füne beide 
Ilihen an Diethem wol, 

Daz im was vil leide, 

ir ougen warn [vod] weiDeD(s) vol, 

Awd! flu TT^gteD in der maere, 

waz im tö fnelle da gefchehen w«re. 

382. 9)Mir mag wol wefen leide,^' 
fprach Diether lobefam 

„Der dort haltet üf der heide^ 

der hat mir leid get^n. 

Aw6! folt' ieh mich an im rechen, 

daz ta^i^ ich gerne: waz mag ich m^r fpreehen/^ 

383. Nu vr^ ich dich vil verre," 
fprach Orte der degen 

„Diether, lieber herre, 

wer ift der rekke vil bewegen? 

Wil du uns in nennen, 

er kumpt £6 hin niht, wir Taln in an rennen.^^ 



Die R«Teiiii«0Ghlaelib 415 

384« Mit manigen herz^ leiden 
fprach Diether zebant 
Ze ßnen herren beiden: 
j^er ift Witige genant: 
Heya, £o\V er von miner beode 
iezuo bie kiefen (. • .) den ende!^^ — 

3S5. ),Nü ß wir junge rekken/^ 
fpracb Scbarpfe zebant 
„Wir fuln an den kekken 
und bou[we]n fines fcbiltes rant: 
Wir muezen mit im ftriten, 
und getar er nnfer üf der beide gebiten.^^ 

386« Her Witigis der rief f^re, 
d6 er diu kint erfacb. 
Der edele rekke b^re 
yil unvorbtiklicb fpracb: 
„Nu Tagt mir, rekken meere, 
fit ir gefinde von dem Bernierel'^ — 

387. ))Defi werdet ir wol inne/' 
fpracb Dietber zebant 

„Aw6! war tat ir iuwer finne, 

do ir verkauft nnfer lantl 

Daz arnet ir vil f^re, 

ir maezet noch drumbe geben lip und ^re. 

388. Weiz got, ber Witige, 
ir kumet fd bin nibt, 

Ir muezet biute gelten (6) 

die ungetriuwen gefcbibt, 

Ja buezet ir die fchande: 

ir lät ans iuwer houb(e)t z'^einem pfände/^ — 

389. „Ir redet kindeliche;«^ 
fpracb Witige al ze baut 

„Waz ben^t iucb B6mifek liche? 

vart wider in Hiimifch lan^ . 

Und Ilrftfet mich nibt £ftre; 

oder ir gefchonwet HiiimliBhlaatiilB|BMir|)Bitee/^ — 



416 



390* ,9^^^^ zage OBgetriowo*, 
wie getarft dd fo oiTenbir 
Geftrftfen künige fo Unwerl 
daz muoft da arneo vfirwir.^ 
Mit kintheit fie dd fliseii 
üf dia OTBj der zagheit fie vergasen. 

391. Bin ftrAze fie nider rokten 
fiber ein tiefez tal. 

Diu fcharfen fwert fie sukten, 

aw^! äö nfthent in ir val, 

Gegen Witigen fie d6 randen: 

fie morten barin fwert an ir banden. 

392. Die böhen kiinige ridien, 
all ich vemomen bän, 

Die riten ficherlichen 

drin uz erweite kallel&n; 

Aw^! fie wären grimmes mnotes,. 

fie verwftgen fich des libea und des guotes. 

393. Als Witige der Harke 
diu kint her riten fach, 

Dd gurte er ßnem marke, 

vil balde[kllchen] daz gefebach. 

Aw^! der rekke vli vermezzen 

der kom mit zorn d6 üf fin res gefezzen. 

394. Er dähr in finem finne: 
,,d& ift anders niht an, 

£ daz ich iu entrinne, 

ez muoz mir an daz leben gftn.'^ 

Awd! d6 nam er Schemmingen 

ze beiden fpom, da liez er dar klingen. 

395. Geliche einem degene> 
bungier(e)n da began 
Scharpfe der verwegene 

reit den ftarken Witigen an, 
Aw^! mit grimmigem muote 
zukt' daz fwert der junge degen guote. 



Die Raveitnaschlftclit. ' j]'^ 

396. Er lie dar nfthei* klingen 
mit ellenthafter hant. 

D6 heten fiu gedingen, 

als mir daz bnoch ift bekant 

Ai¥^! ßa waren kucne beide: 

des gelag ir einer t6t i&f der beide, 

397. Witige der Mre 
rant' Scharpfen an 

Mit einem ftarkcn g^re, 

er traf, als ich vernomeii liftn, 

Aw^! den jungen künig rieben 

üf nne brnfl, das wizsei ficherltohen. 

398. Er traf den könig b^re 
tief in den llp, 

Daz dar nach immer m^re 

[zen Hiunen] beweint(e) manik wip, 

Awd der ja^merlicben ftnnde! 

er kom von dannen nimmer mdr gefunde. 

399. Doch fwie kint waere 
Scharpfe der junge degen, 

D4 fagt uns daz rosere, 

er wert' ficb mit ftarken Hegen: 

Doch muoft' er leider fterben, 

von dem ftarken Witigen gar verderben. 

400. Scharpfe der junge herre 
vrumte manigen flak 

Üz Anem herzen verre, 

ahl, was er manheite pflaki 

Er vaht mit beides muote: 

aw^f dais kom im leider niht ze gliote, 

401. NA feit uns daz msere, 
wie wol her Scharpfe flreil: 
Swie ftark her Witige wttre, 

und fwaz man waäders von im feit. 
Doch riuog im zw6 wunden 
vroun Heiken fon her Scharpfe bt den Händen« 

27 



419 Die BtTMHi«fclil«eliL 

402* Oifcr gr6fe fmerze 
der tet Witigen w^ 
Und lag im an dem hersen, 
nü fult ir vernemen m^. 
Mit grimme er MimiDgen zukte, 
an den jungen Scbarpfra er d6 rukte, 

403. Mit einem flage fö herte 
traf er daz kinf. 

Manllch er (ich werte, 

air6 Tagt' man mir fini; 

[Leider] des enpfie er herzen f§re: 

er kom kin zeu Hlunen oimmer m^re. 

404. Daz Ich iu ni^ hefcheide, 
daz ift diu wärheit: 

deliche Sl träfen beide, 
Witige und Scharpfe, als man feil, 
Aw^I der künik von Hiunifch rlche 
der lak dft t6t, daz wizzet ficherlkhe. 

405. Ich n^n der roser' an' lougen, 
fwer mich des vrägen wil: 
Zwifchen flnen ougen 

ök Aach er im daz (ddcs zil, 
Durch hirn und durch zende 
fluog er daz kint mit manlicher hende. 

406. ;^.daz der künik riche 
kom t6t üf daz laut, 

Daz wizzct flcherliche, 

dn/ fwcrt mit ellenthafter haut 

Het er erriden valte, [glalte, 

er fluok Wiligcn üf den heim, daz daz fiuirer darüz 

407. Daz die herlcn fpangen 
brafteu^ fuuder wank; 

Er mehr flu niht erlangen, 
Hn mäht diu was ze krank: 
Idoch fchdz Witige der Oarke 
mit den flage nider von dem marke. 



Die Ravenna^chlacht. ^4ßß 

408. Abi! nü IVilt ir mezzen 
und rehte daz verflän, 

Und ouch des niht vergezzeu: 

Wflßr^ Scliarpfe gewabfen ze {einem] man 

Ez miioften elliu rtche 

im gedienet bän vil gewaltfkllcbe. 

409. Di rtarp von Witigen bände 
der Junge künik rieb, 

T6t zuo dem lande 
Tcböz Scbarpfe fieberlich. 
Aw^! d6 r^ben in vil leide, 
icb meine, difo edelo künige beide. 

410* Mit grimmigem muote 
ranl' ber Orte dar: 
Daz kom im nibt ze gnote 
leider At, daz ift war. 
Heyä! da reit er Scbemmingen 
ber Witige mit manlicben dingen; 

411. D6 bet er bar in der baut 
Mimingen daz edel fwert. 

Her Orte üf Witigen kom gerant, 

d& wart Hrites gegprt. 

Abi, wie ficb beide werten! 

mit grimme fiu üf die belm(e) berlen, 

412. Daz daz wilde fiuwer 
üz den fwerten fprank; 
Orten vil tiuwer 

Iins bruoder ende twank, 

Aw^! er biet' in gern geroeben: 

dar an hän ieb nibt unrcbt gefprocben. 

413. Der kdnig üz Hinnifcb riebe 
üf Witigen vafte wak 

Harte manlicben 

manigen biUern flak. 

Aw^! j^ riuwent fiu mich leider: 

ir harntfeh was wan ir AinMr kleider. 

27* 



49D Die K a re — ■ efclacH. 

414. Orte der matte 
kapt* Witigen raAe ao. 
Er fluog im fl^e fwxre, 

der fweix [Witigen] dnrch die brfinne rafi t 

Aw^! TU dikke weior der gnole 

f!o[eii] brvoder Seharpfen mit trikrigein oraofe. 

415. Als der kelt Witige faeb, 
daz er niht mohr komen dan, 

Mil grimmigem muote er d6 fpraeh, 
als ein anverzagter man: 
,,Aw^! künik von Binnirch riebe, 
ir bapt getftn binte tÜ kindeiiebe. 

416. Nd denket in inreal mnote,^ 
fpraeb der kaene man 

9,lSdeI kunig gnofe, 

ieb bin in leides getan: 

Noeb volget miner Ure, 

Tart iuwer llraze, daran gefebibt in #fe. 

417. Ich flach inch vil ungerne, 
daz fult ir viir wftr bän; 

leb Tfirbt' den vogt von Berne, 

dem ir ze helfe fit verUn. 

Hejd! lind biet ir gaote finne, 

fo entwichet ir mir kurzliche von binne.^^ — 

418. „W»rlicb^ mördaere, 
ez muoz din t6t nü fin! 

Du erarneft fnnderbaere 

den [vil] lieben brnoder min, 

Der [hie] t6t lit Af der beide: 

daz kumt dir Hoch hiute ze Icide.^^ — 

419« „Neinftl künik riebe, 
nü Iftze dinen zorn, 
Nu gedenke ficherllcbe. 
ez ift ein fchedel baz verkorn, 

Danne ob fin wirt ie m^re: [^re/^ .» 

bellbeft du gefuDt, daz in dt[ne]m Täter [ein michel] 



Üie Ravennaschlachi 421 

420. ,,B4B8wiht aller untugende, 
z'wiu wienft du, daz ich £i? 

Daz mir in miner jugende 

immer folde wonen bi, 

D4 häft du mieh von gefcheideD: 

mir muoas min leben immer m^re leiden/^ 

421. Daz fwert ze bf»idcn banden 
nemen er began. 

ZeilEimene flu geranden, 

zwei üz erwelliu kaAcl&n 

Mit nide fiu dli twungen: 

fiu flnogen uf die heim' daz fi erklungen. 

422. Mit zorn(e) fiu lieh wanden, 
miehel was ir nit. 

Diu fwert in ir banden 

diu warn fcbarf an der zit, 

Aw^! fiu fniten gar ze f^re: 

daz iit^erwant ouch Orte nimmer märe. 

423. Siii triben [an] ein ander umbe 
ein harte lange Hunt; 

Orte der tümbe 

machr Witigen drter wunden wunt« 

Awd! daz half in lützel leider: 

Etzel muQft'* fich anen finer lune beiden 

424. Mil grimme fiu dd rungen 
ein harte lange zit, 

Diu fwert in ir banden klongen, 

fiu yahten [einen] berteii ßrit. 

Ditz' ift ein wärez msere; 

geloubet mir: fwie kuen^ her Wilige wiere, 

425. Er kom in micbel forge 
von dem jungen degen; 

Er het ßn allez borge 

und fch6nt' fin mit den flegen: 

Des heV er vil n6ch Kre 

engolten von dem jungen kiinige h^re. 



jjD Die RavenBafchlacht 

426L „Noch moht irs [Mev] wot Uzen;^^ 
fprach Witige zehant 
„Ez kumt iu uiht ze mllzcD, 
Wirt iu min [gr^zer] zorn bekaiif, 
S6 flach ich iuch, in triuwen: 
To ez dan gefchiht, waz hilfet mich mHi riuwenl^^- 

427. ))lch fol dich bringen inne, 
WCS ich willen hftn, 

Dt kumft f6 uiht von hinhe, 

du vil ungetriuwer man, 

D6 gilteft mir üf der heide 

min[en] brnoder, an dem ich mir Ahc l«id«/^ 

428. Under diu was Äf daz mark 
ouch komen Diether, 

Dar treib der edele vttrlte nark 

mit vil manitcher wdr: 

Da beflnonden fiu in beide«, 

die Jungen kilnige WiÜgen )är der beide. 

429. Siu frumten hertikliche 
mauigen ftarken flak 

Üf Wiligen ficherllche, 

fiu ftriten allen den tak 

Biz gegen dem abunde: 

daz kom ir einem leider zo ungefunde. 

430. Ah difem meere ich vinde: 
vil herte was ir ftrit, 

Sie fiuogen flege fwinde, 
fie beten üf ein ander nit 
In herzen und in muotc: 
daz kom in leider fit niht ze guote, 

4.31. Sin habten in an vil f<^re 
mit flegen äne zai, 
Die jungen künige h^re 
triben Witigen üf dem wal 
Hin unde her vafl^ umbe. 
Aw^! fiu w&m z« DtrUe gar ze tumbe. 



üle Raveanaschlficht. 4iS 

432. Vor unde hinden 
liefen fiu in an; 

Im wart von flogen fwüiden 

nie f6 w^ getan, 

Sam von den jungen lierren: 

daz kom in leider fit ze grdsen werren. 

433. Siu habten an in f6 vaHe 
mit flegen üf dem plftn, 

Daz vHiwer rcbt' erglafte 

üz ir heim, daz ez bran: 

Aw^! die rekken tuzerkorne 

die beflttont alr^Il her Witige mit zorne. 

431. Daz fwert ze beiden banden 
nam der kuene mau, 
Zefamene fie d6 randen, 
all ich [vür war] vernomeu han, 
Mit grimmigem muote, 
Witige der Harke und die beide guote. 

435. Aw4. der leiden miere! 
daz zwifchen in dk gefcbach, 
Darumb ift mir fö fwsere. 
Witigen wart von grimme gaeh: 
Aw^I des muofl' engelten £^re 

von Hianifeh laut der junge künig h^re. 

436. Hit dem guoteu fwerte, 
daz Witige dft truotf. 

Orten er d6 gerte, 

kreftiklich er dar fluok. 

Mit manlicher bende 

floog er den kttnik nider uuz' i^f die zende, 

437. Durch daz hime ntdere 
und durch den drilzzel dan. 
Daz beweinte dikke fidere 
manig edel man. 

Aw^! ze leben er d^ nimer pflak: 

er fluog im durch daz houbet, daz er i6t gelak. 



^SW ^j® Ravennafichlacht. 

438. Von Hiuuifeh lani der herre 
von dem orfe fchöz 

tit das lant vil verre. 

das was [ein] unbilde groz: 

Ahi! alfd T^re wunde 

fprang df das kint bt der felben flundo, 

439. Witigen dem ftarken 
fluog es einen flak, 

Daz er viel von dem marke 

und dar nider gelak. 

jkw^! d4 was onch ez ergangen: 

den jungen kUnik het der tdt gevaogen« 

440« Dö ßarp Yon Witigen Kende 
der künik von Hiunifch lant. 
Er nam dk ein ende 
und ftarb onch al ze hant. 
Aw^! da gelegen üf der beide, 
ntk 6nt fiu tdt, vroun Heiken füne beide. 

441. Diethern von Rdmifcb lande 
wart von herzen [vil] leit; 

Er nam daz fwert ze bände, 

dar lief der degen unyerzeit, 

Üf Witigen er d6 berte. 

mü grimme ficb ber Witige dö werte. 

442. Siu liezen in ftrit enblanden, 
in was von berzen zorn, 

Diu fwert in ir banden 

den [edelen] rekken üz erkorn 

Begunden erklingen f^re, 

man mobr ez boern einer mite lang oder mdre. 

443. Siu vrumten gremiklicbe 
[üf] einander manigen flak, 
D^vou Dietber der riebe 

leider fit 16t gelak, 

Si begunden zürnen beide: 

fiu träten ein langez pfat iVf der beide. 



Die Bavennaflclilachk. 435 

444. Dietbern harte f^re 
liDS herzen n6t betwank, 
Dem jungen rekken h^re 

daz bluojb üz den ougen fprank. 

Aw^! ja gefchach im nie t6 leide, 

M do ep von Witigen feibe ftarb üf der heide 

445. Die flege von ir fwerteii 
klungen vreinich, 

Ze leben fiu nihi gerten. 

Diether der künik rieh 

Der riuog üf Witigen r<§re: 

d6 wtfld* er reehen die jungen künige b^re, 

446. Mi| grimmigem muote 
liefen s' an [ein] ander an, 

Die edelen beide guote 

vfkvn von den orfen geftan, 

Ir flege bullen vafte, 

das viuwer rebl(e) von ir ougen glafle. 

447. NA beeret Ainderbfere, 
* wie daz buoch uns las, 

Mir kündet daz maere^ 

wävon Diether f6 lange genas, 

Daz wil leb iu befcheiden, 

Mi ir iu daz maere (nü) niht leiden 

448. Ton fd tumben jiren^ 
als wir bcsren jehen, 

Alle die d6 w&ren, 

die Dietbern beten gefeben, 

Die faglen von im maere, 

daz fln geltob mit fnelheit ninder w«re 

.449. Beidin, dar nnde dan 
Diether vil dikke fprank; 
Witigen wegen er began 
manigen ftag &n' flnen dank. 
Aw^! daz vrumte aber im vil feine, 
er was im an den kreften gar ze kleine. 



! 

496 ^e RaTenD8schlaelii 

450. Nu wil ich in befcheiden 
hie an dirre zit, 
Zwifchen in beiden 
werte lange der ffrit, 
Unz' daz der tak wolde 
fefaeiden hth(nen), als er tuen folde. 

451. Swie kint her Dietber 'vi aere^ . 
er tel doch Witigen w6. 
Mir feit vür war das nisere, 
nü ruohl ir vernemen ni4: 
Starker wunden viere 
fliiok Witigen her Diether der ziere; ~ ^ 

452* Daas moote Witigen ft^re, 
er warf den fchilt üf daz lant, 
Witige der degen h^re 
nam daz fwert in b^e hant, 
Ze ein ander fiu da rukten, 
diu feharfen fwerl fiu d6 mit zerne cnkten. 

453« Witigen mü grimme 
lief her Diether au. 
Aw^! d6 wag in ringe 
der viirfte wol getÄn ; 
Verteilet fi dem fwerte! 
er traf in an die ftat, da er iln gerte. 

454. Nft beeret ditze mtere, 
wie ich vernomen hlin, 
Und ouch die fwinden fwaere: 
[Witige] der ungetriawe man 
Sluok vil kreftiklichen 
üf Dietbern den jungen künig rieben; 

455. Daz fwert durch daz ahfel bein 
und durch den lip nider wuot; 
Zwirel ift des dehein^ 
ez was unmäzen guot. 
Aw^! daz was ein grdzer fnierze: 
er fluo^ im enzwei leber trade herze. 



Die Ravennaschla^t. 437 

456. Aw^ der grözen fchande^ 
diu Witigen wart bekant! 

Der künik von Römifch lande 

fprach üz dem t6de [föjzehant: 

„Aw^! bruoder Dietriche, 

ich gefieh dich lebendig nimnier[m^re] Acherliche/^ 

457. Dem edelen künSge h^re 
diu kraft gar entfleif, 

Nider zuo der erde 

mit [beiden] banden er d6 greif 

Und b6t fie zuo dem munde, 

zuo unfers herren opfer 1% zeftunde. 

458. Mit an d&ht und mit riuwe 
d4 Hn ende was, 

Diether der getriuwe 

lie fich [nider] fif daz gras, 

üf rakt^ er (ine hende: 

„ich bite dich, her[re], durch willen diner urftende, 

459. Daz du dich ruochft erbarmen 
über mine gr6ze not 

Und über mich tu armen, 
durch dinen heiligen t6t. 
Aw^! nt mag ich niht m^re.^^ 
d& mit Dtarb der edel künik h^re. 

460« Difen grdzen fmerzen 
weinen dö began 
Mit allem flnem herzen 
[Witige] der ungetriuwe man, 
D6 knft' er an den[relben] Hunden 
Dletheren in alle Hne wunden: 

461. „Und folC ich dich noch heilen 
von aller diner ndt, 
Got muoz mir verteilen! 
dar umbe wold' ich ligen t6i. 
AwÄ! nü muoz ich fioherliche . 

elliu laut i'ümen vor Dietriche/^ - ;»**^ 



499 Die Ravennascblacht 

462. Ifli was von herzen leide 
endellch genuok, 

Sine bende beide 
im reibe er in diu ougen flnok: 
* „Ow^ dirre leiden maere! 
. ^ der nA gevreifcbel von mir der,Bern«re/^ 

463. Er §ie %e Schemmingen. 
nnd wolde rifen dan: 

An allen finen dingen 

enlwieben im diu krafi began, 

jlhf! d6 wart im ^rft(e) leide, 

er muoft' Ach ntder legen üf der beide.. 

464. N^ iti endelicbe 
daz msre ze ende komen: 
Die jungen k&nigo riebe 
habent nii den töl genomen 
Aw^! nü riuwent fiu mieb r^re: 

' Bu übwrwifldet ez vroii Heike nimmer m4re. 



IX. 

ATen(iiir(e)9 wie fie ftriten d4. 

465. Nik lasen wir diu maere 
mit difen dingen ftan. 
Ir wizzet wol funderbflere, 
wie ez umb die ber[reln iHt ergan: 
Welt ir nü erbiten, 
fd fag' ich iu von flurmeu und von Ülriten. 



Die itavennaschlacht. 49d 

466. Nu wil ich flchcriiche 
heben wider an 

Den Artt von Ermriche, 
als ich [vür Vf&r] vernomen bin, 
Und oach von dem von Berne: 
difen ftrit den füll ir hoBren gerne. 

467. Als der herre Dlelerieh 
niil dem her was komen 

Hin z' Raben vil gewaltiklich, 

als ir wol habt vernomen, 

Abi! im warten beide balde, 

di^ leiten fie fleh nider mit gewalde. 

468. Welt ir nü beeren gerne: 
diu berlichcn gezelt 

Diu hiez der von Berne 
flahen nider äf daz velt. 
Abi! mit unverzagtem mnote 
rotierten fleh die knenen beide guote. 

469. Sumltche bar des wunder, 
daz daz her fö lange lak. 

NÄ beeret vil befunder, 
daz man d& flrftes niht enpflak, 
D6 was ein vride gebannen 
beidenthalben von ir b^er mannen, 

470. Die wü' daz her mit vride lach 
üf der beide wtt, 

In der vrin(e) dort gefchach 

von den kinden der ftrit. 

Aw^! daz enwefle niemen leider! 

des mnoll^ fleh Etzel dnen ilner ftine beider. 

471. Das her mit grim[mlg]em zorne 
gegen einander lak, 

Die rekken üz erkorn(e). 

als ich iu [wol] gefagen mak, 

Die riten zuo dem ftrtte: 

mit dlfem pi^re ich in nibi leoger Ute« 



4M l>i« RavensasoUaclit» 

472. Nu wil ieh niht vergessen, 
ob irz boaren weit, 

Den ftrit wil icb meszen: 

man faeb manigen [kürlicben] belt 

2ogen über gevilde, 

man faeb äk fliegen vanen nnde fcbilde. 

473. Der werde vogt von Berne 
zuo den ßnen fpracb, 

Daz fult ir beeren gerne, 

do er dort ber zogen faeb 

Ermricbes belfiere 

der was f6.;vii, aU ans Taget daz mere, 

474. Tal nnde Ulen 
daz was allez vol. 

Nu beeret an difen ztten, 

waz ieb iu Tagen fol. 

Der künik von R6mifcb lande 

l]pracb (d6) zup dem alten Hildebrande: 

475. ^^Nik babe in dinem muote 
dnrcb die triawe din, 

Edel rekke guotc^ 

zele, waz der vanen muge (In. 

Yil gern icb daz bebende; 

ez ift alliu werlt in Rdmifcb lande.^^ 

476. 9,Dar umb fult ir niht forgen/^ 
fpracb ber Hildebrant 

„leb nenne iu nnverborgen 

die vanen alle [hie] ze bant, 

Nu beeret an difen ziten: 

ieb Heb dort ber ein breite rote rtten. 

477. Davor ein vane vliuget, 
unmezlicben breit, 

Daz ouge mir niht liuget,'^ 

fpracb [Hildcibrant] der unverzeit 

,,Heja! ja lint ez beide guote 

in fcbarfem ftrIt mit vil bewege(ne)m muote 



Die Ravennaschlacht* 4SI 

478. Diu rote diu dort her ftigeh» 
diu ift mir wol erkant. 

Der vane der damit liget 

den vueret Fruote von Tenelant. 

Daz wafen wil ich nennen, 

daz ir ez vür baz woi mugt erkennen» 

479. Daz was ein ; lewe von golde r6t 
in einem Vanen wiz.^^ 

Nu fult ir hoßren gr6ze n^t, 

dar an lak grözer v)iz, 

Mit alfö rfcher koffe; 

diu fehar hielt vintllch gegen der tjofte. 

480. [Darnach] wie vil der.fchare wsere 
mit den vanen breit, 

Daz ift mir ein kundez m^re, 
man hat mir endelich gefeit, 
Drizik tüfcnt beide ir w&ren: 
man fach fie harte manlich gebftren. 

481. Nu vernemt mit guoten fifen 
grozes Wunders m^r, 

Ez kam ein fchar [darnach] gcriten, 

daz w&rn ouch rekken h^r. 

Die ich kan wol genennen, 

die muoft^ man in [feharfen] flriten dikk« erkennen. 

4^%' Daz was von Normandle 
der kiinik Herman 
Und finer brueder drie, 
als ich [viir war] vernomen bftn, 
Abi! daz wären ouch die k^kken, 
die mau di holzet üz erweite rekken. 

483. Einen vanen (vil) herlich 
den yuort' er an der baut, 
Der üz erweite künik rtch 
der was in flrife [wol] erkant. 
Man wider faz im f^re: 
des muofl' engolten manik rekke h^re. 



492 Die Havennaschtacht 

484. R6I unde gruene 
der vaneu was geftalt. 
Herman der kuene 

hei rekken dft gewalt 

2weinzik ti^fent vollekltche, 

d&mit wold' er dienen Erro(eD)rtche. 

485. Bi den fellren zilen 
d& k6men gerifen her, 

Die oueh wol getorflen ftriten, 
wol drizik tufent oder mir, 
HeyA! daz waren rekken msere, 
die täten fchaden dem edeln Bemere. 

486. Welt tr nü gerne vcmemen^ 
tö tuon ich iu knnt, 

tu fol ze hoeren [wol] gezemen, 
Ich wH iu Tagen an dirre ftunf : 
Ez wären helde Harke, 
geborn von Meflie üz der marke. 

487. Walker was er genennet, 
der hell vil hoch gerouot, 

Den man vil wol erkennet, 

da mau [mit ftrite] wunder tuet, 

Der wolde Ermriche 

helfen i^f den kuenen Dietrichen. 

488. Darn&eh zogte mit gewalde, 
daz Tag" ich iu vür war, 

Günther der vil }ialde 

mit maniger herltchen fchar: 

Aw^! der vnorte helde Harke, 

die täten fchaden üf Romifcher marke. 

489. Ein vanen gras gruene 
vuorl' her Günther, 

Selbe was er kuene, 
er machte [leider] äne wer 
Vil manigen Etzeln rekken: 
grOzez mort f&len dA die kekken. 



Die Raventtascfriadkt. '4S3 

490. Darnftoh in kurzen ciCen 
d& zogten üz der flaf, 

Die oueh wolden flrlten, 

als man mir gefaget Mt^ 

Zweit türent wigande, 

die wliren gekomen von Weiten lande. 

491. Ir aller houpt herre, 
der zweir töfent man, 

Von den hnob fieh dii werre, 

nn[en] namen ich [in wol] genehnen kan, 

Erewin was er genennet, 

den man in fcharfen ftrtten wol erkennet. 

492. D6 zogt' üf daz gevilde 
der kuene mark man, 

Tierzik Idfent fchtlde 

die warn im [eine] undertän. 

Abi! die wftrn von Weite v^Ie; 

die Hiunen wider f^zen [vafle] bi dem mMe. 

493. Wie ßn vane was geßall, 
daz wil ich iuch wizzen lAn, 

Den da vuort(e) der helt halt, 
der was herllch getftn? 
Abi! daz was ein flrüz wilde, 
gar fwarz in einem wizen fcbilde. 

494. Sturmg^r von Hefsen 
ottch mil fchalle reit, 

Mit fchoanen fcharn fehfen, 
daz wliren beide [vil[ gemeit. 
Abtl die getorften wol geßriten 
mit den vinden fwinde ze allen zilea. 

495. Stfrit von Niderlant 
der zogte darnach, 

Ein vanen r6t in der hant 

man den [vörften] vneren fach, 

Sebs und zweinzik f dfent degen(e) 

die vaort' von Niderlant Stfrid der verwegene. 



4M 



496. Ikrank vm «■gHlaniie 
4er Tuorle rienik fchar. 
Nknan im dk bekande, 

was Hildebmil, das Ul war, 

Aki! ein« raneii ^ote 

den raorte feUb' der rarfle bMi Cfemoole. 

497. Dax was ein pantel filber wis, 
all ich vemomen hin. 

Dar an lag manig ^psher tUi, 

dax Yelt fwars als ein ram. 

Aw^ ! das wären beide ftaete, 

die rieten ti den von Beme fwinde raefe. 

496. Tnmrsebn lafent wigande 
die riten oneh dort her 
Mit dem von Grnenelande, /« V^. 
der hiez [d^] herzog' Stritg^. 
Der daz nu hoeren wolde: 
Qn. vane was geprneft von liehtem golde. 

499. Wie fold' ich iu genennen 
die rekken üz erkanti 
Wan ich mag niht erkennen 
daz drizigirt' teil ir [aller] lant. 
Ir fult [aber] wizzen ficherllche, 
da wären vier uut vunfzik vürften riebe. 

600. Der fcbal waerliche 
was ane mazen groz; 

Daz velt ficherliche 

von des heres kraft erd6z. 

Sie her bergten vafte 

von der ftat wol anderthalb(e) rafte. 

601. Man Itahte die vanen alle 
nider üf den plan. 

Mit einem Harken fcballe 

lägen Ermriches man. 

Abi! nü fult ir beeren gerne, 

d6 abt' fin her der werde vogt von Berne* 



Die RaTeanasciflaoht. 

502. Mtt nuirersBagtem nlaotei 
fprach her Dietrich: 

,,Ir edele helde guote, 

fwaz iuwer (1 von Hianifch rieh 

Ir Ailt iu darn&ch pilihten: 

mich dunket daz die vinde ßch her rHirteii. 

503. Sam fie wellen firiten, 
dem gebärent fie gellch. 

NA Ailn ouch wir niht biten/' 
fprach der kOnig vor R6milch rtch 
,,Nü bereifet iuch mit fchalle, 
ir Tult gedenken hiute daran alle, 

504. Daz uns mag nieraen fcheiden 
tt dirre heide wit, 

Die lieben zuo den leiden, 

nii bedenket daz an [dirre] zit, 

Ir vriunde und ir gelle: 

wizzet, daz uns verre fint die vefte. 

505. Ir giirtet vliziklkbe 
diu gaolen kaftelän 

Und geboret manltche; 

ez mag niemen nnderflän, 

Ez g^t hiut' au ein vehten: 

bitet got-, daz er uns helfe nach dem rehten, 

506. Dnd uns hiute bedenke 
durch Hnen bittern t6t, 

Und unfer vinde bekrenke, 

fo überwinde wir unfer ndt 

Wie wol ich des [got] getrouwe, 

dd Oft zuo dtnem kinde bot\ himelifehiu vrouwe! 

507. Nu man' ich inch nodi mftre,^' 
fprach her Dietrich 

,Jr edele rekken h^re, 

ir fult gedenken ficherlich 

Und trabt in inwerm muöte, 

als es uns allen kumen fnle se guole. 

28* 



Die Ravennaschlaelil. 

508. Ich Ach dort her figen 
die Ermriches man, 

Die vanen valte nigen, 

ez muos nü an ein ftrtten gän. 

"Ntt knm^ uns got se helfe! 

iie sogen dorl her mil einem gr6zen gelfe/ 

509. „Des fol werden (vil) guot rÄf," 
Tprach her Ruedeg^r 

„Swie vil aber Erinrich rekken hat 
an difen flril braht [mit im] her, 
Wir mügen ^ uiht erlterhen: 
nü l&z^ uns got den fig^ an im erwerben! 

510. Durch Oner marter ere," 
fprach der mark man 

„Ir edelen rekken hire, 

nü gedenket daran, 

Wir fin von einem lande: 

gedenket daran, wie uns Etzel fände 

611. Ze helfe dem von Berne 
da her in Romifch rieh, 
Manllch unde gerne 
helfet retten [dem herren] Dietrich 
Sin ^re und fin marke: 
des Idnet iu mit guote der vil flarke.^^ 

512. „Wir fin gemanet lihte," 
fprächen Etzelen man 

„Nü tuot iuwer bihle, 

ir [edele] rekken lobefam, 

Gegen got andsehtliche: 

* daz rät' ich iu mit triuwen ficherliche," 

513. Mit gemeiner menige 
Valien man bcgan 

Nider an ir venige, 

alle Dietrichs man. 

Ein bifcholf was ir bihtigaere, 

wider den beklagten fie fich alle ir fw»re« 



Die Ravetinaschlacht 437' 

514* Sie wurden bifaüg ^ne wer, 
als ich vernomcn hän; 
Ez wären nnder (al) dem her 
vier hundert kappeUn, 
Die hörten [ir] bibte fchone: 
got der viiogt' in kraft mit ftnem 16ne. 

515. Do die rekken lobelichen 
ir bihte beten getan, 

Die armen zuo den riehen, 

[darnach] ruefen man began: 

„Nu gäbet, beide balde, 

ir heizet iu diu örs bringen mit gewalde/ 

516. Dort zogent her die vinde, 
daz feht ir alle wol, 

Wir Allen vehten binde, 

daz [daz] gevilde werde vol 

Von manigera cdelen töleil: 

wir Ailu ros und liute nider fehröten, 

517. Helme unde fcbilde, 
und fwaz wir kumen an. 
Wir tungen daz gevilde, 

daz man en ouwe febe gftn 
Den bach von dem bluote. 
daz idt min wille.^^ fprach Wolfhart der giiole« 

518. ,,Wir fuln uns alfö rechen,^^ 
fprach der wuetunde man 

„Mit fcharn durch fiu brechen, 

daz man offen febe flän 

Hals berge und(e) helme: 

d4 wil ich vehten^^ fprach Wolfhart „funder melme, 

519. Daz von miuen banden 
muoz vliezen daz-bluot. 

Ich fol mineu anden 

rechen,^' fprach der helt guot 

„Ich gemache fetel l»re, 

daz man d& voin muoz immer tagen msere«^' 



486 Die Ravennaftchlacht. 

520. Nq yernemt fuDderliche 
waz ich iu fagen wil: 

Die rekken ellensrtehe 

die helen [h6her] vröuden vil 

Gegen difem ftarken ffcrite. 

„ahi!'' fpraeh Wolfhart ,,wie ich hiate rite!'' 

521. Dia Az erweUen karteUn 
diu w^ren eHiu komen, 

Diu mao ze rilen folde hän, 

als ir ^ habt vcrnomeii. 

Ahi! da g4hten £e mit fchalle 

suo dem firit die koenen rekken alle. 

522. Yärdekket wurden da diu mark 
in manigcn herten ftäl, 

Die 111 erweiten rekken Hark^ 
[die] heten zagheit uinder mal, 
Sie wären veftikliche 
ze fcharn gewiBgen gein Ermriche. 

523. Der zagheit fie vergkzeOf 
daz fag' ich in vürw&r, 

t,'f diu ors fie lazen. 

nü Ailt ir hoeren fuuderb^r 

Iteniuwiu masre, 

mt zahlen fpraeh d6 der BemsBre: 

524. ,,Ich wold' in r&teii gerne, 
ir helde lobellch, 

Cns ift diu ftat von Berne 

leider verre ficherlich, 

Nü varen wisliche, 

ez flnt kttndigiu liute bi [dem künige] Ermrtche, 

525. Die wol künden raren 
der liute üf allen wegen $ 

Sie habent bi ir jären 

maniges ftrites gepflegea 

Ahi! Re Iftzent fich niht fcbrekkes, 

j4 fint QB idlez Ü8 erweite rekken.^^ : 



1 



Die RavennaselilAclii 489 

526. ,,Daz ift niht ein wund«r;^^ 
fprach Woifhart der Meli 
,Jr gellt defler m^r nnder.^^ 
fprach der rekke üi erwett, 
,Jch vürhte mir nihl D6re: 
ift ir vil, wir flahen ir deft? m^re. 

627. Raben nnde giren 
die wartent ane zal. 
Edel Dietleib von Sttre, 
ni\ fchouwo [nider] üf daz wal, 
Sie wartenl vaff der tdten: 
fi enrnochlen qnd waer^ wir alle Terrcbr6ten. 

528. NA habt manlich herze 
und anverzagten muof, 

Ez ift ein kleiner ftnerse 

der fehade den man uns [hiut] tuol. 

Ir niget iuch ander fchilde, 

ir tunget vad' mit t6ten daz gevilde.^^ 

529. Der kttnik von R^mifch riebe 
unvorhtiklichen fprach: 

„Ir beide lobeltche^ 

nü rihtet Iuch al[le] darnfteh.]' 

Ich fag' iu daz en trlnwen, 

wir Ailn Ermenriehe febaden briuwen, 

530. Daz erz überwinde 
blue vttr nimmer m6. 

Und fchaffet daz man viiide> 

^ daz der [ftarke] ftrit erg^, 

Solch[e] finne in inwerm nnote, 

daz Erro(en)rlche nimmer kum* ee guote,^^ 

531. ,)Nü volget miner yre,^^ 
fprach der mark man 

,,Dar an gefchibt in ^re, 

daz fttU Ir üf mir hin. 

Na belibet in kurzen etten, 

^Itel mAg' und ouch die liute rtlen. 



440 1^0 RavennaschlacUt. 

532. Daz rät'ich endelichen^V' 
fprach Raedeg^r der degen 
„Tr feht wol ErmricheQ, 
der Mi die iioen [alle] gewegen : 
Nu tuot fam^ vogt von Beroe, 
daz feho wir fiGherlichen alle gerne.'^ 

»633. D6 fprach der herre Dief(e)rlch 
als ein getriuwcr hell: 
,Jr kuene rekken lobelicb, 
nü fchaffet ir ez [felbe] fwic ir weit, 
Des volg' ich iu vil gerne, 
fwenne ir welt.^^ fprach der yogt von Berne. 

534. ,,S6 wil ich rote meifter wefen.^^ 
fprach her Ruedeg^r. 
Die beHen hiez er (da) uz lefen, 
gebiten wart nibt mer. 
Nd zweient fich diu maere. 
mit zühten fprach d6 der Bernaere; 

535* ,yS^ ir nü üz gezelt 
mige unde man, 

S6 fchaffet mich [felbe], fwä Ir weit, 
daz wil ich ane zorn län. 
Ez g^t nü an ein ftriten: 
mit fwem ir weit, nü heizet mich mit riten,^^ 

536. „S6 wil ich raten gerne,^^ 
fprach der mark man 

„Edel vogt von Berne, 

drizik tüfent fult ir Mn 

Der edelen wel rekken : 

dir leiftent getriuwen dienft die vil kekken. 

537. Swaz der von Slier marke 
hie allefam fln, 

Dletleib, die degen(e) Itarke, 

die [fuln] warten dem vaueu din.^^ — 

„Ich weflc gern diu ma^re, 

wie vil der dinen n6t geftalden waere." -~ 



Die RavennaBchlacht. 441 

638. „Des bringe ich dich wol inne,^^ 
fprach der mark man 
„Als ich mich Terfinne, 
zweinzich tufent rekken ich hie hän: 
Ahi! daz fint allez rekken, 
die turren ez in fturm(e) wol geflrekken.^' 

539. Von Kriechen her Diet(e)rich 
hern Ruedeg^rn ane fach^ 

Einem degene tu gelich, 

mit anverzagtem muote er fprach 

Wider den vogt von Berno: 

y^ich gevaht bi minen ziten nie f6 gerne. 

540. In allen ft armen herten, 
daz fuit ir an mich lau, 

Mir unt minen geverten 

wartent ahzeh^n tufent man ; 

]llin[eu] vanen wii felbe ich leiten: 

wir fuln in iuwerm dienüte uns hiute arbeiten.^^ 

541. Von Landers her Helferich 
fprach als ein wiganl: 

Zwelf tufent rekken lobelich 

wartent hie miner hant. 

Abi! die flagent flege fwinde, 

die habent fich verwegen wib^ und kinde/^ 

542. Hinvür trat her Irink, 
als ein helt guot: 

„Wir haben getrahtet unfer dink.^' 
fprach der [rekke] b6ch gcmuot 
„Sehzehen tufent voUikliche 
die hab^ wir hie, künik von Romifch riebe. 

543. Ich und min bruoder Erewin, 
daz wizzet vür war, 

Habt daz- üf den triuwen min, 

fwa ich k^re mit der fchar. 

Des Ht an' alle fwaere, 

die helfent iu mit triuwen^ unverzagter Beoistre.*^— 



SU. ümM «ermrkBUi 
Ijpnch M des kfiuge tm RAaircli lanl : 
JSeks «Bi zweiuik ttfeul rckkca ich hie kl«. 
des Iblt ir kfta tf BÜr pllni, 
Die geimmm wol gellrttcB« 

wH ick felke nttm^* 



515. Ten Aatieai ker !■ 
fpreck all du kell gnet: 
„Diider Miaeai ruien ick kie kia 
YieniktAfeBt rekkes kMi^emiet. 
Aki! dai finl die di ftrilent: 
Eneri^e lie nock kiofc se kmde ritent.^*' 

546. D6 rpnck tob PniT(eB)inge 
der ilarke Norprekt: 

„Mick ▼röol eia gaot gfcdinge, 

wir TektcB [alle] omk dai rdit 

Seks und drizik t Afeat kelde gaote 

die warteat mir mit vBrenagtem bnioIcl^^ 

547. ,,Daz ift ein fckar kerlich,'' 
fpracb her Ruedegdr 

„Ob got wil, ez fol Erm(en)rieh 

gewianen folich herzen f^r, 

Daz er unz' an lin ende 

darnmb muoz immer winden ßne hende/^ 

548. Von 6r6zen Ungern (her) Ifolt 
fprechen d6 hegan: 

„Yogt von Beme^ ich bin in holt 

und [darzno] alle die ich han. 

Des bringe ich iuch wol iune: [verfinne. 

ich bän hie vunfzik türent man, als ich mich reht 

549. Minen vaneb breiten, 
künik Diet(e)rlch, 

Den wil ich felbe leiten 

dt den ungetriawen Ermrich. 

Abi! wir kumen im ze leide, 

inan fibt noch biut' die t6ten üf der [grueneü] heide/^ 



Die Ravennaschlacht. ^^13 

550. Naodung undc Ruedeg^r 
die heten in ir pflegen 
Zweinzik tüfent rekken h^r. 
abi! das wären allez degen 
In Hurm und in ftrifen, 
fie worbten mangiu wunder bi ir züen« 

551« Htnviir trat mit gewalde 
ber Waliber zebant, 
Der kuene und der balde 
fprach wider den känig von R6niifeb lant : 
„Vil edeler Bernasre, 
du folt ouch verboeren miniu miere. 

552. Vrou Heike diu niilte 
bat dir gefendet her 
Vunfzeben tüfent fcbilde^ 

ich waen" aber, ir f! m^r, 
Und als manik ors verdekket: 
Ermrich wirt mit riawen nü gewekkef. 

553. Der hotipt man fol ich An, 
fle wartent miner haut 

Etzel der herre min 

den vanen her fant*, 

Der ze Hiunifch lant gehosret: 

die TUide werdent hiute noch geftceret, 

554. Mit Jamer ond mit leide, 
daz muoterkint beweinen mnoz, 
Noch hiut' üf dirre beide 
machen wir lebens mit t6de buoz 
Und manigen fatel lasre.^^ — 

„daz vaege got/^ (air6) fprach der BernoKre. 



444 Die RarennaBchlachl« 



X. 

ATentittr(e), roii dem grozen firit, wie ErniHcb 
figlos wart. 

555* Nu bän ich nibt vergezzen, 
oder ich hän ia genant, 
Alle die fint gemezzen^ 
die. dem künige von R6iiiifch lant 
Mit triuwcn helfen wolden, 
die heten fich gefcharet, als fie folden. 

556. NA get ez an ein ftriten, 
als mir gefaget ift, 
Sie wären an den ziten 
mit vil manlicher vrift 
Üf diu [guoten] «rs gefezzen: 
Ton Hat zogte das her vil vermezzen. 

557 Nu fult hoeren ir vür war, 
Yfie man mir hat gefeit: 
In der vorderilten fchar 
der [werde] vogt von Berne reit: 
Ahi! der kiinig von Rdmifch lande 
valte des tages die töten zuo dem fände. 

558. Selbe er den vanen vuorte 
vor der breiten fchar. 

Abi! wie erz ruorte 

in dem Hrite! daz ift war: 

Diu her figcn begunden 

gein ein ander kürzlich bi den Hunden. 

559. Heide, berige unde tal 
diezen (d6) began, 

Harte michel was der fchal, 

ob irz rebt' weit vcrfläu, 

Man hörf da michel krachen, 

d6 fich diu her begunden üf machen. 



Die Ravcnnaschlachk. 445 

560. Welt ir iiü hoeren gerne, 
wie mir ift; gefeit: 

Nach dem vogt von Berne 

Dietleib von Stire reit 

Mit drizik lufent rekken: 

ahi! die vuorten einen vanen kekken. 

561. Nach Dietleib dem Sttnere 
zogte her Ruedeg^r, 

Dem volgten funderbaere 

zweiuzik tüfent rekken h^r: 

Ir fult vür war gelouben, 

ä begunden Ermrichen f^re ronben. 

562. Nach Raedeg^r dem muten 
zogte her Bloedelin 

Mit ahzehen tufent fcbilden. 
ahi! daz muoiten [ouch] rekken^ ftn. 
Sie vaorten einen vanen fehoenen: 
öä wolde got Ermenrichen hcenen. 

563. Her Dietrich von Kriechen 
het da manigen man; 

Des wart vil der fiechen 

mit [Harken] wunden vreiflan, 

Sie worhten ftarkiu wunder: 

des muoft' Ermenrich geligen under. 

564. An ^ren und an guote 
vil leide im gefchach, 

Got liez in üz der hnote^ 

fich vuogte Hn ungemach 

Unz' ez gie an ßn ^re. 

daz dienf er wol: waz touk der rede m^re? 

565. Nd het fich mit fchalle 
daz her gar bereit, 

Sie wUrn zen rofien alle, 
als mir vor war ift gefeit, 
Die biderben und die flarken . 
t&zen alle gewApent üf den marken« 



446 I^ BaTeaiiasdilaclit. 

566. Mit zahlen fprach her Helferich, 
ab eiD wifer man: 
,,Edel kunik Ton R^mifeh rieh', 
wol[de]t irz ftne zorn Mn, 
Ein[en] rät rief ieh in gerne, 
der in zeFnunen hülfe, her tou Berne,, 

667. Und «neh der Ermriche 
an al[le] fin ^re gät/^ 
Sie fpräehen alle geliehe: 
„das wser^ uns ein gnot r4t. 
NA rät an, helt msDre, 
da mit wir über winden unfer fw«re.^^ — 

668» )sl^ea wil ich iuch verrihten,^' 
fprach Helfrich der degen 
„Ir fnlt darnach iueh pflihten 
und fendet [pald] after wegen 
Zweiniik tüfent rekken. 
ji nenne ieh in die Oarken und die kekken. 

569. £z nähent alfant zuo der naht,'^ 
fprach her Helferich 
„Darumb ich des liftes hän gedäht, 
daz fag' ich in, her Dietrich, 
Wir mügen Ermenrichen 
nimmer baz gewinnen, daz wizzet endekliehen. 

670. D& muezt ir mich [felbe] an manen, 
daz ich wftr hän: 

Wir haben Ermriches vanen,^^ 
fprach der unverzagte man 
„Den vner' wir im ze leide 
Ermriche morgen üf die gruenen beide. 

671. AI die naht ful wir rlten,'' 
fprach her Helferich 

„Und hie niht lenger biten, 
wir fuln den künig Ermrtcb 
Von drn und [von] guote feheiden: 
nü l&t iu minen rät niht leiden. 



Die Ravettnaaehlaclit. 447 

672. Als ez [morgen] tagen welle, 
DU Ternemt mit guoten fiten, 

S6 rul[le] wir Errarlchs gefeüen 

alle haben umbe riten, 

Wirn' fuln des niht erwinden, 

Ermriches Tanen fnl wir danne an binden. 

673. Und habt in iuweren finneo, 
waz ich gefprochen h&n, 

S6 dan diu her beginnen 

Ton Itat zogen üf den plan 

Und daz man welle ftriten, 

fö fnle wir binden an die Tlnde rtten ; 

674. S6 wsenet Ermricho, 
wir gehcern in an, 

Den yanen herllehe 

wider filzet nie man: 

Ahi, wie wir dan fie enpfettenl 

nnfer lant wir vor Ermriche retten. 

676. Die mit dem vanen riten 
die fol man üz wegen, 
DA mit Toi man niht blten.*' 
fprach Helferieh der degen. — 
„Ich weff ez harte gerne 
wer folen &e ßnV*' fprach der Togt Ton Berne* 

676. „Die wil Ich in nennen 
die in dahin fint guot, 

Ir mugt fie gern erkennen, 

ez Ant rekken h6chgemuet. 

Edel vogt von Rdmifch riebe, 

ich wil ir einer fin/' fprach her Helferioh(e), 

677. S6 fi das ander Ortwln, 
der rekke h6ch gemuot. 

Und habt üf den triuwen min, 
er ift in ze der reife guot; 
Der dritte rekke miere 
daz ft Dietleib der Stierme. 



4IB ^>® Ravennaschlaoht. 

678. S6 fi däz vierde Sindolt, 
ein rekke üzerkorn. 
Wir geben Ermriche den iolt, 
davon maoterkint vrlH verlorn. 
Daz vumfte ü der kekke 
IfoU, ein anrerzagter rekke. 

579. Das febfte ti her Siniram, 
den läz^ ich hie niht fin. 

Daz fibende fi her Baltram. 
[und] kamt uns der morgen fchin^ 
Sd pruev'' wir herzen fwaere: 
Ermrichen mache wir tu feteP lasre. 

580. Daz ahl(e) fi her Bloedelin, 
ein rekke lobellch; 

Daz niunte Fol von Kriechen Hn 
der unverzagte Dietrich; 
Des zehenten mag ich niht vergezzen, 
daz Gi her Nuodank der vil vermezzen. 

581. Mit uns fol ouch riten 
Gotel der mark man, 

Der hilfet uns ze ftriten. 

[danjnoch fuln wir einen hän, 

Der uns die fträze leite: 

daz II her Hildebrant der unverzeile.^' 

582. Nu hän ich iu geahtet 
mit üzgenomen pflegen 

Und vil ebne gelrahtet 

die [vil] unverzagten degen, 

Die kuenen und die rsßzen: 

von danne huoben fich die wider fiezen. 

583. Sehs und zweinzik tüfent kaflelän 
die vuorten s*" mit in dar. 

Die bedien die fie mohten geh n. 
difiu maerc [diu] fint war. 
Hildebrant der was wifaere 
aldähin; nft geloubet mir der m»re« 



Die Ravennujichlacht. 449 

584. ,,Nü vueg' uns got der gaote, 
daz wir in kurzer ftunt^^ 
Sprach [Hildebrant] der h^ch gemuote 
,,[an] einander fehen wolgefunU 
S6 kan uns niht gewerren/^ 
urloub nam Hildebrant ze flnem herren, 

685. Sie g&bten über gevilde 
alle die naht, 

Sie riten [nur] wan die wilde, 
da hin [da] &e beten gedaht, 
Dar komens' äne forgen, 
rebte d^ in lühte der morgen. 

586. Von dem mere wol mile lank 
erbeizten s' ^f daz wal, 

Ir finne wären niht ze krank, 

üe leiten fich [nider] in ein lal, 

D4 kund' Ae gefehen nieraen, 

d4 rihten Be daz barnafch mit den riemen, 

587. Nd fult ir hoaren ftne JTlrit, 
ich wil iu Tagen f&: 

Reht' unz an yruoimmizzit 

Ugens^ in der buote da; 

Darnlicb in kurzen Hunden 

diu flarken her i^f machen fich beguhdeu. 

588. Nd lät iueh niht verdriezen, 
und verneinet überal; 

Sich huob ein Harkez diezen 

und ein vreislicher fchal, 

Berg und tal nach krachte, 

da Ach daz Ermrlohes her üf machte. 

589. D6 biez kttnijg Ermenrich 
bläfen daz her hörn. 

Daz erhdrt(e) Helferich, 
d6 fpracb der rekke [üz]erkorn: 
«,Nü ful wir niht [lenger] bUcn, 
ich fich daz her al fAn von der Aat riteO. 

29 



4B0 ^'^^ RtvejinBscIilacIit. 

590. Nd atzet üf dia kaftel4a!'' 
fprach Helfrich der wigant 

,,Wir fuln oiht lenger hie beftän«^^ — 
,,wer wil den vanen [hie] zekant 
Vor uns allen vuerenl 
wir fuln ez mit ftrite yafte rueren/^ 

591. «fleh wil des vanen felbe pflegen ;^^ 
fprach her Helferich 

„Nu gedenket, üz erweite degen» 

wie iuch mant her Dietrich, 

Helfet weren im fin ^re: 

djiiz dient er mit guot gein iu immer m^re/^ 

592. Hie mit difem maere 
Üe nach dem here riten, 

Die rekken lobebaere 

[die] zogteu mit [vil] fenften fiien, 

Unz^ [daz] Ae k6men als nähen, 

daz &e diu her zefamen breften f&hen» 

593. ,,Habt ir gegürtet diu mark?^^ 
fprach her Hclfcrich 

,fjä!^^ fprächen die rekken ftark 
„wir fin bereit alle gelich." — 
„Bungierct, fwenne ir wellet, 
f6 fi diu vriuntfchaft elliu üz gezellet.^> 

594. Die helme üf gebunden 
beten üe zebant. 

Helfrich bi den Hunden 

nam den vanen in die bant, 

[Er fprach:] „nü fcbriet alle geliche 

„hie tfcbevalier Berne!'^ daz täiens' manliche. 

595. Diu üz erweiten kafleldn 
diu nam man mit den fporn, 

Diu molicn begunden üf gän, 

dar triben die rekken üzerkorn 

Mit unverzagtem muote: 

daz kom £rm(en)riche nibt ze guote. 



Die Ravennaschkchl« 451 

696. Diu Tper fie fehlere verff&ehen 
üf Ermriches man, 

Die fchefte he zerbräeben, 
als ich [viir war] vernomen häo, 
Darnach griffen a' ze den fwerten, 
der Ermriches fie ze grimme gerten. 

697. Si begunden df fie dringen 
mit yreislichen flegen, 

Sie liezen dar klingen, . 

die ftarken Dietrichs degen, 

Sie ftriten bi den ftnnden, 

des die Ermriches man vii tiuwer enpftaadeB. 

598. Sie ritea fie 4ä nidere, 
reht' alfam ein ftr6, 
Sie mohten fich niht gehaben widere, 
des wären die Dietriches rrö, 
Sie täten fchaden grözen: 
fie Ünogen die an geleiten zuo den bl6zen. 

699. * Sie liezen inz enblanden, 
als he des twank diu ndt. 
Diu fwert in ir banden 
diu warn von blnote röt. 
Aw^ ! daz mort was dk niht kleine : 
daz prnpfi' allez Ermrich der unreinei 

600. Daz breite gevilde 
vol von töten lak, 
Helm' nnde Tchilde, 
als ich [viir war] wol Tagen mak. 
Die wurden da yerfchr6ten: 
ungezalt vielen zetal die tdten, 

60L * Beidenthalben niddere 

* M daz breite wal. 

* Die [Ermriches] flnegen oueh hin widere: 

* fie vielen [vafl'] äne zal. 
Aw^! daz velt lak getungets 

Wolfhart des tages in dem ftrite [Tafte] junget. 

29* 



462 Die Rarennaschlacht 

602. Daz was ein miclrel wonder, 
daz eben^ unde tal, 

Nu merket tu befunder^ 

lag allez vol fiber al. 

Aw^! da Aarben beide guote: 

die t6ten die fach nie man vor dem bluote. 

603. Herte dk wider berle 
vil eisllcben Itreit, 

Swinde was daz geverte, 

alfö hftt man mir gefeit 

AwÄ der jspmerlichen fwsßre! 

dA wart erflagen manilc rekke masre. 

604. Wol unz' über miHen tak 
werete der ftrit; 

D4 was flftk wider flak, 
* darnach haz unde nit; 

Den folt arnten fie [vil] tiuwer, 

fle flnogen reht' daz daz wilde fiower 

606. Niht wacher Oz ir helmen vionk, 
fam ez vuorf ein wint; 
Ze vehten fie da niht entonk 
daz beweinten wib und kint 
Leider Ht i^tl f^re: 
Ae körnen wider lebende nimmer m^re. 

606. Von ir flegen waete ein fchal, 
da mäht gein krefte rank, rj. tTi^f, 
Daz beide, borg unde tal 

von ir [ftarken] flegen klank. 

An^dem maer' ich^az yinde: 

ir flege wären bitter unde fwinde. 

607. Da was niht wider k^rens an. 
Ach hebt alr^ft der Itrit, 

D6 kom man wider man 

mit zorn an der felben zit. 

Aw^ der jaemerlichen Hunde I 

des man mit ftrtte alr^ft dA begnnde. 



Die BaTenBMclüacht 458 

608. Die fchiver von den Ceheften 
vafte vlogen eu twer, 
Dft diu her nut kreften 
und [oucb] mit manllcher war 
Durch einander brächen: 
awd, wie Ae da Iluogen unde Aachen! 

609* Die ringe ficb entranden 
und ouch die helni(e) lieht. 
Diu fwert in ir banden, 
des miflage^ch nibt, «^,f. 
Durch die halsberge wuotens 
Ai Aurben die grimmigen zqo dea guoteiu 

610. £z wiren die beAen 
suo ein ander da komeii. 
Man fach das viuwer gleften, 
als ich [värwär] hän vernomen, 
Vil liebte üz ir rchildeu: 

awd, wie fie an einander zildenl 

611. Hit tiefen vereh wunden 
durch manigen hals berk, 

Niht anders fie künden, 

fie worbten tiuflichiu werk: 

Man fach daz velt da tungen: 

die Hinnen Aurben zuo den Amelungen. 

612. Die Dietriches degen(6) 
die liezen dar gän; 

Alf6 täten [her] engegen(e) 

die [knenen] Ermrtches man: 

[An] ein ander äe lieh houweten, 

daz wal fie mit den t6ten vaAe bouweten. 

613. Ze leben(e) fie niht gerten, 
daz wart d4 vil wol fchin,. 

£z künde von fwerten 

ein Aurm ni[mmer] herter gefin, 

Sie Aachen unde Auogen, 

gr6zen baz Ae U einander trnogen. 



451 Die BafwnascUacIrt. 

ei4. Wol nnx* fiber mitten lak 
werte dirre (trit, 
Dax man anders 6i nilil pflak« 
w& höret an dirre z!t: 
Ala der mitte tak befände 
l%en SBO, d6 kom oneh an der ftonde 

615. Der edele Bemere 
mit manliehen fiten, 

Und manig rekke mere, 

fie beten [aln] den tag geftriten 

Von ir wal (tat [her] en gegene: 

$ir6te kAmen le famen [die] DIetrtehes degene. 

616. Da wart nnmezliehen gr^z 
der Harke her fchal, 

Dax gevilde alles (da) niteh dös, 
aliam tet berg unttal. 
Stark was ir meflTenie: 
Hombogen volgte fchcener fehar drte. 

617. Welt ir nü beeren gerne, 
mit wem der da was: 

Er diente dem Ton Beme, 

als uns daz buoch las, 

Er yrumte Ermrlche 

gr6zen fehaden, daz wizzet ficherliehe. 

618. Die Dietriehes rekken 
die ftnonden ttt daz lant, 

Die Itarken und die kekken 

die liezen ruowen [al] ze baut 

Diu orfe fieberlichen, 

fie hiezen den fweiz ab in ftriehen. 

619. Die helme fi ab gebunden, 
als man mir gefaget h4t fint, 

An den felben Itunden 

d& Tnogt^ in got ein[en] wint, 

Der kuelte In ir'^herze: 

d6 huob Ach aber Ermrlches fmerse. 



Die Ravennaflchlacht. 466 

620. Mit ztihteo fpracli her Rnedeg^r, 
als ein hell guot: 

„Wir fuln biten nd niht m^r, 

ir [koene] rekken h6ch gemaot, 

Bereit iuch an difen ztfen, 

ich Ahe dort her ein Harke rote riten. 

621. l>ar vor ein vane TÜuget, 
der verret harte wol; 

Min fin mich niht entringet, 

ich wil rAten, als man fol, 

Daz wir uns wegen alle: 

man binzot uns an mit ei[ne]m' ftarken fehalle/^ 

622. Sie gurten den marken 
mit willen, fuuder want, 

Die knenen und die Harken, 

mit vil werlicber haut, 

Üf diu kaftelAn Ao fäzen, 

ir rot^ Ae in dem Harkem Üurme m&zen« 

623. An den felben ziten, 
d6 daz wart getan, 

D6 fach dort her riten 
Ruedeg^r der mark man 
Ahi! einen rekken guote, . 
der. was aller r6t von dem bluote. 

624. Er reibe und Hn kaReUn 
was allez bluotvar, 

Sold' er tüfent wunden hftn, 

daz wil ich fpreehen ?ürwür. 

Er moht' fö eislichen 

niht lln gewefen, daz wizzet Acherliehen. 

625. Wolfhar« der Harke 
reit den felben an, 
Der[relbe] fäz üf einem marke, 
dem beHen, daz diu werlt ie gewan. 
Abil daz wil ich iu nennen, 

das Irz an dem m»re mttgt erlLennen: 



456 ^^ RavennaschlacJht* 

6S6. Talke was das ora genant, 
als ich vernomen bän, 
Ez was das belte über clliu lanf, 
des hörr ich jehen manigen man 
Als ich mich kan verfinnen: 
des warl oiieh der von Berne fit wol inneD, 

627. In manigen herten ftriten, 
äk erz inne reit, 

Es befweich im nie bt [finen] ziten, 
als mir vQr war ift gefeit: 
Heill! ez was äne mäze flste, . 
mtvloug über velt, rebt' allam ez wttte, 

628. NA hmret fanderb«ere, . 
waz ich iu tuen bekant: 
Starker der vil m«re 

kom Wolfharten an gerant, 

Diu fper fia b^diu verfwanden: 

fiu wären Ilark in armen und in banden. 

629. Wolfbarten den rekken 
er Ton dem orfe ftach, 

Den kuenen und den kekken. 
dö daz her Dietrich gefach, 
Daz wart im harte fwaere, 
mit grimme reit dar der Berncere* 

630. In twang unm»zliche 
ein grimmiger zorn; 

Der ktinik von R6mifch rtche 

flnog i!if den [rekken] üz erkorn 

Mit beiden finen banden: 

er fehlet Starkem von allen finen landen. 

631. Er wnnt' in harte f^re 
durch einen heim guot. 

Daz dem rekken h^re 

beidiu, bim' und blnot 

Üs braft datz^ Hnen ougen, 

er fprach: „dA mäht des flages niht gelougen/^ 



Die Ravennasehlaeht« 457 

632. Oach fluok Starker der m8&r6, 
als ich iu (uon bekant^ 

Dem kuenen Bernere 

den fchiU an zwei vor der kant 

Mit manlicber hende: 

dft mit nam her Starker den ende, 

633. Nider von dem'kartel&n 
viel er üf daz gras, 

Der vil unverzagte man 

harte fchier^ t6t was. 

Von Berne der flarke 

zdch fich alzebant zuo dem marke, 

634. Ditze edle kaflelän 
gewan her Dietrich, 

Als ieh vürw&r vernomen hän^ 

[alr^ft] des tages ficherlfch. 

Abi! ez kom im tii ze guote, 

ez gevröul' in harte dikke in finem nnote, 

635. Darnach in kurzen zlten, 
weit ir vernemen m^r, 

DU fähen zuo riten 

* die edeln welrekken hdr, 

Die kekken zuo ir banden» 

die beten fich gefamt von manigen landen. 

636. Stfrtt von Niderlant 
reit in der vordriften fcbar, 
£in[en] vanen vuort' er in der hant, 
harte gnoten, dax ift war, 

Heiäl ja volgten im die kekken: 

er het md danne drizik tufent rekken« 

637. Manik yerdekket kafteUn 
man dk vueren fach. 

Welt ir, ich wil iuch hcsren Iftn, 
wie der vogt von Berne l^raeh: 
,,lr meren beide guote, 
nif^ trabtet mit unverzagtem miiote. 



Die Ravennaschlaclit. 

638. I^h übe dort her riten 
vil manigen wigant, 

Die wellent mit uns flriten, 

des fit gewarnt alzehant: 

Und ratet, liebe gefellen, 

wen wir der unfern an Ae fchikken weilen.^* 

639. ,,Wer tief ez f6 billicbe/' 
l^racb Wolfbart ze hant 

,,Al8 ir, künik [von Römifcb] riebe 1 
wir vebten [nie wan] umb iuwer lant.^^ 
D6 fpracb der vogt von Berne: 
„ich tnon es lelbe biilich unde gerne. * 

640. Die mir nik helfen wellen, 
die Btzen üf diu mark!^^ — 
„Wir fuln die Tinde erfchellen,^^ 
fprach Wolfhart der rekke Hark 
„Daz Ae des f^r^ enpfidden: 

wir fcheideii Ae von wffoen und von kindea«^^ 

641. Yierzik tüfent rekken 
die waren d6 gefcbart, 

Die kuenen und die kekken, 
in liebten briinnen [wol] bewart, 
Ah\l üf diu ors fie fäzen, 
fie kteten in geliehen ebenmäzen, 

642. Und zogten under fcbilde 
alle d^hin zebant* 

Buedeg^r der milde 

fprach [wider den] vogt von Bomifchlant: 

^^Aw^! ez g^t nü an ein fUrlten; 

ich fich dort ein[en] der tiuweriflen riien, 

643. Den eliui diu riebe 
hänt manllcb üz erkant: 

Ez ift ficberlicbe 

der [höbe] künik von Niderlant« 

Abi! im volgent beide guote/^ 

alfö fprach Ruedeg^r der hdch gemuote. 



Die RayeniiBSchlacht» 4B0 

644. ,,Daz ift ein gr62ia vreife,'^ 

fprach her Wolfhart • 

„Si geriuwet übt diu reife^ 

daz fie die M'idervart 

Gefageni nimmer mere: 

fie Uzent uns hie ir lip und ir ^re/^ 

645. Sie zogten muezekltche 
vür fich üf daz reit, 

Die helde ellensriche 

die gäben bluotigen gell 

Üf der breiten beide: 

in gefcha^h (dli) beiden! halben leide» 

646. D6 der Vogt von Herne 
mit finer rot' was komen, 

Nu fult ir boßren gernie, 

wie ieh [an dem maere] hün vernomen, 

Abi! mit ellenthaftem muote 

was euch komen Sifrid der guole. 

647. Zwifehen den feharen beiden 
was ez niht ze wit, 

Daz wil ich iu bercheiden, 

fie hielten nnlange z!t, 

Die edelen künige riefad: 

Stfrit reit an den Harken Dietriche. 

648. Zwei fcherpfe l^er fie vuorten 
in ir ellens hant, 

Mit zorn Ae diu ors ruorten, 
^e kdmen üf einander gerant; 
Sie warten vintlichen 
ietweder des andern fieherliehen. 

649. Welt ir n6 heeren gerne» 
fö (uon ich iu bekant: 

Den werden vogt von Berne 
traf der künik von Niderlant 
Mit einem ftiche fwinde, - 
als }ch ez an difem m»re vittde. 



'400 I>io Ravennasclilacht 

650. Durch den TchiU renen 
* und durch den hals berk 

* Vor nceten muofte breften 
daz herte fteelin werk, 
Er het vil nlich den ende 
genomen (d4) von Sifrides bende. 

651. Wie er fich erwerle, 
daz tuen ich iu kunt, 

Oder waz in emerte, 

daz fult ir beeren [hie] ze ftuni, 

Daz (et ein hemde Itdin, 

daz Iruog er under dem hals berge An. 

652. Darin vier heiliuom Iftgen 
verAgelt alle zit, 

Diu flu Til Tafte pflügen, 
fwenne er reil in den flxit^ 
Ich wil iuch des bewifen: 
darüf wider wani daz fperifenf 

653. Der fchaft muoft,' ab breften 
von difem ftiche ftark; 

Von finen kreften veften 

muoft' fich biegen daz mark. 

Ouch fult ir hoeren gerne, 

Sifrides vergaz ouch niht der vogt von Berne« 

654. Er traf vil williklichen 
mit manlicher haut 

Sigrid den kiinik riebe, 

als mir daz maerVift behaut, 

Den heim durch beide wende 

ftach er daz fper fleht unz^ an daz ende, 

655. Daz man Deich zeftükken 
diu drumes zol üf gän. ' 

Dar begunden fie rükken 
die ftarken Dietrichs man. 
Als tät^i her en gegene 
die unverzagten Sifrides degene» 



Die Ravennaschlacht. 461 

656. Ze fturm Ae fich wanden 
an der felben zit; 

Sie zukten diu fwert ze handen, 

fich huob ein grininiig[er] flrtt. 

Awd, wie fie ir leit dft rllchen, 

*niit den roten durch ein ander bri^ehen 

657. Ze leben(e) fie niht gerten« 
da wart ein fuones tak, 

Man h6rt(e) ron ir f werten 

manigen bitterlichen flak 

Üf die helm(e) klingen: 

ja heten Re ze leben(e) niht gediogen. 

658. Swinde was ir geverte, 
mäht gegen fterke raht, 
Beidenthalb[en] Ae fich werten, 
der rtrit wert^ [an^^] an die nalit. 
Aw^! üe Aachen unde ßuogen 

an ein ander fie vil kleine vertruogen. ' 

659. Den folt fke arnten tiuwer 
leider üf dein wal. 

Daz grimme wilde viuwer ■• . 

fach man vliegen liberal 

Üz helmen und üz fchilden: 

dft gelegen die argen zuo den milden. 

660. Sie ftnrbcn fnnder melrae 
vaHe dne zai, 

Sie fluogen durch die helme 

daz [daz] houpt und [diu] hirnefchal 

En zwei fich allez trande: 

mort t^en die von Etzeln lande. 

661. Die rtarken Slfrides man 
die wären ouch rerwegen, 

Sie liezen ra(V dar näher glin, 
und ouch Ermrlches degen, 
Vor wftr ich iu bediute, 
fie flnogen bMin, roi nnde iinte, 



4fi9 Die RavennaBchlaoht. 

662. Sie liezen inz eablanden, 
grimmik was ir zorn, 

Die ringe fich entranden, 

die [ftarken] rekken üzcrkorn, 

Sie houten tiefe wunden, 

die dar nach nimmer m^r wurden gebundeD* 

663. Sie pruoften grozen fmerzen, 
grimmik was ir nit, 

Sie wftren hertes herzen, 

Ae vahten [einen] Harken ftrit. 

Yür wftr ir daz geloubet, 

Ae fluogen durch b^rfnier ab daz houbel* 

664. Daz fagi' mau mir fidere, 
die wir der tak fchein, 

Unz^ üf den giirtel nidere 

den l!p und [oueh] daz ahf elbein 

Houwen fie begundens 

daz wären ungevuege tiefe wunden, 

665. Man fluog dk etesllchen 
gar ob der gürtel ab(e), 

Daz wizzet ficherlichen, 

fich ringet Sifrides habe, 

Er yIös da edel' rekken: 

fich gulten oueh vil tiuwer da die kekken, 

666. Sie wolden niht entwichen 
bddenthalben dan, 

Sie liezen dar ftrlchen, 

baz dan ich [iuz] gefagen kan, 

Mort täten da die kekken: 

man fach die g^r' in hals bergen ftekken, 

667. Daz ez datz' dem herzen 
binden üz brait. 

Aw^ des grdzen fmerzen! 

d& flarb manik werder gaft; 

Vil kleine was ir barmen: 

man fach manigen wunt in houpt und [in] armen. 



Sde Ravennaschlacht. 408 

668« Was daz niht ein wunder, 
diu n6t diu d6 gefchaelil 
Nii merket vil befunder: 
manigen man [da] riten fach, 
Dem houbet unde zende 
allez was en zwei^ dar zno abe die hende. 

669. Der jimer was manikvalt, 
roichel was diu n6t; 

Aw^! da flurben beide balf, 

da? breite velt [daz] was rdt 

Avf^l liberal von bluote: 

da geMgen Az erweite degen(e) guote. 

670. Dirre ftiirm werte 
die nabt unz^ an den tak, 
Daz man niht anders gerte, 
[nur] wan daz man vebten« pflak* 
Aw^! daz was ein kleine wunne, 
als des morgens üf gie diu funne, 

67L D6 lebte da nie man, 
daz Tag' ich in TÜrwAr, 
Der zweier riehen kiinige man^ 
die wftrn tot alle gar, 
Ir lebte w^nik bl den Hunden: 
dennoch Ae (des) ftnrmes niht erwuuden, 

672. Her Sifrit und her Diet(e)ri^li 
die wären üf dem wal 

Zefamen komen ficherlich, 
ungehiuwer was der fchal, 
Der klank von ir fwerten: 
mit nide fie beide an ein ander gerten. 

673. Die edeln rekken milte, 
daz irt mir wol bekant, 

Die beten die fchilte 

gar gehouwen von der hant; 

Sie vahten^ fam fi wunnen: 

diu ougeu in vor zorne rehte brunneUt 



4§4 ^® RavennascUacbl» 

674. [An] einander fie di mnoten 
mit flegen, daz ift war, 

Die hals berge [rehte] gluoten 
von der hitze funderbar; 
Daz msttr' ich unfanfte lide: 
Sie vahten da mil vil gr6zem ntde. 

675. Die flege ungebiarllchen 
klangen üz ir bant, 

Sie liezen dar [trieben, 

die [kuenen] rekken üz erkant; 

Sl gelorfle niemen fcbeiden, 

ez mohr onch niemen kumen zuo in beiden, 

676. Sie waren b^de tumbe 
nnd grimmik gemuol, 

Sie triben ein ander -umbe, 

die h6hen [edeln] rekken gnot. 

Der fweiz von in rchraete, 

ein fwinder wint von ir fwerten weete. * 

677. Sie werten lange an ir wer, 
als mir daz buoch irt kunt, 

Durch daz krefligliche her 

riuogen s' vier unt drizich ftunt, 

Vil wit warn ir gazzen, 

fie begnnden mit flegen [an] einander vilr vazzen. 

678. Sie vlhten mit ein ander hie 
ein harte lange zit, 

Daz fie fich gefchieden nie, 

gar fwinde was ir Arit: 

Doch kom ez zuo den ftunden, 

^ daz fie (da) des fUrites wol er wunden^ 

679. D6 het der von Berne 
den künik von Niderlant, 
Welt irz beeren gerne, 
gevetelt vür mit heldes hant. 
Er fluok die flege vreislichen: 

her SifVlt muoft' alles vor im entwichen. 



IMe RäYennatohlädit.- 46S' 

680. D6 in her Dietrich bri^hle 
wider an die wal Rat, 

Der Berner gedifate, 

als man mir gefaget hftt, 

Und lief dar an der ftonde, 

als er immer aller meifl(e) kiinde, 

681. Harte kreftiküehen 
llaog er einen flak 

Slfrid' dem ellens riehen, 
daz er nider vor im lak 
Geflrakt under dem fchilte: 
figelos lak der kuene and der milfe. 

682. Do delr herre Dietrteh'e 
den andern flak dar b6t, 

Her Siflrid der lobeüche 

rief [vil] Inte, des gie im ndt: 

,^Edel künik von Rdmifeh riebe, 

lä mich leben, tö tuoft du Tarfletlehe;" 

683. Den gaofen Balmnngen 
er dem [vogt] von Berne gap^ 
Des het er in betwnngen: 

er liez in leben, als er in bat, 

Idoch fprach [h]er [Dietrich] mit finnent 

„her Sifrid, ich l&z' inch niht komen von hinnen.^^ 

681. Er bevalh in fehs rekken 
hie an dirre zit, 
Die hueten des kekken. 
[her] Dietrich k^rt' [wider] in den hrit 
Mit aht tüfent beiden gaoten. 
ein ftarkez her kom mit dem milten Fmoten; 

685. Des wAren febzehen tAfent man, 
als mir ift gefeit, 
Die rand' der ftarke Nüodiing an 
mit manigem degen unverzeit. 
Awd! fich haob an den ztten 
zwifcheü in ein grimmigez ftriteii. 

30 



Die Rayeimasohlachl. 

666. Fruote von Teoemarkeii 
▼uorte einen vanen breit. 

Sich huop von den (tarken 

b^e, n6t und arbeit, 

Von riat Ae din ora rprankten, 

diu fper lle (vil) muozeklioh^n fankten. 

667. Nuodnok der mmre 
der reit Fruoten an, 

Hie mit ich daz bewiere, 

di koni man wider man 

Mit grimmigem muota, 

d& liezen lie die sagheit üz der kuote. 

6S8. Diu fper fie vergehen, 
d& huoben fie mit an, 
Die fehefte fie zebr&cheo, 
dA wart lenger nibt verlftn» 
Sie rukten zuo den fwerten, 
mit dem grimmen t6de fi [an] ein ander werten. 

689. Vil rebte man nü merke, 
waz ich Tagen wil, 

Din kraft rabt gegen der fterke, 

da gefcbacb fchaden vil, 

Mit ftrite fie ficb wurren, 

diu ora von den Hieben f^re kurren. 

690. Die kuenen rekken millen, 
den vebtens nibt entouk. 

Die riuogen, daz üz [den] fcbiKen 

unde üz belmen viu[we]r vlouk. 

Die bals berge veften 

die muofteo von ir grimm[ig]en flegen broften. 

69L Si begunden före ^oufen 
daz Ermriches golt, 
Die l6ten lägen ^e boufeu: 
verteilt muoz fin der folt, 
Den fie d& enpfiengen! 
der rekken flege gar ze verhe giengen* 



Die BflveiuiMchKtcht. 

692. Man h6rt^ die liege hellen 
tf manigem helme lieht, 

Die ftarken und die fnellen 
rH3. die fchdnten ein ander niht, 
Sie würfen, fie ftiezen, 
mit fwerten fie die liefen wunden miesen. 

693. Mich nam des michel wundei", 
wie fiz mohtcn erwern; 

Ir flege £6 befunder 

muoften von beine üz fwern: 

Mit grim[me] fie daz wal träten, 

da[z} fie Ach des lebens verwegen hAten. 

694. IM was n6t und ungemach 
leider äne zal, 

Die töten man vallen faeh 

von den orfen üf daz wal, 

Die jungen und die alden, ^ 

ez fturben da die tumben zuo den balden. 

695. Swaz in von herten ftriten 
ie Wunders ift gefeit 

Bl ie mannes ziten, 

daz ift ein kleiniu arbeit 

Gegen difem fturm llarken: 

Ae vielen ungezait von den marken 

696. Die den mort dft tftten, 
die fint mir wol bekant, 

Die fich des verwegen hliten, 

daz fie bürge unde laut 

Nimmer[mör] wolden befehouwen: 

fi begunden örft' die herten ringe honwetf. 

697. Die hals berge fieh Idften 
von ir herten liegen. 

Ich enweiz, wes He fieh tröften 
die [vil] unverzagten degen, 
Die vähten, fam [ob] ez brunne: 
dA was wan ach nnd w^, und lützel wnnntii. 

30* 



Jgg-, Dte RKTeiuiafGkUoht 

698. Dm rtarke wilde ritiwer 
Hz ir helroen fprank, 
Ir flege wliru ungehiuwer, 
grözer zorn äe des f wank, 
Swen fie mohteii erlangen, 
unb den waa es al se hant ergangen. 

609; Der grimme isom waehte 
Az ir herzen grünt, 
Sie fluogen, daz ez krachte, 
daz ift mir endlichen kunt : 
Diu fwert klungen in [ir] banden, . 
mit liegen Ach die Hehlen- helme entrandeo, 

700. Baz Sie Ach mnolten bliehen 
nnz' üf diu patwdt; 

Die leiden zuo den liehen^ 

als man mir gefaget h&t,. 

Die gelegen da alle t6te; 

Ae gttlten &A b^denthalben vll genMe^ 

701. Herte der Hurm (d&) wa«, 
als ich vernomen hän, 

Man fach bluomen unde gras 
mit bluot [alles] en ouwe gän, 
Die helmen und die fchilde 
die Ugen «ngezalt üf dem gevilde. 

702. Slak da wider flak gelak 
hin unde her, 

Sie Ariten allen den tak; 
wa gefchach daz iem^rl 
Sie täten fchaden herten^ 
beidenihalben Ae Ach manlich werfen^ 

703. Nuodunk der guote 
keklfchen vaht, 

[UndJ gegen im der milte Fruote; 
der firtt wert' [unz'] an die naht. 
Nu geloubet mir ein msere: 
her Diefleib der edel SHer»re. 



Die Ravemiaidilaokt. 469 

701. Der het mit beides maote 
einen rekken beAftn^ 
Marke hiez der guote, 
fer was] ein üs erwelter man, 
"In fturm und in ftrlten, 
er begie vJI manik wuiider bl den ztfen, 

705. Von Alzey her Volker 
beftnont her Baltram, 

Daz wAr(e)n zw^ne rekken h6r, 
als ich [vfir wftr] vernomen hlin, 
Mit libe und mii guote, 
üe wären unverzagte in ir muofe. 

706. Von Ljmders her Helferich, 
daz tuon ich iu bekant, 

Der kom harte manlich 

an einen rekken gerant. 

Des namen wil ich in nennen, 

daz ir in an dem masre mügt erkennen« 

707» Br was von Partie, 
Baldnnk fö hiez er, 
Er warp nftch hdhem prKe, 
darzuo was im harte ger. 
Avr^l die zwöne rekken miere 
die fluogen üf einander flega fw»re. 

708. Gotel der mark man 
der beAttont mit ellens haut 
Einen rekken lobefam. 

des nam' ift mir [wol] erkant, 

Wiker was er genennet, 

den man in manigem ftrtte wrol erkennet« 

709. Irink der niedre 
mit manlichen fiten, 

Der kom funderbaere 

an einen rekken geriten 

p9er hiez] Huezolt von Gmenlande: fi. ^^. 

awAI niht guotes in leider dar Ainde. 



4T0 Die RavemtfleUadit. 

710. BlcBdelin der kekkc, 
als mir das m«re ift kanl. 
Den beftuont ein rekke 
mit [flarker] kraft an der Itonf, 
leh wil des niht vergessen; 
StnrmlioU hies der (rekke) vil vermessen. 

7U. Von Swangön was er ^ebom, 
er het an liner fchar 
Zwelf tififent rekken ^s erkern, 
fwas ich iu fage, daz ift war, 
AwA! die nlimen da den ende 
aller meifl'' von Bloedelines Lende. 

712. NA beeret ftarkiu m«re 
diu ich in tuon bekant, 
Walther der Lengefaere 

der beiHuont mit ellens hant 

Heimen den vii ftarken: 

fie Äsen beide äf zwein gnoten marken. 

713. Von Kriechen her Dietrich 
der beftuont an der zit 

Ein edeln rekken lobellch, 

ntk fult ir beeren äne ftrit. 

Wie der ift geheizcn, 

den fach man da tiefe wunden meizen. 

714. Bitrunk von Mörlande 
hiez der voget degen, 

Vil wol man in bekande, 

er was ein vürft' dzgewegeu 

Mit manlicbem eilen: 

ich künde iu fine tugent nimmer vol zelIeD, 

715. Yfolt der guote 
der beftuont mit ellens hant, 
Der kuene hoch gemuote, 
ein rekken üz erkant, 

Der hiez Gerolt von Sahfen, 

er was mit Harken ftrlten wol gewahfen. 



Die Bayennaschlacht. 714 

716. Von SalnitL her Berbtram 
den beftuont ein rekke guot. 

Den ich genennen vil wol kan, 

Sigher hiez der hi^eh gemuot, 

Er was von Geringen, 

er het cuo dem leben(e) niht gedingen. 

717. Ni^ beeret difiu ni«re, 
waz dk die rekken tuont: 
Wolfhart der lobebiere 
eln[en] rekken da beftuont, 
Den kuenften und den heften» 

den R. über beidiu her Inder di weften. 

718. Von Norwege hieit er BuoauiU, 
als mir ilt gefeit, 

Der was den Hinnen niht. ze holt» 

des körnen R in arbeit, 

Buozolt und Woltharte 

die kdmen gein ein ander wol gefehartei 

719. Rnedeg^r von Bechlaren, 
als ich hAn vernomen, 

An difen ftarken maeren 

was gegen im bekoroen 

[Der margräve] Balfher von Ezzelingea: 

d& huop fich ein vreisltcheft dringen. 

720. Hildebrant der alte, 
als mir ift gefaget, 

Der kuene und der halte, 

den beftuont ein rekke unverzagt, 

Tiban von Grundewftle. 

fieh hueb ein grdzer Xlurm an dem m41e» 

721. Von Antjoch her Imian, 
ein magrer helt guot. 

Den beftuont, als ich vernomen hau, 
ein [richer] vQrfte h6chgemuot. 
Der was vermaeret wit«i, 
den man wol erkant* in allen Artten« 



j|93 I)>^ RavemiMclilacliit. 

722. Daz was von WurnuB OanÜier, 

als mir gefaget ift, 

Mit Til maDlicher vr^r 

was ein rekke se .aller vrift 

Der edel' künik Mve 

pruoft' den Binnen manik herzen f^re. 

723. Den unverzagten G^rnöt 
beitnont her Ekkewart» . 
Des gclak d4 manik helt (6t, 

des fi vervluocht diu var(! 

Die fi in Römircb lant ie get&len: 

Grmrlob der bete fie alle verraten/ 

724» Liutwin ;iron Elfen Troye 
der kom ouch in den flrit^ 
Den heftuont mit grdzer tldioye 
Wolfk^r [der Hark] hl der zit. 
Abi! zefamen kdmen 4ie kekken: 
des ßurbeti dH die kuenen wel rekfcen« 

72)5. Rjuedwin von Treifen roiftre 
der kom dort her geriten, 
Den huob ouch vil untüre^ 
nu vernemt mit guoten fiten, 
Vehten ze allen flunden: 
dem hän ich einen geverten vunden, 

726. Den wil ich |u nennen, 
ob irz beeren weit, 

Daz ir in muget erkennen: 

Frideg^r hicz der helt. 

Er was von S^lande, 

den man in vremden landen wol erkande. 

727. Her Stütfuhs von Rine, 
nu vernemt äne zorn, 

Üf die triawe mine, 
den beHnont ein rekke [üz] erkorn, 
Des ich niht mak vergezzen: 
Sigemlir [6 biez der vil vermezzen. 



Die Rtreniiucliladit 4|^ 

728. Er was von Engd lande 
ein gewaltik könig rieh, 
Zweinzik lAfent wlgande 

[die] warten! im fieherlich: 

Aw^! die worden erflagen fidere, 

der kern ninder dbeiner lebentig widere, 

729. Von Brünfwtk (her) Tjrolt 
ein YÜrfte was genant, 

Dem wftm die Hinnen niht se holt, 
an den kom her Sigebant: 
* Abt! die w&ren knene beide, 
fi gelAgen oneh t6t flt tf der beide. 

730. NA wil ich vürbas fetsen, 
als mir ift kunt getAn : 

Ortwtn von Metcen 

der beftnont ein[en} knenen man, 

Der was lantgrftve data' Daringen, 

der liez ouch mit ftrlt dur nliher klingett; 

731. Der was geheizen (her) Harkts, 
ein rekke unverzeit, 

In horten ftnrmen was er wis^ 
alf6 hat man mir gefeit, 
Er knnde wlfe rsete, 
er was Hark, mute nnde flete. 

732. SindoH der maire 
reit Witegouwen an, 

Til wol teh daz bewahre, 

fie wlim zwta^ kekke man. 

D6 beftont Witegifen 

Berhtramen, den kuenen nnt den wtfen. 

733. Welt ir nA beeren ^ gwne, 
r6 wil ick iuch wizzen Un, 

Wen der vogt von Berne 

in dem flurme fold^ beflAn> 

Abt! daz wil ich in mezzen, 

des enwU onch ich nA niht vergeszen. 



4TA W^ Riyeopaidilaclit. 

734. AU ! düS m von Sehr eo 
der kueiie Liudega(|, 
Des eilen was gewahfee, 
daz im dar an niht gebraft 
Bl allen ftnen stten: 
daz heC er wol erzeige! in ma^i^en [herfen] ftritei. 

7d& Von Miflen her Liüdegjlr 
ouch niht fuft beleip, 
Bitrolf der margr^tre b^r 
beftuont in, als mir ift gefeit. 
[Der lant gräve] Uolrich von TegeÜBgen 
den vrJl ieh prueven ouch ze difen diogen: 

736. Den beftuont her Aibranf, 
ein üz erweiter degen. 

Ich iuon iu rehte daz bekant, 

d& w&rn rekken [vil] verwegen ^ 

Ltbes und ouch^oteä, 

in dem ftrite vil zorniges muotes. 

737. Nu fult ir merken eben fleht, 
d6 tuen ich iu kunt: 

Von Bruoveningen Nortprehl 

der beftuont an der Hunt 

Ein edeln viirften riehen, 

in fcharpfen flrlten vil verwegenltchen* 

738. M6runk was er genant, 
als ich vernomen hän, 

Ein Werder rekke üz erkant, 
des muoft^ im jehen roanik man, 
Daz er daz hefte tsete: 
er künde ouch die wislichen rste« 

739. Von Sibenbärgen (her) Marholl 
der kom ze voller ztt. 

Der was Ermrlche niht ze holt| 

nü fult ir hoern äne firlt, 

Hey 4! der h6ch gemuote 

der kom dar, daz was ein bclt guote. 



Die RivemiRSchladit. #7f 

740. Nd hän ich io gemezzes 
die ellenthaften degeu, 

Und niemens dft vergezzen, 

die [dft wol] Hrltes mohten pflegefn. 

NA g^t ez an ein ftriten, 

daz maniger d4 des urteiles mnoff* erbiten* 

741. Ze ranien(e) fie ftapffeo, 
die rekkeu üzerkorn, 
Vintltchen Ae kapflen, 

Ach huob ein grimm[ig]er zorn, 
Diu fcharpfen fwert fie vuorten, 
alr^r(!(e) äe ez manliclien roorten^ 

742. Zeranien(e) fie drungen, 
der fturm der was ftark, 

Die liehten heim' erklungen, 

Tafte kurren diu mark. 

Sie honten tiefe wunden t 

fleh huob ein grdzer wuof bi den flunden 

743. Man faeh daz yiuwer gleften 
tkz den fwerten guof. 

Die heim' muoften breften, 
daz üz fchraete daz bluot: 
Ez enwart nie ftrit fo herte, 
harte jämmerlich was daz getorte. 

744. Ür der beide wite 
worhten fie diu [flarken] werkf 
In dem ftarken ftrtte 

wart vil manik hals berk 

Durch houwen und durch fchrdten: 

d& gelak harte vi\ der töten. 

745. D& rturben beide guote 
und rekken üz erkorn, 

Sie wuoten in dem bluote 
an maniger (tat unz' über die fporn, 
Sie würben nÄch des lebens ende, 
ir vfkten räfte fniten in ir hende. 



4?6 IMe RavemiMeblReiii 

746. D6 fohriren die bie „w«fen|«« 
vafte Af dem wal; 

86 w&ren die entfMfen, 
die ahteD klein^ df den fchal« 
Aw^ der jiemerUchen fwaere! 
IMe rief dA Wolfbart der iiiffTe: 

747. f^Wir foln das vell Tfilien 
biute mit den fcbarn, 

Dax man mit den züUen 

Af dem bluote muoz yarn. 

Abt! d4 ficb icb mtiie tttnge/< 

M6 fpracb (da) Wolfbart der junge. 

748. Die flarken Hinnen alle 
die liezen dar g&n 

In dem fturm mit feballe, 

das viu[we]r üs ir beim brUn, 

Sam es ein bUsbalk blnte: 

das blnot immer ntcb den flegen fcbrffte^ 

740. Lungel nnde berze 
mpofl' enzwei gan, 
Daz was ein grözer fmerze; 
d& vabt man gegen man, 
Sam Ae der tinvel vuorte: 
abi) wie ez Wolfbart d& ruorte! 

750« Diu barmunge was kleine, 
diu zwifcben in ää was. 
Veit nnde Heine, 
darzuo blnomen und gras 
Was allez r6t vom bluote: 
nü riuwent micb die edeln beide guofe. 

751. Der fcbal von ir bände 
der was unmüzen gr6z. 
Man faeb Af dem lande 
der erde w^nik bl6z. 
Diu r6t [an] einander muote, 
diu beide was fwarz^ d4 flu ^ bluote. 



Di« Rav^masQbkolii 4^1 

752 Man faoh die fehilde vliegen 
▼alte ,Ton Ir hant ; 
Uns welle claz buocli liegen, 
die halsberg" wurden [oueh] entrant 
TU vallte und vil r§re, 
da« fle ez überwunden nimmer m^re. 

76^ Man facb das bluot rinnen 
vafte über reit, 
Als icb micb kan verBunen, 
dA was [vil] jaemerlfcb [der] gelt, 
Sie riuogen, fie flachen: 
ich enweiz, was fie an einander rieben. 

754. I>ie liebten herten belme 
die mohten niht geftin, 

Die rekken funder melme 

[die] ranten [vaft] einander an. 

Diu ors ficb muoften biugen: 

man iaeb. daz viuwer üs den fwerCeii vllugen. 

755. Sie Ugen vafl' under 
beidentbalben da. 

Nu merket ditz(e) wunder, 

ez gefebacb nie anders wft 

Ein flurm alfö bert^: 

die liebten bals berge man verfcberte. 

756. Arme nnde bende 
die wurden bin geflagen, 

£ daz der flurm nam ende, 
icb wil iu endlicben fagen, 
Sie flurben alle geliebe: 
gr6zen fcbaden nam da Ermricbe. 

767. Bediu, eben unde tal 
was vil nftcb alles vol 
Mit den t6ten überal. 
icb enweiz, waz ich lagen fol: 
Sie muoflen alle beliben. 
Awd der m^re, diu ir fchmnen wlben 



478 ^^ fiarflaMeoUacte 

756. Sit kAmen heim le laBfcl 
d& was ein miehel klagen« 
Sie würben n^ch dem pfände, 
dÄ Ton ir noeh beeret . fagen. 
Daz kom al[lez] von Ermrichen: 
des muoSB im got an dem urteil gefwieheii! 

759. Und gewinne fin nimmer raoebe, 
weder dort, noch hie! 

Daz ich im alfd Tltioebe, 

daz moht' ich gelftzen nie; 

J4 muofl'* von finen fcbulden 

manig man den grinimigen t6t duMen. 

760. Sie Hezen dar rtrfcben, 
die rekken höchgemuot, 

Sie weiten niht entwichen 

ein ander, daz was niht guot ; 

Des muoften fie da fterben; 

fie wolden beidenlbalben rnom erwerben. 

761. Sie begunden vaße grimmen 
mit Hegen durch und durch 

Und üf ein ander limmen; 
man fach velt unde vurch 
I Alles fweben mit bluote: 
da gelegen üz erweite rekken guote. 

762. Sie wurden gerochen flder(e), 
die lagen [t6t] uf dem wal: 

S6 vielen [da] drizik nider(e) 

Ton den orfen ze (al, 

S6 der an' houbet, [(6 der] an' hende: 

Be nämen alle jsemerlicben ende. 

763. Van(e) fchrei (d6) her Wolfbart, 
als ich hau vernomen. 

Der was mit grimmiger Tart 

her [wider] durch die vinde kernen: 

Aw6! der edele helt guote 

der was aller r6t von dem bluote. 



IM« RaveBnaschlacht. 479 

764. Beidiit, heim nnde fchilt 
daz was verbakket gar, 
Er was mit wunden gezilf, 
diflu maere diu fint wftr: 
Er het fich euch vergolten, 
[grdzen] j4nier fie von finen banden dolCen. 

765« Die jungen und die alden 
die mobten niht md; 
Den Itarken und den balden 
den gefcbach von (legen w^, 
Yil micbel was ir fwsre: 
nA r^lt ir beeren diu vil Aarken m»re. 

766. Die fcbar zefamen drungen 
vaAe üf dem wal, 

Die alden und die jungen, 

barte micbel was der fcbal. 

Verwegen fie ficb baten, 

ein rwin4ez p^t Ae mit den vuezen traten, 

767. Sie waren Arites vllzik 
dort und oucb bie, 

S6 vielen da wol drizik, 

folicb wunder gefäbt ir nie 

Bi allen iuwern ziten: 

ez gie alr^rft an ein bertez Ariten, 

768. Diu n6t diu was manikvalt 
von ir Aegen Aark, 

D& Aurben die beide balt^ 

[dar zuo] diu unverzagten mark. 

Aw^ der jaemerlicben leide! 

da gelägen rekken t6t üf der beide. 

769« Die tiefen wunden berte 
die wurden da geAagen. 
Mie men den andern nertc« 
min _vier' mobten tiibt gefagen 
Die n6t, nocb daz wunder: 
ir gelak beidenibalp vil ik under. 



IBQ. Di« BaTemafohkicIii: 

770* Sie nAcli«n unde mieser 
die edelen brünne lieht 
Mit fwerten und mit fliesen, 
eioer fch6nte des andern niht; ^5. 
Des mnoften fie verderben 
und des grimmen tödes dk eriterben» 

771. Es gerehaeli bl nteuM« silen 
ein mort air6 gröz 

In allen herten ftrilen: 

g^r** man durch die brünne fehdv, 

Daz fi in dem libe Aahten, 

den grimmen lorn fie Az k libe wahteo. 

772. Welt ir nA hoeren geme^ 
waz Wunders da begie 

Der werde Togt von Berne, 

daz wil ich iu befcheiden hie, 

Daz ift mir ein kundez mmrez 

zwei (Afent man fluog dA der Bem»re, 

773. Der edele Tttrrie masre, 
alfd ift mir bekant, 

Der riebe Bcrnsre 
[der] rette vaft' finiu lant 
Vor dem künige Ermricbe: 
finiu lant diu räch er willikliche. 

774. Libes unde guotes 
wären Ae verwegen, 
Manljches muoies 

fach man die [üi] erweiten degen, 

Sie ftriten mit grimme, 

als ich an dem masre mich verfinne. 

775. Welt ir nü gern vernemen 
daz m»re an dirre zit, 

S6 mag iu harte wol gezeinen, 
ich wil iu Tagen, wie der ftrit 
Ein ende nam ze leite: 
d& fturben Mde, vriunde unde gefle. 



Die RaYennascblieicfaf* 48t 

776. Vm" an den einleft^n tak 
werte dirre Itrit, 

Als ich [vür wlir} wol gefagen mak, 

dia [vil] Harke beide wit 

Lag elliu vol von toten: 

dft wurden heim' nnd fchtide vil verfchrdten. 

777. Dia ^z erweiten kalteUn 
diu I^gen oueh da t6t, 

Als ich Türw^r vernomen bän^ 

daz reit was über al r6t 

Von maniges mannes blnote^ 

da verdürben Az erweite rekken guoie, 

778« Nd merket vil befunder 
an difen maeren ouch: 
Was daz niht ein wunder? 
der tunll von ir üben roucb 
In allem dem gebaere, 
fam ob isllcher an gezündet were. - 

779. leS^ gehört' bi mtnen ztten 
an bttochen nie g elefen . 

In allen landen wiCen ' 
ift nie [kein] Hrtt r6 herte gewefen, 
Sam der ze Raben ficherliehen: 
des mueze got verteilen Ermrichen! 

780. Hieb muoz desr immer wunder h&n^ 
wie fiz erwerten ie. 

Daz felb' rprich[e]t noch manik man, 

man vrägt dort unde hie, 

Wie fiz ie erwerten 

daz lange vehten mit den fcharfen Twerten. 

781. S winde was daz geverle 
üf der beide breit, 

Die liebten helme herte 
man mit fwerten durch fneit, 
Daz [daz] bluot muoff dar tiz rinnen, 
als ich mich an dem maere kau verfinnen. 

31 



189 IKe RayenaasoUtcy. 

782. An direm ftarne ¥r6tr(«)licb, 
der du gie en twer, 

D6 choiii 4er herre Diel(e)rteh 

gedrangen [bitterlich] dort her, 

Der edele und der siere:. 

den beten beflanden edeler rekken viere. . 

783. Sie liesen üf in dringen 
mit flegen &ne zal, 

Michel was daz klingen^ 

daz velt allez n&ch bal. 

Sie flrilen als Ae topten: 

verwegen w4ren (dl) die h6Qh gelopten^ 

784. Der edeP künik von Bdnitreh lant 
bouwen (da) began, 

Er vrumf da nider üf den fant . 

manigen unverzagten man 

T6te unde wunde^ 

daz ich daz niemen wo) geftigen kiNideu 

785. S!n[en] fcbaden raeh er tiuwer 
mit eislichen Hegen, 

Er fluok vil ungehiuwer 

üf die Ermricbes degen% 

Er räch Ach an in fdre« 

daz fiz überwunden nimmer m^re. 

786. Fruote von Tenemarke 
mit grimme dort her gie^ 

• Mit einem Aurme flarke; 

rolch[e8] wunder[8] gcfaht ir nie^ 

Als von finen banden: 

in wider däzen [f^re] die von Hittuifch landen. 

787. Er truog in finer bende 
ein wäfen alfo breit, 

Da von nam den ende 

manik rekke gemeit, 

Er lie dar näher Utricbeu, 

er kom mit Hegen an den ftarken Dietrichen. 



Wie RsYenmiflchladit. 4g| 

788. Dhi zwAne riekken Dulde, . 
kuen' und üs erkant, 

Diu liezen die fchilde 

nnd nlimen diu fwert in b^de hant. 

Si begunden an ein ander loufen. 

d6 walden s" ir leben b^de verkoufen. 

789. Mit grimmigeffl muote 
flnogen fiu dar^ 

Die vreeben beide guote 

nlmen Ttntllehen war, 

W4 liu treffen künden: 

fiu v&hten grimmiklichen bi den Runden. 

790. Man hört' ir flege bellen 
über berig und über tal; 

Die kuenen und die fnellen 

die fluogen vafl' an' zal, 

Daz in daz viuwer labte. 

nu enweiz ieb, wäz den Beruwre beddhte: 

791. So er allermeiate möble, 
an Fruoten er d6 lief. 

Er tet als im getobte, 

er boir tiz [ßnem] berzen tief 

Ein[en] flak £6 bertiklicbe, ' 

des enkalt vil fire Fruol' der riebe. 

792. Er traf in mit dem fwerte 
▼afte, funder melm, 

Reble da er fin gerte^ 

üf den liebten [guoten] beim; 

Des flages mobl' er niht gelougen: 

im fprank daz biuot üz beiden Hnen oujgen. 

793. Nd merket rebl\ wäz ieb iu fage: 
d6 der flak was erg&n. 

Hieran ieb iucb niht verdage, 

Fruote der unverzagte man 

Der begunde zebant Valien: 

daz erbarmte f<§re ftnen rekken allen. 

3l» 



184 I>>e Rareiimschlaefal. 

794. Er bei den knnik hüre 
(6 ttre nider geflagcn. 

Das er [darnach] immer m4re 
niQoft^ mere dk von fagen; 
Es was [vil] n&ch gewefen ßn ende: 
er rakte dem Bernere beide. hende. 

795. Das erbarmte alfd £ive 
dem kfinik von Römifcb lant. 

Er tttmie ficb nihi m^re, 

er zukt^ in üf [% se hant, 

Vor dem t6de er in nerte: 

er rinond über in felbe unde werte« 

796. Wisset ficherltcbe, v 
wer'' des niht gewefen, 

Frnote der riebe 

wsBr' nimmer genefen 

Vor Dietriches rekken : 

air6 nert(e) ber Dietrich den kekkeip. 

797. Den tugentbaften Fruoten 
bevalch er alzebant 

Dem rollten und dem guoten, 
dem nnversagten Hildebrant; 
Das tet der Bernaere, 
umb(e) das, das er an' angeft weere. 

798. N& falt ir beeren gerne 
nocb m^r an dirre zit: 

Der werde vogt von Berne 

kÄrl' aber [wider] in den Hrit. 

Alii! er lies ims wol enblauden, 

er gab das edel fwert ze beiden banden. 

799. Gelicb einem wurme 
werte nocb fin kraft, 

In dem herten fturme 

erseigt' er [fine] meinerfchaft, 

Er vabt vi! manlicben, 

er wolt' in dem (trite niemen entwieh<$n. 



Die Raretinaichlaolit, 48ft 

860. Iii den felben ziten 
d6 fach her Dietrich 
Zw^n' rekkcn dort her rifen, 
do begund' er glihen fieberlich: 
Aw^! da fah er an den ftunden 
den einen rekken harte före wunden« 

801. Wer der felbe w»re, 
den er d& wunden fach, 

Das ifl mir ein kundez ma^re, 
alfo uns das buoch verjach, 
Awd! ja was cz ficherliche 
von Lunders der ftarke Helfrtehe. 

802. Der in da het beftanden, 
der was ein hell guot, 
Unverzagt von iinen banden^ 
M6runk hiez der helt [h6chl gemuot 
Aw6 ! ja het er Helfriche(n) 

ze t6de erflagen, wan daz ez wand' Dietriche. 

803. * Dem edeln Bernaere 
dem wart unm&zen gäch, 
Dö er funderbwre 
ilelfrleh[en] in [den] noßten fach, 
Aw^! dar lief der üz erkorne, 
er nam daz fwert mit grimmigem zorne« 

804. Als aller meift^ er künde, 
fldog er einen flak 

* ll^rungen an der ftunde, 

* daz er [geftrakketer] vor im lak. 
Aw6! d& nlihent im der ende: 

er fluog in durch den heim unz üf die zende, 

805. Daz der rekke milte 
[^] t6t gelegen was, 

Er gelag in dem fchilte 
leider t6t iftf dem gras. 
Aw6 der grözen herzen firaere! 
dife not. klagte der Bemere. 



|gB ^^ RareimafcMadrt. 

806. Als der rekke (lier) Ildruifk 
den lip het verlorn, 

Daz wold' mit triuwen ein rekke jonk 
rechen [biderb und] üz erkorn: 
[Daz was] Mdrholt von Irlande, 
an den ftarken Berner er d6 raiide. 

807. mit einem guoten mark«, 
als mir gefaget ift, 

Mörholt der vü ftarke 

fch6z an derfelben vrift 

Üf den Bernsere: 

daz was im kernen ndch te grdzör l^vraere. 

808. Mit einem fcharfen g^re 
nnmaezlichen breit, 

Der ze beiden ekken f^re 

und vreislichen fneil. 

Nu geloubet mir diu ma^^re, 

dA nerte got den edeln Bern»re. 

809. Der werde vogt von Berfte 
der was ouch an in komen^ 

Er wolt^ lieh rechen gerne, 

ze beiden henden het er daz fwert genomen. 

Er was erzürnet f^re: 

daz über want Mörholt nimmer m<lre. 

810. Er fluog in ob dem fatel bogen 
dnrch den halsberk^ 

Des enhftn ich niht gelogen, 

er fchriet in tief in daz verch, 

Daz er bi der Hunde 

von der Hat kom nimmer m^r gefunde. 

811. Günther von Rine 
mit einer breiten fchar, 

Üf die triuwe mine, 

der was ouch komen dar, 

Aw^! der vuorte die vil kekken^ 

die wären ze im banden wel rekken. 



Die Rayennaschlaoht. . 487 

812. Ruedeg^r der mark man 
und ouch her Dietrich 

Die ranfen Guntheren an 

mit [mauigem] rekken lobelteb, 

Aw^! da gie ez an ein houwen: 

dä£ beweinten ßt die [vil] fcboenen vrouwen. 

813. Diu fjper fle vern&chen 
mit kreften, das ift war, 

Die fchefte fie zebrächen 

beidenthalben in der fchar. 

Mit grimme fie dar rukten, 

mit zorne fie diu fcharpfen fwert zukten. 

814. Aller ^rft' wart hert' der ftrit, 
daz wizzet ficherlich, 

Ze famen(e) truok fie der nlt^ 

die [böhenj rekken ellens rieh; 

Si bewagen fich des guotes, 

fie w^ren df ein ander grtramea maotea. 

816. Alr^fft' k6men mit fchalle 
zefamene diu her, 
Die knenen rekken alle 
die griffen zuo der wer, . 
Mit grimmigem zorne 
vähten erft' die rekken üz erkorne. 

816. Sie .liezen dar klingen 
mit eislichen flogen, 

Michel was daz dringen 

von den rekken verwegen, 

Aw6! fich huob alr^rft' ein flrtten« 

man beb dbz blnot in tal und in Miea . 

817. Harte vafte rinnen 
hin unde her, 

Sie Itriten &ne finne^ 

in was ze einander ger, 

Aw^! vil micbel was diu fwiere: 

fie machten jaUr^rft' [vil] manigen fatel laere« 



|fiß IHe RaveniiiiBcblaclit. 

618. BlnoUg vfaH diu beide 
von maniges niannes bluot 
Aw^ der grözen leide! 
mich riuwet manik rekke guot, 
Die äi naraen den ende. 
nA bitet aUe, daz got .Erfliricb[en] lebende! 

819. GelicJie Üe ficb w4gen 
vQr unde widere, 

Tdt fie gel4gen 

üf dem wal leider fidere, 

Yil micbel was diu yreife: 

des wart fit vil manig armer weife. 

820. Diu fwert von ir banden 
entwer vafte vlugen, 

Ze ftrite fie ficb wanden, 
diu [fcbarpfen] wäfen fie gezugen, . 
Sie fluogen dureb die ringe: 
niemen icb fin leben (d&) uz dinge. 

821. Sie riuogen durcb die boubet 
diu birn' rebt' enzwei; 

Yürwär ir daz geloubet, 
▼ii lüte [da] maniger fcbrei. 
Aw^! der j^mer der was vefte: 
d& fturben die vriunde unt die gefte. 

822. Sie worbf en bi den ftunden 
tiuTelicbiu werk, 

Sie fluogen tiefe wunden 

durcb [nianigen] berten balsberk, 

Ez wart bi nie maus ziten 

tö manik man erflagen in Aurm und [in] Uriten« 

823. Sie ftriten M6 lange 
ber unde bin, 

Sie würben mit getwange 
umb [einen] jeemcrlicben gewin. 
Sie fluogen uf ein ander vafle : 
daz wilde viuwer vor ir oogen giafte. 



IHa Ravennaf cUacht 4l^ 

824. Ze leben(e) nie maD gerte 
üf des ftrites zil; 

Manigen man da werte 

der ftarken wunden [alf<6] vil; 

Nit fi üf ein ander truogen, 

die fwiflden flege fie grimmiklichen Iluogen. 

825. Durch heim und durch birQ(e) fchal 
wurden Hege [da] geflagen, 

* Une' i^f den drüzzel (hin) zetal,-*- 

* da was wuofen unt klagen — 
Diu fper durch herze gefloehen, 

die g^r^ in tiefen wunden ab gebrochen. 

826. N&ch des t6des ende 
würben (ie zehant, 

Hit manlicher hende 

fatzten fie diu [?il fwaeren] pfant, 

Diu erlöft wurden ni[mffler] m^re : 

Bit riuwent mich die edeln rekken b^re. 

827. Nu verneint mit giioten fiten, 
waz ich in Tagen mak: 

Diu her beten [mit einander] geftriten 
[rebf] nnz' an den zwelften tak. 
Bebt' an den zwelften morgen, 
difiu more Tag' ich tu unirerborgen, 

828. Dd wAren b^denthalbrä 
diu her vil ndcb erflagen; 

Sie muoften fich mit bluote falben, 

die kuenen [rekken] zuo den zagen. 

Aw6, der ftarken unmuoze[n]l 

diu ors wkrtn t6t, d6 ftriten fie ze Tuoze[fi]. 

829. Hcrte wider herte 
gie da vafte en twer, 
Swinde was daz gCTerte, 
die vfthten hin, [f6] dife her. 
Aw6! der folt wart jcemerliche 
von dem unverzagten Dietriche. 




83L LcH 
aicfcel was IIb 
Er rief gewalliUche, 
ab ich hl BÜ wii tagen: 
„HA wolö^ aipe] dUe bims, 
ir Oaget DietridMB »4 alle «e fii 



Stonsg^ dar Baere 
%m Emriclien fprach: 
^Üf den Baii«re 
M Biesen wefcn se S^eh, 
Jl hlt er vil naek rekkcn, 
die werenl Idi, der Harken nnd der kcUunJ 

833. D6 rpracli der kanig ErBi(eB)Hch, 
alt ein witzik man: 

„Weiz aber ieaien fiekerliek, 

wie vil mak Dietrieb [noeh liate] hiOkP'' 

D6 fprach mit gewalde 

ber Heime der Harke und der balde: 

834. „Wil dd das beeren gerne, 
kfinig Ermrfcb, 

Es bAt der vogt too Berne 

wol vierzik tüfent voüeklich, 

Abi! und fint daz die beflen. 

In berten nrilen die vii nötrenen.^^ — - 

835. ,,Daz waer' ein michel wunder 
and ein ftarkez dink/^ 

Sprach Ermrich befuuder 
,,wer folt^ mit in h&n gerink? 
Aw^! 16 ift min her gar kleine: 
fo gebären wir geiu in gar za feipe. 



Die RavennaMlilacIrtw 491 

836. Sie figenl mil gewalde 
vaft' geiD uns dort her, 

Nu Tchaffet [daz], helde, balde, 
der nurm g^l [ie eiio] ?aft' en Iwer, 
Nu wert iuch wik rsezen: 
uns befleni die knenen wider faezeir/^ 

837. Heime und Witigtren 
die helen (in) ir pflegen, 

Des wil ich iuch bewifen, 

wol ahzehen tüfent degen': 

Ahi! daz wären beide n»te, [fchrete. 

die naogen durch die ringe, das daz bln^l darAz 

838. Heime und WitigtCen 
die leiten die fchar. 

Nu wil ich iuch bewifen, 
wer gein in kom, daz ift war, 
Daz t^t Ruedeg^r der milde, 
dem volgten fehzeben tftfent fchilde. 

839. Sie truogen in ir banden 
manigen Harken g^r, 

Yil w^nik fie bekanden 
barmung", noch herzen f^r: 
Abi! die kuenen unbetwnngen 
harte v»ft(e) gein ander rungeii. 

840. Her Heime der m«&re, 
daz tuon ich iu bekant, 

Der truok funderbaere 
Ermrtehes vanen in der baut. 
Die fcbilde fi bl riemen viengen, 
beidenthalben fie ze vuoa&en giengen, 

841. Heime und her Ruedeg^r 
liefen ein ander an ; 

Gebiten wart d& nit m^r, 
d& wart wunder getan: 
Abi! ze Tarnen' fie A6 Aiezen,! 
grimmiUich fie M an ander niezen« 



Die Ravennaschlaobt. 

842. E^ mohl'^ vor ir herten flegen 
der ftahel niht geftäD, 

Sie beganden diu bot legen 

mit [flarken] wunden Freifaro: 

jkhi/ die rekken ellens riebe 

die fluogen Af ein ander tiuv^elliehe, 

843. Daz yil vafte daz bluol 
durch die ringe drank; 

Sie beten zornigen muot, 

der ftrit was ftne m&ze lank, 

[An] ein ander fi [vil] kleine fcbönten, yy^^ i^^ 

nil tiefen wunden Ae vil vafle lönten, 

844. Sie ftnog^n durcb die ringe, 
rebte daz ez bran^ 

Niemen ich üz dinge, 

d& Rarp man wider man, 

Die bals berg' Aeb entranden, 

daz bluot ran in nider an den banden. 

845. Dirre flrit berte 
wert' unz** üf mitten tak. 
Heime Acb dft werte, 
unz' er figel6s gelak: 
Stner abzeben tüfent manne 

der körnen (ni)wan zwelf d& von danne. 

846. Sie lägen unbefcbolten, 
daz wil icb iu Tagen, 

Sie beten fich vergolten 

und [vil] f<^r hin wider geflagen, 

£z gelagen da die kekken: 

ez lebten [ni]wan fehzik Ruedeg^res rekken. 

847. Heime daz wal rumte, 
d6 er den fig' bete verlorn, 
Nibt lenger er Heb füimte, 

hin vlöch der rekke [i^zjerkorn — 

Er Tagte Ermriche: 

„wir flu figlos worden ficberliche.^^ 



Die Rayennaschlaolit. _ 4S3 

848. Wernher von Weraheres marke 
der fümte fich niht in^r, 

Zehen tufent rekkcn ßarkc 
[die] Tolgten dem viirften h^r: 
Aw^! die wolden Ermricben 
helfen uf den knenen Dietrichen. 

849. Sie dmngen mit fchalle 
üf den breiten plan 

Neben ein ander alle. 
Tafle gi^hen man began; 
Awd! dft huop fich ein ftrüen, 
fie kdmen ze Tarnen^ an einer Uten. 

SM* Der gein Werahere kom an die ?art, 
daz wil ich iuch wiszen län: 
Daz tet der ftarke (helt) Wolfhart, 
[und] mit im zehenlüfent man: 
Heyä! daz wären die tu kekken, 
d6 kömen alr^rfle ze famen' welrekken. 

851. Die liezen inz enblanden, 
als mir ift gefeit, 

Dem herzen und den handen; 

zorn wider zorn da ftreit: ti.&^,z. 

AwA! des enkulten fie tu tiuwer, 

ir flege waren fwind^ und ungehiuwer*. 

852. Sie fluogen durch die köpfe if. ^^n 
und durch die helm(e) Ueht, 

Sie Tielen als ein liopfe, 

des mifiage ich niht: <^|V. 

Aw^! Til tief wirren ir wunden, 

ße fchriren alle wftfen! bi den ftunden.- 

853. Vür unde widere 
daz Tiuwer Tafte fprank, 
Die töten Tielen nidere, 

der t6i fie j»merltch hetwank, 

Aw^! alf6 kurn ^e den ende: 

mort begie Wolfbart mit ellens hende. 



Die Ravenntuiddaolil* 

864. LAte bi d«r Auttde 
Wolfhart ruofen began. 

Als aller meill' er künde: 

,^ü wert lacfaL, Dietrichs man! 

Wir megen naht entrinnen, 

ik kan niemen komen lebendig von hinnen. 

865. Ton diu gelt iuch williklicheni 
ää ift niht anders an, 

Ir \äi dar näher Erichen/' 

fpracb der unverzagte man 

„Ir tunget yM die vrilde: 

werfet von den banden (nö.) die rcbilde, 

866^ Und nemet diu fwert mit kreflen, 
geraten li iu daz. 
Wir mnezen nns bebeften, 
ez enkom uns nie baz.^^ 
Des volgten &e im alle, 
fie liefen, dar mit einem gr6zen roballe. 

857. Als taten her engegene 
die Ermriches man. 

Die kuenen Dietricbs degene 
fluogen daz [daz] viuwer bran 
tiz ir belmen vafte: 
fie fluogen I^re, daz ez reht' erglafte. 

858. Die rekken uz erkorne 
die beten ficb verwegen 

Mit grimmigem zorne, 

die Harken Dietrichs degen^ 

Die nriten manliche, 

fie rächen fieh an dem ungetriuwen Ermrlchct 

859. D6 ez nähen begunde 
zuo der naht(e) dan, 

Aw^ der leiden Aunde! 

do gelägen vriunde und man 

Alle t6t darnidere: 

daz wolde rechen Ermrich(e) fidere 



Die Rav^ttnasehladlA. 

Yil TafI' an dem yoä Berne^ 
als ich vernomen hän^ 
Nu falt ir hoeren gerne, ' 

wie mir ift knnt getan: 
Als diu naht komen foide 
und daz der tak Ton dannen feheiden wold«^ 

861. Wernher ?on Wernhers mark 
und alle fine man, 

Was daz niht ein wunder ftark? 
die muolten t6t[e] dft bcftan. 
Dämil was ez [allez] ergangien: 
Ermrich was mit jÄmer nmhe vangen. 

862. Die dannoeh iebenlig wären 
die hnoben da die vluht, 

Man fach dft geblren 

niemen mit manlicher znht, 

Ton danne Ae d6 g&hten, 

zuo der ftal fie balUicb dö'nählen. 

863. Hin Tl6ch der künig Brmrich, 
daz tuen ich in bekant, 

Und ouch her Sibich ficherlich; 
an den kom Ek[ke]hart zehtot, 
Daz kom im wol ze^mäze: 
er Tie den ungetriuwen üf der fträze« 

864. Als in het gevangen 
der kuene Ekkehart, . 

Er fprach: „nu muoft du hangen; 

nü wol mich.dirre tre^e] Tart! 

Nu ßnt gerochen min herreny 

nü kan mir leides nimmer niht gewerren.^^ 

865. N^ beeret ficherÜchen 
gr6zez wunder Tagen: 

Üf der vart Svart Ermrtchen ' 

niun hundert man [dan ttodi] erfla§eo. 

Aw^! iä klag' ich klägdich^n, 

daz fie niht felbe fluogen Srmriehen» 



im; Die BayemuiBehlaohL 

860. NA licBrcl dida mfere, 
dia ich ia toon bekant: 
Ek[ke]harl der lobebo^re 
[der] bet Sibicben alzebant 
Twerbcs Af daz ros gebunden, 
er Toorl' in [nabt] darch daz ber bi den Hunden. 

867. Yrd wart der Bemsere, 
ein ende nam der ftril, 

Dd kürzte ficb Iln fwcere, 

er gebdl an der zit 

Den jungen und den alden, 

der zno den bltdeir und den balden: 

868. ),Nik eil ir r^kken über al 
balde in dirre Itunt 

Und fbocbt die t6ten üf dem wal, 
und ▼in[de]t ir iemen [under in] wnnt,- 
H6 bebt in üz dem bluote.^^ 
daz t&ten al ze baut die beide guote. 



XI. 

ATeiitrar(e)9 wie man die kint tot rant und wie 
för Dietrich klagte. 

869. Nu beeret vttr baz m^re 
von weinen und tou klagen: 
Gr6z was diu berzen f^re^ 
d6 man die t6ten fach tragen 
An die trukken^ üz dem bluote. 
in der zit kem Elfan der guote. 



Die KftTeimaschlacht. |07 

870. Al8 in der vogt Von Berne 
erbeizen nider fach, 

Nu fult ir hcBren gerne, 

wie guetlich er ze im fpracb, 

Wo! enpfie er iu von verren, 

ftfi ^rllia Träge das was nmb die herren: 

871. „Sage an, herre Ell^n, 
üf die triuwe din, 

Der yr4ge mag ich niht rAI hin, < 

wie ft^l es umb die herren mini ^ 

Wie gehabent flu fich beidel 

trcefle mich hftcfa tninem herzen leide/^ 

872. Elfan der guote 
flnen herren an fach. 
Mit trürigem mnote 

er sno dem Berner l]prach: 

„Herre^ [nü] Trägt mich niht mire: 

ich hin in Terlom die jungen kilnige bire; 

873. Und mlnen Jonlc herren, 
den lieben brnoder dfn. 

In fol aber niht gewerren, 

des wil ich got getrüwent fln.^^ 

Aw£! als er volfagt' dia maere, 

d6 begund'* euch weinen der Bernsere. 

874. Sin herze was erfchrekket 
mit rinwen al ze bant* 

Der vane was geftekket 

üf dem wal in den fant. 

Awd der klägelichen fw^re! 

mit fiuften f)prach d6 der Bernasre: 

876. „Herre, i(l aber hie iemtin, 
der iht wizze umb diu kinti 
Mich muoz des michel wunder hin, 
daz fl bi dem vahen niht fint. 
Aw£, ftuend'' ez umb fie rehte!*^ 
dA hiez er gihen ritter unde knechte: 



191 Die RaveiMfoUitolit» 

876. f^Niemen fei erwindeo, 
mige unde man ; 

Es maoi mir nach den kinden 

«n al[le] min ^re gAn, 

Aw^ mar immer m4re! 

na verliai' kh ulr^rft' giiot md al[le] a!o 4re/< 

877. DA der Bernsre 
air6 klagen began, 

DA kora mit kerien rwsere 
Helfrleh der kaene man, 
Aw£! d6 viel der hell ftarke 
v&r tdt nider(e) von Anen marke. 

878. Die finen hende beide 
sefomene er tiawer fluok^ 

Mit jlkmer und mit leide, 

dA in An berz' zuo irnok, 

Sprechen er begande, 

mit weinunden ougen> mit ktagundem nimde. 

879. Der edeie rekke m«re 
yiel fich felbe in daz h4r, 

Daz gefach der Berniere, 

er lief vil balde dar, 

Aw^! der edele vUrfte rtche 

der fprach zuo dem kuenen Helfriebe: 

SSO, „Sag' an, belt guole, 
waz ift dir gefcbcben? 
Du klagelt mit trürigem muote: 
ja, berre, waz baft du gefeben? 
Daz wetV icb barte gerne," 
d6 fpracb Helfrich wider den vogt ?<mi BerQe: 

881. „Wizzet ir niht der m«re, 
irogt von R6mifch rtcb'1 
Und euch der herzen fwsre; 
die [jungen] künige lobelich 
Die fint erflagen beide, 
und iuwer bruoder Dlether, üf dqr beide I 



Die RavemiMdiladrt. 49gf 

882» Nu beeret endeltebe, - 
wie ez dort gefchach/^ 
Von Berne der vil riebe 
daz bftr üz der fwarten braeb: 
,,Aw^ mir immer nidrel 
alrteft' bin ieb verlorn Ilp und^re.^^ 

883. Zoo dem gnoteu marke 
gäben er began. 
D6 Folgten im tu flaitke 
beidia, m%e und man« 
Aw£! gäben er begande, 
di er die berren vant tdtwnnde. . 

88i Bi Raben üf dem Tande ^ 
äk lägen diu kint. 
Über fin d6 rande 
ber Dietricb, der fi raeb fint, 
Aw^l mit yil trürigem muote, 
mit triliwen Ipraeb der edel bell guote« 

885. D4 was oneb kernen Raedeg4r 
und Ootel der mark man 
Und ander manik rekke b^r, 
der icb genennen nibt enkan^ 
Aw£ ! bi banden Be ficb viengen^ 
über k liebe berren fie da giengeu. 

88«^ D6 viel der Bernere 
tkt die berren fin 
Mit klfigeltcber fwaere, 
im wart dft j&mer[s n6t] fehin, 
* Ow^! er kuft' fie in die wunden: 
nuü bAn icb alr^fl^ mlnen jämer vunden/^ 

867. Er nam die bende beMe, 
in diu ougen er ficb fluok: 
„Aw^! der gr6zen leidel 
daz micb mtn mnoter [ie] getruok, 
Daz muoz got erbarmen 8 
nu befUbuof er nie debeinen man £6 arm^.^ '' 

32» 



86& Aw^ asi iuser w^e) «eb^ 
das iek ie wart geborn!^ 
Das bir er äz der fwarfen bnidi 
der [edde] rekke te erkom 
Yil IHr^ er weinen begnade: 
^yWA ft r^wlmmAi diu sll nnd diu finnde, 

869. H6 n Tertlnediet der tak/^ 
^raeb b^ Dietricb 
^IM Min gebart ane hik! 
das rinwet [harte | fftre Micb. 
Aw^! wer Fol mir nü getronwen? 
16 nuns vA feit rroon Heiken ntner Troawen, 

SM. Dia fjpriebt mir an min triawe 
binnen vfir immer m^. 
Aw4 der berzen rinwe! 
mir ift wirt, danne w^^' 
Aw4! er knft^ die berren beide, 
f^nn gefebaeb mir b! mtn[en] tagen nie f6 Mde/^ 

891. Dd r^raeh der margrftf Raedeg^r 
wider den künig von Rdmifchlant: 

„Tr mugt wo! klagen immer m^r, 
iach h&l got hdhe gepfant. 
Aw6! nü rinwet ir mich f^re: 
Hinnifch lant gefeht ir nimmer m^re.'* — 

892. „Aw^ mir armen Diet(e)ricbl 
w6 und immer w^! 

Yerliaa' ich air6 Römifch rtch% 

warzuo bin ich immer m^t 

Aw6! min jAmer der ift vetle: 

got, Tnege, daz mir mtn herz' fchier' ab brefte!^^ 

893. Zao dem herzen f<frre 
flahcn er fich begane 

,,6ot, durch diner marter ^re 

und durch daz bluot daz von dir ran, 

Nü iä mich iezuo derben 

nnd des grimmigen tddes gar rerderbenl^^ 



Die RftYeiinaMailaelrt. QOl 

894. Hende unde vueie 
grimmeii er began: 

„Got mich tcBten mueze! 

nt er mir niht drn gan, 

Und gefende mir ^en eude!^^ 

er begiinde beizen In arm und in hende» . . 

895. ,)Ich bit' iueh, muoler nnde meil, 
kttnigin[ne] von himel rich% 

Daz ir bedenket mtnin leit!^^ 

fprach der her[re] Dietertch 

^yW&fen! hiat' nnd immer m^re 

n gefohrirn über min leben nnd über min 4re.^^ 

896. Ein gelid' Oz finer hende 
btzen er began: 

,,6ot fchiere mich gefchende, 
nnfflßlde ti mir üt getan! 
Nimmer [m^rj werd' ich geheiiet, 
elliu Tjroude werde mir verteilet ! 

897. Des bit' ich Tlizikllohe 
dich, yU heiliger gol, 

Ich armer Dietriche, 

ez h&t der tiuTel finen l^ot 

Alr^rd' ilz mir gerihtet: 

unl#lde hAI Ach zuo mir gepflibtet 

898. Hin wirt nü nimmer mtee 
in dirre werlde rät, 

Swelichez ende ich k^re, 

man fprichet an iflicher ftat 

Nähen unde verren: 

„daz ift der yerrMen hAt fin herrenl^^ > 

899. Daz fprechenz algeltche, 
fwie unfchuldig ich bin. 

Aw^! vil armer Dietriche^ 

wA wil dA nü kten hinl 

Wie Toi ich nü gebären 1 

das wolt' got, w»r' ich IM vor nianigen JAren!^^ 



900. Die jungen kttnige tnnibe 
die nam her Dielrieh, 
Er k^rte fi b^de onibe, 
er fach ir wunden vreislich: 
Aw^! d& wart im Arfte leide, 
nA merket rebfe, waas ich in befcheides 

' Ml. Er f€honwet(e) die [tiefen] wanden, 
die wären harte wtt, 
Er fprach an den Kunden: 
,,ich (ihe [wol] an dirre itt, 
Hit .einem kurzen worte: 
die wunden Bnl mit Hittunges orte 

902. tieflagen und gehouwen, 
das ift mir wol behaut. 

Idi wil des got getrouwen^ 

er werde darumb' gefehant: 

Aw*, verworhter übel t«te, 

das wolde got^ da2 ich dich bi mir hete! 

903. m?ür gerf* ich niht mtre.^^ 
f)prach her Dietrich 

,,Htne herzen f^re 

gerich' ich [tu] gewislich. 

NA li^z' mich got niht erlterben, 

ich mueze noch den flg^ an dir erwerben !^^ 

904. Swaz ich iu Uta befcheide, 
daz ift diu warheit: 

Dem Bernaer^ was £6 leide, 

als man mir hat gefeit, 

Daz im üz beiden ougen 

daz bluol ran; des hin ich ine lougen. 

905. In dirre herzen f&re, 
die her Dietrich 

Klagte Ruedeg^re, 

d6 fprach der [margrl^ve] lobelich: 

„Vil edel vogt von Herne, 

raöht^ ich iu gehelfen, daz t»t' ich vi! geme.^^ 



I 
i 



Die Ravennaschlaehl, (08 

906. Hin gie der Bern»re, 
da er flnen bruoder vani, 
Sich huob ein ungebau-e» 

von dem rekken alzehant; 
Aw^y vrer mohte das verUzen? 
d& was michel weineii &ne iDäsen. 

907. ,,Nü breitet Aeh min werre 
und m^ret Ach min klagen«. 

Awil bruoder, herre, 

daz ich niht bin bi dir erflagen, 

Daz klag' ich got yil (iuwer.^^ 

im w4ren diu. ougen r6t alfam ein Tiuwer. 

908. ,,IIerre got, bedenke 
die minen grözen not, 

Den lip mir niht bekrenke, 

[und] Ift mich [^] niht Herben t6t, 

Unz' daz ich mich gereche. 

ich enweizi waz ich m^r dar umbe fpreche. 

909r Uiner vröuden öfter tak 
hAn ich nü verlorn. 
Aw^9 waz tugende an dir lak, 
junger rekke uzerkorn! 
Wie hAt mich got von dir gefcheiden! 
mir muoz min leben immer m^re leiden. 

910. Min yröude und min wunne 
ift mit dir gelegen: 

Du w»r' min niehftez knnne. 

awt, welich ein volk degen 

Üz dir gewähren wsbre, 

mir ze trofte!^^ fprach der Bernsre. 

911. 5,Diner liute und [diner] mlge 
wsr' du ein meien tak, 

Der milte ein geltchiu wige, 

ahi, waz diu herz^ tugenden pflak! 

Aw6! daz ift nü gar zergangen: 

nü bin ouch, ich mit j4mer gar gevangen. 



904 IM« Ravennafchlaoht. 

912. DA wa^r' der tugende heye 
fleht alle zft, 

Darzao ein blaendtr meye: 
aw^, wie das nü nider lit! 
Nu gefiht man nimmer mdre 
von dir weder tagende, noch ^re.^^ 

9ia Sieh reiben bl dem hAre 
mit beiden handen er ^ie, 
Er roufte fich ze wäre. 
To getün' klag' gefaeh ich nie 
In allen minen ziten. — 
in der rrift da fach man Witigen rtten. 

914. Vafte über die beide 
gAhen er began. 

In difem herzen leide 
Tprach Ruedeg^r der mark man: 
,,Aw^, wes bitet Ir, vogt tob Beme? 
weit ir Tehen iawern vint vil gernel'^ 

915. Dd g&ht^ er zuo dem marke 
der üz erweite degen, 

Üf fprank der vil ftarke, 

im was bereit zuo den wegen, 

Valke, daz ros vi! guote, 

dar tt Taz er mit (rürigem muote. 

916. Sin leid begunde in grifen, 
vi! grimmik was lin zoro, 

D6 iiez er nider Hifen 

dem ors in die fiten die fporn. 

Aw^! d6 reit er ilf die beide, 

da fach er beidiu, liebe und(e) leide. 

917. Welichez daz liebe wsere 
daz er da gefaeh 1 

Daz ift mir ein kundez mtere, 
rebf als ez da gefchach : 
Daz liep was an den ziten, 
daz er Witigen fach vor im riten. 



Die RAvennascUacM. 5CKft 

918. D6 was daz daz leide, 
das im da wider gie, 

Daz er fin herren beide 

und nD[en] bruoder t6t lie, 

Aw^! daz was ein grdz gebrelle, 

[er fprach:] ,,arinez herze, daz dik bift i& ^tttte !^^ 

919. D6 rftmten fich niht m^re 
die Etzelen man, 

Mitlampt Raedeg^re, 

vaft^ gäben man began. 

Aw^! im was von berzen leide, 

fle mobfen dem [Bernaere] nlht gevolgen jftf der beide» 

920. Sie muoften bie beüben, ? 
daz Tag* ich iu vür wsir ; 

Her lUelricb begande dar tribe& 

daz edel ors fanderbär; 

Heya! der edele vogt von Beme .1 

der biei' ot Witjgen erriten vil gerne. 

921. Daz edele ors lief vafte, 
vil wiUik was (In muol, 

Daz wilde viuwer gleite 
von den Iren, als ez {dikke] tuet. 
Aw£! d6 klagt(e) der Bernaere, 
air(d) mir ift kunt ditz(e) miere. 

922» Rttefen er begande 
Witigen Tafte an, 
Als aller meift' er künde; 
„nd bite, ellens rieh man, 
Durch willen aller vreuwen, 
U durch ir ^willen mieh din manheit Teheuwen. 

923. Bin du ein wel rekke, 
r6 Ittft du dich erbiten, '; 

In fcbarpfen Itriten kekke, 
nu erheize mit manlichen fitün 

Unz^ daz ich dich errite." — bite.^^, 

„ich behuete ez wol,^' gedäbi' im Witige „daz ich 



ggg Dia BaTmimuicIilaelil. 

924* Her Dietrich rief yI\ ftre 
über des fchildes rant: 
,,N^ bll, degen h^re/^ 
fprach der rekke zehaet 
,^iirch willen aller neide, 
daz Ich Ane ftrit von dir alfö iht foheid«. 

925. Und gedenke daran^ rekke, 
durch die fugende dio/^ 

Sprach Ton Berne der kekke 
,,daz dÄ der kuenen will einer fin 
In rturmen und in ftrtlen: 
biftn knen% £6 foltn ratn erbitw/' 

926. le lenger 16 ie m^re 
her Witige ron im reif; 

Er vorfate in harte f^re, 

als man mir häl gefeit^ 

Er getorfte nlht gebiten, 

d6 rief aber her Dietrich U deh ztten: 

927. „Aw*, Witige h^re, 
nü tuo alfam eiu man, 

Und gedenke dar an f^re, 

waz du manbeit hilft get&n, 

Und erbtt min uf der heide, 

und fcheide mich von mtuem herz^ leide^ 

928. Daz ich von dtnen fchulden 
hie enpfangen hau. 

Ich muoz jämer dulden, 
daz h^rtu mir aliez getan: 
Aw^! Uli erbeize, helt vii guete, 
und Imfe mich von trürigem mnote. 

929. Ich mane dich harte verre, 
durch alle ritterfchaft, 

Sag^ an, Witige herre, 

durch diu manltche kraft, 

Des ich dich nü vräge: 

}i bit' ich dich, daz dich des iht betr&ge.^^ 



( 



Di« Ravonnaschlacht» 007 

930. Mit difem ftarken maere 
wolt' er in M h&o, 

Der edele BerDtere: 
d6 moht' ez [leider] niht ergAn; 
^w^! her Witige was im ze wife. 
Witige Tprach ze Reinolden llfe: 

931. ,,Lieber ceheim miner« 
iid glihe Tür dich bin, 

Ja Yürht' ich fi^re dine(r); 

[gar] ftn' angefl ich felbe hin. 

Mdhieflu ml komen hinne: 

ich gettflBfe wol) als ich mich Terfinne/^ 

932. Der edele Bemftre 
aber ruefen began: 

,,Kuener degen m»re, ' 

wurde du ie ein [biderber] man, 

So erheize zuo mir nidere: 

ich weiz wol^ ich kum* nimmer widere.^ 

933. Witige wott' niht blteii, 
daz was dem BernsBre leit; 

An den felben zlten 
fprach [Ton Bern] der unverzeit: 
,,Aw^, und awd, immer m^ref'^ 
alfö fpraeh von Beme der htee 

934. „Nft Tag* an, her Wiüge, 
wie werfen fidi diu kinti 

Die Ton dinen fchulden ^ 

tit der beide erflagen fint: 

Aw^! daz hdrf* ich harte gerne^ 

woldeftn nirz fagen.^^ I]praeh der Togt von Beme. 

935. „Waz heten dir ze leide 
die herren geUn? 

Den dft üf der beide 

ir leben b4ft gewnnnen an. 

Aw^! waz recht dA an den binden? 

nA mag ot ich leider dich nihi vinden, 



90S Die RATennaschlachl. 

936. Nlieh min felbes maote^ 
als ich des willen hftn. 

Noch bite, helt, vil guote, 

du gefigeft mir wftrllch an ; 

Ich bin t6t [in liden and] in henden: 

ob du niht blteft^ £6 muoz got dich fdieaden ! 

937. Sant Qangolf und Sant Z^ne 
die mnecen dir bi geft&n! 

Aw^ ! nü fint doch inwer zwdne.^^ 
fprach der ellenthafte man 
,,Heyft, nü k^rä, hett, ni^ k^re! «-^ 
fldift d4 mich, des hä£i dd immer Are. 

938. Bern nnde Heilan 
daz wirt dir gegeben, 
Darnach allez waz ich hän; 
unt benimft dA mir daz leben» 
S6 Wirt dir Römifch riebe 
ledifclichen/^ fprach her Dietriolie. 

939. „NA fc^rft, helt mttre, 
durch elliu werdiu wlp!^^ 
Sprach der Bernsere 

,,ich weiz [wol], daz du mir den Up 

Benimft ilf dirre beide: 

nA fcbeide mich von gr6zem herzen leide/^ 

940. D6 fprach der helt Reinolt 
. zu Witigen al ze hant : 

„Nu diene wir der vronwen folt, 

üz erweiter wigant ! 

Waz wirret uns daz bitenl 

er kan uns beiden nimmer (m^r) geftrüea/^ 

941. Wttige der ftarke 
zu Reinolden fprach: 

„Nu gürte dinem marke, 

[nü] lä dir hin wefen gäch^ 

Und Mmen uns nie m4re, 

oder wir verliefen beidiu, leben und 4re«.^^ 



Die BftveBBatchladit. 500 

942. Dnervorhttfcltch«ii 
fprach her Reinolt: 

,,Icfa mem'' niht Rdmifch riebe 

und [dar zuo] aller Krieehen golf, 

Daz man mich an vlühte vande: 

ich wtl he namen biten hl der ftunde;^^ -«- 

943. ,,Nein&, Heber OBheim mtn, 
des entao du niht, 

Und Ift dir daz geraten fin^ 

[und wizze J daz dir liep davon gefchiht^ 

Nu Yolge mir, rekke hdre: 

oder wir gefehen [an} ein ander nimmer mAre/^ — 

944. ,^Daz 11, als got welle/^ - 
fpraeh Qeinolt der wtgant 
„Witige, trüt gefelle, 

ez muoz yerfnocben mtn bant 

An dem Bernsre/^ — 

,,f6 pflege din got!^^ fprach Witige der mräe« 

945. D6 fprach aber (her) Reinollj 
Witigen fwefterfun: 

„Oeheim, du gedenken folt, 

vliehen ifl; niemen vmm. 

Hey&! nü bite, rekke msre: 

ja flahen wir be namen den Bemaere/' 

946. Witige fprach mit zorne: 
„dA redeft alfam ein kinf, 
Rekke üz erkorne, 

du weift niht, wie des Bemeeres tükke Anl. 
Aw6! nü fihft du, wie er limmet, 
reht alfam ein hüs daz da brinnet.^^ •-- 

947. „Da2 ift niht ein wunder ^^^ 
fprach Reinolt der degen 

j,Wir Haben in befunder 

An' fcbaden üf den wegen, 

Gefarft du gebiten: 

Utk fiefa et an, ich wil ein' mit im ftriten.^^ ^ 



HO IKe lUTeMMclÜaciiL 

948* ,,Ich ßhe wol, tröl mve mto, 
dd will et hie beft&n. 
Nu mooz ich mich verwegen din, 
da ift nd niht anders an. 
Erkandeftu, rekke mcere, 
Dietrieben» als kh, d& vluhft den Bera^re, 

949. BeinoU) faeit ffuoter, 
nü muoz got pflegen din! 

Wereftu min vater oder [mtn] mnoter, 

[fd] mneft' ich doch din J^ne fln. 

A w^ ! ich ungern von dir fcheide/^ 

hin reit er, und beleipB einölt üf der beide. 

950. Do erbeisle zuo der erde 
Beinolt der wigani) 

Der edele rekke werde 

gurte fin ors al ze haut, . 

Dar üf faz er [vil] manliche. 

d6 was onch komen von Bern her Dietriebe. 

951. Sper, beim unde fchiU, 
als mir ift kunt getan, 

Daz bet der rekke milt 

üf dem wal dort verlän. 

Dar treip Beinolt der maere, 

mit dem Iper traf er den Bernsere. 

952. Durch daz ftarke b®rf(e)nier 
er daz fper ftach. 

Nü fult ir gelouben mir, 

ze den fwerten wart in giefa, 

Diu ors zefamene truogen, 

mit den fwerten B^ üf ein ander fluogen, 

953. Daz daz wilde viuwer 
üz den fwerten fprank. 

Von Berne der vil tiuwer 

daz w&fen grimmik[licbeo] twank 

Mit manlicber hende, 

er fluok Beinolden durch beim [unz^] üf die sende. 



Die Ravemiasclilackt. 5|| 

954. Dai der rekke m«re 
von dem flage gr6z 

Mit klägeÜcher fwaere 

nider von dem orfo fch6z; 

Aw6! do gefchach im nie 16 leide: 

Dietrich reit n&eh Witigen üf die beide. 

955. In begunde grffen 
ein nnmaezlicher zorn, 

D6 liez er nider flif^ 

dem orfe in die Htcn die Tpom^ 

Üf die beide er kdrte 

ni^ch Witigeni «Is in iin herze l^rte. 

956. Lute ruofen begunde 
der kttuig von RdmifcblanI, 
Als aller meint er künde: 

no bite, Witige, wigant, 

Und beere mine msere, 

ja b4n ich geroeben ein wdnik miner fwsre* 

957. Heit, wsßr' dir nü leide, 
f6 rcchelt du die n6f ; 

Beinolt üf der beide 

lit Ton min[en] banden t6t: 

Biftu ein rekke m»re, 

16 riebeft du in/* fpracb der Bernaere. . 

958. le lenger und ie m^re 
Witige g&hen began, 
Schemmingen mant^ er före, 

als ich [vür w&r] vernomen b^n. 

Aw^l daz fach er vil ungerne 

der unverzagte vogt (da) von Beine. 

959. „Imfe unde lindez böu 
daz wil ich dir geben, 

Damit ich dich wol gevröu/* 

[fpracb Witige] „und nerft dA mir daz leben.** 

Aw6! ßn fprünge wären wite, 

ez truog in von einem berten ftrite. 



519 Die RtvaMMfcklKkl 

fNW. D6 klagte dkr Renvre 
Til l«re difio dink: 
„Aw^ der leiden msere! 
du laofl mir leil, S^emmink 
Det trflr' ieii in den finnen: 
dA treift minen vlnd mir Ton hinnen. 

961. Das klag' ieh immer m^re.'^ 
fpraeh der helt gnot, 

Yalken habt' er an [fd] f^re, 

das er draefte daa bluet: 

Btyil er begnnde rafte gäben, 

er was aber Witigen komen f6 nAhen, 

962. Daa zwifehen in beiden 
knm^ was roslonfes w!t 

Nu wil ieh in bercheiden, 

weit irc hoem an dirre sit: 

Si beganden beide gäben. 

WHige was dem mere komen f6 n&hen« 

963. Er dSbfe bi den ziten, 
da ift niht anders ao, 

Ich mag dir niht geftriten, 

jft, berre, wie foi ez mir erganl 

S5 mag ouch ich niht entrinnen: 

herre gof, nü ruoch' mir helfen [v^on] hinnen!'' 

964. Ich sag^ iu unverborgen 
hie an dirre zlt: 

D6 Witige begunde forgen 

umb ßn leben uf der heide wlt, 

[In der vrift] d6 kom ein mer minne, 

diu was Witigen an\ als ich mich yerfinne. 

965. Sin nam den helt Harke 
und Yuort^ in mit ir dan 
Mitfamt flnem marke, 

Au nert' den kuenen man: 
Sin vuorf* in d4 ze ftunde 
mit ir nider zuo des meres gründe. 



Die Raveinaaehlaclit^ 513: 

906* D6 Hn der Bern»re 
nimmer ror im fach, 
Vil micfael wart Hu fwaere, 
wan im nie leider gefchach 
Bt allen iinen ziten: 
er begunde nach im in daz mer rilen. 

967. Wa^ tonk der rede m^rel 
unz"* an den fatel bogen 

Sweimte der degen b^re, 

daz ich niht bftn gelogen, 

Aw^! dö mnofi' er wider kören: 

daz begnnde im fln herze rafle f^ren. 

968. Ntder ttf dem fände 
erbeizte der helt ftark, 

Der künik von R6mifch lande 
der lie ruon daz mark, 
Und wolde onch lenger biten, 
ob er Witigen Inder foibe riten. 

969. D6 Witige der masre 
kem a^ des meres grünt, 

Vrou Wachilt vrligt' in funderbsere: 

„[ni\] Tage mir[, heltj an dirre ftunt, 

Daz h6rt' ich harte gerne: 

war nmbe vlühe du den vogt von Berne?^^ — 

970. „Daz han ich i^ne fchulde, 
vrouwe, niht getan: 

Des Bernseres hulde 

ich leider niht enhiin. 

Aw^l ich bftn im getan vil [ze] leide: 

ich h&n erHagen rtn[en] bruoder üf der heide.^^ -^ 

971. „Du hm vil zagdidie 
gerarn unde getan; 

Dem herren Dietriche 
[dem] hietflu wol gefiget an. 
Aw4! z'win billu, degen h4rel 
nt mnofi Att dich bneten immer möre/^--« 

33 



U4 I>>« RMTQiMUtfcyaobt 

972. ,,S6 wil ich wider Htea 
nnd wil in heften; 

leb muoz mit im flrtlen/^ 

fprach der un versagte man. — 

„Aw^! das ift nü zuo fpftte, 

diu reife ich dir gar wider rife.^^ -«^ 

973. ,,Nilk von weihen dingen 
hiet^ ich in biut' Ithle erflagenl 
Des mnoz mir milTelingen.^^ 

flu fprach: „daz wil ich dir fagen: 
l>ft was daz edele gefmide 
. allez rehr ergluot an finem Übe* 

974. Daz ift nü worden herte, 
des läz dich, hell, an mich, 
Verlorn w»r' din geverte, 

jA flueg' er endlich dich ; 

Er ift ergremt an difen ziten: 

dtn drtzik möhten im nie.mte geßrlteo.*^ 



Xlh 

ATeiithir(e), wie her Dietrich klagt^ ob rroa 
Heiken fünen. 

975. Hie mit drfem maere 
fö heb' ich wider an 
Und fag' von dem ßernaere: 
do der unverzagte man 
Wiligen ninder künde vinden, 
d6 k^ri' er [widerj über die beide sno den kindea 



Die BavennafehlM&t. 515 

!^6. Sta klag' was Az der maze 
gr6z, als mir ift gefeit, 
Üf der reiben ftraze 
Roedeg^r im wider reff, 
Dielleib nnd Helft*lche: 
d6 weinten üe mil fäml Dietricfae. 

977. Als der herre Diel(<$)Hch 
üf daz wal wider reif, 

D6 faz er über die künige rtcli, 

▼ii michel was ftn [herzen] leif. 

Aw^! er kuüles' in ir wunden t 

,,daz wold^ g^t, IcBg^ kh tdt an difi^n ftundeh'^^ 

978. Er flaok fich In diu ovgen 
vil Faft^ und in den munl, 

[Er fprach:] ,,offenbsere, noeh fongen 
gefiht man mich vfir dife ftnnt 
Gelachen nimmer mere, 
oder ich gereche mtn herzen i^re>^ 

979. Mit trinwett fprach her Helferich, 
als ein witzig man; 

tl z erweiter Diet(e}Hch, 

ir fult iawer weinen Un 

Und trabtet ein anders an difen fachen: 

fie kaa, 6n^ got, nie man lebenfik gemache»/^ — 

960. „Daz wolde got der riebe, 
und fold^ ich in ir leben^^ 
Sprach her Dietriche 

„wolgefunt wider geben! ' 

Ni[mmer] muez^ ich guol erwerben, 
ich woir den werten le zuo v&r fie fterben.^ 

981. Die kuenen rekken werde, 
als man mir fagte fint, 
Die heflar man zuo der erde, 
Diethern und [vroun] Heiken kint, 
Aw^! mit trftrtgem muote 
weinte dA til inanik rekke gnote* 

33* 



516 Die RaTennaicUadit 

982. Ich g^örV nie Belwrlteiien 
bi allen mtnen tagen 

Von helden lobeltcben 

fft gr6z weinen und klageo» 

Aw^! Ae weinten alle geliehe 

die höhen rekken von Rdttifch^m Hebe. 

983. Dielleib and RuedegM«) 
nnd Golele der mark man 

Die klagten dft vil r§re, 

als ich [vfirw&r] Ternoaien hta^ 

Aw^! ir vröuden fie vergasen, 

mit jAmer fie üf daz gras nider flEefl. 

984. Si begunden j&nier febonwen, 
ir klage was vreKTam: 

,,Aw^ miner [herzen] lieben vronwenH^ 
fprach Ruedeglr der mark man 
„Aw^ der herzen fwspre 
und aw^ der bitlerlidien rnnre« 

985. Diu Etzel min berre 
nö. leider beeret Tagen! 

Sich hebt ein folicb werre, 

da von wir [alle] rouezen klagen« 

Aw^, vervluochet fi diu reife! 

uns ift üf geflanden jämer unde vreife/^ 

986. D6 Tpracb von Lunders Helferich: 
,,wie lange ful wir klagen? 

Ez ift vil unmaez(e)licb ; 

wir fuln dar umb niht verzagen, 

Ob uns ift gefebeben leide: 

wir Xiuln binne riten über die beide.^^ 

987. Mit jämmerlicher fwsere, 
mit weinen nnd mit klagen, 

M uoft^ man den Bernaere 

zno dem orfe tragen: 

Aw^ ! daz JBemerlicbe fcbeiden 

daz roobl(e) haben beweinet ein beiden. 



Die Rft¥eiuia«ehlaeiit. 517 

988. Die Dietriches rekkcn 
und ouch künig Etzeln man. 
Die kuenen und die kekken, 
die riten frürik[licben] dan 
Yür Raben bi den (tunden^ 

da fie vi! raauigen edeln t6ten vunden. 

989. Man Tagte dem Bernaßre 
TÜ gewaltiklich, 

Daz in der Aat w»re 

der ungetriuwe Ermrich; 

Vor leide begnnde [hjer [Dietrich] fwitsen. 

her Ruedeg^r fprach: ^^£6 ful wir in befttsen." 

99a Milfamt Dietriche 
g^hte mauik man 
Vil gewaltikliche, 
als ich vernottien han, 
Yür Raben leiten fi fioh nider(e), 
dA Uten fie den gr6sen fchaden fidere» 

99i. Der künig Ermriche 
gebieten (d6) began 
Vil gewaltikliche : 
,,beidiu, mlige und man, 
Wolüf und wert die vefle!" 
fprach der künik ,,daz ift unt daz befte/^ 

992* Daz tüten alle gellche 
mit Williger haut, 
Es kom mit Ermrtche 
üz datz*" dem t6re gerant 
Wol ahttürent degene. 
daz gefach her Helfrtch der verwegene. 

993. D6 her Ermriche 
dorther gfthen began, 
Harte manliche 

Helfrich [der rekke] fprechen began: 
„Nu wolüf [alle], an diten siten! 
uns wellent Itarke vinde an Hten.^^ 



^19 Die RavennwehlBclit. 

994. Dietleii» nnde Ruedeg^r^ 
Wolfharl und Siolram 
Und ander manik rekke h^r, 
der ich genennen nllit enkan^- 
Sie liezen Faft' dar flrichen, 
da bennonden Ae den knnig Ernu^cben« 

995« Gegen ein ander A [di] rukt«^ 
dar triben &e diu mark, 
Mit grimme ße (da) zukten 
diu Tcharfen wlifen [alf6] ftark. 
Aw4, wie R üf einander miesen! 
beidenlhalb mit Twerten imd mit (pi6»eii. 

996. Da wart ouch dureb flächen 
vii manik hals berk, 

Diu fper cnzwei gebrochen, 

Re worhten Trei8llch[iu] werk, 

D& wurden geflagen [tiefe] wunden, 

die dar nach nimmer m^r wurden gebundeD. 

997. Sie Httogea dureb diu boubef^ 
reht^ als durch den fnd, 

Vürwär ir daz geloubet, 
dk was nur ach! und w^! 
Aw^! dft nam maniger den ende: 
man fach dA ligen vueze nnde bende, 

998. Ungezalt üf dem gras, 
und manigen fchoenen lip. 
Aw^ der n6t, diu dk was! 

daz beweint' fit manigez [werdez] wip. 

Aw4! da wurden felel laere. 

in der zit kom ouch der Bemere. 

999. Daz ors ze beiden fiten 
nam der helt guot; 

D6 gieng ez an ein flriten, 

da fach man TÜezen daz blnot 

Üz houbet und üz armen: 

da was ein ndt, ez raohte got erbarmen« 



Die Ravonnaschlachi 519 

1000. Beidiu, vär und widere 
kluiigen diu fwert, 

Die töten vielen [vaft d&] nidere, 

dft wart ftrttes g^egert, 

Mit jaemerltchem leide: 

dft was harte boe&' diu ougen weide. 

1001. Mit der t6des ende 
gftben Ae gefuoch, 

Sie fcbrieten [durch die] helmes wende, 

niht waeher faui ez waer' tuocb, 

Aw^l die haUberg' fich entrandeu: 

fte nAmen iehaden an vuezen und an banden. 

1002. Nafe, ougen unde munt 
wart alles hin geflagen, 

ik tuet mir daz msere fcunt, 

dft wart lUtsel vertragen^ 

Durch diu herze fi Aftchen: 

ir m&ge fie mit grimme yafle rAcben. 

1003. Her Dietrich der fturmglte 
rechen fich began, 

In dem herten ftrlte 

die narken Ermrichs man 

Alle dft tdt gelftgen: 

Ermrkb weld' ez vi&rbaz nindert wigen. 

1004. degen einer porten balde 
▼lieben er began. 

Nftch Jagten mit gewalde 
die (Harken Dietrichs man: 
Sie körnen [vil] ficherliehen 
in die (tat roitfarapt Ermrlchen. 

1005. Alrörft huop fieh ein (Irlten, 
do fi kömen in die (Hat, 

Ez wftren an den ziten, 

als man mir gefaget hftt, 

Mitfamt Dietrichen 

▼ier tufent man kömen in die ftat ficherliehen. 



530 ^^ RavemiBSchlaohl. 

1006. Turne iuid(e> palas 
begund' man (türmen an, 
Diu n6t harte grdz dft was, 

da gelak ?il manik [kuener] man. 

Nu wizzet ficherliche, 

alr^ft wart leide dem künig Ermriche« 

1007. Gr6z was Ermrtchea twaere^ 
als ich Fernomen hAn, 

Nu Tagt mir daz maere, 

er bat mäge und man 

Alle heimlichen: 

,,rwer mir hilfet hin, den wil ich [immer] riehen.'^ 

1008. M6runk von Tosk^n 
dem gab Ermrich 

Zwei hundert kaftelan 

und als [manigenj foumer ficherlieb^ 

Daz er im half von dannen: 

Ermrich entran von allen fineii roaoneii. 

1009. Rehtc wol umb mitte^ahf, 
als mir ift gefeit, 

Wart nner reife gedaht, 

al[le] die naht er vadte reit. 

Aw^ der leidigen mtere! 

des wefte niht leider der Bernsero. 

1010. Ich Tag' iu unverborgen, 
waz da gefchach: 

An dem andern morgen 

palas und turn man [nider] brach. 

Her Dietrich räch fich tiuwer, 

er hiez vaft' an werfen daz viuwer. 

1011. Die palas' fich enzunden 
vil vafte da über al. 

Der wuof bi den ftunden 

was michel und der fchal. 

Aw^! da gelägen beide guote: 

her Dietrich räch fich wol nach finem muote. 



Die RaveiiDasclilacht. 92t 

1012 Turne unde palas 
über al die Hat 
Wider dem von Berne was, 
als man mir gefaget hat 

Sich werten die bnrgsre f^re, [helde hAre. 

uns' dr die naht [werf der ftrit], des gelAgen [du] 

1013. Als diu naht begunde 
▼aite (igen an, 
Sich bedi^hten bi der Hunde, 
als ich [vürw&r] vernomen b^n, 
Die ftolzen burgaere, 
die erg&ben fich dem edelem Bern«re, 

lOU. Si vereinten fich des alle, 
beidiu, jung und alf, 
Si ergäben fich mit fchalle 
in des Berners gewait, 
Ir lip, ir guot, ir ^re, 
das gilben s* üf genide dem vürften Mre* 

1015. D6 wart im mit gewalde 
Raben undertän, 

und manik rekke balde, 

do daz allez was ergän, 

Daz er gewan Raben widere, 

das kom Ermrich[en] ze gr6zem Xehaden Ädere. 

1016. Als der herre Diet(e)rlch 
die (tat über want, 

D6 klagt^ er harte j»merlicb, 

er fprach zno Ruedeg^rn ze hant : 

„Nu r&t mir, rekke m«re, 

wie ich gebAre.^^ fprach der Bernttre. 

1017. „Rir ich in Hiunifch mark,'' 
l^rach her Dietrich 

„S6 vürht' ich die klage ftark, 

die Etzel der künik rieh 

Tuet nAch flnen kinden: 

hört' ich (In klage, darumb mueft' ich fwinden. 



8M iM« BavwiiMcMicfct, 

101& 86 kan ich oaeh aiht ^eAAoiiwea 
daz weuien jemerlich 
An [Troawen] Heiken nuner vroiiiren.^^ 
fpraeh her Dietrich 
„Idi bif dich, Roedeg^r herre, 
das dA daran rnoehed gedenken verre^ 

1019. Dax wir mit gooten Irtawen han 
gelebet manigen tak; 

Von mlnem herzen leid' nie man 

mich baz erlmfen mak, 

Danne d6, hell, vi! gaote: 

nü bit' ich dich mit lüterlichen muote, 

1020. Daz dd in Hinnifch riebe 
rnochfl entreden mich, 

Des bit* ich ficherSiche 

mit rchter vibrheit dich. 

Damit hab'' iuch got in [Hner] huofe.^^ 

nrlenb nlimeu d6 die beide gnofe. 

1021. Der künik von Römifch riebe 
weinen (dd) began, 

Er kufle s^ alle geliche 

die itarken Etzeln man, 

Aw^! fie weinten alle f^re. 

her Dietrich fpraeh ze dem margrftv[en] Raedeg^re: 

1022. ,,Lä dich min leit riuwen, 
milter mark man, 

Und Tage bi dinen triuwen, 

die fchulde die ich [an den fcinden] bün, 

[Und] lä dich des niht betragen, 

ob dich min vroawe Heike welle vr&gen. 

1023. Nu wirp vliziklichen 
mlne botfchaft 

Hin z' [vroun] Heiken der riehen 
und mane Ü mit [gr6zer] kraft 
[Und mane] die küniginne h^re, 
daz ich ir hän gedienet harte f^re. 



Die Ravennaschlacht 52S 

1024. Und wirb mir umb ir bulde^ 
milter mark man, 

Und Tage min unfchulde 
[Etzelen] dem künige lobefam. 
Nu wirb ez ?luikliehen 
umb(e) mich tu armen Dietrichen« 

1025. Mäht du mir mit finnen 
daz niht getragen an, 

Daz ich hulde mugo gewinnen, 

unverzagter mark man, 

S6 fende mit gcwalde 

mir einea boten her ze Berne balde, 

1026. Der mir fage diu mnre, 
da rihf ich mich näch/^ 

Sprach der Bernsetre 

,,ich weiz wol, [daz} min ungemach 

Nimmer gewinnet ende.*^ 

er kufle Ruedeg^rn an die heude« 



XIII. 

Arentinr(e), wie fich der ttrit endeV und wie fie 
heim gen Hinnen Tuoren. 

1027. Urloup ndmen A mit fchalle, 
michel was diu n6f, 
Sie begunden weinen alle, 
dk wurden [liehtiu] ougen r6f. 
Mit dirre klage itarke 
r^mten äe Rdmifcbe marke« 



594 Die RaveDBUchladit. 

1038. Die üierwelle« kafleUn, 
filber unde golt, 
Daz begandens' hie Uo, 
niemeD des ruoehen vfolV 
Ze nemen von dem vogt ron Berne« 
das fach der herre Dietricli vi! uDgerii«. 

1029. Vür fich fie d4 Hriefaen 
däliin durch inerich, 

Dia vröude in was entwichen, 

fie riten [harte] klägeüch 

DI hin in Hiunifch marke: 

fwaz fi ie getröAe Dietleip der Harke, 

1030. Dea namens' wjar vjl kleine, 
ir j&mer der was gr6z, 

Nu merket, waz ich meine, 

unz^ daz [fin] Ruedeg^rn verdr6z. 

Wol trdfle fie der guote^ 

„nu gehabt iuch wol, beide hdchgemoote. 

1031. Und klaget niht ze r^re, 
ez ift doch ergftn; 

Die jungen kiinige h^re 

mngen nimmer üf g^ft^n 

Unz'' an daz jungid' ende: 

got helfe mir, daz in got fehler' gefchende! 

1032. Ich mein' den Harken Witigen, 
von dem wir haben verlorn 

Die riehen jungen kiinige/^ 

fpraeh Ruedeg^r der üzerkorn^ 

,,Aw^! wie fol ich nii gefchouwen 

daz grdze leid an Heiken miner vrouwen?^^ 

1033. In difen ftarken fw«ren 
k6men s' in Etzeln lant. 

Swaz iu von Harken maeren 

jÄmers [n6t] ie wart bekant, 

Des wil ich gar vergezzen: 

dife klage wil ich vür alle klage mezzett. 



I 



1 



Die Ravenntichladit. $25 

1034. la die guoten Hat ze Gran^^ 
kdmen äe geriten, 

Raedeg^r und Etzeln man* 

dd wart [lenger] niht gebiten, 

D6 giengen iie ze r&te, 

Ruedegör der miUe der fprach drüte: 

1035. „Ir helde lobeliehe, 
nn grifet daran, 

Vrouwe Heike dia riebe 
diu id in der Hat hie ze Gran/^ — 
„Wie welle wir nu geb&ren?*' 
fprächen a' alle geliehe die da wären. 

1036^ 9)Wir mugen niht gedingen, 
nü rümen wir daz lant.^' — 
,,Uns muoz nü miflelingen,^^ 
fprach [her] Ruedeg<^r al ze hant 
„Aw^ der jaenierlichen fw«re ! 
daz wolde gof, daz ich nft \6t w»re!^^ — 

1037. vJr tttot harte zagelich/^ 
fprach her Sintram 

,,Nü bitet den rekken Helferich 

und den milten mark man, 

Daz fie ze hoFe bringen 

diu roaere und nnfer unfchnlde az dingen.^^ 

1038. Die kuenen rekken ftarke 
wären erbeizet nider 

Ze der erde von dem marke, 

f6 fagte man mir fider: 

Aw^! die fchoenen moere beide 

die k6men vronwen Heiken (da) ze leide, 

1039. D6 die helde gnote 
ze hove wolden gän, 

D6 wären s' funder huote, 

als ich [viirwär] vernomen h&n, 

Üf den hof geloufen, 

dA gieng ez an ein klägeltchez koufen. 



B36 IX« RtTMUiafdüaeht. 

1040. Die gaolen moere beide 
liefen vilr den palas, 

Aw^ der gr6zen leide! 

ietweder fatel r6t was 

Von der jungen künige blnole. 

in der sik kom vron Heike diu guote^ 

1041. Wol mtl viersik Dank] Troawen 
in einen garten dan, 

Als Ae woldc fchouwen 

die [fehcenen] blnomen af dem pl&n: 

Aw^! ir lielitia ongen weide 

diu wart truebe mit grdzem henen leide« 

1042. Die fcboenen meiere herlich 
Rn dort flän fach, 

Vil f(§re erfcbrak diu kfinigin[ne] rieh, 
ze ir vrouwen fiu 66 fpraeb: 
„Aw6! mir ift harte fw«re, 
mir knraent fchier'' iteniawia m«re. 

1043. Dort ft^nt zwei berltehiu mark, 
relite den gelich/^ 

Spraeh diu kfiniginne ftark 

,,diu mlniu kint uz Hiunifeb Hch^ 

Riten gegen Berne: 

W8er(e)n fiz, daz h6rt' ich harte gerne.^< 

1044. Darnüeh vil knrzlicbe 
kom her Ruedeg^r 

Mitfampt Helferiche, 

[fie gicngen] klegeltch dort her, 

Aw§! daz erblikte [vrouw] Heike dia guote, 

d6 glhte fiu mit trürigem muote. 

1045. Mit fiuften bU6 verre 
fprechen fiu began: 

,,Got wil komen, Ruedeg^r berrc; 
alfo ßn alle Etzeln man, 
NÄ rcheid[e] mich, helt, von leide, 
fag' an, wä fint min liebe föne beide? 



1 



Die Ravennasehlachi 527 

1046« Nu fit ir komen alle: 
miner [lieben] fiine Geh icfa niht; 
Ir ritet niht mit fcballc ; 
ja vürhr ich groze g^efchilil : 
MiQ liebe füne h^re 
die gefich leh leider nimmer m^re!^^ 

1047* Der unverzagte mark man 
moht' vor leide niht geH^n, 
Als ich [vürwar] vcrnomen bin, 
im begunden fdr' überg^n 
Aw^! diu finen beidiu ougen: 
daz erblikte vrouwe Heike vil tougen. 

1048. Als vrouw' Heike diu b^re 
Ruedeg^rii weinen fach 

Mit gr6zem herzen före 

diu riebe ktinigin[ne] fprach: 

,,Aw^ mir immer mere! 

alr^rt verlius' ich vröud' und al[lc] mine ^re. 

1049. Nu bin ich hie und dort ?erl6m, 
ich vil armcz wip! 

Nu fag^ an, rekke üzerkorn, 

wie n^t ez umb der kinde lip? 

Nu künde mir waerliche, 

wie ft^t ez umb die höhen kiinige rlche?*^ 

1050. Ruedeger der milde 
vor leide niht enfpracb. 
Aw^! daz gröze unbildo 
[vrouw] Heike wol an im fach: 
Aw^, d6 wart ir ^rflte leide 
umb ir herzen liebe Hüne beide. 

1051. f^Tugenthafter mark man 
\ä diu fchimpfen fin, 

Sage mir, rekke lobefam, 

von den kinden mtn 

Hit endehaflen mftzen, 

weder lebent fi, oder haft du ßi t6t lazenl^^ 



528 Dfe RaTenimschUiolil. 

1052. Er fpracb: „vronwe h^re, 
ich wil iu rehte Tagen, 
Nu klaget niht zefd^re: 
fie fint leider erflagen 
Die iuwern füne beide, 
die ligent da vor Raben üf der beide. 

1053* Das icbi incb lange verdagte, _^ 
fö wirt ez iu docb gefeit/^ 
Spracb der unverzagte 
„leider, ez ift diu wArbeit, 
Vil edeliu vrouwe b^re, 
[als Übte] weinet nibi, ir gefebt flu nimmerm^re/^ 

1054. Do begunde fi vallen klegelieb 
nider ze der erde dan, 

Diu edele küniginne ricb^ 

Tür t6t, daz fi fich nibt verfan: 

Ir vröude diu nam ende, 

A begunde f^re winden ir bende. 

1055. „Aw^ mir, icb vil arnicz wtp, 
daz ich ie wart geborn! 

Z'wiu fol mir immer m^r der lip? 

armiu Heike, nu h^ft du verlorn 

Triuwe, vröud' und wunne! 

nü lebt nie man, der micb getroeften kunne.** 

1056. Mit ir banden beiden 
ßu ficb zeberzcn lluok: 

„Daz icb nu folt'' verfcbeiden! 

aw^, daz micb min muoter [ie| gefruok 

Zuo folbem herzen leide! 

nü hän ich verlorn min liebten ougen weide. 

1057. A\v6 der herzen fwajre, 
die ich vil armiu bau! 

S'wä ich mich hin k^re, 

da fihe ich niemen gcin mir gän. 

Aw^! ml muoz ich leben mit forgen, 

nü ift min vröude gar mit leide verborgen. 



Die Rivennaielilacht. 529 

1058. Aw6! Scharpfe, liebei kinl, 
fol ich dich nimmer [m^r] gefehenl 
Mtnia leit vil michel fint, 
wie kund" mir wirs gefchehenl 
Aw«! wer tofet mich [nü] von forgenl 
liebiu kint, ir wakt mich alle morgen,^^ 

.1. 1059. D6 Iprach von Landers Helferieb: 

• „Trouwe wöl getta, 

Lftt iuwer klagen unrnsezlich, 

wan ez nie man erwenden kan. 

Ni[mmer] mnoz ich gnot erwerben, [flertien.^^ 

[den Worten] daz A folden leben, ich wolda iaiuo 

1060. Ir hende und ir vaeze 
dai gegihr vil fftre brach, 

Diu reinin vronwe fueze 

vil Jämmerlichen fprach: 

^^Awd! wie möhr ich min weinen Teriizen? 

mir ift w£ an fltgen und an ftrizen. 

1061. Aw^, Uebin bluendiu Jngentl^^ 
fprach vronwe Heike ze haut* 

,,Aw£, hdchgeioptiu tugent, 

diu mir an minen kinden was bekani, 

Wie bin ich von den geCßheidenl 

mir mnoz min leben immer m^re leiden* 

1062. Awd, milfer mark man, 
klagen ich wol mak. 

JA weiz rehte nie man, 

waz tngent an minen kinden lak 

Aw^, lieht was min ongen weide, 

fwen[ne] An des morgens gieogen geio mir beide, 

10631 ßö simen IIa ir hesde 
ort IrMen mich di mil: 
Iha hU ut allez ende, 
ir [vii] IngeslBdier m% 
Aw^, ir Bebe graese, 

* «e arnm mUk I» ref0(o) «kl I» Amm 

M 



990 I>le B«T6iiiuifeUaelit 

1064« Wunne miner betten zU, 
wie h^n ich dich verlorn 1 
Immer ir vervluochet Ht!^^ 
fprach dia [reine] dz erkom^ 
^^3ä mein' ich den von Beme: 
aw^, daz ich in ie gefach £6 gerne! 

1'65. Nu mnoz ich Jimer dulden,*^ 
fprach diu vrou[we] h6ch gehorn 
f^Yon Dietriches fchulden 
hiUi ich mtniu kint verlorn. 
Aw^, verteilter Bern»re! 
ir fit hin vür immer m4r unmera^ 

1066. Wol weiz ich, milter Roedeg^r, 
daz er verraten hak diu kint, 

Daz en(t)ragt mir hinviir nimmer m^r, 
miD[e] fQne verkoufet llnl, 
Vil wol weis ich diu m»re: 
daz hat getan felbe der Bem»re. 

1067. Aw^, Orte, lieber fun! 
die faezen teidiuk din, 

Sol ich der, arme Heike, nun 

immer [m^r] verteilet ßn, 

Aw^, der din«a fuezen msere! 

diu 16ften mich vil oft von gr6zer fw«re. 

1068. Dtn kintliehe guete 
gab mir vröuden tu, 

Din tugentlich gemuete 
was ie mtner vröuden fpil. 
Aw^! din munt r6t als ein r6fe, 
der künde fuezin wort fprechen 16fe. 

1069. Ez gefach nie menfch mit ongen 
zwei kint fft wol gezogen, 

Offenblir, noch tougen, 

des enhän ich niht gelogen. 

Awd, wie habent fi ir ende 

verdienet iel daz in dar umb got fchendol 



me B«?eiiBateliltoiil. S31 

1070. J& mein' ich Dielrteheo, 
den kfinik von Rdmifch lant 

Ich klage ficherlichen, 

daz er mir ie wart bekanf, 

Daz klag" ich immer m^re, 

ich hin Tcrlom von im alle min it^^^ 

1071. Vrou Herrai kom gegangen 
und manik h^riu meit, 

Hit jämer warn fi bedangen, 

alfö h&t man mir gefeit 

Ir vröude fie yergiz^i, 

ino vronwen Heiken Ae (dft) nider Äsen. 

1072. Vrouwe Heike vi! dr&te 
fprechen (d6) hegan 

Zuo vrou wen Herrite: 
„ft^t üf und feht mich niem^r an; 
Ich hän von iu [gr6z] herzen C6re: 
iu gefchiht von mir guot uimmer mtee. 

1073. Vervluochet ft diu ftunde, 
vervluochet ß der tak, 

Do ich gebens ie begunde! 

[alr^ft] ich daz beweinen mak. 

Yerfenket fin diu maere^ 

d6 mir alr^ft wart kunt der Beroftrel^^ 

1074. D6 i^rach der margrAT[e] Roedegte: 
„Trouwe wol getan, 

Der rede Tprechet (ir) nlht mdr, 

hart' Übel ich in der gan, 

Ich hoDre ez vil ungeme: 

ir zihet mit anreht(e) den von Beroe« 

1076. Htn lip der mnoz verfWinden,^^ 
l)prach Ruedeg^r Acherlldi 
Ob an iuwern kinden 
iht rchnld[e] habe her Dietrich. 
Ich fetzt' min leben [dmmbe] ze ptende, 
er gieage Unt' von R^mUdieai Iwde, 

34» 



581 DSo RavennatcliltchL 

1076. Von ^ren und ron gnote/* 
i]prach der mark man 

„Ich weiz daz [wol] an n[ne]m mnote, 

folden diu kint ir leben hlin, 

Er ftnrbe vür fi werlicbe: 

daz gelottbe mir, küniginne riebe. 

1077. In ifl genuok leide 
an mtnen berren gefcbeben. 
Liebe engen weide 

mnez'' icb nimmer gefeben, 

[Den Worten] daz fi leben folden, 

ieb wolde den t6t ie zuo vttr ßi dolden. 

1078. Welt ir mirz getrouwen^ 
liebiu vrouwe min. 

Ich lAz' iueb daz wol fcbouwen, 
daz mir niht leider künde gefln 
Umb iuwer Rine beide: 
nü mericet m^re, waz icb iu befcfaeide. 

1079. Küniginne b^re, 
jA riuwet micb ir 11p ^ 

Blich rouoz oncb riuwen t^re 

Dietbcr, der bi in [tdter] lit: 

Aw6! den jungen künik von Beme 

den bat verlorn [Hn bruoder] Dietrich vil nngerne. 

1080. Bi iuwern Hinen beiden 
lit Diether erflagen : 

£z möht^ ein wilder beiden 

[wol] immer weinen und klagen. 

Ich gefach bi minen järeu 

nie dbeinen man £6 klegelicb gebären, 

1081. So den herren Dietriche/^ 
fprach her Ruedeg^r 
„Küniginne riebe, 

[nü] volget mir, des habt ir ^r\ 

Daz tmhen wir alle gerne: 

lät hulde haben den herren von Berne. 



Die Raveunaschlachl» 533 

1082. Vernemet ßn unrchalde/* 
fprach der mark man 

,,Und fendet im inwer hulde, 

daz ift tugenüich geti^n. 

Getoubet mir endlichen, 

fwie ir verliefet [den] lierren Dietrichen, 

1083. Des'muoz al Hiunifchlant 
immer fchaden hän, 

Habt üf mlnen triuwen pfant, 

edel vrouwe wolgetin: 

Yerliefen wir Dietrichen, 

des hab' wir immer fchaden In llianifch[en] riehen, 

1084. Nd Tolget nns, vrouwe, gemei 
unt tuot daz an dirre ftat, 

[Und] beeret, waz iu der von Berne 

bi uns her euboten hat, 

Daz ir dar an gedenket, 

daz er iu bl nn[en] tagen habe nie bekrenket.^^ 

1085. Vrouwe Heike diu guote 
Ruedeg^rn ane fach, 

Mit trürigem muole 

diu edeliu künigin[ne] fprach: 

„Aw^I nü fage mir, Ruedegdr herre, 

deift man' ich dich bl dinen triuwen verre, 

1086. Klagt er iht Jämmerliche 
der vürlr 6z R6mifchlantl 

Daz fage mir endeliche, 

unt tuo mir daz [vürw&r] bekant, 

Ift aber ficherliche 

Diether t6t, der junge kttnik riche?'' 

1087. Her Ruedeg^r fprach s ,| vrouwe, 
leider ez ifl w&r, 

Swie fftr* man mir miffetrouwe, 

ich liuge [doch] niht umb ein hir.^^ 

Awd! d6 daz vrouw' Heike h6rte, 

ir gr6zez leit fich d6 von gründe ft6rte. — 



S34 Die RavennaBehlaeht. 

1068« ,,Ich fach mit minen ougen,^^ 
fprach der mark man 
^Offenb&r, niht tongen, 
edel vrouwe wol geUn, 
Daz der her Dietriche 
in ir wunden kufle din [jungen] kfinige riche. 

1069* Des mohr in nieifaen erwenden, 
got daz FÜ wol weiz, 
[Ich fach] daz er üz (Inen henden 
din glid [mit Tleifch] mit alle beis. 
NA wizzet, vrouwe h^re, 
flner klage vergiz ich nimmer m^re.*^ 

1090« Üf rihten ßch begunde 
▼rou[we] Heike £k zc hant^ 
Mit fiuflEundem munde 
l^rach diu Fron[we] von Hinnifchlanl: 
,,Aw^! nu klag' ich ßcherllchen, 
daz ich gevluochet hän dem her[re]n Dietrichen. 

1091. Im ifl; wol als leide 
an finem bruoder gefchehen, 
Sam mir an minen kinden beiden, 
des muoz ich endlich[en] jehen. 
Aw^, dtk armer Bernsere! 

nu erbarmet mir din grdze herzen fwaere. 

1092. Daz ich dir gevluochet hin, 
daz rihl' in mich Krift! 

Ich hän übel daran geUn, 

nu gewer mich, got, in kurzer vrilt, 

Daz min leben neme [ein] ende! 

des bite ich got, daz er daz nimmer wende. 

1093. Mir wirt herzen fwsere 
nü nimm^re buoz. 

Der t6t mir lieber weere, 

den daz ich [al]r6 leben muoz. 

Aw^I fwaz ich armiu nü geweine, 

r6 bin ich doch mtner kinde immer eine.^^ — 



Die Ravennaachlacht. 535 

1094. ,,Edelia küniginne rieh/' 
i^rach her Raedegdr 

„Welt ir mir Tagen endelieh, 

durch iawer höch[gcboriiiii] dr', 

Daz hört' ich harte gerne : 

wie weit ir tuon amb den vogt von Berne? 

1095. Welt ir Hn unfchulde 
bedenken, vrouwe min. 

So enbiet im iuwer hulde, 
des wil ich [iuwer] böte An; 
Und geloubet mir wflßrlichen, 
behaltet Ir den herren Dietrichen, 

1096. Des habt ir immer ^re, 
und ift ouch darzuo guot, 
Edelin vrouwe h^re, 

wol erkenne ich Dietrichs muot, 
Er ift an triuwen ftaete: 
Etzel [In immer fchaden haete. 

1097. Ich lliz^ iuch daz wol fchonwen, 
in vil kurzer vrift, 

Heike, liebiu vrouwe, 

daz ein fchädel [michel] bezzer ift, 

Danne ein gröz herzen f^re : 

Wirt ein fchädel ze dem fchaden, fo ift fin m^re/' 

1098. Vrouw' Heike tugentllche 
zuo Ruedeg6rn fprach: 

„Dir fol nftch Dietriche 

baltlichen wefen gäch, 

Und fag' dem Fogt von Berne, 

ich fich in hiut' und immer alfd gerne, 

1099. Sam in dem ^rften jftre, 
als ich in 6rfte facli. 

Ich klage daz funderbäre, 

daz mir ze fterben niht gefchach, 

Daz bewein'' ich cn triuwen : 

waer' ich d6 tot, £6 biet* ich nü niht riuwen.'' 



98S IMe RtrenftaMUtckl, 

1100. ,,Ni& faget^ edelia Froawe,^^ 
l^raeh der mark man 

,,Sol ich inch des gelroawoi 

und flebles an iuch lan, 

Ob ich bringe den Bem»re 

her se hove, daz er kn"" angeft fi aller fw^re.^^ 

1101. „Ich läge dir unverborgen 
allen minen mnot, 

Darnmb folt du nibt forgeu, 

ftn** angeft ift der helt gnot, 

[Und] fage im,^^ Tprach dia küniginne 

yydaz ich im Etzeln bnide wol gewinne.^* 

1102. Hie mit difem maore 
Elze! kom gegftn^ 

Er yant mit herzen fwsere 

die tugentlichen Heiken ftfln 

Und mit kläglichem mnote; 

I& ze bant fprach Etzel der helt gaote : 

1103. „Triutinne, liebiu vronwe« 
dA folt Tagen mir, 

Jftmer ich an dir fcbouwe, 

künigin[ne rieh], waz wirret dirl 

Daz Tage mir durch din ^re: 

mich dunket des, du trageft herzen fwsere.^ 

1104. In den Telben ziten 
d6 kom ouch Ruedeg^r. 
Etzel moht' nibt enbtten, 

im was vor vrönden [harte] ger, 

Dar lief der künik riebe, 

do enphieng er Ruedeg^rn minnekitche. 

1105. „Got wilkomen, lieber markman,^^ 
fprach Etzele zehanl 

„Daz ich dich gefehen hän, 

daz ift ze vröuden mir bekant; 

NA fage mir endelichen 

wie ift ez ergangen in Rdmifcb ricbenl 



Die Ravennasclilacht. 537 

1106. WA fint miniu liebiu kint, 
TU edele Ruedeg^r, 

Dax diu mit dir niht komen OniV' 

do gefweik der margr&f h^r, 

Aw^! im übergieogen finia ougeo, 

er begande fich von Etzeln wenden tongen. 

1107. Wol verftaond Etzel diu mnre, 
daz dem ding[e] niht rehi' was; 

Mit gr6zer herzen fwadre 

feig er nider üf daz gras, 

Aw^! fprechen er begunde 

ein wort mit vil fiufiEundem munde: 

1108. ,>Aw6 mir immer m^re, 
daz ich ie wart gebom! 

Min liebe füne h^re 

die, waßn% ich [beide] han verlorn^ 

Aw6 miner lieben kinde! 

diu, w»n% ich lebentig nimmer vinde. 

1109. Ir Idiien daz hat ende, 
fwie ez komen H*' 

Vor leid want er die hendes 

„nu wird' ich [leides] nimmer vri 

Aw^ miner leide! 

Tag' an, Ruedeg^r, lebent min füne noch beide ?^^ 

1110* Vor weinen niht enkunde 
Ruedeg^r gefagen. 
Mit fiufzundem munde 
huob fich weinen und klagen; 
Sie warn [alle] mit jämer bevangen: 
„ich fihe wol/^ fprach Etzel „ez ift ergangen. 

IIIL W6 mir immer m^re! 
noch wirs, danne w^! 
Ich hin verlorn [alle] min ^re, 
die ich fold** haben immer m^. 
Avr^f Helke^ liebin vroawe! 
alr^ft ich an dir Br6%en unfin fchouwe.^^ -*- 



588 I^ RavemMuidihicki 

1112. ,,NA klage mezliehen, 
Etcel^ herre mtn, 

Ez ift in RAmifch riehen 
ergan[geD] nmb die Ittne dtn, 
Siu fint erflagen beide: 
fin ligent dft ze Raben üf der beide. 

1113. Und Diether der junge 
der lit bi in erflagen ; 

Aller tugent urfprunge 

ift zaoz'in [in die erde] begraben. 

Rede drumb, fwaz du welleft, künik h^re, 

dtnln kint gefihft dA nimmer m^re/^ 

1114. Daz bür üz der fwarte 
Etzel vor leide brach. 

Er rouft' fich bt dem harte, 

michel was fin ungemach: 

„Aw^l nu muoz ich j&mer dulden: [fchnlden. 

fwaz ich nA leides bän, vron, daz kamt ron inwern 

1115. Ir wolt iueh nie gemftzeo, 
küniginne rieh, 

Diu kint hiezt ir mich läzen 
dem UDgetriuwen Dietrich: 
Aw^ der grözcn [herzen] leide! 
Dietrich hat fiu verraten beide.^^ — 

1116. „Dd ztheft in unTchulden.'' 
fprach her Ruedeg^r 

„Etzel, zuo dinen hulden 

muoz ich kömen nimmer m^r, 

Nu geloube mir diu mere, 

Til nnfchuldig ift der Rernaere.^^ — 

1117. „Nu Tag' mir, milter mark man,^^ 
fprach Etzel ze baut 

„Wer hat diu kint von [ir] leben g^n? 

daz tuo mir rehte bekant, 

Oder wie ift ez ergangen? 

ich bin mit gr6zem jlimer (nA) bevangeni^^ — 



Die Ravennaschlacht; 539 

1118. ,,Ez hftt Witege getan/' 
l]prach her Ruedeg^r 
,,Wil duz rehte nü verftftn 
Etzel, [edel] künik h^r. 
So lag' ich dir diu mffire: 
diu kint lie der edel(e) Bemaere 

119. In der ftat ze Berne 
und fchuof in michel huot, 
Wil du daz hoeren gerne, 
ir pilag ein [edel] rekke guol, 
Her Elfan der aide: 
er hftt fln f^re engolten.'^ fprach der balde. 

1120. „Tftrwdr ir daz geloubet, 
daz im her Dietrich 

Ab fluok daz houbet, 

daz wizzety [edel] könik rich.'^ 

[Etzel fprach:] ,,nü Tag* mir an difen ziten, 

bebt aber du diu kint Hriten? 

1121. Und fint fin in dem her 
b^delamt erHagen? 

Daz folt du, rekke Ruedeg^r, 

durch diu triuwe mir fagen«'^ 

Er fprach: ^^nein^ lieber herre, 

fiu wurden erflagen von dem here verre. 

1122. Wir liezen da ze Berne 
hinder uns diu kint, 

D6 wir von danne wftrn komen, 

dö riten fi nach uns [leider] fint 

Avr^l fiu körnen üf ein beide 

niderthalb Raben: d& ligent fiu noch beide. 

1123. Witige unde Reinolt fint 
vrkm üf die warf geriten. 

Gegen in k6men (dft) diu kint, 
diu fit [leider] mit in fijriten. 
Aw^! d& nämen fiu den ende 
alle drin von lln eines hende. 



540 D^ RaveanMchlftcht. 

1124. Diewir [das] dia kint hie ItriCen, 
dö firiten ouch wir dort 3 

Ermrich itt über riten, 

wir haben gelftn [an in] den mort, 

Ermrich ifl fig lös [danne] gefeheiden, 

er hat verlorn manigen KriTten unde beiden. 

1125. Do die rinde gar gelegen 
(lehtes überal, 

Und daz wir figes pfl&gen, 

d6 zogr wir [üz] ab dem wal. 

Aw^! d6 kömen uns diu maere, 

daz der fcbade umb diu kint ergangen w»re. 

1126. Dö gäbt' wir über heide, 
da diu kint wftm erflagen : 

Aw^! herre, ich mak vor leide 

dir der meere niht gefagen, 

Aw^! dA wart ein hcnde winden 

und ein grözez weinen ob den kinden. 

1127. Ich fach, daz her Diet(e)rlch 
baz danne drizik ftunt 

Kufte die jungen künige rieh' 

in ir wunden und [an den] munt 

Aw^l fin jffimerlichez weinen 

daz kan ich dir nimmer rehte befcheinen» 

1128. Yueze unde hende, 
ougen unde munt 

Daz brach er manigen ende, 
daz ilt mir wflßrlichen kunt. 
Awö! ich gefach nie vürften rieben 
gebären alfö rehte klägelicben. 

1129. Wir rähen alle befunder, 
daz er Diethers vergaz: 

Was daz niht ein wunder 1 

über dine füne er gefaz, 

Aw^! vil leid was im ir ende; 

er heiz im felb' zwei glid dz der hende. 



Die Ravennasohlacht. 541 

1130. Das ich dir lange Tagte, 
künig, diniu leit, 

Wie Ferre [her] Dietrich Jagte 
Witigen den helt unverzeit, 
Daz waer' [ze hoeren] ein langez msBre: 
künik, tuo din genäde an dem Bern»re» 

1131. Und läz in haben bulde, 
dar an tnoft dd wol; 

Bedenke fln unrchulde^ 

mit triuwen ich [daz] rftten fol, 

Lftz ez in vrinntfchaft fetzen: 

er mak dich dtner leide wol ergetzen/^ 

1132. Etzel fprach mit hulden, 
alfam ein held guot: 

>,Sit du in fageft ze unfchulden, 

fwaz [danne vrouw'] Heike mit im tnot 

Daz tuen ouch ich vil gerne. 

nA Tage min hulde dem rekken von Beme.^^ 

1133. Ruedegtr wart Trö der msere, 
niht lenger er d6 beit, 

Nach dem Bemaere 

gegen Berne er balde [dö] reit 

Hejii! da yant er Dietrichen: 

er iagt' im die hnide von Hiunifch riehen. 

1134. Nach gr6zer herzen fwere 
wart [her] Dietrich h6ch gemnot. 
Hie mit difem maere 

reit [gegen Hiunen] der rekke guot: 

Hin z^ Etzelburk ficherlichen 

brliht^ Rnedegdr den herren Dietrichen. 

1135. Hie k6men mit fchalle, 
bMe, jung und alt, 

Die Etzeln rekken alle, 

fie enphiehen den helt halt, 

Üf den Tai gie [her] Dietriche: 

M gruozt' in tr%e Etzel der rtche. 



542 ^^ RaTemiafoUaclit 

1136. Dietrich b6t fin honpt nidere 
Etzeln ttt deu vuoz. 

Daz erbarmte [vroun] Heiken fidere« 

in ir grözen unmuoz'* 

Begunden fi weinen t^rez 

fin mohr die barmunge an gefehen niht mtee. 

1137. Der berre Dietriche 
zuo Etzelen cl6 fprach: 
,,Edel kÜDik riebe, 

rieh an mir din ungemach 

Und dln lieb' lüne beide, 

▼on mtnem leben du mich iezno fcheide.'^ 

1138. Etzele in üf zukte, 
l]prechen er began. 

An fich er in drukte: 

,,£Waz du mir leides h^tt getAn, 

Des folt du haben hulde: 

JA gib^ ich dir an min[en] kinden deheine fehnlde!**^ 

1139. „GenAde, lieber herre!^^ 
fprach her Dietrich 

„Din triuwe fich ich [n6] verre, 

dA taofi an mir küniglich, 

Nu gelonbe mir din m«re, 

ich gelige [danne] t6t, oder ich gerieh^ dln fwcere.*' 

1140. Hie mit gewan hulde 
der herre Dietrich ; 

Sie Tcrgäben im lin fchulde, 
Etzel und din künigin[ne] rieh« 
Vv6 wart der Bemsrre« 
hie mit hAt ein ende ditze m«re. 

AMEN. 



Die RaT«nu0düftcbt 5|S 



SSwem ditz pych fol« 
Der ilt gantzer tvgent toI^ 
Alfo jechent im dey weip/v 
Saelich fei fein we(r)der leip./v 
An difem ende fei gelopt« 
Maria mfiter vnde got. 




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