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Full text of "Historisch-comparative Geographie von Preussen"

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FROM THE UliRAITi'OF 
COl'NT PAUL KL\NT 



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HISTORLVNOF THE 

lATIN E.\ST 



P^^BBP»«^^'^" 



Historisch - comparative 



Geographie von Preussen. 



Nach 



den Quellen, namentlich auch archivalischen, 



dargestellt 



von 



Dr. H. Toeppen, 

Dircctor des Gymnasiums zu Höllenstein. 



Mit eiMH AUas !■ fiif Bütten. 



Gk)tha, 

Just II 8 Perthes. 

1858. 






7 



Harmrd CoUege Library 

BlBnt Ck>Uectlon 

Olft of J. Bandolph CooUdg« 

and Arombaia Gary Coolidfe 

May 7, 1300. 






Vorwort. 



Die wichtigsten Quellen dieser Arbeit sind Urkunden, 
daneben Chroniken und Kartenwerke. Von den benutzten 
Urkunden ist ein beträchtlicher Theil ungedruckt und ver- 
schiedenen Archiven und Registraturen, namentlich in Königs- 
berg, Danzig, Elbing und Frauenburg, aber auch in einer 
ziemlichen Anzahl kleinerer Landstädte, entnommen. Die 
Archive in den vier genannten Städten sind gegenwärtig 
sämmtlich in einer solchen Verfassung, dass man die vor- 
handenen Vorräthe ziemlich übersehen und ohne besondere 
Schwierigkeiten zur Benutzung derselben gelangen kann. Aus 
kleineren Städten sind mir auch die Originalien mehrfach an 
meinen Wohnort zur Benutzung übergeben worden. Die 
Handfesten und Zinsbücher, deren Benutzung, für die Geo- 
graphie der Ordenszeiten besonders fruchtbar ist, haben sich 
leider für die älteren Zeiten nicht vollständig erhalten. Wie 
schmerzlich vermisst man z. B. die alten Handfestenbücher 
von Balga, Brandenburg, Osterode, Mewe, Schwetzl Einigen 
Ersatz für den Verlust der Zinsbücher der einzelnen Com- 
thureien giebt das grosse Zinsbuch AZ zu Königsberg, wel- 
ches eine Uebersicht der Zinsleistungen in den meisten Or- 
denscomthureien enthält; aber wie ungenügend es ist, zeigen 
die ausführlicheren Zinsbücher von Marienburg und Elbing, 
deren Benutzung doch wieder wegen der ganz abweichenden 
Grundsätze des mittelalterlichen Kassenwesens ausserordent- 
liche Schwierigkeiten macht. Für die Zeit nach 1525 sind 



lY Vorwort. 

nur wenige ungedruckte Urkunden benutzt, die namentlich 
das geheime Archiv zu Königsberg und die Registratur des 
CoDBistoriums ebendaselbst lieferte. 

Die gedruckten Urkunden für die Ordenszeit sind in 
einer grossen Anzahl von Schriften zerstreut, die meisten 
findet man zusammen in dem Codex diplomaticus Prussiae 
von Voigt, in dem Codex diplomaticus Pomeraniae von Dreger 
und in dem neuen Codex diplomaticus Pomeraniae von Has- 
selbach, Kosegarten und Modem. Voigt beschränkt sich in 
seinem Codex leider fast ganz auf die Schätze des königs- 
berger Archivs, während doch nach dem Plane desselben die 
Archive zu Danzig, Elbing und Frauenburg u. a. sehr we- 
sentliche Ergänzungen bieten. Die Folge davon ist, dass 
man in Braunsberg und Elbing bereits mit dem Plane der 
Herausgabe eigener Urkundenbücher für Ermeland und El- 
bing umgeht, denen dann ohne Zweifel auch ein eigenes Ur- 
kundenbuch für Danzig folgen würde. Die Herausgeber des 
neuen pommerschen Codex geben mit den Urkunden zugleich 
Erläuterungen derselben, die nur etwas zu breit angelegt zu 
sein scheinen. Die Verordnungen und Edicte der herzogli- 
chen und königlichen Zeit sind in Originaldrucken weit ver- 
breitet und an vielen Orten in Archiven, Bibliotheken, Kir- 
chenregistraturen (z. B. auch in Hohenstein) mehr oder minder 
vollständig gesammelt. Aus solchen Sammlungen ist dann 
Grube's Corpus constitutionum Prutenicarum hervorgegangen. 
Die späteren Edicte, welche, nach der Vereinigung Preussens 
mit Brandenburg erlassen, auf die Geschichte des preussi- 
schen Gesammtstaats Bezug haben, sind zusammengedruckt 
in Mylius Corpus constitutionum Marchicarum, dessen Fort- 
setzungen bis 1810 reichen. Hier beginnt die Gesetzsamm- 
lung und neben derselben die Amtsblätter der einzelnen Re- 
gierungen. Die letzteren zu wissenschaftlichen Zwecken zu 
benutzen, hat seine grossen Schwierigkeiten, da man sie kaum 



Vorwort V 

irgend wo, auch in Königsberg nicht, in vollständiger Reihe 
vereinigt findet. Ich kann in dieser Beziehung nur die Klage 
wiederholen, die schon Jacobson in seiner Geschichte der 
Quellen des Kirchenrechts in Preussen ausgesprochen hat. 

Unter den Chronisten sind für den vorliegenden Zweck 
weit aus die wichtigsten Peter von Dusburg und Wigand 
von Marburg aus dem vierzehnten, Johann von Posilge und 
Plastwig aus dem fünfzehnten Jahrhundert. Die Chronik 
des letzteren, die nur in einer üeberarbeitung und fehlerhaft 
gedruckt ist, hatte ich Gelegenheit mit einer alten guten 
Handschrift zu vergleichen. Auch habe ich einige interes- 
sante neue Notizen aus zweien kürzlich aufgefundenen, mir 
freundlichst mitgetheilten unedirten Chroniken benutzen kön- 
nen. — Vor Simon Grünau dagegen, dessen Verdienste über- 
all der zweifelhaftesten Art sind (ich verweise dieserhalb auf 
meine Geschichte der 'J)reussischen Historiographie), muss 
auch in dem geographischen Theile seiner Chronik gewarnt 
werden. Grünau wusste über die älteste Geographie Preus- 
sens nichts, was wir nicht besser wüssten, gab sich aber 
auch hier den Schein, als schöpfe er ^ aus reichen und be- 
währten Quellen. Seine Phaiitasieen über die Eintheilung 
Preussens, bei der. er vorzüglich verweilt, knüpfen sich nur 
lose an vereinzelte Andeutungen Dusburgs und an die in 
seiner Zeit noch bestehenden Verhältnisse. Die -Grenzen des 
Culmerlandes waren bis auf seine Zeit nicht verändert; Po- 
mesanien setzte er mit der bischöflichen Diöcese dieses Na- 
mens, Ermeland mit dem Gebiete, über welches der erme- 
ländische Bischof die weltliche Herrschaft führte, im Ganzen 
gleich ; von Pogesanien wusste er aus Dusburg, dass zu dem- 
selben Elbing gehörte, und beschränkte es willkührlich auf 
den engen Bezirk zwischen dem frischen Haff, dem Elbing, 
der Weske und der Passarge; die Namen Samland und Na- 
tangen waren in seiner Zeit noch im Gebrauch, und Grünau 



VI Vorwort. 

bedachte sich nicht, darnach die älteren Landschaften dieses 
Namens zu bestimmen. Sudauen und Nadrauen beschränkte 
er bei dem Mangel jeder bestimmteren Kenntniss auf das 
Gebiet weniger Fischerdörfer am frischen Haff. Die ganze 
östliche Hälfte Preussens theilte er mit der grössten Willkühr 
in die Landschaften Schalauen, Barten und Galinden. Wenn 
er dabei auch beachtet, dass Schalauen an der Memel, Ga- 
linden an der masurischen Grenze liegt, so lässt er doch 
Barten bis zur lithauischen Grenze reichen und vertheilt die 
Städte des östlichen Preussen unter dieselben auf eine wahr- 
haft unsinnige Weise, wie wenn er Insterburg und Johannis- 
burg zu Barten, Preuss.-Eilau, Lötzen und Neidenburg zu 
Galindeu, Tilse, Labiau, Angerburg und Lyck zu Schalauen 
rechnet, überdies noch die Schlösser Baiern, Christwerder 
und Ritterswerder aus Lithauen nach preussischen Land- 
schaften versetzt. So haltlos und verkehrt diese Darstellung 
Grunau's ist, so ging sie doch, wie so vieles Andere, aus 
seiner Chronik in die späteren, z. B. in die von Tiedßmann 
und Waissel, über. Ausserdem hat Grünau ein Verzeichniss 
der Städte und Schlösser Preussens mit Angabe des Zeit- 
pimktes ihrer Gründung entworfen; die meisten dieser An- 
gaben haben nicht den mindesten historißchen Anhalt; den- 
noch sind sie nachgeschrieben und immer von Neuem nach- 
geschrieben bis in die neueste Zeit. Ich glaube diese Zahlen 
ganz unbeachtet lassen zu können , da ich überall auf Origi- 
nalquellen zurückgehe. 

Der Urheber der wissenschaftlichen Behandlung der 
Geographie Preussens ist Hennenberger am Ende des sech- 
zehnten Jahrhunderts. Seine Sammlungen sind für die To- 
pographie Preussens ausserordentlich wichtig und seine Karte, 
zuerst edirt 1576, ist fast zweihundert Jahre lang unverän- 
dert in neuen Auflagen oder freien Nachbildungen in allge- 
meinem Grebrauch geblieben. Leider that Hennenberger den 



Vorwort. VII 

Missgriff, die Namen der alten Landschaften aus der Heiden- 
zeit, die schon in seiner Zeit grossentheils verschollen waren, 
auf die übrigens ganz moderne Karte einzutragen, wodurch 
er, selbst von kritiklosen Chronikanten irre geleitet, viel 
dazu beigetragen hat, schlimme Irrthümer zu verbreiten und 
zu fixiren. Wie viel mehr Dank hätte er sich erworben, 
wenn er die Hauptämter des Herzogthums Preussen auf 
seiner Karte eingetragen hätte! Den ersten Versuch dieser 
Art machte der ältere Sochodoletz in einer nur handschrift- 
lich verbreiteten Karte um das Jahr 1700. Aber Hennenber- 
gers Karte zu verdunkeln vermochte erst die von der Aka- 
demie der Wissenschaften zu Berlin im Jahre 1763 heraus- 
gegebene Karte Regnum Borussiae etc. in sechs Blättern. 
Man pflegt von dieser Karte mit einer gewissen Geringschä- 
tzung zu sprechen, weil die Zeichnung, nach <lem heutigen 
Stande der Chartographie betrachtet, ungenau und die Zahl 
der aufgenommenen Ortschaften nicht beträchtlich ist ; nichts- 
destoweniger hat dieselbe für die historische Geographie eine 
hervorragende Bedeutung. Ohne Vergleich höher steht frei- 
lich die berühmte Karte von Ostpreussen nebst Preuss.-Li- 
thauen und Westpreussen nebst dem Netzdistrikt, aufgenommen 
unter Leitung des kgl. preussischen Staatsministers Freiherm 
V. Schi'ötter in den Jahren 1796 — 1802 in 24 Blättern, theils 
wegen der umfassenden Vermessungsarbeiten, auf welchen die 
Zeichnimg beruht, theils wegen der Vollständigkeit des topo- 
graphischen Inhalts, theils wegen des ümfangs der Karte, 
die zum ersten Mal auch Westpreussen ausführlich beiück- 
sichtigt, welches bis dahin eine Art von terra incognita ge- 
blieben war, theils endlich auch wegen der Darstellung der 
alten Kreisgrenzen. Endlich erwähnen wir noch Engelhardts 
„Karte von Ostpreussen, Lithauen, Westpreussen und dem Netz- 
distrikte" (1818 — 1822), welche, nach der Schrötterschen ge- 
arbeitet, zugleich die Eintheilung Preussens in die neuen 






VIII Vorwort. 

Regierungsbezirke und landräthlichen Kreise nachweist. Den 
drei wichtigsten chartographischen Werken für Preussen folg- 
ten in kurzen Zwischenräumen die drei wichtigsten topogra- 
phischen Verzeichnisse ; Hennenberger gab zu seiner Landtafel 
noch selbst eine umfangreiche „Erklärung" mit einem Anhange 
über die Seeen und Ströme Preussens. Etwa zwanzig Jahre, 
nachdem die Akademie zu Berlin die Karte Preussens in sechs 
Blättern herausgegeben hatte, veröffentlichte Goldbeck seine 
Topographie von Ost- und Westpreussen. Endüch gab die 
neue Eintheilung Preussens nach den Freiheitskriegen den 
vier preussischen Eegierungen Veranlassung, neue topogra- 
phische Verzeichnisse zu veranstalten und zu veröffentlichen 
(um 1820). Zu diesen umfassenderen Arbeiten kommen noch 
mehrere Specialkarten und Kreistopographieen , die ihres 
Ortes erwähnt werden sollen. 

Eine eigenthümliche Art von Hülfsmitteln dieser Arbeit, 
die noch auf der Grenze der Quellen im engeren Sinne ste- 
hen, sind die Beamtenverzeichnisse. Einen Namenscodex der 
Beamten des deutschen Ordens hat Voigt im Jahre 1843 
herausgegeben. Er beruht grossentheils auf urkundlichen 
Angaben, aber nicht ausschliesslich, wie denn z. B. unter 
den Landmeistern noch die erdichteten Namen Hermanns 
V. Altenburg und Friedrichs v. Fuchsberg paradiren. Der Codex 
ist vollständiger als frühere Sammlungen ähnlicher Art, aber 
doch nur mit Vorsicht zu benutzen : denn eine ziemliche An- 
zahl von Hauptämtern, z. B. mehrere Pflegeämter, sind in 
demselben ganz übergangen; die Reihen der Beamten einer 
Stelle sind oft noch sehr unvollständig und unschwer zu er- 
gänzen, z. B. aus den Handfesten von Elbing und Danzig 
die Beamtenreihen der gleichnamigen Comthureien ; auch sind 
die schwankenden Titel einzelner Beamten nicht immer genau 
angegeben. Ein Verzeichniss der Amtshauptleute etc. Preus- 
sens in der herzoglichen und königlichen Zeit hat Dr. A. Me- 



Vorwort. IX 

ckelburg in den Neuen preuss. Provinzialblättem 1856. Bd. 2. 
begonnen , aber leider noch nicht vollendet. Für die üeber- 
sicht der Kirchensprengel wichtig sind die Verzeichnisse der 
Geistlichen Ost- und Westpreussens in den Presbytero- 
logieen von Amoldt und Rhesa. Manche erwünschte Notiz 
lieferte auch das jährlich in der Deckerschen geheimen Ober- 
hofbuchdruckerei erscheinende Staatshandbuch, von welchem 
mir die Jahrgänge 1824, 1831, 1835, 1839, 1841, 1846, 1854 
vorliegen, so wie die Directoria divini officii der beiden 
preussischen Bisthümer Ermeland und Culm, von welchen 
ich die letzten Jahrgänge benutzte, und die Nachweisung 
aller evangelischen Kirchen und Geistlichen, welche ab und 
zu amtlich veröffentlicht ist, zuletzt 1850 und 1857. 

Als weitere Hülfsmittel sind sämmtliche ausführlichere 
Bearbeitungen der preussischen Geschichte, namentlich aber 
die Geschichte Preussens von Voigt zu erwähnen. Sie ent- 
hält gleich im ersten Bande eine geographische Uebersicht 
der Landschaften Preussens in der heidnischen Zeit — eine 
verdienstvolle Abhandlung, da hier zum ersten Male eine 
sehr getrübte, mangelhafte Tradition durch Benutzung 
ächter Quellen rectificirt und ergänzt ist. Aber Voigt ist 
hier, wie auch sonst, noch immer befangen unter den Ein- 
wirkungen der Fictionen Grunau's, den er zwar mit Miss- 
trauen behandelt, dem er aber doch immer wieder verfäUt, 
wenn er sich seinen Nachtretem Lucas David, Waissel, Tie- 
demann, Hennenberger etc. hingiebt. Seine Kritik ist sehr 
imsicher. Eine Karte des heidnischen Preussen, die Voigt 
dem zweiten Bande seines Werkes beigegeben hat, ist na- 
mentlich in Betreff der Burgstätten sehr sorgfältig gearbeitet, 
stimmt aber in anderen sehr wesentlichen Beziehungen mit 
den Erörterungen im ersten Bande nicht überein; wenn sie 
hie und da das Richtigere trifft, so irrt sie anderwärts auch 
wieder weiter von der Wahrheit ab. Was die Ordenszeiten 



X Vorwort 

betrifft, so hat Voigt, um nur Einzelnes anzuführen, die 
Westgrenze dös im Jahre 1310 erkauften Pommerellen nicht 
richtig zu bestimmen vermocht; dass die Ostgrenze Preussens 
gegen Lithauen schon in Ordenszeiten etwa so, wie sie heute 
besteht, festgesetzt sei, ist aus seiner Geschichte Preussens 
nicht zu ersehen, wiewohl der Vertrag darüber zu den be- 
kanntesten in der Ordensgeschichte gehört; über die Thei- 
^lung des Culmeriandes hat er augenscheinlich falsche Vor- 
stellungen; die Urkunde über die Theilung des Samlandes 
von 1258 ist ihm ein Räthsel geblieben; über den Umfang 
der einzelnen Comthureien, über die Theilung der Bisthümer 
zwischen den Bischöfen und Kapiteln findet sich kaum hie 
und da eine Andeutung. Diese Beispiele werden beweisen, 
dass für die geographische Darstellung Preussens in der Or- 
denszeit auch nach Voigt noch gar viel zu thun geblieben 
ist. Ein sehr tüchtiges Hülfsmittel für die politische Geo- 
graphie Preussens in den letzten Jahrhunderten und nament- 
lich für die Geschichte der neusten Eintheilung Preussens 
nach den Freiheitskriegen ist der mit gründlicher Sachkennt- 
niss geschriebene Aufsatz von ßeusch über den Regierungs- 
bezirk Königsberg im zweiten Bande der Beiträge zur Kunde 
Preussens. 

Pommerellen und das spätere polnische Preussen in den 
Bereich der Darstellung zu ziehen, war meine Absicht ur- 
sprünglich nicht, namentlich deshalb nicht, weil Hirsch in 
Danzig schon vor längerer Zeit eine Geschichte der Com- 
thurei Danzig versprochen hat. Erst beim weiteren Vor- 
rücken der Arbeit reifte dieser Gedanke, und nun waren mir 
ausser einigen früheren historischen Arbeiten von Bürsch 
namentlich die Aufsätze von Quandt in den Baltischen Stu- 
dien: „das Land an der Netze und die Neumark" und „die 
Ostgrenzen Pommerns" 1853, so wie „Ostpommem, seine 
Fürsten, fürstlichen Landestheilungen imd Distrikte" 1856 



Vorwort XI 

sehr willkommene Hülfsmittel. Für die Ordenszeiten kam 
mir der sehr lesenswerthe, auf theilwdse schwer zugänglichen 
Quellen beruhende Aufsatz über die Comthureien Schlochau 
und Tuchel von Benwitz in den Preuss. Provinzialblättem 
1830 zu Gute. Für die Zeiten der polnischen Herrschaft 
mussten besonders Hartknoch, Lengnich und Büsching in 
ihren bekannten Werken aushelfen. Weniger befriedigend 
waren hier die archivalischen Quellen, wiewohl sie nicht 
gänzlich fehlten. 

Bei der Entlegenheit meines gegenwärtigen Wohnortes 
würde es mir kaum möglich gewesen\sein, diese Schrift zustan- 
de zu bringen, wenn nicht mein vieljähriger verehrter Freund, 
der Stadtrath Neumann in Elbing, mir seine ganze reiche, für 
preussische Geschichte besonders erlesene Bibliothek zu freier 
Disposition gestellt, und die Herren Geheimrath Schubert 
und Professor Nesselmann in Königsberg mit den Schätzen 
ihrer Kartensammlungen mich unterstützt hätten. Einige 
mir sehr willkommene Abhandlungen in russischer Sprache, 
die ich der Güte des Akademikers Kunik und seiner Freunde 
in St. Petersburg verdanke, sind mir durch die üebersetzung 
des Stadtraths Neumann verständlich geworden. Endlich 
kann ich nicht unerwähnt lassen, dass mir Neumanns vor- 
treffliche Sammlujagen zur Geschichte der Stadt Elbing und 
ihrer Umgebung auch bei dieser Schrift, wie schon bei frü- 
heren, sehr zu Statten gekommen sind. Noch müsste ich die 
Namen einer ziemlich beträchtlichen Zahl von Gelehrten und 
Geschäftsleuteipi, hinzufügen, wenn ich alle Diejenigen be- 
zeichnen wollte imd dürfte, die mein Unternehmen durch 
mündliche oder schriftliche Mittheilungen gefördert haben. 
Ihnen allen sage ich meinen wärmsten Dank. 

Dass meine Arbeit noch mancher Erweiterung über die 
ihr gesetzten Grenzen fähig ist, ja dass sie innerhalb der 
letzteren noch manche fühlbare Lücke enthält, ist mir kei- 






Xn Vorwort. 

nesweges verborgen. Ein wackerer Historiker in Frauenburg 
arbeitet seit Jahren an einer Nachweisung der Kirchen des 
Ermelandes in alter und neuer Zeit; was er für den Umfang 
einer Diöcese leistet, müsste für alle übrigen Diöcesen er- 
strebt werden; und wenn man mit den Kirchen fertig wäre, 
müsste man zu Dörfern und Rittergütern, ja zu den wich- 
tigsten Grundstücken in den Städten übergehen; mit der 
geographischen Betrachtung müsste überall die historische 
Hand in Hand gehen. Genug, man würde von einem Problem 
zum anderen fortschreiten, und je mehr man überwunden 
hätte, desto mehr noch immer zu überwinden haben. Aber 
zu solcher Arbeit ist ununterbrochener, nicht bloss gelegent- 
licher Aufenthalt in den Hauptarchiven der Provinz und 
vieljähriges Zusammenwirken mehrerer Gelehrten nothwendig. 
Sollte es jemals zu einer Unternehmung dieser Art, zur Ab- 
fassung eines Landbuches im weitesten Sinne des Wortes, 
kommen, so würde in demselben wahrscheinlich manche 
Frage vollständiger beantwortet werden können, die mich 
schon in dieser Arbeit beschäftigt hat. Allein mein Plan ist 
doch von dem eines allgemeinen Landbuchs wesentlich ver- 
schieden, und wenn die Ausführung desselben noch nicht 
überall das erstrebte Ziel vollständig erreicht, so wird doch, 
hoffe ich, Niemand das warme Interesse für die Sache, die 
Mühe und die Ausdauer verkennen, mit denen er unter nicht 
besonders günstigen Umständen (ich meine namentlich die 
Entlegenheit meines Wohnortes) ins Werk gesetzt ist. 

Pohenstein in Ostpreussen, den 20. Juli 1857. 

Dr. M. Toeppen. 



Uebersicht des Inhalts. 



Erster Theil. 
PreuBsen und die Nachbarländer vor der Ordensherrschaft (vor 1230). 

Erster Abschnitt. Freussens Bodengestalt yor den Umwandlungen s«ite 

der historischen Zeit 1 

Zweiter Abschnitt. Freussens Landschaften , Territorien und Haupt- 
orte in der heidnischen Zeit 7 

Dritter Abschnitt. Blick auf die NaohbarlSttder^ besonders auf 

Pommern . 38 

Zweiter Theü. 
Preassen cor Zeit der Ordenshenschaft (1230--1466 und 1525). 

Erster Abschnitt. Die Landesgrenzen 51 

1. Die pommerdlische Gbrense ....... 52 

2. Die polnische Grenze 76 

3. Die lithauische Qrenze 102 

Zweiter Abschnitt. Theilung des Landes zwischen dem Orden und 

den Bischofen . 111 

1. Die DiSeesaneintheilung Freussens als Grundlage der Landes- 
theilung zwischen don Orden und den Bischdfen . .114 

2. Die Theilung der culmer Diöoese 117 

3. Die Theilung der Diöcese Fomesanien 122 

4. Die Theilung der Diöoese Ermeland 125 

5. Die Theilung der Diöoese Samland 130 

6. Die Theilung der Diöcese Kurland 149 

7. Die Antheile der Domkapitel 151 

Dritter Abschnitt. Die Verwaltungsbezirke Freussens unter der 

Herrschaft des deutschen Ordens mit ihren wichtigsten Ortschaften 159 

1. Die Comthureien des Gulmerlandes 166 

2. Das Bisthum Culmsee 176 

3. Das Bisthum Fomesanien 177 

4. Das Gebiet Christburg • . 179 

5. Das Gebiet Osterode 183 

6. Das Gebiet Elbing 187 

7. Das Bisthum Ermeland 195 

8. Das Gebiet Balga .199 



\ 



IX 



Seite 

9. Das Gebiet Brandenburg 207 

10. Das Gebiet Königsberg .209 

11. Das Bisthum Samland 217 

12. Das Gebiet Bagnit 219 

13. Das Gebiet Memel 222 

14. Das Gebiet Marienburg 223 

15. Das Gebiet Danzig 228 

16. Das Gebiet yon Mewe 231 

17. Das Gebiet Schwetz . . . . . . . . .232 

18. Das Gebiet Tuchel . . . ... . . .233 

19. Das Gebiet Schlocbau 234 

Vierter Abschnitt. Kirchliche Verwaltung. 

1. Diöcesen 235 

2. Dekanate und Kirchspiele 236 

3. Klöster . . . ... . . . . .239 

Dritter Theil. 
Preussen seit dem Untergange der Ordensherrschaft (seit 1525). 

Erster Abschnitt, Die Landesgrenzen . . . . . . 246 

Zweiter Abschnitt. Kintheilung und Hauptorte des herzoglichen 

(seit 1701 königlichen) Preussen 259 

1. Die drei Kreise 260 

2. Die Hauptämter mit den in ihnen enthaltenen Kirchspielen . 260 

3. Die Kircheninspectionen . . 285 

Dritter Abschnitt. £intheilung und Hauptorte des polnischen 

Preussen. 

1. Palatinate, Distrikte, Starosteien 291 

2. Die wichtigsten Territorien, die Städte 297 

. 3. Diöcesen, Dekanate, Kirchspiele 302 

Vierter. Abschnitt. Die neuen Verwaltungsbezirke des achtzehnten 
Jahrhunderts in beiden Theilen Preussens und im Netzdistrikt. 

1. Die Kriegs- und Domänenkammem, Domänenämter, landräthlichen 

und steuerräthlichen Kreise 308 

2. Die Amtsbezirke der Justizbehörden 327 

Fünfter Abschnitt. Die neuen Verwaltungsbezirke des neunzehnten 

Jahrhunderts in Ost- und Westpreussen. 

1. Provinzen, Begierungsbezirke, landräthliche Kreise . . . 338 

2. Superintendenturen der eyangelisohen , Bisthümer und Dekanate 

der katholisehen Kirche 369 

3. Die Domänen- und Intendanturämter . . . . . 382 

4. Die Amtsbezirke der Justizbehörden 386 



ERSTER THEIL. 

Preussen und die Nachbarländer vor der Ordensherrschaft 

(vor 1230). 



Erster Abschnitt. 

Preussens Bodengestalt vor den Umwandlungen der historischen Zeit. 

Es ist eine alte Ueberlieferung, dass die Küsten Preussens, 
namentlich des Theiles von Preussen, welcher zwischen den 
beiden Haffen liegt, durch die Macht der Meereswellen im Lauf 
der Zeiten sehr wesentliche Umwandlungen erlitten haben; es 
sollen bedeutende Strecken des Landes an verschiedenen Stellen 
abgespült und so die See immer weiter vorgedrungen sein. 
Voigt in seiner Geschichte Preussens ist so weit gegangen, zu 
behaupten, dass auch das frische Haff seinen Umfang besonders 
nach Osten hin bedeutend erweitert habe, und dass da, wo heu- 
tiges Tages zwischen der alten Ordensburg Balga und der Stadt 
Pillau Alles' vom Gewässer des Haffs bedeckt ist, in einer frü- 
heren Zeit festes und angebautes Land gewesen sei. Er meint, 
das in diesen Gegenden untergegangene Land habe den in äl- 
teren Zeiten oft vorkommenden Namen Witland getragen '). 
Aber diese Hypothese ist haltlos '^)y vielmehr unterliegt es kaum 
noch einem Zweifel, dass Witland die frische Nehrung sei, in 
ihrer ganzen Ausdehnung von der Weichsel bis zur samlan- 
dischen Grenze ^). Das frische Haff hat seine Gestalt allerdings 



') Voigt, Gesch. Preussens, Bd. 1, Beilage 8. 

^) Ich hahe sie widerlegt in meiner Abhandlung über die Theilung der 
Diöcese Samland etc. in den N. P. P. Bl. 1850, Bd. 2, S. 177 ff. 

3) Nach Neumanns schöner Untersuchung über Wülfstans Reisebericht in 
den N. P. P. Bl. 1854, Bd. 2, S. 315 ff. 

1 



2 Aelteste Zeit. 

in den letzten Jahrhunderten etwas verändert und verändert sie 
noch, aber durch Alluvion, besonders in seinem südlichen Theile, 
von der Nogat und Weichsel her*). 

Die bemerkbarste und für den Historiker wichtigste Ein- 
wirkung der Meereswellen auf die Bodengestaltung Preussens 
zeigt sich in dem Wechsel der Wasserverbindungon zwischen 
dem Haff und der See, welche man früher Balgen, jetzt gewöhn- 
lich Tiefe nennt. Das älteste uns sicher bekannte Tief ist das 
bei Witlandsort oder Lochstet; es war im dreizehnten Jahrhun- 
dert unzweifelhaft vorhanden; es versandete wahrscheinlich um 
die Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts. Ein zweites Tief, der 
Burg Balga gegenüber, bei dem heutigen Dorfe Alttief, entstand 
um 1426, wurde dem Lochstetschen von den Seefahrern bald 
vorgezogen und blieb etwa hundert Jahre lang das befahrenste. 
Bei Pillau endlich entstanden kurz vor und kurz nach dem Jahre 
1500 mehrere Tiefe, von welchen eins bald nach dem Jahre 
1525 als Fahr Strasse an die Stelle des Balgaischen trat, die 
übrigen aber wieder versandeten^). 

Preussen war in alten Zeiten wald- und wasserreicher. Man 
hört in alten Zeiten von vielen morastigen und brüchigen 
Gegenden, die man jetzt vergeblich sucht. Mit der Lichtung 
der Wälder ist der Boden trockner geworden, die fortschreitende 
Cultur hat selbst eine grosse Anzahl von Landseeen trocken ge- 
legt oder wenigstens ihre Wassermasse vermindert ^). Die für 
die Bodengestalt folgenreichsten Unternehmungen der Menschen- 
kraffc aber sind die Damm- upd Kanalbauten gewesen ^). 

Wie so ganz anders ist das Bette der Weichsel gewesen, 
ehe die Cultur sie in ihre Fesseln zwang! Marien werder wurde 



*) Vgl. meine Abhandl. über den grossen Werder in den N. P. P. Bl. 
1852, Bd. 1, S. 191 flf. 

• *) Näheres hierüber in meiner Abhandlimg über die frische Nehrung etc. 
N. P. P. Bl. 1852, Bd. 1, S. 81 ff. 

*) Aber den Brausen stellt man sich nach dem Vorgange Voigts in der Ge- 
schichte Preussens, Bd. 1, S. 485, Bd. 2, S. 282, für die älteren Zeiten meist 
zu gross vor. Vgl. meine Abhandlung über den grossen Werder in N. P. P. Bl. 
18Ö2, Bd. 1, S. 190, 191. 

') Eine vollständige Übersicht der Kaualbauten in Preussen, welche un- 
serem Zwecke fern hegt, bietet Schubert in seiner Statistik Preussens, Bd. 1 , 
S. 276—284. 



Bodoiigcätalt. 3 

nach Dusburgs ausdrücklicher Versicherung aul* der Insel Uui- 
d i n erbaut und erst später an seine jetzige Stelle verlegt ^). 
Man sucht eine Insel in jenen Gegenden auf den heutigen 
Karten vergeblich; es liegt aber die Annalime sehr nahe, dass 
vor der Erbauung der Wcichseldämme die alte Nogat ^), welche 
.sich noch jetzt über Marien werder hinauf bis zu den Dörfern 
Klein- und Gross -Grabau ganz nahe bis an die Weichsel ver- 
folgen lässt, in dieser Gegend früher mit der Weichsel zusam- 
mengehangen habe, also ursprünglich ein Arm derselben gewesen 
sei. Eine andere nicht mehr vorhandene Weichsclinsel führte 
den JS^amen Bern; sie lag der Burg Zantir (auf der Montaner 
Spitze) gegenüber '^) und jedenfalls südlicher als Mesland (früher 
Medilanz) ^ ') , und dürfte etwa auf die Gegend zu deuten sein, 
wo „die Küche", von der lachenartigen Borau fast rings um- 
flossen, liegt '^). Der Name Zantir bezeichnete ausser der 
eben erwähnten Burg die ganze Insel zwischen der Weichsel 
und Nogat, die später den Namen Maricnburger Werder er- 
hielt ^^). Auch der untere Lauf der Nogat war früher ein an- 
derer als jetzt; sie theilte sich nämlich in der (legend des 
heutigen Robach und entsandte den jetzt nicht mehr strömen- 
den Hauptarm nach dem Elbing, mit dem er sich oberhalb der 
gleichnamigen Stadt verband, während der schwächere Arm unter 
dem Namen der weissen Lache, bei dem Dorfe Zeier vorbei- 
fliessend, das frische Haff erreichte'^). Erst im Jahre 1483 



^) Dusburg 111. c. 9. Die Insel wird auch bei der Theüung der Üiöcese 
Pomesanien wiederholentlicb genannt, 1250 etc. Cod. dipl. Pruss. 1. n. 84 etc. 

*) Erwähnt in der Urkunde von 123G, Cod. dipl. Pruss. 1. u. 46. 

*®) Urkunde von 125v> bei Brcger p. 232. Die beiden Weichselarme wer- 
den hier alte und neue Weichsel genannt. 

*^) Dies folgt aus der Urkunde von 1282 bei Dogiel lY. n. 39, nach 
welcher Medilanz augenscheinlich nicht auf einer Insel lag. 

^^) In derselben Gegend bis nach Mewe hinab werden auch noch die In- 
seln Wolscenitz, Talniz, üymew und Beriu parva erwähnt. Urkunde von 1281 
bei Voigt, Bd. 3, S. 383, Anm. 3, und im neuen Cod. Pomeran. dipl. p. 421, n. 6. 

*3) Urkunde von 12.54 im Anhang zu Luc. David 3, 30. Der Name Zantir 
wird schon 1243 und 1250 bei Dreger n. 1.58 und im Cod. dipl. Pruss. I. 
n. 84 erwähnt. Der in einer Urkunde von 1264, Kczyczinski et Muczkowski, 
Cod. dipl. Pol. II. n. 88, vorkommende Name Solowo ist wohl nichts Anderes 
als der polnische Name für Werder, iiisula: Zalawa. 

'^) Urkunde Zöluers von Kothensteiu über die weisse Lacho v(»u 13sr) in 
der handschriftl. Urkundonsammlung des Herrn Stadtrath Neumauu in Elbing. 

1* 



4 Aelteste Zeit. 

wurde der Hauptarm Robach gegenüber verschüttet und 80 die 
ganze Wassennasse durch die bisherige weisse Lache, welche 
man nun die frische J^Togat nannte, nach dem Haff gewiesen *^). 
Yon den beiden Armen, in welchen der Elbing früher das Haff 
erreichte, wurde der westliche im Jahre 1495, bald nachdem 
die Verbindung zwischen der Nogat und dem Elbing durch die 
alte Nogat aufgehoben war, mit der frischen Nogat durch einen 
Kanal, von einem Sumpfe, durch den er leitete, Krapfiihl-Kanal 
genannt, verbunden und unterhalb dieses Kanals verschüttet'^). 
— Auch die Weichsel scheint unterhalb der Montaner Spitze 
sehr wesentliche Umgestaltungen erfahren zu haben. Auf ihrer 
rechten Seite finden wir die Scharfau, die jetzt nur noch zwi- 
schen dem gleichnamigen Orte und der Elbinger Weichsel diesen 
Namen trägt, in Urkunden als Weichselarm bezeichnet, dessen 
Haupt im Gebiete des Dorfes Schöneberg lag, und der auf seinem 
weiteren Laufe das Gebiet des Dorfes Bärwalde berührte '^). In 
der Richtung nach dem frischen Haff, in welches sich die El- 
binger Weichsel schon im dreizehnten Jahrhundert in mehreren 
Armen ergoss '^), ist auch der grosse Cabal, der kleine Cabal, die 
Primislava, alle drei nahe neben einander, der grosse Cabal in der 
Mitte der beiden andern, so dass sie zusammen zwei Inseln* um- 
schlossen '^), in derselben Gegend wohl auch die aqua nova, 
das artum flumen und die aqua Gans verschiedener Urkunden ^^), 
endlich die Olsica und Barsniza^*) zu suchen. Im Westen 



^^) Fuchs, Beschi-eibung von Elbing, Bd. 1, S. 423, 428. Vgl. meme Ab- 
handlung über den grossen AVerder in den N. P. P. Bl. 1852, Bd. 1, S. 188. 

^ö) Fuchs, Elbing, Bd. 1, S. 336. Meine Abhandlung über den grossen 
Werder, S. 190. Vgl. Neuinanns Bemerkung in den N. P. P. Bl. 1854, Bd. 2, 
S. 308, Anm. 

") Verschr. yon Schöneberg 1333 und Bärwalde 1341. 

*8) Handfeste von Elbing 1246. 

*ö) Nach den Urkunden von 1254, 1282, 1285 im Anhang zu Luc. David 
3, 30, bei Dogiel IV. n. 32, und im Cod. dipl. Pruss. I. n. 174. Die oft 
erwähnte Schmiedeinsel, insula fabri, Urkunden von 1247, 1248, Cod. dipl. 
Pruss. I. n. 71, Dreger n. 184, Luc. David 3, Anh. S. 15, scheint eben zwi- 
schen dem grossen und kleinen Cabal gelegen zu haben; denn kawal heisst 
polnisch der Schmied. 

'0) Urkunden von 1273, 1285, 1317, Cod. dipL Pruss. 1. n. 160, 174; 
II. n. 77. Im Danziger Werder giebt es noch jetzt einen Fluss Gans, der 
aber in der angeführten Urkunde nicht gemeint sein kann. 

^^) Nach zahlreichen Urkunden, die Quandt in den Baltischen Studien 
1856, S. 123, 124 zusammenstellt. 



Bodengestalt. 5 

der Weichsel dürfte die Motlau als alter Weichselarm anzusehen 
sein, der in der Gegend von Czattkau sich von dem Haupt- 
strome trennte; ebenda sind auch noch eine andere aqua arta 
und aqua nova zu suchen ^^), Der Durchbruch bei Neufähr ist 
erst 1840 erfolgt 23). 

Die meisten und wesentlichsten Veränderungen in dem Fluss- 
bette der Weichsel sind eine Folge der grossartigen Damm- 
bauten des deutschen Ordens. Der Zeitpunkt, wann dieselben 
zuerst in Angriff genommen seien, ist nicht mehr genau zu er- 
mitteln. Der Gedanke, die Nogat einzudämmen, ist wohl schon 
vor dem Landmeister Mainhard von Uuerfurt (1288 — 1299), 
schon bei der Gründung von Marienburg gefasst worden; er 
mag sich um die Ausführung desselben Verdienste erworben 
haben (wiewohl es an einem sichern Beweise hiefür durchaus 
fehlt); gewiss ist nur, was wir den folgenden Urkunden ent- 
nehmen. In der Verschreibung der Stadt Neuteich vem 1316 
werden tiie verdämmten Gewässer des Werders, in der Ver- 
schreibung des Dorfes Liessau von demselben Jahre die Dämme 
am Östlichen Ufer der Weichsel, in der Verschreibung des Dorfes 
SchÖnau von 1321 die Dämme an der Nogat, in der Verschreibung 
des Dorfes Neulichtenau von 1321 der grosse Damm bei Mon- 
tan, in der Verschreibung des Dorfes Stüblau von 1343 die 
Dämme am westlichen Ufer der Weichsel erwähnt 2*). Ueber 
die Dammbauten oberhalb der Montaner Spitze fehlt es an alten 
Belägen ^5). Die Eeihe der späteren Wasserbauten an der Weichsel 
und Nogat weiter zu verfolgen, ist hier nicht der Ort, da es 
uns hier nur darauf ankommt, die ursprüngliche Gestalt der 
Flüsse zu erkennen. 

Eine merkwürdige Veränderung hat der Orden mit einem 



") Urkunde von 1310, Cod. dipl. Pruss. II. n. 62. 
*') Schubert, Staatskunde, Preussen, Bd. 1, S. 204. 

**) Meine Abhandlung über den grossen Werder, S. 198. Ich wiederhole 
auch hier, dass Simon Grünau der Erste ist, welcher dem Landmeister Main- 
hard von Querfurt den Bau der Nogat- und Weichseldämme zuschreibt. Die 
Angabe aber, dass der Bau in den Jahren 1289 — 1294 vollendet sei, ist ganz 
haltlos. — Dammbauten an der Drewenz werden schon im Jahre 1312 erwähnt, 
Urkunde von 1312, Cod. dipl. Pruss. II. n. 67. 

**) Die frühsten sind noch die Urkunden von 1368 bei Voigt 5, 207, und 
von 1381, Cod. dipl. Pruss. III. n. 149. Vgl. V. n. 64. 



^ 



6 Aeltestp Zeit. 

der Zuflüsse der Weichsel vorgenommen. Die Wicker, welche 
in der Gegend von Taulensee entspringt, den Damerausee bei Gil- 
genburg und mehrere andre Seeen durchschneidet und jetzt in 
die Welle, einen ^ebenfluss der Drewenz mündet, und die 
Wkra, welche in den Bug mündet, nicht weit von dem Einfluss 
desselben in die Weichsel, sind ursprünglich Theile desselben 
Flusses gewesen; aber der deutsche Orden hat, wohl schon in 
der ersten Hälfte des vierzehnten Jahrhunderts, die Wicker süd- 
östlich von Lautenbui'g bei Neuhof abgedämmt und in die Welle 
geführt. Die Neide oder Soldau, welche früher ein Zufluss der 
Wkra war, erscheint jetzt als der HauptquellÜuss derselben 2^). 
Der Pregel , früher Lipza genannt ^ ') , mündete ursprünglich 
in zwei oder mehreren Armen in das HafF'^®). Im Jahre 1258 
wurde eine insula ex transvorso civitatis von 55 Seilen, d. h. 
etwa ^ Meile Lange, zwischen dem Orden und dem Bischöfe 
getheilt^^), die kaum anderwärts als unterhalb Königsberg ge- 
sucht werden kann, jetzt aber nicht mehr zu unterscheiden ist. 
Der südliche Arm, welcher bei dem Dorf Hafstrom in das Haff 
mündete, ist im Jahre 1741 verdammt, um dadurch die Haupt- 
mündung desto mehr zu vertiefen ^^). Die Deine, welche in das 
kurische Haff mündet, ist wolil von je her ein Arm des Pregels 
gewesen; gewiss ist, dass im vierzehnten Jahrhundert die Was- 
serstrasse von Königsberg durch Pregel, Deine, kurisches Haff 
und Memel ganz gewöhnlich , auch zu Kriegsfahrten, benutzt 
wurde. Der Hochmeister Michael Küchmeister von vSternberg 
liess zwar um das Jahr 1418 in der Gegend von Labiau einen 
mehrere Meilen langen Kanal ziehen, aber dieser Kanal und 
andre Wasserbauten in derselben G(»gend hatten nur den Zweck, 



^*) Hennenbcrgcr, die Seeen, Ströme etc. S. 28. Vgl. Baczko's Aiinalen 
i7dH, Quart, l, S. 36 ff. 

^') Dies zeigt am deutlichsten die Urkunde von 1243 über die Einthel- 
lung Preussens in Bisthümer. 

^^) Darauf deutet z. B. die Urkunde von 1257 bei Dreger n. 290, nach 
welcher westlich von Königsberg eine Linie von Norden nach Süden gezogen 
werden soll ad proximam aquara, que cadit de Pregore, d. h. bis zu dem 
nächsten Pregelarm. (Man wird diese Erklärung der in den X. P. P. Bl. 1850, 
Bd. 2, S. 172, Anm. gegebenen vorziehen.) 

2«) Cod. dipl. Pruss. 1. n. 116. 

^") Goldbeck, Topogr. von Ostpreussen, S. 17. 



Landschaften. 7 

eine schon vorhandene Wasserverbindung zu er leichtem und zu 
reguliren ^ ^). 

Auch das Strombette der Memel hat grosse Veränderungen 
erfahren. Die zahlreichen Windungen der Gilge, ihres linken 
Mündungsarmes, setzten der Schüffahrt grosse Schwierigkeiten 
entgegen; deshalb wurde mit Beibehaltung eines Theiles der 
alten Gilge in den Jahren 1613 bis 1616 ein gerader Kanal, die 
neue Gilge, gegraben, und die alte Gilge zugedämmt, so dass 
sie jetzt beinahe schon ganz verwachsen ist. Diese neue Gilge 
aber wurde dann später durch den kleinen und grossen Fried- 
richsgraben, deren Bau die Gräfin Truchsess von Waldburg 1688 
beginnen Hess, mit der Deine verbunden. Die Dammbauten an 
der Memel und ihren Mündungsarmen begannen um' die Mitte 
des siebenzehnten Jahrhunderts. Privatleute fingen ganz im 
Kleinen an und schritten nur langsam fort, bis im Anfange des 
achtzehnten Jahrhunderts mehr Einheit und Plan in diese Ar- 
beiten gebracht wurde ^^). 



Zweiter Abschnitt. 

PreoBseos Landschaften, Territorien und Hauptorte in der heidnischen Zeit. 

Nach Dusburg, dem ältesten Ordenschronisten um 1326, zer- 
fieLPreussen in eilf Landschaften: Terra Culmensis et Lubavia, 
Pomesania, Pogesania, Warmia, Nattangia, Sambia, Nadrovia, Sca- 
lovia, Sudovia, Galindia, Barte et Püca Barta^s). Zum Ver- 
gleiche bieten sich zwei noch ältere Urkunden dar. In dem 
Lagerbuch Waidemars n. von Dänemark, abgefasst um 1231, 
werden folgende Landschaften Preussens aufgeführt: Länder auf 
der einen Seite des Flusses Lipz (Pregel): Pomizania, Lanlania, 
Ermelandia, Natangia, Barcia, Peragodia, Nadravia, Galindo, Syl- 
lones, Zudua, Littovia, auf der anderen Seite des Flusses Lipz: 



3^) Voigt, Geschichte Preussens 7, 337 flF. — Der Landgrahen in Samland 
scheint 1384 angelegt zu sein, nach der von Mtilverstedt in den N. P. P. Bl. 
1855, S. 190 herrorgezogenen Notiz. 

'*) Keusch, Geschichte der Oanäle etc., in den Beiträgen zur%unde Preus- 
sens, Bd. 4, S. 249 flf. ; Preuss, Preussische Landes- und Volkskunde, S. 40 ff. 

33) Chron. Pruss. III. c. 3. . 



8 Aelteste Zeit 

Zambia, Scalwo, Lammata, Curlandia, Semigallia 3*). In einer 
Urkunde vom Jahre 1268 verspricht König Ottokar von Böh- 
men dem Orden, Galinden, das. Land der Jadzwinger und Lit- 
tauen zu unterwerfen, dagegen in dem Besitze der Landschaf- 
ten: Terra Culmensis, Lubovia, Soysim, Pomizania, Pazluk, 
Landesen, Sambia, Pogzania, Warmia, Natangia, TBarthia sie 
nicht anzufechten ^^). 

Lässt man die in dem Lagerbuch angeführten Landschaften 
Littauen^ Lammata, Curland und kSemgallen ausser Acht, die doch 
zu dem eigentlichen Preussen nicht gehört haben, und bedenkt 
man, dass das Culmerland in dem I^agerbuche, Schalauen, Na- 
drauen und Sudauen in der Urkunde Ottokars wahrscheinlich 
geflissentlich unerwähnt geblieben sind, so zeigt doch ein ober- 
flächlicher Vergleich der Namen in den drei angeführten Stelj 
len, dass die Eintheilung Preussens in Landschaften keineswegs 
so bestimmt und unveränderlich war, als man gewöhnlich an- 
nimmt. Einstimmig werden als besondere Landschaften nur an- 
geführt: Culmerland, Pomesanien, Ermeland, Natangen, Barten, 
Samland, Galinden, Sudauen, Nadrauen, Schalauen. Wo in der 
Urkunde Ottokars Pogzania, Pazluk und Landesbn genannt wer- 
den, erwähnt Dusburg nur Pogesania, das Lagerbuch nur Lan- 
lania. Die erstere führt überdies noch Lubovia und Soysim, 
das Lagerbuch Peragodia und Syllones als eigene Landschaften 
auf. Der Grund dieser Verschiedenheiten liegt wohl darin, dass 
einzelne der Territorien, aus welchen die Landschaften bestan- 
den, hie und da je nach der Tüchtigkeit ihrer Führer oder spn- 
stiger Gunst der Umstände sich eine selbst ständige Stellung ver- 
schafften. ^ 

Lage und Grei^zen^ des,ßulmerlandes mnd aus den Ur- 
kunden über die Stiftung des Culmischen Bisthums von 1222 
und über die Schenkung Konrads von Masovien an den deut- 
schen Orden ^^) hinlänglich bekannt. Es wurde von der Weich- 
sel und ihren beiden Nebenflüssen Drewenz und Ossa fast 
ringsum eingeschlossen. Die Drewenz trennte es von Polen, 



3*) Angeführt ron Voigt, Geschichte Preussens, Bd. 2, S. 204, Anm. 
3») Urkunde von 1268, Cod. dipl. Pruss. I. n. 157. 
3«) Dreger, cod. dipl. Pom. n. 58, 79, 80. 



Landschaften. 9 

die Ossa und eine Waldwildniss, die sich von der Quelle der- 
selben bis zur Drewenz im Norden der später errichteten Burg 
Bheden hinzog, von Pomesanien 3^). Wenn das Culmerland in 
den genannten Urkunden dem Lande der Preussen ausdrücklich 
entgegengesetzt wird, so findet dies seinen Grund darin, dass es 
von den Polen als schon erobertes Land, als eine polnische Provinz 
angesehen wurde ^®), und» der Orden, der es als eine Schenkung 
von Herzog Konrad von Masovien annahm, während er sein 
Becht auf Preussen allein von der Schenkung Kaiser Friedrichs IL 
ableitete , hielt diesen Gegensatz jederzeit fest. Der in den Ur- 
kunden häufig vorkommende Ausdruck „Prussia et terra Cul- 
mensis" darf deshalb nicht auffallen. Als der Orden in das 
Culmerland einzog, hatten die Bewohner desselben in der That 
ihre preussische Volksthümlichkeit in dem Maasse verloren, dass 
nicht sie, sondern die Preussen der andern Landschaften, na- 
mentlich Pomesaniens, sich ihm bei der Besitznahme desselben 
entgegenstellten. Eine grosse Anzahl von Ortschaften, welche 
wir noch heute im Culmerlande wiederfinden, werden schon in 
der erwähnten Urkunde von 1222 ^^) als verfallene Burgen er- 
wähnt: Colmen (Culm), Grudzanz (Graudenz)*^), Wabsko (Wapcz), 
Kopriuno (Coprinen, südlich von Rynsk, zwei Meilen östlich von 
Culmsee), Villizas (Welsas), Colno (Kollinken, nördlich von Culm?), 
Ruch (Rogowo, nordöstlich von Thorn), Rysin (oder Eadzin? 
Rheden?), Glamboky (Glemboczek im LÖbauer Lande?), Turno 
(Thom), Pin (Pien, nahe der Weichsel, bei Ostrometzko), Ploth (?), 
Postolsko (?) , Kowalewo (Schönsee), Belcz (Bielczing, nordwest- 
lich von Culmsee), Ostrovitto (bei Golub), Nevir (Mewierz, west- 
lich von Strassburg), Bobrosky (Bobrowo, westlich von Strass- 
burg), Wanzino (Wondzyn, nördlich von dem vorigen), Mylosno (?), 



3^) Dusburg'^III, 12. „;. 

38) Castellania' Culmensis schon bei Kadlubeck,- 'X. 1, ep. 27, und Bogupha- 
lus ap. Sommersberg, T. I. p. 41. 

3*) Sie ist hm Dreger n. 58 und sonst oft gedruckt, aber am yoUständig- 
sten bei Watterich , die Gründung des deutschen Ordensstaates in Preussen, 
1857, S. 233. 

*o) Das Yon Gallus p. 99 erwähnte Grodec, welches zuerst Dlugosz 1. p. 255 
auf Graudenz bezog, wie noch Voigt 1, 319, bezeichnet sicherlich nicht Grau- 
denz, sondern Grätz in Oberschlesien. Röpell, Geschichte Polens, 13d. 1, 
S. 190, Anm. 5. 



^-.. 



10 A eheste Zeit. 

Osechovo (Orziechovo, nördlich von Schönsee), Plovenzo (Plo- 
wenz) , Jablono wo (östlich von Rheden) , ausserdem die Dörfer 
Bolemino (Bollymin), Ostromecz (Ostrometzko), Unislaw, Grobno 
(Grubno, südöstlich von Culm), Carnovo (Szarnowo an der Weich- 
sel, Schulitz gegenüber), Papovo (Popowo) etc. * ^). 

In dem Halbkreise, welchen die obere Drewenz von ihrer 
Quelle bis gegen Strassburg hin bilc^t, lagen die Territorien 
Löbau und Sassen, südlich bis zur polnischen Grenze hin 
ausgedehnt. Die LÖbau breitete sich von der Drewenz etwa bis 
zur Wicker aus und wurde von Polen durch die Branitza, einen 
Xebenfluss der Drewenz , geschieden *^). Noch etwas umfang- 
reicher als die Löbau war Sassen. Die Gegend zwischen der 
Wicker und der Skottau, einem Nebenfluss der Neide, wird als 
zu Sassen gehörig bezeichnet *^). Im Nordosten erstreckte sich 
Sassen wenigstens bis an die Drewenz , denn es steht urkund- 
lich fest, dass Räuden und Döhringen **), westlich von der Grabitz, 
einem Flüsschen, . das oberhalb Osterode in die Drewenz mündet, 
ferner Reichenau, Geiers walde und andere Ortschaften zwischen 
der Grabitz und Drewenz ^^), endlich der Schwenteiner - See bei 
Hobenstein zum Lande Sassen gehörte *®). Im Süden gehörte 
die Gegend von Soldau zu Sassen*^), ebenso das Gut Pil- 



'") Vgl. Voiftt, Bd. 1, S. 401, Anni. 4, und die Burgenkarte in Voigts 
Preuss. Gescliichto, Bd. 2. Hier findet sich auch die Burg Slemmo, aber nur 
auf Grunau's Autorität, der überdies gelegentlich Vll, 1, §. 1 bemerkt, Slemmo 
sei Gartzen (Garnsee). Die hier ebenfalls aufgenommenen Burgen Seydaw und 
Bosenisdorf (Bösendorf?) weiss ich nicht nachzuweisen. In dem handschrift- 
lichen AVerkn: ,, Grundrisse der Burgen und mit Mauern befestigten Städte 
in Preussen aus der Zeit des deutschen Ordens, und was von gedachter Be- 
festigung im Jahr 1826 — 182p noch vorhanden war", von Giese, dem Gene- 
ralcommando des ersten Armee -Corps gehörig, Copie im Besitze der Alter- 
thumsgesellschaft Prussia in Königsberg , werden die meisten der oben nach- 
gewiesenen Burgen ebenfalls angeführt. Aus demselben ist die Deutung von 
Coprinen, Belcz und Nevir entnommen, wiewohl der erste dieser Namen auf 
den Karten nicht zu finden ist. 

**) Nach späteren Theilungsverträgen und Grenzbeschreibungen. 

43) Urkunde von 1321, Cod. dipl. Pruss. II. n. 98. 

^*) Verschreibung über Räuden von 1480 im Grundbuch des Domänen- 
amts Osterode, a, Nr. 55. Transsumpt der Verschreibung über Döhringen von 
1497 im Elbinger Archiv. 

*^) Original der CoUectivverschreibung über Geierswalde etc. von 1325 
im Elbinger Archiv. 

, **) Verschreibung über ein Gut am Schwenteiner-See von 1351 im Grund- 
buch des Domänenamts Osterode, b, N. 154. 

*'') Urkundliche Grenzbeschreibung in Baczko's Annalen, Quart. 1, S. 84, 85. 



Landschaften. 11 

grammsdorf in der Gegend von Neidenbui^ *®). Wie das val- 
Inm Sassenpile, d. h. Hasenberg *^) , an der LÖbauschen Grenze, 
so findet sich an der Mündung der Grabitz „daz burcwal Gro- 
bisko" ^°). Löbau und Sasöen zusammengenommen umfassen also 
einen Landstrich, der fast so ausgedehnt ist, als das Culmerland. 
In der Urkunde König Ottokars sind sie als Hauptlandschaften 
neben dem Culmerlande, Pogesanien etc. genannt. Dusburg er- 
wähnt die Löbau als eines zum Culmerlande gehörigen Neben- 
landes, allein wohl nur insofern, als er annahm, dass der Her- 
zog Ton Masovien zugleich mit dem Culmerlande auch die Lö- 
bau dem Orden geschenkt habe ^ ^) , und insofern, als die LÖbau 
mit zur Diöcese des Culmer Bischofs gehörte. Es muss dahin 
gestellt bleiben, ob Sassen und Löbau nicht vielleicht geradezu 
in die Eeihe der Hauptlandschaften zu setzen sind. 

Nördlich vom Culmerlande erstreckte sich längs der Weich- 
sel bis zur Nogat und zum Drausensee hinab die Landschaft 
Pomesanien^^). Auf der Ostseite scheint auch das Flüsschen 



*^) Handfeste von 1357, angeführt von Mülverstedt in den N. Preuss. P. 
Bl. a. F. Bd. 6, S. 188, Anm. — Hennenberger in seiner kurzen Beschreibung etc. 
setzt Neidenburg nach Galinden und Hohenstein nach Pomesanien ; das Letztere 
ist nach dem Obigen falsch, das Erstere ist, abgesehen von der Handfeste über 
Pilgramrasdorf , aus einer Urkunde zu widerlegen, nach welcher die Süd- 
grenze Galindens im Westen die Neide noch keineswegs erreichte. In seiner 
Erklärung der Landtafel, S. 436, ist Hennenberger schon besser unterrichtet, 
er sagt : ,, Sassen-Land ist im Soldauschen, Neidenburgschen, Hohensteinschen und 
Osterodischen zum Theil gewesen, wie noch in etzlichen Handfesten zu sehen." 

*^) Dies zeigt ein Vergleich der Urkunden von 1303 und 1338, Cod. dipl. 
Pruss. II. n. 45. III. n. 7, und das altpreussische Vocabular des Stadtraths 
Naumann. 

50) Nach der kurz zuvor erwähnten CoUectivverschreibung von 1325. Von 
den viwr auf Voigts Burgenkarte noch ausserdem bezeichneten Heidenburgeu 
fallt Szyplin fort, sofern das von Dusburg c. IGl erwähnte Cippel nicht mit 
Hennenberger, S. 420, auf das heutige Szczuplienen an der Wicker zu deuten, 
sondern mit Voigt, Bd. 3, S. 298, Anm. 1, im Culmerlande bei Rhedeji 
(Czieplinken) zu such€n ist. Den noch heute bekannten Schlossbcrg bei Gar- 
dienen erwähnt schon Hennenberger, S. 137. Altstadt bei Gilgenburg mag 
die Stätte eines altpreussischen Schlosses gewesen sein , doch ist der Fürst ' 
Gello , von dem Gilgenburg den Namen führen soll , blosse Erfindung von 
Gmnau. Nördlich vom Rummiansee zeigt man noch jetzt eine alte Schanze. 
Ob es aber eine Heidenburg war? — Wiegand p. 22 spricht von einer terra 
Kumig (Kauemik). Ob demnach Löbau selbst wieder in Territorien zerfiel? 
Es scheint, dass der Ausdruck terra bei Wiegand oft nur Gegend bedeutet, 
so wohl hier und auch p. 100, wo eine terra Alienstein erwähnt wird. 

»•) Chron. Pruss. II, 5. 

*') Dusburg III. c. 9 u. 15. 



t 



f 

12 Aelteate Zeit 

Sirgune (Sorge), welches in den Drausensee mündet, dieser Land- 
schaft angehört oder doch ihre Grenze gebildet zu haben *^). 
Die bekanntesten Territorien derselben sind Alyem, in welchem 
später die Marienburg erbaut wurde **), und Reysen oder Resien, 
dessen Bewohner sich bei dep Ordensrittern durch Tapferkeit 
und Kriegsübung besondere Achtung erwarben, mit zweien Bui*- 
gen in der Gegend, wo später Riesenburg und Riesenkirch 
standen, und bis in die Gegend, wo später Marienwerder ange- 
legt wurde, ausgebreitet ^^). Ausser Alyem lagen die Territorien 
Possolva, Lynguar, Loypicz und Komor im nördlichen, ausser 
Reysen noch Prezla im südlicheren Theil der Landschaft; dem 
östlichen gehören die Territorien Pobuz, Rudenz und Beria an ^^). 
Posolve wird auf das Dorf Posilgen im Osten von Marienburg, 
Lynguar oder Lingues auf das Dorf Linken am Balauer See, süd- 
lich von Christburg, Loypicz auf Lippitz, östlich von Christ- 
burg, gedeutet. An Komor erinnert der Name des Vorwerks 
Comerau bei Buchwalde ^^). Prezla oder Procile, im Osten mit 
Rudenz zusammenstossend und in dem später bischöflichen Po- 
mesanien gelegen, wird mit dem Dorfe Prenzlau an der Gardenga, 
zwischen Freistadt und Gamsee, in Verbindung gebracht; es 
muss aber wohl östlicher gelegen haben. Rudenz ist unzweifel- 
haft das Gut Raudnitz , nordöstlich von Deutsch - Eilau. Pobuz 
oder Pobuise lag nahe bei Königssee, Altchristburg und Preuss.- 



") Dusbiirg m. c. 11. 

") Dusbiirg III. c. 138. 

") Dusburg III. c. 9 u. 14. 

^*) Diese Namen kommen als Bezeichnung von Territorien der bischöflichen 
DiÖcese Pomesanien in der Urkunde des Landmeisters Ludwig von Queden 
von 1250, Cod. dipl. Frttes. I. n. 84, vor. Dass sie der Landschaft Pomesa- 
nien angehörten, geht aus der Friedensurkunde von 1249, Dreger n. 191, her- 
vor. Wenn Voigt I, 482 auch Passaluc hierher rechnet, so beruht dies auf 
einer falschen Auffassung der ersteren Urkunde, worüber unten mehr. Um 
die Erklärung dieser Namen hat sich .Faber durch seine gründliche Abhand- 
lung in den Beiträgen zur Kunde Preussens, Bd. 3, 8. 331 — 346, bleibendes 
Verdienst erworben. Einige Zusätze machte Voigt, Bd. 2, S. 629, Anm. 1. 

^^) Chomor S. Adalberti kann nicht auf Albrechtau bei Rosenberg gedeutet 
werden, da dieses in dem bischöflichen Theile Pomesaniens liegt. Die Hin- 
weisung auf Comerau erscheint um so begründeter, da in der Nähe desselben, 
zwischen Lichtfelde und Christburg, schon im Jahre 1303 (in der Verschreibung 
für Bute bei Kreuzfeld vom Adel der Preussen) eine antiqua ecclesia erwähnt 
wird. 



Landschaften. 13 

Mark*®). Beria scheint auf Bärting an dem gleiciinamigen See 
zwischen Liebemühl und Mehrungen zu deuten. Hiernach würde 
die Ostgrenze der Landschaft Pomesanien zu bestimmen sein, 
die jedenfalls wenigstens den Geserich-See und das Gut Eaud- 
nitz umfasste *^). Die wichtigsten Burgen Pomesaniens waren : 
Belichow (Bialochowo) , nahe der Ossa, in welcher der Pome- 
sanier Jones wohnte®^), die Burgen bei Stuhm, Postelen (Pest- 
lin), Willenberg (Wildenberg), Riesenburg, Riesenkirche, eine 
ungenannte am Drausensee ^ ^) , Trampeinen (Tropin) ^^) , Alt- 
Christburg ®3). 

Zu Pomesanien werden auch die Inseln Quidin und Zantir 
zu rechnen sein. Wohin Witland (die frische Nehrung) gehörte, 
lassen wir dahin gestellt. Zantir und Witland waren in alten 
Zeiten höchst wahrscheinlich auch von Preussen, nicht von 
Slaven bewohnt^*), doch finden wir beide in den ersten Zeiten 
der Kriege des deutschen Ordens gegen die Preussen im Besitz 
der pommerschen Fürsten. Herzog Swantopolk erbaute auf der 



*®) Es giebt auch ein Poburze südlich vom Osteroder See, nahe der Nord- 
grenze der Löbau; dass aber unser Poburse nicht dahin verlegt werden darf, 
versteht sich von selbst, weil diese Gegend sicher zu Sassen gehörte. 

*°) Also die örenzbestimmung bei Voigt, Bd. 1, S. 479, 480, und die 
Zeichnung auf der Burgenkarte sihd falsch. Dass Pomesanien mit Sassen auf 
einer beträchtlichen örenzstrecke zusammonstiess, geht auch aus der Urkunde 
von 1321, Cod. dipl. Pruss. II. n. 98, hervor. 

«0) Dusburg III. c. 143. 

«») Dusburg III. c. 14. Vgl. Voigt, Bd. 2, S. 280, Anm. 2, u. S. 283, 
Anm. 1. 

*2) Dusburg III. c. 138 schreibt Tramperc, mit dem Zusatz: situm infra 
Christburg et Mergenburg, Jeroschin richtiger Tranpeyen, das Chron. Latin, 
terr. Pruss. p. 252 Trapeya. Es ist das heutige Tropen, welches in alten 
Verschreibungen Tropeyne, ja schon 1280 auch Tropin heisst. Vgl. Voigt, 
Geschichte Marienburgs, S. 17, Anm. 44. 

83) Dusburg III. c. 57. Vgl. Voigt, Bd. 1, S. 482, Anm. 3. Mandilkowen 
mit einem monticulus quondam castri wird erwähnt im Cod. dipl. Pruss. II. 
n. 30; Tiefenau quondam oastrum ebenda; eine Landwehr zwischen Altstadt 
und Xönigssee in einer Urkunde von 1303 bei Voigt, Bd. 1, S. 482, Anm. 4. 
Bigenthtimliche Erdaufwürfe, welche man für eine altheidnische Burg hält, 
finden sich bei Silm, zwischen Schönberg und Deutsch-Eilau. Dass Weich- 
selburg (gegenüber Neuenburg) aus heidnischen Zeiten stamme, ist nicht zu 
erweisen. Erwähnt wird es z. B. 1374, 1381, Cod. dipl. Pruss. III. n. 117, 
IV. n. 9. — In dem Namen Transpore, den Grünau VIII, 9, § 1 für Preuss.- 
Mark anführt, sehe ich nichts als Dusburgs Tampere III. c. 138 verstümmelt 
und willkürlich gedeutet. 

64) Neumann über Witland in den N. P. P. Bl. 1854, Bd. 2, S. 320 if. 
erhärtet dies besonders für Witland. 



14 Aeltesto Zeit. 

Südspitze der Insel Zantir, nahe dem Zusammeniiuss der Weich- 
sel und Nogat, im Jahre 1245 die Burg Zantir ^5). 

Über den Drausensee schiffend gelangten die deutschen Ritter 
Csius Pomesanien nach Pogesanien, wo sie Elbing gründeten ^^). 
Die Landschaft erstreckte sich nach der im dreizehnten Jahr- 
hundert herrschenden und auch von Dusburg angenommenen 
Auffassung bis zu den Grenzen des Ermelandes, so dass zwischen 
l^raesanien und Ermcland nicht etwa noch andere Landschaften 
neben Pogesanien lagen ^'). Es fällt demnach auf, wenn in der 
Urkunde Ottokars von 1268 neben Pogesanien noch Lansania 
und Pazluk, ja das erstere, wie es scheint, auch schon in dem 
Lagerbuche Waidemars (denn hier ist Lanlania augenscheinlich aus 
Lansania verdorben), das zweite in einer päbstlichen Bulle von 
1231 ^^) als Hauptlandschaften angeführt werden. Doch gab es in 
der Landschaft Pogesanien auch ein Territorium dieses Namens, 
welches sich zu beiden Seiten der Passarge ausgebreitet zu haben 
scheint; denn auf dem linken Ufer derselben, nahe bei Lieb- 
stadt, wird eine Ortschaft Pogyzonia erwähnt ^^), und auf dem 
rechten Ufer derselben, da wo sie die Drewenz aufnimmt, ge- 
hörten zu Pogzania oder Pogesania mehrere Gefilde auf beiden 
Seiten der Drewenz ^^). Auch wird man Lansania, d. h. Lenzen, 



^^) Dusburg 111. c. 44, vgl. 49, und Dreger n. 184. 

«6) Dusburg 111. c. 16. 

ö') Dies geht namentlich hervor aus den beiden Urkunden von 1267 und 
1285, Cod. dipl. Pruss. 1. n. 152 und 173, in welchen die Verpflichtung der 
Vasallen des Ordens in Ermeland und Natangen zur Heeresfolge auf diese 
beiden Landschaften, Samland, Barten, Pogesanien und Pomesanien beschränkt 
wird. 

®^) Raynald, Annal. eccles. 1231, n. 42. Vgl. Watterich, Ordensstaat, S. 94, 261^ 

^^) Im Fol. des Elbinger Archivs: Verschreibung der iYeien der Elbinger 
Comthurei, p. 140, 160. Auch findet sich der Personenname Johann Pogezen 
im Elbinger Zinsbuch, Nr. 1, p. 16. b. 

"^) Pruthenis subuotatis — quadraginta raansos contuli in Pogzania juxta 
fluvium, qui vocatur Drywanz, ita quod Szinte et ßisz ex una parte fluminis 
viginti habeant mansos, et alii duo ex alia parte ejusdem fluvii, ubi intrat 
Sergiam, suos viginti mansos hereditarie possidebunt, in der Verschreibung über 
Waytenyn (jetzt Wagten) von 1261 bei Beckmann, de primo episcopo Varmiae 
comment. Brunsbergae 1854, p. .^5, wo aus einer Urkunde von 1287 auch ein 
forum Pogusaniae in derselben Gegend erwähnt wird. Ferner kommen in einer 
Urkunde von 1310 im geh. Archiv zu Königsberg, Ermel. Privil. fol. 7, die 
Gefilde Segeniten und Swarboniten in Pogesania und zwar innerhalb des bischöf- 
lichen Gebietes, also rechts von der Passarge, vor. Eines Caraerarius in Po- 
gezania nach einer Urkunde von 1312 gedenkt Voigt 4, 311, Aum. 1. 



i 



Landschaften. 15 

nordöstlich von Elbing ' *) , und Pazluk , wo späiur die 8tadt 
Preussisch-HoUand gegründet wurde ^^), für Territorien Pogesa- 
niens in jener weiteren Bedeutung des Namens ansehen. Ein 
solches war aber ohne Zweifel auch Zambroch, d. h. Samrodt, 
das Dorf zwischen Preuss.-Holland und Salfeld ^^). Durch ihren 
Widerstand gegen die deutschen Ritter sind in dieser Land- 
schaft die Burgen Oczek an der Mündung der Weeske in den 
Drausensee und Weclitz in der Nähe des Flusses llogow, beide 
im Osten des Drausensee's, am berühmtesten geworden ^*), durch 
uralte Bedeutung im weiteren Handelsverkehr Truso. Es ist 
dem ausdauernden Fleisse und dem Scharfsinn des Stadtraths 
Neumann in Elbing gelungen, die Spuren dieses berühmten 
Handelsortes in dem Kirchdorfe Preuschmark, d. h. Preussischer 
Markt, nicht weit vom Drausensee nachzuweisen ^^). Die Grenze 
Pogesaniens gegen Ermeland reichte nach dem, was über das 
gleichnamige Territorium gesagt ist, über die Passarge (sonst 
auch Serie genannt '^)) liinaus. 

Der Name Hockerland, welchen man hie und da zur Be- 
zeichnung der Landschaft Pogesanien oder eines Tlieiles der- 
selben gebraucht, gehört der Vulgärsprache des fünfzehnten und 
sechzehnten Jahrhunderts an ^^). Er bezeichnete nichts Anderes, 
als der heute üblich gewordene „die Höhe" im Gegensatz zu 
den Niederungen bei Elbing und Marienburg, und kann daher 
je nach Umständen in engerer und weiterer Bedeutung gefasst 



'*) Hierauf leitet namentlich die Elbinger Handfeste bei Crichton, Bei- 
träge etc. S. 15. 

'^) Handfeste von Preuss.-Holland 1297, Cod. dipl. Pruss. 11. u. 34. 

'^) Pazluk und Zambroch kommen in der angeführten Theilungsurkunde 
über die Diöcese Pomesanien von 1250 vor. Da sie aber in der Friedens- 
urkunde von 1249 nicht unter denen genannt werden, in welchen die bekehr- 
ten Pomesanier Kirchen bauen sollten, so gehörten sie augenscheinlich nicht 
zur Landschaft Pomesanien. Für die auf der Voigtschen Burgenkarte ver- 
zeichneten Heidenburgen Kadinen, Tolkemit und die bei Frauenburg scheint 
es nur die Grunau'sche Mythologie als Gewähr zu geben. 

'*) Dusburg III. c. 164. Vgl. Jeroschin. 

'*) Neumann über die Lage von Wulfstans Truso etc. in den N. Preuss. 
Prov.-Bl. Bd. 6, S. 290 ff. 

'8) Z. B. bei Dusburg ip. c. 135. Cod. dipl. Pruss. II. n. 1. u. 6 etc. 

'^) Er findet sich zuerst in der Danziger Chronik Ebert Ferbers und nach 
derselben in allen, welche ihr die Geschichte des l;}jährigen Krieges ausführ- 
lich nacheraählen, z. B. in der Runau'schen Bl. 9, 3b. 



16 Aelteste Zeit 

werden ^^). Die Ableitung des Namens von dem Stammherrn 
Hoggo ist eine nichtige Erfindung Grünaues, der eben in dieser 
Landschaft zu Tolkemit geboren war ^^). 

Von der altpreussischen Landschaft Ermeland (Warmia) 
darf man wohl annehmen, dass sie wenigstens grossentheils mit 
der späteren bischöflichen Landschaft gleiches Namens zusam- 
menfiel. Die zuverlässigen Berichte zur Orientirung über die- 
selbe sind sehr dürftig. Bei Braunsberg erstreckte sie sich wohl 
bis über die Passarge nach Südwesten hinaus; denn nach Dus- 
burg stand Braunsberg auf altermeländischem Boden ®^) ; wahr- 
scheinlich gehörte auch die Gegend von Frauenburg zum alten 
Ermelande, wenigstens wird dieser Ort auch mit dem Eigen- 
namen Warmia belegt**'); ja möglich wäre es sogar, dass Erme- 
land sich n^ch dieser Eichtung bis in die Gegend des später 
gegründeten Elbing erstreckte, also das ganze Territorium Lenzen 
mit umfasste ®^). Nördlicher hinauf stand Balga, wo wir schon 



'8) So erklären den Namen verständiger Weise Falk in seinem Lobspruch 
von Elbing, Lit. C. 1. a: 

So las uns itzt nu steigen aus, 

Und gehn auff die schön Wiesen naus, 
Zu besehen gegen Morgen. 

So wollen wir ohn alle sorgen 
Auch Bchawen da die grossen Bergk, 

Die da stehen in grosser sterck, 
Das Idermann Hockerlandt neut — 
und Greg. Hesc in seinen handschriftlicb erhaltenen Libri V rerum in Prussia 
usque ad annum 1584 gestaruni: £a (Pogesania) a montibus sinui maris ob- 
jeetis Hoggerlandiae sive excelsae terrae apud Germanos nomen acquisivit. 
Beide Schriftsteller lebten im sechzehnten Jahrhundert. 

'®) Was Grünau von den Grenzen, den Burgen und dem Namen der Land- 
schaft sagt, hat sieh grossentheils auch noch in Voigts Geschichte Preussens, 
Bd. 1, S. 483 ff. fortgeschleppt. Das Verkehrteste aber, was sich erdenken 
liess, war die Nebeneinanderstellung von Pogesanien und Hockerland als ver- 
schiedener Landschaften. Dieser falsche Gebrauch des veralteten Namens 
Hockerland hat sich aber aus der Burgonkarte sogar in den Atlas von Sydow 
fortgepflanzt. 

80) Dusburg 111. c* 27. 

8^) Ein civis Warmiensis, d. h. nach dem Zusammenhange ein Bürger von 
Frauenburg, kommt zuerst vor in einer Urkunde des Bischofs Johann von 
1365, Liber privil. des bischöfl.- Archivs, C. 1. fol. 4 ff. Später kehrt der 
Name Warmia für Frauenburg Öfter wieder, sowohl in Urkunden als auch bei 
Treter p. 5, 17. - 

8^) Merkwürdig ist doch der Ausdruck Terra Warmiae, in qua civitas 
Elbingum fundata dicitur, in der Bulle von 1246, Cod. dipl. Pruss. I. n. 70, 
der freilich im Nothfall auch auf die Diöcese gedeutet werden könnte. Be- 
achtenswerth ist auch das Patibulum Warmitarum zu Elbing in der Elbinger 
Handfeste. 



Landschaften. 17 

vor Ankunft des deutschen Ordens eine Burg finden, auf erme- 
ländischem Boden ®^) ; dasselbe darf man nach Dusburgs Darstel- 
lung wohl auch von Brandenburg und dem nicht weit von Bran- 
denburg gelegenen Pokarwen, jetzt Pokarben, annehmen®*). 
"Wenn das Lemptenburg in der für die Lübecker 1246 ausge- 
stellten Urkunde ^^) wirklich Lenzenburg bezeichnet (woran 
man kaum noch zweifeln kann), so erstreckte sich Ermeland am 
Haff nicht nur bis Brandenburg, in dessen Nähe Lenzenburg 
lag, sondern bis in die Nähe der Pregelmündung, da nach der 
genannten Urkunde etwa 7 Quadratmeilen zwischen Lenzenburg, 
dem Haff, der Pregelmündung und der Natangischen Grenze ab- 
gemessen werden sollten ®^). Nach der Friedensurkunde von 
1249 sollten die Ermeländer sechs Kirchen erbauen: 1) in dem 
Dorfe, in welchem Jedun wohnte, 2) in Sunines, 3) in Ban- 
dadis, 4) in Slinia, 5) in Wuntenowe, 6) in Brusebergue. Diese 
Orte sind vielleicht wieder als die Hauptorte von Territorien 
anzusehen, gerade so wie diejenigen, an welchen die Pomesanier 
ihre Kirchen erbauen sollten, es nach urkundlichen Zeugnissen 
wirklich waren. Aber die Deutung derselben ist unsicher. Bru- 
sebergue scheint Braunsberg zu bezeichnen ®^). Der Wohnort 
Jeduns ist vielleicht nach Gedauten, Kirchspiels Henrikau, zu 
legen. Sunines dürfte sich in Sugnienen bei Melsack, Slinia 
in Schillgehnen , südöstlich von Braunsberg nahe der Passarge, 
Bandadis in Banditten, zwischen Kreutzburg und Zinten, Wun- 
tenowe in Huntenau, später Kammeramt, bei Brandenburg wie- 
derfinden ®®). Neuerdings ist die Hypothese aufgestellt und sehr 



83) Dusburg 111. c. 18. 

8*) Dusburg 111. c. 86. 

8») Cod. dipl. Pruss. 1. n. 66. 

®*) Vgl. meine Abhandlung über die Theüung der Diöcese Samland in den 
N. P. P. Bl. 1850, Bd. 2, S. 177 ff. 

®') Ob aus Preussenberg entstanden? Die Zusammenstellung Braunsbergs 
mit Bruno Bischof von Olmütz, welcher mit Ottokar 1254 in Preussen war, 
zuerst bei Plastwig de vitis episc. Varm. p. 4, ist jedenfalls haltlos. Eine 
alte Landwehr, terrae defensio, bei Braunsberg wird erwähnt in der Urkunde 
Cod. dipl. Pruss. 11. n. 6. 

^) Der Name Bandadis ist von Voigt, Bd. 2, S. 629, Anm. 2, in der an- 
gegebenen Weise gedeutet. Beckmann de primo episc. Varm. p. 6, Anm. 27 
ffthrt aus einer Urkunde von 1292 einen Ort Bundotaneys im £rmelande an, 
dessen Lage aber nicht genauer bestimmt ist. Über die Identität der Namen 

2 



18 Aelteste Zeit. 

wahrscheinlich gemacht, dass Wormdit nicht nur zu den Terri- 
torien des alten Ennelandes gehörte, sondern auch der ganzen 
Landschaft den Namen gegeben habe (man liest in einer Ur- 
kunde von 1388 Wormedithe und Warmeland dicht neben ein- 
ander ®^)). Ferner gehörte zu den ermeländischen Territorien 
Wewa oder Malcekuke, die Gegend, wo später Melsack angelegt 
wurde ^^), auch wohl das von Dusburg erwähnte territorium 
Glottowiae Wanniensis dioecesis ^ *), in welchem später Gutstadt 
erbaut wurde ^2); denn die Golotiner erscheinen als gefürchtete 
Feinde des Ordens an der Spitze der Warmier^^). Wir finden 
den Namen in dem Kirchdorfe Glottau bei Gutstadt erhalten, 
üeber Glottau hinaus nach Süden können wir altermeländisohen 
Boden nicht nachweisen; ebensowenig jenseits der Alle; im 
Nordosten bildete die Grenze des Landes eine Linie, die sich 
etwa von der Pregelmündung gegen Heilsberg hinzog ; denn Von 
Heilsberg wird ausdrücklich bemerkt, dass es auf altermelän- 
dischem Boden errichtet sei^*). 

In Natangen sollten nach der Friedensurkunde von 1249 



Wuntenowe und Huntenau .vgl. Mülverstedt in den N. P. P. Bl. 1857, Bd. 1, 
S. 73. Auch Huntenau ist jetzt yerschollen ; auch Dalwein, der Wald im 
Huntenau' sehen Lande, den Hennenberger S. 63 anführt, schwerlich noch 
nachweisbar. Die Lage des Orts ist nur aus Hennenbergers Karte zu ent- 
nehmen. Für Schillgehnen kommen auch die Formen Schiigen 1322 und Schi- 
Heine 1388 vor. Vgl. Mülverstedt, N. P. P. Bl. 1857, Bd. 1, S. 294. 

80) Mülverstedt, N. P. P. Bl. 1857, Bd. 1, S. 182 ff. 

öö) Territorium Malcekuke in der Urkunde von 1312, Cod. dipl. Pruss. II. 
n. 68. Wewa, ita fuit antiquitus tractus Melsaccensis vocatus — in einer 
ermeländischen Grenzurkunde, auf die wir zurückkommen. Ob dieses Wewa 
mit dem Weweden der Hochmeisterchronik zusammengestellt werden darf? 
Vgl. Toppen, Preuss. Historiogr. S. 78 (ein Ort Schyimen kommt unter den 
Ortschaften des späteren Kammeramtes Natangen vor). 

8») Dusburg III. c. 268. 

02) Dusburg III. c. 353. 

03) Dusburg III. c. 23. Vgl. Voigt, Bd. 2, S. 388, Anm. 1. 

04) Dusburg III. c. 27. Voigt beruft sich bei der Betrachtung des Ermc- 
landes, S. 486 flf., mehrfach auf Schriften, die keine Gewähr leisten. Er will 
Dusburg nicht glauben, dass Hcilsbei^ im alten Warmien gegründet sei, und 
meint, der Chronist habe die spätere Eintheilung der bischöflichen Diocesen 
nicht vergessen können. Dies ist aber nicht wahrscheinlich, wenn man be- 
denkt, dass er Balga zu Ermeland rechnet, Rössel davon ausschliesst und nach 
I3arten versetzt. Die Urkunden, nach welchen Zinthen in alten Zeiten zu 
Warmien gehörte, sind seltsamer Weise nicht genannt. Es ist itber wohl nur 
die Friedensurkunde von 1249 gemeint, die hierher gehört, wenn die obige 
Deutung von Bandadis richtig ist. 



Landschaften. 19 

nur drei Kirchen erbaut werden, nämlich in Sutwiert, Tumnlone 
und Labegow. Wir sehen diese Orte wieder als Territorien an. 
Ein Labegow in Natangen (das samländische ist bekannter) wird 
auch noch später angeführt ^^) ; der Name steckt vielleicht in 
dem heutigen Labehnen, zwischen Zinten und Kreutzburg; Tum- 
mone (statt Tumpne?) weist vielleicht auf Domnau, Sutwiert 
(wahrscheinlich Sucwiert) auf Sausgarten bei Preuss. - Eilau ^^). 
Auch Solide w, in dessen Nähe das spätere Kreutzburg erbaut 
wurde ^^) (vgl. den Namen des heutigen Sollau), und Sclumen, 
dessen Name in dem des adligen Gutes Giemen, zwischen Bar- 
tenstein und Preuss.-Eilau erhalten zu sein scheint^®), werden 
als Territorien erwähnt ^^). Eine der berühmtesten Burgen Na- 
tangens war Beselede bei Bartenstein, deren Namen noch jetzt 
das Dorf Beisleiden trägt *^°). Zur Bezeichnung der südwest- 
lichen Grenze der Landschaft gegen Ermeland ist noch zu be- 
merken, dass das Dörfchen Krücken, südlich von Kreutzburg, 
noch zu Natangen *ö*), Pluth dagegen schon zu Ermeland ge- 
hörte *°2). Dass der Pregel die Nordgrenze der Landschaft gegen 
Samland bildete, ist kaum zu bezweifeln, wenn es auch nicht 
ausdrücklich überliefert ist. Im Osten bezeichnete, wie sich 
später näher ergeben wird, die Alle wenigstens theil weise die 
Grenze gegen Barten. 



9*) S. die von Mülverstedt m den N. P. P. Bl. Neue Folge, Bd. 7, S. 285, 
Anm. angeführten Namen. 

ö6) Ob niclit der berühmte Ordensritter Heinrich Zutswert bei Dusburg III. 
c. 234 flF. (bei Jeroschin freilich Zukeswerth) von diesem Orte seinen Namen 
hat? Es fällt mir auf, dass er in Voigts Namenscodex der deutschen Ordens- 
beamten „von" Zuckschwert genannt wird. In den mir eben zugänglichen Ur- 
kunden, z. B. vom 2. Januar 1289, heisst er Heinrich, ohne Zusatz. 

9^) Dusburg III. c. 125. 

98) Dusburg III. c. 255. Vgl. Voigt, Bd. 4, S. 108. 

99) In der terra Wolmensis bei Wigand p. 82 steckt nach Voigts Ver- 
muthung, Bd. 5, S. 60, Anm. 1, wohl der Name Wommen; ich trage aber Be- 
denken, Wommen als eigenes Territorium anzuführen, da es später (und so 
wohl auch schon in alter Zeit) zu Wohnsdorf gehörte. Vgl. Haken- und 
Hubenbuch auf Samland im geh. Archiv. 

«00) Dusburg III. c. 169. Vgl. Gottschalk in den N. P. P. Bl. 1847, Bd. 1, 
S. 203, der die Lage dieser Burg noch genauer als Voigt, Bd. 1, S. 490, angiebt. 

>oi) Dusburg III. c. 65. 

»02) Urkunde von 1251, Cod dipl. Pruss. II. n. 1. Auf der Burgenkarte 
bei Voigt sind auch noch Perwilten, Ölobuhnen und Pilzen (statt Pitzen) als 
Heidenburgen aufgeführt. Ich kenne den Grund dieser Angabe nicht. 

2* 



20 Aelteste Zeit 

NördUch vom Pregel und vom frischen Haff bis zur Ostsee 
und zum kurischen Haff erstreckte sich die Halbinsel Sam- 
land. Sie markirte sich nicht nur als ein eigenthümlich ge- 
bildetes Glied des Preussenlandes, sondern stand in heidnischen 
Zeiten, als die Gegend von Memel noch zu Kurland, Weichsel- 
münde zu Pommern gehörte, auch allein dem Verkehr fremder 
Nationen offen. Sie ist daher zuerst jenseits des Meeres be- 
kannt geworden und durchweg neben dem Gesammtnamen Preus- 
sens genannt ^^^) , und dies ist wohl auch der Grund , weshalb 
noch in der Ordenszeit der Ausdruck Prutheni et Sambitae ganz 
gewöhnlich gebraucht wurde '^*). Unter den Territorien dieser 
Landschaft werden Medenau, Rudau, Quednau, "Waldau, Kaymen, 
Sugurbi (später Tapiau) in der Geschichte des Kreuzzuges des 
Königs Ottokar 1254 und 1255 hervorgehoben*^^); in der Ge- 
schichte der Empörung 1260 ff. werden ferner genannt Wargen, 
Öchaaken, Pobethen (dessen Bewohner für die wildesten und 
mächtigsten aller Samländer galten; ein einzelnes Dorf stellte 
hier an 500 rüstiger Krieger), Einau *^^) ; ausserdem noch Deme, 
das Gebiet, zu welchem die Feldmark der Stadt Königsberg 
gehört *°0, Powunden 'o^) und Labiau *^^). Es gab aber gewiss 
noch andere Territorien, nur dass sie sich als solche nicht deut- 
lich unterscheiden lassen * *^). Den gangbaren Ausdruck Terri- 



»03) Vgl. Voigt, Bd. 1, S. 299—301. 

*°*) In zahlreichen Urkunden. 

»0») Dusburg 111. c. 70, vgl. 107. 

>06) Dusburg 111. c. 99—106. 

'0') Urkunde von 1257 bei Dreger n. 290. 

»08) Dusburg 111. c. 296. 

109) Wigand p. 94—96. 

»*o) In der Theilungsurkunde über Samland von 1258, Cod. dipl. Pruss. I. 
n. 116, werden mehrere der oben erwähnten Territorien wieder genannt, aber 
auffallender Weise nicht alle, daneben zahlreiche andere Namen, von denen 
man eben deswegen nicht weiss, ob sie Territorien bezeichnen. Eine heidni- 
sche Burg Garbick soll nicht weit von Kranz, am rechten Ufer der Bledauer 
Bek, gestanden haben. Stein, Memorab. Pruss. in Act. Bor. 1, 209. Vgl. N. 
P. P. Bl. 1846, Bd. 2, S. 445. Eine alte Landwehr (terrae defensio) bei 
Fischansen wird erwähnt Cod. dipl. Pruss. 11. n. 50, und 111. n. 1, ein fos- 
satum antiquum (Landwehr) Rogarbe dictum zwischen Wyckow und Greibow 
N. P. P. Bl. 1851, Bd. 1, S. 286, vgl. S. 363, not. 7, ein fossatum antiquum 
zwischen Bomehnen und Sandlauken ebenda S. 364, not. 26. Bei Gallgarben 
(südöstlich von Schaaken) spricht man von einem alten Schlossberge, vgl. 
Hennenberger S. 137, desgleichen bei Trempau. Die auf Yoigt's Burgenkarte 



Landschaften. 21 

torium vertritt in einigen samländischen Urkunden der wahr- 
scheinlich preussische: Polca. Der südwestliche Theil von Sam- 
land, wo später das Schloss Lochstedt angelegt wurde, trug in 
alten Zeiten den Namen Witlandsort * * '), d. h. Ende von Witland. 
Von den östlichen Landschaften Preussens müssen wir zu- 
erst Barten betrachten, da ein günstiger Zufall uns genauere 
Kenntniss über die Grenzen dieser Landschaft als über die der 
übrigen erhalten hat. Wir besitzen nämlich eine Urkunde , in 
welcher der Christburger Comthur Luther von Braunschweig im 
Auftrage des Hochmeisters im Jahre 1326 die Grenzen von 
Barten gegen Natangen, Wohnsdorf, Nadrauen, Galinden und 
das Land des Bischofs von Ermeland bezeichnet ' ^^). Die ersten 
Bestimmungen der Grenze gegen Natangen sind nicht mehr 
nachweisbar, dann aber wurde sie gebildet durch die „Alle, also 
sie geht bis gegen den Suitomedien" (heilige Wald), wo dann 
die Grenze gegen Wohnsdorf anfangt. Hieraus ergiebt sich, dass 
die Grenze zwischen Natangen und Barten nur in ihrem nörd- 
lichen Verlaufe durch die Alle selbst gebildet wurde, nicht in 
dem südlicheren, wo sie sich dem bischöflichen Ermelande näherte. 
Ob hier ein Zipfel von Natangen oder von Barten sich über die 
Alle hin erstreckte, muss dahin gestellt bleiben. Die Grenze 
zwischen Barten und Wohnsdorf bildet eine Linie von dem Sui- 
tomedien, vorbei an dem Curtmedien (Kortmedien zwischen Omet 
und Abt), an das Fliess Awsswene (Schweine), wo es in den Wald 
Perses (?) kommt. Hier beginnt die Grenze gegen Nadrauen; 
sie geht das Fliess aufwärts zu dem See Asnenis (soll heissen 
Asvenis, Aschwein bei Nordenburg) und weiter zu dem See 
Resen (Besau bei Drengfurth). Die Grenze gegen Galinden end- 
lich, welche hier beginnt und durch mehrere jetzt nichfnach- 



noch aufgenommene Heidenburg Conowedit ist wohl als ein entstellter Name 
zu streichen. Vgl. Toppen, Preuss. Historiogr. S. 78. Ob auf den Hausen- 
bergen Heidenburgen standen, wie auf der Burgenkarte ebenfalls vorausgesetzt 
ist, ist nicht überliefert. 

111) Dusburg in. c. 107. 

"2) Sie ist in Baczko's Annalen 1792, Quart. 1, S. 81 gedruckt, aber in 
den Kegesten des Cod. dipl. Pruss. nicht angezeigt. Voigt hat sie gekannt, 
auch theilweise benutzt, S. 489, Anm. 1, S. 491, Anm. 1, S. 499, Anm. 6, 
aber weder im Einzelnen erläutert, noch auch der haltlosen Tradition gegen- 
über gehörig gewürdigt. Sein Barten ist in vieler Beziehung falsch beschrieben 
und auf der Burgenkarte wieder anders gezeichnet. 



22 Aelteste Zeit. 

weisbare Localitäten bezeichnet ist, lief, woraus ihre Richtung 
im allgemeinen sich ergiebt, nahe bei Wantlauken (Wepelauken, 
d. h. Woplauken nahe bei Eastenburg) vorbei, so dass dieser 
Ort noch zu Barten gehörte. Die Grenze der bischöflichen Land- 
schaft Ermeland, welche den in dieser Urkunde beschriebenen 
Kreis beschliesst, fällt mit den alten Grenzen Bartens nicht zu- 
sammen. Gewiss ist, dass Rössel ^^^) und die Dörfer Santoppen 
und Heinrichsdorf (zwischen Rössel und Bischof stein ***)) noch 
zu Barten gehörten, und dass die l^ordgrenze Ermelands west- 
lich von der Alle einen Wald berührte, der Gross- und Klein- 
Barten schied ^*^). Vielleicht war Gross-Barten der Antheil des 
Ordens, Klein-Barten der des Bischofs. Der !N"ame Plica Barta, 
der bei Dusburg vorkommt und nach ihm das spätere Klein- 
Barten bezeichnet, entbehrt noch immer einer befriedigenden 
Erklärung. Vielleicht ist es verschrieben statt Licu Barta; Licu 
Barta wäre wörtliche Übersetzung von Klein-Barten **ö). Von 
Eintheilung des Landes in Territorien ist nichts überliefert. 
Als alte Heidenburgen werden Waistotepil und Wallewona er- 
wähnt ^*^). Waistotepil , welches wahrscheinlich die Burg des 
"Waystote bezeichnet, ist chorographisch kaum noch nachzu- 
weisen ; Wallewona ist ohne Zweifel das heutige Galwunen, nord- 
westlich von Rastenburg *^^). Auch der der ganzen Landschaft 



"3) Dusburg 111. c. 27. Cod. dipl. Pruss. 111. n. 6. 

'") Nach der Urkunde: Ista est descriptio graniciarum episcopalium et 
capituli aus dem vierzehnten Jahrhundert in dem Folianten des bisehöfl. Ar- 
chivs zu Frauenburg „AUerley Grenzen", Fol. 110. In dem Über privileg. C. 
n. 1 desselben Archivs, Fol. 136, kommt auch eine Verschreibung über sechs 
Hufen in campo Denow in Barthen vor, allein dieses Denow scheint nicht 
mehr nachgewiesen werden zu können. 

"*)*Urkunde von 1251, Cod. dipl. Pruss. 11. n. 1. Major Barta kommt 
auch vor in der Bulle von 1254, Cod. dipl. Pruss. I. n. 96. 

^^^) Vermuthung des Stadtraths Neumann in Elbing. Licu findet sich in 
seinem unedirten altpreussischen Yocabular. 

>") Dusburg 111. c. 109, 111. 

»18) Nach Mülverstedt in den N. P. P. Bl. 1857, Bd. 1, S. 192, 194. 
"Wenn Dusburg a. a. 0. bemerkt, Wallewona habe auch den Namen Wisen- 
burg geführt, so stellt Mülverstedt die Vermuthung auf, Wisenburg sei viel- 
mehr eine Corruption des Namens Waistotepil, und erinnert nun an Weitzdorf 
(früher Weitmandorf) im Südwesten von Eastenburg, S. 197, 198. Hennen- 
berger, S. 470, erwähnt einen Schlossberg am Guber im Dorfe Pleinen (Pleh- 
nen) und bezeichnet ihn als die Stelle, wo „Weissenburg** gestanden hat. Ob 
der Wall- oder Wollberg bei Schippenbeü, wie Voigt Bd. 1, S. 493 annimmt, 
auch eine altheidnische Burg getragen hat, muss dahin gestellt bleiben. 



Landschaften. 23 



/ 



gleichnamige Ort bestand ohne Zweifel schon in heidnischen 
Zeiten » »»). 

Nach der oben erläuterten Urkunde von 1326 stösst an 
Barten nördlich die Landschaft Wohnsdorf an. Wohnsdorf 
wird in eben dieser Urkunde von allen drei benachbarten Land- 
schaften, Barten, Nadrauen und Natangen, ausdrücklich unter- 
schieden; allein als eine Hauptlandschaft wird es nirgend ange- 
führt; Dusburg scheint es als einen Theil von Natangen zu be- 
trachten, und wenn es in der Urkunde von 1326 von Natangen 
unterschieden wird, so kann man den Grund davon darin finden, ^ 
dass Wohnsdorf damals wohl schon zur Comthurei Königsberg ge- 
schlagen war, während das übrige Natangen zu den Comthureien 
Brandenburg und Balga gehörte. Der Name ist wahrscheinlich 
ans dem preussischen Unsatrapis durch Germanisirung entstanden. 
Li diesem Territorium lagen die Burgen Auctolite, Gundau und 
Capostete. Auctolite ist das heutige Wohnsdorf und scheint 
diesen Namen nebenbei auch schon in Heidenzeiten erhalten zu 
haben, während das heutige Vorwerk Augklitten erst später ge- 
gründet ist. Der bei Dusburg vorkommende Name Angetete 
scheint aus Angelete verdorben und keine andere Burg zu be- 
zeichnen als Auctolite. Gundau stand wohl an der Stelle, 
wo wir noch heute westlich von der Alle das Dorf Gundau 
finden. Die Lage von Capostete ist nicht mehr näher nachzu- 
weisen *2^). 

Von der Landschaft Nadrauen kennen wir aus der Urkunde 
von 1326 einen Theil der Südgrenze genau. Westlich stiess es 
nach eben .dieser Urkunde mit Wohnsdorf zusammen ^2*). Es 
war eine der ansehnlichsten Landschaften. Sie erstreckte sich 
nördlich weithin über den Pregel und mag in der Nähe des 



"®) Hennenbergcr, S. 26, erwähnt einen alten Schlossberg zwischen dem 
spateren Schloss und der Stadt Barten. 

"0) Dusburg 111, 73 — 75. Die obigen Sätze über das Territorium Wohns- 
dorf verdanken wir grösstentheils der schönen Abhandlung von v. Mülverstedt 
über das Schloss Wohnsdorf m den N. P. P. Bl. A. F. Bd. 5, S. 321 ff. 

'*') Trotz derselben lässt Voigt 1, 499 den Pregel und die Angerappe die 
Grenze zwischen Nadrauen und !Qg.rten bilden, mit dem fast nicht glaublichen 
Zusätze: „doch finden wir in späterer Zeit (!), dass Nadrauisches Gebiet bis 
gegen Nordenburg hinauflief", wodurch der Widerspruch derselben beseitigt 
werden soll. 



24 Aelteste Zeit 

kurischen Haflfe sogar den Memelstrom erreicht haben ^^% Dus- 
burg erwähnt zwei Territorien Nadrauens, Kethow und Kat- 
tow *^^). Das erstere sucht Voigt in der Gegend von Wehlaa, 
wo sich mehrere Orte mit Namen Richau finden, aber wohl nicht 
Init Wahrscheinlichkeit, da diese Gegend dann jedenfalls früher 
als Wohnsdorf unterworfen wäre, was nach Dusbui^s Bericht 
nicht der Fall ist. Das letztere bezeichnet schon nach Hennen- 
bergers Vermuthung wahrscheinlich die Gegend nordöstlich von 
Gumbinnen, wo der Berg und das Dorf Kattenau liegen. Zu 
. Kattow gehörte die nicht mehr nachweisbare Burg Otholichien ^^*). 
Zwei andere Burgen, von denen man nicht weiss, zu welchen 
Territorien sie gehörten, waren Kaminiswika und Wehlau. Der 
Name der ersteren ^^^) hat sich in dem Kamswikus- Berge bei 
Georgenburg noch jetzt erhalten. Wehlau, erst in der Zeit des 
Kampfes gegen die deutschen Bitter von den Heiden erbaut ^^6)^ 
lag ohne Zweifel an der Stelle des späteren Alt -Wehlau, also 
nördlich vom Pregel. Die Grenze ISTadrauens gegen Samland 
bleibt zweifelhaft; nirgend wird die Deime ausdrücklich als 
Grenze angegeben; wir lassen es daher auch unentschieden, ob 
das Territorium Laukischken *^^) zu Samland oder zu Nadrauen 
gehörte. Eine besondere Merkwürdigkeit dieser Landschaft ist, 
dass sie das berühmte Heiligthum Ro.mowe umschloss. Zwar 
ist man seit Jahren gewöhnt, die Ansicht Voigts als Thatsaclje 
zu wiederholen, dass Romowe in Samland gelegen habe. Allein 
Dusburg, zu dessen Zeit noch Tausende lebten, die zu Romowe 
geopfert hatten, und dessen Chronik sich uns als die tüchtigste 
und zuverlässigste Quelle auch für die Chorographi^ des alten 
Preussen erwiesen hat, sagt ausdrücklich: Romowe lag in Na- 
drauen ^^s)^ u^^ diese Notiz wiegt schwerer als alle Beweise, 
die Voigt, mit Uebergehung derselben, für seine Ansicht beige- 



"2) Dies folgt aus den Urkunden von 1353 und 1366, Cod. dipl. Pruss. III. 
n. 74 u. 93. Voigt kennt für die Nordgrenze keinen sichern Fingerzeig. 
«3) Dusburg 111. c. 171—172. 
"*) Dusburg III, 172. 
125) Dusburg III, 173. 
"«) Dusburg III, 72, 170. 
"') Cod. dipl. Pruss. III. n. 70. 
"8) Dusburg III. c. 5. 



Landschaften. 25 

bracht hat ^^% Es ist vollkommen wahr, dass es im westlichen 
Theile Samlands ein Dorf Rummowe, Romayn oder Romehnen 
seit den Zeiten des Heidenthums her gab und giebt, und dass 
in der G^end desselben auch ein heiliges Feld, ein heiliger 
"Wald und ein „Brandstat" — es sei eine Brandstätte — ge- 
nannt wird; es muss sogar zugestanden werden, dass der Name 
Romowe und ein heiliger Wald neben einander (weniger wichtig 
scheint das heilige Feld, welches von dem heiligen Walde schwer- 
lich getrennt werden kann, und am wenigsten wichtig die Brand- 
stätte, die man sich nothwendig in jedem heiligen Walde denken 
muss) an keiner anderen Stelle mit solcher Sicherheit nachge- 
wiesen sind, als in Samland. Allein hiebei ist zu bedenken, 
dass die Handfesten und Verschreibungen keiner Landschaft in 
solcher Vollständigkeit erhalt-en, so übersichtlich geordnet und 
80 vielfach durchgearbeitet sind, als die samländischen , und 
femer, dass die Fixirung des Namens Romowe auf eine Ort- 
schaft oder gar die Ueberlieferung dieses Namens neben dem 
eines heiligen Feldes als etwas Zufälliges angesehen werden 
muss, da eine grosse Menge der altheidnischen Ortschaften zer- 
stört oder mit neuen deutschen Namen belegt sind. Nun gab 
es eine grosse Menge heiliger Wälder in allen Landschaften 
Preussens ^^^), ebenso haben sich eine grosse Menge von Orts- 
namen erhalten, in welchen sich das Stammwort des Namens 



"8) Geschichte Preussens," Bd. 1, S. 640—645. 

*30) In Samland allein kennen wir ihrer viele, bei Romehnen, bei Na- 
strehnen, nördlich von Neuendorf, bei Kragau nach den Urkunden bei Voigt I, 
642, 643, femer bei Blumenau (sacrum nemus) nach der Urkunde von 1326, 
Matric Fischus. p. 22, bei Fobethen nach Hennenbergers Landtafel, S. 350, 
femer bei Trausitten, bei Rachsitten und Bulitten und bei Cayraek-'nach den 
Urkunden bei Voigt III, 85, Anm., endlich bei Heiligenwalde umd bei Kremitten 
am Pregel nach den Urkunden von 1292 und 1483 bei Voigt I, 642 und 
587, Anm. Denn dass ein einziger Wald alle diese Gebiete von der Ostsee 
bis über Königsberg und Waldau hinaus erfüllt habe, wird schwerlich Je- 
mand mit Voigt annehmen. Wer es dennoch wollte, müsste sich wohl auch 
zu der weiteren Annahme entschliessen, dass ziemlich ^as ganze Preussen von 
dem einen heiligen Walde erfüllt gewesen sei. Denn heilige Wälder kommen 
auch in den anderen Landschaften in ziemlicher Zahl vor. Ich erinnere noch 
an den heiligen Wald Labun, südlich von Königsberg, Handfeste der Altstadt 
Königsberg von 1286, an den oben erwähnten Suitomedien (d. h. heiliger 
Wald) zwischen Wohnsdorf und Barten, an den heiligen Wald bei Melsack 
(Urkunde von 1325 im Ermel. Privilegienbuch, p. 35), an den bei Alt-Christ- 
burg (vgl. Voigt I, 482, Anm. 4). Zweifelhaft sind mir der heilige Wald bei 
Schippenbeil, welcher erst aus einem Pollenwalde (Bollenwalde ?) herausgebracht 



26 Aelteste Zeit. 

<^~ Romowe -wiederfindet ^^^), und hierin liegt die hinreichende Be- 
gründung der allgemein und auch von Voigt ^^^) gebilligten An- 
sicht, dass es ausser dem von Dusburg hervorgehobenen Romowe 
noch manche andere heilige Orte desselben oder ähnlichen Na- 
mens gegeben habe. Und solche Hciligthümer fanden sich nicht 
bloss in Preussen, sondern auch in dem benachbarten Samaiten ^3*). 
Sobald nun aber mehrere Heiligthümer des Namens Romowe 
oder eines ähnlichen angenommen werden, so fragt sich: wot 
durch ist denn die grössere Bedeutung jenes samländischen er- 
wiesen? Es giebt nicht den geringsten Anlass, Dusburgs aus- 
drückliche Angabe, Romowe habe in Nadrauen gelegen, zu be- 
zweifeln '^*). Yielmehr möchte die Notiz, welche er hinzufügt, 
der Criwe in Romowe sei auch von den Lithauem verehrt 
worden, besser noch auf das Nadrauische als auf das Samlän- 
dische Romowe passen. Die Stelle freilich lässt sich nicht mehr 
näher bestimmen ^^^), 



ist (Voigt 1, 495, Anm.), und der bei Heiligenbeil, welcher der ächten erme- 
ländischen Tradition bei Plastwig de vitis episc. Varm. noch fremd ist tmd 
erst bei Grünau vorkommt. 

^3') Voigt hat eine ganze Reihe zusammengestellt, Bd. 1, S. 181, Anm., 
und 596, Anm. 1. 

"2) Bd. 1, S. 595, 596. So z. B. bei Alt - Christburg , Bd. 1, S. 482, 
Anm. 4, und bei Schippenbeil, Bd. 1, S. 492 — 495. Mit dem Komowe bei 
Schippenbeil steht es freilich mehr als bedenklich , da das dortige Romsdorf 
seinen Natnen wahrscheinlich von einem Besitzer mit dem Taufnamen Romanus 
hatte, V. Mülverstedt in den N. P. P. Bl. A. F. Bd. 5, S. 334 ff., und der 
dortige Pollenwald wohl ebenso gut ein Bullenwald als ein PikoUo-Wald, ein 
heiliger Wald, sein kann. 

i33\ Wovon unten. 

*3*) Hierher gehört das, was Voigt I, 644 anführt. Allein die Notizen 
aus Lucas David und Hennenberger enthalten nichts als müssige Einfälle Grü- 
naues, das Zcugniss der Hochmeister -Chronik hat aber gegen Dusburg nidtts 
zu bedeuten. Ueber ihren Werth und ihre Quellen habe ich in der Gesehitbte 
der preuss. Historiogr. S. 55 ff. gesprochen. Der Chronist, der das AHe 
Preussen an Sachsen und Pommern grenzen lässt und eben an dieser St^e 
augenscheinlich Dusburg folgt, sah sich, wie es scheint, berufen, an die Stelle 
des weniger bekannten Namens Nadrauen den in seiner Zeit üblichen zu setzen. 
In seiner Zeit aber umfasste der samländische Kreis auch Nadrauen. Uebrigens 
sagt er: der preussische Pabst habe seine Wohnung allezeit ^auf dem Sam- 
land oder Nadrauen" in dem Dorfe Roman gehabt. 

»3») Zschokke in den N. P. P. BL, Bd. 3, S. 179 — 185, vgl. Bd. 4, 
S. 498 — 500, weist auf einen See Romitten, nahe dem Kamswikusberge, und 
deutet den eben dorthin gehörigen Namen Schweislauken als heiliges Feld. 
Vielleicht darf man an den Bach Romene, einen Nebenfluss der Rauschwe, 
denken, an welchem ein Ort Romanuppen liegt. Gervais, in den Beiträgen 



Landschaften. 27 

Die nördlichste Landschaft Preusscns, Schalauen, lag an 
beiden Seiten des Memelstromes ^^^) und grenzte einerseits an 
Nadrauen, andererseits an Lithauen. Drei heidnische Burgen des 
Landes werden uns genannt: Ragnit, Sareka und Sassau. Ueher 
die Lage von Ragnit *^^) ist kein Zweifel; Sareka lag nach Dus- 
burgs ausdrücklicher Bemerkung in dem an Lithauen grenzenden 
Theile Schalauens ^3®)-und weist vielleicht nach Scheraky, einem 
Orte am Juraflusse, noch nördlich von Tauroggen, also jenseits 
der heutigen preussischen Grenze ^^^). Sassau mag bei dem 
Dorfe Sassupönen, in der Nahe der Inster, gelegen haben **o). 

Von den beiden noch übrigen preussischen Landschaften 
grenzt G alinden**') im Norden, wie wir sahen, an Barten. 
Eine Linie von Nordenburg, bei Woplauken vorbei, gegen Rössel 
hin bildete die Grenzö. Auch das Gebiet von Angerburg und 
Lötzen gehörte zu Galinden ^^^). Im Süden grenzte es an Ma- 
sovien. Hier zog sich die Grenze von dem Einfluss der Wysa 
in den Bober längs der erstem hinauf bis zu dem „alten Wege", 
wo man dieselbe zu überschreiten pflegt (bei Rackowo, oberhalb 
Szczuczyn?), von demselben fort nach dem Ende des Waldes 
Narvomede, ferner zum Fluss Vincente und längs demselben 
fort bis zur Einmündung desselben in die Pyse (Pischfluss). 



zur Kunde Preussens, Bd. 2, S. 113, 118, ermnert an den Rominter (Romo- 
witer) Wald und die in den Dainos vielfach verherrlichten Ufer der Rominte. 
Endlich sei hier noch an die Rieseneiche bei Oppen (Welau) erinnert, die 
Hennenberger S. 472, 473 erwähnt. 

"«) Dusburg III. c. 176. 

"^ Dusburg III. c. 178. 

138) Dusburg III. c. 181. 

139) Ich weiss nicht, ob dies Scheraky derselbe Ort mit dem von Voigt I, 
509, Anm. 1 angezogenen Scharken bei Schelen ist. Weniger wahrscheinlich 
ist seine Hindeutung auf Scharken zwischen Inster und Memel, Bd. 3, S. 340, 
Anm. und auf der Burgenkarte. 

"0) Dusburg III. c. 183. Vgl. Voigt I, 509, Anm. 2. Auf Voigts Bur- 
genkarte sind in Schalauen auch Pillkallen und ein Pillal-Berg, wahrscheinlich 
mit Rücksicht auf die Bedeutung von Pil (Berg), als Heidenburgen, aufgeführt; 
femer Rambin, bekannt als heiliger Berg ; endlich noch vier andere zum Theil 
namenlose, über die mir nichts Näheres bekannt ist. 

"») Auch Galandia und Galanda in den Urkunden von 1254, 1257, 1268, 
Cod. dipl. Pruss. I. n. 96, 106, 155. Einmal Golentz, Urkunde von 1255, 
Cod. dipl. Pruss. I. n. 102. 

^*^ Nach der Urkunde des HM. Dietrich von Altenburg in Baczko's An- 
nalen 1792, Quart. 1, S. 84. 



28 Aelteste Zeit 

Von dem Pischflusse aus geht sie, an dem See Robins (kann 
nur auf den Lacha-See zwischen Pisch und Turosl gedeutet 
werden) vorbei, über die Flüsse Turgawiten (Turosl), Ditwo 
(Skwa), Butzogo (Rosqga) und Luko (Nebenfluss des Omulef 
— ungewiss, ob Trip oder Walpusch) nach der Heide, neben 
dem Bruche Pribrodes, so dass dieser Bruch zur Rechten bleibt, 
endlich zum Flusse Aretis (Orzic) ^*^). Die Flüsse Orzic und 
Vincente bildeten auch später und bis auf den heutigen Tag die 
Grenze gegen Polen. Mit der Nord- und Südgrenze der Land- 
schaft sind auch die westliche und östliche ungefähr bestimmt. 
Im "Westen berührte sie wohl Sassen und, die Gegend von War- 
tenburg einschliessend ^**), Ermeland oder, falls dies nicht so 
weit nach Süden hinabreichte, Pogesanien; im Osten reichte sie 
über Maurer- und Spirding-See weit hinaus. Trotz dieses sehr 
bedeutenden TJmfanges wird sie in der Geschichte des Eroberungs^ 
krieges der Ordensritter nur selten erwähnt; doch weiss Dusbuig 
von. einer furchtbaren Verheerung derselben durch die Polen 
einige Menschenalter vor der Ankunft der deutschen Ritter in 
Preussen '*^). Das einzige Territorium der Landschaft, welches 



143) Nach der Urkunde: Hec sunt antique granicie sive gades inter terram 
Galindin et Masoviam, in den Privil. des Stifts Samland, p. 227. Vgl. Voig^t, 
Bd. 1, S. 496. Sie ist flücMig geschrieben; so steht z. B. gleich im An- 
fange fluvium Wuyss descendendo, wo nur ascendendo Sinn gicbt, da Yon der 
Mündung des Flusses ausgegangen wird; später fehlen einzelne Worte. Der 
Lacha-See führt' noch auf der Hennenbergerschen Karte den Namen Ribno, 
der nun yerschollen ist. Ueber den Luko später Näheres. Voigts Bemerkung, 
dass der beträchtliche Landstrich von dem Städtchen Kadzilowo bis gegen 
Chorzelen früher zu Qalinden gehört habe, beruht auf einem Irrthum; es 
widersprechen seiner Annahme direct der alte Weg, die Vincente und der Lachasee. 

"*) Dusburg 111. c. 353. Nach der Urkunde, welche Plastwig p. 11 yor 
Augen hatte, grenzte Qalinden an Nadroma (Nadrovia), Sndoma (Sudoyia), 
Polonia, Bartingen, Gunlauken, Barthen; aber in dieser Urkunde scheint nur 
der jenseits der Südostgrenzo des Bisthums Ermeland gelegene Theil yon Gha- 
lindien beschrieben, und nur deshalb Gunlauken (yicUeicht auch Bertung) yon 
Galindien ausgeschlossen zu sein. Der Grenzfluss Nare, der hier noch ange- 
führt wird (im Druck steht Nate, was an Netta erinnert), ist kaum nachzu- 
weisen; an Narew dürfte man nur denken, wenn sich bestätigte, dass die oben 
angeführte Grenzbeschreibung doch noch nicht die älteste Zeit berücksichtigte. 
Ganz haltlos ist die Vermuthung Voigts 1, 488, Galinden hätte sich westlich 
bis zu dem gleichnamigen Dorfe nahe bei Mehrungen erstreckt. Auch das 
Gallingen im Bartensteiner Kreise hiess früher Galinden (Cod. dipl. Pruss. 111. 
n. 119), und dieser Name findet sich auch sonst noch oft, z. B. in den Kreisen 
Preuss.-Eilau und Heiligenbeil, ohne alle Beziehung auf die Landschaft Galinden. 

"») Dusburg II. 0. 4, 



Landschaften. 29 

wir keimen, ist Gunlauken, in welchem spater die Stadt War- 
tenbarg angelegt wurde ^*®). Der Lötzener See wird unter dem 
Namen Ne votin erwähnt ^^^) und an denselben die ganz abge- 
rissene Notiz geknüpft, „dass Jesugub, der Galinder König, soll 
eine Meile von Lötzen im See gewohnt haben, da noch ein 
Schlossberg zu sehen ist" ^*®). 

Sudaaen, die letzte Landschaft, welche der Orden erst 
nach heldenmüthiger vieljähriger Vertheidigung unterwarf, aber 
in dem zu Brzesc 1435 abgeschlossenen Frieden grossentheils 
verlor, lag weit dem grössten Theile nach jenseits der Grenzen 
des heutigen Preussen. Es stiess im Westen mit Nadrauen und 
Galinden zusammen; dass es im Osten sich bis zur Memel er- 
streckte, folgt schon aus der Angabe Dusburgs ^*^), dass dieser 
Strom Preussens Grenze gebildet habe', weil keine der übrigen 
Landschaften östlicher als Sudauen gesetzt werden kann. Damit 
ganz übereinstimmend, bezeichnet König Wenzel im Jahre 1410 
das Land Grodno ausdrücklich als unmittelbar an Sudauen an- 
grenzend ^^^). Aber auch nordwärts erreichte Sudauen die Me- 
mel, wie die über die Ostgrenze im fünfzehnten Jahrhundert ge- 
pflogenen Unterhandlungen zeigen, namentlich aber ein später aus- 



"*) Wigand p. 98. Hiemit stimmt eme Urkunde von 1331 im Frauen- 
barger Archiy, Liber priyüeg. C. n. 1, fol. 113, überein, in welcher Bischof 
Heinrich yon Ermeland die Verleihung von vier Haken an Naglande bestätigt : 
in campis Gunelauken prutenice nominatis — incipientes a fluvio, qui frigidus 
riTuIus appellatur, et ad lacum, qui Yroch dicitur, ultra Fissam (bei Warten- 
barg) se pretendentes. 

"^ Dusbarg IIL c. 197. 

»*8) Hennenberger, kurze Beschreibung etc., Bl. 43, Landtafel, S. 136. Er 
hat die Notiz von Luc. David, dieser aus einem alten Buch. Dieses fiXie 
Bach ist wahrscheinlich Plastwigs Schrift de vitis episc. Yarm. , wo es nach 
einer Urkunde p. 11 heisst*. quod major rex Galindiae habitaverit circa lacum 
nomine Nabentine, qui est ad medium müliare^ab illa parte Lutczen versus 
Livonias (oder nach der Handschrift usque Lituanos), et vocabatur rex ille 
Yesgulp (nach der Handschrift Ycsegups). Aus derselben Quelle stammt offen- 
bar Hennenbergers Kcnntniss von d^ Grenzen Galii^diena, S. 13&. 'Auf Voigts 
Burgenkarte fehlt dieser Schlossberg; dagegen zeigt sie Heidenburgen zu Szy- 
ballen, Sorquitten, Janowen (auch Janumest nach Henncnberger, S. 160), über 
deren Existenz ich nichts beizubringen vermag. Yon der Jagdbude Maytz 
sagt Hennenberger S. 312, dass sie auf einem Schlossberge stehe; ebenso von 
der Jagdbude Jedwabno (S. 137) ; die andern von ihm erwähnten und auf 
der Bargenkarte eingetragenen Jagdbuden gehören schwerlich hierher. 

"») Dusburg III. c. 2. 

>»o) Urkunde Wenzels von 1410 bei Hennig de rebus Jazygum sive Ja- 
swingorum comment. posterior. Begiomonti 1812, addit. 1. 



80 Aeltesto Zeit 

führlicher zu erörternder schiedsrichterlicher Spruch vom Jahre 
1420, nach welchem längs der Memel, oberhalb und unter- 
halb Kowno, ein Streifen Landes von fünf Meilen Breite „durch 
das Sudauerland" abgemessen werden soll ^^')' A-ls Territorien 
dieser Landschaft werden erwähnt: Kimenau ^^*^), Merunisken ^^^), 
Pokimen ^^^) , Krasine ^^^) , Seilen ^^^) und Kirsau ^^f). Am 
sichersten ist unter allen diesen Namen der von Merunisken 
nachzuweisen; er ist offenbar in Mierunsken'bei Filipowo, nahe 
der heutigen preussischen Grenze, erhalten. Kirsau deutete Hen- 
nenberger auf Kryssowa und nach ihm Hennig ^^^) auf Krysso- 
wen, ein Dorf nordöstlich von Biala, Voigt ^^^) auf Krzywen, 
den Namen dreier Dörfer zwischen Oletzko und Arys, westlich 
vom Laszmiadensee. Allein die Gegend von Kryssowen ist n^otk 
dem Obigen jedenfalls noch zu Galinden zu rechnen, vielleicht 
auch die von Krzywen; aber dieser Name findet sich auch noch 
nordöstlich vom Laszmiadqnsee wieder, in der Form Kirzysewen 
Östlich vom Scomentsee, in der Form Krzysöwken östlich von 
Oletzko, hart an der heutigen Grenze. Krasine, welches Hennig 
nach eben jenem Krzywen setzt, lässtr sich mit noch grösserer 
Wahrscheinlichkeit auf Krazno oder auf Kraznopol (in der Mitte 
zwischen Filipowo und Grodno) deuten; es ist das Territorium, 
in welchem Skumand herrschte, und mag sich westlich bis zum 
Scomentsee erstreckt haben. Pokimen und Kimenau sind wohl 
zu verbinden, wie die Namen Pobethen und Bethen, Pogirme 
und Germau, Pograude und Grauden neben einander gehen. 
Man kann Kimenau nicht mit Hennig auf Kumilsko deuten, da 
dieser Ort südwestlich von Biala liegt, also noch viel weniger 



»5«) Urkunde von 1420 bei Dogiel IV. n. 88, p. 107. Hennig, p. 13, er- 
innert an die Ortschaft Sudatien nahe bei Georgenbiirg. Bei dieser Ausdehnung 
Sudauens ist es also nicht ^enug, die Ostgrenze des alten Preussen um ein 
Kleines, etwa bis über den Eospuda-See, hinauszuschieben, wie auf der Bur- 
genkarte geschehen ist. 

"2) Dusburg III. c. 188, 212, 214. 

»53) Dusburg III. c. 192. 

«M) Dusburg 111. c. 197. 

«5) Dusburg III. c. 204, 206. 

»") Dusburg III. c. 209. 

»5^) Dusburg III. c. 213. 

»*8) De rebus Jazygum, p. 12. 

"») Bd. 1, S. 69, Anm. 1. 



Landschaften. 31 

als Kryssowen zu Sudauen gezogen werden darf. Voigt sucht 
die Lage des Territoriums durch die des 'Waldes Winse zu fixiren, 
welcl^er nach Dusburg nur einen Tagemarsch von der Hauptburg 
desselben entfernt lag. Er meint ^^°), das heutige Wensöwen, 
nahe bei Eckersberg, nördlich vom Spirdingsee, möchte wohl an 
den Namen Winse erinnern. Allein diese ganze Gegend gehört 
wieder ohne Frage zu Galinden, nicht zu Sudauen '^^). Der 
Xame Kimenau ist vielleicht in Kamien — ein Ort nordöstlich 
von Filipowo, nahe bei Kalwary — wieder zu erkennen ^^2). 
Zur Ermittelung des Territoriums Seilen beruft sich Hennig auf 
Seelken oder Neuhof (zwischen Lyck und Lötzen), Voigt *^^), 
zweifelnd, auf den Ort Seliggen am Seimentsee. Vielleicht lag 
auch dieses viel weiter östlich, üebrigens erinnert es an die in 
Waidemars Lagerbuch angeführte Landschaft Syllones. Ob das 
ebenda vorkommende Peragordia mit Eaygrod (auch Raygord ge- 
sprochen) zusammenzustellen ist? — Ein Burgwall Sunpilken 
an der Suppe (Scheschuppe) , zwei Tageritte von der Furt Ge- 
welta entfernt, wird gegen Ende des vierzehnten Jahrhunderts 
erwähnt i^i). 

In dem schon angeführten schiedsrichterlichen Spruche des 
römischen Königs vom Jahre 1420 wird die Landschaft Sudauen 
mit zwei Namen bezeichnet; es heisst hier : per terram vocatam 
Sudowrland, alias Jecuen; in einem Schreiben Sigismunds von 
1432 kommt gar die Stelle vor: item terra Sudorum sive Jacui- 
•tarum, quod idem est *^^). Wenn König Ottokar in der mehr- 



^«0) Bd. 3, S. 364, Anm. 1. 

*^*) Eher noch könnte man an das WensÖwken denken, welches nordwest- 
lich, vom Laszmiadensee liegt. 

**2) Der Einwand, Pokimen müsse östlich vom Löwentinsee gelegen haben, 
den man nach Voigt 111, 372, Anm. 2 etwa machen könnte, weil ein Ordens- 
herr auf dem Heimzuge von Pokimen über den letzteren zog, ist wohl nicht 
stichhaltig. Auf Verheerungszügen wählt man nicht gerade den kürzesten Weg. 

'^3) Bd. 2, S. 396, Anm. 3. Seelken hat seinen Namen nach einer Frauen- 
burger Urkunde von einer Person Namens Seelke, kann also hier nicht in Be- 
tracht gezogen werden. Einen Schlossberg am Grodiszke-See (Grodzisko, öst- 
lich von Angerburg) erwähnt Hennenberger, Seeen, Ströme etc. S. 12. üeber 
andere Heidenburgen, auf welche Voigts Burgenkarte deutet, ist mir nichts 
bekannt geworden. 

"4) Cod. dipl. Pruss. V. n. 86. 

165) Auf diese Urkunden hingewiesen zu haben, ist ein besonderes Ver- 
dienst Hennigs, de rebus Jazygum, p. 14, 15. 



32 Aelteste Zeit 

fach berührten Urkunde von 1268 verspricht, Galinden, das 
Land der Jadzwinger und Lithauen zu unterwerfen, so kann 
man nicht zweifeln , dass dieses Land der Jadzwinger zwisdiien 
Galinden und Lithauen gelegen habe; also diese Urkunde be- 
weist ebenfalls, wenigstens indirect, dass die Sudaner auoh^Jad- 
Zwinger genannt seien. Das Land der Jadzwinger aber nennen 
die Polen Pollexia (das unter dem Walde gelegene). 

Von dieser Thatsache ausgehend, können wir über die Aus- 
dehnung der Landschaft Sudauen nach russischen Quellen, welche 
zahlreiche Kriege der Jadzwinger mit den Küssen erwähnen, 
und nach polnischen Berichten, in welchen Pollexia oft genug 
vorkommt, noch nähere Mittheilungen machen. Von dem alten 
Pollexia hat die Woywodschaft Podlachien den Namen erhalten, 
welche sich von Augustowo südwärts über Narew und Bug hin- 
zieht. Sie umfasst aber weder das ganze Land der PoUexian^, 
noch ist es ausgemacht, dass alle Theile der "Woywodschaft zmn 
alten PoUexianerlande gehört haben. Es mag eine Zeit gegeben 
haben, in der die Pollexianer oder Jadzwinger, Jadwinger, bis über 
die Narew hin ausgebreitet waren; allein nach den sehr detaillirten 
Angaben der russischen Chroniken ist kaum zu bezweifeln, dass 
Brest seit dem Jahre 1097, Drogitschin seit 1142, Kobrin, Mel- 
nik, Kamenetz und Bjelsk jedenfalls seit der Mitte des drei- 
zehnten Jahrhunderts russisch waren ^^^) , dass also in dieser 
Zeit der Narewstrom die Südgrenze des Jadwingerlandes bil- 
dete ^^^). Für die Grenzverhältnisse früherer Zeiten fehlt aber 
jede sichere Spur. Als westliche JS^achbarn der Jadwinger . wer- 
den auch in russischen Quellen die Golgader, d. h. Galinder, 
schon im Jahre 1057 erwähnt *^®). Wie weit sich die Jad- 
winger nach Osten ausbreiteten, ist nicht ganz sicher zu er- 
mitteln. Doch erscheinen Novogrodeck, Slonim und Wilkowisk 



106) Diese Besultate entnehme ich der reichhaltigen und gründlichen Ab- 
handlung: „Bemerkungen über den westlichen Theü des Gouvernements Grodno** 
(russisch), S. 53—68. 

»«7) Ebenda S. 69. 

168) Ebenda S. 50 und 69 nach Nestor. In einem Kriege um 1251 wur- 
den die Jadwinger Yon den verfolgenden Bussen bis zu dem Flusse Oleg 
(Lenka oder Lyck) verfolgt und hier von den Preussen und Bartem (es ist 
das Heer der Ordensritter gemeint, wie die nähere Beschreibung zeigt) Über- 
fallen. Hiernach scheint der Lyckfiuss Grenzfluss gewesen zu sein. 



Ä 



Landschaften. 33 

in der Mitte des dreizehnten Jahrhunderts als russische Städte '^®), 
und weiter hinauf gilt der Njemen nach ziemlich allgemeiner 
Annahme als Grenzfluss *^^). 

Die J adwinger^^^ge^OTt^ nach der einstimmigen Aussage 
der polnischen Chronisten von Kadlubeck an zu dem preussisch- 
Hmauschen Volksstamme ^ ^ ^), und diese Behauptung wird auf das 
bestimmteste dadurch bewiesen, dass wir noch jetzt in dem Um- 
fange des alten Jadwingerlandes , namentlich in den nördlichen 
Theilen, einen Dialekt der lithauschen Sprache (man nennt ihn 
samaitisch) so weit ver'brStet fihdeh *^2)j dass die Annahme spä- 
terer Colonisatio n dieser Gegenden von Lithauen her kaum denk- 
bar ist; dazu kommt, dass sich der deutsche Orden das Jadwin- 
gerland zuerst theilweise, dann ganz von dem lithauschen Könige 
Mindowe schenken Hess : mit Wahrscheinlichkeit werden auf das 
Jadwingerland bezogen: Krase (Dusburgs Krasine?), Weyzze 
(Wyzayn bei Wistyten ?), Culene (Kolnica bei Eaygrod ?) in einer 
Schenkung von 1257, und besonders Denowe, quam quidam 
Jacwesen vocant, in einer Schenkung von 1259 '^^). Einige 
Jahrzehnte nach diesen Schenkungen verloren die Jadzwinger 
ihre Freiheit durch die Ordensritter, Polen, Russen und Lithauer. 

Die eigenthümlichen Verhältnisse der Sudauer, welche, von 



189) Nach der angeführten russischen Schrift, S. 72. 

*'o) Ebenda S. 71. Nahe hei Grodno, auf der linken Seite der Memel, 
wird im Jahre 1379 (Urkunde von 1379 hei Baczko, Preuss. Gesch., Bd. 2, 
S. 231 ff.) ein grosses Dorf erwähnt, „da die Sadowin" (Sudauer?) sitzen. Im 
Jahre 137Ö wurde hei Sumcliski , westlich von Neu-Trocki, also weit jenseits 
der Memel, das Gehiet der Sudowenser von den Ordensrittern zerstört (nach 
Wigand, p. 208). In der mehrerwähnten russischen Abhandlung, S. 71, werden 
die Jodwinsdiager am Flusse Kot!!fa,j.'JÄ)rdöstlich von Grodno, als Nachkommen 
der Jadwinger,' und'nsüdlich davon zwei Ortschaften des Namens Jatwiesk erwähnt. 

*") Pollexiani Getharum seu Prussorum gens hei Kadlubeck III. c. 19. 
Vgl. Boguph. ap. Sommersberg. II. p. 49. Chron. princip. Polon. p. 41. Dlu- 
gosz I. p. 394. Matth. de Mechov, Lib. I. c. 14, vgl. II. c. 4. 

"*) Nach den statistischen Nachrichten über die Wohnsitze der Lithauer 
(vgl. oben) leben in den drei Kreisen des Augustowoschen Gouvernements, 
namentlich im Kreise Mariampbl 112562, im Kreise Kalvary 6^5^06, im Kreise 
Seyny 4948 Menschen, welche lithauisch'.und zwar sp,j|iaitiafch J-eden. 

"3) Urkunden von 12T?7 und '1259 bei Dreger n. 298 und 312, auch im 
Cod. dipl. Lith. n. 8 und. 10. Der Name Danowo findet sich östlich von der 
"Wysa bei Szczuczyn, östlich vom Lyckfluss bei Raygrod und sonst. Hierher 
verlegt Schulz Pisma, p. 144, und auf seiner Karte Denowe als Hauptort der 
Jadzwinger; ob mit Recht, muss dahin gestellt bleiben. Derselbe Schriftsteller 
hat auch auf die Ortschaft Jacwicz an der Brosowa (einem Nebenfluss des Bober), 
westb'ch von Suchawola, als einen alten Hauptort der Jadzwinger hingewiesen, 

3 



34 Aelteste Zeit 

Dusburg zu Preussen gerechnet, dennoch der Herkunft nach 
trotz aller Verwandtschaft von dem Volke der Preussen unter- 
schieden waren, dürften in den Stammverhaltnissen der Na- 
drauer und Seh a lau er eine Analogie finden. Der nördliche 
Theil des Regierungsbezirks Lithauen (gerade in den Grenzen 
des alten Nadrauen und Schalauen) ist noch heutzutage von 
Lithauern bewohnt, und diese Bevölkerung trägt durchaus das 
Gepräge einer ursprünglichen. Sie war schon im sechzehnten 
Jahrhundert ebenso, oder noch ausschliesslicher als jetzt, in jenen 
Gegenden ansässig ^^*). Es ist keine Kunde erhalten, dass diese 
Bevölkerung etwa in des Ordens Zeiten durch Einwanderung 
oder Colonisation dorthin gekommen sei *^*). Sollten jene beiden 
Landschaften Nadrauen und Schalauen nicht ursprünglich zu 
Lithauen gehört haben? Schon Hartknoch, im siebäehnten 
Jahrhundert, spricht sich darüber in folgender "Weise aus: „In 
den östlichen Oertem, wo das Land Preussen an das Grossfürsten- 
thum Lithauen stösset, wird heutiges Tages lithauisch geredet, 
da es denn auch vermuthlich ist, dass auch vor Zeiten daselbst 
die lithauische Sprache entweder ganz, oder doch auch nur einiger 
Maassen gebräuchlich gewesen" ^^^) — und diese Ansicht ist von 
späteren Schriftstellern ab und zu, theilweise noch mit grösserer 
Zuversichtlichkeit wiederholt ^^^). Allgemeine Geltung hat sie 



^^^) Dies läset sich namentlich aus der fortdauernden Fürsorge der da^ 
maligen Herzöge für die Ausbildung lithauischer Geistlicher und für die 
Uebcrsetzung der Bibel in die lithausche Sprache schiiessen. Wenn Herzog 
Albrecht in den Statuten für das Alumnat der Königsberger Universität (Grube, 
Const. Pruss. P. 1. n. 83, p. 251) bestimmt: adolescentes in alumnos reci- 
piendi sunt ex Germanis 12, ex Polonis 8,' ex Lituanis Pruthenicis sive Su- 
denis 8, so dürfte durch diese Zahlen das numerische Yerhältniss der drei Yolks- 
stämme, die Preussen bewohnten, treffend angedeutet sein. Die Bewohner des 
Amtes Insterburg, welches den grössten Theil des preussischen Lithauen um- 
fasste, waren zu Hennenbergers Zeiten (1595) „fast eitel Lithauer", Erklärung 
der Landtafel, S. 160, 161. Die Bezeichnung „lithauische Aemter" fUr die 
Aemter Insterburg, Ragnit, Tilsit, welche in der späteren Zeit ganz gewöhnlich 
ist, finde ich zuerst im Jahre 1618 (Grube, Const. P. I. p. 23). 

"*) Es ist wahr, dass sich im vierzehnten Jahrhundert eine ziemliche An- 
zahl von Lithauern in Preussen niedergelassen hat, wofür Voigt Bd. 4, S. 311, 
Bd. 5, S. 299, Bd. 6, S. 187 die Beweise liefert; aber diese Beweise reichen 
doch nicht hin, die lithauische Nationalität in Preussen zu erklären. Auch 
hat Voigt diese Erklärung nicht gegeben. 

"*) Hartknoch, A. und N. Preussen, S. 89. 

"^ Pauli in den Act. Boruss., Tom. IH. p. 584. Pisanski de tribos 
Unguis regno Prussiae vemaculis, 1767, p. 11. 



Landschaften. 35 

nur um der Autorität Dusbui^s willen nicht erlangen können, 
welcher Nadrauen und Schalauen zu Preussen rechnet. Allein 
Dusburgs Autorität kann nicht mehr geltend gemacht werden, 
seitdem erwiesen ist, dass sein Preussenland ausser den Preussen 
auch die bei aller Stammverwandtschaft von ihnen doch ver- 
schiedenen Jadzwinger mit umfasste *^^). Es kommt dazu, dass 
er den Memelstrom als Preussens Grenze bezeichnet und doch 
zugleich von Schalauen sagt, dass es sich zu beiden Seiten der 
Memel ausgebreitet habe — ein deutliches Zeichen, dass sein 
Preussen nach ganz andern Rücksichten als nach ethnographi- 
schen begrenzt ist. Als positiver Beweis Hesse sich noch an- 
führen, dass der Orden gerade Xadrauen und Schalauen sich von 
dem lithauischen Könige Mindowe abtreten liess, was bei acht 
preussischen Landschaften kaum denkbar wäre '^^). 

Demgemäss wird der Ethnograph die jadzwingische Landschaft 
Sudauen und die litha uischen Landschaften Schalauen undJNa-. 
dräuen aus der Zahl der preussischen streichen. Das Land der 
ächten Preussen reicht im Norden und Osten nicht über die 
Grenzen von Samland, Natangen, Barten und Galindcn hinaus. 
Im weitern Sinn aber wird der Name Preussens noch viel 
weiter als von Dusburg ausgebreitet. In dem weitern Sinn ist 
er^ in' "W^ldemars Lagerbuche gebraucht, in welchem er auch 
Lithauön, Lamata, Kurland und Semgallen bezeichnet. Dieser 
Gebrauch des Namens ist aber dem dreizel^ten Jahrhundert 
audi sonst nicht fremd. Pabst Gregor IX. fügt in der Bulle 
vom 18. Januar 1230 ^^o), in welcher er die Ritter zum tapfern 
Kampfe gegen die Preussen crmahnt: quatinus ad eripiendum de 
Pruthenorum manibus terram ipsam a dejttris et a sinistris doi 
armatura muniti viriliter procedatis, die unerwartete Clausel 
hinzu: Proviso ne contra terram illam, quae venerabilem Fra- 
trem nostrum Mutinensem episcopum dinoscitur recepisse, occasione 



"^) Er scheint das selbst sehr wohl gcwusst zu haben; sehr beachtens- 
werth wenigstens ist die bei ihm vorkommende Verbindung Sudowitae et 
Prutheni, III. c. 161. Auch können wohl an der Stelle: expugnatis — cunctis 
gentibuB terrae Prussiae, restabat adhuc una et ultima, scilicet Sudowitarum, 
111. c. 188, die Worte cunctis gentibus in prägnanter Bedeutung genoi]unen 
werden. 

'") Schenkungsurkunden von 1^57 untll259 bei Dreger n. 298 und 312. 

180) Cod. dipl. Pruss. I. n. 23. 

3* 



86 Aelteste Zeit. 

hujusmodi procedatur. Voigt in seiner Geschichte Preussens ^®^) 
gesteht, über diese Stelle keine Vermuthung zu haben. „Aber 
welches Land war dieses?" sagt er. „Warum sollte es verschont 
bleiben? Was hatte der Bischof hier gethan? Alles Fragen, die 
ihre Auflösung vielleicht im Vatican zu Eom finden würden." 
Die Auflösung liegt aber näher. Der Bischof von Mutina als 
päbstlicher Legat fand in Preussen an der Weichsel nur Wider- 
willen und Kampf gegen das Christenthum , in Livland dagegen 
hatte er einen glänzenden Umzug von Kirche zu Kirche gehal- 
ten, und der Pabst gebietet den deutschen Rittern, die er zum 
Kampfe gegen Preussen im weitesten Sinne auffordert, sich von 
den Landen der livlandischen Kirche doch fern zu halten. Noch 
deutlicher ist diese Beziehung in einer Bulle vom September 
desselben Jahres ^^2), in welcher Gregor dem deutschen Orden 
den Besitz des ihm von dem Masovischen Konrad geschenkten 
Kulmerlandes und der in Preussen zu machenden Eroberungen 
bestätigt, aber diejenigen Gebiete der Heiden, in welchen das 
Christenthum bereits eingeführt sei, ausdrücklich ausnimmt. Es 
war damit der Fall vorgesehen, dass die von der Weichsel her 
vordringenden deutschen Ritter den von der Düna her kommen- 
den Christen begegneten '®^). Der päbstliche Legat, Wilhelm, 
Bischof von Sabina, verfügte mit Rücksicht darauf, „dass Kur- 
land zu Preussen zu rechnen sei", dass der deutsche Orden zwei 
Drittel des Landes erhalten sollte *®*), nicht ein Drittel, mit dem 
er sich hätte begnügen müssen, wenn es zu Livland gerechnet 
wäre. Nehmen wir hinzu, dass Pabst Innocenz IV. in einer 
Bulle vom Jahre 1253 über die Bekehrung des Jadzwingerlandes 
imter dem Namen Preussen das ganze Jadzwingerland, nicht 
bloss das nördliche Sudauen, mitbegriff ^®^), so erkennen wir, 
dass der Name Preussen im weitesten Sinne auch staatsrechtlich 
auf alle Heidenländer angewandt wurde, deren Eroberung und 

Bekehrung der deutsche Orden von Preussen aus unternahm. 

t 

»81) Bd. 2, S. 214, Anm. 

"2) Act. Bor. I. p. 415. 

»®3) So umfasst umgekehrt der Atisdruck tota Livonia in der Bulle yom 
8. Mai 1237, Cod. dipl. Pruss. I. n. 48, zugleich auch Preussen. Auch Dus- 
burg III. c. 5 sagt: Lettovini et aliae nationes Livoniae. 

18*) Urkunde von 1245 in Hennigs kurl. Samml., Bd. 1, Abth. 1, S. 173. 

^^^) Raynald, annal. eccles. 1253, n. 25. 



Landschaften. 37 

Und eben diese durch das Herkommen begründete Anwen- 
dung des Namens zur Bezeichnung von Ländergebieten, welche 
weit über die Grenzen des eigentlichen Preussen hinausführen, 
gab diei Veranlassung, ihn im weitern Sinn vorzugsweise auf 
diejenigen Landschaften zu übertragen, welche der Orden von 
Preussen aus wirklich in seine Gewalt gebracht hatte. Dus- 
burg giebt die "Weichsel und die Memel in keinem andern Sinne 
als Grenzen des Preussenlandes an, als in diesem. Die Ordens- 
ritter hatten in der That zu seiner Zeit, und schon um das 
Jahr 1283, alles Land bis zur Memel in ihre Gewalt gebracht; 
es wird zwar auch in späteren Zeiten, noch um 1382 und 1394, 
in der Gegend der Scheschuppe ein kleiner Krieg geführt*®®), 
aber die Gegend war damals noch eine Wildniss und daher ein 
besonders günstiger Aufenthaltsort von Räuberbanden, die noch 
dazu wahrscheinlich aus Lithauen herübergekommen waren. 
Andererseits waren aber jenseits der Memel auch in Dusburgs 
Zeit noch keine dauernden Eroberungen gemacht. Man beachte 
übrigens, wie vorsichtig er sich über den Anfang des Krieges 
jenseits der Memel ausdrückt: „Im Jahre 1283, als von dem 
Anfange des .Krieges gegen das Volk der Preussen (contra gen- 
tem Pruthenorum) 53 Jahre verflossen und alle Stämme (na- 
tiones) in dem genannten Lande unterworfen waren, begannen 
die Ordensbrüder den Kampf gegen jenes mächtige, hartnäckige 
und kampfgeübte Volk (contra gentem), welches in der Nachbar- 
schaft P reussen s, jenseits der M emel im Land e^ L ithau en^wohnte.'' 
Er sagt nicht, im Jahre 1283 wäre der Kampf gegen die Preus- 
sen beendigt, denn dies Ziel war schon viel früher erreicht, 
auch sagt er nicht, damals habe der Kampf gegen die Lithauer 
begonnen, denn dieser begann, wenn man von den Einfallen der 
Lithauer in Preussen absieht, schon mit dem Angriff auf Na- 
drauen; sondern er sagt: im Jahre 1283 waren die Bewohner 
des Preussenlandes, d. h. des Preussenlandes in seinem Sinne, 
unterworfen, und eben damals begann der Kampf gegen die 



18 6) wigaDd p. 272, 354. Das Schloss Nawenpille, bei dessen Eroberung 
im Jahre 1381 die Ordensritter an 3000 Menschen fingen (Wigand p. 250, 
Lindenblatt p. 47), bezeichnet nicht Neustadt an der Scheschuppe, wie in der 
Anmerkung zu Lindenblatt gesagt ist, sondern lag an der Memel, wie Voigt 
V, 358, Anm. 6 nachweist. Es ist in der Burgenkarte also mit ünrectt 
n^enonunen. 



L 



38 Aelteste Zeit. 

Lithauer jenseits der Memel, d. h. denjenigen Theil der Lithauer, 
welcher jenseits der Memel wohnte. So ist der Begriff des 
Preussenlandes von seiner Geschichte abhängig gewesen. Als 
der Orden die Memelgrenze in späteren Zeiten nicht mehr her 
haupten konnte und namentlich einen beträchtlichen Theil Su- 
dauens abtreten musste, haftete der Name Preusscns nur auf dem 
ihm verbliebenen Theil des Landes, nicht auf dem abgetretenen. 
Andererseits aber ist er auf neuerworbene Ländergebiete , wie 
Memel, Pommerellen und Neu-Ostpreussen, dem ganz entsprechend 
übertragen. 



Dritter Abschnitt. 

Blick auf die Nachbarländer, besonders auf Pommern. 

Es bleibt uns noch übrig, einen Blick auf die Preussen 
benachbarten Länder zu werfen. Dusburg sagt, die Memel 
trenne Preussen von Kurland , Lithauen und Russland. Der 
kurische Stamm ist noch heutzutage an Sprache und Charakter 
von dem lithauischen zu unterscheiden und hat sich auch in der 
Gegend von Memel und an dem östlichen Ufer des nach ihm 
benannten kurischen Haffs hinab bis in die Gegend der Euss- 
mündung erhalten. Memel selbst ist auf kurischem Boden von 
Livland aus gegründet und kam erst im vierzehnten Jahrhundert 
an Preussen, wovon weiter unten. Dusburg hat also ganz Recht, 
wenn er die Umgegend von Memel von Preussen noch aus- 
schliesst; auch wird Kurland in der That durch die Memel von 
Preussen getrennt, wenn man diesen Namen eben auf die Mün- 
dung des Flusses bei der gleichnamigen Stadt ausdehnt ^ ^ '^). Die 
Landgrenze zwischen Kurland und Schalauen aber mag von der 
Russmündung etwa über Heidekrug hin sich fortgezogen haben. 
Die Landschaft Lammata, welche in Waidemars Lagerbuch 
zwischen Schalauen und Kurland gesetzt wird, und von der wir 
auch sonst wissen, dass sie in der Nähe von Memel lag*®®), 
eint diesen südlichsten Theil Kurlands zu umfassen. 



|ch 



**■') Ubi fluvii Memila et Danga confluunt. Cod. dipl. Prnss. I. n. 91. 
*8 8) Urkunde von 1252, Cod. dipl. Pruss. I. n. 91. 



Nachbarländer. 39 

Wie weit sich Schalauen gegen Nordosten hin erstreckte, 
ist nicht mehr zu ermitteln, da es hier an einer durch ethno- 
graphische Verhältnisse fixirten Grenze gänzlich fehlt. Eben 
deswegen bedurfte es audi, sobald die Ordensritter von Preussen 
her über die Memel vordrangen, einer ausdrücklichen Theilung 
der hier zu erobernden Länder zwischen dem Landmeister von 
Preussen und Livland. Man traf im Jahre 1289 Bestimmungen 
über Schalwen (Schalauen), Karsovia, Twerkitten und einige an- 
dere Landschaften, die leider nicht näher bekannt sind, aber so 
viel zeigt doch schon die blosse Bestätigung des Hochmeisters 
über diese Theilung *^^), dass auch Lithauen wie Preussen in 
Landschaften zerfiel, nicht bloss in Territorien, wie man ohne 
Kenntniss dieser Urkunde annehmen müsste, da anderwärts nur 
Territorien erwähnt werden. Ich stehe nicht an, Nadrauen, 
Schalauen, Karsovia und Twerkitten als die uns allein bekannten 
Landschaften des alten Lithauen in eine Keihe zu stellen. Kar- 
sovia lag ohne Zweifel Schalauen zimächst benachbart. Der 
Name ist noch erhalten in dem heutigen Kroschy, in der Mitte 
zwischen der Jura und Dobei^*^^). "Wir kennen noch drei 
Burgen des Landes, Karsovia selbst, Scivneiten und Bibber- 
waten *^*). Es ist sehr wahrscheinlich, dass dies Land im Sü- 
den sich bis an die Memel, bis in die Gegend des heutigen Geor- 
genburg, erstreckte, und dass die im Jahre 1259 von den Rittern 
in Karsovia erbaute Georgenburg * ^ *) eben an der Stelle stand, 
wo es im vierzehnten Jahrhundert wieder hergestellt wurde. 
Es ist kaum denkbar, dass die Ritter es wagten, mitten in Sa- 
maiten, in so weiter Entfernung von den nächsten Haltplätzen, 
von Memel und Königsberg, die Burg zu errichten. Dagegen 
wird das freilich immer sehr kühne Unternehmen doch begreif. 



*^^) Urkunde von 1289, Cod. dipl. Pruss. 1. n. 20. Karsowe kommt 
schon unter den Schenkungen Mindowe's vor, Urkunde von 1257 bei Dreger n. 298. 
Femer wird die terra Karsovitarum in der Urkunde von 1328 , Cod. dipl. 
Pruss. II. n. 123, offenbar als eine Landschaft von bedeutendem Umfange an- 
gefülirt. Am merkwürdigsten ist die Schenkungsurkunde Kaiser Ludwigs von 
1337, Act. Pruss. 111. p. 549, vgL N. P. P. Bl. 1850, Bd. 1, S. 107, in 
welcher Ouchsteten, Samayten, Karsoto, Ruzzen als terrae infidelium Litwi- 
nomm neben einander gestellt werden. 

*»«) Vgl. Voigt lY, 181, Anm. 4. 

*«') Dusburg 111. c. 295. Vgl. Voigt IV, 209. 

»««) Dusburg 111. 0.80. 



40 Aeltcste Zeit. 

lieh, wenn wir annehmen dürfen, dass sie die Burg am Memel- 
ufer erbauten; denn dorthin konnten sie zu Wasser leicht ge- 
langen, und zu Wasser waren sie ihren Feinden weit überlegen. 
Die Landschaft Karsovia wurde von den Eittem im Jahre 1307 
unterworfen^®^). Twerkitten scheint nördlich von derselben, an 
der kurischen Grenze, gelegen zu haben. 

Die bekannteste und üblichste Eintheilung Lithauens ist 
die nach der natürlichen Lage, in Samaite und Auxtote, 
d. h. Niederland und Oberland ^ ® "*). Bisweilen unterschied man 
noch ein Mittelland. Dann rechnete man das Land von Wiliona 
(an der Memel) Östlich hin zu Auxtote oder Austeten, die Ge- 
genden von Wiliona an bis Widuklen, Eussiene und Erogel 
nannte man das Mittelland, und die Gebiete von Medenicken, 
Wangen etc. Samaite*®^), Wenn man nur Niederland und 
Oberland unterscheidet, so möchte etwa die Dobese die Grenz- 
scheide zwischen beiden bilden. Schon Dusburg kennt diese 
Eintheilung: er erwähnt mehrmals die Lette wini de Samechia *®*) 
und einmal Auxtote mit dem bedeutungsvollen Beiwort terra 
regis*®*^). Denn im Oberlande gründete Mindowe ein mächtiges 

i»3) Dusburg III. c. 278, 290, 295. 

* ^ *) Diesen Gegensatz erläutert der Grossfürst Witold selbst in einem 
Schreiben von 1420 bei Voigt IV, 11, Anm. 2. 

ip») Nach urkundlichen Notizen bei Voigt V, 62, Anm. 2. 
196) Dusburg III. c. 316, 337 etc. 

i^T) Anstechia bei Dusburg 111. c. 252. Jeroschin hat richtiger Austeten. 
Auchstetter Gegend in der Urkunde von 1348, Cod. dipl. Pruss. III. n. 58, 
p. 80. Es ist auffallend, dass Voigt IV, 94, Anm. 3 den Namen nicht zu deuten 
wusste, da er doch den Gegensatz von Samaite und Auxtote kannte, IV, 11, 
Anm. 2. In Anstechia lag nach Dusburg villa dicta Romene, quae secundum' 
ritus eorum (Lithuanorum) sacra fuit. Voigt findet es ganz richtig in dem 
heutigen Orte Rorayn an der Nawese, nördlich von Kjeidany, wieder, erklärt es 
aber unbegreiflicher Weise für identisch mit der Romowe- Insel im Njemen, 
von derer IV, 13, Anm. gesprochen hat. Dies llomene wird von Wigand ausser 
bei dem Jahre 1294 noch 1376, 1382, 1388 erwähnt, p. 218, 266, 316, von 
Hermann von Wartberge beim Jahre 1368: Marscalcus devastavit trans Na- 
vezam in Letovia has regiones scilicet Pastowe et Romagyn, perveniensque ad 
castrum Kauwe — devicit. Ein heiliger Wald bei diesem Romyn ist nicht 
nachgewiesen, wiewohl wir in Samayten mehrere heilige Wälder kennen: einen 
an der (späteren) Grenze Preussens, nach Hennenberger S. 157, einen auf dem 
Wege von Ragnit nach Medenicken (wolil bei Koltinjani, vgl. Voigt V, 226, 
Anm. 1), einen anderen, Asswyotc, zwischen Georgenburg und der obern Mitwa, 
einen vierten nördlich von dem vorigen, an der Aleja im Gebiete Wayken, nach 
den Wegeverzeichnissen bei Voigt IV, 13, Anm. 2, der nur hieraus nicht einen 
Wald machen durfte. Westlicli von Wiliona lag der heilige Wald Wint , von 
dem sogleich mehr, westlich von der Mündung der Nawese in die Memel ein 



Nachbarländer. 41 

Fürstenthum , während in Samaiten sich bis in späte Zeiten die 
aristokratische Territorialverfassung erhielt. Vorübergehend un- 
terwarf schon Ludwig von Liebenzell als Comthur von Eagnit 
1294 — 1300 alle Lithauer zwischen der Wilia und dem Lande 
Lamotin * ® ®). Die Anwohner der Wilia, an welcher auch Kier- 
now, Mindowe's Herrschersitz, lag, gehörten ohne Frage dem 
lithauischen Stamme an, auch durchschnitt wohl das kleine, durch 
den Sieg des Ordens von 1348 ^9«) berühmte Flüsschen Strebe 
acht lithauisches Land, allein wie weit das letztere sich ur- 
sprünglich über diese Flüsse gegen Kussland hin nach Süden 
ausbreitete, ist schwer zu sagen *®°). 



anderer heiliger Wald nach der Urkunde von 1398, Luc. David, Bd. 8, S. 35. 
Näher der livländischen Grenze erwähnt Hermann von Wartberge ad a. 1363 
eine yilla Seihen, que dicitur sancta. 

***) Dnsburg III. c. 252. Jeroschin liest Nerge. Nerge aber bezeichnet 
die Wilia. Voigt V, 152, Anm. 4. — Wir schalten hier einige Bemerkungen 
über die altlithauischen Burgen an der Memel ein. Das heutige Wiliona 
kommt bei Wigand und Lindenblatt unter dem Namen Welun oft vor. Dus- 
burg kennt es noch nicht, erwähnt dagegen oft die Burg Junigeda, welche von 
jenen nicht mehr genannt wird. Beide Orte müssen (wenn nicht der eine Ort 
an der Stelle des andern erbaut ist) nahe neben einander gelegen haben, denn 
sowohl Junigeda (Dusburg III. c. 327) als auch Welun (urkundl. Notiz bei 
Voigt V, 67, Anm. 1) lagen an der Memel östlich, ganz in der Nähe, des 
heiligen Waldes Wint. Junigeda wird sehr häufig mit Pisten als ein nahe zu- 
sammengehöriges Burgenpaar erwähnt, Dusburg III. c. 247, 264, 328, 329, 
ebenso Welun und Pisten, Wigand p. 142. Pisten lag oberhalb Welun, Wi 
gand p. 118, vgl. die urkundl. Notiz bei Voigt V, 67, Anm. 1, und keinen 
Tagemarsch von Eragolja entfernt, Dusburg III. c. 333, vgl. die urkundl. 
Notiz bei Voigt IV, 13, Anm. 1. Zwischen Welun und Pisten lag in der Me- 
mel die insula Bomeyn, Wigand p. 52. Es stimmt mit allem dem vollständig 
überein, dass das Bomeynwerder, auf welchem die Kitter Marienburg erbauten, 
Wigand p. 52, an der Dobese, nämlich an deren Münduug, gelegen hat, nach 
den Wegeverzeichnissen bei Voigt IV, 539, Anm. 2. Auch dieses Romeyn mag 
ein Götterheiligthum enthalten haben, aber dass der heilige Wald Wint sich 
bis zu demselben gezogen habe (wie in der Note 11 zu Wigand p. 52 gesagt 
ist), scheint nach dem Obigen auf einem Irrthum zu beruhen , und ganz un- 
statthaft ist es, gleich die ersten Kämpfe der Kitter jenseits der Memel in 
diese Gegend zu versetzen, wie Voigt IV, 12 ff. thut, indem er Bisene, welches 
von den Ordensrittern in der That zuerst angegriffen wurde, mit Pisten für 
identisch erklärt. Bisene wird nicht nur ausdrücklich als Grenzburg bezeichnet, 
Dusburg III. c. 293 (ein Ausdruck, der auf Pisten schwerlich passt) , son- 
dern war auch schon in Trümmern, Dusburg III. c. 322, als die Kämpfe gegen 
Pisten noch immer ' fortdauerten , Dusburg III. c. 328 ff. Westlich von Wi- 
liona traf man auf die Burg Kolayne, Dusburg III, 236; Bisene war von 
allen diesen Burgen ohne Zweifel die westlichste, doch ist Christmemel von 
den Kittern noch unterhalb derselben angelegt. Dusburg III. c. 321. 

*9 8) Es kommt aber auch ausserdem in den lithauischen Kriegsgeschichten 
oft vor, z. B. bei Lindenblatt S. 82, 99, 157. 

«0 0) Nach den statistischen Nachrichten über die Wohnsitze der Lithauer 



42 Aelteste Zeit. 

Auch mit den Bussen hat der deutsche Orden einige Kämpfe 
zu bestehen gehabt. Ihnen gehörten die Städte Drohizyn, Mel- 
nik, Kamenetz, Bielsk und Brest im dreizehnten Jedirhundert, 
wie erwähnt, unzweifelhaft an ; desgleichen die Gegend von Wil- 
kowisk, Slonim und Nowogrodeck, auf der noch jetzt der Name 
Schwarzrussland haftet. Grodno wird man geneigt sein für alt- 
lithauisch zu halten; aber Dusburg setzt es der terra regis (sc. 
Letowinorum) ausdrücklich entgegen ^®*), wenngleich es zu seiner 
Zeit sicher schon zu Lithauen gehörte, und scheint gelegentlich 
die Bewohner geradezu Ruthenen zu nennen ^ ® ^). Johannes 
von Pusilge nennt neben Klein - Naugarten , d. h. Nowogrodeck, 
sogar Lida und Merken, welches etwa in der Mitte zwischen 
der Wilia und der oberen Memel liegt, und ein nicht näher be- 
kanntes Drogezin, Häuser in „Russin" ^^^), und eben diesem 
Russenlande scheint auch Salsenicken (Solischniky) südlich von 
Wilna anzugehören^"*). Dusburg hat also buchstäblich Recht, 
wenn er sagt, die Memel habe Preussen in seinem Sinne, wie 
von Kurland und Lithauen, so auch von Russland geschieden. 
Schon früh drangen die Ordensritter auch in diese Gegenden ein, 
schon 1311 bis Salsenicken*®^), und kurz darauf (1314) bis No- 
wogrodeck ^^^). Der berühmteste Zug gegen die russischen Städte 
zwischen Bug und Narew erfolgte im Jahre 1379*®"''). Ueber den 
Fluss Wyse, den wir als Grenzfluss zwischen Galinden und Ma- 



(russisch) waren um 1834 yon den Kreisen des Gouvemements Kowno Telsche, 
Schawlja xind Kowelsk ausschliesslich von Samaitcn, der Neu-Alexandrowskische 
(früher Braclaw) und Wilkomirsche ausschliesslich von Lithauem, die Kreise 
Ponewjesch und Kowno theils von Samaitcn, theüs von Lithauem bewohnt. 
Femer war die lithausche Bevölkerung des Gouvernements Wilna in den 
Kreisen Schwenziany, Wilna und Trocki stark, viel schwächer im Kreise Lida, 
unbekannt im Kreise Oschmiani. Das Gouvernement Grodno endlich zählte 
nur äusserst wenige Lithauer in den beiden Kreisen Grodno und Slonim. 

«Ol) Dusburg III. c. 252, 260. Luc. David 5, 119, der diesen Gegen- 
satz nicht ahnte, mühte sich vergeblich mit Erklärung des Ausdrucks terra 
regis ab. 

^^^) Dusburg 111. c. 259. Jagel nennt in der Urkunde von 1379 bei 
Baczko, Bd. 2, S. 231, Grodno neben seinen russischen Ländern besonders. 
«0 3) Lindenblatt p. 94. Vgl. Voigt, Bd. 6, S. 11 ff. 
«0*) Dusburg III. c. 306, und Lindenblatt 1. c. 
'0*) Dusburg III. c. 306. 

■^0 6) Dugiiurg 111. c. 315. Nach ihm lag Novogrodeck in terra Crivitiae, 
worüber Voigt Bd. 4, S. 302. 

«°^) Wigand p. 232, 234. Lindenblatt p. 43. 



Nachbarländer. 43 

sovien kennen, führte ein Weg, „den man pflegt zu fahren aus 
Galinden hin gegen Russen" ^^®). 

Im Westen schied die Weichsel Preussen von Pommern. 
Pommern erstreckte sich, ehe es von ühermächtigen Feinden an- 
gegriffen und zum christlichen Glauben bekehrt wurde, d. h. bis 
zum Anfange des zwölften Jahrhunderts, zwischen den Niederungen 
der Weichsel und Oder von der Ostsee hinab bis zu dem nur 
an einzelnen Stellen überschreitbaren Bruch der Warte und 
Netze. Hier standen die Grenzburgen Nakel, Uscze, Czarnikow, 
rüehne, Driesen und Cüstrin. Aber seit dem Jahre 1108 über- 
schritten die Polen diese Grenze und eroberten einen beträcht- 
lichen Theil des pommerschen Landes. Derjenige, welcher sich 
ihrer erwehrte und von dem heiligen Otto bekehrt wurde, bildete 
später den Sprengel des Bisthums Camin ; der unterworfene Theil 
Pommerns kam an die Sprengel der polnischen Hochstiffcer des 
Erzbisthums Gnesen, welches schon Kaiser Otto III. um das 
Jahr 1000 gegründet hatte, und der etwas jüngeren, demselben 
untergebenen Bisthümer Posen und Lesslau. Das Land zwi- 
schen der Küddow und Drage wurde mit Posen, das Land von 
der Küddow östlich bis an die Brahe oder bis ganz nahe an 
dieselbe mit Gnesen, das Land an der Weichsel, von der See 
bis hinab über die Brahe, mit dem Bisthum Lesslau vereinigt ^ ^ ®). 

In dem östlichsten Theile Pommerns, eben dem, welcher zum 
Bisthum Lesslau gehörte, tritt seit dem Jahre 1178 mit Sam- 
bor I. ein Dynastengeschlecht hervor, welches daselbst zuerst 
unter polnischer Oberhoheit, seit dem zweiten Viertel des drei- 
Kdmten Jahrhunderts aber völlig selbstständig regierte. Von Sam- 
boro Nachfolgern theilte Mistwin I. die ererbte Herrschaft im Jahre 
1220 so, dass Swantopolk Danzig, Wartislaw (wie es 
idieint) Schwetz, S am bor Lübschau, R atibor Beigard er- 



*•*) Grrenzurkunde bei Baczko, Annalen 1792, Quart. 2, S. 85. Derselbe 
V«g wird als via antiqua auch in der oft erwälmten Urkunde: Hec sunt gra- 
licie antique intcr Galindin et Masoviam erwähnt. Eine via Ruthenicalis 
binnt auch in der Gegend von Löbau vor, Urkunde von 1337, Cod. dipl. 
Press. III. n. 7. 

»0») Vgl. Quandt, das Land an der Netze, in den Balt. Stud. 1853, 
8. 165 flf. Dass das Castruin Gdanzk in Pomerania zum Bisthum Lesslau ge- 
liSren solle, wurde in der Bulle von 1148, N. Pomm. Cod. S. 39, ausdrücklich 
TOflgt. 



44 Aelteste Zeit. 

hielt '^*®). Alle vier nannten sich anfangs nach diesen Orten, 
hernach nahmen sie den Titel Herzog der Pommern oder Ton 
Pommern an, Swantopolk seit 1227. Der Umfang dieser vier 
Haupttheile ist durch häufige Verträge vielfech verändert, es 
lässt sich also nicht mit Sicherheit angehen, welche Bezirke zu 
jedem derselben gehörten. Die am deutlichsten hervortretenden 
Bezirke aber sind folgende. 

Von dem Danziger Burgbezirk sind die Gebiete von Putzig, 
Gorrenczyn und Chmelno abgezweigt. Danzig, schon in der 
Zeit des heiligen Adalbert um 997 erwähnt, am Einfluss der 
Motlau in die Weichsel gelegen, schon 1235 von vielen Deut- 
schen bewohnt, war die Hauptstadt des ganzen Landes. Dass 
der Burgbezirk von Danzig sich ursprünglich über die oben ge- 
nannten Gebiete erstreckte, zeigt das Verzeichniss der Orte, 
welche Oliva um 1220 besass, da sie alle zum Burgdienste nach 
Danzig pflichtig waren***). Auch nach Abtrennung derselben 
gehörte zur Burg von Danzig der ganze Strich an der Motlau 
hinauf, mindestens bis Osterwik, an der Stargardter Strasse hin 
sicher bis Katzke, an der Eadaune hinauf bis Zuckau, nordöstlich 
bis zum Warznauer See, nördlich bis Zoppot * * *). Am Nordufer 
des Warznauer Sees wird im Jahre 1342 ein altes Schloss er- 
wähnt, vielleicht eine Zeit lang vor 1220 Mittelpunkt einer 
eigenen Castellanei'^*^). — Puzk oder Putzig war ein Dorf, 
das Sambor I. an Oliva gab, hernach aber zurücktauschte, um es 
zu einem forum, einer Markt- und Gerichtsstätte, zu machen***); 
später (ausdrücklich erwähnt erst 1271) ward es CastellaneL 
Von zwei Seiten wird sie von der See begrenzt. Die West- 
grenze derselben bezeichnen Zarnowitz an dem gleichnamigen 
See und Gowin südwestlich von Neustadt. Südwärts reicht sie 
bis Oxhöft an der See, im Binnenlande zeitweise bis Miloszewo 
und Bendargau ** ^). — Die Castellanei Gorrenczyn, welche 



2*0) Urkunde von 1230 bei Dreger n. 77. Vgl. Quandt, Balt. Stud. 
1856, S. 101. 

«**) Jacobson in Ledeburs N. Archiv, Bd. 2, S. 195. N. Pomm. Cod. 304. 

2*«) Quandt S. 145, 146. 

**») Jacobson S. 302. Quandt S. 142. 

*»*) N. Pomm. Cod. 302. 

«'*) Quandt S. 143, 144. 



Nachbarländer. 45 

im Jahre 1241 achtzehn Dörfer enthielt) breitete sich zu beiden 
Seiten der Badaune vom Ostrycsee bis Zuckau aus. Sie scheint 
von geringerem Umfange gewesen zu sein als die vorigen. Der 
Hauptort Gorrenczyn liegt nahe dem Ostrycsee ^ * ^). — Das Land 
Ohm ein o hatte zum Hauptorte das Pfarrdorf Chmelno am Nord- 
ende des grossen Eadaunesees mit einer Burg, dem jetzigen 
"Wall Ogrodzisko, auf der Landzunge nordöstlich des Dorfes. Die 
Castellanei (vor 1280 vorhanden) erstreckte sich von den Ra- 
dauneseeen bis zu den Grenzen des heutigen Westpreussen, über 
Suleschin (SuUenczin) und Czeschin (Czesienie) bis Jamen und 
Golczau an der Bütowschen Grenze, Tluczewo an der Leba, und 
Kamelau westlich von Neustadt, nahe der Rhedaquelle. Der 
nördliche Strich zwischen Tluczewo und Kamelau gehörte jedoch 
bis etwa 1283 noch zu Putzig (Miloszewo und Bendargan) und 
zu Beigard (Zomblewo, Lusino)**"^). 

Das Land Beigard hat seinen Namen von dem Kirchdorfe 
Beigard ob dem Ostrande des Lebabruchs. Es reichte im Osten 
bis zum Czarno witzer See und umfasste dort vor 1283 auch die 
Ortschaften Bohlschau (bei Neustadt), Lusinno und Zomblewo. 
Nach dem Verluste derselben scheint die Ostgrenze so festgestellt 
zu sein, wie sie der Lauenburger Bezirk noch jetzt zeigt. Die 
"Westgrenze des letzteren ist uralt und trennte im dreizehnten 
Jahrhundert die Länder Beigard und Stolpe, wie schon im Jahre 
1140 die Bisthümer Camin und Lesslau**®). 

Die Districte, welche sich an das Danziger Land südlich an- 
reihen, standen mit Lü bschau und Dir schau in näherer 
Verbindung. Lübschau war Sambors Residenz und Hauptort der 
gleichnamigen Castellanei bis etwa 1253. Seitdem tritt Dirschau 
mehr hervor, welches schon 1 198 erwähnt wird und 1252 eine Burg 
uncj 1260 deutsches Stadtrecht erhielt**^). Mit Dirschau aber 
scheinen mehrere Bezirke vereinigt zu sein, die zur Castellanei 
Lübschau noch nicht gehört hatten. Der Amtsbezirk von Lüb- 



«*«) N. Pomm. Cod. 624, 627. Quandt S. 124 ff. 

«*^) Urkunde von 1381 bei Jacobson S. 328, vgl. 310. Hirsch, Kloster 
Zuckau, in den N. P. P. Bl. 1853, Bd. 1, S. 22. Quandt S. 129 ff. 

«»8) Urkunde von 1140 im N. Pomm. Cod. 36. Quandt S. 134. 

«*«) Urkunden von 1198, 1252, 1260 im N. Pomm. Cod. 181, 946. Cod. 
dipl. Pruss. I. n. 132. Quandt S. 155. 



46 Aelteste Zeit 

scbau erstreckte sich südlich bis Raikau und Bathstube; in 
Gerdien und Schlanz wurde während der inneren Fehden, dort 
von Sambor um 1243, hier etwas später, während Sambors Ver- 
bannung, von Swantopolk eine Burg erbaut. Ob sie jemals 
eigene Burgbezirke gehabt haben, ist zweifelhaft; Gerdien kam 
als Verwüstete Stadt 1282 an den Bischof von Plotzk, Schlanz 
gehörte um 1291 sicher zum Burgbezirk von Dirschau. Dieser 
erstreckte sich nordwärts über Mahlin und Liebenhof (Kirchspiels 
Mühlbanz) bis etwa gegen Osterwik an der Motlau. Westwärts 
lässt er sich über Malsau und Postelau bis gegen Strippau hin 
verfolgen. Doch mögen die westlichsten Striche, etwa die heu- 
tigen Kirchspiele Wyscyn und Schöneck, in älteren Zeiten eine 
eigene Castellanei gebildet haben; wenigstens wird um 1258 
noch ein Schloss (schon 1260 nur noch Wall) Gnosna (Jungfem- 
berg) an der Pitze erwähnt'^*®). — Vom Pfarrdorfe Garczyn 
im Bereuter Kreise hat das Land Garzen den Namen, zu welchem 
sicher die Güter Pogutken, Kobillau und Koszmin an der Verse 
(oberhalb der Mündung der Fitze), wahrscheinlich auch Palesch- 
ken und Kyschau gehören. Von den Zubehörungen von Kyschau 
aber führen Lubna und Dombrowa südwestwärts, der See Lubne 
(Lipno) westwärts bis über den Fluss Schwarzwasser hinaus ^^*). 
Die Ortschaften des Landes P i r s n a werden in einer Schenkungs- 
urkunde von 1284 aufgezählt. Die Reihe beginnt mit Costrina, 
ohne Zweifel dem heutigen Koscina oder Berendt ; nach Costrina 
führte 1289 ein Weg von Kyschau; Mistwin stellte daselbst eine 
Urkunde über PoUonczin 1291 aus. Ob der Name des Landes 
Pirsna mit dem zweiten Namen des Hauptortes Bern (woraus 
das heutige Berendt) in Zusammenhang steht? Von den übrigen 
Ortschaften bezeichnen Lubahn und Alt-Grabau (wenn nicht auch 
PoUenczin hicher zu ziehen ist) die östliche, Pierszewo, Czapel 
und Zgorzallen die nördliche, Gostomie und Körnen die westliche 
Erstreckung des Bezirkes. Zwischen den letztgenannten Orten 
und der Bütauschen Grenze scheint sich eine Wildniss ausge- 
breitet zu haben, die man wohl ebenfalls zu Pirsna rechnete ^ * ^). 

'^^«) Quandt S. 146 f., 152, 154 f. 

«'^*) Quandt S. 152 ff. 

^**) Urkunde von 1284 bei Voigt Bd. 4, S. 286, Anra. 1. Vgl. Hirsch, 
Zuckau, S. 22. Quandt S. 128, 129. 



i 



Naohbarländer. 47 

Es ist gewiss, dass die pommerschen Fürsten vor der An- 
kunft des deutschen Ordens auch im Osten der Weichsel, auf 
Nehrung und Werder, ihre Herrschaft ausgebreitet hatten. 
Schon Sambor I. verschreibt den Mönchen in Oliva Fischerei 
auf dem frischen Haff, wie später Swantopolk, 1235. Eben dieser 
Swantopolk verschreibt noch als „Herr in Danzig", also ganz im 
Anfang seiner Eegierung (um 1220), den Lübeckern gewisse Be- 
freiungen hinsichtlich des Strandrechtes, unter andern in Nereo 
a portu usque ad tiliam arborem. Die Linde scheint auf das 
Dorf Liep zu weisen ^'^^). Wie die Nehrung zu Swantopolks 
Gebiet, also zur Burg Danzig gehörte, so gehörte der grosse 
Werder und die Inseln zwischen den Armen der Elbinger 
Weichsel, wie die späteren Verhandlungen mit dem deutschen 
Orden zeigen, Sambor und seinen Erben. Vielleicht waren eben 
diese Striche der Burgbezirk von Gerdien *^*). 

Die noch übrigen pommerschen Landschaften an der Weichsel 
hinauf scheinen nach Seh wetz gehört zu haben. Es lassen 
sich ihrer mehrere unterscheiden: Stargardt, Mewie, Thymau, Neuen- 
bürg, Schwetz und Wissegrod. Das Schloss Stargardt ist 
schon im Jahre 1174 von einem Zeitgenossen jenes Sambor L, 
dem Fürsten Grimislaus, den Johanniterrittern verliehen, später 
aber denselben wieder abgenommen, vielleicht von Sambor. Eine 
Hauptstrasse, Herrn Grimislaus Weg geheissen, verband es mit 
Danzig. Der Burgbezirk scheint auf dem linken Ufer der Verse 
die Kirchspiele Stargardt und Kokoske umfasst, südostwärts sich 
bis zur Wengermuze erstreckt zu haben. Ueber seine Ausbreitung 
nach Südwesten fehlt es an sicheren Andeutungen. An der 
Verse, etwas oberhalb Stargardt, wird eine Burg Wissoke, jen- 
seits der Wengermuze, nahe bei Grabau, eine Burg Scossow er- 
wähnt — vielleicht traten diese beiden in die Stelle der Burg 
Stargardt, als die letztere den Johannitern übergeben wurde * * *). 
— Li der Ecke zwischen der Verse und Weichsel lag das Land 
Wanska oder Mewe. Es erstreckte sich, wenigstens in wei- 
terem Sinne, nordwärts bis einschliesslich Kl. - Falkenau , KL- 



««3) Urkunden von 1198, 1220, 1235 ün N. Pomm. Cod. 112, 397, 495. 
Quandt in den Balt. Stud. 1853, S. 212 f. 

««*) Quandt, Balt. Stud. 1856, S. 122 flf. 

^^^) Quandt S. 147—151 und 119. 



[ 



48 Aelteste Zeit 

Gartz, Gremblin und ausschliesslich Eaikau. Der Hauptort Mewe 
erscheint nicht als Schloss, sondern nur als Pferrort. Der Ca- 
stellan hatte seinen Sitz in Eudna (Räuden)^*®). — Thymau 
wird zuerst in den Jahren 1224 und 1230 erwähnt; es war 
damals der Sitz eines Conventual des Kitterordens von Cala- 
trava **''), aber nur kurze Zeit; denn später ist das Land wieder 
fürstlich. Zu demselben gehörte sicher der Bezirk, welcher von 
der Verse und ihren beiden Nebenflüssen Wengermuze und 
Jahna (Jolmka) eingeschlossen ist, östlich von Scossau; weniger 
sicher ist dies von Borloschno und Jellen nachzuweisen*^®). — 
!N^euenburg, zuerst erwähnt im Kriege Mistwins gegen den 
Orden 1267229), verlieh König Wenceslaw 1301 an Peter, 
Swenzo's Sohn, mit einem Bezirke von zwei Meilen aufwärts 
und ebensoviel abwärts an der Weichsel und zwei Meilen land- 
einwärts. So gross mag der Burgbezirk auch früher gewesen 
sein. Es gehörten zu demselben nach ausdrücklicher Ueher- 
lieferung unter andern Mylva (Milewo, nordwestlich von Neuen- 
bürg), Warlubien, Gr.- und Kl.-Komorsk und Globen (Lubin — 
sämmtlich südlich von Neuenbürg)*^®). — Der Ort Schwatz 
wird in der Verschreibung des Fürsten Grimislaus für die Jo- 
hanniter 1198, in der ein Palatin von Schwetz als Hauptzeuge 
genannt ist, zuerst erwähnt. Zur Castellanei Schwetz gehörten 
wahrscheinlich Skarszewo und Gatzky zu beiden Seiten des 
Flusses Schwarzwasser, nördlich von Schwetz; auch wohl die 
kleine Burg Sartowitz, die in dem ersten Kriege Swantopolks 
mit dem deutschen Orden um 1242 erwähnt wird'^^*) und 
schwerlich Hauptort einer eigenen Castellanei war, bei dem heu- 
tigen Dorfe Sartawitz, nordöstlich von Schwetz. Südwärts reichte 
das Gebiet der Castellanei über Gruzno bis Grabowko und Gra- 
bowa, also nahe an die heutige Südgrenze von Westpreussen, 
die wohl auch die Südgrenze der Castellanei war. Westwärts 
erstreckte sie sich über Schwekatowo wohl bis zur Brahe, der 



2 2 6) Quandt S. 120, 121. 
2 2^) N. Pomm. Cod. 355, 356. 
*28) Quandt S. 118—120. 
2 2 9) Dusburg III. c. 124. 
*3 0) Quandt S. 117, 118. 
*3*) Dusburg III. c. 36. 



Nachbarländer. 49 

Grenze der Diöcesen; doch wird in Syrosk (Szierotzken, südlich 
von Schwekatowo) einmal 1284 ein eigener Castellan erwähnt. 
Die gewaltige noch jetzt grossentheils bestehende Wildniss im 
!N^orden war in der Zeit der Herzöge in ihrem Innern gewiss 
noch nicht genau unter die Castellaneien vertheilt ^^2). — 
Wissegrod war im Jahre 1112 die südlichste Feste der 
Pommern, hernach Swantopolks Erwerbung, Mistwins Besitz, 
kam später an Polen und wurde 1329 von den Eittern des 
deutschen Ordens zerstört ^^^). Nicht unwahrscheinlich wird 
die alte Schanze bei Forden für die Stelle erklärt, wo Wisse- 
grod gestanden habe ^^*). Die Grenzen der Castellanei waren 
nördlich die schon erwähnte, östlich die Weichsel, südlich die 
alte Naturgrenze , die Brüche und Niedenmgen vom Knie der 
Netze bis zur Weichsel, westlich die der Lesslauer DiÖcese, 
welche hier über die Braa hinausreicht, etwa bis zu dem Bach 
bei Dombrowke (welcher bei Rynarzewo in die Netze geht). 
Seitdem Bidgostia im Jahre 1239 an Polen verloren war, wird 
die Brahe die Südgrenze Pommerellens gemacht haben 2^^). 

Herzog Swantopolk hat auch über die Grenzen der Lesslauer 
DiÖcese hinaus bedeutende Erwerbungen gemacht, sowohl in der 
DiÖcese von Cammin als in der von Gnesen. Was Swantopolk dort 
im Jahre 1227 erwarb, was 1307 brandenburgisch, 1317 west- 
pommerisch wurde, benannte man zusammenfassend von der 
Burg Stolpe (Slupsko). Auch unterschied man es (um 1250) 
von dem Lande, dessen Hauptstadt Danzig war, als Niederpom- 
mern von Oberpommern. Im Osten und Süden ist die 1310 als 
alt anerkannte Grenze im Ganzen die heutige gegen den Lauen- 
burger Kreis und Westpreussen ; im Südwesten erreichte sie vor 
1298 noch nicht ganz den Nestbach (bei Cöslin). Die beiden 
Hauptorte waren im Anfange des dreizehnten Jahrhunderts 
Stolpe und Schlawe, später treten Rügenwalde, Polnow und 



232) Quandt S. 115 — 117. Quandt führt an, dass das Kirchspiel Gr.- 
Schliewitz später zum Dekanate Stargardt, das Kirchspiel Gr.-Bislaw zum 
Dekanat Schwetz gehört habe, — aber nach welcher Quelle? Seit dem sieb- 
zehnten Jahrhundert wenigstens gehört auch Schliewitz nach Schwetz. 

233) Wigand p. 20. 

234) Eöpell, Pohl. Gesch., Bd. 1, S. 671. Quandt, Balt. Stud. 1853, S. 165. 

235) Quandt, Balt. Stud. 1853, S. 176 ff.; 1856, S. 117. 

4 



50 Aelteste Zeit. Nachbarländer. 

Garde hervor ^^ß). Die Erwerbungen in der Gnesner Diöcesey 
welche man Swantopolk zuschreiben muss und die etwa in das 
Jahr 1241 gehören mögen, umfassen den Bezirk zwischen den 
späteren westpommerschen Grenzen im Norden und Westen, der 
Kamionka und Dobrinka im Süden, der Scheide der Kirchen- 
sprengel im Osten. Man setzte diesen Bezirk noch lange dem 
eigentlichen Pommern als nicht unmittelbar dazu gehörig ent- 
gegen 2^^. Als Hauptorte desselben werden Zieten oder 
S c i t n (nordwestlich von Schlochau) und R a d z n s oder Ee tz 
(nördlich von dem späteren Tuchel) erwähnt. Als das letztere 
im Jahre 1255 von den Polen zerstört wurde 7 scheint der Be- 
zirk von Rets mit dem von Schwetz ganz oder doch theüweise 
vereinigt zu sein 2^®). Alte Burgwälle werden erwähnt bei 
Mieskendorf am Lockmann - See , bei Zieten, bei Kramske im 
Kramsker-See, nordwestlich von Schlochau, und bei Landeck 2^®). 
Derjenige Theil der Besitzungen Swantopolks, welcher später 
an den deutschen Orden kam, wurde etwa seit dem vierzehn- 
ten Jahrhundert gewöhnlich mit dem Namen Pommerellen 
bezeichnet. 



"») Quandt, Balt. Stud. 1856, S. 111 —-114. 

"') Vgl. die Urkunde bei Voigt, Bd. 6, S. 660, Anin. 1. 

"8) Quandt, Balt. Stud. 1853, S. 176 — 179; 1856, S. 114, 115. Die 
Identität von Ratzons |^|^e£etz zeigen die Versehreibungen bei Benwitz, Pr. 
Prov.-Bl. 1830, Bd. 1,1PI, 9, 13. 

"») Benwitz a. a. 0. S. 22, 24. 



ZTV^EITER THEIL. 

Preussen zur Zeit der Ordensherrschaft (1230 — 1466 u. 1525). 



Erster Abschnitt. 

Die Landesgrenzen. 

Der deutsche Orden begann seinen Eroberungskrieg in Preussen 
im Jahre 1230. Nachdem er das ihm von dem Herzog Konrad 
von Masovien geschenkte Culmerland unterworfen und durch 
die Anlegung der Burgen Thom und Culm gesichert hatte, wandte 
er sich zunächst, die Weichsel abwärts schiffend, gegen die Po- 
mesanier. Schon im Jahre 1233 ward Marien werder erbaut 
und von hier aus Pomesanien unterworfen. Im Jahre 1237 
folgte die Gründung von Elbing und die Unterwerfung Pogesa- 
niens. An der Küste des Haffs hinsegelnd, landeten die Er- 
oberer an einer Landspitze, auf der sie im Jahre 1239 die Burg 
Balga erbauten. Von hier aus wurde schon im Jahre darauf 
Ermeland, Natangen und ein Theil von Barten, vielleicht auch 
von Galinden unterworfen. Schon in jener Zeit entwarf ein 
päbstlicher Legat den Plan zur Theilung Preussens in vier Bis- 
thümer. Aber die unterworfenen Preussen erhoben sich, noch 
ehe diese Theilung vollzogen wurde, im Bunde mit dem Herzog 
Swantopolk von Pommerellen, der dem Orden im Anfange des 
Krieges treuen Beistand geleistet, dann aber über der Festsetzung 
der Grenzen sich mit demselben entzweit hatte. Die Ritter zwangen 
den Herzog im Jahre 1248 zum Frieden; schon im Jahre darauf 
unterwarf sich der grösste Theil der Preussen, die übrigen 1253. 
In dieser Zeit begannen schon die Tlieilungen der bischöflichen 
Diöcesen zwischen dem Orden, welcher nach der Bestimmung 

des päbstlichcn Legaten zwei, und den Bischöfen, wclclie ein 

4* 



52 Zeit der Ordensherrschaft. 

Drittel derselben erhalten sollten. Die Gebiete, welche dem 
Orden ausserhalb des Culmerlandes blieben, wurden zu einem 
zweiten Conventsbezirke, Preussen, vereinigt. Der Unterdrückung 
des ersten Aufstandes der Preussen folgte schnell die Unter- 
werfung von Gross-Barten und Galinden , dann im Jahre 1255 
mit Hülfe des Königs Ottokar von Böhmen, des Gründers von 
Königsberg, die Unterwerfung Samlands. Hiemit war die Unter- 
werfung Preussens in dem früher bezeichneten eigentlichen Sinne 
des Wortes beendigt. Aber die Niederlage der preussischen und 
kurländischen Ritterschaft bei Durben im Kampfe mit den li- 
thauern gab noch einmal das Signal zu einem allgemeinen Ab- 
falle. Erst im Jahre 1274 wurde der Orden dieser Auflehnung 
Herr ; dann unterwarf ers chnell Nadrauen und Schalauen, endlich 
nach siebenjährigem Kampfe (1277 — 1283) auch Sudauen. 
Seine Herrschaft war nun über alle Landschaften bis zur Memel 
ausgebreitet. Ohne Aufenthalt überschritt er auch diesen Fluss, 
aber seine Eroberungen in Samaiten und Lithauen nahmen nur 
langsamen Portgang und gewannen keine Festigkeit. Während 
gegen Pommern und Polen hin die Ordensgrenzen schon im 
dreizehnten und im Anfange des vierzehnten Jahrhunderts genau 
bestimmt wurden, begannen die Versuche, die Grenzen zwischen 
Preussen einerseits, Samaiten und Lithauen andrerseits zu fixiren, 
erst viel später, als die Lithauer, von einer anderen Seite für 
das Christenthum gewonnen und durch Vereinigung mit Polen 
zu grosser Kraft erstarkt, den Orden bis zur Memel und auch 
über diese zurückdrängten. 

1. Die pommercUische Grenze. 

Dem Herzog Swantopolk von Pommerellen verschrieben die 
Ordensritter — wahrscheinlich gleich nach der Eroberung des 
Culmerlandes — die Burg Pin und einige Dörfer bei Culm auf 
Lebenszeit ^*^), und statt derselben einige Zeit darauf das Terri- 
torium Lenzen, welches sich den älteren pommerellischen Be- 
sitzimgcn am frischen Haff sehr erwünscht unmittelbar an- 
schlüss, ebenfalls auf Lebenszeit ^* ^). Schon um das Jahr 1238 

^*o) Die erste Erwähnung dieser Verleihung in der Urkunde von 1247, 
Cod. dipl. Pruas. 1. n. 71. 

**') Kriedensurkunde von 12-18 bei Dreger n. 184, 



Landesgrenzen. 53 

stand er mit ihnen auf gespanntem Fusse, doch schloss er da- 
mals noch einen Vertrag mit ihnen, in welchem er sich ver- 
pflichtete, Streitigkeiten mit dem Orden, namentlich über die 
Grenze, auf friedlichem Wege auszugleichen und mit den Samen, 
N'atangem und Ermeländern ohne den Orden keinen Separat- 
vertrag einzugehen 2*2), Dennoch kam es zum Kriege, welcher 
mit geringen Unterbrechungen von 1242 — 1248 dauerte. Swan- 
topolk, mit den wieder abgefallenen Preussen verbunden, griff 
vergeblich die Schlösser und Städte des Culmcrlandes, vergeblich 
das vor Kurzem gegründete Elbing an. Er wurde wiederholent- 
lich in Preussen und in seinem eigenen Lande geschlagen. Die 
Ordensritter nahmen ihm die Burg Sartowitz ^^3), auch die auf 
Zantir von ihm während des Krieges angelegte Feste 2**). Da 
bot er endlich doch die Hand zum Frieden. Schiedsrichter, von 
beiden Theilen gewählt, hatten schon im Jahre 1247 festgesetzt, 
dass der Orden dem Herzoge einen gewissen Theil der !N"ehrung 
und die Kampen südlich von derselben, der Herzog dagegen dem 
Orden die Burg Pin und die Dörfer bei Culm, die ihm auf Le- 
benszeit verschrieben waren, herausgäbe 2*5). Im Frieden von 
1248 wurde diese Entscheidung mit einigen Aenderungen an- 
genommen. Die Ritter überliessen dem Herzoge die Insel, 
■welche Nehrung genannt wird, und den auf derselben befind- 
liehen Wald und die neben derselben Insel gelegenen Weichsel- 
kampen von dem Flusse Tuya (Tiege) bis zu dem Orte Kamzi- 
kini; Swantopolk aber verzichtete auf Lansania, welches ihm 
die Ritter an Stelle von Pin verschrieben hatten 2*6). Der Ort 



"2) Urkunde von 1238 bei Kotzebuc, Preuss. Gesch. 1, 403. 
243) Dusburg m. c. 37. 

2**) Schon 1248, noch vor Abschluss des Friedens, ist sie in ihrer Hand, 
nach der Urkunde von 1248 im Anhang zu Luc. David 3, 13. 

2*5) Urkunde von 1247, Cod. dipl. Pruss. I. n. 71. Nach der Klageschrift 
Swantopolks von 1248 hat der Orden die Absicht gehabt, eine Burg bei Pre- 
nozlau zu seinem Schaden zu erbauen, Cod. dipl. Pruss. I. n. 78. Dieser 
Name deutet wohl nach Prenzlaflf auf der Nehrung. Vgl. Quandt in den Balt. 
Studien 1853, S. 214. 

2*t^) Friedensurkunde von 1248 bei Dreger n. 184, mit der Verbesserung 
bei Voigt 2, 579, Anm. 1. In dem Schiedsspruch von 1247 ist statt de 
arenis et nerei ac via usque camziera augenscheinlich zu lesen: de arenis et 
nerei a Tuia usque Camzicni. Diese Urkunde zeigt zugleich, dass die Ein- 
schränkung „von der Tiege bis Kamzikini" ebensovrohl zu nerei als zu arena 
gehört. 



54 Zeit der Ordensherrschaft. 

Kamzikini ist jedenfalls über eine Meile westlich von demNeh- 
rungsdorfe Liep und an der Küste, höchst wahrscheinlich in der 
nordwestlichen Ecke des frischen Haffes, also nördlich von der 
Tiegemündung zu suchen 2* 7), und da durch diese Abkunft nicht 
die ganze Nehrung in die Hände des Herzogs kam, wie er denn 
in eben dem Friedensinstrument versprach , dem "Wilde nicht 
den Uebergang aus seinem Theile der Nehrung in das Gebiet 
des Ordens* zu versperren, so ist es höchst wahrscheinlich, dass 
der Ort Kamzikini zugleich den Grenzpunkt zwischen den An- 
theilen des Ordens und des Herzogs auf der Nehrung bezeichne. 
Swantopolks Brüder Sambor und Ratibor waren während des 
Krieges treue Anhänger des Ordens gewesen, deshalb von Swan- 
topolk vertrieben, aber durch den Frieden von 1248 wieder re- 
stituirt. Sambor, der Herr des Landes zwischen den Armen der 
Elbinger Weichsel und der Nogat, überliess sogar dem Orden 
durch eine Urkunde vom 7. December 1251 Zantir in der 
Form einer Schenkung, indem er sich nur ein Gebiet von etwa 
zwei Meilen Länge zwischen Lichtenau und Miloradesdorp (Mie- 
lentz) vorbehielt, aber auch dieses dem Orden gegen die Zah- 
lung von 150 Mark jederzeit herauszugeben verpflichtete 2*®). 
Diese Schenkung war höchst wahrscheinlich die Ursache, dass 
Swantopolk im Jahre 1252 noch einmal die Waffen gegen den 
Orden erhob. Er überzeugte sich aber, dass er nicht im Stande 
sei, der Ausbreitung des Ordens Schranken zu setzen, und hielt 
mit demselben von dem Frieden im Jahre 1253 an ein freund- 
schaftliches Verhältniss aufrecht. Nur wenige Tage nach dem 
Friedensscliluss überliess er den Bürgern von Culm zwei dieser 
Stadt gegenüberliegende Inseln, eine grössere und eine kleinere, 
unter dem Titel des Verkaufs 2* o). Sambor aber, welcher noch 
während des Krieges dem Orden die Insel Bern zwischen der 
alten und neuen Weichsel , Zantir gegenüber , geschenkt hatte 
(10. Januar 1253) -^^o)^ nahm das ihm auf der Insel Zantir ver- 

2*7) Nach der Urkunde von 1282 bei Üogiel IV. n. 39, wo der Ort Kam- 
penkne lieisst. In der Theüungsurkundc über Samland kommt Kampenkyn vor. 
24«) Urkunde von 1251 im Anbang zu Luc. David 3, 22. 

2**') Urkunde vom 4. August 1253 im Anhang zu Luc. JJavid 3, n. 14. 
Der Hochmeister Karl von Trier bestätigte den Culmern diesen Besitz 1311. 
Cod. dipl. Pruss. II. n. 65. 

250) Urkunde vom 10. Januar 1253 bei Dreger n. 232. 



LandesgrenzeD. 55 

bliebene Gebiet in etwas verengten Grenzen sammt dem grossen 
und kleinen Kabal und der von diesen eingeschlossenen Insel 
von demselben zu Lehn, indem er zur Anerkennung seiner Herr- 
schaft ihm jährlich zwei weisse, mit dem Kreuze bezeichnete 
Schilde zu liefern versprach (10. März 1254) 2 si). 

Noch ausgedehntere Erwerbungen in den Gegenden an der 
Weichsel machten die Ordensritter nach Swantopolks Tode 
(t 1266). Zwar versuchten Mistwin und Wartislaw, seine Söhne 
und Nachfolger, obwohl er ihnen Frieden mit den Ordensrittern 
als die höchste Staatsklugkeit anempfohlen hatte, noch einmal 
das Waffenglück, in den Jahren 1267 und 1268, also während 
des zweiten Aufstandes der Preussen, allein sie konnten die 
Zerbröckelung Pommerellens nicht hindern. Einer ihrer Oheime, 
Batibor, Herr von Beigard ^^^) , trat der Brüderschaft des deut- 
schen Ordens bei und eröffnete ihm dadurch die Aussicht auf 
den Anfall seiner Lande, welchen er ihnen ausdrücklich zu- 
sicherte ^53), Aber nicht unmittelbar kamen seine Besitzungen 
in die Hände des Ordens, sondern dieser einigte sich mit Mist- 
win, wahrscheinlich kurz nach dem Friedensschluss vom 3. Ja- 
nuar 1268, über einen Tausch. Mistwin bot den llittern für 
Katibor^s Besitzthum Beigard, ein Aequivalent in Schwez, 
Neuenburg und Timau, welches von diesen auch ange- 
nommen^^*), ihnen aber nicht sogleich übergeben wurde ^^^). 
Der Orden war damals nicht in der Lage, auf die Uebergabe 
nachdrücklich zu bestehen, behielt sich aber seine Ansprüche 



2**) Urkunde vom 10. März 1254 im Anhang zu Luc. David, Bd. 3, n. 16. 

2*^) Urkunde bei Dreger n. 77. 

253) Nach der Urkunde von 1282 bei Dogiel IV. n. 39, p. 33. 

^^*) Der Inhalt dieses Vertrages ergiebt sich ganz sicher aus der ange- 
führten Urkunde bei Dogiel IV. n. 39 , wo die Rede ist von einer donatio 
eis (magistro et fratribus) facta per ducem eundem (Mestwinum) de predictis 
bonis (ducatu Swecensi et Neuenburg et Timowe) ac etiam de quadam parte 
Pomeranie, que ad eosdem fratres devoluta fuerat ex coUatione quadam Ra- 
tiborii. Man muss beachten, dass in einer Urkunde, und zwar in einer Ur- 
kunde Mistwins, von jenen und von diesen Gütern zugleich die Rede ist, 
und dass ferner die Ritter ihre Ansprüche auf Schwetz etc. verfolgten, an Ra- 
tibors frühere Besitzungen nicht mehr dachten. Voigt 3, 359 und Barthold, 
Gesch. Pommerns 2, 556, haben den Sinn dieser donatio als einer Schenkung 
und den Zeitpunkt derselben nicht rocht erkannt. 

255) Dies geht theüs aus den späteren Verhandlungen überhaupt, theüs 
aus der von Voigt 3, 359, Anm. 1 angeführten Urkunde hervor. 



56 Zeit der Ordensherrschaft. 

vor, wie er sich denn eine Bestätigung jenes Tauschvertragea 
vom Könige Rudolph von Habsburg verschaffte (29. März 1276) »»ß). 
Ansprüche auf einen andern beträchtlichen Theil Pomme- 
rellens begründete der Orden auf einer neuen Schenkung Sam- 
bors. Einst, als Sambor noch unter der Yormundschaft seines 
Bruders Swantopolk stand, hatte Wartislaw, der von allen vier 
Brüdern am frühsten starb, ihn zum Vollstrecker seines Testa- 
ments ernannt, nach welchem das ganze Land Wanceke mit 
dem Hauptort Mewe, zwischen Yerse und Weichsel, nördlich 
hinauf bis zur Wolcnisz (zwischen Grünhof und Falkenau) zum 
Heile seiner Seele den Mönchen von Oliva übergeben werden 
sollte ^^^). Sambor, zugleich mit Swantopolk und wohl von 
demselben getrieben, hatte die Schenkungsurkunde in der That 
im Jahre 1230 vollzogen ^s 8)^ das Land übergeben, aber wieder 
zurückgenommen. Die Mönche klagten endlich im Jahre 1258 
bei Pabst Alexander lY., und es wurde eine Untersuchung an- 
geordnet, welche damit endete, dass die päbstlichen Bevollmäch- 
tigten über Sambor den Bann verhängten, welchen der Legat 
Guido im Jahre 1267 bestätigte ^s^). Um den Frieden der 
Kirche wiederzuerlangen und zugleich den Dank des vieljährigen 
Bundesgenossen zu erwerben, entschloss sich Sambor, das streitige 
Gebiet mit einigen benachbarten dem deutschen Orden zu ver- 
schreiben. Er vollzog die Schenkungsurkunde an demselben 
Tage, von welchem die oben angeführte Confirmationsurkunde 
König Rudolphs datirt ist, am 29. März 1276 -^co)^ ^^d leistete 
in einer zweiten überdies Caution, dass, wenn die Mönche von 
Oliva die oft boregten Ansprüche, welche er durchaus nicht an- 
erkenne, durchsetzen, oder wenn sein Schwiegersohn Ziemomysl, 
Herzog von Cujavien, und dessen Gemahlin Salome, seine Tochter, 
einen Theil des Landes sich anmaassen sollten, der Orden ent- 



258) Urkunde von 1276 bei Dogiel IV. n. 38. 

25') Easquo sibi per te, quem sui tcstamenti executorem instituit, man- 
davit assignari. Bulle Urbans IV. an Sambor vom 13. Juli 1262. Geh. Ar- 
chiv, Schiebl. LV. n. 29. 

25») Urkunde vom 27. üeoember 1230, Dreger n. 77. Eine etwas ab- 
weichende Autfassung dieser Urkunden bietet Quandt in den Balt. Studien 
1856, S. 104—106. 

2«'^ö) Vgl. Voigt, Bd. 3, S. 266 f. 

26") Urkunde von 1276 bei Dogiel IV. n. 37, und Act. Bor. 111, 284 sq. 



Landesgrenzen. 57 

sprechenden Ersatz durch einen Landstrich von demselben Um- 
fange und von derselben Fruchtbarkeit erhalten solle ^^ '). Die 
dem Orden überwiesenen Landstriche erstreckten sich zu beiden 
Seiten der Yerse von Mewe bis Stargard. Die Grenze ging von 
dem Einfiuss der Verse in die Weichsel, längs der Weichsel 
hinab, bis zum Dorfe ßosizina (etwa Klein - Falkenau) und zog 
sich von hier, bei dem Schlosse Garzeke (Gartz) und dem Kloster- 
dorfe Baichove (Raickau) vorbei, nach der Verse, diese hinauf 
bis zum Schlosse Stargard, von der Brücke bei demselben längs 
der Strasse, die nach Schwetz führt, bis zur Grenze von Tymau, 
dann bis zum Fluss Wangromändiza , endlich längs desselben 
hinab bis zur Verse, in welche er mündet, und längs dieser bis 
zur Weichsel. Es waren zwei nur auf einer schmalen Strecke 
mit einander zusammenhängende Landstriche. 

Mistwin hinderte den Orden mit gewaflFneter Hand lange 
Zeit, den Besitz der neuen Schenkung anzutreten ^62) ^ ^ne er 
auch Schwetz, Neuenburg und Tymau dem Orden noch nicht 
herausgegeben hatte, und vertrieb sogar Sambor aus dem noch 
übrigen Theile seiner Herrschaft. Der Orden scheute die An- 
wendung von Gewaltmaassregeln, und Mistwin, damals sicher und 
seiner engen Verbindung mit Grosspolen vertrauend, erneuerte, 
nachdem Sambor inzwischen 1278 bei seiner Tochter Salome 
verstorben war, die Schenkung des Gebiets von Mewe an das 
Kloster Oliva (1 . November 1281) 2^^). Der Orden verfolgte sein 
Recht diesmal bei der Kirche und brachte es endlich zu einer 
Verhandlung vor dem päbstlichen Legaten Philipp, Bischof von 
Firmano. Unter seiner Vermittelung wurde zu Militzsch in der 
Breslauer Diöcese am 18. Mai 1282 ein Vertrag geschlossen, 
nach welchem das ganze Gebiet von Mewe oder Wanceke 



26») Urkunde von 1276 im Anhange zu Luc. David 3, 36. 

262) j^ach Duaburg 111. c. 208, dessen Bericht über diese Erwerbungen 
jedoch im Ganzen verworren und fehlerhaft ist. 

263) Aber mit einigen Aenderungen nach der Urkunde bei Voigt 3, 383, 
Anm. 2 — 5, und im Neuen Cod. Pomeran. dipl. p. 421, not. 6. Hier beginnt 
die Grenzbeschreibung ab antiqua Wisla, ubi aquam Wolszenick influit, et sie 
per ascensum "Wolszenick, bei Spranden und Pommey vorbei, und endigt so : et 
sie per descensum Verisse usque in Vislam, cum insulis videlicet Berin parva 
et Gymev et Talnitz et Wolszenitz, et sie per descensum Visle usque ad «^i 
tiquam Yi8lam. 



58 Zeit der Ordensherrsohaft. 

in den Grenzen, welche Sambors Verschreibung angab, jedooh 
mit Ausnahme gewisser den Cisterciensern von Oliva in dem- 
selben unzweifelhaft zuständiger Rechte und Besitzungen, dem 
Orden verbleiben, derselbe überdies für seine Ansprüche auf 
Seh wetz, l^euendorf und Tymau durch das an Wanceke 
nördlich anstossende Dorf Medilanz, zwischen Eosizina, Gbrtz 
und Schlantz (also das heutige Mesland), durch die Flüsse 01- 
schitza und Barsitza, durch den Theil der Insel Zantir, 
welchen Sambor von dem Orden zu Lehn getragen hatte, durch 
den grossen und kleinen Kabal mit der von beiden einge- 
schlossenen Insel und durch einen schmalen Streifen der inneren 
Nehrung längs der See entschädigt werden sollte. Es war dabei 
von grosser Wichtigkeit, dass Mistwin die Caution gegen die 
Ansprüche jedes Dritten auf diese Länder oder den Zehnten 
derselben übernahm; denn der letztere hätte durch den Bischof 
von Cujavien streitig gemacht werden können; Oliva hatte sein 
Anrecht auf die Wanceke noch nicht aufgegeben und jener südliche 
Theil von Zantir, so wie der grosse und kleine Kabal mit der 
von ihnen eingeschlossenen Insel gehörten zu der Erbschaft 
Sambors, der sich Mistwin nur mit Gewalt bemächtigt hatte ^^*). 
Pabst Martin IV. bestätigte den Vertrag (6. November 1282) 265), 
Dennoch wurde derselbe im folgenden Jahre in einigen Punkten 
abgeändert. Mistwin erklärte, er könne den grossen und kleinen 
Kiibal mit der Kabalinsel dem Orden nicht übergeben, versprach 
ihm aber zum Ersatz die Güter in dem Lande Wanceke, welche 
die Mönche von Oliva besessen, ihm aber abgetreten hätten. 
Er gestand ihm ferner ohne alle Einschränkung das Recht zu, 
an der Verse Mühlen anzulegen; endlich löste er gewisse Be- 
sitzungen der Mönche von Pelplin in dem Gebiet von Wanceke 
durch weitere Abtretungen auf der Nehrung. Nach dem ersten 
Vertrage sollte dem Orden von dem ihm schon zugehörigen 
Theile der Nehrung an die Seeküste auf dreissig Seile Breite 
und zwei Meilen Länge hin zufallen (wobei sich jedoch der Herzog 



26*) Urkunde vom 18. Mai 1282 bei Dogiel IV. n. 39. Act. Bor. 111, 274. 
Das Kloster Suckau leistete auf die Olschitza noch in demselben Jahre Ver- 
zicht. Urkunde von 1282 bei Hirsch in den N. P. P. Bl. 1853, Bd. 1, 
S. 46. 

2") BuUe vom 6. November 1282 bei Dogiel IV. n. 40. Act. Bor. III, 934. 



Landesgrenzen. 59 

das Recht der Fischerei in einem gewissen Theile des HafFs 
ausdrücklich vorbehielt); nach dem abgeänderten Vertrage 
sollte der Orden auch noch den Theil der Nehrung erhalten, 
welcher ihm zunächst der Elbinger Weichsel bis dahin noch 
geblieben war, wodurch das Kloster jedoch nicht der Oberherr- 
schaft des Ordens entzogen wurde. Im Uebrigen blieben die 
Bestimmungen des früheren Vertrages unverändert (5. März 
1283)266)^ ^n demselben Tage, an dem dieser neue Vertrag 
abgeschlossen wurde, leisteten der Abt und der Convent von 
OHva auf die so lange bestrittene Schenkung des Herzogs Sam- 
bor Verzicht und nahmen vom Herzog Mistwin sechzehn Dörfer 
als Ersatz in Besitz ^g'). Dieser verpflichtete sich auch später 
nochmals zur Caution der abgetretenen Landstriche gegen jeden 
etwa hervortretenden Anspruch (28. Juli 1283) ^o^). Bischof 
Albert von Lesslau, mit welchem Mistwin über die Zehntfreiheit 
derselben schon um Michaelis 1282 einen Vertrag geschlossen 
hatte 2^®), fertigte die Urkunde der Zehntfreiheit für den Orden 
ebenfalls am 28. Juli 1283 aus^^o). ggiu Nachfolger, Bischof Wis- 
laus, verlieh ihm überdies das Recht, wann und wo er wolle, in 
denselben Kirchen anzulegen (15. September 1284) ^^i). Schon im 
März des Jahres 1283 sass Dietrich von Speier als erster Com- 
thur auf der neu erbauten Ordensburg Mewe ^^2). Von Sambors 
Töchtern, welche bei diesen Verträgen nicht befragt waren, wie- 
wohl die abgetretenen Landschaften theilweiso ihnen als den 
nächsten Erben Sambors zustanden, scheint Gertrud doch im 
Jahre 1284 schon zufriedengestellt zu sein, indem Mistwin ihr 
den Besitz der Castellanei Pirchen (Pirsna) am grossen Radaune- 
See mit zweiundzwanzig Dörfern zugestand -^^); und auch Sa- 
lome finden wir später in dem Besitze eines Theiles der väter- 



"«) Urkunde vom 5. März 1283, Cod. dipl. Pruss. I. n. 165 a. 

2") Urkunde vom 5. März 1283 bei Ledobur, N. Archiv, Bd. 2, S. 22G. 

"^) Urkunde vom 28. Juli 1283, Cod. dipl. Pruss. I. n. 165 b. 

^^') Urkunde von 1282 bei Rzysczcwski und Muezkowski, cod. dipl. Pol. II, 
n. 119. 

"«) Urkunde vom 28. Juli 1283, Cod. dipl. Pruss. I. n. 166. 
2'») Urkunde vom 15. Sept. 1284, Cod. dipl. Pruss. I. n. 167. 
2") Dusburg III. c. 208. Voigt 3, 389. 

2") Urkunde von 1284 bei Voigt 4, 286, Anm. 1. Von einer andern Ent- 
schädigung spricht Barthold 3, 41, Anm. 1. 



60 Zeit der Ordensherrschaft. 

liehen Erbschaft, wiewohl sie mit dem Orden bis in das Jahr 
1292 nicht in gutem Vernehmen stand ^ 7*). 

Nach dieser Zeit erhielten die Ordensritter von Mistwin noch 
zwei Schenkungen. Schon am 16. April 1285 trat er ihnen dw 
Insel zwischen dem grossen Kabal und der Primislawa 
ab^^^); einige Jahre darauf genehmigte er den Verkauf des 
Dorfes Klein-Slanza durch seinen Lehnsmann Alexius an den 
Orden, zu dessen Gunsten er überdies allen Hoheitsrechten über 
dasselbe entsagte (3. Aprü 1291)270). 

Mistwin starb im Jahre 1295, ohne Leibeserben zu hinter- 
lassen. Wortbrüchig, wie er war, hatte er mehreren Fürsten 
die Aussicht auf die Erbfolge eröffuet und dadurch den Grund 
gelegt zu den inneren und äusseren Kämpfen, unter welchen 
das Land seitdem lange Jahre zu leiden hatte. Zwar wurde 
Przemislaw von Grosspolen ziemlich allgemein als sein Nach- 
folger anerkannt, aber er starb bald, 1296; aber Przemislaws 
Nachfolger, Wladislaw Lokietek von Lenczicz und Sieradz, zeigte 
sich sehr schwach und wurde im Jahre 1300 durch "Wenzes- 
law IL von Böhmen verdrängt, der ganz Polen mit seinem Erb- 
lande vereinigte. Ihm folgte schon im Jahre 1305 sein Sohn 
Wenzeslaw IIL, der aber schon im Jahre darauf mit Tode ab- 
ging, der Letzte seines Stammes. In diesen Zeiten hatte sich 
das einheimische Geschlecht der Swenza's zu fast fürstlichem 
Ansehen erhoben; früher schon reich begütert, hatte es von 
Wenzeslaw IL die Stadt Neuenburg mit einem Gebiete von 
vier Meilen Länge und zwei Meilen Breite längs der Weichsel 
nebst den Dörfern Sbislaw (Bislaw), Cekcino (Cekzyn) und Ka- 
nechicz (Kannek) in der Gegend der mittleren Brahe (1301)27?)^ 
das Dorf Stargard^^s)^ endlich Radzons (wahrscheinlich Hetz, 
nordwestlich von Tuchel) und Srozkow (Szierotzken, nordöstlich 
von Polnisch-Krone) (1305) ^^o) — yQi^ Wenzeslaw LEI. die Statt- 



274) Von iiu-er Erbschaft unten. Vertrag von 1292 im Cod. dipl. Pruss. 
II. n. 25. 

275) Urkunde vom 16. April 1285, Cod. dipl. Pruss. I. n. 174. 
"«) Urkunde vom 3. April 1291, Cod. dipl. Pruss. II. n. 23. 
277) Urkunde von 1301, Cod. dipl. Pruss. II. n. 39. 

27fi) Urkunde von 1305, Cod. dipl. Pruss. II. n. 49. 

270) Vgl. Barthold 3, 79. Quandt in den Balt. Studien 1856, S. 117. 



Landesgrenzen. 61 

halterschaft über Pommern erhalten ^®^). Wenzeslaw HI. unter- 
iandelte mit den Markgrafen von Brandenburg Otto, Hermann 
und Waldemar, welche schon ältere Ansprüche auf Pommerellen 
2iatten — Mistwin hatte im Jahre 1269 sein ganzes Land von 
den Markgrafen zu Lehn genommen ^ 8 1) — über die Abtretung 
des Landes gegen Herausgabe eines gewissen Theiles der Mark- 
grafschaft Meissen, welchen er ihnen verpfändet hatte. Er voll- 
zog die Urkunde darüber am 8. August 1305 ^ö^), und die Bran- 
denburgischen Markgrafen gingen auf den Vorschlag ein , ohne 
jedoch Pommerellen sogleich ganz in ihren Besitz zu nehmen, 
l^ach Wenzeslaws DI. Tode kam ihnen Wladislaw Lokietek zu- 
Yor, lind sie mussten ihm das Land gewaltsam entreissen, um 
ihre Ansprüche geltend zu machen. Die Swenza*s, welche mit 
Wladislaw sehr bald zerfielen, wandten sich auf die Seite der 
Brandenburger, die sie durch gewisse Zusicherungen wegen der 
Barggrafschaft Stolpe und des Lehnsbesitzes der Schlösser ßü- 
genwalde, Schlawe, Polnow, Tuchel und Neuenburg ^83) zufrieden 
stellten. Als die Brandenburger nun im Jahre 1308 mit einem 
Heere in das Land kamen, eroberten sie schnell einen grossen 
Theü desselben, auch die Stadt Danzig; doch hielten sich die 
Polen noch in dem unterhalb der Stadt an der Motlau gelegenen 
Schlosse. 

Dieser Zustand Pommerellens begünstigte die weitere Aus- 
breitung des Ordens. "Wenzeslaw ü. schenkte demselben in An* 
erkenntniss der Dienste, welche ihm der Landmeister Konrad 
Sack und der Culmer Landcomthur Günther von Schwarzburg 
geleistet hätten, die Güter Tymow (südlich von Mewe), Bor- 
ch w (?), Stubelow (Stublau, nördlich von Dirschau), Globen 
Tind Zubessow (Lubin und Sibsau, zwischen Neuenburg und 
Schwetz, etwa Graudenz gegenüber), und Wenzeslaw HI. be- 



wo) Vater und Sohn heissen Capitanei terre Pomoranie 1306 , Cod. dipL 
Pruss. n. n. 52. Vgl. Voigt 4, 196. Barthold 3, 79. 

28») Urkunde von Ostern 1269 bei Oreger n. 436. Riedel, cod. dipl. 
Brand. II, 1, n. 136. Vgl. LancizoUe, Gesohiclite der BUdung des pröussischen 
Staats, Bd. 1, S. 553 ff. 

*82) Urkunde vom 8. August 1305 bei Riedel, Cod. dipl. Brand. U, 1, n. 33Ö 
und sonst. 

"3) ßarthold 3, 81, nach Schwarz, Lehnshistorie, S. 268. 



62 Zeit der Ordensherrschaft. 

stätigte diese 'Schenkung (28. Juni 1305) ^s*). Ferner kaufte 
der Orden von Peter, dem Sohne des alten Swenza, Herrn zu 
Neuenburg, das ihm kurz zuvor vom König Wenzeslaw II. ver- 
liehene Dorf (die jetzige Stadt) Stargardt; Wenzeslaw HI. 
bestätigte den Kauf (19. JuH 1305) ^s^). j^ach Wenzeslaws III. 
Tode übergab ihm Peter auch die Güter zu Niradowe (viel- 
leicht Miradowo, zwischen Stargardt und Borzichow) für 40 Mark, 
(1306)280). 

Der grösste Vortheil erwuchs dem Orden aus der Verlegen- 
heit der Polen. Von ihnen zu Hülfe gerufen, erschien Günther 
von ScHwarzburg mit ansehnlicher Hülfsmannschaft und besetzte 
mit derselben die eine Hälfte des Schlosses. Das Schloss wurde 
glücklich vertheidigt, und als die Brandenburgischen Markgrafen 
mit ihrer Hauptmacht zurückgingen und nur eine Besatzung in 
Danzig zurückliessen, auch die Stadt erobert. Alsbald aber führten 
die Verhandlungen über die Entschädigung des Ordens für seine 
Kosten zu Streitigkeiten zwischen ihm und den Polen. I>ie 
Polen Hessen sich bewegen, auch die andere Hälfte der Bui^ 
den Ordensrittern einzuräumen; diese aber, durch neue Mann- 
schaft unter der Führung des Landmeisters Heinrich von Ploczke 
verstärkt, bemächtigten sich bald darauf, welches auch die nächste 
Veranlassung des Angriffs gewesen sein mag, an einem Tage der 
beiden Städte Danzig und Dirschau (am 14. November 1 308). 
Danzig verlor seine Mauern, „um den Uebermuth seiner Be-^ 
wohner zu demüthigen" 287)j Rath und Gemeinde von Dirschau 
aber mussten für den Schaden und die Beleidigungen, die sie 
den Ordensrittern zugefügt hätten, da ihre gesammten Güter und 
Habseligkeiten zur Genugthuung nicht hinreichten, gleich nach 
Pfingsten ihre Stadt zu verlassen und ohne besondere Erlaubniss 



284) Urkunde vom 28. Juni 1305, Cod. dipl. Pruss. II. n. 48. Quandt in 
den Baltischen Studien 1853 bemerkt mit Recht, dass Borchow nicht Borkau 
sein könne, weil dies innerhalb des Pelpliner Eigenthums liege; es ist aber 
auch wohl nicht, wie er will, Barchnau, weil dies in dem an den Orden schon 
abgetretenen Landstrich an der Verse liegt. Ob es auf Borzichow zu deu- 
ten ist? 

285) Urkunde vom 19. Juli 1305, Cod. dipl. Pruss. II. n. 49. 

286) Urkunde von 1306, Cod. dipl. Pruss. II. n. 52." Quandt a. a. 0. 
S. 218 vermuthet nach einer Urkunde von 1342, dass Niradowe das jetzige 
Kiewalde (im N.-O. von Stargardt) sei. 

287) Chron. Oliv. p. 43. 



Landesgrenzen. 63 

der Ritter niemals dahin zurückzukehren versprechen (7. Februar 
1309)288). Dieser Vertrag machte den Orden zum Eigenthümer 
des Grundes und Bodens der Stadt auf alle Fälle. Bald darauf 
kaufte er von der Herzogin Salome und ihren Söhnen den grossen 
und kleinen Kabal mit den eingeschlossenen Inseln und Allem, 
was sie sonst noch zwischen der Nogat, der Weichsel und dem 
frischen Haff besass, um 1000 Mark (28. April 1309)280). 

Die Forderungen, welche die Ordensritter unter dem Titel 
der Kostenentschädigung an Wkdislaw Lokictek stellten, über- 
stiegen weit alle Erwartungen des Herzogs, und es war nicht 
abzusehen, dass er sie jemals bezahlte. Eben diesen Fall hatte 
der Orden offenbar vorausgesehen und herbeigewünscht ; er konnte 
nun den in Besitz genommenen Theil Pommerellens als Pfand 
in seiner Hand behalten; ja er hatte sogar einen Vorwand, auch 
noch den andern Theil des Landes in Besitz zu nehmen. So 
erhob der Landmeister im Sommer des Jahres 1309 nochmals 
die Waffen, um das angefangene Werk zu vollenden. Nur das 
wohlbefestigte und hartnäckig vertheidigte Seh wetz leistete 
namhaften Widerstand. Die Belagerung dauerte Monate lang. 
Endlich aber am 29. September 1309 ergab sich die Feste, da 
Herzog Wladislaw ihr keinen Ersatz schicken konnte ^®°). 

Durch die Besetzung Pommerellens griffen die Ordensritter 
zugleich auch in die Rechte des Markgrafen Waldemar von 
Brandenburg (Otto IV. war schon 1308 gestorben); aber noch 
ehe Schwetz seine Thore geöffnet hatte, einigten sich ihre Ge- 
sandten mit ihm am 13. September 1309 zu Soldin über fol- 
genden Vertrag 201). Markgraf Waldemar überlässt dem Land- 
meister Heinrich von Plocke und seinen Brüdern Danzig, 
Dirschau und Schwetz mit den von Alters her zugehörigen 



*88) Urkunde vom 7. Februar 1309, Cod. dipl. Pruss. II. n. 57. 

289) Urkunde vom 28. April 1309, Cod. dipl. Pruss. II. n. 59. Vgl. noch 
die Urkunde vom I.Mai 1309 bei Baczko, Preuss. Geschichte 2, 80; Preuss. 
Lieferung 1, 503. 

*'°) Von den Forderungen des Ordens spricht Dlugoss p. 927, 928 offenbar 
nach einer zuverlässigen Quelle, etwa einer Urkunde. Aber er mischt Be- 
gebenheiten und Verhandlungen der Zeit nach sehr verworren durcheinander, 
üeber den Zeitpunkt der Eroberung von Schwetz vgl. meine Geschichte der 
preuss. Historiogr., Anhang, S. 289, 290. 

"») Urkunde vom 13. Sept. 1309 bei Riedel, Cod. dipl. Brand. II, 1, 
n. 360 und sonst 



64 Zeit der Ordensherrschaft. 

Gebieten für 10,000 Mark Silbers, übernimmt die Gewähr gegen 
die Ansprüche der Herzöge von Rügen und Glogau und ver- 
spricht, die Bestätigung des Reichs zu verschaffen, während sie 
selbst die Bestätigung des Pabstes erwerben sollten. Es wurde 
jedoch die Klausel hinzugefügt, dass der Vertrag, wenn bis zu 
Lichtmesse des nächsten Jahres der eine oder der andere Theil 
die Bestätigung nicht erlangen könne, ungültig sein und dann 
auf andere Mittel des Vergleichs gedacht werden solle. Bis zu 
dem bezeichneten Tage aber sollten alle Dinge unter ihnen „mit 
Gute" stehen und der Orden, was er besetzt habe, in seinem 
Schirm behalten. Die Beschaffung der in diesem Vertrage be- 
zeichneten Urkunden verzog sich über den festgesetzten Termin, 
doch wurde das Geschäft deshalb nicht aufgegeben. !N'achdem 
Heinrich, Konrad und Bonislaus, die Söhne Herzogs Heinrich 
von Glogau, bekannt hatten, dass ihnen kein Anrecht auf Pom- 
merellen zustehe (3. März ISIO)^^^), nachdem auch "Wizlaw, 
der Fürst von Rügen, bewogen war, allen Ansprüchen auf den 
dem Orden zu überlassenden Theil Pommerellens zu entsagen 
(12. April 1310)293)^ go hielten der Hochmeister Siegfried von 
Feuchtwangen, der eben erst seinen Sitz in Marienburg ge- 
nommen hatte, und Markgraf Waldemar zu Stolpe eine Zusam- 
menkunft, in welcher sie sich am 12. Juni 1310 über folgenden 
definitiven Vertrag vereinigten. Markgraf Waldemar, zugleich 
als Vormund seines Neffen Johann, verkauft dem Hochmeister 
und seinen Ordensbrüdern die Schlösser und Städte Dan^, 
Dirschau und Schwetz mit dem umliegenden Gebiete, welches 
von Alters her zu denselben gehörte und dessen Grenzen nach 
ihren Hauptpunkten bezeichnet wurden, mit allem Zubehör und 
mit allen Nutzungs- und Hoheitsrechten für 10,000 Mark Bran- 
denburgischen Geldes. Waldemar übernimmt es ferner, die Be- 
stätigung des römischen Königs, als des obersten Lehnsherrn 
des Gebietes, auf eigene Kosten für den Orden zu erwirken, und 
verspricht demselben, nach Ausbringung dieser Bestätigung alle 



'**) Urkunde von feria tertia ante diem beati Adriani, d. h. vom Dienstag 
vor Adriani, also nicht vom 1. März, wie Voigt 4, 264, auch nicht vom 
5. März, wie Barthold 3, 109 rechnet, sondern vom 3. März, bei Eiedel, Cod. 
dipl. Brand. II, 1, n. 368 und sonst. 

293) Urkunde vom 12. April 1310 bei Eiedel II, 1, n. 369 und sonst. 



Landesgrenzen. 65 

Instromeiite , welche seinem Hause den Besitz des Landes zu- 
siclierten, zu überliefern. Die eine Hälfte der Kaufsumme zahlte 
der Hochmeister sogleich aus, die Abtragung der andern sollte 
erst dann erfolgen, wenn die Bestätigung des römischen Königs 
erfolgt sei 204). König Heinrich VII. ertheilte dieselbe schon 
am 27. Juli ^iesselben Jahres zu Frankfurt a. M. ^^% und Mark- 
graf Walderaar entsagte, nachdem er den Rest der Kaufsumme 
erhalten hatte ^o®), für sich und seinen Mündel feierlichst allen 
Ansprüchen auf das Land und übergab es dem Orden zum 
rechten Besitz mit allen Rechten der Hoheit und des Eigen- 
thums am 24. Juli 1311 ^o 7)^ j){^ Grenzen des abgetretenen 
Gebietes wurden einige Jahre darauf durch eine Urkunde Wai- 
demars vom 9. October 1313 noch genauer bestimmt, als es 
früher geschehen war^^®),* auch verpflichtete sich Markgraf Jo- 
hann, sobald er volljährig geworden war, früherer Abkunft ge- 
mäss^®^), alle dem Orden von seinem Oheim über Pommerellen 
ertheilten Briefe stät und fest zu halten (23. April 1315) »oo). 

Die in dem Kauf vertrage vom 12. Juni 1310 und noch aus- 
führlicher in der Grenzregulirung vom 9. October 1313 ange- 
fahrten Grenzpunkte lassen sich noch ziemlich vollständig nach- 
weisen. Die Grenze des von dem Orden gewonnenen Landes 
begann bei der Einmündung der Leba in die Ostsee und ging 
dieselbe hinauf durch den Lebasee, auf welchem die Fischerei 
den Unterthanen beider Theile freistehen sollte, bis zu dem 
Wehr Ragy, welches jedenfalls noch unterhalb Lauenburg zu 
suchen ist. Hier verlässt die Grenze den Fluss und geht in 



"*) Urkunde yom 12. Juni 1310 bei Riedel II, 1, n. 370 und sonst. Das 
Datum ist in allen Drucken dieser Urkunde mangelhaft pridie Junii; Voigt 
4, 266, Anm. 1 giebt die Ergänzung pridie Idus Junü, die auch Eiedel liber- 
aelien hat. Die Zahlung der 5000 Mark erfolgte, wie auch die Quittung yom 
13. Juni bei Riedel n. 371 bezeugt, in Stolpe, nicht in Neu-Kalisch, wie das 
Chron. Oliv. p. 43, und Dlugoss p. 939 angeben. 

2W) Urkunde vom 27. Juli 1310 bei Riedel II, 1, n. 379. Vgl. die Ur- 
kunde vom 12. Juli 1311 bei Dogiel n. 46. Lünig, Reichsarchiv T. VII, p. 5. 

"«) Die Quittungen vom 23. März 1311 über 1960 Mark und vom 26. Juni 
1311 über 2040 Mark bei Voigt 4, 285, Anm. 2. 

2»') Urkunde vom 24. Juli 1311 bei Riedel II, 1, n. 396. 

*«8) Urkunde vom 9. October 1313 im Cod. dipl. Pruss. II. n. 69 , Rie- 
del II, 1, n. 435. 

"») Urkunde vom 24. Juni 1311 bei Voigt 4, 285. 

3<^o) Urkunde vom 23. April 1315 bei Riedel II, 1, n. 453. 

5 



66 Zeit der Ordensherrschaft« 

südlicher Richtung über Malesicz (jetzt Malschitz), Oneszind 
(jetzt Wunneschin) , Wozkowe (jetzt Wutzkau), Goluszino (jetzt 
KoUodzin), Sucow (jetzt Suchy), Studzencz (jetzt Stüdzonken), 
Goliczeuo (jetzt Golczau) nach den Seeen Glino (Glinow) und 
Zomyn (jetzt Sommin). Beim Somminsee wendet sie sich gegen 
Westen über den Bach Scossow (Mühlbach bei Skoszewo), den 
Ort Wamewawoda (vielleicht See-Mally) und die Berge von 
Weski oder Westechy (wahrscheinlich Woisch) zum See Game- 
nyzno (dem Quellsee derCamenz, eines NebenfLüsschens der Stolpe, 
bei Glisno). Von hier ging sie im Ganzen in südwestlicher 
Richtung fort, berührte den See Lanken (bei dem gleichnamigen 
Dorfe), die Feldflur des Dorfes Peterskow (Peterkau, östlich von 
Rummelsburg), den See Studeniczno (Quellsee der Stiednitz, 
welche an Rummelsburg vorüber nördlich zur "Wipper geht), 
die Seeen und Sümpfe von Voltscha (Volz zwischen Rummels* 
bürg und Baldenburg), den See Ceczentzin (Tessentin zwischen 
Gross - Kratzenberg und Baldenburg) und erreichte^ endlich auf 
dem Hügel Bobelze (zwischen Bublitz und Baldenburg) den Ort, 
welchen man „zu den Schwertern" (ad gladios) nannte ^^ *). Die 
Grenzlinie ist auch in der heutigen Provincial- und Kreis^ui-» 
theilung noch von Bedeutung; der grössere Theil derselben 
scheidet die Provinzen Westpreussen und Pommern, der nörd-^ 
liehe die beiden pommerschen Kreise Stolpe und Lauenburg — 



30») Voigt, der zuerst den Nachweis dieser Qrenzpunkte versuchte (4,267, 
Anm. 1), erklärte die ersten Stationen bis zum See Glinow ganz richtig, 
schweifte dann aber, statt südlich fortzugehen, östlich ab nach einem See, 
der allerdings auch den Namen Sommin hat, sprang dann nach dem Schwarz- 
wasser, Czarnawoda, über, dessen Name ihm durch Wamewawoda angedeutet 
schien, yerlor dann bald jede fernere Spur und meinte, die weitere Grenze 
wäre meist dem eben genannten Flusse gefolgt. KlÖden in seiner Geschichte 
des Markgrafen Waldemar pflichtete ihm bei, desgleichen Barthold in seiner 
Geschichte yon Pommern. Erst F. Voigt, der Herausgeber des historischen Atlas 
der Mark Brandenburg, hat sich das Verdienst erworben, die Grenzlinie genau 
und sicher nachzuweisen. Seine Abhandlung über diesen Gegenstand steht in 
dem Jahresbericht über die königl. Bealschule zu Berlin 1847. Nur in der 
Erklärung der beiden letzten Stationen weiche ich von ihm ab. Der Ort 
„zu den Schwertern" liegt nach einer späteren Grenzbeschreibung auf dem Bo> 
bilczken-W e g e , und die Bobolsberge der Schrötterschen Karte, die doch ohne 
Zweifel yon Bublitz ihren Namen haben, erscheinen mir ihrer Lage nach nicht 
sicher, zumal da der See Tessentin nach der späteren Grenzbeschreibung nicht 
wegzudisputiren ist. Der in der Urkunde von 1318 zum Schluss noch hin- 
zugefügte Fluss Rewditz könnte der Fluss sein, welcher bei Kasimirshof vor- 
über in den Wirchow-See geht. 



Landesgrenzen. 67 

nur mit geringen Abweichungen bei dem Dorf Peterkau, welches 
in den Verkaufsurkunden ausdrücklich von der Abtretung an 
den Orden ausgeschlossen ist, bei Baldenburg und an der Küd- 
dow. Wir werden später sehen, dass die Südgrenze Pomme- 
rellens mit der Südgrenze der heutigen Kreise Schlochau, Konitz 
und Schwetz zusammenfiel ^^2). Hiemach lässt sich die Grösse 
des von dem Orden erkauften Territoriums ungefähr berechnen. 
Schätzen wir die Besitzungen, welche der Orden schon vor dem 
Kaufvertrage im Westen der Weichsel erworben hatte, etwa so 
gross als den Theil des Kreises Marienwerder, welcher westlich 
von der Weichsel liegt, so ist das neu erkaufte Gebiet an Grösse 
gleich dem Gesammtumfange der Kreise Danzig, l^eustadt, Kart- 
haus, Stargardt, Behrendt, Schwetz, Konitz, Schlochau und Lauen- 
burg, nur mit Abzug des Gebietes von Bütow und der Danziger Neh- 
rung. Mit Bütow und der Danziger Nehrung enthalten jene Kreise 
264,35 QMeilen, ohne jene Landstriche etwa 20 QMeilen weniger. 
Der Orden erwarb also für jene 10,000 Mark gegen 250 QMeilen. 
Die eigenthümlichen "Verhältnisse Ponunerellens in den letzten 
Jahren vor seiner Unterwerfung unter die Ordensherrschaft hatten 
daselbst das Aufkommen eines überaus mächtigen Herrenstandes, 
unter deren Mitgliedern mehrere fürstlichen Rang beanspruchten, 
in hohem Grade begünstigt. Es war aber eine der wichtigsten 
Sorgen der Ordensritter, die ausgedehnten Besitzungen dieser 
mächtigen Vasallen unter ihre unmittelbare Herrschaft zu brin- 
gen ^°^). Schon vor dem definitiven Abschluss des Kaufvertrages 



3***) Nämlich nach der Einigung yon 1349. ' Dass die ganze Kraina, d. h. 
das Land zwischen Dobrinka und Kamionka im Norden, Küddow im Westen, 
Netze im Süden und Brahe im Osten beim Aussterben der pommerellischen 
Herzöge zu Pommerellen gehört haben soll, wie Schmitt, Topographie des 
Kreises Flatow, in den N. P. P. Bl. 1854, Bd. 2, S. 266 annimmt, ist mir, 
wiewohl allerdings während des Krieges und namentlich im Jahre 1339 ein 
Ordenscomthur seinen Sitz zu Kammin, also südlich von der Kamionka, aufge- 
schlagen hat, Dogiel lY. p. 63, nicht wahrscheinlich, theils weil die Gebiete 
Yon Nakel und Wissegrod damals nach ausdrücklichen Zeugnissen polnisch 
waren (vgl. Eöpell, Geschichte Polens, S. 511 und 553, Quandt in den Bal- 
tischen Studien, S. 177 ff.), theils weil in den Verträgen von 1343 und 1349 
nichts von einer Theilung Pommerellens vorkommt, sondern nur die alte 
Grenze bestätigt wird. 

303) Durch die im Folgenden zu nennenden Verträge ,wurde die Herrschaft 
des Ordens nicht dem Umfange nach erweitert, wie Voigt 4, 286, 288 es dar- 
stellt, sondern vielmehr die Hoheifcsrechte desselben erweitert. Derselbe Irr- 
thtun kehrt bei Barthold 3, 112, 114 wieder. 

5* 



68 Zeit der Ordensherrschaft. 

mit Markgraf Waldemar hatte der Landmeister Heinrich von 
Ploczke neun Dörfer in dem Werder, welches die Weichsel, 
die Motlau, das enge Wasser (aqua arta) und das neue Wasser 
(aqua nova) umfliessen, nämlich Osyce (Wossitz), Sonowo (Schö- 
nau?), TJthatino (Trutenau?), Oteslawe (Wotzlaff), Wislina (Wes- 
linken), Bistra, Ostrow (Osterwik), Vruthi, Sedlisko (Letzkau?), 
von ihren damaligen Besitzern, den Brüdern Jacob, Castellan, 
und Johann, TJnterkämmerer zu Dir schau, um 600 Mark käufHch 
an sich gebracht (18. Februar 1310)304). Die Fürstin Gertrud, 
die Tochter Sambors, verkaufte dem Orden mit Beistimmung 
ihrer Schwester, der Herzogin Salome, und der Sohne derselben, 
der cujavischen Herzöge Primislaw und Kasimir, ihre ganze Herr- 
schaft Pirsna (Pirchen) mit zweiundzwanzig Dörfern für 300 
Mark (14. Januar 1312)305), Schon einige Wochen vorher hatte 
der „Fürst" Primico dem Orden den fischreichen See Maische 
(ist wahrscheinlich der grosse Mauschsee) für 30 Mark ver- 
pfändet ^oo). Der See sollte dem Orden verfallen, wenn der 
Fürst die Summe nach einem Jahre nicht zurückzahlte. Ky schau 
an der Yerse mit den Dörfern Lubna (Kirchspiel Czersk), Dam« 
browa (Kirchspiel Wielle) und einem ausgedehnten Territorium 
an der obern Verse und Schwarzwasser, welches Mistwin in den 
Jahren 1281 und 1290 an den Woywoden Mcolaus von Kaiisch 
verliehen hatte, schenkte dessen Sohn Jacob dem Orden im 
Jahre 1316 307). Mcolaus, der Sohn des Grafen Nicolaus von 
Ponitz, überliess ihm seine Erbgüter Schlochau und das Dorf 
Brode (Brodda im Amt Friedrichsbruch?) für 250 Mark (4. Sep- 
tember 1312) 30^). Die Dörfer W i s s o k e und L o t i n e erkaufte 
der Orden im Jahre 1314 von den Brüdern Nicolaus und Woy- 
cech, den Söhnen des Grafen Waycech^oo)^ 

30*) Urkunde vom 18. Febr. 1310, Cod. dipl. Pruss. II. n. 62. Vgl. 
Voigt, Bd. 4, S. 227, Anm. 3, und Quandt, Balt. Studien 1856, S. 147. 

305) Urkunde vom 14. Januar 1312, angeführt von Voigt 4, 286, Anm. 2. 

306) Urkunde vom 1. Januar 1312, angeführt von Voigt 4, 287, Anm. 2. 
Vgl. Quandt in den Balt. Studien 1856, S. 132. 

30') Urkunden von 1281, 1290 u. 1316 bei Voigt, Bd. 4, S. 2Ö2, und Quandt 
in den Balt. Studien 1856, S. 154, wo auch erwähnt ist, dass das Dorf Cas- 
sebud (Kassebude im Amt Friedrichsbruch) im Jahre 1324 durch Tausch an 
den Orden kam. 

308) Urkunde vom 4. September 1312, angeführt von Voigt 4, 287, Anm. 1. 

30») Urkunde von 1314 bei Voigt, Bd. 4, S. 292, Anm. 1. 



Landesgrenzen. 69 

Die Söhne des nun verstorbeneü Swenza, Peter, Jesco und 
Lorenz, besassen in dem an den Orden gekommenen Theil Pom- 
merellens die Herrschaft !N'euenburg und ausgedehnte Land- 
striche an der Brahe, wo das Schloss T u c h e 1 von ihnen erbaut 
zu sein scheint ^*°) (reicher noch waren sie in dem Theil Pom- 
merellens begütert, welchen die Markgrafen von Brandenburg 
sich vorbehalten hatten); der Orden brachte nun die Herrschaft 
!Kreuenburg in seinen unmittelbaren Besitz, indem er ihnen für 
dieselbe 1200 Mark und fünf Dörfer bei dem Schlosse Tuchel 
gab: Mandromicze (Oross-Mendromiers, südwestlich von Tuchel), 
Chelpino (Kelpin, nördlich von Tuchel), Zachsreuo (Karczewo am 
Kamionkafluss, südwestlich von Tuchel?), Wissoka (vielleicht das 
heutige Wieszczyc, westlich von Gross - Mendromiers) , Eadzime 
(Eadzmin an der Kamionka). Er fügte noch den See Psrizarczche 
(bei dem Dorfe Przyzarcz) und die Fischerei- und Mühlenge- 
rechtigkeit in einem gewissen Theile der Brahe hinzu (7. Juni 
1313)^*^). Am folgenden Tage verpfändeten sie dem Hoch- 
meister alle ihre im Ordensgebiete gelegenen Besitzungen, als 
dieser sieh wegen einer Schuld von 600 Mark für sie gegen den 
Bischof Gerward von Lesslau verbürgte^* 2). Peter von Neuen- 
burg ist dann doch noch einmal in den Besitz des Schlosses 
und der Stadt Tuchel zurückgetreten; denn um 1320 und 1325 
verlieh er daselbst Besitzrechte ^^^); die Verpfändung scheint um 
1330 erneuert zu sein; denn seit dieser Zeit finden wir Ordens- 
comthure auf dem Schlosse^**); endlich im Jahre 1353 über- 
liess Peter dem Hochmeister Schloss und Land und verzichtete 
auf dasselbe für sich und seine Erben auf immer ^*^). 

Auch eine Keihe geistlicher Besitzungen, besonders 
solcher, die auswärtigen Stiftern zugehörten, brachte der Orden 



3'0) und zwar in dem oben erwähnten Bezirk von Conechicz nach der von 
Quandt in den Balt. Studien 1856, S. 115, Anm. 60 ausgesprochenen Yermuthung. 

5") Urkunde vom 7. Juni 1313, Cod. dipl. Pruss. II. n. 70 mit den Er- 
klärungen von F. Voigt im Jahresbericht der Eealschule zu Berlin 1847, 
S. 10. Gegenurkunde der Swenza bei Voigt 4, 291, Anm. 1. 

3»2) Urkunde vom 8. Juni 1313, Cod. dipl. Pruss. II. n. 71. 
'") Benwitz, die Comthurei Schlochau und Tuthel, jn den Preuss. Prov. 
Bl. 1830, Bd. 3, S. 9. 

*•**) Voigt, Namencodex, S. 59. 

3**) Urkunde von 1353, Cod. dipl. Pruss. III. n. 75. 



70 ' Zeit der Ordensherrschaft. 

an sich-. Mehrere in der !N'ähe von Dirschau und Schwetz ge- 
legene Dörfer tauschte derselbe von dem Kloster Pelplin ein, 
dem er dafür das Dorf [Klein-] Schlanz abtrat (21. März 
1312)3*0). Die Dörfer Gordyn (Gerdien), Slanza (Gross- 
Schlanz) und Preoza (Brzusz) erhielt er von dem Bischof Jo- 
hannes von Ploczk, welchem er dafür das Dorf Bärwalde im 
Culmerlande abtrat (10. September 1312)3»'). D^g Kloster Oliva 
entsagte gegen anderweitigen Ersatz der Pischereigerechtigkeit 
auf dem frischen Haff und auf der Weichsel (25. Januar 1317) ^1 8), 
Der Hochmeister "Winrich von Kniprode kaufte von dem Kloster 
Byssow (Polnisch-Krone) die Dörfer Polescowitz (Paleschken, 
nördlich von Kyschau), S e s h i n o (in derselben Gegend, bei dem 
heutigen Schidlisz) und Vicovo (?), die dasselbe seit 1289 er- 
worben hatte, für 600 Mark im Jahre 1359 3*9) ^j^^ um die- 
selbe Zeit von dem Kloster Lukna (Lekno bei Wongrowitz in 
der Gnesener Diöcese) die ebenfalls sehr ausgedehnten Besitzungen 
Polusyno (PoUenczin) und Bruthuyno (etwa bei Spohn) 
im Südosten der Kadauneseeen , die demselben im Jahre 1250 
von Herzog Mistwin verschrieben waren 320), Auch das E^oster 
Linda (in Cujavien) hatte Besitzungen in Pommerellen erworben, 
durch Schenkung des Herzogs Mistwin im Jahre 1280, Clo- 
dawa (Kladau), Malavilla (Bösendorf), Gross-Succino 
(Suckzin) und Sacrzewo (Sakrzewko), alle an der Kladau ge- 
legen 32»); ebenso der Bischof von Lesslau, dessen Yloders (Ver- 
walter) auf Subkau und auf Gorka (dem jetzigen Bischofsberge 
bei Danzig) sassen — bei Danzig gehörte ihm der ganze Strich 
bis Ohra und Czancoczin, auch Gemlitz im Werder gehörte 



3>6) Urkunde von 1312 bei Voigt, Bd. 4, S. 287, Anm. 3. 

3") Urkunde von 1312 im Cod. dipl. Pruss. II. n. 67. 

3*8) Urkunde von 1317 im Cod. dipl. Pruss. II. n. 77. 

3»») Urkunde von 1359 bei Voigt, Bd. 5, S. 131, Anm. 2. Quandt in den 
Bali. Stud. 1856, S. 153. 

320) Urkunde von 1250 und 1359 bei Dreger n. 213. Voigt, Bd. 5, S. 131, 
Anm. 2. Quandt a. a. 0. S. 124 ff. 

32») Urkunde von 1280 bei Quandt, Balt. Stud. 1856, S. 146. Im grossen 
Privil. von Oliva von 1342 wird Clodawa noch als Besitzung des Klosters 
Lynda erwähnt bei Jacobson S. 315. Das Kloster L3rnda ist wohl in Cu- 
javien zu suchen, nach der Urkunde von 1252 im Cod. dipl. Pruss. I. n. 90, 
auf welche Watterich, Ordensstaat, S. 68, Anm. 126 hinweist. 



Landesgreuzen. 71 

ihm 322) j — allein diese Besitzungen hat der Orden nicht an 
sich gebracht. 

Eine der wichtigsten Erwerbungen dieser Art war der Kauf 
der Besitzungen der Johanniter. Dem Johanniterorden 
verlieh der Fürst Grimislaw noch in dem Jahre 1174 das Dorf 
Eewenino, d. h. die Gegend von Wentzkau und Jungfcmberg 
zwischen der Verse und Eitze, derselbe im Jahre 1174 das 
Schloss Stargardt und alles Land nördlich von demselben an der 
Verse und Eitze hinauf bis Kamerau, östlich bis zu der Strasse, 
die schon damals von Danzig nach Stargardt führte, ebenderselbe 
endlich im Jahre 1198 das Dorf Czamoczyn, südlich von der 
Verse, das Dorf Szadrau, nördlich von der Eitze, die Kirche zu 
Lübsohau und das dem letzteren Orte nahe gelegene Eukoczin ^^^). 
Das Dorf Lübschau kam an den Orden um 1278 ^^i). Ein Or- 
denshaus Stargardt wird im Jahre 1238 erwähnt ^25)^ ^och ist 
Stargardt noch im dreizehnten Jahrhundert wieder verloren ge- 
gangen und um 1290 stehen die Besitzungen der Johanniter 
unter einem Comthur zu Lübschau ^^c^, geit 1305 finden wir 
die Comthure der Johanniter zu Schöneck, in der Mitte ihrer 
Besitzungen 327)^ Schon im Jahre 1334 schlössen die beiden 
Ritterorden einen Tauschvertrag über den See Stenczk und einige 
benachbarte Ortschaften ^2 8), im Jahre 1370 kaufte der Hoch- 
meister Winrich von Kniprode Schöneck und Wartenberg von 
den Johannitern für 10,000 Mark Preuss. ^20) 

Auch jenseits der Grenzen Pommerellens eröffneten sich dem 
Orden Aussichten zu neuen Erwerbungen. Die Herzöge Otto 
und Barnim von Stettin borgten von den Ordensrittern 6000 
Mark und verpfändeten ihnen dafür Schloss, Stadt und Gebiet 



3^2) Nach den Urkunden bei Hirsch, Marienkirche, S. 69. 

323) Kach zwei Urkunden von 1198 im Neuen Pommerschen Codex, p. 181 
und 184. Quandt, Balt. Stud. 1856, S. 147. 

324) Königsb. Urkunde bei Quandt S. 155. 

3") N. Pomm. Cod. p. Ö76. 

32«) Rzyszczewski im cod. dipl. Pol., T. II, 136, 137. In Stargardt er- 
scheint 1293 ein fürstlicher Castellan. Quandt a. a. 0. S. 150. 

s«?) N. Pomm. Cod. p. 578. 

3»8) Urkunde von 1334 im Cod. dipl. Pruas. II. n. 143, 144. 

32«) Urkunde von 1370 im Cod. dipl. Pruss. III. n. 98. Wo Wartenberg 
liege, ist mir unbekannt. 



72 Zeit der Ordonsherrsohaft. 

von Stolpe auf zwölf Jahre (27. Februar 1329)330). j^och in 
demselben Jahre überliess ihnen Graf Jeschko von Schlawe die 
beiden Besitzungen Krampe und Lubona (Labuhn) südwärts 
von Stolpe für 300 Mark mit der Bedingung, dass er sie von 
dem Orden für dieselbe Summe wieder zurückkaufen müsse, 
sobald das Gebiet von Stolpe wieder eingelöst werde (23. Juli 
1329)331). Bald darauf erkaufte der in Stolpe nun schon ein- 
gesetzte Gomthur Ulrich von Haugwitz von Luppold von Beren, 
Erbherm auf Beigart, das in der Kähe von Stolpe und Krampe 
gelegene Dorf Kossow für einen Streithengst und 50 Mark 
Pfennige (6. December 1329)332). Aber alle diese Güter sind 
wohl nur vorübergehend in der Hand des Ordens geblieben; 
denn Stolpe wurde von den pommerschen Fürsten wieder ein- 
gelöst, wenn auch nicht sogleich nach Ablauf der zwölQährigen 
Frist '"»^a). 

Dagegen wurde das Gebiet von Bütow dauernd mit den 
Ordenslanden verbunden. Herzog Wartislaw hatte es im Jahre 
1321 seinem Marschall Henning von Beren und dessen Erben 
mit dem Kecht, es wieder zu veräussern, geschenkt, Herzog 
Otto diese Schenkung am 15. Juli 1329 bestätigt. Kur wenige 
Monate darauf erkaufte der Orden das Schloss, die Stadt und 
die Herrschaft Bütow von Heinrich Henning und Luppold von 
Beren für 800 Mark Silber mit Genehmigung der Herzöge Otto 
und Barnim (19. l^ovember 1329)334). Das Gut, welches dem 
Kloster Oliva im Lande Bütow vom Markgrafen Waldemar im 
Jahre 1310 verschrieben war, Pomeiske (nordöstlich von Bü- 
tow) mit der Fischerei in den benachbarten Seeen Lupansko 
(Lupowske), Obrowe (Wubberow) und Skotavsko (Schottowske), 
erkaufte der Hochmeister Winrich von Kniprode zugleich mit 



330) Urkunde vom 27. Februar 1329, Cod. dipl. Pruss. H. n. 125. Quit- 
tung über 2000 Mark. Ebenda n. 129. 

33») Urkunde vom 23. Juli 1329 bei Voigt 4, 438. 

332) Urkunde Tom 6. Decbr. 1329 a. a. 0. 

333) Im Jahre 1341 streckte der Orden den Herzogen gegen Verlängerung 
der Pfandscbaft noch 2766 Mark yor. Urkunde vom 1. Mai 1341, Cod. dipL 
Pruss. III. n. 23. Vgl. Voigt 4, 577, 578, und über die fernere Geschichte 
von Cossow, Crampe etc. Quandt, Balt. Stud. 1853, S. 219. 

33*) Urkunde vom 19. November 1329 und die beiden früheren Verleihungs- 
urkunden bei Voigt 4, 437, 438. 



Landesgrenzen. 73 

einem Gute im Lande Tuchim und den Gütern Tluczewo, 
Jammow und Golczau im Lande Chmelno im Jahre 1381 ^^*). 
Sein Nachfolger, Konrad Zöllner von Bothenstein, erhielt von 
den Herzögen Wartislaw und Boguslaw von Stettin, denen er 
3000 Mark vorstreckte, das Land Tuch im zum Pfandbesitz ^ 3®). 
Erst durch diese Erwerbungen kam der ganze heutige Bezirk 
von Bütow in die Hand der Ordensritter. 

Weiter südlich hinab wurde die Westgrenze Pommerellens 
durch einen Vertrag des Hochmeisters Heinrich Dusmer mit dem 
Bischof tfohann von Camin vom Jahre 1350 in einem Theile 
ihres Verlaufes noch näher bestimmt. Li demselben wurde fest- 
gesetzt, sie solle von dem See Volz nach Inhalt älterer Ur- 
kunden zu dem Orte hingehen, den man „zu den Schwertern*' 
nenne, von hier zu einer Eiche am Flusse Bealde und gerade- 
aus zu einem Baume, Malbom genannt, welcher diesseits des 
Seees Dolgen einem Graben gegenüberstehe, endlich quer über 
den See nmh. diesem Graben ^^i), jjs scheint nicht zweifelhaft, 
dass der Name Bealde auf den Ballfluss bei Baldenburg zu be- 
ziehen sei. Pie Eiche scheint ganz nahe bei Baldenburg gestan- 
den zu haben, wo die Grenze bei dem Orte Bischofthum noch 
jetzt .einen tiefen Einsprung macht. Der Dolgensee, südlich von 
Baldenburg, trägt noch jetzt diesen Namen ; seine nördliche Spitze 
•wird durch den angegebenen Vertrag von dem Ordensgebiete 
ausgeschlossen. 

Es sei gestattet, die Westgrenze des Ordensstaates, nachdem 
■wir gesehen haben, wie sie im Einzelnen sich bildete, an der 
Hand einiger späteren Grenzführer noch einmal im Zusammen- 
hange zu übersehen. Wir gehen diesmal, bei Landeek an der 
Küdde beginnend, von Süden nach Norden, zunächst auf der 
Grenze zwischen d er Comthurei Schlochauund dem 
Herzogthum Stolpe^^^). Das Ordensgebiet reicht bei Land- 



335) Urkunden von 1310 und 1381 bei Jacobson, Oliva, in Ledeburs N. 
Archiy, Bd. 2, S. 251 und 328. Vgl. Quandt, Bali. Stud. 1853, S. 220 ff. 

336) Voigt, Bd. 5, S. 445, 446. 

337) Urkunde von 1350 bei SchÖttgen, Altes und neues Pommerland, S. 657, 
angeführt von F. Voigt in dem Jahresbericht etc. S. 10. Quandt in den 
Balt. Studien 1853, S. 218, führt noch eine Grenzbeschreibung von 1342 aus 
SchÖttgen und Kreysig, Pom. dipl. n. 65 an. 

338) Wir stellen hier zwei Grenzbeschreibungen aus dem Anfange des fünf- 



74 Zeit der Ordensherrschaft. 

eck über die Küdde hinaus, südlich bis zur Czame, einem Neb^a- 
flüsschen derselben. An derselben geht sie fort bis an Suringis- 
Weg^^^), fort bis auf des Meisters Gesesse (Gesäss?) auf dem 
Czadiker ^*ö), fort auf die Lutow, wo sie aus dem Dollau (Dol- 
gen) fällt. Die Stationen zwischen der Czarne und diesem 
Puükte sind an Ort und Stelle vielleicht noch zu erkennen, für 
uns bleiben sie dunkel. Weiter zieht sich die Grenze an dem. 
Dolgen entlang bis an den Hauptgraben, von dem Haupt^ben 
über den Dolgen bis an den Malbaum, „da Schwert und Schild 
angehauen sind und auch mit andern Zeichen gezeichnet isi^, 
von dem Baume bis „zu einer Eichen zur Baldenbui^", von 
dannen bis zu den Schwerten auf dem Bobilczken-Wege ^* 0. In 
diesen Stationen erkennen wir die Hauptbestimmungen des Ver- 
trages von 1350. Femer gehen wir vorbei an einer Fichte bei 
dem Grampczk (?), nach der Mündung der Salnitze in den Tes- 
sentin, über dieselbe auf den Romberg ^*2), über zwei Brückexiy 
von welchen die zweite zwischen Volz und Falkenhayn (Falken- 
hagen) liegt, nach dem Ausfluss der Yolznitze aus dem weissen 
See, über denselben nach dem grossen Studnitz- (Stiednitz-) See, 
dann vorbei an dem Sprind Telste nach dem Starzen- (Starsen-) 
See, weiter „auf die Tobol, die da liegt in dem Deprske", dann 
nach dem Burgwall im Deprske, nach dem Fliess Leynbeck und 
der alten Dorfstätte Peterkau. Endlich gelangen wir an dem 
Brsisischen (Briesenschen) Felde und dem Ende des Seees Lanken 
vorbei nach „Warnewoda (oben Warnewawoda) , da sich des 
Pflegers Gebiet zu Bütaw anhebt". 

Die Grenze des Pflegeramtes Bütow gegen das 
Herzogthum Stolpe ^*^) beginnt mit einer Fichte bei dem 



zehnten Jahrhunderts zusammen, welche im Grenzbuch B, fol. 90 und 93, 
stehen (wir bezeichnen sie mit A und B). 
338) Suwringes-Weg, A. 

3*(>) Uf den Czedeker, do des Meisters Gesesse ist, A. Gesesse scheint so 
viel als scamnum zu bedeuten. In dem Oliyischen Hauptpriyilegium kommen 
scamna ducis Mestwigii als Grenzzeichen vor, bei Jacobson S. 311. 

341) bis zun Schwerten, ohne Zusatz, B. 

3*2) Vielleicht die Baumberge, welche nach F. Voigt a. a. 0. S. 8 sich 
auf der Karte des preuss. Generalstabes yon Pommern in dieser Gegend finden. 

3*3) Grenzbeschreibung aus dem Anfange des fünfzehnten Jahrhunderts, im 
Grenzbuch B, fol. 92. 



Landesgrenzen. 75 

See Ploczioza, welcher die Ortgrenze zwischen Schlochau, Bü- 
tow und Tuchim (das also noch nicht als Eigenthum des Ordens 
betrachtet ist) bildet. Der See Ploczicza muss ganz dicht bei 
Wamewoda gelegen haben, welches wir oben noch östlich von 
Woisch suchten. Von diesem Anfangspunkte geht die Grenze 
nach dem See Bomwe, dann nach dem Ursprung des Fliesses 
Dambowe Strage, an diesem nieder bis zur Einmündung in die 
Trsebenitze, an dieser aufwärts bis zu einer Fürth, über diese 
zur Mogelike, dann zum Eluss Lemeniz und diesen nieder bis 
zur Einmündung in die Stolpe. Alle diese Namen jßnde ich 
auf der heutigen Karte nicht; ich kann daher nur die Yer- 
muthung aussprechen , der See Bomwe sei der See bei Platen- 
heim, Dambowe Strage und Trsebenitze seien die Quellen des 
Flusses, an dem Bütow liegt, Lemeniz bezeichne den Fluss, der 
östlich von der Kamenz oder vielmehr mit ihr vereint in die 
Stolpe geht. Die Nordgrenze von Bütow bildete früher wie 
noch jetzt die Stolpe; man soll an derselben hinaufgehen bis 
zu einer Eiche, von der Eiche zu einer Fichte beim See Sto- 
kaske (ohne Zweifel Schottowske) ; dann folgen noch die Stationen 
Kyanke^**), Krsepzegur, Prowoda, endlich eine Eiche bei dem 
Fliess Lesinze, welche die Ortgrenze zwischen dem Pflegeramt 
Bütow und der Comthurei Danzig bildet. Lesinze ist wohl der 
Bach, an welchem Gliesnitz liegt. 

Die Grenze zwischen Lewinburg oder Lauen- 
burg und dem Herzogthum Stolpe ^*^) beginnt bei der 
eben erwähnten Eiche, geht nach dem Ursprünge des Flusses 
Bacoboa fort, an diesem nieder bis zum Einfluss in die Trse- 
mesinze, hier über das Fliess nach der alten Hofstat von Woczkau. 
Der Fluss Bucoboa wird bei den Orten Bochow und Bochowske 
zu suchen sein, die Trsemesinze kann nach der Lage von Wutzkow 
kein anderer Fluss sein, als der, welcher von dem Orte Bukowin 
den Namen Bukowin erhalten hat. Weiter geht die Grenze 
über „das Gebirge Yisczelczegor*' und unter demselben fort zum 



'**) Schottowske und Kyanlca in der Grenzbeschreibung des Gutes Pomeiske 
in dem grossen Privil. von Oliva von 1342 bei Jacobson a. a. 0. S. 311. 

^*^) Grenzbeschreibung aus dem Anfang des fünfzehnten Jahrhunderts, in. 
Grenabuch B, fol. 92, 93. Eine Verhandlung über die Grenzen von Wotzkau 
Schimmersdorf und Zeewitz von 1379 führt Voigt Bd. 5, S. 346 an. 



76 Zeit der Ordeusherrschaft. 

Berge Gelumka. Dieses Gebirge scheint in der Gegend zu suchen 
zu sein, wo die heutige Grenze (bei Lessaken) plötzlich die 
Bichtung nach Westen nimmt. Wir gehen weiter vorüber an 
der Ortgrenze zwischen den Ordensdörfern Undifschein (Wun- 
neschin) und Crampechovitz (Krampkewitz) und dem stolpischen 
Orte Prsegarselitz, nach dem Tliess Lesnicza, und an demselben 
nieder bis zu seinem Einfluss in die Leba. Die Lesnicza, wenn 
auch ohne diesen Namen , finden wir auf der heutigen Grenze 
unzweifelhaft wieder. Von der Mündung derselben an folgen 
wir dem Laufe der Leba bis zur Ostsee ^*®). 

2. Die polnische Grenze. 

Ehe die Ordensritter noch das Culmerland betraten, erhielten 
sie einige Besitzungen in Cujavien. Das Dorf Orlow, nörd- 
lich von Inowrazlaw, der Hauptstadt Cujaviens, verschrieb ihnen 
^Herzog Konrad von Masovien und Cujavien schon im Jahre 
1228, und mit noch ausgedehnteren Rechten im Jahre 1229 ^*'), 
Als die ersten Ordensritter, Konrad von Landsberg und ein 
anderer, mit den Ihrigen in den Weichselgegenden anlangten, 
erbaute er ihnen die Burg Yogelsang an der Weichsel. Hermann 
Balk aber, den der fiochmeister zum Führer des ganzen Unter- 
nehmens in Preussen ersehen hatte, erbaute, sobald er mit seinem 
zahlreicheren Gefolge die Weichselgegenden erreicht hatte, noch 
eine zweite Burg, Nessau, auf dem linken Ufer des Flusses, 
unterhalb Vogelsang 3*®). Der Herzog Konrad verschrieb den 
Ordensrittern auch diese Burg mit vier benachbarten Dörfern: 
Ozchotino, Nissue, Nissueta, Occola (1230) 3*^). Ueber die Ab- 
tretung des Culmerlandes hatte Herzog Konrad schon seit 
dem Jahre 1226 mit dem Orden verhandelt; eine förmliche Yer- 



^^^) Auf der Leba wird oberhalb des Lebaseees noch das Wehr Czeczenow 
als den Jungfrauen zu Suckau zugehörig angeführt. Der Ort liegt Beigard 
gegenüber, ist also ganz verschieden yon dem Wehr Ragy in der Orenzurkunda 
von 1313. 

347) Urkunde von 1228, 1229, ActaBoruss. I. p. 394. Cod. dipl. Pruss. I. 
n. 22. 

^*^) Dusburg II. c. 8 und 9. Nessau lag ein wenig oberhalb Altthom, 
Dusburg III. c. 1 , wahrscheinlich bei dem heutigen Dorfe Gross-Niesaewski^ 
Voigt 2, 190, Annv 2. 

3*») Urkunde von 1230, Act. Bor. 1. p. 404, verbessert bei Voigt 2, 
192, Anm. 



Lündesgrenzen. 77 

schreibang aber scheint in diesem Jahre noch nicht ausgestellt 
zu sein; erhalten sind drei Abtretungsurkunden, eine vom Jahre 
1228, zwei vom Jahre 1230; es dauerte doch lange, ehe Herzog 
Konrad sich entschloss, ohne allen Eückhalt allen und jeden Ho- 
heitsrechten über das Culmerland und allen Ansprüchen auf die 
zu erobernden Iiande zu entsagen. Endlich im Juni des Jahres 
1230 that er es, und nun trat der Orden in den unbestrittenen 
Besitz des Landes, dessen Grenzen gegen Polen durch die Weichsel 
und durch die Drewenz sehr bestimmt markirt waren 3^**). 

Herzog Konrad hatte zwar einen Theil des Culmerlandes 
schon früher, 1222, an den Bischof Christian überlassen, welcher 
zuerst die Unterwerfung der Preussen mit Hülfe von Kreuz- 
fahrern versuchte, und Bischof Günther von Ploczk hatte ihm 
den Decem und die sonstigen bischöflichen Rechte im Culmer- 
lande überlassen ^^ ^) ; allein seine Bemühungen waren ohne 
dauernden Erfolg, das Culmerland war wieder in die Hände der 
Feinde gefallen, und man that bei den Verhandlungen mit dem 
Orden so, als wenn jene Schenkungen an Christian nie erfolgt 
wären. Dies zeigt namentlich der Vertrag des Ordens mit dem 
Bischof Günther von Ploczk vom 18. März 1230, nach welchem 
dieser den Eittern alle seine Besitzungen, den Decem, die 
Kirchen und das Patronat derselben im Culmerlande abtrat, die 
bischöflichen Rechte sich aber vorbehielt ^^^j. Die Decemfreiheit 
für Orlow und Kessau erhielt der Orden durch den Bischof 
Michael von Cujavien, doch übernahm jener dafür gewisse Geld- 
zahlungen an die betreffenden Parochialkirchen ^^^). 

Schon wenige Jahre nach defti Beginne des Kampfes in 
Preussen wurde der Dobriner Ritterorden, welchen Bischof Chri- 
stian vor der Ankunft der deutschen Ritter gestiftet und mit 



"0) Drei Urkunden yon 1228 und 1230, Act. Bor. I. p. 394, 402, 66. 
Vgl. über diese Verhandlungen meme Geschichte der preuss. Historiogr., An- 
hang, S. 276 — 279. 

3*') Urkunde yon 1222, Act. Bor. I. p. 62. 

^**) Urkunde Günthers in einem Transsumt, Cod. dipl. Pruss. I. n. 105, 
wo falschlich C statt G als Anfangsbuchstabe des Namens gedruckt ist. 

353J y^iQ a^Q der Bestätigung des Bischofs Wolimir von 1268, bei Dreger 
D'iSO, zu entnehmen ist. Eine Urkunde ähnlichen Inhalts Ton 1283 führt 
Voigt 4, 326, Anm. 2 an. Statt des Decems des Dorfes Orlow versprach der 
Orden, 3 Mark an die Kirche von Wissegrod zu zahlen, was Bischof Michael 
genehmigte. Urkunde von 1232 im Neuen Cod. Pomer. dipl. n. 199, p. 447. 



78 Zeit der Ordensherrschaft. 

nicht unbeträchtlichen Gütern ausgestattet hatte, weil er neben 
den letztem gar nichts zu bedeuten hatte, mit dem Orden der 
letzteren vereinigt, wozu Pabst Gregor IX. am 19. April 1235 
seine Genehmigung gab ^^^). Die deutschen Eitter besetzten so- 
fort die Burg und das Landgebiet der Dobriner. Herzog Konrad 
erhob dagegen Einspruch, und unter Yermittelung des päbstlichen 
Legaten kam es am 19. October 1235 zu einem Vergleich, 
durch welchen die Besitzungen des deutschen Ordens doch wieder 
vermehrt wurden. Es sollten ihm fortan zugehören: das C ul- 
mer land zwischen Weichsel, Drewenz und Ossa, die Burg 
Nessau mit einem Gebiete von einer halben Meile Breite und 
zwei Meilen Länge an der Weichsel, das Gebiet von Orlow, 
das Gebiet von Sedice (Szadlowice, nicht weit von Orlow — 
zu den Gütern des Dobriner Ordens gehörig) ^^^), das Dorf Bogow 
(ebenfalls bei Inowraclaw) und gegen einen gewissen Zins die 
Saline von Slonsk (oberhalb Thorn am linken Weichselufer)'®*). 
Es scheint hiernach, dass das Gebiet von Nessau erweitert, Sedice, 
Bogow und die Saline von Slonsk neu gewonnen waren. Aueh 
für Sedice erhielt der Orden Decemfreiheit, jedoch mit derselben 
Einschränkung wie für Nessau und Orlow '•^^). 

Längeren Streit veranlasste der Besitz des Landes Löbau. 
Unterthanen des Ordens nahmen den Jägern des Herzogs Konrad 
und seines Sohnes Boleslaw in der Löbau Hunde und Wildpret; 
die Pursten beschwerten sich darüber, weil dieses Land ihnen 
gehöre; der Orden aber behauptete das Gegentheil. Es wurden 
hierüber in den Jahren 1239 und 1240 unter Einwirkung des 
päbstlichen Legaten Wilhelm 'drei Termine abgehalten, aber ohne 
Erfolg. Die Abgeordneten der Ritter behaupteten, die Löbau 
gehöre zu Preussen, und leiteten hieraus ihr Besitzrecht ab; die 
Fürsten leugneten jenes nicht, behaupteten aber, das Land sei 
von ihren Vorfahren erobert und gehöre nun also zu Polen. 
Die Abgeordneten der Ritter hatten jedoch hiegegen noch ein- 
zuwenden, diese Eroberung sei nicht wahrscheinlich, da sie nicht 



3") BuUe vom 19. April 1235, Cod. dipl. Pruss. I. n. 43. 

3") Urkunde Ton 1228, Act. Bor. I. p. 396. 

3") Urkunde vom 19. October 1235, Cod. dipl. Pruss. I. n. 45. 

3'^^) Urkunde von 1236 im Anhang zu Luc. David, Bd. 3, N. 2, und im 
Neuen Cod. Pomeran. dipl. n. 235, p. 514. 



Landesgrenzen. 79 

einmal Masovien vor den Angriffen der Preussen hätten mchern 
können ^^®). Nach längeren Unterhandlungen fügte sich der 
Landmeister Heinrich von Wida insoweit, dass er den dritten 
Theil des Landes dem Herzog Boleslaw herausgab; sein Nach- 
folger, Poppe von Osterna, versclirieb auch dem Herzog Kasimir 
von Cujavien die Hälfte eines Drittels ^^^). Aber die Fortschritte 
des Ordens erregten den Neid der Polen, und Herzog Kasimir, 
der Boleslaws Ansprüche an die Löbau an sich brachte, schickte 
sich an, an der Bekehrung und den Eroberungen im Heiden- 
lande Theil zu nehmen; er hoffte dabei, nicht nur in der Löbau, 
sondern auch in Sassen und Galinden seine Herrschaft auszu- 
breiten. Allein schon im Anfange des Jahres 1255 schlöss er 
zu Inowrazlaw mit dem Orden einen Vertrag, in welchem er 
seine, Ansprüche auf Pollexia und Galinden aufgab, der 
Orden ihm früheren Yerschreibungen gemäss die eine Hälfte der 
Löbau, und zwar die an sein Land unmittelbar angrenzende, zu- 
sicherte^^), und zwei Jahre darauf, am 4. August 1257, kam es 
zu Alt-Lesslau aum Abschluss eines definitiven Friedens. Der 
Herzog versprach, auf keine der gegenwärtigen Besitzungen des 
Ordens, auch auf kein Land, welches er mit Waffengewalt oder 
auf irgend einem anderen gerechten Wege gewinnen würde, 
Ansprüche zu erheben, sondern die Brüder in Allem, was den 
Frieden zu sichern geeignet wäre, zu fördern. Lis Besondere 
entsagte er allen Ansprüchen auf das Land Sassen. Dagegen 
versprach der Landmeister Gerhard von Hirzberg die Vollziehung 
der Verträge über die Löbau und entsagte für die Summe von 
60 Mark Silbers sein^i Rechten auf das Dorf Rogow bei Lio- 
wrazlaw^^^). Auch Herzog Semowit von Masovien erkannte in 
eben jenen allgemeinen Ausdrücken den gegenwärtigen und zu- 
künftigen Besitzstand des Ordens an (4. August 1257) ^^^), Schon 
wenige Tage nach diesen Verhandlungen verkaufte Herzog Ka- 
Bimir seinen Antheil an der Löbau, zu seinem und seiner Kinder 



-358) Urkunde yom 11. Febr. 1240, Cod. dipl. Pruss. I. n. 51. 

3»o) Nach der Urkunde yon 1260, Act. Bor. III. p. 143. 

3«o) Urkunde von 1255, Cod. dipl. Pruss. I. n. 102. Vgl. Dogiel IV. n. 26. 

381) Urkunde yom 4. August 1257 bei Dogiel IV. n. 30. Nicht Orlow, 
wie Voigt 3, 117 schreibt, sondern Eogow. 

382) Urkunde vom 4. August 1257, Cod. dipl. Pruss. I. n. 110. 



80 Zeit der Ordensherrschaft. 

Seelenheil und zur Losung der Seelen seines Vaters und seiner 
Gemahlin Constantia, der Trinitatiskirche zu Culmsee, deren 
Brüder dafür nicht unterlassen sollten, täglich eine Messe für 
seine verstorbene Gemahlin zu lesen (16. August 1257) ^^3). — 
So blieb also die Löbau ganz bei Preussen, ebenso Sassen und 
Galinden. 

Ton Kasimirs Söhnen war besonders Ziemomysl, welcher ihm 
in Inowrazlaw folgte, dem Orden sehr ergeben. Vielleicht ist 
er es, welcher dem Orden Morin (Mursino, nordöstlich von 
Inowrazlaw) schenkte. Wenigstens finden wir unter den Or- 
densbesitzungen in Cujavien um 1271 neben Nessau und Orlow 
auch Morin ^^*). Ziemomysls Gemahlin war jene Salome, Sam- 
bors Tochter, die über manche Unbill nicht bloss Mistwins, son- 
dern auch des Ordens zu klagen hatte ^^^). Ihm folgten, als 
er 1287 starb, drei Söhne, Leszek, Przemislaw und EBsimir. 
Von seinen Brüdern herrschten noch im Anfange des vierzehnten 
Jahrhunderts Wladislaw Lokintek über Brzesc, Lonczicz und 
Sieracz, Ziemowit über Dobrzyn^®^). Mit Leszek und seinen 
beiden Oheimen hatten die Ordensritter im Guten und im Bösen 
noch manches Geschäft. 

Leszek hatte, als er sich in ungarische Händel mischte, das 
Unglück, in feindliche Gefangenschaft zu gerathen, und befand 
sich eben der Auslösung wegen in grosser Geldverlegenheit. Er 
borgte von dem Landmeister Konrad Sack im Jahre 1303 180 
und im folgenden noch 120 Mark Thorner Pfennige und ver- 
pfändete ihm dafür die Michelau unter sehr ungünstigen Be- 
dingungen. Der Orden sollte den Ertrag des Landes bis ztir 
Wiedereinlösung gemessen, ohne dass derselbe von der gelieheneil 
Summe abgerechnet würde ; die Einlösung aber sollte nur Leszek 
selbst und seinen beiden Brüdern, Niemand anders, und nur in 
den nächsten drei Jahren nach der ersten Anleihe freistehen; 
erfolgte sie in dieser Zeit nicht, so sollte das Land dem Orden 



3«3) Urkunde vom 16. August 1257 bei Dogiel IV. n. 32. 

36*) Urkunde yom 11. October 1271 bei Dogiel IV. n. 36. Ueber Ziemo* 
mysl Tgl. Baczko, Annal. p. 77. Ob Morin yielleicht gegen Siedice umge- 
tauscht ist? Das Letztere wird nicht weiter als Ordensbesitzung erwähnt. 

3") Vgl. die Urkunde von 1292, Cod. dipL Pruss. II. n. 25. 

3««) Vgl. Eöpell, Bd. 1, S. 542, 551. 



Landesgrenzen. 81 

als Eigenthum mit allen Nutzungs- und Hoheitsrechten zur 
Ehre Gottes und der Jungfrau und zum Besten der Seelen des 
Herzogs und seiner Vorfahren zufallen. Ueberdies versprach 
Leszek gewisse zur Michelau gehörige Güter in Ozzek (jetzt 
Osiec, südlich von derselben), welche der Herzog von Dobrin in 
Beschlag genommen, an sich zurückzubringen und dem Orden 
gleichfalls als Pfand zu übergeben 2^^). Die Geldnoth des Her- 
zogs war so gross, dass er noch im Jahre 1304 für weitere 
62 Mark dem Landcomthur des Culmerlandes Günther von 
Schwarzburg eine neue Pfandverschreibung über vierzig Hufen 
desselben Michclauer Landes der Stadt Strassburg gegenüber aus- 
stellte, welche dem Orden schon verfallen sein sollten, wenn 
die Pfandsumme zwei Wochen nach Ostern des folgenden Jahres 
nicht abgetragen sei ^^^). Leszek sah sich nicht im Stande, die 
Zahlungstermine einzuhalten, und verlor dadurch alle Ansprüche 
auf das verpfändete Land; vergebens bot er später den Ordens- 
rittern die ihm vorgestreckte Summe; Alles, was der Comthur 
des Culmerlandes Heinrich von Gera nach mancherlei theils zu 
Thorn, theils zu Nessau gepflogenen Unterhandlungen am 17. Juli 
1317 noch bewilligte, war eine Nachzahlung von 200 Mark, 
wogegen Leszek dem Orden das Land mit allen Nutzungen und 
Hoheitsrechten ausdrücklich abtreten und den Verkaufstitel an- 
erkennen musste. Die Eitter legten Nachdruck darauf, dass sie 
als geistliche und gewissenhafte Männer zu jener Nachzahlung 
sich verstanden und so im Ganzen mehr gegeben hätten, als 
das Land zur Zeit der Verpfändung werth gewesen sei. Leszek 
versprach, sich zu diesem Verkauf vor seinen Brüdern und überall 
zu bekennen ^®^). 

Herzog Ziemowit von Dobrzyn machte dem Orden, wie es 
scheint, zum Ersatz für Osiec, welches jedoch in der Verhand- 
lung mit keiner Silbe erwähnt ist, eine ansehnliche Schenkung. 



3*^ Urkunde I^eszeks vom 15. Novembet 1303 bei Stronczynski Wzory 
piBnidawnych p. 22, n. 21. Urkunden Leszeks und des Landmeisters Konrad 
Sack vom 14. October 1304 bei Dogiel IV. n. 44, 45 und sonst. Vgl. Voigt 
4, 189, 190. Ob das Datum: in Michalo castro ducis, in der Urkunde von 
1240, Cod. dipl. Fruss. I. n. 51, auf ein Schloss gleichen Namens in der 
ICicbelau deutet? Ein Dorf Michelau existirt noch jetzt. 

»««) Urkunde vom 8. December 1304, angeführt von Voigt 4, 191. 

»•») Urkunde vom 17. JuU 1317 bei Dogiel IV. n. 49. 

6 



82 Zeit der Ordensherrsohaft. 

Er verschrieb ihm zur Vergebung seiner Sünden und der Sünden 
seiner Gemahlin Anastasia und seiner Vorfahren zweihundert- 
undfünfzig Hufen mit allen Nutzungen und Hoheitsrechten, nur 
etwa aufzufindende Metall- oder Salzgruben ausgenommen, in 
zweien getrennten Stücken. Zweihundert Hufen nämlich soUten 
in Granzow (Grondzaw, östlich von Strassburg), und wenn das 
Maass dort nicht erfüllt werden könnte, in Ksenite (XientQ, 
südlich von Grondzaw), die übrigen fünfzig, Golub gegenüber, 
in der Ecke zwischen Druance (Drewenz) und Ruz (Ruziec) abge- 
treten werden ; doch erhielt Anastasia für eine an der letzteren Stelle 
gelegene ihr zugehörige Mühle 50 Mark (3. Februar 1306)^'^).. 
lieber den Decem in der Michelau und den eben bezeichneten 
zweihundert Hufen schlosa der Orden mit dem Bischof von 
Plock einen Vertrag, in welchem ihm für die daselbst neu an- 
zulegenden Dörfer sieben Freijahre, nach deren Ablauf aber die 
Zahlung von 90 Mark an Stelle des Decems gestattet wurde (17. Juni 
1312) 3' '). Später wurde diese Bestimmung dahin abgeändert, 
dass der Orden dem Bischof statt des Decems das Dorf Jastrebe 
(Jastrzembie) mit sechzig Hufen und 56 Mark Zins und noch 
12 Mark Zins in den Dörfern Sczuka, Celente (Cielenta) und 
Swyrtina (Sczwerczyn) überliess (Ostern 1325)^^^). Die Grenze 
zwischen den Besitzungen des Ordens und des Bischöfe wurde 
unmittelbar nach der definitiven Abtretung der Michelau an den 
Orden durch Bevollmächtigte beider Theile aufgenommen. Qie 
zog sich von einer Eiche an der Drewenz, an der Feldmark von 
Jastrambe (Jastrzembie) vorüber, nach einem Grenzzeichen bei 
Golkow (Golkowo liegt wie Jastrzembie westlich von Gurzno) 
am Flusse Ksenite (zwischen Jastrzembie und Golkow) (6. August 
1317)3^3). 



3'0) Urkunde vom 3. Febr. 1306, Cod. dipl. Pruss. II. n. 53. 

3'«) Urkunde vom 17. Juni 1312 bei Dogiel IV. n. 48. / ' ^ 

3") Urkunde von Ostern 1325, Cod. dipl. Pruss. II. n. 112. 

3") Urkunde vom 6. August 1317, Cod. dipl. Pruss. II. n. 82. Ksenite 
ist nach der Urkunde im Grenzbuch. B, fol. 99 der Bach zwischen der MÜhle 
Gestram (Jastrzembie) und dem Dorfe Skutau (Szczutowo), nicht etwa der von 
Xiente kommende Bach. Man sieht hieraus, dass Granzow selbst nicht an den 
Orden gekommen ist, sondern nur ein Thell des Gebietes von Granzow. Gran- 
zow muss als Besitzung des Bischofs von Plock angesehen werden, womit die 
Notiz im Grenzbuch B, fol. 102 vollkommen stimmt, dass die Branitza die 
Besitzungen der Kirchen von Culmsee und Plock trenne. 



Landesgrenzen. 83 

Mit Herzig Wladislaw Lokietek geri^then die Ordensritter 
über Pommerellen in heftigen Streit. Indem sie ihn gegen die 
Brandenburgischen Markgrafen unterstützten, erkannten sie doch 
selber an, dass er gerechte Ansprüche auf das Land habe, wenn 
auch nicht die einzigen. Die Besetzung desselben rechtfertigten 
sie durch den Titel einer Pfandschaft. Als sie den Branden- 
biu^m ihre Ansprüche auf dasselbe abkauften, hatten sie offen- 
bar die Absicht, die Ansprüche des polnischen Fürsten in gleicher 
Art an sich zu bringen. Li. der That bot der Hochmeister Karl 
von Trier dem Herzoge auf einer Zusammenkunft zu Brzesc im 
Jahre 1311 für die Abtretung des Landes 10,000 Mark, femer 
die cujavischen Besitzungen des Ordens Nessau, Orlow und Morin, 
drittens die Anlegung eines Klosters zu seinem und seiner Nach- 
kommen Seelenheil, endlich eine Unterstützung von vierzig 
Landen in seinen und des Eeiches Nöthen. Aber Wladislaw 
schlug diese Anerbietungen aus und entfernte sich unwillig 3^*). 
Zu schwach, um Gewaltmittel anzuwenden, wandte er sich einige 
Zeit dsurauf klagend an die römische Curie ^^^), welche die Streit- 
sache in der That zu ihrer Cognition nahm, aber zur Ent- 
8(^eidung derselben wenig beitrug, da sie bei ihrer Habgier und 
ihrem principlosen Hin- und Herschwanken keiner der Parteien 
Achtung einäösste. Eine vom Pabst Johann XXII. eingesetzte 
Commission von polnischen Geistlichen verurtheilte den Orden 
zur Zurückgabe Pommerns und zur Zahlung von 30,000 Mark 
polnischen Gewichtes als Vergütigung für die Einnahmen, welche 
daraus gezogen worden oder zu ziehen gewesen seien, sammt den 
Processkosten (1320)3^0)^ Der Orden, dieses Spruches spottend, 
t^pellirte dagegen und der Hochmeister Karl von Trier wusste 
den Pabst durch persönliche Vorstellungen in Avignon umzu- 
stimmen ^^^). Der letztere missbilligte das Yerfehren der Com- 
ousaion, übertrug dem Bischof von Samland, also einem dem 
Orden befreundeten Geistlichen, eine neue Untersuchung der 



''*) Dlugosz I. p. 937 — 939, in allem Wesentlichen übereinstimmend mit 
dem Zengeaverhör bei Voigt 4, 276, Anm. 1. 

'") Voigt 4, 327. 

"«) Urkunde von 1320 bei Dogiel IV. n. 50. Vgl. Voigt 4, 335—341. 

^") Wigand p. 12. 

6* 



84 Zeit der OrdensberrschafL 

Sache und wollte seitdem in dieser Angelegenheit nicht mdir 
beheUigt werden (1323) 3»»). 

Bald darauf kam es zum Kriege zwischen Wladislaw und 
dem Orden. Jener baute vorzüglich auf die Hülfe des Gross- 
fürsten Gedimin von Lithauen, mit dessen Tochter Anna er 
sich 1325 vermählte. Mit dem Orden war König Johann von 
Böhmen verbunden, welcher als Gemahl der Tochter Wladift- 
laws rV., Elisabeth, wie die böhmischen, so auch die gesammten 
polnischen Landein Anspruch nahm^^®). König Johann eroberte 
auf der Bückkehr von einem Kreuzzuge gegen Samaiten das 
Herzogthum Dobrin, 1329, und schenkte dem Orden die eine 
Hälfte desselben noch in demselben Jahre ; in dem folgenden ver- 
kaufte er ihm die andere für 4800 Schock böhmischer Groschen ®®^). 
Im ferneren Verlaufe des Krieges nahm der Orden auch von 
Cujavien Besitz, 1332, so dass Wladislaw sich mit demselböi 
über die Wahl von Schiedsrichtern einigte, welche den Streit 
gütlich beilegen sollten. Die Wahl fiel auf die Könige von 
Böhmen und Ungarn ^^'); ihr schiedsrichterlicher Spruch, den 
sie aber erst nach Wladislaws Tode (f 1333), als ihm sein Solm 
Kasimir gefolgt war, am 24. November 1335 zu Wissegrad in 
Ungarn fällten, lautete so : Die Landschaften Cujavien und Dobrin 
soll König Kasimir künftig in Friede und Buhe besitzen und 
auf seine Nachkommen vererben, mit Ausnahme derjenigen Güter^ 
welche der Orden in beiden Landschaften schon vor des Krieges 
Beginn besessen hat; dagegen soll Pommern dem Orden Yer* 
bleiben, indem König Kasimir zum Heile seiner und seiner Vor- 
fahren Seelen es ihm zu einem ewigen Almosen überlasst ^®*), 
Die Vollziehung dieses Urtheilsspruchs, mit dem König Kasimir 
einverstanden war, scheiterte an der Abneigung der polnischen 
Grossen, die vielmehr verlangten, der König solle Alles aufbieten, 
um nicht bloss Cujavien, Dobrin und Pommern, sondern anoh 
Culmerland und Michelau wiederzuerhalten^®^). 



8^«) Voigt 4, 376—378. 

3'0) Voigt 4, 402, 418. 

3»o) Urkk. von 1329 und 1330, Cod. dipL Pruss. II. n. 126. Dogiel IV. n. 54. 

3««) Voigt 4, 502— öOö. 

^^) Urkunde yon 1335 bei Dogiel IV. n. 57. 

3M) Voigt 4, 533, 546. 



Landesgrenzen. 85 

Pabst Benedict XH., welchem auch die Besetzung und Ver- 
heerung der polnischen Lande durch die Ordensritter geklagt 
wurde, zog die Streitangelegenheit noch einmal vor seinen 
Bichterstuhl , indem er zwei Nuncien mit den ausgedehntesten 
Vollmachten zur Untersuchung und Bestrafung ausstattete (4. Mai 
1338)3®*), obwohl ihm Kaiser Ludwig IV. alles Becht hiezu 
absprach (22. Juli 1338) 3«^). Die päbstüchen Nuncien aber 
sprachen am 15. September 1339 zu Warschau folgendes Ur- 
theil: Der Hochmeister Dietrich von Altenburg und alle vorge- 
ladenen Comthure und Ordensbrüder werden wegen der Ver- 
wüstung und Verbrennung der Kirchen in Polen in den Bann 
erklärt. . . . Der Orden soll die zum Reiche Polen gehörigen Lande, 
die er erobert und sich zugeeignet habe, nämlich Culmerland, 
Pomtnem, Michelau, Dobrin und die Gebiete von Lesslau und 
Brzesc, dem Könige von Polen zurückgeben und ihm den Ver- 
lust an Einkünften und den erlittenen Schaden mit 194500 
Mark polnischer Münze ersetzen etc. 3®^). l^ach erfolgter Appel- 
lation des Ordens ernannte der Pabst zu Schiedsrichtern — von 
denen sich ein unparteiischerer Spruch schon deshalb erwarten 
Hess, weil sie unparteiischer gewählt waren — den Bischof 
^on Krakau, einen Polen, den von Culm, einen Preussen, und 
endlich den Bischof von Meissen (22. Juni 1341) 3®^). Unter 
mhrer Vermittelung kam es endlich im Jahre 1343 zu dem lange 
ersehnten Frieden: König Kasimir bestätigte dem Orden den Be- 
sitz des Gulmerlandes , des Hauses Nessau und der Höfe Orlow 
xmd Morin in Cujavien, er verzichtete auf alle Ansprüche auf 
Pommern und Michelau und entsagte allen Verbindungen mit 
den Heiden^®®). Dagegen gab der Hochmeister Ludolph König 
von Weizau Dobrin und Cujavien, so weit es der Orden nicht 
sehen vor dem Kriege besessen hatte, heraus. Am 23. Juli 
1343 wechselten der Hochmeister und der König^ auf einer 
Wiese bei Wirbitzino zwischen Inowrazlaw und Morin die Frie- 



^8*) BuUe vom 4. Mai 1338 bei Dogiel IV. n. 60. 

^®*) Urkunde vom 22. Juli 1338. Lünig, Spicil. eccles. Contin. P. I, p. 9. 

^") Urkunde Tom 15. September 1339 bei Dogiel lY. n. 60. 

38') Bulle Tom 22. Juni 1341. 

W8) Haupturkunde über den Frieden von 1343 bei Dogiel IV. n. 62. 



86 Zeit der Ordensherrschaft. 

densbriefe aus 3®^). Die benachbarten Fürsten, die Woiwoden 
und Gasteliane, so wie die wichtigsten Städte des polnischen 
Eeichs erklärten ausdrücklich ihre Zustimmung. 

lieber den Zehnten in Pommerellen hat der Orden mit den 
polnischen Bischöfen, zu deren Diöcese das Land gehörte, lange 
unterhandelt. Die Bischöfe wollten denselben, wie früher, in 
Früchten erheben, der Orden dagegen in eine den Bischöfen zu 
entrichtende Geldsteuer verwandeln ^^o). Endlich schloss der 
Orden mit Bischof Mathias von Lesslau am 24. August 13S0 
zu Thom folgenden Vertrag: Der Bischof und seine Nachfolger 
sollen von jeder besetzten und bebauten flämischen Hufe sowohl 
geistlicher als auch weltlicher Besitzer in Pommerellen, jedoch 
mit Ausschluss solcher Gebiete, welchen vom Pabste oder früheren 
Lesslauischen Bischöfen irgend ein Privilegium in Betreff des 
Zehnten ertheilt sei, jährlich eine Steuer von drei Skot Culmi- 
scher Münze als Zehnten erhalten ^^ ^). Mit dem Erzbischof von 
Gnesen, zu dessen DiÖcese der südöstliche Theil Pommerellens 
gehörte, einigte sich der Hochmeister Ludolph König erst im 
Jahre 1344; die polnischen Dörfer sollten den Decem künftig 
wie bisher ableisten; die Ritter und Lehnsleute aber, welche 
ihre Güter auf deutsches Recht erhalten hätten oder künftig er- 
halten würden, an Stelle desselben zwei Skot preussischer 
Münze zahlen. Von dieser Zahlung sollten alle Vorwerke des 
Ordens und je vier Hufen jedes Rittergutes ausgenommen sein. 
Für diese Zugeständnisse übergab der Orden dem Erzbisohof 
hundert Hufen in der Haide Gambarzow, erhielt aber dafür 
unter dem Titel des Tauschs das Erbe Klein-Konitz zurück^®*). 



380J Notariatsüistrument über diesen Vorgang im Cod. dipl. Pmss. III. 
n. 37. Die zahh*eichen ausserdem hieher gehörigen Friedensinstrumente findet 
man bei Voigt, Bd. 5, S. 9 — 15, und im Cod. dipl. PruBS. beisammen. — 
Nur im Vorbeigehen erwähnen wir noch, dass in diesen . Zeiten auch König 
Johann von Böhmen 1329 . Dogiel IV. n. 52, und 1337, Voigt 4, 547, seine 
Gemahlin Elisabeth, die ein Kaufgeld erhielt, 1330, Voigt 4, 460, so wie ihr 
Sohn Karl 1330, Cod. dipl. Pruss. II. n. 137, und 1337, Voigt 4, 547, ihren 
Ansprüchen auf Pommern förmlich entsagten. Gegen die Ansprüche der un- 
garischen Fürsten leistete König Kasimir 1343 Gewähr. Dogiel IV. n. 63. 

800) Vgl. Voigt 4, 326. 

3®') Urkunde vom 24. August 1330 bei Lengnich, Geschiclite der preuss. 
Lande, Bd. 1, Documente, N. 16. 

3") Urkunde vom 13. November 1344, Cod. dipl. Pruss. III. n. 49. 



Landesg^enz6ii. 87 

Wenige Monate nach dem Abschlüsse des Friedens mit König 
Kasimir einigte sich der Hochmeister Ludolph König mit den 
Herzögen von Masovien, welche mit anderen jenen Frieden be- 
stätigt und ihren Ansprüchen auf Culmerland, Pommern und 
Michelau entsagt hatten ^®^), über einen Grenz vertrag. Die 
Grenze zwischen dem Ordensgebiet und Masovien 
wird in der Zeit des Hochmeisters Luther von Braunschweig so 
bezeichnet: Sie beginnt bei dem Einfluss des Lyck in den 
Bober, geht über den Fluss Gumove (scheint von der Wysa nicht 
verschieden zu sein) bis zur Quelle des Flusses Scarde (scheint 
auf die Vincente gedeutet werden zu müssen), an demselben 
hinab bis zu seinem Einfluss in die Pissa (Fisch). Dann geht 
sie an der Pissa hinab bis zu der Stelle, wo der Fluss Lubano 
(scheint Turosl zu bedeuten) in dieselbe mündet, vom Lubano 
direct bis zu einer alten Furt über den Fluss Ditwo (Skwa, wie 
schon in einer früher erwähnten Urkunde); von der Furt des 
Ditwo zu einer andern alten Furt über den Fluss Eusow (Ko- 
soga); von der Furt des Eusow zum Flusse Malien (bedeutet 
auch sonst Omulef), wo der Fluss Luko mündet; vom Flusse 
Malien zu dem Bruche Ligopanie, dann zu dem Bruche Eusse, 
dann zum Flusse Nartze (Orzyc), wo er am nächsten anstösst. 
Dann steigt sie an dem Flusse Naritz hinauf bis zu dem Bruche 
Nannye, wo er entspringt, zieht sich durch den Bruch bis zu 
den Ghraiben (fossata), von den Gräben nach dem Wasser Nida 
(I^eide), wo auf der entgegengesetzten Seite der Fluss Wiseko 
(der Bach, welcher westlich von Soldau bei Hohendorf oder 
Wisoka vorbei geht) in dasselbe einmündet, fernerhin längs der 
Neide hinab bis zu der Stelle, wo sie in die Wicker mündet, 
und längs der Wicker hinab bis zu der Stelle, wo der Fluss 
Otatz (nicht bekannt) in dieselbe fällt, und von da direct zu 
dem See Brentzk (Brinsker-See, aus dem die Branica strömt) ^®*). 



«W) Tlrkunde yom 13. Juli 1343, Cod. dipl. Pruss. III. n. 35. 

'***) Die Urkunde mit der Ueberschrift : Subsequens copia graniciarum Lu- 
den de Brunswik, und den Anfangsworten: Haec sunt granicie inter Nathan- 
gen et Mazovien, steht in den Privü. des Stifts Saml. p. 227 unmittelbar 
neben der schon früher erörterten: Hec sunt antique granicie sive gades inter 
terram Galindin et Mazoviam. Zum Vergleiche dienen noch die beiden deut- 
schen Urkunden in Baczko's Annalen 1792, Quart. 1, S. 84 und 87, von 
denen wenigstens die erste älter ist, als die oben mitgetheilte , da sie noch 



88 Zeit der Ordensherrschaft. 

Diese Urkunde zeigt, wenn sie auch nicht in allen Einzehiheiten 
sicher gedeutet werden kann, dass der Orden einen Theil des 
alten Galinderlandes zwischen Wysa, Bober und Lyok schon 
damals nicht als sein Eigenthum betrachtete, dass er dag^en den 
Landstrich zwischen der oberen Neide und dem oberen Orzyo, 
welche eine Strecke weit parallel, wenn auch in entgegenge- 
setzter Richtung, fliessen, in seine Grenzen schloss. 

Nach dem Vertrage des Ordens mit dem Herzog Semowit 
von Masovien - Wizna von 1343 sollte diie Grenze beginnen bei 
dem Wasser, welches preussisch Singurbrast, polnisch Egers ge- 
nannt wurde (kaum nachweisbar), und sich am Flusse Aricz 
(Orzyc) hinab und rechts von dem Walde Eaduka (?) bis zur 
Mündung des Wicento (Vicenta) in die Pissa, diesen bis zu 
seiner Quelle hinauf, dann nach der Cluelle des Baches Choyna 
(wohl bei Choynawka, nördlich von Szczuczyn), von dieser auf 
dem kürzesten Wege nach dem Flusse Likke (Lyck), von diesem 
geradezu auf den Fluss Bebra und diesen hinauf bis zu seiner 
Quelle ziehen ^^^). Es scheint durch diesen Vertrag nichts We- 
sentliches geändert zu sein; doch zeigt er, dass der Orden damaLs 
dem Theile des Jadzwingerlandes, welcher jenseits des Bober 
liegt, überhaupt entsagte. Mit dem Herzog Boleslaus von Ma- 
sovien-Plock einigte sich der Hochmeister gleichzeitig dahin, dass 
der Landstrich zwischen Neide und Orzyc zwischen 
beiden, dem Orden und Polen, gleichmässig getheilt werden 
sollte; die der Neide naher gelegene Hälfte sollte dem Orden, 
die andere dem Herzoge gehören ^^^), Dies ist der Ursprung 
der Grenzlinie, welche in der Gegend von Janow den Orzyc ver- 
lässt, sich nordwestlich gegen Magdalenz, dann südwestlich nach 
dem Narzymer Forst, endlich wieder nordwestlich nach der 
Neide, gegenüber der Wisokamündung, hinzieht. 



die Wysa von dem „alten Wege'* bis zu ihrer Mündung in den Bober Grenz- 
fluss sein lässt. Am oberen Orzyc werden hier noch Grobisken (Grzebsk) und 
Kukulen (Kuklin) ausdrücklich als Grenzpunkte genannt. Die zweite erwähnt 
schon die Comthurei Osterode (seit 1340) , scheint also jünger zu sein. Sie 
beginnt ihre Grenzbeschreibung bei der Comthurei Osterode und setzt sie bis 
über die Weichsel fort, ist aber ausserordentlich fehlerhaft gedruckt und des- 
halb nur zum Theil yerstandlich. 

30») Urkunde, datirt Sonntag Tor Martin 1343, Cod. dipl. Pruss. III. n. 39. 

39«) Urkunde, datirt Sonntag Yor Martin 1343, Cod. dipl. Pruss. III. n. 40. 



Landesgrenzen. 89 

Unterhalb dieses letztgenannten Punktes war die Grenze 
schon durch die früheren Verträge über das Culmerland, Miohelau, 
GransaUy Löbau und 8assen so festgesetzt, wie sie seitdem ge- 
blieben ist. Wir haben noch eine mit jeneu Verträgen ungefähr 
gleichzeitige örenzbeschreibung , welche diese Landschaften be- 
trifft ^®^). Nach derselben zieht sich die Grenze von der Wi- 
soka-Mündung vor dem Lande Sassen längs der I^eide bis zu 
ihrer Mündung in die Wicker; dann vpr dem Lande Löbau 
]sing» der Neide (hier offenbar die alte Wicker; die Abdämmung 
derselben bei Lautenburg muss also in dieser Zeit schon erfolgt 
sein) Ton Nizk (Nieck, nahe dem Vereinigungspunkt der Neide 
und Wicker) bis Orkutzhin (welches nicht mehr zu finden ist, 
aber nahe der Wicker, etwa bei Zielen, gelegen haben muss), 
dann quer durch die Heide (Brinsker- und Löbauer - Wald) an 
das Fliess Virskoffun (bei Wierschownia ?), an diesem hinab in die 
Breniz (Branica), an der Breniz hinab in die Drewenz, in welche 
sie etwa anderthalb Meilen oberhalb Strassburg mündet ^°®). Die 
Michel au, zu welcher auch die oben erwähnten zweihundert 
Hufen der Gebiete von Grondzaw und Xiente gerechnet sein 
werden, grenzte in jenen Zeiten (und darin hat sich die Grenz- 
linie später doch ein wenig geändert) nicht unmittelbar zu- 
sammen, sondern ein Zipfel polnischen Gebietes streckte sich 
zwischen beiden Landschaften bis zur Drewenz hin. Die Grenze 
der Michelau gegen das Gebiet des Bischofs von Masovien 
kennen wir schon aus dem Vertrage von 1317; in der uns vor- 



3") Die schon erwähnte bei Baczko a. a. 0. S. 87. 

^^^) Im Qrenzbuch B, fol. 99, findet sich eine ausführlichere Beschreibung 
der Grenze zwischen Masoyien und dem Gebiete Luterberg (Lautenburg), mit 
der eine dritte ziemlich genau übereinstimmt , die zugleich mit der Lauten- 
burger Handfeste in einen Transsumt König August's III. von 1746 (auf dem 
Bathhause zu Lautenburg) aufgenommen ist. Sie beginnt bei Othozna (wohl 
identisch mit dem obigen Orkutzhin), geht nieder zwischen Mackosa (Macliose?) 
•und Niza und dem Flusse Weronica (ein Bach, der etwa bei Zielon in die 
Wicker geht [?] ; gegenüber liegt Wronka), dann aufwärts in der Ocker (Wicker) 
zwischen Kamica und Woscem (?), aus der Ocker aufwärts fort in das Fliess 
Niede (Neide), zwischen dem Dorfe Hoef (poln. Dwor, jetzt Neuhof) und 
Kiczk, und zwischen dem weissen Ufer und der alten Kirche zu Niczk bis zu 
dem Burgwall an der Osterodischen Grenze. Nach einer anderen Urkunde itu 
Orenzbuoh B, fol. 102, geht die Grenze zwischen der Kirche zu Culmsee und 
Masoyien von Othozenau nach Wirstkownow mitten in dem gleichnamiger 
Fliesse und von hier nach der Braniza; diese tÄJunt die Güter der Kirche zi 
Culmsee und zu Flock. 



90 Zeit der Ordensherrschaft 

liegenden Grenzbesohreibung wird als Anfangspunkt „ehie Ge- 
legenheit, die heisset Menschwedir an der Drewenz*', wohl falsch 
abgeschrieben statt „eine Gelegenheit, die heisset man Schwiec an 
der Drewenz" (Schwiec ist ein Ort bald nnterhalb der Branica-Mün- 
dung) , angegeben ; bei Schwiec also stand die Grenzeiche, welche 
im Vertrage von 1317 vorkommt. Von hier ging die Grenze 
hinauf gegen das Land Dobrczyn (statt Dobernine), an das Flies» 
Roketnitze (der Fluss, in welchen die uns schon bekannte Ese- 
nite mündet), ferner längs der Roketnitze zur Oppoltz, in welche 
jene, und längs der Oppoltz zur Rippenitze (Rypnica), in welche 
die Oppoltz mündet. Die Rypnica mündet unterhalb Strassbiirg 
in die Drewenz. ^^^). Die Drewenz scheidet das Culmerland 
von dem Herzogthum Dobrczyn; nur Golup gegenüber war ein 
massiger Landstrich auf der linken Seite der Drewenz, wie oben 
erwähnt ist, an den Orden gekommen. Von der Drewenz-Mün- 
dung an bis zur Grenze der Comthurei Seh wetz bildet die 
Weichsel selbst die Grenze zwischen Culmerland und Cujavien; 
jenseits derselben gehörte dem Orden nur die Burg Nessau mit 
ihrem Gebiete. 

Wir sind hier an der Pommerellischen Grenze ange- 
langt, die im Allgemeinen durch den Frieden zwischen dem 
Orden und dem König Kasimir von 1343 fixirt war. Ein am 
14. Juni des Jahres 1349 zu Transacz abgeschlossener Vertrag 
zwischen dem Hochmeister Heinrich Dusemer von Arfberg und 
dem König Kasimir setzte im Besonderen folgende Grenzlinie 
fest *°°). Die Weichselgrenze reicht bis an das der Abtei Bissau 
gehörige Dorf Bezendorf (d. h. Bösendorf, polnisch Zlawies, 
in der Nähe von Transatz). Von diesem Punkte an bis zur 



3^^) In einer Grenzbeschreibung der Michelan einschliesslich Grondzaw, 
welches dem Bischof yon Plock gehörte, aus dem Anfang des fünfzehnten Jahr- 
hunderts, im Grenzbuch B, fol. 99, werden angeführt Bippnitza, Oppalitz, Bog- 
katnitz, Ksinckten (dieser zwischen der Mühle Gestram und dem Dorfe Sko- 
tau), dann geht die Grenze weiter zwischen der Mühle Granschau (Grondzaw) 
und Messinczkam (Maniesankowo) zur Brenitze. 

400) Urkunde yom 14. Juni 1349 bei Dogiel IV. n. 67. Die yorhin ver- 
folgte Grenzbeschreibung endigt mit einigen räthselhaften Angaben, die durch 
den Anfang dieser einigen Halt bekommen, sofern hier ein Dorf Slochaw er- 
wähnt wird; auch ein Grabowa findet sich in der Nähe. Sie ist aber durch 
den fehlerhaften Druck so entstellt, dass man darauf yerzichten muss, das 
Einzelne zu erklären. Zur Erklärung der Urkunde yon 1849 ygl. Schmitt, 
Topogr. des Kreises Flatow in den N. P. P. Bl. 1854, Bd. 2, S. 267, 268. 



Landesgrenzen. 91 

Braa folgte die Grenzlinie genau der noch heute bestehenden 
Grenze zwischen Westpreussen und Posen, indem sie folgende 
Dörfer: Gross -Zupanino (jetzt Supponin), Zambovo (Zembowo), 
Nebesoyn (Niewiescyn), Sloehaw (Zlotho), Brüsk (Prust), Gross- 
Lowyn, Brzezin (Brzezno), Schroczk (Szierotzk), Yesseniz (Ja- 
scbinitz), Dambagora (schon damals deserta), Lubetors oder Lu- 
bieehorz (Lubiewo?), Sucha (Suchau), Clonow (Clonowa) auf der 
pommerschen Seite, dagegen folgende Dörfer: Transsecz (Tran- 
satz), Wluki, Czeczozew (Cietrzewiec) , Senno (?), Mroczyno 
(Mruczyn), Noczyssewo (Nicziszewo), "Wodzyno (Wudzin), Glinky, 
Welima (ob Wielonnek), Lachowo (ob Lakomowo?) auf der cu- 
javischen Seite abschnitt. Sie folgte dem Flusse Dbra (Braa) 
aufwärts bis zur Mündung der Camiona (Kamionka) in denselben ; 
dann diesem Flüsschen bis an das Dorf Grymowo (Grünau) ; von 
hier ging sie zu dem See Sucow, aus welchem der Fluss De- 
brincz (Dobbrinka) entspringt, und folgte dann endlich diesem 
bis zu seiner Mündung in die Gwda (Küddow). An der Küd- 
dow selbst zieht sich die Westgrenze Pommerellens hinauf zum 
Dolgensee und über die früher angegebenen Punkte weiter. 

Seit diesen Friedensverträgen bestand zwischen König Ka- 
simir und dem Orden leidliche Nachbarschaft. Nur einmal kam 
es noch zu einem Territorialstreite. Der König, welcher in- 
zwischen auch Lehnsherr von Masovien geworden war, sandte 
im Jahre 1360 Bauleute nach Rogard oder Raigart (jetzt 
Kaigrod), um dort in aller Eile ein Schloss errichten zu lassen. 
Auf diese Nachricht sandte der Hochmeister Winrich von Knip- 
rode sogleich den Ordensmarschall mit einigen anderen Ordens- 
gebietem und einiger Mannschaft dorthin ab. Die Polen ent- 
flohen, und da die Gegend nach* dem Grenzvertrage mit Herzog 
Semowit von "Wizna von 1343 unzweifelhaft dem Orden ge- 
hörte, so zerstörte der Marschall das angefangene Gebäude ohne 
weitere Umstände *° '). 

Mehrere polnische Landschaften kamen in diesen Zeiten als 
Pfandbesitz in die Hände des Ordens. König Kasimir selbst 
überliess ihm für ein Darlehen von 40,000 Gulden das Land 



*<»*) Wigand p. 102, 104. Notariatsinstrument von 1360, Cod. dipl.Pruss. 
HI. n. 87. 



92 Zeit der Ordensherrscbaft 

Dobrzyn mit der Burg Bobrownik und den Gebieten von 
Kypin und Xeniten (Xiente), um das Jahr 1352 oder 1368 *02) 
— wenn dieser Vertrag wirklich in Vollzug gesetzt ist, denn 
nicht lange darauf findet sich das Land wieder in den Händen 
der Polen, ohne dass über die Einlösung etwas gemeldet wird. 
Nach dem Tode König Kasimirs versetzte der Herzog Semowit 
von Masovien dem Orden die Castellanei Wizna für 7000 Gul- 
den, um 1370*0^), und im Jahre 1384, als er von dem Hoch- 
meister Konrad Zöllner von Rothenstein noch 3600 Schock böh- 
mischer Groschen geliehen hatte, das ganze Land Sakrze, 
welches, auf der Linie von der Wisoka - Mündung bis an d^ 
Orzyc, wo die Swinarka in denselben einfällt, mit Preusaen 
grenzend, im Osten, Süden und "Westen von den Flüssen Li- 
dinia, Wkra und Mlawka (die Lidinia und Mlawka gehen in die 
uns wohlbekannte Wkra oder Wicker) umströmt wird*^*). Alfl 
der Hochmeister ihm bald darauf noch 1000 Schock Groschen 
lieh, ging der Herzog auf die erschwerende Bedingung ein, dass 
die beiden Pfandschaften Wizna und Sakrze nicht einzeln, son- 
dern nur auf einmal ausgelöst werden dürften (1386) *o^). Der 
Hochmeister Konrad von Jungingen lieh ihm noch 2000 Schock 
böhmischer Groschen, wogegen er sich verpflichtete, wenn er 
diese Summe in dreien Jahren nicht abtrage, dem Orden auch 
noch das Land Pluntzk, und zwar nur mit Wizna und Sakrze 
zugleich einlösbar, in Versatz zu geben *°®). Li der That kam 
auch Pluntzk in die Hände des Ordens, allein im Jahre 1399 
einigte sich der Hochmeister mit dem Herzoge in freundUcher 



402) Urkunde ohne Datum, Cod. dipl. Pruss. UI. n. 73. Vgl. Voigt 5, 106. 

*03) Schreiben des Hochmeisters ohne Datum, Cod. dipl. Pruss. m. n. 99. 

*^) Urkunde yon 1384, Cod. dipl. Pruss. IV. n. 26. Vgl. Voigt 5, 442. 
Der Name. Zakrzewo findet sich auf der Eeimanschen Karte als Bezeidmimg 
zweier Oerter nahe den Orzyc-Quellen, zwischen Grzebsk und Wiecznia. . 

«t»») Urkunde von 1386 bei Voigt 5, 485. 

*««) Urkunde ohne Datum, Cod. dipl. Pruss. IV. n. 125. Wizna wurde 
während der Pfandschaft yon Witowd zerstört, Voigt 5, 520 ff. Von jenen 
2000 Schock böhmischer Groschen scheinen 1500 Mark dem Bitter Wixlaw 
Czambor ausgezahlt zu sein, Voigt 5, 604, Anm. 1. Den Namen Pluntzk 
deutet Voigt 5, 443 auf die Gegend von Lomza und Piontniza am Narew. 
Allein wiewohl beide Namen an den Namen Pluntzk nahe anklingen, so ist 
doch ohne Zweifel vielmehr an die Gegend der westlich von der Wkra ge- 
legenen Stadt Plonsk zu denken. 



Landesgrenzen. 93 

Gesinnung dahin, dass er ihm die Lande Sakrze und Pluntzk 
herausgab und nur nochWizna für die an dem Pfandgelde noch 
fehlende Summe von 3370 ungarischen Gulden und von 3375 
Schock böhmischer Groschen im Pfandbesitze behielt *^^). Wizna 
wurde von dem Herzoge Semowit im Jahre 1402 eingelöst. In 
dem Einlösungsbriefe werden 4545 Schock böhmischer Groschen 
als die zurückgezahlte Pfandsumme bezeichnet ^^^). Sakrze wurde 
dem Orden im Jahre 1408 noch einmal für 4000 Mark zum 
Pfände gegeben *ö^), musste aber nach der unglücklichen Schlacht 
bei Tannenberg im Thorner Frieden von 1411 ohne Lösegeld 
herausgv?geben werden * *ö). Vielleicht sind dem Orden später den- 
noch 4000 Schock Groschen dafür zu Gute gerechnet worden * ' '). 
Das Land Dobrzyn sammt einigen anderen polnischen 
limden war von König Kasimirs Nachfolger, welcher die König- 
reiche Ungarn und Polen vereinigte, um das Jahr 1378 dem 
Herzog Wladislaw von Oppeln übergeben, wogegen dieser ihm 
gewisse Landschaften in Russland abgetreten hatte* '2), Auch 
Wladislaw wurde von Schulden gedrückt und verpfändete dem 
Orden für 6632 ungarische Goldgulden die ihm zugehörige, am 
Einflüsse der Drewenz in die Weichsel gelegene Burg Slotorie 
mit dem dazu gehörigen Gebiete, in welchem die Dörfer Zelin 
(Szylno), Slotorie (bei der Burg), Neuendorf (Nowawies?), Glu- 
mow (Glumowo) und Grobe (Krobia) lagen (Sonntag nach Him- 
melfährt 1391)*'^). König Jagello, der Nachfolger Ludwigs, 
nahm diesen Pfandvertrag mit dem höchsten Unwillen auf, denn 
er betrachtete den Herzog Wladislaw von Oppeln als seinen Va- 
sallen, die Burg Slotorie, wie das ganze Herzogthum Dobrzyn, 
als zu seinem Iteiche gehörig und somit als unveräusserlich ohne 
seine Zustimmung. Er üel in das Land ein, um es dem unge- 



"1) Urkunde yon 1399 bei Voigt 6, 165 und 166, der den Inhalt der- 
selben nur nicht recht verständlich angiebt. 

«w) Einlösungsbrief Semowits im Cod. dipl. Pruss. V. n. 126. 

*»») Voigt 7, 34. 

««ö) Dogiel IV. n. 80. 

«««) Voigt 7, 136. 

*«) Dlugosz, Lib. X, p. 37. Vgl. Voigt 5, 306, 307. 

*»3) Urkunde von 1391, Cod. dipl. Pruss. IV. n. 94. Vgl. die Urkunden 
fOQ demselben Jahre im Cod. dipl. Pruss. IV. n. 104, 105, und Voigt 5, 590 — 594. 



94 Zeit der Ordensherrschaft. 

treuen Vasallen zu entreissen, eroberte Rypin, fiand aber Wider- 
stand vor Bobrownik und dieses nahm bald darauf eine Be- 
satzung von den Ordensrittern ein * ^*). Herzog Wladislaw scMioh 
sich verkleidet durch Polen und schloss zu Marienburg einen 
neuen Vertrag mit dem Hochmeister, nach welchem er dem 
Orden das ganze Dobrinerland mit den Burgen Bobrownik, Rypin, 
Dobrzyn und Lipno für die Summe von 50,000 ungarischen 
Goldgulden verpfändete und die Gewähr gegen alle von andern 
Fürsten etwa zu erhebenden Ansprüche auf das Land übemahla 
(Sonntag nach Jacobi 1392)*^^). Der Hochmeister nahm die 
Huldigung des Landes entgegen und die Truppen des Königs, 
welche noch eine der Burgen besetzt hß-tten, entfernten sich, 
sobald eine Ordensmacht heranrückte*'^). Im Jahre 1394 zahlte 
der Orden dem Herzoge noch 22,900 ungarische Gulden, unter 
der Bedingung, dass die Auslösung des verpfändeten Landes nur 
durch Zahlung der Gesammtsumme erfolgen dürfe **^). Deal 
Verkauf des Landes, welchen der Herzog im nächsten Jahre an- 
bot, schlug der Hochmeister aus, theils weil ihm das Eecht des 
Herzogs zum Verkaufe zweifelhaft schien, theils weil er voraussah^ 
dass er mit dem Lande einen Krieg gegen Polen erkaufen 
würde *'^). Die Polen, welche das Land von dem Orden als 
zum Königreiche gehörig zurückforderten, verwies der letztere 
zuerst auf Wladislaw, welcher die Gewähr übernommen habe, 
dann erbot er sich sogar, für den Fall, dass Wladislaw das 
Land weder einlösen noch von allen fremden Ansprüchen be* 
freien könne, der Königin gegen Zahlung der Pfandsumme das 
Land abzutreten, sobald ihm Wladislaw seine Pfandbriefe zurück- 
gegeben und ihn dazu ermächtigt hätte * *^). Auf diesem Wege 
wurde ein leidliches Verhältniss zwischen ihm und dem Könige 
erhalten. Endlich vereinigte man sich zu Kaczanz im Jahre 



4»*) Urkundl. Bericht im Cod. dipl. Pruss. IV. n. 96. Vgl. Lindenblatt, 
S. 83, 84. 

*>*) Die Urkunde von diesem Tage bei Voigt 6, 616, 617. Einige we- 
niger wichtige Instrumente stehen gedruckt im Cod. dipl. Pruss. IV. n. 107, 
108, 112, 119. 

* >6) Urkundl. Bericht im Cod. dipl. Pruss. IV. n. 96. Lindenblatt S. 87, 88. 

41') Urkunde von 1394 bei Voigt 6, 45. 

*»^ Vgl. die Verhandlungen bei Voigt 6, 45 flf., 61 ff., 82 ff. 

♦»») Urkundl, Bericht im Cod. dipl. Pruss. IV. n. 96. Vgl. Voigt 6, 83, 92. 



Landesgrenzen. 95 

1404, wo der zwischen König Ka&imir und dem Orden 1343 
geschlossene Friede in allen Punkten bestätigt wurde ^^o), in 
folgender "Weise : Der Hochmeister erklärte sich bereit, der Krone 
Polen das Land Dobrczyn und die Burg Slotorie abzutreten; 
der König erbot sich dagegen, dem Orden bis Pfingsten künf- 
tigen Jahres für das Land die Ersatzsumme von 50,000 Gulden 
und für die Burg 2400 Schock böhmischer Groschen zu zahlen 
und den Orden zugleich gegen alle Anforderungen und Be- 
lästigungen der etwaigen Erben des Gebietes zu schützen und 
zu vertreten. Nach Entrichtung dieser Summen sollte der Orden 
das Land und die Burg der Krone Polen ohne Weiteres ein- 
räumen* 2*). Nachdem dann der Herzog Johannes von Sagan, 
Tochtersohn der noch lebenden Gemahlin Wladislaws, freilich 
ohne deren Wissen und Willen, dem Könige die Verpfändungs- 
urkunde des Ordens überliefert hatte, sprach dieser auf einer 
Zusammenkunft mit dem Hochmeister zu Thorn um Pfingsten 
1405 den Orden von allen fremden Ansprüchen, die etwa an 
das Land gemacht werden möchten, frei* 22)^ zahlte die vorhin 
bezeichneten Summen, und Land und Burgen, so wie sie der 
Orden neu befestigt und mit Vorräthen versehen hatte, wurden 
ihm sofort übergebendes). 

Man sieht, der Orden strebte darnach, die Grenzen seiner 
Herrschaft bis zu der Grenze auszudehnen, welche Narew, 
Bug und Weichsel bezeichnen; es glückte ihm aber nicht, 
den Pfandbesitz, der dahin führen sollte, in dauernden Besitz 
zu verwandeln. 

Weitere Veranlassung zu Territorialstreitigkeiten mit Polen 
gaben die Erwerbungen des Ordens von der Markgrafschaft 
Brandenburg, zu denen wir uns nun wenden. 

Die Herrschaft Sohievelbein, ein brandenburgisches Lehn 
zwischen Pommern und der Neumark, stand in der zweiten 
Hälfte des vierzehnten Jahrhunderts im Besitze eines Hans von 
Wedel ^ dessen Vorfahren dieselbe 1319 durch den Markgrafen 
Waldemar erhalten hatten. Von Schulden gedrückt und der 

"0) Dogiel IV. n. 71. 

«») Dogiel IV. n. 72. Vgl. Lindenblatt, S. 166. 

**2) Dogiel IV. n. 73. 

*") Dogiel IV. n. 74. Lindenblatt S. 72. VgL Voigt 6, 327, 328. 



d6 Zeit der OrdensherrschafL 

Stürme des Lebens müde, bot er dem Hochmeister und den Ge- 
bietigern des Ordens auf einer Versammlung zu Elbing am 
14. April 1384 die Abtretung des Schlosses, der Stadt und der 
Herrschaft Schievelbein an, wenn sie die Abtragung seiner 
Schulden übernehmen und ihm für seine Lebenszeit anständigen 
Aufenthalt und Lebensunterhalt gewähren wollten. Der Orden 
nahm das Erbieten an, und nachdem Hans von Wedel hierauf 
eine förmliche Entsagung seines Eigenthums ausgestellt, die Stadt 
Schievelbein dem Hochmeister gehuldigt hatte und ihrer Hul- 
digungspflicht gegen Hans von Wedel entlassen war, wurde 
vom Orden die Schuldsumme ausgezahlt; jenem aber ward 
das Haus Wenzlaw im Culmerland nebst Acker, Vieh und 
60 Mark Zins für seine Lebenszeit angewiesen. Der römische 
König bestätigte den neuen Erwerb des Ordens, jedoch mit Vor- 
behalt sowohl seiner als seines Bruders, des Markgrafen Bigis- 
mund von Brandenburg, Anrechte *''^^). 

Südlich von Schievelbein, an der Drage, liegen die Städte 
Dramburg und Falkenburg. Markgraf Sigismund, der in- 
zwischen König von Ungarn geworden war und den Besitz der 
Marken sehr gering schätzte, bot sie dem Hochmeister zum Ver- 
kauf an. Dieser ging auf den Vorschlag ein, und nachdem der 
römische König Wenzel und Markgraf Jobst von Mähren als Si- 
gismunds nächste Verwandte ihre Einstimmung urkundlich be- 
zeugt hatten, einigte man sich am 24. August 1400 zu Meiger- 
litz in Mähren über den Kaufpreis von 7000 Schock böhmischer 
Groschen. Die Zahlung erfolgte bald darauf theils zu Dramburg, 
theils zu Schlochau *25), 

Schon lange, ehe dieser Kaufcontract abgeschlossen wurde, war 
dem Orden der Verkauf der ganzen Neu mark von den Hark- 
grafen aus dem Hause Lützelburg angeboten, schon dem Hoch- 
meister Konrad Zöllner von Eothenstein (zwischen 1282 und 
1290), dann wieder seinem Nachfolger Konrad von Wallenrod 



*^*) Notariatsinstrument vom 14. April 1384 und die übrigen hieher {ge- 
hörigen Instrumente bei Gercken im Cod. dipl. V. n. 162 — 167. Vgl. Voigt 
5, 428—430. 

*^^) Die Urkunde vom 24. August 1400 und die übrigen Instrumente hat 
Luc. David Bd. 8, S. 53 noch benutzt; jetzt scheinen sie nicht mehr vor- 
handen zu sein. Dass auch Falkenburg in den Kauf begriffen war, erweist 
Voigt 6, 190 aus einem Briefe. 



LaadoBgrenzen. 97 

(zwischen 1391 und 1393) *2C)^ endlich wieder dem Hochmeister 
Konrad von Jongingen (zwischen 1393 und 1407). Allein theils 
der Widerspruch einzelner Familienglieder, theils die Höhe der 
Auslagen für ein Unternehmen, das den Orden jedenfalls in neue 
Verwickelungen ziehen musste, hielt denselhcn ab, auf diese 
Anträge einzugehen *2^). Endlich bediente sich König Sigismund 
eines Mittels, das ihn zum Ziele führte. Er Hess durch den 
"Woiwoden Stybor mit dem Könige von Polen — wenn auch 
nur zum Schein — einen Pfandvertrag über die Neumark ab- 
sdiliessen und zeigte dann dem Hochmeister an, wenn er die 
Neumark nicht kaufen wolle, so werde ohne Zweifel der König 
von Polen das Land zu erwerben suchen *^^), An den König 
von Polen durfte der Orden die Neumark unter keiner Bedingung 
konunen lassen, wenn er nicht isßt gänzlich von Deutschland 
abgeschnitten oder doch wenigstens in seiner Verbindung mit 
ihm vielfach gehemmt sein wollte; er einigte sich nun mit 
Stybor, dem Bevollmächtigten Sigismunds, welcher im Sommer 
des Jahres 1402 bei dem Hochmeister sich einfand, schnell über 
die Kaufsumme von 63,200 ungarischen Gulden, von welchen 
schon am 25. Juli ein Theil abgezahlt wurde; an demselben 
Tage bestätigte der Hochmeister den Ständen der Neumark ihre 
Privilegien; am 9. August nahm er die Huldigung derselben in 
Arnswalde entgegen, und als hierauf zu Thorn die gesammte 
Kaufsumme abgezahlt war, so. vollzog König Sigismund zu Press- 
hurg am Michaelistage desselben Jahres den förmlichen Ver- 
kaufsbrief. Er übergab dem Orden die Neumark für den nun 
schon ausgezahlten Preis von 63,200 ungarischen Gulden und 
versprach ihm, das Land mit allem Zubehör frei zu stellen gegen 
alle fremden Ansprüche; dem König Sigismund, seinem Bruder 
Menzel und dem Markgrafen Jobst, auch den etwaigen Erben 
(d. h. Kindern), diesen letzteren aber nur bei Lebzeiten der drei 
ersteren, wurde das Wiederkaufsrecht vorbehalten; geschah^, der 
Wiederkauf nicht „by unser dryer Leben", wie es in der 
Urkunde heisst, so sollte das Land dem Orden gänzlich und auf 



"») Urkunden von 1392, 1393, Cod. dipl. Pruss. IV. n. 106, 116. Man 
forderte zuerst 1,000,000, dann 500,000, dann 300,000 Gulden. 

^*') Voigt 6, 47, 60, 161. 

"«) Vgl. die Urkunde bei Dogiel I. n. 4 und Voigt 6, 232. 



98 Zeit der OrdensbeTrschafL 

immer verbleiben *20), XJm sich den Besitz des Landes für die 
Dauer zu sichern, hat der Orden später die Eaufsumme und 
damit die Wiederkaufsumme noch bedeutend erhöht. Er zahlte 
im Jahre 1409 noch 40,000, im Jahre 1410 abermals 40,000 
und ausserdem noch andere Summen an Sigismund, so dass ihn 
die Neumark zuletzt über 216,000 ungarische Gulden kostete**^. 

Es ist nicht mehr möglich, die Grenzen der Neumark, 
wie sie damals erkauft wurde, zu bestimmen. So viel aber 
scheint ausser allem Zweifel, dass die Städte Krone, Tütz, Fried- 
land und Schloppe, also der grössere Theil des Landes zwisdben 
der Netze, Küddow und DrsLgß, welches, im Anfange des zwölf- 
ten Jahrhunderts von den Polen erobert *^0> später an Branden- 
burg fiel und noch um die Mitte des vierzehnten Jahrhunderts 
unzweifelhaft zur Neuraark gehört hatte *^^) , sich in polnisehen 
Händen befanden, als der Orden den Besitz des Landes an- 
trat '^^^). Er scheint sie als polnisches Besitzthum ausdrücklich 
anerkannt zu haben durch den Vertrag mit dem Könige von 
1405, in welchem festgesetzt wurde, dass die Grenzen der Neu- 
mark unverrückt bleiben sollten, wie sie zur Zeit der Erwerbung 
des Landes und von Alters her gewesen seien *^*). Jedenfiedls 
war die Neumark von dem Hauptlande des Ordens doch noch 
durch fremdes Besitzthum getrennt. 

Aber die Polen behaupteten auch von Briesen, es sei ein 
polnisches Land, theils weil die Familie Ost, welche es im Jahre 
1317 von dem brandenburgischen Markgrafen Waldemar erhalten 
hatte, ohne der Lehnspflicht gegen die Markgrafen entlassen xvl 



**•) Der Verkaufsbrief vom 29. September 1402 bei Gercken, Cod. dipL V. 
p. 246. Im Uebrigen ygl. Lancizolle 1, 281 S. und Voigt 6, 232 ff. 

430) Urkunden yon 1409, 1410 bei Baczko, Geschichte Freussens 2, 398, 
399. Berechnung bei Voigt 7, 63. 

43 t) Quandt in den Balt. Studien 1853, S. 172. 

^^^ Nach den Urkunden, welche Lancizolle 1, 288 anführt. 

433) X)ie genannten Städte sind fortan in den Händen der Polen. Der Or- 
densToigt Balduin Stal berichtet, er habe ermittelt, dass jene Städte zur Nen- 
mark zu rechnen seien (1404), Voigt 6, 277, was keinen Sinn hätte, warn 
sie dem Orden mit der Neumark zugefallen wären. Hochzeit an der Drage 
erscheint als streitiger Grenzort. Urkunde bei Ledebur, Allg. Archiv 11, 371. 
Voigt 6, 337. Daher ist mir die Vermuthung F. Voigts in seinen Erläuterun- 
gen zum hist. Atlas der Mark Brandenburg, S. 108, dass jene Städte im Frieden 
zu Brzosc 1436 an Polen gekommen seien, unwahrscheinlich. 

*'^) Urkunde von 1405 bei Geroken V. p. 250. 



LandesgrenEen. 99 

sein, ihre Güter im Jahre 1865 von König Kasimir zu Lehn 
genommen hatte ^^^), theils wegen seiner Lage. Sie gaben näm- 
Kch zu, dass die Netze (unterhalb der Drage- Mündung) die 
Grenze zwischen Polen und der Neumark bilde, und sonach 
würde Driesen zu der letzteren zu rechnen gewesen sein; allein 
da die Burg auf einer nördlich durch einen weiten Graben und 
südlich durch den Ketzefluss gebildeten Insel lag, so nannten 
die Polen jenen nördlichen Graben die Netze und diesem Flusse 
gaben sie hier den Namen Berbenik. Hiegegen b^piügte sich 
der Hochmeister zu erwiedern, dass nach den Zeugnissen der 
Lehnsyasallen und der städtischen Beamten der Neumark und 
nach der Erklärung des Königs von Ungarn Driesen jederzeit 
zam Lehnsverbande der Neumark gehört habe; ihm sei Driesen 
mit der Neumark zu getreuer Hand übergeben, er könne es der- 
selben nicht entfremden ^^^). Ulrich von Ost, ein wankelmüthiger 
Mensch, welcher die Herrschaft zuerst dem Könige von Polen 
gegen anderweitigen Ersatz einzuräumen versprach, dann dem 
Orden einräumte (um Michaelis 1405) *3^), verkaufte sie dem 
letzteren endlich im Jahre 1408 für 7750 Schock böhmischer 
Groschen*^®). Damals erklärte König Jagiel: lieber wolle er 
nicht mehr König von Polen heissen, wenn er nicht Driesen 
mit seinem Kelche vereinigen könne *^*). 

Die Herrschaft Santok (an der Warthe, wenig unterhalb 
der Netze-Mündung) war zu der Zeit, als der Orden die Neu* 
mark erwarb, den Johanniterrittem verpfändet und König Sigis- 
mund hatte versprochen, es den deutschen Bittern einzulösen, 
oder dafür etwas von der Kauf summe abzurechnen**^). Wie- 
wohl die Johanniter der Einlösung widersprachen ** *), so wünschte 



*'*) Urkunden yon 1317, 1365 n. a. bei Werner, Gesammelte Naehrich- 
ten etc. 2, 66. Dogiel I. p. 593. Vgl. Voigt 6, 277-— 279. 

*3«) Voigt 6, 278, 279. 

*'') Zwei Urkunden von 1405 bei Luc. David 8, 84, 87. 

♦»*) Urkunde von 1408 bei Luc. David 8, 132. Ulrich hatte 1402 den 
KSnig von Polen als seinem rechten Lehnsherrn gehuldigt, Urkunde bei Do- 
giel L p. 595, später (1408) erklärte er jene Huldigung für erzwungen, und 
dass Driesen jederzeit ein neumärkisches Lehn gewesen sei. Urkunde bei 
L«c. David 8, 130. 

"«) Voigt 7, 45. 

**^ Verkaufsbrief von 1402. 

"0 Voigt 6, 335, 336. 

7* 



100 Zeit der Ordensherrschaft 

doch der König Sicherheit dafiir , dass der Ort nicht in die 
Hände des Ordens fiele. Es scheint, dass er sich selbst Bechte 
auf denselben beilegte — vielleicht weil er früher zu den Be- 
sitzungen derer von Ost gehört hatte **2) — doch zögerte er, man 
weiss nicht, aus welchem Grunde, seine Ansprüche darauf geltend 
zu machen **^). — Die Driesenschen und Bantokschen Händel 
gaben dem Könige einen Hauptvorwand zu jenem Kriege, der 
die Ordensmacht zuerst in ihren Grundfesten erschütterte. La 
Thomer Frieden 1411, welcher übrigens den Besitzstand dee 
Ordens gegen Polen hin unverändert liess, wurde festgesetzt, 
dass zwölf vom Könige und vom Hochmeister gewählte Schieds- 
richter den Streit über Driesen und Santok entscheiden sollten. 
Aber bald nach dem Abschluss des Friedens bestürmtißn Ja- 
giel und die Polen den Orden mit viel höheren Forderungen. 
Es schien die Zeit gekommen, in der man alle dem Orden ge- 
schenkten oder von demselben erworbenen Landschaften, auf 
Welche Polen jemals ein Recht gehabt hatte, wiedei^ewinnen 
könnte, Culmerland, Pommern, Michelau, die cujavischen Ordens- 
besitzungen etc. ***). Vor Allem wünschten sie zunächst die 
Michelau, Nessau, Morin und Orlow, wie sich schon auf 
dem Verhandlungstage zu Grabau (1414) zeigte**^). Sie über- 
fielen im Jahre 1415 während des Waffenstillstandes die Ordens- 
besitzungen Orlow und Morin **^) , und wenn dijsser Ueberfall 
auch ohne Erfolg blieb, so musste sich doch der Orden, um 
Verlängerung des Waffenstillstandes zu erhalten, dazu ent- 
schliessen, dieselben in die Hände des römischen Königs als 



***) Nach der Lehnsurkunde von 1365-. 

*") Vgl. die Vorhandlungen bei Voigt 7, 16, 33 ff. Der König suchte 
sich Driesens wie Santoks durch einen Handstreich zu bemächtigen. Voigt 

6, 345. 7, 5. 

**^) Vgl. die Verhandlungen bei Voigt Bd. 7, S. 233, 234, 246, 248, 292, 
329, 345, 346, 367, 370, 429. 

*«) Voigt Bd. 7, S. 234. Während des Krieges von 1414 erbot sich der 
Orden zur Abtretung von Michelau, Nessau (welches jedoch geschleift werden 
sollte) und Orlow ; damals schlugen die Polen diese Erbictungen aus. Linden- 
blatt S. 273. Voigt 7, S. 246. 

**®) Voigt 7, 269 — wo doch wohl von blossem Angriff statt von Eroberung 
die Kede sein sollte, im Kriege von 1414 hatten die Polen die Burg Jessnitz, 
nahe der Grenze (bei Poln.-Krone) , erobert, Lindenblatt S. 287, und deren 
Herausgabe gegen Räumung von Morin, Orlow und Neuendorf angeboten, Voigt 

7, 258; die Herausgabe erfotgte erst 1420. Voigt 7, 370. 



Landesgrenzeii. 101 

Vermittlers zu übei^eben (1418), von dem sie dann die Polen 
erhielten**^). Der Frieden, welcher im Jahre 1422 am See 
Meine geschlossen wurde, setzte endlich fest, dass der Orden 
das Gebiet von Ifessau mit den Dörfern Orlow , Morin und 
Neuendorf, so wie, den Boden der Burg Nessau, die bis nächsten 
Johannistag gebrochen wird, und die Hälfte der Weichsel, vom 
Einflüsse der Drewenz an bis herunter an die alten Grenzen 
von Pommern, nebst der Hälfte des Zolles an der Fähre bei 
Thorn an Polen abtreten musste **^). 

Die bald nach dieser Zeit eintretende Spannung zwischen 
Jagiel und Witowd zeigte dem Orden vorübergehend die Aus- 
sicht auf einige Vortheile. Die Mühle zu Lübitsch an der 
Drewenz, deren Erbauung die Herzogin Salome von Cujavien 
mit ihren Söhnen in dem schon erwähnten Vertrage vom Jahre 
1292 gegen einen kleinen Zins gutgeheissen hatte, hatte als 
Uebergangspunkt über die Drewenz hervorstechende Wichtigkeit. 
Oft hatten die Polen die Abbrechung oder Abtretung derselben 
verlangt**^). Nach dem Schiedsspruch von 1420 und dem 
Frieden von 1422 wurde sie niedergerissen. Im Jcütire 1426 
gestattete Jagiel, von Witowd gedrängt, ihren Wiederaufbau, zu- 
erst Tmter der Bedingung, dass sie nicht befestigt werden dürfe, 
dann, wie es scheint, auch ohne dieselbe *^^). Auch die Streitig- 
keiten über die Grenzen bei Driesen und Jessnitz wurden 
zur Zufriedenheit des Ordens beigelegt. Der König verzichtete 
1429 auf das Schloss und begnügte sich mit dem Gebiete des- 
selben auf dem linken IJfer der Netze, die jedem Theile zur 
Hälfte zugehören sollte *^ ^). Die Burg Jessnitz , nahe bei Pol- 
nisch-Krone , war im Jahre 1414 von den Polen erobert und 
Bach einem Brande 1416 neu ausgebaut, aber nach dem Spruche 
Ton 1420 dem Orden zurückgegeben *^2). Auch ihren Besitz 
scheint der König nicht weiter angesprochen zu haben. In ' 



"') Voigt Bd. 7, S. 284, 289, 319, 326. Neben Morin und Orlow wird 
in diesen Verhandlungen auch Neuendorf als alte Ordensbesitzung genannt. 

**«) Urkunde yon 1422 bei Dogiel IV. n. 90, p. 110. 

"») Voigt Bd. 7, S. 292, 345. 

"") Voigt Bd. 7, S. 483—485. 

">) Voigt Bd. 7, S. 493 ff. 528 ff. 

"«) Voigt Bd. 7, S. 255, 287, 370. Anspruch des Königs 7, 494. 



103 Zeit der Ordenshemchaft. 

dem Kriege, welcher nach Wibolds Tode dennoch aasbrach, er- 
oberten die Ordensritter Nessau wieder. Diese Yortheüe gingen 
aber im Frieden zu Brzesc 1435 theilweise wieder verloren. 
Nach demselben sollte die Mühle zu Lübitsch nicht wieder er- 
baut werden ; Nessau sammt Morin, Orlow und Neuendorf blieben 
bei Polen, wie das während des Krieges von den Hussiten zer- 
störte Jessnitz bei. Freussen. Die Grenzen bei Driesen sollten 
von Neuem fest^stellt werden**^. 

3. Die lithauische Grenze. 

Gegen Samaiten und Lithauen hin war, wie erwähnt, im 
Jahre 1283 der Memelstrom erreicht, und er blieb wenigstens 
in seinem mittleren Laufe in der Zeit der Blüthe des Ordens 
die Grenze, wenn man überhaupt von einer Grenze zwischen 
Ländern sprechen kann, in welchen ununterbrochener Krieg über 
den Umfemg des Besitzes entscheidet^'^). Jenseits des Stromes 
suchten sich die Bitter besonders g^en Kurland und Livland 
hin auszubreiten, um so die Verbindung ihrer dortigen mit den 
preussischen Besitzungen herzustellen. Man hatte das Land bis 
zur Memel früher von Livland her zu erobern gehofft, es war 
daher von dem pabstlichen Legaten Wilhelm der Diöcese Kur- 
land zugewiesen, und diese sollte zwischen den Brüdern von 
Livland und dem kurländischen Bischof getheilt werden. Der 
Orden entwickelte aber grössere Kraft in Preussen, und indem 
er von diesem Lande her die Memel überschritt, bedurfte es 
einer besonderen Einigung über die in Samaiten zu machenden 
Eroberungen zwischen den Landmeistem von Preussen und Liv- 
land, die denn auch 1289 erfolgte; ausser Schalauen wird da- 
mals auch wohl Carsovia für Preussen in Anspruch genommen 
sein^'^). Allein schon im Jahre 1328 wurde die Grenae 



*»5) Urlrande von 1435 bei Dogiel IV. n. 97, p. 123. Ein Entwibf der 
Grenzen Polens gegen die Kenmark und Fommerellen nach den Wflnschen der 
Polen, Ton 1433, steht bei Biedel, cod. dipl. Brand. Abth. 2, Bd. 4, und ist 
erläutert von F. Voigt in den Märkischen Forschungen, Bd. 4, S. 95 ff. Wir 
Übergehen ihn, weil er nicht zur Ausführung gekommen ist. 

*^*) Die erste Fahrt auf der Memel yon Grodno abwärts wagten die Bitter 
1295 nicht ohne Verluste. Dusburg III. c. 253. Vgl. Golins Fahrt auf dem 
Bug, Dusburg in. c. 225. 

^^B) Urkunde yon 1289, Cod. dipL Frust. II. n. 20. 



LandeiBigrenMii. 108 

zwischen Preussen und Kurland auf erobertem und noch 
zu eroberndem Gebiete weiter hinausgerückt. Sie wurde be- 
zeichnet durch die Heiligen-Aa von ihrer Mündung in die Ost- 
see bis zu ihrer Quelle, dann durch eine Linie von dieser i^uelle 
über das Feld Emmere zum Elüsschen Emmerleke, dann durch 
dieses Flüsscben bis zu seiner Mündung in die Minge, endlich 
durch die Minge von dem Einfluss der Emmerleke bis zu ihrem 
Ursprünge aus dem See Hasenplut. Alles, was südlich von 
dieser Grenze läge, also unter Anderm das ganze Land der Car- 
soviten und die von den liyländischen Bittern auf kurischem 
Boden gegründete Stadt Memel mit ihrem Gebiete, sollte fortan S^ 
zu i^eussen gehören **^). 

Im Kampfe gegen die Lithauer schritt der Orden nur lang- 
sam fort; fast hundert Jahre vergingen, ehe er die sammtlichen 
Burgen derselben am Memelstrom bis Kowno hinauf zerstörte. 
Bisene wurde zwar schon 1283 zerstört, es ist aber wieder her- ' 
gestellt und hielt sich dann noch bis zum Jahre 1316^'^; Co- 
layne wurde von den Lithauem 1290 verlassen ^^®); Junigeda ^ 
verschwindet im zweiten Yiertel des vierzehnten Jahrhunderts, 
an Stelle desselben tritt aber Welun hervor. Eine der ruhm- 
vollsten Thaten des Ordens war die Zerstörung von Kowno im 
Jahre 1362**^), zur Zeit Winrichs von Kniprode, welcher als-"^' 
bald die Zerstörung von Welun und Pisten im Jahre 1364 ' 
folgte**^®). An Stelle der Heidenburgen erhob sich eine Beihe 
von Ordensburgen, aber als wirklich unterworfen konnten auch 
in den letzten Zeiten des Ordens nur die Gebiete in der näch- 
sten Nachbarschaft derselben gelten. Zur Zeit Konrad Zöllners 
von Bethenstein, 1390, wurde sogar Wilna an der Wilia zer- 
stört ^^0» allein in solcher Entfernung hat der Orden dauernd 
keinen Puss breit Landes behauptet. 

Der erste Vertrag des Ordens mit den Lithauem, der 
wenigstens in gewissem Sinne eine Grenzbestimmung enthält. 



458) Urkunde von 1328, Cod. dipl.^Pruss. 11. n. 123. 

*»') Busburg 111. c. 217, 322. 

**») Dusburg III. c. 231, 230. 

*»*) Wigand p. 118—132. Lindenblatt p. 25—28. 

*»o) Wigand p. 148, vgl. 132. 

"») Wigand p. 330. Lindenblatt p. 75—77. 



\ 



104 Zeit der Ordensberrschaft. 

ist der yom Jahre 1379, in welchem den rassischen Landen der 
C^Grossfiirsten Jagiel und Kinstute einschliesslieh Podlachien und 
Grodno von den Ordensrittern, den Gebieten von Olst^ode, Or- 
telsburg , Alienstein , Gunlauken und Seeburg von. den Gross- 
fürsten Frieden -zugestanden wurde. Den Unterthanen der Gross- 
fürsten wurde überdies Jagd, Fischerei und Bienenzucht in einem 
Theüe der zwischenliegenden Wildniss, aber nicht über sechs 
Meilen weit von der Memel und an derselben hinab nicht über 
einen gewissen Punkt eine Meile oberhalb Perlam (Prschelom) *^^). 
Als Jagiel und seine Brüder unter Mitwirkung des Ordens 
über Kinstute die Oberhand gewonnen hatten, schlössen sie mit 
jenem nicht nur Frieden auf vier Jahre, innerhalb deren sie 
zum Christcnthum überzutreten versprachen, sondern traten ihm 
auch Samaiten bis zur Dobese ab (31. October 1382)*®*). 
Als es zur Taufe kommen sollte, zogen sie sich zurück, und 
nun verband sich der Orden mit Witowd, Kinstute's Sohn. Wi- 
towd in seiner Verlassenheit bekannte bereitwillig , dass die 
Lande zwischen Preussen und^Jlgr Memel bis^ n^Qh Masovien 
u nd J ^olen Jjin seinen Vorfahren nie gehört und dass er kein 
Eecht auf dieselben hätte; sie sollten Eigenthum des Ordens 
bleiben ; er überliess demselben auf der rechten Seite der Memel, 
von der Einmündung der Kerie (Wilia) ab bis eine Meüe jen- 
seits Bumschischky, das Uferland der Memel in der Breite einer 
Meile, dass sie ihm, wie es in der Urkunde heisst, gegen seine 
Feinde desto besser zu Hülfe kommen könnten, ferner die Ban- 
stadt zu Kowno (d. h. den Werder auf der Wüia bei ihrer Ein- 
mündung in die Memel, wo der Orden gleich darauf die Burg 
Marienwerder erbaute), endlich von der Mündung der Wilia zur 
Mündung der Nawese das Uferland der Memel in der Breite 



*'*') Urkunde von 1379, Cod. dipl. Pniss. III. n. 134. Gunlauken ist das 
Territorium, in dem Wartenburg liegt. Perlam kann auf Perlay nach dem 
Klange des Namens und dem Wortlaut der Urkunde „di Memel uf, wohl nicht 
so gut als auf Prschelom gedeutet werden. — Nur im Vorbeigehen sei der 
Forderungen gedacht, welche die Lithauer nach der ungedruckten Chronik 
Hermanns von Wartberge im Jahre 1358 bei Gelegenheit einer kaiserlichen 
Gesandtschaft stellten. Die Grenze gegen den Orden sollte gebildet werden 
von der Alle, dem Pregel, dem frischen Haflf, der Düna und dem Laban, einem 
Nebenflüsschen der letzteren. 

463) Drei Urkunden vom 31. October 1382 bei Baczko, Preuss. Geschichte 
2, 234—237. ^ 



Landesgrenzen. 105 

einer halben Meile; auch gab er zu, dass alle Samaiten des 
Ordens sein sollten, wie sie von Alters her gewesen wären ; die 
Nawese sollte in diesen nördlicheren Gegenden, von der Memel 
an bis Livland hin, die Grenze zwischen seinem und dem Or- 
densgebiet bilden (Anfang 1384) *ö*). Noch in demselben Jahre 
fiel Witowd von dem Orden wieder ab, doch erneuerte er den 
Vertrag, als sich seine Verhältnisse wieder ungünstiger gestal- 
teten, im Jahre 1390; er räumte den Ordensrittern damals sogar 
das Haus zu Grodno ein*^^), während die Samaiten mit dem 
Orden einen Friedensvertrag schlössen, der als ein wichtiger 
Schritt zu ihrer Unterwerfung angesehen werden konnte**^. 
Aber diese zweite Verbindung Witowds mit dem Orden war 
ebenso vorübergehend als die erste. 

Zu einem dritten Vertrage mit Witowd kam es, als dieser 
den christlichen Glauben angenommen und die Oberherrschaft 
über ganz Li thauen erlangt hatte, im Jahre 1398. Witowds 
weit aussehende Entwürfe gegen Kussland, seine Verstimmung 
gegen Polen und des Hochmeisters Konrad von Jungingen ausser- 
ordentliche Mässigung und Friedensliebe führten denselben herbei. 
Bei der Grenzbestimmung ging man von dem Inselchen Sallyn 
oberhalb der Insel Romeyn aus. Die letztere liegt an der Do- 
bese-Mündung; vor der Nawese - Mündung liegt schon die Insel 
Wyrgalle; hieraus folgt, dass das Sallyn - Werder zwischen den 
Mündungen der Dobese und Nawese zu suchen ist. Der Orden 
sollte Samaiten behalten bis zu einer Linie, welche von dem 
Sallyn- Werder nach der N'awese, nahe beim heiligen Walde, ge- 
bogen und dann weiter von der Nawese selbst gebildet wurde. 
Hiedurch kam also das rechte Ufer der Memel von Eumschischky 
bis zur ]S"awese, einschliesslich der Baustätte von Kowno und 
überdies noch auf eine Strecke westlich von der !Nawese, an 
Lithauen, während es früher dem Orden zugestanden war. Der 
weitere Verlauf der Grenzlinie von der IsTawese an bis nach 
Livland ist nicht mehr sicher nachzuweisen; es lasst sich daher 



\ i 



***) Urkunde vom Sonnabend yor Purific. Mariae 1384 bei Baczko, Preuss. 
Geschichte 2, 239. 

*«*) Wigand p. 324. Lindenblatt S, 72, 73. Urkunde von 1390 bei Baczko, 
Preuas. Geschichte 2, 243. 

"«) Urkunde von 1390 bei Luc. David 7, 221. 



106 Zeit der Ordenshemchafl. 

auch nicht genau übersehen, ob die Ordensgrenzen in diesen G^ 
genden durch diesen Vertrag eingezogen oder vorgeschoben sind« 
In Sudauen verstand sich der Orden zu einer bedeutenden Ab* 
tretung. Die Grenze sollte hier von der Insel Sallyn direot auf 
die Suppe (Scheschuppe), dann längs derselben bis zu ihrer 
Quelle hinauf, von hier nach dem Meten fliesse, welches aas 
dem Metensee kommt (Netta), an diesem hinab bis zum Flusse 
Bober, am Bober hinab bis eine Meile oberhalb seiner Mündung 
in die Narew, von diesem Funkte direct auf die Karew gezogen, 
werden. Der letzte Theil dieser Linie, etwa von der Netta- 
Mündung bis zum Karew, schied nicht eigentlich Preussen, son- 
dern das dem Orden verpfändete Gebiet von Wisna von H- 
thauen. Die Grenze des Ordenslandes Preussen wurde durch 
diese Pestsetzungen um fünf bis sechs Meilen von der mittleren 
Memel, welche früher die Scheidelinie gebildet hatte, zurück« 
gezogen. Der Yertrag enthielt ausser der Grenzbestimmimg noch 
eine Beihe von Pestsetzungen zur Aufrechterhaltung eines 
dauernden Priedens *®'). Die Samaiten wurden mit Witowds 
Hülfe bekriegt und ergaben sich im Jahre 1400 *^®). 

Aber der Priede zwischen dem Orden und Witowd waae 
doch nicht von Bestand; von Witowd au%eWiegelt, fielen die 
Samaiten schon im nächsten Jahre wieder ab *^^). Der Prieda 
" mit Witowd wurde 1404 zu Baczanz, wo sich der Orden auch 
mit dem polnischen Könige einigte, zwar hergestellt, indem der 
Grossfürst den Vertrag von 1398 bestätigte und von Neuem 
seine Mitwirkung zur Unterwerfung der Samaiten versprach*'^), 
auch kam die Unterwerfung der Samaiten schon 1406 wirkHoh 



^^"^ Urkunde von 1398 bei Luc. David Bd. 8, S. 33 ff. Lindenblatt S. 117. 
Die Strecke von der Scheschuppe bis zum Metensee wird in dem Berichte 
des Gomthurs von Ehein, welcher sie kurz zuvor mit dem Pfleger von fo« 
sterburg beritten hatte, an den obersten Marschall, Cod. dipl. Pruss. V. n. 86 
(wo von keiner Kriegsreise die Rede sein kann), beschrieben. Doch sind die 
hier angeführten Localitäten grossentheils nicht nachweisbar. Der Wjgra 
(Wygri-See) blieb anderthalb Meilen „us dem Schalme" auf der lithau'schen 
Seite. Mit dem Vertrag von 1398 ist zu vergleichen der Vertrag mit Switrigal 
von 1402 im Cod. dipl. Pruss. Y. n. 125. 

*«8) Lindenblatt S. 126—128. 

"0) Lindenblatt S. 131, 132. 

*^^ Voigt 6, 268, 269. Im Jahre 1402 hatte der Orden mit Switrigal 
einen Vertrag geschlossen, in welchem auch dieser den Vertrag von 1398 auf 
alle Fälle anerkannte. Voigt 6, 218. 



Luidei^prenzeii. 107 

wieder za, Stande^''); allein sobald der Orden anfing, sich in 
dem Besitze des Landes zu befestigen, veranlasste und begünstigte 
Witowd im Vereine mit König Jagiel (1409) eine neue Empörung 
der Samaiten^^^),- welche sofort zum Kri^e des Ordens gegen 
die beiden yerbündeten Fürsten und zu der für den Orden so 
unglücklichen Entscheidung bei Tannenberg (1410) führte. In 
dem Frieden zu Thom (1411), in welchem Jagiel für das polnische 
B^ch keine Gebietserweiterung gewann, musste der Orden sich 
zu der demüthigenden Bedingung verstehen, Samaiten dem 
GroBsfürsten und dem Könige für ihre Lebenszeit 
zu überlassen; über etwaige Qrenzirrungen — welche eben 
in Folge der Abtretung Samaitens sic^ nur zu leicht erheben 
konnten — • sollten Schiedsrichter entscheiden. 

Die Verlegenheiten des Ordens nach dem Thomer Frieden 
mzten die verbündeten Fürsten zu immer höheren Forderungen. 
Witowd suchte die Grenzen Samaitens gegen das Ordensgebiet 
wo möglich bis zur Memel zu erweitern, ersah sich die Gegend 
von Welun und die Dobese-Mündung zur Anlegung zweier 
Bargen und verlangte auch die Abtretung der Stadt Memel, 
als zum Samaitenlande gehörig, während der Orden die Gegend 
Yon Welun als zum Ordenslande gehörig in Anspruch nahm 
und die Einräumung von Memel mit Unwillen verweigerte *''). 
Witowd trachtete ausserdem auch darnach, die Klausel des Thomer 
»Friedens zu beseitigen, naxih welcher Samaiten ihm und Jagiel 
nur auf Lebenszeit überlassen war. Die schon im JahrQ 1398 
festgestellten Grenzen in S^udauen wurden ebenfalls angefochten, 
wiewohl es dem Grossfürsten augenscheinlich viel mehr darauf 
ankam, das ganze rechte Memel-Ufer zu gewinnen, als seinen An- 
theil von Sudauen zu vergrössern*^*). Besonders bemerkens- 
werth sind in dieser Beziehung die Anträge Witowds auf dem 
Yerhandlungsiage zu Gnebkau im Jahre 1419 und der schiedst 
riehterliche Ausspruch des römischen Königs Sigismund. JS'ach 
den ersteren sollte die Grenze zwischen dem Ordenslande Preussen 



*'») Lindenblatt S. 171, 177. 

"») Lindenblatt S. 194 ff. 

*") Voigt Bd. 7, S. 144, 15Ö, 178, 185. 

*^^ Die weiteren vieljährigen Verhandlungen über Samaiten und Su^dauen 
bti Voigt Bd. 7, S. 234, 292, 329, 346. 



108 Zeit der Ordensherrschaft. 

und dem Grossfürstenthum am Meere beginnen, an der Memel 
bis zum Einfluss der Scheschuppe, an dieser bis zum EinfLuss 
der Schirwindt, an dieser bis zum Einfliiss derXepone, an dieser 
bis gegenüber dem Gwyesritz-Seo (Gwestitz-, Wystitter-See) hin- 
aufsteigen; dieser See sollte ganz dem Orden verbleiben , die 
Grenze aber spute sich von dem See durch die Wildniss geradezu 
nach dem Orte Camen (Camien bei Kalwary?) und von hier bi« 
zu den Grenzen der Herzöge von Masovien ziehen. Auf der 
andern Seite, zwischen Samaiten und Kurland, sollte die Grenze 
beim Einduss der Aa in die Ostsee beginnen, den Fluss bis zu 
den alten Grenzen hinaufsteigen und dann diese verfolgen*^*). 
König Sigismund fällte seinen schiedsrichterlichen Ausspruch im 
Jahre 1420 zu Breslau *^^). Er theilte den Landstrich, welcher 
vor der Unterwerfung der Samaiten in der Hand des Ordens 
gewesen war — von der Memel bis zu den Grenz wehren (in- 
dagines) der Samaiten und vom Meere bis über Kowno hinaiü 
— in der Art, dass das Flüsschen Eodan zwischen Geoi^n- 
burg und Welun die Ostgrenze des Ordensgebiets bilden sollte*''); 
das von Witowd erbaute Welun blieb demnach in seinem An- 
theile. In Sudauen sollte ihm ein Landstrich von fünf Meilen 
Breite längs der Memel bis hinab in die Gegend, wo gegenüber 
der Eodan mündet, so dass die Memel bis dahin beiderseits von 
lithauischem Gebiete eingeschlossen wäre, wie der erstgenannte 
und Samaiten selbst auf Lebenszeit zufallen. 

Aber Witowd fand diesen Ausspruch durchaus parteiisch*'®) 
und in dem am See Melno geschlossenen Frieden (1422) musste 
der Orden in der That noch viel grössere Zugeständnisse machen. 
Die Grenzen wurden damals so festgestellt, wie sie 
im Wesentlichen noch heute bestehen. Als Anfangs- 
punkt derselben im Süden, wo Preussen und Masovien zusammen- 
stossen, wurde die Fürth Kamionny-Brod im Lykfl||sse, oberhalb 



*") Fol. C. des geh. Archivs, p. 86 b. 

«'6) Urkunde von 1420 bei Dogiel IV. p. 106. 

*"') Hennig, de rebus Jazygum 11. p. 14, deutet Kodan auf Bange; dann 
bleibt die Urkunde aber sinnlos. Einen Fluss Rodan erwähnt "Wigand p. 104 
und 168 in der Nähe von Welun; es ist ohne Zweifel der Bach bei dem Orte 
Haudonike, westlich von Welun. 

*'6) Voigt Bd. 7, S. 370, 371, 381. 



Landesgrenzen. lOD 

der Seeen Totzylaw (Toczylewo) und Greywo (bei Grajewo?), 
bezeichnet, als die nächsten Stationen der See Rogorth (Ray- 
grod), welcher jedoch zur Hälfte zu Lithauen geschlagen werden 
sollte, die Feldmark Prewoysti (wohl Prawdzisken) , die Feld- 
mark Meronischk (Mierunsken) und der See Bwystytz (Wyss- 
tyten), welcher jedoch ganz dem Orden bleiben sollte. Vom 
Vysstyter - See zog man die Grenze nach dem t'lusse Lepüna 
(Lepona), dann an dieser hinab zum Flusse Schyrowinta (Schir- 
windt) , an diesem hinab zum Flusse Sessuppa (Szeszuppe) , an 
diesem hinab bis zu der Gegend, wo er sich dem Memel-Sti'ome 
zuerst stark nähert. Hier verlässt die Grenze - das Flussbett 
und läuft hinüber nach dem Memel-Ufer, gegenüber der Schwente- 
Mündung. So weit die sudanische Grenze. Im Norden des 
Memel- Stromes bildet die Schwanta (Schwente) selbst zwei Meilen 
aufwärts die Grenze, welche sich sodann, parallel mit. der Memel, 
überall zwei Meilen von derselben entfernt, bis zur Jura zieht; 
an der Jura steigt sie noch eine Meile aufwärts, endlich ^ieht 
sie, wieder parallel mit der Memel, der Russ und dem Haffufer, 
überall drei Meilen von diesen Gewässern entfernt, bis zur Küste 
der Ostsee. Dies die Grenze zwischen Samaiten und Preussen, 
welche mithin Memel dem Ordenslande zuwies *^^). 

Sehr schmerzlich für den Orden war es, dass durch diese 
Grenzbestimmungen seine Besitzungen in Preussen und in Kur-S 
land getrennt wurden; denn von der preussischen Grenze bis 
zur Heiligen- Aa hinauf, in der Gegend von Polangen, erreichte 
nun das Gebiet des Grossfürsten die Ostsee, wenn auch nur mit 
einem schmalen Streifen, Er hat mit Witowd über die Ab- 
tretung desselben verhandelt und Witowd schien dem Gesuche 
nicht abgeneigt *^^). Nach Witowds Tode fasste der Orden noch 
grössere Hoffnungen; er verband sich mit Switrigal, welchen 
König Jagiel nicht als Grossfürsten von Lithauen anerkennen 



*'«>) Die Friedenstirktmde von 1422 bei Dogiel IV. p. 110. Baczko Bd. 3, 
S. 161. Aus Voigts Geschichte Preussens erfährt man nicht, wann die Ost- 
grenze Prensscns fixirt ist, da er die Grenzbestimmungen dieser Urkunde (wie 
auch der yorigen) übergeht, 7, 448. Der Küstenstrich von der preussischen 
Grenze bis zur Aa gehörte fortan zu Samaiten, später zu dem Gouver- 
nement AVilna, bis er durch Ukas vom 13. März 1819 zu Kurland geschlagen ist. 
Koppen, Neue Nachrichten über den lithauischen Volksstamm, 1851 (russisch). 

"'0 Voigt 7, 483. 



110 Zeit der Ordensherrsoliaft. * 

wollte, und nnterstütete ihn mit Heeresmacht — es soheint fiurt, 
mit der Absicht, dadurch wieder zum Besitze von Samaiten und 
Sudauen zu gelangen ^^'). In der That willigte Switrigal in die 
Abtretung von Polangen und einer Landstrecke von drei Meilen 
gegen die Wildniss hin (1432) ^^^) — aber bald musste er diesen 
Gewinn, wie diese Hoffnungen wieder aufleben, denn durch den 
Frieden zu Brzesc (1435) wurde Samaiten und Sudauen mit 
denselben Grenzen, wie sie 1422 festgestellt waren, wieder dem 
Grossfürstenthum Lithauen zugewiesen *®3). 

Kach dem Frieden zu Brzesc blieb der Orden mit den beiden 
^Nachbarstaaten längere Zeit in ^tem Yemehmen; dagegen er- 
hob sich nun die Zwietracht im Innern seines Leides, die ihn 
verdarb. Als der preussische Bund die Herrschaft über Preussen 
dem Könige Kasimir von Polen antrug, da war das Loos des 
Ordens kaum noch zweifelhaft. Der Krieg, welchen der letztere 
von 1454 — 1466 zugleich gegen die eigenen Unterthanen und 
gegen Polen zu führen gezwungen war, ist auch für die Ge- 
schichte des Territoriums der Ordensherrschaft von entscheidender 
Bedeutung. 

Gleich im Anfemge desselben verpfändete der Orden 
die Keumark an den Kurfürsten Friedrich IL von 
Brandenburg. Schon dessen Yater, Friedrich I. von Hohen- 
zoUern, hatte bald nach Erwerbung der Kurmark den Orden 
wegen des Besitzes der Neumark, da er dieselbe als einen un- 
trennbaren Theil der Kurmark ansah, angefochten und sich des- 
halb mit Polen (1421) verbunden; allein König Sigismund hatte 
dem Orden gegen diese Ansprüche Gewähr geleistet und im 
Jahre 1429 seinem bis dahin noch vorbehaltenen Rechte des 
Wiederkaufs der Neumark gänzlich entsagt ^^*), Kurfürst Fried- 
rich U. erneuerte die Ansprüche und bequemte sich nur gegen 
eine Zahlung von 30,000 rheinischen Gulden im Jahre 1443 su 
ausdrücklicher Verzichtleistung. Als der Orden im Jahre 1464 
in so missliche Lage gerieth, übergab er die Neumark dem 



*^^) Nach dem Briefe des römischen Königs Sigismund von 1438 b«! Hea- 
nig 1. c. p. 15. 

*«2) Voigt 7, 603. 

«^ Urkunde von 1435 bei Dogiel IV. n. 97, p. 123. 

«*) LancizoUe Bd. 1, S. 294. 



Landeagrensen. 111 

Schatze des Kurfürsten; es folgte noch in demselben Jahre der 
Verkauf des Landes auf Wiederkauf für 40,000 rheinische Gulden. 
Im Jahre 1455 wurde die Wiederkaufssumme auf 100,000 rhei- 
nische Gulden erhöht und zugleich festgesetzt, dass von dem 
Wiederkaufsrecht bei Lebzeiten des Kurfürsten kein Gebrauch 
gemacht werden dürfe*®*). Der Orden hat auch nach seinem 
Tode keinen Gebrauch von diesem Wiederkaufsrechte gemacht, 
demselben vielmehr im Jahre 1517 ausdrücklich enisagt^^^). 

Der Ausgang des dreizehnjährigen Krieges Wttr für den Orden 
entschieden unglücklich. Er musste in dem Frieden von 
1466 eine gute Hälfte der ihm noch gebliebenen 
Besitzungen an Polen abtreten und die andere von 
dem polnischen Könige zu Lehen nehmen. Mit diesem 
Zeitpunkte soll ein neuer Abschnitt unserer historisch-compara- 
tiyen Geographie von Preussen beginnen. 



Zweiter Abschnitt, 

TheUung des Landes zwischen dem Orden und den Bischöfen. 



1. Die DiÖcesen. 

iN'och ehe der deutsche Orden den Kampf gegen die heidni- 
schen Preussen unternahm, hatte Bischof Christian die Unter- 
werfung und Bekehrung derselben mit Hülfe von Kreuzfahrern 
versucht. Es gelang einem fast ausschliesslich von polnischen 
und pommerschen Fürsten zusammengebrachten Kreuzheere, das 
von den Preussen besetzte Culmerland wenigstens vorübergehend 
wieder zu erobern, und Christian benutzte diese Gelegenheit, 
die Gründung des culmischen Bisthums zu bewirken. 
Der Bischof von Plock, zu dessen DiÖcese das Culmerland bis 
dahin gerechnet war, trat ihm alle seine geistlichen und welt- 
lichen Rechte in demselben ab. Die polnischen Pursten, welche 
die weltliche Herrschaft in dem Lande als ihr Becht betrachteten, 
überwiesen ihm eine beträchtliche Anzahl von Ortschaften mit 
landesherrlichen Eechten und in dem Theil desselben, welchen 



"5) Urkunde von 1454 und 1465 bei Gercken, Cod. dipl. V. p. 261, 262, 
Vgl LancizoUe Bd. 1, S. 295—299. 

*»•) LancizoUe Bd. 1, S. 300. 



112 Zeit der Ordensherrschaft. 

sie sich vorbehielten, den Decem und die Hälfte der Einkünfte 
(1222) *8T). Pabst Honorius bestätigte diese Schenkung 1223 *»?). 
Aber bald fiel das Culmerland wieder in die E[ände der Preussen 
und Bischof Christian war landfiüchtig und ohne Mittel, als die 
Ordensritter nach Preussen kamen. Trotzdem hoffte er auch 
jetzt noch, wie etwa die Bischöfe von Livland als Lehnsherren 
des Schwertordens, die Leitung des Kampfes g^en die Heiden 
noch in seiner Hand zu behalten und demgemäss die Eroberung^en 
mit den Eittern des deutschen Ordens zu theilen. Da aber diese 

• 

von vorn herein keine Neigung zeigten , einen Kampf zu "be- 
ginnen, der nur einem Anderen Nutzen brächte, so kam es zu 
Verhandlungen und Streitigkeiten, die, von Seiten des Ordens 
nicht ohne Hinterlist und Eechtsübcrschreitungen geführt, dodi 
endlich dahin führten, dass der Mächtigere seine Absichten er- 
reichte *®^). Bischof Christian verlieh ihnen Alles, was im Cul- 
merlande durch Schenkung des Herzogs Konrad oder der Kirche 
zu Plock in seinen Besitz gekommen war, damit sie ihm und 
seinen Nachfolgern als Kämpfer gegen die Heiden bereit waren; 
sie aber verliehen ihm in demselben Lande von jedem Pfluge 
einen Scheffel Waizen und einen Scheffel Korn und an Acker- 
land zweihundert Pflüge und fünf Höfe von je fünf Pflügen mit 
aller Nutzung *^°). Wie er damals noch ganz den Ideeen einer 
Lehnsherrschaft über den Orden in den zu erobernden Land- 
schaften lebte, zeigt ein Vertrag, welchen die Acbte von Lugna 
und Linda vermittelten *^ ^). Im weiteren Fortgange des Kampfes 
war Christian schon bereit, auf alle weltlichen Eechte im Cul- 
merlande, auf allen Landbesitz und Decem daselbst zu ver- 
zichten *^2) , aber von den weiteren Eroberungen in Preussen 
verlieh er ihm ganz nach dem Beispiel Alberts, von dem dör 
Schwertorden ein Drittel Livlands und Lettlands zu Lehn trug, 
nur ein Drittel mit allen Nuztungsrechten , den Decem einge- 



"') Urkunde von 1222, Act. Bor. I, 62. 

*88) Urkunde von 1223, Act. Bor. I, 270, 273. 

48«) Dieser Streit ist ausftUirlicli und von früheren Auflfassungen ganz ab- 
weichend, aber keinesweges überall überzeugend, dargestellt von Watterich, die 
Gründung des deutschen Ordensstaats in Preussen, 1857. 

480) Urkunde von 1230, Act. Bor. I. p. 72. 

*8i) Urkunde vom Januar 1230, Act. Bor. I. p, 406. 

*»2) Urkunde von 1230, Act. Bor. I. p. 410. 



Diöcesen. 113 

schlössen, aber ohne Lehnshoheit ^^^). Der ersteren dieser Be- 
stimmungen zuwider wurde, als nun die Ansiedlung deutscher 
Einzöglinge in dem Lande begann, mit Uebereinstimmung beider 
Theile festgesetzt, dass diese dem Bischof den Decem liefern 
sollten, - und zwar in der Art, dass der Decem von jedem deut- 
schen Pfluge einen Scheifel Waizen und einen Scheffel Roggen, 
von jedem polnischen Haken einen Scheffel Weizen betragen 
sollte. Dies zeigt die im Jahre 1233 ausgestellte culmische 
Handfeste*^*). Später, wahrscheinlich 1241 o^ 1242, vermit- 
telte der päbstliche Legat Wilhelm von Modena eine neue Eini- 
gung sowohl über das Culmerland, als auch über die Eroberungen 
in Preussen. Damach sollte der Bischof im Culmerlande ausser 
dem Decem, wie er in der culmischen Handfeste angeordnet 
war,, noch sechshundert Huf<Mi, d. h. If QMeilen, also mehr, als 
er sich 1230 ausbedungen hatte, erhalten *^^). In den eroberten 
und zu erobernden Landschaften sollte der Bischof — es hoisst 
in der Urkunde nicht: der Bischof Christian — einen Theil, 
der Orden zwei Theile mit allen weltlichen Einkünften (d. h. 
nach späterer Declaration des Legaten auch mit dem Decem) 
erhalten *^^). Bis dahin mochte der auf seinen Titel epi-. 
scopus Prussie generalis bauende Christian hoffen, die Herrschaft 
in einem beträchtlichen Theile Preussens mit seinen Einkünften 
im Culmerlande zu vereinigen. Diese Aussicht wurde merklich 



4»3) Urkunde von 1231, Cod. dipl. Pruss. I. n. 25, wo okne Zweifel vera 
statt yestra und possidendam statt possidenda zu lesen ist. 

*'*) Hierauf beziehen sich die Worte der Urkunde von 1243 bei Hart- 
knoch zu Dusburg- p. 477: de communi-consensu et voluntate episcopi Prussie 
ac fratrum , — et hominum in eadem terra manentium, quando primo ad habi- 
tationen illius deserti homines intraverunt. 

***) Auf einen solchen Vertrag weist folgende Stelle der Bulle vom 30. Juli 
1243 bei Hartknoch zu Dusburg p. 481 auf das bestimmteste hin: quod in 
forma compositionis facte super terra Culmensi per te (episcopum Prussie) ac 
legatum eundem et dictos fratres nee non ipsius terre incolas plenius continctur. 
Anders Watterich S. 140 flf. , welcher diese Worte auf die oben angeführte 
Urkunde von 1230, Act. Bor. I. p. 72, bezieht; allein in jener ist von zwei- 
hundert Pflügen und fünf Höfen die llcde, hier von sechshundert Hufen, und 
die Abweichung ist dadurch noch nicht gehoben, dass er statt CC liest DC. 
S. 242, 2ö9. Auch der Widerspruch, dass der Vertrag von 1230 nicht von 
dem Legaten vermittelt ist, ist doch schwerlich befriedigend beseitigt. 

***) Diesen Vertrag erläutert Wilhelm in einer späteren Urkunde, Cod. 
dipl. Pruss. I. n. 41, selbst. Vorausgesetzt wird er auch in der Urkunde von 
1242 bei Voigt 3, 627. Die Declaration gehört wahrscheinlich in das Jahr 
1251. Watterich S. 130 ff. 180 flf. 

ö 






114 Zeit der Ordensherrschaft. 

\ 

getrübt, als der Legat Wilhelm einem schon im Jahre 1236 er- 
haltenen päbstlichen Auftrage gemäss *^0> ^i© Biöcesanein- 
tbeilung Preussens kurze Zeit darauf vollzog. 

Nach der am 4. Juli 1243 zu Anagni vollzogenen Theilungs- 
urkunde*^®) sollten in Preussen ausser dem Culmerlande drei 
Bistbümer, deren Grenzen näher bezeichnet werden, besteben, 
und die Bischöfe, spwohl der culmische als die in den drei an- 
deren Diöcesen, gemäss den bis dahin geschlossenen Verträgen 
ausgestattet werden. Auf solcher Grundlage erhoben sich also 
neben dem Ordensstaat eine Eeihe von bischöflichen Fürsten- 
thümcrn. 

Wir haben demnach als die wichtigsten Theilungslinien in 
Preussen zuerst die Grenzen der vier bischöflichen Diöcesen, 
sodann die Grenzen der bischöflichen und der Ordensterritorien 
in jeder derselben zu verfolgen. 

1. Die Diücesaneintheilung Preussens als Grund- 
lage der Jjandestheilung zwischen dem Orden 

und den Bischöfen. 

Als Grenzen der culmer Diöcese bezeichnet der päbstliche 
Legat die drei Flüsse, die uns als Grenzen des Culmerlandes 
bekannt sind; doch sollte zu derselben auch die Löbau gehören. 
Die zweite Diöcese umfasste nach der Anordnung des Legaten 
das Land zwischen Ossa, Weichsel, Drausensee und Weeske *®^) 
mit den Inseln von Quidin und Zantir. Die dritte Diöcese er- 
streckte sich zwischen der angegebenen Südgrenze und dem 
Pregel, vom frischen Haff bis zu den Grenzen der Lithauer, die 
vierte zwischen dem Pregel und der Memel, von der Ostsee 
ebenfalls bis zu den Grenzen der Lithauer. 

Diese Eintheilung liess noch einige Zweifel übrig. Die 
Grenzlinien der Diöcesen gegeneinander waren nur für den west- 



«o') BuUe von 1236, Cod. dipl. Pruss. I. n. 47. 

*ö^) Urkunde von 1243 bei Hartknocli zu Dusburg p. 477 und sonst. 

499) Flumen de Passaluc oder flumen Passalucense ist der Fluss von Pazlok 
(Pr .-Holland), also die Weeske, nicht die Passarge, die sonst nie diesen Namen 
fübrt, wie Beckmann de primo episc. Varmiae p. 4, Anra. 10 (vgl. Watterich, 
Ordensstaat, S. 139) gegen Voigt 2, 467 bemerkt. Es bestätigt dies unter 
anderen die Urkunde von 1250, Cod. dipl. Pruss. I. n. 84: Passaluc tota in 
ea parte fluvii Weysike, que est in predicta Pomesaniensi eccleeia. 



Diöcesen. 115 

liehen Theil derselben genau angegeben , denn die Namen Ossa, 
Weeske nnd Pregel führten rait Sicherheit nur wenige Meilen 
von Westen nach Osten. Der culme'r Diöcese war zwar 
ausser dem Culmerlande ausdrücklich nur noch die Löbau zuge- 
wiesen, allein sollte derselben die weitere Ausbreitung nach 
Osten abgeschnitten sein ? Es ist nicht zweifelhaft , dass die 
pulmer Bischöfe auf Sassen Anspruch erhoben haben, es ist aber 
ebenso gewiss, obwohl dies bis dahin noch nicht bemerkt ist, 
dass Sassen zur Diöcese Pomesanien geschlagen wurde ^"ö). 
Zwischen dem zweiten und dritten Bisthum sollte der Drausen- 
see und die Weeske die Grenze bilden; aber welche Richtung 
sollte dieselbe weiter östlich erhalten? Man hat später die Pas- 
sarge auf einem grossen Theile ihres Laufes zum Grenzfluss der 
beiden Bisthümer gemaqht, doch ist eine ausdrückliche Abkunft 
hierüber nicht bekannt. Von den Quellen der Weeske (etwa 
bei Wesskenit, westlich von Liebstadt) zog man die Grenze zur 
Passarge hin, über den Narien- und Marung-See (dieser südlich 
von jenem) ^^ ^), so dass die Kirchspiele Liebstadt, Herzogswalde 
und Reichau noch zu Ermeland gehörten ^^ 2) Auch die 



^^ Der culmer Bischof erwähnt in einer Urkunde von 1263 , Cod. dipl. 
Pmss. I. n. 147, terram Sassin ad nostram dioecesim pertinentem, bemerkt, 
dass ein Drittel dieses Landes von dem Orden an ihn abgetreten sei, und ver- 
spricht, den Orden schadlos zu halten, wenn er deshalb von irgend Jemand be- 
langt würde. Allein dass 1) Sassen definitiv zur Diöcese Pomesanien geschlagen 
ist, zeigt unzweideutig das Mandat des Bischofs Johann zur Abhaltung eines 
Sendgerichts in jener Gegend von 1400, bei Jacobson, kathol. Kirchenrecht, 
S. (266), auch im Cod. dipl. Pruss. V. n. 115, und dass der culmer Bischof 
im eigentlichen Sassen, östlich von der Löbau, keine Besitzungen gehabt hat, 
ist aus vielen Gründen unbestreitbar. Wir werden Ordensverschreibungen in 
allen Theilen Sassens antreffen; durch den Thomer Frieden von 1466 kamen 
alle Besitzungen des culmer Bischofs an Polnisch-Preussen, und Jedermann weiss, 
dass Polnisch-Preussen nirgends über die Grenzen der Löbau hinausgereicht 
hat. Nach diesen Voraussetzungen ist die Urkunde von 1263 zu erklären, 
vielleicht in folgender Weise: in der Löbau erhielt der culmer Bischof be- 
trächtlich mehr als ein Drittel, wozu es besondere Gründe gab; diese Mehr- 
abtretungen wünschte der Orden auf alle Fälle in Anschlag zu bringen, wenn 
von irgend einer Seite die Theilung Sassens verlangt würde; Bischof Heiden- 
reich, der wahrscheinlich die Vereinigung Sassens mit Pomesanien trotz seines An- 
spruchs fUr unvermeidlich hielt, that dem Orden den Liebesdienst, die Theilung 
der Löbau als eine Theilung Sassens im weiteren Sinne (incl. Löbau) darzustellen.. 

^^^) Bei Plastwig, de vitis episc. Varm. (um 1464), werden als Grenzpunkte 
angegeben: stagnum Weysike bei dem Dorfe Buchcnwaldt (Reichertswalde?), 
drei Meilen von Holland, stagnum Marung, von dem stagnum Weysike wieder 
drei Meilen entfernt, Kurksadel, wieder sechs Meilen (längs der Passarge) weiter. 

Ö02J Dipj ""igt das Verzeichniss der ermeländischen Kirchspiele bei Leo, 

9* 



116 Zeit der Orden sherifichAft. 

Grenze zwischen der dritten und vierten Diöcese wurde zwdtfel- 
haft, sobald man die Frage aufwarf, welcher der Quellflüsse des 
Pregel als Hauptstrom anzusehen sei. Im Jahre 1340 schlössen 
die Bischöfe Hermann von Ermeland und Johann von Sam- 
land unter Beistimmung des Hochmeisters Dietrich von Alten- 
burg einen Vertrag, nach welchem der Pregel bis zum Schlosse 
Insterburg, dann die Angerappe bis zum Schlosse Angerburg und 
weiter hinauf bis zu ihrem Ausfluss aus dem Schwentzait - See, 
endlich eine Linie, von diesem Punkte östlich gezogen bis zu 
den Grenzen der Lithauer, beide Diöcesen von einander scheiden 
sollten ^°^). Die frische Nehrung, so weit sie zur Zeit des 
päbstlichen Legaten Wilhelm in den Händen der Ordensritter 
war, rechnete man zu dem Bisthum Samland^*). 

Der Theil Preussens, welcher nördlich von der Memel liegt, 
gehörte einem fünften Bisthum, dem kurlandischen, an. 
Wilhelm von Modena hatte im Jahre 1237 bestimmt, dass die 
rigaische Diöcese sich bis zum Flusse Windau und dessen Neben- 
fluss Abau und der geraden Linie von der Quelle der Abau bis 
zum Sclilosse Kockenhausen erstrecken und ein Bisthum Kurland 
zwischen der Windau und Memel, ein Bisthum Semgallen im 
Binnenlande zwischen Düna und Memel errichtet werden solle *^^). 
Diese Verordnung wurde im Jahre 1251 von einer Commission, 
zu der auch Wilhelm gehörte, in der Art abgeändert, dass der 
Bischof von Riga auf die ihm durch dieselbe zugewiesenen Be- 
sitzungen in Kurland verzichtete und dafür durch ganz Sem- 
gallen entschädigt, das Bisthum Kurland aber über jene erledig- 
ten Besitzungen erweitert wurde, so dass es sich nun von der 



histor. Pruss. p. 425. Emmal begegnet der Ausdruck episcopus Natangiae 
statt Varmiae, Voigt Bd. 3, S. 5. Watterich S. 221. 

»03) Urkunde von 1340, Cod. dipl. Pruss. HI. n. 20. Die SteUe: abinde 
ad orificium effluxus predicti fluvii angrape usque ad lacum que (qui?) Swo- 
kisken yulgariter vocatur, ist nicht ganz deutlich. Der erste effluxus kann 
aber nicht wohl etwas Anderes als der Ausfluss aus dem Mauer-See, der zweite 
wohl nur der aus dem Schwentzait-Sce sein, auf welchen auch der Name 
Schwokischken am ehesten führt. Der Name des Mauer-Seees ist hier auffal- 
lender Weise nicht genannt. Ich habe ihn auch sonst in der Ordenszeit nicht 
erwähnt gefunden. 

504) Urkunde von 1258, Cod. dipl. Pruss. I. n. 115, Der Bischof von Er- 
meland erhob ebenfalls schon früh Ansprüche auf die Nehrung (Urkunde von 
1251, Cod. dipl. Pruss. U, 1), verfolgte sie aber erst in viel späteren Zeiten. 

»''») Urkunde von 1237 bei Dogiel V. n. 20. 



TheiluDg der culmer Diöcese. 117 

Memel bis zum rigaischen Meerbusen erstrecktet*^®). Ein Bis- 
thum Samaiten errichtete der Grossfürst "Witowd im Jahre 
1417; der Bischof nahm seinen Sitz zu Medeniken^^^), aber 
schon im Jahre darauf jagten ihn die Samaiten mit seiner ganzen 
Geistlichkeit aus dem Lande ^o®). 

Auch die Grenzen des Bisthums Cujavien gegen Preussen 
waren, auf den Mündungsinseln der Weichsel, im Anfange 
schwankend. Wir hören von einem Streite des lesslauer Bischofs 
mit dem pomesanischen über die Insel Solowo, zu dessen Ent- 
scheidung der ermeländische Bischof Anselm als päbstlicher Legat 
im Jahre 1264 Richter ernannte ^°^). Dies Solowo scheint die 
Insel Zantir zu bedeuten ^*o), und in diesem Falle ist zu Gunsten 
des pomesanischen Bischofs entschieden. Der südwestliche Theil 
der [N'ehrung soll wirklich einige Zeit zu Lesslau gehört haben, 
er ist aber später ebenfalls an Pomesanien gekommen ^^0* ^^^ 
Ansprüche der lesslauer Bischöfe auf diese Landstriche scheinen 
darauf zu beruhen, dass dieselben einige Zeit den pommerschen 
Fürsten gehörten und erst später an den Orden kamen. 

2. Die Theilung der culmer DiÖcese. 

Die Theilung der einzelnen Diöcesen zwischen dem Orden 
mid den Bischöfen folgte der Eintheilung des Landes in Diöcesen 
in wenigen Jahren, sobald der Krieg gegen die abgefallenen 
Preussen eine günstige Wendung genommen hatte, nach. Eigen- 



*o«) Urkunde von 1251 bei Dogiel V. n. 24. 

«*«') Voigt 7, 315. 

'08) Lmdenblatt S. 334, 335. Voigt 7, 325. Um das Jahr 1337 hatte 
man den Plan, in der Baierburg eine Kathedrale als Mittelpunkt eines neuen 
Erzbisthums zu errichten. Urkunde von 1337 in denN. P. P. Bl. 1850, Bd. 1, 
S. 107 ff. 

^^^ Rczyczynski et Muczkowski, cod. dipl. Polon. II. n. 88. 

*'^ Es ist wohl das polnische Zalawa, insula, Werder. 

*") So viel darf man wohl auch aus Grünau IX, 2,"§ 11 entnehmen, dem 
hierin Hennenberger S. 399 und Hartknoch, Kirchengeschichte, S, 150 folgen. 
Grünau berichtet von Arnold, dem Vorgänger des 1376 verstorbenen Bischofs 
Nicolaus I.: ,, Dieser Amoldus bracht es zum Reinen, dass die Kirche auf 
der Neryngc als Bohnsack, Schönbaum, Niklaswalde, Kobbelgrube, Probbernau, 
Kalcnberg, Schoyte seinem Bisthum wurden eingeleibt, die vor ein Theil in 
Polen und auf die Frauenburg hörten." Falsch ist hier jedenfalls wohl, dass 
schon damals ein Theil der Nehrung zum Bisthum Ermeland gehört habe. Eher 
waren die Ansprüche des Bischofs von Samland auf die ganze anerkannt. 
Cod. dipl. Pruss. n. n. 100. 



118 Zeit der Ordenshorrschaft 

thümlich war die Stellung des culraer Bischofs. Einer eigentUohen 
Theilung des Culmerlandes bedurfte es nach der Besümmtmg 
des päbstlichen Legaten nicht ; der Bischof sollte ja in demselben 
nur sechshundert Hufen erhalten ; dagegen sollte die Löbau dem- 
selben Gesetze unterworfen sein, wie die übrigen Landschaften 
Preussens (im Gegensatz zum Culmerlande)**^). Die sechs- 
hundert Hufen im Culmerlande waren dem Bischof niaht in 
einem zusammenhängenden Stücke angewiesen; sie lagen bei 
Culmsee, Briesen (Wambresia), Bobrowo (westlich von Strass- 
burg) und vielleicht in noch anderen Gegenden ^*^). — Von der 
Löbau wurde, wie wir' oben sahen, nach mancherlei Verhand- 



^^^) Nach, dem Vorgange Voigts, Bd. 2, S. 475, nimmt man ziemlich all- 
gemein eine Theilung des Culmerlandes wie der übrigen Bisthümer an, also eine 
solche, bei welcher der Bischof nicht bloss sechshundert Hufen, sondern etwa 
ein Drittel des Landes erhalten hätte, allein dem widerspricht 1) die Ur- 
kunde von 1243 und die ganze frühere Geschichte entschieden. Der culmer 
Bischof hat jederzeit den Becem des ganzen Culmerlandes bezogen, was nicht 
nur die culmer Handfeste zeigt, sondern auch eine ungedruckte Urkunde des 
geh. Archivs zu Königsberg in den Privil. des Culmerlandes , fol. 23 , TOm 
Jahre 1255, nach welcher der Orden und die universitas incolarom terre Cul- 
mensis verpflichtet waren, das Pflugkom dem Biscliof zu Culmsee, Culm, Thom, 
Eeden, oder wo er sonst wollte, wenn der Ort nicht über drei Meilen von dem 
Wohnort des Abliefernden lag, zuzuführen. Wir wissen, wie er zu diesem 
Decem gekommen ist, aber kaum denkbar ist es, dass Wilhelm nun nachträg- 
lich dem Orden auch noch die Zumuthung gestellt hatte, ein Drittel des ihm 
vom Bischöfe selbst verbrieften Culmerlandes diesem wieder herauszugeben. 
2) Das culmer Domkapitel wurde, unserer Ansicht ganz entsprechend, vor- 
züglich mit Getreidelieferungen ausgestaltet; an Landbesitz erhielt es" nur 
wenig, am meisten noch in der Löbau; dieser Umstand lässt, da die Dom- 
kapitel überall etwa ein Drittel der bischöflichen Güter erhielten, einen sicheren 
Schluss auf den Umfang der letzteren machen. 3) Der eigenthümliche Vertrag 
des Ordens mit dem Bischof von Ploczk von 1257, in welchem er diesem fttr 
den Fall, dass er die bischöflichen Rechte über das Culmerland wieder an sich 
bringt, ein Gut mit hundert Haken im Culmerlande und zweihundert Hufen 
in Löbau verspricht, hätte nie geschlossen werden können, wenn "Wilhelm der 
culmer Kirche ein Drittel des Landes zugewiesen hätte. 4) Das Vermögen 
der Bischöfe beruhte natürlich vorzugsweise auf ihrem Landbesitz; nun galt 
aber der Bischof von Culm für viel unvermögender als die- Bischöfe von Sam- 
land und Pomesanien, wie der Contributionsanschlag bei Schütz, fol. 205, deut- 
lich zeigt, ein solches Verhältniss wäre aber undenkbar, wenn der culmer 
Bischof wirklich den dritten Theil des Culmerlandes erhalten hätte. In dem 
Frauenburger Folianten, Allerlei Grenzen, fol. 6, finde ich nachträglich folgende 
interessante, hieher gehörige Notiz : Anno Dni 1437 mense Majo Duo Francisco 
episcopo Warmiensi eunte ad sacrum concilium Basileense taxatae fuenmt eccle- 
siae Prussiae ut infra: Eccl. Culmensis 1000 marc, Capitulum 400 m. — 
Eccl. Pomesaniensis 1700 m., Capitulum 550 m. — Eccl. Warmiensis 5056 m., 
Capitulum 2007 m. — Eccl. Sambiensis 1626 m., Capitulum 928 m. 

513) '^enn Voigt den mittleren Theil des Culmerlandes von Culmsee über 
Briesen und Bischofswerder ins LÖbauerland hinauf dem Bischof zuweist, so 
hat er übersehen, dass Bischofswerder gar nicht zum Culmerlande, sondern zu 



Theilnng der culmer Diöcese. 119 

lungen die eine Hälfte den polnischen Fürsten abgetreten, von 
diesen aber im Jahre 1257 dem culmer Bischöfe verkauft. Ehe 
es zu diesem Eückkauf kam, wurde die andere Hälfte zwischen 
dem Orden und dem Bischof getheilt, und zwar so, dass der 
nordöstliche Theil des Landes mit der Stadt Löbau selbst an 
den Bischof fiel; eine Linie von der Drewenz, bei der Stadt 
liöbau vorbei, nach dem See Mortwin (wohl Mönch win — der 
See bei Werry, wovon später) bildete die Grenze^'*). Jenen 
Rückkauf der südlichen Hälfte des Landes durch den Bischof 
focht der Orden als ihm nachtheilig an, und Bischof Heidenreich 
musste sich entschliessen , in einem Vertrage vom 8. Mai 1260 
ihm einen Theil derselben herauszugeben. Nach diesem Ver- 
trage erhielt der Orden, zusammenhängend mit dem ihm früher 
zugefallenen Gebiete, einen Landstrich zwischen Drewenz und 
Welle bis hinauf zu einem flachen und steinigen See der Welle 
(usque ad vadum lacum et lapidosum predicte Welle); — es ist 
ohne Zweifel der langgestreckte See gemeint, welcher sich bei 
Tyllitz längs der Welle hinzieht ^'^). Weiter zog sich die 
Grenze (längs der Welle) durch die Seeen, durch welche die 
Welle hinabfliesst, und von dem Ende des oberen Seees direct 
nach dem Thale neben dem Flusse Veza (ohne Zweifel Vkra), 
wo die Vermesser Käst gehalten hatten. Der obere See, dessen 
Ende hier erwähnt wird, scheint der kleine See zu sein, der 
noch oberhalb des Lautenburger Seees liegt. Von hier ist die 
Grenze in die Gegend von Ottozenau (bei dem heutigen Zielen) 
gezogen; denn von Ottozenau gegen Niezk hin stiess Ordens- 
land, von Ottozenau gegen die Drewenz hin Bischofsland an 
Masovien^^^). Nachträglich wurde dem Ordenstheile noch ein 
Streifen Landes von zwölf Seilen Breite von der Drewenz bis 
zu dem steinigen, flachen See zugelegt ^^^). So besass also der 



Pomesanien gehört. Dass Culmsee , Briesen und Bobrowo bischöflich ' waren, 
zeigt die Urkunde von 1251, Act. Bor. II, 721, mit der Ergänzung in den 
^^. P. P. Bl., Bd. 9, S. 30. 

^^*} Hierauf weisen die Worte: quemadmodum et ibi prima divisio facta 
fuit, in der Urkunde von 12G0, Act. Bor. LLI, 145. 

^^^) Weiter südlich hinab kann man nicht gehen, da Kauemick schon 
bischöfliche Stadt ist. 

5 »8) Vgl. oben. 

SH) TT^Vi^p/i. on 1260 a. a. 0. Sie ist leider sehr gedrängt abgefasst 



120 Zeit der Ordensherrschaft 

Bischof von dem Lobauer Lande den nordöstlichen und südwestr 
liehen Theil, der Orden den mittleren. Diej in dem Veria»ge 
von 1260 so summarisch angegebene Grenze zwischen dem Or- 
densgebiet und jenem südwestlichen Antheile des Bischofs ist 
unseres Wissens in keiner späteren Urkunde näher beeümmyt. 
Die Grenzen des nordöstlichen gegen Sassen wurden im Jahre 
1303 durch einen Vertrag des Bischofs Hermann mit dem Land- 
meister Konrad Sack festgestellt ^^^). Auch die übrigen Gren^cai 
dieses zweiten Stückes wurden zweifelhaft, und so Hess Bisdiof 
Otto in Uebercinstimmung mit dem Hochmeister Dietrich von 
Altenburg im Jahre 1338 die Grenzen desselben auf allen Seiten 
durch Schiedsrichter noch einmal feststellen^'^). Die Grenze 
zwischen Löbau und Sassen zieht sich nach der Urkunde von 
1303 von der Mündung des Baches Griselanos in die Drewenz 
den Bach hinauf nach dem Burgwall (vallum) Sassenpile, nach 
dem Gefilde (campus) Mole, nach der Quelle Ramnite, auf den 
Fluss Wykara, wo er in den See Eumian mündet. In der Ur- 
kunde von 1338 kehren dieselben Bestimmungen wieder, nur 
sind die Namen ein wenig verändert, Bach Grisla, Berg Hasen- 
berg, Gefilde Mole, Quelle Ronitz, Fluss Wicker, See Roman. 
Hier ist zunächst der Name Hasenberg für Sassenpile bemerkena- 
werth — eine blosse Uebersetzung, wie das noch unedirte preus- 
sische Vocabular des Herrn Stadtrath Neumann in Elbing be- 
weist, nach welchem sasnis preussisch Hase bedeutet. Das Gut 
Hasenberg im Nordosten von Löbau ist hierin nicht zu ver- 
kennen. Der Bach, welcher von demselben nach der Drewenz 
iiiesst und bei Görlitz in dieselbe mündet, hatte also in alter 
Zeit den Namen Grisla oder Griselanos. Er iiiesst genau auf 
der Grenze des heutigen Kreises Löbau, und diese Kreisgrenze 
ist geeignet, uns auch weiter zu führen. In der Nähe derselbea 



und überdies fehlerhaft gedruckt, weshalb ihre Erklärung Manches zu wünschen 
übrig lässt. Aber ganz verkehrt ist die Inhaltsangabe derselben in den Re- 
gesten des Cod. dipl. Pruss. T. I. 

»»8) Urkunde von 1803, Cod. dipl. Pruss. II. n. 45. Voigt, I3d. 1, S. 477, 
Anm. 2, ist mit dieser Urkunde nicht ins Heine gekommen. Er deutet Molo 
auf das Kirchdorf Mülilcn boi Hohensteiu und maclit dadurch das Verständ- 
niss derselben unmö^licli. Auf der Burgenkarte ist die ganze Gegend von 
Löbau und Sassen falsch gezeichnet. 

»»ö) Urkunde von 1338, Cod. dipl. Pruss. III. n. 7, 



Theiluog der culmer Diöcese. 121 

finden wir Omulle, worauf sich wohl der campus Mole deuten 
lässt, und eine Quelle bei Kuminietza, welche niach dem Rumian- 
see abfliesst, wohl die Quelle Ramnite oder Ronitz unserer Ur- 
kunden. Ferner führt uns die Kreisgrenze auch auf den See 
Rumian, in welchen die in der Oegend von Taulensee ent- 
springende Wicker, nachdem sie den Damerau-See bei Qilgen- 
bui^ durchschnitten hat, einfliesst. In dem Vergleiche von 1338 
wird nun weiter festgesetzt, dass die Wicker von ihrem Aus- 
fluss aus dem Rumiansee bis zur Pfaffenfurt selbst die Grenze 
bilden solle ; sie selbst soll zur Hälfte beiden Theilen, die Seeen 
Riben, Munchwin und Reczechow, durch welche sie üiesst, ganz 
dem Bischof gehören. Von diesen Seeen ist Riben in dem See 
bei Ribno sicher wiederzuerkennen; Munchwin und Reczechow 
werden ziemlich sicher auf die Seeen bei Werry und Grondy ge- 
deutet werden dürfen, welche nur durch eine Furt von einander 
getrennt sind. In dieser Furt erkennen wir die Pfaffenfurt 
wieder, deren Name eben durch die unmittelbare Verbindung 
mit dem See Munchwin, d. h. Mönch wein, seine prägnante Be- 
deutung erhält ^2^). In ihrem weiteren Verlauf fällt die Grenze 
grossentheils mit der via Ruthenicalis zusammen, von der wir 
erfahren , dass sie den See Czertofcz. von der unteren Seite be- 
rühre, den Bach Pranthenicz durchschneide und bei Löbau 
vorbei über den Bach Sandil zur Drewenz führe. Der Name 
Czertofcz scheint verdorben und auf Harlowitz zu deuten. Pran- 
thenicz bezeichnet offenbar den Bach, der von Prontnica süd- 
westlich hinab zur Welle fliesst. Sandil (Sandella) ist der Bach, 
an welchem Löbau selbst liegt, und der zur Drewenz fliesst. 
Der einzige ausserdem noch vorkommende Name Lichtenheide 
ist nicht mehr zu deuten. Ziehen wir von der Furt in dem See 
Ton Werry eine Linie nach dem See von Harlowitz, so treffen 
wir in der That, wie die Urkunde andeutet, bald auf einen 
Bruch (palus), südlich von Gronowo, welches vielleicht einst den 



*^ Nach der Urkunde von 1260 ging die Grenze von der Stadt Löbau 
theilweise längs der via antiqua (d. h. Ruthenicalis) ad finem laci, qui Mort- 
win (d. h. Mönch win) appellatur, et ab illo transitu, qui antiquitus ibi fuit 
(d. h. Pfaffenfurt), weiter fort. Hieraus folgt, dass die Tfaffenfurt nicht etwa 
unterhalb des Seecs Reczechow, sondern gleich unterhalb des Seees Mönchweiu 
zu setzen ist. 



122 Zeit der Ordenshemcbaft. 

Kamen Lichtenheide trug, und erreichen jenen See an seinem 
oberen Ende. Die Grenze geht an seinem linken Ufer fort, - so 
dass er ganz zu dem Gebiete des Bischofs gehört, bis zu einem 
Grenzzeichen auf der via Euthenicalis, auf seinem unteren £^de 
(d. h. beim Ausfluss der Katlewka, welche sein Wasser nach 
der Welle abführt). Von hier begleitet sie die via Eutheni- 
calis über den Bach Pranthenicz bis in die Gtegend von Löbau 
und über den Bach Sandil bis zur Drewenz, welche dann selbst 
die Westgrenze bildet. 

Von einer Theilung Sassens zwischen dem Orden und dem 
Bischof von Culm ist nach dem Obigen nicht die Eede. 

3. Die Theilung der Diöcese Pomesanien. 

Das zweite Bisthum, welches von den alten Landschaften 
Pomesanien und einen Theil Pogesaniens umfasst, wurde im 
Jahre 1250 getheilt. Ausgeschlossen von der Theilung blieben 
jedoch zwei Striche , einer , welchen der Orden vcm . Bernhard 
von Kamenz gekauft hatte, und einer, welchen der Bischof von 
Culm für seinen Besitz erklärte. Es ist nicht ersichtlich, mit 
welchem Kechte diese Landstriche von der Theilung ausgeschlossen 
wurden; sie lagen aber jedenfalls an der Ossa und erstreckten 
sich von derselben bis zu der nachmaligen Grenze des Gebietes 
des pomesanischen Bischofs. Diesen Landstrich also ausgenommen, 
zertheilte der Landmeister Ludwig von Queden die Diöcese in 
drei zusammenhängende Stücke , ein südliches zwischen der 
Weichsel und dem Geserichsee, welches unter andern die Stadt 
Marienwerder und die Territorien Eesin und Prezla umfasste, 
ein nördliches an der Nogat und am Drausensee, zu welchem 
die Stadt Christburg, die Territorien Alyem, Posolva, Lynguar, 
Loypicz und Komor und die Insel Zantir gehörten, und ein öst- 
liches zwischen dem Geserichsee und der Weske mit den 
Territorien Pazluk, Beria, »Zambroch, Pobuz und Eudenz*^*). 
Bischof Ernst wählte das erste mit Marienwerder ^^2). Später 
tauschte er es gegen dasjenige um, in welchem Christburg lag, 
und kehrte dann doch im Jahre 1254 zu dem ersteren zurück. 



"t) Urkunde von 1250, Cod. dipl. Prnss. 1. n. 84. 
5") Urkunde von 1250, Cod. dipl. Pruss. I. n. 85. 



Theilting der pomesaner Diöcese. 123 

weil das letztere den Angriffen der Ungläubigen mehr ausgesetzt, 
die Führung der Wafifen aber Sache des Ordens war^^a^ Nicht 
lange darauf gab Pabst Alexander IV. dem Bischof Heidenreich 
von Culm den Auftrag, darauf zu sehen, dass dieser letzte Thei- 
lungsvergleich aufrecht erhalten werde (1255) *2*). 

Die Grenzen des Antheiles, welcher demnach dem pomesani- 
sehen Bischof verblieb, wurden im Jahre 1294 durch einen Ver- 
trag des Landmeisters Mainhard von Querfurt mit dem Bischof 
Heinrich noch genauer festgestellt, als dieses bei der ersten 
Theilung geschehen war^^s) 2ur Erläuterung dieser Urkunde 
ist die Bemerkung sehr förderlich, dass aus dem bischöflichen 
Territorium später die Hauptämter Marienwerder und Riesenburg 
und ' das Erbamt Schönberg gebildet sind , diese aber mit den 
heutigen landräthlichen E«eisen Rosenberg und Marienwerder in 
der Art zusammenfallen, dass von dem ersteren nur das ehe- 
malige Erbamt Deutsch-Eilau , von dem letzteren der Bezirk 
westlich der Weichsel und das Domänenamt Weisshof, nördlich 
von Tiefenau, auszuscheiden, zu dem ersteren aber der Bezirk 
von Leistenau an der Ossa noch hinzuzusetzen ist. Damach 
finden wir Jeicht folgende Hauptpunkte der Urkunde auf. Von 
Tiefenau (nördlich von Marienwerder) zog die Grenze in der 
Gegend von Brackau (an der Xiebe, nordöstlich von Marien- 
werder) und Daakau (nördlich von Riesenburg) vorüber zum 
Sarginse (Sorgen - See , nordöstlich von Riesenburg) und weiter 
zum stagnum Banse (Bensen-See, östlich von Finckenstein). Das 
Grenzzeichen am Sorgen -See stand an dessen Nordspitze, so 
dass er also ganz zum Gebiete des Biscliofs gehörte ^^o) ^ y^Q 
jetzt ganz zum Kreise Rosenberg. Daher bedurfte es keiner 
ausdrücklichen Angabe, wem er zugehÖren solle, während vom 
See Densen, der sich der Grenze entlang hinzieht, bestimmt 
wird, er solle zur Hälfte dem Orden, zur Hälfte dem Bischof 
angehören. Auch die nächste Grenzstation, der See Bochotin 
oder Buchotin, lässt sich ziemlich sicher bestimmen. Folgen 



5*3) Zwei Urkunden von MCCLV XI Kai. Januar, bei Dreger n. 256, 259. 

"<) Bulle vom 10. März 1255, Cod. dipl. Pruss. I. n. 101. 

*») Urkunde von 1294, Cod. dipl. Pruss. n. n. 30. 

*»«) Dies zeigt die Urkunde von 1379 deutlicli. Cod. dipl. Pruss. 111. n. 133. 



124 Zeit der Ordensherrscbaft 

wir nämlich der Grenze des rosenberger Kreises vom Bensensee 
südöstlich, so stossen wir auf einen kleineren, auf den* Karten, nut 
keinem I^amen bezeichneten See, der seinen Abfluss nadi Süden 
hin zum Trumiiniz-See hat. Seine Nordseite, auf die wir bei 
unserer Grenzwanderung treffen, ist also seine obere (finis su- 
perior) — gerade das, was in der Grenzbeöcbreibung beim See 
Bochotin hervorgehoben wird und bei keinem der anderen be-' 
nachbarten Seeen zutreffen würde. In der Theilungsurkonde 
von 1250 wird bemerkt, in diesem See entspringe die Liebe; 
diese Notiz ist ein weniger sicherer Fingerzeig, da. eine Eeihö 
von Seeen, unser Bochotin durch den Trarniniz - See, ihren Ab- 
lluss nach dem Jemuschauer-See haben, aus welchem dann die 
Liebe strömt, und da es folglich nicht ganz sicher ist, welöhen 
Zufluss man als die eigentliche Quelle der Liebe ansehen solle *^^. 
Auch der See Bochotin sollte jedem der beiden Theile zur Hälfte 
gehören. Einige der folgenden Stationen der Urkunde sind nicht 
mehr nachzuweisendes). ^^ gehen aber sicher zwischen Deutsch- 
Eilau und Schönberg hindurch zu den Quellen der Ossa. A.uf 
der Südseite bildete die Ossa selbst die Grenze bis nach Man- 
dilkowen, welches wir nach dem Obigen in der Näie von Lei- 
stenau zu suchen haben ; da Leistenau bei der folgenden Wen- 
dung der Grenze eingeschlossen werden soll, so wird es höchst 
wahrscheinlich , dass Mendritz das alte Mandilkowen sei. Von 
Mandilkowen geht die Grenze nach dem Wege, der von Eeden 
nach Christburg führte, hinauf und mit demselben links on dem 
See Gorin vorbei. Der See Gorin ist aber kein anderer als 
der von Guringen; denn die heutige Grenze des Kreises Marien- 
werder, zu der wir hinter Leistenau wieder zurückkehren müssen, 
hat noch jetzt ihren Verlauf an diesem See entlang, und der 
Lessensche Stadtwald, welcher sich dem See stark nähert, wird, 
wie die Umstände es erfordern (Lessen ist Ordensstadt), aof 



52 ') Der längste ist freilich derjenige, welcher aus der Gegend von Peter^ 
kau herkommt. 

^'^^) Dieser Theil der Grenze zwischen dem canipus Schinewite und der 
Ossa ist in einem besonderen Vertrage zu Sommerait 1324 zu Gunsten des 
Ordens dahin abgeändert, dass der See Gilbe der Kirche von Pomesanien nur 
theilweise zugehören sollte. Privil. capitul. Pomesan. fol. 2 , b. Ob der 
]Name Schinewiten in dem Namen des Stengwitzkruges sich erhalten hat? 



Theilung der pomesaner Diöcese. 125 

diese Weise von dem bischöflichen Gebiete ausgeschlossen ^^o)^ 
Als Endpunkt der Südgrenze an der Weichsel wird das Dorf 
Woltschicz angegeben; wir erkennen es leicht in dem Dorfe 
Wolz wieder, welches auf der Grenze der Kreise Marienwerder 
und Graudenz an der Weichsel liegt. Im Westen bildet die 
Weichsel selbst die Grenze, endlich im Worden noch eine gerade 
Linie von der Weichsel bis Tiefenau. 

Ein unerheblicher Tausch zwischen dem Orden und dem 
pomesanischen Kapitel erfolgte im Jahre 1302. Der Orden trat 
dem Kapitel den Marien-See, westlich von Tiefenau, nahe der 
alten Nogat*^^), welcher ihm bei der Theilung halb zugefallen 
war, ganz ab und erhielt dafür den See Schinewiten, in der 
Gegend zwischen den Quellen der Ossa imd Liebe ^^^). Eine 
kleine Strecke der Nordgrenze zwischen dem Lamen- und Sorgen- 
See, wo die Besitzungen derer von Stangenberg an das Bisthum 
grenzten, wurde im Jahre 1379 durch Berichtsleute regulirt ^^^). 

4. Die Theilung der Diöcese Ermeland. 

Das dritte Bisthum umfasste einen Theil der Landschaft Poge- 
sanien, Ermeland, Natangen und die östlich daranstossendcn Land- 
schaften. Als der Bischof Anselm es im Jahre 1251 mit den Or- 
densrittern zu theilen sich anschickte ^^^), war die Ostgrenze noch 
nicht fixirt; jede Eroberung nach dieser Richtung hin musste es 
erweitem; ja selbst die früher schon unterworfenen Landschaften 
waren nach der Empörung der Preussen noch nicht völlig wieder- 
gewonnen. Man theilte also vorerst nur einen Theil 



&>^ Eine erwünschte Bestätigimg dafür, dass der schmale Landstrich bis 
Leistenau zum Bischofstheile gehörte, aus der Ordenszeit giebt eine Urkunde 
des Bischofs Heinrich Yon Pomesanien von 1289, Privil. cap. Pomes. fol. 27, 
in welcher er dem Theodoricus miles dictus Ganshom hundert Hufen in Ty- 
mow (nordöstlich von Leistenau) und sechs am See Plowis (Plowcnz, südöst- 
lich von Leistenau) bestätigt. 

*30) Die Lage des Marien -Seees ergiebt sich aus der Urkunde von 133G, 
Cod. dipl. Pruss. IL n. 158. 

»3«) Urkunde von 1302, Cod. dipl. Pruss. I. n. 41. Der campus Schine- 
witen kommt in der Grenzbeschreibung von 1294 und 1324 vor. 

"2) Urkunde von 1379, Cod. dipl. Pruss. HI. n. 133. Uieher gehört 
auch noch die ausführliche Beschreibung der Grenzen der Dörfer Volz und 
Bosenau in den Privil. capit. Pomes. fol. 38, so wie einige Grenzbestimmungen 
über die Niederungen am Marien-See in demselben Folianten. 

*3') Theilungsurkunde von 1251, Cod. dipL Pruss. II. n. 1. 



126 Zeit der Ordensherrscliaft. 

der Diöcese und überliess die Theilung des übrigen der Zd* 
kunft. Ausgeschlossen von der Theilung blieb, abgesehen von 
der Nehrung und dem frischen HafF, auch Gross -Barten. Der 
Antheil des Bischofs schloss. die Mündung der Passai%e ein, be- 
rührte aber das frische Haff nur mit einem schmalen Streifen, 

I 

während er sich nach Osten hin immer mehr und mehr aus- 
breitete. Im Norden der Passarge bildete die Grenze das Flüss- 
chen Eune; von deren Quelle zog sie sich nach einem Walde 
zwischen Natangen und Pluth (Piauten an der Walsch, nord- 
östlich von Melsack); dann durchschnitt sie die Alle, eine halbe 
Meile unterhalb Kat (Katzen in der Mitte zwischen Heilsberg 
und Bartenstein), und erreichte so den Wald zwischen Gross- 
und Klein -Barten. Südlich von der Passarge lief die Grenze 
längs des Flüsschens Baude von ihrer Mündung anderthalb Meilen 
aufwärts, zog sich dann nach einer Furt in der Passarge, Kucke 
genannt (bei Tiedmannsdor^ , hinüber und begleitete diese bis 
zu ihrem Ursprung aus einem See^^*). Die Linie, welche die 
Endpunkte der Nord- und der Südwestgrenze vereinigte, sollte 
die Grenze nach Osten hin bilden. Der Bischof erklärte sich 
durch diese Theilung befriedigt; doch wurde sein Antheil noch 
durch einen beträchtlichen Landstrich zwischen dem Flüsschen 
Baude und Narusse (Nartz) vergrössert, vom Haff hinauf bis zu der 
Linie, welche die Baude anderthalb, die Narusse eine Meile weit 
vom Haff mit einander verbindet. Zur Vergeltung hiefür machte der 
Bischof den Ordensrittern durch eine Urkunde von demselben 
Datum allerlei Zugeständnisse, die wir hier übergehen, da sie 
für die Geographie des Landes ohne Ltiteresse sind, bis auf eines, 
dass nämlich der Ertrag der Wiesen zwischen der Passarge und 
Rune zur Hälfte ihnen zufallen sollte ^^^). 

Um dieselbe Zeit, in welcher Ernst von Pomesanicn sich 
für sein Territorium definitiv entschied, erklärte auch Anselm, 
bei dem einmal gewählten Drittel bleiben zu wollen. Das An- 
recht des Ordens auf jenen Bezirk zwischen Passai^e und Kune 
erwähnte er abermals ausdrücklich; der Nehrung und der Land- 



^^^) Die Passarge durchschneidet wenige hundert Schritte nach ihrem Ur- 
sprünge einen kleinen See zwischen Hohenstein und Qrieslienen. 

*") Urkunde vom 27. April 1251, Dreger n. 221. 



TheiloDg der ermelftnder Diöcese. 127 

Schaft Gross-Barten, die vorher von der Theilung ausgeschlossen 
waren, wurde nicht mehr gedacht; auf dem HaflP sollte wie auf 
den Grenzflüssen die Mitte Grenze sein zwischen dem Besitze 
des Bischofs und der Brüder (1254) ^30). Pabst Alexander IV. 
bestätigte diese Abkunft ebenfalls im Jahre 1255 ^^^). 

Die Grenze der Südspitze des bischöflichen Territoriums 
wurde im Laufe der Zeit zweifelhaft und daher im Jahre 1341 
von Neuem festgestellt. Der Hochmeister Dietrich von Alten- 
burg mit mehreren Gebietigem einerseits, der Probst Johann und 
mehrere andere Mitglieder des ermelandischen Domkapitels sammt 
dem Bischofsvogt Johann von Luther andererseits begaben sich 
nach dem Felde Kurkosadel (Kurken, südlich, vom Lanzker-See), 
auf welchem ein neues Grenzzeichen errichtet wurde, und erklär- 
ten daselbst in Gegenwart eines Notars ihre beiderseitige Geneh- 
migung, dass die Grenze fortan von den Passarge- Quellen nach 
diesem Grenzzeichen gerichtet werden solle ^^®). 

Der östliche Theil des Bisthums, gerade der breiteste, hatte 
im AnfBUige den geringsten Werth, da die deutschen Einwanderer 
sich anfangs nur schwer entschlossen, sich tief im Binnenlande 
anzusiedeln. Auch der Orden achtete das dahinterliegende Ge- 
biet wenig und liess es geschehen, dass die Bischöfe weit über 
die Ostgrenze ihres Territoriums hinübergriffen und einzelne 
Nutzungen, namentlich Fischereien, an sich zogen. So kam es, 
dass dieselben zuletzt die Gegend von Seysten (Sehesten, nörd- 
lich von Seesburg) und die südlich davon gelegenen Seeen, den 
Kerwogken (Kurwith, südlich vom Mucker-See), Weyssen (Weiss- 
See), Seghesdrien (Sysdrog), Bawant (Baband), Stromyk (Stru- 
mek) u. a., als ihr Eigenthum ansahen ^^^). Aber sobald um die 



•^*) Urkunde vom 27. December 1254 (nicht 1255) bei Drcger n. 257. 

^^ Bulle vom 10. März 1255 bei Dreger n. 258. 

^^ Urkunde von 1341, Cod. dipl. Pruss. Ul. n. 24. 

*39) Urkunde ohne Datum, Cod. dipl. Pruss. IV. n. 126. Vgl. Plastwig 
P« 9. Plastwig bezeichnet das ganze Land zwischen der Linie von Bössei über 
^ta, Sehesten bis" zum Kurwith-See und der Linie von. Kurksadel bis zum 
^gnum Malsicko und längs der aus demselben strömenden Malce bis zur 
Grenze von Masovion als solches, das ursprünglich schon dem Bischof zuge- 
|»5rte, p. 11. Hennenberger , der diese Notiz gekannt zu haben scheint, sagt 
indem Schriftchen von Seeen, Strömen etc. S. 17: „Orauleff: in alten Schrif- 
ten wird er auch genannt MoUye oder Mallien", und „Omulszki-See : in alten 
Schriften Malsike genannt". 



128 Zeit der Ordensherrsohaft 

Mitte des vierzehnten Jahrhunderts auch der Anbau jener ent- 
legeneren Landschaften reger zu werden begann, entstand ein 
Streit zwischen dem Orden und dem Bischof, der Jahre lang 
mit grosser Heftigkeit geführt, und nachdem mancherlei Mittel 
zur Ausgleichung vergeblich versucht waren, durch Schiedsrichter 
im Jahre 1374 beigelegt wurde 3*^). Der Spruch derselben ent- 
hält eine sehr detaillirte Beschreibung der Nordgrenze des 
bischöflichen Territoriums von Dorf zu Dorf, durch welche aber 
nichts Wesentliches geändert zu sein scheint. Es sollten näm- 
lich auf der Linie vom frischen Haff bis zur Alle folgende Ort- 
schaften dem Ordensgebiet zugehören: Einsiedel, Hammersdorf, 
Sonnenstuhl, Breitlinde, Ruschinbach (Rauschbach), Inydow (Geh- 
dau), Waldow (Wohlau?), Wilkonitten (Wilkenit), Schönborn, 
Gutenfeld, Wosekaym (nicht mehr vorhanden), Jotyne (nicht 
mehr vorhanden), Swadeke (Schwadtken) , Kewtir (nicht melir 
vorhanden), Glandiamsdorf (Glandau), Hannushayn (Hanshagen), 
Wilkaym (Pudelkeim) , Rittersdorf (Petershagen ?) , !N"erwyken 
(Nerfken), Borchersdorf, Sodlawkin (Sortlack ?) ; diesen Ortschaften 
gegenüber lagen auf der Seite des Bisthums folgende: Rogyten 
(Regitten), Feld Bebirnicg (an der Beber), Blumberg, Klausieten 
(Klausitten) , Petcrswaldc, Nalaben, Rosenwalde, Poytune (Poi- 
thunen), Piauten, Seefcld, Woppen, Powils (Paulen), Stabonyten 
(Stabunken), Workaym, Grossendorf, Segliken (?), Höfe zu Eo- 
goss (Rogausen jenseits der Aller), Katzen. Jenseits der Alle 
berührt die Grenze folgende Dörfer auf Seiten des Ordens: Her- 
mannshagen, Krafthagen, Galindin (Gallingen), Tingen, Königs- 
dorf, Pelyn (Bellienen), Slenkelawkcn (r), Luselawken (?), San- 
dirsdorf (Zandersdorf), Passin (?), Wedirkaym (Wotterkeim), So- 
gatjün (?), Sparwynen (jetzt Gudnicken?), Babzinz; folgende 
Dörfer auf Seiten des Bisthums: Luterhayn (Lauterliagen), Golle- 
kollc (Krekollen), Palapin (Polpcn), Trautenau, Woselawken 
(Wusslack), Palusin (Plaussen), Sturmhübel, Plesin (PlÖssen), 
Tolnykendorf (Tollnig), Warpelawkcu (Worplack). Aus dieser 
Grenzbeschreibung ergicbt sich, dass die Nordgrenzen der heu- 
tigen Kreise Braunsberg, Heilsberg und Rössel wenigstens seit 
jener Zeit auch genau die Nordgrenze des Bisthums Ermcland 



5*0) Urkunde von 1374, Cod. dipl. Pruss. UI. n.ll9. 



Theilang der ermeländer Diöcese. 129 

gewesen ist. Der östlichste Punkt desselben wurde von den 
Schiedsrichtern selbst ermittelt; er sollte eine Meile östlich von 
Eössel liegen und wurde von ihnen an dem See Wedir beim 
"Walde Krakotin fixirt^*^), ^.n der Südwestgrenze von der 
Narz-Mündung bis zu dem Grenzzeichen auf dem Felde Kurk- 
sadel wurde nicht das Mindeste geändert. Die Südostgrenze 
sollte eine ganz gerade Linie von dem Grenzzeichen bei Kurk- 
sadel bis zu dem beim Walde Krakotin bilden; doch sollten die 
Feldmarken der drei östlichsten Dörfer, Katt«medien, Ramoten 
(Kärnten) und Clawusdorf (Clawdorf) , unzerschnitten bleiben und 
dem Bischof ganz angehören. Die auffallend gerade Linie dei: 
Südostgrenze erkennt man in der Südostgrenze der heutigen 
Kreise Rössel und AUenstein genau wieder; ebenso scheidet die 
Passarge noch jetzt die Kreise AUenstein, Heilsberg und Brauns- 
berg rechts von den Kreisen Osterode , Morungen und Preuss.- 
Holland links, wie früher das bischöfliche von dem Ordenslande; 
nur zunächst dem frischen Haff ist der braunsberger Kreis über 
die Grenzen des alten bischöflichen Territoriums ausgebreitet. 
Das Haff sollte zwischen Narz und Rune gleich breit bis zur 
Nehrung hin beiden Theilen gemeinscbaftlich angehören. 

Zu einer Theilung Gal Indiens und Sudauen s, welche 
man bischöflicher Seits verlangte ^*^), ist es nicht gekommen. 
Die Südostgrenze des Bist hu ms wurde erst im Jahre 1447 
im Einzelnen beschrieben, nachdem der Comthur zu Eibin g, Hein- 
rich Reuss von Plauen, mit Hans von Tronigen, Pfleger zu Wil- 
denburg, Niklas von Crossenau, Kumpan des Pflegers zu Ortels- 
burg, Georg vom Berge, Vogt des Kapitels zu Melsack, und Andern 
dieselbe beritten hatte. Man hob an am Kareken, bei der Orts- 
grenze des Bischofs von Heilsberg, des Kapitels und des Amtes 
Orteisburg, durchschnitt die Wege, die von Passenhcim nach 
Wartenberg und von Passenheim nach Alienstein führen, und 
endete an einer Fichte, der Ortsgrenze zwischen dem Kapitel, 
dem Comthur von Osterode und dem Pfleger zu Ortclsburg. 



**^ Plastwig p. 9 klagt über trügerische Vermessung in diesen Gegenden. 

*") Plastwig p. 10, 11. Luc. David kannte nach Honnenberger, Kurze 
Beschr. etc. Bl. M., noch eine Urkunde, nach welcher der Bischof von Erme- 
land ein Drittel von Sudauen verlangte; sie scheint aber gegenwärtig nicht 
mehr vorhanden zu sein. 

9 



130 Zeit der Ordensherrschaft. 

Yon den in der Grenzbeschreibung genannten Stationen sind 
aber nur wenige nachweisbar, namentlich das Dorf Bauschk^iy 
nordöstlich von Passenheim, und der See Kösnyck (Kosno), west- 
lich von derselben Stadt ^**). 

lieber die Wassergrenze auf dem Haff schlössen der 
Hochmeister Friedrich von Meissen (1498 — 1510) und der Bisdiof 
Lucas von Ermeland folgenden Vertrag: dass die Wasser von 
der Narz, oben anzufangen, bis zur Passarge an einem und vom 
Kreuz oberhalb der Schmergrube bis an das Dorf Scheute auf 
der IN^ehrung am anderen Ufer der ermeländischen Kirche allein, 
die Wasser aber von den genannten Grenzen, nämlich von der 
Passarge bis an die Runau und von der Scheute bis zum „rauen" 
Baum, der ermeländischen Kirche und dem Orden gemeinschaft- 
lich angehören sollten ^*^). 

5. Die Theiluifg der Diöcese Samland. 

Am ausführlichsten sind uns die Verhandlungen über die Thei- 
lung des vierten Bisthums bekannt, welches von den altpreussischen 
Landschaften Samland und die östlich daran stossenden umfasste. 
Als die übrigen Bisthümer getheilt wurden, war noch kein Theil 
desselben unterworfen; erst im Winter 1254 — 1255 überwältigte 
König Ottokar von Böhmen Samland, wo alsbald die Burg und 
Stadt Königsberg errichtet wurde. Sobald die Ordensritter schon 
nach zwei Jahren einen solideren Schlossbau, als er in der Eile 
der ersten Eroberung möglich gewesen war, vorzunehmen ge- 
dachten, wurde der Anfang der Theilung zwischen dem Orden 
und dem Bischof Heinrich mit einem massigen Landstrich in 
der nächsten Umgebung von Königsberg gemacht. Dicht neben 
der Katzbach, dem Abflüsse des Schlossteichs in den Pregel (an 
der Stelle des spätem herzoglichen Marstalls), hatte das alte 
Schloss gestanden; das neue sollte westlich davon (wo das han- 
tige Schloss steht) errichtet werden ; der zu theilende Landstrich 
sollte das alte Schloss, den Bauplatz für das neue und die nörd- 
lich von beiden liegende Stadt (etwa den heutigen Steindamm) 



^**) Urkunde von 1447 in dem Elbinger Zinsbach A, 18, auf dem vor- 
letzten Blatt. 

545^ Urkunde ohne Datum in dem Fol. des bischöfl. Archiys zu Frauen- 
burg: Allerley Grenzen, fol. 41. 



Theilang der samländer Diöcese. 131 

und ausserdem das anstossende Feld im Osten und Westen, 
beiderseits noch bis auf eine Entfernung von 6 Seilen (d. h. 
60 Euthen), einschliessen und sich nach Worden hinauf bis auf 
die Entfernung einer halben Meile vom Pregel erstrecken. Der 
Bisch(tf sollte das alte Schloss und den östlichen, der Orden den 
Bauplatz des neuen Schlosses, die Stadt und den westlichen 
Theil des so bezeichneten Oblongums erhalten, der Schlossteich 
zu einem Drittel dem Bischofs-, zu zwei Dritteln dem Ordens- 
theile zugewiesen werden (14. April 1257)^*®). Gleichzeitig 
wurde ein zweiter Vertrag geschlossen, nach welchem der Er- 
trag der an der Katzbach bereits erbauten Mühle in dem be- 
kannten Verhältniss getheüt werden und beiden Theilen freige- 
stellt sein sollte, in dem Territorium Dorne oder Quodnau je 
ein Allodium anzulegen**^). Der Orden wählte sich zu seinem 
Allodium in Laut eine Stelle, wo, ähnlich wie bei Königsberg, 
ein Teich durch einen Bach mit dem Pregel in Verbindung ge- 
setzt wird; er legte daselbst ausser dem Allodium eine zweite 
Mühle an, von deren Ertrag wieder ein Drittel dem Bischof zu- 
fiel. Dieser gründete sein Allodium dagegen so nahe als mög- 
lich seiner Burg, unmittelbar an der Ostgrenze des eben ge- 
theilten Oblongums, auf dem Gefilde Absowe**®). 

Die Theilung des Landes im Ganzen und Grossen verzögerte 
sich noch; auch übergaben die Ordensritter dem Bischof das alte 
Schloss nicht sogleich. Die Streitigkeiten, welche dadurch ver- 
anlasst wurden, vermittelten die Bischöfe Anselm von Ermeland 
und Heidenreich von Culm so, dass nach einem Vertrage vom 
IL März 1258 der Orden dem Bischöfe das Schloss allerdings 
einräumen, mittlerweile aber, ehe dies geschähe, ihm einen 
angemessenen Platz für seine Bauanlagen übergeben sollte. Die 
Landestheilung sollte er innerhalb dreier Wochen vollziehen, 
der Bischof aber sodann innerhalb eines Monats einen der drei 
von jenem bezeichneten Theile wählen ^*^). Man fügte in den- 



54«) Urkunde vom 14. April 1257 bei Dreger n. 290. Näheres hierüber in 
meinem Aufsätze über die Theüung der Diöcese Samland in den N. P. P. Bl., 
Bd. 8, S. 170 flf. 

**') Urkunde von 1257 bei Dreger n. 289. Das Datum XVIII Kai. Maji 
giebt der Canonicus Sambiensis Sp. 77 m den N. P. P. Bl. 1853, Bd. 2, S. 150. 

"8) Nach emer Urkunde von 1263, Cod. dipl. Pruss. I. n. 143. 

"») Urkunde vom 11. März 1258, Cod. dipl. Pruss. I. n. 114. 

9* 



132 Zeit der Ordensherrschaft 

selben Tagen durch einen zweiten Vertrag die Bestimmung 
hinzu, dass die gegenwärtige Theilung nur die Landschaft Sam- 
land, so weit sie bewohnt würde, und die Insel Nehrung um- 
fassen, die Theilung der Insel Nestland (?) aber und der übrigen 
zu der Diöcese gehörigen Landschaften von späterer Anregung 
des einen oder des anderen Theiles abhängig bleiben sollte. Die 
Pregel-Inseln konnten grossentheils deshalb noch nicht getheilt 
werden, weil es noch zweifelhaft war, ob sie zur Diöcese Sam- 
land oder Ermeland gehörten ^^^). 

Die Besitzungen in unmittelbarer Nähe von Königsberg hatten 
für beide Theile einen besonderen Werth; man erweiterte sie 
noch durch einen Vergleich, wahrscheinlich um sich gegen un- 
bequeme Eventualitäten des eben angegebenen Theilungsmodus 
zu sichern. Man mass nämlich von dem schon getheilten Ob- 
longum bei Königsberg rechtshin, d. h. den Pregel hinauf, noch 
45 Seile, den Pregel hinab noch 80 Seile und gab denselben 
die Höhe einer halben Meile, wie dem Oblongum selbst. Jene 
45 Seile sollten dem Bischof, diese 80 dem Orden gehören. Es 
war nun im Ganzen bei Königsberg ein Landstrich von etwa 
einer Meile (80 -h 45 -+- 3 X 6 -^ ? Seile) Länge und einer 
halben Meile Höhe getheüt, und dadurch etwa derjenige Land- 
strich in die Hände des Ordens gekommen, welcher später 
der Altstadt Königsberg als Stadtgebiet verschrieben wurde. 
Die Zuflüsse des Pregel, von dem Ordensschlosse 1^ Meilen auf 
wärts und ebenso weit abwärts, vom Pregel nach Samland hin- 
ein eine Meile weit, sollten nach dem eben erwähnten Vergleich 
beiden Theilcn zu gemeinschaftlicher Benutzung (Anlage von 
Wassermühlen) gehören (1258)^-5*). 

Die Theilung der Landschaft Samland im Ganzen 
wurde von dem Orden noch im März des Jahres 1258 ausge- 
führt; der Landmeister Gerhard von Herzberg vollzog die XJr- 



"0) Urkunde vom 12. März 1258, Cod. dipl. Pruss. I. n. 115. Das Dattim 
heisst vollständig MCCLVIII Illlto Idus Martü nach der Notiz bei dem Ca- 
nonic. Samb. Sp. 75 a. a. 0. S. 148. Der Name Nestland kommt sonst nicht 
vor; er kann aber nur ein Land bezeichnen, das den Angriffen der Feinde 
noch mehr ausgesetzt war als die zu theüenden Landschaften, also unmöglich 
eine Insel im frischen Haff oder an der Mündung des Pregels. Vielleicht be- 
zeichnet er die kurische Nehrung. 

"') Urkunde von 1258 bei Dreger n. 304. 



Theilung der samländer Diöcese. 133 

künde darüber am 3. März zu Elbing "^^^). Die Theilung erstreckte 
sich, wie wir aus einer späteren Notiz ^^^^ ersehen, über die 
Landschaft Samland bis jenseit Wehlau und Laukischken oder 
Friedrichsburg ^^*). Sie unterschied sich aber von den übrigen 
Landestheilungen zwischen dem Orden und den Bischöfen wesent- 
lich dadurch, dass sie die drei Theile nicht in zusammenhängen- 
den Stücken, sondern getrennt an verschiedenen Stellen anwies. 
Das erste Drittel bestand aus zwei Haupttheilen ; einer erstreckte 
sich vom Pregel nördlich nach dem kurischen Haff; zu dem- 
selben gehörte Quedemnowe (Quednau), mit Ausnahme des Ob- 
longums bei Königsberg, und Lowbuthe (Laptau); der andere 
lag nördlich vom frischen Haff und erreichte an zwei Stellen 
die Ostsee; zu demselben gehörten Arys (Arissau), Ereyno (Ri- 
nau , Kumehnen ^^^)) , Weyskyn (Wischenen), Blodewe (Bludau), 
Geydowe (Geidau), Sabenouwe (an der Westküste Samlands). 
Einige andere Ortschaften, durch welche dieser erste Drittel- 
antheil in der Urkunde noch bezeichnet ist, lassen keine sichere 
Deutung mehr zu ^^^). Das zweite und dritte Drittel be- 
stand, wie es scheint, aus drei Haupttheilen. Von den drei 
Haupttheilen des zweiten Drittels erstreckte sich einer längs der 
Südküste des kurischen Haffs bis über die Deime hinaus, mit 
Lowke (Laukischken), Cayme (Kaymen), Labegowe-moter (Labiau), 
Leythyn (Lethenen oder Legitten); der zweite lag an der West- 
küste Samlands mit Bonowe (Bonau) und Lynthowe (Linkau), 



552) Urkunde vom 3. März 1258, Cod. dipl. Pruas. I. n. 116. 

553) In der Urkunde von 1352, Cod. dipl. Pruss. HI. n. 70. 

554) Dass Laukischken später Friedrichsburg genannt wurde, bezeugt Hen- 
nenberger, Erkl. der Landtafel, fol. 249. 

555) Kumehnen hiess früher Rinau, nach Hennenberger, Erkl. der Landtafel, 
fol. 244. Hiemit stimmen urkundliche Grenzbestimmungen, z. B. in der Ur- 
kunde von 1327 über die Besitzungen Alberts des Teufels, Matr. Fisch, fol. 20 
(p. 43), überein. 

»5«) Maudytyn habe ich in den N. P. P. Bl. 8, 175 auf Moditten bei Kö- 
nigsberg bezogen, weil sich dadurch erklärt, wie der Bischof dem Orden im 
Jahre 1263 Land am Pregel unterhalb Königsberg übergeben konnte. Ein Ort 
des Namens Maudyten oder Mauditen gehörte auch zu den Gütern Alberts des 
Teufels, deren Hauptmasse zwischen Medenau, Greibau und Rinau lag; doch 
ist nicht gewiss, ob dieses Mauditen mit der Hauptmasse in unmittelbarer 
Verbindung lag; es wird als Kapitelsgut bezeichnet, Urkunde von 1327, Matr. 
Pischus. fol. 20 (p. 43). Werchelen villa kann auf Warglitten deswegen nicht 
bezogen werden, weil Warglitten allem Anschein nach zum Ordensgebiet ge- 
hörte. N. P. P. BL 1855, Bd. 1, S. 183 ff. 



134 Zeit der Ordenslierrschaft. 

der dritte vermuthlicli nördlich von der Pregel - Mündung und 
dem nächstliegenden Theile des Haffs, wiewohl sich Leydene 
auf Lehden, Berosky auf Barsnicken, Myntice-Colowach auf Mi- 
schen nicht mit Evidenz beziehen lasst. Diesem Theile gehörte 
auch Eudau an, wiewohl dies seltsamer Weise in der Urkunde 
nur gelegentlich angedeutet ist. Endlich von den drei Haupt- 
theilen des dritten Drittels zog sich der eine längs des Pregels 
bis über Wehlau hinaus, mit den Orten Velowe (Wehlau), Deme 
(das spätere Stadtgebiet von Königsberg), Tapyom (Tapiau), Wal- 
de we (Waldau) , der zweite an der nördlichen Ostseeküste mit 
Pobeti (Pobethen), Drovinen-moter (Drebnau), der dritte an der 
westlichen Ostseeküste mit Gyrme (Germau), Powyke (Powaien), 
Grebo we (Grebitten ^^ ^)). 

Eine besondere Theilung wurde auf der Landspitze Wit- 
landsort vorgenommen, die wegen der Nähe des Tiefs eine 
besondere Bedeutung hatte. Es wurden daselbst von dem Tief 
ab nach Norden zuerst 16 Seile gemessen, von welchen 8, 6, 
9, 12, 16 zu Quednau - Laptau , 1, 4, 7, 10, 13 zu Eaymen- 
Labiau, 2, 5, 8, 11, 14 zu Wehlau- Waldau geschlagen wurden; 
über 15 findet sich keine Bestimmung. An die 16 Seile schlössen 
sich ferner 90 Seile, von welchen man das 3te, 6te und 9te Zehnt 
mit Quednau-Laptau, das Iste, 4te und 7*6 Zehnt mit Xaymen- 
Labiau, das 2te, 5te und 8te Zehnt mit Wehlau - Waldau ver- 
einigte. Nach der Natur des zu theilenden Landstrichs kann 
es keine Frage sein, dass die einzelnen Seile sich in der Rich- 
tung von Süden nach Norden hin an einander schlössen, dass 
also das erste Seil unmittelbar am Tief, das hundertundsechste 
am weitesten nach Norden hinauf lag. Es stimmt damit über- 
ein, wenn es in der Urkunde heisst: die einzelnen Seile sollen 
sich in der Länge gegen das Salzmeer erstrecken. 106 Seile 
betragen \^, d. h. ein Weniges über ^ Meilen j gehen wir vqn 
Lochstet so weit nach Norden hinauf, so treffen wir gerade an 
die Grenze des heutigen Kirchspiels Lochstef ®). 



w') In den N. P. P. Bl. 8, 165 bezog ich Qrebowe auf öreiban bei Be- 

gitten, allein jene Qegend scheint zu dem zweiten Drittel des Ordensantheila 

gehört zu haben; die Stellung neben Gyrme und Powyke scheint auf Qre- 

bitten zu weisen. Abweichende Endungen kommen auch sonst vor. 

"«) Vgl. N. P. P. Bl. 10, 185 flf. 



Theilung der saraländer Diöcese. 135 

Ferner wurde damals der nordöstliche Theil der Neh- 
rung getheilt. Die Bestimmungen hierüber sind schwierig; ge- 
naue Erwägung derselben führt zu folgender Uebersicht, in 
welcher das Drittel Quednau-Laptau mit I, Kaymen-Labiau mit 
n, Wehlau- Waldau mit in bezeichnet ist: 

1) 7 Seüe für II, 9) 1 Meile für I, 



2) 


7 „ , 


, ni, 


10) 52 Seile „ 


n. 


3) 


7 „ , 


, I, 


11) 52 „ 


111, 


4) 


30 „ , 


, n, 


1 2) 3 Kuthen „ 


n, 


5) 


■^ Meile , 


, in, 


13) 3 „ „ 


m. 


6) 


1 


, I, 


14) 4 „ „ 


I, 


7) 


1 „ , 


, n, 


15) 52 Seile „ 


I. 


8) 


1 „ , 


, 11, 







Die sieben ersten Seile liegen nach der Urkunde im Walde 
Wogrim oder auf der Spitze ITergienort; die unter den folgen- 
den Nummern genannten Parcellen schliessen sich immer un- 
mittelbar an, der Endpunkt der letzten liegt 4 Meilen und 208 
Seile, d. h. im Ganzen etwa 5^ Meilen von Nergienort oder von 
der Balge bei Lochstet, also etwa in der Gegend zwischen den 
NehrungsdÖrfem Neukrug und Voglers. 

Der Wald Wogrim auf der Nehrung, auf welchen noch 
der Name des Fischerdorfes Wogram bei Altpillau deutet, und 
der sich nach der Urkunde bis zur Spitze Nergienort hinaufzog, 
wurde von dem Dorf Suntyenen oder Smytenen an, welches 
nördlich von Altpillau au suchen sein wird, da die Nehrung in 
dieser Gegend am breitesten war, noch besonders getheilt, und 
zwar so, dass an jeden Drittelantheil 30 Seile kamen. Erwägt 
man aber, dass in der obigen Uebersicht der Nehrungsparcellen 
ad 4 statt der 30 Seile nach dem durchgehenden Gesetze ^ Meile 
zu erwarten wäre und dass diese 30 Seile in der Urkunde selbst 
einmal als ^ Meile betrachtet werden, dass also diese Seile durch 
irgend welchen Umstand, etwa durch "v^eitere Ausdehnung rechts 
und links hin, grösseren Werth gehabt haben müssen, so 
dürfte die Vermuthung gerechtfertigt sein, dass die ersten 51 
Seile der Nehrung (ad 1 — 4 der Uebersicht) rechts bis an das 
HafiP, links bis an die See gereicht haben, dass aber die nächst- 
folgenden 90 Seile in ihrem an die See stossenden kürzeren 
Theile bei der Theilung der Nehrung im Allgemeinen, in ihrem 



136 Zeit der Ordensherrschaft. 

an das Haff stossenden längeren Theile bei der TheUung des 

Waldes Wogrim angewiesen seien: so konnten jene 30 Seile, 

wenn sie noch an einer ziemlich breiten Stelle lagen, den Werth 

einer halben Meile eines schmäleren Landstrichs haben. Naoh 

dieser Vermuthung würde die Entfernung der Spitze Nergienort 

von Kamstiged (der Stelle, wo die Ausbauchung der Nehrung 

ihr Ende hat) 141 Seile, d. h. etwa ^ Meilen, betragen, was 

auf eine nicht unbeträchtliche Breite des lochsteter Tiefs schliessen 
lässt^so). 

Auch eine Insel, bezeichnet als insula ex transverso civi- 
tatis, ^vurde damals getheilt; wir haben anderwärts die Ver- 
muthung ausgesprochen, dass es eine in dem früheren Umfange 
nicht mehr erkennbare Insel zwischen den beiden Mündungs- 
armen des Pregels, westlich von Königsberg, gewesen sei. Zu 
Quednau - Laptau kamen 19 Seile derselben auf dem unteren 
Theile, zu Kaymen-Labiau 18 Seile auf dem oberen Theile,. zu 
Wehlau- Waldau ebenfalls 18 Seile in der Mitte. 

Endlich hat noch eine nicht näher bezeichnete Gegend be- 
sonderes Interesse der Theilenden auf sich gezogen. Zu Qu^<- 
nau-Laptau sollte nämlich auch pars illa, que jacet sub boyan, 
zu Kaymen-Labiau pars illa, in qua residet Omytene, zu Wehlau- 
Waldau pars illa, que jacet sub Pantym, que pars habet viginti 
funiculos ad prata, quorum viginti fimiculorum inchoatio erit a 
granicz et extendetur versus Sabenowe, gehören. Der letzte Zu- 
satz und namentlich der N^ame Sabenowe weist uns in den 
westlichen Theil Samlands^^^). 

Von den drei auf diese Weise bestimmten Theilen des Sam- 
landes wählte Bischof Heinrich denjenigen, zu welchem Qeudnau- 
Laptau gehörte. Wir werden den Umfang seiner Besitzungen 
leichter übersehen und in den Plan der Theilung überhaupt 



"8) Vgl. N. P. P. Bl. 1852, Bd. 1, S. 95 ff. 

^^^ Sabenowe liegt an Samlands Westküste nach der Urkunde von 1277, 
Cod. dipl. Pruss. I. n. 162, nördlich von Dargen und Neuendorf nach der 
Urkunde von 1327, Matric. Fischus. fol. 29 (p. 76), und zwar zwischen Lit- 
thausdorf und Kraxtepellen, da die Küste nur in dieser Ausdehnung dem Orden 
gehörte, dem es zuletzt verblieb. Es wird zuletzt erwähnt in einer Urkunde 
von 1335, nach welcher ein gewisses Gut bei Kompehnen (bei Kallen) in den 
Besitz zweier Brüder ausSabnau, dann in den des weiland Kämmerers von 
Germau kam. Matric. Fischus. fol. 40 (p. 114), jetzt auch im Cod. dipl. 
Pruss. V. n. 4. 



Theäuiig der samländer Diöcese. 137 

nähere Einsicht gewinnen, wenn wir eine aus späterer Äeit er- 
haltene Grenzbeschreibung verfolgen. Doch müssen wir zuvor 
noch der kleinen Abänderungen gedenken, welche durch eine 
Reihe von Verträgen in dem Besitzstande der beiden Theilhaber 
hervorgerufen sind, und welche in der genannten Beschreibung 
schon berücksichtigt werden. 

Bald nach der Theilung von 1258 brach der zweite allge- 
meine Aufstand der Preussen aus , welcher den Bestand der 
christlichen Kirche in Samland für längere Zeit in Frage stellte. 
Damals in den Zeiten der Noth trat der Bischof dem Orden 
das alte Schloss bei Königsberg, siebzig Hufen Landes in der 
Nähe desselben, nämlich dreissig im Osten des Oblongums, 
welche das uns wohlbekannte Allodium des Bischofs auf dem 
Gefilde Absau umfassten, dreissig im "Westen desselben (ob bei 
Moditten?) und zehn Hufen östlich von Laut, ferner das ihm 
zukommende Drittel der kleineren Insel (wohl des Kneiphofs, 
von dem also damals, wenn er auch noch nicht förmlich getheilt 
war, doch festgestellt sein musste, dass er zur Diöcese Samland 
gehöre) und seinen Antheil an dem Ertrage der beiden Mühlen 
zu Königsberg und zu Laut ab, wogegen der Orden ihm fünfzig 
Hufen bei Windesturen in dem besser gesicherten Culmerlande 
anwies und bei dem Bau einer neuen eigenen Bui^ in Samland 
beizustehen versprach (9. Februar 1263)^^'). Bald darauf brach- 
ten die Ordensritter auch das. so künstlich getheilte Wit- 
landsort ganz an sich. Der Bischof Heinrich übergab ihnen 
seinen Antheil daran gegen ein ebenso grosses Gebiet und 
ausserdem noch drei Hufen an der Stelle, wo der Bischof seine 
Kathedrale zu errichten gedachte, d. h. in Schönwyk (Juli 
1264)^®^). Heinrichs Nachfolger, Bischof Christian, welcher im 
Jahre 1270 die Verwaltung seines ganzen Landes gegen eine 
Jahresrente von 80 Mark auf zwei Jahre in die Hände des 
Ordens legte '^^^) und sich grösstentheils in Deutschland auf- 
hielt, übergab dem Orden Sabnau mit allen Nutzungen an 
Wäldern, Weiden, Bernstein etc. und erhielt dafür ausser der 



*«0 Urkunde yom 9. Febr. 1263, Cod. dipl. Pruss. I. n. 143. 
**^ Urkunde vom Juli 1264 bei Dreger n. 367. 
*") Urkunde von 1270, Cod. dipl. Pruss. I. n. 159. 



138 Zeit der Ordensherrsobaft. 

Besitzung Yremar in Thüringen die Gebiete von Meikaym (i 
der Gegend von Kaimen) und Drabnow (Drebnau, südlich toc 
Pobethen). Dieser Tatischvertrag wurde am 1. Januar 1277 ge- 
schlossen und am 11. April 1296 unter Bischof Si^fried er- 
neuert ^ß*). Derselbe Siegfiied trat dem Orden auch den bischof^ 
liehen Antheil an dem Walde Wogrim ab, wogegen der letsEiere 
gänzlich auf das Gebiet von SchÖnewyk (später Fischausen) mifl 
den anstossenden Wäldern Wischerad und Eoyge yerzichtete 
und sich nur den halben Ertrag der von ihm daselbst angelegten 
Mühle vorbehielt (25. October 1297)^05)^ Durch diesen Vertrae 
kam der ganze breitere nordöstliche Theil der ^Nehrung in den 
Besitz des Ordens, wie er das gegenüberliegende Witlandsort: 
bereits vollständig besass. Er beherrschte nun also dafr Tie£ 
von beiden Seiten. Mit dem Kapitel des samländischen Bis- 
thums, dem unter Anderm zu seiner Ausstattung von dem Bisehofe 
auch Weiskayms (Wischenen) und Sursigems (Schorschenen bei 
Medenau) zugewiesen waren ^^^), schloss der Landmeister Ludwig 
von Schippen einen Tauschvertrag, nach welchem er ihm ftH* 
diese beiden Dörfer Kaxitten (Rachsitten, südöstlich von I^ea- 
hausen) und Awauken (Aweiken, nordwestlich von iN'euhaüsen) 
übergab (30. December 1299)^0 7). Auch Güter in Lauthen 
(Laut), Graselauke und Schadevinkel (bei Laut?) gingen dem 
Domkapitel durch den Comthur von Königsberg Berthold von 
Brühaven (zwischen 1289 und 1302) verloren ^^®). lieber das 

58*) Urkunde vom 1. Januar 1277 in einem Transsumt vom 11. April 1296, 
Cod. dipl. Pruss. I. n. 163. Dass Vremar in Thüringen lag, zeigt die Ur- 
kunde von 1322, Cod. dipl. Pruss. 11. n. 100. 

565) Urkunde vom 25. October 1297, Cod. dipl. Pruss. II. n. 35. 

566) Die Verleihungsurkunde des Bischofs bei Gebser, Domkirche, S. 62, 
ist von 1302 ; doch zeigt der folgende Vertrag, dass das Kapitel schon frfiiier 
im factischen Besitze gewesen ist, was der Canonic. Samb. a. a. 0. 4^ 162, 
Sp. 78 anzudeuten scheint. 

56^) Urkunde, datirt: in octava epyphanie domini 1300, im Ausrage bei 
dem Canon. Samb. Sp. 79, a. a. 0. 4, 152. 

56«) Nach der Notiz in der Urkunde von 1322, Cod. dipl. Pruss. II. n. 99, 
p. 126. Ein ^Graselauke ist in der Urkunde bei Gebser, die Domkirohe, 
S. 134, Kreislaken bei Gross - Dirschkeim. Es liegt nahe, dieses Craselauke 
mit unserem Graselauke zusammenzustellen; die Deutung von Graselauke auf 
Kreislaken führte auf die Yermuthung, Schadewinkel bezeichne den Sudauer- 
Winkel. Vgl. N. P. P. Bl. 10, 166. Allein beide Deutungen sind zweifel- 
haft, 1) weil Graselauke und Schadewinkel dem Domkapitel entrissen sein 
sollen, welches in jenen Gegenden nie begütert gewesen ist, 2) weil der Käme 
Schadewinkel, der sich auch anderwärts, namentlich an der Weichsel, Mewe 



Theilung der sannländer Diöcese. 139 

heilige Feld, welches der Orden von jeher wie sein Eigen- 
thum b^iandelt hatte, wurde zur Zeit des Comthurs von Königs- 
berg Heinrichs von Eisenberg (zwischen 1315 — 1326) ein Ver- 
gleich zwischen dem Orden und dem Bischöfe geschlossen, doch 
blieb es auch ferner gegen die Bestimmungen desselben in den 
Händen des Ordens ^®^). 

Es unterliegt keinem Zweifel, dass alle diese Abänderungen 
des .ursprünglichen Theilungsvertrages von dem Orden veranlasst 
und zu seinem Vortheile durchgeführt sind. Es kam endlich 
eine Zeit, in welcher der Bischof und das Kapitel ihre Eechte 
und Besitzungen sorgfältiger in Acht nahmen als vorher. Da 
klagten sie, dass die meisten der erwähnten Verträge erschlichen 
oder erzwungen, und dass manche Besitzungen ihnen gewaltsam 
entrissen seien, und verlangten Zurückgabe und Schadenersatz. 
Sie erhoben namentlich ihre Ansprüche auf das alte Schloss in 
Königsberg, und was sonst für das Dorf Windesthuren wegge- 
geben, auf das Dorf Sabnau, für das kein hinreichendes Aequi- 
valent gegeben, auf die Güter in Lauten, Graselauke und Schade- 
vinkel, welche dem Kapitel von Berthold Brühaven gewaltsam 
entrissen seien, auf Wischenen und Schorschenen, welche der 
Bischof gegen das ihm selbst zugehörige Dorf Rachsitten habe 
eintauschen müssen, auf den Wald Wogrim, für welchen dem 
Bischof ebenfalls ihm schon zugehöriges Gebiet als Ersatz an- 
gewiesen sei, auf das heilige Feld, welches nach der ursprüng- 
lichen Theilung dem Bischöfe zugehöre, über welches dann kürz- 
lich ein besonderer Vertrag geschlossen sei, und welches nichts- 
destoweniger von den Ordensrittern als ihr Eigenthum behandelt 
werde, u. s. w. Auch verlangten sie Theilung der beiden Neh- 
rungen (nur ein Theil der frischen war bis dahin getheilt) und 
der Pregel- Inseln *^o). Es kam hierauf am 20. Mai 1322 zu 



gegenüber, vorfindet, doch einen anderen Ursprung zu haben scheint. Es ist 
also gerathener, Graselauke und Schadewinkel wie Laut selbst, mit dem sie in 
der £lage unmittelbar verbunden sind, in der Polca Quednau und zwar in 
den Pregel-Gegenden zu suchen. — Der Canonicus Sambiensis a. a. 0. 4, 152, 
Sp. 79 erwähnt noch einen Tausch: Conradus Saccus profitetur se in suo in- 
strumento et cedula sub a. d. 1303 4 ydus Januarii commutationem fecisse 
aUodii pro curiis et spacio inter plancas. 

*••) Nach der Urkunde von 1322, Cod. dipl. Pruss, II. n. 99, p. 126. 

*'*0 Urkunde von 1322 , Cod. dipl. Pruss. II. n. 99. Ganz in demselben 
Tone spricht der Canonicus Sambiensis von den Gewaltthätigkeiten des Ordens. 



140 Zeit der Ordensherrschaft. 

einem Vertrage zwischen dem Landmeister Friedrich von W: 
denberg und dem Bischof .Johannes, in welchem der Orden de 
einige Zugeständnisse machte. Die Ordensritter behauptete. 
das heilige Feld sei noch nie getheilt — vielleicht mit 
Ziehung auf die Klausel des Vertrages von 1258, dass nur 
bewohnte Samland zur Theihmg kommen solle — . und 
dem Bischöfe jetzt ein Drittel desselben innerhalb zweier Grrei 
linien an, welche, wie sich weiter unten ergeben wird, die 8Ü< 
liehe Hälfte des Kirchspiels Heiligenkreuz von der germau^^ 
Grenze bis Kreislacken und Wangnicken hinauf umschlos8e]= 
Wiewohl nun das heilige Feld von Romehnen westlich hin pig' ^ 
nicht bis zur See, sondern nur etwa bis Klein-Hubnicken 
streckte ^ ^ ') > ^^ erscheint es doch, wenn durch die angegebeni 
Linien wirklich nur ein Drittel desselben abgeschnitten sein so! 
überraschend gross, weil dann zwei Drittel noch ausserhalb diesef^^ 
Linien (etwa gegen Warniken hin) gesucht werden müssten 
Ferner trat der Orden dem Bischof damals das Allodium Laui 
mit der Mühle und den beiden Vorwerken Lapsau und Wang- 
nicken, ferner die Hälfte der Voigtsinsel bei Königsberg (Kneip- 
liof), einen Rossgarten auf der Insel, die sich von Königsberg 
nach Arnau hinaufzieht, und einen Theil der Insel bei Arnau ab. 
Dagegen wurden die Tausch vertrage über das alte Schloss eto,, 
über Sabnau, über den Wald Wogrim und über die Dörfer 
Wischenen und Schorschenen ausdrücklich bestätigt (der über 
Witlandsort war nicht angefochten). Das Recht des Bisohofis 
auf den dritten Theil. der beiden Nehi-ungen und der sonst noch 
nicht getheilten Landscliaften der samländischen Diocese wurde 
anerkannt ^^-). 

Nur wenige Jahre nach dieser Abkunft wurde eine ausführ- 
liche Beschreibung der Grenzen zwischen den dem Orden und 
dem Bischöfe zugefallenen Gebieten aufgenommen ^^^). Das Ver- 



*") V^on Klein-Hubnicken lag das heilige Feld östlich, nach der Ver- 
schroibung von 1348, Cod. dipl. Pruss. III. n. 56. 

*") Urkunde von 1322, Cod. dipl. Pruss. II. n. 100. 

»") Ich habe sie zuerst in den N. P. P. Bl. 1850, Bl. 2, 165 dem Haupt-. 
inhalto nach mitgetheilt und erläutert. Vollständig abgedruckt ist sie in den 
N. P, P. Bl. 1851, Bd. 1, S. 284 f[. (lateinisch), und im Cod. dipl. PnuB. IV. 
n. 121 (deutsch). Sie ist ohne Datum, doch werden in derselben als Bevoll-^ 
mächtigtc des Ordens bei der Grenzbezeichnung Sighard Ton Schwarzburg, 



Theiluog der samlftnder DiÖcese. 141 

Btandniss derselben ist Schwierig, weil die Grenzlinien grossen- 
theils nur durch die Hindeutung auf Bäume, Pfahle, Steine etc. 
bezeichnet werden, und weil auch von den Ortsnamen, welche al- 
lerdings nicht in geringer Zahl vorkommen, viele nicht mehr 
erhalten sind. Erleichtert dagegen wird das Verständniss der 
Urkunde durch die Bemerkung, dass die in derselben ange- 
gebenen Grenzen, wie in alten Zeiten die Kammerämter des 
Bischofs und des Ordens, so noch gegenwärtig Kirchspiele von 
einander trennen, deren Errichtung mit der Errichtung der 
Kammerämter überhaupt in naher Verbindung steht. Zur leich- 
teren Orientirung bemerken wir noch , dass Rinau , Medenau, 
Fischausen, Quednau (Neuhausen), Po wunden bischöfliche Kam- 
merämter, Germau, Pobethen, Rudau, Wargen, Schaaken, Kaymen, 
Waldau und K^emitten Kammerämter des Ordens waren. 

Die Urkunde beginnt mit der westlichen Hälfte Samlands, 
zunächst mit der Grenze zwischen den Kammerämtern Medenau 
und Wargen. So weit wir sie verfolgen können, stimmt sie mit 
der heutigen Grenze der Kirchspiele Medenau und Kumehnen 



Comthur zu Graud^nz, und Friedrich von Liebenzelle, Comthur zu Qolub, er- 
wähnt, welche urkundlich in diesen Aemtem bezüglich zwischen 1331 und 
1335 und um 1333 nachgewiesen ^sind (Namenseodex, S. 30, 32), aber sehr 
wohl einige Jahre früher oder später in denselben gestanden haben können. 
Hiemit stimmt die Notiz in der Urkunde Cod. dipl. Pruss. III. n. 5 überein, 
sofern sie die Grenzvermessung in das Jahr 1330 setzt; wenn sie den einen 
jener Comthure Günther von Schwarzburg und den Hochmeister, der die Ver- 
messung angeordnet hat, Luther nennt, so liegt der ersteren Abweichung ein 
leicht begreiflicher Irrthum, der letzteren wohl nur ein ungeschickter Aus- 
druck zum Grunde: die Grenz Vermessung wird im Jahre 1330 unter Luthers 
Vorgänger begonnen, unter Luther selbst, der wahrscheinlich erst den 17. Fe- 
bruar 1331 Hochmeister wurde, beendigt sein. Gebauer, in den N. P. P. Bt. 
1851, Bd. 1, 365, setzt die Urkunde in das Jahr 1333, weil er dem Namenscodex 
mehr, als statthaft, entninunt; in den Eegesten zum Cod. dipl. Pruss. IV. 
p> 1 ist diese Zahl nachgeschrieben. Sie ist aber schon deshalb mehr als 
zweifelhaft, weil nach jener Urkunde im Cod. dipl. Pruss. III. 5 der Probst 
/acobus bei der Vermessung zugegen war, im Jahre 1333 dagegen verwaltete 
das Amt des Probstes Bertram, nach der Urkunde bei Gebser, Domkirche, 
S. 88 ff. — Der deutsche Text stimmt mit dem lateinischen bis auf wenige 
Stationen, um welche der erstere reicher ist, genau überein ; mehr Eigenthüm- 
liches bietet eine zweite lateinische Bedaction der Urkunde, deren wichtigste Va- 
rianten in den N. P. P. Bl. 1851, Bd. 1, 363 flf. mitgetheilt sind. Diese Bedaction 
stimmt in der Bezeichnung der Grenzen beim heiligen Felde genau mit der 
Urkunde von 1322 überein, woraus man wohl abnehmen darf, dass sie die 
ältere ist. Die Kammerämter, zwischen welchen die Grenze hinläuft, sind in 
derselben (anders als in den beiden vollständig gedruckten Texten) nicht 
benannt. 



142 Zeit der Ordensherrschaft. 

einerseits, Wargen andrerseits^'^*) ganz überein; wir benutzen 
daher die letztere zur Erklärung der ersteren. Die Grenze soll 
anfangen am frischen Haff bei einer Eiche nahe dem Wege * 
Barbalenx- — wahrscheinlich in der Gegend von Marschenen -j 
und Heidekrug ; später trifft sie einen Pfahl zwischen den Wiesen -« 
derer von CandeyTi (Kondehnen) und derer von Greybow (Grei- — 
bau), in welcher Gegend jedoch Schorschenen erst geraume Zeit:^ 
nach der ursprünglichen Theilung an den Orden gekommen war; ^ 
femer durclischneidet sie die Strasse von Königsberg nach Fisch- — 
ausen und die von Greibau nach Medenau^'*); sodann ist sie ^ 
durch eine Eiche bei Lasanos (Laserkeim ?), wo Albert der Teufel -K 
seine Güter hatte, bezeichnet ; endlich läuft sie über die Strasse, « 
die von Greibau nach Wycow (Wickau) führt, und zwischen den J 
Weiden von Wickau und Snotin (?) hin, eine Strecke den Baeh J 
Caymenappe (wickauer Mühlenfliess) begleitend. Weiter hinanf ' 
grenzt das Kammeramt Wargen auf eine kurze Strecke auch 
noch an das Kammeramt Kinau, wie noch jetzt die Kirchspiele 
Wargen und Kumehnen; ein Grenzmal zwischen beiden stand 
auf den Wiesen von Drabenow (Klein-Drebnau). Das Kammer- 
amt Binau grenzte eine gewisse Strecke hin auch an das Kam- 
meramt Rudau; wenn gegenwärtig das Kirchspiel Kumehnen das 
Kirchspiel Eudau nirgend mehr berührt, so scheint dies darauf 
hinzuweisen, dass ein Theil des Kammeramtes Rudau zu dem 
Kirchspiel Wargen oder Pobethen geschlagen ist ; jedenfSedls führt 
uns die Grenze des Kirchspiels Kumehnen sicher; denn die 
Strasse von Königsberg nach Pobethen, auf welcher eine Meile 
von Pobethen ein Grenzzeichen stand, berührt die Kirchspiels- 
grenze gerade in solcher Entfernung von Pobethen, nahe dem 



^^^) Aus dieser Grenzbeschreibung des Kammeramts Medenau ergiebt sich, 
dass es sich nordwärts weiter als jetzt das gleichnamige Kirchspiel erstreckt 
und namentlich einen Theil des Kirchspiels Kumehnen umfasst haben mius; 
der andere Theü des Kirchspiels Kumehnen muss zum Kammeramte Binau 
(d. h. Kumehnen) gehört haben, da auch dieses nach der Urkunde mit dem 
Kammeramte Wargen grenzte. 

^^^) Neben der letzteren Strasse fliesst nach der Urkunde eine Streck« bin 
ein Bach; Gebauer a. a. 0. 11, 367 meint, es sei damit das greibauer Mühleiifliiess 
gemeint, und kommt dadurch zu der Annahme, dass auch die Dörfer Bogebnen 
und Komieten zu Medenau gehört hätten. Bas letztere ist falsch nach den 
Ordensverschreibungen, die Mülverstedt in den N. P. P. Bl. 18ÖÖ, Bd. 1, 185, 
188 anführt. Demnach scheint jener Bach doch ein anderer, wenn auch noch 
unbedeutenderer, gewesen zu sein. 



Theilang der samländer Diöcese. 143 

Eulenkruge. Die Grenze zwischen den Kammerämtern Einau 
und Pobethen lief zwischen Drebnau und Gutmytin (Woitnicken), 
über Laytkayme (Ladtkeim) gegen Syndow (Sindau) hin, ent- 
sprechend der heutigen Grenze der Kirchspiele Kumehnen und 
Pobethen. Die Ecke von Drebnau wird man von dem bischöf- 
lichen Gebiete ausgeschlossen denken müssen, um die Grenze 
der ursprünglichen Theilung zwischen dem Orden und dem 
Bischof zu erhalten. Bei der weiteren Grenzbestimmung von 
Sindau an wird nicht bemerkt, welche Theile des bischöflichen 
und des Ordensgebiets hier zusammentreflfen ; wir befinden uns 
bereits in der nordwestlichen Ecke des Samlandes, über welche 
erst vor wenigen Jahren (1322) ein neuer Grenz vertrag ge- 
schlossen war, und die Bestimmungen dieses Vertrages giebt 
unsere Grenzbeschreibung bis auf untrügliche Einzelnheiten 
wieder. Die angeführten Grenzpunkte sind folgende : eine Eiche 
bei Sindau, eine trockene Eiche mitten unter Kirschbäumen 
zwischen Kowytyn (statt Gorowytyn, Korwingen?) und Plauto- 
wyn (Plautwehnen) ^^^), eine Eiche am Wege nach Wangnicken, 
eine grüne Eiche beim heiligen Felde ^'^), ein Pfahl an der See. 
Diese Angaben erhalten erwünschtes Licht durch die neuerdings 
aufgefundene Notiz, dass die Ortschaften Sindau, Plautwehnen, 
Pokalkstein, Plinken (früher Poplinken), Warniken, Katzkeim, 
Mandkeim (früher Mamothkaym), Marscheiten (statt Wissebiten zu 
leBen?) und Dirschkeim (früher Dirsunekaym) zum Ordensgebiet 
gehörten ^^®), während Woyditten, Wangnicken und Kreislacken 
sdion auf Bischofsgebiete lagen ®^^). Hienach ist der Verlauf 
der Grenzlinie anfangs zwischen den Kirchspielen St. Lorenz 
imd Heiligen Kreuz, dann durch das Kirchspiel Heiligen Kreuz 



*'•) Rowytyn und Gorowyten, welches nach Voigt 3, 447 Korwingen be- 
deutet, sind von Gebauer a. a. 0. 11, 368 zusammengestellt. Mit dieser arida 
(jnereus inter cerasos fängt die eine Grenzlinie der Urkunde von 1322 an: 
^ercus arida, que circa arbores cerusarum (lies cerasorum) est. 

*'') Heylgewalt ist ein offenbarer Fehler, wie theils die Variante Nr. 22 
ncrom campum, theils die Lesart heiligen velde in der alten Üeber- 
•etzung zeigt. In der Urkunde von 1322 ist die quercus viridis die zweite 
Station. 

•'*) Und zwar zum Kammeramt Germau, nach dem Fol. des geh. Archivs: 
Haken- und Hubenbuch auf Samland, K.-A. Germau. 

*^«) Nach der bekannten Fundationsurkunde des Kirchspiels Kreuz von 
1353 bei Gebser, Geschichte des Doms zu Königsberg, S. 134. 



I 

L 



144 Zeit der Ordensherrscbaft. 

unzweifelhaft. Die Abweichung von den Diöcesangreiuen wirA 

hier durch spätere Aenderungen der Kirchensprengel hinlSni 
erklärt 380). 

Eine zweite Landesgrenzo schneidet an der Westküste Sam. 
lands ein massiges Gebiet für den Orden aus. Wir bemerke 
zum Voraus, dass die Dörfer Klein-Hubnicken (früher Friedrichs 
dorf)3®0 ^^^ Bcrsnicken (villa. Bcrsin)^®^) ^u^^ Eomehnen^^ 
nach sicheren Quellen zum bischöflichen, Kraxtepellen (urkund 
lieh Krixstein), Bardau , Palmniken (sonst Palwenicken) , Dor 
nicken (sonst Durbenickon) und Lengnieten (auch Lenkeniken 
zum Ordensantheile gehörten ^^*). Die Grenzmarken sind fol 
gendc: ein Pfahl an der See, nahe dem Bache Lasse (ohn 
Zweifel der Bach bei Kraxtepellen), ein Pfahl auf der Brandstat 
(in loco Brandestat), drei Pfähle zwischen den Dörfern 
(Eomehnen) und Lenkeniten (Lengnieten), eine Eiche auf den 
Gütern Pomande^®^). Auch diese Linie, die Nordgrenze des 
Kirchspiels Germau, war im Jahre 1322 festgestellt. In ihrem 
weiteren Verlaufe ^®^) trennte die Grenze, wie die Urkunde 
wieder ausdrücklich angiebt, das Kammeramt Germau von den 
bischöflichen Kammerämtern Binau und Medenau, wie noch jet«t 
das Kirchspiel Germau von dem Kirchspiele Thierenbei^. Die 





^^^) Die oben als zum Kammeramt Germau gehörig bezeichneten Ortschaften 
gehörten ursprünglich ohne Zweifel auch zur Kirche Germau. Als die Kirche 
zu St. Lorenz im Jahre 1450 nach Gebauer in den N. P. P. Bl. 1849, Bd. 2, 
S. 76 gegründet wurde, wurden derselben einige Ortschaften der älteren Kirch- 
spiele Germau und Pobethcn zugewiesen. Aber Katzkeim, Mandtkeim- und 
Marschciten blieben auch nach dieser Zeit bei Germau und wurden erst im 
achtzehnten Jahrhundert zu dem näher gelegenen Heiligen Kreuz geschlagen. 
Vgl. meine Mittheilungen über Heiligen-Kreuz in den N. P. P. Bl. 1850, 
Bd. 2, S. 193. 

581) Verschr. über Friedrichsdorf im Cod. dipl. Pruss. lU. n. 56. 

*^2) Nach der angeführten Urkunde bei Gebser. 

*83) Verschr. von 1325 und 1343 im Cod. dipl. Pruss. II. n. 113, und 
III. n. 42. 

*8*) Fol. Haken- und Hubenbuch auf Samland, K.-A. Germau. 

585) Nach der Variante Nr. 26, die vorzüglich geeignet ist, die IJeberein- 
stimmung der andern Grenze in der Urkunde von 1322 mit der hier be- 
schriebenen darzuthun. 

*^®) Nicht recht verständlich ist das preterea, mit welchem die Urkunde 
diese Angabe einleitet; die deutsche Urkunde hat Dar umme. Es scheint in 
diesen Worten eine Andeutung zu liegen, dass die beiden Kammeramter Ger- 
mau und llinau nicht durch die angegebenen Grenzen von Sindau an, sondern 
nur durch die zuletzt angegebenen (Da hemm, in dieser Gegend) getrennt sind. 



Theilang der samländer Diöcese. 145 

nachweisbaren Grenzstationen sind hier eine Eiche bei Santlauks 
(Sandlauken), eine Eiche am Walde Galinde bei Campayn (Kom- 
pehnen), eine Eiche vor demselben Walde, nahe dem Wege von 
Königsberg nach Germau*®^, eine Eiche an der Dorfgrenze und 
eine Eiche auf dem Dorfanger von Kaldeyn (Kalten). Im Süden 
stiess das Kammeramt Germau mit dem zu Fischausen gehörigen 
District zusammen; der südliche Theil des ersteren gehört zwar 
zu dem davon getrennten Kirchspiel Lochstet, doch fällt die 
Südgrenze dieser lochsteter Pertinenz gegen das Kirchspiel Fisch- 
ausen genau mit der alten Landesgrenze zusammen. Sie ward 
zunächst gebildet durch den Bach Kaukstirn, welcher von Ziegen- 
berg her bei Kalten vorbeifliesst und in den Bach mündet, der 
von Germau kommt*®®), und zog sich von dem Zusammenfluss 
beider Bäche nach dem Bach Siph, der ebenfalls in den ger- 
mauer Bach gemündet zu haben scheint*®^), endlich an der 
Feldmark von Neuendorf vorbei nach einem anderen Bache, der 
in die Ostsee fliesst. 

Die dritte Hauptlinie scheidet die Kammerämter des Ordens 
Wargen und Eudau einerseits von den bischöflichen Kammer- 
ämtem Quednau und Powunden andrerseits. Sie begann „bei 
zweien Pfählen neben dem Wege, auf welchem man von Königs- 
berg geht, von welchen einer Grenzpfahl der Bürger ist", d. h. 
etwa in der Gegend von Emsthof, da das Stadtgebiet von Kö- 
nigsberg sich etwa eine halbe Meile nordwärts vom Pregel er- 
streckte. Die weitere Grenze zwischen den Kammerämtem 
Wargen und Quednau wird nur durch umgrabene Eichen be- 
zeichnet, lässt sich also nicht mehr genau nachweisen. Auch 
das Kammeramt Rudau grenzte eine Strecke mit dem Kammer- 
amt Quednau, während sich die gleichnamigen Kirchspiele nur 
in einem Punkte berühren; wahrscheinlich erstreckte sich das 
Kammeramt Rudau südlicher als jetzt das Kirchspiel. Die Grenze 
zwischen beiden genannten Kammerämtern ging mitten durch 



*®') Der deutsche Text bietet hier offenbar irrthümlich Rinow statt Gyrmow 

^^) Das aseendendo in dem lateinischen Text mnss nach dem deutschen 
offenbar in descendendo yerwandelt werden. 

**•) Dieser Theil der Grenze ist noch näher beschrieben in der Handfeste 
Ton Neuendorf 1327 , Cod. dipl. Pniss. III. n. 3. Die yöllige Uebereinstim- 
mung geht namentlich herror aus der Erwähnung der quercus magna. Der 
deutsche Text giebt hier einige Stationen an, die in dem lateinischen fehlen. 

10 



146 Zeit der Ordensherrschaft 

den Sumpf Steipata, dessen Lage sich ziemlich sicher ermittehi 
lässt. Denn da der Bach, welcher bei Neuhof, Trutenau und 
Neuhausen vorbei nach dem lautschen Teiche fliesst, vrie wir 
aus einer andern Urkunde ersehen ^^°), den Namen Steupat 
führte, so liegt nichts näher, als den Sumpf Steipata in die 
Gegend zu setzen, wo er entspringt, d. h. auf die Grenze der 
Kirchspiele Rudau, Wargen, Quednau und Laptau. Auch in der 
Beschreibung der Grenze des Kammeramtes Eudau gegen die 
Kammerämter Laptau ^^*) und Po wunden fehlt es an hervor- 
stechenden BLaltpunkten. Sie durchschneidet die beiden Flüsse, 
an welchen Laptau und Budau liegen, den ersteren bei einer 
Schleuse, den andern bei einer Brücke, auf welcher man von 
Budau nach Plunsen (bei Mülsen ?) ^^^) geht. Endlich triflPt sie 
auf den Ort Wosegowiskapyms, auf das Dorf Wosgow (Wosegau) 
und den Bach Wosegowiske. Der Name des Dorfes Wosegau 
zeigt, dass dieser Bach kein anderer als die bledausche Beek 
ist. Hiemit ist die kurische Nehrung erreicht, die damals noch 
ungetheilt blieb. Auch hier haben wir nach diesen wenigen 
Andeutungen nicht zu zweifeln, dass wir uns nach den Grenzen 
der anstossenden Kirchspiele richten dürfen. 

Die vierte Grenzlinie trennt die Kammerämter Fowonden, 
Laptau und Quednau von den Kammerämtem Schaaken und 
Waldau. Sie beginnt bei der Mündung des Baches Aucopte, 
welcher von dem Schlosse Schaaken her in das kurische Haff 
fliesst, steigt an demselben eine Strecke hinauf und durch- 
schneidet den Weg von Schaaken nach Powunden und den Bach, 
an welchem Powunden liegt. Besonders wichtig für die Orien- 
tirung ist ein Punkt auf dem Wege von Königsberg naifik 
Schaaken, an welchem die Kammerämter Schaaken, Laptau w4 
Quednau, wie noch jetzt die Kirchspiele Schaaken, Laptau u^ 



600) Urkunde über die Nordgrenze von Quednau in den N. P. P. Bl. 11, 358. 

*°') Das Karameramt Laptau wird in der Urkunde an dieser Stelle nicht 
erwähnt; wohl nur aus Versehen, denn in einem späteren Abschnitt derselben 
kommt es neben Powunden ausdrücklich vor, und in einer andern ohne Zweifel 
gleichzeitigen Urkunde in den N. P. P. Bl. 11, 360 mit dem ausdrückliehen 
Zusatz cameratus. 

^^^) Milsen kommt unter diesem Namen als bischöfliches Dorf schon 1328 
vor, Matr. Fischus. fol. 28 (p. 72). Ein Ort Plunsen wird neben Auctekaymen 
und Poneyden auch in der Urkunde von 1355, Matr. Fischus. foL 108 (p. 346), 
erwähnt. 



Theilung der samländer Diöcese. 147 

Neuhausen (welches von Quednau abgezwe^ ist), zusammen- 
stiessen. Die weitere Grenze zwischen den Kammerämtem 
Quednau und Schaaken trifft auf eine Strecke weit mit der 
Grenze der Feldmark Konradswalde zusammen. Dann schliesst 
sich die Grenze zwischen den Kammerämtern Waldau und 
Quednau an, welche wenigstens nach der Behauptung der Or- 
densritter früher westlich von dem Dorfe Kachsitten gelegen 
haben muss. Nach Abtretung desselben an das Kapitel fiel sie 
mit der Grenze des Dorfes Schon walde zusammen. Ihr weiterer 
Verlauf bis zum Pregel bietet keine bemerkenswerthen Halt- 
punkte mehr, doch schnitt sie die Strasse zwischen Königsberg 
und Arnau, ging also von dem letzteren Orte westlich hinab. 
Man sieht aber auch hier, dass die Grenzen der heutigen Kirch- 
spiele eine ziemlich sichere Richtschnur gewähren. 

Auch Witlandsort, welches, wie wir wissen, im Laufe des 
dreizehnten Jahrhunderts von den Bischöfen ganz an den Orden 
abgetreten war, erreichte, wie schon die Betrachtung der ursprüng- 
lichen Vermessung zeigte, im Norden die Grenze eines Bürch- 
spiels, des lochstetischen. Diese Nordgrenze wurde, wie es 
scheint, ebenfalls um das Jahr 1330 von Neuem festgestellt. 
Sie begann westlich von Fischausen am Haff, zog sich zwischen 
L^ehnen und Dargen hindurch und endete an der Ostsee ^^^). 

Eine zweite Haupttheilung zwischen dem Orden 
and dem samländischen Bischöfe wurde im Jahre 1352^ 
zur Zeit des Hochmeisters "Winrich von Kniprode, vorgenommen. 
Auch damals wurde noch nicht die ganze Diöcese getheilt, son- 
dern nur der Landstrich östlich von dem Bach Nene (bei Ta- 
plaken) und von dem Lande Laukischken zwischen Memel, Inster 
und Pr^el. Die Mündungsgegenden der Memel waren von der 
Theilung noch ausgeschlossen, bis zu einer Linie, die von Lau- 
kischken über die Tymmyr (Timber) und über das grosse Mooss- 
brach nach Linkonyn (Lauknen an der Laukne), von hier über 
nicht wiederzuerkennende Stationen bis zur Memel geht. An 
der Memel zieht sich die Grenze des zu theilenden Striches auf- 
wärts bis zur Mündung der Scheschuppe, dann diese aufwärts 



*•') Hierüber handelt eme eigene Urkunde in den N. P. P. Bl., Bd. 11, 
8. 362. 

10* 



148 Zeit der Ordensherrschaft. 

bis an die Furt zu Lenckin (Lenkeningken) , von hier hinübeir 
nach Kraupischken an der Inster, dann die Inster und den 
Pregel hinab bis zur Nene. Von diesem Landstrich erhielt der- 
Bischof seinen Antheil an der Inster und am Pregel (in der- 
Gegend, wo später Georgenburg und Saalau lagen). Aber di& 
Grenzen seines Antheils sind nicht mehr genau zu erken&en. 
An der Inster zog er sich bis Kraupischken und über Krau- 
pißchken nördlich hinauf bis zu „dem breiten Steine" ; am Pregel 
zog er hinab bis über das Flüsschen Aure (Auer bei Saalau). 
Die Grenzen desselben im Westen und Norden dürften ^t den 
entsprechenden Grenzen des heutigen insterburger Kreises un- 
gefähr zusammenfallen, nur dass die Gegend von Kraupischken, 
die dem Bischöfe jedenfalls auch zugehörte, von dem inster- 
burger Kreise ausgeschlossen ist. Es spricht dafür, dass die 
insterburgische Grenze in der That nahe der Aure den Pr^el 
trifPt, und dass sie sich so weit nördlich hinauf zieht, dass sie 
etwa ein Drittel des zu theilenden Districts abschneidet. Da, 
wo sie die Ossa triflpfc, dürfte die Tanne zu suchen sein, die 
man des Marschalls Grenze nannte. Die Linie von dieser Tanne 
bis zu dem breiten Stein nördlich von Kraupischken , welche 
eine weite Strecke hin die Eichtung der Nordgrenze des inster- 
burgischen Kreises hat, bildete die Nordgrenze des bischöflidben 
Antheiles «»*). 

Nach dieser zweiten Theilung erhob die samländische Kirche 
gelegentlich noch ihre Ansprüche auf ein Drittel der beiden 
Nehrungen, des kurischen Haffs, der Landstriche an der Mün- 
dung der Memel und der Landschafken östlich von Nadrauen 
bis zu den Grenzen der Lithauer. Es ist aber zu keiner wei- 
teren Theilung gekommen. Nur in Betreff des kurischen 
Haffs, welches bis dahin von beiden Theilen gemeinschaftlich 
benutzt war, wurde 1366 ein Vertrag geschlossen, nach welchem 
die Kirche das Eecht der Fischerei in dem südlichen Theile 
desselben bis zu der Linie von dem Berge E^ropstein auf der 

Nehrung bis zu dem nicht näher bekannten breiten Steine 
erhielt 5Ö5). 



*»<) Urkunde von 1352, Cod. dipl. Pruss. HI. n. 70. 
'®*) Urkunde ohne Datum, Cod. dipl. Pruss. III. n. 93. 



Theildng der knrländer Diöcese. 149 

6. Die Theilung der Diöcese Kurland. 

Von der Diöcese Kurland, welche, wie oben ausgeführt ist, 
theilweise an den preussischen Ordensstaat kam, würde der 
deutsche Orden als Erbe des Schwertordens nur ein Drittel be- 
kommen haben, wenn sie zur Zeit der Vereinigung beider Bitter- 
orden schon eine gesicherte Eroberung gewesen wäre. Allein 
Kurland musste von den Rittern des deutschen Ordens erst von 
Neuem erobert werden und es gelang denselben, für diese Diöcese 
statt der minderen Privilegien des Schwertordens die umfassen- 
deren des deutschen geltend zu machen. Der päbstliche Legat 
Wilhelm, Bischof von Sabina, verfügte auf Veranlassung des 
Pabstes *®®) , in Betracht der Verdienste des Ordens und mit 
Rücksicht darauf, ^ dass Kurland zu Preussen zu rechnen sei, 
dass der Orden von Kurland, wie von Preussen zwei Drittel er- 
halten, der Bischof sich mit dem dritten begnügen solle (7. Febr. 
1245)^®^). Diese Anordnung wurde von einer päbstlichen Com- 
mission im Jahre 1251 ^^?) und vom Pabst Alexander IV. selbst 
in den Jahren 1257 und 1260 bestätigt ^oo). Die Theilung des 
Landes im Ganzen erfolgte im Jahre 1253 in der Weise, dass 
die bebauten Districte Vredecuronia (am rigaischen Meerbusen), 
Wynda (an der Windau), Bandowe und Bihauelank (längs der 
westlichen Küste Kurlands) und ebenso die unbebauten Bezirke 
Ceclis, Douzare, Megowe, Pilsaten einzeln zerlegt, die Antheile 
beider Participienten also aus einer Beihe einzelner Parcellen 
zusammengesetzt wurden ^°°). Wir übergehen hier die Einzeln- 
heiten dieser Theilung, da sie für die Geschichte und Geographie 
PreuBsens kein unmittelbares Interesse haben, und verweilen 



»»«) Bulle vom 5. Febr. 1245 bei Raynald 1245, n. 89. 

**') Urkunde Wilhelms vom 7. Febr. 1245 bei Hennig, kurl. Samml., 
Bd. 1, Abth. 1, S. 173. 

^^^) Urkunde vom 3. März 1251 in der Bestätigungsbulle Innocenz lY. 
vom 14. März 1251 bei Dogiel Y. n. 24. 

***) Bullen von 1257 und 1260 in den Mittbeilungen aus der Geschichte 
Livlands etc., Bd. 4, S. 392, 399, 400. 

•00) Die Theilungsurkunden vom 3. und 4. April 1253 im geh. Archiv zu 
Königsberg. Der Bezirk von Goldingen kam ganz an den Orden ; von den Häfen 
fielen semgaller Aa und Winda ebendemselben, Lyva (Liebau) dem Bischof zu. 
Urkunden vom 19. April 1252 im geh. Archiv und vom Jahre 1263 (1253?) 
in den Mittheilungen aus der livl. Geschichte, Bd. 2, S. 479. 



150 Zeit der Ordensherrschaft. 

nur bei den Verträgen, die auf Memel Bezug haben, etwas 
länger. 

Schon vor der Theilung des Landes schlössen der Landmeister 
von Livland, Andreas von Steierland, und der eben eingesetzte 
Bischof von Kurland, Heinrich von Lettelburg, unter Vermittelung 
des Bischofs Heinrich von Oesel einen Vertrag, nach welchem, 
wo auch immer eine Stadt oder ein Flecken in Kurland ange- 
legt werde, dies nach gemeinschaftlicher Berathung und Einigung 
des Bischofs und des Ordens geschehen sollte; die Ordensbrüder 
sollten daselbst an allem weltlichen Kechte und an der welt- 
lichen Jurisdiction zwei, der Bischof ein Drittel haben; über 
das Patronat der Parochialkirchen daselbst wurde eine andere; 
später doch nicht beobachtete Festsetzung getroffen ®^^). Man 
hatte damals schon den Plan, eine neue Burg und Stadt an dem 
Zusammenfluss der Dange mit der Memel zu erbauen, vor Augen, 
und nur einige Monate später (am 29. Juli 1252) einigte man 
sich unter Vermittelung des damals in Kurland anwesenden St^- 
vertretors des Hochmeisters, Eberhard von Sayn, über die Aus- 
führung dieses Planes noch näher ^^^), Mit grosser Schnelligkeit 
wurde die Burg erbaut, so dass mau schon im Anfange des fol- 
genden Jahres zur Theilung derselben und zur Absteckung des 
Planes für die daneben anzulegende Stadt schreiten konnte 
(8. Februar 1253)^03). Mit Genehmigung des Bischofs legte .der 
Orden eine Mühle an ^^4)^ Yq^ zweien mit Parochialrecht aus- 
gestatteten Kirchen wurde gegen die frühere Abmachung eine, 
die Nicolaikirche, dem Orden allein zugesprochen, das Patronat 
der andern, der Johanniskirche, zwischen dem Bischof und dem 
Orden getheüt (27. Juli 1258) »os). go bUeb der Besitz der 



«°*) Urkunde vom 19. April 1252 im geh. Archiv. Vgl. Index hist. dipl. 
Livon. I. n. 99*. 

«"*) Urkunde vom 29. Juli 1252, Cod. dipl. Pruss. I. n. 91. MifctlLei]imgt& 
aus der Uvl. Geschichte 4, 369. Durch die Anlegung der Stadt Kernel sollte 
jener Artikel über die Städtegründung in der Urkunde vom 19- April 1852 
erledigt sein, nach der Abkunft vom 20. October 1252, Cod. dipl. Pruss. I. n. 92. 

•03) Theilungsurkunde vom 8. Febr. 1253, Cod. dipl. Pruss. I. n. 93, 

«"*) Zwei Urkunden Ton 1255 und 1256, Mitth. 4, 388 und Index hist. 
Liv. I. n. 123. 

•0^) Zwei Urkunden vom 27. Juli 1258, Cod. dipl. Pruss. I. n. 119. I»- 
dex hist. Liv. I. n. 153 b. Seinen Antheil an dem Patronat übergab der 
Bischof dem Kapitel. Urkunde von 1290, Mitth. aus der livL Geseh. 2, 146, 



Antheile der Domkapitel. 151 

Stadt Memel wie der Stadt Königsberg lange Zeit zwischen dem 
Orden und dem Bischof getheilt. Unter der Regierung des Hoch- 
meisters Konrad von Wallenrod erfolgte ein Tausch. Der 
Bischof und sein Kapitel traten dem Orden ihr Drittel der offc 
von den Heiden zerstörten Stadt für das Schloss Neuhausen, öst- 
lich von Hasenpoth, ab (29. Juni 1892). , Der Pabst gab dazu 
seine Bestätigung (1. April 1394) ^o^). Seitdem gehörte die 
Stadt Memel dem Orden allein an. 

7. Die Antheile der Domkapitel. 

Innerhalb der durch diese Theilungen begründeten bischöf- 
lichen Territorien wurden neue Landestheilungen nöthig durch 
die Errichtung der Domkapitel. Verhielt sich der Landbesitz 
des Ordens zu dem der Bischöfe innerhalb Preussens wie zwei 
zu eins, so kehrte eben dieses Verhältniss auch bei der Theilung 
der bischöflichen Territorien zwischen den Bischöfen und den 
Kapiteln wieder. Die Nachrichten aber , wo die Territorien 
der Kapitel in jedem Bisthum gelegen haben, sind nicht ganz 
ausreichend. 

Das älteste Domkapitel in Preussen ist das von Culmsee. 
Bischof Heidenreich von Culm beschloss im Jahre 1251 den Bau 
der Kathedrale zu Ehren der heiligen Trinität in Culmsee und 
verordnete, dass in derselben von den Stiftsherren, deren Zahl 
er auf vierzig setzte, die Eegel des heiligen Augustin beobachtet 
werde. Er wies denselben zu ihrem Unterhalte eine jährliche 
Lieferung von 2000 Scheffel Waizen und Roggen, einige Dörfer im 
Culmerlande ^°^, die Parochie der Stadt Culmsee mit zwölf Hufen 
und überdies sechshundert Hufen in der damals zwischen ihm 
und dem Orden noch nicht getheilten LÖbau an. XJeberdies wies 
er ihnen zur Erbauung von sechs Kirchen ihres Convents noch 
anderweitig Grund und Boden oder Einkünfte an; die in Vam- 
bresia (Frideck) zu erbauende stattete er mit 1000 Scheffel 
Waizen und Korn und hundertundvierzig Hufen aus; die Aus- 



•0«) Zwei Urkunden vom 29. Juni 1392 und vom 1. April 1394 m der 
Sammlung einiger Denkwürdigkeiten von Memel, Heft 1, 43 — 51. Vgl. Lin- 
denblatt S. 95. 

^"^) Item conferimus ei villam Baslai et villam Hermannsdorf et viUam 
Amoldsdorf et Ghrangiam Sunenwerde cum vüla adjacente. 



152 Zeit der Ordensherrsohaft. 

stattung der zweiten zu Bobrovi (Bobrovo, westlich von Strass— 
bürg) ist nicht bekannt; die vier übrigen sollten in der Löban^ 
erbaut und mit je fünfhundert Hufen dotirt werden ®®®). 

Heidenreichs Beispiel folgte zunächst der Bischof Anselm von_ 
Ermeland^^^^), der im Jahre 1260 die Andreaskirche zu Brauns- 
berg zur Kathedralkirche erhob, aber nur sechzehn Domherm- 
präbenden fundirte ® *°). Die Fundation muss aber bald darauT" 
abgeändert sein, denn schon im Jahre 1287 wird die Eathedral- 
kirche zu Frauenburg erwähnt ^ * *), die freilich erst unter Bischof" 
Johann I. von Meissen (1350 — 1355) prächtiger ausgebaut 
wurde ^'2). Schon damals scheint dem Kapitel Landbesitz in 
der Umgegend von Frauenburg angewiesen zu sein ; es kam aber 
zu Streitigkeiten wegen der weiteren Theilung des Landes und 
wegen gewisser Belehnungen. Da vermittelten bevollmächtigte 
Vertreter beider Theile am 3. September 1288 folgenden Ver- 
trag : Das Kapitel soll als den ihm gebührenden Theil des Epi- 
scopats erhalten das Land Wewa (so wurde vor Zeiten die 
Gegend von Melsack genannt), und falls dasselbe bei der Ver- 
messung zu klein gefunden würde, die erforderliche Ergänzung 
in der N'achbarschaft®^^). Dreihundert Hufen, die ohne Zustim- 
mung des Kapitels in der Mitgift der Kirche zu Lehn ausgethan 
sind, sollen dem Kapitel verbleiben bis auf achtzig, für die es 
Ersatz erhält. Auch erhält es sechzig Hufen, die sich von den 
Grenzen der Stadt Braunsberg bis zum Felde Welowo (jetzt 



608) Fimdationsurkunde vom 22. Juli 1251, Act. Bor. II. p. 721 mit einer 
Ergänzung m den N. P. P. BL, Bd. 9, S. 30. Bei Lautenbarg giebt es eine 
Capittul-Heide. 

•0») Schon 1255 erscheint ein Thylo canonicus ecclesie Vamiiensis, Qod. 
dipl. Pruss. I, 100. 

*>o) Stiftungsurkunde vom Juni 1260 in einem Transsumt von 1264. Preuss. 
Samml., Bd. 3, S. 31. Beckmann de primo Varmiae episcopo, p. 37. 

6") Zuerst in der Verschreibung von 1287 (nicht 1387), Cod. dipl. Pruss. 
IV. n. 44, dann in dem Arbitramentum super divisione bonorum eccles. 
Varm. von 1288 in dem Buche des frauenburger Archivs „Allerley Qrensen", 
fol. 55, 56. Vgl. Plastwig p. 4. 

**^ Plastwig de vitis episc. Varm. (geschrieben 1464), p. 7. Vgl. Hen- 
nenberger S. 152. 

*^^) Statuimus, quod iidem canonici nomine et loco tertiae partis totius 
episc opatus ex antiqua donatione eis debitäe terram quae vocatur Wewa — ita 
fuit antiquitus tractus Melsaccensis vocatus — teneant. In dem eben er- 
wähnten Arbitramentum. 



Antheile der Domkapitel. 153 

Fehlau)^^*) erstrecken. Endlich sollte es den dritten Theü des 
Landes zwischen Nartz und Baude behalten; dieses Drittel er- 
streckte sich von Frauenburg bis zur Baude und vom Haff die 
Baude aufwärts. Alle diese Güter sollte es mit denselben Bechten, 
wie der Bischof die seinigen habe, besitzen; Fischerei und Jagd soll- 
ten demselben in allen Theilen des Ermelandes freistehen, wie dem 
Bischof ^^^). Zu einer zweiten Theilung kam es im Jahre 1348; 
durch dieselbe erhielt das Kapitel abermals einen beträchtlichen 
Landstrich im südlichsten Theil des Ermelandes, rings um das 
heutige AUenstein®^®). Die Theilungsurkunde hierüber scheint 
nicht erhalten zu sein, doch haben wir eine genaue Beschreibung 
der Grenze des neuen dem Kapitel zugewiesenen Antheils. Sie 
geht von der Passarge zur Alle, zwischen den Ortschaften Scho- 
lithen (Schönlitt), Blankenberg und Eosengarten auf bischöflicher, 
Kockendorf, Pupkaim und Buchwald auf Kapitels- Seite, begleitet 
eine kurze Strecke die Alle abwärts, geht von der Alle nach 
Südosten hinab, zwischen Kapkeim, Süssenthal und Damerau auf 
Bischofs-,. Pistkeim, Spiegelberg, Kosgitten, Eosenau auf Kapitels- 
Seite, nach dem Wadang-See (bei Alt- "Wartenburg), zieht sich 
jenseits desselben, zwischen Langhaynen (Lengeinen) und Mo- 
kainen (Mokinen) im bischöflichen und Voitsdorf (nicht mehr 
vorhanden) und Schawoth (Skaibotten) im Kapitelsantheüe, nach 
der alten Heerstrasse, „die die Lithauen zogen, da sie Warten- 
burg verbrannten" (Strasse von Orteisburg über Mensgut nach 
Wartenburg) und folgte derselben bis zum Ende des Bis- 
thums ® ^ '). Der erste Theü dieser Linie, zwischen Passarge und 
Alle, bildet noch Jetzt die Grenze zwischen zweien landräth- 



^^*) Dies Schemen die bona capituli qnae Sawers (jetzt Zagem?) zn sein, 
welche in einer Urkunde von 1311, ErmeL PriTÜ. fol. 4 des geh. ArchiTS, er- 
wihnt werden. 

•'*) Arbitramentum im franenbnrger Archiv a. a. 0. 

•**) Plastwig p. 7 kennt nur diese Theilung. Er sagt p. 6 mit Beziehung 
auf die Oegend von Rössel beim Jahre 1334: nondum enim erant ecdesiae 
bona divisa. 

^*^ Granicie inter bona episcopi et capituli in dem Buche des franen- 
bnrger Archivs „Allerley Grenzen", deutsch mit dem Datum 1388 fol. 57, 
mit einigen kleinen Abweichungen lateinisch fol. 59 und 110. In der letz- 
teren Urkunde kommt die Heerstrasse nur in folgender Verbindung vor: se- 
quendo viam , que dicitur Steenweck , que et duoit in Orteisberg per silvam, 
que dicitur Kadern, usque ubi terminabitur territorium domini (episcopi). 



154 Zeit der Ordensherrsohaft. 

liehen Kreisen. Ausserdem gehörten dem Kapitel schon um 
1388 zwei Dörfer in Barten, Heinrichsdorf und Sant9ppen®'®). 
Später kam das Kapitel noch in den Besitz der Dörfer Pom- 
wangen und Ferstenau im Amte Seeburg, Albrechtsdorf und Klein- 
feld im Amte Wormditt, Ba-utenberg, Vegitten und Kuran im 
Amte Braunsbei^^'^). 

Bischof Hermann yon Praga und sein Domkapitel stifteten 
im Jahre 1341 am 17. Juni ein neues Collegium canonioonun 
bei und in der Kirche aller Heiligen nahe Braunsberg (es ist 
die Kirche zu Pettelkau gemeint). Im Jahre 1343 verlegten 
sie dasselbe an die Pfarrkirche in Glottau bei Gutstadt , indem 
sie demselben zugleich eine Vermehrung seiner Dotation mit 
hundert Hufen Land zusicherten ^^o) Noch etwas später ist 
dieses CoUegiatstift nach Gutstadt verlegt worden ®^^), wo es bis 
zum Anfange dieses Jahrhunderts bestanden hat. 

Gleich nach Beendigung des XJnterwerfungskrieges g^en die 
Preussen wurden auch die Domkapitel des poihesanisehen. 
und des samländischen Bisthums errichtet. BischoF 
Christian von Samland vollzog die Fundationsurkunde zu Königs* 
berg am 1. Januar 1285, Bischof Heinrich von Pomesanien na 
Ulm um Fastnacht desselben Jahres. Beide Fundationsurknnden 
stimmen wörtlich überein; hier wie dort wurden nur sechs 
Strftsherren ernannt und zu der Begel des deutschen Bitterordens 
verpflichtet ^22) ^ 2U der inzwischen auch schon das cubnisohe 



^*^) Nach dem Schlnss der lateinischen Version der eben erwähnten Gra» 
nicie: Idem D. Johannes de Leyssa dixit se scire, quod duae nllae in Bar- 
then, Hinrichsdorf et Santoppen, et similiter villa Warkaim in territorio Meel- 
sack datae sunt capitulo in possessionem pro suppletione terre. Item dixit, 
quod yigore predicte concordie capitulum debet habere tertiam partem in loco, 
qui dicitur yulgariter Meer, ubi foditnr Torff, circa BedkendoH. 

^^^ Baczko, Verfassung des Bisthums Ermeland, in den BeitrSigeii rar 
Kunde Preussens, Bd. 3, S. 371. Die Grenzen der drei Hauptbeairke am 
Kapitels giebt die Karte des Ermelandes von Endersch, 1755. 

«20) Urkunde von 1343 im gutstädter Archiv. Den Inhalt derselben theilte 
mir Herr Archivar Saage in Frauenburg mit. 

^^^) Hennenberger S. 152 legt die Errichtung des gutstädter DouitiflB 
ausdrücklich Heinrich Sorenbaum bei. Niclas von Grotkow, Probst rar Gmten- 
stadt, kommt schon vor in der Urkunde vom 28. Juli 1374, Ood. dipL 
Pruss. III. n. 118, Arnold von Gelm, Probst zu Gutstadt, 1367, Cod. dipL 
Pruss. IV. n. 46. 

«2^ Die beiden Fundationsurkunden bei Gebser, Domkirche, 8. 46, nad 
im Cod. dipl. Pruss. I. n. 172. 




Antheile der Domkapitel. 155 

Kapitel übergegangen war ® 2^). Bischof Albert führte das pome- 
sanische Kapitel 1285 in der Kathedrale zu Marienwerder 
in seine Functionen feierlich ein*^*) und übergab demselben 
den dritten Theil seines Landes mit allen Nutzungen, ausserdem 
das Dorf des Namens Hospital und das Patronat der Parochial- 
kirche zu Mari6nwerder (9. Januar 1286) ^^5)^ j)^ Drittelantheil 
des Kapitels umfasste namentlich den östlichen Theil, wie wir 
aus folgenden Notizen folgern: Dort fanden wir an der Ordens- 
grenze den See Schinewiten, welchen das Kapitel dem Orden 
g^en Abtretung des ganzen Marienseees im Jahre 1302 über- 
liess; dorthin gehört das Schloss Schönberg, welches als Eesidenz 
des Domprobstes bezeichnet wird ^^6) j dort liegt auch der trau- 
3>elsche See, bei dem der Bischof nur zwei Fischer halten durfte, 
^weil er übrigens ganz dem Kapitel gehörte ^2^). Die Städte 
IBischofswerder , Freistadt und Riesenburg sind, wie wir weiter 
Tinten im Einzelnen nachweisen, bischöflich, während Rosenberg 
Tioch im KÄpitelstheile liegt. In dem letzteren liegen auch noch 
^ie Dörfer Heinrichauö28), Goldau629), Faulen 630). Hienach ist 
die Richtung der Hauptgrenze zwischen dem Bischofs- und Ka- 
j)itelstheile bestimmt; wahrscheinlich ist, dass sie mit der 
<j^renze der späteren Hauptämter Riesenburg und Schönberg voll- 
ständig zusammenfällt. Ausser diesem Haupttheile mit Rosen- 
t)erg und Schönberg sind an das Kapitel noch einzelne Be- 
sitzungen in der Niederung der Weichsel gekommen, wie der 
schon erwähnte Mariensee und sechs Hufen bei Marienwerder ® 3^), 
c3ie Dörfer Kunczken (jetzt Kanitzke?) und Rosenau etc. ®3^). 



623) Nach Dlugosz I. p. 771 , 772 und der Notiz in der Urkunde von 
3-296 bei Gebser S. 59. 

6") Urkunde vom 27. September 1285, Cod. dipl. Pruss. II. n. 9. 

625) Urkunde vom 9. Januar 1286 im Cod. dipl. Pruss. II. n. 10. Ueber 
das rechtliche Yerhaltniss des Bischofs und des Kapitels gegen einander vgl. 
Jacobson, kathol. Kirchenrecht, S. 11 — 13. Cod. dtpl. Prttss. III. n. 62 und 63. 

626) Hennenberger fol. 428. 

627) Cod. dipl. Pruss. V. n. 15. 

628) Jacobson a. a. 0. Vgl. Voigt Bd. 5, S. 80. 

*29) Denn so ist wohl in der Urkunde von 1355, Cod. dipl. Pruss. III. 
n. 79, statt Toldowe zu lesen. 

630) Vuiaw in praepositura eccl. Pomes. bei Rosenberg, Cod. dipl. Pruss. V. n. 47. 

ö3») Cod. dipl. Pruss. II. n. 158. 

«") Urkunde von 1378 und 1381, Cod. dipl. Pruss. III. n. 132, 149. 



156 Zeit der Ordensherrschaft. 

Der prächtigere Ausbau der Kathedralkirche zu Marienwerd^ir 
begann um 1343 633). 

Das samländische Kapitel hatte in den ersten Jahren^ 
bei der Mittellosigkeit des Bischofs nock nicht recht Bestand« 
Christian schritt erst 1294, als er dasselbe regenerirte, zu ange- 
messenerer Ausstattung, indem er demselben die Polka Qued na u. 
überwies. Die Kathedrale sollte nach dem damaligen Plane in. 
Schönewik (Fischausen) errichtet werden 6^*). Allein auch jetxtr 
noch lebten sie in den Häusern des Ordens zerstreut und von. 
Entbehrungen aller Art gedrückt, so dass der Hochmeister Konrad 
von Feuchtwangen aus freiem Antriebe sich entschloss, ihnen 
das Patronat der Parochialkirche zu Königsberg zu übergeben 
und ihnen die Gründung der Kathedrale in dieser Parochie frei- 
zustellen (1296)®^^), Seitdem gedieh das Kapitel. Seine Kathe- 
drale erbaute es sich der erhaltenen Berechtigung gemäss an 
dem Thore der Altstadt, gegen den Löbenicht hin — sie erhielt 
den Namen Adalbertskirche. Seine Besitzungen wurden von 
dem Bischof Siegfried von Regenstein bald darauf um einige 
vermehrt. Siegfried fügte nämlich zu der Polka Quednau noch 
die Dörfer Maudythen (Moditten?) und Sonicken (Sonnigkeim), 
ferner die in der Polka von Medenau gelegenen Dörfer Sorse- 
geyns (Schorschenen) und Weyskaynis (Wischenen), welche, wie 
oben bemerkt, der Orden alsbald an sich brachte, endlich die 
in der Polka Bilden (?) gelegenen Dörfer Smyden (Schmiedehnen) 
und Gundeynis (Gunthenen), und verhiess dem Kapitel überdies 
den dritten Theil aller Landschaften, welche ihm selbst durch 
weitere Landestheilungen zufallen würden (1302)^36), Der Erz- 



liieher gehört auch das streitige Werder, insula noya. Urkunde yon 1834, 
Cod. dipl. Prut|ß. II. n. 150. 

•33) Urkunde von 1343 bei Voigt, Cod. dipl. Pruss. III. n. 41. Ueber 
die Ausstattung einiger Altäre ygl. die Urkunde von 1389, Cod. dipl. Pmas. 
IV. n. 67. 

M<) Urkunde vom 7. April 1294 bei Gebser S. 48. 

•3») Urkunde vom 17. April 1296 bei Gebser S. 60. 

«3«) Urkunde vom 11. Januar 1302 bei Gebser S. 61 ff. Dass das Kapitel 
Sohorsohonen und Wischenen factisch schon früher besessen haben muss, ist 
oben orwÄlint. Maydythen deutet Gebauer in den N. P. P. Bl. Bd. 11, 
S. 372 auf Mantau, wofür die Schreibung des Namens Manditen Cod. dipl. 
Pruss. II, 43 angeführt werden könnte, allein Mantau gehörte nach dem Obigen 
;eu den Ordensbesitzungen, ohne dass yon einer Abtretung desselben an den 




Antheile der Domkapitel. 157 

bischof Johann von Kiga bestätigte diese Verordnung (8. April 
1302)^3^). Einige Räumlichkeiten neben der neuen Kathedral- 
kirche veranlassten Streitigkeiten zwischen der Stadtgemeinde 
und dem Kapitel, die aber durch zwei Verordnungen der Land- 
meister Helwig von Goldbach und Xonrad Sack beseitigt wurden 
(1302 und 1304)038). Nachdem der Bischof durch den Vertrag 
vom Jahre 1322 in den Besitz der Hälfte des Kneiphofs ge- 
kommen war, verfolgte er den Plan, die Kathedrale dorthin zu 
verlegen, zu dessen Ausführung auch alsbald (schon 1333) ge- 
schritten wurde *3^). 

Die Grenzen der Polka Quednau gegen das Ordensgebiet 
im Osten und Westen kennen wir durch die schon erörterte 
Urkunde der Grenzregulirung von 1330. Die Nordgrenze gegen 
das bischöfliche Kammeramt Laptau, welche um dieselbe Zeit 
festgestellt zu sein scheint, werden wir nach dem Obigen für 
dieselbe mit der Nordgrenze der Kirchspiele Quednau und Neu- 
hausen zu halten geneigt sein; und diese Annahme wird wenig- 
stens durch eine Angabe der betreffenden Urkunde, welche 
übrigens meistens nur Namen von unbekannten Localitäten ent- 
hält, bestätigt. Das erste Grenzzeichen stand nämlich am Flusse 
Steupat, nahe dem Wege, der von Windekaym nach Laptau führt. 
Der Fluss Steupat kann kein anderer sein, als derjenige, welcher 
oberhalb Neuhof entspringt und bei Trutenau und Neuhausen 
vorbeifliesst. An einem Punkte desselben stossen die Kirch- 
spiele Quednau, Laptau, Rudau zusammen, und ebenda konnte 
die alte Strasse von dem untergegangenen Windekaym, dem 
Wohnort des bekannten Sklodo von Quednau, welches wir nicht 
weit von Nesselbeck, wohl östlich davon, zu suchen haben®*®), 
nach Laptau sehr wohl vorüberführen®*'). Ausserdem ersehen 
wir aus der Urkunde nur, dass sich die Grenze über den Weg, 

Orden irgendwo gesprochen wird. Ob Bilden Bledau bezeichne, wie Gebauer 
ebenda zweifelnd andeutet, muss dahingestellt bleiben. Ueber die Adalberts- 
kirche Tgl. Luc. David Bd. 4, S. 111. 

«^ Urkunde vom 8. April 1302, Cod. dipl. Pruss. II. n. 43. 
W8) Urkunde von 1302, Cod. dipl. Pruss. II. n. 40. Urkunde von 1304, 
angeführt von Luc. David 4, 112. 

«3») Urkunden von 1327 bei Gebser S. 86, 106, von 1333 und ebenda S. 108. 

«*o) Mülverstedt in den N. P. P. Bl. a. F. Bd. 7, S. 269. 

^^0 Sie müsste ebeh über Neuhof, nicht über Trutenau geführt haben. 



158 Zeit der Ordensherrschaft. 

der von Königsberg nach Po wunden führt, und weiter bis an 
die Grenze des Kammeramtes Schaaken zog^*^). 

Als Bischof Jacob von dem Orden den dritten Theil Na- 
drauens erhalten hatte, überwies er alsbald ein Drittel, und 
zwar das westlichste des ihm zugefallenen Antheils, vom Pregel 
nördlich hinauf bis zu des Marschalls Tanne (an der Ossa), in 
der Breite etwa einer Meile, gemäss früherer Zusagö dem Kapitel 
(1353)^*^). Jacobs Nachfolger Bartholomäus verlieh dem Kapitel 
überdies einen Antheil an der Fischerei im frischen H^, näm- 
lich vom Flusse Mcdenau bis zur medenauschen Grenze (bei 
Heidekrug), und drei Dörfer im Kammeramt Powunden, wo das 
Kapitel schon die Dörfer Schmiedehnen und Gunthenen besass, 
nämlich Plastwan (Plöstwehnen), Keystan (scheint untergegangen 
zu sein) und Wilcayme (Wilkeim), alle zwischen dem Haff und 
dem Flüsschen Nabote gelogen, wogegen das Kapitel ihm an der 
Fischerei im kurischen Haff Antheil gab^**). 

Das Kapitel der Diöcese Kurland wurde von dem 
Bischof Emund von Werd ganz nach dem Muster des pomesani- 
schen und des samländischen gestiftet und ebenfalls mit dem 
dritten Theil der bischöliichen Güter ausgestattet (1290)^*^. 
Aber die Theilung der kurländischen Kirchengüter hat für den 
vorliegenden Zweck kein unmittelbares Interesse; wir erwähnen 
daher hier nur, dass unter Anderm auch das halbe Patronat der 
Pfarrkirche St. Johannis zu Memel an das Kapitel kam ^*), aber 
wohl nur bis zu dem Vertrage von 1392. 



^*^ Urkunde der Qrenzbestinmiuiig ohne Datum in den N. P. P. BI., 
Bd. 11, S. 360. 

«") Urkunde von 1353, Cod. dipl. Pruss. III. n. 74. 

^**) Urkunde von unbekanntem Datum, Cod. dipl. Pruss. in. n. 187. 
Eüie beschränkte Fisch ereigerechtigkeit beim Walde Poys (Peise) hatte der 
Bischof dem Kapitel schon 1327, Gebser S. 86, verliehen. 

«") Urkunde von 1290 bei Voigt 3, 550, Anm. 3. Vgl. Index hist. Liv. I. 
n. 240. 

ö") Zwei Urkunden von 1290 und 1291, Index bist. Liv. I. n. 242, «46. 
Mittbeilungen aus der livl. Geschiebte 2, 146. Denkw. von Memel, S. 38. 



Varwaltangsbezirke. 159 

Dritter Abschnitt. 

Die YerwaltiuigsbeBirke Preussens unter der Herrsciiaft des deutschen Ordens 

mit ihren wichtigsten Ortschaften. 

Als der deutsche Orden nach Preassen kam, war die Ver- 
waltung seiner in zwei Erdtheilen ausgebreiteten Besitzungen 
schon vollständig geordnet. In jedem bedeutenderen Hause re- 
sidirte ein Convent von Kitterbrüdern, ein Comthur (commen- 
dator) an der Spitze. Die Comthureien waren nach ihrer geo- 
graphischen Lage zu Provinzen vereinigt, welche man Balleien 
(Balia von bajulus, Amtmann) nannte, und welche von Land- 
oder Provinzial - Comthuren verwaltet wurden. Ueber den Pro- 
vinzial-Comthuren standen, als Aufseher der Gesammtheit meh- 
rerer Balleien, die Meister (magister, praeceptor). So gab es schon 
in der ersten Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts einen Heister 
in deutschen Landen, Provinzial-Comthure in Franken, Schwaben, 
Elsass, Utrecht etc. etc. und eine grosse Anzahl von Comthuren. 
Hermann Balk nannte sich, als er die Führung des Krieges in 
Preussen übernommen hatte, anfangs mit Eücksicht auf die Be- 
Sitzungen des Ordens in Polen schwankend per Sclavoniam et 
Pruciam preceptor, auch Procurator in Polonia, später Preceptor 
in Prusßia^*'); später wurde der Titel Preceptor oder Magister 
Pruscie (fratrum in Pruscia) der gewöhnliche. Nachdem das 
Culmerland und die westlichen Landschaften Preussens bis zum 
Pregel hinab siegreich durchzogen, und ihr Besitz durch die 
Gründung der Burgen Christburg, Elbing, Balga im Ganzen ge- 
sichert war, erfolgte um das Jahr 1251 durch Eberhard von 
Sayn als Bevollmächtigten des Hochmeisters die förmliche Ein- 
setzung der Ordensregierung in Preussen. Er gestattete den 
Ordensbrüdern daselbst, ein eigenes Conventssiegel zu führen 
und mit demselben die Privilegien der Lehnsleute und ünter- 
thanen des Landes zu bekräftigen ; es sollte die Umschrift haben : 
Siegel des Hauses der Deutschen in Preussen. Er verordnete 
ferner, dass sie jährlich am Tage der Kreuzeserhöhung ein Ge- 
neralkapitel zu Elbing halten sollten. Dieses Haus zu Elbing 
sollte die Macht eines Convents haben und das erste von allen 



«") Vgl. Voigt 2, 185, Anm. 1. 



160 Zeit der Ordensherrschaft. 

Häusern in Preussen sein®*®), so jedoch, dass bei allen wich- 
tigen Angelegenheiten zum Wenigsten acht Brüder yon Balga 
und acht von Christburg zugezogen würden. Es yersteht dch, 
dass der Convcnt und das Kapitel zu Elbing dem Conyent und 
dem Kapitel des Ordenshaupt - Hauses zu Akkon im heiligen 
Lande untergeordnet blieben®*^). Seit eben dieser Zeit finden 
wir die Verwaltung des Culmerlandes in den Händen eigener 
Provinzial-Comthure ; Heinrich von Merwitz, der erste derselben, 
erscheint zum ersten Male als Zeuge der von eben jenem Eber* 
hard von Sayn erneuerten culmischen Handfeste am 1. Octob^ 
1251 ®^o); wir werden also nicht irren, wenn wir auch die Ein- 
richtung des Culmerlandes als einer Landcomthurei (Bailei) für 
ein Werk Eberhards ansehen. Erinnern wir uns nun noch, dass 
in eben jener Zeit die Diöcesen Pomesanien und Ermeland 
zwischen dem Orden uud den Bischöfen getheilt wurden, während 
der Besitz des culmischen Bischofs im Culmerlande schon früher 
festgestellt war, so erkennen wir, von wie entscheidender Wich- 
tigkeit Eberhards Anwesenheit in Preussen für die Organisation 
der Verwaltung des Landes gewesen ist. 

Im Einzelnen freilich sind wir über Eberhards Plan nicht 
hinlänglich unterrichtet; denn wenn zu den Generalkapiteln in 
Elbing vorzüglich die Brüder von Elbing, Christburg und Balga 
versammelt werden sollten, so liegt die Frage nahe: warum 
nicht die des Culmerlandes? Hielten sie etwa ihre besonderen 
Generalkapitel ? Hatten sie ein besonderes Conventssiegel ? Gewiss 
ist, dass sie zur Berathung der Angelegenheiten des Culmer- 
landes Versammlungen gehalten haben, namentlich zu Beden ^* ') ; 
aber diese Versammlungen werden nicht Generalkapitel des Cul- 
merlandes genannt, und von einem Conventssiegel der Brüder 
des Culmerlandes verlautet nichts. Dagegen fehlte der Land- 
comthur und die anderen Comthure des Culmerlandes auf den 
Generalkapiteln zu Elbing nicht, und der erstere hatte hier den 



^*^) Dieser Rang scheint (nach dem Eingange der Friedensurkunde Ton 
1249 bei Voigt 2, 672 zu schliessen) früher dem Hause Balga beigelegt 
zu sein. 

•*•) Urkunde Eberhards bei Hennig, Statuten, S. 221, ohne Datum. 

*"0) Handfeste von 1251 bei Hartknoch zu Dusburg p. 453. 

•"> Urkunden von 1278 und 1285, Cod. dipl. Pruss. I. n. 163 und 170. 



Verwaltungsbezirke. 161 

Eang nach dem Xandmeister von Preussen ^^^). Ja der Land- 
meister verfügte sogar über die besonderen Angelegenheiten des 
Culmerlandes, wie er z. B. ^e Handfeste für die Neustadt Thorn 
ausstellte, in welcher der Provinzial-Comthur nur als Zeuge er- 
wähnt wird ^^3). Man sieht also, dass dem Landmeister von 
Preussen unmittelbar die ausserculmischen, mittelbar durch den 
Provinzial-Comthur des Culmerlandes auch die oulmischen Com- 
thureien untergeordnet waren. Man darf vielleicht noch die 
Vermuthung hinzusetzen, dass nach Eberhards Plane dem Culmer- 
lande als der ersten Bailei bei weiteren Fortschritten der Ordens- 
waffen andere Balleien auf preussischem Boden unter der Ober- 
aufsicht des Landmeisters angereiht werden sollten. 

Ausser den Comthureien Christburg, Elbing und Balga gab 
es im Jahre 1251 im eigentlichen Preussen nur noch eine, auf 
welche der Orden aber noch kein unbestrittenes Recht hatte, 
nämlich Zantir ^^*). Dagegen wurden nur wenige Jahre darauf, 
als der erste Aufstand der Preussen vollends unterdrückt, auch 
Barten erobert und der Angriff auf Samland beschlossen war, 
drei neue Comthureien gegründet. Schon im Jahre 1254 treffen 
wir auf einen Comthur von Samland und 1257 auf Comthure 
von Natangen und Barten, von welchen der erstere alsbald seinen 
Sitz in Königsberg ß^^), der zweite etwas später in Brandenburg ^^^\ 



*5^ Urkunden von 1285, Cod. dipl. Pruss. I. n. 173, von 1296 ib. I. 
n. 162. 

«»3) Urkunde von 1264, Cod. dipl. Pruss. II. n. ^. 

***) In der culmischen Handfeste erwähnt. 

*^^) Borchardus Sambie commendator in einer Urkunde vom 10. März 1254, 
bei Luc. David Bd. 3, Anhang, S. 29, heisst in Urkunden von 1255 und 1256 
Comthur von Königsberg, Namenscodex S. 34. Ebenso wechselt der Titel 
bei seinem Nachfolger Theodoricus rufus, welcher meistens Commendator in 
Königsberg heisst, z. B. 1257 beiDreger n. 290 und 1261 bei Schubert de gubem. 
p. 61, oder bloss Commendator, z. B. 1258 beiDreger n. 304 (wo Thomas fälsch- 
lich aus Th. entstanden ist), Cod. dipl. Pruss. I. n. 117, daneben aber auch 
Commendator Sambiensis im Jahre 1258, Cod. dipl. Pruss. I. n. 116. Sehr 
mit Unrecht sind diese Notizen in dem Namenscodex S. 34, 76 so behandelt, 
als wenn hier von verschiedenen Aemtem die Bede wäre. 

65«) Werner de Grunowen commendator Natangiae kommt vor 1257 und 
1258 bei Dreger n. 200, Cod. dipl. Pruss. I. n. 116. Fridericus de Holden- 
steten, in einer Urkunde vom 29. Mürz 1276, Act. Bor. III. p. 287, ebenfalls 
als comm. Nat. bezeichnet, erscheint einige Jahre zuvor als Comthur zu Bran- 
denburg, Namenscodex S. 22. Der von Dusburg III. c. 83 erwähnte Wolradus 
advocatus Natangie et Warmie ist seiner amtlichen Stellung nach ganz räthsel" 

11 



162 Zeit der Ordensherrschaft. 

der dritte vielleicht in Gerdauen erhielt *^^'). In der Zeit zu- 
nächst nach der Eroberung Nadrauens und Schalauens treffen 
wir vorübergehend auf Comthure in Tapiau^^^) und Labiau^^®), 
gleichsam als Yorposten für Angriff und Yertheidigung. Diese 
beiden Comthureien scheinen aber bald nach der Erbauung des 
Schlosses Ragnit in Schalauen (1289) eingegangen zu sein. Ragnit 
selbst war von seiner Gründung an der Mittelpunkt eines der 
wichtigsten Comthurbezirke in Preussen. An die Stelle voü 
Zantir war inzwischen (1276) die Comthurei Marienburg getreten 
und für die jenseits der Weichsel erworbenen Landschaften 
(1283) die Comthurei Mewe errichtet worden. Abgesehen vom 
Culmerlande, zerfiel demnach Preussen um das Jahr 1309 in 
acht oder neun ziemlich umfangreiche Comthureien: Mewe, Ma- 
rienburg, Christburg, Elbing, Balga, Brandenburg, Königsberg, 
Gerdauen (?) und Ragnit ^<5^). 

Die Verlegung der Residenz der Hochmeister nach Marien- 
burg, welche im Jahre 1309 zunächst auf einige Zeit, im Jahre 
1324 für die Dauer erfolgte, machte das Amt eines Landmeisters 



haft; aber es ist nocli sehr zweifelhaft, ob der von Dusburg angegebene Titel 
der richtige ist. Yielleicht war es einer der natangischcn Comthure, dem 
vorübergehend zugleich die Comthurei Balga übertragen war, 

®*') Vereinzelt erscheinen Henricus de Alfelt commendator Bardie, der im 
Naraenscodex ganz übergangen ist, in der schon melirfach erwähnten Urkunde 
vom 14. April 1257, Dreger n. 290, und Johann von Winnungen als Comthur 
von Gerdauen um 1315, Namenscodex S. 85. Rudolph von Bodemer, der 
aus Dusburg III. c. 255 als Vertheidiger von Bartenstein bekannt ist, ist im 
Namenscodex S. 83 als Comthur zu Bartenstein angeführt. Diese Angabe be- 
ruht aber wohl nur auf Voigts Preuss. Geschichte, Bd. 4, S. 108, und hier 
auf blosser Vcrmuthung. 

658) Ulrich der Baier heisst um 1280 Comthur von Tapiau bei Dusburg 
III. c. 200. Ausser demselben werden im Namenscodex S. 103 als Comthure 
von Tapiau erwähnt: Dietrich von Spira um 1290 und Werner um 1301. 

650) Wemicke Comthur zu Labiau 1288, Namenscodex S. 89. 

•*^) In einer Urkunde von 1274, Cod. dipl. Pruss. 11. n. 8, kommt ein 
Rudewicus commendator in Cruceburch vor, der iln Naraenscodex S. 88, ohne 
dass darüber eine Bemerkung gemacht ist, geradezu als Pfleger von Kreuzbnrg 
aufgeführt wird. Es ist allerdings nicht glaublich, dass Krcuzbui^ damaü 
Comthurei gewesen sei, schon wegen seiner Lage so nahe bei Brandenburg und 
Balga; auch fällt ein Comthur von Kreuzburg als Zeuge einer Verhandlung 
zu Thom, bei welcher ausserdem nur noch die Comthure von Thom und Alt- 
Culm zugegen waren, sehr auf. Höchst wahrscheinlich ist der Name Cruce- 
burch aus der falsch verstandenen Abkürzung Gru. (Grudenc) entstanden, wie 
etwa bei Dusburg III. c. 187 Cruceburg aus einer ähnlichen Abkürzung fttr 
Christburg entstanden ist. Rudewicus erscheint bald darauf als Comthur jon 
Thom, 1279, Cod. dipl. Pruss. II. n. 5. 



yerwaltangsbezirke. 163 

von Preussen entbehrlich. Heinrich Graf von Plotzke, der letzte 
in der ununterbrochenen Eeihe der Landmeister, verwaltete das- 
selbe bis 1309; nach ihm war nur noch Friedrich von "Wilden- 
berg Landmeister, zwischen 1317 und 1324. Ungefähr um die- 
selbe Zeit hörte auch die abgesonderte Verwaltung des Culmer- 
landes auf; denn auch die Beihe der culmischen Landcomthure 
ist vom Jahre 1309 an lückenhaft und reicht nicht über das 
Jahr 1336 ^ß*). Perner wurden seit dem Jahre 1312 das Amt 
des Grosscomthurs mit der Comthurei Marienburg, das Amt des 
obersten Marschalls mit der Comthurei Königsberg, das Amt des 
obersten Spittlers mit der Comthurei Elbirig, das Amt des ober- 
sten Trapiers mit der Comthurei Christburg vereinigt, und auch 
diese Einrichtung bestand seitdem mit wenigen Ausnahmen 
fort^*'^). Endlich wurde auch die Zahl der Comthureien noch 
vermehrt, nicht bloss durch die Erwerbung Pommerellens, welches 
in die Comthurbezirke Danzig, Schwetz, Tuchel, Schlochau ge- 
theilt wurde, und durch die Erwerbung Memels, wo ebenfalls 
ein Comthur seinen Sitz hatte, sondern auch weil man nun der 
bis dahin vernachlässigten Landschaften Preussens, der sogenann- 
ten Wildniss, sich mit grösserer Sorgfalt anzunehmen anfing. 
Als Wildniss galt aber damals ganz Sudauen und Galindien, die 
östlichen Theile von Barten und Nadrauen ^^3) , ja auch Sassen 
und die anstossenden Theile Pomesaniens und Pogesaniens bis 
nach Morungen hinauf®^*). Die Comthurei Gerdauen ging ein, 
es wurden dafür aber vorübergehend Comthureien in Lewenburg 
und Insterburg errichtet, dauernder noch später in Bhein, un- 
unterbrochen seit etwa 1341 in Osterode ^^^). 

Die Comthure vereinigten in ihrer Hand für ihren Bezirk 
alle Zweige der Verwaltung, Oekonomie und Pinanzen, Gerichts- 
barkeit und Polizei, Kriegswesen etc. ^^^). Wie es keinen Theil 



^^^) Namenscodex S. 4, 10. Nur Engelhard Kabe führte den Titel eines 
Landcomthurs von Culm noch einmal, zwischen 1392 und 1397, Namens- 
codex S. 57. 

"2) Vgl. Voigt 4, 293 ff. 

^•3) Der Ausdruck desertum oder Wildniss ist bei Chronisten und in Ür- 
l^imden als Bezeichnung für diese Gegenden überaus häufig. 

««*) Vgl. die Urkunde in Baczko's Annalen, Bd. 1, Quart. 1, S. 86. 

'**'^) Näheres hierüber später. 

*««) Voigt 6, 546—5.58. 

11* 



164 Zeit der Ordensherrschaft. 

des Landes gab, der nicht mittelbar oder unmittelbar der Auf- 
sicht eines Comthurs zugewiesen war, so gab es keinen Comthur 
(von HauBcomthuren abgesehen), der einem andern untergeordnet 
gewesen wäre ^^^). Jeder Comthur war das Haupt eines Con- 
vents von Ordensbrüdern, die in der Hauptburg neben ihm ihren 
Sitz hatten und in Landesangelegenheiten eine berathende 
Stimme führten ^^®). Die Kosten einer solchen Verwaltung zu 
mindern, wurden mehrere der älteren Comthureien später auf- 
gehoben und der Verwaltung von Vögten oder Pflegern über- 
geben die dann einem benachbarten Comthur untergeordnet 
wurden. Die Comthureien zerfielen in kleinere Bezirke, welche 
von Vögten, Pflegern, Hauscomthuren, Waldmeistern und Fisch- 
meistern verwaltet wurden. Auch diese Beamten gehörten zu 
dem Convente ®^^) , hatten ihren Sitz aber nicht in der Haupt- 
burg, sondern auf anderen Burgen in der Mitte der ihnen zu- 
gewiesenen Bezirke der Comthurei. Vögte und Pfleger, und 
wohl auch die genannten übrigen Bezirksbeamten, hatten die 
Einnahme des Zinses ^^o), die Verwaltung der Ordensgüter ^^*)> 
die Ausführung der höheren Anordnungen und einen gewissen 
Theil der Jurisdiction ^'^^) zu besorgen. In wie weit die amt- 
liche Stellung eines Vogts von der eines Pflegers sich unter- 
scheidet, ist schwer zu sagen; dem Range nach scheinen sie ein- 
ander gleich gestanden zu haben ^^3); zahlreicher waren freilich 
die Pflegerämter, denn von dem eigenthümlich organisirten Culmer- 
lande abgesehen, kommen fast in jeder Comthurei zwei, drei und 



«67) w^enigstens nicht dauernd ; wenn aber der Verwalter eines Pflegeramtes, 
z. B. Lochstets, ganz vorübergehend einmal den Titel eines Comthurs führt, 
so dürfte damit eine Aenderung in der Organisation der Verwaltung nicht so- 
gleich verbunden gewesen sein. 

^^^) Seit dem Ende des dreizehnten Jahrhunderts wird in den Urkunden 
gewöhnlich mir auf den Beirath der älteren Brüder (seniores) hingewiesen; 
früher scheint ein solcher Unterschied nicht gemacht zu sein. 

•88) Dies zeigt z. B. die Aufzählung der Mitglieder des Convents zu 
Osterode im Zinsbuch AZ, fol. 117, und viele Zeugenangaben. 
«'^) Vgl. die Einrichtung der Zinsbücher und Voigt 6, 552. 

«") Vgl. besonders die Urkunde von 1413 in den Privil. der Stande etc., 
fol. 5. 

®'2) Voigt 6, 621 ff. Zahlreiche Rentenvcrschrcibungcn des Vogts zu. Grcbin 
finden sich im danziger Comthureibuchc. 

^'^) Denn bei Zeugenangaben steht bald der Vogt, bald der Pfleger voran. 



Verwaltungsbezirke. 165 

mehr Pflegerämter nebeneinander vor, wogegen in einigen Ge- 
bieten gar kein Vogt, in ien meisten einer und nur in dem 
Gebiete des Haupthauses Marienburg drei vorkommen ; in manchen 
Bezirken, z. B. dem morungischen und gilgenburgischen, schwankt 
der Amtstitel zwischen Vogt und Pfleger hin und her. Es 
scheint fast, dass man den Namen Vogt da vorzog, wo Wirth- 
schafts- und Gerichts- Angelegenheiten , den I^amen Pfleger da, 
wo Burg- und Heerdienst überwiegende Bedeutung hatten ^^*). 
Hauscomthure als Bezirksverwalter finden wir nur in Pr.-Holland 
und Labiau, Fischmeister in Elbing, Angorburg, Putzig, "Wald- 
meister in Mühlhausen, Eisenberg, Brandenburg etc. In den 
bischöflichen Territorien treffen wir keine Comthure, ausnahms- 
weise Pfleger und Hauscomtliure, überall Vögte. 

Eine andere Eintheilung der Comthurbezirke war die in 
Karamerämter, deren oft mehrere zu dem Bezirk eines Pflegers 
oder Vogtes gehörten, mehrere mit Vogteien und Pflegen zu- 
sammenzufallen scheinen. In manchen Gegenden, namentlich 
einem Theile der Wildniss und in Pommerellen, scheint diese 
Eintheilung zu fehlen. Die Kämmerer wurden ausschliesslich 
aus Eingeborenen altpreussischen Stammes erwählt ^^^); sie be- 
sorgten die Einnahme des prcussischen Zinses *'^^) und hatten 
auch bei den prcussischen Gerichten mancherlei Functionen ^^'). 

In jedem Comthurbezirke gab es überdies ein Landding oder 
Landgericht, bestehend aus einem Landrichter und gewöhnlich 
zwölf Landschöppen , meist aus dem Eitterstande des Bezirkes 



^'**) Voigt meint in der Geschichte Preussens 6, 480: „Die Vögte standen 
in der Kegel selbstständiger da", im Namenscodex S. XVI: „In ihrer Amts- 
verwaltung scheinen die Pfleger in der ßegel unabhängiger dagestanden zu 
haben." Ich finde für keine von beiden Ansichten hinreichende Begründung. 
— Von den Pfandbesitzungen des Ordens wurde Stolpe durch Comthure (Voigt 

4, 437), Wisna durch Pfleger (Cod. dipl. Pruss. IV. n. 69), Dobrin, Schievcl- 
bein, die Neumark und Go'thland durch Vögte (Namenscodex S. 62, 67, 72, 79) 
verwaltet. Der Vogt von Dobrin residirte mit einem Convent von sechs Rit- 
tern zu Beberen (Lindenblatt S. 83, Anm.) 

8'5) Mülverstedt in den N. P. P. Bl. 1855, Bd. 1, S. 192, Anm., und 

5. 278. Vgl. Voigt Bd. 3, S. 556. 

®'^) Dies zeigt die Einrichtung der Zinsbücher. 

^'") Daher werden sie in dem prcussischen Rechte (Manuscr. bei Neuraann) 
mehrfach erwähnt. Johann von Pusilge S. 128 sagt mit Bezug auf die Sa- 
maiten : Der Hochmeister setzte einen Herrn des Ordens zu einem Vogte und 
gab den Landen Kämmerer, die sie sollten richten und verwesen, und gab 
ihnen Recht, darnach sie sich sollten richten und halten. 



166 Zeit der Ordensherrschaft 

ztLsammengesetzt und vorzugsweise zur Aufnahme geriohtliclher 
Verhandlungen über Grundbesitz und andere Vermögensan- 
gelegenheiten bestimmt ^^®). 

1. Die Comthureien des Culmerlandes®^®). 

Der culmer Landcomthur hatte die Oberaufsicht wohl auch 
über Nessau. Nessau, von Hermann Balk erbaut im Jahre 

1230 ®®o)^ lag wahrscheinlich bei dem heutigen Dorfe Gross- 
Niessewski^^O ^^<i erhielt durch den schon erwähnten Vertrag 
des Ordens mit Polen von 1235 ein Gebiet von zwei Meilen 
Länge und einer halben Meile Breite längs der Weichsel. Inner- 
halb dieses Gebietes lag ohne Zweifel auch die noch etwas früher 
gebaute, aber bald verfallene Burg Vogelsang ^^^), Zu demselben 
gehörten aber auch die cujavischen Dörfer Orlow, Morin und 
Neuendorf ^®^). Nessau erhielt seinen Comthur ohne Zweifel 
bald nach seiner Gründung; der erste uns namentlich bekannte 
ist Heinrich um 1250, der letzte Weilrich Breder im Jahre 1485. 
Durch den ewigen Frieden von 1435 ward die ganze Comthurei, 
nachdem das Schloss gebrochen war, an Polen abgetreten®®*). 

Thorn, die älteste der preussischen Burgen, ist im Jahre 

1231 erbaut; die fast gleichzeitig daneben erbaute Stadt musste 
der TJeberschwemmungen der Weichsel wegen bald darauf (1236) 
an einen günstigeren Ort verlegt werden®®^). Die Stadt Thorn 



678) Vgl. Voigt Bd. 6, S. 152 und 624, und die Zeugenangaben in dem 
Bundesbrief von 1440 bei Schütz fol. 141. Ueber das Landding zu Worm- 
ditt fürErmeland (um 1388) vergleiche von Mülverstedt in den N. P. P. BI. 
1857, Bd. 1, S. 183. 

^^^) Es möge hier ein für alle Mal bemerkt werden, dass oine Menge yon 
Angaben über die Zeit der Gründung von Städten und Schlossern, wie sie zu- 
erst im Anhang zu Bunau's Geschichte des dreizehnjährigen Krieges , Witten- 
berg 1582, gedruckt sind, auf den elenden Erdichtungen S. Grunau's beruht 
und daher hier nicht weiter berücksichtigt ist. 

880) Dusburg II. c. 9. 

88») Voigt 2, 190, Anm. 2. 

8B2) Eine Verschrcibung des ncssaucr Comthurs Dietrich über eine halbe 
Hufe in Vogelsang von 1295 steht in den Handf. des Bisth. Samland, foL 93. 

683) Nach einem Zinsbuch von 1415 bei Luc. David 6, 157. VgL die von 
Voigt 7, 269 angeführte Urkunde. Neuendorf scheint Neu-Morin (Luc. David 
G, 158) zu sein. 

884) Ueber die Ruinen von Nessau vgl. Luc. David Bd. 6, S. 157. 

885) Dusburg III. c. 1. Ueber die Verlegung vgl. die ungedruckte Chronik 
des Minoriten ad a. 1236. Ihn scheint Grünau VII, 2, } 3 vor Augen ge- 



Yerwaltungsbei^rke (Gomthureien des Culmerlandes). 167 

erhielt ihre Handfeste zugleich mit Culm von dem Hochmeister 
Hermann von Salza am 28. December 1233 ^®^) und durch die- 
selbe ein Gebiet von einer Meile Länge und einer halben Meile 
Breite längs der Weichsel. Die Neustadt Thorn erhielt ihre 
Handfeste von dem Landmeister Ludwig von Baldersheim am 
13. August 1264^®'). Das Schloss wurde von den Bürgern 
gleich im Anfange des grossen Krieges im Februar 1454 erstürmt 
und niedergerissen^®®). Der erste Comthur von Thorn, den wir 
kennen, Otto, wird um 1250 genannt, der letzte war Albrecht 
!Kalb, bis 1454^®^). Das Gebiet der Comthurei Thorn reichte 
im ^Nordosten bis Srebrnik imd Mlewiez ^'*'^). 

Schloss und Stadt Culm wurden im Jahre 1232 bei dem 
lieutigen Althaus erbaut, die Stadt aber bald darauf (1239) an 
die Weichsel und 1253 abermals auf einen Berg an der Weichsel 
T^erlegt ^^ ^). Das alte Schloss blieb auf derselben Stelle und er- 
hielt nun den Namen Althaus. Hier in Althaus finden wir 
sc3lion im Jahre 1233 einen Comthur, Berliwin, der unter den 
.Zeugen der culmischen Handfeste auftritt ^^^). Der letzte Com- 
t>33.ur von Althaus ist Dietrich von Werdenau, bis 1444^^^). Im 
.^A^nfange des grossen Krieges wurde Althaus wie das Haus Thorn 
.^^rstört. Die Stadt Culm erhielt durch die bekannte Handfeste 
C3in. beträchtliches Gebiet längs der Weichsel, von dem Dorfe 



"bt zu haben, der nur 1236 in 1235 ändert. Voigt Bd. 2, S. 232, Anm. 3 
't> ^ zweifelt dife Verlegung nach dem Vorgange Anderer mit Unrecht. 

6«6) Nicht 1232, wie Voigt 2, 237 rechnet. Vgl. meine Geschichte der 
X>^«^«n8s. Historiogr., Anhang, S. 279. 

«87) Urkunde von 1264, Cod. dipl. Pruss. U. n. 2. 

688) Eunau Lit. F. 3. b. 

680) Namenscodex S. 56—58. 

690) Wernicke, Beschr. von Thorn, S. 275, 290. 

601) Dusburg III. c. 8 und 58. Der Minorit in der ungedruckten Chronik 

^^^iireibt beim Jahre 1232 : civitas Culmen aedificata est circa antiquum castrum; 

^€5 im Jahre 1239: civitas Culmen aediticata est circa Vislam; beim Jahre 1253: 

^ix^itas Culmen aediticata est supra montem de Visla. Hienach sind die Er- 

•^-ichtungen Grunau's VII, 2, § 3 erklärlich. In einer Urkunde des geh. Archivs 

^~<^Ti 1244 (Privil. dos Culmerlandes, fol. 35) wird bereits eine planicies ante 

^"Utiquam civitatcm erwähnt. Luc. David Bd. 3, S. 108, i09 setzt nicht un- 

"^^ahrscheinlich die letzte Transloeation der Stadt mit dem in der culmer Hand- 

^*iste von 1251 erwähnten Brande in Verbindung. 

602) Er steht im Namenscodex S. 35 unter den Comthuren von Culm, ge- 
*^^ort aber augenscheinlich nach Althaus, da es damals noch kein Neu-Culm gab. 

6-'3) Namenscodex S. 18. 



168 Zeit der Ordensherrscliaft. 

Ust bis zum See Eensen und von der Weichsel bis zu den 
Dörfern Lunave (Lunau) und Grobene (Grubno), und wurde aus- 
drücklich zur Hauptstadt des Culmerlandes bestimmt, an deren 
Gericht sich diejenigen zu wenden hatten, die mit den Ent- 
scheidungen anderer Stadtgerichte nicht zufrieden waren. Audi 
in der Stadt Culm nahm ein Comthur seinen Sitz, aber nur 
während des dreizehnten Jahrhunderts; der letzte, Johann von 
Waldersee, wird im Jahre 1298 erwähnt®^*). Später wurden 
beide Comthureien mit einander vereinigt; Heinrich Goldich 
z. B. nennt sich um 1320 Comthur des alten £[auses und der 
Stadt Culm^^^). Zum Schutze der Stadt gegen Pommerellen 
hin legte der Landmeister Poppo von Ostema um 1245 zwischen 
derselben und Althaus ein neues Schloss, Potterberg (Butter- 
berg), an, das aber im Jahre 1283 abgebrochen und dessen Ma- 
terial dann zur Erbauung des Schlosses Mewe gebraucht wurde ®®®). 
Die Burg Beden wurde von Hermann Balk im Jahre 1233 
als Grenzburg gegen die Pomesanier erbaut ®^^. Auch die neben 
derselben erbaute Stadt erhielt noch von Hermann Balk ihr Pri- 
vilegium, welches der Landmeister Konrad von Thierberg mit 
einigen Yeränderungen im Jahre 1285 erneuerte ^®®). Die Eeihe 
der uns bekannten Comthure von Reden reicht von Hartwich 
(1251) bis Dietrich von Werdenau (1449—1454)60»). Ln Jahre 
1454 fiel zwar auch das Schloss Reden den Anhängern des 
preussischen Bundes in die Hände, es wurde aber erhalten. 
Zum Comthurbezirk Reden scheint die Stadt Lessen jenseits 
der Ossa gehört zu haben, welche ihre Handfesten von den Land- 
meistern Meinhard von Querfurt 1298 und Konrad Sack 1306 
erhielt, und deren Gebiet sich bis an die Grenzen des Bisthums 
Pomesanien erstreckte ^^^). 



*04) Namenscodex S. 35. 

ßös) Urkunde von 1320 bei Jacobson, kathol. Kirchenrecht in Prenssen, 
S. (105), 

60ß) Dusburg III. c. 46 und 208. 

*"') Dusburg III. c. 12. In der Nähe yon Reden lagen die Privatleuten 
gehörigen Burgen Tumitz und Castrum Clementis (Plement?). Dusburg III. 
c. 187. Vgl. Voigt 3, 3r)2. 

Go«) Handfeste von 1285, Cod. dipl. Pruss. I. n. 170. 

800) Namenscodex S. 47—49. 

'"") Handfesten von 1298 und 1306, Cod. dipl. Pruss. II. n. 36 und 54. 



Yerwaltangsbezirke (Comtfaureien des Calmerlandes). 169 

Das Haus Birgelau, nordwestlich von Thorn gelegen, wird 
schon im Jahre 1263 erwähnt; es wurde damals von den Li- 
thauern überfallen und bis auf einen Thurm, in welchem sich 
die Besatzung vertheidigte, erobert ^^ '). Comthure von Birgelau 
kennen wir zwischen 1270 und 1415; der erste uns bekannte 
ist Arnold Kropf, der letzte Engelhard Kirsau. Um 1415 wurde 
dieser Comthurbezirk getheilt und ein Theil dem Comthur zu 
Thorn, der andere dem Pfleger zu Peene (Pien) überwiesen. 
Seitdem hatte ein Pfleger seinen Sitz auf dem Hause Birgelau ^^2). 

Das Haus "Wenzlaw (TJnislaw) lag südlich von Althaus, 
da wo noch heute ein Kirchdorf dieses Namens Hegt. Auf dem- 
selben hatten in älteren Zeiten ebenfalls Comthure ihren Sitz, 
Dietrich zwischen 1289 und 1295, Heinrich um 1326; später 
wurde es von Pflegern verwaltet ^o^) , scheint also mit einem 
der benachbarten Comthurgebiete (etwa mit Althaus?) vereinigt 
zu sein. Es wird in der Urkunde des thorner Friedens um 
1466 noch erwähnt. Ganz nahe bei Unislaw, hart an der Weich- 
sel, lag die alte Burg Pien (auch Peene, Pehen genannt), die 
der Orden eine Zeit lang dem Herzog Swantopolk von Pomme- 
rellen überliess ^°*), — im fünfzehnten Jahrhundert der Sitz 
eines Pflegers. Es wäre möglich, dass Unislaw und Pien die 
Hauptorte desselben Pflegeramtes waren, und die Pfleger sich 
nur zeitweise nach dem einen oder nach dem anderen Ort 
nannten ^o^). 

Ebenfalls nicht fern von Althaus, aber in südöstlicher Rich- 
tung von demselben lag die Comthurei Pap au. Papau wird 
um 1285 zuerst erwähnt ^^^). Der erste uns bekannte Comthur 



'0') Dusburg III. c. 155, vgl. 159. Statt Crinota ist bei Dusburg nach 
Jeroschin Trinote zu lesen. Trinote ist aber ohne Zweifel yon Traniate bei 
Alnpeke und yon Stroynat in der lithauischen Tradition nicht verschieden. 
Dusburg nennt ihn filius rcgis, er war also noch nicht selber König, als er 
jenen Einfall in das Culmerland machte. Er wurde König 1263. Hieraus 
allein ergiebt sich der Zeitpunkt seiner Unternehmung. 

'02) Lindenblatt S. 304 mit der Anm. Namenscodex S. 21, 22. 

•03) Namenscodex S. 107. Vgl. Cod. dipl. Pruss. II. n. 19. 

'o<) Urkunde von 1247 und 1248, Cod. dipl. Pruss. I. n. 71 und Dreger n. 187. 

'OJ») In dem Zinsbuche des geh. Archivs mit dem alten Zeichen AZ, ange- 
fangen um 1414, wird zwar fol. 46 das Haus zu Pehen, aber nicht Unislaw 
angeführt. 

'06) Cod. dipl. Pruss. II. n. 8. 



170 Zeit der Ordeusberrschaft 

von Papau, Alexander, verwaltete dieses Amt zwischen 1288 
und 1292. Bald nach dem unglücklichen tannenberger Kriege 
erhielt Papau, wie Birgelau, einen Pfleger statt des Comthurs 
und mag, wie Wenzlaw, dem Comthur von Althaus untergeordnet 
sein. Der letzte Comthur von Papau war Mcolaus Schatz von 
Eberstetten, bis 1421 ; Johann von Spiegel, um 1425, heisst schon 
Pfleger ^ot). 

Die Burg Welsas, welche zuerst im Jahre 1277 erwähnt 
wird^o^), und auf welcher wir in den Jahren 1278 und 1308 
Ordensbrüder als Comthure antreffen ^o^) , scheint finih ver£EJlen 
zu sein. Ihre Lage wird durch den Namen dos Ortes "Wielsons 
an einem See südwestlich von Eeden angedeutet ^ ^°). Die Burg 
Leipe, als solche ebenfalls um 1277 zuerst in der Kriegsge- 
schichte erwähnt ^ ^ '), lag in der Mitte zwischen Papau und Wel- 
sas, da wo noch jetzt der Name Lippinken sich erhalten hat. 
Es war der Mittelpunkt einer Vogtei, vielleicht seit Aufhebung 
der Comthurei Welsas. Der erste Vogt von Leipe, den wir 
kennen, Priedrich, wird um 1325 erwähnt. Als nach der Nieder- 
lage bei Tannenberg die Kosten der Verwaltung möglichst be- 
schränkt wurden, sogleich vom Jahre 1410 ab, erhielten die 
Comthure von Papau die unmittelbare Aufsicht über Leipe, aber 
nur bis 1419; seit dieser Zeit gab es wieder Vögte von Leipe, die 
zugleich den früheren Comthurbezirk von Schön see verwalteten ^ '*). 

Die Burg Graudenz wird in der Kriegsgeschichte nicht 
vor dem Jahre 1277 erwähnt ^^^). Der erste Comthur von 



'°') Naraenscodex S. 44. 

"0«) Dusburg ni. c. 187, vgl. 256. 

'0^ Namenscodex S. 60. 

'*o) Voigt 3, 352, Anm. 1. Im Namenscodex S. 60 wird gesagt, diese 
Jßurg habe zu dem Drittel des Culmerlandes gehurt, welches der Bischof yon 
Culm sich auswählte. Dies scheint nicht richtig zu sein; denn wenn auch 
Welsas durch die Schenkung des Herzogs Konrad von 1222 (Dreger n. 58) 
an Bischof Christian kam, so rerlor doch nach dem Obigen diese Schenkung 
nach der Ankunft dos deutschen Ordens ihre (lültigkcit. 

"») Dusburg III. c. 187. Vgl. Voigt a. a. 0. Die gleichnamige Ort- 
schaft bei der Burg nennt Grünau 1 , 2 , § 14 und nach ihm Hennenberger 
S. 257 Stadt. 

'*-) Namenscodex S. 08, 69. Daher erstreckt sich das Gebiet des Vogts 
von Leix)e damals bis in die Gegend von Strassburg. Urkunde von 1448 bei 
Jacobson, kathol. Kirchenrecht in Prcussen, 8. (120). 

'»3) Dusburg III. c. 187. 



yerwaltungsbesirke (Oomthoreien des Culmerlandes). 171 

Graudenz, den wir mit Sicherheit anführen können, ist Berthold, 
zwischen 1264 und 1269^^*); von da an kennen wir die Reihe 
der graudenzer Comthure ziemlich vollständig bis auf Wilhelm 
von Helfenstein, der zuletzt 1465 erwähnt wird. Die Stadt 
Graudenz erhielt ihre Handfeste von Meinhard von Querfurt im 
Jahre 1291; dieselbe ist im Jahre 1404 erneuert ^*^). Das Ge- 
biet der Comthurei Graudenz reichte nördlich bis an die pome- 
sanische Grenze ^'^). 

Zwischen Reden und Graudenz fast in der Mitte liegt die 
Engelsburg^'^), ebenfalls Mittelpunkt eines^ Comthurbezirkes. 
Der erste der uns genannten Comthure von Engelsburg ist Hein- 
rich Brabantius (1278 — 1285), der letzte Graf Friedrich von 
Zollem (1416)^^®). Zu diesem Comthurbezirk gehörte auch ein 
Landstrich jenseits der Weichsel, welcher an die Abtei Pelplin und 
an die Comthurei Mewe grenzte'*^). Im Jahre 1416 wurde die 
Comthurei Engelsburg aufgehoben, „denn das Gebiet war so gar 
verheert, dass sich ein Comthur da nicht behelfen mochte", und 
theils mit der Comthurei Reden, theils mit der Vogtei Dirschau 
verbunden ^2^). 

Schon jenseits der Ossa, in dem Theile Pomesaniens, welcher 
von der Theilung zwischen dem Orden und dem pomesanischen 
Bischof ausgeschlossen blieb, und welcher der Oberaufsicht des 
culmer Landcomthurs el)enfalls übei^ben sein mag, liess der 
Hochmeister Anno von Sangershausen während des zweiten Auf- 



'^^) In einer Urkunde ohne Datum von dem Landmeister Ludwig mit den 
Zeugen: Friedrich Marschall (1264 — 1271), Konrad yon Thierberg, Hermann 
Comthur von Christburg (1271 — 1276, aber möglicher Weise auch schon 
früher), Bcrthold Comthur von Graudenz (?) und Härtung Comthur von Beden 
(1278—1280 und früher), fol. X, p. 39 des geh. Archivs. Der hier vorkom- 
mende Meister Ludwig kann also nicht Ludwig von Queden (1249 — 1252), 
sondern nur Ludwig von Baldersheim (1263 — 1269) sein. Voigt Bd. 3, S. 21 
nimmt fälschlich das Erste an, und nur deshalb dürfte im Namenscodex S. 31 
der Comthur Berthold mit den Jahren 1250, 1251 angegeben sein. 

'»5) Handfeste von 1404. Preuss. Samml. 1, 161. 

'^*) Es umfasste z. B. das Dorf Volz. Privil. capit, Pomcs. fol. 38. 

'") Dusburg III. c. 22 erwähnt sie, aber in einer Weise, dass man auf 
ihr Alter daraus keinen Schluss ziehen kann. 

'»«) Namenscodex S. 29, 30. 

'>») Urkunde von 1342, Cod. dipl. Pruss. 111. n. 28. 

^^^ Lindenblatt S. 304. Hier heisst die Besitzung des Ordenshauses En- 
gelsburg in Pommerellen Mesig. 



172 Zeit der Ordensfaerrschaft 

Standes der Preussen das Haus Starkenberg errichten ^^ i)^ — 
vielleicht als Namenserben des Hauses Montfort in Palästina, 
des wichtigsten, welches der deutsche Orden dort ausser Akkon 
besass, welches aber im Jahre 1268 von den Türken erobert 
wurde ^-2). Aber Starkenberg in Pomesanien hatte kein besseres 
Schicksal. Das Haus wurde bald nach seiner Erbauung von den 
Heiden niedergebrannt. Nun stand es lange Zeit wüst, bis es 
endlich über die Ossa in die culmer Diöcese translocirt vnirde '2^. 

Wie die ältere Burg Starkenberg lag auch Eoggenhausen 
jenseits der Ossa. Auf Eoggenhausen sassen in älterer Zeit 
Comthure; schon um 1285 wird als solcher "Wynandus und 
noch 1326 Nicolaus genannt; nur einer unter ihnen, Ulrich, 
zwischen 1306 und 1313, heisst auch Pfleger. Nach jenem Ni- 
colaus walteten auf Eoggenhausen Vogte, die sich Vögte von 
Eoggenhausen und Starkenberg nannten, weil Starkenberg wahr- 
scheinlich eben in jener Zeit wiederaufgebaut war. Der erste 
derselben ist Dietrich, um 1336, der letzte Eglof von Eosenbei^, 
bis 1454^24), 

Mitten in einem See des Culmerlandes erbaute der Orden 
das Haus Wartenberg. Wir wissen aber von demselben nur, 
dass es während des zweiten Aufstandes der Preussen von diesen 
wiederholentlich angegriffen und endlich zerstört wurde ^2^). 

Zu den ältesten Ordenshäusem im Culmerlande gehört 
Schönsee (Kowalewo). Es wurde während des zweiten Auf- 
standes von wenigen Ordensbrüdern gegen Diwan tapfer ver- 
theidigt, der vor demselben seindn Tod fand ^^o). Der erste uns 



"0 Dusburg ni. c. 144. 

'") Hugo Plagon p. 744. Marino Sanuto p. 224. Wilken 7, 595 ff. 

«3) Dusburg III. c. 145. 

"4) Namenscodex S. 73—75. 

"25) Dusburg III. c. 153, 154. In dem schon früher angeführten hand- 
schriftlichen Werke : „Grundrisse der Burgen etc.", 1826 — 1828, kommt unter 
andern in der ßubrik „Kreis Thom" vor: „Burg in See zu Tillitz, westlich 
Papau, zwei Meilen Aördlich Thom." Zwei Meilen nördlich von Thom findet 
man auf der Schröttersehen Karte allerdings einen Ort Tillice, aber ohne See, 
und die Bestimmung „westlich Papau" ist auf denselben kaum anzuwenden. 

'2^) Dusburg III. c. IGO. Das Gebiet von Schönsee erstreckte sich, wie 
CS scheint, bis Kawkcn, nach der Verschreibung des Comthurs Otto von 1303 
bei Krcuzfcld vom prcuss. Adel, S. 46, N. 6. Auch erstreckte es sich, wio 
es scheint, bis Wallitz und Nicdzewitz bei Bricsen; denn auf Niedsewitz ist 



Yerwaltangsbezirke (Gomthnreicn des Gulmerlandcs). 173 

bekannte Comthur von SchÖnsee ist Rudolph, um 1278, der 
letzte Ludwig von Erlichshausen, bis 1447. Schönsee wurde 
nach der Schlacht bei 'Tannenberg eine kurze Zeit mit der Com- 
thurei Golub, seit 1419 mit der Vogtei Leipe vereinigt ^2^). Die 
Stadt Schönsee ist im Jahre 1275 erbaut ^^^). 

Nicht fem von Schönsee, an der Drewenz, liegt Schloss und 
Stadt Golub. Das Gebiet von Golub sammt Ostrowitt, Plus- 
cowancz, Crusno, Chelmane, zusammen an tausend Hufen, d. h. 
beinahe drei QMeilen, war früh durch Kauf und Schenkung an 
die Bischöfe von Lesslau gekommen und von diesen den Grafen 
Simon Galliens und Albertuß von Stuolna 1276 zur Location 
übergeben ^2®). Sie hatten davon aber nur sehr geringen Kutzen 
und überliessen daher Golub und Ostrowitt dem Orden gegen 
das Dorf Gribna (Grzywna) bei Culmsee mit 60 Mark jährlicher 
Einkünfte, im Jahre 1293 "O). gehen wenige Jahre darauf (1296) 
wird die Burg Golub erwähnt, und der Ordensritter Konrad 
Sack, bekannt als culmer Landcomthur seit 1296, als Erbauer 
derselben bezeichnet'^*). Die uns bekannte Reihe der Comthure 
von Golub reicht von Hermann (1306) bis auf Konrad Esel 
(1465) "2). Yon der Stadt Golub hören wir zuerst um 1331 '33), 
Golub hatte besondere Wichtigkeit als Uebergangsort über die 
Drewenz, besonders seitdem der Orden auch jenseits derselben 
im Jahre 1306 einen Landstrich erworben hatte. 

Gleiche Bedeutung hatte Strassburg, besonders seit Er- 
werbung der Michelau (1317). Das Haus Strassburg wird schon 
während des zweiten Aufstandes der Preussen erwähnt '3*). 
Comthure von Strassburg kennen wir erst von 1337 ab, in 



der Name Berenwalde,, vulgariter Mesuez nuncupata, m den Urkunden Cod. 
dipl. Pruss. 11. n. 67 und IV. n. 23 zu deuten. Bcerenwalde gekörte von 
1312 bis 1384 den Bischöfen von Plock. 

"') Namenscodex S. 52, 53. 

728) Nach dem Minoriten zu diesem Jahre. Wigand p. 28 erwähnt sie 
beim Jahre 1330. 

"8) Cod. dipl. Pruss. I. n. 161. 

"0) Cod. dipl. Pruss. II. n. 27. 

"») Dusburg III. c. 261, 272. 

"2) Namenscodex S. 30, 31. 

•33) Wigand p. 26. 

•3«) Dusburg ni. c. 157. 



174 Zeit der Ordensherrschaft 

welchem Jahre Friedrich von Spangenberg das Amt verwaltete; 
von seinen Nachfolgern in diesem Amte war Ulrich von Eisen- 
hofen der letzte (bis 1460)»"^). Die Stadt Strassburg wird 
zuerst im Jahre 1298 erwähnt ^^^); wann sie ihre Handfeste er- 
halten hat, ist nicht bekannt, wir wissen aber, dass Winrich 
von Kniprode im Jahre 1353 ^3') und Michael Küchmeister im 
Jahre 1416 ihr Gebiet vergrösserten ^3®). Zu der Comthurei 
Strassburg gehörten im Anfange des fünfzehnten Jahrhunderts 
auf der rechten Seite der Drewenz vierzehn, im michelauer 
Lande vier Zinsdörfer, ausserdem sieben um Lutirberg (Lau- 
tenburg) "®). Man sieht hieraus , dass der Antheil des Ordens 
an der Löbau zum Culmerlande geschlagen ist. Lutirberg heisst 
anderwärts ausdrücklich „Gebiet" ^*°) , scheint also einen eignen 
Pfleger gehabt zu haben. Die Stadt Lutirberg oder Lautenburg 
erhielt ihre Handfeste von Paul von Russdorf ^*'). 

Vielleicht tragt Lutirberg — der Ort kann viel alter sein 
als das Stadtrecht — seinen Namen zu Ehren des culmer Land- 
comthurs Otto von Luterberg, desselben, welcher im Jahre 1325 
auch die Stadt Neumarkt an der Drewenz gründete ^* 2). Zu 
Neumarkt finden wir in den Jahren 1334 und 1343 Vögte ge- 
nannt, aber weder vorher noch nachher. Oberhalb Neumarkt, 
beim Einfluss der Welle in die Drewenz, tritt in dieser Zeit 
das Ordenshaus Brathean hervor^* 3), und auf demselben un- 
gefähr bis auf die Zeit des grossen Krieges Ordensvögte, der 



'^^^) Namenscodex S. 54, 55. 

^^^) Dusburg III. c. 2C3. Die Angabe, dass Strassburg im Jahre 1285 

gegründet sei, die sich auch bei Voigt 4, 22 findet, hat nur Grunau's Au- 
torität für sich. 

"') Privil. des Stifts Samland, fol. 229 b. Vgl. Voigt Bd. 5, S. 106, Anm. 1. 

'3*^) Er yerlieh der Stadt die Dörfer Bürgersdorf und Michelau jenseits 
der Drewenz. Urkunde Ton 1416 bei Zermann, Chronik der Stadt Strassburg, 
Strassburg 1851. 

"9) Zinsbuch AZ, fol. 45 b. 

'40) Grenzbuch B, fol. 99. 

'4^) Handfeste Pauls von Russdorf in einem Transsumt yon 1746 auf dem 
Eathhauso zu Lautenburg. Sie ist irrthümlich von 1410 datirt. Pflugkom 
und andere Abgaben hatte die Stadt nach Strassburg zu liefern. Erwähnt 
wird sie von Lindenblatt S. 203. 

"2) Dusburg UI. c. 353. 

'*^) Ich finde es zuerst in der Urkunde von 1343, Cod. dipl. Pruss. JULI. 
n. 39, und in der Urkunde von 1353 bei Voigt 5, 106, Anm. 1. 



Verwaltungsbessirke (Comthureien des Culmerlandes). 175 

erste, Amandus, um 1379, der letzte, Heidiche von Milen, um 
1447 744)^ Keumarkt gehörte im fünfzehnten Jahrhundert zu 
dem Amtsbezirk der Vögte von Brathean ^*^). Es liegt deshalb 
die Vermuthung nahe, dass die Vögte von l^eumarkt dahin ihren 
Sitz verlegt haben. 

Die Eintheilung des Culmerlandes in Amtsbezirke ist von 
der der übrigen Landschaften wesentlich unterschieden. !N^ament- 
lich in dem westlichen Theile desselben sind eine Menge von 
Comthureien dicht nebeneinander gedrängt: Nessau, Thom, Bir- 
gelau, Wenzlaw, Althaus, Culm, Papau, Welsas, Eeden, Engels- 
burg, Graudenz, Roggenhausen, während der östlichen Hälfte 
des Culmerlandes nur drei Comthureien, Schönsee, Golub und 
Strassburg, angehörten ^*^). Der Grund dieser Erscheinung liegt 
ohne Zweifel darin, dass der Orden die Gegend, die er den 
Prcussen zuerst entrissen hatte, und deren Verbindung mit seinen 
sonstigen Hülfsquellen am sichersten war, so lange als sich der 
Ausgang des Kampfes gegen die Preussen noch nicht übersehen 
Hess, durch zahlreiche Burgen sorgfältiger als jede andere Er- 
oberung zu schützen suchte, weil von der Behauptung derselben 
die Behauptung aller übrigen Eroberungen abzuhängen schien; 
ausserdem scheint man bei der Gründung dieser ältesten Com- 
thureien noch mehr als später auf die anderweitige Bestimmung 
der Ordensritter, namentlich auf das geistliche Leben in den 
Conventen, bedacht gewesen zu sein; sie haben noch mehr den 
Charakter des Klösterlichen, während die jüngeren mehr als 
Herrensitze erscheinen. Erst allmählich gelangte der Orden zu 
dem Grundsatze, die Zahl der Comthureien nicht über das durch 
die Rücksicht auf die Landesverwaltung gebotene Maass zu er- 
höhen; und nach diesem Grundsatze wurden dann auch im Cul- 
merlande allmählich mehrere Comthureien wieder aufgehoben, 
Culm schon im dreizehnten, Wenzlaw, Welsas und Roggen- 
hausen in der ersten Hälfte des vierzehnten Jahrhunderts, in der 



"") Namenscodex S. 62, 63. 

^■»5) Zinsbuch AZ, fol. 89. 

'^'*) Neun dieser Comthuro finden wir im Jahre 1278 zu Reden versammelt, 
Cod. dipl. Pruss. I. n. 163. Es fehlen nur die Comthure von Nessau, Wenz- 
law , Papau , Roggenhausen , Golub und Strassburg. Mitten unter den Com« 
thuren des Culmerlandes wird hier aber auch' noch ein Comthur Otto zu Won- 
neburg erwähnt — eine ganz räthselhafte Notiz. 



176 Zeit der Ordenshorrschaft. 

Nothzeit nach der tannenberger Schlacht noch üngelsburg, 
Papau, Birgelau und Schönsee; Nessau ging 1835 an Polen 
verloren. 

Ueber die Stellung der Vögte und Pfleger zu den jQomthuren 
des Culmerlandes sind wir sehr unvollkommen unterrichtet. Ihre 
Zahl nahm fast in demselben Maasse zu, als die der Comthure 
abnahm. "Wir können kein einziges Vogt- oder Pflegeramt im 
Culmerlande während des dreizehnten Jahrhunderts nachweisen. 
Erst im Jahre 1317 tritt ein Conradus advocatus Culmensis '^^, 
als dessen Nachfolger Burckhardus advocatus Culmensis provincie, 
1338 und 1340 ^*ö), anzusehen sein wird, hervor; ob er aber 
etwa einen Theil der aufgehobenen Comthurei Culm verwaltete, 
oder welche Stellung er sonst hatte, wissen wir nicht ^*^). Noch 
vor Ablauf der ersten Hälfte des vierzehnten Jsihrhunderts gab 
es drei Vogteien im Culmerlande: Eoggenhausen, Welsas ^ Leipe 
und Neumark-Brathean, von welchen wenigstens die beiden 
ersteren aus aufgehobenen Comthureien entstanden sind '^o). Die 
ältesten Pflegerämter werden Wenzlaw-Pien und Lautenburg ge- 
wesen sein. Nach der tannenberger Niederlage traten auch in 
Papau und Birgelau, wahrscheinlich auch in Engelsburg, statt 
der Comthure Pfleger ein. 

2. Das Bisthum Culmsee. 

Der bischöfliche Antheil an dem Culmerlande und der Löbau 
wurde von einem Bischof svogt verwaltet ^^ ^) ; einen besonderen 
Vogt des Kapitels finden wir in diesem Bisthum nicht angeführt» 
Die bischöflichen Städte Culmsee und Br lesen (Wredeck, 



'^•) Neben dem Landcomthur Heinrich von Gera, Cod. dipl. Pruss. 11. n. 82. 

'48) Urkunde von 1338, Cod. dipl. Pruss. in. n. 7. Für das Jahr 1340 
Namenscodex S. 16. 

'*ö) Die im Namenscodex S. 16 ausgesprochene Vermuthung, der Vogt 
möchte in des Landcomthurs Stelle getreten sein, ist, von anderen Gegengründen 
abgesehen, deshalb unhaltbar, weil ein advoc. Culm. schon neben dem Land- 
comthur auftritt. 

'50) In der Vogtei Brathean liegt ein Dorf Wonne, Zinsbuch AZ, fol. 49 
und 126. Ob hier etwa in früheren Zeiten eine Burg, Wonneburg, gestanden 
hat ? Dann könnten die Comthure von "Wonneburg (s. Anm. 746) als Vorgänger 
der Vögte von Neumark und Brathean angesehen werden. 

"') Schon 1278 erwähnt, Cod. dipl. Truss. I. n. 163, desgleichen 1330, 
Wigand p. 22. Diese Vögte hätten im Namenscodex ebensogut eine Stelle 
verdient, als die von Heilsberg oder Samland. 



\ 



Verwaltungsbezirke (Bisthum Calmsee). 177 

Wambresia) fandeii wir schon in der Fundationsurkunde des 
cubnischen Domkapitels von 1251 erwähnt. Culmsee ist vor 
1233 von Bischof Christian angelegt ^^2) , Stadtrecht mag es im 
Jahre 1251 erhalten haben ^^^). In Briesen oder Frideck wird 
auch ein Schloss erwähnt^**). Lob au, ein uralter Ort, wurde 
früh die Eesidenz des culmischen Bischofs; Stadt und Schloss 
wurden während des zweiten Aufstandes der Preussen zerstört, 
aber bald wieder hergestellt ^^^). Handfesten der Stadt werden 
aus den Jahren 1326, 1483 und 1620 erwähnt, scheinen aber 
verloren gegangen zu sein. In der ersten erhielt die Stadt, 
nach einer noch erhaltenen l^otiz, zwanzig Hufen, die jetzt so- 
genannten Radical-Aecker ^*®). Auch Kauernick, zuerst im 
Jahre 1330 erwähnt ^^^), war eine bischöfliche Stadt ^*®) mit 
einem Schlosse ^^^). - 

3. Das Bisthum Pomesanien. 

In dem Bisthum Pomesanien gab es nicht bloss einen 
Bischofs- , sondern auch einen eigenen Kapitelsvogt ^®°). Auch 
treffen wir hier zuerst auf einen Kämmerer, was auf Eintheilung 



'**) Denn 1233 fiel Christian in die Gefangenschaft der Heiden, und wäh- 
rend derselben wurde nach seiner Klage, Act. Bor. I. p. 431, sein Bischofssitz 
schon geplündert. Vgl. noch Dusburg III. c. 148 ff. — Üeber die Kathedrale 
von Culmsee vgl. N. P. P. Bl. Bd. 9, S. 23—25. 

'»3) Der Minorit beim Jahre 1251 : Civitas Culmense aedificatur a dorn. 
Hinrico episcopo. 

'**) Castrum Frideck, Voigt 7, 245, Anm. 

'") Dusburg ni. c. 157. Vgl. 275, 279. 

'5«) Nach den löbauer Magistrats-Acten, Lit. S, Nr. 70, betreffend den Ent- 
wurf der Statuten für die Stadt Löbau. Auf dem Magistrat zu Löbau sind 
die erwähnten Urkunden nicht mehr vorhanden. 

"7) Wigand p. 22. 

758) Nach der Urkunde des thomer Friedens in den Privil. der Stände etc. 
fol. 23 b, aus der sich zugleich ergiebt, dass dem Bischof von Löbau keine 
anderen Städte weiter als die oben genannten vier zugehörten. 

'**) Hennenberger S. 44. 

'***) Ein Bischofsvogt wird schon 1287 erwähnt, andere in den Jahren 
1323, 1330, 1336, 1343, 1374, 1378, Cod. dipl. Pruss. U. n. 14, 103, 131, 
168; ni. n. 41, 117, 128. Kapitelsvögte um 1336, 1355, 1378, Cod. dipl. 
Pruss. II. n. 158; III. n. 79 und 132. Auch diese Vögte sind im Namens- 
codex übergangen. In Urkunden von 1400 und 1406 kommt „Her Nyclos, 
Pfleger des Kapitels," vor, Privil. capit. Pomes. fol. 22, 42. Niclaus Söben- 
auer, Hauptmann zum Schönberg 1507, in den Verschr. des Kammerarats Liebe- 
mühl (zu Osterode), fol. 117. 

12 



178 Zeit der Ordenshemohaft 

des Bisthums in Kammerämter schliessen läfisf ^). Yon den 
Städten desselben ist Marienwerder die älteste. Die Bnrg düLeses 
Namens war von Hermann Balk im Jahre 1233 zuerst auf der 
Insel Quidin angelegt, aber bald darauf nach der heutigen Stelle 
verlegt. Die Stadt wurde Jahres darauf während eines EjreuB- 
zuges vieler polnischer und pommerscher Fürsten angel^'**). 
Während des zweiten Aufstandes der Preussen . wurde die Stadt 
zweimal erobert und niedergebrannt; das Schloss hielt sich '••). 
Die von Hermann Balk ausgestellte Handfeste derselben wurde 
im Jahre 1336 von Bischof Berthold und dem Kapitel erneuert '•*). 
Yor der Theilung der Diöcese zwischen dem Orden und dem 
Bischof y und einige Zeit auch noch nach derselben, hatten in 
Marienwerder Comthure ihren Ansitz ^®*) ; später treten ebed- 
daselbst, wie auch in Schöneberg und an einigen anderen Orten, 
Hauscomthure ein ^®ß). Burg und Stadt Eiesenburg erbaute 
Bischof Albert zwischen zweien Seeen im Jahre 1276 ^®^. Um 
die Stadt zu heben, ertheilte ihr Bischof Eudolph im Jahre 1330 
eine günstigere Handfeste ^®®). Ein früh genannter Ort ist 
Garn See. Es tritt hier aber früher ein Kloster hervor als 
eine Stadt. Der reich begüterte Dietrich Stange wies dem Ci- 
stercienserkloster daselbst im Jahre 1285 zweihundert Hufen 
an^^^). Die Stadt wird sich in der nächstfolgenden Zeit all- 
mählich gebildet haben. Der eben genannte Bischof Berthold 
suchte auch sie durch Ertheilung^ günstigerer Bedingungen in 



'6») Um 1379, Cod. dipl. Prass. HI, 133. Bischöfliche H3fe (onriae) 
finde ich drei erwähnt: Nova curia 1338, Privü. capit. Pomes. fol. 86, Staa- 
^nwalde 1343, Cod. dipl. Pruss. III. n. 41, Lynsen 1402, Friyil. Pomef. 
eccl. fol. 56. 

"2) Dusburg in. c. 9, 10. 

'63) Dusburg in. c. 142, 143. 

"*) Handfeste von 1336, Cod. dipl. Pruss. II. n. 158. 

'6^) Ludoyicus in Quidzin proyisor 1233 in der culmischen Handfest«. 
Commendator episcopi Insule sancte Marie 1257, Cod. dipl. Pruss. I. n. 105. 

766) Drei Vicecommendatores erwähnt die Urkunde yon 1889, Cod. dipl. 
Pruss. IV, 67; vgl. V. n. 47. 

'<^') Dusburg m. c. 172. Der Canon. Samb. Sp. 33 giebt das Jahr 1277 an. 

'<^^ Handfeste von 1330, Cod. dipl. Pruss. II. n. 131. Vgl. die Urkunde 
von 1376, Cod. dipl. Pruss. V. n. 18. 

'^^^) Urkunde von 1285, Cod. dipl. Pruss. II. n. 8. Ueber die BesitrangMi 

der Stange vgl. noch IL n. 29, 103. 



Yerwaltungsbezirke (Bisthom Pomesanien). 179 

der Handfeste von 1334 zu heben "O). Die Stadt Bischofs- 
werder an der Ossa wurde von Bischof Eudolph im Jahre 
1326 gegründet ^^*) und erhielt ihre Handfeste von ebendem- 
selben im Jahre 1331 ''''^). Freystadt finde ich zuerst in 
einer Aufzeichnung von 1397 und in einer Urkunde vom Jahre 
1402 als bischöfliche Stadt erwähnt ^^^), doch war sie jedenfalls 
wohl beträchtlich älter. Die Stadt Rosenberg erhielt ihre 
Handfeste von dem Probst Heinrich von Lüneburg und dem 
Kapitel im Jahre 1315^^*). Das Schloss Schönberg, welches 
von dem Domkapitel im Jahre 1301 erbaut ist^^*), hat sich 
noch ziemlich unversehrt bis auf den gegenwärtigen Tag erhalten. 

4. Das Gebiet Christburg. 

Die Ordenscomthurei C hristburg umfasste in älteren Zeiten 
nicht nur die beiden Drittheile Pomesaniens, welche bei der 
Theilung mit dem Bischöfe dem Orden zufielen, sondern auch 
das Land Sassen ^^^), so dass sie sich also von der Weichsel 
bis zur polnischen Grenze erstreckte. In den Weichsel- und 
Nogat-Gegenden ist sie durch die Ausbreitung des Gebietes von 
Marienburg eingeengt, im Süden durch die Abtrennung der 
Comthurei Osterode. Im Westen wurde sie von dem Gebiete 



"°) Handfeste von 1334 in den Privil. capit. Pomesaniensis, fol. 36 (im 
gek. ArckiT), jetzt auch im Cod. dipl. Pruss. V. n. 3 nebst einer ergänzenden 
vom Jahre 1338, ibid. n. 5, gedruckt. Nach einer wahrscheinlichen IJeber- 
lieferung bei Hennenberger S. 136 ist die Stadt im Jahre 1328 erbaut. 

"») Dusburg ni. c. 353. 

"2) Handfeste von 1331, Cod. dipl. Pruss. II. n. 138. 

^'3) Aufzeichnung von 1397 im Cod. dipl. Pruss. V. n. 47. Urkunde von 
1402 über dreizehn Hufen, welche Bischof Johann der Stadt verkauft, Privil. 
Pomesan. eccl. fol. 56. Die im Cod. dipl. Pruss. 11. n. 29 gedruckte Urkunde 
von 1293 führt in demselben Folianten fol. 23 die Ueberschrift : Sequitur 
Privilegium de Vryenstat, Clostirchin, Dakon, Pankow. Damach liegt die 
Vermuthung nahe, dass die Gründung von Freistadt schon im Jahre 1293 im 
Werke gewesen sei. 

"*) Handfeste vom 14. Januar 1315 über achtzig Hufen auf dem Rath- 
hause zu Rosenberg, wo auch noch ein Kaufvertrag Über zehn Hufen von 
1361 bewahrt wird. 

"») Hennenberger, Erkl. der Landtafel, S. 428. 

"*) Die früher ausführlich mitgetheilte Urkunde hec sunt antique granicie 
sive gades inter terram Galindin et Masoviam schliesst, nachdem sie die Grenz- 
stationen von der Wysa bis zur Orzyz verfolgt hat, mit der Bemerkung, dass 
die übrigen den Pruthenis de Natangia unbekannt, aber von den Prutheuis de 
Christburg zu erfragen seien. 

12* 



180 Zeit der Ordensherrsohaft 

des Haupthauses geschieden durch eine Linie, welche sich neben 
Nikolayken, Altmark, Iggeln, Grünfelde, Jordanken einerseits 
und Neumark, Peters walde, Kalwe, Schroop andrerseits hinzog. 
Die zuletzt genannten Orte gehörten schon zu Marienburg "*). 
Im Norden gehörten die „bei dem Thörichten Hofe" (Thörichthof) 
gelegenen Dörfer Lichtenfeld, Stall, Posilge, Eeichenfeld, Klacken- 
dorf, Altfelde, Eosengarten, Thiergarten in alteren Zeiten und 
noch 1351"®) zu Christburg, später zu Marienbui^ '^'^®). Im 
Süden des Drausenseees bezeichnet das Dorf Eeichenbach die 
GFrenze zwischen dem elbinger und christburger Gebiet; es wurde 
im Jahre 1310 von den Comthuren von Christburg und Elbing 
Sieghard von Schwarzburg und Heinrich von Gera gemeinschaft- 
lich als Grenzdorf angelegt ^®°). "Weiter hinab nach Südosten 
zu, „in der Wildniss", wurde die Grenze zur Zeit, als Luther 
von Braunschweig Comthur zu Christburg (1314 — 1326 mit Un- 
terbrechungen) und Hermann von Oettingen Comthur zu Elbing 
(1320 — 1331) waren, von dem uns schon durch die samländisohe 
Grenzbeschreibung bekannten Friedrich von Liebenzell als bevoll- 
mächtigtem Schiedsrichter beider Theile festgestellt. Anhebend 
von dem Ausfluss der Passarge aus dem Siring- (Sarung-) Öee, 
zog sie sich zwischen dem Tombar- (Taber-) und Lüben- (?) auf 
den Geilen- (Gehl-) See. So weit können wir sie sicher ver- 
folgen; weiter aber soll sie beim See Gelbin vorbeigehen, so 
dass dieser auf elbingischer Seite bleibe, und sich bis zum See 
Sigewalde, da wo das Fliess in denselben eingeht, hinziehen. 
Diese beiden Seeen sind nicht sicher zu bestimmen ; doch scheint 
die Richtung auf den Nase wit- See, der auch nach der Umwand- 
lung der Comthureien in Hauptämter in der späteren Zeit Gbrenz- 
see ist, im Allgemeinen angedeutet^®*)- Die Dörfer Sonnenbom, 
Venedien, Deutsch- und Russisch -Gotteswalde, Willmsdorf und 



'") Nach den Zinsbüclieni. 

"8) In der Verschr. des Dorfes Halberstadt von 1351, Fol. IV. fol. lU, 
wird gesagt, dass hier die Gebiete von Marienburg, Elbing und Chriftlwiy 
zusammenstossen. 

^^®) Nach einem Vermerk auf einem losen Blatt im marienburger Zinibadie 
des geh. Archivs. 

WO) Urkunde von 1310, angeführt von Neumann in den N. P. P. Bl. 186S, 
Bd. 1, S. 324, 32Ö. 

*^*) Urkunde des Hochmeisters Luther von Braunschweig in Bftoiko's Ai« 



Verwaltongsbezirke (Gebiet Chrietburg). 181 

Seegerswalde gehören nach Ausweis der Zinsbücher schon zu 
Christburg. Im Süden erstreckte sich die Comthurei nach Ab- 
trennung von Osterode zwischen dem pomesanischen Bisthum 
und dem Geserichsee bis in die Nähe der Südspitze des letz- 
teren, wie das spätere Hauptamt Freuss.-Mark; denn Schinewiten, 
das an dem früher erwähnten See gleiches Namens zu suchen 
sein wird, gehörte derselben noch an. Auf der anderen Seite 
des Geserichseees dürfte die Grenze gegen die Comthurei Osterode 
durch den Drewenzsee gebildet sein; gewiss wissen wir, dass 
Liebemühl und XJraw (Auer) noch nach Christburg gehörten ^®2). 
Dem Comthur zu Christburg waren die Gebiete von Preuss.- 
Mark, Liebemühl und Morteg, vor der Gründung der 
Comthurei Osterode auch noch die von Osterode und Gilgen- 
burg untergeordnet. In Preuss.-Mark wird ein Schäffer schon 
um 1312 erwähnt; später residirten daselbst Pfleger, seit dem 
Jahre 1359. Vögte, an deren Stelle seit den Zeiten der tannen- 
berger Schlacht Hauscomthure traten ^®^). In Liebemühl kennen 
wir nur Pfleger ^®*). In Morteg haben wir nur beim Jahre 
1354 einen Pfleger, sonst nur Fischmeister angetroflPen ^®*) ; doch 
ist es möglich, dass der Fischmeister hier zugleich Bezirksver-, 
Walter war, wovon wir noch andere Beispiele anführen werden. 
In Gilgenburg gab es vor Errichtung der neuen Comthurei zu- 
erst Pfleger, seit 1325 Vögte, in Osterode Pfleger ^®^). Die Lage 
von Preuss.-Mark und Liebemühl ist bekannt; Morteg ist das 
heutige Mortung im Südwesten von Preuss.-Mark, wiewohl es 



nalen, Bd. 1, Quart. 1, S. 86, 87. Gelbin könnte möglicher Weise den ganz 
kleinen See bei Gettinen, zwischen Gr. -Gotteswalde und Reussen, bezeichnen, 
lieber den Nasewit-See ist die Karte Preussens von 1763 zu yergleichen. 

'82) Zinsbuch AZ, fol. 67 ff. 

783) Ygi^ Namenscodex S. 98, 99 mit folgenden Nachträgen: Eberhard We- 
gendorf, Vogt zu Pr.-Mark 1390; Ulrich Yon Bottilsheim , Hauscomthur zu 
Pr.-Mark 1438; Jost yon Tettau, Hauscomthur zu Pr.-Mark 1496; Gundram 
von Holzfeld, Hauscomthur zu Pr.-Mark 1507 nach den Verschr. des Kammer- 
amtes Liebemühl (zu Osterode), fol. 25, 9, 21, 117. 

'8*) Namenscodex S. 90. Hinzuzufügen ist: Wilhelm Schott, Pfl. zu L. 
1471, Verschreibungen des K.-A. Liebemühl, fol. 39. 

'öS) Wilhelm Lowe, Pfl. zu Morteg 1354, christb. Urkunde in Richters 
Beitr. zur Kunde Preussens,^ 1837, S. 135. Konrad von Buschsetke, Fischm. 
zu Morteg 1390, Simon Tzoble, F.-M. zu M. 1404, Dietrich Taye, F.-M. zu 
M. 1413, in den Verschr. des K.-A. Liebemühl, fol. 25, 115, 35. 

"«) Namenscodex S. 66, 42. 



182 Zeit der OrdensherrsohAft 

auffällt, dass diese beiden Pflegersitze so nahe neben einander 
gelegen haben. Als Kamm er am t er des christburger QelM0t8 
werden in den Zinsbüchern Moreyn, Neymen, PreuBB-- 
Mark, Kerpau, Kirsitten genannt. Mereyn ist ohn^e 
Zweifel Morainen, südwestlich von Christbnrg, Eirsitten ist Ker- 
schitten, nordöstlich von Christburg. Neymen finden wir in d^m 
Oertchen Nehmen an dem gleichnamigen See nordöstUcdi von 
Saalfeld, Kerpau in dem Dorfe Kerpen zwischen den beiden 
nordöstlichen Ausläufern des Geserichseees wieder ^®'). 

Das Haus Christburg wurde im Jahre 1247 auf eindr 
Stelle erbaut, wo früher eine heidnische Burg gestanden hatte. 
Sie wurde am heiligen Abend vor Weihnachten erobert, daher 
der Name des Ordenshauses. Es wurde bald darauf von Swan- 
topolk zerstört, aber von den Eittern an einer anderen günstigeren 
Stelle wiedererbaut ^®®). Während des zweiten Aufstandee dex 
Preussen stand neben der Ordensburg noch eine andere, welche 
die getreuen Pogesanier vertheidigten , und neben jeder von 
beiden eine städtische Ansiedelung, eine deutsche und eine 
preussische ^®^) , wie noch jetzt neben der, Stadt ein Dorf Alt- 
Christburg vorhanden ist. Die Eeihe der uns bekannten Com- 
thure beginnt mit Heinrich Stange um 1250; seit dem Jahre 
1312 wurde die Comthurei, wie schon erwähnt, grossentheils 
von den obersten Trappieren des Ordens verwaltet. Die Stadt 
erhielt einen Schultheissen schon im Jahre 1288 durch den 
Comthur Helwig, das culmische Eecht im Jahre 1290 duroh den 
Landmeister Meinhard von Querfurt ^^°). 



'®') Nach den Kammerämtern sind im Zinsbuch AZ, fol. 71 ff. die preiis- 
sischen Dörfer und freien Dienste aufgezäUt. Der Hufenzins dagegen ist 
unter vier Kubriken aufgeführt : Christburg, Morteg, Vogtei Preuss.-Maik, Liebe- 
mühl. Dies scheint der Grund zu sein , weshalb auch Christburg in der Ur- 
kunde des thomer Friedens fol. 21b und LiebemÜhl in einer Urkunde Ton 
1496 (Verschr. yon Liebemühl, fol. 21) Kammerämter genannt werden. Wenn 
in der thomer Friedensurkunde Külbom und Hohendorf zum Gebiete Fr.- 
Mark gerechnet werden (während Külbom im Zinsbuch nicht unter Pr.-Mui^ 
sondern unter Christburg aufgeführt wird), und wenn in der eben angeführten 
Urkunde yon 1496 das Kammeramt LiebemÜhl als zum Gebiete Pr.-Mark ge- 
hörig bezeichnet wird, so sind hier die veränderten Verhältnisse der Zeit an- 
gedeutet, in welcher Christburg dem Orden verloren gegangen war. 

'«8) Dusburg ni.. c. 57, 61, 62. Vgl. Canon. Samb. Sp. 32. 

'»») Dusburg III, 138. 

"^ Urkunden von 1288 und 1290, Cod. dipl. Pruss. II. n. 16, 21. Zu- 



Verwaltiuil^beiirke (Ckbiet Osterode). 183 

Nördlieh von Christburg lag das in älteren Zeiten für die 
Landesvertheidigiing nicht unwichtige Haus Pusilia, bei dem 
heutigen Dorfe Posilge ^^ ') , von dem längst keine Spur vor- 
handen ist, und 'in unbekannter Gegend Spittenberg, welches 
während des zweiten Aufstandes der Preussen zerstört und dann 
nicht wiederhergestellt wurde ^®2). Das Schloss Preuss. - Mark 
wird zuerst im Jahre 1312 erwähnt ^®^). 

Unter den Städten des Comthurbezirkes ist nächst Christburg 
die älteste Saalfeld; sie erhielt ihre Handfeste durch den Com- 
thur Sieghard von Schwarzburg 1315 und eine zweite ver- 
besserte von Luther von Braunschweig im Jahre 1320^**). Die 
Gründung der Stadt Liebem ü hl übertrug der oberste Trappier 
und Comthur zu Christburg, Härtung von Sonnenbom, dem 
Schulzen Tyle von Herzogenwalde im Jahre 1335 ^®^). 

6. Das Gebiet Osterode.' 

Seit den zwanziger Jahren des vierzehnten Jahrhunderts 
hatte man auch den Anbau des Landes Sassen eifriger betrieben. 
Peter von Heselecht und Heinemann und Konrad von Wansen 
hatten dort im Jahre 1321 ein Gut von 1440 Hufen, d. h. 
vier QMeilen, übernommen'®^); der ganze Landstrich zwischen 
Drewenz und Grabitz wurde im Jahre 1325, in acht Güter zu 
je achtzig oder vierzig Hufen getheilt, an Hannus von Otatz, 
Peter von Geierswalde, Berthold von Fürstenau u. s. w. ausge- 



sätze und Abänderungen dieser Handfesten enthalten die Urkunden von 1298 
und 1316, Cod. dipl. Pruss. U. n. 38 und 74. 

'9^) Dusburg III. c. 138. 

'92) Dusburg III. 0. 146. 

^93) Eckart, Scbäffer zu Pr.-Mark 1312, im N.amenscodex S. 98. Einige 
Naduicbten über Pr.-Mark giebt Krause in Bichters Beitr. zur Kunde Preus- 
sens, 1837, S. 171 ff. 

'»*) Handfeste von 1320, Cod. dipl. Pruss. II. n. 89. 

'96) Handfeste von 1335, Cod. dipl. Pruss. n. n. 156. Das Original dieser 
Handfeste ging früh verloren; ein Transsumt derselben von Walther Kirsch- 
korb aus dem Jahre 1438 und einige andere Verschreibungen aus der Ordens- 
zeit sind auf dem Bathhause zu Liebemühl erhalten. 

'ö*) Urkunde von 1321, Cod. dipl. Pruss. II. n. 98, nach einer fehlerhaften 
Handschrift gedruckt. Das Original ging früh verloren; das Original der Er- 
neuerung vom Jahre 1418 befindet sieh im elbinger Archiv. Der Name Baysin 
ist in Wansin zu verwandeln und hiemach die Genealogie der Baysen bei 
Mtilverstedt N. P. P. Bl. 1853, Bd. 1, 103. 



184 Zeit der Ordensherrschaft. 

geben ^^^); Konrad Düringe erhielt 1328 westlich von der Orabitz 
ein Gut von zweihundert Hufen, das heutige Döringen '®^, u. s. w. 
Vor der Errichtung der Comthurei Osterode gab es, wie ge- 
sagt, eine Vogtei Gilgenburg und ein Fflegeramt Osterode. In 
Osterode gab es noch 1333 einen Pfleger, im Jahre 1341 wird 
uns schon ein Comthur Heinrich von Metz genannt '^•) ; ^ die 
Gründung der Comthurei fällt also sicher zwischen 1833 und 
1341. Es ist aber sehr wahrscheinlich, dass Heinrich von Metz 
nicht bloss der erste uns bekannte, sondern überhaupt der' erste 
Comthur von Osterode gewesen ist ; in diesem Falle können wir, 
da Heinrich von Metz im Jahre 1340 noch Vogt von Gilgen- 
burg war ®°°), noch bestimmter sagen, die Comthurei Osterode sei 
1340 oder 1341 errichtet. Dem Comthur von Osterode unterge- 
ordnet waren die Pfleger von Eilau®^'), von Gilgenburg, 
wo Heinrichs Nachfolger nur ausnahmsweise den Titel Vogt führ- 
ten®ö2), YQj^ Soldau, wo später, nämlich seit 1383, Vögte an 
die Stelle der Pfleger traten, von Neidenburg und von Wil- 
lenberg. Die Vogtei Soldau scheint in der Zeit nach der 
tannenberger Schlacht ganz eingegangen , und seitdem etwa 
mit dem kurz vorher errichteten Pflegeramt zu Neidenburg ver- 
einigt zu sein ®°^). Die Kammerämter der Comthurei waren 
Eilau, Gilgenburg, Hohenstein, Neidenburg, Sol- 



"'') Urkunde von 1325 im elbinger ArcliiY. 

'ö8) Urkunde von 1328 ebenda. 

^^^ Urkunde von 1341 , Cod. dipl. Pruss. III. n. 24. Im Namenscodez 
S. 42 ist Heinrich als Comthur erst beim Jahre 1343 aufgeführt. 

800) Urkunden von Lucä 1340 und Nicolai 1340. Hohensteiner Grand- 
buch (in Osterode) K. 76 und Handfesten von Liebemübl (ebenda), fol. 28. 
Vgl. Namenscodex S. 66. 

80») Ludwig, Pfleger zu Eilau 1340, Verschr. von Liebemühl foL 28 
£untmund von Maslaube, Pfleger zu E. 1348, nach der Handfeste von Osterode, 
Ulrich von Elinsburg, Hauptmann zu E. 1466, und George von Feylitiseli, 
Pfleger zu E. 1507, nach den Verschr. von Liebemühl, fol. 38 und 117. Im 
Namenscodex sind keine Pfleger von Eilau angezeigt. 

802) Hannus von Lichtenstein heisst Vogt in einer gilgenburger Urkunde 
von 1382 in der Sammlung von Neumann. Andere im Namenscodex S. 66» 
wo ein Br. Batzke als Pfleger von Gilgenburg aus der Handfeste von Osterode 
nachgetragen werden kann. 

803) Pfleger und Vögte von Soldau im Namenscodex S. 80 (wo Br. Scherge, 
Pfleger in Soldau, nach der Handfeste von Osterode hinzugefügt werden kann; 
statt Ulrich von Jungingen 1432 ist nach einer hohensteiner Urkunde U. v. 
Gich zu schreiben) ; Pfleger von Neidenburg ebenda S. 95 (Wilhelm Kranichen, 



^■»^■■.1 



Yerwaltnngsbezirke (Gebiet Osterode). 185 

dau®^*). Das Kammeramt Deutsch - Eilau entspricht, nach der 
Lage der ans überlieferten Ortschaften desselben zu urtheilen, 
genau dem späteren Erbamte gleiches I^amens; es umfasst öst- 
lich von der Stadt Deutsch -Eilau auch die Ortschaften Winkel- 
dorf, Stradem, Golman (Gulbien) und Herzogswalde. Das Xam- 
meramt Gilgenburg, auch Vierzighuben genannt von dem gleich- 
namigen Gute zwischen Gilgenburg und Marwalde, mag in 
gleicher Weke mit dem späteren Erbamte Gilgenburg zusammen- 
Mlen, doch ist dies bei der Schwierigkeit, alle angeführten Ort- 
schaftsnamen zu deuten, nicht so sicher zu behaupten. Die 
Ostgrenze des Comthurbezirks ist nicht ganz genau zu ermitteln, 
da die Umgegend von Willenberg wohl nur sehr dürftig angebaut 
war. Die Ortschaften der Kammerämter Hohenstein und Neiden- 
bui^ fuhren ums etwa bis Kurcken und Muschacken; in dem 
Zinsregister des letzteren wird jedoch noch erwähnt, dass das 
Eisenwerk zu Kottenberg dem Pfl^er zu Wildenberg eine Last 
Eisen zinse. Es scheint, dass dieser Name auf den OmuleflPbfen 
zu deuten ist, der noch den Namen Kott führt. Vermuthen 
darf man, dass der See und Eluss Omuleff die Grenze zwischen 
dem willenberger und ortelsburger Gebiet gebüdet habe, da die 
ermeländischen Bischöfe, als sie im vierzehnten Jahrhundert eine 
neue Theilung von Galinden und Sudauen verlangten, diese 
Grenze respectirten ®°*). 

Wie alt das Schloss Osterode sei, lasst sich nicht be- 
stimmen, doch mag es schon geraume Zeit gestanden haben, als 
die Comthure einzogen. Li Stein ausgebaut wurde es erst durch 
den Comthur Günther von Hohenstein (1349 — 1370) «oß). Der 
Stadt verlieh Luther von Braunschweig als Comthur von Christ- 
burg ihre Freiheiten, doch stellte die Handfeste darüber erst der 



H^er sni Neidenburg . 1421 , nach dem hohensteiner Grundbuch in Osterode 
N. 12), Pfleger von Willenberg ebenda S. 107 (wo noch Hans von Tronigen 
fehlt). In dem Zinsbuche AZ, fol. 117 (um 1437) werden als zum Convent zu 
Osterode gehörig angeführt: der Vogt zu Soldau, der Pfleger zu Neidenburg, 
der Pfleger zu Willenberg, aber keine Pfleger zu Eilau oder Gilgenburg. 

*^) Nach den Zinsregistem. 

^0«) Wovon schon oben die Bede war. Die Südgrenze des Pflegeramtes 
8*gen Polen wurde nach der Niederlage bei Tannenberg durch einen Comthur 
'on Osterode und einen Pfleger von Wülenberg beritten und neu verzeichnet, 
Örembuch B, fol. 97, 98. 

^•) Nach der Chronik des Minoriten. Vgl. unten. 



186 Zeit der OrdenshemoliAft. 

Comthur von Osterode Albrecht Sohoff im Jahre 1348 aiu^^. 
Noch älter als Osterode war die Stadt Deutsch-Eilaa «a 
der Südspitze des Geserichseees. Sie erhielt ihr erstes Privi- 
legium schon im Jahre 1305 durch Si^hard von Sohwaraburg, 
Comthur zu Christburg; sein Nachfolger Luther von Braun- 
schweig erneuerte und verbesserte dasselbe im Jahre 1317®^®). 
Derselbe Luther von Braunschweig legte die Stadt Gilgen- 
burg neben dem schon früher vorhandenen Schlosse gleiches 
Namens im Jahre 1326 an ^^^). Die ursprüngliche Bandfeste der 
Stadt ist verloren, eine neue stellte Herzog Albrecht im Jahre 
1534 aus »10). Die Stadt Soldau erhielt ihre Handfeste, ab 
Günther von Hohenstein Comthur zu Osterode war, durch den 
Hochmeister Heinrich Tusemer im Jahre 1349®^*); das dortige 
Schloss wird in derselben als schon vorhanden erwähnt. Der 
Stadt Hohenstein, welche dem eben genannten Comthur ihren 
Namen verdankt® '2)^ verlieh der Hochmeister Winrich von Knip- 
rode die Handfeste im Jahre 1359®'^). Die jüngste Stadt 
des Comthurbezirkes ist Neidenburg; auch sie erhielt ihre 
Handfeste noch von dem Hochmeister Winrich von Kniprode 
im Jahre 1381. Comthur von Osterode war damals Cuno von 



^<^^ Handfeste von 1348 in einem Transsumt von 1633 auf dem Bath- 
hause zu Osterode. Gescholtene Urtheile sollen die Osteroder in Christburg 
holen. 

»08) Handfeste von 1317, Cod. dipl. Pruss. H. n. 78. Koch eine Qebie<bi- 
erweiterung erfolgte 1336, Voigt 4, 541. 

800) Busburg 111. c. 355. In der Kirche zu Gilgenburg findet sich eine 
Glocke, die ihrer Inschrift zufolge schon 1312 existirte. VgL Naehnehtra 
über Gilgenburg in Baczko's Annalen, 1793, Quart. 3, S. 72. 

810) Handfeste von 1534 in einem noch späteren Transsumt in Baciko's 
Annalen, 1793, Quart. 3, S. 79. 

8>») Handfeste von 1349, Cod. dipl.* Pruss. IV. n. 2. 

8<2) Die ungedruckte Chronik des Minoriten enthält folgende intereai^aite 
Stelle beim Jahre 1380 : Eodem anno festo Mariae Magdalenae obiit frater 
Gunterus de Hoenstein, optimus yir, qui multa digna fecit opera. Gastmm 
Swetze construxit ; inde Osterrode, terram inutilem, delitavit (? brachte in An- 
bau), castrum fundayit lapide muratum, in Hoenstein castrum construxit. 

8 »3) Handfeste von 1350 (?), Cod. dipl. Pruss. IV. n. 3. Winriek von 
Kniprode, welcher in derselben Hochmeister genannt wird, war im Anfange 
des Jahres 1351 noch Grosscomthur, Cod. dipl. Pruss. III. n. 67, und Brndisr 
Seyfart (soll heissen Sweder) von Pellanth, der als Tresöler bei der Ausstellung 
der Urkunde gegenwärtig war, trat dies Amt erst 1356 an ; vor ihm yerwdtete 
es zwischen 1346 und 1356 Johann von Langeraok, Namenscodex S. 14. Das 
Datum 1350 ist also falsch; das rechte Datum 1359 giebt eine k9nlich in 
Hohenstein selbst aufgefundene Copie von 1693. 



Verwaltuagsbeanrke (Gebiet Osterode). 187 

Liebenstein®^*). Willenberg ist erst in der Zeit der Königs- 
lerrsohaft zur Stadt erhoben, üeber das Haus daselbst können 
(dr nur die Yermuthung aussprechen, dass es seinen Neunen 
früher Wildenbui^ oder "Wildenberg) vielleicht dem Landmeister 
1317 — 1324) Friedrich von Wildenburg verdanke. Fast in 
er Mitte zwischen Gtilgenbui^, Osterode und Hohenstein 
egt äas für den Orden einst so verhängnissvolle Dörfchen 
'suinenberg. 

6. Das Gebiet Elbing. 

Auf dem Schloss zu Elbing, welches im Jahre 1237 noch zu 
eiten des ersten Landmeisters Hermann Balk gegründet war®^^), 
nden wir schon 1246 einen Comthur Alexander; seit 1312 war 
er oberste Spittler des Ordens mit wenigen Unterbrechungen 
iigleich Verwalter dieser Comthurei®*®). Das Gebiet der Com- 
lure zu Elbing bestand ursprünglich wohl nur aus dem Land- 
brich zwischen dem christburger Gebiet und dem Bisthum Erme- 
md, welches sich von dem frischen Haff her gegen den Siring- 
tee keilförmig zuspitzt. Die Grenze desselben gegen Marienburg 
ief durch den kleinen marienburger Werder (der jedoch zum 
grösseren Theil nach Elbing gehörte) und fiel weiter nördlich 
nit der Westgrenze des elbinger Stadtgebietes und des elbinger 
Pischamtes zusammen. Die erstere zieht sich aus der Gegend 
ies Dorfes Halbstadt bis in die Gegend von Tiegenhof hinauf, 
ipringt hier nach Osten hin ein, wendet sich aber, noch ehe sie 
iie jungfersche Lache erreicht, wieder nördlich nach dem frischen 
[laff. Das elbinger Eischamt umfasste die Gewässer des frischen 
Eaffs von der ermeländischen Wassergrenze bis zu einer Linie, 
leren Anfangspunkt durch einen breiten Stein zwischen dem 
?elde des Dorfes Jungfer und dem zur Neustadt Elbing gehörigen 
iValde, der Endpunkt durch eine Eiche „hoben dem Schitepusche" 
5wischen den Dörfern Bodewinkel und Vogelsang auf der Neh- 



8»*) Handfeste von 1381, Cod. dipl. Pruss. III. n. 150. 

8»*) Dusburg in. c. 16. 

81^ Namenscodex S. 28 und 10, wo hinzugefügt werden kann, dass in den 
fahren 1321 — 1326 Hermann von Oettingen nur als Comthur von Elbing, 
licht als oberster Spittler erscheint, Cod. dipl. Pruss. II. n. 98, 117, und 
lass Ortolf von Trier nach seinem Leichenstein in der H. Geist -Kirche zu 
Elbing im Jahre 1372 die Marci evangeliste als Comthur von Elbing starb, 



188 Zeit der Ordenshemohaft. 

• 

rung bezeichnet wird; es umfiusiste zugleich den anttossenden 
Theil der Nehrung mit den Vitien Kahlberg, Frebbenaa tiad 
Yogelsang nebst dem Strande und der Fischerei auf der See , ao 
wie im Süden des Haffs das Dorf Jungfrau®'^. In späterai 
Zeiten gehörte zu der Comthurei Elbing noch ein zweites um- 
fangreiches Landgebiet, welches von dem eben bezeichneten 
durch den südlichen Theil des Bisthums Ermeland getrennt ist, 
die Gegend von Orteisburg. Dieser zweite Haupttheil der Com- 
thurei Elbing grenzte im Westen an das Bisthum Ermeland, 
dessen anstossende Grenze, wie erwähnt, im Jahre 1447 von 
einem Comthur zu Elbing und den Pflegern zu Ortelsbuig und 
Willenberg beritten und von Neuem verzeichnet wurde, im 
Süden an das Pflegeramt Willenberg, im Norden und Osten an 
das Gebiet Balga. Diese balgische Grenze ist durch eine Yer- 
ordnung des Hochmeisters Konrad Zöllner von 1387 in folgender 
Weise festgesetzt®'®). Sie sollte beginnen an der Tymmer (das 
Elüsschen, welches aus dem Dimmer -See in den grossen Dadai- 
See geht), so dass der Tymmer-See (Dimmer-See) auf der ortehi- 
burger Seite bliebe. Weiter sollte die Grenze bezeichnet sein 
durch folgende Seeen und die sie verbindenden Abflüsse : Strom- 
ken (Strumek), Woriken (auf neueren Karten vorhanden, aber 
nicht benannt), Babant (Baband), Babanten (der See bei dem 
Dorfe gleiches Namens), Tessen (nicht bezeichnet), Sixdro (Sys- 
droy), Syxdryne (nicht bezeichnet), Kerwuke (bei Kurwith). 
Alle diese Seeen ausser dem Dimmer- und dem Baband -See, 
deren Lage eine Ausnahme nÖthig machte, sollten nach dem 
balgischen Hause Seesten gehören. Yon dem Ausfluss des Ker- 
wuken - Eliesses aus dem Kerwuke „soll man gerichte bei dem 
Heerwege gehen, der zu dem Steynforte gehet, bis an die ma- 
sowische Grenze". Die so beschriebene Grenze fällt mit der 



^^^) Grenzen und Ortsnamen des Fischamtes nach vier yerschiedenen Zenffon- 
aussagen yon 1491, 1495 und 1504, in Neumanns TJrkundensammlmig. i>it 
uns Torliegenden Yerschreibungen über die Krüge yon Kahlberg 1424 und 
Yogelsang 1439, ebenfalls in der Neumannschen UrkundensammluBg, sind Tom 
obersten Spittler ausgestellt. Das elbinger Fischamt wird schon 1302 in 
diesen Grenzen bestanden haben, nach der Urkunde im Cod. dipl. Pruss. IL 
n. 42. Fischmeister werden schon im Anfange des vierzehnten Jahrhunderte, 
z. B. 1339, Cod. dipl. Pruss. HI. n. 18 erwähnt. 

8»«) Grenzbuch B, fol. 106. 



Yerwaltangsbesirke (Gebiet Elbing). 189 

Grenze des heutigen Kreises Ortelsbui^ im Wesentlichen zu- 
sammen, nur.dass die letztere über den Dimmer- See nördlich 
etwas weiter hinausgreift und zwischen dem Baband- und Sys- 
droy-See ein wenig zurücktritt. Die Urkunde Konrad Zöllners 
von 1387 ist der erste positive Beweis, dass das Gebiet von 
Orteisburg unter dem Comthur von Elbing stand, aber in der- 
selben vnrd dieses Yerhaltniss als ein schon lange bestehendes 
bezeichnet. Wahrscheinlich reicht es in das dreizehnte oder 
doch bis in den Anfang des vierzehnten Jahrhunderts surück. 

Dem Comthur zu Elbing untergeordnet waren die Vögte 
zu Fisch au und Morungen, die Hauscomthure und Pfleger 
zu Preuss.-Holland, die Pfleger zu Orteisburg, der 
Waldmeister zu Mühlhausen und der Fischmeister zu Elbing. 
Fischau scheint in früherer Zeit vorübergehend sogar von einem 
Comthur verwaltet zu sein®^®). Die Vögte von Morungen legen 
sich oft auch nur den Titel Pfleger bei; beide Titel wechseln 
so häuflg, dass die Wahl derselben fast der Willkür der ein- 
zelnen überlassen zu sein scheint ®^^). Zu Holland hatte im 
Jahre 1318 nur ein Hauscomthur seinen Sitz, zwischen 1323 
und 1354 werden daselbst Pfleger, dann wieder nur BAUscom- 
thure erwähnt ^^0* Pfleger von Orteisburg kennen wir seit 



^*^ Sifiridus in Wyscoyia commendator 1257, Cod. dipl. Pmss. I. n. 105. 
Er fehlt im Kamenscodex S. 65, wo aus elbinger Urkunden noch folgende 
Vögte Ton Fischau nachgetragen werden können: Klaus 1365, Hermann 1376, 
Heinrich Kolhusen 1392. 

8>o^ Ich habe aus elbinger Urkunden folgende Gebietiger von Morungen 
angemerkt: Heinrich, Vogt 1331. Eckhard yon Banis, Pfleger 1335. Otto von 
Opm, Pfleger 1344. Eckhard von Ranis, Vogt 1347, Pfleger L348, 14. Octbr., 
Vogt 1348, 16. Octbr., 1349. AlfF, Vogt 1350, 1352. Werner, Vogt 1354. 
Heinrich von Schunyngen 1357, 1359. Baldewin, Pfleger 1365. Hermann Obir- 
stolz, Pfleger 1415, 10. April, Vogt 1415, 14. Decbr. Frauwenhoffer, Vogt 
1420. Vgl. Namenscodex S. 39, 40. 

®2*) Heinrich Geyer, Hauscomthur 1318. Heinrich, Pfleger 1323. Dietrich, 
Pfleger 1331. Ludiko oder Ludolph, Pfleger 1335, 1336. Konrad Küchwitz, 
Pfleger 1344 bis 1354. Johannes Fuchs von Schwahnen, Hauscomthur 1357, 1365. 
Heinrieh Mauer, Hauscomthur 1367. Walter Hundelin 1376 — 1378. Walter yon 
Tiralt 1384. Johann von Bedem 1385, 1387. Wilhebn von Wohiiken 1389. 
Johann Feldirsheim (Baldersheim) 1392, 1393. Gerwig Gustetis 1395. Tho- 
mas yon Merheim 1398. Karl yon Waltershausen 1402 — 1407. Wilhelm yon 
Frydingen 1409, 1414. Apel yon Bothein 1415. Konrad Eringhausen 1430. 
Sberhard yon der Wathe 1441. Johann yon Grewsen 1452. Vgl. Namens- 
codex S. 33. In der Urkunde des thomer Friedens heisst Holland einmal 
tenuta, einmal capitaneatus, fol. 21b, 25 a. 



190 Zeit der Ordenshemoluilt 

1360 822). D^f Waldmeister der elbinger Oomthnrei scheint 
seinen Sitz anfemgs zu Elbing, seit etwa der IGtte des vier- 
zehnten Jahrhunderts zu Mühlhausen, seit der Zeit des tamieii- 
berger Unglücks zu Eadinen, endlich zu Tolkemit gehabt m 
haben 8^^). Die Kammerämter dieses Comthurbesirkes wBnn. 
Fischau, Cudyn, Pomen, Holland, Burdeyn, Lieb- 
stadt, Morungen und Lucten®24) Fischau liegt getrennt 
von den übrigen Kammerämtem im Westen des Drausenseees, 
Pomen oder Pomenen, auch Weklitz genannt, im Nordosten des- 
selben, zwischen Elbing und Preuss.-Holland ®^*), Burde3m (jetzt 



^^^ Namenscodex S. 96. Aus elbmger Urkunden kann ich noch folgende 
Pfleger zu Orteisburg hinzufügen: Beinicke 1365. Wyg^d £albe 1398. Pefar 
Landenberg 1414 — 1423. Johann Brocl 1424. George £ylmer 1426. 

823) Dies Termuthe ich auf Grund folgender Beihe von Waldmeistern, welche 
in elbinger Urkunden yorkommen : Gottscho, WM. 1308. Konrad Kesselhat, WM. 
zu Elbing 1314, 1316. Friedrich, WM. 1326. Johannes Weske, WM. 1386, 
1336. Ludiko, WM. 1344. Otto von Opyn, WM. 1347. Otto von Oppin (of- 
fenbar derselbe), WM. zu Mühlhausen 1348. Werner von Lynden, WM. ro MlUil- 
hausen 1349. Bypold, WM. zu M. 1354. Erkinbrecht von Yogtsberg, WM. 
1357, 1359. Werner von Linden, WM. 1360. Werner von Linden, WM. lu M. 
1365. Gisebrecht, WM. zu Elbing 1387. Dietrich Hartenstein, WM. zu Elbing 
1392. Landere, WM. 1395. Johann Amon, WM. 1398. Heinrich Potendoif, 
WM. 1398, 1402. Kunz Kruftel, WM. 1407. Friedrich Viczthum, WM. in 
Eudyn 1415. Die Verlegung des Waldamts von Kadinen nach Tolkemft er- 
folgte ohne Zweifel gleichzeitig mit der Verlegung des Kammeramtes. In der 
Urkunde des thomer Friedens linden wir das Waldamt Tolkemit erwähnt. — 
Im grossen Zinsbuch AZ, fol. 12 ff. findet sich folgende Stelle: diese nachge- 
schrieben deutsche Dörfer geben Schalwisch Korn je von dem Pfluge 11 Seh. 
Elbing vor 27 Pflüge, Vischau vor 100, Waldamt vor 154, Schonenberg vor 
235, Molhusen vor 206, Hollant vor 545, Morungen vor 197, Liebenetadt tot 
243. Die hier genannten Bezirke sind nicht Kammerämter, aber aueh iiidit 
Amtsbezirke von Ordensgebietigem , sondern wohl Unterabtheilungen der letz- 
teren, lediglich zum Zwecke der Zinserhebung. So kommt ein distriotus Mel- 
hause auch in der Urkunde des thomer Friedens vor. Schonenberg scheint «nf 
Schönberg, westlich von Mühlhausen, zu deuten. 

8") Zinsbuch AZ, foL 12, 13. 

'**) Herr Stadtrath Neumann in Elbing theilt mir Folgendes ndt: »»Bis 
kleine Cammeramt Pomehen, Pomenn („Weklitz" oder „Pomeyn" im Gopialbnehe 
der Gttterverschreibungen um 1435) umfasst die Dörfer Weklits, Bartktm, 
Meislatein, Pelon, Kemersdorf, Preuschmarkt, die Gflter Serpin und Haaidorf^ 
desgleichen acht Hüben in Wolfsdorf und einige Haken, Lymburg gfemumty ii 
derselben Gegend. Wenn in einer Verechreibung von 1385 über eine Hvfe 
Wiesen für Bartkam „unser Hof zu Pomenen" als Ort der Ausstdlimg, imi 
unter den Zeugen „Jakob, unser Under Kemerer zu Pomenm", genannt wird, 
dieses Pomenen aber seitdem kaum untergegangen sein kann, so möchte muk 
geneigt sein, das Wort auch als Ortsname mit Weklits su identificiren." Die 
Dörfer des Kammeramts Pomen findet man in der Urkunde von 1466, Flirfl. 
der Stände etc. fol. 21b, aufgezählt, aus der man zugleich sieht, dasi dieeei 
Kammeramt nach Pr.-Holland hin gehörte. 



YerwaltimgdbeBirke (Gebiet Elbing). 191 

Bordehnen) ungefähr in der Mitte zwischen Prenss.-HoUand und 
Liebstadt ^^ß) ^ Lucten (jetzt Locken) südöstlich von Morungen, 
in der Nähe der Passarge, Cudyn (jetzt Kadinen) ®2^) am frischen 
Hafi^ nahe bei Toikemit. Das letztgenannte Kammeramt wurde, 
nachdem Kadinen im Jahre 1432 an Johann von Baisen yer- 
äussert war, nach Toikemit verlegt ®2®). 

Von den Städten des elbinger Gcfbietes ist die Altstadt 
Elbing ziemlich ebenso alt als das gleichnamige Schloss®29). 
ihre Handfeste erhielt sie im Jahre 1246 von dem Hochmeister 
Heinrich von Hohenlohe ®^o). Sie erhielt lübisches Kecht und 
von allen preussischen Städten das grösste Territorium. Die in 
der Handfeste etwas unverständlich angegebenen Grenzen findet 
man leicht heraus, wenn man von der Stelle, wo der Fluss 
Eäbing ins frische Haff mündet, eine Linie nach Osten und 
Westen, dort eine, hier zwei Meilen lang, zieht; von dem End- 
punkt der nach Westen gezogenen (bei Tiegenhof) gehe meui 
südlich hinab bis zur Baute, einem jetzt nicht mehr vorhandenen 
Nebenflüsschen der Nogat, welches die Kichtung von Halbstadt 
gegen Clemensfähre hatte, und verfolge diese und die Nogßt in 
ihrem alten Bette bis zur Einmündung in den Elbing; von dem 
Endpunkte der nach Osten gezogenen Linie gehe man eine Meile 
südlich hinab und kehre dann in westlicher Eichtung zu dem 
Flusse Elbing zurück. So wird im Osten des letzteren etwa 
eine QMeile, im Westen desselben ein Gebiet von mehr als 
drei ClMeilen für die Stadt abgeschnitten. Dieses schon so be- 
trächtliche Gebiet wurde im Jahre 1457 durch eine Schenkung 



^2^ In älteren Zeiten (1312) kommt ein Camerarius in Pogezania vor, 
Voigt 4, 311. Ob hier an das alte Tetritoriom P. bei Liebstadt zu denken ist? 

®2^ Nach einer Mittheilung des Herrn Stadtrath Neumann kommt curia 
nostra in Cudyn schon in einer Urkunde von 1347 vor; eine andere von 1398 
ist datirt „in unserem Bichthofe zu Cudin". Johann von Baisen erhielt 1432 
„unsem Hof und Gut Guddynen". 

*^ Das Kammeramt Toikemit kommt vor in einem Zinsbuch von 1448, 
N. 42 des elbinger Archivs. 
829) Dusburg ni. c. 16. 

930) Handfeste von 1246, Grichton, Urkunden und Beiträge, S. 14. Bur- 
chard von Schwenden verlieh de^ Stadt im Jahre 1288 auch den Werder halb, 
„der da heisset der alte £lbing'', God. dipl. Pruss. II. n. 17. Der Orden 
scheint sich nämlich die Insel zwischen den beiden Armen des Elbing vorbe- 
halten zu haben, und diese Insel „der alte Elbing" genannt zu sein. 



192 Zeit der Ordensherrciohaft. 

des Königs Kasimir in demselben Maassstabe noch erweitert®^'). 
Er überwies der Stadt erstlich im Osten des Elbing alle Dörfer 
von der bisherigen Grenze des Stadtgebiets bis zu den 2>orfeni 
Lentzen, Eehberg, Baumgart, Trunz, Blumenau, Pomerendor^ 
Schönmohr, Eogau, Weklitz, alle genannten mit eingeschlossen, 
und längs der Grenze von Schönwiese nach dem Drausen; im 
Westen des Elbing und Drausen den ganzen Kerbswald und 
!N^euhof mit seinem ganzen Gebiete bis zur Grenze von Sommerau; 
im J^orden des Miheren Stadtgebietes das Dorf Jungfrau mit 
seinen Grenzen und das ganze Eischamt, wie es früher zum 
Schloss Elbing gehört hatte; endlich das Hospital zu Elbing 
mit allen seinen Zubehörungen. (Das letztere, auf dem Boden 
der Stadt Elbing unter Mitwirkung Wilhelms von Modena 1242 
gegründet ® ^2) und von ebendemselben unter das Patronat d^ 
Ordens gestellt ^^^) war schon um 1266 in den Besitz von Euss- 
feld gelangt ®^*) und erhielt von dem Hochmeister Karl von 
Trier 1315 das oben erwähnte Dorf Keichenbach ®^^ , von dem 



83») Urkunde von 1457 bei Crichton S. 39-«41. 

832) Urkunde vom 15. Febr. 1242 im Archiv zu Elbing. 

833) Urkunde vom 6. April 1242, Cod. dipl. Pruss. I. n. 53. 

834) Urkunde vom 14. Febr. 1266 in den N. P. P. Bl. 1852, Bd. 1, 344. 

835) Urkunde vom 26. Nov. 1315, ebenda S. 340. Die Schenkung wird 
gemacht nostro et ordinis nostri capitalis domus hospitali, was Voigt ebenda 
S. 350 ff. auf das Hospital in Marienburg bezieht. Ich glaube mit Neumann, 
ebenda S. 321 ff., annehmen zu müssen, dass der Ausdruck dasselbe Hospital 
bezeichnet, welches in der Urkunde von 1344, ebenda S. 342, hospitale ordinis 
nostri principale in Eibingo heisst. Es ist gewiss, dass Marienbuig seit dem 
Jahre 1309 das principale castrum des Ordens war und dass seit eben dieser 
Zeit ein hospitalarius principalis domus öfters neben einem Comthur yon 
Elbing genannt wird; man kann auch zugeben, dass mit dem Hause Marien- 
burg schon seit der Begründung desselben ein Hospital zu Befriedigung der 
beschränkteren Bedürfnisse des einzelnen Hauses, wie mit anderen Ordens- 
häusem, verbunden gewesen sei; aber aus allem dem folgt noch nicht, dass 
nicht eine Anstalt von allgemeiner Bedeutung für den ganzen Orden, deren 
Erhaltung dem Haupthause statutenmässig oblag, in einiger Entfernung yon 
demselben liegen, dass nicht der oberste Spittler von Marienburg aus die Yer^ 
waltung einer solchen Anstalt in Elbing leiten konnte. Das Hospital in Elbing 
(wie auch das weniger in Aufnahme gekommene Hospital in Thom) war kein 
gemeines Schlosshospital, wie schon die ausdrückliche Verleihung des Patronats 
an den Orden durch den päbstlichen Legaten zeigt; es war vor 1309 das 
Haupthospital für ganz Preussen (wie Thom für das Gulmerland) ; kein anderes 
wird neben diesen beiden ausdrücklich genannt. Wie nahe lag es idso, es in 
dieser Stellung und Bedeutung zu belassen, auch nachdem der HocIuneiBter 
selbst in Preussen seine Residenz aufschlug! Und ist es denn in dieser 
Stellung und Bedeutung nicht auch wirklich geblieben, seitdem die Spittler 



Verwaltungsbezirke (Gebiet Elbing). 193 

Hochmeister Luther von Braunschweig eine Waldstrecke (Buch- 
wald) neben Reichenbach, endlich von dem Hochmeister Ludolph 
Xönig 1344 das Patronat der Kirche in Tolkemit, das Gut Sur- 
weyte (?) und zwei Mühlen ®^®).) Die N'custadt Elbing wurde 
schon von dem Hochmeister Dietrich von Altenburg angelegt, 
erhielt aber erst von Heinrich Tusmer im Jahre 1347 ihr 
Privilegium ®3^. 

Die altheidnischen Burgen Oczek und Weclitz wurden auch 
von den Ordensrittern benutzt, aber während des zweiten Auf- 
standes der Preussen zerstört ® 3^). Das Schloss in Pr.-Holland, 
jedenfalls älter als die Stadt, scheint schon im Jahre 1284 vor- 
handen gewesen und mit dem alten Namen Pazlok benannt zu 
sein ®^^). Die Stadt , welche wahrscheinlich einer holländischen 
Colonie ihren Namen verdankt, erhielt ihr Privilegium durch 
den Landmeister Meinhard von Querfurt im Jahre 1297 ®*°). 
Liebstadt wird schon in einer Urkunde des Jahres 1315 er- 
wähnt ®* *) , doch ist sonst nichts Näheres über die Gründung 
dieser Stadt bekannt. Die Stadt Mehrungen, so genannt von 
dem See, an welchem sie liegt, ist von dem obersten Spittler 
und Comthur zu Elbing Hermann von Oettingen im Jahre 1327 
erbaut ^^^). Die von ihm derselben ertheilte Handfeste wurde 
von seinen Nachfolgern Otto von Dreileben (1331) und Siegfried 



dauernd zugleich die Verwaltung der Comthurei Elbing übernahmen? Mit 
Rücksicht hierauf und die sehr triftigen Gründe, welche Neumann anführt, 
glaube ich , nostrum et ordinis nostri principalis domus hospitale bezeichnet 
das Hospital in Elbing, welches Ton Marienburg aus verwaltet wird. Es trifft 
damit sehr glücklich zusammen, dass in der Zeit der Verleihung, 1315, der 
Spittler zugleich Comthur in Elbing war, nach einer elbinger Verschreibung 
vom 3. August 1315, elb. Verschr. S. 145, nachdem vorher vorübergehend 
Heinrich von Gera dieses von ihm schon früher bekleidete Amt wieder ver- 
sehen hatte. Urkunde vom 21. Januar 1315, Cod. dipl. Pruss. II. n. 73. 

«3«) Urkunde von 1344, N. P. P. Bl. a. a. 0. S. 342. 
837) Handfeste von 1347 bei Crichton S. 33, Cod. dipl. Pruss. II. n. 52. 
Ö38) Dusburg III. c. 164. 

w«*) Verschr. Konrads von Thierberg für Kantigirde, datirt zu Pazluk^l284, 
fof X, p. 78 des geh. Archivs. 

ö*'^) Handfeste von 1297, Cod. dipl. Pruss. II. n. 34. 

8*») Verschr. über Pogyzonia, fol. elb. Verschr. S. 140—145. Ein Pfarrer 
zu Liebstadt, Ludwig, kommt 1323 vor, ebenda S. 187. Einen Kämmerer 
von Liebstadt um 1354 erwähnt Voigt 5, 144, Anm. 2. Um 1414 kommt die 
Stadt bei Lindenblatt S. 282 vor. 

8^0 Dusburg, append. c. 2. 

13 



194 Zeit der Ordensherrschaft. 

von Sicken (1333)8") verändert. Die Stadt Mühlhausen ist 
ebenfalls von Hermann von Oettingen, also etwa in derselben 
Zeit wie Mohrungen, gegründet. Die von demselben ausgestellte 
Handfeste hat der ebenfalls schon genannte Si^Med von Sicken 
erneuert im Jahre 1338®**). Von dem Städtchen Tolkemit 
haben wir schon angefuKrt, dass die Kirche daselbst im Jahre 
1344 dem Hospital in Elbing überwiesen wurde ®*^). Der Lügen- 
chronist Simon Grünau, welcher daselbst geboren ist, sagt, die 
Stadt sei im Jahre 1365 erbaut, — und ist hier vielleicht ein- 
mal glaubwürdiger als sonst. Das Schloss Orteisburg (eigent- 
lich Ortolfsburg ®*^)), welches schon im Jahre 1360 einen Pfleger 
hat, scheint nur einige Jahre früher, vielleicht von Ortolf von 
Trier, Comthur zu Elbing, zwischen 1349 und 1372, erbaut zvl 
sein. Es wurde im Jahre 1370 von Kynstut zerstört®*^. Die 
Stadt finden wir nicht vor dem Jahre 1466 ausdrücklich erwähnt. 
Im Bereiche des Pflegeramtes Ortelsburg, nahe der ermeländischen 
Grenze, liegt die Stadt Passenheim, gegründet im Jahre 
1385 ®*®) und ohne Zweifel zu Ehren des obersten Spittlers 
Siegfried Walpot von Bassenheim (1384 — 1396) so benannt. 

Die Landschaften zwischen der Weichsel und Passarge nannte 
man in der Ordenszeit das Oberland im Gegensatz zu den jeii- 
seits der Passarge gelegenen Niederlanden. Schon Dusburg kennt 
diesen Gegensatz der oberen und niederen Landschaften®*®). 
Noch deutlicher tritt er später hervor. Bei Johannes von Pusilge 
heisst es z. B. : die Pest (1383) verbreitete sich „über die Nieder- 
lande, als Natangen, Samen, Ermeland, Barten, Nadrauen" ®'®), 
oder, der Marschall sei (1382) mit den Niederlanden allein®*'), 



8") Handfesten von 1331 und 1333, Cod. dipl. Pruss. II. n. 139, 142. 

8«) Handfeste von 1338, deutsch und lateinisch, Cod. dipl. Pruss. IQ. 
n. 9, 11. 

®**) Pfarrer und Schultheiss von Tolkemit werden in einer Urkunde Yom 
4. Juni 1376 in Neumanns Sammlung erwähnt. 

®**) So heisst es in einer Urkunde von 1379, Cod. dipl. Pruss. III. n. 13^. 
Einmal findet sich der Ausdruck: Pfleger von Ortloffen. 

8«') Wigand p. 188. 

»") Lindenblatt S. 56. 

8*») Dusburg III. c. 34, 35. 

•*o) Lmdenblatt S. 51. 

«*') Lindenblatt S. 50. 



Verwaltungsbezirke (Bisthum Elbing). 195 

oder, er sei (1391, 1402) mit den Niederlanden und Osterode ^'^^j^ 
oder endlich, er sei mit den Niederlanden, Christburg, Elbing 
und Osterode ins Fßld gezogen ^^^), Die Bezeichnung Oberland 
ist um dieses Gegensatzes willen sehr verschieden von dem Namen 
Hockerland, welcher, wie schon früher erwähnt wurde, besonders 
im fünfzehnten und sechzehnten Jahrhundert im Gegensatz zu 
den Niederungen an der Nogat und Weichsel gebraucht wurde. 

7. Das Bisthum Ermeland. 

In dem Bisthum Ermeland hielt nicht nur der Bischof®**), 
sondern auch das Kapitel seinen Vogt^^^). Auch war das Bis- 
thum in Kammerämter eingetheilt, wie die Ordenslandschaften; 
ein Kämmerer des Bischofs kommt schon 1284 ®*ö) vor, später^ 
werden auch Kämmerer des Kapitels ausdrücklich erwähnt ®*^. 
Die Zahl der Kammerämter war schon in Ordenszeiten dieselbe, 
wie noch im achtzehnten Jahrhundert: Frauenburg, Braunsberg, 
Melsack, Wormditt, Heilsberg, Gutstadt, Allenstein, Wartenburg, 
Seeburg, B^Sssel®*®). 

Der Ursprung der Städte Braunsberg und Heilsberg ist ^^ 
dunkel. Dusburg, der im Anfange des vierzehnten Jahrhunderts 



8") Lindenblatt S. 84, 148. 

8*3) Lindenblatt S. 56. In der Urkunde yon 1344 im Cod. dipl. Pruss. III. 
n. 46 kommen die Pratkeni liberi de Kirseburg et Marienborg ac alianun 
parcinm inferiorum vor. 

8M) Bnilandus adyocatus 1284, Cod. dipl. Pruss. II. n. 6. Baboto advoc. 
episc. Varm. 1287 (nicht 1387), Cod. dipl. Pruss. IV. n. 44. Andere Vögte 
kommen 1325, 1337, 1341 vor bei Dusburg III. c. 353, Cod. dipl. Pruss. 
III. n. 6 und 24. Lucas Lichtenstein um 1410, Plastwig de vitis episcoporum 
Varmiensium p. 16. Einige andere ermeländische Vögte des fünfzehnten Jahr- 
hunderts stehen im Namenscodex S. 68. Der Sitz dieser Vögte wechselte. 
Sehr auffallend ist die Zeugenangabe in einer Urkunde des Bischofs Heinrich 
von 1331: Fr. TUmannus advocatus noster Pogesanie, Liber privil. C. n. 1 
im bischöfl. Archiv zu Frauenburg, fol. 113. 

***) Advocatus capituli in Melsack 1337, Cod. dipl. Pruss. III. n. 6. Georg 
von Berge, des Kapitels Vogt zu Melsack, schon oben angeführt nach einer 
Urkunde von 1447. Vgl. die Urkunden von 1363, 1384 und 1390, Cod. dipl. 
Pruss. III. n. 92; IV. n. 21 und 76. 

»*•) Urkunde von 1284 im ermel. Privilegienbuche, fol. 47. Ein Kämmerer 
in Guttstadt im vierzehnten Jahrhundert wird erwähnt bei Plastwig p. 11. 

«»T) Urkunde von 1378, 1390, Cod. dipl. Pruss. in. n. 127; IV. n. 76. — 
In Wormditt kommen 1521 und 1623 Ordenspfleger vor, Mtilyerstedt in den 
N. P. P. Bl. 1857, Bd. 1, S. 186, Anm. 1. 

***) Nach den frauenbnrger Privüegienbüchem. 

13* 



196 Zeit der Ordenshemohaft 

seine preussische Chronik schrieb, bemerkt: „Einige sagen, dass 
bald nach der Unterwerfung der Enneländer (im Jahre 1240) in 
ihrer Landschaft die Städte Braunsberg und Heilsberg angel^ 
seien" ®*^). Nach dem ersten Aufstande versprachen die Enoe- 
länder, im Jahre 1249, sechs Kirchen zu erbauen, eine in Brose- 
bergue. Dusburg selbst ist der Meinung, dass der Bischof An- 
selm selbst die Burg und die Stadt Braunsberg erbaut habe; ist 
dies richtig, so dürfte der Ursprung Braunsbergs nicht über das 
Jahr der Theilung der Diöcese, 1251, zurückzuführen sein. Wäh- 
rend des zweiten Abfalles der Preussen flohen die Bewohner 
mit ihrem Bischof, da sie an der Vertheidigung verzweifelten, 
nach Elbing und gaben Schloss und Stadt den Feinden Preis *•*'). 
Im Jahre 1279 verlegte Bischof Heinrich Schloss und Stadt an 
den Ort, wo sie jetzt stehen, etwas oberhalb der früher bebauten 
Insel®®*). Bischof Heinrich hat der Stadt auch ihre Handfeste 
verliehen, im Jahre 1284 ®®2). Braunsberg erhielt lübisches 
Eecht, wie Elbing. Die Neustadt Braunsberg wurde im Jahre 
1338 oder 1348 vom Bischof Hermann de Praga gegründet und 
erhielt nach kurzer Verbindung mit der Altstadt (1394 — 1398) 
von dem Bischof Heinrich Sorenbohm eine neue Handfeste 
(1398)^^3). Das Schloss Heilsberg war, als die Preussen 
sich zum zweiten Mal empörten, sicher schon vorhanden; die 
Besatzung desselben flüchtete um das Jahr 1261, wie die Be- 
wohner von Braunsberg, ihrer Sicherheit halber nach Elbing ®**). 
Die Stadt Heilsberg gründete erst der Bischof Eberhard im Jahre 
1308 ®®^). Den Prachtbau des Schlosses zu Heilsberg begatm 



8»») Dusburg III. c. 27. 

^00) Dusburg III. c. 135. In der Fundation des ermeländischen Kapitels, 
welche 1260 zu Heilsberg yollzogen ist, heisst es: ad titulum S. Andreae, 
apostoli in ci^itate, quae Braunsberga appellatur, erigimus cathedralem. 

^•') Dusburg III. c. 135. Der Canonic. Samb. Sp. 33 sagt kurz, Braniw- 
berg sei 1277, der Minorit, das Schloss Braunsberg sei 1272 erbaut. 

^^2) Hahdfeste von 1284, Cod. dipl. Pruss. III. n. 6. Mehrere gediegene 
Aufsätze zur Geschichte der Stadt Brauns berg Ton Lilien thal stehen in den 
N. P. P. Bl. 

8«3) Handfeste yon 1398, Cod. dipl. Pruss. IV. n. 123. Vgl. Plastwig 
p. 6 u. 13 und N. P. P. Bl. 1853, Bd. 1, S. 434. 

^^*) Dusburg III. c. 89. Urkundlich erwähnt finden wir Heilsberg zuerst 
in der Fundationsurkimde des ermel. Kapitels yon 1260. 

'^") Handfeste yon 1308, Cod. dipl. Pruss. IL n. 56. 



Verwaltungsbezirke (Bisthum Ermeland). 197 

der Bischof Johann I. von Meissen zwischeit 1350 und 1355; 
vollendet ist er erst von seinen Nachfolgern Johann Ü. (1355 
bis 1373) und Heinrich in. Sorenbohm (1373—1401), den Zeit- 
genossen Winrichs von Kniprode ®^^). Fast zu gleicher Zeit mit 
der Stadt Heilsberg wurde die Stadt Wormditt gegründet; 
der erste Schultheiss der Stadt wird eben schon in der Hand- 
feste von Heilsberg erwähnt. Sie erhielt ihre erste Handfeste 
von Bischof Eberhard, die erneuerte von Bischof Johann, 1359 ®^^). 
Derselbe Bischof Eberhard gründete durch seinen Vogt Friedrich 
von Liebenzelle im Jahre 1325 die Städte Wartenburg und 
Guttstadt ^^^). Guttstadt erhielt seine Handfeste von Eber- 
hards Nachfolger, Heinrich, im Jahre 1330 »69). Die Stadt War- 
tenburg lag höchst wahrscheinlich an der Stelle, wo heute 
Alt- Wartenburg liegt. Vielleicht hatte hier schon im dreizehnten 
Jahrhundert eine Zeit lang eine deutsche Colonie gestanden ®^°). 
Die von Eberhard gegründete Stadt wurde 1354 von den Heiden 
zerstört, aber im Jahre 1364 von dem Bischof Johannes Streif- 
rock wieder aufgebaut®^*). Mit der älteren Stadt war wohl 
jedenfalls eine Burg verbunden, in dem Stadtgebiete der neuern 
behielt sich der Bischof zwei Hufen zur Anlegung einer solchen 
vor® ^2)^ Es ist aber ungewiss, ob dieselbe je zur Ausfuhrung 
gekommen ist. Das Schloss Eössel ist gleich nach der ersten 
Unterwerfung der Barter (1240) erbaut®"), wurde aber während 
des zweiten Aufstandes (1262) ebenfalls verlassen®^*). Die Stadt 
Rössel wurde während einer Yacanz des bischöflichen Stuhles 



866) Plastwig p. 7, 12, 15. Vgl. Hennenberger S. 152. Nietzki, das 
Schloss zu Heilsberg," in den N. P. P. Bl. 1848, Bd. 1. Quast, Denkmale der 
Baukunst in Preussen, Iste Abth., Berlin ^1852. 

8«^ Handfeste von 1359, Cod. dipl. Pruss. IV. n. 6. Vgl. die Urkunde 
von 1351 im Cod. dipl. Pruss. IV. n. 4, Plastwig p. 5. 

8«8) Dusburg III. c. 353. 

»••) Handfeste von 1330, Cod. dipl. Pruss. II. n. 132. Vgl. Plastwig 
p. 5. 

ö'O) Die bei Dusburg III. c. 27 zweifelhaft erwähnte civitas in terra Ga- 
lindiae könnte nur auf Wartenburg gedeutet werden. 

8") Wigand p. 98, 144. 

8^2) Handfeste von 1364 auf dem Rathhause zu Wartenburg. Vgl. Plast- 
wig p. 8. 

8") Dusburg III. c. 27. 

8'«) Dusburg III. c. 92. 



198 Zeit der Ordenshemchaft 

im Jahre 1337 von dem Kapitel gegründet ®^'). Das SchloM 
Bössei ist, so wie das Scbloss Seeburg, von denselben Bischöfen 
ausgebaut, welche an dem heilsberger Schlösse gebaut haben ®'*). 
Die Stadt Seeburg wurde in der Zeit des Bischofs Hermann 
von Praga (zwischen 1338 und 1350) von dem Stellvertreter des- 
selben, Magister Nicolaus, und seinem Vogte Heinrich von Luter 
neben dem schon vorhandenen gleichnamigen Schlosse gegründet. 
Die Handfeste ist im Jahre 1338 ausgestellt®^^). Die Städte 
Bischofsburg und Bischofstein verdanken ihren Ursprung dem 
Bischöfe Heinrich Sorenbohm (f 1401). An der Stelle von 
Bischofstein stand früher das Dorf Strowangen, welches im 
Jahre 1385 die städtische Handfeste erhielt®^®). Die Handfeste 
von Bischofsburg ist im Jahre 1395 schon auf dem gleich- 
namigen Schlosse ausgestellt®^^). Endlich erwähnen wir noch 
die Schlösser Hirschberg (bei Wartenburg) und Ryn (jetzt Dorf 
Schellen bei Bischof stein) ®®^). 

Die Kapitelsstädte sind: Frauenburg, Melsack und Allenstein. 
Frauenburg ist schon im dreizehnten ' Jahrhundert gegründet; 
es heisst um 1287 schon Stadt®®*), erhielt aber seine Hand- 
festen erst in der Zeit des Bischofs Eberhard und der Pröbste 
Heinrich und Jordan (1318 und 1320) ®®2), Dieselben lauteten 
auf lübisches Kecht. In der Nahe von Frauenburg lag das 
castrum Sonnenberg, auf welchem der Probst Heinrich, welcher 
sich zugleich Herr von Sonnenberg nennt, im Anfange des vier- 



8") Handfeste von 1337, Cod. dipl. Pruss. III. n. 6. Vgl. Plastwig 
p. 6. 

818) Plastwig p. 7 u. 12. Hennenberger S. 152. 

*") Handfeste von 1338 im Liber privü. des biscböfl. Archivs, C. n. 1, 
fol. 101. Die Pfarrkirche zu Seebarg ist nach Kirchennachrichten im Jahre 
1345 eingeweiht. In Seebnrg hat man nur eine jüngere Yerschreibimg des 
Bischofs Heinrich von 1389 über die Bürgerhaide. Vgl. auch Plastwig p. 6 
und Hennenberger S. 152. 

®'^) Handfeste von 1385 in dem angeführten Liber privil. 0. n. 1, p. 150. 
Eine neue Handfeste ertheilte der Stadt Nicolaus von Thüngen nach einem 
Brande, im Jahre 1481. Vgl. Plastwig p. 13. Abweichend Hennenberger 
S. 152. 

8'») Handfeste von 1395 in dem Liber privil. 0. n. 1, p. 168. VgL Voigt 
Bd. 6, S. 209, Anm. 4. Auch Plastwig p. 13 und Hennenberger S. 32. 
880) Angeführt im Lib. privil. C. n. 1, p. 148 und 160. 
*®*) Urkunde von 1287, ermel. Privil. p. 4. Vgl. Plastwig p. 4. 
«^*) Handfesten von 1318 und 1320, Cod. dipL Pruss. EL. n. 87 u. 90. 



VerwaltungsbesEirke (Gebiet Ermeland). 199 

zehnten Jahrhunderts mehrere Urkunden ausstellte ®®3). Die 
Stadt Melsack wurde in dem Territorium Malcekuke angelegt, 
von dem sie auch den Namen erhielt. Der ebenerwähnte Probst 
Heinrich ertheilte derselben ihre Handfeste im Jahre 1312®®*). 
In der Nähe von Melsack erbaute der Probst sodann das Schloss 
Pluth im Jahre 1325 88»). Die Stadt AUenstein gründete 
der Probst Hartmuth im Jahre 1353 durch Johann von Leysen 8®^), 
die Neustadt fugte Probst Heinrich im Jahre 1378 hinzu 8®^. 

8. Das Gebiet Balga. 

Die Comthureien Balga und Brandenburg waren in 
älterer Zeit, wie schon oben angeführt wurde, von Barten be- 
grenzt. Das Land Barten, so weit es dem Orden angehörte, 
wurde im Auftrage des Hochmeisters Werner von Orseln im 
Jahre 1326 von Luther von Braunschweig, Comthur zu Christ- 
burg, und Friedrich von Liebenzelle, Vogt des Bischofs von 
Ermeland, nach seinen Grenzen umschrieben und in drei Theile 
getheilt ; von diesen drei Theilen wurde der nördliche dem Hause 
Gerdauen, der mittlece dem Hause Brandenburg, der südliche 
dem Hause Balga zugetheilt 888). Südwärts erstreckte siqh das 



883) Urkunden von 1304, 1309, ermel. Prinl. fol. 3. 

88*) Handfeste von 1312, Cod. dipl. Pruss. II. n. 68. Vgl. Plastwig p. 5. 

885) Dusburg III. c. 353. 

886) Handefste von 1353, Cod. dipl. Pruss. HI. n. 76. Vgl. die Urkunde 
von 1380 im Cod. dipl. Pruss. LEI. n. 141 und Plastwig p. 7. Johann von 
Leysen ist ohne Zweifel derselbe, nach dessen Aussagen die Grenzen des 
bischöflichen und des Kapitelslandes um 1388 regulirt wurden, nach den oben 
angeführten Urkunden in dem Fol. „All«rley Grenzen" fol. 67, 69, 110. Er 
gehörte auch zu den Schiedsrichtern in dem von 1371 — 1374 geführten Grenz- 
streit zwischen dem Orden und dem Bischof von Ermeland, Cod. dipl. Pruss. 
III. n. 100—119. 

88T) Handfeste von 1378, Cod. dipl. Pruss. III. n. 127. 

888) Die Urkunde hierüber steht im Grenzbuch B, fol. lOö, und ist in 
Baczko's Annalen 1792, Quart. 1, S. 81 — 84 gedruckt. Der ermeländische 
Vogt heisst hier Friedlich von Lutenwels; wir ändern nach dem Obigen un- 
bedenklich in Liebenzelle. Die Grenzbestimmungen sind schon im ersten 
Abschnitte mitgetheilt. Die Theilungslinien sind im Einzelnen fast gar nicht 
zu verfolgen. Die Grenze zwischen dem nördlichen und mittleren Theil reicht 
von der Alle bis zum Walde Kerne (vgl. Wigand p. 162, 170), nahe dem See 
Besau. Die Grenze zwischen dem mittleren und südlichen Theil reicht von 
Woplauken bei Bastenburg bis an die Alle; unter den Stationen derselben 
kommen der Pluss Beude (Bawdes, Nebenfluss des Guber) und der Weg La- 
gegarbo (doch Laggarben zwischen Gerdauen und Schippenbeil?) vor. 



200 Zeit der Orden Rherrsohaft. 

balga'sche Gebiet bis zu den Grenzen des Fflegoramtes Ortelfl- 
burg, ja, wenn wir die amtlichen Verrichtungen, namentlich den 
Städte- und Burgenbau der Comthurei von Balga als hinläng- 
lichen Beweis ansehen wollen, über Johannisburg und Lyck bis 
zur maso vischen und lithauischen Grenze. Die langgestreckte, 
fast bandartige Gestalt dieses Amtsbezirkes, die wir bei Branden- 
burg und Königsberg wiederfinden werden, ist sehr erklärlidi, 
wenn man annimmt, der Orden habe jedem Amtsbezirke einen 
Antheil der westlichen, gegen die Heiden besser gesicherten und 
für den Verkehr mit den christlichen Ländern günstiger ge- 
legenen Landschaften und einen Antheil an dem Hinterlande 
zuweisen wollen, das erst im Fortschritt der Zeiten wirklichen 
"Werth gewinnen konnte. Zu beachten ist auch wohl, dass von 
den drei grössten Landseeen des Hinterlandes je einer an jedes 
Ordenshaus gekommen ist. Die Grenzen der Comthurei Balga 
gegen Ermeland und Orteisburg sind uns aus dem Vorigen genau 
bekannt, die Grenzlinie zwischen den Comthureien Brandenburg 
und Balga dürfte im Allgemeinen durch die Grenzen der späteren 
Hauptämter Balga, Preuss.-Eilau , Eastenburg, Ehein und Lyck 
gegen Norden und Nordosten hin ziemlich genau bezeichnet werden. 
Als Kammerämter der Comthurei Balga werden um 1419 
und später folgende angegeben : Natangen, Waldamt zu E i s e n- 
berg, Zinten, Woria, Preuss.-Eilau, Bartenstein, 
Leunenburg, Eastenburg, Seesten, Ehein ®®^). Die 
Lage der meisten derselben ist nach dem Namen ihrer Haupt- 
orte im Allgemeinen bekannt. Das Kammeramt Natangen er- 
streckte sich, wie die Namen der Dörfer zeigen, die als zu dem- 
selben gehörig angegeben werden, von der Burg Balga hinab bis 
an die Grenze des Bisthums Ermeland und gegen Brandenburg 
hin bis Packerau und Windkeim, also über altermeländische 
Gebiete. Wie der Name Ermeland seit der Theilung zwischen 
dem Orden und dem Bischöfe vorzugsweise auf dem Bisthum 
haftete, so breitete sich der Name Natangen auch über den 
Theil des alten Ermelandes aus, der in die Hand des Ordens 
gekommen war. Bei der Eintheilung des Ordensgebietes in 
Kammerämter verwandte man ihn dann sogar zu einer Special- 



88») Zinsbuch AZ, fol. 16 b. Vgl. fol. 75, 82 und 109. 



i 



Verwaltungsbezirke (Gebiet Balga). 201 

bezeichnung, die seiner ursprünglichen Bedeutung fast entgegen- 
gesetzt ist. Als Hauptort des Kammeramtes Natangen wird ein 
„ natangischer Hof", auch wohl „Hof Natangen" erwähnt ®^^). 
Oestlich von dem Kammera^it Natangen lag das Waldamt Eisen- 
berg, von Birkenau und Eefeld über Eisenberg bis Tiefensee und 
Arnstein ausgebreitet. Zu dem Kammeramt Woria (Worienen, 
nordöstlich von Landsberg) gehörte unter andern die Stadt Lands- 
berg und die Ortschaften Woyman, Glandau, Petershagen. Für 
die Gegend von Johannisburg und Lyck vermögen wir keine 
Kammerämter anzugeben, so wenig als für Orteisburg und Willen- 
berg im elbinger und osteroder Comthurbezirk. 

Die dem Comthur zu Balga untergeordneten Gebietiger waren 
'die Pfleger zu Preuss. - Eilau «»O» Bartenstein »»2)^ 
Rastenburg ®^^), Seesten®®*), die Waldmeister zu Eisen- 
berg, die (Comthure und) Waldmeister zu Leunenburg, die 
Gebietiger in Rhein, und wenn die oben ausgesprochene An- 
sicht über den Umfang des Gebietes Balga richtig ist, die Pfleger 
zu Johannisburg®®^), Lyck®®®) und Eckersberg®®^). 
Für die entlegeneren Aemter des Comthurbezirkes hat man im 
vierzehnten und fünfzehnten Jahrhundert wiederholentlich eigene 
Centralpunkte zu schaffen gesucht, ohne sie deswegen von Balga 



^®°) Curia Natanginensis , auch Curla Natangyn um 1341. Priyilegien des 
Stifts Samland, fol. 244 ff. Hier kommen eine Reihe yon Urkunden vor, die 
in Natangen, Domnau, Eilau, Gerdauen und anderen Hauptorten Ton Kammer- 
ämtem ausgestellt sind, darunter auch eine in curia eremitae circa Brauns- 
berg, d. h. im Einsiedel. Die curia Eynsedil findet sich auch in Urkunden 
von 1373, 1374, 1388 etc., Cod. dipl. Pruss. IIL n. 107, 119; IV. n. 62 etc. 
Ob dieses Eiusiedel etwa der natangische Hof war? Aber in keinem Falle 
kann ich Mülverstedt in den N. P. P. Bl. a. F. Bd. 5, S. 323, Anm. bei- 
stimmen, wenn er sagt: „Bemerkenswerth ist noch der Umstand, dass in dem 
grossen Preussengaue Natangen ein kleiner xar' ^ioxtjv so genannter District 
lag, nach einem gleichnamigen Orte so geheissen." 

*•*) Namenscodex S. 97, wo noch hinzugefügt werden kann: Claus Whus- 
saw, Pfleger zu Pr.-Eilau 1415, nach der Verschr. über Kaupen im Fol. Verschr. 
von Labiau, Tapiau etc. 

89^ Ebenda S. 83. 

»W) Ebenda S. 100. 

8»4) Namenscodex S. 100. 

»9») Ebenda S. 88. 

«ö«) Ebenda S. 92. 

^^9^ Praefectus Hademar, Wigand p. 112. Ganz sicher folgt aus dieser 
Notiz freilich noch nicht, dass Eckersberg eigene Pfleger gehabt habe. 



202 Zeit der Ordensberrschaft. 

zu trennen. So wurde bald nach der Theilung Bartons zu 
Leunenburg ein eigener Comthur eix^setzt, aber wohl nur 
versuchsweise und nur auf kurze Zeit; denn bald erschienen 
die Kosten der Unterhaltung eines eigenen Conrents daselbst zu 
gross, und im Jahre 1347 wurde der Convent aufgehoben ®®^. 
Ebenso versuchte man es gegen Ende des Jahrhunderts mit eignen 
Comthuren zu Rhein, aber auch diese Einrichtung bestand nur 
kurze Zeit (1394 — 1422); bald nach dem tannenberger Sjiege 
traten in Ehein statt der Comthure Pfleger ein®®^). Wiewohl 
nun Bhein seit dieser Zeit als Eammeramt von Balga tkufgeföhrt 
wird, so wurde es doch selbst der Mittelpunkt der VerwaltuÄg 
für die Gebiete Ehein, Seesten, Eastenburg, Leunenburg und 
selbst Barten, welches sonst zur Comthurei Brandenburg ge- 
hörte ^°°). In eine ähnliche Stellung trat noch später Basten- 
burg als Centralpunkt der Verwaltung für die Gebiete Basten- 
burg, Leunenburg und Ehein °o ^). Hiemit stimmt es ganz über- 
ein, dass der Hochmeister Paul von Eussdorf sich bei seiner 
Abdankung im Jahre 1441 das Pflegeramt zu Eastenburg nebst 
den Waldämtern zu Leunenburg, Ehein und Lyck' erbat ®^^). 

Im dreizehnten Jahrhundert gab es eine Zeit lang Vogte 
von Natangen, die in Urkunden immer neben den Comthuren 
von Balga, wohl als Unterbeamte derselben, also ganz verschieden 
von den noch älteren Comthuren von Natangen auftreten ®°^). 
Ihr Amt und Titel verschwindet eine Zeit lang spurlos. Seit 
der Mitte des vierzehnten Jahrhunderts nahmen die Comthure 
von Balga, und zwar, so viel wir wissen, zuerst Henning Schin- 
dekopf (seit 1354), den Titel Vogt von iNTatangen an. Ob viel- 

• 

leicht in verändertem Sinne, dem neuesten Begriffe des Namens 



898) Wigand p. 80. 

800) Namenscodex S. 49. 

»oö) Zinsbuch AZ, fol. 51. Bei den Rechnungen von 1422. 

»0») Zinsbuch AZ, fol. 109. 

•02) Voigt 7, 786. 

003) Der erste derselben ist Cuno, zwischen 1276 und 1278 , Namenscodex 
S. 72. Er heisst adyocatus Natangie z. B. in zwei elbinger Urkunden Tom 
18. Febr. 1276. Einmal in einer Urkunde vom 1. Januar 1277, Cod. dipl. 
Filiss. I. n. 162, heisst er commendator Natangie ; er scheint also damals vor- 
übergehend dieses andere Amt auch bekleidet zu haben. Nach ihm kommen 
noch zwei advocati Natangie zwischen 1284 und 1291 vor. 



--■a 



Verwaltungsbezirke (Gebiet Balga). 203 

Natangen entsprechend, wagen wir nicht zu behaupten. Gewiss 
ist, dass der Comthur von Balga der erste uiid angesehenste Ge- 
bietiger in den Landschaften zwischen Passarge und Pregel, 
zwischen dem frischen Haff und den Grenzen Lithauens und 
Masoviens war, und dass man den Namen Natangen schon im 
vierzehnten Jahrhundert zur Bezeichnung aller dieser Land- 
schafben gebrauchte ®°*). 

Die Burg Balga ist im Jahre 1239 erbaut. An der Stelle, 
wo die Kitter dieselbe erbauten, stand früher eine Burg der 
Heiden ^0^). Der Name ist sicher deutsch und deutet eine Be- 
ziehung der Burg auf das Seetief (Balge) an. Während der 
ersten Kampfe um Balga wurden von den Preussen ganz in der 
Nähe zwei Festen, Partegal und Schrandynberg, angelegt, deren 
Namen das adlige Gut Partheinen und das culmische Gut Schrangen- 
berg erhalten haben, während gleichzeitig die Ritter den Schnecken- 
berg befestigten, welcher noch jetzt diesen Namen trägt ^^®). 
Die nächstgelegene Stadt Heiligenbeil hat lange Zeit für eine 
der ältesten in Preussen geölten; aber diese Ansicht beruht 
nur auf dem Mährchen von dem heiligen Beile, mit dem der 
Bischof Anselm dort eine alte Göttereiche gefällt haben solP^'). 
Zuerst erwähnt wird die Stadt in einer Verschreibung des Hoch- 
meisters Winrich von Kniprode von 1352; denn die älteste 
Handfeste der Stadt ist verloren ^o®). Das Schloss Barten- 
stein, gleich nach der ersten Unterwerfung der Barter (1240)' 
erbaut ®°®), wurde während des zweiten Aufstandes nach tapferer 
Vertheidigung im Jahre 1264 von den Ordensrittern verlassen. 



*^) In diesem Sinne ist yon den Grenzen Natangens und Masoyiens in 
den Zeiten Luthers yon Braunschweig die Bede, Privilegien des Stifts Sam- 
land 227.. In diesem Sinne wird Barterland, Angerburg', Seesten, Ortels- 
borg etc. zu Natangen gerechnet. Grenzbuch B, fol. 105 ff. In diesem Sinne 
braucht auch offenbar Dusburg schon den Namen, wenn er yon den Heerzügen 
der Katanger unter Anführung des Comthurs yon Balga gegen Garthen, III. 
c. 259, 285, 301, 342, oder yon den Unternehmungen der Mannschaften yon 
Samland und Natangen, III. c. 253, 313, 324, 344, spricht. 

•05) Dusburg III. c. 18, 19. 

»0«) Dusburg III. c. 21, 23, 24. Vgl. Voigt Bd. 2, S. 389, 390. 

•0') Luc. David 1, 83. VgL Voigt 4, 604. 

•®*) Der Hochmeister Albrecht erneuerte sie 1522. Die Handfesten von 
Heiligenbeil stehen in dem Fol. Handfesten der Aemter Brandenburg, Pr.- 
Eilau und Balga, fol. 254 ff. VgL Werner, Poleographia, Spec. I. Heiligenbeil. 

»0») Dusburg III. c. 27. 



204 Zeit der Ordensherrschaft. 

später, wie es scheint, wieder besetzt, dann aber von den Har- 
tem doch zerstört^ »0). Die Stadt ist erst im Jahre 1326 durch 
Dietrich von Altenburg, Comthur zu Balga, erbaut®'') und er- 
hielt ihre Handfeste 1332 von dem Hochmeister Luther von 
Braunschweig ^'2). Die Neustadt ist im Jahre 1366 erbaut*'*). 
Die Stadt Landsberg, früher auch Landstrass genannt, erhielt 
ihre Handfeste im Jahre 1335 von Heinrich von Muro, Comthur 
zu Balga, auf Veranlassung des Hochmeisters Luther von Braun- 
schweig ® '*). Ungefähr um dieselbe Zeit dürfte P r e u s s.-E i 1 au 
gegründet sein^'^). Der Stadt Zinthen verschrieb schon Diet- 
rich von Spira, Comthur zu Balga, im Jahre 1341 zehn Hufen 
im Walde von Paslange®'®); ihr Hauptprivilegium ist erst von 
dem Hochmeister Winrich von Kniprode im Jahre 1352 aus- 
gestellt®'^). Die Stadt Schiffen bürg, jetzt Schippenbeil, 
deren Name richtiger von Schiff als von Schöffe abgeleitet wird, 
am Zusammenfluss der Alle und des Guber gelegen, erhielt ihre 
Handfeste von dem Hochmeister Heinrich Tusmer im Jahre 
1351®'^). Die Leujienburg, am Zusammenfluss der Flüsse 
Guber und Zain gelegen, ist im Jahre 1326 von eben jenem 
Dietrich von Altenburg erbaut, der auch die Stadt Bartenstein 
gründete®'®); jetzt sind nur noch Euinen derselben neben einem 
gleichnamigen Flecken übrig ®20). Die Heidenburgen Wallewona 



»»f») Dusburg in. c. 114, 116, 168. 

»»») Dusburg III. c. 355. 

»»2) Handfeste yon 1332, Cod. dipl. Pruss. II. n. 140. 

®^^ Handfeste yon 1356 bei Behnisch, Gesch. yon Bartenstein, S. 501. 

»»*) Handfeste yon 1335, Cod. dipl. Pruss. II. n. 165. 

^^^) Im Namenscodex S. 20 wird Heinrich yon Muro geradezu als Ghriinder von 
Freuss.-Eilau bezeichnet. Ob nach einer Urkunde, oder nach der Gnmaa'scheB 
Tradition (welche die Gründung der Stadt allerdings mit Wahrscheinlichkeit in 
das Jahr 1336 setzt) .^ £rste sichere Erwähnung im Jahre 1409 bei Voigt 7, 68. 

***) Urkunde yon 1341 bei Werner, Poleograph. Spec. V. Zinthoi. 

*i^ Handfeste yon 1352, Cod. dipl. Pruss. III. n. 69. Szinten als pre«»- 
sischer Personenname kommt yor in der Urkunde yon 1361 bei Beokmum de 
primo episc. Yarm. p. 35. 

ö»8) Handfeste yon 1351, Cod. dipl. Pruss, III. n. 67. 

ö»9) Dusburg in. c. 355. 

920) YfQOü der Ort bisweilen Stadtlein genannt wird (Hennenberger S. 254, 
Hartknoch S. 419), so ist er doch wohl nie, wie Hennig zu Lucas Dayid 
Bd. 6, S. 77 meint, wirklich Stadt gewesen. Städtlein ist im sechzehnten 
und siebzehnten Jahrhundert ein gewöhnlicher Ausdruck für Marktflecken. So 
heisst z. B. auch Brandenburg bei Hartknoch S. 400 Städtchen. 



mt^mm 



Verwaltungsbezirke (Gebiet Balga). 205 

(Glawunen) und Waistotepil ( Wisenburg ?) , von denen schon 
früher gesprochen ist, wurden auch von dem Orden während 
des zweiten Abfalls der Preussen benutzt ^^i). Dag Hang 
Rastenburg wird zuerst ausdrücklich erwähnt beim Jahre 
1345022)^ Die Handfeste der Stadt stellte Henning Schindekopf, 
der Gomthur zu Balga (zwischen 1354 und 1359) aus; der Hoch- 
meister Winrich von Kniprode erneuerte und bestätigte sie im 
Jahre 1378^23) Das Haus zu Bayselawken oder Bees- 
lack, südwestlich von Eastenburg, wird um 1402 erwähnt; es 
wurde später in eine Kirche umgewandelt ® 2 4)^ Auch das nahe 
gelegene Pützen (Pültz) soll ein Schloss gehabt haben ^^s) j)iß 
Burg S e e s t en (eigentlich wohl Seestein) scheint jünger zu sein als 
Rastenburg und Johannisburg^*'^®); namentlich erwähnt finden wir 
sie erst beim Jahre 1371 ^2^). Ganz nahe derselben liegt die Stadt 
Sensburg (Seegensburg), gegründet gegen das Ende des vierzehn- 
ten Jahrhunderts von dem Hochmeister Konrad von Jungingen 
(1393—1407) 02S). Das Haus Rhein ist im Jahre 1377 erbaut 020). 



"») Dusburg III. c. 109—112. Dass Waistotepil mit Schippenbeil nichts 
zu thun hat, zeigt Miüverstedt in den N. ?. P. BI. 1857, Bd. 1, S. 192 flf. 

«") Wigand p. 78. 

Ö23) Handfeste von 1378, Cod. dipl. Pruss. III. n. 130. Erweiterung der 
Stadt durch den Comthur von Balga Gottfried von Linden 1374, Voigt 5, 304. 

«") Lindenblatt S. 152. Vgl. Voigt Bd. 6, S. 225. Hennenberger S. 31. 

»") Hennenberger S. 349. 

"») Sonst hätte sie vor AUem in der Urkunde Cod. dipl. Pruss. IV. n. 126 
neben Leuncnburg genannt sein müssen. 

827) Wigand p. 192. Nach Hennenberger fol. 434, der sich hier auf Mühl- 
felds Annalen beruft und von Grünau ganz abweicht, ist Seesten 1348 erbaut. 
Die Verschreibungen über das Schulzenamt und die Krüge zu Sehesten sind 
von Ulrich von Jungingen 1401 ausgestellt, N. P. P. Bl. 1853, Bd. 1, S. 265. 

^^^) Nach dem Handfestenbuch des Amtes Seesten, Voigt 6, 21. In 
neuerer Zeit ist zwar wiederholt das Jahr 1348 als das Gründungsjahr für 
Seesburg angegeben, und die Stadt hat deshalb nach den N. P. P. Bl. 1848, 
Bd. 2, S. 400 im Jahre 1848 ihre fünfte Säcularfeier gehalten, aber jenes 
Datum ist falsch. £s findet sich weder in einer Urkunde (in Sensburg selbst 
kennt man nur zwei Verschreibungen des Hochmeisters Eonrad von Erlichs- 
hausen, von 1442 über den See Czooss unmittelbar bei der Stadt, und von 
1444 über 160 Hufen und den See Ixt, jetzt Jüst, bei dem Dorfe Czer- 
wanken), noch auch bei Grünau oder Hennenberger. Der Irrthum scheint 
durch Hartknoch veranlasst, welcher die Vermuthung ausspricht, dass Sens- 
burg um dieselbe Zeit wie Seesten — 1348 nach Hennenberger — seinen 
Anfang genommen habe, A. u. N. Preussen, S. 425. Bei Adlerhold, Preussen 
1704, S. 750, und bei Goldbeck, Ostpreussen, S. 42 ist die Angabe schon fixirt. 

•") Wigand p. 218. Voigt ö, 276 meint zwar, hier sei nur von stärkerer 
Befestigung des Ortes die Bede, allein es findet sich keine Spur, dass der Ort 



206 Zeit der Ordensherrschaft. 

• 

Das Schloss «Tohannisburgist von dem Hochmeister Hein- 
rich Tusmer im Jahre 1345 am Ausflüsse des Pischflusses aus 
dem Warschausee erbaut ^^°). Den „Einwohnern vor dem SchlosB 
Johannisburg*' verlieh Ulrich Fricke, Comthur zu Balga, gewisse 
Eechte in Bezug auf Jagd, Fischerei und Beuten und bestimmte 
ihre Abgaben im Jahre 1367®^*). Das Schloss wurde auf An- 
ordnung eines Comthurs zu Balga 1431 in wehrhaften Stand 
gesetzt ^^^). Das Haus Eckersberg ist namentlich aus der 
Kriegsgeschichte des Jahres 1361 bekannt ^3^). Das Haus Lyck 
erbaute der Comthur von Balga Ulrich von Jungingen im Jahre 
1398^34) Einen Umbau oderNeubau daselbst führte sein Nach- 
folger, der Graf Johann von Sayn, schon im Jahre 1408 aus^^*). 
Die gleichnamige Stadt erhielt ihre Handfeste durch den Hoch- 
meister Paul von Russdorf, wahrscheinlict im Jahre 1435*^*). 
Die Comthure von Balga haben noch einige Burgen gegründet, 
die gegenwärtig nicht mehr vorhanden sind, im Jahre 1360 
Rungenbrust und Grebyn^^^), im Jahre 1392 Grodno und Me- 
thenburg ^^^). Wo Grebyn gelegen habe, darüber bietet sich 
nicht einmal eine Vermuthung ^^^) , die drei anderen Häuser 



früher yorhanden gewesen wäre. Besuch des Hochmeisters Winrich yon £nq»- 
rode m Bhein und Johannishurg 1379. Lindenblatt S. 45. Wigand p. 240. 
930) Wigand p. 79. 

ö3») Urkunde von 1367, Cod. dipl. Pruss. lU. n. 95. Deutsch ebenda XY. 
n. 7. Dies sind die räthselhaften Wyscher pertinentes ad Prussiam bei Wi- 
gand p. 114 (Fischer), üeber die Ansetzung neuer Colonisteoi yerhandelt der 
Pfleger mit dem Comthur zu Balga um 1428. Voigt Bd. 6, S. 601. 

»32) Voigt 7, 579. 

933) Eckersberg wird erwähnt bei Wigand p. 108, 110, 112, Lindenblatt 
S. 24. 

934) Lindenblatt S. 115. Vgl. Voigt 6, 97. 

93Ö) Lindenblatt S. 187. 

93«) Die Urkunde steht bei Werner, Poleogr. Spec. 111. Lyck. Sie ist ron 
1445 datirt, dieses Datum ist aber wegen der Regierungszeit des UochmeisterB 
Paul von Russdorf (1422 — 1447) und der Amtsverwaltung dei;^ Zeugen: Johann 
Beenhusen, Comthur von Brandenburg (1433 — 1441), Gerlach Mertz, Pfleger 
zu Rastenburg (1434 — 1437), und Oswald Holzapfel, Pfleger zu Lyck (l481 
bis 1440), jedenfalls irrig; es liegt nahe, 1445 in 1435 zu verwandeln. Eine 
Urkunde für das Dorf Lyck von 1425 führt Voigt Bd. 6, S. 688 u. 648 an. 

937) Wigand p. 104. 

938) Lindenblatt S. 86, 87. 

939) Denn Grebin bei Liebau in Kurland, auf welches der VerfiMser der 
„Erläuterung" in den N. P. P. Bl. 1857, Bd. 2, S. 161 deutet, kann seiner 
Lage nach nie zur Comthurei Balga gehört haben. 



Verwaltongsbesurke (Gebiet Balga). 207 

aber standen noch jenseit der heutigen Ostgrcnize. Bungen- 
brüst bezeichnet ohne Zweifel eine Burg am See Eynge, aus 
welchem der Fluss Anse zur Memel geht^*^). Methenburg 
lag doch wohl an der Methe, jetzt ]N"etta, einem Nebenflußs des 
Bober ^*^). Grodno endlich wurde der bekannten Stadt dieses 
Namens gegenüber am Niemen erbaut. 

9. Das Gebiet Brandenburg. 

Das Gebiet von Brandenburg wurde bei der Theilimg 
Bartens im Jahre 1326 durch den mittleren Theil dieses Landes 
vergrössert. Hiezu kam aber noch ein beträchtliches Stück in 
der Wildniss. Als Kammerämter der Comthurei werden fol- 
gende aufgeführt: Huntenau, Kreuzburg, Knauten, 
Domnau, Barten. Von denselben lag Huntenau nahe bei 
Brandenburg ^*2), Knauten liegt zwischen Kreuzburg und Domnau 
ziemlich in der Mitte. Unter den Gebietigem, welche dem 
Comthur zu Brandenburg untergeordnet waren, hatte der Wald- 
meister seinen Bezirk am nächsten den Gegenden des Haffs, 
weshalb er auch in Brandenburg selbst residirte. Pfleger 
hatten ihren Sitz zu Kreuzburg, Barten und Lötzen^^^); 
zu Domnau nur in früheren Zeiten, z. B. um 1324, aber nicht 
mehr im Anfang des fünfzehnten Jahrhunderts®**). Das Gebiet 
des Pflegers zu Barten hing mit dem westlichen Theil der Com- 
thurei nur durch einen sehr schmalen Landstreifen in der Ge- 
gend von Laggarben, Sollknick, Mamlack, Schmodehnen, Me- 
lohnen zusammen, gewann zwischen Wolfshsigen und Woplauken 
seine grosseste Breite und erstreckte sich östlich über die Grenzen 
des alten Barterlandes bis an den Mauersee; denn es umfasste 
noch die Dörfer Doben und Rosengarten. Die Seeen von Ga- 
Unden wurden in der Zeit des Hochmeisters Dietrich von Alten- 



•*<*) Bynge und Anse werden erwähnt von Wigand p. 238. Vgl. p. 268. 

•**) Ueber den Namen Mete Tergleidie die Urkunde von 1398 bei Luc. Da- 
vid 8, 35, auch die Grenzbeschreibung in Baczko's Annalen 1792, Quart. I, 
8. 84. 

***) Hennenberger S. 160. 

•*3) Namenscodex S. 88, 82, 92. 

^*) In der Handfeste von Friedland wird Konrad von Heasberg als Pfleger 
Ton Domnau erwähnt. Vgl. Voigt 6, Ö47, Anm. 3. 



208 Zeit der Ordonsherrsohaft. 

bürg (1335 — 1341) zwischen den Häusern Lötzen und Anger- 
burg getheilt. Man zog eine Linie von dem Doben- über den 
Dargen- nach dem kleinen Skarz-See und verlängerte dieselbe 
in der Weise, dass der Kruklinner-, Widminner- und Lenkuk- 
See, so wie alle nördlich von denselben gelegenen, namentlich 
der Schwentzait-, 8trengelner- und Golldappgar-See, an Angerbui^ 
fielen ^**). Ihrem Umfange nach scheint die Comthurei dem der 
späteren Hauptämter Brandenburg, Barten, Lötzen und etwa 
noch Oletzko entsprochen zu haben ^*^). 

Die Burg Brandenburg wurde im Jahre 1266 von einem 
Markgrafen von Brandenburg, welcher dem Orden im Kampfe 
gegen die Heiden Hülfe brachte, erbaut, und als die Ermeländer 
sie kurz darauf bis auf einen Thurm erobert und zerstört hatten, 
während eines zweiten Kreuzzuges wiederhergestellt ^*^).n Aelter 
noch als Brandenburg ist das Schloss Kreuzburg, denn es 
wurde bald nach der Unterwerfung der Natanger, wahrscheinlich 
1253, erbaut ^*^), am Zusamraenfluss der Bäche Kauxte und 
Pasmar. Die Stadt Kreuzburg erhielt ihr Privilegium erst im 
Jahre 1315 von dem Grosscorathur Heinrich von Plock®*^). 
Das Schloss Bichau am Zusammenfluss der Beislentz mit dem 
Friscliing war ursprünglich Ordensschloss, ging aber im Jahre 1287 
in Privatbesitz über ^^^). Ueber den Ursprung der Stadt Domnau 
sind wir nicht hinlänglich unterrichtet. Als Kammeramt kommt 
Domnau, wie gesagt, schon um 1324 vor. Die ältere Hand- 
feste der Stadt, von einem Comthur zu Brandenburg ausgestellt^ 
ist verloren; sie wurde von Kunz von Egloff stein im Jahre 1481 



^*^) Theilungsurkunde im Qrenzbuch B, fol. 106, und in Baczko's Annalen 
1792, Quart. 1, S. 84. Die Namen. sind hier sehr verdorben, aber meist mit. 
evidenter Sicherheit wiederzuerkennen. Aus dem Namen Dongepur ist Goll- 
dappgar gemacht, weil der Golldappgar-See in dieser Verbindung jedenfalls ge^ 
nannt sein muss. £r heisst bei Hennenberger Dalgabiba und noch auf der 
Karte Preussens von 1763 Dalgopiwa. — Mierunsken gehörte zur Comthurei 
Brandenburg nach dem Datum der Urkunde von 1408 bei Voigt Bd. 7, S. 21, Anm. 

^*^) Das Dorf Bosengarten gehörte später zum Hauptamte Angerburg, nicht 
zu dem von Barten. Auch die Grenzlinie zwischen den Seeen weicht in Ein- 
zelnheiten ab. 

9*^ Dusburg III. c. 122, 12ö, 126. 

9") Dusburg lil. c. 27. Die Zahl 1253 giebt der Canonic. Samb. Sp. 33. 

»^'O Handfeste von 1315, Cod. dipl. Pruss. II. n. 73. 

°*°) Bruchstücke der Verschr. von 1287 stehen im preuss. Archiv, Bd. 7, 
S. 661 ff., und bei Voigt Bd. 3, S. 470, Anm. Vgl. Hennenberger S. 31. 



Verwaltnngsbezürke (Gebiet Brandenbnig). 209 

erneuert ^^'). Friedland erhielt die städtische Handfeste 
durch den Comthur von Brandenburg Heinrich Tusmer im Jahre 
1324 052)^ Barten scheint früher den Namen Bartenburg ge- 
tragen zu haben und wurde im Jahre 1377 von Winrich von 
Kniprode befestigt ®^^), nachdem es wohl schon längere Zeit be- 
standen hatte. Drengfurt wird um die Mitte des fünfzehnten 
Jahrhunderts als Stadt erwähnt®**). Die Lötzenburg £uiden 
wir in der Zeit des Hochmeisters Dietrich von Altenburg er- 
wähnt; viel älter dürfte sie auch nicht sein; die Stadt ist viel 
jünger ®**). 

10. Das Gebiet Königsberg. 

Die Commende Königsberg, seit dem Jahre 1312, wenn 
auch Anfangs mit einigen Unterbrechungen, von dem obersten 
Marschall des Ordens verwaltet, breitete sich wohl ungefähr um 
dieselbe Zeit über die ostwärts von Samland gelegenen Gebiete 
Tapiau, Welau, Insterburg und Gerdauen aus. Gerdauen wenig- 
stens, welches von einem Comthur zu Königsberg im Jahre 1325 
ausgebaut ist, muss derselben darnach schon vor diesem Jahre 
angehört haben, und der geographischen Lage nach können 
Tapiau und Welau derselben nicht wohl später beigefügt sein; 
von Insterburg steht fest, dass es der Oberaufsicht des Comthurs 
zu Königsberg wenigstens vor dem J£ihre 1339 übergeben ist®*®). 



^'*) Handfeste von 1481 im Anhang zn der Geschichte und Topographie 
der Stadt Domnau, in Baczko's Annalen 1792, Quart. II, S. 65 — 78. 

^•52) Handfeste von 1324 in dem Fol. Handfesten der Aemter Brandenburg, 
Pr.-Eilau und Balga, fol. 132. 

853) ijVigand p. 218 nennt den Ort Bartenburg, woraus Schtltz Wartenburg 
gemacht hat. Voigt 5, 276 erklärt sich für diese Aenderung, allein "Warten- 
burg ist eine bischöfliche Stadt, während hier an eine Ordensstadt zu denken 
ist. Wartenburg war überdies 1364, also kurz vorher, von dem Bischof 
wiederhergestellt. Der von Voigt a. a. 0. erwähnte Pfleger von Bartenburg um 
1361, Poppo von Eegenstein, ist in den Kamenscodex nicht aufgenommen; 
vielmehr finden wir ebenda S. 107 einen Poppo von Begenstein als Pfleger 
von Willenberg angeführt, so dass die Vermuthung nahe liegt, jene erste 
I^otiz beruhe auf einem Lesefehler. Einen praefectus Bartensis gerade im Jahre 
1361 erwähnt ohne Nennung des Namens Wigand p. 114. 

0") Zinsbuch AZ, fol. 58. Vgl. den Contributionsanschlag bei Schütz fol. 205. 

9") Chronik der Stadt Lötzen von Gerss in den N. P. P. Bl. 1852, Bd. 1, 
S. 148—160. 

***«) Die Pfleger von Insterburg, Gerdauen und Tapiau erscheinen 1339 als 
Untergeordnete des Marschalls, Urkunde von 1339, Cod. dipl. Pruss. III. n. 159. 

14 



210 Zeit der Ordensherrscbaft. 

So dürfte die Marschallstanne, welche wir schon fHiher in der 
Gegend der Ossa trafen, die nordöstliche Grenze seines Gebietes 
gegen Eagnit hin bezeichnen, wie noch heute die Marschallsheide 
zwischen Nordenburg und Drengfurt an die Ausdehnung seines 
Gebietes nach Südosten erinnert. Yon den Nehrungen gehörte 
demselben die kurische, wenigstens bis über Bossitten hinaus, 
die frische vom lochsteter Tief bis gegen Schmeiprube hinab 
ano»^). 

Die Kammerämter der Commende Königsberg waren: 
Wargen, Germau, Pobethen^^^), Eudau, Schaaken, 
Eossitten, Kaymen, Kremitten, Waldau^^^). Die dem 
obersten Marschall untergeordneten Gebietiger waren die V.ögte 
von Samland und die Pfleger von Lochstet, Tapiau, 
Gerdauen und Insterburg. Yögte von Samland giebt 
es (wie Yögte von Natangen) etwa seit 1275 oder 1276®^. 
Ihr Amtskreis fällt ohne Zweifel mit dem Umfange der genann- 
ten Kammerämter zusammen. Später scheint derselbe in zwei 
Pflegerämter getheilt zu sein; denn seit 1397 werden neben 
den Yögten von Samland Pfleger zu Schaaken erwähnt®^'); 
seit 1404 aber hören wir nichts mehr von Yögten des Sam- 
landes, und seit 1433 gab es Pfleger zu Grünhof ö«^^). Seit- 
dem wird sich der Amtskreis der Pfleger von Schaaken über 
das östliche, der der Pfleger von Grünhof (östlich von Pobethen) 
über das westliche Samland erstreckt haben. Die Pfleger zu 
Lochstet^^^) verwalteten einen sehr beschränkten Bezirk, 



^5^) Die Verschreibung über die Krüge zu Schmergrube von 1399 und zu. 
Voglers von 1429 (in Neumanns Urkundensammlnng) sind yon dem obersten 
Marschall. 

8*ö) Der erste aller uns bekannten Eänunerer ist Bonse au Pobethen. Dtdb- 
burg in. c. 185. 

ö") Zinsbuch AZ, fol. 38. Vgl. Voigt 6, 548. 

^^^) Dietrich von Liedelau ist der erste uns bekannte Ordensvogt von Sam- 
land. Er versah das Amt nach dem Namenscodex S. 76 zwischen 1278 imd 
1292, hatte es aber wohl schon früher angetreten. Dusburg IIL c. 171, 172, 
177 (wo Thomas aus Th falsch conjioirt ist) und 185. 

ö«0 Namenscodex S. 102. 

»«2) Namenscodex S. 86. 

®*3) Ein Pfleger zu Lochstet wird schon 1298 erwähnt, Cod. dipl. Pmss. 
III. n. 1. Sein Nachfolger Heinrich um 1305 heisst Comthur, Cod. dipl. 
Pruss. II. n. 50. Die folgenden Pfleger im Namenscodex S. 91. 



Verwaltongsbezirke (Gebiet Königsberg). 211 

Witlandsort und etwa den nördlichen Theil der firischen Neh- 
rung, wiewohl der Marschall bei Alttief eine eigene Störbude 
hatte und einen eigenen Störmeister hielt ^®*). Die Fischerei in 
dem nördlichen Theile des frischen Haffs, so weit sie nicht 
dem Bischof von Samland gehörte, war ohne Zweifel den Häusern 
Lochstet, Balga, Brandenburg und Königsberg gemeinschaftlich. 
Das Waldamt zu Tapiau,' früher von Comthuren, später von 
Pflegern verwaltet, breitete sich nördlich vom Pregel/ wo es 
links von der Deime die Gegend von Goldbach, Pomanden und 
Codien, rechts von derselben die Gegend von Grünelinde, Grün- 
hagen, Poppendorf, Wükendorf, Weissensee, Petersdorf, Stobingen, 
Rippkeim umfasste, aber weiter noch im Süden des Pregels aus, 
wo Stadt Welau, Paterswalde und Eichenau (Richau?) die öst- 
lichsten, Allenau, Dietrichswalde, Schönau, Hanswalde, Gbnow 
(Gundau?), Engelau die südlichsten, Pregelswalde und Starken- 
berg die westlichsten Bezirke desselben bezeichnen ^^^). Das 
Gebiet von Insterburg, welches ebenfalls eine Zeit lang 
unter Comthuren, seit 1347 unter Pflegern stand ^0^), enthielt die 
Kammerämter Wohnsdorf, Alt- Welau, Nadrauen^^"'). Wir kennen 
die Grenze des Landes Wohnsdorf gegen Gerdauen von früher 
her; es gehörten zu demselben auch einige Ortschaften im 
Westen der Alle, wie Bammeln, Wommen, Tremow (Trimmau), 
Skolden (Schallen), Ruddin (Redden), Lusyne (Leissienen) ; dieses 
Lusyne, so wie Polauwen (Plauen) und Pertnauwim (? Potawem) 
bezeichnen zugleich die nördliche Ausdehnung des Landes; nach 
Osten hin erstreckte es sich an der Schweine und Time hinauf 



**<) Er wird in der Verschreibimg über den Krug zu Voglers, auch in den 
Zinsbüchem erwähnt. 

®**) Das Haken- und Hubenbuch auf Samland (im geh. Archiv) zählt die 
preussischen Dörfer unter folgenden Ueberschriften auf: Cammerampt Caymen, 
Cremitten, Waldau, Wargen, Girmau, Pobeten, Eudau, Schaken, Waldamt zu 
Tapiau, Gebit Insterburg, Wunsdorf Cammerampt, das Land zu Welau, Na- 
drauen-Land, Land Gerdauen. Die Pfleger von Tapiau stehen im Namenscodex 
S. 103. 

^^^) Namenscodex S. 86. Dass der Convent 1347 aufgelöst wurde, bemerkt 
Wigand p. 80. 

*<»') Ausser dem Haken- und Hubenbuch zeigt dies auch das Zinsbuch AZ, 
fol. 40, und das Vasallenregister von 1436 in den N. P. P. Bl. 1855, Bd. 1, 
8. 283, wo Nadrauen und Wohnsdorf ausdrücklich Kammerämter genannt 
▼erden. Alt-Welau gehörte sicher zum Gebiete Insterburg, doch ist uns die 
Bezeichnung Kammeramt für dasselbe nicht begegnet. 

14* 



} 



212 Zeit der Ordenshemchaft 

über Eisenwagen bis Berslauken. Die in demselben erwähnten 
preussischen Ortschaften sind sehr zahlreich ®ß®). Das Land zu 
Welau, nämlich Alt-Welau, bestand aus einem schmalen, 
fast ringsum von tapiauschem Gebiet umgebenen Landstrich 
nördlich vom Pregel, mit folgenden preussischen Dörfern: Son- 
ditten (Sanditten), Pelon (Pelohnen), Sargin (Zargen), Scobrow 
(Schaberau), Kethin (Kothen), Rupin (Reipen), Lippin (Leipen), 
und einigen Bezirken im Süden des Pregels, worauf namentlich 
der Ortsname Poyato (Piaten) deutet ^^^). Im Eammeramt Na- 
drauen werden folgende Ortschaften aufgeführt: Bluoygrube- 
dorf (?), Nerwekitten (Norkitten), Plewischken (Plibischken), 
Tiltenik (Telteninken) , Coleen (Kallehnen), Aselauken (Asch- 
lacken), Okyrow (?), Krauplawken (?), Stabelauken (Stablacken), 
das Hachelwerk Insterburg, Tammow, Gardowin (?) ; der grössere 
Theil derselben liegt noch westlich von dem der Kirche über- 
gebenen Gebiete zu Saalau und Georgenburg, die übrigen un- 
mittelbar am Pregel. Wenn anderwärts Norkitten (um 1420) ^^o) 
imd Taplacken (um 1510)^^^) Kammerämter genannt werden, 
so mag das Xammeramt . Nadrauen in späteren Zeiten getheilt 
sein; doch können alle diese Namen auch denselben Bezirk be- 
zeichnen. Die Grenze zwischen den Gebieten Gerdauen und 
Insterburg kennen wir aus einer Grenzbeschreibung von 1510. 
Sie soll anheben von der Angerappe und fortgehen . bis auf 
Scawrlauck (Schiriaken, westlich von l^rkehmen), ferner den 
alten Weg „umb den allrumpen'* (unverständlich, scheint auf 
Gr.-Trempen zu deuten) auf Schöneheide (ein zu Ernstburg ge- 
höriger Porst), den Ybenberg (Eibenberg? nicht mehr nach- 
weisbar), Strabisske (Astrawischken an der Ilme), bis „\iff die 



088^ Nach dem Haken- und Hubenbuch auf Samland. In dem. Fol. Yer- 
scbreibungen yon Labiau, Tapiau etc. findet sich eine Yerschreibung yon 1415 
über „das Dorf Kaupen an der Schweine, im Gebiet Insterburg und im Kammer^ 
amt Wohnsdorf gelegen". Ist hier Kauken an der Ilme gemeint? 

069^ Für die noch angeführten Kamen Traussutthin und Nogelow fehlt jede 
sichere Spur. 

o'O) Urkunde yon 1420 im Erl. Preussen, Bd. 3,»S. 470. 

•'^) Urkunde yon 1510, von der sogleich mehr. Es darf hienach nicht 
auffallen, wenn gelegentlich, in der Urkunde yon 1450 bei Luc. Dayid Bd. 4, 
Anhang N. 15, bemerkt wird, dass das Gebiet Insterburg sich westlich bis 
in die Nähe der Deime und Schwarup (Nebenfluss der Deime) erstreekt 
habe. 



mm 



Yerwaltangsbezirke (Gebiet Königsberg). 213 

knich" (d. h. wohl die Ortschaften Gr.- und K:i.-Gnie)0T2). Der 
Amtsbezirk der Pfleger zu Gerdauen ^'^^) ist hienach ebenfalls 
zu den grösseren zu rechnen. Er dürfte dem späteren Erbamte 
gleiches Namens ziemlich genau entsprochen haben, wie die 
Amtsbezirke der Pfleger von Tapiau und Insterburg den späteren 
Hauptämtern gleiches Namens. 

lieber die Erbauung des Schlosses Königsberg zu Ehren 
des Königs Ottokar von Böhmen im Jahre 1255 und die bald 
darauf erfolgte Errichtung eines zweiten Schlosses neben dem 
älteren ist schon gesprochen. Die älteste städtische Ansiedelung 
neben demselben war die um die Mcolaikirche auf dem heutigen 
Steindamm. Nach der Zerstörung derselben durch die Preussen 
während des zweiten Aufstandes wurde die Stadt zwischen dem 
Schloss und dem Pregel (die heutige Altstadt) angelegt®"'*). Die 
Altstadt Königsberg erhielt ihre Handfeste von dem Landmeister 
Konrad von Thierberg im Jahre 1286 ®^s). Nach derselben er- 
streckte sich ihr ursprüngliches Gebiet bis zu den Grenzen des 
Dorfes Lauchsen (Lawsken) und vom Pregel nordwärts in das 
Land eine halbe Meile hinein. Yon den drei Pregelinseln, 
welche der Stadt zunächst lagen, reservirte sich der Orden da- 
mals die mittlere, Vogtsinsel genannt, wo später der Kneiphof 
angelegt wurde, ganz; von der grösseren, oberhalb der Vogts- 
insel gelegenen, ertheilte er den Bürgern die nördliche Hälfte 
auf eine Strecke von 90 Seilen; auch erhielten dieselben die 
unterhalb der Vogtsinsel gelegene Lusel (wo später die Feste 
Friedrichsburg angelegt ist); überdies wurde ihnen die Fischerei 
auf dem Haff vom Pregel bis zum Walde Poys (Peise) und auf 
dem Pregel von der Brücke bei Königsberg bis zum heiligen 
Walde gestattet; freies Brenn- und Bauholz durften sie in dem 
heiligen Walde Labun jenseits des Pregels und in den Wäldern 



»'^ Urkunde von 1510, N. P. P. Bl. 1855, Bd. 2, S. 339. Man yerfolge 
die Grenzpunkte auf der Schrötterschen Kiirte, welche die Nordgrenze des 
Hauptamtes Gerdaucn doch theUweise noch darstellt, halte aber daneben die 
Karte von 1763, auf welcher die Gegend von Muldzen noch, wohin es früher 
immlft gehörte, zum insterburgischen Gebiete gezogen ist. 

®") Namenscodex S. 85. Gerdauen kommt auch als Kammeramt vor, N. 
P. P. Bl. 1856, Bd. 2, S. 139, wohl in dem Sinne, wie oben Christburg. 

»'*) Dusburg m. c. 101. 

»") Handfeste von 1286 im Erläuterten Preussen, Bd. 2, S. 456 flf. 



214 Zeit der Ordenshemchaft. 

oberhalb der Stadt bis zum Felde Lauten fallen. Der Antheil 
der Stadt an der grösseren Insel ist durch den Comthur Berthold 
Brühaven im Jahre 1299 noch um 28 Seile von derselben Breite 
erweitert worden ^^ß). Vier Hufen Waldes in der "Wilkie, 
Kruncken genannt, erhielt sie von dem obersten Msurschall 
Martin von der Kemnate im Jahre 1417^^^). Nach dem grossen 
Kriege verschrieb der Hochmeister Ludwig von Erlichshausen 
der Stadt die Dörfer Neuendorf, Steinbeck imd Ottenhagen, jen- 
seits des Pregels gelegen, im Jahre 1466^'®). 

lieben der Altstadt erhoben sich bald zwei neue Städte. 
Der Löbenicht erhielt seine Handfeste von dem Comthur 
Berthold Brühaven im Jahre 1300; das Gebiet desselben war 
von geringem Umfange ^^^); später erwarb er zehn Hufen Wald 
an der Deime und Sarappe (Schwarup) auf der Grenze des 
ragnitschen und insterburgschen Gebietes ^®°). Die jüngste der 
drei Städte ist der Kneiphof auf dem Vogtswerder, welcher 
seine Handfeste von dem Hochmeister Werner von Orseln im 
Jahre 1327 erhielt^®*). Auch der Kneiphof erhielt ursprünglich 
nur ein geringes Gebiet bei dem Haberberge südlich vom Pregel, 
erweiterte seine Besitzungen aber später beträchtlich. Unter 
den Erwerbungen desselben sind die beträchtlichsten die von 
sechzig Hufen am bartenschen See im Gebiet Barten (1392) ®®2j 
und die von vierzig Hufen im Walde Bubehnen (Bubaincn) im 
Kammeramt JSTorbekitten (1420)083). 

Das Haus Witlandsort, später nach dem Namen eines 



»'«) Urkunde yon 1299. Im Anhang zu Luc. David Bd. 4, Nr. 1. Hier 
findet sich noch folgende unverständliche Stelle : Bamus etiam pascua, que sita 
sunt inter villam, que Lauten nuncupatur, et inter yillam, que Saud«n dicitur, 
ambabus villis ad communia pascua in perpetuum ex speciali quadam gracia 
et favore de ponte descendendo versus Prigoram usque ad gades predictorom 
civium in ea parte, que vicinior est civitati. 

»") Urkunde von 1417, angeführt im Erl. Preussen, Bd. 2, S.463. 

«"«) Urkunde von 14G6, angeführt im Erl. Preussen, Bd. 2, S. 464. 

o'O) Handfeste von 1300 im Anhang zu Luc. David Bd. 4, Nr. 14. 

*80) Bestätigung in der Urkunde von 1450 im Anhang zu Lue. David 
Bd. 4, Nr. 15. 

081) Handfeste von 1327 im Erl. Preussen, Bd. 3, S. 462 ff. 

082) Urkunde von 1392, angeführt im Erl. Preussen, Bd. 3, S. 469. 

083) Urkunde von 1420 , ebenda S. 470. Dem Kneiphof verschrieb Her- 
zog Albrecht später noch das Dorf Schönfliess (1528) und einige andere Be- 
sitzungen, ebenda S. 471. 



Verwaltungsbezirke (Gfebiet Königsberg). 215 

Samländers Laucstiete Lochstet genannt, ist während des 
zweiten Aufstandes der Preussen erbaut ^s*). Die Schlosser im 
Samlande, Germau, Pobethen, Schaaken und die übrigen, deren 
!Namen die oben genannten Kammerämter tragen, mögen bald 
nach der Unterdrückung dieses Aufstandes errichtet sein^®^). 
Ausser denselben wird da, wo die kurische Nehrung beginnt, in 
der uns bekannten Grenzbeschreibung des bischöflichen An- 
theiles an Samland von 1330 .ein castrum seu opidum „Neu- 
haus" erwähnt ^®^). Nun wissen wir, dass der Landmeister 
Konrad von Thierberg der Jüngere im Jahre 1283, um den 
Heiden den Weg über die Nehrung nach Samland abzuschneiden, 
auf derselben am Ufer der See das Schloss Neuhaus erbaut 
hat^®^). Wenn man diese beiden Nachrichten mit einander 
verbindet, wird man sich überzeugen, dass dieses letztere Neu- 
haus keineswegs, was man ohne die Notiz aus dem Jahre 1330 
für wahrscheinlich halten würde, auf Rossitten zu beziehen 
ist, welches auf der kurischen Nehrung, aber drei bis vier Meilen 
nördlicher liegt. Das Haus Rossitten dürfte erst um die Mitte 
des vierzehnten Jahrhunderts, etwa in derselben Zeit mit dem 
Schloss Windenburg, erbaut sein^®^). Gegenwärtig ist weder 
von dem Schloss Neuhaus, noch von Rossitten eine Spur vor- 
handen. Das Schloss Tapiau (preussisch Sugurbi) ist noch 
etwas früher als Lochstet, aber auch während des zweiten Auf- 
standes der Preussen — im Jahre 1265 — erbaut ^®^); früher 
der Sitz einiger Comthure, wurde es später von Pflegern ver- 
waltet. Die Stadt ist erst nach den Zeiten des Ordens ent- 
standen. Die Burg We lau wurde gleich nach der Unterwerfung 
Samlands durch König Ottokar im Jahre 1255 von den Be- 



Ö84) Dusburg III. c. 107. Der Canon. Samb. Sp. 33 giebt noch näher 
1270 als das Gründungsjahr an. 

'^öö) Aber die Angabe, dass sie zwischen 1265 und 1270 erbaut seien, bei 
Luc. David 4, 114 beruht nur auf der Wissenschaft Simon Grunau's. 

»f^ß) In der Grenzbeschreibung yon 1330, S. 294. Ein Kregem Nuwehus 
kommt auch in dem „Haken- und Hubenbuch nfF Samland" des geh. Archiys 
im Kammeramt Eudau vor. 

»87) Dusburg III. c. 211. 

088) Ausdrücklich erwähnt wird es erst um das Jahr 1403 bei Voigt 6, 246 
und in den Zinsbüchem. 

Ö80) Dusburg III. c. 107. Nach des Canon. Samb. Sp. 33 und des Mi- 
noriten genau übereinstimmender Angabe im Jahre 126Ö. 



216 Zeit der Ordensherrsohaft 

wohnem NadrauenB , Schalauens imd Sudauens zu ihrer Ter* 
theidigung erbaut; aber, im Jahre darauf dem Orden verrathen ®®o)^ 
leistete sie demselben während des zweiten AbfEÜls gute 
Dienste ^^ *). Sie lag wohl nördlich vom Pregel, bei dem heutigem 
Alt-Welau; die Stadt Welau, südlich vom Pregel, ist im Jahri 
1335 erbaut ^^^) und erhielt im Jahre darauf die ZusicherungeHy 
über welche die Handfeste dann im Jahre 1339 ausgestellt ist^^ 
Zwischen Welau imd Insterburg liegen die alten Schlösser Tsr 
plaken und Norwekitten (Norkitten), um das Jahr 1376 zu- 
erst erwähnt ^^*). Der IJrsprung des Ordendschlosses Wohuft- 
dorf oder Aukoliten liegt vor dem Jahre 1372^*5), j^ 
Stadt Allenburg eriiielt ihre Handfeste von dem Hochmeister 
Konrad von Jungingen im Jahre 1400 ^^ß). Das Haus Inster- 
burg ist im Jahre 1337 erbaut ^^^), die Stadt viel später. Ein 
wenig oberhalb Insterburg, nahe dem Zusammenflüsse der Fissa 
und Angerap, lag das Haus Tammow, um 1371 zuerst er- 
wähnt ^^®). Gerdauen war das Schloss eines preossischen 
Edeln Kamens Girdaw, von dem es auch den Kamen trägt, der 
es während des zweiten Au&tandes seiner Landsleute tapfer 
vertheidigte, endlich aber verbrannte, um sich zu den Ordens- 
rittern zu flüchten ^^^). Einen Comthur zu Gerdauen trafen wir 
im Jahre 1315; es muss also wohl schon damals> ein Orden»- 
haus gewesen sein, und der Bau, welchen der Comthur von 



•00) Dnsburg in. c. 72. 

•»») Dusburg ni. c. 117. 

"2) Canon. Samb. Sp. 35. 

•»^ Handfeste Y<m 1339, Cod. dipl. Pruss. II. n. 159. Vgl. die YenAr. 
Heinrich Tusmers wegen der Marktgerechtigkeit etc. you 1339 ia Werne» 
gesammelten Nachrichten, Bd. 1, S. 117. 

»") Wigand p. 204, 210. Lindenblatt S. 37. 

•08) Vgl. die Urkunden bei Mtilyerstedt in den N. P. P. Bl. 1854, Bd. 1- 
S. 324 ff. 

^^^ Sie steht in den PriTÜ. des Bisthums Samland, fol. 120, ist aber noch 
nicht gedruckt. 

<>»') Canon. Samb. Sp. 35. Oder 1336 nach Kirchennachrichten zu Inster- 
burg. Vgl. Hennig, Beschreibung der Stadt Insterburg. Königsberg 1794. 

9&8) Wigand p. 192. Vgl. p. 204. Und 1409 bei Voigt 7; 5». Wigand 
erwähnt zwar einen praefectus in Tammow, aber yon einem Pfleger daselbet 
ist sonst nirgends die Bede. 

•öo) Dusburg m. c. 108. 



Verwaltangsbezirke (Gkbiet Königsberg). 217 

Königsberg daselbst im Jahre 1325 ausführte '°o^) , scheint nur 
ds Umbau angesehen werden zu können. Die Stadt Gerdauen 
3rhielt ihre Handfeste erst durch den Hochmeister Konrad von 
Fungingen im Jahre 1398'). Kordenburg wird zuerst um 
las Jahr 1365 erwähnt 2). 

Das Gebiet Angerburg, welches sich wahrscheinlich in 
Drdenszeiten so gut als in der Zeit der späteren Herzöge bis in 
iie Gegend des späteren Goldapp erstreckte ^), hatte längere Zeit 
3igene Pfleger; wir kennen deren fünf zwischen 1420 und 1438 *). 
Später scheint es von den Fischmeistern zu Angerburg ^) ver- 
ii^altet zu sein. Das Haus Angerburg war erbaut im Jahre 
1335^), wurde zerstört im Jahre 1365^, von dem obersten 
iiarschall im Jahre 1398 wiederhergestellt®). Eben diese letz- 
;ere Thatsache nöthigt uns, Angerburg als zu dem Bezirke des 
)bersten Marschalls gehörig zu betrachten, wenngleich es in 
ien uns vorliegenden Zinsbüchern nicht unter den Pfleger- 
imtem des königsberger Comthurbezirkes aufgeführt wird. 

11. Das Bisthum Samland. 

Dem Bischöfe von Samland stand in der Verwaltung seines 
Ä^ntheils an den Landschaften Samland und Nadrauen ein Vogt 
zur Seite ^) , der seinen Sitz in Powunden hatte '°). Auch ein 



1000) Dusburg HI. c. 353. Canon. Samb. Sp. 34. 

1) Handfeste von 1398, Cod. dipl. Pruss. IV. n. 123. 

2) Wigand p. 160, 170. Hier heisst Cuno von Hattenstein prefectus von 
J^ordenburg. Allein sonst kennen wir keinen Pfleger von Kordenburg und 
üuno von Hattenstein war zwischen 1360 und 1370 wahrscheinlich Comthur 
!U Brandenburg. Namenscodex S. 23. Die erste Verschreibung, in der Norden- 
Burg erwähnt wird, ohne Datum, ist von Rüdiger von Einer, dem obersten 
^f arschall (also zwischen 1370 und 1374), Privilegien des Stiftes Samland, 
:ol. 105. 

3) Hennenb erger, Erkl. der Landtafel, S. 142. 
*) Namenscodex S. 82. 

*) Hennenberger S. 23. 

8) Canon. Samb. Sp. 35. Erwähnt in der Urkunde von 1340, Cod. dipl. 
Pruss. III. n. 20. 

7) Wigand p. 152. Vgl. 162. 

8) Lindenblatt S. 115. 

*) Namenscodex S. 77. 

10) Nach der Verschreibung über die Mühle zu Powunden (wahrscheinlich 
von 1327), Matric Fischus. 24 (55). 



218 Zeit der Ordensherrschaft. 

Vogt des Kapitels wird erwähnt ' '). Als bisohöfliclie Kammer- 
ämter kennen wir aus der Urkunde über die samländiBchen 
Grenzlinien von 1330 Fischausen (districtus genannt) , Me- 
denau, Einau, Laptau, Powunden. Statt des Kammer- 
amtes Rinau wurde später das Kammeramt Thierenberg, 
wohl in etwas veränderten Grenzen, errichtet, wozu eben die 
A\iseinandersetzung mit dem Orden im Jahre 1330 Veranlassung 
gegeben zu haben scheint. Ob der Landstrich in Nadrauen ein 
oder mehrere Kammerämter gebildet habe, muss dahin gestellt 
bleiben. In dem Lande des Kapitels finden wir einen Kämmerer 
von öuednau ausdrücklich erwähnt *^). Die Hauptstadt des 
Bischofs im westlichen Samlande war Fischausen. Bischof 
Heinrich versicherte sich schon in Verträgen von 1263 und 
1264 des Beistandes der Eitter bei Erbauung einer eigenen 
Burg; er muss den Bau alsbald ausgeführt haben, denn schon 
im Jahre 1268 verleiht er Burglehen bei seinem Schlosse Scho- 
ne wyk ^^). Während des zweiten Aufstandes der Freussen wurde 
dasselbe nur durch ein Wunder gerettet ^*). Die Bewohner der 
Stadt Schönewyk bekamen ihr Privilegium von Bischof SiegMed 
im Jahre 1299, erneuert 1305 ^'^), Der Nalne derselben ging 
allmählich in Bischofshausen, Bischhausen, Fischausen über. Die 
Häuser in den Hauptörtern der Kammerämter werden, wie die 
Ordenshäuser in den samländischen Kammerämtern, noch im 
dreizehnten oder im Anfange des vierzehnten Jahrhunderts er- 
baut sein. Ausser denselben wird auch ein Schloss Ziegenbei^ 
schon um 1309 erwähnt ^^). In dem bischöflichen Antheile an 
iNadrauen treffen wir um das Jahr 1351 zuerst die Georgen- 



'•) Cod. dipl. Pruss. III. n. 90, p. 120. Auch ein Provisor (Pfleger?) in 
Georgenburg um 1354, ibid. V. n. 10. 

12) Urkunde von 1334, Handfeste des Bisthums Samland, p. 32. 

") Urkunde von 1268, Cod. dipl. Pruss. I. n. 168. 

'*) Dusburg III. 0. 105. 

»») Handfesten von 1299 und 1305, Cod. dipl. Pruss. HI. n. 1; II. n. ÖO, 
die letztere mit der Ueberscbrift litera civium in Yischusen, aus welcher die 
Identität von Schönwyk und Fischausen folgt. 

1^) Das castrum Rinow wird schon in einer Urkunde von 1278, femer 
1329, endlich 1399, Cod. dipl. Pruss. Y. n. 114, schon als ein ehemaliges er- 
wähnt. Das Schloss Ziegenberg kommt vor in Urkunden von 1309, 1310, 
1325, 1338, 1385 etc., die Schlösser Medenau und Powunden in Urkunden 
von 1327 flf. Nach der Matr. Fischus. 



Yerwaltniigsbezirke (Bisthum Samland). 219 

bürg an der Inster ^^). Das samländische Kapitel hat das jetzt 
längst untergegangene Schloss Qaednau'®) und das noch yor- 
handene Schloss ^euhausen, letzteres wahrscheinlich um 
1292 ^^), beide in Samland, ausserdem das Schloss Saal au in 
Kadrauen gegründet. Das letztere finden wir zuerst erwähnt 
im Jahre 1376 20). 

12. Das Gebiet Eagnit. 

Das Gebiet der Memel, südlich hinab bis zum Pregel und 
am kurischen Haff hinab bis über Labiau hinaus ^ '), stand unter 
der Yerwaltung des Comthurs von Eagnit. Kammerämter oder 
Pflegerämter desselben werden uns nirgends nebeneinander ge- 
nannt, doch wissen wir, dass Labiau mit Laukischken ein 
Kammeramt war22)^ ^q^ ^agg ^g pfleger zu "Windenburg 
und Tilsit gab. Labiau, zuerst erwähnt um das Jahr 1277 ^3), 
wurde um das Jahr 1288 von einem Comthur, später (wie 
Preuss.-Holland) von Hauscomthuren verwaltet 2*) ; erst sehr spät, 
während des dreizehnjährigen Krieges (1457), erhielt es einen 
Pfleger ^s). Das Schloss Labiau hatte ursprünglich wohl die Be- 
stimmung, die Wasserstrasse von Königsberg nach Eagnit über 
die Deime zu schützen. Zum Schutze der Eussmündung er- 
richtete der Marschall Henning Schindekopf die Burg Winden- 
burg im Jahre 1360^0)^ auf der wir um 1436 einen Pfleger 



") Zwei Urkunden yon 1351 in der Matr. Fischus. p. 85, eine yon 1354 
im Cod. dipl. Pruss. V. n. 10. 

*ö) Näheres hierüber in Fabers Königsberg, S. 160. In der Urkunde des 
thomer Friedens von 1466, fol. 22b, wird Neuhausen, aber nicht Quednau 
erwähnt. 

") Hennenberger S. 344. Vgl. Fabers Königsberg, S. 162^. 

20) Wigand p. 216. Lindenbl. S. 37. Vgl. die Friedensurk. von 1466 a. a. 0. 

21) Oben ist erwähnt, dass in der Gegend der Schwarup , eines Neben- 
flusses der Deime, die Gebiete Eagnit und Insterburg zusammentrafen. Labiau 
gehörte nach Ragnit. Vgl. Voigt 6, 472, 473. 

22) Als solches wird es in dem Vasallenregister von 1436, N. P. P. Bl. 
1855, Bd. 1, angeführt. Auf zwei Kammerämter des Bezirkes Eagnit scheint 
das Zinsbuch AZ, fol. 42 zu deuten. 

23) Dusburg^II. c. 179. Voigt hat noch die aus Grünau stammende un- 
richtige Angabe, dass Labiau im Jahre 1258 gegründet sei, Bd. 3, S. 157. 

24) Voigt 6, 473. Vgl. VasaUenxegister von 1436, S. 290. 

25) Namenscodex S. 89. 

26) Wigand p. 102. Vgl. Cod. dipl. Pruss. HI. n. 93. 



220 Zeit der OrdensbemchafL 

finden ^^). In der Gegend der Busse erbaute der samländische 
Bischof Bartholomäus um dieselbe Zeit das Sohloss Wenkisken 
ganz auf eigene Kosten, wiewohl dieselbe ihm noch keineswegs 
durch Theilung mit dem Orden zugefallen war^®). Bagnit ist 
der Name einer alten Burg der Schalauer, welche im Jtahre 1277 
von den Ordensrittern erobert und zerstört war. Der Land- 
meister Meinhard von Querfurt erbaute in der ITähe derselben 
das Ordenshaus Landeshut, welches aber später gewöhnlich auch 
Bagnit genannt wurde, im Jahre 1289^^). Einige Jahre darauf 
(1293) wurde unterhalb Bagnit, ebenfalls an der Memel, aU 
Wohnort für die zum Christenthum übergetretenen Schalauer die 
Schalauerburg gegründet ^°). Das Schloss Tilsit ist erst 
in den Jahren 1407 und 1408 erbaut ^^), nach allgemeiner und 
nicht unwahrscheinlicher Annahme ^^) auf der Stelle , wo die 
Schalauerburg gestanden hatte. Der älteste Pfleger von Tilsit» 
den wir kennen, wird um 1436 erwähnt ^3). Eine Burg Neu- 
haus in Schalaüen erbaute der Hochmeister Winrich von Enip- 
rode um das Jahr 1360^*), wie man meint, am rechten Ufer 
der MemeP^). Nahe bei Tilsit lag das Haus Splittern, 
dessen Name sich noch erhalten hat, und w£ihrscheinlich auch 
Caustritten, beide beim Jahre 1365 zuerst erwähnt^**). 

Sechs Meilen oberhalb Bagnit gründete schon der Hochmeister 
Karl von Trier im Jahre 1313 die Burg Christmemel, doch 
wurde dieselbe im Jahre 1328 wieder aufgegeben 3^. Spater 



2') Yasallenregister S. 290. Pfleger zu Windenburg sind im Namenscodez 
nicht angegeben. 

28) Cod. dipl. Pruss. III. n. 93. 

20) Dusburg III. c. 177, 228. Brand von 1356. Wigand p. 98. 

30) Dusburg in. c. 228. Das Jahr 1293 giebt der Canon. Samb. Sp. 34. 
Wiederhergestellt 1356. Wigand p. 98. 

3') Lindenblatt S. 186. Vgl. Voigt 6, 376. 

32) Vgl. Luc. David Bd. 5, S. 86. 

33) Vasallenregister S. 290. Die Eeihe der Pfleger zu Tilsit im Namens- 
codex föngt erst mit dem Jahre 1448 an. 

3*) Wigand p. 102 mit dem Zusatz in den Corrigend. 

3^) Nach der Anmerkung zu Lindenblatt S. 85, wo Keuhaus beim Jalire 
1384 erwähnt wird. ^ 

38) Lindenblatt S. 29. Ueber Splittern vgl. Lindenbl. S. 55, Voigt 6, 246. 

3^ Dusburg III. c. 308. Supplem. c. 3, 4. Das Werder zu Cirsmemel 
erwähnt Lindenblatt S. 51. Die Burgenkarte bietet, wohl irrthümUch, eine 
Burg Christwerder. 



YerwahmigBbMdriLe (Gebiet Bugnit). 2S1 

muss sie von dem Orden wiederhergestellt seiiüy denn tun 1409 
wird ein Yogt daselbst erwähnt ^^). Die erste Anlage der 
Georgen bürg; welche für den Orden Anlass so grossen Ver- 
derbens wurde, gehört in das Jahr 1259 and endete 1260^®)« 
Wiedererbanb ist sie im Jahre 1386^^). Auch die Marien- 
bnrg auf der Insel Bomayn ist im Jahre 1336 erbaut^'), her- 
gestellt im Jahre 1368^^. Ein Jahr später als Georgenburg 
und Marienburg wurde unter Beihülfe des Herzogs Eteinrich von 
Baiern in der Nähe von Welun die Baierburg, wie es scheint, 
dem verfallenen Christmemel gegenüber erbaut ^^ ; in der zweiten 
Hälfte des Jahrhunderts wurde sie erneuert ^^). Auf der Insel 
Wyrgalle, der Nawese gegenüber, wo Kynstut nach der Zer- 
störung Kowno's die Burg !N'eu-Kowno erbaut hatte, errichtete 
Winrich von Kniprode, als sie nach wiederholten Angriffen end- 
lich in seine Hand gefallen war, die Feste Gottes werder im 
Jahre 1369*5), qi, gj^ in den Zeiten der Verräthereien Witolds 
ununterbrochen von den Ordensrittern behauptet ist, muss dahin 
gestellt bleiben^®); im Jahre 1398 wurden zwei Häuser zu 
Gotteswerder — etwa in Stelle des zerstörten älteren? — er- 
baut*^. Gotteswerder war die Hauptstütze der Ordensherrschaft 
in Samaiten im Acdiange des fünfisehnten Jahrhunderts^®). Am 
weitesten in das Heidenland vorgeschoben lag die Burg Ma- 
Tienwerder auf der 'Nerge, d. h. Wilia, wo das alte Xowno 
gestanden hatte. Die Feste ist im Jahre 1384 unter Xonrad 
Zöllner von Eothenstein erbaut, aber schon in demselben Jahre 



^^ Lindenblatt S. 194. Koch jetzt giebt es einen Ort Skirstnemonie ober- 
lialb Georgenburg. » 

39) Dnsburg III. c. 80, 81. 

♦0) Canon. Samb. Sp. 35. VgL Cod. dipl. Pmse. III. n. 93. Wigand 
X). 260, 270, 302, 372. Lmdenblatt S. 54, 62, 85, 87, 159. 

♦0 Wigand p. 52. 

*^ Wigand p. 170. Lindenblatt S. 30. Terbraimt 1384 sammt Georgen- 

iDurg. Wigand p. 304. Lindenblatt S. 53, 55. 

*3) Wigand p. 54, 56. Canon. Samb. Sp. 35. Vgl. Voigt 4, 545. 

") Wigand p. 178, 260, 340. 

*») Wigand p. 176 (ygl. 134, 146, 164). Lindenblatt S. 31. 

<«) Im Jahre 1384 hielt sie der Orden. Wigand p. 306. 

*') Lindenblatt S. 115. 

««) Lindenblatt S. 138, 146, 150. Voigt 6, 173, 193. 



222 Zeit der Ordenshemchaft. 

von Witold zerstört worden*®). Auch die Feste Ritters« 
wer der, welche in Stelle jener etwas unterhalb Alt-Kowno im 
Jahre 1391 erbaut wurde ^°), bestand nur kurze Zeit; Witowd, 
dem sie übergeben wurde, Verbrannte sie schon im folgenden 
Jahre *^), und ein Versuch, sie wieder aufzubauen, im Jahre 
1394 misslang ^^). Im Anfange des fünfzehnten Jahrhund^ts 
erhielt Samaiten einen Yogt und Kämmerer ^^); es wurden 
daselbst seitdem noch zwei Häuser erbaut, das Haus auf der 
Dobese im Jahre 1407 ^*) und Friedensbui^ (Vredeborg) im 
Jahre 1408^^), aber schon im Jahre 1409 wurde das erst^re 
von den Samaiten erobert, das letztere von dem Ordensvogi 
selbst aufgegeben ^^). 

13. Das Gebiet Memel. 

Den nördlichsten Theil des Ordensstaates in Preussen bildete 
seit der Einigung zwischen den Ordensbrüdern in Preussen und 
Livland die Comthurei Memel ^^). Memel ist von Kurland her 
gegründet. Die älteste Burg daselbst scheint schon der Land- 
meister Dietrich von Grüningen (1239 — 1251) nach glücklichen 
Kämpfen gegen die Kuren ^®) erbaut zu haben 5^). Der Land- 
meister Andreas von Steierland, sein Nachfolger, erbaute im 



<«) Wigand p. 298, 304, 306. Lindenblatt S. 53, 55, 56. 

öo) Wigand p. 334. Bei Lindenblatt S. 83 scheint ein Druckfehler ein- 
geschlicben zu sein. Ich yermuthe, dass hinter den Worten: dieselbin hns^ 
gap man Wytowt in nnde, ausgelassen ist: nannte sie. Dann würde Bitters- 
werder, wie Gotteswerder, eine Doppelfeste gewesen und eine halbe Meile 
unterhalb Alt-Kowno zu suchen sein. 

»1) Wigand p. 340, 342. Lmdenblatt S. 87. 

52) Wigand p. 358, 360. Lindenblatt S. 97. Doch wird sie 1404 wiedor 
erwähnt bei Voigt 6, 272. 

»3) Lindenblatt S. 128. 

»«) Lindenblatt S. 181. 

*5) Lindenblatt S. 186. In der Anmerkung zu dieser Stelle wird die Ver- 
muthung ausgesprochen, dass Friedensburg das spätere Friedensberg an der 
Wilia sein möchte. Vgl. Voigt Bd. 7, S. 2 und 22. 

66) Lindenblatt S. 198. 

s^ Die Comthure im Namenscodex S. 36. 

«8) Alnpecke S. 39, 40. 

^^) Denn in der Urkunde von 1253, Cod. dipl. Pruss. I. ^. 93, wird im 
Gegensatz zu der neuen Memelburg ein castrum primitus edificatum und der 
castrorum exercitus Lette winorum et Sambitarum, quae fixerant in obsidione 
castri primitus edificati, erwähnt. 



YerwaltulDgsbedrke (Gebiet Memel). 223 

Vereine mit Bischof Heinrich von Kurland die neue Burg am 
Zusammenfluss der Dange und Memel, wohin die Pallisaden 
über das Meer herangebracht wurden, in der zweiten Hälfte des 
Jahres 1252 ^o), lieben der Memelburg erhob sich bald eine 
Stadt, die man Anfangs nach der Herkunft der Mehrzahl ihrer 
Bewohner Neu-Dortmund benennen und mit dortmunder Kecht 
ausstatten wollte^*). Sie heisst in Urkunden Memelburg, wie 
die Feste ®2), und erhielt später den Namen Memel. Der Land- 
meister Burchard von Homhausen (1257 — 1260) ertheilte ihr 
Privilegien, welche Bischof Heinrich 1258 bestätigte®^); diese 
Privilegien sind nicht näher bekannt, doch ist es wahrscheinlich, 
dass Memel schon damals, wie vorher Elbing, mit dem lübischen 
Eechte bewidmet ward®*). 

Wie der ITame Natangen, so hat auch der Name des Sam- 
landes in der Ordenszeit eine weitere Bedeutung erhalten. Es 
lag dies nahe, theils weil in der kirchlichen Eintheilung das 
Bisthum Samland das ganze Gebiet zwischen dem Pregel und 
der Memel umfasste, theils weil der Verwaltungskreis des ober- 
sten Marschalls von Samland aus über ausgedehnte Landschaften 
bis nach der Angerappe hin ausgedehnt war. In diesem weiteren 
Sinn müssen wir den Ausdruck nehmen, wenn es z. B. beim 
Jahre 1320 heisst: der Marschall Heinrich zog mit vierzig Brü- 
dern und der Mannschaft von Samland und Memel gegen Mede- 
niken®^), ebenso da, wo in Kriegsgeschichten von der Mann- 
schaft von Natangen und Samland die Eede ist. 

14. Das Gebiet Marienburg. 

Kehren wir nach den Gegenden der Nogat und Weichsel 
-^xirück, so treffen wir zunächst auf das Ordenshaupthaus Ma- 
x-ienburg. Das Gebiet desselben umfasst den von Weichsel 



®o) Alnpecke in der Ergänzung 1844, S. 17, 18. Dusburg, Suppl. c. 3. 
^ gl. Cod. dipl. Pniss. I. n. 91—93, 98. 

*') Dreyers Nebenstunden, S. 413. Wigand, Gesch. yon Corwey, I, 2, 206. 

<^2) Cod. dipl. Pruss. I. n. 119. Vgl. Index Lir. n. 153 und 153 b. 

^^) Urkunde Heinrichs von 1258 in den Mittheilungen aus der liyl. Ge- 
-cliichte, Bd. 4, S. 396. 

") Vgl. Voigt 6, 615, Anm. 4. 

*») Dusburg III. c. 331. 



224 Zeit der Ordenshemebaft. 

und Nogat eingeschlossenen grossen Werder mit Ansnahtne des 
TheileSy der der Stadt Elbing zugewiesen war, aber ausserdem 
noch ausgedehnte Landstriche im Osten wie im Westen der 
beiden Ströme. An den Tresler in Marienburg wurde der Zins 
des grossen Werders und des Viehmeisters, des stübelauschen 
und fischauschen Werders und gewisser Dörfer auf der l^ehrung^ 
auf der Höhn und im christburgischen Gebiete eingezahlt. Yen 
den Nehrungsdörfern gehörten hieher Prenzlaw, Nidas- 
walde, Schönbaum und Pasewark, von den Dörfern im fischau- 
schen Werder Königsdorf, Schönwiese, Klettendorf, Slatznase, 
Jonasdorf. Die christburgischen Dörfer, um die es sich 
hier handelt, sind jene acht um Thörichthof gelegenen, von 
denen schon oben die Eede war.« Die Dörfer auf der Höhe 
breiteten sich von Marienburg bis zur Grenze des pomesanischen 
Bisthums und von der Weichsel bis zu den ebenMls schon ge- 
nannten Ortschaften Neumark, Peterswalde, Kalwe, Schroop aus. 
Die DÖrferdes stübelauschen Werders erfüllen den ganzen 
Landstrich zwischen der Weichsel und Mottlau, stromabwärts 
bis Hochzeit, Scharfenberg und Weslinken ; die Ländereien der 
Dörfer Güttland, Kriefkohl und Osterwick erstrecken sich noch 
über die Mottlau hinaus. Des Hochmeisters Zins floss im An- 
fange des fünfzehnten Jahrhunderts aus den Gebieten Schax&a, 
Leske, Lesewitz, Montan, Grebin, Stuhm und ausserdem aus 
den Gebieten Dirschau, Bütau, Eoggenhausen und Engelsberg. 
Das scharfauer Fischamt grenzte mit dem elbingischen 
Fischamte einerseits und mit dem danziger Comthurbezirk an- 
dererseits und erstreckte sich von der Seeküste noch beträcht- 
lich über die verschiedenen in das Haff mündenden Arme der 
Weichsel hinaus; es liegen in demselben die Kehrungsdörfer 
Stutthof, Kobbelgrube und Stengen®^). Leske, wohl das heu- 
tige Löske an der Tiege, nahe bei Neuteich, scheint den nörd- 
lichen, Montan, nahe der Trennung der Weichsel und Nogat, 
den südwestlichen, Lesewitz den südöstlichen Theil des grossen 
Werders als Verwaltungsbezirk umfasst zu haben. Grebin, 
auch Herrengrebin genannt, weil es den Rittern gehörte, liegt 



^^) Nach Tier yerschiedenen Zeugenaussagen yon 1491, 1495 und 1504 in 
Neamanns handschriftl. TJrkundensammlung. 



Verwaltungsbezirke (Gebiet Marienburg). 225 

MÖnchengrebiiiy einem Besitzthum des Klosters Oliva, gegenüber, 
an der Motlau im stübelauschen Werder. Stuhm ist der Haupt- 
ort der marienburger Höhe. Das Gebiet von Dirscliau er- 
streckte sich westlich von der Weichsel quer durch Pommerellen 
bis nach der Grenze von Bütaw hin. Die Ortschaften desselben 
werden in den Zinsbüchern in fünf Abtheilungen aufgezählt: 
Ortschaften um ^Neuenbürg, um Sobowitz, um Schöneck, um 
Kyschau und um den Bern. Das hier erwähnte iN'euenburg ist 
von der bekannten Stadt verschieden, denn es gehören dazu 
nördlich von Dirschau: Liebenhof, Hohenstein, Rosenberg, west- 
lich von Dirschau : Rukoczin, Liebschau, Rokettken, südlich von 
Dirschau: Gnischau, Gerdien und Schlanz. Zu Sobowitz ge- 
hören unter andern Gr. -Trampken und Meisters walde. Zu Schön - 
eck gehören nordwärts z. B. Mierau, Szadrau, Strippau, südwärts 
Krangen, Lienfiz. Der Bezirk von Kyschau umfasst das Gebiet 
der oberen Verse, nördlich mit Gross- und Klein - Polleskowitz 
(Poleschken), südlich mit Symplin (Semlien), Pynschin und Schön- 
Imgen (Schöneida?). In dem Bezirke von Bern (Berendt) liegen von 
dem Hauptorte östlich Barkoczin und Lubahn, nördlich Schor- 
schau (Skorzewen), Stansitz (Stendzyc) und Gostomie, westlich 
Kallisch und Lyndepusch (Lippusch) ®^). Das Gebiet von Bü- 
taw gehörte in älteren Zeiten und auch noch im Jahre 1412 
zur Comthurei Danzig, aber nicht mehr um 1419; zwischen 
diesen Jahren also ist es zum Haupthause geschlagen, dem es 
seitdem verblieben zu sein scheint®®). Roggenhausen und 
Engelsburg spheinen nur zeitweise an das Haupthaus gezinset 
zu haben, wie zu anderer Zeit auch Leipe, Brathean, Papau, 
Nessau, Schwetz, Tuchel, ja selbst Rastenburg ®^). 

Die Verwaltung des Gebietes des Haupthauses war getheilt 
unter den Vögten von Leske, Grebin, Dirschau, Stuhm, den 
Pflegern zu Lesewitz, Montan und Bütaw und dem Pischmeister 
zu Scharfau. Wir kennen Vögte in Leske zwischen 1323 und 



6") Zinsbuch AZ, fol. 151 ff. 

^^) In der Urkunde von 1412, Amtsb. der Comthnrei Danzig, fol. 245, er- 
scheint der Pfleger von Bütaw noch nnter den Gebietigem der danziger Com- 
thurei. Im Zinsbuch AZ, fol. 33 a, wird Bütaw nicht mehr als Bezirk der 

letzteren aufgeführt. 

«ö) Vgl. Voigt Bd. 6, S. 687 und 691. 

15 



226 Zeit der Ordensherrschaft. 

1454, in Grebin zwischen 1347 und 1449, in Dirschau zwischen 
1323 und 1448, und in Stuhm zwischen 1333 und 1466; 
Pfleger 'zu Lesewitz zwischen 1381 und 1440, in Montan 
zwischen 1377 und 1447, und zu Bütaw zwischen 1346 
und 1443^0); endlich Fischmeister zu Scharfau seit 13.13''). 
Auch die Pfleger zu Meselanz werden in dem Aemterbuche von 
Marienburg '2) zu den Yerwaltungsbeamten dieses Gebiets ge- 
zählt; wir kennen eine Eeihe derselben zwischen 1394 und 
1447 '^), aber in den Zinsbüchem kommen dieselben nicht vor. 
Meselanz ist uns schon aus dem Vertrage vom Jahre 1282 als 
das heutige Mesland in der Mitte zwischen Dirschau und Mewe 
bekannt '*). 

Die Hauptburg auf dem Werder, Zantir, war schon von 
Herzog Swantepolk während seines Krieges gegen den Orden 
(etwa 1245) auf der Landspitze, wo Weichsel und Nogat aus- 
einander gehen, erbaut'^). Bald darauf kam dieselbe in die 
Hände der Ordensritter. Sie wurde von Comthuren verwaltet, 
deren letzter, Heinrich, im Jahre 1280 erscheint'*). Der Land- 
meister Mangold von Sternberg liess sie in den Jahren 1279 
und 1280 abbrechen und verwandte das Material zur Erbauung 
der Marienburg''). Ein Comthur von Marienburg, Heinrich 
von Wilnowe, wird schon früher, im Jahre 1276, erwähnt'®) — 
ungefähr so, wie in Gerdauen ein Comthur und erst einige Zeit 
darauf die Erbauung des Schlosses erwähnt wird. Wahrschein* 
lieh gab es in Marienburg vor dem Jahre 1279 und 1280 nur 
einen !N'othbau, an dessen Stelle in diesen Jahren der solidere 



^^ Nach dem Namensoodex. 

^*) Frater Keynico magister piscature in Scarpovia 1313, Chroa. Olir. 
p. 44. £in anderer 1317, Cod. dipl. Pruss. II. n. 77. 

") Vgl. Voigt Bd. 6, S. 547. 

'^) Namenscodex S. 93. 

''*) Auf der Burgenkarte bei Voigt ist Meselanz in dem südlichen Theile 
des grossen Werders eingetragen, wahrscheinlich weil man die Namen Mese- 
lanz und Mielentz identificirte, was aber nach der angegebenen Urkunde nicht 
richtig ist. 

") Dusburg ni. c. 44. 

'^ Namenscodex S. 61. 

^^ Dusburg lU. c. 203. Hier ist das Jahr 1280 angegeben; der Canon. 
Samb. Sp. 33 giebt das Jahr 1279, der Minorit das Jahr 1282 an. 

^^) Handfeste der Stadt Marienburg. 



Yerwaltmigsbezirke (Gebiet Marienburg). 227 

und stattlichere folgte. Die Baugeschiehte der Jiarienbarg ist 
neuerdings von einem Sachkenner mit gründlicher Kritik der 
wenigen erhaltenen schriftliehen Ueberlieferungen erörtert. Dar- 
nach ward im Jahre 1280 der Nordflügel des Hochschlosses in 
einem edel strengen Style, der den altgothischen mit romanischen 
Eeminiscenzen zeigt, ausgeführt. Etwa seit dem Anfange des 
vierzehnten Jahrhunderts wurde der Portalbau des Hochschlosses 
angefügt, und mit immer vorschreitender Tendenz gothischer 
Bäuformen in periodischen Absätzen der Westflügel und nach 
und nach der übrige Umfang des Schlosses, besonders seit der 
Hochmeister Siegfried von Feuchtwangen im Jahre 1309 daselbst 
seinen Einzug hielt. Der Hochmeister Dietrich von Altenburg 
erwarb sich sodann während seiner nur sechsjährigen Regierung 
von 1335 — 1341 das grÖsste Verdienst um das Schloss. Er er- 
baute die St. Annen-Kapelle mit der Gruft der Hochmeister und 
über ihr die Verlängerung der Schlosskirche. Er unternahm 
überdies einen Umbau des ganzen Hochschlosses und begann 
den Bau des Mittelschlosses, in welchem der Conventsremter, 
der Triumph des Gewölbbaues und die Kapelle als sein -Werk an- 
zusehen sind. Auch die Vorburg verdankt ihm wahrscheinlich ihr 
erstes Entstehen, gewiss die dazu gehörige Nogatbrücke mit dem 
Brückenthore. Seinem grössten Nachfolger, Winrich von Knip- 
rode, während seiner einunddreissigjährigen Glanzregierung (1351 
bis 1382) ist der grossartige Aufbau der Hochmeister wohnung 
mit ihren wunderbaren Remtern zuzuschreiben, so dass dessen 
Nachfolger nur noch die Ausschmückung derselben, namentlich 
durch Malerei, auszuführen vorfanden ^^). Die Stadt Marienburg 
erhielt ihre Handfeste von dem Landmeister Konrad von Thier- 
berg schon im Jahre 1276; sie ist also eine der ältesten in 
Preussen; die Handfeste ist erneuert durch den Landmeister 
Konrad Sack im Jahre 1303 ®°). Eine Abänderung derselben 
nahm der Hochmeister Luther von Braunschweig vor; diese 
abgeänderte Handfeste erneuerte Winrich von Kniprode im Jahre 
1380 81). 

") V. Quast, Beiträge zur Geschichte der Baukunst in Preussen: das 
Schloss Marienburg, in den N. P. P. Bl. Bd. 11, S. 1 ff., 115 ff., 180 ff. 

80) Handfeste von 1276 und 1303 in Voigts Marienburg, S. 515. 

8') Urkunde von 1380 in Voigts Marienburg, S. 522. 

15* 



228 Zeit der Ordensherrsohaft. 

Von den kleineren Städten der Comtliurei erhielt Neuteich 
seine Handfeste im Jahre 1316 ®2). Neben der Borg Stuhm 
erhob sich die gleichnamige Stadt, doch werden beide erst, spät 
ausdrücklich erwähnt®^). Dirschau erhielt, wie schon oben 
erwähnt ist, durch Herzog Sambor um 1252 seine Bui^ und 
1260 die städtische Handfeste auf lübisches Eecht. lieber die 
Erbauung des Schlosses Sobowitz, das in der Kriegsgeschichte 
des fünfzehnten Jahrhunderts nicht selten erwähnt wird, ist 
nichts Näheres bekannt. Schloss und Stadt SchÖneck ver- 
danken ohne Zweifel den Johanniterrittem ihren Ursprung. Das 
Schloss Ky schau war im Jahre 1316 durch Schenkung an. den 
Orden gekommen und wird noch in der thomer Enedensurkunde 
(1466) als Ordensschloss erwähnt. Bern ist nach dem Obigen 
ein sehr alter Ort (Costrina); unter diesem Namen finden wir 
ihn zuerst in einer Urkunde von 1398 ®*), ausdrücklich als Stadt 
erst im fünfzehnten Jahrhundert erwähnt®*). 

15. Das Gebiet Danzig. 

Die Commende Danzig umfasste das Land nördlich von der 
Vogtei Dirschau bis an die Ostsee und westlich bis an die 
Grenzen Pommerns ; bis in das zweite Jahrzehnt des fünfzehnten 
Jahrhunderts gehörte zu derselben auch Bütaw. Sie zerfiel nadi 
Ausweis der Zinsbücher in sechs Steuerdistrikte: „Zins umlang 
Danzig*', sulminsches Gebiet, Gebiet Mirchau, Lauenburg, Putzig 
und Waldamt zu Danzig. Drei dieser Distrikte reichen bis 
nahe an Danzig heran, die beiden ersten und der zuletzt ge- 
nannte. Der „Zins umlang Danzig" ist unbeträchtlich ; zum Qe- 
biete Sulmyn (Zullmin) gehören unter andern die Ortschaften 
Bankau, Eexin, Lappin, welche dem Bezirk von Sobowitz zn- 



»») Handfeste von 1316 im Fol. 4, p. 120 des geh. Arcliiys. Einige Nach- 
rickten Über Neuteicli yon Hüllmann in Bichters Beiträgen zur Kunde Preus- 
sens 1837, S. 281. 

^3) Dusburg III. c. 14 kennt einen Ort Stuhm. Das Schloss wird um 
1333, wo der erste Pfleger erwähnt wird, Cod. dipl. Pruss. II. n. 142, sehen 
vorhanden gewesen sein. (Ausdrücklich erwähnt zuerst bei Lindenblatt S. 230.) 
Die Stadt kommt gegen Ende des yierzehnten Jahrhunderts yor. Voigt 6, 130. 

^*) Urkunde yon 1398 bei Jacobson, Kathol. Kirchenrecht in Preussen, 
S. (118). 

8») Zinsbuch AZ, fol. 155, beim Jahre 1437. Schütz fol. 302b erwähnt 
sie beim Jahre 1463. 



Verwaltungsbezirke (G«biet Danzig). 229 

nächst liegen, Perapau, Exau und Leszno weiter westwärts, 
ferner Langfuhr, Grosskatz, Koliebke nördlich von Danzig, end- 
lich öuadendorf im Südosten derselben Stadt®®). Die Ort- 
schaften des Waldamts liegen mit denen des eben genannten 
Bezirkes theilweise untermengt; denn sie breiten sich von Peters- 
hagen, Ohra, Müggenhall, Kostau, Zipplau, Praust über Gischkau, 
Kemlade, Wonneberg,- Miggau, Kowall, über Löblau, Nestempohl, 
Reinfeld westwärts bis Kossowo, Seefeld, Kobissau, nördlich bis 
Bojahn, KoUetschkau, Redlau, Kielau und -Zissau, nordwestlich 
bis Glashütte aus. Von dem Waldamt nach Westen hin treffen 
wir auf den Bezirk von Mirchau ; denn schon Proccow, Lappalitz, 
Garcz, Miechuczyn im Norden der Radauneseeen gehören dem- 
selben an. Die nördlichsten Ortschaften desselben, die wir nach- 
zuweisen vermögen, sind Milloszewo, Tluczewo und Smazin 
(dies nicht mehr weit von Glashütte) ; gegen Südwesten hin be- 
zeichnen die Ortschaften Sierakowice, Kamienica, Szakau, Selcz 
(SuUenczin ?), Parchau, Jampnow (Jamen), Golczau, Naakel Lage 
und Umfang desselben Bezirkes. Das Gebiet von Lauenburg 
scheint noch in der Ordenszeit nach Osten hin sich etwas 
weiter als jetzt ausgebreitet und seinen jetzigen Umfang durch 
Ueberweisung einiger Ortschaften an Mirchau erhalten zu haben. 
Den Rest der Commende nimmt der Bezirk von Putzig 
ein®^. 

Dem Comthur zu Danzig untergeordnet waren der Vogt zu 
Lewenburg (Lauenburg), die Pfleger zu Bütaw und Mirchau, der 
Waldmeister, welcher seinen Sitz zu Zullmin gehabt zu haben 
scheint, und der Fischmeister zu Putzig ®®). Vögte zu Lewenburg 
kennen wir zwischen 1363 und 1401, Pfleger zu Bütaw zwi- 
schen 1346 und 1443®^). Das Pflegeramt zu Mirchau ist erst 
um 1385 errichtet 00). 



^ß) Nach einer Mittheilung des Herrn Professor Hirsch in Danzig gehörten 
auch die Orte MutterstreQtz (nördlich von Mönchengrehin) , Busoczin, £1.- 
Kleschkau, Katzke, Czersniau zur Commende Danzig. Die Grenze gegen das 
Gehiet Ton Marienburg und Dirschau wird hiedurch noch näher bezeichnet. 

«T) Zinsbuch AZ, fol. 157 ff. 

88) Amtsbuch der Comthurei Danzig, fol. 254, 268. 

®") Namenscodex S. 71, 83, 84. 

»^ Nach Hirsch in den N. P. P. Bl. 1853, Bd. 1, S. 36. Vgl. Namens- 
codex S. 94. 



230 Zeit der Ordensherrschaft. 

Der Hauptort der Commende, Dan zig, schon gegen das Ende 
des zehnten Jahrhun4ert8 in der Geschichte des heiligen Adal- 
bert unter dem Naman Gidania erwähnt und in der Zeit des 
Herzogs Swantepolk die Hauptstadt des Landes, gelangte zu 
seiner grössten Blüthe doch erst unter der Herrschaft des Ordens. 
Seit dem Jahre 1311 kennen wir Comthure, die auf dem Schlosse 
zu Danzig gewaltet haben. Das Schloss wurde zur Zeit Diet- 
richs von Altenbijrg neu befestigt®*)« Unter -seinem Nachfolger 
Ludolph König von Weizau wurden die Mauern der neuen oder 
rechten Stadt Danzig erbaut und der Grundstein zu der präch- 
tigen Marienkirche gelegt (1343) ®2)^ pig Handfeste, welche er 
der Eechtstadt Danzig verlieh, ist von seinem zweiten Nach- 
folger, Winrich von Kniprode, im Jahre 1378 erneuert®^). Neben 
derselben erhob sich die Jungstadt, welche ihr Privilegium eben- 
falls von Winrich von Kniprode im Jahre 1380 erhielt*^*), aber 
im Jahre 1455 von den neidischen Bewohnern der Kechtstadt 
mit Genehmigung des polnischen Königs wieder zerstört wurde ®'). 
Das Gebiet der Stadt Danzig erweiterte sich namentlich durch 
die Schenkungen des Königs Kasimir im Anfange des grossen 
Krieges. Die Eechtstadt erhielt damals nicht nur das Gebiet 
und die Einkünfte der Altstadt und der Jungstadt sammt dem 
Boden und den nächsten Umgebungen des Ordensschlosses, son- 
dern auch die Nehrung von der Mündung der Weichsel nach 
Osten hin mit den Dörfern Prenzlow, Schönbaum, Pasewark imd 
Niklaswalde, ferner den ganzen stübelauschen Werder und die 
Niederungsdörfer Plönendorf, Müggenhall und Eostau, endlich 
die Dörfer auf der Höhe: Zipplau, Praust, Gischkau, Kemlade, 
Löblau, Kowall, Miggau, Wonnebeig, Ohra, Gute-Herberge, Peters- 
hagen, Schidlitz und den Hof Wartsch ®^). Der König erneuerte 
diese Schenkungen im folgenden Jahre mit der ausdrücklichen 
Bemerkung, dass die Nehrung den Danzigern ganz zugehören 



9>) Wigand p. 60. Annal. OUv. p. 54. 

«2) Schütz fol. 71. 

•3) Handfeste Ton 1378, Cod. dipl. ^russ. III. n. 129. 

»*) Handfeste Ton 1380, Preuss. Samml. Bd. 2, S. 5ö3. 

»») Schütz fol. 210, 211. 

^>) Urkunde Ton 1454 bei Curicke, Beschreibung der Stadt DanBig, B. 149. 



Yerwalttmgsbesirke (Gebiet Danzig). 231 

solle — der Anfang eines langen Streites zwischen Panzig nnd 
Elbing — 1455 o^). 

Ausser Danzig zählte die Commende noch fünf Städte : Lewen- 
burg, Bütaw, Leba, Putzig und Heia. Die Stadt Bütaw war 
schon vorhanden, als der Orden die gleichnamige Herrschaft 
im Jahre 1329* .erwarb. Die Stadt Lewenburg erhielt ihre 
Handfeste von dem Hochmeister Dietrich von Altenburg im 
Jahre 1341, wenig später von dem Hochmeister Heinrich Tus- 
mer die Stadt Putzig, beide auf culmisches Eecht^®). Die 
Stadt Heia ist von dem Hochmeister Winrich von Kniprode 
auf lübisches Recht gegründet im Jahre 1378^^). Ueber Leba, 
welches wir erst in der Geschichte des preussischen Bundes 
1440 erwähnt finden, fehlen die näheren Nachrichten. 

16. Das Gebiet von Mewe. 

Südlich von der Vogtei Dirschau breitete sich die Commende 
Mewe aus. Die meisten uns bekannten Ortschaften derselben 
liegen nach der Seite der Weichsel zu, wo wir in der Bichtung 
von Norden nach Süden folgende finden: Stargardt, Gremblin, 
Bauden, Liebenau, Janischau, Sprauden, Broddin, Mewe, Pehsken, 
Thymau, Jellen, Eackowitz. Eackowitz bezeichnet zugleich den 
südlichsten, wie Stargardt den nördlichsten nachweisbaren Punkt 
der Commende. In dem westlichen Theile derselben finden wir 
Lippinken (wenn der Name Leipe auf diesen Ort deutet), Pon- 
czau, Czarnilas, Wollenthal (wenn so statt Wonnenthal zu lesen 
ist) und am Ufer des Schwarzwassers Bdo (Wda) *°°). Auch 
jenseits des Schwarzwassers breitete sich die Commende viel- 
leicht noch aus. 

Dem Gebiete von Mewe gehören zwei Städte an, Mewe und 



07) Urkunde von 1455 bei Curicke S. 153. 

0^) Handfesten von Lauenburg und Putzig im Amtsbuch der Comtkurei 
Danzig, fol. 177, 179. Die elbingische Münckenckronik, nach welcher Lauen- 
burg 1285 gebaut sein soll, bei Schütz fol. Ib, ist wohl keine andere als die 
Grunausche. Vgl. Grünau I, 2, § 16. 

oö) Voigt Bd. 5, S. 305. Die Originalhandfeste in Danzig. 

'°^ Zinsbuch AZ, fol. 149 ff., wo ausserdem noch folgende Zinsdörfer 
aufgeführt sind: Langedorf, Damerow, Peckow, Gabilnaw, Eeycheneck, 
Molewald, Eabenwald, Weissenwald, Hennenwald, Landesende, Konradstein, 
Falkenberg. 



232 Zeit der Ordensherrsoliaft. 

Stai^ardt. Schon im Jahre 1204 hatte der Herzog Sambor von 
Danzig die Kirche in Mewe fondirt und mit neun Hufen 
Landes ausgestattet ^^0* ^^^ Orden erbaute das Schloss und 
bediente sijch dabei des Materials der eben abgebrochenen Feste 
Potterberg bei Culm (1283) '02). Die Stadt Mewe erhielt ihre 
Handfeste von dem Landmeister Meinhard von Querfurt im Jahre 
1297 ^°^). Das Schloss von Stargardt wird schon in einer 
Urkunde des pommerschen Herzogs Grimislaus vom Jahre 1198 
erwähnt; auch gab es ohne Zweifel schon damals eine städtische 
Ansiedelung neben demselben ; denn es wurde durch »ydie Strasse 
des Grimislaus" mit Danzig verbunden ^o*). Sonst ist die Stadt 
erst aus der Bundesacte von 1440 bekannt. 

17. Das Gebiet Schwetz. 

Die Commende Schwetz führt uns bis zur polnischen Grenze 
hinab. In den ersten Jahren nach der Erwerbung Pommerellens 
scheint sie auch den südlichen Theil der späteren Commende 
Tuchel umfasst zu haben, die erst seit 1330 eingerichtet wurde. 
Damals stiessen also die Comthurbezirke von Schwetz und 
Schlochau unmittelbar zusammen, und so konnte es geschehen, 
dass beide eine Zeit lang von einem Comthur verwaltet wurden. 
Später wurde Schwetz von der Commende Tuchel durch eine Linie 
getrennt, welche die Dörfer Ossowke am Schwarzwasser und 
Truttnowo weiter südlich hinab schon für Tuchel abschneidet 'ö*). 
Die Burg Schwetz ist an einem schon früher vorhandenen 
Orte dieses Namens, Culm gegenüber, von Herzog Swantopolk 
während seines Krieges gegen den Orden um 1244 oder 1246 
erbaut ^^^). Der Hochmeister Dietrich von Altenburg befestigte 
sie stärker ^^^. Die Stadt nahm an dem preussischen Städte* 
bunde 1440 Theil. Das Schloss Neuenburg kommt zuerst 



101) Herten, Gesch. der Stadt Mewe, in P. F. Bl. 1830, Bd. 4, S. 330. 

102) Busburg in. c. 208. Der Minorit bezeichnet das Jahr 1282. 
10^ Handfeste von 1297, Frenss. Lieferung, Bd. 1, S. 290. 

104) Urkunde yon 1198 bei Dreger n. 32 und im Nenen Cod. Pomcnui. 
dipl. n. 75. Vgl. die Grenzbeschreibung von 1282. 

105) "vVoTon sogleich mehr. Ein Ortschaftsyerzeichniss der Commende 
Schwetz habe ich nicht ermitteln können. 

10«) Dusburg in. c. 45. 

101) Wigand p. 60. Annal. Oüv. p. 54. 



Verwaltungsbezirke (Gebiet Scbwetz). 233 

in dem Kriege des Herzogs Mistwin gegen den Orden 1267 
vor ^^®), die Stadt in der Schenkungsurkunde des Königs Wen- 
ceslaw von Böhmen für Peter Swenza von 1301 ^^^), Die Burg 
s c h i e k , welche in der Urkunde des thorner Friedens erwähnt 
wird, scheint an dem gleichnamigen See nordwestlich von Neuen- 
bürg gelegen zu haben. Die alte Burg Sardowitz, nahe bei 
Schwetz, scheint in der Ordenszeit bald verfallen zu sein. Hart 
an der polnischen Grenze, nahe bei Polnisch-Krone, lag die Burg 
Jessnitz, die wir bei den Grenzverhandlungen des fünfzehnten 
Jahrhunderts schon erwähnten. 

18. Das Gebiet Tuchel. 

Das Schloss Tuchel mit dem umliegenden Gebiete war 
dem Orden von den Swenza's schon im Jahre 1313 verpfändet, 
kam noch einmal in den Besitz derselben zurück und scheint 
erst seit 1330 dauernd in den Händen der Ordensritter gewesen 
zu sein; völlig abgetreten wurde es erst 1353. Der erste Com- 
thur des Ordens auf Tuchel war Dietrich von Lichtenhain, 
zwischen 1330 und 1343 ^^% Die Stadt Tuchel war im An- 
fange des vierzehnten Jahrhunderts jedenfdls schon vorhanden. 
Die Commende war aus zwei Theilen zusammengesetzt. Der 
südliche erstreckte sich zu beiden Seiten der Brahe, östlich von 
derselben (Truttnowo einschliessend), wie es scheint, ungefähr bis 
zu den Grenzen des heutigen Kreises Schwetz, nördlich bis zur 
Struga, dem Nebenflusse der Brahe, welcher bei Czersk und 
Luttom vorbeifliesst. Auf der Westseite der Brahe bezeichnen 
die Kamionka und die Dörfer Eadzmin, Draussnitz, Damerau, 
Schkgentin, Neuhof, Zoldan, Lichtenau, Paglau, Beetz, welche 
sämmtlich noch nach Tuchel gehören , die Grenze ^ ^ '). Der 
zweite Theil der Commende, welcher bis 1330 zu Schlochau ge- 
hörte, führt den besonderen Namen Sabiers Gebiet. Er liegt 
zwischen den Flüssen Brahe und Schwarzwasser und reicht im 



»08) Dusburg m. c. 123. 

»0^ Cod. dipl. Pruss. II. n. 39. Die Befestigung derselben wird in der 
Urkunde Ton 1336, Cod. dipl. Pruss. II. n. 160, erwähnt. 

"°) Namenscodex S. &9. 

*^') Benwitz, die Comthureien Schlocliau und Tuchel, in den P. P. Bl. 
1830, Bd. 3, S. 12. 



234 Zeit der Ordensherrschaft. 

Süden bis zur Struga und bis zum Dorfe Ossowke einschliess- 
lich hinab, nördlich bis Piechowice und Glowczowitz hinauf***). 
Die späteren Nachfolger Dietrichs von Lichtenhain Messen ab- 
wechselnd bald Comthure, bald Pfl.«ger. Die einzige Stadt des 
Gebietes wurde von Dietrich von Lichtenhain auf cnknifiohes 
Recht besetzt, erhielt aber ihre Handfeste erst im Jahre 1346 
von dem Hochmeister Heinrich Tusmer**^). 

19. Das Gebiet Schlochau. 

Die Comthurei Schlochau erstreckte sich nach der Ab- 
trennung von Sabiers Gebiet im Osten bis zur Comthurei 
Tuchel, auf den übrigen Seiten bis zu den Landesgrenzen. Das 
Schloss Schlochau kam, wie wir sahen, im Jahre 1312 von 
einem Grafen von Ponitz an den Orden. Der älteste Comthnr 
desselben, noch vor dem Jahre 1323, war Ludwig von Lieben- 
zelle * **). Es wurde bald nach der Besitznahme von dem Orden 
ausgebaut, der Bau war 1325 noch nicht vollendet***). Die 
Stadt scheint jüngeren Ursprungs zu sein. Die bedeutendste 
Stadt des Bezirkes ist Conitz. Die Gründung derselben ist 
in das Jahr 1205 zu setzen; wenigstens ist die Kirche nach 
alten Kirchennachrichten in diesem Jahre erbaut**®). Der Hoch- 
meister Heinrich Tusmer verlieh derselben im Jahre 1346 ein- 
unddreissig Hufen Wald bei Deutschendorf ** ^, der Hochmeister 
"Winrich von Kniprode erneuerte die nicht näher bekannte ur- 
sprüngliche Handfeste im Jahre 1360 **®). Von den übrigen 
Städten erhielt Friedland 1354, Hammerstein 1395, Bal- 
denburg 1408 seine Handfeste**^); üeber die Gründung von 



»>2) Benwitz a. a. 0. S. 10. 

>'3) Handfeste yon 1346 u. andere Urkunden bei Voigt 5, 47. 

***) Namenscodex S. 50. 

»»*) Benwitz a. a. 0. S. 7. Derselbe giebt in Ledebnrs N. Archiv, Bd. Ä, 
S. 186, die urkundliche Notiz, dass die Marienkapelle des Schlosses erst 1365 
eingeweiht sei. 

»»6) Vgl. Gödtke, Gesch. der Stadt Konitz, Danzig 1724, und Brilloirski, 
Gesch. der Stadt Conitz, in den P. P. Bl. 1829, Bd. 1. S. 500— W)ö. 

"') Gödtke S. 21. 

"8) BriUowski a. a. 0. Bd. 2, S. 319. 

''^ Benwitz a. a. 0. S. 19. Ueber einige dieser Städte hat «ich Oold- 
beck in der Topographie Westpreussens gute Originalnachrichten. 



Verwaltungsbezirke (Gebiet Schlochau). 235 

Land eck, welches seinen Namen sehr passend von seiner Lage 
erhielt, ist nichts Näheres bekannt. Zu Baldenbui^ sassen in 
der zweiten Hälfte des vierzehnten Jahrhunderts Pfleger '2^), zu 
Hammerstein und Friedland wahrscheinlich Vögte ^21). 



Vierter Abschnitt. 

Kirchliche Yerwaltuiig. 

1. Diöcesen. 
Die Bisthümer Preussens mussten schon oben angeführt 
werden, da die Theilung des Landes zwischen dem Orden und 
den Bischöfen die Abgrenzung derselben voraussetzte. Auch 
über den Umfang des kurländischen Bisthums ist das Nöthige 
gesagt. Jene sowohl als dieses wurden durch die Bulle des 
Pabstes Linocenz IV. vom 9. Januar 1246 ^^2) unter die Aufsicht 

r 

des Erzbischofs Albert gesetzt, der aber erst seit 1253 seinen 
Sitz in Eiga nehmen konnte. Bald darauf, am 20. Januar 1254, 
erklärte Pabst Alexander IV., dass die Verbindung der Metro- 
politanrechte, welche vorher an Alberts Person geknüpft waren, 
mit dem Bisthum Eiga auch für die Zukunft fortbestehen 
soUte *2^). Seitdem waren die Erzbischöfe von Eiga 
wenigstens dem Namen nach Metropoliten der preus- 
sischen und des kurländischen Bisthums. Denn in 
der Praxis wurde die Einwirkung des Erzbischofs auf die mit 
Ordensgeistlichen besetzten Bisthümer durch den Orden sehr be- 
schränkt, und die Bischöfe des Ermelandes, welche der Ordens- 
regel nicht folgten, haben schon während der Zeit der Ordens- 
herrschaft das Eecht des Erzbischofs von Eiga auf Ausübung 
irgend welcher Jurisdiction in ihrem Sprengel geradezu in Ab- 
rede gestellt *24). 



"^) Namenscodex S. 82. Der erste wird behn Jahre 1391 erwähnt. 

"») Benwitz a. a. 0. S. 38, 39. 

>") BuUe von 1246 in Act. Bor. U. p. 624. Cod. dipl. Lubec. 1. n. 228. 

"3) Bulle von 1254 bei Raynald, Annal. eccl. 1255, n. 64. Gxuber, Origg. 
Liv. p. 279. 

*2*) Nach den Acten des frauenbnrger Archivs, die Jacobson in seiner Ab- 
liandlung : die Metropolitanverbindung Biga^s mit den Bisthümern Preussens etc., 
inlllgens Zeitschrift für die hist. Theologie, Bd. 6, Th. 2, Leipzig 1836, 
noch nicht benutzt hat. 



236 Zeit der OrdensherrBchaft. 

Der Erzbischof von Gnesen, zu dessen Sprengel ein Theil 
Pommerellens unmittelbar gehörte, war nicht bloss der Metro- 
polit des Bisthums Lesslau und damit des gesammten übrigen 
Pommerellens, sondern da die culmische DiÖcese voü Polen ans 
gegründet und eigentlich von dem Bisthum Ploczk abgezweigt 
wurde, so machte er von allem Anfange her auch auf die Me- 
tropolitangewalt über das culmische Bisthum Anspruch. Jedoch 
hat er diesen Anspruch nicht durchsetzen können, so lange der 
Orden in Preussen herrschte. 

2. Decanate und Kirchspiele. 

Ueber die Eintheilung der Bisthümer in Archidiakonate 
und Decanate vermögen wir für die Ordenszeit keine beMe- 
digende Auskunft zu ertheilen. Pommerellen bildete schon um 
die Mitte des vierzehnten Jahrhunderts einen abgesonderten 
Sprengel, ein Archidiakonat, der lesslauer Diöcese ^^*); seit etwa 
derselben Zeit werden hie und da Archipresbyter (Erzpriester) in 
den preussischen DiÖcesen erwähnt ^^^). Aber nur die Erz- 
priesterthümer und die zu denselben gehörigen Kirchen der 
Diöcese Ermeland (letztere, so weit sie nicht unmittelbar 
zum bischöflichen Territorium gehören) sind uns jrollständig ver- 
zeichnet ^2^). Es sind folgende: 

1) Unter dem Erzpriester zu Elbing stehen die Kirchen zu El- 
bing, Altstadt und iN'eustadt, Preuss.-Mark, Pomerendorf, Marien- 
felde, Mühlhausen, Potschendorf (Deutschendorf?), Lauk, Neumark. 



"**) Hirsch, Marienkirche, S. 74, 75. Das Archidiakonat PommereUen wird 
einmal auch Decanatus genannt. Dieser Name ist später in Pommerellen auf 
die Unterabtheilnngen des Archidiakonats, in Preussen auf die Erzpriesterthümer 
Übertragen; bis zum fünfzehnten Jahrhundert wird der Diakonus zWar oft, aber 
immer nur als Mitglied des Kapitels und nur einer in der bischöflichen Diöcese 
erwähnt. 

"®) So oft in den Zeugenangaben der Urkunden plebani vorkommen, so 
ist doch die Erwähnung Ton Archipresbyteri äusserst selten. Für das Cnlmer* 
land: Johannes de Eber et Johannes de Wapzk archipresbyteri 1330, Cod. 
dipl. Pruss. II. n. 135. Hinricus archipresbyter ^t plebanus Reddinensis um 
1338, ibid. III. n. 7. Archipresbyteratus Thoruniensis um 1438, Jacobson, 
Kathol. £irchenrecht, Beil. N. 54, S. (183). Im östlichen Theile der pomesa- 
nischen Diöcese dürften Gilgenburg, Soldau, Neidenburg, Hohenstein, Osterode, 
Liebemühl, Morungen und Hersefeldt (Hirschfeld bei Pr.-HoUand) nach der 
Urkunde von 1400 bei Jacobson, Kathol. Eirchenrecht, Beil. N. 79, S. (166), 
und im Cod. dipl. Pruss. I. n. 115 Sitze von Erzpriestem gewesen sein. 

^^^ Leo, Hist. Prussiae, p. 425. Vgl. Amoldt, Kirchenhist. S. 186 ff. 



Kirchliche Verwaltung (Decanate und Kirchspiele). 237 

2) Zu Braunsberg: Grünau, Heiligenbeil, Bladiau, Lamke 
(unbekannt), Rudiergersdorf (unbekannt), Tirau, Eisenberg, Lin- 
denau, Walthersdorf, Tiedmannsdorf (zwischen Passarge und Baude). 

3) Zu Frauenburg: Lentzen, Trunz, Ebersbach. 

4) Zu Kreuzburg: Pörschken, Brandenburg, Haberstro (Haf- 
strom), Heiligenfeld (Seeligenfeld), Vendorf (Neuendorf), Sler- 
berke (Steinbeck), Labenhan (Löwenhagen), Ottenhan (Otten- 
hagen), Starkerberg (Starkenberg), Pregelswald ^^8) ^ . YQc}ig][jerg 
(unbekannt), Ludwigswalde, Lichtenhagen, Mansfeld, Tharau, 
Borchersdorf ^^^). 

5) Zu Eilau: Dexen, Krücken, DoUstädt, Mühlhausen, Jesau, 
Trunckeim (unbekannt), Uderwangen, Abschwangen, Almenhausen, 
Domnau, Schmoditten. 

6) Zu Melsack: Hohenfürst, BeUun (Pellen?), Hermannsdorf 
(Hermsdorf), Zinten, Eichholz. 

7) Zu Friedland : Wilten, Schönbruch, Klingenberg, Pelluten (?), 
Georgenau, Stockheim, Engelau, Paderswald (Paterswalde), We- 
lau, Allenburg, Ankitten (Auclitten), Schönwald, Friedenberg, 
Allnau, Kleinschonen (Klein-SchÖnau). 

8) Zu Wormditt: Reichau, Liebstadt, Herzogswalde, Her- 
mannsdorf (Hermsdorf), Pobeten (? Döbern) ^^°). 

9) u. 10) Zu Guttstadt und zu Seeburg gehörten nur Kirchen 
innerhalb des Territoriums des Bischofs von Ermeland, die aber 
nicht genannt sind. 

11) Zu Heilsberg: Landsberg, Eichhorn, Gkdinden, Barten- 
stein, Albrechtsdorf, Redenau. 

12) Zu Schippenbeil: Dietrichsdorf, Lindenau, Langarben 
(Laggarben), Momehnen, Lavenstein (LÖwenstein) , Gerdauen, 
Molthenen, Nordenburg, Assaunen, Drengfurt, Marienthal, Barden 
(Barthen), Freudenberg, Wolfsdorf, Paaris, Leunenburg, Schwans- 
feld, Falkenau, Schönau. 



^28) Jetzt ohne Kirche, hei Starkenherg. 

12B) Die Kirchen dieses Erzpriesterthnms werden vollständig und richtiger 
geschriehen in der Urkunde von 1444 hei Jacobson, Kathol. Kirchenrecht, 
S. (270) aufgeführt; es kommen hier ausserdem noch yor: Tiffentail (?) und 
die Kirche Saneti Oeorgii apud civitatem Sambiensem. 

^^^ Döbem und Schmauch gehörten nach ihrer Lage jedenfalls noch zum 
£rmelande. Pobethen mag Schreibfehler für Döbem sein ; dass aber Schmauch 
nicht erwähnt wird, bleibt auffallend. 



238 Zeit der OrdenshernoliAft. 

13) Zu Bischofsburg: Sorquitten, Sensburg, Veiden (A.weyden), 
Baysno (Rhein s wein ?) , Targova (Theeirwisch ?), Orteisburg, P«b- 
senheim, Mentelsgut (Mensgut). 

14) Zu Eössel: Gudenicke (Gudnicken), Lankau (Langheim), 
SchönfliesSy Tolksdorf, Langarbe (Lamgarben), Wenden, Schwarzen- 
stein, Eastenburg, Eosenthai, Eosengarten, Pilse (?), Eranichs- 
lauken (Eruglaucken) , Seesten, Lötzen, Busse (Bösem?), Millus 
(Mücken?), Okertowa (Eckersberg?), Orseche (Arys?), Brigali 
(Drigallen), Biala, Komalske (Komilsko), Johannisburg, Jachi 
(Jucha), Stradumi ( Stradauen ) , Lassowa (Bisseweji), lioke, 

Linde ^ 31)- 

Von den Kirchspielen der Diöcese Culm werden uns 

in einer Urkunde von 1444 etwa zwei Drittel genannt, nämlich 

diejenigen, welche im westlichen und mittleren Theile derselben 

liegen ^^^). Es waren folgende: Blandow (bedeutet Blendowo), 

Weberg (Wiewiorken) , Graudenz, Eutemberg (Grutta?), Neuen- 

kirche (?), Dittrichswalde (?), Fronow (?), Fredeck, Wallitz, 

Czenda (Ksionsken ?) , Arnsdorf (?) , Eeden , Keselingeswald (?), 

Lieben wald (?), Forstenaw (Burstinow?), Lindenaw (Linowo?), 

Okkeney (Okonin), Frapkenhagen (?), Starkenberg, Schildern (?), 

Plophoyza (Plowenz), Lyen (?), Libemburg (Lemberg), Gabelnow 

(Jablonowo), Boberaw (Bobrowo), Scheen (Mszanno?), Strassbui^, 

Frotzkau (Wrotzen), Schalschow (Slosczewo ?), Kauka (Kawken), 

Nezewanz (Nieczywienz), Beerwalde, Grusaw (Krusczyn?), Wessik 

(Osiesczek ?), Mokkynwald (?), Labedow (Lobdowo), Golub, Neuen- 

dorf (Xeudorf), Schönsee, Schrebernick , Pluskowancz, Seeliü 

(Zielin), Osterwicz (Ostrowitt), Eynysdorf (?), Polkow (Pulkowo), 

Linda (Lipnitza?), Eedewichs (Eadowitz), Eenys. — Heymsodt (?), 

Arnsdorf (?), Birgelau, Lausen (Lonzyn), Scharnaw (Czamowo), 

Ostermecz (Ostrometzko), Bolmen (Bolumin), Schamensee (Czarze), 



'31) Um das Jahr 1288 wird ein archidiaconus Natangie erwähnt. Cod. 
dipl. Pruss. II. n. 18. 

132) Urkunde bei Jacobson, Kathol. Kirchenrecht, S. (268), mit der Ueber- 
schrift: ordo synodi laicalis circa Fredeck et Colmenseo. Ein vom Bischof 
bevollmächtigter Synodator bereiste die Parochieen, um die Laiensynoden sa 
halten; sie sind in der Reihe aufgeführt, in welcher er sie erreichen sollte; 
in einigen wurden zugleich die Angehörigen der benachbarten yersammelt. Ein 
solcher Synodator scheint von Frideck, ein zweiter von Culmsee ausgegangen 
zu sein. Einen dritten etwa gleich grossen Bezirk würde die Gegend von 
Löbau und Neumark abgegeben haben, die aber in der Urkunde nicht berührt ist. 



Kirchliche Verwaltang (Decanate und Kirchspiele). 239 

Kokuchss (Kokotzko), Althaus, Schönfeld (?), Crebis (Trzebez), 
Eber (?), Slavisch - Griffna (Grzybno), Wenzlaw, Papau, Czist 
(Czyste), Wapiez (Wapiz), Lysow (Lissewo), Senczkaw (Zajons- 
kowo) , Seefeld (?) , Worst (Dzwersno) , Orsechaw (Orziechowo), 
Eichnau, Lanka (Wielkalonk) , Grünemberg (?), Gninaw (Gro- 
nowo), Thura (?), Kirchdorf (?), Gramczin (Gremboczyn), Lubicz 
(Leibiez), Klosterchin , Alt-Thorn (das Dorf), Pippingesee (?), 
Deutsch - GrifPaa (Grzywna), Culmsee. Von den Kirchen des 
westlichen und mittleren Culmerlandes vermissen wir hier nur 
die deij beiden grössten Städte Thom und Culm. Von den ge- 
nannten bestehen die meisten noch, einige sind sicher einge- 
gangen, viele leider nicht mehr wiederzuerkennen ^^^). 

3. Klöster. 

An Klöstern ist Preussen nicht reich gewesen und, einige 
pommerellische ausgenommen, haben sie sich nicht zu Bedeutung 
und Ansehen erhoben. Wir kennen sie ziemlich vollständig 
durch die Mittheilungen Grünaues, eines Zeitgenossen Luthers *^*). 

Im Culmerlande gab es nach seinem Berichte ausser 
einem Hause der LoUharden zu Culm fünf Mönchs- und zwei 
Nonnenklöster (ein Nonnenkloster scheint er übersehen zu haben); 
darunter waren zwei Dominikanerklöster, das eine bei der St. 
Nicolaikirche in der Neustadt Thorn, das andere bei der Peter- 
Paulskirche zu Culm, und drei MinoritenklÖster , eines bei der 
Kirche U. L. Fr. zu Thorn, das zweite zu Culm, das dritte zu Löbau. 
Das Dominikanerkloster zu Culm wird schon im Jahre 1244 ^^^), 
das Minoritenkloster zu Thorn schon 1246 erwähnt ^^^); das 



»33) Mehrere poraesanische Kirchen werden in der Urkunde yon 1286, 
Cod. dipl. Pruss. 11. n. 10, mehrere samländische in der Urkunde von 1321, 
ibid. II. n. 97, erwähnt. Vgl. Gebauer, Urkundl. Nachweise über einige 
Kirchen in Saml., in den N. P. P. Bl. 1849, Bd. 2, S. 75. 

*34) Im neunten Tractat seiner Chronik, den Hennenberger pünktlich be- 
nutzt hat. Was Grünau von der Geschichte der Klöster sagt, ist freilich 
ebenso unzuverlässig wie seine Chronik überhaupt ; so ist es z. B. sogleich 
falsch, wenn er das Dominikanerkloster zu Culm erst durch den Stellvertreter 
des Hochmeisters Eberhard von Sayn gründen lässt. 

"'^) Urkunde des Priors Hermann von 1244 in den Privil. des Culmer- 
landes, fol. 35; vgl. die Urkunde von 1248 bei Luc. David Bd. 3, Anh. S. 17. 

^3ö) Urkunde von 1246, Cod dipl. Pruss. 1. n. 66; vgl. die Urkunde von 
1252 bei Luc. David a. a. 0. S. 25. 



240 Zeit der Ordensherrsohoft 

Minoritenkloster zu Ciüin war doch vor 1311 ^,^^), das Domini- 
kanerkloster zu Thom vor 1335 gegründet*^®). Viel jünger 
war das Kloster der fratres minores de observantia zu Löbaa, 
vom BiBchof Nicolaus Crapicius im Jahre 1502 erbaut *^®). Von 
den Nonnenklöstern gehörten zwei dem CisterdenBerorden an; 
das eine war zu Culm und ist durch Urkunden aus den Jahren 
1267 und 1337 bekannt ^*°); das zweite, zu Thom, genannt 
„zum heiligen Geiste", kommt sicher in mehreren Urkunden des 
fünfzehnten Jahrhunderts (zwischen 1413 und 1453) vor '*'). Es 
ist aber kaum zweifelhaft, dass es ebenso wie das Benedictiner- 
Nonnenkloster zu Thorn schon im Jahre 1311 vorhanden war; 
denn in diesem Jahre schon werden mehrere Nonnenklöster in 
Thorn erwähnt ^*2). Den Benedictinernonnen schenkte der Hoch- 
meister Werner von Orseln das Patronat der Pfarrkirche zu 
Schönwalde in Pomesanien 1330 **^). 

Im Bisthum Pomesanien kennt Grünau nur ein Kloster, 
das Kloster der Bernhardiner zu Saalfeld, welches nach seiner 
Angabe von dem Hochmeister Johann von Tiefen (zwischen 1489 
und 1497) gegründet ^**) und im Jahre 1524 verwüstet ist. In 
älteren Zeiten gab es hier auch noch ein Cistercienserkloster zu 
Garnsee, welches, wahrscheinlich von Pelplin aus gegründet, im 



»3') In den Urkunden von 1311, 1323 nnd 1335, Cod. dipl. PmsB. II. 
n. 66, 106 und 152, werden die Minoritenkloster zu Thom, Gnlm, Braunsbeig 
und Neuenburg erwähnt. 

138) In der Urkunde yon 1335, Cod. dipl. Pruss. II. n. 151, werden die 
Dominikanerklöster Elbing, Danzig, Culm, Thom, Dirschau und Brzesc neben- 
einander erwähnt. 

138) Xach schriftlicher Tradition in Löbau. Auch hier erlaubt sich Chrunau, 
welchem Hennenberger S. 262 folgt, obwohl er von einer nur vor Kurzem 
vorgefallenen Begebenheit spricht, Wülkür oder Fälschung, indem er 1495 statt 
1502 schreibt. Die Mönche waren nach ihm „Bernhardiner, jedoch Gxan- 
mönche**. 

1^^) Jacobson, Beitrag zur Geschichte der preussischen Klöster (unvollendet), 
in Ledeburs Neuem Archiv, Bd. 2, S. 38, 39. Vgl. Cod. dipl. Pruss. II. 
n. 162. Vielleicht bestand in Culm schon vor der Ankunft des BitterordenB 
ein Cistercienserkloster. Watterich, Ordensstaat, S. 165. 

141) Vgl. Jacobson a. a. 0. S. 40—42. Voigt Bd. 5, S. 220. 

»*2) Urkunde von 1311, Cod. dipl. Pruss. II. n. 66. 

143) Jacobson a. a. 0. S. 40, Anm. 9. 

144) ]Q]. fQgt Qoch den Marschall Erasmus Gebesattel hinzu; einen solchen 
giebt es nicht, wohl aber einen Nicolaus von Gebesattel (1476 — 1488) und 
einen Erasmus von Keizenstein (1488 — 1499). 



Kirchliche Verwaltung (Klöster). 241 

Jahre 1285 von Dietrich Stange eine Schenkung von zwei- 
hundert Hufen erhielt, aber schon vor 1334 ausgekauft ist '**). 
Die meisten Klöster zählt unter den vier preussischen Bis- 
thümem noch das Ermeland. Die Dominikaner hatten Kloster 
zu Elbing und zu Gerdauen. Zu Elbing wies ihnen schon der 
Landmeister Hermann Balk im Jahre 1238 einen Platz zum 
Bau einer Kirche und eines Klosters an '*®); zu Gerdauen werden 
sie erst beträchtlich später (wohl jedenfalls nach 1335) eine 
bleibende Stätte gefunden haben, doch ist der Zeitpunkt nicht 
bestimmt zu ermitteln *^^). Dem Augustinerorden gehörten die 
Klöster zu Rössel, PatoUen und Heiligenbeil an. Die von dem 
ermeländischen Bischöfe Hermann von Böhmen mit Genehmigung 
des Pabstes Clemens VI. aus Baiem berufenen Augustiner-Ere- 
miten trafen in Eössel, wo ihnen ein Platz zur Erbauung eines 
Klosters und einer Kirche angewiesen wurde, im Jahre 1347 
ein **®). Der Hochmeister Winrich von Kniprode gründete nach 
dem über die Lithauer bei Eudau erfochtenen Siege zu Ehren 
der heiligen Jungfrau das Augustinerkloster bei Heiligenbeil im 
Jahre 1370 '*^). lieber das Augustinerkloster zur heiligen Drei- 
faltigkeit in Paf ollen fehlt es an zuverlässigen Kachrichten ; 
nach ermeländischer TJeberlieferung soll es von einem gewissen 
Peter Nagel von Sehr in oder nach den Zeiten Winrichs ge- 
gründet sein ^^^). Die beiden letztgenannten Klöster gingen zur 
Zeit der Reformation ein* 5*). Jfinoritenklöster zählte die erme- 



^**) Jacobson a. a. 0. 8. 35 — 37. 

»4«) Urkunde Hermann Balks von 1238, bestätigt von Wilhelm von Mo- 
dena 1242 und Hinrieb von Hobenlobe 1246 — alle drei Urkunden in Neu- 
manns bandschriftl. Sammlung; die letztere gedruckt bei Dreger n. 167. 

"') Mülverstedt, Fromme Stiftungen in Preussen, in den N. P. P. Bl. 
1856, Bd. 2, theilt eine Urkunde von 1477 über eine Schenkung an das 
Kloster Gerdauen mit, S. 146. 

^*^) Ditki, Notizen über das ehemalige Augustinerkloster in Rdssel (nach 
ungedruckten Urkunden), in dem Programme des Progymnasiums zu Bössel 
von 1841, S. 13. 

"») Wigand p. 188. 

"0) Zu dem Mährchen von der heiligen Göttereiche, welche Hennig Schinde- 
kopf dort umgehauen haben soll, gab der Name PatoUen Anlass. Es findet 
sich schon bei Grünau. Vgl. Treter, Vit. episc. "Warm. p. 13. Eine fromme 
Stiftung für dieses Kloster von etwa 1483 führt Mülverstedt a. a. 0. S. 7 ff. an. 

**0 An der Stelle des alten Patollen liegt das heutige Rittergut Gross- 
Waldeck. Vgl. Mülverstedt a. a. 0. S. 12. 

16 



242 Zeit der OrdensberrsoliAit. 

ländische Diöcese vier, eins zu Braunsberg, eins zu Wartenbuig 
und zwei zu Welau. Das Minoritenkloster zu Braunsberg wird 
zuerst in der schon erwähnten Urkunde von 1311 erwähnt» das 
zu Wartenburg wurde gleich nach Wiederherstellung der Stadt 
im Jahre 1364 errichtet '*2) ; von den beiden in Welau voll- 
endete Winrich von Kniprode das eine, nachdem der Bau schon 
von seinem Vorgänger 1350 begonnen war ''3), das andere 
finden wir erst bei dem Jahre 1500 erwähnt '**); das eine wurde 
um des Krieges willen (1519) gebrochen, da es vor der Stadt 
lag, das andere ward wüste „in der Lutherei** ^**). Endlich ist 
noch ein Erigittenkloster zu Elbing zu erwähnen, welches nach 
der Eroberung des Ordensschlosses im grossen Kriege (1454) 
auf dem Boden desselben errichtet wurde, aber nicht wachsen 
wollte und schon vor 1521 wieder einging ^^®). 

Im Bisthum Samland gründete der Hochmeister Heinrich 
Dusemer nach dem Siege über die Lithauer an der Strebe zu 
Ehren der Jungfrau Maria ein Nonnenkloster Cistercienser-, 
später Benedictiner - Ordens zu Königsberg -Löbenicht im Jahre 
1349. Er verschrieb demselben die Dörfer Lichtenhagen und 
Wolfsdorf, hundert Hufen zu Nuhr, die Kapelle zu -Hafstrom, 
die Pferre zu Aman mit einem Vorwerk von vierundzwanzig 
Hufen (daher Jungferndorf genannt) etc. ^*^. Nicht näher be^ 
kannt sind die Schicksale des Elisabethklosters auf dem Sack- 
heim zu Königsberg ^^^); die Gründung eines Augustinerklosters 
zu Memel und eines Minoritenklosters zu Eagnit, mit welcher 
der Hochmeister Ulrich von Jungingen 1409 umging, kam nicht 
zu Stande ^^®). Erst gegen das Ende der Ordensherrschaft 



^^^ Bon Banm zu demselben behält sieb der Bischof in der Fundations- 
urknnde der Stadt 1364 ausdrücklich vor. Vgl. Wigand p. 144. Man nannte 
das Kloster nach einer Notiz aus Wartenburg gewöhnlich Bemhardinerklosior. 

"3) Wigand p. 86, 276. 

»»«) Voigt, Gesch. Preussens, Bd. 6, S. 759, Anm. 2, und Bd. 9, S. 307. 

^'^) Grünau; nach ihm war eins der Bernhardiner, das andere der Mar» 
tinianer-Minoriten. 

*5*) Grünau. Vgl. die Verschr. Kasimirs für das Kloster von 1458 im geh. 
Archiv, Schiebl. LXIII. n. 10, und andere Urkunden in Neumanns Sammlung. 

^*') ürkundl. Bericht und Handfeste von 1349, Cod. dipl. Pruas. m. 
n. Ö8, 64. Vgl. Wigand p. 84, 86. Voigt Bd. 7, S. 765. 

'*®) Angeführt von Faber, Königsberg, S. 123. 

'") Chronik des Minoriten ad a. 1409. 



Kirohliche Verwalttiiig (Klöster). 243 

wurden auf Samland noch zwei andere Klöster gegründet , eins 
der Graumönche (Bullatenbrüder) im Löbenicht 1517 ^^^) und 
eins der Bernhardiner zu Tilsit 1519 ^®^); beide wurden aber 
schon im Jahre 1524 wieder zerstört. Aus dem Nonnenkloster 
im Löbenicht ist laut Fundationsurkunde des Herzogs Albrecht 
von 1531 das heutige löbenichtsche Hospital entstanden ^^^), 

Im Bisthum Cujavien gab es zwei Klöster der Domini- 
kaner, zu Danzig und zu Dirschau. In Dan zig, wohin sie von 
Krakau kamen, erhielten sie von Herzog Swantopolk im Jahre 
1227 die Nicolaikirche *^^); in Dirschau siedelten sie sich unter 
Herzog Mestwin um 1290 an '^*). Auch die Minoriten besassen 
in Cujavien zwei Klöster, eins zu Neuenburg schon vor 1311 '®^), 
das andere zu Danzig seit 1431 '^®). Das Augustinerkloster zu 
Conitz gründete Winrich von Kniprode im Jahre 1365 ^^^). Zu 
Lauenburg gab es nach Grünau ein Kloster der Bullatenbrüder. 
Ein Karmeliterkloster stand in der (1380 erbauten) Jungstadt 
Danzig und wurde bei der Zerstörung derselben (1455) einst- 
weilen verschont, im Jahre 1463 jedoch auch verlegt •^^®). Das 
Brigittinerkloster zu Danzig ist von dem Hochmeister Konrad von 
Jungingen zwischen 1396 und 1402 erbaut *^^). Das Nonnen- 
kloster in Zuckau Prämonstratenser - Ordens gründete Herzog 
Mestwin I. von Pommerellen und seine Gemahlin um 1210; die 
ersten Nonnen wurden unter Vermittelung des Alardus, eines 



^*o) Vgl. ausser Grünau Preibergs Chronik in den N. P. P. Bl. 1846, 
Bd. 1, S. 60 — 62. Es scheint, dass damals erst yon der 1500 ertheüten £r- 
laubniss des Erzbisehofs yon Biga (Voigt Bd. 9, S. 307) Gebrauch i^emacht 
werden konnte. 

'«») Urkunde von 1519 bei. Mülverstedt a. a. 0. S. 2. 

*82) Urkunde von 1531 bei Grube, Corp. const. Pruth. P. I. p. 320. 

^*3) Raynald, Annal. eccles. 1227, n. 50. Preuss. Samml. Bd. 1, S. 326. 
Neuer Cod. Fomeran. dipl. n. 160. Hirsch, die Marienkirche, Bd. 1, S. 16. 

^^*) Nach der handschriftl. Chronik des Minoriten ad a. 1290. 1289 nach 
Orunau, vgl. Hennenberger fol. 105. Urkundl. zuerst 1313 erwähnt. Cod. dipl. 
Pruss. II. n. 70. 

1Ö6) Nach der oben erwähnten Urkunde von 1311. Vgl. die Urkunde von 
1336, Cod. dipl. Pruss. II, 160. 

^^^) Löschin, Danzig und seine Umgebungen, dritte Aufl. S. 56 und 92. 
Toigt Bd. 6, S. 759, Anm. 3. 

'«7) Urkunde von 1365 bei ^oigt, Gesch. Preussens, Bd. 5, S. 391. 

'«8) Löschin S. 108. Voigt Bd. 6, S. 761. 

*öö) Löschin S. 109, 110. Cod. dipL Pruss. V. n. 130. 

1C* 



244 Zeit der Ordenshemohaft. 

Abtes im Kloster von St. Ymcentius zu Breslau aus dem 
diesem Abte untergebenen Nonnenkloster zu Strzelno (südliGh 
von Inowrazlaw) nach Zuckau hinübergeführt '^^. Ein zweites 
Nonnenkloster, welches aber dem Karthäuserorden angehörte, 
wurde an dem Orte, der noch jetzt den Namen Karthaus trägt, 
im Jahre 1381 erbaut; ein Eldelmann, Johann Eusinitz, schenkte 
dem Orden drei Dörfer, die Kirche erbaute ein danziger Bürger, 
Johann Thiergart, auf seine Kosten ^^^). Zu den reichsten 
Klöstern Fommerellens gehören die CistercienserklÖster OÜTa 
und Felplin. Das Kloster Oliva ist von Cisterciensermönchen 
aus Golbatz bei Stargard gegründet, welche von Herzog Sambor 
im Jahre 1178 sieben Dörfer zur Ausstattung erhielten '^^); die 
Kirche daselbst ist im Jahre 1239 und nach einem Brande tun 
1350 umgebaut. Seine Besitzungen erweiterten sich sehr schnell 
so bedeutend, dass die Verwaltung derselben schon um 1380 
von sieben Curien aus betrieben wurde. Drei dieser Curien 
lagen südlich, drei nördlich vom Kloster, im äussersten Süden 
die Curie Eadostof (Eathstube), weiter gegen Danzig hin in der 
Niederung die Curie Grebin (Mönchen - Grebin) , westlich davon 
auf der Höhe die Curie Sukczin, im Norden des Mosters die 
Curien Starin (jetzt Klein- Starczin), Most (jetzt Brück) auf dem 
Plateau von Oxhöft, und Tuchom; die siebente Curie war zu 
Oliva selbst '^^). Ein Tochterkloster von Oliva ist das Nonnen- 
kloster Zamowitz. Es scheint zwischen den Jahren 1220 und 
1235 gegründet zu sein: denn um das Jahr 1220 kommt Sar- 
nowitz imter den Besitzungen des Klosters Oliva vor, und im 
Jahre 1235 bestätigt Herzog Swantopolk dem letzteren alle seine 
Güter und unter denselben auch die . der Nonnen von Samo- 
witz '^*). Vor der Gründung des Klosters Pelplin hatte ein Ci- 



"0) Hirscli, das Kloster Zuckau, in den N. P. P. Bl. 1863, Bd. 1, S. 10 K. 
— Grünau erwähnt ein Nonnenkloster des Bemhardinerordens zu Suckan, ge- 
stiftet von Swantopolks Hausfrau (?). 

"0 Wigand p. 144. Lindenblatt S. 47. Schütz fol. 83. Tgl. Steinbrack, 
G^ehichte der Klöster in Pommern, S. 104 und Voigt Bd. 6, S. 762. 

"2) Urkunde Ton 1178 im Neuen Cod. Pomeran. dipl. n. 46, p. 111. 

"3) JaeobsoD, das Kloster Oliva, in Ledeburs N. Archiv, Bd. 2, S. 193 ff., 
und Hirsch, das Kloster Oliva, in den N. P. P. Bl. 1850, Bd. 2, S, 4 und 9. 

^''*) Urkunden von 1220 und 1235 in dem Neuen Cod. Pomeran. dipl. 
n. 132 und 225 mit den Bemerkungen S. 498. Im Jahre 1257 schenkte 



Kirchliche Verwaltung (Klöster). 245 

Btercienserconvent, ausgegangen von dem mecklenburgischen 
Kloster Doberan, sich in Pogutken (an der Yerse oberhalb der 
Fitze-Mündung), einer Schenkung des Herzogs Sambor lautVer- 
schreibung von 1258 *^^), niedergelassen. Diese ältere Nieder- 
lassung nannte man Samburia, Marienberg oder Neu-Doberan ^ ^®). 
Herzog Mestwin veranlasste den Convent, wegen der Unwirthbar- 
keit des Ortes dsis Kloster an einen andern Ort, den er ihm zum 
Eigenthum verlieh, Polplin (oder Pelplin) im Territorium Thymau, 
zu verlegen (1274). Auch jetzt noch nannte man das Kloster 
Neu-Doberan, doch wurde der Name Pelplin der herrschende "^. 
Wann das Kloster an seine heutige Stelle an der Verse verlegt 
sein möge, vermögen wir nicht anzugeben. Augustiner-Chorherrn 
siedelten sich zu Swormgatz an laut der päbstlichen Bestätigung 
von 1272 für den Prior Borislaw; die Besitzungen derselben 
breiteten sich an der Braa imd ihren Nebenflüssen Götzen und 
Sbritze aus. Das Stift trat 1303 zum Cistercienserorden und 
ward dem Kloster Oliva einverleibt, welches die Güter „in der 
Einöde" 1333 an den deutschen Orden vertauschte "®). 



Swantopolk den Nonnen in Samowitz das Dorf Vircozin. Urkunde bei Dreger 
n. 288. Nach Steinbrück, (Jesebichte der Klöster in Pommern, S. 127 ge- 
hörte Zemowitz dem Prämonstratenserorden an (?). 

"*) Sambor übergab dem Abte Konrad von Dobberan zu Samburia in Polen 
1258 die im Districte Garzey gelegenen bona Pogotechow (Pogutken), Cobylow 
(Kobülau), Colmenyn (Koschmin?). Urkunde von 12ö8 im geh. Archiv, Schiebl. 
UX. n. 1. 

»'«) So in den beiden Privilegien Swantopolks von 1260 und in einer Ter- 
schreibung Sambors über die Mühle Spangowia (Spengawsken) im Territorium 
Dirschau, ebenfalls von 1260. Schiebl. LIX. n. 2—4. 

"') Urkunden von 1274. Schiebl. LIX. n.^6 u. 7. Vgl. die Grenzbeschr. 
von 1342, Cod. dipl. Pruss. in. n. 28. 

1^^ Quandt nach theilweise ungedruckten Urkunden in den Balt. Studien 
1856, S. 114 und 115, wo namentlich auch die gangbare Annahme, als seien 
die Brüder zu Swormgatz Johanniter gewesen, zurückgewiesen ist. 



Preussen seit dem Untergänge der Ordensherrschaft (seit 1525). 



Erster Absclinitt. 

Die Landesgrenzen. 

Im Frieden zu Thorn, unterzeichnet am 19. October 1466, 
verlor der Orden eine gute Hälfte seiner prenssischen Lande, 
ganz Pommerellen, ganz Culmerland und Michelau, und ausser- 
dem das Gebiet von Marienburg und Theile der Gebiete von 
Elbing und Christburg. Im Einzelnen wurde bestimmt, dass der 
Orden von der frischen Nehrung, welche die Polen als Zubehör 
von Pommerellen betrachteten, den nordöstlichen Theil von der 
ermeländischen Wassergrenze bis zum Tief mit der Eischerei in 
den anliegenden Theilen des Haffs und der See behalten sollte; 
der König überliess ihm diesen Theil der Nehrung aus beson- 
derer Gnade (de special! gratia) und behielt sich die Jagd in 
der ganzen Nehrung vor. Mit dem Ordenshaupthause Marien- 
burg fiel der grosse (marienburger) und kleine (fischauer) Werder, 
die Scharpau, Stuhm und der ganze Drausensee, in welchem nur 
einigen nahe gelegenen Ordensdörfern die Fischerei gestattet 
wurde, an Polen. Von der Comthurei Elbing musste der nord- 
we liehe Theil längs der Küste des frischen Haffs bis zur erme- 
ländischen Grenze abgetreten werden, die Alt- und Neustadt 
Elbing mit ihrem Gebiete, das ganze Kammeramt (Waldamt) 
Tolkemit, das ganze Kammeramt Pomen mit den Dörfern Py- 
lonen, Meislatein, Bartkam, Kämmersdorf, Weklitz, Preuss.-Mark, 
und fünf Dörfer des Bezirkes von Mühlhausen, nämlich Gross- 
und Klein -StQboy, Schönmohr, Pomehrendorf und Wolfsdorf, 
Auf dem Gebiete der Comthurei Christburg sollte die Sorge von 
dem Knie, welches sie bei Altstadt bildet, bis zum Drausensee 



Landesgrenzen. 247 

hinab, so weit nicht das Stadtgebiet von Christburg hinüber- 
greift, und so, dass Dollstädt mit der Mühle dem Orden ver- 
bleibt, südwärts von dem bezeichneten Knie bis zur Grenze des 
pomesanischen Bisthums eine Linie, welche die Dörfer Altstadt 
und Münsterberg zur linken (Ordens-) Seite lässt, die Grenze 
bilden. Ferner gab der Hochmeister seine Zustimmung dazu, 
dass die Diöcese Culm künftig (mit der vorausgesetzten Geneh- 
migung des Pabstee) an das Erzbisthum Gnesen (von dem Erz- 
bisthum Riga) als Metropole zurückkehren solle. Der culmische, 
so wie der ermeländische Bischof sollten als weltliche Herrscher 
mit ihrem ganzen Territorium unter die Botmässigkeit und Pro- 
tection des polnischen Königs treten, der samländische und po- 
mesanische unter der Oberhoheit des Hochmeisters verbleiben. 
Der Hochmeister leistet dem Könige für den dem Orden erhal- 
tenen Theil Preussens den Eid der Treue *^^). 

Die damals zwischen dem polnischen und dem Ordenslande 
Preussen gezogene Grenzlinie bildet theilweise noch jetzt 
die Grenze zwischen Ost- und Westpreussen. 

Noch zweimal erhob der Orden offenen Kampf gegen Polen, 
um sich seine Unabhängigkeit und seine verlorenen Länder 
wiederzuerkämpfen. Aber das Glück der Waffen war ihm nicht 
günstig. Inzwischen trat Luther auf, und die Reformation der 
Kirche machte in Preussen schnelle Fortschritte. Da entschloss 
sich der Markgraf Albrecht von Brandenburg, der letzte der 
Hochmeister in Preussen, das Ordensgewand abzulegen und sich 
zu verheirathen. So konnte es zu den Bestimmungen des kra- 
kauer Friedens vom 8. April 1525 kommen, nach welchen 
der Orden in Preussen abgethan wurde, der Markgraf Albrecht 
das Land, so weit es dem Orden im thomer Frieden gelassen 
war, als Herzogthum für sich und seine Erben erhielt und dem 
Könige dafür den Lehnseid leistete. Des Markgrafen Brüder 
wurden mitbelehnt und erhielten dadurch die Anwartschaft auf 
die Erbfolge ^^o). 

Die Grenzen Preussens, sowohl des herzoglichen, später könig- 



1^^) ürkimde yon 1466 in den Frivil. der Stände des Herzogth. Preussen, 
fol. 20 ff. 

»80) Urkunde yon 1525 in den Privil. der- Stände, fol. 32 ff. 



248 Neuere Zeit. 

liehen ; als auch des polnischen, haben sich bis auf die erste 
Theilung Polens nicht wesentlich verändert. Die Grenzbe- 
stimmungen des thorner Friedens waren so bestinunt 
und klar, dass nur etwa wegen der Grenze auf der Nehrung 
noch einige Zeit verhandelt und gestritten wurde. Aber der 
Gegenstand des Streites war ohne Erheblichkeit, und wir er- 
fahren nicht, wie man sich endlich einigte'®'). Die Grenzen 
gegen Lithauen waren durch den am See Melno geschlossenen 
Frieden von 1422 festgesetzt *®^). Die hierauf bezüglichen Be- 
stimmungen desselben wurden im Jahre 1529 durch einen Ver- 
trag erneuert, welchen König Sigismund von Polen in seinem 
Namen und in dem Namen seines noch minderjährigen zum 
Grossherzog von Lithauen erwählten Sohnes Sigismund August 
mit dem Herzog Albrecht abschloss '®^). Es wurde damals zur 
Vermeidung weiterer Streitigkeiten zugleich festgesetzt, dass die 
Grenzen von fünf zu fünf Jahren erneuert werden sollten, wenn 
der eine oder der andere Theil die Erneuerung verlangte. Aber 
dieses Mittel führte nicht zu dem erwünschten Ziele. Die beid«p- 
seitigen Grenzcommissarien konnten sich nicht verständigen und 
der Streit dauerte fast während der ganzen E^erung des Her- 
zogs Albrecht fort '®*). Namentlich wurde dem Herzog der Be- 
sitz von Coadjuten (nördlich von Tilsit) streitig gemacht, welches 
deshalb eine Zeit lang sequestrirt, ja sogar als lithauisches Be- 
sitzthum verwaltet wurde '®®). 

Aus Herzog Albrechts Zeiten stammt die ostrokolnische 
Grenzsäule. Sie ist im Jahre 1545 nicht eigentlich bei 
Ostrokollen, sondern bei dem Dorfe Prostken nahe dem Lyek- 
flusse errichtet und bezeichnet die Grenze nicht nur zwischen 
Preussen und Lithauen, sondern auch zwischen Preussen und 
Masovien. Sie trägt die von Georg Sabinus gedichtete Lischrift: 



181) yerhandlungen ans den Jahren 1479, 1488, 1490 bei Voigt Bd. 9, 
S. 120, 164, 178 etc. 

182) Streitigkeiten über dieselbe nm 1484, 1488 etc. bei Voigt Bd. 9, 
S. 145, 164 etc. 

183) Urkunde von 1529 in denPriyil. der Stände, fol. 40 ff. 

184) Dogiel IV, 263, 294. Lengnicb, Gesch. des poln. Preussen, Bd. 1, 
S. 239, 242 ; Bd. 2, S. 84, 90. Bock, Leben Albrechts, S. 238. Freiberg in 
den N. P. P. Bl. 1848, Bd. 1, S. 134. 

185) Landtagsacten yon 1543, 1544, 1546. 



Landesgrenzen. 249 

Quando Sigismundns patriis Augustus in oris 

Primus et Albertus Marchio jura dabant, 
Ille Jagellonis yeteresque binominis urbes 

Hicque Borussorum pace regebat opes, 
Haec erecta fuit moles, quae limite fines 

Signat et amborum separat arra Ducum. 
Anno MDXLV. Kense Aigusto *^'). 

Herzog Albrecht erhielt im Jahre 1560 von dem livlan- 
dischen Ordensmeister Gotthardt Kettler, deiö er 50000 Gulden 
lieh, den Pfandbesitz der Vogtei Grebien (bei Liebau). Ursprüng- 
lich sollte die Pfandschaft nur fünfzehn Jahre dauern, allein sie 
hat fast fünfzig Jahre gewährt und erst im Jahre 1609 ihr 
Ende erreicht, als Herzog Wilhelm von Kurland die 50000 Gul- 
den zurückzahlte *®'). 

Herzog Albrecht von Preussen starb im Jahre 1568, sein 
einziger Sohn Albrecht Friedrich im Jahre 1618. Da der 
letztere keine männlichen Kachkommen hinterliess, die im Jahre 
1525 mitbelehnten fränkischen Fürsten aber in ihrer männlichen 
Descendenz schon früher ausgestorben waren, so folgte nun die 
kurfürstliche Linie des Hauses Brandenburg, welche 
die Mitbelehnung schon auf dem Eeichstage zu Lublin im Jahre 
1569 erhalten hatte. So wurde das Herzogthum Preussen und 
das Kurfürstenthum Brandenbui^ im Jahre 1618 zu einem 
Staate vereinigt. Die ersten Beherrscher dieses vereinigten 
Staates waren: Johann Sigismund (f 23. December 1619), 
Georg Wilhelm (f 1. December 1640) imd Friedrich 
Wilhelm der grosse Kurfürst (f 9. Mai 1688). 

Friedrich Wilhelm der grosse Kurfürst gewann für Preussen 
die Souveränetät wieder und erÖJffnete zugleich die Aussicht auf 
beträchtliche Erweiterung des Landes. In dem Kriege, welchen 
Karl Gustav von Schweden im Jahre 1654 gegen den 
König Johann Kasimir von Polen begann, zeigten sich 
die schwedischen Waffen von vorn herein so überlegen, die 
polnischen Angelegenheiten so hoffnungslos, dass der Kurfürst, 



*^®) Sabini poemata. Hennenberger S. 388, Alb. Columbus. Von der ostro- 
kolnischen Säule 1712. Erläutertes Preussen, Bd. 2, S. 423 £f. Acta Boruss. 
T. I. p. 233. Preuss. Prov.-Bl. 1842, Bd. 2, S. 394. 

»8') Nach den Mitth. in den N. P. P. Bl. 1857, Bd. 2, S. 161—163. 



250 Neuere Zeit 

wenn er Preussen nicht dem grössten Verderben Preis geben 
wollte, eine Einigung mit Schweden suchen musste. So kam 
es zu dem Vertrage von Königsberg (17. Januar 1656), 
durch welchen das Herzogthum auf kurze Zeit ein schwedisches 
Lehn wurde und noch das Bisthum Ermeland zur Vergrösserung 
erhielt. Die damals verabredete Neutralität ging nach dem Ver- 
trage zu Marienburg (15. Juni 1656) in eine offene Theil- 
nahme an dem Kriege für Schweden über, und schon in dieseir 
Uebereinkunft wurde ein Theilungsplan über das Königreich 
Polen verabredet, nach welchem dereinst nach erlangtem Frieden 
die Woiwodschaften Kaiisch, Posen, Lengicz, Sieradz und das 
Land Wielun an den Kurfürsten kommen sollten. Kach der für 
die Truppen des Kurfürsten so ruhmreichen Schlacht bei "V^ar- 
schau (18. bis 20. Juli 1656) wurde ein dritter Vertrag zwischen 
ihm und dem schwedischen Könige zu Labiau (10. ^November 
1656) errichtet, durch welchen er die Souveränetät des Herzog- 
thums Preussen erwarb und mit demselben Rechte auch das Bis- 
thum Ermeland gewann ; doch sollte das letztere nach dem Aus* 
sterben der männlichen N'achkommenschaft Friedrich Wilhelms 
an Schweden zurückfallen und den fränkischen Markgrafen von 
Brandenburg das Erbrecht auf Preussen nur in den Grenzen ge- 
währt sein, wie sie zur Zeit der polnischen Belehnung bestanden 
hätten. Als Karl Gustav, von zahlreichen Feinden gedrängt, die 
Weichselgegenden verliess, um seine Besitzungen in Deatschland 
zu vertheidigen , stand der Kurfürst dem polnischen Könige 
allein gegenüber. Allein in dem Vertrage zu Welau 
(19. September 1657) erkannte auch Johann Kasimir die Sou- 
veränetät des Herzogthums Preussen an. DasBifithnm 
Ermeland musste damals zwar an Polen zurückgegeben werden, 
bald darauf erfolgte jedoch eine Erweiterung des Besitzstandes 
des Kurfürsten von polnischer Seite, indem derselbe für das Ver- 
sprechen einer thätigeren Hülfeleistung in dem Vertrage zu 
Bromberg (6. November 1657) die Herrschaften Lauenburg 
und Bütow als polnische Lehen, jedoch ohne zur Ableistung 
des Lehnseides verpflichtet zu sein, erhielt. Der Friede 
von Oliva (3. Mai 1660) bestätigte und garantirte die 
beiden Verträge von Labiau und Welau; die Souveranetöt 
des Herzogthums Preussen wurde also damals von allen bei 



Landesgrenzen. 251 

diesem Friedensschluss betheiligten europäischen Mächten aner- 
kannt *®®). 

In dem Vertrage zu Bromberg war dem Kurfürsten auch die 
Auslieferung der Stadt und des Kreises Elbing, 
auslösbar für Polen gegen 40,000 Gulden, versprochen, sobald 
diese den Schweden entrissen sein würden. Auch verpflichtete 
sich der König, dem Kurfürsten innerhalb dreier Jahre 120,000 
Thaler zur Anwerbung von Truppen zu zahlen und ihm bis 
dahin die Starostei Draheim als Pfand zu übergeben. El- 
bing blieb aber während des Krieges in den Händen der Schwe- 
den und wurde nach dem Abschluss des Friedens zu Oliva von 
den Polen, denen es die Schweden übergaben, dem Kurfürsten 
unter allerlei Vorwänden vorenthalten, obwohl er bereits 400,000 
Thaler zu fordern hatte. Ebensowenig gelangte der Kurfürst 
auf dem "Wege der Güte in den Besitz der ihm gebührenden 
Starostei Draheim. Er benutzte daher- eine günstige Gelegen- 
heit, sich durch einen Handstreich in den Besitz derselben zu 
setzen (1668)^^^). Die Ansprüche auf Elbing suchte sein Nach- 
folger geltend zu machen. 

Friedrich IIL, des grossen Kurfürsten Sohn, hat sich vor 
Allem dadurch ein unvergessliches Andenken gestiftet, dass et, 
Preussen zum .Königreich erhob. Er krönte sich selbst 
am 18. Januar 1701, nachdem zuerst B^aiser Leopold -l. in dem 
Vertrage vom 16. November 1700 ihn als König in Preussen 
(denn die Hälfte Preussens gehörte noch dem Könige von Polen) 
anerkannt hatte. Die Anerkennung der übrigen europäischen 
Mächte blieb nicht aus. 

Preussen ist unter Friedrich ni. (als König Friedrich I.) 
durch einige Erwerbungen erweitert, zunächst durch die Er- 
werbung der lithauischen Herrschaften Tauroggen 
und Serrey. Tauroggen liegt an dem Juraflusse, nahe der 
preussischen Grenze, Serrey an der Pers, einem Nebenflüsschen 
der Memel, etwa in der Mitte zwischen Kowno und Grodno. 
Sie gehörten als Erbeigenthum der Prinzessin Louise Charlotte 

•*«) Stenzel, Gesch. des preugs. Staates, Bd. 2, S. 98 ff. nach Du Moni, 
Corps nniversel diplomatique, T. VII. P. n. p. 127, 136 ^ 148, 191, 196. 
Vgl. Schubert, Staatskunde von Preussen, Bd. 1, S. 51 ff. 

^»•0 Stenzel Bd. 2, S. 137, 162, 297. 



252 Neuere Zeit 

von Badziwill, welche mit Markgraf Ludwig von Brandehborg, 
dem zweiten Sohne des grossen Kurfürsten vermählt war, und 
nach dessen Tode (1687) in Folge früherer Verträge zwischen 
Brandenburg und ihrem Vater Bogislaw von Badziwill diese 
Herrschaften 1691 dem Kurfürsten überliess, obwohl sie damals 
bereits zu einer anderen Ehe geschritten war ^®^). 

Seine AnsprücheaufElbing entschloss sich Friedrich DI. 
ernstlich zu verfolgen, als der ihm befreundete Kurfürst Augast 
von Sachsen zum Könige von Polen erwählt war. .Er liess 
mitten im Frieden (1698) Elbing besetzen, versprach aber, es zu 
räumen, sobald Polen die ihm schuldigen 400,000 Thaler abge- 
zahlt hätte. So kam es im Anfange des Jahres 1700 zu einem 
Vertrage, in welchem sich Polen verpflichtete, dem Kurfürsten 
drei Monate nach gehaltenem nächsten Eeichstage 300,000 Thider 
zu zahlen, wofür es ihm unterdessen die moskowitische Krone 
und einige andere Kleinodien des Kronschatzes als Pfand aus- 
liefert^. Wenn die Zahlungsfrist nicht eingehalten werden 
würde, sollte der Kurfürst das Recht haben, bis dahin das Ge- 
biet von Elbing einzunehmen. Die Stadt war kurz vor diesem 
Vertrage wieder geräumt; da aber die Zahlung nicht erfolgte, so 
besetzte der Kurfürst während des nordischen Krieges 1702 das 
Gebiet derselben wiederum und blieb im Besitze desselben, wie 
auch seine Nachfolger '^*). 

Unter den Königen Friedrich Wilhelm I. (f 31. Mai 1740) 
und Friedrich n. (f 17. August 1786) erstarkte der preussisoh- 
brandenburgische Staat zu einer europäischen Macht ersten Banges. 
Die nächste Gebietserweiterung desselben aber, welche auf 
Preussen unmittelbaren Bezug hat, erfolgte durch die erste 
Theilung Polens. An Preussen flel durch dieselbe nicht 
bloss das polnische Preussen mit Einschluss der Landeshoheit 
über Lauenburg und Bütow, welche bis dahin polnische Lehen 
gewesen waren, zu beiden Seiten der Weichsel mit Ausnahme 
von Danzig und Thom, sondern auch der Theil von Gross-Polen, 
welcher nördlich von der Netze liegt. Das Besitznahmepatent 



'»<0 Schubert Bd. 1, S. 58, 59. Stenzel Bd. 2, S. 419. Hi8t.-geogr. 
Nachricht Yon der Herrschaft Serrey in Werners Gesammelten NachrichteD, 
Bd. 1,;S. 19—45. 

'»») Stenzel Bd. 3, S. 79—83. Vgl. Dogiel IV. p. 514. 



Landesgrenzen. 253 

König Friedrichs 11. ist vom 13. September 1772 ^^^), der den 
Polen abgedrungene Cessionsvertrag vom 18. September 1773 *®3). 
Aber Priedrich ü. griff bei der Besetzung des Netzdistricts 
noch über die Netze hinaus, und nach vielfachen Verhandlungen 
unter russischer Vermittelung kam es zu Warschau zum Grenz- 
vergleich vom 22. August 1776 zwischen Preussen und Polen, 
nach welchem 1) in Gross-Polen die Städte, Herrschaften und Ge- 
biete von Filehne, Czamikow, Uscie, Chodziesz, Budzyn, Mar- 
gonin, Golancza, Kcyn und Szubin, die sich weit über das linke 
Ufer der Netze erstreckten, bei Preussen blieben. 2) In Cuja- 
vien wurde die Grenze von Szubin her über Znin, Gonsava, 
Mogilno und Willatowo, deren Bezirke bei Preussen blieben, in 
südöstlicher, femer in östlicher Eichtung durch den südlichen 
Theil des 6oplo-See*s zwischen Klein -Eusz und Gurkowo auf 
Piotrkowo, welches so wie Klein-Eusz zu Polen gehören sollte, 
endlich nach Norden hinauf bis Skotniki und von da bis zur 
Weichsel gezogen. 3) Die Occupationen im dobriner Lande zur 
Linken der Drewenz, von deren Einflüsse in die Weichsel bis 
zum Flusse Pissa, wo sie vereint mit der Eypnica in die Dre- 
wenz fällt, gab Preussen an Polen heraus; weiterhin bildete die 
Pissa selbst die Grenze ^®*). Man erkennt aus dieser Urkunde 
nicht, dass auch Gurzno mit seinem Gebiete (im Südwesten des 
michelauer Landes) an Preussen abgetreten sei, doch ist auch 
Gurzno im Jahre 1772 von Preussen in Besitz genommen und 
demselben später verblieben. Die neu gewonnenen Länder er- 
hielten als Theil des preussischen Staats den Namen Westpreussen. 
Unter König Friedrich Wilhelm H. (f 16. November 1797) 
erfolgte die zweite und dritte Theilung Polens. La Ueberein- 
stimmung mit der Kaiserin Katharina IE. von Eussland erliess 
Friedrich Wilhelm IE. bereits am 24. Februar 1793 ein Mani- 
fest über die Besetzung Danzigs und des Gebietes dieser Stadt, 



»") Herzberg, Recueü, Vol. I. p. 312 flf. 

^•3) Herzberg, Recueil, Vol. I. p. 385 ff. 

^•*) Härtens, Recueil, Vol. I. p. 497 — 498. Leman, Einleitung in die 
Proyinzialrechte Preussens 1830, S. 192. Der Name Pissa bezeichnet auf 
der Reimanschen Karte einen Fluss, der westlich in die Rypnica mündet und 
nordöstlich mit der Branica zusammenhängt. £r scheint aus den früher er- 
wähnten Flüssen Oppoltz, Roketnica und Xiente und einem Kanal nach der 
Branitza entstanden zu sein. 



254 Neuere Zeit. 

und am 25. März 1793 ein ähnliches über die Besitznahme 
Thorns und eines grossen Theils von Gross -Polen. Nachdem 
die beiden verbundenen Mächte eine gemeinschaftliche Erklärung 
über ihre Absicht einer zweiten Theilung Polens am 
16. April 1793 bekannt gemacht hatten, erfolgte die Einwilligung 
des Eeichstages zu Grodno zu den neuen Cessionen fiir Preussen 
am 25. September 1793. Preussen gewann damals ausser den 
Städten Danzig und Thorn mit ihren Gebieten den an den Netz- 
distriet und an Schlesien stossenden Theil Gross -Polens bis zu 
einer Linie, welche aus der Gegend von Czenstochau, eine halbe 
Meile südlich von der Stadt vorüberziehend, nach der Pili^a, 
längs derselben hinab bis Grotowicz, von hier bei Bawa vorbei, 
die Stadt eine halbe Meile links lassend, nach dem Elüsschen 
Skerniewka und zur Einmündung, desselben in die Bzura, längs 
der Bzura bis zur Einmündung derselben in die Weichsel, Wy- 
szogorod gegenüber, endlich von hier geradeaus bis nach Soldau 
gezogen wurde. Preussen trat dagegen die seit einem Jahrhun- 
dert besessenen Herrschaften Tauroggen und Serrey an Polen 
ab *^^). Es kamen mithin an Preussen ganz Gross -Polen mit 
den Woiwodschaften Posen, Gnesen, Kaiisch, Lenczyc, Sieradz 
und dem Lande Wielun, ganz Cujavien mit den Woiwodschaften 
Brzesc und Inowrazlaw und dem Lande Dobrzyn, ausserdem 
Theile der Woiwodschaften Plock und Kawa, zu Masovien ge- 
hörig, und ein Theil der Woiwodschaft Krakau, zu Klein-Polen 
gehörig. 

üeber die dritte Theilung Polens einigten sich Preussedy 
Oesterreich und Kussland in dem Vertrage zu Petersburg vom 
24. October 1795, welchem die Entsagung des Königs von 
Polen in wenigen Wochen nachfolgte. An Preussen £el damals 
von Masovien (den Woiwodschaften Plock, Eawa und Czersk) 
Alles, was links von der Weichsel und rechts vom Bug lag, zwi- 
schen Bug und Weichsel nur ein schmaler Landstrich zur Ab- 
rundung, ferner die Woiwodschaft Podlachien auf dem rechten 
Ufer des Bug, endlich von der Starostei Samaiten und der 
Woiwodschaft Trocki die auf dem linken Ufer der Memel ge- 
legenen Theile. Seitdem bildete die Memel vom Einfluss der 



'»») Martens, Recueü, Vol. V. p. 120, 202. Vgl. Schubert' 8. 81. 



Landesgrenzen. 255 

Schwente an bis nach Grodno hinauf und von hier eine gerade 
Linie, welche, in der Eichtung auf Brzesc Litewski gezogen, den 
Narew schneidet und dann sich westlich gegen den Bug wendet, 
die Grenze gegen Eussland. Zwischen dem österreichischen und 
preussischen Antheile an Polen bildeten — abgesehen von 
dem vorhin erwähnten massigen Landstriche am Zusammenfluss 
des Bug und der Weichsel — diese Flüsse und die Pili9a die 
Grenze *®®). Ueber die Theilung der Woiwodschaft Krakau mit 
Einschluss des Herzogthums Severien einigten sich Preussen 
und Oesterreich unter russischer Yermittelung erst am 21. October 
1796. N'ach diesem Vertrage sollte die Grenze von der Weichsel 
längs den Flüssen Premza, Biala-Premza und Centory hinauf 
und von dem letzteren bei Starahutta über den Eücken des 
Croczobord und über Smolen zur Pili9a sich hinziehen '®^). 

Aus den neu gewonnenen Ländermassen wurden zwei neue 
Provinzen, Südpreussen und !N"eu-Ostpreussen, und der 
District Neu-Schlesien gebildet. Aber nur kurze Zeit 
trugen sie diesen Namen. Nach dem unglücklichsten aller Kriege 
musste König Friedrich Wilhelm ITE. (f 7. Juni 1840) in dem 
Frieden, welchen er mit dem Kaiser Napoleon am 9. Juli 1807 
zu Tilsit schloss, abgesehen von anderweitigem unermessliohen 
Verlust in Deutschland, den grössten Theil der durch die drei 
Theilungen Polens gewonnenen Länder wieder herausgeben. Von 
denselben blieben bei Preussen nur „der Theil des Netzdistricts, 
welcher nordwärts der Strasse von Driesen nach Sdineidemühl 
gelegen, ingleichen einer Linie, die von Schneidemühl über 
Waldau längs der Grenze des bromberger Eireises bis znr 
Weichsel führt, Pommerellen, die Insel der Nogat, das Land 
auf dem rechten Ufer der Nogat und der Weichsel im Westen 
von Alt-Preussen und im Norden des culmischen Kreises, Erme- 
land", endlich vom Culmerlande „die Stadt und Festung Grau- 
denz mit den Dörfern Neudorf, Parschken und Schwierkorzy". 
Das Uebrige fiel grösstentheils an den von Napoleon unter dem 
Namen eines Herzogthums Warschau wiederhergesteDten polni- 
ichen Staat, nämlich Südpreussen und Neu- Schlesien ganz, Neu- 



^^^ Martens, Recueü, Vol. VI. p. 702. Vgl. Schubert S. 83. 
'»') Martens, Recueü, Vol. VI. p. 706. Vgl. Schubert S. 88, 84. 



256 Neuere Zeit. 

Ostpreussen mit Ausnahme des südlichen Theiles d^ Kammer- 
departements Bialystpck, der I^etzdistrict mit Ausnahme der 
nördlichen Hälfte des Kreises Deutsch-Eirene und der nördlichen 
zwei Eünftheile des Kreises Cammin, von Westpreussen aiif dem 
rechten Weichselufer die Kreise Culm und Michelau mit Thom, 
aber mit Ausschluss von Graudenz mit den- drei genannten 
Dörfern. Jener südliche Theil des Kammerdepartementa Bialj- 
stock musste an den Kaiser von Eussland, den bisherigen Ver- 
bündeten PreussenSy abgetreten werden. Endlich wurde die Stadt 
Danzig mit einem Gebiete von zwei Lieues im Umkreise in ihre 
frühere Unabhängigkeit gesetzt '^®). 

In der elbinger Convention vom 10. November 1807, 
welche unter Yermittelung des Marschalls Soult zwischen 
d^n Bevollmächtigten Freussens und Sachsens ab- 
geschlossen wurde, wurde die Grenze Preussens gegen das Her- 
zogthum Warschau noch etwas näher bestimmt. Freussen gab 
in derselben seine Ansprüche auf die Michelau, welche es zu 
retten gehofft hatte, auf; die Ortschaften Strenatschin, Gelbudde 
Eehkrug wurden zu dem Freussen zugehörigen Gebiete von 
Graudenz geschlagen; von Graudenz an sollte die Grenze dem 
Thalwege des Flusses bis oberhalb Topolno, von hier den alten 
Grenzen des bromberger Kreises bis Waldau folgen f von Waldaa 
wurde sie südwestlich über Komirowske, an dem zempelburger 
See vorbei, durch den adlig vandsburger Wald, zwischen den 
Seeen von Lukowo hindurch auf Foln.-Euden, von hier an dem 
See von Fiesnowo vorbei längs den Seeen Grosssee, See von 
Fodruzen, Biala-See, See am Eusse des Teufelsberges, durch das 
Gehölz zur Küddow gezogen, passirte dieselbe zwischen Schneide- 
mühl und Koschutz, ging dann über Stowen, Fratzig, Schön- 
lanke, Stieglitz, Ascherbude und Mariendorf zur Netxe und 
folgte diesem Flusse bis zu den Grenzen der Nemnark. Die 
genannten Ortschaften sollten zu Warschau gehören, ausser Zem- 
pelburg, Komirowske, Foln.-Buden, Fiesnowo, Fodrusen, Lukowo, 
Koschutz und Mariendorf ^^^). Trotz dieser Convention blieben 



^^^ Martens, Suppl. au Bec. Vol. IV. p. 444. Not. Corp. Conitit. T. XII. 
p. 226 ff. Schubert S. 103, 104. 

'»») Leman a. a. 0. S. 213. 



Landesgrenzen. 257 

jedoch eine Eeihe von Grenzbezirken zwischen Freussen und 
Warschau strittig — namentlich auch das Amt Kammin^ welches 
von Napoleon noch vor dem tilsiter Frieden dem Marschall 
Mortier geschenkt worden war — ohne dass diese Streitigkeiten 
während der Existenz des Herzogthums Warschau zur Erledigung 
kamen 200). 

In einer zweiten elbinger Convention, die ebenfalls 
unter Yermittelung des Marschalls Soult zwischen den preus- 
sischen und danziger Commissarien am 6. December 
1807 abgeschlossen wurde, wurden die Grenzen des neuen Frei- 
staates Danzig näher bestimmt. Die Grenzlinie begann bei der 
Mündung des glettkauer Wassers nordwestlich von Danzig, zog 
sich, Schloss und Zubehör von Oliva einschliessend, an Konrads- 
hammer, Olivabaum, Strauchmühle, Schäferei und Romkau (Rom- 
bichau) vorbei zum Bache Strzelnicki, folgte diesem bis zur 
Eadaune, der Eadaune bis Praust, schlug sich von hier über 
Zipplau nach der Kladau hinüber, begleitete dieselbe bis zur 
Einmündung der Belau, stieg an dieser hinauf bis zum gütländer 
Hauptwall, dann an der Mottlau hinauf bis oberhalb Czattkau, 
wo sie sich mit der Weichsel verband. Längs des Thalweges 
der Weichsel stieg sie hinab bis zum danziger Haupte, längs 
des Thalweges der elbinger Weichsel zum frischen Haff; dann 
ging sie an den Ufern verschiedener Kampen und der Nehrung 
hinauf bis oberhalb des Dorfes Polsk, durchschnitt hier die Neh- 
rung und lief längs des Gestades der Ostsee bei Fahrwasser vorbei 
bis zum Ausgangspunkte. Auch die Halbinsel Heia bis in den 
Winkel des putziger Wycks hinein wurde als Besitzthum der 
Stadt Danzig anerkannt ^^ ^). 

Nach den glücklichen Erfolgen der Befreiungskämpfe der 
Jahre 1813 und 1814 und dem ersten pariser Frieden (30. Mai 
1814) war die Wiederherstellung Preussens in seinen 
früheren statistischen Yerhältnissen eine der wichtigsten Auf. 
gaben des in Wien zusammengetretenen Congresses der verbün- 
deten Mächte. Aber es war überaus schwierig, an 2000 QMeilen 



2"^ Leman a. a. 0. S. 36 fif. 

^°') Leman a. a. 0. S. 216. Blech, die siebenjährigen Leiden Danzigs 
von 1807—1814, Bd. 1, S. 314. 

17 



258 Neuere Zelt. 

zur Entschädigung Preussens für die im tilsiter Frieden yer* 
lorenen Länder auszumitteln, da Bnssland die polnischen Lande, 
welche damals das Herzogthum Warschau bildeten, ganz 
oder doch beinahe ganz zur Entschädigung für sich selbst ver- 
langte. Erst als Napoleon aus seiner Verbannung wieder nach 
Frankreich zurückgekehrt war, einigten sich Freussen und Buss- 
land zu Wien am 3. Mai 1815 über einen Theilungsyer- 
trag, welchem Oesterreich am 4. Mai beitrat, und welcher dann 
auch in die Schlussacte des wiener Congresses Tom 9. Jupi 
übergegangen ist. Die Kreise Culm und Michelau waren gleich 
nach der Vertreibung der Franzosen im Jahre 1813 mit West- 
preussen wiedervereinigt ; nach dem eben bezeichneten Vertrage 
sollte überdies der westliche Theil des Herzogthums Warschau 
dem preussischen Staate als Grossherzogthum Posen einyerleibt 
werden. Die Grenze zwischen Eussland und Freussen soUte 
demnach für Westpreussen von N"euhof bis Leibitsch dieselbe 
bleiben, wie sie nach der ersten Theilung Polens bestimmt war; 
von hier sollte sie in gerader Linie über Kompania, Grabowiec 
und Szytno (preussisch) zur Weichsel, von der Weichsel an 
Sluzewo (russisch) nördlich vorüber auf Gross - Opoczko an der 
ehemaligen Grenze des Netzdistricts gehen. Von hier an be- 
gleitete sie eine Strecke weit die Grenze des früheren Nets- 
districts über Chlewiska, Piasky, Chelmce, Kobylinka (westlich 
von Fetrikau, das bei Polen verblieb), über die Südspitze des 
Goploseees bis Woyczyn; von dem See bei Woyczyn wandte 
sie sich bei Orchowo, Powiedz (preussisch) und Slupce (russisch) 
vorüber nach der Einmündung der Prosna in die Warthe; der 
Prosna folgte sie dann, nur mit Ausnahme der nächsten Um- 
gebung von Ealisch, welche etwa eine Stunde Weges im Um- 
kreise auch auf dem linken Prosnaufer bei Bussland verbleiben 
sollte, durch die Städte Grabow, Wieruszow und Boleslawioe 
bis zur schlesischen Grenze 2^^). 

Noch näher wurde der Verlauf dieser Grenze in einem Ver- 
trage zwischen Freussen und Eussland vom 11. ^November 1817 
bezeichnet. Wir heben aus demselben, da uns eine nähere Ver- 



202) Urkunde yom 3f Mai 1815 in der Preuss. Oesetzsanunlimg, Jahig. 1815, 

S. 128 ff. Schubert S. 112. 



mmm 



Landesgrenzen. 259 

folgung der geographischen Verhältnisse des Grossherzogthmns 
Posen fern liegt, nur Folgendes hervor. Für die westpreussische 
Grenze von Neuhoff bis Leibitsch sollte der Besitzstand von 
1777 (nicht, wie es in dem früheren Vertrage hiess, von 1772) 
maassgebend sein. Von Leibitsch ab wird .die Grenzlinie der- 
gestalt gezogen, dass Qt)mowo, Nowawies, Kompania, Griflowo, 
Grabovicz und Silno mit ihren Feldmarken Preussen verbleiben, 
während Pastelnick, Opalniewo, Wrotyny, Obory, Smolniki, Li- 
powiec und Osieck mit ihren Feldmarken dem Königreich Polen 
angehören. Von dem Punkte auf dem rechten Ufer der Weichsel, 
wo die Grenze zwischen den Feldmarken von Silno und Osieck 
sie berührt, bis zu dem Punkte auf dem linken Ufer der 
Weichsel, wo der Bach Tonzyna (Kuf auf der Gillyschen Karte) 
in sie fällt, wird eine gerade Linie quer über das Strombette 
gezogen. Hierauf geht die Grenze in der Tonzyna aufwärts bis 
dahin, wo die alte Grenzlinie des !N"etzdistricts zwischen Neu- 
Grabia und Gosciejewo diesen Bach trifft 2^^). 



Zweiter Abschnitt. 

Elntheilung und Hauptorte des herzoglichen (seit 1701 königlichen) Preussen. 

Seit dem thorner Frieden (1466) war Königsberg die 
Residenz der Hochmeister und der Sitz ihrer Eegierung gewesen. 
Dort residirten seit dem krakauer Frieden (1525) auch die Her- 
zöge mit ihren vier obersten Würdenträgem, dem Hofmeister, 
dem obersten Burggrafen, dem Kanzler und dem Obermarschall, 
und mit ihrem Hofgerichte, welches anfangs aus sechs bis acht 
Käthen bestand. In wichtigen Angelegenheiten wurden ausser- 
dem vor Allen die Hauptleute der vier der Hauptstadt nächstge- 
legenen Aemter Brandenbuig, Schaaken, Fischausen und Tapiau 
zu Rathe gezogen 2°*). Dorthin wurden meistentheils auch die 
Stände des Landes, Bischöfe und Landräthe, Eitterschaft und 
Adel und Städte zu den Landtagen versammelt, wiewohl hin 



^°^) Urkunde vom 11. November 1817, Preuss. Gesetzsammlung 1818, 
8. 9 fif. Schubert S. 128. 

*04) Vgl. die Regimentsnotel von 1542 in den Privü. der Stände, fol. 53 b. 

17* 



260 Notiere Zeit 

und wieder auch Landtage in Bartenstein, Friedland, Heiligen- 
beil und anderen kleineren Städten yorkommen. 

1. Die drei Kreise. 

Die umfassendste Eintheilung de& Landes war die. in die 
drei Kreise Samland, Natangen und Oberland. Schon 
in der Ordenszeit waren diese Namen in ähnlicher Bedeutung 
gebraucht; jetzt wurde die Eintheilung markirter und für das 
tägliche Leben bedeutungsvoller. Wenn der Gegensatz de^^ 
oberen Lande zu den niederen schon in der Ordenszeit geläufig 
war, die Ausdehnung der ersteren gegen die Weichsel und gegen 
das Culmerland hin aber wechselnder Auffassung anheimgegeben 
blieb, so begrifP jetzt das Oberland bestimmt diejenigen Land-. 
Schäften, welche von Ermeland, dem polnischen Preussen und 
Masovien eingeschlossen waren , sammt. dem Amte Ortelsbu^ 
welches ja auch in Ordenszeiten zur Comthurei Elbing gehört 
hatte. Ebenso wendete man den Namen Samlands jetzt unbe- 
zweifelt auch zur Bezeichnung der östlichen und nördlichen 
Aemter des Landes längs der lithauischen Grenze an. Die Kreis- 
eintheilung hatte in der herzoglichen Zeit besondere Wichtigkeit 
für die ständischen Angelegenheiten. Wir kennen Kreisver- 
sammlungen und Kreisdeputationen zu den verschiedensten Ver- 
richtungen. Als Kreishauptstädte galten in Samland Königsberg, 
in Natangen Bartenstein, im Oberlande Salfeld^^*). 

2. Die Hauptämter mit den in ihnen enthaltenen 

Kirchspielen. 

Die Haupteintheilung Preussens in der herzoglichen Zeit war 
die in Aemter. Sie ist nicht künstlich gemacht, sondern hat 
sich auf natürlichem Wege aus derjenigen entwickelt, welche 
wir für die Ordenszeit kennen gelernt haben. Nach dem thomer 
Frieden hatte es einige Zeit den Anschein, als sollte auf dem 
beengteren Gebiete des Ordenslandes die Zahl der Comthnre 
noch vermehrt werden ; wir finden unmittelbar nach dem Kriege 



^°^) Näheres hierüber m memen Mittheilungen über die ständischen Yer^ 
hältnisse Preussens in Raumers Hist. Taschenbuch, Jahrg. 1847, S. 4i4; Jahrg. 
1849, S. 470, 611, 551 ff. 559, 564, 675. 



Das herzogliche Preussen (Hauptämter). 261 

Comthure auf den Schlössern zu Pr.-Holland, Morungen, Deutsch- 
Eilau, Neidenburg 20Ö) , eine Zeit lang auch wieder in Rhein, 
aber nur vorübergehend , und im Jahre 1499, nach der Wahl 
des Herzogs Friedrich von Meissen zum Hochmeister, gingen 
auch die Comthureien Brandenburg und Balga ein, die nun zu 
den Kammei^tem des Fürsten gezogen wurden ^o^). Dasselbe 
Schicksal hatte einige Jahre später auch die Comthurei Eagnit, so 
wie .noch einige andere Aemter 208). Seitdem kommen Comthure 
jiur noch in Memel und Osterode vor, und die früher den Com- 
thuren untergeordneten Bezirke der Yögte, Pfleger und Haus- 
comthure scheinen nun unter der unmittelbaren Aufsicht des 
Hochmeisters verwaltet zu sein. Die Verwalter derselben er- 
hielten sehr gewöhnlich schon den I^amen Hauptleute 2^^). 

Die Aemtereintheilung der herzoglichen Zeit umfasste aber 
nicht bloss das früher dem Orden unmittelbar zugehörige Gebiet, 
sondern auch die Territorien der beiden Bischöfe von Sa ml and 
und Pomesanien. !N"ach ihrem Uebertritt zu Luthers Lehre 
traten beide ihre Landesherrschaften dem Herzog ab; Georg von 
Polentz, der Bischof von Samland, that dies sogleich auf dem 
Huldigungslandtage am 30. Mai 1525 ^JO), der Bischof von Po- 
mesanien, Erhard Queis, am 23, October 1527^**). 

Nun finden sich nach dem Jahre 1525 die früheren Amts- 
bezirke der Vögte, Pfleger und Hauscomthure fast 
ohne Ausnahme als herzogliche Aemter wieder. Nur 
hie und da machten die Umstände einige Aenderungen erforder- 
lich. Das Pflegeramt Kreuzburg ging als eigener Verwaltungs- 
bezirk ein und wurde zu den benachbarten Gebieten geschlagen. 
Einige andere der älteren Amtsbezirke wurden zerlegt und so 



208) Voigt Bd. 9, S. 3, 4. Vgl. den Namenscodex. 

207) Voigt Bd. 9, S. 244. Vgl. Namenscodex S. 21, 24. 

208) Voigt Bd. 9, S. 472. Vgl. Namenscodex S. 47. 

20^ Zahlreiche Beispiele im Namenscodex. Der beschriebene Zustand 
spiegelt sich in dem Defensionsplan des Ordens yon 1506 bei Voigt Bd. 9, 
S. 329, 330 deutlich ab. 

2^0) Gebser, Gesch. der Domkirche zu Königsberg, S. 292. 

2") Jacobson, Evang. Kirchenrecht von Preussen, S. 23 und (1). Der 
Bischof tritt hier ab sein „Stift Pomesanien, als die Aemter Biesenburg, Pr.- 
Mark und Marien werder". Pr.-Mark hat nie zu dem Territorium des pome- 
sanischen Bischofs gehört; es mag im Pfandbesitz des Bischofs gewesen sein. 



262 Neuere Zeit. 

die neuen Aemter Liebstadt, Hohenstein, Stradaunen (spater 
Oletzko) gebildet. Das bischöflich pomesanische Territoriam 
wurde in die Aemter Marien werder , Eiesenburg und Bosenberg 
getheilt, die zerstreuteren Landgebiete des samlandischea Bvh 
thums wurden theils mit vorhandenen Aemtem vereinig^, theib 
gaben sie zu der Begründung der Aemter Fischausen und Neu* 
hausen Veranlassung. An der Spitze jedes Amtes stand ein 
Hauptmann 2*2), welcher noch, wie früher die Comthure, ziemlioh 
alle Zweige der Verwaltung in seiner Hand vereinigte**^ 
Einige Amtsbezirke waren schon vor dem krakauer Prieden in 
erblichen Privatbesitz übergegangen, wie namentlich Gerdaoen; 
sie bestanden nun als Erbämter neben den Hauptämtern fort 
und wurden nach 1525 noch durch einige vermehrt. 

Aus dem Gesagten ergiebt sich, dass die Zahl der Aemter 
nicht immer ganz dieselbe gewesen ist; allein die längste Zeit 
haben doch folgende vierunddreissig Haupt- und fünf 
Erbämter neben einander bestanden: 

I. Zum samländischen Kreise gehörten ausser der Stadt Kö- 
nigsberg , die zu keinem der Aemter gerechnet werden kann, fol- 
gende neun Hauptämter: Schaaken, Fischausen, Tapiau, Neu- 
hausen, Labiau, Insterburg, Ragnit, Tilsit, Memel. 

n. Zum natangischen Kreise gehörten dreizehn Hauptämter 
und zwei Erbämter. Die Hauptämter: Brandenburg, Balga, Pr.- 
Eilau, Bartenstein, Eastenburg, Oletzko, Barten, Angerburg, Lyok, 
Johannisburg, Ehein, Lötzen, Sehesten; die Erbämter: Gerdauen 
und Neuhof. 

ni. Zum oberländischen Kreise gehörten zwölf Hauptämter 
und drei Erbämter. Die Hauptämter: Pr.- Holland, Morongen, 



^12) Nur an den Aemtem Scliaaken und Fischausen hafteten die Titel 
Landyogt von Samland und Vogt in Samland. 

»*3) Vgl. die Amtsartikel yon 1642 bei Grube, Corp. Constit. P. II. n. 11, 
p. 237 £f., und Installirung eines Amtshauptmanns (etwas später) ebenda n. 48, 
p. 313. Aus der Instruction für die Hauptleute yon 1698 giebt Fr. Schneider 
in dem Programm des tilsiter Gymnasiums von 1844 einige Mittheilnngen. 
Kur ausnahmsweise erhielten Edelleute, welche blosse Kammerämter yerwal* 
teten, den Titel Hauptmann, wie Andreas Rippe zu Kaymen 1542. Priril. 
der Stände, fol. 56a. Mehrmals ist namentlich Taplaken yon Hauptleuten 
verwaltet , z. B. unter Herzog Albrecht Friedrich, ygl. meine AbhandL in 
Baumers Hist. Taschenbuch 1849, S. 497, und unter dem grossen KorfBirten, 
Tgl. Hartknoch, A. und N. Preussen, S. 662. 



m 



Das herzogliche Preussen (Hauptämter). 263 

Liebstadt, Pr. - Mark, Liebemühl, Osterode, Hohenstein, Marien- 
werder, Riesenburg, Neidenburg, Soldau, Ortelsburg; die Erb- 
ämter: Eosenberg, Deutsch-Eilau, Gilgenburg 2**). 

Nach der IN'ationalität der Bewohner unterschied man 
im samländischen Kreise die lithauischen, in den beiden anderen 
Bereisen die poinisclien Aemter von^en deutschen. Die lithaui- 
schen Aemter waren: Insterburg, Bagnit, Tilsit und Memel; die 
polnischen Aemter Natangens: Angerburg, Lötzen, Ehein, Sene- 
sten, Oletzko, Neuhof, Lyck, Johannisburg ; die polnischen Aemter 
des Oberlandes: Osterode, Hohenstein, Gilgenburg, Soldau, Nei- 
denburg, Ortelsburg 2*5), lieber die Ausbreitung der Polen oder 
der polnischen Sprache in diesen Aemtern sind wir ganz im 
Dunkeln 2*®); der Name Masuren war für die Bewohner dieser 
Gegenden im achtzehnten Jahrhundert noch ungebräuchlich. 
Mehrere der Hauptämter wurden früh und dauernd unter 
einem Hauptmann vereinigt, namentlich Pr.-Eilau und Bar- 
tenstein, Morungen und Liebstadt, Pr.-Mark und Liebemühl, 
Marienwerder und Eiesenburg, Osterode und Hohenstein, Neiden- 
burg und Soldau 2*^). Die Bedeutung der Hauptämter nahm 
gegen Ende des siebenzehnten Jahrhunderts ab, als Militär- und 
Finanzwesen des preussischen Staats auf neuen Grundlagen ein- 
gerichtet wurden. Im Jahre 1752 wurden die Hauptämter 
aufgehoben, doch liegt ihre Eintheilung mehreren der spä- 
teren administrativen Eintheilungen zu Grunde. 

Den Umfang der einzelnen Aemter kennt man aus 
älteren und neueren zum Theil sehr ausführlichen Karten 2^®) 
genau. Grenzbeschreibungen derselben, wie wir sie für einzelne 



*^*) Eine Torläufige, beinahe vollständige Uebersicht der Aemter kann man 
aus den Unterschriften in den Urkunden Ton 15i0, 1542 und 1609 in den 
Privil. der Stände, fol. 49 b, 56 a, 108 erlangen. Man darf sicli nicht daran 
stossen , dass hier die Hauptämter Labiau und Neuhausen und die Erbämter 
Neuhof und Gerdauen nicht aufgeführt sind. Auch yergleiche man Jac. Ly- 
dicii Notit. ducat. Prussiae, Wittebergae 1677, p. 110 ff., wo nur Liebemühl 
neben Pr.-Mark und die Erbämter Gilgenburg, Schöneberg und Neuhof nicht 
genannt sind. 

»»*) Bock, Staat ron Preussen, Berlin 1749, S. 105. 

'^8) Schubert, Staatskunde von Preussen, Bd. 1, S. 456, meint, sie habe vor- 
züglich erst seit dem sechzehnten und siebenzehnten Jahrhundert stattgefunden. 

^^^) Näheres hierüber ergiebt das Verzeichniss der Amtshauptleute etc. von 
Meckelburg in den N. P. P. Bl. 1856, Bd. 2. 

^'^ Hieher gehören die zwischen 1663 und 1666 entworfenen Aemter- 



264 Neuere Zeit 

Amtsbezirke aus der Ordenszeit kennen, scheinen nicht vor- 
handen zu sein. Dagegen findet man oft die zu jedem Amte 
gehörigen Kirchspiele aufgezählt. Wir lassen diese 
Uebersicht hier folgen, indem wir zugleich so weit als thunlich 
das Alter der Kirchen berücksichtigen und nachweisen, welche 
Städte in der herzoglichen und königlichen Zeit neu gegründet 
sind, um so wie in der vorigen Periode eine geographische Ueber- 
sicht von dem Fortschreiten der deutschen luid christlichen 
Cultur zu geben. Wir bemerken dabei im Voraus, dass in dem 
westlichen Theile des samländischen und natangischen Kreises 
(wenn man von Königsberg absieht) und in dem ganzen ober- 
ländischen Kreise fast sämmtliche Kirchen schon in der Ordens- 
zeit gegründet, ja dass einige früher vorhandene Kirchen dieser 
Gegend in spateren Zeiten eingegangen sind, wogegen wir in 
dem östlichen Theile des samländischen und natangischen Kreises 
eine grosse Anzahl von Kirchspielen antreffen, die erst in der 
herzoglichen oder königlichen Zeit gegründet sind. Auch die in 
diesem Zeitraum neu begründeten Städte gehören fast ausschliess- 
lich diesem Theile des Landes an. Wenn die grössere westliche 
Hälfte des Landes seine deutsche und christliche Cultur den 
Eittem des deutschen Ordens zur Zeit der Herrschaft des Pabst- 
thums verdankt, so verdankt die kleinere östliche Hälfte des 
Landes ungefähr denselben Fortschritt der Eegierung der Herzoge 
und Könige aus dem Hause HohenzoUem nach der Eeformation^'®). 



karten von Joseph Naronski, deren mehrere im geh. Archiv bewahrt werden. 
VgL Selasinski, Ueber Landkarten Ost- und Westpreussens, in den N. P. Pr.- 
Bl. 1848, Bd. 2, S. 379 ff. Vollständig dargestellt ist die Aemtereintheilimg 
zuerst auf der yon der Akad. d. Wissenseh. zu Berlin 1763 herausgegebenen 
Karte Begnum Borussiae und darnach im Schrämbischen allgemeinen Aüaa. 

^^^ Wir entnehmen die Uebersicht der > Kirchspiele in den Aemtem an« 
folgenden Quellen: 1) Consignation sämmtlicher Kirchen im Hersogthnm 
Preussen, etwa von 1660, mit Nachträgen yon etwa 1720, unter den prenn. 
Staatscollectaneen im geh. Archiy, fol. 112 , S. 663 — 668. Verschieden von 
dieser Consignation, aber jedenfalls späteren Ursprungs ist das VeneichniMy 
welches Faber für die Topographie des Regierungsbezirkes Königsberg 1820, 
p. XXIV sq. benutzte. Die Anzahl der Kirchen in den einzelnen Aemtem 
giebt auch die Tabelle bei Lydicius p. 170, nicht ganz yollstandig abgfedmckt 
bei Hartknoch , Kirchenhist. S. 648 , 649. 2) Verzeichniss der KiirehspielA 
bei Grube, Corpus constitut. Prutcn. (1721), P. I. p. 149 sq. 3) Yerxeiobniss 
derselben im £rl. Preussen (1727), Bd. 4, S. 563. - 4) Amoldts Nachriehten 
yon allen seit der Reformation an den lutherischen Kirchen in Ostprenssen 
gestandenen Predigern, herausgegeben yon Bennfeldt 1777. Das letzte Weck 
ist namentlich für die Geschichte der Entstehung der Kirchen yon Wichtigkeit. 



Das herzogliche Preossen (Kirchspiele). 265 

Die drei Städte Königsberg, welche im Jahxe 1724 zu 
einer vereinigt wurden, besassen in diesem Jahrhundert zehn 
Dörfer und fünfzehn Vorwerke, welche grösstentheils in drei 
besondere städtische Aemter, nämlich Arensberg, Ottenhagen 
und Neuendorf, vertheilt waren 2^^). Vor der Eeformation be- 
fanden sich in denselben folgende Kirchen : die Nicolaikirche auf 
dem Steindamm (später polnische Kirche), so alt als die Stadt 
selbst 2^0, die Nicolai-Pfarrkirche in der Altstadt, gegen Ende 
des dreizehnten Jahrhunderts erbaut ^^2), die Pfarrkirche im Löbe^ 
nicht zu St. Barbara, um 1333 erbaut ^2 3)^ ^ie Domkirche im Ejieip- 
hof, in derselben Zeit erbaut, die Kirche im Schlosse, wahrschein- 
lich etwa so alt, als das Schloss selbst ^^^) , die Kirchen des alt- 
städtischen St. Georgenhospitals, gegründet 1329^25)^ imd des 
löbenichtschen Nonnenklosters, welches, 1349 gestiftet, von Her- 
zog Albrecht 1531 zu einem Hospital bestimmt wurde 226). Auch 
die Elisabethkirche auf dem Sackheim, welche später der lithaui- 
schen Gemeinde eingeräumt und 1807 eingegangen ist, reicht 
bis in die Ordenszeiten hinauf 227), Jxa siebenzehnten Jahrhun- 
dert entstanden sechs lutherische Kirchen: die haberbergische 
1601, die rossgärtner 1623, die tragheimer 1632, die sack- 
heimer 1640, die neurossgärtner 1647, und die Eestungskirche 
1671; etwas später drei reformirte: die Burgkirche 1690, die 
polnisch - reformirte 1702 (bis 1812) und die Waisenhauskirche 
auf dem Sackheim 1705 (bis 1809). Auch den Katholiken wurde 
1612 wieder eine Kirche zugestanden 228), Die Stadt hatte das 
Patronat über fünf auswärtige Kirchen: Neuendorf, Steinbeck, 
Ottenhagen, Seeligenfeld und Lichtenhagen. 

Das Hauptamt Eischausen enthielt um die Mitte des 



220) Ygl. Goldbecks Topographie yon Ostpreussen, S. 8. 

2«») Dusburg m. c. 70, 71, 101. 

*") Faber, Königsberg, S. 41. 

**') Faber, Königsberg, S. 91. Vgl. die Urkunde yon 1443 bei Jacobson, 
Kath. Kirchenrecht, S. (267). 

«**) Faber, Königsberg, S. 23. 

"») Faber a. a. 0. S. 145 fif. 

*««) Faber a. a. 0. S. 95. 

*") Faber a. a. 0. S. 122. 

^^^ Vgl. über die Kirchen Königsbergs ausser Amoldts auch Rhesa's Pres- 
byterologie und Fabers Königsberg. Lydicius zählt 1677 dreizehn Kirchen. 



266 Neuere Zeit. 

siebenzehnten Jahrhunderts zehn Kirchen, sämmtlich herzoglichen 
Patronats : Eischausen, G-ermau, H. Kreuz, Thierenbergy Kumehnen, 
Medenau, Laptau, Powunden, Albrechtsdorf und Pillau. Die 
meisten dieser Kirchen sind im dreizehnten und '^erzehnten 
Jahrhundert erbaut ^^ 9) ^ Die Kirche zu Scheute, nicht weit von 
der Südgrenze des dem Orden 1466 verbliebenen Theiles der 
Nehrung gelegen, ging um 1583 ein^^o). Wahrscheinlich ia 
Stelle derselben gründete Markgraf Georg Friedrich im Jahre 
1598 die Kirche zu Alt -Pillau, welche 1674 erneuert ist, als 
Filiale von Albrechtsdorf, später Lochstadt. Albrechtsdorf , von 
dem Ordensmarschall Ludwig von Lanse im Jahre 1422 zum 
Andenken an den heiligen Adalbert, der hier erschlagen sein 
soll, gegründet, stürzte im Jahre 1669 bei einem gewaltigen 
Sturme ein, worauf der Gottesdienst nach der Kapelle in dem 
alten Schlosse Lochstet verlegt wurde ^^ *). Unter den Städten 
des Hauptamtes Pillau stammte Fischauson aus der Ordenszeii 
Neben der von den Schweden 1626 angelegten Festung Pilka 
erhob sich ein Flecken, welcher im Jahre 1725 von König Fried- 
rich Wilhelm I. Stadtrecht erhielt, und in demselben neben der 
lutherischen, um 1681, eine reformirte Kirche ^^2). Das Haupt- 
amt Fischausen umfasste demnach von den drei Landestheüen 
der bischöflichen Kirche in Samland den westlichen ganz und 
den mittleren mit Ausschluss der Kapitelsgüter im Süden, aus- 
serdem aber die Bezirke von Germau, Lochstet und Pillau, welche 
sämmtlich dem Orden zugehört hatten. Es bestand aus zwei 
von einander getrennten Stücken. 

Das Hauptamt Schaaken, dessen Hauptmann sich alter- 



'^^) Einige Notizen über das Alter der samländischen Kirchen giebt Qe- 
bauer in den N. P. P. Bl. 1849, Bd. 2, S. 75. 

230) Toppen, die frische Nehrung, in den N. P. P. Bl. 1852, Bd. 1, 8. 108. 
Arnoldt, Kirchenhist. S. 370. 

"1) Voigt Bd. 1, S. 663. Ehesa, Presbyterologie für Ostpreussen, 8.49, 60. 

232) Amoldts Presb. S. 167. Khcsa's Presb. S. 26. In der Consignatioii ete. 
ist weder die Filialkirche Alt-Pillau, noch die Kirche in der Festung PiUiii 
erwähnt, also nur neun Kirchen angeführt. Grube und das £rl. Prenssen 
fügen Alt-Pillau hinzu, haben also zehn Kirchen, übereinstimmend mit Lydicins. 
Die Kirche in der Festung Pillau ist überall übersehen, weil sie nicht siir 
Iiispcction Fischausen gehörte. Erl. Preuss. Bd. 4, S. 851. Fehlerhaft aber 
ist in der Topographie des Begierungsbezirks Königsberg von 1820 p. XXIY. 
die Kirche Powunden ausgelassen. 



Das herzogliche Preussen (Kirchspiele). 267 

thümlich Landvogt auf Samland, wie der Hauptmann von Fisch- 
ausen Yog^ auf Samland in Fischausen nannte, zählte um die 
Mitte des siebenzehnten Jahrhunderts folgende zehn Kirchen: 
Schaaken, Postniken, Kaymen, Inse, Sarkau mit der Filialkirche 
Kunzen, Rudau, Pobethen, St. Lorenz, Juditten, Wargen 2^^). 
Inse, am östlichen Ufer des kurischen Haffs, nahe der Gilge- 
mündung gelegen, war firüher filia des auf der kurischen Neh- 
rung fast gegenüber gelegenen Eunzen, wurde aber 1579 von 
Xunzen getrennt, erhielt 1583 eine eigene Kirche, und wurde 
1684 mit der Kirche zuKallninken verbunden ^^*). Die Kirchen 
Sarkau und Kunzen haben von jeher zusammengehört; anfangs 
war Kunzen die Mutterkirche, einige Zeit auch Sarkau, dann 
wieder Kunzen. Zu Rossitten gab es im sechzehnten Jahrhun- 
dert bis 1605 eine eigene Kirche, die dann aber mit Kunzen 
und Sarkau vereinigt wurde ^^ 5). Seit dem Anfange des neun- 
zehnten Jahrhunderts, nach der Versandung von Kunzen, ist 
Rossitten der Hauptort der drei Kirchspiele. Ausser Inse 
stammen alle Kirchen des Amtes sicher aus der Ordenszeit ^^o) ; 
adligen Patronats ist keine. Das Hauptamt Schaaken bestand 
nach allem dem aus drei getrennten Stücken, einem zwischen 
dem westlichen und mittleren Bischofstheile mit der kurischen 
Nehrung, einem im Osten des mittleren Bischofstheiles und einem 
auf der Mündungsinsel der Memel. 

Zu dem Hauptamte Neuhausen gehörten fünf Kirchen: 
Neuhausen, Quednau, Heiligen wal de, Schönwalde und Arnau^^^). 
Es umfasste mithin das Hauptstück des Kapitelsgebietes und 
einige östlich anstossende Bezirke. Alle genannten Kirchen be- 
standen schon vor der Reformation, Arnau ist adligen Patronates. 



*'3) In der Consignation etc. fehlen Sarkau und Kunzen, doch zeigt die 
Erwähnung yon Inse, dass sie alt und origmal ist. Vgl. Hennenberger, Seeen 
und Ströme, S. 12, 13. Bei Grube, im £rl. Preussen und anderwärts ist die 
Erinnerung an Inse als Schaakensche Kirche schon geschwunden, wogegen hier 
Sarkau und Kunzen angeführt werden, also zehn Kirchen, wie bei Lydicius. 

^*) Amoldt, Presbyterologie, S. 145. Hennenberger, S.eeen und Ströme etc. 
S. 12, 13, scheint diese Aenderungen übersehen zu haben. 

"5) Amoldt, Kirchenhist. S. 370. 

W6) Ueber Juditten ist viel geschrieben; man vergleiche besonders N. P. 
P. Bl. 1845, S. 725 ff.; Jahrg. 1853, Bd. 2, S. 367 ff. 

^^f) Es ist nicht abzusehen, warum Schönwalde in der Consignation etc. 
übergangen ist. 



268 Neuere Zeit 

Das Hauptamt Tapiau zerfiel in achtzehn Kirchspiele. 
Darunter waren drei städtische: Welau, Allenburg und TapiaiL 
Die jüngste unter diesen drei Städten ist Tapiau; sie erhielt erst 
im Jahre 1722 unter König Friedrich Wilhelm I. Stadtgerechtig- 
keit^^^). Yen den übrigen waren noch neun (im Gkmzen also 
zwölf) königlichen Patronats: Böttchersdorf , SIL-Schönau, Gr.- 
EngelaUy Paterswalde , Goldbach , Grünheim (auch Grünheide), 
Petersdorf, Kremitten, Plibischken. Petersdorf war früher Filiale 
von der Kirche zu Alt-Welau, welche im Jahre 1534 abgebrcoheii 
ist 230). Gr.-Engelau, früher Filiale von Kl.-8chönau, ist 1612 
eine selbstständige Kirche geworden 2*°). Eine Kirche zu Cort- 
medien ging 1601 ein, wogegen zu Allenburg ein Diaconus ein- 
gesetzt wurde 2* ^), Die übrigen fünf Kirchen sind adligen Pä- 
tronats : LÖwcnhagen, Starkenberg, Schönwalde, Auklitten, Pusch- 
dorf. Löwenhagen war in früheren Zeiten Filiale von Borchers- 
dorf im brandenburgischen Amte. Schönwalde scheint immer 
ein Filiale von Auklitten gewesen zu sein. Ob die dem Mar 
gistrat zu Königsberg zugehörige Kirche zu Ottenhagen süm 
tapiauschen oder brandenburgischen Amte gehörte, lassen wir 
unentschieden 2* 2). 

In dem Amte Labia u gab es um die Mitte des sieben- 
zehnten Jahrhunderts nur vier Kirchspiele: Labiau, Letten, 
Laukischken (seit der Erbauung des Schlosses durch den Mark- 
grafen Georg Friedrich 1581 auch Friedrichsburg genannt)***) 
und Popclken. Später kamen noch die Kirchspiele Skaisgirren, 
dessen Kirche 1693, und Gilge, dessen Kirche 1707 eingeweiht 



238^ Die Immunitäten der Städte Stallupöhnen, Tapiau, Bagnit, Bialla, Ni- 
colayken bestimmte ein königl. Patent yom 6. April 1722, angeführt yon Wemar, 
Foleogr. praef. S. 6. Ueber Tapiau ygl. Goldbeck, Topogr. S. 13. Boek, 
Einleitung in den Staat yon Preussen, S. 113. 

238) Arnoldt, Presb. S. 75. 

"0) Ebenda S. 71. 

2«i) Arnoldt, Eirchenhist. S. 369, wo Pesselen in Pestlin, Pittalken is 
Petelkau zu ändern 'ist. 

2^2) Jene siebenzehn Kirchen werden in allen Verzeichnissen, die Zahl 
ebenso yon Lydicius angegeben. In der Consignation steht Ottenhagen unter 
dem Amte Tapiau, wiewohl es gleichzeitig auch bei Brandenburg (Mottenhagen 
geschrieben) yorkommt. Auch bei Grube steht Ottenhagen unter dem Hanpt- 
amte Tapiau. 

**') Hennenberger S. 249. 



Das herzogliche PreuBsen (Kirchspiele)« 269 

ist^**), hinzu 2*5). Der Flecken Labiau , an der Wasserstrasse 
gelegen, auf welcher der Verkehr zwischen Lithauen und Königs- 
berg fast ausschliesslich betrieben wurde, erhielt im Jahre 1642 
Stadtrecht 2*0). 

Unter allen Hauptämtern das umfangreichste war Inster- 
burg. Es umfasste ausser dem ehemaligen Pflegeramte Inster- 
burg auch die östliche abgesonderte Parcelle der • bischöflichen 
und Kapitelsbesitzungen oder die Kammerämter Georgenburg 
und Salau^*'). Die fünf Städte dieses Amtes sind sämmtlich 
erst nach den Zeiten des deutschen Ordens gegründet, Goldapp 
und Insterburg in der herzoglichen Zeit, die drei andern unter 
König Eriedrich Wilhelm I. Goldapp, auf angerburgischem Boden 
liegend, aber doch zum Hauptamt Insterburg gerechnet, ist im 
Jahre 1567 vom Herzog Albrecht gegründet 2*8), erhielt aber seine 
städtische Handfeste erst im Jahre 1570 2*^). Die Stadt Insterburg 
ist im Jahre 1572, also in der Zeit des Herzogs Albrecht Fried- 
rich, gegründet 2-^0). König Friedrich Wilhelm I. erhob in diesem 
Amte zuerst Stallupöhnen 1722, dann Darkehmen 1724, endlich 
Gumbinnen 1725 25 ') in die Eeihe der Städte. Die Bildsäule des 
Königs zu Gumbinnen ist ein wahrhaft königliches Denkmal in 
der Mitte grosser Schöpfungen. Von den Kirchen dieses Haupt- 
amtes können nur wenige bis in die Zeiten der Ordensherrschaffe 



2") Amoldt, Presb. S. 56. 

^*^) Die Consignation etc. giebt nur jene yier Kirchen, Ombe und das 
£rl. Preussen dagegen sechs, aber auffallender Weise auch schon Lydicius 
(1677) sechs. 

^*^) Goldbeck, Topogr. S. 14. Beschreibung des Schlosses und der Stadt 
Labiau im Erl. Preussen, Bd. 2, S. 706. 

**') Dies ist in dem Verzeichniss bei Ghrube ausdrücklich herrorgehoben ; 
in allen Verzeichnissen stehen die yier Kirchen dieser beiden Kammerämter 
nebeneinander. Wenn in einer Urkunde von 1609, Privil. der Stände fol. 108, 
gewisse Bevollmächtigte ex districtibus Tapiavien. Insterburgen. Taplaken. 
Salau et Georgenburg angeführt werden, so wird man hieraus nicht folgern 
können, dass Salau und Georgenburg damals Hauptämter gewesen seien. 

248) Hennenberger S. 142. 

240) Werner, Poleographia, Spec. IV. Goldapp. Schröder, Beschreibung der 
Stadt Goldapp, im Preuss. Archiv Bd. 2. Die Handfeste ebenda S. 288. 
Schröder, Chronik der Stadt Goldapp, in den P. P. Bl. 1832, Bd. 7, 
S. 433. 

250) Hennenberger S. 160. Hennig, Topogr .-bist. Beschreibung der Stadt 
Insterburg, Königsberg 1794. Kossmann, Beschreibung von Insterburg. 

"') Goldbeck, Topogr. S. 29, 30. Vgl. Bock, Einleitung, S. 117. 



270 



Nenore Zoit. 



zurückgeführt werden, drei auf dem bischöflichen und Kapitels- 
gebiete : Georgenburg, Salau und Gr.-Anluwöhnen, sechs auf dem 
Ordensgebiete: Insterburg, Norkitten, Gumbinnen, Kattenan, 
Küssen, Gawaiten; wenigstens kann man nicht bestimmt naeh- 
weisen, dass sie erst im sechzehnten Jahrhundert, in dem sie 
sich Torflnden, gegründet sind. Zu diesen neun Kirchen kamen 
im sechzehnten Jahrhundert acht andere: Kraupischken oder 
Breitenstein um 1555, Pillupöhnen um 1557, Goldapp 1568 
(1564), Szitkehmen 1579, Stallupöhnen, Toimingkehmen ond 
Nemmersdorf, alle drei 1589 (in welchem Jahre auch Pillupöhnen 
und Szitkehmen erst vollendet wurden), Gr.-Ballethen 1599. Im 
siebenzehnten Jahrhundert zehn neue: Muldzen 1603, Walter- 
kehmen 1607, Gr.-Eudupöhnen (später Enzuhnen genannt) 1608, 
Darkehmen 1615, Mebudzen 1619, Georgeika oder Dubeninken 
1620, Ischdaggen 1633, Kl.-Szabienen wohl noch vor 1660*"), 
Ditlaken 1665^53)^ Kiessowen 1684, Mehlkeim 1692. G^^en 
Ende des siebenzehnten oder im Anfange des achtzehnten. Jahr- 
hunderts (vor 1721) wurden die drei reformirten Kirchen zu 
Insterburg, Szadwetschen und Jutschen gegründet 2^*). Im acht- 
zehnten Jahrhundert kamen noch folgende lutherische Kirchen 
dazu: Bilderwetschen , Pelleninken, Malwiszken, Jodlanken, 
sämmtlich im Jahre 1718 gegründet 2^^) , Wilhelmsberg oder 
Podzobnen 1724, Szirgupöhnen 1725^56), Gerwiszkehmen 1730, 
Berskallen 1736 (bis 1756 Filial von Salau) 2»^. Die Be- 



*^^) Kl.-Szabienen ist die jüngste der in der Consignation etc. enrähnten 
Kirchen. Da Kraupischken in derselben fehlt, so zählt sie nur Tienmd- 
zwanzig. 

2&3^ Lydicius hat im Jahre 1577 schon siebennndawanzig Kirchen. Die 
siebenundzwanzigste yermögen wir nicht zu ermitteln. 

2^^) Amoldt, dem das Alter der übrigen Kirchen entnommen ist, übergeht 
sie in seiner Presbyterologie, wie alle reformirten Kirchen. Bei Grube (1791) 
sind sie schon erwähnt. 

**5) Die bis hieher genannten fünfunddreissig Kirchen zählt Grube (1781) 
YoUständig auf. 

23^ Im Erl. Preussen werden im Jahre 1727 mit Eecht siebenunddreissig 
Kirchen aufgeführt, aber Fodschollen statt Fodzohnen und Birkupehnen statt 
Szirgupöhnen scheinen Druckfehler zu sein. 

^^^ Bock, Einleitung in den Staat yon Preussen, dessen Angaben Über die 
Zahl der Kirchen in den Hauptämtern augenscheinlich aus dem Erl. Preussen 
entnommen sind, führt doch S. 116 für Insterburg schon dreiundTierzig Sjxehen 
an; aber mit welchem Becht? 



Das herzogliche Preussen (Kirchspiele). 271 

völkerung dieses und suideriBr lithauischer Aemter hat wohl 
schon in der herzoglichen Zeit auch durch Einwanderung be- 
trächtlich zugenommen. Ein Hauptzug, der sich namentlich in 
den Hauptämtern Insterburg, Memel und Tilsit niederliess, kam 
in der Zeit des Königs Friedrich Wilhelm I. aus Salzburg 
(1732)2^®). Fast sämmtliche Kirchen des Amtes sind königlich, 
um 1660 waren nur Kl. - Szabienen und !N'orkitten adlig, dazu 
kam später noch das ursprünglich königliche Niebudzen. Dit- 
laken ward adlig fundirt, wurde aber 1731 königlich. 

Das Hauptamt Ragnit, welches in die Stelle der Ordens- 
comthurei Bagnit getreten war, enthielt bis zum Anfange des 
achtzehnten Jahrhunderts keine Stadt. König Friedrich Wil- 
helm I. hat sich au6h hier unvergängliches Andenken geschaffen. 
Er verHeh drei Ortschaften : Ragnit 1722, Pilkallen 1724, Schir- 
windt 1725 Stadtgerechtigkeit ^*^). Von den Kirchen des Amtes 
scheinen bis in die Ordenszeit nur vier hineinzureichen : Ragnit, 
Wilkischken, Laszdehnen und Wischwill; die übrigen sind jün- 
geren Ursprungs: Schirwindt 1549, Pilkallen 1582, Willuhnen 
1623, Szillen 1629^00)^ Budweten 1665 20»), Lengweten 1741 262). 
Sämmtliche Kirchen sind königlichen Patronats. Eine Kirche 
zu. iN'ovarola wird um 1562 erwähnt 203). 

Die einzige Stadt des Hauptamtes Tilsit ist erst in der 
herzoglichen Zeit begründet. Tilsit erhielt nämlich von Mark- 
graf Albrecht im Jahre 1552 Stadtgerechtigkeit 2^*). Yon den 
Kirchen des Amtes scheinen nur Tilsit und Kaukehmen (bis 
1631 Kuckernese genannt) in die Ordenszeit hinaufzureichen. 
Die Kirchen zu Pictupöhnen und Coadjuten sollen im Jahre 
1574 erbaut sein. Die meisten Kirchen des Amtes sind im 
siebenzehnten Jahrhundert angelegt: Joneikischken oder Neu- 



»»8) Stenzel, Preuss. Geschichte, Bd. 3, S. 414 ff. 

*59) Bock, Staat yon Preussen, S. 115, 116. Goldheck, Topogr. S. 30. 

**o) In der Consignation ist "Wischwill übergangen; es werden in derselben 
also nur sieben statt acht Kirchen aufgeführt. Lydiclus hat zehn Kirchen (?). 

^^^) Diese neun Kirchen bei Grube und im Erl. Preussen. 

262) Amoldt, Presb. 

263) Amoldt, Kirchenhist. S. 370. 

2«*) Hennenberger S. 460. Teuber, Beschreibung der Stadt Tilsit, im Erl. 
Preussen, Bd. 4, S. 609 flf. Thiel, Statist.-topogr. Beschr. der Stadt Tilse, 
Königsberg 1804. Joh. Meier, Fundation und Privil. der Stadt Tilsit. 



272 



Neuere Zeit 



kirch 1652 (eingeweiht 1670), wenig später Heinrichswalde und 
Lappehnen ^^*), Kallenincken 1677 (seit 1684 Mutter von Inse), 
Plaszken 1695. Zählt man in Tilsit die lithauisohe und die 
deutsche Kirche besonders, so gab es im Anfange des acht- 
zehnten Jahrhunderts in diesem Amte zehn Kirchen ^^^ Es 
kamen dazu aber noch vor 1727 eine reformirte Kirche in TiLnt 
und eine katholische in Drangowski^^^. Von diesen TTirftlifln 
waren um die Mitte des siebenzehnten Jahrhunderts Joneikischken, 
Heinrichswalde und Lappehnen adlig, die beiden ersteren sind 
aber in den Jahren 1738 und 1739 königlich geworden. 

Das Hauptamt Memel enthielt nur die eine gleichnamige, 
aus der~~Ordehszeit stammende Stadt. Schon aus dem sech- 
zehnten Jahrhundert kennen wir Geistliche der deutschen und 
lithauischen Kirche in Mcmel, so wie der Kirchen zu Werden 
(oder Heydekrug), Euss und Pröckuls, die demnach aus der 
Ordenszeit stammen möchten. Die Kirchen zu Krottingen und 
Windenburg (auch EÖnten genannt) sind vor der zweiten Hälfte 
des siebenzehnten Jahrhunderts gegründet. Von Russ wurde 1644 
das Kirchspiel Karckel getrennt, ebenso 1711 Schakuhnen, 
wo 1675 eine "Kirche erbaut war; doch wurde Euss nun Filiale 
von Schakuhnen 208), Die reformirte Kirche in Memel ist 1669 
gegründet 2^^). Der nördliche Thcil der kurischen l^ehrung er- 
hielt erst im Jahre 1740 eine eigene Kirche in Karwaiten, nach- 
dem vorher theils von Kunzcn, theils von Memel aus für die 
Seelsorge der dortigen Einwohner gesorgt war. Alle genannten 
Kirchen sind königlichen Patronats. 

Yon den natangischen Aemtem begegnet uns zuerst Bran- 



^<^^) Dieso sieben Kirchen führt die Consignation , an. Wenn nach Arnoidts 
Presb. die Kirche zu Heinrichswalde erst 1686 eingeweiht ist, so mag sie 
doch schon lange vorher fundirt sein. Auffallender ist, dass Lappehnen naoh 
Amoldt 1667 fundirt (1675 eingeweiht) sein soll, da die Consignation doch 
älter zu sein scheint. Lydicius hat mehrere Jahre spater nnr sechs 
Kirchen. 

*6«) So bei Grube. 

2«^ So im Erl. Preussen, Bd. 4, S. 565 und 852. 

2*^^ In der Consignation findet sich neben den Namen Memel, Grottingeny 
Werden, Busz, Windenburg noch ein mir unyerstöndlicher, Pomininge (?), da- 
gegen fehlen Pröckuls und llusz. Lydicius weiss schon Ton acht Kin*^««, 

260^ Erl. Preussen, Bd. 4, S. 267. In den Verzeichnissen bei Grabe md 
im Erl. Preussen sind alle bisher genannten Kirchen aufgeführt. 



mmm 



Das herzogliche Preassen (Kirchspiele). 273 

d e n b u r g. Es enthält drei Städte und fast ebensoviele Kirch- 
spiele als Insterburg, doch mit dem Unterschiede, dass die Städte 
und Kirchen dieses Amtes sammtlich aus der Zeit der Ordens- 
herrschaft stammen 2 ^ö). Eine Kirche zu Krücken, die zur Zeit 
der Reformation vorhanden war, ist später eingegangen 2'*). Um 
die Mitte des siebenzehnten Jahrhunderts waren hieselbst herzog- 
lichen Patronats folgende acht Earcheü: Brandenburg, Friedland, 
Kreuzburg, Pörscljken, Ludwigswalde, Abschwangen, Schmoditten 
und Mansfeld; adligen Patronats dagegen vierzehn Kirchen: 
Haberstroh (Hafstrom), Domnau, Allmenhausen , Gr.-Schönau, 
Deutsch- Wilten, Georgenau, Mühlhausen, Dollstädt, Jesau, Tharau, 
Borchersdorf, Uderwangen, Stöckheim, AUenau; endlich den 
Städten Königsberg zugehörig: I^euendorf, Steinbeck [Otten- 
hagen] , Seeligenfeld und Lichtenhagen ^^2). In späteren Zeiten 
ist Uderwangen in königliches Patronat übergegangen, Mansfeld 
unter das Patronat der Stadt Königsberg gekommen. AUenau 
ist Filiale der im tapiauschen Amt liegenden Kirche Böttchers- 
dorf, Allmenhausen gehört zu Abschwangen, Steinbeck zu Neuen- 
dorf. Zu Deutsch - Wilten gehört das Filiale Klingenberg im 
rastenburgischen Amte. 

Das Hauptamt Balga mit den alten Städten Zinten und 
Heiligenbeil enthält sechzehn Kirchen, die sammtlich aus der 
Ordenszeit stammen dürften 2'^): Heiligenbeil, Zinten, Balga, 
Grünau mit der Kapelle Passarge, Bladiau, Waltersdorf, Eisen- 
berg, Lindenau, Eichholz, Hohenfürst, Deutsch-Thierau, Herms- 
dorf mit der Filialkirche Pellen, Guttenfeld und Tiefensee. In 
der Mitte des siebenzehnten Jahrhunderts waren nur die Beiden 
letztgenannten adligen Patronats, alle übrigen herzoglichen, im 



^^") Dies zeigt \mter andern das Verzeichniss der ermelSndischen Kirchen 
bei Leo, Hist. Pmss. p. 525. Vgl. Amoldts Kirchengeschichte, S. 186 flf. * 

"0 Amoldt, Presb. S. 153. 

2^^) Nach der Consignation , wo Borchersdorf, uderwangen und AUenau 
mit dem Zusatz „auf Beluition" aufgeführt sind. Lydicius hat siebenund- 
zwanzig Kirchen. In den Verzeichnissen bei Grube und im Erl. Preussen 
wird auch Klingenberg hieher gezogen, aber wohl mit Unrecht, zumal da Klin- 
genberg, obwohl Filiale yon Deutsch -Wilten, doch zur rastenburgischen In- 
spection gehörte, nach Arnoidts Presb. S. 185. 

^''^) Nur Guttenfeld, Tiefensee und Balga werden bei Leo nicht erwähnt, 
aber mehrere Namen seines Verzeichnisses sind entstellt und nicht wiederzu- 
erkennen, und die Vollständigkeit desselben unterliegt Zweifeln. 

18 



274 Neuere Zeit 

achtzehnten war Gnttenfeld königlich, dagegen lindenau, Pellen 
und Tiefensee adlig 2'*). 

Die combinirten Aemter Pr.-Eilau und Barten st ein mit 
den alten Städten Bartenstein, Pr.-Eilau, Landsberg enthalten 
folgende sechzehn Kirchen ^^a): Pr.-Eilau, Bartenstein mit der 
Filialkirche zu St. Johann, Peisten, Eichhorn, Landsberg, Eaa- 
ditten, Bexen, Petershagen, Buchholz, Schönbruch, Hanshagen, 
Eeddenau, Albrechtsdorf, Boreken, Gb-llingen^'®). Peisten wurde 
1615 fundirt und mit Hanshagen vereinigt. Nur vier der ge- 
nannten Kirchen waren um die Mitte des siebenzehnten Jahr- 
hunderts herzoglich, nämlich Pr.-Eilau, Bartenstein mit St. Jo- 
hann und Eichhorn. Im achtzehnten Jahrhundert dagegen finden 
wir Eichhorn unter adligem Patronat, Boreken unter könig- 
lichem ^^^. Eine Kirche zu Bothen (Eothenen) wird im Jahre 
1579 erwähnt 278). 

Das Erbhauptamt Gerdauen ist das älteste dieser Gattung. 
Die Ortschaften, welche es bildeten, waren schon zur Zeit des 
deutschen Ordens an das Haus derer von Schlieben gekommen. 
Geoi^ von Schlieben, welcher dem Orden als Söldnerführer in dem 
dreizehnjährigen Kriege wichtige Dienste geleistet hatte, erhielt 
von dem Ordensstatthalter Heinrich Eeuss von Plauen im Jahre 
1469 zuerst das Schloss und die Stadt Gerdauen, die Stadt 
Nordenburg, vierzehn Dörfer und mehrere Güter auf magdebur- 
gische Eechte, und dieser Besitz wurde in den nächsten Jahren 
noch durch mehrere Verschreibungen erweitert ^^ö). Andere 
Städte als die genannten sind in diesem Amte später nicht ge- 



^^^) Die Yerzeichnisse stinunen in den Namen der Kirchen Überein; Ly- 
dicins zählt nur vierzehn. 

^^^) Von denselben Termissen wir bei Leo Petershagen, BnchhoLi, Hana- 
hagen nnd Boreken, die aber dennoch auch aus der Ordenszeit stammen dttarftea. 

^^*) Lydicius zählt siebenzehn Kirchen, doeh stimmen die YerzeichnlBse 
davon abweichend mit einander überein. Eine alte Filialkirche von GkUUngen, 
X^raftshagen , war schon in der Ordenszeit wieder eingegangen nach Amoldts 
Presb. S. 237. 

27^ Nach den Verseichnissen bei Grube und im £rl. Preuaaen nnd nMfib. 
Amoldts Presb. S. 232. 

"8) Amoldt, Kirchenhist. S, 870. 

270^ Biese Urkunden Ton 1469 — 1471 sind gedruckt in der Naehricht toa 
einigen Häusern des Geschlechts der von Schlieben, Beilage 45 — 47. YfL 
Voigt Bd. 9, S. 13, 14. 



^as herzogliclie Prenssen (Kirchspiele). 275 

f 
ien. Wenn dasselbe im siebenzehnten Jahrhundert 

wir fünf Kirchen zählte, wie eine Quelle berichtet 2®°), 

es später erweitert sein; denn die sieben Kirchen, 

> es im achtzehnten enthielt: Gerdauen, Mohmehnen, As- 

ii, Dombrofken, Nordenburg, Moltheinen, Trempen, waren 

*mtlich schon im Anfange des siebenzehnten Jahrhunderts, 

* wahrscheinlich schon in der Ordenszeit vorhanden 2®^). Alle 

sieben sind adligen, wenn auch nur fünf schliebenschen Patro- 

nates. Eine Kirche zu Neuendorf, dieses Amtes, wird 1538 

erwähnt ^®^). 

Das Hauptamt Barten mit den alten Städten Barten und 
Drengfurt enthält sieben Kirchspiele : Barten, Drengfurt, Sohwarz- 
stein, Laggarben, Wenden, Friedenberg und Blaustein ^83)^ \^ 
der Ordenszeit gab es auch noch Kirchen zu Marienthal bei 
Drengfurt und Freudenberg bei Barten 2®*). In der Mitte des 
siebenzehnten Jahrhunderts standen die drei zuletzt genannten 
Kirchen unter adligem Patronat, im Anfange des folgenden auch 
Laggarben. Blau stein ist im Jahre 1765 mit Schwarzstein 
vereinigt. 

Das Hauptamt Eastenburg enthält die alten Städte Easten- 
bürg und Schippenbeil. In Eastenburg gab es zu Anfange des 
achtzehnten Jahrhunderts zwei deutsche und eine polnische 
Kirche, auch gehörte ein Filiale zu Alt-Eosenthal dazu. Von 
diesen vier Kirchen wird Alt-Eosenthal um die Mitte des sieben- 
zehnten Jahrhunderts nicht erwähnt, und früh im achtzehnten 
ist sie wieder eingegangen. Ausser Eastenburg enthielt das Amt 
wahrscheinlich schon von den Ordenszeiten her noch folgende 
fünfzehn Kirchen: Schippenbeil, Paris, Löwenstein, Falckenau, 



280^ Nach Lydicius. Die Gonsign. zählt die Kirchen der ErbSmier nicht aof. 
^^^) Bei Leo yermisst man DomlNrofken und Trempen. 

2«2) Amoldt, Kirchenhist. S. 370. 

2®3) Diese Kirchen zählt die Consignation attf. Anch Lydicia« kennt nnr 
sieben Kirchspiele. Desgleichen die Quelle der Topogr. des Eeg.-Bezirks Kö- 
nigsberg p. XXV, und in Amoldts Presb. kommt keine Kirche Neuhof im 
bartenschen Amt vor. Diese als achte des Amtes Barten finden wir nur in 
den Verzeichnissen bei Grube und im ErL Freussen, wo sie nur durch ein 
Versehen eingeschoben zu sein scheint: denn beim Amt Oletzko wird Neuhof 
Heydeckschen Patronats nochmals erwähnt. 

2^^) Nach Leo a. a. 0. , wo dagegen die Kirchen zu Barten , Laggarben 
und Blaustein yermisst werden. 

18* 



276 Neuere Zeit 

femer adligen Patronats: Gr. - Wolfsdorf, Langheim, Neu-Tolks- 
dorf, Scliönfliess, Gudnicken, Dittersdorf, Lindenau, Lamgarben, 
Leuneburg, Gr.-Schwansfeld, Klingenberg. Mehrere dieser Kirchen 
sind in den ersten Zeiten nach der Reformation combinirt ge- 
wesen nnd erst später wieder getrennt. Neu . fundirt ist im 
sechzehnten Jahrhundert die Kirche zu Beeslack, welche 
durch Umbau des dortigen Schlosses eingerichtet wurde ^®*). 
I^eu-Tolksdorf und Schönfliess scheinen immer zusammengehört 
zu haben. Lindenau ist Filiale von Gr.-Schönau, Klingenb^ 
von Deutsch- Wüten im brandenburgischen Hauptamte. Die lö- 
formirte Kirche zu DönhofiPstädt ist erst im Jahre 1725 ge- 
gründet^®®). 

In dem Hauptamt Sehe sie n lag eine Stadt Sensburg und 
sechs Earchspiele: Sensburg, Sehesten, A weiden. Bösem, Sor- 
quitten^®^, Rieben, von denen die drei letzten adligen Patro- 
nates sind ^®®). Sie stammen wohl sämmtlich aus der Ordens- 

zeit 280). 

Das Hauptamt Angerburg enthält nur eine Stadt. Die 
Stadt Angerburg ist neben dem viel alteren gleichnamigen 
Schlosse im Jahre 1571 unter Herzog Albrecht Friedrieh ge- 
gründet 200). Die neun Kirchen dieses Hauptamtes sind : Anger- 
burg, Engelstein, Rosengarten mit der Filiale Doben, Xlruglanken, 
Kutten, Benkheim, Grabowen (früher Brobowisch genannt), Gur- 
nen oder Schönjarken, Buddem. Die meisten derselben sind 



288) Hennenberger S. 31. Beeslack allein kommt daher bei Leo noeli 
nicht vor. 

^*) Ehesa, Presb. S. 28. Dönhoffstadt kommt in der Topographie des 
Beg.-Bezirks Königsberg p. XXV schon yor, ist aber in dem Verzeichnias des 
Erl. Preussen noch übergangen. In dem Verzeichniss bei Grabe fehlt auch 
Gndnicken. Die Consignation, welche Bastenburg einfach zählt, hat siebenzehn, 
Lydicius nur fünfzehn Kirchen. 

2^^ Histor. Beschreibung des sorquittenschen Kirchspiels im Erl. Premten, 
Bd. 4, S. 185 ff. 

^^^ Notizen aus einer alten Amtsrechnung aus Sehesten in den K. P. Fr.- 
Bl. 1853, Bd. 1 , S. 220 ff. 259 ff. ~ In der Consignation etc. stehen alle 
sechs Kirchen unter den adligen, was nach allen anderen Quellen auf einem 
Versehen beruhen muss. 

'^^ Bei Leo yermisst man, wenn Sechsen auf Sehesten und Bnase taf 
Bösem gedeutet wird, nur Bieben. 

^^^) Hennenberger S. 23. Werner, Poleographia, Spec. II. Angerburg 1751. 
Wollweber, Beschr. von Angerburg, im Preuss. ArohiT, Bd. 6, S. 29 ff. und 
72 ff. Geschichte der Stadt Angerburg in den P. P. Bl. 1838, Bd. 20^ S. 800. 



Das herzogliche Preaeseii (Kirchspiele). 277 

alt 2^ ^) ; in Gurnen kennen wir erst seit der Mitte des sieben- 
zehnten Jahrhunderts Geistliche; die Kirche zu Grabowen ist 
1589, die zu Baddern erst 1739 fundirt, Doben wird erst in 
der zweiten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts erwähnt. Nur 
Gumen war um 1660 adlig, im achtzehnten Jahrhundert auch 
Rosengarten mit Doben ^^^). 

Auch in dem Hauptamte Lötzen ist die gleichnamige Haupt- 
stadt erst in der herzoglichen Zeit gegründet, indem Herzog 
Friedrich Albrecht dem Dorfe Neuendorf am Löwentinsee, das 
nunmehr den Namen Lötzen erhielt, im Jahre 1573 Stadtrecht 
ertheilte 2^^). Die vier Kirchen dieses Hauptamtes: Lötzen, 
Mücken, Ridzewen und Gr.-Stürlack, sind königlich. Gr.-Stürlack 
gehörte anfangs zum Kirchspiel Schwarzstein, bartenschen Amtes, 
wurde aber 1598 von demselben getrennt, nachdem es 1590 eine 
eigene Kirche erhalten hatte ^ö*). 

In dem Hauptamte Rhein gründete König Friedrich Wil- 
helm I. drei Städte: Nicolayken im Jahre 1722 205), Rhein und 
Arys im Jahre 1726^06)^ Ausser den drei gleichnamigen Kirch- 
spielen enthält das Hauptamt noch vier andere: Eichmedien, 
Czimonken, Eckersberg imd Claussen^^^. Die Kirche zu Szi- 
monken ist erst von Herzog Albrecht im Jahre 1666 fundirt 2®®). 
Nur Eichmedien ist adligen Patronates und auch dieses, wie es 
scheint, erst seit dem Ende des siebenzehnten oder seit dem 
Anfange des folgenden Jahrhunderts. 



^^') Rosengarten und Kniglanken kommen bei Leo yor; man yermisst bei 
demselben Engelstein und Doben ; die übrigen gehören nicht zur ermeländischen 
Diöcese. Ueber Engelstein ygl. Amoldt, Kirchenhist. S. 193. 

2Ö2) Wenn Lydicius zehn Kirchen des angerburgischen Amtes rechnet, also 
zwei mehr als die wenig ältere Consignation, während er zu fiastenburg zwei 
weniger rechnete als diese, so scheint der Grund dayon in einer Grenzyer- 
Änderung der Aemter zu liegen. 

^03) Hennenberger S. 254. Hist. Nachricht yon der Stadt Lötzen in Wer- 
ners Gesammelten Nachrichten, Bd. 1, S. 81 — 114. Gerss, Chronik der Stadt 
Lötzen, in den N. P. P. Bl. 1852, Bd. 1, S. 149—160. 

*®*) Daher kommt Gr.-Stürlack bei Leo noch nicht yor. 

"») Bock, Staat yon Preussen, S. 124. 

^^^) Ich entnehme diese Jahreszahl in Ermangelung besserer Quellen aus 
Amoldts Presbyterologie. 

^^^ Die Kirchen dieses Amtes werden bei Leo yermisst, wenn man nicht 
Pkerboya auf Eckersberg, Orseche auf Arys deuten will. 

»«8> Bock, Leben Albrechts, S. 542. 



278 Neuere Zeit 

Das Hauptamt Oletzko, früher Stradaunen genannty 
erhielt eine Stadt, Oletzko oder Markgrabowa, erst durch Herzog 
Albrecht im Jahre 1560. Er gründete sie nach einer Zusammen- 
kunft mit König Sigismund August von Polen, zu deren An- 
denken dieser seinerseits die Stadt Augustowo in Podlachien 
erbaute ^^^). Dieses Hauptamt zerfällt in folgende elf Kirch- 
spiele: Markgrabowa, Wielitzken, Kalinowen, Stradaunen, Ken- 
Jucha, Widminnen, Schwenteinen, Czichen, Schareiken, Mienuui- 
ken, Gonsken. Kach der Zeit des deutschen Ordens ist unter 
denselben Markgrabowa gegründet, femer Czichen 1566, Schar 
reiken 1581, Gonsken 1741. Alle sind königlidien Patronates '^. 

Dem Hauptamte Oletzko benachbart liegt das kleine Erbamt 
Neuhof, welches Herzog Albrecht dem Freiherm Wolf zu Hey- 
deck im Jahre 1564 verschrieb. Die Güter desselben gehörten 
früher zu den Hauptämtern Ehein und Stradaunen ^^ 0« ^^^ 
einzige Eorche desselben liegt in dem Hauptorte Neuhof. 

Das Hauptamt Lyck enthielt schon in Ordenszeiten die 
gleichnamige Stadt. Yen den fünf Kirchen desselben waren 
Lyck, Grabenicken, wo die Kirche 1566 erneuert ist^^*), nnd 
Lissewen schon in Ordenszeiten vorhanden ^^^), Ostrokoln wurde 
1538, Pisanitzen 1565 fundirt Sämmtliche Kirchen sind königlieh» 

In dem Hauptamte Johannisburg vnirden erst nach der 
Zeit des deutschen Ordens zwei Städte gegründet: JdiannisVnrg 
hat im Jahre 1645 unter der K^erung des grossen Kurfürsten 
Stadtgerechtigkeit erhalten ^o*) , Biala unter König Friedrich 
Wilhelm I. im Jahre 1722 ^^5)^ j)ie fünf Kirchen des Amtes 
scheinen aus der Ordenszeit zu stammen: Johannisburg, Biala, 



2^^ Hennenberger S. 266, 338. Bock, Leben Albreebts, S. 542. 

300^ Die Verzeichnisse stimmen überein, nnr dass das Erbamt Nenhof, 
welches in der Consignation abgesondert erscheint, in den übrigen anm Hauiijt» 
amt Oletzko gezogen ist. — Bei Leo kommen nur Stradannen und Ken- 
Jucha Tor. 

301) Urkunde vom 20. Mai 1564, los im geh. Archiv 13, a, 1. 

302) Bock, Leben Albrechts, 8. 642. 

303) Lyck und Lissewen (st. Bissewen) erwähnt Leo ausdrücklich. 

304) Werner, Poleographia, Spec. VI. Johannisburg. Hartknoch hat sich um 
die kleinen Städte nicht yiel bekümmert; er sagt von der Stadt Johannis- 
burg, sie sei im vorigen (sechzehnten) saeculo angelegt, A. u. N. Pfenasen 
S. 424. 

30») Bock, Staat von Preussen, S. 130. Goldbeck S. 39. 



Das herzogliche Prciissen (Elirchspiele). 279 

Drigallen, Eosinsko., Kumilsko. Eosinsko war anfangs Filiale 
von Drigallen^^®). 

Unter den Aemtern des Oberlandes beginnen wir mit Pr.- 
H oll and. Es enthält die beiden alten Städte Holland und 
Mühlhausen und zählte folgende vierundzwanzig Kirchen: Hol- 
land (eine lutherisch, eine reformirt), Mühlhausen, Marienfelde, 
Eogehnen, Schönberg mit Münsterberg, Schmauch, Herrendorf 
mit Schlobitten, Lauck mit Ebersbach, Deutschendorf, Hermsdorf, 
Goldbach, Hirschfeld, Gr.-Thierbach mit Quittaenen, Schönau, 
Döbern, Grünhagen mit Samrodt, ]^eumark mit Carwinden ^^7)^ 
Fast alle diese Kirchen stammen aus der Ordenszeit ^^®) ; Herren- 
dorf mit Schlobitten ist erst im Jahre 1594 fundirt; die refor- 
mirto Gemeinde zu Pr. -Holland erhielt erst seit 1715 fiir die 
Dauer einen eigenen Prediger. Samrodt ist eine evangelisch- 
reformirte Simultan-Kirche, von dem Grafen Ferdinand Christian 
zu Lippe 1708, Quittaenen eine eben solche Kirche, von Karl 
Friedrich Ludwig Eeichsgrafen von Barfuss 1714 — 1719 gegründet. 
Das Filialverhältniss mehrerer dieser Kirchen hat öfter ge- 
wechselt. Unter dem Patronat der. Herzöge, resp. Könige, 
standen Holland, Mühlhausen, Marienfelde, Eogehnen, Schön- 
berg und Schmauch noch 1727; später wird Schönheit unter 
den adligen Kirchen genannt ^°^). Eine Kirche zu Bordehnen 
wird nur 1530 erwähnt ^^°). 

Das Hauptamt Liebstadt mit der alten gleichnamigen 
Hauptstadt hatte sechs Kirchspiele: Liebstadt, Eeiohertswalde, 
Herzogswalde, Waltersdorf, Silberbach, Eeichau. Silberbach ist 
erst seit 1570 von der Kirche zu Morungen, Herzogswalde erst 
1579 von Liebstadt abgetrennt. Doch scheinen alle genannten 



3^^) Sie kommen bei Leo ausser Bosinsko sämmtUck tot. 

3"') In der Consignation , in der noch Goldbach (wohl irrthümlich) vor- 
kommt, etc. sind Neumark und die fünf Filialkireh«n nicht genannt. Lydicius 
hat neunzehn Kirchspiele. Bei Grube, wo Silberbach fälschlich hieher gezogen 
ist, fehlen Samrodt, Garwinden , Münsterberg, die beiden letzteren auch im 
Erl. Preussen. Am yoUständigsten ist Amoldts Frcsb. 

30«) Ein Theil derselben gehörte zur ermeländischen BiScese und wird da- 
her von Leo (doch nicht vollständig) aufgeführt. Aus Leo ersehen wir nament- 
lich , dass auch Neumark schon eine alte Kirche ist, was aus Amoldts Presb. 
noch. nicht sicher hervorgeht. 

30») Amoldt, Presb. S. 380. 

310) Amoldt, Kirchenhist. S. 369. 



280 Neuere Zeit 

Kirchen aus der Ordenszeit zu stfiimmen ^ ^ 0. Silberbach und 
Eeichau sind adligen Patronats. 

Das Hauptamt Morungen umgiebt die alte gleichnamige 
Hauptstadt. Die sieben Kirchen dieses Amtes sind: Morungen 
(lutherisch und reformirt), Kalau, Hagenau, Eckersdorf, Locken» 
Langgut. Die reformirte Kirche zu Morungen ist von König 
Friedrich L im Jahre 1701 gegründet. "Wie Kalau und Ha- 
genau, so gehören auch Locken und Langgut zusammen, Kalau 
und Hagenau werden erst 1690 von Silberbach getrennt, doch 
reichei). alle ihrem Ursprünge nach in alte Zeiten hinauf. Locken 
und Langgut sind adligen Patronats 3 12). 

Das Hauptamt Pr.-Mark mit der Stadt Salfeld enthält fol- 
gende zehn Kirchen: Salfeld, Weinsdorf (früher Wigandsdorf), 
Alt-Christburg, Liebwalde, Pr.-Mark, Misswalde, Altstadt, Arena- 
dojrf, Wilmsdorf, Segerswalde. Zu Salfeld gehörte einst eine 
Kapelle ^u Kuppen, die aber im Jahre 1539 abgebrochen ist^*^. 
Die Kirche in Pr.-Mark gehört zu Liebwalde, die in Segers- 
walde anfangs zu Simnau im Hauptamte Liebemühl, später sa 
Wilmsdorf. Adligen Patronats waren um die Mitte des ^ieben- 
zehnten Jahrhunderts nur Arensdorf, Wilmsdorf und Segerswalde, 
um 1727 auch schon Altstadt. Die Kirche in S^erswalde ist 
erst im Jahre 1656 eingeweiht, die übrigen dürften sämmtlioh 
aus der Ordenszeit stammen 3'*). 

Das Hauptamt Liebemühl mit der gleichnamigen Haupt- 
stadt enthält folgende neun Kirchen: Liebemühl, Blumenau mit 
Heiligen walde , Sonnenborn mit Venedig, Simnau, Jäschkendorf 
mit Hanswalde, Schnellwalde. Adligen Patronats sind: Jäsch- 
kendorf mit Hanswalde, Schnellwalde, Simnau und Venedig ; die 



^^*) Beichau , Liebstadt und Herzogswalde kommen in dem Veneichmn 
bei Leo yor. 

3'*) In den Verzeichnissen beiGh^be nnd im Erl. Preussen wird aneh Ve- 
nedig zu dem Amte Morungen gerechnet, in der Gonsignation etc. dagegen 
und in Amoldts Fresb. S. 437 zum Amte Liebemühl. Lydicius, der nenn 
Kirchen im Amte Morungen zahlt, das Amt Liebstadt aber Übergeht, sehelnt 
das combinirte Amt Morungen-Liebstadt yor Augen gehabt zu haben. 

3 »3) Amoldt, Kirchenhist. S. 369. 

^^*) Die Aemter Pr.-Mark und Liebemühl werden in der Gonsignation und 
im £rl. Preussen zusammen aufgeführt. Welche Kirchen zu jedem einiehm 
gehörten, ersieht man aus dem Yerzeichniss bei Grube und in Aznoldts Preeb. 
In der Gonsignation fehlen Pr.-Mark und Segerswalde. 



wm^mrmi 



Das herzogliche Preussen (Kirohspiele). 281 

Verzeichnisse ihrer Geistlichen reichen nicht über das sieben- 
zehnte Jahrhundert zurück, weshalb ihr Alter dahin gestellt 
bleiben mag. Die Kirchen zu Dittersdorf, Münsterberg und 
Auer waren im Anfange des achtzehnten, wahrscheinlich schon 
im siebenzehnten Jahrhundert verfallen^/*). 

Das Hauptamt Marienwerder mit den alten Städten Ma- 
rienwerder und Garnsee umfasste den westlichen Theil der 
ehemaligen pomesanischen Bischofsgüter. Es enthielt ausser 
den Kirchen der beiden genannten Orte noch folgende drei 
Kirchspiele: Gr.-Krebs, Nebro und Mederzähren. Im Anfange 
des achtzehnten Jahrhunderts gehörte einige Zeit zu Gramsee 
als Filiale Ziganen (nicht Kiganen) 3'®). Nur dieses Ziganen war 
adligen Patronats. Die übrigen Kirchen des Amtes scheinen 
sämmtlich aus der Ordenszeit zu stammen. 

In dem Hauptamt Kiesenburg lagen drei alte Städte: 
Riesenburg, Bischofs werder und Freistcidt, und dreizehn Kirchen: 
Bischofswerder, Petrowitz, Preistadt, Riesenburg, Dakau, Ri^sen- 
walde, Riesenkirch„ Leistcnau, Gr.-Trommau, Kl.-Trommau, Piaute, 
Rohdau, Neudörfchen. Die Kirche zu Bischdorf war schon im 
siebenzehnten Jahrhundert eingegangen 3*^). Die alte, 1604 
wiederhergestellte Kirche in Piaute ist nur kurze Zeit selbst- 
ständig gewesen und eine Zeit lang mit Freistadt, dauernder 
mit Kl.-Trommau vereinigt gewesen. Petrowitz ist Filiale von 
Bischofswerder, Dakau von Riesenburg; Riesenkirch und Riesen- 
walde haben nur mit einer Unterbrechung von 1679 bis 1738 
zusammengehört. Leistenau ist von 1674 bis 1722 päbstlich 
gewesen. Rohdau ist 1624 fundirt, Neüdörfchen durch Wolf 
Friedrich Freiherm zu Heydeck in demselben Jahre. Adligen 



3*5) Diese drei fehlen in der Consignation nnd auch bei Amoldt. Da- 
gegen fehlt bei Grube Venedig, im Erl. Preussen Venedig und Hanswalde. 
Auf der Karte yon 1763 sind die Kirchen Simnau, Schnellwalde, Jäschken- 
dorf mit Hanswalde unbegreiflicher Weise zum Amte Pr.-Mark gezogen. 

^^•) Riganen wird nur in den Verzeichnissen bei Gmbe und im Erl. 
Preussen erwähnt. Nur hier und bei Amoldt werden die Kirchen dieses 
Amtes Ton den riesenburgschen abgesondert aufgeführt. 

3") Sie kommt in der Consignation, wo auch Dakau und Neudörfchen 
fehlen, nicht vor, wird aber bei Qrube erwähnt mit dem Zusatz: „ist ganz 
wüste und hält sich die Gemeine nach Bischofswerder*', welcher Zusatz im 
Erl Preussen mit Unrecht weggefallen ist. Bei Grube und im Erl. Preussen 
sind Kl.-Trommau, Rohdau und Neüdörfchen xom Erbamt Schönberg gerechnet. 



282 Neuere Zeit 

Patronats sind: Bisohdorf, Leistenau, KL-Trommoa, Bohdau, 
Plante^*®), Neudörfchen und seit 1654 Biesen walde ' '**). 

Das Erbamt Schönberg wurde Ton Herzog Albrecht durch 
die Urkunde vom 13. Kovember 1532 nebst dem adligen Gute 
Langenau dem ersten lutherischen Bischöfe Georg von Polents 
zu Mannlebenrechten verliehen ^^^). In demselben lag die alte 
Stadt Bosenberg und folgende Kirchspiele: Bosenberg, Belsch- 
witz mit Jaute, Habersdorf (oder Einckenstein) mit Albreehtan, 
Langenau mit Goldau, Sommerau mit Peterkau. Die Kirche su 
Hermenau war schon im Anfange des achtzehnten Jahrhunderts 
wüst, die Eilialkirchen zu Jaute und Peterkau sind um die Mitte 
desselben Jahrhunderts eingegangen. Die Eilialverhältnisse der 
anderen Kirchen haben vielfach gewechselt Die Kirche zu Hia» 
bersdorf ist 1716 neu erbaut. Bammtliche Kirchen sind adligen 
Patronats ^^ i). 

Das Erbamt Deutsch-Eilau ist gleichfEÜls von Herzog 
Albrecht durch den Lehenbrief vom Dienstage nach InTOcavit 
1560, aber zu magdeburgischen beider Kinder Bechten, dem da- 
maligen Hauptmann zu Osterode Wolf von Kreytzen verliehen und 
gelangte von dessen iN'achkommen an Ernst Einck von Eincken-, 
stein, Erbhauptmann auf Gilgenburg, von dessen Nachkommen 
wieder an den Beichs- und Burggrafen zu Dohna'^^). In 
diesem Amte liegt die alte Stadt Deutsch-Eilaü. Von den Kirchen 
desselben sind zwei, Grambten und Schönfürst, katholisch, die 
übrigen, Deutsch-Eilau, Frednaumit Tillwalde, Herzogswalde und 
Baudnitz, evangelisch. Die Kirche zu Tillwalde hat nur kurze 
Zeit und zwar als Filiale von Erednau existirt; die Kirche zu 
Erednau ist 1594 fundirt und 1739 mit der im Jahre zuvor er- 
bauten Kirche zu Baudnitz combinirt. Herzogswalde ist 1625 
fundirt und gehörte seit 1692 als Filiale zu Sommerau im £rb- 



318) Was bei Grube und im Erl. Preussen nicht angemerkt ist. 
310) Doch steht diese Kirche in der Consignation unter den königlichen. 
320) Ygi, Leman, Einleitung in die Prov.-Rechtis Westpreuaaens, Marictnw. 
1830, S. 32. 

3^') Die Consignation giebt nur die Zahl von fünf, Lydicius sechs Kirchen an. 

'^'■O Leman a. a. 0. S. 33. Die Nordgrenze des Erbamtos, Sumpe einscfaliea- 
send, wird näher beschrieben in der Verschr. Herzog Albrechts Ton 1557 
(liobcmühler Handfesten' fol. 43). Nach derselben ist das Erbamt an Wolf 
Yon Kreuz schon 1548 übergeben. 



Das herzogliche PreusBen (Kirchspiele). 283 

amte Schönberg. Sämmtliche Kirchen sind adHgen Patronates. 
Eine Kirche zu Mondecken wird um 1565 erwähnt ^^^). 

Das Erbamt Gilgenburg besteht seit 1544. Damals 
tauschte der Herzog Albrecht mit dem Obermarschall und Amts- 
hauptmann von Hohenstein Friedrich von der Oelschnitz mit Gü- 
genbnrg auf dessen im Preuss.-HoUändischen gelegenen Güter ^^*), 
Das Erbamt enthält eine Stadt, das alte Gügenburg. Unter 
den Kirchen ist eine katholische: Thurau, und eine reförmirte: 
Koschlau. Eingegangen sind, schon vor dem An&nge des acht- 
zehnten Jsihrhunderts : Seipel; im Laufe desselben Erödau, 
welches in den Jahren 1721 und 1727 als Filiale von Bauschken 
angeführt wird; im Johie 1767 Elgenau, welches früher Filiale 
von Gilgenburg, zuletzt von Marwalde gewesen war; endlich 
Frögenau, welches, so weit die historische Kunde reicht, stets zu 
Mühlen im Hauptamte Hohenstein gehört hat ^2^). Die haupt- 
sächlichsten lutherischen Kirchen sind: Gilgenbuig, Marwalde 
(statt Marien walde) , Eauschken und Usdau; von den Filialen, 
die sich noch erhalten haben, gehörte Gruben um 1727 zu Us- 
dau, später zu Eauschken, Heselecht früher ebenfalls zu Usdau, 
seit 1781 zu Gilgenburg ^^o) ^ Sczuplinen meistens zu Usdau, 
Tannenberg, wie FrÖgnau, zu Mühlen im hohensteinschen Amt ^2^, 
Gardienen um 1727 zu Waplitz, später zu Usdau, Dcziurczan 
seit der Mitte des siebenzehnten Jahrhunderts zu Scottau im 
Hauptamte Neidenburg. Sämmtliche genannte Kirchen sind 
adligen Patronats. 

Das Hauptamt Osterode enthält die alte Stadt Osterode 
und sechs Hauptkirchen mit ihren Filialkirchen: 1) Geierswalde 
mit Reichenau, 2) Kraplau mit Seibersdorf und Dörings, 3) Leipe 



323) Amoldt, KürchenMst. S. 370. 

324) Urkunde vom 15. März 1544 im ^Fol. des geh. Archiys: Verschr., 
Bestallungen etc. Iö42 — 1546, foL 170. Vgl. Gesch. und Topogr. der Stadt 
Gügenburg in Baczko's Preuss. Annalen 1793, Quart. 3, S. 76. 

325) FrÖgnau, welches bei Ghnibe fehlt, aber im Erl. Preussen hinzugefügt 
ist , ist von Amoldt, Presb'. S. 451 u. 483, mit Frödau yerwechselt, welches 
nach Eauschken gehört hat. 

3") Bhesa, Presb. S. 140. 

32^ Tannenberg wird zwar bei Grube und im Erl. Preussen mit Mühlen 
asugleich beim Amte Hohenstein angeführt, allein in der Gonsignation kommt 
es unter Hohenstein nicht yor, und Amoldt, Presb. S. 451, sagt ausdrücklich, 
dass es zum Erbamte Gügenburg gehörte. 



284 Neuere Zeit 

mit Marienfelde , 4) Osterode mit Arnau, Hirschberg, Thieren- 
berg, 5) Osterwein mit Kl.-Gröben und Scbildeck, 6) Schmieg- 
walde mit Peterswalde und Bergfried. Bei^fried war schon um 
die Mitte des siebenzehnten Jahrhunderts wüst, Seibersdor^ 
Hirschberg und Thierenberg werden in der zweiten HäHte des 
achtzehnten Jahrhunderts nicht mehr als Kirchen aufgeführt •**). 
'Nur Osterode und Schmiegwalde mit ihren Eilialkirchen waren 
im siebenzehnten Jahrhundert herzoglichen Fatronats, nach 1727 
ging auch die Eilialkirche Paterswalde in ein anderes Patronat über. 

Das Hauptamt Hohenstein mit der gleichnamigen aus der 
Ordenszeit stammenden Stadt enthält die königlichen KiroheiL 
Hohenstein, Manchengut und Kurcken, welche letztere bis 1712 
mit Hohenstein, später mit Selesen vereinigt war, und die ad- 
ligen: Mühlen, Petzdorf mit dem Filiale Kirsteinsdorf, Selesen, 
Waplitz, Wittichwalde. Im Jahre 1741 wurde Petzdorf zu (Jeiers- 
walde im osterodischen Hauptamt, Kirsteinsdorf aber zu Wittich- 
walde geschlagen. Wittichwalde , früher mit Manchengut ver- 
einigt, erhielt im Anfange des achtzehnten Jahrhunderts eine 
eigene Kirche und mag bei dieser Gelegenheit in königliohes 
Patronat übergegangen sein^^o^^ 

Das Hauptamt Sold au mit der alten gleichnamigen Stadt 
enthielt drei katholische Kirchen: Bialluten ^^o) und Lentzko mit 
Przelenk, eine reformirte auf dem Schlosse zu Soldau, gegründet 
von König Friedrich L, als Filiale von Morungen (1701), ferner 
die lutherischen Kirchen: Soldau, Borchersdorf, Narczim, Schar- 
nau, Heinrichsdorf mit den beiden Filialkirchen zu Ghr.-Kosohlaa 
und Grottken, welche letztere 1739 einging, endlich Kl.-EoschlaiL 
Ausser den drei päbstlichen Kirchen ist nur noch die Filial- 
kirche Gr.-Koschlau adligen Patronats, Kl.-Koschlau ist wenigstens 
im achtzehnten Jahrhundert jedenfalls königlich gewesen ^3*). 

328) In der Consig^ation feUeD Schildeck und Dörings. Lydioiiu sihlt 
sechzehn Kirchen. Bergfried ist als wüst noch bei Grube, aber nicht mabt 
im £rl. Preussen angeführt. 

320) In der Gonsignation steht Wittichwalde noch nnter den adligen KirehM, 
bei Grube und im Erl. Preussen schon unter den königlichen. 

330) Schon in der Gonsignation und auch im Erl. Preussen erwSfant. Bei 
Grube fehlt sie ohne Grund. 

33 >) In der Gonsignation wird Gr.-Koschlau gar nicht, KI.-Koschkn •]■ 
adlig erwähnt. Bei Grube und im Erl. Preussen findet sieh KoscIiImi ohaa 
Zusatz als königliche Kirche. Näheres darüber giebt Amoldts Pretb. 



Das herzogliche Preussen (Kirchspiele). 285 

In dem Hauptamt Neidenburg wurde neben der älteren 
gleichnamigen Stadt noch eine zweite, "Willenberg, von König 
Friedrich Wilhelm I. im Jahre 1724 gegründet ^^2), Die Kirchen 
dieses Hauptamtes sind: Neidenbürg, "Willenberg mit Opaleniec, 
Jedwabno mit Malga, Saberau, Candien, Muschaken, Lahna mit 
Januschau, Scottau und Gr.-Schläfken , welches aber schon vor 
1687 zu Scottau, 1725 zu Kl.-Koschlau, soldauschen Amtes, als 
Filiale geschlagen wurde ^^^). Die zu Januschau gehörigen Dörfer 
wurden 1738 nach Scottau und Waplitz vertheilt; eine um 
1554 zu Yielfiirt erwähnte Kirche kommt nicht weiter vor, 
ebensowenig Kunten, wohin 1530 Lana eingewidmet war 3^*). 
Adligen Patronats waren nur Gr.-Schläfken und Januschau ^ ^5). 

Das Hauptamt Orteisburg enthielt eine ältere Stadt, Pas- 
senheim, und eine jüngere, Orteisburg, welche erst im Jahre 1669 
unter der Regierung des grossen Kurfürsten Stadtrecht erhalten 
hat^^^). Die Kirchspiele des Amtes sind: Orteisburg, Passen- 
heim, Mensgut, Schöndamerau, Kobulten, Rheinswein, Theerwisch 
(poln. Targowo), Rossogen (oder Friedrichshof) und Jerutten. 
Eine Kirche zu Wildenheim wurde im Jahre 1531 aufgehoben 
und das Kirchspiel zu Mensgut geschlagen. Die Kirchen zu Ros- 
sogen, Jerutten und Jablonken scheinen erst in der zweiten 
Hälfte des siebenzehnten Jahrhunderts angelegt zu sein^^'). 
Adligen Patronats sind nur Rheinswein, Theerwisch und Jablonken. 

3. Die Kircheninspectionen. 
Auf der Eintheilung in Aemter beruhte im Wesentlichen 



332) Bock, Staat yon Preussen, S. 143. Goldbeck, Topogr. S. 27. Willen- 
berg (früher gewöhnlieh Wildenberg) wollte schon Herzog Albrecht znr Stadt 
erheben. Hennenberger S. 487. 

33^) Gr.-Schläfken gehörte nach den Verzeichnissen bei Grube (und im Erl. 
Preussen) zum neidenburgischen Amte, nicht, wie es nach Amoldt den Anschein 
hat, zum soldauschen. 

334) Amoldt, Kirchenhist. 5- 369 und 370. 

335) Beide werden in der Consignation ausdrücklich als adlige Kirchen auf- 
geführt. In derselben fehlen Opaleniec und Malga; Opaleniec fehlt auch bei 
Grube und im Erl. Preussen. 

330) Goldbeck S. 28. Hartknoch weiss yon einer Stadt Orteisburg nichts; 
er spricht von einem Flecken neben dem Schlosse, A. u. N. Preussen S. 399. 

33^ Sie fehlen noch in der Consignation, und die Listen ihrer Geistlichen 
reichen nicht höher hinauf. 



286 Nenere Zeit. 

auch die Eintheilung des Landes in geistliche Inspeotio- 
nen, zu der wir sogleich übergehen. 

Die Bischöfe von Samland and Pomesanien behielten ihr 
geistliches Amt bei, als sie ihre weltliche Herrschaft an Herzc^ 
Albrecht abgetreten hatten. Ja sie erhielten nun die geistliche 
Jurisdiction auch in denjenigen Theilcn des Herzogthums, welche 
früher in geistlichen Dingen den Bischöfen von Ermeland 
untergeben gewesen waren. Es wurde deshalb am 10. Marx 
1528 eine Theilung Natangens vorgenommen, durch welche 
Brandenburg, Kreuzburg, Eriedland, Bartenstein, Schiffenbnrg 
(Schippenbeil), Domnau, Balga, Heiligenbeil, Zinten, Pr.-Eüan, 
Barten an den Bischof von Samland, Bastenburg, Sehesten, Bhein, 
Angerburg, Lötzen, Nordenburg, Lyck, Stradaunen, Johannisburg 
an den Bischof von Pomesanien fielen ^^^). Einige Jahre später 
(um 1542) finden wir die beiden bischöflichen Sprengel 
so bezeichnet: zum samländischen gehörten die Aemter E^önigs- 
berg, die Vogtei Schaaken, die Vogtei Eischausen, Lochstädt, 
Sudauen, Tapiau, Taplaken, Georgenburg, Insterburg, Bagnit, 
Tilsit, Labiau, Memel, Brandenburg, Balga, Pr.-Eilau, Bartenstein, 
Schippenbeil, Gerdauen, Barten; zum pomesanischen gehörten: 
Eiesenburg, Marienwerder, Pr.-Mark, Holland, Morungen, Osterode^ 
Deutsch-Eilau, Liebemühl, Hohenstein, Neidenbui^, (Hlgenbnr^ 
Soldau, Orteisburg, Johannisburg, Lyck, Stradaunen, Angerbor^ 
Ehein, Eastenburg, Sehesten, Lötzen und Schönberg ^^^). Für 
die äussere Ausstattung der beiden Bischöfe wurde in 
der Art gesorgt, dass Georg von Polentz auf Lebenszeit das Amt 
Balga erhielt^*"), Erhard von Queis wahrscheinlich ein anderes. 
Später suchte der Herzog die Würde der Bischöfe ganz abzu- 
schaffen. Da sich aber die Stände des Landes dem widersetzten, 
so wies er in einem Privilegium vom 16. Juni 1567 dem sam- 
ländischen Bischöfe das zu diesem Zwecke erbaute Haus neben 



33«) Amoldt, Kirchenliist. S. 269. Vgl. Leo, Eist. Pmss. p. 525. 

339) Urkunde ron 1542 Über die Yersorgnng der Bischöfe bei Xicolorius, 
die bischofliche Würde in Preussen 1834 , Beilage 21 , S. 142. Die Aemter 
sind hier yollstandig genannt bis auf Neuhausen, Liebstadt und Neuhof. Neben 
Fischausen sind Lochstädt und Sudauen (sudanischer Winkel), neben Tapian 
und Insterburg noch Georgenburg und Taplacken ausdrücklich angeführt 
Schippenbeil erscheint in beiden Theilungsberichten yon Bastenbnrg abgMonderi. 

3*^ Gebser, Domkirche zu Königsberg, S. 293. 



Das hers0glicbe Prenssen (KircheniiiQ^ectionen). 287 

dem kneiphöfschen Dome mit einem Jahrgehalte von 3000 Mark, 
dem pomesanischen das Schlosa Liebemühl mit den Einkünften 
des gleichnamigen Amtes und ausserdem 1500 Mark jährlich 
an 3*^). Dennoch ging die bischöfliche Würde in Preussen wenige 
Jahre darauf^ 1587, ein, und an die Stelle der beiden Bischöfe 
traten nun zwei Consistorien, das eine zu Königsberg 
für den samländischen Sprengel, das andere zii Salfeld für 
den pomesanischen Sprengel. Im Jahre 1751 wurde das letztere 
aufgehoben und nur ein Consistorium , das preussische, beibe- 
halten und neu eingerichtet^*^), nachdem die Würde eines 
Generalsuperintendenten für das ganze Land schon im 
Jahre 1736 eingeführt war^*^). 

Unter dem Consistorium, resp. Generalsuperintendenten, stan- 
den die geistlichen In spectoren, Erzpriester oder Super- 
intendenten. Schon in der Zeit der Bischöfe wird derselben 
Erwähnung gethan, doch war die Zahl derselben schwankend. 
Eine vollständige Uebersicht derselben haben wir aus der zweiten 
Hälfte des siebenzehnten Jahrhunderts; um das Jahr 1677 näm- 
lich gab es folgende ^**) : den Oberhofprediger zu Königsberg, 
die Erzpriester zu Schaaken, Eischausen, Tapiau, Insterburg, 
Bagnit, Tilsit, Memel, Pr.-Eilau, Kastenburg, Lyck, Holland, Sal- 
feld, Hohenstein, Neidenburg, Marien werder, Kiesenburg. Damals 
waren aber vier Erzpriesterthümer älterer Zeit schon wieder ein- 
gegangen ^*^) , Gilgenburg, wo um 1545 und 1613, Soldau, wo 
1554, Johannisburg, wo 1579, und Angerburg, wo noch 1597 
mehrere Erzpriester genannt werden. Das Erzpriesterthum zu 
Angerburg ging 1657 ein und wurde mit dem rastenburgischen 
vereinigt 3*^). Das Erzpriesterthum Hohenstein, erwähnt in den 
Jahren 1553, 1623 etc., ging nach dem Tode des Erzpriesters 
Bernhard Mauritius im Jahre 1699 ein^*^. Nach dem Tode 



"') Privü. von 1567, in den Priyil. der Stände etc. fol. 86. 

3« 2) Jacobson a. a. 0. S. Ö6 ff. 111 ff. 

3*3) Jacobson a. a. 0. 8. 98. 

3") Nach Lydicius, TabeUe zu 8. 170. 

***) Die ältesten Berichte über das Vorhandensein der Erzpriesterthümer 
bei Amoldt, Kirchenhist. S. 269, 833, 358 und besonders S. 370 ff. 481 ff. 
562 ff. 

3<«) Amoldt, Kirchenhist. S. 663. 

3*^ Nach dem Kirchenbuche zu Hohenstein. Amoldt, Kirchenhist. S. 562, 



L 



288 Neuere Zeit 

des Erzpriesters Georg Keich, welcher zwischen 1697 und 1702 
fiel, also ungefähr um dieselbe Zeit, horte auch die Inspection 
Neidenburg, schon um 1541 erwähnt, auf^*®). Beide Sprengel 
wurden vorläufig zur Inspection Salfeld geschlagen. 

Dagegen wurden vom Jahre 1682 an auch mehrere neue 
Inspectionen gegründet. lieber die von Kreyzenschen im Barten- 
steinschen - gelegenen Güter hat von diesem Jahre an M. Bern- 
hard Eeimann, Pfarrer in Feisten, die Inspection verwaltet, 
was auch von seinen Nachfolgern in dem Pfarramt geschehen 
ist. Es gehörten zu derselben die Kirchen Peisten mit Qans- 
hagen, ferner Albrechtsdorf, Buchholz und Guttenfeld 3*®). Im 
Jahre 1707 wurde die Inspection über die Kirchen der Aemter 
Labiau und Neuhausen dem Pfarrer in Legitten und nachmaligen 
Pfarrer in Labiau, Friedr. Oehlert, übergeben, nach dessen Tode 
die folgenden Pfarrer in Labiau die Inspection über die Kirchen 
des labiauschen Amtes beibehielten. Die Kirchen des neuhausen- 
schen Amtes kamen jedoch bald wieder unter die Aufsicht des 
Oberhoi^redigers , unter der sie früher gestanden hatten ^*^. 
Von der Inspection Lyck wurden zu grosser Entfernung wegen 
die Kirchen des Hauptamtes Johannisburg und drei Kirchen des 
Hauptamtes Rhein, Arys, Eckersberg und Claussen, im Jahre 1715 
getrennt und unter die Aufsicht eines neuen Erzpriesters zu 
Johannisburg gestellt^-'*). Darauf setzte König Friedrich 
Wilhelm I. durch ein Eescript vom 6. März 1725 ^^^) drei neue 
Erzpriester ein, welche den Namen Pröbste führen sollten. Der 
erste, Gabriel Engel, Pfarrer zu Zillen, sollte zu Stallupöhnen 
seinen Sitz haben und folgende Kirchen des insterbu^schen 
Hauptamtes inspiciren : Bilderwetschen, PillupÖhnen, Melkehmen^ 
Zittkehmen, Goldapp, Kleschowen, Szabinen und Podzohnen oder 



kennt das Jahr nicht und missdeutet des Lydicius Worte: Archip. hodie M- 
cundus parentis mei p. m. Andreae Lydicii successor Joachim Moris, welche 
1) zeigen, dass Andr. Lydicius damals todt war, und in welchen 2) Ton keinem 
Archip. secundus oder Adjuncten die Bede ist. 

3") Amoldt, Kirchenhist. S. 563. 

3*») Amoldt a. a. 0. Vgl. Presb. S. 250 flf. 

3Ö0) Arnoldt, Kirchenhist. S. 667, 668. 

3*0 Amoldt, Kirchenhist. S. 668. Vgl. Erl. Preussen S. 671. 

3<^2) Gedruckt bei Jacobson, Evang. Kirchenrecht Ton Preuseen, S. (122). 



Das herzogliche Preussen (Kircheniifiipectioneii). ^89 

Wilhelmsberg. Diese Inspection ist später durcli die Kirchspiele 
Gumbinnen, wo dann die Erzpriester ihren Sitz nahmen, Szir- 
gupöhnen, Gerwisskehmen und Dubeninken erweitert, doch kam 
Wilhelmsberg von derselben ab ^^^). Das zweite Erzpriesterthum 
sollten die Aemter Angerburg und Lötzen,' früher rastenburger 
Diöcese, bilden; es wurde dem Pfarrer zu Angerburg M. 
Helwig übertragen. Endlich wurden die Aemter Soldau und 
Neidenburg von dem salfeldachen Sprengel getrennt und dem 
Pfarrer zu Soldau Samuel Tscepius als eigenes Erzpriesterthum 
übertragen. Nach des Tscepius Tode erbieten die Erzpriester 
dieser Inspection ihren Sitz zu Neidenburg ^^*). Endlich seit 
1740 wurde auch das Erbamt Gerdauen, welches bis dahin 
zur Inspection Eastenburg gehört hatte, eine eigene Inspection, 
welche wechselsweise die Pfarrer von Gerdauen und Nordenburg 
auf Lebenslang versahen ^^^). 

Die Grenzen der geistlichen Sprengel fallen mit 
den Grenzen der Hauptämter meistentheils zusammen, wenn- 
gleich ein Amt zwei Inspectionen und eine ziemliche Anzahl 
der Inspectionen mehrere Aemter enthält. Im Einzelnen ist 
hierüber für das achtzehnte Jahrhundert Folgendes zu bemerken. 
In Samland gehören zu den Inspectionen Fischausen, Schaaken, 
Labiau, Tilsit, Ragnit, Memel die Kirchen der gleichnamigen 
Hauptämter, nur dass die Gamisonkirche zu Pillau unmittelbar 
unter dem Feldconsistorio stand, und Inse, schaakenschen Amtes, 
seit seiner Verbindung mit Kallninken wohl zur tilsiter In- 
spection gehörte ^^^). Der Erzpriester zu Wehlau beaufsichtigte 
die Kirchen des Amtes Tapiau ausser der zu Tapiau, aber 
ausserdem (nach 1727) noch Salau und Berskallen, insterburgi- 
schen Amtes ^ 5'). Die übrigen Kirchen des insterburgischen 
Hauptamtes waren unter die beiden Erzpriester zu Insterburg 
und Gumbinnen (früher Stallupöhnen) vertheilt. Die Inspection 
des Oberhofpredigers erstreckte sich in Samland über das Haupt- 



3W) Arnoldt, Kirchenhist. S. 668, Presb. S. 109 flf. 
354) Arnoldt, Kirchenhist. S. 669. 

3") Arnoldt, Presb. S. 241. Erl. Preussen, Bd. 4, S. 569. 
358) Arnoldt, Presb. S. 145. 

3*^ Man vgl. das Erl. Preussen, Bd. 4, S. 566, mit Arnoldt, Presb. S. 65 7 

19 



290 Neuere Zeit. 

amt Neuhausen und die Kirche zu Tapiau^^®) des tapiaoBchen 
Amtes, in Natangen über die Hauptämter Brandenburg und 
Balga. Nur die drei Kirchen des brandenburgischen Amtes: 
Ottenhagen, Steinbeck und Neuendorf, standen unter der In- 
spection des Pfarrers der Altstadt Königsberg ^5^), und Gutten- 
feld im balgaschen, so wie vier schon genannte Kirchen im 
Hauptamte Bartenstein wurden von dem Erzpriester zu Feisten 
inspicirt. Die übrigen Kirchen der Hauptämter Bartenstein und 
Pr.-Eilau inspicirt der Erzpriestcr von Bartenstein. Das Erbamt 
Gerdauen hatte seine eigene Inspcction. Zur Inspection Basten- 
bürg gehörten die Kirchen der Hauptämter Ilastenbui^, Barten, 
Sehesten säramtlich, ferner die Kirchen llhein, Nicolayken, Eich- 
medien, Szimonken aus dem Hauptamte Eheiu, endlich die 
Kirchen Friedrichshof und Jcnitten aus dem Hauptamt Ortels- 
burg^^^). Die Inspection Angerburg umfasste, wie gesagt, die 
Hauptämter Angerburg und Lötzen, die Inspection «Tohannisbui^ 
das gleichnamige Hauptamt und drei schon genannte Kirchen 
des Hauptamtes Rhein, die Inspection Jjyck die Hauptämter Lyck 
und Oletzko und das Erbamt Neuhof. Im Oberlande gehörten 
zur Inspection Pr.-Holland die Hauptämter Pr.-Holland, Morungen 
und Liebstadt, zur Inspection Salfeld die Hauptämter Pr.-Mark» 
Liebemühl, Osterode, Höllenstein und Orteisburg, dieses mit Aus- 
nahme der beiden schon genannten Kirchen, ausserdem einige 
Zeit die Aemter Gilgenburg und Deutsch-Eilau , zur Inspection 
Neidenburg die Hauptämter Neidenburg, Soldau und wohl bald 
nach 1727 auch das Erbamt Gilgenburg ^c i) ^ 2ur Inspection 



35«) In den Verzeichnissen von 1721 und 1727 ist dies nicht bemerkt, 
wohl aber bei Amoldt, Presb. S. 38r. 

3^^ In den Verzeichnissen bei Grube und im Erl. Preussen nicht bemerkt, 
dagegen in Amoldt's Presb. S. 220. Allenau ist im Erl. Preussen (aber nicht 
bei Grube) mit Unrecht zur Inspection Wchlau gezogen. 

360J Diese beiden Kirchen gehörten nach den Verzeichnissen bei Qrvh» 
und im Erl. Preussen noch zu Salfeld, nach Amoldt, Presb. S. 306, nach 
Bastenburg. 

3*^) Es ist im Erl. Preussen, also noch 1727, zu Salfeld gerechnet, obwohl 
die Inspection Soldau-Neidenburg schon gegründet war. Vgl. Amoldt, Presb. 
* S. 480. Wenn Amoldt ausser den drei genannten Aemtem S. 480 noch die 
drei Kirchen Gardienen, Tannenberg und Frögnau aus dem hohensteinschen 
Amt als zur neidenburgschen Inspection gehörig anführt, so widerspricht er 
sich selbst, da er diese Kirchen S. 451, 4.58 ausdrücklich ins Erbamt Gilgen- 
bürg setzt. 



Das herzogliche Preussen (Eircheninspectionen). 291 

Riesenburg im Anfange des Jahrhunderts das Hauptamt Riesen- 
burg und das Erbamt Schönberg, später nur das erstere, zur 
Inspection Marienwerder bis um 1727 nur das gleichnamige 
Hauptamt, später auch die Erbämter Schönberg und Deutsch- 
Eilau 362). 



Dritter Abschnitt. 

Eintheilnng und Hauptorte des polnischen Preussen. 
1. Palatinate, Districte, Starosteien. 

Schon im Jahre 1454, gleich nach der IJebergabe Preussens 
an Polen durch die Bevollmächtigten des preussischen Bundes, 
ernannte der König Kasimir Johann von Baisen zum Guber- 
nator des Landes und setzte demselben vier Woiwoden zur 
Seite, Augustin von der Schewe als "Woiwoden des Culmerlandes 
zu Graudenz, Stibor von Baisen als "Woiwoden des königsbei^- 
schen, Gabriel von Baisen als Woiwoden des elbingischen Ge- 
bietes und Johann von der Jene als "Woiwoden Pommerellens ^^^), 
Nach dem damaligen Plane sollten die drei zuerst genannten 
Woiwodschaften ohne Zweifel ganz Preussen im Osten der 
Weichsel und zwar in der Art umfassen, dass sie von einander 
durch die Territorien der Bischöfe von Pomesanien und Erme- 
land getrennt würden. Dieser Plan kam aber nicht vollständig 
zur Ausführung, indem der Orden einen Theil seines Landes 
rettete, und nach dem thorner Frieden konnte ausser den beiden 
Woiwodschaften Pommerellen und Culmerland nur noch eine, 
Marienburg, gegründet werden, zu welcher alles auf der rechten 
Seite der Weichsel und nördlich von Pomesanien an Polen ab- 
getretene Land geschlagen wurde. Die Würde eines Statthalters 
ging mit dem Tode Stibors von Baisen ein 3®*). 

Die drei Woiwoden besassen wenigstens in späteren 
Zeiten jeder zugleich eine Starostei, der culmische Schönsee, der 
marienburgische Christburg, der pommerellische Schöneck, deren 



302) Amoldt, Kirchenhist. S. 670. Vgl. die Presb. S. 404, 485. 
363) Schütz fol. 203. Voigt Bd. 8, S. 383 ff. 

3") Schütz fol. 333 sagt unrichtig: schon 1467. Vgl. Lengnich, Geschichte 
der Prcuss. Lande königl. polnischen Antheils, Bd. 6, S. 6. 

19* 



292 Neuere Zeit. 

Einkünfte ihnen zu. Gute kamen. N^eben denselben wurde in 
jeder Woiwodschaft scj^on während des grossen Kri^es ein 
Castellan eingesetzt , der culmische , der elbingische und der 
danziger Castellan. „Die drei Castellane haben keine besondere 
Verrichtung, sondern werden nur bei einem allgemeinen Aufgebot 
des Adels als Lieutenants der Woiwoden angesehen; ihre Ein- 
künfte haben sie von den Starosteien, die sie zugleich ver- 
walten." Um 1478 wurde ausserdem in jeder Woiwodschaft ein 
Unterkämmerer eingesetzt, während es vorher einen Land- 
kämmerer für das ganze polnische Preussen gegeben hatte. „Die 
drei Unterkämmerer haben ebenfalls keine besonderen Functionen, 
sondern führen nur diesen Titel und haben als Landesräthe vor 
dem übrigen Adel den Vorzug." 

• Gleich nach der Uebergabe Preussens setzte der König den 
preussischen Landesrath ein, zu welchem ausser dem Statt- 
halter und den Woiwoden noch einige Edelleute und die Ab- 
geordneten der grösseren Städte gehörten. Die festeren Formen 
desselben bildeten sich aber erst allmählich aus. Die Bischöfe 
von Ermeland imd Culm, welche während des grossen Kri^^es 
noch nicht in dem Landesräthe gesessen haben, erscheinen da- 
selbst doch bald nach dem Ausgange desselben; der cujavische 
dagegen erhielt dieses Eecht nicht, da man ihn als einen Aus- 
wärtigen betrachtete. Der grösseren Städte zählte man anfai^ 
sieben: Culm, Thorn, Elbing, Braunsberg, Königsberg Altstadt 
und Kneiphof, Danzig. Von diesen Städten schieden aber vier 
aus der Eeihe aus, die Altstadt und der Kneiphof Königsberg, 
weil sie wieder in den Besitz des Ordens kamen, Culm, weü 
es wegen Verraths der Bundessache seiner Privilegien beraubt 
wurde, Braunsberg wahrscheinlich, als der ermeländische Bischof 
selbst in den Landesrath trat. Dieser letztere bestand seit etwa 
1508 aus den beiden Bischöfen, den drei Woiwoden, den drei 
Castellanen, den drei Unterkämmerem und je zwei Abgeordneten 
der Städte Thorn, Elbing und Danzig, die jedoch nur je eine 
Stimme führten ^^^). 



38&) Lengnich, Von dem preuss. Landesrath etc. in der Geschichte der 
Lande Preussen etc. Bd. 6, S. 1 — 38. Vgl. auch Mart. Cromer de repnbL 
et magistr. Polen, bei Mitzier, Script, rerum Pol. T. I. p. 171, und Staro?ol* 
scii Polon. ebenda p. 459. 



Das polnische Preussen (Palatinate, Districte, Starosteien). 29S 

Die gemeinen Landtage, früher in ordentliche und ausser- 
ordentliche getheilt, von welchen die ersteren seit 1652 ein- 
gingen, wurden in der Regel in Marienburg oder in Graudenz 
gehalten, die kleinen Landtage, welche jenen in den einzelnen 
Woiwodschaften vorausgingen, für die culmische zu Schönsee, 
für die marienburgische zu Stuhm, für die pommerellische zu 
Stargar dt. Die pommerellische Woiwodschaft hatte wegen ihres 
weiten Umfanges vor den übrigen das Eigenthümliche, dass, ehe 
es zu dem kleinen Landtage in Stargardt kommt, die Bezirke 
Dirschau, Schwetz, Tuchel, Schlochau, Mirchau und Putzig zuvor 
ihre eigenen Zusammenkünfte halten ^^^). 

Der Adel hatte in jeder Woi'^odschaft seine Schloss- und 
Landgerichte. Die ersteren, auch Grodgerichte genannt, be- 
fanden sich an den Hauptorten der drei genannten Starosteien, 
welche die Woiwoden selbst verwalteten. Die Zahl der Land- 
richter vermehrte sich allmählich; König Kasimir verordnete 
1468 sechs Landrichter, einen in der culmischen, einen in der 
marienburgischen und vier in der pommerellischen Woiwodscherft, 
nämlich für den dirschauer, schwetzer, schlochauer und danziger 
Bezirk ^^^). Etwa hundert Jahre später finden wir in den Woi- 
wodschaften von Culm und Marienburg wie früher einen, in 
Pommerellen dagegen sieben Landrichter in ebensoviel Bezirken : 
Schlochau, Tuchel, Schwetz, Dirschau, Zuckau, Putzig, Mirchau ^^^). 
Noch vor Ablauf des sechzehnten Jahrhunderts hatte der 
michelauer District einen eigenen Landrichter, der die Land- 
gerichte abwechselnd in Strassburg und Neumark, wie der cul- 
mische zu Eheden und Thom, hielt; der marienburgische hielt 
die Landgerichte zu Stuhm 3^®). Im achtzehnten Jahrhundert 
kommt bei Lengnich ein Landrichter des zuckauschen Bezirks 
nicht mehr vor^^^). 



366^ Lengnich, Heutiger Zustand der preussischen Begimentsyerfassung etc. 
in seiner Geschichte der Lande Preussen, Bd. 5, S. 1 — 60. 

3«') Dlugoss Lib. XIII. p. 434. 

3«8) Cromer de republ. et magistr. Polon. bei Mitzier T. 1. p. 172. Vgl. 
Starovolscil Polonia ebenda p. 469, 460. Hartknoch, A. u. N. Preussen, S. 631. 

36«') Jus terrestr. nobilitatis Prussiae correctum anno 1698, §. 23. 

3'0) Lengnich Bd. 6, S. 30. Wenn Lengnich anführt, der dirschauer und 
danziger Bezirk seien unter einem Landrichter yereinigt, so ist es nicht au 
verkennen, dass der danziger Bezirk hier mit dem früheren suckauer zusammenfällt. 



-. 294 Neuere Zeit. 

Nur ein kleiner Theil der Staatsgüter deö polnischen PreiUBen, 
wie des Königreichs überhaupt, wurde zum Unterhalt des Königs 
ausgesetzt und führte den N'amen königlicher Tafelgüter oder 
Oeconomieen. Ursprünglich gab es in Freussen nur eine 
solche Oeconomie, Marienburg^^*)> ^u welcher der grosse und 
kleine marienburger Werder und das Gebiet von Birschau, wahr- 
scheinlich auch das Gebiet von Eoggenhausen gehörte. Boggen- 
hausen wird um das Jahr 1648 als eine besondere Oefconomie 
angeführt ^'^^), ebenso noch später Dirschau^^^); Dirschau ge- 
hörte aber ursprünglich zu der marienburger Oeconomie 3^*), 
ebenso wie die Gebiete Tiegenhof ^''^) und Bärwalde -(Bahren- 
ljQf)3 70)^ welche alle nur durch Verpfändung oder Verpachtung 
zeitweise von derselben getrennt wurden. Alle übrigen Staats- 
güter waren unter dem jS^amen königlicher Lehnsgüter in den 
Händen von Privatpersonen, welche den Ertrag derselben gegen 
eine geringe jährliche Abgabe an den Staat genossen. Diese 
Lehnsträger hiessen theils Starosten, theils Tenutarien. Die 
Starosten hatten die Aufsicht über ein Schloss und einen 
grösseren Bezirk und in dem letzteren nicht nur die Polizei- 
verwaltung, sondern auch in gewissen Grenzen über Edelleute 
und bäuerliche Besitzer die Jurisdiction; die Tenutarien 
besitzen von den Starosteien abgezweigte Güter, theils ohne zu- 
gehöriges Territorium, theils mit einem solchen, aber immer 
ohne Jurisdiction über Edelleute; denn diese steht auch in den 
Tenuten den Starosten zu 3^^). Unter den Starosten des pol- 
nischen Preussen war der von Marienburg der vornehmste, ob- 
wohl er nichts mit der Oeconomie und mit der Polizeiverwal- 
tung zu thun hatte. Die Starosteien Preussens waren nach 



3'^) Noüh Cromer de republ. p. 172 nach der Mitte des sechaelmten Jahr- 
hunderts führt nur eine an. 

3'2) Lengnich, Gesch. der preuss. Lande, Bd. 7, 14. Lengnich, Staats- 
recht des polnischen Preussen, aus dem Lateinischen Übersetzt Y<m K&nhold 
1760, S. 182. 

3") (Eoscius) Westpreussen von 1772—1827, Marienwerder 1828, S. 95. 

3'4) Lengnich Bd. 8, S. 62, 181. 

3") Lengnich Bd. 5, S. 177; Bd. 6, S. 225. 

3'ö) Lengnich Bd. 8, S. 85. Hieher gehört die Mappa Qeogr. trium in- 
sularum in Frussia von Endersch 1753. 

3") Cromer de republ. p. 152, 153. 



Das polnische Preussen (Pnlatinate, Districte, Starosteien). 295 

Cromer in der zweiten Hälfte des sechzehnten Jahrhunderts 
folgende: im Palatinat Marienburg ausser Marienburg selbst 
Stuhm, Mewe, Neuenburg, Stargardt; im Palatinat Pommerellen: 
Schlochau, Tuchei, Seh wetz, Dii*schau, Putzig; im culmischen 
Palatinat: Straesburg, Graudenz, Rheden, Golub, Roggenhausen, 
Brathean, Hchönsee, Engelsburg 3^^). Es fällt dabei auf, ist aber 
doch nicht unmöglich, dass die Starosteien Mewe, Neuenburg 
und Stargardt zum Palatinat Marienburg, nicht zu Pommerellen 
gerechnet sind. Auch fällt es auf, dass die mit den Woiwod- 
schaften Marienburg und Pommerellen verbundenen Starosteien 
von Christburg und Schöneck nicht mit erwähnt sind, während 
dies doch mit Schönsee in der Woiwodschaft Culm der Fall ist. 
Jedenfalls ist die Zahl der Starosteien später eine andere ge- 
wesen, als Cromer sie angiebt. Hartknoch um 1684 nennt 
folgende : 

Im Palatinat Marienburg vier: Marienburg, Christburg, 
Tolkemit, Stuhm. 

Im Palatinat Culm acht : SchÖnsee, Rheden, Graudenz, Leipe, 
Golup, Engelsburg, Strassburg, Bratian. 

Im Palatinat Pommerellen siebenzehn: Schöneck, Tuchei, 
Kyschau, Putzig, Neuenburg, Mirchau, Hammerstein, Osiec, So- 
bowitz, Jassenitz, Parchow, Borzechow, Schwetz, Behrendt, 
Dirschau, Mewe, Schlochau ^^^). 

In späteren Zeiten werden noch andere Bezirkseintheilungen 
des polnischen Preussen angeführt, die wir hier aufnehmen, ohne 
über die Bedeutung derselben näheren Aufschluss geben zu 
können. Um das Jahr 1763 zerfiel die Woiwodschaft Culm in 
den thorner, graudenzer, rhedener, neumarker und strassburger 
Kreis, von denen die beiden letzteren zum michelauer Lande 
gehörten; die Woiwodschaft Marienburg in die Kreise Marien- 



3 '8) Cromer de republ. p. 172. Praefectura Gaprivunensis ist Coprzywno 
(Engelsburg). Neuenburg und Mewe kommen bei Lengnich als Starosteien oft 
vor, aber ohne dass mau erkennt, dass sie zum Palatinat Marienburg gehören. 

''") Hartknoch, A. u. N. Preussen, S. 63Ö, ygl. Hartmann, Bespubl. Prus- 
siae (geschrieben 1686) in Act. Boruss. T. II. p. 29. Friederich, Alt- und 
Neu-Polen, S. 127, nennt nach einer mir nicht bekannten Quelle folgende 
Starosteien in Pommerellen : Schöneck, Bialenburg, Mewe, Borzichow, Schlochau, 
Mirchau, Parehow, Stargardt, Sobun, Tczewenalczy und Tczynwalo. Die drei 
letzteren Namen sind mir ganz unbekannt. 



296 Neuere Zelt. 

bürg, Stuhm, Christbui^ und Tolkemit, welche von den" dortigen 
Starosteien nicht verschieden gewesen zu sein scheinen; die 
Woiwodschaft Pommcrellen in die Kreise Danzig, Dirschau, 
Neuenburg, ßchwetz, Tuchel, Schlochau, Mirchau und Putzig, 
die wieder den Landgerichtskreisen entsprechen, nur daas hier 
der neuenburger Kreis hinzugekommen ist^^^). 

Auf der grossen Karte des polnischen Reiches von Bizzi 
Zannoni vom Jahre 1772 3^*) werden folgende Bezirke (Po- 
wiat) angeführt. In der Woiwodschaft Marienbui^: Marien- 
burg und Stuhm; in der Woiwodschaft Culm: das michelaaer 
Land und die Bezirke Culm, Rheden, Thorn, Schönsee, Ghraudenz, 
Neumark, Czynia, Ziez' ; in der Woiwodschaft Pommern : Danzig, 
Birschau, Neuenburg, Stargardt, Tuchel, Schlochau, Mirchau, 
Schwetz, Putzig, Schöneck ^s^). Auch diese Eintheilung scheint 
im Wesentlichen doch wieder auf die Bezirke der Landgerichte 
zurückgeführt werden zu müssen ; die der pommerschen Gerichte 
haben wir hier vollständig , nur vermehrt durch Schöneok, die 
Starostei des Woiwoden, und Neuenburg und Stargardt, die Sta- 
rosteien, die früher zu Marienburg gehörten. Ln Culmerlande 
sind neben Michelau und Neumark noch Czynia und Ziez' hin- 
zugefügt, welche auf der Zannoiirschen Karte etwa da zu finden 
sind, wo man auf neueren Karten Trczyn (an der Welle) und 
Grodziczno (an der Katlewka) in dem Gebiete findet, welches 
einst zwischen den beiden Hälften des Bisthums Löbau dem 
Orden zugehörte. Alle vier Bezirke zusammen werden zu dem 
michelauer, die fünf anderen zum culmer Landgericht gehört 
haben. Im Palatinat Marienbuig scheint nur die königliche 
Oeconomie Marienburg von dem Bezirk der drei Starosteien ab- 
gesondert zu sein ^®^). 



380^ Grundriss der polnischen Staatsverfassung ans dem FranzSsiscken, 
Frankfurt a. M. 1763, S. 39—41. 

381) Carte de la Pologne par Kizzi Zannoni 1772, Uebersichtsblatt. 

382) Eben diese Bezirke, wahrscheinlich nach eben dieser Quelle, führt 
auch Friederich, A. u. N. Polen, S. 122, 123, 127 auf; nur erwähnt er in 
Pommerellen seltsamer Weise Berendt statt Stargardt und fügt Lauenburg und 
Bütow noch hinzu. 

^83) Die Südgrenze des Culmerlandes ist bei Zannoni und auch bei Kanter 
merkwürdiger Weise in Polen tief hineingeschoben. Sie geht von der Drewenx 
längs des Nebenflusses, an welchem Wola und Kikol liegen, bis nach Kikol 



Das polnische Preussen (Territorien, Städte). 297 

2. Die wichtigsten Territorien, die Städte. 

Die zum polnischen Preussen gehörigen Bezirke Lauen- 
burg und^ütow wurden dem Lande schon früh entfremdet. 
Im Anfange des grossen Krieges wurden sie auf den Rath der 
Danziger von König Kasimir dem Herzog Erich von Pommern 
zu treuer Hand übergeben^®*). Dieser lieferte sie im Jahre 
1460 den HLauptleuten des Ordens aus^^^), brachte sie aber 
durch Auszahlung ihrer Soldforderungen an den Orden im Jahre 
1466 wieder an sich 3®^). Auch im Anfange des sechzehnten 
Jahrhunderts (1504) waren sie im besitz der pommerschen 
Fürsten ^^^). Im Jahre 1526 übergab sie König Sigismund den 
Gebrüdern Georg und ^Barnim, Herzögen von Pommern, als sie 
ihm 14,000 ungarische Gulden Ehesteuer, „von wegen Frau 
Annen, des Königs Schwester, schuldig", erlassen hatten, als erb- 
liches Lehn ^^^), Nach dem Aussterben der pommerschen Stamra- 
fürsten mit Bogislaw XIV. (10. März 1637) fielen sie als er- 
ledigte Lehen wieder an die Krone Polen. Durch den brom- 
berger Vertrag kamen sie, wie wir bereits sahen, als polnische 
Lehen an den Kurfürsten von Brandenburg. 

Ueber die Gebiete der Bischöfe des Culmerlandes und 
des Er melandes ist Folgendes zu bemerken. Der erstere kam 
in dieser Periode auch in den Besitz der Stadt Culm und der 
Schlösser Althaus und Papow. Diese Stadt, einst als civitas 
principalis et capitanea^®^) hervorragend, sank von ihrer Höhe, 
seitdem sie in dem grossen Städtekriege zuerst (1454), wie die 
glücklicheren Schwesterstädte, sich in den Schutz des polnischen 
Königs begeben hatte, dann aber (1457) wieder zum Orden 
übergetreten war. König Alexander schenkte sie im Jahre 1505 



hinauf und zieht sich von hier nordöstlich gegen Gurzno, dieses einschliessend. 
Bei Endersch, Mappa Geogr. Boruss. Orient, et occident. 1758, ist dies noch 
nicht der Fall. 

384) Schütz fol. 210. Voigt Bd. 8, S. 427. 

385) Schütz fol. 285. Voigt Bd. 8, S. 602. 
38«) Schütz fol. 326. Voigt Bd. 8, S. 690. 

-387) Schütz fol. 413. 

388) Urkunde , von 1526 bei Prilnsius de provinc. Polon. , bei Mitzier, 
Script, rer. Polon. T. I. p. 368. Vgl. Hennenberger S. 33. . 

380) Cod. dipl. Pruss. II. p. 45. 



208 Neuere Zeit. 

den culmiöclien Bischöfen oigcnlhümlich , daher sie denn auch 
von dieser Zeit an bis zum Jahi'c 1772 eine bischöfliche Htadt 
gewesen ist ^^"). 

Auch das Ermeland wurde durch königliche Schenkungen 
erweitert, aber, nur vorübergehend. Die eine — das Fischamt 
Schar fau — blieb den Bischöfen nur in den Jalu*en 1505 bis 
1531, wo es an Danzig kam, worüber später das Nähere; die 
andere, welche namentlich dem Ka])itel zu Gute kommen sollte, 
wurde nach etwas längerem Nicssbrauche rückgängig. König 
Sigismuud I. schenkte nämlich der ermeländischen Kirche im 
Jahre 1508, um die Lage derselben zu verbessern, den District 
Tolkemit in seinem ganzen Umfange bis zu den Grenzen der 
Stadt Elbing und des Districts Pr. -Holland und ausserdem die 
Dörfer Krebsdorf (ist ohne Zweifel Kreutzdorf), Karschau und 
Neukirclie, die sein Vater Kasimir dem Brigittenkloster in El- 
bing angewiesen hatte, über die er jedoch jetzt wieder verfügen 
konnte, da dieses Kloster nicht zu rechtem Bestände gekommen 
war, durch ewige und unwiderrufliche Schenkung auf Lehne- 
recht. Der Bischof trat diese Besitzungen, indem er allem An- 
rechte auf dieselben entsagte, dem Kapitel allein ab, und König 
Sigismund genehmigte auch diese Ucberti*agung im Jahre 1519 ^®'). 
Aber schon auf dem Eeichstage zu Lubliii im Jahre 1569 verlor 
'das Kapitel diese Güter. Der Reichstag nahm es nicht für den 
Eigenthümer des Districts, sondern als blossen tenutarius an. 
Es hatte hinterher noch Mühe, seine darauf verwendeten Gelder 
zurückzubekommen ^^^), Kreutzdorf, Karschau und einige andere 
Ortschaften, welche ausserhalb der alten Grenzen des Ermelandes 
liegen und doch bis in die neueste Zeit zum Ermelande gehört 
haben, scheinen demselben eben damals deflnitiv überlassen zu sein. 



380) Hartknoeh, A. u. N. Preussen, Addenda ad pari. II. cap. 3, p. 876. 
Vgl. Goldbeck, Westpreussen , S. 31. Nach Lucaniis, Preussen, S. 697 (ge- 
schrieben um 1747) befanden sich damals auch Engelsburg, Bheden, Neumsrk 
und Lautenburg in den Händen des culmer Bischofs. Ich kenne die Quelle, 
resp. Zuverlässigkeit dieser Notiz nicht. Die Ortschaften, welche der Stadt 
Culm gehörten, sind verzeichnet in der Topogr. des Beg.-Bezirkes Muien- 
werder, S. 35. 

3Ö1) Die Urkunden von 1508 und 1519 stehen in dem fräuenburger Fol. 
„AUerlcy Grenzen", fol. 67, 70. 

3^2) Nach freundlicher Mittheilung des Herrn Secretär Saage in Frauen- 
burg. Die Acten hierüber befinden sich im Kapitelsarchiv zu Frauenbnig. 



Das polnische Preussen (Territorien, Städte). 299 

Ermeland war im vorigen Jahrliimdert in folgende zehn 
Aemter getheilt, deren Hauptorte die gleichnamigen Städte 
waren: 1) Amt Frauenburg mit dem Kirchdorf Bludau. 2) Amt 
Braunsberg mit den Kirchdörfern Ejreuzkirche , Pettelkau, Gr.- 
Rautenberg, Tiedmannsdorf, Schalmei. 3) Amt Melsack mit den 
Kirchdörfern Legsen (oder Layss), Peterswald, Tolksdorf, Plast- 
wig, Langwalde, Wusen, Stegmannsdorf, Henrikau, Sonnenwalde, 
Lichtenau, Piauten, Frauendorf. 4) Ajnt Wormditt mit den 
Kirchdörfern Migehnen, Kressen, Basien, Open, Benem, Ams- 
dorf, Kalkstein, Elditten, Wolfsdorf. 5) Amt Heilsberg mit den 
Städten Heilsberg und Bischofsstein und den Kirchdörfern Rei- 
merswalde, Raunau, Reichenberg, Wargitten^ Stolzhagen, Blanken- 
see, Rogausen, Krekollen, Kiwitten, Schulen, Wusslack. 6) Amt 
Guttstadt mit den Kirchdörfern !Peterswalde, Regertlen, Glottau, 
Queetz, Heiligenthal, Schölitt, Rosengart, Münsterberg, Süssen- 
thal, Eschenau, Nossberg. 7) Amt Allenstein mit den Kirch- 
dörfern Diwitten, Brauns walde, Neu-Kokendorf, Jonken dorf, Gett- 
kendorf, Schöneberg, Ditterswalde, Schönbriick, Gr.-Berting, Gris- 
linen, Wutrinen, Gr.-Purden, Klaukendorf, Gr.-Kleeberg. 8) Amt 
Wartenburg mit den Kirchdörfern Alt- Wartenburg , Lemkendorf, 
Bartelsdorf. 9) Amt Seeburg mit den Städten Seeburg und 
Bischofsburg und den Kirchdörfern Ramsau, Gr.-Beessau, Fleming, 
Freudenberg, Lockau, Frankenau, Sigfrieds walde (oder Seuberts- 
walde), Prositten, Lautern. 10) Amt Rössel mit den Kirchdörfern 
Leginen, Gr.-Kellen, Schellen, Glockstein, Santoppen, Flausen, 
Sturmhübel ^os). 

Die Gebiete der Städte Banz ig und Elbing wurden, wie 
schon erwähnt, gleich im Anfange des Krieges durch Schenkungen 
des Königs Kasimir namhaft erweitert. üeber eine dieser 
Schenkungen geriethen sie mit einander in Streit; den Danzigem 
war „das ganze Werder, Nehrung genannt**, den Elbingem 
das Dorf Jungfrau mit dem ganzen Fischamte, wie es früher 
zum Schlosse Elbing gehört hatte, verschrieben. Ln thorner 
Frieden wurde ein Theil der Nehrung, von der ermelandischen 



383) Nach Büschings Erdbeschr. Th. 1, Bd. 2, S. 1176 — 1178. Vgl. 
Baczko, Verfassung des Bisthums Ermeland, in den Beitr. zur Kunde Preus- 
sens, Bd. 3, S. 410 — 419. Vollständig dargestellt sind die Aemter des Erme- 
landes auf der Karte desselben von Endersch, 1755. 



300 Neuere Zeit. 

Wassergrenze bis zum Tief, dem Orden doch noch belassen. Es 
blieb nun aber die Frage: wem sollte das Stück der Nehrung 
zugehören, welches früher zum elbingor Fischamt gehört hatte? 
Die Elbingor hatten es bereits einige Zeit in ihrer Hand gehabt, 
als die Danziger ihrerseits auf dasselbe Anspruch erhoben und 
deshalb die Entscheidung des Königs ansprachen. Die Elbinger 
erhielten 1485 Befehl, den Ertrag von der Nehrung in einem 
besonderen Kasten aufzuheben, was auch geschah. Der Prooefls 
zog sich in die Länge, bis es den Danzigern endlich gelang, auf 
dem Eeichstage zu Eadom eine neue Schenkungsurkunde von 
dem Könige zu erwirken (1505)^^*). Erst im Jahre 1509 er- 
folgte zwischen beiden Städten ein Vei^leich, nach welchem die 
Elbinger gegen gewisse nachbarliche Zugeständnisse der Danziger 
auf ihre Anrechte an den Besitz der Nehrung Verzicht leiste- 
ten ^^^). Zum Ersatz für den an den Orden abgetretenen Theil der 
Nehrung erhielten die Danziger im Jahre 1526 von -König Sigis- 
mund die Halbinsel Heia mit dem gleichnamigen Städtchen ^^®). 
Das Fischamt von Scharfau verpfändete König Kasimir an 
Bürger von Danzig. König Alexander verlieh es auf dem eben 
erwähnten Eeichstage zu Eadom 1505 an Lucas, Bischof von 
Ermeland, mit der Verpflichtung, jene Pfandinhaber zu befriedigen, 
und mit dem Zugcständniss der Freiheit von Scharweck, Schoss 
und Kriegszuzug. Lucas Nachfolger, Moritz Ferber, verkaufte 
dasselbe nach langen Streitigkeiten ^^^ im Jahre 1531 an die 
Stadt Danzig für die Summe von 15,000 Mark geringer preuf- 
sischer Währung, von welchen ihm selbst 7000, den Erben' 
seines Bruders Eberhard als damaligen Ffandinhabem 8000 Mark 
ausgezahlt wurden. Die Freiheit von Scharweck, Schoss und 
Kriegszuzug musste dabei aufgegeben werden; sechzig Kentel- 
schiffe, welche Alexander dem Bischof Lucas bewilligt hatte, 
behielt Moritz Ferber sich und seinen Nachfolgern vor**®). 



3M) Urkunde von 1505 bei Dogiel T. IV. p. 190. 

3»») Urkunde vom 21. Febr. 1509 bei Crichton S. 48. Vgl. meine Ab- 
handlung über die frische Nehrung in den N. P. P. Bl. 1852, Bd. 1, 8. 100 ff. 

"«) Urkunde von 1526 bei Curike, Danzig, S. 158. 

3»') Urkunde von 1517 bei Dogiel IV. p. 202, 203. 

^*^) Urkunden von 1505 und 1530 auf einer Pergamentabschrift za Elbiiif. 
Vgl. N. P. P. Bl. 1852, Bd. 1, S. 103. 



Das polnische Preussen (Territorien, Städte). 301 

Späterhin hat Danzig noch einige, aber nicht beträchtliche 
Erwerbungen gemacht, nämlich 1) Fidlin und Leppin in der 
Nachbarschaft von Löblau; 2) die Ortschaften "Wartsch, Kanin- 
chenberg, Johannisthai, Bahrenberg, welche einen zusammen- 
hängenden Bezirk an der Kladau bilden; 3) die Ortschaft Eam- 
beltsch, nordwestlich von Dir schau; 4) Prausterkrug am rothen 
Fluss, einem Zufluss der Kladau. Diese Erwerbungen sind, wie 
die Halbinsel Heia, von dem Haupttheile des danziger Gebietes 
getrennt und bilden Enklaven im Palatinat Pommerellen ^^®). 

Wegen des Territoriums von El hing verweisen wir auf das 
im ersten Theile dieser Schrift Angeführte. 

Auch das Gebiet von Thorn wurde in diesen Zeiten be- 
trächtlich erweitert. König Kasimir verlieh der Stadt folgende 
Dörfer und Höfe: Leubitsch, Gramboschin, Gtoss-Rogau, Kirch- 
dorf (das heutige Bauerdorf Papau) und Gerlachsdorf (jetzt Vor- 
werk Papau), Posendorf (Bösendorf?), Lulkau „und so fortzugehen 
die Blosse, die da liegt jenseits der Bormühle mit allen Zin- 
sern, als man gen Culm zeucht, an die Grenze des Hansens von 
Glochau, und dann fort wieder zu gehen gegen die alten Grenzen, 
die Jagdbude mit eingeschlossen^ bis an die Weichsel, und wieder 
aufzugehen bis an derselben unser Stadt Thorn alte Grenzen, 
mit den Dörfern daselbst, nämlich Przysiek, Gorske, Czarnowa, 
Szmagorske (jetzt mit Czarnowa vereinigt) und die Werder in 
der Weichsel" etc., also einen sehr beträchtlichen Theil des Ge- 
biets der Comthurei Thorn *^^). Eine polnische Stadt Nessau, 
welche sich zum Verderben Thorns an der Stelle des früheren 
Ordensschlosses Nessau erhoben hatte, sollte schon nach einer 
Zusicherung des Königs vom Jahre 1454 wieder zerstört wer- 
den *oi). König Sigismund I. schenkte der Stadt die Ortschaft 
Altthorn 1514, und 1527 die Ortschaften Mlewiec, Mlewo und 



3^^) Ein vollständiges amtliches Verzeichniss aller früher zu Danzig ge- 
hörigen Besitzungen findet sich bei Leman, Einleitung in die Proy.-Bechte 
Westpreussens , Beilage ^6, S. 223, vgl. S. 8. Die Zeit der letztgenannten 
Erwerbungen vermögen wir nicht anzugeben. Ob Mönchengrebin jemals zum 
danziger Gebiet gehörte, wie es nach der Karte der drei Werder von Endersch 
beinahe den Anschein hat? 

400) Urkunde Kasimirs, datirt Freitag Bartholomaei 1457, bei Zemecke, 
Thomsche Chronik 1727, p. 67 flf. mit den Erläuterungen bei Wemicke, Be- 
schreibung der Stadt Thorn 1832, S. 251 flf. 

<oi) Urkunde von 1454 bei Zemecke S. 55. 



a02 Neuere Zeit 

Silbersdorf, König Karl Gustav von Schweden 1656 einige Güter 
der Jesuiten. Einige andere Ortschaften wurden durch Taasoh 
erworben. Eine Zeit lang war Thorn auch im Pfandbesitz der 
Stadt Schwetz (bis 1520) *02). 

Königliche Städte gab es ausser den genannten drei grossen 
noch siebenundzwanzig kleinere. Jene Messen wegen der Sorge, 
welche sie für die kleineren Städte in ihren Palatinaten trugen, 
auch Quartierstädte. Die kleineren standen von den Or- 
denszeiten her in einer Verbindung, in welcher Marienburg das 
Directorium führte. Die nächsten an Ansehen waren Graudenz, 
Dirschau, Stargardt und Konitz, welche den Namen bevoll- 
mächtigte Städte führten. Die siebenundzwanzig kleineren 
Städte sind folgende: Marienburg, Christburg, Stuhm, Neu- 
teich, Tolkemit, Graudenz, Strassburg, Lessen, Neumark, 
Rheden, Golup, Lautenberg, Schönsce, Dirschau, Mewe, Neu- 
burg, Schwetz, Putzig, Stargardt, Schöneck, Behrendt, Ko- 
nitz, Baldenburg, Friedland, Tuchel, Hammerstein, Schlochau *®'). 
Sie stammen sämmtlich aus der Ordenszeit. 

Mediatstädte sind die bischöflichen und die eine adlige, 
Neustadt. Die letztere, zu deu Neustadt- und Rutzauschen 
Gütern gehörig, wurde im Jahre 1643 von dem Woiwoden Jacob 
Weyher angelegt und erhielt von ihrem Stifter im Jahre 1656 
ihre Handfeste auf culmisches Rocht, die später von dem Könige 
Johann Kasimir auf dem Reichstage bestätigt ist. Nach ihrem 
Stifter wurde sie anfangs und zum Theil noch jetzt Weyhers- 
frei (Weyherowa) genannt *°*). 

3. Diöcesen, Dekanate, Kirchspiele. 
Die beiden preussischen Bisthümer, in welchen die kaUioli- 



402) Wemickc, Besclir. von Thom, S. 247. Leider ist die zu diesem 
Werke versprochene Karte nicht erschienen. — Vollständiges Verzeichnifls aller 
Ortschaften Thoms im Jahre 1793 bei Leman a. a. 0. S. 22, Anm. 1. Vgl. 
Topogr. des Reg.-Bozirks Marienwerder, S. 132 fF. 

403) Büschiug S. 1154, 1155. Wir vermissen unter diesen Städten Landeck. 
Goldbeek, Topogr. von Westpreussen, S. 75, führt Landeck als könij^. Markte 
flecken auf, der im Jahre 1775 einen Polizeibürgermeister erhielt, der zugleich 
Kämmerer war, und daneben ein gleichnamiges adliges Dorf. 

404) Ygl. Goldbeck, Topogr. von Westpreussen, S. 53. — Hier mag auch 
an die Notiz in Langii reccss. causs. publ. (im Archiv zu £lbing) p. 219 er- 
innert werden: „Die llcrrn AVeihcrs in der Tiege ein Städtchen (Siegmund- 

stadt) stiften wollen" (1612). 



«PP^IMBWnpOT 



Das polnische Preusseii (Diöcesen, Dek^inate, Kircbsplele). 308 

sehe Confession sich erhielt, Ermeland und C a 1 m s e e , blieben 
dem Erzbischof von Riga (wenigstens nominell) unterworfen, so 
lange es einen solchen gab. Nach der Aufhebung des rigaer 
Erzbisthums im Jahre 1566 trat das Bisthum Culmsee, wie 
schon im Frieden zu Thom gerade hundert Jahre zuvor festge- 
setzt war, unter die Metröpolitangewalt des Erzbischofs von 
Gnesen. Das Bisthum Ermeland theilte dieses Schicksal nicht, 
sondern blieb von jeder erzbischöflichen Oberaufsicht frei*°^). 

Ein grosser Theil der pomesanischen Diöcese war 
durch den thorner Frieden an das königliche Preussen gefallen. 
Die geistliche Jurisdiction des pomcsaiiischen Bischofs dauerte in 
diesem Theile seiner Diöcese fort, so lange er der katholischen 
Kirche treu blieb. Nachdem er aber zur lutherischen Reforma- 
tion übergetreten war, musste dies Verhältniss aufhören *°^). Auf 
einer vSynode der polnischen Bischöfe, welche der Erzbischof von 
Gnesen im Jahre 1577 nach Petrikau berief, wurde beschlossen, 
den Pabst um die Vereinigung dieses Theils der pomesanischen 
Diöcese mit dem culmischen Bisthum zu bitten *^^). Die In- 
corporation folgte wenige Jahre darauf. 

Unter der Regierung des Kurfürsten Friedrich Wilhelms III. 
kam es zur Sprache, dass die Bischöfe von Ermeland sich zu- 
gleich Bischöfe von Sa ml and, die von Culm zugleich Bischöfe 
von Pomesanien nannten. In den Urkunden des wehlauer 
Vertrages und des olivaer Friedens musste der erstere den Titel 
eines Bischofs '^on Samland auf Verlangen des Kurfürsten weg- 
lassen; gegen den Gebrauch des Titels Bischof von Pomesanien 
Seitens des culmischen Bischofs wurde 1670 protestirt, und auch 
später hat die preussische Regierung wiederholentlich auf das 
Bestimmteste, z. B. in den Jahren 1732 und 1751, erklärt, dass 
sie diese Titel nicht anerkeune *^®). 

Pommerellcn gehörte, wie in den Ordenszeiten, so auch jetzt 

^^'^) Jacobson, die Metropolitanyerbmduiig Biga's mit. den Bisthümem 
Preussens, in llgens Zeitschrift für die historische Theologie , Bd. 6, Th. 2. 
Xpz. 1836. Vgl. desselben Kathol. kirchenrecht von Preussen, S. 49. 

*^«) Hartknocli, Kirchen historie, S. 1062. 

^"^^ llartknoch a. a. 0. S. 1065. Aber die Synode ist wohl nicht in 
Gnesen, sondern zu Petrikau gehalten, nach Jacobson, Kath. Kirchenrecht, S. 67. 

*^'') Longnich, Gesch. der preuss. Lande ,> Bd. 6, S. 17, 19. Jacobson, 
Kath. Kirchenreeht, S. 168, 169, und die Urkunde von 1803, ebenda S. (304). 



)04 - Neuere Zeit 

noch thcils zu der Diöcese Lesslau, theils unmittelbar zu dem 
Erzbisthum Gncsen. lieber die Eintheilung dieser beiden Stifter 
sind uns aus dem siebenzehnten Jahrhundert detailHrte Nach- 
richten enthalten*^®). 

Das Bisthum L esslau zerfiel um das Jahr 1642 in drei 
Archidiakonate : Lesslau, Cruswitz und Pommerellen. Nur mit 
dem letzteren haben wir es hier zu thun; es enthielt folgende 
Dekanate : Danzig, Putzig, Mirchau, Stargardt, Schwetz, Dirschan, 
Neuenburg, Mewe, Lauonburg, Bütaw und Klein-Werder. Zu 
dem Dekanat D a n z i g gehörten folgende Kirchen: St. Adalberts- 
kirche, Przekowo (?), Pragowo (Prangenau), Quaschin, Rosen- 
berg, Czcpclsko (Secfeld), Klodawa (Kladau?), Szynwald (Schön- 
walde), Zukau, Kölln, Pruszcz (Praust), Zulawka (Koliebken?), 
Kaczkowo (Gr.-Katz), Oliva, Matern, Legniewo (Langenau)*^^. 
Zum Dekanate Putzig: Putzig, Kapelle Liniewo (Ceynowo auf 
der Halbinsel von Heia?), Lepcz (bei Schwarszau), Bheda, Kr<>- 
kow , Schwarzau , Starzin, Strzellin , Rahmel, Gohra, Mechaw, 
Zarnowitz, Okszewa (Oxhöft), Radlowo (Hochredlau), Bulszewo 
(Bohlschau) , Chylova (Kielau) * ' ^). Die drei letztgenannten 
Kirchen werden als häretisch bezeichnet. Zum Dekanat Mir^ 
chau gehörten folgende Kirchen: Karthaus, Stenzycz, Parohan, 
Lusino, Chraelno, Czersko (?), Kielpin, Koscierzyn (Behrendt), 
Mirchau, Lag (?), Sierakowitz, Jadamowo (Niedamowo), Gorren- 
czyn, Lippusch, Swianowo (Sianowo), Solecino (Sullenczyn, da- 
mals neu erbaut), Strzepcz * '2). Zum Dekanat Dirschau: Dir- 
schau, Subkau, Nierosyno (Gerdien?), Wyschyn, Pinschin, Dall- 
win, Polulkowo (Paleschken?), Zblewo (Liebschau?), Kiszewo 
(Kischau), Deblin (Demiin?), Gorzedziey (Garczau?), Mühlbanz, 
Gemlitz, Grodziszewo (?), Drabkiewilkie (Trampken ?)*>3ij. Zorn 



40(>) In Damalewicz vitae Yladislaviensium episcoporum, Cracoviae 1642, und 
Damalewicz vitae Archiepiscoporum Gnesnensium , Warsoyiae 1649. Die er- 
ster e Schrift erhielt ich in Braunsberg, die letztere in Danzig. 

*^^) £ladau gehört gegenwärtig zum Dekanat Dirschau; zum Dekanat Dan- 
zig gehört dagegen noch das hier fehlende Mariensee. Ob das räthselhAfte 
Przekowo damit irgend wie in Verbindimg gebracht werden kann? 

**0 Dieselben Kirchspiele gehören auch jetzt noch zum Dekanat Fntsig 
bis auf das unsichere Liniewo. 

***) Niedamowo gehört jetzt zum Dekanat Dirschau. Man yermisst hier 
noch Alt-Grabau und Rekownitza. 

^^^ Kyschau, Finschin und Paleschken gehören gegenwärtig zum Dekanat 



Das polnische Preussen (Diöcesen, Dekanate, Kirchspiele). 305 

Dekanat Mewe: Mewe, Barloczno, Gartz, Thymau, "Walkrowo 
(Falkenau), Lignowo (Liebenau), Rykowo (Raikau), Dzierzonsno, 
Novacerkiew (Neukirch) * ^ *). Zum Dekanat Stargardt: Star- 
gardt, Lubiszewo (Lubichow), Pruscy (Bruss), Wiale (Wielie), 
Pelplin, Garczyn, Bobau, Zblewo, Skarczewy (Schöneck), Klesz- 
czewo (Kleschkau ?), Jablau, Grabau, Lesno, Kokoske, Szadrau, 
Dombrowken*^^). Zum Dekanat Neuenburg; Neuenburg, Lal- 
kau, Pienonskowo, Komorsz, Plochoczyn, Jahnia, Opalenie (?), 
Piaseczno (?), Dzwierzno (?), Glonowka (Klonowken? scheint 
zu nördlich zu liegen), Kjolowlas, Oschiek, Lubin, Czarnylas, 
Pientzewo (Ponczau), Skurz, Bzovo (Pehsken?)*^^). Zum Dekanat 
Seh wetz: Seh wetz, Jezewo, Topolno, Drzyczym (Dritzmin), 
Zbislaw (Byslaw), Niewiesczyn, Graczno (Grutzno), Lubiewo, 
Michate (Michlau an der Weichsel ?), Osieck (Oschie ?), Sierotzko, 
Schwente (an der Montan), Schwenkatowo, Boledno (?), Schlie- 
witz, Przysierk. Zum Dekanat Klein-Werder gehörten fol- 
gende Kirchen, von denen aber der grösste Theil damals doch 
schon evangelisch gewesen zu sein scheint: Stüblau, Trutenau, 
Käsemark, Lctzkau, Reichenberg, Goczwal (Gottswalde), Itlamia 
(Güttland?), Jemicla (Gemlitz), Wielkie cedry (Gr.-Zünder), Osice 
(Wossitz), Goczlaw (Wotzlaw), Osterwyk oder Suchydab (?). Die 
Kirchen des Dekanats Laue k bürg: Lauenburg , Janowiecz^ 
Beigard, Lubau, Neudorf, Sarbsk, Cbarbiowo, Laben, Dzendelce, 
Garczegorz, Leba, Zawoloniec, Bukowino, Brzezno, Gniewino, 
Osieki, Swartowo, Rozlazyno. Endlich die Kirchen des Dekanats 
B ü t a w : Bütaw, Damerkaw, Kadkaw, Pomesko wielkie, Studnicka, 
Probstei St. Gregor, Borzetuchowiö, Gr.-Tuchen, Damesdorf, Jas- 
sow, Berensdorf. Von dem Erzbisthum Gnesen gehört hieher 



Stargardt. Hier vermisst man noch Locken, Schöneck, Szadran, Garczyn. Die 
drei letzteren werden als Kirchspiele von Stargardt unten genannt. 

^**) Barlozno gehört gegenwärtig zu Neuenburg. Die hier fehlenden Kirch- 
spiele Krolowlas, Czarnylas, Ponczau, Münsterwalde, Pehsken werden der Mehr- 
zahl nach unten bei Neuenburg erwähnt. 

^^^) Bruss, Wielle, und Lesno gehören jetzt zum Dekanat Tuchel, Pelplin 
zu Mewe, Szadrau, Schöneck, Garczyn, wie gesagt zu Dirschau, Grabau zu 
Neuenburg. Die fehlenden Kyschau, Pinschin, Paleschken, Pogutken, Klonow- 
ken sind zum Theil bei Dirschau erwähnt; Klonowken gehörte vielleicht zum 
Dekanat Neuenburg. 

^^ö) Krolowlas, Czarnylas, Ponczau und Pehsken gehören gegenwärtig, wie be- 
merkt, zu Mewe ; das hier fehlende Barloczno ist dagegen unter Mewe aufgeführt. 

20 



306 Neuere Zeit 

nur das Archidiakonat Camin, welches um 1649 in folgende De- 
kanate zerfiel: Schlochau, Hammerstein, Tnchel, Yandsbnrg, 
Nakel und Lobscns. 

Nach der ersten Theilung Polens hatten ausser den genann- 
ten drei Bischöfen und dem Erzbischof Ton Gnesen auch die 
Bischöfe von Posen und Plock Antheil an der geistlichen Jaris- 
diction über das polnische Preussen einschliesslich des Netz- 
distrikts und der übrigen zugleich mit demselben gewonnenen 
Landstriche. Bio hieher gehöiigen Dekanate sind nämlich folgende. 

Das Eisthum Ermeland zerfiel in folgende Dekanate : AUen- 
stein, Braunsberg, Frauenburg, Guttstadt, Heilsberg, Melsad^ 
Eössel, 8eeburg, Wartonburg, Wormditt. 

Das culmische Bisthum in folgende: Culm mit acht, Gulm- 
see mit sechzehn, Thorn mit elf, Graudenz mit fünf, Rheden 
mit elf, Lessen mit acht, Briesen mit zehn, Strassburg mit eH 
Golub mit neun, Neumark mit elf, Lochau mit zwölf, Lanten- 
burg mit acht, Marienburg mit neun, Christ'burg mit elf, Neu- 
teich mit neun , Fürstenwerder mit zwölf, Stnhm mit nenn 
Kirchspielen. 

Die Dekanate des cujavischen oder lesslauschen Bisthnms 
waren folgende: Danzig mit einundzwanzig, Dirschan mit fünf- 
zehn, Mewe mit fünfzehn, Neuenburg mit zwölf, Stargardt mit 
fünfzehn. Putzig mit vierzehn, Mirchau mit zwölf, Lauenbmg 
und Bütaw mit achtzehn, 8chwetz mit siebenzehn, Fordon mit 
neun, Kruschwitz mit vierzehn, Inowrazlaw mit zwölf, Ghiiew- 
kowo mit dreizehn Kirchspielen. 

Von dem Erzbisthum Gnesen gehören folgende Dekanate 
hieher, welche zusammen das Archidiakonat Camin ausmachen: 
Vandsburg mit achtundzwanzig, Lobsens mit siebenzehn, Tuohel 
mit zwölf, Nakel mit elf, Schlochau mit sechsundvierzig, Znin 
mit einundzwanzig und Exin mit vierzehn Kirchspielen. 

Von der posenschen Diöcese gehört hieher nur dae De-. 
kanat Deutsch - Krone mit siebenunddreissig und daa Dekanat 
Czamikow mit siebenzehn Kirchen ; von dem Bisthum Plock nur 
das Dekanat Gorzno mit acht Kirchen *^^. 



*»') Nach Holsclie, Geogr. und Statistik etc. Bd. 3 (1807), S. 79 — 82, 
wo nur die Dekanate des Ermelandes fehlen. 



Das polnische Preussen (Diöcesen, Dekanate, Kirchspiele). 307 

Die Zahl der Klöster und geistlichen Stifter im pol- 
nischen Preussen stieg allmählich noch. Es waren im achtzehnten 
Jahrhundert folgende: 1) die Cistercienserklöster Oliva (aufge- 
hoben 1831) und Pelplin (aufgehoben 1823); — 2) die Domi- 
nikanerklöster Danzig (bestand noch 1835), Dirschau (aufgehoben 
1818), Culm (bestand noch 1835), Thorn (aufgehoben 1819); — 
3) die Franziskanerklöster, und zwar a) conventuales minores 
zu Culm (im Februar 1806 aufgehoben) und zu Culmsee (un- 
bekannten Ursprungs, schon vor 1806 aufgehoben); b) Refor- 
maten, über deren allmähliche Ausbreitung in Preussen es uns 
an Nachrichten sehr fehlt, zu Lonk auf dem Gebiet der Stadt 
Neumark, von dem pommerscRen Woiwoden Paul Dzialinski um 
1640 gegründet*^®) (bestand noch 1835), Neustadt (aufgehoben 
1834), Stolzcnberg (seit 1813 verlassen), Christburg (aufgehoben 
1832), Graudenz (aufgehoben 1802), Strassburg (ausgestorben 
1831), Cadienen bei Tolkemit (aufgehoben 1826); c) Kapuziner 
zu Rehwaldo (unbekannten Ursprungs, aufgehoben 1823); d) Bern- 
hardiner zu Neuenburg (schon vor 1835 ausgestorben), Schwetz 
(unbekannten Ursprungs, aufgehoben 1816), Thorn (desgl. 1821), 
Löbau (desgl. 1820), Wartenburg (desgl. 1832), Springborn bei 
Heilsberg und Jacobsdorf bei Camin (beide unbekannten Ur- 
sprungs, ausgestorben 1826); — 4) das Karmeliterkloster zu 
Danzig (ausgestorben 1822); — 5) Augustinerklöster: a) cano- 
nici reguläres Latcranenses zu Conitz (aufgehoben 1819); b) Bri- 
gitten (Büsserinnen) zu Danzig (bestand noch 1835); c) Prämon- 
stratenscmonnen zu Zuckau (bestand noch 1835); d) Barm- 
herzige Brüder zu Alt - Schottland bei Danzig (unbekannten Ur- 
sprungs, aufgehoben 1806) und Barmherzige Schwestern zu 
Culm (unbekannten Ursprungs, noch 1835 vorhanden); — 6) das 
Karthäuserkloster Marien -Paradies zu Karthaus (aufgehoben 1823); 
— 7) die Bcncdictiner- (Reformaten-) Nonnenklöster zu Culm 
(mit der Filiale Bislawek, aufgehoben 1821), Graud§(nz (bestand 
noch 1835), Zernowitz (desgl.), Thorn (aufgehoben 1831); — 
8) Paulinerkloster zu Topolno bei Schwetz (unbekannten Ur- 



*'») Hartknoch, A. u. N. Preussen, Addend. zu p. 440. Die Kirche zu 
„Launitz zwischen Bretchen und Neumarkt", und die Wallfahrten nach dem- 
selben erwähnt Hennenbcrger S. 251. 

20* 



308 Neuere Zeit. 

Sprungs, ausgestorben 1810); — 9) Missionare zu St. Albrecht 
bei Danzig (aufgehoben 1818) und zu Culm (au%ehoben 1822), 
beide unbekannten Ursprungs * '^). Besonders erwähnenswerth 
ist die Ausbreitung der Jesuiten in der Zeit der . polnischen 
Herrschaft, welche mehrere der älteren Klöster an sich brachten. 
Um die Mitte des achtzehnten Jahrhunderts gab es Jesuiten- 
collcgien zu Braunsberg und Ilösscl im Ermelande, Missionen 
zu Königsberg, Tilsit, Heilige-Linde und Schönberg — sämmt- 
lich zu der Jesuiten -Provinz Jjithauen gehörig. Im polnischen 
Freussen hatten sie Gollegien zu Danzig, Thom, Grauddnz und 
Conitz, eine Residenz zu Marienburg, Missionen in Culm, Danzig, 
Cassubien (und Stargardt? — Szarogrodensis missio), sämmtlieh 
zur Provinz Polen gerechnet *^^). 



Viei-ter Abschnitt. 

Die neuen Verwaltungsbezirke des achtzehnten Jahrhunderts in beiden Theilen 

Preussens und im Netzdistrikt. 

1. Die Kriegs- und Domänenkammern, Domänen- 
ämter, landräthlichen und steuerräthlichen Kreise. 

Die alte patriarchalische llegierung zu Königsberg und Em- 
theilung Preussens in Hauptämter verlor in demselben Maasse an 
Bedeutung, als die Eegierung der brandenburgisch -preussiachen 
Staaten an Einheit und innerer Kraft gewann. Die Organe der 
letztern waren seit der Einführung der stehenden Heere, der 
perpetuirlichen Steuern und der neueren Domänenwirthschaft 
eine lieihc neuer Behörden, an welche die Functionen der kö- 
nigsberger Regierung und der Schlosshauptleute allmählich über- 
gingen, namentlich die Kriegs- und Domänenkammeriiy 



**^) Nach Jacobson, Zur Gesch. derPreuss. Klöster, in Ledeburs N. AxehiT, 
Bd. 1, S. 47 ff. Vgl. Holsche, Westpreussen, S. 84, 85. 

^*°) Catalogus provinciarum , domorum etc. societatis Jesu, Romae 1749, 
reimpress. Brunsbergae 1750, pag. 37 — 40. Statt der ehemaligen Jesniten- 
collegien wurden laut Eeglement vom 1. Juni 1781 zwei Gymnasia academica 
zu Schottland (später eingegangen) und Braunsberg, sechs einfache Gymnasien 
zu Graudenz , Conitz , Bromberg , Marienburg (später eingegangen) , Hassel 
(später Progymnasium) und Deutsch-Krone (später Frogymnasium, seit Kunem 
wieder Gymnasium) und ein geistliches Seminar zu Schottland gegründet. Vgl. 
Jacobson a. a. 0. S. 54. 



Verwaltungsbezirke des achtzehnten Jahrhunderts. 309 

die Domänenämter, die Landräthe und die Steuer- 
rät he , deren Verwaltungsbezirke uns in Folgendem beschäftigen. 
Lange vor der Errichtung der Kriegs- und Domänenkammern 
gab es in der Provinz Preussen, wie in dem brandenburgisch- 
preussischen Staate überhaupt, zwei abgesonderte Behörden, 
welche die Functionen derselben wenigstens theilweise versahen, 
das Kriegscommissariat und die Kammern. Für Kriegs- 
angelegenheiten wurde im Jahre 1684 *2') eine eigene (wahrschein- 
lich mit der preussischen Regierung Verbundene) Kriegskammer 
errichtet, welche im Jahre 1714 den Namen des Kriegscom- 
missariats und zugleich die ausgedehntesten Befugnisse in Kriegs-, 
Steuer- und Handelsangelegenheiten erhielt. Die Domänenämter 
wurden in älteren Zeiten von der preussischen Regierung mit- 
verwaltet, welche 1675 zu diesem Zwecke einige neue Beamte 
erhielt* 2^); Kurfürst Friedrich III. errichtete im Jahre 1698 ein 
eigenes Kammercollegium unter dem Vorsitz des Ober- 
burggrafen *^^). In der von ihm erlassenen Kammerordnung 
kommt auch schon die merkwürdige, die Errichtung einer zweiten 
Domänenkammer vorbereitende Stelle vor: „die tilsitischen Ge- 
fölle hat der Rentmeister jedesmal besonders, wie in der Ein- 
nahme , so auch in der Ausgabe zu halten" *2*). In der neuen 
Instruction für die Kammern, welche König Friedrich Wilhelm I. 
am 30. Januar 1717 erliess *25)^ -vdrd ausdrücklich eine lithaui- 
sche und eine preussisch-deutsche Kammer und in einem Patent 
von 1719 die deutsche Amtskammer zu Königsberg und die 
lithauische Amtskammer zu Tilsit erwähnt* 2^). Unmittelbar 
nach der Eröffnung des General-Ober-Finanz-, Kriegs- 
und Domänen-Directoriums, welches die Geschäfte des 
General-Commissariats und des General-Domänen-Directoriums in 



421> 



1) Baczko, Preuss. Gesch. Bd. 6, S. 404. Vgl. das Beglement für das 
Kriegscommissariat im Königreich Prenssen bei Grube, Corp. Constit. P. II. 
n. 104, p. 407. 

*") Baczko, Preuss. Gesch. Bd. 6, S. 404. 

*23) Kammerordnung Kurfürst Friedrichs III. yon 1698 in den historischen 
Beiträgen, die königl. preuss. und benachbarten Staaten betreffend. 3 Bde. 
BerUn 1783, 1784. Bd. 3, Beilage C, S. 87 flf. 

***) Kammerordnung a. a. 0. S. 92. 

425) Instruction von 1717 in den Beiträgen, Bd. 3, Beilage M, S. 127. 

426) Patent von 1719 bei Grube P. II. n. 236, p. 352. 



310 Neuere Zeit. 

Berlin vereinigte (am 19. Januar 1723)*-'), wurden, wie in den 
übrigen Provinzen, so auch in Proussen die bislierigen Com- 
missariats- und Eammcr-Collcgia aufgehoben und an deren Stelle 
eine neue „Kriegs- und Domänenkammer" errichtet 
Die preussischo Eegicrung erhielt von dem Könige unter dem 
28. Januar 1723 den Befehl, „sich in die in der Kriegs- und 
Domänenkammer - Instruction enthaltenen Sachen weiter nicht 
zu moliren"*^^). Von der Kriegs- und Domänenkammer zu Kö- 
nigsberg wurde bald darauf eine Deputation abgezweigt, welche 
zu Gumbinncn, noch ehe dieser Ort Stadtrecht erhalten hatte, 
ihren Sitz angewiesen erhielt (1724) *2^), und am 22. Augoat 
1736 verfügte der König, dass „das bisherige Deputationscol- 
legium in Lithaucn nicht mehr wie vorhin ein Deputationscol- 
legium, sondern die königl. K r i e g s - und Domänenkammei 
in Gumbinnen genannt, dieselbe auch hinfüro so wenig mit 
der königsberger Kriegs- und Domänenkammer, als diese mit 
jener etwas weiter zu thun haben solle" *^ö). 

Die Verwaltungsbezirke der genannten Behörden lassen sich 
nicht wohl ohne einen Eückblick auf die Geschichte der Do- 
mänen selbst bezeichnen *^ ^). — In den Amtsartikeln des Her- 
zogthums Preussen vom Jahre 1642 wurde unter andern für 
jedes Amt ein gewisser Termin „zur Ablegung und Justificirung 



<27) Förster, Leben Friedrich Wilhelms I. Bd. 2, S. 171. 

*2®) Ordre vom 28. Januar 1723 im geh. Archiv zu Königsberg 21, aa. 
Die Kriegs- und Domänenkaramer in Preussen erhielt, wie hier bemerkt ist, 
zugleich die Aufsicht über die Städte Königsberg und dessen „Kammerei-, 
Polizei- und Stadtwesen'*, welche bisher ein „Polizeicollegium'* geführt hatte, 
wie das Commissariat die über die kleinen Städte. 

*^^) Das geh. Archiv enthält hierüber keine Urkunde. Die Acten der 
gumbinner Deputation sind bei dem Brande des Ecgieru^gsgebäudes au Giun* 
binnen vernichtet. Ich entnehme die obige Notiz aus Lucanus, Preussens alter 
und jetziger Zustand, Manuscr. der königl. Bibliothek zu Königsberg, N. 1551. 
Lucanus scheint namentlich über die lithauischen Verhältnisse gut unterrichtet 
zu sein. 

*30) Ordre vom 22. August 1736 im geh. Archiv 21," aa. 

*^^) Auch auf die Geschichte des Forstwesens und die Eintheilungen der 
Forstverwaltung einzugehen, müssen wir uns versagen. Doch sei die Be- 
merkung verstattet, dass es in der Zeit des Herzogs Albrecht und seines 
Sohnes nach Hennenbefgcr folgende Jagdbuden gab: Gedwabno S. 137, Hasen 
S. 146 (Laukischken S. 249), Maytz S. 312, Poppen S. 358, Frzerossla 
S. 388, Romitten S. 401, Kossocken S. 402 (Sperling S. 436). Duroh Ver- 
fügung von 1717 wurde das Forstwesen den Amtskammern übertragen. Bei- 
träge, Bd. 3, Beilage Q, S. 134. 



Verwaltungsbezirke des achtzehnten Jahrhunderts. 311 

der Rechnung" festgesetzt, und bei dieser Gelegenheit werden 
uns die sämmtlichen damals vorhandenen Aemter aufgezählt*^-). 
Es waren folgende: 

1. In Samland: Schaaken, Grünhof, Caporn, Caymen, 
Fischausen, Dirschkeim, Laptau, Lochstedt, Tapiau, Taplacken, 
Neuhausen, Waldau, Labiau, Tnsterburg, Saalau, Georgenburg, 
Ragnit, Tilsit, Memel. 

2. In Natangen: Brandenburg, Balga, Preuss.-Eilau, Barten- 
stein, liastenburg, Schippenbeil, Oletzko, Barten, Angerburg, 
Lyck, Johannisburg, Arys, Rhein, LÖtzen, Sehesten. 

3. Im Oberlande: Holland, Morungen, Liebstadt, Preuss.- 
Markt, Liebemühl, Dollstedt, Osterode, Hohenstein, Marien werder, 
Riesenburg, Neidenburg, Soldau, Orteisburg *^^). 

Aus dieser Reihe ergiebt sich, wenn man die Hauptämter 
(aber nicht diejenigen, welche mit andern wieder combinirt 
waren) aussondert, die Reihe der damals vorhandenen Kammer- 
ämter, die, in ökonomischer Beziehung unter der Aufsicht von 
Kämmerern getrennt, in anderer Rücksicht als Theile eines 
Hauptamtes angesehen wurden *^*). Es gehörten demnach die 
Kammerämter Grünhof, Caporn und Caymen zu Schaaken, Dirsch- 
keim, Laptau und Lochstedt zu Fischausen, Taplacken zu Ta- 
piau, Waldau zu N^euhausen, Saalau und Georgenburg zu Inster- 
burg, Bartenstein zu Preuss.-Eilau, Schippenbeil zu .Rastenburg, 
Arys zu Rhein, Liebstadt zu Morungen, Liebemühl und Dollstedt 
zu Prcuss.-Markt , Hohenstein zu Osterode, Riesenburg zu Ma- 
rienwerder, Soldau zn Neidenburg *^^). 



432) Amtsartikel von 1642 bei Grube P. II. n. 11, p. 237. 

'»33) Amtsartikel §. 122, p. 253. 

^3») Vgl. Amtsartikel §. 130, p. 254. Vgl. Toppen, der lange königsberger 
Landtag in Eaumers hist. Taschenbuch 1849, S. 497. 

436) Wenn in dem §. 130 der Amtsartikel neben den Hauptämtern Natan- 
gons keine Kammerämter erwähnt werden, so ist dies ganz erklärlich; wenn 
aber ebenda Kammerämter der Hauptämter Orteisburg und Neidenburg (Soldau 
war noch Hauptamt) angeführt werden, so ist nicht abzusehen, welche das 
gewesen sein sollen. — Die Hauptämter wurden übrigens nicht bloss, wo sie 
durch Combination zweier Hauptämter entstanden waren, sondern auch sonst 
mit Hinzufügung der Kammerämter bezeichnet; so treffen wir in der früher 
oft angeführten Consignation der Kirchen etc. auf „Amt Neuhausen und 
Waldau", „Amt Preuss.-Mark, Liebemühl und Dollstädt", „Amt Rastenburg 
und Schippenbeil" und schon in der Urkunde von 1609, Privil. der Stände 
fol. 108 b. Districtibus Tapiavien. Insterburgen. Taplacken. Saalau et Georgenburg. 



312 Neuere Zeit. 

Vergleichen wir diese neunzehn Kammerämter der alteren 
herzoglichen Zeit mit den in der Ordenszeit vorhandenen, so 
treffen wir unter beiden Reihen Bartenstein, Liebstadt, liebe- 
miihl, Hohenstein, Riesenburg und Soldau, die nur einige Zeit 
als Hauptämter galten, ferner Lochstedt, Laptau, Caymen, Waldao, 
Taplacken, Saalau und Georgenburg, die immer blosse Kam- 
merämter geblieben sind; Capom, Grünhof und Dirschkeim 
scheinen an die Stelle der alten Kammerämter Wai^n, Rudan 
und Pobethen oder Germau, Schippenbeil an die Stelle von 
Leuneburg, Dollstedt an die Stelle von Kerschitten getreten zu 
sein; von einem Kammeramt Arys aber ist in der Ordenszeü 
noch nicht die Rede. Hienach hätten sich die Kammerämter 
der Ordenszeit zwar grossentheils als Haupt- und Erbämter oder 
als Kammerämter in der herzoglichen Zeit erhalten, aber die 
meisten natangischcn und einige oberländische (zur Comthtuei 
Christburg gehörig) sind in unbekannter Zeit eingegangen. 

Seit der Mitte des siebenzehnten Jahrhunderts und nament- 
lich seit dem Jahre 1682 wurde die Verpachtung der 
Kammergüter oder Domänen statt der Administration immer 
gewöhnlicher, und seit eben dieser Zeit ihre Anzahl durch Ab- 
zweigung, Urbarmachung, Colonisation und Ankauf immer be- 
deutender*^®). Ein Vcrzeicliniss derselben aus dem Anfänge des 
achtzehnten Jahrhunderts von Johann Wladislaw von Suchodo- 
letz auf einer damals in mehreren Exemplaren verbreiteten hand- 
schriftlichen Karte Prcussens*^^) kann dies beweisen. In dem- 
selben werden ausser den schon angeführten Kammerämtem 
noch folgende bezeichnet : Rossitten und Friedrichshof (soll wohl 
heisseii Friedrichsberg) *^^) im Hauptamt Schaaken , Gremitten 



^36) llistorisclic Beiträge, Bd. 2. Vgl. Stenzel, Gesch. des prenss. Staate, 
Bd. 2, S. 79 und 455. 

*'') Delincation von dem Königreich Preussen — ungeföhr entworfeit 
Die Exemplare des gelu Archivs und der Wallenrodtschen Bibliothek bu Kö- 
nigsberg sind von „Anno 1701 an dem preussischen Jubeltage*% das Bxemplar 
in dem oben angeführten Manuscript yoj^ Lucanus von 1704. Das Exemplar 
der Wallenrodtschen Bibliotliek ist nach Nesselraann in den N. P. P. Bl. 1850, 
Bd. 2, S. 83 schon in der Zeit des Herzogthums gefertigt, hat aber 1701 
einige Veränderungen erfahren. 

*^^ Da sonst eine Domäne Friedrichshof im Schaakenschen nicht voi^ommi. 
Schon in einer Urkunde von 1719 bei Grube II. p. 352 findet sich Fried- 
richsberg, aber nicht Friedrichshof. 



mmmmmmm 



Verwaltungsbezirke des achtzelmten Jahrhunderts. 313 

im Hauptamt Tapiau, Karschau im Hauptamt Brandenburg, Garben 
im Hauptamt Balga, Stradaunen und Polommen im Hauptamt 
Oletzko, Sperling im Hauptamt Angerburg, Behlenhof im Haupt- 
amt Preuss.-HoUand, Willenberg im Hauptamt Neidenburg, Mens- 
gut im Hauptamt Orteisburg und noch vier Kammerämter in 
den lithauischen Hauptämtern, also im Ganzen fünfzehn neue 
Kammerämter * ^ ^) . 

Durch eben diese Quelle erhalten wir auch nähere Nachricht 
über die eigenthümliche Verwaltung und Eintheilung 
der lithauischen Aemter. Schon Herzog Georg Friedrich 
theilte das Hauptamt Insterburg im Jahre 1590 durch eine eigene 
dazu ernannte Commission in eine Anzahl von Schulzenämtern 
oder Beritten, denen besondere Landschöppen vorgesetzt waren, 
nämlich den szabinischen (oder medumischen) , mattheischen, 
jurgaitzschen , kattenauschen , hohnischen, baltzerischen , pro- 
lischen, romittischen und gaweitischen (oder kiautischen) **ö). 
Im Jahre 1701 werden Jurgeitschen und Kiauten als Kammer- 
ämter aufgeführt, die Schulzenämter aber in solche unterschieden, 
„so rechnen*^ als Baltzerisch, Endruwisch, Hanisch, Kattenausch, 
Misisch, Petrikisch, Szabinisch, Stanisch, und in Schulzenämter, 
„so im Amte rechnen", als Bolisch, Georgisch und Mattheisch. 
Wir vermissen hier von den oben genannten Schulzenämtem 
nur das romittische, finden dagegen hier erst erwähnt das en- 
dru wische, misische , petrikische , stanische und georgische ** '). 
Schon wenige Jahre darauf, 1704, finden sich Georgisch und 
Mattheisch schon unter den Aemtern, „so rechnen"'** 2). Aehn- 
lich war um das Jahr 1701 die Eintheilung der Hauptämter 
Ragnit, Tilsit und Memel; doch wissen wir nicht, ob sie hier 
ebenfalls bis auf Georg Friedrich zurückzuführen ist. Das Haupt- 
amt Ragnit zerfiel in zehn Kreise: Leuken, JLasdehnen, Tüllen, 
Ilsespianen, Daynen, Kraupischken, Saumerau, Schaudienen, Pa- 



*^^ Ausserdem gehörte damals das frühere Hauptamt Labiau als Kammer- 
amt zu Neuhausen, dagegen hatte Georgenburg mit dem Kammeramt Saalau 
einen eigenen Hauptmann. 

**o) Lucanus S. 460, 461 sagt, der Herzog habe den insterburgischen 
Distrikt in vierzehn solche Beritte getheilt, nennt aber nur die obigen neun. 
Die Zahl vierzehn scheint aus der späteren Zeit anticipirt. 

**') Suchodoletz auf der Karte von 1701. 

*^2) Suchodoletz auf der Karte von 1704. 



314 Nenore Zeit. 

tilsit und übcrmemelßchcr Kreis **^). Das Hauptamt Tilsit zer- 
fiel in das Kammeramt Kukernese und sieben Kreise : Fogilgisoh, 
Pojehaltiscli, Likunisch, Coadjutisch, Kautsch, Potupolnisch und 
Taurotlicnisch. In dem Hauptamt Memel endlich werden ein 
Kammeramt Kuss und die Schulzenämter Anritten und Wesarten 
unterschieden * * *) . 

In der ersten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts bis 1747 
stieg die Zahl der Domänenämter, deren Beamte seit 1720 
auch die Kriegscontributionen (wie von jeher den Domänenzins) 
erhoben**^) und 1725 die Gerichtsbarkeit über die königUcheii 
Amtseinsassen, Kölmer und Freien erhielten **^), über das D<^ 
peltc, aber nicht in allen Theilen des Landes in gleichem Ver* 
hältnisso. Im Oberlande können wir mit Sicherheit kein einzig 
neugegründotes Kammeramt nachweisen**^), wiewohl das von 
Preussen occupirte elbinger Territorium bisweilen als solches be- 
zeichnet wird**®); in Natangen nur drei: Uderwangen im Haupt- 
amt Pr.-Eilau, Czichen im Hauptamt Oletzko, Drygallen im Haupt- 
amt Johannisburg **^) , eine viel grössere Anzahl im* samlandi- 
sehen Kreise. Aber auch hier unterscheiden wir den westlichen 



**^) Suchodolctz auf beiden Karten; auf der von 1704 stehen am Ende 
der Eeihe noch die Worte: „so im Amte rechnen", welche auf aUe sehn 
Kreise bezogen werden zu müssen scheinen. 

^**) Suchodoletz auf beiden Karten. Eine ziemliche Anzahl der erwahntas 
lithauischen Namen ist kaum noch sicher zu deuten. 

**5) Schimmelpfennig, die preuss. directen Steuern 1831, Bd. 1, S. 20. 

***) Keusch in den Beiträgen zur Kunde Preussens, Bd. 2; S. 460. 

^'*') In dem Verzeichniss der Kammerämter von 1747 bei Lucanus 8. 684 ft 
werden Gilgenburg (das Erbamt), Brückendorf (bei Morungen), Beichwalde (bfi 
Liobstadt) und Gronden (im Hauptamt Orteisburg) unter den Kammeramten 
aufgezählt, aber Gilgenburg gehört dahin nur uneigentlich, Brückendorf, Beich- 
walde und Gronden mögen etwa neu erworbene, oder neu angelegte, oder be- 
sonders yerpaehtete Vorwerke gewesen sein; unter den Kammeramtem werden 
sie schon in einem Bericht der königsberger Kammer an den Gouvemenr too 
Suwarow von 1761 (im geh. Archiv), welcher auf die Zeit von 1756 Besng 
nimmt, nicht angeführt, desgleichen nicht auf der Karte Begnum Borussiae etc., 
welche von der Akademie der Wissenschaften zu Berlin 1763 herausgegeben ist 

*^®) Z. B. in dem Verzeichnisse von 1761. 

*^^) In dem Verzeichniss von 1747 werden ausserdem noch aufgeführt: Neu- 
hof (das Erbamt), Licskc bei Bartenstein, Laucken und Skomazko. Mit Nea- 
hof steht es wie mit Gilgenburg, Lieske war Sitz des Domänenamtes Barten- 
stein , welches jedoch auch später noch diesen Namen trägt ; Lawken und 
Skomazko sind nur andere Namen für Bhein und Arys, den Vorwerken ent- 
lehnt, auf denen die Amtsverwaltung ihren Sitz hatte. Vgl. Goldbeck, Ost- 
preussen, S. 42. 



Yerwaltungsbezirke des achtzehnten Jahrhunderts. 315 

Theil von dem östlichen. Im westlichen finden wir folgende 
Kammerämter erwähnt: Kalthof bei Königsberg im Hauptamt 
Neuhausen schon 1717*^^), Fräuleinhof bei Quednau in dem- 
selben Hauptamt, zuerst 1719*^'), welches letztere jedoch mit 
dem ersten entweder von jeher oder bald nach seiner Gründung 
vereint zu sein scheint, Natangen bei Allfnburg im Hauptamt 
Tapiau, zuerst 1728*^2^^ endlich bis 1747 noch: Kragau oder 
Kobbelbude und Palmnicken im Hauptamt Fischausen, Peters-' 
dorf im Hauptamt Tapiau, endlich Alexen oder Melauken, Lau- 
kischken und Friedrichsgraben im Hauptamt Labiau *^^), Von 
den älteren Kammerämtern wird Cremitten nicht mehr erwähnt*^*). 
^ Weit die meisten Kammerämter entstanden in dem bezeich- 
neten Zeiträume in den vier lithauischien Aemternlnster- 
burg, Ragnit, Tilsit und Memel, und zwar fast aus- 
schliesslich in der Zeit, als das Deputationscollegium der königs- 
berger Kammer zu Gumbinnen arbeitete (1724 — 1736)*^^). 
Wenn in anderen Theilen des Landes neue Kammerämter nur 
durch Abtrennung von älteren oder etwa noch durch Ankauf 
entstanden, so verdanken sie hier der Colonisation und dem 
Anbau im grossartigsten Stil ihren Ursprung *^^). Dieser Anbau 
Lithauens ist eins der staunenswürdigsten Resultate der Regierung 



^^^) In einem Licitationspatent von 1717 im geh. Arehiy, 4^it. 5a. 

451) Urkunde von 1719 bei Grube P. II. p. 352. 

'*52) Licitationspatent von 1728 im gek. Archiv, wo auch Königsberg wegen 
der Pischerei in den benachbarten Teichen als Amt aufgeführt ist. In dem 
Verzeichniss der Kammerämter von 1747 wird das Mühlenamt Königsberg er- 
wähnt. Es gehört dahin jedoch augenscheinlich nur uneigentlich. Allenburg 
wird von Goldbeck als Sitz des damaligen Domänenamtes Natangen bezeichnet. 

**3) In dem Verzeichniss von 1747 wird auch noch ein Karameramt Gilge, 
erwähnt, das aber weder in dem Berichte von 1761, noch auf der Karte von 
1763 vorkommt. Es steht mit demselben wahrscheinlich wie mit Brücken- 
dorf etc. 

454) Weder in dem Verzeichniss von 1747 noch später. Auch Rossitten ist 
in diesem Verzeichniss übergangen, tritt aber 1761 wieder hervor. Auf der 
Karte von 1763 ist es wieder nicht als Amt bezeichnet, wohl aber bei Gold- 
beck nach 1782. Vgl. noch Goldbeck, Westpreussen, Zusätze, S. 288. 

4»5) Lucanus S. 476. 

**'^) Lucanus S. 461 bemerkt: „König Friedrich Wilhelm I. hat sowohl 
die Schulzenärater als die LandschÖppen aufgehoben, an deren Statt die 
Kammerämter errichten, und was noch nicht verpachtet gewesen, bis Anno 
1727 durch Administration austhun lassen, von welcher Zeit ab alle Aeihter 
im Lande in Generalpacht gesetzet und die Beamten als Generalpächter be- 
trachtet ^forden." 



316 Nenore Zeit. 

Friedrich Wilhelms I. Im Hauptamte Insterburg wurden ausser 
Althof-Insterburg, Ooorgenburg, Saalau, Jurgeitschen und Eiauten 
bis zum Jahre 1735 noch folgende Eammerämter j^gründet: 
Lapöncn, Mulinen, Küssen, Brakupönen, Buduponen, Szirgupönen, 
Kattenau, Budcwetschen, Dantzkemen, Göritten, Bredauen, Holi- 
flössamt Nassauen, Waldaukadel, 8tuttamt (Trakenen), Mattisch- 
ken, Mayunischken, Königsfcld, Weedem, Dinglaucken, Bayiiiii 
Flicken, Stiinaitschen , Gaudischkemen , Jurgeitschen, Gudwal- 
len *^^). Mitten unter diesen Kammerämtern liegen die des- 
sauischen Besitzungen Bubainen, Norkitten, Puschdoi^ 
welche Fürst Leopold der Aeltere von Dessau seit dem Jafaie 
1721 allmählicli ankaufte und um die er sich ebenso grosses 
Verdienst erwarb, als der König um Lithauen überhaupt**^. 
Das Amt Wandlacken ist aus den adlig wandlackenschen Gütera 
im Erbliauptamte Gerdauen und Nordenburg entstanden, weldw 
König Friedrich Wilhelm I. 1737 den Herrn von Schlieben für 
42,000 Rfl. abkaufte *5»). Im Jahre 1747 wird ausser den ge- 
nannten Kammerämtern im insterburgischen Hauptamte nodi 
ToUmingkehmen angeführt **^^). Im Hauptamte Eagnit treflEen 
wir 1736 folgende Kammerämter an: Althof-Ilagnit, Schreitlack, 
Gerskallen, Lesgewangminnen, Kassigkcmen, Lobegallen, Gramb- 
kowkaiten, Uschpiaunen, Dorschkcmen, im Jahre 1747 ausserdem 
noch Sommerau. Im Hauptamt Tilsit waren ausser Kukemese 
bis 1736 folgende Kammerämter gegründet: Winge, Baubeln, ' 
Linkunen, Baigarden, wozu bis 1747 noch Heinrichswalde kommt. 
Das Hauptamt Memel enthielt 1736 ausser Russ noch die £am- 
merämter Althof- Memel, Clemmenhof, Prökuls und Heydekrug. 
Ausserdem werden noch Tauroggen und Serrey als £[ammerämter 
aufgeführt ^G»). 



^^^ Nach der Uomannsclien Karte Lithnania Borossica von 1735 , iwei 
Blätter fol. 

"8) Lncanus S. 490. " 

**o) Goldbeck, Ostpreussen, S. 19, wo ausdrücklich bemerkt wird, daas 
Wandlackcn anfangs zur lithauischen Kammer und zwar zum Hauptamt Inster- 
burg geschlagen wurde. 

460) Verzeichniss von 1747, wo ausserdem Grünweitschen erwähnt wird; 
Grünweitschen war aber nach Goldbeck nur der Hauptort des Kammenuntes 
Mattlschkehmen und wird auch auf der Karte yon 1763 nicht als eigenes 
Kammeraipt dargestellt. 

^^0 Nach der Homannschcn Karte unct dem Verzeichniss bei Lncanns. 



Yerwaltungsbezirke des achtzehnten Jahrhunderts. 317 

lieber den ursprünglichen Umfang der lithauischen 
Kammer in Tilsit, der Kammerdeputation in G um- 
bin nen und der Kriegs- und Domänenkammer in 
Gumbinnen sind wir zwar nicht direct unterrichtet*®^), doch 
besitzen wir ein recht zuverlässiges Verzeichniss der sämmtlichen 
Kammerämter beider Kammern von 1747 und ausserdem die 
Notiz, dass in diesem Jahre die Aemter Arys, Czichen, Drygallen, 
Johannisburg, Lötzen, Lyck, Oletzko, Polommcn, Rhein, Sper- 
lings, Stradaunen, d. h. die Hauptämter Oletzko, Lyck, Johannis- 
burg, Rhein, Lötzen mit den zugehörigen Kammerämtern, und 
das zu Angerburg gehörige Kammeramt Sperlings an die Kthaui- 
sche, dagegen die Aemter Lapönen, Saalau, Wandlacken an die 
königsbergische Kammer gezogen seien *®^). Seitdem gehörten 
zu der lithauischen Kriegs- und Domänenkammer die Aemter 
Memel, Tilsit, Ragnit, Insterburg, dieses mit Ausschluss der 
Kammerämter Saalau und Lapönen, das zu Angerburg gehörige 
Kammeramt Sperlings, welches man seiner Lage wegen nicht 
wohl ausschliessen konnte*®*), und die Hauptämter Oletzko, 
Lyck, Johannisburg, Rhein und Lötzen. Auch rechnete man 
Neuhof, das Erbamt, und die Herrschaften Tauroggen und Serrey 
zum gumbinner Departement. Aus diesen Angaben folgt aber 



Grünheidc, welches in dem letzteren noch als Eammeramt yorkommt, ist wohl 
immer nur ein Vorwerk im Amte Baubein gewesen, wie es auf der Karte von 
1763 dargestellt wird. 

*^^ In dem Patent über die Aufhebung der Leibeigenschaft vom 10. Juli 
1719 bei Grube P. II. n. 236, p. 352 werden folgende Aemter als zur deut- 
schen Amtskammer in Königsberg gehörig angeführt: Balga, Barten, Behlen- 
hof, Brandenburg, Capom, Garben, Gaymen, Dirschkeim, Dollstedt, Fischausen, 
Fräuleinhof, Friedrichsberg, Grünhof, Hohenstein, Holland, Johannisburg, 
Kaltenhof, Karschau, Laptau, Liebemühl, Liebstadt, Lochstedt, Lötzen, Lyck, 
Marienwerder, Mensgut, Morungen, Neuhauseu, Neidenburg, Orteisburg, Oste- 
rode, Pr.-Mark, Rhein, Riesenburg, Schaaken, Sehesten, Soldau, Waldau, Wil- 
lenberg. Aber leider ist das entsprechende Patent für die lithauische Kammer 
(vgl. Grube p. 353) nicht gedruckt; es ist daher nicht ganz gewiss, ob hier 
die sämmtlichen Kammerämter der königsberger Kammer genahnt sind, und 
es ist doch kaum glaublich, dass die Aemter Pr.-Eilau, Rastenburg, Anger- 
burg, Oletzko etc. damals zur lithauischen Kammer gehört haben sollten. 

*^*^) Reusch in den Beitr. zur Kunde Preussens, Bd. 2, S. 464, Anm. 
Leider habe ich die Quelle der Notiz nicht vergleichen können. 

'*6'*) In dem Verzeichniss von 1747 steht Sperlings noch als Kammeramt 
des königsberger Departements, während es sonst mit der eben gegebenen 
Notiz ganz übereinstimmt. Sperlings ist wahrscheinlich erst nach längerem 
Schwanken zum gumbinner Departement geschlagen. 



318 Neuere Zeit. 

auch mit Sicherheit, dass die Kriegs- und Domänenkammer zu 
Gumbinnen vorher die vier Hauptämter Memel, Tilsit, Ragnit 
und Insterburg (und das Kammeramt Wandlacken) zu ihrem 
Verwaltungsbezirk gehabt hat, und es bleibt kaum ein Zweifel, 
dass auch die ältere Kammerdeputation zu Gumbinnen und die 
lithauischc Kammer zu Tilsit die genannten vier Hauptämter zu 
ihrem Verwaltungsbezirke gehabt habe*^*). 

Nach der Abgrenzung des Departements der königsbei^er 
und gumbinner Kammer von 1747 gingen in der zweiten Hälfte 
des achtzehnten Jahrhunderts innerhalb des damaligen Bereichs 
derselben mit den einzelnen Kammerämtem (für welche die Be- 
nennung Domänenämter allmählich die gewöhnlichere wurde) 
nur wenige Veränderungen vor. Im gumbinner Departement 
wurden bis zu den achtziger Jahren des genannten Jahrhunderts 
hin noch drei neue Domänenämter gegründet: Czimochen an 
der polnischen Grenze, nicht weit von Oletzko, PopioUcn zwischen 
Angerburg und Goldapp, und Hchnittken bei Nikolaiken; da- 
gegen wurde das Domänenamt Mayunischken aufgehoben *^®). Im 
königsberger Departement sind die Domänenämter Kobbelbude auf 
Natangen bei Brandenburg und Friedrichsfelde im Hauptamt 
Orteisburg vor 1761 gegründet***^). Das Amt Tapiau war eine 
Zeit lang in zwei Acmter, Grosshof auf der rechten und E^lein- 
hof auf der linken Seite des Pregels, gethcilt ^^^), dagegen gingen 



^®^) Die Grenzen der Kaiumerämter gegen einander sind auf den beides 
erwälinten Karten von 1735 und 1763 im Vcrhältniss zu den kartographiBChen 
Leistungen jener Zeit accurat angegeben. 

4>>) Nach Goldbeck, dessen Topogr. yon Ostpreusscn zwischen 1782 und 
1789 erschienen ist. Bas Stuttamt Trakehnen führt er in dem Yerzeichniff 
S. 56 zwar auch nicht auf, erwähnt es aber Litt. S. 169 als bestehend. — 
Auf der Karte von 1763 findet sich zwar noch ein Amt Kalbassen im Htnpt- 
amt Insterburg und ein Amt Budupönen im Hauptamt Bagnit (yerschieden 
yon dem gleichnamigen im Hauptamt Insterburg), aber wenn es solche Aemter 
wirklich gegeben hat, so sind sie sehr schnell wieder eingegangen. Goldbeck 
kennt sie nicht. 

*^'^ Beide werden in dem Bericht yon 1761 erwälint. Es yersohlSgt dft- 
gegen nichts, dass Friedrichsfclde auf der Karte von 1763 (wo z. B. auch 
Drygallen als Amt fehlt) nicht aufgenommen ist. Ob die Brrichtnng des Do- 
mänenamtes Friedrichsfelde mit dem oben angeführten Kammeramte oderYo^ 
werk Gronden in irgend welcher näheren Beziehung steht? 

40R) Gross- und Kleinhof werden abgesondert aufgeführt in dem Bericht 
von 1761 und auf der Karte von 1763, statt beider aber bei Goldbeek wieder 
ein Amt Tapiau. 



Verwaltungsbezirke des achtzehnten Jahrhunderts. 319 

bis zu den achtziger Jahren des Jahrhunderts ein Palmnicken, 
Friedrichsberg und Petersdorf auf Samland und Schippenbeil auf 
Natangen *^^). Das Amt Friedrichsgraben oder Seckenburg wurde 
zwar im Jahre 1779 ebenfalls aufgehoben, aber 1789 wieder- 
hergestellt*^^). Eine sehr bedeutende Veränderung aber für das 
königsberger Departement führte die Occupation des polnischen 
Preussen im Jahre 1772 herbei, worauf wir sogleich zurück- 
kommen. 

Nur kurze Zeit nach der neuen Abgrenzung ihrer Verwal- 
tungsbezirke erhielten die beiden Kriegs- und Domänenkammern 
neue Organe in den Kreislandräthen. Es. hatte früher 
schon Landräthe in Preussen gegeben, diese hatten aber nur eine 
ständische Wirksamkeit gehabt und der Verwaltung fem ge- 
standen, und unter den ersten Königen unterblieb die Ernennung 
dieser Landräthe. König Friedrich II. gab dagegen schon bei 
seiner Anwesenheit zur Huldigung in Preussen der damaligen 
Regierung die Absicht zu erkennen, Landräthe auf den Fuss 
der märkischen und anderer Provinzen anzustellen. Die Aus- 
führung des Planes wurde jedoch noch ausgesetzt, bis der Kam- 
meri)räsidcnt von Massow nach der im Jahre 1751 erfolgten 
Einrichtung der neun JustizcoUegien , an welche die Gerichts- 
barkeit der Schlosshauptleute überging, unmittelbar bei dem 
Könige den Antrag machte, die drei grossen Kreise des Landes, 
denen damals drei Kreisräthe vorstanden, weil sie von diesen 
nicht gehörig übersehen werden könnten, in kleinere zu zer- 
legen und diese mit tüchtigen Landräthen statt der drei Kreis- 
räthe zu versehen. Nach seinem Entwürfe, den der König den 
22. August 1752 bestätigte, wurde Preussen in zehn Kreise ge- 
theilt, deren jeder einen Landrath erhielt-, welcher alle zum Ge- 
schäftskreise der Kriegs- und Domänenkammer gehörigen Gegen- 
stände wahrnehmen, lediglich unter den Kammern stehen, sich 
aber mit keinen Justiz- oder anderen Landessachen befassen 
sollte*^')- Hatten die Schlosshauptleute zuerst eiucn Theil ihrer 



*ö®) Goldbeck kennt sie nicht mehr. 

^^^) Goldbeck, Westpreussen, Zusätze, S. 288. 

*") Kammeracten wegen Bestellung der Landräthe im geh. Archiv 21 b. 
Vgl. Bcusch in den Beitr. zur Kunde Freussens, Bd. 2, S. 460 ff. 



320 Neuere Zeit. 

Functionen an die neuen Domänen amter , dann den Best ihrer 
Jurisdiction an die Justizcollegien abgeben müssen, so ging jetzt 
ihre Verwaltungsthatigkeit im Wesentlichen auf die Landräthe 
über; die Hauptämter unterschieden sich kaum noch von den 
Domänenämtem und die Würde eines Schlosshauptmanns war 
ein blosser Ehrentitel. 

Die eben erwähnten Kreise wurden durch Combination 
einer Anzahl von Häiuptämtern gebildet. Es bestanden 
nämlich I. auf Samland 1) der Kreis Schaaken aus den Haupt- 
ämtern Fischausen, Schaaken, JSTeuhausen, 2) der Kreis Tapiatl 
aus den Hauptämtern Labiau, Tapiau, Taplacken, 3) der KreiB 
Insterburg aus den Hauptämtern Insterburg, Bagnit, Tilsit, 
Memel. n. Auf !N^atangen umfasste 1) der Kreis Brandenburg die 
Hauptämter Brandenburg, Balga, Pr.-Eilau, 2) der Kreis Basten- 
burg die Hauptämter Bartenstein, Rastenburg, Barten und das 
Erbamt Gerdauen, 3) der Kreis Sehesten die Hauptämter Anger- 
burg, LÖtzen, Sehesten, llhein und das Erbamt Neuhof, 4) der 
Kreis Oletzko die Hauptämter Oietzko, Lyck, Johannisburg. 
in. Im Oberlande wurde 1) der Kreis Morungen gebildet auB 
den Hauptämtern Pr.-Holland, Liebstadt, Morungen, Osterode, 
Hohenstein und dem Erbamte Deutsch - Eilau, 2) der Kreis Ma- 
rienwerder aus den Hauptämtern Riesenburg, Marienwerder, Pr.- 
Mark und dem Erbamt Schönberg, 3) der Kreis Neidenburg ans 
den Hauptämtern Orteisburg, Neidenburg, Soldau und dem Erb- 
amt Gilgenburg *^^). Wir wissen aus dem Vorigen, dass von 
den genannten Kreisen der insterburgische und der oletzkosdie 
ganz, der sehestensche halb zur Kriegs- und Domanenkammer 
in Gumbinnen gehörten*"). 

Auch die Städte standen in Finanz-, Gewerbe- und Polisei- 
sachen unter den Kriegs- und Domänenkammern und waren jto 
diesem Zwecke in gewisse städtische Kreise eingetheilf^ 
deren jedem ein Steuerrath (Commissarius loci) vorgesetit 

* ^^) Anzeige der Kriegs- und Domanenkammer an die Kegierung, betreffend 
die neue Kreiseintheilung vom 30. September 1752, im geh. Archiv a. a. 0. 
Beusch a. a. 0. S. 462, 463. 

*'3) Die Kreiseintheilung ist auf dem Prospectus regni Bomss. tarn orien- 
talis quam occidentalis ausp. Acad. Beg. a B(hode) concinn. (A. 1788) berück- 
sichtigt und noch in die grosse Schröttersche Karte, Berlin 1802 ff., ein- 
getragen. 



Verwaltungsbezirke des achtzehnten Jahrhunderts. ''821 

war. Die Einführung dieser Steuerräthe datirt schon vom Jahre 
1688, aus den Zeiten des Kriegscommissariats*^*), die Aufhebung 
erfolgte im Jahre 1809*^^). Die Stadt Königsberg stand vor der 
Errichtung der Kriegs- und Domänenkammer unter einem der 
Eegierung angehörigen Polizeicollegium, später unter der Kriegs- 
und Domänenkammer unmittelbar*^®); Memel stand wenigstens 
in späterer Zeit unter dem Steuerräthe zu Gumbinnen *^^). Die 
steuerräthlichen Kreise und die zu denselben gehörigen Städte 
waren im Departement Königsberg folgende: 1) Kreis Tapiau mit 
den Städten Fischausen, Pillau, Labiau, Tapiau, Wehlau und 
Alienburg. 2) Kreis Bartenstein mit den Städten Bartenstein, 
Kreuzburg, Domnau, Friedland, Heiligenbeil, Landsberg und Pr.- 
Eilau. 3) Kreis Eastenburg mit den Städten Barten, Drengfurt, 
Gerdauen, Nordenburg, Eastenburg, Schippenbeil. 4) Kreis Nei- 
denbui^ mit den Städten Gilgenburg, Hohenstein, Neidenburg, 
Orteisburg, Passenheim, Soldau, Willenberg. 5) Kreis Morungen 
mit den Städten Pr.-Holland, Liebstadt, Liebemühl, Morungen, 
Mühlhausen, Osterode, Salfeld. 6) Der später hinzugekommene 
Kreis Heilsberg mit den zwölf ermeländischen Städten, ü. Im 
Departement Gumbinnen: 1) der Kreis Gumbinnen mit den 
Städten Gumbimien, Listerburg, Darkehmen, Goldap, Stallu- 
pönen, Pilkallen, Schirwindt, Eagnit, Tilsit, Memel. 2) Kreis 
Angerburg mit den Städten Angerburg, Lötzen, Markgrabowa, 
Lyck, Bialla, Johannisburg, Arys, Nikolaiken, Sensburg, Ehein*^®). 
Nach der Occupation des polnischen Preussen errichtete König 
Friedrich II. laut Patent vom 13. November 1772 eine neue 
Kriegs- und Domänenkammer zu Marienwerder „für 
das maricnburgische Gebiet, für das culmische Gebiet, mit Aus- 
schliessung der Stadt Thom und deren Territorii, und für das 
sogenannte Pommerellen, mit Ausschliessung der Stadt Danzig 
und ihres Territorii". Das Ermeland wurde an die königsberger 
Kriegs- und Domänenkammer gewiesen, die ehemaligen Haupt- 



*'*) Baczko, Preuss. Gesch. Bd. 6, S. 61. 

*") Topogr. des Reg.-Bez. Königsberg, p. XXVIH. 

*'•) Vgl. oben. 

*'^ Topogr. des Reg.-Bez. Königsberg, p. XXVlI. 

*'^ Goldbeck, Ostpreussen, 8. 57, 58. Topogr. des Reg.-Bez. Königsberg, 
p. XXVII ff. 

21 



322 Neuere Zeit. 

ämter Marienwerder und Eiesenbnrg und das Erbamt Sdhönberg 
von dem marienwerderschen Ereise, und das Erbamt Deatsdh* 
Eilau von dem morunger Kreise, mit wachem dafür das Haupt- 
amt Pr.-Mark vereinigt wurde, zu der marienwerderschen Kammer 
geschlagen ^^^). Der Ketzdi^trikt wurde an&ngs als eine be- 
sondere Provinz unter der Aufsicht des geh. Einanzratha" von 
Brenkenhof verwaltet, im Jahre 1775 aber zu Westpreossen ge- 
schlagen und in der Folge dem Königreich Preussen yöllig ein- 
verleibt *®°). Er erhielt eine Kriegs- und Domänenkammer-De- 
putation zu Bromberg, welche von der Kammer zu Marienwerder 
unabhängig war, aber mit derselben einen Präsidenten hatte***). 
Die Kriegs- und Domänenkammer in Königsberg gab bald nach dem 
Jahre 1775, vielleicht mit Bücksicht auf die Erweiterung, welche 
&ie durch die Zuweisung des Ermelandes erfahren hatte, einen ThesDi 
ihres bisherigen Amtsbezirkes, nämlich das ehemalige Haaptamt 
Seesten und was ihr vom ehemaligen Hauptamte^rAngerbnrg ge- 
blieben war, an die Domänenkammer zu Gumbinnen ab, welcher 
nun ausser den Kreisen Insterburg und Oletzko auch der Kzaii 
Sehesten ganz angehörte *® 2). Im Jahre 1791 worde an die 
Spitze der drei Kammern zu Königsberg, Gumbinnen und Ma- 
rienwcrder und der Kammerdeputation zu Bromberg ein Obei^ 
Präsident gestellt*®^). 

Die neu gewonnenen Landschaften wurden in landräthliolie 
Kreise getheilt, wie die älteren. Die zehn Aemter des Erme- 
landes, die wir schon aus seiner früheren Eintheilung kennen, 
und die nun königliche Domänenämter wurden, vereinig^ man 
zu zwei Kreisen; zu dem braunsbergischen wurden die Aemter 



*'*) Patent vom 13. November 1772 bei Mylius, Corp. coiist 177», p. 691, 
auch bei Leman, Einleitung in die Prov.- Rechte Westpreussens , BdllfB 4, 
S. 110. Es enthält über die Aemter Marienwerder, Biesenbnrg etc, kriaa 
ausdrückliche Bestimmung. Dass eine solche schon im Jahre 1772 erfolgte, 
geht aus dem Reglement vom 21. Juni 1804, §.1, hervor; den Inhalt deraen»ea 
ersieht man aus Goldbecks Topogr. von Westpreussen, Marienwerder 1789. 

480) Goldbeck, Westpreussen, S. 78. 

"») Holsche, Westpreussen, Berlin 1807, S. 213. 

*^^ Dass diese Abänderung erfolgt ist, geht aus Goldbecks OstpremeeB« 
S. 42, und allen späteren Karten hervor; dass sie nicht vor 1775 eifigetretea 
ist, folgere ich nur aus der Tabula regni Borussiae Bomssiam orieattlen ez- 
hibens von Güssefeldt 1775, wo noch die ältere Grense eingetragen iet. 

«3) Holsche, Netzdistrikt, S. 271. 



Verwaltungsbezirke de« aehtzehnten Jahrhunderts. 323 

Braunsberg, Frauenburg, Melsack, Wormditt, Guttstadt, zu dem 
heilsbergischen die Aemter Heilsberg, Bischofstein, Rössel, See- 
burg, Bischofsburg, Wartenburg und AUenstein geschlagen*®*). 
In dem Departement der Kammer zu Marienwerder wurden 
sieben Kreise eingerichtet: Marienwerder, Marienburg, Culm, 
Alichelau, Dirschau, Stargardt, Gonitz; in dem Departement der 
Kammerdeputation zu Brombei'g vier: Bromberg, Inowrazlaw, 
Cammin und Crone*®^). 

Die Domänenämter in Westpreussen, wurden gebildet aus den 
ehemaligen polnischen Staatsgütern, den Starosteien und einge- 
zogenen, geistlichen Gütern, theilweise auch durch Ankäufe. In 
"Westpreussen zuerst tritt der Unterschied zwischen Intendan- 
turen, deren Beamte nicht zugleich Yorwerkspächter sind, und 
Domänenämter hervor. Die Intendantur Elbing bestand schon 
seit dem Jahre 1703*®^); nach der Erwerbung des übrigen pol- 
nischen Preussen wurden noch zwei Intendanturen gerundet, 
zu Marienburg und zu Langfuhr und Neuschottland. Der von 
Marienburg wurden die beiden Domänenämter Tiegenhof und 
Barenhof zugleich untergeordnet*®^). Die übrigen Domänenämter 
des Departements Marienwerder waren: 1) im Kreise Marien- 
burg: Stuhm, Christburg, Weisshof, Tolkemit. 2) Im Kreise 
Marien werder : Marienwerder und Eicsenburg. 3) Im Kreise 
Culm: Graudenz, Eoggenhausen , Engelsburg, Eheden, Culm, 
Unislaw, Culmsee, Lippinken, Przydworz. 4) Im Kreise Mi- 
chelau: Strassburg,, Gollup, Brczeczinko, Kowalewo, Krotoschin, 
Lonkorrek, Brattian, Löbau, Lautenburg. 5) Im Kreise Dirschau : 
Oliva*®®), Brück, Putzig, Starczin, Mirchau, Carthaus, Sobowitz, 
Subkau, Dirschau. 6) Im Kreise Stai^rdt: Stargardt, Pelplin, 
Mewe, Münsterwalde, Gstrowitt, Neuenburg, Schöneck, Behrendt, 



*^*) Vgl. Keusch a. a. 0. S. 464 und Goldbeck, Ostpreussen, S. 20—23. 

*^^) Goldbeck, Westpreussen, S. 3 ff. 82 ff. Auch die westpreussischen 
Kreise findet man auf den beiden oben genannten Karten. 

*8') Goldbeck, Westpreussen, S. 20. Üeber den Unterschied der Inten- 
danturen und Bomänenämter vgl. Topogr. des Beg.-Bezirks Danzig 1820, An- 
hang S. 36. 

<^7) Goldbeok, Westpreussen, S. 22, 54 und Zusätze S. 282, 283. Vgl. 
Holscfaie, Westpreussen, S. 220. 

*^*) Schon am 1. November 1772 entzog t'riedrich der Grosse dem Kloster 
die Verwaltung und Benutzung seines Landgebietes. Hirsch, Oliya, in den N. 
P. P. Bl. 1860, Bd. 2, S. 22. 

21» 



324 Neuere Zeit 

Kyschau, Borzichow, Osieck. 7) Im Kreise Conitz: Baldenbiu^ 
Schlochau, Tuchel, Schweiz. Von diesen Domänenämtenn gingen 
schon vor dem Jahre 1789 durch Combination mit anderen ein: 
Barenhof (mit Tiegenhof), Kowalewo (mit Brczeczinko), Lonkor* 
rek (mit Krotoschin), Dirschau (mit Subkau), Osieck (mit Bor- 
zichow). Die Domänenämter der Kammer deputation zu Brom- 
berg waren folgende: 1) im Kreise Bromberg: Bromberg, Niesse- 
wice, Coronowo, Mrotzen, Nakel. 2) Im Kreise Inowrazlaw: 
Inowrazlaw, Kruschwitz, Gniewkowo, Znin, Mursinno, Mogilno, 
Strzelno. 8) Im Kreise Cammin: Cammin, Zelgniewo, BialoB- 
liwe, Wirsitz. 4) Im Kreise Deutsch-Crone : Deutsch-CSrone, Le-" 
behnke, Neuhof, Postollitz *80). 

Die Städte Westpreussens waren in sieben steuerräthliche 
Kreise eingetheilt, welche fast durchweg ans einzelnen land- 
räthlichen Kreisen bestanden oder aus je zwei landräthlichfiii 
Kreisen zusammengesetzt waren. Nur Danzig, Thom und Elbing 
gehörten nicht zu den stouerräthlichen Kreisen, sondern standen 
unmittelbar unter der Kriegs- und Domänenkammer. Die steuer- 
räthlichen Kreise waren im Departement Marienwerder fol- 
gende: 1) Kreis Marien werder und Marienburg mit den Städten 
Marienwerder, Riesenburg, Garnsee, Freistadt, Bischoüswerder, 
Deutsch-Eilau, Rosenberg, Marienbui^, Stuhm, Christburg, Neu- 
teich, Tolkemit. 2) Kreis Culm und Michelau mit den Städten 
Culm, Graudenz, Golup, Lautenburg, Löbau, Neumark, Strass- 
bürg, Briesen, Culmsee, Kauernick, Kowalewo, Lessen, Rhedeiit 
Gurzno. 3) Kreis Dirschau und Stargardt mit den Städten Beh- 
rendt, Dirschau, Mewe, Neuenburg, Neustadt, Putzig, Schöneok, 
Stargardt, Stolzenberg, Langfuhr mit Neuschottland und Neu- 
fahrwasser. 4) Kreis Conitz mit den Städten Baldenburg, Co- 
nitz, Friedland, Hammerstein, Landeok, Schwetz, Schlochau, 
Tuchel *öo). 

Die Steuerkreise des Departements der Kammerdeputation 
zu Bromberg waren um 1789 so eingerichtet, dass der eine die 



489) jfach Goldbeck, Westpreussen. Vgl. HolBche, WestpreuMen, 8. 16S, 
163, und Holsclie, Netzdistrikt, S. 75 ff. Goldbeck führt Snbkaa beim dir- 
scliaucr Kreise auf, während es nach der SchrÖtterschen Karte schon nun 
stargardter Kreise gehört. 

**") Goldbeck, Westpreussen, S. 127. Vgl. Holsche, Westpreussen, S. 93— W. 



Verwaltungsbezirke des achtzehnten Jahrhunderts. 325 

Städte der landrathlichen Kreise Bromberg und Inowrazlaw 
ausser Exin und Mrotzen, der andere die Städte der landrath- 
lichen Kreise Cammin und Crone und ausserdem Exin und 
Mrotzen umfasste. Die Städte in den landrathlichen Kreisen 
waren dabei folgende: |) im bromberger Kreise: Bromberg, For- 
don, Schulitz, Poln.-Krone, Nakel, Exin, Mrotzen, Barczyn, La- 
bischin, Rinarszewo, Schubin. 2) Im inowrazlawschen Kreise: 
Inowrazlaw, Kruschwitz, Gniewkowo, Znin, Mogilno, Willatowo, 
Strzelno, Kwieczissewo, Gembice, Pakosch. 3) Im Kreise Cam- 
min: Cammin, Wisseck, Wirsitz, Flatow, Zempelburg, Vandsburg, 
Lobsens, Krojanke, Miastetzkd, Margonin, Samossin, Gollanz. 
4) Im Kreise Crone: Deutsch - Crone , Schneidemühl , Jastrow, 
Uscz, Budzin, Chodziesen, Czarnikow, Schönlanke, Radolin, Fi- 
lehne, Schleppe, Tütz, Märkisch - Friedland *^*). Statt der ange- 
führten zwei steuerräthlichen Kreise des Netzdistrikts sind später, 
ganz abweichend von den landrathlichen Kreisen, drei eingerich- 
tet, nämlich 1) Bromberg mit den Städten Bromberg, Cammin, 
Poln.-Crone, Exin, Fordon, Gollanz, Margonin, Mrotzen, Nakel, 
Samossin, Schulitz, Vandsburg, Wirsitz, Zempelburg. 2) Kreis 
Inowrazlaw mit den Städten Barcin, Gembice, Gniewkowo, Gon- 
sawa, Inowrazlaw, Kruschwitz, Kwieczissewo, Labischin, Mogilno, 
Pakoss, Rinarszewo, Strzelno, Schubin, Willatowo, Znin. 3) Kreis 
Deutsch-Crone mit den Städten Budzin, Chodziesen, Crone, Czar- 
nikow, Filehne, Flatow, Friedland, Jastrow, Krojanke, Lobsens, 
Miastezko, Radolin, Schleppe, Schneidemühl, Schönlanke, Tütz, 
Uscz, Wisseck *02). 

Die Städte des bromberger Kammerdepartements, desgleichen 
Gurzno, Stolzenberg und Langfuhr sind erst 1772 an Preussen 
gekommen; es konnte also in früheren Abschnitten über ihren 
Ursprung noch nichts bemerkt werden. Wir tragen diese histori- 
schen Notizen über diejenigen dieser Städte, welche auch später 
bei Preussen verblieben sind, hier nach. Stolzenberg, bestehend 
aus den Ortschaften Stolzenberg, Alt - Schottland, Schidlitz imd 
St. Albrecht, nahe vor den Thoren Danzigs, erhielt erst im Jahre 
1772 Stadtgerechtigkeit, doch ist die Stadt durch die Belagerungen 



*^^) Goldbeck, Westpreussen, S. 127. 

*»2) Holsche, Westpreusseiij-S. 93, 96, 97. 



326 Neuere Zeit 

Danzigs in den Jahren 1807 und 1813 wieder vemicshtet***). 
Langfahr, ebenfalls nahe bei Danzig gelegen , scheint nur des- 
halb unter den Städten aufgeführt zu werden, weil daselbst Ao- 
eise eingeführt war ; es hatte aber keinen Magistrat ^^^). Die in 
der ersten Theilung Polens mx Preussen gekommene Stadt Ghuno 
ist von Bischof Florian von Flock in eben der Zeit geg^ründet» 
als der deutsche Orden zuerst den Anbau der benachbarten 
Michelau energisch betrieb, und erhielt, nachdem die Parochtal- 
kirche daselbst schon 1325 dem Kapitel zu Plock überwiesen 
war, im Jahre 1327 sein Privilegium*^*). Von den Städten 
des bromberger Eammerdeputationsbezirks gBhören gegenwärtig 
zur Provinz Preussen nur Flatow, Cammin, Zempelburg, Yands- 
burg, Krojanke, ferner Deutsch-Crone , Märkisch - Friedland, Jai- 
strow, Tütz, Schleppe. Das Gründungsjahr von Flatow ist un- 
bekannt, doch wird die Stadt bereits im Jahre 1370 unter dem 
Namen Vulchovum erwähnt; ein zweites Hauptprivileginm erhielt 
sie im Jahre 1642 durch Sigismund von Grodna, Woiwoden voä 
Kaiisch, welcher nach der grossen Pest viele Protestanten am 
Lobsens hierher zog*^^). Wann die Stadt Cammin gegrüiidel 
sei, ist ebenfalls nicht bekannt; doch wird der Ort schon im 
Jahre 1339 erwähnt, und aus dem noch vorhandenen Stadtpri- 
vilegium von 1597 erhellt, dass er schon um 1370 Stadt ge- 
wesen sein müsse *^^). Zempelburg hat seinen IN'amen von dem 
nordwärts der Stadt vorüberfliessenden Bache Sempelna oder 
Sampolna. Die historischen Erinnerungen der Stadt reiobflb 
nicht über das Jahr 1359 hinaus, in welchem die Kirche der 
Stadt fundirt ist*^®). Die Kirche von Vandsburg (früher WiecEor- 
bork) ist im Jahre 1403 gegründet, und Näheres läset sich auch 
über die Gründung dieser Stadt nicht angeben*®^). Von der 
Stadt Krojanke (Klein-Kraina oder Klein-Krone) sind uns 



*^^) Goldbeok, Westpreussen , S. 50. Löschm, Dansig und «eine Um>- 
gebungen, S. 170. 

*»*) Goldbeck, Westpreussen, S. 54. 

*^^) Urkunden von 1325, 1327 und 1375 auf dem Bathhause zu G^uzno. 

*ö8) Schmitt, Topogr. des Kreises Flatow, in den N. P. P. BL 1855, Bd. 1, 
S. 43, 44. 

40T) Schmitt a. a. 0. S. 45. 

"8) Schmitt a. a. 0. S. 46, 47. 

*oo) Schmitt a. a. 0. S. 45, 46. 



Verwaltungsbezirke des achtzehnten Jahrhunderts. 3127 

historischen Notizen zur Hand, die über das vorige Jahrhundert 
hinaufreichten soo). Die Städte Deutsch-Crone , Märk.-Friedland, 
Jastrow, Tütz und Schloppe gehörten um die Mitte des drei- 
zehnten Jahrhunderts sämmtlich zur Neumark Brandenburg ^^ ^) 
und sind erst später an Polen gefallen. Die Stadt Deutsch- 
Crone, früher Walcz und nach dem Namen der umliegenden 
Landschaft Ejraina Arens-Crone und Deutsch-Crone genannt, ist 
von den brandenburgischen Markgrafen Otto, Konrad, Johann 
und Waldemar im Jahre 1303 gegründet ^^2). Die Stadt Märk.- 
Friedland erhielt ihr Fundationsprivilegium, in welchem sie Neu- 
Friedland genannt wird, von den Brüdern Heinrich und Johann 
von Wedel im Jahre 1314 503). Di^ Stadt Tütz verdankt der- 
selben Familie, und zwar den Brüdern Stanislaus und Christoph 
von Wedel, ihren Ursprung, welche ihr das Hauptprivilegium 
im Jahre 1333 verliehen ^o*). Jastrow war bis zum AnfSange 
des siebenzehnten Jahrhunderts blosses Dorf und erhielt sein 
städtisches Privilegium erst im Jahre 1603 vom König Sigis- 
mund in. 505). Auch Schloppe hat erst 1614 sein Stadtprivi- 
legium erhalten ^oß). 

2. Die Amtsbezirke der Justizbehörden. 

Mit der Geschichte der Verwaltungsbehörden steht die Ge- 
schichte der Justizbehörden in sehr nahem Zusammenhange. Die 
Verwaltungsbezirke der Behörden beider Art zeigen in ihren 
Veränderungen überall eine gewisse Aehnlichkeit, und wenn sie 
namentlich im achtzehnten Jahrhundert auch in manchem Be- 
tracht von einander abweichen, so hat man doch in neueren 
Zeiten unverkennbar das Ziel verfolgt, sie möglichst mit ein- 
ander auszugleichen. 



500) Schmitt a. a. 0. S. 44. Vgl. Goldbeck, Westpreussen, S. 99—102. 

50^) Urkunde von 1364 und das Landbuch Karls IV. bei Lancizolle, Gesch. 
der Bildung des preuss. Staats, S. 287. 

«02) Handfeste von 1303 bei Raczynski, Cod. dipl. Majoris Polon. n. 164. 
Vgl. Goldbeck, Westpreussen, S. 107. 

*03) Handfeste von 1314 bei Raczynski 1. c. n. 87. Der Irrthum bei 
Goldbeck S. 117 scheint durch einen Transsumt entstanden zu sein. 

604) Nach Goldbeck S. 116. 

»06) Goldbeck S. 116. 

006) Goldbeck S. 116. 



328 Neuere Zeit 

Neben dem älteren Ho%ericht zu Königsberg, welches wir 
schon aus den Zeiten des Herzogs Albrecht kennen, wurde nach 
dem wehlauer Vertrage im Jahre 1657 als oberste AppellatioM- 
behörde das Tribunal zu Königsberg gegründet ^^'). Beide Be- 
hörden hatten zu ihrem Geschäftsbezirke das ganze HerzogÜuun. 
Erst in der Zeit, als König Friedrich Wilhelm I. seinen grossen 
Lieblingsgedankcn, den Anbau Litha uens und die geistige Hebnng 
seiner Einwohner, ins Auge gefasst hatte, erfolgte eine. Be- 
schränkung dieses Amtsbezirkes für das Ho^rioht durch die 
Einsetzung des lithauischen Burggerichts^zu Insterb^og, ^^wa Alle 
von Adel, Cölmer und Bauern, welche in denen lithauisoheii 
Aomtern . Instcrburg, liagnit, Memcl, Tilsit und La biau weh be - 
findon. Recht nehmen sollten'' (6. September^ 1723) *os). ^^ 
Burggericht blieb, obwohl die Stände für die Erhaltung desselbea 
auf dem Huldigungslandtage 1740 wenig Interesse zeigten, bii 
zu der Eeorganisation der Justizverfassung Freussens im. Jahre 
1751 in Bestand »09). 

Hofgericht und Regierung waren bis zu dieser Zeit nicht 
streng von einander gesonderte CoUegien gewesen; jetzt erst 
wurde das Hofgericht für ein von der Regierung in Justizsachen 
unabhängiges Collegium erklärt, die Regierung aber von allen 
Justizsachen dispensirt. Die wesentlichste Veränderung traf die 
Hauptämter. „Bei denen Acmtern haben Se. K. Majestät eine 
grosse Veränderung vornehmen müssen, weil die Justiz in der 
grössten Unordnung daselbst traktiret worden. Sie haben daheco 
die sämmtlichen Aemter zusammengezogen und neun Justixool- 
legia daraus formiret, jedes mit drei redlichen, gelahrten und 
derer Rechte verständigen Leuten versehen, nämlich mit einem 
adligen Amtsdirektor, mit einem Justizrath und adligen Gbriehte- 
schreiber." Diese Justizcollegien waren f olgende :.l) Amt Sal- 



^^^ Simson, Nachrichten über das Tribunal zu Königsberg. Königsb. 1844. 

*»"«) Patent vom 6. Sept. 1723 bei Werner, Hist. Nachricht yon dem eh«» 
maligen lith. Hofgericht zu Insterburg, in den gesammelten Nachrichten, Bd. 1, 
S. 210 £f. im Jahre 1732 wurde dum Burggericht die Jurisdiction des inster- 
burgischen Hauptamts mit übertragen. Nach Simson a. a. 0. S. 15, der aber 
nur Werner als soine Quölle citirt (bei dem ich die Notiz nicht finde), wurden 
auch die Aemtur Angorburg, Lötzen, Sehesten, ßhein, Lyck, Johannisbnrg, 
Oletzko im Jahre 1736 dorn neuen Burggericht zugewiesen (?). 

»0^ Werner a. a. 0. 



Verwaltungsbezirke des achtzehnten Jahrhunderts. 829 

feld, combinirt mit Marienwerder, Kiesenburg, Pr.-Mark und Pr.- 
HoUand. 2) Amt Morungen, combinirt mit Liebstadt und Oste- 
rode. 3) Amt Brandenburg, combinirt mit Balga, Bartenstein 
und Eilau. 4) Amt Neubausen und Klein-Heyde, combinirt mit 
Fiscbausen, Schaaken, Tapiau, Labiau. 5) Amt Eastenburg, com- 
binirt mit Barten, Sehesten und Angerburg. 6) Amt Neiden- 
burg, combinirt mit Orteisburg und Soldau. 7) Amt Insterburg, 
combinirt mit Eagnit und Tilsit. 8) Amt Memel. 9) Amt Lyck, 
combinirt mit Johannisburg , Oletzko, Lötzen und Khein^*^). 
Mit diesen Justizcollegien gingen jedoch bald wieder einige Ver- 
änderungen vor. Im Jahre 1781 waren die Justizcollegien von 
"^ Brandenburg und Neuhausen combinirt ; das Justizcollegium von 
Morungen war aufgelöst und von seinem Amtsbezirke die Haupt- 
ämter Morungen und Liebstadt zu Salfeld, Osterode und Hohen- 
stein dagegen zu Neidenburg geschlagen ; das Justizcollegium zu 
Rastenburg hatte seinen Sitz nach Angerburg verlegt''^). ^ 

Zur Eechtspflege für die unter der Gerichtsbarkeit der königl. 
Domänenämter stehenden Distrikte sind im Jahre 1770 königl. 
Domänen - Justizämter angeordnet. Es sind nämlich, da nicht 
jedes Amt einem Justitiar diie erforderliche Beschäftigung und 
den nöthigen Unterhalt gewährte, verschiedene in der Nähe ge- 
legene Domänenämter in Absicht der Justizpflege combinirt Es 
gehörten darnach I. im Departement der königsberger Kammer: 
1) zum Domänen- Justizamte Fiscbausen die Domänenämter Fiscb- 
ausen, Caporn, Kragau, Lochstedt. 2) Zum D.-J.-A. Friedrichs- 
berg die D.-A. Friedrichsberg, Grünhof, Dirschkeim, Eossitten. 
3) Zum D.-J.-A. Neuhausen die D.-A. Neuhausen, Laptau, Kalt- 
hof, Waldau. 4) Zum D.-J.-A. Tapiau die D.-A. Tapiau, Tap- 
lacken , Natangen , Salau. 5) Zum D.-J.-A. Labiau die D.-A. 
Labiau, Schaaken, Caymen. 6) Zum D.-J.-A. Melauken die D.-A. 
Melauken, Laukischken, Lapönen. 7) Zum D.-J.-A. Brandenburg 
die D.-A. Brandenburg, Karschau, Balga, Garben. 8) Zum D.- 
J.-A. Uderwangen die D.-A. Uderwangen, Bartenstein, Pr.-Eilau, 

*'") Regierungs-Acta wegen der neuen Einrichtimg des Jusltizwesens 1745 
bis 1751, 3 voll, im geh. Archiv. Am wichtigsten für den vorliegenden Zweck 
ist darin die „umständliche Nachricht, wie künftig die JustizcoUegia in 
Preussen bestellet werden soUen", vom 16. Sept. 1761, abgesondert bei Köm 
in Breslau gedruckt, und ein Patent desselben Inhalts ohne Datum. 

»'') Justiz-Reglement vomS.Dec. 1781 in Nov. Corp. Const. 1782, p. 718. 



330 Neuere Zeit 

Kobbelbude. 9) Zum D.-J.-A. Eastenburg die D.-A. Bastenbnig, 
Barten, Wandlacken. 10) Zum D.^J.-A. Ortelsbnrg die D.-A. 
Ortelsburg, Mensgut> Eriedrichsfelde, Willenberg. 11) Zum D> 
J.-A. Ncidenburg die D.*A. Neidenburg , Soldau, Höllenstein. 
12) Zum D.-J.-A. Morungen die D.-A. Meningen, Osterode, liebe- 
mühl, Liebstadt. 13) Zum D.-J.-A. Pr.-Holland die D.-Al. Ft.- 
Holland, Pr.-Mark, Dollstedt, Behlenhof. 14) Zum D.^.-A. Heils- 
berg die D.-A. Heilsberg, Rössel, Seeburg. 16) Zum D.-J,rA. 
AUenstein die D.-A. Allenstein, Wartenburg, Ghittstadt. 16) Zum 
D.-J.-A. Braunsberg die D.-A. Braunsbei^, Frauenburg,. Melsaok, 
Wormditt. ü. Im lithauischen Eammerdepartement : 1) Zum 
D.-J.-A. Insterburg die D.-A. Althof Insterburg, Georgenbuij^^^ 
Gaudischkemen, Jurgeitschen, Gud wallen. 2) Zum D.-J.-A^ GKun- 
binnen die D.-A. Brakupönen, Gerskullen, Küssen, Lesgewang- 
minnen, Mulienen, Staneitschen, Szirgupönen. 3) Zum D.-J.-A. 
Goldap die D.-A. Buglien, Dinglauken, Eiauten, Eönigsfelde^ 
Mattischkehmen, Flicken, Weedem. 4) Zum D.-J.-A. Filkallen 
die D.-A. Budupönen, Budwetschen, Dörschkehmen , GFrumkow- 
kaiten, Xattenau, Löbcgallen, Uschpiaunen. 5) Zum D.-J.-A. 
Stallupönen die D.-A. Bredauen, Danzkehmen, Göritten, Hols- 
flössamt Nassauen, Tolmingkemen, Waldaukadel. 6) Zum D.-J.-A. 
Eagnit die D.-A. Althof Bagnit, Baigarden, Baublen, Kassig- 
kehmen, Schreitlauken, Sommerau, Tauroggen. 7) Zum D.-J.-A* 
Tilse die D.-A. Heinrichswalde, Lingkunen, Winge. 8) Zum 
D.-J.-A. Russ die D.-A. Russ und Kuckemese. 9) Zum D.-J.-A. 
Memel die D.-A. Memel, Clemmenhof, Heidekrug, Fröckols. 
10) Zum D.-J.-A. Oletzko die D.-A. Czichen, Czimochen, Po- 
piollen, Sperling. 11) Zum D.-J.-A. Lyck die D.-A. Lyciky 
Oletzko, Polommen, Stradaunen. 12) Zum D.-J.-A. Angertmrg 
die D.-A. Angerburg, Lötzen, Rhein, Sehesten. 13) Zum D.-J.-ii. 
Arys die D.-A. Arys, Drygallen, Johannisburg, Schnittken * '^. 

Für Westpreussen und den Netzdistrikt errichtete König 
Friedrich IE. im Jahre 1772 das Oborhof- und Landesgeiioht 
(seit 1773 westpreussische Regierung genannt) zu Marienwerder. 
Diese Behörde vereinigte die Functionen der Regierung, des 
Consistoriums und der eigentlichen Gerichtsbehörden, namenfUch 



ö") Nach Goldbeck, Ostpreiwsen, S. 53—56. 



Verwaltungsbezirke des achtzebnten Jahrhunderts. 331 

des Tribunals und des Hofgerichts in Ostpreussen, da es zugleich 
die Landeshoheits-, geistlichen und Justizsachen respicirte. Der 
Sitz derselben lag ausserhalb ihres Amtsbezirkes, denn die Stadt 
Marienwerder, so wie der ganze landrathliche Kreis gleiches 
I^amens verblieb unter dem. Ho^ericht zu Königsbei^**^). Dem 
Oberhof- und Landesgericht wurden in Stelle der polnischen Ge- 
richte folgende untergeordnet: 1) das Landvogteigericht zu Heils- 
berg für das Bisthum Ermeland; 2) das Landvogteigericht zu 
Marienbui^ für das Falatinat Marienbui^; 3) das Landvogteige- 
richt zu Culm für das Culmerland; 4) und 6) die Landvogtei- 
gerichte zu Stargardt (die landräthlichen Kreise Dirschau und 
Stargardt umlBässend) und Conitz (den landräthlichen Kreis Conitz 
umfassend) für Fommerellen; 6) das Landvogteigericht zu Lob- 
sens für den Netzdistrikt. An die Stelle des letzteren traten 
nach wenigen Jahren die Landvogteigericbte zu Bromberg und 
Schneidemühl. Hiezu kam noch ein Landvogteigericht zu Lauen- 
burg für die Herrschaften Lauenburg und Bütow, welche im 
Jahre 1773 in Landeshoheits-, geistlichen und Justizangelegen- 
heiten dem Bezirk der westpreussischen Eegierung zugelegt 
wurden'^*). 

Die Domänen-Justizämter Westpreussens, welche eben damals 
in Aussicht gestellt wurden, waren I. im westpreussischen Kam- 
merdepartement folgende: 1) Marienwerder mit den Domänen- 
ämtern Marienwerder, Eiesenburg, Christburg, Stuhm, Weisshof. 
2) Marienburg mit der Litendantur Marienburg und den D.-A. 
Tiegenhof und Barenhof. 3) Graudenz mit den D.-A. Graudenz, 
Roggenhausen, Engelsburg, Rheden. 4) Culm mit den D.-A. 
Culm, Unislav, Culmsee, Lippinken, Brczeczinko. 5) Strassburg 
mit den D.-A. Strassburg, GoUup, Lautenburg, Przydworz. 

6) Löbau mit den D.-A. Löbau, Krotoschin, Lonkorrek, Brattian. 

7) Oliva mit der Intendantur Langfuhr und Neu-Schottland und 



5*3) Patent vom 28. Sept. 1772 beiLeman, Einleitung in die Prov.-Rechte 
Westpreussens, Beilage 3, S. 81. Vgl. Instrnotion yom 21. September 1778, 
ebenda S. 122. 

*") Instruction vom 21. Sept. 1773 a. a. 0. S. 123. Vgl. Justiz-Reglement 
vom 3. Dec. 1781 im Nov. Corp. Const. 1782, p. 726 flf., und Leman S. 8, 10, 11. 
In Finanz- und Polizeisachen waren Lauenburg und Bütow schon seit 1772 
(1742? Quandt in den Balt. Studien 1853, S. 222) der hinterpommerscben 
Kriegs- und Domäneukammer zu <7d8lin untergeordnet. Leman S. 30, Note. 



332 Neuere Zeit 

den D.-A. Oliva, Brück, Putzig, Starzin. 8) Schönedk mit den 
D.-A. Mirchau, Carthaus, Sobowitz, Schöneck, Behrendt^ Bor- 
zichow, Kyschau. 9) Mewe mit den D.-A. Stargardt, PelpHn, 
Subkau, Mewe. 10) Neuenburg mit den D.-A. Neuenburg, 
Ostrowit, Münsterwalde, Schwetz. 11) Schlochau mit den p.-A. 
Scblochau, Tuchel, Baldenburg. 11. Im westpreussischen Eam- 
merdeputations-Departement : 1) Bromberg mit den D.-A. Brom- 
berg, Gniewkowo, Mursinno, Niessewice. 2) Nakel mit den D.-A. 
Nakel, Mrotzen, Wirsitz, Cammin, Coronowo. 3) Schneidemähl 
mit den D.-A. Bialosliwe, Neuhof, Deutsch-Crone, FostoUiti, 
Zelgniewo, Lebehnke. 4) Inowrazlaw mit den D.-A. Inowrazlftw, 
Kruschwitz, Strzelno, Mogilno, Znin^**). Sehr bemerkenswerth 
ist der Umstand, dass den Domänenjustizämtem des bromberger 
Kammerdeputations-Departements einige Städte zur Verwaltung 
der Justiz mit anvertraut waren, nämlich Gniewkowo dem D.- 
J.-A. Bromberg, Mrotzen und Wirsitz dem D.-J.-A. Nakel, Wii- 
seck dem D.-J.-A. Schneidemühl, Kruschwitz, Gonsawa, Znin, Mo- 
gilno, Willatowo, Kwieczissewo dem D.-J.-A. Inowrazlaw. Es 

■ 

ist dies die erste Stufe zu der späteren Einrichtung der Land- 
und Stadtgerichte. 

Mit der Organisation der Land- und Stadtgerichte ging man 
in Westpreussen viel früher als in Ostpreussen, schon in den 
ersten Jahren des neunzehnten Jahrhunderts, vor, indem man 
„zum Besten der weniger bemittelten Städte, welche zur Besol- 
dung eines eigenen Justizbedienten zu unvermögend sind, die 
Verwaltung der Justiz in den königl. Domänenämtem mit der 
in den Städten vereinigte" und die Zahl der Justizbeamten im 
Ganzen vermehrte. Im Jahre 1806 gab es im Departement des 
westpreussischen Hofgerichts folgende Land- und Stadtgericht^ 
zu welchen folgende Städte und Aemter gehörten: 1) m dem 
Land- und Stadtgericht Putzig St. und A. Putzig, A. Starorin. 
2) Zu Neustadt St. Neustadt, A. Brück. 3) Zu Mirchau A. Mir- 
chau und A. Carthaus oder Ozapielken. 4) Zu Oliva A. Oliv» 
und die Intendantur Langfuhr und Neu-Schottland. 5) Zu Sohön- 
eck A. und St. Schöneck. 6) Zu Dirschau St. Dirschau, A. Sub- 
kau , A. Sobowitz. 7) Zu Behrendt A. und St. Behrendt. 8) Zu 



i^iB) Goldbeck, Westpreussen, S. 124, 125. 



Verwaltangsbeairke des achtzehnten Jahrhunderts. 333 

Stargardt A. und St. Stargardt, A. Borzichow. 9) Zu Mewe A. 
und St. Mewe, A. Pelplin. 1 0) Zu Neuenbui^ A. und St. Neuen- 
burg, A. Ostrowitt, A. Münster walde. 11) Zu Schwetz A. und 
St. Schwetz. 12) Zu Tuchel A. und St. Tuchel, A. Friedrichs- 
bruch. 13) Zu Schlochau A. und St. Schlochau. 14) Zu Bal- 
denburg A. und St. Baldenbui^. 15) Zu Marienburg A. Marien- 
burg. 16) Zu Neuteich St. Neuteich und A. Tiegenhof. 17) Zu 
Stuhm A. und St. Stuhm. 18) Zu Christburg A. und St. Christ- 
burg. 19) Zu Tolkemit A.' und St. Tolkemit. 20) Zu Marien- 
werder A. und St. Marienwerder. 21) Zu Biesenburg A. und 
St. Eiesenburg, St. Freistadt. 22) Zu Bischofswerder St. Bischofs- 
werder, A. Lonkorrek. 23) Zu Gamsee St. G^amsee, St. Lessen, 
A. Eoggenhausen. 24) Zu Graudenz A. und St. Graudenz. 
25) Zu Rheden A. und St. EJieden, A. Engelsburg. 26) Zu 
Neumark St. Neumark, St. Kauemick, A. Brattian. 27) Zu 
Löbau St. und A. Löbau. 28) Zu Lautenburg St. und A. Lau- 
tenburg, St. Gurzno. 29) Zu Strassburg St. und A. Strassburg. 
30) Zu Briesen St. Briesen, A. Przydworz, A. Lippinken. 31) Zu 
Gollup A. und St. Gollup. 32) Zu Culmsee St. und A. Culm- 
see, A. Brczeczinko, St. Kowalewo. 33) Zu Gulm A. Culm, A. 
ünislaw^^^). Hiernach hatten ausser Danzig, Thom und Elbing 
auch Marienburg und Culm noch ihre eigenen Stadtgerichte. 
Die im Jahre 1806 beabsichtigte Einrichtung der Land- und 
Stadtgerichte im bromberger Departement hinderte der Krieg. 

Wesentliche Veränderungen in der Organisation sowohl der 
Ober- als der Unterbehörden Preussens erfolgten durch das 
Justizreglement vom 3. December 1781. Die firühere ostpreus- 
sische Regierung erhielt jetzt d^n Titel ostpreussisches Etats- 
Ministerium und behielt (mit dem Consistorium) die Landes- 
hoheits- und geistlichen Sachen in ganz Ostpreussen, wie die 
westpreussische Regierung für ganz Westpreussen , zu seinem 
Eessort. Den Namen ostpreussische Regierung zu Königsberg 
erhielt jetzt eine Behörde, in welcher alle früheren eigentlichen 
Justizbehörden, Tribunal, Ho^richt etc., vereinigt wurden. 
Neben der ostpreussischen Regierung zu Königsberg wurde ein 



^^") Beilage A zu dem Reglement für die Untergerichte im brombergsohen 
Hofgerichts -Departement Tom 22. April 1806 im Koy. Corp. Const. 1806, 
p. 70 flF. 



334 Neuere Zeit 

ostpreussisches Ho%ericht zu Insterburg, neben der weetpreoB- 
sischen Begierung zu Marienwerder ein westpreussiBcheB Hof- 
gericht zu Brombei^ errichtet, dag^;en die früheren Justixcol- 
legien und Landvogteigerichte (ausser dem ermeländischen und 
lauenburgischen) aufgehoben. Die beiden Ho^erichte waren von 
den Eegierungen unabhängig, hatten aber nur einen Senat, wäh- 
rend diese zwei Senate hatten. Jodes dieser vier Obergeriohte 
hatte seinen besonderen Jurisdictionsbezirk, welcher ungefiQir 
dem eines Kammerdepartements entsprach. Die Bestimmimgen 
über diese neue Vorwaltungseinthoilung, welche auf die früheren 
Justizcollegien und auf die alten Hauptämter Bezug nehmen, 
zeigen zugleich, dass mit den ersteren während der knnen 
Dauer ihres Bestehens doch schon manche Veränderungen yat' 
genommen waren. Es sollten nämlich I. zum Jurisdictionsbenik 
der königsberger Eegierung fortan gerechnet werden: 1) die Stadt 
Königsberg, 2) der bisherige Distrikt des brandenburg-neohansen- 
schen Justizcoll^ii , wozu die ehemaligen Hauptämter Braadea- 
bürg, Balga, Bartenstein, Fr.-Eilau, Fischausen, Kleinhaide, T$r 
piau, Schaaken, Neuhausen, Labiau gehörten. 3) Von dem bi»- 
herigen Distrikt des salfeldschen Justizcollegii die ehemaligeii 
Hauptämter Salfeld, Fr.-Mark, Pr.-HoUand, Liebstadt und Mo- 
rungen. 4) Der ganze Distrikt des bisherigen Justizcollegii in 
Neidenburg, bestehend aus den Hauptämtern Orteisburg, Neiden- 
bürg, Soldau, Osterode, Hohenstein. 5) Yen dem Distrikt des 
bisherigen Justizcollegii zu Angerburg die ehemaligen HJBnpt- 
ämter Eastenburg und Barten. 6) Von den ostpreussisohen Eib- 
ämtern für den Fall, dass die Gerichte derselben nicht nadi 
einer bestimmten vorgeschriebenen Norm eingerichtet würden, 
die Distrikte von Schönberg, Deutsch - Eilau , Oilgenbuig, Qet- 
dauen und Nordenburg. 7) Das Bisthum Ermeland, aus den 
braunsberg- und heilsbergschen Kreisen bestehend, „-weLdißB 
bisher zwar von der westprcussischen Eegierung ressortirt hat» 

von nun an aber wegen der natürlichen Lage an die 

königsbei^er Eegierung verwiesen wird". 11. Zu dem Jnxii- 
dictionsbezirk des ostpreussischen Hofgerichts sollten gehören: 
1) der bisherige Distrikt des Justizcollegii zu Memel, bestehend 
aus dem ehemaligen Hauptamte Memel und den dazu geschlagenen 
Bezirken. 2) Der bisherige Distrikt des Justizcollegii zu Inster- 



Verwaltungsbezirke des aohtaehnten Jahrhimderts. B3b 

bürg, zu welchem die Hauptämter Tilsit, Insterburg and Eagmt 
gehörten. 3) Yon dem bisherigen Distrikt des Justizcollegii zu 
Angerburg die Hauptämter Angerburg und Sehesten. 4) Der 
bisherige Distrikt des Justizcollegii zu Lyck, bestehend aus den 
Hauptämtern Johannisburg, Oletzko, Lyck, Lötzen und Rhein. 
5) Von den bisherigen Erbämtern unter der oben angegebenen 
Voraussetzung das zu !Neuhoff. III. Der westpreussischen Ee- 
gierung zu Marienwerder wurden zu ihrem Jurisdictionsbezirk 
zugewiesen: 1) die bisher ostpreussischen Hauptämter Marien- 
werder und Riesenburg, „welche wegen ihrer Lage, so wie in 
Kammersachen bereits 1772 geschehen ist, also auch in Justiz- 
Sachen dem Jurisdictionsbezirk der Regierung zu Marienwerder 
einverleibt" wurden. 2) Der bisherige Bezirk des Landvogtei- 
gerichts zu. Culm, sonst culmer Palatinat. 3) Desgleichen des 
Landyogteigerichts zu Marienburg, sonst marienburger Falatinat 
4) Desgleichen des Landyogteigerichts zu Stargardt, den ehe- 
maligen dirschauer und stargardter Kreis umfassend. IV. Das 
westpreussische Hofgericht zu Bromberg sollte umfassen: 1) den 
bisherigen Distrikt des Landyogteigerichts zu Conitz, den conitzer 
landräthlichen Kreis umfassend ; 2) und 3) desgleichen der Land- 
yogteigerichte zu Bromberg und Schneidemühl oder den Netz- 
distrikt ^'^. Das in dem Reglement yom 3. December 1781 
nicht ausdrücklich erwähnte Landyogteigericht zu Lauenburg 
blieb ebenfalls zunächst noch unter der westpreussischen Re- 
gierung zu Marienwerder. 

Zur Besorgung der Aufträge der Obergerichte und zur Auf- 
sicht über die Untergerichte wurde jedes der yier Departements 
in gewisse Kreise eingetheilt (die grösstentheils mit den einge- 
gangenen Justizcollegien gleichen Umfang behalten haben) und 
jedem derselben ein Justizrath vorgesetzt. Diese Kreis -Justiz- 
commissionen sind nicht als Untergeri(^te anzusehen, da von 
den Kreis - Justizräthen keine Urtheile gefällt werden, son- 
dern sie sind blosse Commissarien der Obei^erichte. Die Justiz- 
Commissionskreise sind: I. In Ostpreussen: 1) Fischausen oder 
Samland, das alte Hauptamt Fischausen und von dem Haupt- 



^^"^ Justiz-Reglement vom 3. Deoember 1781 a. a. 0., besonders S. 718, 
723, 726, 729. 



336 Neuere Zeit 

amte Schaaken den westlichen Theil (einschliesslich der Domänen- 
ämter Friedrichsberg, Grünhof und Rossitten) um&ssend. 2) Ta- 
piau oder Neuhansen, die ehemaligen Hauptämter Tapiau, Tap^ 
lacken, Labiau, Neuhauson und den östlichen Theil des schaa- 
kenschen (einschliesslich des Domänenamtes Laptau) umÜBUsend. 

3) Pr. -Eilau oder Brandenburg im Bereiche der ehemaligen 
Hauptämter Brandenburg, Balga, Fr.-Eiiau und Bartenstein. 

4) Angerburg in denselben Grenzen wie das frühere Jostizool- 
legium, halb zur Regierung in Königsberg, halb zum Hofgeriebt 
in Insterburg gehörig. 5) Salfeld im Umfange der BAUptämter 
Freuss.-Mark, Freuss.-Holland, Osterode, Liebstadt und LiebemühL 
6) !N'eidenburg im Umfange der Hauptämter Hohenstein^ Solda«, 
Neidenburg, Orteisburg. 7) Memel im ^Umfange der EJAuptämter ' 
Memel und Tilsit. 8) Lyck im Umfange des gleichnamigen 
Justizcollegii. Der Bezirk der alten Hauptämter Insterburg und 
Bagnit hatte keine besondere Commission, sondern wurde der 
Nähe wegen von dem Hofgericht selbst versehen**®). IL In 
Westpreussen : 1) Marienburg für den glciclinamigen Kreis^ 
2) Culm für die Kreise Culm und Michelau, 3) Stolzenberg ftir 
den dirschauer Kreis, 4) Stargardt für den stargardter Kreis,, 

5) Conitz für den conitzer Kreis, 6) Schneidemühl für den oam- 
minschen und deutsch-croneschen Kreis. In dem brombergschen 
und inowrazlawschen Kreise wird die Aufsicht über die Unier' 
gerichte von dem Hofgerichte unmittelbar geführt, ebenso in dem 
Kreise Marienwerder von der westpreussischen Regierung**®); 

Nach der zweiten Theilung Polens kamen auch die Sükdte 
Thom — wiewohl dies eine Zeit lang zum Sitze der südpreiu- 
sischen Regierung bestimmt war — und Danzig mit ihren Ter^ 
ritorien an die westpreussische Regierung ^^o). Die Bezirke von 
Lauenburg und Bütow, welche schon früher in Finanz- und 
Fplizeisachen zu Fommem gehört hatten, wurden im Jahre 1808 
auch in Landeshoheits-, Justiz- und geistlichen Sachen von West- 
preussen getrennt und dem Bezirke des pommerschen Ho%eriohtB 



»»») Goldbeck, Ostpreussen, S. 50—52. 

^^^) Goldbeck, Westpreussen, S. 122, 123. Den letzten Satz yermisse ieh 
bei Goldbeck, er scheint sich aber von selbst zu verstehen. 

^^^ Patent yom 2. Juni 1793 bei Leman, Anhang Kr. 10, besonders 8. 201. 
Vgl. Leman S. 20—22. 



Verwaltungsbezirke des achtzehnten Jahrhunderts. 337 

zu KÖslin einverleibt^^'). Die Erbhauptämter S'chÖnberg und 
Deutsch-Eilau , welche seit 1772 in Polizei- und Einanzsachen 
der westpreussischen Kammer untergeordnet waren, wurden im 
Jahre 1804 auch in Landeshoheits-, Justiz- und geistlichen Sachen 
zu Westpreussen geschlagen ^^2) ^jg jm tilsiter Frieden der 
grösste Theil des Netzdistrikts abgetreten werden musste und 
das Hofgericht zu Bromberg einging, kamen die dem preussischen 
Staat verbliebenen Theile des bromberger Departements (der 
Kreis Conitz und die Fragmente der Kreise Deutsch-Crone und 
Camin) auch in Justizsachen an die westpreussische Eegierung, 
wie sie derselben in Landeshoheits- und geistlichen Sachen schon 
lange untergeben waren ^^3), 

Durch das Eeglement über die Vertheilung der Geschäfte 
zwischen den Landescollegien in Preussen und Lithauen vom 
21. Juni 1804 (eben das, welches die Bessert Verhältnisse der 
Erbämter Schönberg und Deutsch-Eilau endlich reguHrte) wurden 
die Domänenämter Saalau, Lappöhnen, Wandlacken und Secken- 
burg, von welchen die beiden ersteren ganz, die letzteren theil- 
weise zum insterburgschen Hofgerichts-Departement gehört hatten, 
ganz und ungetrennt dem Departement der königsherger Ee- 
gierung (wie sie dem königsberger Kammerdistrikt bereits ange- 
hört hatten) überwiesen. 

Ein anderweites hohes Interesse hat dieses Eeglement inso- 
fern, als durch dasselbe das bisherige Etatsministerium ange- 
hoben und die Geschäfte desselben den Kriegs- und Domänen- 
kammern übertragen wurden. Hiedurch erhielt Ostpreussen eine 
von der westpreussischen noch . mehr als früher ahweichende 
Organisation. Diese neue Organisation der Behörden Ostpreussens 
sollte aber bald darauf noch weiter entwickelt und in dieser 
Form auch auf Westpreussen, ja auf alle Provinzen des preus- 
sischen Staats übertragen werden. Denn durch die Yerordnung 
wegen verbesserter Einrichtung der Provinzial-, Polizei- und 
Finanzbehörden vom 26. December 1808 wurden die Kriegs- 



"») Patent vom 25. October 1803 bei Leman S. 29, 30. 

*2^ Reglement vom 21. Juni 1804 im Nov. Corp. Const. 1804, auch bei 
Rabe, Gesetzsammlung, Bd. 8, S. 102 flf. 

*") Leman S. 40. 

22 



338 Neuere Zeit 

und Domänenkammem in sämmtlichen Provinzen des prenssi- 
sehen Staates zum Yereinigungspunkt der gesammten inneren 
Staatsverwaltung in Bezug auf die Polizei-, Finanz- und Landes- 
hoheits - Angelegenheiten bestimmt, weshalb sie auch von dieser 
Zeit ab den Namen Regierungen führen sollten. Die Landes- 
JustizcoUegien legten ihre verschiedenen fnihren Namen ab, 
und erhielten allgemein den Titel Oberlandesgerichte. Dabei 
wurde der geographisch wichtige Grundsatz ausgesprochen: ,,Bu 
bisherige Departement einer jeden Eegierung (d. h. Kriegs- und 
Domänenkammer) macht auch künftighin den Geschäftebeziik 
derselben in Eücksicht ihres gesammten neuen Eessorts aus, und 
insofern solcher bei den Specialbehörden, welche zu den Ee- 
gierungen übergehen, damit nicht übereingestimmt hat, wird er 
hiemach regulirt. Auch sind die Gerichtsbezirke der Landes- 
JustizcoUegien, wo deshalb noch eine Verschiedenheit stattfindet» 
nach den Regierungsdepartements abzugrenzen" ^24)^ g^l; cüeser 

Zeit gab es drei Regierungen und drei Oberlandesgerichte, sa 
Königsberg, zu Gumbinnen und zu Marienwerder. 



Fünfter Abschnitt. 

Die neuen Verwaltungsbezirke des neunzehnten Jahrhunderts in Ost- und 

Westpreussen. 

1. Provinzen, Reg.-Bezirke, landräthliche Kreise. 

Als der preussische Staat während der Freiheitskriege und 
durch die Verträge, welche denselben folgten, in einer ganz neuen 
Zusammensetzung wiederhergestellt war, erhielt er auch eine 
andere Eintheilung als früher. Die erste Bekanntmaohnng Mer^ 
über erfolgte durch die Verordnung über die verbesserte Ein- 
richtung der Provinzialbehörden, am 30. April 1815 *2*). Nach 
derselben sollte Preussen eine Militärabtheilung bilden, nnd in 
die Provinzen Preussen und Westpreussen, von diesen femer 
Preussen in die Regierungsbezirke Ostpreussen (Königsberg) nnd 



***) Verordnung vom 26. Oecember 1808 im Noy. Corp. Const 1808, 
S. 679 ff., auch bei Habe, Gesetzsammlung, Bd. 9, S. 467. 

"») Gesetzsammlung 1815, S. 93. 



Wü^^"^ 



Verwaltimgsbezirke des nennzebnten Jahrhnnderts. 389 

Lithauen (Gumbinnen) , Westpreussen in die Eegierungsbezirke 
Danzig und Marienwerder zerfallen. Die Eegiening in Ost- 
preussen zu Königsberg sollte enthalten: den braunsbergschen, 
beilsbergschen, brandenburgschen und schaakenschen Kreis ganz, 
das Hauptamt Bartenstein, den tapiauschen Kreis mit Ausnahme 
der Aemter Saalau und Lappöhnen, und überdies noch den nörd- 
lichen Theil des vormaligen insterburger Kreises, nämlich Alles 
davon, was nordwärts der Memel liegt, die ganze tilsiter Nie- 
derung, die Aemter Sommerau, Baigarden und Althof Eagnit 
nebst der schneckenschen und trappöhnschen Forst. Die Ee- 
giening in Lithauen zu Gumbinnen sollte enthalten: denjenigen 
Theil des vormaligen insterburger Kreises, der nicht zur ost- 
preussischen Eegierung gelegt war, die Aemter Saalau und Lap- 
pöhnen, den sehestenschen und oletzkoschen Kreis ganz, das 
Hauptamt Orteisburg und den rastenburgschen Kreis mit Aus- 
nahme des Hauptamtes Bartenstein. Die Eegierung in West- 
preussen zu Danzig sollte enthalten: den marienburgschen und 
dirschauschen Kreis nebst Stadt und Gebiet Danzig ganz, den 
stargardter und conitzer Kreis grösstentheils , nämlich mit Aus- 
nahme der an der Weichsel, Marienwerder, Graudenz und Culm 
gegenüber, liegenden Gegenden bis an die Seeen Czame und 
Oschik und an die Ortschaften Jascz, Brezin, Liano, Ostrowitte 
und Trutnowo. Die Eegierung zu Westpreussen in Marien- 
werder sollte enthalten: den marienwerderschen , morungschen, 
culmschen und raichelauschen Kreis in den Grenzen von 1772 
ganz, den neidenburgschen Kreis mit Ausnahme des Hauptamtes 
Orteisburg, diejenigen Theile des stargardter und conitzer Kreises, 
die nach vorstehender Bestimmung nicht der Eegierung zu 
Danzig zugewiesen sind, einen Theil des Netzdistrikts, die Stadt 
Thom mit dem neubestimmten Gebiete derselben und das linke 
Ufer der Weichsel im brombei^er Kreise mit den an den Strom 
grenzenden oder doch in dessen Niederung liegenden Ortschaften, 
wegen des Strombaues ^2^). 

Durch diese Eintheilung würden die wichtigsten Handels- 

"«) Verordnung vom 30. April 181Ö, Gesetzsammlung 1815, S. 93. In 
Patent vom 15. Mai 1815, ebenda S. 45, werden Thom nnd das linke 
Weichselufer wie hier zu Westpreussen, die zum früheren Netzdistrikt ge- 
hörigen Kreise Crone und Camin aber zum Grossherzogthum Posen geschlagen. 

22* 



L 



a40 Neuere Zeit. 

und Marktplätze an der See und an den HafiPen nebst des daia 
führenden Wasserwegen, so wie auch die meisten Hafen-, Strom- 
und Deichbaue unter der Verwaltung der Begierungen zu. Kö- 
nigsberg und Danzig vereinigt worden sein, und die für die 
Hinterländer bestimmten Kegierungen würden bei mehr Gleich- 
artigkeit ihrer Theile diesen ihre yoUe Thätigkeit zi^wendet 
haben. Allein auf der anderen Seite sahen die ostpreossiBehen 
Stände durch die Abgabe des morungschen und neidenburgschen 
Kreises an Westpreussen ihre alte Verbindung zerstört, was auf 
die Verbindungen zur Landschaft und Land-Feuersocietät , m 
Landarmen -Versorgungsanstalt u. s. w. bedeutenden 'Riw-fli^f^ 
würde geäussert haben. So schienen überhaupt bei dem neuen 
Theilungsplane staatswirthschaftliche Eücksichten vorgewaltet, 
die politischen Verhältnisse dagegen weniger Berücksichtigiing 
gefunden zu haben ^^ 7)^ j)Iq Sache wurde daher unter Beiratii 
der Oberpräsidenten von Preussen, Westpreussen und Posen 
und der Eegierungspräsidenten von Bromberg und Marienwerder 
nochmals erwogen, und diese Berathungen führten zur Beseitigiuig 
eines bedeutenden Theiles der früher beabsichtigten Aendertmgen. 
Der darüber erlassene Cabinetsbefehl vom 24. April 1816 ward 
das Grundgesetz der gegenwärtigen Eintheilung des Königreiolui 
Preussen. In demselben sind die Bestandtheile und Grenxen 
der vier Eegierungsbezirke bis ins Einzelne angegeben, den Be- 
gierungen jedoch anheimgelassen, über etwa nöthig scheinende 
kleine Ausgleichungen sich mit einander zu einigen*^®). 

Was zunächst die Provinzialgrenzen betrifpfc, so wurde der 
moruDgsche und neidenburgsche Kreis nun doch wieder in 
Ostpreussen geschlagen, also die alte Grenzlinie zwischen Ost- 
und Westpreussen im Allgemeinen hergestellt. Nur wurden die 
von Ostpreussen umschlossenen und dem Hospital zu Elbing ange- 
hÖrigen Dörfer Reichenbach und Buchwedde nebst den Vor- 
werken Alt- imd Neu-Kussfeld, nach etwas späterer Verordniing 



^^^ Vgl. Eexisch, Darstellung der gegenwärtigen Eintheilung des Kdnig^ 
reiche Preussen, ins Besondere des Verwaltungsbezirks der königl. Begienug 
zu Königsberg, in den Beiträgen zur Kunde Preussens 1819, Bd. 2, S. 447 iL 

^^^) Diese Cabinetsordre ist in der Gesetzsammlung nicht gedruckt, wird 
aber in den unmittelbar nachfolgenden Verordnungen der Begierungen wieder* 
holentlich angeführt. Ein Auszug aus derselben ist gedruckt bei Leman a. t. 0. 
Beilage 36, S. 243 ff. Vgl. Eeusch a. a. 0. S. 451, 462. 



Verwaltmigsbezirke des neunzehnten Jahrhunderts. 341 

auch das Freigut Jobannishof ^2^), Kirchspiels Bludau, an Ost- 
preussen, dagegen das von Westpreussen eingeschlossene , am 
Drausensee gelegene Gut Hansdorf an Westpreussen abge- 
treten 530). 

Dass die Kreise Deutsch - Crone und Camin , so weit sie im 
tilsiter Frieden dem preussischen Staate verblieben waren, nicht, 
wie es nach dem Patent vom 15. Mai 1815 die Absicht war^^i), 
zum Grossherzogthum Posen geschlagen werden, sondern bei 
Preussen verbleiben sollten, war schon in einem Ministerial- 
rescript vom 18. October 1815 ausgesprochen ^32)^ Nach dem 
Cabinetsbefehl vom 24. April 1816 gingen vom deutsch - crone- 
schen Kreise die Ortschaften Heinrichsdorf, Bargten, Kalnzig, 
Winkel, Klöberstein, Wilhelmsdorf, Augenweide. Seehof, Grün- 
hof nebst der Klapperkathe, Giesen mit Christiansberg, Louisen- 
thal, der neue Krug und die Heideschäferei bei Giesen, femer 
die adligen Güter Gross - Popplow und Brützen nebst Zubehör, 
so wie die heinrichsdorfschen Güter Roppow, Blumenwerder und 
Warlang nebst Zubehör ^^ 3) g^ ^^^ Regierungsbezirk Köslin 
über ; dagegen wurden von dem neumärkschen Kreise Dramburg, 
nunmehr köslinschen Departements, die in Westpreussen ge- 
legenen Enclaven Prochnow, Eichenbruch, Annenthal, Pesznick, 
Ernstruhe und Zacharin nebst dem dabei gelegenen Forstrevier 
Theerbruch zu Westpreussen geschlagen. Endlich wurde seit 
dem 1. Januar 1818 eine Eeihe von Ortschaften, welche seit 
1815 als zum Departement der Eegierung zu Bromberg gehörig 
betrachtet worden waren, namentlich der brombergsche Antheil 
der Herrschaft Vandsburg und Zempelburg, der komiorowoschen 
Güter und der waldauschen Güter zu Westpreussen, dagegen 
aber auch mehrere Ortschaften Westpreussens zum Departement 
von Bromberg geschlagen *34). 



(^^<>) Königsberger Amtsblatt 1816, S. 444. Danziger Amtsblatt 1817, S. 44. 

^3^ lieber die Enclaye Hansdorf vgl. das 1852 erschienene Fragment der 
letzten Abtheüung von Bd. 3 der Fuchsschen Beschreibung yon Elbing, her- 
ausgegeben von Neumann, S. 90 und 139. 

*3») Gesetzsammlung 1815, S. 45. 

^32) Bei Leman a. a. 0. Beilage 35, S. 243. 

533) Wegen der letztem vgl. marienwerd. Amtsbl. 1816, S. 132. 

"*) Nach Leman a. a. 0. S. 51. 



342 Neuere Zeit. 

Beide Frovinzen, Freossen und Westpreussen, smd im Jahre 
1824 unter einem Oberpräsidenten vereinigt ^^^). Die Beg;ienmgi^ 
bezirke Königsberg und Gnmbinnen behielten im Cranzen üne 
früheren Bestandtheile. Die Hauptveränderung bestand darin, 
dass die Kirchspiele Deutsch- und Lithauisch-Kemel, PrakolSi 
Schwarzort und Krottingen, mithin die Stadt und Umgeibiiiig 
von Memely das ganze Intendanturamt Memel und der gioHte 
Theil des Intendanturamts Frökuls, mit Ostpreussen vereinigt 
wurden y wodurch die ganze Ostseeküste von der rassisohen 
Grenze ab längs der kurischen Xehrung und der samländindwi 
Küste bis nach Folsk auf der frischen Xehrung einer Yenril- 
tungsbühörde untergeordnet wurde. Die übrigen YerändenmgeB 
sind minder erheblich ; sie bezwecken nur die bessere Abrondnng 
der Figur, die Vereinigung der Niederungen der Memel und die 
Vereinigung getrennter Kirchspiele. Ausser dem angefiihrifll 
Bezirke kamen sron dem Eegierungsbezirk Gnmbinnen an dea 
von Königsberg die lithauischen Antheile der lorchspiele Allen- 
bürg, Schwarzstein, Beeslack und die dem grossen Hospital A 
Königsberg gehörigen Dörfer Berszlacken, Ilmsdorf , Schönlinde 
(muldzenschen Kirchspiels). Dagegen gingen zur Yerwaltong 
der Eegierung zu Gnmbinnen über : 1) der ostpreussische An- 
theil folgender Kirchspiele: Lappienen, Inse, Heinrichswalde» 
sämmtlich Amts Seckenburg, welches Amt zu der Memel- 
niederung gehört, die dadurch ungetheilt einer Verwaltung sa- 
gewiesen wurde; 2) der ostpreussische Antheil der Kirchspiele 
Gross -Skaissgirren (das Dorf Lankeninken, von dem ein TheS 
nach Gross - Skaissgirren , der andere nach Fopelken eingepfiBurrt 
ist, wurde zum Eegierungsbezirk Königsberg gerechnet), GroM- 
Aulo wohnen und BerszkaUen; 3) das Eorchspiel Baalau ganx; 
4) der ostpreussische Antheil des Kirchdorfs Fuschdorf, zu den 
fürstlich dessauschen Gütern gehörig, die übrigens ganz im gom- 
binnenschcn Bezirke gelegen sind; 5) die Eorchspiele Trempen 
und Dombrowkcn, rastenburgschen Kreises, ganz; diese Ab- 
tretung trug besonders zur Abrund ung des gumbinner Departe- 
ments bei; 6) die geringen ostpreussischen Antheile der Kirdi- 
spiele Engülstein, Jodlankcn, Eosengarten, ebenfalls rastenburg- 

<^3») Cabinctsordro ?oni 13. Aprü 1824 im königsb. Amtsblatt 1824, S. IM. 



Verwaltungsbezirke des neunzehnten Jahrhunderts. 343 

sehen Kreises; 7) der ostpreussische Antheil des Kirchspiels 
Aweyden, ortelsburgschen Amtes, namentlich die Dörfer Babienten 
und Krawno. In Betreff des kurischen Haffs wurde festgesetzt, 
dass dasselbe in der Ausdehnung vom Dorfe Schwenzlen, Amts 
Prökuls, bis Tawe zur Hälfte seiner Breite zum Eegierungsbe- 
Ärk Gumbinnen, der übrige Theil aber zum Eegierungsbezirk 
Königsberg gehöre ^^^). 

Die Eegierungsbezirke Danzig und Marienwerder wurden in 
folgender Weise von einander gesondert. Der erstere umfasste 
nach der Cabinetsordre vom 24. April 1816 das danziger Ge- 
biet, den dir schauer Kreis, den stargardter Kreis, jedoch mit 
Ausnahme der Stadt und des Amtes Mewe und der ostwärts 
des Harner- (soll wohl heissen Czarner-) Seees gelegenen adligen 
Ortschaften, und den marienburger Kreis mit Ausschluss der 
Aemter Christburg und Stuhm und der im Bezirk der letzteren 
gelegenen adligen Ortschaften. Zum Eegierungsbezirk Marien- 
werder sollten gehören: die Kreise Marien werder, Conitz, Camin, 
Thorn, Culm und Michelau, ferner der cronesche Kreis mit Aus- 
schluss der nach dem Obigen an das kösliner Departement abge- 
tretenen Ortschaften und mit Einschluss der ebenfalls schon ge- 
nannten Enclaven des dramburger Kreises, endlich die vom 
danziger Departement ausgeschlossenen Theile der Kreise Steir- 
gardt und Marienburg ^^^). 

Am durchgreifendsten war die Veränderung, welche mit der 
Eintheilung der einzelnen Eegierungsbezirke vor sich ging. Die 
Mängel der alten Kreisverwaltung hatten sich namentlich in der 
Zeit des unglücklichen Krieges 1806 und 1807 herausgestellt, 
und schon damals erkannte man die Nothwendigkeit , den Um- 
fang der Kreise, wie dieses schon 1752 geschehen war, noch 
weiter zu verkleinern. Doch musste man sich unter den drücken- 
den Sorgen der nächsten Jahre mit einer verbesserten Verfassung 
der alten Kreise begnügen. In der Verordnung wegen ver- 



538) Königsberger Amtsblatt 1816, Nr. 26, 34, 50. Gumbinner Amtsblatt 
1816, Nr. 34, 38. Vgl. Keusch a. a. 0. 8. 452—458. 

ö^') Leman a. a. 0. S. 243 ff. pie früheren Kreise Culm und Michelau 
waren in der Zeit ihrer Vereinigung mit dem Herzogthum Warschau in drei 
Kreise, Culm, Thorn und Michelau (oder StrassburgJ, umgeformt. S. Leman 
a. a. 0. S. 41. 



844 Neuere Zeit. 

besserter Einrichtung der Provinzialbehörden vom 30. April 1815 
wurde die Kreiseintheilung für diejenigen Begierongsbezirke, in 
welchen eine angemessene ältere Eintheilung nicht vorbanden 
wäre, angeordnet, und dabei der von den bisherigen Einrich- 
tungen durchaus abweichende Grundsatz aufgestellt, dass alle 
Ortschaften, die in den Grenzen eines Kreises liegen, zu dem- 
selben gehören und der landräthlichen Aufsicht unterworfen sind; 
doch sollten alle ansehnlichen Städte mit ihrer nächsten Um- 
gebung eigene Kreise bilden. In Absicht des Flächeiiinhalts 
und der Abrundung wurde durch eine Ministerialverfügung vom 
26. Juli 1816 Folgendes angeordnet: es müsse darauf Bedacht 
genommen werden, dass der Landrath den Kreis gehörig über- 
sehen könne, und die Eingesessenen nicht leicht über zwei bis 
drei Meilen vom Sitze der Kreisbehörde entfernt wären; die 
Bevölkerung dürfe nicht über 36,000 und nicht leicht unter 
20,000 Menschen angenommen werden, nach dem Maasse der 
Bevölkerung Freussens dürfe die Zahl von 20,000 Eingesessenen 
nicht leicht überschritten werden. Es verstand sich endlich 
von selbst und wurde überdies wiederholentlich eingeschärft, 
dass bei der neuen Eintheilung die bestehenden Verhältnisse 
möglichst geschont würden ^^^). 

In Ostpreussen und Lithauen kam man zu der Ueberzeagung^ 
dass die Kirchensprengel die zweckmässigste Einheit abgäben, von 
welcher man bei der Zusammensetzung der neuen Kreise ansm- 
gehen hätte. In Ostpreussen glaubte man die Grenzen des £r- 
melandes wegen zahlreicher Eigenthümlichkeiten dieser Land- 
schaft durchweg respectiren zu müssen, was die Abrundung der 
Kreise nördlich und südlich von derselben sehr erschwerte. Der 
Plan für die neue Kreiseintheilung wurde hier im Laufe des 
Jahres 1816 bearbeitet, von dem Staatskanzler laut Ministerial- 
verfügung von 1817 genehmigt, durch Verfügung der Begierung 
vom 3. Januar 1818 bekannt gemacht und vom 1. Februar 1818 
an zur Ausführung gebracht. Später sind hie und da kleine 
Abänderungen erfolgt, die wichtigste betraf die Kreise zwischen 
dem Pregel und dem Ermelande, welche in dem Plane eine su 
unvortheilhafte Gestalt erhalten hatten. Die Umwandlung er- 



"8) Keusch a. a. 0. S. 465—470. 



Verwaltungsbezirke des neunzehnten Jahrhunderts. 345 

folgte durch die Minis terialverfügung vom 19. Januar 1819, 
welche überhaupt neun Kreise mehr oder weniger berührte. Die 
Verwaltung der umgeänderten Kreise fing mit dem 1. April 
1819 an, gemäss Verfügung vom 24. Februar 1819 ^3^). In der 
nachfolgenden Uebersicht der neugebildeten zwanzig Kreise des 
Regierungsbezirkes Königsberg " sind diese Veränderungen schon 
mit berücksichtigt. 

1) Stadtkreis Königsberg enthält die zu Königsberg ge- 
hörigen Kirchspiele. Zu den älteren Kirchen der Stadt kam 
aber im Jahre 1810 noch die des königl. FriedrichscoUegiums 
(bis 1853), und nach dem Militärkirchen - Reglement von 1811 
wurden in Königsberg aoch zwei Brigadeprediger angestellt. 

2) Kreis Memel mit den Kirchspielen: Deutsch - M e m e 1 
(lutherisch und reformirt), Lithauisch-Memel, Deutsch-Crottingen, 
Prökuls, Schwarzort. Die Kirche zu Schwarzort ist 1794 nach 
Versandung der Kirche in Carwaiten erbaut. — Die jüngsten 
Kirchspiele sind Dawillen (gegründet 1846) und Nidden (ge- 
gründet 1847). 

3) Kreis Fischausen mit den Kirchspielen : P i 1 1 a u (luthe- 
risch und reformirt), Fischausen, Lochstädt und Filiale Alt- 
Pillau, Germau, Heil.-Kreuz, Medenau, Cumehnen, Thierenberg, 
Wargen, Pobethen, Laptau, Rudau, St. Lorenz, Kunzen (jetzt 
Rossitten). 

4) Landkreis Königsberg mit den Kirchspielen: Neu- 
hausen, Quednau, Amau, Heiligenwalde, Schönwalde, Schaaken, 
Postniken, Powunden, Juditten, Seeligenfeld, Steinbeck und Fi- 
liale Neuendorf, Löwenhagen, Ottenhagen, Borchersdorf, Ludwigs- 
walde, Haffstrohm, Lichtenhagen, Mansfeld. 

5) Kreis Labiau mit den Kirchspielen: Kaymen, Labiau, 
Lithauisch-Labiau, Legitten, Gilge, Laukischken, Popelken. Neuer- 
dings sind noch die Kirchen zu Melauken (gegründet 1841) und 
Lauknen (gegründet 1853) hinzugekommen. 

6) Kjeis Wehlau mit den Kirchspielen: Tapiau, wo zu 
der älteren Gemeinde noch die der Landarmenverpflegungs-An- 
stalt seit 1794 hinzukam — Kremitten, Goldbach, Grünhayn, 



»39) Verf. vom 3. Januar 1818 und vom 24. Februar 1819. Königsb. 
Amtsblatt 1818, S. 13; 1819, S. 82. Vgl. Eeusch a. a. 0. S. 470—479. 



346 Neuere Zeit. 

Starkenberg, Petersdorf, Plibischken, Paterswalde, Wehlau, Al- 
le nburg, Gross-Engelau (seit 1807 combinirt mit Bll.-SchÖnau). 

7) Kreis Friedland mit den Kirchspielen: Auglitten mit 
der Filiale Schönwalde, Klein - Schönau , Böttchersdorf mit der 
Filiale Allenau, Friedland, Deutsch - Wüten mit den Filialen 
Klingenberg und Georgenau, Schönbruch, Domnau, Stockheim, 
Schippenbeil, Bartenstein, Gallingen, Gross-Bchwansfeld, 
Falkenau. • 

8) Kreis Preuss. -Eilau mit den Kirchspielen: Borken, 
Eeddenau, Albrechtsdorf, Petershagen, Peisten und Filiale Hana- 
hagen, Eichhorn, Landsberg, Buchholz, Gutenfeld, Kanditten, 
Kreuzburg, Klein-Dexen, Dollstädt, Br.-Eilau, Jesau, Mühl- 
hausen, Schmodittcn, Tharau, Uderwangen, AUmenhausen und 
Filiale Abschwangen. 

9) Kreis Heiligenbeil mit den Kirchspielen: Branden- 
burg, Pörschken, Balga, Bladiau, Eichholz, Eisenberg, Ghnmoa 
und Filiale Passarge, Heiligenbeil, Hermsdorf und Filiale 
Pellen, Hohenfürst, Gross-Lindenau, Deutsch-Thierau, TiefJensee, 
Waltersdorf, Z inten. 

10) Kreis Gerdauen mit den Kirchspielen: Friedenberg, 
Gross-Schönau und Filiale Lindenau, Assaunen, Muldzen, Ger- 
dauen, Moltheincn, Momehnen, Nordenburg, Laggarben nnd 
Filiale Dietrichsdorf, Löwenstein. 

11) Kreis Kastenburg mit den Kirchspielen: Barten, 
Drengfurt, Gross- Wolfsdorf, Langheim, Gudnicken, seit 1824 
Filiale von Langheim ^*o), Paaris, Schönfliess und Filiale ToUdb- 
dorf, Lamgarbcn, Beislack, Eastenburg mit einer deutschen 
und einer polnischen Kirche, Schwarzstein, Wenden, Leunebnrg, 
Döhnhofstädt (reformirt), Heilige-Linde, katholisch, seit 1816 
Pfarrkirche ^4 1). 

12) Kreis Braunsberg mit den Kirchspielen: Braans- 
berg, Schalmey mit der Filiale Petelkau, Gross-Bautenberg mit 
der Filiale Tiedmannsdorf, Frauenburg, Bludau, Plastwig, 
Tolksdorf, Peterswalde, Melsack, Lays mit der Filiale Sonn- 
wald, Piauten, Wusen mit der Filiale Baysen oder Basien, 



**o) Rhesa, Presb. S. 156. 

^^') Topogr. Yürzeichniss des Keg.-Bezirks Königsberg, S. 130. 



Verwaltungsbezirke des neunzehnten Jahrhunderts. 847 

Henrikaa, Lichtenau, Langwalde, Migehnen, Wormditt mit der 
Kapelle Open. Die genannten Kirchen sind sämmtlich katholisch ; 
evangelische giebt es nur in Braunsberg (seit 1818), Melsack 
(seit 1817), Wormditt (seit 18^31) und Frauenburg (seit 
1834). 

13) Kreis Heilsberg mit den Kirchspielen: Heilsberg, 
Eoggenhausen, KrekoUen, Kiwitten und Filiale Schulen, Eeimers- 
walde und Filiale Eaunau, Wargitten, Reichenberg, Stolzhagen, 
Wuslack, Seiberts Walde und Filiale Blankensee, Frauendorf, Ka- 
pelle St. Crucis, Kapelle in Springborn, Benem, Arensdorf, Kalk- 
stein, Elditten, Wolfsdorf, Heiligenthal, SchÖlitt, Queetz und 
Filiale Rosengart, Guttstadt, Glottau mit der Filiale Münsterberg, 
Nosberg mit der Filiale Eschenau, Peterswalde, Kapelle in 
Schönwiese. Zu. diesen katholischen Kirchen kommen noch zwei 
evangelische zu Heilsberg, gegründet 1801, und Guttstadt, ge- 
gründet 1816. 

14) Kreis Rössel mit den Kirchspielen: Seeburg und 
Filiale Lockau, Bischofsburg, Frankenau, Prositten, Lautern, 
Freudenberg und Filiale Flemming, Gross - Bessau , Rössel, 
Bischofsstein, Plausen, Sturmhübel, Santoppen, Glockstein 
und Filiale Schellen, Legionen, Gross - Kellen. Ausser diesen 
katholischen Kirchen sind noch vier evangelische zu nennen: 
Bischofsburg, gestiftet 1792, Rössel 1821, Seeburg 1832, Bischofs- 
stein 1847. 

15) Kreis Alienstein mit den katholischen Kirchspielen: 
Gross -Ramsau und Filiale Bartelsdorf, Lemkendorf, Warten- 
burg, Alt - Wartenburg, Gross-Purden, Alt-Schönberg, Diwitten, 
Gross -Bertung, Schönbruch, Dietrichswalde, Braunswalde, Wu- 
trienen, Grieslienen, Neu - Kokendorf, Klaukendorf, Gross-Elee- 
berg, Allenstein und Filiale Göttkendorf, Jonkendorf, Süssen- 
thal^*2). Zu Alienstein giebt es seit 1793 auch einen evan- 
gelischen Geistlichen, zu Wartenburg seit 1836. 

16) Kreis Pre US s.- Ho Hand mit folgenden Kirchspielen: 
P r. - H 1 1 a n d, wo die reformirte Predigerstelle 1807 aufgehoben 
wurde, Mühlhausen, Herrendorf und Schlobitten, Neumark und 



^*^) Die Filialen der ermeländischen Kirchen und einige Kapellen sind nach- 
getragen nach dem directorium diyini officii dioec. Warmiensis 1856. 



348 Neuere Zelt. 

Carwinden , Lauk und Ebersbach , Deutschendorf, Marienfelde, 
Hennsdorf, Döbern, Hirschfeld, Eogehnen und SchÖnau***), 
Schmauch, Grünhagen, Eeichenbach, Schönberg, Eeichwalde (Fi- 
liale von Liebstadt), Gross-Thierbach, Blumenau und Filiale Hei- 
ligenwalde. Keformirte Kirche in Samrodt mit der Filiale Qnit- 
tainen ^**). 

17) Kreis Morungen mit den Kirchspielen: Liebstadt, 
Silberbach, Kahlau und Filiale Hagenau, Herzogswalde und 'Ei- 
liale Waltersdorf, Morungen (lutherisch und reformirt), Beiehao, 
Alt-Christburg, Miswalde, Liebwalde und Filiale Pr.-Mark, Alt- 
stadt, Gross- Arnsdorf, Simnau, Saalfeld, "Weinsdorf, Schnell- 
walde, Jäschkendorf, Sonnenbom und Yenedien, Eckersdor^ 
Wilmsdorf und Filiale Segertswalde, Samrodt. 

18) Kreis Osterode mit den Kirchspielen: Locken, und 
Filiale Langgut, Liebemühl, Osterode mit Amau, Schmieg- 
walde mit Peterswalde und Leipe (Leipe bildete bis 1817 ein 
eigenes Kirchspiel), Kxaplau und Filiale Döhringen, Wittichwalde 
und Osterwein (Osterwein hatte bis 1808 einen eigenen P&rrer, 
wurde aber 1809 nach Wittichwalde und Kraplau dismembriit), 
Mauchengut, Geyers walde mit Petzdorf und Beichenau, Ho hell- 
st ein, Mühlen mit Fregenau und Tannenberg , Selesen mit 
Waplitz, Kurken (früher mit Selesen combinirt, seit 1854 eigeneB 
Kirchspiel), Marwalde mit DÖhlau und Marienfelde, Gilgen- 
burg und Heselccht, Eauschken. [N'euerdings ist in Osterode 
auch ein katholisches Bethaus errichtet. 

19) Kreis Neidenburg mit den Kirchspielen: Usdaa mit 
Gardienen und Szuplienen, Jedwabno mit Malga, Muschaken, 
Lahna, Neidenburg mit Candien (wo bis 1809 eigene Geist- 
liche waren), Saberau, Skottau mit Dziurdzan, Narzim, Sold an, 
wo die reformirte Predigerstelle 1837 aufgehoben wurde, Bor- 
chersdorf (seit 1809 gehörte dazu die Filiale Schamaa, dooh 
wurde Borchersdorf 1823 mit Soldau, Schamau und Saberau yer- 
bundcn ^^^)), Heinrichsdorf und Gross -Koschlau, Klein-Kosohlaa 



'^*^) In dem Yerzeichniss der Kirchen von 1850 wird noch ZaUenfold als 
Filiale Ton Bogehnen erwähnt. 

^**) Quittamen ist Simultankirche und zwar lutherischen Theüs Filiale 
von Gross-Thiorbach, reformirten Theils yon Samrodt. 

*") Rhesa, Presb. 8. 124, 127. 



Verwaltungsbezirke des neunzehnten Jahrhunderts. 849 

und Gross-Schläfken, Gross-Lensk und Przelensk (kathoL), Bial- 
lutten (kathoL), Thurau (kathol.). 

20) Kreis Ortelsburg mit den Kirchspielen: Friedrichshof, 
Klein- Jerutten , Ortelsburg, Eheinswein, Kobulten, Mensgut 
mit Therwisch (vereinigt 1817), Passenheim, Schöndamerau 
und Jablonken, "Willenberg mit Opaleniec, Fürstenwalde. Die 
Kirche zu Fürstenwalde ist erst im Jahre 1815 gegründet**®). 

Die neue Eintheilimg des Regierungsbezirkes Gumbinnen 
wurde durch die Verordnung vom 3. Juli 1818 bekannt ge- 
macht; die landräthliche Verwaltung in den neuen Kreisen be- 
gann mit dem 1. September desselben Jahres**^. Es waren 
folgende sechzehn. 

1) Kreis Heydekrug mit dem Kreisort Heydekrug und 
den Kirchspielen: Kinten, Werden, Euss, Kalninken, Scha- 
kuhnen mit Karckeln. Zu Saugen (1844) und zu Karckeln 
(1847) sind eigene Kirchen errichtet. 

2) Kreis Niederung mit dem Kreisort Kaukehnen und 
den Kirchspielen: Kaukehnen, Lappienen, Neukirch oder Jonei- 
kischken, Inse (seit 1811 von Kallningken getrennt), Plaschken, 
Heinrichswalde, Skaissgirren. — Die Kirche zu Friedrichsdorf ist 
nach 1850 provisorisch gegründet; Plaschken ist später zum 
Kreise Tilsit geschlagen. 

3) Kreis Tilsit mit den Kirchspielen: Deutsch-Tilsit (luthe- 
risch und reformirt), Lithauisch-Tilsit, Piktupöhnen, Willkisch- 
ken, Coadjuthen. — Später kam noch Plaschken dazu. 

4) Kreis Eagnit mit den Kirchspielen: Eagnit (deutsch 
und lithauisch), Wischwill, Budwethen, Kraupischken , Leng- 
wethen, Szillen. Hiezu kommen noch die neuerdings gegründeten 
Kirchen Jurgaitschen (1845), Schmalleninken (1845) und Fried- 
richswalde (1853)5*8). 

5) Kr. Pilk allen mit den Kirchspielen: Pilkallen, Küssen, 
Malwischken, Lasdehnen, Willuhnen, Schillenen (i. J. 1793 durch 
Abzweigung von Lasdehnen und Willuhnen gebildet), Schirwindt. 



64«^ Vgl. ausser den oben angeführten Verordnungen die IJebersichten bei 
Eeusch a. a. 0. S. 480 — 500 und in der Topogr. des Beg.- Bezirks Königs- 
berg 1820, S. LUI— LVIII. 

"') Vorordnung Yom 3. Juli 1818 im gumbinner Amtsblatt 1818, S. 511 ff. 

*") Evang. Gemeindeblatt 1853, Nr. 29. 



350 Neuere Zeit. 

6) Kreis Stallupöhnen mit den Kirchspielen: Stalin- 
pöhnen, Bilderweitschen , Göritten, Enznhnen, PiUnpöhnen, 
ToUmingkehmen , Szirgupöhnen , Kattenau. Szirgupöhnen ist 
später an den Kreis Gumbinnen überwiesen, Tollmingkehmen 
gegen Mehlkehmen an den Kreis Goldapp vertauscht. 

7) Kreis Gumbinnen mit den Kirchspielen: Gumbinnen, 
wo die französisch - reformirte Predigerstelle bei der neustädti- 
schen Kirche 1808 aufgehoben wurde, Walterkehmen, ^Nemmers- 
dorf, Jutschen, Ischdaggen, Gerwischkehmen, Niebudzen. Dasn 
kam später noch Szirgupöhnen. 

8) Kreis Insterburg mit den Kirchspielen: Norkitten, 
Puschdorf, Saalau, Jodlauken, Didlaken, Deutsch- Insterburg 
(lutherisch und reformirt), Lithauisch - Insterburg , Berschkallen, 
Georgenburg, Pelleningken, Aulowöhnen. Neuerdings sind noch die 
Kirchspiele Obelischken (1845), Grünheide (1846) und Neoniach- 
ken (reformirt, 1854) dazu gekommen. 

9) Kreis Darkehmen mit den Kirchspielen : Darkehmen, 
Szabienen, Kiessowen, Wilhelmsberg, wo 1818 die reformirt^ 
und lutherische Pfarrstelle förmlich unirt sind, Ballethen, Dom- 
browken, Trempen, endlich Gr.-Carpowen, eingerichtet 1847. 

10) Kreis Goldapp mit den Kirchspielen: Goldapp, Du- 
beningken, Szittkehmen, Mehlkehmen, Gumen, Grabowen, Ga- 
waiten. Mehlkehmen kam jedoch später an den Ejreis Stallu- 
pöhnen, der dagegen Tollmingkehmen an den Kreis Goldapp 
abgab. 

11) Kreis Oletzko mit den Kirchspielen: Oletzko, Scha- 
reiken, Mierunsken, Schwentainen, Gonsken, Czychen, Willitzken. 

12) Kreis Lyck mit den Kirchspielen: Lyck, Ostrokolleii, 
Borzymen (die Kirche stand früher in Lissewen, wurde aber 
nach einem Brande 1803 nach Borzymen verlegt, 1815), Pisaa" 
nitzen, Kallinowen, Stradaunen, Grabnick, Neu-Jucha, Clauasen. 

13) Kreis Johannisburg mit den Kirchspielen: Johan- 
n i s b u r g , Eckersberg, A r y s , Drygallen, Gross-Eosinsko, Biala» 
Kumilsko. Auch das Kirchspiel Friedrichshof gehört theilweise 
hieher, theilweise zum Kreise Orteisburg, Zu Gehsen und Tu- 
roscheln sind in den Jahren 1846 und 1847 neue Kirchen 
begründet. 

14) Kreis Sensburg mit den Kirchspielen: Sensburg, 



Verwaltungsbezirke des neunzehnten Jahrhunderts. 351 

Sarquitten, Eibben, Aweyden, Nicolayken, Schimonken, Eicli- 
medien, Sehesten mit Bösem (combinirt seit 1822), Alt-Ukta 
(gegründet 1846). — Auch das Bethaus der Philipponen zu 
Eckertsdorf liegt in diesem Kreise ^*^). 

1 5) Kreis L ö t z e n mit den Kirchspielen : L Ö t z e n , Mielken, 
Widminnen, Kydzewen, Neuhoff, Eh ein, Gross-Stürlack. Or- 
lowen, neues Kirchspiel, seit 1853. 

16) Kreis Angerburg mit den Kirchspielen: Angerburg, 
Engelstein, Buddem, Kruglanken, Kutten, Bengheim, Eosengarten 
und Filiale Doben. Vom Kirchspiel Drengfurt gehört der Ort 
Taberlack hieher^^o). 

Anders als in Ostpreussen und Lithauen ging man in West- 
preussen zu Werke. Da hier die katholische und evangelische 
Bevölkerung ötark durcheinander gemischt ist, und die Kirch- 
spiele deshalb vielfach einander durchkreuzen, so konnten sie 
hier nicht so zweckmässig als in Ostpreussen die Einheit zur 
Zusammensetzung der landräthlichen Kreise abgeben. Man be- 
zeichnete daher den Umfang der letzteren im Eegierungsbezirk 
Marienwerder durch Angabe der Domänen- und Intendantur- 
ämter, der Städte und der adligen Güter, die zu jedem gehörten, 
im Eegierungsbezirk Danzig theils durch ähnliche Angaben, theils 
durch genaue Grenzbeschreibungen. In dem ersteren trat die 
neue Kreiseintheilung mit dem 1. April 1818 in "Wirksamkeit, 
nachdem sie am 21. Februar bekannt gemacht worden war^**). 
Die Verordnung der Eegierung zu Danzig über die neue Ein- 
theilung ihres Departements ist vom 24. Mai 1818 ^^2), enthält 
aber die Bestimmung über den Anfangspunkt der neuen Yer- 
waltungsform nicht ausdrücklich. 



MS) Ueber die Phüipponen vgl. Geras in den N. P. P. Bl. 1849, Bd. 2, 
S. 50 ff.; 1850, Bd. 1, S. 376 ff. 

^^^) Ausser der oben angeführten Verordnung vgl. die TJebersicht in der 
Topogr. des Reg.-Bezirks Gumbinnen 1839, S. YII — XII. Die historischen 
Notizen über die Gründung einiger Kirchspiele sind aus Ehesa*s Presbytero- 
logie und den Nachweisungen im Eyangelischen Gemeindeblatt, Jahrg. 1853, 
Nr. 1 8 , entnommen. Die letzteren sind yon dem Herrn Gonsistorialrath 
Oesterreich in Königsberg gegeben, dessen Güte ich noch einige Yerbesserungen 
und Zusätze yer danke. 

ö*') Verordnung vom 13. März 1818 im marienwerd. Amtsblatt 1818, 
Nr. 11 nebst Beilage. 

s»2) Verordnung vom 24. Mai 1818 im danaiger Amtsblatt 1818, S. 223. 



352 Neuere Zeit 

Der Ecgierungsbozirk Danzig zerfiel in folgende acht Kreise : 

1) Der Stadtkreis Danzig enthäli; die Stadt Danzig mit 
ihren Vorstädten und nächsten Umgebungen, von St. Albrecht 
im Süden bis Weichsclmünde und Neufahrwasser einBehlieBslidi 
im Norden. Seit 1828 ist dieser Kreis mit dem folgenden zu 
einem vereinigt. 

2) Der Landkreis Danzig besteht aus dem bisherigen soge- 
nannten danziger Tcrritorio mit Ausschluss der Halbinsel Heia, 
aus dem grösseren Theile des Domänenamtes Sobowitz und den- 
jenigen adligen Gütern des ehemaligen dirschauer Kreises, weldie 
zwischen den Ortschaften dieses Amtes liegen. Der zu dem 
danziger Territorium hinzugekommene Bezirk begreift auch die 
ehemaligen danziger Enclavcn und erstreckt sich südlich bis 
über Mühlbanz und Sobowitz, östlich bis über Meisterswalde 
hinaus. 

3) Der neustädter Kreis enthält die Städte Neustadt, Putidg 
und Heia, die Domänenämter Putzig, Starzyn und Brück, die 
adligen Güter, die innerhalb der genau bezeichneten Grenzlinien 
sich befinden, und die Halbinsel Heia. Aus der Grenzbesohreibung 
heben wir hier nur kurz hervor, dass der Kreis im Osten, Nor- 
den und "Westen von der Ostsee und von Pommern, im Süden 
aber von einer Linie begrenzt wird, die sich neben den noch 
zu diesem Kreise gehörigen Ortschaften Niepocolowitz, Bendargau, 
KöUn, Quaschin hinzieht, bei "Wittstock die Nordwestgrenze des 
danziger Kreises trifft und dieser bis zur Ostsee folgt. 

4) Der karthäuser Kreis enthält das combinirte Intendantnr- 
amt Karthaus (Kreisort) und Mirchau und die adligen GKiter 
innerhalb folgender Grenzen. Ln Norden stösst er an den dan- 
ziger Landkreis, den neustädter Kreis und Pommern, und wird 
im Süden von einer Linie begrenzt, welche neben den zu diesem 
Kreise gehörigen Ortschaften Sdroien, Gostomken, Skorzewen, 
Mariensee nach der Grenze des danziger Landkreises in der 
Gegend von Meisterswalde zugeht. 

5) Der behrendtsche Kreis mit den Städten Behrendt und 
Schöneck, dem Intendanturamt Behrendt und dem Domänenamte 
Schöneck und einer nicht genannten Anzahl von adligen Gütern 
grenzt im Westen, Norden und Nordosten an Pommern, an den 
karthäuser und den danziger Landkreis; vom stargardter Kreis 



Verwaltungsbezirke defi neunzehnten Jahrhunderts. 853 

scheidet ihn eine Linie, welche Locken, Kleschkau und Bartel 
noch einschliesst ; die Südwestgrenze, mit welcher er den Re- 
gierungsbezirk Marienwerder erreicht, zieht sich neben den noch 
nach Behrendt gehörigen Ortschaften "Woythal, Ostrow (auf einer 
Insel des Wdzydze-Seees), Baduhn und Trzebuhn nach dem See 
Ton Sommin hin. 

6) Der stargardter Kreis mit den Städten Stargardt und 
Dirschau, den Domänenämtern Subkau und Stargardt, den Inten- 
danturämtem Pelplin und Bordzichow und den zugehörigen ad- 
ligen Gütern stösst an den behrendter Kreis und den danziger 
Landkreis, wird durch die "Weichsel vom marienburger Kreise 
getrennt und stösst im Osten und Süden an den Regierungs- 
bezirk Marien Werder. Die wichtigsten Orte an der Grenze sind : 
Lowigus (bei Kl.-Garz), Pommey (bei Pelplin), Krolowlass, Bar- 
loszno, Mirotken, Ossieck, Dembiagurra, Brzesno, Krowno, Jastr- 
zembie, Gotthelf. 

7) Der marienburger Kre i s besteht aus den Intendantur- 
ämtem Tiegenhof und Marienburg oder dem sogenannten grossen 
und kleinen marienburger Werder, dem tiegenhöfschen und baa- 
renhÖfschen Gebiete und dem scharzauer Distrikte, femer aus 
dem adligen Gut Renkau, endlich aus den beiden Städten Ma- 
rienburg und ITeuteich. Die Ostgrenze des grossen und die 
Nordgrenze des kleinen "Werders bildet das uns von früher her 
bekannte elbinger Gebiet; im Osten reicht der kleine Werder 
bis zum Drausensee, im Süden schliesst er an der Grenze des 
marienwerderschen Regierungsbezirks noch folgende Ortschaften 
ein : Campenau, Thiergart, Stalle, Reichfelde, Klettendorf, Lieben- 
thal, Lindenwald, Alt- und N*eu-Hoppenbruch. 

8) Der elbinger Kreis enthält die Städte Elbing und Tol- 
kemit, die vereinigten Litendanturämter Elbing (oder das ehe- 
malige elbinger Territorium) und Tolkemit und die adligen Güter 
Cadienen und Rehberg, und grenzt an das Haff, den marien- 
burger Kreis und den Regierungsbezirk Königsberg. 

Die Kreiseintheilung des Regierungsbezirks Marienwerder ist 
nach der oben angeführten Verordnung folgende: 

1) Der deutsch-cronesche Kreis begreift die Aemter 

Schleppe und Lebehnke einschliesslich des vormaligen Amtes 

8chrotz, die Städte Deutsch-Crone, Märkisch - Friedland, Jastrow, 

23 



354 Neuere Zeit 

Schloppe und Tütz und fiinfundsechzig adlige GKiter (deren 
Namen hier nicht yollständig aufgenommen werden können). 

2) Der flatowsohe Kreis begreift ^as Amt Gamin, die 
Btädte Gamin, Elatow, Erojanken, Zempelburg und Yandsborg 
und achtundneunzig adlige Güter. 

3) Der sohloch ansehe Kreis begreift die Intendantur 
Baldenburg, das Amt Schloohau, einunddreissig Ortschaften des 
Amtes Friedrichsbruch, die Städte Baldenburg, Hammerstein, 
Preussisch - Friedland , Laudeok und Scnlochau und siebenimd- 
neunzig adlige Güter. 

4) Der seh wetz er Kreis begreift die Intendantur Sohwets, 
das Amt Neuenbürg exclusive der Dorfschaften Lalkau und 
Pienonczkowo, welche dem marienwerderschen Kreise überwiesen 
sind, sechs ehedem zur Intendantur Graudenz gehörige Ortschaften, 
die Städte Sohwetz und Neuenbürg und achtundneunzig adl. GKiter. 

5) Der rosenbergsche Kreis begreift die Intendantur 
Eiesenbui^ exclusive der Dorfschaft Partenschin, welche zum 
graudenzschen Kreise abgetreten ist, die Städte Bisohofswerder, 
Deutsch-Eilau, Freystadt, Eiesenburg, Eosenberg und siebenund- 
neunzig adlige Güter. 

6) Der strassburger Kreis begreift die Intendantur Gk>- 
lub, Intendantur Lautenburg und Domänenamt Strassbuig, die 
Städte Strassburg, Golub, Gurzno, Lautenburg und zweinnd- 
neunzig adlige Güter in sich. 

7) Der thorner Kreis begreift die Domänenämter Brse- 
zinko und Culmsee und das neue Gebiet bei Thom, vormals 
Amt Dybow, die Städte Culmsee, Kowalewo, Podgursz und Thom 
und siebenundsechzig adlige Güter. 

8) Der graudenzer Kreis begreift das Domänenamt En- 
gelsburg, das Intendanturamt Gbraudenz exclusive der dem 
schwetzschen Kreise überwiesenen Ortschaften, Amt Bheden und 
Eoggenhausen , die Stadt Graudenz, Festung Graudenz, Stadt 
Lessen, Stadt Eheden und einundachtzig adlige Güter. 

9) Der marienwerdersche Kreis begreift die Inten- 
dantur Marienwerder, Domänenämter Mewe, Ostrowitt, die ehe- 
dem zum neuenburgschen Kreise gehörigen Ortschaften Lalkau und 
Pienonczkowo, die Städte Marienwerder, Mewe, Garnsee und 
undsechzig adlige Güter. 



Verwaltungsbezirke des nennzelinten Jahrhunderts. %S55 

10) Der stu hm sehe Kreis begreift die Intendantur Stiihm 
inclusive des vormaligen Domänenamtes Christburg, die Städte 
Christburg und Stuhm, ingleichen dreiundsechzig adlige Güter 
in sich. 

11) Der löbausche Kreis begreift die Domänenämter 
Brattian, Löbau, Lonkorrek, die Städte Löbau, Kauemick und 
Neumark und fünfandsechzig adlige Güter. 

12) Der culmer Kreis begreift die Aemter Culm, Lip- 
pinken, Przydworsz, Unyälaw, die Städte Culm und Briesen 
und hundertachtunddreissig adlige GKiter. 

1 3) Der conitzer Kreis begreift das Amt Friedrichsbruch 
exclusive der dem schlochauschen Kreise zugeschlagenen Ort- 
schaften, das Amt Tuchel, die Städte Conitz und Tuchel und 
hundertneunfünfzig adlige Güter. 

Im Obigen konnten die Kirchspiele der ostpreussischen 
Kreise sogleich aus den Stiftungsurtunden der letzteren ent- 
nommen werden, nur wenige später gegründete Kirchen waren 
denselben nachzutragen. Nach dem Muster jener stellen wir 
hier die Kirchspiele der westpreussischen Kreise zusammen und 
fügen dieser Uebersicht zugleich die uns zugänglichen Notizen 
über Alter und Stiftung derselben bei, wie dieses für die ost- 
preussischen Kirchen schon bei der Uebersicht der Hauptämter 
geschehen konnte. Die Nachrichten über die katholischen Kirchen 
sind, da sie die ältesten sind, im Ganzen am dürftigsten; von 
den evangelischen ist ein beträchtlicher Theil in dem Jahrhun- 
dert der Reformation und dem nächstfolgenden, viele aber auch 
erst nach der Wiedervereinigung Westpreussens mit dem preus- 
sischen Staate gegründet. Unter den letzten vier Königen ist 
für die Ausbreitung der evangelischen Kirche und damit zu- 
gleich der deutschen Cultur für Westpreussen etwa so viel ge- 
schehen, als für Lithauen unter den Herzögen und den ersten 
Königen. In historischer Beziehung also bildet die folgende 
Uebersicht gewissermaassen -eine Fortsetzung zu der der Kirchen 
in den lithauischen und polnischen Aemtern^**). 



^^^) Der folgenden Uebersicht liegen zum Grunde die Topographleen des 
Kegierungsbezirks Danzig, 1820, und des Reg.-Bezirks Marienwerder, ohne J.; 
femer Rhesa's Presbyterologie von Westpreussen, Königsberg 1834, und die 
gedruckten Nachweisungen aller evangelischen Kirchen und Geistlichen der Pro- 

23* 



356 Neuere Zeit. 

Die Stadt Danzig ist an Kirchen eine der reichsten auf der 
Welt, und zwar früher in noch höherem Qrade gewesen als 
jetzt. Es gieht daselhst noch jetzt sechs römisch-katholische 
Kirchen: die Nicolaikirche, schon 1227 den Dominikanern ein- 
geräumt; die Karmeliterkirche, ehemals in der Jungstadt, bald 
nach der Zerstörung derselben abgebrochen (1463), aber bald 
darauf wiedererbaut; die Brigittinerkirche , zwischen 1396 und 
1402 erbaut; die königliche Kapelle, unter König Johann So- 
bieski zwischen 1678 und 1683 erbaut, zu welcher in neuerto 
Zeit Prangenau als Filiale geschlagen ist '**) ; die Kirche in Alt- 
Schottland, von den Jesuiten 1615 erbaut; die Kirche zu. St. 
Albrecht, die schon im dreizehnten Jahrhundert existirt hat. 
Vor 1,806 kam dazu noch die Kirche der barmherzigen Brüder 
in Alt- Schottland und die Barfüsserkirche auf dem Stolzenbezge. 
Ferner zählt Danzig gegenwärtig zehn lutherische Kirchen: die 
Kirche zu St. Marien, schbn um 1270 erwähnt, neu aufgeführt 
seit dem Jahre 1343 ^s'), die grösste und prächtigste von allen; 
die St. Johanniskirche, die schon im vierzehnten, sicher im fünf- 
zehnten Jahrhundert stand ; die St. Katharinenkirche in der Alt- 
Stadt, schon unter der Eegierung der pommerellischen Fürsten 
um 1243 erwähnt^*®); die St. Bartholomäikirche in der ehe- 
maligen Jungstadt, schon vor 1373 vorhanden; die St. Trinitatifl- 
kirche, von Franziskanermönchen 1431 erbaut; die St. Ajinen- 
kirche, 1480 für die in der Yorstadt wohnenden Polen anf 
Kosten der Stadt erbaut; die St. Barbarakirche, die im Jahze 
1385 schon sicher erwähnt wird; die St. Salvatorkirehe, welobe 
für die Gemeinde des schon aus dem vierzehnten oder fünf- 

• 

zehnten Jahrhundert stammenden Gertrudenhospitals zuerst (1685) 



yinz Preussen, Königsberg 1850 und 1856. — Die Kirchspiele der ire8t{ireai-> 
sischen Kreise sind zwar schon bei Preuss, Prenssische Landet- und VoDo- 
kiinde, Königsberg 1835, S. 543 — 547 zusammengestellt, aber diese Ueberaielift 
ist lange nicht vollständig. 

554^ Wir vergleichen hier und im Folgenden den Zustand der katholUtlMi 
Kirchen in den Jahren 1820 und 1854, nach den topogr. Verzeiehniesen der 
Beg.-Bezirke Danzig und Marienwerder von 1820 und nach dem Directorinm 
divini officii etc. dioec. Gulmensis 1854. Die historischen Notisen über die 
evangelischen Kirchen Westpreussens schöpfen wir aus Rhesa's Fresbyterologie 
und der Nachweisung in dem Gemeindeblatt, Jahrg. 1853, Nr. 18. 

"5) Hirsch, Marienkirche, Bd. 1, S. 17. 

»") Hirsch, Marienkirche, Bd. 1, S. 16. 



m^ 



Vorwaltungsbezirke des neunzehnten Jahrhunderts. 367 

ausserhalb, dann (1695 bis 1697) innerhalb des petershagener 
Thores erbaut ist; die beilige Leiohnamskirche mit dem gleich- 
namigen Hospitale, jedenfeUs vor 1440 gegründet; die Kirche 
zu Weichselmünde, die schon 1569 erwähnt wird, und die erst 
im Jahre 1833 eröfl&iete Kirche äu Keufahrwasser. Eingegangen 
sind die Kirchen zum ^iUgen Geist, einst Kapelle des Ordens- 
hospitals, (seit 1840)^*0, die Kirche zu St. Jacob seit 1812, 
die Kirche im Lazareth, wßkhe zwischen 1620 und 1807 be- 
stand, die Zuchthauskirche, welche zwischen 1641 und 1657 
eigene Geistliche hatte, und die Kirche auf dem Stolzenberge. 
Die Militärgemeinde zu Danzig hält ihren Gottesdienst in der 
Kirche zu St. Peter und Paul. Das im Jahre 1698 gegründete 
Spend- und Waisenhaus hat 1753 eine Kirche erhalten, in der 
aber keine besonderen Geistlichen angestellt sind. Den Refor- 
mirten gehören die Kirchen zu St. Peter und Paul, wahrschein- 
lich um 1393, und zu St. Elisabeth, neben dem „Elendenhof 
in der Altstadt um 1394 gegründet. Eine französisch-reformirte 
und eine englisch-reformirte Kirche sind eingegangen *5®). 

Im danzig er Landkreise giebt es nur wenige katholi- 
sche Kirchen. Das Kirchensystem war 1820 folgendes: Oliva, 
Matern, Langenau, Gross - Trampken , Prangenau mit Saalau, 
Kladau, Meisterswalde, Eosenberg, Gemlitz, Mühlbanz. Es ist 
aber in neuerer Zeit fast gänzlich umgestaltet; es gab nämlich 
1854 folgende Hauptkirchen und Filialen: Oliva mit der Ka- 
pelle Pelanken (früher gar nicht erwähnt), Matern, Langenau 
mit Eosenberg, Gross-Trampken mit Kladau, Meisterswalde mit 
Mariensee (im Kreise Karthaus), Gemlitz, Mühlbanz mit Dalwin 
(im Kreise Stargardt). Prangenau ist Filiale der königlichen Ka- 
pelle in Danzig geworden, Saalau eingegangen, ^ehr zahlreich 
sind dagegen die evangelischen Kirchen. Auf der danziger Höhe 
liegen Gischkau, Löblau, Müggenhal, Ohra, Praust, sämmtlich 
schon im sechzehnten Jahrhundert als evangelische Kirchen er- 
wähnt, und Wonneberg, um 1647 erbaut. Die in dem südlich- 
sten Theil des Kreises gelegenen Kirchen zu Rambeltsch (ge- 
gründet 1619 oder früher) und Sobowitz, wo erst seit 1789 



**') Ueber das Ordenshospital vgl. Cod. dipl. Pruss. IV, 120. 
^^^ Löschin, Danzig und seine Umgebungen, 3. Aufl. 1853. 



a58 Neuere Zeit. 

F&rrer erwähnt werden, waren seit dem Jahre 1608 meifitens 
mit einander vereinigt, doch hat Bambeltsch seit 1845 wieder 
einen eigenen Pfarrer. Im danziger Werder liegen folgende 
Kirchen: Gotteswalde, Grosszünder, Güttland, Eäsemark, Oster- 
wick, Eeichenberg, Stüblau und Kriefkohl, Tmtenau und Hera-» 
berg, Wossitz, seit 1752 mit Herrengrebin vereinigt» welches 
bis dahin zu Osterwick gehört hatte; Letzkau, von 1812 biB 
nach 1851 ebenfalls mit Wossitz vereinigt, aber jetzt wieder 
abgesondert; Wossitz und SperUngsdorf. Alle diese Kirohoa 
werden schon im sechzehnten Jahrhundert als evangelische er- 
wähnt Die Kirche zu l^assenhuben, welche zuerst 1682 er- 
wähnt wird, und an welcher theiis lutherische, theils reformirta 
Prediger gestanden haben > ist seit 1814 eingegangen, die Ge^ 
meinde grÖsstentheils nach Wossitz eingep&urt. Zur danzig^ 
Nehrung endlich gehören folgende Kirchen: Bohnsaok, Kobbel- 
grube, Pröbbernau, Neukrug, SchÖnbaum. Alle werden sdum 
im fünfzehnten oder doch ganz im Anfemge des seohzehirten 
Jahrhunderts als evangelische Kirchen erwähnt. Neukrug wurde 
1620 mit Pröbbernau vereinigt, hat aber 1853 provisorisch wieder 
einen eigenen Geistlichen erhalten ^^^). Das Kirchspiel Olivm 
ist 1834 gegründet. 

Im neustädter Kreise liegen folgende katholische Kirchen: 
Heistemest, Schwarzau mit Strzellin, Zarnowitz, Tillau (jetit 
Piliale zu Zarnowitz), Mechau mit Starzin, Ehamel mit Bheda, 
Lusinno, Neustadt, Putzig, Gohra (jetzt Filiale zu Nettstadt), 
Strzepcz, Kölln mit Schönwalde, Quaschin mit den Eüialen Ko- 
liepken und Gross-Katz, Oxhöft mit Kielau, und folgende evan- 
gelische: Bohlschau, im Jahre 1580 zu Neu-Brügen fbndiri^ 
später nach Bohlschau verlegt, Heia und Heistemest, schon im 
sechzehnten Jahrhundert evangelisch, Klein-Katz, wohin der erste 
evangelische Pfarrer 1630 berufen wurde, Krockow, mn 1600 
von einem Grafen gegründet, der an den Beligionskriegen in 
Frankreich unter Heinrich lY. Theil genommen hatte, Neustadt» 
1823 fundirt. Putzig, von Friedrich dem Grossen gegründet und 
seit 1780 mit einem eigenen Geistlichen versehen. 

ImkarthauserKreise liegen folgende katholische Kirchen: 



<^<^^ Ueber Keukrug Tgl. £yang. Gemeindeblatt 1858, Nr. 37. 



mmmi 



Verwaltungsbezirke des neunsehnten Jahrhunderts. 859 

Zuckau, Mariensee (jetzt Filiale von Meisterwalde im Kreise 
Danzig), Karthaus (im Jahre 1820 noch nicht erwähnt), Siera- 
kowitz, Stendzyc, Chmelno, Gorrenczin mit Kelpin, Parchau, 
Nieder-Prangenau (jetzt eingegangen), Seefeld (jetzt Filiale von 
Kölln im Kreise Neustadt), Sullenczin, Sianovo, Filiale von 
Strzepcz, Kreises Neustadt; und folgende evangelische: Ehein- 
feld, vor 1610 gegründet, Schönberg, von pommerschen Colo- 
nisten auf dem Grund und Boden des Starosten Demetrius von 
Weiher gegründet, nachdem andere pommersche Colonisten kurz 
zuvor (1605) eine kleine Kirche zu Kloboczyn, die aber schnell 
wieder einging, erbaut hatten, mit der Filiale Neu-Barcoczyn im 
behrendter Kreise, welche jedoch 1853 einen eigenen Geist- 
lichen erhalten hat, Mariensee, eingeweiht 1832, aber erst 1835 
mit einem eigenen Geistlichen versehen, Karthaus, erst 1852 
provisorisch eingerichtet ^®^). 

Im behrendter Kreise liegen die katholischen Kirchen: 
Schöneck mit Szadrau, Behrendt, Garczin, Alt-Kyschau mit Alt- 
Paleschken, Lippusch, Alt-Grabau mit Bekownitz, welches früher 
Filiale zu Parchau im karthauser Ejreise war, Wyschin, Pogut- 
ken. Locken, Filiale zu Gardzau im stargardter Kreise, Nieda- 
mowo, Neu-Barcoczyn, welches 1854 nicht mehr als Kirche auf- 
geführt wird, und folgende evangelische: Neu-Barcoczyn, wovon 
schon die Rede war, Behrendt, von Friedrich dem Grossen ge- 
gründet und seit 1781 mit einem eigenen Geistlichen versehen, 
Neu-Paleschken , unter Karl XII. während der Kriege desselben 
gegen Polen erbaut, Schöneck, wo eine evangelische Gemeinde 
bald nach der Eeformation e&istirte, welche zwischen 1551 und 
1554 die Pfarrkirche der Stadt benutzte, später aber räumen 
musste und eine eigene Kirche erst 1636 erbauen konnte. 

Im stargardter Kreise liegen folgende . katholische 
Kirchen : Dirschau, Liebschau (jetzt Filiale von Dirschau), Dal- 
win (jetzt Filiale von Mühlbanz, Kreises Stargardt), Klonowken, 
Baikau, Subkau mit Gerdien, Gardzau, Bobau mit Dombrowken, 
Stargardt mit Jablau, Gross-Pinschin, Pondzau mit Schwarzwald 
(oder Czarnylas) , Kokosken , Zblewo mit Lubichowo , Pelplin, 



**^ Ueber Karthaus und Neu - Barcoczyn vgl. fiyang. Gemeindeblatt 1868, 

Nr. 37. 



3()0 Neuere Zeit 

IN'eukirch mit Krolowlas und Osiek .(die letztere Filiale gehört 
gegenwärtig zu Skurcz), Barlozno, Skurcz mit Grabau (und neuer- 
dings Osiek). Evangelische Kirchen befinden sich nur in Star- 
gardty wo die Evangelischen im sechzehnten Jahrhundert die 
Pfarrkirche besessen, im siebenzehnten aber verloren haben , bo 
dass ihnen jetzt nur die kleine Eatharinenkirche zugehört, in 
Dirschau, wo die Evangelischen früher die Kioolaikirche, später 
nur die im Jahre 1639 erbaute Georgskirche inne hatten, zu 
Bordzichow, eine von König Friedrich Wilhelm HL ganz neu 
gegründete Kirche, deren Gemeinde aus den von Falesken und 
Stargardt getrennten Einsassen mehrerer Ortschaften besteht^ 
seit 1833, in Skurcz seit 1847. 

Im marienburger Kreise liegen folgende katholiBehe 
Kirchen: Barcndt, Fischau, Fürsten werder mit Bärwalde, König»- 
dorf, Kunzendorf mit Liessau, Ladekop mit Orlof, Gross-Leae- 
witz mit Schadwalde, Gross-Lichtenau, Marienburg (zwei Kirchen), 
Marienau mit Tiege, Mielentz mit Alt - Münsterberg , GhroBB- 
Montau mit Biesterfelde, l^eukirch, Neuteich, Notzendorf, Sohöne- 
berg mit Schönsee, Tansee, Thiergart, Tiegenhagen mit Feters- 
hagen und Tiegenhof (diese Filiale ist erst vor wenigen Jahren 
gegründet); Wernersdorf ^^*). Die evangelischen Kirchen befinden 
sich grossentheils neben den katholischen an denselben Orten: 
Altfelde, wo die evangelische Gemeinde sich um 1580 bildete, 
aber erst 1638 eine Kirche erbauen konnte, Alt-Münsterbeig^ 
schon im sechzehnten Jahrhundert vorhanden, durch Beitritt der 
ebenso alten evangelischen Gemeinden zu Gnojau, Simonsdeif 
und Mielentz um 1630 erweitert, «Barenhof mit Fürsten werder, 
seit dem Jahre 1824 vereinigt, bis dahin vom sechzehnten Jahr- 
hundert ab sclbstständige evangelische Kirchen, Barendt, im 
Jahre 1737 mit Falschau, 1809 mit Liessau vereinigt; alle drei 
Kirchen bestanden früher besonders und werden seit dem An- 
fange des siebenzehnten Jahrhunderts erwähnt; Fischau, wo eine 
evangelische Gemeinde im sechzehnten Jahrhundert entsiand, im 



^^1) In dem topogr. Verzeichniss des Beg.-Bezirbs Danzig konnte Tiegen- 
hof noch nicht angeführt werden, Liessau ist daselbst übersehen. In dem 
Directorium diyini officü dioec. Warmiensis 1856 werden Biesterfelde nnd 
Petershagen nicht mehr als Füialcn aufgeführt, da die Kirchen yerfUlen 
sind. 



Verwaltungsbezirke des neanEehnten Jahrhunderts. 361' 

Anfange des siebenzehnten einen eigenen Geistlichen berief und 
1706 eine eigene Kirche erbaute; EBtznase (der P^Eursitz dieses 
Kirchspiels war vor 1618 in Königsdorf); Kunzendorf, wo es 
eine evangelische Gemeinde seit dem sechzehnten Jahrhundert, 
seit 1738 einen angestellten Prediger, eine Kirche erst seit 1788 
giebt; Ladekop, seit 1575, Gross -'Lesewitz, seit 1565, Gross- 
Lichtenau, seit dem Anfang des siebenzehnten Jahrhunderts, 
Marienau, seit 1574, die Georgenkirche zu Marienburg, welche 
an der Stelle des Georgenhospitals der Ordensritter steht und 
schon 1520 einen evangelischen Prediger hatte; eine Zeit lang 
besass die evangelische Gemeinde auch die Pfarrkirche zu Ma- 
rienburg; Neukirch, seit 1631 mit Schönhorst, seit 1751 mit 
Prangenau verbunden; Neuteich, wo die Evangelischen von der 
Mitte des sechzehnten Jahrhunderts an die St. Georgskirche bis zu 
deren Zerstörung (1626), dann in den schwedischen Zeiten einige 
Jahre lang die Pfarrkirche, dann das Bathhaus benutzten, bis 
sie endlich 1806 wieder eine eigene Kirche errichten konnten; 
Schadwalde, seit 1590, Schöneberg, seit 1561, Stall, seit 1578, 
Tansee, dessen Kirche 1603 erbaut ist, seit 1824 mit der etwas 
jüngeren Kirche zu Lindenau vereinigt; TMensdorf, in einer 
seit Kurzem von evangelischen und mennonitischen Holländern 
angebauten Gegend durch Gustav Adolf 1627 ff. gestiftet; Tie- 
genhof, wo die evangelische Kirche unter Friedrich dem Grossen 
aus einem Saale des alten Schlosses eingerichtet und 1784 ein- 
geweiht wurde; Tiegenort, evangelisch seit der Mitte des sech- 
zehnten Jahrhunderts, erhielt, nachdem die altere Kirche 1606 
abgebrochen war, 1686 eine neue; Wernersdorf, evangelisch seit 
1575, mit Schönau vereinigt seit 1617. 

Im elbinger Kreise liegen folgende katholische Kirchen : 
St. Nicolaikirche in Elbing, Neukirch, Tolkemit. Auch zu dem 
Bernhardinerkloster in Kadienen gehört eine Kirche. Die evan- 
gelischen Kirchen in Elbing sind folgende: die Marienkirche 
neben dem Dominikanerkloster, bald nach 1245 erbaut, um die 
Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts wiederhergestellt; Kirche zu 
den heiligen drei Königen, um die Mitte des vierzehnten Jahr- 
hunderts erbaut; anJßangs, vor 1558, versah der Pfarrer von Pr.- 
Mark hier den Gottesdienst; die Kirche zum heiligen Leichnam, 
an der Stelle einer 1390 abgebrannten Kapelle 1405 von dem 



362 Neuere Zeit. 

Ordensritter Helwig Schwan erbaut, evangeliBch seit etwa 1595; 
Kirche zum heiligen Geist , schon 1243 erbaut, eyangeHsch seit 
1563; die PfSarrstelle ist 1822 mit der zu St. Marien yereimgi; 
Kirche zu St. Annen, an Stelle einer kleinen Kapelle , JexU' 
salem, zwischen 1610 und 1621 erbaut; reformirfe Kirohe, von 
der englischen Societät 1580 gegründet, hat erst seit 1774 
dauernd einen eigenen Seelsorger ^^^). Ausserhalb der Stadt 
liegen folgende evangelische Kirchen: Fürstenau, schon 1564, 
evangelisch; Jungfer, seit 1614; Lenzen und Dörbeoky seit 1589; 
Gross-Mausdorf, seit 1565; Pr.-Mark, die dortige Kirehe int ao 
alt als die ältesten elbingischen, zur Zeit der Eeformation wn 
sie ein vorzüglicher Sammelplatz der Lutheraner; Neuheide oder 
Neukirch, wo die Kirche 1641 erbaut ist; Pomehrendorf, enn- 
gelisch seit 1558, die Kirche wurde nach einem Brande neu 
erbaut (1673); Trunz, schon im sechzehnten Jahrhundert ey«- 
gelisch ; Zeier, schon im An&mge des siebenzehnten Jahrhundeiti 
evEUigelisch. 

Unter den landräthlichen Kreisen des Begierun^bezirks Mft- 
rienwerder gehörten Marienwerder und Eosenberg zum firüheren 
Herzogthum Freussen, von den Kirchen derselben ist daher 
schon oben bei der Darstellung der Hauptämter diä Bede ge- 
wesen; hier ist nur für die neuesten Zeiten Weniges naob- 
zutragen. 

Die Kirchen des Kreises Stuhm sind zum grösBem 
Theile katholisch: Altmark und Neumark, Posilge, Chrisibmg 
und Baumgart, Lichtfelde, Schön wiese, Stuhm und Stuhmsdoct 
Deutsch-Damerau, Kalve und Schroop, Pestlin und Peterswaldb, 
Straszewo, Filiale der im Kreise Marienwerder gelegenen Kiiclie 
Tiefenau. Die evangelischen Kirchen dieses Kreises sind : Cbxitt- 
bürg, wo eine evangelische Gemeinde bald nach der Beformatum 
sich bildete (eine nahe bei der Stadt in dem Dorfe Jordankea 
gegründete reformirte Kirche wurde bald wieder zerstört) mit 
einer Filiale zu Cletzewko (?) ; Lichtfelde oder Lichtenfelde, schon 
im sechzehnten Jahrhundert evangelisch; Losendorf, im AnfEUUDB 
des siebenzehnten Jahrhunderts als evangelisch erwähnt; Stahm, 
wo die evangelische Gemeinde 1570 ihr Privilegium des fk^en 



»«2) Vgl. Fuchs, Besciir. von Elbing 1818 ff., Bd. 2 u. Bd. 3, Abtii. 1. 



IfPPmPiOTPf! 



Verwaltungsbezirke des neanzehnteii Jahrhunderts. 363 

Gottesdienstes nach den Grundsätzen der augsburgschen Con- 
fession erhielt. 

Im rosenberger Kreise scheinen die katholischen Kirchen 
zu Grämten und BchÖnfürst eingegangen zu sein^^^). Die evan- 
gelischen Kirchen des Kreises sind: Bischofswerder mit Peter- 
witz, Beischwitz, seit 1818 mit Klein - Tromnau verbunden, 
Deutsch-Eilau, Freystadt, seit 1818 mit Gross-Plauth verbunden, 
das früher zu Klein - Tromnau gehörte; Langenau mit Goldau, 
Gross - Leisteüau , Eaudnitz und Prednau, Sommerau mit Gross- 
Herzogswalde , Kosenberg, Finkenstein mit ^ Gross - Albrechtau, 
Riesenburg, deutsche und polnische Kirche, Biesenkirch mit 
Biesen walde. Gross -Bohdau, neuerdings mit Dakau vereinigt, 
welches früher nach Biesenborg gehörte. 

Im Kreise Marienwerder liegen folgende katholische 
Kirchen: auf dem rechten Weichselufer nur Tiefenau und die 
noch nicht vollendete Kirche zu Marien werder, auf dem linken: 
Mewe mit Thiemau; Pehske mit Münsterwalde, Liebenau mit 
Spranden (die Filiale ist jetzt eingegangen), Gross-Gartz, Gross- 
Falkenau, Dzierzondzno, Lalkau, Pienonskowo. Die evangelischen 
Kirchen: Gross-Tromnau , wozu seit 1813 Neudörfchen als Fi- 
lialkirche gehört, Marienwerder, Gtamsee, Niederzehren (vor 
1847 mit Garnsee combinirt), Gross-Krebs, Gross-Nebrau, Mewe 
(evangelische Gemeinde vor 1563). Die evangelische Gemeinde 
zu Bauden wird erst um 1640 erwähnt. 

Im löbauer Kreise liegen folgende katholische Kirchen: 
Löbau mit Zlottowo (und der Marienkapelle zu Lipp? nach dem 
Yerzeichniss von 1854), Gtabau, Grodziczno, Kazanitze mit 
Bischwald, Prontnitza, Bosenthal, Bumian, Somplawo, Zwiniarz, 
Neumark mit Nikolaiken, Deutsch-Brzozie ,- Kauemik mit Gwis- 
dzin (die Filiale ist eingegangen), Lippinken mit Lonkors, Ba- 
domno mit Chrosle (die Filiale ist eingegangen), Skarlin, 
Schwarzenau, Tillitz, Mroczno mit Kelpin. Evangelische Ge- 
meinden giebt es in dem Kreise nur zwei: der zu LÖbau ist 
im Jahre 1820 die Kirche des Bemhardinerklosters zu Löbau 
überwiesen; die zu Neumark war bis 1852 mit jener ver- 



^^^) Ich finde sie in den Verzeichnissen des neunzehnten Jahrhunderts 
lücht mehr erwähnt. 



mi Neuere Zeit. 

bundün und erhielt erst damals provisorisch einen eigenen 
Prediger *<^*). 

Im strassburger Kreise liegen folgende katholische 
Kirchen: Strassburg mit Smiewo, Bobrowo, Kruszyn mit Chrosa- 
BrudzaW; Lemberg mit Goral, Mszanno, Niezywieni» Osiecsek, 
Pokrzydowo, Gurzno, Jastrzembie, Szczuka mit St. Georg zu Straas^ 
buig (gegenwärtig eingegangen) und mit Gielenta, Foln.-Brzo2i6, 
Grondzaw mit Gorczenitza (jetzt Filiale zu Szoznka), Loaten- 
burg mit Wompiersk (die Filiale ist neuerdings eingegangen), 
Boleszyn, Badoszk, Jablonowo, Ostrowitte, Gross-Plowenz, Golinp 
mit Ostrowit, Pluskowenz, Gross - Eadowisk mit Kurkoczin und 
Lobdowo, welches jedoch jetzt selbstständige Särche geworden 
ist; Wrotzk, Dembowalonka, Filiale von Medzwiedz im oulnur 
Kreise (jetzt eingegangen). Evangelische Kirchen giebt es nur 
wenige zu Strassburg, wo im sechzehnten Jahrhundert bis 1698 
sogar die Pfarrkirche in den Händen der Evangelischen war: 
die Kirche zu GoUup ist im Jahre 1781 erbaut; die Kirche n 
Lautenburg wurde um 1834 nur noch von einem Gastpredigec 
versehen, seit 1835 hat sie einen eigenen Geistlichen und Fi- 
lialen in Gurzno und Colon. Brinsk; Gross - Ksionsken , früher 
Filiale von Gross - Leistenau , hat 1853 einen eigenen Geist- 
lichen erhalten *^^). 

Im thorner Kreise liegen folgende katholische Kirohen ; 
St. Johann in Thom, einst evangelisch, im Jahre 1596 den 
Evangelischen abgenommen, St. Jacob, ebenfalls einst evangelisoh, 
aber 1667 den Katholiken restituirt, St. Lorenz, und seit 1830 
wieder St. Mariae, Kaszczorek, XiOnzin mit Birglau (gegenwärtig 
wird Birglau als Haupt-, Lonzin als Filialkirche au%efiihrt), 
Papau, Swierczynko, Culmsee, Biscupitz mit Przeczno, Dzwiemo 
mit Zajonskowo (die Filiale ist jetzt eingegangen), Gronowo^ 
Grzywno, Kielbaschin mit Srebrnick,' Nawra, Papowo, Wiel- 
kalonka mit Eichnau, Chelmonie, Kowalewo, Zielen, Filiale xa 
Pluscowenz, Kreises Strassburg, Orzechowo, Einsk. Die evan- 

• 

gelischen Kirchen des Kreises sind folgende: Thorn Altstadt^ 



*6*) Ueber Neumark vgl. Evang. Gemeindeblatt 1853, Nr. 36. 

^^^) Ueber Gr.-Ksionsken und Strassburg Tgl. Evang. Gemeindeblatt 1853, 

Nr. 36. 



Verwaltringsbezirke des neunzehnten Jahrhunderts. 365 

Stelle der den Evangelischen 1724 abgenommenen Marienkirche 
erbaut und 1756 eingeweiht, Thorn Neustadt, Thom St. Geor- 
genkirche, 1657 im schwedischen Kriege niedergebrannt, aber 
nach sechs Jahren wiederaufgebaut; in allen diesen Kirchen 
hatte die Reformation sehr früh Eingang gefunden; die refor- 
mirte Gemeinde in Thom hielt ihren Gottesdienst erst seit 1668 
in einem eigenen Locale, doch ist die Predigerstelle 1802 wieder 
eingegangen; Gremboczyn, evangelisch seit dem sechzehnten 
Jahrhundert, mit Rogowo und Leibitsch; Gurske, vielleicht ebenso 
alt, mit Pensau; Culmsee, wo ein evangelischer Geistlicher seit 
1803 fungirt, Kovalewo, wo erst 1853 provisorisch ein evan- 
gelischer Geistlicher eingesetzt isf^®^). 

Der culmer Kreis enthält folgende katholische Kirchen: 
die Pfarrkirche in Culm mit der Heiligen-Geist- und St. Mar- 
tinskirche, Czyste, Kijewo, Althaus, Lissewo, Sarnowo, Wapcz, 
Schöneich, Priesen, Niedzwiedz oder Bärendorf, Neudorf, Plus- 
nitz, Grzybno mit Trzebcz, Unislaw, Blendowo, Czarze, Ostro- 
metzko mit Klein -Bolumin. Evangelische Kirchen: zu Culm, 
seit 1779, Kokozko, 1829 als Filiale zu Culm gegründet, jetzt 
selbstständig , Briesen, 1853 gegründet, Lunau 1855, Ostro- 
metzko,. in demselben Jahre gegründet. 

Der graudenzer Kreis enthält folgende katholische 
Kirchen: Lessen mit Szczepanken, Mocrau mit Volz, Roggen- 
hausen mit Dombrowken, Schwienten, Schönbrück, Schönwalde, 
Graudenz, Rehden, Pfarrkirche mit den Kirchen zu St. Geoi^e 
und zum heiligen Geist; Wiewiorken, Filiale von Blendowo, 
culmer Kreises (jetzt eingegangen); Burj^jinowo (ebenfalls einge- 
gangen), Rehwalde, Grutta, Linowo, Okonin, Lopatken, Pilial- 
kirche zu Briesen. Evangelische Kirchen giebt es nur in Grau- 
denz, wo schon 1563 an der St. Nicolaikirche ein evangelischer 
Geistlicher fungirte, und wo auch die Strafanstalt einen evan- 
gelischen Geistlichen hat, und in Rheden, welches 1796 einen 
evangeli sehen Geistlichen und später die Filialen Briesen und 
Jerrentowitz erhielt, von welchen aber Briesen bereits selbst- 
ständig geworden ist. 

Der schwetzerKreis enthält folgende katholische Kirchen : 



'««) Ueber Kovalewo vgl. Evang, Gemeüideblatt 1863, Nr. 36. 



366 Nenere Zeit. 

Schweiz mit Ober-Sartowitz und Sohwente (die Filiale ist jetzt 
eingegangen), Driczmin, Przyszersk, Poln.-Lonk (1854 nicht 
mehr erwähnt), Gruczno, Topolno, Niewiesczyn (kommt in dem 
Verzeichniss von 1854 nicht mehr vor), Schirotzk, Schwekatowo» 
Lubiewo, Osche, Jezewo, Neuenbürg, Gross-Komorz, Lnbin mit 
Sibsau, Gross-Plachoczyn, Jahn. Evangelische Kirchen sind xa 
Schweiz seit 1775, zu Bukowiec, anfangs Filiale zu Schwets^ 
seit 1855 selbsisiandig , Neu-Jaczinniec, 1856 gegründet, Osohe 
(früher Filiale von Schweiz, erhielt 1852 einen eignen Pfarrer) *•*). 
Gruppe, seit 1854 eigene Parochie. 

Der conitzer Kreis enthält folgende katholische Kirchen: 
Conitz mit Schönfeld und Mosnitz, Swomegatz, Filiale zu Ko- 
narczin im schlochauer Kreise, Tuchel, Jehlenz mit Mendromin, 
Gerizdorf, Lichnau mit Schlageniin, Neukirch mit Pagelau, CK>- 
stoczyn, Osterwik mit Frankenhagen (wozu nach dem Yerzeiobr 
niss von 1854 noch die Kapelle Czekzyn kommt), Beetz mit 
Dombrowka, Prust, Gross-Bislaw mit Czekzyn, Schliwitz, Czersk 
mit Lonk, Wielle, Brusz mit Lesno. Evangelische Kirchen: 
Conitz, evangelisch seit 1555, Tuchel, wo es eigene Pferrer erat 
seit 1796 giebt, mit der Filiale Camnitz ; Mockrau, von Friedrich 
Wilhelm IH. im Jahre 1829 gegründet. • ■ 

Der schlochauer Kreis mit folgenden katholischen 
Kirchen: Schlochau mit Barkenfelde, Bischofswald, Christfelde, 
Damnitz, Lichtenhagen, Mossin, Bichnau; Preuss.-Friedland mit 
Streczin, Sieinborn, Buchholz, Firchau, Jencznik, Briesen (die 
zuletzt genannte Filiale kommt in dem Verzeichniss von 1854 
nicht mehr vor) ; Preohlau mit Polnitz , . "Woltersdorf , Ziethen 
(Ziethen wird 1854 nicht mehr erwähnt); Hammerstein mit Fal- 
kenwalde, Hansfelde, Domslaw, Loosen (von diesen Filialen 
wird 1854 nur noch Hansfelde angeführt); Försienau mit Kramak 
und Stegers ; Flötenstein mit Starsen, Eikfiehr, Penkuhl, Oross- Witt- 
felde (Gross- Wittfelde fehlt 1854); Konarzin; Heinrichswalde mit 
Peterswalde, Bosenfelde, Prüizenwalde (die beiden letzteren K- 
lialen sind eingegangen), Borziskowo mit Briesen ; Baldenburg mit 
Grabau (gegenwärtig ist Baldenburg zu Flötenstein geschlagen, 
Grabau eingegangen). Die evangelischen Kirchen dieses Kreises 



^^"^ üeber Osche und Bnkoinet^ Tgl. Erang. Gemeindeblatt 1858, Nr. 36. 



Verwaltungsbezirke des nennzehiiten Jabrfannderts. 367 

sind ziemlich zahlreich: Schlochau erhielt die freie Ausübang 
des Gottesdienstes nach der angsbnrgischen Confession unter 
Siegmund August (1548 — 1572), doch wurde die Pfarre im An- 
fang des siebenzehnten Jahrhunderts aufgelöst. Sie ist erst 1826 
wiederhergestellt und mit Bärwalde, wo wir evangelische Geist- 
liche seit 1600 kennen, vereinigt. Im Jahre 1853 erhielt jedoch 
Bärwalde wieder einen eigenen Geistlichen *ö®). In Baldenburg 
gab es ebenfalls seit etwa 1600 evangelische Geistliche. Zu El- 
senau, wo der erste evangelische Pfarrer 1691 angestellt wurde, 
gehören die Filialen Ruthenberg, Gotzkow, Rittersbei^ und Pog- 
danzig. Pr.-Friedland, wo seit dem Anfange des siebenzehnten 
Jahrhunderts evangelische Prediger gestanden haben; Hammer- 
stein, vielleicht erst etwas spater evangelisch, mit der Filiale 
Wenersdorf ; Breitenfelde mit den Filialen Krummensee, "Wusters 
und Gotzkow, evangelisch etwa seit der Mitte des siebenzehnten 
Jahrhunderts, ist 1827 mit Laudeck vereinigt, wo es vorher nur 
einen provisorischen Geistlichen gab; Gotzkow kam damals an 
Elsenow ; Peterkow und Darsen, Filialen der Kirche Schwessin in 
der Provinz Pommern, schon vor 1752; Schönau, wahrscheinlich 
zwischen 1585 und 1588 gegründet, mit der während des 
dreissigjährigen Krieges 1638 erbauten Filiale Demmin; Sampohl, 
wo die evangelische Parochie 1847 errichtet ist. 

Der flatower Kreis enthält folgende katholische Kirchen : 
Flatow; Krojanke; Gross-Putzig ; Glubczin; Badownitz; Slawia- 
nowo ; Sypniewo ; Sakrzewo mit Wisniewke, Potlitz, Linde, Glu- 
men (Potlitz und Linde werden 1854 nicht mehr erwähnt); 
Zempelburg; Vandsburg; Camin mit Gross - Luttau , Zirkwitz, 
Damet'au, Obkasz; Waldau mit Komierowo (und nach dem Ver- 
zeichniss von 1854 noch mit Gross - Klonia). Evangelische 
Kirchen: Flatow, gestiftet von dem "Woiwoden Sigismund von 
Grudney - Grudzinski 1642, mit Hohenfier; Grünau, gestiftet vor 
1657, mit Marienfelde und seit 1722 mit Battrow verbunden; 
Krojanke, wo die Kirche 1779 erbaut ist, der erste Prediger 
1787 berufen wurde; Tarnowke, seit dem Anfange des sieben- 
zehnten Jahrhunderts evangelisch, mit Ossowke, Petzewo und 



"«) Ueber Bärwalde vgl. Evang. Qemeindeblatt 1863, Nr. 36. Im Jahre 
1857 soll Bärwalde mit Elsenan rereinigt sein. 



368 Neuere Zeit 

SaEollnow; Vandsburg, wo die Kirche 1784 erbaut, ein eigener 
Seelsorger erst 1799 berufen ist, mit Pempersin; Zempelbnrg, 
für dessen eyangeUsche Einwohner in dem 1773 cfrbauten Bath- 
hause zugleich eine Kirche eingerichtet ist; Königsdorf, 1856 
errichtet. 

Der deutsch-cronesche Kreis enthält folgende katho- 
lische Kirchen: Deutsch - Crone mit Breitenstein, Quiraoi und 
Clausdorf; Jastrow mit Plitnitz, Kramske, Lebehnke, Springbezg^ 
Gross- Wittenberg, Hasenberg; Martzdorf mit Lubsdorf und Bnmk; 
Klein-Nakel mit Stranz, Dyck, Harmeisdorf, Preussendorf ; Boee 
mit Arnsfelde und Eiege; Schleppe; Schrotz mit BoseB&ilde; 
Tütz mit Knackendorf, Schulzendorf, Marthe, Mellentin, Stibbe^ 
Strahlenberg, Ruschendorf; Zipnow mit Rederitz, Stabitz, Ecea- 
denfiehr, Clawittersdorf, Jagdhaus, Briesenitz, Doderlag. Evalt- 
gelische Kirchen: Brotzen mit den Filialen Machlien und Sohoii- 
hölzig (die Kirche an dem letzteren Orte fiel gegen Ende des 
Yorigen Jahrhunderts ein), seit dem siebenzehnten Jahrhundert 
erwähnt. Die evangelische Gemeinde zu Deutsch - Crone hat 
sich erst nach der preussischen Besitznahme gebildet und einen 
eigenen Pfarrer erst seit 1796 erhalten; Filialen sind Bosen&lde 
und Quiram. In Märkisch-Friedland ist die evangelisohe Kirche 
1543 erbaut; es gehören dazu die Filialen Henkendorf, eben£dli 
1543 gebaut, Wordel, Zadow und Lobitz. Jastrow war schon im 
sechzehnten Jahrhundert evangelisch, doch musste die Ffairkirohe 
1619 den Katholiken wiedergegeben werden; eine eigene Kirche 
für die Gemeinde ist erst unter der preussischen Regierung (1787) 
erbaut; Filialen Rietnitz und Strasfort. Latzig, fundirt 1540, mit 
den Filialen Langhof, Hansfelde, Damlang und Fuhlbeck; Lüben» 
fundirt 1575, mit den Filialen Appelwerder, 1586 fundirt, Ho- 
henstein , in demselben Jahre fundirt, Prochnow, Petznick and 
Preussendorf; Neugolz, wahrscheinlich schon zwischen 1540 und 
1542 evangelisch, mit der Kapelle in Daher, erbaut 1512, ah" 
gebrochen 1826, und den Filialen Klausdorf, schon vor 1614* 
Kesburg und Hoffstedt, seit 181.7, Rederitz und Neu-Zippnow; 
Schleppe, wo die evangelische Gemeinde erst seit 1772 dauexn" 
den Bestand hatte, nachdem vor 1618 die ganze G-egend schon 
zur Reformation übergetreten war, mit Zützer, GoUiH, Eidmer, 
Buchholz, ProUwitz, Trebbin, Drehnow. Neuerdings gegründet 



Verwaltungsbezirke des nennzehnten Jahrhunderts. 369 

wurden die Kirchspiele: Tütz 1845, Lebehnke 1850, Alt-Zipp- 
now 1853, Gross- Wittenberg ebenfalls 1853 s»»).. 

2. Superintendenturen der evangelischen, Bis- 
thümer und Dekanate der katholischen Kirche. 

Der königliche Befehl vom 24. April 1816 schrieb zur Be- 
achtung vor, dass mit der neuen Kreiseintheilung die übrigen 
Hauptlandesabtheilungen in Uebereinstimmung gesetzt werden 
sollten ^^^). Dies geschah zunächst namentlich hinsichtlich der 
geistlichen Inspectionen der evangelischen Kirche. 

Die ältere Theilung des Herzogthumsy dann Königreichs 
Preussen in geistliche Inspectionen erlitt schon vor der neuen 
Kreiseintheilung einige wesentliche Veränderungen, namentlich 
dadurch, dass am 29. Mai 1777 die Landinspection des Ober- 
hofpredigers aufgehoben und dafür vier neue Inspectionen zu 
Heiligenbeil, Kreuzburg (später Pr.-Eilau), Friedland und Tapiau 
(für die Kirchen des neuhausenschen Hauptamtes) eingerichtet 
wurden. Die kleine Inspection Feisten wurde nach dem Jahre 
1789 mit der von Kreuzburg (Pr.-Eilau) vereinigt *^^). Die 
zweite wesentliche Veränderung erfolgte in der Inspection Sfd- 
feld; dieselbe wurde im Jahre 1800 getheilt und den Pfarrern 
in Blumenau (später, 1829, Morungen) und Passenheim (später, 
1816, Orteisburg) übergeben 5^2), XJnter dem 14. October 1808 
wurde die frühere Inspection Kastenburg aufgelöst und die 
Kirchen derselben theils zweien neuen Superintendenten zu 
Barten (später Rastenburg) und zu Sehesten (später Sensburg) 
untergeordnet, theils den benachbarten Inspectionen Bartenstein, 
Nordenburg (Gerdauen), Orteisburg (Passenheim) zugewiesen '^^. 



^^^) Ueber Alt-Zippnow und Gr. - Wittenberg vgl. Eyang. Gemeindeblatt 

1853, N. 36. 

ß'O) Keusch a. a. 0. S. 470. 

*") Urkunde von 1777 bei Jacobson, Evang. Kirchenrecht, S. (145). Vgl. 
Rhesa's Presbyterologie von Ostpreussen, S. 37, 55, 77, 178. Die Inspection 
Peisten erwähnt noch Goldbeck im Jahre 1789, Westpreussen, Znsatze, S. 288. 

*'2) Rhesa, Presb. S. 115, 139. Jacobson, Evang. Xirchenrecht, 8. 205. 

*") Rhesa, Presb. S. 154, 166. Noch unter dem 17. November 1808 
wnide Schippenbeil an die Inspection Bartenstein und am 12. November 1821 
liowenstein in Folge der neuen Kreiseintheilung an die Inspection Nordenburg 
überwiesen. 

24 



370 Neuere Zeit. 

Nachdem die neue Ereiseintheilnng ausgeführt war, wurde eine 
Keihe neuer Superintendenturen gegründet und die Sprengel der- 
selben genau nach den Xreisgrenzen festgesetzt: lithauisohe 
Niederung 1818, Oletzko 1820, Darkehmen und Goldapp 1821, 
Lötzen 1822, Osterode 1823, Heilsberg für die evangelischen 
Kirchen in den yier Kreisen des Ermelandes, welche früher 
unter der Aufsicht der Inspectoren der dem Ermelande zunächst 
gelegenen Diöcesen gestanden hatten ^^^), ebenMls 1823, Stalin- 
pöhnen 1824, Pilkallen 1826, Heydekrug 1832*"). Seitdem 
hatte fast jeder Kreis Ostpreussens und Lithauens seine eigene 
Superintendentur. .Ausnahmen bilden nur die yier Kreise des 
Ermelandes, deren evangelische Kirchen sämmtlich von einem 
Superintendenten inspicirt werden, und der Stadtkreis Königt- 
bei^, in welchem bis zum April 1857 vier Inspeotionen , du 
Schloss-, die altstädtsche, die kneiphöfsche und die löbenichtacfce 
Inspection, neben einander bestanden, jetzt aber, nach der Ytt* 
einigung der drei letzteren, nur noch die Schlossinspection und 
die städtische Inspection bestehen. Zur Schlossinspection aber ge- 
hören gegenwärtig auch die Kirchen der 1777 errichteten In- 
spection Tapiau, nachdem dieselben eine Zeit lang (nach 1827) 
der Inspection Schaaken zugewiesen waren ^^^). Es kommtti 
ausserdem noch eine Militär- und zwei leformirte Inspectionen 
dazu. 

Auch die Grenzen der Kreise und Superintendenturen fiaUen 
fast überall zusammen. Die bemerkenswertheste Ausnahme von 
dieser Eegel macht die nächste Umgebung von Königsbei^. Der 
königsberger Landkreis gehört nämlich theils zur städtiBcben, 
theils zur Schlossinspection Königsberg, theiLs smx Inspecium 
Schaaken. Zu der ersten gehören die Kirchen südlich vom 
Fregel, zur Schlossinspection die Kirchen Aman, Heiligenwalde, 



*'*) Goldbeck, Westpreussen, Zusätze, S. 289. 

^^^) Rhesa's Presb. an yerschiedcnen Orten, ans welcher anoh die simielift 
folgenden Angaben entlehnt sind. 

*'*) Bruno wird bei Rhesa S. 178 noch Superintendent yon Tapian ge- 
nannt; sein Nachfolger, der 1827 eintrat, nicht mehr. Die Kirchen der ta- 
piauschen Inspection aber führt Rhesa im Jahre 1834 schon unter Schaaken 
an. In dem Verzeichnisse der Geistlichen von 1850 stehen aie unter^dir 
Rubrik „Schlossinspection'' (ausser den städtischen Aman, Heiligenwalda, Ja* 
ditten, Neuhausen, Quednau, Schönwalde). 



wfimm^mrmß 



Verwaltangsbezirke des nenneehnten JahrhandeTts. 371 

Juditten, Neuhausen, Quednau, Schönwalde, «ur Inspection 
Schaaken die Kirchen Schaaken, Pownnden und Fostniken. Zu 
ebendieser Inspection gehören überdies im fischausenschen 
Kreise noch die Kirchen Laptau, Eudau und Rossitten (früher 
auch Wargen und Pobethen, und bis 1836 im labiauschen Kreise 
die Kirche Kaymen). Die übrigen Kirchen des Kreises Fisch- 
ausen bilden eine eigene Inspection. "Weitere Ausnahmen "von 
der Regel kommen bei den Superintendenturen Friedland und 
Morungen vor ; denn zu Friedland gehört auch die Kirche Gross- 
Engelau, Kreises Wehlau, zu Morungen die Kirche Reichwalde, 
Kreises Pr.-Holland, beide ihrer Filial Verhältnisse wegen ^^^). 

Die reformirten Kirchen Ost- und Westpreussens standen 
früher unter dreien Inspectionen, Königsberg, Elbing und Danzig, 
von welchen die elbingsche theils zu Ost-, theils zu West- 
preussen gehört. Zur reformirten Inspection Königsberg gehörten 
folgende Kirchen: die Burgkirche, die polnische Kirche und das 
königl. Waisenhaus zu Königsberg, ferner die Kirchen zu Pillau, 
Memel, Tilsit, Insterburg, Döhnhofstädt (endlich die französisch- 
reformirte Kirche zu Königsberg). Die reformirte Inspection 
Elbing begreift folgende Kirchen: Elbing, Preuss.-Holland, Sam- 
rodt mit der Filiale öuittainen, Soldau mit der Filiale Morungen, 
Thorn, endlich Krokow im neustädter Kreise. Von diesen 
Kirchen sind gegenwärtig mehrere eingegangen, die übrigen zu 
einer Inspection in Königsberg vereinigt: nämlich Burgkirche in 
Königsberg, Pillau und Insterbui^ mit Neunischken, Memel, Tilsit, 
Elbing mit Pr.-Holland, Graudenz und Thorn, Samrodt mit öuit- 
tainen und Morungen *^®). Die danziger reformirte Gemeinde, 
der die Kirchen zu St. Peter und Paul und zu St. Elisabeth zu- 
gehören, steht unmittelbar unter dem Consistorio zu Danzig. 

In Westpreussen gab es um 1807 ausser den reformirten 
Inspectionen folgende: Marienwerder, Riesenburg, Elbing, Ma- 
rienburg, Neuteich, Mewe, Stolzenberg, Conitz, Bromberg oder 
Thorn, Märkisch-Friedland, Schönlanke und, wenn man es noch 
bieher ziehen will, Lauenburg mit Bütow^^^). Wir kennen die 



*") Willen berg mit Opalenicc, Kreises Ortelsburg, gehörte bis etwa 1837 
noch zu Neidenburg. 

*''*) So schon in dem Ycrseichniss der erang. Qeistlichen von 18ß0. 

"*>) Holsche, Westpreussen, S. 86. 

24* 



372 Neaere Zeit 

Inspectionen Marienwerder und Biesenbnrg aas dem Vorigen. 
Der Umfang derselben wurde aber wahrscheinlich bald nach der 
Occupation von Westpreussen verändert, wenigstens bat der 
Superintendent der riesenburger Inspection schon seit 1786 
seinen Sitz in Bischofswerder ^®ö). Die Inspection Elbing and 
die Inspectionen des grossen und des kleinen marienbarger 
Werders oder !N^euteich und Marienburg sind in dem Bereiche 
des ehemaligen Palatinats Marienburg nach der Occupation "West- 
preussens 1773 gegründet. Die Inspection Marienbni^ nmfisuate 
aber damals nicht nur Marienburg und den kleinen marienbozger 
Werder, sondern auch die vier in dem heutigen stuhmer Kreise 
gelegenen Kirchen Stuhm, Christburg, Losendorf, Lichtfelde **'). 
Stuhm und Christburg sind von derselben 1809 getrennt*®^; 
die Inspectionen Marienburg und Neuteich sind seit dem Jahn 
1813 mit einander vereinigt ^®^). Im ehemaligen Pommerdlea 
wurden 1773 nach der preussischen Occupation zwei Inspectionen 
eiTichtet, eine für den damaligen conitzer Kreis zu Conitz and 
eine für die damaligen Kreise Stargardt und Dirschau zu Schöii- 
eck^®*). Die letztere erschien, wiewohl das danziger Gebiet 
damals noch nicht zu Preussen gehörte, doch bald zu ausgedehnt 
und wurde daher noch vor 1789 in zwei zerlegt, eine für den 
damaligen dirschauer Kreis, die Stadt Dirschau ausgenommen, 
zu Stolzenberg und eine für den stargardter Kreis, die Stadt 
Behrendt ausgenommen, zu Mewe. Die Stadt Dirschau warde 
ihrer Lage wegen zur Inspection Mewe, die Stadt Behrendt dee- 
gleichen zur Inspection Stolzenberg geschlagen^®*). Auch im 
Netzdistrikt scheint die preussische Regierung alsbald nach der 
Occupation drei evangelische Inspectionen eingerichtet zu haben: 
Neugolz (später Märkisch-Friedland), Filehne (später Schönlanke) 



*®^ Rhesa, Presb. Von Westpreussen, S. 1. 

»«') Rhesa, Prcsb. S. 143, 197, 198. Wenn ebenda S. 207 angefOlnt 
wird, dass Bobrick (f 1831) schon 1763 Kirchen- und Schulinspector de» 
gössen marienburger Werders gewesen sei, so scheint die Zahl 1768 durch 
einen Irrthum entstanden zu sein, da Walther, der dies Amt ron 1773 a» 

versah, erst 1786 starb, S. 198. 

»»2) Rhesa S. 199. 

»«•'') Rhesa S. 207, vgl. 201. 

»«') Rhesa S. 133. Vgl. Goldbeck, Topogr. von WestpreuBsen, S. 66u.70. 

^^^) Ooldbeck S. 51 u. 64. Vgl. Rhesa S. 99 (Bette) u. S. 237 (PopJiwiki)- 



■*p 



Verwaltungsbezirke des neanzebnten Jahrhunderts. 373 

und Bromberg. , In der Gegend von Märkisch - Friedland hatte 
seit dem Anfange des achtzehnten Jahrhunderts ein Verein von 
fünf, später sechs Pfarrern bestanden, intwelchem die Senioren 
die Superintendentur verwalteten. Unter der preussischen Re- 
gierung bekleidete dieselbe zuerst der Pfarrer Küster aus Neu- 
golz, dann der Pfarrer "Wohlfromm aus Markisch-Friedland, dessen 
Amtsbezirk sich über die damaligen Kreise Deutsch-Crone und 
Camin bis zum brombergschen und bis zur Netze erstreckte, bald 
jedoch verkleinert und nach dem unglücklichen Kriege auf die 
heutigen Kreise Deutsch-Crone und Flatow beschränkt wurde ^^®). 
Die zweite Inspection, Filehne, scheint ursprünglich für den Theil 
des Netzdistrikts südlich von der Netze bestimmt gewesen 
zu sein, wurde aber im Jahre 1785 nach Schönlanke,. nördlich 
von derselben, verlegt, womit ohne Zweifel eine Erweiterung 
derselben in diesen Gegenden verbunden war^^):. Die Inspection 
Bromberg mag ursprünglich für die damaligen Kreise Bromberg 
und Inowrazlaw bestimmt gewesen sein. Nach der Occupation 
von Thorn wird man die evangelischen Kirchen dieser Stadt 
mit derselben vereinigt haben, daher die oben erwähnte Be- 
zeichnung: Inspection Bromberg oder Thorn ^®®). Nach der 
Occupation des danziger Gebietes wurden mehrere neue Super- 
intendenturen errichtet ; Senioren der danziger Geistlichkeit hatte 
es schon lange gegeben ^®^), nun kamen im Jahre 1803 die 
Superin tendenturen danziger Werder ^^°) , danziger Nehrung *^ *) 
und danziger Hohe hinzu ^^2). ^g^ Titel Superintendenten er- 
hielten die Senioren der Geistlichkeit in Danzig selbst erst nach 
der Wiederbesetzung des danziger Freistaats ^^^). 

Weitere Veränderungen erfolgten nach den Befreiungskriegen 
und nach der Einführung der neuen Kreiseintheilung. Die 



688) Khesa S. 116, 118 (Wohlfromm). 

*8') Goldbeck S. 113. 

^^^) Ueber die Inspection Bromberg fehlt es uns an jeder näheren Nachricht. 

»««) Loschin, Gesch. Danzigs 1822 ff. Bd. 2, S. 287, 356. 

*ö") Rhesa S. 112 (Weikhraann), vgl. S. 103 (Deschner). 

5»') Rhesa S. 108 (Skusa), vgl. S. 91 (Skusa). 

**2) Rhesa S. 88 (Arndt) erwähnt die letztere erst bei dem Jahre 1807. 
Allein schon der Pfarrer Melier in Praust, Arndts Vorgänger, war hier seit 
1803 Superintendent, nach Löschin a. a. 0. S. 357. 

^^^) Rhesa S. 39 (Bertling und Breasler). 



374 Neuere Zeit. 

Superintendentar Elbing entsprach dem XJm&nge des landrädi- 
liehen Kreises gleiches Namens. So amfässte auch die Snper- 
iniendentur Marienbnfg - !N'euteich den ganzen marienborger 
Kreis und entsprach ihm völlig, als ihr die Kirchen Losendorf 
und Lichtfelde im Jahre 1831 abgenommen "waren****). Der- 
gleichen entsprachen bis zum Jahre 1833/ä4 die vier Saperin- 
tendenturen Stadt Danzig, danziger Werder, danidger Höhe und 
danziger Nehrung zusammen dem Umfange des Stadt^ und Land- 
kreises Danzig, und bis zu demselben Zeitpunkte gehörten 
sämmtliche Kirchen der meist katholischen Kreise Neustadt, 
Carthaus, Behrendt und Stargardt, einschliesslich Heia, sa der 
Superintendentur Dirschau, die mithin an die Stelle der früheren 
Superintendenturen Mewe und Stolzenberg getreten war. AUein 
in dem genannten Jahre trat die Aenderung ein, dass die evu- 
gelischen Kirchen der Kreise Neustadt und Carthaus der SQpe^ 
intendentur Dirschau abgenommen und mit der Superintendentir 
danziger Höhe, die nun den Namen Neustadt - Praost erhifiit» 
verbunden wurden ^^^). Die Superintendenturen Marienwerder 
und Bischofswerder, deren ältere Amtskreise in der Art abge- 
ändert waren, dass (wenigstens um 1834) zu der letzteren anneer 
Gross-Leistenau im graudenzer und Gross -Tromnau und Nen- 
dörfchen im marienwerderschen Kreise alle Kirchen des roaen- 
berger Kreises bis Klein - Tromnau und Bclschwitz hinauf, lur 
Superintendentur Marienwerder alle übrigen östlich von der 
Weichsel gelegenen Kirchen der Kreise Marienwerder und Bo- 
senberg gehörten, wurden allmählich auch ausserhalb dieser 
Kreise erweitert '®^). Zur Superintendentur Marienwerder waren 
1809 Christburg und Stuhm, 1831 wurden Losendorf und Lioht- 
felde, zwischen 1820 und 1834 auch noch Mewe und Bauden» 
Kreises Marien werder , und Neuenburg, Kreises Schwetz (alle 



"4) Ehesa S. 227, 229. 

'^') In Bhesa's Presb. (1834) sind die Kirchen noch nach jener ütem 
Eintheilung aufgeführt, in dem Verzeichniss der eyangelischen Kirchen tob 
1850 schon nach der neuen. In den Akten des konigl. Consistoriums su K5- 
nigsherg ist von der Superinten4entur Neustadt -Praust schon 1844 die Bede, 
doch liess sich der Zeitpunkt ihrer Einrichtung in denselben nicht sogleich auf- 
finden. Obige Zeitbestimmung, 1833/34, beruht auf einer Privatmittheihng 
aus Danzig. 

'^®) Nach dem Yorzoichniss der Kirchen bei Bhesa. 



Verwaltungsbezirke des nemizehnten Jahrhunderts. 375 

drei Kirchen liegen auf der linken Seite der Weichsel) hinzu- 
gefügt ^^ ^). Der Superintendentur Bischofswerder sind zuerst im 
Jahre 1816 die Kirchen zu Gross-Xionken, Lobau und Lauten- 
burg in den Kreisen Löbau und Strassburg^^®), sodann (noch 
vor 1834) sämmtliche Kirchen dieser beiden Kreise übergeben. Die 
culmer Diöcese wurde nach der Wiedervereinigung des culmischen 
und michelauschen Kreises mit Preussen im Jahre 1816 ge- 
gründet, indem der Pfarrer von Gross - Nebrau im Kreise Ma- 
rienwerder die Aufsicht über folgende Kirchen: Mewe, Ea,uden, 
Neuenburg, Graudenz, Culm, Culmsee, Eheden, GoUup und Strass- 
burg, erhielt ^^^). Von diesen Kirchen kamen, wie erwähnt, 
Mewe, Räuden und Neuenburg an Marien werder , GoUup und 
Strassburg an Bischofswerder; dagegen wurden der Superinten- 
dentur Culm allmählich die neu gegründeten Kirchen in den 
Kreisen Culm, Graudenz (aber nicht Gross - Leistenau) und die 
Kirchen des Kreises Schwetz, wo Schwetz und Neu - Jaschinitz 
noch nach 1820 zur Superintendentur Conitz gehörten ^^o), zu- 
gewiesen. Die vier zuletzt erwähnten Superintendenturen haben 
aber durch die Cabinetsordre vom 19. Mai 1856 wieder eine 
wesentliche Aenderung erlitten. Durch dieselbe ist nämlich be- 
stimmt, dass die Superintendentur zu Marienwerder g^nau die 
Kirchen der Kreise Marienwerder und Stuhm, die zu Rosenberg 
die Kirchen des Kreises Rosenberg, die zu Culm die Kirchen 
der Kreise Culm und Graudenz umfassen solle; für die Kreise 
Strassburg und Löbau ist eine neue Superintendentur zu Strass- 
burg, für den Kreis Schwetz eine neue Superintendentur Schwetz 
errichtet ^^ ')• ^^^ Diöcese Conitz ist nach der Ausbreitung der 
Diöcese Culm über den schwetzer Kreis auf die Kreise Conitz 
und Schlochau beschränkt. Die ehemalige Superintendentur 
Märkisch-Friedland wurde im Jahre 1818 in zwei zerlegt, Pla- 



5*^') Diese drei Kirchen sind in der Topogr. von Westpreussen (1820) 
S. 209 noch als zu Culm gehörig, bei Rhesa (1834) S. 235, 238, 239 sohon 
als zu Marienwerder gehörig angegeben. 

5Ö8) Verf. des königl. Consistoriums vom 6. December 1816. 
509^ Verf. des königl. Consistoriums vom 6. December 1816. 
600) j^ach der Topogr. von Westpreussen, 8. 207, aber nicht mehr 1834 
nach Khesa, S. 29 ff. 

^^^) Cabinetsordre vom 19. Mai 1856, angeführt im Evang. Gemeindeblatt, 

Königsberg 1856, Nr. 48. 



376 Neuere Zeit. 

tow und Deutsch-Crone ^^ , welche den gleichnamigen Kreisen 
im Allgemeinen entsprechen, nur dass zur Superintendentor fla- 
tow noch eine Eilialkirche Marienfelde im schlochauer Kreise 
gehört. Die im Jahre 1817 gegründete Superintendentur su 
Thom^o^) entsprach von vom herein dem TJmfEmge des thomer 
Landrathskreises. 

Auf das katholische Kirchensystem hat die neue Eintheilnng 
des preussischen Staats ebenfalls einigen Einfluss gehabt; na- 
mentlich sind in der Bulle des Pabstes Pius VII. vom 16. Juli 
1821 , sanctionirt von König Friedrich Wilhelm IIL durch Oa- 
binctsordre vom 23. August 1821 ^ö*), die Landes- und Protin- 
zialgrenzen des preussischen Staates vielfach berücksichtigt, uns 
intcrcssiren hier von dem reichen Inhalte dieser Bulle yorzugs- 
weise die Bestimmungen über die neuen Sprengel der Bischöfe 
von Ermeland und Culm und des Erzbischofs von Gnesen-Fosen. 
Das frühere Bisthum Lesslau (oder Wrazlawek, dioecesis Wk- 
dislaviensis) \vurde aufgehoben; drei Dekanate desselben, Knu- 
witz, Gniewkowo und Inowrazlaw, kamen an die vereinigten 
Sprengel von Gnesen und Posen, von welchen dagegen die De- 
kanate Schlochau, Tuchel imd Camin abgetrennt wurden. Vom 
Bisthimi Plock wurde das Dekanat Gurzno mit der P£EUTe Bia- 
lütten getrennt. Die culmer Diöcese wurde ausserordentlich er- 
weitert; sie sollte bestehen aus folgenden Dekanaten: Lessen, 
Kheden, Neumark, Löbau, Lautenburg, Strassburg, Gollup, Thom, 
Culm, Culmsee (sammtlich im alten Culmerlande), Gurzno mit 
der Pfarre Bialutten (früher zur Diöcese Plock gehörig), Danzig^ 
Putzig, Mirchau, Dirschau, Stargardt, Mewe, Neuenbürg, Schwetii 
Lauenburg, Fordon (früher zur Diöcese Lesslau gehörig), Schlochau, 
Tuchel, Camin (früher zu Posen -Gnesen gehörig). Auch das 
Bisthum Ermeland wurde beträchtlich erweitert, nämlich durch 
die von dem culmer Bisthum abgetretenen Dekanate Fürsten- 
werder, Neuteich, Marienburg, Stuhm und Christburg; seine alten 
Dekanate behielt es unverändert bei. Mit dieser Umwandlung 



''^^ Rhesa S. 175. Die öffentlichen Anzeigen darüber im marienwerd. 
Amtsblatt sind erst Yom 17. Mai und 19. Juni 1819. 

®"3) Verf. des königl. Consistoriums vom 27. April 1817. VgL Rhesi 
S. 254 (Eiscnbaucr). 

«^*) Gesetzsammlung von 1821, S. 113 ff. 



Verwaltungsbezirke des neunzehnten Jahrhunderts. 377 

der Diöcesangrenzen war die Verlegung der Residenz des Bischofs 
von Culm nach Pelplin verbunden. 

Besonders deutlich zeigt sich der Einfluss der neuen Kreis- 
eintheilung auf die Abgrenzung der Dekanate des ermeländischen 
Bisthums. Von den älteren blieben nach Aufhebung von Worm- 
ditt und Prauenburg nur AUenstein, Braunsberg, Guttstadt, Heils- 
berg, Melsack, Rössel, Seeburg, "Wartenburg, von den jüngeren 
nach Aufhebung von Fürstenwerder und Christburg nur Neuteich, 
Marienburg und Stuhm in Bestand. Von den vier aufgehobenen 
Dekanaten sind Wormditt und Fürstenwerder zwischen 1835 
und 1839, Christburg zwischen 1839 und 1841, Frauenburg 
zwischen 1841 und 1846 eingegangen ®°^). Die unmittelbare 
Inspection des Generalofficialats zu Frauenburg über die im Be- 
reich des früheren Bisthums Samland gelegenen Kirchen Königs- 
berg, Memel, Drangowski und Schillgallen, über Elbing und 
(seit Aufhebung des Dekanats Wormditt) über Wormditt hat 
neuerdings aufgehört; dagegen sind zwei neue Dekanate zu El- 
bing und Samland errichtet, jenes zwischen 1841 und 1846 für 
die Kirche in Elbing und zwei Kirchen des aufgehobenen De- 
kanats Frauenburg, dieses zwischen 1846 und 1854 für die 
samländischen Kirchen. Zu dem alten Dekanat Wormditt ge- 
hörten die Kirchen Wormditt, Benern, Elditten, Kalkstein, Wolfs- 
dorf, von welchen Wormditt, wie gesagt, zuerst unter die un- 
mittelbare Inspection des Generalofficialats trat, dann mit dem 
Dekanat Melsack vereinigt wurde, wie die übrigen mit dem 
Dekanat Guttstadt. Zu dem Dekanat Fürstenwerder gehörten 
die gegenwärtig zu Neuteich geschlagenen Kirchen Fürsten- 
werder, Ladekop, Marienau, Schöneberg, Tiegenhagen, Tansee 
mit ihren Filialen. Zu dem Dekanat Christburg gehörten die 
Kirchspiele Altmark, Posilge, Christburg, Lichtfelde, Schönwiese 
mit ihren Filialen; sie kamen sämmtlich an das Dekanat Stuhm. 
Von den Kirchen des Dekanats Frauenburg kamen Frauenburg 
und Bludau an das Dekanat Braunsberg, Neukirch und Tolkemit 
an das neu errichtete Dekanat Elbing. 



®"^) Nach den mir Yorliegenden Staatshandbächem von 1835, 1839, 1841, 
184G. lieber die Auflösung des Dekanats Wormditt ygl. die Bekanntmachung 
vom 27. Mai 1835 im Amtsblatt yon Königsberg 1835, S. 131. 



378 Neuere Zeit 

Uebersehen wir hienach^^^) die jetzt bestehendoi Dekanate 
des Bisthums Ermeland, so um&sst das Dekanat Stnhm sämmt- 
liche katholische Kirchen des landräthlichen Kreises Stohm und 
die Kirche Tiefenau im Kreise Marienwerder. Die Dekanate 
Neuteich und Marienburg um&ssen die Kirchen des marienboiger 
Kreises; zum Dekanat Marienburg gehören nämlich die Eorchen 
Marienburg, Eischau, Königsdorf, Kunzendorf, Lesewitz, Miients, 
Montan, Kozendorf, Thiergart, Wernersdorf mit ihren Filialen, 
die übrigen zu Neuteich. Die drei Kirchen des elbinger Kreises 
bilden das Dekanat Elbing. Von den Kirchen des Kreises 
Braunsberg gehören Braunsberg, Erauenburg, Bludau, Plastwig^ 
Bautenberg, Schalmey, Tolksdorf zum Dekanat Brannsberg, die 
übrigen zum Dekanat Melsack. Von dem Kreise Heilsberg ge- 
hören die Kirchen Guttstadt, Arnsdorf, Benem, Elditten, Glottau, 
Heiligenthal, Kalkstein, Nossberg, Peterswald, Queetz, Schölitt, 
Schönwiese, Wolfsdorf zum Dekanat Guttstadt, die übrigen aam 
Dekanat Ueilsberg. So enthält auch der rösseler Kreis aswoL 
Dekanate; zu dem Dekanat Seeburg gehören die Kirchen See* 
bürg, Bischofsburg, Gross-Bessau, Erankenau, Ereudenberg, Lau- 
tem, Prositten, zu dem Dekanat Rössel die übrigen und ausser- 
dem die Kirche Hciligelinde im Elreise Bastenburg. Im allen- 
steiner Kreise endlich liegen die beiden Dekanate AUenstein und 
Wartenburg; zu dem ersteren gehören die Kirchen Allensteuiy 
Gross-Bertung, Braunswalde, Dietrichswalde, Diwitten, Grieslinen, 
Jonkendorf, Neu - Kokendorf , Schönbruch, Alt-SchÖnberg, Wu- 
triencn; zum Dekanat Wartenburg die übrigen und ausserdem 
die Curatia Leschienen im ortelsburger Kreise. Hiezu kommt 
endlich noch das Dekanat Samland, welches alle im ehemaligen 
Bisthum Samland gelegenen katholischen Kirchen um&sst: Kö- 
nigsberg, Insterburg (Arbeitshaus), Dränge wski und Tilsit, Memel, 
Schilgallen und die Kapelle in Szillen, Curatia Bartschkemeiiy 
Curatia Lyck, Curatia Maiggrabowa. 



^°®) Die folgende Uebersicht nach dem . Directorium dinni officii dioee. 
Warmiensis 1856. Die vorigen Notizen nach älteren Jahrgängen derselben 
Schrift, welche Herr Pfarrer Karau in Grieslinen für mich zu Tergleichen die 
Güte hatte. Ganz abweichend hieyon sind die Kirchen der Dekanate Mft- 
rienburg, Fürstenwerder und Nenteich in dem Anhange nun Topogr. Veneiali- 
niss des Reg.-Bezirks Danzig von 1820, S. S9, aufgeführt. Die neue Dekinati- 



Verwaltungsbezirke des neunzehnten Jahrhunderts. 379 

Das Bestreben, die Dekanats- und Kreisgrenzen in Ueberein- 
Stimmung zu bringen, lasst sich auch im BisthumKJulm erkennen. 
Die Dekanate im Bereiche des früheren Bisthums Lesslau, welche 
in den topographischen Verzeichnissen für die beiden Regierungs- 
bezirke Westpreussens von 1820 vorgeführt werden, sind ein 
bemerkenswerthes Ergebniss desselben, allein sie stimmen weder 
mit den älteren, die wir oben nach einem Verzeichnisse von 
1807 mittheilten, noch mit den gegenwärtigen, die wir aus den 
jährlichen Mittheilungen in dem directorium divini of&cii kennen ; 
ja schon in der pabstlichen Bulle von 1821 sind dieselben igno- 
rirt ; es scheint demnach, dass sie nur die Bedeutung eines Pro- 
visoriums gehabt haben. Das Wesentliche dieses Provisoriums 
bestand in Folgendem : das Dekanat Danzig umfasst die Kirchen 
des danziger Stadt- und Landkreises ausser Gemlitz und Mühl- 
banz und ausserdem die im nördlichsten Theiie des neustädter 
Kreises gelegenen Kirchen Heisternest, Schwarzau, Zarnowitz, 
Tillau, Mechow und Rahmel; zum Dekanat Mirchau, welches 
von einem Orte ohne Kirche im carthauser Kreise nur den 
Namen hat, gehören sämmtliche übrige Kirchen des neustädter 
Kreises; das Dekanat Zuckau fällt mit dem Kreise Carthaus, das 
Dekanat Schöneck mit dem Kreise Behrendt zusammen; der Kreis 
Stargardt zerfällt in zwei Dekanate, Dirschau und Bobau; zu 
dem ersteren gehören ausser den Kirchen stargardter Kreises, 
Dirschau, Klonowken, Raikau, Subkau, Garczau, noch'Gemlitz 
und Mühlbanz danziger Landkreises ; zu dem zweiten ausser den 
übrigen Kirchen des stargardter Kreises noch die Kirchen Czersk, 
Wiesee und Brusc im Kreise Conitz; das Dekanat Mewe umfasst 
die Kirchen Mewe, Pehske, iiebenau, Gross-Garz, Gross-Falkenau 
und Dzierzonzno, Kreises Marien werder ; das Dekanat Neuenburg 
die Kirchen Jahn, Lalkau, Pienonskowo, desselben Kreises, und 
die Kirchen Neuenbürg, Gross - Komorz , Lubin, Plochoczyn, 
schwetzcr Kreises; die übrigen Kirchen des schwetzer Kreises 
sammt Gross-Bisslaw und Schliwitz im Kreise Conitz bilden das 
Dekanat Schwetz^oT). 



eintheilung ist dargestellt auf der Karte der Diöcese Ermeland, herausgegeben 
Yon dem lithogr. Institut von Rahnke in Elbing, 1854. 

®^') Nach den Topogr. Verzeichnissen von Danzig (Anhang S. 39) und Ma- 
rienwerder (S. 222, 223). 



380 Neuere Zeit 

Die gegenwärtige Dekanatseintheilung dieser Gegenden ist 
folgende : Dekanat D a n z i g mit den Kirchen des danziger Stadt- 
und Landkreises ausser Gross-Trampken, Gemlitz und Mühlbanz, 
wozu noch drei ganz nahe gelegene Kirchen kommen: Znckau 
und Mariensee (Filiale zu Meisterswalde) Kreises Carthaus, und 
Kölln und Quaschin, Kreises Neustadt. Das Dekanat Putzig reicht 
bis zu den Kirchspielen Heisternest, Mechau, ^Neustadt, OxhÖfty 
Putzig, Bahmel, Schwarzau, Zamowitz, umfasst also den nörd- 
lichen Theil des Kreises ^N'eustadt Das Dekanat Mirchau zahlt 
in diesem Kreise nur zwei Kirchen: Strzepcz imd Lusinno, im 
Kreise Behrendt ebenfalls nur folgende zwei: Lippusch und Beh- 
rendt, breitet sich aber fast über den ganzen carthäuser Kreu 
aus, in welchem nur Zuckau und Mariensee ihm nicht ange- 
hören. Das Dekanat Dirschau enthält die Kirchen GhrosB- 
Trampken, Gemlitz und Mühlbanz im danziger, die Kirchen 
Dirschau, Garczau, Subkau im stargardter, und die Kirchen 
Schöneck, Garczyn, Wyschin und Niedamowo im behrendter 
Kreise. Zum Dekanat Stargardt gehören die meisten Slir- 
chen des gleichnamigen Kreises: Bobau, Klonowken, Kokosken, 
Pinczyn, Stargardt, Zblewo, und zwei Kirchen des Ejreises Beh- 
rendt: Alt-Ky schau und Pogutken. Zum Dekanat Mewe gehören 
die Kirchen: Dzierzondsno , Ealkenau, Gross - Gfurtz , Liebenan, 
Mewe, Pehsken Kreises Marienwerder, Neukirch, Pelplin, Ponczan, 
Eaykau, Kreises Stargardt. Zum Dekanat Neuenburg gehören 
die übrigen katholischen Kirchen des Kreises Marienwerder: 
Jahn, Lalkau, Pienonskowo, ferner im schwetzer Kreise Gross- 
Komorz, Lubin - Lipsau, Neuenburg und Plochoczyn, endlich im 
stargardter Kreise Barlozno und Skurz. Das schwetzer De- 
kanat umfasst alle übrigen Kirchen des gleichnamigen Kreises 
und die Kirchen Schliwitz und Gross-Bislaw im Kreise Conits^ 
wie schon 1820. Das Dekanat Tuchel umfasst die sänuntlichen 
Kirchen des conitzer Kreises, nur das Kirchspiel Gonitz mit seinen 
Filialen und die zu Konartzin im Kreise Schlochau gehörige Fi- 
liale Swomegatz ausgenommen; ausserdem gehört dazu nooh die 
Kirche Waldau, Kreises Flatow, mit ihren Filialen. Das Dekanat 
Schlochau fallt mit dem Kreise Schlochau zusammen, begreift 
aber auch noch die eben ausgenommenen Kirchen des Ejreises 
Conitz. Die Kirchen des Kreises Flatow ausser Waldau bilden 



»^^^^^^a 



Verwaltungsbezirke des neunzehnten Jahrhunderts. 381 

das Dekanat Ca min. Die Dekanate Lauenburg und Fordon 
liegen schon ausserhalb der Grenzen der Provinz Preussen ®^®). 
Die Dekanate des Bisthums Culm auf der rechten Seite der 
Weichsel haben seit der neuen Kreiseintheilung keine wesent- 
liche Veränderung erlitten. Das Dekanat Culm mit den Kirch- 
spielen Althaus, Culm, Czyste, Kijewo, Lissewo, Sarnowo, SchÖn- 
eich, Wabcz liegt ganz innerhalb des Kreises Culm. Das De- 
kanat Thorn enthält die Kirchen Czarze und Ostrometzko culmer 
Kreises und die Kirchspiele Birgelau, Czarnowo, Kaszczorek, 
Papau, Swierczynski und Thorn thomer Kreises. Zum Dekanat 
Culmsee gehören die Kirchen Grzybno und Unislaw culmer 
Kreises und die Kirchen Biscupitz, Culmsee, Dzwierzno, Gro- 
novo, Grzywna, Kielbasin, Nawra, Papau, W^ielkalonka thorner 
Kreises. Zum Dekanat Rheden gehören die Kirchen Jablonowo, 
Ostrowitt und Gross -Plowenz strassburger, die Kirchen Grutta, 
Linowo , Okonin , Eheden , Rehwalde graudenzer Kreises. Die 
übrigen Kirchspiele des graudenzer Kreises: Graudenz, Lessen, 
Mockrau, Roggenhausen, Schönbrück, Schön walde, Schwenten, 
bilden das Dekanat Lessen. Dem Dekanate Gollup sind die 
Kirchen Chelmonie, Kowalewo und Zielen (Filiale) thomer 
Kreises und die Kirchen Gollup, Lobdowo, Pluscowenz, Gross- 
Radowisk, Wrotsk, Kreises Strassburg, zugewiesen. Das Dekanat 
Strassburg mit den Kirchen Bobrowo, Kruscyn, Lemberg, Mszanno, 
Niezywienz, Pokrzydowo und Strassburg liegt ganz innerhalb 
der Grenzen des Kreises Strassburg. Ebendahin gehört das De- 
kanat Gurzno mit den Kirchen Poln.-Brzozie, Gurzno, Grondzaw, 
Jastrzembie, Szczuka, doch gehört zu demselben noch die Kirche 
Bialutten im ostpreussischen Kreise NeicJ^nburg. Zum Dekanate 
Lautenburg gehören die Kirchen Boleszyn, Lautenburg und Ra- 
doszk im strassburger, Mroczno im löbauer, und Gross-Lenk (mit 
Przelenk) im neidenburger Kreise. Die Kirchen des löbauer 
Kreises gehören fast sämmtlich zu den Dekanaten Neumark und 
Löbau; zu Neumark: Deutsch -Brzozie, Kauemick, Lippinken, 
Neumark, Radomno, Schwarzenau, Skarlin und Tyllitz; zu Löbau: 
Grabau, Grodziczno, Kasanitz, Löbau, Prontniza, Rosen thal, Ru- 

*^^^) Das Dekanat Lauenburg begreift die Kirchen zu Bernsdorf mit Sttid- 
nitz, Bütow mit Damesdorf und Gr .-Tuchen, Lauenburg mit Boslasin und Bresin; 
das Dekanat Fordon folgende : Byszewo, Dobrcz mit Wluki und Wudiyn, Fordon. 



a82 Neuere Zeit. 

mian, Somplawa, Zwiniarz, und ausserdem noch Thurau im nei- 
denburger Kreise ^°®). 

3. Die Domänen- und Intendanturämter. 

Dass bei der Kreiseintheilung auf die Grenzen der alten Bo- 
mänenämter vielfach Eücksicht genommen sei, zeigen namenÜiofa 
die oben mitgetheilten Eestsetzungen über die westpreussisohen 
Kreise. Seit den Zeiten der französischen TJebermacht waren. 
durch Veräusserung ^ '^) der Amtsvorwerke eine beträchtliohe 
Anzahl von Domänenämtern in Intendanturämter verwandelt; 
einige waren mit anderen combinirt worden. Wir begnügen mis 
hier mit folgender vergleichender XJebersicht. 

Im Eegierungsbezirk Königsberg gab es um das Jahr 1820, 
nachdem von den früher genannten Domänenämtem folgende: 
Lochstedt, Friedrichsberg, Dirschkeim, Laptau, Kalthof^ Waldaa, 
Taplacken, Karschau, Garben, Wandlacken, Guttstadt, Behlenho( 
Liebstadt, Dollstedt, Liebemühl, Mensgut, eingegangen waren, fol- 
gende Domänen- und Intendanturämter: 1) Im Landkreise Kö- 
nigsberg die D.-A. Schaaken, Waldau und Kobbelbude, die L-A. 
Neuhausen und Capom (zu Eathshof ) ^ * ^). 2) Im Kreis Fisoh- 
ausen die D.-A. Fischausen und Kragau, die L-A. Grünhof nnd 
Eossitten. 3) Im Kreise Memel die L-A. Memel imd Prökuls. 
4) -Im Kreise Labiau die D.-A. Labiau und Caymen, die L-A. 
Laukischkcn und Melauken. 5) Im Kreise Wehlau die L-A. 
Tapiau (mit Taplacken) ^^^) zu Wehlau und Katangen 2u AUen- 
burg. 6) Im Kreise Friedland das D.-A. Bartenstein. 7) Im 
Kreise Pr.-Eüau das D.-A. Uderwangen und das L-A. Pr.-Eilaiu 
8) Im Kreise Heiligenl]|gil das D.-A. Brandenbui^ und das L-A« 
Balga (mit Garben) ^^^) zu Ueiligenbeil. 9) Im Kreise G^rdanen 



^^^ Directorium diYini officii dioec. Ciümensls 1854. Ygl. die Karte der 
Diocese von Culm, herausgegeben yom lithogr. Jnstitat yon A. Balmke in El- 
hing, entworfen von Pawlowski 1848. 

610) Die von Friedrich Wilhelm I. durch die Verordnung vom 13. Augiut 
1713 bestimmte Unveräusserlichkeit der Domänen war durch Edict und Haiu- 
gesctz vom 17. December 1808 aufgehoben. Graf, Simon und B5ime, Eiv 
gänzungen zum allg. Landrecht, Bd. 6, S. 347. 

011) Verlegung nach Bathshof. Königsberger Amtsblatt 1815; S. 344. 

^*2) Vereinigung von Tapiau und Taplacken 1815. Königsb. AmtsbLlSlS, 8. 7. 

013^ Vereinigung von Garben und Balga 1814. Königsbergw Amtsblatt 
1813, S. 588; 1814, S. 502. 



T3B"^»»B^3 



Verwaltungsbezirke des neunsehnten Jahrhunderts. 388 

das D.-A, Wandlacken. 10) Im Kreise Eastenburg die D.-A. 
Basten bürg und Barten. 11) Im Kreise Brannsberg die I.-A. 
Braunsberg (incl. Frauenburg), Melsack und Wormditt (mit Gutt- 
stadt) ß»*). 12) Im Kreise Heüsberg das D.-A. Heilsberg. 13) Im 
Kreise Rössel das D.-A. Seeburg und das L-A. Eössel. 14) Im 
Kreise Alienstein das D.-A. Allenstein und das I.-A. Warten- 
burg. 15) Im Kreise Pr.-HoUand das D.-A. Pr.-Holland. 16) Im 
Kreise Morungen das D.-A. Pr.-Mark (mit DoUstedt) ^ *') und 
das I.-A. Morungen. 1 7) Im Kreise Osterode das D.-A. Osterode 
und das I.-A. Hohenstein. 18) Im Kreise Neidenburg die I.-A. 
Neidenburg und Soldau. 19) Im Kreise Orteisburg das D.-A. 
Willenberg und die I.-A. Ortelsburg und Friedricbsfelde*^^). 
Von den genannten Domänenrentämtem wurden bald darauf 
einige mit einander combinirt, namentlich Neuhausen mit Capom, 
Grünhof mit Fischausen, Laukischken mit Labiau, Wartenburg 
mit Allenstein (sämmtlich zwischen 1820 und 1824), später 
noch Natangen mit Tapiau (zwischen 1831 und 1835). Von 
den im Jahre 1820 noch vorhandenen Domänenpachtämtem sind 
die meisten seitdem als solche eingegangen, nämlich Willenberg 
und Uderwangen zwischen 1820 und 1824, Allenstein, Barten, 
Brandenburg, Fischausen, Kragau, Osterode zwischen 1831 und 
1835, Labiau zwischen 1835 und 1839, Schaaken zwischen 1841 
und 1846, Pr.-Holland und Pr.-Mark zwischen r846 und 1848. 
Von den genannten Aemtern wurde nach dem Verkauf der Vor- 
werke Uderwangen mit Pr.-Eilau, Barten mit Bastenbui^ (?), 
Kragau mit Fischausen, Schaaken mit Caporn combinirt; die 
übrigen bestanden als Intendantur- oder Domänenämter fort. 
Seitdem gab es nur folgende Pachtämter: Bartenstein, Caymen, 
Heilsberg, Kobbelbude, Eastenburg, Seeburg, Waldau, Wand- 
lacken, und folgende Eentämter : Allenstein, Brandenburg, Brauns- 
berg, Pr.-Eilau, Fischausen, Friedrichsfelde, Heiligenbeil, Pr.- 
Holland, Labiau, Pr.-Mark (zu Salfeld), Melauken, Melsack, Memel, 



ei«) Vereinigung von Wormditt imd Gnttstadt 1812. Amtsblatt 1812, ß. 129. 

«15) Vereinigung von Pr.-Mark und Dollatedt 1811. Amtsblatt 1811, S. 176. 

«'^) Topogr. Verzeichniss der Ortschaften des Reg.-Bezirka Königsberg 1820, 
p. XLIX. Im Folgenden vergleichen wir noch die Topogr.-ttatist. üebersicht 
des Reg.-Bezirks Königsberg von A. Schiott 1848, S. 10, und die Staatshand- 
bücher pro 1824, 1831, 1835, 1839, 1841, 1846 und 1854. 



384 Neaere Zeit. 

Momngen, Neidenburg, Ortelsburg, Osterode? Prökuls, RÖSBel, Ros- 
sitten, Schaaken-Capom, Soldau, Wehlau, Willenbei^, Wormditt 

Die Domänenverwaltung in Lithauen war von der in Ost- 
preussen wesentlich verschieden. Nach einer Verfügung vom 
8. December 1819 hörten daselbst die Verwaltungen der früheren 
Domänen-, Intendantur- und Contributionsämter mit dem Ende 
des genannten Jahres auf und es trat an deren Stelle in jedem 
kuidräthlichen Kreise eine neue Kassenverwaltung ein, die unter 
dem Namen Kreiskasse ihren Sitz in der Kreisstadt haben und die 
unter dem Curatorium des Landraths alle directen Steuern, Per- 
sonensteuer, Domänenpacht- oder Zinsgefälle, überhaupt alle die^ 
jenigen Abgaben, deren Erhebung und Regulirung den obenge- 
nannten Aemtern obgelegen hatte, unmittelbar einnehmen sollte* '*). 
Die Einrichtung wurde später insofern modificirt, als durch Ver- 
fügung der Eegierung vom 20. Mai 1825 „zur Führung einer 
sorgfältigen Aufsicht auf die mit Domanialabgaben belegten bäuer- 
lichen und Erbpaditsgüter und den richtigen Eingang der ge- 
dachten Eingaben, ferner zur Aufrechterhaltung aller den Do- 
mänen zustehenden Gerechtsame und Vertretung der gutsherr- 
lichen Verhältnisse des Domänenfiscus, im gleichen zur Leitung 
der Polizei" wenigstens für die Kreise Darkehmen, Goldapp, GKim- 
binnen, Insterburg, Lötzen, Lyck, Pillkallen, Stallupöhnen In- 
tendanturen errichtet wurden®^®). Erst im Jahre 1839 folgte 
eine neue Intendantur, für den Landkreis Tilsit, durch Verfiigiuig 
vom 11. Mai^^®), dann bis 1841 die Intendanturen Niederung 
und Eagnit, bis 1846 Angerburg, bis 1854 Heydekrug, Johannis- 
burg, Oletzko, Sensburg, so dass nun jeder landräthliche Kreis 
seine Intendantur hatte ^^^). 

Von den westpreussischen Domänenämtem waren schon im 
Jahre 1807 Weisshof, Kyschau und Mirchau eingegangen. Die 
Domäne Friedrichsbruch und in dem Theile Westpreussens , der 
Miher zum Netzdistrikt gehörte, Schleppe und Schrots (wohl 



61') Gumbinner Amtsblatt 1819, S. 919. 

«'8) Gumbümer Amtsblatt 182ö, S. 438. 

«»») Gumbümer Amtsblatt 1839, S. 409. 

020^ Nach dem Staatshandbuche ^ür 1841 , wo aber Ghimbhmen und Pill- 
kallen fehlen. In dem Jahrgange 1839 sind diese Intendanturen noch gar idclli 
aufgeführt. 



Plp^^"^ 



Yerwaltangsbezirke des neunzehnten Jahrhunderts. 385 

an Stelle von Deutsch-Crone) finden wir damals zuerst erwähnt ^^ *). 
Ungefähr um dieselbe Zeit gingen die Intendantur Langfahr und 
das Domänenamt Oliva bei der Gründung des danziger Frei- 
staates unter, und das Domänenamt Christburg wurde noch vor 
1818 zu Stuhm geschlagen. Wie die damals vorhandenen Do- 
mänenämter in die einzelnen Kreise vertheilt waren, haben wir 
oben aus den Urkunden über die Kreiseintheilung selbst mit- 
getheilt. Schon wenige Jahre darauf (1820) sind im Regierungs- 
bezirk Danzig die Intendanturen Elbing und Tolkemit vereinigt, 
das Domänenamt Brück in eine Intendantur verwandelt, und das 
Domänenamt Starzyn (durch Combination mit Brück?) aufge- 
hoben ^^ 2), jxn Jahre 1824 gehören Bordzichow und Stargardt 
nicht mehr zu den Pachtämtern, Stargardt ist eine eigene In- 
tendantur ®2^). Das Domänenrentamt Pelplin wurde zwischen 
1824 und 1831 mit Mewe im Regierungsbezirk Marienwerder 
vereinigt. Zwischen 1835 und 1839 geht das Pachtamt Subkau 
ein, wogegen das Rentamt Dirschau eingerichtet wird; ebenso 
tritt zwischen 1846 und 1854 an die Stelle des früheren Pacht- 
amtes Putzig das Rentamt Neustadt. Seitdem gab es im dan- 
ziger Regierungsbezirk nur noch zwei Domänenpachtämter, 
Schöneck und Sobowitz, und folgende Domänenrentämter: Beh- 
rendt, Brück, Karthaus, Dirschau, Elbing, Marienburg, Neustadt, 
Pelplin (mit Mewe verbunden), Stargardt, Tiegenhof ®2*). Von 
den Domänenämtern des Regierungsbezirkes Marienwerder, welche 
oben nach den Fundationsurkunden der landräthlichen Kreise 
genannt sind, waren als Intendanturen bezeichnet: Baldenburg, 
Schwetz, Riesenburg, Gollup, Lautenburg, Graudenz, Marienwer- 
der, Stuhm (mit Christburg), die übrigen als Pachtämter. Im 
Jahre 1824 giebt es die Intendantur Lautenburg nicht mehr, 
das Pachtamt Camin ist Intendantur geworden, LebehAke bildet 
mit Schloppe und Schrotz zusammen ein Amt. Im Jahre 1831 
kommt statt Lebehnke mit Schloppe und Schrotz ein Rentamt 



«*') Holsche, Westpreussen, S. 162, 163. 

*22) Topogr. des danziger Reg.-Benrks, Anhang 8. 36. 

<^23) Staatshandbuch für 1824, S. 169. Hier iat aaeh das D.-A. Karthaus nicht 
genannt, dies tritt aber später wieder hervor und war wohl nur Torfibergehend 
dem Beamten einer andern Domäne lur Verwaltung mitflber^ragen. 

*^^) Nach den schon erwähnten Jahrgängen des Staatshandbnchs. 

25 



386 Neuere Zeit. 

Deutsch - Crone , Rtatt Brattian ein Rentamt Neumark vor; auch 
Mewe war damals schon Rentamt, obwohl daneben ein Pacht- 
amt Mewe noch bis 1846 und länger fortbestand. Zwincheii 
1831 und 1835 sind die Fachtämter Eriedrichsbruch und Sehlo- 
chau in Rentämter verwandelt, das Rentamt Thom neu begründet. 
Zwischen 1835 und 1839 wurden folgende neue Fachtämter be- 
gründet: Althausen, Botschin mit Szerokopasz, Czeczewo, Sohn- 
milowo, Wawrowitz. In derselben Zeit ist das Fachtamt Kio- 
toschin von Lonkorrek wieder abgetrennt. Statt des Rentamts 
Camin erscheint das Rentamt Yandsburg. Im Jahre 1841 findet 
sich Lautenburg wieder als besonderes Rentamt angeführt. 
Zwischen 1841 und 1846 ist das Fachtamt Szyttno neu ge- 
gründet. In den Jahren 1846 bis 1854 ist das Rentamt Gzerak 
(mit Friedrichsbruch) neu gegründet; von den Fachtämtem wer- 
den 1854 nicht mehr genannt: Brzezinko und Culmsee, dagegea 
folgende neue : Bischwalde, Brodden, Czersk, Kamiontken, Konese- 
witz, Luttom, Fopowo, Dombrowken, Fusta-Dombrowken, Twa* 
rosznica. In keinem Regierungsbezirk hat sich die Zahl der 
Domänenämter so vermehrt als in dem von Marien werder. Seit 
1854 zählt er folgende Fachtämter: AlthauseA, Bischwalde, Bot- 
schin und Szerokopasz, Brodden, Czeczewo, Czersk, Engelflbnxg, 
Kamiontken, Konczewitz, Krotoschin, Lippinken, Löbao, Lon- 
korrek, Luttom, Ostrowitt, Fopowo, Dombrowken, PustarDom- 
browken, Frzydworscz, Rheden, Ro^enhausen, Schumilowo, 
Strassburg, Szyttno, Twarosznica, XJnislaw, Wawrowitz; und fol- 
gende Rentämter: Baldenburg, Czersk (mit EriedriohBbroohX 
Deutsch - Crone , Culm, Gollup, Graudenz, Lautenbor^^, Maxien- 
werder, Mewe, Neuenburg, Neumark, Rheden, Riesenburg, Schlo- 
chau, Schwetz, Stuhm, Thom, Tuchel, Vandsburg ^^'). 

4. Die Amtsbezirke der Justizbehörden* 

Es bleibt uns noch übrig nachzuweisen, inwieweit die Amts- 
bezirke der Gerichtsbehörden mit denen der Verwaltungsbehörden 
in üebereinstimmung gebracht sind. Die drei Oberlandeage^ 
richte, welche nach der Verordnung vom 26. December 1808 
mit den damals bestehenden drei Regierungen möglichst gleich 



«") Nach den Staatahandbtichem. 



Verwaltungsbezirke des neunzehnten Jahrhunderts. 387 

begrenzt werden sollten, bestanden auch nach der neuen Pro- 
vinzialeintheilung fort und das zu Marienwerder behielt, obwohl 
Westpreussen in zwei Regierungsbezirke getheilt wurde, ganz 
Westpreussen zu seinem Geschäftsbezirk; die Grenzen des Ge- 
richtes und der Provinz wichen nur an zweien Stellen von ein-, 
ander ab. 1) Die elbingschen Hospitaldöifer Beichenbach und 
Buchwalde sammt den Vorwerken Alt- und Neu - Kussfeld und 
dem Freigut Johannisdorf wurden durch Justizministerialrescript 
vom 19. October 1816 unter der Jurisdiction des elbinger Stadt- 
gerichts, mithin auch der des Oberlandesgerichts zu Marienwerder 
belassen, obwohl sie übrigens zum Regierungsbezirk Königsberg 
geschlagen waren ^^^), 2) Zufolge Ministerialrescripts vom 20. Sep- 
tember 1819 wurde festgesetzt, dass die Rechtspflege in dem- 
jenigen Theile der Herrschaft Filehne, welcher seit dem tilsiter 
Frieden zu Westpreussen gehört und unter der Oberaufsicht des 
westpreussischen Oberlandesgerichtes gestanden hatte, auch ferner 
ohne Rücksicht auf die Grenzen der Regierungsbezirke daselbst 
bleiben und nicht zum Grossherzogthum Posen hinübergezogen 
werden sollte ^2^). 3) In der Begrenzung der Departements der 
Oberlandesgerichte zu Königsberg und Insterburg wurde gegen 
die Begrenzung der Regierungsdepartements eine Verschiedenheit 
durch Ministerialrescript vom 28. December 1816 darin statuirt, 
dass das durch die Grenze der beiden Begierungsdepartements 
durchschnittene Erbhauptamt Gerdauen und Nordenburg, so wie 
das deutsch-reformirte Kirchen- und Schulamt Spannegeln ganz 
bei dem Departement des Oberlandesgerichts zu Königsberg ver- 
bleiben sollten ^28)^ 

Die im achtzehnten Jahrhundert vorkommenden Kreis-Justiz- 
commissionen gingen allmählich ein. Die Geschäfte der Kreis- 
Justizcommission Fischausen übernahm das Oberlandesgericht zu 
Königsberg selbst schon vor 1817^*®), die der Kreis-Justizcom- 



^'^^) Eescript vom 19. October 1816 bei Lemann, Anhang, N. 37. Vgl. S. 50. 

®^^ Eescript yom 20. September 1819 bei Lemann, Anhang, N. 40. Vgl. 
S. 52—55. 

^^^) Bekanntmachung des Oberlandeagericiita in Königsberg' Tom 10. Ja- 
nuar 1817, Amtsblatt S. 27. Vgl. die Verordnung Tom 23. August 1816 im 
.\mt8blatt 1816, S. 304. Topogr. des Reg.-Bezirks Königsberg 1820, p. XXVIII. 

«^<>) Topogr. des Reg.-Besirks Königsberg 1820, p. XXIX. 

25* 



388 Nenere Zeit. 

mission zu Memel wenigstens in dem zum Departement des 
königsberger Oberlandesgerichts geschlagenen Bezirke das Land- 
und Stadtgericht zu Memcl, gemäss Verfügung des Justizmi- 
nisteriums vom 9. October 1816^^0), yüt den unter dem Ober- 
landesgericht zu Insterbui^ verbliebenen Theil ihres Amtsbezirks 
bestand eine eigene Kreis-Justizcommission fort. Mit Eücksicht 
auf ihre Verlegung von Memel nach Eagnit wurden dem Bezirke 
derselben auch die Kreis-Justizämter Baigarden und Eagnit und 
das Stadtgericht Eagnit zugelegt (1825)^^1). In eben diesem 
Jahre wurde die Kreis-Justizconmiission zu Angerburg aa^|;elÖBt^ 
und demzufolge, nachdem das Stadtgericht zu Schippenbeil 
schon 1824 zu der Kreis - Justizcommission Pr.-Eilau gezogen 
war ®^2)^ das Amts- und Stadtgericht Sensburg und das sensborg- 
sche adlige Kreisgericht (s. u.) dem Bezirk der lyckschen Kxeu- 
Justizcommission, dagegen das Amts- und Stadtgericht Angerbnxg 
und das Kreis - Justizamt Sperling nebst den in diesem Kreise 
gelegenen Patrimonialgerichten dem Immediatkreise zu Inster- 
burg einverleibt®^^). Die Kreis- Justizcommissionen zu Fteoss.- 
Eilau, Tapiau, Salfeld, Neidenburg gingen am 1. Apxfl 
1836 834), die zu Eagnit am 1. April 1839 835) ein. Die KreiB- 
justizcommission zu Lyck bestand noch im Jahre 1841 , aber 
nicht mehr 1846^36)^ dj^ Kreis- Justizcommissionen des Depar- 
tements von Marien werder: Conitz-Schlochau, Crone-Gamin (oder 
Crone-Flatow) , Neustadt - Karthaus , Schwetz (zugleich für den 
links von der Weichsel gelegenen Theil des Kreises Marien- 
werder)*und Stargardt - Behrendt, scheinen zwischen 1881 und 
1835 eingegangen zu seines?). Jn Stelle der angehobenen 
Kreiscommissionen wurden zufolge der Verordnung vom 30. No- 
vember 1833 seit 1834 allmählich, wenigstens in den Departe- 



>30) Bekanntmachung des Oberlandesgerichts 8U Königsberg yom 29. Oetobcr 
1816, Amtsblatt S. 427. 

•3») Qumbinner Amtsblatt 1825, S. 517. 

•32) Königsberger Amtsblatt 1824, S. 278. 

•33) Qumbinner Amtsblatt a. a. 0. 

•3*) Königsberger Amtsblatt 1836, S. 73. 

«3») Gumbinner Amtsblatt 1839, S. 214. 

•3«) Nach dem Staatshandbuch für 1841 und 1846. 

•37) Staatshandbuch für 1831 und 1835. 



VerwaltaDgsbezirke des neunzehnten Jahrhunderts. 389 

ments von Königsberg und Marienwerder ®3®) , Ereis-Justizrathe 
mit ähnlichen Functionen eingesetzt, deren Amtsbezirke mit den 
landräthiichen Kreisen zusammenfielen ^^®). "Rwc die Elreise Königs- 
berg und Memel und der östlich von der Weichsel gelegene Theil 
des Kreises Marienwerder erhielten eine solche Commission nicht. 

Wesentliche Aenderungen gingen in der ersten Hälfte des 
neunzehnten Jahrhunderts hinsichtlich der Patrimonialgerichts- 
barkeit vor sich. Eine Menge von Patrimonialgerichten einzelner 
Güter wurden dem Staate abgetreten und mit den königlichen 
Gerichten verbunden. Auch die wichtigsten aller Patrimonial- 
gerichte, die Erbhauptämter, und das Landvogteigericht zu Heils- 
berg verlieren in dieser Periode ihre "Bedeutung. Von jenen 
war das zu Deutsch - Eilau wahrscheinlich schon in Folge des 
Justizreglements vom 3. December 1781 an die königlichen Ge- 
richte übergegangen ^*°) , Neuhof war mit anderen Patrimonial- 
gerichten zu einem Kreisgericht verschmolzen. Auf die Ge- 
richtsbarkeit des Erbhauptamtes Schönheit verzichtete der Erb- 
hauptmann Samuel von Polenz auf Langenau am 27. August 
1824, und dieses wurde darauf durch Ministerialrescript vom 
21. November 1825 mit dem Oberlandesgericht von West- 
preussen verbunden^**). Das Erbhauptamt zu Gilgenburg ist 
durch Kabinetsordrc vom I.Januar 1832 au%elöst und mit dem 
Oberlandesgericht in Königsberg verbunden®****); das zu Ger- 
dauen und das Landvogteigericht zu Heilsberg erhielten sich 
bis zu der Justizreform von 1849. 

Die Kreispatrimonialgerichte datiren aus der Zeit der Justiz- 
reform von 1781. Es war den Patrimonialgerichtsherren ver- 
stattet, sich zur Unterhaltung eines Justitiars für die Ausübung 
ihrer Gerichtsbarkeit zu vereinigen. So waren die sämmtlichen 
Jurisdictionarii der ehemaligen Hauptämter Johannisburg, Lyck 
und Ehein mit dem Erbhauptamt Neuhof zur Gründung des 
Kreisgerichts zu Neuhof zusammengetreten. Der Adel der ehe- 

^^^) Ich finde im Staatshandbuch keine solche Kreis -Jnstizcommissionen 
für das Departement von Insterburg bezeichnet. 

639^ Verordnung vom 30. Noyember 1833, in der Gesetzsammlung S. 297^ 
Vgl. Königsberger Amtsblatt 1834, S. 343. 

^*^) Qoldbeck, Westpreussen, S. 12. Lemann a. a. O. S. 34. 

'^^') Lemann a. a. 0. S. 32. 

'^x'') Königsberger AmtsbkU 1832, S. 295. 



390 Neuere Zeit. 

maligen Hauptämter Sehesten und Lotzen hatte ein gemein- 
BchafÜiches Exeisgericht zu Sensbui^ gestiftet ; ein solches KreiB- 
gericht gab es auch zu Goldapp, ein viertes im Ermelande. 
Vollständig durchgeführt war diese Einrichtung namentlich in 
dem Departement des ehemaligen westpreussischen Hofgeriohts 
zu Bromberg ^^^). Um das Jahr 1824 finden wir namentlich 
folgende Ereisgerichte dieser Art erwähnt : Johannisburg, Oletsko, 
Neuhof, Sensburg, Flatow, Märk.-Friedland, Krojanke, SchwetB, 
Zempelburg. !N'eben denselben verdienen noch besondere Er- 
wähnung die Patrimonialgerichte so ausgedehnter Besitzongen 
wie die anhält - dessauschen (zu Norkitten), die gräflich ranten- 
burgschen und die gräflich dohnaschen (zu Deutschendorf). Yon 
den Kreisgerichten werden Neuhof und Sensburg 1835 nicht 
mehr genannt; zwischen 1835 und 1839 sind auch die zu Jo» 
hannisburg und Oletzko, zu Märk.-Eriedland und Schweiz, zwi- 
schen 1841 und 1846 auch das zu Zempelburg aufgehoben. D» 
übrigen genannten Patrimonialgerichte bestanden bis zu der 
neuen Gerichtsorganisation von 1849 fort. 

Die Verbindung der Domänenjustizämter mit den Stadtge- 
richten zu königlichen Land- und Stadtgerichten, welche schon 
im Jahre 1806 in dem grössten Theile Westpreussens (nur noch 
nicht in dem damaligen Kreise Conitz und im Netzdistrikt) aaz- 
geführt weur, erfolgte nach den Be^iungskriegen in dem ganzen 
Umfange von Ost- und Westpreussen. In dem Amtsbezirke dec- 
Oberlandesgerichts zu Königsberg, welchem auch das schon seit 
1811 vorhandene Land- und Stadtgericht zu Memel^^^ zuge- 
wiesen wurde, wurden auf diese Weise folgende Land- und 
Stadtgerichte gebildet : im Jahre 1821: Orteisburg, Labiau, Weh- 
lau, Gerdauen, Braunsberg, Melsack®**); im Jahre 1822: Pt.- 
Eilau, Willenberg, Bartenstein, AUenburg, Tapiau, EiBchaazen» 
Guttstadt, Wormditt«"); im Jahre 1823: Salfeld, Pr.-Holkiid, 
Hohenstein, Seeburg, Wartenburg, Allenstein, Heiligenbeily 
Bastenburg, Drengfurt, Barten ^*^); im Jahre 1824 nur Bössei 



•*2) Goldbeck, OstpreusBen, S. 47, 48. Westpreussen, S. 122. 

•") Gumbmner Amtsblatt 1811, S. 116. 

•♦*) Königsb. Aratsbl. 1821, S. 203, 360, 403, 478; Jahrg. 1822, S. 4 u. 8. 

«") Königsberger Amtsblatt 1822, S. 52, 101, 251, 283, 296, 825, 411. 

«^B) Königsb. Amtsbl. 1823, S. 111, 117, 156, 185, 270, 280, 348, 362, 392. 



Verwaltungsbezirke des neunzehnten Jahrhunderts. 391 

und Soldau^*^); im Jahre 1826 nur Zinten und Kreuzburg ^*®) ; 
im Jahre 1827: Domnau, Liebstadt, Bischof stein, Morungen, 
Osterode®*^); im Jahre 1828: Neidenburg, Passenheim und 
Bischofsburg ^^0) ; im Jahre 1841 noch Gilgenburg ^* *). Das Stadt- 
gericht und Justizamt Heilsberg wurden mit dem Landvogteigericht 
zu Heilsberg verbunden (1 823) ^*2). Gleich bei der Begründung der 
Land- und Stadtgerichte wurden die alten Justizämter in ver- 
schiedenen Gegenden, namentlich im Ermelande, zerschlagen und 
die ursprünglichen Fundationsurkunden der Land- und Stadt- 
gerichte wurden bei Gründung neuer Land- und Stadtgerichte 
vielfach abgeändert. Wir begnügen ims daher, nur die Haupt- 
bestandtheile der einzelnen Land- und Stadtgerichte anzugeben. 
Zu dem L.- und St.-G. Orteisburg gehörte der Bezirk der 
früheren Stadtgerichte zu Orteisburg und Passenheim und der 
beiden Justizämter Orteisburg und Friedrichsfelde; zu Labiau 
das St.-G. Labiau und die J.-A. Labiau und Laukischken; zu 
Wehlau das St.-G. Wehlau und das J.-A. Taplacken; zu Gerdauen 
das St.-G. Gerdauen und das J.-A. Wandlacken; zu Braunsberg 
das St.-G. Braunsberg und die J.-A. Braunsberg und Frauen- 
burg etc., wozu später noch St.-G. Frauenburg kam (1837) ^*3); 
zu Melsack das St.-G. zu Melsack und ein Theil des J.-A. Mel- 
sack; zu Pr.-Eilau St.-G. und J.-A. Pr.-Eilau; zu Willenberg 
St.-G. und J.-A. Willenberg; zu Bartenstein St.-G. und J.-A. 
Bartenstein etc.; zu Alienburg das St.-G. zu AUenburg und das 
J.-A. Natangen; zu Tapiau . St.-G. und J.-A. Tapiau; zu Fisch- 
ausen das St.-G. Fischausen und die vereinigten J.-A. Fisch- 
ausen und Kragau; zu Guttstadt das St.-G. Guttstadt und Theile 
der J.-A. Wormditt, Seeburg, Wartenburg, Ailenstein ; zu Worm- 
ditt St.-G. und J.-A. Wormditt; zu Salfeld St.-G. Salfeld 
und J.-A. Preuss.-Mark; zu Preuss. - Holland 8t.-G. und J.-A. 
Pr.-Holland, wozu später (1844) noch das St.-G. Mühlhau^n 



"') Königsberger Amtsblatt 1824, S. 94, 315. 

«*») Königsberger Amtsblatt 1826, S. 271, 348. 

«40) Königsberger Amtsblatt 1827, S. 164, 177, 184, 198, 220. 

•*0) Königsberger Amtsblatt 1828, S. 22, 41, 180. 

"') Königsberger Amtsblatt 1841, S. 80. 

«*») Amtsblatt 1823, S. 195. 

♦^") Königsberger Amtsblatt 1837, S. 101. 



392 Neuere Zeit 

kam ^'^) ; zu Hohenstein St.-G. und J.-A. Hohenstein ; zu Seebuig 
die St.-G. SeebuTg und Bischofbburg und Theile dar' J.-A. Seebuijg^ 
Bössei etc.; zu Wartenburg St.-G. und J.-A. Wartenbuig; zu Hei- 
ligenbeil das 8t.-G. Heiligenbeil und die J.-A. Balga und Garben; 
zu Bastenburg das St.-G. und ein Tbeil des J.-A. Bastenbuig; 
zu Drengfurt das St.-G. Drengfurt und ein Theil des J.-A. 
Bastenbuig; zu Barten das St.-G. Barten und ein Theil des 
J.-A. Bastenburg; zu Bössei die St.-G. Bössei und Bischofttein 
und das J.-A. Bössei; zu Soldau St.-G. und J.-A. Soldaa; m 
Zinten das St.-G. Zinten und mehrere früher zum L.- und St-Q. 
HeUigenbeil gehörige Ortschaften; zu Kreuzburg das St-6. 
Kreuzburg und mehrere früher zum Landgericht Königsberg ge- 
hörige Gerichte; zu Domnau das St.-G. Domnau und mehrere 
früher zum Landgericht Königsberg gehörige Ortschaften; n 
Liebstadt St.-G. und J.-A. Liebstadt ^^^) ; zu Bischofstein Bistdiof- 
stein und einige benachbarte Ortschaften; zu Morungen St-Q. 
und J.-A. Morungen etc.; zu Osterode die St.-G. Osterode und 
Liebemühl und das J.-A. Osterode; zu Neidenburg St.-G. und 
J.-A. Neidenburg; zu Fassenheim Passenheim und einige be- 
nachbarte Ortschaften; zu Bischofsburg Bischofsburg und einige 
benachbarte Ortschaften; zu Gilgenburg das St.-G. GilgeAbmg 
und einige benachbarte Ortschaften. 

Neben den Land- und Stadtgerichten bestanden einige Stadt- 
gerichte noch fort, vor allen das zu Königsberg, ausserdem die 
zu Friedland, Landsberg, Nordenburg, FiUau, Schippenbeil •*^. 
Von den Justizämtem erhielt sich nur eins bis zu der neuen 
Gerichtsorganisation von 1850, nämlich Prökuls; die übrigen 
wurden, so weit sie nicht zu den Land- und Stadtgerichten ge- 
hörten, als Landgerichte formirt. So entstand zuerst ans den 
Justizämtern Brandenburg, Kobbelbude und Uderwangen ein 
Landgericht zu Königsberg (1823)^^^, zu welchem später nooh 
ein Theil des J.-A. Capom geschlagen wurde (1826)®*®); ein 



«") Amtsblatt 1844, S. 149. 

^^^) Diese Gerichte waren schon 1822, aber noch nicht unter dem NamaB 
Land- und Stadtgericht vereinigt. Amtsblatt 1822, S. 422. 

«") Vgl. Staatshandbuch von J846, S. 525. 

«*') Amtsblatt 1823, S. 332. 

*»<•) Amtsblatt 1826, S. 315. 






Verwaltungsbezirke des nennzehnten Jahrhunderts. 393 

zweites Landgericht zu Königsbei^, das samlandische, entstand 
ans den J.-A. Grünhof (mit dem anderen Theile von Capom), 
Rossitten, Neuhausen und Waldau (1827)®*®); die beiden J.-A. 
Caymen und Schaaken wurden um 1826 combinirt und der Sitz 
des combinirten Justizamts ebenfalls nach Königsberg verlegt ••°) ; 
endlich im Jahre 1847 wurden die beiden erwähnten Landge- 
richte zu Königsberg und das Justizamt Caymen-Schaaken eben- 
daselbst zu einem grösseren Landgerichte vereinigt ®® *). Das 
Justizamt Melauken, schon seit 1822 mit dem GFerichte des re- 
formirton Kirchenamtes Spannegeln verbunden, wurde in dem- 
selben Jahre (1847) collegialisch eingerichtet und ihm die Be- 
nennung königl. Landgericht verliehen®®^). 

In dem Amtsbezirke des Oberlandesgerichts zu Insterbui^ 
(über den wir weniger ausführlich unterrichtet sind) gab es bis 
zum Jahre 1824 folgende vereinigte Land- und Stadtgerichte: 
Angerburg, Arys, Bialla, Gumbinnen (gegründet 1817 ®®^)), Jo- 
hannisburg, Lyck (gegründet 1817 ®®*)), Lötzen, Nikolayken, 
Rhein, Schirwindt, Sensburg, Stallupönen; dazu kamen im Jahre 
1824 Pillkallen C05) ^ 1828 Oletzko <^<^ö) ^ 1830 Darkehmen ^o^)^ 

1837 Insterburg^^is), 1838 Goldapp, Ragnit und Tilsit «^o). 
Den Umfang der einzelnen anzugeben, müssen wir uns versagen, 
da im Jahre 1839 schon wieder eine durchgreifende Aenderung 
in der Organisation der Üntcrgerichte des insterburger Bezirkes 



«ö«) Amtsblatt 1827, S. 104. 

ö«o) Amtsblatt 1826, S. 263. 

««') Amtsblatt 1847, S. 97. 

8") Amtsblatt 1822, S. 282; 1847, S. 144. 

«w) üumbinner Amtsblatt 1817, S. 238. 

ß»^) Gumbinner Amtsblatt 1817, S. 642. 

»»») Amtsblatt 1824, S. 796. 

»»«) Amtsblatt 1828, S. 473. 

««') Amtsblatt 1830, S. 34. 

«68) Amtsblatt 1837, S. 787. 

66») Amtsblatt 1838, S. 614 und 704. In Pülkallen wurde das KreU- 
Justizamt und das Stadtgericht gleiches Namens yereinigt ; in Oletzko das Kr.- 
J.-A. und das St.-Qt. gleiches Namens; in Darkehmen das gleichnamige Amts- 
gericht und St.-G. ; in Insterburg die J.-A. Insterburg und Saalau und das 
St.-G. zu Insterburg; in Goldapp das Xreis-Justizamt un'd das Stadtgericht 
gleiches Namens; in Ragnit desgleichen; in TUsit die J.-A. Baigarden und 
Winge mit dem Landgericht zu Tilsit. Das letztere war 1827 ans dem Amts- 
gericht Ileinrichswalde (und Linkuhnen.^) gebildet. Amtsblatt S. 728, 988. 



3iH Neuere Zeit. 

erfolgte. Damals gingen die Land- und Stadtgerichte zu. Bialla 
und Nikolayken ein; die übrigen blieben bestehen; neben den- 
selben zwei Landgerichte zu Heydekrug und Eaukehnen und 
zwei Justizämter zu Seckenburg und Skaisgirren. Der Sprengel 
aller dieser Gerichte wurde neu regulirt und nach den Kirch- 
spielen in der CoUectivurkunde vom 22. März 1839 bezeichnet®'^. 
Im Amtsbezirk des Oberlandesgerichts zu Marienwerder finden 
wir um 1824 die schon im Jahre 1806 angeordneten Land- und 
Stadtgerichte theilweise unverändert wieder; die erheblichste 
Veränderung ist (wahrscheinlich in der Periode der sächsisch- 
polnischen Herrschaft) im Culmerlande yoigegangen, wo von den 
früheren zehn Land- und Stadtgerichten sechs, nämlich Bheden, 
Keumark, Lautenburg, Briesen, Gollup, Culmsee, au%ehoben und 
vier, nämlich Culm, Graudenz, Strassburg, Löbau, erhalten und 
wahrscheinlich durch Verbindung mit jenen erweitert sind. Unter 
denselben Zeitverhältnissen wurde das Land- und Stadtgericht 
zu Bischofswerder durch Abtretung des Amtes Lonkorrek, das 
Land- und Stadtgericht zu Garnsee durch Abtretung der Stadt 
Lessen und des Amtes Eoggenhausen sehr geschmälert; Gkumsee 
scheint schon damals provisorisch nach Marienwerder gezogen 
zu sein; Bischofswerder wird unter den blossen Stadtgerichten 
aufgeführt. Das Land- und Stadtgericht zu Oliva ist einge- 
gangen, wohl weil der Bezirk zum Theil dem danziger Freistaat 
zugeMlen war. Das zu Mirchau ist nach Karthaus verlegt In 
den früher zum Hofgericht zu Brombeig gehörigen Theileu West- 
preussens sind dagegen folgende Land- und Stadtgerichte hinzu- 
gekommen : Conitz , Deutsch - Crone , Pr. - Friedland , Jastrow, 
Schloppe, Vandsburg. Ausserdem giebt es noch Stadtgerichte za 
Deutsch-Eilau, Freystadt und Tütz«^')- I™ ^^^^ 1831 ist das 
Land- und Stadtgericht zu Neuteich nach Tiegenhof verleg^; die 
Land- und Stadtgerichte zu Garnsee und Tolkemit werden nicht 
mehr erwähnt. Die Stadtgerichte zu Bischofswerder und Deutsoh- 



"0) Amtsblatt S. 211—214. 

^^') Staatshandbuch von 1824. Hier werden Stadtgericht und Landgericht 
zu Marienwerder getrennt aufgeführt, während sie 1806 und 1831 Terbundoi 
erscheinen. Für die Gerichte des danziger Regierungs-Bezirks um 1820 vgl. 
Topogr. des danziger Reg.-Bezirks, Anhang S. 41 , 42 , wo jedoch das Aait 
Bordzichow als zum L.- und St.-G. Behrendt, nicht mehr als zum L.- mnd 
St.-G. Stargardt gehörig aufgeführt ist. 



Verwaltungsbezirke des neunzehnten Jahrhunderts. 995 

Eilau sind vereinigt; neue Stadtgerichte zu Camin und Rosen- 
berg treten hervot. Im Jahre 1835 ist das Stadtgericht zu Tütz 
nicht mehr vorhanden, neben dem Land- und Stadtgericht zu 
Neustadt ein Landgericht zu Brück errichtet, das Land- und 
Stadtgericht Baldenbui-g nach Hammerstein verlegt. Im Jahre 
1839 sind die Stadtgerichte zu Gamin und Freystadt einge- 
gangen. Das letztere ist wieder mit dem Land- und Stadtgericht 
zu Riesenbui^ vereinigt. Statt des Land- und Stadtgerichts zu 
Neustadt und des Landgerichts zu Brück findet sich ein Land- 
gericht zu Neustadt. 1841 treffen wir auf ein neues Land- und 
Stadtgericht zu Mark. - Friedland (an Stelle des eingegangenen 
Kreis-Patrimonialgerichts ebendaselbst), 1846 auf ein neues Land- 
und Stadtgericht Zempelburg (ebenfalls an Stelle des gleich- 
namigen Kreis-Patrimonialgerichts). Um dieselbe Zeit erscheinen 
Elbing (früher Stadtgericht) und Marienburg (früher Landgericht) 
als Land- und Stadtgerichte. Die letzten Justizämter, welche 
sich in Westpreussen erhielten, waren Danzig und Elbing (1831 
noch erwähnt, aber nicht 1846), die letzten Stadtgerichte (1846) 
Deutsch-Eilau uüd Rosenberg ^^^). 

Durch die Verordnung vom 2. Januar 1849®^^) wurde die 
standesherrliche, städtische und Patrimonialgerichtsbarkeit jeder 
Art in Civil- und Strafsachen aufgehoben. Fortan sollfe die^ 
Gerichtsbarkeit überall nur durch vom Staate bestellte Gerichts- 
behörden im Namen des Königs ausgeübt werden. Zugleich 
wurde der eximirte Gerichtsstand aufgehoben und die Gerichts- 
behörden neu organisirt. Diese neue Organisation wurde end- 
lich ganz auf die Kreiseintheilung begründet. Der Jurisdictions- 
bezirk eines Kreisgerichtes sollte ungefähr 40,000 bis 70,000 
(durchschnittlich 50,000) Einwohner umfassen. Für jeden land- 
räthlichen Kreis, wenn derselbe etwa 40,000 Einwohner ent- 
hielte, sonst für zwei landräthliche Kreise, oder für einen Kreis 
mit Hinzufügung eines Theils des Nachbarkreises sollten Kreis- 
gerichte gebildet werden. Von den obersten Gerichtsbehörden 
Preussens ging damals das Tribunal zu Königsberg ein; die J-' 

Oberlandesgerichte zu Königsberg, Insterburg und Marienwerder 



'^'2) NTach den Staatshandbüchem. 

'^'•'') VerordiiTing vom 2. Januar 1849, Gesctzsammlang 1849, S. 1 flf. 



3U6 Neuere Zeit. 

behielten ihre früheren Amtsbezirke unverändert, erhielten aber 
den Namen Appellationsgerichte. Die damals ins Leben ge- 
rufenen Kreisgerichte waren folgende: 

I) Im Departement des Appellationsgerichts zu Königsberg: 
1) Alienstein mit einer Commission zu Wartenburg. 2) Barten- 
stein für die Kreise Eriedland und Pr.-Eilau mit Commissionen 
zu Kreuzburg, Pr.-Eilau, Landsberg, Domnau, Friedland, Sohip- 
penbeil. 3) Braunsberg für die Kreise Braunsberg und Heiligen- 
beil mit einer Deputation zu Heiligenbeil und mit Commissionen 
zu Melsack, Wormditt, Zinten. 4) Heilsberg mit einer Commifl- 
sion zu Guttstadt. 5) Morungen für die Kreise Pr.-Holland und 
Morungen mit einer Deputation zu Pr.-Holland und CommiB- 
sionen zu Deutschendorf, Liebstadt und Salfeld. 6) Stadtgericht 
Königsberg. 7) Kreisgericht Königsberg für den Landkreis Kö- 
nigsberg und Fischausen mit einer Deputation zu Fischausen 
und einer Commission zu Pillau. 8) Labiau mit einer Deputa- 
tion zu Melauken. 9) Memel mit einer Commission zu PrökuLi. 
10) Neidenburg mit einer Commission zu Soldau. 11) Or- 
telsburg mit Commissionen zu Willenberg und Passenheini. 

12) Osterode mit Commissionen zu Gilgenburg und Hohenstein. 

13) Eössel für die Kreise Eastenburg und Rössel mit einer De- 
putation zu Rastenburg und Commissionen zu Barten, Drengfiirt» 
Bischofsburg, Bischofstein, Seeburg. 14) Wehlau für die Kreise 
Wehlau und Gerdauen mit einer Deputation zu Tapiau und Com- 
missionen zu Gerdauen, Nordenburg, Allenburg. 

II) Im Departement des Appellationsgerichts zu Insterbnrg: 
1) Angerburg, 2) Darkehmen, 3) Goldapp, 4) Gumbinnen, 5) Hey- 
dekrug für den Kreis Heydekrug ohne die Kirchspiele Kalle- 
ningken und Schakunen und für einen Theil des Kreises TiLdt, 
mit einer Commission zu Russ. 6) Insterburg mit einer Com- 
mission zu Norkitten. 7) Johannisburg mit Commissionen xu 
Arys und Bialla. 8) Lötzen mit einer Commission zu Rhein. 
9) Lyck. 10) Kaukehmen für einen Theil des Kreises Niederung 
und mehrere Ortschaften von Heydekrug, mit den Commissionen 
Seckenburg und Rautenburg. 11) Marggrabowa für den Kreia 
Oletzko. 12) Pillkallen mit der Commission Schirwindt. 13) Rag- 
nit mit einer Commission zu Wischwill. 14) Sensburg mit 
einer Commission zu Nikolayken. 15) Stallupönen. 16) Tilsit 



YerwaltungsbeEirke des neaniebnten Jahrbniiderts. d97 

für den Kreis Tilsit ohne den nach Heydeknig gewiesenen 
Sprengel und für den grösseren Theil des Kreises Niederung 
mit den Commissionen zu Heinriohswalde und Skaisgirren. 

JJI) Im Departement des Appellationsgericlits zu Marien- 
werder: 1) Marienwerder für den Kreis Marienwerder ohne' 
einige auf Rosenberg und Schwetz überwiesen^ Ortschaften mit 
einer Deputation zu Mewe. 2) Rosenberg für den Kreis Eosen- 
berg und einen geringen Theil von Marienwerder mit den Com- 
missionen zu Eiesenburg und Deutsch -Eilau. 8) Strassburg. 
4) Lochau. 5) Thom. 6) Culm. 7) Graudenz für den Kreis 
Graudenz und einen kleinen Theil des Kreises Schwetz mit einer 
Oommission für die Feste Graudenz. 8) Schwetz für den Kreis 
Schwetz ohne die zu Graudenz und Conitz geschlagenen Ort- 
schaften und für einen kleinen Theil von Marienwerder, mit 
einer Deputation zu Neuenbürg. 9) Conitz für den Kreis Conitz 
ohne die zu Schlochau und Flatow geschlagenen Ortschaften 
und für einen kleinen Theil des Kreises Schwetz, mit einer 
Oommission zu Tuchel. 10) Schlochau für den Kreis Schlochaa 
ohne die Stadt Landeck und für einige Ortschaften der Kreise 
Conitz und Flatow mit den Commissionen zu Hammerstein und 
Pr. -Friedland. 11) Flatow für den Kreis Flatow ohne die nach 
Schlochau gewiesenen Orte und für einige Ortschaften von Co- 
nitz, mit den Commissionen zu Zempelburg und Yandsburg. 

12) Deutsch-Crone für den Kreis Deutsch -Crone und die Stadt 
Landeck mit den Commissionen Märk.-Friedland und Schloppe. 

13) Marienburg für die Kreise Marienbui^ und Stuhm und 
einen kleinen Theil von Elbing mit der Deputation zu Stuhm 
und den Commissionen zu Tiegenhof und Christburg. 14) El- 
hing für den Kreis Elbing ohne den vorbezeichneten Theil. 
15) Pr.-Stargardt für die Kreise Pr.-Stargardt und Behrendt und 
einen Theil der Kreise Danzig und Karthaus mit den Deputa- 
tionen zu Behrendt und Dirschau und der Oommission zu 
Schöneck. 16) Stadt- und Kreisgericht Danzig für die Stadt- 
und die Landkreise Danzig und Karthaus ohne die vorgedachten 
Theile, mit der Deputation zu Karthaus. 17) Neustadt mit der 
Commission zu Putzig ^'*). 

«") Juatizministerialblatt 1849, S. 354— 3ö6. 



398 Neuere Zeit 

Seit der ersten Organisation 1849 sind in diesen Gterichts- 
bezirken nur wenige Aenderungen vorgegangen. Im Jahre 
1854®^*) wird Tapiau nicht mehr unter den Deputationen, son- 
dern unter den Gommissionen, die Commission Drengfurt gar 
nicht mehr angeführt. Ebenso finden wir im insterbui^sdien 
Departement 1854 die Commission zu Rautenburg nicht mehr 
wieder. Im Departement von Marienwerder ist ein neues Kreis- 
gericht zu Karthaus eingerichtet, so dass jetzt das Stadt- und 
Landgericht Danzig den Stadt- und Landkreis Danzig, das Kreis- 
gericht Pr. - Stargardt die Kreise Pr. - Stargardt und Behrendt, 
das Kreisgericht Karthaus den Kreis Karthaus zu seinem Amts- 
bezirke hat. Gerichtsdeputationen giebt es gegenwärtig nur drei, 
Stuhm und Tuchel, die schon erwähnt wurden, und die neu be- 
gründete zu Tiegenhof. Yon den früheren Gerichtscommissionen 
vermissen wir die auf der Feste Graudenz, dagegen werden die 
früheren Deputationen Mewe, iN'euenburg, Behrendt, Dirschau 
jetzt unter den Commissionen aufgeführt; neu angeordnet sind 
die Commissionen zu Baldenburg, Gollup, Lautenburg, nach 1854 
auch noch Briesen®^^). 



•") Staatshandbnch für 1854. 

•'•) Vgl. Jahrbnch der preusB. Gerichtsverfassung für 1856, S. 70 ff. 



Druck der Eugelhard-Reyher'gchen Hofbuchdruckerei in Gothi 




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