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Full text of "Historisch-litterarisch-bibliographisches Magazin"

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APA 



HISTORISCH- 
LITTERARISCH - BIBLIOGRAPHISCHES 

M 'A G A ^ I N. 



Errichtet 



von 



einer Gefellfchaft Litterarifchcr Freunde 

in und aufTer Deutfchland* 



Heraztfgegebe^t 



Y n 



JOHANN GEORG MEUSEL, 

\ 

Hofrath und Profcflbr der Gefchichte in T.rhiiv^ 




Drittes ^^^^\jj-f%^^ 



ZÜRICH 
bey Ziegler und SöhheV'i 7 9 t-, , 



THE NEW YORK 
PUBLIC LIBRARY 

82392S A 

ASTOR. LENOX AND 

TiLDEH FOUNDATION! 

K 108« L 



...• -** 




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^ 



s 



^ 



I N N H A L Tf 



Seitü 
7. Abhandlungen^ Auftätze^ Biagrapbien u. d. gU 

Ueber die lateinifcbe Dichterin Weftonia und ihre Gedichte. i 

Etwas von dem Sprach -9nd GerchichtForfcher Fulda. • ii 

Verfnch einer anonymifchen Bibliothek. • « • IS 

Ob Melanchthon den Hofitheologen gemacht habe u. f. w. 30 
Befchreibang eines alten AblafszetteU mit imbeweglichen 

Lettern* «•«••••• ^4 
£yn Verordenung und Vermanung zu der Ritterfch^ in 

die Bruderfchah San& Jörgen u. f. w. . • • 37 
Ifytru^s Schreiben über Beytriige zur ^tem teutfchen 
*V Litteratur. ... . • • • • ^4 
Ein Buchhändlercatalog von D. Luthers Reformation. . 61 
jLengnich*s Nachrichten vp^ 4cr Bibliothek in der Marien- 
kirche zu Danzig, • ^ . • • • 63 



Vfl IL Recenßouen oder Befcbreibungen f ebener Bücben 

ty Kachrichten von feltenen Büöhem, iröfstentheils aus dem 

lüften Jahrhundert, von P. iSjp. • • • • 9$ 
Hm. Zunftmeifter Heideggers Nachricht von einem äufseril; 

feltenen Band alter Drücke , von J, Zainer in Ulm. 1%% 
Befchreibung einer fehr feltenen Ausgabe des Quintilians« 130 
Fünfeehn alte kleine grÖfstentheUs unbekannte Schriften 
v^ 11. f. w. . , ... , , , • 131 

Sechzehn alte « meiftlns ganz unbekannte Ausgaben in 

Quart ;.....•• I4f 

Kleine Sammlung von Inkunabeln. Erfter Abfchnitt« 

Bücher in foUo» ^ 4 • • • ^ ^ %^^ 

a % 



IV 

Von verfchiedenett kleinen , vornemlich akademifcheti ' 

Schriften ii, f. w. , ijf^ 

VerbefTenmgen und Zusätze ta Bauers Biblioth. libr. rar. 

iter Theil « • * • lg2 

IIL Recenßonen neuer Bücher. 

Chrißophori Theophili de Murr memorabilia bibliothcci- 

rum publicarum Norimbergenfiuni u. f. w. . . 1S9 
JPr. A, Veith. Bibliotheca Auguftana. • * * * 199 
Hirfching's Verfuch einer Befchreibung fehwis würdiger 

Bibliotheken Teutfchlands. ... . . .. ^d4 

Wahr 5 Wti^wch. einer allgemeinen Gefchiclite der Litteratut. iifi 
Zomätz Handbuch zum GJebrauch derjenigen , die fich vort 

der Gelehrfamkeit überhaupt einige &ücherkenntnifs 

zu erwerben Wünfchen. itef th. I und Ilter Band. 22g 
P"on Heinecken Neue Nachrichten von Künftlern und Kunft- 

fachen. iter theil. 244 

IVehrs Vom Papier und von den vor cjer Erfindung deftel- 

ben üblich gewefenen SchreibmafTen. iter Theil. . 290 
Merkwürdigkeiten der Zapfifchen Bibliothek, iter Band. flS7 
Gerkett\s Reifen. 4 Theile. « « « « '« . 26^ 

IV, Anfragen. ... 

Wie weit ift wohl folgende periodifche Schrift, Thefaurus 
bibliographicus ex indicibus librorum ptohibitor. tort- 
g^efetzt worden? . . . * . • • .280 

Ift die von Herr von iW«rr angeführte Ausgabe vom Todten- 
tanz vom Jahr 1530. zu Bafel gedruckt, wirklich 
vorhanden id. 

V. Einzelne Bemerkungen und Berichtigungen , 

htrze 'Nachrichten ^ Antikritiken , Ankün- 
digungen ^ u. d, gl. ♦ ' * 2Si. 

ZengnicFs Revifion des crften Stücks diefes Magazins. ' 306 



HI&TÖRISCH- 
LlTTERARISCftBIBLIÖGRAPHISCHES 

MAGAZIN. 

\ L 

ABHANDLUNGEN ÖDER AUFSÄTZE, 
BIOGRAPHIEN, &c. 



I. 

Vthet dit latrinifche Dichterihn , Mifabetha JohaimA. 
Wtfionia-^ und ihre Gedichte. 

Von jeher bin Ich ein Freund der aufonifcben Muß iind 
der Mufeu überhaupt und des ganzen ■weiblicben Gefcblecbtt-^ 
in fö fern es mit deri Miifen und Grazieit auch nur id 
öner fentfemtert Verbindung fleht öder geftanden hat i 
gewcfsnund werde es auch wohl, fo lange mir noch eintf 
poetiTche Aderfchiägt oder auch nur der leichterte poetifchd 
^them übrig bleibt , feyn und bleiben — und man ftagö 
mich nur ja nicht, -warum ? denn dlefs würde* ich als eine 
Beleidigung und Befchimpfung anfehen müfsen, die mich 
zur eclatanteftfcn Rache auffbdern und Wohl gar in meineta , 
niclits weniger als jugendlichen Alter j mich In eine poetifche 
Wuth zu verictzen im Stande feyn , bey der es dem und 
jenem, wider die ich zu Felde riehen würde, und die 
mir in Wurf kommen dürften , eben nicht am heften zu 
Muthe feyn foUte -^ Dcna ohne alle Gnade und ohne 
Q,uartier zu gebai, würde ich ins Creutz und in die Qneere 
zuhauen und alles über die Klinge fpringen lafsen , was 
i«5h nur in den Weg zu ftelien die Frechheit habäi dürfte.. 

-^ Ich glaube, Proben genug gegeben zn haben, daft 
Wh. die iWafen und Mfchjikht höhndh lafse, daf« ichkeiii 

A 



a Ucber die lateinifche Dichterinn Weftonia. 

poctifcher Bramarbas bin und dafs es mir ein Ernft ift« 
wenn ich einmal etwas behaupte und meinen Satz ad pro« 
pugnandum dahin und aufgehellt habe. 

Kein ^Wunder demnach , wenn ich mit unter den 
Verehrern einer zwar unglücklichen und leidenden , aber 
edlen Dulderinn , der Olympia Fulvia Morata , dereiv 
Grabmal in Heidelberg ich mehr denn einmal mit meinen 
Thränen mitleidig benetzt habe , nicht der letzte bin ; kein 
Wunder , wenn unfre göttliche Scburman , cui dedit ore 
rotundo Mufa loqui , in meinen Jünglingsjahren eine der 
Abgöttinnen meines Herzens gewefen ift und ich fogar die 
Herausgeberinn ihrer fo fchön daher fliefsenden lateinifchen 
Gedichte in Deutfcbland^ die fanfte Altenburger Läberinn^^ 
ihre Herren Brüder nicht ausgefchlofsen , von Perfon kennen 
zu lernen bemüht gewefen bin und , zu meiner nicht 
geringen Befriedigung, von Perfon kennen gelernt habe. 

Kein Wunder endlich, wenn noch jetzo jedes artige 
Mädchen oder Weib , das mit der lateinifchen Dicht-Künft 
(ich abgiebt — halte - la — abgegeben hat , . wollte ich 
fchreiben , meine ganze Aufmerkfamkeit erregt und ich 
C zumal, da felbft lateinifcbe Profa unter uns fo feiten zu 
werden anfängt , dafs , wenn Cäfar odero Cicero oder fo 
jemand heut unter uns wieder erfcheinen und auftreten 
foUten , beynahe unter uns niemand vorzufinden feyn würde, 
der diefe Männer auch nur eine Viertelftunde lang würdig 
unterhalten könnte , fo viele Akademien , üniverßtUteu 
und fo fich nennende gelebrte Gefeüfcbaften wir auch auf- 
zuweifen haben mööhten ) , mit Leib und Seele und aus allen 
mir beywohnenden Kräften daran arbeite , dafs man uns auf 
fo einen Fall nicht neuerdings für Barbaren erklären und 
vor uns zurückgefchreckt, — mit einem mitleidigen Achfei- 
zucken fich zu entfernen genöthigt fehen möge ! 

Hier , mit Erlaubnifs , mufs ich Athem hohlen — 
Nur in diefer Rückficht erneuere ich hier das Andenken 
dner lateinifchen Dicbterinn , die unter uns gelebt , 



Ueber die lateinlfche Dichterinn Weftonia. 3 

gewandelt , gedichtet ^ gelitten und geduldet hal , was 
feibft Männer zü dichten -^ und 2u dulden Co feiten 
fähig find — und rette Ib^ fo viel an mir ift , die Shre 
der Mufe Aufonims und fodere auf^ wel: aufzufodern ift^ 
dafs wir uns diefe HeleHe — ^ ich meyne « den Rubm det 
lateiriifcbeH Dicht - /£»»/? « den wir mit fo innerm Drange 
und äußeriii Sturm vor etwa 200 Jahren fo glücklich 
errungen hatten | nicht fo mit einemmale und nun auf immer 
rauben laften foUen* 

Und von wem fpreche ich denn? Von der EUfabetba 
jobaHna Weft, Wefton oder Jf^eflonia fpreche ' ich -* 
die tu Ende des i6ten und Anfang des i7ten idau 
hunderts untet uns gelebt , gewandelt , und gedichtet hat^ 
Wie ich bereits .^^i^^/ habe^ und zu ihrer Zeit allgemeia 
bewundert worden^ und nun -^ leider! verge&en ift.: 

Mir wenigilens fotl man es nicht vorwerflfen können., 
dafs der allgemeine Torpor auch mich ergrifien habe \ mir 
foU man es nicht nachfagen können, dafs ich mit andern 
gefchwiegen und mich in die tödtende Nonchalanoei ' uniiref 
Zeiten mit habe einwiegen oder wohl gar Zum Geringe 
fchätzer oder Verächter einer fo , edlen GotPesgabe habe 
umfchafFen lafTeni , 

Hier ifts ^ was ich Vofi unfrer IVeßaniu , tur Er- 
neuerung ihres Andenkens Unter uns , zu fagen habe ; nach 
meinem dixi & fervavi animam mögen fich nuii alle fchämen, 
die Cbamphns der Mafen hätten fcyn foilen und CS — 
der Himmel verzeyh' es ihnen ; -^ nicht vor mir geWefen 
find. 

. ExpKeit Prölagus galeatüs ^ indpit nufnc mea Närratid. . 

£Nfäbetba Johanna tFeflMia ^ eine Engländerinn , 
kam iilit ihrer Vliitter und ihrem Bruder , wie es fcheint , 
an dias Hoöager Kaifer Rudolphs II nach Prag , als Sollici- 
tamtinn in einer Sache, deren eigentlichen Grund , Urfache 
isndt Befchaffenheit ich atis den vor mir liegenden datis. 

A a 



4 Ueber die lateinifche Dichterinn Weftonia. 

nicht habe erforfchen können; alles, was ich herausge* 
bracht habe , ift , dafs fie den Tod ihres hofFnungsvoIIeti 
Bruders » der nur allzubald erfolgt ift , in ein Paar e/egifcben 
Gedichten W^a fchön, fehr bitterlich und fehr fchwefterlich 
beweint, und dafs fie auch auf das Grab ihrer theuren 
Mutter eine bittere und zärtliche Zähre fallen läfst — « 
übrigens aber von ihrer Familien — Haufs — und Herzens- 
angelegenheit nichts anders äufsert , als einmal in einem 
Schreiben an einen von Baldhoven nur diefs wenige: 
In Aula nihil efficimus , nulla fit bonorum reßitütio. 

Diefer von Ba/dboven mufs ihr fehr vertrauter Freund 
gewefeh feyn ; denn er wars , der , wie wir bald hören 
werden, ihre Gedichte herausg^eben , der fie aller Orten 
allen grofsen Männern , Gelehrten und Dichtern , wenigftens 
fo viel an ihm war, au& nachdrücklichfte empföhlen, und 
für fie und ihre Sach^ und ihr Gluck und ihren Ruhm, 
tanquam pro aris & focis , gefochten — und wirklich viel 
für fie , fticht zwar bey den Grofsen diefer Erde , doch 
aber^bey manchem gelehrten und berühmten Manne und 
DiVi^/fr gewirkt und ausgerichtet und ihr Lobfprüche über 
Lobfpröche , in Profa und in Vcrfen , und Freundfchaften 
über Freundfchaften , die aber alle auch fehr wohl ver- 
diene waren , ( denn fie mufs eine fehr einnehmende Perfon 
gewefen feyn, und die fie alle fehr thellnehmend zu erwiedem 
wufste ) verfchaft hat. 

Hier denke ich , ift es Zeit die Ausgabe ihrer Gedifihte 
und ihrer poetifchen und profaifchen Briefe , die in drey 
dünnen Duodezbändchen erfchienen ift, namhaft zu machen. 
So lautet die Auffbhrift : Partbenicon ElifabethM Joanne 
WeßoniM , Virginis nobiliflimae , Poetriae florentiilimaE ^ 
linguarum plurimarumperitiffimae Liber L Liber II. Über IIL 
( Jedes Buch hat ein befonderes Titelblatt , das aber 
immer dafielbe — nur das /. Ih IIL ausgenommen , und 
Init einer lieifteneinfaffung , ad modum illorum ten^rum » 
vcrfehen ift) opeia ac ftudio G. Mart. 4 Baidbovek Sil, 



Ueber die lateinifche Dichtcrinn Weftonia. jf 

colledtiis^ & nunc denuo Amicis defiderantibus cotnmunicatns« 
Praga typis Pauli SeJJiij ohne einige JahrzahL Ob diefi 
denuo eine zweyte Ausgabe bezeichnen , oder nur fo viel 
fagen folle , dafsr man hier ihren Freunden das gefammelt 
und gedruckt in die Hände liefere , was fic bisher etw» 
einzeln und handfchrifclich befeflen haben möchten , kann 
ich nicht entfcheiden. 

An den Kaifer Rudolph find einige ihrer Gedichte^ 
mit denen fich die Sammlung eröfriet , gerichtet , es find 
Lobreden und Suppllcationen in fehr flieflTenden VeHcn , die 
aber, wie aus obigem erhellet, auf das hyperlunarifchc 
Herz des Himmelsbetrachters wenig oder nichts gewirkt 
haben müflen. Um die fen Gedichten Zugang an die 
höcbfte Stelle auszuwirken , hat fie auch an einen Herrn 
von Rofenberg^ von Pisnitz , 'Nie. Majus u. a. am kaifer- 
■lichen Hofe angeftellte Perfonen , Lobgedichte und Lamcn« 
* tationen geftellt und fie —- vielleicht — gerührt — vielleicht 
— auch nicht. 

Doch waren dies noch immer glückliche Zeiten , dtl 
m^n folcben Herreu mit lateinifchen Gedichten beykommc« 
konnte ; denn , hilf ewiger Himmel ! was würden jetzt fiir 
Gelichter gefchnitten werden , wenn — ich will nicht fagen 
ein Frauenzimmer , wenn felbft ein Gelehrter, vntGefiner^ 
Ernefli öder Heyne oder auch nur wie ich , der ich doch 
noch oben drein , als 'alter erfahrner Hofmann , die Schleich- 
wege und ControUeursgänge beffer als kein Univetfitäts- 
profeflbr, ceteris paribus, kennen fhufs , mit einer latei' 
nifcben Supflique , vor einem Minißer ou fe difant au fe 
croyant ou meme etant tel — erfcheinen und wir (b unfire 
Noth und Anliegen vorbringen und zu gnädigfter und gnädiger 
Erhörung und prompter Spedierung , Entwicklung und 
Finalrefolution fubmüTeft empfehlen wollten ! Wahrlich ^ 
embarras de tous cötes — der Herr Minifter , der vielleicht 
( König Friedrieb fagt fo was in fdner Hifbire de mon* 
tems.von.denflichQfchen Miniitern Brühl mAH'dnnicben^ 



^ ycber die latcinifcbe Dichterinn Weftonia. 

und ich fag's ihm nur nach, er mags alfo verantworten) 
vor noch eben nicht langer Zeit Laquay, Kammerdiener 
oder fo was fubalternes, höchftens etwa Page. oder Speir 
chelleker gewefen feyn dürfte — und wohl noch , auch 
nicht einmal in feiner Mutterfprache , fie fey nun wclfch , 
franzöGfch , teutfch oder Rothweifch — orthographieren oder 
auch nur correcft parlieren kann — exempla funt odioia — 
und fich in der Angft feines Herzens etwa garauf FnV^ricA 
den Einzigen berufen möchte y uneingedenk , dafs nicht 
alle , die den Spanioltaback , wie Prinz Eugen aus der 
Rocktafche fchnupfen und durch die Nafe Äthem hohlen , 
auch Eugene find — würde bey fo was wohl verlegner als 
felbft wir Supplicanten feyn und Herzflärkung über Herz> 
ftärkung zu Hülfe rufen muffen, Wenn er uns nur erft 
aus dem A^idienzzimmer oder der Antichc^mbre fo hello 
modo fortbuchflabiert und fich fo wieder Luft gefchaift 
^ätte. .. , 

Doch ich erträume mir hier einen embarras , der , feit 
(^m .m^ gelernt hat, wozu Dreiftigkeit . in unfern Tagen 
und Zeiten dienlich ift und wie weit fie führen kann, 
fo leicht keinen verlegen oder irre n^achen kann , der 
einmal zu einer gewiffen Höhe fich empor gefcbwungen 
oder empor gekrochen hat 

Ich komme auf unfre Dicbterinn — nach diefem hors 
d'ceuvre und diefer kleinen Excurfion , wegen der ich den 
^mfthaften Lefer um Vergebung bitte , zurück — und 
liefere hier , wegen Verwandfcfiafc der Materie , die ich fo 
eben vorgehabt habe , ein Gedicbp an fie , das einer ihrer 
Freunde , der fich Georgium Carolidam a Carls berga , 
Poüt^m Cafareum nennt, zweifeis ohne ihr zum Trotte, 
weil es ihr mit ihrem Anfuchen bey Hofe fo gar nicht 
glücken wollte , gedichtet hat ; es fleht N\ VIT. Libro I. 
die Seite kann ich nicht angeben , weil das Buch durchaus 
unpa^niert ift — und ich die Seiten nicht nachzählen 
mag. Es hat die Ueberfchrift : Aula gf Aulicus und fo 
lautets: 



Ueber die lateinifche Dichterinn Weftonia« f 

Aula vale , femper magnis ampliflima verbis ^ 

Inque .fide femper labilis , Aula vai€ ! 
Qui te fcifhitur fervitque fideliter , illum 

Spe pulchra , ad tempus , quo tibi profit t alis ; 
At poftquam. ingratos queritur periilTe labores, 

Enervem rides , emeritumque fiigas. 
Nunquam fraude cares , nunquam tibi jurgia defunt ^ 

Semper fufpicis , femper adeftque metus ; 
Splendida paupertas comes eft tibi; fictio vultus, 

Cognita quae noceat pluribus eife, tegit ; 
Mimus adulator , leno mercator , apella , 

Cum grege fcortorum te fme fruge colant! 
Ergo vale! expertus fugio tua limina, vivam 

Concentus patriis iinibus — Aula vale. 

. Wahr ifis , auch Horaz fagt : glücklich fey nur der ; 
cui fplendet patrium in menfa tenui falinum und auch diefi 
fagt er: auream quisquis mediocritatem diligit-caret ihvidenda 
fobrius Aula. Und von fich erzählt er : Incedo quacunque volo 
folus — und fetzt hinzu haec eft vita folutorum mifert 
ambitione gravique — aber iTo arg , als unfer Herr Carolida 
4 Carlsberga machts doch gIeich«rohl weder er noch 
ijrgend ein andrer Dichter. Nein , -* das ift doch auch 
pr zu arg, wird mancher denken , und ich denke es auch -^« 
und auch diefs denke ich noch, aber fagen magichs nicht ^ 
dsSs für einen Cavalier diefs eben gar nicht fein weder 
gedacht noch gefagt ift ; denn wo wollten wir Cavaliere oft 
unterkommen , wenn uns die Höfe nicht aufnähmen und 
zu Ehren brächten — uns , die wir ja fo äufserft feiten 
was lernen mögen , womit wir unfer täglich Brod ehrlich 
und wie andre Erdenföhne erwerben könnten? Spotten 
muffen wir , unter allen die auf Gottes Erdboden wohnen, 
am wenigfien -^ uns kleidets nicht 

Es gienge in einem hin , noch ein anderes Gedicht 
Ton diefem von Carlsberga das unter N*. L vorkommt^ 



' t Ucbcr die htcinifchc Dichtcrinn Wcftoriia^ 

hieher zu v^rfetzen ; allein es ift zu umftändlich und fagt 
zu wenig , um hier eine Stelle einzunehmen ; blois die 
Aufschrift war mir auffallend und neu in etwas , (b heif&t fie ; 

^pogarapbia Anno Chrifti 1440. die 2 Januarii ab 
Johanne GuUenbergero Strasburgenß Moguntda excogit^ta. 

Viel Wahres und viel Falfches in zwo Zeilen — f und 
dann die genaue Zeitbeftimmung des 2Cen Jänner$ — * 
wer dies dem Manne vertraut haben mag? Noch will ich 
zum Ueherflufs das Cbronodißiebon abfchreihen« womife: 
das Gedicht anhebt; bewundre es, wer mag und kann! 

Mp-a typls LIbros ars qVae eeLcrl eXCItat aCtV 
gVttehlpergerl g^nlo eft InVenta Johannls. 

Und von der DiQbterinn felbft , höre ich murmeln , 
geben Sie uns nichts ? Nein , lieben Lefer ! aber fo bald 
Äe*s befehlen » werde ich mit Elegien , Epigrammen^ Ode» 
und Epißeln , mit heiligen und profanen Gedichten — 
es findet fich in den letztem nil piaruni aurium offenfivum — 
yohl hin und wieder etwas vom Gott Aptar^ vom Gott 
Hymen und ähnlichen Dingen, aber altes ifl decent und 
öberdecent, fo daf^ es unfre Lüfternheit nicht kützeln 
Würde — nach Gufto aufwarten; bifs dahin begnüge ich 
mich zu fagen: dafs ihr Latein rein ift und ihre Ferfe 
coulant find und ihre Profe einfchiju^ichelnd und ihr ganze» 
Wefen Befcheicjenheit. 

Der berühmte Dichter Paullus Melijfm ^ der auch 
einmal ein Hauß gekauft und darüber an einen Freund 
gefchrieben hatte : mira mirorum ! poeta emit domum , 
hat eine Ode zu ihrejn Lobe gedichtet, die auch hier 
Vorkon^ml; , und es ift rührend zu lefen , wie fehr fie es 
bedauert , dafs er kurz darauf geworben und ihr fbhriftlichcr 
Dank ihm nicht mehr zugekommen ift. 

Auch vqm üJic- Heinßus und vom Jof. Scaliger und 
von einem Herrft von Be/Tp/a;, Herrn von Breitenberg u. a. 
and hier Briefe an fie abgedruckt , aus denen zur Gehüge 



Üebcr die lateinifche Dichtcrinn Weftonia. 9 

^lijdlct , dafs ihr T^ame und dichterifcbes Talent aller 
Orten verbreitet gewefen ift ; wozu denn der Herausgeber ,' 
der von jeher ihr warmer Freund gewefen feyn niufs, 
und auf feinen weitläufigen Reifen ihrer bey jedermännig« 
liehen mit vider Lobpreifung und AufFoderungen , ihre 
Freundfchaft zu fuchen gedacht, wie aus allem erhellet ^ 
nicht wenig beygetragcn hat. 

In einem Anhange zu dem Buchlein , der Catahgnt 
doHarum Virgintim ac Feminarum überfchrieben ift, wird 
am Ende auch ihrer mit folgenden Worten gedacht » aus 
denen man ihr endliches noch ganz, wo nicht glückliches , 
doch fehr leidliches Schickfal , und dafs fie in Pra^ einen 
braven Mann gefunden habe , crfehcn kann : Elifabetha 
Johanna Weßonia^ Angla, heifst es dort, nunc Johannis 
Lesnis ^ in /f i^/a cefarea Agentis uxor , hifce & aliis 
fcriptis ac linguarum aliquot peritia clara. 

Er felbft nennt Geh in einem an fie , noch vor ihrer 

Vcrheurathung, a^ch in lateinifchen Verfen gefchriebeneh 

Briefe , der in der Sammlung vorkommt , Jsen. welches 

vielleicht und wahrfcheinlich Jsenacenfem bedeuten foll, 

fie aber nennt ihn in -einem Briefe an ihren trauten »0» 

Baidboven: Jo. Leo^ Germanum , inr Aula imperiali Cauß» 

farum fatronum , und fetzt mit fichtbarcr Wohlbehag- 

lichkeft hinzu : cui menfe praeterito hujus anni 162) 

nupta fum & cum quo haBemts fdtis feliciter vixi , wobey 

«s denn auch gehlieben feyn mag — ob fie fchon in einem 

andern Briefe fich äuffert, dafs häufs liehe GefcbUfte ihr 

alle ihre Zeitwegnehrten und fie oft in vielen Tagen und 

Wochen an kein Bücberlefen , vielweniger ans BrießcbreibeH 

oder Dichten und Verfemacben denken könne , und eine 

Stunde zu fo etwas gleichfam ftchlen müfle — auch daher 

mancher Brief lange unbeantwortet bleibe — und fie al(b 

auch an die Sammlung und Ausmuflerung und Ausfeiluug 

ihrer Gedichte, fo fehr man auch in fie dringe und fo 



To lieber die laceinifche Dichterinn Weftohia. 

nöchig das Auspoliren fey , nicht kommen körme und 
vielleicht nie kommen werde. 

Machen's doch unfre heutigen Schönen eben fo , die 
oft Virtuofmnen im Gefang oder auf dem Ciavier gewefen • 
find oder andre liebenswürdige Talente befeflen haben y und 
als ly eiber y aus purer lauterer Haufshaltungs Kunftsbe- 
fliffenheit alles verfäumen, was fonft ihr Lieblingsgefchäft 
gewefen war und fie der gefeiligen "Welt angenehm und 
Heb und werth gemacht hatte. 

Wohl auch können fie bisweilen fiir häufigen Toilet» 
tengefcbäften und zu machenden und zu empfängenden 
Bcfuchen und hundert andern Zerftreuungen — Arbeiten — 
wollte ich fagen , zu einer alten Liebhaberey , um der 
vielen neuen willen , nie wieder zurückkommen und fehen 
(ich von der Tyranney der Mode wieder Willen fortgeriffen— 
welches denn mit mir alle bedauren werden , die wiflTen, 
vie b&cbßvpicbtig diefe Entfchuldigungen find und wie 
wenig oder gar nichts dawider eingewendet werden kann« 

Nur den G&ufllingen des Himmels und den unter 
einem hefondern Glücksftern gebohrnen unter den Weibern 
fcheint es eben gegeben und für fie aus -— ich will nicht 
fagen partheyifcher Frädiled:ion ^ fondern Prädeftination 
aufgehoben zu feyn , beydes mit einander freundfchafdich 
zu verbinden — oder aber , welches beynahe noch befler 
und für den guten Mann noch wünfchenswprdiger feyn 
dürfte, von jeher nichts mit Leidenfchaft zu treiben, das 
fo manch andre Leidenfchaften fo leicht befbürmen und fo 
ganz und gar wieder zerftöhren und zernichten können, 
als ob es gar nie da gewefen wäre. 

Unfire Weflonia mufs zu diefen Günftlingen c^^ 
€lttcks nicht gehört haben; denn fi) bald fie verheurat)iet 
war , fchwieg ihre Mufe , wie wir vernommen haben , 
fchwieg von ihr die Gefcbicbte ^ fchwieg die lange Nacb^ 



UebecdielatdaifcheDicbtertnnWellonia. ii 

ivieh — bis endlich ich kam und ihr Andcid£«n erneoerte; 
wofür ich denn die Belohnung in dem Bewufstfeyn finde — 
ein ^ edles Mädchen mehr unfern Herren Frauenzimmer'' 
magafiniers bekannt gemacht zu h^ben, die nun an ihrem 
Orte nicht ermangeln werden, diefen Stoff auszubilden 
und mit herrlichen Moralien und Nutzanwendungen au& 
zuftu^zen , welches ihnen deim gut und nach Wunfeh Ton 
Hatten gehen foUe ! 

^• 

Etwas aus dem ungedruckten Tagebuch eines 
Reifenden (1785) von dem berühmten Sprach- 
und Gefchichtforfcher , M. Friedrich Carl Pulda^ 
crft Pfarrer zu Mühlhaufen an der Enz , und 
zuletzt zu Enfingen im Wörtenbergifchen , 
wo er am iiten dec. 1788 in feinem 64tea 
Lebensjahre geftorben ift. 

jLn Mühlhaufen an der Enz befuchte ich den bekannten' 
teutfchen Sprachforfcher Fulda ^ deflen Bekanntfchaft ich 
auf meiner vorhergehenden Reife gemacht habe , und mit 
welchem ich mich feitdem bisweilen fchriftlich unterhalte. 
Mit der wärmften Empfindung dachte ich an die'feeligen 
Stunden, die ich in dem Umgänge mit diefem in fo 
mancher Rückficht achtungswertheh Manne zugebracht 
hatte. Wenn er nun, dachte ich bey der Annäheruug des 
Ortes , gerade diefes Weges käme ! und theilte meinen 
Gedanken , von dem mein Herz fo voll war , meinem 
Reifegefährten mit: und fiehe! nach einer Viertelßunde 
erblickte ich ihn — nieine Augen fchienen fchärfer zu 
fehen — auf der Straffe. Meine Freudd war grofs , aber 
vorübergehend ; denn wir mufsten uns bald trennen. Er 
nahm von mir das Verfprechen, ihn, wo möglich, bald 
zu bcfuchcn ; *' Sie möchten , ** fagte er mit heiter« 



tt;. Etwas von cfem Sprach - und 

Miene , indem er dabey feine in*s Graue übergehende 
Haare wies , '' mich fanft nicht mehr befuchen hönnen. " 
Ich will hier das nachhohlen , was ich in dem Tournal 
meiner Reife , v. J. 1784.. von diefem Manne aufgezeichnet 
habe. Die Lebhaftigkeit feiner blauen Augen und die 
Freundlichkeit feines Blickes kündigen fogleich einen ver- 
fiändigen und guten Mann an, und ein auch nur kurzer 
Umgang beftätigt diefe- Ankündigung , indem er durch feine 
einfich tsvollen Unterredungen und durch fein feines Be- 
tragen Achtung und Wohlwollen zu. gewinnen weifs. Sein 
Anzug ift äuflerft einfach; fein Haar hängt fcblicht über 
den Nacken herunter. Ich wurde fogleich für ihn ein- 
genommen, da ich ihn in der erden Unterredung mit 
ausnehmender Einficht und Weisheit über Erziehung 
fprechen hörte. Freilich wurde ich etwas zurückgeiloflen , 
da er von der belTern Anlage der Chriilenkinder zum 
Guten durch die Taufgnade fprach, und mir, als ich ihn 
um eine nähere Erklärung bat , mit Beweis Hellen antwortete, 
die aus der Würtenbergifchen Landublichen Dogmatik her- 
genommen zu feyn fchienen; doch fbhnteich mich wieder 
mit ihm aus ; da er fich über andere Gegenftände fo ein- 
fichtsvoll erklärte. Ein Mann, dachte ich bey mir felbft, 
kann in manchen Stücken verftändig feyn und felbfl: denken , 
und in andern durch Vorurtheile an das Hergebrachte ge* 
feflelt werden ; allein , ein Befuch , den ich bald nachher 
bey ihm in Müblhcatfen felbft machte , belehrte mich , 
dafs er den goldenen Spruch in Ausübung gebracht habe : 
fcbicket euch in die Zeitumflande. Denn bey jenem Ge. 
fpräche waren Männer zugegen, die ihn gänzlich hätten 
mifsverftehen können , wodurch er fich und der guten 
Sache mehr gefchadet, als im gegenfeitigen Falle genützt 
haben würde, — In feinen jungem Jahren war er ein 
Paar Jahr lang Feldprediger in Holland : weil ihm aber 
libcM: dafjenig;e» was er glauben und lehren follte, viele 



Gefchlchtforfcher Fulda. 13 

unauflödiche Zweifel aufftiegen, fo wollte er aus dem 
Predigerftande treten , und reifste zu dem Ende in Holland 
umher , um Gelegenheit zu finden , in einem Comptoir in 
Oft - oder Weftindien angcftellt zu werden. Er fand fie 
nicht, und .hielt dies für einen Wink der Vorfehung, 
feinen Stand nicht zu verändern« Um wieder in fein 
Vaterland zurück zu kehren , reifste er über Göttingen , 
blieb aber dafelbft ein Jahr lang, theils weil er Wider- 
willen empfand , nach Wtirtenberg zu gehen, wo er durch 
den reh'giöfen und gefellfchaftlichen Zwang zu fehr einge« 
fchränkt zu werden befürchtete , theils um (ich auf der 
dafigen Bibliothek in der Gefchichte , vorzüglich der 
Teutfchen, noch mehrere Kenntniffe zu erwerben. Er 
gieng endlich wieder nach Stuttgart^ und bekam bald die 
Predigerftelle auf dem Afperg , wqfelbfl er durch eigenes ~^ 
Nachdenken und durch Lefung der Swiftifchen Schriftea 
zu einer freyern und -richtigem Dehkungsart gelangte. 
An das fyilematifche Denken wurde er durch frühes Studium 
der Mathematik und durch die Anweifung feines StuttgaT« 
tifchen Lehrers Göriz , über die erlernte Wilfenfchaften 
Tabellen zu machen , gewöhnt. In Tübingen legte er fich 
hauptfächlfch auf das Studium der Philofophie. Sein jetziges 
Sprachftudium erwählte er nicht, fondem verfiel zufällig 
darauf, da «r Popcnpoitfebens teutfche Grammatik zu Ge* 
ficht bekommen, und in derfelben fogleich viele Unrich« 
tigkeiten entdeckt hatte ; dies gefchah erft 17^2; - 

Jene Methode , alles Gelernte in Tabellenfbrm 2a 
bringen, half ihm zwar vieles zu richtiger Ueberficht des 
Ganzen, zu Beurtheilung des VerbältnifTes der einzelnen 
Theile unter fich , und zu ficherer Aufbewahrung jm 
GedächtnifTe : aber fie fcheint ihm dagegen auch in manchen 
Stücken nachtheilig gewefen zu feyn. Eine Tabelle, eine 
Stammtafel fieht fchön aus , wenn ihre Theile oder Aefte 
fymioetrifch zu einander paffen. Nun mv& auf der ein«^ 



14 Etwas von dem Sprach - und 

Seite dn Theil* oft noch einmal getheilt werden ^ um mit 
der andern Seite in angeneb^ien Ebenmafle zu flehen ^ oder 
mehrere Theile werden aus der nämlichen Urfache in 
Einen Tiufammen gefchmolzen ^ um die fchöne Symmetrie , 
ja nicht zu zerftöhren. Es werden Vergleichungen ange* 
Hellt V welche ganz und g^u: unrichtig , oder wenigftens 
fchief find; der beliebten Symmetrie halben werden in der 
Gefchichte halb falfche und nur halb erwiefene Fadla ab 
wahr angenommen , wie z. B« in der Gefchichtscharte die 
Theogoiüe , die Drey und Sieben und Zehen aller Nationen 
11. a. m. ; man gewöhnt fich an Tafel ^ Gemählde, Bild« 
und hat oft nur diefes, wenn man die Sache zu haben 
glaubt Hierzu kommt noch , dais man fich auf diefe Art 
angewöhnt , nichts ganz auszuarbeiten , fondern blofs zu 
skizzieren. AUe diefe Fehler , welche man in feinen 
Schriften, und noch mehr in feinem Stammtafel - Zimmer 
(von welchen fogleich ein mehreren) gewahr wird^ hätten 
dtijrch frühere Ausbildung feines Gefchmackes verbeflert 
werden können; allein hieran hat es ihm gefehlt, tind 
man merkt diefen Mangel noch immer an ihm^ ob man 
ihm gleich einen natürlich guten Gefchmack nicht al> 
fprechen kann, welcher durch fleiffige Lektur der Alten 
noch jetzt um vieles verbeßert werden könnte» Zu diefem 
nicht ganz gereinigten Gefchmacke trug auch die Mannig^ 
fältigkeit der Bücher, die er gelefcn hat, bey. Da keinö 
gute und groffe Bibliothek in der Nähe ift, und er felbft 
nicht viele Bücher und wenig gute befitzt 5 fo las und 
liest er , was er unter die Hände bekommt, pies hatte 
eine Folyhiftorey zur Folge, die dem guten Gefchmacke 
beynahe allezeit nachtheib'g ift. 

In dem genannten Tabellen-Zimmer, befinden fick 
vcrfchiedene Tabellen , auf welchen er hiftorifche , wiflcii* 
ichaftliche und moralifche Gegenftände in Stammbäume 
«der andere Figuren , nach ihren Tkeüen und VerhältniSfaif 



Gefchichtforfcher Fulda. 15 

abBildete. Ich will einige derfclben zu befchreiben fuchen , 
weil theils der SgharfBnn, theils der Witz , und theils die 
unermüdete Thätigkeit ihres Verfertigers daraus wahrzu- 
nehmen ift. Numero L iftdie Reiigionstabelle. Eine Pyramide. 
Die chriftliche Religion ift der Grundilein , mit ihren 
Symbolen: Kelch, Kreutz, Aug, Dreyangcl (j. Perfonen^j 
auf fie ift die katholifche gebaut , auch fie hat ihre Sym« 
böle; auf diefe die lutherifche, wobey die formula Concor- 
dias fehr im Schatten fteht ; auf diefe die reformierte , ihre 
Symbole : Brod , Kelch, WafTer (fchneid felber); über 
derfelben erhebt fich die Arminianifche , ein Sonnenftrahl 
(die Vernunft) erleuchtet die Bibel; über diefem fleht der 
NaturaUft, blos Sonne; eben fo der Deift, der Atheift ift 
von Nacht umfchattet Auf dem unterften Quaderfteine zur 
Rechten der Pyramide fleht die Religion mit der Wage 
fenkrecht; die katholifche Religion hält fie auch, aber 
Alt eine Schaale ift ganz in die Höhe gezogen , und der 
Wagebalken fleht beynahe vertikal ; die lutherifche hält 
die Schaalen horizontaler, aber nicht völlig gleich , die 
reformierte eben fo, aber in verkehrter Richtung, u. f. w. 
Unten zur Linken ift eine Kugeh, als die voUkommenfte 
Figur. Diefe macht der Pabft zum Zwanzigeck , Luther 
zum zwölfeck, Zwingli zum Cubus , als der fimpelften 
Figur. Der Arminianer macht einen Cy linder , der Sociniancr 
ein Prifma , der Naturalift einen Kegel und der Deift einen 
Konus daraus ; beym Atheiften bleibt nichts mehr übrig. -— 
THum. II. ift geographifch. Ein Baum. Die Erde ift der 
Truncus ; aus ihr gehen die vier Erdtheile als Hauptäfte; 
Europa theilt fich in kleinere Aefte von Kaiferthümmern, 
Fürftenthümmern u. f. w. Num. IIL die Offenbabrung Jo* 
bännis. Hier wurde ich beynaheanihm wieder irre; denn 
CS ift nichts als Bengelianifmus , freylich' reiner , wenn es 
iblchen geben kann , fo rein , dafs fich die Würtember- 
gifche Geiftlichkeit, die meine guten Theile nach Bengeln 
nodi jetzt zum Führerwählt, daran ärgert. Num. IV« 



i6 Etwas von dem Sprach - und 

Metapbyßfcb. Ens ift der Stamm, Ton welchem zween 
Aeile ens quoad cognitioneifi und ens quoad cognitum aus« 
gehen ; alles fehr fpitzfindig. Num« V. Cbronologifcb # 
ift von gröffercr Wichtigkeit. Die Zeiten find genau be- 
ftimmt , die Tageslängen unter den verfchiedcn^n Längen 
aufs genauefte angegeben. Nüm. VL enthält eine Tabelle 
der Wijfenfcbaften , Künfle und Handipperker ^ welche 
beym erften Anblick auch fpielend zu feyn fcheint , in der 
That aber lehrreich ift , weil fie die natürliche /Ibftammung 
jeder WifTenfchaft und Kunft von der andern finnlich 
darftellt Num. VII. Gyrgathus humanus, das Narrenbaui 
der iVelt ^ ein unbedeutendes Bilderfpiel, auf welchem 
die Entftehung eines tnenfchlichen Uebels aus dem andern 
abgebildet ift, alles mit Stellen aus dem Predigerbuche 
belegt. Num,VIII. Tabelle von den IFuizelbucbßaben der 
Spracbe i ift das allgemeine von dem ^ was in feinem 
Wurzelle^icon enthalten ift; die litersB regentes in der 
Mitte, um fie, ihre Miniftri in den mannigfaltiften Ver- 
bindungen mit ihnen, mit Anzeige der Bedeutung, welche 
dadurch ausgedrückt wird. — AufTer diefen Tabellen ift 
dies Zimmer mit vielen Von Fulda gezeichneten Gegenden 
geziert. 

Aber nicht nur in folchen Arbeiten hat er eine au»^ 
nehmende Gefchicklichkeit , fondern auch in Dingen, die 
man von einem abftrackten Denker gar nicht erwarten 
folUe. Die Fenfter und Bettvorhänge im Haufe find vort 
feinem Innfchnittte. Zur Verfertigung der Franzen (Trotteln) 
an denfelben hat er nicht nur eigene Werkzeug^ erfunden 
und gemacht , fondern fie auch felbft gewürkt. Die Tifche , 
Stühle , Sophas find von feiner Erfindung. Bey all diefen 
Befchäftigungeri des Körpers und des Geiftes unterrichtet 
er {einen Sohn, einen Knaben von ii — 1 2 Jahren, nebft 
ein Paar andern Knaben, und verfafste die Lehrbücher^ 
deren er fichr hierbey bedient » felbft fchriftÜQh« 

Sein 



Gefchichtforfcher Putda. if 

Sein theologifches Syftem ift ungefähr folgendes. Et 
bezeugte mir, dafs er die cbrifliicbe Religion herzfich 
lieb habe, aber nicht die apoßolijcbe. Chriftus habe da» 
nie feyn wollen , wozu ihn Paullus , die übrigen Evangelälen 
und Apoftel, und felbft Johannes habe machen woUeii} 
man muffe das , was er felbft von fich fage , genatr von 
dem abfondern , was die Evangeliften und Apoftel von ihm- 
erzählen ; ja er werde oft redend eingeführt, ^o man e$ 
offenbahr nur für Meinung feiner Gefchichtfchreibet halten 
muffe« (Ideen, welche mit denen , dieicb inBoIingbtoke'tf 
Philofophical Works bereits gelefen hatte , Viele Aehfilich* 
ieit haben. ) Vom alten Teftament hegt er feine befenderit 
Gedanken , die er in einem bcynahe ganz vollendete» 
Werte aasgefiihrt hat , welches den Titel fuhrt : da^ 
Aher der Bücher des Alten Bundes ^ deffen Refultatift, 
daß kein einziges derfelben von den angegebenen Verftf- 
fem ift, fondern, dafs fle theils aus Traditionen^ theild 
aus altern Fragmenten erft nach der Babylonifchen GefaHu 
genfchaft txni gröftenthells unter den MaCcabäetn ohne 
Gefchraack und Kritik gefammelt wurden j und unter 
dem Schutze der verehrten Namen Mofes^ Davide Salömd 
u. a. zu dem göttlichen Anfehen gekommen find, fo dafi 
alfo der fogenannte Canon des alten Teftaments nicht 
200 Jahre vor Chrifti Geburt zu exiftireii angefangen hat: 
Ich bedaure fehr « dafs ich diefe Sohrift nicht ganz lefön 
konnte , und dafs er fich nicht übertederi laffen will ^ fic 
herauszugeben. Ohne Zweifel hat er nun auch das Neue 
Teftament eben fo kritifch behandelt. 

Im Umgänge ift er angenehm, lebhaft, freymüthig, 
JiöiBch und witzig. In Entdeckung feiner Privatmeynungen , 
ift er wie billig, äufferft behutfam. Er wirft, wenn er die 
Geifter pi^fisn will , von Zeit zu Zeit , Ahgdn atrs , um 
zu fehen , ob iftan anbeiffen werde , itlacht abef dabey 
daST Waffer ib trübe ^ dafs inaii die it^etn nicht gewahr 



iS Etwas von dcmSprach-undGefchichtforfcher &c. 

werden kann. Findet er aber Empfänglichkeit , fo tntdeckt 
CT fich mit einer .Ehrlichkeit und Offenherzigkeit , die ^ 
gSknz für ihn einnimmt. Er kann fchlechterdings nicht un- 
thätig fcyn, und nennt feine Spatziergänge Verweifungen 
von der Arbeit Einft fchrieb er die in Koppenhagen ge- 
druckte Ausgabe des Ulphilas , da man fie ihm nur auf 
kprze Zqit leihen wollte , in eilf Tagen ab. *) — In feiner 
Bjbliothegk fah ich etwas fehr fchnurrigtes. Er und fein 
Bfuder hatten fchon in Jüngern Jahren den luftigen Einfall, 
a\jf die Rücken ihrer Bücher unter die Etiquetten Symbole 
und Embleme zu fetzen. Auf des Plinius Hiftoria Naturalis 
feht ?ium Beyfpiel ein Bettler, der in feinem Mantel 
Läufe fucht; auf Curtius, ein Riefenkönig, der ein halb 
diitzend Zwergkönige am Stricke führt ; auf einem Predigt- 
buche , ein blafender Poftillon , auf dem Rücken eines. 
Ifuchs reitend u. f. w. 

3- 
yerfucb einer ananymifcben Bibizotbeck. 

Der Gedanke, anonymifche und pfeudonimifche Schriften 
zu famn^len und in ein ordentliches Regtfter zu bringen, 
Jft viel leichter ausgedacht , als ausgeführt ; denn die 
Hindemiffe, welche fich der Entwickelung emes folchea 
Plans entgegen ftellen , find nicht nur fehr zahlreich , 
fcndern auch unüberfehbar und* unüberwindlich , und ent* 
ftehen yornemlich theils aus der erftaunlichen Menge der 

*) Er hat darüber einen fehr gelehrten Kommentar verfertigt. Er 
hat außerdem noch andre fchätzbahre Unterfuchungen zu 
Papier gebracht, die wohl werth wären, nebft jenem Koni« 
nentar« der ohnehin zum Druck ganz ausgearbeitet ift, ge« 
druckt zu werden. Alles , was diefer Maim dachte und 
fchrieb , trug das Gepräge der Originalität und eines feltenen 
Scharffinnes. Er war mein viel jähriger Freund, und feia 
Verfuft wird mir unvergiefslich bleibcp. MmfeU 



Verfuch eider anonymifcfaen Bibliotheck. -19 

inamenlofen Schriften , theils aus dem tiefen Sttilfchweigen 
und aus der fchwehren Entdeckung ihrer Verfafler , theik 
lius dem Mangel der erforderlichen Htilfsmittel zur Erreichung 
der AbCcht « theiis aus der mannigfaltigen ^ läitigen und 
doch oft vergeblichen Mühe in der Auflucbung ficheret 
Nachrichten und der damit unzertrennlich verbundenen 
lefung vieler Zettungsblätter , Journale und litterarifcheft 
Werke, theiis aus der ftrengen Beobachtung einer guten 
^Ordnung , Genauigkeit und Vorfichtigkeit , theiis aus der 
Hinficht, auf die Trockenheit . der Materie, theiis aus der 
jünterhaltung eines koftbaren Briefwechfels mit Biüchet« 
kehnern. 

Ohne Zweifel mögen auch hterinnen die eigentliche 
Urfacben liegen , warum.in unferm gegenwärtigen Zeitalter, 
jn welchem doch fo viel abgehandelt und gefchrieben 
wird , keine folche Sammlungen zum Vprfchein kommen« 
Denn feitdem M. Johann Cbriflopb Mylins ^ Univerfität^ 
Bibliothekar undi^djundt der pbilofoph. Facultät zu Jena 
feine Bibliothecam anonymorum & pfeudonymorum Ham- 
burgi 1740. 8* ans Licht geftellt hat^ ift mir wenigftens 
Utin. Gelehrter bekannt^ welcher fich auf eine ähnliche 
AihAt gelegt oder auch nur die Myliufifche Schrift ver- 
mehrt und fortgefetzt hätte. Es hat zwar Herr Jobann 
Samuel Erfch , Kandidat zu Jena , die Lücken in cKefem 
litterarifchen Fach einigermaflfen auszufüllen gefuchtj (fie 
ganz afiszuffiUen ift bey der jetzt fehr eingeriflenen Mode 
der Gelehrten , ihren Namen verdeckt zu haken unmöglich : ) 
allein er hat (ich nur blos auf diejenigen anonymifchen 
Bücher und AufTätze eingefchränkt , welche Herr Hofrath 
Mmfd in der vierten Ausgabe des gelehrten Teutfchlandes 
und deren erften und zweytcn Nachtrage bekannt gemacht 
hat; wie fein zu Lemgo in der Meyerifchen BuchhancUung 
:X7S8* auf 174 Seiten in %. erfchienenes Verzeichnifs 
deutlich ausweifet. ; 

: ..: .....: • ».3 - '^ -: 



^o Verfuch einer anonymifchen BIbliotheck. 

Dennoch verdient er für feine Bemühung in mancha; 
Ruckficht um fb eher Dank, je deutlicher daraus erhellt^ 
dafs er einem künftigen Editor einer anonymifchen Bibliotheck 
vorgearbeitet , einem groflen Bedürfnifs unferer Zeiteii 
abgeholfen ., und die Liebhaber der Litterarhiftorie in 
Stand gefetzt hat, die Urheber. vieler und befonders neuer 
namenlofer Schriften kennen zu lernen; der Vortheile 
nicht einmal zu gedenken, welche dadurch der Litteratuf 
überhaupt zuwachien. Wollte man auch auflerdem be. 
haupten , dafs hier und da in Büchern mailche Nachrichten 
von anonyfliifchen Schriftileliern angetroffen werden; (o 
machen diefelben noch kein Ganzes aus, find zerftreut^ 
und müflTen erfl zufammen gelefen werden , wenn man fie 
2a einem befondern Verzeichnifs benutzen will. In vorigen 
Zeiten haben fich mehrere Männer mit diefem Zweige der 
Gelehrfamkeit befchäftigt, zum Dienfte des litterarifchen 
Publikums hervorgcthan , und auf diefe Weife die Dunkel« 
heit in Licht verwandelt. Welcher Litterator foUte von 
Vincentii Placcii , gewefenen Redtors zu Hamburg ^ 
Theatro anonymorum & pfeudonymorum , welches zuerft 
in 4. T674. darin 1699. und endlich 1708. in foL unter 
der Bearbeitung des Jobann Albrecbt Fabricius zu 
Hamburg heraus kam , und die Namen der Verfafler vieler 
anonymifcber Produkte enthält , keine Kenntnifs haben! 
.wer foHte von Dabimanns Schauplatz der mafquirten und 
demafquirten Gelehrten (Leipzig 17 10. g.)» Heumanni 
Schedierma de anonymis & pfeudonymis (Jen» 171 1. 8.) 
Starkii ad V. Placcii theatrum anonymorum imtuTpov 8* 
Deckbery öonjeäurae , Gcisleii diff. de tiominum mutatione 
& anonymis fcriptoribus , Villanii Larva detedhi und andern 
nichts wilTen? Lange fchon ift der Gedanke in mir rege 
geworden, die MyÜufifche Bibliotheck der anonymifchen 
Schriften bis auf unfere Zeiten fortzufctzen. Durch meinen 
Hang zur Litterargefchichte bekam derfelbe immer mehrere 
Nahrung, und ich fühlte in mir einet» ftark«n Trieb, ihn 



Verfuch einer anonymifchen Bibliotheck. «t 

^ch zu unterhalten und reif werden zu laiTen. Ich habe 
auch zu fammlen angefallen , und bin fo glücklich ge- 
worden , einen groflen Vorrath folcher Schriftfteller zuCim- 
men zubringen, welche feit 1740. ihre. Schriften ohne 
Anzeige ihres Namens in die Welt gefchickt haben. 

Bisher habe ich meine Sammlung nur Bios zu meinem 
Privat - Gebrauch angewendet , bisweilen auch meinen 
Freunden damit gedient , und ihre Neugierde , den wahren 
Verfaffer eines anonymifchen Buchs zu erfahren , geftillt. 
Nun aber bin ich willens , fie dem Publikum entweder in 
diefem Magazin nach und nach vorzulegen , oder einem 
Buchhändler zu übergeben , wenn anders die Freunde der 
Litteratur mein Vorhaben billigen werden. Zu dem End^ 
theile ich einfiweilen einige namenlos herausgekommene 
Schriften hier mit , welche fich mit dem Buchihben A. 
anfügen, gebe zugleich die Quellen getreulich an, auf 
welchen die Nachrichten von den Namen der Verfafler 
gefchöpft worden find , und verfichere zugleich , dafs fich 
keine darunter befindet, welche Herr Erfcb in fein Ver- 
zeichnifs aufgenommen hat, auffer äAnviüe Handbuch, 
welches ich in der Abficht eingefchaltet habe, damit ich 
die unterfchiedenen Meinungen von dem Ueberfetzer de& 
felben gegen einander halten und die wahre der falfchen 
Vorziehen konnte. 

A. 

i) Akbymiflifcbe Briefe von dem Verfafler der chymifchen 
Verfuche zur nähern Erkenntnifs des Kalches , heraus- 
gegeben von — A. Hannover 1767. 8« 
Herr Hofapotheker Andrea zu Hannover ift der Her- 
ausgeber. S. Meufels gelehrtes Teutfchland )te und 
4te Ausgabe. 

ä) Abbildungen (fatyrifche) 1746. 8. find die Auflatzc 
des Hr. Cpnredt. Laßus in Greifewalde. S. Weftphäl. 
Bemühungen zur Aufnahme deü Gefgbmacks &<^ 
ster T\u S. %^u 



^ Vcrfucb einer anonymifchen BibliotheckT 

i^ Abdruck der Gerichtsordnung der kaiferlich freyen- 
Reichsfliadc Bremen, nach welcher an deren Gerichten 
fo wohl als auflerhalb der Stadt verfahren wird , - 
Bremen 17s !• 4. Hr. Syndicus Otto zu Bremen iftj 
Verf. S. Beyträge zu den Erlang, gelehrten Anm. und. 
^ Nachr. 17$ i. "Woche xxxv. 

4) Abfertigung (kurze) des fo genannten freundfchaft-" 
liehen Raths an den VerfafTer der Abhandlung : über 
den unftatthaften Wiederfpruch &c. 1780. 4. Der 
Verf. ift Hr. Canzlift - Rath und Prof. Prebu in 
Büzow. S. Weidifchs biograph. Nachrichten von den 
jetzt lebenden Rechtsgel. in Teutfchl. B. 2. Götting. 
gel. Anzeige 1782. St. lo. 
f) Abhandlung ( öconomifch - jurift. ) vom Anfchlag der 
Güter in Sachfen , iter und 2ter Theil , Leipzig 
17^8 — 1*761. 2te Auflage 1771. 8« Hr. Appellations- 
Rath von Bennigfin zu Dresden , ift Verf. S; Adelungs ' 
Gelehrten Lexicon. (Steht auch fchon im gel. Tcutfch- 
. land. M.) 

63 — ' von der Gefchichte derer wichtigften teutfchen 

Reichsgrundgefetzen, Frankfurth und Leipzig. Hr. - 
Hofrath von GuBmann zu Homburg an der Höhe 
ift Verf. S. Weidlichs biograph. Nachr. B. j. S. 10. ? 
?) ■ von den OefterreicUfchen Haus - Maximen , 

welche der teutfchen Ueberfetzung des politifchen 
Teftaments Herzogs Carl von Lothringen beygefügt 
ift, Stadt am Hof, (Halle) 1760. 4. Hr. von 
Carracb zu Wien ift Verf. S. Weidlichs Nachträge 
zu feinen biograph. Nachrichten S. 47. 

||) (kurze) von dem Mifsbrauch des teutfchen 

Staatsrechts , worinnen man zugleich die Urfachen des 
gegenwärtigen Kriegs vielleicht nicht undeutlich finden 
wird, 176a. 8. Nach Meufels gel. TeutfchL ifti 
Hr. von Mo/er zu Mannheim der. Verf. 



Verfuch einer anonymifchen Bibliotheck. aj 

^Abhandlung (öconom. jurift. ) vom Pafcht und Vcr- 

. pacht der Güter, Leipzig 1759. 1761. 177^1. g. 

Hr. Appellations-Rath von Bennigfen zu Dresden ift 

Yerf. S. Adelungs gel. Lexicon. (Stand auch fchoniifr 

gel Tcutfchl. M. ) 

to)Abrifi (kurzer) einer philofophifchen Gerchichte, 
welche dem von Hr. Hofrath Henninge edirten WalchiL 
philofoplu Lexicon beygedruckt ift, rührt von Hr. 
Confiftorial - AfTeflbr CeUarius zu Rudolftadt her. Atit 
privat Nachrichten. 

1 1) Aäa Jubilasi primi SascularSs illuftris Collegii Chriftian 
Erneßiniy quod Baruthi francorum floret, L xxvil. 
Jul. mi>ccl.n:iv. celebrati Baruthi 1764. 4. Hr. Hof« 
diaconus und Prof. der GtiQ\)ichtt Hermann dafelbft^ 
nachheriger Paftor und Senior zu Selb in Bayreuäi* 
war Verf. Aus privat Nachrichten. 

r2)Advocat (der redende) dem ftummen Advocaten des 
Herrn Bandeis entgegen gefetzt I — VU. Auftritt 
(Schwabach) 1761 — 1766. 8- Hr. M. Jungendret 
zu Nürnberg war Verf. S. BibL Nor. Will. p. U. p. 34?, 

li) Alexander von dem Vaterlande der Jcfuiten, o&r 
rechtliche Erörterung der Frage: ift es denn erlaubt 
alle Jefiiken aus dem päbftlichen Kirchenftaat zu ver- 
weifen, Frankf. und Leipzig 1768. 8. Hr. Hofrath 
^cbnizlein zu Anfpach ift Verf. S. Wcidl. 1. c. B. 2. 
S. 516. 

14) ABerley (fchlefifches) Frankfurt und Leipzig 17^4. 
8. 2 Theile. Hr. Rittmeifter von (Graben) Grafen 
ift Verf. S. Königsberger Zeitung 1764. S. 194. Bcrl. 
Ms^azin B. |. S» 6;8« 

t$)Almanacb oder Tafchenbuch für Scheidckünftler und 
Apothecker auf das Jahr 1780. Weimar 1780. iz. 
Hr. D. Bucbolz dafelbft wird für den V. gehalten« 
& Nürnberg, gel Zeit. 1780. St. lu 



04 Verfüch einer anönymifchen BIbllotheck* 

lf4)4^teF aus allen Theilen der Gefchfchte , oder alte 
Urkunden, alte Briefe und Nachrichten von alten 
Büchern mit Anmerkungen ^ t Bände oder 12 tücke , 
Chemnitz 1763t — 1766. ft« Eigentlich kamen die 
Stöcke von 1760 nach und nach heraas. Hr. Superin. 
tendent fTeHer zu Zwkatt nennt fich in der Vorrede 
des 2ten Bandes den Verf« 

%i) 4n einen teutfqhcn Hofmarrchalh 

Ig)-« — - ^-^ Lehenprobft. 

Beyde Schriften fchrieb Hr. Regierungs - Rath von 
Springer zu Erfurt (jetzt Kanzler der Univerfitat 
zu Rinteln). Meufels Nachtrag zum gel. TeutfchL 
Weidlichs Nachtrag zu feinen biograph» Nachrichten. 
S. 276. 277, 

19) Anfangsgründe der Handlung , aus dem franzöf. 
Leipzig 17s 9. 8* Hr. Hofrath Käßner zu Göttingen 
ift der Ueberf, S. Meufels gel. TeutfchL 

%o) Anforderung der Vernunft an die Freygeifter zum 
Vortheil der Religion , der Verf. diefer Schrift heifst 
Weymann. Si Danziger Berichte B. 8« »»n RegHler. 

Zl) Anhang zu den Abhandlungen und Materialien zum 
neueften teutfchen Staatsrechte und Reichsgefchichte , 
den Bey tritt des Kaifers und der teutfchen Stände zum 
Tefchener Frieden betreflfend » Berlin und Leipzig 
J780, 8. Hr, Prof. Halfen zu Frankf. an der Oder 
ift. V. S. allgem. teutfche BibL B. 4^ St 2. S. 44.2« 
44;. (Steht auch im gel. TeutfchL M.) 

8^2) '— ' — ^ zu der ZieheTchen Vorausverkiindigung , 
daß das füdliche Teutfchland verwüftet werden wird 
und 7000 grofTe und kleine Ortfchaften jämmerlich 
tufammenfallen muffen, nebft ^iner Erklärung dies 
Buchs Chevilla, Ein Sendfehreiben gedruckt im Jahr 
^1784. 8 Diefes Sendfehreiben rührt von Hr. Re<ftor 
J[irfob zu Hof in Bayreuth, her. Au« fichern privat 
Nachrichten, 



Verfuch einer anonymifchen Bibliotheck. 35 

7,\) Anleitung (katechetifche) fiir junge Leute, fo da« 
erfte mal zum heil. Abendmahl gehen wollen , auf- 
gefetzt von einem Jefum Liebenden , Frankfurt und 
Leipzig I7SO. 8. Es ift diefe Anleitung eigentlich eine 
Zergliederung der Marbergerifcben Sammlung der 
Lämmer &c. davon Hr. Diakonus Erbard zu Nürnberg 
V. ift. S. Wills Nürnberg, gel. LexiconTh.4- S. J95- 
*4) (Vernunft und Schriftgemäfe ) in zweifel- 
haften Fällen , ein gutes Gewifsen zu behalten « 
Franlcf. und. Leipzig 1749. 4. Hr. Prediger ScbmicU 
bauer zu Nürnberg hat diefe Schrift verfertiget 
S. Wills Nürnberg, gel. Lexicon. Th. |. S. ^42— ?44- 

Ci) Anmerkungen (brauchbare) den Reichs-Grafen-Stand 
betreffend , nebft einem kurzen Vorbericht aus fichem 
Quellen herausgegeben , Frankf. und Leipzig 1763. 4. 
Weidlich in feinen biograph. Nachr. ß. 2. S. 570. 
giebt Hr. Regiftrator Sorge zu Rödelheim in Grtf. 
Splm. für den Verf. aus. 

ä6) ■ (einige) über die wegen der Wahl eines 

Herzoges zu Curland dermalen entftehende Bewegun- 
gen , nebft einem Vorfchlag , wie denen daraus befor- 
genden üblen Folgen am fuglichften vorzubiegen feyn 
möchte, (Homburg) 1749- fbL Hr. Staatsrath Mofer 
wird der V. genannt in Weidlichs biograph. Nachr. 
B. 2. S. 4). und in Meufels gel. Teutfchl. 

Ä7) , C einige allgemeine ) über viele fogenannte 

Prüfungen der neulich herausgekommenen Ueberfetzung 
des neuen Teftaments , mit Anmerkungen für forgfältige 
Lefer als ein Anhang zu gedachtem Werke (Berlin) 
l^a6. 4. Vermuthlich ift der Ueberfetzer des neuen 
Tcftsmients der bekannte ( Damm ) Damm felbft der V, 
S- Jen. Zeit, von gel. Sachen, 1766. St. 14. 

9i) Über D. Bahrds neuefte Offenbahr^mgen ^ 

Frankfurt am Mayn, 1779. g* Hr. Confiftorial-Rath 
Luck oder Luciia zu Michelftadt im £rbachif. iß 



1t6 Vcrfuch einer anonymifchen Bibliotheck. 

Verf. S. Nürnberg. Almanach für Freunde der theoloj. 
Ledtüre, 1780. S. 29, 

t9) Anmerkungen (freymüthige) über Hrn. D. Bahrdt 
Kirchen -und Ketzer - Almanach auf das Jahr 178 t- 
von einem Liebhaber der Wahrheit, Frankfurt und 
Leipzig 1782. 8. Hr. Stadt - Pfarrer am Ende zu 
Kaufbeuren ift. Verf. S. allgemeine teutfche Bibl- 
B. 66. S. 210. 

•^o) von den WeftphäL Gerichten, auch der 

vormaligen Landgerichten in Teutfchland, Wolfenbüttel 
17s I. 4. Diefe gelehrte Schrift fchrieb Hr. Hofrath 
Koch. S. Beyträge zu den Erlang. Anm. 17^1. Woche 
xxxxvii. 

' ^ 1) _ . zum Gebrauch der Kunftrichter , Leipzig 

1762. 8. Hr. M, Gellius dafelbft ift Verf. S. Meufel« 
geh Teutfchl. 

%Z) Anpreifung der allergnädigften Landesverördnung 
Ihro kaiferl. königL apoftol. Maj. wie es mit dep 
Hcxenprocefs zu halten fey, nebft einer Vorrede% 
von einem Gottesgelehrten, München 1767. 4. der 
1777. zu Prag verftorbene Profeflbr und Auguftiner- 
Mönch Simon Jordan ift der Urheber diefer Schrift. 
S. Annalen der Baier. ütt. B. 2. S. 151. Walchs 
neuefte Religions - Gefchichte Th. 6. S. 588- (Stand 
zuerft im gel Teutfchl. unter des Verfaflers Namen.. ) 
11) Antibyfocbondriacus oder etwas zur Erfchütterung 
des Zwergfells und zur Beförderung der Verdammg, 
} Portionen, Erfurt und Frankf. 178?. 8. der Verf. 
unterfchreibt fich G. und heifst Hr. von Gerßenberg^ 
dänifcher Conful und Refident zu Lübeck. S. Hall, 
neue geL Zeit. 178;. St. 6. (diefe Nachricht ift 
ganz ungegründet. Wenn auch ein Hr. von Gerfteiu 
berg Antheil an jener Sammlung hatte ; fo ift es ficher 
jener berühhite Dichter nicht. Üeberhaupt haben 



Verfuch einer anonymifchen BiBlioAeck. iT 

mehrere Antheil daraiu Das Meifte fämmlet der Ver- 
leger felbffi M ) 

l'^^WAnvitte Handbuch der mitdem Erdbefchre^bung 
oder von den europäifchen Staaten , die nach dem 
Untergang des römifchen Reichs entftanden find; aus 
dem franzöf. Nürnberg 1782. 8. Es wird zwar in 
JMeufels gel. Teutfchl. Hr. Redtor Hummel zu Altdorf 
für den Ueberfetzer gehalten ; allein in dem itcn 
Nachtrage zur 4ten Ausgabe deflelben wird diefe 
Meynung zurticke genommen , und dafür der wahre 
Verf. Hr. Diac. DiOinger zu Nürnberg genennt. 

l{) Anvpeifung (deutliche und ausfuhrliche) wie man 
das militärifche Aufnehmen nach dem Augenmaße 
ohne Lehrmeifter erlernen könne , von einem königl. 
preuT. Ingenieur, mit 10 Kupfertafeln, Deffau und' 
Leipzig 1782. 8- der V. fchreibt fich J. C. G. Hayncy 
S. Nürnb. gel. 2^it. 1783. S. ^8- (S. auch den iten 
Nachtrag zur 4ten Ausg. des gel. Teutfchl. M. ) 

16) Anvpendung ( die hefte ) der Abendftunden det 

menfehlichen Lebens , Leipzig 1 768 , 8>. neue Aufl. 
1769. Hr. Paft. Hermann Daniel Hermes zu Breslau 
hat diefes Buch verfertigt. S. Journal für Prediget^ 
B. 7. S. i8i* 182. Meufels gel. Teutfchl. 

17) Arbeiten in Kriegszeiten über erhebliche Gegcnftände 

aus den Staats -und Kriegs - Wiflenfchaften , Wien 
1768. 8. I — 26tes Stück. Hr. von Carracb^ JSus 
zu Wien, foll Verf. feyn. S. Weidlich« biograph. 
Nachr. B. i. S. 112. 

l^)Au€b etwas über die Regierung der geiftl. Staaten 
in Teutfchland, Frankfurt und Leipzig, 1787. Hr. 
Jacob Friedrich Ddbler , der jetzt zu Koblenz priva- 
tifirt , ift Verf. S. Oberl. allg. Litt. Zeit. 1788. S^ 
509. S. n7i- 

l^) Aufklärung (kurze) über den Hergang der in dem 
Reichsflädtifchen CoUegio am 8ten Jenner i7go ent. 



aS Vcrfuch einer anonymifchen Bibllotheck« 

ftandenen Frage: ob die Diretftional und Reichsftadt 
Begensburg im Fall fich ereignender Reichsflädt. 
Kollegial . Befchwerdrachen folche für fich und ohne 
Vorwiflen oder Zuziehung des Collegii an die Behörde 
anbringen und behandeln kann, 1780. fol. Hr. von 
Münßerer , Reichsflädt. üebcrl. Gefchäftträger ift V. 
S. allgemeine teucfche BibL B. 49. St 2. S. 429. 

40) Auffätze ( vermifchce ) in fpanifcher Profa mit bey- 
gefügter Erklärung der fchwehren Wörter und Redens- 
arten zur Uebung für Anfänger , Frankf. und Leipzig 
1779. 8. Sind von Hr. Prof. Jäger zu Altdorf. S. 
Almanach für Freunde der theol. Ledüre, 1780« 
(auch im gel. Teutfchl. aber ohne das Zeichen der 
Anonymität, angezeigt. J/. ) 

41) (vermifchte) über Gegenftände der Philofophie 

. u\id Hiftorie, Wittenberg 177s. 8. Hr. Brunn Infp. 
des Joachim. Gymnaf. zu Berlin, ift Verf. und nicht 
Zobel oder Scbummel^ wie man zeither' glaubte , und 
in öfFentl. Nachrichten ausgab. S. Nürnb. gel Zeit. 
1778. S. )4)* Eyrings litter. Beytr. zu dem hiftor. 
Journal aufs Jahr 1776. St. 4« 

%^ Auf Jeher (der nordifche) Kopenhagen und Leipzig 
1758-^1770. 8. J Bände. Hr. Procanzler Cramer 
in Kiel ift Editor und Haupt-VerfaCTer gewefen , doch 
hat auch Hr. Redtor Funk zu Magdeburg mit daran 
gearbeitet, S. Gellerts moralifche Vorlefungen, B. i. 
S. 250. Meufels gel Teutfchl, 4te Aufl. 

ii) Augußinus (Aureiius) Bifchof zu Hippon in Aflrica 
von der Nutzbarkeit des Glaubens — aus dem lateia^ 
ins teutfche überfetzt von einem Benedidiner in 
Fulda, Fulda , Würzburg und Bamberg 177p. 8- 
Hr. Domcapitular und Reglerungs - Präfident , Carl 
Freyherr von Piespwrt ift Ueberf. S, Büt^ow, krit* 
Samml. B« 4. St. }. S. 4J4. 



Verfuch einer anonymifchen Bibliotheck. ^ 

4^^ Ausführungen politifcher und rechtlicher Materie t 
Berlin 1776. 8» Hr. Geheimer Kriegsrath von Steck 
zu Berlin ift Verf. S. Schotts unpartheyifchc Kxitik, 
B. 8. S. UJ* 

4%)Aurv!fabl vorzüglich guter Predigten der betten 
teutfchen Kanzelredner über die gewöhnlichen Sonn, 
und Fefttags-Evangelien des ganzen Jahr^, iur nachr 
denkende Lefer , 2 Theile, ZüJlichau 1777. 8- Hr. 
Hofpred. Conrad zu Berlin ift Sammler und Editor«^ 
S. Journal, für Prediger B. 8* S. %%. 

46) Auszug aus den Breslau fchen Sammlungen vot^ 
Landwirthfchaftlichen Sachen , 3 Bände 17s <• Hr. 
Ober Confiftorial - Vicepraefident von Hocbentbal zu 
Dresden ift Verf. S. Meufels gel. Teutfchl. 

47) »US Hans Sachfens Gedichten , Nürnberg 

1781. 8. Hr. Regiftrator H'dslein zu Nürnberg ift 
Verf. S. . Vicolßi Befchreibung einer Reife durch 
Teutfchl. B. I. Beil. S. 152. 

48) -T (kurzer) einer richtigen Erklärung den 

Ofienbahrung des heil. Joharmis , herausgegeben von 
einem Diener des göttlichen Worts, Jena 175 1. 8* 
diefer Auszug rührt von Hr. Paftor Tbeuer zu IJJer* 
ßädt her. S. Beytr. zu den Erlang, gel. Anm. 17 s i. 
Woche xvii. 

49) " — ' — ( paraphraftifcher ) des neuen Teftamen^ts , 
nach den Bedürfniffen unterer Zeiten eingerichtet , 
von einem viel jährigen chriftlichen Selbftforfcher , 
Berlin 1781. 8. Hr. J?aj/f^OTP ift Verf. S. allgemeines 
Verzeichnifs neuer Bücher , B. 6. St. i r. 

^o) Auszüge (gründliche) aus alten und neuen jurift* 
Difputationen , 2 Bände, Stuttgard 1749 — 175'-?', 
Hr. Regierungsrath Stockmeyer dafelbft foU diefe 
Auszüge gemacht haben und nicht Hr. Licentiat 
fpeidel zu Stuttgard, wie Weidlich 1. c. Th. a. 



ao Ob Melanchthon den Hoftheologen 

Vorrede fagt , und 2ugleich die Jahre der Erfcheinuiifg 
diefer Schrift auf 17$ J. und 1759. fetzt. S. neuefte 
Jurift. Litteratur St. 2. 1781. S. jg?- St j. S. 520. 

IC. 



4. 
Ob Mtlahchton einen Hoftheologen gemacht habe , nebfl 
einem vorher ungedruckten Schreiben des Herrn 
von Leibnitz. 

JL/afs» ehmals ein Flacius und fein Anhang den guteh 
Melanchthon , dem Wahrheit gewifs theuer war , aller nur 
möglichen Irrthümmer befchuldigten , und daß ihre blinden 
Nachbeter, die fich Orthodoxen zu feyn wähnten, das 
nemliche Gcfchrey ftets fort wiederhohlten , wundert mick 
nicht , weil . man in dem ganzen vorigen Jahrhundert nur 
immer 4en vermeynten Orthodoxen nachbetete , die Con- 
cordienformcl und alle nach derfclben 'verfertigte Com- 
pendien für untrüglich anfahe , und die Kirchengefthichte 
hSt ganz vernacUäfligte , wenigftens fic nicht aus dea 
{l^uellen ftudirte. 

^ Auch das befremdet mich nicht, daß noch vor kurzem 
ein Päftor Goeze^ der. in Controverfen lebte und webte, 
den Melanchthon der Acfafelträgerey , der Gleichgültigkeit 
und des Kaltfinns, in : der Religion , der MenfchenfurchC 
und Menfchengefälligkeit befchuldigte ; daß er behauptete, 
Melanchthon fey zur Zeit des Interims ein Verräther der 
Wahrheit und der Kirche gewefen,. und habe das eifernc 
Joch des Interims auf feine Schultern genommen , und alle 
feine Kräfte angewendet , fblches der ganzen Kirche au& 
Eubürden. 

• Aber, daß ein Spinler. von Melanchthon in pnfenf 

Tagen noch fagen mag, er habe den Hoftheologengemacht, 



gemacht habe &c. s^ji 

das hätte ich nimmermehr vermuthet. Er fchreibt in der 
zwoten Ausgabe feines Grundriffes der Gefchichte der 
ChriCtticVicn Kirche S. 578. " Mai\ kann nicht ohne 
3> inmgftes Mitleiden fehen , dafs fich der gute Magiiler 
^ Phil/pp verleiten liefs , den Hoftheologen zu machen , 
39 das Augsburgifche Interim zu Leipzig in ein anders 
yi Interim umzugieffen, und feinem neuen Herrn zu lieb 
^ fo viel nachzugeben^ dafs er uns dem Abgrund der' 
55 alten Lrrthümmer aufs neue nahe geführt hätte. " 

Diefs foll Melanchthon gethan haben , der auf dem 

Konvent zu Regenfpurg is4it- bey der erften Erfcheinung^ 

diefes Interimbüchs Tagen konnte: Ego etiamfi Hifpanici 

& Gallici exercitus ad portam effent,^nec fcribam, neo 

approbabo flexiloquos articulos. S. L. iv. Epp. Mel. p. 9^.! 

Nimmermehr wird erwiefen werden können, dafs 
durch Annahme einiger unfchädÜchcr Ceremonien der Lehre' 
felbft zu nahe getreten worden fey^ 

Doch ich will hier keine Apologie Melanchthons 
Ichreiben. Diefs hat fchon Hr. Paft. Sirobel gethan. Ich 
will zur Rettung der Ehre Melanchthons blos ein bisher 
tingedrucktes Schreiben von c^m groffen Leibnitz abdrucken 
laffen, das jeden Lcfcr vergnügen wird. Es ift an den 
Landgrafen Ernft von Heffen Rheinfels gerichtet Der 
fchätzbare Freund, dem ich für die gütige Mittheilung 
deflelbcn hier öffentlich danke , fugt folgende Note bey : 
In einem Briefe von A Jul. lögi. hatte diefer gelehrte 
Fürft dem Herrn von Leibnitz fein Urtheil über Maimbourgs 
Hiftoire du Lutheranifme mitgetheilc, und ihn um Anzeige 
desjenigen erfucht , was feinem groffen Geifte wenige^ 
ausgefucht fchiene. Die Antwort des Herrn v. L. ift ohnd 
dacum, höchft wahrfcheinlich aber wenige "Wocheix nach 
dem Empfang jenes Bri^s abgefchidct. 



3Z Ob Melanchthon den Hbftheologen 

Monseigneuk! 

Je demcurc d'accord , que le Pere Maimbourg parle des 
Lutheriens avec bien plus de moderation , que les Jefuites 
n'ont coutume de faire. Mais il me femble auffi, qu'il 
traice les chofes trop a la legere. Et ne temoignant pas 
tJe favoir affez ä Fonds les affaires des Proteftans , cela vient 
de ce qu'il n'a pas lü leurs auteurs , au moins il ne cite 
que Sleidan & quelquefois Chytraeus^ Mais s'il avoit fiiivi 
Fexcmple du pere Brerlay , dont je me fouviens. d'avoir 
vcu Fapologie de TEglife de Rome , tiree des proteftans 
memes , il auroit pu dire beaucoup de particularites 
& plus curieufes & mieux prouvees. Et je crois, que 
V. A. S. fi eile vouloit , pourroit bien fournir d'autres 
memoires. 

Selon le pere Maimbourg, livre v. Pan 154.8.P. i?!- 
les Adiaphoriftes ou IndifFerens foutiennent , que felon la 
diverfite des teraps on peut s'accommoder de tout ce qu*il 
plait aux puiffances de prefcrire , & qui fönt enfuite 
toujours gens d'accommodement •— Tels ont ete , dit - il , 
Philippe Melanchthon, & Paul Eber de Franconie, & tels 
' fönt encore aujourd'hui ceux,, qui fönt toujours prets de 
' fuivre la religion de leur princc. En quoi je trouve , que 
le pere Maimbourg parle bien confufement des Adiapho- 
riftes , & ne rend pas juftice a Melanchthon. Car le^ 
Adiaphoriftes etoicnt proprement , ceux qui foutenoient , 
qu'il falloit avoir quelquc condefcendance ä l'egard des 
adiaphores, c^eft-ä-dire, des ceremonies & autres points 
femblables. Et Melanchthon n^a Jamals merzte le reprocbe ^ 
qu^illui fait , i avoir ite du nombre des gens^ quifonc 
toujours frits , ä fuivre ia nligion du prince. II etoit 
port^ ä la moderation , Sc avec cela un peu irrefolu. Mais 
je crois > que cela yenoit de fon favoir» Car lis demi-favang 

ibnt 



gemacht habe ftc. ^ 

f(M Ter plus emporfis*)f maTs ceuk , Ijui CaittoJflrcrit b 
fond des chofes ^ favent ordinatretnent les grandes tfi& 
mlt^ q^'Ü y a de patt & d'aHtre* Au rcfte je öDuwc 
qüe le pere Maimbourg ne d^oit p9S fe contenter ^du Lv» 
tiaerani&ie du fiede paiTi Gar le nötre lui pouvoit foiitnir ' 
arfTez de -matiere pour dtre de^ belies choFeSi 

Ifodi fey-es mir erlaubt, etwas vörl det m^iRtthiStm 
Schilderung des Ghära&ers unfres Melanchthons bey2ufugen| 
den uns der würdige Dodtor Plauk bä erften B^d dot 
vomeflicben Gefchidhte der Entftehuii'g ünfers Proteftaa» 
tiTchta Lehrbegrifs S; 19 1, liefert: ^^ Ffeitnde und Felndi 
)i berchuldigtai ihn Wechfelsweife der Schwachheit i der 
ii Ftrchtfamkeit und der kindircfaen Begierde, fich all^ 
^i Partheyen gefällig machen zu wollen; aber kaum eini^ 
^/£biner unvdrfohnlichften Feinde wagton die Laftenlbgi 
«, daß er jemals aus eigennützigen AbGchten nachgegeben ^ 
), dafs er lieh iinl Gold oder Ehre zu erfchmeichölii ^ 
,1 wr diriGr^ß g^hieugi^ bdei^ aus ftircHt voir einet b^faift 
Sy diö ifaih iblbft. drohte ^ lerkantite WetbirbtU vlfrüdg^ei 
M bäbei Ihm war Wahrheit fö theber , als fie Ltith^sm 
St Auf ifiifllec föyn konnte ; aber ihm, der auf dbm hibi^ 
Si Wege dfcr fbrfchenden Unterfuchii&g ton Zweifel zts 
», Zweifel zur '^^ährhelt fortgieilg , der eis fchdti aui 
^y Eäahrung *ufste^ Mt nahfc irrthüin in Wahrhcik grÄizt f 
^ und uKe leicht fie das Auge d^s Vorfichtigfteri BeobacRif 
3^ ters daititt verwechfeid kann^ ibni konntö Cich Cebdf. 
I, zeugüng ni^ht fo leicht anbieten, odelr aUFcfringsefnf, 
4^ wife Luthem ^ deffen Göift durfeh Lgidfenfchaft ftotge: 
^, fchwuhgen » gerade dahin fchöfs ^ Wo er Ij^aHrheit zd 
ft findbn hefte:, .alle Zweifel j die irti Wfe|e läge»; Öberir 
1, f*^ :und erft in der Folge tiiit der ganzen Starke eine* 

j- ,1 • , f i ' i l i, I 'IM i t tni r '1 i t 1 . 1 " t'" i i - 1 ^ 

* ) VoTlretick , »och jetzt temt der Pöbcl üiiter den «leltrten uni 
rtaien am mfifteni. übsjr JElinföbruiig bcfferer Gisiaflgilioto imil 

titurzien! ' , . , 



34 Befchrelbung eüie$ ulten Ablafszetteb 

^y fchoQ beFeftigten Ueberzeugnng bewafiiefc, fich in deft 



„ leichten Kampf mit ihnen einließ , wenn fie es wagten, 
^ ihn zu verfolgen. So bald Luther einmal damit fertig 
9, war, dachte er gar nicht mehr, dafs er irren oder 
„ daß feine Ueberzeugung durch neue Zweifel erfchüttert 
„ werden könnte; aber dem Melanchthon war es un» 
), möglich j fich ihr jemals, wenn fie auch noch fo viel 
„ Proben ausgehalten hatte , mit einem founeingefchränkteA 
t, Zutrauen zu überlaflen, und die(s follte uns , anfiattihm 
„ einen Vorwurf zuzuziehen, nur höhere Begrifie von dem 
t, üaüdiiaften Eifer machen, den er gemcinfchaftlich mit 
^ Luthcrn bey ihrer Vertheidigung bewies. * 

5. 
Befchrahung eines alten Ablafs - ZctuU mU unbe- ' 
beglichen Lettern. 

jEin Kunftforfcher , der nach Antiquitäten der Buchdrucker* 
kunft'^fpurt, freut fich nicht wenig, wenn et alte Schrift 
mit unbeweglichen Buchftaben entdecket t findet er keine 
Jahrzahl , um fo mehr ift zu vermuthen , dafs* diefe Schrift 
älter fcy , als die Erfindung der Kunft , mit bew^lichea 
Lettern zu drucken. Dafs man fich in dem Falle auch 
irren könnte , bewcifst ein Quartblatt , wdchcs auf d^r 
innweridigcn Seite einer alten Bücherdecke aufgeleimt ift, 
und vieUeicht, wenn man es der Mühe wcrth fchätzt ^ 
cinmahl in Kupfer geftochen erfcheineö foll. Der Verfafler 
dicfes Auflatzes hat die alten Schriften mit unbeweglichen 
Lettern gefchen , die zu Wien in der Hof- und zu Frankfurt 
am Mayn in der RathsMbUotheck fmd, und findet die 
Buchftaben diefcs Blatts gleichförmig mit ienen, auch die 
Schrift eben fo ungleich , und fo blafs ; es ift ein voll, 
kommna auf eine Tafel in Quartformat gefchnittener 
HdzftiiBh, auf dem jedoch mehr Textals Zeichnung fteht. 
Kr ift ia vier Felder abgetheUt. 



mit unbeweglichen Lettern. m 

' Oben in dem Winkel isphter Hand ift im Iteieabtd 
mit dem Kinde flehend » vom Kopf big xa den EüSi» 
mit StraUen umgeben, der Mantel roth, und das Kleid 
blau iUuminirt, es macht ein länglichs Quadrat dr^y Zoll 
Länge, und i > Zoll Breite. Neben dem ift das breitera 
Yierpck bis an den andern Sand i^it fblgead« '^^ ]f\ 
angefüllt: 

Vnfer heiliger Vater Pabft 
Sixtus der vierdt hat allen 
den cBe ir lund gerewt vnd ge» 
Bericht haben vnd difi na$hvol« 
gend Gebet uidechtigUcfa fpraeh 
en geben XIM jar von imr 
^a ablas als oSl fy das Cno>> 
dien. Das hat er in feiner ^ 

ktankheit gemach vnd 
gefetzt. --- ■ 

Nim kommt einen ZoU breit Laubwerk quer durch das 
ganze Blatt, worauf etwas grüne Farbe gefchmiert ift, und 
ibdimn füllt das untere Feld fblgeodes Gebet aus: 

Gegrnft feiftu allerheiligfte Maria du Mu 
ter Gotes. Du kunigin des himels. Du porten 
des paradifes. Du ainige ftaw der weit« Du bift 
ein raine Junkfraw. Dn haft empfangen Jefum 
<m fund. Du haft geporn den ichopSer vnd hau 
snacher der weit: daran ich nit zweiveL Erloft 
mich von allen vbel. Vnd bit fiir mcia fun4 
Amen« 

Ein AvitmufiA» 

Zwifclien den Zeilen des Text» ift allezeit eine Lfait. 

C a 



Q/S Befchreibuiig ebes alten Ablafszettels &c 

. X^t Sixtui d«r vierte erft im Jahr 1471. Pabft worden ift, 
fy ift diefer Ablafi- Zettel wenigftens über zwanzig Jahr 

' neuer ab die eigentliche Erfindung der Buchdruckerkunfi. 

^Man fiäit hieraus , dars fich mit diefer Erfindung der 
Cebrauch der unbeweglichen Lettern oder Holztafeb nicht 
fi> gkidi aufigdioben hat» und da die Leute damals in 
gewiffe Figuren, als z. B. der Biblia pauperum und dergL 
mit beygeßigtem Texte in Holz gefchnitten , fchon gewohnt 
waren , auch Formenfehneider ' und Briefmahler ihre Nah* 
fung davon hatten; fo läft fich vermuthen, dafs man 
fich auch nach Erfindung der Druckerey noch lange Zeit 
der Formfehneider * Kunft bedient und ganze Stellen 
Text den in Holz gefchnittenen Figuren beygefägt hat 

Wenn diefes Blatt mcht felhft einen üherzeugenden 
Bewdfi feines wahren Alters anzeigte, fo würde feine ganze 
Geftalt, die fo viel gleichförmiges mit den Cofterfchen 
TafUa hat, dn weit hö|ierj6S Alter vermudiea laOen« 



€. 



hk 9nmetifc^It4)e t^t 9nb 0ef(frf(^t bev ttiaeoHkiu 
^anben(tbvtf»Bden>bt9en seubtonbbeganaett. 
X>oti H^mtfcber Utnfßidiffe UUyeM: 4U^ 
0attgeit. 





Eyn verorcktiung ntt. tr. {9 

. ... /■ 

3« Wt<m'mat<tn «. Stribktm nUm 

K. Hacb bemwtealg H6mif<^et 

f onfsttf , mtßfctwlbtgeii pfKc^tcn 

(tll^t wtOtctDnbgenetat gen>^ 

fett, »ttb ito^ fittbt , rtUee bcg 

furQuttetttett/ mtbetrac^tett ottb 

Quttol&Httsett. ^(tv tta^ bte ge» 

ntevtt cinflett^ett getttett, ortb yn fttbe Qu Yul)e 

gefegt tvmbtf ^«tbett tDtv Qu ^etgett aettotn* 

mm, vn^ mit beftoevtetn gemüt httvnm beti 

ScauOtttttett fn>evett mb tttercfltc^en ü1>bm^ 

wb fc^bm @o bte i>etttbt vttb t)e»jpotter 

twtnget» ^etrett ^teftt c^rifH pttb feittee ^eyltgett 

c^aubem, bte t&v^m, bett <|)riflettltc|)eit ttteti» 

f(^ / vtl tÄt? t)ttb ttdt Uv, X)ttb tiettiKc^; 

vnuttbt yn hiVQuetf^ttttev Qrit Quaeftigt/ 

wie tttrttti(^f6tti(ftret<i), SÄtrjlettt^uttt , ftatittbt 

wb ^etf4>affc, bte bei; oriflett^ett mit aaoalt 

4bsebrmt0en/ bte htiefün, bag cetflenItCQ t)o((lf 

b<tr ynnt tyn mtt^ä)t «tttQd eifii^lagett/ ottb 

bU anbetit bttt(f) ^artte marttet; t>ott bettt lt(tt 

be^ ^iigett cvmettlt^^en Qlaubette/ jrtt ytm 

b^n t>ettt^en tm^Uuben / gebtntttgen Iscbmr 

9nttev bm eytt gtofi^ rtttQal, ^lo fy beyöget; 

t^uff etitt>fitti9en/. bett cvtfletiltd^en glaubett vtt 

ytm hemm tiktfiett/ bett yvt tinbet mit Qew'oHt 

onttenoetfett/ tDttb bett t>oi^etett tiii;aftfc|)ett 

glaubet! / tiit t»erver batt «ttt^ lyct^t t>ttb 

Qtoaitguttg; bePettttettr tt)te fy <m&) t>n§evn 

mflenitcbett sli:tube»t nmtei^acbtutis beg t)evlt' 

Ken faciTittttettte ; «uffcpttett t>ttb etibtrett / Xvit 

mit tit<tti<$eir cri^ettU^er fVrtweti t^ttb ^utttf^ 

ftamcn, getflltc^ t>ttb toetrtttltt^n/ ywt ftitttv 

U^nimttioiUett i>olbV(U^t/ bett^Ibett j^ ffnber 



1 

90it )ven t>rti(}cn ^enommeti ^ onb 4n t>te Qeton 
ae^ifet/ wibetttcbe au(f^emfl(lbe{t9en'I«ffln/ 
f te ^uit0ere getlor^en / onb b<r n>t(t>m ttHce. 
^)e];^ toorben finbt/ VOie vyl (v au<i) aiiim 
Qttauftet (tnbev yn ben fetf>eit 3^en vnmavhaften 
0laMben «uferßogcii/ vnb t>ie roßwt>te ^tflen 
(Hiimbett Quftreyten gefuit/ ttaburc^ bte feet 
9nf^rm etlofev abgctrenbt / onb bein ewtcten 
t>erbnmnt|g t^ugcejroent / otib Ntir mMnti^ 
nix aefettigtii fut1^^ bte peji^it oetfutt / vr ivontmg. 
vcv^tanx>t bk aidmlfüt j^ bm fewn enben^ 
gemottet/ pnb bte lob vnb'ere beÜ olmect^tigeni 

?otce& / ba bur^ ctemtnbevt onb geftoecbl ^aMtu 
lad^ bem aber wt^ant t>nfev 'lib«r ^erv imb 
patn> be6 K^ifc^en feySw; löblicher gebeert« 
nög/ Uticb iptr / auff t>yl tagen ^ vn bem Ifty» 
QOen reyc^ ae^alten / wb oon balbt bee Mtoen 
criflfnWt W wb beyfUtibt/ wie ba§ folcpeu 
ftorrer Ivtnbel Qefuc&t tUbev bi^^ nickte mtü« 
tre^tcbe erlangt labert/ b<n% voie vor tyn firo^r^ 
ben alme(^ttaen QotteeA omb t>n{br aller funben 
9nb t>nban(f barmet aefcbeben fettt/ gebeitcPett/ 
S^o mit aber ber almec&tiot 90t/ ttemer/ al^o- 
nit fltettncrbt / Dtib bie (riuen^eit aitg fol4)em 
^n^ängtf ent(ebi(tt tDerbeit/ bat onfer ^)4i§e1^ 
- Dtater ber ^befi / avid) t9ir.fol4^*tmt tmv 
Aller bilff^tt>ibev^anbt t^ut^un furaenpmmen» 
t)nb bar 5«me bie lobIid>en fanbt 3or8e« ritter» 
^<?tt^o burd) ben erwtrbiaein)»meren Swffte» 
otib lieben anbe(^(ten. 3^anfhi ^ocbmeyflei» 
bt% leiben orben- vnb fein mitQetoantten futüt» 
nowntm iÜ. beiUt confirmirt onb mit etlicoen 
ßiiifilidm pnb toetntlicben fr^^eten vnb Qe» 
nabcn (feQirt vnb erb^ciit tote bogelbti bin l 
lM>(IB4)ett.^4»vttrerf^nt0lid^br)eft^^ ^ 



Efll verotctenimg vut ir, 4t 

«o^^m hltükh mt^todfeti- px Mefe(6eii tvir 
tm mit tmftrfclbe^pcvfon begeben t)nb b^t auflf 
fuv^U<^ mit bcrfelbcn »nb eroret aller Wlff einen 
aetvaltigen Quaf ^er auff ^rts för^t ßwey iar" 
langf . tt^c^r^en tot. wiber ^ie «emel^n t)einl> t>eß 
{rm)t^mflt ßiitljttn lC>nb^itfol<^et wtfeticyb 
9)l^ dlut mit allen vnferen wrm^gen ttemltcfien 
^rQtt itetdlcn fuvatnwmn \)äbm. 

Had) bem ober t>hfer Dlei§ »nb be$trt>e. bie wtc 
QU beinx^emelten funbjorgen orben.9nb befcbinn 
ni^ cvttlcnU^)» «telatibenö tragen, wbnudctcr 
ge^e»t>tntg brinäett. WeTitterliojen Üblichen t^o« 
tcn-Bconfer aller »jorforber wiberWeturafen. 
dud) bey^en begangen baben'Wud)Calf bie ^jeylig 
fdjrift iagct)t^«t)yf malen. Mrec^ bie Wlff gotte«.- 
eyn f Icyn antrat bcr gelatibigen. groß fter bcr 
vnglattbigenvbemninben t>nb nyber gelegt ^a* 
ben-Wic a«d> ber ahnecfetig got bttr^) fein ma<^t. 
b«§ yfrabeliftb t>ol<f von beni wiittenbenP^arao» 
ncerl^. burrt) baß rot m^^r gefiirbt onbvn ba^ 
eekbt lanbt rtefet^t VOk C^atiib ben grofien (Bo* 
uam cteftlt. wie tPa(*abeue mit einer tltinm 
annal DoUfee. eyn groß nyberlag feinem veinbt 
petBan. \>nb (ßebeon ber ftartf wlber bie groflin 
Ottmi^e beralmecbtigfi^en. bur4) bie genabgotte» 
^of^n (tgcf.erlangt haben. 5>ar auß bem orben 
vn^re (^Itd^en ban>ß QU i^urgnnb empfangen 
ift tOie ber fwylig bymelfttrft'pnb ritter fanb 
3^9» beß obgemelten orbene »nb ber l^blicfteti 
wifer briiberf(^f t patron mit ber WflTgottee.ben 
ctrauffamen tratfen ertc»bt bie königlichen 5«ncf» 
ftaiven mitfamptberflabt^ylcna nu f ybia gele» 
gen. i>on ber ©inf^ernie yree i>nglauben0 erlebigt' 
»Hb ^ mit feinfelb» crtftenltc^ee lob wb feinen" 
nämtn von lOlen cridenltcl^en ittenf^ qu eren* 



4a Eya, vcrardeomif «.. £ jr.r. 

erl4ti0t tOte^ itnbeni iittteV'imb mevttcw^t^ 
^9 mb iSrnfia^m ^yoniim ^^amititt^ t>iuib^ 
tyl anUt. bev fiebecbtnt^ bte aiitmlidb Ctr4) alle 
iav loben vnb ei^en t^ut bur(6.crtilenlt4)ee Qelau» 
bette toiUen ge<ulbett t>nb gelitten l)abm. 60 tote 
nw alle «iflen menf(^en n)ifien.ba6 bei? almecbttg 

?;bt bentoltr ?)an yn feinet bnualtiBeiterenvnb et* 
ennen. foTcbeetlebimtns bem Kvobelifcben voUH* 
cad) büf 9nb bejrjlanbt ben obgebail^ten. ^n 
^eyligcn mi> ^a^abeo (ßebeon. 6anb ^övquu 
vnb aniftvn vittem vnb beyligen. ber Ht mflen» 
Ccb titd)c vyl taufent geevbt ohbgefr^netbat 
öeucn mir yn 0cynen ßioeyfel <bt wetbtbenauA 
tttt bilff fommen bk auß lieb »nb ynniafet bcß 
^li0en glaubend vnb benfidben Qubebalten t>nb 
tnerung. yn lieb toybet bk fn^ben vtinb \)ieiU 
crifÜ batfttecPet. mt> yt blwt big yn btn tobt 
QuuetgifTen nit (d)onm toetben« toelcbet cvi^eit 
tnenfcb. toolt ban %o t)atbt an ymfelbe mb g« 
eynee (leinen gemütee ^in. n?an ebt follib gettab* 
bilif pnb tnacbt beg almecbtigen gottee-Qu gmnbt 
faffetbec nitbeberßigetwitt tmbts bie obgemel^ 
tm winb pnb mfpottet biefu ctifü nu t>e^tten. 
€evnen ne4>ilen criflen mm((i)m aitß folcben, ge^ ! 
fmifnid t>nb ttwanÄQuetlebigen/ t>nb ba butcb ' 
ibttil criflen (m bU ftmfl bütä) folc^e bet,tötg?en ^ 
9en>alt/OOttgotabgercbibenrt>nbbe(en>^enbei^ ^ 
ftamnie geben wetben/got bem almecbtigen tpibet ^ 
^bringen/ nacb bem x>m bagbeylig eoangeltum ^ 
an^eiget/Dnb oetenbet/bag bet got geneme Tey/ber \ 
ymntebt feien t^ubtt ewigen feugBet brina^. \ 

@o nun bU b«rcbleu<|tigiflen ctifUnB^ef^^ i 
nigif r>n(tv Uebe gebmbet/ bit ßu bißet «eit aU bec S 
taten i«ncf/gtoß»e«tt6gen6/yniftieggteuftenwtb «| 
^anbeten ^c^ etfaten vnb Qu mete ttyl pn^ 0^ '^ 



Eyn- yerordennng tu f.' w, 4) 

i»nb$tlff Qttt|)tiii/ 9tvtv^, Ü^ireuc^beg^olben 

ycQ eyn tag aufTc^ceibcn woUen/ rtuff benfeften 

tmv tmfer 9nb beß ^eiligen vtiä)^ (t^tn^furflen onb 

fttiflleti Äucb allen 6tcten / folcö gemäner criflcw 

9ett o^Iigen t>nb (»eftvett mtetr^elen/ onbtoibei; 

bie gemelten tüvgl(myv biln vnb bejiUnbt f>egef 

ren bollen / Pnb nac^bem mibe« txu got bem ol^ 

mecf^tigen/ mi($ twv aUtt ^ilff onb Qut^un gut 

^of)iitmg baben/tpotten wir onfer getnut onb fy>ff^ 

twmg ^ got ergeben. Vtüb ermonen/ crforbewi 

Dnb Ölten bor auf en>(^ aUe/ »nb en>r j^ebem; »nb 

<unberlt<^ alle ritterfiiaft ebel vrib rittermefliig 

U»t^/ fjr tragen aolt ober ntt/burd) bie martter 

vnfex9 Ferren ^efu cridt/ t>nb ben beilioten loblt^ 

en te»elfurflen {anbt borgen/ au^ baß yr bie 

Siirflen mit furfllic^em pntugentlic^n n>efen/ 

i>nb vr bie anbtvn bei ber fienbt/ 3;ber nadi fdnein 

|lan9t/ big alt criflenlicb menf^en t)on got be« 

finabt/begabtpnb porfebenfevtt/baß yr bie obge* 

tndten fac^en/^iflorien mi> fcpriften/getretplic^ett 

fttt^rße nemen/bnb mit »leyg betra^ten/baß bie 

mac^tt ber türgf en groß imb net»li(J& b<x^ lanb 

f^4batten/an lernten erf4)opf?t/barbur(f) ber fcbilt 

ben tPir gegen yne gehabt 6aben/ <tnbmic\ben 

orbt 0efcbtt)e(^t »nb Perloren ifl/5>eßbalben pnfer 

erblicp Janbt, ßobie n» nacbften anikc^m fej^ 

2>itrc^ fr tegli4) anaefo^ten n>erben/ Ueiilbm/ 

cu^ tm^ bm langftpern (rieglf beripafferauf^ 

hnaelegen ifl/alßo gar erfc^6pft pnb erarmetfein. 

CÄß fjr bitrd) fJf^elbft fän tpiberflanbt vmn^m, 

funber pne, für/ Pnb für/ pmb ^ilf pnb ft^irm atv 

tuffcn pnb erfüc^en/alßo/Wie fy perlafien/baß bU 

litrgfen barburd^ yn eingang/ baß jöeylig reytö 

i>nb^en>tfc^ nation machen/ ^u tpaßeip^evper» 



44 tyn vetordeaung vu C wi 

toibtt feel/e^t/lett> t>nb Qut faden trutb/ mag ejmi 
ybcT/ ecmefi^/ onb ew^ fel&e ßubc^rtltung »n& 
ewigen trone/3mfol(f> l^Wic^ onS HttcvKcfe brnbec 
fc^afi: begeben/bie obdümbt IhWd) toty% Quf ^n 
t>nb ewiger ritterfc^<tftt>nb abel/ §o yr von got, 
wb yn ben ttcn^t% htyMm rittet fant 36rgett 
bawnnb tva(^m baß jn? baßrc^Jt/Witwen vv^ weü 
fen/t>nb am o^c^flen criflenlt^en glaitben Ui'i^it» 
men foHent waf^/onb mä) fum oermogenö wb 
cntfWbigen/ Ötinber xotl^, folc^er reyf au^ 
eigem gttt ntt vwmQ, n>on fein tretonbt t>nb mo* 
|Ren omt> ^ilff onb fl^ anlangen/ bar burc|) bu^ 
ftSbm, attc^ biet)eylig brttberf^aft/ vnb beg etQt> 
gen loneßV benfy barumbanßnjeifel empfa^en# 
au^ teyl^aijtig werben/feßen wir feinen di»eifW» " 
ber alme^tig &pt n>erb vm ficttf onb ooeruHn« 
bungfenben/bog wir ber crtflen^et abgebrmwen 
f^nigreic^ Siirftent^mb Äanbt vt^ ^errfc^af* 
von ben turgflen voit>ev»mb ermerben/crtflenltd^en 
{glauben bar ynne pflanzen/ mb onfer noc^font^ 
then yn ewigtleit fvib fenen m^en. 

^irttmb wollet euc^^trjmneoißoerßc^ ritten 
Ii4> abelicb wto criflenti^) er^ergen/ a(g yr eß got 
bem almec^t^ i>em crifienliä^englattben^onb 
ewr eren QtttQun^ fc^ulb^ feyt/ 60 wollen, wie 
twäf au(^/ f Deme onfer M onb rntt retc|)t> 
^trynnitt»erlaObi/funber ma^ wir rntt ber^ilf 
beig almecbttgenaottee/vnb ewr ^ilff 6tet &<l^l6f> 
fi^pnb ^errfo^aftober lanter^bem/tttttbenfUbeti 
t9ir mdfMi eroe^eit ewr erbeit; coflend onb 
barIe(tei|gpegaSen/euc^4tt(|) bie (Obrntvoit obge* 
ntelt mMt crtflenIic^glaubennoc|>inyren 9^ 
ften trogenimb ergeben/ Dnb^oftonbtben^innlf' 
f^eit (onmtt genaben 0egen ett<0 <nUmiPtiib ybem 



Eyn ve^ordenuag u. f^ yr. 4^ 

S ÄlSSf nSJ!^^ Vittftd^ft, tmb 4tt* 

»oSÄ bm fÄ-K?Ä^^ 
S?5f5sA? ^'^ '*<^"^^<wßttepforbertmitSi 



4fi Eyn verordenung iü £ w. 

t>ortwepf>rtcn ^'Rtc^e»l.b'fMl^mf4nt 3^cnbtif# 
J>etf4)4ft ßi^en. t>nb mt<^b*orbentmgt)nb befel^. 
b'fd^en^rtubtlewt attflrt»afretob*Ä«fflant. cyti 
gariQ irtt rttttf fein f ofhit. b'criflm^ett ß« bef<|)h> 
then t>nb ftttgtut totb' bie tiiv0f en Qufhetten* Dnb 
«itterfc^ft oben lootte. Pnb fo ßirtbim folc^ 
vernntttgtonb alfo Qttbdlten. onb wa^ Qufonf 
tnen ftoevt Wgben. fol bet? etQbtfcbof obetr bifd[)of. 
baß tteti^ beg ^ilisen fren>Q ober m t^ttm 
X>nb b«t mw^ benritterltc^en orben.mttbenfdeii» 
tttteten bernttccfcfjaftaÄf oolbrac^t werben. @dl 
bererßWf£^offoberbiKf)^/beitt obcif benfelbm 
rtttent/ ji^ebetn eyn Bulben <tren:>Q/ mit einer fron 
yn einem ßirgcPel wnb ^m rechten arm binben^ 
baß felbtgc yeber x\c^ feinem «nUen mt golt per^ 
len ober ebelgefiein/ Qtren^ t>nb eg nu lob t>nb ere 
feine» menti^en t>nb criflenUffjen fiimemene ofJ» 
fmtBc^/ por allen fonigett/ Sötftenonb aller mc- 
nigflic^ tragen mogcF/ Pnb fol bey allen anberen 
rittem ipo ober »iebie ftnbtyben t>orga«grf^aben 
UHr omen/ fe^en onb tvellen cmö:^, tmtb fimberlt« 
4)e lieb wb bec|irbn)illent>e# beyrliaen crifJenli* 
69SXi ßlattbene/ Bon Homifcber f ^mmic^ ma<t)t 
»olfommentli^J^ eygener be»e0niß »nb rechtet 
tDiifen vn fraft biß brief^j / baß WSiöii^m rittce 
fl4)beüinbergen<» frey^enonbwnrbenfteweit 
onb oebrauc^en/ onbme^onb bober 0eac^tn>eri> 
t>m foUen/ >>^x\. anber rttter, fy werenßu ^ierufo» 
lern ober anbergtvogefdf^lagen vivio nacf^bem^? 
(bo<|> al# wir nit zweifeln) ijimb fol<be yr ritterli» 
(bl arbeit tmb ^t, \>vt bymeltifc^ fronempjttb^ 
^ geben tmbf4)6ppen nHr yneben namen ber a» 
ilr^nten ritter. tOellen awif) tjrtb fe^en/ baßly 
<ttt§09on menigClieb genenner PHbgeert werbenr 
Persunnen pnb erlauben ottc^ qu mebr ere» 



£yn verordenung u. £ yr. 47 

tmb ImStv 0ebe(^tra6 ^a% t>ie felben fietronteti 
«ittet/bie fold[>e yte ftcvo^mnb tvonmt oben ae» 
meltift/oertienet ^bctt/bte felbtgen ßtt enjiget ße* 
t»c<WJ yrc0cri(lenli4)enfttmemen6/<?t>ettttte»* 
Uc^en t^ten/ «Uent^Ib ynyvm fcPbtm / Keine» 
tenwib wap^jett/ ynt^miren/iiei^en/ynfyctel/ 
drabileinen/obev anderen Qicen/f^ven/Oebraud^en 
m^ ma^Kn mögen bo(^ aUein fut; rrpetfon/ trnb 
nit weyttet. SSaßrtbecyireeUc^leibßerbentJn^ 
fKw^ftmmten/ ^ (o\ä)aytnvitttt\iä)enti)(ittnf 
mä^fcetomvn^ Qentffen mögen/ 60 ttlaubm 
vnb oergunnen vm/ (m^wndbQemdtevT^hmv 
fc^evüomgltf^er nM(^t/OoIftmfmen^eit/ wtffeti 
imbbecpegniß ben obgemelten geHr^nten vnb vev* 
hinten vitttm t b^ß ytr ybet? mtff bem ^elm t)nb 
fleott eyn ffon fi«en nmgcP. »orfyc^ fettfl/»nb 
fein te4>t leybe eeUcI) erben. IDte felben f tron auff 
bem ^e(m ober geoir. ßo lang feyn tMäsvt flam 
ober namweret.^lucf) »or yren einigen. t>on «tten 
meniglic^en onangeforbett i»n^ ge^inbert. (Db 
m^ einer n>ere. berbi§el^bIi($eritterf(^aftt)o( 
bringen, onb bo(^ atte ritter» geipanbtonb Qirbe 
nit füren wolt ber. ober bie ftäben. ni^jte befler« 
minber b<»6 fren?Q p^b fron, yn vremfibiltPO» 
Hdbfelbe. pnbbietJronauff bcm Mm.t)or ^»nb 
^rnoc^ommen. ti>ieobgemeIttfl.fttrenrt>nbi!(|| 
ber felben Q» aUen ^anbelen pnb fleten. m 
(<|>impff onb erenft gebrauchen m6gen. iE» m 
iducf) feyn porangenommene ritterf^aft. fy ^}f 
Ifurs ober lanng gefurt- bißer I6bli<^cn rttter^ 
fcbafttrrmiei ober perbinberun« machen, fimber 
pngeirrct aUer anber ritterfdwtft magtf yne yber 
biße criflenlii^ pnb (^bli<^ ritterfcbaft- mit ben 
^irbten vnb folenniteten.n>ie oben gemeli i^k, pon 
nctpem^mnemmmpnb petbinen. Ob m»^ einer 



48 Ejn vwordenung u. f. v. 

yt fiin^weoerbinfice mb titttvlid) tlxttcn weijcii. 
pevumptnntrbert bem. ober bcnfclbm njollcit u)ie 
tw(|> ytemDe»?M«ncfitio(^mitctnem4nbew \m\ii 
ttonmynba^tvtvotütnbccnnaHn mb(v bamit 
^imtoni» erboten <;l6o. yeme^teyncrcynfrottert 
ynt>em ^irgel get©iiit. ye met)i*. yc b6bee artbcp ge» 
fronte «ttec obertrift. ünb be\^o Ihbli^tv imb (t* 
Itc^ an ßweyfd y» ben |)y nnellen »ub aujfeü» 
t>en flcb4U>en fol werben Üa(!b btm ahev bey «cot 
tmn almec^tiöenCalß bie fcfetifl fa«et'*?cy»t mtttt» 
fc^tb ber perpnen funber äße anfebeii «elei(t iü 
ß^en tnb ovbm wiv.ait<S) »on öBgemcltetKcmi' 
fi^ce f omgrfHt1)enn(;0t. oolfummen^eit bewe* 
«cntotibwifTen. b«ß bie. fo nit ebel ober wttcrmef 
ÜÖlenjfb ge<tc^tonb boc^ ^ufolc^er befc^irmunö 
.t>e^ ^ej^ligen criiienlii-ben gUubene aitt^ f omitieit' 
mit fiiiiberen genaben. fteybetea mnb tvtn cteßl» 
tetotib heQn<übt votvbm. w6 baß t^n ybtt bet «i^ 
OmH4)engeIaubeitbitieii. w\b u>te ob4einelttÜ> 
«yn yar langet mtf feine Porten onb geljotfa-u bct 
|)attl>tlen>t^ bienen onb (tttyten w?l SÖeii felbert 
tttt pftrt bienent. fol nac^ auggana beg iarea. 
Swtt^ben ^djineiiler fanbr Jörgen ^tbM- cba 
bie obgemelten baubcleiott). auc^ eyn güfbeH 
fretm^ien yn cyncm ^«IbgiUben tttit xftl x>i(net 
i^t abectitt f^ß. cyn aulben ftü^t^Hn yn eiMöö 
>oetfi^nßfegfel gegeben werben ©a^ felbige eyrt 
yb«t<tni|einemIeybobecgew4nbt aUßoeynfld' 
iietvov aQev meniglic^ttraftcn mager. t;u eyii^ 
f&)eyn vnb ßeicben feine* erUi^en vitbvttn^ öitb 
inanc^ey^^wn* foeftrodn beß beyßgen gtat^ 1 
Jen«n>eaenae(l)an bat ^^br fol (ttl(^ y n alten oi» 
(imbnvn bonbeln i)hb fachen, erlic^erönb^^ber. 
^emt miber Hm^ flmttd mb wtfm. OMd^t vnb 
- ' geert 



£]rtt verordenung u. £ "«r. 40 

geert tveti^en. (Dh <twf} ttfer einet obee m^t 
onne- t><:>n t>en obgemelten ^aut»ttetoten Don et^ 
nM^funi>evmanl<($crt^atn:>e9en betrdnipt tDtit» 
ben ben ober biefelben wollen witaud) tuid) yvtm 
vetbtnen mit n>apt>en t)nb f (einetcn ooc fic^ unn]> 
yr nac^ttmmen begnaben t)nb er^^en. <l>b 4u<^ 
«tf tcb n>e(en ^k von bem tar bag fy. toie oben 0«^ 
ffielt iit. binen foUen. bi;^ ^tetoQlen Quttaaen 0^ 

gerten bie felben. m^sen (yd) Qu bem ^ubtm^it. 
tv. wif yn yebiem etQbtihimb einen tferovbetf 
tPoUen- fu^en. t>nb bey vm fouil cielbee edegeti. 
«Ug et vngeifecrici) nu tog ober qu tttg ein iar )tol> 
turf^ tvurb. ^crjelbig ^auptman tpirt^ fnttil§ 
bann b4§(ren)^ tmb netd^ent^ie (id) oeburt 9nb 
b4r^ notturft'ict perKbceibun9.)nnföi[cb aelt yn 
htm tat go ebr binetßu ferner nottutftonb redg»^ 
ter 1^ pnbtpeyl wiber t^ugeben. pnlb bo mit mt 
.^uuerkfTcn. £«ag aud[) hymanbt fiel) befwer mt 
(okber fa^ Qugeben t>nb mit yebem ober erlegfig 
be^ gelte ftuuerpflicl;tcn aufobgemelterforbriti 
ber %aub^mt Querii1)einnt/^o nToUen tpir aU9 
tpo eimv ottff obeilimpt erforberttg mit itatiaiieili 
ober bl^biSeit feine» leibe belaben tvurb/ 4ti§0/ 
b«g er nitn?o( Summen mocbt t ha^ ym bann JoV 
^er fej^n eybt auff bae erjle iar/ ober bie tvatvi» 
\)üt fo Imtg tveren tmtrbe/ nit binbeu/ XXod) bü 
bur^ 4n feinen eren gelegt werben/ 1Iu<^ fein q,o 
legt gelt/ Meybenbilguguttergefuntbeit/ Ptib 
foifeyn ritterlid) t^'eycben ere vnb wirbe/wie oben 
fiet/ nit beflerminVuer trogen ottb Ifobtn, Vnb c^ 
ober bie ^ancfbeit lenger ; benn iar^ey t / tvev^tö 
^Igbonnr fol einen/ aI§ ym gleicbmefftgr 4h fe]^ 
lUbt Men/ ber folcb Steinet vnb ritteriebaft/t^ou 
fernen toegen uerbinert ^erner/ivoUen n>iif 40^ 
mit benpylgemelten^et9btieutenbe^te(le»/.ini9 



$0 Eyn verordenung u. H -vr. 

vtvfiiQmj b<i% (y, o^er yv einet/ wn rtHen toeoetv 
^en tttterit/aud^ an^ecll/^mle^f ugeti/vnb wtfpw 
<^en foUert/ nat^ auf ganotcf ^eß täte»/ tpibe« «uff 
3^ bejnnfart flewtcii; fy aitf^ mtff baß befl (<tl€ jV 
mögen) mit fpeyg wnb narung Oo<|) wie ohätnm 
tft; «uf yt>ee felbe foflen, fitt^ufe^en/ ixiß fy yn 
fiivQ ^uvittetM)cnt\i<ittn t^unon^ oolbrin^n 
jnogeii/ 5>cgerflen/ IDcnn turg^en gar t»yl groffen 
id)(^tn t^n/bennbevfelbenctiilen guter eyn ioe 
ertragen mogeu/onb bomtt bie turgBen Qttfvbec^/ 
t<t6 fy befiermmber mac|)t ^aben an Qugretf^ 
crijlentic^ (ewtb §cum anbern.baß bit gann^ g^ 
meinfebaft onb famlung^ mit getoalt Da^en ober 
i>ntterbru(fen bit t>ngeläubigen/vnb aIgo/t>nferm 
erUfer vyl feel Zugewinnen/ @o bo(^ (alß »or ge» 
meitifl) bU beyltge iäitift annetgt/ bag bem al^ 
mecbtigen got ntt gefeUtger fey/ no(^ I>ef(t)el)en 
mög/ban t>yl feien ^uerI6fen i>nb txa bem lic^t be§ 
gtaubenö ßttbrtngen/ wie ban foid^ Qubefeben; 
aug ber oogemelten baubtiewtb brifi^ f {erUcben 
furgenomen wirt. tOir (eiim aucb t>onobgeine(^ 
ter^^mifcberfoitiglicber ooltumenbett/ getualt/ 
bewegnie mb tDim^ba^ wiber bk, wie obgemelt 
ifl/bie fronten ritterfc^ft erwerben, wbbem ^ey» 
U^n criiienUcben glauben tin tar btenett woOetir 
(etnS gewalt/ gebrutb/ nocb wiber m yr leyb nocb 
0ut gelegt/ ^uc^ bie Qeit be§ tare6/ t>nb fttveen 
monben bamud^, (einntbern gertcbt no($re(|)t 
vmbfeynerley wiber fynicbt furgenomen/ getribi 
nod) geubet werben/ 6unber bog obgemelt tar 
9nb Qween monben ftiU Aen, t>nb Qu bem wefett 
«Ig erfttnben wtrbet auff gebebt fein fbllen/ bte 
Wir aucb <tIgo ye^t/algban/DUbben aufbeben 
tmb auff fleUen onb gebieten. !D<tr auff aUen Ptib 
yibem vnnfemi imb be§ ^eyligen «eycb» pnttep* 



»nb boonber nit tbun- 

. XO^iäm ^^ ^jmviber fveitdt4> tf^ett / on> an. 
ber^emeltenititter o^ec gut/ feeuelt« <^er sensit 
4nieget ^ec fol i9i2>«r.&enaIinf<<)ttgen9ot/ fe3m 
«iflenߣt)ett9l4itben/W^ 9mietUniQ!ii(^mi^ 
ikt/ (rttnco leie maieüsati» comnritttvt (xtl^, Ott 

iSat:^ttikt!in§imtxUubt(eytu iagioOen 3^001^1 

otteQitef In^tib pr^e^e totber bte ^etneUeit tiif> 

tevi9be(foli^ «nfec 0et>ot«itftge0an0en. tpbc««^ 

#^ biewir Attcbs^m al^baim. onbbamtolB 

jvQ- peirttk^tisen onb oM^ vnnb moimi. fmen 

«nb :i9ot(en- ^ta^ ej^n jrebci; t;ttter. bw l^tvn^ 

.tbtU' «nite Dtib ba% %Ua vev^^ir^elt. onb 

^ttiattil Atib<i»ipeneni>nMnr<m«ii. iM p>i» gegni 

vn^meroettfPevbenvieingertcbtM o^tlpm ^np 

.^. «i^.MQurittet;onbati<flI>«vlt<t».QunQi900 

■^ftt gcor«(^t ^ben ^aruittb foUent j» ffi;^ 

jmt^tnmi^ fhennge Httsv onbfnec^t. (p(4)«& 

tittevK&aft 9»b fletnetancucb nemen- onnb eu<^ 

lHj^yttfi^.jmvr^ lof>:yn ben ^jmtelen eto^ge 

• dlomi^ lo*! erlangen. fi>i(i bte obgemeiteKn fahb 

^eg; tmbanbrv^j'ligntteiN get^h^a^en. bie 

m» mit bf r ^ilff aotte&.aa ^eifUnbtonb btl^onb 

, ^ä Quüsnben^'erben qu ev^o^ungbeg ctmnlv 

'^11 ^i^>6n: i>nb memngbe^ Ub% onieve Wirten 

.bieftt ctifü. be» auc^ bttrtv f«^ öligen geifi ent;* 

gunbt vnb i>fvtt<% qu be(.loj[>li<^en nttevft^f^. 

■I>ag;«lfii; awg f<>M>««ji?itterltcben binflen/ tjfw 

cviiktnliä^n glauben vmv ft:u(^t i>nb bengef von« 

tim«itts^^6Devebirtntft>rin^n.3f^t>nQ onbben 

fiotttwn.^ftifb^^t^nnattujEfligQu t9ffllsn»bie< 



f% Eya veterdmimg u. C tr* 

Q4(^elrcitter. ^te 4l^o wifjitm tollten, tmi^ ^ 
$e^liQmcti^mli(^ ctlauben- S>ovtM(^^3^ «c 
tenunt^Dttb auflege fmntmtti wH^ bie (tmt an 
^le enSt n>ie otoemelt t^ fmen. t>nt> nac^ycent 

am feQen tmb «tbett. UHi; t^n anc^ allen bi« 
?i:<»^ funbtM ioW^ rtttevfi^Utgen olienf^c^ 
^e^enmonben Me Hec^ nac^ bem einent j^en. 
V$vnftc bri<f «bet; 4f>f(|)Hft bmtott geontivttrbt 
iMi>m onb ntt (enaevioeven. 3^bem cjm j^ebec 
SEvOibifcbor ^ec Wc9of ^(tt^e ootibtey ittonatl. 
j^ brejr momtVnbtMd^ «u|gatmHi;fe<^Qe^ 
Hieben, j^ oter tooc^en-i one. to« t«i( ftu veb«; 
^^^ftfnixMbm- f<:^ft(tc^bevk^t t^tm (bC toie 
9j^ e0t i>tt^hnti vitter gefc^lageA ^b. nrit yt 
t^beenftmett tmb Qtt nennen- '3(tM|) Qtt»^vAmec 
9e|)attOtngeobetn>oniin0-!Deß0(eü^bie|wtttM 
leu?t^ fotpiv vn 3;rebemerQ$tfhtmft ovben tpet^bfn- 
auc^ tlHtn fbuen. ba mitbte felben 10^3^ nottttrf 
tigtolKt^ n>tber bie (TötgUen dentfiimtmberf^ 
bem ntj)^ t)o4> Ntg jm yebemtar. ob* QiDeven. 
ben nec^fHrt- mtd^ bem etner (cUi^ vmtmitfi 
4tnn)mtbt.bei<:beben {d ^<tt t>bev emonen ttnb 
derbem n>tr. <tuc^ atk onb )m(M>e dnflenlieli 
f^ntdtmb Sätzen- mftv lieb bmbec. ^m onb 
fiemeinbe.9etflltcb mt> toemttk^. OltK^ aUen^ece* 
f^^tm t>nb gemeinb- t>nb onibM>nb3^ alier im» 
tetrtban. ba% fV fotttc^ I^bUd) vtttevfcboi^anneml. 
vnbbenj'venbatQu jrv^aff bejrflöfibt 9nb foi^ 
bentna.mittetCen tmb ben>etfbt tooftAtitl^ wis na 
fttoej^It einj^ev nac^ feiner onbac^imb Ueb. 
Bo ebt Qn 90t tmb qu crifienitcbeni gtoisben. tita» 
$en. tibun n>ett^. 

KDir n^oOen attc^ vrb üti^m bog byQ vnfbr 
f^ni0ltc& («on. b<(traitg nymbt ^ gfiMt^ 



Ejm v«ror<lMiung u. £ ^. a f^ 

(lb(äH(ift. tm^ einen c^m notatim vnberf^vtbS 
gleich Qlauh ^ea^m vottbc S)e6 «tUee t^u wn* 
m otfun^t iamn vm onfei; ff^matic|»e Julben 
M6<l s^^6^l><^d^^^*isml(»irm- lDer0e^ 



<ßebrttcftvnbt>«lenbet]mberSib(Ub^il4M( 
^j^Ht^cf- ülß man Qeit 4m^ CvtfH vnfevitie' 
ten|)eM!e»fle>iM!t^ Sfufent t>ä^tttt^est on^ yn 







^ JNiyen//i Schreiben über Bcy träge 

Äußer der bibliographifchen Seltenheit diefer kleinen' 
Sghrift ift* der Innhalt derfelben aus einem andern Gefichts- 
punkte fehr merkwürdig. Es ill der Stiftungs - Brief eines 
milkärifchen Ordre poür le merite , der zwar den Mitgliedern 
die nemlichen Vortheile verlpricht , welche die neuera 
Orden der Art haben, nemlich Ehre und die Erlaubnifs, 
ein Ordenskreutz zu tragen ; er hat aber den befondern 
ünterfchiedvonden Militair- Orden unferer Zeit, da6 diefe 
den Verdienften folgen, der alte St Jörgen- Orden aber 
den Verdienften vorausgiengl Wer fich anh^ifcbig machte, 
zwcy Jahre auf feine Koften im Felde zu dienen, der 
konnte fich von dem BifchofFe, in deffen Diogces er lebte, 
in dem Orden aufnehmen lafTen, und das Ordenskreutz 
Xxt8gtm\ «El war eine Mt Sübfcripäon /die damals , da 
riödiffcein miles perpetuus war , gewiß vgn guten .Erfolg 
gevvfeb feyn mag. Der Umftahd, dafs auch Unadelicbe 
in den Orden aufgenommen , und dafs fie ^ dadjirch Wap- 
penfähig wurden , mag wohl der ürfprung manchefe Ge- 
fchlechts feyn , das von diefer Epoche anfängt , und mm 
mächtig und glänzend geworden ift. 

'^^»^— H ill I 11 ■ ■ 

7. 

Schrtiben an J. Fried. Wüh. Schlegel in London, lieber 
Bey träge zur altern deutfchen LUteratur^ fo nicht 
herauskommen. Copenliagen^ 1788. gedruckt bey 
Joh. Friederich Schultz, Vniverjicäts- Buchdrucker. 

Copenhagen, d. 4ten Auguft I7S8*' 

Ob wie Deine Briefe von London aus überhaupt intereflant 
gewefen find, fo find auch die Nachrichten von der dafelbfl: 
: herrfchenden Publicitet fehr merkwürdig. Was ift unfeic 
Schreibfreyheit und Publicitet in Vcrgleichung daiÄit? -^ 
'Doch, wir haben ja die Debatten der Landwefens-Commif- 
fion gedruckt bekonunen ; warum follten wir, dann auch 



zur altern teutfchen Litteratur. g$ 

nicht hoifi^n dürfen, daß die Akten der Akademircbeil 
Commiflion, der Annen - Comiciiflion , Finanz-Commiflion, 
wie auch der Gefetz-Commiffion durch den Druck bekannt 
gemacht werden ? — Genug aber von diefem Steckenpferd ; 
Qu weift» dafs ich deren zwey habe , PubUcitet und 
Volksaufklärung. 

Beckers Buch, nach dem mir fchon lange (b febr 
▼erlangt hat, da ich darinn ein Mcifierftück von wahrer 
Baurenpraktik zu finden hoffe, ift noch nicht hier zu 
haben. Eine andre deutfche Schrift ift aber diefen Sommer 
ausgekommen , welches eins von meinen Qpera affeAa 
gänzlich vernichtet Und hiermit hat e& folgende Bewandnift : 

Die milden und vortheiihaften (Jrtheile , Avelche in den 
Götdngifchen Anzeigen und der Jenaifchen Litteratur- Zei- 
tung über die auf Koften des Kammerherrn Subnis heraus« 
gegebenen Symbola* ad Litteraturam Teutonicam anti(}vi(v 
rem ex codicibus manu fcriptis gefallet worden, gaben 
mir Muth und Luft an Symbolse ex libris impreßis zu 
denken ; um Co viel lieber , da ich , je meht ich in diefem 
Fache (ammle , defto mehr mich im Stande fehe , zu feiAer 
Zeit der Gefellfchaft für die Nachkommenfchaft einen 
Catalogue raifonne über Dänifche Volksbücher zu liefern , 
die meiftens alle von deutfcher Extsadkion find. Von allen 
den Ingredienzen, aus welchen diefe Sjrmbolse hätten be- 
ftehen foUen , war kein Stück mir wichtiger und lieber , 
als Jacob Pütericfas Catalogus über feine Bibliothek , ver« 
faflet 1462 , und gedmckt in Duellii Excerpta Hiftorico* 
genealogica ; dafi dieTes Monument nicht iK)n Adehmg 
in feinem Magazin der deutfchen Sprache gebraucht worden 
zu feyn fchien , verwunderte mich fehn — Aber wa« 
gefcb^! — ia N\ iii von den Götdngifche Anzeigen 
fehe ich, dafs Adelung in der Dresdener Bibliothek durch 
einen Zufall diefes Stuck im Duellius findet , und es hat 
abdrucken laffen. Ich faumte nicht > lief auf die Börfe , 
wo ich zu meiner groflen Freude Jacob Pü$irkb ia ttobs 



5$ Nyerup's Schreiben über Beyträge 

Buchlädeh fand ; fand ihn bearbeitet , wie man es von 
Adelung erwarten koijn^e , da^s ift; mit einem folchen 
Apparatus von Erudition , glücWichen kritirchen Conjedluren, 
und fcharffinnigcn Anmerkungen verfehen , dafs ich mich 
hfk über meine trockene Idee fchämte ^ welche blos auf 
einen fimpeln Abdruck vom Text des Duellius hinaus gicng, 
(|a ich , als blofser Liebhaber , mich nicht zum Commen« 
tatpr aufwerfen dürfte. 

Nun glaube ich alfo, dafs ich mit meinen SymboloB 
ad Litteraturam Teutonicam ^ntiqviorem ex libris impreffis 
innehalten mufs, da noch diefcr Grund hinzu kömmt, 
dafs mir, außer andere SubGdien zu einer folchen Arbeit, 
die mfr mangeln, auch Oberlins sämmtliche litterarifcbe 
Schriften und die MüUerfche Ausgabe von den fchwäbifchcft 
Dichtern fehlt , welche weder auf der Bibliothek des 
Königs , noch des Kammerherrn Suhm zu haben find. -» 
Ich will Dir doch ein Paar Stellen von dem mittheilen, 
was ich zum Gebrauch diefes , itzt aufgegebenen , Colle(;« 
taneenbuchs annotirt hatte. 



JL/ie eine Stelle war aus der Vorrede zu Johamüs Agrlcola 
Teutfchen Sprichwörtern, Hagenaw if H» 9* 

„ Renner der gelebt hat anno i^oo fegt vonCreck, 
„ Ywan, Triftrand, Konig Rucker, Parzival und Wiglois. 
,, "Wir kennen fonft den alten Hildenbrand , Dietrich von 
„ Bern , Herr Ecken , König Fafolt , Rifen Signot , den 
„ edlen Moringer , Ritter Pontus , und was die TafFelninde 
„ vermag. Es i& geruhmet Freidanck ♦ Ritter vom Thum , 
„ Marcolphus , die fieben Meifter ; und was bey uriftrm 
„ Gedenken ift neu worden , Ccntinovella , das Narrenfchiff 
5, Sebaftian Brands, der PfafF vom Kaienberg, ülenfptegel, 
„ und Thewerdanck. Aber bey den allen ift kein Hilfie , 
„ Sprichworter zu holen* *^ 



r«ur altem tiuefdien Litteratur. gf 

Eine andere Stelle ift ai» BrunöiV SeideUi Pareemiae , 
Ethic«, five , fententiaspirovcfbiables & moralet. Francofiirti 
ad M. i$89* 8. foL B. ). 
— — „ Sunt qvi amant dideria Grylli ; 
^ Et qvi Smosmannum cupiunt andire per annua 
„ Turpiadicentem, vel Svarmnm fpuroa loqyentein; 
„ Qviqve legunt Pfaffi Calebergi ftäa , vcl affi ; 
I, His .placet infanus Neidhart , Laurin qvoqve nanus^ 
,, Corneus Seuftidus bonus eft nonas per & idus; 
,1 Marcolf laudat;ur ; Eulenfpigeius amatur ; , 
,, Et qvis non legit^ qv« foater Raufchks egit " 
Hieninter find yerfchiedene mir ganz unbekannedF 
Namen , z. B. , Qfj^p^ Smosma»miT , Soamrns , Raufibhui 
TermuthticV find es kleine unbedeutende Produdte des. 
XVI Jahrhunderts, 

Die Verfe von Remter ^ die A^frioola an der oben 
angeführten Stelle im Sinne hatte, find entweder folgende^ 
Fd. 9. • 

„ So feindt/bekant durch Teutfchlandt • 

„ Erich , Iwan , und Herr Triftant , 
„ Künig Rucker, und der Parzenaw (val) 
„ Und Wigalis , der groffen Schall 
„ ficjaget hat und höhen Preis. *' 
oder diefe Fol. 82. 

„ So fpricht eyner: ich höre gern 
, 9, Von Hern Diederich von Bern, 

4, Und auch von den alten Recken* 

5, Der ander wil von Hern Ecken. 
9, Der dritte wil die Reuflen fturmen« 
„ Der fünfte wil Hern Trühint 
„ Dem fechften ift Herr Eckes Haff bekandt. 
„Der fiebende wil Hern ParzevaL 



Si Nyerupi Scbreibin über Beyträge 

„ Der achte die Tafifel nmde über «11. 

„ Der neunde Kremolden Mcxrt 

„ Der zchende der Nabeliingcn Hort 

,, Der zwölffte wil Rücker befunder. 

M Der dreizehende Künig Alexanders Wunder. 

^ Dtefer wü den Ritter mk dem Rathe (Rade) 

), So wil eyner gehn zu dem Bade. 
In der Vorrede des Buchs Der Seeleu TVq/? fteht auch 
eine hieher gehörige Nachricht : „ Vele Lude £yn de 
fj lefen wertlike Boke — — Ichte» welke Lude lefet 
„ Boke. van. Per&ualen, unde van Triftram, unde yan 
t» Hern Dideiicke van Beme ; unde in even Boken en yi 
^ neyn Nut, wente men en vint dar nicht' der Selen 
^, Troft. Vele ifunderliker Lude hebben gewefen , de de 
ff Werk mnme voren beyde ouer Water unde ouer Lant« 
^ datTe. Auentiire beyagen ,wolden , unde Wunder be- 
,, fchauwen^ unde nye Mere hören. Vele Vorften unde 
I, Heren Ryddere unde Knapen fochten ouer yere Laii 
9, Konningk Artu^ HoiF, unde vorloren al ere Arbeyt« 
^ wente fe en vinden dar .nicht der Selen Troft. De 
„ wundcrrleke koningk Alexander de leyt fick de Gryphen 
,, voren in de Lucht, umme dat he Wunder mochte 
„ fchowen. De hege wife Meyfter Applonius Jiror ouer 
^ mannich konnigrike, unde wart gevangen unde hadde 
„ groten Tamer « uppe dat he füge den güldenen Dlfch , 
^ de ut deme Mere gevifchet was. '* &c. 

Auch der Umftand verdiente bey Geltgenheit bemerkt 
zu werden , dafs fTigoieu mit dem Rade in jüdifch- 
deutfcher Sprache in Wagenfeils Buch von der jkdifcb- 
deutfcbeu Rede und Scbreiffort &sht : 

Es verfteht fich von feibft , dafs alles was unmittelbar 
auf unfie vaterländifehe Gefchichte und Litteratur irgend 
einigen Bezug hat , mit Sorgfalt würde au^enommen 



. 2ur altem teutfchen Litterafeur. g^ 

^imdpn&yn, z. B., wie nach Saxos Erzähtang ein deuU 
feher Sanger im Jahre ;ii|2, folglich lange vor Verfer^ 
ägui^ des Heldenbucii^ ein Lied von Grimildens Rachi» 
&tig , \im damit Knud^Laward zu warnen , da er durcj^ 
y^ntherey voa feinem Ve^r Magnus ums Leben gebracht. 
w«rde. 

Endlich zum Befcblirfs eine fonft unbekannte Anecdot; 
aus der G^fchichte der Metfteft^Sänger» die als dn kleinec 
Beitrag zur Karakterift& unfers Königs Friderichs III aogOf 
fchn werden Ican. Sie lautet, aus WagcHfetKi Commeol 
4atio de Civitate Noribcrgenfi pag. 492. wie folget: 

^, £s lebt zu Nürnberg ein Meiiler - Singer nahmeni 
9, Cbri/hpber Hafner , feines HandwciBks ein Zeoclv 
f, Weber, welchen ein im Jahr t66S dafelbft durcbrol- 
\, fendcr Königlicher Dtniibber Secretariü» g^n eint 
w zimliche Belohnung verinöget , einen' Amfchelvogel« 
li welchen er erkauft hatte , und der 6 verfehiedenc 
9, Melodeyen gar artig pfeifien konte, der damals lebeiidep 
^ königliehen Majeftät von Denncmark f Hederich III nach 
„ Copenhagen zu überbringen. Nachdem nun ^ der Trägipr 
% mit feiner Amfel dafelbften war angelanget ^ und der 
„ König fchon vorhero durch driT Secretärif Scbrcäben wjur 
„ benachrichtiget worden , daff der vngemein liblicli 
„ fingende Vogel auch durch einen Meifterfinger gefchicht 
„-werde, haben feine Majeftät, fobald diefer fich ange« 
„ meldet ; ihn wor fich zu kommen befohlen , und gröflcrc 
„ Begierde getragen , fein , als des Vogels Singen zu wer- 
„ nehmen; derovegen verlanget, daff er fich alfobald foltc 
„ hören laffen, und find zu folcher Mufik die Köm'gin, 
„ wie auch die Prinzen und Prinfesinnen beruften worden* 
„ Der Meifterfinger, welcher ^r fich eines gar luftigen 
„ Humors, hat fich auch nicht gefchpuet, fondern feine 
„ Meifterlieder in fo hoher, und auch des ganzen Hofes« 
n Gegenwart zu fingen angefangen. Über welchen dann 



fo Nj/enqfs Schreiberi ^ber Bcyträge &c. 

^ der Konig ein fo gnidiges Wolgefidlen gewonnen« dtf 
„ der Meifterfinger hierauf die i| Tuge, welche er fioh 
9, zu Copenhagen aufgehalten., allezeit dergleichen Lieder 
y, vor der Tafel fingen müflen; es hat auch höchflgedachter 
9t König bei ihm anhalten laflen, er möchte dög in Copeo« 
„ hagen beftändig verbleiben, und feile er auf dasbeAct 
^ und wie er ^ nur verlangen kante , gehalten werden^ 
^ Nach dem er aber an den geringen Leben , de(ftn er 
I, gewohnt war , einen gröflern. GefiiUen , ab an den 
,, Pracht des Hofes , getragen , auch lieber zu Nürnberg 
,, unter fdnes Gleichen , als unter grollen Iferren , feyn 
^, wollen ^ hat er üoh mit ftinem Weib und Kindern , die 
fy er zu Nümbeig hätte, entfchuldtgt« DaraulFder Kdnig , 
,, als er vorhero mit einen fchönen neuen lüdd, einen. 
^i anfehidichen StüQk Gelds , und gnädigften Fürfchrif^ an 
^, einen hoch-edlen Rath der Stadt Nürnberg war verftfaen 
^ worden, ihn in Gottes Nehmen zu ziehen befohlen, 
^, Es ift aber diefts Mannes und feines Singens Andenken 
^ königUcher Majeftat nie aus dem Sinn kommen , finte« 
>, malen 9 1b oftfiein Erfahrung gebracht, das ein Nünu 
^ berger in Cq>enhagen angelanget, nachzufragen gebotten« 
>, ob Cbrifhpb Hßfmr der Meifter • Singer noch in Lebei| 
19 ft7i imd fe^ Singen fleisfig fortftze. ^ 



6t 

Ein SuctifiaDcilerkatalog öder ßuclifu^t'erävertifre*» 
tatnt von Dr. Luthers Reforrnation, entdeckt 
durch Hrn. Bibliothekar ^crm^, :^^ J^opcäh^ 
% gen. 

h dnetn SJtreihcn vk den tkrausgcber i^ MiigMim^ 

jDa überhäufte Oe&häfie . qiidh ibhön i*aii||e Verhindert 
haben ^ und , wie ieh t^ft fürchte ^ noch lange verhindern 
werden, etwas pur Erträgliches für das iV^. HHerarifibe 
ifagds/i^' auszuarbeiten oder züfammeh^utragen ; fb fr^utf 
ieh micli nicht wenig, äemungeaehtet durcheilten Zufall 
in Stand gefetzt zu feyri , einen kleinen Beytfag zu Ihrie!)! 
Mi^iaiine liefern Zu können^ Ich habe einf nicht ütiinte* 
re^te Cntdec}cung gemacht^ Sie befteht in einem nur auf 
einer Seite gedruckten! Folioblatte , welches andern BandCs 
tiniget im XV. Jahrhunderte gedrucktdh Schriften angp. 
klebt wzt , und einen alten Buchhän4lerkatalogen odef eih 
BucbHihierayenifrement enthält« Er lautet wörtlich ^ wie 
folget 

IVitlih fy älliH iüdiH dat hir Jßnd iö kope dijß 
Hagbefchreuene bott in düäifcb. h das iehigen bitigiiilt 
is ^ deffi nacbgefchreüem boki aOi idder ei/ike to koptri tU 
nmcb kamen in dt ßtdt eider, Herteergß bvr Ha gtf^blreUimf 
be febal l)inden enen ptilien Verkopfr.. , . 

Itein de ßlblie n^ den figiiren de« idkkn ünde nioi 

Tefiamentes« . , 
Item dat PäfDdnal , dat is tliliigen lideni mdc leueflt » 
dat is een Spegd der minfchen leueat, wcote^ #1$ 
fönte Atiguftinils feolUi , ncfen dtnk thu^t den minfcheti 
ib Iber to dogenddto ünde tan den undogheden , ab 
de der hOUghca leiient i^ikcn h»rca Itfen cd^er 



6z Buchhändkrkatalog^iKaLilcfr Reformation. 

Item de Euangelia auer dat gantze jar , mit der glotzen t 
lin^e befunderen in der vaflen alle dage* . 

Item unfes herea leuent mit den iiguren, alzo de Et^äQ- 
gelifieft' hebben befchreuen. \ , _ . ^ ' 

Ittlit da teyh Gi6bc>de gades^'Mit der Qthdadin|;i&f v6 meti 
de fchal verftaen. Ok mit den figuren .der:.;bade, 
unde dcc-^ljlaghea de..eaeme tokamen , de, ^. Iv^de 
auertreed un de rade unies heren , dat find de bade 
de nie^i .Ee. ' .: ' ^ . '' ; 

|tem de pallie, dat is dat lidcn, unC^s heren , niit (proeken 

unde betrachtinge der liilligen lerers , bifimderen 

, mit den vraghen Ancelmiy unde mit den gHeeftiikca 

,. tho 'relfmghe der innicbeit, als funte Beniardus b^ 

" fchrifft. ' ' 

item cen fchon lermoen , wo ecne luhcfruwc cf eft luflC- 
fruweliken ilaieth fchall be waren. 

item de hiftorie van der verftorihghe der ftad van TroyCp 

Item de hiftorie van deme groten köninge Alexander. 

*Item eene hijftorie van den föüen wiifeh meyfteren undc 
is tomale ghenoechlik tö lefende, unde me vind ganz 
gude exetnple dar inne. ^ '- > 

Item de hiftorie van der duldighen vrouwen Grifeldis de 
cen Speg$l is ghewefen aller eetbarch vrouwen in der 
duldicheit. ' ' *^" 

'^Item eene gantze feltzene hiftofie van eener köninginnen 

*'"' gebeten ffleldfina dar de Koninge vart Cipi'eri ^ van 
Frankrik, vafn Arrogomen, van BrCftien, linde- vta 

'*• NofweghÄi , 'Van' ghebargfi'^fiÄd; ündevä^e -l^hdef 
Greuen , heten unde voritcn , als hieh in -der bifto- 

r' rieh Weh • mäöh. ' - ^ . . ■ *. - 

' Ilem eene- godlike lere unde venfiiaflinge , wo fik twe 

^ mirifcben in deine faoramente de hiUigen fo-- holden 
- fcholen, dat-& gade mede behegelik wenien mogea 
Item van^VUI Aade-der teAxsS^nr^^.^t* . . 



Bttcfahäodlerkaiaiog vor der Reformation. 63 

Item van IX fiücken dar me gade wol jnede denet unde 

behegeiik wert 
Item de ZdentroefL 



UieBöcher find mehrent^ls, ictzo bcronders aus Hrii. 
fanzers vortrefflichen Annahn^ bekannt genug. Der Druck 
des Blattöis, fo wie die Bucher felbft , zeigen, dafs diefci 
AverÖffeiÄcfit äWsr als die Reformation fey. Nur Schade, 
dafs wedpr der Name noch die Herberge des Buchfuhrcr$ 
auf diefcm Blatte bcygefcTineben find, fondern die Unter- 
fchrift ganz in blaiifco geiafseA ift. ' * 

Kopenhagen d. i7ten Jun. r7g9. 



C. A Lcm^nich's Nachricht von einer in der Ober* 
pfarrkircbe zu St. Marien in Danzig unlängtl 
voa ihm entdeckten , und feiner Äufficht 
nunmehro anvertrauten Bibliothek; nebft einer 
Befchreibung der ältefteii gedrucktea darinii 
befindlichen Bücher. 

JJie Entdeckung einer ateen , nicht tmbetrachdichea 
Bibliodick, in der crften Proteftantifchea Hauptkiich« 
einer groffcn Stadt, gegen das Ende des achtzehnten Jahi;. 
iiunderts, gehört zu den f^lteneren litterarifchen Merk« 
würdt^eiten , deren Bekanntmachung den Ljcfem eina 
bibliögrapbffcbeH Magazim wohl nicht unwillkomn^n feyn 
durfte. In mehr als Einer Epoche ihres Dafeyns hatte die 
Bibliothek, deren kurze Gefchichte und Befchreibui^ ich 
hier mittheilen will, das Un^ück, eine lange Reihe von 
Jahren hiodcirch bey nsdic ganz v^rgeflen zu werden* Sdhft 
in diefem Jahrhunderte noch ent?og.fie fich, im Genufa 
tioer iieun^Eigjihrigen Aft ununtecbrocheaen Ruhe, dem 



^4 C ß* £eify)tfV*i Nacbtiichi yiOT der Bi bllcHhck 

Ibrichendktrl . Ali^ des BüphertiebhaW^ , unS : e» gelang 
mir nicht eher , als im fechs^ehnten Jahre Jüäner Amts- 
führung an eben der Kirche , in weteber fie. aufikniEBhit 
Wird , disfelbö näher kennen tu lernen, Zehrt Jahre früher 
Würde diefe Entdeckung iSicKIrTaen Stand geretzt haben ^ 
nuttiches typographifche Produdl des funfäehtttea Jahrhün^ 
äerts irj. nftinen Bo^rageH « un,d Nacbricbf^u zur Bücher' 
*«Ä4f zueril ans Licht zu Äieheo^. mit deffen Bekannt- 
inachung mir nlinmeHro die Herren BrauU ^ Deniti 
VIemeimry Puftzer ^ SeemiUet ^ Straufiy u. a. zuvorge- 
kommen /mi Jptzt aber, ift nur. nur eine kleine Naohkfe 
noch übrig geblieben , an der ich ^ ohnt das Glück und 
Verdiejg^. Jener Bibliographen zu beneiden , mir genügen 
laffen öiufs. 

y/fzA ich von der Stiftuhg und den Schickfaten diefer 
Bibliothek Zu fagen weiß ^ habe ich grödentheils dem 
ungenannten VerfaiTer einer im Jahr 1694. von derfelben 
hiödetgtifcliriebenen Nachricht ^u verdanken , ohne gleich- 
wohl di€ Quelle, aus welchen* er fohöpfte , zu kennen* 
Mit dieCbr Nachricht von dir Enfiftebung ünfrär Bü(äher- 
fiimmlung. ibheint indeflen. eine . andre fchrifdiche iii einen! 
Foliobande befindliche Anzeige im Widerfprudh Äu (lehn, 
in welcher Heinrich Calo-Wi ein ehemaliger Kapellan art 
«nfrcr Marienkifche , ausdrücklich der Stiftef derfe!beto 
^primuf Ütrarie buius btnefaSir ^ eiusdem ereSlor ^ 
4nfliimör) genannt wird. Den fcheinbaren Widcrfpruch^ 
tur Vereinigung jener An7!eige mit dör gleich folgenden 
Erzählung , zu haben ^ murs kh nothwefndig annehmen ^ 
dafs in frühern Zeiten fehon ein aus alten Handföhriftetf 
beftehender Büchervorrath zum Gebräuch der Prielterbrqde^ 
ic^aft an diefer Kirche vorhanden -geweSfen f^ j der nach- 
nutls mtt d«r fpäter geftifbet^n neuen Fibliofihek verbündeii 
worden ift. Zm diefer Wurde ntin im Jahf 14.^0 Vdnetnä: 
Sdlen Dante , Ptaii d^bkrina gc^b.« Ciyibe i cantfr Gattinn 
i€8 um DMMig fe»hr vtt^ienten ftatbsberin JobonH 
• - • ■ Mtf^deborg 



In der Marienkirche zu Danzig. 6j 

Meydiborg * ) der Grund gelegt , die (ich auf ibrerA 
Sterbebette von ihrem Gatten , ihren Kindern utid Ver« 
wandten , die Ausführung eines Entfchlufses erbat , den fie 
längft fchon in ihrem Leben gefafst hatte , in der von 
ihren Vorfahren zur Ehre Aller Meiligen in der Mßritn^ 
kircbe erbauten Kapelle eine Bibliothek zu ftiften* Ihr 
Unterbliebener Gemahl vollzog auch bald nach ihredi 
Tode ihren letzten Willen , indem er öffentlich in einer 
Sitzung des Käthes und in Gegenwart der dazu erbetenen 
Zeugen durch- ein Notariatsinftrument » die vörhiii geiiaiuite 
Kapelle zu einem immerwährenden Aufenthalte für die nach 
der Verordnung feiner verdorbenen Gattinn anzufchaffendeo 
Bücher , und zugleich zu einem Verfammlungsorte be« 
itimmte, an welchem die Friefter der Kapelle mit dem 
Herrn Infpeäor und den Vorftehern der Kirche , jährlich 
einmal wenigftens , zur Revißon der Bibliothek zdfammen« 
kommet! follten. Darauf würden die Bücher ^ welche zur 
Grundlage derfelben dienten , von Herrn Meydib&rg 
erkauft, und äurch fein Beyfpiel mehrere, um diefe neue ' 
Stiftung fich elbenfalls verdient zu machen , ermuntert« 

*) Schutt neniit ihn iri feiner lateinifch gefchrlebcheii Fretifs» 
Gefcbicfjte ( Hifloria verum Prufs. Gedani 1769. foL ) 
JUeideburgy auch Meiä^Burg. Turike hat den NaAien In 
feiner Befchfeibung der Stadt Damig gar vetftümnieli , und 
dadurch ganz unkenndich geixiacht Hey ihm heifst er 
Weidenberg — Da Freujfen im Jahr 1454 vom Joche der 
Teutfchen Ordensritter fich losrifs , war Miydeborg mit einer 
Ton den 12 Gefandtcn der Provinz an den König Cafimir 
Ton Folen, Im Jahr 1460 wurde er , bey der Vertheydigung 
des der Stadt Danzig gehörigen Dorfes Praufl geg^n die 
Ordensritter, von den letzteren gefangen. Nach feiner Wieder« 
hcfreyvnghalf er, als Anführer des Danziger Fu&volks, fie 
in einer 1462 ihnen gelieferten Schlacht befiegen. Er beklei- 
dete 38 Jahre die Würde eines Danzigef Rathsherrii , und 
ftarb als älteftes Mitglied des Raths 1469 in einem ehren- 
voUen Aller von 77 Jahren. S. Schütz am a. a & 347. 454« 
46a. 474- 

1 



66 C. B. Lf/i^mcÄ'i Nachricht von der Bibliothek 

Von einigen gefchah diefs durch G^ldvermächtnilse , vor 
andern , Einheimifchen fowohl als Ausländern » durch 
Büchergefchenke. *) 

Den größten Zuwachs follte die Bibliothek im Jahr 
1^46 erhalten, in welchem unfer berühmter Pancratm 
Klein ^ oder richtiger Klemme'^*) ftarb , der feine ganze 
Bücherfammlung der Kirche durch ein Teftament vermacht 

*) Die Namen diefer fowohl als der fpäteren Wohlthäter unfret 
Bibliothek, habe ich in dem neuen Catalog derfeiben, tlieils 
bey den einzelnen Büchern angezeigt, theils in der vorang^ 
fchickten ausfuhrlicherenGerchichte der Bibliothek gefammelt 

^*) Die von diefem Manne noch vorhandenen und zum TheÜ 
mit feiner eignen Hand bezeichneten Bücher liefern einen 
nicht unbedeutenden Beytrag zur Berichtigung feines Namens 
und feiner Gefchiehte. Die Preuflifchen und Danziger Kirches- 
fcribenten nennen ihn durchgängig Klein : er felbft nennt (ich 
Klemme. Sein bisher von keinem Schriftftelier bemerkter 
Geburtsort war Hirfchberg in Schießen. Seit dem Jahr 1526 
predigte er fchon in unfrer Jobannskirche ^^ und von if29 
bis an feinen Tod in der Ohetffarrkircbe/ Er kann mithin 
nicht erft im Jahr 1936 als Prediger an die letztere Kirche 
berufen worden feyn , da er fchqn 1532 lieh ausdrücklich 
auf einigen Büchertiteln das Predicat eines concionatoris und 
prsedicatoris templi diuae virginis beylegt. Vielmehr erhielt 
er in dem gedachten Jahre nur ( wie Botticher in f. ge- 
fchriebenen hiflor. Kirchenregißer berichtet) aus Schlafs 
aller Ordnungen der Stadt den Auftrag, zu einer gewiifen 
, auf die Sonn - und Feyertage angefetzten Stunde (da zugleich 
die Päbftiichen Kkchengebräuche in eben der Kirche noeh 
fortdauerten) einen Lutherirchen Sermon zu halten. Sicher 
hatte er fchon mehrere Jahre vorher die gereinigte Lehre , 
aber im Mönchshabit, und ohne Aufforderung feiner Obern 
dazu, verkündigt. Allein nunmehr trat er als öffentliol^ 
autoriOrter und angeftellter Evangelifchlutberifcber Frediger 
im Jahr is36 zuerft auf — Das richtigere Datum feines 
Todestages fcheint der softe September 1546 nach BStticher 
zu feyn. Hartknocb läf^t ihn am I9ten December altea» 
oder soften neuen Stils i^ben. 



in der Marienkirche 2ii Danzig. 67 

hatte. Allein es yerfloffen leider 60 Jahre , ehe der Ueberreft 
diefer Sammlung , nach dem der gröffcre Theil derfelben 
in Privathände gerathen und zerftreut worden war , im Jahr 
1606 der Kirchenbibliothek einverleibt wurde. Und feit 
Jener Zeit /md fo wenig neue Bücher hinzugekommen, 
daß die unbedeutende Vermehrung derfelben in den beydcn 
letztern Jahrhunderten kaum erwähnt zu werden verdient. 

Doch diefe feltene und fparfame Wohlthätigkeit war , 
lange nicht das traurigfte Scbickfal unfrer Bibliothek. 
Weit trauriger war der Zuftand, in welchem fie hierauf 
noch ein halbes Jahrhundert hindurch fich felbft überlaffen 
blieb. Ohne Ordnung und Auflicht lagen die Bücher da, 
oder hiengen vielmehr an eifernen Ketten» von Staube 
bedeckt, ein Raub der Würmer , und von keinem Menfchcn 
genützt ; bis endlich Herr Johann Ernji^ Schmieden 
der Bibliothek in ihrem verwayscen Zu (lande als Kirchen^ 
vorfteher fich annahm , und die noch jetzt vbrhandenen 
Schränke zur Aufftellung und Bewahrung der Bücher hinter 
verfchlofTenen Thüren im Jahr 1660 errichten liefs. Das 
Jahr darauf wurde diefer würdige Mann von feinem Pollen 
fchon zu höheren obrigkeitlichen Würden * ) abgerufen , 
und mufste daher die noch übrige Sorge für einen brauch* 
baren Catalog der Bibliothek feinen Nachfolgern im Vör- 
lleheramt' überlaffen. , 

Lange fcheute man die auf die Ausfertigung deffelben 
zu verwendende Mühe, weil man die mit der Durchficht 
und Aufzeichnung beftaubtcr Bücher , und alter, zum Theil 
unleferlicher Handfchriften vornehmlich , verknüpften Be- 
fchwerden fcheute. Und da zuletzt nach %^ Jahren die 
Furcht vor der Uebernehnxung diefer Arbeit überwunden, 
und ein dürftiges Bücherverzeichnifs im Jahr 1^94- 2u 
Stande gebracht war , glaubte man alles gethan zu haben , 
um feine Hand auf immer von der Bibliothek abziehen zu 
— - 1 ■ ■ ■■_■-■■-..,,-,- . — — ^ — ,^___^^_^^._^_^^^ 

*) Er ftarb als ältefter Bürgenneifter Danzigs im Jahr 17.07s 

' E 3 ■ 



68 C. B. LcngnicKs Nachricht von der Bibliodiek 

können. Wfirklich fragte feitdcm niemand , oder wer da 
fittgte» vergebens nach derfelben, und man hätte ihr 
ftiglicfa über dem Eingange die Grabfchrift fetzen können: 
BENE LATET. 

Endlich foUte doch noch ein günftiger Zeitpunkt 
crfcheinen , diefs Bene lotet in ein Bene latuit zu v,er- 
wandeln , und die Bibliothek ihrer urfprünglichcn gemein- 
nützigen Beflimmung wieder näher zu bringen. Ein Zufall 
mufste mir den Catalog derfelben im Jahr 1789 zuführen, 
und dadurch die erfte VeranlafTung zu der längft gewunfchtcn, 
aber oft umfonft gefuchten Bekanntfchaft mit diefer Bücber- 
ßimmlung geben , die ich der Freundfchaft des zu der 
Zeit verwaltenden Herrn Vorftehers Gerbard gegen mich 
zu verdanken habe. Von ihm erhielt ich auf meine Bitte 
die (b lange ungenutzten Bibliothekfchlüflel , die mir bald 
nachher im Namen der fämtlichen Herren Vorftehcr , mit 
der Auflicht über die Bibliothek , zum befländigen Gebrauch 
übergeben wurden. Freylich waren meine Erwartungen von 
diefera bis dahin verborgenen Bücherfchatzc zu hoch gc- 
fpannt ; als dafs (ie völlig befriedigt werden konnten. Die 
Hoffnung , gute Handfchriften , oder feltene Originalaus- 
gaben der alten Cladiker in demfelben anzutreffen , fchlug 
mhr gänzlich fehl. *) Indeflen fand ich doch, im Ver- 
hältnifs gegen die geringe Anzahl von Büchern , einen fo 
beträchtlichen Vorrath der älteften und feltenflcn Drucker- 
denkmaale, in gröfstentheils vortrefflich erhaltenen Exem- 
plaren ** ) , daß es mir bey der erften üeberficht derfelben 

•*!■.*■**— —"^^ II ■■■■II I ■ I I I ■i.i I, ■ I I I "* 

^) Ein eiaziger Falerius Maximus , dea ich unten anzeigen 
-werde ^ hat fich hieher glelchfam verirrt. 

**) Die mehreften haben noch ihre braun oder rotii ledernen mit 
Meffing befchiagenen Originalbände, URd weil iie nnr einmal 
durch des Buchbinders Hände gegangen find , einen zur 
Gröfle d6s Formats verhältnifsmäBigenoft fehr breiten Rand, 
der die Schönheit uhd den Werth derfelben erhöht Sie find 
ül^dieCs fiaft alle tubricirt, und mit gemalten, auch zum 
Theil prächtig vergoldeten An&ngsbuchftaben geädert. 



in der Marienkirche zu Danzig'^ 59 

fchoti der Mühe werch fehlen^ einen neuen räfonnirenden 
Catalog der Bibliothek zu verfertigen ; da der ältere ein 
blofles Skelet, und wegen feiner mangelhaften zum Theil 
uniichtigen Titelangaben ganz unbrauchbar ift. 

Diefer Catalog ift jetzt zur Hälfte fchon vollendet« 
Im erften Theil deffelben find die gedruckten Bücher 
befchfieben, und im zweyten foUen die Handfchriften auf 
Pergament und Papier noch nachfolgen. Da die gemifchte 
lleine Bacherzahl keine Claffification nach den Wiffen- 
fchaften erlaubte , fo habe ich die gedruckten Bücher unter 
drfy Claflen nach ihrem Alter gebracht. Dcrerße Abfchnitt 
des Verzeichnifles enthält die bald nach Erfindung der 
Buchdruckerkunft , in dem Zeiträume von 1460 bis 1500 
ohne hinzugefügte Jahrzahl — der 2rvoeyte , die von 1^71 
bis ifoo mit Angabe des Jahres — der dritte ^ d!\c nach 
1^00 bis auf die neueren Zeiten gedruckten Bücher. Die 
beyden letzten Claflen find chronologifch geordnet, Die 
Bücher der erften aber könnten , wegen der mangelnden 
genauem Zeitbeftimmung , nicht füglich anders als in 
alphabettfcher Folge angezeigt werden. 

In den Anmerkungen, mit welchen die Bucheranzeigen 
begleitet find, habe ich mich , nach dem Beyfpiele der 
Herren Braun , Denis , Panzer , und Seemiller , in 
Anfehung der Bücher felbft, auf folche bibliographifche 
Notizen , die entweder zur Berichtigung und Ergänzung 
der älteren BucHdruckerannalen , oder zur Erläuterung der 
Gefchichte unfrer Bibliothek und ihrer . Wohlthäter , oder 
zur Kenntnifs der Befchaffisnheit der vorräthigen Exemplare 
dienen können — und in Anfehung ihrer Verfaffer , auf 
kurze btographifche Nachrichten von denfelben , mit be- 
iländiger Hinweifung auf die für die Gelehrten-^und^ücher« 
künde ergiebigften Quellen, eingefchränkt« 

Qle iin fünfze^ißten Jahrhundert gedruckten Bücher 
machen den bey weiten .ivichtigeren Tb^il der mir anver. 
trauten Bibliothek au«. Und diefe will ich jetzt nach den 



70 C. B. LtngnicKs Nachricht von der Bibliothek 

oben angezeigten beyden Claflen den Lerem diefis'Magc^ 
zins vorlegen , und ihrer Entfcheidung es überlaiTen , ob 
fie , wo nicht alle , doch gröfstentheils , eine öflentliche 
Bekanntmachung verdienten. Aus guten Gründen mockce 
ich keine Auswahl treffen. Ich werde ab« durch Abkür- 
zung der Titel, oder lieber -und ünterfchrifcen folcher 
Bücher , die fchon von Andern vor mir befchricben worden 
find , den Raum, fo viel möglich zu erfpacen fuchen, 
und in den Anmerkungen zu denfelbcn nicht auf alle mir 
bekannte und im gefchriebenen Catalog von mir citirte 
Bibliographen, fondern nur auf einen oder zween, die 
genau und ausführlich davon gehandelt haben, zurück- 
weifen. 

h Im XF Jahrhundert gedruckte Bücher. Ohne Jahrzahl. 

i) Joan Andreae Leäura fupcr arboribus con- 

fanguinitatis & affinitatis cum (Anonymi) 

Leclura arboris cognationis fpiritualis. Foli(r 

min. 8. foK 

Straufz Mon. typ. Rebdorf. p. 47. n. %%. Vielleicht 

von Job. Zainer in Ulm gedruckt. Die Ausgabe in Denis 

StipL Maitt. IL p. 488« n. 41? J- fcheint von dicfet 

verfchieden zu feyn. 

2) Antonini Archiep. Flor. Decifio confiliaris 
fuper dubio produdo de indulgentii^. FoL min. 
«, fol. 

Maittaire und Denis kennen diefe mit halbgothifchen 
Lettern in ungetheilten Zeilen gedruckte fehr alte Ausgabe 
nicht* Sie hat keine andre Signatur , als die Bogenfignatur 
ai bis a iiij , keine Anfangsbuchftaben , und keine Unter- 
fchrifit. Die Lettern A und V unterfchciden fich durch 
ihre Figur von allen ähnlichen in Brauns Druckproben« 

3) Antonini Archiepifcopi fumma confeflionum 
f. Gonfeffionale. Quarto. 



n 



in der .Marienkirche 211 Danzig. 71- 

Incifiüi Rubrice , u. f. w. Diefc vorangehende RubrL 
kcn fSllen % Blätter. Dann folgt auf der 7ten Seite ein 
Pro/ogtti. Mit der 8ten fängt das Werk felbft an, und 
auf der Uen S. .der letzten Lage fteht die Nachfchrift : 

Expiich fuma Ofeßonu. feu Intr'ogatoriu pro ßmfli' 
cibuf Cofejforibl Edhu Ab Arch'epo florentino. vi%. 
(videlicet) fri (fratre) Anthonino ordinis predicatorü * ^ * 
Den völligen Befchlufs macht Sermo b'eati Jo. Chryfoflomi 
de ftBnitentia. Das Ganze bcfteht aus i g Qvaternen oder 
Doppelbogenlagen, oder 144 Blättern, davon das letzte 
leer geblieben ift, Diefes Werk ift Jo. Gerfon Opufculotru 
fartUo S:c, (S. unten n. 17.) beygebunden , und unver- 
kennbar aus eben der Officin, und von gleichem Alter; 
indem Papier , Format , Lettern , Zeilenzahl auf jeder 
Seite, und alles übrige in beyden genau iibereinftimmen- 
Jenes aber fchreibt Braun in Notrtia Bibliotbeca Mot^ ad 
S. S: Fdalr. ^ Afiram Aug. P. Lp, 61. aus Gründen, 
die im Zufammenhange von p. ^g^ bey ihm nachgjßlefen 
werden muffen , dem Buchdrucker Ulrich Zell zu C&On 
mit ■ der Behauptung zu , dafs es nicht viel jünger , als 
zwey im Jahr 1467 von dcmfelben gedruckte Schriften 
Augußinij feyn könne- Aeufferfl: feiten mufs der vo^n mir 
angezeigte Druck feyn , weil er bey keinem mir bekannten 
Bibliographen vorkommt. '-' . . 

4) Aftexani [Joannls dt Afi) Summa de cafibus 

{confcientia. ) Fol max. 
Diefs ftarke Werk ift in getheilten Zeilen mit kl^iiieii 
halbgothifchem, und nach der Ungleichheit der BuQhflaben 
zu urtheilen , gefchnittencn Lettern gedruckt , die mit den 
von Mich.. Reyfer zu Eichß'ädt gebrauchten ( deren Probe 
Braun P. L Tab V. n. ^. mittheilt) ganz genau übercin- 
flimmen. Da es alle Kennzeichen eines hohen Alterthums\ 
nemlich Mangel der Rubriken, Blattzahlen, Signaturen 
u. f. w. hat » ift es für eins der älteütn ^ wahrfcheinlick 



ft C. B. LtngnicKs Nachricht von der Bibliothek 

mm 1470 oder bald nachher gedruckten Produkte det 
Reyferfcben Officin zu halten. Jede volle Cokimne hset 
64 Zeilen« Auf 10 Blättern geht in einer Q^vintemenlage 
eine Tabula oder ein alphabetifches Re^ifler , mit einem 
Vorbcrichte des Verfaffers voran, deffen erfte Zeile heifst: 
3, Cupens ego frater aßaxaj^g.'' D^s in g Bücher gcthciltc 
Werk felbft fängt fich hierauf mit den Worten an „ In 
nomine difi amen, IncipU fumma de ca \ ßbus ad bonwe 
dei ''filata ip fre'^ aßexanfl (de ordine fratrum minofunli 
u f. w. Die Nachfchrift in der erftcn Columne der Vordc^ 
feite des letzten Blatts heifst : „ ExpliciunP rubrice diuer- 
forum voluminu I iuris ciuilis fecundum or4inem alpha- 
beti a \ fratre Afiexano poßte ßue cofftpilate. " Es gicbt 
mehrere Ausgaben diefes Werks ohne Ort, Drucker und 
Jahr. Die gegenwärtige ^ber ift von allen., die ich bcy 
den mir bekannten Bibliographen angezeigt finde » unter- 
fchieden; woraus man auf die grofTe Seltenheit derfelben 
fchlieflen kann. 

5) Auguftini libellus de arte praedicandi f. Über 

quartus de dodritia chriftiana [Argcnüna ap> 

Jo, Mcntclium. ) Fol. min. 
Den Namen des Druckers und Druckorts erfährt man 
aus dem Prolog eines rmgenannten. In einer andern gleich- 
zeitigen Ausgabe fteht des Maynzer Job. Fojißs Namc- 
{Denis S. M. IL p. soo. n. 4281.) Einer von beyden 
hat wahrfcheinlich die Ehre an der Spitze der Nachdrucker 
zu ftehn , da diefs wohl eins der ältcften Beyfpiele des 
Nachdrucks feyn dürfte. Sieigenberger will in feiner 
Abhandlung über die zwo alleralteßen gedruckten dettt- 
fiben Bibeln (München 1787. 4.) S. 48. diefe Ehre 
dem Faufl aus einem nicht zu verwerfenden Grunde vin- 
diciren. Aus der Vergleichung mit dem von ihm am a. 0. 
5wjr iptcn Seite raitgetheilten Schriftprobe erhellt unwider- 
fprechlich , dafs es zwey verfchiedene Mentelinfcbe Drucke 
gebe» die er beyde fiir älter, als den Faußifcben hält^ 



I . 



in der Marieokirche zu Danzig, 73 

und die mithin vor 1^66 erfchienen feyn müfsten, weil 

bisher kein fpätercs Produdt der Faußifcben Officin , ab 

von gedachtem Jahr bekannt geworden ift. Herr *Braum 

ftdk die&n Tradat P. .1. p.v |. 4. als den älteften unter 

Mentelins Strus^urger Drucken oben an , und erklärt 

denfelben für einen Bibltothekenfch^tz» Unfer Exemplac 

ftimmt mit dem feinigcri ^ in Anfehung des Gothifchea 

Drocks, wie auch, der Blätter -und Zeilenzahl auf jeder 

Seite genau überein: unterfcheidet iich aber dadurch, dafi 

der Prolog auf der Vorderfeiu , und bey ihm auf der 

Sückfeiie des erften Blatts fich anfängt; mithin hier die 

let2tey dort die erße Seite der beyden «rfien Blätter leer 

geblieben ift Ich halte unfern Druck für den zweyten. 

Am Schlufle deflelben heißt es : „ Explicit liber quartus de 

doSrina cbrißiana Augußini epifcopL** In den von 

Sieigenberger und Braun befchriebenen Abdrücken fehlt 

das Wort Liber, Auch fteht im Vorbericht des unfrigen der 

Druckfehler : j2«/apropter -— in jenen aber richtiger Qu^ 

propter. 

6) Aüguliinus fupcr Johannem. ^ol^ 

Diefe grofsgedruckte AufTchrift fteht auf einem befon- 
dem Titelblatt, ünfer Exemplar ift^ mit Tf^nneri Abbatis 
Libris deflorationum S. S. Patrum &c. Bafileas .I494> 
zufammengebunden , welchen Druck Maittaire dem 'NicoL 
/{y>/«^ zufchreibt. Beyde find unleugbar aus Einer OflRcin» 
und von gleichem Alter. Herr Braun ift P. IT. p, %%. 
n. 65. andrer MeyHung, und hält Ant. Kobergem zu 
Nürnberg für den Drucker. Ich hoffe aber , er werde 
feine Meynung , nach einer angeftellteh Vergleichung mit 
der Basler Ausgabe Wernbers^ welche in der von ihm 
befchriebenen Bibliothek ebenfalls befindlich ift , ändern. 

7) Auguftinus de virtutc Pfalmorum. Quarto. 
lofol. 

Diefer kleine TraAat befindet fich in einer der Biblio- 
thek von mir gefchenkten Sammlung mehrerer i^eichzeitigeii 



f4 C. B. LtngfdäiLt Nachriclit von der Bibliothek 

alten Drucke , die ich im Erßen Stück diefes Magazins f 
S. ff 19 — S2. ausführlich befchrieben habe. Mein dort 
S. iH geäulTertes Vielleicht nehme ich hier wieder zurück. 
Biefe Blätter machen wirklich ein füir. (ich beftehendes 
Ganzes aus, und find von Johann von Paderborn (oder 
de Weßpbalia) zu L&voen gedruckt, wie aus der Ve^ 
gleichung , mit n. i. und }. S. 120 und 126 am a. 0. 
tinwiderfprechlich erhellt Vermuthlich ifts eben diefe 
Ausgabe, die Herr Denis im S. M. II. p. ^00. n. 4.288. 
anzeigt , und mit Beziehung auf einen andern Gewährs- 
mann, dem Buchdrucker Matthias Goes zu Antroerfen 
unrichtig zueignet. 

8) Joh. de Aurbach , Vicarii Bambergenfis i 
Summa. FöL min. 

Eine von Cbrifloph Vaidarfer zu May/and , zwifchen 
14.74 und 14S0. ohne Signaturen gedrückte Ausgabe, i^ 
welcher js ungetheilte Zeilen eine Seite füllen. De»if 
S. M. n. p. 502. a 4;o6. Braun I. p. 8^« 86. n. ti?« 
( wo es heiffen mufs : Auerfa foiii 24 pagina , iinea i 
p-inta pars terminatur) vcrgl. mit Tab. V. n. 7. 

9) Guidonis de Baiifio Comraentura f. Rofa- 
rium in Decretum Gratiani, Fol. max. 

Diefe hauptrare Ausgabe ift am genaueften von Herr» 
Seemißer im Fajc, L Incun. typ- Bibl. Acad. Ingolfi. 
p. 119. 20. n. 22. befchrieben ^ . der fie unter die älteftcn 
von Job. Mentel oder Menfelin zu Strasburg um 1469 
gedruckten Bücher zählt« Unfer Exemplar hat einen fehr 
breiten Rand, und ift herrlich confervirt. 

10) Jo. de Breitenbach V. J. D. repetitio cle- 

gantiflTima C. I. de ftatu monachorum & cano- 

nicorum regularium &c. Quarto. 31. fal. 

Denis 5. Af. II. p. S2I- n- 4479- Von Bötticher zn 

Leipzig, im letzten Decennio des i^ten Jahrh. gedruckt, 

' wie aus der Vergleichung mit andern Druckfchriften , die 



in der Maricokirdhc zu Danzig. 75 

feine Namensynterfchriftcn haben , erhellt Dicfcr Tra€lat 
beftelit aus 4 tagen von 6, und einer von 8 Blättern t 
A bis E fignirt. Das letzte. Blatt ift leer. 

1 1) Br^uiarium fecundum morem & ordinationem 
S. Ecclefise PloCenfa. OSauo. 

Von diefem Brevier finde teh nirgends eine Anzeiger 
Es ift in gefpaltenen Columnen mit Goth. Lettern, und 
viefcn Abbreviaturen , Wahrfirfidnlich gegen das Ende des 
i?tcn Jahrh. gedruckt , hat Seitenrubriken und Blätter- 
zahlen, auch ftatt der fonft mit Buchftaben gewöhnlichen 
Signataren der Lagen , Bogenzahlen. Da unrer Exemplar 
leider überall verftümmelt ift, und Anßmg und End« 
deflelben fehlen , fo inufs ichs une^tffchieden laden , ob 
dieß Buch zu den mit oder ohne Jahrzahl gedruckten 
gehöre. , 

12) Dionyfü de Burgo Dedaratio Valerii Maxi- 
mi. Folio. 

Obgleich Maittaire diefe Ausgabe fchon T. L p. )8i* 
und T. IV. P. IL p. T%i, angezeigt hatte, fo führte der 
fei. Eriußi das Werk doch in der BibL /«^. FcAric.nodi 
ds ein ungedrucktes auf, meGeßter^ Stmler ^ Fabriciiis^ 
u. a. vor ihm gethan hatten. Herr Braun hat fie P. I. 
p. TI2« li. 15^. ztierft näher befchrieben, nennt fie jpei». 
vetußam ac rarißmam , und ift (vergl. mit p. i lo.) geheigt, 
Venedig füt den Druckort derfelben zu halten. Bey ihm 
findet man auch Tab. VIIL n. %, eine Schriftprobe der zu 
diefem Drucke gebrauchten Römifchen Charaktem , welcher 
alle Kennzeichen eines hohen Alterthums hat , und wahr- 
fcheinlich in den Zeitraum von 1470 bis 147^ zu fetzen ift. 
Der erfte Befitzer unfers Exemplars hat vorn ange- 
merkt, dafs er daflelbe im Jahr 1478 in Ungarn gekauft 
habe. Und eine andre gleichzeitige Hand hat hinzugefügt : 
^'i ^Hunc librum legauH Johannes . « • • • cum textu in 
^ alio volumine (S. unten n. 41.) . • • • vti/em ntulutm 



f6 C. B. LengnicKs Nacliriclit von der Bibliothek 

„ p'o bifioriografbis ^ oratoribm. 1484 ciMte dient fro^ 
^ feßonis ntee. " Zu bedaureniffs, dafs der Zuname des 
braven Geiftlichen , welcher der Bibliothek diefes in fetner 
Art einiige Qefchenk aus dem Fache der Römifchen Clafliker 
machte , vielleicht durch den Neid eines unwiffenden 
Bruders , nebft einem aAdern Worte durchftrichen und 
tmleferlich gemacht ift. ^ 

13) Conradi ab AllemanniaConcordancix Bibllo' 
rum. Fol max. 

Die erfte und ältefte von Job. Mentelin zu Strasburg 
Äwifchen 1466 und 1470 gedruckte Ausgabe , die Braun ^ 
Welcher fie P. I. p. 7 — 9 genau und ausführlich befchric- 
ben hat, ein Bibliothekenkleinod nennt. Vor ihm fchon 
fcatte Maittaire fie T. IV. P. 2. p. 74;9- angezeigt. Mithin war 
£e den Bibliographen nicht ganz unbekannt. 

14) Corona bcate Marie virginis. Folio. 

Von diefem Buche hat Hr. Denis im S. M. zwo andre 
Ausgaben angeführt: die gegenwärtige aber, die aus ^7 
gezählten, und } ungezählten Blättern beigebt, ift feiner 
Aufmerkfamkeit entgangen , obgleich fie fchon in Büne» 
mannt Catah MSS. & Libr, imprefs, venalium p. x6» 
n. I. vorkommt Der oben angezeigte Titel fteht ja t 
Steilen auf der Vorderfeite des erften Blatts, auf deflen 
Kückfeitc die Tabula alphabetica fich anfängt, welche % 
Seiten füllt Dano folgt auf der Vorderfeite des erften 
gezählten Blatts der Frohe zum Werke felbfl:, welches 
auf der Fückfeite des giften, in der zwoten Columne, 
mit der Nachfchrift fich endet : „ Finit liber q'dici} corona 
„ beate vhginis. •' Angehängt ifl: noch auf dem letzten 
ungezählten Blatt' eine Anweifung , wie gewifie Sermonen 
zum Gebrauch^ an den Fefl; - befonders Marientagen aus 
dem "Werk' ausgezogen werden können, die nur zwey 
drittheile der erftea Qolumne diefes übrigens leeren Blatte» 
tSiwiimmt;. 



in der Marienklrclie zu Danzig. 77 

15) Digefl'umnouumf« Pandedtarum JurisCiuilis^ 
Tomus III. cum gloflis (a Libro 39 ad Librum 
50 ) Fol. max, 

Eine fehr alte Ausgabe, ohne alle Signataren, mit 

gerchnittenen Gothirchen Lettern, die gröfler und ftärker 

im Text , kleiner in den Gloflen find , gedruckt. Eine 

Vergleichung der gröberen zum Texte gebrauchten Cha- 

raktere mit der Schriftprobe fraunV Tab. IV. n. r. hat 

mich überzeugt, dafs diefs Werk von Bertbold Rodt^ 

einem der erften Buchdrucicer zu Bafeln wahrfcheinlich 

fchod vor 14.70 gedruckt fey. Am Ende des Bandes fleht, 

auf der Vorderfeite des letzten Blatts in 4 Columnen , ein 

Regiflram cbartarum , wie in dem Scbroarzifcben Exem« 

plar {Bibi. Scbvnarziana P. IL p. )4. n. ). und aus 

deifelben Denis in S. M. IL p. 5^)* n. 479s- ) welches 

jedoch von dem unfrigen verfchieden zu feyn fcheint. 

Die Bücherrubriken find roth gedruckt , die fehlendea 

Initialbuchftaben aber gemalt — Die beyden erften Bände 

der Pandekten befitzt dje Bibliothek aus einer andern auch 

fehr feltencn Ausgabe, die Job. %^ber 14Ä2 gedruckt hat. 

16) Fratcrnitas Clcri per dodorem Ulricum cdita 
qui vulgo Vlmer in Vlma vocatur. Fol. miiu 

Gotbifi:her Druck, ohne Anfangsbuchftaben und Signa- 
turen , mit 40 fortlaufenden Zeilen auf jeder Seite. 
Denis S, M. IL p. ^67. n. 49 n- SeemiDer Fafc, I. p^ 
loo. n. %%. und Braun P. I. p. 100. n. !??• vergl, 
mit Tab. VIL n. 6. fchreiben denfelben Jobann Zainer*» 
von Reutlingen zu, der zwifchen 147} und 14^4 zii> 
Ulm gedruckt hat. 

17) Joan. Gerfon Opufculum tripartitum , de 
prxceptis dialogi, de confelfione, & de arte 
moriendi. Quarto. 

Nach Braun P. Lp. 6i. Von Ulrich Zeß tu CöBn^ 
um 14^7 gedrvcktk (& «ben d^ Anmerkung zu n. )0 



fg C. B. Lengnidis Nachrlclit von der Bibliothek 

Auch Scbelboru hat diefen Druck fchon in feiner Diatribi 
p'siim. ad Quirini librum de opt.fcriptorum edittonibus 
p. 2s« n. 20. unter den äiteften mit beweglichen gefchnit« 
tcnen Lettern abgedruckten Büchern angeführt Das Werk- 
chen befteht aus vier Lagen von g Blättern, deren 
erftes und letztes leer find, michin überhaupt aus 90 ge- 
idruckten Blättern. 417 ungetheilte Zeilen füllen jedes mal 
eine Seite , die erfte und letzte ausgenommen ^ die wegen 
der gröfler gedruckten Ueber-und Unterfchrift mit z% und 
a6 Zeilen haben. 

18) Joan. GerTon de imitatione Chrifti & de 
contemptu mundi. Louanii per Joan. . de tVefi* 
falia. In Qiiarto. 

Ausführlich von mir im Erflen Stück die/es Magazins ^ 
S. 126 — 1)1. befchrieben. 

ig) Joan. Gerfon de nodurna & diurna poUutio- 
nibus, & de cognitionc caftitatis, Quarto. 
S. am a« 0. S. 192 — lu- 
20) Gregorii Magni libri quatuor dialogorum. 
[Louanii) [Jer Joh. de Wtßfalia. In 'Qiiarto. 
S. Eben dafs. S. 120. 121. 
ai) Guillermi Epiftolarura & Euangeliorum de 

Tempore & Sandis Liber. Fol. nun. 
Am Ende : „ Poßilla fuper euangelia dominicalia ^ 
99 yifp^r euatzgelia defanSisfcd'm fenftim IHteralem colIeSa» 
„ Explicit» " Anfangsbuchftaben und alle bekannte Buch- 
druckerfignaturcn fehlen in diefer mit Goth. Lettern, in 
fordaufen^en Zeilen, gedruckten Ausgabe. Die groiTen 
Buchftaben im Texte ftimmen mit den von Cbrißopb VaU 
darfer zu ifa^/a»^ zwifcben 1474 und 14.80 gebrauchten 
Charakteren (S. Braun P. L Tab, V. n. 7.) fo überein, 
dafs ich kein Bedenken trage , diefen Druck für ein Produdt 
feiner Officin zu halten. Das Druckjahr 14 So. erhellt mehr 



in der Marienkirche zu Danzig. 79 

als wahrfcheinlich aus einer bekannten Stelle über das 

zweyte Evangelium Ai virgiuibus^ Mattb. XXV. die auf 

der 7ten vom Ende des Werks zurückgezählten Seite fo 

beifst : ,, Joi» enim duramt ( moru f. decurfus temporis ab 

y^ afcenfione Chrifti vfque ad diem iudicii) ;?er müh 

9, quadxingentoi gf Ixxx annos. '* Diefe Stelle findet man 

in andern Editionen jedes mal, nach dem Verhältnifle des 

früheren oder fpäteren Drucks , in der Jahrzahl abgeändert, 

und Überali, wie hier, von dqr Geburt, nicht von der 

Himmelfahrt Chriili , berechnet ; worüber Braun P. L p. 

102. ). Seemiller Fafc. 1. p. 170. 71, und Gemeineres 

Tfacbricbfen von der Regensburg» &adtbibliotbek S. 281. 

S2- nachzulefen fmd , wo Ausgaben mit den in der angezo* 

genen Stelle befindlichen Jahrzahlen 1474, 1476, 15069 

u. f. w. vorkommen« 

22) Jacobi Magni Sophilogium , cuius finis eft 
amare fcientias. Folio min. 

Am Ende : „ Explicit Sopbilogiu fielicip " Von einem 
unbekannten Buchdrucker zu Colin um 147; gedruckt» 
Braun I. p. 64. n, 8). vergl. mit Tab. IV. n. 7. Unter 
drey von Straufz angezeigten Ausgaben p. ) 8-^40 fcheint 
die letzte n« 4). die unfrige zu feym 

23) TraAatus de cenfibus fub titulo reemptionb 
Johannis Langer de Bolkiiihayn, Quarto. 

Herr Denis hat diefen Tradlat , den ich nebft mehreren 
in Einepi Bande der Bibliothek gefchenkt habe , im SuppU 
Maitt. IL p. 600. n. $2S'- angezeigt. Die Zueignungs- 
Ichrift an Georgium de Lapide , Dominum Steynaniae 
Crofznae &c. per inferiorem Sikßam regium commijfarium ^ 
tt. f. w. ift. „ Ex IVratislauia Oäauo kalendas Septembrir 
„ Anno dm Mcccclxxxix " datirt. Und am Ende des 
Tradats felbft hcifst es : ,, Ex fVratislauia quito läur 
f 9 Augufii Anno dni " Das Jahr ift nicht mit Zahlen 
wiederholt; fondem es folgt darauf: 



So C. B. LengniüJii Nachrielit von der Bibliothek 

Am Rande : In der Mittte der Seite : 

Anni a na- - Cfifa tenis regni Ungarie Rexfceptra 
tiuitatednt Mathias Tue codex frefms ff atgitur 

Arte foras. 
Darunter ftcht noch eine Nachfchrift von 6 Zeilen, die 
mit der ünterrchrift 2a Anfange , bis auF das abgeänderte 
Wort /»ff, gleichlautend ift. Hr. Denis ^ deffcn Anzeige 
aus dem jetzt angeführten zu berichtigen ift, hält Breslau 
oder Brunn für den Druckort. Mir ift's höchft wahr- 
fchcinlich, dafs der Tractat am erfteren Orte, und in eben 
dem Jahr 1489 in welchem er gefchriebcn wurde , gc- 
druckt worden fey. Er befteht aus zwo Lagen von 8,» 
und einer von 10 Blättern, oder wenn das letzte leet 
gebliebene mitgezählt wird , aus 26 Blättern überhaupt , 
und hat aufler der Lagen , Signatur a bis c keine andere 
fonft gewöhnlichen Buchdruckerzeichen , auch keine groffen 
Anfengsbuchftaben , zu denen die Plätze offen geiaflen find : 
aber Marginalien am Rande , zur bequemeren Uebcrficht 
des Innhalts. Wegen der Ungleichheit der Zeilen und 
Buchftaben diefes Drucks , von welchen letzteren oft zwecn 
in Eine Figur zufammengezogen find , und wegen der 
Aehnlichkeit ' der Lettern , mit denen in den älteften 
Strasburger Drucken , wäre ich geneigt , die Typen für 
gefchnitten zu halten. 

a4) Lauacrum conciencic { cortfcientia) omnibus 
facerdotibus perutile. Quarto. 
Dicfer Titel fteht in 5 Zeilen auf dem erften Blatt, 
mit einem groflen in Holz gefchnittenen Initialbuchltabca, 
obgleich die Anfangsbuchßaben in dem mit fortlaufenden 
Zeilen gedruckten Texte fehlen. Das ganze füllt, mit 
InnbegrifF des Titelblatts, 99 gezählte und 2 ungezählte 
Blätter. Auf der Vorderfeite des 99ften fteht am Ende: 
^ Expiicit Lauacrum confcientie. " Dann folgt noch ein 
4 Seiten langes Regifter, Die letzte Seite, iiit. leer. ~ .Von 

« bis jT 



in der Marienkirche zu Danzig. gf 

a bis ^ geht die Signatur der Lagen. Nach Hrn. Denii 
Titelang^be zu urtheüen, fchoint die im S. M. If. p. 6oi, 
n. 452^4. angeführte Edition von der unfrigen Vcrfchieden 
zu feyn« 

as) Liber Sermonum Sanol Lconis Pap^c, ex 
editione Joannis Addrcse Epifcopi Alcrienfis.- 
Folio min. 

Audiffredi hat im Caialogo Rom. kdit. Saec. XV. 
p. 47. und 47. zwo Römifche Ausgaben diefes Wetks, 
eine vom Jahr 1470, die andre ohne Jahr, angezeigt ^ 
welche zugleich einige Briefe L^eonis enthaltert , die in der 
gegenwärtigeh fehr alten , mit halbgothifchen Lettern ift' 
^ngctheiken Zeilen (ohne Anfangsbuchftaben und Signa, 
turen, auch ohne ein andres ünterfcheidungszeichen als" 
das Punaum , und zwey Queerftriche bey geftheiken 
Wörtern am Ende der Zeilen) gedruckten Edition nicht 
befindlich find* Am SchluOe heifst es : i^ Expliciuitt fettHones 
leonis fape " So viel ich weifs , hat ErafmMS Nyerup iift 
Fafc. I. SpieiUgii bibiiogr, ex Bibl. Reg. Havnienß p. 
49 — '5'* diefe Edition zucrfl; befchrieben^ und tinricfatfg 
fiir meinen Rdmifeben Druck von Ulrich Hahn aHsgegeben. 
Braun hält fie P. L p. 56. für einen Nachdruck der 
Römifcben Ausgabe von 1470, und glaubt fie fey von 
Mich. JVensler zu Bafel vor 147? gedruckt. Aüeia 
.warum folke der Nachdrucker dio dem Original angehäng- 
ten Briefe wohl weggelaffen haben ? Umgekehrt pflegt de» 
Fall gewöhnlicher zu feyn , dafs die fpätcren Ausgaben 
mehr, aber nicht weniger als die früheren, enthalten. 
2,6] Roberti Carraccioli de Licio Opus quadra- 

gefimale , quod de poenitentia diäum cft. 

Folio. 

£ine fehr alte, ohne alte Buchdruckerfiguatur^n , in 
ungetheilten Zeilen (nach Braun L Tab. IL n. i.) vort 
Geor^ Busner z^l Strasburg zwifchcn 14,7a und 147^ 



8a C B. LtngnicKs Nachricht von der Bibliothek 

gedruckte Ausgabe. Vermuthlich iffs eben diefer Druck, 
der im Catal. Libr. rarifs. in Bibl Zapfiana (Äug. Vind. 
1786. 8« maj.) p. 8« und in Denis S. M. II. P- 605. 
n. 5281* angezeigt wird; wo auch die Nachfchrift deflel« 
ben zu lefen ift. 

27) Rob. Caraccioli de Licio Sermones per 
aduentum Doroini. Acc. Dominicus Bolianus 
de conceptione b. Mariae virg. Vol. min. 

Denis Merfrooürd. der Garelt. Bibl. S. 205; — - 7. 
11* 21). und Suppl. Muist. II. p. 6o^ 4. n. 528?« Am 
erfteren Orte wird diefe Ausgabe für einen Basier^ am 
letzteren aber für einen Strasburger Druck gehalten , deflen 
Typen mit dem 1489 zu Strasburg %tii\xcktßn Quadrage-' 
finali eben diefes VerfafTers übereiaftimmen follen. 

28) Rob. Caraccioli de Licio Sermones de lau* 
dibus Sandtorum. Quarto 

Diefe in den Büchernotizen nirgends angezeigte Ausgabe 
ift mit kleinen Gothifchen Lettern in gefpaltenen Columnen 
gedruckt Sie hat keine Anfangsbnchftaben, auch keine 
andre als Bogenfignaturen , die bis littera F. im zweyten 
Alphabet fortlaufen. Der Titel auf dem erften übrigens 
weifTen Blatte heifst in zwo Zeilen : „ Sermones de Lau^ 
y, dibus fanäoru Fratris Roberti de Licio ordinis minoru» 
9» Epifcopi Aquinateli " und am Ende fteht auf der Vor- 
derfeite des letzten Blatts in der zwoten Columne nichts 
weiter , als : „ Finit feliciter. " 

29) NiCol. de Lyra Moralia fapra totara Bibliam 
f. Poftillae morales feu nayfticae fuper omnes 
libros S. Scripturae. Fol. Ma». 

Sauberer dem Römifchen Charakter fich näherndeir 
Druck in gefpaltenen Columnen , verglichen mit Braun I. 
Tab. n. n. i. ganz unverkennbar iwie oben ix. 26) 
Georg Husner's zu Strasburg , aus dem Ztitranm von 
1470 bis 1476. Diefe Au^abe ift der Avfinerkfamkeit dte 



in der Marienkirche zu Danzig. 83 

Hrn. Dtnit im S$tppL Maitt. entgangen, obgleich fie in 
Frcyts^ Adfar lit. T. II. p. 715— 57. und aus demfelben 
in MaCch. Bibl. & P. II. Vol. III p. {^9 wiewohl ohne 
Unterfuchong über den Druckort oder Drucker befchrie- 
ben worden ift. Bey beyden kann man , ( nicht , wie es 
dort heifst , den Anftng des Prologs , fondern ) die yor 
dem Prolog hergehenden Anfangs - und die in der erftea 
Columne, auf der Rückfeite des letzten Blatts , in 9 
Zeilen (lebenden Schlufsworte nachlefen, die genau mit 
unferm vortrefflich erhaltenen Exemplar übereinftimmeo ^ 
nur dafs fie ohne die Abbreviaturen des Originals abge- 
druckt lind^ Die von &raafz p. 19. n. 1^. angezeigte 
Edition fcheint eben diefe zu feyn. Vermuthlich ift der 
Druckfehler georii ( ftatt Georgii ) von ihm nur überfehii 
oder verbeffert worden. 

30) Frophetae & Libri Maccabaeorum , cum 
comm. Lyrae. Folio. 

Von einer Kobergerfcben Bibelausgabe mit Lyr'd Com- 
mentar der Dritte Theil« dem aber das letzte Blatt fehlt. 
Er unterfcheidet fich von einem andern ( wafarfcheinlich 
148s gedruckten) in unfrer Biblk)thek befindlichen Exem- 
plar blos durch die Bogenfignatur, die jenes nicht hat. 
SoT& ftimmt in beyden der Druck ,* fo gar in Anfehung 
der Seiten und Zeilen genau überein ^ nur dafi diefer 
weniger Abbreviaturen, als jener hat. 

31) Malleus mateficarum. OBauo. 

In meinen Beyträgen zur Bücher kenntnifs habe ich 
diefe der Bibliothek von mir gefchenkte Ausgabe im I Theil 
S. |4^<*'49. genau befchrieben. 

32) Margarita Decfeti feu Tabula Martiniana 
cdita per fratrem Martinum (Polonum) Ord. 
Praed. Fol. max. 

Am Ende : „ Explicit margarita de er et i: que martu 
„ nüina voci^ur. 0dUa per vener abilem virum fratrem 

F 9 



84 C. B. Lengnicfis Nachricht von der Bibliothek 

,, Martinum ordinis fredicatoru fummi poutificis feniten-^ 
„ tiarium ac capeßanum *' Der Miniculator, hat die Jahr- 
zahl 14.87 mit rother Farbe darunter gefchriebcn. Diefc in 
^ Cölumnen , mit halbgothifchen Typen gedruckte Ausgabe , 
deren LagenGgnaturen von a bis g fortlaufen ^ finde ich in 
Hrn. Denis S. M. IL p. 6ii. wo zwo andre ohne Ort und 
Jahr vorkommen , nicht angezeigt« 

33) Miffale Romanum f. Liber Miflarüm fpe- 
cialium de Tempore & de Sandlis per anni 
circulum. Folio min. 
Fetter Oothifcher Druck mittlerer Gröfle, mit Bogen. 
fignaturen, und BIätter^.ahlen oben über der zwifchen den 
Columncn befindlichen Spalte. Die ganze Sammlung hat 
221 gezählte, und zu Anfange 10, am Ende 12 unge- 
zählte Blätter. Zwifchen dem 8s und 86ften iß der 
Cafion Mijfae attf 13 ungezählten Blättern, mit gröfleren 
Miflalbuchftaben , als der übrige Text, abgedruckt. Das 
crfte diefer Blätter ift' auf der Vorderfeite leer , und hat 
auf der Rückfeite eine Abbildung des gekreuzigten Erlöfers , 
zu deffen Seiten Maria und Johannes ftehen , in einem 
illuminirten fldzfchnitte. Ich finde diefe Ausgabe , in 
welcher die kleineren Initialbuchftaben roth gedruckt , die 
gfoflen aber nur mit kleinen Lettern angedeutet find , 
nirgends angezeigt. 
34) Miffale fecundum nötulam Dominorunoi 
Teutonicorum. Folio. 

Folgende Auffchrift füllt als Titel die Hälfte der Vor- 
derfeite des erften Blatts : 

MiiTalis notulam dno- 
rum teutunicorum imi- 
tantis epigramma. 
Nos caftigati viciorum labe caremus. 

Non habet in nobis cretica lingua locum. 



in der Marienkirche zu Danzig. 85 

Arte fua Georgius Stächt nos preflit in vrbe* 
Nurnberga celebri : qne bn (ben^) laudat opus. 

Auf der Kückfeite des Titelblatts ftcht eine Anweifung die 
güldene Zahl zu finden. Dann folgt mit dem zweyten 
Blatte der Exercifinus falls , und am Schlufs der hieher 
gehöfigen Gebethe auf der andern Seite deflelben noch 
etwas über den aureum n^imerum, woraus fiqh da^ Alter 
diefes Codkis beftimmen läfst. Es heifs nemlicb : „ Au* 
„ re«x numerus ab vno f cedit quoad xix. inclußue. Et 
„ quia anno dtii ntiüeßmo quadringeteßmo nonageßmo nona 
„ babebimus p aureo numero xviij. V anpo fequitu xix^ 
,f ob id annis infra notatis vnu p aureo numero babebir 
,, mus.^^ Diefe Ausgabe ift mithin vor 1499, und höchft 
wahrfcfaeinlich im Jahr 1498 von Georg Stucbs zu T^ürst" 
herg^ deffen Officin befonders zu diefer Art Schriften 
eingerichtet war, gedruckt. Die 6 folgenden Blätter ent- 
halten, wie gewöhnlich, den Calender, und diefe ganze 
tage ift nicht fignirt. Hierauf kommt eine mit ly fignirte 
Qvaternc , die , wie die vorige , keine Blattzahlen hat 
( und in zwey andern etwas defeden Exemplaren unfrer 
Bibliothek am Ende fteht) unter der Auflbhrift: „ Supflf* 
jy menium notule fratrum teutunicorum '' Diefs Supple* 
ment enthält eine Anweifung , in welcher Ordnung die 
Colledten ^n den Sonntagen abzufingen find , eine Innhalts- 
anzeige des MifTals , ynd Caytalen für den MefTelefenden. 
Prieftcr. Das Mijfule felbft hat 2^7 mit roth gedruckten 
Rom. Zahlen nymerirte Blätter. Die erfte Hälfte deflelben 
mit der. Ueberfchrift ; 9, Mijfaie f\fa notuiam dominoru 
,, theutunico^ " geht von Folio I bis CXXXVI. Die zwote 
von CXL bis CCLVII hat die Auffchrift; „ Incipit comue 
55 (commune) fanäorü s^nt notula dnorü tbeutuniccprum " 
Jene hat 17 , a bis r, diefe is , 4 bis P fignirte voll- 
ftandige Qyaternenlagen. Statt der Blätter i^T^n^i^g^ 
welche nicht mitgezählt oder weggelaflen fmd , ift der 



%6 C. B. UngnicKs Nachriebt von der Bibliothek 

Canon Mijfae ^ nebft einem voranftehenden Holzfchnitte , 
mit der Abbildung des gekreuzigten Heylandes , welcher 
die Rückfeite des erften Blatts einnimmt , auf 8 Perga« 
mentblättern , in ungetbeilten Zeilen , mit grofTen Miflal- 
buchflaben abgedruckt. Vielleicht giebt es auch Exemplare ^ 
die auf den angezeigten 3 Blättern einen kleiner gedruckten 
Mefscanon enthalten. 

Allen Bibliographen , felbft meinem Freunde Herrn 
Panzer , der ablichtlich die Nürnberger Drucke gefammelt 
und befchrieben hat, ift (Uefes mit grofTen und fetten 
Gothifchen Lettern , in gefpaltenen Colümnen , fauber ge- 
druckte MifTal bisher unbekannt geblieben. Auffer den 
oben angezeigten 257 gezählten Blättern, wovon jedoch 
) abgezogen werden muffen , hat es zu Anfange noch 
16, und in der Mitte g ungezählte. Die Im'tialbuchftaben 
find, den erflen fauber gemalten und vergoldeten ausge- 
nommen , gedruckt und ^mit verfchiedenen Farben erhöht. 

In unfrer Bibliothek befindet fich auch eine zwote 
eben fo unbekannte vom Ihomas Anshetmus Badenps 
1^19 zu Hagenau in Folio gedruckte Auflage diefes 
Miffals, auf deren Titel zwar das Epigramm mit den 
Worten : 

Arte fua Themas Ansbxlm nos preffit in yrbe 
Hagnoa celebri : quem bene laudat opus. 

abgeändert , die Stelle von der Güldenzahl aber mit dem 
Jahr 1499 beybehalten ifl. Diefe hat auffer den unge- 
zählten 267 gezählte Blätter. Das i44fle am Schluffe 
der erften Hälfte ift leer , und ohne Nummer. Auf daflelbe 
folgt der Canon MifTae mit denfelben Lettern und dem- 
felben Hölzfchnitte , wie in Att 'Nürnberger Ausgabe ab. 
gedruckt Dafs aber diefei: Mefscanon nicht erft 1519 ge- 
druckt feyn könne , fondern vermuthlich aus der Druckerey 
des Stucbs herkomme, und zur erften Ausgabe gehöre ^ 



in der Marienkirche zu Danzig. $17 

erhfllt wohl daraus, weil unfer vorhin befchriebenes in 
feinbm Originalbande befindliches Exemplar des Nürnb. 
Drucks , der Bibliothek fchon im Jahr 1^09 gefchenkt 
worden, und keine Spur vorhanden ill: , daß der Mefscanon 
erft fpäcer hinzugefügt feyn follte. 

35) Joan Nider Sefmones totius anni de Tem- 
pore & de Sandis , cum Quadragefimale* 
Folio. 

Dlefe MaUtairin und Denis unbekannt gebliebene 
Ausgabe ift in gefpaltehen Columnen, und zwar wie Hm- 
Brauns Schriftprobe Tab« VI. n« f. mich belehrt , zu 
Retalingen um 1482 gedmckt Im erflen und dritten 
Theil fällen, wemi die Seitenrubrik nicht mitgezählt wird, 
jedesmal 44. . und im zweyten 46 Zeilen eine Columne. 
Sie hat weder Anfängsbuchftaben , noch BogenGgnaturen 
und Blattzahlen : aber doch Sedlenrubriken im erflen und 
letzten Theil, die der mittlere oder das QuadrageßmaU 
nicht hat. Dagegen fteht am Ende diefes Theils , einen 
den beyden ftärkeren fehlende kurze Schluf formel ; 
„ Explicit quadrageßmale. " Wie in der von Riederer 
im IV B. der Nacbricblen zur Kirchen - Gelebrten^uud 
Bücbergefcbicbte 9 S. ;^— 40 befchriebenen Ausgabe, die 
wohl diefelbe feyn dürfte. 

36) Joan. Nidcr Manuale ConfefToruro. Quarta, 
Die üeberfchrift heißt : „ Incipif Manuale confejfo^* 

,3 Venerabilismagißri Jobunis Niderßicre tbeologie ^fejforis 
fi ordinis predicaie^. '' und am Ende die ünterfchrift: 
» Explicit numuale Ofejfo^ Vene'abilis magiflri Jobanis 
n yider facre tbeologie .pfejßris ordinis pdicator^. " 
Ich finde diefe fehr rare Ausgabe nirgends angezeigt. 
Obgleich ße fchon Bogenfignaturen hat , fo glaube ich doch , 
da& fie dem Jahr 1470 mehr als 1480 im Alter fich 
nähere , indem fie alle Kennzeichen eines fehr alten 
Dnicks hat. Häufige Abkürzungen, zuftmmcngezogene 



• Sg C B. Lengnich's Nachricht von der Bibliothek 

Buchftaben und Sylbea , keine grofTen Initial , auch 
aufler den Bogenfignaturen keine andre gewöhnliche 
Buchdruckerzeichen, Der Druck ift balbgothirch , in unge- 
tbeilten Zeilen. Charakteriftifch find die tiuchftaben A IVl 
( TlJ^ ) und die gedoppelte Figur des E ( £ ^ ) die 
iph in keinem der zu Brauu's l^otitia cojirten. Alphabete 
beyrammen angetroHen habe. Das ganze beßeht aus lo 
fignirten Lagen , von ä bis ilr , deren jede , die letzte von 
4 Bl. ausgenommen , 8 Blätter hat ; mithin zufammen aus 
76 Blättern, wovon das letzte ganz leer , und das vor- 
letzte nur auf der Vorderfeite gedruckt ift. 

37) Hugonis de Prato Sermoncs dominicales 
fuper euangelia & epillolas per totum anaum. 

lolio, 

Diefe in gefpaltenen Columnen von 4) Zeilen gedruckte 
Ausgabe hat zwar Seitenrubriken ( ,, Sernto primus " — und 
die übrigen bis CXV mit Rom. Zahlen) aber weder Bogen- 
fignaturen noch Blattzahlen , auch keine Anfangsbuchftaben , 
die in unferm Exemplar eingemalt find. Das letzte Blatt 
hat nur Eine Columne auf der Vorderfeite , mit der Unter- 
fchrift : ,, Expliciunt fermones dnicales fuper euage/id ^ 
35 epißolas ^p totum annu fratris bugonis de prato ordinis 
fy pdicato^ " Ich halte diefe Edition für älter , als die 
Kobergerfcbe von 148?- Hr. Braun hat gleichwohl P. L 
p. 5^. eine noch ältere von der Wfrigen verfchiedene zu 
Strasburg gedruckte befchrieben , in welcher der zweyte 
Sermon mit der ^^ften Zeile auf der Vorderfeite des 
1 6 ten Blatts, bey uns hingegen mit der erften auf der 
Vorderfeite des i^ten, fich anfängt 

3S) Rubrlcae Juris ciuilis & canonici. Fol. 
Zehn Blätter , die von einen^ gröfleren Werke getrennt 
%\x feyo fchefnen, aus einer Speyerfcben OfEcin um 1488« 



in der Marienkirche 2u Danzig. 89 

39] Thomae de Aquino Summa Tbeologiae. 

Pars IIL Fol. max. 

Um i4*?o von Wensler zu B^^f/ gedruckt. Hr. Braun 

hat diefe Ausgabe zuerfi; P. L p. ^7* befcbnebea. Er nennt 

fie peruetuftam ac rarifliniam und ift geneigt , fie f ur die 

allererfte zu halten. 

40) Joan. Turnout , Juris Lic. in Vniv. Loua. 
nienfi Cafüs breues fuper totum Corpus Juris 
ciuilis. Folio. 

Am Schlufle fteht : jy Expiiciunt cafus breues fuper 
^ toto corpore turtum ciuilium, " Sauberer Gochifcher 
Druck , ohne Seitenrubriken und Blactzahlen , aber mit 
Bogenfignaturen, die von^bis H, und a bis ^ fordaufen. 
In Braun's Kupfertafeln finde ich keine diefer Schrift 
ähnliche Probe. Die kleineren Initialbuchftaben find mit 
Verzierungen and Schnörkeln ganz überladen: die gröfleren 
aber , zu Anfange der Bücher und Abfchnitte fehlen. Hr. 
Denis hat im S. M. IL p. 684* n. 6o86. eine ähnliche, 
feiner Vermuthung nach zu Lönnen^ ohne Signaturen ge- 
druckte Ausgabe angezeigt, diefe aber nicht gekannt. 

41) Valerius Maximus. Fol mift. 

Mainair e T. I. p. jgi. und T. IV. p. 751. Freytag 
Anal. lit. p. 1017 — 19. SeemiOer Fafc. I. p. 122. Braun 
P. I. p. 12. Die von diefen Bibliographen angegebenen 
Data zufammengenommen y bleibt meines Erachtens kein 
Zweifel übrig , dafs diefe Ausgabe von Johann Mentelin zu 
Strasbtirg im Jahr 1470 gedruckt, und mithin unter allen 
bis jetzt bekannten die erfte und ältefte fey ; obgleich Hr. 
Hofrath Harles in breviori noiitia Litt, Rom, (für welches 
Gefchenk ich ihm öffentlich danke) p. 54;. diefs noch zu 
bezweifeln fcheint. Der Aufmerkfamkeit eines Fabrizy 
Hornberger y Ernefliy Grafen von Revitiky^ u. a. Biblio- 
graphen 9 die insgefamt die Mayttzer Ausgabe von 1471 



^o C. B. Lengnkfis Jf acbricht von der Bibliothek 

für die editionem principera halten , ift fie entgangen. 
Der Text weicht in derifelben fehr häufig von dem in den 
fpäteren Editionen ab. Sie ift mit Gothifchcn Lettern, 
ohne Signaturen und großen Initialbuchftaben , gedruckt. 
Die ünterfcheidungszeichen find das Pundtum und Colon , 
zuweilen auch era Fragezeichen , nebft einem kleinen 
Doppelftrich für die am Ende der 2^ilen getheilten "Wörter. 
Am SchluiTe des Werks findet Geh gar keine^ Unterfchrift. 
Ich wünfche diefe Ausgabe mit der Maynzifchen verglei- 
chen zu können , um durch eine nähere Anzeige der ihr 
eigenen Lesarten auch dem Philologen nützlich zu werden; 
wofern diefs nicht vom Hrn. Prof. Kafp in deffen neuer 
Ausgabe des Vol. ^a^r. fchon gefchehen ift, die ich nicht 
beficze. *) 
42) Vincentii Bcllouacenfis Speculum Naturale. 

VoL I. Libros 18 priores, Vol. IL Libr. i9«*33. 

continens. Fol max. 

Dem Erften Bande ift eine Innhaltsanzeigc über alle 
%% Bücher des ganzen Werks vorgefetzt, deren zwote 
Hälfte über das ipce bis n^e Buch zu Anfange des 
zweyten Bandes mit wörtlicher Wiederholung noch einmal 
abgedruckt ift. Eben diefe Wiederholung findet bey jedem 
einzelnen Buche (das erfte, zweyte und neunzehnte aus« 
genommen) durch beyde Bände fiatt, die übrigens am 
Ende gar keine Nachfchrift haben. Aus der Vergleichung 
mit dem von Koberger zu Nürnberg 148Ö gedruckten 
( in unfrer Bibliothek auch befindlichen ) Speculo doÜrinali 
eben diefes Verfaffers erhellt, dafs diefe beyden Bände aus 
derfelben Officin und wahrfcheinlich von eben dem Jahr 
find. Hr Panzer hat auch diefen Druck in der Nümb* 
Buchdr Gefcb. S. 97. n. 14^ unter dem Jahr i486, 

*) Vielleicht ift es dierelbe Ausgabe, die Hr. K. in der Vorrede 
t\x feiner vortreflicMen Edition des Val. Max» beTchreibt^ 
- und die er 159 Blätter ftark angiebt M. 



in der Marienkirche zu Danzig. 9t 

wiewohl ohne die Bändezahl zu beffiminen , oder ein 
Exemplar deflelben nachweifen zu können , angczc^ 
Unfer Exemplar mit vergoldeten und blau oder rothge» 
malten Anfangsbuchflaben , im gröfiten Format , ift fehr 
fplendid. 

43) Vlncentii Bellouacenfis Speculum Morale. 
Folio max. 

Am Ende des vorletzten Blatts in diefem fehr dicken 
Bande fteht : ,3 Specuium morale finit. ^ Das letzte Blatt 
der letzten Qvatemenlage fehlt zwar in unferm Exemplar. 
Es mu(s aber leer gewefen feyn , indem an der Vollftan- 
digkeit des Textes fo wenig , als an der Zugabe de vir^ 
ginitatty die das letzte gedruckte Blatt füllt , etwas fehlt. 
Hr. Brau» befchreibt p. ig. 19. em unvollftändiges nur 
aus zwey Büchern beftehendes Exemplar diefer mit Goch. 
gefcbnittenen Lettern von Job. Menielin zu Strasburg vor 
147) gedruckten Ausgabe; *) die Meer man T* L Orig. 
typ. p. 212. (bh) ,, opus rarißmum ^ exemplar prsn* 
cipis editionis " nennt , Scboepfiin aber in feinen viuäicüs 
typogr* nicht gekannt zu haben fcheint. 

44) Vincentii Bellouarcenfis Speculum Hiftoriale. 
IV Tomi, II Vol. Fol. max. 

Scboepflin hat L c. p. 47. zwo Strasburger Ausgaben 
Mentelins von diefem Werk' angezeigt; eine 147) mit 
gegoflenen Lettern , und eine von jener vorhergegangene, 
mit ungleichen gefcbnittenen Buchftaben, obne Ort und 
Jahr gedruckte. Diefe letzte und ältere ift ohne Zwdfel 
die unfrige. Sie hat gelpaltene Columnen , keine Signa- 
turen, und ^lle Zeichen des höchften Alterthums Jeder 

*) Das fünfte Blatt von Anfange fehlt nicht, wie er glaubt, in 
feinem Exemplar: fondern blos das vierte. Es follte daher 
am a. 0. pag. 19. lin. i .— sheifien: „ i^o/fiow^quartom 
3, üßinHionem primam compUäens deficit. Folio quifito mhrics 
9» -— — itafonant '* Und lin. 7. feu etiam «ipfitec» 



9S5 C. B. Lenßnldfis Nachricht von der Bibliothek 

Theil enthält 8 Bücher. Die erftcn 2wcy Blätter dGserßen 
Theils enthalten die Tahulam primi voUiminis , und 
fangen mit den Worten an: „ (5) eeuuäü augußinu. xix 
5j> I iibro de ciuitate dei. or^ u. f. w. " Die üeberfchrift 
des dritten Blatts ^ mit Mielchem das Werk felbft den 
Anfeng nimmt, heifst: » Sfeculli byßoriaie Vincmtü bcllqua- 
^ cenfis fraa \ tris ordinis $dicatorum inciph. Et primo 
J3 iphg9 I de caufafufcepH Otpis ^ eius materid. Primu 
55 u. f. w, '* Die Nachfchrift auf der zwoten Columne de? 
Vorderfeite des letzten Blatts : ^ Primu voluwen fpeculi 
yy I bißorialis finit. " Der Anfang des zrveyten Theils ; 
1» Incipit tabula fecudi valuminis, fpeculi bißo \ rialis 
jy u, f. w. " Der Schlufs : ,, Explicit fcd\ pars fpeculi 
55 bißorialis vincetij " fleht wiederum auf der zwoten 
Columne der V. S. des letzten Blatts. Der dritte Theil 
hat ebenfalls zu Anfange eine Tabulam tertii voluminis 
mit der Vurangefchickten Aniperkung : „ Obferuet leffor 
55 ^d* in tplogo pmi vöi \ lumts extat u. f. w. " Die 
Schlufsworte auf der Rückfeite des letzten Blatts in der 
zwoten Columne heifTen ; „ Tercium volumen fpeculi bißo^ 
„ rialis vicentij \ ordinis predicatQrum explicit. " Der 
vierte und letzte Theil hat folgenden Anfang: „ (A) VgO' 
„ land^ Ipugnat xpia \ nos xxv. IL ix. Adebur^ u, f. w, " 
und endet fich in der erflen Columne der Rückfeite des 
letzten Blatts , auf welcher mit InnbegrifF der Unterfchrift 
nur f ? Zeilen gedruckt find , mit den Worten : „ Speculum 
„ vincentij hißoriale explicit. " Nach dicfen angegebenen 
Datis wird fich die Uebereinftimmung oder der ünterfchied 
diefer und andrer Ausgaben leicht entdecken laffen. Ob die 
zwey erften Theile des Werks , die Hr. Gemeiner aus der 
Regens b. Stadtbibliotbek S. 64. 6q. n. 99. befchreibt , 
zu diefer Mentelinfcben Ausgabe gehören, wageich nicht 
zu entfcheiden. Zu der mit der Jabrzabl und Mentelin's 
Namen gedruckten gehören fie gewifs nicht , denn die 
Worte der Schlufsfbrmeln itimmen mit den unfrigen überein. 



in der Marienkirche 2u Dan2ig. 93 

Vielleicht auch die Abkürzungen , auf die er beym Abdruck 
derfelben nicht Rückficht genommen hat In Clement. BibL 
biß* Of crit. T. IlL p. 77— 82. und im aten Theil der 

BibL Sctvpar2ianae p. 104. — 6. n. 179. wird die Edition 

von 14.75 ausfiihrlich bcfchricben. 

Der fehr breite Rand , und die vortreffliche Erhaltung 

unfcrs Eitemplars, welches im Jahr 1481 rubricirt worden 

ift, verdoppeln den Werth deflelben. 

45) Viricciitii Belloüacenfis Liber gratiae in qua- 
tuor partes diftributus. Folio. ' 

Nach der Angabe des Vorberichts auf der Rückfeite 
des erilen Blatts foUte diefe in gefpaltenen Columnen, 
mit Seitenrubriken und BogenGgnaturen gedruckte Edition, 
in welcher die großen fehlenden Initialbuchflaben durch 
kleinere Lettern angedeutet find , noch vier andre Schriften 
eben delTelben Vcrfaflers enthalten, die aber in diefem 
Exemplar nicht angetrofien werden. Auch heilst es im gedach* 
tcn Vorberichte : „ Non modicam denique preßant celebra^ 
„ tijjima toto orbe Vincentii fpecula buic noßro libro 
I) gratie auSoritatem^ cum ex eadem officina, ab eodem- 
„ que frodierint artifice. '* Vielleicht ift Amerbacb der 
Drucker, der 1481- Vincentii Beüov. 0pufcula*2u Bafel 
herausgegeben hat. S. Maittaire T. IV. P. II p. 418. 
der auch eben daf. p. 428 eine Basler Ausgabe des 
Speculi maioris von eben dem Jahr , aber ohne Namen des 
Druckers anführt Die Unterfchrift am Schlufie unfers 
Exemplars heilst: „ Explicit liber gratie quartus ^ vlti- 
5, mus. I Laus deo. " Vcrmuthlich haben andre vollftän- 
dige, mit den übrigen Schriften, auch die Anzeige des 
Druckorts und Jahrs. 

46) Joan. de Urbach (f. Aurbach) Proceffusiu- 
diciarius , aliique tradatus iuridici. Fol. min. 
Der Anfang heifst : „ Incipit procejfus iudiciarius 
9, tmmii doäoris iuris canonici Jobannis de vrbacb *' 



94 C. & Ltngnidis Nacbr. von der Bibliothek &c. 

und am Ende fteht ,, Finit troff atus de tabeBionibta. ' ' 
Unter der letzten NachCchrift befindet (ich des Speyerjcbeu 
Buchdruckers Pe$er Dracb Wapen. Hr. Denis hat im S, M. 
T. IL p. ^9^. 96. diefe Sammlung genau angezeigt, und 
unter deri Nummern {212. i). 14. drey verfchiedene 
Ausgaben derfelben bemerkt^ von welchen die mittlere 
wahrfcheinlich die gegenwärtige in gefpaltenen Columnen 
mit Bogenfignaturen, auf fchönem Papier und mit breitem 
Rande gedruckt ift. In unferm Exemplar fehlen drey 
lagen, gleich nach der erfien. 



Hu Fortsetzung folgt klüftig. 



V 



IL 

RECENSIONEN odbr BESCHREIBUNGEN 

SELTENER BÜCHER. 



Kachrichten von fcUentn Büchern sröfstpi Tfuüs aus 
dem Igten Jahrhundert. 

X3a mein Hauptaugenmerk bey gegenwärtigem Avtftktt auf 
die Seltenheit der Bücher , von denen ich reden werde , 
und auf Mannichfältigkeit zur befTeren Unterhaltung des 
bibliographifchen Liebhabers gerichtet ift, fo wird man 
mir's tu gut haken , dafs ich die chronologifche Ordnung 
nicht vorgezogen habe. So oft ich den Ort , wo das be« 
fchriebene Buch von mir felbft eingefehen worden, nicht 
angebe , darf man. es in der Bibliothek zu Klofter Banx 
fuchen. Ich mache den Anfang mit einem in Deutfchlaod 
gewift feltenen Boche. 

L 

Bimdi Flavii Foroihiin/tr Koma inflcuerata. foL 
ohne Bemerkung des Jahts , Orts und Buchdruckers. Diefem 
ift bejgebunden 

IL 

Blondi Italia illufirata mit der Unterfchrift 

am Ende : Rome in domo Nobilis uiri iohannis Pbtiippi de 
Lignamine. Mefianen. S. D. N. ßimiliaris. hie über im^ 
preffijs eft. Anno donuni MCCCCLXXIIIL Die uero lunt 
Quinta Iffcnfis Decembri^ Pont Sixti UlL anno QilSffto. 



96 (P. Sp.) Nachrichten von feltenen Büchern, 

Von •dem erften Werke redet der gelehrte Dominikaner 
P. Audifridi in feinem herrlichen Catalogus hiftorico-criti* 
cus fiomanarum edicionuni Sseculi XV. S. 164* nur im 
vorübergehen , vermuchlich weil er glaubte , es wäre nicht 
zu Rom gedruckt worden. Hier ift eine nähere Betchrci- 
bung deflelben : die erften 2. Blätter enthalten den Index 
des erflen Buchs mit der größer gedruckten AufTchrifc: 
Rome inftaurate. L. I. Indices. Die Rückfeite des zweyten 
l^latts hat nur 4. Zeilen , und auf dem dritten fleht die 
Auffchrift mit gröfferen Buchftaben: Blondi Flavii Forlr- 
vienfis in Roma inftaurata prefatio incipit. Die erde Zeile 
der Vorrede , und jegliche eines anfangenden neuen Buchs , 
deren in allem nur drey ohne andere Abtheilungen find, 
ift wie befagter Titel gedruckt. Der Index eines neuen 
Buchs geht demfelben allemal voran. 

In der Vorrede die an den Pabft Eugen IV gerichtet 
ift, deifen Geheimfchreiber Blondut war, fagt er unter 
andern: Confirmauit etiam noftrum dcfcrlbendi propofinira 
tuus in ipfam pontificatus tui federn reditas , adeo ilUus 
conferuationi utilis atque neceffarius , ut conftet , eam fenio 
calsimitatibufque confedtam, fi älterer abfuifTes decennio^ 
pene funditus perituram. Neque enim fola comitantis 
^urie prefentia , quod femper ciuitatis opulentle plurimum 
profuit , romanos foues , fed collapfa deformataque edifitia 
multis in locis maximo inftauras reficifqüe inipendro. Jede 
volle Seite hat ;6 Zeilen, die fehr ungleich auslaufen, 
und nicht gerade ftehen. Diefe Unvollkommenheit' gilt au^h 
von N. II. und von beyden , dafs Anfangsbuchftabcn , 
Ueberfchriften der Blätter, Seitenzahlen, Signaturen und 
Kuftoden fehlen. Ich werde diefs in Zukunft , um kurz 
zu feyn, den gewöhnlichen Mangel der alteti Drücke 
nennen. 

Am Schlufle diefes Werkes, welches ^4. .Blätter, 
die Indices mit eingerechnet, beträgt, ift grbis gedrückt: 

Blondi 



grofstentheils aus dem iften Jahrhundert. <)7 

JBlondi Flava Forlivicnfis Börne inftaurate Ib. Tl!. & viti* 
mus feliciter claudkur. Darauf folgen j, elögia an den 
Verfaffer i) von dem berühmten venetianifchen Redner 
Francifcus Barbares in profa , 2 ) von Porcellius cineftl 
römifchen Dichter in vier, 5) von Petrus Oddo« Montopö-^ 
litanus in 5* diftichis. Hier find fie^ weil Blottdus den 
letzteren Vatem infignem nennt, und der Innhalt beydcf 
Bucher L und II daraus am kürzeften zu erfekn ift. 

Qöe füerat multis qaflata (ßc) & feda rüinis, 

Kenia öltet, fcriptis integra fadla tüis. 

Gratius eflc poteft, & nil öptatius uiiquäm 

Blonde mihi, quare de*heo multa tibi. 

Qui facis Italiara, velut alt! e culmine mono 

Defpiciam tit, digitö fingula quacque ndtans. 

Accedit nunc feda, olim pulcherrima Röma^ 

Cüiiis hab'es clav6s ianitor ufque vigil. 

Has mihi das rcfercm, ignote quo liniinä portc^ 

Et videarri, qufcquid Roma vetufta tülit.' 

Auf der nämlichen Seite folgt in 8* Blättern, Blonc(i a<i 
teonardum aretinum uirum dodbiffimüm de Romana loci»* 
iione epiftola , ani Ende : Vale. 

Maitt'aire , Örlandi Und P. Läire führen , wie 
Audi&edi hier anmerkt, N. I. und if. zugleich an, als 
wären bcyde unter einem Datum und aus der nämlichen 
Preffe crfchierien. Diefen frrthum habe ich bey der erften 
etwas flüchtigen Einficht diefes Buchs auch begangen« 
Derfelbe Audtor , römifche grölTcre und dergl. kleinere 
Buchftaben für den Text , gewöhnlicher Mangel der alten 
Drucke y ein einziger Band , und am Ende : Liber hie 
(ohne weitere fieftimmong) impreflus eft .&c. machten 
mich glauben, ich hätte recht gefehen, und recht aufc 
geschrieben. Allein , als ich zu Haufe den P. Audifredi 
darüber nachlas, und das Buch aus der Bibliothek dei 



98 (P. Sp.) Nachrichten von Icltcncn Büchern , 

Klofters Michelsberg bcy Bamberg zur genaueren Durch, 
ficht gelehnt erhielt , fo entdeckte fich mein Irrthum. 

Nicht nur die gröfleren und kleineren Lettern find in 
bcyden Werken rerfchieden, fondern der deutUchfte Be- 
weis, den Audifredi überfehen hat, fteht in dem Zueig- 
nungsbriefe , welcher N. IL vorangeht : Tu interea , fagt 
der Sohn des Verfaflers , Rome inftaurate libros , quos ex 
eius operibus iam dudum imprimi curaueram^ Sc una 
Italiam illuftratam legens &c. Daraus ift offenbar , dafs 
N. I. fchon lange vor ^N. IL gedruckt gewefen; und wo 
anderft als zu Rom ? der gelehrte Sohn Gafpar Blondus war zu 
Rom gebohren , erzogen und in Dienften angcftellt , wo es 
dieerften Buchdrucker in Italien gab. Es war ihm eine Ange- 
legenheit, die Werke feines Vaters , der am 4, Jun. 1465. 
geftorbcn war korrekt- herauszugeben. DiflFertur id quoque , 
fagt jr im erwehnten Schreiben von den noch herauszuge- 
benden Werken , a rae »0» in longum , ut fpero , Umpus^ 
fed tantifper , donec liceat mihi pari ratione illorum volu- 
minum exemplaria emendare* Er wird alfo auch für einen 
korrekten Druck haben forgen wollen. Und warum folltcn 
römifche Buchdrucker ein Werk nicht gerne übernommen 
haben » nach welchem das Publikum ein fo groffc« Ver- 
langen äufferte? 

Das Jahr des Drucks läfst fich beyläufig befUmmen. 
Das jam dudum mit tantifper , dQnec verglichen, erfor- 
dert einen Zeitraum von wcnigftens % oder 4. Jahren , dafs 
alfo der Druck der Roma inftaurata im J. 1470 oder 71. 
vor fich gegangen feyn mufs ; den Buchdrucker aber getraue 
ich mir nicht zu beftimmen. 

Num. IL Diefes Werk' befteht aus 8- Büchern » 
worinn 14. Landfchaften Italiens befchrieben werden , deren 
Innhalt die erilen 16. Blätter einnimmt, das fiebzehnte abet 
ift leer,und hat wie die übrigen dasPapiei^eichen eines kleinen 
Machens. Dasauf folgt auf einem befondem Blatt das Zneig« 



gröfstentheils aus dem t^ten Jahrhundert 99 

liungsrchreiben des Herausgebers an den Bifchof Dominikus 
von. Brtxen. Audifred i Tagt , e« werde nicht in allen 
Exemplaren diefes Buches angetroSen« Es enthält wirklich 
wichtige Stellen , und ich achte es der jMühe werth» 
dalTelbe hier ganz mitzutheilen. 

Reverendo in Chrifto Patri Domino Dominico 
Epifcopo Brixienfl Gafpar Blondus Salutem dicit. 

Coegerunt me tandem affiduae tua; voces« prxilantiflinie 
Pater ! ut Italiam illüffaratam Blondi Flavii ForlivienGs 
genitoris met , amici quondam tui , tuarum laudum & 
glori« ftudiöfinTimi , opus per librorum imprejfores in multa 
volununa fcribi cütarem, cum diutius negare non poflem^ 
tibi quotidiano convitio negligentiara meam accufanti , * 
qood nadtus praebitam noftro farculo multiplicandorum per 
impreffores librorum oocafionem, non provideren in pofte- 
rutn glorise patris mei , & pariter cum poHem fatisfacfere , 
negb'gerem deßderio multorum , quos ejusfcriptorum magna 
tenet aviditas , & jam ut ingenue fatear , me quoque 
jodice effem damnandus. igitur ut primum licuit fubdu- 
cere {iublicis negociis , quibus , ut nofti , jam dudum 
dies & nodes diftringor, fuccediva aliqua tempora, exem- 
plaria Italiie, quse apud me haereditaria erant» recognovi , 
non quo aliquid ex ipfius fcripds mutarem ; non enim tantum 
mihi arrogo, ut ejus fcripta, qus mihi pene Cicrofandta 
funt , temerärio aufu pervertam , etfi fcio , ipfum , quod 
ad ejus operis editionem immaturam ab amicis impulfus 
füit, nonnuUa fuiffe mutaturum. Verum mihi id folum 
cur« fiuit , ut fiquae eflent in ipfo opere librariorum negli- 
gentia errata , emendarem , quoad poflem , ne cum vitio 
multipücarentur. Practqrea cum nefeirent bi imprimendi 
tipifices per ßngularum pagin^rum margines urbium oppu 
dorumque , qua deferibHUtur , 6f virorum , rerumque 
iÜußfium , quarum fi6 merttio , Hominu Qf vocabuia im* 
primeudQ fcrikiTi 5 quod auäor ipfe in omoibus volowimbiis 

Q z 

823928 A 



ICO (P. Sp.) Nachrichten von fcltcnen Büchern , 

fuis fieri curare erat.folitus , volens, ut puto, kiftores in 
maxima variarum rerutn congerie eis indicibus uti , Sc 
id , quod maxime legere & noffe cuperent , ubi cflet 
fcriptum^ facilius reperire. Ego eandem commoditatem , 
licet diverfa via , ledloribus praebere cupiens adnotavi ex 
fingulis regionibus , quas defcribuntur, redegique in qoafdam 
quafi rummas non quidem omnia rerutn capita , Aiper- 
yacuum enim erat, fed ea duncuxat, quse clariora & ad 
alliciendos ledtorum animos aptiora vifa funt , eafque per 
fuas regiones numeris fignavi , ne in eis quoque deeffet 
ledtori fignum, ad quod> a funimis, quas ante primam 
operis paginam pofui , duceretur. Quod quidem an fatis 
apte peregcrim, cui (tul) in primis, tum ceteroram, 
qui imprefla Volumina ledtuii funt , arbitrü erit judicare. 
Mihi fatis- ftierit , voluiße vobis eam commoditatem veluti 
ex üarentis mei teftamento, qua qua poflfem, praebere. 
Scio te non efle ad hoc unum opus quieturum , fed 
htclinationis etiam Romanorum imperii bißoriam^ quam 
idem genitor meus tribns ^ triginta Hbris ufque ad fua 
tempora fcripHt 9 & Triumpbaniit Romd libros , quoi 
jioftrcmos operum fuorum edidit , efle pariter exadturum. 
Verum diflertur id quoque a me, non in longum^ ut 
fpcro tempuT^ fed tantifper , donec liceatmihi pati rationc 
illorum voluminum exemplaria emendare. Tu interea Roma 
inßatnata libtos , quos ex eiuT opefibus jam dudtem im» 
frimi curaveram , & una Italiam illuftratam legens , 
Ilavii tui memoriae , ut confuevifti , faveas. Vale. Quarte 
Idus Decembris. MCCCCLXXIIIL Romae. Man ficht hieraus 
i) dafs Blondus der eigentliche Gefchlechtsname diefo 
Gelehrten war , worüber man ehmals geftritten hat. 2 ) 
Dafi die Buchdrucker zu Rom im Jahr 1474. noch keine 
IMarginalia drucken konnten , welches doch fchon Fauß 
und Scböffer zu Mäynz Inder Ars predicandiS. Auguftini, 
wovon in der Folge eine Befchreibung vorkommen wird ^ 
vorläufig gezeige hatten. ) ) Dafs Gafpar Blondot die 



gröfstentheils aus dem isten Jahrhundert. loi 

Ausgabe der Schriften feines Vaters be(brgt habe , obfchon 

CS noch nicht -erwiefen ift , dafs er auffer N. I. und If . die 

übrigen hier verfprochenen Werke wirklich habe drucken 

laffen; Audifredi >^enigflens weis nichts davon. Hr. Denis 

in den Merkwürdigkeiten der garellifchen Bibliothek S. io6. 

lecenflrt eine venetianifthe Ausgabe von Blondi Hiftoriarum 

ab inclinatione Rom. Imperii decades III. d. a. 148)9 es 

kömrat aber nichts vor , woraus abzunehmen wäre , daft 

fjia Sohn einigen Antheil daran gehabt ^ Die beygefügten. 

carmina Campani gehörten zum Manufbript wie jene bey 

Roma inilaurata. 

In der Vorrede klagt Flavius über die vielen widrigen 
Schickfale 9 die Italien betroffen hatten : Quo fadum eft « 
fagt er, ut barbaris omnia evertentibus , et nuUo interitti 
ea, quae gerebantur, litterarum monumentis ad pofteros 
tranfinittente I nedummille, quieffluxerunc, annorum gefta 
fciamus , fed Italiae regiones , urbes , oppida , lacus , 
flumina, montefque, quorum nomina a vetuftis frequen- 
tantur fcriptoribus , ubi fint, magna ex parte ignoremus; 
& quod majorem nobis afiert admirationem , multorum 
oppidorum, & potentiflunarum civitatum , quas interea 
in magnam amplitudinem crevifle cernimus, conditarum 
tempora noi lateant , & ipfi eciam conditores. Ein Regifter 
der Bogenlagen (leht auf der Rückfeite des letzten Blatts. 
Die Unterfeheidungszeichen find Punkt , Doppelpunkt , 
zuweilen kömmt auch ein Komma in Geflalt eines langen 
Strichs vor , und flatt x meiflens ein gefbhwänztes e. 
Ich will nun noch etliche alte römifche Drücke mitnehmen , 
von denen ich in keinem deutfchen Bibliographen viel 
mehr als etwa den Titel gelefen habe , und wovon einer 
(elbä dem P. Audi&edi unbekannt geblieben ift, 

iii. , 

jAUtrentn VßUa de elegautia Lingua lafind libri VI. 
in foL ordinär, wie N« II, Am Ende heifst es : Summi 



l^% (p, SpO Nachrichtca von feltenen Büchern , 

Oratorls Lauretii Valien, De fllQgantia latine Lingu^ Sextut 
Liber ExpHcit fjUciter Anno gratig. M. CCGC. LXXI. 
Rome In Finia Kegioe P»ulo Sedet^. ii. Anpo Focificat9* 
Sui. vii. 

B.. R, M, 

Die Lettern find die nämlichen , wie N. II, , und die 
gewöhnlichen Merkmale der alten Drücke finden fieh auch 
hier ein , dem ich noch beyfüge , dafs das i hier , wi^ 
doyt , manchmal einen Punkt über fich habe , öfter aber 
nicht. Das Papier ifl ziemlich dicht und weiis^ ynd hat 
zum Zeichen einen lüeis mit einer \C^aage darinn. Die 
griechifchen Worte find manchmal ausgedruckt , z. B. 
S. 2?. b und S. 1X6, K\ öfter aber » ift Raum gelaffen, 
um fie hineinzufchreiben , z. B, S, (i6. b und 117. a* 
Eine volle Seite hat }4, Zeilen. Der Einbund fcbeini 
von gleichem Alter , oder doch wenig von dem Drugkjahre 
entfernt zu feyn, Man fieht es dem Buche an , da{$ €$ 
der Länge nach ms Repofitorium ifl: gelegt worden ;' denn 
€8 ift unten auf dem Schnitt rubricirt » und auf dec 
obern Seite der Decke ift das ritterliche Wappen de? 
Freyhei^ren von Rotenhan' zu Eyringshof durph, die Kunft 
des Buchbinders dem Leder eingedrücket Vermuthlich hat 
es, Abt Alexander , der aus diefer Familie war , und in 
dem erften Jahrzehnt des löten Ja^hrhunderts 'ins Klofter 
Banz trat , demfelben zugebracht , dergleichen noch etliche 
vorkommen werden. Vorn hinein hat es einen Defekt, 
welcher fchon vor dem Einbund , wie der Augenfchein 
lehrt, vorhanden war, und dem Bibliographen des Innhalts 
wegen empfindlich ift. Es fehlen nämlich a) die erften vier 
Blätter. Auf der Rückfeite des vorderften Blatts fteht ein 
Gedicht zum Ruhm der Buchdrucker , deflen Verf. fich 
Lucidus Ariftophilus Surroneus nennt , und dem F. ^udifredi 
ein erfonnener Name zu feyn fcheint. Der Anfing ift: 
Nos homines , talefque manus fi prifca tuliflent fecula &c. 
Er hätte diefe Verfe entweder ganz anführen , oder wenn 



größtentheils aus dem I5ten Jahrhundert. 103 

fie fchoh be^ einem andern LitCerator zu finden find , 

denfelbea anzeigen follen. Auf der erften Seite des 

zweyten Blatts fängt das Zueignungsfehreiben des Valla 

an 3o. Torteliium mit der Ueberfchrift an : Laurentü 

Valenfis (Jtc. ) clariffimi ; & de lingua latina bene meren- 

tis : ad loannem Torteliium Aretinum : cui opus Elegan- 

tiarum lingu^ latine dedicat: Epiftola, welche faft drey 

Blätter einnimmt, b) Geht das ganze Regifter ab , weichet 

1% und ein halbes Blatt beträgt, und deflen Titel ift: 

Incipiunt capitula de (,ßc) rubrice primi libri elegadarum 

LaurentU Valle. Am Ende diefer Rubriken fteht : 

c 

Cuftos arcis Tarpeie: 
Anfer uade foras: nil cufioditur In arce. 

Pro pennis poteras hic habitare tuis. ' 

His bucufque fuit nobis opus: horrida clangis: 

Debueräs gallos non pepulifle truces. 
li tibi nunc adimunt pacem: viteque quietem. 
Vade: nifi malus (mavis) uentribus efle cibus. 
Unter diefen Verfcn ficht: 
Multus eras primum Laurent! : phirimus es nunc ; 

Hfc tu meflani dona Joannis habes. 
Et impreffe funt in domo nobilis uiri. Joannis Philipp! de 
Lignamine de meffana ut fupra, Scutiferi. S. D, N. Pape. 

In meinem Exemplar ift der Anfang : Sanfte ac Reli* 
giofe per tot fecula cufioditur, Diefs ift alß> nur ein 
Theil 4er Epiftel , die fich unter der Hälfte des zweyten 
Blatts mit den Worten endigt: Atquc hinc principum (/c ) 
noftrum aufpicemur. 

EVS DEA DEABVS DIAMVS idieimus) DINVS 
idivus^ dina dinabus non dicimus &c. 

C. Chr. Hamberger im. IV. Th. feiner zuverl. Nachr.' 
zeigt diefe Ausgabe aus Maittaire Annal. typ. T. I. p. ;o8, 
ed. nov. Kurz an mit der Bemerkung : „ Aus den Lettern 
fchlieffet Maittaire, dafs Ulrich Hahn der Buchdrucker 
ley. Diefer Meynung war auch F. Lsure in feinem Specim. 



IP4 (P. §1.) Nachrichten von reltenbn Büchern, 

typogr. welchen Audift^di widerlegt hat. Ich habe fchon 
^ngemerket, dafs die Lettern diefes Buchs einerley mit 
N. II. find , nun mufs ich hinzufetzen , dafs fie von N. IV , 
welches IJlr. Hab» unftrittig gedruckt hat, völlig ver- 
fchieden find. Es ift demnach eine grundlofe Erdichtung , 
da(s Hahn in dem Haufe Johann Philipps de Lignamine 
eine hefondere Druckerey gehabt habe. Wer fich voUkom* 
men davon überzeugen will , darf den Audifredi S. 1 1 2» 
u. f. darüber nachlefen. Die Buchflaben unter der Unter« 
fchri^ am Ende : B. R. M. paffen auf den Hahn keine», 
wegs , und bezeichnen doch wahrfcheinlich den Namen 
und das Vaterland de§ Setzers , deffen fich Philipp bey 
diefem Buche bedient hat: denn am Ende der Bücher 
S. Ambrofii de oificiis , die ebenfalls in domo PhiU de 
Lign. gedruckt worden , erfcheinen die Buchflaben B. R., 
( S. Audifr. S. 84. ) M. bedeutet glaublich das Vaterland, 
Vielleicht /Aoguntinus, oder Mediolanenfis oder — 

IV. 

Decißones nova Rota Romana ^ coOeHore GuiÜelm^ 
Hörbar cb. In fol. ordinär, ohne Jahrzahl. Am Ende flehen 
die bekannten Verfe des Campanus: 

^nfer Tärpeii cuftos Jouis: unde: ^ alis 
Conftreperes : Gallus decidit : ultor adeft« 

Vdalncus Gallus 2 ne quem pofcantur in ufum 
EdoGuit pennrs nil opus effe tuis. 

Impnmit ille die: quamum non (cnbitur anno. 
Ingenio: haud noceas: omnia uincit homo: 

Das i hat in diefen Verfen flatt d^s Punkts ein kleines 
horizontal liegendes Strichlein iiber fich , niphts aber , wenn 
cii^ anderer Buchftabe mit ihm zufammen gcgoffen ift , wie 
in ci un4 rj. Diefs gilt auch von dem ganzen Buche ; 
nur auf dem gröfferen I liegen gröffere Striche zwerch 
darüber. Audifredi hat Udalricus flatt Vdabricus, obfchon 



gro&tentheils aus dem f 5ten Jahrhundert. 105 

er fonft fehr genau ift. Er fagt S. 40 , diefe Ausgabe fey 
fehr feiten , und wirklich hat er nur ein einziges Exemplar 
zu Rom angetroffen , und in der Note ( r ) fchreibi er » 
erfahren zu haben , es wäre auch eins in der Dombiblio- 
thek zu Lucca« Ich will zeigen , dafs das meinige voll« 
ftändiger ifi, als das feinige. 

i) Das erile Blact ift ganz leer , wie auch das Re- 
giftrum huius libri am Ende anzeigt ; Primu uacat. 2) Darauf 
folgt Tabula 'nouarum decifionum d. i. ein Index 22. Blätter 
fhrk. Sowohl der Titel des Index , als jene der Decifio- 
num, wie auch allemal die erfte Zeile find mit gröfferer 
gothifcher Schrift gedruckt. 5) Folgt abermals ein ganz 
leeres Blatt: Uacat primu. 4) Jegliche volle Seite hat J7,. 
Zeilen. Das Werk bat keine Vorrede , fondern fängt aa 
In nomine Domini &c. Die leeren Blätter i und 5 , und 
noch ein drittes nach dem Bogenregifter hat Audifredi 
nicht angemerkt , obfchon er es bey mehr als einer Gele- 
genheit gethan hat. Mein Exemplar hat fie , und das 
Papierzeichen ift » wie bey N. III. eine Wage. Er irret 
fich aber , wenn er fagt : Port finem operis folio peculiari 
habetur regiftrum quinternio^um five foliorum, denn es 
kommen ^. Sexternionen , 11, Quinta 19 Q^uatern^und }• 
Ternionen vor. Bey N. II. traf ich auch Septemionen an , 
zum Beweife , dafs fich die älteften Buchdrucker diesfalls 
an nichts gewifles gebunden , und diejenigen Bibliographen 
fich geirret haben , welche darauf Rückficht nahmen. Auch 
folget nach dem Bogenregifter ein anderes , wovon Audifr. 
nichts weis, über die 490. Decifiones auf 4* Blättern, 
wovon das letzte gröfsten Theils leer ift. Gleichwie da3 
Bogenregifter aus ) , fo befteht diefes nur aus 2. Kolumnen , 
und ift mit römifchen Numern in der Abfight verfehen, 
dafs der Rubricift die Zahlen im Buche felbft zu den hier 
angeführten Worten auf den Rand fchreiben foU , welches 
bey meinem Exemplar auch gefchehen ift , und alsdann erft 
ift die vor dem Werke fiehende Tabula oder Index » 



io6 (P, Sp.) Nachrichten voa fcitcnen Büchern , 

welcher nach den Titeln der Decretalen geordnet ift , und 
auf jene Zahlen ver weifet , brauchbar. Sonft findet man 
auch hier den gewöhnlichen Mangel der alten Drücke , 
aufler dafs kein Anfangsbuchftabe fehlt , indem fie alle 
gothifch gedruckt find, die. kleinere Schrift aber ift die 
runde römifche. Das Komma kömmt öfter und befonders 
vor & vor , fonft aber überhaupt vertritt der Doppelpunkt 
feine Stelle. 

Nun ift die Frage, noch übrig : In welchem Jahre ift 
diefes Buch vom Hahn gedruckt worden? P. Audifredi 
fetzt es in das J. 1470, ohne eben eine Urfache anzuge- 
ben; doch habe ich die Gründe dazu aus feinem Werke 
zufammengelefen* Hier find fie : i ) Campanus , welcher 
den Igten März 14.71. Ro^" verlaflen hat, hatte keinen 
Antheil an diefer Ausgabe. 2) Man kann kein Buch aus 
der Hahnifchcn Prefle mit der beygedruckten Jahrzahl 
147 1 aufweifen, worinn die Verfe: Anfer Tarpeji &c 
vorkämen. 3) Jo. Tortellii Aretini commentariorum Gram« 
maticorum opus von 1471. hat ganz neue von den vorigen 
verfchiedene Lettern und eine ganz neue Unterfchrift : 
Infculptum eft Rome in domo de taliacoxis fub iuflu Vlricl 
Galll Teutonici: & Simonis Nicolai Lucenfis. Anno do. 
M. CCCCLXXIPon. Sixti IUI. Genuefis anno pmo. ( Audifr. 
S. 88- ) 4) Ini J« 1472. hat Hahn fchon wieder eine 
neue Ausgabe diefes Werkes, die man verbeffert und 
vermehrt nennen kann , vorgenommen ( S. Audif. S. 1 2 1 . ) 
Hier erft lernt man den Sammler der Decifionen kennen. 
Guillelmus Horborch , einmal auch Orborth genannt , war 
ein gebohrner Deutfcher, fieng feine Sammlung mit dem 
JO. Januar 1576 an, und fetzte fie fort bis zum May 
l)8i C Audif. S. 121. und igo) diefs ift aber auch alles, 
was man von ihm weis. Der Einbund ift völlig fo wie er 
bey Num. III. befchrieben worden. 



gröfstcntbwls aus dem 1 5tcn Jahrhundert. loy 
V. 

Dominici de S, Ceminiano Lecfura fuper fecundd 
forte J^ibri SexH Decretalium, grofs fol. 

Am Ende heifst es : FINIT Lecftura Eximii doftons 
domim Dominici d S. Genunia. Supu Scda pce fexti lu 
decre. nulia cal^i exaratk)e f ' quada artiBciosa karaden« 
fandi ac unpnmedi inuetioe Copleca & opaca p magiftru 
Adam Rot clericum Mewn. dioce. Anni J[ M, CCCC. LXXL 
Die uero Lune ultima Septembns, 

£ben To viel führe auch Audifredi S, 90. an , und 
fügt weiter nichts mehr hinzu , als dafs diefe Ausgabe in 
der Bibliothek S/Mariac de pdpulo vorhanden, und auch 
vom Laire in Tein^jm Specimen S. 174,, angebracht worden 
fey , wo er aber falfghlich fuper fextä ftatt fecunda parte 
gefchrieben habe. Ich will diefe wenigen Nachrichten ver* 
mehren. Hr. Gerken im l. B. feiner Reifen S. i8i* ge* 
denket diefes Buches und der Unt;erfchrift auch ; aber ein 
Schreibfehler Ift es gewifs ,. dafs er das Datum ultima 
Decenibris ftatt Septembris angegeben hat. Er hielt dafür 
das Buch mülTe in Italien gedruckt feyn , und Maittaire 
hatte fchon Rom für den Druckort gehalten, Annal. T. I. 
p. 78 und 9;, weil ^dam Kot im J. 1474» Petri de 
Ankarano confilia gedruckt, und Rom als den Druckort 
ausdrücklich angegeben hat. Audifredi recenfirt noch cdichc 
andere Werke von ihm , und darunter Fredericl de Senis 
confilia Rome 1472, die es beftättigen. Auch hat er S. 124. 
dargethan , dafs Adam van Ambergau nicht zu Rom, 
fondern zu Venedig den fcbönen Ladantius vom J« 147I9 
den Hr. Gerken in der Stadtbibliothek zu Memmingen 
gefehen hat , Virgilii opera , und Ciceronis oiationes ge- 
druckt, habe, und dafs feine Lettern viel fchöner als die 
Rothifchen find , lehrt der Augenfchein. Hr. Gerkcn fchreibt 
hier in einer Note am a. O. S, 182* «> Vielleicht, wie ich 
„ am erften glaube , ift Adam ein Mann , der von Am* 



110 CP'^P*) Nachrichten von felteiten Büchern , 

habe f überhoben f indem er diefe feltene Ausgabe S. ^4« 
faiolänglich befchr leben hat 

Die römirche hat 2uerft eine SexCern, und darauf eine 

Quatern , welche 1 o. Bogen ^ wie die Endunterfchrift , 

jnit runden römifchen Lettern Tauber gedrückt find , und 

folgendes enthalten : a) Priraum uacat, fagt das Bogenre« 

giiter am Ende. Das i& aber nur von der eriien Seit« 

Zu verftehen , denn auf der andern fleht die Vorrede des 

Bifchofs Dominicus von Bnxen , und ift darinn diefe 

Stelle merkwürdig : Haec commentaria , quia magni admo« 

dum erant voluminis, non facile haberi etiam a cupienti« 

bu9 poterant. Placuit autem clementiflimo Deo his noftrii 

temporibus novam arteni docere homines : ut per impref« 

fionem charadterum facilUma eflet fcriptio librorum : adeo 

ut a tribus bominibus folum tres menfer laborantibus ^ 

fer imprejjionem formata funt borum Moralium treanta 

Volumina , ad quse tota eorum vita haud quaquam fufficeret^ 

fi digitis & cum calamo aut penna fcribenda forent b) 

Auf dem zweyten Blatt heifst es , Incipit regiftrum breue 

& utile omnium pundorum tadtonim in moralibus beati 

Gregorii pape Scdm ordinem alpbabeti inferius annotatum. 

Die erfte Kolumne unter diefem Titel giebt vorläufigen 

Unterricht vom Gebrauche des auf der zweyten Kolumne 

Tich anhebenden alphabetifchen Index ad facile inueniendos 

jDores (ententiarum mellifluos in libris moralium . . . diflufos 

quibus non ut ftultus laureatus : fagt der Verfaffer , 

iiianiter intumefcat fed ut pium jumentum in ventrem 
memoris trajiciens animam reficiat. Diefer Index non 
füllt alles übrige der 10. Bogen aus. 

Die erfte folgende Quiiitern hat die Vorderfeite des 
irßen Blatts leerj auf der andern fleht eine Erzählung, 
wie: diefes Werk in Spanien verloren gegangen , und von 
Rom aus wieder dahin gebarcht worden fey. Diefe , wie 
das ganze folgende Buch hat zwey Kolumnen; und ift 
mit gröiferen gothifchen Lettern gedruckt. Auf die Erzählung 



gröfstenthcils aus dem isten Jahrhundert. 1 1 1 

folgt gegen über Epiftola beati Gregorü pape ad LeandruS 
epm. und nimmt }. Blätter, eine Kolumne und 9« 2Leilen 
ein. Darauf Incipit Über primus, welches in 65. mit romi- 
fchen Zahlen bezeichnete § §. abgetheilt ift. üeber dem 
zweyten $ des zweycen Buchs fteht Capitulum L , übet 
den 2t&i $. libri ^ CapituluiA IL und Üb. IV. etliche 
Zeilen vor §> 7. Capitulum tertium u. f. w. welches auf 
die Kapitel des Buchs Hiobs Bezug hat Diefe Rubriken 
der Bächer und Kapitel find f ömifch , wie der Index ge« 
druckt. Unter den gothifchen kobmen zufammengegoflene 
Buchft^en als de , he , ho , pe , po &c. häufig vor. 
j9as Abtheilungszeichen ift ein Strichlein , fehlt aber öfter • 
Unterfcheidungszeichen find Doppelpunkt und Punkte und 
fteht letzteres vor dem vorhergehenden Buchftaben mitten 
inne. Uebrigens hetrfchet auch hier der gewöhnliche 
Mangel der alten Drücke , nur dafs die Anfangsbuchftaben 
mit kleinen römifchen Lettern angegeben find , welches 
vermuthlich darum aufgekommen ift , damit der Buchfta« 
benmaler nicht fehlen könnte. Das Exemplar « welches ich 
vor mir habe , hat einen gefchickten und fleiffigen Maler 
gehabt. Gold und die lebhafteften Farben erheben einander« 
Ich bedaure nur, dafs die erften Befitzer auf die Erhaltung 
des erften Einbundes nicht bedacht gewefen : durch neues 
Befchneiden verliert ein folches Buch viel von feinem an« 
fehnüchen Format. Der erfte Befitzer des neuen Einbundes 
war Georg Seidner Frühmefler zu KitZingen , der zweyte 
Jobann Schober Stadtpfarrer dafelbft , der dritte Tbeodor 
Hujfmann Stadtpfarrer zu Sefslocb, die ihre Namen an 
die innere Decke gefchrieben haben. Vom letzteren kam 
es an Ban^t. Das Papier ift dicht, weifs und ziemüch 
glatt, und hat manche^ey Zeichen, als zwey kreuz weis 
gelegte Ffefle, einen Hammer, meiftent einen Kreis mit 
iJAer unkenntlichen Figur darinn. 

llimift dies ungenannte Suchdrudcer noch ausfindig 



1 .1 a (P. Sp.^ Nachricbten vdn fclteneü Bücbera , 

tu machen. Es haben ihrer zwey zur nämlichen Zeit 
apud S« Marcum gedruckt , Simon Nicoiai de Lvca , und 
Yitu^ Poecher: erfterer von 1471— *i479i der ander« 
von 147^ — 78.' \C(enigftens hat man zur Zeit weder 
frühere , noch fpätere Werke aus ihren Preffen ausgckund« 
fchaftet. P. Audifiredi ift für den erften , und ich für den 
zweyten. Ich will die Gründe von uns beyden herfetzen , 
und^em Lefer den Ausfpruch überlaflen. Audifredi fagl 
(S. 196) : Eil mihi prie oculfs prsefens S. Gregorii Moralium 
opus, una cum Decreto Gratiani a Sim. de Lüca anno 
1479* certiflime imprefTo: video tamen eharaderem Gothi. 
ciim majorem textus Gratiani aiium plane efle i charadkre 
Gothico Moralium: (Diefs bemerkt or auch wieder S. 2)^ , 
wo diefes Decretum recenfiret wird ) adeo ut aiterütrum 
ex duöbus fateri necelTe fit , nempe vel Sim. de Luca .du-> 
plici charadtere majore Gdthico ufum fuiffe ; vel dUo bdc 
cpera ex diverßs officinis prodiiffe, At vero cum charader 
Romanus ) quo imprefla eftiprxfatia Dominici Brixienfis« 
ipfeque index alphabeticus operi praspofitüs idem omninö 
videatür ac charadter Romanus \ quo Simon Lucenfis (e* 
quenti anno impreffit Repertoriui« Petri de Monte, pro-^ 
clivior fum ad credendum , & ipfum MoraliiTm opus ad 
Simonem de Luca pertioelre4 Weiter fagt er zur Beftärkung 
diefer ihm felbft zweifelhaften Meynung nichts ; und es ift 
fchwer ^u begreifen , warum er keine Vefgieichung des 
Digeftum tiovum von Pücher^ welches mit dem Reperto» 
rium Petri de Monte in einem Jahr heraus kam, an^eftellet 
habe. Es ift auch zu bedaufen , dafs diefer übrigens fo 
fleiflige Mann auf gewiffe fonft {©genannte Kleinigkeiten i 
die aber oft allep auf die Entfcheidung am kürzeften 
führen , nicht gefehen hat, z. B. ob Simon de Luca in 
^feinen Werken die Anfangsbuchftaben klein eingedruckt 
habe , oder nicht , odet eb es Vitus Puecher gethan a.. f. w^ 

lino 



gröfstentheils aus dem igten Jahrhundert. 1 15 

Eine folche Genauigkeit fcheiat nur den Dcutfchcn eigen zu 
feyn. 

Nun folgen meine Gründe ßir den Fächer, aus dem 

Audifiredi felbft aufgelefen. Simon de Luca hat bis zum 

20. Scpt 1474. in Gefelifchaft mit Ulrich Hahri gedruckt , 

während welcher Zeit fie fich in ihren ünterfchriften feht 

fleiffig genannt haben. Als nachher Simon allein drückte, 

kann Audif. nur ein einziges Wetk mit der Unterfchrift 

apud S. Marcum von 1476. aufweifen, welches erweislich , 

und diefs nur durch eme beygefflgte Handfchrift, dem- 

falben lEugehört ; in den zwey übrigen Büchern ( mehr 

find von ihm nicht bekannt) ift der Zufatz apud S. Marcum 

weggelaflfeni und zwar bey 14:78 fein Name der Ehdunter. 

fcbrift beygefetzt , bey 1479. aber verfchwicgen , und 

nur aus der Zueignungsepiftel erkenntlich. Hingegen hat 

Puchcr in feinen Endunterfchriften, fich niemals genannt , 

aber allemal die Worte : apud S. Marcum , angebracht. 

Aus den Vorreden allein lernt man ihn kennen. Alfa 

findet fich in der Vorrede zu dem Digeftum novum tom 

J. 1476 , welche von dem Gorreä:or Joannes Güarinus 

verfiiffet, und ganz an den Vitus Puecher gerichtet ift, 

die merkwürdige Stelle : Nefcio , quo pudere femper affi- 

ciaris, ut euras tuas atque labores ^ tacitos atque fub 

ßlentio quodam ire volueris j quafi nil gratis pro iis 

mortales tibi , nofiraque Refp^ deb.eat. Sedvereris, arbiträr, 

dicaces iUos , qui arteiii ipfam imprefifionis ad amplificandaifi 

fcientiam atque dodtrinam , obefTe magis , quam conducere 

garrulantur &c. und weiter unten: Ego jam ad tt ipfutri 

redeo Vite , maximeque mirari foleo diligentiani tuani 

atque indußriam in iibris imprlmendiSi Equideint cum! 

fuperiore anno fnforciatum librtim fane egregiüm ( welches 

Audif. jedoch nicht gefehen hat ) perinde atque ab tenebris 

nwliorem limatioremque nobis educeres ^ Bigtßum t&u& 

H 



1 14 (P. Sp.) Nachrichten von feltcncn Büchern , 

novKm hoc anno non minori cura atque diligentia perfe- 
cifli. Diefes Buch wurde fertig am vorletzten März. 

Selbft Audifr. fchliefst hieraus i ) dafs Fucher mehr 
Bucher als die genannten muffe gedruckt haben , weil 
fonft die Stelle : Nefcio quo pudore femper afficiaris &c. 
nicht paffend wäre. 2 ) gefleht er ein^ dafs die gothifchen 
gtöfferen Lettern der Moralium von jenen , womit das 
Decretum Gratiahi vom Simon de Luca gewifs ift gedruckt 
worden^ verfchieden feyn. 9 ) dafs die römifchen Lettern 
der Mor^ium jenen des Simon ähnlich zu feyn fcbeinen. 
Da ifl: alfo fo viel als gar kein Beweis. Mich dünkt 
demnach, dafs hty fo bewandten Sachen der Ausdruck: 
Apud S. Marcum mehr für den Fücher als für diefen 
cntfcfaeiden «muffe. 

VIL 

Jobannis Berthctcbini repertorium utrtufque inrh, 
^^rofs fol. II [. Bände. 

Ich habe zwey verfchicdene Ausgaben diefes Werkes 
vor mir, die beyde ohne Benennung des Druckorts, der 
Jahrzahl , und des Buchdruckers erfchienen find ; doch 
hat die ältefle davon Merkmale an fich , welche uns die 
nöthigen AuffchlüfK geben können. , Herr Denis m den 
Merkw. der garell. Bibl. S. 10 1. hielt die Nürnberger 
Ausgabe vom J. 1485. für die erfte , weil ihm fo wenig 
als andern Bibliographen keine ältere bekannt war» Meine 
Befchreibung wird zeigen , dafs die Kobergerifche es nicht 
könne gewefen feyn. 

Die ältere von den meinigen ift ohne Titel , Küftos , 
Seitenzahl und Anfangsbuchftaben , aber doch mit Signa- 
turen verfehen. Eben fo hat auch Kobergcr die feinige 
eingerichtet. Der erfte Band, welcher aus 546. Blättern 
befteht fängt an : Tabula alphabeti A , und diefes Regifter 
ift in fechs kleine Kolumnen abgetheilt , und nimmt die 
Hälfte der vorderften SdJte nach dem erften ganz leeren 



gröfstentheils aus dem igten Jahrhundert 1 15 

Blatt ein. Darunter folgt A (eiti hiit Gold prangender 

ßuchftaba) Pi-epofito eil qüe dicit &c. Jegliche Blattfeite 

hat 2. Kolumnen ^ und gleich die effte volle Kolumne " 

zählt 7). Zeilen s manchmal eine ihehr^ zuweilen auch 

vn^mger ^ wenn nämlich mehrere mit gröflbrer gothifcher 

Schrift gedruckte Zeilen darinn vorkommem Am Ende 

des erften Bande!» ift auf der erilen Kolumne dei: Vorder^ 

t&itA des letzten Blatts folgendes zu lefen : 

Uade Über noftri pars prima äflumptä labdris 
Fontificis Saniftos anteferere pedeü. 

Mens licet in tuirchas cüris maiöribus inftet : 
Cüra nee ex animo defluat iuftä fuo! 

Dicitö. Sisfelix., venia tqS aniioßor etafe 
Quam tua fit quercus roborö nixa fuö. 

Sixte tui ferui fum pars egd prima labörisi 
jyiuneris & pars fum de tfibus vna tili. 

Mok aderunt älie; modo finl tibi grata ittagiiiri 
trefferit vt fociäs ingeniofa hianus. 

Hunc velut in facra tua concio fufcipit ätilai 
Et tiignum tantö rtiunere fixte facis; 

In dnni fic diue theum tua gratiä crefeat 
Et te tnüneiribus fentiat elTd ddum. 

Debitor ergo fefert accepti muneriis amplas. 
Quds pötuit grates. tu meliöfa refen 

tinis primi volüminis llöpertörij vtriufq? iuris etliil 
kdditionibtis editi ab excellentiflimo iuris confultö domino 
Johanne Barthachinö (Jlt^ de firmd fixti J^ontifieis bene^ 
ficiö äduocato cdnfiftöriali. 

Auf der g^gen übet fliehenden kolunine fteht kegiflxunl 
^rimi iibri d; i. ein Öogehregifteh 

Det erffe Bahd der fpätereii Ausgabe hat auch ^ödöf 
titeli tioch KuftoSj aber nebft den Signaturen römifche 
ä^ahlen am Rande jeglichen Blatts i und kl^ih eingedrückte 
Anfan^büohlhibenA ' Der Anfang ift Tabula ptime pariit 

»4 



1 16 (P. SP') Nachrichten von feltenen Büchern , 

fiertachini. Diefer Index, welcher fich auf die Blätter- 
zahlen bezieht , ift in 3. Kolumnen abgetheilt, und nimmt 
funfthalb Blätter ein, das fechfte ift leer, und das folgende 
mit fo. II. bezeichnet , hat die roth gedruckte AufTchrift : 
Inclpit repertorium aureum eximij vtriufqj iuris interpretis 
domini Jöhannis Bertachini de firmo aduocati cofiftorialis cum 
additionibus. Die § §. welche in die vorhergehende Aus- 
gabe mit der Feder gemalet find , erfcheinen hier gedruckt. 
Auch hier haben zwey Kolumnen ftatt, und das nämliche 
Format, ja eben daiTeibe Papierzeichen, eine Säule, die 
fich oben in einen halben Mond endiget, worüber eia 
fünfftrahlichcr Stern fteht: ich möchte es aber lieber für 
einen Leuchter mit breimendem Lichte halten , indem unten 
eine Handhabe in Geftalt eines gothifchen P angebracht iü; 
ich darf aber nicht verfchweigen , dafs diels Zeichen ia 
der fpäteren Ausgabe etwas kleiner als in der älteren fey, 
und dafs man in beyden noch öfter gar kein Papierzei- 
chen antrift. Beyde Gothifche Schriftarten find hier etwas 
gröfler als in den vorigen. Diefer Band befteht in allem 
aus 141 ). Blättern. Am Ende flehen die obigen g. Difticha 
an Pabfl Sixtus IV. mit folgenden Aenderungen und 
Vcrbefferüngen : V. j. Mens licet Turcbos daa in ift aus 
Verfehen ausgielaffen. V. 4. defluat ißa V. 8- de tribus 
ymfui V. 9. fteht nach modo fim tibi grata zum beflTeren 
Verftand ein Doppelpunkt. Daraufkömmt folgende Nachricht, 
die ich ohne Abkürzungen mittheile : Finem accipit pars 
folemnis repertorii utriufque juris editi a preclaro juris 
utriufque dodtore domino Johanne Bertachino firmano : 
quod quidem repertorium cundlis mcndis & errorifaus 
jvmma cum diligentia : nuperrime caftigatum : deo duce 
luculentam atque expeditam veritatem: quam nonnifi cum 
magno labore attingere poterant : cundlis ledloribus exhibet. 
omnes enim fui ipfius repertorii in fe remifliones : que 
tum falfiffime : tum prorfus confufe ubique reperiebantur : 



gröfstentheils aus dem I5ten Jahrhuadcrt. i x^ 

ad unam veritatis concordiam : & confonantiam juxta ipfius 

auftoris mentem : redadas habet : & numeros verficulorum 

ad faciliorem expeditionem in margine fignatos continet. 

Darunter flehen die Buchftaben der Signaturen & omnes 

funt quaterni. An die hintere Decke diefes Bandes ift 

angefchrieben : Emptum hoc bertachini repertorium VI. 

aureis nummis per . Michaelem Marftaller de Bayersdorff 

Karoli ac Era^mi baronum de Limpurg prcceptorem anna 

Dni i^iz. Vnum recepit aureum ligator. 

Der zweyte Band der erften Ausgabe fehlt uns ; die 
fpätere erfetzt uns aber , was die Dediqation an den Pabft 
Sixtus betrift. Der Anfang ift Tabula fecunde partis 
Bertachini. Diefes Regifter ift befchaflfen, wie jenes im 
erften Rande , und macht mit den leeren fechs Blätter aus. 
fo. L hebt alfo an : 

Haec operis pars eft quam flifcipe fixte fecunda. 
Qua fine prima poteft vtilis eflfc parum. 

Der crfte 'Anfangsbuchftabe F ift hier nicht klein einge» 
druckt , doch ift es bey G und anderen , obfchou nicht 
allezeit, gefchehen. 

Der mit römifchen Zahlen bezeichneten Blätter find 
U8.. AmEndefteht Difticon Libri ad Sixtum Pojn (Jk) 
Maxi. 

Altera poft primam fum pars ego fixte: fecuadum 
Det mihi facra precor Bibliotheca locum^ 

Ad laudem ejus qui vivit trinus & unus finem fumit 
fecunda pars Bertachini opdme emendata ; & in fuis penitus 
erroribus enucleata : ita ut priftina omnia ejufäem Bertachini 
Volumina quam facile antecetlat. Diefer Band endiget mit 
dem Buchftaben O, wo mir fo eben auf der letzten Seite 
die Stelle in die Augen fällt: Ofculum a clerico illatum 
femine prefumitur ex bono Zelo« und auch diefe wichtige 



1 18 (P. ^0 Nachrichten von feltcncn Büchern , 

Entdeckung : Ofculo non contrahitur propinquitas vel 
affinitas. 

Der dritte Band der älteren Ausgabe fangt an : 
Padtum eft , quod incipit &c. Von dem Anfangsbqchftaben 
F. gilt , was von jenem des erften Öandes iit gefagt worden. 
Ain Ende diefes Repertorium ileht auf der erften Kolumne : 

Laus Deo & virgini matri. 
Exultatio iohannis Berthachini ob operis huius abfolutionem« 
Gaudete o mufe feftas agitace choreas. 

Exul ab exilio veiler alumnus ero« 
Si alledhis legum (ludiis tua caftra reliqui 
Calliope: cur te non ego femper amem. 
Ad tua iam redeo cupidus vexilla: tuufque 

Miles ero: accindtus iam tua figna fequar. 
Hoc operis vaflum denos agitata per equor 

Annas: ad portum fefla carina redit. 
Juftiniane vale. Satis eft certafTe tot annos 

Jam tibi cum fpoliis redderc & arma decet 
Diue michi dederis nomen. licet ipfe fatebor 
Et quicquid laudis quicquid honoris adeft. 
Quod reliquum vite fuerit tibi cedat appoUo ißc^ 

Redde mihi folitam dulcis appollo liram. 
lila animo curas adimet : fcfTamque leuabit 

Mentem : ne pereat prefTa labore graui. 
jSepe deo facros cythara cantabimus hymnos 

Legimus & cytharam perplacuifTe deo. 
Sepe canam regina poli tibi carmina vates 
Perftringet laudes iam mea bucca tuas. 
Uirgo adfis vati fola es mihi portus & aura 
Spes : requles : columen : tu mihi vera failus* 

Unter diefen Verfen fteht roth gedruckt : Repertorium 
Berthachini cum aliis innumerabilibus additionibus limita- 
tionibus & decifionibus additis diligetiflime perprius uifit 
Omnibus ipfius Berthachini allegationibus. 



gröfstenthcik aus dem igten Jahrhundert. 119 

Auf der andern Kolumne fteht das Bogenrcgiftcr über 
diefen Theil , und daronter das roth gedruckte Wappen 
des Buchdruckers , welches da es meines Wiffcns nodi 
ganz unbekannt iß, in einem Abdruck verdienet mitgedicüt 
zu werden. 




Bi^fer Bsmd enthllt apa^ Blätter«, 



1»© (P. Sp.) Nachrichten von feltcocn Büchern, 

Dßr dritte Band der fpätcrcn Ausgabe fangt an mit 
Tabula tertic partis bertachini , und nimmt j \ Blatt ein. 
Das fünfte ift leer , das übrige beträgt ; s «• Blätter. Die 
exultatio Bertachini ift hier nicht zu finden , fondern am 
Ende fteht : Exadta hec infignis atque preclara repertorii 
Bertachini pars tertia : q fuis allegationibus & remiflionibus 
perquam diligenter prius vifis & caftigatis tot tantifque in. 
fuper additionibus ab omnibus modernis dodloribus in hifdem 
laborantibus extitit illuftrata vt viam vcritatis in aliis quidem 
libris propter incuriam impreflbrum penitus dcprauatam 
hie fecilimam & expeditam cundti leftores inueniant. 

Die Originalausgabe diefes Werkes ift 2u Rom auf 
Befehl des Pabfts Sixtus durch Georg Laur yon Wirzburg 
im J. 1481. mit gothifgher Schrift gedruckt worden, 
P. Aüdifredi fiihrt fie S. 242. kurz an, und verweifet, 
was die Verfe , die jeglichem Bande vor- oder nachgefetzet 
find , betrift, auf ein Manufcript feines Mitbruders. Diefi 
bewog mich , diefelbe ganz mitzutheilen. Aus ihnen 
allein , wenn auch das einzige Exemplar der Originalaus- 
gabe der Aufmerkfamkeit des P. Audif. entgangen wäre, 
müfste man auf derfelben Exiftenz fchlieffen, und den 
Anton Kobergcr für einen Nachdrucker erklären. Meine 
ältere Ausgabe ift demnach ein verbeflerter und vermehrter 
Nachdruck , und ich mufs es andern überlafTen , den 
Buchdrucker aus feinem Zeichen zu enträthfeln. Die andere 
noch vollftändigcre Ausgabe mufs wenigftens im erften 
Jahrzehnte nach isoo, wo nicht früher, gedruckt worden 
feyn , und meiner Vermuthung nach in Frankreich , denn 
ich habe die franzöfifche Lilien mit einer Krone zweymal » 
nicht in der Mitte , fondern am Rande als Papierzeichen 
angetroffen. So viel ift gewifs , dafs beyde Ausgaben » 
fo viel mir bewufst ift, bisher unbekannt gewefen. 



{röf^tentheviS aus dem 1 5ten Jahrhundert 1 2i 
VIII. 

Formularium terminorum Rota Romana. 4.. 

Am Ende heifst es : formularium terminorum exacSiflim» 
diligentia Rome impreflum per magiftrum ftephanum planck 
de Patauia fub anno domini M. CCCCLXXXIX. Die decima 
fexta menfis Oäobris fedente Innocenrio VIII. poatifice 
maximo Potificatus Qßc ) fui anno fcxto. 

P. Audifredi hat diefes Buch -'in, feinem Verzeichniffe 
nicht. Es mufs alfo höchft feiten feyn; diefs ift aber 
wohl auch fein ganzer Werth. Titel , Signatur und Kuftos 
fehlen. Es hat römifche Blätterzahlen, häufige Marginalien 
und gothifche gedruckte Anfengsbuchftaben ; zum Text ift 
eine kleine halb gothifche Schrift gebraucht , und zu den 
Marginalien eine dergleichen noch kleinere. Die erfte 
Blattfeite ift leer , auf der andern fteht Tabula huius libri 
nach dem Alphabet mit Beziehung auf die Blätterzahlen 
des Buchs, die oben in der Mitte flehen. Darauf folgt 
ein Regifter über alle Titel , wie fie der Ordnung nach 
abgehandelt werden, mit der Auffchrift: Termini rote. 
Eigentlich ift es eine praktifche Anleitung , wie die Pro- 
zefle bey der Rota zu inftruiren find. Nachher kommen 
fefta palacii in Geftalt eines Kalenders , die ziemlich zahl- 
reich find. Am letzten Oktober fteht : Vigilia omnium 
ßindtorum mutatio capparum. Der Anfang des Buchs felbft 
hat den ungefchickten Titel Initium Regiftri. Auf der 
letzten Blattfeite ftöht Regiflarum foliorum. 

Diefcm ift beygebunden ein anderes Formularium 
diuerforum contradluum nouiter imprefTum. Diefs ift der 
ordentliche Titel auf der crften Blattfeite , worüber das 
Wappen des Druckherrn mit feinem Namen : Johanes 
de Legnano , rund eingefafst fteht. Man follte den 
IVlann für einen heimlichen Jefuiten halten , denn er 
führt vollkommen ihr Wappen. Vielleicht war er ihr 
Vorläufer. Am Ende heifst . es : Explicit Formularium 



122 (F. Sp.) Nachrichten von fdtencn Bucheni , 

nniDerrak diaerfbnim csotradnum Tmpreflbm Mediolani 
per Johannem Ai^luai ScinzenTclcr. MCCCCCII die XXIL 
Mann kann fich aus der Durchficht diefes Buchs von der 
Leichti^eit überzeugen , wie Italien fo viele Advocaten , 
eine wahre Landplage , fo wohl futtern könne. Wir wollen 
noch ein älteres Werk von diefem Druckherm oder Buch- 
händler feines Privilegium halber hier mitnehmen. 

IX. 

Confiunantiflimi (Ju^ ac eminentiflimi J. v. Monarche 
dni Benedicii de Bcnedictis de Perufio vtiliflima ac quotti- 
diana in materia vltimamm volontatum oonfilia ab omnibus 
fummo com ftudio perquirenda. gr. foL 

Diefes ift das ordentliche Titelblatt, ober welchem 
das vorige Wappen in einer anderen und gröfleren Föns 
fteht. Ein Engel hält den Namen Jefiu auf feiner Bruft, 
und darunter find die Anfiuigsbuchftaben vom Namen des 
Druckherm in eine Gruppe zuiammengeftellt. Am Ende 
heifit es: Excellentiflimi ac famofiflimi U. J. monarce Dni 

Benedidti confilia vtiliflima & quotttdiana fuper vltimis 

voluntadbus felicitet explidunt Papte imprefla. per Fran* 
cifcum de guafehls de ftradela opera impenfis Domini 
Johannis de Lignano mediolanenfi. Sub anno a natiuitate 
domini. M. CCCC LXXXVUI. Die XXVII. Septembris. 
Darunter folgt: Ne in penam non paruam imprudenter 
incurras o bibliopolla. audiflime (ßc) fcias obtentum efle 
ab lUnftriffimo & Sapientiflimo Mediolani principe refcriptum 
ne i^onfilia dni Benediäi de benedidtis de Perufio ad 
decimum ufque annum aut imprimi poflint aut alibi im- 
prefla importari venalia in eius difiridhim. Sub pena indigna- 
tionia cefaree & eris in eo contenta. Itaque ne ignarus^ 
erres te admonitum effe volui. Jo. Lignanus. 

Das Werk hat 2. Kolumnen, hat Signaturen, aber 
keinen Kuftos, weder Kolumnentitel , noch Seitenzahlen, 
aufler diefe fipqbs:. | , 4f S » VI,. YU, g. Die Ajifangs- 



gröfs tentheils aus dem 1 5ten Jahrhundert 1 2$ 

bucfaftaben find klein eingedruckt, oft 9uch ausgelaflen. 
Der Druck ift feine Mönchsfchrift. Die erfte Zeile oda 
doch das erfte Wort jeglichen Abfatzes hat gröITere und 
dickere Lettern. 

Das ältefte nun bekannte Büeherprivilegium 9 fagt die 
allg. dentfche Bibliothek im 71. B. S. 600, ift ein Banu 
bergifches vom J. 1490. Mich wundert, dais der Recenfent 
den Titel des Buchs nicht beygefetzet hat. Jetzt ift die 
Frage noch übrig : Wer war diefer Benedicäus de Benedidtis? 
Jöcher giebt von ihm und feinen Schriften Nachricht , aber 
gegenwärtigen Tradtat kannte weder er , noch fein Ergänzer 
Hr. Adelung, auch fuchet man denfclbcn vergebens in der 
juriftifchen Bibliothek des Lippenius und feiner Fortfctzer 
Jenichen und Schott. Ob ihn Nettelblatt angeführt habe, 
kann ich nicht fagen , weil ich feine Hiilor. lit. weggelehnt 
habe. 

X 

Jodoci Eychman de Calwe Vocabularium Latino-6er« 
manicum pro concionatoribus. in 4. ohne Anzeige des 
Orts, Buchdruckers oder der Jahrzahl« 

Diefes Buch mufs fehr feiten feyn , weil es dem 
fleiffigen Blicke unfers deutfchen Maittair's Herrn Panzer 
entgangen ifl:. Alles fehlt , was in den ältjeften Drücken 
zu fehlen pflegt. Das Buch fängt alfo an : 

Si te materne remoratur inercia lingue. 
Quo minus ad populum fiindere verba queas. 
Si cupis vtiliter verbum transferre latinum. 
Si proprie quoduis expofuifle velis: 
Fac relegas iftum vigilans auidufque libellum» 
Inque tuas facito fepe venire manus. 
Nee facÜe credas populäres dicere poiTe. 
Sermones: ifto ni potiare libro. 

(S) I ittxta naturalem confonamque proprietatem latU 



124 (P- Si>.)^2ichrichten von fcltenen Büchern, &c. 

norum cupias cfle aptiffimus interpres & expofitor vocabu- 
lonim (que prefertim inter diflcminandum veritatem occur- 
rant euangelicam ) hunc noucllum amplederc librura &c. 
Als ürfachen das Buch zu kaufen , werden folgende an- 
gegeben : Hunc itaque libellum abs te comparari moueat 
primum luculentiffima verborum expofitio. Deinde' mirifica 
ydeomatis exaggregato (Jic) vulgaris, qua nimlrum (exagge- 
rationc) concionator audientes vehementer poterit afficerc. 
inflammare. perfuadere. Demum audtoritas inducat clarif- 
fimi dodtiffimique facrarum literarum profeiToris. magiftri 
Jodoci eychman de.calwe. a quo dum perpluriraos tarn 
annos heydelberge predicando quosHbet accuratiflime docuit. 
huius noui plenäm fumpfit originem feries opufbuli. Darunter 
folgt 

(A) B ba cft ebreum. vater. 

Die letzte Zeile der erften Blattfeite ift : 

Aberrare, fyn vel abfallen von dem rechten Weg. 

Diefe eri^e Seite hat j2. Zeilen, alle volle Seiten 
aber )4- Desgleichen augh die letzte, welchq den ganzen 
Buchftaben Z. enthält. Das Buch hat 164. gedruckte 
Blätter, und da Eichmann im J. 1491. geftorhen ift, fo 
mufs es früher gedruckt feyn. Hier find ein Paar Proben 
der Ueberfetzung : Catheqifmus ünderweyfung in den 
gruntlichen ftucken des gelaubens fcilicet pater nofter« 
credo. feptem facramenta. Fhilofophus. natürlicher heyd-» 
nifcher meifter. liebhaber der weisheyt. vel der Künft« 
weyfer meifter der natur u. f. w. 

Die Fortfetzung folp. ^ 




125 

Nachricht von einem aüfserß Seltenen Band 
alter Drücke , von Jobann Zaintr in Ulm. 

33 Xncipit. Liber, Alberti. Magnu Ordinü. 
a> Predicatorum, De, adberendo. Deo» 
» nudate. InUüeau. ^. Affedu. ^. 
33 vitimq. ^. fiiprema, Ferfeäione. Ho 
y^ minis. quanUim poffibile. eß. 

Neben diefer Ueberrchrift fleht eine in Holz gefchnitteilc 
Verzierung , welche die innere und obere Seite des Rands 
bekleidet, fo weit der Druck gehet Gleich darunter 
fängt der Text an , mit einem ebenfals gefchnittenen groflen 
Buchflaben , Cogitanti micbi aliquid &c. die erfte Seite 
endigt fich mit den Worten e» omnibus aliis , und diefes 
ganze werkgen , auf der Rückfeite des i). Blatts, Lin. 19. 
wie folget : 

9f eteme aqua nos cuflodiat ibefut fcfs, Ametu 
Darunter fleht 

( verkehrtes F) Unit traßatulg. Magnt. Atbeftti 
Auf der vorderfeite des 14. Blatts fängt *der zweyt9 
Traktat an : 

,3 lucipt* TraStatulus. de, Remediis» 
33 contra. Pußüanimitatefn. Scrupu 
33 ioßtatem, contra, deceptorias, in 
35 intici, Confoiationet ggf fiibtiies ei 
jy US, Temtaciones, per iUuminatiJp 
„ mum. Magißrum, Jobanjiem, Ger fön 
33 Doäorem, Sacre. Theologie, Concel 
33 larium Parißenßem. edituf 



\ 



I 



(Ohncgefchnittene Verzierung u. groflen Anfangsbüchftabeit) 



ia6 Nachricht von einem aüfserd; feltencn Band. 

Gleich unter der Uebcrfchrift fängt der Text an : 
Vi fußBauimis &o — End der edlen Seite: qntücuq%. 
Der Traktat fchliefst fich auf der Rückfeite des ein und 
»waniigften Blatts ^ Linie j 6* — parißtnßs, Finit fcelicker. 



Blatt 2t. Vorderreitet 

„ Inciph. Epißola. Dominu Bonäventu 1 ,^ 

5> re. Cardinatis, de Modo pr'oßciendi ^ talbus 
^ conpendiofo», 



?ntu 1 



(Ohnegefchnittene Verzierung u» groffen Anfengsbuchftaben.) 
Unter der Auffchrift fängt der Brief an: Nxpoßio 
frater. N. N. &c. — End diefer Seite: retardacois grasU" 
dme-^Det Brief endet auf der Rückfeite des 27. Blatts: 
Linie 6» — 

,, ta fecuia feculo^ Anten 
Unterichrifti 

» Epiftola domini BoHauentUre CärdiHalis. Be 
j3 modo proficiendi compendiofo : Finit foelicittr 

Blatt a8. Vorderfeite : 

,y Brevis ^ utilis Do^rina Jüvenum O £,v^,^,v c^i^o^ 
» Domini Bonaventure Cardinalis : or > ^.^^^ 
^ dinis miHotUm. tncipit fceliciter ) 

(Ohne gefchnittene Vertierung u; gfoffcn AnfangsbttchflabenO 

Gleich untef der AufTehrift fangt der Text an: 
y conüetu &c. End der erften Seite t vt verfetuY per — 
pag Werk endet auf der Rückfeite des yy. Blatts 1 Lin. i % i 

i^ßnefine vivit ^ regnOt in fecuta fecukrum. AMeH 



Naohricht von jeinem aü(ser(l feltencn Band. 127 
Unterfchrift. 

„ De informatione nouiciorum ^ juuenum domint bonaiie 
„ tttre Cardinalis ordinis fratrum mino^. Ftmt fceliciter 

Die Vorderfeite , endlich , des vierzigften und letzten , 
Blatts , enthält ein Verzeichnifs der verfcbiedenen in diefeni 
Band befindlichen Traktaten y mit Anzeige der Capiteln und 
ihres Innhalts. 



Diefe Ausgabe ift zwar in Herrn Denir Supplementen 
zum Mahtaire angezeigt, allein jedes Werk befonders^ 
(S. p. 484* N*. 4128. pag. ?7r. N*. 4974- pag. 5i9* 
N*. 44^4' & 445 5- ) fo dafs man leicht vier verfchiedenc 
Ausgaben daraus machen könnte , da doch alle vier 
Werke lauth Regißer zufammen gehören , und jedes befon» 
derr^ nur ein Brucbßück diefer Sammlung ift. Es fteht 
zwar bey den drey letzten Traktaten , adbaret — und ro- 
bäsrent p. aibefto magno &c. Das will aber nur fo viel 
fagen , als wenn diefe Stücke zufälliger Weife bey einander 
wären. Sie können auch nicht befonderr verkauft worden 
feyn, weil der Band aus vier Lagen , jede 2tt fünf Bogen 
oder zehn Blatt befteht , und keines geföndert werden 
könnte ohne die Bogen einer Lage zu 2erfchneiden» Die 
Typen find rund, und fchön, aber, wie ich vermuthe, 
gefcfanittene — fie kommen mit denen überein « deren figh 
Johann Zainef zu Ulm bey def Ausgabe der Efiflola Ft. 
Petrarcbd de infigni obedientia — Grilfeldis — A* 1471* 
bedient. *) Auöh die gefchnittenen Verzierungen zeigen » 

*) Meine Vermuthung wird auch durch das Ürtheil des.fleiffigcii 
und Gelehrten *m, Herren Chorherm Yt. Gras tu Neüflift 
faeftätigt. S. yerzetLhnifs typographifcher Denkmäler -*« 
Welche fich in der Bibliothek — su Neuftift befinden. 
Brixtn 1719. 4«. p. 10 .w*. 1<» 



iä8 Nachricht von einem aüfcerft feltenen Band. 

dafs diefes Stück von dem Johann Zainer zu Ulm herkommt. 
So viel zur Berichtigung und Ergänzung des übrigens vor- 
treflichen Werks des Herrn Denis yf/tan man aber an- 
nemmen will , dafs die , in dem von Herrn Denis (loc. citatt) 
angeführten Exemplar, gefchriebene Jahrzahl emtus 1470. 
acht feye , fo würde hieraus folgen daß die Bucbdruckerey 
nicht erfl A*. 1471. (>vie mati bis dahin geglaubt,) in 
Ulm aufgekommen y und dafs Günther Zainer in Augsburg 
nicht der erße geroefen , der in Deutfchland mit rundet 
Schrift gedruckt. Wenigftens zeigt die Schärfe der Buch- 
ftaben — die llefchaiFenhcit der Dintc , oder der Druckerfarh, 
(die bald etwas bläfler , bald zu fett ift) — und die 
Ungleichheit der Linien an mehreren Stellen, dafs dicfc 
Ausgabe der erfie Verfucb aus Jobann Zainers Prejfnt 
gewefen ift , und wirklich hab* ich noch nichts von diefem 
berühmten Drucker gcfehen , das fo fehr die Merkmale 
eines crften Verfuchs an fich hat , wie die gegenwärtige 

Ausgabe. 

Was übrigens ihre Seltenheit bctrift, fo beweifst das 
Stillfchwetgen der bcrühmteften Bibliographen und der 
Schriftfteller die von den Werken des Alberti magni ge- 
handelt, genugfam, dafs fie unter die Rarißma $rimi 
crdinis gehört. 

Herr Denis hat auch diefe Ausgabe nur in folgenden 
Bibliotheken gefunden- 
em. (Bibliothcca Amici privati— ) Ein voilßdndiges Exemplar. 
Georg' (Bibliotheca Coenob. Montis S. Georgii O. S. B. in 

Tyrol. ) Ein voüßändiges Exemplar, {ubi emtus 1470-) 
Kov. (Biblioth. Canon. Reg. Novaceü. {Neüßift bcy Brixen.) 

Ein voüßändiges Exemplar — 
Dresd. {KdnigL Bibliothek zu Dresden') Ein vollßändiges 

Exemplar. 
Alfo nur vier voBßandige Exemplar. 
Brucbßücke diefer Ausgabe befinden fich nach Herrn Denk 
' Angabc in folgenden Bibliotheken — 

Adm* 



Nachricht von einem aülserft feltenen Band. 129 

Adm. (BibUodj. Goenob. AämonUnßs — in Styria) bcfitzt* 

Albert. Magnus — Bonaventura Epiflola — Gerfon. 
Dor. (Biblioth« Canon. Regul. ad S. Dorotbeam^ Vienna} 

hat, Albertus M, und Gerfon. 
Gott. (Biblioth. Cocnob. Gottvicenßs -— in Außria.} 

bcGtzt , A/bert. Magn. 
Weislinger — (Biblioth. ord. S, Jobaunis ^ ArgentinM) 

befitzt Albertus Magnus — 
}lic. (BibL Canon. Regul. ad S. Nicol. m Bavaria) hat 

Albertus Magma, 
Ich fuge diefen noch ein voüß'dndiges Exemplar bey , das 
ich in der Notitia — de Libris — in Bibliotheca -^ Mo- 
nafter. ad SS. Udalricum öf Afram Augußa extantibus — 
Aug. Vindelic, 1788. 4*. p. 114. — i^. angezeigt finde* 
(S. ibid. N*. CLVII. CLVIIL und CLIX.) Der fleiffigc 
Verfafler, (H. P. Bibliothekar. Braun) hat zwar diefe 
Opufcula zum Theil auch gefönderc« macht aber die&n 
Fehler dadurch wieder gut , dafs er am Ende des Index 
anzeiget / woraus man fehen kann dafs fie zufammen ge- 
hören. Auch Er fchreibt He dem Joh. Zatner zu , fagt 
aber nicht warum ? Ueberhaupt bemerke ich ^ daß man 
bey der Confrontation und Coliocation der Ausgaben f« 1. a. 
& typ. nicht forgfäldg genug feyn kann , und fich nicht 
fibereilen mufs feine Hypothefen dem Publikum mitzuthei- 
len. Ich habe mich felbften fo oft in meinen Vermuthun- 
gen geirret « daß ich diefelben lieber zu lange zurückba. 
halten , und niemals ohne meine Gründe dafür anzuzeigen'» 
dem Publikum mittheilen werde. 

. Noch bemerke iqh einen kleinen Irrthumf. H. P. Bibl. 
Braun fagt (Art. CLVII ) Initiales Licterae primi , & decimi 
quarti capituli fant ligno incifae ; reliqua verö parusßint 
a typograpbo adjeffa. In meinem Exemplar finde ich nur 
beym 5. 6. g. und pten Capitel K^/»^ Anfangsbuchftaben | 
fonft find mt m dem ganzen Band keine vorgeI«>mmen. 

I 



130 Befcbrcibung einer febr feltenen 

Von diefem unftrcidg aüfsfrß fe/tenen Band befitze 
ich ein doppeltes Exemplar , das ich gegen andere Stücke 
Ton gleichem Gehälc gerne abtretten würde. 

Zunftmeißer Heidigger. 



3- 
^eßJircibun^ einer ßkr fcltcmn Ausgabe des Quintilians. 

JVj.. Fabü Quintiliani oratoriarum inftitutionü Lib. XII. 

Vna cü annotationibus Raphaelis Regit : Georgii Merulae: 

& Jodoci Badii Afcenfii: in depraaationes earüdem. Et 

II 
tabula per alphabeti feriem : ta in cotextu q in fcholiis ad- 

notidorum au(fta & recognita per eunde Afcenfiu qui ad 
codice que Lauretius Valien. & poiTedifle: & emendafle 
magnis argumentis cuuincitur fexcentos locos . reflituit. 
Vaenudatur cü Gratia & privilegio: ab eodem Jodoco 
Badio AfceGo: &JoaneParuo: Bibliopolis academlae Panhi- 
fienfis. 

Zwar find die Ausgaben der alten Lateiner , die zu 
Piiris von Jodocus Badius AfcenHus herausgekommen find , 
nicht mit den A|dinifi:hen, Jundlinifchen und Stephanifi:hcn 
zu vergleichen , theils wegen der Güte , theils auch wegen 
der Seltenheit ; allein demohngeachtet verdienen fie wegen 
des fchönen Drucks , und des guten Papiers immer eine 
anfehnliche Stelle unter den Ausgaben bey Anfang des 
fechzehnten Jahrhunderts. Wenn man ferner bedenkt» dafs 
dem Liebhaber der Alten, fi)wohl als dem Herausgeber 
irgend eines alten Autors die Befi:hreibung jeder Ausgabe 
angenehm feyn mufs ; £o glauben wir kein unnützes Ge- 
fchäfte unternommen zu haben , hier eine Befi^hreibung 
diefi» Ausj^abe des Q. zu liefern., — Alle An««aben, die 



Ausgabe des Quintllians. 131 

tbm Afcennus herrühren , find in kl. folio , immer am 
Rand, und unter dem Text nach dem Gefchmack der 
damaligen Zeiten mit Noten umgeben , welches auch be/ 
ünferm Schriftßeller der Fall ift. Jodocus Badius Afcenfius, 
auch Afcanius von feinem Geburtsort Afca in Brabant alfo 
benannt, geh» 1462. und geft. 1^26. gtebt auF dem Titel 
hinlänglich an , was man in diefer Ausgabe zu erwarten 
habe, d. i. was fie enthalten foll;saber wir müITen hier 
fogleich einen Fehler rügen , den der Titel enthält. 
Nach diefem müfsten die Noten des Merula vom Anfang 
bis an das Ende des Buchs fich erftrecken ; aber man 
würde fich irren» Sie fangen erft auf dem CCXLVIIL 
Blatt , d. i, mit dem achten Kapitel des zwölften Buchs , 
wo die Anmerkungen des Regius aufhören , an. Aber e» 
war eine Gewohnheit der damaligen Zeiten , auf dem Titel 
der Bücher , um Käufer anzulocken , zu pralen ; und 
zweytens war man in Angabe der wichtigftert Sachen nie 
fo genau, als man von jedem Ausleger der Aken billig 
erwarten kann. In wie fern alfo Badius auf dem Titel 
fagen kann, quod fexcentos locos reftituerit, mufs der 
Herausgeber des Quintllians mit den vorhergehenden Aus«' 
gaben in der Hand , entfcheiden« Die Dedikatiotl , die 
dem Werke vorgefetzt ifil, hat diefeUeberfchrift: JodoCus 
Badius Afcefius , Antonio Bohero thefaurario Regio : & 
Fräcifco Bohero eius fratri carnuten. ecclefi^ canonlco 
primario que prgpofitu vocat ^ claris admodu natalibp Sc 
preclara indole : mukaq erüditione cofpicuis adulefcetibus ; 
prudetiflimi videlicet & fpe<flabilis viri Thomae Boheri 
equicis aurati & quaeftorum regiorüm normanie Sc mediolam 
principis liberis S. D. In diefer Dedikation klagt der 
Herausgeber gar (ehr , dafs der von dem Informato« 
(paedonomo^) diefer beyden Brüder, Namens Remigio^ 
Ruilus Cädidus , einem Aquitannier bey ihm niedergelegtd 
Codex, und den er bey Herausgabe diefes SchrifUlellers 

I 2 



132 Befchreibung einer fehr felt^nea 

gebrauchen wollte, ihm von einem BöfewicVt (homine 
ihalo, ne dicam facrilego; denn er hatte die Zurückgabe 
befchworen , praeftito facramento , ) der den Codex nur 
auf ^ bis 4 Tage haben wollte , ieyder entriflen. "Was 
war zu thun? ReferG tii, fährt A. fort, qua potui in- 
dufiria Sc vigilatia : laborS illius iadtura » na Q^uintilianu 
que mäghis argumetis liquet ab Lauredo Valien, pofleflum 
& recognitu magno puidetie bnficio mihi compaui: vigiliq 
ftudio codicem ab Raphaelo Rhegio adnotatu ad Valle 
Aldiq exeplaria repofui f adhibito quato maximo potui 
iudicio : Liber em & in nulli9 verba iuratus rigiduiq* 
yeritatis aflertor vbiq. locoru qd fentirc aperui : & op9 hoc 
no adnotaui mö : fed & maculis innumeris terfi : cofidoq* 
Hecpauciora nee minore iudicio q a pceptore veftro fuerat, 
a nobis emedata. Alfo findet man in diefer Ausgabe den 
Text des Aldus , dafs aber diefer der Juntiiiifchen Ausgabe, 
die nicht fehr oft von der des Regius , Venedig 149}. 
abweicht, folgt, ift bekannt. Demohngeachtet mufs der 
Herausgeber des Q, der die Verbeflerungen des Afcenfius , 
welcher innumeras macuias will gehoben haben , eine Ver. 
gleichung anfiellen. Unter der Dedikation fteht : ex offici- 
Ha noftra chalcographa : ad Idus Januarii M. D. XVI. fuppu- 
tatione Romana , und auf der nemlichen Seite : Priuilegii 
forma , cuius prolixior eft explicatio , apud Badium eft : 
qui Omnibus iure petentibus eius vidende: faciet poteftatem. 
Der von uns angegebene Titel ift fchwarz und roth, mit 
Figuren eingefafst. Auf die Dedikation folgt: Inftitutionü 
oratoriaru Tabula, in vier gefpaltenen Kolumnen, nach 
nnferer Art zu reden ein dürftiger ( nach jenen Zeiten ein 
vielbedeutender) Index. 2.) Eine Angabe der Kapitel, 
ftiit Q. Leben. ^) Der Text, mit Noten umgeben CCLVI. 
Blättem, fchön und fauber gedruckt. Am Ende Heist man; 
M. F. Qjointiliani oratoriarum inftitutionum : Vna ou 



Ausgabe des Qiiintilians« 133 

tariis annotationibus in deprauationes eiufdem : Cum grada 
& priuilegio» 

F I N I S. 



In aeedibus Afcenfianis ad Idus Januarii. M* D. XVL 
calculo Romano. K. 



Fünfzehn alte kUine größtentheih unbekannte Schriften^ 
zu Leipzig gedruckt , ia einem Quartband. 

Oo grofs das Anfehen Ift , in welchem zu unfern Zeiten 
Leipzig in . Anfchung des in alle Länder ausgebreüeten 
Buchhandels und der zahlreichen Preffen vor allen andern 
Orten flehet : fo gering war daflelbe in den nächften 
Jahren nach der Erfindung der Buchdruckerkunft. Erft im 
Jahr 1480. kam wahrfcheinlich ( denn ganz gewiß ift es 
noch nicht,) die erfte Buchdruckerprefle dahin, und da 
Augsburg, Strasburg, Mainz, Nürnberg, Bafel, Rom, 
Mayland , Paris , befonders Venedig ; und andre Städte 
mehr mit Buchdruckern angefüllt waren , welche die 
wicht'gften und vortreflichftcn , wenigftens die größten 
Bücher in grofler Menge lieFerten , machte Leipzig bis 
zum Jahr 1^00, mit feinen Buchdruckern und ihren Pro- 
dukten noch eine kleine Figur. Von jenen kennt Maittaire 
nur den Marcus Brandt, Conrad Kachelofen, Gregorius 
Bötticher , Wolfgang Molitor , Melchior Letter , Jacob 
Thanner und Martin, fo vermuthlich M. Landsberg von 
Würzburg feyn foU. Diefen füge ich noch den Mauricius 
Brandifs, Conradus Galliens, Arnold de Colonia, Gregorius 
Wermann , und Wolfgang Stöckel von München bey. 
Buchdrucker wären es für die erften 20 Jahre genug« 



134 Fünfzehn alte kleine, grölstcnthcils 

aber der grofste Theil ihrer Produkte waren unwichtige , 
unbedeutende. Kleinigkeiten. Wer fich davon überzeugen 
will , der darf nur Jo. Henr. Leichii de origine & incre- 
mentis typographiae Lipfienfis librum fingularem , Lipf. 
I740.befonders S. 6^ und f. nachfehen. Indeffen lieferten 
fie doch noch weit mehr folche Kleinigkeiten, als dem 
Leicb bekanntwurden, und dergleichen Leipziger Kleinig- 
keiten trift man jetzt Immer feltner an, als die ungeheuren 
Folianten andrer Buchdrucker, von welchen die Klofter- 
bibliotheken yoUgeftopft find. Diefes ift die Urfache, 
warum ich hier eine Anzahl derfelben , davon Leicb nur 
drey kennet, kurz anzeigen und meiftens nur nach dem 
äufferlichen bcfchreiben will. Denn das innerliche ift 
entweder etwas bekanntes, oder etwas zu unwichtiges, 
als dafs man fich lang dabey aufhalten foUte. Das fchönfte 
Leipziger Produkt M. Vegii vita d. Antonii 1492. ift in 
dem erften Stück diefes Magazins S. 97. befchrieben 
worden , und cinfchönes und wichtiges : Flori epithomata, 
in Riederers nützlichen und angenehmen Abhandlungen 
I. Stück S. 8 s. Dicfe beyden Seltenheiten find der 
Aufmerkfamkeit Leicbs entgangen. 

L 

Algorithmus linealis. Nur diefe zwey Worte ftehen auf 
dem Titel, Es find 14. Blätter, davon das letzte feft 
leer ift. Eine Anweifung zum Rechnen, z, E De Additione. 
De fubtradtione. De duplatione. De Mediatione. De IVIulti- 
plicationc De Diuifione. De progreflione. De Radicum 
extradione , u. f. w. der Schlufs ift : Et tantum de Radi- 
cum extracflione & vltinia huius algorithmi fpecie & per 
confequens de toto Algorithmo. Dazu ift gefchrieben: 
Anno dni M. cccclxxxxiiij. 

Darunter das Buchdruckerzeichen Martini Landsberg 
Herblpolenfis zu Leipzig. / 



unbekannte Schriften zu Leidig gedruckt. 135 

Dieie Ausgabe ift dem Leid unbelcannt, und dem 
Matttaire, welches auch, wie ich gleich jetzt bemerken 
will , in Abficht auf den letztern von den folgenden Büchern 
gilt, auITer einigen , wo ich es befonders anzeigen werde, 
dafs er fie kennet. Was ich fonft noch von dem gegen- 
wärtigen ganz unbekannten Leipziger Produkt zu fagen 
habe, das werde ich kurz bey dem folgenden thun. 
Bey dem gegenwärtigen aber mufs ich noch hinzu fetzen , 
dafs es auch Herr Denis in feinem Supplemento annalium 
typographicorum Mich. Maittaire mit StiUfchweigen über- 
gangen hat. ^ 

11. 

Algorithmus oder eine Anweifimg zum Rechnen ^ 
wovon das erfte Blatt , fo vielleicht den Titel enthält ^ fehlt , 
und vielleicht auch das letzte leere. Es find fechs Blätter , 
davon das erfte mit A ij bezeichnet ift, und anfängt: 
Henricus Stromer Aurbachenfis Andree humelshayn Lipt 
zenfi artium Baccalario S. P. D. 

Zuletzt Impreflum Lyps. per Baccalarium Mardnum 
lanfsberg Herbipolenfem Anna miliefimo quingentefimo fep- 
timo. 

Das Buchdruckerzeichen. 

Der Anfang ift : Totus ille lineaKs Algorithmus , nouem 
claudetur capitulis odto ; (diefes Wort ift falfch) oÄo 
fpecies algorithmi fcilicet numerationem r additionem : fub- 
tradllonem : duplationem : mediationem : muttipKcationem : 
diuifionem : & piogrcflionem abfoluent , Nonum : verö 
regutam deTri: que & aurea Tocitatur : explicabit &c. 

Auch von diefer Ausgabe weifs Leicb nichts. Sie ift, 
wie man fchon aus der Zahl der Blätter fiehet , viel 
kürzer als die vorhergehende , aber eben fa unbekannt 
Ueberhaupt habe ich von folchen kurzen Anwcifungen 
zum Rechnen aus der damaligen Zeit fonft nichts ange« 
troifen , als noch eine kleine Schrift in der Bibliothek zn 



135 Fünfzehn alte kleine , gröCstentheils 

Rottenbuch, welche e'ben fo unbekannt ift: Algorifmu» 
nonus i. e. Arithmetica , ohne Jahr und Ort , in 4. 
.Vielleicht ift es eben die , welche Hr. Denis S. 487. 
anführt : Algorifmus nouu$ de integris : charader. goth. 4. 

III. 

De Calamitatibus tempo 

rum feu contra peccatorum 

monftra aureum Uaptifte 

Mantuani poema. gothifch. 

S. 2. Joannes Honorius Cubitenfis Johannt Tirolt de 

Falkenaw artium bonarum baccalario. S. p. d. Datum 

LipzcU Anno naduitatis Domini millefimo quingentefimo 
primo üigefima odlaua die Menfis Aprilis. 

S. }. Jodoci Badii Afcenfii in fequens opus prenota- 
tiones. 

S. 4. Fratris Baptifte Man. carmelite theologi ad 
Reuerendiffimum in chrifto patrem ac dnm. D. Oliuerium 
Carafam : Sabinen. Epm & Cardinalem Neapolitanum de 
fuorum temporum Calamitatibus über feliciter incipit 

Drey Bücher Hexameter, 143. ungezählte Seiten mit 
Signaturen bifs M. Auf der dritten Seite von hinten: 
Francifci Cereti Parmenfis iuris Pontificii Scolaris ad praeftan- 
tiflimum adolefcentem J^^cobum Mariam de Lino Ciuem 
Bononienfem : ac Dominum ColendifEmum Carmen. Auf 
der letzten Seite : Johannis Honorii Cubitenfis Hexaftichon 
ad leäorem librorum Baptifte Mantuani : quos de calami- 
tatibus fui temporis edidit. Darunter fteht: Calamitatum 
noftri temporis opus diuinum Liptzick impreflum per Bacca. 
larium Wolfgangum Mon^-^enfem. Anno falutis humane 
Millefimo quingentefimo fecyndo. Das Buchdruckerzeichen 
ein Spitzhammer auf einem Foftament mit den zwey 
Buchftaben W S. d i. Wolfgang StöckeL 

Auch vori diefer Ausgabe gedenket Leicb nichts. 
Haittaire zählt vom Jahr 1489 bis 1499* fechs ältere 



unbekannte Schriften zu Leipzig gedruckt. 137 

Ausgaben, denen ich noch eine Dauentr. 1492. 4« beyfiige. 
Die erde bekannte Ausgabe Bonon. 1489* hat Fr^ytag im 
dritten Band des adparat. litterar. p. 21. befclirieben , 
auf welchen ich mich der Kürze wegen beziehe. Die eben 
gemeldete Ausgabe zu Deventer führt Herr Denis S. jjo, 
unter der Auflchrift an: Carmen de mundi calamitatibus* 
Item contra poetasimpudice loquentes. Dauentriae 1492. 4. 
und macht S.469. noch eine bifsher verborgne Ausgabe 
bekannt: Carmina de calamitatibus temporum cum notit 
fiadii. Parifüs per Johannem Petit. 1499. 

IV. 

Lucli Annei Senece Cordubenfis maximi latinorum 
Magiftri & inftitutoris honefte vite ad Lucilium Epiftolarum 
Über de vivendi ratione preclarus & auro pretiofior. 

Epitaphium Senece. 

3 Difticha. S. 2. De vita & morte Senece. Folium ij 
Lucii Annei Senece cordubenfis ad Lucilium epiftolarum 
liber. So ift fortgezehlt bis Folium cxv. Unten folgt : 
Tabula epiftolarum Lucii Annei Senece Cordubenfis. maximi 
latinorum Magiftri & inftitutoris honefte vite ad Lucillium 
Incipit. Die Unterfchrift heifst zuletzt : Lucii Annei 
Senece Cordubenfis maximi latinorum Magiflai & inftituto- 
, ris honefte vite ad Lucillium Epiftolarum IJber de viuendi 
ratione preclarus & auro pretiofior finit faufte TmprefTus 
Lyptzck per Baccalarium "Wolfganguni Monacenfem. Anno 
domini. M. CCCCCi. 

Leich weifs von diefcr Ausgabe nichts , ich erinnere 
mich auch nicht , fie fonft angetroffen zu haben , aber ein 
paar andere Leipziger habeich kennen lehrnen, eine i49^» 
Liptzk per Arnoldum de Colonia ( M. f. Freytagii analeda 
p. 848. Ei adparat. litterar. T. IL p. IJSS.) und eine 
1497. Lyptzk per Baccalarium Wolfgangum Monacenfem, 
welche unter den Zapfifchen Inkunabeln zu Augsburg war* 



138 Fünfzehn alteTcleine, gröfstcntheils 

Leicb kannte beyde nicht, oder doch die erfte nicht recht,* 
weil er kein Jahr anführt. 

Eine unbekannte Cölner Ausgabe bey Heinrich Quentel 
habe ich unter den fechzehn alten kleiden Schriften Num. L 
befchrieben. 

V. 

Scribendi Orandique Modus per Anthonium Manci- 
nellum cum proprietatibus vocum. 

Georgius Meynigenfis 
2 Difticha. 

S. 2. Operis tituli. S. 5 — ^. Georgius Meynigenfis 
Joanni yfsleuber artiqm magiftro: & comitis hennebergenfis 

fcribe. Salutem P. Vale ex lyptzk. M. CCCC. xcvf. 

fexto kal'. decembris. S. 6. Anthonii Mancinelli Veliterm 
Scribendi Orandique modus: ad Valerium Crifpinum iuris- 
confultum eximium. Ciuemque Veliternum quam optimum 
& generofum. — .— Datum Venetiis decimo nono kal*. 
Junias M CCCC. xciij. S. 7. fängt das Buch felbfl an. %6. 
Blatt , und ein leeres. Auf der letzten Seite oben : Anto- 
nii Mancinelli libellus de modo Orandi Scribendique cum 
Vocum proprietatibus finit feliciter. ImprefTus Lyptzck per 
BaccalariumWolfgangum deMonaco. Annogratie. M.CCCCC. 
Darnach noch: 

Retradtatio quorundam locorum huius libelli ad Joan- 
nem yfsleuber artium magiftrum. j . Verbeflerungen , und 
zuletzt: Cetera que videbuntur elimatione digna tu lime 
pro tua induftria fubige. non enim omnia ante operis 
finem mihi licuit perluftrare Uale. Diefe Ausgabe war dem 
Leich bekannt, und er führt S* 76. eine lange Stelle aus 
der Vorrede an. 

Vorher ift diefe Schrift einige Mahl zu Venedig ge- 
druckt worden , z. E. per Bernardinum Benalium 149;. 
{)er Joh^nem de Cereto 149)* per Jo. Aluißum de Varißo^ 
ohne Jahr, per Jo. de Cereto 1496. Aus des Herrn Denis 



unbekannte Schriften zu Leipzig gedruckt. 1 3$ 

Supplementen habe ich auch noch folgende Ausgaben kennen 
lernen : S. 54.9; impreflum Venetiis per Simonem Beuila- 
qua 149?- 4* S. 449. impreflum Venetiis per Jo. de Cereto 
alias Tacuinum de Tridino anno faL dorn. 1498* S. 468* 
Vlmae 1499. 4. 

VL 

De faluberrimo fruduofiflimoque diue virginis mari^ 
pfalterio Tnp^ex hecatoftichon cum aliis ad eandem quibut 
. dam carminibus elegantÜümis Hermanni Bufchii Monafte- 
rienfis. 12 Blatt. 

S. 2. Litterarie rei curiofis Georgius Schneydeweyn 
Liberaiium arcium Maglfter S. D. S. ). In augufliflimp 
ylrginis Marie Sertum Rofaceum Hermanni Bufchii Monafte- 
rienfis , meditationes , in tres Uecatoftichas parcite felicitec 
incipiunt. 

Auf der erften Seite des letzten Blatts: Impreflum 
per Baccalarium Martinum Herbipolenfem Anno falutis. 1506* 

Das gewöhnliche Buchdruckerzeichen. 
Ift dem Leich abermals unbekannt. Maittaire fuhrt aufler 
einer Leipziger 1^09. eine Ausgabe 1900. 4. ohne Namen 
des Ortes an. Sonü ifl; mir keine andre bekannt worden , 
als eine , die in der Rottenbucher Bibliothek ift , ohne 
Benennung des Jahres und Ortes , in 4. und die eben den 
oben angeführten Titel hat. Wegen dem zu feiner Zeit 
berühmten Verfafler beziehe ich mich auf J. G. Boehmii 
opufcula academica de licteratura Lipfienfi , ( M. f. das 
Regifter ) und auf .Tac. Burckardi commentarium de pata- 
libus , ingenio , mentifque Herrn. Bufchii , praemiflum 
Bufchii vallo humaniratis , Fr. 171 9. wie auch auf Jo. 
Henr. Leichii librum fmgularem de origine & incrementis 
typographiae LipGenfis pag. i s « > 6. Herr Denis hat in 
feinen Maittairifchen Supplementen den Namen Hermann 
Bufch nicht angeführt. 



I4Q Fünfzeha alte kleine, grölstentbeils 

VII. 

Augufiinus Dachus Nouus denuo eorredus : & in 
JEleganciis per litteras capitales perpulcre diftindhis. 

Bl. II. Ciariflimi ac preftantifllmt philofophie dodoris 
Auguftini dachi fenenfls de variis loquendi figuris fiue de 
modo fcribendi äd Andream Senenfem yragogicus libellus 
minor fiue nouus Incipit A 6 Bl. B 6 Bl. C 8 Bl. Das letzte 
aber leer. 

Auf dem 7 ten Blatt fleht unten : Ifagogicus 
libellus clariffimi ac preftantiflSrai phie Do(ftoris Auguftini 
Dachi Senenfis de variis loquendi figuris fiue de modo 
fcribendi explicit feliciter. Impreflum Liptzk per Melchiar 
Lotter Anno dni Millefimo quingentefimo fecundo. 

Unter den fünf zu Leipzig in dem Jahr 1^02. ge- 
druckten Schriften, deren Leicb gedenket, befindet fich 
die gegenwärtige nicht. Zwey ältere Ausgaben fuhrt Herr 
Franz Von f aula Schranck in feiner Baierfchen Reife aus 
den Bibliotheken zu Fölling und Steingaden S. 2)6. an* 
Bey jener heifst der Verfafler Auguftinus Dacus , bey diefcr 
Dachus , wie bey der Leipziger Ausgabe. Mit Recht be- 
hauptet er, es fey fehr glaubwürdig, dafs es niemand 
anders , als Auguftinus Dathus fey , unter welchem Namen 
er fonft öfter vorkommt. Aufser dem fcheint es auch 
faft, die elegantiae latini fermonis und die Schrift de variis 
loquendi figuris feyen nur ein Buch , das aber Veränderun- 
gen und Vermehrungen oder vielmehr Verminderungen 
erfahren hat. Maittaire führt verfchiedene Ausgaben an , 
unter andern auch eine Datus, minor 1490. 4. auf die 
Art , wie die gegenwärtige Leipziger im Anfang libellus 
minor fiue nouus genennet wird. Aber im vierten Band 
S. ^49. führt er an: opufculum Auguftini Senenfis, quod 
vulgo Dacus maior vocatur , fiue Auguftini Dathi Senenfis 
elegantiae , Dauent 1492. Da hätten wir alfo bey de 
Namen , Dacus und Dathus , und zugleich einen Dacus 
maior und minor , deren Unterfchied nur die Vergleichung 



unbekannte Schriften zu Leipzig gedruckt. 141 

einiger Ausgaben zeigen kann. Ich halte das letztere für 
einen Auszug aus dem erftem. Wenigftens habe ich in 
der Bibliothek des Stifts S. Mang zu Füeßen eine Aus- 
gäbe in 4. mit der AufTcbrift angetroffen : Elegantiae 
miMor^x Auguftini Daci, 1499. Und in den Bibliotheken 
zu Buxbeim , Irfee u. f. w. habe ich folgende dem 
Maittaire unbekannte Ausgaben gefunden: A. Daci txl de 
yariis loqiiendi regulis I4S<). 4. De variis loquendi figufis 
Colon. 1490- 8. Datbi elegantiole nouitet correde &c. 
ohne Jahr , de variis loquendi figuris , auch ohne Jahrzahl. 
Eine mit dem Namen des Buchdruckers Adam , die Ele^ 
gantiolae heifset : führet Schelhorri in den Anmerkungen 
zum Quirini S. 8)* an. Doch genug! Herrn Denh hier 
zu excerpiren , möchte zu weitläuftig feyn* 

VIII. 

Fracris Baptifte Mantuani Carmelite contra poetas im« 
pudice loquentes Carmen S. 2. Jodocus Badius AfcenfiuSn 
eine halbe Seite Lob B. Mantuani. 

Die folgenden 9 Seiten enthalten das Gedicht 

Impreflum Liptzk per Jacobum Thanner Herbipolen« 
fem. Anno falutis 1502. 

Diefe Ausgabe hat J. H. Lticb nicht angeführt 
Wohl aber hat er S. 10^. einer andern Leipziger Ausgabe 
ohne Jahrzahl gedacht: Baptifla Mantuanus contra poetas 
impudice loquentes 4. aber nach feiner Gewohnheit ohne 
weitern Beweiß , da(s (ie würklich zu Leipzig gedruckt i(t , 
welche Ausgabe Maittaire ^ der den Leicb im alphabetifchen 
Anhang des fünften Bandes excerpirt hat , fo wie manche 
andre , . vergeflen hat Dagegen gedenkt er im vierten 
Band S. 484. einer Römifchen Au^abe 1487* 4« Di« 
Leipziger ohne Jahrzahl aber befokreibt Fnytag in adparatu 
litterario Tom. III. p. 22. Herr Dmis gedenkt keiner 
befondem Ausgabe , fondcm nur der^ welche mit dem 
Gedicht d« calamitatibus temporum Daventriae 1492. 



142 Fünfzehn alte kleine, gröfstentheils 

) herausgekommen ift, wie ich fchon oben N. III. angeführt 
habe. 

IX. 

Aufonü peonü poete lepidillimi Frecatio matutina ad 
omnipotentem deum. 

Ein .einiger Bogen : die zweyte und letzte Seite leer. 

Precationis matutine Finis. 

ImpreiTum Liptzk per Jacobum Thanner Herbipolen- 
fem Anno fdlutls noftre i. 9. 00. Thanners Buchdrucker- 
zeichen , weifs in fchwarz , mit den zwey ßuchftaben i t. 

Dicfer Ausgabe gedenket Leicb 1. c. mit wenigen 
Worten S 77 , uad aus ihm führt fie Maittaire in dem 
alphabetifchen Anhang an. Auch hat fie Freytag in dem 
zweyten Band feines adparatus litterarii p. i )9i. befchrieben. 
Sonft habe ich von diefem Morgenfegen keine befondrc 
Ausgabe mehr entdecken können und man wird ihn nur 
in feinen zufammen gedruckten Werken fuchen müßen , 
davon in Hambergers zuverläffigen Naciirichten von den 
vornchmften Schriftftellern vom Anfang der Welt bis 1500. 
im zweyten Theil S. 874« n. f. vcrfchiedne Ausgaben 
befchrieben find. Hr. Denis hat von diefem Poeten nichts 
befonders gedrucktes entdeckt 

X. 

Dodlifllmi Poete & Theologi Baptifte Mantuani Fratris 

Carmelite. De contemnenda morte Carmen 

Ad Ledtorem ' 

Ne turbent gelide Icdtor te fpicula mortis 
Carmine Baptifta hoc : quc monet exequere* 
Auf dem andern Blatt Vorerrinncrangen %. BL Bl. ^. 

Ad magnificum Jafonem Cafteilum patriciüm Bononienfem 

Dodtiflimi viri Baptifte Mantuani Carmelite Theologi de 

Contemnenda morte Carmen. 1 1 Seiten^ 

Finis 



unbekannte Schriften zu Leipzig gedruckt. 143 

Impreflum Liptzk per Jacobum Thanner. 
Die letzte Seite leer , ohne Jahr. 

In dem Leichifchen Verzeichnifs fehlt diefe Ausgabe^ 
aber eine andre Leipziger von eben diefem Buchdrucker 
1^04. 4. iteht p.' 82. Eine Farifer 1499. 4. und eine alte 
Qhne Jahrzahl ift Vom Freytag 1. c. p. 949. l^efchrieben 
worden , und eine Farirer ohne Jahrzahl p. 22, Eine 
Leipziger unbekannte vom Jahr 1500. auch von dem J. 
Tanner in 4. gedruckt , habe ich in der Klofterbibliothek 
zu Irfee angetroffen. Die obige ohne Jahrzahl ift vermuth- 
lieh die erfte , die er geliefert hat. Herr Denis hat von 
allen diefen Ausgaben bis i^oo. keine genennet, Maittaire 
aber nur eine Farifer 1527, und die obige Leipziger 1504. 
aus dem Leicb. 

XI. 

Lucii Annei Senece Cordubenfis. philofophi Liber ad 
Galionem de remediis fortuitorum. 14 Bl. wovon das letzte 
leer ift. 

Zuletzt fteht: Finis 

Impreflum Liptzk per Jacobum Thanner Herbipolen- 
fem Anno falutis noftre. i. ^. 00. 

Darunter fein Buchdruckerzeichen. 
Mit wenigen Worten gedenkt diefer Ausgabe Leicb 
S. 77. und S. 84- einer andern bey eben diefem Buch- 
drucker i?o^. welche beyde Maittaire wiederhohlt hat. 
Im vierten Band S. 759. hatte der letztere eine andre 
Leipziger Ausgabe vom Jahr 1^00. ohne Namen des 
Druckers angeführt, welches wohl nichts anders, als die 
obige feyn wird. Von diefer aber mit des Buchdrucker 
Thanners Namen, deren auch Ernefti, (aber ohne diefen 
Namen) im zwcyten Band feiner Ausgabe von Fabricii 
bibliotheca latina pag. iig. gedenket, hat Blaufufs weitere 
Nachricht gegeben im zweyten Theil feiner vcrmifchten 
Beyträge zur Kenntnifs feltner und merkwürdiger Bücher ' 



144 Fünfizelin alte kleine » gröfstentheils 

S. 19 f. Herr Denis hat ihrer nicht gedacht, aber S. 662. 
ein paar andre mit gothifchen Lettern in 4. ohne Jahrzahl 
bekannt gemacht, davon eine Eucharius Silber zu Rom 
gedruckt haben foll. 

XII. 

DodtifEmi poete & theologi Baptifte Mantuani Fratrtf 
Carmelite Apologeticon : & ad diüam virginem Carmen, 
auf dem iiten BU ste Seite : 

Finis apologetici : 
£ H L 
I2te BL Eiusdem Baptifte ad diuam virginem Votum 
a BL 4 Zeilen. 

Finis. 

ImprefTum Liptzk per Jacobüm Thanner» 
E H L. 
ohne alle Anzeige des Jahrs« 

Von dicfer Ausgabe hat Leicb keine Kenntnifs gehabt 
In feinen operibus mögen beyde Stücke ftehen : aber fonft 
ift mir keine befondre Ausgabe zu Geficht gekommen , als 
in der Bibliothek zu Rottenbuch eine Ausgabe des letztem 
Stücks : Carmen votiuum ad B. virginem , in 4. ohne 
jahrzahl. Herr Denis gedenkt nichts davon , aber S. ^t%* 

führt er an : Parthenice Mariana eiusdemque apolo- 

geticon & Carmen votiuum ad diuam virginem cum fuis 
elucidatiunculis. Parif per Johannem Petic 1499. 4. Es 
könnte feyn, dafs die hier befchriebcnen zwey klcinea 
Stücke mehrern Ausgaben von jener Schrift beygeiSgt 
wären* 

XIIL 

Francifci petrar.che de reftitudine mentis: Ä 
EpPa "^ venuftate fermonis. Enee fdvii de ihtedledh^ 
illuminati nobilitate« 

4. Bl' 



"{ 



unbekannte Schriften zu Leipitg gcärOckt 145 

6. Bl. S. 2. Thomas Penzelt wydenfis Ätium libera- 

lium Magiftcr Honorabili viro ac domino Ebrchardo Geyftl 

de Wertheym bonarum artium bacealario ac ibidem ecclefie 

collegiate Canonico Saluteni dicit. S. 9. Froncifci Petrarchc 

ad Thomam Wleflanenfem Floquentiam Aniinique equitatem 

cetcris rebus effe anteponendam exhortantis. S. 9. EpFa 

Enee Siluii de iliuminati intelledlus nobilitate ad Ladislaurti 

yngarie & Bohemie regem confcripta. S. 1 1 unten 2 J T 

imprcffit Das ift ficher Jacob Thanner. 

Unter den Leipziger Drucken , die Leicb bekannt 
gemacht hüt , findet fich diefe Ausgabe nicht. Sonft aber 
kenne ich kein Exemplar weder von diefer , noch von 
einer andern Ausgabe , auch Herr Denis führt keins an.- 

XIV. 

Opüfculuni Remediorum aduerfe fortüne ex Francifco 
Petrarcha oratore & Poeta fane cla^iflimo , vt fi de re 
quapiam döleas : Remedium tibi refpondcndo afFert : dolore 
ne.nimio conficiaris. 

Tetraftichori Magiftri Gfegörii Bre. de Koniti ad 
Ledtorem. 

Auf der andern Seite noch drey Gedichte von ihm. 
Bey dem erften ifi der Name äusgefchricben ; Bredikopfs* 
In allen 16. Blatt , wovon die letzte Seite leer ift. 

Auf der vorhergehenden ift der Schlüfs: 

Magifter Gregorius Konicz ad Joannem Ihan de 
Rochlitz artium baccalarlum. 

Drey Difticha. 

Liptzigk impreflum per Jacobum Thanner Herbipo- 
lenfem. Anno dni 1507. 

Diefe Ausgabe wird von Leieb 1. c. ebenfalls mit 
Stillfchwcigen übergangen. Es fcheint ein Auszug aus 
Petrarcha Buch de reraediis vtriufque förtunäe zu feyn , 
von welchen Alaittaire drey alte Ausgaben anführt, denen 

K 



146 Fünfzehn alte kleine , gröfstentheils 

noch ein paar ohne Jahrzahl bcyzufügen find. Eine der- 
felben hat Hr. Placidus Braun in feiner notitia hiftot. 
litter. de libris vfque ad annum 1479. impreffis in biblio- 
theca monafterii ad S. Vdalricum Auguftae extantibus pag. 
27. bcfchrieben , und fie für einen Druck Heinricli 
£ggefteins zu Strafsburg erklärt* Zwey.ohne Jahr befchreibt 
Hr. DentT S. 6\6. Von dem Gr. Bredikopf^ oder, wie 
er fonft heiiTet Laticephalns, fehe man den Leicb l c» p. 2j. 

XV. 

Compütus nouus totius fere aftronomie fundamentum 
pulcherrimum concinens Opufculum B. Tb« ad fratren 
Reynaldum de Judiciis afhrorum 10 Blatt, wovon die letzte 
Seke leer ift. Nach einer kurzen Vorrede folgen 1 8 Capitel 
in Verfen, mit einer darunter gefetzten Auslegung, oder 
declaratio, nämlich de ciclo lunari, de ciclo indidUonis, 
de littera dominicali , de intcruallo, de concurrentibüs , de 
feflis mobilibus u. f. w. Die letzten drey Seiten enthalten 
opufculum B» Thome ad Fratrem Reynaldum de Judiciis 
aftrorum , mit der Unterfchrift : Impreifum Liptzk per 
Jacobum Tanner. Anno redemptionis 1506 & finitum^ 
Ydus Julias. 

LeJcb hat von den Produkten der Leipziger Prcffen 
im Jahr 1^06. nicht mehr als fünf angeben können, und 
darunter ift das gegenwärtige nicht befindlich. Vom Jahr 
1499. aber hat er S. 76 : Compütus nouus totius fere 
aftronomiae fundamentum contincns per Wolfg. Stoeckel. 
Der gleich darauf folgende Compütus Noribergenfis , vom 
Jacob Thanner 1499. gedruckt, ift wohl etwas anders* 
Denn zu Rottenbuch habe ich eine Ausgabe angetroffen) 
wo die Jahrzahl 1494. in einem Cirkel ftehet: Compütus 
Nurenbergenfis pcrutilis clerico cum figuris textum p«!' 
cerrime declarantibus. Nur mit zwcy Worten fuhrt Hr. 
Denis diefe Ausgabe an S. )6s. Sonft aber gedenkt er 
S. )42. eines Compütus cum commento Romae per An- 



unbekannte Schriften zu Leipzig gedrückt. 147 

dream Fritag de Argentma I49^ 4. und S. 544.. eines 
Computus nouus ( eecJefiafticus ) cum commentariolo , mit 
Gothlfchen Letttfrn 4. ohne JahrzahL 



5^ 

Sichzehn älte^ nteißcm ganz unbekannte Ausgaben in 
Quart 

t 

ibcneCa de quatuor virtütibus cardlnalibus; 

Diefe Worte flehen auf dem Titelblatt einer Ausgabe 
von 16 Blättern iri 4. und darunter der Hölzfchhitt, der 
fich auf verfchiednen andern zu Colin von Heinrich Quentel 
in den Jahren 1479 bis 1 5 00 gedruckten Büchern findet, 
mit dem Zettel : Accipies tanti dodlorls dogmata fandli* 
Auch ift die Gothifche nicht gar nette Schrift, die häufigen 
Abbieviatiiren , das graue Papier j Ui f. w. den andern 
bey ihm gedrückten Büchern ^ die er unter feinem Namen 
mit einer Jahrzahl herausgegeben hat , ganz ähnlieh 
obgleich zuletzt nichts weiter flehet , als die Worte : Laus 
deo. Die Signatur a begreift 6 i b 4, lind c wieder 6 
Blatten 

Auf der ändern Seife des Titelblatts fleht eine kurze 
Nachricht vom Seneca, befonders von feinem Tod,- und 
dann folgt: Incipit Über Liicii Annei Sencce de forrthila 
honefte vite. vel de quafüor Virttitibus Cardinah'bus, Es 
find immer nur wenige Zeilen, tinter welche gleich eine 
weitläuftigere Erklärung mit kleinörn Lettern gefetzt ift. 

Von diefex Schrift trift man äuflef einer Leipziger 
Ausgabe 1499. hin und wieder andre ohne Jahr in Folio, 
4. lind 8. an,' die zum Theil alt genug fmd. Aber daß 
der Drücker der gegenwärtigen H. Quentel iffi , das War 
meines Wiflens vorher nieniand bekannt. Herr Denis ia 

K » 



J48 Sechzehn alte, melftens ganz 

feinem Supplcmento annalium typographiconum Mich. Mait- 
raire, Viennae 1789. kennt nur folgende Ausgaben : S. 417. 
Mediolani per Jacobum de Sandlo Nazario de Rippa , 1 49<5- 
mit gotbifchen Lettern, in 4. S. 4U. unter dem Titel 
de formula honeftae vitae , feu de IV. virtutibus cardinalibus 
Delfis 1497. 4 und 662. ohne Jabrzahl in 4. mit gothifchcn 
Lettern , wabrfcheinlich vom Stephan Plank zu Rom. Es 
blieben ihm alfo noch ein paar Ausgaben unbekannt, fo 
wie dem Maittaire , der nichts als eine Ausgabe zu Rom 
1491. 4» von dem Eucharius Silber, die Plinii libro viro- 
rum illuftrium beygefügt ift , und eine per "Winandum de 
Worde i ^ 1 6. 4. zwey ohne Jahr und Ort in 4. und 8. 
eine Leipziger in 4. ohne Jahr, und eine eben dafelbft, 
die ich vorhin gemeldet habe , 1499. durci Melchior 
Lotter in 4. anführt. Eine Leipziger i^of. werde ich unter 
fünfzehn alten kleinen Leipziger Drucken weiter befchreiben. 

II. 

Peniteas cito libellus ifte nuncupatur. Tradtani com- 
pendiofe de penitentia & eius circumftantiis. ac vitam pec- 
catis dcprauatam emendare cupientibus multum vtilis & 
neceffarius. 

Dem vorigen völlig ähnlich, mit eben den Lettern 
und dem nämlichen Holzfchnitt , folglich von H. Quentel 
zu Colin vor 1500. gedruckt. Dem Maittaire und Denis 
unbekannt. — Der erde führt eine Cölner Ausgabe 149; 
an , für deren Richtigkeit ich nicht liehen will. — Der 
Schlufs heifst: Et fic finitur prefens opufculum de modo 
penitendi & confitendi. Es find 22 Blätter. Die Signatur 
a hat 6, b auch 6 , c. nur 4, und d wieder 6. Den 
Inhalt zeigt der Anfang , ob er gleich wegen der Abbre- 
viaturen ein wenig dunkel ift. Libellus de modo confitendi 
& penitendi. Penitentiam agas. i. velociter. Suppieo i. 
mifericors fcilicet Chriftus. Peniteas cito peccator. cum fit 



unbekannte Ausgaben. 149 

miferator Judex *) Prefens libellus tradlans de penitentia 
fiue de modo penitendi tanquam de fubieclo diuiditur in 
duas partes principales. In quarum prima dcterminat autor 
de penitentia prout refpicit penitentem. In fecunda parte 
determinat autor de penitentia prout refpicit confeflorem , 
u. f. w. Das Ganze befteht immer aus einigen lateinifchen 
Verfen , die oft nur aus den Anf^ngsfyiben beftehen. 
Darüber flehen immer die ganzen Worte , oder deutlichere 
Worte, und nach etlichen Verfen immer eine Erklärung, 

z. E, 

Jaclantia. vana gloria, impatientia. pauperum derifio 
]aQ van impa deri 

Simulatto. arrogantia^ hipocrifis. contemptus. difplicentia. 
Simyl ar hipo con difpli 

Was das alles bedeuten foU , flehet vorher : Specic$ 
Superbie patent in hoc metro. 

Wo ich nicht irre : fo mag das Exemplar , das in 
Mylii memorabilibus bibliothecae Jenenüs angeführt wird , 
S. 167 von eben diefer Ausgabe feyn. Sonft aber findet 
fich auch eine andre : Coloniae p^r Henricum Quentel 1491. 
in 4. die von Herrn Suhl in dem Verzeichnifs der vor 
x^oo gedruckten auf der öflfentUchen Bibliothek zu Lübeck 
befindlichen Schriften S. s?» angeführt ift, und aus ihm 
von Hrn. Denis S. Jij. wiederhole wird. Ob die gegen- 
wärtige älcer, oder jünger ift, das läßt fich nicht ent- 
fcheiden. Herr Zapf befafs unter feinen Inkunabeln eine , 
deren auch Hr. Denis S 64,1. aus der Kaiftrlichen Biblio- 
thek gedenket , mit der Auffchrift : Poeniteas cito libellus 
ifte nuncupatur tradtans de penitentia & eius circumftantiis 
Omnibus faluari voleatibus fumme neceflarius ad confide- 
randum ea que funt peccatorum remedia. Zuletzt: Deo 

* ) Die erfte Zeile ilt eine Erklärung der andern , die mit gröffern 
Buchftaben gedruckt ift. (welches im Buch öfter vorkommt.) 
Alfo z- £. Peniteas ift erklärt durch penitentiam agas, cito, 
i(i f/? vfelociter, miferator, i, e» mifericors. 



I5Q Sechzehn alte, meiftens ganz 

gratias. — Dicfe kurze Befchreibung wird hinlänglich feyn | 
cinzufehen , dafs diefe Anweifung zu beichten , von den 
beyden, die ich in deru erften Stück diefts fliagazins S. 6). 
u, f. befchrieben habe , fehr unterfchied^n 4ft , und damit 
habe ich zugleich mein dort gegebenes Veifprechen erfüllt^ 

IIL 
Comedia Amphitrionis, 

Mgri Andree heinrici ardogenefis epigraomiae 
Ad ledtorem { Difticha, 

S. Ä, Diio Vulfgango artiura liberalium Mgro perfpi» 
cacifiimo ac Canonico ecclefie Furftenuoldenfis digniflimo 
Mgr Andrejs heinrici Ardtoginpnfis. S. P. D, lateinifche 
JLettern. Vale fonft nichts. 

Drey Lagen ABC, jede von fechs Blättern, Zuletzt 
nichts, als Finis. Sauber gedruckt, nur i6 Zeilen auf der 
Seite. Sicher vor i^oo gedruckt, aber ganz, auch Hr. 
Denis unbekannt. Dafs Plautus eine Comödie AiQphitryp 
gefchrieben hat, ilt bekannt. 

IV, 

Ladlangii iirmiani de refbrredione donüni noftri ihefu 
Chrifti carmina : vna cum carminibus Enee iilvli de pailione 
domini. 

Sind nur acht Blätter , mit faubrer Gothifcher Schrift , 
dein Muittaire und Denis unbekannt. Das erfte Stück 
macht nicht gar ; BI. aus. Darunter fteht Finis und die 
halbe Seite ift leer. Bl. 4. fängt an : Saphicon Endeca- 
fillabon Enee Siluii poete laureati (alias py fecund! pond- 
ficis maximi) ad chrifti paiTionem contemplandam. Zoiletzt 
fteht nichts als Finis. ' Mit eben diefen Lettern und auf 
ähnlichem Papier ift auch das folgende gedruckt : 

V. 

Horatius de arte poetica« 
Das erfte vpn 16 Blättern fehlt bey dem Exemplar f 
mir habe ; das letzte ift leer. 



unbekannte Ausgaben. 151 

Das zweyte fangt an : 

(h) Vmano qapici ceruicem pidtor equinam 
und die letzte Zeile heifle^t: 

Kon raifTura cutqm nifi ptena cnioris hirudo« 

Die Schrift ift alfo ganz , obgleich nicht einmal Fini» 
darunter fteht. Sehr oft erfcheint ein Colon, aber wenig 
Fundbe , auch wenig Abbreviaturen. Den Druckort dicfer 
beydcn Schriften will ich nicht errathen. Die Ausgabe 
des La<ftanz fetzt Leich de origine Sc incrementis typogra- 
phiae Lipfienfis p. log. unter die Leipziger Produkte, und au» 
ihm habe ich eben fo, wie Maittaire, ein paar andere Ausgaben 
diefbr Gedichte, eine Erfurter 1498. und eine ohne Jahrzahl 
durch Conrad Baumgarten zu Frankfurt an der Oder, 
kennen lernen , fonft aber habe ich keine einzelne Ausgabe 
diefer Schrift entdecken können. -^ Den Horaz fetzt Leich 
S. 10.4. ebenfalls unter die Produkte der Leipziger PrclTen 
ohne Anzeige des Jahres und Buchdruckers. Diefer ifl , 
wenn fich Frcytäg in adparatu littcrario Tom. IL p. J^^i. 
nicht geirrt hat , der bekannte Jacob Thanner. Alsdann 
wiflcn wir auch den Drucker des Laftanz , indem , wie 
kh fchon gefagt habe , Lettern und Papier einander ganz 
ähnlich find. Vom Horaz aber führt Hr. Denis aus der 
Uni^erfitätsbibBothek zu Wien S. ^88. eine andre fonft 
ganz unbekannte Leipziger Ausgabe in 4. an , mit dem 
Buchdruckeczeichen des MartiA Lanspecg, und gothifchen 
Lettern^ 

VI. 

Obedientia Potentiffinw Emanuelis tufitarMae Regis etc. 
per clariffimum Juris V. confultum Dieghum Paoettum 
Oratorem ad Julium iL Ponti. Max. Anno Doraini M. D. V. 
Pridie No. Junii. 4* 

Diefe$ ift die Ueberfchrift eines vermuthlich zu Rom 
.damals mit gutefi römifchen Buchftaben auf fekiem Papier 



tSZ Sechzehn alte , meiftcns ganz 

gedruckten Bogens, der eine Gratulation zur Thronbeftei- 
gung des Pal?ltes enthält , in welcher fich der König mit 
Hab und Gut dem Pablt zu FüflTen lege. Zu einer Probe 
der übertriebnen Schmeicheleyen mag folgendes hinlänglich 
feyn: apud diuinam tuam maieltatem in feraphico throno 
fedentem , apud facratiflimum hunc fenatum - - de re edam 
lUmma difturus proceffi. — Ego vero Pont. Maxime, cüi 
deo , cui numini potius uota perfoluani , quam tibi? tibi 
inquam coeleltis aulae iänitori : tibi aeternae vitae clauigero: 
&c. Tuo igitur adflatus numine fan^ftüüme pater tua in- 
fpiratus d.eitate audentior facflus venimus faniftiflimos pedes 
tpos ofculatum: &c. ac Julium fidus — — praefensquc 

chrilticolis numen adoratum. Deus enim nofter es 

& aflidue fcmperque nobiscum verfaris. Haec nos 

eins nomine delegati tuae tradimus Beatitudini : cuius vt 
upri Jefu chrifli Vicarii , diuinos ac faiK^ifimos pedes 
dfculamur , colimus , veneramur. &9. 

VII. 

Noue Kegulc Cancellarie per f. d. n. (fancflura do- 
minum noftrum ) Julium papam IL fuper gratüs expedati- 
uis pqr ipfum dandis edite. Et primo in forma pauperum 4« 

So fängt auf zwcy Zeilen ein zu Rom gedruckter 
Bogen mit kleinen Gpthifchen Schriften an , deflen letzte 
Seite leer ift. Er enthält 2} Titel, davon ich einige 
herfetzen will, De expeditione litterarum pro paupcribus- 
Privilegium pauperum. Qui poHTunt impetrare in forma 
pauperum. Quod pauperes graduati poffunt habere duas 
lirteras. Quod pauperes polfint locari extra fuam prouintiara. 
Dd bcnefitiis que conceduntur Vltramontanis. De Taxis In 
beneficiis. De non habendo duas expedlatiuas. De raen- 
fibus ordinutionum. De pluribus expedantibus ad eandem 
eccleliani. Zulttzt lieht: Placet publicentur & defcriban- 
tur in Cancellaria Apo. J. Ledtc & publicate fuerunt 
fuprafcripte regule Ro. in Can. Apo. die fecunda menfis 



unbekannte Ausgaben. tji 

Odtobris Anno incarnationis döminice. M. CCCCC. V. pon- 
tificatus prefati f^nd^Ülimi domini noftri pape Anno ii. 
Imprefle Rome in campo flore. Diefes ift ein kleiner 
Beytrag zu den Ausgaben der Canzleyregeln , davon ich 
im erilen Stück S. 68« eine ältere befchrieben habe, 
Bnd künftig noch mehrere befchreiben werde, 

VIII. 

P. V. Maroni« Carmini^ 

De viro bono 

De eft & non 

De littera pytagore 

De ludo 

De vino & venere 

De liuore 

De rofa 

Elegia in niecenatis obitu 

Darunter das Buchdruckerzeichen mit den Buchftaben 
CB 

Die erfte Lage a 6 Bh dann das 7 Bl. nur auf einer 
Seite gedruckt, das 8te b j , das 9te wieder b j, das tote 
ohne Signatur :' das letzte leer. 

Das 7te fcheint hineingeleimt zu feyn. 

Auf der andern Seite des loten, oben nur noch zwey 
Zeilen und der Schluß : 

Impreffum franccophordie eis ode 
ram per me Conradum Baum 
garth Anno Bifextiii 
MCCCCCVIIL 

Sonft ift mir weiter kein Exemplar, weder vondiefer 
Ausgabe noch von einer andern , aus den damaligen Zeiten 
bekannt worden. 



154 Sechzehn alte , meiftens ganz 

IX. 

Carmen Sapphicum Joannis Geuflelii Rottenburgcn. 
In laudem delfere Marie. 

Ad le(ftorcm ' 
5. Difticha. 

6. Blatt. Zuletzt ; Impreffum Franccophordie per 
Conradum Baumgarten Anno falutis. M. CCCCC. VIII. 
ohne fein Buchdruckerzeichen. 

Der Anfang heiffet : 

Audibus celfis recolenda femper 
Mater es regis dominantis aftris 
l)igna te facre recinant forores : 

Carmine diuo. 
Hinc tuas conor refon^re laudes 
Virgo fupremi genitrix creantis 
Tu ratis noftre moderare vela : & 
Tranftra locato. 

Wer oder was der Verfiißer war , und ob er fonft auch ■ 
noch etwas gefchrieben hat? das begehre ich nicht zu 
unterfuchen. In J, H. Leichii de origine & incrementis 
typographiae Lipfienlis libro fingulari finde ich $«79. eine 
Leipziger Ausgabe diefes Gedichtes von dem Jahr 1499« 
bey Jacob Thanner, unter dem Namen Joh. Beuflelüi, 
welches wohl ein Druckfehler feyn wird^ 

X. 

AriftoteÜs de bona foruna libeUus das t ift ausgelaffen, 
darunter ein Adler in einem Holzfchnitti, 
Nur 6 Blätter. 

Zuletzt auf der erften Seite des 6ten Blatts : 
Expiicit liber de bona fortuna. 



unbekannte Ausgaben* 155 

Imprcflbm Franckophordie per me Conradum Baura- 
gartcn Anno a partu virginis Millefimo quingentefimo feptimo. 

Darunter das Buchdruckcrzeichen ein Baum mit einem 
Garten -Zaun umgeben , oben die Buchftaben C B. Hi« 
will ich über den Buchdrucker, der die drey hier hinter 
einander angezeigten Schriften gehefert hat , eine Anmer- 
kung machen oder vielmehr aus J. H. Leichii libro fingu« 
lari de origine & incrementis typographiae Lipficnfis p. 141. 
wiederholen. Er fagt, Conrad ßaumgarten habe auch zu 
Breslau und hernach zu Leipzig eine Zeitlang gedruckt, 
und fey vielleicht eben der Conradus Gallicus, der den 
Florus zu Leipzig gedruckt Habe. Da er dem Maittairc an 
allen drey Orten unbekannt geblieben ift, und ich ihn 
auch nur zu Frankfurt an der Oder kenne: fo wünfchte 
ich darüber nähern Auffchlufs. Baumgarten aber mag 
vielleicht meiftens erft nach 1500. gedruckt haben; daher 
hat ihn auch Hr. Denis nicht , den Conradus Gallicus aber 
hält er für den Kachelofen. Denn fo fteht in dem 
typographifchen Regifter S. 875 Kachelofen Conr. didhjg 
Gallicus. Von diefer Schrift des Ariftoteles kenne ich 
übrigens keine befondre oder einzelne Ausgabe. Hamber- 
ger rechnet fie in feinen bekannten zuverläffigen Nach- 
richten Th. I. S. 266. unter die Schriften , die fälfchlißh 
feinen Namen haben. 

XI. 

Eine AUerhailfamfte warnung vor der felfchenn lieb 
diefer werlt.. 12. Quartblätter , mit drey Holzfchnitten , 
davon ieder eine ganze Seite einnimmt. 

Der Titel ifl: auf drey Zeilen aus einem ganzen 
Stück grob in Holz gefchnitten. Da Herr Strauß in den 
monumentis typographicis quae exilant in bibliotheca 

collegii in Rebdorf p. 97. ein Exemplar, und be- 

fonders die Holzfchnitte befchricben hat : fo fage ich nur 
etwas weniges von dem Innhalt, von dem er nichts fagt^ 



15$ Sechzehn alte, mcift^n« ganz 

und führe diefe kleine Schrift auch defswegcn an> weil 
fie Hr. Panzer in feinen Annalen der altern teutfchca 
Litteratur und Herr Denis in feinen lYIaittairifghen Supple- 
menten übergangen h'4t D^r Anfang ift: „ Difs ift der 
55 fpiegel vnnd warnung der liebhaber diftr werlt : vnnd 
55 der veynde gottes aufs latein zu tewfch gebracht : vnd 

55 gar billich ein fpiegl genant : — Vii ift getailt in 

55 drey kurtz pundt. Der erft fagt von betrachtung des 
55 tods. Der ander von dem ewigen iamer der verdanipten. 
55 Der dritt von freudenreicher helonung der aufscrwelten. '* 
— -r^ Der Schlufs ift : , „ Das vns geruche, zeuerleyhn, 
55 vnfer Hayland Chriftus Ihefus der mit dem vater : vnd 
53 dem Heilligen gaift. lebt vnd regirt: von ewigkayt zu 
3,5 ewigkait "Amen. " Sonft kein Wort. Wie das lateinifche 
ausfieht , davon dieft3 die Ueberfetzung ift , weifa ich 
nicht. 

XIL 
Bulla in Cena dominj. 

Alexander Epifcopus Seruus fcruorum dei 

Ad perpetuam rei memoriam &c. 4. 

Diefes ift der Anfang eines Bogens , davon die letzte 
Seite leer ift, unterfchrieben : Dat. Rome apud fandhim 
Petrum. Anno Incarnationis dominice Millefimo quadrin- 
gencefimo nonagefimo nono. Quintoki. Aprilis Pontificatus * 
noftri Anno feptimo. Sauberer, dem Anfehen nach Römi- 
fchcr, Druck mit lateinifchen Lettern auf gutem Papier. 
Von der fürchterlichen Nachtmalsbulle werde ich nicht 
nöthig haben , ein Wort zu fagen. Nur diefe , fo vid 
ich weifs, unbekannte Ausgabe ohne Namen des Ortes 
und Druckers wollte ich bekannt machen. Vielleicht gibt 
es mehrere dergleichen alte Ausgaben , die aber in Tcutfch- 
Jand feiten find » oder in Klofterbibliotheken ftecken. Aus 
Herrn Denis Supplementen möchten vielleicht S. 52J.8&C. 
hieher gehören. Innocentii VIII. fententia excommunica- 



unbekannte Ausgaben. 157 

tionis contra hereticos aliofque contentos in bulla Caenae 
1492. Sixti IV. bulla excommunicationis in die Caenae 
Domini. Die gegenwärtige Ausgabe aber kennt er eben fo 
wenig , als Maittaire. 

XlII. 

Incipit über beati auguftini .epi de ändta virginkate* 

Diefe auf dickem ftarken , nicht gar zu weiffen Papier 

mit kleinen befondern Lettern abgedruckte Schrift hat 

zuerft der Herr Bibliothekar Andreas Straufs zu Rebdorf ift 

feinen monumentis typographicis p. 66, durch eine kurze 

Befchreibung bekannt gemacht. Die angeführten Worte 

flehen oben auf dem erften Blatt , worauf gleich das Buch 

felbft mit den Worten : librura de bono coniugali u. f. w- 

anfängt. Der anfangsbuchftabe L fehlet. Das Ganze ift 

ohne Abfatz nicht, wie Herr Straufs fagt , auf IR. Blätterrt 

abgedruckt, fondern auf 21 , (das 22 ift leer vorhanden,) 

wo zuletzt fteht: Explicit liber beati Auguftini epifcopi de 

fandta virginitate. Der Druck hat alle Kennzeichen eines 

hohen Alters. Die Pundte ftehen melftens oben , auch mitten 

auf der Zeile, feiten unten, die wcnigften find rund, 

fondern haben vorn oder hinten eine kleine Spitze. Auf 

dem i fteht ein kleines Strichlein. Die Abbreviaturen find 

Zum Erftaunen zahlreich, und machen das Lefen fehr 

mühfam , fo dafs man oft nur rathen mufs. Die groflen 

Buchftaben find meiftens auf zwcy bis dreyerley Art 

gebildet. Die übrigen gewöhnlichen Zeichen des Alter- 

thums übergehe ich. Ob es mehrere alte einzele Ausgaben 

diefer Schrift gibt, ift mir unbekannt. Herr Denis gedenkt 

wenigftcns keiner. 

XIV. 

Baptiftae Mantuani Buccolica feu Adolefcentia ift 
decem aeglogas diuifa. Ab Jodoco Badio Afcenfio famiiia- 
riter cxpofita ; cuin indice dicftionum. lateinifche Schrifccn. 



158 Sechzehn alle , meiftens ganz 

, Carmen eiufdcm de fando Johanne baptifta. 

In Aeglogas Mantuani Decatofticon omnium carum 
argumenta comp]e(ftens Joannis Gallinarii BudorinL 
fteht gleich darunter auf dem Titel. 

S. 2. Inuentarium huius opetis, 7 Seiten* 

S. 9. Thomas wolphius Junior Jacobo wymphelingio 

Sa. pa. Hcentiato» Argentinae curfiöi ex aedibus 

noftris fexto kalen» Marti}* Anno Chrifti. Millefimö quin-t 
gentefimo tertio. 

S- ro* Jacobus wymphelingius Thomae wolfio Juniori. — • 
ex Hieremitorio diui Guillermi Kai. Martii Anno falufc« 
noftrae M.CCCCailL 

S. II. vier Gedichte* 

S. 12. Baptifta Mantüanus Catmelita Paridi Cerefaricf 
P. D. S. — Vale Kalendis Septembris. M. CCCC* XCVlIl. 

Foliura I. Acgloga prima. 

Fol. LXXX. fchliefst Aeglogä decima. 

Noch drey Seiten: Baptiftae Mantiianl cärmelitae lii 
laudem Joannis Baptiftae pro iiatali eius Carmen. 

t)enuo caftlgatum : Imprelfit Johannes Prüsfciuis Af< 
gentiims in aedibus zum Thiergarten. Anrio; M. CCCCC^ VI. 

Es giebt alfo eine Ausgabe von i?ä; Und eine von 
1498. Unter dem let25tern Jahre befchreibt Frteytag in dem 
drittenÖande feines adparatus litterarii p. 21. eine Ausgabe pet 
Vincefttium Bertodhum Regieafem , Mäntuae regnänte Fran- 
cifco Gonzaga tV. Mantuae Marchione. 4 , und Denis 
führt p. 44.9. eine mit diefet Jährzahl nur kürz aus der 
chmaligen Schwarzifchen Bibliothek zu Altdorf an , ohne 
fich auf den Freytag zu beziehen. Von dem Jahre T^ör;. 
habe ich keine finden können : aber von i^öo. führt 
Maittaire im vierten Baiid S. Ii^. folgende an: Bapt. 
Mantuani Bucolica fiue de adolefcentia Eclogae cum expofi- 
tionejod. Badii Afcenfii^ Argentorati 4. 



unbekannte Ausgaben. 15^ 

XV. 

In dem crften Theil diefes Magazins habe ich S.^p. 
ein Alphabetum diuini' amoris de eleuatione mcntis in 
Deum befchrieben , das würkllch nicht ganz war , wie ich 
vermuthete. Hier gebe ich kurze Nachricht von einer 
ziemlich freyen üeberfetzung deffelben, von der ich dort 
fchon ein paar ^orte gefagt hatte. Der Herr Schaflfer 
Pav^er hat es zwar in feinen Annalen der altem 
teutfchen Litteratur S. 199. angeführt, aber nichts weiter 
von feinem Tnnhalt gefagt. Herr Denis führt es S. ;??• 
auch nur kurz an. Der Titel nimmt die fünf erften 
Zeilen des erften Blatts ein : An hebt fich das a b c der 
gödichen liebi von der erhäbung menfchliches gemütz. jn 
gott des andächtigen vormals och buchfchreibers vnd buch- 
tichter , des gemainen ewangelifchen trac^at^ von der 
nachuollgung crifti. In der Vorrede werden die Kirchen« 
Väter genennet , die allerhand Wege gezeigt haben, wie 
der Menfch das Gemüth t\x Gott erheben foll. Und daraus 
werden 1 9 Weg oder Capitel gemacht , die alle , wie es 
heifst , Fürdern jn die lieby gotz vnd erhebung des gmiet« 
in gott , nemlich Anhebend , Rainend , Erleichtend , Vn. 
derrichtend, Nachwolgend , Exempliert, Verwunder , Bill- 
grifch , ZU geleichend , Mittleydend , Andächtig , Vber* 
fteygend , Bettender , Vereinendet , Frolockendcr Weg. 
Wie unverftandlich diefes Teutfch lautet , das fleht man 
fchon : ich will aber noch eine Probe geben , wenn iph die 
1. c. gegebenen Exempel , wie alles durch das ganza 
ABC durchgeführt ift , auch noch teutfch wiederhole. 
Der fünder foll truren von der vnd dem Abwurf von gotes 
Huld vnd feiner gnad verluft Barmherzikait gotes vnd 
feiner giet Verachtung Ceyt vnnütz verzerung Dömfsikait 
dorhait blödi widerftand dem übel vnd dragfaray zu büßen 
vnd fich zu beffern Eilendem fchuldigem mutwilligem 
leben Forcht gotes Verachtung feuly vnd famnuß za 



i6o SccbÄehn alte, fneifteni ganz 

tugenden u. f. w. Von Chrifto am Creuz heifst es , er fey 
angehafFt mit: Angftiger cntpffintlichayt des flaifch. ßlaichem 
antlitz. Cerflofifem Herzen vor . Lieby wie am wachs, 
Derfchlagen und derftrichem rugken. Erdännten ädern. — 
Zuletzt fteht : Endekt Geh das a b c , der gödiche lieby 
durch bruder Hans mickel carthufer zu Buchfshaim ver- 
teutfchet. vnd durch Alberto kunne gedruckt zu Memingen. 
149^. Es find 42 Blätter, davon mir das erfte fehlt, das 
vielleicht noch einen bcfondern Titel enthält. 

XVI. 

Cyromancia Ariflotilis cum figuris. 

Das ift alles , was auf dem Titelblatt flehet. 

Es gibt verfchiedene vor dem Jahr 1^00 gedfucktoi 
ChJromantifche Bücher , die z. E. Freytag , Sclrwindel 
u. f. w. befchricben haben , bey denen ich mich nicht 
aufhalten will. D. Hartliehs chiromantifchcs Werk ift 
auch zu bekannt , - als dafs ich viel davon fagen follte. 
Hr. von Heinecken gibt in feinen neuen Nachrichten von 
Künftlern und Kunftfachen I Theil S. 2^9. kurze Nach- 
richt von einer folchen Schrift: Ex diuina philofophoruni 
academia colIe<fla. Chyromantida fcientia naturalis , ohn« 
Ort und Jahr in 4, die auch zu Padua 1484. und zu 
Mayland 149^. gedruckt ift. Er fagtt fie fey mit ver* 
fchiedenen in Holz gefchnittenen Händen , und deren 
befondern Zeichen oder Linien gedruckt. Eben diefes 
gilt auch von der gegenwärtigen unterfchobenen Schrift 
Ariftotelis , von welcher ich fonft keine alte Ausgabe 
kenne , auch die gegenwärtige von niemand angeführt 
finde, als aus der Regensburger Bibliothek vom Herrn 
Gemeiner S. 201. und aus ihm von Herrn Denis S. 281. 
Sie beträgt 12 mit faubern Gothifchen Lettern gedruckte 
Blätter ohne Cuftoden , deren Platz die Signatur einnin^mt , 
und ift in viele Abfätze getheilt, bey denen die gfoffen 

Anfangs- 



unbekannte Ausgaben. i6( 

Anfangsbuchftaben fehlen. Zu Anfang aber flehet einer ^ 
der 9 Zeilen einnimmt^ Auf der Mitte der i4ten Seite " 
heißt es: Figurahuius fequitur manus und die rue enthält 
eine in Holz gefehnittenä Hand mit den Namen der Finger 
und Linien^ darunter aber fteht recepta Tel lacertusw Die 
i6te hat wieder einen groflen Anfangsbuchftaben , mit der 
üeberfchrift: Seqüitur alter tradlatus cyrontaftcie: & eft 
per moduift operi^ conipleti huius a<ftus. Et eft ariftotilis. 
Der Anfang ift: Ciromancia eft ars demonftran^ mores & 
inclinationes naturales hominis : per figna fenfibilia mänus 
Äa Im Text ift oft Platz zu kleinen Figuren und Zeichen 
gelaflen^ Und diefe find alle mit rother Dinte hineinge^ 
fchrieben. 

Es find einige Striche , Triangel , Creuie , Sterne , 
U. £ w. einige fehen Zahlen gleich ^ t. Ei i ^ andre Wie 
Büchftaben V, oder umgekehrt A u. f. w. Von. allen ift 
die Bedeutung erklärt. Die letztem drey Blätter enthalten 
aufler einigen Erklärungen diey Hände, darun jede eine 
g^ze Seite einnimmt und bey jedem Strich die Bedeutung ^ 
flehet. Davon mufs ich doch eine kleine Probe geben : 
quot linee hie funt tot vir ducet mulieres. Si linea men- 
falis intrat hoc fignum eft n^ortis ex muliere.^ Quöt linee 
hie tot muiier habebit viros. Signum meretricis Vel corrupte 
mtflierid. Hec linea groffa temeritatib & ftukitie. 

Unter der etften fteht Recepta manUj , unter der 
ändern Menftifra manüs , unfer iti dritten Rafteta manus : 
über den Daumen der erftefn : dextra viri , der ändern : 
maniis mulieris , der letzten : manus viri. Noch auf der 
vorletzten Seite befindet fich die Anzeige: Impreflum vlme 
Anno dominice incarnationis Millefimo quadringentefimo 
nonageftmo Die üicefima prima Menfis Julii. Von dem 
Johann Zainer ift der Druck ficher nicht ? denn diefer hatte 
keine fo guten Lettern. Vielleicht ift er von dem Johann 
Reger , oder einem , der fich auch fonft nicht nannte. 

L 



i6z 



Kleine Scunmlutig von Inkunahthu Erßcr AbfcknitL 
Bücher in Folio^ 

V erfchiedene Bücher aus diefer Sammlung habe ich Tchon 
in den vorhergehenden Stücken diefes Magazins befchrieben. 
Die ül)rigen will ich , weil ich die Befchreibungen nur ganz 
kur'Z faffen will , unter diefer allgemeinen Auffchrift zu- 
fammen nehmen. Ueber die Benennung : Inkunabeln y 
Wird fich hofFentlich niemand mehr ärgern. Ich wei6 
wohl , dafs es Recenfenten. giebt , die fie nicht leiden 
können; begehre auch nicht zu läugnen, dafs fie nicht 
adäquat ifl und das nicht ausdrückt, was fie eigentlich 
ausdrücken foUte. Allein diefer Ausdruck war fchon feit 
langen Jahren bey verfchiedenen Litteratoren gewöhnlich , 
und alfo hat er das Bürgerrecht fchon erlangt Wem er 
nicht gefällt , der wähle fich dafür die Ausdrücke : Vier- 
stebenbunderter ,• erße oder alte Drucke ; Bücher , die vor 
dem Jahr isoo, oder doch bald hernach gedruckt worden 
find ; typograpb/fcbe Monumente ,• und andre dergleichen 
mehr. 

L 

, Hoc in volumine hec continentur. Laurentü Vaiiae 
Elegantiae de,^«ljngua latina: Laurentü Vallenfis de prono. 
mine fui ad Joannem Tartelium Laurentii Vallenfis lima 
quaedam per Antonium Mancinellum. in Folio. 

Das erfte von diefen Büchern mufs zu der damaligen 
Zeit fehr grölTen BeyfnU gefunden , und folchen auch lang 
nachher noch beybehalten haben. Maittaire giebt nach dem 
Jahr 1500 noch 27 Ausgaben an, und bis zu demfelben 
wenigfliens 16, ob er gleich nirgends vollfländlg ift. Denn 
er übergeht z. £. einePariTer Ausgabe 1476 , ,die Paulus 
Senilis beforgt haben {oll , eine Mayländer 1477. eine 



Erftcr Abfchnitt. . 163 

Kölner vom Johann KoelhoF 1482. eine Venetianifcfae 
148 8« von dem Barchol. de Zanis de Portefio, eine Kölner 
1492. eine^ VenetianiCche 1492« per PhlUppum de Pinzis 
IV(antuanum , eine Leipziger ohne Benennung des Namens 9 
Ortes und Buchdruckers , u, f» w, mit Stiilfchweigea 
Das Dafeyn diefer aller ift , wenn ich die Kölner 1492. 
und die Leipziger ohne Jahrzahi ausnehme, auch durch 
das Zeugnifs des Herrn Denis in feinem fupplemento 
annalium typographicorum Mich. Maittaire beftäciget Aus 
diefen aber habe ich auch noch zwey bisher ganr unbe- 
kannte kennen lernen ^ nämlich S. ^ 6. per Euftacium 
Gallum, Brixiae 147?. und S. .129. vom Jahr 1480. mit 
den Gothifchen Lettern des Stephan Plank zu Rom. 

Von verfcbiedenen Ausgaben hat Frey tag in feinem adparatu 
Ktterario Nachricht gegeben, Tom. L p. 70;. fequ. Tom^ 
III. ^95. Quirini, Suhl, Schnitzer, Seemiller u. f w. 
haben auch einige kurz befchrieben. Die gegenwärtige 
1496. fcheint ein Nachdruck der Venetianifchen 1492. 
zu feyn , ob fie gleich einen andern Drucker hat. Wenig, 
fiens ftimmt die Auffchrift mit derfelben überein, wie ich 
iie in der Inkunabelnfammlung zu Buxheim und in dem 
bekannten Drefsdner Audtionskatalogo Th. IL S. 192* 
angetroffen habe , Maittaire zeigt fie B. IV. S. 614. fo kurz 
und undeutlich an, da(s man wohl fieht , er' habe fie nicht 
gefehcn. Die beyden andern Stücke , die fich bey diefer 
Ausgabe finden , find auch einigen andern beygefügt , und 
bey einigen finden fich auch noch andre Schriften dieies 
Verfaflcrs. Da» ganze enthält 14 Lagen, jede von j Bogen, 
die mit a bis o bezeichnet find, mit guten hteinifchen 
Lettern, auf feinem Papier, befonders im Anfang. Merk- 
würdig ift, dafs griechifcbe Worte und Zeiten bisweilen 
gedruckt find , obgleich fchlecht und fehr fehlerhaft , noch 
öfter aber Fl^z dazu gelaufen worden ift, dafs das griechi« 
fche hineingefchrieben werden konnte« 

L 2 



l64 Kleine Sammlung von Inkunabeln. 

Die andere Schrift beträgt nur 9, und die dritte 
IT Seiten. Den Schlufs macht das Regifter über die 
Lagen a bis o , das nichts enthält , als die erften Worte 
der drey erden Blätter einer jeden Lage. Dann folgt die 
Unteffchrift : Impreffum fuit hoc opus Venetiis per Chrifto- 
ferum- de penfis Anno domini. M. CCCC. LXXXXVI. 
Die. XV. Junii. Imperante Auguftinö Barbadico Venetorum 
foeliciffirao principe. Wegen des Verfeffers beziehe ich 
mich auf Harn bergers bekannte Nachrichten B. IV. S. 745- 
ü. f. Noch mufs ich einen litterarifchen Fehler verbeflcrn. 
Herr Scbniner führt in der dritten Anzeige der Kirchen- 
bibliothek zu Neuftadt an der Aifch S. 54. Num. 6j, 
eine fehr unbekannte Ausgabe Venetiis impenfis ManFredi 
de Sußrevo et Georgii de Rufconibus focii 1500. an und 

^ fagt , Maittaire Tom. L (eigentLIV.) p. 30 g. halte fic 
für fehr feiten. Allein diefer kennet fie gar nicht und 
redet dort nur von der römifchen Ausgabe 1471. — Auch 

> die{es mufs ich nicht vergeflen anzumerken » daß die 
gegenwärtige Ausgabe bey dem Anfang der fehr vielen 
Abfchnitte grofle Anfangsbuchftaben in Holz gefchnitten 
hat , die den Raum von vier Zeilen einnehmen , weifs in 
Schwarz , mit Blumwerk und Zügen. Bey dem Anfang 
der fcchs Bücher fteht nur ein kleiner Buchftabe auf den 
Raum von zwölf Zeilen. Nur das fünfte ausgenommen , 
das einen Holzfchnitt hat , aaf welchen zwey Perfonen , 
zwey Vögel und Laubwerk abgebildet ift. Auf dem Papier 
habe ich viererley Zeichen bemerkt , drey nicht gar 
gewöhnliche, und den großen Ochfenkopf mit der Stange, 
um welche fich eine Schlange windet. 

n. 

Nicolai Perotti in Polybii Hiftoriarum Hbros prooc- 
mium : Ad Nicolaum Quintum Pontificem Maximum, Poly- 
bii Hiftoriarum libri Qumque : Nicolaus Perottus Pont. 
Sypontinus e graeco traduxit. Jani Pannonii ad diuam 
Faeroniam Naiadum Jtaliqarum principcm caripen, FoL 



> Erfter Abfchnitt. 165 

Diefes liehet auf dem Titelblatt , auf deflcn andrer 
Seite die Dedication gleich anfängt. Zuletzt heifst es : 
Polybii Hiftoriaram libri Quinti & Vltimi Finis. Nicolaus 
Perottus Pont. Sypontinus e Graeco traduxit. Bernardinus 
Vcnctus Anno a natali Chriftiano MCCCCLXXXXVIIL Vene- 
tiis Impreffit. CVM Priuilegio & Gratia. Omnes funt 
Terni praeter p q r^ qui funt Duerni. Daraus erficht man 
die Stärke der Ausgabe. Darauf folgt noch das auf dem 
Titel angezeigte Gedicht mit der üeberfchrift : Naiadum 
Italicarum Principi Diuae Feroniae deuotus hofpes Janu« 
Pannonius qecinit in reditu ex Vrbe.Non. Juniis. MCCCCLVIII. 

Das Papier ift weifs, fein und gut, etwas ftärker , 
als bey dem eben befchriebenen Buch. Die Lettern find 
um ein gutes gröfler. als in jenem , und faft möchte, ich 
fie mit denen vergleichen, mit welchen Wendelin Rihel 
und feine Söhne zu Strafsbtirg nach ^o und mehrem 
Jahren ihre Folianten gedruckt haben. Die Abbreviaturen 
find häufig und der Druck fauber. Bey dem Anfang eines 
jeden Buches ift ein Holzfchnitt , der fechs Zeilen einnimmt , 
in welchem der Anfangsbuchftabe blofs mit Linien bezeich^ 
net und mit Blumen und Vögeln eingefafst ift. Das Papier 
hat verfchiedene oft unkenntliche , meiftens ungewöhnliche 
Zeichen, wovon dreyerley eine Wage in einem Zirkel 
vorzuftellcn fcheinen. 

lieber andre Ausgaben ,mufs ich noch einiges anmerken, 
Maittaire führt aufler der gegenwärtigen nur noch zwey 
lateinifche vor i ^00 an , und nachher noch drey , und eine 
griechifch - lateinifche. Die erfte ift von den berühmten 
römifchen Buchdruckern Schweinheim und Pannarz von 
dem Jahre 1475. und Maittaire, der fie S. 526. anzeigt, 
fcheint fie gefchen zu haben. Quirini, der die Worte 
diefer beydea erften römifchen Drucker befchrieben hat , 
fagt nichts von ihr, indem er fich leyder nur auf die 
Zeiten des Pabfts Paul IL folglich bis 1472. einfchränkt» 



i66 Kleine Sammlung von Inkunabeln. 

ob er. gleich beffer gethan haben wurde» wenn er die 
wenigen Schriften , welche diefe Buchdrucker im folgenden 
Jahre noch geliefert haben, hinzugefetzt hätte. Scbelhorn 
fuchtc diefen Ala-igel in feiner Ausgabe der Quirinifchen 
Schr'ft zu erfetzen und nennte S. 2^- zwey Bücher, 
welche fie 147?. noch gemein fchaftlich vor der Trennung 
ihrer Gefcllfchaft gedruckt haben. Das gegenwärtige aber 
cntgieng feiner Aufmerkfamkeit. 

Au(7er diefer hat Maittaire S. 904. auch noch ange- 
führt : Polybii hiftor. Nicoiao Perotto interprete fol. Brixiae 
1488- Er hat aber keinen Zeugen, als Corn. a Beughem 
incunabula typographiae , denen nicht immer ficher zu 
trauen iü Sonft ift mir nur noch aus dem Auötions- 
catalogo der Drefsdner Doubleten P. I. p. 6. und F. IIL 
p. 2. bekannt worden : Polybii hiftoriarum libri V. e graeco 
in latinum translati per Nie. Perottum Venet. 1488« per 
Bernardinum Venetum fol. fo auch in der Nürnberger 
Bibliothek feyn foU. Herr Denis aber kennet diefe Ausgabe 
nicht. Hamberger hat im erden Theil feiner zuverläfligen 
Machrichten S. ;84* u. f. nur ipatere Ausgaben angeführt 

III. 

Strabo de fitu orbis. Das ift alles, was auf dem 
Titelblatt flehet. Das Buch ift in folio , mit Blattzahlen und 
Signaturen gedruckt Die Unterfchrift ift auf der eftlen Seite 
des I soften Blattes : Strabonis Amafini Scriptoris illuftris 
Geographiae opus finit ImprefTum Venetiis per Bertholomeum 
de Zanis de Portefio. Anno Domini MCCCCCII. die xüü. 
Januarii. Darunter ftehet noch das Verzeichnifs der 27 Lagen 
von a -bis z , worauf noch die Signaturen & 9 (us) ^ (rum) 
und A folgen. Alle find Temen , aufler a und b , welches 
Quaternen-fmd, u'^d darunter Finis. Das Papier ift gut 
und fein , aber zuletzt wieder ftärker, als im Anfang. 
h^ Zeichen ift meiftens eine Wage in einem Cirkel auf 



Erfter Abfchnitt. ' 167 

dreyerley Art , aber wegen des engen Drucks oft fchwer 
zu erkennen, da meiftens 61 Zeilen auf der Seite find, 
da im vorhergehenden , dem Pdybius , nur 44.. Tind. 
Auf den Titel folgt ein fchr weitläuftiges Regifter. 

Dann eine kurze Dedication : Ant. Mancinellus inclyto 
viro Juftino Carofio , vtriufque iuris confultiffimo ciuiquc 
ueliterno illuftri 3 unterfchriebeh Venetiis quinto nonas 
Maias. MCCCCXCIIII fo dafs es ein Nachdruck einer 
Ausgabe von diefem Jahr feyn könnte. Nach verfchiedenfcn 
Gedichten folgen noch drey Dedicationen , davon die erftq 
ift : ad Paulum fecundum Pont maximum : Joannis Andreae 
Alerienfis Epifcopi epiftola , welche vor der erffcn römifchcn 
Ausgabe, die ohngefehr 1469. heraus kam, und vor ein 
paar andern ftehet Darauf folgen die 1 7 Bücher mit der 
Ueberfchrift. Strabonis Gnofii Amafini fcriptoris caeleberrimi 
de fitu orbis libri. XVII. e graeco Tradudti Gregorid 
Tiphernate: ac Guarino VeronenfeJnterpretibus. Am Rand 
flehen eine grofle Menge Marginalien , die den Innhalt 
anzeigen. Der Anfang eines jeden Buches~~gefchieht mit 
einem groffen Buchftaben , der den Raum von 6. Zeilen 
einnimmt, weifs in fchwarz , mit einigen Zügen, oder 
Laubwerk, Diefes fey genug von diefer fehr unbekannten 
Ausgabe, von der ich , ob fie gleich erll 1902. gedruckt 
ift , deswegen kurze Nachricht geben wollte , weil fic 
Maittaire nicht angezeigt hat. Er nennt dagegen 12 
andre Ausgaben, davon die erftcn 8 vor i^oo. gedruckt 
find. Einige derfelben hat Quirfni , Freytag , Seemiller 
u. C w. befchriebcn. Ich füge ihnen blofs eine ohnp 
Jahrzahl bey , die Herr von Murr aus der Nürnberger 
Bibliothek angezeigt hat, und die Hqrr Denis nicht zu 
kennen fcheinet Hamberger führt in feinen zuverläiligen 
Nachrichtan B. I. S. 987. außer der erften griechifchen 
Ausgabe vom Jahr 1 9 1 6. nur einige fpatere an. Von der , 
die ich hier befchreibe , erinnere ich mich nicht , irgendwo 
etwas gehört oder gelefen zu haben. 



1^8 Kleine Sammlung von Inkunabeln. 

IV. 

Sta|:ii Syliiae cum Domitii Commentariis. Statii Thebais 
cum La([\antii Commentariis. Statii Achilleisf cum Matur- 
rantii Commentariis. Domitii. 

So v^el fleht auf dem Titelblatt , nicht mehr , auf deffen 
andrer Seit'^ gleich die Oedication anfängt. Ich gedenke diefer 
Ausgabe , weil fie Erneßi , der von dem Statius in feiner 
bibliotheca latina Tom. II. p. ^29. und von den Ausgaben 
p. n« u« f- rfedet, mit Stillfchweigcn übergangen hat ; aber 
nur kurz , weil erft 1 785 . Hr. Gemeiner in feinen Nachrichten 
von den in der Regensburgtfchen Stadtbibliothek befind- 
lichen Büchern aus dem fünfzehnten Jahrhundert S. 232. 
Num. 186. eine kurze Befchreibung derfelben geliefert 
hat , pnd mache einige Zufätze zu feiner Nachricht. 
Wegen andrer Ausgaben beziehe ich mich noch auf Mait- 
taiye , ^uirini , Götze , Frey tag u. f. w. befonders aber 
auf Hrn. Hummel, der im zweyten Band feiner neuen 
Bibliothek von feltnen Büchern S. 1^6. eine Venetianifche 
Ausgabe iso8. weitläuFtig befchrieben hat. Die gegen- 
wärtige 1494, zeigtauch Maittairc Tom. IV. p. ^76. an, 
aber etwas undeutlich. Wenigflens hat er die letzte 
Ünterfchrift nicht, welche fol. 20 j. b. flehet : Hoc per 
Bartholameum de Zanis de Portefio Venetiis impreffum opus 
foeliciter explicit. MCCCCLXXXXIIII. Die XV. Martü. 
Darauf folgt noch Papinii vita per Domitium , und regiflrum 
huius operis , das ifl die Anzeige der Signaturen a — z 
und alsdann & , d (con) j^ (rum) lauter Quaternen , das 
letzte ift eine Quinterne , und die Anfangsworte der erflen 
Blätter einer jeden Lage. Der Drucker ifl der nämliche , 
der das eben angezeigte Buch Strabonis 1^02. gedruckt 
hat Die Lettern des Textes find viel grölTer , die in den 
Anpierkungen aber gleichen jenen. Das Papier ifl eben 
fo, bald zarter, ftärker, weifTer , fchwärzer , wie dorL 



Erfter Abfchnitt. 169 

Auch die Papierzeichen, find fich ähnlich , obgleich nicht 
ganz , und habe ich wohl fiebenerley bemerkt , zweyerley 
Cronen , vierqrley Wagen in einem Cirkel u. f. w. Alle 
drey Werke gehen in einer Blattzahl bis zu Ende fort , 
und mufs man fich von dem Schlufs der fjrlu^rum, wovon 
die letzte Seite leer ift , nicht verfuhren laffen , es für 
die Römifchc Ausgabe 147s. zu haltca , weil fbl. 60. a« 
unter dem Text flehet : Syluarum quinto libro flnis Domitius 
calderinus Veronenfis fecriBtarius apoftolicus emendauit lo- 
terpretatusque ^ft Romae calendis fextilibus MCCCCLXXV, 
und unter den Anmerkungen wieder : Domitii Calderini 
Veronenfis fecretarii apoftollci fyluarum recognitio & intcr- 
praetatio quanti laboris Fuerit opus vigiliarumque bonorum 
iudicium efto. Virtuti datum & poflieritati Romae calendi» 
fextüibus. MCCCCLXXV. 

Denn diefe Unterfchriften find blofs nachgedruckt. 

Die andern zwey Stücke Thebais und Achilleis hingegen 

laiTen fich nicht trennen , und find in einem fortgedruckt. 

Denn jene fchliefst auf der erflen Seite des i78flen Blatts , 

blofs mit dem Worte : Finis , und diefe fangt gleich auf 

der folgenden Seite an. Von ein paar andern unbekannten 

Ausgaben, deren Hr. Gemeiner gedenket , Vicenz 1481* 

und Mayland 1486. wunfbhte ich nähere Nachricht zu 

haben. Jene führt zwar auch Hr. Hummel an, diefe 

aber ifl noch unbekannter. Ich will kurz anfuhren , was 

Hr. Denis davon fagt: S. 140. Statii Thebais & Syluae. 

Vicentiae per Jo. de Rheno & Jo. Bertochum 1481* charad« 

lattn. nitidis fol. S. 220. Statii opera, Medtolani per Anto« 

nium Zarotum i486. chara<fl, latin. AufTerdem fuhrt er 

auch noch S. ss- Statii opera Ron^ae 147s. aus dem 

Orlandi an , dem aber nicht immer zu trauen ift , und von 

der Thebais' und Achilleis noch befondre Ausgaben, wobcy 

ich mich nicht aufhalten will. 



1^0 Kleine Sammlung von Inkunabeln. 

V. 

Der Spiegel menfchlicher Behaltnus mit den Evangelien 
und Epifteln &c. Augsburg von Peter Berger 1489. Fol. 

Die Auf- und Unterfchrift findet man in Hrn. Prediger 
Schelhorns Sammlung für die Gefchichte, I. Band S. 417. 
u. f. und Herrn Schaffer Panzers Annalen der ältefn teuLfchen 
Litteratur S. 177. und dabey zugleich eine fp deutliche 
Befchreibung , dafs ich mich hier ganz kurz faffen kann. 
Am erftern Orte war in der Zahl der Blätter, S..42|. ein 
Druckfehler eingefchlichen. Denn 229. gezählte und 8« 
ungezählte Blätter machen nur 257« nicht wie dort flehet:- 
j } 7. In den Panzerifchen Annalen find daraus gar zwey 
Druckfehler entftanden 329 und 3; 7. anftatt 229 und 237- 
Die Holzfchnitte habe ich fleiflig gezählt, und in dem 
Exemplar, das ich vor mir habe, welchem aber ein Blatt, 
oder gar zwey fehlen, 271 gefunden, Verfchiedene der- 
felben gehen allerdings die Jungfrau Maria an, Ueberdiefes 
find die Holzfchnitte bisweilen fehr häufig angebracht , 2. E. 
BK 162. u. f. flehen auf 8. Seiten 2^. Holzfchnitte, 
welche mit der üeberfchrift anfangen : von den fünfzehen 
zaichen die do komment vor dem iüngften tag. San<äus 
Iheronimus hat funden in den Abrahemifchen Büchern 
fiinfzehen zaichen des iüngften gerichtes. Das erft zaichen 
XU f. w. Darauf folgen die Zeichen des Antichrifls u. f. w. 
Dergleichen Vorftellungen find ohne Zweifel Zußtze zu 
dem fpeculo faluationis und dem fpecülo Mariae, die ich 
aber beyde nicht damit vergleichen kann. Von andern 
Ausgaben f. man Hrn. Panzers Annalen und Hrn. Denis 
Supplement 

VI. 

In dem namen der heyligen vnd vnteylbern triualtikeit 
amen 9 hie hebt fich an das loblich buch paflional 9 das 
ift der heyligen leben vnd mit namen das fummerteyl • 
welches paflional gar kbßlich vnd heyUam ze lefen ift ^ 



Erftcr Bbfcfanitt i^i 

darinn man vindt was dye lieben heyligen vnd diencr 
gottes vmm den namcn ihcfu crifti vnd vmb den heyligen 
gelauben gellten habent s Vnnd zu dem erften von dem 
heyligen lerer fant Ambrofio dem Heyligeil bifchoff. 

Mit diefer roth gedruckten Auffchrift fangt das erfte 
Blatt auf acht Zeilen an, und das Buch beträgt in allem 
)8o. gezählte Blätter: Das erft Blatt. Das « 11. Blatt» 
u. f. w. Das letzte aber fehlt an dem Exemplar, das ich 
vor mir habe , daher ich keine Unterfchrift angeben kann. 
Vor diefen gehen 6 oder 8. ungezählte Blätter mit Vorrede 
und Regifter vorher, davon diefes Exemplar ebenfalls nur 
die vier letzten noch hat. Hr. Panzer hat diefen Sommer« 
thcil nicht gefehen und befchreibt den Wintertheil vom 
Jahr 148^- S. 15^. unter einer ziemlich ähnlichen Auf^ 
fchrift. Ich gebe ihm vollkommen Beyfall, wenn er es 
für Augsburger Druck hält; wenn er aber vermuthct, 
Scbönfperger oder Sorg möchte der Drucker feyn, fo kann 
ich den Sommertheil dem letztern nicht beylegen. Die 
kleinen Lettern fehen freylich denen fehr ähnlich ^ mit 
welchen Anton Sorg im Jahr 148 )• gedruckt hat: allein 
die grofTen fehen ganz anders aus. Nur einige davon fehen 
bisweilen den Sorgifchen ähnlich. Keinen Schönfpergerifchen 
Druck von der damaligen Zeit habe ich nicht bey der Hand , 
um damit eine Vergleichung anftellen zu können. Der 
Panzerifchen Vermuthung aber , dafs diefe beyden Theilc 
zufammen gehören , ftimme ich ganz bey. Hr. Denir 
wiederholt S. 20?. bloß, was Hr. Panzer gefagt hat und 
fcheint kein andres Exemplar zu kennen. > 

Das Papier ift weifs und gut, und das Zeichen find 
iweyerley grofle Ochfenköpfe. Signatur und Cuftos fehlet. 
Nur bisweilen trift man ein Comma an , fehr häufig aber 
das Abtheilungszeichen $ das nicht nur die Stelle aller 
Punkte vertritt , fondern auch oft ganz überflüffig da flehet 
Vor dem Anfangsbuchftaben der Lebensgefchichte einci 
jeden heiligen flehen fchlechte Holzfchnitte « bey dene» 



I 



172 Kleine Sammlung von Inkunabeln« 

aber oFt kaum zu errathen ift , wie fie die Gefchichte des 
Heiligen erläutern foUen. In dem Stück der Vorrede , das 
ich habe , ift eine Bcfchreibung von der Crtuzwoche , und 
den Fronfaften,* wo es zuletzt heiflbt: Bifs fcbreibet meißer 
Albrecbt Altißodorenßs. Es fcheint aber ein blofles Citatum 
zu feyn. Denn der Verfafler diefes und andrer Legenden- 
Bücher ift unbekannt, fo wie auch diefer Meifter Albrecht 
fonft nicht bekannt ift. 

VII. 

Ambrofii opera. 
Bafil. 1492. fol. 

Die Stelle des Titelblatts vertritt ein Holzfchnitt, 
über welchem die Worte ftehen: Audtor operum fequen- 
dum. Ambroßus fitzt bey einem Ptilt und fchreibc in ein 
Buch 2 Non arrogans videri arbitror : fi inter filios. Ueber 
ihm lieht : Scs Ambrbflus Mediolanen Eps : eccleGe dodor 
celeberrimus , unter ihm 5 Difticha mit römifchen Lettern. 

Auf der andern Seite : Librorum fandti Ambrofn 
epifcopi Bafilee impreflbrum preuia aanotatio , darauf die 
Titel genennet: libriprime partis, 24 Stück, libri fecunde 
partis, i Stück, libri tertie partis, 19 Stück« 

Dritte Seite &c. Praeftanti viro domino Joanni de 
Amerbach in artibus liberalibus Parifienfi magiftro: Frater 
Joannes de lapide: monachus ordinis CarthuGenfis: facra- 
rum litterarum humilis & indignus eiusdemftudii profeflbr: 
plurimam in chrifto Jefu optat falutem. 

Die drey Bücher de officiis mit römifchen Lettern, 
mit Signatur bis f. Die folgenden Stücke Gothifche Lettern. 
Faft jeder Tradlat fängt mit neuer Signatur an , bis zum 
achten de Abraham , wo dann die Signatur durch die 
übrfgen bis t fortgehet. 

Operum fanfti Ambrofii pars fecunda. Opus primum 
Expofitio fandti Ambrofii in pfalmum Beati immaculati per 
xxij fermones diftindta. Operum huius fecunde partis 



Erfter Abfchnitt. 173 

ai^notatio i Expofitio in P&lmum centefimum & odtauum 
decimum : videlicet : Beati immaculatL ii. Expofitio in 
Euangelium fecundum Lucam. iii. Expofitio in Epiftolas 
Pauli Apoftoli* Mit gothifchen Lettern, jedes mit l^efondrer 
Signatur und befonderm Titelblatt. 

Operum faiwfki Ämbrofii pars tertia. Opus primum. 
Epiftolarum fandi Ämbrofii epifcopi Mediolanenfis . elegan« 
tiflimum opus. Operum huius tertie. partis annotacio. 
Hier find wieder die Titel von allen 19. Stücken gene;nnet 
Die libri epiftolarum mit römifi:hen Lettern , die Signatur 
bis o. Zuletzt. Praeclariffimum opus epiftolarum difertifC- 
mi uiri : fandi Ämbrofii epifcopi : elegantifiimo ftilo 
confcriptarum : ad laudem dei in vrbe Bafilienfium per 
magiitrum Johannem de Amerbach impreflum : Anno falu« 
tiferi virginalis partus nonagefimo fecundo fupra miUefimum 
quaterque centefimum : Foeliciter finitum cft. 
Ein neues Titelblatt : 

fide ad Gratianum 
Libri Ämbrofii de Spiritu fando 
!Et cetera. 

Gothifche Lettern 5 Signatur bis n <nach i kommt auch 
J dazwifchen.) 
Wieder ein neues Titelblatt : 

virginibus 
Libri amb. de viduis 

& cetera 
Signatur bis £ 

Noch ein Titelblatt: Sermon^s fanfti Ämbrofii EpifcoiÄ 
Mediolanenfis , Signatur bis 9. 

Explicitum efl opus fermonum beati Ämbrofii epifcopi 
Mediolanenfis : Bafileae per magiftrum Johannem de Amer- 
bach : Anno Talutiferi virginalis partus nonagefimo fecundo 
fupra millefimum quaterque centefimum. Dann noch 5 
Seiten Regifler : Annotatio principalium dicflorum iuxta ordi« 
nem alphabeticum : precedentis operis fermonum fandli 



174 Kleine Sammlung von Inkunabeln. &c. 

Jlmbrofsi Upifcopi Mediolanenfis. Zuletzt : Explicitae fönt 
annotationes. Bisweilen ftatke Abbreviaturen : gro grano » 
gli*aS gloriam , ^ contra , d r dicitur , g igitur. Oeftc« 
griechifche Worte, ziemlich unförmlich. 

Diefe Ausgabe hat fchon Theophilus Sincerus ^ 
iSc/rvnindel) in den Nachrichten von lauter alten und 
raren Büchern, Frankf. und Leipzig im I. Stück S. 14, 
u. f. befchrieben und ihren Innhalt weitläuftiger , als ich, 
angezeigt. Aber die letzte ünterfchrift hat er nicht gar.z 
geliefert , die nach den Briefen hat er gar weggelaffen, 
von dem Regifter gar nichts gcfagt, u. H w. Daher ift die 
gegenwärtige Befcreibung zu befferer Kenntmfs diefer 
Ausgabe gewifs nicht überflüffig, zumal da die fchwfnde« 
lifche Nachricht fogar dem David Clement unbekannt blieb, 
"der in feiner bibliotheque curieufe p. 258. Tom. I. diefe 
feltene Ausgabe nur kurz befchreibt und von den Unter- 
fchriften gar nichts faget, woran wohl die Seltenheit der 
Schwindelifchen Schriften ürfache feyn kann. Clement 
führt aus den unfchuldigen Nachrichten an , . dafs die 
liinter Ambrofii Bildnifs hangende Knot- Peitfche vielleicht 
eine Anzeige fey , dafs er für den, Hammer und die 
Peitfche der Ketzer gehalten worden ift. Diefes fagt auch 
Schippindel ,^ aber im dritten Band , oder den analedtis 
litterariis S. 2. macht er den Zufatz : Ämbrofii Knot- 
Peitfche deutet vielleicht die Difciplin an. Und dann wäre 
es eine jetzt fo genannte Gelfel , an welche man aber zu 
Ambrofii Zeiten fchwerlich fchon gedacht hat. Maittaire 
hat diefe Ausgabe kurz angeführt , a&ch verfchiedner alten 
Ausgaben einzeler Schriften deffelben gedacht, zu denen 
aber Hr. Denis noch manches hinzuzufetzten gefunden hat 



175 ' 

. 7- 
Von verfchiedenen kleinen^ vorncmlich akadcmifchen 
Schriften^ die einzelne feltene oder merkwürdige 
Bücher befchreiben. 

JJen Büchcrliebhaber und Kenner befriedigt' nicht blos 
eine wörtliche Anzeige eines feltnen Buchs , wie wir fie 
in allgemeinen Verzeichniflen feltner Bücher, einer Baurlfch. 
Biblioth. libror. rar. u. d. g. finden : fondern er verlangt 
auch den- Verfaffer , dfen Innhalt , die ürfachen der Selten- 
heit deflelben &c. näher kennen zu lernen. Diefes ge- 
i^ähren , auffer gröffern littterarifchen Werken , auch gute 
Befchreibungen einzelner Bücher , deren ich hier ver- ' 
fchiedene, in alphabetifcher Ordnung angeben und nach 
ihrem Innhalt kenntlich machen will. Wenn mehrere 
Litteratoren wieder andere auf ähnliche Art bekannt machen 
wollten : fo bekämen wir endlich eine Bibliographie kleiner 
litterarifch. Schriften, die auf einzelne Bücher eine Be« 
* Ziehung haben. 

I. Feuerlini Jac. Wilh. progr. de Wilh. Lindani concordia 
difcorde & teilimonio de originali exemplo latinae 
confeffionis Auguftanae in archiuo Bruxellenfi. Gotting. 
17421 4. I ^ Bogen. 

Den ganzen weitl. Titel von Lindani concörd. difcorde» 
findet man in Bauer« biblioth. iibr. rar. T. II. p. 295. 
Da Lindanus Bifchof zu Rüremonde , hoch und theuer 
verfichert , dafs er das von Melanchth. gefchriebene und 
von Fürften und Ständen unterzeichnete lat. Original der 
A. C. im Archiv zu BrüfTei mit gedruckten Exemplarien 
verglichen und merkliche Abweichungen gefunden habe : fo 
aufTert Feuer lein feine Gedanken darüber und glaubt, (da 
auch zu Mainz das lat. Original verwahrt wird ) es feyen 
2. gleichlautende Abfchriften gemacht , und eine , wie die 
andere , von Fürften, und Ständen unterfchrieben worden.^ 



I7Ö Von kleirleii akademifchen Schriften, 

a« Goeze Ge. Höiir. disf. de bibliotheca Patrum« Lipf. i6%% 

Ihre Oefchichte erzählt der V. alfo : die ite Ausg. 
crfchieri 1576. t\X Paris in VIIL Toniis, durch Befor- 
gung Maf garin de la Rigjte. Dazu kam i^-^p. eben 
dafelbft ein Appendix. Die 2te Aueg. von i's89. beftund 
aus IX. Tomis ; zu der iten Paris 1609. 16. kamen 
Wieder II. Totilij die 4te Colin i6r8. wuchs auf XVIII. 
Tortios äii ; die ^te Paris 1624. vermehrte Fronto 
Ducaeus wieder mit 2. Tomis Graeoo - latinis und vielen 
andern Schriften; die 6tö (fo genannte MöreUianifciie) 
Paris 164g erhielte Franc« Combefißi biblioth. graeca- 
latinam SS« Patrum als Zufatz; die 7te edit« graeco^ 
latina kam 16^4. zu Paris heraus; die gte 1677. 
fqq. zü Lion in Frankreich in XXVIL Tomis, mit 
mehr als 100^ Schriften vermehrt, welche diö Cöllner 
Ausg. nicht hat. Doch find auch einige Schriften 
ausgelaflen. Den Innhalt eines jeden Toms diefer 
prächtigen Ausg.\ giebt der V. befonders an^ Wenn 
man alfo etwas voÜftändiges haben will : fo muls man 
lieh die Cöllner und Lioner Ausg. anfchaifen. DerfeeL 
Kanzler Pfaftu Tübing. wollte, mit Beyhülfe mehrerer 
Katholifch. und Proteftantifch. Gelehrten ^ eine neue? 
Ausgabe verandalten: fie unterblieb aber. 

3< Gottfcbed Jo« Cbrp^ pi'ogr. de antiqua uerfione theodifca 
Magiftri Tancredi. Lipf. 17 so. 4. i 7 B. 

Nicht um Tancreds Handfchrift willen ; fonditfrn des- 
iv'egen nehme ich diefes Progr. hieher : weil foigendcf 
alte Ausgaben des Sachfenfpiegels im Eingang befehde^ 
ben werden, nemlich; Augsb. bey Sil van Otmar i^i^^ 
Lp«. 1SJ9. neu corrigirt durch Benne Heynitz^ i^6ä, 
mit Chrp Zobels und i?72. mit Melch. Klingens 
Verbeffer. Bey der z\reyten begieng Heynitz einen 
Anachroniffflus von 200. Jähren , da er fagt, er hab^ 

Handfchriften 



die einzelne feltenc Bücher befchreiben. ijj 

Handfchriften aus den Zeiten Kaifers Otto I. zum Grunde 
gelegt i da doch der SachfeAfpiegel erft unter Friederich I. 
compUirt wurde. 

4.. Grundign Chrp. Gottl. Epift. gratulat. ad M. Jo. 
Gottfr. Wellerum de confeffione Rutheno - Schoenbur^ 
gica , ciufque cauüs , fumma & fatis. Friberjg. 1760. 
4. I i ß. 

Sie hat den Titel : Confeffionsfchrift Etlicher Predi- 
^ tanten in den Herrfchaften Graitz , Geraw , Schonburg , 
vnd anderer hernach vnterfchriebenen : Geftellet zu 
Nöthwendiger Ablehnung vieler Ertichten Calumnien vnd 
Lefterungen, vnd dagegen zu erklerunge vnd beförderung 
der Wahrheit, zuforderft aber wie ein jeder Chrift 
die jetzt fchwebenden fchedlichen Corruptelen vnd 
Irthume, nach dem Heiligen Catechifmo Lutheri erkennen , 
Widerlegen vnd fliehen muige: Anno Domini 1^67. m. 
Martio, Ohne Ort. in 4. ;8 | B. Darauf wird eine grofle 
Anzahl Subfcribentcn genennt und Von einer 2ten Ausg. 
Jena 1999» 4- fodann einer ^tenGera 1699. 4. Nachricht 
gegeben. Zur Erläuterung dienet auch J. G. Hauptmanm 
Progr. dafs die reine Lehre den Neufsifch. Kirchen durch 
ihre Confeffionsfchrift ver fiebert wordeiv Gera 1766. 4. 

5. Gueimii Jö. Chrift. Epift. ad D. Frid. HofFmannum ^ 
Prof. medic. Halenf. de Aüguftana Confeffione Pauli 
Dolfcii^ medici Hallenfis Graece reddita. Hai. 17 Jo« 
4. 1 1 B. 

Zuerft wird Von P. Dolfcii Leben und andern feiner 
Schriften gehandelt : der griechifche Titel ift. folgender t 

w«f ^OX» 'iT« Wo rjf xf^coym»? std^X furxdi^oci^firu 'oiTri 

Haiku Aaxo-xi'» nxocsV- Bafil. ISS9- 8« Melanchthon 
fchenkte diefer Ucberfetzong fernen vollen Beyfall (S* Epp. 



178 Von kleinen akademifchen Schriften , 

ad Camerar. p. 97^. 494.) und als ein gebohrencr 
Grieche Demetrius von Wittenberg nach Haus gieng, 
fchickte er ein Exemplar an Joafapb ^ Patriarch zu 
Conftantinopel. Jac. Andrea und Mart Crußus zu Tü- 
bingen fchickten IS 75- an den damaligen Patriarchen zu 
Conftantinopel. Jeremias auch eins , und nach und nach 
' kamen mehrere Exemplare dahin , Mich. Cantacuzenus 
verfertigte daraus eine neu griechifche Ueberfetzung und 
Quarkrcoare Atibac , Fürft der Georgianer , lies fie i S79« 
Iberifch überfetzen. Die, fo Melanchthon diefe Ueberf. 
zufchreiben , oder Dolfcius für einen erdichteten Namea 
haken wollten , werden gründlich wiederlegt. 

6. Hackmanni Frid. Aug. progr. de morali apologo poetico, 
qui noftra uernacula de Reineke Vofs appellatur. 
Hfslmft. 1709. 4. 2; B. 

Zuerft erzählt der V. den Innhalt, fodann fetzet er 
aufler Zweifel , dafs Heinr. v. Alcmar , der fich am 
Lothringifch. Hofe aufhielte ^ ( nicht ein gewifler Ludwig 
Baumann ^ ^odtr Ludouicus Romanus) der wahre Verf. 
fey. Endlich führt er Ausgaben und Ueberfctzungen an. 
Die ite erfchien zu Lübeck 1498. 4. mit Holzfchnitten , 
die 2te ( Moi;hof hielte fie für die erfte ) beforgte Ludw. 
Bauniann zu Roftock 1522. Die )te und 4te Ludw. 
Dietz, ebendaf. 1^9- und 1548. Die ^te kam heraus: 
Erf. 1972. Die 6te wieder zu Roftock 1592. Darauf 
folgten 2. Hamburger 1604. 1666. Man hat von diefem 
Buch dänifche, fchwedifche , franzöf. englifche, hoUän- 
difche Ueberfetzungen auch von Hartm. Scbopper eine 
lat. Erf. IS 74* I2« die alle mit Anzeige des Jahrs und 
Orts, angefürt werden. 

7. Hottingeri Job. Henr. difs. hiftorico - theologica de 
heptaplis Parifienfib. exPentateuchoinftituta.Tig. 1649« 
4. «IB. 



die einzelne feltcne Bücher befcbreiben. 179 

Der Titelift: Biblta hebraica , S^maritana, Chaldaica, 
Graeca , Syriaca , Latina , Arabica , quibus textus origi- 
nales totius S* Scriptufae , quorum pars in editione 
Complutenfi ^ deinde in Antwerpienfi , regiis fumtibus' 
' extat , nunc integri e manufcriptis toto fere orbe quae- 
fitis exemplarib. exhibentur. Parif. 1628— 4 v IX Tomi 
foL max. Der V. hat nur die 5. Bücher MoC jKuttt 
Gegenftand , aus denen philologifch kritifchen Vergleichun- 
gen. der verfchiedenen Sprachen mltgetheilt werden. 
Freytag befchreibt diefe Bibel auch in Anakct. p. 96. 

8. Langii J. Mich. difs. hiftorico . phflülogico - theologica 

de Alcorani prima inter Europaeos edit. arabica. Alt. 
1703. 4- 4i B. 

Diefe erfte Ausgabe von ti'elcher hier ausführlich 
gehandelt wird , erfchien Brixiäe i n ©• editore Paganino, 
Brixienfi , wurde aber auf Befehl des päbttl. Stuhls 
unterdrückt. Man hat von dem Verf. diefer Difput. noch 
eine andere gleich lefenswerthe de fpeciminib. ornatib. 
uarlis atque nouifTimis, fuCceiEb« dodtorum quorund. 
niror. in edendo Alcorano Arabico. Alt« 1704« 4. 5 B. 
Man wandert fich , wie Gelehrte am Koran ihr Heyl 
thetts verfocht haben , theils verfuchen wollten. 

9. Locberi Chrp. Henr. breue iudiciura theologicnm de 

libello Germanico Helleleuchtender Herzens-Spiegel f 
quo oftenditur Q^uakerum aliquem latitantöm eias 
autorem effe Cet^ Jen* 1681. 4.. I5 B. 

Diefes Büchlein kam in eben dem Jahr heraus. Sem 
Verfaffer läfst in Glaubensfachen alles auf das innerliche 
Licht ankommen* 

io, Kraft Car. Frid. commefltatio hiftorico - theologtco- 
critica de uerfione biblior. latina Wietebergae 1529. 
typis exfcripta neq. Melanchthoni neq. Munftefa fed 
Luthero uere uindicanda. Kamb. 1742. 4. 4 B.r 

M % 



i8o Von kleinen akademifchen Schriften l 

Ift vornemlich wider Boyfen und Lilientbai gmchtst* 
Jener bezweifelt nicht nur die grofle Seltenheit dicfcr 
Bibel; fondern fchreibt fie auch Phil. Melancbthou zu 
(inDifs. de Cod. N. T« graeco, quo Lutherus ufus eft 
Lipf. 1725* 4. ) Diefer hält Seb. Münßer für den 
Ueberfetzer (S. Samml. von alten und neuen theolog. 
Sach. von 17 J 6. Anh. S. 746, f. f.) . 

11. Magni Ge. Frid. difquifitio de anHquis S. Scripturae 

uerfionibus Germanicis Auguftae excufis. Partt. IL 

Aug. Vind. i69<'* 16^%. 4. 3. B. 

Sie betrift die Bibeln von 1477. (von welchem Jahr 

man 2. verfchiedene Ausg. hat) von 1487- 1490« 1518. 

und eine ohne Jahr, Ort und Buchdrucker, die man 

ins J. 1449- fetzen wollte ; davon man aber den Ungrund 

längft eingefehen hat. Die ganze Abhandlung ift etwas 

verworren. 

X2. Arreß de la cour de Parlement donne le z6. execute 

le 27. Juin, Anno 1614. contre le livre imprime ä 

Cologne , Tan prefent intitule Francifci Suarez Grana- 

tenfis, c focietate Jefu, Dodboris Theologi, Defcnüo 

fidei Catholicae & Apoftolicae aduerfus Anglicanae 

fedtae errores. A Paris 1614. 4. i. B. 

Nebft einer lat. und deutfch. Ueberfetz. Das Buch 

felbft wurde als aufruhrifch und der königlichen Gewalt 

nachtheilig, im Schlofshof zu Paris den 27. Jun, son 

dem Henker verbrennt , der Verkauf allen Buchhändlern 

und Buchdruckern verbotten und dem Pater Reclor 

Ignaüus Armandtts verwiefen , daß er den Umlauf diefes 

Buchs nicht gehindert habe. Die anzüglichen Stellen 

follen fich S. }76. 79. 80. 82. 410 — 420. und 8)4. 

844^ finden. Wenn die Anzeige in der Bauerifchcn 

bibÜotheca librorum rariorum Vol. IV. S. ija. lichtig 

ift; fogiebtes noch 2. Ausgaben; Conimbricae i6i}»und 

IVloguntiae VS19. fol. 



die einzelne feltene Bücher befchreiben« igt 

i;. Recbenbergii Ad. fchediafma hiftoric. de Lutheri eollo- 
quiis menfalib. Lipf. i698. 4- )• B. 

Befchreibt ihre Entftehung und die Ausg, welche Joh. 
Aurifaber zu Eisleben i $66. drucken liefs. Von (pätem 
Ausg. von ISÖ9. -IS 81* 1621. wird nur kurz gehandelt. 
Man hat Luthers Tifchredenvon den Singularib. Lutheri, 
die Phil. Salzmann 1664. zu Jena herausgab zu unter« 
fcheiden. 

14. Sehet eligs Jöh. Andr. Gottfr. Verfuch einer hiftorifch- 
kritifchen Nachricht von einem alten und feltenen 
Gefangbuche der Böhmifchen Brüder. Hamb. 1766* 
4. s. B. 

Eine vorzüglich gute Abhandlung. Der Gegenftand 
des V. ift eigentl. die Ausg. Nbg. 1585. verglichen mit 
der eben dafelbft gedruckten von x6ii. Es werden aber 
auch noch mehrere Ausg. z. B. eine zu Bunzlau i^)i« 
herausgekommene gut befchrieben. Der Verf. diefes 
Gefangbuchs war Joh. Hörn , ein Aeltefter , oder auch 
wohl Geiftlicher, der Böhmifch. Brüder, der i$4S* ^^ 
Bunzlau aus der Welt gieng. Alle Gcfänge find unter 
25. Titel gebracht: der letzte enthält die Lieder vom 
jüngften Tag, Die Bauerifche Biblioth. libr. rar. Vol. IL 
pag. 24. kann aus Scheteligs Nachricht ergänzt werden: 

15. Schnpoarzii Godofir. Decadum Antonii Bonfinii editio 

JLupera Pofonio - Viennenfls iuüo pretio aeflimata ^ 
chediafma litterar. & hiftoricum. Ofnabrugi 174s« 
4. a ^ B. 

Bonfinii decades würden dem L Tomo Scriptorum 
Hungaricor. Belii einverleibt : aber fehr fehlerhaft abge*. 
druckt .Diefes zeiget der V. durch eine Menge von 
Beyfpiclen. Nur allein auf der 244ten Seite entdeckte 
er lg. Druckfehler , deren einige den Verfland entftellen. 
Von altern Ausgaben führt er an-: die Basler von 1^43* - 



i82 Von kleinen akademifchen Schriften, &c. 

die nur ; . Decades enthält , die 4te findet man in Carp. 
Ä^e//i hiftoria IVlatth. Hunyadis Claudiop. 156?. Aus4j 
Decadd. befteht die Basier Ausg. von i^68* To auch 
die 4.te Frf. 1681. und die ^te Hanau 1606. die beydc 
auch noch mit Sancbucus Anhängen vermehrt find. 

16, Tentzelii Johx Chrp. diatribe de bibliis polyglottis. 
Wittenb. 1686. 4. ? | B. 

Ift bey den ausführlichem Nachrichten und Befchrci- 
bungen, die man jetzc hat, entbehrlich. 

17. Wedekindi Rud. de Jani Caecilii Frey Philofbphia 

Druidarum , aut fi tnauis , Opufculis uariis ( libro 
perquamraro) eiufq. uita Gotting. 1760. 4.2 i ß. 

Der V, handelt von 2. Sammlungen der Freyifchen 
Schriften: i) Jani Caec. Frey operibus, quae reperiri 
potuerunt, in unum corpus colle«flis Parif. 164^. 8* 
2) Opufculis uariis, ib. 1646. und giebt den befondcrn 
Jnnhalt derfelben genau an. 



8 

VerbefTerungen und Zulätze zu Bauers Biblioth: 
libr. rar. len Theil , tbeils aus dem Augen- 
fchein , theils aus beygefetztcr Gewährfcbaft. 

S. I, „/^bano) davon hat man noch ; feltne Ausg. 

Venet. 1^20. iS48» f. und Florent isjo- f« 

Bnnent. p. ^$. Widekind p. 2. 

- }. Acoßa) auch zu Barcelona kam diefesBuch 1^9'* 

8. heraus. , 

7. Agripfae) feiten ift auch die Ausgabe. Venet. 

1604. 4. 
9* Aäsema) foU in Holland verbotten worden leyn , 



YerbefTer. u. Zufätze zu Bauers Biblioth. &c. 183 

welchem Freytag ( in Anal. p. 12. ) widcr- 

fpricht. 
S. XI. Aibim) kam auch Auguftae Vindel. 161 3. foL 

und Campod. 1617. fol. heraus. Widekind 

p. la. 
• AlbO'Hazeu^ erfchien auch zu Nbg. 1546. X{49. 

4« Theßiur. biblioth. III. p. 274. Hennings 

p. 42. 
- Albumafaris) ift das erftc mathematifche Buch, 

das Figuren hat 

- i;. Aidrete del Origen <— de la lengua caftellana 

kam auch mit Sebaft. de Covarruvias Zufätzen 
zu Madnt 1674 fol. heraus. Hennings p. 46. 

- 14. Alexandri ab Alexandro) erfchien auch zu Roni 

1522. fol. Widekind p. 68. 
. - Alexandri M.) auch Stxaßb. I494- f^l* Freytag 
anal. p. 19. 

- 16 Alfbonfus heifst mit dem Vornamen Peter. 

- A/tbameri) mufs heiffen: Norimb. is)^- 

• 17. Amamae) die erfte Ausg. ift Amft. x6}g. g. 

• 18. Ameßi) mufs dabey flehen GuiL 

• 19. Ammirato iftorie Florent. wurde auch in ) VolU 

fol. 1 647. zu Florenz gedruckt. 

- 20. Bey Andradii mufs ftatt Payrae Payvae gelefcn 

werden. 

• 21. Angeli) erfchien auch Venet. 1494« fbL Freytag 

Appar. IL p. 1421. 
• Ei. hift. di Parma kam zuerft Parma XS9X- 4* 
heraus. 

- Antitbefe) davon bat man eine ähere Ausg. von 

1^84- 8. 

- 24. Apoliinarii) auch e typogr. ComeL 1596. 8» 

Widekind p. 146. 
• 2$. ApoUodori^ auch Antuerp. £ a. g* 



i84 Verbcfferungen und Zufätze 

S. 26» Aquilano^ feltne Ausg* find auch: Florenz i$i6, 
und Vened. i^^o. g. If^idekind p. is7* 

* ZT- jigumo) iil i47($. 4* nicht die erfte Ausg. 

••^ )2. Ar et int Epiitolae kamen auch 1495. heraus. Widek, 
p. 174. 

- 9J. Arimino) crfchien auch Argentor« f. a. 4. £>»• 

ningi p* 12^. 

- J4. Arioßo) die Ausg. Venet, iiö2. 15^6. 4. find 

auch feiten. 

- Arißidis) Lin. d. mufs Bafil. weggeftrichcn 

werden, 
r )9. Avenzoar) auch die Venetianifch. Ausg. von 1510. 

I S 1 4. I $ ;o. und die Lugd. 1 5 ) i« 8* fii^d 

feiten. Hennings p. 1 5 6. 
. 40. Augußini') crfchien auch Terracona 1587- 
-r 42. Baccbini) mufs Parmas weggefirichen werden. 

- 44. Lin. ult. mufs es heiflen : Camponi. 

* 49. 2{ar/;aya»i ) erfchien auch Venet 1^69. 4* 

- Barbari ) davon hat man auch eine franzöf. feltne 

Ueberfetz. Parif 1667. la. 

* 51. Bardi ) auch Gen. 1^4?. 8' 

- Bariaei ") 'duch Clivis 1660. 8* 

- 5 s . Bartbii pornobofcodidafcal. kommt in J . Th.'S. 2 } 5* 

voUftändiger vor. 
. ^7. Bagfii)^}iQ\i Baf. 1^51. 8* 

* 58* Bebeüi triumph. Veneris erfchien auch 1501. 

4. f. 1. 
^ 6). fif/o» hift. naturelle kam auch Paris i^tx. f. her- 
aus. Ofmont diifliohnaire I. p. 89. 

- 65;. Bembi) auch Baf 1^47. 8« 

- 70. Berenici i. e. Match. BerneggerL 

«t w Bergomenßs Supplem» ajuch Venet. 147^. Hennings 
p. 241. 
71. Berlingbieri ift yon 1482. gedruckt. FiL p. 247* 



zu Bauers Biblioth. libr. rariorum. 185 

S. 74. Bernardino trattato. &c. kam 1612. zuerft zu Rom 

heraus. Oßnont I. p. 9I. 
- äeueregii hat auch den Titel Synodicon. 
. 97. Von der Bamberg hebr. Bibel hat man auch eine 

feltne Ausg. Venet. fS4^« 4- 
" 105. Le livre de la Genefe &c. wurde vorncmlich wegen 

der darinn befindl. Noten Th. Pet/rerii vcrbottcn. 

Oßnont, I. p. 45 I. 
> 1)7. Bonarfcius ift Carol. Scribanhtf. 
" 140. Bow/w^ow^rii ) davon gibt es eine ältere Ausg. Vcnct 

1526. S. 

- 141. Bor) der Index macht den VIII. Tom. aus, und 

erfchien Amft. 1640. 
" i4f. Bofqtieti Ecclef. Gallic. hift. Parif. i6)5. 4. ift 
caftrirt. 

- 146. B(>JJi de ueris — gaudiis. Dicerfte Ausg. ift Florcnt 

1491. 4. 
-^ 149. BoviUi opufcula. Muß die Jahrzabl heiiTen 
1610. 

- 152. Brabe opera mufs ftatt 1648. 1646. ge&zt 

werden. 
» 15J. Brant les Regnars &c, auch Parif. 1522. 4* 
Oßnont L p. 1} j. 

- 156. S. Brigittae breviarium, ftatt 1412. 1492- 

- 157. Broiveri C. antiquit. Treuir. muft nach Libri ein- 

verleibt werden XXV. Tpmi IL Leodii 1670. 

- 161. Brtiti Florent. hift. würde unterdrükt. Henningf* 

P. 458. 

* 162. Biicelini Germania &c. mufs gefetzt werden: Tom*. 

I Vlm. 16? ^ T. IL Aug. V. 1662. T. IIL 
Frf. 1672. T. IV. Vlm. 1678. 
r i5j. Buceri von der wahren Seelenforge &c. mufs dte 
Jahrz. 15^8- heiflen. 

♦ - Btidaei annot. in Pandedl. find die Ausg. Lugd. 

1546. 8« und Baf. 1557. f* auch feiten. 



iS6 Vcrbeljerungen und Zufätze 

S. 163. Lin. 26. iß nicht Von Gull , Budaeo , fondem taub 
gelefen werden: Medici Halbcrftadienfis , des 
glorwürdig. Herrn Alberti &c. 

-. rtf4. Bunelli) auch Col. 1^68. 

- 165. BurcbieUo) feltene Ausg. find auch: Venct. 14.92. 

Florent. 1^92. Ofmont I. p. i^^>fq. 

- Statt Burgjkarduf lefe man Burgbardus. 

- 166. £2(/ci&m crypto-papifmus kam 1640. heraus, nicht 

f. a. heraus. 

- 169. ftatt Cobagneßi lefe man: CäbagneßL 

- 170. Caii) kam zuerfl Lond. i^^S* 4* heraus. 

- i8o- Campani opera kamen Venet. 1^02. heraus. 

- 182. Citnani) hat man auch eine Ausg. f. 1. & a. 4. 

- 186- Caraccioio) auch Venet. 1589. 4. 

- 187« de Carlen) auch Colon« 1^14. 4. Hennings 

p. ^^9- 

- 191. Cartari imagini &c. ) davon find auch folgende 

Ausg. feiten: Päd. i6o8- Venet. 1647. 4*BibL 
Cbriß. IL p. 247. 
* 19s. de Cafiro) auch Colon. 15 J9. fol. Bibl. IVoog* 
p. 92. 

- 197. B. Cüterina Epiftole auch Venet. 1900. f, Oßnont 

I. p. 174. 

- 201. Cbrjyjfb/orae) Sehr feiten find die Ausg. Ferrar. 

1509- 8- Ven. '1S12. 8- Bunem,^. i9»0ßn.L 
p. 191. 
.» 207. Cbrjfoflomi fuper Matth. Mogunt. 14^8. f. 
Ojhu 1. c. . 

- Cbyndonas ) ftatt recueil lefe man BeueiU 

- 209. Ciceronis ad Brutum) mufs die Jahrzahl 1470. 

heiffen. 

- 214. Clicbtovei) auch Parif. i^^6. f. 

- 217. Codiri orationes erfchienen auch Venet. 1^06. f. 

Parif. IS 19- Baf. iS40. Gerdef. floril. p. 8)* 

- Coelie») Cronica kam heraus Cöln 1499. 



zu Bauers Biblioth. libr^ rariorum. 187 

S. 227. Crßi cet. find zweyerley Bücher , und muffen die 
Titel alfo heiflen : ' 

Coßi ( PctrJ Typus Meffiae & Chrifti Dorami ex 
Veterum Prophetar praefentionibus , contra Ju- 
daeorum xri<^ixi. Apud Matth. Bonhomme 1 ^ ^4. 4. 

Ejusdem Targum Koheleth h. e. Chaldaica Para-- 
phrafis Ecclefiaftis lat. uerfa. Lugd. per Peer, 
Antefignanurn apud Matth. IkDnhomme 1^97* 4* 

Das letztere Buch, kommt im 4ten Th. S. 148» 
noch einmal vor. 

• 2)2. de la Croix) ein zweites Volum, ift nicht heraus 

gekommen. 

- 2J5. Curionis — de amplitud. regni dei ift die Ausg. 

von IS ^4- nicht das Original, fondern die Ba£ 

• 2j6. Mufs ftatt exftaticus allezeit flehen ecßatzcus, 

- Curita ) von diefem Werk find 7 YolL nebft dem 
Indice 1621. erfchienen. 

- 2)8- Datbi opera. Selten ift auch die Parifer Ausg. 

von isn« 4» 

• 2; 9. ftatt Defpanterii lefe man Defpauterü. 

- 241. D/ugloJp uitae Epifcopor. Pofnanienf. kam Bruns- 

bergi 1604, heraus. 

- 245» Dudleo kam auch zu Florenz in Regal fol» \66\^ 

heraus. Catal. S. Philippe I. p. 117* 

• 250» Enicdini) davon hat, man noch 2 Ausgaben: In 

Transfyluan* 1^88. und Grocning* 1670. 4* 

- 251* Lin, 50. foU es ftatt foragines farragines^ 8* die 

Jahrzahl i^^g. heiffen» 

- 2S2* Epißolae principp» auch die Ausg* Argent» IS9J* 

8* ift feiten* 
- Eppendorf — iufta querela ift an Chep- Saxii dift 
de Henr* Eppendorfio LipC i74S» 4» wieder 
abgedruckt* 

- 2S4» Erici') mufs das Druckiahr 1686« heiffen» 



i88 Verbeflfer.ü. Zufätze zu Bauers Biblioth. &c. 

S. 2$8# Eticiides) mehrere feltne Ausg, von deflen Elemcn- 
tis werden angeführt in G^ M* Bofe fchediafra, 
liter. quo contenta Euclidis enunciat Sc de uariis 
horum editt poft* Fabricium diflerit. Lipf. i?}?. 
4« 4- B. 

• z66. Eutycbü) muß die Jahrzahl i^sS* heifTen» 

- 268. Lin« 25. lefe man ftatt anni loci. 

H %6^^ Eyf engt ein) errchicn auch zu Ingolft. 1566. f. 
Frtytfig anal p. J28. 

• 27s. Lin. I. lefe man flatt anal. Apparat. 

• 2g). Lin. Ig* ftadf latinae italicae. 

. »8s- Lii^« ^^' ftatt Cyenolphus Egena/pbtes. 

•* 28?- Filefaci de audorit Epifcopor. ift die ite Ausg.' 

PariC 1601. 8. 
. 289» Flacci) eine ältere feltne Ausg. ift Tarif, apud 

Potiffon. & Henr Steph. 1^76. 8. 

• 300. Lin. 10. mufs es ftatt Bury Burg heiflen. 

- }io. Francken Chrift. ) davon hat m^n auch eine Ausg. 

Baf. i$8o. 8* 

- ^12. Lin. 7., nach in 8* inferatur: S. L 1^42- 4. 

. J26. Fuligatti) Selten, ift auch die Antwerper Ausg.* 
von i6%i. 8. 
- Fuinii) muß das Druckiahr IS4S. heiflen* 



i89 

1 1 1. 
RECENSIONEN NEUER BÜCHER. 



Chrißophori Theophili de Murr memorabilia biblio- 
thecarum publicarum Norimbergenfium & 
vniuerfitatis Altdorfinae. Pars L cum VIII. 
Tabulis aeneis.Norimbergae fumtibus Johaimis 
Hoefchii 1786. gr. 8. i Alph. 6 Bogen. 

Pars IL cum XIV. Tabulis aencis. ibid. i788# 
22 Bogen. 

iLjum Theii kennt man diefe Schätze fchon aus des 
Herrn Verfaflers Refchreibung der vornehmften Merkwür- 
digkeiten in des H* R» R. freyen Stadt Nürnberg und auf 
der hohen Schule zu Altdorf f 778* : hier aber macht er - 
fie in noch gröflerer Anzahl bekannt; dafs er zu folchen 
Arbeiten die nöthigen Kenntnifle , Fleifs und Gedult befitzt, 
das hat er fchon öfter bewiefen, und zeigt es hier aber- 
mahls* Nur wäre zu wünfchen , dafs er folche hjer bis- 
weilen auf andre Gegcnftände gewendet hätte , als würklioh 
gefchehen ift. Denn faft fcheint es , manches fey ihm 
intereflanter vorgekommen , als feinen Lefern, Auch mag 
die gewählte Ordnung , alles , Portraite , Alterthümmer , In^ 
ftrumente , Münzen ^ Handfchriften , Bücher u» f. w. nach 
den Zimmern zu befchreiben, wie es nach einander auf- 
gcftcllt ift, zwar für reifende Gelehrte bequem feyn, wenn 
fie das Buch bey der Hand haben ; aber zum Nachfchlagen 



igo De Murr Memörabilia 

<« 

ifl; es defto unbequemer« Und das Bach foll doch nicht 
Mors leerer Catjilog feyn , der gleich wieder vergeffen wird i 
vielmehr gibt ihm feine Rinrichtung auch noch für fpätere 
Litteratoren einen dauerhaften und bleibenden Werth und 
Nutzbarkeit Den gan2en Innhalt des erften Theils anzu- 
zeigen , wurde jetzt zu fpät feyn, vielmehr will ich es 
dabey bewenden laffen , nur auf einiges merkwürdige 
aufmerkfam zu machen. 

Unter den hebräifchen Handfchriften will ich nur 
eine hochftfeltne nennen, S. 20. ein groffes Gebet- 
und Gefangbuch Mapbfor , d. i. cyclus , oder breuiarium , 
Euchologium ; Liturgia , im Jahr i ?} ' » zierlich auf Perga- 
ment gefchrieben. Unter den Griechifchen ift S. H- das 
ivang^liarium merkwürdig, das fchon Hr. D. Doederlein 
befchrieben hat. Herr von Murr macht es um ein Jahr- 
hundert jünger, und fetzt es erft in das i2te Seculura* 
Ob er aber auch unter den folgenden Handfchriften, die 
er befchreibet , aus der groffen Menge der vorhandenen 
immer die wichtigfte gewählt hat , und dem Titel feines 
Buches Memörabilia getreu geblieben ift : das mögen Ken« 
ner entfcheiden , die das Glück haben , diefe Schätze felbft 
durchzufehen. S. 74 — 20^. wird aus dem Briefwechfcl Jo. 
Blanchini , Jacobi de Spira , Jo. Regiomontani , Mag. 
Chriftiani , eines Erfurter Mathematikers , ein fehr weitläuf- 
tiger Auszug gegeben. Für Mathematiker und Aftronomen 
ohne Zweifel ein wichtiges Gefchenk l aber wie viele werden 
wohl ein folches litterarifches Bach lefen, darinnen forift 
feft nichts zu ihrem Lieblingsfach gehört , oder auch folche 
Unterfuchungen darinnen vermuthen? Mancher Litterator 
wird unwillig weiter fort blättern, und ein anderer wird 
vielleicht wünfchen ^ es möchte lieber aus der Menge 
andrer Briefe von Gelehrten, die S.^ 209 — 219. befchrie- 
ben find, und die vermuthlich mehrern Lefern interelfanter 
feyn würden , eine gröflere Anzahl geliefert worden feyn. 
Es wird davon nichts mitgetheilt , als ein Fragment eines 



bibliothecarum publ. Norimberg. 191 

Briefes vom Thoraas Münzer , einer von Conrad Celtes 
und ein fchon öfter gedruckter von Ulrich von Hütten. 
Dafs bey diefer Gelegenheit S. 216. der Probft zu Feldkir- 
chen , Bartholomäus Bernhardi , der aüererße Lutherifche 
Prediger, der geheurathet habe , genannt wird, ift^in fehr 
gemeiner und daher leicht zu verzeihender Fehler , welchen 
zu wiederlegen hier zu weitläuftig wäre. S. 219. u. f. 
flehen einige alte Bücher , und dann folgen wieder Hand*, 
fchriften bis S. 297 , wo die alten Bücher anfangen. Allet 
unter einander herauszufinden, ift mühfam und verdriefs- 
lieh. Merkwürdig ift S. 240. eine Handfchrift von den 
Briefen Gregorii des Groflen , welche von den gedruckten 
fehr abweicht. Zu den Ausgaben von dem horologio 
fapientiae Henr. Seus S. 248. laflen fich auch noch die 
Augsburger 1492 , und die Cölner 1496 fetzen; und der- 
gleichen Zufätzc könnte man öfter machen. S, 249. 
flehet von einem ganz und* gar unbekannten Gelehrten: 
Albionis inftrumentum mathematieum & geometricum. — 
Von den Inkunabeln wäre eher ein vollftändiges Verzeich- 
nifs , als nur memorabilia zu wünfchen gewefen , indem 
vielleicht manches eben fo merkwürdige Buch weggelaflen 
ift. Aber es hätte freylich anders ausfehen müflen, als 
das vorhergehende Verzeichnifs in feinen Nürnbergifchen 
Merkwürdigkeiten. Jetzt find beyde mager und unvoll- 
ftändig , auch oft voll Fehler. Das Verlangen der Kenner 
wird erft vollkommen befriediget werden , wenn das voll- 
ftändige Verzeichnifs an das Licht treten wird , zu welchem 
der berühmte Herr Schafier Panzqr Hofnung gemacht hat, 
die er nun bald erfüllen wird. Nicht leicht verdient eine 
andre Stadtbibliothek diefe Bemühung fo fehr, als die 
Nürnbergifche, welche in Abficht auf die Menge von 
keiner andern übertreffen wird , und fclbft viele Klofter- 
bibliotheken , wo doch immer reicher Vorrath. in diefem 
Fach ift, hinter fich zurück läfst. Aber nicht nur die 
Menge, fondern auch das Alter vieler Jnkunabcln ^bt 



rgz De Murr Memorabilla 

diefer Bibliothek Vorzüge vor vielen andern. Wie vid 
Gelehrte haben wohl Durandi rationale 1459, die confti- 
tutiones Clementinas 1460, den fextum decretalium 1469. 
Ladtantü inftitutiones 1465 , und noch mehr des Joh. de 
Turrecremata meditatlones Romae 1467 , wovon es mit 
Recht heiffet: rariffimum iriter haccce rariflima cimelia, 
in einer Bibliothek beyfammen gefehen ? ( Des AudifFreJi 
catalogum hiftorico-criticum romanarum edi'tionum Seculi XV. 
Rom. I78^fcheint Herr von Murr eben fo wenig gebraucht 
2u haben, als F. X. Laire fpecimen hiftoricuni typogra- 
phiae Romanae XV, Seculi 1779* ) In Teutfchland we- 
nigftens ift das einige Exemplar, das bis jetzt bekannt ift, 
wie unter andern fchon Hr. Lengnich im erften Band feiner 
neuen Nachrichten zur Bücher- und Münzkunde S; tu 
angemerkt hat. Willkommen ift alfo die gegenwärtige 
Befchreibung nebft dem bey gefügten Holzfchnitt. S. 26^;. 
werden nur noch zwcy Ausgaben diefes Buches angeführt , 
vom Jahr X47}« und ohne Jahr^ahL Es gibt aber wcnig- 
ftens noch vier andre 1472» 1478. 149^^ 1498- die man 
aus dem Meermann , Laire , u. f. w^ kennen lernen kann. 
Auch von den vorhin angeführten Clementinis werden zu 
wenig Ausgaben genennet, obglei<:h Hr, von Murr S, 29«^, 
neunc, fo zu reden, an den Fingern herzähl t* Denn es 
fehlen z* E. diefe: Mogunüae per 1\ Schoiffer 1471. tre* 
decima die menfis Augufti* Bafileae 1478- VL nonas 
Mayas induftrla Mich, Wenfsler, (es müfste nur hier die 
fiebende feyn ; aber alsdann fehlt wenigftens die Jahrzahl » ) 
Spirac, fa<^re P* Drach 1481. 21. die Septembris. Me- 
diolani 1482- und ohne Benennung des Ortes und Druckers 
148)« Venetiis 148S« Venettis per Bapt. de Tortis 1495. 
die 20. Decembris« Ibidem per eundem 1497. die 17^ 
Nouembfis, i|nd eine ohne Jahrzahl auf 77, Blättern zu 
Ende diefes Jahrhunderts« Die Strafsbnrger Ausgabe 1471« 
die S. 268. angeführt ift, ift in den Zapfifchen Merk« 
Würdigkeiten B> I. St. IL S. 34) hinlänglich befcfarieben,-« 

Bey ^ 



Bibliothecarum publ. Norimbcrg. j^j 

Bey den folgenden Büchern ift Hr. von M. mciftena fo 
kurz : dafs man oft mehr wünfcben möchte , als die leeren 
öfters fchr abgekürzten Titel. So hätte z. E. bey den vier 
Ausgaben des Buches lumen animae p* ^84, 285. wohl 
etwas davon gefagt werden dürfen , dafs es bisweilen ohne 
Namen des Verfaffers vorkommt, bisweilen aber auch 
unter dem Namen Matthias Farinator , oder auch Raimun- 
dus Xegunenfis. Bey der Römifciien Ausgabe des. Livius 
vom Schweinheira und Pannarz S. joo. hätte (^uirini in 
feinem bekannten Buch S. 148. und Freytags Adparatus^ 
litterarius Tom. III. p- 617. ingleichen Laire und Audifiredi 
angeführt zu werden verdient. Wahrfcheinlioh halte ich 
das Jahr 1469. für das Jahr des Druckes: doch könnte 
es auch wohl 1470 feyn. Wäre die Ausgabe bald nach 
Anfang diefcs Jahres erfchiencn : fo könnte fie wohl in 
eben demfelben noch zu Venedig nachgedruckt feyn. — 
S. nj folgen die zu Nürnberg im i^ten Jahrhundert 
gedruckten Bücher mit vorausgefchickten Nachrichten von 
den erften Nürnbergifchcn Buchdruckern ^ wodurch das 
bekannte Rödcrifche Verzeichnis manche Berichtigung er. 
hält , welche es aber durch die fleidigere Bemühung des 
Herrn SchafFer Panzers noch weit mehr erlangt hat* Der 
erfte Buchdrucker dafelbft war nach des Hrn. von Murr 
Vermuthung Friedrich Kreufiier, und fein erftes JJuch , 
vielleicht noch vor 1470* gedruckt, ein Donat Allein Hr. 
Panzer hat in dem Vorbericht feiner alterten Buchdrucker- 
gefchichte Nürnbergs diefen Rang wahrfcheinlich mit meh- 
rerem Recht dem Jobann Senfenfchmid gegeben. -^S. ^)8> 
wird bey dem Namen fador , den fich Anton Kuburger bey 
einem 1494» gedruckten Buch beylegt, die Anmerkung 
gemacht: fadtoris vocabulum, quo faodieque typographi 
CuTcUores vtuntur ^ hie primuni , quod memincrim , ofFendi. 
Hier ift ein doppelter Fehler. . Der Name fadtor hieß 
damahls nichts anders, als impreftor, und man dachte 
noch nicht an einen jetzigen iä(äo^, Sodenn ift der Name 

N . 



194 ^^ Murr Memorabilia 

auch viel älter. Denn dafs fchon 147 ?• Durand! fpeculum 
iudiciale in celebri Argentinorum vrbc fa&wihus Jeorio 
Hufner ciue in ibi & Joanne Bekenhub clerico Moguntino 
herausgekommen ift , das iit etwas bekanntes , und dafs 
fich in den Jahren 1480. u. f. Peter Drach zu Speyer, 
und 149;. Nicolaus Kefsler zu Bafel fa<ftor,di i. imprelTor 
genennet haben , das hätte Hr. von M. aus Herrn Strobels 
Mifcellaneen litterarifchen Innhalts , I Samml. S. 140 — ^4?* 
wiffen können. Teutfche und lateinifche Bibeln machen 
S ^i bis n;. den Berchlufs , davon man aber fchon 
die meiften aus Hrn. Panzers vortreflichen Nachrichten 
hinlänglith kennet. 

Die Solgerifche Bibliothek, die vonS. n4» ^" befchrie- 
ben wird , ift fchon aus dem gedruckten Verzeichnifs der- 
felben bekannt , und Hr. von Murr liefert uns aus dem- 
fclben Wichtiges und Unwichtiges unter einander. Ihr 
Ankauf zur Stadtbibliothek bleibet ein unvergefsliches 
Denkmahl von der günftigen Gefinnung des damaligen Ma- 
giftrats für Gelehrte und Gelehrfamkeit. Zu wünfchen wäre , 
Hr. von M. hätte bisweilen Rückficht darauf genommen , 
verfchiedne grobe Fehler in dem gedruckten Solgerifchen 
Catalogo auszubeffern , welche , wie ich ge wifs weifs , von 
ungeübten Candidaten , denen Solger zu viel traute , be- 
gangen worden find. Vergebens fuchte ich, ob er z. E. nichts 
über die zwey Bücher fagen würde, die in jenem Cata- 
logo Th. I. S. ;i. und 69. ftehen: de Lyra commentarius 
f. poftilla , edido andquiilima. Sub finem enim adfcripfic 
antiqua manus 1454; und: Incipit ordo obferuatus in Sy- 
liodo Herbipolenfi anno 1452. Videtur hie codex ifßßimo 
anno , cuius fub initium mentio eft fadta , impreflus. Solche 
fälfche Jahrzahlen ^ iind unrichtige Anmerkungen hättea 
doch eine Rüge verdient : und wo wäre befl^rer Platz dazu 
gewefen, als juft hier? — S. 429. u. f. ttehen Zußitze , 
die zum Theil auch noch etwas merkwürdiges enthalten. 
Z. £. S. 4)1. wird aus der zweyten Ausgabe des b'ekannten 



bibliothecarum publ. Norimberg, 195 

feltnen Buches Mafcurat die Stelle ron der Erfindung der 
Buchdrackerkunft angeführt , wobey ich beyläufig anmerke, 
dafs fich ehemahls Auguft Beyer in feinen memorüs hifto^ 
rico-crir. librorum rariorum eine ähnliche Befchäftigung 
gemacht , und auch noch andre Abweichungen der beyden 
Ausgaben diefes Buches angemerkt hat. — Die angehäng- 
ten Kupfertafeln enthalten unter andern : Schriftzuge aus 
alten Manuicripten, und Handfchriften von Gelehrten in 
Briefen, z. E. von dem Cardinal BefTarion, Johann Regio- 
montan , ( von diefem auch mathematifche Zeichnungen, ) 
Johann Blanchin , Thomas Münzer , Ulrich von Hütten , 
(der, ob er gleich mit der Feder fo gut als mit dem 
Degen umgehen konnte , eine fürchterliche Hand fchrieb , ) 
Conrad Celtes , Dodor Luther , deflcn Züge hier feinen 
fonft gewöhnUchen nicht fo gar ähnlich zu feyn fcheinen, 
und andern mehr ; und zuletzt auch Abdrücke der Lettern , 
mit welchen die Nürnberger Buchdrucker , Friedrich Krenf- 
ner , Johann Senfenfchmid und Anton Koburger druckten , 
welche ziemlich getroffen zu feyn fcheinen , da fie fonft 
von den Kupferltechern gemeiniglich zu fehr verfeinert zu 
werden pflegen. 

Um bey dem zweyten Theil nicht fo weftläu&ig feyn 
zu dürfen , beziehe ich mich auf .eine gründliche liecen« 
iion deffelben im 1 6ten Stück der Oberteutfchen allgemeinen 
Litteraturzeitung 1789. S» 249. wo Hr. von Murr wegen 
der oft blofs leeren Titelverzeichniffe , wegen des vielen 
Unbrauchbaren , feiner Eile , des Seichten , Leeren , Schalen 
u. f. w. eben nicht fehr gelobt, und ihm mehr Gedult und 
Genauigkeit gewünfcht wird. Nach feiner Gewohnheit 
erzählt uns Hr. von M. Merkwürdiges und ünmerkwurdiges 
unter einander. Von beyden will ich einiges anfuhren. 
Den Anfang macht die Dilherrifche Bibliothek , von welcher 
einige nicht unwichtige Handfchriften und die dabey be- 
ündlicbe Sammlung von Münzen , die man dort kaum 
fuchen foUte, befchrieben werden. Weniger wichtiges 

N 2 



196 De Murr Memorabilia 

findet fich in der darauf folgenden Holpitaibibliothek , und 
eben fo unwichtig ift auch ihre Belcbreibung. Was nützt 
es , dafs wir hören , es feyen in ihr oolledfcanea theologica , 
«yaria theologica , thefaurus pbilofophicus , viele alte Pre« 
digten , in Handfchriften , und von Luthers Werken 
verfchfedene Ausgaben vorhanden ? Solche Memorabilia 
trift man ja auch bey vielen DorfpFarrern an ! Etwas be« 
trächtlicher fcheiaet die Fenizerifche Bibliothek zu feyn, 
ob fie gleich nur zwey Handfchriften enthält. Wenigftens 
läist fich die kleine Bibelfammlung fehen u. f. w. aber 
auch hier werden uns Luthers Jenaifche « Wittenbergirche , 
Aitenburger und Leipziger Theile u. d. gl. als Memorabilia 
aufgetifchL Den übrigen Raum von S. S9*— H7-nimmt 
die wichtige Ebnerifche Bibliothek ein, nebft dem Mufeo. 
In diefer giebt es von Handfchriften und Büchern fchon 
mehr Merkwürdigkeiten. Die Befchreibung von Wigolei 
Hundts Bayrifchem Stammbuch S. 6|. ift nicht die 
richtigfte^ Es find nur zvcey Theile gedruckt , nicht vier. 
Der dritte Theil war nicht in der Kraftifchen Familienbiblio- 
thek zu Ulm, (ob er gleich meinetwegen jetzt dafelbft 
feyn kann, ) fondern in der hernach verkauften Raymund 
Kraftifchen Privatbibliothek. Denn von diefer, nicht von 
jener hat der (el. Scbelborn 1. c. ' memorabilia geliefert 
Auch giebt es mehrere Handfchriften von diefem TheiL 
Ich habe felbft zwey derfelben in Bayrifchen Klöftcrn 
gefehen, eine zu Poüingen xxnA A\t zndrt zu Rottenbucb ^ 
welche wegen der von dem fei. Hofrath Oefele in München 
beygefchricbenen Anmerkungen befonders , fchätzbar ift. 
Weitiäufiig ift S. 81. eine Handfchrift von Ptolomaei geo- 
graphia und die älteften Ausgaben befchrieben, womit 
S. 1 8 1- zu vergleichen ift. Noch weitläuftiger die griechifchc 
Handfchrift des neuen Teftaments aus dem I2ten Jahrhun- 
dert , von welcher M. Conrad Schoenjleben eine befondre 
Abhandlung gefchrieben hat, die hier excerpirt wird. 
Aus derfelben find die i) fchönen Kupferftiche genommen , 



bibliotbecarum publ. Norimberg. igf 

welche Hr. von Murr diefem Band beygefiigt hat Den 
Befchlurs der Handrchrifcen machen S. i68. die ArabifcheD, 
Perfifchen und Türkifchen ; und dann folgen S. 174. die 
alten gedruckten Bücher in ziemlicher Anzahl. Ganz genau 
find die Nachrichten nicht allezeit. So ileht z. £. S. r 77, 
Bartbolomaeus Atetlinger in Ertzney -DoSor von Jiugs, 
bürg kurzer AMUzug , u. f. w. Das fieht nun juft fo aus , 
als wenn es der Titel wäre. Allein der berühmte Herr 
Schafier Panzer hat in feinen Annalen der altern teutfchen 
Litteratiir S. 7}. eben diefes Exemplar befchrieben und 
gefagt, daß es keinen Titel habe, und dafs diefe Worte 
in der Vorrede fiehen. Eben derfelbe bat auch S. 161. 
das Exemplar der Cronick , Ulm von Cunrad Dinkmut 
richtiger befchrieben, als hier S. 191. gefchieht, wo der 
Drucker 'durch einen nicht angezeigten groben Druckfehlei 
Druckereut genennt wird. Bekannt ift, dafs die Ebnerifche 
Bibliothek eine zahlreiche Sammlung von Schriften, die 
von i^oi bis is^o. gedruckt find, enthält, von welcher 
Hirfcb in vier Millenariis 4000. Büchertitel geliefert hat. 
Faft ifl: es daher eine überfiüflTige Arbeit, dafs Hr. von 
Murr von S, 219. bis 244. die, welche er für die vor- 
nehmften und feltenften hält , wiederholet. Doch läfst fie 
fich dadurch entfchuldigea , dafs die Hirfchifchen Millenarü 
nicht mehr zu haben find. Darauf fängt er den fünften 
Millenariusan, und nenne etliche hundert Bücher derfelben 
Zeit bis S. jog. fagt aber nichts davon, ob er diefes 
Verzeichnifs weiter fbrtfetzen will , oder nicht. Es find 94 
in folio, und noch eins ohne Jahrzahl, 166. mit der 
Jahrzahl 9 und ^g. ohne diefelbe in Quart, eben fo 145 
und 87 f in Odav , und zwey in Duodez. Es find fehr 
viele wahre Seltenheiten darunter, die man fonft nicht 
leicht antritt — Von der Deduktionsfammlung fagt Hr. 
von M. S. )08« fonft nichts, als: dedudionum coUedtio 
explet Volumina LXXX. Darauf folgt die Befchreibung des 
Mufeums, und S. 317. Zufätze zu dem erften und anders 



198 De Murr Memorabilla &c. 

ThciL In einer Anmerkung zu S. 527. wird die vierte 
SchöRerifche Ausgabe des lateinifchen Pralcers zu Mainz 
IS02. angeführt, die noch mit eben den groflen Miflal- 
lettern gedruckt ift, wie die drey vorhergehende, und 
behauptet, das in der Bibliothek des Herzogs dela Valliere 
vorhanden gewefene Exemplar fey das einige, fo bisher 
bekannt gewefen ift. Allein in Herrn fVürdtianins biblio- 
theca Moguntina S. 1 ; 7. hätte Herr von M. auch noch 
zwey andre Exemplare finden können , die zu Mainz und 
zu Frankfurt zu fehen find. Man fehe davon auch unfer 
Magazin im erften Stück S. 16 6. Gleich auf der folgenden 
Seite )28* wird der oben gerügte Fehler wegen des 
Wortes Faäor durch die Anmerkung verbcflTert : fador hic 
fignificat impreffor. — Ohne Zweifei haben wir noch einen 
dritten Theil zu erwarten obgleich Hr. von Murr nichts 
davon fagt. Denn auf dem Titel hat er auch verfprochen 
von der Univerfitätsbibliothek zu Altdorf Nachricht zu 
geben. Und da werden fleh noch Memorabilia genug 
finden , von denen er uns Nachricht ertheilen kann. Nur 
ift zu wünfchen , dafs er eine beflere Wahl , als bisher 
treffen möge. 



199 



Bibliothcca Auguftana, complciSkens notitias varia$ 
de vita & fcriptis eruditorum quos AuguIVa 
Vind. orbi littcrato vel dedit vel aluit. Con- 
gcffit Fr. A. Veith, Aug. Bibliopola. Alphabet 
tum IIL Auguftac Vind. fumptibus audloris 
1787. gr. 8. 15 Bogen Alphabctum IV. ibid. 
1788. 

Herr Veitb ift in der Lieferung dicfer Bibliothek fleifsig, 
und bald nach Anfang des Jahn 1787. war der dritte 
Theil fchon fertig. Die ^vichtigften unter den Gelehrten, 
die er hier befchreibet, find nach feiner eigenen Angabc 
in der Vorrede folgende : Marquard Freher , bey deflcn 
Leben zwar Goebelii comment. de vita & fcriptis Freheri 
7um Grund gelegt ift, aber durch eigenen Fleifs fehr 
viele Zufätze und Vermehrungen erhalten hat: Sigmund 
Mayßerlin und der Abt zu S. Ulrich und Afra, Melchior 
von Stammbam^ bcyde aus dem i^ten Jahrhundert, von 
denen Hr. V. felbft mehr unbekannte Nachrichten und 
beträchdiche Beyträge zu Fabricii bibliotheca mediae & 
infimae larinitatis liefert : Carl Stengel^ ein Bcnedi<ftincr 
und Georg Stengel^ ein Jefuit , die unter Proteftanten 
freylich heut zu Tag nicht fo berühmt find , als fie Hr. V. 
machet, wenn er fchreibet: quorum vterque virtutis & 
dodtrinae fama maxime infignis extidt , wobey aber das 
wahr ift , was er bald darauf faget : Stengeliorum vitas 
taliter per fcriptas exhibeo , qualiter ante me nuUus exhi- 
buit: endlich Georg Trade! ^ ein berühmter Jurift, defTen 
Leben aus feinen Parentalicn mit vielen Anmerkungen 
erzählt und erläutert wird. Alle übrige « deren Leben 
theils befonders nach dem Alphabeth befchrieben, theils > 
auch nur in den* Anmerkungen beyläufig erläutert, oder 
kurz erzählt wird , find ziemlich unbekannte , und zum 



20O Veithü Bibllotheca Auguftana. 

Theil unwichtige Leute , die grörstentheils bald wieder in 
die Vcrgeflcnhcit hinfchlummern werden ^ in welcher fie 
vorher ruheten. Vielleicht aber find auch einige nicht 
fogar unwichtige darunter. Wenigftens vcrmuthe ich 
diefes gleich von dem erden : Gregor Aberzbaufer , der 
i6)8. fiarb, und viel htftorirche Manufcripte hinterliefs, 
die fich noch in der Bibliothek zum Ifeiligen Creuz in 
Augsburg finden. Sollte nicht unter feinen vielen Augs* 
burgifchen und andern Chronicken mehr brauchbares ao- 
zutrefien feyn , als unter den polemifchen und afcetifchen 
Schriften andrer, die Hr. V. anfuhrt? Freylich fchiieb er 
auch unter andern : de miraculofo facramento in aede £ 
crucis continuis miraculis corrufcante. Hoftia (andta , hoc 
eft oäo miraculofae hoftiae , u. d gl. : und diefe Leicht- 
gläubigkeit möchte fad wegen feiner hiftorifchen Kenntnifs 
mifstrauifch machen, — Das Leben Frebers ift das weit- 
iäufcigfte unter allen und mit vielem Fiei(s verfertigt. Aber 
die Läftcrungen eines Heinrieb Schutz gegen einen fo 
groflen Gelehrten verdienten würklich nicht fo viel Auf- 
merkfamkeit, als Hr. V. S. )s. darauf gewendet hat* 
Denn Schütz und fein fogenannter commentarius criticus » 
der mit einer groflen Menge der pöbelhafteften Laftenm- 
gen über verdiente protedantifche Gelehrte angefüllt ift, 
id längd vergeflen. Das merkwürdigde in diefer Lebens- 
bcfchreibung id S. 79 und f. eine von dem Herrn Con- 
fulenten von Priefer in Augsburg mitgetheilte teutfche 
Nachricht von dem Blutdamm und Sippfchaft der Herzoge 
von Bayern, fo Hr. Prof. Fifcher in feiner colledtione 
nouiflima fcriptorum & monumentorum rerum Gernianica- 
rum 1781* 9ls eine Arbeit Frebers hat abdrucken laden, 
wogegen hjer bewicfen wird , dafs der wahre Verfafler 
Augi(flin KöUner id, und dais *Freher nur Zufatze und 
eine Fortfetzung dazu gemacht hat. Zuletzt heifst es 
S, S8- von Frebers Briefen : Anno 1^7 7* inter epiftolas 
ineditas dedit Hummelius vnam aut ^luies nodri. Da 



Alph. IIL & IV. «Ol 

Herr tTeith das Buch nicht gerehen hat » fo melde 
ich, dafs man aut plures ausftreichen darf. Denn Hr. 
Hummel hat nur einen einigen Brief vom J. 1^86. — 
Unter die nicht zu vergeflenden Augsburger gehört auch 
Ciemens Jäger oder Venatorius, zwar nur Rathsdiener\ 
und vielleicht kein eigentlicher Gelehrter, aber fleißiger 
Sammler der Äugsburgifchen Gefchichte^ von dem noch 
verfchicdene wichtige hißorifche Handfchriften vorhanden 
find, und der auch dem Gaßir bey feinen Augsburger 
Annalen rühmliche Hülfe geleiftet hat — Carl Stengeh 
Leben wird aus einem eigenhändigen Mfcpt. deflelben in 
der Bibliothek zu S. Ulrich in Augsburg , folglich fehr 
zuverläffig, befchrieben. Er war Verfaffer von mehr als 
hundert Schriften , davon einige in der Druckerey ad in- 
figne pinus erfchienen find. Einiges hiflorifche mag darunter 
noch brauchbar feyn. Aus eben diefer Handfchrift wird 
auch das Leben feines Bruders Georg befchrieben , welcher 
mit einem altern Georg Stengel ^ der fchön 1^54. ftarb» 
nicht zu verwcchfeln ift. Er war auch ein Polygraph, 
Dichter, Polemiker, u. f. w. 

Das vierte Alphabet ift meiftens Äugsburgifchen Bi-' 
fchöfen gewledmet , welche Schriftfteller gewefen find , 
der heilige :Adalbero , Johann Egolph von Knöringen^ 
Petrus von Schaumburg, der auch Cardinal war, Chriftoph 
von Stadion , der heilige Sympertus , Otto Truchfeis von 
Waldburg, auch Cardinal, und der heilige Ukich. Zwey 
andre, der heilige Widterpus und Johann Schadlandius 
werden bey der Vorrede in den Anmerkungen nur kurz 
mitgenommen. Der übrige Raum ift abermals \vichtigen 
und unwichtigen Männern unter einander gewiedmet^ 
davon ich hernach einige nennen will. Unter den Bifchöfen 
find die merkwürdigften Chr. von Stadion , und Otto 
Trucbfefsy die in dem Reformations-Saeculo Antheil an den 
wichtigften Gefchäften hatten. So weitläuftig Hr. Veith 
bey dem letztem ift ; fo kurz hat er fich bey dem erftem 



202 Veithii Bibliotbeca Auguftana. 

gefafst, und wörklich hätte er uns von demfeften weit 
mehr erzählen können. Denn auch Hrn. Kohlborns gute 
'Nachricht von ihm , auf die fich Hr. V. S. 60. beziehet, 
ift nicht ganz befriedigend. Auffer der einigen Schrift 
Wilhelm Khellners von Zinnendorf, auf die er S. 69. 
verwcifet , hätte er auch andre , z. E. das litterarifche 
Mufeum , B. I. S. loj. und ;io. und Herrn Strobels 
Mifcellaneen litterarifchen Innhalts, IT. Sammlung S. ^6» 
37. wozu in Hrn. Kohlborns Nachricht wichtige Zufätze 
gemacht werden , anführen dürfen. Ein Brief von ihm an 
. Erafmus , deflen Burfcber in dem indicc & argumento 
epiftolarum ad Erafmum autographarum gedacht hatte , 
liehet in eben deflclben fpicilegio III. autographorum 
illuftrantium rationem , quae intercefTitErafmo cum aulis &e. 
178s- (Auch in fpicilegio IL liehen einige Nachrichten 
von ihm. ) Da der fei. Brucker dem vortreflichen Bifchof 
ein würdiges Denkmal zu fetzen verfprochen hatte, fo 
hätte Hrn. Veith diefes unerfüllte Verfprechen wohl ermun- 
tern foUen , feine Kräfte daran zu verfuchen , befonders 
da diefer würdige Bifchof von Proteftanten , die feine 
Verdienfte kennen , fehr gefchätzt wird. Aber (all fcheint 
CS , Hr. Veit lefe nicht viel proteftantifche Schriften, 
daher auch feine Ausdrücke nicht immer gar tolerant lauten, 
z. E. S. 96. 112. not. q. u. f. w. — Otto von Truchfefs 
hat feinen Namen infonderheit auch durch die Stiftung 
der Akademie zu Dillingen verewigt, wovon S. 114.. u. f. 
geredet wird. Aber ich habe mich gewundert , daß dabey 
des monumenti gratitudinis in reftaurationem academiae 
Ottonlano Clementinae — — 1782. ad illuftrationem hifto- 
riae fueuicae litterariae, das man aus Herrn Meufels 
hiflorifcher Litteratur für das Jahr 1784* S. ^9. kennen 
lernen kann , mit keinem Wort gedacht wird. Sonft will 
ich aus diefer Lebensbefchreibung nichts mehr anfuhren, 
als dafs S. 128* das Concilium zu Trient praeclariflimum 
orbis theatrum genennet wird. — S. 144« werden verfehle- 



Alph. III. & IV. 20} 

denc Gelehrte kurz befchrieben , die unter diefen Bifchöfen 
gelebt haben. Es find merkwürdige darunter , von denen 
man bisweilen gern mehr lefen würde , z. E. Jodocus 
Pflanzmann ; Wolfgang Aitinger ; Johann Mader oder 
Focnifeca; Johann Altenftaig von Mindelheim ; (Beydetn 
Namen RefFeck fteht S. 1^7. Editio anni isi?. Hagenov. 
habet Kefer , quod corredtius efle arbitror. Allein es ift 
eigentlich nichts, als dafs man den Namen zurück lefen 
mufs. ) Johann Choler , oder Koler , ein fehr guter Freund 
und Correfpondent des Erafmus ; Matthias Krez , der die 
Augsburgifche Confeflion wiederlegen half; Wolfgang An- 
dreas Rehm, bey welchem, fb wie vorher bey dem Johann 
Choler S. 164. und 172. auch des Ottmar Lufcinius 
gedacht wird ; Conrad Brunus , der als Cochläi Freund , 
und der Reformation Feind bekannt ift , ^ Jahre Kammer- 
gerichts - Affcflbr und zwey Jahre Kammerrichter zu Speyr 
war, mit D. Conrad Vifcb eine Kammergerichtsordnung 
verfafste , wieder die Magdeburgifchen Centurien fchrieb 
u. f. w. Stephan A'gricala, und andere mehr. Den Bc- 
fchlufs macht S. 208 u. f. Der Bifchof S. Ulrich der 
eigentlich Vodalricus geheiflen haben foll. Davon und 
von denen , die fein Leben befchrieben haben , wird in den 
crften Anmerkungen Nachricht gegeben. Unter Ulrichs 
Schriften flehet zuletzt die* bekannte Epiftola D. Hulderichi 
Auguftenfis Epifcopi aduerfus conftitutionem de Cleri 
coelibatu , plane referens apoflolicum fpiritum. Es werden 
eine grofle Menge Ausgaben derfelben angeführt, und 
alsdann wichtige Zweifel gegen ihre Aechtheit vorgebracht. 
Sey der Verfeflcr , wer er wolle : fo wird doch der Brief 
als ein wichtiges Zeugnifs der Wahrheit vor der Zeit der 
Reformation ftets merkwürdig bleiben. 

Wenn Hr. Veith nach dem bisherigen Plan fleiflig 
fortfährt , {b wird er uns noch manchen Band liefern ^ 
und das AufTchlagen und Nachfuchen wird immer fchwerer 



204 Hirfching*s Verfuph einer Befchn 

yrerden, bis einmal dns Gencralregifter fpät genug nach- 
kommt. Es wäre daher zu wünfchen, dafs in Zukunft 
gleich jedem Band , wie etwa in Nicerons Memoires ein 
kurzes Verzeichnifs ^ler in den fertigen Bänden enthaltenen 
Gelehrten beygefügt würde , um das Nachfchlagen zu 
erleichtern. Diefen Wunfeh kann Hr. Veith nicht übel 
nehmen; denn deflen Erfüllung würde die Brauchbarkeit 
feines Werkes gar fehr vermehren. Das fünfte Alphabet, 
das auch fchon heraus ifl, foU künftig angezeigt werden. 



Verfuch einer Befchreibung fehenswürdiger Bi- 
bliotheken Teutfchlands nach alphabetifcher 
Ordnung der Städte. Herausgegeben von 
Friedrich Karl Gottlob Hirfching. Erfter Band. 
Erlangen bey J. J. Palm 1786. 20 Bogen in 8* 

Zwcyten Bandes erfte und zweyte Abtheilung 
1787. I. Alph. loi Bogen. 

Dritten Bandes crfte Abtheilung 1788. i Alph. 
8 Bogen. 

Zufätze und Vermelirungen zu den drey Bänden 
der Bibliotheken - Gefchichte Teutfchlands 
von F. K. G. Hirfching ^ 11 J Bogen. 

JLlie Gefchichte der Bibliotheken macht allerdings einen 
nicht unwichtigen Theil der Litterar Hifiorie aus, und 
Herrn Hirfchings mühfames Unternehmen vferdient daher 
allen Beyfall und Unterftützung, wenn ein folches Werk 

^nach und nach die nöthige und mögliche Vollftändigkeit 
erlangen foll. Pey allem eignen Fleifs und unermüdetem 

. Forfchen , bey den koflbarften Reifen und der ausgebreitetften 



fehenswürdiger Biblioth. 206 

Correfpondenz bleiben immer noch Lücken genug öbrig , 
und Fehler fchleichen fich ein , wo man es nicht denkt. 
Denn auf kurzen Reifen kann man das nöthigfte und 
jititzlichfte nicht gleich alles überfehen und oft klopft 
man bey Correfpondenten an , die nicht gern lange Briefe 
fchreiben, oder bey Bibliothekaren, die entweder geringe 
Bücherkenntnifs befitzen , oder nicht gern bey der ünter- 
fuchung alter Handfchriften und Bücher fchwitzen, oder 
auch aus dem unnützen Zeug , das ihrer Aufficht anvertraut 
ift, ein grofles Wefen machen u. f. w. Schleichen fich 
alsdann in die Befchreibung folcher Bibliotheken Fehler 
und Mängpl ein ; fo darf man fie nicht alle auf Rechnung 
des Herausgebers fchreiben, ibndern feinen Freunden mufs 
man auch ihren Antheil daran lafTen. Diefes wird auch 
der Fall mit Herrn Hirfching feyn. Unter der groffen 
Menge teutfcher Bibliotheken hat er freylich die wenlgften 
gefehen und ohne eine vieljährige höchft koftbare Reife 
wäre folches auch nicht möglich ; er mufste daher fich 
meiftens der eingefchickten Nachrichten bedienen ,( denn 
was man aus litterarlfchen Büchern fammlen kann , das ift 
fad das wenigfte , ) fie mochten nun prahlend , unvoll« 
kommen, unrichtig, unbefriedigend feyn, oder die entge» 
gengefetzten Tugenden haben. Daher mufsten aych die 
Befchreibungen vfehr ungleich ausfallen, bald feicht und 
mager , bald vollftändig , bald gar zu wortreich und mit 
zu vielen unnöthigen Kleinigkeiten überladen. Auch die 
Schreibart,- die ohnedem noch hierund da die Feile nöthig 
haben möchte, wurde durch eingefchickte befonders ftili. 
firte Nachrichten manchmal ungleich , tind zu eignen 
Nachläfligkeiten in derfelben kamen noch mehrere und 
gröffere fremde, welche der Herausgeber freylich hätte 
ausbeffern foUen und dürfen, Befchekien nennt er feine 
Arbeit einen Verfuch , mit welchem er fchüchtern hervor- 
trete : aber bey mancher Bibliothek, wo eis nicht am 



2o6 Kirfching^s Verfuch einer Befchr. 

Augenfchein oder Unterftutzung fehlte, ift es fchoti mehr 
als Verfucb , bey andern freylich weniger. Aber fehenS' 
rpurdige Bibliotheken fteht auch auf dem Titel Hat Hr. 
H. wohl in der Ausführung immer an diefes Wort gediacht? 
Es flehet manche Privatbibliothek da, der^ich wohl diefes 
Prädikat nicht beylegen möchte. Dergleichen foUte ich 
wohl nennen: aber ich werde mich dafür hüten. Denn 
mancher Befitzer eines aus ein oder zweytaufend Bänden 
beftehenden iVlifchmafches von zufammengeftoppelcen Bü^ 
ehern würde grofle Augen darüber machen, wenn ich 
folchen für nicht fehenswürdig erklären möchte. — Uebrl- 
gens erfüllt Hr. H. meiftens fein Verfprechen, .das er in 
der Vorrede gegeben hat , und befchreibet den Ort , den 
Anfang , die Vermehrung , die Stärke der Fächer , die 
Anzahl der Bände , die AufTeher , Manufcripte , alte und 
neue feltene Bücher u. f. w. in den Bibliotheken, um 
nach feiner Abficht Merkwürdigkeiten zu liefern. Aber es 
ift auch nicht zu läugnen , dafs vieles nicht merkwürdige 
darunter vorkommt, dafs manches würklich feltene Buch 
zu oft genennet wird , und dafs aus einigen Bibliotheken 
theils unwichtige , theils gemeine , oder überall anzutreffende 
Bücher als Merkwürdigkeiten aufgeftellt werden. Man 
erlaube mir darüber ein Paar Worte. Es giebt viele feltene 
Bücher, befonders grofle Werke, die man fonft feiten 
fiehet, die man aber in beträchtlichen Stadt- und Univer- 
ßtätsbibliotheken , befonders aber in Klöftern , faft ohne 
Ausnahme überall antrift , und bey vielen ift vielleicht die 
Urfache der Seltenheit hauptfächlich diefe , dafs ^e gleich v 
bey ihrer Erfcheinving in folche Bibliotheken angefchaft 
worden find. So wird es z. E. wenige Klöfter geben , wo 
die adta fanAorum nicht vorhanden wären. Soll ich denn 
nun bey der Befchreibung einer jeden Kiofterbibliothek an. 
^igen , dafs fie dort feyen ? Gewifs , es wäre etwas viel 
merk würdigers, wenn Hr. H« einige folche etwas betrachte . 



fehenswürdlger BIblloth. 207 

liehe Bibliotheken nennen könnte, wo fie nicht vorhanden 
find. Eben das gilt von der Bibiiotheca maxima patrum 
und andern Sammlungen und einzehien Ausgaben von 
Kirclienvätern , ( in den meiden Benediktiner Klöftern trifk 
man diejenigen ex congregatione S. Mauri zu Paris ficher 
an,) von den Concilien -Sammlungen , den Bullarien , 
Boccaberti bibiiotheca pontificia, Baronii Annalen, Mont* 
faucons und Mabilions Werken , ( auch meifiens in Bene^ 
dikdner Klöftern) Antiquitäten-Sammlungen u. d. gl. mehrw 
Wer folche Bibliotheken durchwandert, trift dergleichen 
Werke oft genug an , ob fie gleich öfters ungebraucht da 
ftehen, und dann find fie ihm gar nichts merkwürdiges 
mehr. Was foll man aber erft alsdann Tagen , wenn folgende 
meifiens fehr gemeine Bücher zu wiederholten mahlen alft 
Merkwürdigkeiten genennt werden : von Meyern ada pacis 
Weftphalicae , Zeillers Topographien , Lünigs Reichs-Archiv 
Londorpii adta publica , Theatrum Europaeum , Monumenta 
Boica , Mofcrs Schriften , die allgemeine Weltgefchichte , 
und andre mehr , davon man die neuern noch überall in 
Buchläden antrift ! nur ein einiges will ich noch nennen , 
das geWifs kein ächter Bibliothekar für merkwürdig halten 
wird , obgleich manche eingebildete Gelehrte viele Weisheit 
daraus fchöpfen zu können glauben, das ungeheure alt- 
modifche grofle Leipziger Univerfal-Lexicon in 68 Folianten. 
Bücherkennern muts es aufiallen , dafs Hr. H. diefe ein- 
gebildete Merkwürdigkeit fo oft anfuhrt. Mein Grundfatz, 
bey welchem ich mich noch nie geirrt habe , und auf 
welchen ich gern dem Herrn Hirfching bey feinen Befchrei- 
bungen beliebige Rückficht empfehlen möchte, ift diefer: 
Was in Privatbibliothekea Seltenheit ift, das ift deswegen 
in öSentlichen , groiTen , Stadt-Univerfitäts • Klofter • oder 
gar Fürftlichett Bibliotheken, nogh gar keine Merkvpürdig^ 
keit. Denn ün diefen giebt es ganz andre merkwürdige 
Sachen , an deren Befchreibung fich der Fleiß des Litt^ 



öo8 Hnfching^s vVcrfuch einer Befchr. 

rators üben kann , z. E. alte , unbekannte noch nicht ver- 
glichne Manufcripte^ nicht von Scholaftikern , oder blofle 
Heiligen -Legenden , fondem von claffifchen Audoren, 
Kirchenvätern , auch Bibeln ; ü. £ w« hiftorifcbe ungedruckte 
oder doch un verglichene Manufcripte von ^Dichtigkeit; 
Kekrologlen, auch wohl Martyrologien, Calendaria u. d. gl. 
die oft gute diplomatifche oder genealogifct^e Aufklärungen 
enthalten ; wichtige Sammlungen von Briefen^nd Urkunden, 
die freylich oft mehr Recht auf das Archiv, >Is auf die 
Bibliothek haben , aber doch dem Hiflioriker groflen Nutzen 
verfchaiFen, fie mögen flehen , wo fie wollen; von Inku* 
iiabeln der Typographie , davon wir nun fchon viele 
Sammlungen haben, und noch mehrere nachftens erwarten , 
nur die älceften , noch nicht befchriebenen , und die Aus- 
gaben, die noch unbekannt und noch nicht von 12 und 
mehr Bibliothekaren angezeigt find, oder folche , wo es 
neue Entdeckungen zu machen giebt ; ü« f. w. endlich von 
feltnen Büchern und Ausgaben nur die feltenflen und 
imbekannteften , von denen wenigftens nicht viele Exemplare 
bekannt lind, obgleich noch manche ungefucht verborgen 
flecken können. Bey allen diefen , dem Anfchein nach 
ziemlich eingefchränkten Fächern wird es für den uner- 
müdeten Forfcher doch noch zu entdecken, tu berich. 
tigcn , und folglich auch zu befchreiben genug geben. 
Aber — ficher wird dadurch alles , was nicht merkwürdig 
ift , ganz ausgefchloflen. Diefes wäre ungefehr der Grund- 
rifs des Plans , nach welchem ich eine Bibliothekehgefchichtc 
bearbeitet zu fehen wünfchen möchte. Aber den Batt 
felbft fo aufzuführen , das ift keine leichte Sache ! 

Die Bibliotheken , welche Herr Hirfching befchreibt , 
find fchon von andern Recenfenten , wenigftens in Äbficht 
auf die erften Theilc angezeigt worden : daher will icfe 
mich nicht damit aufhalten , fondern nur überhaupt und 
tnfond^rhelt noch einige Anmerkungen machen. Den Anfang 

des 



fehtnswürdiger filUloth. 209 

des erften Bandes macht die fehr anfehnlich«? Fürftliclie' 
Bibliothek zu Anfpacb ^ von deren MerlnÄnurdigkeiten man 
faft eine wcitläoftigere Nachricht wünfchen möchte , ob es 
gleich fchon in diefer Befchreibpng das erftemal aüflFalltj 
wenn es S* 9. heifstJ auch find Meyers ^ Lunigi, Lon- 
dorps , Mofers ü. a. grofle Wctke alle vorhanden. S. 6. 
ift die Ordnung diefer Bibliothek nach ihren Claffen be- 
fchrieben^ und das gefchicht in der Fo1g«l auch bey 
mehrern. Manche (blche Claffificationen find gut, vielleicht 
auch vortreflich; riianche aber auch wohl ziemlieh will- 
kührhch ^ und daher von nicht gar groflem Nutzen^ 
wenigftens laflen •fie fich nicht als Mufter empfehlen. 
Von des Herrn Spiefs Sammlung von Autographis heifst es 
S. 74. die Anzahl belaufe fich auf 2500 und wefde feiten 
fo voOßandig angetroffen werden. Das follte wohl heiffen: 
fo zahlreich. Denn vollftändig werden dergleichen Samm- 
lungen niemahls. Der berühmte , tinermüdet iTammelndei 
Herr Profeffor Schwarz in Altorf beficzt wohl über 6000 
Stücke ; aber weder er , noch andre halten es für eine 
voUftändige Sammlung. Gleich bey dem andern Artikel 
Bamberg S* ^^. fangt Herr H^ feine Klagen an, welche 
et in der Folge bey andern Bibliotheken öftefrs wiederholt 
Sie find freylich bisweilen gerecht; denn es fehlt nicht ah 
fchlecht bcftellten Bibliotheken, und Mangel der Äüfklä- 
rung herrfcht noch weit und breit. Aber bisweilen fchelnen 
fie doch etwas übertrieben. "Weriigfteins fieht es doch in 
Bamberg nicht fo gar üntröftlich aus^ da Herr H. felbft 
die Bibliothek der Benediktiner, Dominikanef und auch 
der Karmeliter als anfchnliche nennet. Aber er mufs fie 
freylich gar zu flüchtig durchgewandert feyn , da er faft 
nichts daraus erzählen kann. Hier hätte man billig etwas 
ftiehreres erwarten foÜen: alsdafth hätten fich die Klagen 
vielleicht felbft herunter geftimrtit. ßafs oft kür25e Nach- 
riehtefl vorkommen, die hätten 'wegbleiben können, davon 





210 Jiirfching^s Verfuch einer Bcfchr. 

mag der Artikel Coburg zum Beweis dienern- Da heifst 
es S. 48 : die Herzogliche , desgleichen des Erbprinzen 
Bibliothek follen gut fyn ^c. Wem foU diefes nützen ? 
Da. ich oben von unwichtigen Privatbibliotheken geredet 
habe; fo will ich auch ein Paar wichtige, die S, 7J &c. 
flehen , anführen , nämlich die Rofenbergifchc und Üphage- 
nifche zu Danzig. Und doch nützen folche Nachrichten 
nicht länger , als bis auf den Tod ihrer Befitzer , da die 
Sammlungen . gewöhnlicher weife zerftreut werdeh , ja bey 
manchem nicht einmal fo lang, wenn der Beficzer ein 
undicnftfertiger Menfchenfeind ift. Bisweilen werden Zufätze 
zu Herrn Gerkens Nachrichten von alten Druckfchriften 
gemacht: allein hatte fchon diefer manches unwichtige 
aufgenommen, fo geht es hier nicht beiTer. Z. £• bey 
dem Klofter Eberach S. 99. fleht Jo. Trithemii coi^pendium 
&c. ISM. Das Buch iß fo bekannt^ ais es feiten feyn 
foß. Aber dafs das letztere Bauer beweifen mufs, der 
alles zufammen floppelte , oder ftoppeln liefs ^ das ifl i^ft 
lächerlich , und wenn Herr H. , überall folche Nachlefen 
von Büchern, deren Seltenheit nicht gar grofs ift, machen 
wollte , wann würde er fertig werden ? Solche Bücher 
gehören eben fo wenig in feinen Plan , als gleich auf der 
folgenden Seite das Interim und die dazu gehörigen 
Schriften. Dem Umbinden alter Handfchriftcn ift er S. 1 5 5. 
nicht geneigt Aber wenn nun der alte Band fo unbrauch- 
bar wird , dafs die Handfchrift in Gefahr fleht, Schaden zu 
leiden — ein Fall , der öfter vorkommt — was foll man 
denn da thun ; beydes mit einander vermodern laffen? 
S. 248. wird aus der Bibliothek zu Windsheim eine Aus- 
gäbe von den bekannten Briefen Aeneä Sylvii vom Jahr 1 467 
angeführt. Das ift vermuthlich ein Druckfehler anftatt 
1487. Den auf Pergament gefchriebenen Theuerdank vom 
Jahr 15 17. in der üniverfitätsbibliothek zu Würzburg, 
deflcn er S. 277 gedenkt, hat er fchwerlich recht ange- 
fehen. Denn es ift gewifs nichts anders , als das bekannte 



fehenswürdiger Biblioth. 211 

in diefem Jahr gedruckte Meifierftück diefes Buches. Den 
Eifer S. 291. über die befonders geftellten verbotnen 
Bücher, den er auch öfters äuflert, kann man ihm ver- 
zeihen. Die alten Kloftereinrichtungen machten diefe 
Anftalt nothwendig : jetzt ift man freylich nicht mehr fo 
fcrupulös, und jeder liefst was er mag. Herr H. hätte 
daher fein Mideiden auf ein Paar Zeilen einfchränkcn 
können , da er jetzt faft zwey Seiten damit verfchwcndet. 
Wenn es endlich ganz zuletzt heifst : die Zapfifchen 
JVIonumenta anecdota laflen uns noch manches Merkwürdige 
aus dem koftbaren Bücherfchatze des Herrn Barons von 
Zur Lauben erwarten : fokann ich verfichern , dafs diefes, 
um verfchiedner wichtigen Gründe willen, nichts als ein 
füffer Traum gewefen ift und auch ftets bleiben wird* 

Den Anfang des zweyten Bandes macht eine Vorrede , 
die faft ganz mit Klagen und Spott angefüllt ift, und dann 
mit Vertheidigung gegen einen Recenfenten und gegen den 
Vorwurf der Weitläuftigkeit , befonders bey Augsburgifehen 
Privatbibliotheken , fchliefst. Ich kann es nicht ändern , 
diefen Vorwurf hier zu wiederholen. Augsburg feljjft nimmt 
mit feinen Bibliotheken S. 26. bis 192 ein und dergröfste 
Theil davon ift den zwey Privatbibliotheken , der Zapfifchen 
und von Prieferifchen gewiedmet. Das ift doch zu arg, 
zumahl da die Zapfifche bald hernach gröfstentheils verkauft 
und in Klofter - und andre Bibliotheken zerftreuet worden 
ift. Dafs die ganze Nachricht von allen Augsburger Biblio« 
thcken eingefchickt worden ift, ficht man von Anfang bis 
zu Ende. Gefinnungcn , Spöctereyen und Schreibart , 
( die von Prieferifche Nachricht ausgenommen,) verrathen 
den Einfender deutlich. Die erftere hätte Herr H. aus- 
ftreichen follen : denn fie gehören nicht in eine ßibliothe- 
kengefchschte ; und die letztere hätte (ein Fleif^ umformen 
follen , damit die Recenfenten fremde Sprachfehler nicht 
auf feine Rechnung fchreiben« £9 ift immer Schade, dafs 

2 



212 HirßJiing*s Verfuch einer Befchr. 

die fichern Nachrichten fo verunftahet find. Dafs des 
päbftlichen Beruches der Stadtbibliothek S. s;. gedacht 
wird, das war zur Ehre Augsburgs nochwendig. Aber dafs 
die dabey gehaltnen Reden hier in einer Bibliotbekettge- 
fcbicbte wieder abgedruckt worden find, und der ganze 
Unfug, der wegen des fonft verdienten Herrn Redlors 
Mertens entftanden ift , weitläuftig erzählt und der alte 
vergefsne Brcy wieder aufgewärmt worden ift ; das war — 
den gelindefien Ausdruck zu brauchen, — höchft über- 
flüflTig. Herr Mertens ift dabey wacker gefchimpft worden , 
( der Einfender fagt freylich , S. 64. er werde ihm diefes 
nicht übel deuten ) und Herr Hirfching verwickelte fich 
dadurch in eine Fehde , von der ich nichts fagen mag , 
die er aber hätte vermeiden können , wenn er überlegt 
hätte , dafs folche Sächelchen nicht in feine Bibliotheken- 
Beichreibung gehören. — Nach 12 öfientlichen und Klofter- 
bibliotheken , dabey ich mich nicht aufhalten will , kommt 
S. 102 u. f. die nun zerftreute Zapfifche. Der Befitzer 
hat nur das Fach der Litteratur für fich behalten. Sie war 
würklich für eine Privatperfon faft zu prächtig und zu 
koftbar; die anfehnlichften Bibliotheken hatten bey dem 
Verkauf Gelegenheit , ihre Lücken mit den Schätzen der- 
felben auszufüllen. 

-Der S. 122. darauf folgenden Prieferifchen Bibliothek 
ift ein befleres Schickfal zu wünfchen. Sie ift reich an 
feltnen Büchern und Handfchriften^ davon viele hier gut 
bcfchrieben find. S. 157. u. f. wird die erfte Sammlung 
einiger Reichsabfchiede ( i^oo. ) mit der Münchner kjoi 
verglichen. Die Zweyte Abtheilung verbeflert und vermehrt 
die vorher von Bamberg gegebenen Nachrichten , und 
liefert bcfonders von der Carmeliten- Bibliothek den Anfang 
eines VerzeichnifTes feltener Bücher , Welches gedruckt 
werden foU , zur Probe. Bey Gaffel ift S. 2^4 Herrn 
Wcplers Nachricht von den dort befindlichen morgenlän- 
difchen Handfchriften eingerückt. Dann folgen nach einigen 



lehenswürdiger Biblioth. 213 

Zufatzen und Berichcfgungen über Danzig und Eirenach , 
S. 284« Erlangen. Die Univerfitätsbibliothek enthält viel 
wichtiges und ift bey einem, anfangs ziemlich kleinen Fonds 
doch fchon auf 34000 Bände gediegen, denen aber noch 
ein anitändiges und geräumiges Gebäude zur Aufftellung 
fehlet Von der koftbaren Gräflich Schönbornifchen Biblio. 
thek zu Gaybach werden S. 323. beflere Nachrichten ge- 
liefert, als die unbefriedigenden im erften Band waren. 
Die Befchreibung der erflen gedruckten lateinifcben Bibel 
S. i;7. ift gänzlich faifch. DieS. 365 befchricbene bisher 
faft unbekannte Bibliothek zu Langhdin verdiente es , dafs 
ihre Handfchriften , Inkunabeln und andre Seltenheiten 
von einem Kenner befonders befchrieben würden. Bey der 
Kirchenbibliothek zu Neuftadt an der Aifch hat Herr H. 
S. 4n — 489- zu viel aus Herrn Schnitzers fechs Anzeigen 
und hernach bey der Scliulbibliothek , aus Herrn Oertels 
Programmen ausgefchricben. Ein viel kürzerer Auszug, 
nebft einigen Zufatzen und Anmerkungen, wäre hier hin- 
länglich gewefen. Das befte ift die Befchreibung einer 
Handfchrift auf Lumpenpapier vom Jahr i}48* die aber 
freylich nun um 10 Jahr jünger ift, als fie Herr Schnitzer, 
der die Jahrzahl in 8« fchrieb, ehemals anfetzte. Das S. 
4.^0 abgebildete Fapiermachers • Zeichen gehört unter die 
vielen bisher unbekamiten. Doch habe ich in einem im 
Jahr 1480. gedruckten Buch auch noch einen Menfchen- 
köpf, obgleich etwas anders und beffer gebildet, angetroffen. 
Die Vorrede zum dritten Band ift wieder mit Klagen 
über Bibliothekare , Klopfjäger u. f. w. angeföUt. Daher 
weiter kein Wort davon! Dem ohngeachtet aber einige 
Erinnerungen ! Von den Nürnberger Bibliotheken ift die 
Nachricht wieder viel zu weitläufig. Unter den kleinern 
Bibliotheken kommt abermals manches Unwichtige vor, 
und zur Stadt -und Solgerifchen Bibliothek ift aus dem 
Solgerifchen Catalogus und aus den Schriften des Herrn 
Von Murr, die keinen Litterator befriedigen können, mit 



214 Hirfckings Vcrfuch einer Befcfan 

allzugroflfer Weitläufdgkeit abgefchrieben. Der letztere 
hat manches übrig gelaflcn , das einer Befchreibung würdig 
wäre , befondcrs von Handfchriften , unter welchen er 
keine glückliche Auswahl getroffen haben foll. — Den 
gröfsten Theil diefes Bandes nehmen die Bibliotheken zu 
Prag ein , die noch nicht fo bekannt waren , als die 
Nürnberger. Hier ift Herr H. mit guten Beyträgen 
untcrftützt woi-den , obgleich auch viel Unnützliches mit 
unterläuft. Wem oder was nützen z. E. S. 208. u. f. 
einige Seiten mit Titeln von Handfchriften, die nur mit 
ein Paar Worten angezeigt find., ohne Angtbe des Alters 
und andrer Umftände? Sonderbar klingt es wenn Herr 
Hirfching die Ausdrücke feines Correfpondenten S. 240. 
von Wort zu Wort abdrucken läfst: ,» Damit Sie den 
5, Reichthum diefer Prager Bibliothek an Ausgaben der 
99 Polyglotten defto beffer überfehen können : fo will ich 
j3 die vorhandenen herfetzen. '* S. 295. flehen in der 
Befchreibung und Unterfchrift der Cölner Chronik einige 
Druckfehler. 1494. mufs heiflen 1499. lin. penult. uitd 
1. ind, S. 294. oben : nurfl , füll heiffen vurfs. Ueber- 
flüflTige ClafTenverzeichnifle riebft einer Menge von Titeln 
bekannter und gemeiner Bücher haben diefe Befchreibung 
fo weitläuftig gemacht. Die wichtige Gräflich Noftitzifche 
Mayorats - Bibliothek macht S. 421 — 472. den Befchlufs. 
Nun noch ein Paar Worte von den Zusätzen und 
Vermehrungen* Zuerft von der Steinerifchen Bibliothek 
und Bibelfammlung zu Augsburg , bis S. ^ 5 , wo kurze 
Anmerkungen und VerbefTerungen folgen. S. %6. bekommt 
Herr Mertens wieder einen vielleicht unverdienten Seiten- 
hieb und S. 58. ficht fich Herr H. genöthigt anzuzeigen, 
dafs feine Nachricht vom Aügsburger Archiv von einem 
boshaften Correfpondenten herkommen foll. Einen fo 
derben Ausdruck hätte Herr Hirfching wohl ein wenig 
mildem dürfen , da ihm bekannt feyn muß , dafs diefer 
Correfpondent nicht der fanftmüthigfte ift. Bey Bamberg 



fehcnswürdiger Biblioth. «15 

werden S. ^9. noch typographifehe Seltenheiten aus der 
Carmeliter- Bibliothek nachgeholt Dafs die Jahrzahl 146^ 
bey den S. 60. angeführten fummariis Jo. Koelner de 
Vanckel falfch ift , daran h^tte Herr H, oder vielmehr fein 
Correfpondent nicht zweifeln dürfen. Denn tVeOer hat 
in dem Alten aus allen Theilen der Gefchichte B. I. S. ^58. 
fchon längft bewiefen, dafs es 1484- heiffen müfle. -^ 
'Bayreuth ; einige kleine und Privatbibliotheken, nebft dem 
Archiv und feiner Bibliothek.; Caflel , Cremsmünfter , 
Culmbach , Danzig , Detmold , DilUngen , EinGedlen , 
Erlangen , Freyburg , Gaybach , Gieflen , Heidelberg , 
.Heilbronn^ Hof, Ingoldadt, Laiigheim, Neuftadt, Nörd- 
lingen , Nürnberg , Rudoißadt , Schweidnitz , \^'eimar , 
Wiefenthaid, Windsheim, Wirzburg, Zellerfeld, Ze;rbft, 
Zug , Gnd die Orte , welche hier ooch vorkommen ; 
Nürnberg am weitläuftigilen. Denn Herr H. hat nun auch 
den zweyten Theil der Memorabilium des Hrn. von Murr, 
über defTen Nachläffigkeit er felbft klagt, mit geWohnter 
Weitfchweifigkeit excerpirt. Gehöret es wohl aych zu 
den Merkwürdigkeiten einer Bibliothek , dafs Ludiers , 
Melanchthons , Erafmi , Riveti u. f. w. opera darinn vor- 
handen find ? wie aus der Fenizerifchen Bibliothek S. 1 20. 
angeführt ift. Doch, iph will aufhören. Denn ich denke 
an die in der Vorrede des dritten Bandes den RQcenfenten 
ungefchuldigte litterarifche Kiopfjagd. 



9i6 



Verfuch einer allgemeinen Gefchichte der Llttera- 
tur 2ur Grundlage bey Vorlefungen, zum 
Scbulgebrauch , und zum Selbftunterricht. 
Von M. Samuel Friedrich Günther Wahly Pro- 
feflbr und Redor des Gymnafium zu Bücke- 
burg (jetzt Profeffor der orientalifcben Litte- 
ratur auf der Univerfität zu Halle), Erßtr 
TheiL Erfurt 1787. bey G. A. Keyfcr. 14 i Bo- 
gen in gr. 8. 

Zweyter TheiL Erfurt 1788. bey eben dcmfelbcn, 
102 Bogen. 

Itin Syftem zu fchreiben , ift nach Herrn Wohls eignem 
Geftändnifs immer leichter , als ein Compcndii^m. Er ent- 
fchuldigt aber feinen verwegenen Schritt, (den er mit 
Furchtfamkelt gethan haben will , da er diefen Ent- 
wurf der Gefchichte der Litteratur lieferte, mit dem 
Mangel eines fchicklichen Lehrbuches , deflcn er fich zum 
Unterricht hätte bedienen können. HeumaHn habe nun- 
mehr ausgedient , andre , z. E. Denis und Mertens , feycn 
2u unvoUftändrg und mit Fehlem angefüllt , wovon einige 
Exempel angeführt werden. Merkwürdig ift dabey , was er 
in der Vorrede fagt : „ ich habe neben andern gelehrten 
^, litterarifghen Werken auch diefc beyden Lehrbücher , 
„ vornemlich das crftere, bey diefer meiner Arbeit benutzet;" 
ich habe fogar , nicht blofs in einzelnen S'änen , fon» 
dern auch in ganzen Perioden bey den Worten meiner 
Vorgänger^ vornehmlich des Herrn Denis ^ zu bleiben^ 
mir um fo unbeforgter erlaubt , jemehr ich überzeugt bin , 
dafs ein folches Verfahren keinen gerechten Tadel nach 
fich ziehet, u. f. w. Gut ift, dafs Hr. Wahl diefes fclbft 



WahTs Verf. einef rilg. G et der Litteratur. 2 1 7 

ftgt. Denn fo kann er fich doch entfchnldigen , wenn er 
vielleichc <häre»i mufs ^ er habt dem Herrn Denis gar zu 
viel nachgebetet und ihn. gar zu oft wörtlich ausgefchriebent 
da(s es einem Plagio nicht unähnlich Gehet taut der 
Vorrede mag er diefes freylich für einen ungirecbten 
Tadel erklären, um wetohen er unbeforgt ift. Aber, wenn 
er dabey Herrn Denis taddt, und vom Hrn. Mertens fagt, 
er wiederhole nicht nur die Denififchen Fehler gröften- 
theils , fondern thae auch noch neue eben fo wichtige 
hinzu , dafs einem die Augen übergehen möchten ( das ift 
nun freylich meiftens Wahrheit ) und verfichert , er habe 
fich bemühet , dergleichen Fehler und Mängel forgfältig 
zu vermeiden ; fo foUte man glauben , fein Entwurf müfle 
von groben und wichtigen Fehlem ganz rein feyn. Das 
wird fich bald zeigen ! Als einen Hauptzweck feiner Arbeit 
erklärt er diefen , jungen Leuten die Litteratur des Orients 
bekannter zu machen. Das ifl: freylich fein Lieblingsfach 9 
in welchem er am heften bewandert ift. Aber ift die Litte- 
ratur des Occidents nicht eben fo nothw^dig ? Zuletzt 
bittet er die Recenlenten , nicht fo gefchwind über die An« 
zeige des Buches hinzugehen u. f. w. Das will ich mir 
nun nicht gern Schuld geben laiTen. So viel von der Vor* 
rede ! 

Die Einleitung übergehe ich : denn fte ficht, befon- 
ders im Anfang faft zu philofophifch aus , als dafs ich fie 
hier in einen Auszug bringen könnte. — Dem erften Theil 
Bibliologie ift eine kurze Ueberficht vorausgefetzt, wo fie 
zuerft erklärt wird : Bibliologie, (bnft Bibliographie genanntt 
(der letztere Ausdruck ift fchon in der Einleitung getadelt,) 
der erfte Theil oder das erfte Fach der Bücher- und Wif- 
fenfchaftskunde ift die Lehre von dem Bücherwefen. Diefe 
wird in drey Zeiträumen vorgetragen, und jeder davon' 
hat zwey Theile , wovon der eine hiftorifch , der andre 
artiftifch ift. 



-jig : ' TTahts Vcrfuch 

Erftcr Zeitraum. Von dekn Bücherwefen bi« zur 
fcyerlichen Beftätigung des Chtiftonthums , diirch Conftan- 
tin den Groflen. I. Hiftorifcher Theil. Hier kommen vor 
die Babylonier, Syrer, Phönicicrs Samaritaner , Araber , 
Aethiopier, Ebräer, Egyptcr und Kopten, die ein Litt er a^ 
iurgerpaltiges Volk heiffen , Artflcnier , Meder , Perfer ^ 
Jnder, Sinefer, Griechen und Römer. ( faft möchte man 
den Juftinus Martyr und Eufebius bedauren, wenn fie 
S. )9. mit dem Pfeudoariileas in eine Clafle gefetzt und 
nebft dem Philo für alte, Weiber erklärt worden. ) H- 
Artiftifcher Theil. Von den Mitteln , durch welche fich 
die Werke der Gelehrten« erhalten haben. Erft nur Bäu- 
me , Steinhaufen , ländliche F^fte , Volkslieder u. f. w, 
endlich die Schreibkunft, die erft in -einem Zeitpunkt zw!- 
fchen Noah und Mofes erfunden feyn mufs. Schreibkunde 
entwickelte fidi nur allmählig und die Mahlerkunde brach 
• ihr die Bahn. Kyriologifche, fymbolifche, charadterifttfche, 
alphabetifche oder Buchftabenfchrift , vor welcher noch 
eine Sylbenfchrift vorhergehen mag. Erfinder, Fortpflan- 
. Züng oder Wanderung der Schriftentdeckung , Schriftarten 
verfchiedener einzelner Völker , zuletzt der Griechen und 
Römer. Hier erinnert mich eine Stelle S. 77. an eine 
Anmerkung, welche ich fchon Anfangs machen wollte. 
Zum Schulgebrauch und zu Vorlefungen kann das Buch 
wohl gebraucht werden : aber zum Selbftunterricht möchte 
es oft zu magier feyn. So heifst es hier , die verfchiedenen 
Schriftarten der Lateiner , wie fie in Jahrhunderten fich 
verändert dargeftellt haben , feyen von mehrem Gelehrten 
gefammelt und vor Augen gelegt worden. Dabey ift nicht« 
. angeführt, als Ed. Bernard Litteratura orbis eruditi und 
Webers Wörterbuch für Schulen zur Noth genug ! Aber 
der Selbftunterricht wird fehr gering ausfallen , wenn man 
nicht diplomatifche Werke , wenigftens Waltbers Lexicon , 
oder fo etwas bey der Hand hat Diefe Anmerkung wird 



einer allgem. Gefchichte der Litteratur. 219 

man oft beftädget finden. Nun kommen die vcrfchicdcncn 
Schreibmaterien , von den Steinen an bis zu dem Per- 
gament, egyptifchen Papier, Cottonpapier , und unfeni 
Linnenpapier. Den ürfprung des Cottonpapiers hätte ich 
nicht mehr mit Montfaucon erft in das neunte Jahrhundert 
gefetzt , fondern wie Herr Breitkopf in feinem bekannten 
Verfuch , den Ürfprung der Spielkarten , die Einführung des 
Liniienpapicrs u. f w. zu erforfchen, viel älter ange« 
liommen , weil es die Araber fchon ums Jahr 704. kennen 
lernten , und es wenigftens im fiebenten Jahrhundert fchon 
bekannt war. Diefen Verfuch nennt Herr Wahl S. 85- gar 
nicht , ob er gleich das befte und neuefte Ift , das man 
in diefem Fach lefen kan , ja wenn man nicht irren will , 
lefen mufs. Sich blofs auf den. oft unfichern Denis benx« 
fen , ift hier nicht hinlänglich , zum Selbfhmterricht aber 
gar nicht. Zu diefem wähle man auffer Breitkopf, noch 
G. F. Webrs vom Papier und den vor der Erfindung def^ 
felben üblich gewefenen SchreibmafTen ; welches Buch erft 
nach Hrn. W. Verfuch 1788. heraus kam. \3m nur eines 
daraus anzuführen, fo ftehen S. 12%. einige Namen des 
Cottonpapiers : goffipina , xylina, ferica, die Hr. ^ahl 
ausgelafTen hat , und die doch eben fo oft vorkommen , als 
die S. 8?. von ihm angeführten. — Weiter: das Geräthe 
der Alten zum n Schreiben , Meifel, Griffel, Schilfrohr» 
Bleifcheibe , Dinte u. f. w. zuletzt von den Schreibern , 
Büchern, Rollen u. d. g» 

Zweyter Zeitraum. Von dem Bücherwefen bis zur 
Wiedererweckung der Wiflfenfchaftcn. I. Hiflorifcher Theil, 
von dem Bücherwefen im Orient und Occident. Diefen 
mufs ich der Kürze wegen übergehen, indem ich bey 
dem artiflifchen Theil S. ii;. u. f. mich ein wenig ver- 
weilen will. II. Diefer ift ganz der Buchdruckerkunft 
gewidmet , obgleich verfchiedne neue Schriften , die gutes 
Licht geben könnten und cUe alten Fehler ausbeffem « nicht 



220 Wahrs Verfuch 

dabey gebraucht find. Dagegen find die Fehler des Herrtl 
Denis ohne Prüfung nachgefchrieben , und neue dazu 
gemacht worden« Hier einige zur Probe ! S. 1 1 g heifst es 
von den erlten Druckern : „ Sie drucken hierauf frifch. weg. 
,, Erß an einer lateinifchen Bibel , und alsdann an 
„ dem groffen Wörterbuch Joh. Janoenßs Catholicon. " 
D^ letzte Buch gehört nicht hieher, fondem. kam erft 
nach den Pfaltern und dem Durandus im Jahr 14^0. zum 
VorfcheirTu Aber ein ganz kleines Catholikon oder .Voca- 
bularium mögen fie, wie Herr von Heinecken gezeigt J;)at 1 
nicht nach ' der Bibel , fondern vor derfelben gedruckt 
haben , um im Kleinen zu verfuchen , was fie im Groffen 
ausrichten könnten. So machten es auch andre. ,Die 
Holländer Hot?{chneider fiengen mit einem Donat oder 
Grammatik an , Scbi»einbeifn und Pannarz nennen ihr 
erfles Buch donatum pro puerolis. Ein änliches kleines 
Schulbuch mag alfo auch der Anfang der Kunft zu Mainz 
gewefen feyn. S, 119. heifst der Pfalter 14s 7« das älteftc 
Werk der Druckerfindung , das- noch aufzuweifen ift. Da^- 
bey foUte nothwcndig flehen: mit einer JabrzabL Denn 
Herr IVabl nennt ja felbft auf der vorhergehenden Seite 
die lateinifche Bibel und das Catholikon Jo. Januenfis 
( obgleich das letztere falfch , ) als älter. — Unter den 
Schrifben über die Erfindung der edlen Kunde hätte wohl 
Breitkopfs kleine, oder wichtige Schrift über die Gefchichte 
der Erfindung der Buchdruckerkunft 1779. vor andern 
zum Nachlefen empfohlen zu werden verdient. Bey den 
Maittairifchen Annalen hätte doch wenigftens die Anzahl 
der Bände genennt werden foUen , da man bisweilen incom- 
plete Exemplare antrifft. — Die Anlegung der Druckofficinen 
in Teutfchland ifl ziemlich unrichtig erzählt. S. 122. 
Bämier enichtete feine Druckerey nicht 14.66^ fondern 
erfl 1472. und die Bibeln, die er 1466. und 1467. zu 
Augsburg gedruckt haben foll, find fchonlängft von Ken- 



einer allgem. Gefchichte der Litteratur. 22« 

nern, belbnders Herr SchaflFer Panzer {*) in das Reich 
der Undinge verwicfen worden. Der crfte Augsburger 
Drucker war 1468. Günther Zainer.- Heinrich Rwmml 
errichtete 1470. nicht die erfte Preffe zu Nürnberg: viel- 
mehr war er gar kein Buchdrucker , wie ebenfalls Herr 
Pajizer fchon im J. 1778. in feiner Gefchichte der Nürn. 
bergifchen Bibelausgaben S. 4. und im Vorbericht erwiefen 
hat. Der Herr von Mmr ^ der ihn fonft alaiiNürnbergcr 
Drucker in feinen Schutz genommen hatte , ift 'nun langft 
anders Sinnes, und nennt jetzt in feinen Memorabilibus 
bibliothecarum Norimbergenfium. T. I. pag. 91^ den 
Friedrich Kreufner als den ertten Drucker dafelbft : Doch 
möchte es wohl eher Johann Senfenfchmid fcyn, Herr 
Panzer hat diefes in feiner älteften Buchdruckergefchichte 
Nürnbergs hinlänglich bewiefen. Nach Cöln kam die Kunde 
nicht, wie es hier heifst, erft 1470. durch Johann Koel* 
bof ^ fondern wenigftens fchon 1467. durch den Ulrich 
Zell von Hanau y wie Meer mann felbft eingeftanden hat. 
Andreas Frifner druckte nicht zu Leipzig , fondem kam 
1479. als Lehrer der Theologie dorthin , nachdem er bis 
14.78- Senfenjcbmids Gehülfe zu Nürnberg gewefen war. 
Wien folldas Licht der Erfindung erft 149}. erreicht haben, 
und da , heifst es , kann uns nur ein Dßnis belehren. 
Ich dächte aber doch , der Herr von Khaiitz in der Schrift 
über die wahre Epoche der eingeführten Buchdruckerkunft 
zu Wien, die 1784. heraus kam, düi^fte auch ein Wort 
darein reden, ob er gleich die Sache ein wenig zu über- 
treiben fcheinet. Und über diefes fetzt ja Denis die Ein- 
führung der Buchdruckerkunft zu Wien , Qicht in das Jahr 
149;. fondern vielmehr 1482. S. 124. heifst es: „Der 
„ Druck war Anfangs freylich fchlecht , aber verbcflertc 



(*) In feiner Befchrcibung der älteften Aiigsbiirgifchen Ansga^ 
ben der Bibel S. i. und 4. 



222 Wahrs Verfuch 

9, fich durch wiederholte Bemühungen zum Erftaunen." 
Verfteht Herr Wahl unter dem Wort Anfangs die Vor- 
fpiele der Kunfl: , und die erften Verfuche der älteften 
Drucker ; fo kann man es gelten laflen. Aber von ihren 
rpürklicb vollendeten erften Werken mufs man juft das 
Gegentheil behaupten , und viele Drucker in fpätern Zei- 
ten kamen ihnen nicht gleich , fondern waren eben folche 
Sudler , wie es heutiges Tages noch manche gtebt. Der 
lateinifche Pfalter 1457. wird immer ein unnachahmliches 
Meifterftück bleiben. Andre Mainzer Drucke, z. E. der 
Durandus 14^9. die Clementinae 1460. das Katholikon 
1460. auf Pergament, die Dekretalen 146^. u. f. w. find 
fehenswürdig. Was kann man fchöners fehen , als den 
Lamantins 146^. auf Pergament und andre Produkte von 
Schweinheim und Pannarz , wovon ich nur Hieronymi Briefe 
1468* nennen will, wo die Druckerfarbe fo fchön fchwarz 
und das Papier fo vortrefiich weifs ift , dafs es faß den 
Augen weh thut Von Ausgsburger Drucken find die alte- 
ften würklich fchön , z. £. der Schüfslerifche Jofephus 
1470. und Günther Zainers erfles Produkt, die meditatio- 
nes vitae Jefu Chrifti 1 468 , (In den letztern Jahren druckte 
er mit grobem und unanfehnlichern Lettern , als zuerfl:,) 
und andre mehr. So könnte ich noch eine groffe Menge 
nennen : ich berufe mich aber nur noch auf Hrn. Wahl 
felbft, der vorher S. 121. von dem Nikolaus Jenfon fagte, 
er habe zu Mainz gelernt und überaus nett und fauber 
gedruckt ; und füge diefem noch das Zeugnifs eines ächten 
Kenners, des Herrn Schaffcr Panzers bey, der in feinen 
Annalen von der allererften teutfchen Bibel S. 11. fagt ; 
„ läfst nicht der gar nette Druck auf die erften Drucker , 
„ die fich por aZ^«« ««rfer« dadurch auszeichneten , fchliet 
fen? ** Faft fcheint es, Herr W. habe gar wenige von 
den erften Drucken gefchen. — Dafs er überhaupt in der 
alten Buchdruckergefchichte wenig erfahren ift , davon gibt 



einer allgem« Gefchicbte der Litteratur. az; 

er S. 1)4. den augenfcheinlichften Beweifs , wenn er« 
fchreibt: „ Beyfpiele von dergleichen längern Uriterfchriftea 
„ (am Schhifs der alten gedruckten Bücher ) find in den 
,^ meükn zu Mainz , Koburg &c. gedruckten Werken za 
„ fehen ". Hier fiel mir ein, was Herr W. in der Vorrede 
fagt: folUen einem nicht die Augen übergeben ^ Tvenn 
manfolcbe Dinge liefet ? Der Stadt Mainz, von der wir 
diealteften fieberen Buchdrucher - Produkte haben, wird 
Koburg an die Seite gefetzt, wohin die Kunft erft fehr 
fpät kam. Der beruh mtefte unter allen Nürnberger Buch* 
druckern, Anton Koburger kann Herr W. nicht unbekannt 
feyn. Daher erkläre ich es für eine bloiTe Uebereilung^ 
welche aber faft ein wenig gar zu grofs ift. Weiter heifst 
es : „ zuweilen führen fie mehrere Namen z, B. Franz von 
„ Heilbronn nennt fich auch Renner ; Hamman von Lan- 
„ dau auch Herzog &c. , Zuweilen vergeflen fie ihre Zu- 
„ namen ". Der erftere , Renner foUte hier zuletzt zum 
Beweifs angefürt feyn ; denn das war fein Zuname , den er, 
fo wie andre , öfters wegliefs , und nur feine Vaterftadt 
Heilbronn nennte. Aber Hamman von Landau fleht zu 
einem Exempel recht da ; doch foUte es heifTen : Jobann 
Hamman zu Venedig nennte fich bald nur mit diefem Namen 
aliein , bald Johannes Hamman didus Herzog , bald Johan* 
nes Hammanus de Landota , bald Joan. Hamman. Herzog. — « 
Manche Buchdrucker find falfch genennt, z. E. S. 122. 
Johann Prüfen^ anftatt Prüfi^ S. 140. Seb. Greiffen ^ 
flatt Greiff. — Bisweilen find die Nachrichten fowohl hier 
als auch an andern Stellen ziemlich unvoUftändig. Doeh 
läfst fich diefes durch das crfte Wort des Titels : Ferfiecb 
cntfchuldigen. Aber wenn der Verfucb auch zum Selbß'- 
unterriebt gebraucht werden foU, fo wäre doch bisweilen 
fo viel Platz übrig gewefen, ein paar Bücher zum Nach* 
fchlagen zu empfehlen, z. E. S. 14 j. flehen in Einem 
Paragraphen einige Corredloren in den altern Druckereyen 



224 WaMs Verfuöh 

und etmge .Symbda alter Buchdbrocker beyrammen. Da 
hatte es nicht gefchadet, bey jenen Zeltners und bey 
diefen Ko^bfcbolzens bekannte Bücher mit ein paar Worten 
anzuführen. Doch ich muß aufhören , damit es nicht 
{bheint, als wollte ich nur Fehler hafchen, oder nichts 
anders thun, als --^ tadeln. 

Dritter Zeitraum. Von Wiedererweckung der Wif- 
fettfchaften bis auf unfre Zeiten« L Hiftorifcher Theil. 
Bibliotheken find der Hauptgegenftand der Bibliologie in 
diefem Zeitraum. Die Krone aller Bibliotheken , die Va- 
tikanifche zu Rom macht S. 148. den Anfang, und die 
Krone von allen teutfchen Bücherfammlungen , die Kai« 
ferliche Bibliothek zu Wien , S. 178. macht den Befchlufs, 
Was dort von Sixtus IV. flehet , und hier vom Conrad 
Celtes , das kan man in Hrn. Mertens Hodegetifchen Ent- 
wurf, B. I. S. ) 9 9. und ;7i. fad mit eben den nämlichen 
Worten lefcn. Was von den Bibliotheken zu Augsburg 
und Bafel S« 166, 1Ö7. erzählt wird, fleht wörtlich in 
Mertens S. 56^ — jö?. Weiter mag ich die Vergleichting 
nicht anftellen , weil Herr Wahl in diefem Stück ganz an* 
ders denkt, als die übrigen Menfchenkinder , und weil 
er alle Plagiarier in feinen Schutz nimmt, indem er diefes 
unverfchämte wörtliche Abfchreiben für erlaubt hält : ich 
wollte nur ein paar Proben. geben. II. Artiftifcher TheiL 
Handfchrifren und Bücher. Von jeden das nothwendigfte. 
Aber, weil ich fchon zu weitläuftig worden bin, fo will 
ich hier abbrechen, und nur zu S. 219. noch diefes 
einzige anmerken. Noch befsre Grundfätze, über feltne 
Bücher zu urtheilen, als Clement angenommen hat, ent- 
hält der Verfuch einer Theorie von feltnen Büchern in 
Hrn. Paftor Strobeh Beyträgen zür Litteratur , im zweiten 
Band S. 44^- wovon ein grofler Kenner, der Herr Pro- 
fcffor Scbipparz in Altorf, Verfaffer ift. Auch hat Blaußfi 
aus Clements Vorrede einen Auszug gemacht, der für 

junge 



einer aligem^ Oefchicbte der Litteratur. t^S 

junge Leute , die fich dieies thenre W^rk nicht arifcha^ 
können, hinlänglich feyn wird, am Schluß det erfteÄ 
Bandes ftiner bekannten vermiichten Beyträge« 

Da(s im zweyten Theil mit des Herrn DenSs K?Hbt 
eben fo oft und unverfchämt gepflügt worden ai, ^ic iril 
erfien^ das dürfen die Lefer dem Recenfent^ auf ^in 
Wort glauben. Hs zu bewcifen wäre zu weitläuftig. Wet 
fich davon überzeugen will, fchlage das Buch aufj wor 
er will. Ich will den Platz dazu fparen, däfs ich dcft 
Innhalt lind einige Fehler anzeige. In der Einleitung wer- 
den acht Standpunkte oder Zeiträume der LitterargefchiöhteV 
öder vielmehr der Wiffenfchaften felbft fcftgefctzt,- d« 
ihre Namen von den Kunden eirhäiten , die jedesmal vd^ 
zuglich getrieben wurden. Diefe heiflen theürgifch-poettfel^^ 
vom Anbeginn bis auf Pythagoras ; philofophifch - rhetoriföK^ 
bis auf das eifte Seculum ; hiftorifch-jüridifch bis ihä funfffe 
auf den Honorius ; tbeologifch-Utürgifch bis auf das zwöUtfe 
See. oder den heil. Bernhard; fcholaftifch-myftifch bis in 
die Mitte des i^ten Jahrhunderts; cicerdnifcti-kritifch bis 
zur Hälfte des i7ten oder den Cartefiu^ ; phyfifcH-plitld- 
logifch bis auf den AnbruCli des i8ten Jahrhunderts; nft- 
thematifch-phyffologifch , bis jetzt; 

Den Änfeng diefes Theils macht dfe Phllologiei Öäzü 
wird die Lingtiiftik , Bibliologie^ Litterärgefctiichte iihd 
Kritik gerechnet; Die tmguiftik zfef fallt in Glöffoldgie, 
Graphik j Grammatik • und Lexfcogfaphife. Dife Gcfchichte' 
der BibliologievÄ^ird mit dfer Diplomaäk ahgfefangerij Her- 
auf die Typögi^aphie und Bibliothekologie fbigeh. Dte Life 
terärgefthichte \frird in ditf allgemeine und beföndre abg^- 
theilt. Zur Kritik wifd die Aefthtitic, Methodik ^ Hettefc- 
nevtik und Eriflik getechilet. Zu der letttem , wdche die 
gelehrter! Äärikereyen und Strtifigkeitcu enthalt ^ werden 
auch die kfitifchen Tagböcher und die Bücher-recenfircnde 

P 



326 fVahis Vcrfuch 

Jahr* Monat- und Wochenfchriften gezogen« Den Be» 
fchluft jinachf endlich die Mathematik mit ihren Theilen. 
Wie viel, oder wie wenig den Wahlifchen Nachrich- 
ten zu trauen ift , und wti; leicht diejenigen infonderheit , 
die das Buch zum Selbftunterricht brauchen wollen , . irre 
gefuhrt werden können, davon will ich^eine kleine Probe 
geben. Ich wähle dazu S. 88* u. f. die Typographie. 
Auf wenigen, Seiten mufs fbl^endbs verbe0ert werden ; denn 
von der UnvoUftändigkeit will ich nichts Tagen. Einige 
wenige Druckfehler mögen darunter feyn : aber das meifte 
wird einen andern Namen verdienen. Mallinkeot mufs 
* Mallinkrot heilTen. Statt Fouriuers lefe man Fournier. 
Von Heinekke fchreibt fich von Heinecke^u Seine neuen 
Nachrichten 1786. die hauptfächlich hieher gehören, find 
vergeflen worden. Von des Maittaire (nicht Mattaire) 
Annalen ift nur über den 4ten Band eine Anmerkung 
gemacht, und wieder nicht gefagt worden, dafs es ^ 
Bände find. Breifkapfi voUftändige Gefchichte der Buch- 
druckerkunft wird noch nicht vollendet genennt. Aber 
der Druck ift ja noch nie angefangen worden. Schelhorn 
heifst ein Paar Mahl Scbeüborn. Jo. A. Laxii, muTs 
heiiTen Saxii. Bey dem Catalogo romanarum editionum 
ift der Name des Verfaflers Audifiredi ausgelaflen. Tbeod. 
Sinceri, foU heiflen Tbeopbili. Bey dem Freytag f«hlt 
fein Adparatus litterarius. Sigmund Baumgarten fi^llte 
heiffen : Sigmund Jacob B. — Hirfch's millenarii IV« 
lUMTorum ab anno L See« XVL ad C. DieTes teutfche C. 
ftehet fo nahe an J. Melch. Götzens &c.. ( eigentlich 
Göze^) dafs man meynet, es gehöre zu diefem. Jener 
Titel aber follte eigentlich heiffen: C. C. ir«i:/2r^ mille- 
narii IV. libromm ab anno I. vfque ad anmini L Secult 
XVL und f. w. Bey dem eben gemeldeten G'dze hätte die 
wichtige Fortfetzung feiner Sammlung nicht vergelfen wer- 
den foUen. Die Nachricht in den hexas diflert. antiquar. 



, cin^r allgeiti. Gefchichte der Litteratur. 927 

C. 6. Sclrwarz*s ift eine de ornamentis libronim & varia 
xei litt Veterum fuppelledtile , ift ganz faifch« Denn aße 
fecbs Diflertadonen handeln von diefer Materie. Von den 
verbotenen Büchern werden die zu Rom | Antwerpen 
und Spanien , ( foUte heifTen : in Spanien ; fonft Gehet 
es einer Stadt gleich,) herausgekominnen indices zum 
Kachfehen empfohlen , als wenn fonft nirgends dergleichen 
herausgekommen wären. LiOabon^ Venedig, Cöln^Prag, 
Wien , und andre Orte mehr hätten auch foUen genennt 
werden. BeflTer aber wäre gar keiner genennt worden. Was 
S« 9S< die Wiener Recbtsbibliotbek VonLambacher bedeu« 
ten foU, das will ich nicht errathen. Auf dent Titel 
ftehet t bibliotheca ciuica Vindobonerifis. Auch im folgen- 
den {. von der Litterärgefchichte gibt es Fehler genug« 
2. E. S. 97. wird Struve's introductio ad notitiam rel 
littersu'iae mit Jugiets Zufatzen, Jena 170^« angeführt 
Diefes Jahr gehört zum Struve. Juglers Werk kam erft 
1754. u. h in drey Bänden heraus^ und der Supplement« 
band dazu e^ft 178?. Von Heumanns confpeäu fteht die 
Ausgabe 17?^. da, als w^nn es keine neuere und vei:* 
mehrtere gäbe. Von /. P. Reinbafis Einleitung werden 
zwey Quartbände angeführt« Es ift aber zuverlälTig nicht 
mehr , als einer herausgekommen. Reinhard ftarb während 
der Ausarbeitung des Werks« Beugbem wird S« löi« und 
hernach hoch öfters Bengbem genennet. Ztl H^indbeimt 
philofophitchdr Bibtiothek S* 104« gehören auch feine 
Bemühungen der Wettweifen, 6 Bände^ S. 109. Nie. Antöino 
mu(s Antonio heifTen. Alb/ Fabricius , heifst : Jobant^Alb, F« 
und feine bibi^ mediae latin. eigentlich mediae & rafimae 
latinitatis. Wie fich S. i2). H« (follwi)bI heifTen; Joan.) 
TP'olfs lediones memorabiles unter die Kritiker verirrt haben, 
das ift unbegreiflich. BefTer wäre es immer , Bücher , 
die man nicht gefehen bat, gar nicht anfuhren, ab fie 
ialfch beurtheilen, und an einen ganz unrecbtea Plats^ 

P % 



m8 tVahb Verf. einet allgem/Gef. dcrLitteratur. 

ftellen. Daf8 Klotz nach S. 15 t. die teutfche Bibliothek 
bis an feinen • Tod herausgegeben hat , ift unrichtig , und 
wenn es gleich darauf heiffet : eine 'ähnliche Bibliothek 
kam zu Lemgo heraus, fo möchte ich doch die Aenlich- 
keit wiflen , die fieh zwifchen der Klotzifchen und Lem- 
goer Bibliothek befindet. Doch ! wenn wurde ich fertig 
werden, wenn ich alle diefe Unrichtigkeiten, die fich in 
einem Buch zürn Schulgebrauch und zum Selbftunterricht 
nie finden follten, anzeigen wollte! 



Haoäbücli 2um Cebräueh derjenigen , die fich von 
der 'Gelchrfamkeit überhaupt einige Bücher- 
Jcenntnifs zu erwerben wünfchen , von Heinrich 
Wilhelm Law'ätz , Königlich-Dänifchem Juflitz- 
rathe. Des erßen Theils erJUr Bandy, Halle fcey 
J. J. Gebauer 1788. ' und mit ci^em andern 
Titelblatt : Handbuch für Bücherfreunde und 
Bibliothekare, von H. fV. Laio'dtz - - - Band 
von der ^Gekhrfamkeit überhaupt, 2 Alpha- 
bet weniger i Bogen. 

Des erßen Theils zweyter Band ifSS. 2. Alph. 
3 Bogen in gr. 8. 

liin Handbuch Von dicfef Art , das den Litterätor in allen 
möglichen , öder doch nöthigen Fällen nicht ohne Hülfe 
und Unterricht liefs , und bey welchem man das mtihfanle 
Nachfchlagcn vieler andern litterarifchen Bücher erfpareii 
könnte, das wäre fireylich fehr WünfchensM^erth : aber, 
ob das gegenwärtige diefe Wünfche : erfüllt % ob ' Herr 



Lawälzllmdhuch u. £ w. I. Th. i u. 2ter B. 22c^ 

Larcät'z .'hey allem feinem fichtbaren und unermüdeten 
Fleifs fo Vid lietenurifche Kenntnifle befitze, einen Ent- 
fohlurs' anszuBifaren , der wohl zwcy und mehrern kng 
geübten Litteratoren noch Mühe genug machen würde, 
wenn fie ^uch gleich mit vereinigten Kräften Hand an da« 
*Werk kgten? Diefe und andre Fragen werden fich nach 
.der Durchle&ng der gegenwärtigen Recenfion leicht beant- 
worten Jaflen. Für .Leute, die fich nur eimtge fiücher- 
kenntnHs jn erwerbtsn wünfchen , wie auf dem einen Titel 
fiehet, n^ zwar das Buch gute Dienfte leiden, befon* 
ders da es yoluminös genug wird: aber für Bibliothekare j 
wie auf dem andern Titelblatt flehet ? das wüfste Recen- 
fent nun nicht. Es müfsten nur Bibliothekare in vericbie- 
denen Klöftern feyn , wo es , bey dem gröften Vorrath vpn 
allerhand Büchern, im Fach der Litteratur noch leer ausfieht. 
boft möchte es den Mangel neuer litterarifcher Hülfa^iitt^l 
erfetzen, oderMoch erleichtem. Andre Bibliothekare aber 
würdeagewifs keine groflen Heldenthaten in der Litteratur 
verrichten , wenn fie es zu ihrem Handbuch machen wollten. 
Diefes ift kein Machtfpruch ; denn die Bewcife werden 
fogleich folgen , ohne manches zu wiederholen , das andi;e 
Re^jenfenten fchop erinnert haben. Herr Lawätz bittet 
felbft um Urtheile der Recenfenten, um Bey träge und 
Erinnerungen. Werden diefe hier vielleicht mit zu grof- 
fer Freymüthigkeit vorgetragen ; fo entfchuldiget fich Recen- 
fent damit , dafs diefer erfte Ausflug des Herrn L. in die 
unermäfsliche litterarifche Welt ( denn fonft war er nur 
in der bcllettriftifchen und juriftifchen Welt ein wenig 
bekannt,) zu kühn, und bey einem Werk von einem fo 
ungeheuren Umfang zu früh gewagt zu feyn fcheinct 

Zuerft etwas aus den beyden Vorreden und aus den 
Nacherinnerungen bey dem erften Theil. Weil die An- 
kündigung der Verlagshandlung [von der Veranlaffung und 
d^m Pla^. diefe9 Werkes nicht genug bekannt worden ift* 



aso-Xd^^^^ Handbuch u. f w. L Th. i u. ater B. 

fo thut Herr L. wohl , dafs er hier einiges daraus «Wiederholet 
Er n^nt es felbft einen vielleicht zu kühneti Entfchlufe , 
den er hier ausfähren will , kein bloflfes höhemei Regifter 
der zu diefer, oder jqner ^K^iflenfchaft gehörigen Bücher 
zu liefern , fondern zugleich von deren merkantilifchen 
fowohl , als fcientififchen Wertb , ( und doch fehlet beydes 
fehr oft , ) auch bis auf den neueften Zeitpunkt , einige 
Nachricht mitzutheilen. Wegen des Plans, nach welchem 
er gearbeitet hat , befürchtet er keinen Tadel , und Recen^ 
fent will ihn auch nicht tadeln , da er mit ihm überein« 
ftlmmet, dafs die Ordnung, in welcher man mit den Bü- 
chern bekannt gemacht wird, ziemlich gleichgültig ift. 
Aber das bleibt doch auch ausgemacht : eine Ordnung ift 
immer befler und lehrreicher , als die andre. "Wegen 
Ausführung des Plans aber ^errauthct er auch bey mehr 
als zehnjährigem Fleifs keine allgemeine Zufriedenheit. 
Allerdings ein langer Fleifs ! aber auch ein zwanzigjähriger 
würde dazu nicht hinreichend feyn. — Den Vorwurf der 
UnvoUftändigkeit , den er am meiften beforgt, fucht er 
fehr von fich abzulehnen , und hoft endlich einmahl noch 
das freylich in der Ferne liegende Ziel der Vollftändigkeit 
zu erreichen. Aber auf dem einmal erwählten Wege, 
durch Bücherverzeichnifle und Dcdicationen , (davon her- 
nach ein mehreres ! ) gewifs nicht , oder doch fehr lang- 
fam , oder unrichtig. Jetzt kann man einmal keine Voll- 
ftändigkeit von ihm erwarten , und es ift wohl gethan , 
daft er keinen Anfpruch darauf macht. Aber manche Arti- 
kel find doch würklich fo unvollftändig , da& man fich 
darüber wundern mufs. Ein Recenfent hat diefes von dem 
Artikel i teutfcbe Sprücbyjodrter , ein andrer von Schulen 
und Akademien u. f. w. nur zur Probe bewiefen : und 
unten foUen auch noch einige Beweife davon folgen. Hätte 
Herr L. mehrere Bibliographien , Journale und andre 
ndtbige Quellen befler genützt ; fo würde es nicht fo viel 



Latoäiz Handbuch u. £ w. I. Th. i u. ater B. agi 

Lücken geben« Diefe mit der Zeit auszufüllen , und der 
VoUftändigkeit nach und nach näher zu kommen , rechnet 
er gar zu viel auf den Beyfland der Gelehrten, insbefondre 
TeutTcfahuldes , denen er die einzelnen Theile feines Wer- 
kes , Capitel und Abfchnicte beibnders zugeeignet hat , damit 
fie ihn mit Beyträgen dafür befchenken mögen. Allein , die 
Erfährung wird lehren, dafs er von etlichen hundert 
Gelehrten, mit deren Namen er Platz und Papier verfchwen- 
det hat, gewifs nicht fo viele Beyträge erhält, dafs er 
eben fo ^el Raum damit füllen kann , um den Lefern den 
Verloft zu erfetzen« Denn der Platz , den diefe weder ihm 
noch den Käufern nützlichen Dedicationen we^iehmen , ift 
oft gar zu grofs. ( Wo ich nicht irre , waren w<Al einige 
Gelehrte gar fchon tod , da ihnen ein Ca^Htel oder Ab- 
fcbnftc dedicirt wurde. ) Durch Weglaffung folcher Unnö- 
tbigen Zufchriften hätte bey einem Buch , das durch feine 
ungeheure' Gröffe ohnedem vielen Käufern läftig genug 
werden wurd , eine Menge Bogen erfpart werden können. 
Wenigftens ift es doch z. E. faft zu arg, wenn S. 19J. 
die Zufchriften faft die ganze Seite bis auf die zwey un- 
terfien Zeilen einnehmen , das einen einzigen fiüchertitel 
enthält Gleich -S. 209. gcfchiehet diefes wieder. Die 
Sisfte Seite enthält gar nichts, als die Namen vwi 19» ' 
und die 6iote von eben fo vielen Gelehrten, denen der 
Abfchnitt gewidmet ift, und bey dem erften Abfchmtt des 
zwey ten Bandes find gar 2 i Seiten auf eben dief<^ Art ver- 
fch^»endet, Wem kann das nutzen ? Beffer wäre der Platz 
zur Mittheilung ausgelaßner wichtiger Bächer, oder zur 
oft vergefinen Beftimmung des fcicntififchen Werthes 
anderer angezeigten angewendet worden. — Doch l wegen 
der öftem ünterlaiTung des letztern cntfchuldigt fich Herr 
Lawätz S. X. der Vorrede , oder Einleitung fclbft, befonders 
durch den Mangel an Journalen, und verfpridiit , was er in der 



z^ L0fväfßll^udhuch Uw£:\r> L Tli. i.ü: zter B. 

Frfgc fenjmlc , in Naohträgeit nadizultefern. Beffer wäre 
CS frjßylich gewefen, er hätjte, che er fetia Handbuch der 
PrelTe übergab , feiner et^vas tu fehr eingefchränkt gewefenen 
Lcidtöre gelch^rter Journale vorher die weitern Grannen zu 
geben gefucht , wetche er ihr jetzt , um in Ztrkiinft voll- 
ftändiger feyn zu können, gibt Denn was kann mühfamer 
und befchw^rlicher feyn , als wenn ein Lefer , der in einem 
folchea Handbuch etwas auffucht, zugleich einen Band 
Nachträge in die Hand nehmen mufs , um nachzufehen , 
wap richtig , uurichdg, unvollftändig u. f. w. ift. — Endlich 
fucht Hext U noch dem .Vorwurf auszuweichen, als ob 
CS beffer gewefen wäre , nur die Titel guter Bücher auf- 
zunehmen., vund der mittelmäffigen und fchlechten gar 
keine Erwähnung zu thun. Das ftand nun freylich in 
feinem eignen "Willen , wenn er nur nicht fa viele nöthige, 
nützliche, wichtige Bücher ausgelafTen , und bey atloh feinem 
junverkenntlichen Fleifs und Genauigkeit r in Kleinigkeiten 
nicht fo viele Fehler hätte einfchleichen^ laficn, welche 
in einem fokhen Handbuch in^mer mehr Unheil ftiften, 
al$ in jedem andern Buch. 

Hier will Recenfent gleich die zwey letzten Blätter 
des crften Bandes mitnehmen , welche einige nöthige 
Nach^rinnerungen enthalten. Herr L. gefteht , da(s er den 
VDrtrefliahc;n Bünauifchen Catalogus zum Grunde gelegt, 
.dien gröilen Theil feiner kurzen Anmerkungen daraus ent. 
lehnt habe , . und dem ihm unbekannten Verfaffer Dank 
fchuldig fey. Dais verdient weder Tadel noch Vorwurf: 
aber zu verwundern ift, dafe Herr L. den Verfaffer nicht 
kennet , deffen Name doch jedem Litterator bekannt und 
-in mehrern Büchern angezeigt ift. üafs diefer bekannte 
Name Johann Michael Frank geheiffen hat , und dafs der 
Verfiaffer Bibliothekar bey dem Grafen von Bünao gewefen 
ift, hätte er wenjgftens aus Jugleri bibliotheca liiftoriae 



LawäfzHznAhixck u. C w. I. Th. i u. 2ter B. 233 

Ktterariae fele<aa P. I. p. 112. und 4H- lernen können (*). 
Allein filft fcheint er diefes ihm nothwendige Handbuch 
wenig, oder gar nicht gebraucht zu haben. —^ Darauf 
erbittet er- fich darüber ein Gutdünken der Gelehrten , ob 
er Würde befler gethan haben , wenn er die von ihm an- 
geriömmfetie Eintheilung» in gewiffe Epochen an die Seite 
gelegt hätte und blo6 der älphabetifchen Ordnung gefolgt 
wäre. Er glaubt felbft da^ letztere , tind Recenfent glaubt 
es' auch. Denn es ift'd«ldurch manche Unordnung entftan- 
den ^ die er- felbft nicht läugnen kann. Er hat nämlich 
bey jedem Abfchnitt-^-drey Epochen angegeben, d^ren 
Beybehaltung bey einer neuen Auflage , ja fchon bey der 
Fortfetzung der 'gegenwärtigen niemand wünfchen wird. 
Unter jedem Abfchnitt ftehet (wenn andärs Bücher aus 
jeder Epoche vorhanden find : ) 
Erfte Epoche, bi9 is99* 
Zweyte Epoche von 1600. bis 1699« 
Dritte Epoche von 1700. bis 1799. 
(Warum denn nicht lieber bis 1600? 1700? igoo?) 
Dann ftehen die Büchertitd und über jedem auf einer 
befondem Zeile der Anfangsbuchftabe vom Name des Ver- 
feflers. Mit beyden wird abermals fo viel Platz verfehwen- 
det , als mit den vorhin angeführten unnöthigen Zufchrif- 
ten y mchfs davon zu gedenken , dafs manches Buch in 
einer ganz falfchen Epoche ftehet, wie Herr L. felbft 
nicht läugnet, da er nicht immer die erften Ausgaben kannte, 
wodurch das Nachfchlagen gar oft erfchweret und manche 
Confufion verurfacht wird. Recenfent ift gewifs kein Freund 
der jetzigen Verleger, welchen der Setzer allen möglichen 
Flaz fparen mufs , damit fie ihr Honorarium gut heraus- 



(•) Frank hat fogar feinen Namen den Vorreden zu den verfchiedenen 
Bänden feines Katalogen vorgefetzt M. 



«34 L(rj}ätzHmdbvich u. f w. I. TK i u. atcr B. 

bringen : aber all^r überilüfligen Verlfchwendung des theu- 
ren Papiers iß er dennoch von Herzen gram, befonders 
bey einem Werk , wie diefes ift« das durch unnöüiige 
Nebenfachen immer mohftröfer wird , weil man nicht an 
Sparjmg des Raums. zu nützlichem Dingen gedenket. Von 
mancher Materie enthält die eri|e , ^uch wohl diezweyte 
Epoche nichts. Was braucht es denn da, qrft.die dritte 
Epoche, oft nur. über ein einziges Buch hinzufet^Ma? 
Die Zufchriften » Epochen-Anzeigen und Buchftaben neh- 
men öfters fall eben fo viele Zeilen ein , als die Anzeige 
der wenigen darunter flehenden Büchertitel felbft. Einige 
Exempel mögen diefes be weifen. S. 8^- betragen die 
Epochen und Buchftaben vier Zeilen , und zwey Bücher- 
titel fünf , S. 91. jene fünf Zeilen^ und diefe nicht fechs ; 
und das ifl: die ganze Seite; S. 147. Dedication, Epo- 
chen und Buchftaben 6 Zeiten, und kaum fo viel Text. 
Nimmt man oft die vielen Abfchnitte dazu : fo flehen 
manchmal auf einer Seite mehr Ueberfchriften , dls Bücher, 
z. E. S. 169. Und da ift eril bey drey Abfchnitten juft 
keine Dedication. Zuletzt redet Herr L. noch davon, dafir 
er verfchiedne Bücher ihres reichhaltigen Innhalts wegen 
zwey und mehrmal angeführt habe, (das läfst fich bis- 
weilen entijbhuldigen , ) dafs er fich aber hernach entfchloC- 
fen habe , jedes Buches nur einmal Erwähnung zu thun. 
Aber es flehet auch bisweilen einiges ohne Nöth doppelt, 
oder kommt gar an den unrechten Ort z. E. , S. 262. 
ficht Wolüi hiftoria lexicorum hebraicorum in dem Ab- 
fchnitt von dem Urfprung , dem Alter und den Schickfalen 
der ebräifchen Sprache , und S. 29s* wieder, beyde Mal 
mit einem weitläuftigen Titel , zuletzt unter den "Wörter- 
büchem. Aber fchon der Titel zeiget, dafs es an beyde 
Orte nicht gehöret. Vielmehr folte es bey dem letzten 
Abfchnitt vor den Lexicis flehen , wie z. E. S. 5 ) 9* ein 
Paar ähnliche Schriften von lateinifchen Wörterbüchern 



Lawätz Handbuch u. £ w, I. Th. i u. atcr B. 235 

diefen felbft mit Recht vorgefetzt find. So flehet auch Theo* 
pbi/i Sinceri (angemerkt follte fcyn, da& diefer Name 
eigentlich Scbxpindel htx^Qt ^) Thefdurus bibliothecalis im 
zweyten Band 5. 481. richtig im Abfchnitt von den feltncn 
Büchern, und kommt S. ^ij, wieder am unrechten Platz 
ohne des VerFalTers Namen , als ob es ein anderes Buch 
wäre , unter den üniverfal - Bibliotheken zum Vorfchein. -^ 
Nun nur noch ein Paar Worte aus der Vorcrinnerung 
zu dem zweyten Band. Herr L. fagt darinnen , der Druck 
fey enger zufammen gerückt, (das ift richtig; aber wenn 
Herr L. dem hier gegebenen Rath folgte , fb könnte er 
noch viel mehr Platz gewinnen ) doch habe nicht alles für 
ihn beftimmte Raum darinnen gefunden. Diefes foQ nun 
der dritte Band aufnehmen , der vierte foU ein möglichft 
vollftändiges alphabetifches Verzeichnifs einzelner Biogra- 
phien der Gelehrten enthalten und mit dem crften Nachtrag 
foll das verfprochene Regifter über alle Bände ausgegeben 
werden. Alsdann wird alfo der erfte Theil wenigftens aus 
fiinf ziemBch dickleibigen Bänden beftehen. Damit Recen- 
fcnt nicht in den nämlichen Fehler verfällt ; fo foUen die 
Erinnerungen , die man über das Buch felbft machen 
könnte , nur kurz gefafst und nur mit wenigjen Beyfpielen 
unter vielen belegt werden. — Einiges , vielleicht vieles , 
ftefaet ganz am unrechten Ort , oder gehört gar nicht in 
das Buch. S. 80. hat fich In der Ueberfchrifi: des zwölften 
Abfchnkts die Tachygraphie unter die ' Geheimfchreiberey^ 
verirrt ; doch hat fie hernach S. 86. einen befondem , 
obgleich kurzen Abfchnitt bekommen. S. 28s. ftehen nicht 
weniger, «Is vier Bücher von dem berühmten de Rofli 
mitten unter andern, die von den ebräifchen Buchftaben, 
PunAen , Accenten , u. f. w. handeln , und ihre Auffchrifteh 
zeigen doch deutlich genug, dafs fie in das Capitel von 
der Buchdruckerkunft und zu den typographifchen Amialen 
gehören. Im zweyten Band S. 40). 404« ift Num. 6$i{. 



236 Lawät^ Handbuch u. f, w.J.Th. i u. ztu o: 

Zelfueri centunz corrcftorum cinerley mit Num. 6^16. 
Thcatrum virorum eruditorura. Beyde Ausgaben gehpreii 
nicht in dieftn Abfchnitt von der Corredlur der Bücher » 
fondern es find Lebensbefchreibungen von Gelehrten, die 
fich mit Büchercorrigiren befchäftigt haben. Unbekannt 
y ieb dabey Hrn* L. das Supplement ; Cbr, Meifneri fche- 
ciiarma hilloricq - litter arium de aliquot viris eruditis qui 
fpeciatim typographis quibufdam operam olim praeftiterunt 
laudabilem, Fridericoftadii 17^8* 4- In dem ^pften C.apitel 
von der Buchdruckerkunft ift am meiften Verwirrung und 
Unordnung. Bey aller Weitläuftigkeit fehlt doch ein 
wichtiger Artikel von den Bücherprivilegien, befonders 
den älteften , wo doch zum wenigilen aus der leirztea • 
Epoche Hoffmann, Pütter, Beckmann, am Ende u. C 
w. genennet feyn foUten. Der Gebende Abfchnitt: Ein-^ 
leitungen zur Gefcbicbte der Buchdrucker kunß enthält 
wenige die in diefes Fach gehören : die übrigen alle find 
keine Einleitungen , (bndern Befchreibungen einzelner felt- 
ner Inkunabeln. S. 4,4.0. haben fich die bekannten Htr&hj« 
fchen Millenarii , die das i^te Jahrhundert angehen , in das 
ifte Jahrhundert verirrt. S. 47 ^ u. f. flehen unter d^ 
Schriften , welche von den merkwürdigen Schickfalen einiger 
Rücher handeln, Frey tags Nachrichten, JVIafch Beyträge, 
Reufs Befchreibung merkwürdiger Bücher, und alle drey 
liefern Nachrichten von felcnen Büchern, nicht aber blos 
von Schickfalen, gehören alfo in den folgenden Atifchnitt. 
Dagegen möchte man einige weiter unten S. 48^. befind, 
liehe Schriften hieher rechnen , wie auch J. K. K. Oelrichs 
diiTert. de bibliothecarum aclibrorum fatis, inpnqiis libris 
comeftis , und eben deflelben dilT. de bibliotheea Neptuni 
& aliis rebus litterariis. S. 47 g. fliehen Gemeineys Nach- 
richten, welche an einen andern Ort zu den Beschrei- 
bungen der Inkunabeln gehören. S. 739. wird Koecheri 
Bibliotheea Symbolicae theologiae &q. unter den Privat« 



Lawdtz Handbucli ti. f. w. I. Th. i u. 2ter ß. 237 

bibliotheken aufgeftellt , ob fie gleich ein Verzeichnifs fym- 
bolifchcr, cathechetifcher und liturgifcher Bücher enthält, und 
eben fo , wie die Feuerlinifche bibliotheca Symbolica in 
ein ganz anderes Fach gehört. Auch die Merkwürdigkeiten 
der Zapfifchen Bibliothek S. 749. find kein Bücherkata- 
logus , fondern eine Befchreibung feltner Bücher und Hand- 
fchriften. Oelrichs Beyträge S. 757. enthalten mancherley 
litterarifche Nachrichten , nicht blos von Handfchriften , 
unter denen fie hier aufgeführt find. 

Unter der groflen Menge von ausgelafsnen Büchern 

' will ich nur einige , infonderheit von wichtigen nennen« 
Im erften Theil S* 116. kommen die Schriftfteller von der 
älteften Sprache vor, davon wohl viele in den Abfchnitt 
von dem Alter der ebräifchen Sprache S. as7 u. £ gehören 
möchten. B^eyde Abfchnitte find unvollftändig , und ich 
berufe mich nur auf Carpzouii Critica facra p. 178. und 
die von ihm angeführten Scribenten. Verwirrung zu ver- 
meiden , hätte Hr. L. ungefehr folgende Abfchnitte machen 
(ollen : von der allererften Sprache überhaupt ; Bücher , in 
welchen die hebräifche dafür erklärt wird ; ( diefer find 
viele , ) Bücher in denen mit der hebräifchen den andern 
morgenländifchen Dialedten ein gleiches Recht zugeflanden 
wird; (dahin gehört befonders Ravius , HinkelmanH^ 
u. f. w) Bücher, in welchen andre Sprachen, z. E. die 

• griechifche , für älter , als die hebräifche gehalten werden , 
(wovon hier unten S. 261. eine Diflertation Num. 146 }• 
vorkommt,) und dergleichen mehr. Eben fo wenig ift 
der Abfchnitt von der Sprachenverwirrung S. 118. voU- 
ftändig. Es fehlt z. E. Quenflied de mixtione linguarum, 
"Witteb. t6s6. J. Buxtorf de confufione linguarum , (inter 
difputationes philologico - theologicas* ) und andre mehr» 
Zu dem Abfchnitt von den Schreib - Materialien und vom 
Papier S. 92. liefern Breitkopf und tFebrr befsre Bücher- 
Nachrichten. Das Buch des letztem: vom Papier und 



238 Laioät» Handbuch u. £ w. {• Th. i u. 2eer B. 

den vor der Erfindung deflelben üblich gewefenen Schreib« 
' maffen , I. Theil , konnte zwar Herr L. noch nicht brau« 
chen , da es erft I7S8- herauskam. Aber von dem 
crftern führt er S. 94. nicht einmal den Titel recht an. ^ 
Verfuch den Urfprung der Spielkarten , die Einführung 
des Leinenpapiers und den Anfang der Holzfchneidekunfl 
in Europa zu erforfchen , I Theil 1784. Von dem be- 
kannten franzöfifch und teutfch vorhandnen neuen Lehr- 
gebäude der Diploraatik ift hier tiefes Sitillfchweigen. 
Zu S. 126. möchte wohl Jac. Carpov de perfedtione 
linguae, Jen. 17? q. 8. gehören. S. 24^. fleht unter der 
idel verfprechenden AufTchrift: Chreftomathien , Antholo- 
gien und Lefebücher , gar nur ein einiges Buch, eine 
teutfche Creflomathie , da es doch jetzt viel dergleichen 
Bücher giebt. Unter den Sprachlehren der hebräifchen 
Sprache S. 27t.vu. f. fehlen unter andern Jo. Buxtorfii 
thefaurus grammaticus linguae S. hebraeae, wovon fchon 
16^1. die fünfte Ausgabe 8* heraus kam. Alberti Schultens 
inftitutiones ad fundaraenta linguae hebraeae Lugd. i7n» 
H. E. Güte Anfangsgründe der hebräifchen Sprache , Halle 
1782. 8- und andre mehr, deren Murfmna in encyclopaedia 
theologica p. 7s- gedenket, welchen ich noch G. P. Zenkels 
commentarium gramraaticum, Jena 1748. u. f. in drcyTheilen 
beyfüge. Die S. 278. angeführte Grammatica ebraea Mar- 
chica wird wohl Fundamenta linguae hebraeae in vfum 
juuentutis marchicae Pauli Volckraanni heiflen foUen. Unter 
den Scribenten von den hebräifchen Abbreviaturen S. 288. 
follte man doch billig ganz zuerft den Joh. Buxtorf de 
abbreuiaturishebraicis, Herborn. 1708* als den Vorgänger 
der übrigen erwarten. 

In dem zweyten Band ficht es oft eben fo mager aus 
und es fehlen oft manche Hauptbücher« Da S. )96. der 
Artikel vom Buchdrucker aus der Krünitzifchen Encyclo- 
padie angeführt ift , warum nicht auch diefer und andre 



Lawäiz Handbuch u. C w. !• Th. i u. 2ter B. 239 

Artikel von Büchern aus dem groflen Encydopädifchen 
Werke, das Varrentrapp und Wenner zu Frankfurt ver- 
legen ? Weil S. 411. Menckens Supplemente zu den 
IMalttairifcheä Annalen flehen ; fö follten auch die erft 
unten Num. 67$ s* vorkommenden Scheihornifchen die 
man nicht dort, fondern hier fuchet, heraufgezogen wer- 
den« Faft unglaublich ift es , dafs S. 426. unter den 
Schriftftellern, welche Strafsburg die Erfindung der Buch- 
druckerkunfi zufchreiben , das Hauptbuch fehlt: Scboepflini 
vindiciae typographicae Argentor. 1760.gr. 4. denn niemand 
war ja eifriger für Strafsburg eingenommen und*fchrieb 
fcheinbarer , als Schopflin. Eben fo fieht es in dem fol- 
genden Abfchnitt von den Schriftflellern aus , welche die 
Erfindung den Holländern und der Stadt Harlem zufchreiben. 
Da fehlt gar das prächtige Werk : Qerardi Meermanni 
origincs typographicae, Hagae Comitum 1765. in zwey 
Bänden, worinnen zwar der Kofterifche Roman zu Harlem 
fehr fcheiid)ar ausgefchmückt iil , aber doch zugleich über 
die Erfindung, der £unft und über die erften Bücher vorf 
trefliche Anmerkungen vorkommen , welche man fonfl 
nirgends antrift. Von dem Herrn von Heinecken ^ der 
den Meermann gründlich wiederlegt und fonfl auch manches 
nützliche in diefem Fach gefchrieben hat , fcheinet Herr 
L. auch nichts zu wlffen. Im 22fl:en Abfchnitt S. 4jg. 
von den ältelten gedruckten Büchern fehlt vieles. Z. E. 
nur zu einer kleinen Probe : Audiffredi catalogus hiilorico- 
criticus romanarum editionum Seculi XV. Romae 178?. 

4. mal» Fr. Xav, Laire fpecimen hiftoricum typographiae 
Romanae XV. Seculi 1779* 8* Stept. Alex. /Fürdtwein 
bibiiocheca Moguntina, Aug. Vind. 1787. 4. mai. — 

5. 440. ift bey dem index editionum , quae Romae primum 
prodierunt nicht nur der Name des Verfaflers , Cardinal 
Quirini, fondem auch die andre Ausgabe, die der fee). 
Schelhom 1761. .^u Lindau drucken liefs , au^^elafleq. 



Z40 Lctw&tz Handbuch ü. f. w. I. Th. i u. ister B. 

Jene kann man in Teutfchlarid gar nicht bekommen. 

S. 4SS. ftehc C7. Khtzius de Hbris, autoribus fois fatalibus , 

und S, 473. Joi&. C^r. /f/or» difpütatio de libris &c. 

Beydes ift ein Buclr, aber in beyden Stellen fehlt die 

neue vermehrte Ausgabe , die 2Ü Leipzig 1761. heraus 

"^kam. Zu LmgnHbs Beyträgen S. 480, wo noch auf dem 

Titel flehen foUte t mit befondrer Rückßcbt auf die Nu- 

mifmatik^ gehören auch feine Nachrichten zur Büchef- 

und Münzkunde , IL Theile, Danzig 1780. 1782. g. und 

Neue Nachrichten zur Bücher - und Münzkunde L Band 

IL Thdle , Danzig und Deffau 1782. 8. S. 476. fehlen 

unter andern die bekannten Baumgartenifchen Befchreiburt- 

gen feltner und merkwürdiger Bücher in 20. Odbavbänden, 

die ich zu meiner grofsen Verwunderung unter S. 706. 

unter den Caitalogis von Privatbibliotheken entdecke, ohne 

da& nur die Anzahl der Bände genannt ift. loh halte 

diefes nicht für Nachläfligkeit ^ fondern für einen Beweifs 

finter vielen , dafs Herr L. bey Ausarbeitung feines Werkes 

die nöthigften und nützlichften litterarifchen Quellen gar 

nicht bey der Hand gehabt hat. Die Nachrichten von 

einer Uallifchen Bibliothek betragen 8 Bände und die 

folgenden 12 enthalten als die Fortfetzung die Nachrichten 

von merkwürdigen Büchern nebft dem Hauptregifter. Und 

das kann Herr L. für einen Büchercatalogus anfehen? — 

S. 496. fehlt unter den Regifterh der verbotenen Bücher 

das neuefte und hefte, das unter der Aufficht des Cardinais 

Quirini als Praefidis S. congregationis indicis heraus kam 

und die Supplemente deffelben, welche der Herr Canzler 

Lc Bret in feinem bekannten Magazin geliefert hat. Uebtft 

diefes find die indices felbft und die commentationes 

darüber fehr feltfam unter einander hineingemifoht: -^ 

Weil einmal S* SH- eine AniJierküng von einigen Schriften 

über das Augsburgifche Interim als ein Buch da fleht; 

*£> foUte biUig auch Bieks dreyfaches Interim und die 

Uachricfitcn 



Lawätz Hdtndhuch u. f. w. L Th. i u. 2ter B. 24t 

Nachrichten , welche Sebvoindel^ WeUer und andre von 
interimiftifchen Schriften gegeben haben , ein gleiches 
Recht genoffen haben. Eben fo einfam ftehet S. 607* 
Kraftt neue theologifche'Bibliothek da, und ihre Begleiter^ 
oder Nachfolger, Emeßi^ Doederlein , die Quedlinburger 
Bibliothek und andere mehr werden vermifst. Ueberhaupt 
aber ift der ganze Abfchnitt wieder fo mager gerathen , 
daß man unmöglich damit zufrieden feyn kann. Unter 
andern könnte man die Lücken ausfüllen mit Joacb. LungH 
inftitutionibos fludii theologici iitterariis, Hai. 1724. 8< 
Herslebii bibliotheca elegantioruirt difputationum in illöftriora 
& feledkiora veteris & noui teftamenti loca &c* Hafniae 
*7S9- 4« Sam. Murßnna^ primis lineis encyclopaediae 
theologicae , edit. IL Hai. 1784. 8. T). G. 'Niemeyerf 
Prediger Bibliothek u. f. w. HL Theile, Halle 1782. u. fi 
gr. 8. und vielen' andern mehr. — Im Abfchnitt von den 
in einem gewiffen Zeitraum gedrückten Büchern S. 629* 
hcrrfcht ein ähnlicher Mangel. Zuletzt ftehen gat Herrrt 
Seemißers incunabula typographica biblioth- Ingolftad* Die 
beffer in einem andern Abfchnitt ftandert. Abet wenn fie 
nun hier ftehen follen ^ warum werden itrm Hyerup ^ 
Gemeiner , ( der fchon am rechtien Ort ftand , ) Andti 
Straufs ^ u# a. m. nicht auch genennet? S. 671. fehleit 
bey der Nürnberger Bibliothek des Herrn ^on Murr Bc* 
fchreibung der vornehmften Merkwürdigkeiten in des H. R, R. 
freyen Reichsftadt Nürnberg &c. 1778. und eben deffelbett 
Memorabilia bibliochecarum publicarunt Norimbergenfim & 
vniüerfftatis Altorfinae, in zwey Bänden 1786 n. f. gr. g^ 
Wenn endlich unter den Nachrichten von Manufcripteii 
S. 759. eine der neueften und wichtigftenr DiffertatJo irt 
aureum ac peructuftum SS, euangeliorüm codicem' MS. 
monafterii S. Emmeranti Ratisbonae atudtore F. Cohniafim 
Sanft L^ 1786. 4. mai. aüsgelaffen ift^ fo mag es zum' 
Beweife dienen y da& Herr L. lang nicht fo viele gelehrte 

2 



242 Laujatz Handbuch u. f. w. I. Th. i u. ater B. 

Zeitungen und Journale liefet , als er bey dem fichtbaren 
Mangel befsrer Hülitsmittel zur Ausführung (eines Vorhabens 
nöthig hätte. Auch kann man hieher nehmen : Seb. &e- 
MUer programma theol. notitiam continens de antiquiflimo 
codice MS. latinam quatuor euangeliorum verfionem com* 
pledtente , & in bibliocheca academiae Ingolftadienfis ad* 
feruato, Ingolft. 1784. 4* 

Da ich fo viele Unterlaflungs -Sünden (und doch find 
das noch die wenigiten , ) gerügt habe ; fo mufs ich doch 
Hrn. L. auch noch wegen einer entfchuldigen , die ihn^ 
mit Unrecht beygemeflen worden ift. Der Recenfent Hg, 
in der Oberteutfchen Licteraturzeitung fagt : er habe unter 
den Univerfltäten S. 160. j£r/a»^eii ausgelaflea Alleines 
flehet würkiich S. 16) , und der Recenfent fehlte blofs, 
dafs er es vor Erfurt fuchte , da es erft darauf folgen mufi. 
Sonft aber hat er freilich Recht , dafs auch in diefen 
Nachrichten manches fehlet* Auch Prc^ fehlt nicht , 
fondern fleht im zweyten Abfchnitt S, 148. von den 
Univerfltäten in Böhmen. — Einige andre. Erinnerungen 
kann ich nur hoch kurz faflen. Sogar in den Dedicationen 
giebt es Fehler^ die zum Theil lächerlich find. S. 144. 
im zweyten Band ift der 1 2te Abfchnitt Herrn Dodtor und 
Prediger Schlegel zu Erlangen gewiedniet. Wer diefer ift, 
das wird niemand wifTen. Vermuthlich ift es Herr D» 
Gottlieb Schlegel^ Paftor und Infpedlor der Domfchule zu 
Riga, von welchem bald hernach Num. ?io;. ein Buch 
vorkommt. * ) S. 409. heifst der Herr Profeffor Keif zu 
Ingolftadt Kirchenratb. Das follte heiffen : geißlieber Ratb. 
JS. 429. wird Herr Zapf zum Hcffendarmftädtifchen Re- 
giehingsrath und Amtmann zu Allendorf an der Lomb 
gemacht. Das ift etwas unerhörtes. S. 47^. aber hat e^ 
die Ehre , dafs ihm noch ein Abfchnitt dedicirt wird , 

" ' ' ' K 

*} Diefer Gelehrte hat zwar In Erlangeli die theoL DoAorwürdc 
erbalten , aber nie ein Amt dafelbft bekleidet, ßl. 



Lawät2 Handbuch u. f. w«^ I^ Th. i u. ater B. 14} 

als Hof-und Geheimen-Rathe , wie auch Kaiferl« Hofpfate- 
grafen. Das läfst fich nun hören: aber es foUte doch 
deutlicher ausgedruckt feyn. S. 629.'hei{st die Dedicatioit: 
Herrn Canonico , KircbeHnUb — — Seemiller 2u IngoU 
fladt ^ fehr unverftändlich. Kircbenratb raufs wieder heiffen: 
Geißl. Satb. Canonicus aber fällt weg. Viele Profeffof- 
Stellen auf katholifchen Akademien iverden mit Klofter« 
geiftlicben befetzt. Jeder zeiget dailn gemeiniglich bey 
feinem Namen auch den Orden an , in welchen er getreten 
ift. ^enn fich alfo Herr Seemiller /Canonicum regulärem 
FoUinganum nennet , fo heifst das , er fey , ehe er Profeflbf 
wurde, ein GeiiUicber im Auguftiner-Klofter zu Fdlingen 
gewefen. — Wenn ein Buch mit Recht zweymal ang^-« 
fuhrt ift; fo foUte bey der letzten Numet auf die erfte 
verwiefen feyn , weil es manchmal zur VoUftändigkeit der 
Nachricht dienet. So ift es z. E. mit EraDni adagiis welche 
S. 4)6. und f 86. des erften Theils ftthen. — ^ Bisweilen aber 
wird Ein Buch zweymal angeführt , als ob es zwey wären. 
z. E. im zweyten Theil S. 481« ift Num« 698^ nichtf 
anders, als Num. 697)« G. Serpilii Verzeichnifs rarer 
Bücher, nur mit AuslafTung des Namens des Verfaifers« 
Die darauf folgende Numer 6978^ Theoph« Sinceri notitia 
175 1. aber kam eigentlich 1748- heraus, und bekam in 
jenem Jahre nur ein anders Titelblatt ^ welches ich beylaufig 
bemerke , damit nicht ein andrer auch aus Einem Buch 
zwey mache. — Manche Numern find gar auszufhreichen. 
Num. 6988- Zapf catak>gus libr. rarift 1786^ ift ein 
blofTes InkunabelnVerzeichnifs, gehdrt alfo nicht unter die 
Nstchrichten von felcnen Büchern. Num. 74.79« Palms Ver^ 
zeichnifs ift nichts, als eitf Buchhändler »Cataloigus. Num.^ 
7S9f. ift nur ein Regifter über die erften Bände der 
Krafcifchen fheoL Biblioth, freilich beirer^ als ein ändert, 
aber als ein fdches war es fchon vorher bey dem Buc^ 
felbft genennet, Num. 798)>^ nichts wie hier durch ei^ett 
Druckfehler flehet , s783# 



244 ■ ' '. 

6. 

Neue Nachrichten von Künftlcrn und Kunftfachcn. 
Erßcr Thcil^ mit Kupfern. Dresden und Leipzig 
bey J. G. J. ßreitkopf 1786.gr. 8. 470 Seiten, 
ohne Vorred und Regifter. 

Was man m diefem Fach von dem berühmten Herrn 
von Heinecken , als einem der gröfsten Kenner , zu er- 
warten hat , das weifs man fchon aus den beyden Theilen 
feiner Nachrichten von Künftlern und Kunftfachen , denen 
et nun diefe neuen Nachrichten beyfüget , zu deren 
I4ngen Fortfetzung ihm gewifs jeder Gefundheit und 
kräfce im Alter anwünfchen wird. Mit Vergnügen zeige 
ich den Innhalt diefes erften Theils an. I. Verbefferungen 
einiger Stellen der Humbertfchen Nachrichten von einigen 
in Berlin gelebten Künftlern. Stehen fchon in der alige- 
meinen Teutfchen Bibliothek und Herrn Nicolai Befchrei- 
bung von Berlin : einiges aber ift hier wiederholet und 
erläutert. Ein ziemlich unhöflicher Critiker , der fich 0. 
bezeichnete, gab dazu Gelegenheit. II. Von den Chodo« 
wiekifchen Kupferftichen. Nur zwey Seiten , theils weil 
fchon in den Meufelifchen artiftifghen Mifcellaneen ein 
Verzeichnifs davon flehet, theils , weil noch kein Ganzes 
davon geliefert werden kann. III. Noch etwas von einigen 
Künfllern , die in Dresden gearbeitet haben ; worüber man 
auch , fo wie über einige andre Stücke , die Vorrede nach- 
lefen mufs. Etwas zur Ergänzung und Berichtigung der 
Lebensgefchichte J. W. E. Dietericb in den Meufelifchen 
Mifcellaneen , Heft %. S. 4^. Von Ifmael Mengs und 
feinem Sohn RapbaeL Von Stephan ToreOi y einem ge- 
fchickten Mahler im hifl»rifchen Fach , den man nicht nach 
feinen Portraiten beurtheilen mufs. Von Joh. Anton Riedel 
imd feinem Sohn , Anton Heinrich, ein Verzeichnifi ihrer 



(»• Heinecktn) Neue Nachr. v. Künftlern. I. Th* 145 

Arbeiten. Von der Dinglingerifchen Familie. Von Winkel- 
mann , einem gelehrten Kenner und Schriftfteller der 
Alterthümmer , aber nicht groffen Kenner der bildenden 
Künfte. Der König von Polen wollte ihn nicht zum 
Dire<^or der Galerien und Kunftkabineter zu Dresden 
machen, ohngeachtet der Herr von Heinecken ihm diefes 
Amt gern abgetreten hätte. Defswegen gieng er nach 
Rom« In der Berliner Monatfchrift.. 1788. ftehen andre 
AufTchlüfTe über diefe Gefchichte. — . Eben fo mifslang dem ^ 
Herrn von H. fein Anfchlag, den Herrn von Hagedorn 
an diefe Stelle zu bringen , der fie aber nach des Königs 
Tode doch erhielt , aber dem Herrn von H. feine guten 
Gefinnungen fchlecht vergolten hat, u. f. w. IV. Georg 
Friedrich Schmieds in Berlin Kupferftiche , über welche 
in der Vorrede ebenfalls noch einige Erläuterungen geliefert 
werden. V. Einige Anmerkungen und Berichtigungen in 
Kunftfachen : das wefentliche eines Schreibens an den 
Wiener Buchhändler Kraufe, vom Jahre 1771 , in welchem 
Herr von H. fich wegen einiger Beurtheilungen feiner 
Nachrichten von Künftlern und Kunftfachen , auf eben die 
Art , wie man ihm begegnete , vertheidiget hat , mit 
Wcglaflung deffen , was zu dem damaligen Streit gehörte ^ 
und verfchiednen Zufötzen zji dem , was die Kunft angeht« 
Das Streiten kann ^r indeflen hier nicht ganz laffen , 
fondern bricht S. 9^ , wie in folgenden noch öfters, eine 
Lanze, mit dem Herrn von Murr , der ihn freylich öfters 
zum Zorn gereizet hat Er fagt , es fey niemand gefchickter , <• 
als derfelbe , den Liebhabern der bildenden Künfte unendlich 
viel nützliche Nachrichten zu verfchaffen , wenn er mit 
mehrerer Ueberlegung, Aufmerkfamkeit und Beurtheilung 
feine Erfahrungen und Entdeckungen mitthcilen wollte. 
AUein , fo werfe er die Kunftnachrichten gemeiniglich 
flüchtig auf das Papier hin , lafle die Taufhamen der 
Künftler weg 9 was er - Anfangs nur als MuthmafTungen 



t46 {v. Heinecien) Neae Nachrichten 

anführe, gebe er in der Folge für gewifs aus, begehre, 
dars jedermann für richtig halten folle, was er dafiir hält, 
Ichimpfe darauf, wenn man anderer Meynung fey, ihm 
thue er die Ehre an , es feinem Alter zuzufchreiben , wenn 
er ihm nicht gleich denke; als ob er fchon ktndifch 
^ geworden wäre u. f. w. Doch fetzt er hinzu, Liebhaber 
feyen ihm für verfchiedene Nachrichten z. E. vom Albrecbt 
J)ürer , unendlichen Dank fchuldig , und wünfcht , dafs 
diejenigen, Mfelch^ ifich auf die Künftler - Hiftorie legen, 
ohne Eigendünkel , liebreich die Fehler andrer verbeflern 
möchten. VJ, Anmerkungen über PapiUons Gefchichte der 
Formfeh neiderey. Ein fehr gefchickter Formfehneider in 
Paris , aber ungefchickt mit dem Kopf zu arbeiten , ein 
Schriltfteller in dejr heften Einfalt, und ohne Arglift, der 
fich aber nicht bekümmert, ob feine Nachrichten wahr 
oder faifch find. Sein Träite hiftorique & pratique de la 
Gravüre en bois 1766, der voller Fehler, läppifchen 
Anmerkungen und verführerifchen Nachrichten ift, ift fogar 
in der Bibliothek der fchönen Wiffenfchaften angepriefen 
worden. Eine ganze Menge Fehler, die hier von ihm 
angeführt werden , wiederlegen diefes Lob hinlänglich. 
Uebrigens lernet man aus diefer Recenfion viele alte 
Formfehneider und auch eim'ge alte gedruckte Bücher mit 
Holzfchnitten kennen. Zu S. iii. wo die ältefte Auflage 
von Eufebii Gefchichte Alexanders, zu Augsburg I4.7). 
angefahrt wird, mufs ich anmerken, daß es noch eine, 
eben dafelbft 1472 gtebt, wie Herr Panzer in feinen 
Ännalen S. 70* bemerke hat. S. 112. mu(s es anftatt 
p/a»W^fT heiflen Plaubitfr. S. ii<. fehlt noch eine 
Strafsburger Ausgabe 1^09. vermuthlich von Johann Grie- 
ninger.. VIL Etwas von der Formfchneiderey und den 
Spielkarten, Zufätze und Erläuterungen, zu Herrn Breit* 
kopfs Verfuch. Wiedcrlegungcn des Herrn von Murr 3 
Ton dem «r S. i}7 fagt , was er in feinem JouriwL von 



vop'Künfllem. L Th. 247 

der Formfchneiderey abgehandelt habe , das habe er gröfs. 
tentheils ihm nacbgefchrieben. Formrchneider vor Albert 
Dürer f und zu feiner Zeit Verzeichnifii von dten Holz* 
fchnitten ohne Namen des Formfehneiders. Nachrichten 
vom Aib. Dürer und ein ftarkes Verzeichnifi feiner Holz* 
fchnittc^ VIII. Etwas von der Buchdnickerknnft. In diefem 
Fach befitzt der Herr V. eben fo viele und fdtne Kennt- 
nüTe, ab in dem vorhergehenden, und was er hier zur 
Aufklärung diefer noch immer dunkehi Gefchichte mittbdlet« 
verdienet allen Dank. Zwar hat er Herrn Breitkopf alles , 
was er auf feinen vielen Reifen in dieiem Fach gelammelt 
hat , übergeben , und wünlchet nichts mehr , als feine 
fchon b lang verfprochne Buchdmdfierkunl^efchicbte baldzv 
fehen. Allein , diefes wichtige Werk ganz vollendet zu 
fehen, das wird wohl bey feinem zunehmenden Alter 
unter die frommen Wünfche gehören, deren ganze Er* 
füillung zwar fehnlich gehoft wird , aber nie vollkommen 
zu erwarten ift, ob fie gleich erft neuerlich wieder ver* 
fprochen wurde. Alles » was Herr von H. hier fiigt , ift 
lefenswürdig , obgleich manches nur blofle Mnthmaflung 
ift. Doch kann ich ihm nicht überall beypflichten , fondern 
tweifle an manchen Behauptungen, z. E. S. d27* heifit 
es, wenn eine Bibel von 14^0. exiftire, fo muffe fie 
von eben folcben Buchftaben feyn , wie die Miflalbücher 
ehmalr gefchrieben worden und noch gefchrieben und ge- 
druckt werden , und wie der Pfidter von 14^7. ift. Den 
Ausdruck eben folcbe lafle ich gelten , wenn von der 
Aebnlicbkcit der Lettern die Rede ift , aber von der 
Gröffe kann ich ihn unmöglich gelten laflen. Denn es 
giebt zweyerley Miflalbuchftaben , fehr grofle , mit denen 
der Pfalter 1457 gedruckt ift, und verfchiedne alte Meß- 
bücher gefchrieben find , und kleinere oder ordinaire , 
mit denen die meiften zuerft gedruckten Miflalien und ein 
paar alte Bibeln , die man für die erftern hält, abgedruckt 



248 {v- Hcinecken) Neue Nachrichten 

find f und auch diere kleinern Miflalbuchftaben find in 
Abficht auf ihre Gröffe öfters wieder ziemlich verfchieden. 
Der £ Scbelborn irrte gewifs nicht, wenn er behauptete , 
feine alte Bibel fey mit Miffalletterii gedruckt, ob fie 
gleich kleiner find, als die im Pfalter 14^7. Denn er 
hatte vorher viele Miffalien in Händen gehabt, und fie 
bin und wieder befchrieben , konnte alfo eben fo gut 
davon urtheilen, als Scböpflin^ Meermann ^ und andre 
Kenner. Eben fo wenig kann ich Herrn von H. Beyfall 
geben , wenn er S 2)4 u. f. behauptet, die bekannten ^ 
Stellen Tritbems und des Kölnilchen Chronikenfchreibers 
laffen fich eben fo leicht, oder noch leichter vom Pfalter 
14s 7 als von einer' 14^0 angefangenen Bibel erklären» 
und dann muthmaflet, Guttenberg und Fauß möchten 
vielleicht Anfangs Willens gewefen feyn , die ganze Bibel 
eben fo , wie den Pfalter , zu drucken. So thöricht 
werden fie hoffentlich nicht gewefen feyn, fich ein £0 
koftbares und ungeheures Unternehmen einfellen zu laffen , 
wovon fie fchon die Gröffe des Pfalters, der wegen, den 
fchr groffen Buchftaben nur 20 Zeilen auf jeder Seite hat , 
nothwendig zurückfchrecken mufste. Doch ! es wäre hier 
«u weitläuftig, mehr davon zu fagen. IX. Nachrichten von 
einigen der erften mit Holzfchnitten gezierten und nach 
Erfindung der Buchdruckerkunft gedruckten Büchern. Ein 
fchätzbares Verzeichriifs , deffen Fortfetzung, die im fol- 
genden, Theil verfprochen wird , gewifs von vielen mit 
groffer Begierde erwartet werden wird. Unter 22 Numern 
find hier blofs fo viele Bucher ohne Jahrzahl befchrieben , 
aber von den meiften 5Jugleich mehrere Ausgaben mit der 
Jahrzahl kurz angezeigt. Von der Hiftorie von Troya giebt 
es auch noch eine Strafsburger Ausgabe durch Joh. Knob- 
lauch i^io, die zu S. 262, gehört; und von den 24. 
Alten S. 2^4. eine Augsburger 1485. vom Anton Sorg, 
und eine Straßburger durch Johann Schott 1500. beyde 



von Künftlern. I. Th. 249 

mit Holzfchnitten ; von dem Leben der heiligen Altväter 
S. Ä67. noch eine Augsburger von Anton Sorg. Im folgenden 
Jahrhundert find drey Strasburger bekannt 1907- is^l» 
1516. Von dem Bruhellus in fpeculo ftultorum S. 29^. 
giebt es noch eine Cölner Ausgabe 1499. welche Herr von 
Murr in feinem Journal, Th. XIV. S. ^62. hinlänglich 
befchrieben hat. Die chyromantica fcientia ift auch Paduae 
per mag. Matthaeum Cerdonis &c. 1484. und zu Mayland 
'49<^ gedruckt. X. Entwurf einer Kupferftichgefchichte. Von 
deren teutfchen Meiftern vom erften Urfprung a«, nebft 
dem Fortgange diefer Kunft. Der weitläuftigfte und müh- 
famfte , vielleicht auch der wichtigfte Artikel im ganzen 
Buch. Sehr befcheiden nennet es Herr von H. einen bloflen 
Entwurf, von welchem die Fortfetzung künftig erfolgen 
foll. Wenn Kenner und Liebhaber dazu beytragen , fo hoft 
er , dafs mit der Zeit ein Ganzes entftehen könne , welches 
fehr zu wünfchen ift. Nach verfchiedenen Anmerkungen 
über die Zeit der Erfindung , die Art derfelben , den Ort 
wo ? u. f. w. ( er glaubt , die Kupferfl:iche feyen in 
Teutfchland von einem Goldfchmied erfunden worden , ) 
folgt ein fehr weitläuftiges Verzeichnifs in fünf Abtheilun- 
gen : I. alte Kupferftiche ohne Zeichen und Namen. 2. 
mit Zeichen , oder ChifFern , doch ohne Jahrzahl und 
Namen vor i^oo. ;, mit Jahrzahlea , mit und ohne 
ChifFern , doch ohne Namen eines Meifters. 4. die , wovon 
man die Meifter kennet , es fey , dafs fie fich felbft genannt , 
oder nur durch Zeichen zu erkennen gegeben haben; <;, 
wird blofs von den Meiftern und ihren Manieren gehan- 
delt, welche nach Albrecbt Dürers Zeiten gelebt haben, 
aber ohne Verzeichnifs ihrer Arbeiten. S. 40|| u. f. wird 
vom Martin Schön^ und S. 4}6. von dem Ifrael von 
Mecbeln oder Mekemn ^ einem der erften Kupferftechet 
gehandelt, die zur vierten Abtheilung gehören, von Ati 
fünften aber findet fich in diefem Band noch nichts. Bey 



^^o Wehrs vom Papier u. f. w. r. Thcil. 

einem Kupferftich Martin Scböns S. 412. Num. ir. f« 
wo es heißt y zu feinen Füflen fitzen zwey Hunde , davon 
einer ein Bolognefer, oder Pudel ift, mufs ich noch an« 
merken , dafi nur das Bolognefer Hündchen fitzt, und 
ein andrer ; der einem Dänifi^hen Spitz gleich fieht , vor 
ihm ftehet , den jener recht natürlich ankirret Den Befchluß 
macht ein Regifter von fieben Blättern« Auf zwey Kupfer- 
blatten find zwey der älteften KupFerftiche , die S. 281, 
befchrieben find , und alle Merkmale der erften Erfindung 
an fich haben , abgebildet. — Diefe kurze Anzeige fey 
genug von einem Buche , das den Beyfall eines jeden 
Kunflkenners , fo wie jeden Litcerators , verdienet , und 
würdig i(l, nicht nur gelefen , fondern auch fludiert zu 
werden. 



Vom Papier und von den vor der Erfindung def- 
felben üblich gewcfenen Schreibmaffen. Von 
Georg Friedrich Wehrs. Erfler TheiL Hannover 
1788. 8. I. Alph. 10 I Bogen. 

JLIcr Herr Verfafler hatte fchon im Jahr 1779. eine kleine 
Schrift feft unter der nämlichen Auffchrift herausgegeben^ 
die in Herrn Mcufcls hiftorifcher Litteratur für das Jahr 
1782. Stück 9. S, 2S4. angezeigt ift. Zu dem Endzweck 
wozu fie beftimrat war , war fie bey aller Kürze und 
UnvoUkommenheit brauchbar, und in fo fern hätte er 
ihrer hier in der Vorrede gar wohl gedenken dürfen. 
Aber er fagt kein Wort davon» Von gröfferer Brauchbarkeit 
ift freylich die gegenwärtige Schrift, obgleich Herr W. 
fehr befcheiden davon redet. Er fagt, das Verdienft bey 
einer folchen Arbeit fey an fich gering ; deim der könne 



Wehrs vom Papier u. f. w. i* ThciL 251 

am vollftändigfien über folche Dinge fchreiben , der Zeit 
und Gelegenheit habe , die mehrften Data zu compiliren , 
und, im Stande fey , fie mit kritifchem Auge zu prüfen und 
gehörig zu ordnen. Wer nicht Zeit und Gelegenheit hat^ 
gröfTere Werke durchzufehen , dem muft eine folche 
Compilation immer willkommen feyn , befonders auch , weil 
fie mit volUländigen und langen Anmerkungen verfehen ift^ 
bey denen man öfters das Nachfchlagen andrer Bücher 
erfparen kann. Der Innhalt des erften Theils begreift 
folgende acht CapiteL Von den vor der Erfindung des 
Papiers gebräuchlichen SchreibmafTen. Vom Aq^ptifcheiif 
und vom Baumbaftpapier. Vom Pergament. Vom bäum* 
wollenen Papier. Vom Linnenpapier. Vom chinefifchen 
Papier. Vom japanifchen, perfifchen , tibetanifchen und 
bindoftanifchen Papier. Vom Verfall der Papiermanußiduren 
und den Mitteln folchem vorzubeugen. Zusätze. 

Üeber ein jedes Capitel etwas zu Tagen , möchte zu 
weitläufbig feyn. Ich will mich daher hauptfachlich nur 
bey dem 4ten und ^ten von dem Baumwollenen und 
leinenen Papier aufhalten, und von andern nur etwat 
weniges anmerken, z. £. S. 102. fuhrt Herr W. einige 
ganz auf Pergament gedruckte Bücher an. Von der erftea 
Bibel redet er zu flüchtig und unrichtig, von andern 
Büchern hätte er weit wichtigere und mehrere Exemplare 
anfuhren können. Vermuthlich ift blofs Bernoußi abge# 
fchrieben. Die beyden eben genannten Capitel find gut 
ausgeführt. Das kommt daher , dafs Herr W. fehr gute 
Vorgänger hatte. 'Er fagt S. 174. Herr Breitkopf habe ia 
feinem Verfuch bey dem Linnenpapier den Meermannifchen 
Briefwechfel vorzüglich genutzt , fo wie er denn auch 
„ bey diefem und dem vorhergehenden Cäpitel am mehrflei| 
davon Gebrauch gemacht habe. Allein eigenüich hat et 
nicht vom Meermann , fondern nur vom Breitkopf ^ und 
von diefem öfters einen unerlaubten Gebrauch gemacht» 



25z IVehrs vom Papier u. f. w. i. Thcil. 

Neue Entdeckungen laflen fich in diefem Fach nach Hrn. 
Breitkopfs forgFältigen ünterfuchmigen wenig mehr machen 
und Herr W, hat Recht gethan , dafs er ihm gefolgt ift* 
Aber dafs er ihn fehr ■ oft von Wort zu Wort förmlich 
abgefchrieben hat , das läfst fich nicht entfchuldigen. 
Meißens folgt er auch Herrn Breitkopfe Ordnung , anfler 
dafs diefer bey dem Leinenpapier das Baumwollene nur 
immer nebenher mitgenommen hat. Und denn findet man 
hier in den beyden Capiteln das zerftreut , aber doch mit 
eben den Worten, was Br. an Einem Orte gefagt hat. 
Diefes könnte ich mit hundert Stellen beweifen : es wird 
: aber an einigen genug feyn , in welchen oft kein einiges 
Wort, oft kaum zwey oder drey verändert find. Die Lefcr 
erßihren dadurch zugleich manches von dem Innhalt. 

S. 121. iBreitkopf S. $1.) Gewifs ifts, dafs die 
Araber bey ihren Eroberungen in der Bucharey , ums Jahr 
^04. das baumwollene Papier kennen gelernt, und die 
Kunft es zu machen mit nach Haufe genommen haben. Der 
Gebrauch diefer Erfindung wurde hierauf zwar mehr be- 
kannt; aber die Kunft, felbft folches zu verfertigen, 
ward von ihnen erft ungefehr im eilften Jahrhundert nach 
Europa aus Afrika herüber gebracht. S. 1 24. ( Breitkopf 
S. 52.) Noeh jetzt wird mehr als eine Art Baumwolle in 
Spanien gefunden , und unter die Landsprodukte vom 
Königreich Valenzia gezählt; und aller Wahrfcheinlichkeit 
nach ift fchon die Verpflanzung derfelben von den Vor- 
gängern der Araber , den Phöniziern oder Carthaginenfern , 
gefchehen. S, i;o. (ßr. S. ^4.) Da es nun vielerley 
Arten Baumwollengewächfe giebt, deren Wolle fich' eini- 
germaflen unterfcheidet : fo mufsten fich die Papierarten 
auch nothwendig von einander unterfcheiden , rauher oder 
fanfter , dichter oder lofer ( Br. fagt : fcbyx>ammi^ter ) 
werden. Aber auf die Art vermogten ihre wolligten Theile 
fich nicht fo genau zu vereinigen , dafs ein feftes und 



Wehrs vom Papier u. f. w. x. Thcil. .253 

dauerhaftes Papier daraus entftehen konnte, da fie fo 
wenig bearbeitet wurden. Denn bey dem Mangel an 
Waffermühlen , die noch jetzt bey den Maurea, Arabern 
und Türken unbekannt find, indem fie fich mit Mörfcrn, 
Handmühlen und Thiermühlcn behelfen, konnten fie ihre 
"Wolle weder hierdurch , noch durchs Kochen und Schlagen 
fo zu Mufs machen , d ifs nicht- allemal noch ihr woUigter 
GrundftofF an ihren Papieren zu kennen wäre. -^ -L. -«, 
fb war wahrfcheinlich das Gefchirr zum Schöpfen iet 
Materie Anfangs nicht die jetzige künftliche Forme , durch 
welche das Wafler abläuft, und worauf die Mafle verei- 
nigt zurückbleibt ; daher mufsten ihre Papierbogen dick 
und pappenartig werden , und das ftarke pergamentartige 
Glätten derfelben nothwendig machen , dafs daher dem 
Papier auch der Name Pergament beygelegt wurde. Das 
baumwollene Papier macht fich überhaupt dadurch kennt, 
lieh, dafs es zerbrechlich ift, fich ^ nicht gut zufammen 
legen läfst, und gelblich ausfällt, u. f. w. Nun will ich^ 
auch noch einige Stellen vom Linnenpapier anführen, 
S. 174. i Breitkopf S. 45.) Die mehrften Forfchungen 
aber verlohren fich dabey in das baumwollene Papier, 
welches dem linnenen einige Jahrhunderte vorgieng. Auch 
gränzen diefe beyden Papierarten fo nahe an einander , 
und find fich fo ähnlich, dafs es fchwer ift, fie durch 
äufferliche Kennzeichen vpn einander zu unterfcheiden: 
und da das baumwollene zuerft vorhanden war , das lin- 
nene aber demfelben erft nachfplgte , ihr Stoff auch wohl 
zuweilen mit einander vermifcht wurde , fo bleibt es 
allemal eine fchwere Sache für den ^orfcher, den Zeit- 
pun<fb zu beftimmen , wenn das Linnenpapier für fith 
allein zuerft hervorgebracht worden. S. i8s« C^)"« S. 7^) 
Die Papierfabriken in Spanien kamen nachher fehr in 
Verfall. Diefes beweifen die Bücher , welche im vorigen 
Jahrhundert aus ihren Druckereyen gekommen. find. Ver-» 



«54 M^^Äri vom Papier u. £ w. i. TheiU 

muthlich trugen die monopolifchen Privilegien , welche die 
Könige von Spanien theils dem berühmten Plantin zu 
Antwerpei^ theils den Klöftern gaben , hauptfachlich aber 
die von der Regierung gefetzten geringen Preife der ia 
Spanien gedruckten Bücher zu dem Ruin der dafigen 
Druckereyen und Papierfabriken vieles bey. Dies ift ohne 
Zweifel eine von den Urfachen, warum in den folgenden 
Zeiten bey der geringen Befchafienheit der fpanifchen Pa- 
jnere, fich die Genuefer des Papierhandelb in Spanien fo 
fehr bemächtigten, dafs fle fogar noch im Jahr 1720« die 
Lumpen aus Spanien , fonderlich aus Andalufien zogen 
u. f. w. Auch die darunter flehenden Noten find abge- 
Ibhrieben. — « S. 189* ( £r. S. 7^.) Im achten Jahrhun- 
dert war es noch eine für die SchrifUleller merkwürdige 
Sache I dafs die heilige Segolena ein linnenes Hemd, und 
andre linnene Kleidungsftücke angehabt habe ; und ob 
es uns jetzt zwar fopderbar klingt , dafs unter den Koni, 
ginnen von Frankreich die GemaUn des Königs Carls VII. 
im fünfzehnten Jahrhundert zuerft linnene Hemdei\ getragen : 
fo wird doch der bis dahin gewöhnliche Gebrauch der 
feinen baumwollenen Gewebe bey vornehmen Perfonen fol- 
ches weniger fonderbar finden laflen und die damals zuge* 
nommene Feinheit der Linnenwebereyen in Frankreich er- 
klären. Es konnten daher zu eben diefen und noch fpätem 
Zeiten die Servietten von der Fabrike zu Rheims ein 
Gefchenk feyn , das man Königen und Katfern als eine 
Sadie von Werdi und Seltenheit anbieten durfte« Beydes 
aber wurd nicht beweifen , dafs in Frankreich auch nicht 
jdier Linnenpapier gemacht worden fey. Der Pater Harduin 
hat zwar ^^ — verfichert , dafs er Dokumente gefunden 
habe, cBenock vor dem zwölfl:en Jahrhundert auf Linnen« 
pafuer gefchrieben gewefen^ aber er beweifet nicht , dafs 
CS franzöfifches Papier fey , und Mafiei erklärt folches hur 
ftr baumwollenes Papier, das alfo in Frankreich nicht 



Wehrs vom Papier u. f. w. i. Tbeil. 255 

gemacht war. u. f. w. Ich bin müd von Abfchreiben ; wer 
aber den Breitkopfifchen Verfuch bey der Hand hat. der 
wird mit leichter Mühe die Vergleichung fortfetzen können , 
fo lang es ihm beliebt. Was in den andern Capiteln dem 
Herrn IFebrs eigen ift , oder anders woher entlehnt , will 
ich auch andern zu uiuerfuchen überlaffen. ^ S. 276. 
heifst es^ wenn man annehme , ^ daß eine Mühle von einer 
Bütte joo Ballen Papier in einem Jahr mache: fo könne 
man ohne Fehlrechnung ficher 22000 Ballen annehmen , 
die allein in Teutfchland gemacht und verbraucht werden. 
Das foUte wohl heiflen: 120000. üeber die Ausfährung 
der heften Lumpen aus Teutfchland in andre Länder werden 
S. 29 ^ mit Recht Klagen geführt, fo wie auch S. 55 7. 
über den Verfall der Papiermanufakturen , wo hernach die 
Mittel angegeben werden, folchem vorzubeugen. Die ürfa. 
chen des Verfalls find zuerft die vielen Mifsbräuche unter 
den Papiermüllern felbft. Hier find der löblichen Papier., 
macherkund: Ordnung und Freyheiten vom Kaifer Ferdinand 
in. lös 6. und das K. K. Patent, die Papiermacherkunft 
betreffend ii<i6. eingerückt. Ferner die NachläflQgkeit der 
Papiermüller , und der Mangel an dem ^ woraus das Papier 
gemacht wird. Diefem können nur drey Mittel abhelfen : 
Landesherrliche Verordnungen gegen die Ausfuhr der Lum- 
pen. WiederamiKendung des abgängigen Schreib-und Druck- 
papiers , aueh des fchon einmal bedruckten zu neuem Papier, 
Anwendung neuer Materialien. Von dem erften Mittel werden 
▼erfchiedene Verordnungen angeführt , von dem andern, die 
Klaprothifchen Verfuche , und von dem dritten hauptsächlich 
die Schäferifchen. Hier war dem Herrn W. das Abfchreiben 
erlaubt : denn die ProcelFe , wie man bey folchen Verfuchcn 
verfahren ift , mufste er wörtlich wiederholen. Nun kommt 
S. 4^9. noch die Frage, wie der Papierfabrikant zu bewegen 
fcy , dafs er dicfen Vcrfuchen folge , und wodurch fie am 
kräftigftcn in Gang gebracht werden können ? Hr. W. glaubt ; 



256 Wtfirs vom Papier u. £ w. t. Theil. 

durch öffentliche Belohnungen. Zuletzt noch von Jer neuen 
Schwedifchen Erfindungder Steinpappen , die zu Pappen-und 
Packpapier-Mangel Gelegenheit geben kann. Die Zusätze find 
weitläuftig von S. 467. bis 524. — Da mir eben noch eia 
Beweifs unter die Augen kommt , dafs Herr W. auch aus 
andern Büchern wörtlich abfchreibt; fo will ich ihn doch 
auch noch herfetzen. Er fteht S. 225 , und betrift eine alte 
Handfchrift auf Lumpenpapier zu, Neuftadtan der Aifch. Er 
führt davon die Recenfion in Herrn Meufels hiftorifcher Litte- 
ratur für das Jahr 1 78 1 . S. 4. 1 2 des 1 1 ten Stuckes an , und 
{chreibt folgendes daraus faft von Wort zu Wort ab ; ein 
treflicher Codex , der an Zierlichkeit^ Reinlichkeit und 
Schönheit des Typi und der Initialbuchftaben keinem weicht. 
Ift das Buch — — würklich zu Rom im Jahre in 8- auf 
Linnenpapier gefchrieben : fo befitzt die Bibliothek daran 
einen Schatz , den wenig andre Bibliotheken aufweifen kön« 
nen , und der felbft Herrn Schnitzer unbekannt ift. Denn 
Handfchriften von diefer Zeit , und von folcher Stärke 
(diefcr Codex beftehet aus ^66. Folioblättern) auf Linnen- 
papier find die gröfste Seltenheit. Zu wünfchen wäre, 

Herr Schnitzer hätte das äufferliche diefer Handfchrift weit- 
läuftiger befchrieben , unter andern Kleinigkeiten auch des 
Papiermachers Zeichen bemerkt u. f. w. Diefer Wqnfch ift 
nun erfüllt , und Herr Hirfching hat in der erften Abtheilung 
des zweyten Bandes von feinem Verfuch einer Befchreibung 
fehenswürdiger Bibliotheken Teutfchlande« 1787. S. 447. 
u. f. weitere Nachricht davon geliefert. Aus diefer hätte 
Herr W. lernen können , wie das Papierzeichen ausfieht , 
dafs der Codex nicht ?66. fondern über 700 Blätter be* 
trägt, daß die Handfchrift nicht im Jahr 1^89 fondern 
10. Jahr fpäter, 1148 gefchrieben ift, und dergleichen 
mehr. 



Merkwürdigkeiten 



^5? 
8. 

Merkwürdigkeiten der Zapfifchcn Bibliothek. Erftef 
Band. Augsburg 1787- bey Chriftoph Frie- 
drich Bürglen , in zwey Stücken > wo auf den 
befondern Titelblättern flehet : auf Koftea 
des Vcrfaffers, gr. g. i Alph. 11 Bogen ^ und 
3 Bogen Vorreden und Innbalt, 

Vjrrofle und anfehnliche Privatbibliotheken bleiben üntef 
Gelehrten * immer etwas feltneU. Denn bey aller Bücher» 
kenntnlts und BücherÜebhabcrcy find die Einkünfte döt 
ineiiflen , befonder$ bey dem immerßeigenden Luxus und 
der zunehmenden Theurung der Bücher fowohl , als der 
iLebensmittei , fo knapp zugefchnitten ^ dafs oft kaum 
das zur Anfchaffung der zu ihren gelehrten Befchäfcigungeki 
nothwendigen Bücher erforderliche Geld übrig bleibet« 
Doch hat hier und da bisweilen ein Gelehrter das Glück ^ 
feine ärmern und reichern Mitbrüder durch Anfchafiiiiig 
einer zahlreichen und koftbaren Bücherfammlung ^ die 
mancher öffentlichen Bibliothek die Waage halten könntie, 
©der gar fie libcrtrifft, fey es zum Gebrauch und Nutien, 
öder nur zum Staat , zu übertreffen. In Augsburg ift oder 
läfar vielmehr diefes Glück dem Herrn Geheimen Rath 
Zapf vorbehalten. Da fonft dergleichen Sammlungen mei- 
ftens erft nach dem Tod ihrer Befitzer das gewöhnliche 
Scbickfai haben , in alle Welt zerftreuet zu werden : fo 
entfchiols fich Herr Zapf « nachdem er fchon im Jahre 
i78}i einen Theil feiner Sammlung veräuffert hatte 1 1787« 
den grölbn und koflbarften Theil zu verkaufen, und nur, 
was zur. iitterargefcbichte gehört, für fich zubehalten« 

R 



258 MerkwürdigkeitcadcrZapfifchen Biblioth* 

Wie wichtig und anfehnlich diefe mit vieler Mühe und 
fehl grofTen Koßen zufammengebrachte Bibliothek gewefen 
ift , zeigen nicht nur die einzelnen vor und bey dem Ver- 
kauf crfchienenen Catalogi, und die weltläuftige Nachricht, 
welche Herr Hirfching feiner Befchreibung fehenswiirdiger 
Bibliotheken, im zweyten Band,S. 102. u. f. nach einer 
von Herrn Z. felbft mil^etheilten Nachricht einverleibt 
hat ^ fondern auch die gegenwärtigen Merkwürdigkeiten, 
welche auch nach der Zerftreuung der Bibliothek noch 
ihren Werth und ihre Nutzbarkeit erhalten. Denn durch 
Sammlung eines fo anfehnlichen und zahlreichen Bücher- 
vorraths , durch ausgebreitete Correfpondenz , und durch 
verfchiedne koftbare litterarifche Reifen hat Geh Herr Z. 
ziemliche Kenntnifs von Handfchriften und Büchern erworben, 
und eine grofle Belefenheit erlangt. 

Aus der Vorrede des erften Stückes werde ich , mit 
Üebergehung der Klagen im Anfang und der Vertheidigung 
afn Ende derfclben , das nothigfte anführen. Das Verfpre- 
chen , den Catalogus feiner ganzen Sammlung mit kurzen 
Anmerkungen herauszugeben, wird nun unterbleiben, da 
er fie früher verkauft hat, als er bey der Abfaffung diefer 
Vorrede willens war. Der Abt MittarellijdcfTenBibliothecacodi- 
cum MSS. monailerii S. Michaelis Venetiarum prope Muria- 
num in Teutfchland nicht fo bekannt Worden ift , als fie würdig 
wäre , bekommt fein verdientes Lob , und wird den Klo- 
fterbibliothekaren zum Mufter vorgeftellt. Eben diefe wer- 
den auch ermuntert , die Vorfchläge des Herrn Ekkards in 
Kopenhagen ausführen zu helfen, welche aber noch lang 
fromme Wünfche bleiben werden. — Das erfte Stück gibt 
Nachricht von 12 Handfchriften und 88 feltnen, mei- 
ftens alten Büchern. Jene fmd zum Theil fchon gedruckt, 
Kum Theil noch ungedruckt. Das Wichtigfte ift wohl eine 
Handfchrift von Fetri de Vineis epiftolis aus dem i}ten 



Jahrhundert , die z« einer neuen AiMgabe Dienlte leSten 
könnte , wie S» 9i , ß(. durch eine Varianten-f robe gezeigt 
wird. Wichtig ift auch ein diplomatarium mifpellum , num. ^ 
VIII. und vorher num. III. Ladislai Suntheim colledianea 
hiftoricogenealogic9 » dayon manches noch nicht gedruckt 
ift. Bey den Büchern wird bisweilen Gelegenheit genooi- 
men , die von andern Litteratoren begangne Fehler z^ 
verbeflem. z. £. S^ 46. beföhreibt er Plutarchi vitas paral* 
lel. Bey Ulrich Hahn 4u Rom (1470.) gedruckt, und 
zeigte daß die Ausgabe, die der feU Sghelhorn in feiner 
bekannten diatriba praeliminari, für die nämliche gehalten 
hat, ganz davon unterfchieden fey , ob er fie gleich 
fonft richtig befchr^cben habe, fo dafi AudiSredi nicht 
Uriache gehabt hätte, daran zu zweifeln, u. £ w. — Die 
folgenden 1 1 Numern enthalten l^ter alte Ausgaben der 
Briefe Aen^ä Sylvii , die Herr Z. zufammen zu bringen , 
das Glück hatte. Faft fcheint es , die neue von ihm ein 
Paar Mal verijprochne Ausgabe fey gar ins Stecken gera- 
then *). Auch von andern Inkunabeln brachte Herr Z. 
mehrere Ausgaben glücklich zufammen, welche er hier 
bcfchreibt z. E. von dem Boethius de confolatione philg- 
ibphiae^ von dem Fafciculus temporum , y. f. w. S. io7* 
ift die feltne biblia S. cum glofla ordinaria befchrieben« 
Die Nachricht von den VerfafTern der letztern hat Herr 
Flacidus Braun in feiner notitia de libris ab artis typogr» * 
inuentione &c. imF^I^^s, in bibliotheca ad S. Vdakicum 
& Afram Auguftae exftantibüs p. log. verbeflert. Die gloflTa 
interlinearis ift nämUch von dem Anfelmus Laudunenfis» 
und die ordinaria vpm Strabo, Eins der feltenften ift S. |)o. ^ 



*) Vergl. Meufels hift. litt 1783. St I. S. 71. und folgende , 
wo 9uch fchon die Ausgaben von Aeneae Sylvii BrieFen 
/(cenfirt find, M. 



«60 iVTerkwiärdigkeiten der Zapfifi^en Biblioth. 

befcfariebeit : Salomohis ecclef. Conftaift. epifc. glofle « 
ohne Jahr , Ort und Drucker. Wenn es aber heifTet, diefes 
Wctfk fey «^on keinem L?tterator bemerkt Worden , fo 
nuft rch deh Herrn Hummtl davon ausnehmet! , der im 
^weytcn Band feiner neuen Bibliothek von feltnen Büchern 
5. 3 54~? S !• gründliche Nachricht davon gibt, und wegen 
4es Druckers 2uerft auf den Günther Zainer zu Augsburg, 
dann- aber auf Veter Schäfer zu Mainz verfallt. Nach dqr 
■Zeit hat auch Herr * Seemiller uttter den incunabulis typo- 
graphicls bibliothecae academ. Ingolftadienfft , faTcic. I. pag. 
iBj. ein Exemplar bcfchrJeben , undfich auf Herrn Hummel 
berufen. "Wegen des Druckers aber will er nichts cntfchei- 
den, ob er gidch fonit glücklich rathen kann, 0ur behauptet 
er, Scbaffer könne es nicht feyn. — Von den übrigen 
Seltenheiten und den darüber genrmchten Anmerkungen 
'und Betichtigungen darf ich der Kürze wegen nichts 
mehr fagen. 

In der Vorrede des zweyten Stückes liefert Herr Z. 
eine kurze Gefchichte von Entftehung feiner* Bibliothek und 
ihren Veränderungen , worauf dann bald die gtöftc Verände- 
* rung , nämlich die Zertrümmerung , fblgte. — Aui einer 
alten Urkunden-Sammlung find S. 267. Iwey Refcripte des 
Kaifers Friedrich HL an den Magiftrat in Augsburg Wegen 
der uhfchuldigen Hinrichtung zWeyer Brüder , Leonbard und 
Hanns Vitteh ^ von den Jahren 1478. und 14.79. ^^^ 
S. 27;. eben deflelben Losfprechungskunde abgedruckt 
Das Uebrige find meiftens ungedruckte Briefe von Gelehrten , 
befonders Georg Rem und Job. Georg Stirzel^ Bundsfchrifteh 
und Peutingerifche Manufcripte , in Welchen alleti noch 
manches Nützliche verborgen liegt. Unter den gedruckten 
Büchern macht eine Seltenheit nur von s Blättern ( Rom 
1477.) S. 202. den Anfang: Diffentio inter fanAiffimum 
dominum noftrum papam & florentinos fuborta. Die Gefchichte 
wird erzählt und ein weitläuftiger Auszug aus diefer Schrift 



Merkwürdi^keiteiii der Zapfiftben Biblioäi. t6i 

gemache S« fss« wird die erfte' Aufgabe der Bicfaer de 
-imitatione ChcUUdes Thomas, von Kempis, Augsb. (1472.) 
be&hrieben , von welche? auch im erflen Stück unfen 
Magazins S. 61. und ig«, ein Paar Recenfenten weitere 
»nd beftimmte Nachricht gegeben haben. S* ^%6. fteht 
Günther Zainers erftes Prodaidi;-<i 468. Meditationes vite 
Jefh Chriftt, über deinen angeblichen Verfaifer ein Paar 
JfoUche Mvth.m^ßungen eatfhmden und bekannt worden find. 
Das Refultat metner darüber an]geftellten Unterfuchungen 
flehet im zweyten Stuck diefes Magazins S. 2 s 7. u. f. f. Eben Co 
feiten ift auch 6. Zainers anderes Produkt^ Summa Job. de 
Aurbach 1469. bey deflfen Anzeige Herr Z. viele,, zum Theil 
grobe Fehler anderer Litteratoren zu verbeflern findet Auch 
unter den folgenden Inkunabeln gibt es viele feltne : aber das 
wundert mich, dafs Herr Z. d\e Seltenheit einer Ausgabe 
öfters unter andern damit beweifet, dafi folche im Baue-« 
rifchen VerzeichniiTe fehlet. Denn das weiß er gewift 
fetbft , daß dalfelbe unter dfe unfichem Quellen gehört ^ 
dafi eine Menge Seltenheiten darinnen fehlen , und dagegen 
wohl eben fo viele hergezählt find, welche es gar nicht« 
oder nur in geringem Grade find , und dafs man leicht 
auf Abwege gerathen kann , wenn maq einem folchen Füh- 
rer blindlings folget "WenJgftens fällt es auf, wenn (wie 
z. £. S. )880,<iem Frey tag, Clement, Bhufufs, Ger des, 
der Name Bauer zur Seite ftehet Yon der Epiftola des 
Rabi Ifrahetitae , und einer fehr alten Ausgabe derfelben 
werden S. n^- g^te Nachrichten geliefert, womit man 
das erfte Stück diefes Magazins S« i9&. vergleichen kann. 
S. ;9K ereifert fich Herr Z. über einen neuentdeckten 
Pbgiarius , faft aber wäre zu wünfchen , er hätte ihn noch 
kenntlicher gemacht. Zuletzt find noch S. 489- u* f« dtey 
wichtige Aktenfliücke aus einer vorher S. 26 j. befchriebnen 
Urkunden-Sammlung abgedruckt, welche di« unter dem 
Erzbifehof zu Salzburg Matthäus Lang entfiandncn Unruhen 



t69 Merkwttnfigkeiteadin:2^pfi{clienB!bliotIi. 

s^2^ isetüdlen : Der Lahdfchaft m Salzburg Schrabeni 
ta -ein erbam Rate tu Augspurg. U^ms Odden y Sf^dt- 
ricfatets tfx Salzborg bekänntnifs , und Vrgkht Vertrag 
%wiTcheti dem ErzbifchofF Ton Salzburg Matthäus Lang 
und der Landichaft Brauchbar zur Erläuterung der Ge- 
fthidite und zur Kenntnifi des Charakters diefes damals 
"wieht^gen Alanties« — In dem zukünftigen Jahr will Herr 
Z. den zweyten Theä diefo Meifcwikdigkeiten liefern. 



^3 



Thüipp Wähclm Gerken Reifen durch Schwaben , 
Baiern, angränzende Schweitz, Franken unc} 
die Rheinifche Provinzen in den Jahren 1779— 
1782 , nebft Nachrichten von Bibliotheken, 
Handfchriften &c. Rom. Alterthümern , Polit. 
Verfaffung , Land wir thfchaft und Landes* 
Produkten^ Sitten, Kleidertrachten &c. mit 
Kupfern. L Theil von Schwaben und Baiern. 
Auf Koften des Verfaflers. Stendal, gedruckt 
bey D. C. Franzen 1783. gr. 8. I Alph. 
4 i Bogen. 

11. Theil von Salzburg , dem an Schwaben grän- 
zenden Theil der Schweitz, Niederbairen 
und Franken, 1784. I Alph. 6i Bogen. 

IIL Theil von verfchiedeAen Ländern am Rhein , 
an. der Mofel und an der Lahn &c. 1786. 
I Alph. 6{ Bogen* 

IV. und letzter Theil, von der Reichsftadt Frank- 
furt am Mayn , Homburg, Darmftadt, Hanau, 
AfchafFcnburg, Geinhaufen &c. Worms 1788. 
1 Alphabet, 3 Bogen. 

X3ie Vortreflichkeit diefer Reifebefchreibung ift fchon aus 
andern Nachrichten , befonders auch in Abficht auf die 
beyden erften Theile aus Herrn Hofrath Meufels hiftorifchcn 
Litteratur auf das Jahr ijgj.. Jul. S. 19. u. f. und 1784- 
11 Th. S. 97. hinlänglich bekannt. Das» wodurch fie fich 
von andern , befonders von der Nikolaifchen unterfcheidct, 
ift auf den Titeln genau angezeigt. Ohne einen förmliehcn 



4^4 Gerken*! Reifen. 4 Thcile. 

Ayszug zu liefern, will alfp. Recenrent hier nur einiges 
Litterarifche und Bibliographifche, das in andern Journalen 
nicht angezeigt id^ nachholen, und eigne B^QierkungQi\ 
machen , hauptfächlich um zu zeigen , dafs Herr Gerken 
öfters zu fchnell von der Betrachtung der vielen Seltenheiten, 
mit deren Befchreibung er "übrigens feine Lefer oft als Kenner 
unterhält, hinweggeeiit und fie allzuflüchtig angefehen hat. 
Unter die älteften gedruckten Bücher , die Herr Gerken 
auf feinen Reifen angetroffen hat, gehöret gleich S. 54, 
zu Heilbronn, das Catholikon, zu Mainz 1460. gedruckt. 
Da er hier die ganze ünterfohrift liefert; fb war es würklich 
überflüflig, dafe er fie S. 189. aus dem Buxheiraer Exem- 
plar wieder abdrucken liefs, und es wäre genug gewefen, 
wie S. ;6s;» bey dem Exemplar zu PoUingen, fich nur auf 
die Stelle zii beziehen. Er trägt kein Bedenken « den Johann 
F^uftund Peter Schäffer als Drugker anzunehmen, (welches 
auch höchft wahrfqheinlicb ift , ) ohne auf Meermanns Zweifel 
in feinem confpedlu , und hernaqh in den originibys typo» 
graphicis felbft Rückficht zu nehmen. ( Erläqterungcn folcher 
Sachen hätte man allerdings von ihm erwartet , da er eine 
fö große Menge alter Drucke gefehen hat. ) Neuerlich hat 
der Herr Weihbilbhof Würdtwein in feiner bibliotheca 
Moguntina S» 68. diefe Zweifel wiederholt, ohne fie zu 
entkräften , wozu er doch vielleicht Gelegenheit gehabt hätte , 
da er das Buch felbft vor fich hatte , und es mit andern 
alten Mainzer Drucken vergleichen konnte. — Ob, wie S. 59- 
behauptet wird , Andreas Frifner und Johann Senfenfchmidt 
147;. die erften gewefen find, welche nach dem Fauft und 
SchäfFer ihre Infignia am Ende ihrer Bücher beygefugt haben, 
das fcheinetnoch nicht fo gar ausgemacht zu feyn. Wenigftens 
that e? um eben diefe Zeit fchon auch der crfte Buchdrucker 
zu Augsburg Günther Zainer , ob er es gleich , eben fo wie 
öfters feinen Namen , bey vielen Produkten wegliefs. In Hrn. 
tauzers vortreflichen Annalen der altem teutfchen Litte- 



Gerkents Reifen* 4 Thcile. a^jf 

ratur Jft S. 77. feine teutfcbc Bibelausgabe vom Jahr 1477. 
mit feinem Buchdnjcl!trzeichen ar^eführt, das vermuchlicb 
auch in atern Büchern aus feiner Prefle ftehen kann. Und 
▼om Jahr 1474* an malte er es wehigftens in die Bücher, 
welche er der Carthaus BuxheJm bey Memmingen fchenkte, 
wovon man Hrn^ Zapfs Augsburgifche Buchdruckergefchichte, 
im erften Theil $♦ I. der hiftorifchen Einleitung p. g. und lo. 
nachlefen kann. Als Schüler der erften Mainzifchen Buch-^ 
df ucker lernte er diefes gewifs nicht erft von den Nürnbergem. 
— Von Ocbfinbaufen fagt Herr G. S. 114. fiift zu wenig; 
mehr figt er von den Handfchriften zu WeingarUn , aber 
von den alten Impreflis, deren Anzahl gegen 1400, gefchätzt 
wird, und darunter er viel unbekannte Ausgaben hätte finden 
können, nennt er nur fünf, und als das fechste führt er 
Luthers Gebetbüchlein 1522. an, mit der Anmerkung, 
es fey ohne Zweifel von Hans Luft gedruckt. Diefes ift 
ficher faifch. Von diefem Drucker ilt bisher noch kein 
Wittenberger Druck vor dem Jahr 1525.« bekannt. Vermuth- 
lich ift das Exemplar von der bey Hans Schönfperger zu 
Augsburg gedruckten Ausgabe, welche Herr Panzer in 
feinem Entwurf einer vollftändigen Gefchicke der teutfchen 
Bibelüberfetzung D» Luthers S. 29. befchrieben hat, von 
welcher mehr Exemplar auf Pergament bekannt find. Gefetzt, 
es ftände auch das Wort wUtenberg auf dem Titel; fo 
zeigt es doch den Druckort nicht an. Denn es gibt noch 
drey änliche Ausgaben , die es auf dem Titel haben , und 
die doch zu Augsburg und Erfurt gedruckt find. — Bey 
IVeijfenau hat Herr G. S. 149. wieder zu fehr geeilt: 
dort ift eine eben fo ftarke noch wenig bekannte Inkunabeln- 
fammlung , als zu Weingarten , und darunter groflfe Selten- 
heiten. Da Nachrichten von dergleichen alten Büchern und 
von Handfohriften zu der Abficht feiner Reife gdiörten; 
fo kann er es nicht übel nehmen, dafs er daran erinnert 
wird , wo er fie vergeflen hat. Ein verlohrnes Blatt , womit 



266 Gcrkens Reifen. 4 Theile* 

et fich cntfcbuldigt , würde wenig ausmachen. Deon ich 
we^de die Klage noch öfters wiederholen müflen. An andre 
Reifende , die andre Abfichten haben , kann man die Forde- 
rungen nicht thun , die Herr G. bey einem etwas längern 
Aufenthalt an manchem Ort fo leicht hätte erfüllen können. 
Bey Riicbeuau S. 160. hält er fich fchon wieder länger 
mit Handfchriften auf» Was aber das bedeuten foll, dafs er 
jnanclie Namen gegen alle Etymologie oder Ausfprache ver- 
ketzert, und immer Reicbenou , Ottoboiren^ Benediktboinn^ 
u. f. w. fchreibet, das läfst fich nicht errathen« Die Lindauer 
BibUothek ift nicht fo unerheblich, als fieHerrO. S. 17^ 
macht« Herr Zapf hat derfelben in feinen Reifen in einige 
)QöfterSchwabens,durch denSchwarzwald und in der Schweitx 
im Jahr 1781. (Erl. 1786 ) mehr Gerechtigkeit wiederfahren 
laflen , wie ich denn überhaupt fagen mufs , dafs er öfters zu 
Herrn Gerkens Nachrichten nicht unerhebliche Zufitze macht. 
— S. 18?. findet flcli gute Nachricht von der Schelhornifchcn 
Bibliothek zu Memmingen , die aufler einer Menge ftltncr 
Bücher auch eine ftarke und fonft nicht leicht bey einem Pri- 
vatmann anzutreffende Sammlung von Handfchriften enthält 
Hier hätte es heißen follen : von mucrn Handfchriften. Denn 
es wird wenig da feyn , das viel über )oo Jahre alt ift. Aber 
dadurch verliert die Sammlung fclbfl; nichts von ihrem Werth. 
Denn die meiften Stücke find fonft nirgends , als in ihr anzu* 
itrefen , und alfo nur einmal vorhanden. Zur beflern Kennte 
nifs davon hätten wohl des fei. Superintendenten Schelhoms 
Ergötzlichkeiten aus der Kirchenhiftorie und Litteratur , wo 
jerim IL und Illten Band von verfchiednen Nachricht gegeben 
hat , angeführt zu werden verdient. Dort hat er felbft Ellenbogs 
Briefe, deren hier S. 186. gedacht wird, weitläuftigerbefchrie- 
be«. Die fehr grofle Sammlung von Original briefen der gröflen 
-(^ekrten , die gewifs ihres Gleichen nicht hat » enthält nwht 
blas Briefe des i € ten Jahrhunderts , wie es hier heifst, fondem 
«i*cl». der beyden folgenden. MiUi fehe von derfelben den 



GtrktnVRe:ikn. 4 Theile* a6^ 

dritten Bsmd der Ergötzlichkeiten & 880 , wo ihre Anzahl 
über achttaufend angegeben wird. — Wenn es S. 187. von 
der Bibliothek der Carthavs Buxbnm heifst , an Zahl und 
"Wichtigkeit von den crften Werken A& Bochdruckerkunft 
werde nicht leicht eine Bibliothek diefe übertrefien, es mü^ste 
denn die zu Pollingeu in Baiern feyA, doch glaube er , da(s 
fie diefer völlig gleich komme ; und diefes S. )64. bey der 
Befchreibung der Poliinger Bibliothek wiederholt, und zugleich 
gelagt wird, der Catalogus von der letztern enthalte 5S^> 
Bacher von diefem Zeitraum u. f. w. , fo mufs ich fagen , dafir 
Herr G« übel berichtet ift. Die ßuxheimer Sammlung ifl; unter 
den bbher in Teut&Mand bekannten , vermuthlich die gröfte , 
und beträgt gegen 1800. Stücke, in weidiej: Anzahl ihr viel- 
leicht kerne gleich kommt, oder die Waage hält , als die in der 
Nürnberger Stadtbibliothek. Die^zu Pollingen ift nicht fo 
grofs , dber dem ohngeachtet noch weit bqträchtHcher und 
größer , als fie Herr G. angibt. So viel ich weifs , möchte 
fie gegen 1400. Stucke betragen. — Bey Augsburg verweilt 
fich Herr G. mit Recht lang: feine Nachrichten aber von 
den erfien Druckern dafelbß S. 2}8* find tudbt die rieh* 
tigften. Ob Günther Zftiner würklich fcbon im Jahi; I4<S8* 
das rpeculum paflionis Chrifti gedruckt habe , daran zweifisk 
er ohne Noth und furchtet , die Jahrzahl möchte vielleicht 
mir durch den Miniator dazu gefchrleben gewefen ieyn. Im 
zweyten Theil S. 422. nimmt er zwar den Zweifel wegen 
des Jahres zurück, zweifelt aber , ob diefes fc^enannte Such 
mit den meditationibos in vitam Jefu Chrifti eineiley iey 
^er nicht. Alle diefe Zweifel waren fchon damals fehr über- 
Aöflig. Man fehe die Befchreibung diefes Buches in»zweyten 
Stöcke unfers Magazins, S. 257. und folg. — Wenn es bald 
iiernach heiflet. Zainer komme 1474. auch nicht weiter 
vor, ib ift zu merken, dafs er noch 1477. gedruckt hat, 
«ind crft 1 478. geftorben ift. Weiter : Ba$9i^ iiöre mit j 482 . 
'Äuf; dasfolltc heiflcn 1492. Ja neuere Entdeckungen werden 



z69 Gzrkcn$ Reifen. 4 Theile. 

uns bald zeigen , dafs er noch in dem Jahr 14.9^* gedruckt 
hat Von den Augsburger Bibliotheken erzählt Herr Gi. nicht: 
immer fo viel Wichtige», als man mit Recht hätte erwarten 
können. Aber die Romifchen Monumente und Steinfehriften 
S. 26^. u. f. werden dem Kenner willkommen f&yn, S,%iZm 
und %&^. werden zwey Exemplare des Ladtanlius 14.65^ 
Z'i Mönchen und Pollingen befchrieben , und aus heyden 
die Schlufsfchrift angeführt« Am liehtigften kann man die- 
felbe in dem Ktterarifchen Mufeo H. B« S.^ 6^ ^ lefen, \ifoLaire 
▼erbeflcrtwird, welches Herr G, nicht bekannt geworden! »u 
feyn fcheinet. ( Auffer diefen zwey Exemplaren hätte er auch 
eins zu Nürnberg fehen können. Aber da fcheint es , habe ec 
abermal zu ihirk geeih). Eben diefesmufs ieh auch gleich 
darauf S. |6^* bey dem Auguflinus 1467. mit der Unter-, 
fehrift: GOD AL bemerken, wo ebenfalls das litterarifche 
Mufeum S. ^^^^ weit mehr Licht gibt. — ^Nirgends habe ich 
mehr erwartet, und weniger gefunden, als S. H?« hey 
Freißngen wiät Weibenßepban ^ dem Benediktiner-Kloftcr , 
fo nahe dabey liegt. Aus Nachrichten eines würdigen Pro« 
fefTors an dem erden Ort weifs ich, daß die Dom* und- 
Benediktinerbibliotheken mit guten Handfbhriften undinku* 
nabeln fehr reichlich verfehen find, aber Herr G. fagt uns 
davon— ftft niehts. Von der koftbaren Bibliothek zu Po/- 
lingen muft ich zu S. ;6;. noch anmerken, daft Ton der 
aken Bibliothek noch fehr viele Büchei? in einem mittelmät 
figen und zwey kleinern Zimmern flehen ^ und daß fi) vid 
Yorrath vorhanden ift, dafs man wohl noch einen fo groiTea 
und herrlichen Saal ganz anfüllen könnte , als der ifl , den 
Herr G. befchreibt. Was S. 9 64« gefagt wird , dafs die alte» 
Drucke und wichtigen hiftorifohen Werke , befonders in der 
Litterarhiflorie, oben auf der Gallerie a^fgeflellt find, das 
gilt nur von den letztern hauptfächlich. Denn die Inkunabeln 
find meiflens unten im Saal in der Mitte in etlichen Reih^ 
aufgehellt -^ S. )88« fleht eine kurze Nachricht von einem 



Oakttis Reifen. 4 Theile; 269 

ölten ganz von Formen , die in Holz gefchnitten Waren , 
abgedrückten Buch intterHJibliothek des Klojfters Tegernfee^ 
wovon Herr G. vermutfaet, es möchte 6^^ bekannte biblia 
pauperura feyn. Die Nachricht felbft aber ift viel zu mager, 
um es gewifs zu beftimmen , und fie mit des H^rrn von 
Heinecken genauen Befchreibung diefes Buches verglei- 
chen zu können. Merkwürdig ift bey einem folchen Band 
ein aufgeklebter Kupferftich mit der Jahrzahl 1467 , welcher 
toch eine nähere Befchreibung verdient hätte , damit man 
ihn mit einem ähnlichen in de$ erflgemeldeten Hetrn von 
'Heinecken neuen Nachrichten von Künftlern und Kunft- 
fachen, L Theil, S* ;9s. mit dem nämlichen Zeichen 
Und von eben diefeifi Jahr vergleichen könnte^ S» 397^ 
wird Elucidarius Norimb. pet Frid. Creufner 147^. ange>. 
fuhrt Allein die Beftimmung des Tages beweifet fchon^ 
dafs es eben die Ausgabe ifl:^ welche oben S». 19. von dem 
Jahr 1467» vorgekommen ift. Mit der Jahrzahl 1475. haben 
hier fchon mehrere einen Druckfehler begangen. M. f. davon 
auch Herr Panzers ältefte Buchdruckergefchichte Nürnbergs 
S. 29, )o. ->-Dib Kupfer zu diefem Band enthalten Abzeich- 
nungen aus einem alten Manufcript der Bibliothek zu Wein* 
garten, aus d^m Augsburger Manufcript der capltularium 
regom Francorum^ und aus einem des Klofters BenedidU 
foeurenv 

Die Vorrede dels andern Bandes enthält zuerft etliche 
Zufätze und Verbcfferungen des erften Theil», und fodann 
ebe Anzeige von den beyden fchötien Schriftproben, 
die hier auf zwey Kupferftichen geliefert flnd. Sie find aus 
ein Paar Codicibus in dem Klofter Tegernfee aus dem achten 
und zehnten Jahrhundert* Auf beyden Kupferftichen find 
unten noch ein Paar in der Vorrede nicht angezeigte Schrift- 
proben , die erfte aus einer Handfchrift zu S. Emmeram , 
und die andre aus der Erlanger Univerfitäts-Bibliothek. Lieb- 
haber von Manufcripten und alten Büchern werden auc)i in 



«f« GirktrLS Reifen. 4 Theile. 

Koburger tu Nürnberg als Drucker atu Ueberhaupt hätte 
man hier von ihm etwas beffers erwarten Tollen : wenigflens 
hätte er bey folehei^ alten Drucken zählen folkn ^ wie viel 
Zeilen auf einer Seite ftehen. Gleich darauf folgt eine teutfche 
Koburgerifche Bibel 1484* das mufs ficher 1481. heiflen» 
und ift die nämliche Ausgabe, die hernach S. ^48« üehet. 
Zu Fulda hat Herr G. (S* n^O viele decreta iudicialia 
der alten Aebte von A. i}$'i-^i494. auf Lumpenpapier 
mit einem aufgedruckten Siegel gefehen ^ zum Beweifs , 
dafs von dem Jahr i^^i. an, hier das Papier und die 
aufgedruckten Siegel fchon in der Canzley im Gehrauch 
gewefen find» Mit den Schätzen der Erlanger Bibliothek 
macht uns freylich jetzt Herr Hofrath Ffeißer weit beffet 
bekannt, als hier Herr G* und fo auch mit den Bamber« 
gifcheit Bibliotheken Herr Hirfcbiug, Die beyden fürftlichen 
Archive auf der PlaHenburg bey Culmbach und zu Anfpach 
erhalten S» ;89» und 414. nebft ihren würdigen Vorfte* 
hern alles verdiente Lob. In jenem id die ältefte Urkunde 
auf Lumpenpapier erfl; vom Jahre 1H7 i ^*^ letztern aber 
wahrfcheinlich zwifchen i jop,, und n i S* S. 42). hat mich 
der alte ehrliche Buchdrucker , Hemricb Eggejiein zU 
Strafsburg gedauert, dafs ihn Herr G* ohne alle Umftände 
einen Prahlbans nennet ^ (fchon im erften Theil S. JS^* 
hatte er über Prahlereyen der Buchdrucker geklagt. ) weil 
kein Buch von ihm von dem Jahr T47U bekannt fey t^ und 
er doch in diefem Jahre fich fchon rühme , innumera Volu- 
mina geliefert zu haben. Aber er hat nicht daran gedacht y 
dafs die erften Buchdrucker viele Bücher ohne Nennung 
ihres Namens gedruckt habeni. GründUch hat diefen Buch^ 
drucker gegen diefen Vorwurf der feh Steigenberger in der 
Abhandlung über die zwo allerälteften teutfchen Bibeln^ 
München 1787. S, )6« u. f. gerettet Dafs fich, wie es 
S. 426* heilTet, Arnold Pa^inarz zu Rom im Jahr 1464» 
Von dem C* Scbrvpeinbeim getrennt habe ^ ift ein aufFallender 

Druekfehler« 



Gerkens Reifen 4 Theile. 273 

Druckfehler. Denn um diefe Zeit fieng ihre Gefellfchaft 
etftan und die Trennung Fällt in das Jahr 1473. oder 1474. 
,Üm den dritten Theil defto voUkcunmner 2u machen 5 
ftellte Herr G. in einige Gegenden noch einmal eine Reife 
an. Er befchreibt meiftens grofle Städte , Mainz, Mannheim, 
Colin , Trier , Koblenz. Wegen Mangel des Raums mufste 
Frankfurt am Mayn wegbleiben. Die in Kupfer geftochenc 
Probefchrift aus dem codice legum Bainwariorum See. XL 
in der Klofterbibliothek tu Benediktbairen ift genau und fchön 
und gehört zum erften Theil, S- jgi. Diefer Theil enthält 
weniger littcrarifche und bibliographifche Nachrichten , als die 
vorhergehenden : aber Liebhaber von alten , befonders rö* 
mifchen Monumenten , Infcriptionen , Steinen und andern 
Alterthümern werden hier reiche Unterhaltung finden. Die 
flüchtigen Nachrichten des reifenden Franzofen von diefer 
Gegend werden öfters berichtiget. Aus den Mainzer Biblio« 
theken, befonders der Kurfürftlichen und Dom Bibliothek , 
werden viele Seltenheiten , befonders von den erften Buch- 
druckern zu Main2 kurz, aber bisweilen auch fehlerhaft, 
befchriebcn, 2. E. gleich S. 52. die erfte lateinifche BibeL 
Zuletzt heifst es : dieBüchftaben haben mit denen des 1497 
gedruckten Pfalterii viel ähnliches ; es follte aber dabef 
ftehen ^ fie feycn um ein merkliches kleiner. Wer wird fich 
dabey noch im Jahr 178^. auf Schtvarz berufen und nicht 
an die Namen eines Meermann ^ Scbelborn , von Heinecken , 
Mafcb , u. f w. gedenken ? (Aber neue litterarifche Bücher 
fcheint Herr G. wenig zu lefen , oder faft gar nicht zu 
kennen*) Gleich darauf folgt wieder d?Ls CatholicoTl 1460 , 
und p. 40« und 47. abermals , fo dafs er mit den oben 
genannten fechs Exemplare gefehen, aber dem Anfehen 
nach alle nicht lang betrachtet hat. Am letzten Ort ift 
die Jahrzahl 1462. falfch. S. n^- kommt noch dazu das 
ficfcentc Exemplar zu Bonn u. f. w. Bey manchen Hand- 
fchriften , die fonft nicht gar bekannt find , habe i^h oft 
• • S 



274 Gerkens Reifen 4 Theilc. 

gewünfcht, Herr G. möchte angemerkt haben, ob ^\e noch 
ungedruckt find , oder nicht. Diefen Wunfch äuflcre ich 
hier bey einer teutfchen Handfchrift S. ^2. eine eigenbärt" 
dige Reifebefchreibiing Johann Mandifel eines Englifeben 
Ritters y vom Jahr 1^62. Das wird doch wohl nichts anders 
feyn, als dör bekailnte Itinerariüs Joannis de MandeviUe, 
fo vom Verfaffer im Jahr i Js s- franzöfifch gefchrieben und 
hernach in vielen Sprachen herausgekommen iit, wovon 
Herrn Meufels Bibliotheca hiftorica Volum, 1. P. IL p. 77. 
und Vol. n. P. L pag. 591. in den Anale(flis nachzufehen 
ift. Die Reife währte bis ij?2. und das Jahr 1362. mag 
auf die teufche Handfchrift gehen. Höchftfelten ift eine 
folchc Handfchrift immer : aber ob fie auch eigenhändig ift? 
Der Name Mandifel war mir neu und merkwürdig. Gehört 
Vielleicht der Verfaffer unter die Vorfahren des berühmten 
Gefchlechts der Herren von Mandeufel? — S. ^3. wird des 
liöchftfeltnen Mainzifchen Pfalters von dem Jahr 1459. 
gedacht. Merkwürdig ift der Unter fchied in der ünterfchrifl 
dreyer Exetnplare r ad laudem Dei ac honorem fandi Jaco/;i; 
ad laudem Dei ac honorem S. Albani ^ ad laudem Dei ac 
honorem S. Viäoris , davon jede nach dem Stift oder Klofter 
eingerichtet ift, wo das Exemplar hinkam. Von diefem üntcr- 
fchied gedenket Herr WürdPwein in der bibliotheca Mogun- 
tina p. 61* u. f. nichts. Wenn aber Herr G. hinzufetzt, 
vielleicht feyen die Exemplare des Pfalters 14^7. die nicht 
verkauft \yaren , nachher unter der neuen Jahr2ahl von 14^9. 
diftrahiert worden ; fo mufs man fich wundem , dafs er beydc 
iiicht genauer aiigefehen hat. >}^ie fehr fie unterfchieden 
find, lieht man deutlich, wenn man die Nachrichten des 
Herrn Würdt-wein mit einander vergleicht, üebereilung ift 
es, wenn S. 54. ein Buch angeführt wird, das Vindelinus 
1471. 2u Speir gedruckt haben foU. Denn Herr G. hat 
ihn öfter richtig als einen VenetiamTchen Buchdrucker 
angeführt — Die Befchreibung von dem Reichsarchiv 



Gcrkcn's Reifen 4 Theile. 275 

S. ^6. ü. f. läfst ficligut lefen. Von der Mannheimer Bibliö- 
thek hingegen S. 171. find die Nachrichten fehr, mager. 
Co/« Wird S. 2;r< u. f. am weitläuftigftcn , und vielleicht 
auch am gründlichften befchrifeben , auch in Abficht auf 
die Bibliotheken S. ^64. u. f. doch diefe faft zu kurz. Aus 
Archiven werden öfters gute Nachrichten von alten Urkun- 
den , Siegdn , befonders Damen-auch Reüterfiegeln , ü. f w. 
beygebracht, z. E. S. j^2I. bey Limburg an der Lahn ^ 
S. 4^. bey det Prämonftratenfer Abtey ^r;i/?«?/«, wo aber 
die Bibliothek mit ihren Handfchriften und Seltenheiten 
wieder zu kur:i abgefertiget ift. Das herrliche Archiv zu 
Dillenburg und feine vortrefliche Einrichtung erhält S. 4.9 1. 
das verdiente Lob. Die ältefte Urkunde in teutfcher Sprache 
ift vom Jahr 1259. das ältefte Originaldokument auf Lum- 
penpapier von I j 5 2 , das ältefte fchwarze Siegellack ati 
einem Briefe vom Jahr i s 5 9, und das ältefte rothe von 1^61, 
beyde aus den Niederlanden , woraus vermuthet wird , dafs 
es dort um diefe Zeit erfunden worden feyn mag. Wie 
viel ähnliche Anmerkungen ürid Entdeckungen könnten andre 
Archivare machen, wenn fie auf folche Sachen Aüfmerkfam- 
keit wenden möchten! — Wenn Herr G. von der Chronik^, 
die Johann Bämler 147^. zu Augsburg druckte, S. 4?^. 
fagt, diefes fey wahrfcheinlich die eirjie gedruckte teütfche 
Chronik : fö hat er eine ältere von Johann Zainer zii Ulm 
i47?' gedruckte vergeflTen , die er im zweyteri Theil S. 425. 
angeführt und eben die Vermuthiing dabey geäurtert hatte, 
dafs fie die ältefte fey. Voii beyden fehe iriari die gründ- 
lichfte Nachricht in Herrn Panzers Arinalen S. 7?' und 96. 
In der Vorrede des vierten Theils entfchiildigt fick 
Herr ßerken, dafs er die verfpröcherleti Nachrichten von 
Strafsburg und von den Römifcheri Uebefreften irtl Elfafs &c. 
nebft den Verbeflertingen von deri Markgräflich-Baadehfchen 
Ländern wegen einet fchweren Krarikheif hier nicht auch 
habe liefern können und yerfpricht vielleicht hoch el/ieh 

S z 



«76 Qcrhciis Reifen 4 Theilc. 

kleinen Supplemcntband nebft einem Regiftcr über alle vier 

Theile , welches fo nothwendig ift , dafs ihm gewifs alle 

Leftr dazu die nöthlge Gefundheit und Kräfte von Herzen 

wünfchen werden. Darauf giebt er Anzeige von den Probe- 

fchriften , welche er auf zwey Kupfertafeln liefert. Sie find 

aus einem Codex des neunten Jahrhunderts in der Bibliothek 

z\x Mainz, aus einem zu Ende des zehnten, oder Anfang 

des eilften Jahrhunderts in der Bibliothek, zu Karlsruhe, 

und aus einem des zwölften J. in der gemeldten 0901- 

bibliothek. Er will dafür liehen, dafs fie mit Zu verficht zum 

Beweifs als Probefchriften der angegebenen Jahrhunderte 

dienen können. — Den gröfsten Theil diefes Bandes nimmt 

Frankfurt ein , wovon Herr G. die ficherften Nachrichten 

liefern konnte , weil er fich fehr lang dafelbft aufgehalten 

hat. Weitläuftig befchreibt er die Stadt, Gegend, geiftliche 

Gebäude , Armenanftalten , weltliche Gebäude , den inncrn 

Zuftand , Kirchenver&ffung , Polizey , Handel , Einkünfte 

u. f. w. S. 17?. kommt er auf Gelchrfamkeit, Bibliotheken, 

Kunftfachen &c. Unter den Bibliotheken behauptet die 

anfehnliche Stadtbibliothek den erden Platz , von welcher 

einige alte Imprefle, weil von Handfchriften wenig da ift, 

angeführt werden. Darunter find in diefer fowohl, als in 

andern Frankfurter Bibliotheken viele alte«IVIainzer Drucke. 

Unter den Handfchriften der Domftiftsbibliothek S. Bartho- 

lomäl ift S. i8t* die merkwürdigfte das Chronicon Mariani 

Scoti , davon Herold und Piftorius einen mangelhaften 

Abdruck geliefert haben. Herr G. hat den Zeitpunkt , wo 

der Gefchichtfchreiber ungefehr gleichzeitig ift , genau 

collationirt und liefert davon S. J78 — 59|. Verbefferun- 

gen und Supplemente , woraus man fiehet , dafs die Hand- 

fchrifi eines neuen Abdrucks würdig wäre. Bey den alten 

Impreftis ift S. 186. zu dem Auguftinus de ciuitate Dei 

Maguntie anno LXXIH. die Anmerkung gemacht , dafs es 

bey den Buchdruckern 147). fchon gebräuchlich gewefen 



Gerkens Reifen 4 Theile. 277 

fcy , wie In Urkunden , die Jahrzahl zu abbrevircn. Ein 
jüngeres Buch von 1482. hatte er im erften Theil S. 598^ 
angeführt , und eben die Anmerkung dabey gemacht 
Allein die Gewohnheit ift viel älter. Günther Zainer zu 
Augsburg gab fchon 1468- die Jahrzahl nur fo an: anno 
LXodauo, und Senfenfchmid zu Nürnberg fchon 1470. 
anno &c. Septuagefimo. — In diefem Theil fängt Herr G. 
an zu bemerken, wenn eine Ausgabe in den Maittairifchen 
Annalen fehlt. Aber das hätte er in den vorigen Theilen 
gar oft zu thun , Gelegenheit finden können ^ hat es aber 
nur feiten gethan. S. 191. wird die Anmerkung gemacht, 
dafs die teutfchen Buchdrucker oft die Regierungsjahre des 
damaligen Pabftes in ihren Schlufsfchriften angemerkt haben, 
auch wohl von dem Erzbifchof oder Bifchof , in deffen 
Kirchenfprengel der Ort des Druckes lag , aus der Uriache , 
weil ße (ich anfänglich mit ad ordinem clericorum gerech, 
net hätten, wie dann auch unter den erflen alten Buch- 
druckern viele derlei würklich gewefen feyen. Hier hat 
Herr G nicht daran gedacht, dafs das Wort clericus auch 
eine ganz andre Bedeutung hat. Der Kürze wegen beziehe 
ich mich nur auf Schoepilini vindicias typographicas , wo 
S. )o. die Anmerkung flehet: Clericus non modo laico 
opponebatur, fed & peculiari fignificatu Aäuarium ^ fcri» 
^ bam , amantienjem fignificauit. Hoc fenfu CUrici regit , 
id eil Secretarii. Hodieque Galli fcribas fuos appellant 
Clercs. Und im Text fclbft heifst es: SchoefFerus — — 
fcriba librarius fuit. Huius ordinis homines generico faepe 
nomine Clerici dicebantur , qui in publicis fcholis fcribendo 
fibi viiftum pararunt. — Aus der Bibliothek der Karmeliter 
wird S. 195. eine teutfche Augsburger Bibel 1477. ^gc* 
führt, mit einem Buchdruckerzeichen, worinn ein wilder 
Mann einen Schild hält , darinn ein Löwe. Die dabey 
gemachte Anmerkung aber ift ganz falfch. Das Buchdrucker- 
zeichen gehört nicht dem Anton Sorg , fondern dem 



?78 GtrktrCs Reifen 4 Theile. 

Günther Zainer. Sicher kamen* im Jahr 1477- bey dieren 
zvpey Buchdruckern zwey Bibeln heraus , aber nicht bey 
dem erßen allein. Das hat auch Herr Zapf, wie ihm 
Herr G. hier Schuld geben will, in feiner Augsburgifchen 
Buchdruckergefchichte nicht behauptet Alles übrige , was 
die Anmerkung enthält, fällt alfo hinweg. Herr Panzer 
hat in feinen Annalen der altern teutfchen LitteraturS. 95. 
und 94. beyde noch deutlicher, als vorher befchrieben, 
und bey der , welche Herr G. anführt , feine vorige Ver- 
muchung , dafs fie Jobann Bamler gedruckt habe , zurück- 
genommen , weil fie offenbar Günther Zainers Buchdrucker- 
zeichen hat. Wenn Herr G. bey dem Anfang der Anmer- 
kung fagt, ganz ßcher gehöre diefe Bibel dem Anton Sorg: 
fo darf man ganz ficher dafür fetzen : ganz falfcb. Ein 
andres Exemplar hatte Herr G. im Uten Theil S. 54.7. 
angeführt. — Sonft kommt von Bibliotheken nicht viel mehr 
vor , als S. 28^. u. f. von Dc\rmßadt. Bey der alten 
Handfchrift vom Schach/prei w^rQ wohl anzumerken gewefen, 
ob fie noch nicht gedruckt ift, oder ob fie nichts anders 
ift, als das bekannte öfters gedruckte Buch vonl^Jo. de 
Caflalis , oder , wie ihn andre nennen , de Ceffolis. Auch 
von den wichtigen Akten des Basler Concilii S. 287. die 
noch nicht genutzet find , wäre eine weitere Nachricht 
nicht unangenehm gewefen. Aber Herr G. klagt S. 286. 
über Kürze der Zeit, die nicht erlaubt habe, die Hand- 
fchriften genauer zu unterfuchen und S. 2S6. fehlte es 
ihm wieder an Zeit , von alten Drucken mehr zu notiren. 
Diefes hätte billig nicht feyn foUen. — Die ziemlich unbe- 
kannten Nachrichten von dem ehemals berühmten Klofter 
Lorfch S. 30 j. und von dem alten berühmten Schlöffe 
Trifels S. ?i5^. find mit Dank anzunehmen. Eben fo werden 
Liebhabern und Kennern die wichtigen Nachrichten von 
den Römifjhen Alterthümern und üeberreften in der Frank- 
furter Gegend S. 204. und bey Hamburg S. 249. nebft 



Gerkens Reifen 4 Theile. 279 

dem Römifchen Pfahlgraben gewiß erwünfcht feyn. Das 
kleine Frankfurter Idiotikon aber hätte gcwifs jeder dem 
Herrn Gerken gern gefchenkt. Er gefteht felbft , dafs die 
mehreften Wörter und Redensarten auch in einer ftarken 
Entfernung um Frankfurt gebräuchlich feyen. Alsdann 
gehören fie ja aber night in ein Frankfurter Idiotikon, 
Undich mufs ibgar Tagen, dafs in der nämlichen Bedeutung 
einige in Sghwaben , Franken und Sachfen gewöhnlich 
find , z. E. das Wort Scharben. Nur von den Bianden- 
burgifghen und Niedersächfifchen Gegenden her waren ihm» 
verfchiedene Worte fremd , die man fonft überall höret. 
An andern Orten, wo er nicht lang verweilte , hörte - er 
dergleichen Ausdrücke nicht, oder gab wenigftens nicht 
darauf Achtung: aber in Frankfurt, wo er fich fo viele 
Jahre aufhielt, wurden fie ihm auffallend, Der Befchlufi 
diefes Bandes enthält auffer den fchon vorhin angeführten 
Varianten , auch noch Zusätze und Verbefferungen zu den 
vorhergehenden drey Theilen diefcr Reifen^ 



1 V 
ANFRAGEN, 



I. 

Wie weit ift wohl folgende periodifche Schrift fortgefetzt 
worden? Thefaurus bibliographicus ex indicibus librorum 
prohibitor. & expurgatorum coUeclus & illuftratus. Ein 
Mitarbeiter an diefem Magazin befuzet davon Penfum IL 
welches zugleich einen GHückwunfch an AfL Dan, Richter 
enthält, als er das Redorat zu Annaberg antrat, j. Bogen 
in 4. ausmacht und ohne Anzeige des Jahrs zu Dresden 
gedruckt ift. Die Herausgeber nennen fleh Confortiura 
theologicum und haben fich zu Ende alfo unterfchrieben : 
M. Joann. Aqguft, puUricb ^ Paft* Cahlemberg. M. Chrp, 
GotthtX^ Schmieder ^ Dresd. M, Joann. Chrp. ^*^, Diacon. 
Bifchoffewerd, M. Jpanri Mich, Scbm^iJ/irKS , Mega-Haerin^ 
ga-Thuringae. Jo, Godofr. Koenig, Paft. SImfslitz, M, Chrift, 
Sigifm. Lcutricb^ Dresd. Chrift. Beniam. Scbaiblin Dresd, 
Der Gegenftandift: ßiblia hebraico-lat. Rob. Stepbani von 
den Pfalm. bis zu Ende des A. T. nach den Indicib« 
libror, prohibitor. Quin fol. 9. Brafiohell. ^2. Sandov, 64. 
und Sotom. 100. und Biblia facra hebr. gr. & lat. cum 
Jat. interpretat. duplici & annott. Franc. VatablL Ex offic. 
fand; - andr. i s 87- Bey diefer letzten find verbotene Stellen 
aus dem I. und II. B. Mof ausgezeichner, 

2. 
Ift die Ausgabe vom TQdtentanz vom Jahr 15J0. zu 
Bafel gedruckt , die Herr von Murr im i6ten Th. feines 
Journals ^, 10. anführt , wirklich vorhanden? Man wünfcht 
von derfeJben nähere Nachricht, oder eine ausführliche 
Befchreibung zu erhalten. Man befitzt einige Blätter, die 
vermuthlich zu diefer äuflerft feknen Originai-Ausgabe ge- 
hören. 



^Üi 



Einzelne Bemerkungen und Berichtigungen, kurze Nach* 
richten , Antikritiken , ^nkündignngen , u.d.gL 



Üs bat zu allen Zeiten Gelehrte gegeben, die fich tbeÜs 
um ihre Nebenmenfchen wohl verdient , tbeils durch Schrif- 
ten, die 2u ihren Zelcen weit brauchbarer waren, als 
manche jetzige Sudeley oder Compilation , berühmt , theils 
fbnft Aufsehen unter ihren Zeitgenoflen gemacht haben , 
die aber nunmehr, billig oder unbillig» vergeflen worden 
lind. Denn viele ruhen mit Recht ganz fanft in der 
Vergeflenheit X einige aber, befonders aus dem Reforma- 
tiöns-Saeculo verdienen noch immer ein kleines Andenken. 
Liebhaber und Sammler alter , befonders .kleiner Schriften , 
finden hier und da noch ein gedrucktes Denkmal ihres 
Fleifles , und alsdann möchten fie doch auch gern wiffen , 
wer der Mann gewefen ift, was er fonit noch gefchrieben 
hat , u. f. w. Ob meine Cefer den , von welchem ich jetzt 
kurz reden und befonders feine vergefsnen Schriften anzeigen 
will , weil er in dem magern Joecherifchen Gelehrten 
Lexico fehlet , zu der erften , oder andern Clafle rechnen 
wollen, das will ich ihnen frey ftellen. Es iit Aegidita 
Mecbler^ Reformator und Pfarrer zi| S. Rartholomäi in 
Erfurt, wenigftens von 1^21 bis 1^47, der fich befonders 
auch durch feine Unterfchreibung der Smalkaldifchen Artikel 
bekannt gemacht hat. Es find daher in dem zweyten 
Stück der vermifchten Beyträge zu der alten und neuen 
allgemeinen , befonders aber Schwäbifchen Kirchen- pod 
Gelehrtengefchichte , Fr. und Leipzig 1765» (leider war 



282 Einzelne Bemerkungen u. f. w. 

diefes Stück fchon das letzte,) S. i6f. feinem Andenken 
einige Seiten gevviedmet worden. "Was dort ftehet, das 
will ich nicht wiederholen , fondern für die Liebhaber der 
Reformationsgefchichte und Sammler von fogenanncen Avto-* 
graphis einige Zusätze machen. Den iort genannten Büchern, 
wo feiner gedacht wird , den kurzen Fragen aus der 
Kirchenhiftorie , Kappens Nachlefe von Reformationsurkun- 
den , Snegaffi epiftolis , Tenzels fupplemento hiftoriae Go- 
thanae u. f. w. füge ich hier noch folgende bey : Myconü 
hiftor. reformationis pag. ^ o. Riederers Nachrichten zur 
Kirchen - Gelehrten - und Büchergefchichte B. I. S. ä5j. 
Beyfchlags fylloge variorum opufculorum Tom.. I. p. Z78« 
Von feinen Schriften find dort nur zwey genennet, die 
ich wiederholen und die übrigen mir bekannten beyfügen 
will. Wer mehrere kennet , dem werde ich für ihre 
Anzeige danken. 

Apologia oder Schutzrede, in welcher wird Grund 
und Urfache erzählt feines Weibnehmens , ohne Zeit und 
Ort , in 4. Vermuthlich gehört er unter die erften evan- 
gelifchen Geiftlichen; die geheirathet haben , ob ihn gleich 
noch niemand, fo viel ich weifs, unter denfelbcn ange- 
führt hat. ^ 

Ein chriftliche Unterrichtung von guten Werken , mit 
einem nachfolgenden Sermon über das Evangelium Luc. 6« 
des 4ten Sonntags nach Pfingften , geprediget &c. ,1^34. 
Eyn wyderlegung egidii Mechlers , pfarrers zu Erffort 
zu Sandl Barthomeus betreffende, etzliche irrige pund, 
gefchtiben vnd geprediget durch Barthölomeura Vfingea 
Auguftinianern. Und fonderlich inn der Sermon , von dem 
heyligen Creutz gethan zu ErfFort in der ftifitkirchen vnfer 
lyeben frawen Anno 1924. 

. ^ Von dem fündlichen Lafter der Trunkenheit, (Erfurt) 
l$4o. 8. 

£g. Mechlers Catechifinus, Wittenberg 1574« 8. ift 



Emzeln^ Bemerkungen u. f. vr. 283 

v^rmuthlich nur eine fpatere Ausgabe , und mag fchon 
vorher , Vielleicht öfter gedrucJit worden feyn. 

Ich vermuthe, dafs er 1S4.7 geftorben feyn mag. 
Denn ich finde in der bibliotheca Gefnero-Simlero-Trifiana . 
unter den Schriften Viäorin Siri^^ls : fqripßt laudationem 
funebrem Egidii Medieri iS47- Diefes foll ficher Mecbleri 
heiflen. Denn der bekannte Theolog Medier heifst nicht 
Aegidius , fondern Nicolaus und ftarb erft iS5*. Diefc 
Schrift Strigels aber ifl; fo unbekannt, dafs nicht einmal 
Hieronimus Merz , der doch alle Schriften deffclben mit 
glücklichem und unermüdetem Fleifs fammelte , ihrer ge-, 
denkt in der hiftoria vitae & controuerfiarum Vidtorini 
Strigelii, Tubingac 1752. (fb fich übrigens in Motfchmanni 
Erfordia litterata einige Nachricht von dem Aeg. Mechler 
finde, oder nicht , kann ich nicht fagen *). 



2. 

Ueber dem Zunamen des merkwürdigen Gelehrten, An- 
dreas Fricius Modreuius find die Meynungen der Gelehrten 
getheilt. Der fei. Schelhorn hat ihm in feinen ErgötzKch- 
keiten aus der Kirchenhiftorie und Litteratur, B. l. S. 671. 
u. f. einen eignen Artikel gewiedmet und behauptet , er 
heiffe Fricius , und Modreuius zeige nur feineA Geburtsort 
an. So nennet ihn auch Melanchchoh , Vogt und andre. 
Hingegen Johann Fabriqius hält in der hiftoria bibliothecae 
Fabricianae Tom. 111. p. 187. Modreuius für feinen Zuna- 
men , wenn er fchreibet : In Thom. Hyde catalogo biblioth, 
Bodlelan. legitur p. 266. Andreas Fricius Modreuius. Sed 
Starovolfcius in centuria fcriptorum Polon. p. 81. nomcn 
ita eloquitur : Andreas Modreuius, Vt adeo cognomen viri 

^) Ich habe nichts von ihm darinn finden können. M* 



284 Einzelne Bemerkungen u. f. w. 

fuerit Modreuius , non Fricius. Allein das iß noch keine 
Folge , obgleich auch Bayle delTelben nicht in dem Buch« 
ftaben F, fondern M unter Modreuius gedenket. Dafs fein 
eigentlicher Name Fricius fey , erhellet am deutlichften 
aus der Vorrede , welche der Herausgeber feinen fyluis IV. 
vorgefetzt hat, wo er ihn ausdrücklich fo nennet, inglei- 
chen aus feiner eignen Vorrede vor der fylva I. wo er von 
iich fagt : Nemo fic cogitet « Fricium in media Barbaria 
natum & educatum non potuiffe aliquid melius prodere, 
quam prodiderunt fcriptores veteris memoriae , omni generi 
monumentorum confecrati. Uebrigens ift von feinem Buch 
de prouidentia & praedeftinatigne auch J. W. Blaufufs in 
den Beyträgen zur Erweiterung der Kenntnifs feltner Bücher , 
im zweyten Theil nachzufehen, welcher auch im erften 
Theil S. 1^7. mehrere Nahriebt voii ihm giebt. Diefem 
find noch die unfcbuldigen Nacbricbfen von dem Jahr 
170g. p. 400. beyzufiigen. 



3- 

Unter die heften Scribenten über die Erfindung der Buch- 
druckerkunft wird der berühmte J. D. Scbopftin in feinen 
vindiciis typographicis , Arg. 1760. gerechnet ,- ob er gleich 
feine Erzählungen zum Theil auf fchwankende Hypothefen 
gründet, welche bald nachher von dem fei. Schelhorn 
gründlich geprüft worden find. Dabey will ich mich jetzt 
nicht aufhalten , fondern nur einen Fehler der ünwiffenheit 
rügen, den ein Schöpflin nicht hätte begehen foUen; und 
das thue ich um derer willen , die den feltnen und theuren 
Maittaire nicht böy der Hand haben. Unter den Elfaffer 
Buchdruckern auffer Strafsburg ftehet S. 117. Nicolaus 
Götz von Sletßadp , der im Jahr 1478. den bekannten 
Fafciculus Temporum gedruckt hat, mit der Anmerkung, 



Einzelne Bemerkungen u- f. w. 285 

ob er auch diefes Buch in feiner Vaterftadt Sletftadt ge. 

druckt habe , das fey nicht bekannt. Es ifi fehr zu 

verwundern , dafs Schöpflin , um fich aus dem Traume zu 

helfen , nicht die Maittairifchen Typographifchen Annalen 

nachgefcblagen hat. Denn da würde er gefunden haben, 

dafs Götz oder Götz von Sletftadt zwar nach damaliger 

Gewohnheit ohne Benennung des Druckortes im Jahr 

147?, aber auch fchon vorher im Jahr 1474. zu Cöln 

gedruckt habe. Es tft daher kein Zweifel , dafs er auch 

im J. 1475. und 1478. nirgends anders, als eben dafelbft , 

feine Preffe gehabt hat. Alsdann aber gehört er nicht 

unter die Blfaffer Buchdrucker , und Schöpflin hätte ganz 

von ihm fchweigen folleu. 



4. 

JLIer eben genannte Maittaire hat in feinen Annaleti^ 
ebenfalls Fehler genug begangen. Manche darunter find 
zwar nur , Uebereilung , aber öfters fehr lächerlich. Ver. 
fchiedene derfelben find zwar fchon hin und wieder voa 
Litteratoren angezeigt worden. Ich will hier einen , fb 
viel ich weifs noch nicht bemerkten, rügen, den er zwar 
nicht fclbft begangen hat , aber doch hätte verbeflern 
können und feilen. Im vierten Band S. 271. liehet: 
Donatus apud Quentel Coloniae ^497. mit der Anmerkung, 
der Herr du Chat habe in einem Brief an P. M. ( das ift 
Profper Marchand ) angemerkt , er habe das Buch oft ia 
der Hand gehabt, es ftehc deutlich darauf M. CCCC. LVIL 
Coloniae apud Quentel, entweder fey es Betrug, oder es 
fey ein C ausgelaflen , ( dann wäre es 1557.) niemand 
habe noch die Sache entfchieden , u. f. w. Wer ded 
Maittaire nicht hat , der kann eben diefe Anmerkung ia 
Vogts Verzeichnifs feltner Bücher S. 242. lefei). Maittaire 



286 Einzelne Bcmerkürtgen u. f. w. 

fagt blofs , dergleichen verdächtige Unterfchriften tortlmcn 
häufig vor. Diefe aber hätte er äüsbeffern follcn , und 
auch leicht können. Denn er vergafs dabey, dafs er in 
eben diefenl Baild von dem Heinrich Quentel Bücher 
anfuhrt, welche vöii 147$^ — 1500. gedruckt worden find, 
dafs er unmöglich im^Jähr iss7* noch gedrückt haben 
kann, daß alfo weder ein C ausgelaflen, noch ein Betrug 
vorgegangen feyn kann, fondern nur ein ünvof fichtiger 
Druckfehlet. Die angeführten Muthmaffungen find alfo 
falfch, und ich will ihneft eine wahrfcheiniichere entgegen 
fetzen. Das L foU ein C feyn. Dann heifstes lYICCCCCVlf. 
1^07. Maittaire hat nicht alle Bücher Quentels , und Ich 
weifs gewifs , dafs er nach i s oo. noch gedruckt hat. Aber 
es hier zu beweifen, wäre zu weitläufcig. Erft von fpätem 
Jahren habe ich auch Bücher von Quentels Erben in der 
Hand gehabt *). 



In den Nachrichten Von dem Leben berühmter Leute ver- 
dienen auch die geringften Umftände , wenn fie falfch 
erzählt werden , Berichtigung , damit nicht andre , wie -die 
tägliche Erfahrung lehrt, die alten Fehler immer wieder 
auf das neue aufwärmen. So gehet es 1. E. mit den 
ürtheilen über die Religion mancher nicht unwichtigen 
Gelehrten aus dem Reformatioris Seculo. Da ift fchon 
öfter ein Proteftant zu einem Römifchgefinnten oder um* 
gekehrt , oder ein ächter Schüler Luthers zu einem Zwing- 

— — ^»»— I • I I ■ 11 ■ • • „ h, ! , 1 , 1,1 

•) Es waren der Buchdrucker Quentel mehrere, z. B. Peter und 
Arnold im fechszehnten Jahrhundert, wo man auch Haeredci 
Joannis ßuentel , Ziberi Qtientel u. f. ,w. antrift. Vergl. 
C Eichhof 's) Material, zur Statiitik des niederrhein. Kreifes 

B, i. s. a7r «rid f. M 



Einzelne Bemerkungen u. £ w. a87 

liancr gemacht worden, tin einiges Beyfpicl mag diefes 
erläutern. Paul Fagius , . ein von vielen mit Unrecht 
vergefsner Name, hat fich durch feine grofle Kenntnifs 
der hebräifchen Sprache , durch viele jetzt freylich fehr 
feltne Bücher und durch die Predigt des Evangelii in 
Teutfchland und England fehr groffe Verdienfte erworben. 
Aber kaum ift es zu glauben, wie verfchieden Leute, die 
ihn beffer hätten kennen foUen , von feinen Religionsge- 
fmnungen geurtheilt haben. Theophilus Raynaüdus macht 
ihn gar zu einem Juden, der ein Chrift worden fey: aber 
fo viel ich weifs , hat vielleicht noch niemand diefe Thor- 
heit nachgefchrieben. Die berühmten Gelehrten , J. R. Ruf 
und Johann G. Carpzov . haben ihn beyde faft zu gleicher 
Zeit fälfchlich einen Papillen genennt , fo dafs es nicht 
fcheinet , dafs es einer dem andern nachgefchrieben habe. 
i\ndere zählen ihn zu den jCalviniften , z. E. Heidegger ^ 
Draud , Le Long , und befonders Hermann Couring de fcrip. 
toribus XVI. poft Chriftum natura feculorijm p. 148. 149. 
welcher gar den verhafsten Namen Saeramentirer dabey 
gebrauchet. Dem ohngeachtet wird man fich nicht irren , 
wenn man ihn , wie fchon Polus in der Vorrede zu feiner 
fynopfi criticorum gethan hat, unter die fi)genannten Lu- 
theraner rechnet , womit auch das tentamcn hißoricum de 
vita & mcritis Pauli Fagii, quod fub praefidio J, Gu. 
Feuerlini eruditorum examini fubmifit auclor refpondens 
Chr. Seyfried , Alt. i7)ö. §. ;6. p. jo. übereinftimmt. 
Die dort angebrachten Beweife will ich nicht wiederholen ^ 
ohngeachtet ich alle feine feltnen Bücher zu fehen und 
zu lefen , das Glück gehabt habe. Nur ganz kurz will 
ich einen andern ßeweifs .herfetzen. Paul Fagius kam am 
2}ften Hornung 1537- "^ic dem Martin ßucer und andern 
nach Smalkalden und unterfchrieb dafelbft den Anhang dec 
Smalkaldifchen Artikel, folglich auch die Augsburgifche 
Confeffion nebil ihrer Apologie. Man f. die Ausgabe 



288 Einzelne Bemerkungen u. {. w. 

dicfer Artikel , die Münden zu Frankfurt herausgegeben 
hat, im hiftorifchen Vorbericht §. ij. 17* und im i^uch 
felbft S. 99. Damals war ei: alfo kein Ca^vinift , und nach 
der Zeit finde ich nicht , dafs er anders gefinnt worden 
wäre. Am erften März des gemeldtcn Jahres fchrieb daher 
Melanchthon an feinen Herzensfreund , Joachim Camerarius« 
in der Sammlung ftiner Briefe an denfclben p. 279 : Ex 
lis, qui diflendre a noftris putantur, hemu afFuit praeter 
B/arerum Sc ßucerum. Dadurch zählet er alfo alle übrigen , 
die auf dem Convent zugegen waren , und folglich auch 
den Paul Fagius , zu denen , die in der Lehre mit den 
evangelifchen einftimmig waren^ Faft möchte man atfo 
Luft bekommen zu fragen , ob Rus und Carpzotj den 
Mamen P. Fagius in der ünterfchrift der Smalkaldifchen 
Artikel, die doch fo oft gedruckt find, niemals gelefen 
haben? weil fie ihn zum Papiften machen. Haben denn 
folche auch mit unterfchrieben ? 

Bey diefer Gelegenheit kann ich zugleich einen andern 
Fehler verbefTern , der den oben gemeldeten Martin Bucer 
und den Fagius zugleich angeht. Von jenem meldet Hocker 
in dem Catalogo der Heilsbronner Bibliothek S. 177, er 
fey mit diefem nach England berufen worden , wo ef 
ganzer zehen Jahre gelehrt habe, und 19; f* geftorben 
fey. Da müfsten fie alfo fchon 1541. nach England 
gereifet feyn. Allein wie hätte fich Bucer alsdann 1948, 
wie Hocker felbft kurz vorher erzählt , tu Bonn aufhalten 
können? und wie 1^4^' auf dem CoUoquio Zu Regensburg 
feyn? u. f. w. Fagius aber war in diefen zehen Jahren 
zu Ifni, Coftanz, Strafsburg u. C w. Beyde reifeten erft 
zu Anfang des Aprils IS49» nach England. Fagius ftarb 
fchon im November diefes Jahres , ( nicht , wie einige 
fagen 1^90,) und Bucer im Februar zs^i. 



6. Mit 



£iazelfie Bemericuogen u. £ ^. ^ 
6. 

JVlit dem Vaterland der Geldirteo geht es oft eben fii^ 
wie mit ihrer Re)igi(m , fo da& es fidfch angegeben «ird. 
Auch davon ein Exempd ! Der bekannte Cafpar Brufcb , oder 
Brufcbius fbU nach esiiger Mdnimg Ton Gau in Fhmdera 
gewefen feyn; andre machen Eger in Böhmen ra fianer 
Cebortsfladt < und dennoch ift es riditig , da& er ze 
Scb/ackeHwald gebeten nnd tu Eger nur erzogen worden ^ 
nach Gent aber ohne Zweifel niemab gekommen ift. 
Johann Conrad Zeltner hat von ihm in feiner centoria 
corredtorum in typc^raphüs emditormn 1716. b hasach 
1720 unter dem Titel: dieatfum virorum eruditorom ^ 
qui (peciadm typographüs operam praeftiteront , heramsge- 
Icommen ift, Nachricht gegdien , und von feinem Vaterland 
fagt er pag. 9^« cfr fey den i9ten Augnft i^iS zu Eger 
im Vogtland, oder vielmehr in Böhmen gd)ohren worden^ 
wie Adami erzähle « welcher den Pantaleon wiedeflege^ 
der ihn zu Gent in Flandern gebohren werden laiTe. Alldü 
Adami tind Zeltner mit ihm haben es eben fb wenig ^e- 
trofien , als Pantaleon« Brufch felbft hat in feinei- Be- 
fchreibuiig defi Fichtelberges fein Vaterland deotliclh gem^ 
genennet. Ich bediene mich dabey der Ausgabe: C^Qlari 
finifchii rediuiuf gründliche Betchreibong des Fichlelberges 
überfehen und vermehrt durch AL Zachariani TheobialdiM 
iuniorem, Nürnberg i68^ 4. Darinnen fchreibt e^S. i^g^ 
von Schlackenwald al(b; « Diefe Stadt tft mein Cafpar 
5, Brufchii liebes Heimat und Vaterland , in der ich änge« 
iy Fangen hab in dieleni Jammerthal und elenden jämmer« 
53 liehen Leben tu leben. '' Was kann deutlicher feyn 7 
Allein in eben diefem Buche nennet et auch Egef (eis 
Vaterland , und wer nur diefe Steife allein äfnfiete ^ kÖnoCe 
fich leicht verföhren hlten 2tf glauben , er fey dafelbfr 
gebohren worden* Aber man merket leicht ^ dals er nur 



290 Einzelne Bemerkungen u. £ vr. 

defswegen alfo rede , weil Eger die Vaterftadc feiner Eltern 
war , wofelbft er auch erzogen worden ift. Denn €0 
/dhreibt er S. 74. von der Stadt Eger als von feiner lieben 
Heimath und Vaterland zwar fo , da(s man irr werden 
könnte. Allein S. 84* erklärt er fich mit fb deutlichen 
Worten , als nur möglich ift : „ Diefe Stadt ift meiner 
,, Eltern und meiner ganzen Freundfchaft Heimath und 
„ Wohnung bishero gewefst , darinnen bin ich auch von . 
„ Scbluckeniopald , meinem lieben Vaterland ( da ich etwa 
„ zwey Jahr alt war, und mir meine liebe Mutter Barbara 
„ ftarb,) gebracht worden, darinnen ich hernach erzogen 
„ worden , und erftlich in die Schul gangen bia " Noch 
merke ich zu feiner Lebensgefchichte diefes an. In der 
angezogenen Befchreibung des Fichtelberges heifst es S. 8^. 
er feyden igten Auguft isi8. gebohren und den i^ten 
Uov. iqs9« i"^ 4«ftcn Jahr feines Alters erfchoflen worden. 
Ift Gcbucts - und Todesjahr und Tag richtig : fo mufs es 
Aeiffen : im 42ften. Es ift daher lächerlich , wenn Zeltner 
p. 96 , da er doch alles richtig angiebt, fagt, er habe 
im 48ften Jahr feines Alters Teutfchland verlaflen , und 
fey nach Italien gegangen. Doch vielleicht ift es ein 
Druckfehler anftatt 28« Uebrigens kann man von den 
Ausgaben feiner Befchreibung des Fichtelberges Clement 
biblioth^que hiftorique & critique Tom. V. pag^ ) } < ^^ 
3)7 nachfehen. 



Einzelne BcmcAungdn u/f. w* 091 



Hoch ein Paar WorU über den Idteinißhen Lettern^ 
druck teutfcher Schrifcen. 

-^ In dem 4tert Theile von Meufefs biflorifcb- 

litteratifcben Magazin , S. i ^ 6. u. f. wird in dem AufTatzc 
„ lieber den latein. ' Letterndruck teutfcher Schriften " 
^cgm eine Behauptung im teutfchen Mufeum dargethai>, 
dafs man nick, wie da angegeben ifl, drft zwifchen dert 
Jahren 1740. und 17^0 ^ fondern fchon 40 Jahfe früher 
den Anfang gemacht habe , zuweilen teutfche Schriften mit 
lateinifchen Lettern zu drucken. ~ Der Herr Verfafler jertes 
Auflatzes wird das von ihm angeführle Beyfpiel wohl nicht 
für das frühefte ausgeben ^ welches fich aufilollen lieffe , 
fo wenig als ich von dem racinigen es behaupten möchte, 
ob €8 gleich |)eynahe loo Jahr älter ift. Um zugleich meine 
Quelle anzugeben , führe ich difs frühere Beyfpiel mit den 
Worten des Herrn Prof* Wiü aus feiner Reife dufcb 
Sachfen an : ^ 

„ Unter vielen andern Büchern,^ die ich (auf dop 
^i Jenaifcben Bibliothek ) fah , fiel mir ein lateinifch-/^«/^ 
5, fcber Tacitus^ von der üebcrfetzung Jacob Mi^yllüs^ 
», von 16 13. in 8. auf^ wo fchon die teutfche Ueberfbtzung 
4, mit lateinifchen Buchftaben gedruckt war ^ die wif Jetzt- 
4, lebende nach ( darfials ) 172'JahreH einzuführen, gleiche 
ji wohl noch fo viele Bedenkliohkeiten haben "* 

Möchte die allgemeine Einführung nur nicht auch fa 
viele Scbrvpierigkeiten haben! Denen, welche dagegen als 
gegen eine 'Neuerung eifern , wäre alfo doch wohl bewiefen, 
dafs fie flöh irren. — Uebrigens habe ich blos auf jene 
Entdeckung des Herrn Pro£ \}^ill j welche , fo viel ich weifs, 

Tt 



«9X Einzelne Bemerkungen u. f. w. 

mcht weiter beachtet wurde, und dem Streite über diele 
Sache einen neuen Spielraum anweifst , auFmerkram machen 
wollen 9 und eigne, mir kein weiteres Verdienft dabey zu. 

Karl Reinhard. 



8. 
R e V i f i o n. 

Joh. Jac« Grynaei Epiftolas familiäres ad C. A. Julium gab 
Sigm. Jac. Apin mit Anmerkungen (Frf. & L. 171«. 80 
heraus, liefs aber in felbigen folgende Unrichtigkeiten zu 
Schulden kommen : 

SL 6. Not« a) Der darelbfl; genannte Helius wird für einen 
Enkel Conr. Helii, der (wie aus deflen Epitaphio 
ejrhellet) als Archidiakon. zu Bafel 142?. geftorben 
ift , gehalten. Wie konnten aber nach der damaligen 
Zeit Yon einem Archidiakonus Enkel zu erwarten feyn ? 
Er mag von einer andern bürgerl. Familie zu Bafel , 
die gleichen Namen fährte , abftammen. 

S. aj. b) Abermals eine genealogifche Verwirrung! Die 
dafelbft im Text genennte Heroina Andioiana foU die 
hinderlaCTene Wittwe Georgii Andiovii gewefen feyn. 
Diefer Ge. Andioviur ftarb, wie die Epitaphia Bafi- 
leenfia ausweifbn , fchon 1466. nachdem er ^o Jahre 
Fraepofitus zu Bafel gewefen war. Nach dem Innhalt 
des 6ten Briefs vom 15. Jul. 1 581. war fie krank: 
im 27ten vom iten May i^.8|. wird ihr Tod gerne). 
det; mithin mufste fie ihren Mann, wenn folcher 
diefer Fraepofitus gewefen wäre , um 115. Jahre über- 
lebt haben, welches eben (b ungereimt ift, als wenn 
man die Wittwe eines geiftlichen Herrn vom J. 1466. 
annimmt. 



Einzelne Bemerkungen lu £ w. ^0} 

S. 2^. a ) Ettftafeh. Vignon war kein Basier, fondcm ein 
Geneyer Buchhändler. 

S, 42. d) Auf die MishelBgkeiten , die zwifchen den. 
Genevem und Schweitzern 1579. beygelegt wurden, 
zielt Grynaus nicht: fondem auf das Ungewitter, 
das ihnen 1582. von Selten des Herzogs von Savoyen 
&ohte. 

S. 87. a) Lächerlich ift es, wenn Apinaus dem im jiten 
Brief genennten Vulcano Bonauentur. Vulcanium ma^ 
eben will. Es ift ficher kein anderer, als der Tübin. 
gifche Jac. Andrea^ den man auch Schmidlein und 
Faber, auch fcherz- oder fpottweis ^«/caiwwinennte. 
Weil er die Concordiam Bcrgenf. mit verfertigen half: 
fo mufste er fach von denen, die fie nicht unterfchrieben, 
und von den damaligen Wittenbergifch. Cryptokalvi- 
niften allerhand Ehrentitel gefallen laffen. Da nun 
Heedeßanus dxxch des heimlichen Calvinifinus verdächtig 
war (S. Nbg. gelehrt. Lex. ) fo ift leicht zu erachten , 
dafs ihm Andrea nicht hold feyn konnte. Wer die 
neueren Religionsftreitigkeiten kennt , braucht nicht 
einmal fo viel zu feiner Belehrung. 

S. 124. a) Job. Bäubinusxmi Wecker können nicht lang 
um einander gewefen feyn ; denn im Jahr i s 66 , in 
, wetchem Joh. Baubmus Prof. zu Bafel wurde , gieng 
Weekeit als Leibarzt nach Colmar. Auch redet wohl 
Gryndus hier nicht einmal von Job, Baulfinus^ der 
i$7o. fchon als Hofmedicus nach Mömpelgart kam, 
fondem von deflen jöngcrn Bruder , Cafpar Baubinm^ 
der 1^88. im 22ten Jkhr feines Alters Prof. Media 
wurde, umt al(b i$86. (indem vorgedachter Irief 
gefchrieben wurde > allerdings prakticirt kaben kann. 
Siefer C^^r Bauhinus ftarb 1624. 



994 Einzelne Bemerkungen u. £ w^ 

9- 

Zufat^ zn der Nachricht von Petri Apiani Colmo- 
graphie« 

Xn dem fchönen Äuffatze von Petri Apiani Cofraographie 
im erßen St. des hift. lit. bibliographifchen Magazins wird 
auf der ti8* S. die Antwerpifche Ausgabe 1^84» welche 
Clement la plus ample ^ la plus conßderabh nennt , nur 
angeführt , aber nicht näher befchrieben. Da ich diefe Aus- 
gabe befitze , fo Icann ich durch eine nähere Anzeige der- 
felben den Clement rechtfertigen, und ich glaube, dafs 
diefe Anzeige defswegen nützlich feyn wird, weil dief5 
Ausgabe 16 Schriften enthält, welche fämtlich nicht uner- 
heblich find, Sie ift in Grofs-Quart , mit folgendem Titel 
gedruckt : 

Cofmographia fiue Defcriptio vniuerfi Orbis, Petri Apiani 

& Gemmae Frifii , Mathematicorum infignium , lam 

demum integritati fuae reftituta. 
Adiedi funt alii , tum Gemmae Frifii , tum aliorum 

Audtorum eius argumentt Tradtatus ac llbelli varii, quo- 

rum fcriem verfa pagina demonftrat. 
Hierauf folgt ein Globus in. Holzfchnitt , an deflen 

Fuße fteht Anno i ^84 , und darunter : Antwcrpiae apud. 

Joan. Bellerum , ad itlfigne Aquilae aureae. 
•Auf der zweyten Seite fteht Content a : ( Ich fetze die 

Seitenzahlen hinzu,) Petri Apiani libellus de prin- 

cipiis Aftrologiac & Cofmographiae, P. 1.-^6^. 
Eitifdem defcriptio quatuor Terrae partium videlicct Euro- 

pae &c. p. 66. 
Gemmae Frißi appendix de Peruuia regiorie rtuper inuenta, 

P. 71. .. . ' 

Defcriptio partlcularis regionum & prouinciarum vniuerfi 



Einzelne Bemerkungen u. f. w. ' 295 

' Orbis , cum longitudine & latitudine Ciuitatum, & 
locorum celebriorum vniufcuiafque Prouinciae per gradus 
& minuta longitudinum & latitudinum. P. 72. 
Öefcriptio particularis Infularum totius Orbis per gradus 
longitudinum & latitudinum eiusdem. P. i;9. 

Situs ac defcriptio Indiarum feu Noui Orbis , defumpta 
ex generali Indiarum hiftoria , Hifpanico i<^omate fcripta 
per Francifcum Lopezium de Gomära, cum enumera- 
tione Portuum & Locorum memorabilium totius orae 

^ litoralis maritimae , & diftantia per gradus & milliaria,' 
P. i(5o. 

Situs Indiarum Occldentalium feu Noui Orbis, ex Hifpa- 
nica Geographia vpiuerfali Hieronymi Girauae Tarraco^ 
nenfis , cum Tabula Infularum » Portuum , Promontorio- 
rum y & Fluminum infigniorum , numerifque longitudi- 
num ^ per gradus & minuta. P. 168. 

Petri Jpiani Appendix in qua pulcherrimo artificio docet 
Horarum tum diei tum nodtis obferuationem. P. i88* 

Gemmae Frißt de locorum defcribendorum ratione » clequc 
eorum diftantiis inueniendis. P* 194. 

Vfus Annuli Aftronomici eiufdem. P. 210. 

De vfu Globi Aftronomici ab eodem editi. P. 22 1. 

Caeleftis Globi compofitio J. S. Audore , cum eivfdem 
Tabula ftellarum iixarum verificata ad A. Chrifti isso« 
P. 249. 

Gemmae Frißi de Radio Aßronomico & Geometrico Über. 
P. 286- 

Fabrica Baculi Aftronomici vulgo Baculi Jacobi per Jo* 
Span. P. U8. 

Breuis tradtatus de Baculo Aftronomico, ex lib. J. S. M. 
de principiis Geometriae. P. 1?o. 

Gemmae Frißi de Aftrolabio Catholico Über , recens in 
Compendium opera Martini Eyerarthi Mathefeos ftudioft 
contradlus. Pag. 55 5 — ^479. 



^pö Eipzeinc Bemerkungen u. f. w. 

Hinter diefcm letzten Buche , welches zum Theil voa 
Cbrhello Ftifio , des Gemma Sohne , ausgearbeitet ift , fteht : 
Typis Jo. Withagii. Darauf folgt noch auf der letzten 
Seite Carmen panegyricum Com, Gemmae , in obitum Patria 
Gemmae Frifii. 

Kinder ling* 



Zufatz afur Nachrieht von den Ausgaben dc^ 
Thomas v. Kempis. 

S 'hr angenehm war mir die Nachricht des Herrn Zunft- 
meifters Heidegger von den verfchiedencn , zum Theil.fehr 
alten und feltenen Ausgaben des Thomas v. Kempis , und 
ich danke diefem vortreflichen Bücher kcnner für die Au£* 
klärung mancher Dunkelheit. Unterdeflen ift vielleicht einigen 
Gelehrten die Anzeige folgender alten Ausgabei)L nicht unan- 
genehm t 

Thomas de Kempis. 

Pe imitatione Chrifti. & de contemptu omnium vani- 
tatum mundi. 

De interna cbnuerfationc. 

De interna locutione Chrifti ad animam fidelem. 

Cum quanta reuerentla Chriftus fit fufcipiendus. 

Item Johannes Gerfon de mcditatione Cordis. 
Diefes ift der vollftändige Titel , welcher mir defswegen 
merkwürdig zu feyn fcheint, weil beyde Männer in dem- 
fiflben genannt werden , die als Verfaffer des erften Buchs 
angegeben werden. Hier aber wird einem jeden das Seine 
«^geeignet, und ich glaube, der Titel ift richtig. Alle 
Eiremplare und Ausgaben haben dergleichen genaue und 
beftimmte Titel nicht; vielleicht hat diefer Umftand etwas 



Einzelne Bemerkungen u. t w. 297 

xnit bcygctragen , dafs Joh. Gcrfon für den Vcrfeffcr ^es 
erflf^n Buchs, nämlich de imitatione Chrifti , gehalten wurde, 
weil fein Buch de nieditatione cordis jenem gewöhnlich 
beygefügt worden ift. Doch ich lajfe mich in diefe Streitig- 
keit nicht ein, die überhaupt durch gedruckte Bücher nicht 
kann entfchieden werden, fondern befchreibe nur mein 
Exemplar etwas genauer. Voran ileht der Innhalt der Kapitel 
und Bücher de imitatione Chrifti auf zehn Seiten. Auf 
dem zweyten Bogen folgt: IncipU über primus fnuris 
Thome de Kempis: canonici regulär is ordiuis fanßi Augu. 
de imitatione Cbrifii &f de cofUempu omuium vanitatum 
tnundi. Die Bogen find mit Buchftaben gezeichnet, aber 
mcfat mit Seitenzahlen , auch nicht mit Cuftoden verfebeo. 
Das P^ier ift fliark und wei(s , der Druck fehr anfehnlich 
und fchwarz, und die Typen fehr gerundet« Auf der vor- 
letzten Seite des Bogen V fteht: Explicit über quattuf 
^ vhimus de facramento altaris, Fratris Tbome de Kempis 
de imitatione Cbrifii & de contemptu mundi deuotum 
^ vtile opufcuium finit feliciter. Incipit trailatus de 
meditatione cordis magifiri Jobannis Gerfon. Diefer füllt 
nur 1 7 Seiten , al(b fdigt am Ende des Bogen X das Finale : 
Traäatulus venerabilis magifiri Job. Gerß>tt de meditatione 
cordis, Luneborcb imprejfus per me Jobannem Luce» 
Anno Dni. M. CCCC. XCHI (149).) XXII die JUeuß 
May. Finit Feliciter. 

Ich fetze noch eine kurze Anzeige einer Teutfchen 
Ueberfetzung hinzu , die mir wenig bekannt und doch 
merkwürdig zu feyn fcheint. Das eigentliche Titelblatt fehlt 
in meinem Exemplare , alfo fteht der Innhalt der dr^ 
erften Bücher von der Nachfolge Chrifti voran, von dem 
vierten Buche aber fteht erft nach demfelben ein befonderes 
Regifter, Das Buch felbft fangt mit einem Holzfchnitte an , 
welcher die heil. Maria mit dem Kinde Jefus in ftrahlendem 
Ghnze vorftellt Unter dem&U^n fteht. ein Gebet ai| die 



ii)^ Eintelnc Bemerkungen u. f. w. 

heil. Maria. Alsdenn folgt die kurze Vorrede. Der Anfang 
eines jeden Buches ift mit einem großen vertierten und in 
einem Quadrat eingefcUoflenen Buchftaben verfehen , und 
vor dem vierten fteht ^ Holzfchnitt , welcher die Ofter- 
lammsmalzeit vorfteilt. Endlich fteht hinter dem Regifter über 
das vierte Buch folgende Endfchrift : Geendet vnd viillen- 
htacbt dorcb Matiricium brandis tho Magdcborcb An 
Sunte AlUxiui dage Im M CCCCC vnde eyn. (i^oi.) 
in Quart. 

Diefe üeberfetzung ift ganz in der reinen Niederlach, 
fifchen Sprache abgefafst: und ziemlich verftändiich, ob 
fie gleich manche einzelne Wörter enthält , die nicht fehr 
bekannt find. In diefer Abficht verdiente fie eine befonderc 
Betrachtung , und könnte manchen Beytrag zu den alten 
Gloflariis hergeben. Uebrigens mag fie defswegen feiten feyn, 
weil vermuthlich viele Exemplar^ diefes ehemals fo allge- 
mein beliebten Buches in Magdeburg geblieben , und bey 
der kläglichenZerftörung im Jahre 1 6 % i.ein Raub derFlammen 
geworden find. Aus eben der Urfache ift Henninges Theatrum 
genealogicum felteti , und es werden gröflere Büeherkenner, 
als ich bin, alte Magdeburgifche Drucke feltner, als von 
andern Städten angetroffen haben. 

Der ehemalige Beficzer meiner oben angeführten Lune- 
burger Ausgabe des ladeinifchen Originals, hat vorn hln- 
eingefchrieben : Diefe Edition iß die attererße , und dero- 
halben von febr großem fVertb: denn A. 1494. ßnd 
feine Werke erßÜcb zuf ammenge druckt in Nürnberg. Diefe 
gebet aifo jenem nocb ein Jabr vor. — Difs kann zum 
Bcweife dienen , wie leicht man fich irren kann , wenn die 
Frage von der älteften Ausgabe eines Buches ausgemacht 
werden foll. Man hat fich in litterarifchen Unterfuchungen 
oft dergleichen hinkende SchliiflTe erlaubt , als hier von 
der Ausgabe der Werke des Kempis gemacht wird. Zugleich 
Miellet hieraus , wie vielen Dank man dem Herrn Zunft- 



Einzelne Bemerkungen u. t w. 5199 

iwciftcr Heidegger für die nähere Bekanntmachung der weit 
alteren Ausgaben fchuldig ift. Uebrigens ift die Ausgabe des 
Buchs de imitatione Chrifti , welche im erftjen St. des hift. 
lir. hibliographifchen Magazins p. 126. befchrieben wird , 
worinn Jo.' Gerfon fchon auf dem Titel als Verfeffer ftcht ^ 
( Louanii per Jo. de Weftfalia , f. 1. & a. ) auch in der 
Magdeburgifchen Dombibliothek befindlich. 

M. Jo. Frid. Aug. Kinderling. 



II. 

&njatyrifches Büchcrmrztkhnijs^gefltlktmgifehr 1657. 
Catalogus librorum quorundam recetUwrum^ qui 
proximis nundinis proditurL 

1. Alexandri VII Itali de uita & honeftate Clericorum 
trad^atus. 

Eiufdem Fxplicatio fabulae AeFopicas de pugnan- 
tibus canibus ingruente lupo &c. Excudit Olymp/o 
Diflimulantius. 

2. Ferdinand! Caeraris Martis infaufti abftmentia, fiiiii- 
tibus ICti Pifcatoris. 

3* Philippi Hifpani de modo expediendi fe in multis nego- 
tiis p. Laz. Fortunatum. ' * 

4. Ludouici Galli Tradl'atus finium regundorum & de com- 
muni diuidundo aduerfus Philippum Auftrium. 

5. Caröli Guftaui, Sueci, Tra(flatus de acquirenda& rcti- 
nenda pofleflione, .Litteris Vidtoris Seruatii, fumtibus 
incognitis. . 

6. Fridetid Dani de conftruanda Face, oura CorneGi 

Infitni. 



^oo Einzelne Bemerkungen u. f. w; 

. 7. Joan. Cafimiri Poloni Trad. de rebus geftls ueterum 

Folonias regum. Eiusdem Tradt de ceflione bonorum 

& curatore bonis dando per Felicem Perditum. 
8. Jo. Lufitani de Jure retendonis contira Fhilippum Iberii , 

fumtibus Galiiacii Vicini. 
.^, Chriftinae Suecse Über de Fama apud Cneiutn Brutuia 

Varronem. 

Eiufdetn tradatus de Cohabitatione Clericorutn & 
^inulierum) per Innocetitium Credulum. 
10. Alexei Zaari Mofchi Commentarius in illud : Fronte 

capillata ^ poft hsec occano calua. 
Eiufdem Antmaduerfiones Proximt ardentis Ucalegonis. 

Typis Barbart Hasmorrhoidis , fumtibus Lichuanis. 
II» Oliueri Cromwellii , Angli, Tradtatus de Parricidio. 

Eiufilem de commutatione & tranfmutatione rerum 

publicarum & ftatuum, opera Caffii Verfuti. 
12. Ecciefiafticorum Eledorum Liber de ui & metu. Expri» 

mit Clarus Sehecio. 
I }• Leopoldi Guilielmi Auftrii Vituperium inconfulti Ibruoris 

& Inuediua in fbrtunam femper iallacem per Ama> 

daeum Quiefcentem. 
14. Ludouici Borbonii Condeii tradt. de Rebel]ionib9» 

expreffit Feroidus Capito. 
I(. Julii Mazarini de acquirendo Jure Ciuitatis m Galtia» 

eiufque commodis. fumtibus Regiis apud haeredes 

Armandi Patritii. 
itf. Solimanni Hagarent de Cardialgia fl cordis tremore 

per 'Confcientiofum- Cauteriatum. Ej. Lucubratiooes 

Nemefis diuinas, cura Caroli SuecL 
17. Bogislai Chmielinsky tradt de Vindidte opera per Phi* 

lippum Cordatum. 
Ig. Senatorum Venetonim de periodis Rerumpublicamm^ 
19. Clericorum & Ferrum Mofcouiae Liber.de Vano & 

inefficaciuna^namPolomcarum cul^, <^era Michelo- 

yiciaw 



Einzelne Bemerkungen u. f. w. 30 f 

30. Ordinum HoIIandiae de Mercaturse fobtilitate per Valen- 
tem Nautatn* 

31. Senatorum Poloniae de locis & itineribiis publicis, nee 
non de uia publica & fi quid in ea fdXtum efle dicatur, 
per Lucium Latro. 

22. Urbis Dantifcanse L. Falcidia circa immunitates eius , 
opera & ftudio Augufti Bataui ab Ultimo Valente. 

2}. Epifcoporum Poloniae ad Tit. iE ne quid in loco facro 
fiat Gioflk, apud Stanislaum Firmicum» 

34. Patrum Jefuitarum in Polonia , Peregrinator Chriftianui 

cum Scipione & calceis neceflariis ad extrema haec 
tempora apprime utilis, ex officina Judse Ifchariotis. 

35. Ragocii Transfyluii de fummo Neutralitatis emolumentö 

cura Maimedis Turcae. 
26» jMonachorum & Fratrum Lithuanorum de Abftinenüä 
a poculo fraternitatis & uita fobrie hoc tempore 
agenda Excud. Abftemius Inuitus, fumtibus proprüs^ 



12. 



Xm erftep Stück diefes Magazins S. 44. ftehen folgeniSe 
Worte : 

,, Duo Volumina epiftolarum obfcurorum uirorum &c. 
MDLVII. in 12. ohne Ort. Oiefes ift die eim*ge Ausgabe, 
die Maittaire im dritten Band S. 698. hat. Im Regifler 
aber gibt er eine Ausgabe Rom iss7* in 4to an ''. 

Ich befitze fdbft obig^ Duodezausgabe, bey welcher 
aber zu Ende des zweyten Theils Rom als der Druckort 
angegeben wird. Ich will diefe Ausgabe , um fie von andern 
ficherer unterfcheiden zu können , kürzlich befchreiben. Sie ift 
unpaginirt, und die Signatur beyder Theile läuft von A 
bis X , fo , dafs mit dem zweyten Theile keine neue Signatur 



ipz Einzelac Bemerkungen u, f. wi 

anfangt. Auch bey diefer Ausgabe ftehen die ' Böcher 
umgewendet ; das andere fleht zuerft , und das erde ift das 
andere. Der vollftändige Titel lautet alfo : Duo Votumlna 
Epiftolarum Obfcurorum Virorum, ad D. M. Ortuinum 
Gratium , Attico lep6re referta , denuo excufa & a mendis 
repurgata. Quibus ob ilili & argumenti Gmilitudinem adie- 
cimus in calce Dialogum mire feftivum, erudids falibus 
^efertum. M. D. LVII. Der Sqhlufs des letzten Briefis des 
erften Theils ift: ,, Datum monafterio noftro, in ocftava 
pienfis Mains , in anno i s ; 7 ". 

Die Ueberfchrifc des darauf folgenden Dialogs lautet 
auf der Rückfeite alfo : Dialogus nouus & mire feflivus , 
.ex quorundam virorum* falibus cribratus , non minus erudi« 
tionis , quam macaronices coTnpledtens. Epigramma J. L fi. 
ad ledtorem. 

Afpice quam lepidis falibus liber arteque doda 

Detegit hie mentem , fada , refertque uirum , 
Qui^ linguae gerris mos eA maledicere mufis , ^ 

Mufis quique mouent bella cruenta facris, 
Moreque Democriti rifum dabis ipfe folutum, 
Et leges optatos, ledlor amice, fonos. 
Zu Ende des Dialogs , der auf der Rückfeite des Blattes 
K 4 iu Ende geht , flehet : 

Finit fe opus egregium magna diligentia a fpedlabiiibtiis 
magiflris noflris compilatum , & iam melius quam ante 
imprefTum in Vtopia , in impreflbria Claudi Sutoris cu ftella 
tenebrofa. Anno quo fupra: cauifatum etiam efl, ut ia 
aliis , ne quis audeat pofl nos impreffare per decennium« 

Firris. 

Der zweyte Thcil hat folgende Auffchrift : Alt^ruitt 
Volumen Epiftolaruip Obfcurorum Virorum ad M. Ortui- 
num Gratium, nil praeter lufum continentes & iocum, 
in arrogantes fciolo^ , plerumque (amae bonorum Virorum 
ojbtredbatores , & fanioris dodrinae contaminatores. 



Einzelne Bemerkungen u. f. w. 303 

Ad Ledorem. 
Rirum Heraclitae eft, uafti ridere parati 

Arida mutarunt pedtora Stoicidae 
Da mihi triftem aninium , ferales obiice ludus 
Difperem nifi mox omnia rifus erunt, 

Exerce pulmonem. 
Am SchlufTe des zweyten Theils liefet man : „ Romae 
Stampato con priuilegio del Papa , & confirmato in lugo , 
qui uulgo dicitur , Beluedere ". 

Finis. 

J. F. R. 



Ein Paar Zusätze und Berichtigungen zu /• GL 
Schelhorns hthen des Philipp Camerarius , erften 
Prokanzlers der Univ. Altdorf. 



^cbeiborn in feinem Leben Camerars fagt S. 14., da(s 
der Trucbfeßfcbe Stamm mit dem Vater der Mutter unfers 
Camerars^ Ludxoig Trucbfefs ^ abgegangen fey, Diefer 
Ludwig , von dem Scbelhorn redet , war ihr Bruder , wekher 
1^28. noch gelebt hat. Ihr Vater aber hiefs Martin 
Tmcbfefs^ und die Mutter ürfula^ welche beyde noch 15 17. 
gelebt haben. Jenen alten Ludwg Trucbfefs und deffea 
Gemahlin, welche Dorothea Im Jlofin gewefen , hat Pfate« 
graf Otto ) als feinen Kanzler , zur Belohnung feiner treuen 
Dienfte, 1480. zu Neumark, Donnerftags vor unfrer lieben 
Frauen Conceptionis , das Schlofs Grünfperg mit aller Zuge- 
hörung , fo Burkhard Freudenberger pfandweife inne gehabt, 
geliehen , und 148U an U. Fr. Lichtmefs-Tag zu Neumark 
fich mit ihm um die L^fung des Schlofles Grünfperg 



304 Einzelne Bemerkungen u. C w. 

vereinigt, dafs er es von Burkhard Fretidenberger um 
1600 fl. Rh. Landeswährung an Geh gelöfet. 

In Anfehung feines Bruders , Lud-vßig Camer ar im ^ 
deflen Scbeihorn S. 4 und 24 gedenkt , will ich bemerken, 
dafs in Götzens Merkwürdigk. der Kön. Dresdnifchen Biblio- 
thek IL B. S. )9- '^^^1 lateinifche Ueberfetzungen von 
'GuiL de Cboul Religibne Veter. Romanor. und von feiner 
Caflrametatione & difciplina mih'cari ueterum Rom« im MS. 
angeführt fiehen. Götz fügt zugleich des MelcK Adami 
Urtheil bey, welcher von ihm fagt, er fey ein in Italien 
und Frankreich berühmter Medicus geweHen. 

Zu dem S. 1 1 g. befindlichen VerzeichniiTe der VhiL 
Camerarifcben Kinder liefert das Verkündungs-Buch der 
Kirche St: Lorenzens in Nürnberg , gleichfals einige Erläu- 
terung und Berichtigung, indem fich darinn folgende Pro- 
clamationen finden. 

" Dom. XXIV. p. Trln. 18 Nov. 1599- der Edel 
und Ehrenveft Herr Johann Heinrich Eßtus^ Chart Pfäl- 
zifcher Cammer- und Regimentsrath zu Amberg, die Er- 
bare und Tugendfame lungfer Magdalena , des Ehrenveften 
und Hochgelehrten Herrn Philipp Cammermeißers , fünft 
Camerarii genannt , der Rechten Dodtor und eines Ehren- 
veften , Fürfichtigen und Weifen Raths allhier Rathgebs 
und Advocaten, eheliche Tochter". 

" Dom. Quinquagef. 14 Febr. 1602. der Ehrenveft 
und Hochgelehrte Herr Jobann Joachim Gwandfchneider, der 
Rechten Dodtor, weiland des Erbarn Heinrich Gwandfchneiders 
nachgelaflenem Sohn ; die Erbare und Tugendfame Jungfer 
Salome, des Ehrenveften und Hochgelehrten Herrn Pbi* 
lipp Cammermeißers u. f. w. eheliche Tochter**. 

" Dom. 8* p. Trin. lo. Aug. 1606. der Erbat und Veft 
Philipp Cammermeißer , des Ehrenveften , Hochgelehrten 
Herrn Philipp Cammermeißers u. f. w. ehelicher Sohn; 
die Erbare und Tugendhafte Jungfer Margaretha Patlentiaf 

des 



Einzelne Bemerkungen u. f. w. 305 

des auch Ebrenveilen unä Hochgelehrten Herrn Gerhard 
Paftorn, Chur£ Pfölzifchen, Cande« feel. hinterlaflenc 
Tochter '\ 



14- . , . 

IJas von Herrn Denis gelieferte mühfame Supplement zu 

den typographifchen Annalcn des Maittaire von Anfang 
der Buchdruckerkunft bis 1500, hat eben dief^ Ano^e^ 
nicht entbehrlich , fondern vielmehr zum eig^i^tchea 
Bedürfnis gemacht. Da es nun bekannt ift., :dais.dieft 
Annalen für gedachten Zeitraum, zum Gebrauch äuflerft 
unbequem und (ehr oft unzuverläflig find, das ganze Werk 
des Maittaire aber überhaupt koftbar und nicht für jeder- 
mann ift : fo wird hoffentlich den Freunden der Litteratur 
die Anzeige nicht unangenehm feyn, dafs ich an einer 
neuen Ausgabe der Annalen des Maittaire 9 in welcher das 
Gai^e, bis isoo. in eine beffere Ordnung gebrache, und 
durchgehends berichtiget werden foli , zu arbeiten ange- 
fangen habe. Wie fehr werden mich daher wür^ge Män- 
ner , befonders folche , die mit dergleichen Schätzen pran- 
gende Bibliotheken unter ihrer Aufficht haben , verbinden > 
wenn fie mich mit Beyträgen unterftützten , befonders von 
folchen Artikeln, die felbfl von Herrn Denis übergangen, 
oder von Maittaire nicht mit Zuverläffigkeit angezeigt worden 
find. Von folchen Artikeln wünfchte ich vorzüglich die 
richtigen Schlufsanzeigen voUfländig zu erbalten. Auszüge 
aus neuern, bekannten litterarifchen Werken, mufs ich 
verbitten , weil ich , wie leicht zu erachten ifl , aus diefea 
Quellen felbft fchöpfen werde. 

Noch mufs ich bemerken, dafs ich die teutfche Lit« 
teratur von den neuen. iVnnalengtnzausfchlieflen^ dagegen 

V 



f o6 Len^mJit Revifion 

aber vielleicht das Supplemeitf des Herrn Denis , doch nut 
auszugsweife aufnehmen, und alfo etwas möglicbft volUlaa. 
digcs liefern werde. 

G. W» Panzer^ 



15- 
ELnigt Berichtigungen und Zufätze zum Erßen Stück 
die/es Magazins, — oder Revißon des Erßen Stücks 
diefes Magazins. ZuPüfendorfs Ltbtn^ S. 27, u.f. 

Auffer den vom Herrn Verfaflef diefes Lebens fchon bc- 
nutzten , und den im Cofai. BibL Bunat>. T. I. YoU IL 
fi. 15)4* 9 9* angezeigten Werken, können zur Gefchichtft 
der Pufendorfißben Schriften und gelehrten Streitigkeiten 
infonderheit noch zu Rathe gezogen werden : 

i) Hugonis Grotii manes ab iniquis obtreSaiionibia 
vindicati, Delphis Bat. ^Leipzig) 17^7. i. (von 
' Pet. Ambro/. LEHMANN.) 

Hier findet man Pufendorfs Erzählung vom Tode 
Guftav Adolphs j mit ihren Gründen und Gegengründen, 
-P» L p* 309 , u. f. eine ausführliche mit litterarifchen 
Anekdoten üntermifchte Nachricht von feinem Werke de 
Jure natttrae gf gentium, P. IL p 659 , u. f. und in 
der angehängten Bibliotbeca Grotiana p. 7^. u. f. ein 
reichhakiges Verzeichnifs aller Ausgaben, üeberfctzungen, 
und Comraentatoren , feiner Eltmentorum Jurisprudentiae 
vttiuerfalis ^ und der Bücher de J. N. & G. wie auch 
de Officio hominis ^ ciuis. 

2) Job. Jac. von DoEBELN Regiae Academiae Lundenßs 
Hißoria Lundini Gothorum 1740. Ej. Coutinuatio ad 
finem anni 17^8. ib. I74i« £j- ContiutMtio adßntm 
menßs Sept. anni 174». ib. l^^%* 4. 



des erftoa Stücks diefes Magazins. 30^ 

J^us diefem Buche lafleti fich verfchiedene Angaben 
(iber Pff/fjsr^or/x. Aufenthalt in Schweden, und zu. Lund 
vornehmlich , berichtigen. Weil es feiner Seltenheit wegen 
nicht überall zu finden feyn dürfte , will ich alles faieher 
gehörigjB, zum Theil mit des Vetfeffcrs eignen Worten, 
aus demfelben mittheilen. 

P* L p. 20. Wird die Zeit feiner Abreife von Lund 
C vergL m. S. 94- -^«w. t^ int I Stück d. Magazins) be- 
nimmt angegeben« ,, Anno 1675. quo ob hoftilem inua« 
,, fionem inftantem , diplomata Regia , Academiae pretiofa — 
„ recondebantur Malmogiam tranfmittenda , in concilio 
„ vltimo, die 27 Junii , vt rubrica protocolli exponit , 
„ vaiedidturi äderant Magnificus Redtor Nicolaus Hyttenius 

„ & Confiftoriales : Fufendjorf^ Sack (jiehft g andern) 

„ quorum quidam loca fecuriora quaerebant , quidam Vpfa- 
,, liam & Holmiam proficifcebantur , pauci diutius com. 
„ morantes , captivi deducebantur — — . " 

P. II; p. <S. ,9 Academiae Lundenfis primus CanceU 
„ larius Q. 0. Stenbock Academiam a. 167). d. 26 Martii 
33 inuifit, Regiae Maieftatis nomine, omnem cenfuram de 
5, Pufeftdorfii libro de J. N, 6f ft prohibens. '' 

p. ICD. erzählt D. Carl Papke^ neunter Prokanzler 
der Akademie , und zuletzt Bifchof von Schonen und Ble- 
kingen , dafs er über Pufendorfs Buch de officio hominis 
& ciuis öfientliche Vorlefungen gehalten habe. 

p. ijf. wird berichtet, tak Pufendorf'm der letzten 
Hälfte des Jahrs 1670. das Proredtorat der Akademie ge- 
führt habe. 

P. III. p. 194. 9 s. wird eine kurze Lebensbefchreibung 
Pufendorfs mitgetheilt , die ich ganz abfchreiben will : 

„ Samuel Pufendorf in diftridtus Saxoniae metalliferi 
„ pago Chemnitz natus d. g- Jan. 16) 2. Pacre Efaia Pufen^ 
3^dorfy eiufdem loci Faftore. Studia eins & merita ad an. 1670. 

V % 



joS 'ttngfdctis Revifion 



y, quo Profeflbr Lundenfis Juris N. & O. fbtt conffi« 
„ tutus f yt & controuerfias Lundis fubortas , ob Eius Ubruni ^ 
9, de J. N« & G. recenfuere Buddeus -^ Jöcherus — & Heu- 
,, mann •— •^— quibus omnibus quod addam, nonfuppecit, 
^, BÜi , quae ad accurattoretn Eorum notitiam , quae Lundis 
,, funt peradta , ex Academlae protocoUis poflenc defiderari. 
g. Anno 1672. d. 1%. Jun. $. ig. Domini Profeflbris Vufew 
,, Axirfii fcriptum praelegebatur , quo expofuerat fcelerofa 
4» iodicia fuper fuo libro nuper edito de J. N. & G. taleique 
,, iniurias ad lUuftriflimum Academiae Caacellarium deferen- 
y, das rogauit, quod ipfum petitum iuftum fiiit habitum, 
„ cum quifque teneatur argumentis , non calumniispugnarey 
„ vel admonere , contra quem fi agere quis confiinient. '* 

\y Eodem die 29 JuL §.>2. Uluilriffimi Cancellarii literae 
^y die! 14 Sept» exhibebantur , improbantes , cenfuram de 
„ Profeflbris Pufendorfii libro de J. N. & G. quibus adiuncfh 
„ erat literarum Regiarum Copia ad Illuftriffiraum, die 10 
,, Julii datarum , altum de didto libro filentium imponentium. 
,, Confer literas Regias diei ) f Aug. anno eodefm. De con- 
„ tinuationeproceflus cum ßfCi^mA^fMO, Dominus P«/^if^or/ 
,, in epifiola ad amicos fuos per Germaniam plura candide 

„ retulit, qualia leguntur in ProtocoUis anni 1672 • 

jj 1675 ^^74- — — * *)^75 — — d. 21 Äprilis, 

^y quae proljxa repecitione enarrare , fuperfluum omnina 
„ reputo. " 

„ Caeterum de Donationibus , praeter falarium , fplen- 
3> didis, Pii/Vii^or^o clementiflime conceflis, mentiofitia 
9> Protocollo 167). d. 12 Dec. 3. $. Bello in Scania 167^ 
33 ingruente, Holmiam perrexit, ivergl. mit p. jog. 'xvo 
33 diefe Erzählung noch einmal vorkommt ) vbi Secretarii 
33 & Hiftoriographi Regii titulo exornatus , fcripfit duos 
33 libros : Alterum de rebus Suedicis fub Gußauo Adolpbo 
3^ ufque ad abdicationem Cbrißinae 3 Alterum de rebus 
M a Caroh Gußauo geftis. '^ 



des crftcn Stücks diefes Magazins. gop 

„ In Protocollo an, 1688. die 10 Jan. Dn. Prot 
59 Ptifendorf Confiliarii Aulici titulo infignitur« Seqitentes 
yy huius Firi dignitates & lucubrationes , me tacence , nemo 
» ignorat. E vita difceflSt d. 26 Odob. 1694, Conf. Jo, 
93 Scbefferus in Suevia literaia & MöUerus in. Ifypomne' 
^ mafis ad eandem. «-" 

3) Jaco^ Friedr. Reimmans Einleitung in die Hißoriam 
literariam, Halle 17 15. u, f. 6 Odlavbände. 

Faft in allen Bänden diefes Werks wird Pufendorfs 
tind feiner Schriften häufig erwähnt, wovon der Index 
AuAorum über alle 6 Theile nähere Nachweifungen giebt. 
Vorzüglich aber verdienen der IVte Band , S* 612 — 20. 
und der VIte, S, 54. — 42 vom Leben und den Schriften 
Pufendorfs nachgefchlagen zu werden. Vollftändiger , und 
diefen vorzuziehen , find Frey lieh Nicerons Nachrichten.. 

Zu S. 28 Anm ***) Von Pufendorfs zweytem bc. 
tühmten Bruder Efaias , und deflen Schriften , wird in 
Ja. Moßeri Cimbria literata ^ T. IL p. 671 — 7J. aus- 
führlich gehandelt. 

Zu S. Ji. Anm. ***) Das Antwortfehreiben de» 
KurfurHen von der Pfalz ift auch in den Manibus Grotii 
vindicatis ^ p. 642. 4;. abgedruckt. 

Zu S. ;9. Pufendorß Wittwe dedicirte fein nachge^ 
laflenes Werk de rebus a Caro/o Gußauo geftis , dem 
Könige Carl XI von Schweden , ohne gleichwohl in der 
Unterfchrift ihren Vor — oder Gefchlechtsnamen zu nennen. 
Sie empfiehlt in diefer Zufchrift ihre Kinder in der meh- 
reren Zahl der Gnade des Königs — fpricht auch von einer 
franzöfifchen Ueberfetzung des Werkes, von welcher ich 
nicht weifs, ob fie je gedruckt worden ift. Unter dem 
fchönen der Vorrede beygefügten Portrait des Verfaffers, 
welches oben in einem Oval mit der Minerva und der 



gia Ltngmdit Revifion 

a» m^) p. 22). und Hochßetter iti CoOegio Fufendorfiauf^ 
jj y«per //^* ^e off. bom. & civis ^ ?• 32. bezeugen." 

Barbeyrac hat im XXX §. feiner Vorrede zum Droit 
de la nature ^ des gens (p. CVI. u. f. der vorhin ange- 
führten Ausgabe ) die hiftorifch - litterarifcben Nachrichten 
von Pufendorfs Leben gefammelt , und den Werth diefes 
von ihm überfetzten Werks im XXXI. J. abgewogen. 

Brings Difputation von Pufendorfs zu Lund geführten 
akademifchen Leben habe ich für den VeifalTer feiner er- 
neuerten Gefchichte aus Stockholm verfchrieben. 



Zu S. 42 , u. /. Die erite Ausgabe von den Efißolis 
obfcurorum virorum habe ich vormals felbft befeifea In 
meinem Bücherverzeichniffe fleht Venetiis /. a. 1916 in 
parcnthefi dabey. "Woher ich aber diefe Jahrzahl genommen 
habe , weifs ich jetzt nicht. Beygebundeh waren die 
Lamentationes obfcur. virorum zu C'oUn i s 1 8r gedruckt. 
Die Ausgabe der Epifteln von 1597. in 12. h^t am Ende: 
Romae ßampato &c. und ift im I Theil meiner neuen 
Vacbr lebten zur Bücber - und Münzkunde p. 99. bey- 
läufig angezeigt. Die fogenannte Londner von 1689. ift 
ein fchlechter teutfcher Abdruck , welchem die lamenta" 
tiones &c. unter gleicher Angabe des Orts und Jahrs an- 
gehängt find. Die wahre Londner von 17 10. in gr. 12. 
dürfte wohl die fauberfte unter ^lien feyn , obgleich fie viel 
Druckfehler hat. Maittaire , der fie dem berühmten 
Riebard Steele , unter dem von ihm felbft angenommenen 
Namen i/aac Bickerßaff AtAxQixt h^t ^ ift Herausgeber der- 
felben. Ob der fchöne Nachdruck diefer Edition in 
gleichem Format 1742. zu London^ wieder Titel angiebt, 
oder in der Schwdtz erfchienen fey , wage ich nicht zu 
entfcheiden. Nur erinnern will ich , dafs die epißola 
JP^ffauantii diefem fpäteren Drucke keinen Vorzug vor dem 



des erftcp Stucks diefes Magazins. 313 

Original ypn 1710. gewähre, nach welchem alles, felbft 
der Titel , copirt ift. Die letzte Frankfurter Edition von 
1757. enthält Volumina omnia , idrey) lamentationes 
obfcur. virorum, aliaque ludicra fchediafmata. Sie liefert; 
auch Abbildungen der in diefen Briefen verfpotteten Männer, 
wimmelt ^bej- von Druckfehlern. 



Zit S. 68- «. f' Ein wrchttger Beytrag zur Bücher- 
kundc, der gleichwohl befriedigender für den Literatur- 
freund ausgefallen feyn würde , wenn der Verfafler deflel- 
ben mehrere hieher gehörige Schriften gekannt und benutzt 
hätte'. Dafs Herr D. Ver Poortenn^ nach Herrn le Bret ^ 
ein Programm von den Rdmifchen Canzleyregeln , jedoch 
ohne Rückficht auf die Verfchiedenheit ihrer Ausgaben , 
gefchrieben habe , ift von mir fchon in den Beyträgen zur 
Bücberkenntnifs ^ im II Tbeil (1776.) S, 46. 47. ange- 
zeigt worden. Dort habe ich auch die Hauptquelle zur 
Gefchichte des Buchs und zur Notiz der früheren und 
fpäteren Ausgaben deflelben , nemlich des Marcband 
Biäionaire Hißorique^ im II Tome p. 270 — 85. genannt. 
Seitdem find noch zwey zur Kenntnifs der älteften Römi- 
fchen Drucke unentbehrliche Werke hinzugekommen , ' 
durch welche Marcband ergänzt wird , des Laire Speci- 
men Hiß. Typograpbiae Rornanac XV Saeculi , womit 
meine Recenfion deffelben mit Zufätzcn , im I Theil der 
"Neuen Nacbricbten zur B ücb er - und Münzkunde ^ S. 57. 
67. 72. 7S. 87- 92. und 9^ zu vergleichen ift, und 
Audiffredi Catalagus biß, crit. Eom, Editionum Saeculi XV. 
Diefe Werke werden dem Herrn Verfafler zur Befchrei- 
bung mehrerer alten Ausgaben der Römifchen Canzleyregeln, 
die er uns erwarten läfst , wefentliche Dienfte leiden. 

Die jetzt von ihm gelieferte Anzeige ei^ier fogenann- 
ten fehr alten Ausgabe der Rdmifchen Canzleyregeln des 



^14 LtngtddCs Revifion 

Pabfis Pmi IL^ und Sixtus IV, \%kt manchen durch eine 
genauere Befchreibung erft aufeulöfenden Zweifel dem 
Litterargefchichtforfchcr übrig. Sind zwo verrchiedene Aus- 
gaben der Canzleyregeln , oder ift nur eine ? find drey 
verfbhiiedene Bücher , oder ift nur eins , in dem befchric- 
benen Quartband' enthalten? Nochläfst fich darüber nichts 
mit Gewifshett entfcheiden , fo geneigt ich auch bin , mich 
zum voraus für die erde Alternative beyder Fragen zu 
erklären. Abwarten müfsen wir zuvor die Angabe der 
Schlufsworte des 47ften Blattes; eine Anzeige ob mit dem 
48ften eine neue Lage fich anfange ; und eine forgfaltige 
Unterfuchung , ob das , was nach den Canzleyregeln Sixtus 
IV, folgt, fo ganz ficher noch zum vorhergehenden gehöre» 
oder viehnehr , wegen des Explicit MCCCCLXXVL am 
Ende des zweyten Abfchnittes , davon zu trennen fey. 
Auch würde eine genaue Vergleichung des Quartbandes, 
mit ungezweifelt Römifchen Druckfchriften , aus dem zwey- 
ten Decennio deifelben , die ganze Unterfuchung erleichtem. 
Diefe falle indeffen aus , wie fie wolle , fo mufs am Ende 
die Litceraturgefcbichte dabey doch immer gewinnen. Um- 
fonft fuchte Marcband fchon eine Ausgabe der Canzleyre- 
geln Paul des zvpeyten auf. Hier ift nun eine. Original, 
od.er Nachdruck — * gleich viel. Im letzteren Falle fetzt 
fie höchft wahrfcheinlich ein zu Rom gedrucktes , Laire'n 
und AudißredVn unbekannt gebliebenes Original voraus. 
Denn warum foUte Paul IL feine Canzleyregeln nicht eben 
fo wohl , als fein unmittelbarer Nachfolger Sixtus IV, bey 
feinem Leben haben drucken laflen , da die Buchdrucker- 
kunft in Rom fghon einige Jahre vor feinem Tode blähte? 
Bis dahin war die älteite bekannte Ausgabe der Römifchen 
Canzleyregeln, 6\q von Sixtus IV ^ deren Y^dX^-^n Marcband 
am a. O, mit einem einzigen unvolifländigen Exemplare 
verbürgt hat. Ob aber das erfte Regiefungsjahr diefes 
Pabft^ , in welchem jene Regeln , laut dem Eingange der- 



des crftcn Stücks diefes Magazin»/ 315 

fttben pnblicirt wurden ^ auch das Druckjahr derfelben fey, 
ift noch fo ausgemacht nicht , als Mahtaire , Laire und 
Aud^ffredi mit der Angabe des Jahrs 1471. es anzuneh- 
mcn fcheinen ; da Schlufs und Unterfchrift dem von 
Marcband zuerft und allein bekannt giemachten Exemplare 
fehlen. Um fo viel mehr ift eine nähere Befchreibung des 
in der Bibliothek zu Rottenbitcb ( S. das I St. d. Mag* 
S- Th 740 befindlichen Exemplars , der Angabe nach von 
eben dem Jahr (und vermuthlich in kleinem Q^uartfbrmat, 
nicht in Odtav. ) zu wünfchen. Wenn diefes am Schlufle 
kein von dem Eingangsgenannten verfohiedenes Jahr aufzu- 
weifen hat ; fo ifts freylich mehr als wahrfcheinlich , daß 
der Druck diefer Ausgabe bald nach der Publikation , und 
noch in eben dem Jahr , erfolgt fey. Dann wäre aber 
zugleich auch das von unferm Herrn V. befchriebene 
Exemplar in der Bibliothek zu Irfee eine neue Bereicherung 
für die Bücherkunde — uAbefchadet der Frage, ob wir 
mit demfelben eine Originalausgabe oder Copey erhalten ; 
die überall wohl nicht einmal ftact finden dürfte, da von 
einem blofs für die Römifcbe Canzley beftimmten und 
nutzbaren Buche, in den erften Jahren feiner Erfcheinung 
wohl fchwerlich ein Nachdruck zu erwarten war. Denn vom 
Jahr 1476. kannten wir bis jetzt noch keine Ausgabe, 
Dafs diefes aber das Druckjahr fey , leidet wohl keinen 
Zweifel, weil das daneben flehende ExpUcit nicht, wie 
in andern ähnlichen Fällen, auf den Innhalt einer fchon 
147 1. vollendeten und publicirten Schrift fich beziehen 
kann. 

Vom üeberrefte des angezeigten Bandes wcifs ich nichts 
weiter zu fagen, als dafs ein Theil des Innbalts offenbar 
einen teucfchen Druckort verrathe. Diefs würde von dem 
ganzen Bande gelten , fobald mit Gewifsheit erwiefen werden 
könnte , dafs Druck und Papier durchweg vom Anfange bis 
zum Ende deifelben fich gleich blieben. 



3i6 LengnicHs Revifioa 

Zu S. 87- 88- Sicher find's zwcen unterfchiedcne 
Tradtate , die hier unter n. 6. angezeigt werden» Daß 
der , von Gerfon , unvoliftändig fey , erhellt aus einer 
Vergleichung mit der von mir S. 1^2* befchriebdnen Aus- 
gabe. Mein Exemplar enthält zebn^ diefes nur ßeben Be- 
trachtungen — und zwar die letzte kaum halb , bis an die 
Worte : vi in ieprofo & aliis flurimis. 

Zu S. 91- In meiner Leipziger Ausgabe von 1494. 
\ti 4. (die eine Lage von 6 und eine von 8 BL hat, davon 
aber das letzte leer , und das er&e , mit dem Titel ver- 
muthlich , verloren gegangen iß) wird am Rande auf eioen 
ähnlichen Teufelsbrief im Lauacro confcientiae verwirfcn. 
Da diefs Bucli dem erfteren , in einer alten Ausgabe , ohne 
Ort, Drucker und Jahr, beygebunden ift, will ich dea 
ganzen Brief der Seltenheit wegen zur Vergleichung mit- 
theilen, der fol. 14. b. in extenfo ^ und fol. ^9. b. noch 
einmal im Auszuge mit veränderten Worten vorkommt 
9> Beelczebub princeps demoniori^m & dux tenebrarum cum 
fatellitibus fuis omnefque tartaree poteflaces Archiepifcopis. 
Abbatibus. Prepofitis. Decanis. Prefpiteris. ceterifque eccle- 
liarum redioribus. Suis cariffimis amicis nunc & in eternum 
tartareas falutes. & inuiolate focietatis federa que düTolui 
non poflunt in ecernum. Magna nobis fiducia eft in amici- 
tia veflra aniici carifTimi. multumque de vobis congratula- 
mur Quia fentitis optime nobifcum. & que noftra fönt 
diligenter queritis vbique tuendo atque fouendo quicquid 
ad noftrum ius pertinere cognofcitis. Sciatis ergo vos vni- 
verGtati noftre multum efle acceptos. & multa gracianim 
actione ftudia veftra perfequimur, eo quod infinite multita- 
dines animarbm per minifterium veftrum & exempla a via 
veritatis abduäe quottidie nobis captiue adducuntur. Vndc 
regni noftri potentia magnifice roboratur. Perfeuerate igitut 
tanquara. fidcles & incimi noftri in amicitia noftra. & in 
opere quod cepiftis quod profedlo parati fumus pro omnibus 



des erften Stücks dicfes Magazins. ^ 317 

his Vobis rependcre retributionem condignam. & mercedem 
congruam ex irtferioribus inferni Valete & falus nollra fit 
vobifcuni in eternum. *' Ein andermal vielleicht mehr von 
dem merkwürdigen Buche , aus welchem diefer Brief ent- 
lehnt ift. Zuvor wiinfche ich nur zu erfahren , ob dalTelbc 
fchon irgendwo ausführlicher befchrieben fey. 

Zu S. 96. Die NSC'orte : Praelati temere , cet. ftehn 
am Ende meiner vorhin genannten Ausgabe nicht. Herr 
4. E. hat fie auch aus der feinigen im vorhergehenden 
nicht angeführt; obgleich es hier verßchert wird. 

Zfi S, loj. wi4 6. Es ift die erße zu Bafel von 
Job. Bergmann von Olpe 1494. in gr. 4. gedruckte Aus* 
gäbe dei Narrenfcbiffi , welche Herr von Heinecken am 
a. 0, befchreibt , ohne dafs dadurch die Nachricht von 
einer fpäteren Ausgabe im I St. d. M. entbehrlich gemacht 
wäre. Sie ift Clements Aufmerkfamkeit ebenfalls entgan- 
gen, und älter, als die zu Strafsburg in eben dem Jahr 
gedruckte , die nach der Titelangabe von itüve mit vil 
fcböner fprücb exeplen vn ziigefetzte bißorie vn materie 
erlengert iß' Da mit dem Buche fchon im erften Jahr 
feiner Erfcheinung Veränderungen vorgenommen worden 
find , darf man fich über die Verfchiedenheiten der fpäteren 
Ausgaben nicht wundern. 

Zu S, i2q. Das Citatum Z. 4. mufs, weil dieRe« 
cenfionen der fieben in einem Quartband * ) befindlichen 
Schriften , ohne des Verfaffers Namen abgedruckt find , 
fo abgeändert werden: „ im I Th. der älteren Nachrichten 
zur Büchcr-und Münzkunde von Lengnicb , ^ 9 1 . u. f. w. '* 

Zu S. 128. Ob Ganganeßi's Briefe acht, oder ihm 
untergefchoben find , war hier zu unterfuchen der Ort 

♦) Diefer Band kann einem Liebhal»cr für zwey Ducaten üh^m 
lafTen werUen. 



•giS Ltngmch\ Reyißaa 

nicht. • Verdacht erregt's wcnigftens , dafs kein Italienifchös 
Original derfelben aufzuweifen id. Gleichwohl follte man 
nach den von mir angeführten Stellen den Verfefler für 
einen Italiener halten , wofern er nicht abfichtlich fich 
hinter einer Maske verdeckt hat. 

Die in den Recenfionen S. ij 9-*-! ^2. vorkommenden 
Druckfehler find fo zu verbeffern. S. laj. Z. 27. Nam 56. 
Interpretern 126^5. oder ei//' Duernenlagen. S. 129 letzte 
Z. Gerfen x)6, z6. Stüver )8. reuocati 132, 15. 16. 
nouae -^ Eledtoralis 21* Thoniam 27. Vercelli ;o. der- 
felben in, 17» non iniquitatemfcd inquinationem 134,11. 
Augußinus S. ijs ktzte Z. anhaltenden i}6, i^. robo- 
;:andam 137, 33. timore 138 ,29* würde 14.0, 31^ con- 
cludam te 141, 23* Chrifli 29. iudicet 143; 7. deletum 
lU Nam 2 9» quot pape 144, 23. didlis. 



Zu S. 160 — 164. Was auf diefen Seiten , von 
dem Abfchnitt' : Endlich komme ich — bis : -voabr/cbein- 
lieb beßimmen ^ abgedruckt ift, follte den Schlufs der 
ganzen Recenßon ausmachen , und p. 1 6 ^ , u. f« niüflen 
vorhergehen , weil hier oflenbar die Blätter der Handfchrift 
verwechfelt worden find. 

Zu S. 168. Dafs Gerard Leeu 1480. nicht zu Ant- 
i»*rp(?« gedruckt habe, ift, wie ich hoffe , S. 124 d. I. St. 
4* Mag» von mir erwiefen worden» 



Zu S. 188 — 190. Die Zeinerfcbe Ausgabe der 
Bücher de Imitatione Cbrißi von 1487» hat Sebroindel an 
zween Orte^befchrieben , und Herr Gemeiner namentlich 
angeführt. * ) Sie dürfte daher wohl minder feiten feyn , 

•) In der Vorrede zum Manbeimer Druck von 1780. (S."! St 
li. Jff. S. X31O wird eine Abgabe in eben dem Format 9 von 



des erften Stücks dieles Magazins. 319 

als zwo andre in meiner Bücherfammlung , die mit zu den 
älteften gehören. Die eine zu Lövpen ohne Jahr gedruckte 
in r4. habe ich S. 126, u. f. im I St d. Mag. fchon 
befchrieben. Sie war bis dahin unbekannt , und vielleicht; 
ift die , die ich jetzt anzeigen will , wenig oder gar nicht 
bekannter. Das Druckjahr derfelben ift ebenfalb 1487» 
das Format aber klein Quart. Sie hat eilf Lagen , mit 
fortlaufender Signatur a bis /, öder gr gezählte, und % 
ungezählte Blätter, deren letztes leer geblieben ifL Die 
erße Lage befteht aus 4 , die dritte und eilfte , jede ans 
10 Blättern; die übrigen alle And Duernen oder Doppel- 
bogen. ^ Leider ift von der dritten Lage c nur das erfte 
und letzte Blatt , IX und XVIlI in meinem Exemplar 
vorhanden , fo dafs 2 Bogen oder % Blätter dazwifchea 
fehlen , die wahrfcheinlich , nicht genug im Bande befefügc 
gewefen und nachher verlohren gegangen find. Der auf 
, einem einzelnen Blatte vorangedruckte Titel in j Zeilen 
lieifst : 



eben dem Jahr, mit völlig gleichlautender Unterfchrift, von 
183 Blättern, mit goth. Lettern» auf fchönem Papier ge« 
druckt , befchrieben. Nor fehlt auf dem Titel , des Verfaflers^ 
nnd in der Zlnterfcbrift , des Druckers Name. Jener heifst : 
Traäatus de Imitatione Chrißi cum Traäatulo de meditatione 
eordis. Diefe fchliefst in der Mitte der 363ften Seite mit 
den Worten : finiunt feliciter anno MCCCCLXXXVIL 
Diefs wird hinreichend fiir Herrn Zunftmeifter Heidegger 
feyn, über die Verfchiedenheit oder Gleichförmigkeit beyder 
einen Ausfpruch zu thun. Jedoch es bedarf deflfelben nicht 
einmal , da Desbißons fie ausdrücklich in der feiner Ausgahe 
vorgefetzten Difputatione critica p. 17. editionem^nf nomine 
Auäoris nennt So viel ich weifs, ift diefe Abhandlung, 
deren ich im I St S. 132 fchön gedacht habe , das neuefte und 
jbefte zur Litterargefchichte der Bücher de /. C. 



gao Lcngnicfis Kevirion 

TVadatuf de imztatone 
Cbrißi Cu traStatulo de 
meditütione cordis 

Darauf folgt die Innhaltsanzeige ( Tabula) auf ; 
Blättorn , die , fo wie der Titel , nicht gezählt find. Finit 
tabula heifst der Schlufs der erften Lage. Zu Anfange 
der zwoten fleht (^e , in der Folge auf zwo Seiten jedes 
mal vertheilte, Rubrik: Liber fmus Foliü /. Darunter: 
Incipit liber primus fratris Thome de iGfn canonici 
regularis. ordinis faniii Augu, De imitatione xpi z de 
otemptu omniu vanif'ata mundi. Capitulu prinut. Die 
Unterfchrift des vierten Buchs auf der Rückfeite des '76 
Blatts ift : Ex'plicif liber qrtus ä vitimg de facro a/taris 
jwid der völlige Schlufs : Fratris Tbome de- kepis de imi- 
tatöe cbrißi ^ zde ^teptu müdi demtti Sf '^^i^^ opufculu 
finit fe Heiter Mit dem folgenden 77 Blatte fängt Gerfons 
angehängter Tradtat an : Incipit traciatus de meditatoe 
cordis magißri Jobannis gerfon und endigt fich auf der 
Vbrderfeite 'des St Blatts mit der Nachfchrift: 

TraSätulg vener abilis mgri Jo^jis Ger^ 
' fon de meditatoe cordis : Argttine impfflts 
f. Martiuum flach Anno domini. M. cccc. 
ixxxvij. finit feliciter 

Maittaire und Fabriz haben diefe Ausgabe nicht 
gekannt. Ob einer von den Bibliographen oder Catalogen, 
die Herr Heidegger S. 188. 89. anführt, ihrer erwähne, 
kann ich jetzt aus Zeitmangel nicht unterfuchen , wenn 
ich fie gleich alle, die Gerfoniana und den Pin!eüifcben 
•C<?^a/og ausgenommen, befitze. \n A^^ Eufeb. Amort ün- 
fänglich ohne Namen von Schelhorn ( Ämoen lit. T. VIII. 
p. 391. f.) herausgegebner Epiflola critica, cet. fand ich 

p. 42J* 



des erßeo Stücks dirfes Magazins. ^ai 

p. 4.2). n. XXVII. iblgeodcs Gtatmn: » A ipuitoumi h 

Codex imfireflbs anno 1487. coins initini : bu^ ßher 

frinua Fr. Tbonui de Kttmfit^ dt bmiunimu Cbrifii^ 

fervator in Bibliodicca Caefkca Pragenfi. Dmftrm Heferi 

n. 12. " Allein wer an dipioBodiclie Gcnan^wk ni bibÜ^ 

graphHchen Fadi fich gevölint hat, kann aut foldi cincH 

Citato nicht vodieb ndunen. Idi blieb atf> v^rvifii , ob 

meine Aosgabe biet gemefnt fey , bb Deflniom wm aa 

eben a. O. allen Zweifel benahm « wo er , wiHtfn^t ud 

ifüiort'x Zeognifi, Titel und Nacfafchrift^ nie dnea in 

mecnem Exemplar genau fibereinflimmend, angicbt, 

^eO es mir hier minder nm's Bock vid d^fa 
Innhalt, ab um die hxßaSaStz dncs dtenDfodketdenkmab 
zu thnn ift, will ich nur nodi hiim i ftt wn , dafii dklc 
An^abemiczn denen gehöre, £e für TtesMr «ear &Mf«« 
als Yci&fier cndcheiden. 



3^ 

Druckfehler, auffcr denen fchon im' aten Stück 
angezeigten , find noch folgende im erßen 
Stück zu verbeffern. 

X ag» 9. zweymal falfch : Coring , ftatt Conring. 

10. lin, 19. ft. ementatione lefe emendatione. 

^4.. 1. s. ft. Zentgran U Zentgrau. 

47. L 4. von unten fl. Zielen 1. Zeilen. 

79. L 14. ft. in 1. im. 

97. 1. 8* von unten ft. habe fo 1. habe ich fo. 

- I2J. I. 2%. ft. Synodochen 1. Synecdochen. 

- 1. 26. ft. Hain 1. Nam. 

- 1. penult. ft. Interpretum 1. interpretem. 
• 124. 1. 2. ft. lauter 1. lautet. 

. 1. 10. ft. Berichtung 1. Berichtigung. 
. 126. 1. 4. ft. H. 1. XI. 

- 127. 1. 16. ft. Alles 1. alles. 

- U 20. ft. Gelehrten 1. Gelehrten. 

- 129. 1. 8. von unten : 1. franzöfifcher. 
' - iji. l. 6. 1. thomafifche. 

• 1. vlt. reuviati wird reuocati heiflen follen. 

- 1)2. nota 1 2. nollaeift falfch. 

- 1. 10. ft. Thomans 1. Thomam. 
. !. 14. ft. Varcelli 1. Vercelli. 

- 1. 17. ft. deflelben L. derfelben. 

- ij^. 1. vlt. ft. anhaltender 1. anhaltenden. 

- 137. 1. 7. von unten: ft. marititui 1. niariti tui 

- 1. 4. von unten ft: timpte L timore. 

. 140. 1. 6. von unten condutamte kann ich nicht 
errathen, 

- 142. 1. 4< ft. nociatis 1. noceatis 

- 14;. 1. 10« ft. Harn 1. Nam. 

- 144. 1. 22. ft. didtus 1. didiis. j 
154. lin. 4, iftnach 1477. einzurücken : impreffos. | 



323 

Accedunt totidem fer e libri nota anni caren- 
tcs fed probabiliflime ante annum 1477. 
Pag* 178. lin. 6. ftatt foldenge lefe folgende. 

- 184. 1. 10. ft. Rsedero 1. Roedero. 

- 1. 26. ft. Der 1. Die. 

- i8s. 1. 6. von unten ft. Scliwindelj 1. Schwmdeliü 

- 1. penult. ft. ipfemat 1. ipferaet. 

- igö. 1. 3^ ft. monachii L Monachii. 

- I. 4. ft- das 1. des. 

- 1. vlt. ft. Zapfifchen 1. Zapfifchen. 
. 187- 1- 4. ft. wurf 1. Wurf. 

- 1. II. fti maittairii 1. Maittairii. 

- 1. 14. der tibus kann ich nicht errathcnw 

- 1. 17. ft, Band I. Stuck. 
-1-18. nach Magazins adde: 

57. L 27. 'ft. Amoft 1. Amort. 

- 189- ^- 7- ft. Gallifchen 1. HaHifchea. 

- 212. L 17. ft. Aulus 1. Aulas. 

- 21 j. 1. 6. ft. niemal I. einmal. 

- 219. 1. vlt. hier ift auszuftreichen. 

Druckfehler im aadern Stück :: 

Jr ag. I. ft. krafr L kraft. 

2. h J. nach das fetze ein : 

• 1. ^. nach füllen ftatt : ein ;, 

- 1. 9. nach ausdruck fetze ein , 

- 1. II. nach Joh fetze ein . 

- 1. 18. nach ten nicht , fondern ; 

- L 5 . von unten fehlt im Wort befondiern das C 

- 1. 4. von unten fetze nach mag ein , 
)• 1. 4. mufs nach Laertius ein , ftehen» 

- 1. 6. ft. Stammen L Stamm. 
4. 1. 7. ft* Sallergre 1. Saltengre.. 

• L 9« ft. Lambeus L Lambecs. 

X z 



3^4 

P^g* 4* U"» *• ^^^ unten , naqh Anrede fetze rto i 
$.1. 7. ftatt neuere lefe nepern, 

- J. 9. ft. britanl. britann. 

- 1. aOf nach Wort fet?:e ein , 
. 1..22t ft. Diamand 1, Diamant 
. 1. ult, ft* Talmut fetze Talmud» 
6, 1. 6, ft. ich fetze fich. 

- \. %l» nach fprach fetze ein , 
7» 1. 14. ft. Siere fetze Site. 

- 1. 22f ft. nürcn fetze nürn, 
,1. a* von unten nagh habe fehlt ihm» 
g. 1. 5, (l. konnte 1. könnte, 
^ U 6, ft, fich'l. fich, 
• I. 14. ft. ihm 1. ihn. 
. l 1^, nach laffen fetze ftatt, ein ; 
9. l. i^ ft« Gefehichtel. Gefchiohte. 
^ 1. Ig, ft. Pre 1. Praß. 

- h ). von unten ft. Siudicus 1. Syndikus, 
ID. 1, 2. ft. fupper I. fuper. 

1- U 16. ft.; fetze ein , 

- 1. 6. von unten ft. Die fetze die* 

11. 1. ). ft. mae 1. meae* 

. 1. IS. ft. /noe ®^ecro^ 1* AtseS-er^ro^p 

- U 6. von unten ft. iffAM 1. cVi)"- 

12. 1. 2;. nach Holz mufs das — weg. ^ 

- 1. ult. ft. konute 1. konnte. 
ij. 1. 10. nach Hagedorns mufs ein, ftehen» 

- 1.16. nach eine muft ein : flehen, 
. 1. 2^ ft. dafs L das. 

- 1. 24. ft. bekandt 1. bekannt. 

- 1. 2^. nach der fttze ein, 

- 1. 5. von unten nach Scene ei» » 
14. 1. I. ft. viel 1. viel. 

• 1. 2. ft/Man 1. Mann, 



Pag. 14. lin. I j. ftatt Prifoian lefe Prifcian. 

- L 14. ft. Offieia 1. Officia. 

- 1. 2. von unten, nach Seelen fctzo ein , 
i-S' 1* 2. ft. uach 1. nach. 

• 1. S- ft« donuWJ 1. donum. 

- I. 19. ft. Betas 1. Poetae. 

- 1. 2J. ft. Scatigerane 1. ScaUgerianL 

- J. |. von unten ft. verba 1. verbo. 

- 1. ult. ft. dans 1. danz. 
16. 1. 2. ft. hebrse I. hebra« 

- 1. 7. ft. greca I. grasca, und mich nviecfiw 

fetze ein . 

• 1. }. von unten ft. diffa 1. difle. 

• 1. 2. von unten, nach theologan fetze ein , 
I7-. 1. 4. ft. wohn 1. wolL 

- 1. 9. ft. footfch 1. Foertfch, ft. haar 1. har- 
•» 1. 19. nach Mann fetze ftatt ; ein , 

I». L 2. ft. nich 1. nicht. 

- 1. II. nach Söhne fetze ein . 

- 1. 18^ nach ftehe fetze ftatt , ei» ; 

- 1. 21. ft. rechts I. raths. 

19' 1- 9* fehlt vor erzehltc dsis e. 

- 1. IT. ft. Kau 1. kau. 

« ♦ 1. I}. ft. haufer 1. hauen 

• 1. 17. ft. Weib 1. Weis. 

- - 1. 21. ft. ekanius L ekeniüs. 

- 1. 2;. nach Mufeus fetze ein / 

• 1. 2^. nach habe fetze ft. , ein ; 

« 20« L 4- ft- coUeg.Lcoltig, nach vorhaben fetze» 
ftatt ; 

- J. i^. nach Schriften ftreicbe das., aus. 

• I. ult. ft. gemach t gemacht , nach fchwcr 

fetze ein , 
21« h 12. Struenfeesbekehrer mufs ein Wort feyn. 



3^6 

Pag, 2 t. iin. f ^. ftatt Grave lefe Travc 
. 1. 2^. nach diflerC. fetze de 

- * - 1. 26. ft. Dionyfius I. Dionyfio. 

_p - ). ult. (t Orginal fetze Original u. darauf ein , 
22. 1. 5. von unten: ft. Weigelc 1. Weigeln. 
24. 1. 2. ft. natural! 1. naturalis. 

- 1. i8- ft* Loineburg 1. Boineburg* 
i» 2s- 1» 10. ft. cum 1. cura. 

T ^ 1. 17. ft. Pufendorfis 1. Pufendorfio. 
27. nota : ft. Placcuis 1. Placcius. 

- )6. u. Ji* ift die Ueberfchrift verkehrt, 

- 1. II. ft. laetium 1. Laelium«. 

- - I. 17. ft. die 1. den. 

9 )i. U !• ft. der 1. den. 

- I. 14, ft. älter 1. ältere. 

- 1. 17. ft. Freyherr 1. Freyherrn. 

- n* i^ot. lin. penult. ft. Parecifici 1. Pacifici. 

- lin. vlt. ft. dem der 1. den Büchern in der. 
35. 1, 2. ft. magnum 1. magnam. 

- 1. iH* ft* der 1. den. 

- ]. 19. ft. Kulpifeus I. Kplpifens. 

- 1. - Thremfens , kann ich nicht verbeflern. 
)8« I. 20. ft. das 1. dafs. 

-^ in der Note ft, Fundem, J. N. gent L Fundam. 

J. N. & gent. 
41. 1. i^. ft. feine 1. feiner. 

- - 1. 20. ft. Note 1. Noten. 
4?. ft^ feledtiones 1. feledliores. 

44% 1. 2. ft. moturum 1; motarum. 

- 1. 6. ft. Pufendorfis 1. Pufendorfio. 

- 1. 12. ft. Objedu U Objeda. 
9 ?}• 1. 9. ft. Vurillas 1. Varillas. 

- 1. 17. ft. Humt l Hamburg.' 

« S4f not. lin. perlult. ft. Techeis 1; Tenzek. 



fag. 55.1in. 12. ftatt fcntcntiae Icfe fcntcntia. 

- I. i|. ft. fiftantur 1 fiftuntur. 

- I. 2j. -ft. feine I. feiner. 
^7-1. 9. ft. indieiom 1. iudiciunu 
62. I. II. ft. fratrum 1. fratrem. 

- 1. 14, ft. Artus l, Adla. 

- I. ib. ft. P. I. pag. 

- I. M. ft. Pfafii I. Pfeffil. 

6J. 1. ^. ft. confitiarium 1. confiKarium. 

- L 9. ft. Trezels 1. Tenzels. 

65. 1. I. von unten L Er ftatt Es. Man kann 
dazu fetzen: ifl fcbon in diefcm 
Stück S. 148. und folgenden geliefert 
"worden, 

6%. 1. 20. 1. Monnoye. 

70. 1. 7. ft. das 1. dafs. 

71. L 2. ft. litemria 1. litteraria. 
. 1. s. ft. Werke L Worte. 

- 1. 4. von unten 1. 1469. 

- 1. 2. von unten ft. pontifche 1. poetifche. ' 

- 1. vlt. ft. Hirching 1. Hirfching, 
78. 1. 19. ft. den 1. der. 

%i. I. 17. ft. dafs I. das. 
84. 1* %• ft* taczes ]. tanczes. 
8^ 1. II. ft* Hanifch l. Henifch. 
88. 1. 4- von unten 1, Trapt. 
90. J. 15. ft. dürften I. durfte. 

- ], 16. ft. dieferer 1. unferer. 

• ]» 22. ft. anmeflen 1. anmaflen. 
92. I. I. ft. einem 1. einen« 
- 9?- 1- 8. ft. Wemikcr L Wernike. 

- ]. IG. ft. PoGtur 1. Politur. 

- L 7« von unten : Hagedorn muft fidfeh firyik 

Denn nach der Note fi>U ei M ^ 
verooftalteter Name ftyo* 



328 

Pag. 9j. |in.vlt. ftatt Dichttrmanne lefie Dichternametu 

94. 1. II. ft. Tyetäus L Tyrtaeu«. 

98. 1. 7. ft. Verbcy 1. Vorbcy, 
100» 1. 14. 1. originelles. 
lo). L 4. ft. intra 1. infra. 
IQS, 1. penult ft Panzinlus wird Panzirölus heiSea 

füllen. 
107. I. 21. nach qui ift in ausgelaflerv 
XII, l, 8* von unten ft. dolorem 1. dodtorum* 
xi;. 1. )• ft. Siebenkies 1. Siebenkees. 
114. 1. ij. ft. Prit. 1. prid. 
XI 7. !• penult. ft. Vcrfenmeyer. L Veefenmeycr. 
XI 8. 1. z. ft. Das 1. Dafs. 

197. und folgende mufs überall Hieronymus gele* 
fen werden , ftatt Hitronimus. 

- !• 7. 1. vergl. 

- graecolatino , belui , Olyuthlacae (Olynthiaoae) 
in der Note ift falfch. 

X29. 1. 6* ft. fie I. fein. 

13 Ot not. 1. I. ft. confeeerit vielleicht concefTerit, 

- 1. 9. ft. invandi 1. cuuandi. 
i|i. noti) lin. 2. ft. nutas 1. nuda». 

- L S- ft- Academicarum ). academiarum« 
1)2. not. k) 1. 2.ft. pefti 1. peftis. 

* 1. 4. ft. kuare 1. iuuare. 

^ 1. 6. ft« immortati 1. immortali. 

- lin. vlt. ft. profiiaditur 1. prefunditur, 
xj}« I- 2. ft. Phavoria 1. Phavorin. 
i%%, I. xo. ft. utrumque 1. utramque. 

- 1. 14. ft. ftatio L ftadio. 
i%€. 1. f. ft. liberum I. liberorum. 
IJ7* lin- antep. ft. angegeben 1. angeben, 
14 1* 1* I. ft. xpriani 1. xpiani. 
142. ft. dominioe 1. dominice. 



329 

Pag« 14). lin, I. ftatt cautant lefe cantant. 
. 1. S. il. portanter L portantes. 

- 1. I). ft, Ortfaoxe L orthodox«,, 

• 144. I. penuit. ft. Der 1. Den, 

• 146. 1. Ig. fi. xo 1. vo. 

- 1. 19. 1. Auguftenfis. 

• i$Q. 1. 17. 1, Picart 

- 1. ZI. 1. Burnet «Ferreras. 
<- xsi» 1. 20. ft woran 1. wovon. 

.. IS?' h 22. ft. Marfilii 1. MarfiliL 

- ' 1^4. 1. )• ft. Gemrheim I. Gernsheim. 

• L 6. ft. deftruitorium L deftniäorium« 

• L 7. ft. Aftaxani L Aftexani, 

- 1. 22. ift unrichtig. 

-. 155* L 7. ft. dita 1. dito. 

» 1. II. ft. aduendu 1. aduentu. 

- 1. 2J. ft. Horatu 1. Horatii. 

» i$6. 1. )• ft. Leonicerus 1. Leonicenufiw , 

^ 1. 2). ft. Roza 1. Reza. 
^ i$7. I. i^. ft. Domberg L Domiberg« 

. ]. 24. ft. Keter 1. Keffer. 

- 1. 27. Mogunt mufs falfch feyn. 

- i^g. 1. 4. ft. Carthufanus 1. Carthufianus« 
^ 159- '• 7- ft- Trifner L Frifner. 

. 1. II. ft. SchafFl. Schafs. 

- 1. 12. ft. Über 1. litter. 

« - ]. 14. ft, heurnen 1. huemen. 

- 161. not. * lin. 5. ft. Tregtagü 1. Freytagü. 
^ 162. I. 5. ft. Starbonis 1. Strsd>oni8. 

- 164. l ij. ft. Fabula direifliue - Antonii - I. Tabula 

diredtiua -- Antonini. 

- 1 66. 1. 4. von unten : ft. Bercharii 1. Berchorii. 

• 168. L 9. ft. Drach 1. Brack. 

- - L 4* von unten : ft. DiogenizLsertiiLDiogenis 

Laertii. 



33^ 

Pag. 172. lin. i^. ftatt Rothrü lefe Rotherii; 

. - 1. Äi. ft. Alherti I. Alberti. 

- 1. 24. ft. Nouis L Nauis. 

- I. 28. ft. Magno 1. Mayna. 

- ilh I- 19* ft. Magno 1. Mayno. 

- 174. 1. 6. ft. 1^99. l. 1499. 

- 1. vlt. in der Note ft. Etiaco 1. AliaoOi. 

- 17 s. not. lin. 12. ft. Catüllii 1. Catulli. 

- 1. i^ ft, Horatu L Horacii, 

- 1. 19. ft. Gutten 1. Hütten. 

- 177. 1. 17. und 21. ft. Bofti 1. Buftis» 

- 1. 8- in der Note, nach Nr. fetze 427. 

- 1. 9. ft. an 1. in. 

- 179. I. 15. ft. fententias 1. fententiarum. 

- 1. 27. ft. Motteville, vielleicht Mandeville. 

- i8j. 1. 24- ft. Reiferfpergii I. Keiferfpergii» 

- 18?- 1. - ft. Troben 1. Proben. 

- 186. 1. 4. ft. 1917- 1. 1617. 

- lin. antcpen. ft. Trobenio 1. Frobenio» 

- 188. 1- I?. ft. tefleradeas I. tefferadecas. 

- 190. lin. penult. ft. Beta 1. Beda. 

- 191. I. 19. :ft. Troben 1. Proben. 

^ 1. 24, ft. Ceruicorum 1. Ceruicomum. 

- 192. 1. II. ft. 1929. 1. 1^19. 

- 1. 16. ftv Chryfogomi 1. Chryfoftomi» 

- 19}. I. 12. ft. demnach 1. dennoch. 

- 20 j. I. II. dele: in lin. 21. und vlt. 1. Boineburg. 

- 208. I. 19. lefe Bucelin. 

- 209. 1. 16. ft, Fordunat 1. Fortunat. 

- 212. h ?. ft. diefes 1. vnfre. 

- 214. 1. 4. von unten nur ift faifch. 
.• 31 6. L 22. fl:. hcifst 1. Zeigt. . 

- 218. I. IS- fti. hervorftehen 1. herudrftccben. 

- 1. 16. ft. den L der. 



Pa& 


Äig.lin. 28, 


- 


220. 


I. 2r. 


- 


- 


1. 23. 


- 


221. 


I. 14. 


m 


22^ 


1. 17. 


- 


- 


1. 26. 


- 


224. 


1. 10. 


- 


227. 


1. j. 


- 


228. 


1. 6. 


- 


229. 


1. j. 


• - 


- 


L 7. 


- 


- 


1. 14. 


- 


- 


1. Ig. 


- 


247. 


1. 24. 


- 


262. 


1. 19. 


- 


2-68. 


l. I. 


- 


28^ 


1. 19. 


- 


28^ 


1. 21. 


- 


287. 


1. 15. 


- 


290. 


1. 2J. 


- 


291. 


1. 12. 


^ 


29J. 


1. If. 


- 


- 


1. 16. 


- 


297. 


1. 12. 


- 


298. 


1. IJ. 


- 


299. 


1. 1. 


• 


508. 


1. 7 


- 


J09. 


1. 7. 


- 


- 


1. 9. 


• 


519. 


1. 1. 


- 


?28. 


1. 6. 


- 


na. 


1. 5. 


- 


n). 


1. ?. 



331 

ftatt enknuftifche kfe enkauftifche. 

ft. moribus 1. morbis. 

a hat L fich. 

ft. Abte I. Abate. 

fi. ein 1. einen. 

ft. popatorum , vermuthlich populorum. 

ft. Teocrits, Lions 1. Theocrits, Bipns. 

von unten ft. dialaticarum L dialedlicarum. 

ft. Nun J. Nur. 

ft. Muretorift:hen 1. Muratorifchcn. . 

ft. Theile 1. Theil. 

ft. Kraikots 1. Kennicots. 

ft. ein 1. eine. 

ft. Anfpi 1. Aufpi. 

ft« Kottenbuch L Sottenbuch«- 

ft. jo Bl. 1. von 10 Bl. 

ft. von 1. vor. 

ft. vnd L vm. 

ft. vor 1. von. 

ft. verbis 1. vrbis. 

und p. 292. lin. 27. ft. Secmüllcr l 

Seemiller, 
ft. Sannk 1. Sannt, 
ft. Martzen 1. Mertzen. 
ft. der 1. er. 
ft. van L von. 
ft. Javonini 1. Jeronimi. 
und 8. ft. Bänderifche 1.^ Bämlerifchc. 
ft. SeemüUer 1. Seemiller, 
ft. dicentos 1. ducentos. 
ft. Hörrohre 1. Hörrohre, 
ft. Bänder 1. Bämler. 
ft. Manufcripte 1. Manufcriptcn. 
ft. Lodvocats 1. Laduocatt. 



3iz 

Pag. ||tf. lin. 2o. und ii* ftatt Böcker lefe Böckicr. 

- L 24. iL Schurzfleifchers 1. Schurzfleifchens. 
• iit» L ^. ft. Zfchackeri2 1. 2rchackwitz. 
« ))8. L I. in der Note ^) ft. FraikoC 1. Fraichot. 
Ebend. Not^ ^*} mu(s es beiden: 
Eben difs iagt Herr S. 
))9> !• 19* !• frühe. 

• 1. |i* L teutfchen. 

• 1. |8* 1. Fommer. Biblioth. 
}4o. L 27« ft. ihre 1. ihren. 

. 1. )i. ft. Damanns 1. Domanni. 

• L }|. lefe ClytraeL 



HISTORISCH- 
LITTERARISCH - BIBLIOGRAPHISCHES 

MAGAZIN. 



Errichtet 

VO A 

cmer Gefellfchaft Litterarifcher Freunde 
in und auiTer DeutfchlancL 



Herautgigibin 

▼ Ott 

JOHANN GEORG MEÜSEL, 

Ho&ath und ProfeiTor der Gefchicbte in Erlai^en* 

Viertes Stück. 



ZUR ICH 
Bey Ziegler ttndl Söhne, I79i» 



/ 



HiSTORlSCtt- 
LlT'TERARISCk.BIBLIOGRAPHISCHES 

MAGAZIN. 



L 

ABHANDLUNGEN odAu AUFSÄTZE » 

BIOGRAPHIEN, &c. 

t r . i - \ ■ • I • ' I « 7 i t ro 
1. 

ticbcr tüiigt neuere iateirtifche Dichter in Ht>Uand «^ 
und ihre Gediehtt, 

Jöngft * hab* icli ferner edlen tatfiniSdhtn tiithtefinn '^ 
die unter uns Tentjchen vor beyrtahe 206 Jahren gelebt, 
gewandelt und gehandelt hati det unter ihren Zeitgenoflea 
fö berühirit gewordenen und unter uns fo ganz und gär. 
wieder in Vörgeflenheit gerathert gewc£enenEiifabetbaJohafirta 
IVefloniä einen Panegynkm gefchrieben. Freylich Wohl 
war's unter den taufenden von Panegyrikujfen , die wir 
bereits haben , vielleicht der feinzige in feiner Art ; denn 
nichts , gar niehts hatte er mit allen andetn , weder im 
Züfchnitte noch in ^er Ausarbeitung, gemeiri; Nicht ad 
captandam benevolentiam^ welches doch die allgemeine 
Regel und Vorfchrift bisher gewefen jft , war der Eingang 
•oder das fogenannte Exordium eingerichtet J es War vieU 
mehr eine förmliche Kriegsdeklaratioh oder Wohl gar, 
wenn raan's bey'm rechten Lichte befieht , ein rptrklicbir 

*) Im dritten Stück diefes Magazin«. 
Meufelt Mag. 4M Stück. A 



1 



Z Ueber einige neuere lateinifche 

feinilicber ^ Bin faß ks Gebiet des ftOIen , nihigeA «tidl 
friedfertigen Nachbars , der fich keiner Beleidigung, keineg 
Eingrifls in fremde Rechte , keines böfen \7iUens (b gar ^ 
auch nur von weitem , bewufst war , ein wahrer prniogus 
gaieatusj wo wider Phantome mit Lufrflreichen gefochten 
wurde. Der Befchlufs oder der Epilogus , oder die Perora^ 
tion^ wie wir Redner es nennen, war fo wenig gemacht, 
einen Stachel in den Gemtithern der Hörenden oder 
Lefenden , wie es doch wohl billig hätte feyn folleh , 
zurückzulaflen , dafs man fleh bey den vielen «ingewebten 
kalten , froftigen vnd noch überdem fchief und übel und 
zur unrechten Zeit angebrachten Moralien^ die nun ein 
' für allemal auf Weiberfeelen und Autorsfeelen nicht wirken 
können, des Gähnens nicht erwehren konnte und gewifs 
eingefdilafen wäre, wenn es nur noch eine halbe Seite 
lang fo fortgedauert hätte. Und nun vollends die Partition 
des Ganzen ! fo voHgepfropft von nicht hieher gehörenden 
Ingredienzien und fo ker von all dem , was man hier 
hätte erwarten follen , dafs von der Hauptperfon , deren 
Tbaten und Gejibicbte den eigentlichen Fanegyrikus aus« 
machen muffen,. auch nicht eine Syibe darinn vorkömmt, 
und man fo ihren Geifl , ihre Talente und das. Hervorfte- 
chendc in ihrem Cbardkter , das was fie auszeichnet und 
von andern ihres Gefcblecbts\ Standes und Alters fofehr 
und fo vortheilhaft untwfcheidet , auch nicht von weitem 
errathen kann und fich der Lefer am Ende mit leeren 
Worten abgefertigt und mit loofer, ungenießbarer Speife 
hungrig abgewiefen fehen mufs. 

Allein, meine Herren Lefer und meine Damen Le- 
ferinnen ! originell mufs man feyn und fich auszuzeichnen 
wiffen, wenn man Aufmerkfamkeit erregen und fich zum 
Mufter für andre und für künftige Arbeiter, in gleichem 
Fache erheben will. Haben wir doch , dächte ich , Chrien 
nach dem jipbtbonius und Crucius^ Reden nach HaObmer 



Dichter ih Holland. ^ 

tind Oottfcbed^ BHefe nach GeOerten und Stockbaufen^ ' 
Fabeln nach Battmx und Leßng^ und Ausführungen und 
Abhandlungen und Deklamationen und aufgeftutztc Perioden- 
gebäude ä la Arißote , ä la Demoßbine , ä la Bojfuet und 
a la Linguet und fo gar Panegyrikuffe a la Pire Pore^ und 
a la Pbilippi in groffer und ungeheurer Menge — warum 
follte es einem, der fich fühlt , nicht vergönnet fcyn, fich 
eine neue Bahn zu brechen, feinem Genius den ihm 
cigenthümlichen Schwung zu geben, fich feinem Hange 
zu überlaffen , auch Maler zu feyn und zu panegytifiren 
nach feiner Art ? 

Und diefs hab* ich gethan, denn ich wollte mich 
auszeichnen , ich wollte Aufraerkfamfceit erregen, ich Wollte 
Mußer werden; und diefs hat mir geglückt, nun beneide 
man mich darüber , fo lange und fo viel man will — 
belTer ifts immer beneidet werden , als unter dem großen 
Haufen verlohren gehen , vergcffcn oder wohl ^ar bemit- 
leidet werden; lauter Dinge > die mir ganz xmd gar nicht 
anflehen und denen ich mich nie aufletzen werde. 

Nennen hat man mich zwar wollen, und gcrathen 
hat man auf diefen und jenen ; aber errathen foll man 
mich gewifs nicht , bis es mir belieben wird feihft aufizu- 
trcten und zu fagen : hier bin ich. Noch zur Zeit bchagt 
mir , wie allen großen Herren und großen Genien , das 
fo behagliche Incognito und mit Vorfatz hab' ich eine ganz 
unkenntliche und meinem perfönlichen Charakter ganz und 
gar nicht entfprechende — Vielmehr eine ihm im Ganzen 
und im Detail ganz widerfprechende , ganz widerfmnige , 
ganz indechifrable Maske gewählt , um — wenigftens noch 
eine Zeitlang — auf dem großen St. Markusplatze unfrer 
Lefewelt darunter zu erfcheinen und mich fo naeh aller 
Herzenslufl: darauf umzufehen und darauf und in den 
anliegenden Cafinen herumzutummeln. 

Als eine Folge und als einen neuen Auftritt diefec 

A 2 



4 Ueber einige neuere lateinifche 

Contraditäioosmaske mag mun es denn 'abch anfehen , dafs 

ich gegenwärtig mich gefalst mache , gerade das Gegentbeil 

von dem Satze aufzuftellen ^ den ich jüngft mit fo vielem 

Feuer und fo warmem Eifer behauptet hatte ^ und ein klein 

wenig a la Carneades od» ä la Carniade — doch in einer 

gleichgültigem Sache — wofür zwar unfire Legulcjer auch 

die liebe Gerechtigkeit anfehen «^ zu zeigen : dafs wir fo 

weit noch nicht gefallen find , dafs mit einem alten Römer ^ 

w^nn deren einer von ungefehr wieder unter uns auftreten 

foUte, niemand von uns fich unterreden — niemand etwa 

mit einem Virgil^ Horaz^ JuvenaJ^ Perßm oder MaHial 

fich zu meflen wagen dürfte. O neini fo* weit find wir 

noch nicht gefallen; noch können wir Männer aufftellen^ 

die vor den Rifs zu flehen im Stande find und es mit jedem 

aufnehmen würden , der es wagen follte , ihnen auf die 

Zähne fühlen zu wollen *-^ und ohne mich hier auf den 

lateinifcbm Verfe^almanacb ^ Calendarium Mufarum ItaU 

tium oder Florilegium laiinum heifst er , wenn ich nicht 

irre , zu berufen , den uns vor ein paar Jahren ein gewifler 

Rektor Fifcber zu Halberftadt zufammengetragen hat > ohne 

der Männer lange Reihe aufzufodern ^ die er dort als 

lateinifcbe Dicbter aufgeftellt und dem Publikum zur 

Schau vorgeführt hat , ohne nticb felbfi mit ins Glied zu 

ftellen ^ der ich doch auch fo manchmal gehexametert und 

gepentametert und fo manchen poetifchen Sieg in der 

Sprache des alten Latiums erfuchten und errungen habe — » 

will ich hier blofs von einigen neuern , noch lebenden 

odet doch erft kürzlich vcrfterbenen, Hoßandifcben ^ die 

doch auch wenigftens halb Teucfche find , lateinifcben 

Dicbtern etwas weniges hieher fetzen , um fic, fo viel an 

mir ifl: , unter uns ein klein wenig bekannter zu machen ^ 

als fie es bis jetzt find und fo vielleicht einen kleinen 

heilfamen Wetteifer zu erregen , welches wohl für meine 

wenige Mühe keine kleine Belohnung feyn würde und mich 



Öichtcr in Holland. 5 

irecht herzlioh und inniglich freuen follte. Alfb quod felis» 
faußumgm ß^l Auf die benevolamuurium oculerumque 
operam meiner Zuhörer und Lefer zähle ich ohnehin. 

Zwar weifs ich' nicht mehr, in welcher Ziii: ~ ode^ 
andern Sghrift ich vor nicht gar langer Zeit gelefen habe, 
daß Boileau , Voltaire , diAlembert und mehr andr« damit 
gar nicht einftimmen wallen, dafs lateinifcbe Verfe auch 
noch heut zu Tage machbar wären und wohl gar hönifch 
Cch über die aufgehalten habe» follen, die fich fo was 
noch unter uns in Sinn kommen laffen wollten — . und darina 
bin ich mit ihnen vollkommen eini^^afs; unter ihrer 
Nation (Ehre dem Ehre gebührt, den .^ardinal Polignac 
und den guten Pater Desbillons^ qut^Aftncifent pourtant 
tant foit peu tous deux , wollen wir aui^ehmen ) es jetzt 
nicht leicht jemand damit fonderlich glücken würde , weil 
fie überhaupt nicht viel latein mehr zu verlernen hat und 
die des BroJJes und Brotier und d'Oiivet unter ihr jetzt 
noch feltpere Phänomene , s^s ehedem die de Tbou und 
die rtidpitaj und unter uns die Mosbeim, Gefsner ^ 
Erneßi und Heyne , die Menze und Cbrifle , ^icbter und 
Böhme find ; aber fo viel ilt doch auch wahr, dafs nicht 
leicht jemand weder unter ihrer, 'noch unfrer Nation , je 
zu einem gewilTen licterarifghen Ruhme gekommen ift, von 
dem man nicht wüfste und Proben hätte , dafs er fich 
einmal — in der Jugend wenigftens — mit der Dicbtkunß 
überhaupt und der lateinifcben infonderheit abgegeben hätte« 

Und fie felbft, jene dr^y j find Beweife davon, wie 
obiger Referent , der fie als Feinde oder doch Verächter 
der jieuern lateinifcben Dichtkunft aufflellt, wider fie ge- 
zeü^hat; denn vom Boileau fuhrt er ein Fragment an, 
woraus erhellet, dafs er felbfl lateinifcb und in Verfeu 
darüber fatyriflrt habe, dafs man noch jetzt lateinifche 
Verfe zu machen wage, Sp hatte er zu intoniren ange. 
fangen ; 



6 Ueber einige neuere latelnifche 

Quid mimeris iteriun me balbiitire latinis , 
Longe Alpes citra natam de paUe ficambro, 
Mufa jubes ? — - 

welches denn zugleich ein Beweis ift, daß er zu mehrem 
malen in den Fehler , wenn es anders ein Fehler wäre ^ 
gefallen ift , den er getadelt hat. 

Von Voltairen^ dem man bekanntermalTen gar mtuiches 
nicht übel nehmen mufs , haben wir gleichwohl noch ein 
haeinifcbes Dißicbon übrig, in welchem er aUe Eigen« 
fchaften des Feuers zufammen gefafst hatte : 

Ignis ubique latet, naturam amplec^itur omnem; 
Cunda parit, renovat, dividit, vmty alit^ 

Diefft thai er in der Zeit, da er einmal auch in dieferky 
Materien fich vertieft und Preisfohriften aufgefetzt hatte, 
die ihm aber nicht fo, wie Schaufpiele und Verfe und 
Gefchichten und Romane , glücken und gedeyhen wollten« 
Oui , ces deu» mauvais vtrs fonf de moi fagt er in einem 
Briefe an A'Alembert im 68ften Bande feiner Oeuvres, 
Lettre 187* Seite 400. und was er noch hinzufetzt, mufis 
man im Buche felbft lefen« 

Und felbft S Ahmbert » der an den Liebhaber der MU^ 
Ckdron gefchrieben hatte, 1. c. S. 136, 

Si non pertaefum cunni penifque fuiflet, 
Huic uni fbrfan potui fuccumbere culpae« 

hatte auch feiner Preisfchrift über die Theorie und Haypfc- 
ttffache der Winde , die von der Berliner Akademie im 
Jahr I74S« gekrönt worden w^r, diefe Epigrapbe vorge^ 
fetzt, die zwar Nachahmung Virgits aber doch glücKubhe 
Nachahmung war : 

Hsec ego de Ventis , dum ventorum ocyor alis 
Palantes agit Auftriacos Fridericus , & Orbi, 
Iniignis lauro, ramum pra&tendit olivse. 



Dichter m Holland. ^ 

So währ ift$ , was der liehe Lateinmatm Gefiner ia 

leinem Frc^ramm auf Mosbeimen fagt : Contigit ingenio 

yrvcx magni iUud quod faepe &(^m obfervatur , ut primum 

in illis Mufarum vel incunabulis vel crepundiis verfaretur & 

probaretur , in polfmaiis ^ lingua patrta , fcriptis. Ceterum 

illud ctiam hoc exemplo conftat , in praeexercitationibus 

oratorije artis poSißu poni merito : neque fane principatum 

eloqüendae inter Germanos facras adepturus erat MoshemiuS 

Ulli a fo'itka exercitatione & copiam^ infignem rettdilTet 

verhorum & figurare orationem, fubUmea fenfus vividat 

quc imagines concipere & lucidas defcriptiones fbrmate 

confueviflet. Facultas etiam Icaina oraiionis infignior intsr 

ea eft , qus praeludere magnomm virorum famae, q^ia 

«perire illis fama» atque honoris templum , & rebus majo- 

libus aptos efle , (biet oflendere. In noftro quidem hoc ita 

tSe apparuit &c. 

Und überhaupt, dünkt mich , faeweifen diefe obigen 
drey Beyfpiele , dafs es mehr vorübergehender leichter 
Scherz , als wirkliche Verachtung bey diefen Männern 
gewefen ifi, wenn fie in einem Anfall von Laune und 
vielleicht , indem ihnen verunglückte Verfuche vorkamen^ 
über lateiuifcbe Poeße ein klein wenig gelächelt oder ge- 
fpottet haben. Es beirufe fich daher nur ja keiner unfrer 
heutigen Elegant^ die gemeiniglich von aller Kunft und 
allem Wiflen nur das wiiTen , was nach dem ZeognifTe der 
Elifabeth de Bajyihe , veuve de Monfieur frere unique de 
Louis XIV. in ihren Fragmens de Lettres originales , die 
im vorigen Jahre herausgekommen find , der grofle Ludwg 
davon wufste -— gerade Nichts — auf diefe oder auch 
andre Beylpiele , wenn er nicht an die Fabel vom Fuchfe , 
der keine Trauben frelTen wollte , erinnert werden will. 
Halten wir uns bey diefer letztern Art von Verächtern und 
Hohnfprechern nur ja nicht auf, fie verdienen's nicht — * 
jirs nan habet oforem niß ignorantem. 



fß lieber einige neuere latejnifch^ 

Abennoch im vorigen Jahrhundert und 906h zu Ättfimg 
des jetzigen blühte felbft unter den Franzofe^ die lateinifc^ 
Dicbtkunfi nicht wenig, und fogar unter den Jefuiten^ 
bey denen zwar es ein nicht geringer Theil ihres freylick 
meift fchiefen imd abfichtlich fchiefen Schulunterriehts wai?! 
fanden fich , unter vielen Faden lateinifcken Verfimännerftt 
doch auch einige vorzüglich glückliche Dichter , £e CeTf 
tonenflitker und Carmiuamacber , wo jedes Wort mit 
<inerley Buchflaben anfienge, oder wo man die Verfe auch 
fo gar rückvpäru lefen konnte , no^ immer mit abge- 
rechnet — Ich will hier nur den Pater Baidüs und des 
P. Vanier pisedium rufticum nennen; andrer nicht Jefuitenj^ 
nicht zu gedenken , die auch Ehre aufgehoben und poetifche 
Lorbeern eingeärndet; haben -— und worunter fioh der 
Biänguif Mufarum aluninus auipice Pboebo par M. L. B. 
1707. 8* fo vortheilhaft auszeichnet, der wohl mit Grunde, 
zumal da er im i8ten Jahre (ein^s Alters fo fchriebe, 
von fich fagen konnte -1- — r .^ .-^ -^ 

J.am Fhoebe, petenti 
Annuis, & pofcunt carmina noftra diem. 

Jam fpondent celebrem Ventura in fecula famam,^ 
Jamque cingunt nofl;rum laurea ferta caput. 

Janji me fequa^icos intet numerare Foetas 

Audeo, jam platcidis fequan^. plaudit aqurs. 

Hier ift zur Probe ein Epigrumnf von ihm , das ich wähle » 
weil die Ehre eines andern groffen lateinrfchen Dichters , 
des Santeuil oder Santolius darinn gerettet wird : 

Ad Autor em UbeUi , qui infccibitur : Ttimulus Santolii 
Cur tu SantoUo tutpulum pafuifTe laboras ? 

Hunc prohibent coelo Carmina dlgna mori ; 
Quin potius fertis redolentes extruis aras; ? 

Terrigenis tuqiulus convcnit , ara Deis, 



Plchter in Holland, 9 

Fieylich wenn es bloß mafbhinen -^ wd handweiks^ 
mliflige und fchulgerechte Bearbeitung eines zuf tebrfrobe 
aufgegebenen Sujets ift , dann gebe ich felbft keinen Deut 
für alle Poeße ; aber wepn es Superabundanz und lieber« 
flufs'des Witzes, der Tatente und Kenntnifle ift, die man 
fo aufiafst, wenn das Gefäffe überläuft; wenn es fchöne 
Einkleidung eines an figh fcbon fchönen Gedankens oder 
Einfalls iil , der nun, wie das an fich fchon fehöhe 
Mädchen durch den ihr angemefsnen Putz , noch reizender 
wird, ja dann mag der Spötter^ er mag nun im Ernfte 
oder nur fo bey vorübergehender Laune gefpottet haben , 
es mag nun bey ihm Hang zum Perfiflage oder felbft prOf 
fund — r geometrifcher Forfchungs und Unterfuchungsgeift , 
wie beym VerfafTer der Melanges de Litpiraiure Tom V. 
Seite ^2% — fö8- vermeyntlich gewefen feyn, nur immer 
weiter gehen — ioh an meinem Orte bin auf folcben Fall 
immer verfucht zu antworten , was jene witzige Dame 
XAlemberten geantwoctet hat , der ihr ftolz die Verdienfte 
des PbUofopbißnus um die ganze Menfchheit angerühmt ^ 
und gefagt hatte : Madame , nos Philofophes ojnt abattu la 
forit des prijuges — Je ne fuis donc pas furprffe, war 
ihre Antwort , fi vous nous debitez ici tant de fagots, 

Lafst uns auf die Hauptfache kommen , auf das was 
ich eigentlich hier anbringen wollte , dafs nemlich in unfern 
Tagen , fo wie in vorigen Zeiten , als die Johannas Secundtts^ 
die Beckbfyfen und die d' OrviMeßlü^iten ^ als die Baudiujß^ 
die Heinßujfe , die Grotmße und Conforten Gedichte dich- 
teten, deren Zahl Legion ift, die tateinifcbe Dicbtkunß 
vornemlich noch unter den Holländern in guter ehren« 
vollejr Achtung ftehe , und fie uns noch von Zeit zu Zeit 
Männer aufllellen, die diefem liebenswürdigen Talent; 
Ehre machen und fich mit jedem meffen können. 

Wir wollen hören , was obiger Schriftfteller oder 
Journalifte, denn excerpirt hab' ich ihn wohl, aber zu 



iz Ucbcr tinige neuere lateinifche 

geblieben war^n , unter dem Titel : Delicia poitzca fefci- 
culufi I , U und III , von denen ich , welches ich nicht 
wenig bedaure , weiter nichts fagen kann , denn fo was 
kommt nicht bis zu uns; uns werden von unfern Herren 
Buchhändlern ganz andre delicias auFgettfcht| wie un(re 
Me&catalogcn ausweifen. 

Ganz neulich hat tins obiger Herr von Sauten auch 
eine Ueberfetzung in hemifcben Verfen von Homers Hymnus 
auf die Ceres und einigen Fragmenten des Callimacbus 
geliefert ; lauter Belege zum günftigften Vorqrtheile für die 
Güte aller Produkte diefes Mannes. 

Noch nicht genug; zm Paris hat 178J- der elegante 
Drucker Didot des J. H. Hoeuffl Periculapoütiea gedruckt, 
mit der Beyfchrift : munus amicis g., und feitdem ift davon in 
EoUaud eine Fortfetzung erfchienen. Es ift kaum möglich , 
fagt mein Mann , den ich excerpirt habe , das Talent der 
lateinifcben Elegie höher zu treiben , als Hoeuffl gethan 
hat ; in der, die auf das Gefechte bey Doggersbank gedichtet 
ift , und in einer andern an den pofthumen Herausgeber 
des Burmannifcbeu Properz^ abermal obigen Herrn von 
Sauten , und noch einer andern an Heinr. Riemfnyder hat 
er (ich in aller feiner Stärke gezeigt. 

Die bolländifche Ausgabe und Fortfetzung der Pericula 
poetica hat ein Buchhändler zu Dortrecht, Peter von 
jffraMiii, des VerfafTers Freupd und felbft ein güttr iateiuifcber 
Dicbter veranftaltet ; und hier findet fich ein Gedicht , das 
ich hieher zu fetzen mich nicht enthalten kann , fo witzig 
ill der Gedanke und mit fo vieler Delicatefle ift er dargeftellt 
und ausgeführt ; ich bin überzeugt , jeder Lefer , der 
pur ein klein wenig Kenner und Beurtheiler ift, werde 
damit aufTerordentlich zufrieden feyn, und fich dabey in 
einer wahren würkllchen Wohlbehaglichkeit fühlen. Ad 
Herbam^ ift die ganze einfache U^berfchrift , bey der 
m^Qher nichts oder wenig zu denken oder zu fagen haben 



Dichter in Holland« 13 

möchte; lafst uns hören ^ was er darüber zu fagen oder 
vielmehr dem Gräfe anzuvertrauen gehabt hat) die Com 
fidence ift gut und fehr gut angebracht: 

Gramina, quas varlo florum vernatis honöre« 

Et Temper viridi cefpite terra nitens , 
Si vos Aurora ftillantes lumine gutta? , 

Si vos perpetuus Chloridos humor alat; 
Eöe bona, & faciiem vofmet fubmittite ledtuni) ' 

Dum jungat laCöri Pbyllis amtca latus ; 
Al mox, ne qua jocoS prodentia figna fuperfintj 

Ambitiofa nova furgite luxurie» 

Vielleicht hat ein anderes kleines Gedicht das Glück 
noch allgemeiner zu gefallen ^ weil es ein feines Lob fiic 
einen der gröfsten Männer des Jahrhunderts mit einer 
Amönität herbeyführt, der nichts gleichen kann; der 
Verfeffer verfertigte es , als das Gerüchte , Franklin feye 
unterwegs nach Ameriqa geftorben^ falfch wäre befunden 
worden -^ es fleht noch nicht in obiger Sammlung und 
verdient es, wohl aufbewahrt zu werden: 

Quem colit Europaque opponit America toti, 

Albion ipfa hoftem quem venerata fuum eft^ 

Ecce acherontfcis ingens Frankline ab oris 

In patriae adplaüfus , iti Sophiefque redit; 

Anne igitur fuperüm qui tela trifulea Tonänti 
Eripuit , flygium vicit & ille ^JiDveni ? 
Wie glücklich! 

2u Ffäneker hat D. V. T>. Sluis im 1 1*7^6. deS 
Vopifcus Horatius Akerus Poe w ata in g. gedruckt. Leiche 
tigkeit und Reinigkeit herrfdicn auch in dicfen Produkten. 
Derfelbe Verfaffer hat auch eineFle^U auf die Wiederkunft 
des Früblingf verfertigt, wo es aber fchwer halten würde , 
glaubt mein Referent ^ ihn vonl Vorwurfe des Phgiums zu 



;i4 Ueber einige neuere lateinifche 

retten , indem er nur alteufichtbar den bekanntermaflen f» 
.herrlichen und fo einzigen Petrus L^ticbius nachgeahmt 
habe* In einer andern Elegie an feinen i^r2^ fcheinea 
unferm Quellxnanne 'Wohlanßändigkeit und Schamhaftig* 
keit allzufehr beleidigt und auf die Seite gefetzt zu feyn; 
allein mit dem Arzte mufs man nicht heucheln oder hin* 
terra Berge halten ^ er ift der Priefter der Natur. 

Noch ein reizendes Gedicht glaubt unfer Gewährst 
mann nicht vergeflen zu dürfen •*-- und wir würden's ihm 
nicht verzeihen könhen ^ wenn er's vergeffen hätte ; es 
hat den Herrn Gadfo Coopmauns , Dodor der Weltweife- 
heit und Arzneywiflenfchaft, zum Verfeffer, eben denfelben, 
dem die Parifer medicinifche Fakultät^ wegen einer DüTer-^ 
iation für le Muquet ou Miüet des enfans Muveau nis y 
eine ihrer Medaillen zuerkannt hat^ Das Gedicht, von 
dem hiei- die Frage ift , hat die Auffchrift : Qadjonis Coop- 
mann^s Varis five Carmen de Variolis \ es ift zu Frane- 
ker bey der "Wittwe G* Coulon 178?. in 4. gedruckt, 
und enthält eine fehr witzige Erdichtung im Gefchmacke 
der ovidifchen Metamorphofen , und fein Hauptgegenftand 
ift die Inoculation oder Blattereinimpfung. Herr Coopmaw^s 
hatte fie auf feine einzige Tochter angewandt , und fie 
war das SchlachtopiPer davon geworden ; die rührendfte 
Epifode , die man fich nur immer denken kann , hat diefe 
Unglück dem Verfaffer eingegeben — * jedes Vaterherz mufs 
bluten , wenn es fo was liefst. 

Noch gerade kommt mir , indem ich diefes fchreibe, 
noch einer — und wenn ich recht zähle , wohl gar noch 
drey andre in Wurf, diQ ich hier mitzune)imen nicht ver- 
geffen darf und nicht vergeffen wilL Hermann Bofcba 
heifst der Hauptmann unter diefen dreyen — diefer hat feit 
Kurzem zu Deventer bey Karffenberg auf 56 Seiten in g. 
eine Mufa Daventrica herausgegeben , wozu ihn ein Freund, 
namens Jorden's beredet hat, der auch durch eine Samm- 



Dichter ih Holland ■ 15 

hing efdtifcbet lateinifcher Gedichte ^ die et unter der 
AufTchtift : GeDia, herausgegeben hat , zu feiner nicht geringen 
£hre bekannt ift , und alfo juge compeUnt war , folglich 
gar wohl wufste , was er that , als er feinen Freund bere* 
dete ^ mit feiner Mufa Davtntrica hervorzurücken , und 
dem folglich auch dafür Ehre ^nd Dank gebühren» Und 
fo ebenlefe ich in der allgemeinen Litteratur Zeitung 1788. 
N*. 227- b. Seite 782. einen Artikel > der aus der nie- 
derländifchen Bibliothek ausgezogen ift , und worinn wir 
belehrt werden , dafs diefec Bofiha Rektor der Schule zi| 
Deventer ift , dafs diefe kleine Sammlung von Gedichten 
iehj- niedlich gedruckt ift^ und dafs man fie in Holland, 
den Scbraderifcben Gedichten an die Seite fetze, in denen 
M^ro^s Heldenton und "Nafo's Annehmlichkeit herrfchen folL 
Alle diefe Delicien , von denen ich bisher gefprochen 
habe , find auf unfcrm teutfiben Boden wahre Seltenheiten^ 
und diefs ift mit eine von den Haüpturfachen ^ warum ich 
davon hier fo umftändlich und in diefem Tone gefprochen 
liabe. Möchte mein Spruch nur fo viel vermögen , ein^ 
malj dafs unfre teutfchen Buchhändler fo was doch auch 
in ihren Buchläden aufftellten , wo nicht hundert und 
dutzendweife ^ (denn da$ Sint JUacenater würden fie, 
wenn man ihnen fo was zumuthen wollte , fogleich — -« 
nur in einer andern und etwas rohern Sprache und "Wen- 
dung — fogleich auf der Zunge haben) doch einzeln, 
damit der Liebhaber und Kenner doch auch ein wenig 
feine Augen- und Seelenweide daran haben könnte , und 
nicht gar barum deliciarum ignarus feyn und bleiben 
xnüfste; und fodann^ dafs unfre Herren Teutfche und 
Teutfcbländer , die oft fo ganz und gar teutfcb — ich will 
damit eben nicht fagen , fteif und Pedanten — aber doch 
teutfcb find — und feyn wollen, und etwa gar glauben 
möchten , man fey es nur dadurch , wenn man alles ver- 
achte , was nicit teutfcb ift, night teutfch gedacht, gefagt 



i6 lieber einige neuere lateinifcfae 

tind gefchrieben ift — wormri Geh diefe Herren , mit iJirer 
Erlaubnifs fey es hier teutfcb geragt»—* doch ganz gewifs 
fehr irren möchten , da(s fie ^ fage ich , einfehen lernen » 
wie gleichwohl Witz Und Verßand und angenehmtf 
Talente auch ausixfkrtT Wohnen und, wohl gar zu Haule 
feyn können — >- und dadurch aufgeweckt und angi^lpomet 
und gereitzt und gelockt und gedruhgen^ und ein klein 
Wenig gezwungen würden, was äbHlicbes zu verfüchen 
und den alten wöhlefworbneti Rnbm ihrer Nation tlichC 
fo fchlechterdings und mit einemmäle und für ihimer auf- 
zugeben , fondem möglichft zu retteh , was bey fo geftalteri 
Sachen fb fehr aufm Sprung Iteht , ihnen , wie fchon mit 
fo manch anderm gefchehen ift , zu entwifchen, wenn fie 
anders nicht bald AnßatieH machen und Vorkehrungen 
treffen , damit gewiflen ^ nicht mehr langfanl aufkeimenden, 
{bndern bereits und nur allzufchnelliiur Reife und üeberreife 
gediehenen fürchterlichen Vorurtbeilen noch in Zeiten 
gewehret ^ urid aus allen Kräften entgegengearbeitet Werde, 
Vorurtheilen — Barbar^men hätte ich fagen foUen , wie 
das oder der ift t dafs man nur in feiner männlichen Mut- 
terfpracbe fchreiben, und fich auf den Leipziger und Frank-» 
furter MeÖeir zeigen muffe. 

Ja, ja! möchte ich gern manchem unter ihneil zurufen, 
fchreibt nur immer fo fort, zeigt euch nur immer fo ; es 
wird euch auch niemand lefeii — als Teutfcbe -— und auch 
diefe nicht — • es wäre denn , 'da(s ihrs erprobt hättet , wie 
lyieland und wenige andre , ihr gehöret Zü denen , welchen 
man es anfleht, und bey Jedem Federzuge, den fie thun, 
anmerkt , dafs fie fich das -^ 

— , _ »^ .-^ nee definat uiiquam 
tecum Graja loqui, tecum Romana vetuftas 
in Zeiten haben gefagt feyn laffen. 

Den Lateinmann, meine Herren^ vorausgefetzt, 
daß ihm die Sprache nur Vebikulum ift , und er -^ Sachen 

vorzutragen 



Dichter in Holland. t^ 

yoTtuttdgtn und fie angenehni einzukfeiderl \treifs j liefst 
die fVelt ^ mt den Framofeji und Engländer^ deren 
Sprachen (ich über dife Gränzen ihrer Landet und irl alle^ 
\C^elttheile verbreitet haben — nicht To unfrei Teuifcbe , 
liebe ) gute j herrliche, aber fehr, in Anfehüng ihres Wir^ 
kungs-KreifeSj befchrenlcte Sprache -=^ ja den Lateiümanfi 
liefst die fFelti und fein Ruhm geht durch alle Gtgmden 
und dauert auf alle leiten. Dixi £f iterum fervavi 
aniniam, 

.Wehrt ich nun fo noch zuhi Si bluffe dert Ca/cui 
ziehe , und die ganze , fchüne ^ langd Ri^ihc von lateini^ 
fcbm Dicbt^ni^ die iins das gegen unfern fo gröflen teutfcben 
Reief)^ fo kleine Holland nur in unfern Tagen gelieferd 
hatj noch einmal vor mir vörbey wandeln lafle, ja! dehn 
möchte ich fchon Erlaübnits habert , oder liiii- fie ^öhl felbß 
hehmen, rtodh einmal und in allem Efnfte böfelü werden« 
und meiner Laune freyen Lauf zu laflen — Allein die Sächd 
Wohl überlegt •;-- will ich , weils doch nichts fruchten t^rurdcj 
nicht mehr , weder im Scherz noch im firnfte böfe V^erden $ 
nicht mehr durch Laune, l^y Tic auch noch fo gerecht Und 
unfchüldig, mich beherrfchen läflfert ^^ foiiderii blbö hoch 
mit Moliertns G'enrge bändln fagen : J'inragi de hon 
vceur d'ävotr fort ^ hrfyue fäi tätfön j und Eplpbonimatls 
löcö herfetzefl, wa!5 mir (b eben aus der Feder fällfc, eirieii 
PaTiegytkUs d^ tnd fagöh äüf die Mufe LaiiÜYHs ^ felÄ 
tomplimrejii h la hat'e ah die iFrfetlnde detfelben iri HöÜänii^ 
und einen Seitenblick ä la perfiffleur auf alle 5 die hiebet 
hicht gehöteii und mit denen ich j femH pro ferner ^ 
nichts weiter zu fchafferi haben mag. Es ift weiter nifehts f 
als ein laieintfcber Hexäßicbön ; und fö lautet's i 

Curii tot aiäs dignös te^ terra Batäväy PöHas^ 

Non fego fpem pcrdd , nön ego porrö qiieror J^ 

Meufelr Mag. ^tts Stütks B 






1$ Ueber einige neuere latein. Dichter in Holland. 

Sunt & enint femper , video , quos Mnfa latina, 

Aufonia & genim non finct cfle feros ; 

Sfamque, fatehor enim, cui non rifcre Camoen^g^ 

nie mihi niger eft , barbarus ille mihi eft» 
♦ * * 

Sic rae fcrvavit Apollo. 



Ueber «inige Privatbibliothcken und ihrer 
Befitzer &c. Fortftuung *). 

!Nach tianmver hab' ich Anfangs verfprochen meine 
Lcfer zu führen — ich erfülle mein Verfprechen , um fo 
mehr, da fig mit meiner Begleitung durch, die drey Han- 
feftädte, Hamburgs Bremen und Lübeck nicht übel zufrieden 
gewefen fmd , und hoffe ^ dafs die Ausbeute noch ferner, 
wo nicht reichKch , doch befriedigend ausfallen foU ; zumal 
wenn wir, welches meine Abfichc diefsmal ift, auch noch 
ijdttingen , Lüneburg ^ Helmflett , Braunfcbroerg und 
Wolfenbüttel fo mitnehmen können. Ift man nur einmal 
tinter Wegs , fo» iäfbt man fich leicht bereden ^ noch ein 
wenig weiter zu gehen, als man Anfangs fich vorgefetzt 
hatte. Dicfs dürfte alfo wohl «luch unfer Fall werden — 
alfo frifch daran -*- unverfehens kommt man. weiter, als 
man gedächt hatte. Eo animo per Germemiam v^currit^ 
Schrieb von mir einmal der Expetersburgifche ^ittenbet- 
gifche Criijftus an Gefsnevn nach Göttihgen, ut vißtaret^ 
^ttod ufquam viri eruditi notitia dignum extat — ^ nt 

■ . - iiii 1 III* ■■II • ■ I I 1 . ■ • .i iii. i • ... I .. - 1 .1 ■■ f t. 

'^) ^ diefes .Magazins iftes Stück, S. ^. und folg. 2tii Stück» 
S. I. Qnd folg. 



ücb^r eioigfe Fiivatbibllotheken Std ig 

purum curiofum credßs ^ vd Crufiam nofcitare veiuit $ ich 
werde daher fchoa , fo viel an mir liegt , d«:an arbeiten 
muffen, dafs der fonft gewifs Wahrheit liebende Mann nicht 
noch in der ^pK^.he an mir zum Lügner werde. 

In Hannover lebte zur Zeit , da ich diefe Gegendett 
jiurchzog, unter andern Bücherkennern der im J. 1759^^ 
verdorbene Pl^edor der Aitftädterfchule Bünemann , der 
mich anfangs nur in feinem Wohnzimmer , wohin er diefes 
und jenes Buch herbeyholce , nachher aber , da wir mit-^ 
einander vertraulicher wurden , mitten unter feinem auFge- 
thiirmten Vorrath von litt er arif eben Seltenheiten ^ fehr 
angenehm unterhalten hat. Der Mann war fchon alt, groß- 
augigt und ernft , bis er nach und nach warm und vertrau- 
lich wurde ; er hatte 6 Söhne , von denen einer Medicin 
ftudirt hatte, zween mit der juriftifchen Praxis Geh abgaben,* 
und einer , der vier Jahre lang das Inßitutum Gefmerianum 
in Göttingen fre juentirt hatte , ein Schulmann werden wollte.- 
Des Herrn Direktors Nachfolger im Amte , Herr BaUborn ^ 
den ich in Jena als einen fleifligen ^jungen Mann kenneit 
gelernt hatte, ift fchon 1777; als Superintendent zu Neu^ 
ßadt am Rübenberge gedorben ^ wie ich aus des jeizigeä 
Direcäors der Altßädterfchule il Hannover ^ Rüblmannf 
neuen Bey trägen zur Gefchichte derfelben, die 1786. iii 
8. erfehienen find ^ erfehen habe. Auf die Königlicii 
Bibliothek wollte der alte Mann nicht mit mir gehen) er 
iey, i^gte er, feit % bis 6 Jahren nicht dort gewefen;^ 
und diefs aus der Urfache ^ weil et ejnft^ da er einen jungeii 
Baron am Ende hinaufgeführt j bey'm Weggehen die Treppe 
herunter gedürzt itey,^ und fich ein. Loch in den Kopf 
gefallen habe. Wer hätte nunj fo unfchuldig auch die 
Bibliothek hicbey g^wefen feyn Hiöeihte ^ dem alten Mannel 
noch fernier zureden können 1 YOnj feiiÄjm Schut— odfif 
wenn man lieber will kritifch-philofojphifchbn E^nfle $ mufi 
ich doch folgefldcf-.^zählen j Er wißfi mir ei^e Schrift 



so 



üebcr einige Privatbibliötiieken 



(VTetsfütgerf), ^o das W. in ein Seh verwandelt war, 

und klagte mir» dafs er an diefem Grobian unfchuldig einen 

heftigen Feind und Gegner bekommen habe , der ihn wegen 

^cr Rccenfion einer glolfirten Lyrauifcben Bibel , in welcher 

\^y der elften Epiftel an die Theflaionicher eine varians 

Itäio vorkömmt , und anftatt ; romana eccießa , a qua 

deficit gr^«« fleht: a qua 4eficit graiia ^ in feinem Ar- 

fttonteniario fehr gerchimpft habe ; ich hatte Muhe , den 

Mann über diefen ihm angethanen Schimpf zu tröften, 

und ihiÄ begreiflich zu machen, dafs Schimpf und Lob 

von fo einem Manne einerley fey. In eben diefem Ar^ 

mamentario belehrte er mich, recenfire tVeisiznger üae 

Schrift, die fonft fehr von den Catholiken unterdrückt 

und wohl gar geläugnet werde , von Job. Paper oder 

Pfeffer^ worinn flehe, däfs Pabft Sixtus IF. den Engeln 

befohlen habe , die Sünder aus dem Fegfeuer zu tragen , 

die denn Zweifels ohne den Befehl refpedlirt und befolgt 

haben werden. Vom SIeidan hatte der Mann 80 - bis 

9oerley Ausgäben in allen Sprächen ; wegen der fpanifchen 

war er noch ungewifs , und eine in 8.' fehlte ihm noch, 

welche er mich ihm zu vqrfchaflfen fehr angelegen erfocht 

hat. In einer Ausgabe yon* 1^76. in gr, 8- Argentorati 

ap. Ribelium fkeht 'S. T^. diefe Summarie : Seüa Fran- 

cifcanoriim mire divifa eß — Es folgen nun diefe Divi- 

flonen , und endlich heifst es : in diabo/or denique ipfos -^ 

der Setzer oder Buchdrucker, vermuthete er, mufste hier 

unwillig geworden feyn. Bayle , fagte er , habe eine andere 

Ausgabe von eben diefem Jahr 1575. gebraucht, und es 

habe ihm viele Mühe gemacht, bis er eine Harmonie der 

faginarum mit des Bayle allegati»" habe herausbringen 

können. In einer Ausgabe von 1^88. Hl zuerft das XXVIftc 

Blich beygedruckt , und es lügen daher viele Ausgaben 

von den folgenden Jähren, in welchen es allemal heiße: 

iuiditus eß nuns primum Liber JCXVL In einer Ausgabe 



und ihrer Befitzer ; Fortfetzung. 21 

vom J. 1695. die wahrfcheinlich zu Cf»/ gedruckt ift, 
ftehen auch viele piquante und fatyrifche Bemerkungen in 
margine , z. B. wenn es im Text hcifst : vefeita in Cbrißum 
fidudUf fo fleht am Rande: alii: rejeilaa Cbrißo ßducia ; 
wenn es im Text vom Pabll heifst: Cbrißi vicarius ^ fo 
fteht am Rande : aiii: Satbana^ und fo durchaus. Vom 
Laäantiut befafs er ein fehr fauber zxxi Pergament gefchrieb- 
nes Exemplar, aus dem aber die vergoldeten Anfangt^ 
httcbflaben mit einem Federmefler herausgefchnitten waren ; 
als ich ihm bey diefer Gelegenheit eine eigne Ausgabe 
diefes Schriftftellei-s vom J. 1719. IL Vol. Lipf. g. nach 
Verdienft lobte , wollte er durchaus mein Urtheil über 
die neuefte Pari/er Ausgabe des Lenglet Dufrefnoy vom 
J. 1748- II« Vol. 4. wifTen ; und um ihn zu. befriedigeni 
fagte ich ihm : fie fey in den Zeitungen , wie ich glaube, 
mit Recht übel weggekommen. Von Calvins Inßitutione 
cbrißiana hatte er- die erfte Ausgabe , Bafel i n ^- 8. Die 
crftc in Folio ift vom J. i s J 9 > und die , wo er fich ftatt 
Calvinus Alcuinus nennt, ifl äuflerft rar. Vom Julius 
Cäfar hatte er eine Ausgabe , die zu Rom in domo Petri 
de Maxitnis in Folio 1^72. gedruckt, und in der AuAion 
des Menage im Haag für 420 fl« weggegangen ift. Sie 
hat das befondre, dafs keine Punkte auf dem Buchftaben 
i ftehen , und der Buchftabe s auch am Ende < der Wörter 
lang gezogen ift , z. B. maximiß Die beyden Buchdrucker 
Scbtxfeynbeim und Popartz hatten diefs eigen. Der Graf 
von Bunau befafs eine noch frühere Ausgabe vom J. 15^9- 
Von Cicero's Quaßionibus Tufculanis zeigte er mir eine 
Ausgabe vom NicoL Jenfon^ die 1472. in klein Folio 
gedruckt ift. Vom Ammianus Marcellinus hatte er die 
erfte Ausgabe, Rom 1474., die fchon um 1^6 fl. verkauft 
worden ift. Vom Boecaz hatte er die Genealogiam Deorunt, 
Venedig 1^72, und den Traöat de Montibus i$7J. Am 
Ende der ^ftcrn S<:hrift ftcht folgend^ Diftichqn: 



iZ ' Uebcr einige Privatbibliothekein 

Hoc Vandeiinus ßgnis qui fntprejpt abenis 
Se tibi commendat fatni/iantque fitam» 

Die CöDmfche Bibel, für welche die verwittibte Her- 
2pginn von Braunfcbvpeig ^ von deren Bibelfammlung befler 
unten die^ Rede feyn wird, 120 Thlr. bezahlt hatte , und 
iie doch nur defedt bekommen hat, alfo betrogen worden 
war , befafser auch, und hätte fie gerne vor 60 Thlr. 
gelaflen. Der Betrug des Verkäufers beftand darinn, dafs 
ler hinten die Jahrzahl 1460. aufgekleibt hatte, ob es 
fchon die nemliche ift, die er beßtzt, wie aus den Druck- 
fehlern erhellet , die in beyden Exemplaren eben diefelben 
find. Z. B. in der ili|lorie von der Judith heifst es : Gott 
feyc ihr beygeftanden , dafs fie den Holofernes habe toden 
können , weil fie ünkeufcbbeit geliebt habe , (latt dafs es 
KeufcbbeU heiffen follte ; Jerera. XXXV. fleht anftatt: 
Ifrael. gieng zu feiner Ruhe (im Platteutfchen : rouvpen) 
Ifrael gieng zu feiner Frauen (im Platte^tfchjsn : /romvf» 
oder vroTpen. ) Ein andermal zeigte er mir viele Epißolas 
Melanchtbonis in den Epiftolis Cbytrui vor ,'^ und andre 
feltne Epifiohqrapbos ^ des Flaminii^ Jo. Reueblini ^ io. 
Jhritbemii^ Oecolampadii , Zancbii Briefe, des Fetri 
Carpentarii Brief über die Parifer Blpthochzeit , nebft 
andern dahin gehörigen Schriften , des Ferrarii und Cal^ 
fagnii Epifteln, die des Jo. Mich. Bruni^ Sadoleti^ 
Binelli und Manutii praecept. & difcipulorum im ftilo 
Ciceronis , des Politiofti Opera, Naugerii Opera, BuT' 
mannt Epiftolographos in 5 Quartanten, Barzißi Opera 
zu Roni gedruckt, Longolii Opera bey den Jundüs 
gedruckt 1924. Das Librum de Statu Religionif ^ Rei* 
fublic^ in Gallia , das von einigen dem Beza , von andern 
aber mit mehrerm Recht dem Jo. Serranus zugefchrieben 
wird , welches auch die Buchftaben T. J. S. A fecit Jo, 
Serranus ) ai^udepten ^ fchoinen ; der Mgna hatte alle 



und ihrer Befitzer ; Fortfctzung. 4^3 

Ausgaben davon zufammengetrieben , fo wie auch von 
^grippas Buch de Vanitate Scientiarum. Catalogen hatte 
er in fchwerer Menge ; ich bemerkte darunter infonderheit 
l^etri Scavenii Catalogum librorum rariorum 4. Die 
Bücher diefes Sammlers find in die Königl. Dänifche 
Bibliothek gebracht und wenig bekannt worden. Wieder 
ein andermal zeigte mir der gefällige Alte von den SanSa 
Eccleßa röm, defenßonibus fidei contra Waldenfet ^ beyde 
Ausgaben in folio von i$oi. und 1^02, rarißmum oput 
fetzte er hinzu , quod nee Saligio innotuit nee Legero » 
rerum Waldenfium fcriptoribus. Die zweyte Ausgabe folgte 
fo gefchwind auf die prfte, weil ftarke Böcke wider die 
Latinität in der erften mit untergelaufFen waren , und der 
Buchdrucker fich deren fchämte (fo fchamhaft find in 
unfern Tagen felbft Gelehrte von Profeffion nicht) z. B. 
tanxi für tetigi , ut für quod &c. Der Verfafler diefcf 
Schrift ift ein lofer Vogel , und imputirt den böhmifchen 
Brüdern närrifche Dinge , die er wahrfcheinlich ad majo- 
rem eccL rom. gioriam felbft erfunden hat ; z, B. dafs 
einer , der ein völliger Idiot gewefen , nachdem er einmal 
von ungefehr den Mund geöfnet, und ihm eine Mücke 
hineingeflogen, fertig lateinifcb habe reden können; da 
ihm aber fein Gewiffen endlich aufgewacht -fey , und er 
fich von diefen Zauberftücken wieder zur Gemeinfchaft 
der röm. Kirche gewandt habe , alles fein Wiflen wie weg- 
gewifcht gewefen und wieder verfchwunden fey. Ob er 
fchon hinzufetzt : teßor Deum g«? omnes fanSos ita 
faSum effe , fo ift doch der Herr Henricus , Jnßitor , 
haretica pravitatis inquißtor (fo nennt fich der Verfafler ^ 
der aus den Maüeus maleficarum gefchrieben hat) in aller 
Form — er verzeihe es mir , ein Lügner und Auffchneidcr-- 
feine Titel übrigens in Ehren gehalten ^ die er rebus ßc 
fianübus wohl mit einer nützlichen Befchäftigüng hätte 
iimtaufchen mögen. Hier k^iet^ wir wieder (ehr natürlich 



f 4 Ueber einige Frivatbibllotheken 

9uf Weislingnn\ ein Buch , fagte der Alte , der dem 
Manne , den er hätte verachten follen , immer gerne eins 
^nhängpn rapchte , aus dem er noch viele Schimpfwörter 
hätte lernen können , ift das de Atbeißnis ^ Pba/arrßnh 
Evangelicorum ^ Libri II. a udbore Äaw/V/ao Ä^/J^zo Presbyt. 
JleapoL IS 9^- Diefem folgten nun in langer Reihe Hier. 
Hirnbeim de Sypho generis humani , Prag 1670. ein 
rires Buch, Andradii orthodoxa explicatio contra Cbent" 
pitium^ Gerfons Opera in 4 Bänden, Colin 1489. Der 
dritte fehlte , ein feltnes Breviarium , wo die Frage : ob 
der Pabft im Confilio präfidiren foUe , zu bejahen , da wo 
ftehen foUte : reßdere , vorfetzlich prafidere daraus gemacht 
war; Vatabli Biblia, Salmantias 1484- ein äuflerfl rares 
Exemplar; eine Bibel zu Venedig gtdiXuzkt 1538- mit »o^fx 
(vangelicis in ^nargine \ fie fleht im Jndice librorum 
frobibitorum , wie mir der Befitzer gewiefen hat ; fie h^tte 
ehedem dem Georg. Cracovius , JPomeranus zugehört , der 
ipin Schüler Lutbers gewefen war, und am Ende des II. 
Cap. des Br. Jacobi dazu gefchrieben hatte : ego audivi 
JjUtberum dicentem : fe explofurum & fere cxtrufurum 
cfle ex ecclefia hpnc librum propter verba ifta, Bey noch 
pinem andern Befuche, denn wer hätte es müde werdeq 
follen , den Mann auftufuchen , der jedesmal fo viel Arti- 
ges aufzutifchen , und es mit feinen belehrenden Bemeri» 
kungen zu beleben wufste? brachte er einen Horaz zum 
Vorfchein , der vor Erfindung der Buchdruckerkunft gedruckt 
war 1405. wir l^qhelten ein wenig; einen Jußinus vom 
J. 1479. Qvids Metamorphofen zu Parma gedruckt 1480, 
Den Corradus de Lingua latina in 4. Das rare Buch des 
GeoYgii Valla de rebus expetendij & fugiendis , fol. Da$ 
in des Card, du Uois Auiftion für 121 Thlr. weggegangen 
ift. An D//p«^«^/o»^w befafs der Mann über 7000 Stücke, 
und erzählte mir » der Engländer D. Gßrdes habe , da er 
ihn einft befu^h(:, ihm 600 TUr, dafür auf den Tifch 



und ibrer Befitzerj FortfeiZiung. tj 

legen wollen. Doch genug — und übergenug von Bünemann^ 
der , wie man aus allem fieht , ein grofler Bücherfreund 
und Bücberkenner gewefen ift , und feinem Namen in 
jedem Betracht Ehre gemacht hat. 

Den franzöfifchen Paftor , David Clement , Verfafler 
der leider! unvollendeten BiW/o/W^/fe curieufe ^ hißorique 
^<§ critique ^ von der 9 Quartbände vor mir liegen, die 
aber nur Bis ins H. gehen, werde ich blos zu nennen 
brauchen, um vermuthen zu machen, dafs ich hier ein 
nobile par fratrum aufftellen wolle ; und das waren fic 
auch in Ijbrarifcher Rückficht — denn Bünemann half dem 
Paftor an feiner Arbeit ( und das konnte er auch ) mit 
Eath und That, und fie hatten zu dem Ende eine wöchent- 
liche reguläre Zufammenkunft. Im übrigen aber war der 
Paftor mehr Welt • und Hofmann , auch viel jünger und 
munterer , und mit einem Worte Franzofe — aber das 
Wort in feiner heften Bedeutung genommen. Sein Umgang 
war für mich erwünfcht , reizend , und in jedem Betrachte 
befriedigend; zuerft hatte ich ihn bey dem biedern Ho& 
rath Seheid gefehen , und wir harmonirten gar bald miteins 
ander. Der Mann war durch Frauen reich geworden , die 
ihm ohne Kinder zu hinterlaffen verftorben waren , und ihn 
zum Erben eingefetzt hatten > daher konnte er feinem Hang 
zu Büchern fo ungehindert nachgehen, und ihn nach allen 
feinen Wünfchen fo gut befriedigen. Er be&fs alle Coitsi^ 
logen von allen anfehnlichen Bihliothequen ^ der Pari/er^ 
Londner^ Aqt Bodleyanifchen^ der des Cardinais X/>»e»^; ^ 
des Mainaire Annales typographiques , den du Verdier 
und la Croix , die Leipziger JlHa Eruditorum , die BibliO" 
thique germanique^ britannique u. £ w. Kurz alles zu feinen 
bibliographifchen Arbeiten nöthige und fchöne Handwerks« 
zeug. Ueberdem manch andre feltne Sammlung , z« B. Von 
IVolfiJchen Controversfchriften 6 Bände, auch die von &r^i&* 
lern , wo Wolf in einem Kupferftich dem Könige von 



2$ Ueber einige Prlvatbibliothekcn 

Preujfen eine Brille auffetzt , die er aber , wie bekannt ^ 
gar bald wieder ablegte; die Wolfifchcn Schriften alle, 
die des Spinoza^ nemlich feine Gedanken über die Meta« 
phyGk doppek , feinen traSat, politic. und opera poßbuma 
lateinifch und hoUändifch » das Nov, Tefl. grac. vom 
Car. Lucari^ wo das Alt -und Neugriechifche neben ein- 
ander gedruckt ift; eine Sammlung von aken fcltnen fran- 
zöfifchen , die Verfolgungen der Proteßanten betreffenden 
Piecen , die Biblia Montis Qajpnenßs , die von den dafigen 
Benedidinern blos verfciienkt wird, und folglich nicht 
verkäuflich ift; die Bibliotb. Har/ejanam^ Osbornianam^ 
den CataL BibL Barberiniana ^ wo unfer gute Arndt 
bekannter maßen zu einem Herrn fTo'^Ä«^ gemacht ift^ 
Jac. ä S. Carola Biblioth. pontificia , wo es einmal lächer. 
lieh genug heifst : Articulus Alfmaealdut , germanus , 
Lutheranus , fcripGt de poteftate Papse librum , und wo auch 
Stares ftatt Starks Spiegel &c. vorkommt. Er befafs auch 
den Theil von des gelehrten und fingulären von der Hardt 
Commentar, in Jobum , den man noch befitzen konnte , 
deim den andern Theil hatte er verbrannt , und die Afche 
davon in einer Kapful auf die Univerfitätsbibllothek zu 
Helmßett aufgeftellt , worüber man Clements Bibliotheque 
art. van der Hardt not. lo. und ii. Seite }^4, T. IX« 
nachfehen kann. 'Wie manche Kapful müfste man aufge* 
ftellt fehen , wenn alle Autoren fich fo Gerechtigkeit wie- 
derifahren lafTen wollten! Herr Paftor Clement iland zuerft 
in Cajfel , dann in Braunfcbnooeig , wo ihm zwey Söhne , 
zwo Töchter und eine Frau, die reich war, geßorben 
waren ; diefs fagte er , habe ihn zaghaft gemacht , ferner 
zu heurathen. Daher er denn mit Büchern fich zu amufiren 
fuche, fchon feit }o Jahren alle Journale lefe ^ und fein 
Werk beynahe ganz ausgearbeitet da liegen habe ; er hatte 
alles > was er dazu gefammlet und zufammengefchrieben 
hatte , in Schränken ^ die in Fächer- nach dem Alphabet 



und ihr^r.Befitzcr; Fortfetzung. 27 

cingetheilt waren , fehr hübrch rangirt. Sein Umgang und 
fein gefelirchaftlicher Ton, denn ich habe ihn auch von 
diefer Seite kennnen lernen , war mir , wenn auch von 
IttteraHfchen Raritäten nicht die Rede feyn konnte , unge« 
rncin behaglich. 

Bey dem guten, wackern und vielleicht nur von 
einer Seite fchwachen Hofrath Scbfid , den und deffen 
Charakter und Schickfale uns Büfching , fchwach , vielleicht 
auch nur von einer Seite, jüngfl fo naiv und treuherzig 
gcfchildert hat, hab ich den Paftor Clement y den Hofr. 
Falk und deflen Frait , den Hrn. Scbubmacber aus Bremen , 
den Lic. Kocb , Sekret, des franz. Gefandten von Vergennes , 
die ich vorher fchon kannte , manch andern und manch 
anders gefehen und genofTen. Die Frau Hofräthin Scbeid^ 
Scbmaufsens berüchtigte Tochter, war damals noch blühend 
und munter und eine herrliche Gefellfchafterin , der ich 
nichts als alles Gute, kleine gefellfchaftliche Petulanzen 
ausgenommen, nachfagen kann — nur taugte fie für den 
iVIann und der Mann für fie nicht ,^&i«r iüa lacrima! 
Ich kann, da der Mann gegen mich fehr vertraut war und 
vielleicht Abfichten mit mir hatte , manches von ihm er- 
zählen , das Büfcbing nicht wiffen konnte oder nicht erzäh- 
len wollte • — und hoffe , es folle kein ganz unbedeutendes 
Supplement zum Leben eines Litterators und Hißorikers 
werden, der vieles gearbeitet, vieles genützt und vielen 

und langen und thätigen Einflufs — da und dort und 

infonderheit 2iuch duf Göttingen gehabt hat , und gewifs ein 
bemerkenswürdiger Mann in manchem Betrachte gewefen 
ift. In Altorf y erzählte er mir einft, habe er fünf Jahre 
lang beym Prof. Scbvparz im Haufe gewohnt und viele« 
von ihm profitirt — 60 Thaler , die er ihn beym Abfchied 
zu bezahlen gebeten , habe er für ihn bezahlt , und nie 
etwas davon wieder zurück haben oder nehmen wollen ; 
4es Conrektor Jabns in Nümlierg « erinnerte er fich mit 



±8 Ucbcr einige Privatbibliothcken 

Vergnügen ; Kuhns in Strasburg lateinifche Poefien C es ift 
eben der , von dem wir auch eine Sammlung von Pant^ 
gyricis haben) lobte er bey Gelegenheit fehr. Valentin 
Scheid^ Prof. Medicinie dafelbft und ein überaus beliebter 
Prakticus , unfers Hofraths naher Verwandte , habe ihn , 
fagte er, einft von einer Krankheit curirt, und, zur Dank- 
barkeit habe er ihm ein Carmen gemacht, des Innhaks: 
er wainfche ihm dafür alle mögliche Krankheiten — nicht 
an den Hals , fondern zum curiren , damit , fo wie einft 
die Kaifcr von den bezwungenen Ländern AfricanuT^ 
Britannicus &c. geheifsen, er von den gebändigten Kjank- 
heitcn Podagricus , Pbtißacus u. f. w. heiflen möge , eine 
focietas poetica die damals unter einigen jungen Leuten 
cxiftirt habe, fey für ihn fehr aufmunternd gewefen. In 
Haue war er als Hofmciftcr bey einem jungen Grafen von 
Oettingen und wurde in der Folge in Öettfi»gifche Dienfte 
berufen. Ein Francifcaner war in weltlicher Kleidung mit 
nach Haue gegangen , weil die Mutter des jungen Grafen 
eine Ersbigottin war. Der junge Graf hielt den Mann für 
einen Narren und befofF den Pater den Tag vorher, wenn 
er beichten wollte, um nun eme defto leichtere Pönitenz 
zu bekommen. Herr Pater, ßgte er, heut' hab ich den 
Rofenkranz in Händen gehabt ; o das ifl: fehr gut , erwie- 
dcrte diefcr, es zeuget, dafs der Herr Graf fleiflig bete; 
nicht doch , fiel die Antwort , ich zog andre Höfen an 
tind that ihn aus einem Hofenfack in den andern; der 
Pater fchimpfte immer auf die Proteftanten , er leugnete, 
dafs man in feiner Kirche die Heiligen anbete , Hr. Scheid 
überzeugte ihn vom Gegentheil , da er in Gegenwart der 
Gräfinn einige Bauren fragte: was fie da ^beteten? diefa 
Bilder war die Antwort. O diefe Leute , verfetzte der 
Pater, wiffen es nicht beffer; ey , fagte Scheid^ fo find 
fie kein ehrlicher Mann , dafs fie es ihren Bauren nicht 
fl)en ia gut bcybringen » als der Frau Gräfinn ^ dafs fie 



upd ihrer Beiltzer; Vortfetxung. 29 

I^olz und Stein nicht anbeten dürfen. Einft wollte der 
, Pater dem Grafen beybringen : man müife alles glauben , 
£0 bald es die Kirobe fage , dafs man.es glauben folle;^ 
der Grafftutzte; ja» fetztenun der Pater hinzu, und wenn 
die Kirche fagte : diefe Wand , die weift ift , fey fchwarz ; 
fo müfsten fie es glauben. Und wenn die Kirche fagte , 
verfetzte &A«^, fie, Herr Pater, feyen ein O ♦ . oder 
£ . . . und kein Francifcaner , das Tollte man wohl glauben? 
Von Eartenßein erzählte er, da er noch in Strasburg gewefeq^ 
habe er viel gründliche Gottesfurcht befeflen, und bey feinem 
nachherigen Uebertritt zur römifchen Kirche fey es ihm 
fchwer aufgefallen feine Eltern verfluchen zu muffen; 
allein man habe ihn damit zu beruhigen gefacht, dafs e% 
die Kaiferin felbft auch hätte tbun muffen. Aber der 
Herzog Anton Ulrich habe diefs durchaus lilcht gethan , 
fondem gefagt : Es ift genug , dafs ich katholifch bin , 
was wollt ihr mehr? Herzog Carl Alexander von IVirtem* 
berg habe feinen Prinzen von einem lutherifchen Prediger 
taufen laffen und da diefs die katholifchen verdroffen, 
2ur Antwort gegeben : Ey, fo könnt ihr ihm ja noch den, 
H • . mit Chrifam fchmieren. Er floß über von folchen 
Hißärcben , wenn er darauf verfiel — Ich will - noch 
eim'ge herfetzen , die mir auch jetzt noch nicht entfallen 
find. Ein Prediger .in Kapenlutgen^ wo Scheid auch, wie 
bekannt , eine Zeitlang im Amt geftanden hatte , kopulirte 
ein junges und ein altes Ehepaar 2u gleicher Zeit ; 
Seyd fruchtbar und mehret euch , fagte er , da er 
fich zu jenen wandte , und füllH die Erde^ zu diefea. 
In einer Hochzeitpr^digt redete eben diefer die Braut fo 
an: kurz und gut, nicht wahr meine liebe Braut, fo will 
fie«s haben; man fagt zwar aucht Je länger >e lieber, 
allein Ach verliehe, meine Predigt, und die foll diefsmal 
kurz feyn. Weinet nicht, es hat überwunden der Löwe 
vom Stamm Joda, war diefes Predigers Symbolum, der 



30 Ueber einige Privatbibliöthekfcn 

ein bon mvant war , aber fö fchr er lachen konnte , auch 
^ben fo fchr zu weinen wufste. Ein Bauer weinte fehr 
.über feine Frau , mit der . er doch übel gelebt hatte , 
Pofttoppidan ver\vie,fs ihm das , ja ,, fagte der Bauqr , fic 
glaubens nicht Herr Pfarrer; mvine Frau -war fcblimm 
2U haben und noch fcblimmer zu verlieren. Ein Student 
ifl Kopenhagen hatte fein , auf ein Vierteljahr mitgebrachtes 
Effen verzehret und fcbon etliche Tage Ilungeif gelitten , 
er klagte es einem Kameraden,, der alte und reiche' Ver- 
wandte hatte und bat ihn , ihm da i^ine Mahlzeit auszu- 
.wirken. Diefer verfprach fein möglichlle^ zu thuh , doch 
fetzte er hinzu ; die Leute find alt und wunderlich und 
wenn man nicht alles, was fie vorlegen ^ auPifst^ werden 
fie leicht böfe und laifens wohl gar bis zu Schlägen 
kommen. Dafür glaubte der arme Schlucker fchon Rath 
zu fchaflen ; er Ward nun eingeladen , man trug EfTen über 
Eflen auf, er räumte rein auf; endlich hatten fie nichts 
mehr dufzutifchen , als einen Schinken, den brachte man 
attch noch herbey , um doch den atmen Tropfen fatt zu 
.m4chea, ein Stück nach dem andern ward ihm vorgelegt, 
er afs über Vermögen , endlich aber fland er auf , zog 
Vom »Leder und fchrie aus vollem: Hälfe:' Nein! ich will 
doch lieber als diu ehrlicher Kerl flerben und mich wehren ^ 
als mich Zu todt freuen ! die alten Leute flutzten ; der 
Vetter löfste das Räthfel und nun hatten fic alle zufammen 
W9S zu lachen. Dergleichefi Stückchen tvüfste der fonft 
grave Mann mit folch einem Änftand- zu erzählen , dafs 
man fie nicht wieder vergafe, wenn man fie einmal: aus 
feinem fonft fo erioften Munde und fo in^er poculufn 
'frUarücais , denh mit Rhein, Burgunder und Cypernwein 
wartete er auf, und vor i Uhr Nachts kam man da ntchfi 
von ihm Weg , >eTnommen hatten. Von Klefeterni dem 
Syndicus m'Hamimrg^ den er als Erzwindbeütel fchflderte, 
ffrzählte'e^*eiämal^;dafs er ihm geklagt habe $ der hannd^ 



und ihret Befitzcr ; Fortfctzung. 31 

Terifcbe Legationsfekretaire habe ihm den Rang ftreidg' 

machen wollen. £y, was] das kann nicht feyn , Tagte 

Scheid^ er weiß viel zu gat^ da(s ein königL Legatfekretaire 

einem Sekretaire der Stadt Hamburg den Rang nicht ffa-eitig 

machen könne. Da einmal von ConvcrtiStn aus dem 

Catholicifinus die Rede war ,. fagte CiemaU : fein Vater 

habe ihm die Regel gegeben, jedem» der fich zu dem 

Ende, bey ihm melde , folle er die innere flache Hand 

befehen; wüchfen ihm Haare datinn, dann iblle er ihm 

trauen ; und nun erzählce der fromme Scheid t den Joe. 

Heibingius habe diefs bewogen, zu uns überzugehen, da(s 

in der Augsp. Confeßon ftehe : Alle Religionen feyea 

beforgt gewefen uns das zu lehren, was wir in Anfehung 

Gottes thun foilten, nur die chriftliche aber zeige uns, 

was Gott in Anfehung unfrer gethan habe — und da wo 

diefs rein gelehret werde , fey unter den Chriften die beftp 

Keligionsverfaflung. Der Difcours gleng nun zum P, Rotb^ 

fifcber über, der unferm Hofrathe mit feinem Federhutc 

tmd in feiner ßibermoornen Weile nicht gefallen wollte; 

er fagte von ihm zu dem Gror>voigte von Munchhaufen: 

er kann bey den Catholiken ein Stern erfter GröiTe feyn , 

bey uns ift ers nur von der fechften. Das Ausreuten mic 

den Studenten fah er auch , wie billig , als unfchtcklich an 

und hatte es ihm fehr wiederrathen ; überhaupt war eü 

froh , dafs man ihn nicht nach Göttingen genommen hatte 

und glaubte am Braunfcbw. Hofe werde es auch nicht 

lange währen, da der Herzog ein ernfter Herr feye, der 

folche Windbeutel nicht leiden könne , eben fo wenig als 

der Minifter Herr von Scbrader, Um Vetzeihurtg, h'ebea 

Lefer, dafs ich über folchcn Dingen den fonft m feinem 

Studierzimmer unter Büebern gleichfam verfcharrten Mann 

mit allen feinen fchonen hücbern Und felbft mit feinen 

Qriginibus Üuelpbicis beynahe Versäumt habe, und mir nun 



32 lieber einige Privatbibliotlieken 

am Ende mit einem videfis de his aliifque Bufcbingiunt 
helfen muß , wenn ich nicht von vornen anfangen wilL 

Wir gehen nun mit ihm auf die Königl. Bibliothek^ 
deren Seltenheiten er mir durch einen Herr MarfcbaÜ 
vorzeigen liefs und jedesmal mit feiner Polymatbie noch 
um vieles 2u erhöhen wufste» Das auffallendfte für mich , 
und auch hier noch am meiften würdig ^ Böchervorftehem 
empfohlen zu werden ^ war der auf 60 Foliobände fich 
belaufende Caialogus^ der in feinem Innern mobiliT und Co 
eingerichtet ift , dafs die Zettel » worauf der Titel des 
Buchs gefchrieben ift ^ auf jeder Blattfeite ZWifchen ßarlder- 
chen eingefchoben und nach Belieben und Bedürfhifs 
herausgenommen , verrückt und anders entweder vor oder 
zurückgefchoben werden können ^ und man fo immer neu 
ftngefchafte Bücher an Ort und Stelle eintragen kann , fo 
Wie die Numern , die oben an den Bücheril felbft ange- 
macht ßnd ; man hat die(s feitdem da und dort in öflentl. 
Bibliotheken nachgemacht und fehr vortheilbaft befunden« 
daft ich mir Leibnitzem Recbenkaßen und vorhandene 
Handfcbriften werde haben vorzeigen laflen « fo wie das 
Brufen Cabinet , und die faft einen Ceiitner fchwere 
Silberfcb lacke , für welche der König den Bergleuten 1 600 
Thaler auszahlen laflen , verfteht fich wohl Voll felbft. 
Lorenz Coßers fpeculum bmHana falvationis und eines 
Engländers CasifoH fpeculum virtutis , in ganzen Tafeln 
gefchnitten, zum Beweifs dafs beyde beynahe zu gleicher 
Zeit auf einerley Einfäll gerathen waren ^ . obfchön des 
letztern Arbeit erft etwa vor lö Jahren durch einen Engländer 
James in feiner G^cbicbte der Bucbdruckerkuhß bekannt 
gemacht worden War , wurden auch vorgezeigt und dariiber 
raifonnirt; desgleichen arabifcbe Manufcripte vom Theo* 
fbilus Colitis durch Leibnitzen angefchaft, und ein Alfpti 
von der Etbic des Arißoteles vom Leoizb. Aretinus lateinifch 
überfetzt; fchöne ^/^ra»^ , ein niedlicher ü/arz/rt/, manch 

anders ; 



und ihrer Befitzer; Fortfettunj, 33 

anders ; ein modenefifcher Legationsfekretaire , der unter 
Aluratori ftudirt hatte, und ein groITer Liebhaber von 
dergleichen Dingen war , zwey Grdnineer und auch noch 
ein Lieutenant fanden fich ein und ein paar Stunden waren 
gar bald verfchwatzt. Ein andermal fahe ich da eine 
prächtige englifcbe Bibel mit vielen Kupfern auf Pergament. 
abgedruckt und in kofibarem Einbände % Folianten 1717. 
es foUen nur 4 Exemplare fb gedruckt worden feyn, 
welches fehr glaublich ift, denn der Aufwand ifl zu fb 
was , wie man aus neuern Proben , die Beaumarchais und 
Brunck , und im kleinen andre zu meiner Zeit in Parit 
bey CouteUier gemacht haben, fehr grofi ; femer eine 
überaus fchöne und prächtige Charte von der Stadt London ^ 
eine Stadt und Feftungsvperker in Wachs modellirt; den 
Tbeuerdank oder die <}efchichte K. Maximilians L wie 
aus dem beygefügten Schlüffel leicht zu fchliefTen ift, 
auch auf Pergament, mit 116 gemahlten Holzfchnitten , 
alles fehr faub er abgedruckt , Nürnberg 15 17. Diefs Exem- 
plar hat 100 Species Ducaten gekoftet. Es war auch ein 
anders auf Papier und mit unilluminirten Holzfchnitten 
vorhanden. Ferner fahe ich da unter den Predofis, des 
de la Colombiire fcience heroiquCi wo die Wappen alle 
ungemein fchön mit Gold illaminirt find, die Natural 
bifiory of Florida 2 fol. wo die Blumen , Bäume , Fifche &c. 
alles nach dem Leben abgebildet ift; eine Reifebibliotbek 
in einem bequemen Schranke , wo alle Elzevirifche Reß 
fublica beyfammen find ; Kupferßicbe der ruffifchen Re- 
genten in grofs folio ; die Kupferßicbe von den Expedi- 
tionen Alexanders des GrofTen ; Kneffers engUfche Kupfer- 
ftiche ; ein Inflrument den Arm zum Gefchwindfchieffen feft 
zu halten , das Leibnitz Peter dem L präfentirt und dafür 
1000 Stück Rubel erhalten hat, und pour bien finir — 
eine JVallacbifcbe Bibel vom J. 1688. die 100 Thaler 
gekoftet hat. Und fo müflTe denn — nUDe pardons , eben 
Meufels Mag. ^tes Stück. C 



34 Ueber einige Frivatbibliotheken 

LeSeurt! eine Anomalie die andre wieder gutmachen und 
eine offenbliebe Bibliothek erfetzen , was ich oben bey der 
eines Privatmanns ^ nachdem ich mich einmal fo ins 
Jliß&rcben erzählen verwebt fahe , fo unverantwortlich und 
fo ganz zweckwidrig verfäumt hatte. Nimmer foli mir fb 
was wieder zu Schulden kommen ! und nur geflehen wiU 
ichs hier , dafs ich keinen kleinen Schock von Anekdoten 
über den Oculiften Taylor^ den Göttinger Claprotb den 
etilen j den ^aSig^n Michaelis , über Goetten ^ Hagemann 
undjacobi^ über zwanzig andre zurück halte, blofs «/ ne 
vagari extra oleas iterum videar , welches man mir ver- 
hoffentlich auch ein wenig auf Rechnung zu gut zu fchrclben 
belieben wird ; wo nicht fo hole ich einft noch alles nach , 
fpreche von Herrnhaufen , von den dafigen mannsdicken 
Jets ieaux^ von der franzöfifchen Komödie, von den im 
langen Saal , wo fie gefpielt wurde , aufgeilellten 24 rö- 
mifchen Bußen von orientalifcbem Marmor mit Metallköpfen, 
vom König Georg IL und deflen mit Silber galonirten engli« 
fchen Kleide, von der hinter ihm flehenden Herzoginn von 
yeucaßle , vom Lord Hindford und deflen blauen Hofen- 
bandsorden , von der neben ihm lachenden Gräfinn Tar^ 
ntouth^ von den übrigen Hofdamen und von allem und 
von allen, was und welche ich da gefehen und angeftaunt 
habe , car ce fut toujours ma coutume de nte trouver 
tantfoit peu far-tout. Punctum! 

Und nun find wir , denk ich , m Lüneburg und beym 
Rath Jugler — alfo dem Himmel feys Dank! wieder in 
unferm Fache. Ich fand den Mann gleich das erfte mal 
und immer en belle bumeur ^ wir find nur, mit diefen 
Worten cmpfieng er mich, privilegirte .Müfsiggänger , denn 
alle unfre Untergebene find verröifst ; fein freymüthiger 
Witz und feine bonhommie amufirten mich fehr. Gottß:bed^ 
fkgte er , ift zum Redner gebohren aber gefchoffen , wie 
feine Singularia Vindobonenßa ausweifen , wo er den 



und ihrer Befitzer; Fonfctzung. 35 

Kaifer lobe, dafs er kurze und dicke Beine habe und 
familiariter ac fdne amice mit ihm umgegangen feye ; 
dafs in Erlangen alles zufammengelaufen fey , um ihn zu 
Tehen u. f. w. Böhme in Leipzig fchreibe gut, nur künftle 
er noch zu fehr; IVernsdorf eben dafelbft wäre Prof. Eloq. 
in Helmßett geworden , wenn er nicht auf 400 Thaler 
gefpannt hätte ; Prof. Kohl habe mit feinen Kindern oft 
Procefle , die mit Recht foderten , von ihm ernährt zu 
werden; Hagedorn komme nie aus dem CafFeehaufe, als 
wenn er wiffe, dafs feine Frau, eine Engländerinn , mit 
der er gar nicht zufrieden ift, zu Bette fey. Noäuas 
Athenas , dachte ich und gieng für diefsmal weiter. Eiii 
andermal kamen wir auf Dinge , die mehr ad rbombum 
waren ; er wiefs mir aus feiner Bibliothek das erfte lateinifch 
gedruckte Exemplar der goldnen Bulle ^ vom J. I477» 
Scbvpindtii Ausgabe von Eginbani Vita Caroli M- 4. einen 
Sleidan vom J. is;?. Die befte Edition, fagte er; zwey 
Blätter ganz in Holz gefchnittnen Druckes, vermuthlich 
von Lorenz Cofler , die Catalogös Bibliotbeca Gundlingiana^ 
aus der die Erben über 1 1, 000 Thaler gelöfst hätten , 
Loefcberiana , worüber der Herr Rath , der eine Löfcherifche 
Tochter zur Frau hatte, mit dem Redtor Schöttgen Streit 
bekam, der nur iminer , was er noch nicht hatte, excipiren 
und fo auf Koften der Erben ftudiren wollte , eine vollftändige 
Sammlung von den Schriften über das Regicidium anglica- 
nuntj worüber er einmal fupprejfo nomine zu fchreiben 
gedachte; nächftens wollteer nun Struvens Introd. in Hiftr 
litter. äfafagen umgefchmolzen in 2 gr. Odtavbänden in 
Cuno's Verlag herausgeben; auch hatte erfqhon über 100 
Artikel von Vitis celebrium ICtorum fertig , die er , wenn 
er eine Gefellfchaft dazu bekäme, noch ferner ausarbeiten 
und herausgeben wollte , welches auch , wie bekannt , zum 
Theil gefchehen ift. Der Mann hat auch von der Pedanterie 
der Jurißen gefchrieben; ein Fach, glaubeich, iftdiefi, 

C 2 



36 Ueber einige Privatbibliotheken 

das nie erfchöpft werden kann , denn Pedanterie i— « feys 
darum, herrfcht allenthalben und in allen Ständen — aber 
üa me Tbemis amet ggf Aßraa arnet ^ Mufa ament ^ 
Jupiter amet & Janas Patulcius ! in keinem mehr und 
allgewaltiger , als im Juriftenftande — oder ich müfste mich 
fehr irren — und gewifs, ich irre mich nicht! Einen QuU 
dam , der behauptete : Jurifconfultum oportere ejfe Muß^ 
€um^ weil ein Jurift oft Stadcfchreiber werden könne und 
an einigen Orten damit verknüpft feye, daß er die Orgel 
fpielen könne, habe er, fo fagte er, dadurch widerlegt, 
dafs er behauptet hat: Ergn & Moecbum^ Ergo & Sar- 
torem und was des Ergotirens mehr feyn mochte. Ein 
andermal kamen wir wieder auf andre Materien ; er zeigte 
mir z. B. wie der grofTe Grävius aus Bucbneri Orationibus 
ganze .Stellen ausgefchrieben habe und darüber mit D. 
Rivinus in Leipzig wegen eines CoroUarii: Gravim inpri- 
nto Plagiariorum fubfeUio coDocandus , in groffe Streitig- 
keiten gerathen fey und ich ihn zur Wiedervergeltung, 
wie IFoße in Leipzig Mosbeimen ipGßimis verbis und fans 
dire mot abgefchrieben und fich zu eigen gemacht habe. 
Mit unter zeigte er mir die Oßcia Ciceronis teutfch in fol. 
mit Holzfchnitten , Epißolas Mß. vom Melancbtbon ^ Ca-' 
merarius , Morbof y Cyprian u. a. erzählte vom König in 
Preuffen- Friedrieb IVilbelm L Friedrichs des Einzigen 
Vater, dafs er — wie er denn überhaupt ein eben fo glück, 
lieber Dicbter als Mahler war — unter die Bittfchrift einer 
armen Wittwe gcfchrieben habe : Achzig taufend Mann 
hab ich täglich zu fpeifen , Gold und Silber kann ich 

niöht Friedrich Wilhelm König von Preuffen. 

Zfobackvpitz da er noch zu Hi/dburgbaufeH &2ind ^ foU wie 
J. behauptete, öffentlich gefchrieben haben ; unter Crfr/F/. 
florire das Weiberregiment — def Mann hatte offenbar 
Unrecht ; denn Pfaffen regierten die Weiber und den 
fchwachen Kaifer. Man wollte ihn wegen diefer dreifien 



und ihrer Befitzer; Fortjetzung. if 

Behauptung aufheben; allein, er redrirte fich nach Halle 
und der König der Hallenfer , Friedrich Wilhelm , fagte , 
er gebe niemand heraus. Prof. Kehr aus Petersburg kam 
nach Leipzig und in eine Difputaiiou unter Leylings 
Praefidio , er ward zum Opponiren eingeladen , bedankte 
fich aber mit einem Campliment , das . fich fo endigte : 
quid enim fus contra ' MinerviXtn ? und auch diefe war 
charakteriftifch , denn Kehr war das wirklich in feiner 
Lebensart. Deylingen befuchte einft fein Vater , der ein 
Bierbrauer war, er ließ ihn aber mit dem Gefinde fpeifen. 
Metyer in Hamburg ftarb einea elenden Todes , enthauptet 
aber ift er nichc worden, wie man ausgeftreut hatte. Zu 
Greif rvpalde fagte er zu einem guten Freunde: auf die 
letzt hätte die Canaille kein Herz mehr gehabt , denn lange 
Zeit konnte er durch kin^fudda alles ausrichten, fo da& 
ihm der Magiftrat nicht zuwider feyn durfte. Ayrnn 
erklärte mein Herr Rath für einen groflfen P/agiarius und 
von TriOeru behauptete er: dafs er in feinen Gedichten 
»uch feiner Freunde nicht gefchtxit habe. Man ficht, der 
Mann hätte ein böfes Maul — und lebt doch noch , 
welches .nm denn , um der Liebe willen , die er mich in 
fo reicher Maafse genielTen liefs , wohl bekommen iblle y 
wenigftens ultra finem , quod vivimus , ficulu 

Der Rath Gebbdrdi war ein Mann von einem andern 
Schlage und fo wieder von einem andern der liebe Redor 
Conrad Arnold Schmidt ^ der feit kurzem am 1 6ten Nov. 
1789* als Confiftorialrath , Canonicus und Profeflbr am 
Caroiinum zu Braunfcbvoeig geflorben ift und an den 
Ebert im J. 1772. eine fo überaus hunigte poetifche 
Epiftel adreflirt hatte, die ich noch jetzt beynahe auswendig 
herzufagen mir getrauen würde : 

Diefs ift die Kunft (fo fchließt fie fich) bey grauen 

Haaren ^ 

Und Runzeln ftets noch jung zu ftyn. 



38 Ueber einige Privatbibliotheken 

Und diefs Geheitntiifs ift allein 
Schon mehr werth, als der Weifen Stein» 
"Wir Weifre find darinn erfahren. 
Und wollen es der ganzen Welt ^ 
Aus Menfchenlieb und ohn' Entgeld, 
Durch unfcr Beyfpiei offenbaren. 

Gebbardi zeigte mir die Bibliothek und 'Naturalienfamm* 
iung der Ritterakademie ^ wo es jeden Cavalier jährlich 
mehr nicht als i^o Thaler koftet , wofür er alles frey 
und Mittags und Abends 9 Trachten hat ; ihre Anzahl 
darf nicht über )o Aeigen. Er lobte mir den Elfafler 
Marltnbeimer Vorlauf und bewiefs mir die vorzügliche 
Vortreflichkeit diefes Weines damit , dafs die Meroi»in* 
gifcben Könige bereits ihn fo gern getrunken hätten. 
Ich wende nichts dawider ein , war meine Antwort , auch 
ich lob* ihn, den Marlenheimer Wein — und einft hoff 
ich ihm nah zu feyn — ihm und dem lieben Vater Rhein — 
denn mag die Lein mir Lein, die Oker Oker feyn — 
Dann lob ich mir den lieben Vater Rhein -— und oben 
drein den Marlenheimer Wein — der gut -— fehr gut 
mag feyn — Und fo hatte ich, wie jener , ohne es 
zu wiflen , in Profa , gar in Knittelverfen geantwor« 
tet. Von einem Vetter des daGgen K^th Pfeßngers\ 
erzählte er mir bey Gelegenheit , dafs er hleher gekommen 
fey , von diefem viele Manufcriptm erhalten , mit den- 
felben nach Hamburg gegangen und angefangen habe 
Bücber zu fchreiben, womit es ihm aber nicht habe 
glücken wollen; daher er hieher zurückgekommen fey 
und fich aus Defperation , da er fonft vor'm Wein 
einen natürlichen Abfcheu gehabt, fo aufs SaufTen gelegt 
habe , dafs er binnen 2 Monaten elendiglich geftorben fey» 
Auch der Rath Pfeßnger felbfl foll vor feinem Ende noch in 
durfidge Umftände gerathen feyn ^ wo kaum noch eim'ge 



und ihrer Befitzer; Fortßtzuriff. 3^ 

Kupferplattcn von Aubry^ dip Heinßut^ Bebein u. a* dar- 
ftcllten , vor'm Kupferfchmiede gerettet werden konnten. 

Rektor Scbmid , der ein Mitglied des witzigen .Collegii 
war , das Klofßock , Gäretner , Rabener und Giefeke 
errichtet hatten, errinnerte fich mit Vergnügefi der to. 
Jahre , die er theils zu Leipzig theils zu Göttingen zuge* 
bracht hatte. Er war's , der mich zuerft mit des Abbe 
Batteu:^ Cours des belles Lettres bekannt machte , einem 
damals ganz neuen Produkte , da ich noch nicht daran 
denken konnte , mit diefem liebenswürdigen Manne per« 
fönlich und fo genau bekannt zu werden, als in der Folge 
gefchehen ift ; auch hatte er mich — vielleicht nicht mit 
Unrecht im Verdacht , dafs ich im Fache der fogeriannten 
fchönen Wiflenrchaften mich bereits gezeigt haben muffe. 
Er in feinem Fache mufste hebräifch , griechifch , Theologie, 
mathefin, Poefie und ^^i^i/a;^? dociren;Conrektor war damals 
Stockbaufen , der aber eben nach Hamburg verreifst war 
und den ich vorher und nachher zur Genüge kennen lernte. 

Nebft J«g/tfr» und Gebb'ardi war auch D. Reußmann ^ 
Paftor an der Michaelis - oder Klofterkirche , einer der 
Docenten in der Ritterakademie , die — wie er f^tc •— 
den Laiidftänden fehr zur Lad werde, weil fie ielbige 
unterhalten müfsten und das Ding viel zu koftbar ange- 
griffen fey. Mt Hamburg und Lübeck^ fagte er, habe die 
Stadt dzsjus tripolitanum und fonft befondre Privilegien j 
der Exorcißnus fey in Lüneburg nicht , aber im Lünebur- 
gifchen üblich , die Hora werden noch lateinifch gefungen ; 
man habe Breviaria u. d, gl. die Ratbsbibliotbek habe 
kein feltnes Buch als etwa den Sacbfenfpiegel ,• fein eigen 
Leben habe Scbmerfal fehr unrichtig und, ohne einmal von 
ihm Nachrichten zu begehren, befchrieben — - mags immer 
fo feyn — die Welt verliert nichts dabey. Lüneburg ift 
ein trifter Ort, mit gothifchen Gebäuden und der wahre 
Pendant zur langweiligen öden Lüneburger Heyde. Bald 



40 Uebcr einige Privatbibliotheken 

möchte ich noch lieber in Mollen wohnen , wo doch einma 
ein Till Eulenfpiegel gelebt und gewandelt hat , und wo es 
noch Eulenfpiegeh in Menge geben fpUe; Gemabhe für« 
Geld , die man an Fremde verkauft , andre in allen Stuben — 
' zum Andenken eines fo edlen Landsmanns aufgehängt — 
und Lebende ad lubitum. Auf und vor'm Grabe des Mdllener 
Helden bin ich geftanden und habe mich da in Betrach- 
tungen mancher Art verloren ; Büfcbing erzählt ii^ feinem 
eignen Leben eine droUigte Anekdote von den Bewohnern, 
die mehr als alles beweifst, dafs der Geiß ihres Lands- 
manns noch auf ihnen ruhe zwiefältig. 

Und nun JVolffenbüttel ^ wo ich in des Buchhändler 
Meifsner Haufe den Expater Rotbfifcber perfönlich kennen 
gelernt und ihn als galant Homme vom Kopf bis auf die 
FüITe , feine Sprache etwas bayerifch und feine Difcurfe 
eben nicht intereffant gefunden hatte. Es hatten am nemL 
Tag z Catholiken mit ihm gefpeifst. Von den Catholiken 
rühmte er mir, dafs fie viel auf ^/T^/zo^Äeitf« verwendeten; 
das mag feyn — ^ nur mufs es cum granq falls verftandea 
werden. Der Mann kränkelte fehr und ibrb , wie bekannt 
bald. Herr Meifsner wollte damals feinen Bücher -uni, 
Verlagscatalogum in beffere Ordnung bringen laflen; er 
vrohnte in einem prächtigen Haufe und diente mir zu einem 
neuen traurigen Beweife, dafs die Bäcberdrucker ihr Glück 

i befler machen, als die Biicberfcbreiber ! 

I Von der öffentlichen Bibliothek , die mir Hofr. Bur- 

kard vorzeigen liefs, darf ich vi paili nicht reden — i 

1 Doch wohl fo di £v ^cKfoSoi was beybringen. Schon die äufTere 

I Form ift auffallend , forma rotunda in zwo Bücherreihen , 

zu denen das Licht von der obern Seite herabkömmt ; die 
Decke ift gemahlt; alles ift neu , fchön und fo gar prächtig. 
Den Cafalogum der anfangs vorhandnen Bücher hat der 
Stifter der Bibliothek Herzog Auguß in j Folianten felbft 
mühiam zufammengefchrieben , der denn billig als eine 



und ihrer Befitzer; Fortfctzmg. 41 

Earitäi vorgezeigt wird. Ich bemerkte hier die Biblia 
folyglotta , die Nürnberger Bibel vom Jahr 14.8J. eine 
Colnifcbe Bibel fine anno, wahrfcheinlich von 1971. dac 
aßerdurcblaucbtigfle JVerk der Bibel , Augfp. ßne anno , 
die Biblia Complutenßa^ eine Strasburger Bibel ^onii^%\. 
ein Pfalterium Davidis mit Lutbers eigenhändigen An- 
merkungen , eine Itali'änifcbe Bibel ^ Venedig 1471. ein 
neues Teßam. Luther i 1^22. durch Melch. Lottber^ welches 
aber fchon der zweyte Druck ift , das griecb. N. T. durch 
Rob. Stepbanum 1550. eine bebr. Bibel von cbendcm- 
felben, Paris 1921* in 19 Vol. die in Glas eingefchlofTen 
find; die CoßeSionem Conciliorum regiam mit des Card. 
Mazarins "Wagpen auf der Decke , das Rationale divin. 
OJpcior. 14s 9- Hinkelmanns Alcoran Hamb." 1694. den 
Talmud in 17 Folianten, Troßii N. T. Syriac ^ Cötbeu 
1621. Janßink Augußinum ^ Lovanii 1640. die Libros 
Decretalium auf Pergament, Venedig 1477. durch Nie. 
Jenfon. Unter den neuern Büchern vergafs man nicht 
eine Burcardi Hißoriam Bibliotb. Augußa vorzulegen und 
das war denn an feinem Platz , Paft. Clements Bibliotheque 
curieufe desgleichen. In einem befondern Schrank zeigt 
man auch das Dintenfafs Lutbers , das er dem Teufel 
nachgeworfen hab.en foU , es ift Ton Bley und ziemlich 
gewichtig, desgleichen Luthers filbernen Lößel, mit den 
Buchftaben V. D. IM. J. £• und der Jahrzahl 15)7. 
Lutbers Bibel bey Hans Luft gedruckt, ISS7- niit Ge- 
mählden ; Grund und Vrßach aller Artikel fo durch 
römifche Buüen unrechtlich verdammt find , ein Mfs. von 
Lutbern ; Tabulas cereas veterum mit noch eingegrabener 
alter Schrift , Typus & Antitypus V. g? V. T. eine Probe 
vom erften Druck oder vielmehr Holzfchnitte, Autographa 
Lutherii Melancbtbonis &c. in Briefen, Schwarzem eines 
Augfp. Trachten , 1^20. fchön gemahlt (worüber Ätf/ciarrf 
in firaunfchw. vor ein paar Jahrm gefchrieben und davon 



42 Ucber einige Privatbibliotheken 

angenehme Notizen gegeben hat) Herz. Augufl der Stifter 

zu Pferd , die Königinn Chriflina , Adam und Eva &c, 

alles mit der Feder gemahlt, türkifche Päjfe in Menge. 

In 4Ö0 rothen Safian Bänden zeigt man auch' die Affaires 

de France unter Mazarin , ferner des Hieronymi Epifteln, 

den Nonius Marcettus^ die 4 Evangelien fyrifcb* cum cara- 

terc Eftrangclo von Kircbern 1666. Weher verehrt, wie 

davon deffen Handfchrift zeuget , ein Fragment eines Alcorans 

cum caradt. cufico , ein Alcoran in 29 Bänden von 

Kämpfern i engl. Parlambntsakten die 19000 Thaler ge- 

koftet in Mfs, Pro/per Aquitan. de Vita contemplaiiva 

ausra 7 ÜBC. die Anzahl der Codicum imprejforum foll 

fich auf 80 bis 90,000. und die der Manufcripte auf 

4000. belaufen , gezählt hab ich fie nicht — genug, 

alle Welt weifs, es finden fich da viele Seltenheiten. 

' Gefallt es meinen Lefern , fo führe ich fie von hier* 

nach Helmßett , von da nach Braunfcbvpeig und fchliefle 

für diefsmal mit Göttingen. Am erftern Orte war Häberlin 

mein Mann und nach diafem Prof. Keuffel , D. Krüger , 

Rekt. Malier , Hofr. Pertfcb , Seidel Vater und Sohn , 

Fabricius Heißer ^ ein Herr von Scbrader ^ von Kraft ^ 

von Liebt enfiein , von Braun , ein JVerlbof^ Lüdeke — 

Bertling , von der Hardt — andre. Vom letztern wollen 

wir zuerft, vomerften zuletzt fprechen. D. von der Hardt 

war ein Brudersfohn und Erbe aller Cimelien und Rari^ten 

des berühmten D. von der Hardt , der dem Jo. Reucblin 

zu Ehren ein jährliches Fell zu feyren pflegte, und von 

dem wir fo viele paradoxe Erklärungen und fo manch 

litterarifches Produkt noch in unfern Bibliotheken theils 

zum hiftorifchen Gebrauch, theils zur Schau und wohl 

gar zum Achfelzucken aufftellen. Die von diefem auf 

jenen vererbte Bibliotbek war fchr zahlreich und enthielte , 

wie der vor einigen Jahren im Druck zur Veraudtionirung 

in 4 Bänden eifchienene Catalogus ausweifet — gar manches » 



und ihrer BeGtzer; Fortfetzimp. 43 

das man nicht leicht wieder fo fammlen wird; mit unter 
viel fchofles, aber auch viel äuflerft feltenes. Der Alte 
hatte bekanntermaaCsen die Aßa Concilii Conßantienßs 
edirt und ; Folianten von Autograpbis Lutheri heraus- 
gegeben; der jüngere hatte 14 Bände eigenhändiger Briefe^ 
die der Oncle mit Herzog Rudolph Auguß gewechfelt hatte , 
unter feinpm Vorrathe. Er zeigte mir einmal zwey Urnen , 
mit verbrannten Gebeinen; in der einen fand fich auch 
noch eine Haarnadil und Obrengebänge , ein Circinus , 
um den man die Haare geflochten und fo gar ein Zahn -— 
alles verrieth ein Frauenzimmer und Jugendalter — wenn 
es nicht erft fo poßliniinio hineingelegt worden ift , 
welches aber dpr Befitzer nicht aufkommen laflen wollte ; 
einen Alcoran in einem Futteral , einen Silen , der die 
Efelsohren nur oben und am Helm hat, indifche Schübe 
mit Gürteln, CoetunüJJe noch in der Schaale und ohne 
Schaale, auch gefchlifien. Auch viele feltene Münzen 
befafs der Mann , z. B. eine goldene auf Lutbern von 
Albrecht Dürern^ einen fogenannten ApoßeUtbaler von 
Chrißian^ Herzog zu Braunfchw. und Lüneb. der zu JUons 
in den Niederlanden die 12 Apoflel in Silber angetroffen 
und fie fo umgeformt in alle Welt hatte ausgehen heiffen ; 
auf dem Revers fieht man den Herzog in Harnifch und 
mit einem Arme , weil er den andern im Krieg verlohren 
hatte, mit der Umfchrift: touf avec Dieu, 1622. auf dem 
Revers fleht: Gottes Freund ^ der Pfaffen Feinde Chrißian^ 
Herzog zu Braunfchw, und Lüneb. eine grofTe Jubelmunze 
auf Lutbern , j andre aufs Interim , wovon er mir Ab- 
drücke verehrt hat. ' Seine Hauptrarität aber , womit er 
fehr precieus war und die ich, wäre ich nicht graduirt 
und alfo vir gravis gewefen , wohl fchwerlich zu fehen 
und zu betaften bekommen haben würde — woraus er 
auch gar keinen Heel machte, waren der Annulus doSoralis 
und Annulus fronubus Lutberi. Was er mir davon und 



44 Ueber einige Privatbibllothckcn ^ I 

darüber für Anekdoten und Befonderheilen erzählt hat , I 

das werde ich mich wohl hüten wieder zu erzählen , es 
fey denn, dafs, wer es wiffen will, mir zuvor authentifch 
beweife, dafs er wenigftens auch Doktor und auch ver- 
heyrathet fey. So viel Hos darf ich fagen ; der Doktor^ 
^ ring ift grofs , dick und fchwer — man trug ihn damals 
am Daumen — auf dem Kaften ift ein dreyfech in ein- 
ander geflochtener Ring oder Cirkelkreis ganz klein , von 
Silberfarb auf blauem Boden zu fehen, weldies anfangs 
Luthers Wappen gewefeUj das er nachher in eine aufge- 
gangene Rofemit einem Creutz dazwifchen umgeformt hat ; 
das untere Feld ift roth und da fteht zu beyden Seiten 
der i Ringe mit goldnen Buchftaben die Jahrzahl 15 — 12. 
Ueber den Ringen im obern Feld lieht man Blümletn und 
andres Schnitzwerk en imail. Der Trauring ift noch 
künftlicher und von Albrecbt Dürern in Nürnberg verfer- 
tigt , im Kaften zeigen fich 2 Steine , ein weifler und ein 
blauer neben einander , zum deutlichen Symbol : dafs , 
wie 2 Steine in einem Ringkaften wohl beyfammen ftehea 
können , alfö auch der Mönch Luther und die Nonne 
Catbarrne von Bore gar wohl ehelich mit einander leben 
könnten. Diefs fey fo im Vorübergehen zumTroft für die 
Mönche und Nonnen unfrer Tage hier angezeichnet , die 
man fo gewaltthätig in Frankreich. Schritte zu thun nöthigen 
will, die ihnen' fo fauer ankommen müflen, zumal wenn, 
wie der Bifchof von Nancy M. de la Ware in der Aj[em^ 
blie Nationale vom I2 Hornung diefes Jahrs (1790. ) fich 
ausdrückte , der FaU eintreten {bllte , den er zu beßirch* 
ten fcheint : que les paßom des religieu» feront d*autanS 
tlus aBives ^ plus foartes , qu*ejles auront ki plus long;- 
tems comprimies , worüber denn , wie zu erwarten war , 
^in allgemeines lautes Gelächter ausgebrochen ift; diefer 
Ring geht mitten zWifcben der EinfalTung der beyden 



und ihrer Befitz^r; Fortfuzung. -45 

Steine auseinander und zerfällt in zween , die nun in 
einander hängen. Am Kaften des einen fteht M. L. D. an 
dem des andern C. V. B. ynter jedem das Zeichen des 
Künftlers J^\ an der innwendigen Peripherie der Ringe ift 
eingegraben: ippus Gott ztifammengefüget bat foO kein 
Menfcb fcheiden 1^26. diefen Ring trug man damals am 
mittelften Finger. Und hier mufs ich abbrechen , weil ich 
nicht wiffen kann, ob alle meine Lefer auch graduirt find; 
CS thut mir leyd ; denn ich behalte noch manches in petto. 
Prof. Keuffel führte mich einmal auf den fogenannten 
Cornelim oder St. Annenberg ^ nach dem Klofter Marien- 
berg und in das catholifche Klofter Sanili Leodegarii} er 
war alfo , wie- man Geht, ein complaifanter Mann. Der 
Corneliusberg — ich führe hier meine Lefer aus einem' 
Altert bums facb in ein anders , das in freyer Luft angelegt 
ift — hat feinen Namen von dem ehmaligen berühmten 
Philofophen^ und Dialektiker Cornelius Martini , der feine 
Studenten dahin evocirt und ihnen da eine fcharfe Straf'* 
predigt gehalten hat, dafs fie feine Coßegia^ die er ad 
valvas angefchlagen hatte , nicht befuchten. Eben dafelbft ^ 
fleht man noch einen Opferaltar ^us den Zeiten Carls des 
Grojfen ; die Steine liegen über einem HaufFen , find von 
ui^eheürer Gröfle und durch die Zeit ganz weifs gebleicht ; 
ein Gang gieng umher und unter dem Altar war eine 
Hole zum Ausfchütten des Fettes vom Opfervieh. In ganz 
Teutfchland' hat man nichts mehr, das diefem Denkmal 
des alten religiöfen heydnifchen Aberglaubens gliche. — 
Das Klofter Marienberg ift ein Frauenzimmerftift und hat 
Conventualinnen ; wir fahen uns im Klofter und in der 
Kirche um, die Frau Priorin liefs ßch die Ehre unfcrs 
Befuchs ausbitten und wir giengen weiter. An der Thüre 
des Klofters des H. Leodegarii fand ich mit . goldenen 
Buchftaben das herrlichjc cbronodißicbon , delTen Verf. hier 



45 Ueber einige Privatbibliotheken. 

von mir verewigt feyn foll; er hiefs Rempen^ und fo 
lautet fein verfus leoninus : 

anno Conf LICtVs , Vbl thraX eft MVstapha VICtVs , 
tVrCICa porta rVIt , noftraqVc ftrVCta f Vit. 

Suche die Jahrzahl, wer fuchen mag, ich habe die Zeit 
nicht. Das Geh äude ift fchön ; die Kirche noch aus Carls des 
Groflen Zeiten, der beym Hochaltar im Silberharnifch da fleht, 
zu beyden Seiten find Gemähide , die Herz. Anton Ulrich 
1702, und die Herzoglnn Elifabetb 1Ä9?. hieher verehrt 
haben; die Kapelle, die im Hof ftehet, foU die ältefte 
in ganz Nieder&chfen feyn. 

Sonft erzählte mir der ofihe Mann, dafs er noch 
einmal einen Traktat de bomine fchreiben wolle, den man 
auf vier Seiten betrachten könne, als bominem pfycbologu 
cum^ muralem , foliticum und religiofum^ dafs er aus des 
BuUi Werk einen Auszug de Academia Parißenß machen 
wolle — ich denke, es ifi aus allem nichts geworden; 
dafs Mosbeim diefes fonft rare Buch befitze, dafs diefer 
feine Bibliotbecam Hißoricam nach den ßeculis eingetheilt 
und nichts als rariora kaufie; dafs er der befie Kenner 
des menfchlichen Herzens fey , dafs fein Abzug nach 
Göttingen hier noch ein Geheimnifs fey, dafs er fo feinen 
Train gehabt habe , dafs er als Schläger durch Erklärung 
einer bleyernen ägyptifchen Münze beym Herzog fein Glück 
gemacht , gefagt habe : fo muffe oft ein Nebenumftand 
einem Manne forthelfen; dafs Seidel Mosheimen nichts 
gefchadet habe — ich dächte es auch ; dafs Seidel bey 
aller feiner angenehmen und beliebten Gabe -Ixxm Predigen 
das Predigen , wozu er zu commod fey — ^ der Mann war 
ungemein dick und ftark — * dabey aber nicht wenig 
höflich und eine gute Menfchenart — an D. Bertling über- 
geben habe, dafs fein progr. de non diffamanda Academia 
von ihm gefchrieben worden da Mosbeim weg war , jeder 
Prof. eines auffetzen muiste und eben kein Leßionscatalogus 



und ihrer Befitzer ; Jortfctzung^ 47 

herausgekommen war , 1748. Vom Pahß glaubte der 
Mann , er würde gern das Jubiläum mit feinen Ceremonien 
I7SO. unterlaflen haben, wenn es nur thunlich gewefen 
Bnd er nicht darüber von den Proteftanten raiUirt zu 
werden hätte bcforgen müfTen ; paffe pour Benoh XIK 
der immer fo gern von geiftlichen Cogiionerien fprach und 
einen Card. Paßonei zur Seite hatte ; für die Urfache des 
faft beftändigen guten Vernehmens des Pabßs mit den 
Königen von Frankreich , da er hingegen mit den Kaifern 
faft beftändig uneins gewefen , hielte der Mann , wie er 
glaubte, ganz natürlich diefs, dafs die /faf/er die Herrfchaft 
über Rom prätendirten , Frankreich aber ihn in diefem 
Befitz immer ruhig gelaffen habe — die Gefchichte ftimmt 
nicht fo ganz mit diefer Behauptung überein. 

Herr Rektor MiDer zeigte mir in der Stadtkirche eine 
abermal andre Antiquität , ein hölzernes fehr fchön ge- 
fchnitztes Crucifix hinter dem Altar , für welches die 
Catholiken fchon fchweres Geld geboten haben follen, 
Zweifels ohne in der Abficht , damit Wunder zu bewirken^ 
auf eine oder die andre Art; auch fah ich hier Calixti 
Grabmal und wfedmete ihm mein wohlgemeintes requiefcat 
in pace. Miller fchrieb damals emfig an feinen hifior. 
moraL Schilderungen zur Bildung für die Jugend und fo 
gar an einem A. B. C Buch ^ hatte alfo noch nicht ver- 
geffen, was ihm Mos beim ^ in deffen Haus er mehrere 
Jahre Kinderlehrer gewefen war , und den er nicht genug 
rühmen konnte, oft vorgefagt hatte: Strebe nicht nach 
hohen Dingen , auch der Rubmfelbß vpird endlich läßig. 
Man dürfe den Mann nur kennen , fetzte er mit Recht 
hinzu , um allen Neid zu Schanden zu machen ; ein ge* 
wiffer Student Quintin , den man in Göttingen nicht leiden 
wollen, fey hier fein gröfter Verläumder gewefen; voii 
Mosheims Tochter rühre in ihres Mannes Herrn von 
JVindbeim philofuph. Bibliothek die Recenfion des efprit 



48 Ücber einige Priyatbibliothcken 

der Loix her ; er felbft Miller habe viele Recenfionen von 
latsin. und franzöf. Schriften dazu geliefert ; den Simonetti 
habe man nur den toÜeu Simonetti genennt; Riboven^ 
Gefinern und Hallern hab' er fleh ganz befonders zu 
Feinden gemacht und über fie viele Particularien in feine 
Scbutzfcbrift einflieffen laflen , wozu man aber den Schlüflel 
haben müfle ; Mosbeim habe es befler gemacht und feine 
Feinde mit Liebe und Sanftmuth überwunden ; Simonetti 
fey der Freundfchaft gar nicht empfänglich gewefen, fein 
unerträglicher Hochmuth , feine fophiflifchen Wendungen 
und Ausdrücke hätten ihm nothwendig alle Herzen ent- 
ziehen müflen; zum Adjunktus Walther , der ihm fein 
Vorhaben entdeckt , in Göttingen bleiben zu wollen , hao' 
^ er gcfagt : Sindße ein Narri und diefs fey gleichwohl der 
Bruder der liebenswürdigen Gemahlin Acbemppaüs gcwefen , 
die auch ich nicht genug wegen ihres fanften und gewifs 
herrlichen Charakters rühmen kann; kurz, alles, deffen 
snan Simonetti ' befchuldige » fey mehr als probable , 
vielleicht fage ich in der Folge ein mehrers , denn ich bin , 
fo viel ich glaube , der Quelle fo ziemlich nahe gekommen 
und es bleibe wohl dabey, dafs Kortholt den Charakter 
eines Theologen im Leben ausgedrückt habe , den Simo^ 
netti nur in Schriften und auf Stelzen einhergehend -— 
(und er ifts doch , der Scböpflinen den Panegyriker 
Jjttdrooigs XV. feines damals fiegreichen Königs, tadeln 
wollte — ) gefchildert hatte, Klaprotb der crfte, wie ich 
ihn immer nenne, war, wie Miller mit Recht behauptete, 
ein Aefopus nach äufTcrer Geftalt , aber ein Mann voll des 
feinften Witzes, dem nur noch die letzte Feile zur 
Idcbtenbergifcben Vollkommenheit gefehlt hat; fein Natur» 
recht ifl: und bleibt ein Denkmal eines abgefeinten Kopfes 
wenigftens in meinen Augen ; mögen auch Pütters und^ 
Acbeffwalls und hundert andre nach ihm gekommen feyn 
und ihn wieder ins Dunkle hingeftellt haben ; fein Büchlein , 

fo 



Und ihrer Befitzet; Fortfetzimff. 49 

to dünti es iä^ enthält Ideen eines Kopfes , den nur 
Undank verkennen kann. Der Verf. der Schrift vom 
geiebrtett Bucberfluche ift Herr Decker , Conventual deä 
Klofters Marientbai $ er hatte erft kürzlich einige Bogen: 
Ob der Soldaten » d^m gelehrten Stande vorzuziehen fey? 
drucken laflen. Gejsner ^ fagte Miller^ habe was impofantet 
und Zugleich fchulmäfsiges » fo fehr er auch in feinem 
feidnen Kleide, das er immer und ewig trage, fich zu 
brüften fuche, Rotbfifcber^ ftgte er, fey für einen, der 
nicht in die theologifche Fakultät kommen wolle , mit 
feinem Hut ä pointe d'Efpagne zu eitel, doch werde diefs 
vielleicht fo lange nur als die von Hof aus erhaltnen 
Präfente dauren , die man damals über 2000 Thlr. fchätzte; 
Bertling der ihn zu dem Schritte gebracht, das Klofter. 
leben zu verlaflen, nehme nicht 1000 Thlr. für die Freude» 
fo was bewirkt zu haben. Jordan Ledtor ling. gallicss , 
ein gewefener Mönch, fey ein rechter Schandfleck det 
hoben Schule und Kingf Ledtor ling. angl. habe keinen 
Fehler, als dafs er fich vollfaufe ; Anton ^ Ledtor ling, 
arab , fey ein — der Himmel gebs ! bekehrter Jude ~ 
Heumann höre fich felbft gern loben und lefe einem bis 
zum Eckel Briefe vor, daHnn er gelobt werde; hören fie 
nur, fage er, was der vornehme Mann an mich fchreibt: 
Vir fumme reverende , legituam loci dißciDimi^ qui crux 
Criticorum jure dicitur , explicationem nitidißmam ; der 
hiefige Hofr. Pertfcb habe fonft die Theologen immer haft 
mitgenommen , da fitzen die Flegel , habe er gewöhnlich 
gefagt, im Beichtftuhl und man foll fie anreden : Ebrvoür* 
äiger^ lieber Herr! ja Flegel find fie und weiter nichts, 
und alles diefs in fuperlativo gradu — * Erzflegel -^ aber 
keine Ehrwürdige liebe Herren — 

Pertfcben fand ich in feiner Haarbeutelsperüke , 
fchwarzen und mocquanten Geficht , wie ich ihn vermuthet 
hatte ; er hatte viel über den negleSum juris civilis ^ , 
Meufels Mag. ^tes StUck* S 



ga lieber einige Privatbibliotheken 

fraäici , das fich durch den metbodum matbematicam ^ 
erotbematicam verdrängt fdie und, wie mich dünkte , mit 
. Recht zu klagen ; dieß , fagte er , gebe Schwätzer , die 
keinen cafum in forma entfcheidcn konnten ; fie brächten,, 
wie der hiefigc D. Tofp , das Jus ftuAale andern in 4S 
Stunden bey, das er felbft nach (b langen Jahren noch 
nicht vollftändig zu verliehen glaube , nächftens , fagte er 9 
wollte er eine Hifloriam Juris Canonici herausgeben und 
wunderte Geh , dafs ich davon quaß Exfertus Rupertus 
mit ihm t\x fchwatzen getraute; er wufste wohl nicht , 
dafs .ich Böhmern und Engauen ^ (b gut fichs thun lieiTe^ 
viva voce praeunte ftudirt hatte ; das ste /«er. zur 
Kirchengefchichte foU , wie er fiigte , unter dem Titel : 
Beitrage zur Ke.nntnifs des Kanon, Rechts aus der Kir" 
chengefchicbte nächftens erfcheinen. 

Bertling war fchon damals ein kränklicher, übrigens 
Hebreicher Mann, fo fehr ihn auch der Card. Quirini^ 
wegen feinet Anmerkzum Briefe P. Pauli lU als bominem 
ferfidum & fceießijtmum aufforem ^ worum er fich billig 
wenig bekümmerte , gefchildert hatte ; eben fo gelaflen 
erduldete er die Verunglimpfungen des Abts Eykendorf in < 
Grauhof > der wiflen wollte , der Teufel und feine Mutter 
müfsten den DoAor geritten haben , als er fein Buch von 
der Jubelfeyer gefchrieben; da fein Antagonift bereits in 
den 7oger Jahren war, fo wünfchte er ihm blos, da(s er 
zu feinem Vortheil bald erfahren möge, wie fehr er ihm 
Unrecht thue. Wehe that es dem chriftcathdiifchen Häuf, 
lein , dafs ihnen Rotbfifcher adminiculante Bertlingia 
entgangen war — daher alle diefe jähzornige Hize^ worüber 
kluge Leute nur lachen mufstea 

An Krügern würden fein Portrait und feine Schriften 
zum Lügner werden, wenn er nicht ein heiterer Mann 
gew^fen wäre , er wars aber in hohem Grade , fo wie feine 
und Btrtlings Eheliebfte , nur dafs diefer blafs ^ hager und 



und ihrer Befitzer ; Fortfctzung, 51 

Jlypochondfe , er aber ftark , roth und feurig ausfahe; 
feine Stimme war gleichwol fehr rein und weibifch ; er 
wußte viel von VoUairent EfFronterien gleich bey feinem 
Eintritt in Berlin zu erzählen , c'itoit la marotte des con^ 
teurs de cetems-ci^ ich mags nicht nach erzählen; denn gc* 
wiß ift auch nicht eine Sylbe daran wahr. Ihro Maj. muffen 
die und die Arzney nehmen, foU einft fein Leibmedikus 
zum König gefagt haben. Muß ich j fagte der Könige indem 
er dem Arzt die Thüre wies , fo komm er mir nicht mehr 
vor*s Geficht. Mit folchen und ähnlichen Mährchen trug 
man fich damals in allen Gefellfchafben ; kein Wunder, 
dafs auch auf Vohairen fo viel dummes Zeug gelogen 
wurde. Aus einem Klofter verlangte man einmal von 
Krügern fchrifclich einen Hohlfpiegel , der die Bilder in der 
Luft präfentire , ohne davor flehen zu dürfen , und doch 
freute fich der Mann , ' dafs man ihm bey feinem Abzug 
aus Haue feinen apparatum Inßrunu pbyf. für ein Klofter 
abgenonlmen hatte , und er fchlofs daraus ^ dafs man auch 
da anfange , rerum cognofcere caufas ,• ob es richtig 
gefchloffen war , mögen andre beurtheilen. 

Heißer war zu meiner Zeit fchon ein eisgrauer alter 
Mann, klein und finfter — honoris caufa und feiner 
Verdienfte um die Anatomie und den botanifchen Garten 
eingedenk , hatte ich ihn befucht. In diefem Garten itehen 
bey dem genere immer feine fpecies , und das vortreflichc 
Trieb-und Gewächshaus wird durch Röhren von Kalk gewärmt. 
Von des D. Fabriciiis Bibliothek -^ ich meyne den Medi^ 
einer, denn der Litterator war abwefend — kann ich 
nichts* fagen , als was er felbft mir davon gefagt bat 5 fie 
fey noch in fieri. 

So wars nicht bey Häberlin^ der hatte fchon viel 
gefammelt und fammelte immer mehr ; feiner gefammelten 
Seltenheiten find fehr viel, fonderlich war er mit raien 
Urkunden und Dokumenten reichlich verfchen> er wieß 

Hz 



Sz Ueber einige Privatbibliothekea 

mir viele alte Diplomata , z. B. eines vom Kaifer Weucet^ 
laus, wo auf dem Revers des InGegels fchon ein doppelter 
Adler ftehet, der aifo älter ift als K. Friedricbf IIL 
Zeiten; viele von dem Churf. von Cößn &c. ScbrDondtnert 
Scriptores rerum Hungaricarum mit treflichen Anfangs- 
buchftaben, das Strasburgifche fogenannte Münßerbucb^ 
lein in duplo, ein Volumen von den Grumbacbifcben 
Händeln , Sändii Nucleum Hiß. eccL cum appendice ^ 
eine Befchr^ibung in groflen Kupfertafeln von ganz liirzn^ 
einen CorneL Nepos mit Rittersbußi collatione MSS. in 
Marginalnoten , einige alte Piecen von Herzog Heinrieb 
zu Braunfchweig und Lüneburg mit Fürften Job. Friedrieb 
zu Sachfen als Hansworft gewechfelten Schriften , wo 
gleich auf dem Titelblatt die allerunglimpflichften und 
ehrenrührendften Worte und Benennungen vorkomnien; 
Leicbetßpredigten von fürftlichen Perfonen mit fchönen 
Kupfertafek, viele andre feltne Stücke, fonderlich aus 
der Ludwgifcben Bibliotbek^ feine CoUedtion von Schrif- 
ten , die ins Jus publicum laufen , war die vollftändigfte. 
Einmal führte er mich auch ins Juleum , zeigte mir da 
das fchüne und grolTe Auditorium , wo der Stifter Herzog 
Julius im Portrait fleht. Das Tbeatrum , anatomicum ^ 
wo von einem wundergroflen Kerl das Skelet, cranium, 
Gemälde und Todtenbaare zu fehen ift, desgleichen die 
ganze Zergliederungskunfl in Tafeln , die Stube , wo fich 
das Conjißorium verfammelt, die Zimmer, wo die Akten 
liegen und aus denen er mir die infonderheit vorzeigte ^ 
wodurch der Herzog befiehlt, dafs jeder Profeßor mit 
einem Panzer^ Helm und Juliusfchild verfehen feyn «Tolle, 
um im Nothfall dem Heer zu folgen , wowider denn diefe 
zwar proteftirten, einige aber doch endlich den Anfang 
machen mufsten , worüber die Quittungen noch vorhanden 
waren. Der Mann war durchaus obligeant und höflich und 
bis an fein, vor ein paar Jahren erfolgtes Ende fchriebeia 



und ihrer Befitzer ; fortfitzimp^ 53 

^it einander. Er logirte im Mosbeimifcben Haufe, das er 
beym Abzug des Canzlers gekauft und fowohl in Änfehung 
der Zimmer als des Gartens recht hübfch aufgeftuzt hatte -* 
auch muß ich feine Gaßfreyheit rühmen und feines guten 
Weibes zuvorkommende Höflichkeit. 

Ueber Braunfebvoeig werden wir leicht wegkommen; 
denn fo viel ich hier zu fagen hätte , wenn von Perfonen 
und Gelehrten die Rede feyn follte , fo wenig hab' ich 
zu fagen, lobald ich mich in mein Sujet, welches Privat- 
bibliotbeken fmd« einfchliefTen will. Ich denke, es muffe 
dem Charakter der damals lebenden Ehre machen, dafs 
ihr Umgang füir mich mehr Reize gehabt, als todte BücbeV' 
fammlungen^ und fo gieng es mir felbft, wenn ich mitten 
in folchen Sammlungen mich befände. Die Bibliotbek des 
Carolinums hab ich, clas Wort im möglichft optifchen 
Verftande genommen , blos gefehen , und die der verwit- 
tibten Herzoginn Marie Sophie Elifabetb oder die Grauen^ 
hofs Bibliotbek enthielte nichts als Bibeln und was etwa 
darauf Beziehung hat; doch von beyden etwas -— und 
follte es auch noch fo wenig feyn; beyde fah ich unter 
Begleitung eines äuflerft Complaifanten und einfchmeicheln- 
den Mannes , des Herrn Prof. Reicbardy wo dennoch 
der und jener (ich mit anfchlofs und fo die Zeit zum 
Befehen mehr verfchwäzt , als der Abficht des Ganges 
gemäß benutzt ward. 

Die Bibliotbek des Carolinums zeigte mir Probft 
Jlarenberg , der aber fo viel zu fragen und fonft mit mir 
zu dcbattiren hatte , dafs fchlechterdings nichts vorgezeigt 
wurde ; nee boc quidem male , dachte ich , und hielt 
mich von einer andern Seite fchadlos. Harenberg^ ein 
bekannter Schwätzer und V ielfchr eiber , von dem zum 
Glücke bey weitem nicht alles gedruckt ift, was er zufam- 
men gefchrleben und creufes geträumt hat , fprach von 
^inem Bruder des fbeodorus Hafaus aus Bremen ^ da ich 



54 Ucbcr einig? Privatbibliotlipkw 

Tles letztem von ungefähr erwähn« hatte , wegen des 
Epigrams , das er auf den noch jungen Mosbeim gemacht 
und das fich , wenn ich mich noch recht beCnne » unge« 
fähr fo fchlofs. 

Aut ergo fene dignos define fcribere libros, 
Laurentii, aut noli dicere te juvenem, 

Diefer Brudersfohn folltc in Holland , adminiculante P^trQ' 
Burmanuo , in öffentliche Bordcls gerathcn , und fo weit 
immoralifch gemacht worden feyn, dafs man ihn endlich 
ins Zuchthaus fperrcn muffen ; ßt fides penes autorem £ 
von D. Köcbertt erzählte der fchwarze Mann auch fans 
fagon , dafs er hier wegen feines brüfquen Wefens wenige 
Freunde gehabt , wo er doch beffer geftanden als nun in 
Jena; von den Catboliken glaubte er, fie fuchten jetzt 
ihre Sache zu verklelftern , damit wir uns vor der Katze 
nicht mehr fürchten fqllen , die gleichwohl die Mäufe 
ftifst; von fich felbft rühmte er, dafs er einen Commentar 
über den Ezecbtel und fall alle Bücher des Ä. T. parat , noch 
zur Zeit aber dazu keinen Verleger gefunden habe , den 
Arnos wolle er als eine Probe vorangehen laflen -^ die 
orientalifche Dcnkungsart fey -r- wie neu ? ganz von der 
unfern verfchicden, und in diefe muffe man fich ganz zu 
verfetten wiffen , wenn man das A. T. commentiren 
wolle , zur Probe fetzte er hinzu , die ferforcui , welche 
bey den Propheten vorkommen , leyen die nobiliores , die 
in ßgnum nobilitatis fich mit Pfriemen mehrere Löcher in 
die Backen hätten ftechen laffen — ^ Und nun fiel zum Glücke 
Reichard ein , der verfqhiedne lateinifcbe Gedichte gefchrie- 
ben hatte. Z* !}• eins auf <!inen im Carolinum verftorbnen 
Grafen v. Giecb y aus dem er mir ein Stück herfagte , ^ das mich 
die perforat05 glücklich vergeffen machte — er verehrte 
mir's nachher und es ift würklich nicht übel. Einmal 
hatte er eines dem Herzog olferirt und dafür loa fl. 



Und ihrer Befitzerj fottfet^unci. gg 

bekommen ; nun folgte ein Carmen bevoicum von j Bogen^ 
eine borazifcbe Öde — - alles auf den Herzog und eines 
auf d^s Carolinum , wo er alle Gelehrte und Beß)rderer 
der Wiflenfchaften aus alten und neuen Zeiten ge&hickt 
angebracht hatte — allein weiter keine Belohnung — und 
Ib giengcn wir weiter , befahen flüchtig das 'Naturen 
liencabineti die mathemat. und phyf. Inftrumenten, den 
obern Saal mit den Imaginibtis Erudit. und einigen aus 
Salzdakum hiehergebrachten Stöcken , die Mahlerakademie , 
die auditoria und mufea und am Portal die goldne Inn- 
fchrift: Temporum reßauratio. 

Die Grauenhofsbibliotbek zeigte mfr Herr Oberhof- 
prediger Knocb , ein angenehmer , freundlicher Mann ; 
mein Begleiter war abermals Herr Reicbard und eia Herr 
Oberkammerdiener Heidenreicb holte die Bücher herbey« 
hier hatte ichs alfo mit Hof ufld Hofleuten zu thun ; doch 
ftand in der Vorangehenden Büdcrgakrie ^ gleich an der 
Thüre, ein alter Bauer im Bruftbilde fo natürlich da, 
dafs man hätte fchwören foUen, er lebe. Ihre hiefige 
ältefle detitfcbe Bibel ifl: , wie fie meynen , aber wie aus 
obigem, erhellet, mit Unrecht, von 1462. In einer andern 
1^64. zu Wittenberg gedruckten flieht in der Apocalypfe 
von dem Engel , ftatt erriges , neues Evangelium — doch 
was neu ift kann ja mit der Zeit, wenigftens a parte poß 
auch ewig werden. Neben daran fleht gefchrieben ; Lütberus 
&c. und fo denn noch diefs dabey bemerke , dafs ü^icaL 
Hunitius , der damals in Wittenberg docirte , weil auf 
ihn der Verdacht diefer Verfälfchung gefallen, und er 
überhaupt einer fl:arken Neigung zum Papißnus bezüchtiget 
ward , darüber zur Rede gefljellt worden , Stark aber in , 
feiner Lübekißben Kircbenbißorie ihn rein gefprochen 
und das Gegentheil bewiefen habev In einer plattdeutfchen 
Bibel ^ Cöln 1496. fl:cht bey den Worten: Und er foO 
dein Herr feyn — diefe Parapbrafe : dich baß zu plagen 



g6 Üebcr einige Frmtbibliothe|cea 

und zu peittigen ,• Jugler erzählte mir , cials er bey einem 
folcbeti Exemplar auch auf plattdeutfrh beygefchriebeq 
gefunden habe^: r^er dir das auftragt ^ d^nfoU der Teufel 
holen. In die Ausgabe der Bibel Luthers %\x Wittenberg 
Vom Jahr i$96. ift zuerft das Diäum i Job* V. 7« 
eingetragen, in allen vorhergehenden fehlt es noch. Es 
ift auch eine Bibelausgabe da , worinn mit derben Worten 
fteht: du folt ebebrecben , jzum Unglück ift es eine 
J)aUifcbe Auflage. \n einer andern kömmt auch obiges: 
Vnket{fcbbeit y wo es Keufcbbeit heiflen folltej vor. In 
einer andern plattdeutfchen fteht : Prov* 6* 24. vom 
Weibe: met de Tonge leckt ß^^ en met de ßaert flickt fy. 
Sonft fanden fich hier alle Editiones V. T. vom Erafmus^ 
Vom Hubertus Stepbanus , ein Codex Evangelior» auf 
Pergament, eine Kinderbibel in folio mit holländifchen 
Sjupfern, eine Bibel zu Germantold gedruckt,' wozu -rs 
ich weifs nicht mehr wer , die Lettern hergegeben hat , 
eine tamulifcbe Bibel -— kurz Bibeln in allen Sprachen, 
aus allen Zeiten, von aller Art und Einrichtung. Faft 
alles ift in rothem Safian mit goldnen Titeln eingebunden 
und Herr Knocb hatte damals angefangen , das Verzeichnis 
derfelben bekannt zu machen, wovon 7 Stücke erfchienen 
waren. 

Bey einem Hausbefuche zeigte mir diefer brave Mann 
auch fein rareftes Buch, welches die Biblia P/antiniana 
mit Bombergifeben Lettern in 4. gedruckt war. Die Her- 
zoginn hatte fie ihm gefchenkt, ehe fie ihre eigne Sammlung 
anfieng und mit eigner Hand Verfe von der Vortreflichkeit 
des Worts Gottes hinein gefchrieben; fie findet fich 
daher felbft in diefer Sammlung nicht. Er zeigte mir auch 
Melancbtonis Comnuntar. über die erfte Epiftel Johannis, 
den Luther wider deflen Willen herausgegeben und daher 
eine fehr luftige Epiftel an ihn voran gefetzt hatte , und 
fegte mir bey diefer Gelegenheit, daß er Willens fey, 



pn4 ihrer Bcßt?:erj Fortfet^img^ $T 

ffllc Epißoias Melanchthonh , Towchl imprejfas als maT?», 
Jcriftaty in einigen Quartanten herauf zu geben; von den 
crften habe er bereits eine vollftändige Sammlung zufammen 
gebracht, auch fich deflelben übrige Werke, allemal nach 
den heften und rareften Ausgaben, beyzulegen gefuchfe. 
Er befafs auch Buceri PfaUeriumj verteutfcht in folio, 
welches er, tit era( vir variahilis^ mit calvinifchen Noten 
illufirirt und darüber groflen Streit bekommen hatte. Gott 
lob! dafs in unfern Tagen über fo was., menfchlichcm 
Vermuthen nach, kein weiterer Streit ^ntftehen wird* 

Herrn Paftor Orlicb an der Märtenskirche , der übe» 
die Minißerialbibliotbek die Aufficht hatte , wartete ich 
in Gefellfchaft meines (reuen Achates auch auf; es ward 
^ber von beynahe nichts anderm als dem aJtonäifcben 
Rabbinen t^ybenfcbütz gefprochen , der lo Jahre lang 
Rabbiner in Prag gewefen war , wo or auch den damaligen 
Ledtor lingg. Orient, in Helmßetf Anton , der um des 
Bekenntnifles Jefu willen groffe Reichthümmer ' eingebüfsfe 
haben follte , zum Schüler gehabt hatte — man rühmte 
ihn als einen gelehrten und befcheidenen Mann , der dem 
Chriftenthum fehr nahe fey. Der wegen der Vermählung 
der Prin^eflinn Juliana von Braunfchweig hier anwefende 
Dähnifche Gefandtc Graf von Dehn , der feinethalben yielei 
Briefe ,von den vornehmften Juden aus Hüll - und Engel- 
land erhalten , habe ihm durch Reicharden Kidders ßeweife 
der >5/ahrheit der chriftHchen Religion kaufen , einbinden 
und verehren laffen, den er mit vieler Begierde gelcfen; 
auch habe ihn der Graf felbft gefprochen und der Mann 
gefagt : es feye eine Zeit vorhanden, da Gott groffe Dinge 
mit feinem Volke vorhabe ; das N. '\> wiffe er fo gut aus* 
wendig , dafs er auch die Vcrfe eines Capitels alleglren 
könne ; von den Juden werde er fehr verfolgt , >yeil er das 
Gefez und die Nothwendigkeit der Buffe fehr einfchärfe; 
fein Hauptgegner feye der Rabbiner fferfcbel ^ ein böfer 



SS ücbcr einige Priyatbibliothckcn 

Kann ; D. Baumgarten habe darüber ein refponfum äil^ 
zufertigen, das von ihm von beyden Theilen begehrt 
worden fey ; wenn die Verfolgungen nicht aufhören , wolle 
er fein Amt niederlegen u. f. w. Es fielen hier noch andre 
Difcurfe, Abt Scbuberten hörte ich einen Gottescavalier 
nennen , der in feinem feidnen Kleide daher firotze und 
fein goldnes Creutz beftändig anhangen habe — war's etwa 
das rumpantur utilia Codro , das diefen Ton anftimmen 
machte ? Michaelis in Göttingen — r. und damals noch 
liicht Ritter — fey, hiefs es, auf dem Wayfenhaufe in 
Jflalle ein Frömmling gewefen , und habe aus grofler Demuth 
weiter nichts als ein armer Mädchenfchulmeifter werden 
wollen ; England aber habe ihm den Kopf verdreht , und 
xiun feye er ein critifcher Wagehals. Schubert habe viele 
Worte und nichts neues noch gründliches , Bertiing fey 
ein weit tüchtigerer Mann ; Paftor Honck in Hamburg habe 
mit Neumeißern und IVinklern , die aus feinen Schriften 
200 Sätze gezogen , groflen Streit gehabt und refigniren 
foUen, Winkler aber feye darüber geftorben und Senior 
JFagncx habe mit Klugheit die Sache beygelegt. Das war 
9lfo einmal ein theologffcher Hader ^ der ein gutes und 
glückliches Ende genommen hat — und darum fey feiner 
hier gedacht! 

Dafs ich den wakerp Jcrufalem , die guten und braven 
Profeflbren Oeder , Seideler , Baudifs , Gärtner , Zacbariä 
vnd Ebert , Giefeke , den Cand. Sommer , den Cand. Kayfer^ 
der erft kürzlich aus England zurückgekommen war, ynd 
gar manches zu erzälilen wufste, manch andern Gelehr- 
ten und Dilettanten kennen gelernt, und manches von 
ihnen allen erzählen könnte, wenii es hieher gehörte, 
wird man mir auf mein Wort glauben ; Klopßocken , den 
ich in der Folge fpecieller und aus langem Umgange ken- 
nen gelernt habe, fahe ich zum erftermale bey Gärtnern^ 
deflen liebes Weib mich anfangs für Klopßocken nahm -^ 



und ihrer Befitzer; Fortfetzun^» S9 

vrofür ich noch nicht wenig dankbar bin , fi> wenig ich auch 
je was anders habe feyn wollen , noch feyn mag , als was ich 
Jbin ,— feibft Klopßock nicht — -^ gf cela pozir raifan — 
Vnd qui flus efi pour caufe. 

Noch mufs ich des Prof. Blank , der am CaroKno — oder 
wo? die orientalifchen Sprachen lehrte , und des Gencralfup* 
Meyers erwähnen , der felbfl mit jungen Leuten die Probe 
gemacht haben wollte , dafs man am Carolinum auch mit 
wenigem durchkommen könne 9 und für Tifcb , Logis , Holz ,• 
Licht und AuFcvartung mehr nicht als 100 Thir. zu geben 
habe ; ob er fchon-geftehen müfste , dafs andre , die immer 
am Hofe Galla mitmachen wollten , erfchrecklich viel ver^ 
zehrt und doch nichts gelernt hätten , und es wahr /ey ^ 
was mir Hofr. Baudifs gefegt hatte, er habe als Prof. 
Juris pubL anfangs bis 100 Auditores gehabt, da er jetzt 
kaum ) oder 4 zufammen bringen könne, und eheflens 
völlig brach liegen werde. Da mich eben der Mann veri. 
fiebert hatte, dafs Mifsbräuche nun mit Ernft ahgeftellt 
wären , und mich gebeten , allenthalben vom Carolino das 
Befte zu reden, fo hab ich ihm darauf inein Wort gegeben 
und auch Wort gehalten — und fo werde ich denn auch 
hier noch und nach fo langen Jahren die ärgerliche 
Gefpenflerbißorie am Caro/lmim , fo genau ich mich auch 
damals darnach erkundet hatte — um glauben zu können, 
ich feye der Sache auf den Grund gekommen — mit Still- 
fchweigen übergehen. 

Blank hatte unter von der Hardt ftudnt , und wun- 
derte fich— der Mann war grofs und fah^ fehr fchulmei- 
fterifch aus -r- dafs es nicht mehr bekannt geworden, dafs 
von der Hardt mit einer von den erden gewefen, die 
nach Speners Beyfpiel Collegia pietatis gehalten ; mich wun- 
derte fo was gar nicht. Herzog Anguß Rudolph , erzählte 
er mir , war mit von der Hardt fo vertraut , dafs er ihm 
auch alle Briefe wiefs , in denen fein Beichtvater Betsdorf 



€o Ueber einige Frivatbibliotheken 

diefen damals jungen Gelehrten , der eben darum mit dem« 
felben nicht in allen Stücken cincrley Meynung war-— 
wie es eben zu gehen pflegt,desAtheirmus, Natur alirmus, 
o. f. w. befchuldigte , und einen fo gefährlichen Umgang 
XU meiden gar emftlich zu warnen fuchte , über alle Quet 
tionen , die dem guten Herzog einfielen , habe er fich^ 
fetzte mein Mann hinzu , Refponfa von den berühmtcften 
Fakultäten und Theologen ertheilen laflen , z. 6. ob es 
Gerpenfter gebe? ob das Didtum i Joh. V. 7. genuin fey? 
und er felbft befitze noch eine grofTe Sammlung folcher 
Bedenken in eigenhändigen Handfcbriften. Doch audi 
diefe Zeiten find glücklich vorbey , und wir fehen ins 
Helle. 

JFoIfs Zeiten find auch vorbey i fagte einmal Prof. 
Ceder zu mir, ein in meineh Augen allerliebftel: und herr-^ 
lieber Mann , mit dem ich in manchen Sachen fo ganz 
fympathifirte , daPs wir beynahe nicht mehr auseinander 
kommen konnten ; es ift fchade , fetzte der Spötter hinzu — 
und merkte leicht, dafs ihm mein Ja und Amen (denn 
auch ich kannte JVolfen nahe genug und perlbnlich) 
nicht entfliehen würde, dafs er nicht eher geftorben ift; 
auch da fchon als Maupertuis in ein Stammbuch fchrieb , 
fo fehr es fValfens Ehrgeitz gefchmeichelt hatte ; regnante 
FridericQ , philcfophante IVolfio , vidi Ualam , hätte ci: 
vielleicht geftorben feyn follen, und wenn es auch nur 
darum geweftn wäre, weil er Friedrieben zu verftehcn 
gegeben haben foll : non dari viam regiam ad fcientias 
und zu feiner erhabnen Schwefter, der Markgräfinn von 
Bayreuth y als diefe ihn befuchte , trocken genug, gefagt 
hat : M^n müCTe nicht B. fprechen wollen , ehe man 
gelernt habe A. zu fprechen. Doch genug , fo vieles uad 
uianches ich auch noch gern hinzufetzen möchte — Von 
J^aiinfcbvpelg cum anncxis. 

Und fo wären wir denn nun — ? freylich durch einen 



und ihrer Befitzer; Fortfettmg. 51 

falto mortale — in Göttingen ^ in dem Mzen , egoiftilchen 
Göttingen , wozu es aber wohl nur feine Neider und 
Feinde fo gertle fbempeln möchten — in dem PandUmo^ 
niuTUf wie es felbft ein Käßner in feiner muthwilligen 
Laune zu taufen (ich nicht entbrechen konnte — in dem 
von Wiflen, Kenntniflen und Talenten vollgepfropften, 
firozzenden und überflieflenden Göttingen , wie ich aa 
meinem Orte es gefunden habe und zu Steuer der Wahr- 
heit gefunden zu haben *-« bekennen mufs« Den Beweifs 
davon, fo gut ich ihn führen kann, würdeich, wenn ich 
das Maafs eines Beytrs^s nicht bereits fo fehr überfchritten 
hätte, fchon jetzt führen und ohne zu leugnen, dafs 
Eigendünkel, Fedanterey, Handwerks neid , Cabalen auch 
da fich finden können — . denn wo follte fich nicht fo 
etwas oder dem ähnliches finden laffen ? durch Indudlioa 
erhärten , was ich behaupte und behaupten zu können 
glaube — allein das würde mich zu weit führen — und 
fo mufs ich denn für diefsmal — fo wehe es mir auch 
thut , abbrechen, Ifts meinen Lefern gefällig y fo fprechen 
wir uns bald wieder — und dann — de bis aliifque flura. 



Etwas über Strasburg , wie es vor 200 Jahren war^ 
Ein litterarifcher und mit unter — libliogra^ 
phifcher Beytrag. 

JDie gute Stadt Strasburg hat in unfern Tagen , im vorigen 
und diefem Jahre ( 1789 und 1790.) eine neue Epoche 
erlebt; fie ift 2ur franzdfijcben Municipaißadt umgefchafien 
worden. Hundert Jahre vorher (1681.) war eine andre 
Epoche eingetreten ; fie kam zwar an Frankreich , behieU» 
aber doch ihre Teutßbbeit fo ziemlich und ihre o/ie 



^'iSz Etwas über Strasburg» 

VerfafftDtg beynahe ganz bey: nur mit dem ünterfchicc!, 
dafs Tie mit Gallicifmüs fo nach und nach und immer 
ftärker verbrämt, modernifirt und fo uns andern Teutfch- 
ländern je länger je unkenntlicher wurde, Wie konnte es 
' anders feyn ? Noch hundert Jahre weiter hinaus , oder 
vielmehr zurück, wie fah's da aus? Das mag der Lefer 
aus nachftehendem Gedichte beliebigft erfehen, das zur 
Zeit gedichtet ward , als die berühmte Zürcher Breytopfs* 
gefcbicbte vorfiel , mit der jemand vor ein paar Jähren 
das lefeluilige Publikum , nicht unintereflant , dächten wir , 
unterhalten hat. *) Beynahe follte man fie in diefer Periode, 
wie auch in jenen Zeiten jemand wirklich gethan hat, 
für eine fcbvpeizerifche Stadt zu halten fich verfucht 
finden ; denn fo fqhr^bt Freytag in feinem Apparatu 
'litterar io T. //. p. 20j. ,5 TraSatm Doininici Bollani 
de Conceptionc glorioßßma Bei genitricis Virginia Maria 
gditionem'tnemorat Weislingerus **) in Catai. /ihr. im^ 
prejf. Bibiiotb. Jo. Hierofol. in cujus fine adfcriptum efl: 
Finit Sermo de Conceptione heatijjime Marie virginis. 
In nobili Helvetiorum civitate Argentina cha/cographatum 
per Joannem Grüninger 1900. 4. 

Und das wäre fie vielleicht wirklich und längft wenn 
nicht in der nun nicht wieder kommenden Periode D. 
Dannbauer y der mit feinen Hodomorien und Hodofophien, 
mit feiner fünf Quartbände dicken Catechifmus - Milch ; 



♦) Uebcr die Reife des Zürcher Breytopfs nach Strasburg vom 
Jahr 1576, heifst der Titel diefer Schrift, die zu Bayreuth 
bey Lübecks fei Erben auf 156 OÄavfeiten 1787. abge- 
druckt ift. 

♦» ) Es thut uns Icyd, dafs wir d;.s Papier mit diefem fchmutz^gen 

und mit Recht fo fehr gebrandmarkten Namen befudeln 

muffen , ob man fchoii hieraus .erGeht , dafs der Wüftling 

Ehre hätte aufheben können, wenn er mit feinein Pfund 

• gehörig iiätte wuchern Wollen. 



wie es vor 200 Jahren war, 6$ 

die man , wie jemand einfl; fcherzte , beiTer Catechifinus- 
Schinken , wegen ihrer ünverdaulichkeit , hätte nennen 
foUen — feiner Zeit grofs Auffehen machte und wirklich 
ein treflicher Dialektiker war,- wie mir einft jemand — C8 
war in Hannover , erzählte , aus unzeitigem Eifer unc| 
Furcht, die lutherifche Religion möchte dereinft von der 
refbrmirten Verfehlungen werden , fich dem Magiftrat wider« 
fetzt und fo verhindert hätte, dafs die Stadt mit den 
Schweizern nicht in Bund getreten Ift. O ihr Theologen ! 
feht was ihr geltiftet habt. Doch wir liefern hier diefa 
Gedicht — das wir zu liefern uns anheifchig gemacht haben 
und liefern es ganz , denn lang ift es nicht und gewi(9 
auch nicht langweilig — und hoflfen damit , wo nicht Dank^ 
doch auch kernen Undank zu verdienen ; und wenigftens 
hat es eine angenehme Stunde gemacht, freylich auch^iit 
aus dem Grunde , weil wir mit dem Lokale etwas bekannter 
find, als manche unfrer Lefer vielleicht nicht feyn möchten -^ 
Doch ! zählen wir darauf, dafs es auch denen Freude 
gewähren werde, die anderswo leben und Strasburg ent- 
weder nie oder nur flüchtig gefehen haben ( lefcn wir doch 
Reifebefchreibungen und Städtebefchreibungen fo gern, 
wenn wir auch nie ail Ort und Stelle gewefen feyn füllten) 
und infonderheit zählen wir darauf, dafs es denen gefallen 
und Wohlbehagen werde , die als Bürger oder Bewohner 
diefer Stadt noch an jene Zeiten ihrer Vorfahren zurück- 
denken mögen , und eben fo den lieben biedern Scbroeizetn^ 
zu denen der naive Verfafler des Gedichts gehört — und 
überhaupt Allen , denen fo was altnaives , aus fo mancher- 
ley Urfachen und in fo verfchiedner Rückficht , willkommen 
feyn kann. 

ünfre Hißoriker mögen , welches wir fo im Vorbey- 
gehen bemerken wollen , daraus erfehen , wie man damal$ 
Hiftorie und hiftorifche Kunft — fo hier und dar — bey- 
nahe hätten wir gefagt , allgemein , betrieben habe — und 



64 Etwas über Strasburgs 

was man fich fo Alles , auf guten CbronikgläubeH , habe 
aufheften und aufbinden laiTen — und dann unfre Zeiten 
glücklich pfeifen, die auch hier fo wacker aufgeräurat und 
iMährchen — zum Einfchlafen erdacht, wobey aber d^n 
Gläubigen fo wohl war als uns jetzt nicht immer ifl , aus- 
gemerzt haben — in welch löblichem Eifer fie denn , wenn 
es unferm Wunfche nach geht, noch ferner fortfahren feilen, 
weil noch fohin und wieder was auszumerzen feyn möchte --» 
und foUte auch , wie jener appenzeller itimmte , als man 
das Fegfeuer abftellte und er , da es in einem hingehe ^ 
auch die Hölle abgeßellt wifTen wollte , alles Vorurtheil 
aller Art — religiöfes oder nicht religiöfes, dabey in Gefahr 
gerathem ,j J^p^nfe^ idigt Voltaire ^ Oeuvres Tom. 68* 
t* 149. que voici le tenu de faire fentir aux Pedans en 
rabat , enfoutane , en perruque ^ en cornette ^ qtCon les 
brave atUant qiion les meprife ^ und Tome 67. p. ^54. 
fchreibt er : ^ foule des Saints , dont la plupart n'ont 
foint exißi 6? parmi lefquels il ny en . sl pas quatre , 
avec qui vous eußez daigne fouper. " Wäre nicht zum 
Voraus dafür geforgt , dafs Voltaire nie unter die Heiligen 
aufgenommen werden wird, wir wäfsten nicht, ob nicht 
AeufTerungen diefer Art eine Revolution bewürken könnten ^ 
die noch umfchmelzender wäre , als die ift , welche das 
gute Strasburg in unfern Tagfen erfahren hat ; fed manum 
de Tabula! 

Da wir von jeher Freunde , nicht nur der teutfchen 
fondem auch der lateinifcbeU — und überhaupt der 
Dichtkunß unter allen Zungen , Sprachen und Völkern 
gewefen firtd, fo wollen wir am Ende, und io pour la 
bonne boucbe , Frifchlins Elogium auf die Stadt Strasburg 
anhängen ^ das einem Lateinmann allerdings Ehre macht ; 
und noch manch anders würden wir anhängen und uns 
dadurch dem Wohlwollen unfrer Lefer zu empfehlen 
fuchen , wenn wir nur einigermaflen zum Voraus verfichert 

wären , 



wie CS vor 200 Jahren -v^ar. 65 

wären, daß was wir fo nach Gußo aufzuCifchen allzeit 
fertig und bereitwillig find) auch ihrem Gaumen behaglich 
und einfchmeichelnd gemacht werden könne. Auf unfre 
Gefahr wollen wir für diefsmal unfre Bude nur auffchlageit ^ 
und häufigem Zufpruch entgegen fehen — Fifcbart , der 
in feiner Periode gewifs AufTehen gemacht hat, foU uns 
am Scblujfe mit Etwas von feiner Art und Kunft regaliren ^ 
das hieher fo fehr, als je was gehört, und vielleicht iiach 
mehrerm lüftern machen wird. Unfer Köcher iß voll und 
ein Wink, den man uns geben wird, foU Sachen und 
Sächelchen von ihm ausfchütten machen , worüber man 
nicht wenig erftaunen wird — denn mit Erlaubnifs unfrer 
flehenden Heere fey es gefagt, fo ein Mann entfleht doch 
nicht, wie jene 20,000 in der Schlacht umgekommen » 
die eine Parifernacht wieder erfetzen konnte. 

Nach diefem kurzen Prologtts laffen wir nun ^0 da^ 
Gedicht des biedern Scbroeigerr felbft folgen , das wir aus 
dem vor un^ liegenden Originalabdruck aufs getreulichfle 
abkopirt haben , wie der Augenfchein lehren wird ; es führt 
folgende Auffibrift und ift auf 8 0<ftavblättcrn abgedruckt , 
mit dem Wappen der Stadt Strasburg im Holzfchnitt: *) 

Lobfprutb d^r FreyeH Reycbßatt Strafsburg tu ehrea 
geflellt, darinn gemelt Wird jtes harkommehs^ fampt einer 
ritterlichen That eines Scbiejfefii ^ '^zs fich im anfang und 
jngang zugetragen hat , gat lüftig zu hören. — Von ink 
Vlritb Wirry gfeboriter Bürger zu Aroh» meiner gncdigen 
Oberherm zu Bem^ und äwer aliet aÜzeit gutwilliget 
Diener MDLXXVL 



•) Man Wie nacji, was Jet Verfafter iet RHfe des Zurchet 
Brtytoffes nach Strasburg darüber in feiner Lanne commenttrt 
hat, Stite 131-^134. 

MntJeU Mag^ /^tes StVtckK fi 



6S 



Etwas über Strasburg, 



*) wolt* 
*) wollet 



♦)fagt 



♦) weiter 



»)ielbig8 



' *)folten 
*) theuer 



!• Fromm, Fürfyclitig, Erflim, Wyrs, 
Ein Yeder hie genennt mit Flyfs. 
Ich wot "') üch allfamt flyPsig beten, 
Dafs jhr an mich nit zürnen wetten *). 
. Was ich üch ietzen für wil tragen , 
Ein fpruch den wet ich üch gern fagen. 
Der feyt *) von Strofsburg difer Statt , 
Herr Ammeifler und wyfen RcUb. 
Ouch vier und zwentzig grofler Herren^ 
Ein jeder gnennt nach fynen Ehren. 
Nun witter *) zu reden in fummen. 
Was ich kurzlichen hab vemummen. 
Es well hie fyn ein ehrlich Scbieffen^ 
Ich docht mecht ich fyn ouch geni^flen. 
VflF femlichs *) ich gen Strofsburg kam , 
Da was das erft das ich vernahm. 
Dafs man do hat uff jeder Zunft ^ 
Verordnet mit verftand Vernunfft. 
Dafs alle Burger und Burgerskind 
Edel, unedel wer fy find. 
Es weren Frowen oder Man , 
Sy föten *) frembd lüt rüwig lafl. 
Und jnen gantz und gar nit fpotten^ 
Das baten fy tür *) hoch verboten 
Dafs man ouch thet was man fy hieß. 
Und ein yeden belyben liefs. 

%. Der kleidern halb old fprachen triben, 
Söt man ein andren lofTen blyben* 
Ein jeder föll fich dor vor hüten, 
Ye ein dem andren Ehr embieten, 
Diewyl wir frembden , das nun fehea , 
Dafs folchs von Wyfen ift gefchehen. 



wie CS vor 200 Jahren "War. 67 

Sönd wir uns ouch der moflen tragen, ^ 

Dafs man nüt könn von uns klagen. 

Zum andren zeigt ich üch gern an. 
Was ich wyter vernummen han , ^ 
^ie man all Ding fin ornen *) wett, *) ordnen 
Diewyls aber noch kein end hett* 
So kan ich nit viel darvon fagen. 
Doch han ich erft b; kurtzen Tagen« 
Ein kleinen anfang darvon gmacht , 
Und denn in fchneller yl *) betracht. '*')eile 
Und han den anfang do genummen , 
Da ich bin har *) gep Strofsburg kummen , *) Weher 
Fand ich fo gar ein fcb'öne StatP , 
Irs glyche ich nie gefehen hat. 
Ich bfchowet fo wol hin und wider, 
Vil Gaffen lüfF ich uff und nider 
Doch fand ich fo meng*) fchönes Hufs,*) manch 
Gantz wol erbowen über ufs *) *) durchaus. 

Ir gkgenheit *) ift wie ich meldt, *)Lage 

Uff einem fryen wyten feld : 
j. Sy band *) den Rhyn ; die Brüfcb , die W, *) haben 

Dorinn find guter Fifcben vil. 

Als fy in eim Land mögend fyn , 

Ouch hendtz *) den allerbeften IVyn^ *) haben fio» 

Man find kum difer Statt gelich^ 

An allen Frtitbten find fy rych» 

Sig *) was es wolle aller Dingen *)Iey 

Thut man grofs huffen *) dahin bringen , *) Hauflfea 

Und welchem da etwas gefeilt. 

Der kouft es um ein zimlich geltt 
Als ich nun femlichs uff hat gfchribett, 
'Und etliche Tag hie vcrtriben. 



6S 



Etwas über Strasburg, 



•)VendArac 



•}.bcydc 



Da was der Suntag ouch harkummen, 
Dals man mit PfeiiFen und mit Trummeo. 
Die Eydgnojfen her zühdn fach , 
Ein grofTes Volck lüfF vor und nach. 
Als fy nun find da har gezogen , 
*)ilahlernen Die Schätzen mit den ftahlin *) Bogen. 
Do find jnen entgegen gangen, 
Fürßen , Graffen hend fy empfangen. 
Der herrlich Fürft von Vadotna^ *), 
Der hat ein hübfche Red getha — ^n. 
Der GralF Andelott deflelben glich , 
Sind bed ^) fammen ufs dem Frankrycb. 
Da hat der wolgelect Fantaleon ^ 
Dodlor Heinrich fyn red ouch gthon. 
4« Won Bafel ^ er redt in Latin 
Noch' dem zog man in dStatt hininn« 
Und da fy kamen in die Statt , 
Gar wol man fy empfangen hat. 
Man ifl: jnen entgegen kummen , 
JMit Fofaunen y Pfiffen und Trummen ^ 
Man thet jnen grofs Ehr enbüten, 
Mit fo wunderbarlichen Spil Lüten , *) 
Die wond *) fowol in BoflTen **) gftcllt. 
Ein jeder lugt *). dafs er nit feit. 
Sie wond fo wol, roth, wyfs bekleyt, 
\(^er es nun gfach dem gabs ein Fröwd» 
Da zog man ufF der Scbnydren Zunft , 
Da brucht man wifs(heyt und vemunfit. 
Das thet ein Erfam wyfen R<dbt ^ 
Herr IStfittfcbryber die red thon that. 
Die Statt Zürycb jn danken thäten y 
Herr Ciinrad Crqfsmann ein von rätheOg. 



*)Spidleuten 
*) waren 
**) pofitur 
*) fah zu 



V vrie es vor too Jahren war. . 6(f 

Suft *) ouch Herren von>Land und ßatt , *}fonft 
Die man ehrlich empfangen hatt. 
Als ich nun (blches gfehen hett , 
Zum Münßer ich mich fugen thet^ 
Dorinn ich ein wenig fpaciert. 
Da was all Ding fo wol geziert. 
Es ifl; wol wie man hat gezelt 
Das fybent Wunder in der Welt. 
. Und in dem Münfter ich da fand, 
Wol fornen ufF der rechten Hand.. 
Ein wunderwerklich uhren ffahn. 
Als man in gantzer Welt mag han. 
Mit fchönen Bildren und vil GIoggetTj 
Wens fchlacht *) fo thut es altes w^gen **) *) fchlägt 
Die Glocken gend *) ein folchen Thon , **) wakeln 
Dafs man ein Pfölmen mag verftohn, *) geben 

Clych obs eiti rechtes Leben Het, 
Und welcher das nit' glouben wett ,. 
Der finds zkouBen abfiunterfeht. 
Dorinn er allen Handel gfet» 
Die Kugkn und fsgantz Firmament^ 
Des Himmels LouJT Anldng und end. 

Nun als ich fach all difö Ding, 
Gfach ich eiii Mann zu dem ich gieng» 
Fragt jn den urfprung difer Statt ^ 
Und fb bald ich jii gffaget hatt. 
Sprach er vernimm die meynung rnüi^ 
Daß ich nit hfe da heimen bfn. 
Abcr^ich han by mynen Tagen^ 
Von mynen Eltern hören fagen. 
Data zBabilon ein Küm'g. ü&p 
Vynifbcfar er geheiflen wai. 



7^ 



Etwas über Strasburg , 



*) Unkeufch- 
heit 



Der jm von Gott ein SuHn erwarb 
Der hiefs Traget der Vatter ftarb. 
6. Als nun der Sun regieren folt. 
Ward jm fyn Mutter alfo hold. 
Däfs fy von jm unküfch *) begert, 
Defs war jr Sun Traget befchwert. 
Und wjfs fy ab mit Gottes Wort , t ) 
')fuhrftäts Aber die Küngin für flet *) fort 
Und wott jm ouch nit lafTen nach » 
Als nun der Sühn feii^lichs erfach. 
Ruft er fich rychlich mit eim Heer , 
Und weych von dann zog übers Meer« 
In der Zyt er übers Meer kam , 
Es gfchach by zyten Abraham. 
, Vor Chrift Geburt zweytufent jar, 
Zweyhundert on eins das ift war. 
By dem ift das Tütfcbland ufigangen^ 
Zum erften hat er Trier angfangen. 
Sobald als Trier vollendet was. 
Die Küngin hat erfaren das. 
Sy ruft fich ouch mit einem Heer , 
Und zog ouch hin über das Meer. 
Und meint fy wet den Sun bezwingen. 
Der Sun vernam bald von den Dingen. 
Syn Mutter er empfangen hett 
Liefs jm fy führen an fyn Beth. 
Er thet als ob er jr begert , 
Aber er tödt fy mit eim Schwerdfe.. ji^ 
7« Do ward jr ouch der rechte Lohn, 
Diewyl fy gar nüt wot abftohn. 



t) Rifum teneatis i amicu 



^ie es vor aoo Jahren war. ft 

Als der Küng nun fölchs hat gethon^ 

Do brach er ufF und zog dar^on« 

Und welcher by jm bliben wolt, 

Den gab er allen rychen Sold. 

Im Tütfcben Land wol an dem Rbyn^ 

Dofelbentz ift er kummen nin. 

Fünf Statt hat er gefangen an, 

Cöln , Mentz , Wurms , fÖnd jr verftan. 

Bafel ift ouch gwefen die ein , 

Doch fag ich von Strofsburg allein. 

Ein Herr kam ufiwertz an den Rbyn^ 
Der was by dem Küng Traget gfin. *) *) gewcfe« 
Der hiefs Siyrus , und was fyn will ^ 
Dafs er wolt bowcn an der Iß. ^ 
Ein ftarkes Schlofs er bowen liefi, 
Das felb lang Zyt Styrusburg hieß. 
Das Volck mehret fich Tag und nachtat) 
Byfs dafs ein dorfF ward da gemacht. 
Da$ ward genennt das Sylbertbal^ *) ' *) Argentina 
Bald buwt mans befler überall. 
Und ward gemächt ein fcböne Statt, 
Und ward drem gfezt e Griebt und Eabt. > 

Da ward der Statt Namen gewent, 
Syiber Biltal ward fie genennt 
. Nun wy es witter ergangen ift. 
Nach der Geburt Herr Jefu Chrifl« 
Da man hat zeit acht hundert jar^ 
Syiber Bütal gemehiet war. 



f) Ohne fogar Tom Stundenrufer zu Ternate dazu 
aufgefodert zu werden! 



7» 



Stwas über Strasburg, 



Mit vil Turnen j Gräben und Mureüy 
*) bedauren Den Koften lieflen fy- nüt duren. "^ > 
Bald kam ein mächtiger Künig her» 
^Clodfxuatu Cblonodouius *) fich nennet er, 
*)wcrthcn Der buwt Maria, der Vil weiden,*) 
Ein M&nßer der glich nit uff" Erden, 
Gefehen hatt nie keinen Mann, 
Und ward das Münfter gfangen an. 
Nach Chrifius Gburt fünff hund't jar » 
^}haftdttes Nocli nüne drufF fo heftus * ) gar. 
Witter höret ir Herren all , 
Wie dafs die Statt Sylber BütalL 
Mit Kriegen gar vaft ward beladen^ 
Der Keyfer Ott der thet jhr fchaden« 
Keyfer Ott der groß man jhn hiefs. 
Zwo Gaflen er durchbrechen liefs. 
Krützwyfs ein ftrafs dardurch zertrennt ,|' 
Dorumb würt fy Strofsburg genennt» 
Ein andren Keyfer ward bereit , 
Der begäbet fy mit vil Frybeit, 
Er buwt vil Mur, Thürn, Zinnen hoch. 
Gar wyt , tief Gräben man drumm zoch. 
9. Noch Chriftus Geburt tufent jar ^ 
Zweyhundert ftell du ouch dar« 
Alfo ift Strofsburg ufF cntfprungen^ 
Und jren Namen ouch ufFkummen. 
*) feikher Sy haben ofit fyder *) betracht, 

Und fybenmal dStatt gröiTer gmacht f } 

Denfelben Mann den fragt ich mehr 
Wo Styrumsburg gefhinden wer. 

t) Herrliche Gefehiclite uhd herrlich erzählt! Ev lebe die HIftorio» 
gnphie und die Hiiloriographen , famt und fonders ! Den 
Brtytoffi Hiftoriografben wie hillig , mit eios^efchloiTen. 



wie CS vor 200 Jahren war. 7i 

Er fprach zu Sanci Steffen es was , 
San^ Thomas Kilch wz ouch ein fchlofs* 
Er wot mir noch vil zeygen an , 
Ich fprach gut fründ ich müfs gon gan. *) *) gehen 
Ais er mir fölches gfaget hatt. 
Da fragt ich jhn nach der Zilfiatt.*") *)Schützett- 
Er fprach 2u mir nimm eben war y platz. 

Da üfsen vor dem Judentbor» 
Da findftu einen wyten Plan ,» 
Da fand ich vil dw Zelten ftahn. 
Ouch zwo Hütten faft lang und wyfK 
Darinn denn d'Lüt aflh allzyt. 
Ich docht ich will fy meffen thu » 
Ein jede war lang hundert fchu. 
Ouch waren fy ob viertzig wyt ^ 
Ein Keller fin darzwüfchen lyt , 
Derfelbig der ift tieff ufsgraben , 
Do by ein Küche ufFgefchlagen. 
10. Ein nüwen Brunnen hentz * ) ouch gmacht. *) haben fic 
Ouch hat man ghalten gute Wacht. 
Von dem Scbiefsrein mufs ich üch fagen « 
Dorinn die Schützen ^fchoffen habeUr ' 
DarufF ein fchöne ubren ftaht , 
Wers gfach, fich drob verwundert hatr 
Und zobrift druff demfclben Hufs , 
Ein Ff&wlein fehön gmacht über uß# 
Die goht ftedgs umb von dem Wind ^ 
Old fünft von Künften wy fy find. x 

Das Fröwlein tregt ein fchönen Fanen. 
Ouch hat man gworfien zu eim Hauen ^ 
Mit Kuglen in ein Mul*) des Narren, '^Maol 
Und welche dann do luftig waren , 



f\ Etwas über Strasburgs 

Der fand fo wunder feltzam Spil, 
Ein andermol ich^ melden will. 
"Wenn das Schießen hat gar ein end^ 
Und mir Gott ouch das Leben gend. 
In Summen es war alls wol grüft , 
Dafs menger dohin kummen ift. 
Der fich verwundert ob den Dingen, 
Wie mans hab mögen zwegen bringen« 
So wol war alle Ding verfehen, 
Ift durch die tsyft Herren gfchehen. 
Die hend all Ding gar wol verwardt^ 

*) montag Und am mentag*) vor der V fahrt. 

II. Ift man mit Pfiffen und mit Trummen 
Hinuffen ufF die Zilßcat kummen. 
Und angfangen ein Ordnung machen , 
Wie man dann thut in (blchen Sachen» 
Wie fich ein jeder halten fott , 
Der uff der Zylßatt fchieflen wott 
Da gieng ich bas hinufs uff dMatten » 
Da dNarren Brütfchen fchlagen fottea. 
Die wond bekley t in rot und ixtyfi , 
Sie bruchten allen jhren flyfs. 
Mit Brütfchen fchlahen und nut fingen y 
Kontens vil lairzwyl zwegen bringen. 

*)zufehen^ Ich thät jhnen fo gern zu lofen,*) 
zu hören Sy kanten mengen feltznen Hoffen. 

Mit gfchwinden rymen und britfchen fchlahen 
So fy ein Narren mochtend fahen. 
Man hat fy all bekleyt faft wol, 
Als man den dNarren billich üAL 
Darzu ich ouch gut Hoffnung han , 
Myn Theil bring ich noch ouch dovon. t)., 
t) Et qui vous en envieroit! 



Avie es vor 200 Jahren war. 75 

Do by will ychs hie blyben Ion , 
Will üch den Spruch alfo gfchenkt hon. 
Und der Statt Strofsburg b'underlich , 
Die fynd an Ehr und Gut faft rych. 
Ouch fo führen fy Rabt und Gricbt^ 
Dafs niemand darinn unrecht gfchicht. 
12. Güter Statut und PoUceyy 
Gütig on alle Tyranney. 
Der Rabt der Gmeyn jr nutz betracht, 
Den ganzen tag ouch ettwa znacht, 
Ouch ift die Gmein widnimm und billich 
Eiin Raht gehorfam und gut wiliich. 
Dann wo jhn etwas zhanden gabt, 
Darumb (y täglich halten Raht. 
Mit wol erfahrnen Lüten glehrt. 
Die fynd by jn gar hoch geehrt, t ) 
Fürfychtig zukünftigs betrachten, 
Flyfsig fy iifF all umbftänd achten* 
Wert, was, wie , wenn , wo und worumm, ff) 
Durchgründen endlich Ort und Summ« 
Wo in der Fügend noch ift fielen , 
Sie durch Pratick und Lift zu fehlen« 
So fy durch Wyfsheit das verftönd. 
Durch mittel weg fy jm entgönd. 
Durch wyfen gütigen befcheyd, 
Bhüten fy die Statt pfit vor Leyd. ^ 

Ouch hend fy gar vil glerter Lutm fft) % 
Die manen fy zu allen* zyten. 

t) Ceft tont comme chez nous , wird man wol 

nicht aUer Orten fagen kÖameiL 
tt) Q.u«j» ^^i^ » wbi &C. 
tt+) Taut nucnx. 



76 Etwas über Strasburg , 

♦)vcrlaflcn Wie fy (ich ufF Gott loffcn fönd,*) 
foUen Der jn byftaht byfs an das end. 

Dor by jr Fygend das wol merke , 
Ir Gwalt macht richthumb Krafft und fterke» 
ij. Ouch fy um die ftatt rings wyß haben 
Starck ringmur und vil vpäffergrabeir» 
Der glych fy mit ftarckcn Gebüwen , 
Ir ftatt und Wehre ftetts vernüwcn. 
Das wol jr Gut und Haab bedüt, 
Ouch Bücbfenmeißer und Hauptlüt. 
Ohn zal Gefcbiaz ouch in das feld, 
Groffen Voraht an Goldt und Gelt, t ) 
Mit Büchfen , pulfer , ftein und Biey , 
Sind fy wol grüft für der Stett drey. 
Und fünft an Kriegfszög , Korn und fchmaltz» 
An Wyn, fleifch, haber, Meel und Saltz. 
Däfs fy ein grofles Volck vermag. 
Im Feld zur halten, jar und tag. 
So wird die Statt ouch tag und nacht ^ 
Gar wol behütet und bewacht. 
Noch ein gut Stück hentz noch dorbyo 
So ftarck gfchickt SchtfHüt ufF den Rhyn. 

^)habeflft Ich darfls wol fagen dann fy hentz, ^) 
Söt ich noch der Experientz. 
All ding von Stück zu Stück erzelten. 
Alle Empter die fy beftelten, 
' Ihr grofs Wyfsheit jhrcr Regenten 

In Geyftlich, Weltlich Regimentern 
Ouch Doloren der beylgen Gfcbrift ^ 
Das unför feelcn heyl antrifii. 



t) VdU reflentieL 



wie CS vor 2oä Jahren war. 77 

14. All Ornung, Reformation, 

All Gfetz , Statuten har find kohn. 

Ir Ionen, ftrafFen und verbieten, 

Ir löblich Gewonheyten und Sitten« 

Ir große Allmüfen der Statt , ^ . 

Ir köftlich Gebüw und vorraht. 

Damit Ge rychlich ift geziert , 

Gekrönet und geblefyniert. 
Noch eins das muls ich zeigen an ^ 

Ich kans nicht ungemeldet lan. 

Das ift von Tugendrycben Frotveu » 

Von ftähten züchtigen Jungfrcnmen. 

Die tragen fich fo Erbarlich 

Mit gohn und fiohn fo ziichtiglich^ 

Mit reden fünft ouch Wyfs und Berdt, 

Dafs man jrs glych kum find ufF Erdt. 

Ouch lob ich die jung Burgerfcbaß , 

Die hat von Gott fölch Gnad und Kraift. 

By jhn erhebt fich wenig Stryt , 

Bym Wyn oder by der Malzyt 

Im Wirtzhufs oder wos find zünSHg, 

Sind fy fo bfcheiden und vernünftig. 

Das zutrinken , Gotsläftcm , fchwern , 

Thut man gar feiten von jhn ghören. 

Ich fagen dafs es ift ein Wunder 

Und ouch ein gnad von Gott befunder. 
1$. Gott wöU fy bftätten und bewahren ^ 

Do ich femlichs alls hat erfahren. 

Mit hohem Gunft ich mich verpflicht , 

Dafs es wurd in rymswyfs gedieht. 

Zu Ehn?n jhrcm Vaterland , 

Das ich fp hoch Lob wirdig fand. 



78 Etvfdis über Strasburg-, 

Glych ein blühenden Rofen Gart, 
Den jm Gott felber hat bewart. 

Alfü will ich den Spruch hie enden , 
Gott vom Himmel wöll der ftatt fenden 
Syn Gnad und Krafit an alle Ort, 
Dafs fy mög blyben an fym Wort , 
Das er jhr hat vom Himmel bfchert. 
Und ouch dazu das weltlich Schwert. 
Dafs fy lang regier wie ein Chrift, 
Dafselbig fy ouch thut und ift , 
Der Spruch ift ufs Gott gcb uns frift. 
Ende. 



ETKUMION Urbis^ Turris ^ Horologii Argentorateiißs^ 
ex Operibus pööticis J^iVo^^wi Frifcblini^ Com. Pal. 
CaeC P. L. Dodloris , Oratoris & Philofophi clariff. 

XJrbs antiqua jacet: primi coluere TrebaceSy 
Argentoraium y ripis contermina Rheni ^ 
Dives opum , & nuUi veterum virtute fecurida , 
Sive fidem fpedtes, & relligionis honorem: 
Sive forum canofque patres fanftumr^ue Senatum , 
Juftitiaeque decus , feu limina culta Lycsei , 
Infignefquc viros : feu duro moenia faxo 
Condita , & armatas adverfa in praelia vires : • 
Marmoreafque domos , atquc ardua teda domorum. 

Hac Tempium auguftum ; caelataque Turris in urbe 
Vertice profpiciens 8lto (mirabile vifu) 
Surgit , & excelfum caput inter nubilä condit. 
Tota torevmatibus , pidtifque excifa columnis, 
Tota patens luci,' & leni perilabilis aursi, 



wie es vor 200 Jahren war. 79 

Et cono infignis galeae, Sc teftiidine circum 

Quadruplici fepta, & nullo violabilis idtu. 

Prima folo pofuit quidam fbndamina duro 

Steinbacbius , natus degehte Eirvinus : & omne 

Ad galeam.duxit opus: & teftudine fepfit: 

Tempore quo imperii geffit Rbodolpbus habena^ ^ 

Habspurgüs Comitum Germanus origine Caefar: 

Nunc illam mulds fervant foventque minores 

Impenfis, magnoque locant in honorc, fuofque 

Majores hac laude aequant : nam fulmine tadam 

Ssspius immenfi repararunt fumptibus seris, 

Jamque adeo nuper, fotibus qua proxima templjl 

Stant adyta Auibrinis , focia tefludine juneta , 

Excelfo fabricam pofuerunt pariete muri 

Intus: ut exadtas mortalibus indicet borat^ 

Et folis lunaeque vias, noclefque diefque, 

Et raenfes faftofque in longum digerat aevüm ^ 

Miruni opus ingenü mirandäque arte paratum: 

Quäle labori feri nefciflet rädere torvus 

Praxitdis , Cous nee depinxiffet Apellcs : 

Nee Polycletaeus duxiffet iri aere caminus; — - 

Quale nee Aetnaeis olim Teichines in antris 

Nee rigidus Steropes , nee qui polit arma Tonanti , 

Mulciber aeterna potuilTet fingere mafla: 

Quäle nee hoc toto quifquam confpexit in orbe : 

Nee (acile afpiciet: feu Gallica regna pererret , 

Seu totam Ttaliam luftret , feu Teutonis orbem» 

Viribus ingenü fuperantem cliraata mundi 

Totius, invifat : feu Perfica rura pcragret 

Sive adeat Libyen atque ultima littora Thules. 

^ ^ * 



So Etwas über Strasburg, 

Es fleht dicfes Lobgedicht Frifcblint auch in einem, 
aus Vrfacbm , äufferft feken gewordnen Büchlein , das 
zu Strasburg von Lazartu Zetzners feiigen Erben 1617. 
in 4. auf II* Seiten abgedruckt ift und folgenden Titul 
YakisummumArgentoratenßum Temflunty das ift, Ausführ- 
liclie vnd Eigendtliche Befchreibung defs viel Künftlichen, 
fehr koftbaren , vnd in aller Welt berühmten Münfiers zu 
Straftburg: Auch alles deffen, fo An und In demfelben 
Denckwürdigs zu fehen : Mit fchönen Figuren vnd beygtf- 
fügten vnderfchiedlichen Kupferßücken geziert; Jetzmals 
zum Erften, feinem vielgeliebten Vaterland vnd Teutfcher 
Nation zu Ehren in Track verfertiget, durch M. Ofeam 
ScbadMm, Argentoratenfem, der Kirchen beym Alten 
St Peter dafelbften Diaconum. Cum gratia & privilegio 
Senatus Argtntinens. Das Gedicht findet fich am Ende 
von Seite 1 10— 112, und es folgen darauf nur noch zwey 
Blätter Regifter. 

In eben diefem Büchlein des Scbadäut kommen auch 
zwey Gedichte von Herrn Jo*«««F(/fÄ«r^ genannt ^wfa«-, 
vor das eine unter der Benennung teutfcber Reitneu auf 
dat\unßreicbe Vbrwerck im Münfler ^ Seite 59 f. unE 
das andre Seite s7 ff- auf eine an einer Säule im M&nßer 
ehedem ausgehauen gewefene /«fjy^/^** VorßeBung, die 
aber i68s. al^ «nige Jahre darauf, nachdem den Catho- 
liken das Münfter wieder eingeräumt worden , ausgekratzt 
und verwifcht wurde. Wir tragen Bedenken, das letztere 
Gedicht, obfchon hier Fifcbart feiner muthwUligen Laune, 
wie ma^ leicht denken wird, freyem Lauf laffen und 
fdnen Spottgeift, auf Koftcn des Pabfts und der damsdigen 
xömifchen Clerifey beffer umtreiben konnte , welch« 
Gelegenheit er fich denn in voUer Maaffe bedient hat, als 
im erftern, wo er Mos den ernften Erzähler machen, 
und fo fein taient defcriptif tacken konnte, oder aber 
überhaupt nur den lobprcifenden Kunftkennet vorzuftellen 
• *^ hatte. 



we es vor «oo Jahren vrar^ $x 

liatte, lind theilen alfo hier, Mos aus Schonung der dort 
iu-g mifshandelten , nur das erftere mit : 



Diewcil all die füruber gehen. 

Vor diefem Werck zu fchawen flehen, 

Bedünckt mich , dafs fie auch begereä 
Den Verflandt jhnen zu erkleren. 

So wifst nuhn dafs des Vhrroercks End 

Fürnemlich ift dahin gewendt , 
Dafs es auf Aftronomirch art 
Die Zeit euch deutlich ofienbart: 

Es ift aber gctheiiet ab 

In drey fürneme th^il vorab , 

Deren jetweders theil auch wider 
Einhalt drey ander Stück als Glieder, 
I. Das erft fecht ihr hie alle an , 

Gar vnden auff der Erden ftahn^ 

Welchs ift ein Wandt, in der Mitt 

Sind drey rond Scheiben eingefchmidt ^ ^ 

Auf zwo gviert Tafein aufF beyd feiten. 

Welche die Finßernufs andeuten: 

Auch künftig zwey und dreifsig Jahr, 
Die man an Sonn und Mon erfahr. 

Der Scheiben aber erft gedacht, 

Ift ein gröiTer als d'ander gmacht, 

Vnnd find die gröffer aufsgefchnitten , 
Dais die kleiner gähn in die mitten. 
I* Zehen Schuch ift die gröiTeft hoch , 

Vnnd find neun daraus gfchnitten noch: 
Ift alfo jhre breyt geblieben 
Eins Schachs lang, vnd gar voll gefchrieben^ 
jUeufib Mag. 4ns Stücke F 



^z Etwas über Strasburgs 

Von At% Jabrf Monaten und Tagen ^ 
Drum wir Calenderfcbeib jhr fagen. 
2. Die Mittelfchcib fo neun Schuh hoch , 
Ynd in der Mitt aufsgnommen doch 

Auf drey Schuh breit, die haltet ein 
All die bevpeglicb Feß fo fein. 
Die Wocben vnd der Tag defsglerchen ; 
Von einem Hocbfefi auffs ander reichen: 
Vnd ift gemachet folchcs gar, 
Eygendlich aufF die hundert Jabr^ 
3. Die dritt Teutfcbiand visrzeichnet hat, 
Vnd dran gebildt Strafsburg die Statt. I 
Vnd diefe Scheib ficht fefl: allzeit ,' 
Die andern aber gehn voib beyd> 
Dann die gröft geht von der Lincken, 
Gegen der Rechten Hand zu fmcken, 

Vnnd thut einmal im Jabr vmb£aHren> 
Die ander erfi in hundert Jahren^ 
Vnd gehet von der Rechten Handt , 
Gegen der Lincken umbgewandt , 

•Weiter vor gdachter Scheibenwand » 
Secht wie ein Pelican da ftand. 
Der dem Jtiafi wills Ampt entzucken ^ 
Vnd trägt den Globen aufF dem Rucken : 
Das, ift die gantze Himmelsründf 
DaraufF die Circul gemahlet find , 
Vnd die geftirnte Himmelszeicben ^ 
Darob die Sonn vnd Mon herftrelcben , 

Vnd gabt vmb die gantze Kugel vndetif 
Einmal in vier und zvpantzig ßunden. 
n« Das Ander Theil , welchs ich nuhn fcbreib , 
Ift vber der Calender Scheib. 



Svre es vof 200 Jahrctt V\rar* 83 

I.Da ziehen erftlich auls vnd'ein^ ^ 

tn einem Himmel hell vnd rein , 

Sieben Planeten künftlich grchmttertj 
Nach der Poeteri Bfchreibungs Sittdh^ 
Pein ordentlich her aufF den Wagen, 
Recht nach den ßebeTi Wochentagen^ 
t* Darnach im andern Gadeh find. 

Auch noch drey Stück ^ die man ergründ I 

a. Erftlich ein Aßrolabiunt ^ 

Das zeigt des Himmels Lauff herumb , 
In defsen CentrOy mittelm Zwecke 
Der Brach vnd Stundenzeiger fteck i 

Vmbgmahlct mit vier Jahreszeiten^ 

Vnd vier Complexion zur feitön. 

b. Das ander folget gleich däraüiFi 
Vnder gedachtet Himmels LaufF, 

Ein viert hei Is^Ziyger weifst im Grund 
All die Minuten eiher Stund , 
Ci Aber das dh'tte Stück nlah ficht 

Vber des Himmels LautF gericht^ 
Zeigt an das Alter , Tag vnd Gftalt j 
Vom newin Mon M?ie er fich hialt. 
in. Im dritten Gadeh findt man widör, 

Drey Stück die fehen ihag ein jfediSri 
i.Das oberft ift ein Cymbeivperek ^ 

Sehlägt etlich Pfalmen zu dem "W^erck: 
t. Das unterft bringt her Bilder vieir^ 

Bedeuten die t)i'er Alter dir^ 
All ViertelßüHd geht öins herfür ^ 
Vnd fchlegt feirl Viertel nach gebür^ 
1^ Das dritt ift auch ein fchönei^ ftind^ 

Da kompt der T9A all viertelftundi 



$4 Etwas über Strasburg» 

Gegen eim jeden Alter her. 

Den jagt der Ueyland wider ferr : 

Doch laßt den Tod all Stund errchlagen^ 
Dafs wir yns fein all Stund verwagen» 

Beyneben nuhn zur Rechten Hand 

Hat es ein Kaßen an der Wand, 

Darinn gehn all Geroicbt verborgen, 
DrauiF ßeht ein Han jhn zu verforgen l 

Der helt die TVacbt vnd eh es fchlecht 

Krebt er vnd fchwingt die Flügel recht. 
Jetzt fchreiten wir zur Nebenzier y 
Dadurch diTs Werck fcheint mehr herfur^' 

Vnd vom Calender anzufangen , 

Secht jhr wie er ift eingefangen ^ 

Mit vier PiSuren aufF vier Eckend 
Die die vier Monarcbey entdecken. 

Neben dem fteht zur Lincken Hand 

Ein Bild dadurch den Tag verltand, 

Welchs, 'dafs es auch fein Aemptlin trag^ 
^ Zeigts im Calender an den Tag : 

Zur Rechten fleht die Nacht gebildt ^ 

Die weifst das Jahr, nuhr halb erfüllt , 
Oder den Tagj dazu noch wol 
Ein halbes Jahr verlauffen foll^ 

Auch zimbt fleh , dafs ich hie berühr 

Des Viertelßunden Zeygers Zier, 

Als nemlich die ^^voen Engel beyd| 
Deren das ein zur rechten feyt , 

Ein Stundglafi m der Hand da halt>, 

Vnd kehrt es vm all Stund alsbald^. 
Das ander einen Scepter tregt , 
Mit dems den Takt zur Glo^k^n fchle^ ^ 



>vie CS vor aoö Jahren war. ig 

Zu dem snaoen L'&x»en es auch zieren ^ 

Die der Statt Schild vnd Helm da fiihretl , 
\ Der Gvpzcbtkafl auch gemahlet ift 

Auff einer feyten zugerüft, 

Jöit dreyen Weibern welche fpinnen , 

An einer Kunckel ohn zerrinnen , 
Didurch /die Poeten erinnern , 
Die Zeit Göttinn vnd LebeHsfpinnern : 

An der andern fbyten ftehn drey Künß , 

Die zum Werck theten grofle Dienft. 
Vijd in der mitt ftehn vornen her 
Das Bild des Traums Nebucanedzer. 

Zu vnderft fleht ein Anbild hie 

Des Nicolai Copernici: 
* Sonft ift zu mercken , dafs difs Haufi 

Ift gmacht von gbamen Stein durchaufs^ 

Vnd das gantz Werck nach feiner Würd 

Mit Gold vnd Silber köftlich gziert. 

Hiemit fey difs Werck kurtz erklärt , 
Dem der den Inhalt kurtz begehrt. 

Wüfsten wir, ob wir es wagen dürften, fo wollten 
wir bey der itzigen fchönen Jahrszeit - — wir fchreiben 
difs? im Maymond — wo das omnia nunc rident alle 
Stadtwelt zu den Städten hinauslockt, unfern Lefern, 
nachdem fie ftch nun lange genug mit uns in der Stadt 
verweilt haben, und da ihnen nun der Kopf von lautet 
folitifchenj aßronomifchen und andern Revolutionen ein- 
genommen und nothwendig voll und übervoll feyn mufs, 
einen kleinen Spaziergang aufs Land vorfchlagen , um fie 
da, am rechten Ort und mitten unter landwirthfchafdichen 
Gegenftänden , mit einem andern Gedicht unfers FifchartSy 
^as er ^uf das Landleben gedichtet hat und das feiineni 



gÖ Etwas über Strasburg , 

poetifchen Genius gewiß Ehre macht, nicht unangenehm 
zu unterhalten. Dach wagen wir's immer! ift e«. doch 
befler, im üeljerraaafs fehlen, als Mangel und Dürftigkeit 
verrathen; worüber bey uns keiner je geklagt hat, noch 
je klagen foU , der Cch unfrcr teitung überlaflen will, Dasi 
Gedicht fleht vor einem Buch , welches ficherljch in weni- 
gen Händen und in die unfern durch die Güte und 
Bonhommie ^ines Fr^und^s , des bicderri Herrn Haupt-. 
panns und Zunftn^eifter? , Jqh, Cafp. Qu in Zürich gekom- 
men — alfo neben her auch eine litterarifchet Seltenheit 
iil: ; es ift ein Foliant , der folgenden Titel hat :- 

„ Siben Bücher von dem Feldbau und VöUkomme-. 
ner Beftellong eyncs ordenlichen Mayerbofs oder Landguts, 
Etwan von Carolo Stephano und Jobann LitbbalPty^ der 
Artzenei Doctorn , franzöfifch befchrieben. Nun aber feine» 
hohen nutzes halben , gemeynem Vatterland zu lieb , vot\ 
dem öochgelehrten Herrn Melcbiore Sebizio , Silefio , der 
Arzenei Doctore, in» Tcutfch gebracht &;c. getruckt zu 
Strafsburg bei B. Jobin x?79- « 

Wer etw^ nicht b^greiflfen möchte» wie Sebizius^ 
Bernhard Jobin und Fifcbart hier zufammen kommen, 
den mag der Verf. der Breytopftgefchichte belehren , dafe 
})eyde letztere Schwier gewefen, und wir wollen, hinzu 
fetzen: dafs^ erfterer, deflen Bildnis im Holzf^hnitl; , auch 
dem Buche , in fehi: ehrwürdiger Geftalt , voranftehet ^ 
praktifcher Arzt und ein berühmter Lehrer der Arzney-. 
wiflenfchaft in Strasburg war, der fein Leben bcynahe auf 
Jiundert Jahre gebracht hat, und alfo wol augh Fifcbarts 
Xeben bisweilen aufgefrlfcht hahen mag, der dann etwa, 
ftatt baarea Gelder , feinen Hauptarzt mit poetifcher Münzp 
?u befriedigen gewußt haben wird, und fiqh fomit vor| 
ullen Seiten als Dichter und als Genie erprobt hat, Sey 
iten» vie ijim wpU^, hie? ift f^in Gedicht; e? fteh«; gleich 



vrle es vor 2oq Jahren war. g^ 

Unter des Sebvdus Vorrede » füllt drey in Columnea 
gefpaltne foliofqiten und hat folgende AufTchrift : 

,^ Färtreffiicbes artliches Lob , defi Landlußes , 
Mayersmut vnd hißigen Feldbaumanslebiu ^ aufs defs 
Horatii Exodo , ßcatus ille &c. gezogen vnd verteutfchfet 
durch J. Y. G- M. *' welches deim nichts anders ift, als: 
Jioffor Jobq,nn Fifcbart , genannt Mentzfr. 

Wot dem , der von fremd gfchäfften weit 

Vnd vom Stattgmeinen neid vnd flreit 
Auch von den jnnerKchen Krigeiv 
Entlegen , thut fbin Feldgut pflügea» 

iebet abgföndert wie die Ahen, 
. Die für die Redlichften wir halten, 

Vnd aufFfeim Landgut fich enthellt ,, 
Liget mit feinem Feld zu Feld. 

Bauwt mit fein Ochflen vnd fein Roflen^ 
io.Das Gut von Ehern jm verbflen. 

Sitzet nicht inn dem Wechflelgaden ^ 
Ift mit dem Wucher nicht beladen, 

Darff andern nicht fein Schweyß verzinfen,^ 

Noch fteygerung treiben mit den Montzen^ 
DarfF nicht halten ferr Faktoreien 
Vnd der Venediger Aufffchlag fcheueiii. 

Noch wiffen was in Indien fteck 

Vnd all jr Specerei gefchleck ^ 
Was Zuckel: fei von Candia. 
f6» Vnd Zucker von Canaria, 

Noch aufs Portugal der Schiff warten , 

Sonder gnügt fleh an feim Krautgarten« 

Wol dem, der jm folch Nahrung; fchaffet,, 
Demwächfst fein gwinn, wann er fchon fchlafet» 



38 iStwas uhtr Strasburg ^ 

Etfchtickt nicht vor den Heerpofaunen, 
Noch den Tonnerenden Feldkartaunen ^ 

\ffic der Landsknecht , der tag und nacht 
Im Feld das Feld vnd Land verwacht ^ 
Und gwinnt doch weder Land noch Feld^ 
jö, Daraufs er nchrllch fich erhallt, 

Kan dem Mayer , den er thut plagen ^ 
Doch keyn Ruck Felds am Spiefs hintragen« 
Ja wol jm , dann jm thut nicht graufen , 
Vor des Mors trotzigen Welletipraufen- 
Und darfF den zornigen Neptun 
Nicht flehen in der Mörfortun, 
Gleich wie der KaufFmann , der fein Glück 
Setzt auiF eyn Prett , eyns Daumens dick , 

Und forgt, wann er daheim fchon pleibet^ 
40. Wie jm der Wind fein Gut vmmtreibet: 

Sucht auch fein gut nicht mit eym Liecht 
Im Bergwerck, da man gar nichts ficht. 
Zudem wird er befchleppet nicht 
Mit firembder Händel Raht vnd Gricht, 
Spricht vber keynes andern Blut, 
Vrtheilt nicht vber vngwifs gut: 

Ift inn die Ringmaur nicht gebannt , 
Macht jm keyn Fein^fchafFt mit feim Stand: 
Darff nicht vil Anhangs jm erlangen, 
50. Noch andern vm jr Macht anhangen, 

Darff andrer Leut Gnad nicht geleben 
Noch fich an Gonft der Reichen heben. 
Noch jedem ftoltzen Burger flehen , 1 
Der von eym Aemptlin fich thut plähen , 
Vnd jm nachlauffen offt vnd lang, 
Vnd thun manchen vergebnen gang» 



wie es vor 200 Jahren wa9. $9^ 

Auch edich ftund vor jren Thüren 

Mit warten und ffillftehn verlieren. 

Diß alls darff nicht der Meyersman , 
60. Er nimpt fich keynes Prachts nicht ans 

Tracht nicht, wie er komm hoch ans brett/ 

Vnd forglich Dienft zu Hof ausbett, 

AufF das nicht , fo ers hat erbetten 
Andere jm bald die Schuch aufstretten: 

Dann fein frommkeyt laßt jn nicht heuchlen, 

Welchs doch zu Hof ift das gmeynft präuchlen. 
Sonder er gnüget fich an kleynem, 
Vnd mehrt daffelb , vnd fchad doch keynem^ 

Ift fchlecht, gerecht, aufFrecht, eynfaltig, 
fo. Was er verheyfst, das leyft er gwaltig, 
Hafst all Spitzfündigkcyt vnd lift. 
Die nur zum Zanck eyn vrfach ift^ 

Und da mancher grols forg jm macht ^ 

Wie ftattlich er aufsfuhr fein pracht , 
Vnd feine Geltzinfs verzehr järlich, 
Vnd jnn der frembde vmreiß gfärjich,^ 

So ziecht er aufF fein Gut darfür , 

Sicht was jm inn die Hand wächfst fehler, 
Wie jm der Segen vber nacht 
90. Hab meh, d^nn er gefäyt, gebracht. 

Wie die Blümlin fich vor jm fchmucken. 

Wie die Bäumlin fich vor jm bücken , 

Vnd wie vor freud aufffchnellt der Aft 
Wann er jm abnimmt was vom laft. 

Oder ziecht eyn einglegte Rebe 

AufF Umen , Afpen , das fie klebe ,> 
Gibt alfo Ehlich fein zufammen 
Die Reben vnci der Bäume ftammen, 



gci Ißtwas über Strasburg , 

Das fie die b^yn zufamm^n fchrenken 
90«Viid mit ArmcQ an einandei: henken^ 

OdeiC b]:aught zum Gmahking die Reb 
Damit er die Bäun\ zufammen geb,, 
Wann qr fie oben zfammen Icyt 
Das eyns die Hand dem, andern beut : 

Oder fchncid ab vngerathteiie SchöfsliA 
Viid JQipfit darein geradere Spröfslin;. 
Oder fight wo eyn Baijm fchwer trägt 
Caa er eyn Stütz im vnterfteckt i 

Etwan rieht er eyn Gläpdlin aufF 
lOQ» "Welchs. beinah fink^n wok zu hajiSv 

Pricht etlich Blumen darbei ab , 
Das er ab jrm gerugh ßch lab^ 

Bißweiln ficht er fein luft dargegea 
Dort inn eym Thal ferr abgelten ^ 
Wie das rot ynd weifswoUecht Viech 
Zerftreyt vnten am Berg herziech : 

Vnd hört wie fein Hirt führt ein mütleii^ 
Ai)fF der SackpfeUF vom Schäferliedleiin » 
Von feiner Bulfchaffc y diQ jm refch, 
110. OSi: Qep^l fteckt inn dHirtentäfcb« 

. Hört , wie ein Vieh dem andern rufe 
Im anäern Thal, welchs fich verluf^ 
Oder geht zu fein Imenkörben, 
Sicht wie fie crnftbafft w^ern, werben j 

Befchneid jr wächfinen Irrgang weifsiich 
Das- qr den Honig draufs. pring fieif^lichnt 
Zuzeiten fchlägt er aufF eyra Becker 
Zwen Homgkpjnig zu erfqhrecken. 

Das fie fich vmm die Weyd vergleichen 
lao. Welcher vom Plumen^rb mufs weichen. 



wie CS vor 200 Jahren war. gt 

Oder mant fie mit etlich ftreychen 

Die Hummeln vnd Wefpen zu fcheychen, 
Oder bildt jm an jnen für 
Königs vnd Vnderthanens gbür<, 

Aber wie freut er fich alsdann 

Wann der Traubmeyer vnd Obsman 

Der Herbft , >m reycht fein Obs vnd Trauben 
Das ers mit vnzal mag abklauben ? 

Wann er manch frembde Oepfelfrücht , ^ 
1)0. Die er felbs hat gejmpfft, abpricht, 
Oder eya Traub abliefst villeicht 
Der iarb halb nit dem purpur weicht ^ 

Vnd alsdann folehe in leim gmach 

Auifhenckt, das er fie ofFt anlacht. 

Es ift keyn ftund noch Augenbh'ck ^ 
Das jn nicht neue Freud erquick,, 

Sie folgen aufF eynander ftät, 

Wie eyn Jarzeil auff d'rrdcr geht j 

Vnd wie eyn Jungfrau tägKch pricht 
140« Eyn frifches Röfilin, dran fie riecht» 

Nun hat er luft das et fich ftreck 

Vnder eyn» Schattigen Baumes deck, 

' Darnach er inn das tieff Grafs dorthin, 
Welchs vom fürffieflenden Bach ift grün, 

Darbey mandie Häufchrecken fpringen, 

Vöd da jr- Winterleyd verfingen, 
Darbey die Vöglin mit Gefkng 
Wünfchen den Sommer noch fo lang 5 

Darbey manchs Bächlln fällt vnd quillt, 
ISO* Welchs das zu vU hcyfs lüftlin kült, 

Vnd raufcht vber die SteynKn her, 
Darvor der Schlaf nit ankompt Schwer« 



9« Etwas über Strasburg« 

Vnd wann dann fchon die Wärme weichet« 
Vnd der gro Winter einher fchleichet, 

Mit dickem Schnee , Eifs « vnd vil Regen , 

Mag er jm doch fein lufl: nicht legen: 
Bann alsdann fucht er feine luft 
Mit Hetzen im Feld vnd im Bufch : 

Nun hetzt er an vil ftarke Hund 
1^0. Wider eyn Schwein, welchs vil verwundt. 

Dann jagt er foöft eyn Wild inns Garn : 
Oder fpürt wo fremd Gwild vmmfahrn : 

Oder beilellt eyn Vogelherd, 

Das jm keyn Vogel nit entfahrt , 
Etwa fängt er ein Kranch mit lift 
"Reicher im Land verirret ift, 

Vnd andere Wintervögcl mehr , 
Welche diefelb Zeit gut find fehr: 
Oder hetzt Hafen vnd die Fuchs , 
170. Oder ziecht Pirfchen mit der Buchs : 

Oder 'praucht Bogen vnd Armpruft , 
' Vnd Vogelrohr bifsweil für luft: 
Oder rieht Luder an den Wölfien 
Die jm räubifch der Schaff abhelffen. 

Wer will dann nun bei gdachten ftucken 

Dem Winter fein vnluft auffrucken? 
Dieweil doch vnfcr Meyersmann 
Den Winter zum Luft» prauchen kan , 

Vnd macht jm aufs der Winterszeit 
l8o, Eyn Meyersluft vnd Wintersfreud? 

Wann dann erft zu dem allem hin 
Sein crnftlich Weib, die Meyerin, , 

Auch jm daheym zufpringt im haufs^^ 

Wie fräut jn nur das vberaüfs? 



wie fcs vor söo Jahren yrar* 9J 

l97ann er villeicht heym kommet müd, 

Vfld fie jm gleich alls guts erbiet j 

Ynd macht jm aufF dem Herd eyn Feur^ 
Das er fich zu der Wärm fein fieur : 

Vnd wann fie die Viehfiäll warm hallt » 
190. Ynd das Vieh warm deckt für die Källt , 

Vnd nimmt den Kübel dann gefchwind^' 
Meickts Vieh fo bald , als jr gefind. 

Defsgleichen wann fie jm aufiträgt 
* Seihfürnenwein, der jm wphl fchmäckt, 
Vnd fetzt jm etlich Trachten dar. 
Die er nit erft dariF kauifen par ^ 

Sonder jm gibt fein Meyerei , 

Vnd ift vom Zoll vnd Vngelt frei. 

Es ^können zwar eym all Mörfchnecketl , 
doo* Noch Dornbutt, Meurn, fo wol nit fchmecked^ 

Es foUfjm eyner nicht darfür ^ 

Wünfchen der Angelrochen dürr. 

Noch jm begeren vil der Steuren 
"Welche das Gwürtz nur Mufs vertheurcn: 

Noch auch den Brickenpfeffer theur 

Noch Gwürtzten Butter , gplagt vom feuer : 
Darfur hat Schuncken er Geräuchet 
Vnd flcyfch im Saltz vnd Eflig gweychetj' 

liTet vngewürtzet feinen Butter , 
a 10. Fein reyn, wie er kompt von der Mutter: 

Mifcht auch kein Zucker inn fein Käß, 
Macht jm fein Koft mit Saltz gnug räfs: 

Aufs Schmaltz , Milch , Honig , Eyern frifch , 

Er jm manch gute Tracht zuruft 

Sein Krautgarten ift fein Gwürtzgarten , 
^ Eyn Kraut kan jm fein Speiß auch arteii« 



94 Etwas über Strasburgs 

Nach Straufsenhirn er auch nicht trachtet » # 

Eyn ftifchcn Kalbskopff er mehr achtet , 

Oder eyn Lamm im Hornung gfchlacht^ 
Ä20. Vnd eyn Wider, dem WolfF abgjagt, 

Die Eyterfchleimige Fafanen 

La&t er im Gbürg bei den Vrhanert : 

Sein Ganfs er für eyn Trappganfs wöhlet> 
Sein Obs für Pomerantzcn zehlet* 

Für Pfeffer w^hlt er Biberncll , 

Wcckholter Börlin für Canell * 

Salbcy ^ Quendel vnd Rofsmarciil ^ 
Bafilg vnd Poley> fein Gwürtz fciil^ 

Jeder Monat bringt jm gewifs 
tjo.Neu frifch Kochkräutter zu feiiii Gmüfs> 

Als Endivy, Mangolt, Milten^ Binetfch, 
Peterfilg » Körfl , Natterwurtz , Bufretfch < 
V Manch Rüben, Kern, Bör, Nufg vnd Käften^ 

Erbfsen , Linfen , Boncn vnd Gerften , 
Zum Winter faltzt er Kappes ein , 
Dörrt hutzlen, raucht die Zwibleü feirt# 

Wer ift der hie eyn Mangel fpüret 

Heyfst das nicht wol profiantiret? 

Hallt nicht die Natur vnd die Erd 
ÄAOi Vnfern Meyer hierin gantz werth. 

Das fie jn nicht alleyn erquicket 

Söndcr jm auflFenthalt auch fehicket ? 
Wie mufs er fein fo wol getroft 
Wann er bey gdachter Speifs vnd Kcrfl 

Sicht vnterm Effen alleweil 

Wie fein fat Vieh dem Stall zu eil ^ 
Vnd heymträgt volle Vtern fchwär | 
Welchs bald wolt das mm fis entläir? 



'wie CS Vöt ^00 Jahren Wair» 95 

Oder ficht, wie fein Pferd von fett 
Z^o^ Ziheti mit laflem halfs daher ^ 

Den vmmgeftürtztcn Pflug zu hauß , 
Vnd fchütteln gern das Kummat aufs. 
Auch ficht fein Gfind eyns nach dem andern 
Fein allgemächlich heym zu wandern , 
' Gleichwie eyn Müden ImenfchWarnl 
Welchem die Soiüi den tag macht warm 
Vnd alsdann, wann nun alles vollricht^ 
Sein Gfind zu Tifch Geh fetzen ficht 
Vnd bciffen inn das Brod fo frei , 
ft6o> Das eyner fehmatzen möcht darbei^ 

Vnd mit dem Mufs den*LöfFel laden 
Das er kaum mag inn die Schubladen ^ 
Vnd daraufF thun eyn ftarken trundk 
Das man hört , wie im halfs er Munck , 
Vnd inn den Käfs fo dapfler fehneiden ^ 
Gleichwie fie Morn wollen arbeyten. 

Hie ifst man nit mit angft und forgen » 
Vnd fchlaft auch nit mit angft auff Morgen. 
Die Sorg verbittert jn keyn Köft , 
a70.Der Schlaf ift jn eyn Arbeit troft, 

£s träumt jn nicht von jren feinden 
Vnd wie fie zandken mit den freunden. 
O wie eyn herrlich trö(Üich leben 
Welchs dem Menfchen zu troft ift geben : 
O Gott defs Fridens, du verfchafle 
Das es betrüb keyn Kriegesftrafe 
WoUefi: das Land von Krieg erifetten. 
Das man es gniefs auch inn den Statten : 
Dann on das fridlich LandgebäU 
280. Befteht nicht lang eyn Folicei. 



96. Etwas über Strasburg » &Ci 

Vcrhüt das nicht der gbaute Boden 
Eyn wüfte Walftatt werd der Toden ^ 

Vnd werd für Himmebtau begoflen^ 
Mit plut von Menfchen her befloffcn, 
Wclchs die Frucht möcht abfcheulich machea 
Weil auch die Erd fcheut ab den Sachen. 
Bhüt vns vor frembder Völcker rauben 
Das fie nicht gnieffen vnferer Trauben : 
Segne den fchönen Feldbauftand 
Äjo. Welcher wird der vnfchuldigft gnannt: 

Das fie jn nicht mit Schinden fchänden ^ 
Vnd dcitt fingen durch Gcitz abwenden. 
Wol jnen, wann fie- dem nachkommen, 
. Dan fi)lch Feldluft gönnt Gott den frommem 

Efid deß Feldbaulobs. 



Quaß . introduSion zu einem teutfchen Gekhr' 
tennekrolog* 

f/y / ßnd wr eine recht gute Menfchenart wir fo* 
genannte und felbft uns fo nennende — Gelehrte ! Wir 
erfinden Hypothefen , erträumen Theorien , bauen Syfteme, 
ziehen Schlufsfolgen bis ins Unendliche, verlieren uns in 
Subtilitäten und Spitzfindigkeiten, ergrübein und ergründen, 
was jeder andre liegen läfst und daran vorübergeht ; durch« 
wühlen die Erde und ihre Eingeweide , durchkreuzen alle 
Annalen und alle Zeiten , ebnen die Berge und alle Ober- 
flächen und dringen in die Tiefen und alle Abgründe; 

fchifien 



Quafi . Introduaion &a 97 

fchiffcn über Meere und um die b^wohntö und unbewohnte 
Welt, vor. Hottentotten und Eskimaux wie vorm Papfte 
und den Kaifern- von China und Marocco vorbey ; meffen 
felbft die Himmel, die Möglichkeit und die Unmöglichkeit 
aus , fitzen hinterm Telefcop und vor'm Erdbohrer, fchwitzen 
und frieren; beftimmen Handlung, ordnen Regierungen und 
pflanzen Kohl ; forgen für's Groffe , wie für's Kleine , für 
alle Bedürfnifle, für alles Leiden, für alle Ergötzungen, 
für alles, was unfern Mitmenfchen das Leben verfüffen 
und unangenehme Stunden in angenehme, und Langeweile 
in wohlthätigen Schlaf oder unterhaltende* Befchäftigung 
umwandeln kann — für Witz und Satyrc, für Scherz und 
Ernft, für Romane und Gefchichte, für Dicht-und Tanz- 
und Tonkunft, für Leben und Tod, für's Gegenwärtige 
und Zukünftige, für die jetzige Welt und für die Nachwelt. 
Wfr verdrängen Barbarey und Aberglauben , wo fie noch 
herrfchen , oder auch nur fpucken , wir entfernen Dumnt- - 
heit und Heiligenfchein , fo fehr das eine abfchreckt und 
das andere blendet , von unfern Wohnungen und aus 
unfern Gränzen , wenn und wo fie fich eindringen , eirt- 
niften oder einfchleichen wollen ; wir find immer und Tag 
und Nacht aufm Qui vive ! immer gerüftet , jeden Schadea 
abzuwenden, jedes Gute Zu unterftützen und Zu befördern , 
jeder Gefahr vorzubeugen, raftlos ift unfer Leben, Arbeil 
ifl: unfre Jugend , Arbeit unfer Alter ! 

Und was wird uns dafür? Ein kümmer liebes Brod — 
oft auch diefs nicht — und wenn's gut geht , ein Ehren* 
titel^ Q\n Zeitungslob ^ ein' Seitenblick von einem Vorneb^ 
men oder deflTen Qünfllijig — mittlerweile der Unthätige 
und eben darum Unthätige , weil er zu allem unfähig und 
zum Taugenichts erzogen ifl; , im Ueberflufs fitzt und das 
Mark des Landes verzehrt, deflen unnütze Lafl: er ift, 
dem nützlichen und verdienten Manne Rang und Einkünfte 
Wegfchnappt und ftolz von feinem Bucephal herunter , als 
Meufels Mag. i^tes Stück. G 



98 Quafi - Introdudtion . 

glücklicher Jokey — oder aber als elegant manque^ mit 
feinem grinfenden Aflengeficht , aus einer leften Equipage 
auf den Mann von Talenten herabblickc , oder als Herz-und 
Muthlofe Uniformenpuppe fleh dem , der Herz und Kopf 
aufm rechten Flecke fltzen bat , entgegenftellt , dreift fich 
an' die Göttertafeln der Fürften drängt , da fich Mafhing 
giebt und fo gemäftet ruhig zur feilen Dirne fchleicht und 
im Hurenwinkel hohnlächelt, dafs der gelehrte Pedant 
nichts gelernt habe, als arbeiten und nützlich feyn: ftatt, 
dafs er fich — wie diefe Herrchen , darauf gelegt haben 
follte f Cour zu machen und den faineant zu fpielen , zu 
kriechen , niederträchtig zu fchmeicheln , die Hand zu 
küflen , Karten zu mifchen — und fo feinem Glück ent- 
gegen zu gehen. 

Ifl denn nun endlich ein fo kümmerliches Leben 
mühfelig genug durchlebt , ift Niedrigkeit , Verachftihg 
und Herunrerfetzung endlich fiegreich und mit fchwerem 
Herzen und unter vielem Jammern und Seufzen und 
Wehklagen überwunden ; fliehen wir alt , fchwach und 
von durchwachten Nächten und ausgeführten Arbeiten 
entkräftet da , und muffen wohl gar noch zufehen , wie 
nun felbft * der Efel dem Löwen Trotz beut , ihn infultirt 
und gegen Ohnmacht , der fo viele Kraft vorangegangen 
war, fich brüftet, was wird's denn doch am Ende*? 

In irgend einem Zeitungsblatte ftehts : Er flarb , man 
febe Meufefn — und niemand fieht Meufefn nach , denn nie- 
mand hat das Buch , wenigfl:ens ganz hat es niemand — > felbft 
oft öffentliche Bibliotheken nicht, die doch folche Repertoria 
aüfllellen und vor andern aufbewahren foUten. Er felbft , 
Meufely fieht es etwa noch nach L^ um uns auszußr eichen -^ 
und dann — - find wir da gewefen, haben uns erarbeitet, 
unfi-e Jahre und Kräfte , unfer Leben und unfre Bequemlich- 
keit zum gemeinen Beften aufgeopfert — und find verfchwun- 
dcn und vergeflen — auf immer; wenn nicht etwa , foin 



2u einem teutfchen Gelehrtennekrolog. 99 

einer Ecke , irgend einer noch da fitzt , der gleichem 
Schickfal mit düfterm Blicke entgegen (ieht , und vielleicht 
zu feinem eignen , obfchon fchwachen , Trolle , noch denkt : 
Es ivar ein Maiin^ tvie -vpenige ^ ein itvackrer Mann! 
aber auch nicht oder wenig geachtet — ,ünd damit ifts 
Alle ; wenn nicht etwa gar , nach unferm Hintritte , fo ein 
Neuling fich auf die Schultern des Riefen fetzt und nun 
weiter zu fehen glaubt, und unfern Ruhm — unfre Gloriole 
w— welche in unferiji Leben noch fo ganz und unangetaftet 
geblieben waren, nun erfl noch begeifern und zeigen will, 
dafs wir hätten fchreiben follen, worüber er fchreibt; und 
in der Sprache , in dem Styl , in dem Tone , die er fich' 
gewählt und mit dem Kennersblick , den er verräth , hätten 
fchreiben und abu'rteln foUen — er der Neulingdeklamator 
.— der nicht Sach - nicht Sprach - nicht Critikkeimer — 
fondern Zwerg — en tout et partout ! 

Diefs wäre denn fo eine Quaß-Introdullion zu einem 
Gelehrtennekrolog für uns Teutfche — denn fo gehen wir 
teutfche Gelehrte zur ünfterblichkeit über. Obs in andern 
Ländern auch fo , oder ärger oder befler ift — kann nur 
der wifTen , der über unfrer Gränze gewefen ift ; nicht 
der Schreiber diefes , der leider ! zu den Vielen gehört , 
die nie fo weit fich verfchritten haben , fonderii immer in 
ihrer Klaufe verfteckt geblieben find und wohl haben bleiben 
iDüfTen ; alles , was ^r weifs , ift diefs : Woblßnd vpir eine 
recht gute Menfchenart , tpir fogenannte Gelehrte !\ Dieu 
nous alt en fa fainte gf digne garde! !! 



6 Ä 



XQO 



ftansDenk^ einer der erßcn und gekhrteßen Htieda^ 
ttUifer -«« Ein bio-und bibliopraphifcher Vtrfudu 

Der ürrprung derjenigen Parthey unter den evangclifchctt 
Chriften^ welche von der Wiederhohlung der bey andern 
Gemeinen eingeführten Kindertaufe den Namen der IVit^ 
dertUufer^ oder Anabaptiften, trägt, hat manche Dunkel- 
heit; denn fie^ entftand unvermuthet in verfchiedeneti 
Ländern Europens, durch Stifter von ganz unähnlichem 
Veriland und Herzen ^ und zwar zu eben der Zeit , da 
die erften Streitigkeiten mit den Römifchkatholifchen jeder- 
mann fo befchäftigten, daft man das Uebrige was in der 
Kirche vorgieng , kaum bemerkte. Ich fchreibe keine 
Gefchichte der Wiedertäuferifchen Lehren , und fetze 
diefelben als bekannt voraus. Doch mag ein kurzes Excerpt 
aus eines Zeitgenoflen , des berüchtigten Sebaß. Franks , 
Chronik Th^ 111. Blatt 178. hier eine Stelle finden : 

,5 Anno 1526. (eigentlich fchon ein paar Jahre vor- 
her) entftund aus dem Buchftaben der Schrift eine neue 
Sedlvnd fundere Kirch, die nennten etlich Wicderteufer , 
etlich Teufer, die fiengen an mit einem fundern Tauff 
fich von den andern zu fbndern , vnd alle andere Gemeyn 
als vnchriftlich zu verachten , auch kein feeiig oder für ein 
Bruder zu zälen , der nit irer fe(^ vnd parthey war ^ 
fiengen an, die fo zu ihn tratten, wieder zu taufen, oder 
vilmchr , wie fys fiirgaben , zu teufen nach dem Bevelch 
Chrifti , dann fy den kindertauf nicht weniger als die 
ohrenbeicht fchrifftlos vnd ohn allen grund vnd bcvcich 
Chrifti, darzu von ketzern gegeben feyn fprachen, zogen 
ein groffen greul darauf, wer fein Kind teufen , oder fich 
ait teufen liefs. " 



Hans Deiikj einer der crften &c. lor 

Die Bekennet diefer Sekte waren ebrä fo , wie ü6^ t% 
noch heujiges Tages find, gleidi anfangs in verfchiedene 
Partheyen getheilet, welche über Dinge von minderer und 
gröfferer Wichtigkeit mit einander ftritten. Der fchliramftc 
Theil diefes vieiförmigen Volks , ich meyne derjenige , 
welcher glaubte , die Stifter der von ihm erträumten voll« 
kemmenen Kirche würden von einer göttlichen Kraft 
belebt und mit der Wundergabe ausgerüftet werden , fieng 
im Jahr 152 1. an, unter Anführung Thomas Münzers , 
Jltarx Stübners ^ Nikolaus &or^^ und anderer , Sachfen, 
Thüringen und die benachbarten Gegenden heftig zu 
beunruhigen. Diefe Leute fammleten eine ftarke Armee 
aus dem leichtgläubigen Pöbel, vornämlich aus SächfiTchen , 
Thüringifchen , Schwäbifchen und Fränkifchcn Bauern , 
kündigten xs2S* ^len Gefetzen und allen Obrigkeiten 
Krieg an, und lehrten, dafs von nun an Chrifius allein 
König feyn werde. Aber diefes Heer ward mit leichter 
Mühe gefchlagen und zeräreuet, und der Rädelsführer ^ 
Mänzer hingerichtete 

Indeflen machte diefe traurige Niederlage den fana-_ 
tifchen Haufen nicht klüger. Es fchwärmten von diefer 
Zeit an in Teutfchland , Holland und in der Schweiz Leute 
genug herum , welche den Staat und die Kirche durch 
aufrührifche Reden erfchütterten , den Obrigkeiten und 
Städten im Namen Gottes einen plötzlichen Untergang 
weiflagten , und , ungeachtet fie für heilige Leute und 
göttliche Boten angefehen feyn wollten , tioch gar öfb 
durch Schandthaten und Verbrechen die Ehre des Höchfien 
frech fchändeten. 

Zu diefer Sekte hielt fich auch JoVann Denk^ ein 
grundgelehrter Mann , delfen Lebensgefchichte und. Schriften 
hier erzählet werden foUen. Sein Vaterland war die obere 
Pfalz ; daher er auch insgemein der Baür genennet wird. 
In der Refbrmationsgefchichte der Sudt St. Gallen , welche 



loz Hans Denk, einer der erden 

Simler im I. Bande feiner Sammlung alter und neuer 
Urkunden &c. &c. S. 1)9. u. f. hat abdrucken lafTen , wird 
folgende Nachricht von ihm gegeben; „ Derfelbigen Zyt 
kam einer gen Sant Gallen , mit Namen Hans Denk , den 
nannt man den Nürnberger , darum dafs er etwan ein 
Schulmeifter da gfyn was. Was fonft ein Peyer , eia 
gelerter, redricber (beredter) demuthiger Mann , der kart 
(kehrt) bei den Wiedertäufern zu &c. &c. " 

Nach feinen Studirjahren lebte er anfangs in der 
Schweiz ♦ und fog dafelbft von Ludwig Hetzer , der fich 
nachmals in Nürnberg zuweilen bey ihm aufgehalten , und 
andern Wiedertäufern feine anabaptiflifchen Irrthümer ein. 
£r verband das Hebrälfche gründlich; und vielleicht hat 
er es zu Tübingen von Reuchlin erlernet , aufler welchem 
es nur gar wenige in Teutfchland lehrten. Aber auch der 
griechifchen und lateinifchen Sprache war er mächtig, und 
deswegen brauchten ihn Cratander und Curio als Corredtor 
in ihren Buchdruckereyen zu Bafel, a) In diefer Stadt 
unterhielt er die engfte Freundfchaft mit dem berühmten 
Jobann Oekolampad , der ebenfalls eine Zeitlang in Cratan- 
ders Officin einen Corredtor abgab, b) Diefer fcheint in 
den Verdacht gekommen zu feyn , als ob Denk von ihm 
mit den wiedertäuferifchen Lehren wäre angeftecket worden. 

Allein, wenn gleich Oekolampad^ ein grundgelehrter 
Theolog , in manchen Lehren , befonders in der von der 
wirklichen Gegenwart des Leibes und Blutes Chrifti im 
heil. Aben^mahle , von dem gewöhnlichen Wege abwich ; 
fo war er doch in der Angelegenheit mit Denken unfchuldig. 
Er vertheidigt (ich auch deswegen in einem Brief an den 
» ■ .. .■■ ■ „• ■ ■ 

tt) Siehe ^^a fvbolaßic. Vol. V. p 361. und Epißolaeab eccleßae 
Helveticae re formatoribtu vel ad eos fcriptae p.~ SO*' §• II« 

b} S. Zeltneri tbeatrum ertditorum eorreSiürum p. 3869 worinn 
auch Denk hätte anfgefteUet werden foUen. 



und gelchrteften Wiedertäufer. 103 

gelehrten Rathsherrn zu Nürnberg. ^ .' TTilibald Pirkbei- 
nter^ vom 2^. April 1925 : Denckius a me nullum vene- 
num baußt , ß venemim baiißf. Nefcio , an multa de 
Jacris contulerim cum eo. Audivit aliquoi leSiones Efaiae. 
Sed qttaks illae ßnt , iudicet leSlor^ Nihil intprudentiur 
iOis dixi. Et non opinor , multum in iüis veneni, Praeterea 
de Eucbarifiia quam timide femper iocutus ßm , fciunt , 
qui audierunt. Sed cum Denckio nibil : tametß abbinc 
decennium eß , quum multa Juper ea re a doäijjlmis 
qjübußiant inter angulos referri audirem^ a qtiibus für- 
tajfe gf ille audiit. c ) Noch mehr. Oekolampad füll es 
fo gar gewefen feyn , der Denken noch , ehe derfelbige 
ftarb , wieder auf den rechten Weg gebracht hat. Doch 
davon in der Folge. , 

Von Bafel kam Denk Anno 1^21. nach Nürnberg, 
als Rektor der dafigen St. Sebaldsfchule , wohin Oekolampad 
ihn empPahl , der an dem Senator Pirkheimer damals einen 
groffen Gönner hatte. In Job. Heumanni docmnentis lit- 
ter ariis varzi argnmenti p. ; f 9. findet fich ein Brief 
Oekolampads' an Pirkhcimern , worin er fagt: Fert Fama 
Mira quaedam de Denckio , quem nefoio , an ultra debeam 
dicere noflrum ,• certe non eß mihi adbuc credibile ^ 
illum talem virum , quem profeäo , ß fiefpicari ItcuiJJet , 
minus dextfe funSürum provincia , neutiquam commen' 
dajfem tarn officiofe. Quodfi in bomine falßis ßum , non 
tarnen Cbrißiani officium denegavi. Der Brief ift vom 
Sonntag Quinquageßma datirt , und wahrfcheinlich im Jahr 
1929. gefchrieben, weil Denk im Julii 1^24. aus Nürnberg 
weggejagt worden, und die Ausdrücke vermuthlich von 
der fchon gefchehenen WegfchafFung Denks zu verliehen 
find. 

Wahrfcheinlich ift derfelbe von Münzem , der fich 

' ' . -' 

c) Opera Firkheimeri p. |o6« 



104 Hans Denk, einer der erlleti 

tngefehr A. 152)' eine geraume Zeit zu Nürnberg aufge«» 
halten hat , i) zu der wiedertäuferifchen Irrlehre verleitet 
worden, Diefelbe behauptete er in Nürnberg ohne Scheu , 
glaubte auch heimlich den Irrthum von einer noch zu 
erwartenden Sccligkeit der Teufel und aller verdammten 
Mcnfchcn nach lange erduldeten Leiden in der Hölle. 

Da nun die fich hier und da zufammen rottende 
Wiedertäufer auch in den Nürnbergifchen Gegenden , 
wohin fie zum Theil Denk felbft mag gelocket haben , die 
Bauerfchaft eingenommen und wider "die Obrigkeit gc- 
reizet hatten , Denk aber , aller angewandten Mühe unge- 
achtet, fich eines Beffern nicht wollte belehren laßen; 
fo ward er endlich A. 1524. im Julii aus diefer Reichsftadt 
fortgefchaft , mit dem Befehl, fich 10 Meilen, weit voa 
derfelben zu entfernen, e) 

Wohin er fich zuerft gewendet , läfst fich nicht 
gewifs fagen. Bald hernach aber finden wir ihn zu MühU 
häufen. Oekolampad fchreibt in einem Briefe vom 2% 
April i^2^t an Pirkheimern : Denckius ante meufem 
fcripßt deßgnatum ßbi docendi fnunus in Mülbaufei$ 
Tyringorum. Non meminii caiiße , qitare ißbic fiherit. 
Vermuthlich wollte ihn Münzer bey fich haben, der 1924. 
in Nürnberg war, und dafelbfi: einige Schriften drucken 
liefs, /) und von da nach Mühlhaufen gieng, wohin ihm 
auch einige Bürger aus Nürnberg folgten , und wo auf fein 
Anfiiiften der alte Rath äbgefetzet , und ein neuer verordnet 
worden ift , welcher ganz von ihm abhieng ; wie denn er 

' ' f ' ■ ■ ■ " '■■ ■ >■ I » n I .. t » ■ ■ I - y I H 

4) Wiüs GefcUichte des Antibaptifmus in Teutfchland S. 32 — 41. 
Ingl dei' pHurißb und der Frotefimtmkrieg &c. (B^fel 1573« 
fol. ) S. 79. 

f ) Siehe WiU Uhr, cit. S. 17. 

f) Nicht 1555. wie Herr Stark in der^ GefcbicbU der Taufe und 
Taufgejanten S. 162. fagt. S. OUii Anmles anabaft, p« 13. 



und gelehrtcftcn Wiedertäufer. 105 

Telbft nicht nur Prediger , fondern auch zugleich Rathsherr 
vrar. Allein , die Scene änderte ficfl plötzlich : Münzet 
i¥ard fchon 1^29. mit feinem aufrührifchen Heere gefchla« 
'^en , und im Lager vor Mühlhaufen enthauptet. 

Denk mufste aus Thüringen fliehen ; und es läfst fich 
vermuthen, dafs er nun feines Gleichen werde aufgefucht 
haben. Er gieng in die Rheingegenden, und dann nach 
der Schweiz zurück, wo er 15 »5. nebfl: Ludvpig Hetzer» ^ 
unter Felix Manz und Grehels Anhängern von Hattinger 
in der Helvet. Kircbengefcbicbte Th. I. S. 222. aus- 
drücklich genannt wird. Von diefer Zeit an machte er 
mit Hetzern gemeine Sache , und bega^ fich mit ihm nach 
Augsburg, wo er feine Grillen und Irrthümer noch weiter 
ausbreitete, und viele Jünger machte, welche von ihm 
Denkianer , oder , wegen ihrer Meynung von dereinftiger 
Erlöfung der Teufel, daemoniaci genennet wurden. Er 
xpachte dafelbfl dem ürban Rbegius und andern Kirchen, 
dienern vielen Verdrufs ; und er wird in der Schrift: 
30 Wider den newen TaufForden , Notwendige Warnung 
an alle Chriftgleubigen durch die Diener des Evangelii zu 
Augfpurg. MDXXVn. am vj. de« Herbftmonats. 4. " mit 
Namen genennet , und von ihm Bog. A ij b. gefagt; 
gy Johann Denk (dem Gott verzeyhe, wenn er noch ni|; 
zum Tod gefündet hat) hat bcy vns fampt feynen landt- 
farern auch den Newen Taufforden wollen aufrichten , hatt 
fich zuerft in die Winkel gefleckt vnd heymlich fein gyfFt 
aufsgoffen , mit den verordneten Prädicanten hatt er nichts 
wollen reden, auch je nycfndert erwarten, das man Jnmit 
der fchrifft lehrte, folch fein .heymlich mummeln in den 
Winkeln hatt Bald vmb fich gefrelfen wie^ der kreps zu 
viler feien jämmerlichen fchaden ehe man fy innen worden 
ift. " In der Folge heifst es : n Die öfFenlichen verfü- 
jrer im TaufForden find Jobauji D^uk vnd Baltbafar 



io6 Hans Denk, einer der erften 

Fridberger. g ) Bogen JM iij. „ Hütet euch vor Jobann Den- 
ken , Denn er decket voll irrfal , Er wollt bey vns zu Augspurg 
beweren , die Teuffei vnd alle verdammten würden zuletzt 
feelig, da vermanten wir jn heymlich vnd öffentlich nach 
brüderlicher ftraffe ardt das er vom Irrthum abftünde, es 
wolt nichts helffen, da beftymmtcn wir jm ein Tag, daß 
wir mit jm aufs göttlicher fchrift feyn leer examinirten. 
Als wir nun zamen kommen , hebt Denk an die fach von 
der verfehung Gottes , vnd fragt im erfl:en antrytt vrfach 
des göttlichen willens vnd warumb Sund gefchchen , die 
des menfchen Tod feynd , weil doch gefchrieben wäre , 
das Gott des fündcrs tod nicht begehrte , Do wir ihm 
nun aulF das vnd anders antworten « vnd ihm die fchrifit 
zu hell in die äugen fchyn , keret er fich zum fcheltworten , 
vnd nennet vns gleychfsner , Aber wir wollten von feim hals 
nicht , vnd drangen , das er vns auff" offne fchrifit antwort 
gebe, fprach er, nachdem es Geh etliche ftund verzogen 
hett, Er künde mit vns nichts ausrichten, er hette nye« 
inands aufi^ feiner parthey , do fragten wir , ob Er erley- 
den mögt, das ein ganzer Stadt oder Ausfchufs vns zanien 
verhörte, farapt den verftendigen in difer fach , was (war) 
er fraydig vnd fprach , er wollte die fach mit vns vor 
ainer gantzen Stadt annemen , Begerten wir das er mit 
vns zu einem Ratsfreund gienge, foliches zu erwerben. 



f) Oder eigentlich D. /f«fc»/e;V von Friedberg gebürtig, einer der 
erften und vornehmften wiedertäuferifchen Lehrer in Teufch- 
land , von welchem Scbelbom in Aäis kiflor, ecclefiafi. faeculi 
Xl^. Ö* XFL S. loo — ISS. und S. 286 f. und in der 
Sammlung für die Gefchichte B. I. S. 314 -^ 34S. gute 
Kächricht gegeben hat. Man fehe auch die feltne Schrift : 
ffiflorica reUUio de ortu ^ progrejfii baereßum in Germania , 
praefertim vero Augußae J^indelicorum (Ingolftad« l6S4* 4*) 
p. 25. fq. 



und gclehrteßen Wiedertäufer. 107 

Aber morgen , als wir wollten zammen kommen, vnd 
vnfer fach volftrecken , was Denck zum thor hinaus , 
machet fich gen Strafsburg , dofelbs auch* den geraeinen 
fryd der chriften zu Ichweehen, Nachmals ift er heymlich 
gen Augspurg kommen , In die wiiikel vnd fein gifft aber 
( abermal ) aufsgegoflen , Öffentlich hat er fich nie fehen . 
laffen, das er zu vns were kommen, vnd der leer halb 
mit vns geredt, wie er vormals auch gethan hat, Vnd 
das ift des Tauffordens brauch in ihren oberften, heymlick 
in ein ftatt zu fchleichen &c. " 

Arnold liefert in feiner^ Kirch - und Ketzer - Hiftorie 
Band III. S. S34- das Excerpt aus einem Briefe des Augs- 
burgifchen Predigers, Petrus Gynovianus vom Jahr 1^26. 
an Ulr. Zwingli, folgenden Innhalts: „ Es ift allhie Hans 
Denk 9 der zu Nürnberg verwiefen worden , weifs nicht 
vm was rottirung Willen. Es ift ein fehr fchädlicher vnd 
verfchlagener Mann , der nicht wenige verführet , wie dann 
die Augfpurger curios feyn. Unter andern fagt er ,' die ' 
Schrifft fey vns eben nicht nothig. Die böfen Geifter 
würden am Ende aller Dings auch feiig werden nach der 
Lehre Origenis. Es fey auch noch keine gemeine. In 
fumma, er ift der vornehmft Wiedertäufer. Diefes hab 
ich theils felbs von ihm gehöret, wiewohl der Schelm 
hernach feine Wort verändert hat , theils von andern. 
Er. hat dich fehr gefchmähet, und der tyranney befchul- 
digt, die du wider ihn geübet hätteft. Ich habe aber deine 
Ehre gerettet, und ihn wacker ausgefcholtcn und gehen 
laffen« ünterdeffen hat er gleichwohl die meiften allhier 
überredet , dafs fie ihm glauben &c. " 

Dafs Zwingli von Denken gefchmähet worden, jft 
kein Wunder : es mufste jenem bey der eben erft von 
ihm angefangenen Reformation alles daran gelegen feyn, 
den Grundfätzen diefer Leute entgegen zu arbeiten, die 
fich damals in kurzer Zeit in den Gegenden von Zürch ^ 



log Hans Denk, einer der erlleti ' 

Bern , Freyburg , Schafhaufen und Solothum gewaldg aot«^ 
breiteten* Er nebft andern Zürchergeiftlichen warnten in 
cfientlichen Predigten wider die Schwärmgeifter, und wider, 
legten befonders ihre neue Taufe* h) Z-wingli fchrieb auch 
fein Buch de baptifmo und den Elencbum contra catom 
Laptiftarum flropbat wider fie. Aliein, es war fchwer^ 
die Sonderlinge von dem Ungrunde ihrer Meynung zu 
überzeugen , da fie auf klaren Beweifs aus der Schrift 
drangen , dafs auch Kinder getauft werden follen ; woge^ 
gen man aber freylich nichts anders anführen konnte y ab 
«lafs es wakrfcheinlich fey, dafs auch die Apoftel fchoti 
Kinder getauft haben. 

Indeflen , da diefe Leute fortfuhren , auch die öfFent^ 
liehe Ruhe zu (löhren, fo machte am ^tenMärz A. 1^26« 
der Rath zu Zürch durch ein förmliches Edikt bekannt, 
dafs die Wiedertaufc bey Lebcnsftrafe verboten feyn foUte. 
"Wer den andern taufte, oder fich taufen liefle , der fotlte 
ergriffen , un(i nach ergangenem Urtheil ohne alle Gnade 
crfäufct werden. Dicfe ftrenge Verordnung fchrieb man 
hauptfächlich Zwingli'n zu, der zuerft das harte Urtheil 
gefället haben foU : Qiti merfus fuerit , mergatur. Und 
nun wird man fich Dettkats Hafs gegen ZwingU'n leicht 
erklären können. 

Nach feiner Entfernung von Augsburg trieb er fich 

bald hier , bald da in der Welt herum. Zu Bafel und zu 

Worms hielt er fich wieder zu feinem Lehrer und Freund , 

^ Zudvpig HätzeYy i) und half ihm als einem guten Hebräer 

' ' ' " ' ■ ■ ■■ ■ — ..., .^ I ■ . ... I I |. 

Ii) Siehe Jäbring Hiftorie der Taufgefinnten Seite 90. 

I) Von ilim f. Sattdii biblhtb. antitrinitarior. p. 16. und Hn^ 

Famers Befchr. der älteflen Aiigfp. Ausgaben der Bibel S. 106, 

X welcher bemerkt, dafs er kein Baier, wozu ihn Sandius und 

andere gemacht haben , fondern voo BifibofszeU in der 

Schweiz gebürtig gewefen. S. auch Herrn Strabelt neue 



. and gelehrteften Wiedertäufer, joj) 

die Propheten , deren Schriften von den Wiedertäufern zuc 
Betätigung ihrer Lehrfätze vornämlich gebraucht worden^ 
ins Teutfche überfetzen 5 von welcher Arbeit hernach wird 
geredet werden. 

Yermuthlich wollte man ihn itzo zu Bafel nicht mehr 
dulden. In dem feltnen Werke : Monumentum inßaurati 
fatrum memoria per Helvetiam regni Cbrißi («f renafcen^ 
$h evangelii , i. e. Epiflolarum D. Jo. Oecolampadii ßf 
Huldriebi Z-voinglit Sf aliorum eximiorum Jefu Cbrißi 
fervorum libri IIL i £iiit, fecundae Baßi, 1592. 4.) 
flehet S. 914.' f. ein merkwürdiger Brief Denks an Öeko* 
lampady worinn er diefen fehr dringend bittet, dafs er zu. 
Bafel möchte geduldet werden , ob er gleich nicht in allen 
Stücken mit ihm und andern dafigen Lehrern übereinffimme. ^ 
Da das angeführte Werk nicht in jedermanns Händen ift, 
fo foU der Denkifche Brief hier ^ abgedruckt werden , den 
man zugleich als ein kurzes Glaubensbekenntnifs feines 
"Verfaflers anfehen kann* 

Salutem a Deo Pa$re per Chrißtim Jefitm Dominum 
noßrum , &f pacem inJSpiritu SanBo. Amen. 

In memoria etiamnum babeo^ quo tu^ mi Oecoianü 
padi , animo in me fueris o/im , dum bic apud Curionem 
agerem: meminij quam amice ^ familiariter gf fratern^ 
me acceperis primum , acceptum deinde amplexus fueris J«f 
foveris. Poß ilfa , ß miraris , cur nihil ad Te föripferim 
abfens , curpraefens non adierim , ( quanquam etiamfemel 
adii ) caufa eß j quod timuerim ^ ne non Heer et , fatis 
libere vel Jentire , quod fentirem , vel non pro7tunciatcf. 
fententia maturius deliberare. Verebar enim , ut bomo 
film ^ ne idem eveniret mibi cum^ aliis , quod cun^ 
Ofiandro pridem evenerat, Si peccavit bic timor meus ^ 
haec formido in Tuam confcientiam , ecce promptijjime 
' I 

Beyträge zur Littcratiir , befondcrs des i6t«n Jahrhunderts 

B, L St. %, S. 191. 



' HO Hans Denk, einer der erden 

culpam agnofco ^ fateor. Atque hoc minus exilii per" 
fecutionumqtte iure me poenitebit , quo magis verum ejfe 
comperero^ me peccaffe in quenquam. Tametß nihil nu 
poenitet omnium affliSionum , quas tuli haäenus , quan- 
tumvis bene mihi confcius. Nunc quae fiiertt ad Te 
fcribendi occaßo ^ paucir accipe, Ita exulo baÜejtus^ ut 
femper maluerim in proprio aliquo^ loco certus vivere^ 
fermittente Domino, Apud ignotos nondum licuit ^ ad 
cmnes ferme laborer inepto : apud amicoT vero & notos , 
propter fufpicionem de me conceptam quaß feäarum fau^ 
tore & authore perverforum dogmatum. Deus mihi teßis 
eß ^ quod uni tantumfiSae, quae eß eccleßa fanElorum ^ 
bene eJfe cupiam 9 ubiubi ßi, Nam apud vos filos ejfe 
non credo: imo ne Cbrißianos^ quidem ejfe confenderim^ 
ß quis exaSam fidem urgeat : quantumvis tmio Zelum 
iüum reäe vivendi , quem probe fcio , ^ quotidie re 
ipfa magis magifque comperio , «0» fatis ejfe ad hoc , ut 
voceris Cbrißianus , citra «o/yvao-iv iüam , quam requirit 
Paulus in fuis contribulibus. In dogmacibus non nego, 
partim erraffe me &f adbuc errare pojfe: partim vero i>a 
locutum effe , ut malim tacituin. Atque haec non puderet 
me vel publice fateri^ ßprecium ejfet operae : hoc eß^ ß 
plurium bono quam malo fieret. Qjtodß Tibi non impro- 
batur is animus , fer , nii Oecolatnpaiii , aequo animo , 
quod in me deßderas: equidem facile fer am ^ ß quid in 
Te quoque deßderavero. Vt enim amicitiae praeßrtim 
chrißianae proprium eß ^ idem fentire ^ ita lex mihi vidt' 
tur iniqua , nemini Heere , ab altero dijJentiYe. Niß 
omnino tale aliquid ejfet , quod ferri neque pojfet , neque 
' deberet. Durum eß exilium mihi & difficile : fed dijft- 
' cilius eß , quod fuccejfus ^ fruäus non refpondet Zeh 
meo. FruSum autem alium non requiro , ( Dominus 
novit) quam ut quam phtrimi tino cor de fcf ore Deum 
^ Patrem Domini nojiri Jefu CbriJH glorißcarefjt , ßve 



und gelelirteftcn Wiedertäufer. 



III. 



fircumciß^ ßve baptizati , ßve neutrum. Longe enim ah 

illis dijfentio , qui regnum Dei nimittm ceremoniis ^ 

,elementis mundi adßringunt , qtiicunque iJIi ßnt, Qitam^ 

vis negare non poffüm , fef me aliquamdiu baeßjfe in 

huiußnodi, Si quo igitur paßo iinquam) hunc animum 

tolerure poteris , da operam quaefo , mi Oecolampadi , ut 

bic mihi liceat , aliquamdiu perßßive. Daretur fortajßs 

locus aliquis manendi , ß vel per Te liceret quiefcere. 

JParce enim interim , quod mihi abs Te timeam : quan» 

doquidem ipfe quoque parco ßnißrae multorum^ ß non 

Tuae etiam de me fufpicioni ^ qui me credunt qmnia 

turbatum & perverßim iri cupere, Non tarnen boc dico 

quaß per te folum ßare putem, quo minus außm ^ bic 

manere : fed quo te fautore fciam mitiores fore ^ quos 

alioqui accufatores ej/e timeo. Adiijem ipfe Te coßocu^ 

turus , niß vetuijfet bofpitii religio prodirc. Noßi enim ' 

ediäum. Renuntia quid velis , quid fieadeas , per Ben" 

ti?tum. Nam niß iniquum poßulaveris , facile fecero , 

quicquid voles. Sine , obfecro , amantijjtme Oecolampadi , 

ut deßruatur macer ia illa , & qualifcunque ßmultas , 

inter nos qborta. Da mibi locum in cor de Tuo , autß 

locus eßy aperi, Certe tu non parvum apud me fpatium 

occupas , quod tibi litteris bifce apertum volui : @f 

conabor amplius aperire , ßve cor am , ßve aüis , Accepto 

abs Te primum refponfo litteris ^ ß tibi videbitur. Exilium 

fugio quidem : fed ita tarnen , ut ß maxime non effugere 

potero , nunquam fore ^credam , ut barum me litterarum 

poejtiteat. Niß Tu iquod abjit) omnino in Tuam gloriam 

&f aliorum affiiSlionem abuti velis, Va^e in Domino. 

In den erften Monaten des Jahrs 1^27. finden wir 

Denken zu Elfafs Zabern im Bisthum Strafsburg , wofelbft 

* er mit einem gewiflcn Nikol. Thom. Sigelfpach^ der ohne 

Zweifel ein Geiftlicher war , difputirte , und feine wleder- 

täuferifcben Lehren mit vieler Hitze vertheidigte. Letzterer 



HZ Hans Denk, einer der erden 

erzählt das umftandlich ia einem d. i. Aprils 1^27. an 
Oekolampad gefchriebenen Brief, welcher in den oben 
Not. «) angeführten Epißolis ab eccL Heheticae reforma-^ 
torib. etc. p. 49 — SS- enthalten ift. 

Im Jahr i^sg. kam Denk wieder nach Bufel , und 
ftarb dafelbfl an der Peft, nachdem er durch Oekolampads 
Bemühungen zur Erkenncnifs , Bereuung und ^Widerrufung 
feiner Irrthümer gebracht worden» k ) Aus Biutinghaufens 
Beyträgen zur Prälzlfchen Gefchichte, Stück ). S. 299, 
flehet man, dafs Denk einige Tage vor feinem Ende feine 
falfcben Lehren zurückgenommen habe , und dafs (sm 
Widerruf, vermuthlich von Oekolampad , im Druck bekannt 
gemacht worden» Wenigfiens fchrieb diefer 1^28* am 
9 Nov. an Ludw. Hätzer folgendes: Denckium iüum 
foßremum reßpuiffe^ vanum non eß. Eß enim apud mt 
dvToyioiOoif eius, & fortajßs^ fi S^^ negaturi Junt ^ edentus 
olim , qu£ ante paucos dies ßta in domino quietis , ßnrip* 
ßt : etiamß nee iüa purgatifflma fitnt, , 

Was das Verhältnifs betrift, in welchem Denk mit 
den Wiedertäufern geftanden , fo war er nicht etwa blofs 
ein Mitglied diefer Parthey , fondern ein Haupt und Anfüh- 
rer einer befondern Sekte unter derfelben : und fo wie er 
wegen feines zu Nürnberg verwalteten Schulamts von 
feinen Glaubensbrüdern insgemein nur der Nürnberger 
genennet wurde ; alfo erhielten auch feine befondern 
Anhänger von ihm den Namen der Denkianer ^ wurden 
auch öfters wegen ihrer Meinung von künftiger Erlöfung 
der Teufel und Verdammten Damoniaci - geheiflen. In 
der oben erwähnten Schrift: „Wider den newen Tauffor- 
den, Augsb, M27. " wird er der Wiedertäufer Abt 
benennet; und Seb. Frank fetzet ihn in der angeführten 
•Stelle feiner Chronik unter die Vorfteher und Bifchöffe 

*l> SinmUers SammL alter und neuer Urkunden &c. ßanil I. S. 143, 

der 



und gelehrteften Wiedertäufer. jij 

€er Anabaptiften, deren er a^ffer ihm, vornämlich noch 
folgende zählt : D. Balthafar Hubniör , Melcb. Fink , 
Job. Hutt und Lticiw. Hätzer. Und in der That , wenn 
man fonft einen Bifchof der Wiedertäufer erkennen könnte, 
und ihre Lehre nicht verwerfen müfste; fo hätte Denk 
vor allen die Ehre, ein folcher zu feyn, wegen feinen 
Einfichten und Gelehrfamkeit und wegen feines unbefchoL 
tenen Wandels. 

Die groffe Verfchiedenheit und Uneinigkeit der Wieder- 
täufer unter einander felbftbeftätigt fich auch durch Benkens 
Beyfpiel. Er und fein Anhang unterfchied fich von andern 
feines gleichen durch die TaufFormalien. In der merkwür- 
digen Schrift des Juß^ Menius : „ der Wiedertäuflfer Lehr 
vnd Geheimnifs aus heil. Schrifft widerlegt, mit Luthers 
Vor/ede, Wittenb. isjo. 8. " heifst es davon: „ Die 
von Hänfen Denken gelernet haben, fuhren die Weife, 
ehe fie den Neuling taufen , erzehlen fie fieben böfe Geifter 
her , davon er befeffen fey , diefelbigen mufs er erftlich , 
dafs er fie habe, bekennen, und ihnen folgende darauf 
entfagen. Nachdem er aber den fieben böfen Geiftern alfo 
entfagt hat , alsdenn erzählen fie ihm andere gute Geifter, 
die er aufnehmen und halten folL Wann der Neuling 
nun folcl;ies alles thun will, alsdenn geben fie ihm das 
Bundzeichen, oder die Taufe. Die fieben böfen Geifter 
finddiefe: Menfchenfurcht , Menfchenweisheit , Menfchea. 
vertrauen, Menfchenkunft , Menfchenrath , Menfchenftärke 
und Menfchengottfeeligkeit, dagegen fetzen fie fieben^gute 
Geifter, alsnemlich: Gottesfurcht , Gottesweisheit» Gottes- 
verftand u. f. £ " 

Herr Hofprediger Stark in feiner erwähnten Gefcbicbte 
dfr Taufe unäß^äufgeßntUen ^ S. 399. Not. n* ^*gH|$?i\ ^^ •;£ 
Benken einen Traktat zu, den er in Handfchrift befitzt,* \ ./^ 
mit dem Titel : „ Von den fieben Geiftern Gottes, wie/^'*^*^ 
fie den Menfchen befitzen vnd die fieben böfen Geifter 

Meufels Magazin, ^tes StUfk. H 



114 Hans Denk, einer der crftcn 

austreiben, irnd von den fiebcn Engeln der Tugenden, 
wie fie des Menfchen pflegen vnd ihm dienen. Zeugknifs 
der Schrift." «— Er macht dabey die Bemerkung: „ In 
diefer Handfchrift wird auf die Taufe nicht die mindefte 
Rückficht genommen. Haupttugend und Haupdafter werden 
blos als folche vorgeftellt, die von guten Geiftem und 
Teufeln. herrührten, worauf verfchiedene Stellender Schrift 
angewendet werden. Was alfo Jußus Menita fagt, 
dafs Benks Anhänger , bevor fie getaufet worden , fieben 
Höfen Gciftern entfagen , und dagegen fieben gute Ge'ier 
aufnehmen mufsten , fcheint daher nichts als eine bloffe 
Auflage zu feyn. '* — Wie aber , wenn jene Handfchrift 
nicht vom Denk ift? 

Zuvcf läfTiger hingegen hat er folgende , heut zu Tage 
fehr feltne , Schriften in Druck gegeben : 

Griecbifcbe Verfe ; in Maittaire Annalib. typogr. 
Tora. n. p. 642. 

7Vaf geredt fey , das die Schrift fagt , Gott tbue 
vMd mache gutes vnd bofes. Ob es auch biHicb , das 
ßcb yemandt eittfcbuldige der Sünden , vnd fy Gott ver- 
binde. Ohne Anzeige des Druckorts MDXXVL 4. und 
aiDXXVIL 8. Im Catahgo bibliotb. Bünaviana. Dafs 
Denk der Verfaffer diefer Schrift fey , entdeckt fich fogleich 
aus der Vorrede, die hinter dem Titel fleht, und alfo 
anfangt : „ Ich Hans Denk bekenn mich frey vor allen 
Gottfsförchttgen menfchen, das ich meinen mund wider 
meinen willen aufthu &c, '' 

Hans Denkens Widerruf .^ Proteßation vnd Bekannt- 
nifs öfc. Augsburg, 1^26. g. f. Adelungs Fortfetz, von 
Jöchers Gelehrt. Lexikon B. II. Col. 697. 



Von dem Gfatz Gottes. fVie das ßjfigtti aufgebaben 
'•*•]» W^Meldung des Jahrs und Orts , in Oiflav, 2 ifz Bog. 



t'r!^^ 



vnd doch erfüllet i»erden niufs. Hans Denk. Ohne 



und gelehrteften Wiedertäufer. 115; 

Von der Toaren Lieb. Hans Denk. M.D.X.X.V. JL 
in Odlav, 10 Blätter. 

Diefe beyden Schriften find auck zufammen gedruckt 
worden auf 4 Bogen in Odlav , f 1. & a. 

Eben diefelben nebft noch vier andern hat man 
wieder aufgelegt unter dem Titel : Geifllicbes Blumengärt^ 
hin , beßebendinfecbs erbaulichen alten tbeoL TraHätlein. 
Amfterd. 1680. 12. Die vier andern find: i) Ordnung 
Gottes in der Creattirenrooelt. 2 ) Erklärung etlicber 
Glaübenspunkten. ^i) Ausführung der frage i ob Gott eine 
TJrfacb des Böfen fey ? 4) Cbrißlicbe Ordnung eines 
rpabrbaften Cbrißen^ zur Ferantvportung der Ankunft 
feines Glaubens. Diefem ift noch angehängt: Ein fcbrift^ 
mäßiger Bericht und Zeugnifs von der rechten Chrißen- 
taufe ^ Abendmal ^ Gemeinfchaft ^ Obrigkeit und Ebeßand. 

Hans Denkens Widerruf ^ Augfp. 1^3. 8. wird in 
Herrn JViUs Nürnb. Gelehrt. Lexicon Th. I. S. 24^. 
angeführt. 

Wer die rparbeyt vpircklicb lieb hat^ mag ßcb 
hierinnen prüfen im erkandtnufs feynes glaubens. i Bog. 
in 8* ohne Ort und Jahr. 

Noch ift anzumerken, dafs Gott fr. Arnold in feiner 
Kirch, und Ketzerbißorie^ Th. III. S. sjo f. (der Leipziger 
Ausgabe fn 4. ) Auszüge aus einigen Denkifchen Schriften 
geliefert hat, nämlich i) aus dem Büchlein: Ordnung 
Gottes in der Creaturenwclt, ?) aus dem Büchlein: Von 
der wahren Liebe ; und \ ) aus der Erklärung etlicher 
Artikel oder Glaubenspunkte. 

Alle Propheten nach Hebraifcher Jpracb verteutfchet* 
Gedruckt zu Augfpurg durch Silvanum Ottman im Jar 
M. D. XXVII. fol. 

Diefes find die fogenannten Wormferpropbeten , deren 
DoUmetfchung aus der ürfprache Hetzer und Denk verfcr- 
•iget haben. Denn ob fich gleich jener im Anfang der. 

H % 



ti6 Hans Denk, einer der erllen 

Vorrede allein nennet, fo bekennet er doch in derfelben 
auch , dafs er Hatts Denken bey diefer Arbeit zum Gehül* 
fen gehabt habe ; wie er denn in diefer Vorrede beftändig 
in der mehrern Zahl redet Herr Panzer j welcher in det 
ausführlichen Befchreibung der Ulteßen Augspurgifeheu 
Aufgaben der Bibel ^ S. 109 — 119, eine fehr befriedigende 
Nachricht von diefer Dollmetfchung der Propheten erthei- 
let / ift der Meynung , dafs Hetzer und Denk diefelbige 
in keiner unlautern Abficht übernommen haben , fondem 
dafs das Verlangen vieler Leute , die , da fie alle übrigen 
Bücher des alten und neuen Teilaments aus Luthers Ueber- 
fetzung hatten, auch nach den Propheten begierig ware% 
der Hauptbewegungsgrund gewefen fey. Der grundgelehrte 
Zeltner fagt in feinem Sendfebreiben von der Wormfer^ 
bibel S. IL Not. n.) ^ er habe zur Zeit nicht finden 
können, ob und wo Denk und Hetzer ihrer Irrthümer 
einen in diefer, von D. Luthero felbft gerühmten Ueber- 
fetzung ein- und angebracht habe, oder auch, wie Luther 
vermuthet , fich der Juden Hülfe da2u gebraucht , als 
welches Beyftandes keiner von ihnen bedurfte. Selbft die 
Theologen zu Zürch fagen in der Vorrede zu ihrer Ueber- 
fetzung der Propheten 1529. von derfelben,' dafs fie an 
vielen Orten fleifsig vnd getrevplich nach dem bebraifcben 
Buchßaben verteutfcbet fey ,• Wiewohl fie nicht bergen , 
dafs man fich vor diefer üeberfetzung , weil fie von 
Wiedertäufern verfertiget worden, zu fcheüen Urfache 
habe» Blofs alfo die Irrlehren, denen diefe fonfl: fo gelehr- 
ten Männer zugethan gewefen , waren Urfache, dafs diefe 
Üeberfetzung , wie Zeltner ebenfalls fagt , ein groffes von 
ihrer Hochachtung verlohren hat; wozu fteylich auch die 
bald darauf erfolgte Lutherifche üeberfetzung vieles mag 
beygetragen haben. Indeffen mufs fie damahls , und bis fie 
zum Vorfchein kam ^ vielen Abgang gefunden haben , weil 
fie in Zeit von drey Jahren wenigftens ^ dreyzehen mal^ 



und gelehrteften Wiedertäufer. 117 

und zu Augsburg allein fiebenmal gedruckt worden ; von 
welchen Ausgaben insgefamt Herr Panzer fehir gründlich 
handelt. Doch fiehe auch die von Gottfched herausgege- 
benen Critifcben Beyträge &c. &c. Band V. S. 44. f. und 
Baumgartens Nachrichten von merkwürdigen Büchern, 
B. Vlll. S. }o9. f. 

Endlich hat Denk auch ßine Ueberfetzung und 
Auslegung des Propheten Micha verfertiget , ^welche nach 
feinem Tode zu Strafsburg \%%z. 8. gedruckt worden. 
Rieüerer giebt in den Nachrichten zur Kirchen- Gelehrten- 
und Büchergefchichte , Band 2. S. } 96— 407. eine gründ- 
liche Nachricht von diefem aus 99 Blättern beftehenden 
Süchlein. Sein Exemplar hatte zwey Titelblätter, davon 
das erfte mit Holzfchnitten an den 4 Seiten des Randet 
gezieret ift, der Raum aber dadurch zu klein geworden, 
alles , was man darauf fetzen wollen , zu faflen , und 
daher diefer erfte Titel durch Abkürzungen der Wörter 
undeutlich , und durch Weglaffung anderer Anzeigen 
unvollftändiger gemacht wurde, welcher alfo lautet: 

Mich^ der Prophet ^ ia>ie den Hans D. vff dtefe^'i^^ 
zeit verglichen hat. Vorred an den H. für vnd H. Hr»/^}\ Am 
Philip Lan. in Hejfen. Jefai. x x j. Es rujß einer 2U X^jMik 
mir aus Seir, Hüter $ vm lopelche zeit ißs f« der nacht? ^ 

AntiPDUrt , Es kompt der morgen , dennoch yoirds nacht 
fein , TPÖ'lt in fragen , fo fragt , kert euch vm vnd 
kompt her. Strafsburg ^ Jacob Cammer* 

Die drey letzten Worte ( unter denen das dritte 
Cammerlojzder , welcher Buchdrucker - Magifter gewefen , 
heiiTen foU ) waren in diefem Exemplar ftark mit Dinte 
überzogen, die aber fo bleich geworden, dafs man fie 
demungeachtet lefen konnte. Vielleicht hat eben der Grund, 
warum des Orts und des Druckers Namen durchftrichen 
worden, ein anders Titelblatt veranlafTet , welches alioi 
Reifst \ 



ito Verfuch über Hanns Folcz^ 

Hier erfolgt die Lifte von mehr als ^ropanzig f ebenfalls , 
theils einzeln , theils' in GefcUfchafc gedruckten Früchten, 
feiner erzählenden und lyrifchen Mufe, Hofientlich wird 
diefer Verfuch mehrere Ltebhsiher aufmuntern, von noch 
etwan verfteckten Bruchftücken. unfrer altern Litteratur, 
wenigftens eine brauchbare Notitz an das Tageslicht zu 
fördern. , 

I. ein kdler der fein ipoeib einfs goitfmidf 'weib vndfein 
meit fchlug — mit darunter ftehendem und auf die 
Erzählung fich beziehendem Holzfchnitte ; vier Blätter; 
die letzte Seite leer. Diefe leere Seite findet fich an 
allen folgenden Artikeln, den XX""* allein ausge- 
nommen. 

IL Der Neu Güllden Traum. — Gleichfi^lls mit einem 
Holzfchnitte; acht Blätter. 

III. Von allem Haufs rot. — Ein in Reime gebrachtej| 
Verzeichnifs alles zu jener Zeit nöthigen Hausratlies, 
wo manche itzt unbekannt gewordne Benennungen 
zum Vorfchein kommen ; Hqlzfchnitt ; acbt Blätter. 

IV. Erzählung^ ohne alle üeberfchrift, jedoch mit einem 

auf ihren Innhalt anfpielenden Holzfchnitte. Es ift 
darinn von einem Turnier die Rede, wp ein Köm'g 
von Frankenreich feine Tochter und Krone als Preife 
ausfetzt ; wobey es an Zoten nicht fehlt ; /ecfcr 
Blätter. 

V. Von eynem Puier. — Der Holzfchnitt crft auf der 

andern Seite des Blattes ; am Ende 1488. fecbs Blätter. 

VL Ein fafnacbt fpil von pulern , den frone»' venus ein 
vrteil feilt, ' — Enthält ein halbes Dutzend kurzer , 
meift fchmutziger Gcfchichtchen ; Holzfchnitt ;| vier 
Blätter, 

VIL Ein fafnacbt fpil von den die ßcb die rpeiber nerm 
loffen. — Darunter : Hans Folcz barbirers der Holz* 
fchnitt über der Innfchrift; vier Blätter. 



einen teutfchen Volksdichtcr &c?. nl. 

yV-h Dr$u Tpeib die ein forte» funden. r- Holzfchnitt^ 
Sie hatten eine Borte , gedicktes Band , oder fo 
etwas gefunden ; die ihren Mann am fchlaueften 
betrügen würde , follte den Fund behalten : die fchoii 
fo oft, und noch vor l^yrzetn erft wieder benutzte 
Erdichtung; vier Blätter. 

IX. Von Eynem Füller, (Söfflingc) Der Holzfchnitt auf 
der andern Seite; fecbs Blätter. 

X. Der fachet^ dif ( S9hinkcndieb ) Holzfchnitt ; vier 

Blätter, 

XI. Von einem ku drf. rr- Holzfchnitt ; vier Blätter. 
5CII. Dreyer Paurn Frag, t— Holzfchnitt; vier Blätter, 

XIII. Die Gedicht Peycbt' ( falfche , erdichtete Beicht) 
Holzfchnitt auf der andern Seite ; fecbs Blätter. 

XIV. Von eynem Spiler. -r^ Holzfchnitt ; fecbs Blätter. 

XV. Von dem öberfien Ricbter in der vpeUt. — Statt 
des Holzfchnittes dr^y iinDreyecke flehende Würfel } 
vier Blätter. 

5CVI. Die pebemifcb irrung , ( Böhmifche Kctzerey ) Holz, 
fchnitt Die drey letzten Zeilen : 

Darum fo müfsen fie fein die 
fo von got freriich thun ab ker 
fpricht von mpfspach dodtor günther. 
148J. 
welches jedoch nicht hindert, da(s Hanns Folcz^ 
Günthers erbaulichen Traum in Reime gebracht haben 
kan. Uebrigens aus derfelben Prefle ; acbt Blätter. 
XVII. Die Worper , (ein mir unbekanntes Wort. In der 
fchmutzigen Erzählung i(t von menfchlichen Excre« 
menten die Rede, die ein paar liederliche BurfcHe, 
den Jyden als trefliche Arzeneyen anzuhängen willen) 
Holzfchnitt; vier Blätter. 
Xvni. Von der Juden MeJJias. (Um ein Judenmadch^n 



itz Vcrfuch über Hanns Folcz, 

zu verführen , giebt fich ein lockerqr Gefeil für den 
MeiBas aus) — Holzfchnitt; fecb^ Blätter. 

XIX. Vitas pafrum vel über colacionutn, -— Holzfchnitt: 
eine aufgefchlagene Confecktbüchfe in Form eines 
Buches , und darunter : zu teutfcb ConfeÜ Pucb. 
"Warum er es der veter leben nenne , giebt er fechfer- 
ley ürfachen an. Hierauf folgt die Lifte von zwölferley 
Spezereyen, woraus ftine coUacianen beftehen \ näm- 
lich Eins » Kümel, Negelein, Zymet, Ingber u. f. w, 
Mbt Blätter. Laut folgenden letzten Zeilen mufs aber 
fchon ein früherer Abdruck davon vorhanden feyn : 

wie ich an difs confeA puch kum 
ift drum es wart mir tragen ab 
wers aber vprgetrucket häb 
weils ich nit dan faft falfch es was 
2u kurz zu lang vnd über das 
an gar vil reimen vngerecht 
auf das es nimant irrung precht 
übt es mich das zu trucken fer 
alfo fpficht hans folcz barwirer« 

XX. Ein neu lied in prenbergers tbon ^ banfs folcz 
barvpirer. — Holzfchnitt; vier Blätter. Die letzte 
Seite nicht leer, wenn anders nicht ein ganzes Blatt, 
oder deren gar zwey fehlen, ünterfcheidet fich 
iibrlgens durch feine metrifche Struktur von allen 
vorhergehenden. 

XXL Eyn lief genant der p'dfs raucb : in der flam 
lopeis. — Holzfchnitt; vier Blätter. — Hat daher 
auch feinen eignen Strophenbau , und obgleich das 
durchgehends angebrachte : AUfo fpricbt banfs folcz 
harwirer, hier am Ende fehlt, fo ift doch keii. 
Zweifel, dab er der Verfafter davon fey; denn nacK 



einen teutfchen Volksdichter &c. 14$ 

der letzten Zeile : vnd funß man iebtag numer 
mer , ift noch zu einer Platz geblieben , wo d^s 
AUfofpricbt u. f. w. füglich flehen könnte ; diefsmahl 
aber nicht fleht , weil er der Flammweife treu bleiben 
wollen. Vielleicht hat Folcz feinen Namen anch des- 
wegen ausgelaffen , weil er in dem Liede der Männer 
unbarmherzig fpottet , die unter dem Pantoffel feuf- 
zen. Die Wendung , die er in der letzten Strophe 
nimmt , ifl daher droUig genug ; denn auch er felbft 
fcheint das Hausregiment nicht gehabt zu haben : 

Doch pin ich eins an meiner fro 
wan ich ir thu ein fingcr dro 
fchlag dar mit an die nafe 

So weyfl fie mich zum hintern mit 
vnd lacht heimlich des lefl fie nit 
welchs ich ir fo verglafe. 

Was ir do guter wort enpfarn 
der nym ich mich nit ann 
wie kunt fie doch ein pefsern narn 
ymer an mir gehann 
des freu ich mich irs aufsgangs (er 
wan die weil pin ich man ym haus 
- vnd funfl mein Iebtag numer mer« 

-XXIL Wider den pöfen rauch in der flanrvpcis ein liet 
f;on dem lob der er Hanfs Folcz barvoirer. — Holz- 
fchnitt; vier Blätter. Palinodic de» vorigen: die 
ßebente Strophe zum Beyfpiel : 

Ob ihm got kindelem befchcrt 
die ein folch reine muter nert 
aufs iren zarten prüften. 



1^4 Verfuch über Hanns Folcz» 

Do ydes feinen luft an ficht 
wie wol yn peiden do gefchicht; 
was möcht höchers er lüften 
dan wo alfo getrifächt wirt 
01e üb fo fie fort haben 
was Üb vnd gegen lib gepirfc 
dut üb in üb vergraben 
darmit vater muter vnd kint 
in ein geÜpt werden alfo 
das gröifer üb nymant enpfint.^ 

Alle diefe zwey und zx»aHzig Lieder tind Erzählun*« 
gen find in kleinem 0(ftavformat , auf ziemlich weilTes 
und dichtes Papier, mit mäffig kleiner Mönchsfchrift , 
und gut ins Auge fallender Schwärze abgedruckt. Nirgends 
wird der Drucker genannt, oder, N* 5 und 16 ausgenom- 
men eine JahiTzahl angegeben; doch aber ift ein fchon 
im Jahr 1474. von ihm gefchriebnes fa/7»aci^(/f/>/ bekannt, 
das man noch iH.T- abermahls abdrucken lafTen« Niemahls 
wird der Stadt Nürnberg erwähnt; dafs alfo noch die 
Frage wäre , ob diefe Sammlung aus einer dafigen Prefle 
zum Vorfchein gekommen, wenn nicht Herr Panzer in 
feinen Annaien unter dem Jahr 1480. ein von mir unge- 
fehenes Stück aufgeführt hätte , welches in Nürnberg 
gedruckt zu haben , Han^ Folcz ausdrücklich verfichert. 
Höchftwahrfcheinlich alfo hat der betrieblkme Mann auch 
diefe Gedichte , einzeln , und auf eigne Rechnung gedruckt, 
welchem Umftande dann wohl die Sonderbarkeit zuzu- 
fchreiben feyn wird, dafs von Anfange bis zu Ende der 
Sammlung, auch nicht die geringfte Spur irgend eines 
Unterfcheidungszeichens , ja nicht einmal der Punkt anzu- 
treffen ift. Vermuthlich war unfer Schriftfteller in diefem 
Artikel fchlecht befchlagen ; und alsdann hat er fehr 



einen tcutfchcn Volksdichter &c. %i$ 

Wohl gethan , dun^h fehlerhafte Interpunktion , das Lefeii 
feiner "Werkchen nicht noch mehr zu erfchweren. An 
Signaturen , Cuftoden oder Seitenzahl ift noch weniger zU 
denken. GröITere Anfangsbuchftaben kotnmen nur feiten , 
und Verljürzungen der Wörter nicht überhäuft vor. Auch 
giebt es , worüber man fich allerdings wundern mufs , eben 
nicht zu viel Druckfehler. 

Und diefes wäre dann die Auffenfeite eines alten 
Volksdichters, der, um feine Produkte dem damahUgen 
Publikum defto fchmackhafter zu macheil, nicht erman* 
gelt hatte , folche mit Holzfchnitten , fauber , und oben 
drein in Tafchenformat abdrucken zu lafTcn, der noch 
überdiefs über ungebetne Herausgeber und Nachdruck 
klagt , und auch hierin fo vieles mit feinen Jüngern J\Iit* 
brüdern gemein hat, -* Noch ähnlicher abet wird er fo 
manchem unter ihnen dadurch , dafs der unbarmherzige 
Befen der Zeit , die meiften feiner Geburten , fie mögen 
nun einzeln oder zufammen gedruckt worden feyn, rein 
weg gefegt hat ! — TTagenfeiliü, fo viel ich bis itzt gefim- 
den , der erfte , der in feiner gefchmacklofen Compilation 
über die Meißerfänger , unfern armen Hanns Folcz der 
Vergeffenheit zu entziehen gefucht. Er weifs aber leydet 
nichts weiter von ihm zu fagen, als dafs folcher unter 
die zwölf alten Nürnbergifchen Meifter gehöre , deren 
Gefang zu Ende des vorigen Jahrhunderts noch gäng und 
gebe gewcfeh j ynd dafs in der Meiftergefänger- Zunft 
ihm folgende Töne oder Weifen zugefchrieben würden ; 
nähmlich : der Theilton , die Feil oder vielmehr jFeyelweifc, 
der Baumton, die Abentheuerweife , der hol^ Ton, die 
Schrankweife, und der freye Ton. \ 

TViÜ, in feinem Nürnbergifchen Gelehrten Lexikon 
fcheint den unfern F. betreffenden Artikel, blofs ak|s Wagenfeila- 
Wirke entlehnt zu haben , und fetzt ihn noch dazu ganz irrig 
m das feabzebntf Jahrhundert \ wenn, diefes anders kein 



ilÄ T^crfuch über Hanns Folcz ^ 

Druckfehler ift, Gottfcbed und Adelung wiflen nictt viel 
mehr von ihm ; und erfter begehet , wie ihm oft wieder- 
fährt, neue Fehler. Ja Panzer felbft kennt nur ein 
einziges Stück unfers dichterifchcn Barbiers, nemlich 
unter dem Jahre 1480: ,3 eine poetifcb yfiori voihroannen 
das H. Räm. Reich feinen vrfprung bab u. f, w. zwanzig 
Blätter in Quart : welches das gröfste Unternehmen feiner 
Mufc , ihr non plus aJtra fcheint gewefen zu feyn , und 
auch dadurch ßch auszeichnet , dafs am Ende der Vorrede 
mit dürren Worten zu lefen ift : getruckt von Hannfen 
voüc'zen u. f. w. — . Aus diefer feiner eignen Prefle, die 
wohl nicht überflüfEg verfehen war, klären fich die übrigen 
Eigenheiten der typographifchen Ausführung von felbft auf. 
—^ Ob Fiägelm feiner Gefcbicbte der komifcben Dicbtkunfi 
ein mehreres über diefen Volksdichter aufzutreiben gewufst , 
kann ich in dicfem Augenblicke nicht anzeigen; zweifle 
aber fchr daran, Selbft die zahlreichen Jäger blofs typo- 
graphifcher Seltenheiten aus dorn fünfzehnten Jahrhunderte, 
find diefem Ktterarifchen Wildpret nie auf die Spur ge- 
kommen ; welches freylich kein grofler Verluft , allemal 
aber fonderbar genug ift. Dem Herrn H. Eßbenburg war 
wenigftens die Exiftenz einer gedruckten Sammlung FolczL 
icher Werckchen nicht unbekannt. 

Allein, es ift Zeit, von der Dichtergabe unfers Meifter- 
fängers eine Probe im Gröflern mitzutheilcn. Einzelne 
vortheilhaft hervorragende Stellen liefTen fich in guter 
Anzahl ausheben ; derjenige Dichterling aber , dem , wenn 
auch nur im Traume , gar niemals etwas erträgliches 
cntwifcht wäre , ift gewifs eben fo feiten , als der Schrift- 
fteller , der fich nie etwas mittelniäfllges oder geiftieercs 
hätte zu Schulden kommen laffen. Da jedoch fchon das 
Woffe Abfchreiben der Werke eines um alle Orthographie ' 
fo unbekümmertenMufcnfohnes, und wahrfcheinlich Druckers 
feiner eignen Geburt , iiicht ohne Schwierigkeit ift : fo 



einen teutfcfaen Volksdichter &c. 12? 

wird man es hoßendich Äiir nicht verübeln, wenn ich, 
ftatt die anziehendfte herauszuGichen , es bey einer der 
kürzeilen bewenden lade. Es fey die, unter N* XII: 

Dreier P a ur n Frag. 

Dreypaum eins'pey einandr faflen 

die dreyer fragen fich vermafTen 

der er(l: fraget wovon doch wer 

das die gelerten fo gefer 

ihren weibern möchten gefein 

es wer ym ofFt geweft ein pein 
^ der and^r fprach fo frag ich dich 

warum die wölfF fo geiczeclich 

nach vnferm fich fteln nacht und tag 

A^t jft ye auch ein fundre klag 
a do fprach der drit feit ich fol reden 

fo hört ich gern von euch alnpeden 

wovon kum , vnd was vrfach fey 

dafs wir pauren fo gar vnfrey 

vor den rofen ilauden heften 

ivie oiFt vnd dick wir für fie gen 

zu reifens vns vnfer gewant 

loITen vns numer hin an pfant 

vnd wan nit wer der rofen fmack 

die vns erfrewen manchen tag 

fo wer nit vil darnoch zu fragen 

das man ir keine aulF lis ragen 
( 4er fird paur fprach wift ir des nicht 

wie fich die ding haben verpflicht 

eijQis mols ein frumer paur^man was 

der dife ding alfo aufs mas 



128 Verfuch über Hanns Folcz» 

tt het eine über fchöne tochter 
ynd von ir Zartheit wegen mocht er 
die keinem paurn lan wider farn 
ynd weß ir auch nit zu bewarn 
mit eynem herten häntwerker 
fo war der adel im zu fwer 
deshalb er fie nit hin wolt geben 
dieweil er felber het das leben 
do aber neben wart fein ent 
bedacht er der tochter elent 
ynd was im faft leit vm ir 2arthet 
das ir nun nymant mer auffwartet 
als er fie ftet mit fieifs verfach 
ynd was fein herczlichs vngemach 
fie alfo hinter im zu lan 
ye doch do er fich lang be&n 
ynd manchen fl»nt ym name für 
het hin und herwider fein fpür 
yil im die werd prifterfchaft ein 
pey der mocht ir am peilen fein 
vm das fie albeg got zu ern 
fiingen ynd ftet frölichen wem 
ob fie wol ofil auflTftünden frü 
precht ir das doch nit fundre mü 
darvm er fie den priftern fchufF 
C nun het derfelbig paur den ruff 
wie er das allerfchönfte kalp het 
welchs er den wölfen fchicken det 
wan fie vor ihm gewohnet worn 
albeg der fchelmen fieifch zu forn 
darvm man yn das frifch folt geben 
auch het derfelbig paur daneben 



einem t^utfcheil Volkslehr^r &c. 129, 

ein rock den er zu eren drug 

vn4 wan es fünft mer hatte fug 

gut lündifch rot von tuch er was 

weft er nit zu verfchicken pas 

dan einr dorn ilauden in feint gartea 

den Winter ir mit aufs zu warten 

fo kelt eis fchnee fein jargang het 

dis man fie mit befchirmen det 

vm das im futtier manchen dag 

()ie rofen geben füffen fmag 
C nun ftarb der man vnd lifs ein frawen 

die ward in die ding anders fchawen 

vnd gap die tocbter ireiii knecht 

dem was der rock auch gancz gerecht 

das kalp wart aufF der hochzeit gefTen 

feyt hant fich die drey ftent vermelfen 

die pauren nümer zu Verlan 

fechten fie on vnterlofs an 

wan pfarrer vnd ir mit gefeltt 

allein nit noch den töchtern fieln 

befunder auch noch yren weihen 

die meid kün auch nit vor yn pleibeil 

leiften fo ftarck mit aufF die paurn 

pis fie ein mol die zeit edaum 

das ir gefcheft yn werd vollflrecke 

darzwifchen es in alls nit kleckt 

wan man hellcz mit yn vnbefcheiden 
( yn loflen auch die wölf nit leiden 

kelber rind pferd noch fchofF 

vnd ifl der pauren andre fhrofF 
( zum driten wo fie han zu handeln 

in flaudea oder hecken wandeln 

MesiTeb Mag. j^tu Stücke l 



ijo Verfuch über Mans Folc^ i 

fint fie nit ficher Tor den dornen 
zu reifsen fie hinten viid vprnen . 
([ das peiipel mercket jung vnd allt 
das man der elitern gfche£ft recht hallt 
vm» ift dir doch gehollfien mit 
das genr der das gefchefit befehlt 
fo lang im fegfeur qnelt vnd acht 
vnd du der es nit haft Verpracht 
dar noch an fein ftat (iczt vnd pretft 
Wan du dan auch ein für dich hetft 
wer deinthalb gut wo man in (und 
ich forg wem das gefchefit fei veikfind 
vnd nit im leben es austrag 
er prat his an den jüngften tag 
ob es im anders ift befchert 
das er nit aufsen vm hin fert 
wan neben hin get auch ein weg 
o lieber got fei nit fo treg 
aber dem gfchicht freilich yn recht 
der fich im leben wol bededht 
wo er wider got etwas het 
vnd es wol seitlich von im det 
auch der von recht gewunem gut 
im gar wol fchickt ein hmterhut 
vnd det es weil er fein het macht 
fo weft er das es wer verpracht 
vnd wer ein pfening in feym leben 
vil mehr dan noch feym dot gegeben 
rechts goldes gar ein grofe fum 
fag was magftu doch kaufien vm 
ein gellt das eines andern ift 
vnd du nit mer gewaUtig pUt 



/ 



- tinenl tcütrdicn Volkslehrcf &c. 131 

wan der dein fei dir fcheit vom leib 
^ desgleich von kinden vnd dem weib 
Tcheit dich zuvor aufs von deim gut 
vnd ders noch dir beficzcn dut 
gedenckt ddmit nie anders dein 
dan das fein XX mol mer follt feid 
do acht was er dir guts mit tbu 
dän tuftu hie nit ITelbs darzu 
fo gefchichts von andern feiten iiier 
alfö fprieht bans folcz burvpirer 

Örthographirt und gehörig interpüngiri , Würde da& 

JJing, fo viel ich urtheilen kann und elarf, nicht fchlech- 

terdings zii verachten feyn , und fich wenigfiehs unter der 

Reimerey des i^ten lind folgenden Jahrhunderts fehr zii 

feinem Vörtheil ausnehmen. Der Marin wüfste von der 

Sprache feines Zeitalters utid feitler.ClalTe allen den Cre- 

brauch zu machen , den ihre Ünbehülflichkeit nur erlauben 

wollte; fein Ohr ift gegen den Wohlklang nicht ganz 

unempfindlich , fein Gang rafch ^ und doch der Natut 

getreu j fein Kopf nicht leer 5 Und ein Paar Seitenfprünge 

die er fich erlaubt , fliehen ihm auch nicht übel; Die 

meiften feiner übrigen Arbeiten find noch datftelleäder , 

tmd von Seiten der Einbildungskraft und Wärrte, Übertrift 

et offenbar feine mir bekannt gewördnen Zeitgeinofled. ' 

Da die übrigen Etzählungen und Lieder theils zu lang , 

und wie gefagt zu befchwerlich zum abfchteibenj theils 

auch mit Zoten überfchwemmt find , fo mag es an diefem > 

einzelnen Verfuche genug feyn. Ex ungve leomm ! 

Dafs die Parabel gewaltig hinkt, und befonders die 
liebe Moral fich^ bey den paaren muffe herbeyziehen laflen , 
wird man ohne mich bemerkt haben. Allein , den Umfl:and 
ungerechnet $ daß voo diefem hölzernen Zeitalter weder 

I i 



ii% Vcrfuch über Hans Folcz , SccJ 

Logik hoch Aefthetik zu erwarten war, und dafi, was et 
in feiner Nutzanwendung vorpredigt , doch würklich gut, 
flieffend, und ad bondnem gefagt ift , bleibt noch zu 
feiner Entfchuldigüng übrig , dafs in diefem Zeiträume 
nicht leicht eine poetifche Geburt, kurz oder lang, ernft- 
haft oder fpafshaft , zum Vorfchein kommen durfte , ohne 
mit dergleichen frömmelnden Paflirzettehi verfehen zu feyn. 
Die fchmutzigften Dinger führen am Schlufse herzbrechende 
Seufzer und Stoßgebetlein , und je anftöffiger der Eingang, 
defto erbaulicher das Epiphonem. Ohne Zweifel war das 
Sittenverderbnifs damals Um nichts geringer , als itzt. Ift 
diefe Befchämung die der ZottenreifTer fich felbft auflegte , 
noch als ein Reft von Schaam anzufehen ? Man follte 
zweifeln« Am Ende müflen ihm Unfläterey und Bufle, 
eine fo geläufig wie die andre , beyde gleichgeltend ge- 
worden feyn ! 

Dafs in Rückficht auf Sprache unfer poetifirender 
Barbier zu noch itzt brauchbaren Bemerkungen Stoff geben 
könne, wird niemand in Abrede feyn. So wäre es auch 
vielleicht der Mühe nicht unwerth , den Quellen , woraus 
er feine Erzählungen gefchöpft , und der verfchiednen 
Behandlung derfelben von andern , nachzufpüren« Die Zahl 
der Concurrenten ift eben fo grofs nicht ; und wem als« 
dann aus dem halben Jahrhunderte der Preis zuZufprechen 
wäre , dürfte fich vermuthlich ohne Schwierigkeit entfcheiden 
laifen. 



'33 

f • 

Jttach/chrift zu dun V er fache über Hans Folcz^ einen 
teutfchen Volksdichter aus dern fünfzehnten Jahr^ 
hundert. 

AA^ic unfer Dichter über Entwendung und Abdruck feine« 
Confe<%buchs , oder , wie er es nennt , Vitas patrum fich 
befbhwert, hat man aus den unter N*. XIX eingerückten 
Schluiszeileto erfehn. Dafs diefer Nach.- ode< Vordruck 
iich würde auffinden laflen , war Ic^um zi| erwarten ; und 
doch hat er fich gefunden, und zwar in eben der Biblio- 
thek , die auch den rechtmäiligen Abdruck aufbehalten 
hatte , und aus welcher fchon fo manche für verlohren 
geachtete Seltenheit teutfcher Sprache und Dichtkunft zum 
Vorfchein gekommen ift. — Das Werkchen , ein feltner 
Fall bey WinkelpreiTen ! ift fehr fauber , und noch oben 
drein auf Pergament , in überaus grofler Fradlur, auf acht 
Folioblätterix abgedruckt , wovon aber das erfte , fo wie die 
letzte Seite, leer geblieben find. Es fcheinet das für 
irgend einen Nürnbergifchen Mäcenaten feeftimmtd Dedi- 
cations- Exemplar gewefen- zu feyn; denn würklich find 
die acht Blätter einem in zwölf Fächer abgetheilten hölzer- 
nen Behältniffe vorgebunden ; und dafs in diefen Fächer- 
chen die zwölf befungnen und angepriefenen Gewürzarten 
in der That vorhanden gewefen , bezeugt , ihrer itzigen 
Leere ungeachtet , der noch übrig gebliebne , fehr merck- 
liche Wohlgeruch, Ihren aken Einband hat die finnreiche 
Galanterie des Meifterfängers nicht mehr ; fondern ein 
fpäterer Bücherfreund hat folche , wiewohl auch fchon 
i$^9. mit braunem Leder neu überziehen lafTen. Auf 
einem der Deckel diefes verjüngten Bandes find, aufler 
andern vergoldeten Buchbinder-Zi^rathen , oben der Titel 



134 Nachfchrift zn dem Verfuche 

V 

Conueä Bucbj und unten das angezeigte Jahr ebenfalls in 
Gold abgedruckt. — ^ So viel von dem Aepflem eines 
Produkts, dem man das klpine Verdienft eines droDigei; 
Einfalles nicht abfprechen wird; und wobey nur befremdet, 
dafs die Süfslinge unter ^den Schöngeifiern neuerer Zeit 
ihn unnachgeahmt gelafTen haben! 

Das Werklein ßlngt auf der dritten Seite fcg^eich 
mit der roth a]t)ged|uckten Ueberfchrifb an: Liber coOatiih 
num. Hierauf: „ Tpocrat : Abflinentia tß fumma medir 
fina. Cula eß muli^arum infirmitatum ^aufativß. fle^ 
^alenus. '^ 

Zu kvnden difbs puches tittel 
So ifl: anfang end vnd das mittel. 
Zu gründen aufF dy vberfchrifFt 
Das allein alt leut antrifft 
wie wol do ftet der v^ter leben 
wan difer nam ifl darumb gegeben. 
Pas aus der alten weiflen art 
Dyfes puch am erfien getichtet wart, 
wie Enes. kumel. vnd Coriander 
Vnd ander fpecerey mit einander. 
So lieplich wurden coiificirt 
won fchcrpf. fewren vnd pittern irt. 
wie man mit fuefs das vnterkem 
Vnd es der menfcheit wol getzem. 
Zu koftcn. fchmecken. riehen vnd cyfsei\ 
Dar ob nian fuft mocht han verdrifsen. 
Dances nun helft der veter leben 
^ Mag ich durch fechs ding tzeugnufs geben , u. f. iv. 

Wie hirnlos der Abfchreibcr , oder Drucker zu Werke 
f^egangen,, zeigt diefer Vojrbencht fchon , als welcher nur 



über Hans Polcz , &c. 135 

auf Äe Ucbcrfchrift Vhas Patrum ^ keincsweges abef auf 
l,iber coBatianum pafst. — Der Befchlufs lautet unter dct 
Huhrik Mufcbkatplue , wie folget ; ' 

, So hat folche craft dy mufchkatplue 
Wan die plutfpeiung tzu fere mue. 
Oder ein fcharfFen pauchflus hab 
Alfo das er die derm im fchab. 
Das alles ertzeneiet er 
Vnd hailt die ynwendigen gefchwer 
Erkukt das hertz. erfrifcht das plut 
Hyemit pit ich euch habt vergut. 
Vnd ein news felichs jar dar tzu 
Mit willigen dinften fpat vnd fru. 
Nicht weiter ich die dinge erkler 
Spricht bans foltz zti nurnberg barbirer. 

1485. 

Allerdings hat Hanns Fokz zu klagen ürfach , dafs 
feine Arbeit ( wie hier zum Beyfpiel ) oft ganz finnlos 
verftüramelt , in andern^ Stellen wieder eben fo abgefchraackt 
ausgedehnt, und den fchönen Druck ausgenommen, über- 
haupt fehr verunftaltet worden. Beweife hiervon zu geben, 
und die beyden Abdrücke mit einander zu vergleichen, 
möchte inzwifchen der Mühe doch wohl nicht w^rth feyn ? 

Wie aber der ungebetene Herausgeber fich einfallen 
laffen konnte, mit dem Aufenthalte, Namen, und Hand- 
werke des würklichen Verfaffers , fo ganz ohne allen 
Bedacht in der letzten Zeile heraus zu platzen , bleibt für 
mich wenigftens ein wahres Räthfel. Seine Abficht fcheint 
doch keine andre gewefen zu feyn , als diefes Produkt 
farat dem Confektkäftchen , irgend einem feiner Gönner in 
Nürnberg oder anderswo zum Neujahrsgefchenke zu über- 
reichen: wiewohl Hanns Folc* in feinem eignen Abdrucke 



136 Nachfchrift zu dem Verfuche &c. 

von diefem letzten Umflande nicht die mindefte Erwähnung 
thut» — Sollte H. F. doch wohl wirklich Herausgeber , 
und entweder mit der Verftummelong feiner Arbeit, oder 
damit unzufrieden gewefen feyn , dafs fein Neujahrsgefchenk 
unerwiedert blieb ? genus irritabile vatum f Die natürjichfte 
Auflöfung wäre vielleicht diefe: daß irgend ein Nürnberger 
Buchdrucker , oder Druckergefell zu einer Abfchrift ge« 
kommen , und fehr gleichgültig darüber , ob folche correkt 
oder nicht , oder was der VerfaiTer dazu fagen würde , das 
feine Werkchen fauber abgedruckt, und Geh blofs darum 
bekümmert habe , es an den erforderlichen Ingredienzien 
zum ConfektkälUein nicht fehlen zu laflen , und alfo die 
Jdee des Dichters wirklich zu realifiren. Sic vQf non vobis! 
u. f. w. Schade, dafs der Gegenftand es night werth ift, 
zu feiner Aufklärung Zeit und Oel weiter zu verfch wenden! 

/T. L. 



Vbrßhlag wie eine allgemeine Bibliothek der Hand* 
Schriften in Teutfchland zu erzielen fry. 

JVlan hat feit einem halben Jahrhundert mehr als vormals 
die litterarifchen Schätze fowohl öffentlicher als Privathi- 
bliotheken zu eröfnen und bekannter zu machen angefangen. 
Bücher vqm erften Druck , Merkwürdigkeiten der Bibliq- 
theken , Befchreibung feltner Schriften aus verfchiednen 
Zeitaltern , Verzeichniffe von anfehnl. Bücherf^mmlungen &c. 
befchäftigten fchon viele Litteratoren und hätten wohl noch 
mehrern Stoff zum Schreiben gegeben, wenn litterarifche 
Produkte fo leicht als Rpmane und Schapfpiele Verleger 



N 



Vorfchlag zu einer allgem. Bibliothek &c. ijy 

iunden. Indeflen bat man noch immeF. einen Umfland 
nicht genug beherzigt , der dem gelehrten Staat eben fo 
erheblich , eben fo nützlich feyn würde , als jene löbliche 
Bemühungen ; und diefes wäre eine Bibliothek der Hand- 
fchriften in den Bücherfalen Teutfchlandes. Denn was wir 
für ältere und neuere Nachrichten von den Handfeh riften 
einiger Bibliotheken , z. E. der kaiferlichen , der PaulUner 
zu Leipzig , der kurjFürftl. zu München , der Augsburgifchen , 
der Uifenbächifch. u. a. haben , ift zwar fchäczbar : aber 
was für eine Menge fteckt noch in öffentlichen , in Klofter- 
Kirchen - Schul - und Privatbibliotheken , von denen das 
Publilaim nichts weifs , die oft felbfl ihren Befitzern unbe- 
kannt und nur dem Muth willen der Ratten und Mäufe 
ausgefetzt find! Es wäre daher ein rühmliches Unter- 
nehmen , wenn Bibliothekare und fachkundige Männer die- 
jenigen Schätze , die fie entweder unter ihrer Aufficht 
haben , oder felbfl befitzen , aus dem Staube hervorzögen 
und fo bearbeiteten , dafs der gelehrten Welt ein wefent- 
licher Nutzen daraus erwachfen könnte. Dazu gehörte 
fteylich nicht nur der blofe Titel einer Handfchrift : 
Ibndern es würden alle andere Merkwürdigkeiten derfelben, 
ihr Alter , Verfaffer , Innhalt , Werth oder ünwerth , 
Glaubwürdigkeit , Vorzüge vor andern ähnlichen Hand- 
fchriften , oder vor den bereits darnach abgedruckten 
Büchern, untergeht; in diefem Fall die befferen Lefearten 
> mitgetheilt , Lücken ergänzt, aus folch<^n , die nicht ganz 
gedruckt zu werden verdienen , Auszüge , auch von wichti- 
gen Schriftproben gegeben werden. Diefö Foderung ift 
grofs : fie kann aber , wenn man Mühe pnd Arbeit' nicht 
fcbeuet, befriediget werden; zumal von Gelehrten, die in 
Klofiiern leben und nicht un\ Brod ( wie es das häufige 
Bedürfnifs protcftantifcher Gelehrten ift:) zu fchreiben be- 
müfliget find. Ueberdiefs trift man in Klö^ern , die an, 
fehnliche Bibliotheken beiitzen, gewifs unter den Convem 



138 Vorfchlag zu ciacr allgctn- Bibliothek &c. 

tualcn immer einige an , die einem folchen Gcfchäfto 
gewachfen find , dazu Luft und den Vortheil haben , von 
und unt^^ einander felbft Mehrt und unterftützt zu 
werden, Wenn wir alfi) auf folche Art nach und nach 
Verzeichnifle von den Handfchriftcn einzelner Bibliotheken 
bekämen ; fo wqrde Qch endlich daraus eine Univerfalbir 
bliothek, oder wenigftens ein allgemeines Repertorium, 
der merkwürdigftcn Handfchriften in Teutfchland bilden 
^flen , ich fage der merkwürdigften ; denn dafs alte 
Jateinirche Predigten dunkler und roher Homileten , unnütze 
fcholafKfchc Grübeleyen verworrener Köpfe, anderer un- 
lauterer philofophifchei'Wuft, erträumte Legenden , womit 
die dunkeln Zeiten heimgefucht wurden , dergleichen fich 
hier und da in Handfchriften finden, nicht in den vorge^ 
Keichneten Plan gehören , verfteht fich von fHbft. Alles 
diefes wäre zwar weder da9 Werk eines Mann^ , noch 
eines Tages, und es würden auch wohl erft die Mefskata-v 
logen des künftigen Jahrhunderts die Erfcheinung einer 
Jiibliotbecae univerfalisMSS, Gernißniae ankündigen können. 
Indeflen würden doch wir und unfere Zeitgenoflen einsweilen 
erfahren , wo und was für litterarifche Schätze in unferm 
Vaterlande zu ünden feyen , gelehrte Unternehmungen abier 
entweder durch Mittheilung derfelben , ( die in unfern 
Tagen ohnehin nicht fa, wie ehemals, mehr erfchwert 
wird) oder wenigftens durch Befchreibungen von der Art, 
wie ich vorgefchagen habe , fehr erleichtert und weit 
niehr befordert werden , als durch fummarifghe , trockene, 
pfl unrichtige , Bibliothekcnbefchreibungen. 



139 

II. 

RECgNSIONEN ODBR BESCHREIBUNGEN 
SELTENER BÜCHER, 

1. 

<7. Jj. I^m^mcA'x fortgefetzte Befchreibung, der in der 
Marienbibliothek zu Dauizig bcfiudlichen älteftcn 
gedruckte« Bücher. 

IL Im XV Jahrhundert gedruckte Bifcheir. 
Mit der Jahr zahl i 47 1. 

47) vJratiani Decretum , vna cum apparatu 
Bartbolomaei Brixienfis. Argentinae per Heinr^ 
Eggefleyn 1471. II Tomi I Vol. Fol ma». 

Das erfte zu Strafsburg mit Gothifchen von Holz 
gefchnittenen Lettern gedruckte Buch , in welchem def 
Druckort , des Buchdruckers Name , und die Jahrzahl 
angegeben find. Scböpflin hat p. 44. die roth gedruckte 
Nachfchrift , wiewohl ohne die Abkürzungen des Originals , 
abdrucken lafTen. Man findet auch Exemplare mit einer 
kleinen Abänderung und der Jahrzahl 1472. in der Nach, 
fchrift, (S. Gefner " Suhlfcbes V^rz. der Bücber in der 
Lübeck, öß BibL I. S. 29. n. 11. Bibl. Scbvparz. IL p. $6. 
n. i6j. Ca?, deia Bibl. de M. le Duc de la VaUiere T. J, 
p. }2i. n. 1048. '^) welches Exemplar für 320 Livret 

*) So oft ich den ie la Faüierifchen Catalog anführe , verftehe ich 
den 17S3. zu faris in 3 Grofsodüavbändcn gedruckten. Es 



I40 Ltngniclis fortgcfctztc 3efcbreibung u. f. w. 

Verkauft worden Ift ) durch die man fleh aber nicht verleiten 
laflen mufs , auf eine von df r gegenwärtigen verfchiedene 
Ausgabe zu fchlieflen } wie Sclnvarz dadurch , nach dem 
Vorgange des Bßluzius^ irre gefuhrt wurde , die Maynz^ 
Edition von 14.72. für die erfte und ältcfte zu halten. 
Wahrfcheinlich mufs der Verleger mit dem gröffernTheil 
der Auflage , der noch keine Unterfchrift hatte , die Ver. 
Änderung vorgenommen haben; welches daraus, daß die 
Exemplare mit der Jahrzahl 1471. weit feltener find, zu 
fchlieifen Hl. Beyde Theile des Werks füUen einen Band 
ypn ungeheurer Dicke und Gröfl'e. ' Unfer Exemplar , mit 
gemalten Anfangsbuchftaben und fauber gefchri^bcnen 
Rubriken , Ut vortrefilich confervirt. 

48) S. Grcgorii Magni P. M. Moralia in Librum 
Job. Norimbcrgae 1471. d xi. menf. Sept, 

Seemiller Fafc. I. p. 27, ?8. n. ^. Pa^nzer^s NftrnB. 
Bucbdr. Gefcb, S. 4« 5. n. 3. Dleerfte vormals den Biblio- 
graphen fafl gänzlich unbekannte Ausgabe , aus Job. Senfen^ 
Jhbmi(fs und Heinr. Kefer's Prefle. Ein fplcndides Exempl^. 

1472. 

49) Alcinoi difciplinarum Piatonis Epitoma. 1^7%^ 
d. xxiv. Nov. Fol. min. 

Seemiller I. c. p. 38. 39. vergL mit p. igo. Panzer am 
a. 0. S. 9. 10. n. 9. wo erwiefen wird , dafs dieß das erfte 

■ . ■ J I ■« ! ■ t !■ P I ■ W I ■■ 

giebt noch zwey andre, auf deren Titeln blos die Anfiings- 
buchliabcn des Düc , M. L. D, H. L ^. ausgedruckt find« 
von 1767. und 1777. Jener fallt zwcy Bände} iiefer nur ein 
Bändchen, von $. und 116 Seiten. Al|e drey find gleichen 
Fotmats , und enthalten einen Schatz der ^Itcftci; und felten- 
(len Drucke. 



Ltngnich^s fortgefetzte Befchreibung u. f. w. 141 

aus Ant. Koberger's Prefle zu Nürnberg , mit Anzeige aeg 
Druckjahrs herausgekommene Buch fey. 

1473- 

so) S. Thortiae Aquinatis Ars praedicaildi , cui 
praecedunt : Figura dodtorum vniucrfitatis 
Pariricnfis , & Ars memoratiua. 1473. Fol. min» 

Herr Denh fchreibt un SuppL Maitt. 1* p. ji. n* igr» 
diefen fchönen und groilen Gothifchen Druck von 24 Blät* 
tern , Friedrieb Creiifsnern in Nürnberg zu , mit deflfen 
Charakteren ich ihn auch übereinftimmend gefunden habe* 
Am Schlufle der Rückfeite des vorletzten Blatts heifst es: 
5, Anno dnt M. cccc. Ixxiij, Hie Traäat^ imprejffus g«? «0« 
J%ne modica diligentia viftis eß ^ correclus " und auf der aller* 
letzten gedruckten Seite : ^^ Sequitur' arbor '^ Gleichwohl 
folgt auf dem noch übrig gebliebenen leeren Blatte keine 
Abbildung deffelben, wie in der fpäteren Ausgabe v. 1477* 
die Hr. Panzer am «. 0. S. 40. n. 47* anzeigt. 

1474. 

51) Frarlcifci de Platca , Böiloti. Ord. Min. 

Opera reftitutionum , vfurarura & excommu* 

nicationuni. Coloniat per Joan Colhoff 1474. 

Folio. 

Maittaire hat diefc Ausgabe fclion AnnaL typ. T. IV* 

p. 54?, und T. V. P. IL p. 149- angezeigt : aber am 

crfteren Orte das Format, und am letzteren den Druckort 

unrichtig angegeben. Auch im Gefner - Sublfehen Verz. I. 

S. ;i. n. n* i'^ H. G*, Portban Hißoria Bibliotbecae E^ 

Acad. Aböenßs (Aboae 178?. 4-) p. 3 28- und im CataL 

de la Valliere T. L p* 215* 16. n. 612. (verkauft für 

80 Livrcs ) kommt fic vor. Merkwürdig ift (ic der Bogen- 



t44 tttighicJis fortgefetzte ßefchreibung u. t W* 

fignaturen wegeile die man vor 1474. feiten in gedruckten 
Büchern findefc. Öoch fühn Meermau im T. IL Orig. typ. 
p. 28. Beyfpiele von 1468. 1470. und 1472. an, die 
Herrn von Murr , da er feiii cbr6noIogifcbis Verzeicbnifs 
deutfcber Erfindungin fchrieb, S. den Anhang zu deifen 
Befcbreibung der Stadt Nürnberg ^ S. 722 ) nicht bekannt 
gewöfen , oder entfallen feyn rnüfTeh. Ueberdiefs find noch 
am Rande diefer Ausgabe , die Unterabtheililngen oder 
Abfchnitte im Text mit fortlaufenddn Zahlen angezeigt ^ diis 
bey jeder Hauptabtheilüng von neuem anfangen. 

Voran geht eine Tabula , oder ein Regifter über da» 
Ganze , in zvro mit a b fignirten Qvinternenlagen , von 
Ivelchen das erfte Blatt, und die drey letzten Seiten leer 
geblieben find. Jeder der ^ folgenden Tradlata fängt mit 
einem neuen Blatt an , und hat , wie die Tabula ein6 
eigne Schlufsanzeige. Die BogenPignatur geht aber durch 
alle drey Theile von a bis 9, die 19 Qvinternen und. eine 
Terne ( die letzte des Erden theils , g ) enthalten. Am 
Schlufle des Erften Theils ifl: eine Seite , und im Dritten 
Theil das letzte Blatt leer. Die Nachfchrift heifst : „ Ex- 
flitiunt libri ope^ vtilißmo^ feilte^. ReßitutioHü Ufura- 
rum. Et Excoicatiönü reuerenü fratris Francifci da 
flatea bonon ordinis mino^ JitiJJimi (peritifiimi) in vtröque 
iure ac J facra tbeologia, ImpreJJiq^ ßtt Colonie per ,me 
Johänem ColhofF Sub anno IftAÄ" Hierauf folgen noch in 
' 6 Zeilen j die im Gefner - Sublfcben Verz. am a. 0. doch 
ohne Bemerkung des Druckfehlers Condida (Statt : Candida) 
angeführten Vcrfe zum Lobe des Basler Schriftgieflers 
Leonbard -^ -^ Und auf diefe Veranlaflung hier beyläufig 
ein "Wink zur Beherzigung der Bibliographen. Kolboff 
druckte zu Colin mit Basler Lettern , deren fich wahr* 
fcheinlich damals auch die Buchdrucker zu Bafel bedienten. 
Es dürfte alfo wohl nicht allemal , bey Büchern ohne Angabe 
des Druckorts und Druckers j die Druekerey fich aus der 



tcngnidiLS fottgefetzte ßefchrejbung u. t W^ 143 

Aehnlichkeit del" Schrift ganz ficher errathen laflbn ; Wenige 
flens in den letzteren Discennien des i^ten Jahrhunderts 
nicht , ivo der Fall fchon öfterer eintrat , dafs man Lettern 
eines und deflelben Schriftgiefr(»s ati verfchiedenen Ortetl 
und in mehreren Oificinen geh tauchte. 

52) Beati Thomae Aquinatis Quodlib^ta duode« 
cim. Korimbtrgae per Joatinem Senfenfchmid & 
Andream Frifner 1474. xviiCal. Mali. Folio maji 

Straüfz *) MoJi. typ. Rebdorf ^ p. 119^ de Mürt 
Memor. Bibl. Nor. Lp. 32). Panzer*! Nürnb. ßucbdr. Gi 
S. 14. n. 16. Auch Freytag hat in AnaieSis p. pgg« 
diefe höchft rate Ausgabe , aber mit der fehlerhaften Jahrzahl 
147}« angezeigt. 

147 5- - 

53) Juftiniani imp. Codicis fepetitae ptaeledionis 
Libri iX priores cum glöflis. Moguntiae per 
Tttrum Schoiffcr de Gertißhcym 1475^ ad viCvii.] 
KaL Febr. Folio mäx. 

Maittaire hat diefe höchft rare Ausgabe zwar T. IV* 
V. I. p. J5?. angeföhrt, aber in der Anmerkung i. 2* 
das Dafeyn derfelben bezweifelt. In Scbroarzii prim. docum* 
de orig. typ. IL p. ^'i.\BibL Scbroarzi IL p. 149. 50. 
im Gefner - Sublfcben Fetz. L S« 31^ n. 34. und in 

*) So oi^t diefer Name in gegenwärtigen Nachrichten ohne Zufata^ 
vorkommt , bezeichnet derfelbe des VerfaflTefs Monumenta 
typographica ,• denn iie fpätcr herausgekommene Befchreibung 
der 'Operum rariorum RMorf. habe ich erft nach Beendigung 
derfelben nützen , und blos bey Büchern mit der Jahrzahl 
citiren l^nnen , weil der erfte Abfchnltt meiner Handfchrift 4 
in Welchem die Bücher ohne Jahr befehriebeniind , nicht mehr 
\a flMtnen Händen war. 



144 Lcnyniüis fortgefetzte Befchrelbung u. t w. 

J. D. Reufs Befcbr. merkvp. Bücher aus der Univ. BibL 
zu Tübingen , S. 59 — ^4- findet man die voUiländig 
abgetiruckte Unter fchrift , und zum Theil ausfuhrliche 
Nachrichten von diefer Ausgabe. Auch WürdPvoein hat iie 
Bihl Mogunt. p. iix. kurz angezeigt. 

Die drey letzten Bücher des Codicis aus eben der 
Officin vom Jahr 14779 S. n. $8* 

54) Nicolai de Tudefchis de Sicilia Abbatxs 
Monacenfis [poßea Architpifcopi Panormitani) 
Confilia , ex editione Ludouici Bolognini de 
Bononia J. V. D. Ferrariae per Petrum de Aran* 
teyo & Joannem de Tornaco. 1475. Fol. max. 

Am Ende fteht eine weidäufcige Nachfchrift , deren 

Schlufs ich hier nur mittheilen will : '' Per niagißros 

P«trü de araceyo. 7 Johane d6 tornaco Litteris eneis inu 
fiSa traditaq^ die ix. Madij (gleichbedeutend mit Maii 
in den mittleren Zeiten) j^nno dm. i/f.cccc^.lxxv. Tpre-^ 
diifa ciuitateFerrmc, Diud Hercu/e eßenß feticiter regnan^ 
te r<;. Laus omnipoteii deo qui tiiuit t regnät 1 fecula 
feculorum. Amen " Aus derfelben erhellt zur Gnpge , 
dafs Peter von Aroncbes und Johann von Tournay (öder 
Bornick) in Flandern^ Buchdrucker gewefen find, welche^ 
Maittaire vormals bezweifelte , weil er das Buch felbft 
nicht gefehen , fondern blos aus ein paar Catalogen unter 
dem Titel :, Panormitani conßlia ( unter welchem man es 
auch im Regifter bey ihm fuchen mufs ) T. IV. P. I. p. 557- 
angezeigt hat. Auffer ihm ift, meines Wiflens , Hr. von 
Murr der einzige Bibliograph ^ der Notiz von demfelben 
genommen, und in den Mem^r. 6ibL Ifor. T. I. p. 379. 
eine Ausgabe ohne Druckort von eben diefem Jahr ange« 
zeigt hat ^ die vermuthlich die unfrige ift. Sonft habe ich 
überall bey andern Litteratoren , und in den Catalogen 

groffcrer 



Ltngnidii fortgefetzte Befchreibudg u. f. w. 145 

gröfifecer Bibliotheken, .vergebens nach diefem "Werke 
gefucht; woraus fich auf die äufferfte Seltenheit deffeU 
ben mit vieler Zuverläfligkeit fchlleffen läfsc Es ift 
überaus prächtig mit halbgothifchen Charakteren , in 
gefpalcenen Columnen, ohne alle Signaturen, auf Vortref- 
lichem Pergamentähnlichen , durchweg von einem fehr 
breiten Refpekt, oder Rande umgebenen Papier gedruckt« 
Die Anfangsbucbflaben find in. unferm fchönen Exemplar 
gemalt. » 

1476. 

55) Conftitutiones CIcmentis Pap« V. cum 
apparatu Joan. Ai¥lrcae. Mopuntiae per Petr. 
Schoiffer de Gernfzheijm 1476. IUI Idus feptcm- 
bris. Fol. maj. 

icbvparz hat in Doc. IL p. 3 g. n. 57. diefe Conßi- 
tntione^ Clementinas als Librum feptimum decretalium^ 
verbunden mit dem fexto decrefalium Bonijacii VIIL 
unter Einem Titel, gleichfam als ein zufammen gehörendes 
Werk angezeigt : beyde aber niemals felbft befeffen , wie 
man aus jder Anmerkung, zu p. 167. n. 227. im II Theil 
feines Büchercatalogs {BibL Scbvparz,) erficht. Er vermu« 
thet gleichwohl , dafs der Liber VI decretalium feine 
eigne Unterfchrift haben werde. Und diefe Vermuthung 
wird durch den CataL de la VaUiere beftätigt, in deffen 
T. I. p. 523. n. 10^5 und p. 52^ n. 1097, beyde 
*Werke mit ihren ünterfchriften vorkommen. Auch werden 
fie einzeln und unter verfchiedenen Nummern im Catal. 
BibL Traj, Bat. p«* ;6, und von Maittaire T. IV. P. I. 
p. 364. und 368* angezeigt. Der Liber VL decret. ift 
1476. die nona menßi Januarii ^ mithin 8 Monate früher, 
als die Conßi Clan, gedruckt. Letzter^ find mit 80 LivreiB^ 
fceym Verkauf der de la Vall. BibL bezahlt worden i 

Meufeh Magazin» A^es Stück* K 



146 Lengnich's fortgefetzte Befchreibung u. £ vr. 

56) Jacobi Janueniis Hilloria Lombardica t 
Lcgenda Sandborum. Norimbergae per Joan. 
Senfenfchmid 8c Andr. Frifntr 1476. V IL Cal. 
Aprilis. Folio maj. 

Roedert Cat. Libr. Sac. XV, Nürimb. intpr. p. g. 
n. 55. Panzer' s Nörnb. Bu. (?. S. 26. 27. n. 29. 

57) Juftiniani Imp. Inftitutionum Libri IV. cum 
^loSsL MoguntiatpQtPetr. Schoiffcrde Gernfoheym 

1476. X. Kai. Jun. FoL max. 

Scbvoarzii Doc. II. p. )8> n^ l^^ De hure Biblio-^ 
grafbie n. 10^7. Bibl. Scbvparz. II. p. 168. n. 2}i* 
DeHtf Gareß. Bibl. S. u- SS- Reufs Tab. Univ. BibL 
S. 78—80. Nach Meerman^s Zeugnifs, T. IL Orig. typ. 
p. loi. n. (1) yerg(. mit T. L p. si). n. (bk) ift die 
Unterfchrife diefes Drucks die erßey in welcher der Stadt 
Maynz mit ausdrücklichen Worten die Erfindung der 
Bachdruckerkunft augeeignet wird. 

1477- 

58) Juftiniani loip. Liber Gonftitutionum nouel- 
larum f. authenticorum. 

Libri duoFcudorum £ confuetudlnes feudo« 
rum. 

Codicis repetitae praeledionis Liber X. XI. 
XIL 

( OmncB cum glojßs. ). 

Moguntiae per Petr. Schoifier de Gernfzheym' 

1477. XIL Kai. Sept. Fol. max. 

Scbroarz hat in Doc. IL p. 39. 40. n. J9 — 41. 
erwiefen , dafs diefe TheiFe Ein Ganzes ausmachen , und aus 
Einer Officin, wie auch der Äugenfchein lehrt, gekommen 



LcngnicIiLs fortgefctzte Befchrcibung u. f. w. 147; 

find , obgleich nur der letzte Theil die bey ihm nachzu- 
lefende Unterfchrifc mit Angabe des Orts, Druckers und 
Jahrs hat. Im Catalog feiner Bibliothek T. IL p. 170. 
n. 240. verbunden mit n. 8$« P* 54- find blos die beyden 
crften Theile vorhanden. Aus demrelben hat Hr. Denis 
im S. M. I. p. 79- «• HS- den erften Theil alleia 
angezeigt, ungeachtet die ganze im Maittaire fehlende 
Sammlung noch nachzuholen war. Ein voUAändiges Exem« 
plar kommt auch in de Murr M. B. N. I. p. 281. vor. 

Sowohl diefer, als der unmittelbar n. 57. vorherge* 
hende Codex find höchfi: rar, und fchön erhalten. 

' 1478. 

59) Baldi de Perufio Repertorium fuper Inno« 
centio, Margarita proprie nuncupatum, vel 
Innocentianus. 

InnocentiiP. IV. AppaFatus £Commentariu$ 
in quinque Libros ©ecretalium. 

Argcntinae (ap. Hcnr^ Egg^cin) J478. FoL 
max^ 

Bas Hauptwerk in diefem ftarken Bande ift des Fabfts 
Innocens IV Commentar ^ daher j|^h des Baldus RepeT'* 
torium^ in den von Braun P. I. p. 197. n. 6. und de 
Murr in M. B. 27. P. I. p. 283. angezeigten Exemplaren, 
demfelben nachfteht; wiewohl beyde, zufammen gehören 
und Ein Ganzes ausmachen. Obgleich d^r Drucker feinen 
Namen nicht genannt hat , fo haben doch Steigenberger in 
der Abhandlung über die Ult. deutfchen Bibeln^ S. }^. 
^6. und Braun 9 Lc. vergl. mit p. 24. und der Druckprobe 
Tab. i. n. 6. erwicfen, daß es Eggeßein fey. Das Papier 
iß: ungemein ftark, und hat in unferm vortrefflichen und 
Tauberen Exemplar, einen feh^ breiten Rand um den 
gefpalcenen Columnendruck. 

K 2 



f48 LtngnicJis fortgefetzte Befchreibung u. f. w. 

60) Bartholomaei de Chaimis de Mediolano, 
Ord. Min. Interrogatorium fiue Confeffionale. 
Moguntiac per Pctr. Schoiffcr de Gcrnfzhcym. 
1478. die Ürbani. Qitarto. 

Die Nachfchrifc des Werks ift, wie die Ueberfchrift 
defTelben, jene auf der letzten Seite in 10, diefe auf 
der erllen in s Zeilen , roch , das Buch felbft aber in 
tingetheilten Zeilen, mit Weinen halbgothifchen Lettern, 
ohne alle Signaturen gedruckt. Man findet die Nachfchrifc 
in Denis & M. I. p. 91. n. 620. mit Zurückweifung 
auf Würdt-wein p. 119. Die Ueberfchrift heifst: 53 Incipit 
interrogatorium ßue cofeßionale per venerabili fratre 
bartbolomeu de cbaimis de mediolano ordinis minoritl 
copoßtum in iovo fanHe marie de angelis apnd medioJa» 
JC/<5 . et dißinguitur in quatuor Pjes principaies. " Die in 
unferm Exemplar fehlenden InitidlbuchHaben hat der 
Miniculator eingefchrieben , auch die Blätterzahlen , deren 
i$i find , Jiinzugefügt. 

61) Henrici de Segufio f. de S. Bartbolomaeo, 
vulgo Hollienfis, Summa fuper titulis Dccre- 
talium. 

Vol. I. qitod Partem I. IL in Libroim 
Decretalium primum & fecundiun com- 
plcdlitur. 1478. 

Vol. IL quo LiberllL IV. V. continentur. 
1479. Fol, max. 

Der Anfang des Werks heifst : „ Incipit Summa 
fuper titulis decretalium a domina arcbiipifcopo ebredi* 
«^»^(EmbrodunenfO compilata^ qui £cf vulgatiori vocabulo 
Hoflienßs ( Oftienfis Epifcopus ) dicitur. " Am Ende des 
:tl»eyten Theils fleht : 55 SuV^ libro decretaliu fecudo. 
finita eß Ps ßimme boßien. fecnda. M. CQCC, lx;;viij. ** 



LcngnicKs fortg^fetzte Bcfchreibungu. f w. 149 

und am Schluffe des fünften und letzten : 53 Deßderatum 
bnius fumme hoßienßs finem aduexit menßs, februarii dies 
decimuj oSauits , quo poß virgina Pjis ( prolis } vagit^ 
dulcijpmos Mille quadringenti feptuaginta nouem (^479) 
anni tranßcYe. " Der Druck ift klein und fauber , halbgo- 
thifch, in gefpaltenen Columnen, auf weiflem und ftarkem 
Papier mit breitem Rande, ohne Rubriken und Signaturen» 
Die Charaktere ftimmen völlig mit Mich. Reyfer's zu Eich'- 
ßadt Typen (vergl. mit n, 4. diefer Befcbreibung, und Braun 
I. Tab. V. n. 5.) liberein. Der fehlende Name des Orts 
und Druckers lafiTen fich alfo mit vieler Wahrfcheinlichkeit 
ergänzen. In unferm fchönen Exemplar find die Initialbucfa- 
ftaben roth oder blau , die beyden gröfsten aber mit 
verfchiedenen Farben gemalt, und prächtig vergoldet. 

Zuerft ift diefe Ausgabe vom fei. Scbelborn in Miß:. 
Lipf. T. XII. p. 7^. und nach ihm von Denis im S. M. I. 
p. 106. n. 7n- angezeigt worden: keiner von beyden 
aber hat die Zahl der Theile , und das am Ende des 
z-vpeyten gemeldete Druckjahr 1478 bemerkt. JnMaittaire 
T. IV. P. I. pag. 39^ kommen 2 Volumina (ob das 
Theile , oder Bände feyn follen , weifs ich nicht ) und im 
I. B. der Mertw. der Zapfifcben BibL blös die zwey 
erften Theile, an beyden Orten mit der Jahrzahl 14? 9» 
vor. 

&2, ) Nicolai de Lyra myftica f. mpralis expofitio 
facri canonis Bibliae, f. Poftillae tnorales feu 
myfticae fuper omnes libros Sacrac Scripturae, 
cxceptis aliqulbus, qui non videbantur tali 
expofitione indigere, Coloniae per Joh. Koelhoef 
1478. Fol. max. \ 

Maittaire T. IV. P. I. pag. 392. Mafcb Biphs^. 
"P. II. Vol. IlL p. 361.V Diefe Ausgabe ift mit einer 
fetten Gothifchen Schrift , auf ftarkem Fergamentähnlichea 



tgb LcngnkKs fortgefetzte Bcfchrclbung u. f. vr. 

Papier , in gefpaltenen Columnen , mit fehr breitem Rande 
gedradct. Sie hat zwar Seicenrubriken , aber fonft keine 
Signaturen. Die feMenden Anfangsbochftaben find gemalt 
Der Befchlcrfs der NachfcriFc heifst: 9)-* — ImpreJJu q) e 
b* opus f me Johannem Koelhoef de lubeck Coionie ciue. 
Anno Sil M. cccc. Ixxviij. '* Sonft nennt fich der Drucker 
nuch Colboff. (S. n. 51.) 

63.) Vitae Patram. Ncfrimhtrgat per Ant. Coburger 
1478. Nonas Maii. FoL maj. 

Die erfte Ausgabe diefes Werks, mit der Jahrzahl. 
Freytag Adpar. lit. p. 1140—47. Seemißer II. p. 25. 
26. n. 9. Braun L p. 194. 99. n. 2. Panzers Nürub. 
Bu» G. S. 44. 4S. n« ^i, 

64) Leonardi de Utino Scrmoncs aurei de Sanöis. 
Norimhergac per AnU Coburger 1478. vndec 
Kai. Febr. FoK maj. 

SeemiB^r II. p. 2^* n« 8« Panzer am a. 0. S. 4). 
44. n. ^o. Die Initialbuchftaben in unferm Exemplar find 
mit verfishiedenen Farben gemalt, und der erfte ift mit 
prächtigen Verzierungen vergoldet, 

M79- 

65) Aftexani [Joan. dt Aß) Summa de cafibus 
( confcientiae. ) Coloniat per Hinricum QuenUll 
1479. fecundo Kai. Sept. Fol max. 

Angezeigt ift diefi; Ausgabe im CataL BibL Ludg. B. 
p. I07* von Maittaire T. IV. P. I* p. 401« von Clement 
T. IL p. 170, u. Ä. a. 0. Ausführlich aber hat fie 
Freytag T. I. Adpar. p. ^7 — 80 befchrieben, auch die 
XJnterfchrift genau copirt, wekbe 17 Zeilen in der erften 
Columne der Vorderfisite des letzten Blatts füllt, und der 



Lftignidis fortgefetzte Befchrelbung u. f. w. 151 

Eur Seiten in der Mitte der zwdten Columne des Heilandes 
ftehendes Biidnifs in einem kleinen Holzfchnitt abgedruckt 
ift. Er irrt ^ ivenn er diefe Ausgabe , die Bogenfignaturen 
und Seitenrubriken hat, für die zwote hält. Denn aufier 
der von ihm angeführten 1478 zu Venedig gedruckten, 
find ficher zwo ältere wenigftens noch vorhanden, deren 
eine ich im Erften Abfchnitte diefer Nachricht n. 4. fchon 
angezeigt habe. ^ 

66 \ S, Augußini Libri XXII. de Ciuitate Dci. 
Thomac Valois & Nicolai Triueth in libros 
b. Auguftini de Ciuitate Dei commentaria. 

Baßleae^ ^diX Mich. Wtnfzler 1479. VIII. Kai. 
Apr. Fol max. 

Maittaire T. IV. P. I. p. 99^, Cot. de la VaOiere 
T, I. p- 176. n. 4 SS» (mit einem defeften Blatte , Preis 
70 Livrea) Seemiller Fafc. IL p. j6. 37. n. j. mit den 
Unter fchriften. Text und Ccmmentat find von einander 
abgefondert ;- jener iß; mit groflen , diefer mit kleinen 
Goth. Lettern , in gefpaltenen Columnen gedruckt Jeder 
Theil hat feine eigne Nachfchrift, mit Angabe des Orts 
und Jahrs : des Buchdruckers Name arber ift blos in 'der 
letzteren , am Schlofle des* Bandes genannt. 

€7) Decretorum Codex -emcndatus per Petrum 
Albignanum Trecium J. C. Vcnctiis per Johan- 
ncm Coloniae Agrippin, & Joh. Mamkcn Gheretzcn 
1479. ^^' Ilonas Jan. Folio maj. 

Maittaire T. IV. P. L p, 399. Seemißer IL p. i%. 
5 HJ. n. 2. Pey beyden mit der Unterfchrift. Letzterer 
zeigt diefe Ausgabe unter dem Tkcl : 53 Concordantia 
difcordantium canonum /. Decretum Grapiani cum glojfa, '* 
an j und ertbeilc ihr wegen der Schönheit des Drucks , 
Stärke des Papiefrs , und Correktheit des Textes , faA vor 



15« LtngnicKs fortgtfctzte Bcfchreibungu. f. w. 

allen übrigen aus dem i^ten Jahrh. den Vorzug. In dem 
von ihm befchriebenen Exemplar enthällt die Rückreite 
des erften Blatts eine praefationem Petri^ Albignani : in 
dem unfrigen aber ift das ganze Klatt leer, wie es auch 
der Buchdrucker im Regißro voiuminis am SchlulTe des 
Werks mit den Worten bezeichnet : ,5 Primutn vacat ** 
Ganz am Ende ift noch Jpbannis Diaconi Hifpani TlofcuUtf 
yi Summarium tot ins Decreti , auf 7 Blättern hinzugefügt» 
welches die Schlufsformel mit grpbem Druck hat : » Flofculi 
feu fummarii totius decreti finis. " , 

68 ) Fafciculus temporura. Coloniae per Hinr. 
Qucnttl 1479. Fol. maj. 

Von Werner Rolevinck. Matt. T. IV. p. 400. 
Clement^ VIII. p. »55. Bauer y I. p. 276. — Hcnr. de 
Segufio fummae Volumen II. 1479. S. n. 6i. 

1480. 

6g) Fafciculus temporum. Coloniae per Hcnr. 
Qucntd 1480. Fol. maj. 

Maitt. T.IV. P. I.p. 41^« Gemeiner y S. 91. n. 60. 

70) Joan. GerfonfexIedHonesde vitaaegritudine 
& mortae animae fpirituali, duaeque fuper 
Marcum. Goudae ap. Gerardum Lceu 1480. m. 
Sept. die dec. quinta. Quarto^ 

Ift ausführlich von mir im Erßen Stück diefes Maga- 
%ins y S. 121 — 2^ befchrieben, auch von Hrn. Denis m 
Si M* T. I. p. 117. n. 826. mit Zurückwelfung auf 
Jac. VijferJ^l^aamlyß van Backen &c. (Amft. 1767. 4.) 
p. 9. angezeigt. 

71) Joannis de Turrecremata , Cardinalis, Trac- 



LcncinicKs fortgefetzte Befchrcibung u. C w. 153 

tatus notabilis de poteftate Papae & Concilii 
generalis. Coloniae per Henr. Qucntd 1480. quinto 
Idus Sept. Folio min. 

Maittcdre T. IV. P. I. p. 409. Sauberer Gothifcher 
Druck , in ungetheilten Zeilea , auf fchön^m und ftarkeä 
Papier , mit Bogenfignaturen , die durch Verdoppelung der 
^uchftaben in jeder Lage (z. B. <aa. aaa. aaaa,^ angedeutet 
find. Unter der Nachfchrift von 8 Zeilen fleht ein Ueinetf 
in Holz gefchnittenes Viereck, mit der Abbildung des 
gekreutzigten Heilandes , als Buchdruckerzeichen, 

72) Nicolai Weigel Clauicula indulgentialis & 
abfolutionis facerdotalis , de indulgentia ple« 
naria. 1480. FoL min. 

In gefpaltenen Columnen , ohne Signaturen gedruckt» 
Der Druckort und die Officin find nicht angegeben. Es 
heifst am Ende blos : 53 Finis eß Deo grcaiar. Sub annis 
domini Millefimo quadringentefimo odtuagefimo. Amen "^ 
Ausführlich handelt Freytag in Ami, p. 1078 — 81 voa 
dem Buch , und diefer Ausgabe deffelben » die auch im , 
Gefner^Sublfcben Verz. I. S. 40. n. 89« und in Denis S» 
M.i, p. 126. n. 904. angezeigt ift. Maittcdre liefs fich 
durch einen Druckfehler des Kielmanns e^cben Catalogs 
verleiten, fie in feine Annalen T. IV. P, M* P* 499^ 
unter dem Jahr 1488 einzutragen. 

148 I. 

73 ) Joan. Andreae Tradatus fuper arboribu» 
confanguinitatis, affinitatis, nee non fpiritualis 
cognitionis. Norimbcrgac per Frid. Crcufzntr 
148 1. Folio ^ ,10 fol. 

Tanzer' s Nürnb.. Bucbdr. Cef. S. ^^. n. 94. Braun IL 
p. 8s. n. 5. 



«54 I^n^nicÄ'i fortgefetzte Befcbrcibungu. f. vr. 

74) Bartholomaei Angüci, Ord. Fratrum min. 
Tracäatus de proprietatibus rerum. Qobniae 
per Joh^ Koelhoff 1481. Fol. min. 

Am Ende: ,, Imprejfusper nte Johanncm Koelhoff de 
Jubeck Cotonie ciuent. Anno natiuitatis ^omziti.MccccIxxxj." 
Gerder Florileg. libr. rar. (Ed. 3 Gron. 176}. 8 majO 
p. J4. Freytag Anal. p. 74. dement II. p. 467. Maitt. 
T. IV. P. II. p. 421. Die Ausgabe ift in klein Folio 
nie breitem' Rande ( nicht in Qiiarto , wie Gerdes angiebt) 
gedruckt 

75) Joan. Caldrini [f. Calderini) Bibliae audorU 
tatum & fententiarum , quae in decretorum 
& decretalium compilatlonibus folent induci, 

' Tabula 5 per Thomam Dorniberg de Mem- 
tningen corredta, Spirae ptrPetrum Drach 1481« 
Fol. min^ 

Maiitaire T. IV. P. IL p. 417. Die Nachfchrift 
mit allen Abkürzungen hat Straufz p. 154« genau copirt. 
Freytag erwähnt im I T, Adpar. lit. p. 84. auf Veran- 
laffung einer älteren ohne Ort und Jahr gedruckten 
Ausgabe , auch diefer , und citirt viele Schrifcfteller , die 
Ton derfelben , und dem Verfaffer des Buchs , Nachrichten 
crtheilen. Wenn Hr. Denis im II T. S. M. p. S27. 
n. 4S49. vermuthet, dafs eine am Schlufs' obgedachter 
älteren Ausgabe befindliche Invedlive gegen uncorredle 
Ausgaben des Werks, auf die gegenwärtige von 1481 
^ehe ; fo fcheint er feinen Vorgänger Freytag am a. 0. 
jnisverilanden zu haben. 

76) Fafciculus temporum. Coloniae per Hcnr. 
Qutntcl 14S1. Vol. maj. 

Maitt. T. IV. P. IL p. 422. G. M. Scbnitzer*s 



LmgnicVs fortgefetzte Befchreibung u. f. w. 155 

Kircbenbibl. zu Neußadi an der Aifcb, III Jnz. S. ;5, 
n. 14. mit der voUftändig abgedruckten üiitcrfchrift. Wir 
, befitzen zwey Exemplare diefer Ausgabe. 

77 ) Fratris Henrici Herp , Ord. min, fpecuhim 
aureum decem praeceptorum , per modum 
Sermonum. Norimbergae ptrAnt. Koburgcr I48i« 
xnenfis Martli Idus quarto. Folio min. 

Gemeiner* S. 99. n, 65. Seemiller IL p. 74, n. 8. 
Panzer in der Nürnb. Bu. Gefcb. S, 58, n. 80. Ein 

vorzüglich fchönes und prächtig geziertes Exemplar, mit 
bunt gemalten und vergoldeten Anfangsbuphftaben. 

• 78) Nicolai de Lyra Poftilla«(/ Commentarius) 
fuper Biblia tarn V, quam N, T- cum additio- 
nibus Pauli Burgenfis & replicis Matthiae 
Doringk. Norimb. per Ant. Koburgcr 148 1. 
XXII menf. Jan. HI Tomi , II Voll, föA, 
max. 

Die erße mit LyrU Gloflen von Koburger gedruckte 
Vulgata, Unfer fchönes Exemplar in zween ftarken Bänden 
init breitem Rande hat Axt Interpretationem nominum 
bebraicorum nicht , die auch , wie ich mit Hrn. Seemill^ 
glaube, zu diefer Ausgabe nicht gehört, obgleich fie in 
einigen Exemplaren aus andern fpätern Editionen hinzu-» 
gefügt ift. S. Knocb^s Nachr. von der Braunfcbvp. Bibeln 
fammL S. 792. u. f. Mi{fcb Bibl. S. P. IL Vol. IIL 
p, 367. Seemiller Fafc. IL p. 69. n. 2. Panzer's Nürnb. 
Eib. Gefcb. S, 57—^2. u. Bucbdr. Gefcb. S. n« n- 79« 
Braun IL p. 81. n. 2. 

1482. 

79 ) Digeftorum f. Pandedarum Juris Ciuilis 



156 LtngnkKs fortgefetzte Befcbreibung u. £ w. 

Tomus L vulgo Digeftuixi Vetus, f. Libri 
XXIIL priores & duo Tituli Libri XXIVT. 
Pandedlarum. 

Tomus IL vulgo Digeftum Infortiatum , a 
Titulo 111. f. Rubrica Libri XXIV. „ Soluto 
matrimonio qucmadmodum dospetatur '' ad Librum 
ufque XXXVIIL 

[Lugduni] per Joannem Syhcr 1482. II Voll. 

FoL maj. 

Beyde Theile haben GIofTen. Obgleich der Druckort 
nicht gemeldet , auch beytn zweyten Theil des Druckers 
Name nicht genannt ill , Co weifs man doch , dafs Sjyber 
2u Lyon gedruckt hat , und die Gleichheit' der Typen irj 
beyden Theilen fpricht für Eine und diefelbe Druckerey. 
Am Schluffe des Erften fteht: „ Digeßum vetus magna 
diligetia \ imprejjtim. maiorlq) correHnlßu | dio ^ im- 
penßs ingenioß viri ma \ gißri Johannis Syber almani \ 
AnnofalutisdominiceM.cccc | IxxxiL ExpUcit libcr felici- 
ter." Am Ende des ZwcytQn: ,y Opus znfortia^iiaudabUiac ' 
ftib I tili arte Imprejforia diligeittißme \ emendatum fiw't 
feliciter. Laus xpo ". Der dritte Theii diefer Ausgabe fehlt 

• uns leider: das Werk ift aber aus' einer älteren (oben 
angezeigten zu Bafel gedruckten) Edition , ohne Ort und 
Jahr, mit einem dritten Bande ergänzt. Maittaire hat 
diefe Syberfcbe Ausgabe nicht gekannt. In Bibl. Scbuparz. 
P. IL p. igg n. 340. kommt blos das Digeßum Vetus 
vor. Hr. Denis hat in fiippl. Maitt. L p. 148. n. log?. 
84. das Big. V. ?^ N, angezeigt: allein das Infortiatum 

ift feiner Aufmerkfamkeit entgangen. 

80) JoannisPetriFerrarienfis dePapia Juris noua 
Pradica. Norimb, impenCisAnt. Koburger. 148z. 
prid Kai. Martii. Folio. 



Ltngnidis fortgefetzte Befchreibung u. f. w. 157 

Fanzer's Niirnb» Bu» G* S. 70. 71. n. loi. BraunM^ 
p. 88. n. s. 

81 ) Compilatio Decretalfum Gregorii IX. cum 
apparatu Bernhardi. Norimb, per Ant. Koburgtr 
1482. pridie Idus Julii. Folio. 

Gefner-Sub/fches Ver2. I. S. 43. n. 99« Panzer am 
M. S. 72. n. loj. 

82) Hugonis Cardinalis Poftilla fuper IV. Euan- 
geliftas. BaßUae per Bernhardum Richel 1482. 
Folio mcx. 

Ich finde diefe fehr rare und in gefpaltenen Columneix 
fauber gedruckte Ausgabe allein beyni Maittaire T. IV« 
P. II. p. 45 9 (mic Zurückweifung auf de la Cai/Je) und 
zwar als die einzige aus dem i^ten Jahrb. angezeigt, 
vergl. mic T. V. P. I. p. ^08. Sie hat Seitenrubriken und 
Bogenfignaturen , welche letztere im Mattbaiu von a bis 
m^ im Marcus von. a bis fy im Lucas von a bis j», 
und im Jobannes von a bis v fortlaufen. Die zum Druck 
derfelben gebrauchten Charaktere find von den Ricbeifchen 
Typenproben , die man bey Km, Braun P. I. Tab. lY. 
n, 2. 5. abgebildet fieht , ganz vtrluhieden. 

Voran geht auf der Riickfeite des übrigens leereir 
erften Blattes eine Anzeige des Druckorts und Druckers, 
die fonft nur am Ende gewöhnlich zu flehen pflegt, 
in 17 ungctheilten Zeilen, mit Richels fchwarz darunter 
gedruckten Infignien : ,3 Ad laudem ^ gloriam cunSi 
fotentis dei Intemerate genitricis eius vginis ntariem 
totiusq) fu^crnolL curie ^ nee non militant is eccPie falute^ 
In inclita ciuitate Bafilien. fer'd. Bernhardum richel 
Imprejfa ^ bac optima litterarutn eßgie caraÜerifata efl^ 
Jüa preciofa poßilla quam venerandus pater Hugo Cardio 
nalis ordinis fratrumpredicatormi &cre tbeologie pro/ejßr^ 



15S Ifit^mcAV fortgefetzte Befcbreibungu. f. \r. 

parienßf vir do^ißimus edidity u. f. w. (Das übrige enthält 
Lobeserhebungen des Werks.)' Die Üeberfchrift, mit welcher 
das* zweyte Blatt und das Werk felbft fich anfängt, heifst: 
99 lucipzt Proiogus poßiffe fratris HitgonU Car» \ dinalis 
fufer Matheum feliciter *\ Am Schluffc des Matthäus ift 
der Name des Druckorts und Druckers wiederholt, auch 
zugleich das Druckjahr in folgender- Unterfchrifc Ton 6 
Zellen , auf der Vorderfeite des letzten Blatts in der zwoten 
Columne angegeben : 33 (F) aSum hoc opus emendatißmum 
inucleaciusq) caßigatum. In inßgni Bafileo^ vrbe . per d. 
Bernhardum Richel artis impreßorie nutgißrum eiitfdent 
vrbis Bafilien . ciuem. Anno a natiuitate ^o;7ii»i Millefimo 
quadringentefimo o(ftuagefimofecundo « quarto ydus Janua^ 
riV\ Die übrigen Evangeliften haben folgende Nachfchrif- 
ten : ,3 Explicit Hugo Cardinalis fiiV MarcuJ — Expliciunt 
poflillefuper Lucam^c^'m fr<ar^ Hugonem, BenediSus deus. 
Amen. — Explicit Hugo Cardinalis fuper iohannem *' wel- 
che letztere zugleich das ganze Werk befchliefst 

83 a.) JacobI Januenfis Hiftoria Lombarclica C 
Legenda Sandorum. 1482. Fol. min. 

Ohne Namen des Orts und Druckers, auch ohne 
Signaturen. Der Druck ift Gothifch in gefpaltenen Colum« 
nen , das Format klein , der Rand aber- verhältnifsmäffig 
breit. Voran geht auf i) Blättern eine Tabula ßiper 
legendäs faJiäorum. Sodann folgt auf 2 Bl. der Proiogus 
mit dem Regifter über die ai^ Capitel des Werks. Am 
Ende heifc's auf der Vorderfeite des letzten Blatts, in 
der zwoten Columne : ,3 Lombardica byfloria explicit | 
Anno rfwiM. cccc. Ixxxiii." Diefc Ausgabe hat Maittaire 
nicht gekannt. Vielleicht ift die von Hrn. Denis im & 
Jf. I. p. 1^2. n. II2J in Grofsquart angegebene, eben 
diefe» Eine ältere von 1476 habe ich oben n. $6 angezeigt. 



Ltngnidis fortgefetzte Befchreibung^u. £ w* 159, 

83 b.) Opus Homiliarum variorum Doftorum^ 

cet coUeäpre Paulo Diacono. Spirac per 

Petrum Drack 148*. Folio min. 

Gothifcher Druck , in gefpaltenen Columnen , mit 
Ls^enfignaturen , a — z und t > A — r Z , AA— CC , alles 
Qvaternen , die beyden letzten Ternenlagen ausgenommen. 
Auf der Rückfeite des erften Blatts fteht der Prologus 
Karoli magni in omeliariu fer totum annu. Die lieber- 
fchrift auf der folgenden Seite heifst : ,, Opus freciarum 
ömnium omeliaru & poßiäarü venerabiliü ac egregiorü 
doffo^. gregorij. augußini. bieronimi. ambrojy. bede, bericü 
Jeonis. maximi. iobanis epi. atq^ origenis integraliter fiip- 
euägelia dhicaiia de tpc Esf de fanÜis per totig anni 
circulu -cu quibufdh eorunde fparßm interpoßtis firmoni* 
bus bin cinde (üc)fiiis locis coDeSis ^ coaptatis tpibus» 
in parte byemalem ac eßinafe diuifiim incipit feliciter. ^* 
Darunter : j. Pars byemalis & prima '\ Auf der Rückfeite 
des mit t ij fignirten Blatts endigt fich diefer Theil und 
folgt : 55 Pars eßiualis ". Der Schlufs der ganzen Sammlung 
heifst auf der Vorderfeite des letzten Blatts in der zwoten 
Columhe , in 1 1 Zeilen : 5, Omelia^ opus egregiu : pluri^ 
mo^ Jaäo^ alio^ ve famoßßmo^ doclo^ : ßiper euagelijs 
de tpe t fanäis. quibufiam eorudeth annexis firmonibg z 
faäore Petro drach iuniore. in inclita Spirefium vrbe im-^ 
prejfum. Anno incarnatonis dominice Millefimoquadringen- 
tefimoodloagefimofecundo. In vigilia natiuitatis glorio- 
ßßme marie virginis: ad eufebia cuäipotetis dei feliciter 
eß cofiimmatü. '* Dracbs gewöhnliches Druckerzeichen fteht 
darunter. 

Maittaire T. IV. P. IL p. 436. ohne Namen des 

• Buchdruckers und Meldung des Formats , citirt : Bibl. 

Norib. Sa^b. p. 144- In Hrn. v Murr. Memor. Bibl. Nor» 

kommt gleichwohl diefe Ausgabe nicht vor. Sie ift aber 

doch wirklich in der Nürnb« Stadtbibl. befindlich. Herr 



t6o Lmgniclis fortgefetzte Befchreibung u. f. w.' 

Denis macht im II. T. S. ü/. p. 771. den Zufatz: Efl per 
Petr. Dracb in f, liefert aber keine vollßändigere Anzeige 
die man bey Hrn. Seemiütr Fafc. II. p. iio. 11. und 
Braun, P. II. p. 9). findet. — Unfer Exemplar ift fchön 
l-erhalten , und rubricirt , mit blauen und rothen Initial* 
buchftaben. 

^4) Vocabulariusbreuiloquus. Baßleae 1482. Folio. 

Bibl. Scbvparz. II. p. 187. n. }}7. Gefner-SubU Verz. 
LS. 4). n. 98. Denis S. M, I. p. 160. n. 1199* Voran 
gehen laut der Rückfeite des Erften Blatts : Ars difbtbon^ 
gandi Guarini Veronenßs, Compendiofus dialogus de arte 
punSandi. TVaSatus vtilis de accentu. Die Nachfchrift , 
welche zugleich llatt einer Inhaltsanzeige des Hauptbuchs 
in diefer Sammlung dienen kann, heifst: j> Finit Voca^ 
huiarius breuiloquus triplici alpbabeto diuerßs ex auSoribus 
nee 7ipn corpore vtriufque iuris coüeSus ad latinum 
fermonem capejfendum vtilißmus, Imprejfus Baßlee. Anno 
dnt M. cccc. Ixxxij. Laus deo. " Weder des Verfaflers noch 
des Buchdruckers Name ift genannt. Allein Herr Braun 
der P. II. p. 76. n. 5. eine ältere mit diefer völlig über- 
einftimmende Basler Ausgabe von 1480. anzeigt (die auch 
. in SeentiUeri Fafc. IL p. 65. n. 29. vorkommt) belehrt 
uns , dafs Jobann Reucblin der Verfaffcr , und Amerbacb 
der Drucker diefes Wörterbuchs fey. Es ift mit breitem 
Rande in gefpaltenen Columnen gedruckt , und' hat ßogen- 
ßgnaturen, im Erften Theil mit Buchftabcn, von a bis ^y, 
im Zweyten mit Zahlen, von i bis 8- Nur die erßeLzge 
hat keine Signatur. Die groflen Initialbuchftaben find mit 
Weineren Lettern angedeutet. 

1483. 
85) Johannis Gerfon Opera. Coloniae per Joan. 
Koelhoß^dQLuhcQk 14^3. 84. IV. Tomi et VolL 
Folio. 

In 



i^n^hfcÄ'j förtgeletzte Befchreibüng ü. Cw. i6i 

In gefpaltenen Columnenj mit gröberen Gothifchea 
Typen, Rubriken , Blattzahlen utid^ignaturen ^ auffchöneiri 
Papier gedruckt. Die drey erften Bände find vom Jahr 148 )♦ 
der vierte und letzte ift von 1484. Ckment IX. p. i ;o — 5 ^. 
Straufz p* l54i 6 5. Seemiller IL p. 12Ä. 2Ji n. 14. Mari 
findet diefe Ausgabe feiten vollfiändigi 

86) Thefautus nouus Sermonum. Argmtinae 1483« 
«4- 87. Folio. 

Vol. 1. Sermories thcfaüri liotii de Tempore. 
Inline j y^Opusputilcfermonudnicaliumtotiusanni 
Thefaurus nouus nucupatum, impjjum ärgentinc- 
Anno dni* Mcccclxxxiij. Finit fdicitcr. " ^ , 

Vol. II. Sermones thefauri rioüi de Sandlis. 
In fine t ,5 Opusputileßrmonü defanilis p circuluni 
anni Thefaurg nouus nuncupatui impffurh Argen- 
tine Anno dm. M. cccc. Ixxxiiij. Finitfeliciter" 

Vol. III. Sermones quadragefimales Thefauri 
noüi. In fine : „ Opus putile fermonu quadrageß^ 
malm Thcfaurus noui) nucupatu Argeatine impreß 
fum. Anno rfm. M.ccccJxxxvij. Finit fcliciter. " 

Bünemanni Cat. MSS, & Libr, imprefs, venaL p. 24. 
äiji n. 3J — js. Dmis S. M. L p. 2j6. n. igdS. blos 
mit der Nachfctrift und Jahrzahl des letzten Bandes, und 
dem Zufatz , dafs die Theile auch einzeln gefunden 
. werden. Seemiller Fafc. III. p. 7J. n. 6. der diefen Druck 
dem Martin Flach zueignet. Ich finde die gröfste Ueber- 
einftimräung der Charaktere deffelben mit den von Jobanii, 
P^yfi gebrauchten. Herr Genninet macht S. 145- "diö 
Bemerkung-, dafs wenige Bibliotheken ein . voUftändiges 
Exemplar von diefem Tbefauro fnmonum aufweifen könnerv 
Das unßrige in drey Bänden ift nicht nur vollftändig ,. fondern 
auch fchön erhalten^ ' 

Metifels Mag. ^tes Stück- ' L 



ifo Lcngnktis fortgefetzte Befcbreibung u. f. vr. 
1484. 

87) Antonini Archiepifcopi Florentini Opus 
Hiflioriarum f. Chronicarum. Norimh. per Ant. 
Kobcrger 1484. die vlt. Julii. III. Vol. Folio max. 

Merkvp. der Zapf. Eibl. I. S. ; 2 1 — 27. Denis GareÜ. 
SibL S. 108 — 10. n. 148. Strottfz , p. 169. 70. Panzers 
Ifiirnb. Bu. G« S. 86. 87* n. 130. Braun IL p. xio. n. $• 
Ein prächtiges Exemplar. 

88 ) Decretorum Codex , vna cum apparatu 
Bartholomaei Brixienfis. Argentinae impeafis 
Joan^ Giüninger 1484. Fol. max. 

Eine in gefpaltnen Columnen mit rothen Seitenrubriken 
und Imtialbuchftabcn (die gröfleren gemalten ausgenommen) 
fchön gedruckte Ausgabe. Herr Braun ^ der fie P. II. p. 108. 
n. I. mit der roth gedruckten Nachfchrift in s ungetheilten 
Zeilen , angezeigt hat , giebt die Lagenfignatur von A bis IC 
44 Bogen ftark an ; welches entweder einen Fehler in der 
Angabe, oder UnvoUftändigkeit feines Exemplars verräth. 
In dem unfrigen gehn die Lagenfignaturen von A bis L und 
Ton a bis iu 

— Joan. Gerfon Operum , Volumen IV. Colo^, 

niat 1484. S. n. 85. 
— - Tbefauri noui Sermonum , Volumen IL 

S. n. 86. Argtntinät 1484. 

1485. 

89) Biblia ktina. 1485. Folio, 

Unter ;den Bibelausgaben ^ ohne Namen des Orts und 
i)ruckers, mit den bekannten Verfen am Ende der OfFenb. 
3oh. ,5 Fontibus ex graecis '* u. f. w. ift die gegenwärtige 
die fünfii. S. Mi^fcb B. & t. 11 Vol III. p. 91. und 
Anm. K; 



IcngrücKs fortgefetÄtc Befchrcibüng u. f. w. 16^ 

90) Biblia Latina Ytt. Teft. cum Poftillis Nie. 
de Lyra. ( Norimb. per Ant. Koberger 1485. ) IIL 
Voll. FoilCK 

T,eider fehlt der vierte Band ^ oder das N. T. zur 
Vollftändigkek unfern Exemplars und mit demfelben die 
Nachf(;1irift diiefer ohne Signaturen gedruckten Ausgabe. 
Gleichwohl hat der Rubrikenfchreiber das Jahr 1487* ani 
SchlufTe des dritten Bandes hinzugefügt. . Da nun aber die 
Kobtrgerfcbe Ausgabe von i487-> nicht eher als im Vecember 
vollendet worden ift, fo gehören unfre drey Bände mehr 
als wahrfcheinlich zu der 148s« von Kobergern gedruckten 
Edition , welche die 2n90te mit Lyra GlolTen ift. ( Die erfte 
S. oben n» 78) Mafcb B. S. P. IL Vol. IIL p. }68. 
Panzer's Nürnb. Bib. Gefcb.S. 78. und Bucbdr. &S.9I. 
n. i|^. vergL mit S. lof. n. 160. Herr SehniUer der 
Fafc. IIL p. 14. n. 2 8« das von ICoberger 1485- gedruckte 
27. 7*. anzeigt , ifl: geneigt , die Exiftenz eines Drucks des 
ji. T. von eben diefem Jahr zu bezweifeln ; weil niemand 
xlenfeJben bisher genauer befchrieben habe, und überdiefs 
fowohl in der Akadem. Bibliothek zu Ingo/ßadt ^ als auch 
in der den Jobanniterordenm^pern zu Strasburg gehörigen , 
blos das 7^. T. vorhanden fey. Meines Erachtens hätte 
die ünterfchrift des letzteren ihm feinen Zweifel fchoa 
benehmen können , welche fich mit den Worten : „ ExaHum 

efi opis biblie " auf alle vorhergehenden Theile ^ 

die keine eigene Nachfchrift haben , bezieht. Sonft würde 
es ja haben heilTen müifen : » ExaBumeßnouum teftamen^ 
$um. " 

91) Goncordantiae BIbliorum ConradI ab AIIC'* 
inannia [f.potius Hugonis a. S. Charö.) Spiris 
per Pctrurn Drach 1485. Kalendas Augufti. 
Folio matt. 

In 



i64 Ltngnichs fortgefetzte Befchreibung u. £ w. 

Bibl Sehvoarz. IL p. 198« iK ]g?. Stratifz p. 176. 
27f»ff & Ji/. I. p. X97* n. 1521. Ein fplendides Exemplar. 
Im Erften Abfchnltte diefer Befchreibung habe ich unter 
den Büchern ohne Ort und Jahr die ältefte Strasburger 
Ausgabe diefer Concordanz angezeigt. 

9^) Hugo de fanfto Vidore de facramentis. 
Argcntine 1485. Fol min. 

Seemißer Y^TcllL p. 24* n. f. Braun?. IL p. 114. 
n. I. Sir aufs Opera rar. Rebdörf. p. ) i* Des Druckers 
Name fehlt. Unfo Exemplar ftimmt mit dem Seemiäerfcben 
und Straufsifcben genau überein. Im Braunfcben befindet 
fich das Titelblatt mit der oben angeführten AufTchriftf 
nebft ) Blättern Inh^ltsanzeige , in der Mitte des \C^erks 
vor dem zweyten Buche « wohin diefe beyden Bogdi nicht 
gehören , die in der Lagenfignatur nicht mitgezählt find. 
Auch ift noch anzumerken, dafs das letzte Blatt im Erfteh, 
und das erße und letzte im zweyten TheS leer geblieben 
find. 
93) Thomae de Aquino Summa Theologiae. 

Bq/ileae 1485. Fol. maj. 
Vol. I. Pars I & IIL In fine Partis primae : "-— — 

Baßlte (fic) impreffa. Anno dnTM.cccc.lxxxv. 
VoL IL Prima Pars Secundae Partis. Ib. eod. 

d. XX. Augufti. Liber Secundus Partis Secun* 

dae. ih. codi xvi. die Augufti. 

Maittaire T. IV. P. IL p. 467. Clement, Hamberger 
und Bauer haben diefe rare Ausgabe nicht. Braun hat P. IL 
p. II 6« n. s« blos frimam fartem und primam fecundae 
angezeigt Ob im Catal. de la VaßiereT. I. p. 191. n. 532. 
in zween Bänden alle Theile enthalten find , läfst fich aus 
der Angabe nicht mit Gewifsheit entfcheiden. Das Exemplar 
ift mit 40 Livres bezahlt worden. Der Buchdrucker hat (ich 
bey diefer in groflem Format mit breitem Rande gedruckten 
Ausgabe nicht genannt. 



. Xf/7^nicÄ'ifortgcfetzlcBefchreibungaf.w. 165 
1486. 

94) Antonini Archiepifcopi Florentini Summa 

' theologica) Norimbergae p^r Ant. Kobcrcjcr i486. 

I7. Folio maj. 
\o\. I. Pars L i486, xvi. Kai. Aug. Pars. III. 

iod. menf. Dec. Kai. xiv. 
\ol. IL Pars IL eod. Sept. KaL V. Pars IV. 

:487. Idus IL menf. Febr. 

Denis Gar. BibL S. 126 — 2%. Panzert liJürnb» 
Bucbcr. G. S. 102. n. i^ j. Seemiller Faß. IlL p. 4^- 47- 
n. 9*Der befondreRegifterband, deiTen Panzer und Sie^- 
mißet erwähnen, ift bey unferm Exemplar nicht. 

9^ Liber Sextus Decretaliura Dominz Bonifacii 
Papae VIII. cum apparatu Joan. Andreae. 
Norimb. imp. Ant. Koberger i486. XII. Kai. 
Julii. Folio. \ 

Panzer am a. 0. S. 100. n» I51. Braun IL p. IJS* 
Si. :7. Seemißer IIL p. 51. n. 16. 

96) Coiiftitutiones Clementis Papae V. vna cum 
app. Job. Andreae. Norimb. imp. Ant. Kobcrgcr 
i486. XV. Martii. Folio. 

Panzer am a. 0. S. 96. n, 14}, Braun 1. c, p. 13^. 
n. 18. Seem. 1. c. p. %i. n. 17. 

97) Hiftoria Troiana Guidonis [de CohmnaMeßa^ 
nenßs) Argentinac i486* circa feftum S. Dionyfii 
& focioruit^ eius. Folio. , 

Diefe in gefpaltenen Columnen gedrucfte Ausgabe hat 
Sitenrubriken und Lagenfignaturen von a bis o. Der Titel 
ftht mit den oben angeführten drey erften Worten auf einem 



- j6$ LengnicKs fortgefetzte Bcfrfireibung u. C v. 

befondern Blatte. Die Initialbuchftaben find mit klenereti 
Lettern angedeutet. Der Drucker hat fich nicht geiannt. 
Die Typen find von denen , die Gruninger und Pryfi 
gebraucht haben, verfi:hieden. Maittaire T. IV. P. IL 
p* 479- Bünemanni Cat. p. ig. n. i). i) Straufz (. i%%, 

98) De Spiritu Guidonls. Delphis 1486. Qiarto. 

Im Erßen SP. ditfes Magazifts habe ich S. I^4<*i47. 
eine vollftändige Inh^tsanzeige diefer Gefpenfterfiftorie 
geliefert , von welcher auch eine in vielen Stückci ab- 
weichende Handfi:hrift in unfrer Bibliothek (n. 22 d. in 
Quarto ) befindlich iß, aus der manche Stelle des gedruckten 
Exemplars verhelTert werden kann. Soheifst es z. B. gleich 
im Anfange : » in ciuifate Alledti quae diftat a curia 
romana f. apoftolica quae iam bononia vocatur pe xxx 
miüiaria, xvi. italendar decentbris ohiit '' u. f. w. Die 
Ueberfchrift des Manufi:ript8 ift : Miraculum de Giidone 
ntortuo* 

99) Juftiniani Inip. Intlltutiones Cum ghfla. 
Norimb. ap. Ant. Kobcrgcr i486. VI. Kai. J\a. 

FoHo. 

* 

Cat. Bibl. Tirai. B. p. 42. Bibh Scbvparz. II. p. 2»}. 
n. 41s* Panzer am a. 0. S. 96. n. 142. 

100) Vincentii Beluacenfis Speculum dodrinac. 
Norimb. cxpenfis Anthonii Kobergen i486. II. 
XVII. Apr. Folio max. 

Ein prächtiges Exemplar. Straufz p. 184* Panzer \m 
«. 0. S. 96. 97. n. 144. Seemiffer IIL p. 47. n. lo. 

Der Befcblufs folgt näebßens. 



1^7 
2. 

Nachtrag zu dem Verzcichniffe merkwürdiger Bü. 
eher in der Dombibliothek zu Magdeburg, 
von M. Jo. Fried. Augufl. Kindcrling. (Vergl, 
St. 1$. S. 14g. u. ff. ) 

JuMtx^ müfs ich die Leier um Verbeflensng erlieblicber 
Druckfehler bitten ; denn die unbedeutenden , als Druk für 
Drucke fcbolußifcb für fcbo/aßifcb /ncbft einigen Ver* 
fetzungen der Buchftaben werden wohl keine Irrung veran- 
laflen. Hingegen beliebe man zu lefen Seite $. ^eile lo. 
cxhortatorium. Z. lij. Btirnet-Ferreras. Z. )o. Exemplare» 
S. 6. Z. 7. Dom. Secretär &orWa«/J» Z. 20. wovon Z. 27. 
adinuentione ( in einem "Worte. ) S. 7. Z. i. Moguntinunt 
S. 8. Z. II. Cbryfoflomus Z, 22. Marßlii S. 9. Z. 5. 
Germbeim. Z. 6. I)efl:ru(ftorium. Dafelbfl; ift zu Nr. )o* 
hlnzuzufetzen : Tomus pofterior a lit. M vfque ad Z. 
Z. 22. D. (Dod.) für de. S. 10. Z. Y- condito Z. 11. 
Ruperti — aduentu. Z. 12. Eyb S. 11. Z. 19. Rttperti. 
S. 12. Z. I. Cbryfofiond Z. 9. Ca/?ro Z. 24. Kefer Z. 27. 
fetze man hinzu i47^ S. i;. Z. 27 Idus. S. 14. Z. 7. 
Frifner Z. 10. quoad Z. 12. liter. Dafelbfl: fetze man zii 
Nr. ;8 hinzu : Ixi vigiUa nativ. Dom. Sine loci & typographi 
mentione^ S. 1,6 . in der Note Z. 5. Freytagü' S. 17. Z. 2. 
1480. Z. 4. 1480^ Z^ 5- Strabonu. Z. 6. i48o>i Z. 9. 
fiue fiir S. Z. ;i. fextus *— Andreae. S. ig. Z. 6. Editio 
Z. 10. Aquinatis Z. 21. Aßexanu Dafelbfl: fetze man zu 
Nr. <}^. hin^u bey Venet. per Erb. Ratdolt cum fi^g. 
aftrorum. S. 19. Z. %. Ferrarienßt Z. i2. fetze man hinzu 
Fol. Z. i). Tabula direcftiuaZ. 26. haereticus. S. 20. Z. tp. 
tit. Dafelbfl in der Note Hirßbingr. S. 2u Z. s- Kesler 
Z. 28^ Berfboril S. 2). Z. ). Roftochii Z. 25. 149}. 
Z. 28« Biogenis LalgrtiuZ. )i. Metaphyfica. S. 24. Nr. 175. 



i68 irinrfCT-in9*j Nachtrag zu dem Verzeichniffc 

Euperti Holcotb S. 2f. Z. 4. poSefTorio Z. 12. Poecice» 
S, 26. Z. 4. ^^ Lezena S. 27. Z. 3. Arithmetica 2L 20. 
Rotberü. S. 28* Nr. 2^2. finalis retributionis , Nr. 2^9. 
Beroaldi. S,29/Z. 6. 1499. Z. X2. der Note -de Alliaco 
S. )o. Z. I. in der Note Scrutiniutq 9 Z. 15. Hütten. S. )i, 
Z. ^. Ollmütz Z. 10. Cracouiae Z. ir. HebdomadibuSf 
Z. 22 und 2) Vroclus Z. 24. Somniis Z, 27. Speußpfi 
Z. 50. Pytbagorae S. J2. Z. j, Reuchlinu» Z.8, Pbilelfu^ 
%. 17. ^e j?/(/7ix — pietatis. Not, Z. 9. in der Clofter 
Bergifchen S, h. Z. 24. Metaphyfica. S, %%. Z. ^. Curiae 
Z. 9. XII Voll. Z. 20, Viftorcm S, 36. Z. 8. 1509. S. ^7. 
Z. 28. commento^ S. ;8* Z. 2^,I{eiferfpergiiZ» 29- VSH« 
S. 40. Z. 24. Froben. S. 41. Z. 14. additamentis Z. ;9. 
Frobenio. S. 42, Z. 2. in der Note — epiftolarum S, 4;. Z. f. 
Moguntini Z. 11. confutatio Z. is, telTeradecas Z. 18. 
poemata S. 49. Z. |. TbeapbylaSus Z. 30. ß^rfa in Com- 
mentarlum S. 4$, Z. ;. Emferus Z. 19. Proben S. 47. 
Z. 8. Lutheri Z. 16. Cbryfoßomu 

Für die unangenehme Mühe , diefe angezeigten Fehler 
zu yerbeflern , mache ich den Liebhabern alter Bücher noch 
folgende bekannt, die meiner Aufmerkfamkeit entgangen 
waren, und zum Theil mit andern zufammen gebundeQ 
fmd, und zwar 

' I. Bücher ohne Jahrzahlen und mehrentheil« auch ohne 
Anzeigen des Druckers und Druekorts , welche aber 
doch ein hohes Alter zu haben fchein^n , auch groflei^ 
Theil$ eingemahlte Anfangsbuchftaben haben: 

I. PolylQgium ex Ariftotelis Politica, Fol. 

?. Albertus Magnus de cauflis proprietatum elementorum. 
Fol, 

}. i^iawi CoÄT^fw libri Politicorum, Mogunt, Fol. 

4. Jac. Stapulenßs in Politicam & Oeconomiam Ariftot, Fol, 

5. ßiußiem Commentarius in Phyficam & Mctaphyficam 
Ariftotflis. Fol, 



«lerkwürdiger Bücher u. f. Wr 169 

(5. Viucentii de Vßlencia Sermönes temporls hiemalis & 

de fandtis. Coloniae. Fol, 
7. Jacobi Cartbußani Erfordienfis Sennones, FoL 
- 8- Thomas Aquinar de moribus diuinis. Fol, 

9. Alb^rti Mßgni Poftilla de tempore. Fol. 
xo St IX , Duo Mifl^lia Ecclefiae Magdebürgenfis, Edltionet 

inter fe diuerfae. Fol. 
13. Conftitutiones Viementis Fapae cum apparatu Andreae. 
Fol. 

13. Guidoms de Bayfo, Archidiaconi Bononienf, Rofarium 
decretörum. Fol. maj. 

14. Gull. Caottrßni defcriptio obfldionis Rhodiae, Fol. 
1%, Arifiotelis parua naturalia & libri quatuor de caelo & 

mundo, Fol. 
16. Ludov. de Roma fingulariain cauiHs criminalibus fuper 

quinto decretalium. FoL 
^17, Wilbelmi Lugd. Ep. «Summa de virtutibus. Fol. 
x8f Flos Theologiae applicabilis & Joannh de Turrecremata 

quaeftiones fuper Euangelia. FoL 
•19. Jo. Gerfonis Conclufiones morales. Fol, 
^o. Albertus M. de adeundo Deum. FoL 
ZI. Hieroftymi zurcoh florum« FoL 
92. Jfidori Soliloquia. FoL 
ÄJ» Job. Gerfon de trahendis paruulis ad Chrillum , de arte 

audietidi confeflionem , de remediis contra recidiuam 

peccandi. FoL 
44. Pauli Diaconi Foftillae de tempore 6t: Sandis , coIleAa 

audloritate & iufTu Caroli M. Colon, per Conr. ^e 

Homborch. FoL 
%%, Albert i M. Foftillae in Euang. Jo. FoL 
z6/ Bonauentura^ Card. Sermönes de tempore, FoL 



I70 Kindcrlin^s Nachtrag zu ^ctn Vcrzcichnifle 

27* Biogenis Philofophi Epifldae in Lacinum verfae per 
Franc. Aretinum. Hoc opus exignum diligens fculpGfc 
Fridertcus Nurnbergae Creufner arte fabrili fija. Fol. 

28* Guilielmi Pari/, opera de fide , legibus i vitiis & virtu* 
tibus. Fol. 

29. Cbryfoß^mus in Pfalmum L & in Ep. ad Ebraeos , & 
eiufdem omiliae de reparacione hominis lapG. 4. 

30. Liber Dialogorum Cbr^oflami & Bapiil M. 4. 

)i. Liber de proprietatibus apum agen$ de praelatts & fub* 

ditis. 4. 
32. Guilielmi PariC Poftilla. 4. 
3). Margarita Decretalium i. e. loci communes ex Decrrr 

talibus. 4« 
34. Petri Hifpani traäatus logici fecundum Tbomae Aquin. 

Dodrinam. 8« 
3^. Auguflini manuale de afpiratione animae ad Deum. 8- 
3tf. Thomas de Aquino de vitiis & virtutihuS;» de modo 

intelligendi & potentiis animae. 8« 
37« Prouerbia Senecae fecundum Alphabetum. 8« 
]8. Catonis Difticha ad filium. fuum. In fine exftat : Ex- 

plicit hie Cato dans caftigamena nata Et fic eft finis 

per me Jac. de Breda. 8. 

39. Jttuenctts Hifp. Presb. immenfam Euangelicae legji» 

niaieftaten^ verfibys heroicis concludens. g, 

40. Albertus M. de intelleftu. g. 

IL Bücher mit Jahrzahlen. 

Ueber den angeblichen Quintilian von 14^1. habe 
ich mich in einem befondern Auffatze : Ob Venedig oder 
Rom die erfle Buchdruckcrey in Italien gehabt habe? erklärt. 
Die Jahrzahl ift fo gedruckt MCCCCLXCIII , muft aber 
wohl richtiger 148) oder 149J heiffen. Botntus Locatellus 



merkwürdiger Bücher u. f. w. lyi 

hat ihn übrigens auf Koften Ootatdani Scott ^ und zwar 
recht fchön , mit RapL Regii Anmerkungen gedruckt, 
Sonft find noch folgende alte Bücher bemerkenswerth ; 

1. A2onh Vöcabularius Juris. Spirae 1477^ 4. 

%. Pomponii Melae Geographia : Frifciani quoque ex 
Diohyfio Theffalonicenfi de fitu orbis interpretatio. 
Venetiis per £rh. Ratdolc. Anguftenfem 1$ Cal. Augu(H 
1482. 4. 

J. Clariffimi viri Iginii Poeticon Aftronomicon. Anno 
falutis 1482* Pridie Idus Odt. Venetiis. 4. Von eben 
dem Ratdolt gedruckt , wie aus dem angehängten 
Epigramm des Jo. Lucilius zu erfehen. Der Druck ift 
anfehnlich , und die Sternbilder lind ziemlich fauber 
in Holzfchnitten vorgeftellt. 

4* Marßlii Ficini Theologia Platonica de immortalitate 
animae. Florent. 1482. Fol. 

5. Rufi Feßi Auieni Interpretatio Phaenomene^n Arati* 
Nach Vidtoris Pifani Vorrede fleht : liic codex Auieni 
> cpntinet epigramma, eiufdem Arati phaenomena geo- 
graphica carmine heroico , & oras maritimas trimetro 
iambico : Germanici qföque & RI, Tullii Arati Frag, 
menta : & Sereni verfus de variis. curandis morbis, 
(Zufammen 239 Seiten, deren Zahl aber nicht bey- 
gedruckt ifl. ) Hinter dem Serenus fleht folgende 
Endfchrift : Hoc opus imprejfum Venetiis arte & 
ingenio Antonti de Strata Cremonenßs. Anno falutis 
MCCCCLXXXVIII ( 1488 ) oSauo cal. N&o. Vielen 
Literatoren ift diefe Ausgabe ganz unbekannt geblieben , 
und einige , die vielleicht mangelhafte Exemplare 
hatten, und ße dem Vorredner, Vidier Pifanus, 
zufchrieben , haben zu manchen Irrungen Anlafi 
gegeben. Herr Hofrath Wermdorf in Helmftädt hat 
mir zu einer genaueren Unterfuchurg Gelegenheit 



tf2 JC^rm&rZui^J Nachtragzu dem Verzeichnifle 

gegeben, und wird fie in feiner neuen Ausgabe des 
Avienus umftändlicher befchreiben. Die Sternbilder 
find auch hier in Holzfchnitten vorgefiellL 
6» Albertus Magnus de muliere forti. Colon. 1499. 4- 

7. Ada Concilii Conftantienlis« Hagenoae 1500. 4. 

8. TuMius de Oratore cum commento & alia opera (feil. 
Omniboni Leoniceni Oratio de laudibus Eloquentiae 
& praef. in Cic. Oratorem, Cicero de Oratoie cum 
Leoniceni Commentario; Cic. de perfe<flo oratore ad 
IA4 Brutum cum Leoniceni Comment. Cic. Topicorum 
Über cum eiufdem comment. Cic. partitionum über. 
f. cum filio dialogus , fine commentario ; Cic. de 
claris oratoribus, fine comment. Q. Cic. de petitione 
confulatus ; Cic. de optimo genere oratorum ; Aefchinis 
contra Ctefiphontem oratio Leon. Aretino interprete ; 
Demofthenis oratio pro Corona , eod. interprete ; 
Aefchinis Epift» ad S. P. Q. Athenienfem. ) Venetiis 
per Albertinum Vercellenfem A. MCCCCCI (1501) 
die III Martii, Fol. 

^ Ovidii Metamorphofis cum ootis AfcenGi. Lugduni 
IS06. 4- 41 

io. Prudentia fimplex in ioco & feriis. Francof. 1^06. S. 

11. Cicero de officiis, amicitia, fenedhite, eiufde^ para- 
doxa. Parif. 1509* Fol. 

12. Epitome veritatis theologicae. Colon. 19x3. 8* 
1}. Margarita philofophica, Argent. 1515. 'S. *) 

?} S. 8* Nr. II. mufs es xh meinem VerzeichniiTe vermuthlich 
heiflen Fomerii Sermones de Sanäis, doch kann ichs nicht 
mit Gewifsheit fagen. Ich hin dem Catalogo treu geblieben , 
pb ich glei(;h Fromtuarium yermuthete- 



^73, 



Zufät2e und Bemerkungen %u Herrn Tanzers Annalcn 
der teutfchen Litteratur^ von iL Joh. Friede 
Auguß Kindcrlin^. 

XJes Herrn Panzers Annalen der teutfchen^ Litteratuc 

machen unftreidg unferm Vaterlavde viel Ehre. Sie beweifea 

den ungemeinen Fl^iCt der teutfchen Gelehrten und Buch* 

drucker, die neu^e Erfindung der Buchdruckexey zur 

Verbreitung nützlicher Kenntnifle , und zur Cultur der 

Mutterfpräche anzuwenden , — und wie fchön würde die 

Frucht davon gewefen feyn^ wenn Teutfchland nicht ini 

fechzehnten und fiebzehnten Jahrhunderte durch fo yiela 

und langwierige Kriege wäre beunruhiget worden? Jeder 

Liebhaber der teutfchen Sprache und feines Vaterlandes 

muls es mit Vergnügen fehen , wenn Teutfche die Gefchichte 

ihrer fchönen Erfindung immer mehr aufldären , und dem 

Hrn. Verfaffer für feine mühfarae Arbeit danken. Allein, 

da eine folche Bibliothek alter teutfcher Schriften noch 

viele ZuPätze leidet, und ein Mann unmöglich alles kann 

gefehe^n und gelefen habend fo follte auch tm jeder 

teutfcher Patriot, der felbft gute Bücher befitzc, oder eine 

öffentliche Bibliothek benutzen kann, eben das thun, was 

ich jetzt verfuche , und den Hrn. Panzer dadurch in den 

Stand fetzen, einen reichen Nachtrag zu feinen Annalen 

zu fammeln. 

Erßlicb zu den Büchern ohne Jabrzabl^ welche 
aber Kennzeichen eines hohen ^ Alters haben , könnten 
hinzugefetzt werden i.dat bock der bilgben oUuaderr. 
aiUn wird aus diefem Titel fchon fchlieffen können , dafs 
ich ein Werk meine, welches von dem Leben der Altväter, 
deflen Anzeige S. 23. fteht, fich etwas unterfcheidet » 
und auch mit der Befchreibung einer jüngeren Ausgabe 



174 Ktn^erlin^s Zulatze und Bemerkungen 

S. )<;). nicht völlig übereiiiftimmt Diefe Ausgabe alfo , 
welche ich felbft beficze , ift in foUo , von dem minleren 
Format, wie die alten Ausgaben von Durantis Rauonali, 
welche im fechzehncen Jahrhunderte erfchienen find , auf 
ftarken weiflen Papier, mit^em Zeichen des Ochfenkopfe», 
ohne Cuftodes, doch mit Bemerkung der Blätterzahlen, 
und Signaturen der Lagen , gedruckt , und mit vielen i 
aber fehr fchlechten Holzfchnicten verfehen, welche in 
meinem Exemplare ausgemahlc find. Der Druck ift überaus 
tnfehnlich und grors, nämlich )4 Zeilen auf einer Seite, 
und ein breiter weifTer Rand, befonders unten, macht 
ihn noch fchöner. Die Lettern find etwas ftumpf , das O 
und D find fehr gegründet , aber die Druckerfi:hwärze ift 
fehr fchön. Ein Titelblatt i(l bey meinem Exemplare nicht, 
und es fi:heint auch keins da gewefen zu feyn« Das Regifler 
auf 8 Seiten macht alfo den Anfang, ohne befondere 
Ueberfchrift , mit diefen Worten: dcU erße van düjfeme 
bocke fprekt van verftnagyugbe der vergenkliken dyngbeu. 
Blat ;. Sant iberonimus ßbryji van dryerley geßliken 
lud\ ij u. f. w. das neunte ganze Blatt ift weifs. Auf dem 
zehnten , mit a j j bezeidhnet , fl:eht endlich folgender 
Titel : Hyr begbynt dat eeri^erdicb leuen der vterkaren 
vrunde gades der bilgben oltnadern, dar vme do een 
yexpelik bey de fyn oeren ufy die inroendigbe vTt die 
TPtwcndigbe vnn merk eren groten ßryt vnde fyn . 
vnde die erooigbe vreude die fy dar mede gervoftnen 
bebben vnde volget en nan. Hierauf folget mit einem 
fehr groffen Anfangsbuchftaben , defTen Schnörkel quer 
über das Blatt laufen, auf die Art, wie In Botbem 

Croneken der Soffen ^ die Einleitung zum ganzen Buche 

Sant gregorius die fprekt &c. &c. Auf dem folgenden 
Blatte fängt die Erzählung von Paulo , dem erften Einfiedler, 
ta, welcher im Holzfchnitt vorgeftellt ift, wie er Tchreibt, 
\Bnd ein Löwe ihm das Buch hält. Auf der fechßen Seite* 



2U Panzers Ann. der deutf. Littcrajur. 175 

Wird er vom H. Anthonius mit Hülfe zweyef Löwen 
begraben. Dergleichen Holzfchnicte find viele bis auf 
S. 192. wo fie aufhören. Die Anfangsbuchftaben der 
Abcheilungen find im gröfieften Theile des Buchs mit 
Verzierungen , in Quadraten eingefchloiTen , hinzuge« 
druckt, von der 188 S. aber fangen kleine Buchftaben 
an , und es find grofle Buchftaben in dem leer gelafieneii 
Räume, mit rother und blauer Farbe hinzugemahlt. Die 
ktzte Erzählung auf der 229 S. ift: tVo macbariur 
ander m'öneken ßraffäe mit fynen Jhr engen leuen, S. 250 
fieht endlich diefe Endfchrifc: Hyer bejgji een ende dat 
hock der bilgben oltuaders mit fynen exempelen. Dat to 
Uityn gebeten is vitafpatrnm. Die Lebensbefchreibungeo. 
der Altvätet gehen eigentlich bis S. 188. und die letzte 
Erzählung ift: Wo florius een clößer latb bourcen 'ocut 
Jant benidiSus orden. JVo de koninck van frankryk d(W 
cJößer befacb. Darauf folget im Regifi:er : Item dar nck 
vindeßu vele guder exem$elen vu ypunderwerk dujfes 

büket. , 

. . i* 

2 ) Ein alter Roman zu Gouda in Qpart gedrückt : Hier 

beghint een feer gehenpechlike ende amoroeze hiftorie 

van den eedelen Lantfloec. en die fcone Sandryti. 

Am Ende fteht ; Dit boec is voleynt bi mi Gouect 

. Tan Ghemen ter goude in hollant. 

3 ) Die konfte om te leren Spreken, ende Swighen alft 
tyc is. 4* 

4) Dit is dat boec van Arent Bosmann. Gheprent tot 
Haerlem in hol|ant. Enthält die Erfcheinung eines 
Geiftes aus dem Fegefeuer, der MefTen für fich will 
gelefen haben. In 4. 

e ) Vom dogheden vnde vom guden zeden (echt dytBoek 
V^ol dat vakcn overiaft de wcic ok de$ fchaekfpete« Jflockft 



176 Kindtrlitys ZuCitte und Bemerkungdn 

In 89 IIS Blätter ftark. Diefe vier Bücher und 
in der öffentlichen Bibl. zu Lübeck. S. Lud. Suhls 
Verzeichnifs der vor if 00 gedruckten auf der ufFent« 
liehen BibL zu Lübeck befindlichen Schriften (Lüb* 782* 
4.) S. 16 und i?/ 

6) Eben dafelbft fteht S. i8' auch folgendes alte Buch 
angezeigt : Een feer fcboon dialogus , van der 
Waarbeidj verbalende fon dat die alomme ivort 
verßeken. Enn fon dat diefelue JVaarbeid tiergenf 
gehoort en tjpoort noch oock gbefeyt en macb r^efen^ 
dvpelc feer fcboon is om booren ende tverdicb om 
lefen. GbedruS by my Niclaes von Oldenborg, Doch 
hat Hr. Panzer vielleicht diefe Bucher mit Fleifs, wie 
dieDelfter Ausgabe des Reineke Fuchs von X4.89- weg«» 
gelaflen , well er die holländifchen Bücher in feinen 
Plan nicht mit einfchlofs, wiewohl ^r. 9. als ein nie* 
derfächfifches Gedicht wirklich angemerkt zu werden 
verdient, und von Hrn. Subl näher befchrieben ift. 

7) Mehr holländifch als deutfch ilt zwar folgendes Buch, 
unterdeflen ift es doch wohl defswegen herzurechnen, 
weil es in Deutfchland, im Clevifchen, gedruckt iftf 
Den Roofe: gaert van den bevrucbten Vrötcvpen. 

, Gbecorri giert j ende vermeerderif -'wt die Boeken van 
die esöpeertße fcbryuert , die van defer materien 
iteroeten) van die fecreten j ontfungingbe ^ baringbe^ 
rede confie der Vroevromven ^ int Latyn gefcbreuen 
bibben: AU Albertus Magnus ^ Arißoteles ^ Plinius^ 
Auicenna , Mercus Varro , ende meer andere, (^Nach 
«diefem oberen Titel, deflen erfte drey Zeilen roth 
gedruckt find , folget ein Holzfchnitt, der die Geburt 
eines Kindes vorftelk , und unter demfelben ftehr 
wiederum zuerft mit rother , hernach mit fchwarzer 
Schrift folgendes : ) Item nocb van menigerbande 

toeuaüen 



2u Panzers Ann. der deutf. Littcratur. 177 

toeuaüen en ßeSen der nyeu geboren Kinderkens ^ 

ende hon men die feiste te hülfe comen fal. Das 

Buch hat 70 gezählte Blätter, und vier ungezählte 

Seiten Regifter, weiches Lateinirch gedruckt ift, hinge- 

gen im Buche felbft find teutfche Buchftaben. Bogen- 

zeichen und Cuftodes find ordentlich da« Bis zum 

fechzehnten Blatte find viele Holzfchnitte, welche 

den Embryo , Gebährftuhl , und viele Arten von 

Lagen der Frucht in der Mutter vorftellen. Am 

Ende fteht hinter dem Regifter mit deutfchen Buch. 

ftaben: Gbedruclet ton Reefs^ by my Derick JVylicks 

ean Santen. Das Format ift klein Ocftav, und ich 

befitze diefs Buch felbiL Es fcheint im Anfange des 

fechzehnten Jahrh. gedruckt zu feyn. Vermuthlich 

ifl; es aber das Buch, welches Hr. Pauzer 354 S. 

ia einer Ausgabe zu Worms isi)- 4* anführt 

8 ) Ein aftrologifcher Kalender mit vielen Holzfchnittea 

in klein Oäav, mit folgendem Titel: Temporal^ 

( nun folgt rother Druck ) der tveitberbämpten M. 

Jobann Künigfperger y natür lieber Kunß der Afiro* 

nomeykurtzer begre^^ von natürlicbem einflufs der 

Geßim , Planeten , vnd zeicben , 6?t\ ^c. Von 

den vier Complexionen ^ natur vnd eygenfcbaft der 

ntenfcben^ Regiment durcbs jar iiberj mit Ejfen^ 

Scblaffen , Baden , purgieren , Aderlajfen , gfc. 

6f<:. Auffs ordentlicbß zugericbt^ Nun folgt ein 

Holzfchnitt, welcher den Atlas vorftellt, der die 

Erdkugel trägt , an welcher ^er Thierkreis mit fechs 

himmHfchen Zeichen erfcheint. Vor ihm fteht ein 

Mann mit einem aufgerichteten Stabe in der Hand. 

Diefis Buch hat Bogenzeichen und Cuftodes, aber 

keine Seitenzahlen, ift fünf Bogen ftark, und hat 

eine Schrift, die der kleinen Schwabacher ähnUch 

ift, aber in den groften Buchftaben hat das W die 

JUeußU Mag. 4/r/ Stk^k. M 



178 KindsrUngi Zulatze und Bemerkungea 

Figur des umgekehrten glagob'tifchen M , nämlich (|;. 
Am Ende ftcht: zu Erffurdt TrücktSy VTolffgang 
Stbürmer^ zu dem Bunten Lana>en bey San3 Paul, 
9 ) Noveßa. Wärjemandtz der nexo mar begärt ^ der mrd 
in diefem Bücbieingevfiart. Er -voird boren grofs aberu 
tbür die do kürzlich iß gangen für. In Quart. Steht 
in dem Catalogo der Bibl. des ehemaligen Bernburgi- 
fchen Archivars und Bibliothekars Ruß^ welcher nicht 
in die Buchläden gekommen ift, aber viele alte feltene 
Bücher, befonders teutfche enthält, S. 97. 
10) Des Guido von Columna Hiftorie von der Zerftörung 
der Stadt Troja in klein Folio , mit gemahlten 
Anfangsbuchftaben , ohne Cuftodes , Seitenzahlen , 
Druckort und Jahrzahl , befindet fich auf der Mariea- 
bibliothek in Halle mit folgendem Anfange : Hye 
hegyntb de inuoringe der bokes der Hißorien van 
der verßoringbe der ßat Troye, Ue/e merkliche dinge 
Jynt gbefcbeen in vor tyden , de vme ere vperdicbeyt 
vnd eere in fcbri^ffien nach dem decbtnijfe der 
mynfchen ipperen verkundigbet de vme ere oltbeyt 
der tyt vtb der mynfcben decbtnijfe tveren gebleuen, 

— Der Verf. erklärt die I)|ichter für fabelhaft 

und will aus deni diffyr und darer feine Gefchichte 
nehmen. Am Ende fleht: Ek Guido van Co/umpana 
hebbe nage,uolget den vorgenommeden Dito (Diftys) 
den Greken^in allen dingen, vmme des ^willen dat 
de fulne ditut ganz vnd vuOenkamen fyn bock 
gefcbreuen badde in allen faken. Ock bebbe ick dnjfe 
hißorie slecbtlik anc indracbt vromder materien 
gefcbreuen , ux dat de lefer dujfer bißorie deße 
weniger verdreet bebben darinne to lefende, dat is 
' Vorßen Aeren , Ridderen vnd knecbten alletyt gutb 
to lefende. Aus diefer Befchreibung feheint fich das 
zu beftädgen, was Hr. Panzer 45 S, vermuthet, dafs 
das deutfche Werk eine Ueberfetaiung des dafclbft 



±\i Panzers Anh. der deutC Litteratüt. 17^ 

iangeführten lateinifchen Werks fey. In der Hochgräfl, 
Bibliothek zu Wernigerode ift ebenfalls ein Ex. diefef 
Ausgabe, ohne Jahrzahl und Druckort, 197 Seiten 
ftark. Nach der Befchreibung derfelben , die Hr. Gen. 
Sup. Jacobi in den Hannöv. Anzeiger! von 1794 im 
gl St. gemacht, mufs daran die eben angeführte 
Endfchrift, die den Namen des Verf. enthält,, fehlen^ 
oder es mufs eine ganz verfchiedene Auflage feyn. 

Noch bemerke ich von der alten CöUnifchen Bibel ,' 
-Welche S. 15, 16. befchrieben wird, daß mir die 
Vermüthung des Hrn. Panzers von zwey verfchie- 
denen Ausgäben fehr AVahrfcheinlich vorkömmt. In 
der Gräfl. Wernfgerödifchen BiWiothek ift nämlich 
ein Exemplar , welches mit den Befchreibungen 
Clements und rtoch mehr Lilientbals zwar in dert 
mehreften Stücken überein kommt, aber doch auch 
einige Yerfchiedenheiten hat j z. E. einige abgekürzte 
Wörter , welche in dem Königsbergifchen Exemplar^ 
ausgedruckt find , ferner in der Vorrede , welche 
fehlt , auch erfeheinen die h. drey Könige nicht bey 
_dem CöUnifchen Wapen &c: &c. ,S, Index Bibliorum 
Bibliothecse Wetnig. Ed. 3. p. 68. 

Zrpeytefis bemerke ich von Büchern mit Anzeige des 
Drückjahres folgende : 

X ) Eine fehr merkwürdige und feltene Poftille , Magdeburg 
I484 in Fol. gedruckt, worinn 'die biblifchen Texte 
auf alle Sonn^ und Fefttage , auch in den FrühmefTen 
und Vigilien^ deutfch, gaiiz ausgedruckt ftehen, 
und ausführlich erklärt find. Das erfte Blatt fehlt , 
vielleicht ift es nur ein weifles Blatt gewefen, wie 
die Bücher diefes Alters feiten« einen Titel haben, 
lieber de;m voranftchenden Regifter fteht : Dyt is 
«iat regifter auer de prophecien , epiftolen vndt 



fSo Kindtrlings Zufätze und Bemerkungen 

cwangelia med der glofen dat gant2ce iar auer vnde 
ock vaa den hilghen &c. Der Band enthält 22) 
Blätter , welche in Columnen gefpaltene Seiten und 
gedruckte Zahlen haben, aber keine Cuflodes. Bis 
Fol. 61. find die Änfangsbuchftaben mit Zinobertinte 
hinzugemahlt* Fol. IP4. ift Chriftus am Kreutze im 
Holzfchnitte vorgeftellt. Das Finale lautet fo : Gade 
to latie vnde to eren der Juncfrowen maghet marien 
endighen fick hir alle prophecien epiftolen vnde 
ewangelia dat gantzce iar auer vnde van allen hilg- 
hen med der glofen vnde vthlegghinghe der lerer 
der hilghen fchrifFc , dorch de meyftere duder kund 
Albertum rauenfteyn Jochim weftual brodere in der 
ftacd Magdeborch. Anno M. CCCC. LXXXIUI iare. 
An deme mandaghe des hilghen apoftel funte thoroas 
vor winnachten. Amen. Schade , dafs diefe Endrchrift 
etwas dunkel ift, und man nicht recht deutlich fiehr, 
ob Ravenßein und Weßpbal diefe Predigten gemacht, 
welches mir wegen des Worts Brodere am wahr-» 
fcheinlichften vorkommt, oder nur das Buch gedruckt 
haben. Wenn man noch andere Bücher aufweifen 
könnte , welche von eben diefen Männern gedruckt 
wären , fo würde der Zweifel völlig gehoben feyn , 
aber .die alten Druckfchriften der Stadt Magdeburg 
find bey der kläglichen Zerftörung der Stade verbrannt 
und daher fehr feiten, und die alte Buchdruckerge- 
fchichte von Magdeburg ift noch vorzüglich dunkel. 
Indeflen hat Simon Koch i486 ein Miifalbuch zu Mag-^ 
deburg gedruckt , und vielleicht ift alfo auch die recht 
fdiön gedruckte Poftille aus feiner Prelle gekommen. 

a) Eine fehr unbekannte Niederfächfifche Ueberfetzung 
des Tbomat von Kemfu zu Magdeburg i^oi in Quart 
gedruckt. Ob ein befonderes Titelblatt dazu gehören 
mag» kann ich nicht fagen». weil in dem voranfte- 



zu Panzers Ann« der deutf. Litteratur. i8t 

henden Inhalte der Kapitel etwas an meinem Exemplare 
. fehlt. Diefer Inhalt der Kapitel aet erften ; Bücher 
ift alfo der' Anfang, an deflen SchluiTe fteht: dath 
verde bock vude datb leße ys van dem biigbe» 
facramente dar ouer is gbemaket ein funderlik 
regißer da$b ßeyt nit leße achter in deßem bocke. 
Der eigentliche Anfang des Buchs fiellt ein Bild der 
h. Maria mit dem Jefuskinde in ftrahlendem Glänze 
dar, unter welchem eine kurze Anrufung derfelben 
fteht, und hernach: Xj dufeut iar aflates van 
fatoeß Sixto dem verden. Auf der zweyten S. folget 
die Vorrede und der Anfang des erften Buchs , mit 
einem groffen , verzierten und in einem Viereck 
eingefchlofTenen Anfangsbuchftaben. Die folgenden 
Anfangsbuchftaben find kleiner» Die Bogen find mit; 
Buchftaben unten bezeichnet, doch fo, dafs t ifz 
Bogen die erfie Lage ausmachen , und alfo die 
Signatur bis ajj jjj fortgeht, hingegen b finde ich 
gar nicht , und die Lage c befteht nur aus andert- 
halb Bogen. Seitenzahlen und Cuftodes find nicht da» 
Die letzten Iseyden Lagen find nach dem Ende des 
erften Alphabets fonderbar mit r und p bezeichnet. 
Der Schlafs macht das Regifter über das vierte Buch« 
hinter welchem auf der letzten innwendigen Seite 
folgende Endfchrift ftebt : Geendet vnde vutienbra^bt 
dorcb Mauricium brandis tbo Magdeborcb An Suntü 
AUexiuf dage Im M ccccc vnde eyn» 
Der Druck ift übrigens fchön und deutlich, nähert fich 
der Schwabacher Schrift , und die ganze Ueberfetzung 
ift ziemlich verftändlich, ob fie gleich manche ein- 
zelne unbekannte Wörter enthält, und fonderlich 
hat fie groffentheils grammatifch richtige Wortfü- 
gungen |i und bietet manchen Beyteag zu den alten 
deutfchen GloiTarien dar. i 



l8t Kinderlingi Zufätze und Bemerkungen 

}) Hortulus animae von 1509 ift S. 277. nicht angemerkt, 
kommt aber in Abfichc des Inhalts mit dem , was 
S. 278. angeführt wird, überein. Er ift in klein 0<ftav 
auf fchönem ilarken und weiflen Papier , mit vielen 
eingedruckten Holzfchnitten, welche in meinem Esem- 
plarc ausgemahlt find , gedruckt. Der Titel , Or:ulus 
anime ift auf der erften Seite roth gedruckt , und 
eben fo find die Rubriken und Anfangsbuchffabcn 
durch das ganze Buch roth , und groflentheils lecht 
fchön gedruckt, auch die Anmerkungen von den 
Zeiten, worauf die Gebete gerichtet find, und der- 
gleichen. Da ich mein Ex. mit keinem andern verglebhen 
kann , fo will ich den Inhalt , der hinten ausfuhrlich 
angezeigt ift , kurz angeben. Zuerft fteht derKalerder, 
und bey jedem Monate vier Verfe, welche Gefind- 
lieitsregeln enthalten. Er befchliefst mit einer Ader- 
lafstafel und Unterricht von der goldenen ZihL 
Hernach folgen die 7 Zeiten oder Curfs unfrer lieben 
Frauen ; die 7 Tagezeiten des Leidens Chrifti ; die 
7 Bufsplafmen ; die Litaney; Abend- Morgen- md 
Tifchgebete; die 7 Freuden der Maria; Gebete aif 
die Fefte der Heiligen und auf die hohen Fefte, 
( wo bey jedem ein Holzfchnitt ift , und der Engel 
Michael zuerft fteht ; ) Unterricht von der Beichte ; 
Gebete bey d^m h. Abendmahl ; Auslegung der 
Mefsgebräuche 5 Gebete auf befondere Fälle ; Unter- 
richt von Krankheit und Tod ; Gebete und Colledlen 
bey Bogräbniffen , oder die Todcenvefper und Vig- 
lien ; cndb'ch Betrachtungen auf alle 7 Wochentage. 
Am Ende fteht mit rother Schrift : Getruckt vni 
geendet zu Strafsburg durch Jobannem Knobioucb 
am montag nach Viti vn modeßi Nach gottes gehurt 
Taufent fiinffzeben hundert vnd neun jar. Untei 
flen Gebeten über das Leiden Chrifti fteht auch da; 



zu Panzers Ann. der deutf. Littcratut. i8j 

Gebet: die Seele Cbrißi beylige micbj der Leicbnam 
Cbrifii bebau mich 6fr. voraus Job. Angelus , oder 
Scbeffier , das bekannte Lied , welches noch in 
proteftantifchcn Gefangbüchern fteht, genommen hat, 
und zwar hat es die Ueberfchrifc : Wer difs nacb 
gefcbrieben gebet fpricbt , als dick er es fpricbt , fo 
bat er ^ ooo jar abläfs tödtlicber Jünden ^ vnd )ooo 
iar taglicber fünden. 

4 ) Seneca de quattuor virtutibus cardinalibus. (Mit einer 

teutfchen gereimten Ueberfetzung, und darauffolgend 
den weitläufigen lateinifchen Anmerkungen. ) Am 
Ende fteht : Impreflum Liptzk per Melchiorem Lotter 
Anno falutis noftrae Quingentefimo nono. 44 Seiten 
in Quart , die zwey letzten aber find weifs. Der 
angezeigte Titel fteht mit groflen MiiTalbuchftabeii 
auf der erften Seite, und auf der Rückfeice folgt 
das Leben des Seneca lateinifcb. Das Werkchen 
fcheint'ein Nachdruck des Buchs zu feyn, welches 
Hr. Panzer S. 285. angiebt, und ich habe es felbft. 

5 ) Spiegel der Seelen. Ein Buch , wovon mir zwar der 

crfte Bogen fehlt , daher ich den Titel nur aus der 
Endfchrift angeben kann , welches fich aber von 
Büchern mit einem ähnlichen Titel , dergleichen 
Herr Panzer mehrere angeführt hat, fehr unterfchei- 
det. Der Druck ift zwar deutlich genug , aber doch 
find die Buchitaben etwas anders , als in den Büchern 
diefes Alters, und der Schrift in der Chronik der 
Saßen ähnlich; die Mundart im Teutfchen ift auch 
etwas fonderlich , und nicht rein Niederdeutfeh , z. 
E. dair für dar ^ ßvartz^ fvoeifs^ roiffen (rufen) 
ntail ( mahl ) ßoyfse ( Stoffe ) u. f. w. Das Buch ift 
12 Bogen ftark, in Quart, ohne Seitenzahlen und 
Cuftodes , doch mit Bogenzeichen verfehen. Im 
Anfange wird auf 2 Bogen, mit a und b bezeichnet,. 



184 KindtrUngs Zurätze und Bemerktiiigea 

vom Tode und der Zubereitung zum Sterben, ]a 
fünf Kapiteln gehandelt. Auf dem dritten Bogen, 
mit A bezeichnet , fangt ein Unterricht von der Beichte 
an, und heifst dat fefie deyß ^ und kommt in vielen 
Stücken^ mit dem Hortulus animae überein. Ein 
grofler Holzfchnitt , der ^ Beichtende vorfiellt , nimmt 
den gröfseften Theil der Seite eim Im fiebenten 
Theile kommen vor, Fragen an den Kranken, ferner 
% merkliche Funde , und von den Zeichen des Todes. 
Darauf folgen ^ bekorungen des Teufels, nebft 9 
Unterweifungen des Engels dagegen, mit 10 Holz- 
fchnitten ^ wovon jeder eine ganze Seite füllet- 
Weiter folgt , wie man dem Kranken eine Kerze in 
die Hand geben foll , mit einem Holzfchnitte auf 
einer ganzen Seite und einem Gebete, ingleichen ein 
Gebet roanne die feie fcbeldet. Noch verfchiedene 
einzelne Gebete auf 11 Seiten. Nach einem Holz- 
ftiche, der das jüngflie Gericht vorftellt, folgt ein 
Unterricht davon mit einer Erklärung des £v. am 2 
Adv. Sonntage. Von der Höilcnpein ein Holzfchnitt 
und Unterricht , desgleichen von der Freude des 
ewigen Lebens. Hernach folgen Anweifungen zum 
Beten , endlich die Pailion auf i % Seiten , mit einem 
""Holzftiche. Am Ende fteht : Dyt fpegel derßeleu dat 
dairys eyn feer nuitzberlkb boicb. die erwige falicbtit 
tzo erlangen, ys gedruckt mit vil fcboner figuren 
vnd mit groejj'em vlyfs bynnen Coelen in des eyr* 
Jamen burgers buyfs Peter quentelis by de doem. In 
dem iure vnfes beren M, cccce, ind xx. in dem 
Mertzen. da van gexpefft moet Jyn got almecbtig 
jimen, 

AuflTer diefen Büchern, die ich aus eigener Anficht 

^ und Durchblätterung habe genau befchreiben können , 

liefere ich noch einige Zulatze, wobey ich mich aber auf 



zu PaAzprs Ann. der dcutf. Littcrätun T85 

anderer Zeugnifs verlalTen muß 1 nebfl einigen literarifcheit 
Nachweifungen , 'welche vielleicht manchem Lefer angenehm 
feyn möchten. Ein fo wichtiges Buch des Herrn Panzers 
verdient es , dais man für die gröITere Vollkommenheit und 
Zuverläfligkeit deflelben Sorge trägt. 

Zu S. 41. Die Ausgabe des Scbildbergerf ^ welche 
Vogt anfuhrt, und zu Frankfurt am Mayn, ohne Jahr» 
gedruckt ift, karm nicht viel älter feyn, als isso. Ich 
beQtze fie felbft , mit Vartomanns Reife , die von eben 
dem tVigand Hon i%%6. gedruckt ift , zufammengebunden« 
Beyde haben Holzfchnitte , und zwar hin und nieder eben 
diefelbigen. Aus dem wiederholten Gebrauche einerley 
Formen läfst fich alfo fchliefsen , dafs die Bücher felbft im 
Alter nicht fehr verfchieden feyn muffen. 

Zu S. ^ J. Die Hißorie der Melußne in Fol. ohne 
Druckort, Jahrzahl, Cuftodes und Seitenzahlen ift auch in 
der Marienbibliothek zu Halle befindlich. Einige « die 
diefes Exemplar flüchtig angefehen haben, übereilten fich 
und gaben I4s6/für das Druckjahr aus , weil es am Ende 

der Vorrede heifst 2U tutfcber 2unge gemacht vn 

tramJatirt , vn mit Gottes bilffe volbracbt vff donrßag 
nach fant vincencius tag des beiligen martelers. Do man 
crißs geburt zalt 14^6 jar^ — Diefs ift aber das Jahr der 
Vollendung des Buchs. Uebrigcns ift der Titel in Rand« 
lelften eingefchloffen. 

Zu S. 7^. Die überaus feltene Ausgabe des Boethius 
de confolat. philof. mit d^r Altteutfchen Ueberfetzung von 
1474, ift auch in der Bibliothek zu Annaberg. S. Wilifcbii 
Arcana Bibliothecae Annaebergenf. p. 2o|. 

Zu S. S5. Von den verteutfchten Dialogen des 
Pabft Gregor ius , welche ohne Druckort 147^ herausge- 
kommen find, giebt Herr Vtof.^Oberlin in feinem Ver- 
zeichniffe alter Bücher vor feinem Gloffariö Scherziano» 



ig6 Kindtrlings Zufätze und Bemerkungen 

Strafsburg zum Druckorte an , wahrfcheinltch aus bloffet 
Vermuthung. Auch führt er dafelbft eine Quartausgabe des 
Parcifails an , die ganz unbekannt ift : Wolframs von 
Efchelbach Kunig Gamuret von Anjou und fein fun ParcifalL 
1477. 4.. 

Z. S. 11^. Ein Vocabularius Latino . Germanicus, 
eompilatus per Jo. Melber in GerolzhoflT. Norimb. 1 480. 

4. ift in der Dombibliothek zu Magdeburg. 

Zu den Büchern von 1481* gehört noch des von 
Monteviüa Reifebefchreibung , welche im Anhange S. 449. 
angeführt wird. Ein Exemplar derfelben mit illuminirten 
Holzfchnitten und Anfangsbuchftaben ifl in der gräfl. 
^ernigerödifchen Bibliothek, und ift in den Hannöverifchen 
Anzeigen von 17^4« im 76cen Stücke, 112) S. f. aus- 
führlich befchrieben. 

Zu S* 127. Von Hans Tuchers Reife findet fich in 
der Wernigerödifchen Bibl. ebenfalls ein Exemplar und 
wird in den Hanno v. Anzeigen von 1754 im Siten St. 
11^ % S. flF. befchrieben. Wegen der darinn fehlenden 
Endfchrifc kann aber nicht mit Gewifsheit gefagt werden, 
ob es die Augfpurger oder Nürnberger Ausgabe fey. 

Zu S, 131. Die neunte vollftändige Bibelausgabe 
befindet fich auch in der Jenaifchen Univerfitätsbibliothek. 

5. Myiii Memorabilia Bibl. acad. Jenenfis p. 144. Auch 
in der gräflich Wernigerödifchen Bibl. ' ift ein Exemplar.. 
Vid, Index Bibliorum eorumque partium in illuftrifs. Chri- 
ftiano-Erneftina Bibl. quae Wernigerodae eft. Ed. 3. p. 168. 

Zu S. IS 8. Zum Jahr 1 48 ^ gehört noch Speygei 
der Dogede. Item Eddele Blome des bemmeifchen Para- 
dißs. Tbo Lübeke na der Bord Crißi MCCCCLXXXV 
in funte Bartbolomeus Auende. Gode to eynem eippyghen 
Love. Büncmann in Catal. libror. rariff. führt ihn als 



zu Panzers Ann. der deut£ Litteratur. 187 

ein Buch , das er felbft" befafs , an , er mufs aber fehr 
feiten feyn, weil derfleiffige vou Seelen in feiner Nachricht 
von der ßuchdruckerey in Lübeck gefleht , dafs er ihm nie 
zu Gefichte gekommen fey. Nach des Herrn Suhls Ver. 
ipvthung C in dem verbeflerten Gefsnerifchen Verzeichniffe 
der Lübeckifch^n SghylbibL S. 17.) gehört auch in diefes 
Jahr : Eyne fchone leflike lere vjzde Vndervpyßnge tpo ein 
jerpe/ick man fyn Hufs regeren fcbaL Uebrigens Ul die 
yoUftändige Teutfchc Bibel von 1485. aqgh in der gräflich 
Wernigerödifchen Bibliothek befindlich. 

Zh S, I.68« Hieher gehören noch zwey alte Lübe* 
^kifche Bücher , die aber auch feiten feyn müflen , weil 
^on Seelen fie nur aus Liofcbers Supplemento Catalogi 
Mataeriani. in Stromateo p. 247. anführt 9 aus welchem 
iph mir diefelben 'auch angemerkt habe , nämlich Spegel 
der Confcientien ^ worin ^wölf Lebcnsbefchreibwngen von 
Heiligen flehen , und Spegel der Sacbtmoeticbeit , eiiie 
vermuthliche üeberfetzung des Jo, d( Tambaco Speculi 
Patientiae , 1)eyde von Stepban Arndes gedruckt. Möchte 
doch jemand eine genauere Befchreibung davon liefern , 
damit man ßhe , ob des Herrn Panzers auf der 166 S. 
geäuflerte Vermuthung richtig fey , oder nicht! Noch ift 
ein Paßonal von allen Heiligen , das Winter und Sommer- 
tbeil^ Plattdeutfch mit Holzfchnitten , 1487. ohne Anzeige 
des Druckorts in Fol. anzumerken , wovon ein unlängft 
verftorbener Prediger ein Exemplar befafs. 

Zum Jahf 1488. gehört noch Boek der Propbecien j 
Ppiflole/z , vnde byÜygben Evpangelii ov$r dat ganze Jaer 
— Lübeck dorcb dat botb Steffani Arndes , wovon Seelen 
jn Selecl. Liter, p. 608. und in der Nachricht von der 
Lübeckifchen Bucbdruckerey 19 S. Nachricht ertheilt. 

Zu S, 189- Die Summa Johannis Niederfächfifch 
ift auch in der Bibliothek der Aegidienkirche zu Hannover. 
5. Lejfers Hift. der Bucbdruckerey S. 59. 



i88 Kindcrlings Bemerkungen und Zufätze 

Zu S. 191. Vocabularius rerum per Wenceslautn 
Brach, artis ProFefTorem in Conftantia. LipC per Conr. 
Kachelofen 1491. 4. ift in der Dombibliothek zu Magde- 
burg befindlich. 

Zu S. 19^. Daß die Cbronecken der Soffen, zii 
Magdeburg gedruckt feyn Toll , haben mehrere , als Reini'' 
mann^ Lofcber^ H^aitber ^ geglaubt, und es mufs daher 
mit mehreren Exemplaren fo gegangen feyn , wie mit 
dem Feuerlinifchen , und auch mit dem meinigen, dafs 
das letzte Blatt weggerifTcn ift. Doch wünfchte ich , d^{s 
Gelehrte, die vollftändige Exemplare befitzen, auf die 
Endfchrifc möchten aufmerkfam gemacht werden. — Uebri« 
gcns wird die Geburt Chrifti auf der Rückfeite des fechftcn 
(nicht fünften) Blattes erzählt. — In der Hamburgifchen 
Bibliothcca hift. Centuria V. p. 27. fteht eine ausführliche 
Bcfchrcibung diefer merkwürdigen Chronik. 

Zu S. 202. Der Spiegel der tparen Rhetorik von 
149;. wird auch von J. L Hocker in Ca^al. Bibl. Heils- 
bronnenfis |5. 264. und aus demfelben in den Leipziger 
fieyträgen zur kritifchen Hiftorie der teutfchen Sprache 
I. B. 17 S. befchrieben. Der Inhalt des Buchs, den der 
Verfefler RieJerer in einige fchwerfällige Reime gebracht 
hat, ift dafelbft nicht ganz richtig angegeben. Sie lauten 
nämlich fo : 

Wer bift, gedenk du redner* 
Was redft , das nit fchad geber. 
"Welchem fagft, merk dabey. 
Warum fprichfts , dir kund fey. 
Wie gneni ! wenig oder treg. 
Wen dyn red hab zyt und fteg. 

Zu S. 210. Die alte Plattdeutfche oder Niederräch-r 
fifche Bibel , Lübick 1494. £ ift auch in der Wernigerö« 



2u Panzers Ann. der deutf. Littefatun 189 

difchen Bibliothek. Uebrigens führt Le Long in Bibliotheca 
fkcra P. IL p. 188» i89- zwey Ausgaben der deutfchen 
Bibel von diefem Jahre an, wovon alfo eine noch wohl unbe* 
kannt feyn mu(s. 

Zu S. 241. Von der CöBnifcben C^ro»i> führt auch 
Mylius in Metnorabil. Bibl. acad. JenenC p. 208« eine 
Ausgabe ohne Jahrzahl an. 

Zu S. 2^6» Spegel der Chrißinen Minfcben, Lübeck 
durch Ge. Kircbner i%oi. führt Loefcber in Stromateo 
p. 2f 8* an, ohne das Format anzumerken. 

Zu S. 259. Hieher gehört noch Brigitta Offetu 
barung. Nürtib. 1502. Fol* V. Mylii Memorabilia pibl. 
acad. Jenenf. p. 159. welcher auch ein Exemplar de$ 
Pfalters von i$o^ dafelbil S. 161 anführt. 

Zu S. 264, Gemma vocabuloruro f. Lexicon Latinoti 
Germ. Lipf. JS03. 4« ift in der Magdeburgifchen Dombi- 
bliothek. Sonft gehört noch hieher : Gertrudis und Mecb^ 
tildis Offenbarung. Leipzig 150J. 4. welches Löfcber 
felbft nach feinem Belichte in Stromateo p. 259. befaß. 

Zu S. 268. ßer befcb/offen gart des rofenkranz 
marie ift in der Jenaifchen Univertäts - Bibliothek mit aus« 
gemalten Holzfchnitten. S. Mylii memorabilia &c^ jp. 1^9. 
Von der Romifcben Hißorie vß Tito iiuio gezogen^ welche 
S. 269. folgt, befindet fich eben dafelbft ein ichönes auf 
Vergamen gedrucktes Exemplar , welches Mylius 1. <:. 
p. 20s > 306. näher befchreibt. Von Rieder ers Spiegel 
der "waren Rbeforik vß M. Tulio Cic. u. f. w. ift hier eine 
Ausgabe von i^os* in Folio zu Strasburg gedruckt zu 
bemerken, welche in der Schulbibliothek zu Nordhaufen 
befindlich ift. S. Job. Andr. Fabricii Progr. von der Nord, 
^chulbibl. 9 S. Die Ausgabe, welche Herr Panzer S. |io. 
die zweyte nennt , ift ^ die dritte. Noch fieht ijoi CataU 



M()6 Kinddrlinßs Ziifätze und Bemerkungeit 

Ludewigiano P. I. p, 6f. nr. 7J8. Die bymmelifcbe Füuh 
grub mit Fleifs gecorrigiert , und füb er liebes gedeutfcbf, 
Erfurt 1505. 8. ingleichem Dar Buch der Botfcbaft oder 
Legation göttlicber Gütigkeit , durcb ein fonderlicb an^ 
dacbtigf feelige Cloßer Jungkfrarsf des Cloßers Helffte ^ 
etwa bey Eifsleben , zu Lande zu Sacbfen. Gedruckt 
zu Leyptzck durcb Melcb. Lotter i^ös. 8- 

Von 1506. zeigt Löfcber in Stromateo p. 261. ein 
l^aflional oder Leben der Heiligen an , welches hier nicht 
Vorkommt " ' 

2!u S. 28s. Job. von Mandavißa keifen. Strafsburg 
15 07. f^ol. find in der Dohibibliothek zu Magdeburg. 

Zu S. 286. Die Sermones Taulari von isö8. Hnd 
in der Bibl. des CL Bergen. 

Zu S. }oi. gehört noch Tbomas liempis von der 
i^acbfolge Cbrißi. Augfpurg. 1508 durcb Jobann Öegiin ^ 
welches Löfcher befafs. V. Stromateus .p. 265. ferner 
Reformation der Stadt irormr. Mentz 1508, in Fol. 
weiche in dem Oberlinifchen Verzeichnilfe alter Bücher vot 
feinem Gloflario fleht. 

Zu S. 326 f. Eine Ausgabe der Heldefhgefchichtcf 
Dietrichs Von Bern gehört ' hieher , die v. Seelen ifl 
Memoria Stadeniana p. 100. befchreibt: Von dem aüer^ 
könßen iVeygant Herr Dietricb von Bern und von Hil- 
tibrant feynem getreumen meyfler; TVie fy 'tvieder dii 
jRifen ßritent. Strasburg 1510. Fol. — Auch führt Le 
Long Biblioth. S. F. IL p. 558. eine teütfcbe Bibel voii 
1510. Augfpurg in fol. an. Endlich fleht der Spiegel 
der Zucht voÜ treflicber Lehre des b. Bonaventura. Leipzig 
durch Melcb. Lotter 1510. 8. im Catal. Ludewig P. L 
p. 6i* nr. 738. 

Zu S. J}^ , oder überhaupt tv^m Jahr t%it Wäre 
hinzuzufetzen : Jb. Altmßaig Vocabularius i, e. vocum 



in Panzers Ann. der deütf. Latteratur. 191 

quae in Grammatica continentur interpretatio. Hagenouiae 
i^ii. 4. auch ebendafelbft 1515. 4. Beyde Ausgaben, 
flehen in dem Büchcrverieichniffedes fcl. Archivars Ruß, 5 S. 

Vom J. 1^12. finde ich im Ludewigifchen Catalogo 
Th. I. S. 70. nr. 852. angeführt D. Keyferf^erg über die 
fyer Evajtgelia durchs jor, famt dem Quadrageßmal und 
von etiicben Heyligen. Strasburg 1^12. fol. Uebrigens ift 
Amandi S. jjg. befchriebenes Buch in der Bibl. des 
Clofters Bergen , und der neu Layenfpiegel Harn Otmars 
S. 542. zu Altenburg. S. Cbrißiani Frid. JVilifebii Indi- 
cem Biblioth. Altenburgenf p* 497* 

Zum Jahre i ? i j . wären noch zu bemerken : 'Regimen 
Sanitatis , dis iß ein Regiment der Gefiindbeit , lateinifch 
und teutfch. Anglicorum Regi confcripfit Schola folennis 
( Saiernitana ) Strasburg 151;. 4. welches im Ruflifcken 
Bibliothekverzeichnific , 97 S. fleht. 

Der Spiegel bocblöblicber Brüder fc ha/t des Roßm^ 
creutz Maria , auf Begebren Frauen Barbaren , Herzö" 
ginn zu Sachfen Leipzig 1 9 14. 4. wird in Mylii MemorabiL 
Bibl. acad. Jenenf. p. 172. angezeigt. 

Zu S, :;84. Von Murners Müüe von Schrpündels" 
heym führt Hcr^r Prof. Oberlin in dem Verzeich nifle vor 
feinem Gloflario auch eine Strasburger Ausgabe von 1 5 ig an. 

Zu S, 40 1. Von Keiferfpergs Brcfamlin ift ein Exem- 
plar in der Bibliothek des Clofters Bergen. 

Zu S. 414. Nn 898- Die teutfche Theologie ift auch 
In eben dem Jahr i^ig- zu Leipzig i^ Quart gedruckt, 
und in der Dombibliothek zu Magdeburg befindlich. 

Zu S. 420. Von Vartomans Reife- Augfp. 15 18. 4* 
wird angemerkt , dafs die Signatur bis z gehe. In einer 
neuen Ausgalje Frankfurt am Mayn i s ? 6. durch Wcigand 
Hacn In 4, gedruckt, geht die Signatur bis Ee. Esfindalft 



t^z Kindtrlitys Zutatze und Bemerkungen &c. 

26 Bogen, mit vielen Holzfchnitten , wie ein halbes Quart- 
blatt grofs , aber auf der Rückfeite des Titels und auf der 
ganz letzten Seite find zwey Holzfchnitte , welche das 
ganze Blatt füllen. Der Titel ift eben fo, als hier ange- 
führt wird , abgef^fst , und der Ueberfetzer hat ftch auch 
in diefer neuen Ausgabe , die ich felbft befitze , nicht zu 
erkennen gegeben. 

Zum Jahr 1518* gehören noch die ^e^eii Bufspfaimen 
von Frater Martinus Bruder Augußiner zu Wittenberg 
in 4. und zu 1^19- der 109 PfcJm von Dm M. Luther 

nuTgelegt^ ebenfalls in 4. 

Ich wünfche , dafs mehrere Gelehrte meinem Beyfpiele 
folgen, noch wichtigere Zufatze (ammeln, Vermuthungen 
berichtigen , Bibliotheken , worin Alterthümer befindlich 
find, nachweifen , und den würdigen Herrn Panzer dadurch 
in den Stand fetzen mögen , einen reichen Nachtrag zu 
diefem Werke zu liefern , wodurch er fich und unferm 
teutfchen Vateriande ein fo ehrenvolles Denkmal geitiftet hat. 



4. !Zufätze 



m 



iSufatze zu Herrn M. 6. W. Pänztrs^ Sctafiefs an 
der Hauptpfarrkirche 2u St. Sebald ia Nürn- 
berg, Annalen der älteren teutfchea Litteratur, 
oder Anzeige &C. &c. Nürnberg 1788. 4. Voii 
Hrn. Prof« Seyboid in Buchsweiler. 

Xn keinem Felde der Gelehrramkelt i({ teutfcher Flei& 
fichtbarer I als im litterarifchen. Herr Seh. Panzer^ deflen 
Verdienfte um die Litteratur lange anerkannt fmd , hat dea 
Ruhm der Nation vort diefer Seite noch mehr bcfeftigt* 
Sein unermudetes Nachfotrcheii hat daher wenig litterarirche 
Blumeii tut Nachlefe übrig gelaffen. Doch eine klemd 
Lücke, die ich bemerkt habe, fey es erlaubt auszufällen! *} 

Ich habe ein Titulaturbüehelgen , deflen Herr Seh. 
Panier nicht erwähnt, es heifsti Cantzleybticblein Wid 
tnan fchreiben fol : eim y^den iH rpas -üfürden : fiadt : 
^ Stand) oder toefem er iß: geifllicb und i»eitHcb kurai 
begfiffefi j mit einem Hokfchnitte , der drey Mannet 
Vorteilt. Auf dem Titelblatte fteht fonft nichts. Am £hde : 
Im fünlfeehnhundertften urtd dreyzehnten Jahre* NueV 
pradbiciert Retorick und BriefIbrmuJarii des Adels , Stetten 
und Lehdern des hochteutfohen yetzlauFenden Stylums und 
Gebrauchs* Neiv gedruckt zu Strafsburg, Anno &c. am 
fünfften Tag Decembris. Mathias HupfFufF. Hinnach volget 
das Rcgifter difs Büchleins. Aus den Worten „ jnew ge- 
druckt *' ift auf eine ältere Ausgabe zu fchiieffen. 

Das Werkchen , das aus 60 Blättern befteht ^ hat 
drey Theile. Der erfte enthält die Titulaturen des Pabfts Äc* 
Der zweytc mancherley Eingänge, Mittel und Schlüfle 

*) Eine aridere fuUt Schdhorn. S. Stl Commercf. £piß, Ufinbaeks 
f. 125. fcq. 

Jliufeis Mag. ^tei Stü^K N 



194 SeybohTs ZuVitie zu Panzers Annaleti 

eines Briefs, der dritte einige Formularien von Credentz — * 
Mahn — Gelnits — Briefen &c. Der Verfefler geht gar 
ordentlich zu Werke. Z. E. er uncerfchddet , ob ein 
IK&hof , eine Aebtifsiri &c. von fürfüicher Geburt ift, oder 
nicht ; macht einen Unterfchied zwifchen hoben und — 
f(bUcbten Grafen ^ und giebt diefe Regel der Höflichkeit 
und Klugheit : » Wann einer eines notturfftig ift , und Im 
fchreibt, wil er Im lieber zu viel Eren dan zu wenig 
zweignen. ^ Rathe auch dz ein yeglicher der eins Freyherrn 
oder Herrn bedarfF^ im fchreibe wolgebornen zu zeitten 
in der fchrifit E. G. Ob er aber dfs alfo gentzlich zu 
fetzen y ein befeelung hette, mag er fich daneben gebrau- 
eben. Dem wolgebornen und Edlen. So zeucht da 
'Wf^t Edel , dem vpoigebornen Etvpas ab. " 

Hier laflen fich alfo mancherley Bemerkungen über 
den Va/or der fVorte machen , aber auch zugleich über 
den Rang der Stände in damaligen Zeiten, So rechnet 
z. E* das Cantzleibüchlein den Äbbt zu St Emeram in 
Regenfpurg &c. zu den fcblecbten Epen. Hingegen hätte 
auch Befold aus diefem Regifter von fchlechten Epten einen 
Nebenbeweifs führen können , dafs die Prälaten verfchie« 
dener Wirtembergifcher Klöfter damals unter die imme* 
^lo^rif gerechnet wurden. Denn die Aebbte von Malbrunn , 
(Maulbronn) Bebenhaufen ^ Heydenheym ( vermuthlicK 
Herbrachtingea , Anhäufen odef Königsbronn ) &c. flehen in 
der Reihe derer , die noch itzt zum Theile für immediat 
gehalten werden , z. E. Schönthal , Salmannsweiler &c. &c. 

Nun zeichne ich nur noch zwey Stellen zur Ergötz* 
iichkeit ^us — die eine , wo der VerfafTer mancherley 
Ausdrücke angiebt, wie man jemand feine Noth vorflellen 
kann , und worauf ^er fich vermuthlich nicht wenig ein« 
bildete : * ) '/ 

■ ' ' ■ I ■< .1 III — — .^ 1 1 II I 11 I— —————— w 

*; S. XXXIV b. und S. XXXV. 



}Att älterti teiutfeheii Litteratur^ 195 

Jammer > 
^ Was I Sorg f Darüfs wird wachfsen imd 

Not ' y'vpzirt2eln macht mir mein 

Angft 1 Gemüt mit kümniernüß 

Peinlichkeit &d. J überrptirtzelü. 

*^ und die aridere , wo er folgende zwey Titel angiebt *}« 

t)es Türkifchen keifcrs Titel. 

t ^it Mahomet von gots gnaden. Heydnifcher tCeifer 
über Alle Keifer. Ein herr über alle Herren. Einn Fürft 
jti Tfirckeyen , über neun Königreich , di^ unns unterthenig 
find , ein Herr vonn dem Thurn Boym. biß aa den gfünen 
Borne, ein hüter der grubem des gekreutzigten gottes^ 
tind des großen lands heyden und meres , wifs das dein 
got Jefus vo deni geCchlecht Davidis , und vo dem ftamni 
yefle , din bymmet vo uns zulebl bat , des wir uns fchreiben 
eiii herr des Hyniels der beü" und des erdtrichs. Eihbieteii 
dir Maximiiiano , der ficti nennet ein Hertzog zu Burgndi 
ttwelter Roniifcher Keifer, ein herr des Reichs d'Chriftnheit , 
des Tp/r eilt recbter Erb fein. Unfern grymmen zorn und 
gedehcken dich ^ mit unter groflen macht da heim zu 
fuchen, un dir nicht fo günftlich zu fein als unfer vater 
gewefsfc ift. Gegebe nach unfer geburt jm vidr und viercigftö 
Jare. 

Des Heyclnifchen Soldis TiteL 

Wir Salamander mechtiger künig Soidan ^ her zü 
Babylonifi^ ein geweitiger kcyfer ]n Türckeye, ein herr 
zu Tartaryön , ein Fürß jn Elemente ^ din Künig ja 
Egypte. Ein Fürft in Arthomedien , ein befchirmer der 
Heyde jn Mahomedie, ein künig des Edlen ftammen jn 
- - ■• .■■■■-. — 

♦) S. XXVI. 



196 Scybold's Zuf^tze zu Panzers Annalea 

Judea^ ein geweitiger da die Sun uff und nieder geet« ein 
^robft des edlen Irdirche Parac^yfs , ein Ktinig aller Fürfte^ 
ein gebieter des Thurns Boyms , zu den berg Oreb — 
oberfter Rathe unfers gots Machmet ein fründt der göt 
Troft im Freud der Juden, ein rertryber der Criftehcit, 
ein bet2rwinger der teuffei ^ ein hnot der Helle ^ ein Afar* 
fcbalck der verlorn verflojfen engel. ein hnter der grübe 
des gecreutzigten unfers nennen, ein mechtiger zu Jeru- 
fale, und des gantze Erdtrichs. 

Diers mag zuf Schilderung des Kanzleiböchleins hin. 
reichen ! Itzt follen Nachrichten von zwey andern Schriften 
folgen , die zwar in den Annalen auch befchrieben find , 
Von denen ich aber verrchled^ne Ausgaben befitze. 

S. jo^. werden vier Ausgaben von den Fier ICezern ^ 
Prediger ordens &c. befi:hrieben. Ich beCtze eine fünfte 
vom J. 152 1. die das Eigene hat — wenigfiens ^ wie ich 
glaube, da ich die Befchreibungen der dritten und vierten 
in >9(^eller und der UiFenbachifchen Bibliothek nicht gelefen 
habe — — daß fie Luthern zu gefallen gemacht zu feyn 
fcheint. Denn auf einem Holzfchnitte des Titels erfcheinen 
folgende Figuren. Rechts fiehen Dominikaner mit der 
Ueberfchrift : Maruliften von Bern , vor ihnen Hetzer -— 
in der Mitte, von der rechten zur linken, zuerft der 
Teufel, mit einem Katzengefichte, Schlangenfchwanze , 
einer Maske und Narrenkappe ^ in eine Kutte gehüllt ; vor 
ihm vier Geiftliche, mit der Ueberfchrift: Hochftratus, 
Düdt. Jefus &c. ein wenig feitwärts : Murnar , über ihnen 
1^21. Zu einer Thüre fieht eine Figur neugierig herein. 
Unter den Dominikanern und Hochftraten & comp, ift 
gefchrieben : conciliabülum malignantium. Hinter Hoch- 
fkaten und feinen vier Gefährten fieht zuerft Luther, dann 
Hatten , und zuletzt Reuchlin , zu ihren Füflen ; pairm 
Hbertatis. Der ganz«. Titel ift folgender: 



der altern teutfchen Litteratun 197 

über dem Holzfchnitte fteht : 

* Hiftory von den fier Kctzren Prediger 

' orden& der obfervantz zu Bern im 

Schwcytzer land vcrbrant , in dem lar 

nach Chrifti gcburt M. CCCC. IX. uff 

dennechften Donderftag nach pfingften. 

unter dem Holzibhnitte : 

Ein kurtzer begriff unbillicher frevel 
handlung Hochflxats , Mifrnars, Dodtor 
Ihefus und ihrer anhenger wider den 
chriftlichen Debitor Martin Luther , von 
(vor) alle liebhaber Evangelifcher lere. 

Der Schlufs ift , wie bey Nr. 4. nur mit einigen 
Veränderungen ; 

der diefes büchlein hett drucken Ion , 
der hats Marie zu eeren gethon, 
Er hofft von ir den ewigen Ion &c. 

Wie kommts nun , dafs derjenige , der etwas zu 
Ehren der Maria und ihrer unbefleckten Empfängnifs drucken 
liefs , zu gleicher Zeit auch Luthern ehren will ? Wohl 
darum, weil das Buch gegen die Dominikaner gerichtet ifl , 
die, um Tezels willen, feine Feinde waren. Diefs fällt 
' leicht in die Augen. Wichtiger aber fcheint mir zu feyn , 
was daraus erhellt: dafs nemlich Luther im J. xsai* die 
unbefleckte Empfängnifs noch glaubte , wenigftens noch 
nicht dagegen gefchrieben hatte , und diefer Punkt gehört 
alfo zur Gefcbicbte feiner Grundfätze. 

Uebrigens enthält diefe Ausgabe 88 Blätter, die mit 
Leiften eingefafst find , ohne Seitenzahlen und Holzfchnitte. 

iÄein Exemplar der Schclmenzunft kömmt mit der 



%g& Seybold'S Zufätze zu Panzers Aünalen 

Befchreibung der Ausgabe vom Jahr i s 1 6. iiberein * ) ; 
nyr dafs auf der erften Seite des letzten Blatts w^eiter 
nichts zu finden iA , als : getryclit zu Strafsburg ( nicht , 
von wem ) und unter diefen Worten ifl ein Hol^fchnitt , 
wo einer, 4cr etvyas zi^ erzälen fch^int, vor zwey Frauen 
mit Kronen fteht, Jahrzahl iit nirgends. Sollte alfo wobl 
diefe Ausgabe zwifchen 15 14 und i$i6. einzufchalten feyn? 
Zu S. 64. bemerke ich , dafs die Ausgabe des Ayre- 
fifcheh ProceiTes mit dem Komnientar des Ahasverus Fritfch 
fchon 1691. 4. zi} Frankfurt erfchienen ift. Ein neuer 
Beweifs von dem, was Herr P, fagt, dafs das Buch fo 
viele Liebhaber fand, — Ein Korrefpondent üfienbachs 
fchreibt: der Hort^alus animä Nürnl). 1518. **) fey in 12. 
gedruckt. ***) Endlich was ich bey Gelegenheit diefes 
Buchs noch zu fagen h^be , ift folgende^. Nachrichten , 
was für Bücher, und wie viele» und wann fie gedruckt 
worden find , fcheincn im Grunde von keinem groffen 
Einflujfe auf die 'xvabre Aufklärung der nützlichen Gelebr- 
famkeh zu feyn wiewohl fie Rir die Gefchichte der 
Kunft immer wichtig find: allein ^ wäre auch diefes nicht, 
fo hätte fich Herr Seh. Panzer doch ein großes Verdienft^ 
er\«rorben , ^yeil fein Buch zugleich zur Gefcbicbte des 
Gat^gs der Wijfenjcbaßeti in T^utfcbland unentbehrlich i% 
Denn fo gut, wie ein itziger Mefskatalog , zeigt es den 
Cejcbmack jener Zeiten m. Ich mache folgende Bemer- 
}{ungen ; 

I. Auch jenes Zeitalter hatte feine Modetitel ; der 
vornchmfte fcheint „ Spiegel " gewefen zu feyn^ 
deren aller Art vorkommen. 



*) S, 396. 

**) S. Annalen, S. 412. 

***0 S. Schelhorn. Sei. Com. Epift. UflBenb. P. III. p. 18. 



der altern teutfcb^n Litteratur. 199 

«• Die gröfsten Polygraphen jener Zeit waren , Geiler , 
Brand und Murner , alle drey meiftens in Strafsburg, 

5. AufTer Schulbüchern , Legenden und Chroniken, die 
fich von felbft verliehen , wurden am meiften gedruckt: 

z) Regimina fanitatis ^ nämlich t. zu Nürnberg , 
9. zu Augsburg, 2. zu Ulm, i. zu Strafsburg , i. zu 
Mainz, i. zu Leipzig. 

b) Ortus fanitatii^ zu Au^sb. fechsmal^ zu Str^ab. 
dreymal, Lübeck zweymal, Mainz und Ulm einmaL 

c ) ToUat Büchlein der Arzney , fechsmal , darunter 
dreymal zu Strafsburg. . 

d ) Wydmann regimen wider die Pcft, zweymal gedruckt, 

e ) Kommen vor , Inftruktionen wider die Peftilenz von 
Memmingen , Augsburg , Speier , Oppenheim und 
Nürnberg. Vadiani Unterricht wider dicPcfl, erfchien 
zu Bafel. 

4. Zählt man viele Bücher von Bereitung des Brante« 
weins , der nicht allzulange zuvor erfunden ward ; 
daraus ift zu fchlieflen , dafs er bald anfangs ein 
Lieblingsgetränk der Teutfchen war. Vom J. 1^00—» 

, 1^19- wurde das Buch de arte dißiüandi fecbsmal 
in Strafsburg gedruckt — Schrik' von ausgebrannten 
Waflern , zebitmal^ fechsmal zu Augsburg, i. zu 
Strafsburg, i. zu Ulm , 2. zu Augsburgs Hieher 
rechne ich auch Villa nava von Bereitung des 
Weins , das ßehenmal neu aufgelegt wurde. 

5. Bemerke ich zu Ehren der Reichsftädte , dafs fie 
fich fo wohl durch die Menge der gedruckten Bücher 
als auch durch Anftalten einer medicinifchen Policey 
( S. Anmerk. ?.) vorzüglich ausgezeichnet haben. 
D?i findet man kaum £irfen Druck von dp itzigen 



f 00 SeybobTj Zufätze ^u Panzers Annalen &c, 

ReGdenzen gegen ein Dutzend , hauptlachlich um 
Straßburg und Ulm. Femer, während Leipzig das 
regimen fanitatis nur einmal druckte, erfchien es in 
Oberteutfchland funfzehnmaL Ueberhaupt wurde 
Arn Ende des fünfzehnten und Anfange des fechszehn- 
ten Jahrhunderts im lucUichen Teutfchlande mehr für 
die atifl^bendeLitteratur, als im nordlichen, gethan. 
Endlich 

€. erfieht man auch, wie der menfchliohe Geift von 
den bisherigen Fefleln fich loszuarbeiten fuchte. Diefes 
beweifen die vielen Auflagen der latyrifchen Schriften 
eines Miirners und Seb. Brand. Die Sat3rren gefielen—- 
ein Beweifs , dals m^n die Wahrheit derfelben empfand« 

Seybqid» 
Bfichsweiler den aten Jpn, 1790. 



«Ol 



Bcfchreibung einer bisher unbekannten und/ehr merk^ 
würdigen Bibelausgahe , die Wolff Köphl 1535; 
2U Strafsburg in fol gedruckt hat , von M. J. A^ 
Steiner^ Pfarrer bey St, Ulrich in Augsburg,. 

Xch habe , wie aus verfchiedenen gelehrten Zeitungen und 
Journalen , befonders aber aus Hr, D. Hirlbhings Zufaczen 
und Vermehrungen zu den drey Bänden, feiner beliebten 
Bibliotheken - Gefchichte Teutfchlands 'p. i.*-^4. bekannt 
ift, das Vergnügen eine Bibelfammlung zu beGtzen, die 
vielleicht der Aufmerkfamkeit der Gelehrten und vorzüglich 
der Freunde der bibh Litteratur , nicht ganz unwürdig ift. 
Sie enthält zwar gegenwärtig noch nicht über goo, ver* 
fchiedene Ausgaben, Allein diefe kleine Sammlung fafTet 
doch {o viele feltene und zum Theil bisher noch ganz 
unbekannte Ausgaben von ganzen Bibeln und einzelnen 
Theilen der Bibel in (ich , als meines Wiflens noch kein 
Privatmann zufammen zu bringen das Glück gehabt hat. 
Ich bin dp&wegen mehrmalen aufgemuntert worden, ein 
raifonnirendes Verzeichnifs der ganzen Sammlung heraus zu 
geben, Verfchiedene Umftände aber haben mich beftändig 
daran gehindert , und werden — wie ich leicht voraus 
fehen kann — mich immer daran hindern. Doch wünfchtf 
ich wenigftens von den feltenften und hauptfächlich von 
den noch ganz unbekannten Stücken derfeiben , nach und 
nach genaue Befchreibungen in diefem Magazin mittheilen 
zu können. Ich fage: genaue Befchreibungen, Denn das^ 
denk' ich, müflen dergleichen Befchreibungen fcyn, wenn 
fie den Kennern und Liebhabern genug thun und in An* 
fehung der Ausgaben , nicht mehr Verwirrung als Bericht 
tigung veranlaflen foUen» Und wenn ich mich daher 
manchmalen dabey auf Dinge einlaflen werde , die andern 



20% Steiners Befcbr; einer bisher unbekannten 

höchft unbedeutend fcheinen , es auch in manchem Betracht 
würklich find', fo werden doch Kenner und Liebhaber 
folcher Ktterar. Seltenheiten, diefes gewiß nicht tadelns- 
würdig finden. 

Ich mache den Anfang dazu mit einer Ausgabe , die 

zu Stfafsburg . gedruckt worden, und zwar von eben dem 

WolfF Köphl oder Cephäläus , der Geh durch mehrere 

Bibelausgabett , befonders aber durch eine Ausgabe • der 

Siebenzig in ) Theiien in 8- 1526. und durch eine 

Ausgabe des griech. N. T. in 8* 1924, die ich ebenfalls 

fämtlich befitze, berühmt gemacht hat. Alle Köphlifche 

Ausgaben find gegenwärtig grofle Seltenheiten. Aber, die 

von der ich hier rede, ift zuverläffig die feltenfte iffUer 

allen. Denn ohnerachtet von altern und neuern Gelehrten, 

über die Köphlifchen Editionen viel gefchrieben worden, 

fo ift mir doch keiner bekannt, der von der gegenwärtigen 

das geringfte gewufst hätte. Der feel. Gieflb hat z. B. in 

feiner hifiorifchen Nachricht von Luthers Bibelüberfetzung 

I. Th. p. )62. u. f. zwey Köphl. Bibeln, eine von M. 

D. XXX. in foL und eine von M. D. XXXVIIL in 8. 

fehr pünktlich befchrieben und der feel. D. Riederer hat 

gar brauchbahre Anmerkungen dazu geliefert. Eben fo hat 

der verehrungswürdige Herr SchafFer Panzer in Nürnberg, 

in feinem vortreflichen Entwurf* einer voUftändigen Ge- 

fchfchte der teutfchen Bibelüberfetzung Lutheri p. 291. 

tt. f. p. }2T. u. f. u. p. ;8)» u. f. mehrere Köphlifche 

Ausgaben angeführt, und in der Gefchichte derfelben 

manches berichtiget , was bisher zimlich verwirrt gewefen 

war. Nicht minder hat auch der verewigte Hauptpaftor 

Götze in Hamburg , in dem Verzeichnifs feiner Bibelfamm- 

lung, p; 177. ihrer viere nahmhaft gemacht: die erlte 

von i;29**[Hi. in fol. Die zweyte von i$Jo— 15^2. 

in 4. Die dritte von i^jv-^i^jg. in 8- und die vierte 

von 1544-^1547. in kl. foL Allein die vorliegende, ift 



u.febr merkwürdigen Bibelausgabe u. £ w. 203 

jlin^n allen .eben fo unbelcann( geblieben, als dem größten 
ßibelfammler feiner Zeit , den^ feel. Paftor I^ork in 
Kopenhagen. Nichts ift alfo gevyifTer , als dafs fie zu den 
böchft feUenen und bisher ganz unbekannten Bibelai;isgabe|i 
gehöre. 

Was d^s Aeyflere derfelben anlangt: fo \R. fie auf 
ziemlich weifli^s Papier , mit gefpaltenen Columnen in kl« 
fol. gedruc)ct, und kan alfo nun das Vorgeben in dem 
Alten und Neu^n von 17^- P- ^12. als wenn keine 
Köphl. Bibel in fol. vorhanflen wäre, mit drey würklich 
in diefem Format vorhandenen Ausgaben, widerlegt werden^ 
nämlich vfiit den zwey vorhin genannten, und mit dex 
ineinigen. Das Ganze derfelben befteht aus . 6 Theilen, 
davon ein jeder feinen eigenen »Titel hat. Der Haupttitel 
yor dem erften Theii, der zwölf, theils fchwarz, theils 
foth gedruckte Zeilen begreift mi iß einer Einfaflunj 
fteht , ift der ; 

Bib/iti 
ff OS ift; die ganta; 
Heylige Scbriji 
Deütfch. 
Eegißer -voeyfet atte Hiflo- 
fien vnd fürnemfte fprüch , über beydo 
Alt vnnd Neuw Teftament. 
Jpem aufb mit 
?weyhundert Figuren piehr dan vorhicn * 

nie jm Truck aufsgsingen feind. 
Getruckt zu Strafsburg bey tpo/^ Köphl. 
An. M. D. XXXV. 

Was in diefem Titel hier mit anderer Schrift gedruckt 
i(^, ift roth, da^ s^d^re fghwar?« £s verdient t^ey 



ao4 Sttiner^s Befchr. einer bisher unbekannten 

demfelben zweyerley bemerkt zu werden. EinmaUv dafi 
auf demfelben Luthers mit keiner Silbe gedacht wird , da 
man doch dem grö&ten Theil nach keine andere , als eino 
Lutherifche Bibel vor fich hat. Vielleicht hat Köphl dieres, 
wie Hr. SchafFer Panzer in feiner Gefchichte der Lucherf, 
Ueberfetzung , p. )2). bey einer andern Kophlifcheii 
Ausgabe, nicht ohne Grund vermuthet, darum gethan: 
damit* die Leute die blofle Schrift, ohne emiges Vorurtheil 
der Menfchen lefen und nicht das Anfehen der Menfchen, 
welches eben damahls grofs feyn wollte , achten mögten. 
Sodenn ift bey dem angeführten Titel merkwürdig, dafs 
das Regifter, deflen auf demfelben gedacht wird, bey 
diefer fo wenig zu finden , als bey andern Köphl Editionen. 
Gieffe hat darüber 1. c. p. n7- u. f. eine Muthmaffung 
die fich wohl hören läfst. Er glaubt nämlich , dafii Köphl 
mit diefem Regifter die Brunnerifche Konkordanz gemeint 
habe , die bey ihme zu Strafsburg i s ) o. gedruckt worden, 
und welche mit der Köphl. Bibel von 1^39— is)i- von 
gleichem Folioformate feye , alfo dafs wenn diefe in 
zwey Bände gebunden worden wären, jene gar füglich 
hätte daran gebunden werden können. Die Einfaflung in 
der diefer Titel fteht, ift eben die, die bey der Ausgabe 
von i^o- und bey der von 1^44 — 1547. gebraucht« 
worden, und die man fowohl in Götzens Verzcichnifs 
p. 178. als in GieiTens Nachricht (p. )7o. 114.) befchrie« 
ben findet. Oben nämlich in der Mitte befindet fich der 
bethende Mofes, deme nach 2 B. MofeXVII, 12. AaKQp 
und Hur , deren Namen aller drey beygedruckt find , die 
Hände empor halten und ihn bey dem Gebeth unterftiitzen. 
Zu beyden Seiten und unten ift der Krieg der Ifraeliten 
wider die Amalekiten vorgeftellt. Zur Rechten fteht Amalcck 
und fein Heer, in deffen Fähnlein die Jahrzahl 1928. 
befindlich ift. Zur Linken fteht Jofua mit dem Heere der 
zwölf Stämme Ifraels. Unten in der Mitte zeigt fich das 



u* fehr merkwürdigen Bibelausgabe u. f. w. 205 

Köphte Druckerzeichen t ein Qiiaterftein , den die Köpfe 
von zwey aufwärts durcheinander gewundenen Schlangen,- 
zu beyden Selten fafTen. Oben auf ihnen ruht der h. Geift 
in Geftalt einer Taube. Auf der Rückfeice des Titelblatts^ 
folgt mit fchwarzer Schrift: 

Regifter der gantzen Bibel 

Alt vnd Neuwen Teftaments eyn yedes 

Buch , nach feiner Ordnung zu fuchen» 

tn diefem Regüler, heifst das erft pnd ander tSuch 
Aet Chronickj das erft theyl der Chronica s das andeif 
theyl der Chronica, und unter den Büchern A. T^ fteht 
nach dem Propheten Malacbia, auch das dritt und vierd 
buch Esre und das dritt buch Machabeorum^ fb wie 
unter den Schriften N. T. nach dem Brief an den 
Fhilemon, auch dieEpiftel zun Laodiceern erft verdeutfcht, 
verzeichnet Das Buch Syrach heifst in diefem Regifter: 
t)ie weifen fprüch* Auf dem zweiten Blatt folgt Luthers 
bekannte Vorrede: Das alteTeftament halte etliche gering 
u^ f. w. blofs mit der Üeberfchrift : Vorred, ohne die 
mindefte Anzeige Von Luthers Namen, aber fo wie fie 
Luther der allererften Originalausgabe feiner Üeberfetzung 
des erftcn Theils A. T. von 1^2;. vorgefetzet hat. Es 
find alfo auch die vier letzten AbfötZe, die Luthefus bey 
der Ausgabe von ff)4- lit^eggelaflen , hier befindlich — 
Sie nimmt vier volle Blätter und vom fünften noch etwas 
über die Hälfte der vordem Seite ein » da denn zuleide 
fteht: 

Ende der Vorxed. 

Die Rückfeite diefes Blatts ift leer gelaOen und auf 
dem folgenden fängt fich der Text an , und die Blätter 
find von da an folUrt. Zu obetft auf der erften Kolumne^ 



fto6 Steiners Öefchr. einer bisher unbekadntei» 

• der Tordern Seite des erften ^ fteht ein Holzfchnitl% def 
Gott als den Schöpfer der Welt vörftellt Er ift nichc 
vollkommen 14 Zeilen hoch und nicht ganz fo breit, als 
die Kolumne , daher auf- der einen Seite deiTdben , eine 
Dinckerleifte angebracht \&. Unter dem Holzfchnitt fteht 
denn : Das Erß CafiteL Es endigt fich diefer erfte Theil, 
auf der Vorderfeite des CVIII Blatts i mit der aus zwey 
Zeilen beftehenden UnterfcHrift : 

Ende der FünfF Bücher Mofe. 
Volget hernach das Ander theyl der BibeL 

"Vorauf defln nocli in der Mitte , der übrigeöS gan« 
teer gelaflenen Ruckfeite diefes Blatts , das Köphl. Drucker- 
deichen 2u fehen ift. Auf dem folgenden fteht der Titel 
des ztveyten Theils und zwar in dem nfthml. Holzlbhnitti 
in welchem der erfte ftunde. 

Das Ander teyl 

des Alten Teftaments. 
Die Bücher fo in difem 

theyl begryffen feinde 
Das Buch Jofua. 
Das Buch der Richter. 
Das Buch Ruth^ 
Das erfte Buch Samuel. 
Das ander Buch SamueL 
Das erft theyl Von den Königcit^ 
Das ander theyl von den Königen» 
l)as erft theyl der Chronidi. 
Das ander theyl der Chronica- 
Das Buch Efra. 
Das Buch Nehemisl. 
1äi% Buch Efther. 



,U> fehr merkwürdigen Bibelausgabe li. f. w» 207 

Die Blätter find in diefem Theil wieder von vorne 
jgezählt. Der Text fängt, mk dem zweyten derfelben an, 
und endigt fich auf der Vorderfeite des CLIIIJ, mit det 
aus drey Zeilen beftehenden Ünterfchrift : 

Ende des Andorn theyk des Alten Te- 
ftanients, oder der Bibel. Volget hernach das Dilti 
tetheyl des Alten Teftamencs« , 

Die Rückfeite diefes Blatts ift hi^r ganz Wer gelafleri^ 
und auf dem folgenden, mit welchem fich die Blattzahlen 
wieder von Vorne anfangen, wie dis auch bey allen 
folgenden Theilen gcfchieht, fteht, aber ohne Einfaffungj 
iliefer Titel: 

Das Dritte Theyl des 

Alten Teßaments. 

Die Bücher fo inn di^enl 

Theyl begryffeii feirid. 

bas Buch Hiob» 

Der Pfalteri 

Die Spruch. 

Der Prediger, . Salomönis» . 

Das hohe lyed. 

Auf det Rückfeiite diefes Blatts fteht Luthers Vörrödd 
übet das Buch Hiob , und auf dem folgenden zweyten , 
dem aber aus Verfehen die Biattzahl fehlt, fängt fleh 
der Text diefes dritten Theils an; Mit dem hohen Lied 
Salomons endigt fich derfelbe , auf der Vorderfeite des 
LXVIII Blatts , blofs mit den Worten^ Ende des hohen 
Lieds Salomo. Die Rückfeite ift- ganz leer und auf dem 
nächften , fteht wieder ohne Einfaffung , der Titel , des 
nun folgenden vierten Theils , auf dicCe; Weife; 



ao8 StdnarU Bj^fchr. einer bisher unbekannte» 

Alle Prophetca 
Verteutfchet . 

Di8 feind die Propheten dia 

inn Biblifcher gerchriffc fiin^ 

den worden« 

I. Jefaia. 
Die Tier d. Jeremia. 

f roilen« )• JeheskieL 

4» Daniel. 

f. Hofea« 

6. JoheL 

7. Arnos« 
S. Obadi&» 
9» Jena« 

Sie zwölff 10. Micha« 
kleynen« si. Nahum« 

17,. Habacuck« 

1}. Zephania^ 

14« Haggai. 

if. Secharia. 

i6. Malachi. • 

Auf def andern Seite diefes Titelblatts, hebt fich die 
Voned in Jefaiam an und nimmt diefe und das ganze 
folgende Blatt ein. Der Text diefes vierten Theils fange 
iich aUb erft mit dem dritten an , und endigt (ich atff ist 
ktzten Seite des CXXII, mit den Worten: 

^nde des Prophetea 
Slaleachi« 



Pi^ 



u. fehr merkwürdiges! Bibelausgabe u. f. \^. aoo 

Die erfte Seite des nächften Blatts enthält den Tit^l 
des fünften Theils : 

ApoCrypha 

Das feind die büecher: die 

bey den Alten vnder die Biblifche 

gefchrifFt nicht gezelt feind , Auch bey dea 

Hebreern nicht gefunden« 

I. Die zwey letften Bücher Ezra« 
. 8. Tobias. 

3. Judith« 

4« Barucb. 
Inhalt diefes s- Das buch der '^eifsheyt. ♦ 

Buchs Zum 6* Jefus Sirach , Ecclefiaflicus genant. 

7« Die drey bücher der Machabeer« 

8. Die Hiftofi von Sufanna. 

9. Die Hiftori vom Beel Zu Babel. 

At]f der andern Seite folge die Vorrede Zu diefem 
Theil mit der üeberfchrift : Gnad vnnd fried dem Chrift« 
liehen Lefer. Mit dem zweyten Blatt, fangen fich .die 
apocryphif. Bücher felbften an , und endigen (ich auf der 
andern Seite des C VII, mit der Unterfchrift : 

^ Getruckt zu Strafsburg 
, . bey WolfFgang Köphl. Im 
Jar nach Chrifti vnfres HERRN gebtirt« 
M. D XXXVf. 

Vermuthlich weil diefe Bibel zwar 1 5 ) f * dem gröfstfii 
theil nach gedruckt, aber doch erft i^^* geendiget wor- 
den ift. Das nun zunächft kommende Blatt enthält endlich 
in einer Einfaflung von allerhand unbedeutenden wunder« 
Mettfels Magazin. 4tes Stück* Q 



uto Steiner^s Befcfan eiüer bisher unbekannteü 

liehen Figuren, den gant fchwarz gedruckten Titel dei 
fechsteix und letzten "theils diefer Bibdausgabe » der das 
N. T. in fich faflet ^ in diefen 7 Zeilen : 

Volget das 

Neuw Tefta^ 

ment 

StraTsbur^ 

bey Wolff KöphK 

truckt. im jar nach Chri&i gebutt 

M. D. XXXV. 

# Die andere Seite diefes Blatts ift leeir geladen. iHit 
dem iweytcn aber fangen fich die Vorreden tum N. T. 
an, und endigen fich auf der andern Seite des dritten, 
doch fo dafs noch Raum 2um Regifter der Bücher des 
N. T. übrig geblieben, /das unmittelbar darauf folgt. 
Die h. Bücher werden darinne nach einander numeriert 
angegeben. Die Epiftel an die Laödicäer aber^ die doch 
oben, in dem erften Regifter verzeichnet war^ und die 
auch würklich nach dem Brief an den Philemon im Texte 
folgt, wird hier mit keinem \(^orte gedacht^ und die 
Epiftel 2tt den Ebräern , Jakobs , Judas und die OfFenbahrong 
Johannis , ftehen wie es damahls gewöhnlich war , etwas 
hinein gerückt und ohne Numern, Mit Folio IUI. nimmt 
das N. T. felbft feinen Anfang und endet fich auf der 
Rückfeite von Folio CLL mit den Worten : 

Ende defs Ncwen teftamettts. 

worauf denn noch ein leetes Blatt folgte dcffen Rücken 
das Köphl Druckerzeichen aufgedrückt ilt. Niemand kan 
die Trockenheit diefer Befchreibung der äulTern Einrieb* 
tung dicfex fondcrbahren Bibelausg^be mehr fühlen als ich* 



ü. fehr merkwürdigen ßibelausgabe u« ii^.tit 

So leicht fie aber zu fühlen i(t, fo fchwer dörfce fie ohne 
Nachtheil der Genauigkeit zu vermeiden feyn. 

Ich komme nun auf das Innere derfeiben. Der Text 

den fie enthält, macht fie befonders merkwürdig und :2eichnet 

fie ga^ fehr aus. Denn wiewohl fledenfelben faft dui'chaus 

nach Luthers Ueberfetzung liefert , fo liefert fie ihn doch 

bald nach einer frühern , bald nach einer fpätern Ausgabe; 

fodenn auch etwas weniges nach der Hätzerfchen Ueber« 

fetzung dtt Propheten, jedoch ungleich mehr nach der 

Ueberfet^ung des Leo Jud, fo dafs alfo diefe Ausgabe^ 

noch unter die fogenannten combinitten Bibeln Zu zählen 

ift. Im A. T. richtet fich der luther. l*ext gröfstentbellst 

auch in den Ffalmen « nach der Wittemberg. Ausgab^ 

von is44- da Lutherüs wie bekannt, ium erften mal, 

feine bisher in einzelnen Theiien erfchienene Verfion , ia 

ein Korpus zufammen gedruckt , hat ausgehen laflen* 

Doch finden fich , befondets im erften Theil auch Stellen, 

wo noch gelefeh wird , wie in der erften Originalausgabe 

defTelben von I52)« 2&. B. Gen. 4^ t. heifst es hier: Ich 

hab überkoi&en den man des HERRN) da die Ausgabe 

von is;4« an diefer Stelle hat: ich hab kriegt So liefst 

fie auch noch im so f. eben diefes Capitelsl was hafto 

than^ an ftatt: was haftu gethan? und im i^ ^. Mein 

milTethat , an itatt : meine Sünde. Desgleichen ini 2 1 f* 

von dem käme die mit harpfFen vn pfeyfien vmbgien« 

gc, an ftatt 1 von dem find herkommen die Geiger und 

Pfeiffer, und im 22 T^ii der wardt ein poHerer in alleä 

meifterftücken 'Ext u. eifens, fln ftatt.' den meifter inn 

allerley ertz vnd ^ifenwerk, und endlich im s) J^. hört 

mein ftym, la&t meine rede zu ewern ore koilhen , an 

ftatt: hörc^ meine rede, vnd merckt was ich fage. So 

auch Gen. 2s, 27. liefst fie: Jacob aber ein bidermanj 

wie die Ausgabe von 1^2). und gleich darauf wieder in 

^ben dem Vers, wie die von 15)4« ^^^ blib in der 

i 



213 Heiners Befchr. einer bisher unbekannten 

bötten, und im folgenden 2g f. gleich wieder nach der 
Ausgabe von IS2^ daromb dafs er von feinem weyd 
wei^gk afs M. C w. Was mir befonders merkwürdig , und 
ganz unerklärlich fcheint, ift dirs, dafs im Propheten 
Jeremia, mitten unter Luthers Ueberfetzung , auf einmal 
duie Stelle 9 nach den HätserC Propheten vorkommt , 
nämlich von Cap. 1,9.^- Cap. 2, i). daher ich fie 
auch ganz hier abdrucken lafTen will: 

93 Vnd der HErr reckt feine handt , vnd tupffc mir 
iufF den mund vnd fprach zu mir , Nym war ich hab mein 
wort in deinem mund gelegt. Sihe ich hab dich heuts 
tags über die völcker vnd königreich befteilet, dz du 
aufsjetteft , zurfchmeifsfeft , verderbeft vnnd verhergeft , 
dafs du auffbauweft vnd pflantzeil. Vnd des HERREN 
wort befchach zu mir fagende, was fiheftu Jeremia? Ich 
antwortet. Ich fihe eyn mandel rucen. Er fprach, du hall 
recht gefehen, denn ich auch über mein wort eyle, es 
zu vollftrecken. Noch eyn fart gefchach des HERREN 
wort zu mir Tagende , was fiheft du ? Ich antwortet , Ich 
fihe eyn fiedenden hafen, von Mitternacht wertz her. 
Da fagt er zu mir, Das vnglück wirdt von Mitternacht 
heraufs gelaflen über alle einwoner des landes, den nym war 
ich ruf, (fpricht der HErr allen gefcblechten vnd könig^reichen) 
gegen Mittemacht, vnd üt werden kommen, vn eynyeder 
wird feinen thron vor den pforten Hierufalem, vnd gegen 
allen ihren rinckmauren herumb, vnnd gegen allen iletten 
Juda fetzen. Vnd ich wirt mit ihnen mein gericht fprechen, 
wider alle ihre übelthaten, das fie mich verlaflen» vnd 
frümbden Göttern gereücht, vnd ihrer eygen handtwerck 
angebettet haben. Darumb fo begürdt dir deine lenden, 
vnd mach dich aufF, vnnd fag ihnen alles das, fo ich 
dir beuelchen wU, vnd log das du dich nicht vor ihnei^ 
cntfetzeft, damit ich dich nit verzagt mach gegen ihnen. 
Denn fihe, ich4iab dich heüt zu eyner vefien ftatt, vnd 



XU fehr merkwürdigen Bibelausgabe u. f. w. 213 

ssu ein^r eifnen feul , rn eyner ehrinen maur gemacht , 
dem gantien landt zu wider, gegen den königen Juda 
vnd feinen füf ften , gegen feinen Prieftern vnnd den 
gantzen landtvolck. Sie werden j.ha wider dich kempffen, 
aber nichts vermögenn. Vrfacb, ich byn bey dir fprichc 
der HEEIR , dich ^\x erietten. < 

^ Das ander« Capit. 

» Fmer gefchach des HERREN wort zu mir fprc- 
ehende , Gang hyn vnnd Tchrey Hierufalem zu obren , 
vnna^lprich, Alfo redet der HErr, Ich hab an die genad 
die ich deiner jugent beweyfen, vnnd an die lieb, die 
Ich zu deiner fchöne gehept hab , gedacht , da du mir in 
der wüfte, in eym vngefeetenn lande nachgiengeft. Ifrael 
was dem HErrn geheyliget, cynn erftling fcihs einkommens, 
alle die es ftretzen , werden Geh verfündSgen , vngluck 
"Wirdt ihnen begegen fprach der. HErr. du haufs Jacob, 
vnnd ihr alle gefchlecht des haufs Ifrael , höret das wortt 
des HErren, des alfo fagt. Was hat doch cuweren vättem 
an mir gefeilt, dz fie fich vo mir geeuffert haben, vnd 
der eytelkeyt riachgehengt , dauon fie auch eitel worden 
ftind ? vnd betten vngern gefprochen , Wo ift der HErr 
der vns'aufs Egyptenland't heraulF gefürt , vnd vns durch 
die wüfte {.dz eyn öd grübig, dürr, vnd eyn fehr fiafter 
landt ift) gewifen hatt, ja durch eyn landt, dardurch 
niemandts wandelt , vnd kcyn menfch dafelbcft wonet ? Ich 
aber hab euch in eyn fruchtbar landt bracht , dz ihr feine 
befte frucht nieffeten. Da ihr aber erein kämet, habt it' 
mein landt verunreynigt , vnd mein crbfchafFt züm Grewel 
gemacht. Die Priefter betten vngern gefprochen. Wo Ift 
der HErr ? vnnd die mit dem gefetz umbgehen, kennen 
mich nit , vnd die hyrten feind zu fchehnen an mir worden. 
Die Propheten habe durch Baal geweiflagt, vnnd feind 
vnhülfBichen dingen nacbgangen. ^ienimb ich noch mehr 



» SI4 Stdmr^s JMcht. «incr bisher iinbekanoten 

mit euch yn mit efiwcm kmds kmdea hadd^ wil, fpricht 
der HErr. Dann ziehet in die Infein Cithym vnd befehend. 
Schigket gen Kedar ynd h({eiit eygendiph er&ren, vnd 
berehet, ob yrgent defsgleycben bofch^hen fey, ob auch 
die Heyden ihre Götter (die ^och nit Götter feind) ver« 
ändern (eic mein volk fein ehre umb eyn vnhülffltchs 
▼erändert. O ihr hymmel yem^unclert euch, la(st euch 
grauwen, vnnd encfetzt euch fehr über follichs ipr^cht 
der. HErr. Dan mein yolck hat zwey übel begangen, 
Mi^h eynn hrunnen lebendige MrafTer haben fie verlaflen, 
vnd ihnen Cyfternen gegra^^en, ja zerbrochqe Cyft^men, 
die l^eyn waiTer fahenn«'^ ^^. 

Darauf folgt denn wieder Luthers Ueberfetzung , und 
geht fort durch alle Propheten « bis zu Ende derfelben. 
Die apokryphiC Bücher insgelammt aber, find die Verfion 
des Leo Jud, die bekanntlich 1^*9* zum erften male 
heraus gekommen , ynd ift ihnen auch die Vorrede defleU 
hcn vorgefetzc. Wenn diefes bey d^n frühem Köphl. 
Ausj^ben gefchehen ift , fo konnte es nicht fehr befrem« 
den* Luther hatte damabis die apokryphif. Bücher noch 
picht überfetzt. Aber warum bey einer Ausgabe von 
M. p. XPCXV— XXXVL wo Luthers üebeTfet:?ung diefet 
Bücher, fchon vorhanden war» noch die des Leo Juds 
gebraucht- worden ^ begreif ich nicht. Der Tei^t der im 
N. T. angetroffen wird, richtet (ich gröfstentheils nach 
der LutheriC Auegabe von is^y. in g. IVIan liefst alfo 
hier z. B. Matth. 4,4. Der menfch wirdt nitt emeret 
vom birot alleyn. J\^arc. j, 21. er wirdt hynweg feyn«. 
Kap. 4, )6. Vnd da das volck verlaflen was, n^men fie 
jhn. Rcem. i , 2|. in eyn bilde gleich dem vergenglichenq 
menfchen. Doch richtet er fich auch zum qfterii nach der 
allererften Ausgabe von 1^22. $0 heifst es z. B. Matth. |, 
9. nur im Schweitzerl. Dialeckt , der überhaupt in diefer 
A|is|;abe häufig gebraucht ^ird : b.ef][ern4 euch. .Alarc. 6^^ 



u. fehr merkwürdigen Qibelausgabe u. {.vr. 215 

liitgent weniger dann daheym vnd bey den feinen« f. 12, 
piaa folte fich l^eflern, Roeoi. 12^ 14. benedeyet vn ver« 
«naledeyet nicht Apoc. ) , 9. aufs der fchule. Kap« 8 > i* 
4as dritte fiegeL Luthers Randgloflen find durchaus im A. 
V. im N. T. weggelafiCen. Nur Gen. i , 2. ift das, was ibnft 
8Un Rande 9;i\ fteh^ p&gt , hier in den Text felber mS- 
genoinmen 9 9JUb dafs es heilst: vn der wind od' geift Gott 
^chwäjbt ^ß: de waffer. Und Gen. 4, 17— r- 2 2. ftehi; hief 
am Randie die Anmerkung, die ich fo|ift nirgead gefunden; 
9, jder erfi d'zwey w^iber napi, die ^rft, (tat der weiti 
Pi« erften Erfinder 4.es feitefpiels. fchmidwerks« " 

Wa« nun weiter die Vorreden anjlangt , die in diefer 
Bibel, den heil. Bücliern yorgefetzt find, fo tragen, auch 
diefe allerdings etwas bey , .diefdbe fehr merkwü|:dig zii 
flachen. Dem Text nach , follte man im A. T. die Vor. 
reden vermutl^en, die fich in di^r Lu^ther. iVusgabe von 
i^H- befini^Q. Das ifi: aber nichts Nur vor dieni, Hioh 
und V9|r den S.alomon. Slchriften , findet man die Vorreden | 
wie fie in der befagten Ausgabe anzutreffen , nän^, von . 
den Sak)m0n, Schriften» blofs dje, die f^^b anfängt: 
I>rey Bücher haben den Namen Salpmonis. Di& ail^rerfta 
Vorrede aber vor dem er^n TKeil di^er Bibel ifl: picht 
die, in der Au%abe von i,s}4* föndem wie ich bereits 
oben gefagt habe, die in der allere^ften Origina^usgabe 
von isaj. befindliqhe. Dia Vorrede , die in der crftea 
Ffalter- Ausgabe von i^Z^. dem. P&lter nachgefetzt i&^ 
und die fich mit den Worten anfängt : Es iftdie bebraifche 
Sprach u. f. w* ift hier dem Pfelter yorgefetzt, und dje, 
die Luther is38. zuerft dem. Pfake» beygefügt , und die 
bemäch imm.er auiqh 151^4. beybehaiten worden , ift hier 
ypllig weggelaffen. Und vor den Piropbijten , ift hi^r nicht 
diejenige Vorrede, die Luther den £ammtlichen Propheten 
voran gäben lai&n, fondem nur die Vorrede in Jefajani, 
«lit der. er die qin^lnq Apig^be. di^fesfrophetj^nan^^LicM 



^ 1 6 Steiners Belehr, einer bisher unbekannten 

treten lafTen. Die Vorreden aber, die dem gefkmten N. T. 
vorangehen fowohl, als die /vor den einzelnen apoftoirchen 
Briefen und der Offenbarung Johannis , ftehen alle hier 
unverändert, wie fie in der erften "Wittenberg. Original, 
ausgäbe von 1^22. zu finden. Das Ende der zweyten 
Vorrede , vor dem ganzen N. T. hutec alfo hier noch fo : 
» Darumb ift Sanft Jacobs Epiftel eyn rechte ftröewine 
EpUUl, gegen diefen, dann fie doch keyn Euangelirche 
art an ihr hatr« Doch dauon weiter in andern Vorreden. " 
Diek Vorreden vor dem N. T, fo wie alle im A. T. find 
mit fortlaufenden Zeilen , die vor den apoftol. Briefen und 
der Apokalypfe aber, wie d!e Bibel felbfi: in Kolumnen 
gedruckt, und nirgends , auch nicht bey einer einzigen 
des Namens Lutheri Erwähnung gefchehen. 

Es wird nöthig feyn , dafs ich jetzt auch über die 
Holzfchnitte, die in diefer Ausgabe häufig zu fehen find, 
ein Wort fage. Sie bilden bald die Verfaifer der biblifchen 
Bücher, bald die Gefchichren ab, die da wo fie vor- 
kommen erzählt werden. Doch trift das letzte nicht immer 
zu , weil ein und eben derfelbe Holzfchnitt mehrmalen und 
alfo wie leicht zu erachten, auch bisweilen da vorkömmt, 
wo er nicht hin gehört. Der Holzfchnitt z. B. der den 
Thubaikain vorftelic, itehtGen. 1 1. i. Chron. i. Cap. 2|. 
und Neh. ). ohne dafs man eigentl. fagen kann , was er 
da thun foll. Sie find bald gröffer, bald kleiner. Die 
gröffem find gemeiniglich 14. Zeilen hoch, aber nicht 
ganz fo breit als die Kolumne , daher zu Ausfüllung des 
Raums, bald auf der rechten , bald auf der linken Seite , 
eine Buchdrucker - LeiRe angebracht iit. Die kleinern find 
1 1. Zeilen hoch und (o breit als die Kolumne. In Anfehung 
der Kunfi: aber find fie alle , fowohl diefe als jene , von 
geringem Werth. An zwey Orten , nämlich zu Anfang 
des Propheten Jefiijas und Jeremias , findet man Holzfchnitte , 
die 19. Zeilen hoch , aber nicln die Hälfte der Kolumne 



u. fehr merkwürdigen Ölbelausgabc u. f. w. 2iT 

breit find und vermutblich die beeden Propbieten vorftellen 
{bllen. Uebrigens kommen fie im A. T. öfter als im N.- 
Z'jm Vorfchein. Denn nur allemal zu Anfang der Evange- 
lien und der apoftol. Briefe , fieht da einer , der bald mit 
bald ohne Einfaflung den H. Verfafler abbildec Die ApofteU 
^fchicht allein macht hier eine Ausname , als in welcher 
zu Anfang , nicht der VerfaiTer , fondern die Au^eflung^ 
des h. Geiftes vorgef^ellt wird. Die nemliche Vorfteliung 
fteht auch zu Anfang des zweyten Kapitels , und zu Anfang 
des neunten Kap. findet fich das abgebildet, was mit Paulo*: 
auf der Reife nach Damaskus vorgegangen iit. In der' 
OiFenbahrung Johannis hingegen, wo fonll die metflen 
Holzfchnitte, auch in den bisher bekannten Köphl. Aus- 
gaben, pflegen angetroffen zu werden , id hier aulTer dem, 
der zu Anfang fleht und den h. Johannis vorfallt, gar 
keiner zu finden , welches denn wieder diefe Ausgabe , 
vor andern gar merklich auszeichnet, '^ 

* Endlich da auch die Druckfehler in einer Ausgabe » 
dazu gebraucht werden können. Jemanden der allenfalls 
ein defektes Exemplar davon befitzt und nicht weifs , 
was er daraus machen foll, auf eine fiebere Spur oder 
fonit auf neue Entdeckungen zu leiten ; fo will ich auch 
von diefen einige d.er auffaliendflen bemerken , die mir in 
diefer raren Edition vorgekommen find. Z. B. in den 
Ffalmen , gleich von vorne herein , auf der vordem Seite 
des dritten Blatts , fleht in der Ueberfchrift : Hiob , anflatt 
dafs es heißen follce : der Pfalter^ Auf der nemlichen 
Seite , ift auch fonft mehrmalen , die Blattzahl falfch« 
Denn es fteht X. anftatt XVIIL Im CXLVIL ?£. im .6. f. 
fteht : der NERr richtet auf, anftatt : der Herr richtet auf. 
Im dritten Buch Efsra, auf der Rückfeite des VIIL und 
auf der Rückfeite des IX. Blatts , fteht allemal das viert 
Buch anftatt : das dritt Buch und auf der Vorderfeke des 
gedachten IX. Blatts, beiist es in der Ueberfchrift: Erze, 



I2S Stmcr'iBefcbr« einer bisher Unbekannten &c. 

mifbtt Ezn So fteh( auch im Evangelio Matthäi , oben 
auf der elften Spalte deaXIIL Blatts: das XVIIL Qapitel, 
anftatt: das XVI* Capitel Qod in der Ueberrchtift des 
CVII. Blatts ftebt: an die Römer» 9nf^tt, isSs es beUTen 
IbUte: aa die Corinther. 

Und nun , wenn ich noch angezeigt , dafi <Ke Zahl 
c|er Capitel bald durch Rom. Zahlen, z. B, das IV* Qapitel, 
IVigegeben , bald ganz ausgedruckt wecde « wie as. B. zu 
Anfang des Hiobs » das ander Capitel ; fa hoff ich alles 
Hefiigt zu haben , was zur genauen und richtigen Kenntnifs, 
diefer bisher gana- unbekannten wd hochft merl;w^rdigel^ 
iibebusi^, nöthjg gewefim ieyn durfte. 



»I» 

III* 

RECENSIQNEN NEUER BÜCHER, 



I. 

M, Q. W. Panzers ältefte Buchdruckcrgcfchichte 
Nürnbergs, oder Verzeichnis aller von Erfin- 
dung der Etu^bdruckerkunfl; bis 1500. ii| 
Nürnberg gedruckten Bücher mit licterarifchen 
Anmerkungen. Nürnberg in der Grattenaueri. 
fchen Buchhandlung 1739« ?5 Bogen in gr. 4. 
snit einer Titel -Vignette, welche das Buch« 
druckerzeichen der erften Nürnbergifchen 
Buchdrucker, Johann Senfenfc^ipif) u^d An- 
dreas Frifsner, vprftcllt. 

Je mehr die ältefte Gefchichte der Buchdmckerkiinft in 
einzelnen Städten aufgeklärt wird : deflo eher können wiv 
yns Hofnung machen, einmal ein^ voUftändige Gefchichte 
der Erfindung der Kunft, der erften Buchdrücker und der 
älteften Impreflen zq bekommen, an der es uns immer 
noch fehlet. Vorgearbeitet ift nun fchon vieles ; aber eben 
fo vieles ift noch voll Dunkelheit und Ung^wifsheit ^^ 
obgleich diefe Gefchichte jetzt ein Lieblingsihidium mancher 
Litterätoren ift. Der H^rr Schafler Panzer^ der fchon lang 
in diefem fruchtbaren Felde der Litteratur mit gröfstem 
Huhm gearbeit hat , liefert pns hier alles , was wir in 
diefem Stück von Nürnberg zu wiflen verlangen können ^ 
mit dem unverdroflenften Fleifs , und der gröfsten Genauig- 
keit, zugleich auch fo richtig und voliftändig, als ma(\ 
nur erwarten konnte. In dem Vorbericht wird von den 
^heften Nünberger- Buchdruckern gehandelt, und hier 



MO Panzers ältede Buchdruckerg. Nürnbergs. 

mußten alle Nachrichten aus den älteften Denkmälern der 
Kunft felbft mühfam zufammen gerammelt werden , indem 
es ganz an archivaliTcben und andern glaubwürdigen Nach- 
richten gleichzeitiger Gefchichtfchreiber fehlet. Das Jahr 
1470. ift das erfte gewifse, unter welchem man ein zu 
Nürnberg gedrucktes Buch findet. Höchft wahrfcheinlich 
aber giebt es ältere Produkte der Nürnberger Pceflen , zu 
welchen die Buchdrucker nach der damaligen fatalen Mode 
ihre Namen nicht fetzten , daher wir jetzt nach mehr 
als ;oo Jahren uns oft genöthiget fehen, -«^(icher^ oder 
.Unficher — zu rathen. Ausgemacht und bewiefen ift es 
nun hinlänglich, daß die erften Buchdrucker dafelbft keine 
andern waren, als Johann Senfenfebmid von Eger , Heinrich 
Kefer von Mainz und Andreas Frifsner von Wunfidel, von 
Welchen allen , fo wie von den folgenden bis 1^00 fo viel 
Sachliche gegeben wird , 2h aufzufinden w;ar. Darauf 
folgen : Johann Regiomontanus , Anton Koberger « und 
zugleich mit ihm , oder vielleicht noch vor ihm Friedrich 
Creuisner , das AitguftinerkloAer zu Nürnberg ^ Conrad 
Zeninger , .Petrus Wagner oder Currifex» Georg Stuchs 
von Sulzbacb , Marx Ayrer » Peter Vifcher, Hans Hofmann « 
Hans Mair, Cafpar Hochfeder» Albrecht Dürer und Hiero- 
nimus Höltzel von Traunßain« Darauf wird von Röders 
fchon 174.2. edirten bekannten caiaiogo librorum qui 
Saecuio XF. Narimi^rgae impreß Ju»$ geredet , weichet 
zwar mühfam zufammen getragen , aber höchft fehlerhaft 
und unzuverläfTig ift. Herr Panzer konnte» ohngeacht^t 
feiner ausgebreiteten Kenntnifs in diefem Fach , feines 
feltnen Glückes , fo viele alte Drucke felbft in die Hände 
und unter die Augen zu bekommen, und feiner unermü. 
deten Gedult weiter nachzuforfchen , diefes Verzejphniß 
doch kaum mit %o. neuen Artikeln vermehren J und 
behielt alfo für den Zeitraum von )o. Jahren nur ))g. 
Schriften übrig , die zu Nürnberg gedruckt find « fxir 



Panzers ältefte Buchdruckerg. Nürnbergs, zztc 

deren Exiftenz er aber bis auf einige wenige flehen kann. 
Dagegen mufste er von Köders angegebenen 48 x* Numern 
fafl 200. Stücke wegweiren , und gröfstentheils als unrichdg, 
2uni Thcil aber auch als zweifelhaft verwerfen. Er nennet 
diefes felbft eine faft unbarmherzige Strenge, mit welcher 
er das Unkraut von dem Waizen gefchieden hat, und 
bittet um Belehrung , wenn er über manche von Rödem 
angeführte Ausgabe vielleicht zu voreilig den Stab gebrochen 
haben follte. Diefes war mir Ermunterung, alle diefe 
Tinfichern und zweifelhaften Bücher in verfchiedenen an 
alten Drucken fehr reichen Kloilerbibliotheken in Baiern 
und Schwaben , und den VerzeichnifTen ihrer anfehnlichen 
Sammlungen mühfam aufzufuchen, und einen Verfuch zu 
machen , ob es nicht möglich fey , das wirkliche Dafeyn 
einiger folcher Ausgaben zu beweifen. Nach langer uner« 
müdeter Vergleichung entdeckte ich kaum eine von denfelben 
als zuverläffig und gewifs; und mufs alfo fafl: über alle 
den Stab noch einmal eben fo ftreng brechen , als Herr 
Panzer felbft. Fatal i(l es immer, dafs Röder fo unfichre 
Correfpondenten gehabt haben mufs , die bald eine falfche 
Jahrzahl , bald den unrechten Druckort angegeben haben. 
Derm die Bibliotheken , die er zum Beweifs anführt , z. E» 
zu Zwickau ', Lüneburg, Freyberg, Gottwich, u. £ w. find 
immer wichtig genug. 

Merkwürdigkeiten anzuführen , wo fo vieles merkwürdig 
ift, wäre .zu weitläuftig. Alfo nur etwas weniges, und 
einige Zufätze ! Aus der Aenlichkeit der Lettern hat Herr 
P. bey verfchiedenen Büchern den wahren Buchdrucker 
entdeckt, der figb felbft nicht genannt hat. Und ficher 
darf man feinem fcharflichtigen Auge hier trauen, da er 
eine fo groife Menge alter Drucke gefehen und mit einander 
verglichen hat. So ift gleich bey dem allererften mit 
beygefügter JahrZahl zu Nürnberg gedruckten Buch : Fram^ 
sifci de Rftza cQmeßQriumvitiorum 1470. deutlich bewiefen,! 



tu Pannen alttfkt Bachdruckerg. Nürnbergs. 

dafi die Buchdroker niemand anders , als Johahn Senreii« 
fbhmid und Heinrich Keler feyn können« Dagegen wird 
abermalb Heinrieh Rumel in der Lifte der erfien Nürnber- 
.girchen Buchdrucker ausgeftrichen und bewiefen, dafi er 
nichts anders , als Korrektor und Editor gewefen ift. S. 19. 
wird bey des Nie. de Aufmo Suppietiunto Summae , ^at 
Magißrutia fnt PifantOa nuncupatur , die MuthmafTung 
gewagt, dals die Pifaneßa niemals anders, als mit dem 
Supplement gedruckt worden fey, obgleich andre und erft 
neuerlich Herr Seemiller, das Gegenthetl behaupten. Es 
ifttu wünfchen, dafs andre, die Gelegenheit dazu habend 
bey Betrachtung oder Befchreibung ihrer Eicemplare diefe 
2;fcht ganz wahrfcheinliche Behaupturfg näher unterflichen 
mögen« Herr Seemiller hat folches in feinem dritten 
FafcikelS. !)6i gethan, und abermalig gezeigt , daft die 
Sumnia wirklich ohne das Supplement gedruckt forden ift 
S. 2d. wird von der bekannten biflorica lombardica gefagt^ 
Herr Mafch habe ) 4. verfchiedene Ausgaben davon angezeigt^ 
die vieBeicht mit mehrern vermehrt werden* könnten. 

Ich habe vor langer Zeit einmal ein Vefzeichnifs derfel« 
ben gemacht und weit über hundert gefunden. Wenn ich 
auch zugebe , daß ein guter Theil derfelben unficher feyn 
möchte ; fo hoile ich doch noch das Dareyn von mehr als 
80. derfelben beweifen zu können. Freylich ein fehr 
unangenehmer Beweifs eines höchft verderbten und äufserft 
fchlechten Geichmacks! Wenn es S. ;9. heiflet: Blaufufs 
mache aus dem Job. Andreae einen Job. de Anania , ib 
möchte ich lieber fagen : er fchreibe diefes Buch des J. 
Andreäe dem J. Anania zu. Denn ein Gelehrter diefes 
Namens ift wirklich bekannt Bejj der Nürnberger Ausgabe 
Actfermonum difcipuli de tempore 1480. wird S* 56. die 
Anmetkung gemacht , vielleicht fey der Verfaffer gar ein 
ȟmbetger gewefen , wcnigftcns feyen diefe Sermonen 
dafabft am dfterßen gcdrudct worden. Herr P. fährt 5. 



Panurs älteße Buchdrackerg. Nürnbergs, •az^ 

Ausgaben m^ Ich mufi aber fagen , dafi fie, andrer 

Ausgaben nicht zu gedenten , zu Straftburg wienigfteni 

auch i oder gar 6 mal vor 1500. gedruckt worden find. 

Darauf heifst diefe Eobergerifche Ausgabe 1480. die erlitt 

von diefer Sammlung. Es wird aber doch die Frage feyii, 

gb ihr die von Lackmann in feinen typographifchen Aunsdeil 

S. 1x4. angegebenb Rofliocker Ausgabe 1476. diefen Rang 

nicht Ifareidg macht. Wenigfiens fehe ich keine Urfache^ 

warum an der Richtigkeit diefer Jahrzahl zU zweifeln feyn 

foUte. Bey Num. i^}. At^onini Summa wird S. xo2. der 

befondere Regifterband angefiihrt , welcher von Rödern nicht 

angezeigt worden feyn foU. Hier hätte ich faft Luft^ 

Ködern zu vertheidigen , der fo feiten vertheidigt werden 

kaiui. Er fuhrt wirklich von diefem Regifter^ da& aucA 

in der Sammlung des Stifts S. Mang zu FülTen , und, wo 

ich nicht irre , auch in der Erlanger Univerfitats»Bibliothek 

ift, NunL 2)4. die Unterfchrift eben fo an^ wie Hert . 

Panzer , nur dafs er fiatt : imprejja ac iterutH atqut iterum 

liefst: in^reffk acriter ätque iterum. S; 104« wüi\dert 

mich , dafs der tbefaurus fermtmum de tempore 1487« fo 

aus Röders Num. 2^7. blofs angeführt ift^ nicht als ein 

befonderes Buch gezählt und angefetzt ift. Ich habe ihn 

in der Klofterbibliothek in "Weingarten , üiid in Herrn 

Gemeiners Nachrichteil von der Regensburger BibL S. i68* 

angetroffen. S. 109. wiüd an der Nürnberger Ausgabe det 

Summa Baptifiiniana 1484* gezweifelt. RöderhatfieNum. 

207. aus Orlandi Und diefer nach Gewohnhdt vermuthlich 

aus dem Beughem. Ich kenne fie aus einer andern Quelle , 

des Anton Reifers indeai MS. bibliothecae Auguflanae 

1679. will aber doch nicht gan-ii für ihre Richtigkeit 

liehen. Die S. ii). aus Clement n. (foU heiflen: pag.) 

IS 7- angeführte Nürnbergifche Ausgabe von Bercborii 

repertorio 1477. führt auch Herr Mafch in feinen Bey- 

trägen S. s)i. an« Von dem bekanutcn amfidfftarikf 



«24 Panurs ältefte BuchHruckerg. Nürnberg?« 

atiimae werden SL i)f. zwey Ausgaben 149?» und 1494. 
zweifelhaft angeführt Als. Zeuge für die erftere mag hier 
Janozki im vierten Theil feiner Nachrichten von den 
•ieltnen Büchern der Zaluskifchen Bibliothek S. 107. flehen. 
Bey der letztern aber , deren Herr Schrank aus der Biblio- 
thek zu PoUingen gedenket, ift kein Druckfehler möglich , 
und er hat recht gefehen. S. i)}* Num« 223. Modus 
legendi abbreuiaturas ift eine Sammlung , welche eiae 
weitläuftigere Anzeige verdient hätte. Ich habe eine folche 
in dem zweyten Stück diefes Magazins S. 272. aus einem 
Exemplar der Klofterbibliotbek zu Irfee gegeben. Von Num. 
294. S. 161. jiureola &c. fuhrt Herr Seemiller FaTc. f. 
pag. IS 6. eine Ausgabe nicht von ;g. fondern 41» Blättern 
%n, und zwar mit einer Unterfchrlft , davon hier nichts 
gedacht wird. Faß vermuthe ich , es möchten zweyerley 
Ausgaben ohne Jahrzahl vorhanden feyn , davon aber eine 
nicht zu' Nürnberg gedruckt ift. Von Num. 312. S. 171. 
expoßtto ßtper canonem mijfae ohne Jahrzahl von Friedr. 
Creufsner vermuthe ich zweyerley Ausgaben. Herr Placidus 
Braun in feiner notitia de libris ab artb typograpb. in* 
uentione vfque ad annum 1479. impreßs &c. pag. gg. 
num. 121. führt eine nicht auf 12 y fondern auf 14. BL 
an , und eine ähnliche habe ich in der Inkunabeinfamm- 
lung des Stiftes S. Mang zu Füflen angetrofien , wo ^\^ 
Schlufsanzeige auf der Rückfeite des. i4ten Blatts fteht. 
S. 17 J. Num. 316. J17. find zwey Creufsnerifche Aus- 
gaben von Jo*. Andreae traä. fuper arboribuf confangui^ 
nimis &c. ohne Jahr befchrieben. Herr Braun 1. c. Num^ 
)i6. )i7.*befchreibt auch zwey, wovon aber eine nur 
Creufsners Lettern , aber nicht (einen Namen hat. Von 
der erften fagi Herr F. ganz zuletzt ftehe obige Anzeige , 
( imprejfum per Fr. Creufsner de Nurmb. ) folglich fehle 
der arbor cognationis fpiritiialis. Mir ift es nicht deutlich , 
wie diefes folge. Aber aus^ ejner Anzeige, wie fie Hers 
» Braun 



Panzers ältefle Buchdfuckcrg. Nürnbetgs. ialj 

t^fann angiebt , nioclite es eher folgen • expUcit ieüurd 
fuper arbon confan. &f affi^ Jobanis andree, Herr Brautl 
Kählt vier Creufsnerifche Ausgaben, zwey ohne Jahr, und 
1477 und 1481* in feiner Bibliothek« Herr Panzer aber 
fiührt f mit der Jahr2al an« (Denn S« 17). foUte tin. 4^ 
I3^ch 148)* ftehen 1488.) und drey ohne Jahr, davon 
ftber eine nur in der Anmerkung^ ohne fie befoiiders zü 
fcählen, flehet. 

Von den meiden Büchern habeich In verfchiedeiien , 
befonders Klqfterbibhotheken andre bisher unbekannte 
Exemplare angetroffen , die ich aber nicht anführen will ^ 
Weil ihr Dafeyn fichei^ bewiefen ift. Am wenigden habe 
Ich Exemplare von folchen Büchern> angetroffen « davoi\ 
Herr P. felbft noch nicht viele kennet ^ und von denen 
keines zu Nürnberg , oder Altorf ift* Von diefcn >il! ich 
%um belfern Beweifs ihrer Exiftenz eine kleine Probe 
geben« Num« 47. Tbontar de Aquino de arte predfcandi 
1477. ift auch zu Ingolftadt 4 Rebdorf und Buxheim« 
Num* 70. Soliioquium 1479« ift zu Buxheim. Num. 7J'* 
Durand! rationale 1480. zu Irfee. Num« 92« Gtäüerini 
poßißae 1481« beftätigt auch Herr ISeemiller Fafcic. IL 
tag. 80. Num. 1 10. aber bibiia tatina per Aman. Koberger 
148). konnte ich nirgends finden. Num. 116. Vigeßuni 
fiouum, %^i%. ift in dem Auguftmerklofter Rottenbuch in 
Baiern« Nüm. t2o« Vincentii fpeculum bißoriale 148)* 
auch Zu Rottenbuch ^ Ingolftad; und Irfee. Num. 142. 
Inßitutione: i486« nut zu Rottenbuch« Num« 16 6. Codeii 
Jüßiniani See, 1488. zu Weingarten. Num. 170. Guiffeimi 
poßitia 1488* zu Buxheim, wird auch in den Maittairifchen 
Annalen und in des Herrn vorf Mutr Journal , Th. Vi« 
S. )s- angeführt. Num. 204. Dlurnale 1492. kenne ich aus 
Janozki 1. c« Th« IV. S. 102I Nuiii« 22 j« Modus legendi 
abbreuiaturas 1494« und Num. 227. Sermones difcipuli 

Meufels Mag^ ^tes Stück* V 



ft26 Panzers ältcfte Buchdruckerg. Nürnbergs. 

1494. find zu Irfee. Num. 2)2, Vocabu/arißU breuiioquut 
1494* wird vom Hocker S. 286. zu Heilsbronn angeführt, 
und follte alfo jetzt zu Erlangen feyn. Num. 236. Hiero^ 
nymi epißolae i49f. wovon nichts, als ^öder angeführt 
ift, ift zu Irfee. Num, 2; 8* Dionyfii Cartbuf, Specula 
149^. ift zu Erlangen , Buxheim, Rottenbuch und Füersen. 
Num. 246. Meffretb bortuhts reginae ^496. zu Jena, 
Bottenbuch, Irfee, Weingarten. Num. 2$)* J* '^yder 
fracceptorium 149.6. ift zu Buxheim. Num. 2^6. Sermoner 
quadragefmaUs 1496. find zu Weingarten. Num. 261. 
Ttiüitis de orätore 1497. zu Irfee und Lübeck (Suhl p. 6|.) 
Num. 270. Vocabularim breuiloquuT 1498- zu Füefsen. 
Num. 272. Mijfale Saiisbitrg. 1498. zu Rottenbuch. 
Num* 2^}. Epjio/a R. Samtulis 1498* zu Buxheim. 
Bey Num. 279. Guillerini poßilla 1499. beziehe ich 
mich auf des Hrn. von Murr Journal, Th. VI. S. ^9. und 
d^s feel. Lorks üeyträge zur ßibelgefchichte , Th. IL 
,S. 290. bey Num. )i4. decijio conßliaris auf Herrn 
S.-emillers zweyten Fafcikel, S. 140. und bey Num. 126. 
Tuciti Germania auf eben denfelben S. isi- fo wie auch 
bey Num. j?o. Legend von Kaifer Carls ßreyt ^ den 
derfelbe S. 141. anführt. Num. %\6, de cbriftianornm 
fniunipbis fleht auch nicht nur in Herrn Seemillers zweyten 
Fafcikel S. 141. fondern ift auch zu Füefsen« — Daft 
Herr Panzer immer zugleich die Fehler anderer Litteratoren 
und wichtige Fehler des Solgerifchen Catalogi ausbeifert , 
das erwartet man von feinem Fleifs , wenn ich es auch 
nicht fagte. 

AufTer ein paar fchon beyläuflg angezeigten ausgelafs« 
nen Nürnberger Kod^kten erforderte es nun auch noch 
die Recenfenten- Pflicht, eine Nachlefe zu liefern. Allein 
dicfe wird bey der reichen Erndte nur fehr klein ausfallen. 
In der Klofterbibliothek zu Rebdorf befindet fich Figure 
donati adorffndaäe in profam cum additionibus Jobannis 



Pamirs ältefte Buchclrückerg. Nürnbergs. 227 

de Scberdingen — — Impreffltm Nurenberge arte Sf 
diligentia anno 1491. quarta feria pofl Quaßmodogeniti. 
4. M. f, davon Herrn Straufs opera rariora p. 26 j. Lork 
in dem zweyten Theil feiner Bibelgefchichte S. 389- (und 
aus ihm Herr Mafch in der Bibliotbeca facra Vol. IV. 
pag. 417.) hat mich folgende Ausgabe kennen gelehrt: 
I^afHßu doniini Guißerjni fuper epiflolif £f euangeliis 
dominicaiibus vna cum de fanSis fecundtim fenfum iit- 
UraUm coOeSa. — J^nno labente deitatis MCCCCXCIIL 
PcJiiUa •— — in Nurenbergk ciuitate imperiaii per An- 
tbouium Koberger inibi (oncirtem imprejfa 4. Zu dem 
Jahr 1496. fäge ich aus den Janozkifchen Nachrichten, 
Th. IV. S. 102. Vey: Obfequiaiiunt benediSiomtm opus 
eximium: arcbiteSonica arte : impenßs : ac indußria 
Georgii Stücbs de Sultzpacb Ciuir Nurenbergenßf fecun- 
dum ordinarium ac Rubricas alme Pragenßs eccleße : 
caraffere iocondijßmo imprejfum* Anno a natiuitate verbi 
inteOigibilis Nonagef. fexto fitper miüeßmum ^ quadrin^ 
geuteßmum fexto decimo Kalendas Maias finit feliciter \ 
in grofs 4. auf 77. Blättern. In der Bibliothek des Stifts 
S. Mang zu Füefsen befinden {ich die beyden folgenden 
Stücke: Compendium tbeologicae veritatis ohne Jahr, in 
folio auf 147. Blättern mit 37 Zeilen , welches der Herr 
Bibliothekar Helmfchrott für Nürnberger Lettern erklärt , 
indem iie völlig denen ähnlich find, welche Herr Placidus 
Braun bey feiner notitia , Tab. V. num. Vlil. als Nürn- 
bergifche hat abzeichnen laßen. Zu diefem ifl hinzuge« 
fugt , weil es fonft , \ue es heifst , kein ganzes wäre , 
doch befonders abgedruckt : Fratrir Bernoldi ord. Cißer* 
tienßs tbemata in ßngulis iiebus dovHinicis gf feßiuis 
praedicabilia , 4?. Bl.^ in foüo. Die Lettern fcheinea 
dem Conrad Zeninger ähnlich zu feyn. Von beyden hat der 
Herr Bibliothekar in dem Verzeichnifs alter Druckdenk* 
male Th. IL S. 52. 5}. nähere Nachricht gegeben. -— 

P 9 



aag Pwners ältelle Büchdruckcrg. Nürnbergs. 

In Herrn Scemillerff zwcytcm Fafcikcl finde ich S. 170^ 
TraHtUüs Anfelmi de fianSu Mariae 4. ohne Zweifel 
von Conrad Zeninger um 1481« gedrucke, nur g. Blätter 
mit 41« Zeilen. Unter den alten Drucken in der Bibliothek 
zu S. ühich in Augsburg befindet fich : Akxandti gram- 
maHci f artet quatuor doSrinalis^ Narimb. A. Koberger 
J49S. 4. Augufiini traÜaiur faper Jobannis euangelium 
vxiAfefmones Paraii de tempore 6f defanäit^ beyde mit 
Kobergers Lettern« um das Jahr 14864 Der Recenlent in 
der Oberteutfchen Allgemeinen Lttteraturzeitung 1789. 87* 
Stuck , hat auch einen kleinen Beytrag geliefert. — Nach* 
dem ich fo weit gekommen bin , fo finde ich im Xlten 
Stück der neuen Nürnberger gelehrten Zeitung 1790. 
S. 87* eine neue Entdeckung , die ich hier noch mittheilen 
will. Herr J. F. ^otb hat nemlich in den Urkunden dei 
Nürnberger Carthäufer • Klofters gefunden ^ dafs der oben« 
gemeldete Heinrieb Rumei wirklich als Buchdrucker in 
Senfenfcbmids Gefellfchaft genennet wird. Es wird aber 
richtig vermuthet, dafs der Tod diefe Gerellfchaft bald 
getrennt haben möge. 



229 

a. 

Der AefinKchkek wegen verbinde ich mit dlefcr 

Anzeige gleich die folgende : , . 

ßibUothecae academicae liyolßadienßs incunabula typo^ 
graphica — — iüußrauit Sebaßianus SumiÜer^ &c. 
Fafciculus II L . qui libros compUHitur nota änni 
vnprcjja inßgniteos vltra ducentos & feocqffinta^ 

; tofquc omnes fcxennii fpatio ab anno 1484-^1489. 
imprejjos. Acccdunt übri trißinta Sf amplius nota 
anni impreffa canntes , fed probabilißime quoad 
maiorcm partcm pariter ante annum 1489. imprejß 
Ingolßadii 1789. 25 Bogen in 4. 

13a mir fchon ein gründlichcc Recenfent im 97ten Stüdf 
der Oberteutfchen Allgemeinen Litteraturieitung mit einer 
^eitläuftigen Anzeige zuvorgekommen ift ; fo kann ich 
mich ganz kurz faffen. Herr S. fährt mit altem Fleiß 
und gewohnter Genauigkeit fori , uns mit feinen Schätzen 
bekannt zu machen^ Sind die in diefen Jahren gedruckten 
Bücher fchon gröfsten Theib nicht metu: fo wichtig , als 
(die in den vorhergehenden : fo bleiben fie doch immer 
typographifche Seltenheiten , die einer Beschreibung würdig 
find. Durch bey^efügte Nachrichten von einigen damals 
berühmten , jetzt faft vergefsnen Gelehrten , befonders 
auf der Akademie zaingolftadt werden folche nbch wichtiger. 
Nach einigen Zufätzen und VerbefTerungen zu dem zweyteh 
Fafcikel , folgen S. 6. u. f, die fert 14.84. vorhandn'en 
Sucher felbft^ Die Ausgabe der anathomia Mundini zu 
Padud 1484* ift auch in TheophiJi Sinceri i Scbroiitdels) 
'neuen Nachrichten von lautet alten und raren Bachern 
S^ 14. in der Befchreibung einer Ausgabe Zü Bologna 1482. 
kuxz genennt ^ fonil aber ziemlich unbekannt. Den InnhaU 



230 , Sccmiüeri BibL acad. Ingolftad. 

von Augußini opufculis Fettet. 1484. die hier alle genenm 
find , hat auch Clement Toni> IL p. 276. angegeben. 
So feiten das ntijfaie Romanum Vorimh, 1484* ift : fb hat 
es doch^auch Jano^ki Th. IV. S. 102. Gemeiner S. I2|. 
Panzer in der Nürnberger Buchdruckergefchichte S. 87. 
angegeben. Auch habe ich in dem Auguftinerklofter Rotten. 
buch ein Exemplar gefunden. Num. 20. und 2r. von dem 
Jahr I485. Jo. Concoregii de farticuiaribus aegrüudinitus 
und de curif febriuth waren vorher ganz unbekannt. 
Num. t%. die Ausgabe Salluftii , Venedig I48i- kann auch 
ich bey keinem Bibliographen ^hden , und kenne fcHift kein 
Exemplar, als eins zu Rottenbuch. Auch im Erneiti und 
Hrn. Harles habe ich fie vergeblich gefucht» Nunu ;i. 
Infortiatum 148s- finde ich in der bibliotbejca Scbr^ar- 
ziana Part. II. num. %^i. und ebenfalls 2u Rottenbuch. 
Num. i^ i486. Anton, de Butrio leSura fuhrt Herr 
Panzer in der Nürnberger Buchdrucker Gefchichte p. 8o* 
als ein Stück der Ausgabe von Nicolai Panormitani leän^a, 
Vor. i486, an. S. 60. ftehen gute Nachrichten von dem 
fonfl ziemlich unbekannten Johann Tindtoris. Num. ;2. 
Lombardi Hbri IV. Sententiarum Venet. i486, ift wieder 
eine ganz unbekannte Ausgabe. Aber Num. ^7. Horatii 
Opera Venet. i486, fo Herr S. in keinem Bibli<)grapfccn 
fand , ftehen im Ernefti p. 407. Tom. I. bibliotbecae 
latinae. Von Num. ;. 1487. Y^tx Summa rudium^vAvx 
der zahlreichen Inkunabelnfammlung zu Weingarten 
zweyerley Exemplare mit verfchiednen Abbreviaturen und 
verfchiedner Anzahl der Linien » beyde von Johann Ottmar 
zu Reutlingen 1487. Num. 9« wird bey Baldi commentar. 
in codicem. Venetiit per Nie. Jeufon die Anmerkung 
gemacht, diefer Drucker fey damals fchon todt gewefen« 
das Buch fey alfo blofs mit den von ihm vorher gedruckten 
Lettern gedruckt worden. Die Ausgabe felbft aber habe 
ich eben fo wenig , als Herr S. bey irgend einem Biblio- 
graphen finden könnjcn« Diefes gilt auch von Num. 27. 



incunab. typogr. Fafc. IlL 231 

Autoritates Ariflote/is g^r. Coiofi* 1487. Ahcr andre Aw- 
gaben find, mir bekannt worden. Z. E. in dem Benedikte 
nerklofter Irfe^ ift eine vom Jahr 149R. und eine. 1496* 
durch Conrad Hift zu Speyer, und , in der Carthaus zu 
Buxheim ift eine ohne Benennung des Jahrs , Ortes und 
Druckers. Bey Num. ;o, Vocabularim rerimt 1487. mufs 
ich anmerken , dafs diefe Ausgabe tn Hrn. Panzers Annalen 
fehlet, dafs aber ebenfalls Exemplare derfelben zu Buxheim 
und Irfee find. S^ 9^* beweifet Herr S. noch einmal gegen 
Hrn. Panzer , dafs es von der Smnma. pijanella wirklich 
Ausgaben ohnq das fu^Ieiuemwu NicoLu de Aufin^ giebt. ' 
S. HO. u. f. fteht eine kurze Nachricht von dem Jb. 
An^iluT und Herr S. verfpricht bald eine weitläufdgerc , 
welche dem Litterator gewrfs angenehm feyn wird. — 
Sollte Num. 54* >488. Pttntccii qttaeßiones izirif Sems 
&c. nicht eben die AiMgabe feyn, die oben Num. }. unter 
dem Titel: Confilia,' unter diefem Jahre ftund? Von Num. 
}6. Uieronymi epißoJae Vtnet. 1488. finde ich ebenfalls 
in keinen Bibliographen , aufser Maittaire , Nachricht , 
aufser dafs ' Lambacher S. 116. diele Ausgabe anführt. 
Die Ausgabe von Gerfbns Werken 1488* Num. )9. die 
nach Hrn. Gemeiners Angabe , gar fo feiten feyn foU, 
habe ich doch auch zu Lübeck, Füefsen und Rottenbuch 
angetroffen. Auch gedenkt ihrer aufser dem Clement der 
Herr von Riegger in Aqxv anmenitat. litterar, Friburgen- 
ßbus F^(c. I. p. 74. und FafC. II. p. 210. Num. )g. 
1489. Ouidii faßorwn libri Rom. per Euch. Stiller hat 
Herr Zapf in den Alerkwürdigkeiten feiner Bibliothek B. I. 
S. 72. u. f. befchrieben , und Num. ^i. formu/arium 
termlnorwn Romae 1489. fteht im Litterarifchen Mufeo 
B. IL S. 581. als ein Supplement zum Laire, der diefe 
Ausgabe eben fo wenig kannte , als Audiffredi. Zu Irfee 
]ft auch eis Exemplar. Unter den Büchern ohne Jahrzahl 
finden fich S. 182- u. f. viele zu Rom gedruckte kleine 
Stücke, die äufserft feiten find. 



H* 



Notitia hlftorico-litteraria de Jibris ab anno 1480. 
ufque adannum 1500. impreflis : in bibllotheca 
lib. ac imp. monafterii ad S, S, Vdalricum & 
Afram Auguftae extantibus. Pars fecunda operis. 
Accedunt IIL tabulae aereae, fexdecim primo« 
rum typographorum alphab^ta concinentes. 
Auguftse Vind- fumtibus Fr. Veith , bibliopot. 
1789, 1 Alph. ap Bogen in gr. 4. 

^ jL3ürch den unermüdecen Fleiß des Herrn Bibliothekars, 
Piacidus Braun^ haben wir alfo diefes yortrefliche Ver. 
zeiqhnifs nunmehr voliftändig. Die ganze Sammlung iß 
anfehnlich genug, indem fie weit über taufend Stücke 
beträgt, und Hr. Braun verdient allen Dank der Littera- 
toren , dafs er uns mit derfelben bekannt gemacht hat, 
Pie Vorrede diefes Theils ift wichtig und darf alfo auch 
hier nicht übergangen werden, Zuerft befchreibt Hr. Braun 
die drey Kupfertafeln mit den 16 Letternproben, die er 
beygefügt hat , und entfchuldigt (ich , wenn folche vielleiche 
gegen die alten Drücke zu fubtil und zu zierlich ausge«* 
fallen feyri foUten. Gewifs wird kein Vernünftiger die 
Schuld davon auf ihn legen , fondern fie fällt allein auf 
den Kupferftecher, Ich bin aber geneigt , auch diefen 
noch ein wenig zu encfchuldigen. Dergleichen Leute Qnd 
nichts anders, als feine Striche und Buchftaben gewohnt« 
Wenn fie nun alte grobe, fette, oder gar unförmliche 
Lettern nachbilden foilen: fo guckt immer noch die ge- 
wohnte Feinheit ihres Grabßicheis durch* Daher kommt es, 
dafs die hier abgeftochnen Lettern , ob fie gleich etwas 
gröher ^CMth^n find>{ und alfo mehr Aehnlichk.Qit nul 



{Braunü) Notitia hillorico-IItteraria &c. ^33 

tlten Drudcen haben , als die im erften Tbeil 1 doch zum 

Theil noph etwas zu fein ausrehen. Es murs alfo Kennern 

jetzt genug feyn , dafs die Aenlichheit der Zuge ziemlich 

gut getroffen ift. — Hierauf giebt Hr. Br. einige Zufätze 

und Verbefferungen zu beiden Theilen. Er h^ fich feit der 

Ausjgabe des ertten Theik die rühmliche Mühe gegeben , 

dem Anfang der Buchdruckerkunft in Augsburg weiter 

nachzuforfcben , befonders weil man ihm die ßämlerifche 

Bibel vom Jahr 1466, deren Dafeyn er vertheidigt hatte, ' 

abermahls weggefchaut hat. Er war fo glücklich , die erften 

Augsburger Buchdrucker in den Steuerregiftern unt^r dem 

Namen Schreiber zu finden. In diefen ftehet fchon 1465^. 

bis 148^. Johannes Bämler, Schreiber, (aber man hat 

kein Buch mit feinem Namen vor 1472* und nach 1489« 

druckte er noch viele Jahre fort ) Johann Schüfsler 

kommt fchon 1466. vor und von 1468 — »472. unter 

dem Namen Schreiber, (und doch ift fein erftes mit 

einer Jahrzahl gedrucktes Buch erft vom Jahre 1470.) 

Günther Schreiber findet fich erft 1472. und mit dem 

ganzen Namen Günther Zaincr, Schreiber, von 147 J« 

bis 1478» Das letzte Jahr ift ein neuer Beweifs, dafs er 

bis in diefes Jahr gelebt hat, gegen diejenigen, welche 

ihn fchon 147^ fterben lieflen , das erfte Jahr 1472. 

aber kann bey diefer Unterfuchung in keine Betrachtung 

kommen, da feine mit der Jahrzahl 1468— 69,* u. f. w* 

gedruckten Werke bekannt genug find. Wahrfcheinlich 

kann alfo wohl Johann Bämler feit ,146^. und Schüfsler 

wenigftens feit 1468* ohne Namen und Jahrzahl zu 

Augsburg gedruckt haben. Denn dafs fie dort blofs priva- 

tlfirt haben follten , bifs fie ihre erften Produkte mit 

einer Jahrzahl lieferten , will ich eben nicht behaupten. 

Es ift aber noch fehr zweifelhaft , ob Scbreibhr und 

Drticker hier gleichgültige Worte find. Auch läftt fich 

überhaupt aus dem Steuerregifter nichts ganz fichres fchlief- 



ai4 [Btoiäiii^ Notitia hiftörico-litteraFia &c 

fen , da Gänther Zainer offenbar vier Jahre zu fpat 
vorkommt. Vom Johann Bämler ift alfo die Möglichkeit 
bewieren , dafs er ein paar Jahre vor Günther Zainern 
gedruckt hat , ( wenn diefer anders nicht auch zu gleicher 
Zeit ohne Nfmen und Jahrzahl druckte, ) Aber fiir dat 
Dafeyn einer Bämlerifchen Bibel vom Jahr 1466. liegt 
darinnen noch kein fichrer £eweifs. Indeflen verdienen 
diefe mühfam aufgefuchte Nachrichten den gröfsten Dank, 
indem Ge vielleicht bey andern Unterfuchungen alter 
Augsburger Drucke gute Dienfte leiften können. Unter- 
deflen^mag Günther Zainer mit feinen fcbön gedruckten 
Meditationen 1468* immer noch die bisher genofsne 
Ehre als der erfte Augsburgifche Drucker behalten. Von 
den folgenden wichtigen Verbeflerungen will ich nur noch 
ein paar anfühjren. "Wie unficher man bisweilen aus der 
Aehnlichkeit der Lettern auf den Ort , oder den Drucker 
fchliefTen kann , flehet man daraus , dafs eben die Lettern, 
deren fleh Chriftoph Valdafer zu Venedig und hernach zu 
jMayland bediente, auch nicht nur von dem Georg vu Michael 
Kayfer zuEicbftädt, fondern auch von einem Buchdrucker 
zu Bnrgdorf, einem andern zu Strafsburg, einem andern in 
Monafterio Sortenfi, welches Klofter noch ganz unbekannt ift, 
U.T. w. gebraucht worden find. Ganz neu und wichtig ift die 
Entdeckung, dafs eine der äiteften teutfghen Bibeln, die 
nach dem Urtheil der Kenner bisher fiir die dritte gehalten 
wurde , von dem Jodocus Pflanzmann ohngefehr um i47^- 
zu Augsburg gedruckt worden ift, und nun wohl den 
fünften Platz wird einnehmen mülTen. Würden mehrere 
Klofterbibliothekare , die bey einem reichen Vorrath ßczen, 
ihre alten Drucke eben fo vieler Aufraerkfamkclt würdigen, 
als Herr Braun; fo würden wir vermuthlich in kurzer 
Zeit uns mancher neuen Entdeckung zu erfreuen haben. 
Zuletzt wiederholt er fein Verfprechen , ein krhifches 
Verzeichnifs von den Handfchriften in feiner Bibliothek 



iBraunii) Notitia hiftoricöHttcraria &d 235 

2U liefern. Wer wird ihm nicht Zeit , Muffe und Gefund- 
heit, die er felbft verlangt, dazu wünfchen? Denn, 
wenn er fie fo befchreibt, wie er hier verfpricht, dann 
wird das Werk gewifs eine Meifterband verrathen. . 

Nun noch einige Anmerkungen über das fleiflig aus« 
gearbeitete Buch felbft! S. 7. Num. 13. Tagt Hr. Braun, 
von der oratio queruiofa contra inuafores facerdotum fey 
der VerfafTer noch nicht bekannt Aber der berühmte Hr. von 
Riegger in feinen amcenitatibus Utcerariis Friburgenfibus 
Fafcic. If. p. 178- eignet fie mit dem Jobann Trithemius dem' 
Jacob Wimphelingzu, gedenkt zwcyer Ausgaben, einer 
Strafsburger und einer Bafsier, fetzt ihre Verfertigung in 
das Jahr 1492. wozu er nicht nur S. )8)- in der Anmerr 
kung noch ein paar andre fetzt, fondern auch die Rede 
felbft ganz hat abdrucken laffen. Vermuthlich mag der 
Unfug in der Gegend getrieben worden feyn, wo fich 
Wimpheling um diefe Zeit aufhielt. Von den decretis 
concilii BafilienGs ohne Jahrzahl, (aber 1499O heifst es 
S. I). es fey die erfte Ausgabe, die wenig bekannt fey* 
Ich finde fie unter andern im UfTenbachifchen Inkunabeln- 
verzeichniHe S. iig. im Drefsdner Audionscatalogus , 
Tb. I. S. 427. in Mylii memorabilibus bibliothecac Jenen« 
üs p, 16^. Ob es die erfte Ausgabe ift oder nicht, wird 
noch die Frage feyn. Wenigftens führt Hr. Seemiller in 
feinem dritten Fafcikel S. 98* an : decreta ßafileenfia& Bituji- 
cenfia. S. 19. Henr. de Gorichem de prsedeftinatione &c. 
finde ich zwar auch in keinem Bibliographen , aber in den 
KloHerbibliatheken zu Buxheim , Füeffen, Irfee und Rotten« 
buch habe ich diefe Ausgabe ohne Jahr angetroffen. S. )4. 
Num.XXV. Repertoriumjuie tabula geiteralis auäoritatumy 
Norimberga per P. Wagner (1490) halte ich für eben 
die Ausgabe, welche S. 204. Nun. XXllI. noch einmal 
befchrieben wird. JM. f. von ihr Hr. Panzers Nürnbergifche 
Buchdruckergcfchicbte j5. 115. PePri de Aqttila qu^iones^ 



2b6 {Bräimü) Notkia biftorico-Kttcraria &c. 

Spirapn P. Brach finde ich auch in keine« Bibliographen; 
aber in der Bibliothek au Rebdorf ift eki Exemplar. EJnc 
andre Ausgabe dca nämh'chen Druckers hat cfie Jahrzahl 
1480. S. 46, Nif. de Ctifa opußu/a habe ich nirgends 
angetroffen', als in der Bibliothek zii Lübeck , nach dem 
Suhlifchen Verzeichnifle S. 10. libri Ebrardi Greciße 
S. 5 a. davon ich zu Rottenhuch ein Exemplar ang^etroSen 
habe, find nach zwey Handfchriften weitläuftig befchrie- 
bcn In Hm. ProfelTor Pfeiffers Bey trägen, Stück IL S. 2^«. 
Bey dem ttaSatulw Henrici de Haßa de arte predkaudi 
Sy 54, liehet die Anmerkung: au bujus traSatuli quidam 
Henrhus de Haßa auawßt^ valde dubim b^reo^^ cum 
nuüus erudüorum^ qui de Heuricis ißit loquuntuTy ißius 
meminerun$. Aber Hamhcrger hat im vierten Thcil S. ^22. 
unter den Schriften des altern diefes Namens, dtefen 
Tradlat deutlich und nennet au& dem Fabricius eine Ausgabe 
von dem Johann Grünihger. S. 64. JExpqßh. Ludolß in 
pfaherium wird in Freytags Analeaits nicht nur angeführt, 
fondern auch ausdrücklich für einen »ruck Peter Urachs 
zu Speyer erklärt. S. 76. wird die zlemlfch unbekannte, 
wenigftens vergcfsne » Nachricht angeführt , dafs von dem 
öfters gedruckten oor^^n/arijvx^mfi/ofj^iii Johann ReuchJin 
,der Verfeffer ift. S. iqi. Oßcii mij/e &c. exp^ßtio Eeut^ 
ling^ 148?. davon Hr. Braun keine Nachricht hat finden 
können, wird kiden mifceUaneit Liffßenßbus Tom. Xlh 
angeführt, und befindet Tich alfo in der Stadtbibliothek 
zu Memmingen, auch ift diefe Auspbe zu RebdorF, wie 
man aus des Hrn. Straufs Monumentis S. 169. fiehet 
Von Num. XIV. S. 104. Ja, Anglici cammentum 148J« 
giebt Herr Seemiller im zweyten Fafcikel S, 124. Nach- 
rieht. Den unbekannten Pfalter Zfg^^ per Marcum Brandts 
f 489. S. 119. hat gleichwohl Schelhorn in feiner Blatribe 
von der allererftenlateinifchen gedruckten Bibel an den 
Cardinal FaiQonei S. lo. aus der Bibliothek zu Bnxheim 



[Braunii) Notuia hiftorico-litteraria &c. «37 

angeführt : auch hat ihn Hn Mafch im . dritten Band 
feiner Ausgabe der Le Longifchen Bibliothek S. 264* kurz 
befchrieben« S. iäj. wird von NicoL Auximiani (oder 
ät Aufmo) Supplenuntto ad Summam PifaneJlam , Venetiir 
X48s- getagt) Maittaire gedenke dieCsr Ausgabe mit kei* 
nem Wort.. Aber in feinem appendix alpbabttica fteht fic, 
bbs mit dem falfchen Namen Petri de Aufmo. Ich verzeihe 
,es übrigens Hrn. Braun gern, dafs er diefen Anhang 
bisweilen zu vergleichen vergeflen hat. Denn das ift fchon 
mehrern, auch mir felbft fchon begegnet. S. 126. Junian. 
Malta de prifcorum verborwn proprietate^ Venet. 148 f* 
foU auch nicht im Maittaire flehen. Allein mich dünkt, 
es fey eben die Ausgabe, welche er B. IV. S. 469. 
enfiihrt. Nur hat er den Drucker DionyGum Bertochum 
11. f. w. zu nennen vergeflen. Auch fteht fie unter den Rebdor- 
fer Monumentis S. 179. Die epißolas Gafparini Argentin^ 
i486. S. 127. hat Hr. Braun abermahls im Maittaire 
nicht gefunden: aber fie find in dem eben gemeldeten 
Anhang S. 520. aus. Leichs origine typograpbia Lipßenjis 
S. i;f. angeführt. Zu Irfee habe ich ein Exemplar ange« 
troffen , wie auch in der ehemaligen Kraffifchen Bibliothek 
zu Ulm und . in der Zapfifchen zu Augsburg. F. Otto 
Mencken hat diefe Ausgabe in den mifceüaneis Lipßenfi- 
bus noHis VoL VII. pag. 68 g. weitläuftig befchrieben; 
und Clement in feiner bibiiotbeque curieufe T. IX. p. 7 1. 
hat fie in der Anmerkung kurz angezeigt. Sie ift alfo doch 
nicht fogar unbekannt,- als es fcheinet. Von Wenceslai 
Brack grammatica Memminga i486, wird S. i; 3. behaup. 
tet, dafs nach einem dabey befindlichen Brief diefes die 
crfte Ausgabe fey. Allein es giebt auch noch eine Ausgabe 
von eben diefem Jahre mit dem nemlichen Brief ohne 
Druckort, die Hr. Straufs S. 189. aus der Rebdorfer 
Bibliothek anführt. Es möchte alfo noch die Frage feyn, 
-Welche von beiden der Nachdruck der andern ift. Bey deo^ 



«38 {Braunii) Notitia hifloricolitceraria &c. 

afitolabiwn planum Aug. V. 1488* S« 162. ift mir der 
Druckfehler aufgefallen : vigeßmo feptimo Kalendas Nouem. 
bris, obgleich weder Hr. Brauo, noch die Herren Zapf 
und Seemiller , folchcn bemerkt haben^ Der letztere hätte 
mit Fafc. IIL p. iio. billig angeführt werden foUen, 
weil er von diefer Ausübe und von dem VerfidTer , Johann 
Angelus , weitläufdge Nachricht giebt, und noch eine 
befondre Abhandlung von feinem Leben und Schriften 
yerfpricht S. 164. oben ift ein unbemerkter Druckfehler: 
editionis bHtus meminere cl, Zapfius in annal. litterar. 
Teuton. Vermuthlich foll es heiffen : Zapf in der Aügsbvr« 
ger Buchdruckergefchichte S. g^ . und Panzer in den Anna- 
len der älteften T. Lit. S. 177. Vocabularius rerum 
urgent, 1489* fteht in Herrn Seemillers dritten Fafcike! 
S. i)s« aber nicht in den Panzerifchen Annalen. S. 190. 
Von der Vorfehung leib, fei &c. 1489. hat Hr. Panzer in 
der Nürnberger Buchdruckergefchichte S. 114. gezeigt, dafs 
der Drucker Georg Stuchs von Suizbach ift. S. 22z. bty 
^em fünften Band des Bonaventura zählt Hr. Braun iio 
lilätter, Hr. Panzer aber 1. c. p. 117. nur lo^. Abbreuia-'' 
tura reießiium^ Nor. I49l« S. 248. hatte zwar Reeder 
unter den Nürnberger alten Druckern num. ^24. aus der 
Bibliothek zu Gottwich angeführt, Hr. Panzer aber bezeugt 
S. 1 )o. dafs er es nicht gefehen habe. Durch das gegen- 
wärtige Exemplar ift alfo das Dafeyn diefer vorher zweifel- 
bafcen Ausgabe bewiefen. S. 2^4- dafs die Jahrzahl 1444. 
bey dem Keformacorium 1494« heiflen mufs, hat fchdn 
Maittaire Tom. V. Part. H. p. 199. gezeigt, und Aleene 
Jn feinen kleinen Schriften deutlich bewiefen. S. 51g. 
IVimpbelingii adolefventia i^oo. fo nicht im Frey tag und 
JWaittaire ftehen foll , hat Freytag in feinen Analedtis S. 1 098. 
aus J. Burckbardi comm. de fatis lingua Ar^/Vfi^ würklich 
angeführt, und Maittaire im vierten Band S. 728. in 
Gefellfchuft von Hugbaldi carmine de laude cahtorum , aber 



(Braunii) Notitia hiftorico-litteraria &c. 1139 

auch ohne daffelbe aus der Kielmannseggifchen Bibliodiek. 
Auch hat der Herr von Riegger I. c. p. 198. diefc Aus- 
gabe angezeigt und befchrieben. 

Sonft enthält diefer Theil wieder manche alte Drucke, 
welche vorher noch nicht bekannt waren. Darunter gehören 
». E. S. 2;. Boni Accttrßi compendium ' elegantiarum 
Laurentii VaOenßs , Louanii per Ludouicum Rauefcoü , 
einen noch unbekannten Drucker , ohne Jahrzahl , fo wie 
die zwey folgenden : Aenea Sylvii Bobemorum bißoriu. 
Jo. Pzci AJiranduIam feptifqrmis fix dierum genefios 
enarratio. Petri Brixienßs repertorium iuris per Nie. 
Pbilippum de Benfsbeim &c. ( Argent. ) 1448. Eufibii 
de motte Hieronymi epißola Batauia 148 1. Antonii 
Sireäi formalitates moderniores 1448. Guarini Veronenßr 
gram/natica^ Venetiis 1485. Tenor fraternitatis 'de 
memoria mortis^ Vlma 1491. 

In den Anmerkungen fuhrt Hr. Braun öfters feine 
Vorgänger, Panzer, Seemiller, Würdtwein, Zapf u. C w. 
an , bifsweilen aber hat er es vergeffen. Die Nürnberger 
Buchdruckergefchichte hat er erft gegen das Ende des 
Buches brauchen können, es ift aber auch nicht immer 
gefchehen. Zu allen diefen liefert er Supplemente , auch 
zu Hrn. Schelhorns unvollkommnen Auffatz von dem erden 
Drucker in Memmingen Albert Kunne. Auch davon mufs 
ich einige Proben geben, um zugleich meine vorherge« 
gangnen Recenfionen der meiften von diefen Büchern zu 
fuppliren. Herrn Panzers Annalen der altern teutfchen 
Litteratur bekommen z. E. folgende Supplemente : Diefes 
find die uier angel Tugent mit ^nton Sorgs Lettern zu 
Augsburg in 4. ohne Jahrzahl : das ift ein Tafel des 
«nefangs des wirdigen Kiofters vnd Aptie aufF fant Järgen 
t>erg &c. 4. mit Anton Sorgs Lettern. Die Hiilorie 
Grifeldis mit eben folchen Lettern in folio ohne Jahr, 
^ Lehre von der Liebe Gottej» , 10 Folio mit Conrad Finers 



240 [Brautdi] Notitia IiilloncoJItteraria &c. 

zu Eftlingcn Lettern , ohne Jahn TraSaUis de mute 
eccleße planati^ Memmingen durch Alb. Kunne von Duder- 
ftat 4. , welches Herrn Schelhorn , fo wie andern mehr 
unbekannt geblieben ift. Seneca de quatuor virttaibus 
cardinalibus ^ lateinifch und ceutfch in 4. ohne Jahr^ 
Ort und Drucker. Antwurt zu Handhabung vnd Behalcnufs 
der Römifchen Kunikliched eeren vnd glympfens in fot 
ebenTo. Der Docen dstntz mit Figuren , klein Folio , auch 
fo. VocabuIariu{ tjzcipiens teutonicum ante latinum^ in 4. 
eben fo« Pradica maifter Marxen fchynagd in 4. gegen 
1491. ohne Ort und Drucker. Hie hebt fich an die Vorrede 
in da« Buch Melli bey (Melibei) bey Anton Sorg zu 
Augsburg 1480. Das erfte blich ?ahet alfo an vnd leret 
paifTen vnd auch de habich erkennen. Augsburg von Anton 
Sorg 1480. BeJchtbüchlein 148J. in 4. mit eben deffclben 
Lettern. Rechnungsbüchlein 1481. in länglich 12. (Bam- 
berg) Vocabularius predicantium^ lateinifch und teutfch, 
Strafsburg i486. VocabulariuT predicantium ^ lateinifch 
und tcütfch, Augsburg durch Anton Sorg 14^9. fo auch 
in Hrn. Zapfs Augsburger ßuchdruckergefchichte und in 
Herrn Seemillers dritten Fafcikel S. 141. unter Johann 
Melbers Namen angeführt wird. Ein guts nuczlichs Bocliliii 
von den aufsgeprentcn waffern. Augsburg in 4. von ]ohzna 
Frofchauer 

Zu Herrn Zapfs Augsburger BuchdruckergefcMchte 
finden fich hierunter andern, auffer einigen teutfchen, 
die ich fchon eben genennet habe , folgende Zufatze i 
£pißoIa de miferia curatorum* Aug. per Ant^ Sorg. 4* 
De vita ^ beneficiis Saluatoris Jefu Cbrißi &c. in i:J. 
) typis Anton. Sorg. ) Oratio queruisfa contra inuaforet 
facerdotum 4. {typis Ja. Frofcbaueri.) Comadie vtiiißme^ 
ornnem latini fermonis eleganticmi continentes , Augußä 
1497- 4- De iurare & blafphemare. De fabbati fanüifi- 
€atiQne grV. per Joannem Frofchauer i^i)^. 4. — Za 

Hrn. 



[Braunii] Notitia hiftönco-litteräria &c« sr4X 

Hrn. Wütdtvreins biblioibeea Möguhtina^ welche ohnedeni 
'Ziemlich untollftändig ift, iindeii fich hier auch manch« 
Beyträge, ungeachtet es Hr. Braun nicht. immer bei^erket 
hat« z. Ex. S. 27. Num. 51. ohne Jahrzahl Sixti JK« 
declaratio fufCr indulgtHtia animabus in purgatorio deten-» 
tir conceffa. ( Mogunt. ) Fol. nebft allen darauf folgendea 
Numern $z bis 594 S. 188» Legenda & miracula fanSi 
Goaris. MoguntU per Joanmm Gif eh de Naßeden 1489. 

4. und S. 260. ,Epigramma$a S* Profferi de viciis ^ 
tfirtutibus ex diäis Augußinu Moguntia per Petruni 
Fridbergenfem 1494- 4» 

Den Befchlufs macht ein gutes nottiwendlges Regiftet 
über beyde Theile , das ziemlich voUftändig fcheitiet. JDoch 
habe ich die Setmones Succi de tempore 1476^ welche 
im erften Theile S. 1 84. ftehen , nicht dacinnen gefunden* 
Dlefes giebt mir Gelegenheit, hier zu ihrer Befchreibung, 
in welcher zuletzt von dem tiefen Stillfchweigen der 
Bibliographen von diefer Ausgabe die Rede ift, anzumer« 
ken, dafsich fle dennoch an Vier Orten angezeigt gefunden 
habe» Denn es gedenkt ^hrer Frey tag in feinen Analedtis 

5. 87?* aus. Anton Raifers Verzeichnifs äer Itandfchriften 
der Augsburger Bibliothek , tir. Suhl in dem Ver^eichnifs 
der Vor 1500. gedruckten auf det Bibliothek 2!u Lübeck 
befindlichen Schuften S. )4. Hr. Sedmiller in feinem erften 
Fafcikel S. 94. wetoher fie eben fo ^ t^ie Hf. Braun, für 
ein Produkt der Anton Sofgifchen' Preffe' in Augsburg 
erkläre , und auch Hr. Andreas Scraufs in den ntonumen" . 
üs typograpbicU bibliötbeca Rebdorf. pag. lii. Ich find^ 
fie fogaf auch noch in dem catalogo bibliotbeca Schrparf 
ziana^ Part IL pag. i68* und an andern Orten mehr« 
Faß fcheint hier Hr. Braun gar zu ^enig nachgefiichtzir 
haben. Denn es bedarf allerdings groiTer AufTnerkfamkeit, 
bis matr mit Grund behaupten kan, dafs eine gewifie alte 
Ausgabe von M»eiif 'Bibliographen angezeigt fey. ««*<< Nocb 

MeufeU Mag, ^es Stück- Q. 



a4t ^maiä) Notitia biftorlco-litteraria &c 

«io(f ich anmerken t dafs zwar die meiften Drockfebler 
zuletzt angezeigt, dals aber auch manche, befonders in 
den Seitenzahlen, liehen geblieben find. Die Seiten z. 
Ex. Ig. ^90. i|2. T67. 2)5- 24'- 252. 25). 2S4* 299* 
find alle mit falfchen 21ahlen bezeichnet. Auch diefes mo(s 
Ich noch bemerken, dafs Hr. Braun die Zahl der Blatter 
in den von ihm befchriebenen Ausgaben, welche nach 
damahliger Mode keine Blätter^ oder Seitenzahlen baben, 
öfters nicht gar zu richtig ang^eben zu haben fcbeinet. 
Wenigftens hat der Herr Bibliothekar Jofepb Maria 
Helntfcbrott in dem Verzeichnifs alter Druckdenkmale der 
Bibliothek des Stifts zum H. Mang in Füqfsen fehr oft 
fich die Mühe gegeben , in ähnlichen Exemplaren die 
Blätter forgfältig nachzuzählen, und bald mehrere 9 hdlA 
weniger gefunden. 



Ferzeichniß typographifcher Denkmäler aus dem ßinß 
zehnten Ja/uhundert , welche fich in der Bibliothek 
des regulierten Korherrenfliftes des heil Augußin 
MU Neiiflift in Tyrol befinden. Brixen , gedruckt 
bey Thomas IVeger 1789. i Alphabet 13 Bopen, 
nekß 6 Kupfertafeln in 4. 

bchott im Jahre 1777. hatte der damalige Stiftsdechant 
zu Neuftift, Cbr^fofiomus Pfrtinger^ ohne feinfa Namei^ 
ein kurzes» aber zu magres, Verzeichniis von den ^elten«^ 
heiten diefer Bibliothek herausgegeben, das aber nicht 
allgemein bekannt wurde, wejl diö Auflage theils nicht 
fkark war, theils die meülen Exemplare nur ^n gut^ 
Freund« und (iebbabe^ verfchenkt wurden, fi« h^tt? dici 



[Fr, Gras] Verz- typogr. Denkna. See. «45 

Auffchrift: Barita? librorttm in bibliotbica NouaceSenß 
eänüuicorum reguiaxium S. Augufiini delitefcentium luci 
fitblica expoßta , und waroii zugleich Sätze aus den 
FrolegoDienis des Kircbenrcchtcs zu einer DifputatbQ 
bcygcfügt, welche die Herren Franz Gras und Albert 
Catbrein vertheidigten. Das Verzeichnifi Telbft enthiek 
auflTer den alten Drucken bis t4S9. auch die kurzen 
Titel Fon Tehr vielen fpäter gedruckten Seltenheiten, nebft 
beyläufigen Anmerkungen über die Seltenheit der Bücher 
überhaupt, welche damals für katholifche Gegenden, in 
welchen Litderatur und befonders Büchergefchichte nieiiten$ 
noch etwas fremdes war, allerdings einige Brauchbarkeit 
hatten , ob ^e gleich gar nichts wichtiges und neues 
enthielten. *) Nun hat fiqh der eben gemeldete Hr. Franz 
Gras , jetziger Bibliothekar , entfchloflen , dem rühmlichen 
Exempei anderer Herren Kloilerbibliothekare nachzueifern, 
und das Verzeichnifs der alten Drucke bis 1499. neu 
umgearbeitet , mit Anmerkungen ^u liefern , welchem nun 
auch ein befondres Verzeichnirs der Bücherfeltenheiten 
aus den folgenden Jahrhunderten nacligefolgt ift, das in 
Zukunft angezeigt werden foli.. Daß es Bücher mit und 
ohne Druckjahr enthält , das habe ich kaum nöthig anzu^ 
zeigen : aber diefes mufs ich bemerken , dafs die Sammlung 
beträchtlich genug ifl, indem fie über 800 Stücke beträgt, 
und daß fie mit einem zweyfi^hen brauchbaren Regifter 
der Typographen und Audtoren verfeheit ift. Das Verzcich. 
nifs felbft t mit den beygefiigten Anmerkui^en» ift mit 
allem Dank anzunehmen, obgleich die letzterri bisweilen 
voUkommner und befTer feyo könnten. Billige Kenner 
und Recenfenten werden dem H<irrn Verfalfer gewifa die 
Nachficht \>}ederrahren laflen 9 welche er fich in der 

■ I ' ■ I I I II 1 1 

*; Vergl. Meufils hfft. Litt 1781. St 7. S. 32-^9. 



a44 ( P''* ^^ ) Vcrz. typogr. Denkm. 

Vorerinnening an den Le&r aus triftigen Gründen wünfchet. 
Die Kürze der Zeit , häufige Gefchäfte , die eigne Be- 
mühung mit der Verfertigui^ der Kupferftiche , befbnders 
aber der grofse Mangel litterarifcher Hülfisnuttel, davon 
er fogar einige der neueften und heften nicht bey der 
Hand haben konnte « u. f. w. hinderten ihn nothwendig^ 
dafs er feiner Arbeit nicht diejenige Vollkommenheit geb^ 
konnte 5 die er felbft wünfchte. Er brauchte die Quellen, 
die er hatte , obgleich diefes auch noch öfter hätte gefche- 
hen können , und that , was er konnte. Nicht aus Tadel- 
fucht, fondem etwas zur Vollkommenheit beyzutragen, 
werde ich daher einige 'Anmerkungen und* Verbeflerungen 
berfetzen, und unter den gröfsten Seltenheiten hauptfach« 
lieh diejenigen. nennen, die den neuern Litteratoren noch 
unbekannt find« 

Die ältefte und erfte Seltenheit find die fbgenannteA 
Clenteutifsae vom Fuft und 'Schaft'er tu 'Mainz 1460. 
Vielleicht giebt es in ungebrauchten Klofterbibliotheken 
noch etliche unbekannte Exemplare. Bisher kannte man 
in Teutichland fonft keines", als die zu Leipzig , Nürnberg 
und fVeingarten. Die beyden darauf folgenden Stucke 
von Schwcinbeim und Pannarz zu Rom 1468. Der Lacfhm- 
tius und Rodericus Zamorenfis , find in Teutfchland eben* 
falls von äufserfter Seltenheit , fo wie verfchiedene von 
den folgenden. Doch ! diefes fey zur Probe genug. — 
Dafs S. )• und öfter Heinrich Rummel unter den erften 
Buchdruckern zu Nürnberg aufgeftelit wird , ift ein Beweifs, 
dtfs Herr Gras verfchiedne Panzerifche Schriften nicht bey 
der Hand hat ; fonft würde et die ihm beygelegten Drucke 
dem Senfenfcbmid zugeeignet haben. Jedoch fcheint diefe 
Behauptung jetzt eine Entfchuldigung zu leiden , da nach 
einer neuern Entdeckung Rummel wirklich in Senfenfchmids 
Gefellfcbaft als Buchdrucker vorkommen foll. S. ig. ift 
bey der Summa Pffaneüd 1475. die Anmerkung gemacht. 



^u Neuftift in TyroL it4$ 

es feyeti unverkennbarlich des Günther Zainors Lettern. 
Diefes hätte Heer Gras durch Herrn Zapfs Augsburgtfche 
Buchdrackergefchichte S. J4. noch mehr beflätigen können , 
wo das Exemplar aus der Bibliothek zu Buxheim angeführt 
aft, in welchem das gemalte Wappen diefes Augsburger 
Buchdruckers zu fehen ift. Dergleichen Anmerkungen aus 
Litteratoren , die er be>^ der Hand hatte , hätte er öfters 
machen können. S. 2). heifset Bonauenturae Speculwn 
Mariae per Anton. Sorg 9 Augußae 147^- eine Herrn 
^apf unbekannte Ausgabe. Aber hier hat fich Herr Graf 
übereilt. Sie fleht in der Buchdruckergefchichte Augsburg 
deutlich p. gg. num.' XV. aus verfchiedenen Bibliotheken, 
ibgar aus der zu Neuftift Telbfl , oder aus der raritas 
librormn angeführt. S. z6. heifstes von Anton, de Butrio 
fpeculo confeßonis , Vincent iai 1476. diefes Schriftchen 
fey weder dem Gefsner^ weder (noch) dem Fabricius 
bekannt 9 ^iTch die neuern Bibliographen fchweigen davon. 
Allein es h^t nicht nur Maittaire fchon diefe Ausgabe feibft, 
fondern auch Weller in dem Alten aus allen Theilen der 
Gefchichte , B. II. S. s)P — S)2- hat fie hinlänglich 
befchrieben« Sie ift dem ohn geachtet feiten genug und 
unbekannt genug: aber öfters möchte es manchem Lefer 
auffallen , daß Herr Gras von Ausgaben , die er befchreibt^ 
fagt , fie feyen den Bibliographen unbekannt , und dennoch 
felbft gefleht , dafs er viele derfelben nicht gefehen habe. 
Eine Anmerkung , welche lieh oft machen liefs , z. E. 
gleich wieder p. ja. bey A. Trotti fummuia de ieiunio^ 
l^orib. 1477. Nach dem Roeder hat Herr Panzer in der 
älteften Buchdruckergefchichte Nürnbergs S. j8* folchc 
hinlänglich befchrieben. So habe ich auch S. jy. die 
fermoner quadrageßmales I^eonardi de Vtino , 1478« 
von denen es heifset, das Schweigen der Bibliographen 
von diefer Ausgabe fey eine ßürgfchaft für ihre Seltenheit, 
juft öfter , als manche alte Dfucke , angetroffen , z. £« 



%H6 (Fr. Oras) Verz. typogr. Denkm. 

ittche nur in dei KlofteftrfblioChekerl Föersen , IrTee , 

Rottenbuch , fimdern aach in der bibliotb. Schr^arziana 

Part. IL p. 17?. Hrn. voi Murr Merkwürdigkeiten von 

Nürnberg S« 109. lög. EU memBrabi/ibus P« I. pu 28j. 

Ifyektri bibHotb. HeilsbrtiUenß p. 169. in den Ulmtfchen 

Jubelreden p. 90. fogar im Maittaire felbft Tom. IV. 

p. 392. fireylich lauter Bö^er, welche Herr Gras nicht 

bey der Uand hatte. Sicher würde er auch S. 42. bejr 

dem M^motreffmt die wichtigen Nachrichten des Herrn 

Profeftor Pfeißn in ErUingen iil^ feinen fieytrigen ange- 

führt haben, wenn fie ihm bekannt gewefen wärei^ S. 4^ 

heifst Anton Koberger» Bibelausgabe 1480. die fünfte aus 

feiner Preffe, anftait die fecbße ^ wie Herr Panzer theils 

in der Nürnberger Buchdruckergefcbichce S. ^ 4. tbeif^fchon 

vorher in der Gefchichte der Nürnbergifchen Bibelausgaben 

S. {6. gezeigt hat. Es wird aber freylich , fo wie fonfl 

öfter, nur Bsmer als Gewährsmann angeführt, der viel 

unzuveriäfs^er ift , ab die meiften Klofterbibliothekare 

denken j die fieh nur knmer auf ihn berufen. S.' 52. wird 

ein febr felenes Ib^blUt von der Ee gedruckt ze AngTpitrg 

von Cbriflman Heyny t%%i. angeführt, deflen ich zuletzt 

unter den Supplementen gedenken werde. Die Lettern 

foUen dem Gunthar Zainer ähnlich fehen. Herr Zapf hat 

diefen Drucker in der Vorrcie feiner BachdruckergcfcVrichte 

nicht angeführt , -.ob er gleich des hier beylänfig von ihm 

gedachten Buches: Curatorum manipulus per Cbrißmair- 

num Hiyny 1471. p. la. nuin. Vlll. (womit vermuthlich 

^. I}. num. XIL eincrley ift,) aus der Bibliothek zu 

Buxheim Erwähnung gethan hat. (In der Bibifothek zu 

Füefien ift auch ein Exemplar davon , fo wie in der 

Kurftirftlicben Bibliothek zu München. } Aber , dafs er 

auch im Jahr 1481.' noch gedruckt hat, das ift ganz 

etwas unbekanntes. S. 86. heifst zwar der bortm fanitatis 

»iniencz gedruckt 1485* eine Herrn fFürdtvpei'n unbe« 



£u Neuftift; in Tj/roi. «47 

kannfc gebliebene Mainzerausgabe : aUeiA ei^ bab fie SL i2|. 

richtig angeführt , fo wie Herr Panzer in dsn Annalen 

S. 1^6. bey Caroli Mennicken epifloiarkm forniulu i4S$(r 

S. log. beffst es : eine (eht felcne Ati^abe •— vieHeicht 

die ältefle« Dsbejr muft ich aq(merkeii ^ dafs es viele 

Ausgaben gtebt ^ davon fbhon IVkiittaire verfcbiedne anzeigt, 

Theiis hdifsen fiei ^;^t/h)/Ae Carolin tbeils ep. Oäroliviruli^ 

theils ep, Caroii Manniken u. f. w. Auch ift die gegen^ 

wärtfge Ausgabe 1488. n\thi die ältefte. Es gi^bt fehon 

frühere vom Jahr T486. uiid fogar vöti 1482, Von dem 

letztem Jahr hat Maittaire^ Tom. IV^ p. 4)g. eine ohne 

Druckort y von der es heifst : excufae primton , und in 

der Erlanger Univerfitätsbibtiotkek wird eine Rentlinger 

Ausgabe 1482- feyn. ( Hocker bibliotb. HeiUbronenßs 

P* J^87. ) Jo. Beökenbaub diclionarium praedicM. Nurenb^ 

1489. fcheint ganz falfch angezeigt , wenn man Hrn» 

Panzers älteRe Buchdruckergefchlchte Nürnbergs S. 11 2. 

V. f. damit vergleicht ßeckenbaub war nicht der VerfafTer 9 

vie er hier genehnet wird , fondern mir Herausgeber 

und Corfeftor. Jener war der bekannte Petrus Berchorius. 

Durch die Nachricht S. 1 1 7. von dem anderh Theil der 

AugsbuTger SdM)nfpergerifcheir Bibel 1480. läfst fiefa die 

Panzertfche Be&hreibung dsivon berichttgen, vnd anftatt 

Vogf fijllte billig PaHzer angeführt feyn.^ DieJier zählt 

^07 Blatte hiel^ werdeii ^og. gezälilt^ Doch das ift Klei» 

nigkeits-— S, 1^6. hei&t es von fV, Brack vocabulario 

laiino •germmtco ^ Aug^ i^^%. Diefe Ausgabe fsy dem 

Hrn. Zaff entflohen: aber ich finde, dafs er fie S. 11 9. 

richtig angebohrt hstit. Eher möchte fie Hm. Panaer in 

feinen Annalen entflohen feyn. S. i ^ g. ift bey Jo, Greufferi 

paffio Cbrißi ynrnb. 149^. die Nachricht befTer, und die 

Unterfchrift vollkommner , als in Hrn. Panzers Nürnberger 

Buchdruckergefchichte , >ireil diefer die Ausgabe nicht ge« 

fehen hatte. Ein Fall , der öfter eintrift , und diefes 



t4$ (*>■• Gras) Vera, typogr. Dcnkra. 

TerzetchnUs defto brauchfaarer und dem Litleiatqr nofch^ 
wendiger macht. S. zo6. wird beyläufig Quinquagena 
carminum Mogujtfiai per P. Scboefer 15 1}, angeführt 
und dem unvergefilichen Peter Scb. (dem altem) beygelegt. 
Aber ohne allen Zweifel wird es von dem iüngem Peter 
Scb. feyn. S. 210. und 227. kommt wieder Heinrieb 
Eummel als Nürnberger Buchdrucker vor anilatt Senfehr 
fcbmid. Wenn S. 2 So« faft unten flehet : die Ausgabe 
durch Johann Scb'inff erger blieb u. f. w. fo wird e« wahr-» 
fcheinlich heiflen foUen: dMitcb Jobann FrofcboHer. Däis 
S. tih Hieronimi aber 4^ ejfentia dininüafis ohne Jahr- 
zahl, dem Günther Zainer zugefchrioben wird^ das hat 
feine Richtigkeit. Es ift in der Sammlung diefes Druckers 
von 12 verTchiedenen Büchern vom Jahr 1472. die ich 
befchrieben habe , enthalten , und gleich das zweyte Stuck 
in derfelben. Zuletzt redet Herr Gras S. 268. von 
mehrem in der Biblipthek vorhandnen Defedten, fiark 
geftümmelten Büchern , die einer Recenfion theils unwürdig , 
theils unfähig find , und bedauert den unverzeihlichen 
Muthwillen mit Recht. Zwtj fo erbärmlich, mifthandelta 
Koftbarkeiten führt er zur Probe an. Das erfte könnte faft 
die Originalausgabe von Durandi rationaH , ifogunt. 
14s 9 auf Pergamen feyn, deifen Verftümmelung fteyiicli 
unverantwortlich wäre. Und wenn das andre : jfegidius de 
Columna de regimine princifum wirklich Günther - Zaine- 
rifche Lettern hat , fb ift es als eine fehr unbekannte 
Ausgabe eben fo fehr zu bedauren. — p Die mühfamcn 
Regifter fcheinen richtig und gut zu feyn. Aus dem erften 
von den Buchdruckern wird man vielleicht ein paar unbe- 
kannte Namen kennen lernen. In dem andern von ien 
Schriftftellern ift immer kurz angemerkt , werfic geweien 
find. Hier fiel mir Faber , Johann , Bifiahof zu Wien auf. 
Der S. III, angeführte Johann Faber, biet Runcinur 
DiSlus Faber ^ war ganz ein andrer, als der Bifchof zu 



«u Ncuftlft in Tyrol. 24gf 

Wien, der fpatcr lebte , und crft 1541. ftarb, und der 
Fehler im Regifter mag blofsvon Flüchtigkeit henühren. 

Dafs uns Herr Gras auf den angehängten fechs Kupfer- 
iticben ;9. Proben von Lettern 9 deren ikh einige der 
alten Buchdrucker bedient haben , abgebildet geliefert hat , 
dafür verdient er allen Dank, und bey der Beurtheilung 
und Vergleichupg derfelben , weil es die allererften Verfuche 
lein^s eignen in d^fem Fach noch nicht geübten Fieifles 
find, rfle mögliche Schonyrtg. Für einen Anfänger in 
der Kunft find fie recht gut gerathen und zeigen viele 
Aehnlichkeit : nur möchten einige zu zart und zu fubtil 
fcheinen. Das ifl: aber ein Fehler , den auch die geübteilen 
Kupferftecher in Abzeichnung alter Lettern fchon öfter 
Jjegangen haben , und der daher hier keine Rüg^ verdient. 
Eher möchte ich das tadeln , dafs den Schriftproben nicht 
gleich die Namen der Buchdrucker , welche fich derfelben 
nedient haben , beygefetzt fmd. Denn fo mufs man fie 
erft mühfam.in der Befchreibung der Bücher äuffuchen. 
Wer fich indeflen diefe Mühe nicht dauern läfst , der kann 
fie leipht feinem Exemplare beyfetzen. Wäre es nicht 
zu weitl^uftig : fo würde ich fie hier alle anzeigen. Doch 
will ich wonigftens einige nennen, damit man doch fiehet, 
dafs wichtige Männer darunter find , z. E. Heinrich Quentel , 
Ulrich Zell , und Johann Koelhof zu Cöln, Erhard Ratdolt 
und Wendelin von Speyer zu Venedig , Johann Schönfperger , 
Anton Sorg, Johann Wiener zu Augsburg., Peter Drach 
zu Speyer , Johann Grüninger , Johann Prüfs , Heinrich 
Eggeftein , Johann Mendel zu Strafsbnrg ^ Michael Wensler 
zu Bafel , Conrad Fyner zu Efslingen , Stephan Flank zu 
Rom, Peter Sc^oüfer zu Mainz, u. a. m. 

Unter die, feltenften Stücke , welche dlefes. Verzeich- 
niß enthält , zähle ich nach meiner Gewohnheit diejenigen 
Ausgaben , welche bisher den fleifsigften {^itteratoren , die 



ti^ {Fr. Gras) Vcrz; Typogr. Denkm. 

in diefem Fache arbeiten, bey der forgfältigften Nach* 
forfchung dennoch verborgen geblieben find. Es wird mir 
nicht fchwer werden , abermab einen neuen Beweifs zu 
liefern, daß jede bisher noch nicht genug bekannte und 
gebrauchte Klofterbibliothek manche noch immer verborgen 
gewefenc alte Drucke enthält Zum Exempel mögen 
folgende Stücke dienen , welche in den der Vollkommenheit 
fehr nahen. Annaien der älteften teutfchen Licteratur dts €o 
unermüdet forfchenden Herrn Schaffers Ganzer in Nürnberg 
noch fehlen. Das erfte derfelben S. s<* Pleuary der 
Ba^ngelitn vnd Epißeln ^ Augipurg von Ant. Sorgen 14.8^* 
bat er zwar in den Annalen S. 11 6. bey-Num. 12). in 
der Anmerkung beyläufig bemerkt, aber noch zweifelhaft f 
nun ift es beftatiget. Die übrigen fcheinen ihm ganz unbe- 
kannt geblieben zu feyn. S. %i. ein nuzlich lere vnd 
predig, wie fich zwey menfchen in dem facrament der heil. 

Ee halten föllen Augfpurg von Chriftman heyny 

Anno 1481. S. 57. Lucidarius deutfch -*- — augfpurg von 
Antfaon Sorgen .. — In dem LXXXII. Jahre. S. s8. 

Dye au&gebranten wafser — - — michel Schryck Doftor 

iugi^urg von Hannfen Schönfperger 14.82. S. 61. Vocabu« 
larius , ( davon hernach unter den Nürnberger Produkten. ) 
S. 114* Verfehuiig leib fei er vnd gutt 8- ohne Drucker 
S489. ( Herr Panzer hat von diefem Jahr eine Numberger 
Ausgabe. )^ S. 1 %6. Wencesl. Brack vocabularius verum 
Iatin% ^ germanicut. Attguße fer Jo. Scbonfperger I49S- 
S. 180. Liher faceU de moribus iuuenum ^c. Vlme per 
Jo. Scbaeffler 1497. Cronickvnd hiftory^ vfs den gefchich. 
ten der Römern. — . — zu dein Troyga 1497. ( Es heißt 
ein Sotifenpäckchen , über den Druckort aber ift nichts 
angemerkt.) S. 189* Ain maifterlichs Bücblin der kreuter 
gefamlet durch Johanem Tolat 1498« S. 262. Ain lieblichs 
Biechlin von dem Hochgelerten meifter Lucidarius ~ r— 
ftraßburg von Mathyf hupfufF 1489. S. 25 j. Von Ordnung 



zu NeuRift in Tyrol. aj^ 

zcreden vnnd befander zu angcdingtcn frcuntlidhem rech, 
ten &c. Johafiin Schönfpcrgers Lettern za Aagsbtirg , ohne 
Jahrzahl it Blatt (Herr Panzer führt S. J4. ehe Ausgabe 
von 6 1 Bogen an mit Bäinlerffchen Lettern.) S. a^g* 
/ Das fpecttlum bitmanae faluationis nur In de^ tßutlbhen 
Ueberfetzung, niifc Anton Sorgs zu ÄugsBtifg fettet Schrift, 
ohne Jahrzahl. S. ä6j. Vermerkt den gemeinen AtlfcMag- - 
wider die Türken , mit den Lettern Johann Bämlers Ztf 
Augsburg. S. 266. Vocabnlariittn latino - getntanicutn mit 
rauhen gothifchen Schriftart. Vödabutärium germaHitö- 
htiment , mit den Lettern des altern Pctef Drach röSpeyor , 
Vocabul, latifto ^ gernt. ex pto voentum ^ glaubflch VOM 
Heinrich Quentcl zu Cöln. 

Zu Herrn Panzers äheften Buchdruckergefcbfchte 
Nürnbergs , ob fie gleich Herr Grds nicht bey der Hittti 
hatte , laOen fich folgende Zafätze , oder doch tef beC 
ferungen , machen: S. 61. Vocabühfitis lätinthgetfifanicut 
per Cmtr. ZeMnger NurembeYgetif. 1482. Herr Panzet 
fuhrt es zwar S. 74. in der Annrerköffg tts Nur«. töU. afaH 
dem Röder an , verwirft es aber und hält es fflk diefttr Mer 
gleich vorhergehenden irocaö. germoitho'lat. f&r cinerlefj 
allein diefes hat ^o BI- icßcs fir- Affö ift das ^Dafeyft 
von beyden erwiefen. — S. 9;. Breniatfnm Romanittn 

— ' — Nterembergk impen/tf Ant, Kobetger l4SÄr 

////. idus Decembrif hat Herr Panzer zwäf S. 104. ange- 
führt , aber ohne Unterfchrift , oder ohne die AüÄgAe 
näher zu kennen. — . S. iga. Brmiatinm tccleße Sä&t^ 
burgenßs per Georgium Stucbf opificem de Suizbacb 1497« 
S. 210. und 21 f. Bernhardini quadrageßmale. EL Sermo^ 
nes de euavgelio a^^f r«o , ' ohne Jahr, dem Anfehen nach 
mit Koburgerifchen Lettern. S. ^^7, Ißdori Hifpalenßs 
etymohgiaruiu libri XX. wahrfcheinlich von eben dem- 
felben, oh