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Full text of "Hungersnöte im Mittelalter : ein Beitrag zur deutschen Wirtschaftsgeschichte des 8. bis 13. Jahrhunderts"

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LEIPZIGER STUDIEN 

AUS DEM GEBIET DEK GESCHICHTE. 



HERAUSGEGEBEN 



VON 



G. BUCHHOLZ, K. LAMPRECHT, E. MARCKS, G. SEELIGER. 



VL BAND, 1. HEFT: 



Fkitz Curschmann: Hungersnöte im Mittelalter. 

EIN BKITEAG ZUR DEUTSCHEN WIBTSCHAPTSGESCHICHTE DES 8. BIS 13. JAHRHÜNDEBT8. 



LEIPZIG, 

DRUCK UND VERLAG VON B. G. TEUBNER. 

1900. 



HUNGERSNÖTE IM MITTELALTER. 



Em BEITRAG ZUR DEUTSCHEN 
WIRTSCHAFTSGESCHICHTE 
DES 8. BIS 13. JAHRHUNDERTS. 



VON 



FRITZ CTJRSCHMANN. 



LEIPZIG, 

DRÜCK UND VERLAG VON B. G. TEUBNER. 

1900. 



C R"712.U^ 
638G81 



Aus dem Historischen Seminar an der Universität Leipzig. 

Prof. Dr. Lamprecht. 



ALIiE RECHTE, 
EJNSOHIilESSIilCH DES ÜBEBSETZÜK6SBECHTS , YOBBEHALTEX. 



Vorrede. 



Wenn ich die vorliegende Schrift jetzt der Öffentlichkeit 
übergebe, so möchte ich ihr einige Worte vorausschicken. 

Über den ersten, den darstellenden Teil, habe ich wenig 
zu bemerken. Es war ein spröder Stoff, den ich zu bewältigen 
hatte. Ich hoffe, nicht zu weitschweifig geworden zu sein in 
der Angabe von Einzelheiten, die in ihren oft abenteuerlichen 
Übertreibungen historisches Interesse nur in beschränktem 
Mafse beanspruchen können, andererseits hoffe ich auch, nicht 
zu knapp geschrieben zu haben, so dafs die Bilder der Ver- 
gangenheit an Anschaulichkeit verlieren. Ich weifs nicht, ob 
man die Darstellung des Verlaufes einer Hungersnot in einem 
gleichsam typischen Bilde, wie man es aus den zahlreichen 
Einzelschilderungen hätte entnehmen können, vermissen wird. 
Ich habe darauf verzichtet. Das Bild wäre doch farblos ge- 
worden gegen die mit naiver Kraft entworfenen Bilder in den 
alten Quellen. 

Bei der Gestaltung des zweiten Teiles, der Chronik der 
elementaren Ereignisse, habe ich manche Bedenken gehabt. 
Dass eine solche Chronik von allgemeinem wirtschaftsgeschicht-. 
liehen Interesse ist, und vielleicht auch für das Detail der 
politischen Geschichte manchen Aufschlufs liefern kann, glaube 
ich annehmen zu dürfen. Es sind ja auch schon mehrfach 
solche Zusammenstellungen gegeben worden von Alwin Schulz 
in seinem höfischen Leben zur Zeit der Minnesänger, Band I, 
S. 102 ff., von Lamprecht im deutschen Wirtschaftsleben, Band I, 
S. 1537 — 1557; ebenso bieten manche Regestenwerke, wie z. B. 
die mittelrheinischen Regesten von Goerz, bei den einzelnen 
Jahren Angaben über die Witterungsverhältnisse des behan- 
delten Gebietes. 

Der Umfang, den meine Chronik der elementaren Ereig- 
nisse allmählich angenommen hat, hat mir Bedenken erregt. 
Es mag unnatürlich erscheinen, wenn dieser Teil den dar- 
stellenden Teil an Umfang bedeutend übertrifft. Aber für 
meine Arbeit war es nötig, jede noch so unbedeutende Notiz, 



VI Vorrede. 

die sich auf Witterungsverhältnisse, die Ernte und Ähnliches 
bezog, zu sammeln. Ich habe bei der Zusammenstellung oft 
zu kürzen versucht, mich schliefslich aber doch entschlossen, 
das Material vollständig, wie ich es gesammelt habe, wieder- 
zugeben und ich hoffe damit nichts Unnützes gethan zu haben 
und über mein engeres Gebiet hinaus anderen Forschem 
manches nützliche wirtschaftsgeschichtliche Material zu liefern. 
Kürzungen, die ich doch vorgenommen habe, beziehen sich 
entweder auf wirklich gleichgültige Einzelheiten, oder es sind 
an diesen Stellen Dinge, die schon vorher gesagt sind, mit 
übertriebener Breite weiter ausgeführt. Jedenfalls habe ich 
alle solche Kürzungen durch Gedankenstriche kenntlich ge- 
macht ( — — ). 

Ich hatte ursprünglich die Absicht, auch noch Preis- 
tabellen hinzuzufügen, ich habe dann aber darauf verzichtet, 
weil die Zusamenstellung der zerstreuten Einzelpreise wenig 
unmittelbaren Nutzen gehabt hätte. Um aber diese Preis- 
angaben doch leicht auffindbar zu machen, habe ich wenig- 
stens alle Getreidepreise, weil sie die wirtschaftlich wichtig- 
sten sind, durch gesperrten Druck hervorgehoben. Sonstige 
Hervorhebungen durch Sperrdruck sollen lediglich dazu dienen, 
die Übersicht zu erleichtern oder besonders interessante und 
wichtiare Stellen hervorzuheben. 



Inhalt. 

I. Teil. 

Seite 

Einleitung 1 

Frühere Bearbeitungen 1 

Quellen 2—5 

Räumliche Begrenzung des behandelten Gebietes 6—7 

Zeitliche Begrenzung 8 

Hungersnöte und Seuchen 9 

Farnes und caristia 10 — 11 

Auffassung der Zeitgenossen über die Entstehung 

der Hungersnöte 12 — 17 

Verschiedene Ursachen für die Entstehung der 

Hungersnöte 18 — 24 

Dauer und räumliche Ausdehnung der Hungersnöte. 25 — 30 

Verschiedene Arten der Hungersnöte 31 — 34 

Versuch einer Statistik 35 — 46 

Wirkungen der Hungersnot 47 

Notstandspreise 47 

Wucher 61 

Verhalten der grofsen Massen in der Notzeit 52 — 54 

Allgemeine Verarmung . 54 — 57 

Nahrung in der Notzeit 57 — 59 

Menschenfresserei 59 — 60 

Krankheiten 61—62 

Wanderungen der Notleidenden 62 — 68 

Notstandspolitik 69 

Geistliche und Laien 69 

Notstandspolitik Karls des Grofsen 70 — 73 

Notstandspolitik von Fürsten und Städten 74 — 76 

Kirchliche Notstandspolitik 77—81 

Tabellen über Dauer und Ausdehnung der einzelnen 

Hungersnöte 82—85 

II. Teil. 

Chronik der elementaren Ereignisse 87 — 217 



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I. 
DAßSTELLENDEß TEIL. 



Einleitung. 
Frühere Bearbeitiingen. 

Eine eingehende Behandlung der mittelalterlichen Hungers- 
nöte, wie sie die vorliegende Arbeit geben will, kann viel- 
leicht als ein etwas sonderbares Thema erscheinen. Eine 
Hungersnot ist ein Unglück, das mehr oder weniger zufällig 
entsteht, durch schlechte Ernte, Hagel, Überschwemmung, 
Krieg oder durch eine Vereinigung solcher unglücklichen Um- 
stände. Eine rein descriptive Aufzählung von Unglücksfällen 
aber, auch wenn sie ein ganzes Land betroffen haben, mag 
wohl an sich verdienstlich sein, würde aber für eine weitere 
historische Erkenntnis doch nur wenig bedeuten. 

Indefs eine Geschichte der Hungersnöte kann mehr be- 
sagen. Den Anstofs zur Entstehung der Hungersnöte geben 
allerdings elementare Ereignisse, die wir nicht anders, wie als 
etwas Zufälliges auffassen können. Allein für den Charakter 
dieser Nöte kommt denn doch als ein zweiter, sehr bedeuten- 
der Faktor, der Widerstand in Betracht, den die Wirtschaft 
des bedrohten Landes leistet. Von diesem Standpunkte aus 
kann eine Geschichte der Hungersnöte dann wohl als ein 
einigermafsen wertvoller Beitrag zur Erkenntnis der wirt- 
schaftlichen Entwicklung einer bestimmten Zeit erscheinen. 

Für eine Arbeit in diesem Sinne fehlen aber bis jetzt fast 
alle Vorarbeiten. Das Buch von L. Torfs, Fastes des cala- 
mites publiques survenues dans les Pays-Bas et particu- 
lierement en Belgique, depuis les temps les plus recules jus- 
qu ä nos jours, Paris et Tournai, H. Casterman 1859, scheint 
seinem Titel nach allerdings wenigstens für ein gewisses be- 
schränktes Gebiet das Thema zu erledigen. Es zerfällt in 
drei selbständige Abschnitte, die von Hungersnöten, Über- 
schwemmungen und Epidemien handeln. Leider ist aber das 
Buch für eine wissenschaftliche Benutzung gänzlich imbrauch- 
bar. Nur aus einigen Andeutungen läXst sich erkennen, dafs 
der Verfasser als Quellen für seine Darstellung einzig und 
allein einige grofse Kompilationen des 17. und 18. Jahrhunderts 
benutzt hat. Woher seine einzelnen Nachrichten stammen, 
läfst sich häufig nicht feststellen, da er Citate überhaupt nicht 

Leipziger Studien VL 1: Carschmunn, Hungersnöte. 1 



2 Einleitung. 

kennt. Bei der Benutzung eines solchen Materials und dieser 
Arbeitsweise kann man natürlich keine gesicherten Resultate 
erwarten, wenn auch die bei Torfs angegebenen Notjahre zum 
Teil mit denen übereinstimmen, die ich mit Hilfe des origi- 
nalen Quellenmaterials gefunden habe. Dazu kommt, dafs 
Torfs als echter Ultramontaner die Tendenz verfolgt, nach- 
zuweisen, dafs fast alles Gute in der Welt von den Mönchen 
kommt. Als klassisches Beispiel dafür mag es dienen, dafs er 
es einmal für nötig hält hervorzuheben, besonders wie auch 
ein protestantischer Schriftsteller die segensreiche Wirksam- 
keit der Mönche bei der Hungersnot von 1272 in Friesland 
anerkennt.^) 

Etwas brauchbarer ist schon ein Aufsatz von L. Wasser- 
mann im „Katholik"^) unter dem Titel „Die Hungerjahre und 
die Klöster in alter Zeit". Auch dieser Verfasser schreibt mit 
der Tendenz „die Zeitgenossen daran zu erinnern, mit welch 
heroischer Selbstverleugnung die viel verleumdeten Mönche 
imseren Voreltern in den Zeiten gröfster Not Hilfe gebracht 
haben." Dem entsprechend findet sich in dem Aufsatze eine 
Aneinanderreihung einer grofsen Anzahl von Einzelheiten aus 
allen Zeiten und Ländern über die Wohlfahrtspflege der Klöster 
in Notjahren. So weit die Angabe nach Zeit und Gegend, 
aus der sie stammten, für mich in Betracht kamen, waren sie 
mir meist schon bekannt, neu wurde ich nur auf die mira- 
cula Volcuini und eine Stelle in der Hist. Frisingensis von 
Meichelbeck hingewiesen. 

Im übrigen ist die Geschichte der Hungersnöte nur noch 
für das Moselland schon einmal bearbeitet worden, allerdings 
nicht selbständig, sondern im Zusammenhange eines gröfseren 
Werkes von Lamprecht in seinem Deutschen Wirtschafts- 
leben. ^) Diesen Ausführungen verdanke ich die Hauptanregung 
für die vorliegende Arbeit. Die Resultate, die hier für ein 
kleineres Gebiet festgestellt worden sind, habe ich meist auch 
für das übrige Deutschland bestätigt gefunden. 



Quellen. 

Als Quellen dienten der vorliegenden Arbeit fast aus- 
schliefslich die erzählenden Geschichtsdenkmäler des Mittel- 



1) Torfs, S. 173 „Bien d'autres" dit Van Rhyn, „seraint ägalement 
morts de besoin, sans les secours charitables des religieux." Cet aveu 
d'un homme qui ne professait pas une grande admiration pour les in- 
stitutions monastiques, est pröcieux ä recueillir; il confirme les faits 
rapportös par Heylen." Die Nachricht selbst stammt natürlich von Menko. 

2) „Der Katholik", 72. Jahrgang, Dritte Folge, V. Band, 1892. 

3) 8. I, 589 flF. und 1537 ff. Chronik der elementaren Ereignisse. 



Einleitung. 3 

alters. Dabei war die Ausbeute, die die einzelnen Autoren 
lieferten, sehr verschieden. Gerade eine Anzahl der gefeier- 
testen Namen der mittelalterlichen Geschichtsschreibung werden 
in den folgenden Ausführungen ganz oder doch fast ganz 
fehlen, so um nur einige zu nennen, Widukind, Wipo, Thietmar, 
Adam von Bremen, Otto von Freising. Man sieht, es sind 
Autoren, deren ganzes Interesse auf die Ereignisse des Staats- 
lebens gerichtet ist. In ihre wohlgeordneten Geschichtswerke 
pafste eine bunte Aufzählung von allem, was wunderbar oder 
auffällig ist, von Hagel, Krankheit, Hungersnot und Mifs- 
geburten, nicht hinein; und eine Betrachtung der wirtschaft- 
lichen Mächte in ihrer Bedeutung für den gesamten Verlauf 
der Geschichte lag ihnen natürlich noch fern. 

Naive, unbekannte Mönche, die aufschrieben, was ihnen 
in ihrem engen Lebenskreise bemerkenswert erschien, lieferten 
dagegen oft die wertvollsten Nachrichten. Im allgemeinen er- 
geben die einfachsten Annalen bei weitem das beste Ma- 
terial, aus ihnen liefs sich ein gewisser. Grundstock von Nach- 
richten entnehmen; sie dienten in erster Linie zur zeitlichen 
und örtlichen Fixierung der einzelnen Hungersnöte. Am wert- 
vollsten waren hier oft wieder die allerkürzesten und sonst 
sehr unbedeutenden Annalen, Werke, die oft noch wirklich 
auf Ostertafeln eingetragen waren, die nichts von allen grofsen 
Ereignissen der Welt wissen und die neben ihrer Abtreihe 
häufig nicht viel mehr enthalten, als eben Nachrichten über 
Naturereignisse, über Krankheiten von Menschen und Vieh 
und was dem Verfasser sonst wunderbar und bemerkenswert 
erschien. Solche Nachrichten haben den Vorteil, dafs sie 
authentisch sind, meist sind sie im Jahre des Ereignisses 
selbst niedergeschrieben oder stützen sich doch auf unmittel- 
bare gleichzeitige Nachrichten, in der Regel enthalten sie neben 
der Angabe fames valida, hiemps prolixa oder Ähnlichem 
keine näheren Bestimmungen, besonders keine Ortsangaben, 
sie beziehen sich eben nur auf den Ort der Niederschrift und 
seine nähere Umgebung. Eine Schwierigkeit bot die Bearbei- 
tung dieser kurzen Annalen insofern, als gerade sie häufig 
von einem Kloster in das andere übertragen worden sind, um 
dort den Anfang eigener Klosterannalen zu bilden, oder aber, 
was die Benutzung noch schwieriger macht, mit schon vor- 
handenen Annalen vermischt zu werden. Um ein charakteri- 
stisches Beispiel dieser letzteren Art anzuführen, erwähne ich 
die Fortsetzung der Annalen von Lobbes.^) Diese Fortsetzung 
ist mit den Weifsehburger Annalen derartig verbunden worden, 



1) Ann. Laub. cont. S. S. IV, 20 u. Ann. Weifsenburg. ed. Holder- 
Egger, Lamperti monach. Hersfeld, opera, p. 53, 56; vgl. bes. a. 1068, 1069. 

1* 



4 Einleitung. 

dass wir jetzt Witterungsangaben, die für das Elsafs gelten, 
scheinbar auf Belgien bezogen wiederfinden. Ähnlicli ist es 
mit den Achener Annalen gegangen, die in Erfurt^) wieder auf- 
tauchen, wo sie sich allerdings leicht durch ihre Angaben in 
Achener Mafs verraten. 

Bei der höchst mühsamen Arbeit der Zurückführung der 
einzelnen Stellen auf ihren Ursprungsort, boten mir oft schon 
die Ausgaben der M. G. S. S. bedeutende Hilfe. Die wert- 
vollste Führung durch dieses Labyrinth aber waren mir doch 
Wattenbachs Geschichtsquellen, ohne die die vorliegende Arbeit 
überhaupt kaum möglich gewesen wäre. So weit es nötig 
schien, habe ich aufserdem auch noch auf die Spezialunter- 
suchungen zurückgegriffen und möchte in dieser Hinsicht be- 
sonders Redlichs Aufsatz über die österreichische Annalistik 
im zweiten Bande der Mitteilungen des Instituts für öster- 
reichische Geschichtsforschung erwähnen; dazu kamen zahl- 
reiche kleinere Untersuchungen, wie sie sich besonders im 
neuen Archiv für ältere deutsche Geschichtskunde zerstreut 
finden. So schwierig die Aufgabe der richtigen Fixierung der 
einzelnen Nachrichten oft war, so glaube ich doch hier fast 
überall zu einem abschliefsenden Ergebnisse gekommen zu sein. 

Einfacher schon war die Verbesserung der chronologischen 
Fehler in den Annalen. Es handelte sich hier fast immer um 
den Nachweis einer Verschiebung der Zahlen um ein oder 
zwei Jahre, wie sie wohl meist erst beim Abschreiben der 
Origiualquellen entstanden ist. Hier liefs sich das Richtige 
gewöhnlich schon durch eine Nachprüfung der zu demselben 
Jahre berichteten politischen Ereignisse finden. 

Die Nachrichten, die in den ausführlicheren Chroniken 
geboten werden, haben schon einen anderen Charakter. Die 
Nachrichten der Annalen dienten zur Festlegung der einfachen 
Thatsachen, die eingehenderen Berichte der Chroniken bieten 
die wünschenswerte Illustrierung der Vorgänge im Einzelnen. 
Dafür ist aber bei ihnen oft die zeitliche Bestimmung un- 
sicher und läfst sich nur mit Hilfe der aus den Annalen ge- 
wonnenen festen Grundlage erreichen. So datieren z. B. Si- 
fried von Ballhausen und der Mönch von Fürstenfeld beide 
eine Hungersnot in Böhmen nur durch die Angabe „nach dem 
Tode Ottokars". Man würde also hiernach versucht sein, sie 
in das Jahr 1278 zu setzen, während sie thatsächlich erst 
zwei Jahre später begann. Auf die Erwähnung dieser Hungers- 
not folgt dann bei dem Monach. Fürstenfeld, bald eine andere: 
„etwas vor oder nach dem Regierungsantritt Rudolfs", ist sie 



1) Ann. S. Petri Erphesfurd. S. S. XVI, 20 und Ann. Aquensea S. 
S. XXIV, 37, 38; vgl. die Jahre 1146, 1150 u. 1162. 



Einleitung. 5 

datiert; es handelt sich, wie sich durch Hinzuziehung anderer, 
besonders annalistiseher Quellen, ergiebt, um das Jahr 1271. 
Sehr häufig fehlt aber eine nähere Bestimmung in den Chro- 
niken ganz, so dafs sich nur aus den begleitenden Umständen 
eine Datierung finden läfst. 

Die Gesta der Bischöfe und Äbte sind den Chroniken 
nahe verwandt, sie sind aber oft sehr spät niedergeschrieben 
und enthalten für den vorliegenden Zweck verhältnismäfsig 
wenig. So finden sich z. B. in der ganzen langen Reihe der 
Gesta Treverorum nur zwei Nachrichten. 

Auch in den Heiligenleben fand ich auffallend wenig 
brauchbares Material; wirklich genaue Angaben mit fester 
Datierung wird man ja hier kaum suchen, aber auch für die 
Anschauung der Zeit bieten sie nicht viel. In der Lebens- 
beschreibung selbst überwiegt der erbauliche Inhalt sehr, und 
auch in ihren Wundern zeigen die Heiligen für unseren Zweck 
zu wenig Abwechslung, sie heilen immer nur Blinde und 
Lahme und haben nie ein Wunder gegen die Hungersnot voll- 
bracht. Aus diesen Gründen habe ich darauf verzichtet, dieses 
ungeheure Material vollständig durchzusehen, ich habe mich 
auf die Heiligenleben, die in den M. G. S. S. abgedruckt sind, 
beschränkt mit Ausnahme von wenigen, die allzu spät ver- 
fafst waren; und ich glaube mit dieser Begrenzung nichts 
wichtiges übergangen zu haben. Einen Ertrag gaben aber 
nur verhältnismäfsig wenige, meist sehr bald nach dem Tode 
ihres Heiligen verfafste Biographieen, die sich auch sonst vor 
der übrigen Litteratur dieser Art auszeichnen. Ich nenne hier 
in erster Linie die sehr wertvolle Passio Karoli comitis Flan- 
driae, ferner die Leben Heriberts von Köln und Ottos von 
Bamberg. 

Grundsätzlich habe ich auf die Durchsicht von Ur- 
kunden und Briefen verzichtet, ich glaube mit gutem Rechte, 
denn bei der ganzen Natur dieser Quellen ist auf einen Er- 
trag kaum zu rechnen. Ist dies schon von vornherein leicht 
glaublich, so sprechen dafür auch noch mehr Ergebnisse von 
Werken, die dieses Material verarbeitet haben. Lamprechts 
Wirtschaftsleben, das zum ganz überwiegenden Teile auf Ur- 
kundenstoff beruht, enthält in der Chronik der elementaren 
Ereignisse nur eine einzige Stelle aus einer Urkunde, die sich 
auf eine Hungersnot bezieht. Die Jahrbücher des deutschen 
Reichs erwähnen die meisten bedeutenden Hungersnöte und 
geben das Qu eilen material fast vollständig an, und doch findet 
sich hier nur einmal eine Stelle aus einem Briefe. 

Noch eine Quellengruppe ist zu erwähnen, die Kapitu- 
larien der fränkischen Zeit. Sie ergaben ein aufserordentlich 
wertvolles Material, besonders für die Notstandspolitik Karls 



6 Einleitung. 

des Grofsen; einmal liefs sich auch eine Hungersnot, wo die 
Annalen schweigen, allein aus den Kapitularien bestimmen. 
Die späteren Kaiser haben nur noch wenige Gesetze gegeben 
und sich darin nie mit Wohlfahrtspolitik befafst. Ich habe 
diese Gesetze nicht einzeln durchgeprüft, ich kann mich hier 
wohl wieder mit Recht auf das Schweigen der Jahrbücher 
berufen, die Material, was hier vorhanden gewesen wäre, nicht 
unberücksichtigt gelassen hätten. 

Ein vollständiges Verzeichnis aller zu der vorliegenden 
Arbeit benutzten Quellenschriften würde zu weit führen, es 
wäre eine Aufzählung von mehreren Hundert Namen, im 
wesentlichen eine Wiedergabe der Titel aus den Inhaltsangaben 
der Monumenta Germaniae. Ein sehr grofser Bruchteil von 
Schriften würde auch darunter sein, deren Durchsicht kein 
Resultat ergab, die also in Wirklichkeit für diese Arbeit nicht 
in Betracht kamen. Irgend eine innerliche Scheidungslinie 
zwischen den Schriftstellern, die Material enthalten, und denen, 
die nichts beibringen, giebt es nicht. Im ganzen liefern die 
Annalen vielleicht y^, oder mehr allen Stoffes, und höchst 
selten fand sich einmal eine Nachricht über eine Hungersnot 
in einem Königs- oder Bischofskatalog, aber auf der anderen 
Seite giebt es auch Annalen, die keine Nachricht bringen, 
und einige vereinzelte Nachrichten finden sich auch in den 
Katalogen. 



Räumliche Begrenzung des behandelten Gebietes. 

Was die räumliche Abgrenzung des von mir behandelten 
Gebietes angeht, so bin ich mir wohl bewuTst, dafs dieses Ge- 
biet weder geographisch, noch wirtschaftlich, noch politisch 
ein vollkommen abgeschlossenes Ganzes bildet. Wenn auch 
die Behandlung von ganz Europa oder auch nur Mitteleuropa 
nach der Überlieferung der Quellen so gut wie unmöglich 
war, so hätte es doch nahe gelegen, wenigstens Deutschland 
und Frankreich zusammen zu behandeln. Wenn ich mich 
dennoch entschlofs, mich auf Deutschland zu beschränken, so 
bestimmten mich dazu Erwägungen von rein praktischer 
Natur. Eine Arbeit, die sich über sechs Jahrhunderte er- 
streckt und die die ganze historische Quellenlitteratur dieser 
Zeit heranziehen will, läfst sich exakt nur mit einem einheit- 
lichen publizierten und durchgearbeiteten Material ausführen, 
wie es für Deutschland eben in den M. G. S. S. vorliegt. Für 
Frankreich giebt es zwar auch in dem Recueil des historiens 
des Gaules et de la France eine grofse Sammlung, aber sie 
kann in ihrer Brauchbarkeit doch nicht mit den Monumenten 
verglichen werden. Die Kritik der einzelnen Quellenstellen 



Einleitung. 7 

wäre unendlicli viel schwieriger und in ihren Ergebnissen sehr 
viel unsicherer gewesen. Schon die Hilfe, die die M. G. 
S. S. in Bezug auf originale und abgeleitete Überlieferung 
durch den verschiedenen Druck gewähren, fehlt, und die 
Quellenkritik ist hier überhaupt noch nicht so weit durch- 
geführt, wie für Deutschland, wo sie für meine Zwecke in ge- 
nügender * Abgeschlossenheit vorliegt. Ich habe im Verlaufe 
der Arbeit gewifs noch oft auch für Deutschland die Richtig- 
keit der geltenden Ansichten in dieser Richtung nachprüfen 
müssen, aber eine quellenkritische Prüfung selbständig vor- 
zunehmen, wie das bei Heranziehung der aufserdeutschen 
Quellen oft nötig gewesen wäre, ist bei einer Arbeit, die zu- 
sammenfassen will, unmöglich. 

Geographisch beschränkt sich die Untersuchung also auf 
Deutschland. Doch habe ich unter dieser grundsätzlichen Be- 
schränkung, um auch für die Grenzgebiete möglichst richtige 
Resultate zu erreichen, das Gebiet immerhin sehr ausgedehnt. 
Im Westen ist Belgien vollkommen einbezogen worden, so 
dafs die äufsersten Quellen der Gegend von Calais und Cambrai 
augehören. Bei einem im Mittelalter so viel benutzten Schrift- 
steller wie Vincenz von Beauvais, bin ich auch noch beträcht- 
lich über die angedeutete Linie hinausgegangen. Weiter süd- 
lich sind vollständig benutzt die Quellen aus den Bistümern 
Verdun, Toul und Dijon, aufserdem noch Rodulfus Glaber, und 
einige kleinere Quellen aus Lausanne. Alle diese Quellen bis 
auf Rodulfus Glaber, finden sich noch in den M. G. S. S. ab- 
gedruckt. Um für diese Grenzgebiete noch eine Kontrolle zu 
haben, habe ich aber für die wichtigsten Notjahre auch den 
Index chronologicus des Recueil des historiens des Gaules et 
de la France, bis zum elften Bande, zu Rate gezogen; von da 
an mufste ich mich freilich mit dem Sachverzeichnisse be- 
gnügen. Es ergaben sich dabei für das Gebiet östlich der 
Linie Calais-Dijon überhaupt keine neuen Nachrichten, und 
auch für das übrige Frankreich fand sich auffallend wenig 
Neues, so dafs ich schliefslich glaube, thatsächlich auch für 
den gröfsten Teil von Frankreich, eine fast vollständige Reihe 
von Hungersnöten gegeben zu haben. 

Die Südgrenze meines Gebietes ergiebt sich von selbst 
durch den Zug der Alpen. Einzelne Angaben über Italien, 
die für die ältere Zeit zu erwähnen von Interesse war, ver- 
danke ich den Angaben in den Jahrbüchern der deutschen 
Geschichte. 

Im Osten lälst sich gegen die weiten Ebenen von Ungarn 
und Polen eine geographisch berechtigte Grenze überhaupt 
nicht ziehen, aber hier besteht eine Kulturgrenze. Östlich 
der Linie Wien-Krakau etwa giebt es für die von mir be- 



8 Einleitung. 

handelte Zeit keine brauchbaren Quellen mehr. Für den nord- 
östlichen Teil der norddeutschen Tiefebene aber fehlen Nach- 
richten fast ganz, so dafs sich überhaupt ein sicheres Bild 
über die Lage in diesen Ländern nicht entwerfen läfst.f 

Die Nordgrenze des behandelten Gebietes endlich ergiebt 
sich meist von selbst durch das Meer, nur in Dänemark 
könnte die Abgrenzung Schwierigkeiten machen. Ich habe 
Dänemark ganz von der Betrachtung ausgeschlossen, denn es 
findet sich in den dänischen Quellen, die erst sehr spät ein- 
setzen, abgesehen von der grofsen Hungersnot von 1315 — 17, 
nur eine Hungersnot von 1283, die aber mit keiner Hungers- 
not in Deutschland zusammentrifft. Aufserdem scheinen sich 
hier die Verhältnisse, — und dies tritt noch mehr hervor, da 
die wichtigste Quelle auf Seeland geschrieben ist, — schon sehr 
dem südlichen Schweden zu nähern. 

Mit der soeben mitgeteilten Begrenzung glaube ich immer- 
hin ein ziemlich gleichartiges Gebiet umschrieben zu haben; 
es ist das Land, auf dem sich während des Mittelalters im 
wesentlichen die deutsche Geschichte vollzieht, es ist ein Ge- 
biet, das von Deutschen bewohnt wird oder unter unmittel- 
barem deutschen Einflüsse steht, mithin wohl eine Gewähr 
für genügende kulturelle Gleichheit als Voraussetzung für die 
folgenden Untersuchungen bietet. 

Zeitliche Begrenzung. 

Der Anfangstermin für die vorliegende Untersuchung, 
ca. 700, ergiebt sich von selbst, da um diese Zeit die ältesten 
Annalen beginnen. 

Als Endtermin habe ich das Jahr 1317 angenommen. 
Das erscheint willkürlich und bedarf einer Erklärung. Die 
Veränderungen in der Wirtschaft vollziehen sich allmählich, 
jede Periodeneinteilung hat hier etwas mehr oder weniger Ge- 
waltsames. Aufgehört haben die Hungersnöte auch nicht im 
14. Jahrhundert noch später, wir haben noch im Jahre 1848 
bis 1849 in einem Teile Deutschlands eine Hungersnot er- 
lebt, die in sehr vielen ihrer Symptome vollkommen den 
Hungersnöten früherer Jahrhunderte glich. ^) Bei meiner Be- 
grenzung haben mich folgende Gründe geleitet: Um 1250 ist 
ein Einschnitt in der mittelalterlichen Geschichte allgemein 
üblich; wirtschaftlich ist die Zeit nachher besonders durch die 
immer wachsende Bedeutung der Städte bezeichnet. Wie weit 



1) Virchow, Gesammelte Abhandlungen aus dem Gebiete der öffent- 
liclien Medizin, I, 234 ff. Mitteilung über die in Oberschlesien herr- 
schende Typhusepidemie. 



Einleitung. 9 

diese Änderung der wirtscliaftlichen Verhältnisse einen Ein- 
flufs auf die Entstehung und den Verlauf der Hungersnöte 
ausgeübt hat, kann ich nicht sagen, aber es ist nicht un- 
wahrscheinlich, dafs sich ein solcher Einflufs für die spätere 
Zeit würde nachweisen lassen. Eine Arbeit, die sich mit 
immer wiederkehrenden elementaren Ereignissen beschäftigt, 
mufs sich bei der Vergleichung und Gruppierung grofser, be- 
stimmter Zeitabschnitte bedienen, wie sie in den Jahrhunderten 
von selbst gegeben sind, es lag darum nahe die Untersuchungen 
bis 1300 auszudehnen. Über diesen Zeitpunkt bin ich noch 
etwas hinausgegangen, weil es sich zeigte, dafs gleich in dem 
Anfang des 14. Jahrhunderts eine ganz bedeutende, allgemeine, 
ja vielleicht die am weitesten ausgedehnte Hungersnot des be- 
handelten Zeitabschnittes überhaupt fällt. Dieser Umstand 
lieferte nicht nur sehr wertvolles neues Material, sondern ver- 
hütete auch verhängnisvolle falsche Schlufsfolgerungen, die 
sonst aus dem langen Aussetzen allgemeiner Hungersnöte leicht 
hätten gezogen werden können. Die Zeit nach 1317 verläuft 
dann bis zum schwarzen Tode ziemlich ruhig, ohne besondere 
elementare Ereignisse. 

HTingersnöte und Seuchen. 

Im übrigen bedarf mein so zeitlich und örtlich abge- 
grenztes Arbeitsgebiet noch einer sachlichen Begrenzung. Die 
ständigen Begleiter der Hungersnöte sind grofse Volkskrank- 
heiten. Fames und mortalitas sind für den mittelalterlichen 
Annalisten fast untrennbare Begriffe. Es hätte darum sehr 
nahe gelegen, gleichmäfsig mit der Geschichte der Hungers- 
nöte auch eine Geschichte der Seuchen zu geben, da beide Er- 
scheinungen meistens neben einander hergehen, freilich auch 
nur meistens; es giebt auch selbständige Epidemieen, ich er- 
wähne hier nur die grofse Ausdehnung des ignis sacer im 
Jahre 1094. Das vorliegende Material genügt nun aber nicht, 
um das Wesen dieser Seuchen recht zu erfassen; die Be- 
schreibungen der Krankheiten sind zu selten, und es wäre für 
eine Seuchengeschichte sicher notwendig, noch weiteres Ma- 
terial beizubringen und besonders auch die italienischen und 
französischen Quellen in ihrem ganzen Umfange heranzuziehen. 
Das würde aber zu sehr von dem eigentlichen hier behan- 
delten Gebiete abgeführt haben. 

Ein weiterer Grund, warum ich von einer eingehenderen 
Behandlung der Seuchen abgesehen habe, ist der folgende. 
Sind schon Beschreibungen der Krankheitserscheinungen über- 
haupt selten, so verliert vollends beim Eintritt des gröfseren 
Übels der Hungersnot der mittelalterliche Schriftsteller jedes 



10 Einleitung. 

Interesse für das Krankheitsbild, er begnügt sich mit der 
Thatsache, dafs viele Menschen sterben, die Ursachen, ob sie 
verhungern oder an einer oder etwa verschiedenen Krank- 
heiten sterben, sind ihm gleichgültig. Diese Lage des Quellen- 
materials mufs dazu veranlassen, ähnlich zu verfahren. Ich 
werde daher später an geeigneter Stelle die Seuchen, die die 
Hungersnöte begleiten, im wesentlichen nur in ihrer grofsen 
Folgeerscheinung, der grofsen Sterblichkeit, betrachten, ohne 
den einstweilen aussichtslosen Versuch zu machen, näher auf 
das Wesen der einzelnen Krankheiten einzugehen. 



Farnes und oaristia. 

Noch eine Vorfrage ist zu erledigen, bevor ich das Thema 
selbst angreife, die Frage, wie findet in den mittelalterlichen 
Quellen die Thatsache der Hungersnot ihren Ausdruck, ins- 
besondere mit welchem Worte drücken die Quellen den Be- 
griff der Hungersnot aus? 

Da kann nun bis zum Beginne des 13. Jahrhunderts 
kein Zweifel bestehen; uns mag es schwierig erscheinen, den 
Begriff der Hungersnot zu definieren, für das Mittelalter war 
es ein feststehender Begriff, imd fames ist das Wort, das da- 
für gleichmäfsig immer wiederkehrt. Von dieser Zeit an aber 
tritt das Wort caristia auf und wird allmählich immer häu- 
figer. Ist nun caristia etwas anderes als fames? Ohne Zweifel 
ist caristia ursprünglich das mildere Wort, es heifst eben nicht 
Hungersnot, sondern Teuerung^), es setzt also schon ent- 
wickeltere Verhältnisse voraus, wie das ja auch sein Auftreten 
erst in den späteren Jahrhunderten beweist. Bedeutete nun 
caristia wirklich immer nur Teuerung, so könnte es leicht ein 
falsches Bild geben, wollte man die Nachrichten über caristia 
im 13. Jahrhundert gleichmäfsig mit den Nachrichten von 
fames in der früheren Zeit zusammenstellen. Teuerungen kann 
es auch in den früheren Jahrhunderten gegeben haben, aber 
es ist uns kaum etwas davon überliefert, nur das ganz Auf- 
fallende, Schreckliche war des Aufschreibens wert. Nun finden 
sich aber im 13. Jahrhundert eine ganze Anzahl von Stellen, 
bei denen nicht nur alle Begleiterscheinungen der caristia für 
eine Hungersnot sprechen, sondern es giebt auch Stellen, wo 
die alten Schriftsteller deutlich beide Worte in gleichem Sinne 
gebrauchen. Vom Jahre 1277 heifst es in einer österreichi- 
schen Quelle^): „Eodem anno maxima caristia in Karinthia 
facta est, ita ut homines se invicem comederent." Dafs hier 



1) Du Gange ed. L. Favre 1883, tom. 11, 171. 

2) a. 1277 Cont. praedicat. Vindob. S. S. IX, 730, 38. 



Einleitung. 11 

eine wirkliche Hungersnot gemeint ist, kann wohl nicht 
zweifelhaft sein. Im Jahre 1320 gebrauchen die Ann. Col- 
bazienses^) das Wort caristia ganz allgemein zur Bezeichnung 
der schweren Notepoche der vorhergegangenen Jahre: Hie 
cessavit caristia magna et strages qua precedentibus tribus 
annis sive 4 raulti invalescente fame et pestilencia — — 
mortui sunt. Ähnliche Beispiele lassen sich noch mehr an- 
führen, aus denen hervorgeht, dafs caristia unter Umständen 
wirklich Hungersnot bedeuten kann.^) 

Noch häufiger aber ist es, dafs man mit caristia die That- 
sache grofsen Mangels und hoher Preise bezeichnet, es folgt 
dann fames und das Sterben vieler Menschen als die unmittel- 
bare Folge. ^) Darnach läfst sich wohl feststellen, dafs, wenn 
das Wort caristia auftritt, daraus noch nicht etwa gefolgert 
werden darf, dafs hier nur von einer Preissteigerung die Rede 
ist, es kann damit auch eine wirkliche Hungersnot bezeichnet 
sein. Was gemeint ist, mufs die Betrachtung jeder einzelnen 
Stelle ergeben. 



1) a. 1320 Ann. Colbaz. S. S. XIX, 717, 19. 

2) 1281 Cont. Claustroneobg. IX, S. S. 746, 22; 1310 Ann. aus 
Dietkirclien M. G. Deutsch. Chr. IV, 1, p. 118; 1316 Ann. Vetrocell. S. 
S. XVI, 445, 11, Sigismund Rosicz S. S rer. Silesic Xu, 38. 

3) a. 1263 u. 1280 Cosm. cont. Ann. Prag. I S. S. IX, 179, 1 u. 
W6, 46; a. 1316 Aegid. li Muisis, De Smet Corp. ehr. Fland. n, 207. 



Auffassung der Zeitgenossen über die Entstehung der 
Hungersnöte. 

Es wird zuerst darauf ankommen, die allgemeine Auf- 
fassung der Zeit vom Wesen der Hungernöte kennen zu lernen. 
Da sah man nun wohl die elementaren Ereignisse, Frost und 
Hitze, Hagel, Gewitter und Überschwemmungen, die den 
Hungersnöten vorhergingen; aber die Not nur als ein Produkt 
solcher Ereignisse aufzufassen, genügte der Zeitanschauung 
nicht. Die Schriftsteller berichten dergleichen wohl, aber 
schliefslich liegt für sie der wahre, letzte Grund für solches 
grofse, weite Landstriche verheerende Unglück doch tiefer. 
Man sieht in der Not ein direktes Eingreifen Gottes, eine 
Strafe für die Sünden der Menschheit. Mehrfach finden wir 
diesen Gedanken ausgesprochen, häufig klingt er in den aus- 
führlicheren Schilderungen an. „Sed adhuc iratus erat Altis- 
simus, et residuum maris fame flagellavit et pestilentia'' heifst 
es in Emos Chronik.^) Ahnlich sprechen sich 400 Jahre 
früher Ludwig und Lothar in einem Rundschreiben^) vom 
Jahre 828 aus, in dem es heifst: „Quis enim non sentiat 
Deum nostris pravissimis actibus esse offensum et ad iracun- 
diam provocatum, cum videat tot annis multifariis flagellis 
iram illius desaevire, videlicet in fame continua, in mortalitate 
animalium, in pestilentia hominum, in sterilitate pene omnium 
frugum, et, ut ita dixerim, diversissimis morborum cladibus 
atque ingentibus penuriis populum istius regni miserabiliter 
vexatum et affiictum atque omni abundantia rerum quodam 
modo exinanitum." 

Dasselbe Bild der Geifsel Gottes gebrauchen Menko^) und 
die Passio Karoli.*) 

1) a. 1219 Emo S. S. XXITI, 490, 32. 

2) Boret. II, 4, 25. Boretius hält die Recentio B für unecht, weil 
man Ludwig im Jahre 828 eine so demütige Sprache nicht zutrauen 
könne. Deswegen bleibt die Auseinandersetzung doch für die Anschau- 
ungen der Zeit charakteristisch, Mühlbacher nimmt Regesten Nr. 828, 
p. 304 keinen Anstofs. 

3) a. 1249 Menko S. S. XXIII, 543. 

4) Passio Karoli comit. Fland. c. 2 S. S. XII, 562, 39. Immisit ergo 
Dominus flagella famis et postmodum mortalitatis. 



Auffassung d. Zeitgenossen üb. d. Entstehung d. Hungersnöte. 13 

Das Schwert Gottes wird die Hungersnot in den Gesta 
abbatum Gemblaceusium^) genannt, und als ob dies noch nicht 
genüge, geht der Verfasser sofort in ein anderes Bild über 
und vergleicht die Not mit der Belagerungsmaschine, dem 
Widder. Wie der Widder dröhnend gegen die Mauern der 
belagerten Stadt stöfst, so trifft die Hungersnot die Paläste 
der Reichen und die Hütten der Armen. Einen gerechten 
Richter nennt Menko^) Gott, weil er die Dänen, die in der 
Not den Friesen die Hilfe verweigert hatten, im folgenden 
Jahre durch eine Hungersnot straft. 

Auch böse Mächte können eine Hungersnot hervorbringen, 
um den Menschen zu schaden. Einhard^) erzählt von einem 
Teufel, der in Höchst durch den Mund eines sechzehnjährigen 
Mädchens gestanden habe, dass er mit noch elf Genossen nun 
schon seit Jahren das Frankenreich heimgesucht hätte, sie 
hätten alle Saaten verdorben und Krankheit über Menschen 
und Vieh gebracht. 

829 erklärte eine Pariser Synode*): „Sunt sane diversorum 
malorum patratores, quos et lex divina improbat et condem- 
nat pro quorum etiam diversis sceleribus et flagitiis populus 
fame et pestilentia flagellatur." Es folgt dann eine Aufzäh- 
lung der verschiedenen Missethäter. Ebenso wie hier die 
Väter der Kirche, so sucht in einem anderen Falle das Volk 
von Trier in den vorgeblichen Sünden eines Einzelnen die Ur- 
sache für das allgemeine Unglück.^) Es rottet sich zusammen 
und will die Zelle des Eremiten Symeon stürmen, der als ein 
vielleicht unheimlicher, aber harmloser Gast in der Porta 
nigra hauste. Für seine Sünden soll, wie sie behaupten, 
Überschwemmung und Hungersnot über das Moselland ge- 
kommen sein. 

Der übernatürliche Ursprung der Hungersnot zeigt sich 
auch in dem, was ihr vorhergeht. Die Menschen werden ge- 
warnt, ehe das Unglück über sie hereinbricht, damit sie noch 
vorher Bufse thun können^), und Elend und Tod sie nicht 
unvorbereitet überraschen. Fast jede Hungersnot wird durch 



1) a. 1095 Gest. abb. Gembl. cont. auct. Godeschalco S. S. VIII, 
547, 10 u. a. 1196 Cont. Aquicinct. S. S. VI, 433, 43; a. 1144 Cont. Gembl. 
S. S. VI, 388, 34. 

2) a. 1272 Menko S. S. XXIH, 560, 18. 

3) Einhardi transl. et miracula S. S. Marcellini et Petri S. S. XV, 
253, 34. „Ego", ait, „sum satelles atque discipulus Satanae — — per 
annos aliquot sum sociis meis undecim regnum Francorum vastavi; fru- 
mentum et vinum et omnes alias fruges, quae ad usum hominum de 
terra nascuntur, iuxta quod iussi eramus, enecando delevimus, pecora 
morbis interfecimus, luem et pestilentiam in ipsos homines inmisimus." 

4) Mansi XIV, col. 595. — 5) a. 1035 Miracula S. Symeonis S. S. 
VIII, 210, 40. — 6) a. 1125 Passio Karoli c. 2. S. S. XII, 562, 39. 



14 Aufassung der Zeitgenossen über die Entstehung 

schreckliche Himmelserscheinungen eingeleitet, Sonnen- und 
Mondfinsternisse, Kometen, Nordlicht haben ihre schlimme 
Vorbedeutung. 

Sonnenfinsternisse treffen noch verhältnismäfsig selten 
mit Hungersnöten zusammen, meist können die Quellen aus 
ihnen nur das Entstehen von Krankheiten, Überschwem- 
mungen u. s. w. herleiten, aber einige Fälle sind noch über- 
liefert. 

Am 11. August 1124^) fand eine Sonnenfinsternis statt. 
Sie ist in der Passio Karoli genau beschrieben und der Ver- 
fasser giebt an, dafs man sie als ein Vorzeichen der kommen- 
den Hungersnot betrachtete. Von derselben Finsternis spricht 
auch Cosmas^), es folgt darauf eine Seuche unter den Rindern 
und Schweinen, die Bienen sterben und die Ernte verdirbt. 
Ebenso bringen die Ann. Hildesh.^) und die Summa Honorii*) 
diese Finsternis mit der Hungersnot in Verbindung. Aufser- 
dem sind mir noch folgende Fälle bekannt geworden, wo die 
Quellen unzweifelhaft diese Verbindung annehmen: 19. Juli 939 
totale Sonnenfinsternis, es folgt eine Hungersnot in Italien.^) 
23. September 1093 ringförmige Sonnenfinsternis, es folgt 
Hungersnot in Sachsen.^) 2. August 1133 totale Sonnen- 
finsternis, es folgt viel Regen während der Ernte in Pader- 
born.^) 26. Oktober 1147 ringförmige Sonnenfinsternis, die 
grofse Hungersnot des Jahres bestand aber schon seit 1145.*) 
81. Jan. 1310 ringförmige Sonnenfinsternis, caristia bladi et 
vini in Belgien ist die Folge. ^) 

Eine Mondfinsternis geht der Hungersnot zweimal 
voran im Jahre 1259 1«) und 1263.") 

Viel schlimmere Verkündiger der Hungersnöte sind aber 
die Kometen, wenn sie erscheinen steht immer ein schweres 
Unglück bevor. Die Chronisten berufen sich bei ihrer Er- 
wähnung gern auf berühmte Gelehrte, die über den unheil- 
vollen Einflufs dieser Gestirne geschrieben haben. So citiert 

1) Dieses und alle folgenden Daten für Finsternisse aus Oppolzer 
Kanon der Finsternisse Bd. LIT der Schriften der math.-naturwiss. Klasse 
der kaiserl. Akademie der Wissenschaften, Wien 1887. 

2) a. 1124 Cosmas S. S. IX, 129, 9. 

3) a. 1124 Ann. Hildesh. M. G. S. S. kl. Ausg., p. 66. 

4) a. 1124 Summa Honorii S. S. X, 131, 23. 

5) a. 939 Ann. Sangall. maior. S. S. 1, 78. Liudprand lib. V, c. 2 
M. G. S. S. kl. Ausg. 101. 

6) a. 1093 Ann. August S. S. IH, 134, 17. 

7) a. 1133 Chr. reg. Col. M. G. S. S. kl. Ausg. 70. 

8) a. 1147 Chr. reg. Col. M, G. S. S. kl. Ausg. 82; Ann. FlorefiF. S. 
S. XVI, 624, 42; Ann. Brunwil. S. S. XVI, 727, 26. 

9) a. 1309 Aegid. Li Muisis ehr. de Smet. corp. ehr. Fland. II, 176. 

10) 8. Mai 1259 Ann. Wessof. ed. Leuter Hist. Wessof II, 33. 

11) 20. Febr. 1263 Cont. Sancr. ü, S. S. IX, 645, 28. 



der Hungersnöte. 15 

die Cout. Zwetliensis IIP) Beda und andere Gelehrte, nach 
deren Zeugnis auf einen Kometen immer Hungersnot, Seuchen, 
Thronwechsel und anderes Unglück folgen soll. Als eine 
andere Autorität wird einmal Isidor angeführt. Er sagte in den 
Origines^): „Cometes stella est dicta eo quod comas luminis 
ex se fundat. Quod genus sideris quando apparuerit, aut 
pestilentiam, aut famem, aut bella significat." So glauben es 
alle Chronisten; als ob es eine logische Konsequenz wäre, so 
folgt bei ihnen auf den Kometen die Hungersnot. „Stella 
cometis. Farnes acerrima'' heilst es in einer süddeutschen 
Quellengruppe. „Stella cometes apparuit, et fames subsecuta 
est" sagen die Ann. Laub.^) und ähnlich andere Quellen. In 
einigen Fällen erscheint der Komet schon im Jahre vor dem 
Eintritte des Unglücks, so berichten Alpertus*) und die Ann. 
ßatisponenses^). Die merkwürdige Gestalt des Kometen machte 
bedeutenden Eindruck auf die Beobachter, und besonders der 
Lichtschein des Schweifes erregte ihre Aufmerksamkeit. Die Ann. 
S. Columbae Senon. vergleichen ihn einmal mit einer Lanze. 
Im Ganzen finden sich 10 Fälle ^), wo Hungersnöte durch 
das Erscheinen von Kometen angekündigt werden: 868, 909, 
940 oder 941, 1005, 1031, 1145, 1197, 1217, 1264 und 1316. 

1) Confc. Zwetl. III, &. S. IX, 656, 9. Stella que cometa dicitur visa 
est, per continuos 80 dies; que secundum Bedam et alios doctores osten- 
tat vel famem, aut pestilenciam, vel mortalitatem, vel mutacionem regni, 
vel aeris intemperiem, aut ventorum inmanitatem. 

2) Origihes lib. HI c. LXX, 16; Corp. grammatic. lat. vet. HI, 166. 

3) a. 941 Ann. Laub. S. S. IV, 16, 33. 

4) a. 1005 Alpert. de diversit. temp. lib. I c. 6. S. S. IV, 704, 9. 

5) a. 1145 Ann. Ratisp. S. S. XVH. 586, 11. 

6) a. 868 Ann. SangaU. maior. u. s. w. S. S. I, 76; Ann. S. Co- 
lumbae Sen. S. S. I, 103; Ann. Xant. S. S. 11, 233, 9 u. Ann. Fuld. M, 
G. S. S. kl. Ausg. 67. 

909 Ann. S. Col Sen. S. S. I. 104. 

940 u. 941 Ann. Laub. u. s. w. S. S. IV, 16, 33; Herrn. Aug. S. S. 
V, 114, 1; Widukind lib. Hc. 32 M. ö. S. S. kl. Ausg. 52; Liudprand 
lib. Vc. 2. M. G. S. S. kl. Ausg. 101. 

1005 Alpert. lib. Ic. 6. S. S. IV, 704, 9; Ann. Laub. S.S. IV, 18, 17- 

1031 Hist. Franciae fragm. Hist. de Fr. X, 212. 

1145 Ann. S. Col. Sen. S. S. I, 107; Ann. Brunwil. S. S XVI, 
727, 18; Chr. reg. Col. M. G. S. S. kl. Ausg. 81; Ann. Ratispon. S. S. 
XVn, 586, 11. 

1197 Ann. Marbac, S. S. XVH, 168, 29. 

1217 Ann. S. Stept. Frising. S. S. XEI, 56, 1. 

1264 Cont. Zwetl. m S. S. IX, 656, 9; Ann. S. Rudb. SaUsbg. S 
S. IX, 797, 3 Hist. ann. 1264—1279 S. S. IX, 649, 20; Ann. Wratisl 
antiqui S. S. XIX, 528, 28; Ann. Pol. m S. S. XIX, 637, 10; Ann. capit 
Cracovic. S. S. XIX, 601, 37; Ann. Wessof. Leuter Hist. Wessof. H, 34 

1316 Ann. Pärchens. S. S. XVI 608, 35; Job. de Beka ed. Buche- 
lius Ultraiceti 1643, p. 108; Jan de Klerk, Buch V, cap. X, v. 845, 
Collect, des Chronique a Be iges I, 443; Königsaal G. Q. lib. I, c 128; 
Font. rer. Austr. S. S. VIE, 379. 



16 Auffassung der Zeitgenossen über die Entstehung 

Auch noch andere Himmelserscheinungen können auf 
kommendes Unheil deuten. Nach den Ann. Quedlinburg.^) sah 
man am 4. Februar 1025 mittags die Sonne in dreifacher Ge- 
stalt am Himmel, „quod mirabile prodigium rei eventu postea 
constat probatum." Eine Hungersnot folgte noch in demselben 
Jahre. Die Ann. Xant.^) zum Jahre 867 berichten von einem 
Nordlicht, es folgt die grofse Hungersnot von 868. Balduin 
von Ninove^) erzählt im Jahre 1192 von einer Lichterschei- 
nung in der Nacht, so dafs man überall geglaubt, es brenne 
in der Nähe. Es ist das Zeichen für den Beginn einer grofsen 
Notperiode. 

Auch einer der Planeten, der Saturn, kann, wie Magnus 
von Reichersberg zum Jahre 1145^) mit grofser Gelehrsam- 
keit auseinandersetzt, die Hungersnot hervorbringen. Der 
Saturn hat eine sehr kalte Natur; wenn er der Sonne in den 
Sommerzeichen des Tierkreises begegnet, so entsteht regneri- 
sches und kaltes Wetter, trifft er die Sonne in den Winter- 
zeichen, so verdoppelt sich die Kälte. Damals stand der 
Saturn im Widder, dem Frühjahrszeichen, er hatte schon 7 
oder 8 unfruchtbare Jahre gebracht, und jetzt entsteht daraus 
eine Hungersnot. Ganz ähnlich berichteten wenige Jahre 
später die Magdeburger Annalen.^) 

Ein ganz eigentümliches Vorzeichen einer Hungersnot er- 
wähnen die Ann. Rodenses.^) Zum Jahre 1144 heifst es: 
„Ventus fuit vehementissimus, quem semper ut ferunt fames 
sequitur et carum tempus." Es folgt dann sofort* der Bericht 
über die Hungersnot desselben Jahres. Derselbe Satz wird 
wörtlich 1145 wiederholt und im folgenden Jahre ist wieder 
die Hungersnot erwähnt. Verwandte Anschauungen zeigt eine 
Fortsetzung Gottfrieds von Viterbo'^), in der die Hungersnot 
von 1224 — 25 mit einem Sturme in Verbindung gebracht 
wird. Der Sturm soll so heftig gewesen sein, dafs er die 
Körner aus den Ähren herausschüttelte, und durch die Mifsernte, 
die sich hieraus ergab, wurde eine Hungersnot hervorgerufen. 
Der Autor will hier schon einen ursächlichen Zusammenhang 
herstellen, aber die ganze Vorstellung hat etwas wunderbares. 
Offenbar derselbe Sturm wurde in Erfurt^) beobachtet imd 



1) a. 1025 Ann. Quedlinburg. S. S. III, 90, 17. 

2) a. 867 Ann. Xant. S. S. 11, 232, 42. 

3) a. 1192 Bald. Ninov. S. S. XXV, 537, 40; vgl. Cont. Aquicinct. 
S. S. VI, 428, 13. 

4) a. 1145 Magnus Reichersberg S. S. XVII, 460, 10.; 

5) a. 1150 Ann. Magdeburg. S. S. XVI, 190, 44. 

6) a. 1144 Ann. Rod. S. S. XVI, 717, 5 u. 718, 4. 

7) a. 1224 Cont. Funiacensis S. S. XXII, 343, 1. 

8) a. 1225 Cron. S. Petri Erford. mod. S. S. XXX, 390, 8. u. 13. 



der Hungersnöte. 17 

auch hier soll er das Korn aus den Ähren herausgeschüttelt 
haben. 

Weiter sind noch an einigen Stellen^) die Nachrichten 
von einem Sturm und einer Hungersnot einander so unmittel- 
bar gegenüber gestellt, dafs es fast scheint, als wollten auch 
hier die Verfasser einen Zusammenhang annehmen. Isidor 
weifs von der schädlichen Wirkung der Winde nur, dafs der 
Ostwind Krankheiten erregt. Jedenfalls handelte es sich beim 
Wind als Vorzeichen einer Hungersnot um keinen weit ver- 
breiteten Volksglauben. 



1) a. 1145 Cont. Meli. S. S. IX, 503, 31; 1217 Ann. S. Benig. Div. 
S. S. V, 48, 46; a. 1263 Ann. Wessof. ed. Leuter Hist. Wessof. 11, 34. 



1/eipziger StucHen, VI. 1: Curschmann, Hungeisn&te. 



Verschiedene Ursachen für die Entstehung der Hungersnöte. 

Gehen wir nun zu den thatsäclilichen Gründen für das 
Entstehen einer Hungersnot über, so läfst sieh sofort er- 
kennen, dafs Mifsernten in der ganz überwiegenden Mehrzahl 
der Fälle die Ursache der Hungersnöte sind. Das ist fast 
selbstverständlich, denn was soll sonst den dringenden Mangel 
an Getreide, und darin liegt doch das Wesen der Hungersnot, 
hervorbringen, als eine ungenügende Ernte. Dennoch wird es 
sich lohnen, auch diese Entstehungsart näher zu betrachten, 
weil sie uns manchen Einblick in die mittelalterliche Volks- 
wirtschaft gewährt. 

Die Wirtschaft jener Zeit war gegen alle Störungen ele- 
mentarer oder anderer Natur im höchsten Grade empfindlich. 
In der Regel lebte der Mensch von dem, was er auf dem 
eigenen Felde baute. Der Bauer bezahlte seinen Zins und 
mufste im übrigen sorgen, dafs er genug zum Leben hatte. 
An der Erzielung von Überschüssen hatte er wenig Interesse, 
er hätte sie kaum zu Geld machen können. Für Zeiten der 
Not besafs er daher weder Materialüberschüsse noch Geld, 
durch das er sich Lebensmittel hätte erwerben können. Be- 
deutend besser und sicherer waren natürlich schon die grofsen 
Grundherrschaften gestellt, besonders die Klöster, von denen 
wir ja eigentlich allein etwas genaueres über diese Verhält- 
nisse wissen. Aber auch ihr Bestand ruhte doch durchaus 
auf agrarischer Grundlage. Wurden sie auch nicht so un- 
mittelbar und schwer von ungünstiger Witterung und der 
daraus entstehenden Mifsernte betroffen, wie der einzelne 
kleine Bauer, so beruhte doch auch die Sicherheit ihrer wirt- 
schaftlichen Existenz im wesentlichen darauf, was ihr eigenes 
Feld trug.i) 

Es berührt uns wunderbar, wenn wir in den Annalen un- 



1) Siehe Herimanni liber de restauratione S. Martini TornaC. 
c. 70—72 S. S. XIV, 307 fF.. das Schicksal eines Klosters, das nicht über 
genügenden Grundbesitz verfügte. 



Verschiedene Ursachen für die Entstehung der Hungersnöte. 19 

vermittelt zwischen den wichtigsten Staatsereignissen, zwischen 
den Nachrichten vom Tode von Königen und Päpsten, von 
Schlachten und Reichstagen, die scheinbar gleichgültige Nach- 
richt von irgend einem Gewitter, von Hagel oder Sturm finden. 
Es war doch nicht nur das Gefallen am Merkwürdigen und 
Wunderbaren, das die Annalisten veranlafste dergleichen 
aufzuschreiben. Sie sahen die Ereignisse mit den Augen des 
Landwirtes in Hinblick auf die Aussichten für das Gedeihen 
der Saat. 

Es ist auffallend, wie häufig ein langer und schnee- 
reicber Winter der Hungersnot vorangeht. Es giebt Nach- 
richten, bei denen die Hungersnot fast als die unmittelbare 
Folge des harten Winters erscheint. „Hoc anno hyems con- 
tigit asperrima, quam fames subsequitur praevalida" sagen die 
Ann. Laub, zu 1125.^) Ähnlich Widukind^): „Necem ducum 
asperrima hiemps hiememque secuta est fames validissima." 
Es scheint fast als wollten die beiden Quellen in dem harten 
Winter die alleinige Ursache für die Hungersnot sehen. Eine 
solche Auslegung ginge natürlich zu weit, aber ein schnee- 
reicher Winter, der bis in den März oder April hinein dauerte, 
schädige allerdings die Wirtschaft in sehr hohem Grade. 
Konnte zur normalen Zeit im März oder April das Saat- 
pflügen nicht stattfinden^), so wurde dadurch wieder die Aus- 
saat verschoben, die ganze Wirtschaft befand sich schon zu 
Anfang des Jahres im Rückstände; war nun auch etwa der 
Sommer noch ungünstig, oder traten irgend welche unvorher- 
gesehenen Unfälle ein, so konnten die Folgen leicht verhäng- 
nisvoll werden. 

Uns sind mehrfach Fälle überliefert, wo sich die Ent- 
wickelung in der angedeuteten Weise vollzog. 994 dauerte, 
nach der Angabe der Ann. Quedlinburg, der Winter bis zum 
5. Mai, der Sommer war auch kalt und ungünstig, und im 
Herbst stellte sich als Folge die Hungersnot ein.*) Ebenso 
ging der Not des Jahres 1125 ein sehr harter Winter vorher. 
Eine Reihe von Stellen berichten uns darüber. Aus Belgien 
haben wir Nachrichten aus Lobbes^), Fosse®), Gent.') In 
Gembloux^) bezeichnet der Chronist Anselm den Winter 
ausdrücklich als valde noxia. Weiter erfahren wir aus 



1) a. 1125 Ann. Laub. cont. S. S. IV, 22, 17. 

2) a. 940 Widukind lib. 11. c. 26, M. G. S. S. kl. Ausg. 50. 

3) Lamprecht, Deutsch. Wirtschaftsleben I, 557. 

4) a. 994 Ann. Quedlinburg. S. S. HI, 72, 21 u. 34. 

5) a. 1125 Ann. Laub. cont. S S. IV, 22, 17. 

6) a. 1125 Ann. Fossenses S. S. IV. 30, 20. 

7) a. 1125 Ann. Bland. S. S. V, 28, 23. 

8) a. 1125 Anselm. cont. Sigebert. S. S. VI, 379, 47. 

2* 



20 Verschiedene Ursachen für die Entstehung 

Thüringen^), Franken^) und Böhmen^) übereinstimmend von 
dem plötzlichen Eintritte grofser Kälte am 20. Mai verbunden 
mit Hagelschlag und sogar Schneefall. Ebenso liefsen sich 
für andere Jahre noch ähnliehe Beispiele erbringen. 

Auch dem Vieh, das im Winter meist im Freien blieb, 
mufste starker Frost und viel Schnee grofsen Schaden zufügen. 

Die Hauptgründe für die Mifsernte und darauf folgende 
Hungersnot liegen aber natürlich in der Witterung des 
Frühlings und Sommers. Das finden wir schon angedeutet, 
wenn die Ann. Laub.*) zum Jahre 973 schreiben: „Aestas plu- 
vialis et frigida, et fames subsecuta." Grofse Trockenheit, 
viel Regen, Hagel entscheiden über den Ausfall der Ernte. 
Es wäre unnütz hier bei dergleichen Ursachen viel klassi- 
fizieren zu wollen, es wird nützlicher sein einmal die wirk- 
liche Entstehung einer Hungersnot zu verfolgen an der Hand 
der besten Quelle, die wir für diesen Gegenstand besitzen, 
R einer s von Lüttich. ^) 

Das Jahr 1194 schliefst günstig ab. Ernte und Weinlese 
sind gut. Dennoch sind im Mai des folgenden Jahres 1195 
aus uns unbekannten Gründen die Getreidepreise schon sehr 
hoch, der Modius Roggen kostet 18 s., Spelz 9 s. und Gerste 
8 s. Von Johanni an regnet es ununterbrochen bis Weih- 
nachten. Am Jakobstage, am 25. Juli, verwüstet ein Sturm 
die Saat, Ernte und Weinlese sind schlecht. Das Jahr 1196 
ist wieder regnerisch, die Armen beginnen schon sehr zu 
leiden. Am 24. Juli erhebt man den heiligen Lambert und 
veranstaltet eine Bittprozession. Das Korn gerät sehr schlecht, 
die Ernte beginnt erst spät, am 24. August. Die Getreide- 
preise haben sich auf der Höhe des vorigen Jahres gehalten, 
der Modius Roggen kostet 18 s. und Spelz ^y^ s. Es folgt 
ein langer Winter bis zum März 1197. Nun beginnt das 
eigentliche Notjahr, viele Arme sterben vor Hunger, in der 
Not wird das Fleisch von gefallenem Vieh gegessen. Bis zum 
11. Juni hält sich der Roggenpreis auf 18 s., der Spelz ist 
auf 10 s. gestiegen. Am 12. Juni kostet der Roggen schon 
32 und der Spelz 17 s. Die Not nimmt noch immer zu, um 
den 25. Juli kostet der Roggen 40 s. und der Spelz 20 s. Zu 
Epiphanias 1198 gehen auch dem Jakobskloster, in dem Reiner 
schreibt, die Vorräte aus. Gegen Ende des Jahres 1198 sinken 
dann die Preise langsam, aber der Roggen kostet doch zu 
Weihnachten immer noch 12 s. 

Reiner ist ein ruhiger und zurückhaltender Schriftsteller, 

1) a. 1125 Cr. S. Petri Erford. mod. S. S. XXX, 361, 36. 

2) Ekkeh. S. S. VI, 264, 26. — 3) Cosmas S. S. IX, 131, 35. 

4) a. 973 Ann. Laub. S. S. IV, 17, 33. 

5) Reineri annales S. S. XVI, 651 ff. 



der Hungersnöte. 21 

der jede Übertreibung vermeidet, aber seine Zahlen sprechen 
eine ebenso deutliche Sprache, als die abenteuerlichen Berichte 
Rodulfus Glabers oder der Prager Domherren. Wir haben 
hier eine Hungersnot entstehen sehen nur durch anhaltende 
schlechte Witterung, die die Ernte zweier Jahre hintereinander 
verdirbt. Es ist ein typischer Fall; ähnlich ist die Enstehungs- 
geschichfe der meisten Hungersnöte gewesen, wenn sich auch 
nirgends wieder die einzelnen Stufen der Entwicklung so genau 
verfolgen lassen. 

Üeberschwemmungen sind auch eine Ursache der 
Hungersnot, die mehrfach erwähnt wird, doch haben sie der 
Natur der Sache nach mehr lokale Bedeutung. Die Gesta 
Treverorum berichten 1035 von einer Hungersnot, deren_ Ent- 
stehung auf die Verwüstung des MoseUandes durch Über- 
schwemmungen im Winter und Frühjahr zurückgeführt wird. ^) 
Auch 1183 sind grofse Überschwemmungen im Mündungs- 
gebiete des Rheins die Ursache einer Hungersnot.^) Das Jahr 
1234 brachte dem Donauthale ungeheure Frühjahrsüberschwem- 
mungen. ^) Nach der Schneeschmelze trat der Flufs aus, 
überflutete weithin seine Ufer, zerstörte die Dörfer, viele Men- 
schen ertranken, eine unzählige Menge Vieh wurde fortgerissen 
und alle Saaten verdarben. Eine Hungersnot folgte. Auch 
sonst wirken im Gebiet der grofsen Flüsse oft Überschwem- 
mungen bei der Entstehung von Hungersnöten mit. 

Überschwemmungen an der Meeresküste sind da- 
gegen als Ursache von Hungersnöten kaum nachzuweisen. 
Niemals hören wir nach den grofsen Überschwemmungen in 
Holland von einer Hungersnot. Sehr genau sind wir über 
die Verhältnisse an der friesischen Küste durch die Chroniken 
Emos und Menkos unterrichtet, fast in jedem Jahre wird hier 
von gröfseren oder kleinereu Überschwemmungen berichtet. 
Aber nur einmal, 1219*), scheint ein Zusammenhang mit einer 
Hungersnot vorhanden zu sein. Es mag das daran liegen, 
dafs damals, wie auch heute noch, der Getreidebau in Holland 
und Friesland nur eine untergeordnete Rolle spielte, und das 
Vieh natürlich leichter vor der Hochflut zu retten war. 

Viehseuchen können natürlich allein keine Hungersnot 
hervorbringen, aber mehrfach wirken sie bei der Entstehung 
der Hungersnöte mit. 994 wurde Sachsen von einer schweren 
Seuche von Mensch und Vieh heimgesucht, die mit der all- 



1) a. 1035 Gest. Trev. cont. I. S. S. Vm, 180, 11. 

2) a. 1183 Ann. Egmund. S. S. XVI, 469, 37. 

3) a. 1234 Cont. Lambac. S. S. IX, 558, 44; dazu auch Ann. S. 
Rudberti Salisburg. S. S. IX, 786, 4 u. Cont. Sancruc. H, S. S. EX, 638, 4. 

4) a. 1219 Emo S. S. XXHI, 490, 82. 



22 Verschiedene Ursachen für die Entstehung 

gemeinen Ungunst des Wetters eine Hungersnot hervorbrachte.^) 
Ebenso werden die beiden Notjahre 1225 und 1226 von einer 
Viehseuche^) begleitet, die 1224 begonnen hatte. 1272 führt 
Menko^) als vierten Punkt unter den Gründen der Hungers- 
not auch eine verheerende Krankheit unter den Schafen an, 
so dafs den Menschen nun auch die Milch fehlte. 

Im Jahre 873*) erschienen nach dem Berichte der Ann. 
Fuld. zur Erntezeit ungeheure Heuschreckenschwärme. 
Wo sie sich niederliefsen, zerstörten sie die Saat auf den 
Feldern. Bei Mainz sollen sie in einer Stunde 100 Joch Ge- 
treide vernichtet haben. Eine Hungersnot war die Folge. 
Dasselbe berichten, wenn auch weniger ausführlich, die Hers- 
felder Annalen.^) Es ist aber auch der einzige Fall, wo sich 
eine Hungersnot mit Sicherheit auf Verwüstungen durch Heu- 
schreckenschwärme zurückführen läfst. Ein Epigramm auf 
Bischof Rumold von Münster erwähnt als Grund für die 
Hungersnot von 941 Heuschrecken, die die Ernte vernichteten.^) 
Aber dieser Nachricht kann wenig Bedeutung beigelegt werden, 
da keine der zahlreichen Quellen, die sonst über dies Jahr 
berichten, etwas davon weifs. Ebenso steht es mit einer 
französischen Quelle^), die 1031 bei der Entstehung einer 
Hungersnot das Auftreten von Heuschrecken erwähnt; der 
Schaden kann nur gering oder ganz lokal gewesen sein, da 
alle anderen Berichte nichts von dieser Thatsache wissen und 
besonders auch Rodulfus Glaber schweigt. Auch 1242 bei 
der grofsen Hungersnot in Ungarn treten Heuschrecken auf, 
und sie mögen ja auch zur Erhöhung der Not beigetragen 
haben, der wirkliche Grund dieser Hungersnot lag aber in der 
Verwüstung des Landes durch den Tartareueinf all. ^) 

Kriege wirken überhaupt nicht selten bei der Ent- 
stehung von Hungersnöten mit. Bei der Art der mittelalter- 
lichen Kriegsführung, die ganz besonders auf die Verwüstung 
des platten Landes ausging, ist das leicht begreiflich. Eins 

1) a. 994 Ann. Quedlinburg. S. S. ÜI, 72, 26. 

2) a. 1224 Chr. Albrici S. S. XXm, 914, 38; Gotfr. Viterb. cont. 
Funiac. S. S. XXII, 343, 1 ; Ann. S. Rudberti Salisburg. S. S. IX, 783, 8 ; 
Ann. Gotw. S. S. IX, 603, 25; Cont. Garst. S, S. IX, 696, 5; a. 1225 
Sachs. Weltchr. M. G. Deutsch. Chr. 11, 245, 13; Chounradi Schirens, 
ann. S. S. XVII, 632, 48; Ann. Mellic. S. S. IX, 507, 27; a. 1226 Cono- 
nis Lausann, notae S. S. XXIV, 783, 45; Ann. Zwifalt. S. S. X, 59, 24; 
Ann. Neresh. S. S. X, 23, 23. 

3) a. 1272 Menko S. S. XXm, 560, 31. 

4) a. 873 Ann. Fuld. M. G. kl. Ausg., p. 79. 

5) a. 873 Ann. Hildesh. M. G. S. S. kl. Aus^ , p. 18. 

6) a. 941 G. Q. des Bistums Münster III, 187. 

7) Eist. Franciae fragm. Hist. de France X, 212 D. 

8) a. 1242 Ann. S. Rudberti Salisburg. S. S. IX, 788, 15 Cont. Sau- 
cruc. II, S. S. IX, 641, 11. 



der Hungersnöte. 23 

der charakteristischsten Beispiele ist der Slaveneinfall in Hol- 
stein im Jahre 1147. Am 2G. Juni, also kurz vor der Ernte, 
überfallen die Slaven Lübeck und durchziehen dann ver- 
wüstend das ganze Land, darauf kommt es zu wechselnden 
Kämpfen zwischen Deutschen, Dänen und Slaven und alles 
führt schliefslich gegen Ende des Jahres zu einer Hungers- 
not.^) Ebenso sind die jahrelangen Raubzüge der Normannen 
der Grund zu der Hungersnot, von der 889 Nordfrankreich 
heimgesucht wurde. 3 Jahre lang Avurde, wie Richer be- 
richtet, das Feld nicht bestellt.^) 1082 verursachen die 
Kämpfe zwischen Leopold von Osterreich und dem Herzoge 
von Böhmen eine Hungersnot in Österreich.^) Für die Hungers- 
not in Schwaben vom Jahre 1077 giebt Berthold als Grund 
neben der Mifsernte auch den Parteigängerkrieg an, der da- 
mals das Land verwüstete. Schliefslich ist auch die grofse 
Hungersnot, die von 1280 — 82 Böhmen heimsuchte, in erster 
Linie auf die inneren Kämpfe unter der Statthalterschaft Ottos 
von Brandenburg zurückzuführen.*) Es kam so weit, dafs im 
Herbste 1280 im Aveiten Umkreise um Prag die Äcker nicht 
mehr bestellt wurden. 

Noch eine Gruppe von Ursachen, die bei der Entstehung 
von Hungersnöten mitwirken, ist zu erwähnen, die sich unter 
den Begriff der handelspolitischen Feindseligkeiten zu- 
sammenfassen lassen. Ausfuhrverbote, die mehrfach erwähnt 
werden, wirkten nach beiden Seiten verschieden; während sie 
das eine Land vielleicht schützten, konnten sie das andere, 
das auf die Zufuhr angewiesen war, sehr stark schädigen. 
Menko behandelt einen solchen Fall recht ausführlich/) Seit 
4 Jahren war in Friesland schon die Getreideernte schlecht 
gewesen, aber jetzt kam noch ein neues Unglück hinzu. Der 
Bischof von Münster verbot aus Feindseligkeit gegen die 
Friesen das Abhalten der Märkte au der Ems. Die Friesen 
konnten daher die Produkte ihrer Viehzucht nicht absetzen. 
Ebenso konnten sie auch in Dänemark und den Ostseeländern 
nichts für ihr Vieh eintauschen, denn überall wollte man nur 
gegen Geld verkaufen. Das Geld war aber auch wieder in 
Friesland selten geworden; vor drei Jahren erst war eine 
grofse Schar von Kreuzfahrern fortgezogen, und ihnen hatte 



1) Helmoldi ehr. Slav. lib. I, c. 66. M. G. S. S. kl. Ausg. 127; vgl. 
auch daselbst lib. TL, c. 5, p. 202 die Verwüstung Mecklenburgs durch 
die Feldzüge gegen die Obotriten und die daraus entstehende Hungersnot. 
. 2) a. 889 Richeri bist. lib. I, c. 5 M. G. S. S. kl. Ausg., p. 5. 

3) a. 1082 V. Altmanni c. 25, S. S. XII, 237, 1. 

4) a. 1280 Cont. Cosm. Ann. Prag. IE S. S. IX, 196; vgl. dazu Pa- 
lacky, Gesch. v. Böhmen 11, 1, p. 298—306. 

5) a. 1272 Menko. ehr. S. S. XXTH, 560, 2. 



24 Verschiedene Ursachen für die Entstehung der Hungersnöte. 

man das meiste Bargeld mitgegeben. Schliefslich kam noch 
hinzu, dafs in einigen Orten Dänemarks ein Ausfuhrverbot für 
Getreide erlassen wurde. So geriet Friesland in die gröfste 
Bedrängnis, und als jetzt noch eine Viehseuche ausbrach, war 
die Hungersnot da. 

Die Frage nach der Beendigimg der Hungersnöte läfst 
sich ziemlich einfach beantworten. Wenn auch die Not schon 
mehrere Jahre gedauert hatte, so mufste sie doch schliefslich 
durch eine gute oder doch wenigstens befriedigende Ernte ihr 
natürliches Ende finden. Mit bewegten Worten schildert Ro- 
dulfus Glaber^) eine solche Wendung zum Besseren, die nach 
der schrecklichen Not der vorhergehenden Jahre das Jahr 
1033 brachte: der Himmel hellte sich wieder auf, die Erde 
überzog sich mit freundlichem Grün und brachte in üppiger 
Fülle die ersehnten Früchte hervor. 

Vielleicht kann man aber auch annehmen, dafs, wenn die 
Not schon mehrere Jahre gedauert hatte, der Menschenverlust 
schliefslich so stark war, dafs sich die Lebensbedingungen für 
die Überlebenden wesentlich besserten. Eine derartige hohe 
Bedeutung legt eine belgische Quelle^) einmal der Entvölke- 
rung des Landes, die allerdings hier durch Fortwanderung 
während der Hungersnot entstanden sein soll, bei, indem sie 
schreibt, der Verlust wäre so grofs gewesen, dafs man nun die 
Zurückgebliebenen ganz gut durch Almosen hätte erhalten 
können. 



1) a. 1033 Eaoul Glaber lib. IV, c. 5 ed. M. Prou, p. 103; vgl. 
auch a. 1271 Monach. Fürstenfeld. Böhmer Fontes I, 12. 

2) a. 1196 Cont. Aquicinct. S. S. VI, 433, 42. 



Dauer und räumliche Ausdehnung der Hungersnöte. 

Sehr häufig finden sich in den Quellen Angaben über die 
Dauer der Hungersnot. Aber bei dem begründeten Mifs- 
trauen gegen alle Zahlenangaben mittelalterlicher Schriftsteller 
wird hier eine sehr genaue Nachprüfung notwendig sein. 
Wenn die Chronisten auch gern grofse Zahlen nennen, um 
das Schreckliche der Lage recht anschaulich zu machen, so 
finden sich doch unverhältnismäfsig selten in derselben Quelle 
mehrere Jahre hinter einander auch wirklich Nachrichten über 
eine Hungersnot. 

Das Maximum der Angaben über die Dauer einer Hungers- 
not erreichen das Auctuarium Affligemense ^) und die Chronica 
Andrensis^) mit 12 und 13 Jahren. Dafs eine wirkliche 
Hungersnot so lange angedauert hat, ist undenkbar, es kann 
sich nur um eine Teuerungsperiode handeln. So ist es in 
Andres auch gemeint, denn die 13 Jahre umfassen gerade die 
Regierungszeit des Abts Iterius 1195 — 1207, während der, 
wie der Chronist angiebt, der Weizenpreis für den Polkinus 
nie unter 10 s. sank. In den Anfang dieser Zeit fällt auch 
thatsächlich die schwere Hungersnot von 1196 — 1197, viel- 
leicht hat sich die Gegend von Andres besonders langsam von 
diesem Schlage erholt. Die 12 Jahre des Auctuarium sind 
weniger leicht zu erklären, es scheint sich hier um einen Irr- 
tum oder um eine starke Übertreibung zu handeln; hinzu 
kommt noch, dafs die Zahl 12 schon an sich als Rundzahl 
verdächtig ist. 1139 soll die Hungersnot begonnen haben, 
sie dauerte also bis 1151. Diesen Anfangstermin kennt von 
allen anderen belgischen Quellen nur das höchst unzuverlässige 
Chronicon Sancti Bavonis. Allerdings wird in den vierziger 
Jahren häufig von Hungersnöten in Belgien berichtet, und 
auch 1151 ist nach einer Pause von mehreren Jahren wenig- 
stens in der Gegend von Lüttich wieder eine Hungersnot be- 
zeugt, aber Afflighem in der Nähe von Aalst ist zu weit von 



1) a. 1139 Auct. Afflig. S. S. VI, "400, 32. 

2) ca. a. 1197 Guielmi ehr. Andren. S. S. XXIV, 714, 47. 732, 14. 



26 Dauer und räumliche Ausdehnung der Hungersnöte. 

Lüttich entfernt, als dafs wir Grund hätten, eine Ausdehnung 
der Hungersnot bis dorthin ohne weiteres anzunehmen. Es 
ist dieser Angabe also kein irgendwie selbständiger Wert bei- 
zulegen. 

Auch die Erwähnung von sieben Huugerjahren in den 
Ann. Laubienses ^), im Chr. S. Bavonis^) und bei Balduin von 
Ninove^) erinnert noch zu sehr an die sieben mageren Jahre 
in Ägypten; eine andere Quelle*) kennt auch einmal sieben 
gute Jahre. In Lobbes handelt es sich aber immerhin, wenn 
sich auch die Dauer von sieben Jahren nicht halten läfst, um 
eine Hungersnot von besonders langer Dauer, schon im Jahre 
vorher 1142 hatte sie begonnen, und auch in den folgenden 
Jahren hören wir mehrfach von Hungersnöten in Belgien. 
Dieselbe Not meint auch das Chr. S. Bavonis, nur setzt sie 
vielleicht, durch einen lokalen Notstand des Jahres 1139 be- 
stimmt, den Anfangstermin unberechtigt früh an. Balduin be- 
trachtet das Nordlicht, das 1192 erscheint, als ein Vorzeichen, 
er kennt weiter die schwere Hungersnot in den letzten Jahren 
des Jahrhunderts, und so kombiniert er sich eine Hungers- 
not von sieben Jahren. Thatsächlich herrschte Hungersnot in 
Belgien nur während der Jahre 1196 und 1197. 

1042 oder 1043 soll in Lüttich eine Hungersnot^) von 
sechsjähriger Dauer begonnen haben, andere belgische Quellen 
kennen aber nur 1043 und 1044 als Notjahre. Auch eine 
Hungersnot von fünf Jahren, wie sie von Rodulfus Glaber^), 
der Histöria monasterii Viconiensis') und von Abt Isingrim 
von Ottenbeuern^) erwähnt wird, ist thatsächlich wohl kaum 
zu beweisen, doch nähern wir uns hier schon dem Möglichen. 

Alle bedeutenden Hungersnöte erstrecken sich über mehrere, 
in der Regel zwei oder drei Jahre. Erwähnt nun irgend ein 
Annalenwerk zu zwei aufeinander folgenden Jahren eine 
Hungersnot, so ist daraus allerdings noch nicht mit Sicher- 
heit zu folgern, dafs sich diese Hungersnot auch wirklich über 
die Dauer von zwei ganzen Jahren, also auch über zwei 
Ernten erstreckt hat, häufig ist damit nichts anderes gesagt, 
als dafs die Hungersnot nach der Mifsernte des ersten Jahres 
begann und nun natürlich auch im nächsten Jahre, das meist 
das eigentliche Notjahr war, fortdauerte. Und meistens be- 



1) a. 1143 Ann. Laub. S. S. IV, 22, 50. 

2) a. 1139 Chr. S. Bavonis De Smet, Corp. ehr. Fland. I, 584 

3) a. 1192 Bald. Ninov. S. S. XXV, 537, 40. 

4) a. 1247 Chr. Ridesel. Kuchenbecker, Analecta Hass. III, 7. 

5) Anselmi gest. eps. Leod. c. 53 S. S. VII, 221, 6. 

6) a. 1005 Raoul Glaber lib. 11, c. 9 ed. M. Trou. 44. 

7) a. 1197 Hist. monast. Vi'con. S. S. XXIV, 302, 30. 

8) a. 1197 Ann. Ottenb. Isingr. min. S. S. XVII, 317, 1. 



Dauer und räumliche AusdeLuung der Hungersnöte. 27 

gaun die Hungersnot schon zu Ende des Jahres, das den 
Mifswachs brachte, wenn die geringe Ernte aufgezehrt war, 
manchmal verzögerte sich der Ausbruch auch noch bis zum 
Anfange des nächsten Jahres und selten bis zum Ende des 
Winters oder Beginn des Frühjahrs.^) 

Dauerte auch eine Hungersnot schon mehrere Jahre, so 
darf es uns doch nicht wundern, dafs unsere Quellen nur ver- 
hältnismäfsig selten mehrere Jahre hintereinander eine Hungers- 
not erwähnen, das thuen nur besonders sorgfältige Werke, wie 
z. B. Menkos Chronik oder die Fortsetzung des Cosmas, meist 
begnügen sie sich damit, beim ersten oder letzten Jahre an- 
zugeben, die Hungersnot habe zwei oder drei Jahre gedauert. 
Man mufs daher häufig Aussagen mehrerer Quellen zusammen- 
stellen, um mit Sicherheit zu erfahren, wie lange die Hungers- 
not an einem bestimmten Orte gedauert hat, imd es kann 
dabei leicht vorkommen, dafs auch in guten Quellen einmal 
in einem der Jahre eine Nachricht fehlt. Um ein Beispiel 
anzuführen: in der Gegend von Köln herrschte drei Jahre 
hintereinander von 1145 — 1147 eine Hungersnot. Es haben 
Nachrichten darüber: 1145 die Ann. Brunwilarenses, 1146 
wieder die Ann. Brunwil., die Ann. Remenses et Colonienses, 
die Chr. resria berichtet von einem Kometen als Vorzeichen 
der kommenden Not, 1147 erwähnt dann auch die Chr. regia 
eine Hungersnot. Länger als drei Jahre aber wird an deui- 
selben Orte wohl kaum eine Hungersnot geherrscht haben. 

Häufiger und bei gröfseren Hungersnöten fast die Regel 
ist eine Dauer von zwei Jahren und zwar so, dafs auch wirk- 
lich zwei Mifsernten auf einander folgen. So berichten zu 
den Jahren 1196 und 1197 Reiner von Lüttich und aus einem 
anderen Teile von Belgien die Cont. Aquicinctina, Der Grund 
zu der Verschleppung des Notstandes ins zweite und dritte 
Jahr kann in einem Anhalten der ungünstigen Witterung 
liegen, aber das wäre ein Zufall. Viel wichtiger ist die all- 
gemeine Depression, von der sich die Wirtschaft nicht so 
schnell erholt. Der Ackerbau lag ganz darnieder, oft wurde in 
der Not das Saatgetreide ganz oder zum Teile verzehrt, am 
schlimmsten aber mufste es wirken, dafs regelmäfsig, von 
furchtbarer Panik ergriffen, die Landbevölkerung den Acker 
überhaupt im Stiche liefs, und so die ganze Getreideproduk- 
tion ins Stocken geriet. Immer wieder berichten die Quellen, 
dafs während der Hungersnot zahllose Höfe leer standen. Aber 
das. Lai^d wurde dadurch nicht entlastet, das Feld blieb zwar 
unbestellt, aber die Flüchtlinge verliefsen die Gegend nicht, 
sondern zogen nur in die nächste gröfsere Stadt, um dort bei 



1) a. 1252 Cosmae cont. S. S. IX, 174, 10. 



28 Dauer und räumliche Ausdehnung der Hungersnöte. 

der Mildthätigkeit des Klerus Hülfe zu finden. Dafs man 
diesen Mifsstand erkannte, zeigt eine Stelle der Vita Ottos 
von Bamberg^), die berichtet, dafs der Bischof bei Beginn der 
Ernte dafür sorgte, dafs die Scharen, die sich in Bamberg an- 
gesammelt hatten, nun in ihre Heimat zurückkehrten. Er 
gab jedem der Flüchtlinge eine Sichel mit und einen Denar 
als Zehrgeld. Ebenso schicken die Mönche von Riddags- 
hausen^) ihre Schutzbefohlenen zur Ernte wieder in die Heimat 
zurück. 

Von der grölsten Bedeutung für die Geschichte der 
Hungersnöte ist die Frage nach der Ausdehnung des Not- 
standsgebiets in jedem einzelnen Falle. Unmittelbar geben 
die Quellen hierüber sehr selten Auskunft, und finden sich 
einmal Angaben, per totam Galliam et Germaniam, per Saxo- 
uiam, per Baioariam, multis locis und ähnliches, so sind sie 
doch nur mit der gröfsten Vorsicht aufzunehmen. Im Ganzen 
ist anzunehmen, dafs der schreibende Mönch sichere Auskunft 
nur über seine nähere Umgebung geben konnte. Nur bei be- 
sonders gut unterrichteten Autoren, die auch sonst ihre Zu- 
verlässigkeit und einen weiteren Blick bewiesen haben, werden 
wir Wert auf Angaben über die Ausdehnung der Notstands- 
gebiete legen dürfen. Menko berichtet von einer Hungersnot 
in Dänemark und Greifswald, und er ist zweifellos vollkommen 
orientiert, denn er spricht in demselben Zusammenhange von 
dem lebhaften Handelsverkehr der Friesen nach den O^tsee- 
ländern. Dafs aber auch sonst räumlich weit entfernte Quellen 
richtig über eine Hungersnot berichten können, zeigt die Über- 
einstimmung zweier süddeutscher Quellen, Bernolds^) und der 
Augsburger Annalen^), die von einer Hungersnot in Sachsen 
1092 und 1093 berichten. 

Ein Beispiel, wie sehr eine Quelle irren kann, wenn die 
Nachricht auch noch so bestimmt auftritt, giebt eine Stelle 
bei Magnus von Reichersberg. ^) Es heifst da zum Jahre 
1166: „Eodem anno fuit illa magna fames per universas terras." 
Das Wort illa deutet schon darauf hin, dafs die Nachricht 
später, vielleicht aus dem Gedächtnisse nachgetragen ist. Diese 
Vermutung wird bei näherer Betrachtung bestätigt. Die 
Chronik ist bis 1167 nichts anderes als ein Auszug aus den 
älteren in ihrem letzten Teile den Ereignissen gleichzeitigen 
Ann. Reichersberg. Hier findet sich aber nichts von einer 



1) Heribordi dialog. de. v. Ottonis epsc. Babenberg. lib. I, c. 33 
S. S. XX, 716, 1. 

2) a. 1316 Magdebg. Schöppenchr. St. Chr. VII, 186, 1. 

3) a. 1092 Bernoldi chr.''S. S. V, 454, 10. 

4) a. 1093 Ann. August. S. S. III, 134, 17. 

5) a. 1166 Chr. Magni presbyt. S. S. XVH, 488, 40. 



Dauer und räumliche Ausdehnung der Hungersnöte. 29 

Hungersnot, die Nachricht ist also ein Zusatz, den Magnus 
gegen Ende des Jahrhunderts machte, als er seine Chronik 
verfafste. Nun könnte ja diese Nachricht auf eine andere 
ebenfalls zeitgenössische Quelle zurückgehen; das wird aber 
wenig wahrscheinlich, wenn wir betrachten, was sonst über 
die Witterungsverhältnisse des Jahres 1166 überliefert ist. In 
Stederburg^) finden wir allerdings eine Hungersnot, ebenso 
Mifsernte in Magdeburg^), in einer Thüringer Quelle^) aber 
heilst es: „abundancia magna frumenti et vini." Aus der 
Nähe von Reichersberg berichten die Cont. Cremifanensis*) 
und die Ann. Admuntenses^) übereinstimmend von Hagelschlag 
am 24. Juni, aber von einer Hungersnot wissen sie nichts. 
Nachrichten aus Baiern fehlen. Unter diesen Umständen kann 
von einer wirklich bedeutenden Hungersnot in der Gegend 
von Reichersberg keine Rede sein, höchstens wäre es möglich, 
aber auch nur möglich, an einen eng begrenzten Notstand zu 
denken. Ebenso gut kann die Nachricht aber auch einfach 
falsch sein. Wie der Irrtum dann entstanden ist, ob etwa, 
was allerdings bei der Lage von Reichersberg wenig wahr- 
scheinlich ist, eine norddeutsche Quelle der Nachricht zu 
Grunde liegt, — dann wäre ja das Jahr richtig überliefert, — 
oder ob die Jahreszahl durch irgend einen Zufall verwechselt 
ist, läfst sich nicht entscheiden. 

Eine bedeutende Überschätzung der Verbreitung des Not- 
standes zeigen die zwei Nachrichten der Ann. Fuld.®): 873 
heilst es: „fames per universam Italiam et Germaniam" und 
874^): „fames per universam Galliam et Germaniam." Unter- 
stützt wird diese Aussage noch durch eine Nachricht der 
Hersfelder Ann.^), die auch ganz allgemein angeben: fames in 
Germania. Und doch läfst sich sicher zeigen, dafs das Gebiet 
dieser Hungersnot nur ungefähr den Strich zwischen den Ur- 
sprungsorten dieser beiden Notizen, zwischen Mainz imd Hers- 
feld umfalste. Der Grund zu dieser Not waren gewaltige 
Heuschreckensch wärme, die 873 Deutschland, Frankreich und 
Italien durchzogen und bis nach Spanien kamen. Zahlreiche 
Autoren berichten von dieser Erscheinung, die die Zeitgenossen 
im höchsten Grade erregte. Aber von einer Hungersnot weifs 
aufser den beiden angeführten keine Quelle etwas. Der Grund 



1) a. 1166 Ann. Stederburg. S. S. XVI, 209, 45. 

2) a. 1166 Ann. Magdebg. S. S. XVI, 192, 38. 

3) a. 1166 Cr. S. Pertri. Erford. S. S. XXX, 370, 8. 

4) a. 1166 Cont. Cremif. S. S. IX, 545, 39. 

5) a. 1166 Ann. Admunt. S. S. IX, 583, 43. 

6) a. 873 Ann. Fuld. M. G. kl. Ausg. 79. 

7) a. 874 Ann. Fuld. M. G. kl. Ausg. 83. 

8) a. 873 Ann. Alth. M. G. kl. Ausg. 6. 



30 Dauer und räumliche Ausdehnung der Hungersnöte. 

ist klar, die Heuschrecken erschienen in Mainz zur Zeit der 
Ernte, tempore novarum frugum, wie die Ann. Fuld. an- 
geben. Als sie später nach Frankreich kamen, wird die Ernte 
schon zum grofsen Teile beendigt gewesen sein^), so dafs sie 
hier nicht mehr viel schaden konnten. 

Es zeigt sich, dafs die Angaben der Quellen über die 
Ausdehnung der Hungersnöte sehr unzuverlässig sind. Irgend 
welche allgemein gültigen Regeln für die Behandlung der. 
Schriftstellernachrichten in dieser Hinsicht lassen sich nicht 
finden; man wird also jede Quellenstelle nach ihrer Indivi- 
dualität behandeln müssen und wird im ganzen nur durch die 
geographische Lage der Quellenorte zu einander Auskunft 
über die räumliche Ausdehnung der Notstandsgebiete erhalten. 

1) Am 16. August erschienen die Heuschreckenschwärme in Rheims, 
Ann. S. Dionysii Rem. S. S. XIII, 82, 26. 



Verschiedene Arten der Hungersnöte. 

Zwei Gruppen lassen sich unter der Menge der über- 
lieferten Hungersnöte deutlieh unterscheiden, solche, die lokal 
auf einen Teil des Landes beschränkt sind und solche, die das 
ganze oder doch den gröfsten Teil des in der vorliegenden 
Arbeit behandelten Gebietes umfassen. Aus dem Bereich der 
Betrachtung fallen selbstverständlich heraus die Hungersnöte, 
die in belagerten Städten entstehen. 

Die lokalen Hungersnöte umfassen Gebiete, die schon 
von Alters her eine Einheit waren, und die wir auch heute 
noch als Einheiten anzusehen gewöhnt sind, Gebiete, die ihrer 
physikalisch -geographischen Natur nach unter denselben 
Witterungsverhältnissen stehen, die meist von demselben 
Stamme bewohnt werden, die oft auch politisch eine Einheit 
bilden, oder die doch die politischen Schicksale mit einander 
teilen; denn auch das hat ja eine, wenn auch nur sekundäre 
Bedeutung. Kurz, Gebiete, die kulturell nnd wirtschaftlich 
auf derselben Stufe stehen, und die darum unter den elemen- 
taren Schlägen, die die Wirtschaft trefien, gleich oder ähnlich 
leiden. Solche Gebiete sind, um einige Beispiele anzuführen: 
Böhmen, von drei Seiten von Gebirgen umgeben und politisch 
eine Einheit, Baiern und Schwaben, die beiden Teile, in die 
seit alters Süddeutschland sich scheidet. Im Nordwesten 
bildet das Land von den Abhängen der Ardennen bis zum 
Meere ein abgeschlossenes Gebiet, das bald einen entscheiden- 
den Vorsprung vor allen anderen Gegenden gewinnt. Aus 
Lüttich, Cambrai, Doornik, Achin und Gent stammen die 
besten Nachrichten für unser Thema. Die niedersächsische 
Tiefebene ist entschieden von den süd- und westdeutschen 
Gebirgsländern getrennt, kulturell steht das Land etwas 
zurück, es hat auch meist seine besonderen Hungersnöte. 

Natürlich sind die lokalen Hungersnöte nicht so eng be- 
schränkt. Eine böhmische Hungersnot greift wohl auch auf 
Schlesien und Westgalizien über. Baiem und Schwaben 
werden von derselben Not getroffen. Eine Hungersnot in 
Belgien erstreckt ihre Ausläufer an den Mittelrhein und bis 
nach Westfalen, und ähnliche Fälle mehr. 



32 Verschiedene Arten der Hungersnöte. 

Die Umgrenzung eines Notstandsgebietes ergiebt sieb 
zuerst positiv aus der Zusammenstellung mebrerer Naeh- 
riebten über die Hungersnot aus benachbarten oder doch nicht 
zu weit von einander entfernten Orten, negativ aus Nach- 
richten über gute Ernte und Witterungsangaben aus Gegenden, 
die in der Nähe der Peripherie des wahrscheinlichen Not- 
gebietes liegen; denn wo ein Schriftsteller dergleichen auf- 
zeichnet, wird er Hungersnöte sicher nicht unbeachtet lassen; 
oder schliefslich aus Nachrichten, die auf eine wesentliche 
Abschwächung der Not deuten. Im Gegensatze zu fames, 
sterilitas, siccitas u. s. w. Das Schweigen der Quellen als 
Argument zu verwerten, wird nur mit einiger Vorsicht mög- 
lich sein. Im Ganzen glaube ich, werden sich so die Gebiete 
in der wünschenswerten Weise umschreiben lassen. 

Es wird gut sein, einige Beispiele anzuführen. 1095 
wird von einer Hungersnot in Belgien berichtet, es liegen 
Nachrichten vor aus: Lüttich, Gembloux, Doomik, Gent, das 
ganze Land war also von der Not betroffen. Aus den be- 
nachbarten Gebieten erfahren wir nichts, nur an einigen 
Stellen, in Utrecht^) und in Hessen^) ist die Seuche, die im 
vorhergehenden Jahre ganz Mitteleuropa betroffen hatte, noch 
nicht erloschen. Wie weit Frankreich von der Not ergriffen 
war, läfst sich endgültig nicht erkennen, Nachrichten darüber 
fehlen in den ostfranzösischen Annalen, und wenn Ekkehard^) 
von einer Hungersnot in Frankreich spricht, so wird man 
diese Nachricht dem Zusammenhange nach sehr wohl beson- 
ders auf die belgischen Gebiete beziehen können. 1259 ist 
Baiern von einer Hungersnot heimgesucht. Es berichten dar- 
über Nachrichten aus Freising*), Scheftlarn^), Ranshofen®) 
und Salzburg''), wenn auch hier der Autor das immerhin mil- 
dere Wort caristia gebraucht. Nördlich der Donau macht 
sich der Notstand noch in Thalmässing^) durch hohe Preise 
bemerkbar. Das Viertel Weizen oder Roggen kostet 4 s. 
Hiermit ist das Notgebiet ungefähr umschrieben; östlich da- 
von, in Lambach^), wird noch von einem heifsen und trockenen 
Sommer berichtet, aber nicht mehr von einem besonderen 
Notstande. In Böhmen verzeichnet man schon ein besonders 

1) a. J095 Ann. S. Mariae Ultraiect. S. S. XV, II, 1301, 36. 

2) a. 1096 Ann. Ottenbur. S. S. V, 8, 40. 

3) a. 1095 Ekkeh. ehr. univer. S. S. VI, 213, 48. 

4) a. 1259 Ann. S. Steph. Frising. S. S. Xm, 57, 10. 

5) Ann. Scheftlar. min. S. S. XVH, 344, 24. 

6) Ann. Wessof. ed. Leuter. Eist. Wessof. 11, 33; vgl. Lorenz, 
Deutschlands Geschichtsquellen I, 176. 

7) Ann. S. Rudb. Salisburg. S. S. IX, 795, 7. 

8) EUenhardi annal. S. S. XVH, 102, 40, Thalmässing nördl. von 
Eichstädt. — 9) Cont. Lambac. S. S. IX, 560, 12. 



Verschiedene Arten der Hungersnöte. 33 

gutes Weinjahr.^) Nachrichten aus Schwaben fehlen, aber 
am Rhein sind Weinlese und Ernte gut.^) In ähnlicher 
Weise liefse sich die Begrenzung auch noch in anderen Fällen 
durchführen. 

Die allgemeinen Hungersnöte unterscheiden sich quali- 
tativ, in der Art ihrer Erscheinungen, nicht sehr von den 
lokalen. Das Bild der Not ist im Ganzen dasselbe, der Unter- 
schied liegt im wesentlichen nur in der gröfseren Ausdehnung 
des Notstandsgebietes. Es gehören zu ihrem Entstehen so 
besonders ungünstige Witterungsverhältnisse, dafs klimatisch 
und wirtschaftlich ganz verschiedene Gebiete gleichzeitig ge- 
troffen werden, oder um es für den konkreten Fall dieser 
Untersuchung festzustellen, dafs Ober- imd Niederdeutschland 
von derselben Hungersnot heimgesucht ^werden. Dann wird 
es sich zeigen, dafs immer im östlichen, oft aber auch in 
ganz Frankreich und zum Teil auch in Italien oder England 
Hungersnot herrscht. Es ist damit ein grofses Gebiet um- 
schrieben, innerhalb dessen aber Schwankungen in dem Aus- 
dehnungsgebiete jeder einzelnen allgemeinen Hungersnot vor- 
handen sein können. Nur die Hungersnot von 1315 — 1317 
füllt das ganze von dieser Arbeit behandelte Gebiet aus, nur 
hier sind die Spuren der Not wirklich von Breslau bis Door- 
nik und von der Ostsee bis an die Alpen zu verfolgen. In 
allen anderen Fällen ist das Notstandsgebiet mehr oder weniger 
beschränkt, und besonders die peripherisch gelegenen Gebiete 
sind häufig von Hungersnot nicht betroffen oder die Not 
läfst sich hier wenigstens nicht nachweisen. Ein Blick auf 
die beiliegenden Tabellen wird das bestätigen, die Rubriken 
der norddeutschen Küstengebiete, Böhmens und Österreichs 
bleiben häufig bei allgemeinen Hungersnöten leer. Es handelt 
sich im Ganzen, wie wir sehen, um die Kolonialländer. Zum 
Teil werden wir diese Erscheinung ja darauf zurückführen 
können, dafs hier die an sich schon gegen das Mutterland 
spärlichen Nachrichten über Hungersnöte verloren gegangen 
sind, dann aber war auch die ganze wirtschaftliche Lage des 
Landes noch zu sehr von dem übrigen Deutschland und Mittel- 
frankreich verschieden, als dafs man annehmen könnte, dafs 
diese Gebiete immer an den Schwankungen und Störungen 
des wirtschaftlichen Lebens des Westens teilgenommen hätten. 
Immerhin ist anzunehmen, dafs häufig die Hungersnöte weiter 
nach Osten ausgedehnt waren, als sich nachweisen läfst. In 
der älteren Zeit wird die angedeutete Kulturgrenze noch 
weiter zurückzuschieben sein, so dafs im neunten Jahrhundert 



1) a. 1259 Cont. Cosm. S. S. IX, 177, 41. 

2) a. 1259 Ann. Wormat. Boos. Mon. Wonnat. 156, 18. 
Leipziger Studien, VI. 1: Curschmann, Hangeranöte. 3 



34 Verschiedene Arten der Hungersnöte. 

schon eine allgemeine Hungersnot vorliegt, wenn nur das 
mittelrheinische Gebiet, Oberdeutschland und, hier ist es natür- 
lich besonders wichtig, Frankreich betroffen wird. 

Aber auch im Westen finden wir, dafs in einigen Fällen 
scheinbar oder wirklich gewisse Gebiete an den allgemeinen 
Hungersnöten nicht teilnehmen. Undenkbar ist es doch an- 
zunehmen, dafs, während Belgien, Sachsen und Süddeutschland 
bis nach Böhmen hin in den Jahren 1124 — 1126 von einer 
Hungersnot heimgesucht wurden, das mittelrheinische Gebiet 
verschont geblieben sein soll. Der Grund zu dieser auffallen- 
den Erscheinung liegt offenbar darin, dafs uns eine gute zeit- 
genössische Quelle aus dieser Gegend fehlt; was die Chr. reg. 
Col. berichtet, stammt aus Paderborn. Ebenso ist es nicht 
recht erklärlich, dafs uns im Jahre 1145 alle Nachrichten 
über eine Hungersnot in Belgien fehlen, während sie zu den 
Jahren vorher und nachher bezeugt ist, und gleichzeitig in 
ganz Deutschland und Frankreich Hungersnot herrschte. 



Versnch einer Statistik. 

In dem Vorhergehenden habe ich versucht, die Grund- 
sätze für die Beurteilung der einzelnen Hungersnöte zu geben 
und habe dabei die beiden grofsen Hauptgruppen der allge- 
meinen und lokal begrenzten Hungersnöte aufgestellt. Es 
wird sich jetzt darum handeln, die überlieferten Hungersnöte 
in ihrer Gesamtheit zu überblicken und zu sehen, was sich 
aus einer allgemeinen Statistik ergiebt. 

Die Schwierigkeit einer solchen Statistik liegt auf der 
Hand. Von absoluter Vollständigkeit des Materials kann 
natürlich keine Kede sein; was an Material auf uns gekommen 
ist, hat sich durch die tausend Zufälle der Überlieferung er- 
halten und ist ohne Einheitlichkeit. Gleichwohl fordert die 
grofse Zahl der Nachrichten zum Versuch einer Statistik auf. 

Die erste Frage ist nun, wie weit zur Aufstellung einer 
solchen Statistik Vollständigkeit des Materials überhaupt nötig 
ist. Es wird da entschieden für einen allgemeinen Überblick 
genügen, wenn wir für jede verbreiterte Hungersnot aus 
einigen oder auch nur einer guten Nachricht die ungefähre 
Ausdehnung des Notstandsgebietes bestimmen können. Das 
Fehlen von Nachrichten aus irgend einem wichtigen Orte 
innerhalb dieses Gebietes oder in der Nähe darf dabei nie 
verwundern, und kann auf vollständig zufälligen Gründen 
beruhen. 

Viel wichtiger aber ist die Frage, in welchem Verhält- 
nisse die Zahl der uns überlieferten zu der Zahl der über- 
haupt einst vorhanden gewesenen Hungersnöte steht, ins- 
besondere ob wir auf eine gewisse Vollständigkeit der Über- 
lieferung in dieser Hinsicht rechnen dürfen. 

Ein negatives Resultat ergiebt ein Blick auf die bei- 
liegenden Tabellen sofort. Für das 8. und 10. Jahrhundert ist 
das vorliegende Material vollkommen ungenügend, im Ver- 
gleich zu den anderen Jahrhunderten sind viel zu wenig 
Hungersnöte überliefert. Beim 8. Jahrhundert hat das seinen 
Grund darin, dafs überhaupt noch wenig aufgezeichnet wurde. 

3* 



36 Versuch einer Statistik. 

Für das 10. Jahrhundert werden wir wohl mit Recht an- 
nehmen dürfen, dafs durch die Raubzüge der Ungarn und 
Normannen von der Litteratur dieser Zeit unendlich viel zer- 
stört worden ist. 

Es wird also nur noch zu fragen sein, ob denn für die 
übrigen vier Jahrhunderte das Material so reichlich und gleich- 
mäfsig ist, dafs man hoffen kann, brauchbare Resultate zu er- 
langen. Lamprecht hat, um diese Frage für das Moselgebiet 
zu beantworten, die Zahl der Hungersnöte mit der der Über- 
schwemmungen, Erdbeben^^ und grofsen Sterben verglichen 
und gefunden, dafs die Überlieferung aller dieser elemen- 
taren Ereignisse im Ganzen gleichmäfsig ist.-^) Daraus wird 
dann gefolgert, dafs wir bei der Überlieferung der Hungers- 
nöte wohl mit Recht dieselbe Gleichmäfsigkeit werden an- 
nehmen dürfen. Diese Art der Untersuchung nun für ganz 
Deutschland zu wiederholen wird sich, glaube ich, nicht em- 
pfehlen. Eine Vergleichung mit den Überschwemmungen läfst 
sich naturgemäfs nur für ein Flufsthal ausführen. Die Zahl 
der Erdbeben ist auch für das Moselland sehr klein, und doch 
sind wir hier in der Nähe der Eifel, fast dem einzigen Ge- 
biete Deutschlands, das noch heute vulkanische Thätigkeit 
zeigt; in anderen Gegenden würden die Zahlen noch geringer 
sein. Auch von einer Vergleichung der grofsen Epidemieen 
kann ich mir kein rechtes Resultat versprechen. Dennoch 
glaube ich in der Aufzählung der Hungersnöte im Verhältnisse 
zu der Zahl der wirklich einmal vorhanden gewesenen eine 
sehr grofse Vollständigkeit erreicht zu haben, ja für die all- 
gemeinen Hungersnöte nehme ich sogar an, dafs diese Voll- 
ständigkeit absolut ist, dafs es aufser den von mir bestimmten 
überhaupt keine allgemeinen Hungersnöte gegeben hat. 

Zur Rechtfertigung dieser Behauptung läfst sich folgen- 
des anführen: Die Erfahrung zeigt, dafs alle allgemeinen 
Hungersnöte, die wir kennen, durch eine beträchtliche An- 
zahl von Quellenstellen belegt sind. Um nur einige Bei- 
spiele anzuführen, so erwähne ich, dafs für die Notperioden 
1005—1006 9 Nachrichten erhalten sind, für 1043—1045 
16 Nachrichten, für 1099—1101 21 Nachrichten, für 1195 bis 
1198 sind es 39 und für die Jahre 1225—1226 20 Nachrichten. 
Angesichts dieser Thatsachen wird man es nicht für wahr- 
scheinlich halten, dafs alle Nachrichten über eine allgemeine 
Hungersnot verloren gegangen sind. Nun wäre ja aber auch 
die Möglichkeit vorhanden, dafs, wenn nicht alle, so doch so 
viele Nachrichten verloren gegangen wären, dafs die über- 



1) Lamprechts Deutsches Wirtschaftsleben I, 590. 



Versuch einer Statistik. 37 

lieferte Hungersnot nur noch als eine lokale erschiene. Ich 
glaube aber kaum, dafs diese Eventualität dem überlieferten 
Quellenstoffe gegenüber in Betracht kommt. Für fast jedes 
der Notjahre finden sich aufser den Nachrichten, die ein ge- 
wisses Notstandsgebiet umschreiben, auch andere, die durch 
ihren Inhalt erkennen lassen, dafs in den Gegenden ihrer Ent- 
stehung keine Hungersnot herrschte. Es sind das zuerst 
Nachrichten, die von einer guten Ernte berichten, dann ganz 
allgemein Witterungsangaben; denn wir können mit Recht an- 
nehmen, dafs, wo eine Quelle es schon für bemerkenswert 
hielt, ein Gewitter, Hagelschlag oder etwas Ahnliches zu 
zu verzeichnen, sie eine Hungersnot, die doch eine viel ein- 
drucksvollere Erscheinung war, nicht unbeachtet gelassen 
hätte. 

Erscheint also nach Lage des vorhandenen Materials eine 
Verwechslung der lokalen und allgemeinen Hungersnöte nicht 
wahrscheinlich, so wird es sich jetzt fragen, wie weit wir 
denn auf eine Vollständigkeit in der Überlieferung der lokalen 
Hungersnöte werden rechnen können? Hierbei unterliegt es 
nun keinem Zweifel, dafs von einer grofsen Anzahl kleinerer 
eng begrenzter Hungersnöte sich Nachrichten nicht erhalten 
haben; aber das glaube ich nach dem allgemeinen Eindrucke, 
den die Quellen hinterlassen, annehmen zu können, dafs die 
gröfseren provinziellen Hungersnöte, wenigstens in den letzten 
Jahrhunderten, ihrer Zahl nach vollständig überliefert sind. 

Wenn wir aber immerhin hier nicht auf absolute Voll- 
ständigkeit der Nachrichten werden rechnen können, so würde 
doch die Frage auftreten, ob denn das Material wenigstens 
so gleichmäfsig erhalten ist, dafs, auch eine gewisse Lücken- 
haftigkeit angenommen, wenigstens das Verhältnis der Zahlen 
zu einander in den einzelnen Zeitabschnitten richtig ist. Diese 
Verhältniszahlen sind aber das Wichtigste, da sie Zunahme 
oder Abnahme der Hungersnöte, — und darauf kommt es ja 
in erster Linie an, — in derselben Weise erkennen lassen, wie 
ein vollständiges Material. 

Um die Gleichmäfsigkeit der Überlieferung zu prüfen, 
ist es nötig, alles gesammelte Material im weitesten Sinne zu 
betrachten. Ich habe gewissermafsen als Hülfsgröfsen, aufser 
den Nachrichten über die Hungersnöte selbst, auch alles, was 
uns sonst an Nachrichten über die Witterung, Überschwem- 
mungen und Epidemieen erhalten ist, gesammelt. Da ergiebt 
sich nun, wenn wir die Gesamtheit dieses Materials betrachten, 
dafs ohne jede solche Nachricht im 9. Jahrhundert 36 Jahre, 
im 11. 30, im 12. 9 und im 13. nur noch 2 Jahre sind. Die 
Zahlen sind für das 9, und 11. Jahrhundert ziemlich gleich- 
mäfsig. Zwischen dem 12. und 13. Jahrhundert erscheint der 



38 Versuch einer Statistik. 

Unterschied vielleicht grofs, er ist aber doch ohne besondere 
Bedeutung. Die Nachrichten haben sich in diesen beiden 
Jahrhunderten so vermehrt, dafs wir es nur für einen Zufall, 
dem kein gröfseres Gewicht beizulegen ist, halten können, 
wenn aus einem oder dem anderen Jahre uns nichts über 
irgend ein elementares Ereignis berichtet wird. Es liefse sich 
daher also wohl nur behaupten, dafs für die beiden letzten 
Jahrhunderte und vielleicht auch für das 9. und 11. unter 
sich das Material genügend gleichmäfsig ist, um eine Statistik 
zu erlauben, dennoch glaube ich, wird man mit einiger Vor- 
sicht alle vier Jahrhunderte neben einander behandeln können. 
Es kommt hinzu, dafs zwischen dem 12. und 13. Jahrhundert, 
wo ein Fehler durch Mangel des Materials ausgeschlossen er- 
scheint, sich der grösste Unterschied in der Zahl und Ver- 
breitung der Hungersnöte ergeben wird. Hier kann die Stati- 
stik nicht geirrt haben. Schliefslich glaube ich, werden die 
gewonnenen Resultate eine gewisse Gewähr für ihre Richtig- 
keit in sich selbst tragen, weil sie in Übereinstimmung mit 
dem stehen, was wir sonst über den Verlauf der mittelalter- 
lichen Wirtschaftsgeschichte wissen. 

Zur Orientierung über die Ausdehnung und Dauer der 
einzelnen Hungersnöte verweise ich auf die beiliegenden Ta- 
bellen. Ich habe zur Abgrenzung der einzelnen Vorgänge 
innerhalb des behandelten Gebietes, besonders für die lokalen 
Hungersnöte, 10 Abteilungen gebildet^): 

1. Das belgisch-niederrheinische Gebiet. 

2. Das mittelrheinische Gebiet. 

3. Lothringen und Ostfrankreich. 

4. Das westliche Süddeutschland. 

5. Baiern mit den Obermainländern. 

6. Die norddeutschen Küstenländer. 



1) 1. Belgisch -niederrheinisches Gebiet umfafst alles Land nörd- 
lich der Ardennen bis zum Meere und Zuider-See, der nörd- 
lichste Punkt, aus dem Nachrichten stammen, ist Egmond. 

2. Mittelrheinisches Gebiet von Xanten aufwärts bis Mainz, 
aufserdem das Moselland. 

3. Lothringen und Ostfrankreich, das Land südlich der Ardennen 
und westlich der Vogesen, wichtige Punkte, aus denen 
Nachrichten stammen, sind hier Verdun, Metz, Dijon, aufser- 
dem sind zum Teil noch die weiter westlich und südlich ge- 
legenen Gebiete mit berücksichtigt worden. 

4. Westliches Süddeutschland umfafst Elsafs, Schwaben und 
Franken. 

5. Baiem, südlich des Thüringer Waldes, östlich bis zum 
Böhmerwald, Salzburg eingeschlossen, die Westgrenze ist so 
angenommen, dafs Bamberg noch zu Baiern gehört. 

6. Norddeutsche Küstenländer sind oft zu entlegene Gebiete 



Versuch einer Statistik. 39 

7. Das norddeutsche Binnenland. 

8. Böhmen. 

9. Osterreich. 

10. Nachrichten aus den östlichen Grenzgebieten Schlesien, 

Polen, Ungarn. 
Betrachten wir nun zuerst die allgemeinen Hungersnöte, 
so ergiebt sich folgendes Bild: 



Jahrhundert li 9 i 11 I 12 13 



Hungersnöte . . . j 4 *) 



Das 12. Jahrhundert hat die gröfste Zahl von Hungers- 
nöten, doch erscheint der Abstand gegen das 11. Jahrhundert 
unnatürlich grofs, da das 12. sofort mit einer Hungersnot be- 
ginnt (1099 — 1101), deren Hauptjahr 1100 ist. Immerhin 
bleibt das 12. Jahrhundert am meisten betroffen. Nach einer 
Pause von über 50 Jahren folgen hier die schweren Hungers- 
nöte schnell aufeinander: 1100—1101, 1124—1126, 1145— 
1147, 1150—1151, 1195—1198. Im nächsten Jahrhundert 
finden wir nur noch eine allgemeine Hungersnot in den Jahren 
1225 — 1226; sie folgt also noch ziemlich schnell auf die letzte 
Hungersnot des vorhergehenden Jahrhunderts, dann aber tritt 
eine Pause von 90 Jahren ein, erst 1315 — 1317 findet sich 
die nächste allgemeine Hungersnot. Es zeigt sich also im 
13. Jahrhundert ein ganz tiefgehender Unterschied, eine voll- 
kommene Veränderung aller Verhältnisse; jeder Irrtum in- 
folge mangelnden Quellenmaterials erscheint in dieser Hinsicht 
ausgeschlossen. 

Eine Zusammenstellung der lokalen Hungersnöte ergiebt 
folgendes Bild: 



als dafs man sie mit Niedersachsen zusammen nehmen könnte, 
die Nachrichten stammen aus Friesland , Bremen, Lübeck, 
Holstein und den Ostseeländern. Der Ort der Quelle ist 
jedesmal bei der Jahreszahl angegeben. 

7. Binnenland umfafst Niedersachsen und die anderen Gebiete 
der norddeutschen Tiefebene , die westlichsten Quellen stam- 
men aus Paderborn, Hersfeld und Fulda. 

8. Böhmen umfafst das Land zwischen den drei böhmischen 
Randgebirgen und Mähren. 

9. Österreich, das Land zwischen Inn und Leitha und südlich 
davon die Alpenländer. 

1) Ob eine Hungersnot als lokale oder allgemeine Hungersnot an- 
zusehen ist, ist bei dem vorliegenden Materiale oft schwer mit Sicher- 
heit festzustellen, es sind hier gezählt die Jahre 805 — 807, 822 — 824, 
867—869 und 896—897. 



40 



Versuch einer Statistik. 



Jahrhundert 

1 


9 


11 


12 


13 


Belgien 


3 


2 


6 


1 


Mittelrhein .... 


5 


1 


1 


1 


westl. Süddeutschi. . 


1 


5 


1 


5 


Baiern 


2 


3 


1 


7 


Sachsen 


4 


2 


4 


3 


Böhmen . . . . . 










4 


Österreich 




1 


1 


7 



Bei Belgien ist wieder die starke Abnahme der Hungers- 
nöte im 13. Jahrhundert zu bemerken. Böhmen und Oster- 
reich zeigen ein entschiedenes Steigen in der Zahl der Hungers- 
nöte. Tn den anderen B,ubriken finden wir schwankende 
Ziffern, die nichts von einer bestimmten Bewegung aussagen. 

Ein richtigeres Bild der allgemeinen Lage wird eine Ver- 
schmelzung der allgemeinen und lokalen Hungersnöte in einer 
Tabelle ergeben. Hier wird sich zeigen, wie jeder einzelne 
Landesteil von den Hungersnöten überhaupt getroffen wurde. 
Darauf aber kommt es besonders an, denn erst so gewinnen 
wir einen Einblick in den Verlauf der Geschichte der Hungers- 
nöte im Einzelnen; denn ob eine allgemeine, ob eine lokale 
Hungersnot vorliegt, ist für den einzelnen Landesteil gleich, 
eine allgemeine Hungersnot ist ja nur eine Kombination einer 
Anzahl lokaler Hungersnöte. Wir finden folgendes Bild: 



Jahrhundert 


9 


11 


12 


13 


Belgien 


3 


4 


9 


2 


Mittelrhein .... 


7 


3 


6 


2 


westl. Süddeutschi. . 


3 


8 


6 


5 


Baiem 


3—4 


4 


4 


7 


Sachsen 


5 


4 


9 


4 


Böhmen 




1 


1 


4 


Österreich .... 




1 


3 


7 



Die Zahlen der ersten drei Jahrhunderte erscheinen 
schwankend und ergeben kein einheitliches Bild, aber zwischen 
dem 12. und 13. Jahrhundert zeigt sich zum Teil wieder der- 
selbe Unterschied wie bei den allgemeinen Hungersnöten. 

Ganz deutlich ist dies in Belgien und am Mittelrhein der 
Fall, von 9 und 6 sinkt hier die Zahl der Hungersnöte auf 
zwei^). Dabei ist zu bedenken, dafs von diesen zwei Hungers- 
nöten die eine, die Hungersnot von 1225 — 1226, die einzige 
allgemeine des Jahrhunderts ist. Es kommt noch hinzu für 
Belgien eine Teuerung von 1296^); der Getreidepreis steigt 



1) a. 1296 Ann. S. Jacobi Leod. S. S. XVI, 643, 32. 



Versuch einer Statistik. 41 

zwar sehr bedeutend, aber nichts deute auf einen wirklich 
schweren allgemeinen Notstand hin. Ähnlich ist die Lage 
1269 am Mittelrhein. Nur aus einer Urkunde^) erfahren wir, 
dafs ein gewisser Mangel um Mittel- und Oberrhein geherrscht, 
habe, aber kein Annalenwerk berichtet etwas davon. Auch 
hier mufs es sich um eine Teuerung von keiner allzu grofsen 
Bedeutung, nicht um eine vrirkliche Hungersnot gehandelt 
haben. 

Das Land ist also, bis auf die eine Hungersnot, die ganz 
Deutschland trifft, von jedem gröfseren Notstande frei, gewifs 
ein für die Wirtschaft des Landes veichtiges Ergebnis. 

Betrachten wir den entgegengesetzten Teil Deutschlands, 
so finden wir hier in Baiern, Böhmen und Osterreich einen 
Komplex mit stets steigender Zahl von Hungersnöten. Für 
Baiem ist die Steigerung vielleicht nicht deutlich genug, aber 
für die beiden anderen Länder ganz unverkennbar.^) Die 
mittleren Gebiete, das westliche Süddeutschland und Sachsen 
zeigen auch eine mittlere Stellung. In Süddeutschland finden 
wir nur eine geringe Abnahme in der Zahl der Hungersnöte, 
in Sachsen nimmt ihre Zahl schon stärker ab, aber doch noch 
nicht mit der Entschiedenheit wie im Nordwesten. Wir haben 
also eine deutliche Abstufung in der Zahl der Hungersnöte vor 
uns, ein Minimum im Nordwesten und ein Maximum im Süd- 
osten. Was ergiebt sich nun aus diesem Zusammenhange? 

Die Zahl der Hungersnöte ist ein sicherer Gradmesser 
für den Stand der materiellen Kultur eines Landes, sie zeigt, 
bis zu welchem Grade die Landwirtschaft im Stande ist, das 
Land durch ihre Produktion zu erhalten. Den Ausgleich durch 
den Handel mufs man sich hüten zu überschätzen, die Nach- 
richten von seinem Eingreifen bei Hungersnöten sind nur ge- 
ring. Wir sehen also, in den Landschaften des Nordwestens 
ist man schon seit Anfang des 13. Jahrhunderts so weit fort- 
geschritten, dafs nur noch ganz aufsergewöhnliche Ereignisse 
eine Hungersnot hervorzubringen vermögen. Im Osten da- 
gegen wächst die Zahl der Leidensjahre noch immer ^), die 
Landwirtschaft ist also noch nicht so weit entwickelt, um dem 
wirtschaftlichen Leben die nötige Sicherheit zu gewähren. Ich 
sage hier nichts Neues. Dafs das Land des Mittelrheins und 



1) a. 1296 Günther Cod. dipl. Rheno-Mosell. 11, No. 234, p. 364. 

2) Es ist dabei zu beachten, dafs wir gerade für Böhmen in dem 
Geschichtswerke des Cosmas und seiner Fortsetzung ein ausgezeichnetes 
Quellen werk besitzen, das von der zweiten Hälfte des 11. Ährhunderts 
bis 1283 immer von Zeitgenossen geschrieben ist. 

3) Allerdings scheint sie auch hier ihren Höhepunkt erreicht zu 
haben. Höniger (Der schwarze Tod 141 ff.) giebt in seiner Zusammen- 
stellung für die Jahre 1330—1370 nur einmal 1343 eine Hungersnot an. 



42 yersuch einer Statistik. 

Belgien im 13. Jahrhundert im Mittelpunkte der Kultur über- 
haupt für ganz- Nordeuropa standen, braucht nicht erst be- 
wiesen zu werden, und dafs dagegen die Kolonialländer des 
Ostens^) weit zurückstehen, ist ebenso selbstverständlich; aber 
ich glaube, es wird doch von Interesse sein, diesen Grad- 
unterschied auch durch Zahlen wie die vorliegenden aus- 
gedrückt zu sehen. 

Was ich eben durch die allgemeine Gruppierung der 
Hungersnöte nachgewiesen habe, findet eine weitere Bekräfti- 
gung durch den Verlauf der Hungersnot von 1217 — 1218. 
Wir haben in diesen Jahren eine weit über den ganzen Osten 
verbreitete Hungersnot vor uns. Im Norden stammen Nach- 
richten darüber aus Lübeck, Magdeburg und Halle, aufserdem 
ist die Not noch über ganz Baiern, Böhmen und Osterreich 
verbreitet. Halten wir dem gegenüber, was Reiner^) aus Lüttich 
berichtet. Eine Preissteigerung macht sich auch hier bemerk- 
bar: Mitte des Jahres sind die Getreidepreise auf das Doppelte 
des normalen Satzes gestiegen, der Modius Roggen kostet 4 s., 
Spelz 3 s., und um Weihnachten haben sich diese Preise noch 
auf 8 s. und 4 s. erhöht, aber von irgend einem allgemeinen 
Notstande ist keine Rede, und dem entsprechen auch die 
Preise. Wie ist also die Lage? Die Vorbedingungen für das 
Entstehen^) des Notstandes waren offenbar auch im Westen 
vorhanden, aber dank der höheren Kultur des Landes wurde 
die Gefahr überwunden. Durch die Nachrichten Reiners zum 
Jahre 1219 und 1220 findet diese Ansicht eine positive Be- 
stätigung. Im Sommer 1219 drohte durch den allgemeinen 
Mifs wachs eine Hungersnot, aber langsam wendet sich die 
Lage zum besseren. Im folgenden Jahre ist die Gefahr noch 
gröfser, und es wäre nach Reiners Ausspruch sicher zu einer 
Hungersnot gekommen, wenn nicht rechtzeitige Zufuhr das 
Unglück verhütet hätte. Es ist das einzige Mal, wo wir hören, 
dafs der Handel erfolgreich zur Verhütung einer Hungersnot 
eingegriffen hat.*) 

Das glaube ich wird man aus alle dem vorher Angeführten 
folgern können, schon seit dem Anfange des 13. Jahrhunderts 
vollzog sich in den Gebieten des Niederrheins eine wichtige 
Veränderung in der ganzen Lage der materiellen Kultur: 
Sicherheit für den Bezug der wichtigsten Nahrungs- 



1) So wird man wohl richtig verallgemeinern können, für den öst- 
lichen Teil der norddeutschen Tiefebene fehlen zu einer näheren Aus- 
führung fast alle Quellen. 

2) Reiner a. 1217 und 1218 S. S. XVI, 675, 35, 676, 9 und 676, 41. 

3) Dem entspricht, dafs Reiner auch von einem langen und harten 
Winter bis zum 1. März, wie er gewöhnlich das Notjahr einleitet, 
berichtet. — 4) a. 1220 Reiner SS. XYI, 678, 19. 



Versuch einer Statistik. 43 

mittel trat ein, und das ist ein gewaltiger Fortschritt gegen 
die vorhergehenden Jahrhunderte. Dabei handelt es sich aber 
nicht etwa um eine zufällige Folge guter Jahre. Während 
der ersten 20 Jahre des 13. Jahrhunderts können wir die Preis- 
entwicklung bei Reiner recht genau verfolgen, und da zeigt 
es sich dann, dafs der Preis von 4 s. für den Modius Roggen, 
den wir für hoch aber noch immerhin als erträglich werden 
ansehen müssen, zehnmal in den Jahren 1202, 03, 04, 05, 08, 
1210, 13, 17, 19 und 1220 erreicht und zum Teil auch sehr 
bedeutend überschritten wird. Aber nur einmal droht eine 
Hungersnot, und diese Gefahr wird schnell beseitigt; sonst 
findet sich nie eine Andeutung, dafs die Preissteigerungen das 
Land bedrückt hätten. 

Welches sind aber die Gründe dieser Veränderung? Das ist 
eine Frage, die sich aus dem Quellenmaterial nicht genau be- 
antworten läfst; nur Vermutungen lassen sich darüber aus- 
sprechen. Der erste Grund ist eben ein natürlich nicht quellen- 
mäfsig belegbarer allgemeiner wirtschaftlicher Fort- 
schritt. In zweiter Linie würde dann der zunehmende Handel, 
für unseren Fall besonders der Getreidehandel, in Betracht 
kommen. 

Es ist nun aber nach dem erhaltenen Material kaum 
möglich, ein wirklich klares Bild von der Bedeutung des 
Handels in seiner Einwirkung auf den Verlauf der Hungers- 
nöte zu erlangen. Natürlich waren auch die Verhältnisse in den 
sechs Jahrhunderten, um die es sich handelt, sehr verschieden. 

Schon Karl der Grofse erlälst in einem Notjahre ein 
Ausfuhrverbot für Lebensmittel, das zur Voraussetzung hat, 
dafs er eine Schädigung des Landes durch zu starken Export 
fürchtet.^) Später hören wir dann mehrfach in Notzeiten von 
grofsen Getreideeinkäufen der Bischöfe imd Klöster und ge- 
winnen hierbei einigen Einblick in die Verkehrsverhältnisse 
der Zeit. Schon Anfang des 11. Jahrhunderts läfst Bischof 
Meinwerk Getreide von Köln her die Lippe aufwärts nach 
Paderborn führen.^) Denselben Weg ging wohl das Getreide, 
das, wie»Caesarius berichtet, 1197 ein Mönch eines westfälischen 
Klosters am Rheine einkaufte.^) Vom Rheinhandel selbst er- 
fahren wir, dafs 12^4 Getreide von der Mainzer Gegend nach 
Köln geführt wird*), und 1269 wird nach einem Ausfuhr- 
verbote der Handel von der Mainzer Diöcese rheinabwärts 
wieder freigegeben.^) 

1) a. 805 Cap. miss. in Theod. villa dat. c. 4. Boret. I, 122, No. 44. 

2) Vita Meinw. SS. XI, 138, 29. 

3) a. 1197 Caes. Heisterbac. Dialog, dist. IV, c. 67 ed. Strange 235. 

4) a. 1224 V. Engelberti Hb. I, c. 8; Böhmer Fontes II, 304. 

5) a. 1269 Günther Cod. dipl. Kheno-Mosell. H, No. 234 p. 364. 



44 Versuch einer Statistik. 

In den Niederlanden setzt die Passio Karoli um das Jahr 
1125 einen lebhaften Wein- und Getreidehandel voraus, der 
sich wohl auch zum Teile auf dem Rheine vollzog. Über den 
Verkehr auf der Scheide berichtet aus Afflighem eine Nach- 
richt von 1155.^) 

Vom Handel im Donaugebiete hören wir 1235, als der 
Herzog von Osterreich seine Grenze gegen Salzburg für die 
Getreideausfuhr schliefst. Dennoch wurde Stadt und Land des 
Bischofs reichlich mit Getreide aus Schwaben und mit Wein aus 
Frankreich und Italien versorgt.^) Wir gewinnen hier also 
schon einen Einblick in sehr ausgedehnte Handelsbeziehungen. 

Seehandel in, für die Zeit, grofsartigen Verhältnissen, der 
mit dem Ausfall der Ernte in Dänemark und an der Ostsee 
rechnet, treffen wir in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts 
in Friesland. ^) 

Nachrichten über Getreidewucher schon zur Zeit Karls 
des Grofsen setzen Magazinierung und einen gewissen Handel 
voraus, aber es kann sich hier wohl nur um ein Aufkaufen 
und Zurückhalten der Getreidevorräte in einem engen Bezirke 
handeln. Ebenso wird wohl auch die Lage in der Gegend 
von Gembloux gewesen sein, wenn wir in dem Notjahre 1044 
hören, dafs die Vorräte künstlich zurückgehalten wurden.*) 
Auch Abt Iterius von Andres trieb seinen Getreidewucher in 
der grofsen Notperiode um die Wende des 12. und 13. Jahr- 
hunderts wohl nur mit den Vorräten seines Klosters.^) Be- 
trächtlich später erst, 1315, hören wir, dafs in Lüttich trotz 
der Not grofse Kornvorräte vorhanden waren; aber sie wurden 
nicht verkauft, sondern in die Gegenden der Meeresküste aus- 
geführt, wo die Preise noch höher standen.^) 

Fassen wir alle diese Nachrichten zusammen, so gewinnen 
wir einen Einblick in einen jedenfalls recht bedeutenden und 
weit ausgedehnten Verkehr. Nicht erkennen läfst sich aber 
meistens, wie weit dieser Verkehr überhaupt in normalen Zeiten 
bestand, oder wie weit er erst in Notzeiten geschaffen wurde. 
Doch werden wir wohl die Getreideankäufe der Bischöfe im 
letzteren Sinne auffassen müssen. 

Indefs darauf kann es hier überhaupt nicht ankommen, 
ein Bild von der Bedeutung des mittelalterlichen Handels im 
allgemeinen zu erhalten, es wird sich hier nur um die Spezial- 



1) a. 1155 Cont. Affligh. S. S. VI, 402, 47. 

2) a. 1235 Ann. S. Rudberti S. S. IX, 786, 31. 

3) a. 1272 u. 1273 Menko. ehr. S. S. XXIII, 560. 

4) a. 1044 Gest. abb. Gembl. c. 40 S. S. VIII, 539, 54. 

5) Guielm. ehr. Andr. SS. XXIV, 732, 14. 

6) a. 1315 Joh. Hocs. lib. 11, c. 6 ed. Chapeaville. Gest. pont. 
Leod. n, 373 C 



Versuch einer Statistik. 45 

frage handeln, ob und inwiefern der Handel Hungersnöte ab- 
zuschwächen oder zu verhindern vermochte. 

Da bleibt bestehen, dafs wir nur in einem einziger Falle 
wissen, dafs Zufuhr die Gefahr der Hungersnot beseitigt hat, 
nämlich im Jahre 1220 in Lüttich, während es sich in Salz- 
burg 1235, soweit sich erkennen läfst, nicht mehr um einen 
bedeutenden Notstand handelt. 

1225 versuchte Erzbischof Engelbert der Not, die sich 
bemerkbar zu machen anfing, vorzubeugen, indem er Getreide 
aus der Mainzer Diözese kommen liefs und unter die Klöster 
verteilte. Es läfst sich wohl erkennen, dafs er die Hungersnot 
unentrinnbar kommen sah, aufheben konnte er die Gefahr 
nicht; er legte also im voraus Magazine für die Verpflegung 
der Armen an. An eine Mafsregel zu Gunsten der Mönche 
allein dürfen wir nicht denken. 

Bei allen sonst mitgeteilten Nachrichten handelt es sich 
nicht darum, der Not vorzubeugen, sondern die schon vor- 
handene Not zu lindern. 

Es läfst sich wohl also zusammenfassend sagen, haben 
wir auch mit einem ziemlich bedeutenden Handel zu rechnen, 
so vermögen wir doch nicht zu erkennen, dafs der Handel 
wenigstens in älterer Zeit in genügender Weise ausgleichend 
wirkte, um Hungersnöte zu verhindern oder wesentlich abzu- 
schwächen. Der Grund liegt offenbar darin, dafs der Handel 
den hochgesteigerten Anforderungen, die in Notzeiten an den 
Transport gestellt wurden, nicht zu genügen vermochte. In 
späterer Zeit mit dem 13. Jahrhundert mag allerdings ein 
gewisser Umschwung eingetreten sein, wie ja auch in dieser 
Zeit einmal thatsächlich berichtet wird, dafs die Gefahr einer 
drohenden Hungersnot durch rechtzeitige Zufuhr beseitigt 
wurde. Wie stark allerdings der zunehmende Handel auf die 
Verminderung der Zahl der Hungersnöte einwirkte, vermögen 
wir im einzelnen nicht zu erkennen. Allzu grofs werden wir 
uns seine Einwirkung auch in dieser Zeit noch nicht vor- 
stellen dürfen. 

Noch auf einen dritten Grund möchte ich hinweisen, der, 
wie ich glaube, bei der Abnahme der Hungersnöte mit wirksam 
war. Es ist das eine gewisse Veränderung in der Bevölke- 
rung. Es ist oft darauf hingewiesen worden, dafs Deutsch- 
land schon im Anfange des 12. Jahrhunderts an einer relativen 
Übervölkerung litt, und darin liegt offenbar ein Hauptgrund 
für die grofse Auswanderungsbewegung dieser Zeit. Während 
des ganzen Jahrhunderts sehen wir immer neue Scharen vom 
Westen nach dem slavischen Osteu ziehen. Einen grofsen 
Teil dieser Auswanderer stellte aber gerade die Bevölkerung 
des Niederrheins; Vlamen und Holländer werden überall unter 



46 Versuch einer Statistik. 

den Kolonisatoren genannt. Diese Auswanderung bedeutet 
sicher an sicli schon einen starken Menschenverlust, aber 
dieser Verlust mufs sich noch ganz bedeutend steigern, wenn 
wir dazu die Wirkung der Hungersnöte rechnen. Irgend 
welche Zahlenangaben lassen sich darüber nicht aufstellen, 
aber bei jeder der grofsen Hungersnöte müssen viele Tausende 
gestorben sein. „Usque hodie fame moriuntur milia milium" 
schrieb 1197 ein Mönch in Ächin^), und ebenso betonen diese 
grofse Sterblichkeit auch alle anderen Quellen immer von 
neuem. Das waren aber nicht nur Bettler und der Pöbel der 
Stadt, von denen wir hören, dafs sie in Menge auf den Strafsen 
starben, sondern Menschenmassen, die aus dem ganzen Lande 
zusammengeströmt waren. Die Entvölkerung traf das ganze 
Land. Nun ist es eine Beobachtung, die man besonders nach 
Epidemien gemacht hat, dafs grofser Menschenverlust keines- 
wegs unbedingt eine Schwächung des betroffenen Landes be- 
deutet. Im Gegenteil, gerade die wirtschaftlich Schwachen 
sind fortgefallen, und für die Überlebenden haben sich alle 
Existenzbedingungen gebessert.^) Da darf es uns nicht wun- 
dern, wenn wir auch in Belgien und am Niederrhein auf das 
menschenmordende 12. Jahrhundert einen allgemeinen Auf- 
schwung folgen sehen. Wenn jetzt auf demselben Boden nur 
noch sehr viel weniger Menschen safsen, so fanden sie natur- 
gemäfs leichter, was sie zum Leben brauchten. Hierin möchte 
ich auch einen Grund für die plötzliche Abnahme der Hungers- 
nöte im 13. Jahrhundert sehen. 



1) a. 1197. Cont. Aquicinct. S. S. VI, 434, 2. 

2) Höniger. Der schwarze Tod in Deutschland. Berlin 1882. S. 86 ff. 
und 94 ff.; vgl. dazu auch a. 1196 Cont. Aquicinct. S. S. VI, 433, 42. 



Wirkungen der Hangersnot. 

Notstandspreise. 

Eine der wichtigsten und auffallendsten Erscheinungen 
bei allen Hungersnöten sind die ungeheuren Preissteigerungen 
aller Lebensmittel, die sie begleiten. Bei einer Behandlung 
der Geschichte der Hungersnöte in neuerer Zeit würde man 
wohl ein genaues Verfolgen dieser Preisschwankungen für das 
Wichtigste der ganzen Arbeit halten. Die Kurve, die eine 
Zusammenstellung der verschiedenen Preise ergeben würde, 
müsste uns so genau wie nur möglich über die Entwicklung 
und Intensität der Hungersnot belehren. Die Möglichkeit 
eines so genauen Verfolgens der Preisbewegung ist im Mittel- 
alter natürlich nicht vorhanden. Jedenfalls legten aber auch 
schon die alten Autoren auf die Erscheinung der Preissteigerung 
einen bedeutenden Wert, sonst hätten sie nicht so viele Not- 
standspreise aufgezeichnet. Der hohe Preis ist ihnen geradezu 
eins der wichtigsten Symptome der Hungersnot. Fames valida, 
adeo ut mit einer folgenden Preisangabe ist eine typische 
Form, in der uns häufig die Thatsache der Hungersnot über- 
liefert wird. So läfst sich aus den Annalen ein sehr grofses 
Material von Preisangaben gewinnen. Für den Roggen, von 
dem allerdings die meisten Preise erhalten sind, habe ich über 
hundert Preise gefunden. Durch alle Jahrhunderte hindurch 
lassen sich diese Preisangaben verfolgen, besonders häufig 
werden sie seit der Mitte des 12. Jahrhunderts und finden 
sich schliefslich bei fast jedem einigermafsen ausführlichen 
Berichte über eine Hungersnot. Trotzdem läfst sich aus 
diesem zahlreichen Materiale sehr wenig folgern. Es fehlt 
eben jede Möglichkeit, die einzelnen Preise unter sich zu ver- 
gleichen. Masse und Münze waren in fast jedem gröfseren Orte 
verschieden, über die absolute Gröfse wissen wir aber fast nie 
etwas Sicheres. Fast nur ungewöhnliche Preise sind über- 
liefert, meistens Teuerungspreise, selten sind ungewöhnliche 
niedrige Preise, und fast nie findet sich ein Normalpreis an- 
gegeben, durch dessen Vergleichung mit den anormalen Preisen 
diese erst gröfseren Wert gewinnen würden. 



48 



Notstandspreise. 



Rodulfus Glaber^) giebt an, der Modius hätte 60 s. ge- 
kostet, nach den Ann. Elnonerses''') war der Preis für die 
Ilasera Korn 1196 bis auf 50 s. gestiegen. Hier liegen voll- 
kommene Phantasiepreise vor, die nicht viel mehr aussagen, 
als dafs in der äufsersten Not der Mensch alles hingiebt, um 
sich vor dem Hungertode zu schützen. Die beiden eben an- 
gegebenen Preise sind nun zwar die höchsten, die uns über- 
liefert sind, aber auch sonst finden bei jeder Hungersnot ganz 
unverhältuismäfsige Preissteigerungen statt. 

Die Preisbildung zeigt überhaupt eine sehr grofse Un- 
sicherheit; ein wirklich grofser Markt, der die Preise reguliert, 
fehlte. Wie bedeutend und unvermittelt die Preisschwankungen 
sind, zeigt am besten Reiner von Lüttich. Er ist der einzige 
Schriftsteller dieser Zeit, der durch eine gröfsere Reihe von 
Jahren fortlaufend die Getreidepreise, denn um die handelt 
es sich ja in erster Linie, aufgezeichnet hat. Aber wie un- 
sicher ist auch hier, im Zentrum eines für die damalige Zeit 
gewifs sehr bedeutenden Verkehrs die ganze Lage. 

Eine Übersicht der bei Reiner erhaltenen Preise wird das 
verdeutlichen. Alle Preise beziehen sich auf einen Modius 
und sind in Solidi angegeben: 



Jahr 




Spelz 


Roggen 


Gerste 




1195 


Mai 


9 


18 


8 


Beginn der Preissteig. 


1196 


24. August 


8,5 


18 




Schlechte Ernte 


1197 


bis 11. Juni 


10 


18 




Hungersnot 


»1 


12. Juni 


17 


32 






^1 


25. Juli 


20 


40 






1198 


vor Juni 


7 


15 


8 




n 


Juni 




mehr als 
15 






^^ 


vor Weihnacht. 


7 


12 




Moneta nova 


1200 




2 


3,5 






1202 


Febr.? 


3V, 


5 






1203 


Ende d. Jahres 


5 


10 


4 




1204 


1. Nov. 


5 


8 


4 




1205 


nach der Ernte 


5 


10 




messis bona 


1208 


in den 












ersten Monaten 


3 


5 






^) 


etwas später 


2,5 


3 




habundancia 
annonae in campis 


1209 




IV4 


ly* 




aunus abundans 


^t 


Ende d. Jahres 


1% 


2 




annona bono precio 


1210 


Erste 












Hälfte d. Jahres 


4 


6 




annona carior solito 


1212 


Gegen 












Ende d. Jahres 


2 


3% 




annona bono precio 



1) a. 1032 Raoul Glaber Hb. IV, c. 4 ed. M. Prou. p. 100. 

2) a. 1196 Ann. Elnon. mai. S. S. V. 16, 23. 



Notstandspreise. 



49 



Jahr 



Spelz 


Roggen 


Gerste 


2% 


4 




2 


3 




1% 


2 




ly. 


2 




3 


4 




4 


8 




6% 


11 


6 


4% 


8 




10 


17 


8 



1213 

1215 
1217 



1220 



1225 



Mai 

Ende d. Jahres 

Febr.? 



Mitte d. Jahres 

um Weihnachten 

vor 24. Juni 

Ende d. Jahres 
1. Mai 



annona bono precio 
annona bono precio 

annona bono precio 

in Leodio muUa certa moneta 

annona in duplo carior 

solito 

annona multo carior 

solito 

annona multo carior solito. 

drohende Hungersnot 

annona bono precio a messe 
usque Kai. Feb. 



Was läfst sich nun aus dieser Zusammenstellung folgern? 
Zuerst ist zu bemerken, dafs 1198 nach der grofsen Notzeit 
eine neue Münze eingeführt wird. 1217 klagt Reiner über 
die Unsicherheit der Münze, und 1218 wird dann wieder eine 
neue Münze eingeführt: nova moneta pauperibus gravis. Hier 
wäre also schon ein Moment, das selbst eine vollkommen ge- 
naue Vergleichung dieser Preise aus derselben Stadt, die von 
demselben Schriftsteller überliefert sind, unmöglich macht. 
Aber Einiges wird sich doch bemerken lassen. 1217 giebt 
Reiner wenigstens indirekt als Normalpreis für den Spelz P/g s., 
für Roggen 2 s. an. Niedriger ist der Preis für den Spelz nur 
einmal 1209, der Roggenpreis ist niedriger oder entspricht dem 
angegebenen Normalpreise dreimal, 1209, 1215, 1217. Wir 
werden also wohl mit Recht annehmen dürfen, dafs diese Preis- 
angabe Reiners etwas zu gering ist; dem entspricht auch, dafs 
er ein anderes Mal 1213 bei Preisen von 2% und 4 s. noch 
annona bono precio bemerkt. Aber auch noch bedeutend höhere 
Preise werden offenbar ohne besondere Schädigung ertragen, 
1203 und 1205 betragen die Preise für Spelz und Roggen 
5 und 10 s., ohne dafs sich irgend ein Grund für die bedeu- 
tende Preissteigerung erkennen liefse, 1205 wird sogar aus- 
drücklich angegeben, dafs die Ernte gut war, und dann folgt 
sofort ein so hoher Preis. In wirklichen Notjahren aber 
steigern sich die Preise ganz ins Ungeheuere, 1197 steigt der 
Roggenpreis von 18 s. am 11. Juni am folgenden Tage auf 
32 s. und schliefslich auf 40 s. Da handelt es sich eben nur 
noch um Seltenheitspreise. 

Interessant ist es vielleicht, noch auf einige Preise hin- 
zuweisen, für deren Entstehung Reiner keinen Grund angiebt, 
vielleicht auch keinen Grund weifs, die aber sofort ihre Er- 
klärung finden, sowie man die Lage in anderen Ländern 

Leipziger Studien VI. 1: Curgchmann, Hungersnöte. 4 



50 Notstandspreise. 

betrachtet. Hier mufs der Handel schon einwirken. 1217 
sind zu Anfang des Jahres die Getreidepreise ausgesprochen 
niedrig, dann steigen sie und erreichen zum Schlufs des 
Jahres die Höhe von 4 und 8 s. für Spelz und Roggen. Der 
Grund ist leicht zu erkennen: in grofsen Teilen Deutschlands 
herrschte Hungersnot-, es wird dorthin Getreide exportiert 
worden sein, und das rief offenbar diese Preissteigerung hervor. 
Noch deutlicher läfst sich diese Erscheinung 1225 erkennen: 
„Annona bono precio usque I^al. Februarii" schreibt Reiner 
in seiner gewöhnlichen Weise. Die Ernte des vorigen Jahres 
•mufs also gut gewesen sein, und der Vorrat war offenbar für 
den heimischen Markt ausreichend. Dann aber finden wir am 
1. Mai vollkommene Notstandspreise: Spelz 10 s., Roggen 17 s. 
und Gerste 8 s. Erklären läfst sich diese Erscheinung nur, 
wenn mau sieht, dafs Lüttich nur eine glückliche Insel in 
einem weiten Notstandsgebiete war. Rings herum in Belgien 
und ganz Deutschland herrschte eine furchtbare Hungersnot. 
Das Getreide flofs offenbar in die Notstandsgebiete ab, und 
so entstanden auch in Lüttich ungewöhnliche Preise. Dafs 
dieses starke Eingreifen des Handels auf keiner trügerischen 
Kombination beruht, zeigt wieder eine Angabe Reiners, der 
zum Jahre 1220 ausdrücklich berichtet, dafs eine drohende 
Hungersnot durch Zufuhr von Getreide abgewendet wurde. 
Auch schon früher 1197 auf 1198 mufs durch Getreideimport 
die Not erfolgreich gemildert worden sein. Sonst ist es nicht 
zu begreifen, dafs am 25. Juli, zur Zeit der Ernte, wie Reiner 
betont, die Getreidepreise den höchsten Stand, von dem wir 
in Lüttich wissen, erreichen, und doch in der ersten Hälfte 
des folgenden Jahres so bedeutend gesunken sind, beim Spelz 
von 20 s. auf 7 s., beim Roggen von 40 s. auf 15 s. 

Wir sehen, der Handel wirkt hier in Lüttich ziemlich 
stark auf die Preisbildung ein, aber ich habe schon darauf 
hingewiesen, dafs wir uns hüten müssen, zu sehr zu verall- 
gemeinern. Es handelt sich hier eben um ein besonders weit 
fortgeschrittenes Gebiet. 

Ergab so die Betrachtung der Lütticher Preise wenigstens 
noch eine Reihe interessanter Einzelheiten, so läfst sich aus 
der ganzen grofsen Zahl der sonst erhaltenen Preisangaben 
fast nichts folgern. Es sind eben vereinzelte Ausnahmspreise, 
denen keine Normalpreise gegenüber stehen; eine gröfsere zu- 
sammenhängende Gruppe von Preisen fehlt. Am Rhein findet 
sich mehrfach ein Notstandspreis angegeben, der eine gewisse 
typische Bedeutung hat. Das Malter Roggen kostet eine Mark. ^) 



1) a. 1197 Caes. Heisterbac. dialog. miracul. dist. II, e. .SO ed. Strange 
I, 103, a. 1198 Gest. Trev. cont. IV, S.S. XXIV 392, 42. 



Wucher. 51 

Bei der Willkürliclikeit der Preisbildung ist es kaum sonderbar, 
dafs man so dem grofsen Mafse die grofse einheitliche Handels- 
münze gegenüber gestellt findet. 

Sonst lassen sich nur noch einige allgemeine Angaben 
über die Preisbildung in Notzeiten und was damit zusammen- 
hängt machen. Auf die grofse Willkürlichkeit habe ich schon 
hingewiesen. Rodulfus Glaber spricht das einmal sehr gut 
aus, wenn er sagt: „Si quid ergo victus venundatus repperie- 
batur, arbitrio vendentis pro libitu erat excedere seu accipere 
precium."^) So mag es oft gegangen sein. Weiter hören 
wir noch zweimal von der gewifs merkwürdigen Tatsache, 
dafs auch im Notstandsgebiet genug Vorräte vorhanden waren, 
nur waren die Preise für die Armen unerschwinglich^): „quod 
mirum est dictu, multa victualia inveniebantur venalia, licet 
grandi pretio venderentur, ut etiam inopes, si pretium ha- 
buissent, evadere potuissent". Ebenso berichtet Johannes 
Hocsenius^) über das Elend der grofsen Hungersnot von 1315 
imd fährt fort: „et tamen bladis granaria erant plena", aber — 
und hier kommt noch ein neues Moment hinzu — , man expor- 
tierte das Getreide nach Gegenden, in denen die Not noch 
gröfser war als in Lüttich und daher auch die Preise noch höher. 

■Wucher. 

Bei den hohen Preisen wie sie eben erwähnt wurden, 
lag es nahe, dafs Gewinnsüchtige die Notlage der Armen zu 
ihrem Vorteile ausnutzten. Schon vorhin habe ich die Frage 
des Getreidewuchers gestreift, hier wird es am Platze sein, 
einiges Nähere anzuführen. 

Karl der Grofse bezeichnet es als turpe lucrum, wenn 
jemand zur Ernte Getreide billig kauft, um es später bei 
hohen Preisen wieder zu verkaufen.*) Dieselbe Tendenz spricht 
sich in einem Schutzgesetze aus: de illis qui vinum et anno- 
nam vendunt antequam colligantur et per hanc occasionem 
pauperes efficiantur. ^) Bei Ludwig den Frommen beschweren 
sich die Bischöfe' über die Wucherer, Laien und Geistliche, 
die das Volk bedrücken, sodafs viele Arme Hungers sterben 
müssen.®) Sigebert berichtet, dafs während der Hungersnot 
von 1044 viele das Getreide künstlich zurückgehalten oder 



1) a. 1032 Raoul Glaber lib. IV, c. 4, 10 ed. M. Prou. 100. 

2) a. 1197 ffist. monast. Vicon. S. S. XXFV, 304, 1. 

3) Joh. Hocsem g. pont. Leod. lib. II, c. VI ed Chapeaville Gest. 
pont. Leod. II, 373 C. 

4) a. 806 Cap. miss. Niumag. dat. c. 17; Boret. I, 132, No. 46. 

5) a. 809 Cap. miss. Aquisgran. alt. c. 12. Boret. I, 152, No. 63. 

6) a. 829 Episcop. ad Illud. relat. c. 54; Boret. II, 43, 20, No. 196. 

4* 



52 Verhalten der grofsen Massen in der Notzeit. 

es doch nur sehr teuer verkauft hätten.^) Später hören wir 
wieder aus Gembloux, dafs die Wucherer ihre Schuldner auf 
jede Weise bedrückten und ihnen die Lasten, wenn sie nicht 
zahlen konnten, verdoppelten.^) In Friesland verlangte man 
in dem Notjahre 1272 für eine Mark, vier nach Jahresfrist 
und für einen ScheflFel vier Scheffel.^) Vom Abte Iterius be- 
richtet der Chronist des Klosters Andres mit einem gewissen 
naiven Stolze, er hätte während seiner ganzen Regierungszeit 
in der grofsen Notperiode um die Wende des 12. und 13. Jahr- 
hunderts den Polkinus Korn nie unter 10 s. verkauft, oft aber 
noch teuerer bis zu 40 s. hinauf. Sicque vicinorum penuria 
ei habundantiam ministravit.*) 

Verhalten der grofsen Massen in der Notzeit. 

Ein so grofses und allgemeines Unglück, wie es eine 
Hungersnot ist, mufs notwendig eine tiefe Wirkung auf das 
ganze Leben des Volkes, ausüben. Durch den drückenden 
Mangel schwand die Sicherheit für den Bestand der früheren 
Lebenshaltung des Einzelnen, und die weitere Folge hiervon 
war eine Auflösung jeder bestehenden Ordnung. In kopfloser 
Flucht verlassen die Bauern ihre Höfe, ganze Dörfer stehen 
leer, in grofsen Scharen durchstreifen elende, verzweifelte Men- 
schen das Land. Es mufs uns unter diesen Umständen fast 
wundern, wie verhältnismäfsig selten die Quellen von Gewalt- 
thätigkeiten berichten, es gehört das keineswegs zu den typi- 
schen Zügen in den Schilderungen der Chronisten. Nur 
einmal erfahren wir, dafs sich ein gröfserer Räuberhaufe zu- 
sammenfand, der so stark war, dafs er 1145 das Kloster Fulda 
zu überfallen und auszuplündern vermochte.^) Sigebert be- 
richtet nur ganz allgemein zu der Hungersnot von 1095 von 
Diebstahl und Brandstiftung, durch die sich die Armen an den 
Besitzenden rächten.^) Ähnliches meldet hundert Jahre später 
aus einem anderen Teile von Belgien die Cont. Aquicinctina: 
„Multi hac necessitate constricti, contra consuetum vivendi 
usum latrqnes effecti, laqueo sunt suspensi."') Allzu schlimm 
kann das Übel aber doch wohl nicht gewesen sein, wenn in 
einer Zeit allgemeinen Niederganges die schwache mittelalter- 
liche Staatsgewalt seiner Herr werden konnte. Überhaupt 



1) a. 1044 Gest. abb. Gembl. c. 40, S. S, VIII, 539, 54. 

2) a. 1095 Gest. abb. Gembl. S. S. VIII, 547, 15.. 

3) a. 1272 Menko. ehr. S. S. XXHI, 560, 37. 

4) Guielmi ehr. Andren. S. S. XXIV, 742, 14. 

5) a. 1145 Chronogr. Corb. Jaffö, Bibl. I, 45. 

6) a. 1095 Sigebert S. S. VI, 367, 4. 

7) a. 1197 Cont. Aquict. S. S. VI, 434, 2. 



Verhalten Uer grofsen Massen in der Notzeit. 53 

wird man aus der Seltenheit der Nachrichten schliefsen können, 
dafs die Notleidenden im ganzen nicht zu Gewaltthätigkeiten 
neigten; eine dumpfe hoffnungslose Apathie war die Grund- 
stimmung der Massen. 

Besser als über die Vorgänge auf dem Lande, auf die 
sich die bisher angeführten Fälle bezogen, sind wir über die 
Lage in den Städten unterrichtet. Da entwerfen zuerst die 
Gesta Treverorum ein höchst bezeichnendes Bild. Bischof 
Poppo reitet eines Tages mit grofsem Gefolge zur Kirche, ein 
hungriger Haufe umringt ihn und verlangt Hülfe. Geld, das 
der Bischof verteilen lassen will, verschmähen die Armen, für 
Geld ist in diesen teuren Zeiten für sie wenig zu kaufen, 
aber sein fettes Pferd verlangen sie. Und der Bischof und 
einige seiner Begleiter müssen sich entschliefsen abzusteigen 
und ihnen die Tiere überlassen. Sofort hat der hungrige 
Haufe die Pferde zerrissen und verzehrt sie vor den Augen 
des Bischofs.^) Der genaueste Bericht über die Zustände in 
einer Stadt während einer Hungersnot, der uns erhalten ist, 
stammt aus Prag.^) Trotzdem sich eine ungeheure Menschen- 
menge hier angesammelt hatte, scheint doch die städtische 
Obrigkeit die Zügel der Regierung noch ziemlich fest in den 
Händen behalten zu haben. Man hatte den Armen ganz all- 
gemein erlaubt, die Häuser der Bürger zu betreten und dort 
zu betteln, aber bald kam es zu Ausschreitungen, die Hung- 
rigen rissen die Töpfe mit Speisen vom Herde und stahlen, 
was sie vom Hausrate erreichen konnten. Deshalb verbot man 
ihnen jetzt den Eintritt in die Häuser und nahm sie auch zur 
Nacht nicht mehr auf, da es vorgekommen war, dafs solche 
Gäste in der Nacht ihren Wirt ermordet hatten. 

V^on drohenden Unruhen berichtet auch der Fürstenfelder 
Mönch; begreiflicherweise waren besonders die Bäckerläden 
gefährdet. Die Bäcker mufsten sich daher fest in ihren 
Häusern einschliefsen und konnten den Käufern das Brot nur 
aus dem Fenster herausreichen. ^) In Strafsburg kommt es 
aber während einer Hungersnot wirklich zum Aufstande, bei 
dem der Pöbel die Bäckerläden erbricht; daraufhin lenkt die 
Bürgerschaft sofort ein und läfst noch an demselben Tage 
Korn verteilen.*) Der Aufruhr ist damit schnell gedämpft. 
Auch in Magdeburg kann die Haltung der Massen, die sich 
dort 1316 während der Hungersnot angesammelt hatten, nicht 
sehr drohend gewesen sein, denn es genügte schon, dafs die 



1) a 1035 Gest. Trev. cont. I, S. S. VE, 180, 18. 

2) a. 1282 Cont. Cosmae Ann. Prag. prs. m, S. S. IX, 204, 20. 

3) a. 1271 Monach. Fürstenfeld. Böhmer Fontes I, 12. 

4) a. 1294 Ellenh. S. S. XVn, 103, 45. 



54 Allgemeine Verarmung. 

Bäcker sich mit Stöcken neben ihren Verkaufsständen auf- 
stellten, um die hungrige Menge von allen Gewaltthätigkeiten 
zurückzuhalten. ^) 

Höchst interessant ist, was wir über die Zustände in den 
Klöstern in der Notzeit erfahren. Es kommt hier nicht selten 
zu einem Abtwechsel. Die schrankenlose Wohlthätigkeit, mit 
der der Abt die Notleidenden unterstützt hatte, war ganz 
nach dem Sinne der Mönche. Erklärte er dann aber plötz- 
lich, dafs alle Vorräte verzehrt seien und er nicht mehr wisse, 
wovon die Brüder am nächsten Tage leben sollten, * dann ist 
die Bestürzung und Unzufriedenheit grofs. In Sankt Martin 
bei Doornik^) erklären die Mönche dem Abte, er möge weiter 
für das Heil der Seelen sorgen, die Sorge für die äufsere 
Verwaltung und den materiellen Unterhalt des Klosters aber 
kundigeren Händen überlassen. Es werden dann drei Mönche 
gewählt, die in kürzester Zeit dem Kloster wieder die Mittel 
zum Unterhalte verschaffen. Ebenso hören wir, dafs in König- 
saal im Notjahre 1282^) der Abt zur Abdankung gezwungen 
wurde, und man einen thatkräftigeren Mann an seine Stelle 
setzte. Als im Sommer 1197 in Lüttich die Not ihren Höhe- 
punkt erreicht hatte*), legte im Jakobskloster Abt Gozwin 
seine Würde nieder; an seiner Stelle wird Gerhard, der Abt 
von Sankt Lorenz gewählt. Reiner, der uns davon berichtet, 
bezeichnet ihn ausdrücklich als einen „virum iuvenem set in- 
dustrium et providum." 



Allgemeine Verarmung. 

Zur Beurteilung der Intensität und der ganzen Wirkung 
der Hungersnot ist es von Interesse zu erkennen, in welchem 
Grade die verschiedenen Gesellschaftsschichten von der Not 
getroffen wurden, insbesondere, wie weit sie sich in der Be- 
völkerung aufwärts fühlbar machte. Dass die Not einen 
Kaiser, einen Herzog oder Bischof jemals irgendwie berührt hat, 
hören wir nicht. An zwei Stellen werden aber die principes, 
man wird hierunter den höheren Adel, etwa die Grafen ver- 
stehen, in Verbindung mit einer Hungersnot erwähnt. Abt 
Isingrim von Ottenbeurn^) berichtet, dafs im Jahre 1151 das 



1) a. 1316 Magdeburg. Schöppenchr. St. Chr. VII, 185. 

2) a. 1095 Herim. lib. de restaurat. S. Mart. Tomac. c. 70 S. S. 
XIV, 307, 42. 

3) a. 1282 Königsaal. G. Q. lib. 1, c. 13 Font. rer. Austr. S. S. 
Vni, 57 u. 58. 

4) a. 1197 Reineri ann. S. S. XVI, 652, 55; vgl. auch a. 1117 Chr. 
S. Andreae Castri Camerac. lib. HI, c. 30 S. S. VII, 546, 33. 

5) a. 1151 Ann. Ottenb. Isingr. maior. S. S. XVII. 313, 17. 



Allgemeine Verarmung. 55 

Getreide so selten war, dafs auch ihnen mehrere Tage lang 
das Brot bei den Mahlzeiten gefehlt hätte. Und 1092^) 
müssen in Sachsen die principes auf einige Zeit das Land ver- 
lassen, um der allgemeinen Hungersnot zu entgehen. 

Aber auch nur die obersten Spitzen der Bevölkerung 
werden verschont, schon die mittleren Schichten und auch die 
Begüterten werden oft genug von der allgemeinen Not mit- 
betroffen. „Tunc vero constricta tota gens indigentia victus, 
maiores et mediocres fame pallebant cum pauperibus" schreibt 
Rodulfus Glaber^), und aus Gembloux wird uns berichtet, dafs 
während der schweren Hungersnot des Jahres 1146 ehemals 
begüterte Leute hätten betteln müssen.^) In der älteren Zeit 
werden die Menschen in der äufsersten Not sogar zum Selbst- 
verkaufe getrieben.*) 

Am häufigsten erfahren wir von der Not der Land- 
bevölkerung. Sie bildete die grofsen Haufen, die wir zur 
Notzeit regelmäfsig hungernd das Land durchziehen sehen. 
Ich komme später auf diese Erscheinung eingehender zurück; 
hier mag es genügen, darauf hinzuweisen, dafs jede Hungers- 
not Tausende von Bauern aus ihren Höfen vertrieb. 

Auch Einzelzüge zur Charakterisierung dieser Not sind 
uns erhalten. 1146 kamen Leute aus Dörfern des Thurgaues 
nach Petershausen und tradierten sich und ihren Besitz dem 
Kloster.^) Aus dem Kloster Andres wird berichtet, dafs sich 
in dem Notjahre 1197 für die Bauten des Klosters genug 
Arbeiter fanden, die willig nicht für Geld, sondern für kärg- 
lichen Lebensunterhalt arbeiteten.^) Ebenso berichtet aus 
Friesland Menko, dafs viele, die früher eigenen Acker be- 
sessen hatten, jetzt in der Not gezwungen waren, nur um 
den Lebensunterhalt bei Glücklicheren Dienste zu suchen. '') 

Einige andere Berichte belehren uns über die Lage der 
städtischen Bevölkerung. Auch hier ergriff die Not die 
weitesten Kreise. In Doornik' mufsten viele, nur um ihren 
Unterhalt bestreiten zu können, ihre Häuser verkaufeu.^) In 
Köln sah man ehemals wohlhabende Bürger bettelnd von 
Haus zu Haus gehen. ^) Sehr ausführlich und anschaulich ist 
wieder der Bericht aus Prag.^°) Hier heifst es: Mendicabant 

1) a. 1092 Bernold. S. S. V, 454, 10. 

2) a. 1032 Raoul Glaber lib. lYc 4, 10 ed. M. Prou. 100. 

3) a. 1146 Sigb. cont. Gemblac. S. S. VI, 389, 26. 

4) a. 864 Edictum Pistense c. 34 Boret. 11, 325 u. 326. 

5) a. 1146 Gas. monast. Petrishus. lib. V, c. 25 S. S. XX, 673, 47. 

6) a. 1197 Guielmi. ehr. Andr. S. S. XXIV, 724, 47. 

7) a. 1272 Menko S. S. XXm, 560, 50. 

8) a. 1315 Jacobi Muevin. ehr. De Smet Corp. ehr. Fland. 11, 457. 

9) a. 1147 Chr. reg. Col. M. G. S. S. kl. Ausg. 82. 
10) a. 1282 Cont. Cosm. S. S. IX, 204, 14. 



56 Allgemeine Verarmung. 

etiam infiniti artifices et diversarum artium operarii, ex qui- 
bus nonnulli habuere de facultatibus rerum suarum ad valorem 
centum marcarum argenti; et biis omnibus alii exspoliati, 
aliqui in familia sua consumptis vendebant de uxoribus suis 
armillas, inaures, monalia et omnem ornatum, qui cultui fe- 
mineo competebat in vestitu, cupientes salutem vitae depulsa 
esurie conservare. Hier seben wir also, wie Leute, die aus- 
drücklieb als woblbabend ebarakterisiert werden, in die aller- 
drückendste Not kommen. Ganz besonders werden bei der 
Verarmung der städtischen Bevölkerung die ungebeuren Preis- 
steigerungen mitgewirkt haben, die, wie das ja in den Prager 
Berichten angedeutet ist, auch ein nicht unbedeutendes Ver- 
mögen schnell erschöpfen konnten. In der elementaren Not 
konnte nur bestehen, wer unmittelbar grofse Vorräte von 
Lebensmitteln besafs, also die grofsen Grundherren. 

Klöster und Bischofskirchen besafsen solche Grundherr- 
schaften, und daher war es ihnen auch oft in Notjahren mög- 
lich, neben dem Unterhalte der eigenen Angehörigen noch 
zahlreichen Armen zu helfen. In anderen Fällen hören wir 
aber auch, wie sich die Not in den Klöstern fühlbar machte. 
Die Basler Dominikaner^) werden wir noch nicht sehr be- 
dauern, die 1275 aus Not sogar Schwarzbrot essen mufsten, 
ebenso die Mönche , die häufig über den Mangel an Wein 
klagen. Aber es ist doch interessant, einmal zu hören, wie 
die ganze Lebenshaltung in den Klöstern durch den allge- 
meinen Mangel herabgesetzt wurde. Es berichtet darüber ein 
Mönch aus Sankt Martin bei Doornik^). Weizenbrot und Wein 
gab es während des ganzen Notjahres 1095 nur, wenn es ein 
Reicher einmal besonders geschenkt hatte, auch Roggen fehlte 
ganz, nur mit Haferbrot mufste man sich durchhelfen. Das 
Mehl dazu wurde nicht gereinigt und das Brot nur flüchtig 
überbacken, und, wenn man es durchschnitt, so war es mehr 
Spreu als wirkliches Brot, und doch assen es die hungrigen 
Mönche bis auf den letzten Bissen. 

Ähnlich ging es wohl auch in anderen Klöstern zu, die 
nicht sehr reich waren. Häufig entstand die Not dadurch, 
dafs die Mönche zu Gunsten der Armen alle ihre Vorräte ver- 
ausgabten und nun schliefslich selbst Not leiden mufsten. So 
war es auch 1095 in Sankt Martin^) gegangen, mit vollen 
Händen hatten die Mönche zuerst den Notleidenden gespendet 
und jetzt waren sie alle im höchsten Grade erstaunt, als 



1) a. 1275 Ann. Basil. S. S. XVII, 198, 1. 

2) a. 1095 Herimanni lib. de restaur. S. Marfc. Tornac. c. 71 S. S. 
XIV 308 19 

' 3) a. 1095 Lib. de rest. S. Mart. Tornac. c. 70, S. S. XIV, 307, 42. 



Nahrung in der Notzeit. 57 

ihnen der Abt mitteilen mufste, dals Scheune und Keller leer 
seien und man auch nicht für einen Tag mehr Vorräte hätte. 
Ebenso gerät wenig später auch Sankt Georgen^) im Schwarz- 
walde in die drückendste Not, so dafs die Mönche schon an 
eine Auswanderung denken. Im Jahre 1218 ^j beschwert sich 
ein Mönch aus dem Kloster auf dem Petersberge bei Halle da- 
rüber, dafs in diesem Notjahre sein Kloster ganz besonders 
schwer betroffen wurde. Die Mönche mufsten oft Brot in den 
umliegenden Dörfern kaufen und einmal gehen ihnen die Vor- 
räte überhaupt aus. Sie müssen Gerste und Haferbrot essen 
und an Fasttagen mit aufgeweichtem Brot oder Hefe zu- 
frieden sein. Etwas anderes ist die Lage in Königsaal ^), weil 
die Hungersnot von 1282, um die es sich hier handelt, haupt- 
sächlich auf kriegerische Unruhen zurückzuführen ist. In 
solchen Zeiten wurden natürlich die Klöster besonders aus- 
geplündert. Um sich zu helfen, mufste man die Klosterschätze 
den Juden verpfänden. 



Nahrung in der Notzeit. 

Mit was für verschiedenen Surrogaten man sich in den 
Klöstern in Notjahren half, ist in dem Vorhergehenden schon 
erwähnt worden. 

In den darbenden Massen griff man natürlich zu allem, 
was irgend efsbar erschien, um das Leben zu fristen. Die 
Quellen verweilen mit einer gewissen Vorliebe bei der Auf- 
zählung von all dem Scheufslichen, was in einer solchen 
Hungersnot gegessen wurde oder gegessen worden sein soll. 
Ich will ihnen darin nicht folgen und ein vollständiges Ver- 
zeichnis aller widernatürlichen Nahrungsmittel geben, die je 
erwähnt werden; aber es wird doch nötig sein, einiges Charak- 
teristische anzuführen. 

Das fromme Gemüt des Verfassers der Passio Karoli be- 
leidigt es schon, dafs einige Leute während der Fastenzeit 
Fleisch afsen.*) Das Gleiche wird auch noch sonst als ein 
schlimmes Zeichen erwähnt, so 1197 in Rheims^j; darum er- 
laubt der Bischof von Paris einmal während einer Hungers- 
not ganz allgemein das Fleischessen auch an Fasttagen.^) 

Die Quellen geben an, dafs man gezwungen war, auch 



1) V. Theogeri Üb. I, c. 19 S. S. XIT, 457, 18. 

2) a. 1218 Chr. mont. Sereni S. S. XXHI, 190, 46. 

3) a. 1282 Königsaal. G. Q. lib. I, c. 13; Font. rer. Austr. S. S. 
Vin, 56. 

4) a. 1125 Passio Karoli comit. Fland. c. 2 S. S. XII, 563, 4. 

5) a. 1197 Ann. S. Nicasii Remenses S. S. XIII, 84, 19. 

6) a. 1286 Ann. Colmar. S. S. XVII, 212, 49. 



58 Nahrung in der Notzeit. 

unreine Tiere zu essen. ^) Leicht begreiflich, denn das ge- 
wöhnliche Schlachtvieh wird bald verzehrt gewesen sein. 
Hunde, Katzen, Esel und Pferde werden verzehrt^), die Ann. 
Colm.^) fügen noch Wölfe, Frösche und Schlangen hinzu. 
Auch das Fleisch gefallener Tiere verschmähten die Menschen 
in der Not nicht.*) 

Die Magdeburger Schöppenchronik zeichnet ein trauriges 
Bild, wenn sie schreibt: „Und van den doden koien reddeden 
sik vele armer lüde, de anders gestorven veren van hungere, 
de armen lüde legen vor den doren buten der stad und ok 
ein deil binnen der stad up den Breden Wege soden und 
breden dat as und verkoften dat under sik." 

Eine etwas sonderbare animalische Nahrung erwähnt 
Magnus von Reichersberg ^), er behauptet, dafs man den Rin- 
dern regelmäfsig Blut abgezapft und davon gelebt hätte. 

Bei der vegetabilischen Nahrung bildete es in Kreisen, die 
sonst besser zu leben pflegten, gewifsermafsen die erste Stufe 
der Not, dafs man Haferbrot afs. Die Mitteilung dieser That- 
sache aus Doornik habe ich schon angeführt, dasselbe wird 
auch in den Annalen des Rupertklosters in Salzburg^) und in 
der Passio Karoli'^) erwähnt. Dann aber geht man auch 
weiter, alles, was sich an vegetabilischen Stoffen gerade dar- 
bot, verzehren die Armen, die Hefe des Weines soll als Brot 
gegessen worden sein^), allerhand Wurzeln und Kräuter, auch 
Gras und Baumrinde, wurden verzehrt.^) Gramina pratorum 
sicuti boves incocte commederunt, sagt Johann de Beka.-^") Da 
kam es denn in Zwifalten auch einmal vor, dafs die Hung- 
rigen ein giftiges Kraut afsen und daran starben. ^^) 

In Frankreich vermischte man nach den Ann. Bertiniani ^^) 



1) a. 1044 Bemold S. S. V, 425, 40. 

2) a. 853 Ann. Xant. S. S. II, 229, 29; a. 869 Ann. Xant. S. S. II, 
233, 14; a. 1277 Joh. Vict. Kb. II, Böhm. Font. I, 313. 

3) a. 1280 Ann. Colm. maior. S. S. XVII, 207, 4 bezieht sich auf 
die Hungersnot in Böhmen. 

4) a. 1196 Cont. Aquicinct. S. S. VI, 433, 45; a. 1197 Reiner S. S. 
XVI, 652, 42; a. 1197 Ann. S. Nicasii Rem. S. S. XIII, 84, 19; a. 1316 
Joh. de Beka ed. Buchelius 1643, p. 108; a. 1316 Magdbg. Schöppenchr. 
St. Chr. Vn, 185. 

5) a. 1145 Magni Reichersp. ann. S. S. XVII, 460, 17. 

6) a. 1281 Ann. S. Rudb. Salisbg. S. S. IX, 807, 27. 

7) a. 1125 Passio Karoli c. 3, S. S. XII, 563, 26. 

8) a. 1197 Ann. S. Nicasii Rem. S. S. XIII, 84, 20. 

9) a. 1146 Ann. Brunwil. S. S. XVI, 727, 23; a. 1234 Vinc. Bell. S. 
S. XXIV, 161, 30; a. 1263 Heinric. de Heimburg S. S. XVH, 714, 46; 
a. 1272 Menko S. S. XXIII, 563, 11. 

10) a. 1316 Joh. de Beka ed. Buchelias 1643, p. 108. 

11) a. 1099 Bertholdi Zwifalt. ehr. S. S. X, 112, 2. 

12) a. 843 Ann. Bert. M. G. S. S. kl. Ausg. 29. 



Menschenfresserei. 59 

im Jahre 843 Erde mit wenig Mehl und afs es in Brotform. 
In Ungarn sollen, wie Martin von Troppau behauptet, die 
Menschen überhaupt die Erde eines gewissen Berges gegessen 
haben. ^) 

Menschenfresserei. 

Die schlimmste Erscheinung aber, die die Hungersnot 
hervorbrachte, und die so wohl beglaubigt ist, wie irgend etwas, 
ist die Menschenfresserei. In einer ganz beträchtlichen An- 
zahl von Quellen ist sie bezeugt. Wenn wir auch die aben- 
teuerlichen Geschichten, wie sie sich z. B. bei Rodulfus Glaber 
finden, nicht wörtlich zu glauben brauchen, so steht doch die 
Thatsache fest, dafs während einer Hungersnot noch im ganzen 
13. Jahrhundert in Mitteleuropa Menschenfresserei vorkam. 
Allerdings können wir auch in dieser Sache eine gewisse Ent- 
wicklung verfolgen. In Deutschland und Frankreich ist Men- 
schenfresserei nur für die ältere Zeit bezeugt^), wir haben 
Nachrichten darüber aus den Jahren 793, 868, 869, 896, 
1005 und 1032, die beiden letzten von Rodulfus Glaber. 1085 
berichtet noch Bernold über Menschenfresserei in Italien, doch 
ist er dafür schon kaum mehr als ein vollgültiger Zeuge an- 
zusehen.^) Während bei allen diesen Nachrichten die Be- 
hauptung der Menschenfresserei ganz generell auftritt, als eine 
allgemeine beobachtete Erscheinung, handelt es sich 1146 im 
Falle der Cont. Praemonstr.*) um ein einzeln dastehendes Ver- 
brechen. Übrigens ist hier die Thatsache auch nicht ganz 
klar ausgesprochen, es wird nur behauptet, dafs ein Einzelner 
versucht habe, das Fleisch ermordeter Menschen gekocht auf 
dem Markte zu verkaufen. 

Wir sehen in Westeuropa hat man diese widernatürliche 
Art der Befriedigung des Hungers schon im 12. Jahrhundert, 
obwohl es am meisten von Himgersnöten heimgesucht ist, 
überwunden. Von jetzt an zeigt sich die Erscheinung nur 
noch in den vom Centrum der Kultur peripherisch gelegenen 
Gebieten bei minder entwickelten Völkerschaften. Otto von 
Freising führt sie, wie wir sehen mit Recht, als ein besonderes 
Zeichen der Barbarei bei den slavischen Bewohnern der Ost- 



1) Mart. Oppav. ehr. S. S. XXH, 472, 13. 

2) a. 793 Ann. Mosell. S. S. XVI, 498, 23; a. 868 Ann. S. Columb. 
Sen. S. S. I, 103; Ann. Engol. S. S. XVI, 486, 33; Ann. Xant. S. S. H, 
233; a. 896. Ann. Aug. S. S. I, 68; Ann. Col. ed. Wattenbach. Eccl. 
metrop. Col. cod. mss. 128 Richer S. S. XXV, 273, 43; a. 1005 Raoul 
Glaber lib. n, c. 9 ed. M. Prou 44; a. 1032 ibid. IIb. IV, c. 4, p. 100 
u. 101. 

3) a. 1085 Bemoldi ehr. S. S. V, 443, 30. 

4) a. 1146 Cont. Praemonstr. S. S. VI, 453, 15. 



60 Krankheiten. 

seeküste au.^) Unmittelbare Erwähnung der Menschenfresserei 
finden wir weiter noch später^) 1233 in Livland^), in Ungarn 
während der Hungersnot, die in den Jahren 1241 und 1242 
auf den Mongoleneinfall folgte, 1277 in Steiermark und 
Kärnten, 1280—1282 in Böhmen, 1315 in Livland, 1317 in 
Polen und Schlesien. 



Erankheiten. 

Ein ungeheuerer Menschenverlust ist eine der sichtbarsten 
Wirkungen einer jeden Hungersnot. Auf die Not folgen, man 
kann fast sagen immer, grofse Volkskrankheiten; mortalitas 
und pestilentia sind untrennbare Begleiter einer jeden Hungers- 
not. „Famem quoque secuta est ingens pestilentia, ita ut de- 
ficientibus sepulchris multitudo fossis pariter immitteretur" 
sagt die Chronica regia ^) und mit ihr berichten zahlreiche 
Quellenstellen das Gleiche. 

Meistens gebrauchen die Autoren für die begleitenden 
Krankheiten nur das allgemeine Wort. Im einzelnen können 
wir nur noch angeben, dafs die Epidemie*) der Jahre 1124 bis 
1126 der auch sonst häufig erwähnte ignis sacer war. Die- 
selbe Krankheit^) tritt auch 1235 neben der Hungersnot in 
Frankreich auf, vielleicht ist das 1196 von der Cont. Aqui- 
cinctina®) erwähnte febris acuta die gleiche Krankheit. Dies 
sind aber auch die einzigen Fälle, wo ein spezieller Krank- 
heitsname angegeben wird. Wollen wir irgend eine Vermu- 
tung über die Art der Krankheit aussprechen, so läge am 
nächsten, an Flecktyphus zu denken, von dem wir wenigstens 
für spätere Zeiten wissen, dafs er häufig bei Hungersnöten 
auftritt.'') Für unsere Zeit müssen wir nur festhalten, dafs 
eine Krankheit auftritt, an der sehr viele Menschen sterben. 



1) Gest. Friderici lib. III, c. 1 M. G. S. S. kl. Ausg., p. 133. Aiunt 
enim, eins maris, quod illius terrae litus alluit, tales esse provinciarum 
habitatores, qui famis tempore semet devorent. 

2) a. 1233 Ann. Stadens. S. S. XVI, 361, 24; a. 1241 n. 1242 Mart. 
Oppav. S. S. XXII, 472, 12 und Cont. Sancruc. II S. S. IX, 641, 8; a. 1277 
Job. Victor, lib. II, c. 5; Böbm. Font. I, 313 Cont. praedict. Vindob. S. 
S. IX, 730, 38; a. 1280—82 Dalimil. Font. rer. Bob. III, 199; Bernard. 
de ord. ducum Wawarie S. S. XXV, 662, 57; Canonic. Prag. cont. Cos- 
mae S. S. IX, 206, 43; Ann. Colm. maior. S. S. XVII, 209, 20; a. 1315 
Ann. Lubic. S. S. XVI, 424, 21; Canon. Samb. ann. S. S. XIX, 704, 14; 
a. 1317 Sigismund Rosicz S. S. rer. Sil. XII, 38. 

3) a. 1147 Chr. reg. Col. M. G. S. S. kl. Ausg. 82. 

4) a. 1124 Anselmi cont. Sigeb. S. S. VI, 379, 26. 

5) Vincint. Bellov. specul. bist. Hist. de Fr. XXI, 72. 

6) a. 1196 Cont. Aquict. S. S. VI, 433, 36. 

7) Virchow, Abhandlung aus dem Gebiete der öffentl. Medizin 
I, 433, Über den Hungertyphus und einige verwandte Krankheitsformen. 



Krankheiten. 61 

Nur selten berichten die Quellen vom Tode durch Verhungern 
und darin haben sie offenbar richtig beobachtet; denn der 
Hungertod wäre auch vom medizinischen Standpunkte aus 
kaum denkbar. 

Besonders fällt den alten Schriftstellern die grofse Zahl 
der Toten auf, davon berichten sie häufig und ausführlich. 
Überall fand man die Leichen auf den Strafsen, in den Städten, 
und draufsen auf dem Felde und in den Wäldern. Zu allen 
Zeiten und in allen Ländern ist es immer dasselbe Bild. Die 
Luft war vom Gerüche der verwesenden Leichen verpestet, 
die erste und oft einzige aktive Thätigkeit der städtischen 
Obrigkeit war es, für die Entfernung dieser Leichen zu sorgen. 
In Doornik mufste man 1316 bestimmte Personen anstellen, 
die die Toten fortschafften und für jede Leiche einen fest- 
gesetzten Lohn erhielten^), ähnlich in Prag 1282. An ein 
ordnungsmäfsiges Begraben der Verstorbenen war nicht mehr 
zu denken, überall mufste man Massengräber anlegen, so wurden 
in Prag 8 Gruben angelegt, jede 10 Ellen im Quadrat und 
jede soll 1000 Leichen gefafst haben. ^) Ähnliche, wenn auch 
nicht so ausführliche Berichte kehren überall wieder, immer 
spielen die fossae bei der Schilderung der Hungersnöte eine 
grofse Rolle. 

Gerade die Anlage dieser Massengräber giebt den Schrift- 
stellern mehrfach Gelegenheit, sich über die Zahl der Ver- 
storbenen auszusprechen. Viel Gewicht werden wir auf diese 
Schätzungen ja nicht legen, aber immerhin sehen wir, dafs der 
Menschenverlust ganz ungeheuer grofs war. 8000 Menschen 
sollen nach der Schätzung zum wenigsten 1282 in Prag ge- 
storben sein. Die Zahl ist hoch und vielleicht zu hoch, aber 
die Zahl von Tausenden können wir doch annehmen. Man 
mufs immer bedenken, wie ungeheuer in solchen Notzeiten die 
Bevölkerung in den Städten durch den Zuzug von Flücht- 
lingen aus dem ganzen Lande angeschwollen war. Wenn unter 
diesen unglücklichen, halbverhungerten Menschenmassen eine 
Seuche ausbrach, so können wir uns die Wirkung garnicht 
furchtbar genug denken; da werden auch Zahlenangaben mög- 
lich, die zu der Einwohnerzahl der Städte in normalen Zeiten in 
keinem Verhältnisse stehen. Während der grofsen Hungersnot 
von 1316 sollen in Erfurt allein 7985^), nach anderen An- 
gaben 8100 Menschen in den Massengräbern bei dem Dorfe 
Neuschmidstädt bestattet worden sein; noch lange Jahre nach- 
her erinnerte man sich dieser furchtbaren Zeit und veran- 



1) Ae^id. li Muisis, De Smet Corp. ehr. Flaudr. II, 207. 

2) a. 1282 Canonic. Prag. cont. Cosm. S. S. IX, 206, 16. 

3) a. 1316 Cr. S. Petri Erford. mod. S. S. XXX, 446, 27. 



62 Wanderungen der Notleidenden. 

staltete jährlich in der Pfingstwoche für das Seelenheil der 
Verstorbenen eine Prozession.^) Gegen diese Zahlen erscheint 
es fast nicht viel, wenn wir hören, dafs in Sens 868 einmal 
56 Tote^) an einem Tage aufgefunden wurden. Aber für diese 
frühe Zeit und eine nicht besonders bedeutende Stadt ist das 
doch schon eine sehr beträchtliche Sterblichkeit, und auch der 
Annalist nennt es eine inaudita mortalitas. 

Johannes Hocsemius^) giebt 1315 als einen Mafsstab für 
die Gröfse der Sterblichkeit an, dafs zwei oder dreimal am 
Tage ein Wagen mit sechs bis acht Leichen vom Hospital 
nach dem neuen Begräbnifsplatze vor der Stadt fahren mufste. 
Auch sonst läfst sich erkennen, dafs es den alten Chronisten 
allein schon ein Zeichen einer unerhörten SterbKchkeit ist, 
wenn man gezwungen war, die Toten vor den Thoren der Stadt 
zu begraben und nicht an den gewohnten Plätzen bei den 
Kirchen. 

Die meisten Schriftsteller begnügen sich aber, wenn sie 
von der Gröfse der Sterblichkeit bei einer Hungersnot spre- 
chen, mit ganz allgemeinen Angaben. Gröfse Dörfer sollen 
1045 nach dem Berichte der Ann. Altahenses^) leer gestanden 
haben, und häufig heifst es von der Zahl der durch Hunger und 
Krankheit Hingerafften multa milia oder ähnlich. Schliefslich 
kehrt auch noch mehrfach die Angabe wieder, dafs der dritte 
TeiP) der Bevölkerung eines Landes in der Hungersnot ge- 
storben wäre; das besagt natürlich, ebenso wie die Angabe, 
dafs während der Hungersnot von 1316 in Metz in einem 
halben Jahre 500000 Menschen gestorben wären®), in Wahr- 
heit nicht mehr, als dafs eben so viele Menschen starben, 
dafs man jede Möglichkeit, ihre Zahl zu schätzen, verlor. 



"Wanderungen der Notleidenden. 

Eine höchst bedeutsame Wirkung einer jeden Hungersnot 
ist es, dafs sie die Menschen zum Verlassen der Heimat zwingt. 
Waren in einem Notjahre die geringen Vorräte aufgezehrt, 
so blieb dem Bauern, wollte er nicht Hungers sterben, nichts 



1) Urkunde Avignon 10. Sept. 1341 Beyer U. B. der Stadt Erfurt 
II, 170, No. 209. 

2) a. 868 Ann. S. Columbae Senonens. S. S. I, 103. 

3) a. 1315 Joh. Hocs. lib. II, c.VI, Chapeaville G. pont. Leod.II, 373C. 

4) a. 1045 Ann. Alth. M. G. S. S. kl. Ausg. 39. 

5) a. 874 Ann. Fuld. III, M. G. S. S. kl. Ausg. 83. a. 1043 Cosmas 
S. S. IX, 75, 10; a. 1125 Ekkeh. ehr. univers. S. S. VI, 263, 20; a. 1315 
Joh. Staindelii ehr. generale ed. Oefele S. S. I, 515; a. 1316 Jan de 
Klerk. Buch V, c. X, v. 832, Collect, de Chroniques Beiges I, 443. 

6) a. 1316 Königsaaler G. Q. lib. I, c. 128, Font. rer. Austr. S. S. 
VIII, 379. 



Wanderungen der Notleidenden. 63 

anderes übrig, als Haus uud Hof in Stich zu lassen und zu 
versuchen, ob er anderswo Rettung und Hülfe finden könnte. 
Es gehört zu den typischen, immer wiederkehrenden Zügen 
im Bilde der Hungersnot, dafs zahllose Arme das Land duich- 
ziehen, ohne Plan und ohne Ziel, nur von der Mildthätigkeit 
lebend. Schon Karl der Grofse erwähnt in einem Kapitulare^) 
diese Erscheinung. Dasselbe berichten 829 die Bischöfe in 
einer Denkschrift^) an Ludwig den Frommen. Während des 
schweren Notjahres 868 mufsten nach dem Berichte Hugos 
von Flavigny^) wieder viele Notleide ihr Vaterland verlassen 
und in anderen Gegenden Hilfe suchen, und so setzen sich 
ähnliche Berichte durch die folgenden Jahrhunderte fort. Die 
Passio Karoli*) erzählt anschaulich, wie die Armen zwischen 
den Burgen und Städten hin und her zogen, und oft auf dem 
Wege vom Hunger hingerafft wurden. 

Charakteristisch bleibt immer das eine, dafs die Not- 
leidenden nicht planmäfsig auswanderten, sondern nur vor der 
gegenwärtigen Not flohen. Dabei ist es wohl möglich, dafs sie 
auf ihren Bettelzügen grofse Entfernungen zurücklegen. Ein- 
mal sammelt sich ein Haufe von Notleidenden, die aus Frank- 
reich kommen, in Lüttich. ^) 1200 sollen nach dem Berichte 
eines Chronisten^) damals vom Bischof Reginard unterhalten 
worden sein. Während der grofsen böhmischen Hungersnot 
von 1280 — 1282 zeigten sich solche fliehende Scharen in 
Thüringen, Meifsen und noch anderen Teilen Deutschlands. 
Der Bericht, der uns dies mitteilt, stammt aus Ballhausen'') 
in der Nähe von Langensalza. Zu derselben Zeit fliehen aus 
der Krakauer Gegend Tausende von Menschen nach Rufsland 
und Ungarn^) 1317 kommen Leute aus Westdeutschland 
bettelnd bis nach Lübeck und in die Ostseeländer.^) An 
einer anderen Stelle hören wir von einem Haufen, der sich 
auf der Flucht nach Ungarn über die Donau setzen lassen 
will. Es sind, wie aus dem Berichte hervorgeht, keineswegs 
Auswanderer, sondern eine Schar halbverhungerter, elender 
Menschen.^") 

1) a. 802 Capit. missor. generale c. 30, Boret. I, 96, No. 33. 

2) Episc. ad Hludovic. relat. Boret. II, 43, 25 multi propriis dere- 
lictis alienas terras expetant. 

3) a. 868 Hugo Flav. S. S. VIII, 355, 8 ut multi patriam deserere et 
ad alias terras cogerentur deroigrare. 

4) a. 1125 Passio Karoli c. 2 S. S. XII, 563, 6. 

5) Anselmi g. eps. Leod. c. 37 S. S. YII, 209, 30. 

6) Ruperti ehr. S. Laurent. Leod. S. S. VIII, 274, 40. 

7) a. 1282 Sifrid. de Balnhus. S. S. XXV, 709, 4. 

8) a. 1282 Ann. Pol. I S. S. XIX, 646, 25 und Ann. Pol. IV S. S. 
XIX, 647, 15. 

9) a. 1317 Ann. Lubic. S. S. XVI, 426, 23. 

10) Joh. Vitoduran. Arch. für Schweiz. Gesch. XI, 69. 



64 Wanderungen 

Dieses regellose Ergiefsen der Massen über die Länder 
ist aber nicht eigentlich das Gewöhnliche. Im Gegenteil, 
häufiger ziehen sich die Notleidenden an gewissen Punkten 
zusammen, namentlich in Bischofstädten oder bei bedeutenden 
Klöstern. Dort hoffen die Armen bei dem reichen Klerus 
Hülfe zu finden. 1005 strömte die Menge zum Bischöfe 
Heribert^) nach Köln. Aus derselben Hungersnot wird be- 
richtet, wie sich die Hörigen der verschiedensten Klöster beim 
Abt Adelard in St. Trond einfanden, er aber als ein guter 
Haushalter nur für seine ünterthanen sorgte, die Fremden 
dagegen an ihre Klöster wies.^) Besonders ausführlich sind 
die Nachrichten über die grofsen Menschenansammlungen und 
alle die Mifsstände, die sie mit sich brachten, aus Prag vom 
Jahre 1282.^) 1316 lagerten die Scharen der Notleidenden in 
Magdeburg auf den Straf sen und vor den Thoren der Stadt.*) 
Weitere Beispiele lassen sich auch noch für andere Bischofs- 
städte und Klöster beibringen. 

Der Menschenverlust, den das platte Land auf diese Weise 
erlitt, mufs sehr bedeutend gewesen sein. Einen gewissen 
Mafsstab hierfür gewährt die Angabe der Cont. Aquicinctina, 
dafs 1196 so viele Menschen das Land verlassen hätten, dafs 
man die zurückgebliebenen Armen ganz gut hätte erhalten 
können.^) Andere Quellen erwähnen die ihnen auffallende 
Thatsache, dafs durch das fluchtartige Fortwandern viele Höfe 
des Landes leer standen. Dies berichten für Baiern zweimal 
die Ann. Althahenses zum Jahre 1038 und 1053.") Hugo 
von Flavigny'') behauptet sogar, dafs in Frankreich nach einer 
Hungersnot ganze Städte entvölkert gewesen wären. Einen 
Einblick in die Verhältnisse im einzelnen bietet uns eine 
Aufzeichnung aus Benedictbeuren wahrscheinlich vom Jahre 
1005, in der eine Liste aller der Hörigen des Klosters ent- 
halten ist, die während der Hungersnot ihre Höfe ver- 
liefsen.^) Zählen lassen sich mit Bestimmtheit 106 Personen; 
betrachtet man aber, dafs bei 13 Familien die Kinderzahl nicht 
augegeben ist, so werden es im ganzen über 150 Seelen ge- 
wesen sein. Aus 15 Orten sind die Leute fortgezogen, die 
aber alle, soweit sie sich bestimmen lassen, in der Nähe des 
Klosters, in nördlicher Richtung ungefähr bis nach München, 



1) a. 1005 V. Heribert, c. 7. S. S. IV, 745, 27. 

2) a. 1006 Gest. abb. Trud. lib. I, c. 1, S. S. X, 229, 30. 

3) a. 1282 Canonic. Prag. cont. Cosm., S. S. IX, 204, 7. 

4) a. 1316 Magdebg. Schöppenchr. St. Chr. VII, 185, 16. 

5) a. 1196 Cont. Aquicinct., S. S. VI, 433, 42. 

6) Ann. Alth. M. G. S. S. kl. Ausg. 23 u. 49. 

7) a. 868 Hugo. Flav., S. S. VHI, 355, 6. 

8) a. 1005 Notae Buranae, S. S. XVII, 320, 36. 



der Notleidenden. 65 

liegen. Dabei sind es allein aus dem Dorfe Puron, dessen 
Name mit dem des Klosters identisch ist, 13 Familien und 
aufserdem aus diesem und dem in der nächsten Nähe liegenden 
Eichel 8 Einzelpersonen; die anderen 14 Dörfer sind nur mit 
je einer Familie vertreten. Vielleicht versagt hier schon die 
Genauigkeit der Aufstellung. Jedenfalls aber läfst sich erkennen, 
dafs es sich um einen recht beträchtlichen Menschenverlust 
handelt. Einen ganz speziellen Grund für die Flucht giebt 
die Cont. Aquicinctina an. Sie berichtet, dafs in dem schlimmen 
Notjahr 1197 aus mehreren französischen Gauen die Wein- 
bauern geflohen wären, weil sie schon im voraus auf die 
künftige Ernte Geld aufgenommen hatten und jetzt, wo der 
Wein mifsraten war, nicht liefern konnten, was sie über- 
nommen hatten.^) 

In allen bis jetzt behandelten Fällen handelt es sich um 
eine wirre Flucht ohne Ziel und ohne Plan; nur die Furcht 
vor dem sicheren Tode treibt die Menschen fort. Es liegt 
die Frage nahe, ob sich nicht Fälle planvolleren Handelns 
nachweisen lassen, wo die Menschen, sei es zum vorüber- 
gehenden Aufenthalte, von der Not nicht betroffene Gegenden 
aufsuchten, sei es den schlechten Lebensbedingungen der Heimat 
durch dauernde Auswanderung entgehen wollten. 

Da sind zuerst eine Anzahl Nachrichten, die darüber be- 
richten, dafs Mönche in der Notzeit ihr Kloster verlassen 
hätten. Flodoard^) erzählt, wie einmal das ganze Kloster 
Montfaucon mit den Gebeinen des Heiligen nach Wesseling, 
einem Dorfe zwischen Köln und Bonn, wo das Kloster eine 
villa besafs, auswanderte, um dadurch der Hungersnot in 
Frankreich zu entgehen. 

Ein solcher allgemeiner Auszug ist sonst nicht wieder 
beglaubigt, aber mehrfach läfst man doch eine Anzahl Mönche 
fortziehen, um das Kloster dadurch zu entlasten. In Sankt 
Georgen^) bleibt es allerdings bei dem Vorschlage, man 
wollte nur die Mönche im Kloster behalten, die es durch 
irgend eine Schenkung bereichert hätten, die übrigen sollten 
zu ihren Eltern zurückkehren oder in anderen Klöstern Unter- 
kunft suchen. Hier wird die Not durch eine unerwartete 
grofse Schenkung gehoben, in anderen Klöstern wird die Ab- 
sicht auch ausgeführt; 1142 werden aus Lobbes*) eine Anzahl 



1) a. 1197 Cont. Aquicinct., S. S. VI, 434, 19. 

2) Flod. bist. Rem. eccl. lib. IV, c 41, S. S. XIII, 592, 18. Huius 
venerabilis loci canonici famis quondam necessitate compulsij sumptis 
a corpore venerandi patroni sui reliquiis, ad suam quandam villam 
supra ripam Reni sitam cognomento Wasliciam profecti sunt. 

.S) a. 1101 V. Theogeri lib. I, c. 19, S. S. XII, 457, 22. 
4) a. 1142 G. abb. Lobb , c. 24, S. S. XXI, .329, 11. 

Leipziger Studien VI, 1: Cursohniann, Hungersnöte. 5 



66 Wanderungen 

Mönche nach anderen Klöstern geschickt. In Königsaal ^) waren 
während der furchtbaren Hungersnot von 1280 — 1282 nur 
wenige Mönche zurückgeblieben, die meisten waren für die 
Zeit der Not in anderen Klöstern untergebracht worden. 

Zu dem Notjahre 850 berichten die Ann. Fuld., dafs ein 
Mann mit Weib und Kind aus dem Gaue von Fulda nach 
Thüringen zog, „ut malum inopiae temperare potuisset", wie 
die Quelle angiebt.^) Das ist eine sehr bemerkenswerte 
Handlung, die in einem entschiedenen Gegensatze zu dem 
steht, was wir als das Regelmäfsige beobachtet haben. Hier 
liegt der einzige Fall für die ältere Zeit vor, wo das Ziel 
einer Wanderung genannt wird; man mufs also in Fulda ge- 
wufst haben, dafs in Thüringen keine Hungersnot herrschte, 
oder doch jedenfalls die Lebensbedingungen besser wären. 
Ein anderer Fall einer ähnlichen Erwägung liegt in einer 
Stelle bei Bern cid vor, wo erzählt wird, dafs in Sachsen eine 
so schwere Hungersnot geherrscht habe, dafs die Edlen ge- 
zwungen gewesen wären, für einige Zeit (ad tempus) das Land 
zu verlassen.^) Hier liegt wieder ein Ausnahmefall vor: nur 
die Ersten des Volkes waren es, die fortzogen, weil nur sie 
wufsten, wo sie eine gesegnetere Gegend finden könnten. 
Das ist aber der einzige Fall, wo deutlich von einer vorüber- 
gehenden Auswanderung nur für die Notzeit gesprochen wird, 
wo die Menschen also der Schwierigkeit, Lebensmittel in die 
Notstandsgebiete zu bringen, dadurch begegnen, dafs sie selbst 
Gegenden aufsuchen, die genügende Vorräte besitzen. Haben 
wir so gesehen, dafs vorübergehende Auswanderung in einem 
Notjahre nur in vereinzelten Fällen und auch dann nur meist 
für eine bevorzugte Klasse, Adel oder Mönche, sich nach- 
weisen läfst, so wäre es doch denkbar, dafs die Not, die die 
Menschen nun einmal beweglich gemacht hatte, den Anstofs 
zu einer gröfseren dauernden Auswanderung gegeben hätte. 
Der Gedanke liegt nahe; denn so konnte sich der einzelne am 
besten dauernd dem Mangel in der Heimat entziehen. 

Wir kennen ja nun im Mittelalter eine grofse Aus- 
wanderungsbewegung, deren Ziel das Land östlich der Elbe 
war. Es wird die Frage sein, ob sich zwischen dieser Koloni- 
sation des Ostens und den Hungersnöten im Westen vielleicht 
eine gewisse Verbindung herstellen läfst. Die Wahrscheinlich- 
keit, dafs eine solche Verbindung vorliegt, wächst, wenn wir 
sehen, dafs das 12. Jahrhundert, in dem die Kolonisation be- 
gann, mehr als alle anderen von Hungersnöten heimgesucht 

1) a. 1282 Königsaal. G. Q. lib. I, 13; Fontes rer. Austr. S. S, 
VIII, 57. 

2) a. 850 Ann. Fuld. M. G. S. S. kl. Ausg. 40. 

3) 1092 Bemoldi ehr., S. S. V, 454, 10. 



der Notleidenden. 67 

wurde, und dafs gerade die Niederlande, von denen die Ko- 
lonistenzüge ausgingen, wieder am häufigsten und schwersten 
unter den Hungersnöten litten. Schon de Borchgrave^) hat auf 
diese Verbindung hingewiesen, und Bernhardi^) hat in den Jahr- 
büchern Konrads 111. die Kolonisation Holsteins im Jahre 1143 
mit gleichzeitige Hungersnöte, Seuchen und Überschwemmungen 
in den Niederlanden in Zusammenhang gebracht. Dafs durch 
die zahlreichen Hungersnöte des ausgehenden 12. und der 
ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts in Verbindung mit Epide- 
mien und grofsen Überschwemmungen in den Niederlanden, 
einem schon damals dicht bevölkerten Lande, in hohem Grade 
die Disposition für die Auswanderung geschaffen wurde, ist 
eine Thatsache, die leicht glaublich ist. Aber sehr viel 
schwieriger wird es sein, nun auch wirklich Belege für diese 
Verbindung von Hungersnot oder sonstigen die Wirtschaft 
schädigenden Ereignissen und der Kolonisation des Ostens bei- 
zubringen. Die Quellen sprechen fast nur von der Thatsache, 
dafs sich da und dort grofse Massen von Notleidenden an- 
gesammelt haben, höchst selten erwähnen sie den Abzug 
dieser Notleidenden. 

Immerhin giebt es eine Anzahl Nachrichten, wo nach der 
ganzen Fassung die Vermutung nahe liegt, dafs es sich hier 
wirklich um eine Auswanderung handelt. Die Quellen sprechen 
von emigrare, egredi> u. s. w. Leider war es mir nie möglich, 
in Verbindung mit einem solchen Auszuge die Ankunft der 
Kolonisten im Osten nachzuweisen. Ein solcher Nachweis 
würde bei dem dürftigen Materiale, das vorliegt, doch nur 
einem besonders günstigen Zufalle verdankt werden können. 
Ich mufs mich also begnügen einfach zusammenzustellen, was 
ich an Nachrichten über diese Frage gefunden habe. 

Zwei Nachrichten stammen aus dem Jahre 1144, also ein 
Jahr nach dem Beginn der Kolonisation von Wagrien. Dafs 
sie mit dieser Bewegung in einer gewissen Verbindung stehen, 
ist möglich, dagegen spricht allerdings, dafs die Auswandernden 
in der einen Nachricht sicher, in der anderen doch sehr wahr- 
scheinlich Wallonen sind.^) 

Im nächsten Falle berichten die Ann. Egmund. von einer 
Überschwemmung und folgenden Hungersnot, die viele Menschen 



1) De Borchgrave, Hist. des colonies beiges S. 38 

2) Bemhardi, Jahrb. Konrads m, S. 319. 

3) a 1144 Ann. Camerac. S. S. XVI, 516, 3, nonnuUi propter famis 
intemperiem compulsi sunt de terra sua et cognatione egredi. Cont. Gembl. 
S. S. VI, 388, 33. Nee tantummodo pauperes et mediocres, sed et eorum 
multi, qui putabantur sibi sufficientes esse, duro famis gladio perur- 
gente coacti sunt alias emigrare, ut malum inopiae si non ex toto evi- 
tare, saltem possent alleviare. 

5* 



68 Wanderungen der Notleidenden. 

im Bistum Utrecht und in Holland zur Auswanderung trieb. ^) 
Wieder berichtet von einer Auswanderung 1196 die Cent. 
Aquicinctina. ^) Waren die bis jetzt angeführten Beispiele 
vielleicht zum Teil nicht unanfechtbar, so ist uns im Jahre 1259 
mit vollkommener Sicherheit die Nachricht von einem offenbar 
bedeutenden Kolonistenzuge erhalten, der sich von Baiern nach 
Ungarn bewegte.^) Charakteristisch ist, dafs hier in diesem 
Falle, und nur hier, das Ziel angegeben ist. Schliefslich spricht 
auch Menko noch einmal von einer Auswanderung, die in der 
Hoffnung unternommen wurde, in anderen Ländern bessere 
Lebensbedingungen zu finden.*) 

Auch auf die bedeutende Massenbewegung der Kreuzzüge 
scheinen Hungersnöte einen gewissen Einflufs gehabt zu haben. 
1095 herrschte in Belgien eine schwere Hungersnot, und im 
folgenden Jahre brechen besonders aus diesen Gegenden die 
Kreuzfahrer auf. Ebenso geht dem zweiten Kreuzzuge die 
grofse allgemeine Hungersnot von 1145 — 1147 voran. Es ist 
leicht begreiflich, dafs gerade in solchen Zeiten der Not die 
Bufspredigt auf fruchtbaren Boden fiel. Dazu kommt, dafs ja 
nicht nur heilige Begeisterung die Menschen ins Morgenland 
trieb, sondern auch Abenteurer, Leute die in der Heimat nichts 
zu verlieren hatten, sich den Ileereszügen anschlössen. Die 
Verbindung von Hungersnot und Kreuzzügen ist nichts will- 
kürliches, schon ein mittelalterlicher Schriftsteller spricht sie 
unmittelbar aus. Ekkehard^) sagt: ,Francigenis occidentalibus 
facile persuaderi poterat soa rura relinquere; nam Gallias per 
annos aliquot nunc seditio civilis, nunc fames, nunc morta- 
litas nimis afflixerat." 



1) a. 1183 Ann. Egmund., S. S. XVI, 469, 39, ut innumera multitudo 
famis angustia impellente propria colonia relicta, alias migraverit. 

2) a. 1196 Cont. Aquict, S. S. VI, 433, multi coacti sunt alio 

emigrare. 

3) a. 1259 Ann. Scheftl. min., S. S. XVII, 344, 24, fames valida fuit 
et multitudo hominum in üngariam profecta est. Ann. S. Steph. Frising. 
S, S. XIII, 57, 10, fuit maxima fames, et homines de diversis terris exul- 
averunt euntes ad partes Ungarie. Ann. Wessofont. ed. Leuter Hist. 
Wessof. II, 33, innumerabilis multitudo hominum Hungariam est profecta. 

4) a. 1272 Menko, S. S. XXIII, 561, 2. Multi etiam tam de Frisia 
quam de Threntia patriam exierant sperantes, se alicubi meliorem iu- 
venire sustentationem. 

5) Ekkehard S. S. VI, 213, 48. 



Notstaiidspolitik. 

Geistliche tind Laien. 

Von entscheidendem Einflüsse auf die ganze Hülfsthätigkeit 
in Zeiten der Not ist die Auffassung dieser Hülfsthätigkeit 
als Caritas, Es ist Christeupflicht, den Armen und Kranken 
zu helfen. Um so mehr erwächst der reichen und wohlorgani- 
sierten Kirche des Mittelalters die Verpflichtung, aufserordent- 
lichen und allgemeinen Notständen gegenüber auch mit aulser- 
ordentlichen Mitteln einzugreifen. Die Mittelpunkte für die 
Erhaltung und Verpflegung der Notleidenden waren meist die 
Bischofstädte und grofsen Klöster, Von dort stammen fast 
alle uns erhaltenen Nachrichten. 

Nur verhältnismäfsig selten hören wir von einem thätigen 
Eingreifen der Laien, Zum Teil mag das an dem Charakter 
unserer Quellen liegen, aber sicher trat ihre Thätigkeit ganz 
hinter der der Kirche zurück, 1095 sollen in Belgien die 
Edlen viel Geld aufgewandt haben, um ihre Hörigen während 
der Hungersnot zu erhalten.-') „Sub hac tempestate multi 
monachi et milites elemosinas largas pauperibus tribuebant" 
sagt ein anderes Mal die Cont. Aquicinctina. ^) Ebenso geben 
die Bürger von Strafsburg ^) während einer Hungersnot einmal 
100 Viertel Roggen an die Armen, allerdings erst, nachdem 
der Pöbel die Bäckerläden erbrochen hat. Einige Male 
kehrt derselbe Zug wieder, dafs, wenn ein Kloster in grofse 
Not gekommen ist, plötzlich ein reicher Wohlthäter auftritt 
und hilft. Die Quellen fassen das dann als eine Art Wunder 
auf. Rechnen wir noch hinzu, was wir von der Wirksamkeit 
einiger Fürsten hören, so ist alles erschöpft, was wir von der 
Thätigkeit von Laien in der Notzeit wissen. Auch sie mögen 
ja den Armen geholfen und ihnen Almosen gegeben haben, 
aber es ist nichts darüber überliefert. Jedenfalls hatte die Kirche 
in allen Angelegenheiten der Notstandspolitik die Führung, 



1) a. 1095 Gest. abb. Gembl, cont. auct. Godeschalco c. 61, S. S, 
Vni, 547, 14. 

2) a. 1175 Cont, Aquicinct. S. S. VI, 415, 20. 

3) a. 1294 Ellenh. S, S. XVII, 103, 43. 



7 Notstandspolitik 

Zu einer wirklich intensiven und über das Almosen- 
geben hinausgehenden Notstandspolitik besitzt aber nur der 
Staat die Organe und die Autorität. Der mittelalterliche Staat 
vermochte in dieser Hinsicht allerdings noch nicht viel; eine 
geordnete Verwaltung, wie sie die erste Vorbedingung zu einer 
solchen Thätigkeit ist, fehlte Ihm eben. Karl der Grofse ragt 
hier wieder unter allen anderen mittelalterlichen Herrschern 
hervor. Durch eine ganze Anzahl Verordnungen und mit den 
verschiedensten Mitteln sucht er in Hungerjahren den Bedrängten 
zu helfen. Ich werde darum seine Thätigkeit zuerst im Zu- 
sammenhange darzustellen suchen und dann dem gegenüber 
zusammenfassen, was sonst noch über die Thätigkeit von 
Fürsten oder in einzelnen Fällen auch von städtischen Obrig- 
keiten in Zeiten der Not zu berichten ist. 



Notstandspolitik Earls des Grofseu. 

Die Hungersnot wird als eine Strafe Gottes für die 
Sünden der Menschen aufgefafst, darum denkt Karl auch zu- 
nächst an geistliche Mittel. Fasten und Messelesen sind 
immer das Erste, was er in Notjahren anordnet. 805 befiehlt 
er ganz allgemein bei Hungersnot, Fest oder anderem Unglück: 
„ut non expectetur edictum nosirum, sed statim depraecetur 
Dei misericordia." ^) 780 hatte er schon ausführlichere Be- 
stimmungen erlassen: Jeder Bischof soll drei Messen lesen 
und drei Psalter singen für den König, für das Heer und 
pro presenti tribulatione d. h. für die Hungersnot; jeder Priester 
soll drei Messen lesen, jeder Mönch, jede Nonne und jeder 
Kanoniker drei Psalter singen. Aufserdem wird ein zwei- 
tägiges allgemeines Fasten angeordnet.^) 

Ahnliche Bestimmungen werden wiedei« 807 bei einer 
drohenden Hungersnot erlassen. An je drei Tagen, im Dezember, 
Januar und Februar soll gefastet werden, und die Geistlichen 
sollen wieder Messen lesen und Psalmen singen.^) Noch ein- 
mal hören wir in der karolingischen Zeit von einer solchen 
Mafsregel, 867 wird nach den Ann. Xant. angesichts der 
drohenden Hungersnot ein dreitägiges Fasten verordnet.*) 

Doch mit diesen kirchlichen Mitteln begnügt sich Karl 
der Grofse nicht, er greift auch mit Mitteln der weltlichen 
Gewalt thatkräftig ein. In mehreren Kapitularien giebt er 
Bestimmungen zum Schutze der durch eine Hungersnot 



1) a. 80Ö Cap. miss. c. 4; Boret. I, 122, No. 44. 

2) a. 780 Cap. episc. Boret. I, 52, No. 21. 

3) a. 807 Karoli ad Ghaerbald epist. Boret. I, 245, No. 124. 

4) a. 867 Arm. Xant. S. S. II, 232, 50. 



Karls des Grofsen. 71 

Geschädigten, und eine Kapitulare ist ganz dieser Aufgabe 
gewidmet. 

Seine erste Sorge geht darauf, in Zeiten der Not das 
Getreide im Lande zu halten. Er verbietet daher um die Wende 
des Jahres 805 und 806 von Diedenhofen aus die Ausfuhr 
jeglicher Lebensmittel: „ne foris imperium nostrum vendatur 
aliquid alimoniae". ^) 

Von den gewaltigen Preissteigerungen in Notjahren habe 
ich schon früher gesprochen. Das Übel machte sich auch jetzt 
bemerkbar und veranlafste Karl, auf der Frankfurter Synode 
unter dem Eindrucke der Hungersnot von 792 — 793 die erste 
Preistaxe zu geben. ^) Es sollten danach kosten: 
1 Modius Hafer = 1 d., Gerste == 2 d., Roggen = 3 d., 
Weizen = 4 d. 
Die königlichen Güter sollten aber ihren Überflufs zu 
niedrigem Preisen verkaufen: 
1 Modius Hafer = Vg d., Gerste = 1 d., Roggen = 2 d., 
Weizen = 3 d. 

805, wieder in einem Notjahre, wird von neuem befohlen, 
dafs niemand sein Getreide allzu teuer, nimis care, verkaufen 
soll. ^) Diese Ermahnung genügte aber oflFenbar nicht; denn 
schon im nächsten Jahre sieht sich Karl wieder veranlafst, 
eine neue Preistaxe aufzustellen. Allerdings nur für die Li- 
haber königlicher Benefizien und auch wohl nur für dieses 
Notjahr. Sie sollen demnach den Modius verkaufen: 
Hafer = 2 d., Gerste = 3 d., Spelz = 3 d., Roggen = 4 d., 
Weizen = 6 d.*). 

Gegen 794 ist das eine recht bedeutende Preiserhöhung. 
Immerhin aber waren diese Sätze sehr niedrig gegen die Preise, 
die gich bei freier Konkurrenz in Hungerjahren bildeten, und 



1) a. 805 Cap. miss. c. 4. Boret. I, 123, No. 44. 

2) a. 794 Synod. Franconofurt. c. 4. Boret. I, 74, No. 28. Ich mufs 
an dieser Auffassung der Mafsnahme als eines Aktes der Teuerungspolitik 
auch gegen Soetbeer, Forsch. VI, 73 und Inama, Deutsche Wirtschaftsgesch. 
1, 476 ff. festhalten. Die Hungersnot war nicht so unbedeutend, wie Soetbeer 
annimmt, sie war weit verbreitet, wie sich aus den Berichten der Ann. 
Mosell. , Ann. S. Germ., Ann. S. Quinti Veromand. und Ann. Lauresh. 
ergiebt. Wenn ausdrücklich befohlen wird, das Getreide auch in Zeiten 
der Teuerung nicht höher zu verkaufen, so richtet sich das gegen die 
Freissteigerungen des vorhergehenden Jahres. Karl der Grofse hat sich 
so vielfach mit der Sorge für die Notleidenden während der Hungersnot 
beschäftigt, dafs ihm ein solcher Akt wohl zuzutrauen ist. Um so mehr, 
als es sich bei der Preisaufstellung für die königl. Domänen sicher um 
einen Akt der öffentlichen Wohlfahrtspolitik handelt. 

3) a. 805 Cap. miss. in Theodonis villa dat. secund. c. 4. Boret. 
I, 123, No. 44. 

4) Cap. miss. Niumagae dat. c. 18, No. 46; Boret. I, 132. 



72 Notstandspolitik 

wenn sie überhaupt durchgeführt wurden, so kann das nur 
unter Anwendung des stärksten Zwanges geschehen sein. 
868, wo wir zum erstenmale von wirklichen Notpreisen 
hören, finden sich schon ganz andere Angaben. Es wurde 
nach den Ann. S. Columbae Senonensis^) im Mai für den 
Modius bezahlt: 
Hafer = 5 s., Gerste = 6^2 s., Roggen = l^j^ s., Weizen = 8 s. 

In späterer Zeit sind die Preise noch viel höher gestiegen, 
immerhin beträgt auch hier die Steigerung schon bei Hafer 
das SOfache, bei Gerste das 26fache, bei Roggen mehr als 
das 22fache und bei Weizen das 16fache der Preise von 806. 

Die Preisfestsetzungen werden nicht allzu viel vermocht 
haben. Viel wirksamer mufste das thätige Eingreifen der 
Einzelnen zur Unterstützung der Notleidenden sein. 
Auch hierauf richtete Karl sein Augenmerk. Der allgemeine 
BefehP) an die königlichen Missi im Jahre 806: „ut indi- 
gentibus adiuvare studeant de annona, ita ut famis peri- 
culum non pereant" sagt noch nicht viel, aber das Gebot wird 
in anderen Kapitularien weiter ausgeführt. 809^) befiehlt 
Karl der Grofse, dafs jeder die von ihm abhängigen Leute 
sive liberum sive servum in dem gegenwärtigen Notjahre er- 
halten solle. Ein anderes Mal*) bestimmt er, dafs jeder Bischof, 
jeder Abt und jede Äbtissin vier Notleidende bis zur Ernte 
ernähren soll; vermögen sie das nicht, so mögen sie wenigstens 
einen, zwei oder drei aufnehmen. Den Inhabern königlicher 
Benefizien gegenüber drückt er sich an einer anderen Stelle nicht 
so unbestimmt aus, sondern befiehlt strengt): „Qui nostrum 
habet beneficium, diligentissime praevideat, quantum potest 
Deo donante, ut nullus ex mancipiis ad illum pertinentes 
beneficium famem moriatur." Derselbe Befehl wird 806®) 
wiederholt. Hier fällt allerdings das fiskalische Interesse mit 
der öffentlichen Wohlfahrtspflege zusammen. Mit den persön- 
lichen Verhältnissen der Notleidenden beschäftigt sich ein 
Kapitulare von 802.') Es sollen danach die Armen, die durch 



1) a. 868 Ann. S. Columb. Sen. S. S. I, 103. 

2) a. 806 Cap. per. episcopos et comites nota facienda c. 1. Boret. 
I, 141, No. 54. 

3) a. 809 Cap. missorum Aquisgr. pr. c. 24. Boret. I, 151, No. 62. 

4) a. 780 Cap. episcop. Boret. I, 52, 13, No 21. 

5) a. 794 Synod. Franconofurt. c. 4. Boret. I, 74, No. 28. 

6) a. 806 Cap. miss. Niumagae dat. c. 18. Boret. I, 132, No. 46. 

7) a. 802 Capitnl. miss. general. c. 30, Boret. I, 96. De his quos 
.vult domnus imperator, Christo propitio, pacem defensionem habeant in 
regno suo, id sunt qui ad suam clementiam festinant, aliquo nuntiare 
cupientes sive ex christianis sive ex paganis, aut propter inopia vel 
propter famem suffragantia quaerunt, ut nullus eos sibi servitio con- 
ßtringere vel usurpare audeant neque alienare neque vindere; sed ubi 



Karlü des Grofsen. 73 

die Not aus ihrem Hause vertrieben sind und nun heimatlos 
umherziehen, sich desselben königlichen Schutzes erfreuen wie 
die Gesandten fremder Völker; niemand soll es wagen, sich an 
ihnen zu vergreifen oder sie zu Sklaven zu machen, sondern 
sie sollen sicli niederlassen dürfen, wo sie wollen und dazu 
noch subfragia in sua (d. h. des Kaisers) elymosina geniefsen. 
Karl hatte also auch feste Verpflegungsstationen errichtet. 

Eine weitere Bestimmung über den aufs erordentlichen 
Rechtsschutz von Notleidenden während einer Hungersnot 
ist uns in einem italienischen Kapitulare^) Karls erhalten. 
Wenn jemand nachweisen kann, dafs er unter dem Drucke einer 
solcher Not etwas verkauft hat, oder sich auch nur aus der 
Urkunde ergiebt, dafs der Verkauf zur Zeit einer Hungersnot 
stattfand, so wird das ganze Rechtsgeschäft aufgehoben, und 
der Käufer erhält den Preis zurück, wie er in der Urkunde 
angegeben ist. Bedeutende Erleichterungen für eine von einer 
Hungersnot betroflfene Bevölkerung enthält auch eine Kapi- 
tulare von 807. Es wird darin „propter famis inopiam", wie 
es ausdrücklich heifst, das Aufgebot zu einem Heereszuge für 
die westlich der Seine gelegenen Landesteile zu Gunsten der 
Armeren sehr bedeutend eingeschränkt.^) 

Einer Art Notsteuer nähert sich das, was Karl der 
Grofse in einem Kapitulare^) befiehlt, das wahrscheinlich mit 
der Hungersnot von 779 in Verbindung steht. Jeder Bischof, 
jeder Abt und jede Äbtissin, und ebenso jeder Graf, soll ein 
Pfund als Almosen für die Notleidenden geben; vermögen sie 
das nicht, so doch ein halbes Pfund, und die minores unter 
den Geistlichen, die als dritte Klasse aufgeführt werden, nur 
5 s. Bestimmter sind wieder die Auflagen, die in demselben 
Kapitulare für die königlichen Vassi festgesetzt werden. Sie 
haben zu zahlen für 200 Hörige Vg Pfund, für 100 Hörige 
5 s., für 50 oder 30 Hörige 1 Unze. 

Es zeigt sich wieder dieselbe Tendenz, die wir schon 
vorher beobachtet haben: Nutzbarmachung der königlichen 
Güter im allgemeinen Staatsiuteresse. 

Von einer Notstandspolitik der unmittelbaren Nachfolger 
Karls des Grofsen hören wir kaum noch etwas. In dem ver- 



sponte manere voluerint, sub defensione domni imperatoris ibi habeant 
subfragia in sua elymosina. 

1) Notitia Italica c. 2, Boretius I, 188, No. 88. et ipse qui 

venundaverit ostendere potuerit, ut strictus necessitate famis vendi- 
tionem ipsam fecisset, aut forte cartula ipsa manifestaverit tempore 
necessitatis famis, cartula ipsa frangatur, et pretio iuxta quod in ipsa 
cartula legitur reddat. 

2) a. 807 Memoratorium de exercitu in Gallia occident. praepa- 
rando c. 2, Boret I, 134, No. 48. 

3) a. 780 Cap. episcoporum. Boretius I, 52, No. 21. 



74 Notstandspolitik 

fallenden Staate mufste diese Art der Regierungsthätigkeit 
bald aufhören. Doch ist ein Schreiben erhalten, in dem Ludwig 
der Deutsche während einer Hungersnot um Hülfe angegangen 
wird.^) Es ist immerhin bemerkenswert, dafs noch das Ge- 
fühl besteht, dafs hier ein Feld der Thätigkeit vorliegt, auf 
dem die Zentralgewalt einzugreifen hat; in späterer Zeit ist 
nie wieder der Gedanke aufgetaucht, dafs bei einer Hungersnot 
der Kaiser helfen könne. Wenig später 867 sollen nach den 
Ann, Xant. Ludwig der Deutsche und Lothar H.^) bei einer 
drohenden Hungersnot ein dreitägiges Fasten ausgeschrieben 
haben. So begann auch die Wohlfahrtspolitik Karls des 
Grofsen in Notjahren; ob die beiden Fürsten oder andere 
Nachkommen des grofsen Kaisers aktiv zur Bekämpfung einer 
Hungersnot eingegriffen haben, wissen wir nicht. 



Notstandspolitik von Fürsten und Städten. 

Wir haben gesehen, wie zur Zeit Karls des Grofsen eine 
vorsorgliche staatliche Thätigkeit in jeder Weise der Not 
entgegenzuarbeiten suchte. Dergleichen findet sich in den 
späteren Jahrhunderten nicht mehr. Die Kirche hat die ganze 
Wohlfahrtspflege übernommen, und nur vereinzelt zeigt sich 
hier und da auch ein Eingreifen der staatlichen Organe. Nur 
von einem Kaiser hören wir, dafs er sich überhaupt um das 
Elend des Volkes während einer Hungersnot gekümmert hat. 
Es ist Heinrich HL, also doch ein Herrscher, der der Kirche 
besonders nahe stand. Aber von irgend welcher gröfseren 
planvollen Thätigkeit ist keine Rede mehr. Er speist in 
Speier die Armen und erläfst noch kurz vor seinem Tode, 
durch die Hungersnot des Jahres veranlafst, eine Indulgeuz.^) 
Sonst nehmen sich noch in einigen Fällen die Landesfürsten 
und die städtischen Obrigkeiten des Notstandes an. Einen 
Fortschritt zeigt ihre Thätigkeit gegen Karl den Grofsen 
kaum, nur kümmern sie sich, den kleineren Verhältnissen 
entsprechend, mehr um Einzelheiten. 

Schon Karl der Grofse hatte durch ein Ausfuhrverbot 
von Lebensmitteln der Not zu begegnen gesucht. Wir finden 
dieselbe Mafsregel auch später wieder. So bestand 1269*) in 



1) Theolog. Gutachten für Ludwig den Deutschen N. Archiv XI, 459. 

2) Die Ann. Xant. S. S. II, 232, 50 schreiben „die Könige". Nach 
Lage der Dinge müssen Ludwig der Deutsche und Lothar II gemeint 
sein, die allerdings nicht im Herbste, aber im Juli 867 eine Zusammen- 
kunft hatten und dabei das Edikt gegeben haben könnten. Vergl. 
Mühlbacher Regesten p. 566 u. 567, No. 1429» u. 1430». 

3) a. 1056 Chr. Wirziburg S. S. VI, 31, 35. 

4) a. 1269 Günther. Cod. dipl. ßheno-Mosell II, No. 234, p. 364. 



von Fürsten und Städten. 75 

der Mainzer Diöcese ein Verbot, das Getreide rheinabwärts 
auszuführen. Es war, wie die Urkunde angiebt: „propter cari- 
stiam et comunem defectum annonae" erlassen. 1272 ver- 
bieten einige dänisclie Städte die Getreideausfuhr,^) und nur 
durch Bestechung der Stadtoberhäupter können die Friesen 
die Zurücknahme dieses Verbotes erlangen. Menko scheint 
allerdings hier in seiner Darstellung nicht ganz gerecht zu 
sein. Es ist sehr fraglich, ob die Ernte in Dänemark wirklich 
so gut war, wie er angiebt, leicht möglich ist, dafs wir in 
diesem Ausfuhrverbot schon eine vorbeugende MaTsregel zu 
sehen haben; denn im nächsten Jahre wird auch Dänemark 
von einer Hungersnot heimgesucht. Aus Osterreich hören 
wir, dafs 1235 der Herzog, auf den Rat der Juden, sein Land 
für die Getreideausfuhr zur Zeit einer Hungersnot schliefst, 
als eine Überschwemmung der Donau die Ernte vernichtet 
hatte. 2) 

Getreide in das Land zu ziehen versucht Karl von 
Flandern einmal auf eine etwas komplizierte Weise. ^) Er setzt 
für das Quart Wein den Maximalpreis von 6 d. fest. Er will 
damit erreichen, dafs der Einkauf von Wein den Händlern 
nicht mehr lohnend erscheint, und sie so veranlassen, andere 
Lebensmittel, die das Land notwendiger braucht, einzukaufen. 

Die Erhaltung des Getreidevorrats im Lande be- 
zweckt sein Verbot des Bierbraueus. *) Entsprechende Mafs- 
regeln finden wir weiter bei zwei niedersächsischen Grafen 
wieder. 1218 befiehlt Hoyer von Falkenstein, ^) dafs niemand 
dickeres Bier brauen sollte, als das Stübchen zu einem 
Pfennig, und jeder Ausschank soll verboten sein. „Dat halp 
sere to brotkorn'', meint die Schöppenchronik. Ganz die- 
selbe Mafsregel wird auch 1226 dem Grafen von Blankenburg^) 
zugeschrieben, der dann noch weiter befiehlt, dafs niemand 
für mehr als einen Monat Vorrat an Korn besitzen darf, den 
Überflufs soll er verkaufen. 

Als Landesherr erläfst auch Engelbert von Köln einmal 
ein unbedingtes Verbot des Bierbrauens. Er wollte, wie ein 
Biograph schreibt, lieber auf die reichen Einnahmen, die er 
von den Brauberechtigten bezog, verzichten, als sehen, dafs 
um seinetwillen das Volk Hunger litte.'') 

1) a. 1272 Menko S. S. XXEI, 560, 15. 

2) Ann. S. Rudberti Salisburg. S. S. IX, 786, 31. 

3) a. 1125 Passio Karoli c. 3. S. S. XII, 563, 27. 

4) Passio Karoli c. 3. S. S. XII, 563, 25. Walteri v. Karoli c. 11, 
S. S. XII, 544, 5 und Herimanni lib. de restaurat. S. Mart. Tomac. 
cont. c. 13. S. S. XrV, 323, 2. 

5) a. 1218 Magdbg. Schöppenchr. St. Chr. VII, 143, 3. 

6) a. 1226 Sachs. Weltchr. M. G. Deutsche Chr. 11, 245, 15. 

7) a. 1225 Caes. Heisterbac. v. Engelb. lib. I, c. 8, Böhm. Font. II, 304. 



76 Notstandspolitik von Fürsten und Städten. 

Von Preistaxen hören wir zweimal. War aber ihre Durch- 
führung selbst Karl dem Grrofsen nicht gelungen, so dürfen wir 
uns nicht wundern, wenn auch in diesen beiden Fällen das Mittel 
versagte. 1118 war in Lüttich der Weizenpreis für den Modius 
auf 5 s. festgesetzt worden, verkauft wurde er zu 11 s.^) Die 
Bürger von Köln hatten für ihren Markt einen Preis von 3 s. 
für den Malter Roggen eingeführt; als nun Anfang des Som- 
mers 1146 auf dem Lande der Preis höher war, — es handelte 
sich dabei keineswegs um eine Hungersnot, — und sie ver- 
suchten, ihren Preis aufrecht zu erhalten, hielt die Zufuhr zu- 
rück und die Stadt kam in drückende Not.^) 

Sonst ist kaum noch etwas von einer Wohlfahrtspolitik 
des Staates oder der städtischen Behörden erhalten. Nur noch 
einiges von der Thätigkeit Karls von Flandern wäre zu er- 
wähnen. Irgendwie bedeutendere organisatorische Mafsregeln 
trifft er nicht, sondern wie ein guter Hausvater sorgt er für 
das Wohl seiner Unterthanen und sucht im Ganzen nur die 
augenblickliche Not zu lindern. Seinen Hörigen erläfst er ihre 
Abgaben. In der Art eines geistlichen Fürsten seiner Zeit 
ernährt er viele Arme, er verteilt selbst Brot unter sie, — 
7800 Brote soll er einmal an einem Tage fortgegeben 
haben — , und täglich pflegte er einen Armen vollkommen 
mit Kleidern zu versehen. Auf jedem seiner Güter liefs er 
100 Armen Unterhalt gewähren, und von seiner eigenen Tafel 
gab er soviel fort, dafs er davon täglich 113 Hungrige speiste. 
Als eine sehr weise Mafsregel erscheint es dem Verfasser 
seiner Vita, dafs der Graf den Bäckern befahl, an Stelle der 
Brote, die sonst einen Denar kosteten, zwei halb so grofse 
Brote herzustellen, damit der arme Mann sich auch schon für 
einen Obol ein Brot kaufen könnte. Weiter befahl er, die 
Hälfte des Feldes anstatt mit Getreide mit Erbsen und Bohnen 
zu bestellen, damit das Volk auf diese Weise schneller neue 
Lebensmittel erhielte.^) 

Das wenige, was von Seiten der städtischen Obrigkeiten 
in Notzeiten geschah, habe ich schon früher bei anderer 
Gelegenheit erwähnt. In Strafsburg verteilte man einmal 
100 Viertel Roggen unter die Armen, und der Rat von Prag 
traf einige Anordungen zur Aufrechterhaltung der Ordnung. 
Sonst beschränkt sich die Thätigkeit der Behörden auf die 
Fortschaffung der Leichen. Auch darüber ist schon früher 
gehandelt worden. 



1) a. 1118 Canonici Leod. ehr. ryth. S. S. XII, 418, v. 267. 

2) a. 1246 Chr. reg. Col. cont. V, M. G. S. S. kl. Ausg. 288. 

3) Passio Karoli c. 2 u. 3, S. S. XII, 562 u. Walteri v. Karoli c. 11, 
S. S. XII, 544. 



Kirchliche Notstandspolitik. 77 

Kirchliche Notstandspolitik. 

Viel wichtiger aber und viel wirksamer als die Thätig- 
keit des Staates war die wirklich grofsartige Weise, in der 
die kirchlichen Institute des Mittelalters sich während jeder 
Hungersnot der zahllosen Armen und Heimatlosen annahmen 
und sie mit den gröfsten Opfern zu erhalten suchten. Immer 
wieder wird berichtet, wie in den Notjahren die Armen aus 
dem ganzen Lande in die nächste Stadt oder zu einem grofsen 
Kloster zogen. Da erwuchsen dann der Kirche ganz unge- 
heuere Aufgaben. Nun werden ja die Bistümer und Klöster 
aus den Erträgen ihrer Grundherrschaften oft grofse Vorräte 
besessen haben, aber häufig erfahren wir, dafs diese Vorräte 
doch bald aufgezehrt waren. Bis zu der Vorsicht, in Zeiten 
des Überflusses für aufserordentliche Notstände im Voraus 
eine Reserve anzusammeln, kam man offenbar nur selten. 
Abt Olbert von Gembloux, der das that, erhält von Sigebert 
dafür den ehrenden Beinamen eines zweiten Joseph.^) Grofse 
Magazine besafs auch der deutsche Orden in seinen Burgen 
und öffnete sie 1315 zur Unterstützung der Notleidenden.^) 

Im Ganzen aber beschränkt sich auch die Kirche auf das 
thatkräftige Eingreifen im Augenblick der Not selbst. Ge- 
nügen die eigenen Vorräte nicht, so sucht man sich durch grofse 
Ankäufe zum Teil in ziemlich entfernten Gegenden Getreide 
zu verschaffen. Die Mönche von Afflighem lassen sich aus 
der Gegend der oberen Scheide ein Schiff mit Getreide 
kommen.^) 1224 bringen für Erzbischof Engelbert von Köln 
Getreideschiffe Vorräte aus der Mainzer Gegend. In dem 
grofsen Notjahre 1197 erzählt Caesarius von einem Mönche 
aus einem westfälischen Kloster, der zum Einkauf von Korn 
an den Rhein kam.*) Auch der vorsorgliche Bischof Mein- 
werk von Paderborn läfst einmal zwei Schiffe mit Getreide 
aus Köln kommen.^) 

Grofse Summen wandten die Klöster für diese Getreide- 
ankäufe auf. In Zwifalten gab der Elemosynarius 20 mr. zu 
diesem Zwecke aus.^) In Stederburg^) gebraucht man 1166 
30 mr. und im Jakobskloster in Lüttich sogar über 100 mr. 
von Epiphanias bis zum August 1197.^) 

1) a. 1044 G. abb. Gembl. S. S. Vm, 539, 50. 
, 2) a. 1315 Ann. Lubic. S. S. XVI, 424, 25. 

3) a. 1165 Auct. Afflig. S. S. VI, 402, 47. 

4) a. 1197 Caes. Heisterbae. Dialog, miraculorum ed. Strange 
dist. IV, c. 67. vol. I, p. 235. 

5) a. 1025 V. Meinwerci c. 151. S. S. XI, 138, 29. 

6) a. 1098 Bertholdi Zwifalt. ehr. S. S. X, 111, 47. 

7) a. 1166 Ann. Stederburg. S. S. XVI, 209, 45. 

8) a. 1197 Reiner S. S. XVI, 652, 50. 



78 Kirchliche Notstandspolitik. 

Genügte das Geld, das man besafs, nicht, so griff man 
den Schatz der Kirche an, um aus dem Erlöse Brot für die 
Armen zu kaufen. Als Abt Richard von St. Vannes alles, 
was er besafs, fortgegeben hatte, verkaufte er den ganzen 
Kirchenschatz nach Rheims.-^) Caesarius erzählt, dafs ein 
westfälisches Kloster mit den heiligen Geräten auch seine 
Bücher verpfänden mufste.^) Vom Abte eines Augsburger 
Klosters hören wir, dafs er, um der allgemeinen Not zu steuern, 
seine eigenen Güter verpfändete.^) Bischof Altmann von 
Passau verkauft sein ganzes Hausgerät, usque ad ipsum liu- 
teamen, wie die Vita sagt.*) In Königsaal mufs man in der 
Not den Kirchenschatz den Juden verpfänden.^) Besonders 
zum Verkaufe eigneten sich die grofsen kostbaren Antependieu. 
In Petershausen und anderen Klöstern machte man sie zu 
Gelde.6) 

In der Not verschuldeten die Klöster nicht selten. Lobbes 
litt noch viele Jahre unter einer solchen Schuld, die man 1142 
beim Ankauf von Getreide gemacht hatte.'') Ebenso mufste 
Afflighem sich 1155 das Geld zu einem gröfseren Getreide- 
kauf leihen.^) In Sankt Georgen machte man 1101, wie die 
V. Theogeri angiebt, zur Bestreitung der täglichen Bedürfnisse 
eine Schuld von 60 Pfund Silber.^) 

Die Bischöfe und Äbte sorgten persönlich für die Pflege 
der Notleidenden. Die Ann. Fuld. erzählen, wie Bischof Hra- 
banus von Mainz während der Hungersnot von 850 in Winkel 
die Armen täglich speiste.^") Heribert von Köln liefs durch 
andere die Flüchtlinge, die in die Stadt gekommen waren, 
reichlich verpflegen; er selbst aber mischte sich unerkannt 
unter die Armen, um sie zu trösten und ihre Wünsche zu er- 
fahren. ^^) Otto von Bamberg ruhte Tag und Nacht nicht in 
seiner Fürsorge, auf den Strafsen und in den Häusern be- 



1) Hugonis Flaviac. ehr. S. S. VIII, 400, 9; vgl. auch a. 1125 Herim. 
lib. de restaurat. S. Mart. Tornac. cont. c. 13. S. S. XIV, 323, 4; a. 1176 
Roberti. canon. S. Mariae Autissod. ehr. S. S. XXVI, 241, 23. 

2) a. 1197 Caes. Heisterbac. dialog. miracul. dist. IV, c. 67 ed. 
Strange I, p. 235. 

3) a. 1147 V. S. Udalrici prioris Cellensis c. 7 S. S. XII, 255, 27. 

4) a. 1082 V. Altmanni episc. Patav. c. 25 S. S. XII, 237, 1. 

5) a. 1282 Königsaal. G. Q. c. 13. Fontes rer. Austr. VIII, 57. 

6) a. 1226 Casus monast. Petrishus. lib. IV, e. 21. S. S. XX, 666, 
19; Simonis G. abb. S. Bertini Sith. lib. II, c. 81. S. S. XIII, 651, 18; 
a. 1177 Ann. S. Benigni Divion. S. S. V, 45, 29. 

7) a. 1142 G. abb. Lobb. S. S. XXI, 329, 11. 

8) a. 1155 Auct. Afflig. S. S. VI, 402, 46. 

9) a. 1101 V. Theogeri abb. S. Georgii lib. I, e. 19. S. S. XII, 457, 50. 

10) a. 850 Ann. Fuld. M. G. S. S. kl. Ausg. 40. 

11) a. 1005 V. Heriberti e. 7. S. S. IV, 745, 32. 



Kirchliche Notstandspolitik. 79 

suchte er die Hungernden. Sein Biograph Heribord erzählt 
ausführlich, wie er bei einem solchen Gange die Leiche einer 
verhungerten Frau gefunden und sich nicht gescheut hätte, 
selbst mit seinem Diener den Leichnam auf den Kirch- 
hof zu tragen.^) Wazo von Lüttich wendet nicht nur für die 
öffentliche Speisung der Armen täglich ein Pfund Denare auf, 
sondern denkt auch noch daran, denen, die sich zu betteln 
schämen, heimlich Korn zukommen zu lassen.^) In Neu- 
münster verteilte in Vicelins Auftrage der Priester Thetmar 
Nahrung au die Bedürftigen. Er gab so reichlich, dafs er das 
Kloster bald selbst in Not zu bringen drohte und man vor 
ihm die Vorratskammern schliefsen mufste. Der fromme 
Mann wufste sich aber doch heimlich Eingang in die Scheunen 
zu verschaffen und nahm weiter Getreide und gab es den 
Armen. Die Getreidekammern aber füllten sich durch die Gnade 
Gottes wieder von selbst.^) Dasselbe Wunder wiederholt sich 
auch an anderen Orten.*) In Heisterbach ermahnt der Abt 
den Bäcker, haushälterischer mit den Vorräten umzugehen 
und die Brote für die Armen kleiner zu machen. Der aber 
mufs antworten: „Glaube mir, Herr, als Teig sind sie kein, 
aber im Backofen wachsen sie, klein werden sie hineinge- 
schoben, und grofs kommen sie heraus." Und derselbe Bäcker 
erzählte dem Schreiber weiter, dafs auch der Mehlvorrat in 
den Säcken gewachsen wäre. ^) 

Meist erhielten die Armen nur Brot als das wichtigste 
Nahrungsmittel oder auch rohes Getreide. Der Abt von 
Heisterbach aber läfst noch dazu für seine Pfleglinge täglich 
einen ganzen Ochsen mit allerhand Gemüse kochen.^) Weiter 
werden auch noch Kleider und einige Male auch Geld unter 
die Armen verteilt. Otto von Bamberg giebt jedem der 
Armen, als er sie zur Ernte entläfst, 1 d. als Zehrgeld mit 
und eine Sichel.^) Ähnlich die Mönche in Riddagshausen ; bis 
zur Erntezeit hatten sie ihre Pfleglinge durchgefüttert, do 
geven se islikem armen minschen ein sekelen und ein brod und 
heiten se gan arbeiden und sniden.^) 



1) a. 1125 Heribordi V. Ottonis lib. I, c. 31 u. 32. S. S. XX, 715. 

2) a. 1042 Anselm g. eps. Leod. c. 53. S. S. VII, 221, 11. 

3) a. 1147 Helmold. lib. I, c. 66 M. G. S. S. kl. Ausg. 127. 

4) Miraculi S. Volquini abb. in Sichern ed. F. Winter, Die Cister- 
cienser im nordöstl. Deutschland, Bd. 1, p. 371, 372 u. 378; a. 1316 
Brem. Chr. von Rynesberch ed. Lappenberg. G. Q. d. Erzstifts u. der 
Stadt Bremen 86. 

5) a. 1197 Caes. Heisterbac. dist. IV, c. 65 ed. Strange p. 233. 

6) a. 1197 Caes. Heisterbac. ibid. p. 232. 

7) a. 1125 V. Ottonis I, c. 33 S. S. XX, 716, 1. 

8) a. 1316 Magdebg. Schöppenchr. St. Chr. VII, 186. 



80 Kirchliche Notstandspolitik. 

An verschiedenen Stellen werden Angaben über die Zahl 
der täglich Unterstützten gemacht. Mehr als 300 Arme soll 
Bischof *Hraban täglich gespeist haben. ^) Ebenso sorgte 
Arnold von Mainz persönlich für 300 Notleidende.^) Im Not- 
jahre 1316 ernährten die Cistercienser in Riddagshausen täg- 
lich über 400 Arme von den Fasten bis zur Ernte ^). In 
Heisterbach sollen einmal an einem Tage 1500 Arme gespeist 
worden sein.*) 

Einige Male zeigen sich die ersten Anfänge zu einer 
Organisation der Wohlfahrtspflege. Während einer schweren 
Hungersnot kamen einmal die französischen Bischöfe zusam- 
men, um über Hülfsmafsregeln zu beraten.^) Bischof Heribert 
pflegte in Köln selbst die Notleidenden, in anderen Städten 
seiner Diözese hatte er zuverlässige Kleriker angestellt, denen 
er Geld zugehen liefs, damit sie Getreide einkauften und es 
wieder unter die Armen verteilten.^) 

Bischof Reginard von Lüttich verteilt 1200 Notleidende 
auf 4 Stationen, je 300 werden in LütticK,' Huy, Dinant und 
Fosse unterhalten. Besondere Fürsorge für die eigenen üuter- 
thanen zeigt Meinwerk von Paderborn. Er bestimmt, dafs von 
den Einkünften seiner Güter in Yelau und Teisterbang y^^ dem 
Villicus zufallen sollen, y^ erhalten die Hörigen verteilt nach 
den Köpfen jeder Haushaltung, y^ die sonstigen Notleidenden 
und y^ wird zur neuen Aussaat bestimmt. Bischof Wazo von 
Lüttich liefs während eines Notjahres jedem seiner Bauern 
wöchentlich 2 d. auszahlen, damit sie nicht ihre Rinder ver- 
kaufen müfsten und dann das Feld unbestellt bliebe.') 1006 
hatten sich grofse Scharen Notleidender in St. Trond. ein- 
gefunden, aber Abt Adelard will nicht unnötig seine Vorräte 
verschwenden. Er fragt also die Einzelnen, wessen Hörige sie 
wären, und nur wer dem heiligen Trudo gehört, wird auf- 
genommen, alle anderen schickt er unerbittlich zu ihren 
Klöstern zurück.^) 

Als etwas wirklich Neues und für seine Zeit sehr Be- 
merkenswertes liefs Bischof Reginard von Lüttich Notstands- 
arbeiten ausführen. Er beschäftigte die Notleidenden, die sich 
zu betteln schämten, beim Bau einer Brücke, elemosina magni 



1) a. 850 Ann. Fuld. kl. Ausg. 40. 

2) a. 1151 Vita Amoldi laffe. Bibl. III, 609. 

3) a. 1316 Magdeb. Schöppenchr. St. Chr. VII, 186. 

4) a. 1197 Caes. Heisterbac. Dialog, dist. IV, c. 65, p. 232. 

5) a. 1032 Hugonis Flaviac. ehr. lib. II, c. 27. S. S. VIII, ;{9S), 50. 
C.) a. 1005 V. Heriberti c. 7 S. S. IV, 745, 27. 

7) a. 1043 Anselmi g. episc. Leod. c. 53 S. S. VII, 221, 21. 

8) a. 1006 G. abb. Trud. lib. I, c. 1 S. S. X, 229, 30. 



Kirchliche Notstandspolitik. 81 

pontis*) nennt es der Chronist. Noch weiter geht ein Abt 
von Gembloux; er läfst nicht nur den Kirchbau vollenden 
und eine Kapelle neu erbauen, sondern er läfst auch alle alten 
Gebäude des Klosters niederreif sen, um bei ihrem Wieder- 
aufbau die Armen zu beschäftigen.^) 



1) a. 1031 Ruperti ehr. S. Laurentii Leod. S. S. Vm, 274, 40. 

2) Wassermann, Die Hungerjahre u. s. w. Katholik 1892, 3. Folge, 
Bd. V citiert: „Anselm. Gembl. ehr. in Pistor. S. S. I, 1013." Das Citat 
war nicht aufzufinden, der Text von Pistorius S. S. rer. Germ. I besitzt 
in allen drei Auflagen nur ca. 960 Seiten, Anselms Fortsetzung Sigeberts, 
die offenbar gemeint sein mufs, reicht nur bis 1185. 



Leipziger Stadien VI. 1: Curschmann, Hungersnöte. 



Tabellen über Daner nnd Ansdebnnng der einzelnen 
Hnngersnöte. 







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Frankreich 

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Frankreich 

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Nordfrank- 
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823 

Regens- 
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850 










850 




















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861 

S. Gallen 






863 
862 

Hersfeld 








863 


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868 

873 

Mainz 


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869 


868 






868 

873 
Hersfeld 








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874 


















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889 












892 




















St. Vaast 




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895 
896 


896 
897 













Tabellen über Dauer u. Ausdehnung d. einzelnen Hungersnöte. 83 







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1031 
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1006 

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1025 


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1043 




















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1044 
1045 


1044 


1044 
1046 

Augsburg 

1055 

Franken 

1056 

Franken 

1060 
1061 
1062 

1069 

Augsburg 

1077 


1053 
1060 


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1066— 

1072 


1045 




1082 




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1090 






1092 
1093 
1094 








1095 


1100 
1101 

1106 

Klostor- 


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1100 
1101 

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1100 








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Tabellen über Dauer und Ausdehnung 



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1151 


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1162 




1162 






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1166 

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1176 


1177 

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1195 

Elsafs 










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1196 


1196 




1196 


1196 








1196 




1197 


1197 
1198 


1197 


1197 
1198 

Neres- 
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1211 




1197 
1205 




1206 
1216 












1217 


1217 

Lübeck 

1219 

Friesland 


1217 
1218 


1217 


1217 


1217 

Ungarn 








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Zwifalten 















der einzelnen Hungersnöte. 



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1226 

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1226 



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1310 



1315 
1316 



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1256 

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1269 
1270 
1271 



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1311 
1312 
1313 

1315 
1316 



1270 
1271 



1271 

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1272 
1273 

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1312 
1313 

1315 
1317 



1315 
1316 

Bremen 

1317 



1271 
1272 



1309 

Hessen 



1315 
1316 



1280 
1281 
1282 



1306 



1314 



1317 



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1235 



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1255 

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1221 

Polen 

1222 

Polen 



1233 

Livland 

1241 

Ungarn 

1242 

Ungara 



1277 

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1317 



1263 

Ungarn 

1264 

Schlesien 



1271 

Ungarn 



1281 

Schlesien 

1282 

Polen 



1317 

Schlesien 



n. 
CHEONIK DER ELEMENTAEEN EßEIGNISSE. 



Die folgende Zusammenstellimg will eine möglichst vollständige 
Chronik der elementaren Ereignisse für die Zeit von 700 — 1317 geben. 
Es ist über eine Zusammenstellung des Materials nur für die Notjahre 
hinausgegangen worden, um, so weit es möglich war, auch ein Bild von 
den zwischen den Zeiten wirtschaftlicher Depression liegenden normalen 
oder guten Jahren zu geben. Die grofsen Volkskrankheiten sind als ein 
Faktor, der auch das Wirtschaftsleben beeinflufst, vollständig mit be- 
handelt worden, dagegen sind Nachrichten über Himmelserscheinu/ngen nur 
gegeben worden, wo sie mit Notjahren in Verbindung stehen; ausgeschieden 
sind im allgemeinen Nachrichten über Erdbeben, da sie in Deutschland 
keinen Einflufs auf das wirtschaftliche Leben haben. 



709. Ann. Laueksh. S. S. I, 22 (Ann. Alam. = Ann. Nazariani = 
Ann. Sangall. mai. = Ann. Alth. = Ann. Heremi = Ann. Mosellani). 
Vernus durus et deficiens fructus. 

711. Ann. Laukesh. S. S. I, 24 (= Ann. Alam. = Ann. Nazar. == 
Ann. Alth. = Ann. MoseU.). Aquae inundaverunt valde. 

722. Ann. Lauresh. S. S. I, 24 (= Ann. Alam. = Ann. Nazariani = 
Ann. Sangall. maior. = Ann. Heremi = Ann. Alth. = Ann. Mosell.). 
Magna fertilitas. 

763. Hungersnot in Südfrankreich und den Mittelmeerländern (Chr. 
Moissiac), ein sehr harter Winter scheint die Ursache zu sein. Che. 
MoissiACENSE S. S. I, 294, 32. Anno 762 gelu magnum Gallias, Illyri- 
cum et Thraciam deprimit, et multae arbores olivarum et ficulnearum 
decoctae gelu aruerunt; sed et germen messium aruit; et supervenienti 
anno praedictas regiones gravius depressit fames, ita ut multi homi- 
nes penuria panis perirent. || Ann. Einhabdi M. G. S. S. kl. Ausg. 23 
(= Ann. reg. Franc. = Ann. Tiliani = Ann. Mett. = Ann. Lauriss. 
min. a. 764). Facta est autem eo tempore tam valida atque aspera hiems, 
ut inmanitate frigoris nullae praeteritorum annorum hiemi videretur 
posse conferri. || Ann. Weissenbdbg. a. 763 — 846 S. S. I, 111 (= Ann. Lau- 
sann). Hiems valida. || Ann. Jüvaven. maioe. sdppl. S. S. IH, 122, 17. 
Hiemps magna. || Ann. Juvavenses minobes S. S. I, 88. Hiemps fortissi- 
mus. II Ann. S. E.mmer. Eatispon. maior. S. S. I, 92. Hiemps magnus erat. 

764. Ann. S. Amandi S. S. I, 10 (= Ann. Petav.). Tunc fuit ille 
gelus pessimus, et coepit 19. Cal. Januarii (14. Dec), et permansit usque 
in 17. Cal. Aprilis (16. März). Ann. Maxim. S. S. XÜI, 21, 8. Hiemps 
magnus erat. || Ann. Altah. M. G. S. S. kl. Ausg. 3 (= Hersf. Ann.). 
Hiems dura. || Ann. Fuldenses (Einhaedi) pbs. I, M. G. S. S. kl. Ausg. 8 
(= Ann. Sith. = Ann. Bland, a. 763). Hoc anno contigit hiems valida 
et praeter solitum prolixa. || Ann. Füld. antiquissimi M. G. S. S. kl. Ausg. 
137. Hie hiemps dura. 

766. Ann. Weissenbg. a. 763—846 S. S. I. 111. Hiems grandis. 

772. Ann. eegni Franc. M. G. S. S. kl. Ausg. 34. Et fuit sicci- 
tas magna, ita ut aqua deficeret in supradicto loco, ubi Ermensul 
stabat; et dum voluit ibi duos aut tres praedictus gloriosus rex stare 
dies famem ipsum ad perdestruendum et aquam non haberent, tunc 
subito divina largiente gratia medio die cuncto exercitu quiescente in 
quodam torrente omnibus hominibus ignorantibus aquae effusae sunt 
largissimae, ita ut cunctus exercitus sufficienter haberet. (Ganz ähn- 
liche Berichte finden sich in den Ann. Einhardi, Ann. Fuld. und Ann. 
Tiliani.) 

779. Grofse Hungersnot im Frankenreiche; die räumliche Ausdeh- 
nung läfst sich nicht genauer bestimmen, da alle Annalen aus derselben 
Quelle geschöpft zu haben scheinen. Eine Bestätigung der Annalennach- 
richten bietet ein Capitulare aus dem Jahre 779 oder vielleicht richtiger 
nach Boretius Anfang 780. \\ Ann. Laueesham. S. S. I, 31 (== Ann. Mosell. 
= Ann. Alam. = Ann. Sangall. maior. u. breves). Fames vero magna 



90 Chronik der elementaren Ereignisse. 

et mortalitas in Francia. || Ann. Colonienses ed. Wattenbach: eccl. mktko- 
poLiT. Colon. Codices manusceipti, p. 127. Farnes magna. 

780. ^) Capitül. episcoporum Boeetius I, 52, No. 21. Capitulare 
qualiter institutum est in hoc episcoporum consensu: id est ut unus- 
quisque episcopus tres missas et psalteria tria cantet, unam pro domno 
rege, alteram pro exercitu Francorum, tertiam pro presenti tribulatione , 
presbiteri vero unusquisque missas tres, monachi et monachae et cano- 
nici unusquisque psalteria tria. Et biduanas omnes faciant tam epis- 
copi, monachi et monachae atque canonici, atque eorum infra casatum 
homines, vel qui potentes sunt. Et unusquisque episcopus aut abbas vel 
abbatissa, qui hoc facere potest, libram de argen to in elemosinam do- 
net, mediocres vero mediam libram, minores solidos quinque. Episcopi 
et abbates atque abbatissae pauperes famelicos quatuor pro isto inter 
se instituto nutrire debent usque tempore messium; et qui tantum non 
possunt, iuxta quod possibilitas est, aut tres aut duos aut unum. Co- 
mites vel fortiores libram unam de argento aut valentem, mediocres 
mediam libram; vassus dominicus de casatis ducentis mediam libram, 
de casatis centum solidos quinque, de casatis quinquaginta aut triginta 
unciam unam. Et faciant biduanas atque eorum homines in eorum ca- 
satis, vel qui hoc facere possunt ; et qui redimere voluerit , fortiores 
comites uncias tres, mediocres unciam et dimidiam, minores solidum 
unum. Et de pauperes famelicos, sicut supra scriptum est, et ipsi fa- 
ciant. Haec omnia, si Deo placuerit, pro domo rege et pro exercitu 
Francorum et praesente tribulatione missa sancti Johannis sit com- 
pletum. 

783. Ann. Laukesh. S. S. I, 32 (= Ann. Mosell.). Et fuit estus 
tam vehementer calidus, ita ut plurimi homines de ipso calore ex- 
pirarent. 

784. Ann. Laukesh. S. S. I, 32 (= Ann. Mosell.). Nee non et 
inundatio aquarum valida fuit. 

785. Ann. hegni Fuancok. M. Gr. S. S. kl. Ausg. 68. Tunc domnus 
rex Carolus supradictum iter peragens usque ad Rimee pervenit super 
fluvium Wisora, ubi confluit Waharna. Et propter nimiam inundationes 
aquarum inde reversus est Eresburgum. 

786. Ann. Lauresh. S. S. I, 33. Wunderbare Himmelserscheinungen 
und andere Vorzeichen unde pavor ingens et metus in populo irruit, ac 
mortalitas magna postea secuta est. 

790. Hungersnot in Lothringen (Ann. Flaviac). \\ Ann. Flaviacenses 
S. S. m, 151, 27. Famis exritur. 

791. Ann. Einhardi M. Gr. S. S. kl. Ausg. 91. Facta est haec ex- 
peditio sine omni rerum incommodo, praeter quod in illo, quem rex 
ducebat, exercitu tanta equorum lues exorta est, ut vix decima pars 
de tot milibus equorum remansisse dicatur. 

792. Zur Zeit der Ernte beginnt eine weit verbreitete Hungersnot 
(Ann. MoseU.). \\ Ann. Mosellani S. S. XVI, 498, 15. Caepit autem eodem 
anno statim tempore messis tanta famis esse, quae qualiter, vel 
quousque excreverit, sequentis anni describit ordo. 

793. Weit über das ganze Frankenreich verbreitete Hungersnot 
(Ann. Lauresh., Ann. Mosell., Ann. S. Quint. Veromand., Ann. S. Germ, 
min. — a. 794 Synod. Franconof.). || Ann. Lauresh. S. S. I, 35. Et in 
ipso hieme transmisit rex 4uos filios suos Pippinum et Hluduwicum cum 
hoste in terra Beneventana; et facta est ibi famis validissima, et 
super populum illum quem ibi inventus est, et super exercitum qui ad- 
venerat, ita ut aliquanti nee ipsam quadringensimam se ab esu camium 
abstinere poterant. Sed et famis valida in Burgundia et per ali- 



1) Datierung nicht sicher, s. Boretius. 



Chronik der elementaren Ereignisse. 91 

qua loca in Francia incumbebat, ita ut multi ex ipsa fame mortui 
fuissent. || Ann. Mosellani S. S. XVI, 498, 23. Famis vero, quae anno 
priori caepit, in tantum excrevit, ut non solum alias immundicias, verum 
etiam, peccatis nostris exigentibus, ut homines homines, fratres fra- 
tres ac matres filios comedere coegit. Ostensa autem eodem anno 
in ipso regno per diversa loca vemo tempore falsa annona per campos 
et Silvas atque paludes innummera multitudo, quam videre et tangere 
poterant, sed comedere nuUus. || Ann. S. Quintini Veromandensis S. S. 
XVI, 507, 15. Farnes valida. || Ank. S. Gehmani min. S. S. IV, 3, 25. 
Fuit fame 8 maxima in Frantia. *) 

794. Ann. Mosellani S. S. XVI, 498, 34. Fuit eo anno siccitas 
magna, sed tarnen largiente Deo et abundantia bona. || Synodus Fban- 
coNOFüKTENSis c. 4 u. c. 25. Boret. I, 74 u. 76, No. 28. — c. 4. Statuit 
piissimus domnus noster rex, consentienti sancta synodo, ut nullus homo, 
sive ecclesiasticus sive laicus sit, ut nunquam carius vendat anno- 
nam, sive tempore abundantiae sive tempore caritatis, quam modium 
publicum et noviter statutum, de modio de avena denario uno, 
modio ordii denarius duo, modio sigalo denarii tres, modio 
frumenti denarii quatuor. Si vero in pane vendere voluerit, duo- 
decim panes de frumento, babentes singuH libras duas, pro denario '^dare 
debeat, sigalatius quindecim aequo pondere pro denario, ordeaceos viginti 
similiter pensantes, avenatios viginti quinque similiter pensantes. De 
vero anona publica domni regis, si venundata fuerit, de avena 
modius II pro denario, ordeo den. I, sigalo den. II, frumento 
modius denar. III. Et qui nostrum habet beneficium, diligentissime 
praevideat, quantum potest Deo donante, ut nullus ex mancipiis ad illum 
pertinentes beneficium famem moriatur; et quod superest illius familiae 
necessitatem, hoc libere vendat iure praescripto. c. 25. Ut decimas et 
nonas sive census omnes generaliter donent qui debitores sunt ex bene- 
ficia et rebus ecclesiarum secundum priorum capitularum domni regis ; 
et omnis homo ex sua proprietate legitimam decimam ad ecclesiam con- 
ferat. Experimento enim didicimus in anno quo illa vaUda fames in- 
repsit, ebullire vacuas anonas a daemonibus devoratas et voces expro- 
brationis auditas. 

797. Ann. Flaviacenses S. S. III, 151, 34. Siccata fluminum idem 
maris. 

801. Ann. LoBDENSES S. S. XIII, 230, 40. In Germania quoque et GalUa 
quaedam loca propter Rhenum tremuerunt, et pestilentia magna 
hominum etpeccorum propter mollitiem hiemis extitit. || Ann. begni 
Fbancob. M. G. S. S. kl. Ausg. 114. Pestilentia propter moUitiem 

hibemi temporis facta est. || Poeta Saxo S. S. I, 260. Erdbeben Mor- 

borumque lues fieri permaxima coepit. 

803. Ann. eegni Fbancob. M. G. S. S. kl. Ausg. 117 (= Ann. Max. 
= Ann. Ottenb.). Hoc hieme circa ipsum palatium et finitimas regiones 
terrae motus factus et mortalitas subsecuta est. 

805. Ende des Jahres beginnt eine weitverbreitete Hungersnot (Cap. 
miss. in Theod. viUa dat.). |1 Cap. miss. in Theod. villa dat. secünd. qeneiläxk 
c. 4. Boret. I, 122, No. 44, c. 4. De hoc si evenerit fames, clades, pesti- 
lentia, inaequalitas aeris vel alia qualiscumque tribulatio, ut non ex- 
pectetur edictum nostrum, sed statim depraecetur Dei misericordia. Et 
in praesenti anno de famis inopia, ut suos quisque adiuvet prout 



1) Die Annalen setzen die Hungersnot 791 an, sie datieren aber 
sehr häufig in den unmittelbar vorhergehenden Jahren durchgehend alle 
Ereignisse 2 Jahre zu früh, die Nachricht kann sich daher nur auf die 
Hungersnot von 793 beziehen. 



92 Chronik der elementaren Ereignisse. 

potest et suam annonam non nimis care vendat; et ne forisimperium 
nostrum vendatur aliquid alimoniae. 

806. Im Frankenreiche weit verbreitete Hungersnot, wie sich aus den 
ganz allgemeinen Anordnungen der beiden Kapitularien ergiebt. \\ Cap. miss. 
NiUMAGAE DAT. c. 17 u. 18. Boret. I, 132, No. 46. — c. 17. Quicumque enim 
tempore messis vel tempore vindemiae non necessitate sed propter cupi- 
ditatem comparat annonam aut vinum, verbi gratia de duobus denariis 
comparat modium unum et seryat usque dum iterum venundare possit 
contra dinarios quatuor aut sex seu amplius, hoc turpe lucrum dicimus ; 
si autem propter necessitatem comparat, ut sibi habeat et aliis tribuat, 
negotium dicimus. c. 18. Consideravimus itaque, ut praesente anno, 
quia per plurima loca fames valida esse videtur, ut omnes epi- 
scopi, abbates, abbatissae, obtimates et comites seu domestici et cuncti 
fideles qui beneficia regalia tam de rebus ecclesiae quamque et de reli- 
quis habere videntur, Unusquisque de suo beneficio suam familiam 
nutricare faciat, et de sua proprietate propriam familiam nutriat; et si 
Deo donante super se et super familiam suam, aut in beneficio aut in 
alode, annonam habuerit et venundare voluerit, non carius vendat 
nisi modium de avena dinarios duos, modium unum de ordeo 
contra dinarios tres, modium unum de spelta contra dena- 
rios tres si disparata fuerit, unum de sigale contra denarios 
quattuor, modium unum de frumento parato contra denarios 
sex. Et ipsum modium sit quod Omnibus habere constitutum est, ut 
unusquisque habeat aequam mensuram et aequalia modia. |] Cap. per 

EPISCOPOS ET COMITES NOTA FACIENDA,') BoEETIUS CaP. I, 141, C. 1, No. 54. 

Capitula quae volumus, ut episcopi, abbates et comites qui modo ad ca- 
sam redeunt per singula loca eorum nota faciant et observare studeant, 
tam infra eorum parrochias et missaticos seu ministeria eorum con- 
vicinantium qui in exercitu simul cum equivoco nostro perrexerunt. 
c. 1. Ut indigentibus adiuvare studeant de annona, ita ut famis peri- 
culum non pereant. 

807, Erleichterungen im Heeresdienst für die ärmeren Klassen, die 
durch die Hungersnot des vergangenen Jahres schwer betroffen sind. 
(Memorat.) Ende des Jahres droht wieder eine Hungersnot. (Episi. ad 
Gaerbald.) j| Memokat. de exeecitu in Gallia occident. pbaeparando Boket. 
I, 134, No. 48. Memoratorium qualiter ordinavimus propter famis in- 
opiam, ut de ultra Sequane omnes exercitare debeant. Es folgen dann 
Erleichterungen im Heeresdienste in der Art, dafs nicht alle Hufenbesitzer 
ins Feld zu ziehen brauchen, sondern bei den ärmeren mehrere einen für 
den Krieg ausrüsten. \\ Karoli ad Ghaerbaddum episc. epist. Boret. I, 245. 
No. 124. Ausschreiben eines neuntägigen Fastens, an je drei Tage im Be- 
cember, Januar und Februar. Necessitates vero quas supra nos dicturos 
esse promisimus, inter ceteras quas tamen hac vice commemorare necessa- 
rium non duximus, haec sunt denique: conpertum habemus per fideles 
nostros, qui nobis de singulis regni nostri partibus haec nuntiaverunt, 
quod insolito more et ultra consuetum ubique terrae sterelitas 
esse et famis periculum imminere videtur, aeris etiam intemperies 
frugibus valde contraria, pestilentia quoque per loca, et paganorum 
gentium circa marcas nostras sedentia bella continua, multa praeterea 
quae et nunc enumerare longum est et nobis experimento possunt esse 
notissima, si recordare volumus, qualia incommoda singulis diebus 
propter merita nostra sentiamus. || Ann. Lauriss. min. S. S. I, 120, 37 et 



1) Nach der Erwähnung eines Heereszuges Karls des Jüngeren 
würden die Jahre 805, 806 und 808 in Betracht zu ziehen sein. Die Zu- 
sammenstellung mit der Hungersnot läfst mit ziemlicher Gewifsheit eine 
Datierung auf 806 zu. 



Chronik der elementaren Ereignisse. 93 

mortalitas maxima inmonasteriosanctiBonifatii . || Ann.Altah. 

(= Hersf. Ann.) M. G. S. S. kl. Ausg. 4. Mortalitas Fulda. 

808. Ann. regni Francob. M. G. S. S. kl. Ausg. 125 (= Ann. Xant.). 
Hiemps mollissima ac pestilens fuit in illo tempore. || Ann. S. Amandi 
S. S. I, 14. Hoc anno fuit inundatio aquarum talis, qualis antea 
numquam fuit in terra ista visa, et fuit 5. Kai. lanuarii (28. Dec.) al- 
tissima. 

809. Hungersnot im Frankenreich (Cap. miss. Äquisg. prim.), gleich- 
zeitig die ersten Nachrichten über ein großes Viehsterben. (Poeta Saxo. 
Chr. Moissiac.) || Capitulake missokum Aquisgranense primüm c. 24. Boret. 
I, 151, No. 62. De debitis pauperum anterioribus et negotia facienda 
antequam fructum collegatur: omnino inantea cavenda. Ut unusquisque 
presenti anno sive liberum sive servum suum de famis inopia adiu- 
torium prebeat. || Poeta Saxo S. S. I, 263. 

Undique praesentis pax laetificaverat anni 
Cunctos imperii fines, sed tristia quaedam 
Multis contigerant terris: nam sevior omni 
Hoste nefanda lues peeudum genus omne peremit. 



Noricus ista sinus fertur specialiter esse 
Perpessus cum vicinis regionibus illi. 
Praeterea steriles hoc factae tempore vites, 
Impenso sibimet nulla mercede labori 
Respondent, spes est avidi frustrata coloni, 

II Chr. Moissiac. S. S. I, 309, 2. In illo anno venit mortalitas magna 
animalium ab Oriente et pertransiit usque in occidentem. 

810. Schwere Viehseuche im ganzen Frankenreiche. || Ann. reoni 
Francor. M. G. S. S. kl. Ausg. 132 (= Ann. Fuld. I). Tanta fuit in ea 
expeditione boum pestilentia, ut pene nullus tanto exercitui super- 
esset, quin omnes usque ad unum perirent; et non solum ibi sed etiam 
per omnes imperatori subiectas provincias illius generis animalium mor- 
talitas inmanissime grassata est. || Ann. Xant. S. S. II, 224, 18. Et magna 
mortalitas boum et aliorum animalium erat in ipso anno, et hiemps 
valde dura. || Ann. Laübiss. min. S. S. I, 121, 12. Mortalitas bovum 
maxima pene in tota Europa, nee non et hominum plurimorum, et 
Hruothruda filia imperatoris et Pippinus filius eins. || Ann. Sith. S. S. 
Xni, 37, 23. Boum pestilentia per totam Europam inmaniter 
grassata est, et inde pulv[erum sparsjorum fabula exorta. *) || Ann. Axth. 
(= Hersf. Ann.) M. G. S. S. kl. Ausg. 4. Mortalitas bou m. || Ann. S. 
Ehherahhi Ratispon. maior. S. S. I, 93. Magna mortalitas anima- 
lium fuit. 

811. Ann. Laüriss. min. S. S. I, 121, 18. Hiemps fuit durissima, 
perdurans usque ad finem Martii mensis. 

813. Ann. Xant. S. S. H, 224, 28. Hiemps nimis dura. 
816. A.NN. regni Franc. M. G. S. S. kl. Ausg. 143. Rhenus fluvius 
Alpinis imbribus auctus ultra solitum exundavit. 

819. Ann. Yburgenses ed. Forst. Osnabr. Geschichtsq. I, 177. Mor- 
talitas maxima hominum et iumentorum et fruges infoecundi 
fiebant. 

820. Hungersnot, vielleicht von bedeutender Ausdehnung (Ann. Sith., 
Herim. Aug.). *) || Ann. rbgni Francor. M. G. S. S. kl. Ausg. Hoc anno 

1) vergl. dazu S. Agobardi episc. Lugdun. opera, ed. Papirius Massen, 
Paris 1605, p. 156 abgedruckt Ann. regni Franc. M. G. S. S. kl. Ausg. 132 
und Cap. miss. Aquisg. pr. c. 4. Boret. I, 153. 

2) Die Ann. Sith. beruhen auf den alten Reichsannalen ; auf die- 



94 Chronik dier elementaren Ereignisse. 

propter iuges pluvias et aerem nimio humore resolutmn magna incom- 
moda contigerunt. Nam et hominum et boum pestilentia tam in- 
mane longe lateque grassata est, ut vix uUa pars totius regni Franco- 
rum ab hac peste inmunis atque Intacta posset inveniri Frumenta quoque 
et legumina imbrium adsiduitate corrupta vel coUigi non poterant vel 
collecta conputrescebant. Vinum etiam, cuius parvus proventus eodem 
anno fuit, propter caloris inopiam acerbum et insuave fiebat. In qui- 
busdam vero locis de inundatione fluminum aquis in piano stagnantibus 
autumnalis satio ita impedita est, ut penitus nihil frugum ante vemi 
temperiem seminaretur. Luna deficit Viil Kai. Decembr. hora noctis 
secunda. || Ann. Sith. S. S. XlII, 38, 2. Propter nimietatem pluviarum 
aer corruptus, et fames valida. |1 Ann. Fuld. pr. I, M. G. S. S. kl. Ausg. 22. 
Propter nimietatem pluviarum aere corrupto hominum et boum pesti- 
lentia longe lateque ita grassata est, ut vix ulla pars regni Francorum 
ab hac peste inmunis posset inveniri. Fruges quoque vel coUigi non 
poterant vel collecta putruerunt. Vinum etiam propter caloris inopiam 
acerbum et insuave fiebat. || Hebim. Aug. che. S. S. V, 102, 48. Ex inun- 
datione pluviarum nimia pestilentia magna et fames facta. 

821. Ann. regni Franc. M. G. S. S. kl. Ausg. 157. Autumnalis satio 
iugitate pluviarum in quibusdam locis inpedita est. Cui hiems in tan- 
tum prolixa successit et aspera, ut non solum minores rivi ac me- 
diocres fluvii, verum ipsi maximi ac famosissimi amnes, Rhenus videlicet 
ac Danubius Albisque ac Sequana caeteraque per Galliam atque Ger- 
maniam oceanum petentia flumina, adeo solida glacie stringerentur, ut 
tricienis vel eo amplius diebus plaustra huc atque illuc commeantia 
velut pontibus iuncta sustinerent; cuius resolutio non modicum villis 
iucta Rheni fluenta constitutis damnum intulit. || Ann. Xant. S. S. II, 224, 51 
et hiemps erat valde dura. 

822. Hungersnot, nur durch eine Nachricht aus Köln (Ann. Cöl.) 
belegt. Es läfst sich daher nichts Bestimmtes über Ausdehnung und Be- 
deutung sagen, doch lassen zwei ebenso vereinzelte Nachrichten in den 
beiden folgenden Jahren eine allgemeine Hungersnot in den Jahren 822 
bis 824 vermuten. || Ann. Col. Iaffiö et Wattenbach Eccl. metbopol. Colon. 
COD. Mss. 128. Fames valida. 

823. Hungersnot nur durch eine Nach/rieht aus Begensburg belegt. 
(Ann. S. Emeram.) \\ Ann. regni Franc. M. G. S. S. kl. Ausg. 163 (:= Ann. 

Fuld. I). Vorzeichen Et in multis regionibus fruges grandinis 

vastatione deletae atque in quibusdam locis simul cum ipsa grandine 
veri lapides atque ingentis ponderis decidere visi; domus quoque de 
caelo tactae hominesque ac caetera animalia passim fulminum ictu 
praeter solitum crebro exanimata dicuntur. Secuta est ingens pesti- 
lentia atque hominum mortalitas, quae per totam Franciam inmaniter 
usque quaque grassata est et innumeram hominum multitudinem diversi 
sexus et aetatis gravissime seviendo consumpsit. || Ann. S. Emerammini 
Ratisponensis maiores S. S. I, 93. Hiemps magnus similiter siccitas 
grandis et famis valida. 

824. Schwere Hungersnot im Frankenreiche (Ann. reg. Franc), j] Ann. 
regni Franc. M. G. S. S. kl. Ausg. 164. Hiemps aspera valdeque 
prolixa facta est, quae non solum caetera animalia, verum etiam homines 
quosdam inmanitate frigoris extinxit. p. 165. Imperator vero iter, quod 
in Brittaniam facere paraverat, propter famem, quae adhuc praevalida 



selbe Quelle geht durch Vermittlung der Ann. Fuld. auch Herim. Aug. 
zurück. Es ist auffallend, dafs sich in diesen beiden kurzen Ableitungen 
die Nachricht von einer Hungersnot erhalten hat, während die ausführ- 
licheren Berichte der Ann. reg. Franc, und der Ann. Fuld. nichts davon 
wissen. 



Chronik der elementaren Ereignisse. 95 

erat, usque ad initium autumni adgredi distulit. 166 — 167. Hoc anno 
paucis ante solstitium aestivale diebus (vor 24. Jun.) in territorio 
Augustodunense aere in tempestatem subita mututione converso ingens 
fragmetum ex glacie simul cum grandine decidisse narratur, cuius longi- 
tudo quindecim, latitudo septem, crassitudo duos pedes habuisse dicitur. 
834r. Ann. Xant. S. S. II, 226, 9. Eodem aimo aquae inundaverunt 
valde super terram. 

837. Ann. Xant. S. S. II, 226, 17. Ingens turbo ventorum fre- 
quenter erumpebat, et Stella cometes — 

838. Ann. Xant. S. S. II, 226, 21 u. 28. Hiemps pluvialis et ventosa 
valde, et mense lanuario 12. Kai. Februarii (21. Jan.) tonitruum audi- 
tum est, similiterque mense Februarii 14. Kai. Martii (16. Febr.) toni- 
truum est auditum magnum, et nimis ardor solis terram urebat. 28. 
7. Kai. lanuariorum (26. Dec.) ingens venti turbo ortus est, ita ut fluctus 
maris valde inundabant super terminos et litus, miserabiliter innumera- 
bilem turmam humani generis in villis et vicis circum positis simul 
cum edificiis consumpserunt. || Ann. Fuld. pks. I M. G. S. S. kl. Ausg. 28. 
In festo sanctorum Mauricii et sociorum eins (22. Sept.) magna nix 
ubique cecidit et duravit usque ad pascha in tota regione per 29 heb- 
domadas (6. Aprl. 839). || Ann. Bertin. auct. Prüdentio M. G. S. S. kl. Ausg. 18. 
Praeterea die septimo Kalendas lanuarii, die videlicet passionis beati 
Stephani protomartyris (26. Dec), tanta inundatio contra moremmariti- 
morum aestuum per totam paene Frisiam occupavit, ut aggeribus 
arenarum illic copiosis, quos dunos vocitant, fere coaequaretur, et omnia 
quaecumque involverat, tam homines quam animalia caetera et domos, 
absumpserit; quorum numerus diligentissime conprehensus duorum mi- 
lium quadringentorum triginta septem relatus est. Acies quoque in caelo 
igneas colorumque aliorum mensis Februarii, sed et Stellas igneos crines 
emittentes crebro videri contigit. 

839. Ann. Bert. auct. Pkudentio M. G. S. S. kl. Ausg 23. Impera- 
toris exercitus continua autumni serenitate solisque inmentia non parum 
incommoditatis expertus est. Nam febre maxima ex parte correptus, 
partim occubuit, partim dificillima regressione reversus est. Qua im- 
perator necessitate compulsus, et asperitate hiemis imminentis detentus, 
absoluto reliquo exercitu, ad Pictavos in hiberna concessit. 

842. Frag. chr. Fontanell. S. S. II, 302, 5. Comet, Erdbeben. Secuta 
est tussis validissima, de qua multi mortui sunt. 

843. Infolge der inneren Kämpfe Hungersnot in vielen Teilen Frank- 
reichs. (Ann. Bert.) 1| Ann. Bertin. aüct. Prüdentio M. G. S. S. kl. Ausg. 29. 
Emergentibus igitur hinc inde tot tantisque incessabiliter malis, vastante 
passim cuncta raptore, coacti sunt per multa totius Galliae loca 
homines terram mixta paucitate farinae atque in panis spe- 
ciem redactam comedere. || Nithardi lib. IV, c. 6. M. G. S. S. kl. 
Ausg. 54. Fuit autem eadem hiemps (842 — 43) praefrigida nimis 
ac diutuma, langoribus insuper habundans, necnon et agriculturae pec- 
corique apibusque satis incongrua. 

844. Ann. Bertin. aüct. Prüdentio M. G. S. S. kl. Ausg. 30. Hie ms 
mollissima usque ad Kalendas Februarii (1. Febr.) quadam temperie 
modificata. 

846. Hungersnot in Nordfrankreich (Ann. Bert.). || Ann. Bertin. auct. 
Prüdentio M. G. S. S. kl. Ausg. 32. Hiems asperrima. — Farnes 
valida Galliae inferiora consumit, adeo ut multa hominum miUa 
eadem invalescente absumpta sint. || Ann. Lausannenses S. S. XXIV, 779, 30. 
Eodem anno 12. Kalend. Decembris (20. Nov.) lux nocte apparuit, ^) et 
hiems valida fuit. 



1) Entnommen aus Ann. Weifsenburg. ann. 783—846, a. 846 S. S. 1, 111. 



96 Chronik der elementaren Ereignisse. 

846. Ann. Bertiniani auct. Pkudkntio M. G. S. S. kl. Ausg. 33. Ventus 
aquilo per totam hiemem usque ad ipsa fere Maii mensis initia acer- 
rimus segetibus et vineis incumbit. || Ann. Blandinienses S. S. V, 23, 46. 
Hiemps gravis valde. 

860. Hungersnot in Mitteldeutschland und am Rhein (Ann. Fuld.). j] 
Ann. Füld. M. G. S. S. kl. Ausg. 40. Eeodem anno gravissima fames 
Germaniae populos oppressit, maxime circa Rhenum habi- 
tantes; nam unus modius de frumento Mogontiaci vendebatur 
decem siclis argenti. Morabatur autemeo tempore Hr ab an us archi- 
episcopus in quadam vi IIa parroechiae suae, cui vocabulum est Win- 
kela, et pauperes de diversis locis venientes suscipiens cotidie plus 
quam trecentos alimento sustentabat, exceptis bis, qui in prae- 
sentia illius assidue vescebantur. Venit autem et mulier quaedam inedia 
pene consumpta cum puerulo parvulo inter ceteros refocillari desiderans, 
quae, priusquam limen portae transcenderet, prae nimia inbecillitate 
corruens spiritura exalavit; puer vero mamillam matris mortuae quasi 
viventis de sinu protrahens et sugere temptans multos intuentes gemere 
ac flere coegit. Quidam etiam in illis diebus de Grabfeidon cum 
uxore sua et filio tenero in Thuringiam proficiscens ut malum 
inopiae temperare potuisset uxorem in itinere in quadam silva posi- 
tus aflfatus est: „Nonne", inquit, „melius est, ut puerum istum occidamus 
et manducemus cames eius, quam omnes inedia consumamur?" lUa vero 
contradicente, ne tantum scelus committeret, tandem urgente fame filium 
per vim de brachiis rapuit maternis et voluntatem opere complesset, 
nisi Dens illum sua miseratione praevenisset. Nam, sicut idem postea 
in Thuringia positus plurimis retulit, cum evaginasset gladium, ut 
mactaret filium, et in ancipiti positus necem distulisset, vidit eminus 
duos lupos super una cerva stantes et lacerantes cames eius, statimque 
parcens filio ad cadaver cervae cucurrit et lupos inde abigens tulit de 
camibus praegustatis et cum incolomi filio ad uxorem reversus est. 
Prius enim, quando filium tulerat de manibus matris, paululum ab ea 
declinaverat, ne illa morientem puerum videret vel audiret. At illa 
veniente marito videns recentes cames et cruore perfusas putabat filium 
occisum et cecidit retrorsum pene exanimis. Ille autem accedens 
consolatus est eam et erigens illam ostendit ei puerum viventem. Tunc 
illa resumpto spiritu Deo gratias egit, quia filium sanum recipere 
meruit; nee minus ille, quod eum Deus a liberi interfectione innocuum 
dignatus est conservare. Ambo tamen de camibus lege prohibitis ne- 
cessitate [coacti se recrearunt. | Ann. Xant. S. S. II, 229, 10. Kalendis 
lanuarii, id est octabas Dommi, eodem die ad vesperum tonitruum 
auditum est magnum, et fulgur nimium visum est; et innundatio 
aquarum ipsa hieme humanum genus affligebat. Et sequenti aetate 
calor nimium solis terram urebat. Theologisches Gutachten für 
Ludwig den Deutschen N. Arch. XI, 459.*) Cotidie nos hostis armis 
circumtonat, continua rerum nos adterunt dispendia, famis quoque in- 
audita penuria per omnem nostram crassatur regionem. His et aliis 
innumeris pro peccatis nostris adtriti calamitatibus, oramus, ut manum 
largissimam ad nos usque dignemini extendere. 

852. Lokale Hungersnot am Niederrhein als Folge eines Einfalls 
der Normannen. (Ann. Xant.) \\ Ann. Xant. S. S. II, 229, 27. Ferrum 



1) Dümmler, der Herausgeber, hält mit einer gewissen Wahrschein- 
lichkeit Bischof Hrabanus von Mainz für den Verfasser und Ludwig 
den Deutschen für den Empfänger des Gutachtens. Dann würde man 
die erwähnte Hungersnot passend in das Jahr 850 setzen (Hraban f 856), 
sicher ist diese Datierung aber nicht, s. N. A. XI, 457. 



Chronik der elementaren Ereignisse. 97 

paganorum incanduit; nimius ardor solis; et fames subsecuta est; et 
pabula animalium defecerunt; et pastus porcorum exuberans. 

853. Lokale Hungersnot in Sachsen. || Ann. Xant. S. S. II, 229, 29, 
Fames magna in Saxonia, ita ut multi equis alerentur. 

855. Ann. Fuld. M. 6. S. S. kl. Ausg. 45. Aeris insolita com- 
motio turbinibus ac tempestatibus plagisque grandinum multis damnum 
intulit. Fulminum ictibus aedes plurimae crematae sunt, 

856. Ann. Bertiniani aüct. Prüdentio M. G. S. S. kl. Ausg. 46. 
Hiems asperrima et sicca, pestilentia valida, qua magna pars 
hominum absumitur. 

857. Ann. Xant. S. S. U, 230, 3. Plaga magna vesicarum turgen- 
tium grassatur in populo, et destabili eos putredine consumpsit, ita ut 
menbra dissoluta, ante mortem deciderent. 

858. Ann. Bertiniani aüct. Prüdentio M. G. S. S. kl. Ausg. 48 u. 50. 
p. 48. Erdbeben, quem etiam valida hominum mortalitas insequitur. 
p. 50. Mense Maio in vico Leudico, in quo corpus sancti Landberti 
episcopi quiescit, tanta subito pluviarum inundatio effusa est, ut 
domos et muros lapideos seu quaecumque aedificia cum hominibus et 
Omnibus quaecumque illic invenit usque ad ipsam ecclesiam memoriae 
sancti Landberti violenta eruptione in Mosam fluvium praecipitaverit. || 
Ann. Corb. Iaffe Bibl. I, 33. Inundatio nimia. 

860. Ann. Bebtin. auct. Prüdentio M. G. S. S. kl. Ausg. 53. Hiems 
diutina et continuis nivibus ac gelu dira, a mense videlicet Novembri 
usque ad Aprilem. || Ann. Xant. S. S. II, 230, 9. Nonas Februarii (5. Feb.) 
tonitruum auditum est. 1| Ann. Colonienses brkvissimi S. S. I, 97. Hyems 
validus. II Ann. Fuld. M. G. S. S. kl. Ausg. 54. Hibernum tempus 
asperum nimis et solito prolixius erat frugibusque et arborum pro- 
ventibus pernoxium; nix quoque sanguinulenta in plerisque locis ceci- 
disse reperta est. Mare etiam lonium glaciali rigore ita con- 
strictum est, ut mercatores, qui numquam antea nisi vecti navigio, 
tunc in equis quoque et carpentis mercimonia ferentes Venetiam fre- 
quentarent. || Ann. Axth. (= Hersf. Ann.) M. G. S. S. kl. Ausg. 6. Mor- 
talitas animalium. || Ann. Alam. cont. Sangall. I, S. S. I, 50. Hiems 
magna, et mortalitas animalium. 

861. Hungersnot, nur durch eine orginale Quellennachricht aus 
Schwaben belegt. || Ann. Alam. cont. Sangall. I, S. S. I, 50. Fames 
validissima. 

862. Hungersnot in Mitteldeutschland (Hersfeld. Ann. = Ann. 
Hildesh.). \\ Ann. Hildesheimenses M. G. S. S. kl. Ausg. 18. Fames 
magna et morbus in Germania et in aliis partibus Europae. 

863. Hungersnot in Belgien (Ann. Laubac). Nach dieser und den 
Nachrichten aus den beiden vorhergehenden Jahren läfst sich mit einer 
gewissen Wahrscheinlichkeit eine grofse Hungersnot in den Jahren 861 
bis 863 annehmen. \\ Ann. Laubacenses S. S. I, 15. Fames valida. || Ann. 
Xant. S. S. II, 230, 25. Eodem anno hiemps turbulenta, mutabilis et 
pluvialis valde, ut pene absque gelu omnino, ut in sequentibus patuit 
in aecclesia sancti Victoris. 

864. Ann. Xant. S. S. II, 230, 28. Nimia inundatione aquarum 
pagani per alveum Reni fluminis ad Sanctos usque pervenerunt. 

865. Ann. Hildesh. (= Hersf. Ann.) M. G. S. S. kl. Aus^ 18. 
Subitaneum diluvium et vehemens grando fruges assumpsit. 

867. Ende des Jahres zeigen sich drohende Anzeichen für die 
Hungersnot des folgenden Jahres (Ann. Xant.). || Ann. Hildesh. (= Hersf. 
Ann.) M. G. S. S. kl. Ausg. 18. Ventus ingens cum turbine multa edi- 
ficia stravit. jj Ann. Xant. M. G. S. S. H, 232, 50. ^) Nordlicht, Meteorfall. 



1) Die Notiz bezieht sich, entgegen der Datierung der Ann. Xant. 

Leipziger Studien YI. 1: Curschmann, Hungersnöte. 7 



98 Chronik der elementaren Ereignisse. 

Deinde autumnali tempore exiit edictum a regibus, ut ieiunium tri- 
duanum generaliter observaretur, inminente terrore famis, pesti- 
lentiae; et terrae motus magnus per regna, ita ut desperatio humanae 
vitae plurimis accidit. || Ann. Sangäll. maiok. S. S. I, 76. Terre motus; 
et nimia superfluitas ymbrium. 

868. Grofse allgemeine Hungersnot in ganz Frankreich (Ann. Bert., 
Ann. S. Columb. Sen. Hugo Flav. Adrevaldi mir. S. Benedicti, Ann. 
Engol., Ann. Lausann.), in Deutschland Nachrichten vom JRhein (Ann. 
Xant., Ann. Col.), aus Mitteldeutschland (Hersf. Ann., Ann. Fuld.) und 
aus Schwaben (Ann. Alam. cont. Sangall. I). || Ann. Bertin. auct. Hinc- 
MAKO M. G. S. S. kl. Ausg. 90. Tunc Karolus — — pagum Bituricum 
adiit; in quo tanta mala et in ecclesiarum confractione et in pauperum 
oppressione atque in omnium flagitiorum commissione atque terrae de- 
vastione commissa sunt, ut dici ore non possint, sicut multorum 
milium hominum fame mortuorum pro ipsa depopulatione attestatio 
demonstravit. || Ann. S. Colümbae Senonensis S. S. I, 103. Cometes ap- 
paruit circa 4. Kai. Febr. (29. Jan.) dies circiter 25. primo sub temone 
minoris Arcturi. Deinde progressa est pene usque ad triangulum. Ex- 
titit eo anno fames et mortalitas inaudita per totum fere in- 
perium Francorum, sed maxime per Aquitaniam et Bur- 
gundiam, ita ut prae multitudine morientium non essent, qui sepeli- 
rent. Nam Senonis civitate inventi sunt uno die 56 homines 
mortui. Inventi sunt etiam ea tempestate in eodem pago masculi et 
femine pro nefas! homines alios occidisse et comedisse. Nam in Ponto 
Siriaco quidam onestam feminam ospitio susceptam occidit, mem- 
bratimque dividens sale condivit, et sibi suisque filiis comeden- 
dam coxit. In ipsa urbe quedam femina de quodam adolescentulo 
similiter fecit. In pluribus etiam locis aliis hoc ipsum ob famis pe- 
nuriam contigisse fama vulgante compertum est. Igitur mense Maio 
Senonis civitate modius frumenti venditus est solidis octo, 
modius sigale solidis septem et dimidio, modius ordei solidis 
sex et dimidio, modius avene solidis quinque, modius salis 
solidis duodecim. Sed divina providente dementia novi fructus tem- 
perius solito succurrerunt. Nam 9. Kai. lunii, primo videücet die roga- 
tionum, panis novus oblatus est Senis ad benedicendum , ex quo plu- 
rimi gratias Deo referentes eulogias sumpserunt. || Hugonis Flaviniacensis 
CHK. S. S. VIII, 355, 6. Lotharii regis tempora facta est in terra Fran- 
corum et Galliae et Burgundiae fames valida, et mortalitas hominum, 
et pestis animalium. Quae sie iusto Dei iudicio in populum desevit, 
ut multi patriam deserere et ad terras alias cogerentur demigrare, adeo 
ut multae urbes Franciae raro incolerentur habitatore. || Adkevaldi 
Flokiacensis mieacula S. Benedicti c. 39, S. S. XV, 497, 39. ßege Karolo 
Francorum disponente regnum, fames admodum gravis universas 
occupavit Gallias, clades etiam ex insectatione paganorum non mo- 
dica totam oceani incolentem littora adtrivit gentem. || Ann. Engolismenses 
S. S. XVI, 486, 33. Tanta media in omnium poene fuit provintia- 
rum et exiguitas panis, ut pro inopia victus homines infinitae multi- 
tudinis fuere a conparibus interempti atque bestiarum more 
dentibus laniati. || Ann. Engolismenses S. S. IV, 5, 13. Tanta fames 



868, offenbar auf Ende 867. Dafür sprechen die vielen Nachrichten von 
einer weit verbreiteten Hungersnot im Jahre 868, die also wohl im 
Herbst 867, wie hier angegeben, drohen konnte. Was sonst noch Ann. 
Xant. a. 868 angeführt wird, Bekehrung der Bulgaren, Tod des Papstes 
Nikolaus, bezieht sich in Wahrheit auf 867. Auch von einem mit dem 
erwähnten Erdbeben offenbar identischen sprechen Ann. Sangall. maior. 
a. 867. S. Anm. zu Ann. Xant. a. 868. 



Chronik der elementaren Ereignisse. 99 

fuit, ut unus homo alium interficeret et bestiarum more den- 
tibus laniaret. 1| Ann. Lausanenses S. S. XXTV, 779, 40. 12. Kai. Aprilis 
(21. März) cecidit in ßurgundia nix magna, et fuit fames valida. |1 
Ann. Xänt. S. S. II, 233, 8.^) Mense Februario, tenebrosis aquis in 
nubibus aeris, tonitrua audita sunt, et 15. Kai. Martii (15. Feb.), id est 
nocte sancta Septuagesimae , Stella cometes visa est ab aquilone et 
occidente, cui statim nimia tempestas ventorum, et inmensa inundatio 
aquarum est subsecuta; in qua multi inprovidi interierunt. Et postea 
aestivo tempore fames acerrima in multis provintiis subsequitur, 
maxime in Burgundia et Gallia, in quibus magna multitudo hominum 
acerbam sustinuit mortem, ita ut homines hominum corpora comedisse 
feruntur. Sed et canum camibus aliquis vesci dicuntur. || Ann. Colon. 
Iaffe et Wattenbach Eccl. Col. cod. mss. 128. Fames valida. || Ann. 
HiLDESH. (= Hersf. Ann.) M. G. S. S. kl. Ausg. 18. Fames valida et 
vehemens tam Germaniam quam ceteras Europae provincias 
nimium afflixit. || Ann. Fuld. pks. III, M. G S. S. kl. Ausg. 67. Eodem 
anno stella cometes per aliquot noctes apparuit; fontes quoque et 
flumina propter nimiam imbrium inundationem crescendo intumuerunt 
et per diversa loca in frugibus et aedificiis damnum fecere non modicum. 
Hanc plagam fames etiam magna cum ingenti pernicie humani generis 
per totam Germaniam et Galliam secuta est. || Herim. Aug. S. S. 
V, 106, 29. Cometa visa inimdatio et illuvo magna facta, famesque 
et pestilentia ingens secuta est. || Ann. Alam. cont. Sangall. I, S. S. 
I, 51 (= Ann. Sangall. mai. = Ann. Alth. = Ann. Weingart. = Ann. 
Formosel). Stella cometis. Fames acerrima, et mortalitas homi- 
num et animantium. 

869. Die Hungersnot des vorhergehenden Jahres datiert in Frank- 
reich noch fort (Ann. Bert., Ann. S. Benig. Div.), aus Deutschland sind 
keine Nachrichten erhalten. || Ann. Bertin. auct. Hincmako M. G. S. S. kl. 
Ausg. 98. Ipse autem ad Conadam vicum nimis incongruenter et pro 
qualitate temporis et pro nimietate famis peiTexit. || Ann. S. Benigni 
Üiv. S. S. V, 39, 35. Item fames valida, et mortalitas hominum et 
pestis animalium. 

870. FoLcwiNi GESTA ABB. S. Bertini Sith. c. 74. S. S. XIII, 621, 14. 
Anno quoque insecuto siccitas magna in mense accidit Junio et usque 
in medio Augusto; et post venit locustarum innumera multitudo; viri- 
des herbas annonasque consumentes (873). {| Ann. Fcld. prs. III, M. G. 
S. S. kl. Ausg. 71 u. 72. Ipsa quoque civitas (Mainz) terrae motu bis 
numero concussa est ; nonnulli etiam in pago Wormacense messem colli- 
gentes, propter solis calorem solito graviorem extincti referuntur. — 
p. 72 Boum quoque pestilentia in nonnullis Franciae locis inmanis- 
sime grassando multis inrecuperabile intulit damnum. 

871. Ann. S. Benigni Divis. S. S. V, 39, 37. Ventus validus. 

872. Durch große Hitze und Hagelschlag entsteht eine Mifsernte. || 
Ann. Xant. S. S. II, 234, 45. Eodem anno infestatio tonitruorum et ym- 
brium atque grandinum humano generi nocuit nimium, in frugibus et 
aedificiis. |J Ann. Stabülenses S. S. XIII, 42, 29. Hoc anno . . . hyems 



1) Die Hungersnot gehört in das Jahr 868, nicht 86;), wie die Ann. 
Xant. sie ansetzen, es liegt dieselbe Verschiebung wie 867 vor. Der 
Komet erschien 868 und wird auch sonst im Zusammenhange mit der 
Hungersnot erwähnt; s. Ann. S. Columb. Sen., Ann. Fuld., Ann. Alam. 
cont. Sangall. I, Ann. Aug. S. S. I, 68, Necrol. Senon. ed. Delisle, No- 
tices et extraits XXXI, 1, 68. Auch das Datum würde nicht auf 869 
passen, wo der Sonntag Septuagesima auf den 30. Jan. fiel; für 868 ist 
die Unstimmigkeit der beiden Datenangaben gering: 15. Kai. Mart. = 
15. Feb., nox Septuag. = 13. Feb. 

7* 



100 Chronik der elementaren Ereignisse. 

gravissima, aquarum inundatio, terrae motus, in quibusdam locis pesti- 
lentia locustarum. || Ann. Fuld. prs. III, M. G. S. S. kl. Ausg. 76. Omne 
tempus aestivum grandinibus variisque tempestatibus pemoxium extitit; 
nam grando plurima loca frugibus devastavit; horrenda etiam tonitrua 
et fulmina pene cotidie mortalibus interitum minabantur, quorum icti- 
bus praevalidis homines et iumenta in diversis locis exanimata et in 
cinerem redacta narrantur. || Ann. Hildesh. (= Heesf. Ann.) M. G. S. S. 
kl. Ausg. 18. Aestatis fervor inmanis et siccitas nimia totos pene per- 
didit fructus, plurimaeque domus cum hominibus et animalibus fulmini- 
bus incensae et exustae sunt. 

873. Grofse Heuschreckenplage, belegt diwch zahlreiche Nachrichten 
aus Deutschland und Frankreich Eine Hungersnot entstellt nur in Teilen 
Mitteldeutschlands (Ann. Fuld., Hersf. Ann.), wo die Heuschrecken von 
Osten kommend die Ernte zerstören. In den westlichen Ländern wird ihr 
Erscheinen erst Mitte August gemeldet. Über das Auftreten der Heu- 
schrecken in Italien vgl. Dümmler, Gesch. des ostfränk. Beichs III, 370, 
Anm. II Ann. Bert. auct. Hincmako M. G. S. S. kl. Ausg. 124. Multi- 
tudo siquidem locustarum per Germaniam Gallias, maxime 
autem in Hispaniam adeo se eflfudit, ut Aegyptiacae plagae potuerit 
comparari. || Reginonis che. M. G. S. S. kl. Ausg. 105. Anno dominicae 
incarnationis DCCCLXXIII locu stamm inaestimabilis multitudo 
menseAugusto ab Oriente veniens totampene pervastavit Gal- 
liam. Quae maiores erant, quam caeterae locustae habebuntque sena 
alarum remigia, et, mirum dictu ut castrorum acies distinetis ordinibus 
per aera ferebantur vel terrae incumbentes castra metabantur. Duces 
cum paucis exercitum itinere unius diei preibant, quasi loca apta mul- 
titudini provisuri. Circa horam nonam, ubi duces pridie venerant, in- 
sidebant, nee a loco occupato movebantur, quousque sol suum represen- 
taret ortum, tunc per turmas sua proficiscebantur, ut in parvis anima- 
libus disciplinam militarem cerneres. Segetibus vescebantur, quae ab 
eis ita depastae sunt, ut veluti inmani tempestate consumptae videren- 
tur. Spatium diurni itineris quatuor aut quinque milibus extendebatur. 
Pervenerunt autem usque ad mare Brittannicum superficiem terrae co- 
operientes, in quo Deo volente violento ventorum flatu inpulsae atque 
in profundum absportatae dimersae sunt. Aestu vero atque refusione 
oceani reiectae littora maritima repleverunt; tantaque congeries facta 
est, ut ad instar montium cumulatae coacervarentur: ex earum foetore 
ac putredine aes corruptus dir am pestem finitimis generavit, ex qua 
multi perierunt. || Ann. Corb. ed. Jaffe Bibl. I, 33. Item inundatio 
nimia et locustarum prodigiosa multitudo. || Ann. Fuld. prs. HI, M. G. 
S. S. kl. Ausg. 79. Eodem anno facta est fames valida per uni- 
versam Italiam atque Germaniam, et multi inedia consumpti sunt. 
Tempore vero novarum frugum novi generis plaga et prima in gente 
Francorum visa Germanicum populum [peccatis exigentibus] non medio- 
criter afflixit. Nam vermes quasi locustae quatuor pennis volantes 
et sex pedes habentes ab Oriente venerunt et universam superficiem 
terrae instar nivis operuerunt cuncta, quae in agris et in pratis erant 
viridia, devastantes. Erant autem ore lato et extenso intestino duosque 
habebant dentes lapide duriores, quibus tenacissimas arborum cortices 
corrodere valebant. Longitudo et crassitudo illarum quasi pollex viri; 
tantaeque erant multitudinis, ut una hora diei centum iugera frugum 
prope urbem Mogontiam consumerent. Quando autem volabant, ita 
totum aerem per unius miliarii spatium velabant, ut splendor solas in 
terra positis vix appareret; quarum nonnullae in diversis locis occisae 
spicas integras cum granis et aristis in se habuisse repertae sunt. Qui- 
busdam vero ad occidentem profectis supervenerunt aliae, et per duorum 
mensium curricula pene cotidie suo volatu horribile cementibus praebuere 



Chronik der elementaren Ereignisse. 101 

spectaculum. || Ann. Hildesh. (= Hersf. Ann.) M. G. S. S. kl. Ausg. 18. 
Farnes magna invaluit in Germania, et incredibilis multitudo lo- 
custarum venit. || Ann. "Weingart. S. S. I, 66. Inaudita locustarum 
multitudo devenit. || Ann. S. Benigni Div. S. S. V, a9, 38. Adven- 
tu8 locustarum. || Ann. Elnonenses majores S. S. V, 12, 7. 14. Kai. Sept. 
(19. Aug.) tanta multitudo locustarum visa est per aerem voli- 
tare, quanta nunquam apparuit, a partibus orientis tendens ad occi- 
dentem. || Heinbici monach. S. Germani Autisiodorensis ann. breves S. 
S. Xni, 80, 22. Lapides pergrandes de caelo corruunt, locustarum 
ingens congeries apparuit pestilentia inaudita excanduit. || Ann. 
S. DioNYsii Rebienses S. S. XIII, 82, 26. Transierunt locustae Re- 
mis 17. Kalendas Septembris (16. Aug.). In crastino autem fuit 
densa nebula valde. || Ann. Xant. S. S. II, 235, 15. Eodem hiemis 
tempore insperatum diluvium nive madens repente inolevit, maxitne 
in litoribus Rheni fluminis. Ex influentia aquarum multarum multi- 
tudo hominum cum aedificiis et frugibus innumerabilibus deperüt. — 
28. Postea vero, mediante mense Augusto, antiqua Egiptorum 
plaga, id est locustarum innumerabilis turma, more apium de 
alveo exeuntium, ab Oriente nova exorta est per terras nostras, quae in 
aere volitantes, vocem subtilem velut aviculi parvi dantes. Et dum ele- 
varentur, coelum vix velut per cribram intueri potuit. In plerisque locis 
vero pastores ecclesiarum et omnis clerus cum kapsis et crucibus occur- 
rerunt eis, misericordiam Dei implorantes, ut defenderet eos ab hoc plaga. 
Non tamen ubique, sed per loca, nocuerunt. Item in Kalendas 
Novembris usque ad Sexagesimam (22. Febr.) nix totam superficiem terrae 
cooperuit, et diversis plagis Dominus assidug populum suum afflixit et 
visitavit, in virga iniquitates eorum, et in verberibus peccata eorum. 

874. In Mitteldeutschland dauert die Hungersnot noch fort (Ann. 
Fuld.J; gleichzeitig Hungersnot in einem Teile Nordfrankreichs (G. abb. 
S. Bert. Sith.), doch ist tvohl kein Zusammenhang anzunehmen. || Ann. Ber- 
TiNiANi AOT. HiNCMARo M. G. S. S. kl. Ausg. 125. Hicms prolixa et 
fortis, et nix tanta fuit nimietate perfusa, quantam nemo se vidisse me- 
minerit. — Aestas longa siccitatem foeni et messium inopiam 
reddidit. || Ann. S. Dionysh Remenses S. S. XIII, 82, 28. Extitit 
talis super terram nix qualem nemo memoratur se vidisse. Unde et 
de bobus et de ovibus magna pars periit. || Folcwtni gesta abb. S. Ber- 
tini Sith. c. 77. S. S. XIII, 621, 19. In ipso anno incamationis Do- 
mini 874 facta est fames magna et mortalitas hominum per pesti- 
lentiam permaximam. Vinum autem extitit habundanter. || Ann. Veda- 
sTiNi S. S. II, 196, 4. In illis etiam diebus plaga locustarum facta 
est. II Ann. Laüsannenses S. S. XXIV, 779. Anno 7. post (nach 868) 
locustarum inmissio immanis fuit. ^) || Ann. Fuld. prs. III, M. G. S. S. 
kl. Ausg. 81. Hiems aspera nimis et solito prolixior; nix quo- 
que inmensa a Kalendis Novembris usque in aequinoctium vemale sine 
intermissione cadens magnum hominibus fecit impedimentum silvas petere 
lignaque colligere. Unde accidit, ut non solum animalia, verum etiam 
homines plurimi frigore perirent. Sed et Rhenus et moenus glaciali 
rigore constricti longo tempore se sub vestigiis incedentium calcabiles 
praebuerunt. — 83. Hoc anno fame et pestilentia per universam 
Galliam et Germaniam grassentibus pene tercia pars humani gene- 
ris consumpta est. || Aon v. Hathumodae c. 10. S. S. IV, 170, 7. Si qui- 
dem parvo ante suam infirmitatem (f 874) tempore cum pleraeque ex 
sorroribus graviter languissent, dici non potest, quanta seduli- 
tate eos visitaverit, |1 Agh obitus Hathumodae v. 27. S. S. IV, 176. 



1) Irrtum, v?ie auch in Ann. Vedast. Die Heuschrecken erschienen 
schon 873. 



102 Chronik der lementaren Ereignisse. 

Hoc siquidem tot tantorum mortes docuerunt. Hoc nos hie annus 
praeraonuit sterilis. || Ann. Pkumienses S. S. XVii, 1291, 30. [Lojcustarum 
inestimabilis [multjitudo totam pervastavit [Galli]am. ^) 

875. Ann. Col. ed. Iaffe et Wattenbach Eccl. Col. cod. mss. 128. 
Nix valida. 1| Ann. Fuld. prs. HI. M. Gr. S. S. kl. Ausg. 84. Comet. Nam 
villa quaedam in pago Nitense nomine Asgabrunno*) a fluminibus et 
torrentibus longe remota subitanea imbrium inundatione pene deleta est, 
et octuaginta octo homines utriusque sexus in ea deleti. Dum enim 
homines eiusdem loci V. Non. lul. (3. lul.) dormitum issent nihil mali 
suspicantes, tanta pluvia uno momento caelitus lapsa est, ut omnes 
arbores et vineas, quas tangebat in eadem villa, radicitus exstirparet, 
aedificia funditus everteret, iumenta et animalia cum omnibus, quae in 
domibus erant, perditioni traderet. — 

877. Ann. Fuld. HI. M. G. S. S. kl. Ausg. 90. In hoc anno febris 
Italica dolorque oculorum Germanicum populum graviter vexavit, 
maxime circa Rhenum habitantes; pestilentia quoque ingens secuta 
est exercitum Carlmanni de Italia redeuntem, ita ut plurimi tussiendo 
spiritum exalarent. 

878. FoLcwiNi gest. abb. S. Bektin. Sithiensium c. 88. " M. G. S. S. 
Xni, 622, 44. Sonnenfinsternis et mortalitas hominum et pecorum magna. 1| 
Ann. Fuld. HL M. G. S. S. kl. Ausg. 92. Eclipsis lunae facta est in 
Idibus eiusdem mensis (15. Okt.) ultima hora noctis; sol quoque in 
Iin. Kai. Novembris (29. Okt.) post horam nonam ita obscuratus est 
per dimidiam horam, ut stellae in caelo apparerent et omnes sibi noctem 
imminere putarent. Boum pestilentia in Germania immanissime 
grassata est, maxime circa Rhenum; quam cladem non mediocris 
hominum mortalitas secuta est. 

880. Ann. Fuld. EI. M. G. S. S. kl. Ausg. 94. Hie ms aspera 
et solito prolixior; nam Rhenus et Moenus fluvii glaciali rigore 
constricti longo tempore se calcabiles praebuerunt. 96. Hoc anno 
in Wormacense et in Nitense et in plurimis locis regni Hludowici steri- 
litas frugum et omnium rerum penuria Germanicum populum 
non mediocriter afflixit. 

881. Ann. Fuld. HI. M. G. S. S. kl. Ausg. 96. Hibernum tempus 
valde prolixum et animalibus diversi generis pernoxium. Nam tellus 
verno tempore glaciali rigore constricta animalibus solita negavit pascua, 
et illa fame et frigore maxima ex parte perierunt, etiam propter steri- 
litatem anni prioris. || Ann. Wedjgart. S. S. I, 66 hiems dura. 

882. Ann. Fuld. cont. Ratisbon. M. G. S. S. kl. Ausg. 108. 
Mira itaque res et stupenda obsidentibus et obsessis quadam die oc- 
currit Nam in XH Kai. Aug. (21. Juli) luce postmedia tenebrosa subito 
caligo tota castra operuit, fulgure et tonitruo concrepente instans talis 

grando, ut nullus antea mortalium se tale quid videre profiteretur; 

Igitur per tot dies obsidens tarn magnus exercitus aestivo in tempore 
propter putredinem cadentium hominum aegritudine correptus et per- 
tesus est. — 109. In illis diebus redeuntibus Baiowariis domum magna 
et inmanis pestilentia in tota Baiowaria excrevit, ita ut sepe duo 
cadavera in unum tumulum sepelirentur. 

886. Ann. Fuld. M. G. S. S. kl. Ausg. 104. Mense Februario exer- 
citus orientalium Francorum missus est contra Nordmannos in Galliam 
iuxta Parisios consistentes ; qui in itinere propter imbrium inundationem 



1) Die Heuschrecken erschienen schon 873. Regino, der die Notiz 
übernimmt, setzt sie auch zu 873. Die Bezeichnung der Jahre in der 
Handschrift ist sehr unsicher, da die Verweisungszeichen oft fort- 
geschnitten sind. N. Arch. XH, 403. 

2) Eschborn bei Frankfurt. 



Chronik der elementaren Ereignisse. 103 

et frigus imminens non modicum equorum suorum perpessi sunt dam- 
num. — Mense vero Maio, lunio atque lulio tanta vis imbrium diu 
noctuque sine intermissione caelitus lapsa est, ut nuUus aevi praesentis 
tantam aquarum habundantiam se vidisse fateatur. Unde flumina 
in diversis locis intumeseentia frugibus variis extitere pernoxia. Nam 
Rhenus alveum suum egressus cuncta loca sibi contigua ab ortu suo 
usque ad introitum maris omnibus frugibus et lino et foeno evacuavit. 
Padus quoque in Italia similia fecisse perhibetur. (| Ann. Fuld. cont. 
Ratisb. M. G. S. S. kl. Ausg. 114. Tempore autumni plus solitum in- 
undationes aquarum excreverunt inestimate. Nam in Oriente erumpen- 
tibus per litus fluctibus villae inopinate circumdate subito feruntur, ita 
ut cum inhabitantibus viris, feminis, infantulis usque in abyssum deletae 
cemuntur. Inter Alpes vero talis rapacitas aquarum et collisio lapidum 
fuit, ut flexuras et vestigia viarum per divexa montis latera nullo modo 
prospici poterint. 

887. Ajw. Fuld. M. G. S. S. kl. Ausg. 105. Hiems aspera et solito 
prolixior; boum quoque et ovium pestilentia supra modum 
grassata est in Francia, ita ut pene nulla eiusdem generis animalia 
relinquerentur. 

889. In Frankreich entsteht als Folge der Normanneneinfalle eine 
Hungersnot (Bicher), gleichzeitig herrscht Hungersnot in Baiern (Ann. 
Fuld. cont. Batisb.J. \\ Richeri historiabdm lib. I, c. 5. M. G. S. S. kl. 
Ausg. 5 u. 6. Fünf Jahre lang Kämpfe mit den Normannen. Quibus 
repulsis, fames valida subsecuta est, cum triennio terra inculta re- 
manserit. lam enim mensura frumenti quae sedeties ducta mo- 
dium efficit decem dragmis veniebat. Gallinatius quoque 
quattuor dragmis; ovis vero tribus unciis; atque vacca iabo 
tollebatur. Vini nulla coemptio erat, cum, vinetis ubique succisis, 
vix eius aliquid habebatur. — Ipse (Odo) cum exercitu in Aquitaniae 
partes secedens, non ante se rediturum proponens, quam supradicta 
modii frumentarii mensura duabus dragmis veniret, gallinatius vero 
denario atque ovis duabus itidem dragmis, vacca vero tribus unciis 
venumdaretur. |1 Ann. Fuld. cont. Ratisb. M. G. S. S. kl. Ausg. 117. Grave 
igitur tempus hoc anno incanduit. Nam Italica febris tussiendo per- 
plurimos vexabat, inundationes aquarum plus solito excrevere, civilia 
bella circumquaque regiones conquassantur , pestilentia sparsim ac 
fames inopinata ultra modum incubuit. Grandine vero contritis frugibus 
mortales inopiam frugum cum miseria patiuntur. Sed inter alia execra- 
bile prodigium in regione Thuringorum visum est. Namque e celo aqua, 
non ut solet pluvia stillatim descendere, sed coacervatim quasi fluens 
torrens irruit, per tres villas uno momenti ictu evulsis aedificiis, ter 
centum cadavera mortuorum inpulsione aquarum campo deieeta coUige- 
bantur. 

890. Ann. Alam. cont. Sangali,. pks. ni. cod. Modoetiensis et Vbbo- 
NENsis S. S. I, 52. Nimia mortalitas hominum. 

892. Hungersnot nur durch eine Nachricht aus St. Vaast bei Arras 
belegt. || Ann. Vedast. S. S. II, 206, 14. Indeque fames valida et 
stenlitas terrae nobis invasit, ita ut accolae terrae prae magnitudine 
famis sua reliquerint loca. 

893. Ann. Füld. cont. Ratisb. M. G. S. S. kl. Ausg. 123. Hiemps 
aspera et plus solitum prolixa extenditur, ita ut mense Mart. (894) 
nix in quibusdam locis per V dies mensura in profundo unum pedem 
habere viseretur. Inde per Baiowariam maxima penuria vini facta, oves 
et apes perditae. ^) || Betek, Mittelrh. ü. ß. Trieksches Provincialkonzii. 



1) Dieser Satz ein Zusatz zu cod. 3. 



104 Chronik der elementaren Ereignisse. 

c. 2, No. 127, p. 133. Quoniam peccatis exigentibus clauditur c§lum 
et fit nostris diebus sepissime fames. *) 

895. Hungersnot in Süddeutschland, durch zwei Nachrichten aus 
Schwaben (Ann. Alam. cont. Sangall. III) und Baiern (Ann. Fuld. cont. 
Matisb.) belegt. \\ Ann. Alam. cont. Sangall. ni. cod. Modoetiensis et 
Veeonensis S. S. I, 53. Farnes et grando. || Ann. Fuld. cont. Ratisb. 
M. Gr. S. S. kl. Ausg. 125. Farnes valida per universam Baio- 
ariorum provinciam excrevit, ita ut per plurima loca inedia morte con- 
sumerentur. — 126. Per idem tempus magni terrae motus in plurimis locis 
occidentalium Francorum visi sunt. 

896. Die Hungersnot dauert in Schwaben fort (Ann. Alam. cont. 
Sangall. III, Ann. Aug.), gleichseitig Hungersnot in Lothringen (Micheri 
gest. Senon. eccl.) \\ Ann. Cokb. ed. Iaff^ Bibl. I, 34. Inundatio nimia. || 
Ann. Alam. cont. Sangall. in. cod. Modoetiensis et Veronensis S. S. I, 53. 
Farnes validissima. || Ann. Augienses S. S. I, 68. Et in Augia miseriä 
famis et mortalitatis christiani homines alterius camem comederunt. || 
RiCHERi GE8TA Senoniensis eccl. S. S XXV, 273, 43. Secundo vero anno 
post hec tanta penuria bladi et aliorum alimentorum omnium in- 
valuit, ut, quod auditu est horribile, homo bominem vesci cogeretur. 

897. Auch in diesem Jahre noch eine Nachricht über die Hungersnot 
aus l'aiern. || Ann. Fuld. cont. Ratisb. M. G. S. S. kl. Ausg. 130. Farnes 
valida per universam regionem Baiowariorum incubuit, ita ut 
multi inedia consumerentur. 

909. (?) *) Ann. S. Columbae Senonensis S. S. I, 104. Hoc anno medio 
Maio 5. feria apparuit Stella circa ipsum septentrionem a parte circii, 
emittens radium magnum versus euroaustrum quasi longissimam hastam 
inter Leonem et Geminos trans zodiacum, et visa est ita fere 23 diebus. 

910. Hungersnot in Frankreich (Ann. S. Columb. Sen.) || Ann. S. 
CoLUMB. Sen. S. S. I, 104 et sequenti anno fames maxima fuit in tota 
Gallia.8) 

913. Ann. S. Quintini Vekomandensis S. S. XVI, 507, 26. Hoc anno 
gelu maximum. || Ann. Aug. S. S. I, 68 (= Ann. Heremi = Cont. Reg.). 
Hiemps magna nimis. 

919. Flodoabdi ANN. S. S. m, 336, 19. Cecidit Remis grando mi- 
rabilis, ovum gallinae superans magnitudine; quae vero distendebatur 
in latitudine, occupabat medium palmae. Sed et grandior per alia 
quaedam loca visa est cecidisse. || Ann. S. Germani minores S. S. IV, 3, 41. 
Tempore vespertino facta est tempestas valida, quae non solum fruges 
ad nichilum redeit et arbores radicitus evulsit, sed et animalia et 
bomines in locis quibusdam interfecit, cuius lapides tante ferebantur 
magnitudinis esse, ut aliquanti ova anserum sua magnitudine superarent. 

920. Flodoardi ann. S. S. III, 369, 23. Tunc etiam circa Remen- 
sem urbem mal in spicis inventum, et flores quibusdam in arboribus, 
maturis vel collectis iam fructibus. 

921. Flodoardi ann. S. S. III, 369, 35. Tempestates hoc aimo 
diversis in locis plurimae, homines quoque fulmine exanimati, et domus 
incensae. Aestus in aestate magnus, et foeni plurimum. Siccitas in- 
gens tribus fere continua mensibus, lulio, Augusto atque Septembri. 

927. Ann. Aug. S. S. I, 68 (= Cont. Reg. a. 928). Hiemps magna 



1) Über die Datierung vergl. Goerz, Mittelrh. Regesten I, 222. Man 
könnte etwa einen Zusammenhang mit der Hungersnot des vorher- 
gehenden Jahres annehmen. 

2) So der Herausgeber. Die Jahreszahl läfst sich nach der Hand- 
schrift nicht sicher feststellen. 

3) Die Nachricht findet sich im unmittelbaren Anschlufs an die 
vorige unter demselben Jahre, es ist also das Jahr 910 gemeint. 



Chronik der elementaren Ereignisse. 105 

nimis. || Flodoabdi ann. S. S. III, 377, 9. Acies igneae Remis in caelo 
mense Martio mane quadam die dominica visae; cui signo pestis 
e vestigio successit, quasi febris et tussis, quae mixta quoque mortali- 
tate in cunctas Germaniae Galliaeque gentes irrepsit. 

928. Flodoakdi ANN. S. S. III, 378, 25. Vindemiae pene peraguntur 
infra mensem Augustum. 

934. Flodoakdi ann. S. S. HI, 382. 20. Igneae Remis in caelo 
acies visae sunt discurrere, et quasi serpens igneus, et quaedam iacula 
ferri pridie Idus Octobris (14. Okt.) mane ante lucis exortum. Mox sub- 
secuta est pestis, diversis afficiens humana corpora morbis. 

940. In Folge eines harten Winters entsteht in Norddeutschland eine 
Hungersnot (Widukind) ; auch in Schwaben Mifsernte (Ann. Sangall., 
Eerim. Aug.). || Widukind. lib. II, cap. 26. M. G. S. S. kl. Ausg. 50. 
Necem ducum^) asperrima hiemps hiememque secuta est fames 
validissima. *) || Ann. Sangall. maiok. S. S. I, 78. Annus durus et de- 
ficiens fructus. || Heeim. Aug. chr. S. S. V, 113, 48 (= Chr. Suevicum 
univ. = Ann. Col.). Hiems saeva hoc aimo facta, et pestis anima- 
lium subsecuta. 

941. Allgemeine Hungersnot. Nachrichten sind erhalten in einer 
belgischen Quellengruppe (Ann. Leod. etc.), in Nachrichten aus Münster 
(Chr. episc. Monast. und Epigramme auf Bumold) und Italien (Liud- 
prand.). || Ann. Leodienses S. S IV, 16, 33 {= Ann. Laub. = Ann. Lob. 
a. 943 = Ann. Parch. = Ann. S. Bonifacii a 943). Cometes apparuit. 
Et fames subsecuta. || Chk. episc. Monast. G. Q. des Bist. Münster I, 1"2. 
Rumoldus. Huius temporibus fuit maxima fames in universa terra. 
Et visus est cometa aperte mire magnitudinis et longitudinis. ^ Hie 
Rumoldus dedit quadraginta et octo talenta, cum quibus conparetur et 
daretur fratribus zona, id est cames auctumpnales in refectorio dandas, 
quia tunc diverse dissensiones et fames cessaverunt. || Epigramm auf 
Bischof Rumold. G. Q. des Bist. Münster III, 187. 

Tempore Rumoldi preduro dente locustae 
Emergunt, segetem semina dente vorant; 
Ardet in coelo flagrante crine cometa. 

Et nova lympha polo sanguinolenta cadit; 
Hinc horrenda fames ei rerum tristis egestas, 
Hinc fera prosternit corpora multa lues. *) 
||LiüDPKAND LIB. V, c. 2. M. G. S. S. kl. Ausg. p. 101. Hoc in tempore, 
ut ipsi bene nostis, sol magnam et cunctis terribilem passus est eclipsin, 
sexta feria, hora diei tertia;^) qua etiam die Abderahamem, rex vester, 
a Radamiro christianissimo rege Gallitiae in hello est superatus. Sed 
et in Italia octo continuis noctibus mirae magnitudinis cometa apparuit, 
nimiae proceritatis igneos ex sese radios fundens, subsecuturam non 
multo post famem portendens, quae magnitudine sui misere 



1) Herzog Eberhard von Franken und Giselbert von Lothringen 
t 939. Es ist also der Winter 939 — 940 gemeint, die Hungersnot wäre 
dann in den Anfang des Jahres 940 zu setzen. 

2) Diese Stelle findet sich bei Annl. Saxo a. 943 wieder. Der 
Herausgeber irrt, wenn er die Stelle dort durch den Druck als eine 
selbständige Nachricht bezeichnet. 

3) Bisch. Rumold. f 19. Juli 941. Aus dem Zusammentreffen der 
Hungersnot mit dem Erscheinen des Kometen ergiebt sich, dafs das 
Jahr 941 gemeint sein mufs. 

4) Es folgen noch zwei Epigramme ähnlichen Inhalts. 

5) Totale Sonnenfinsternis am 19. Juli 939; vergl. Ann. SangaU. 
maior. a. 939 S. S. I, 78. Das Datum der folgenden Schlacht ist richtig 
angegeben. Schäfer, Gesch. von Spanien H. 183. 



t06 Chronik der elementaren Ereignisse. 

vastabat Italiam. ^) || Widukikd lib. II, c. 32. M. Gr. S. S. kl. Ausg. 52. 
Eo anno*) et portenta quaedam apparuere, scilicet cometae. Nam a 
quinta decima Kalendas Novembris (18. Okt.) usque in ipsas Kalendas 
(1. Nov.) visae sunt. || Ann. Sangall. maior. S. S. I, 78. Signum mirabile 
apparuit in coelo; et mortalitas boum fuit. 

942. Die Hungersnot daueii, in Frankreich noch fort. (Flodard., 
Ann. S. Quint.Veromand.). \\ Flodoakdi ann. S. S. III, 389, 23. Fames 
magna per totam Franciam et Burgundian), mortalitas quoque maxima 
boum grassata est in tantum, ut valde pauca huiusmodi animalia in bis 
remanserint terris. |1 Ann. S. Quintini Veromandensis S S. XVI, 507, 38. 
Fames. || Heeim. Aug. chk. S. S. V, 114, 21 (= Chr. suev. univer. = Cont. 
Reg.). Cometa per noctes 14 visa et inmensa animalium pestilentia 
facta. [| WiDUKiND lib. II, c. 32. M. G. S. S. kl. Ausg. p. 53. Sed co- 
metas inundatio nimia, inundationemque boum pestilentia subsecuta 
est. II Ann. Cokb. Jaff^ Bibl. I, 35. Inundatio nimia. 

944. Ann. Sangall. maior. S. S. I, 78. Terrae motus factus est 
3. feria paschae circa pullorum cantum 16. Kai. Maii (16. April). Eodem 
aimo aestas omnis versa est in pluviam. 

945. Ann. Sangall. maior. S. S. I, 78. Nix maxima idibus Martii 
(15. März) cadens. || Flodoaedi ann. S. S. III, 393, 4 — 10. In pago Pa- 
risiacensi, necnon etiam per diversos circumquaque pagos, hominum 
diversa membra ignis plaga pervaduntur; quaeque [sensim] exusta 
consumebantur, donec mors tandem finiret supplicia. Quorum quidam, 
nonnuUa sanctorum loca petentes, evasere tormenta ; plures tamen Pari- 
sius in aecclesia sanctae Dei genitricis Mariae sanati sunt, adeo ut quot- 
quot illo pervenire potuerint, asserantur ab hac peste salvati ; quos Hugo 
quoque dux stipendiis aluit cotidianis. Horum dum quidam vellent ad 
propria redire, extincto refervescunt incendio, regressique ad aecclesiam 
liberantur. 

956. Flodoaedi ann. S. S. III, 403, 34. Moxque pestilentia super 
Germaniam omnemque Galliam effusa, interiere nonnuUi, plures gravi 
sunt längere confecti. Rotbertus Trevirensis episcopus, et Baldericus et 
duo alii episcopi ex ea peste sine mora defuncti sunt. || Cont. Reg. M. 
G. S. S. kl. Ausg. 168. Ea tempestate gra.vis per omnes regni partes 
pestilentia grassabatur, quae innumeram populi multitudinem passim 
extinxit. Ex qua Rodbertus archiepiscopus Treverensis et Hadamarus 
abbas Fuldensis obierunt. 

959. Hungersnot in Schwaben (Ann. Sangall. maior.). || Ann. San- 
gall. MAIOR. S. S. I, 79. Annus durus, et in multis regionibus defi- 
ciens fructus; et multi fame perierunt. || Widukind lib. III, c. 61. M. 
G. S. S. kl. Ausg. 79. Peracta caede barbarorum, eo anno prodigiosae 
res apparuere, notae scilicet crucis in vestimentis plurimorum. Quibus 
visis, plurimi salubri timore perclusi, adversa formidabant; ideraque 
vitia multa ex parte emendaverunt. Fuerunt et qui lepras vestium inter- 
pretarentur, eo quod subsequens lepra multos mortales corrumperet. 
Sapientiores autem signum crucis salutem victoriamque prefigurasse pre- 
dicabant, quibus et nos fidelem assensum prebemus. 

964. Ann. Salisbuegenses S. S. I, 89. In illo anno universo non 
cessabant pluvia et aquas crescere, ita ut navigabat superficiem terrae. 

968. Ann. Coeb. ed. Jaff^ Bibl. I, 36. Inundacio nimia. 



1) Es kaim, wie aus der Verbindung mit der Sonnenfinsternis her- 
vorgeht, nur der Komet von 941 und 942 gemeint sein. Die Hungersnot 
mufs aber auch in diese Jahre fallen. 

2) Durch die vorhergehenden Ereignisse als das Jahr 941 bestimmt. 
Dümmler, Otto d. Gr. p. 116, 117. 



Chronik der elementaren Ereignisse. 107 

973. Hungersnot in Belgien || Ann. Laubienses S. S. IV, 17, 33. 
Aestas pluvialis et frigida, et fames subsecuta. 

974. Ann. Stabulensks S. S. XIII, 43, 7. Gelu magnum. || Ann. 
CoRBEiENSEs ED. Jaff£ Bibl. I, 36. Hoc anno nimia siccitas facta est 
per totam aestatem. 

975. Ann. Remenses et Colon. S. S. XVI, 731, 12. Hoc anno gelu 
magnum a Kalendis Novembris usque ad equinoctium vemale. ') || Ann. 
Leodienses S. S. IV, 17, 37 (= Ann. Laub.). Gelu magnum a Kalen- 
dis Novembribus usque medium Martium. || Ann. Hildesh. M. G. S. S. 
kl. Ausg. 23 (= Ann. Alth. = Hersfeld. Ann.). Hibernus fuit longus, 
durus et siccus, et. Id. Mai. magna nix cecidit. || Ann. Magdeburg. S. S. 
XVI, 154, 14. Facta est eodem anno hyemps durissima et im- 
portuna, adeo ut in Idus Maii (15. Mai) extensa, nix magna noviter lapsa 
totam operuerit terram. *) 

977. Flodoardi ann. cont. S. S. III, 408, 12. Ipso anno tempore 
yindemiae magna fuit copiavini, in tantum ut non amplius pro uno 
vini modio venditores nisi aut quinque aut quattuor seu tres denarios 
ab emptoribus accipiebant. || Ann. Alth. M. G. S. S. kl. Ausg. 13. Lues 
autem dissenteriae exercitum (in Böhmen) multum vastabat. 

981. Ann. Corb. Jaffö BiBr . I, 37. Hoc anno nimia siccitas facta 
est per totum annum. 

987. Hungersnot in Schwaben (Herim. Aug.). || Ann. Col. ed. Jaffö 
ET Wattenbach. Eccl. metrop. Col. cod. mss. 130. Rheni et Mosellae 
fluminum inundatio insolita. || Ann. Hildesh. M. G. S. S. kl. Ausg. 24. 
Aque quoque exundabant; nihilominus et ventus plura edificia stravit. !| 
Herim. Aug. chr. S. S. V, 117, 34 (= Chr. Suev. universale). Farnes 
magna hoc anno facta. 

988. Ann. Colon, ed. Jaffe et Wattenbach Eccl. metbop. Col. cod. 
MSS. 130. Tanta intemperies estatis fuit uti ex aeris inclementia com- 
plures interirent. || Ann. Quedlinburg. S. S. III, 67, 51. Aestatis fervor 
immanis pene cunctos fructus consumpsit. Mox grandis mortalitas 
hominum subsecuta est. ^) 

989. Ann. Quedlinburg. S. S. IH, 68, 5 (= Thietmar lib. IV, c. 10). 
Cometae apparuerunt, quas pestilentia subsequuta est grandis homi- 
num et iumentorum, et maxime boum. 

990. Ann. Hildesh. M. G. S. S. kl. Ausg. 25 (= Ann. Quedlinburg. 
= Ann. Alth.). Et eodem anno eclypsis solis fiebat; quo non modica 
subsequebatur mortalitas hominum atque iumentorum 12. Kalend. 
Novembris (21. Okt.). 

991. Ann. August. S. S. III, 124, 21. Magna sterilitas terrae 
ab inundatione pluviae. 

992. Hungersnot, angeblich drei Jahre dauernd, aber nur durch 
eine Nachricht aus Augsburg bezeugt. || Ann. August. S. S. III, 124, 22. 
Fames magna per tres annos. 

993. Ann. Hildh. M. G. S. S. kl. Ausg. 26. Et inde a nativitate 
sancti Johannis baptistae (24. Jun.) usque in 5. Id. Novembris (9. Nov.) 
pene per omnem aestatem et autumnum siccitas nimia et fervor in- 



1) Die Nachricht gehört dem in Rheims verfafsten Anfange der 
Annalen an. 

2) Dieselbe Nachricht findet sich in ähnlicher Fassung in Ann. 
Hildesh. und Monach. Sazav., die ursprüngliche gemeinsame Quelle sind 
die Hersfeld. Ann. 

3) Die vorliegende Nachricht enthält die Nachricht aus den ver- 
lorenen Hildesheimer Jahrbüchern in der vollständigsten Form, in kür- 
zerer Fassung auch Ann. Hildesh., Ann. Alth., Lampert, Ann, Ottenb., 
und wohl auch Thietmar lib. IV, c. 18. 



108 Chronik der elementaren Ereignisse. 

manis fuit; ita ut innumerabiles fruges non pervenirent ad temporaneam 
maturitatem propter solis ardorem; quo non modicum subsequebatur 
frigus et magna nix cecidit, magnaque pestis simul et mortalitas 
hominum atque iumentorum evenit. || Ann. Augustani S. S. III, 
124, 23. Hiemps dura, ita ut arbore multae aridae fierent. || Ann. He- 
KEMi S. S. III, 144, 20. Dura hiemp.s. 

994. Hungersnot in Sachsen (Ann. Quedlinburg., Ann. Corb.). || 
Ank. Qüedlinbg. S. S. in, 72, 21. Hiems durissima 3. Non. No- 
vembr. (3. Nov. 993) exorta, u.sque 3. Non. Maii (5. Mai) stetit, rarissi- 
mis intermissa diebus. Deinde pestiferis et frigidis flantibus ventis, noc- 
tibus plurimis pro rore hibernum cecidit frigus. Ad ultimum Non. Julii 
grande est factum gelu, tantaque siccitas fluminum et penuria facta est 
pluviarum, ut in plerisque stagnis et pisces morerentur, et in terris ar- 
bores plurimae penitus arescerent, et fruges perirent et linum. Sub- 
sequuta quoque est grandis pestilentia hominum, porcorum, 
boum et ovium; prata etiam in plerisque locis ita exaruerunt veluti 
igne exusta fuissent. — 34. Fames etiam hoc anno magna facta est 
pluribus in locis Saxoniae. || Ann. Cobb. Jaff:^ Bibl. I, 37. Valida 
hiems et fames magna. 

995. Die Hungersnot dauert in Sachsen fort (Ann. Quedlinburg.). \\ 
Ann. Quedlingg. S. S. III, 72, 35 u. 73, 21. Saxonibus peior annus priore 
exoritur. Nam tanta in eos, qui vocantur Osterludi, pestilentia ex- 
arsit, ut eorum non solum domus, sed etiam villae plurimae mortuis 
habitatoribus vacuae remanerent. Fame insuper magna compressi, tam 
assiduis Sclavorum incursionibus fatigabantur, ut peccatis suis promeren- 
tibus iuste de eis illud propheticum dictum videatur: Mittam super eos 
tria iudicia pessima, pestem, gladium et famem. — 73, 21. Commune 
damnum in pestilentia procorum et boum omnem Germaniam vexat. || Ann. 
Sangall. maior. S. S. I, 81. Notabilis annus etiam siccitate aeris 
nimia, multis peccoribus, multis quoque mortalibus siti extinctis. Tan- 
tum enim siccabantur cuncta Europae flumina, ut pene nullum non esset 
vadosum. 

1003. Ann. Blandinienses S. S. V, 25, 47. Et magna fuit inundatio 
aquarum Kai. Junii. Item inundatio aquarum Kai. Aug. || Ann. Moso- 
magenses S. S. III, 161, 17. Carum tempus. Modius frumenti 
8 libris emebatur. || Ann. Floriacenses S. S. II, 255, 21. Et qua- 
litas hiemis longior solito, pluviarumque inundatio extitit 
gravior, atque diversis in regionibus flumina suos ultra modum prae- 
terierunt terminos. Prae ceteris vero Liger in tantum suas praeteriit 
metas, ut cuncta circum circa posita periculo mortis tremefaceret, valla 
penetrando, casas unä cum hominibus eruendo, pontes firmos sepesque 
eradicando, boves cum bubulcis, ovilia cum ovibus et pueris demergendo, 
ita ut diluvium esse crederetur. 

1005. Allgemeine Hungersnot. Es sind Nachrichten erhalten aus 
CÖln (Ann. Col., V. Herib.), aus Schwaben (Ann. Sangall. mai., Herim. 
Aug.), aus Baiern, schon aus dem ersten Viertel des Jahres (Schreiben an 
Bisch. Gottschalk v. Freising, Notae Buran.) und aus Frankreich (Bodolf. 
Glaber). Gleichseitig Hungersnot in England (Ann. Colbaz.). \\ Alpertus 
de diversitate TEMPORUM Hb. I, c. 6. S. S. IV, 704, 9. Post hinc trien- 
nium quam rex in solium regni sublimatus est, commetes horribili specie 
flammas hac illacque iactans, in australi parte coeli visus est. || Ann. 
Col. ed. Wattenbach Eccl. Col. metrp. cod. mss. 130. Fames valida. || 
Lantberti VITA Heriberti Colon, c. 7. S. S. IV, 745, 27. Periclitabatur 
fame^) depressa Gallia et Germa,nia; et Domini servus magnopere 



1) Ein bestimmtes Jahr giebt die Vita nicht an, es handelt sich 
aber zweifellos um die Hungersnot der Jahre 1005 und 1006, die einzige 



Chronik der elementaren Ereignisse. 109 

instabat, ut eorum medicaretur inopia, adeo ut Colonia infinito talium 
repleretur populo, et omnes eius viderentur compassionis oculo, et per 
fideles ipsius alerentur vestitu cibo et poculo. Seorsum eis hospitia dis- 
posuit, et pro varietate languorum annonam instituit, et ut singulis com- 
petebat soUicitudinem adhibuit. Ipse secreto privatus ad eos descen- 
debat, et pedes eorum abluens et extergens, imbecillitati eorum vehe- 
menter condolebat, dominos et fratres eos nominans; si quo indigerent, 
ab eis prudenti astutia perquirebat; et sie erga ipsos exercitatiores eorum 
ministros faciebat. Per alias etiam urbes familiarissimos animae suae 
clericos idoneos habebat, quibus et certae pecuniae quantitatem clam 
dirigebat, ut in similes usus ab eis fideliter expenderetur, et ea exposita 
identidem ab eo alia repeteretur. Cumque sequentibus annis, emen- 
data terra, in sua qui possent redirent, vogabantur a benigne patre, ut 
ab eo quod vellent peterent et invenirent. |1 Ann. Sangall. maioe. S. S. 
I, 81. Ecce fames qua per saecula non sevior uUa. || Hebim. Aug. chk. 
S. S. V, 118, 37 (= Chr. Suevicum universale = Ann. August.). Fames 
magna facta est. *) ]] Schreiben des Abtes von Tegeknsee an Bischof 
Gottschalk von Fkeising. *) Meichelbeck, Hist. Frising. tom. I, prs. II, 
472. Non possumus vos celare, quod multum laboramus prae fame. 
Nos fratresque nostri tale periculum forte possemus evadere. Sed propter 
famelicam familiam et moribundam, quae cottidie confluit ad nos un- 
dique, omnes periclitamur, ut hoc periculo possimus eripi, manum mise- 
ricordiae vestrae precamur ad nos extendi. || Notae Bl-ranae S. S. XVin, 
320, 36. Haec familia fugerat tempore famis ex monasterio Puronensi, 

— es folgt eine Aufzählung von Dörfern mit Angabe der Namen 

der Geflohenen. *) || Raoul Glaber Mb 11 e. 9. ed. M. Prou 44. Eodem 
autem tempore facta est fames praevalida quinquennio in uni- 
verso Romano Orbe, siquidem ut nuUa audiretur non inobs regio, 
et indigens pane; multique exausti inedia de populo perieruut. Tunc 
etiam per plura loca terrarum, non solum immundorum äni- 
malium et reptilium, verum etiam virorum ac mulierum, in- 
fantiumque carnes compulit fames horrida sumere in cibum, 
nulla vel parentum obstante necessitudine. Nam eo usque devenerat 
hujus sevitia famis, ut jam adulti filii consumerent matres, ipseque in 
parvulos, remota pietate matema, iddem excercerent. 

1006* Die Hungersnot dauert fort; es sind Nachrichten aus Bel- 
gien (Ann. Leod. G. abb. Trud.J, dem Sprengel von Utrecht (Alpertus) 
und Niedersachsen (Ann. Hildesh.) erhalten. Auch in Südfrankreich 
herrscht noch Hungersnot (Hodolf. Glab.). || Ann. Leod. S. S. IV, 18, 18 
(= Ann. S. Jacob. Leod. = Ann. Laub. = Ann. Parch.). Fames va- 
lida, apparente longo tempore comete. || Rlt>olfus gesta abb. Trudon. 
lib. I, c. 1. S. S. X, 229, 30. Cum ex sterilitate terrae, aiunt, fames 
aliquando eius tempore accidisset, concurrebat ad elimosinam fratrum 



allgemeine während Heriberts Episkopat (999 — 1021). Es ergiebt sich 
dies aus den Nachrichten der Ann. Col. und Alperts. 

1) Die Nachricht stammt aus verlorenen schmäbischen Reichs- 
annalen. 

2) Begründung der Datierung: 1005 ist die einzige bekannte und 
sehr bedeutende Hungersnot während der Regierungszeit des Bischofs 
Gottschalk (993—1006). Die Datenangabe „tertia hebdomate post Pascha, 
vid. XV. Kai. Mali", die sich in dem Briefe findet, trifft für das Jahr 
1005 zu. 

3) Der Herausgeber Jaffe giebt an, dafs die Nota der Schrift nach 
aus dem 11. Jahrhundert stammt und bezieht sie auf 1005. Die Ver- 
mutung wird fast zur Gewifsheit durch die Berichte aus benachbarten 
Gegenden.; s. o. . 



110 Chronik der elementaren Ereignisse, 

omnis sexus et aetas importune et miserabiliter. Quorum aliquibus 
interdum ad se vocatis, querere dicebatur ioculariter. Cuius servus tu ille ? 
tuve illa, cuius ancilla es? Respondentibus illis verbi gratia sancti 
Lamberti aut sancti Petri, sive sancti Servatii, sive sancti Remacli, post- 
remo cuiuslibet sancti, aiebat: Quid igitur tibi et familiae sancti Tru- 
donis? Pascat te tuus dominus, cuius tu es servus. Qui sancti Tru- 
donis se esse profitebatur, pateme ab eo andiebat: Pascet ergo te hodie 
sanctus Trudo dominus noster, conservus enim noster es. Primis eins 
annis aecclesia nostra necessariis illi deficientibus anxie nimis, ut referri 
audivi, laboravit. At unde hoc potissimum accidisset, fide plena rela- 
tione non didici. || Alpektus de diveksitate temporum lib. I, c. 6. S. S. 
IV, 704. Sequenti anno fames et mortalitas gravissima per totum 
orbem fac ae sunt, ita ut in multis locis prae multitudine mortuorum 
et taedio sepelientium vivi adhuc spiritum trahentes, vi qua poterant 
renitentes, cum mortuis obruerentur. |{ Ann. Hildesheim. M. G. S. S. kl. 
Ausg. 29. Fames vaHda pene in universa terra. 

1007. Ann. Sangall. maiores S. S. I, 81. Pestilentia gravis, 
quae subitanea morte populum late vastabat. 

1011. Ann. Quedlinburg. S. S. III, 80, 28, 34, 39. Pestilentia 
et mortalitas inaudita tempestate ubique gentium monasteria, castella 
et oppida devastantes, desaeviunt. Hiems insolita pruinarum asperi- 
tate importune longa, ita ut solis calore insolubilem multum tem- 
poris glaciem retineret, ac multa corpora hominum languida redderet. — 
34. Eodem anno 3. Calend. Augusti (30. Jul.). feria secunda, luna 26. 
cecidit glacialis grando ingens et horrenda. — 39. Ventus ingens plu- 
rima aedificia subito turbine subvertit, et multa alia damna commisit. 

1012. Ann. Quedlinburg. S. S. III, 81, 12. Terrae motus per loca 
fiebant. Hoc etiam anno commotio aeris cum tonitru et fulgure et in- 
undantia pluviarum tanta facta est 4. Id. Augusti (10. Aug.), ut biduo 
perseverans, perplurima damna perageret, domos multas cum suis uten- 
silibus, nee non acervos frugum pessundaret; homines quoque pericli- 
tarentur. || Thietmaei chr. lib. VII, c. 23. M. G. S. S. kl. Ausg. 182. In 
illo tempore inundante Danubio in Bawariis et stagnante Reno ita in- 
effabilis populi ac pecoris, edificiorum quoque et silvarum tali impetu 
erutarum multitudo periit, — 

1013. Ann. Quedlinburg. S. S. III, 82, 19. Eodem anno inundatio 
aquarum nimia facta est, multa damna ferens, 18. Calend. Januarii, luna 
nona, feria 3. (15. Dec). || Ann. Alth. M. G. S. S. kl. Ausg. 17. Ingens 
eruptio aquarum. |{ Ann. Ratispon. S. S. XVII, 584, 11. Insolita efFusio 
fluminum. || Passio S. Cholomanni S. S. IV, 676, 30. Sequenti igitur anno*) 
Danubius effreni licentia littorum curva itinera devagatus, 
pleraque edificia suis viribus eruta funditus ingurgitavit, et queque loca 

sibi contigua estuantis diluvii copiis inebriavit; || Ann. Sangall. 

MAJOR. S. S. I, 82. Erscheinung von Kometen. 

Consequiturque lues sine nomine corpora perdens, 
Visceribus fervens, inde cruore fluens. 

1014. Ann. Laub. S. S. IV, 18, 31 (= Ann. Bland. 1013). 4. Cal. 
Octobris (28. Sept.), luna sexta, magna maris inundatio ad vesperam, 
ubi innumerabiles perierunt. || Ann. Quedlinbg. S. S. III, 82, 25. Item 
diluvium venit. — 35. Hoc etiam anno sol et luna aliaque sidera dant 
metum tristium signorum , quae mox pestilentia saeva et mors 
subitanea sequuntur. 

1016. Ann. Hildesheim. M. G. S. S. kl. Ausg. 32 (= Ann. Ottenbur. 
= Ann. Alth. = Lamp.). Magnae moiis grando venit, et plurimi ful- 
mine exusti perierunt. 



1) Im Jahre nach dem Tode des heiligen Cholomann, f 1012. 



Chronik der elementaren Ereignisse. Hl 

1017. Thietmaki chb. lib. VIII, cap. 57. M. G. S. S. kl. Ausg. 228. 
In aequenti vero nocte, id est dominica et Non. Julü (7. Juli) tempestas 
ingruit horrida, homines cum pecoribus simul et aedificüs ac frugibus 
late consumens. Inmensus quoque fragor silvas concutiens vias omnes 
nimis occupabat. 

1018. Ann. Quedlinbg. S. S. III, 84, 25. Cometa etiam eodem 
anno diu visus est, qui luctum nimiae devastationis per Thiadricum 
Galliae partibus, pestilentiam insuper et mortalitatem misero 
mundo nunciavit. Qua clade obüt Baldricus Leodicensis episcopus, cui 
Falmodo successit. Heinricus Wirtzeburgensis episcopus, Thiatmarus 
Mersburgensis episcopus, Amoldus archiepiscopus Ravennatus, Odda vene- 
rabilis Magadaburgensis presbyter, Athilger Halberstatensis praepositus, 
aliique perplurimi nobiles utriusque sexus de hac luce abstracti sunt. || 
Thietm. CHR. lib. IX, cap. 13. M. G. S. S. kl. Ausg. 250. Mense Junio 
inaequalitas aeris hominibus multis eorumque utilitatibus diversis ad- 
modum nocuit. 

1020. Ann. Corb. Jaff^ Bibl. I, 38. Hiemps magna. || Ann. Qcedlbo. 
S. S. III, 84, 48. Eodem anno hiems solito asperior atque diutumior 
inhorruit, dura adeo, ut ipsa vi algoris plerique extincti occumberent; 
quam etiam prius inaudita clades mortalitasque subsecuta, totum 
pene orbem subitaneo vastans occasu, in momento inque oculi ictu in- 
columes, ac sua quasi de sospitate certissimos, in ipsis nee non epulis 
laetissimos, inopinato subtraxit. In Quedlinburg sterben 4 Nonnen. — 
85, 12. Am 18. Juli erscheint ein Nordlicht. — 85, 39. Res mira cunctis- 
que inaudita seculis, incolis septentrionalis plagae accidisse dicitur. 
Nam Albis et Wisara fluvii insoHta inundationis mole non solum 
alveos suos egressi, sed ab ipso imotenus fundo qua nescio immani 
ventorum violentia evulsi, oppida, rura, cuncta circumiacentium late con- 
finia terrarum, ipsis quoque collibus, ac montibus, quos natura quadam 
prae ceteris sublimitate munierat, altius insurgendo, mersisse, et quod 
bis miserabüius ac omni incredibilius est auditui, villas integras, nequa- 
quam soluta aedificiorum compage, cum inibi degentibus de alia in 
aliam transvehendo ripam, eadem qua prius positione constituisse. ■ 

1023. Gesta episc. Cameracen. lib. III, c. 36. S. S. VE, 480, 9. Sed 
nee oblivioni tradendum, quod per aliquot dies, dum sinodus celebrare- 
tur {Jul. in Ächen), tanta sicoitas aeris et intemperies aestus excanduit, 
ut multi mortalium prae nimio ardore deficere putarentur, sed et aliquot 
animalia subito laberentur extincta. 

1025. Lokale Hungersnot in Sachsen, dwch Nachrichten aus Qued- 
linburg (Ann. Quedlinburg.) und Corvey (Ann. Corb.) belegt. || Ann. QtrED- 
linburg. S. S. III, 90, 18. Res admiranda nostrisque temporibus vehe- 
menter stupenda 2. Non. Februarii (4. Feb.) contigit; siquidem sol 
aureis invectus quadrigis, dum mediam poli arcem mira sui splen- 
doris claritate perfunderet, subito sub tema figura visus est ful- 
sisse; quod mirabile prodigium rei eventu postea constat probatum. — 
21. Eodem anno fames praevaluit, et multa loca incendio perierunt. I| 
Ann. Corb. Jaffa Bibl. I, 38. Fames maxima, in tantum ut plurimi 
fame morerentur; insuper et pestilentia maxima. || Vita Meinwerci 
EPisc. Patherbün. c. 151. S. S. XI, 138, 29. Facta in diebus eins fame 
valida^), missis nunciis frumentum comparari fecit in Colonia, 
et duas naves onustas ad inferiorem terram deferri, et dispensatione 
villicorum super Velue et in Testerbant taliter mandavit erogari, ut una 



1) Ein bestimmter Anhalt zur Datierung der Nachricht fehlt. Die 
Hungersnot fällt in die Regierungszeit des Bischofs Mein werk (1009 bis 
1036). Das letzte Jahr vorher, das bestimmt angegeben wird, ist 1017. 



112 Chronik der elementaren Ereignisse. 

pars propriis, alia familiae indigentiis secundum numerum domesticorum 
distribueretur, tercia ad proventum seminis, quarta mendicis erogaretur. 

1031. Hungersnot in Frankreich^) (Chr. Autissiod., Breve Autissiod. 
ehr. Ann. Lausann.). || Chr. Autissiodorense Hist. de Fr. X, 276 A. Eodem 
anno tanta fames fuit in Gallia, ut etiam in quibusdam locis vix alter 
ab alterius camibus abstineret. || Breve chr. Autissiod. Hist. de Fr. 
X, 271AB. Anno MXXXI Venditus est sextarius salis solidis XXIII, 
et tritici solidis IV. || Ann. Lausannenses S. S. XXIV, 780, 43 Fames 
valida fuit in terra anno Domini 1031. 

1032. Die Hungersnot in Frankreich dauert fort (Baoul Gldb., Hugo 
IHav.). II Raoul Glabek hb. IV, c. 4 ed. M. Prou. 99—102. Sequenti itaque 
tempore, cepit in universo orbe terrarum fames convalescere, ac in- 
teritus pene universi humani generis imminere. Nam temperies aeris sie 
intempestiva effecta est, ut nullius sationis proveniret tempus congruum, 
nee messioni precipue ob inundantiam aquarum foret oportunum. Vide- 
bantur enim inter se ipsa elementa pugnam discordie agere, cum procul 
dubio vindictam exercerent humane insolentie; assiduis enim imbribus ita 
compluta erat universa tellus, ut in spacio trium annorum nuUi reperi- 
rentur sulci utiles seminibus. Tempore quoque messis herbe agrestes, 
atque infelix lolium totam operuerant superficiem agrorum. Modius 
quoque sementis, ubi majis proficiebat, reddebat in messe sextarium, 
ipseque sextarius vix referebat pugillum. Ceperat enim primitus hec 
sterilitas ultionis in partibus Orientis; depopulando Greciam devenit in 
Italiam; dehinc defusa per Gallias, transiit ad universos Anglorum po- 
pulos. Tunc vero constricta tota gens indigentia victus, maiores et 
mediocres fame pallebant cum pauperibus; cessit enim raptus 
potentum universali inopie. Si quid ergo victus venundatus repperie- 
batur., arbitrio vendentis pro libitu erat excedere, seu accipere precium. — 
Nam in plerisque locis fuit modii precium sexaginta solidorum, 
alias quoque sextarius solidorum quindecim. Interea post esum 
bestiarum et volucrum, urgente fame acerrima, ceperunt homines preri- 
pere in cibum morticina queque ac dictu horrenda. Quidam vero fecere 
confugium evadende mortis ad radices silvarum, herbasque fluviorum; 
sed ne quicquam; non ergo aufugium ire ultionis Dei, nisi ad semet- 
ipsum. Horret denique referre que tunc generi humano corruptiones 
acciderint. Heu! proh dolor! quod olii» raro audiri contigerit, tunc 
rabida inedies compulit vorari ab hominibus humanas carnes. 
Arripiebantur autem viantes a se prevalentibus , menbratimque divide- 
bantur, igneque decocti vorabantur. Multi quoque de loco ad locum 
famem fugiendo pergentes hospiciis recepti, noctuque iugulati, quibus 
suscepti sunt in cibum fuerunt. Plerique vero pomo ostenso vel ovo 
pueris, ad remota circumventus trucidatosque devoraverunt. Corpora 
defunctorum in locis plurimis ab humo evulsa, nihilominus fami sub- 
venerunt. Que denique rabiei insanies in tantum excrevit ut tutius 
moraretur solitarium absque raptore genus pecudum quam hominum. 
Nam veluti jam in usum devenire deberet carnes humanas comedi, 
quidam decoctas detulit venundandas in forum Trenorchii, ac si fuis- 
sent alicuius pecudis. Qui deprehensus, crimen flagitii non negavit, 
deinde, artatus loris, igne crematus est. Camem autem illam humo 
absconsam alter effodiens , noctu comedit pari modo et ille igne 
combustus est. Im Walde auf dem Wege zu einer Kirche lauerte ein 



1) Das Erscheinen grofser Scharen von Flüchtlingen in Lüttich um 
diese Zeit, scheint mit der Hungersnot in Verbindung zu stehen, vgl. 
Anselmi g. episc. Leod. c. 37. S. S. VII, 209 u. 210; Rupert! chr. S. 
Laurent. Leod. S. S. VIII, 274, 40 und Reineri v. Reginardi c. 16. S. S. 
XX, 577, 14. 



Chronik der elementaren Ereignisse. 113 

Mann den Wanderern auf, ermordete sie und verzehrte die Körper; hei 
ihm wurden später die Köpfe von 48 Menschen gefunden. Tunc etiam 
perteniptatum est in eisdem partibus, quod nusquam comperimus quem- 
piam fecisse. Effodiebant enim plerique albam humum ar- 
gille similem, permiscentes quantum erat farine vel cantabro , 
exinde panes conficiebant, ut vel sie inedie mortis succurerent; 
in hoc conficiendo spes tantum erat evadendi, sed profectus inanis. 
Tenebat igitur pallor et macilentia ora cunctorum, cutisque distensa 
inflatione in plurioribus apparebat; ipseque voces humane, perexiles 
effecte, garritus morientium avium imitabantur. Tunc nichilominus e 
cadaveribus mortuorum, passim pre multitudine sepultura carentibus, 
lupi adescati post longum tempus predam cepere ex hominibus. Et 
quoniam, ut diximus, sepeliri singulatim ob multitudinem non quiebant, 
constructa in quibusdam locis a Daum timentibus que vulgo dicuntur 
carnaria, in quibus quingenti, et eo amplius, seu quantum capere pote- 
rant, permixtim absque ordine projecta sunt seminuda vel absque teg- 
minibus defunctorum corpora; trivia quoque et agrorum suesiciva pro 
cimiteriis habebantur. Si qui vero auditu compererant quod melius 
haberent, si ad alia transirent arva, perplures in itinere deficientes 
moriebantur. Desevit enim in orbe terrarum, peccatis hominum exigen- 
tibus, predicte pestilentie clades in spacium trium annorum. Tunc in 
expensis egenorum distracta sunt ecclesiarum ornamenta, 
disperditique thesauri, qui ob hoc in decretis patrum inveniuntur ibidem 
primitus fuisse repositos. sed quantum supererat vindicte iuste ultionis, 
excessit nimietas egenorum in plerisque locis thesauros ecclesiarum. 
Nam et ipsi famelici nimia aifecti inedia, si contigisset eos repleri cibo, 
distenti inflatione protinus moriebantur Alii autem cibos manibus 
contrectantes , ori tempt^tes imponere sed conquiniscendo deficiebant, 
non valentes explere quod cupiebant. || Hugonis Flaviac. chk. lib. II, 
c. 27. S. S. VIII, 399, 45. Schilderung der Hungersnot nach Bodulf. 
Glaher lib. IV, c. 4. Miserum erat et dolendum, videre ora macentia 
ieiunio, hos ad terram ruere non eis suffragante cibi solatio, istos mo- 
rientes aspicere, alios dum eis funus exiberent pariter commori et super 
ipsos occumbere, plures numero insepultos iacere, quia non erat qui 
sepeliret. Sequuta est et alia pestis, quia e cadaveribus mortuorum 
pre nimia multitudine sepultura carentium lupi adescati, coepere prae- 
dam ex hominibus. Tunc carnaria facta sunt a Deum timentibus, in 
quibus patrem filius, fratrem frater, et mater filium dum deficientes 
aspiceret, protrahebat; et aliquando ipse dum desperabat de vita, super- 
addebatur, ita ut gratissimum id esset officium funeris, si spirans ali- 
quis illo a quovis proiceretur. Quamobrem in expensis egenorum aec- 
clesiarum ornamenta distracta sunt, dispertitique thesauri. Aurum enim, 
ait moralis doctor Ambrosius, aecclesia habet non ut servet, sed ut 
eroget. Quis autem eo tempore reconderet, cum reconditis, si fames 
saltim quinquennio durasset, nullus esset qui frueretur? Sed nee Om- 
nibus subveniebatur, quia voluntati posse non suffragabatur. Hac ergo 
tempestate civitatum Gallieanarum praesules consilium, quo 
tanta mali moles levaretur, ineuntes, hoc tandem adinvenerunt, 
ut quia deficientibus iam ex toto alimentis omnibus opitulari nequibant, 
ne terra habitatore destituta in solitudinem redigeretur, aliquos quos esse 
vegetiores constaret, dato pro posse numero cotidiano qualicumque cibo 
sustentarent : non ut aliis solaeia quae poterant subtraherentur, set ut 
istos sustentatos terrae cultores reservarent, et aUis misericordiae viscera 
non negarentur. Det illis Deus invenire misericordiam , qui in tanta 
angustia miseiicordiam necessitatem patientibus impenderunt; et pareat 
eis, qui cum possent, voluntati indigentium, non ut debuissent et po- 
tuissent, consuluerunt. Inter has angustias venerabüis abbas Richardus 

Leipziger Studien yi. 1 : Curschmann, HimgerBnöte. 8 



114 Chronik der elementaren Ereignisse. 

mente conpunctus, cum omnia quae habebat pauperibus contu- 
lisset, non pepercit thesauris aecclesiae, immo quae in eis 
preciosiora erant in ornamentis et pallis vendidit Remensi 
aecclesiae, et precium eorum pauperibus distribuit, retento quoque 
sibi certo numero eorum quibus cotidianum victum ut vivere possent 
inpertiebatur, mittens praeter haec litteras et nuncios, et per se etiam 
commonens reges et principes, pontifices quoque quibus familiaritate 
iungebatur, ut thesauros, quos tinea et erugo demolitur, per manus 
pauperum caelestibus palatiis, inderent, et ventres egenorum gazofilatia 
aetemiatis sibi constituerent. Accepit etiam pecuniam non parvam a 
comite Rutenensi, concessa loco vadii abbatia sancti Amantii, quae erat 
iuris aecclesiae sancti Petri, quam omnino pauperibus partitus est. — 
— — Nee debet reticeri Willelmi Supra regulae factum memo- 
rabile. Cum a Fructuariensi coenobio, quod iuris erat Divionensis 
aecclesiae, redisset, et Divioni, ut decebat, susceptus in capitulo qua- 
liter se fratres haberent, si necessaria non deessent inquireret, ut audivit, 
omnia esse plena, nulbimque locum indigentiae qui non posset levi 
obice obstrui, interrogat de elemosina, cognovitque, quia etsi consuetu- 
dinaria dabatur, non tarnen pauperibus prout poterant et habebant 
suffragabantur, zelo succensus eo qui carnes sanctorum exedit, increpata 
eorum duricia, a sede concitus cum bona indignati animi stomachatione 
surrexit, et imposita antiphona de mandato: Ubi est Caritas? non ultra 
progrediens, sed hoc eins inicium semper repetens, ad cellarium venit, 
et missile quodlibet, quod manibus Finees alterius occurrit, arripiens, 
cum in ore et animo eius semper versaretur: Ubi est Caritas? vasa, in 
quibus frumentum, ordeum et vinum servabatur, disrupit, 

et accitis pauperibus vascula eorum inplevit, 

yO 1033. Raoül Glaj/er lib. IV, c. 5 ^d. M. Prou. 103. Anno 

a passione Domini millesimo, memorate cladis penurias subsequente, 
sedatis nimborum imbribus, respectu divine bonitatis et 
misericordie, cepit leta facies celi clarescere, congruisque 
ethereis flare placidaque serenitate magnanimitatem Conditoris osten- 
dere; telluris quoque tota superficies amicabiliter virens frugum habun- 
dantiam funditus inopiam expellendo portendere. In ganz Frankreich 
finden Versammlungen statt, auf denen der Gottesfrieden verkündet wird. 
105. Eodem denique anno tanta copia abundantie frumenti et vini, 
ceterarumque frugum extitit, quanta in subsequente quinquennio con- 
tigisse spirari non potuit. Aliquis enim victus humanus, preter carnes 
seu deliciosa pulmentaria, nullius erat precii: erat autem instar illius 
antiqui Mosaici magni jubelei. Sequenti vero anno tercio, et quarto 
non minus provenit. 

1035. Lokale Hungersnot im Moselgebiet^) {Miracul. S. Symeonis, 
Gest. Trev. cont. I). Miracula S. Symeonis S. S. VIII, 210, 40. Tunc 



1) Es erscheint am natürlichsten, das Jahr 1035 als__das Notjahr 
anzunehmen. In den miracula S. Symeonis folgt auf die Überschwem- 
mung sofort S. Tod (1. Juni 1035). Die Gest. Trev. deuten durch die 

einleitenden Worte: „illo tempore cum adhuc Symeon vitales 

carperet auras" ebenfalls an, dafs die Ereignisse zeitlich kurz vor S. 
Tode liegen müssen. Immerhin ist es möglich, dafs die Hungersnot 
einige Jahre früher stattfand. Ein Zusammenhang mit der französischen 
Hungersnot von 1031 — 1032 ist aber nicht anzunehmen, da die Hungersnot 
durch die Überschwemmung der Mosel, also durch ein Ereignis von 
nur local beschränkter Wirksamkeit hervorgerufen wurde, eine That- 
sache, die die Gest. Trev. durch die Worte „fames in omni terra ista" 
bestätigen. 



Chronik der elementaren Ereignisse. 115 

siquidem temporis, peccatis nostris promerentibus, nimia aquarum in- 
undatio increvit saeculis. Causa periculi huius Symeon imputabatur 
ab Omnibus, hunc maleficum esse, pro suis sceleribus hoc malum mundo 
imminere; — — — || Gesta Teeveroeum cont. I. S. S. VHI, 188, 11. 
Fuit autem fames valida in omni terra ista, ita ut multi more- 
rentur inedia; hiemalium pluviarum enim inundantia, sed et 
fluminis secus civitatem decurrentis verno tempore inaesti- 
mabilis superhabundantia diutina stacione et nimia sui li- 
mositate omnes fere segetes absorbuerat. Cuius causam mali 
insipiens vulgus Simeoni, sicut in vita ipsius legitur, imputabat. Tunc 
episcopus multam egentibus exhibebat humanitatem illud saepius ante 
mentis suae occulos ducens, quod dicit sermo divinus: „Qui viderit 
fratrem suum necessitatem patientem et clauserit viscera sua ab eo, 
karitas Dei non manet in eo. Etenim die quadam in albis paschalibus 
cum ad unam ecclesiarum in civitate consistentium , divinum celebra- 
turus officium, equo nobili vectus incederet, obviam habuit in campo 
pauperum multitudinem copiosam, qui deprecabantur eum, ut solita 
miseratione aliquid ipsis inpenderet vitae subsidium. Qui accito mox 
ad se cubiculario suo, iussit exhiberi sibi festinato thesauri non modi- 
cam quantitatem ad dispertiendum illis. Omnibus ergo qui secum erant 
eum inpellentibus et dicentibus, ut primum cuius gratia venerat adim- 
pleret indeque revertens expeditius quantam voluisset pauperibus miseri- 
cordiam inpenderet, ipse respondit: „Nolite karissimi hoc persuadere 
mihi, quia sicut illud, ita et hoc Deo est obsequium. Nempe sie oracio 
nostra apud maiestatem Dei acceptior erit, si, antequam eo veniamus, 
karitas ista praecesserit. Credo nimirum et secui'us sum, quod sine 
ambiguitate sacrifieium nostrum divinis conspectibus praesentabitur , si 
tantae multitudinis fusa prece commendetur." Interea cubicularius 
postulatum obtulit censum, quem acceptum ut coepit in pauperes ex- 
pendere, una omnes coeperunt voce clamare, nummis sibi opus non 
esse; de nummo enim aut nihil aut parum quisque sibi valentis com- 
parare posse, quia, sicut ipse nosset, modius unus frumenti appen- 
deretur solidis 25. Quibus ille respondit, aliud quid sibi prae manibus 
non esse, quo potuisset illorum necessitatibus communicare. Quo contra 
illi: „Si", inquiunt, „ad praesens aliud quid dare nobis non habes, da 
saltem de pinguibus equis tuis, ut vel ad modicum compescatur esuries 
nostra edulio camis." At ille, licet invitus, recordatus tarnen verbi 
illius, quod vulgo in proverbium vertitur: „Carum quisque dabit, qui 
cara recipere quaerit, primum dedit suum, deinde aliorum non equidem 
omnium, sed eorum tantum quos ad hoc pietatis opus sua potuit ex- 
hortatione instigare; et laniatiatque devorati sunt inmomento coram eo.ij 
Ann. Alth. M. G. S. S. kl. Ausg. 20. Inaudita mortalitas anima- 
lium et defectio apium omnem Baioariam multum afflixit. 

1036. Ann. Cokb. Iaffe Bibl. I, 38 mortalitas in nostro monasterio 
facta. II Ann. Alth. M. G. S. S. kl. Ausg. 20. Hiems acerba et nimis 
longa, in qua etiam multitudo arborum arefacta est, et in quibusdam 
locis exinanicio frugum. 

1038. Hungersnot in Baiern. Ann. Alth. M. G. S. S. kl. Ausg. 23. 
Maxima defectio frugum per totum contigit Teutonicum regnum, 
ita ut in plerisque locis homines fame deficerent et multae villae 
fugientibus colonis vacuae starent. || Ann. August. S. S. III, 125, 44. 
Imperr.tore de Ultraromanis partibus redeunte, pestilentia exerci- 
tum invasit, in qua Heinrici regis uxor cum multis periit. 

1039. Ann. Axth. M. G. S. S. kl. Ausg. 23. Aestas calore vali- 
dissima et maxima fuit frugum abundantia. 

1040. Ann. Magdeburg. S. S. XVI, 172, 12. Eodem tempore aquae 
longe lateque inundavere, unde multi per diversa loca interiere. || Ann. 

8* 



116 Chronik der elementaren Ereignisse. 

Alth. M. Gr. S. S. kl. Ausg. 23. Tunc etiam vini exiguum et factum 
est acerrimum. || Ann. Ottenbuk S. S. V, 6, 10. Aquae inundantes multos 
extinquunt. 

1041. Ann. Alth. M. Gr. S. S. kl. Ausg. 28. Eodem anno in orien- 
tali Francia ventus validissimus magna dedit damna, adeo ut iuxta 
Montem Pavonis silvae magnam partem prostraverit, innumera aedificia 
subruerit. Caritas et penuria frugum maxima per totum Franciae 
regnum. Hoc etiam anno Isac fluvius iuxta Pozan nimium inundans 
miserandam stragem dedit, terram vinearum funditus usque ad saxa 
proluit et aliis iuxta iacentibus eandem ingressit et plerasque taliter 
inutiles reddidit, ex utraque parte alvei aedificiorum iumentorum et 
agrorum maximam cladem fecit. 

1042. Ann. Blandinienses S. S. V, 26, 14. Hoc anno facta est 
magna inundatio maris 4. Nonas Novemb. (2. Nov.). || Ann. Laubienses 
S. S. IV, 19, 33. Aestas pluvialis. || Hugonis Flaviacensis che. S. S. 
Vrn, 403, 42. Sequuuta est e yestigio mortalitas hominum prae- 
maxima a. ab ine. Dom. 1042. Multi autem eorum qui torquebantur 
ab igne, venientes ad virum Dei, meritis eins et precibus curabantur 
medica virtute Dei. || Ann. Colbazienses S. S. XIX, 714, 21. Mortalitas 
magna hominum. 

1043. Das erste Jahr einer allgemeinen Hungersnot ; die Not macht 
sich zuerst in Belgien (Ann. Laub., Anselm. gest. episc. Leod.) und 
Böhmen (Cosmas) bemerkbar, doch wird auch aus Schwaben über un- 
günstige Witterung und Mifsernte berichtet (Chr. Suevic. u/nivers., Ann. 
Sangall. maior.). Ann. Laub. S. S. IV, 19, 34. Farnes exorta, et gelu 
magnum a Calendis Decembris (1043) usque Calendas Martii (1044). || 
Anselmi gesta episc. Leod. c. 53. S. S. VII, 221, 0. Statim primo episco- 
patus sui anno^) omni peste crudelior fames incubuit, quae sex fere 
continuis annisGalliae et Germaniae populumnoscitur oppressisse, 
cuius feda ubivis fas est adhuc cernere vestigia. Eademque tempestate 
prudentia nostri Joseph undique frumenta coemere et tutis apo- 
thecis recondere curabat, non quia inde terrena sectari lucra que- 
reret, sed ut gratis ad sufficientiam suo tempore esurienti familiae 
Domini cybos fidelis dispensator distribueret. Praeter stipendia paupe- 
rum, pro quibus cottidie libra denariorum expendebatur cum aliis adeo 
multis quae enumerare non sufficio, verecundioribus prae pudore a 
mendicitate abstinentibus , prout quisque erat, alii denos alii vigenos, 
aliis trigenos, alii sexagenos, alii centenos annonae modios, per occultos 
huius rei opifices destinare curabat. Sed nee ingenuorum rem privatam 
hac dira necessitate extenuatam excellentis viri longa praeterit munifi- 
centia, qua annitente et summopere iuvante, pro alimentis amplae domus 
aurum sponsale, vestes, praedia distrahere opus non fuit. Quid dicam 
de congregationibus clericorum, monachorum et sanctimonialium, erga 
quarum necessitates tanta boni pastoris vigilabat sollertia, ut quae prae 
anxietate famis et statuto victu deessent, de suo libentissime suppedi- 
taret? Nihilominus pii patris industria ruricolarum laboriosam respicit 
inopiam; ad cuius malum temperandum toto hoc famis tempore uni- 
cuique mansionario per singulas ebdomadas binos dari con- 
stituit denarios, ne prae instante angustia boves vendere 
aut de caetero terram inaratam relinquere cogerentur, sicque 
erumnosam vitam aut mendicando ducere, aut mortem omni gladio 
seviorem cum omni domo miserabiliter incurrere. || Cosmae che. Boemokum 



1) Wazo wird Bischof im Herbste 1042 (sein Vorgänger Nithard f 
16. Aug. 1042). Da die belgischen Quellen im Jahre 1042 noch nichts 
von einer Hungersnot wissen, so wird man mit Ann. Laub, den Beginn 
der Notperiode 1043 ansetzen können. 



Chronik der elementaren Ereignisse. 117 

S. S. IX, 75, 10. Tanta fames fuit in Boemia, ut tercia pars populi 
interiret fame. || Chk. süev. univeks. S. S. XIII, 72, 2. Totum tempus 
aestivum in tempestates pluviasque hiemales pene conversum magnam 
frugum et vindemiarum penuriam eflfecit. *) || Ann. Sangall. maior. 
S. S. I, 84. Notabilis annus nimia ymbrium superfluitate et fructuum 
terrae paucitate. 

1044. Grofse allgemeine Hungersnot in Frankreich, Italien (s. Stein- 
dorff I, 197) und im -ganzen Westen Deutschlands. Nachrichten sind 
erhalten aus Belgien (Ann. Leod., Ann. Laub., Gest. abb. Gembl.), vom 
Mittelrhein (Ann. Alth. a. 1045), aus Speier (Amarcius) und aus Schwaben 
(Ann. Sangall., Bernold, Herim. Aug.). Raoul Glaser ed. M. Pboü. 130. 
Tunc inter ceteras rerum inopias vini tanta raritas extitit, ut viginti 
quattuor solidorum precium unius modii. || Ann. Leod. S. S. 
IV, 19, 40. Fames valida. *) || Ann. Laubienses S. S. IV, 19, 40. Fames 
pervalida. |1 Gesta abb. Gemblac. auc. Sigeb. c. 40. S. S. VIII, 539, 50. 
Quid autem dicam, eo tempore quo nimia annonae Caritas totam 
profligavit Galliam*), quam sibi (Olbert) ä Deo in faciendis ele- 
mosinis cumulavit gratiam, quam apud homines inaucta ecclesiastica 
re sibi adquisivit gloriam? Quasi enim alter Joseph praescientiae tactus 
gratia, frugum ubertate superioribus annis sua repleverat 
horrea, de quibus pauperum suorum in tempore relevare penuriam 
parabat Dei praevidentia. Et cum multi alii ducti avaritiae spiritu 
aliorum penuriam ad suam verterent commodum, dum posthabita miseri- 
cordia pauperum, sua aut servant tenatius aut vendunt carius, hie nee 
sua sibi serrare per tenatiam nee aliis vendere voluit per avaritiam; 
sed ipsius Dei creditor efiFectus, coepit esse laudabilis usurarius. — — 
Praeter illos enim qui singulis horis euntes et redeuntes de eins parti- 
cipabant benedictione, non paucos domesticos aeeclesiae ut dignum erat 
sustentabat de penu matris aeeclesiae, constituta eis sine dilatione 
diumi viatici stipe. Et hoc in eo poterat esse miraculo omnibus, quod 
cum esset in elemosinarum largitate tarn profusus, in relevanda aliarum 
congregationum inopia tam pateme prodigus, in vicinis suis etiam 
nobilibus in tali temporis articulo consolandis tam liberali oportunitate 
paratus, cum etiam suos, sciHcet aeeclesiae homines, sua compassione 
iuvaret laxando oportune solitos terrae reditus, gregem Christi in soli- 
tudine claustrali divinae servituti vacantem nunquam habuit immiseri- 
cordius, sed sufficientia proveniente sibi coelitus, toto humanitatis affectu 
serviebat Deo servientibus. || Ann. Cobb. Iaffe Bibl. I, 39. Vindemia hoc 
anno periit; sed et mel similiter carum fuit. || Amarcius aus d. Abschnitt 

DE SOBRIETATE ET ELEMOSTNIS FACIENDIS. BÜDINGEE, AlTESTE DeNKHALE 

DER Züricher Litteratür S. 31. 

Sed male jejunat quinil largitur egenti; 
Tertius Heinricus, Romanae sceptriger arcis, 
„Frange tuum panem, deus hoc iubet, esurienti 
Et nudos operi" mira est pietate secutus, 
Intendens placare deum et praecidere culpas, 



1) Der Schlufs der Notiz findet sich wörtlich auch bei Herim. Aug., 
beide Quellen schöpfen aus den verlorenen schwäbischen Reichsannalen. 

2) Sigebert übernimmt die Nachricht und setzt hinzu Galliam et 
Germaniam profligat. 

3) In den Gesta ist kein bestimmtes Jahr angegeben; es kann aber 
nur die Hungersnot von 1044 gemeint sein. Es ist die einzige bedeu- 
tende Hungersnot in Belgien während der Regierungszeit des Abtes Olbert 
(1012 — 1048), und auch in seiner Chronik erwähnt Sigibert in diesem 
Jahre eine Hungersnot. 



Wg Chronik der elementaren Ereignisse. 

Tempore quo multis spoliavit civibus orbem 

Importuna fames et mille cadavera stravit. 

Nonnullosque malis marcentibus ipse paterno 

(Sintagma egregium) recreavit more pusillos; 

Praeterea innumeros nummis aluisse diurnis 

Dicitur ille, niger donec discesserit annus. 
Ann. Sangall. maiok. S. S. I, 85. Fames valida. || Beknoldi chk. 
S. S. V, 425, 40. Magna vis famis homines immunda animalia come- 
dere coegit. || Herim. Aug. che. S. S. V, 124, 33. Maxima pestispecu- 
dum, et hiems satis dura et nivosa magnam vinearum partem frigore 
perdidit, et frugum sterilitas famem non modicam effecit. 

1045. Die Hungersnot scheint auch noch in diesem Jahre fort- 
zudauern; je eine Nachricht ist aus Westfalen (Ann. Corb.) und vom 
Mittelrhein erhalten (Ann. Alth..) Ann. Cokb. Jaff:^ Bibl. I, 39. Fames 
magna, ita ut multi perirent. || Ann. Alth. M. G. S. S. kl. Ausg. 39. 
Id ipsum quoque reliquis ^) Deo iuvante fecisset, si non fame populi 
prohibitus fuisset, quae tam valida erat per totum regnum eiusdem anni 
temporibus, ut grandes vici plerique vacui remanerent, pereuntibus habi- 
tatoribus. |1 Hugonis Floeiacensis che. S. S. VIII, 404, 5. Etenim supe- 
rioribus annis quando lues illa, de qua inpraesentiarum mentionem 
fecimus, populum vastavit, cum dilaberetnr populus, et civitas Virdu- 
nensis pene redigeretur in heremum, commune periculum communi ora- 
tione toUi consultum est. — — 

1046. LoJcale Hungersnot, durch eine Nachricht aus Augsburg be- 
legt (V. üdalrici.). Ann. Coeb. Jaffe Bibl. I, 39. Nix nimia. Frigus 
nimium. Tempestas maxima. || Herim. Aug. che. S. S. V, 125, 36. Magna 
mortalitas multos passim extinxit. |1 Vita S. Üdalrici peioris Cel- 
LENsis c. 7. S. S. Xn, 255, 27. Quodam etiam tempore^), cum acerrimae 
famis incumbent-e periculo multarum habitatores regionum gravis- 
sime premerentur, augusto Longobardiam indeque Italiam hoc comite 
proficiscente , fratres ipsius, communibus rebus pro relevanda penuria 
distractis, non modice tribulabantur. Quo cognito, vix post multas 
preces, impetrata ab imperatore licentia, festinanter redit, et praediis 
suis in pignore positis, non solum sui gregis, sed et aliorum necessitates 
promte animo relevavit. 

1047. SiGEBEET. CHR. S. S. VI, 359, 3. Mx tanta in occidente ce- 
cidit, ut Silvas frangeret. 

1048. Ann. Althah. M. G. S. S. kl. Ausg. 44. Modicum vini. 
Plaga crudelis in homines grassata; mures enim consumpsere fruges 
terrae. Terrae motus IIII. Id. Octobris (12. Okt.). 

1050. Ann. Brunvilarenses S. S. XVI, 725,'[15. Hoc anno ventus 
gravissimus fuit 5. Kai. Februarias (28. Jan.). 

1052. Ann. Alth. M. G. S. S. kl. Ausg. 48. Non modica penuria 
frugum, vini modicum et acerrimum. 

1053. Bedeutender Notstand in Süddeutschland, besonders in Baiern 
(Ann. Alth.). Ann. Alth. M. G. S. S. kl. Ausg. 49. Vini frugum 
maxima penuria in tota pene grassabatur Baioaria. Quapropter co- 



1) sc. urbibus, d. h. der Kaiser hätte, wie Böckelheim, so auch 
noch andere Burgen und Städte erobert. Böckelheim wurde kurz nach 
Weihnachten 1044 erobert. 

2) Heinrich IE. war vom September 1046 bis Mai 1047 in Italien. 
Udalrichs Anwesenheit am 25. Oktober 1046 auf der Synode von Pavia 
ist bezeugt (Mansi XIX, 617—618). Die Hungersnot mufs also Ende 
1046 oder Anfang 1047 angesetzt werden. 



Chronik der elementaren Ereignisse. 119 

lono fugiente plurimi vici deserti remansere. || Hebim. Aug. chb. 
S. S. V, 133, 3. Et hoc et superiore anno frugum penuria facta est 
non modica. 

1054. Ann. Alth. M. G. S. S. kl. Ausg. 50. Improvisus ergo in- 
greditur provinciam, maximam frugum pecorumque inveniens ab- 
undantiam. 

1055. Beginn einer loJcaJen Hungersnot in Franken (Chr. Wirzi- 
burg., hieraus entlehnt in den Ann. Wirziburg. und Ann. Hildesh.). Ann. 
S. CoLUMBAE Senonenses S. S. I, 106. Anuo ab incamatione Domini 

1055 intrantibus Kalendis Augusti (1. Aag ) mensis tempestas valida 

Ita ut vastaret omnia sata et segetes et vineta et ne- 

mora per plurima loca, ut interficeret homines et iumenta. || Chk. Wmzi- 
BUKG. S. S. VI, 31, 24. Farnes magna fuit. 

1056. Hungersnot in Franken (Chr. Wirzibv/rg.. daraus entlehnt 
Ann. Wirziburg., Ann. Hildesh. u. Berthold.), mehr läfst sich trotz des 
allgemeinen Ausdruckes aus der einen Quellenstelle nicht folgern. Chk. 
Werzibubg. S. S. vi, 31, 35. Fames multas provincias afflixit. 
Egestas et penuria undique praevaluit. Multa mala tunc temporis facta 
sunt. Heiuricus imperator his doloribus cordetenus con- 
punctus, infinnari coepit, et perduetus usque ad mortem ; sapienti tarnen 
usus consilio, ab omnibus quibus potuit veniam petens, qui- 
busdam praedia quae abstulit restituens, cunctis qui contra 
eum culpas damnabiles fecerunt relaxans filium suum Heinri- 
cum — — regem constituit. || Reineki libell. de adventu beliquiabom 
BEATi Laübentii S. S. XX, 581, 30. Erat ipso in tempore tanta pluvia- 
rum inundatio tamque vaUda imbrium effusio, ut paene alterum 
diluvium crederemus — — — Post exceptionem sanctarum reliqui- 
arum — — sol, qui fuerat in nubilo pene per unum mensem, ita hora 
eadem radiorum suorum lucem profudit, — — Nee fortuita fuit illa 
serenitas, sed continua et perseverans, omni mundo spem reddidit et 
salutem. 

1057. Chk. Hekim. cont. auct. Bebtholdo S. S. Xm, 731, 19. 
7. Kalendas Maias (25. April) immensitas nivis et pruinae magnam 
partem ^inearum perdidit. — 23. Hoc aimo lapides mirae magnitudinis, 
mixti grandine, de coelo ceciderunt, et nonnulli hominum fulmine per- 
ierunt. 

1059. Chb. Hekim. cont. auct. Bertholdo S. S. Xm, 731, 32. Hoc 
anno magna mortalitas hominum et pestis pecorum facta est. [j Ann. 
Althah. M. G. S. S. kl. Ausg. 55. Hoc anno frumenti et vini satis 
abundans copia in Baioaria fuit, sed gravis pestilentia homi- 
num animaliumque per totam provinciam grassabatur. || Lampekti 
ANN. M. G. S. S. kl. Ausg. 77. Ubi et sinodus indicta fuerat; sed ex- 
cusantibus se episcopis per infirmitatem et pestilentiam, quae tunc 
temporis vehementer grassabatur in Gallia, ad effectum non pervenit. 

1060. In diesem und dem folgenden Jahre eine Hungeisnot, wie es 
scheint über ganz Süddeutschland verbreitet. Eine Nachricht au^ Augs- 
burg {Ann. August.) und eine aus Österreich {Auct. Zwetl.), die auf das 
Ende dieses Jahres oder den Anfang des folgenden bezogen werden mufs, 
sind erhalten. Hebimani cont. Bebtholdo S. S. XHI, 731, 43. Hoc anno, 
sicut in priori, mortalitas multos extinxit, hyems satis dura et nivosa 
et plus solito prolixa frumenti vinique maximum attulit dam- 
num. II Ann. August. S. S. HI, 127, 30. Fames et mortalitas magna. || 
Ann. Alth. M. G. S. S. kl. Ausg. 55. Hiems tarn acerba per Teuto- 
nicum regnum habebatur, ut immensitate ac diutumitate nivis ac fri- 
goris multi mortales hac luce privarentur. Mox secuta est aquarum talis 
effusio, qualis vix aut nunquam fertur in illo regno provenisse. jj Auct. 



120 Chronik der elementaren Ereignisse. 

ZwETLiENSE S. S. IX, 539, 41. Farnes valida Ba-wariam, Aleman- 
niam, Franciam, Thoringiam, orientalem Saxoniam occupat.^) 

1061. Die Hungersnot in Süddeutschland dauert foii (BerthoM.). 
Chb. Hekimani cont. auct. Bertholdo S. S. Xni, 731, 49. Magna fames 
multos consumpsit. 

1062. Drittes Jahr der Hungersnot in Süddeutschland (Bernold), 
doch nicht ganz sicher, da Berthold ^ der den Ereignissen naher steht, 
nichts von einer Hungersnot weifs. Beknoldi chr. S. S. V, 428, 13. His tem- 
poribus fames magna fuit. || Chr. Herimämmi cont. auct. Bertholdo M. G. 
S. S. XIII, 732, 9. 6. Idus Febr. (8. Febr.) terrae motus, fulgura et toni- 
trua facta sunt; pestilentia et mortalitas subsecuta multos extinxit. 

1063. Chr. Herim. cont. auct. Bertholdo S. S. XIII, 732, 17. Tem- 
pore veris, medio mense Aprilis, per quatuor dies hyems saeva, 
ventosa et nivosa aves et pecora frigore extinxit, arborum et vinearum 
maximam quoque partem perdidit. 

1067. Ann. S. Dionysii Rem. S. S. XIII, 83, 11. Facta est hiems 
horrida a festo sancti Briccii (13. Nov.) usque ad festum sancti Gregorii 
(12. März). 

Zwischen 1066 und. 1072 eine Hungersnot in Bremen, etwas näheres 
läfst sich nicht bestimmen' (Adam). Adami gesta Hamaburg. eccl. pon- 
TiF. lib. in, c. 56. M. G. S. S. kl. Ausg. 137. Hoc solum fas est pace 
omnium dici fratrum, quia toto septennio*), quo supervixit archiepis- 
copus, ex illo famoso et opulento Bremensis ecclesiae hospitali nulla 
prorsus data est elemosina. Quod ex eo miserabile et inhumanum vide- 
tur, quoniam ettempus incubuit famis, et multi pauperes in plateis 
ubique reperti sunt mortui. 

1068. Ann. Weissenbg. S. S. III, 71, 35 (= Ann. Laub. cont.). 
Aquae inundaverunt. Magna et ante inaudita sterilitas vini et pomi 
facta est. || Berthol. ann. S. S. Y, 274, 9 (== Bernold.). Totus ille annus 
pluvialis. II Ann. Augustani S. S. III, 128, 25. Inundatio pluviarum. 

1069. LoTcale Hungersnot, nur durch eine Nachricht aus Augsburg 
belegt (Ann. August.). Ann. Weissenburg. S. S. III, 71, 36 (= Ann. 
Laub. cont.). Hyemps magna et aspera. || Lamp. ann. M. G. S. S. kl. 
Ausg. 111. Maxima eo anno vinearum omniumque silvestrium arborum 
sterilitas fuit. || Ann. Augustani S. S. III, 128, 29. Fames valida. 

1070. Berthold. ann. S. S. V. 275, 11. Hiemps ventosa et plu- 
vialis. II Lamp. ann. M. G. S. S. kl. Ausg. 118. Silvestrium arborum 
eadem quae priore anno sterilitas permansit. Sed vinearum tanta 
fertilitas fuit, ut plerisque in locis pre multitudine vix colligi vin- 
demia posset. 

1071. Ann. Formoselenses S. S. V, 36, 8. Gelu magnum. 

1074. Lamp. ann. M. G. S. S. kl. Ausg. 176. Frigus erat vali- 
dissimum, et hiberna siccitate arebant omnia, in tantum ut flumina 
non superficietenus glacie constricta, sed tota preter solitum in glaciem 

conversa viderentur. || Ann. YntnaGEN. Forst Osnabr. G. Q- Ii 181. 

Hiemps durissima. 



1) Die Bestimmtheit, mit der das Ausdehnungsgebiet der Hungers- 
not umschrieben wird, mufs einiges Mifstrauen erregen; es läfst sich mit 
Sicherheit nur annehmen, dafs die Hungersnot weite Strecken in Süd- 
deutschland ergriffen hatte. Die Datierung 1054 im Auct. ist falsch, 
wie überhaupt die Chronologie des Auct. ziemlich unsicher ist. Nach 
dem, was sonst in demselben Abschnitte berichtet wird, mufs die Hungers- 
not in das Jahr 1060 oder 1061 gesetzt werden; vgl. Meyer von Knonau, 
Heinrich IV., I, 193 ff. 

2) "Von Adalberts Verbannung vom Hofe 1066 bis zu seinem 
Tode 1072. 



Chronik der elementaren Ereignisse. 121 

1076 — 1077. Ein auffallend langer tmd harter Winter, nach dem 
übereinstimmenden Bericht zahlreicher Quellen anhaltender Frost von An- 
fang November bis März. Besondere tcirtschaftliche Schädigungen scheint 
aber der Winter nicht gebracht zu haben. Von einer Mifsernte hören 
wir mir in Ostfrankreich (Ann. S. Columb. Sen.J, Belgien (Ann. Elnon. 
Vita Theod. abb. Andag.) und Augsburg (Ann. August). Von einer 
lokalen Hungersnot wird in Schwaben berichtet, dabei aber als Grund 
ausdrücklich Veitoüstungen des Landes durch den Krieg angegeben. Ann. 
Remen. et Col. S. S. XVI, 732, 15. Hoc anno facta est hiemps liorrida 
a festo sancti Briccii (13. Nov.) usque ad festum sancti Gregorü 
(12. März). II Ann. S. Columbae Senonensis S. S. I, 106. Facta est 
hiems magna et valida nimis, qualem nunquam se vidisse et audisse 
testantur etiam ipsi senes senio confecti. Sumpsit autem ipse hiems in 
Calendis Novembribus (1. Nov.), et nuUo modo cessavit, donec mediaretur 
Marcius. Defeccio autem tanta tritici facta est, ut vix quispiam 
hominum etiam semina terrae se recipere crederet. || Hugo. Flaviniac. che. 
LiB. n. S. S. Vlil, 414, 1. Et hoc anno fuit gelu magnum a. 7. Idus 
Decembris (7. Dec.) usque Idus Martii (15. März). || Vita Theodeb. abb. 
Andagin. c. 26. S. S. XU, 52, 25. Tunc post illam longissimam et 
asperrimam hiemem, qua Galliarum maximi fluvii Rodanus, Ligeris 
et Rhenus, et Germaniae Alba, Viscia et Danubius, in Italia etiam 
Tiberis et rex fluviorum Eridanus, gelu et frigore concreti, navibus 
invii, hominibus, equis, asinis et plaustris visi sunt similes terrae pervii, 
tanta longo sereno siccitas subsecuta erat, ut negatis nimia ariditate 
pecori pascuis, vitio aeris arentibus arvis et morientibus per omnes 
agros herbis, trepidarent late uno timore multarum regionum populi, 
timentes ne rediret illud grave saeculum, quando in servum venditio 

loseph a fratribus prae inopia famis in Aegyptum venientibus, 1| 

Ann. Mosomagenses S. S. III, 161, 53. Annus glatialis. || Ann. Elnonenses 
MAioK. S. S. V, 13, 37. Facta est hiems gravissima, incipiens Id. 
Nov. (13. Nov.) et durans usque ad Martium. Quam secuta est anno 
secundo siccitas maxima. || Ann. Leodiens. cont. S. S. IV, 29, 1 (= 
Ann. S. Jacobi Leod.). Gelu magnum a medio Novembre (1076) usque 
ad aequinoctium vemale. || Ann. Laubiens. cont. S. S. IV, 21, 13. Gelu 
permaximum a Calendis Novembris usque medium Martii. || Ann. 
Blandinienses S. S. V, 26, 42 (= Ann. Formosel.). Hiemps gravis. || Ann. 
Beojwilarenses S. S. XVI, 725, 28. Hie a Kalendis Novembris usque 
ad medium Martii hiemps continua et asperrima fuit, adeo ut 
Renus glacie concretus calcabilis meantibus extiterit. || Annl. Saxo S. S. 
VI, 711, 24 (= Ann. Yburg.). Hiems magna et nivosa ac nimis 
prolixa fuit. A. 6. Kai. Decembris (26. Nov. 1076) omnia flumina glacie 
constricta sunt usque 14. Kai. Aprilis (19. März). || Lamp. ann. M. G. S. S. 
kl. Ausg. 284. Vis atque inclementia hyemis hoc anno adeo iugis solitoque 
asperior inhorruerat, ut a festivitate sancti Martini (11. Nov.) Rhenus 
fluvius glaciali frigore constrictus pene usque ad Kalendas 
Aprilis (1077) pedestri itinere transmeabilis maueret, et plerisque in 
locis vineta, exsiccatis frigore radicibus, omnio arescerent. || Ann. Wikzi- 
BüKG. S. S. n, 245, 19. Hiemps magna et nivosa. || Ann. S. Michael. 

Babenbeeg. IaffiS Bibl. V, 552 hieme solito graviore, Ruodolfus 

subrogatur in regnum. || Beetholdi ann. S. S. V, 287, 7 u. 299, 1. Hoc 
coUoquio circa Kalendas Novembris (1. Nov. 1076) finito, ilico praeter 
solitum px-aegrandis nix terras undique opprimere inc^pit. — 299, 1. 
Undique igitur huiusmodi motus per provincias omnes ab utriusque 
partis sectatoribus promiscue, at in bellis solet, per totum annum illum 
agebantur. Unde fames non minima, et quia terra fructum suum 
non dederat, et quia praedictis violentiis raptores et 
latrones omnia consumpserant, per partes nostras effecta, multos 



122 Chronik der elementaren Ereignisse. 

contabescere et miserabiliter interire coegerat. Divinae pariter ut et 

seculares legum Constitution es nee nominabantur saltem his diebus || 

Bernoldi chk. S. S. V, 433, 24. Maxima nix totum regnum a 2. Ka- 
lend. Novemb. (31. Okt.) anni prioris (1076), usque in 7. Kalend. Aprilis 
(26. März) anni praesentis obtinuit. || Ann. Augüstani S. S. III, 129, 8. 
Hiemis continua asperitas, et nivium importunitas a Kalendis 
Novembris usque post Kalendas Aprilis, ita ut arbores arescerent; tanta 
deinde terrae frugum sterilitas, ut etiam semen deesset. 

1078. Ann. S. Columb. Sen. S. S. I, 106. Sequenti autem anno 
(1078) facta est tanta ariditas et siccitas terrae, ut prata et virentia 
quaeque arefierent. Ubertas autem frumenti et vini facta est; 
lunio mense colleccio frugum est facta. || Bald. Nraov. S. S. XXV, 524, 39. 
Hyems asperrima invaluit atque durissima a. Kai Novembris usque 
in letaniam maiorem*) (25. April). Cuius tanta vis erat, ut diebus 
natalis vel quadragesime divina in ecclesiis non fieraiftt, nisi plurimo 
igne accenso carbonibusque congestis, et quem calor ignis hinc coquendo 
exurebat, illinc frigus tollerare non poterat. Perieruntque bestie, volucres 
et gramina; et in pascha (24. März) qui sereno celo in sole estuabat, 
umbram intrans, frigore constringebatur. 

1079. Bertholdi ann. S. S. V, 323, 36. Aestas vero ipsius anni 
nimis pluviosa praeteribat, set tarnen non magnam frugum penu- 
riam intemperies talis effecerat. 

1080. Bertholdi ann. S. S. V, 325, 1. Hiemps vero autem, quae 
solito asperior tunc inhorruerat, — — 

1082. Lokale Hungersnot in Österreich nach der Schlacht hei 
Mailberg 12. Mai 1082. Die Ursache der Hungersnot ist die Verwüstu/ng 
des Landes durch die Feinde. Vita Axtmanni episc. Patavensis c. 25. 
S. S. Xn, 237, 1. Hac infelici strage patrata, magna fames est secuta, 
quaereliquias populi consumpsit, qui manus hostium vix evasit. Qua ne- 
cessitate compulsi, omnes Altmannum adeunt, alimoniae auxilium 
petunt. Quibus fidelis dispensator ex intimo corde compatiens, 
cunetam supellectilem episcopii sui usque ad ipsum lin- 
teamen vendidit, et indigentibus cuncta distribuit ; unde pater 
pauperum est dictus. In monte quoque Gotwicensi multa milia pau- 
perum pavit. 

1083. Annl. Saxo S. S. vi, 721, 13. Estas adeo fervida fuit, ut 
piscium copiosa multitudo in aquis periret. Magnus puerorum et senum 
interitus fuit morbo dissenterico.*) 

1085. HuGONis Flav. chr. S. S. VIII, 471, 4. Vigebat enim virtus 
caritatis in patre nostro abbate Divisionensi, quae tanta erat, ut quam- 
quam eo anno ubique tempestatis violentia maturae segetes in spicis et 
vinum in racemis, omnia prostrata et prorsus dampnata essent, nihil 
tamen minus fieret in refectorio et elemosina, cum fratres centenarium 
fere excederent numerum, et his qui de terra fertili et plenissima vene- 
rant, et nichil minus noverant quam penuriam pati, abundantissime in 

Omnibus ministraretur, — Hec etiam ei tua omnipotentia prae- 

vidisti, qui et necessaria ei subministrasti , et insuper tanta in praediis 
et fundis aecclesiae eidem anno ipso et deinceps contuHsti, ut dubli- 
catus videretur census aecclesiae, — — 

1086. SiGEBERTi CHR. S. S. VI, 365, 33. Nimia aquarum in- 
undatio multis in locis damno et periculo fuit. In Italia tanta di- 



1) Fast wörtlich gleich Ann. Parch. XVI, 603, 44, das weitere ein 
Zusatz Balduins. 

2) Aus derselben Quelle geschöpft wie die gleichen Nachrichten 
der Ann. Yburg. und Ann. Ottenbur. 



Chronik der elementaren Ereignisse. 123 

luvies fuit, ut rupes liquore aquarum dissolutae, plures villas ruina sua 
exterminarent. 

1087. SiGEB. CHE. S. S. VI, 366, 3. Pisces in aquis moriuntur. || 
A. HiLDESH. M. G. S. S. kl. Ausg. 49. Pestilentia facta est. 

1088. Ann. Brunwilar. S. S. XII, 725, 56. Hoc anno hiemps tene- 
brosa fuit, et circa medium lanuarii maxima omnium Germaniae flumi- 
num inundatio fuit. 

1089. Ann. S. Iacobi Leodinensis S. S. XVI, 639, 35 u. 36. In- 
undatio maxima aquarum usque ad valvas aecclesiarum. — 36. Pesti- 
lentia terribilis et multiplex ardentium. || Ann. Formosel. S. S. V, 36, 17. 
Pestilentia ignearia ingrassata est. 

1090. Lokale Hungersnot in der Gegend von Gemhloux (Sigeh.), 
andere belgische Quellen wissen nichts von einem Notstande. Ebenso mufs 
die Hungersnot, von der Bernold berichtet, als lokal angesehen werden, 
da alle iveiteren Nachrichten darüber fehlen. Sigeb. chr. S. S. VI, 366, 
22 u. 35. (Annus pestilens), maxime in occidentali parte 
Lotharingiae; ubi (multi, sacro igni) interiora consumente (com- 
putrescentes^)), exesis menbris instar carbonum nigrescentibus , aut 
miserabiliter moriuntur, aut manibus et pedibus putrefactis truncati, 
miserabiliori vitae reservantur, multi vero nervorum contractione distorti 
tormentantur. — 35. Sterilitas frugum terrae augescit, et fames pau- 
latim irrepit. || Ann. Leod. cont. S. S. IV, 29, 19. Annus pestilens, 
multis hominum sacro igne computrescentibus. || Ann. Laub. cont. S. S. 
IV, 21, 26. Hoc anno orta est pestis in hominibus quae arsura 
dicitur, qua etiam multi perierunt. || Herim. lib. de restaurat. S. Märt. 
ToRNAc. c. 6. S. S. XrV, 277, 21. Eodem tempore illa ignea pesti- 
lentia divino iudicio nimis ipsam provinciam obpresserat, qua pluri- 
morum pedes invisibili igne, qui ignis inferni vocabatur, publice com- 
buri videbantur — — || Bernoldi chr. S. S. V, 450, 35. Hoc anno 
magna fames multas regiones repente afflixit, quanvis non magna 
sterilitas terrae praecesserit. 

1091. Ekkeh. CHR. UNIVERS. S. S. VI, 207, 28. Visi sunt per multas 
regiones vermiculi nimis ignoti, non longe a terra volantes, hoc est 
ut vel manu vel virga tangi possent, grossitudine quidem muscis aequales, 
sed longitudine satis deductiores; quorum tarn infinitus extitit exer- 
citus, ut unum pene miliarium in latitudine, duo vel tria in longitudine 
viderentur occupare, densitate vero sua ipsam solis lucem terris negare.|| 
Ann. S. Pauli Virdunensis S. S. XVI, 500, 36. Pestilentia magna. 

1092. Lokale Hungersnot in Sachsen (Bernold). Bernoldi chr. 
S. S. V, 454, 10. Magna fames totam Saxoniam occupavit, quae 
et principes illius provinciae in alias regiones eo anno ad tempus 
discedere coegit. Unde et generalis conventus fieri non potuit, quem 
principes Alemanniae cum Saxonibus habere voluerunt. || Ann. Werziburg 
S. S.II, 246, 15 (== Ann. Hildesh. = Ann. Rosenveld. = Ekkeh.). Pesti- 
lentia magna hominum et pecorum facta est. || Cosmae chr. Boem. 
S. S. IX, 100, 35. Et in ipsa paschae ebdomada circa Kalend. Aprilis 
descendit maxima nix, et tantum inhorruit frigus mixtum cum glatie, 
quantum raro in media contigit hieme. 

1093. Hungersnot in Sachsen (Ann. August). Ann. August. S. S. III, 
134, 17. Autumnus pluviosus. Solis eclipsis in meridie in Libra 8. Kai. 
Octob. (23. Sept.). Ubique mortalitas, pestilentia et fames per 
loca in Saxonia. || Ann. Aquenses S. S. XXTV, 36, 47. Mortalitas 
magna facta est. || Auct. Garstense S. S. IX, 568, 22. Magna mor- 
talitas hominum facta est. Ecclipsis solis una hora (23. Sept.). 

1094. Humgerstiot in Hessen (Ann. Ottenb.J; ein Zusammenhang 



1) Die eingeklammerten Stellen aus Ann. Leod. 



124 Chronik der elementaren Ereignisse. 

mit der Hungersnot der beiden vorhergehenden Jahre ist tvohl anzunehmen. 
Eine schwere Epidemie herrscht in allen Ländern von Belgien bis Böhmen. 
Ann. Ottenbue. S. S. V, 8, 38, Inundatio pluviarum et fames cum 
mortalitate. || Ann. Blandinienses S. S. Y, 27, 5. Inundatio magna a 
pridie Idus Octobris (14. Okt.) usque ad Kai. Aprilis. || Ann. Leod. 
CONT. S. S. IV, 29, 22. Mortalitas hominum maxima. || Sigeb. chr. 
S. S. VI, 366, 51. In Gallia et Germania (gravis hominum mortalitas 
facta est ')). || Gesta abb. Gembl. cont. auct. Godeschalco S. S. VIII, 547, 6. 
Eius regiminis anno tertio*) maxima extitit hominum mortalitas. || 
Ann. Laubiens. cont. S. S. IV, 21, 30. Hoc anno magna mortalitas 
hominum fuit, et visus est igneus draco volare per aerem. || Gesta 

ABB. Lobbiensium S. S XXI, 313, 7 , quo anno magna fuit hominum 

mortalitas et draco igneus volare per aurem visus est, Kalendis Augusti.!] 
Ann. Parchenses S. S. XVI, 604, 14. Mortalitas hominum maxima. || 
Ann. Brunwilarenses S. S. XVI, 726, 5. Hoc anno circa festivitatem ad 
vincula sancti Petri (1. Äugst.) ignis magnus apparuit circa vespertinum 
tempus per totum mundum, et mortalitas magna facta est. || Ann. S. 
Petri Erphesfurd. S. S. XVI, 16, 42. Pestilentia gravis hominum fuit. || 
Ann. Hildesh. M. G. S. S. kl. Ausg. 49 (= Ann. Rosenfeld. = Ann. 
Wirziburg). Pestilentia magna facta est. || Ann. S. Disibodi S. S. 
XVII, 14, 38. Facta est autem gravissima mortalitas in regione 
eadem, et passim infinita multitudo populi in mortem cadebat. Ipsum 
quoque monasterium iam iamque feralis illa clades occupaverat. Morien- 
tibus itaque fratribus, timor cunctos sollicitabat ; unde et orationes ad 
Dominum creberrimae fiebant. || Ekkeh. chr. univers. S. S. VI, 207, 42. 
Aecclesia mortalitate immensa incredibiliter vastata est, insuper 
pestilentia, turbinibus, imbrium inundationibus diversisque cladibus 
nimium afflicta. || Ann. Neresheimenses S. S. X, 21, 5. Pestilentia 
hominum magna nimis. 1| Ann. S. Georgii in nigra silva S. S. XVII, 294, 4. 
Mortalitas maxima. 1| Ann. Zwifält. minores S. S. X, 54, 41. Magna 
hominum mortalitas. || Ann. Zwifalt. maiores S. S. X, 54, 52. Mors 
populos stravit, subita quos peste necavit. |1 Bertholdi Zwifalt. chr. 
S. S. X, 111, 19. Huius primo anno 10. Kalendas Octobris (22. Sept.) facta 
est eclypsis solis pene tribus horis, denique media circiter die cepit sol in 
nigras vel iacinctas maculas nigrescere et in horridos aspectus pallescere ; 
statimque anno sequente secuta est magna hominum pestilentia. ]| 
Bernoldi CHR. S. S. V, 459, 5. 460, 20. 461, 15. In Baioaria magna 
mortalitas grassabatur, adeo ut in Ratisponensi civitate infra duo- 
decim septimanas octo milia quingenti illa mortalitate intercepti numera- 
rentur; set et alias provincias eadem mortalitas afflixit, non tamen adeo 
ut Baioariam. — — 460, 20. Nam adeo maxima mortalitas usquequa- 
quam grassabatur, ut in una villa plus quam mille quinquaginta homines 
infra sex epdomadas mortui numerarentur. Set et in una die et in una 
villa plus quam quadraginta alicubi mortui sunt. Ipsa quoque cimiteria 
aeclesiarum adeo sepulturis impleta sunt, ut homines ibi mortuos suos 
sepelire non potuerint. Unde in pluribus locis facta praegrandi fossa 
extra cimiterium, omnes suos mortuos in illam coniecerunt. Haec autem 
mortalitas non solum Teutonicos, set et Franciam, Burgun- 
diam, Italiam usquequaquam vexabat; quae tamen sapientibus 
non adeo detestanda videbatur. Nam maxima multitudo cum penitentia 
et confessione et probabili fine discesserunt, quem infirmitate detenti 
sibi post aliquot dies proventurum praescierunt. — — — 461, 45. In 
Alsatia magister Manegoldus de Liutenbach mirabiliter aeclesiasticam 
religionem, — — Deo miserante reaccendit. Nam invalescente apud 



1) Das Eingeklammerte aus Ann. Leod. 

2) Liethart Abt seit 1092. 



Chronik der elementaren Ereignisse. 125 

illos diutuma mortalitate, omnes pene maiores et militares illius 
provinciae ad ipsum catervatim convenere, et de excommunicatione per 
potestatem ipsi a domno papa concessam absoluti, etiam de reliquis 
eorum peccatis accepta penitentia per eum absolvi non cessaverunt. || 
CosMAE CHB. BoEMORUM S. S. IX, 103, 10. EodeiQ anno fuit mortalitas 
hominum, sed maxima in Teuthonicis partibus. Nam redeuntibus prae- 
dictis episcopis de Maguntia, dum transirent per quandam villam nomine 
Amberk, parrochiam ecclesiam quamvis satis amplam, quae est sita 
extra villam, non potuerunt intrare, ut audirent missam, quia totum 
eins pavimentum usque ad unum punctum erat cadavere plenum. Simi- 
liter in urbe Kaker non fuit domus, ubi non essent tria aut quatuor 
cadavera hominum, quam praetereuntes non longe ab urbe in medio 
pernoctavimus campo. || Ann. Augustani S. S. III, 134, 21. Mortalitas 
convaluit inmoderata, adeo ut yillae plures existerent sine cultoribus et 
ecclesiae sine sacerdotibus, pestilentia consumpti. 

1095. Lokale Hungersnot in Belgien (Ann. Bland., Ann. Leod. 
cont., Sigebert, G. abb. Gembl., Herim. liber de rest. S. Mart. Tornac. 
Ekk.J. Ann. Blandinienses S. S. V, 27, 6. Sequitur sterilitas anni cum 
fame gravi. || Ann. Leod. cont. S. S. IV, 29, 23. Fames diu concepta 
invalescit. || Sigebekt. che. S. S. VI, 367, 4. Fames diu concepta vali- 
dissime ingravatur ^), et fit annus calamitosus, multis fame laborantibus 
et pauperibus per furta et incendia ditiores graviter vexantibus. Cum 
valida ventorum turbine etiam terraemotus factus est media nocte 

4. Idus Septembris (10. Sept.). || Gesta abb . Gemb. cont. auct. Godeschalco 

5. S. VIII, 547, 7. — — et in anno sequenti (1095) magna et inevita- 
bilis annonae raritas, adeo ut panem duorum mensium diebus vix 
administrarent nobis culturae nostrae et decimae. Hac penuria panis 
urgente, praebenda monasterii venalis efficitur tam laicis quam clericis. 
Gladius irae Dei circumquaque desevit, laquearia divitum uti pauperum 
casae famis malo velut ariete magno pulsantur; pauperes multique 
mediocres hac tabe pereunt, cymiteria sepeliendis non sufticiunt. In locis 
multis fossae latae et profundae eifodiuntur, et in eis corpora de- 
functorum funibus deponuntur. Multi in exitibus viarum, multi inter 
opaca silvarum mortui inveniuntur. Hac peste famis multi nobi- 
lium adacti, dum familiis suis carere nolunt, multum ar- 
gentum ad has sustentandas expendunt. Foeneratoi'es debitores 
suos Omnibus modis gravant, et dum die dicta pecunias suas non reci- 
piunt, has die reddita sub fide et sacramento dublicant. || Heeim. hb. 
DE EESTAüEAT. S. Martini Toenacen. c. 70, 71, 72, 76. S. S. XIV, 307, 42, 
308, 311, 16. c. 70. Eodem anno victualium penuria et famis atrocitas 
totam provinciam vehementer afflixit, et abbas omnibus pauperibus ad 
se confugientibus quicquid habere poterat misericorditer tribuere cepit, 
ita ut nee in horreo nee in cellario aliquid remanserit. Tuncque de- 
mum necessitate et anxietate compulsus, fratribus per totum annum 
claustro reclusis iugique silentio doraitis et que foris agebantur nescien- 
tibus rem sicut erat in capitulo aperuit, magnam scilicet multitu- 
dinem virorum ac mulierum se suscepisse et unde vel una 
die viverent se non habere. Obstupefacti omnes, ammirati sunt, 
tan tam rem eum sine alicuius consilio fecisse, rogaveruntque eum, ut 
exteriorum curam alicui viro prudenti committeret, ipse vero doctrine 
et saluti animarum insisteret, nee deinceps aliquem absque fratrum 
consilio susciperet, et quos suscipiebat non more antiquorum gravia et 
importabilia onera imponendo probaret, sed institutis et regula Clunia- 
censis cenobii contentus esset, quod solum et fama et religione necnon 
et caritate universis Gallie monasteriis eo tempore preminebat et a 



1) Fames — ingravatur aus Ann. Leod, 



126 Chronik der elementaren Ereignisse. 

veneriabili abbate Hugone regebatur. Adquiescit abbas consilio fratnim, 
statimque domnum Heinricum ordinans cellarium, Radulfo committit 
preposituram sociumque ei donat Walterum, filium Huberti. Hiisque 
tribus totius ecclesie commendans in exterioribus provisionem, ut sine 
licentia egrederentur, permittit, ceteris, ut secum religioni et silentio 
instarent, indicit. Uli de capitulo egressi , coquinam introeunt, quod 
fratribus preparari posset querunt, sed nihil inveniunt. Ingrediuntur 
deinde portam urbis, et civibus sibi occurrentibus ac veluti de longa 
carceris custodia ereptis, quomodo se haberent, inquirentibus , illi leto 
vultu, omnia prospera esse, respondent, sed post paululum eis necessi- 
tatem fratrum innotescunt, Protinus cives invicem colloquentes, et alio 
frumentum, alio siliginem, alio fabas dante, eos exhortantes et confor- 
tantes, hilares et letos ad frati-es remittunt. Radulfus etiam germano 
suo Teoderico inopiam ecclesie indicans, rogat, ut sibi pecuniam ad 
emenda fratribus necessaria commodet. Protinus ille 40 marcas argenti 
ei commodat, quas tamen numquam postea recipere voluit, sed pro 

anima sua ecclesie dimisit. c. 71. Quantam autem inopiam 

panis pauper conventus illo anno integro pertulerit, vix potest credi: 
panis triticei aut vini, nisi forte ab aliquo divite eis trans- 
mitteretur, nulla erat mentio; siligo etiam omnino deerat; sola 
avena eis molebatur de molendino relata, nee cribro nee tamisio farina 
purgabatur, sed statim aqua calida superfusa pariis exinde fiebat, qui 
coctus et monacho appositus paleis prominentibus ustilari posse vide- 
batur, et quando cultello precidebatur, maior palearum quam micarum 
coram monacho videbatur acervns, et quia iuxta Salomonem anime 
esurienti etiam amara dulcia videntur, monachi fame tabescentes tanta 
aviditate panem illum avenacium comedebant, ut de eo nee mice nee 
palee superessent. Nonnulli etiam et ex illis adhuc supersuut quorum 
unus est domnus Ascelinus, qui domno Henrico in cellarii provisione 
vel obedientia successit, qui adhuc testatur, se tunc multociens cogitasse, 
si aliquando posset videre diem, quo ecclesia sancti Martini tarn dives 
esset, ut ipse pane solummodo saturari posset. — — c. 72. Radulfus 
ergo videns et sciens, ecclesiam pauperum redditibus carentem sine 
agricultura non facile posse subsistere, totum studium suum ad 
emendas et adquirendas terras convertit. — — — c. 76. Quodam 
tempore cum fames nimia totam provinciam opprimeret, et prefatus 
prior Radulfus de fratrum penuria soUicitus pauperibus more solito 
elemosinas erogare trepidaret, et domnus vero Petrus, ne aliquid de 
consueto numero minueretur, suaderet, ecce subito pauperibus super- 
venientibus minister panes defecisse respondit. Cui domnus Petrus: 
„Vade," inquit, „si forte aliquod frustum panis in archa remanserit." 
Cum vero minister se eadem hora vaeuam archam dimisisse diceret, 
ille vero ad querendum instigaret, minister instantia eins fatigatus ad 
archam rediit et quam paulo ante vaeuam dimiserat usque ad summam 
superficiem repletam panibus invenit. Ex fide ergo eins cepit idem prior 
Radulfus Omnibus supervenientibus pauperibus sie abundanter tribuere, 
ut nuUi omnino panis, negaretur; quanto vero plus erogabat, eo magis 

substantiolam domus Dei nutu augmentari videbat, || Ekkehakd. 

CHH. uNivERs. S. S. VI, 213, 48. Francigenis occidentalibus facile per- 
suaderi poterat sua rura reli quere ^); nam Gallias per annos aliquot nunc 
seditio civilis, nunc fames, nunc mortalitas nimis afflixerat, postremo 
plaga illa, quae circa Nivalensem sanctae Gerdrudis aecclesiam orta 
est, usque ad vitae desperationem terruerat. Erat autem huiusmodi. 
Tactus quisquam igne invisibili, quacumque corporis parte, tarn diu 



1) Bezieht sich auf den ersten Kreuzzug, behandelt also die Jahre 
um 1095, 



Chronik der elementaren Ereignisse. 127 

sensibili, immo incomparabili tormento etiam inremediabiliter ardebat, 
quousque vel spiritum cum cruciatu vel cruciatum cum ipso tacto 
membro amitteret. Testantur hoc hactenus nonnulli, manibus vel pe- 
dibus hac pena tnincati. || Ann. S. Mariae Ultraiectenses S. S. XV n, 
1301, 36. Hoc anno maxima mortalitas fuit. || Ann. Ottenbub. S. S. 
V, 8, 40. Adhuc mortalitas duravit. || Ann. Grabicenses S. S. 
Xin, 648, 26. In Boemia et ubique mortalitas hominum facta est. 

1096. Ann. Prag. S. S. III, 120, 29. Mortalitas hominum 
facta est. 

1097. Sigeb. CHR. S. S. VI, 367, 36. Komet. Nimia aquarum in- 
undatione autunnalis satio impeditur, et sterilitas frugum terrae 
sequitur. || Ekkeh. chr. univers. S. S. VI, 209, 5. Cometes apparuit. Et 
anno aestas fertiHssima, hiems vero lenis et pestilens fuit; imbrium et 
fluminum inundationes nimis increverunt. 

1099. Beginn einer meh/)'jährigen Notperiode. Das Notstandsgebiet 
erstreckt sich über das Elsafs (Ann. Monast.), Schwaben (Ann. S. JBlasii 
et Engelberg., Berth. chr. Zwifalt., Ann. August.) und Franken (ETckeh. 
Ann. Elwang.). Bertholdi Zwifeltensis chr. S. S. X, 111, 44. Ipso 
anno ^) et subsequenti facta est fames valida, multaque hominum 
milia exinde sunt morfcua in tantum, ut in populari huius loci cimiterio 
in aliqua fossa in mortem catervatim ruentibus pi-oiecti reconderentur 
quinquaginta, in aliqua homines sexaginta vel septuaginta. Hac fame 
necessitate urgente pene viginti marchas argenti undecunque collectas 

pro paucis frumenti modus ab elemosynario data eme- 

bantur, quoniam adiuvante Oudalrico abbate in unaquaque septimana 
60 farinae modii ad usus pauperum expendebantur. Tunc 
temporis quaedam paupercula fame excruciata suum infantulum, quo 
se inopia famis facilius alleviaret, venenata herba quae collo vocatur 
occidit; quam abbas Oudalricus pater noster miseratus sufficienti victu 
pascens , ut eam internecioni subtraheret laboravit , sed heu diutuma 
fame maceratam nuUus subtrahere potuit. Eandem herbam multi, famis 
atrocitate furentes in rabiem versi, veluti boves indiscrete devorantes 
sunt mortui. Denique in proximo vico Plumare vocitato quidam ut au- 
divimus homo cum uxore et filio, sumpto cibo herba eadem aliisque in- 
nocuiis cum farina et aqua sicut pauperibus mos est confecto, simul 
omnes mortui inventi sunt, cibo nondum plene consumpto. Haec in- 
tulimus, ut quae rerum calamitas exoi-ta esset temporibus nostris posteris 
panderemus. || Hügonis Flav. chr. S. S. VIH, 481, 3. Eo anno, prima 
hora noctis, a parte aquilonis lux ingens quasi ignis ardentis emissa, 
usque prope diluculum, noctem prope convertit in diem. Quo etiam 
anno hiemps solito asperior octo continuis ebdomadibus inhorruit 
ita ut bestias, aves, homines quoque plerosque vis algoris existeret ^) || 
Ann. Monaster. S. S. III, 154, 24. Fames maxima tribus annis. || Ann. 
S. Blasii et Engelberg. ^) S. S. XHI, 277, 45. Fuit vero fames valida 
per tres continuos annos, cepta ab eo quo hec facta sunt anno *), set in 
medio maxima, quia erat hiemps durissima, et semina et arbores de- 
fecerunt. 1| Ann. Aügdst. S. S. DI, 135, 30. Hiems continua, sterilitas 
terrae, fames valida || Ekkeh. chr. unfvers. S. S. VI, 218, 19. Eapoto 



1) Ipso anno bezieht sich auf den Brand des Klosters 1098, die 
Notjahre wären also 1098 und 1099; wahrscheinlich liegt aber ein Irrtum 
Bertholds vor, der bei der späten Abfassung des "Werkes (1137 und 1138) 
leicht möglich ist, denn alle anderen Quellen lassen übereinstimmend 
die Notperiode erst 1099 beginnen. 

2) So in der Handschrift; lies exstingueret. 

3) Die Notiz stammt aus Sankt Blasien. 

4) Die Eroberung Jerusalems durch die Kreuzfahrer, 



128 Chronik der elementaren Ereignisse. 

palatinus comes et Oudalricus comes, patruelis eins, defuncti sunt. 

Dum enim imperator cum principibus colloquium Ratisponae haberet, 
mortalitas subito exorta prenominatos duos magnates, de inferioribus 
vero quam plures absumpsit, per civitates quoque atque regiones non 
modicam vulgi stragem fecit. Fames etiam improvisa multis locis 
invaluit. || Ann. Elwangenses S. S. X, 19, 4. Fames magna nimis. || 
Ann. Hildesh. M. G. S. S. kl. Ausg. 50 (= Ann. Wirziburg). Impe- 
rator Ratisponae pascha celebravit; ubi isdem diebus magna mor- 
talitas facta est; in qua Rabbodo Palatinus comes cum aliis innume- 
rabilibus moritur. 

1100. Das Notstandsgebiet hat sich gegen das vorhergehende Jahr, 
wie es scheint, noch erweitert. Es sind Nachrichten über die Hungersnot 
vorhanden aus Lothringen (Hugo Flav.), Norddeutschland (Ann. Magde- 
burg., Annl. Saxo.) , vom Mittelrhein (Ann. Ottenbur.), aus dem JElsafs 
(Ann. Argent.), aus der Schweiz (Ann. Einsidlens.), aus Franken (Ann. 
Elwang., Ann. Hildesh.) und Schwaben (Ann. S. Blasii a. 1099, Berth. 
Zwifalt a. 1099). Hugo. Flav. che. lib. IL S. S. VIII, 487, 55. Quo 
etiam anno magna fuit annonae penuria, et multi fame periclitati 
sunt. II Ann. Hildesh. M. G. S. S. kl. Ausg. 50 (= Ann. Wirziburg. S. S. 
II, 246). Hiemps dura et fames magna. || Ann. Elwang. S. S. X, 19, 8. 
Hiemps dura, fames magna, mortalitas ingens hominum facta est. ^) || 
Ann. Ottenbue. S. S. V, 8, 50. Fames circa Rhenum innumerabiles 
extinxit. || Ann. Einsidlens. S. S. III, 146, 38. Yemps aspera et fames 
valida. II Ann. Argent. S. S. XVII, 88, 21. Facta est fames incompara- 
bilis et mortalitas horribilis. *) || Ann. Magdeburg. S. S. XVI, 180, 33. 
Fames magna per multas regiones invaluit. Mortalitas eciam non 
modica subsecuta est. || Annl. Saxo. S. S. VI, 733, 8. Eo anno hiemps 
durissima fuit; fames etiam per multas regiones invaluit^) et mor- 
talitas magna erat. 

1101. Die Hungersnot des vorhergehenden Jahres dauert wenigstens 
in einzelnen Gegenden fort. Nachrichten sind erhalten vom Mittelrhein 
(Ann. Ottenbur.) und aus Schwaben (Ann. August., V. Theogeri, Chr. des 
P. Lenz). Ann. Ottenbur. S. S. V, 8 b2. Adhuc fames circa Rhenum 
saevit. || Ekkeh. chr. univers. S. S. VI, 220, 7. Vermiculorum quoque, 
quos papiliones a similitudine tabernaculorum vocant, exercitus incredi- 
bilis multitudinis per tres continuos dies quasi a Saxoniae finibus in 
Baioariam volabat. || Vita Theogeri lib. I, c. 19. S. S. XII, 457, 18. 
Quodam itaque tempore adeo fames non solum in monasterio 
sed et in omni circa regione praevaluit, ut se fratres illo in 
loco diutius subsistere posse non crederent, et hi, quibus pater piis- 
simus officia exteriora crediderat, nimio maerore deficei-ent, quid 
tantae multitudini facerent nescientes; maxime cum ne comparandi 
quidem quotidiani victus copia ulla iam foret etiam veteris annonae. 
Seorsum itaque seniores quosque et consilio meliores assumunt, ac 
Theogerum media in sede componunt, rem omnem uti se habebat 
aperiunt idque efflagitant, quatenus quid facto opus sit, habita secum 
deliberatione decernant, ut tanta multitudo fame non pereat, quae in 
quotidiano quasi servitio vires corporis iam totas expenderat. Ubi dum 
diem vario sermone protraherent — — , tandem in hoc universi con- 
sentiunt, ut quicumque locum illum aliqua seu pretii seu beneficii obla- 
tione ditassent, ipsi quoque ibidem utcumque sustentandi residerent. 



1) Aus dem verlorenen Teile des Chr. Wirziburg. 

2) Gleich Ann. Marbac. Beide Annalen gehen auf eine verlorene 
gemeinsame Quelle zurück; vgl. Schulte, Mitteil. d. Inst. V, 515 flF. 

3) Übereinstimmung mit den Ann. Magdeburg, fames — invaluit 
aus den Nienburger Annalen. 



V Chronik der elementaren Ereignisse. 129 

caeterum quique perfectiores vel ad parentes vel ad alia interim 
monasteria commigrarent. Abt Dietger lehnt diesen Plan ab. et miri- 
fice protinus, uti ille promiserat, consolatus est Dominus populum suum. 
Eo namque tempore alienum aes grande conflarant, ita ut mutuo acceptas 
sexaginta libras argenti in quotidianos usus expenderint. Cumque iam 
praesens loci necessitas et imminens anni sequentis sterilitas adhuc eos 
amplius mutuare compelleret, sed unde redderent, non haberent : homi- 
nem iuvenem quendam Liutfridum nomine, civem civitatis Wangionum, 
genere et divitiis satis fortunatum, infirmum contigit advenire; Domino 
nimirum cum illo misericorditer destinante, quatenus et illius infirmitas 
spiritalibus solatiis iuvaretur, et ex eins abundantia . ..... frumenti 

et vini omnique supellectili, omnibus quoque aedificiis tarn ligneis quam 

lapideis, vel quidquid habere poterat in civitate. || A. Augustani 

S. S. III, 135, 34. Hiems varia. Farnes valida. || Handsch. Chk. aus 
S. Georgen veef. von P. Lenz auf Grund vorhand. Akchivalien. Mones 
Zeitsch. f. d. Gesch. d. Oberrheins IX, 221. Maxima annonae Caritas 
in Hercinia sylva et regione Barensi coenobitas s. Georgii sexaginta 
argenti libras mutari cogit. ^) 

1102. Handsch. Chr. aus S. Georgen, nach Pater Lenz, Mones Z. 
F. D. Gesch. d. Obereheins IX, 221. Invalescente fame, cum religiosi 
sangeorgani plerique ad parentes et cognatos suos migrare vellent, 
coelitus iuvantur. Leutfridus, wormatiensis ciuis monasterio bona sua 
seque ipsum devovet. 

1104. Ekkeh. CHR. ünivers. S. S. VI, 225, 38. Undique terra satis 
quievit, pace simul et fertilitate, necnon aeris quaütate corporumque 
sanitate delectabiHter iocundata. 

1106. Lokale Hungersnot in der Gegend von Klosterrath Ann. 
Rodens. S. S. XVI, 701, 54. His diebus annona erat cara, et plebs est 
fame nimis afflicta, quia fructum suum negarat terra. Sed sacerdoti 
omnis necessitas suppleta est a comite, et destinata rerum abundantia a 
maioribus terrae, — — 

1109. Chr. S. Bav., De Sjiet Corp. Chr. Fland. I, 573. Hoc anno, 
multi sacro igne accenduntur, membris instar carbonum nigrescentibus. || 
Ann. Formosel. S. S. V, 36, 37. Pestilentia ignearia ingrassari cepit. || 
Ann. Camerac. S. S. XVI, 512, 34. Pestilentia ignearia iterum in 
humanam camem deseviit, quae ante festivitatem sancti lohannis bap- 
tistae (29. Aug.), scilicet decollationem eins, oriri coepit. 1| Ann. Ottenb. 
S. S. V, 9, 16. Inundatio pluviarum 

1110. Ann. Formosel. S. S. V, 36, 38. Hiemps durissima et 
nives diutumae. 

1111. Ekkeh. chr. univ. S. S. VI, 245, 27. Rerum prospe- 

ritas et copia frugum 

1112. Ann. Laub. cont. S. S. IV, 22, 1. Aestas nimis arida. 4. Idus 
Maii (12. Mai) nocte dominica fit tempestas, exurens multas arbores et 
segetes. || Anselmi cont. Sigeb. S. S. VI, 375, 15. Mense Maio siligines 
et arbores sacro igne adustae, fructus sui spem sunt mentitae; et quae- 
dam silvae insuper arefactae. Subsecuta est hominum valetudo gravis 
et diutuma, cum profluvio ventris et mortalitate. 

1113. Sigeb. auctur. Bellovac. S. S. VI, 462, 8. Maxima terrae 
vinearumque infgcunditas. || Anselmi. cont. Sigeb. S. S. VT, 375, 25. In 



1) Pater Lenz benutzte die V. Theogeri, auTserdem lag ihm aber 
auch noch jetzt verlorenes handschriftliches Material vor, von dem sich 
auch in der Nachricht von 1101 noch eine Spur findet, und das ihn 
offenbar veranlafste, Hungersnot in den beiden Jahren 1101 und 1102 
anzusetzen, während d. V^. Theogeri nur die allgemeine Datierung auf 
die Hungersnot um die Wende des 11. und 12. Jahrhunderts zuläfst. 

Leipziger Studieu, VI. 1: Curschmann, Hungersnöte. 9 



130 Chronik der elementaren Ereignisse. 

pago Bracbatensi 9. Kai. Maii (23. April) circa Tornacum nix tanta 
cecidit, ut etiam silvas fregerit. 

1114. Ann. Formosel. S. S. V, 36, 41. Ventus validissimus in- 
tumuit 14. Kai. Dec. (18. Nov.). Hiemps durissima secuta est. 

1116. Cäson. Leod. che. ktthm. v. 27. S. S. XU, 416. 

Annus qui hunc annum praecesserat, 
Tanto gelu terram astrinxerat 
Ut a festo sanctorum oninium (1. Nov. 1115), 
Sic duraret usque ad Maium (1116). 

De fragis et fabis. 
Infra dies natalis Domini (25. Dec.) 
Dux comedit fraga Lovanii; 
Quidam fabas eodem termino, 
Sed recentes sicut in Junio. 
Chr. heg. Col. M. G. S. S. kl. Ausg. 57. Magna aeris inequalitas 
facta est. 

1117. Lokale Hungersnot, mir in der Gegend von Cateau-Cam- 
bresis nachweisbar (Chr. S. Andr.). Chr. S. Andreae Castei Camerac. 
lib. III. c. 30. S. S. VII, 546, 33. Interea domnus abbas Guiffridus, tum 
hostili furore qui totam patriam depopulabatur, tum fame quae vehe- 
menter omnem terram premebat fatigatus, velut magna tempestate quas- 
satus amisso clavo navim vagantem mediis fluetibus, ecclesiam hanc 
detinebat; sed tandem in se reversus portum quietis adiit, et prelationis 
onus deposuit. *) || Ann. S. Jacobi Leod. S. S. XVI, 640, 10. Praeterea 
frequens aquarum inundatio cum vi ventorum [domus plerasque subruit 
et earum habitatores extinxit, totoque anno rerum facies immutata 
nostrates omnes perterruit. j] Canonici Leod. chr. rythm. S. S. XII, 417. 

Gewitter am 2. Mai. 
De diluvio. 
V. 107. Secuta est plaga diluvii. 

Die quae est septima Junii (7. Juni). 

Timuimus urbis excidium 

Pro communi peccato omnium. 

Pontes fregit et aedificia 

ßivus noster, cui nomen Leggia; 

Submersi sunt septem vel amplius. 

Gewitter am 1. Juli. 
V. 144. Nona die post ictum fulminis, 
Tempestas fit tantae caliginis 
Ut videre nihil potuerimus; 



V. 156. Celum omne fit pice nigrius; 

Ruunt imbres, compuntur fulgura, 
Coniurasse putes tonitrua. 
Ekkeh. S. S. vi, 253, 3. 2. Mai starkes Gewitter in Lüttich. Quinta 
decima dehinc die ex vicino quodam eiusdem episcopii monte, qua nun- 



1) Schon einmal wird während der Regierungszeit desselben Abtes 
(1083 — 1117) von einer Hungersnot gesprochen, die mit der hier er- 
wähnten identisch sein kann. Mit mehr Wahrscheinlichkeit wird sich 
die Nachricht aber vielleicht auf das Jahr 1095 beziehen lassen; vgl. 
lib. in, c. 6, p. 541, 20. Quam ille susceptam per aliquot annos strennue 
rexit, sed postea continuis imminentibus guerris et maxime fame magna 
ecclesia haec devoluta est paupertati. 



Chronik der elementaren Ereignisse. 131 

quam aqua preter pluviam visa est, fluvius ingens erupit, qui non modi- 
cam civitatis partem diluens, cum maximo Leodicensium dampno Traiecten- 
sium se finibus infudit. || Anselmi cont. Sigeb. S. S. VI, 376, 20. Mense 
Januario 3. Non. ipsius (3. Jan.), 4. feria, in aliquibus locis, sed non 
usquequaque, terremotus accidit, alias clementior, alias validier; adeo 
ut quarundam urbium partes cum aecclesiis subruisse dicatur. Mosa 
etiam fluvius iuxta abbatiam quae dicitur Sustula, quasi pendens in 
äere, fundum suum visus est deseruisse. 2. Mai Gewitter in Lüttich. 
Item Junio mense, 7. Idus (7. Jun.) ipsius mensis, circa horam nonam, 
nubes pluviae subito rapta, ä monte qui dicitur Roberti, subiectam sibi 
partem civitatis penitus oppressam pressumdedit; adeo ut multas domos 

dinieret, et immensam annonam perderet es folgen Nachrichten 

über Stürme, Gewitter und verschiedene Wunder. 

1118. Canon. Leod. che. kythm. v. 267. S. S. XII, 418. 

De caro tempore. 

Post istius anni (1117) miserias, 

Tanta fuit annonae Caritas 

Ut communi urbis consilio 

Statuta sit quae dam venditio; 

Sed frumentum, ad quinque positum, 

Undecim est solidis venditum. 

Tempus enim et vita hominum 

Non per ipsos stat, sed per Dominum. 

Mortui sunt, sed pauci, Leggiae 

Nulla tarnen causa penuriae, 

Si qui longa fame languerant. 

Et de locis aliis venerant. 
Anütl. Saxo S. S. vi, 755, 21. Maxima inundatio in omni Europa 
fuit. II CosMÄE CHK. S. S. IX, 124, 8. Mense Septembri tanta fuit in- 
undatio aquarum, quantam non reor fuisse post diluvium in orbe 
terrarum. Nam noster ille fluvius Wlitava repente praeceps erumpens 
de alveo, ah! quot villas, quot in hoc suburbio domus, casas et eccle- 
sias suo impetu rapuit! || Ann. Polon. I (= Ann. Pol. III) M. G. S. S. 
kl. Ausg. 52. Eodem anno inundacio aquarum in omni terra. 

1119. Che. S. Bavonis Df Smet. Coep. che. Fland. I, 576. Anno 
MCXIX, ventus magnus factus est. 

1120. Hungersnot in Westfalen, nur durch eine Nachricht au,s 
Paderborn belegt (Ann. Hildesh.). Ann. Hildesh. M. G. S. S. kl. Ausg. 65. 
Farnes valida. Modius siliginis duobus solidis venit. || Ekkeh. che. 
UNIV. S. S. VI, 255, 42. ^- — in episcopatu Trevirensi mense Junio sus- 
citata tempestate glaciem mirae magnitudinis efliidit, quae et aedificia 
evertit et alia pericula intuHt. Saxoniam quoque et maxime in episco- 
patu Halberstatensi dira grandine flagellavit, in tantum ut in novem 
villarum finibus non solum frumenta sed et bestias agri cum volatilibus 
innumeris consumpserit. 

1121. CosMAE CHE. S. S. IX, 124, 28. Nimis attenuatae sunt segetes 
propter nimiam siccitatem, quae fuit per tres continuos menses, Marcium 
scilicet et Aprilem atque Maium. 39. Eiusdem anni fuit hiemps nimis 
ventosa et calida et aquarum inundatio magna. 

1122. CosMAE CHE. S. S. IX, 125, 33. Item in eodem anno mel et 
vindemia pleno comu habundavit et segetes satis creverant, sed in ari- 
stis granum non redundavit. Hunc annum secuta est hyemps valida, 
unde in sequenti aestate caruimus custodita glacie. 

1123. Ann. Eqmund. S. S. XVI, 451, 30. Hiemps facta est as- 
perima, ita ut omnem aquam praeter marinam indiflferenter homines 
ut terram calcarent gelu solidatam, super terram autem iter calcabile 

9* 



132 Chronik der elementaren Ereignisse. 

vix invenire poterant prae glacie congelata ab eris densitate. ^) || Ann. 
Brunwil. S. S. XVI, 726, 27. Hoc anno hiemps asperrima fuit, adeo 
ut Renus glatie concretus, calcabilis meantibus extiterit. 1| Cosmae che. 
S. S. IX, 126, 13. Eodem anno maxima fuit ubertas tarn autumno quam 
vere seminatis in frugibus, nisi quod grando locis nocuit in pluribus; 
mel autem in campestribus fuit habunde, in silvestribus locis minime. 
Hiemps aspera fuit nimis et nivosa. 

1124. Harter und schneereicher Winter; nach weit verbreiteter Mifs- 
ernte (Anselm, Cosmas) tritt schon an einigen Stellen in Belgien (Ann. 
Cam., Chr. Elnon.) und Niederdeutschland (Paderh. Ann.) eine Hungers- 
not auf. Ans. Cämerac. S. S. XVI, 513, 39. Gravis pestilentia 
famis super terram extitit, de qua nonnulli fame perierunt. || Anselm. 
coNT. SiGEB. S. S. VI, 379, 26. Hiems solito acerbior, et aggestu nivis 
sepius decidentis nimis horrida et importuna. Multi enim pauperum 
infantes et mulieres nimietate frigoris defecerunt. Mortalitas quo- 
que animalium maxima. In multis vivariis pisces absorti sub glacie 
perierunt. In Bracbanto anguillae innumerabiles propter glaciem ä palu- 
dibus exeuntes, quod dictu mirum est, in foenilibus fugientes latuerunt; 
sed ibi etiam pre nimietate frigoris deficientes computruerunt. Hiemi 
successit intemperies aeris, nunc nive, nunc pluvia, nunc gelu altematim 
satis deterrima, usque in medio Martio. Postea diutino frigore et pluvia 
aeris horrente inconstantia, vix tandem arbores floruerunt Maio mense, 
vix tandem gratia herbarum et graminum reviguit virore. Imber vero 
singulis mensibus assidue deciduus, sata agrorum pene absorsit. Nam 
siligo et avenae proventum suum satis sunt ementitae. Multi quoque 
sacro igne aduruntur. || Ann. Fossenses S. S. IV, 30, 17. Annus 
pestilens. Hyemps aspera et aggestu nivium nimis humida. || Che. 
Elnonense S. Ajuandi Hist. DE Fk. XIII, 454 A. Fames valida fit. || Ann. 
HiLDESH. M. G. S. S. kl. Ausg. 66 (= Chr. reg. = Paderbomer Annalen). 
Magnae molis grando cecidit 9. Kai. Augusti (24. Juli). Eclypsis 
solis facta est 3. Idus Augusti (11. August). Magna fames accidit. || 
Chr. EEG. CoL. REc. IL M. G. S. S. kl. Ausg. 62. Magna fames et 
hiemps asperrima. Renus congelatur. || Annl. Saxo S. S. VI, 761, 32. 
Item 3. Idus Augusti, 11. hora diei solis eclipsis fuit, et secuta est 
maxima pestilentia boum, ovium atque suum.*) Magna fames 
fuit.*) II CosMAE cmi. IX, 129, 9. Item eodem anno 3. Idus Augusti 
11. hora diei solis eclypsis fuit, et secuta est maxima pestilentia 
boum ovium atque suum; apes multae interierunt penuria mellis fuit 
nimia. Segetes autumnales defuerunt simul et vernales, praeter solum 
milium et pisam. || Summa Honorii*) S. S. X, 131, 23. Deinde facta est 
fames, quam secuta est tempestas horribilis multis diebus tonitruo- 
rum et fulgurum et grandinis, et ecclypsis solis per unam horam.^) 

1125. Die kritische Lage des vorhergehenden Jahres wird durch 
einen aufsergewöhnlich harten Winter noch verschlimmert. Es entsteht eine 
weit verbreitete allgemeine Hungersnot. Das Notstandsgebiet umfafst Bel- 
gien (Ann. Bland., Ann. Laub, cont., Ann. Foss., Ansei, cont. Sigeb., 
Sigeb. cont. Praemonst, Chr. Elnon., Ann. Egmund., Pass. Karoli, Vita 



1) Diese Nachricht, vsde die zu 1125 und 1126 sind verwandt mit 
der Cont. Burburg. ; beide Quellen schöpfen aus einer gemeinsamen flan- 
drischen Quelle, die auch im ehr. S. Bav. und Anony. Bland. Append. 
ad Sigeb. Hist. de Fr. XIV, 16 benutzt ist. 

2) Item — suum aus Cosmas. 

3) Paderb. Ann. 

4) Die Quelle stammt wahrscheinlich aus Baiem, ein bestimmter 
Ort lälst sich nicht feststellen. Wattenbach Deutschl. G. Q. II, 258—260. 

5) Totale Sonnenf. 11. August 1124, 



Chronik der elementaren Ereignisse. 133 

Karoli, Herim. lib. de rest. S. Mart. Tornac., Chr. S. Bav.), dus henachbarte 
deutsche Gebiet (Ann. Äquens.), Westfalen (V. Gotefridi comitis Capen- 
berg.); in Mitteldeutschland herrscht Teuerung in der Mark Meißen ('Ann. 
Vetrocell.) ; dagegen weiß man in Thüringen nichts von der Not (Chr. S. 
Petri JSrford. mod.). Weiter herrscht Hungersnot wahrscheinlich in ganz 
Süddeutschland, erhalten sind Nachrichten aus Franken (Ekkeh., Heribordi 
V. Ottonis eps. JBabenberg.) und der Schweiz (Ann. Einsidl.). Ann. Blan- 
DiNiENSEs S. S. V, 28, 23. Farnes horrida invaluit.-|| Ann. Laubiens. 
coNT. S. S. rV, 22, 17. Hoc anno hyems contigit asperrima, quam fames 
subsequitur praevalida. || Ann. Fossenses S. S. IV, 30, 20. Hiemps longa 
et aspera, et fames valida. || Anselm. cont. Sigebert. S. S. VI, 379,47. 
Hiems asperima, sex epdomadibus continua et valde noxia. Fames 
valida ubique magna multitudine utriusque sexus pereuntibus. || Sigeb. 
CONT. Pkaemonstrat. ^) S. S. VI, 449, 45. Fames permaxima grassatur 
in Gallia, in qua Karoli, inclyti marchionis Flandriae, Uberalis enituit 
munificentia; qui innumerabilibus diversis in locis pauperibus cotidiana 
ministrabat victus stipendia. || Chb. Elnonense S. Amandi Hist. de Fe. 
XIII, 454 A. Clades vehemens. || Ann. Egmund. S. S. XVI, 451, 35. Hyemps 
iteratur eque valida, exempto impedimento glaciali terrae incumbente. 
Fames valida supervenit a Kalendis Novembris incipiens, et us- 
que ad novas fruges perdurans, quae multos in Flandria, sed plures 
extinxit in Brabantia. || Passio Kakoli comit. adct. Galbekto c. 2 u. 3. 
S. S. XU, 562, 39. — c. 2. Inmisit ergo Dominus flagella famis et 
postmodum mortalitatis Omnibus, qui in regno degebant nostro, sed 
prius terrore signorum revocare dignabatur ad penitendum, quos pronos 
previderat ad malum. Anno ab incamatione Domini 1124 in Augusto 
mense universis terrarum inbabitatoribus in corpore solari circa nonam 

horam diei apparuit eclipsis, unde qui statum pacis et placi- 

torum iniurias notabant, futurae famis et mortis periculum minabantur 
universis. Cumque neque sie correcti sunt bomines, tam domini quam 
servi, venit repentinae famis inedia, et subsequenter mortalitatis 
irruerunt flagella. — — Qua tempestate non poterat solito more sese 
quisque cibo et potu sustentare, sed contra morem tantum panis insump- 
sit epulator semel in prandio, quantum ante hoc tempus famis in diver- 
sis diebus sumere consueverat, atque sie per insolentiam est gurgitatus, 
et omnes naturales receptaculorum meatus distenti nimietate repletionis 
cibi et potus, natura languebat. Cruditate quoque et indigestione tabes- 
cebant homines, et adhuc fame laborabant, donec spiritum exhalarent 
ultimum. Multi quoque inflati sunt, quibus cibus et potus fastidiebat, 
quibus tamen utique abundabant. Quo tempore famis, in media quadra- 
gesima, etiam homines terrae nostrae, circa Gandavum et Legionem et 
Scaldum fluvios commorantes, carnes comederunt, eo quod panis eis 
prorsus defecisset. Quidam vero ipso itinere cum transitum facerent ad 
civitates et castra in quibus panem sibi compararent, nondum semi- 
perfecto transitu suffocati, fame perierunt; circa villas et curtes divitum 
et castra seu munitiones pauperes cum ad elemosinas misero gressu de- 
voluti venissent, mendicando mortui sunt. Mirabile dictu, nulli in terra 
nostra manserat naturalis color, sed talis pallor affinis et proprius mortis 
inerat universis. Languebant similiter sani et aegri, quia, qui sanus 
erat in compositione corporis, aeger effectus est, visa miseria morientis. — 
c. 3. At comes egregius satagebat omnibus modis pauperes susten- 
tare, elemosinas largiri in castris et in locis suis, et presens ipse et per 
ministros suos. Eodem tempestate 100 pauperes in Brugis omni 
die sustentabat, singulis Ülorum unum panem admodum grandem tri- 
buens ab ante quadragesimam praedictam usque in novas eiusdem anni 



1) Verfafst in Lüttich. 



;^34 Chronik der elementaren Ereignisse. 

messes. Similiter in aliis castris suis idem disposuerat. Eodem anno 
edixerat dominus comes, quod, quicumque duas mensuras terrae semina- 
rent tempore sementis, alteram mensuram terrae seminarent faba et pisa, 
eo quod hoc genus leguminis citius et tempestivius fructum proferret, 
unde pauperes citius sustentari potuissent, si famis miseria atque inedia 
eo anno non cessaret. Similiter per omnem comitatum suum preceperat, 
per hoc in futuro consulens pauperibus quantum poterat. lUos etiam' 
ex Gandavo turpiter redarguit, qui passi sunt ante ostium domus suae 
mori pauperes fame, quos pavisse poterant. Cervisiam quoque inter- 
dixit confici, ut eo levius et melius abundarent pauperes, si a cer- 
visia conficienda cessarent tempore famis cives et incolae terrae. Nana 
ex avena panes fieri iussit, ut saltem in pane et aqua vitam continua- 
rent pauperes. Vini quartam sex pro nummis vendi precepit et non 
carius, ideo ut cessarent negotiatores ab abundantia et emptione vini, 
et merces suas commutarent pro necessitate famis Ipro victualibus aliis, 
quibus levius abundarent et facilius pauperes sustentarent. A propria 
mensa sibi quidem subtraxit cotidie victum, unde centum pauperes et 
tredecim sustentabatur. Indumenta insuper nova, scilicet camisiam, tuni- 
cam, pelles, cappam, braccas, caligas, subtulares a principio illius quadra- 
gesimae et devoti ieiunei sui, in quo statim traditus in Domino obdor- 
mivit, cotidie uni pauperum erogavit, usque ad diem quem obiit in 

Christo; II Waltebi v. Kakoli comit. Fland. c. 11. S. S. Xu, 544, 1. 

Quod sane per hoc probari potest, quia cum illis duobus annis ante 
mortem ipsius preteritis terre sterilitas et messium raritas magnam ali- 
mentorum penuriam induxisset, ipse agricolis suorum reddituum, unde 
ipse vivere et familiam suam alere debebat, magnam partem misericor- 
diter condonavit; et non tantum superfluas sed et plerumque necessarias 
cervisiarum confectiones et potationes prorsus ad tempus interdicendo 
et parcitatis modum immoderatis imponendo, necessariam universis vite 
sustentationem paterna soUicitudine prudenter procuravit. Decrevit etiam 
ut quicumque venalem faceret panem, non unum, ut fieri solebat, sed 
duos quamlibet parvos singulis nummis distraheret, ut pauperi cuivis 
nummum forte non habenti vel obolo emendi facultas suppeteret. Quid 
oro, faceret de maximis qui tanto opere providebat de minimis? Tem- 
pore quo quia multos esse videbat egenos, per singulas curtes 
suas, quos multas habebat, eos deputavit centenos, et de suo 
cotidianam eis stipem administrari imperavit. Preterea in 
quacunque urbe, oppido vel villa esset, innumeri ad eum cotidie con- 
üuebant, quibus ille alimenta, nummos et vestimenta propriis precipue 
manibus distribuebat, adeo ut apud Ipram uno die 7800 panes eum ero- 
gasse ipsorum qui affuerunt memoria prodiderit. Neminem enim frustra- 
tum a se recedere patiebatur, vestesque etiam, quibus admodum pre- 
ciosis utebatur, sibi detractas eis frequenter largiebatur. || Herim. lib. 
DE KESTAUKAT. S. Mart. Tornac. cont. c. 13. S. S. XIV, 323. Eo tempore 
fames vehementissima totam provinciam oppressit, ita ut plures fame 
intumescerent, comes etiam Carolus per totam Flandriam pro avene 
penuria cervisiam componi prohiberet, dicens, melius esse, ut divites 
aquam biberent, quam pauperes fame perirent. Domnus etiam abbas 
noster Segardus misericordia motus calices argenteos et alia quedam 
ornamenta vendidit ex eis panem in alimoniam pauperum emit. || Chr. 
S. Bav. ed. De Smet. Corp. chr. Fland. I, 578. Karolus, comes Flan- 
driae, ob validae famis instantiam, et ut annona et lac ad victum 
hominum plus abundaret, cerevisiam in terra sua fieri prohibuit et 
canes vitulosque occidi fecit. || Ann. Aqdenses S. S. XXIV, 37, 26. 
Fames valida facta est. || Vita Godefridi comit. Capenbergensis c. 3. 
S. S. XII, 517. Quodam tempore famem Westphaliae affuturam 
et ipsos etiam fratres parumper castigaturam in spiritu praedixit. 



Chronik der elementaren Ereignisse. 135 

Quae iuxta viri Dei praescientiam adeo gravis evenit, ut plerosque 
dira inediae calamitas extingueret. Acci(fit ergo die quadam, fratri- 
bus ad refectionetn ituris, cum hospitibus et pauperibus erogarent 
quicquid sibi abstinendo subtraherent , ut panis deesset alimoniae, ita 
ut etiam unde fieret inveniri non posset. Cumque vir Dei saepius 
intimasset, quod scriptum est: Non affliget Dominus fame animam 
iusti, ecce subito per fideles suos Dominus tantam panis abundan- 
tiam transmisit, quod fratres et sufficienter refecti sunt et advenien- 
tibus cum alacritate obtulerunt. || Cb. S. Petki Erfokd. mod. S. S. XXX, 
361, 36. Quo tempore ^) per tres continuas noctes ante mortem eius 
tanta frigoris inmanitas fuit, ut in plerisque partibus regni maxima 
pars frugum et vini atque pomorum deperiret. || Ann. Veteeocell. S. S. 
XVI, 42, 16. Canim tempus. || Ekkeh. chk. univeks. S. S. VI, 263, 20. 
Quo tempore hiemem asperrimam ver tempestuosum , fames validis- 
sima ac mortalitas crudelissima secutae, tantam stragem per uni- 
versas provincias, maxime tarnen de vulgaribus dederunt, ut pene tercia 
pars populi notetur occubuisse. — 264, 26. Quarta feria ebdomadae 
pentecostes (20. Mai) dirissimae pruinae frigus plagam magnam tarn 
novellis ubique frugibus quam vineis, habundantissimam iam foetuum 
suorum spem turgendo promittentibus, intulit; nee multo post, id est 
16. Kai. Julii (16. Juni), residuum frigoris tempestas tam immensa, quae 
diluvium minare videretur, crudeliter alicubi devastavit. Item quaedam 
ex locis palustribus ultra solitum erumpentes, segetes contiguas et 
maxime triticeas aurugine vel uredine depravavit. Apium etiam foetus, 
nescio quo auspicante incommodo ex toto pene deperiit. — 265, 9. Hoc 
etiam anno nonnullos ex nobilibus una cum innumera multitudine vul- 
garium seviens mortalitas absumpsit. Inter quos Oudalricum Eich- 
statensem ac Ruggerum Wirciburgensem , Amoldum quoque, comitis 
Amoldi filium — — pluresque alios sors ultima pressit. — — || 

HeKIBOKDI DIALOG. DE VITA OxTONlS EP8C. BaBENBERG. Hb. I, C. 31. S. S. 

XX, 715, 19. Eo tempore Orientalis Francia sterilitate anno- 
rum magna panis inopia laborabat. Ipsi namque opulentiores 
famis etiam extrema necessitate squalebant, inopes et mendici passim 
per plateas et agros mortui iacebant, ita ut prae multitudine in cimi- 
teriis humari non possent. Sed vir Dei misericordia plenus, memor To- 
biae, modo per se modo per alios sepeliendi officium complevit. Ubi 
autem cadaverum multitudo sepulturam ordinatam fieri non sinebat, in- 
gentes fossas praeparavit, et centenos ac millenos simul quandoque 
terrae mandabat, precio conducens homines, qui talibus officiis iugiter 
inservirent. Ipse autem per se omnia lustrabat, vicos, plateas ac domos 
pupillorum, vespere, mane et meridie, nee non etiam noctumo tempore 
visitando aegros, reficiendo famelicos, omnique ingenio bene operandi 
vias inquirebat. — c. 32. Erzählung , wie der Bischof die Leiche einer 
Frau findet und sie selbst auf den Kirchhof trägt. — c. 33. Videns ergo, 
quia tempus eum moneret, omnes apothecas suas aperuit, panes prae- 
parat, alit egentes, et ecce, quasi ad universales nundinas de tota pro- 
vincia famelicorum turbae concurrunt, de monasteriis virorum ac femi- 
narum praepositi ac dispensatores , omnesque quos annorum egestas pre- 
mebat, ad promptuaria episcopi currunt, sperata subsidia sine mora 
invenientes. Cumque messis appropuinquaret , et maturae iam segetes 
ubique locorum falcem postularent, multa milia falcium pauperibus, quos 
toto anno aluerat, praeparata distribui fecit, atque refectis omnibus, in 
festivitate beati Jacobi (25. Juli): Ecce, inquit pater optimus, filioli mei, 
terra coram vobis est, finita est dierum malitia. Et accipiens singulas 
falces, singulos addidit denarios, unicuique denarium et falcem dans, 

1) Zur Zeit von Heinrichs V. Tode, gest. am 23. Mai 1125. 



136 Chronik der elementaren Ereignisse. 

instrumentum operis et viaticum; sicque valefecit eis, in bonitate et 
gaudio eos dimittens. || Ann. Einsidl. S. S. III, 147, 4. Erat maxima 
fames per totum orbem. || Cosmae che. S. S. IX, 131, 35. 13. Kai. 
Junii, 4. existente feria, (20. Mai) in ebdomada sacrosancta pentecosten, 
magna nix in quibusdam silvestribus locis descendit, et sequentibus 
diebus grande frigus inhorruit, atque omnigenis et maxime in autumno 
seminatis frugibus, simul et vineis, nee non et arboribus multum nocuit, 
ita ut in multis locis arbusta radicitus exaruissent, et minores gelu 
rigescerent amnes. || Ann. Cräcovic. compil. M. G. S. S. kl. Ausg. 37. In- 
undacio aquarum in omni terra. 

1126. Die Hungersnot dauert, wenigstens in einem Teile von Belgien, 
fort (Ann. Bland., Ann. JEgmund. v. Karoli 1125), im Süden des Landes 
scheint sie nachgelassen zu haben (Anselm). Hungersnot herrscht eben- 
falls in Süddeutschland (Ann. Zwifalt., Casus monast. Petrish.) und jetzt 
auch in Böhmen, das im vorigen Jahre noch verschont gehliehen war 
(Canon. Wissegrad.). Ann. Bland. S. S. V, 28, 25. Iterum fames gra- 
vissima repetita per Flandriam, per Lotharingiam, per Franciam, per 
Angliam, mülta hominum milia necavit. || Anselm. cont. Sigeb. S. S. 
VI, 380, 22. Hiems acerrima; vemus etiam periculosus. — 28. Hoc anno 
omnis seges egra et vineae cum omni fructu arborum acerrimae. || Ann. 
Egmund. S. S. XVI, 451, 48. Clades permaxima yenit, divitum et 
pauperum multitudinem extinguens. || Ann. Zwifalt. minoees S. S. X, 
55, 13. Fames magna. |1 Ann. Zwifalt. maioees S. S. X, 55, 42. Multa 
milia bominum fameperierunt. *) || Casus monast. Petbishus. lib. IV, c. 21. 
S. S. XX, 665, 19. Anno ab incamatione Domini 1126. facta est fa- 
mes valida, ita ut multi penuria oppressi deperirent. Et erat in basi- 
lica Gregorii tabula principali altario in occidentali parte apposita, 
quae auro et argento venuste fuerat operta, quae nonnisi in maximis 
festivitatibus aperiebatur. Hanc Bertolfus abbas ingruente inopia con- 
fringi fecit, et auri quidem inventum est habere unum talentum et quar- 
tam partem fertonis ; argenti vero ...*), et hoc totum tarn aurum quam 
argentum erat purissimum et Optimum. — — || Annl. Saxo S. S. VI, 
763, 16. Apud Corbeiam Wisera glacie quasi obice eam repellente in- 
undando, totam urbis aream occupat — — — || MoNAcm Priefling. 
V. Ottonis epsc. Babenberg. lib. III. c. 5. S. S. XII, 899, 6. Nam et 
pestilentiam, quae forte in diebus illis exorta totam paene Stetinen- 
sium invaserat civitatem — — — ^) ]| Canon. Wissegead. cont. Cosmae 
S. S. IX, 132, 35. Eodem hyeme tanta magnitudo nivis fuit, qualem 
nullus hominum se vidisse dicebat, in qua multi homines mortui sunt. 
14. Kai. Martii (16. Feb.) inundatio aquae; glacies multis rebus nocuit. — 
133, 28. Eodem anno multi homines perierunt fame per totum mundum. || 
Ann. Mell. cont. Mell. S. S. IX, 501, 40. Nix valida facta est. 

1128. Anselmi cont. Sigebeet. S. S. VI, 381, 13. Cum intrante 
Martio serenus aer arrideret, ipso mense mediante subito totus in nube 
cogitur, et frigore riget, aquae gelant, rura torpent, et nunc nive, nunc 
gelu, nunc pluviis elementa solvuntur. Subsequitur magna mortalitas 
ovium, agnorum, boum, vaccarum. Tandem miserante Deo, cuncta 
ad gratiam redeunt in laetania maiori. 13. Mai Gewitter in Köln. 
27. Mediante Septembrio gelu valde nocivum factum est, in quo legu- 
mina et vineae perierunt, et quicquid eiprimi potuit, in acredinem ver- 



1) AuB den Ann. Zwifalt. min. entnommen. 

2) Eine halbe Linie ist in der Handschrift leer gelassen. 

3) Ähnliche Angaben finden sich Ebbo. v. Ottonis lib. IE. c. 1. S. 
S. Xn, 859, 25 und Heribord. dialog. de v. Ottonis lib. III. c. 16. S. S. 
XX, 767, 3. 



Chronik der elementaren Ereignisse. 137 

sum est. II RuPEETüs de incendio Tiutiensi c. 2. S. S. XII, 630, 17. Erat 
autem siccitas nimia nimiumque diutina (25. Äugst.). 

1120. Ann. Laub. cont. S. S. IV, 22, 23. Hoc anno pestis ignea 
in homines fuit, et beata Maria Suessionis miraculis claruit, et mor- 
ticinum pecorum fuit. || Anselm. cont. Sigebert. S. S. VI, 381, 32. 
Cum intrante mense Januario gelu liqueretur, tanta inundatio nivis et 
pluviae fluvios et vivaria inflavit, ut sata proxima diluerent et excava- 
rent, domos quoque vicinas subverterent, et quaequae in eis inventa per- 
derent. 42. Pestilentia maxima boum, vacarum et porcorum, apro- 
rum, cervorum, capreorum. Gewitter am 17. Oktober. Hoc anno plaga 
ignis divini Carnotum, Parisius, Suessionem, Cameracum, Atrebatum, 
et alia multa loca mirabiliter pervadit, sed mirabilius per sanctam Dei 
genitricem Mariam extinguitur. Auftreten der Krankheit in verschiedenen 
Städten und wunderbare Heilungen. 

1130. MoNÄCH. Sazav. cont. Cosm. S. S. IX, 157, 14. Eodem anno 
7. Kai. Maü (25. Aprl.) immensum signum apparuit, et tonitruum horri- 
bile auditum est. 

ca. 1132. HisTOB. monast. Viconien. S. S. XXIV, 298, 53. Tem- 
pestas crudelissima ingruebat in temporibus istis, quoniam quam plures 
morte subita moriebantur — — — ^) 

1133. Anselm. cont. Sigeb. S. S. VI, 384, 29. Legumen et avena 
hoc anno proventum messis satis ementita. || Chb. reg. Col. prs. H (= 
Paderborn. Ann.) M. G. S. S. kl. Ausg. 70. Eclipsis solis facta est 
4. Nonas Augusti (2. Äugst.) circa horam 6, in tantum ut stellae in celo 
apparerent. *) Magna inequalitas aeris et pluviarum inundatio per totum 
tempus messis subsecuta est. || Canon. Wissegrad. cont. Cosm. S. S. IX, 
138, 35. Mondfinisternis am 22. Feb. Hanc eclypsim nimia mortali- 
tas hominum secuta est. 

1134. Anselmi cont. Sigeb. S. S. VI, 384, 38. Iste annus pre 
nimia siccitate satis calamitosus, quia avenae, ordea et legumina pro- 
ventum suum nimis sunt ementita. 44. Kalendis Octobribus (1. Okt.) in 
tempestae noctis silentio, motus magnus factus est in mari, ita ut litora 
sua preteriret, et tamen in se iterum resideret. Sequenti vero nocte 
primo crepusculo cum omni impetu terminos egrediens, omnia circum- 
quaque, id est villas, castella, aecclesias, ita pessumdedit, ut tres comi- 
tatus, id est, Walecras, et Wales et Bebrant cum homine et pecore 
penitus exterminaret. || Ann. Foss. S. S. IV, 30, 41. In Namurco Sambra 
fluvius a solito meatu penitus cessans, per diem iategram funditus aruit. |1 
Casus monast. Petrishus. lib. V. c. 7. S. S. XX, 670, 42. His diebus 

grandis infirmita« in ipsa congregatione grassabatur || Canon. 

Wissegrad. cont. Cosm. S. S. IX, 141, 1. Hyems instabilis, ita ut 
nunc gelaret, nunc vernalis more temporis terra resolveretur, adeo ut 
Albis fluvius bis glacie astringeretur bisque liquefieret. Flumen vero 
Wltawa, quod metropolitanas nostras urbes Pragam et Wissegrad alveo 
suo dividit, quater gelatum est, et quater glacies eius dissoluta est; nivis 
autem penuria fuit. Haec intemperies aeris a mense Novembri in- 
cipiens, per totum circulum sequentis anni nullum mensem praeterivit, 
quin aut intrante aut exeunte unoquoque mense magno impetu saeviret. 
Tandem in altero anno 5. Kai. Novembris (28. Okt.) vespertina hora per 
totum mundum saevissima tempestas ventorum orta est, — — — 

1135. Ann. Laub. cont. S. S. IV, 22, 34. Hoc anno transcendit 
mare terminos suos in ultimis partibus Flandriae, et submersit in- 
sulas multas cum hominibus. || Chr. S. Bavonis De Smet., Corp. chb. 



1) Die Stelle ist ein Zusatz des Mcolaus de Montigni. 

2) Totale Soimenfinsternis am 2. August 1133, auch Ann. Foss. S. 
S. IV, 30, 38. 



138 Chronik der elementaren Ereignisse. 

Fland. I, 582. Magnus ventus factus est, quinto kal. Novembris (28. Okt.), 
tarn vehemens, ut turres ecclesiarum domosque urbium subverteret per 
diversa loca. Audita sunt tonitrua ac coruscationes fulminum visae, die- 
bus Decembris. |1 Ann. Egmxxnd. S. S. XVI, 453, 53. Maxima inundatio 
aquarum maris in multis locis facta est Kalendis Octobris. || Sigeb. 
AUCT. Laudun. S. S. VI, 446, 16. Gr. Sturm am 28. Okt. Mare terminos 
suos egressum, partem Flandriarum cum habitatoribus suis inopinante 
submersit. 

1136. Sigeb. cont. Toknacen. S. S. VI, 444, 13. Eodem tempore 
siccitas magna fuit, et magna frugum abundantia, et ab incom- 
modo quartariae febris multi mortui sunt. || Ann. Foss. S. S. IV, 
30, 44. Estatis tempore circa solsticium insolitum calorem tam terram 
et germina quam homines et pecora gravi defectu 

1137. Ann. Bland. S. S. V, 28, 52. Siccitas magna. || Che. S. Ba- 
voNis De Smet. Corp. che. Fland. I, 583. Siccitas tanta fuit in Francia, 
ut fontes, putei et fluvii siccarentur. || Sigeb. auct. Laudun. S. S. VI, 
446, 26. Siccitas, quantam nemo, qui tunc viveret, se vidisse vel ab 
antecessoribus suis se audisse testabatm-, ita ut fontes et putei, quidam 
et de fluminibus siccati sint. || Ann. Foss. S. S. IV, 30, 47. Aestus 
maris insolito motu terminos suos transgreditur et tres comitatus Gua- 
lecras, Gulles et Zewanc penitus exterminavit. || Ann. Egmund. S. S. XVI, 
454, 9. Maxima siccitas fuit in toto vernali et estivo tempore, adeo ut 
estus nimius scitisum in multis locis exusserit. Hoc anno in Flandria 
plurima monasteria a fulgure sunt succensa. || Chr. beg. Col. prs. 11 
(= Paderborn. Ann.) M. G. S. S. kl. Ausg. 74. Nam bona aeris tem- 
perie, omnigena terrae fertilitate, cunctarum rerum copia non solum 
per regnum, sed et pene per totum mundum exuberabat. 

1138. Che. S. Bavonis De Smet. Coep. che. Fland. I, 584. Auditum 
est tonitruum, octavo kal. Julii (24. Jun.), cujus ictus exstitit intolera- 
bilis. Monachos enim sancti Bertini in oratione consistentes terrae pro- 
sternens, quibusdam visum, aliquibus auditum, aliis aliquandiu sustulit 
et sensum. || Bertholdi Zwifeltensis che. S. S. X, 122, 30. Ipso anno 
magna erat habundantia frugum adeo ut modius siliginis duorum 
nummorum vix haberet precium. 

1139. Sigeb. auct. Afflig. S. S. VI, 400, 32. Ab isto aimo cepit 
fames 12 annos perdurans. || Che. S. Bavonis De Smet. Coep. Fland. 
I, 584. Ab hoc anno fames incipiens fere septem continuis annis postea 
duravit, et pene totam Europam cum adjacentibus insulis oppressit. || 
Sigeb. cont. Gemblac. S. S. VI, 386, 48. Paludes et fontes, qui per ali- 
quot annos tanta defecerant siccitate, ut putarentur non posse denuo 
refluere, mirantur multi non solum fluere, sed et solito maiores aquas 
emittere. 

1140. Lokale Hungersnot in Sachsen (Ann. Palad.). Ann. Egmund. 
S. S. XVI, 455, 12. Nix nimia et hyemps fuit validissima. || Ann. Pa- 
LiDEN. S. S. XVI, 80, 27. Animositate principum Saxonie contra regem 
suosque amicos nullatenus desinente, magna famis necessitas huic 
ingruit provincie. 

1141. Che. S. Bavonis De Smet. Coep. che. Fland. I, 585. Plaga 
ignis divini multos adussit, qui meritis beatae Mariae virginis salvati 
sunt. Lapides grandinis tantae magnitudinis ceciderunt, ut vineas atte- 
rerent in quadam parte Galliae et domos subverterent. In quadam etiam 
parte Flandnae segetes vastaverunt et multitudinem avium necaverunt. || 
Balduini Ninov. che. S. S. XXV, 531, 40. In octavis apostolorum Petri 
et Pauli (6. Jul.) hora sexta usque in vesperam tempestas gravissima 
grandinis invaluit talis, ut glandibus comparata aut similis aut maior 

esset. 47. Tota hyeme nee glacies nee nix nee etiam aliquando 

tenuis pruina visa est. Que temperies etiam usque in golsticium per- 



Chronik der elementaren Ereignisse. 139 

du/avit, ut tota estas frigida cogeret nos sicut in hyeme vestiri et cale- 
fieri. Quam annone sterilitas subsecuta est et omnium victualium 
indigentia. || Sigeb. cont. Gemblac. S. S. VI, 387, 21. Plaga ignis di- 
vin i multos adurit; sed per intercessionem sanctae Dei genetricis 
Mariae — — || Ann. Laub. cont. S. S. IV, 22, 44. Hoc anno pestis 

horrida ignis et gravissimae debUitatis in homines fuit || Cano- 

Nic. Wissegrad. cont. Cosm. S. S. IX, 147, 1. Hyems tunc varia fuit. 
5. 17. Kai. Maii (15. Aprl.) inundatio fluminis Wltava, quae üuit inter 
urbes Wissegrad et Pragam, nimia facta fuit, et vicinis rebus multum 
nocuit. II MoxACH. Sazaven. cont. Cosm. S. S. IX, 158, 46. Eodem anno 
fuit inundatio aquarum in Boemia. 

1142. Nach einem harten Winter (Cont. Burburg., Ann. Laub, cont.) 
beginnt in Belgien einstweilen nur in der Gegend von Lobbes nachweisbar 
eine Hungersnot (Ann. Laub, cont., G. abb. Lobb.J. Sigeb. cont. Bur- 
BUKG. S. S. VI, 457, 44. Hyemps asperrima et diutina; quam in- 
secuta est tarn insolita aquarum inundatio, ut flumina a suis alveis 
plus solito exeuntia pontes, domos cum familiis, castra proxima ever- 
terent, et secum tracta involverent. || Ann. Laub. cont. S. S. IV, 22, 48. 
Hoc anno hyems aspera, fames plurima, languor hominum extitit. jj 
Ann. Foss. S. S. IV, 31, 5 (= Ann. FloreflF.). Flamma ignis divini 
multos adurit. || G. abb. Lobbiexs. S. S. XXI, 329, 5. Pro quo etiam 
damno — nam et ipso tempore totam ville et curie nostre apud Sancto- 
nas annonam incendio deperisse contigerat — dum sibi cotidianis sump- 
tibus nostri non sufficiunt, nova et eatenus inexperta apud nos con- 
fusione de nostris aliqui aliorum sustentari monasteriorum beneficiis ad 
tempus dispersi sunt. Ad malum nostrum etiam commune omnium 
malum concurrebat. Tanta quippe ea tempestate annone Caritas erat, 
ut frumenti modius Lobiensibus marca argenti venderetur. Sub 
qua necessitate hiis qui residui apud nos erant — pauci enim alias 
transmissi fuerant — dum victus necessarius prepäratur, ecclesia non 
parvo debitorum onere gravatur et obligatur, ad supplementum vide- 
licet mensium duorum, qui vestabant, ad tempus messis 40 tritici 
modus totidem marcharum summa comparatis. A qua obliga- 
tione multos in annos nulla conceditur absolutio, dum et malitia dierum 
et rerum penuria semper augescit et negligentia eorum, qui male gesta 
cori-ipere, male gerenda cavere debuerant, usuras usuris addere et suis 
crudeliter subtrahere, quo alii crudelius ditentur, non pertimescunt. 

1143. Harter Winter; in Lobbes, toie im vorigen Jahre, Hungers- 
not (Ann. Laub.). Ann. S. Dionysh Rem. S. S. XIE, 83, 37. Facta est 
nix profundissima a festo sancti Nicolai (6. Dec.) usque ad purificatio- 
nem beatae Mariae (2. Feb.). || Sigeb. cont. Burbuhg. S. S. VI, 457, 47. 
Am 19. Jan. gr. Sturm. Mare etiam in ipsa epdomada terminos suos 
transgrediens, plurimum terrarum summersit. || Ann. Laub. cont. S. 
S. rV, 22, 50. Hoc anno extitit aspera hyems et nix permaxima super 
faciem terrae a Calendis Decembris usque ad Calendas Februarii, et se- 
quitur fames valida 7 annis. || Balduini Ninov. chr. S. S. XXV, 532, 8. 
Hoc anno incipiente frigus acerbissimum multum prevaluit, ut non 
solum aves et feras extingueret, sed etiam multas arbores radicitus ex- 
siccaret. Nix etiam gravissima ab ante adventum Domini (29. Nov. 
1142) usque in purificationem (2. Feb. 1143) cuncta operuit. Que in 
maximos cumulos erecta postquam liquescere cepit, tanta inundatio 
aquarum facta est, quanta hactenus nonquam apparuit. Pontes regali 
opere factos dissolvit, domos magnificas dissipavit, turres etiam, urbes 
et basilicas plurimas evertit. Gandavi in monasterio Sancti Bavonis per 
totum (claustrum in tantum aqua prevaluit, ut ultra solitum alvei sui 
terminum plus viginti pedum spacio excresceret. Tum flumine per om- 
nes officinas monasterii stagnante, claustrum navigabile factum est, ut 



140 Chronik der elementaren Ereignisse. 

fratribus ad dormitorium vel refectorium navigio esset eundum. Hec 
miserabilis clades sicut gravissima, sie etiam diuturna fuit. Inundatio 
maris maxima terrarum spacia occupavit, multis gravissime calamitatis 
causa fuit. || Ann. Bland. S. S. V, 29, 7. Inundatio aquarum maxima. || 
Ann. Remen. et Colon. S. S. XVI, 733, 12. Hoc anno ex habundantia 
nivium facta est inundatio, que subruit villas et pontes. || Chr. eeg. 
CoL. prs. n (= Paderborn. Ann.) M. G. S. S. kl. Ausg. 79. Hoc anno 
hyemps validissima et prolixa exstitit. — Tota aestate et autumpno 
pluviae intolerabiles. || Ck. S. Petri Erford. mod. S. S. XXX, 366, 16. 
Hyemps magna et nivosa. 

1144. Die Hungersnot, die in den beiden vorhergehenden Jahren 
noch vereinzelt auftrat, hat jetzt ein gröfseres Gebiet in Belgien (Cont. 
Gembl., Ann. Camerac.) und den angrenzenden Gebieten (Ann. Bod., G. 
epsc. Vird.) ergriffen. Ebenso Hungersnot in England (Cont. Gembl., 
Cont. Praemonstr'). Cont. Gemblac. S. S. VI, 388, 27. Hiems hoc anno 
nimietate pluviae et vento vebementi periculosa extitit et damnosa, in 
tantum, ut silvas, templa, turres et edificia, quae putabantur firmissima, 
aut funditus subverterit, aut magna ex parte destruxerit. 30. Fames 
gravissima hoc anno multos afflixit; multos panis penuria pauperavit. 
In regno autem Anglorum in tantum dicitur prevaluisse, ut maxi- 
mam utriusque sexus multitudinem contigerit fame interiisse. Nee tan- 
tummodo pauperes et mediocres, sed et eorum multi, qui putabantur 
ubi sufficientes esse, duro famis gladio perurgente coacti sunt alios emi- 
grare, ut malum inopiae si non ex toto evitare, saltem possent alleviare. 
Triticeae messis maturitas et collectio provenit tardius solito; quia ni- 
mietate pluviae impediente, vix potuerunt messores 8. Kai. Septemb. 
(25. August) metere, quod aliquoties vidimus 8. Kai. Augusti (25. Jul.) 
messuisse. 45. Vineae et arbores fructiferae non exibuerunt solitam ub- 
ertatem, sed in proventu difficultatem, in fructibus habuerunt raritatem 
et acerbitatem. || Chr. S. Bav. De Smet. Corp. chr. Fland. I, 586. Maxi- 
mus ventus factus est XIV. kal. Februarii (19. Jan.). || Ann. Camerac. S. S. 
XVI, 516, 1. Nam tanta sterilitas frugum super terram oceani 
fuit, ut Atrebatensis mensura, quae nuncupatur mencalt, quin- 
decim solidis emeretur; Cameracensis etiam mensura, quae satis 
minor habetur, decem solidis venderetur. Unde nonnulli propter famis 
intemperiem compulsi sunt de terra sua et cognitione egredi. || Laurentii 
G. EPisc. ViRDxjN. S. S. X, 515, 33. Interim maximus ventorum turbo in- 
horruit et inauditas silvarum turrium et domorum strages in bis Gallia- 
rum partibus dedit. Continuum venti flatum et inundationem pluviae 
secuta est frugum sterilitas, vini autem multo maxima. || Sigeb. cont. 

Praemonstr. S. S. VI, 452, 60. et regnum illud (England), quod 

pre ceteris aliquandiu quietum mnaserat et opulentum, ferro, flamma, 
fame misere decerpitur. || Ann. Rod. S. S. XVI, 717, 5. Ventus fuit 
vehementissimus, quem semper ut ferunt fames sequitur et carum 
tempus. Eodem anno facta est fames magna. Et quia haec nostra 
Rothensis aecclesia elemosinarum beneficiis est educata, disposuit et ipsa 
a principio sua indigentibus beneficia suppeditare, id est annonam suam 
vinumque et censum decimare, in hoc praesens pauperum hospitale, ubi 
etiam fratres laici sive minuti, sive infirmi solebant reclinare, et ex sti- 
pendiis eiusdem hospitalis vixerunt, quasi habitaculi necessitate. Nunc 
autem murmurantibus Ulis quod elemosinarum alerentur stipendiis, cum 
et ipsi communis omnium essent fraternitatis, absolvit eos abbas inde 
tali videlicet rerum mutatione, ut ulterius panis tantummodo et cer- 
visia in praedictum decimetur hospitale, et pro decimis vini pars detur 
tricesima et census nummorum pars vigesima, et sie fratres praedicti 
sive infirmi sive minuti ex promptuario nutriuntur communi. || Ann. 
S. Pbthi Erphbsf. antiq. M. G. S. S. kl. Ausg. 18. Magna inundatio 



Chronik der elementaren Ereignisse. 141 

{iquae fuit in Erphesfurt VII. Kai. Junii (26. Mai). || Ann. Herbipol. 
S. S. XVI, 2, 52. Hoc anno facta est grando maxima ante pentecosten, 
quod est Non. Maii (7. Mai). || Ann. Scbeftlar. maiok. S. S. XVII, 336, 24. 
Ventus vehemens 13. Kai. Febr. (20. Jan.) magnas ruinas per plurimas 
mundi partes fecit. 

1145. Grofse allgemeine Hungersnot in Frankreich (Ann. S. Columb. 
Sen.) und Deutschland. Nachrichten sind erhalten aus Norddeutschland 
(Ann. Corb.J, dem Elsaß (Ann. Monust.), Baiern (Ann. Ottenh. Ising.) 
und Österreich (Cont. Meli., Ann. Reichersberg., Magni Beichersberg. 
ann.). Das Fehlen von Nachrichten aus dem belgischen Gebiete beruht 
wohl nur auf einem Zufall, da hier in den vorhergehenden und folgenden 
Jahren von einer schweren Hungersnot berichtet wird; vgl. Chr. S. Bavo- 
nis a. 1146. Ann. S. Columb. Senon. S. S. I, 107. Hoc anno apparuit 
cometes mense Maio. Quam secuta est mortalitas hominum et 
animalium, pestilentiae et fames, ita ut sextarium tritici 
•venundaretur 14 solidis, ordeum decem^ avena octo. || Chb. S. 
Bavonis De Smet. Corp. chr. Fland. I, 506. Cometa visa est. || Ann. 
Roden. S. S. XVI, 718, 4. Ventus fuit vehementissimus, quem 
fames semper ut ferunt sequitur et carum tempus. || Ann. Brunwil. S. S. 
XVI, 727, 18. Hoc anno in Maio plus quatuordecim noctibus cometes 
aparuit. Secuta est cum mortalitate et fames ante inaudita. || 
Chronograph. Corb. Jaffe, Bibl. I, 45. Eodem anno fames aspera. Et 
fures plures, ex militibus fortioribus factione perniciosa conglobati, 
multos in liac terra durius augebant. Denique Vuldensem ecclesiam 
patera Hathemari et multis thesauris spoliabant, et nonnullas alias huius 
terrae ecclesias rebus propriis et eis aliunde illatis idem predones vel 
fures privabant. || Ann. Monasterienses S. S. III, 154, 41. Fames valida 
duobus annis. || Ann. Herbipol. S. S. XVI, 3, 3. Ipso anno facta est 
tempestas magna et inaudita 14. Kalend. Febr. (19. Jan.). || Ann. Otten- 
BUR. IsiNGRiMi MAioR. S. S. XVII, 313, 2. Eodcm anno et sequenti facta 
est tam valida fames, ut modius avenae talento et quinque soli- 
dis venderetur. || Ann. Ratispon. S. S. XVH, 586, 11. Eodem anno Stella 
cometa luxit. || Magni presbyt. ann. Reichersperg. S. S. XVH, 460, 10. 
Nam Saturnus qui est unus de 7 planetis, Stella frigidissimae na- 
turae, ipso anno in ultima parte arietis positus, precedentes 7 vel 8 
annos steriles ac terram pene eflfetam reddiderat, ita ut in locis 
solummodo calidioribus ac pinguioribus vix semina pauca et pastum 
tenuem cultoribus redderet. In qua sterilitate per omnes pene 
terras innumerabilis hominum multitudo fame occubuit, 
ceteris vitam ex herbis terrae ac radicibus herbarum simul et arborum 
corticibus misere transigentibus. Quidam etiam iumentis per singulas 
hebdomadas sanguinem minuere soliti, tali edulio vitam refocillabant. 
Haec Stella 30 solaribus annis suum contra firmamentum nitens peragit 
annum. Quam si sol in aestivalibus signis offenderit, frigidam circa id 
tempus aestatem efficit, eamque in pluvias pene hiemales convertit. Si 
vero in signis hiemalibus sol in eins frigus incurrerit, duplicato gelu 
hiems solito vehementior inhorrescit, hac Stella vicinitate sua ipsum 
quoque solem infrigidante. Haec sane duplicatio frigoris ex huius stellae 
cum sole vicinia simul et annualis hiemis algore proveniens, maiorem 
terris sterilitatem importat, si eadem Stella vel in aquario vel in pis- 
cibus aut in prima parte arietis consistens, sicque hiemem in Martium 
et Aprilem protelans, terram suo tempore aperiri et germinare non si- 
verit. Et haec quidem secundum astrologos dicta sunt, qui naturas 
rerum etiam in motibus siderum investigant. || Ann. Reichersperg. S. S. 
XVH. 460, 6. Maxima fames erat. || Cont. Mellic. S. S. IX, 503, 31. 
Ventus validus ab occidente irruens, Galliam, Franciam, Bawariam 
totamque Theutonicam terram pertransiens, multas ecclesias plurimaque 



142 Chronik der elementaren Ereignisse. 

edificia subruit, arborum etiam et vinearum partem quandam delevit. 
Farnes valida totum Theutonicum regnum devastavit duobus annis. 

1146. Die Hungersnot dauert mit unverminderter Kraft fort, es 
sind Nachrichten erhalten aus Belgien (Chr. S. Bav., Hist. Tornac, Cont. 
Gembl., Ann. Foss., Ann. Parch., Ann. S. Jacobi Leod., Cont. Praemonstr.), 
aus Frankreich (Ann. S. Dionysii Bern., Ann. Catalaun.) , aus Loth- 
ringen (Chr. univ. Mett.J, aus dem Bheinlande (Ann. Bod., Ann. Aquens., 
Ann. Brunwilar., Chr. reg. Col., Ann. Bern, et Col.), aus Sachsen (Chro- 
nograph. Corb.J) <*^s Franken (Ann. Herhipol.), Schwaben (Casiis monast. 
Petrishus., Ann. Ottenb. Ising. a. 1145), Baiern (Ann. Batispon., Ann. 
Scheftlar.) und Österreich (Ann. Meli. a. 1145). Che. S. Bavonis De Smet. 
CoKP. CHE. Fland. I, 586. Farnes gravis continuatur. || Hist. Toenac. S. S. 
XIV, 346, 15. Quo anno fuit fames gravissima, ita ut venderetur sex- 
tarius tritici 56 solidis. || Cont. Gemblac. S. S. VI, 389, 24. Fames 
gravissima iamdiu concepta in tan tum longe lateque praevaluit, ut 
excrescentem pauperum multitudinem nullatenus sine magno gravamine 
sustentare possent hi, qui respectu Dei vel pietatis affectu manum mise- 
ricordiae porrigebant eis. Multos etiam, qui victu et aliis necessariis 
habundabant, malum famis ad mendicitatem deduxit. || Ann. Foss. S. S. 
IV, 31, 9 (= Ann. Floreff.). Fames gravissima hoc anno multos afflixit. || 
Ann. Paechenses S. S. XVI, 605, 45. Hoc anno dabantur 34 solidi pro 
uno modio frumenti. || Ann. S. Jacobi Leod. S. S. XVI, 641, 1. Fa- 
mes inaudita modio siliginis viginti, speltae undecim solidis 
vix se redimentibus. |1 Sigeb. cont. Peaemonste. S. S. VI, 453, 15. Fames 
permaxima grassatur in Gallia, in qua aecclesiarum Christi enituit 
liberalis munificentia; quae in sustentationem pauperum multa expen- 
derunt modiorum milia. Quo tempore in Lingonensi parrochia, apud 
Mormandum, ubi pauperes innumeri cotidiana stipe alebantur, quidam 
homines occidisse et eorum carnes coctas vendidisse deprehensus, a 
pauperibus patibulo est appensus. || Ann. S. Dionysii Rem. S. S. XHI, 
83, 41. Facta est fames valida Remis, adeo ut sextarius frumenti 
venderetur undecim solidis. || Ann. Catalaunen. S. S. XVI, 489, 26. 
Fames valida ubique terrarum, qualis nunquam antea fuit. || Che. uni- 
VEES. Mett. S. S. XXIV, 516, 60. Fames magna. 1| Ann. Roden. S. S. 
XVI, 719, 11. Eodem anno facta est fames vehementissima, et omni 
adhuc aetati inaudita, ut modius Coloniensis pro duodecim soli- 
dis et sex venderetur denariis et modius Traiectensis pro tri- 
bus libris et sex solidis. || Ann. Aquen. S. S. XXIV, 37, 48. Fames 
maxima, et quod inauditum ante fuerat, modius Aquensis tritici 
venditur 25 solidis.^) || Ann. Beunwil. S. S. XVI, 727, 22. Hoc anno 
in tantum angustia famis per totum orbem prevaluit, ut panis qui 
palmo comprehendi queat, pro denario Coloniensis monete daretur; 
pluresque hac inopia pregravati, radicibus herbarum pro cibo uterentur; 
hoc autem victu penitus carentes crudele sui mortis inditium mundo 
reliquerint. || Che. eeg. Col. prs. III. M. G. S. S. kl. Ausg. 81. Co- 
meta apparuit, in cuius ortu astrologi aiunt famem aut pestilentiam 
aut mutationem regnorum prefigurari, que cuncta nunc impleta sunt 
rec. II Cometa apparuit Renus fluvius alveum suum Coloniae egressus, 
inaudita antea magnitudine excrevit. || Ann. Rem. et Col. S. S. XVI, 
733, 18. Fames maxima fuit, quod malder siliginis pro marca 
dabatur in Colonia. || Cheonogeaph. Coeb. Jaffe Bibl. I, 49. Reliquid 
autem et abbatiam et preposituram rebus pastui habilibus permaxime 
attenuatas, adeo ut et vix fratres sustentarentur, quia et debitis et 
statutis per multa carebant; set et hec nimium angens fames effecerat, 



1) Ann. S. Petri Erphesfurd. prs. IL a. 1146 übernehmen die 
Nachricht. 



»Chronik der elementaren Ereignisse. 143 

que pene et totum mundum vehementissime urgebat. | Ass. HsEBiPot. 
S. S. XVI, 3, 6. Facta est ipso anno mortalitas magna per totum 
Wirzeburgensem episcopatu m. 8. Hoc anno facta est fames 
valida. || Ann. Ratispon. S. S. XVII, 586, 12. Sequenti anno hoc est 
MCXLVI fames iavaluit. D Ann. Scheftlar. maior. S. S. XVII, 336, 25. 
Fames magna fuit. *) || Casus, monastk. Pktrishus. lib. V. c. 25. S. S. 
XX. 673, 47. Fames magna populos longe lateque premebat, 
ac per hoc inopia cogente quedam personae de Triboltingin et 
Tegirwilare ad monasterium contulerunt, se suasque possessiun- 
culas illuc tradiderunt, quam traditionem quidam eorum minime 
stabilire potuerunt, quoniam possessiones ad Augiam tributarie fuerant. 

1147. In einzelnen Gegenden (Ann. FJoreff., Chr. reg. Col.) machen 
sich Nachwirkungen der Hungersnot der vorhergehenden Jahre noch be- 
merkbar. Aufserdem herrscht Hungersnot in Holstein (Helmold), die aber 
wahrscheinlich auf Verwüstungen des Landes durch den Slavenkrieg zu- 
rückzuführen ist. Ann. Floreff. S. S. XVI, 624, 42. Fames valida. 
Eclipsis solis.*) || Chr. reg. Col. prs. III. M. G. S. S. kl. Ausg. 82. 
Eclipsis solis facta est. Sequitur fames maxima per totam Galliam 
et Germaniam, ita ut maldrum siliginis 12 solidis emeretur, panis 
vero qui pro denario dabatur vix pugillum palmae excederet. Erat 
videre miseriam, eos qui nuper deliciose vivebant pro panis inopia do- 
mos circuire. Famem quoque secuta est ingens pestilentia, ita ut 
deficientibus sepulchris multitudo fossis pariter immitteretur. rec. 11. 
Eclypsis solis facta est 7. Kai. Novembris (26. Okt.) circa horam diei 
pene 4. Ipso anno fames maxima facta est, ita ut modius siliginis 
12 solidis Coloniensis monete venderetur in mense Junio. 
Famem etiam pestilentia et mortalitas subsecuta est intolerabilis. || 
Helmoldi CHR. Slav. Hb. I. cap. 66 de fame M. G. S. S. kl. Ausg. 127. 
Quid dicam de sacerdote Cristi Vicelino? In ea calamitate, qua bar- 
baricus furor multos attriverat et frumentorum penuria famem par- 
turiverat, omnibus, qui in Faldera et Cuzelinia fuerunt summopere com- 
mendavit, ut pauperum memores essent. Ad quod opus vir Dei Thet- 
marus fuit incomparabiliter idoneus, dispergens et dans pauperibus 
minister fideUs et prudens, ubique caritativus ubique largus, in cuius 
laudem parum est quod loquor. Sane pectus sacerdotis misericordia 
refertum, suavissimo fragrabat odore, iaciebantque pre foribus mona- 
sterii greges egenorum, expectantium elemosinam de manu viri Dei: adeo 
ut locus ille ad inopiam redigendus videretur propter largitatem viri. 
Obserabantur igitur a procuratoribus ostia domestice rei , ne curia 
subiaceret detrimento. Quid faceret homo Dei? Clamores pauperum 
ferre non poterat, nee fuit ad manus quod daret. Cepit ergo vir mise- 
ricors curiosius agere et circuire horrea, explorare calldus aditum, quo 
etiam secretius reperto, egit in modum furantis dans cotidie pauperibus 
iuxta opportunitatem. Ferebatur autem a fidissimis nobis, quod iisdem 
diebus exinanita frumentaria, penus divinitus recuperata sit. || Ann. S. 
DisiBODi S. S. XVn, 27, 7. Pestilentia magna facta est. 

1148. Chr. S. Bavonis De Smet Corp. Chr. Fland. I, 587. In di- 
versis locis tempestas tonitruorum et fulgurum desaevit, sed peramplius 
in Lauduno. || Ann. Magdeburg. S. S. XVI, 190, 19. Hyemps nivosa 



1) Älterer kompilierter Teil der Annalen, die Nachrichten stammen 
aus Regensburg oder Ensdorf, die Nachricht gilt also für den Norden 
von Baiem. 

2) Die Annalen geben als Jahr 1148 an, da aber in diesem Jahre 
in Belgien keine Sonnenfinsternis sichtbar war, so mufs die ringförmige 
Sonnenfinsternis vom 26. Okt. 1147 gemeint sein, die auch die Chr. reg. 
und die Ann. Brunwil. S. S. XVI, 727, 26 erwähnen. 



144 Chronik der elementaren Ereignisse. 

et aspera unde et siligo in agris sub profunditate nivis diu suffocatus 
deperiit. 

1149. Ann. Egmund. S. S. XVI, 456, 34. Hiemps tarn ralida 
fuit, ut etiam maria quae frigori solent esse immunia glacie tenerentur, 
et volucres coeli in rigorem versae deficerent, et omne quod movetur 
gelu constringeretur. Estas eiusdem anni pestilens et valde nociva 
fuit, ut multi mortales aeris intemperie morerentui', pueri, iuvenes, senes, 
et in sola Traiectensi civitate quadraginta hiomines una die ducerentur 
ad tumulum. || Sigeb. cont. Toenacen. S. S. VI, 444, 19. Hiemps so- 
lito asperior inhorruit, in tantum, ut in mari plus quam tribus a 
littore milibus super glatiem via preberetur, et tumescentes fluctus gelu 
solidati in similitudinem turrium cernerentur. Ante et post idem gelu 
per multos annos magna frugum penuria fuit, adeo ut aliquotiens 
apud Tornacum sextarius frumenti 60 solidis venderetur. || 
Sigeb. cont. Pkaemonstkatensis S. S. VI, 454, 41. Im März Stürme et nimia 
fuit pluviarum inundantia. || Ann. Camekac. S. S. XVI, 518, 31. Hiemps 
gravis extitit, et plurima nix, quae a festo sancti Nicholai (6. Dec.) 
cepit et usque ad Kai. Martii (1150) fere duravit. || Sigeb. auct. Afflig. 
S. S. VI, 400, 48. Hiemps gravissima4 mensibus invaluit et prevaluit. *)|| 
Ann. Brunwil. S. S. XVI, 727, 46. Hoc anno byems tam valida fuit, 
ut arborum fructus vinearumque ubertas tota perierit. Renus calcabiHs 
fuit. II Ann. Pegav. cont. S. S. XVI, 258, 48. Magna mortalitas peco- 
rum. II Auct. Zwetlense S. S. IX, 540, 41. Fames valida duravit per 
biennium. *) 

1150. Nach einem harten Winter entsteht an einzelnen Orten eine 
Hungersnot (Chr. universal. Mett., Ann. Monast., Chr. minor, auct. 
minorit. Erphord.). In Österreich herrscht Hungersnot, die vielleicht schon 
im vorhergehenden Jahre begonnen hatte (Ann. Ztvetl.J. Ann. Bland. S. S. 
V, 29, 16. Hiemps validissima fuit, perdurante glacie a. 5. Idus 
Decembris (9. Dec.) usque 14. Kai. Martii (16. Feb.). i| Ann. Laub. cont. 
S. S. IV, 23, 14. Hoc anno hyems asperrima. || Ann. Aquen. S. S. XXIV, 
38, 5. Sterilitas frumenti et vini, hiemps asperrima et longa. || Che. 
REG. CoL. prs. in. M. G. S. S. kl. Ausg. 87. Hyemps valida extitit. ||Chb. 
UNIVERS. Mett. S. S. XXIV, 517, 5. Fames magna.*) || Ann. Monast. 
S. S. III, 154, 43. Hiems valida cum fame maxima et inunda- 
tione, et defectus omnium fructuum, et ariditas vinearum et nucium, 
et pestis animalium. || Ann. Magdebg. S. S. XVI, 190, 39. A vigilia 
nativitatis sancti Johannis baptistae (23. Jun.) frequenter tonitrua gravi 
horrore plena, fuLmina terribilia, tempestates horribiles, vis ymbrium, nimia 
inundatio aquarum, nebule tenebrose et fetentes et spissae, et secuta gra- 
vissima pestilentia et mortalitas tam hominum quamquam et 
pecorum et magna penuria frugum; — — — — Hyemps as- 
pera et longa, et in sequentem annum nimis producta. || Cr. S. Petei 
Erford. S. S. XXX, 367, 9. Hiemps dura ac diutuma, adeo ut ple- 
rosque vis algoris extingweret, et apum atque pecorum maxima pars 
deperiret. || Chr. minor, minorit. Erphord. cod. C. 2. M. G. S. S. kl. 
Ausg. 639, 24. Hyemps dura magnam cladem intulit plerisque, et 



1) Wörtl. gleich in Cont. Aquicinct. u. Auct. Aquic. enthalten, die 
Angabe stammt nach Angabe des Herausgebers aus Ann. Bland. 1150, 
bezieht sich aber auf den Winter 1149 — 50. 

2) Die Nachricht ist vom Verf. aus cont. Zwetl. I entnommen, sie 
findet sich dort a. 1150, allerdings setzt der Verf. der cont. Zwetl. I die 
Ereignisse häufig ein Jahr zu spät an. 

3) Verwandt mit Ann. S. Vincentü Mett. a. 1151; vgl. Waitz, N. 
Arch. III, 72 fi-. 



Chronik der elementaren Ereignisse. 145 

fames magna secuta est ac pestilencia hominum. ') || Cont. Zwetl. I. 
S. S. IX, 538, 14. Farnes valida cepit esse per biennium. || Ann. S. Ja- 
coBi Leod. S. S. XVI, 641, 15. Hiemps asperrima. 

1151. Die Hungersnot, die sich an einzelnen Stellen schon im 
vorigen Jahre bemerkbar machte, ist jetzt über ganz Deutschland verbreitet. 
Es sind Nachrichten erhalten aus einem Teile Belgiens (Ann. Laub., Ann. 
S. Jacobi Leod.), aus dem Rheinlande (Ann. Aguens., Chr. reg. Col., 
V. Arnoldi), aus Lothringen und dem angrenzenden Teile Frankreichs 
(Ann. S. Vincent. Mett., Ann. S. Benig. Div.), aus Sachsen (Wibaldi 
epsit., Ann. Magdebu/rg., Ann. Palid., Ann. S. Petri Erphesfurd.) und 
eine Nachricht aus Süddeutschland (Ann. Ottenb. Isingr. maior.). Sigeb. 
CONT. Bellovac. S. S. vi, 463, 8. Congelatis in terra segetum radicibus, 
fit maxima frugum inopia. |1 Che. S. Bavonis De Smet Cokp. chr. 
Fländ. I, 588. Fames valida facta est in Flandria, ut Brugis vendere- 
tur hodum frumenti XL solidis. || Sigeb. auct. Aquicin. S. S. VI, 
396, 6. Fructus terra habuit uberes; set pluviarum inundatione a festi- 
vitate sancti Johannis (24. Jun.) usque ad medium Augusti omnia va- 
stante, vix ad maturitatem perduxit. Nam vinum et ceteri fructus ex 
parte defecerunt; et quod de uvis coUectum est, in acorem versum est.*)|| 
Ann. Camerac. S. S. XVI, 522, 19. Eodem anno ante mensem Augustum, 
gravis venundatio tritici subito invaluit, ita dumtaxat ut publice Ca- 
meracensis mensura plus quam 9 solidis venderetur. Pestis 
etiam animalium gravissima in Unguis eorum extitit, maxime cabal- 
lorum. II Ann. Laub. cont. S. S. IV, 23, 18. Famis periculo multi inter- 
eunt. Annus totus pluvialis. || Ann. S. Jacobi Leod. S. S. XVI, 641, 1&. 
Tempus asperrrmum et pluviale. Fames valida. Mors in homines. 
Messis tarda. Plus vindemia. Mustum vix Lucae euangelistae (18. Okt ). j| 
Ann. Aqüen. S. S. XXIV, 38, 7. Fames prevalida. || Chr. reg. Col. prs. III. 
rec. n. M. G. S. S. kl. Ausg. 88. Ipso anno fames horrenda et omninm 
rerum inaudita penuria. || Vita Arnoldi archiepsc. Mogunt. Jaff^ 
Bibl. ni, 608. Tempore vero ingruentis inopie ^, que totam Germaniam 
fame profligatura minitabat, tercentos pauperes — propria manu obse- 
quiis exhibitis — alimoniis sollicitus et specialiter nuti-iebat; aliis qui- 
bus victum largiebatur adhibitis quorum non est numerus. || Ann. S. Vin- 
centu Mettensis S. S. III, 158, 40. Fames valida. || Ann. S. Benigni 
Diy. S. S. V, 44, 47. Hoc anno fuit fames magna. 45, 1. Hoc etiam 
anno fuit magna penuria vini. ^) || Wibaldi epist. No. 329 (Die Mönche 



1) Es erscheint zweifelhaft, ob es berechtigt ist, den Anfang der 
Hungersnot in Erfurt schon in dieses Jahr zu setzen. Die ältere Cr. 
S. Petri weifs noch nichts davon und auch die Ann. S. Petri erwähnen 
die Hungersnot erst im folgenden Jahre, ebenso die Ann. Palid. Die 
Ann. Magdeburg, unterscheiden ausdrücklich die Mifsemte des Jahres 

1150 und die Hungersnot des folgenden Jahres. Der Cod. C. 2, der die 
Nachricht bringt, stammt aus dem XV. Jahrhundert; es ist daher ein 
Irrtum des Schreibers um ein Jahr oder ein übertreibender Zusatz des 
späten Autors leicht möglich. 

2) Die Stelle ist von hier in die Cont. Aquict. und das Auct. 
Afflig. übergegangen. 

3) Es liegt am nächsten die Nachricht, wie dies auch Böhmer, 
Fontes HI, 272 thut, auf die Hungersnot des Jahres 1151 zu beziehen, 
doch wäre auch die Hungersnot 1145 — 1146 möglich. Aus der Vita 
selbst läfst sich die Nachricht nicht datieren, sie findet sich gleich zum 
Beginne in einer Charakteristik Arnolds. 

4) Der Herausgeber kann nicht unterscheiden, ob die Nachricht 

1151 oder 1152 angesetzt ist, jedenfalls ist 1151 wahrscheinlicher, weil 
wir 1152 von keiner Hungersnot wissen. 

Leipziger Stadien, VI. 1: Carschmann, Hungersnöte. 10 



146 Chronik der elementaren Ereignisse. 

von Corvey an Wibald.) Jaffe Bibl. I, 459. Denique inter eum et nos 
usqiie eo res processit post multas denunciationes , quibus defuturum 
nobis panem et potum denunciavit, quod tandem in diebus rogationum 
(14. — 16. Mai) et in ipsa sancta die ascensionis Domini (17. Mai) nos 
absque potu dimisit; et statim sequenti proximo sabbato (19. Mai) abs- 
que pane simul et potu, quod nunquam Corbeia factum credimus, nos 
dereliquit. Cum ergo ipsa die, sedentes ad mensam secundum ordinem 
et consuetudinem nostram, consuetam alimoniam expectai-emus nee ab 

eo quicquam acciperemus, inpasti surreximus, . Statim igitur in 

unum congregati, quid facto opus esset, in commune consuluimus et, 
ut vestrae paternitati, hanc necessitatem celeriter insinuaremus, inter 
nos convenimus. Interim autem fratri A(delberto) camerario nostro, licet 
invito et multum renitenti, hanc curam iniunximus, ut, donec redeat 
nuncius noster ä vobis, panem et potum, undecumque possit mutuo ac- 
ceptum, nobis provideat. Et argentum quod ad sarcophagum hoc anno 
deputaveramus , in pignore accepit. Bitte, W. möge sobald als möglich 
kommen und helfen. || Ann. Magdeburg. S. S. XVI, 190, 42. Unde et 
sequenti anno ante messem tanta fames secuta est, quantam ante non 
viderant homines illius temporis. Asserunt enim hü qui in astronomia 
aliquid periciae se accepisse iactitant, illo anno dominum Saturni fuisse, 
qui completo cursu suo, quem 30 annis peragit, iter consummatum reci- 
procans in nimia superfluentia fluminum, in maxima pestilentia et mor- 
talitate, in sterilitate terre et famis inedia nee non et aeris intemperie 

seu et aliis diversis perturbationibus dominium suum exercet. Au- 

tumnus ventosus. || Ann. Palid. S. S. XVI, 86, 4. Aeris inequajitas et 
tempoi'um inmutatio famis ac pestilencie pericula tanta mundo intule- 
runt, quanta tunc viventes in generacione sua fuisse non meminenint. || 
Ann. S. Petki Erphesf. antiq. M. G. S. S. kl. Ausg. 19, 3. Fames va- 
lida et mortalitas hominum. || Ann. Ottenbur. Isingrimi maior. S. S. XVII, 
313, 16. Facta est fames adeo valida, ut dimidius modius tritici 
pro triginta solidis venderetur; sex panes admodum parvi pro 
Septem emebantur solidis. Ipsi principes aliquot dies sine pane diversis 
coctionibus vescebantur, carnibus pecorum et herbis populus vivebat, 
non nulla mortalium milia fame interierunt, ita ut in villis plurimae 
domus sine cultore vacuae remanerent. Factum est et hoc mira- 
bile, ut mense Maio cum pene nullae segetes in agris apparerent, in 
Junio et subsequente mense tantae subito exortae sunt fruges, 
ut a rusticis hoc quasi pro celebri proverbio haberetur, per hos duos 
menses Deum non aliud fecisse, nisi fruges de coelo pluisse. Per eos- 
dem menses pluvia continuatim descendit. 

1152. Ann. Laub. cont. S. S. IV, 23, 25. Magna fluminum in- 
undatio hyeme facta est. || Chr. reg. Col. M. G. S. S. kl. Ausg. 88. 
Huius regis tempora ^) admodum tristia fuerunt. Nam inequalitas aeris, 
famis et inedie perseverantia, bellorum varius tumultus sub eo vigebant. 

1153. SiGEB. AucT. Afflig. S. S. VI, 401, 43. Nee parva miraculi 
portio est, quod hoc anno tanta sterilitas agris nostris incubuit, quod 
vix duorum vel ad trium mensium nobis victum suffecit omnis copia 
mensis nostre. 

1154. Ann. S. Petri Erphesf. antiq. M. G. S. S. kl. Ausg. 19. 
Eodem anno magna inundatio aquae fuit. || Monach. Säzav. cont. 
CosM. S. S. IX, 159, 38. Mondfinsternis. Post haec maxima morta- 
litas in homines irrepsit. 

1155. In den verschiedensten Gegenden wird über die ungünstige 
Witteru/ng des Sommers geklagt, doch nur in Afflighem kommt es zu einem 
lokalen Notstande (Auct. Afflig.). Sigeb. auct. Afflig. S. S. VI, 402, 43. 



1) Während der Regierungszeit Konrads III. 1138 — 1152. 



Chronik der elementaren Ereignisse. 147 

Multis annis sterilitate terre et necessariorum penuria nobis labo- 
rantibus, hoc anno tritico omnino deficiente, in ultimo discrimine, quid 
agendum esset, vix anxiis potuit occurrere. In hoc tarnen ad ultimum 
stetit sententia, ut pecunia mutuo amicorum fide sumpta, emeremus 
victui necessaria. Misimus ergo fratres nostros in aliam regionem, qui 
solicite iniunctum negotium exsequuntur, et remenso itinere, onerata nave 
iter carpentes ad opidum Aldenardum ') dictum pervenerunt. || Ann. 
AüKEAEVALL. S. S. XVI, 683, 30. Factumque est tonitruum magnum in 
coelo, fulgura crebra visa sunt in terra, corruscationes horrendae, plu- 
via magna cum grandine mira in modum lapidum. || Che. reg. Col. 
prs. III. M. G. S. S. kl. Ausg. 92. Inundatio aquarum insolita fuit 
7. Kai. Decembris (25. Nov.). || Ann. Stederbukg. S. S. XVI, 207, 29. 
Tempestas et pluvia maxima, adeo ut tempore messis fruges non 
solum in agris, verum etiam in horreis reconditae fluminum inundatione 
perirent. || Ann. Paliden. S. S. XVI, 89, 3. Hoc anno nix inchoans 
Kai. Octobris perseveravit usque pridie Kai. Maii (30. Aprl.). || Ann. 
Ottenb. Isingh. MAI. S. S. XVII, 313, 48. Hoc anno in Augusto et Sep- 
tembri facta est tanta aeris ariditas, ut ex nimio solis aestu pluribus 
in locis ipsa terra ardere videretur. Quam ariditatem tarn vehemens 
subsecuta est pestilentia animalium, ut villae complures absque 
animalibus vacuae remanerent, et ipsi homines pro bubus iuncti aratris 
illa traherent et terram utcunque colerent. Post haec tanta pluviae 
subsequitur inundatio, ut avenaria messis in agris putrefacta secari 
non potuisset. 

1156. Ann. Laub. cont. S. S. IV, 23, 34. Hoc anno hiems arida, 
ver temperatum. Initio mensis Junii maxima et eo tempore inaudita flu- 
minum inundatio. || Ann. Floreff. S. S. XVI, 624, 49. Facta est in- 
undatio magna aquarum ex pluviis estate et hyeme, que sata et domos 
destruxit et multos submersit. || Ann. S. Petri Erphesfürd. mai. M. G. 
S. S. kl. Ausg. 57, 22. Mortalitas hominum fuit. 

1157. Ann. Weingart. Welf. S. S. XVII, 309, 15. Nix magna 
et frigus insolitum circa passionem Domini (29. März) inhorruit. Quod 
mortalitas hominum ad tempus, et exustio maxima per totam estatem 
subsecuta est. Porro in ipsa die Kalendarum Julii (1. Jul.) tanta severitas 
grandinis tantaque concussio ventorum invaluit, ut segetes circumquaque 
consumeret, robustiores arbores radicitus evelleret, — — 

1158. Ann. Foss. S. S. IV, 31, 23. Tempestate oborta, tanta gran- 
dinis coadunatio facta est, ut in pago Lomense iuxta villam que Nefla 
dicitur decem pedum longitudine cecidisse inveniretur. || Ann. Palidens. 
S. S. XVI, 90, 24. Eodem anno sevissima tempestas extitit; ventus tur- 
binis fortissimus arbores inmensas radicitus evulsit, ecclesias cum domi- 
bus aliisque edificiis subvertit, aquarum quoque inundantia infinitam 
multitudinem hominum et pecorum extinxit. *) || Chr. univers. Mett. 
coNT. COD. Paris. (2) S. S. XXIV, 523, 45. Farnes valida.^ 



1) Oudenaarden. 

2) Fast wörtlich findet sich die Stelle auch a. 1158 Ann. Magde- 
burg. S. S. XVI, 191, 34. 

3) Die Nachricht erscheint wenig glaubwürdig, sie stammt aus 
einer erst Ende des 15. Jahrhunderts verfafsten Fortsetzung. Die nahe 
Verwandtschaft sowohl mit der Chr. univers. wie den Ann. S. Vincentii 
zeigt, beide haben eine Hungersnot 1162. Die Cont. entnimmt ihren 
Anfang, wie es scheint, den Ann. S. Vinc. 1162 hat sie irrtümlicher- 
weise statt 1163 den Tod Bischof Stephans unmittelbar vorher unter 
1158 fames valida wörtlich gleich Ann. S. Vinc. a. 1162, eine Überein- 
stimmung, die hier von Bedeutung ist, da die Ann. S. Vinc. regelmäfsig 
f. valida haben, während die Chr. universal, f. magna schreibt. Der 

10* 



148 Chronik der elementaren Ereignisse. 

1159. Ann. Camekac. S. S. XVI, 533, 25. Hiems longa fuit, et 
omnium pestis subsecuta est. || Ann. S. Vinc. Mett. S. S. III, 158, 45. 
Inundatio aquarum. || Ann. S. Benig. Div. S. S. V, 45, 11. Hoc anno 
venit hyemps magna, gelu et nix 4. Idus Octob. (12. Okt.). 

1161. SiGEB. AüCT. Aquicin. S. S. VI, 397, 48. Fames valida. ^)|| 
Ann. S. Petri Ekphesf. antiq. M. G. S. S. kl. Ausg. 20, 7. Grando et 
tempestas magna in multis locis fuit. 

1162. Ausgedehnte Hungersnot in Frankreich (Act. pont. Alexandri, 
Ann. S. Dionys. Rem.), Belgien (Auct. Afflig.), Lothringen (Ann. Egmund., 
Ann. S. Vincent. Mett., Chr. univ. Mett.), in der Gegend von Aachen 
(Ann. Aquens.) und bis nach Mitteldeutschland (Ann. S. Petri Erphesf. 
antiq., Chr. Mont. Sereni.). Süddeutschland scheint von der Not nicht be- 
troffen zu sein (Ann. Beichersp.). Ann. S. Dionysii Rem. S. S. XIII, 83, 50. 
Venditus fuit sextarius frumenti decem solidis. || Acta pontifi- 
CATDS Alexandri Hl. Hist. de Fr. XIII, 666 A. Eo tempore in tota Aqui- 
tania et circumpositis locis valida fames in tantum increvit, ut prae 
nimia ciborum indigentia infinita hominum multitudo morte inevitabili 
deperiret: unde universos Grallos vehemens timor invasit ne ipsorum 
terras consimilis cruciatus invaderet. || Sigeb. auct. Afflig. S. S. VI, 
405, 26. Fames gravissima in tantum prevaluit, ut modius tritici 
venderetur 30 et eo amplius solidis Lovaniensis monete, multa- 
que milia hominum fame perissent, nisi dominus pauperis populi afflic- 
tionem respexisset. Ipse enim qui percutit et medetur, dedit spiritum 
bonum in cordibus fidelium suorum, cuius instinctu largam manum ad 
pauperes extenderunt, eorumque inopiam sua habuntantia suppleverunt, 
et largius quam aliquando nostris temporibus vidimus, sua eos liberali- 
tate sustentaverunt. || Ann. Camerac. S. S. XVI, 535, 34. Hyems gra- 
vis extitit^ et mors pecudum valida subsecuta est. || Ann. Egmund. 
S. S. XVI, 462, 38. Eodem anno validissima fames in multis locis, 
maxime in Lotharingia facta est, adeo ut modius avenae, qui 
plerumque pro quinque denariis vendi solebat, pro quinque 
solidis venderetur, modius ordei pro septem, tritici pro decem, 
multique mortales famis inedia morerentur. || Ann. S. Vincent. Mett. 
S. S. III, 158, 47. Fames valida. || Chr. univers. Mett. S. S. XXIV, 
518, 20. Fames magna. || Ann. Aquens. S. S. XXIV, 38, 16. Fames 
prevalida facta est eodem anno. || Ann. S. Petri Erphesf. antiq. M. 6. 
S. S. kl. Ausg. 20, 26. Fames valida. || Chr. Montis Sereni S. S. XXHI, 
152, 14. Eo anno fames magna facta est. || Ann. Reichersperq. S. S. 
XVII, 469, 1. Eodem quoque anno magna terrae fertilitas ubique 
erat et habundantia omnium rerum, quas terra producere solet. 

1163. Ann. Egmund. S. S. XVI, 463, 1. Anno 1163 a festivitate 
sancti Laurentii (10. Aug.), usque ad festum sancti Martini (11. Nov.) 
continua pluvia fuit, ita ut omnes pene fructus in agris putrefierent, 
annonae , fabae et pisae. Eodem anno in festivitate sancti Thomas 
apostoli (21. Dec.) maxima inundatio maris et fluctuum in multis 
locis facta est, adeo ut in quibusdam villis Holtlandiae quae mari nimis 
vicina est, nulla domus tuta remaneret, sed et domus et bargi quibus 
frumenta condebantur, violentia fluctuum abducerentur , et ingentes 
massae glaciei cum impetu vehementi sibi succedentes omnia mergerent. 



Fehler ist entstanden durch Verwandlung der XII in VIII beim Ab- 
schreiben. Vgl. auch Waitz, N. Arch. HI, 72 und S. S. XXIV, 491. 

1) Vielleicht deutet diese Nachricht darauf hin, dafs die Hungers- 
not des folgenden Jahres in Achin schon Ende 1161 begann, ebenso gut 
kann also ein Irrtum um ein Jahr vorliegen, besonders da auch mehrere 
andere bis 1161 angesetzte Ereignisse in Wahrheit in das Jahr 1162 
fallen. 



Chronik der elementaren Ereignisse. 149 

involverent et propellerent. In Fresia etiam superiori quae Saxoniae 
contermina est et vocatur Morsatia et in ipsa Saxonia tanta inundatio 
eodem tempore fuit, ut nullum edificium ecclesiarum vel domorum ho- 
mines ab interitu defendere potuerit, sed omnes fluctibus involverentur 
cum Omnibus rebus suis, exceptis bis qui navigio vix effugere potu- 
erunt. |1 Ann. S. Petki Erphesf. antiq. M. G. S. S. kl. Ausg. 20, 29. 
Magna inundatio aquae fuit IIT. Non. Sept. (3. Sept.). || Che. Mostis 
Sereni S. S. XXin, 152, 23. Fluvii inundantes pericula gravia ho- 
minibus et animantibus intulerunt. || Cont. Cremifan. S. S. IX, 545, 34. 
Multa inundatio aquarum hoc anno facta est. 

1164. Hungersnot im Lande der Obotriten infolge kriegerischer 
Verwüstungen (Helmold.). Ann. Cameeac. S. S. XVI, 536, 35. Hyems 
longa et acerrima usque in Martio mense perduravit. || Ann. Laub. cont. 
S. S. IV, 24, 30. Exundatione maris in Flandria perierunt homines 
plus quam undecim müia. || Che. reg. Col. M. G. S. S. kl. Ausg. 114. 
Occeanus limitem suum 12 pene miliariis 14. Kai. Marcii (16. Feb.) 
egressus, multa milia hominum diversi sexus et etatis maxime circa 
fluvium Wiseram submersit. || Ann. Paliden. S. S. XVI, 92, 55. Nova 

maris et fluctuum confusio exorta est *) Per triduum enim aque de 

profundo abissi exagitate ibant et intumescebant , et omnia circa mari- 
tima flumina alveos suos pre inundatione excedentes, multas insulas cum 
hominibus et iumentis vülis domibus edificiis substantiis ecclesiis et, 
quod dictu mirum, agris et domorum areis et cimiteriis cum soliditate 
alias transpositis, miserabiliter suffocaverunt. Eratque mirabile specta- 
culum inter misericordiam Dei et iudicium, cum per iudicium fieret 
interitus hominum et iumentorum et ad 20 miliaria secus ripas fluminum 

viderentur cadavera suffocatorum, 93, 19. Fruges agrorum multis 

in locis grandinis nimietate contrite sunt. || Chr. Montis Sereni S. S. 
XXm, 152, 26. Tonitrua et fulgura iatempestiva cum vento vehementi 
5. Kai. Marcii (26. Feb.) extiterunt. Inundacio occidentalium fluminum 
multa milia hominum et animancium interfecit et edificia destruxit. || 
Helmoldi CHR. Slav. lib. n. c. 1. M. G. S. S. kl. Ausg. 194. Circa illos 

dies in mense Februario, hoc est 14. Kalendas Martü (16. Feb.) 

orta est tempestas maxima ventorum, procelle, fulgurum coruscatio et 
tonitrui fragor, qui passim multas edes aut incendit aut subruit, insuper 
tanta maris exundatio oborta est, quanta non est audita a diebus 
antiquis, que involvit omnem terram maritimam Fresie, Hathelen et om- 
nem terram palustrem Albie et Wirre et omnium fluminum que descen- 
dunt in oceanum mare, et submersa sunt multa milia hominum et iu- 
mentorum, quorum non est numerus. — — lib. 11. c. 5. p. 202. Omnis 
igitur terra Obotritorum et finitime regiones, que pertintnt ad reg- 
num Obotritorum, assiduis bellis, maxime vero hoc novissimo hello 
tota in solitudinem redacta est, Domino scilicet favente et dextram 
pussimi ducis semper confortante. Si que Sclavorum extreme reman- 
serant reliquie, propter annone penuriam et agrorum desola- 
tiones tanta inedia confecti sunt, ut congregatim ad Pomeranos sive 
ad Danos fugere cogerentur, quos iUi nihil miserantes Polanis, Sorabis 
atque Boemis vendiderunt. 

1165. Ann. Camebac. S. S. XVI, 538, 8. Feria quarta pentechostes 

(26. Mai) hora diei nona, adveniens a mari Britannico ingens procella, 

terrasque has pertransiens , scilicet, Normanniam, Ambianensem, Viro- 
mandensem, Atrebatensem, cuncta interius comminuens, arbores segetes, 
fabas, lina, habitationes hominum ubique obruens et dissipans. Terram 
vero Atrebatensem ea procella graviter attrivit; ilHus regionis plebs diu 



1) Die Schilderung der Sturmflut in den Ann. Magdeburg S. S. 
XVI, 192 ist nahe verwandt. 



150 Chronik der elementaren Ereignisse. 

dispendium suum luxit ac flevit. Subsecuta est venditio tritici 
quae in diversis locis nonnullos afflixit. 

1166. Lokale Hungersnot in Stederhurg (Ann. Stederburg.). Ann. 
Camerac. S. S. XVI, 538, 25. In diversis locis intemperies aeris hoc anno 
gravis facta est per partes occidentis; grando cum vi lapidum super 
annonam mortalium cecidit, quae magnum detrimentum pluribus con- 
tulit, maxime monachis Valcellensibus — — In villa quae Sanctus 
Autbertus dicitur totius anni fere Stipendium amiserunt, una cum habi- 
tatoribus ruris illius. Haec grando in feria quinta pentechostes (16. Jun.) 
cecidit in Cameracensi pago cum fulmine lapideo. Luxit diu nostra 
regio. 33. Hyems gravis, et longum tempus seminandi homines ha- 
buerunt; nam in Februario fere nihil operis gesserunt^ mediante Martio 
tunc primitus seminare coeperunt. || Sigeb. cont. Aquicinct. S. S. VI, 
412, 24. Magna vini habundantia. || Ann. STEDEEBxmo. S. S. XVI. 209, 45. 
Eodem anno fames validissima fuit, unde praepositus in acquisitione 
annonae multa, circa triginta videlicet marcas, expendit. || Ann. Magde- 
burg. S. S. XVI, 192, 38. Fulgura et tonitrua terribiliter sevientia et 
crebra aquarum inundatio estivis messibus inportuna, et magna 
puerorum mortalitas et iumentorum. || Cr. S. Petri Erford. S. S. 
XXX, 370, 8. Abundancia magna frumenti et vini. || Chr. Magni 
PRESB. S. S. XVII, 488, 40. Eodem anno fuit illa magna fames per uni- 
versas terras. ^) || Ann. Admunt. cont. A. S. S. IX, 583, 43. Grando hor- 
ribilis 8. Kai. Julii (24. Jun.), scilicet quod lapides sicut ova anserina 
ceciderunt. || Cont. Cbemifan. S. S. IX, 545, 39. Hoc anno grando 
horribilis facta est in quadam parte caeli octavo Kai. Julii (24. Jun.), 
in qua lapides ad magnitudinem ovi anserini et eo amplius ceciderunt. 

1167. Ann. Camerac. S. S. XVI, 544, 52. Hiems gravis extitit, 
incipiens a decimo Kalendas Januarii (23. Dec.) et usque ad decimum 
septimum Kai. Aprilis (16. März) perseveravit, infra quod terminum nee 
Seminare nee arari homines quippiam valuerunt. Pestis vaiida pecu- 
dum et apum subsecuta est. || Chr. reg. Col. prs. III. M. G. S. S. kl. 
Ausg. 117. Terrae motus factus est 13. Kai. Februar. (20. Jan.) media 
nocte. Grando etiam maxima 3. Nonas Aprilis (3. April) cecidit, ita ut 
ova columbarum magnitudine aequaret. 

1168. Ann. Camerac. S. S. XVI, 549, 44. Hoc anno dedit Dominus 
benignitatem suam super terram, quoniam terra nostra protulit fructum 
suum veraciter aliud centesimum vel sexagesimum vel quinquagesimum. 
Nam ubertas omnium bonorum, fructuum, vini et olei arborum 
in insulis oceani extitit. Oves, quae valde in priori anno fuerant, melio- 
ratae sunt; aves vero detrimentum passae sunt. 

1169/ Ann. Camerac. S. S. XVI, 553, 33. Annus praesens plu- 
vialis valde contigit. Inundatio imbrium a mense Maio incipiens fere 
usque ad Februarium mensem pervenit. Ante festum beati Joannis bap- 
tistae (24. Jun.) quidam ventus gravis adveniens partem permaximam 
segetum prostravit, locis in diversis oceani horrorem incussit, sed Dei 
misericordia ordinante humano generi ex bis aliqua molestia non con- 
tigit. Hiems quippe gravis et aquosa, fulmina in sese contra aeris 
naturam continens. Gewitter im Dezember. \\ Ann. Admunt. conp. S. S. 
IX, 584, 24. Grando magna per loca; vinum carum. 

1170. Ann. Camerac. S. S. XVI, 553, 40. Februarius mensis delec- 
tabilis ultra modum splendidissimus apparuit, copia vini defuit, quoniam 
ab aquarum inundantia deperiit. Ovium seu apum locis in diversis 
acerrima pestis desaevit. 554, 5. Febris varia, pestis atque nociva- 
nimis anxiari nos valde incepit ante festum sancti Joannis baptistae 
eiusdem praeclarae nativitatis (24. Jun.), atque affligens corpus cum 



1) Die Nachricht erscheint vsrenig glaubwürdig, s. o. p. 28—29. 



Chronik der elementaren Ereignisse. 151 

membris horrorem nobis mortis incussit, vix nos tandem post plura in- 
commoda reliquit. 24. Anni huius explanaturus laude insignia, pro- 
mamus sie huius quoque sibi convenientia. Aestas quippe rutilans de- 
lectabüis extitit et sicca, florum frondiumque omata, agricultura per- 
optima, vindemiae bonae; pars larga ovium, apum residuarum transacti 
anni dedit beneficia. Viridaria cum nemoribus interius referta extiterunt 
omni copia. Augustus mensis nihilominus calidus et siccus omnibus 
copiis abundans, Deo providente, humano generi attulit non modice 
consolationem sive ubertatis, suae paupertati relevationem. September 
cum October omni abundantia ditati vini, panis, olei ac mellis pulchri- 

tudine solis, sanitate aeris pomorum silvarumque copia extitit 1| 

CoNT. Aqüicinct. S. S. vi, 413, 14. Ipso die (8. Nov.) ventus vehemens, 
pluvie mixtus, periculosus et dampnosus extitit, — — || Ann EoMxraD. 
S. S. XVI, 467, 31. Estas ferventissima fuit. Eodem anno circa festum 
omnium sanctorum (1. Nov.) ventus maximus erat, quem inundatio 
maxima secuta est, adeo ut usque ad muros civitatis Traiectensis fluxerit 
mare et refluxerit, et piscis ille tantum marinus quem buollek vocant, 
circa muros eiusdem civitatis captus sit. In Kinemaria etiam tantum 

inundatio illa ex inproviso desevit, || Chr. reg. Col. prs. ÜT. 

M. G. S. S. kl. Ausg. 120. Mare vehementia ventorum limitibus suis 
excussum, 4. Nonas Novembris (2. Nov.) terram Fresonum circa Stavem 
magna ex parte submersit. || Ann. Magdeburg. S. S. XVI, 193, 8. Estatis 
fervor insolitus adeo, ut in plerisque locis terra solis exusta ardori- 
bus, multos itinerantes tam equites quam pedites in pulverea precipicia 
inprovisg ruentes periclitari fecerit, quam comitata est magna morta- 
litas hominum. || Ann. Engelberg. S. S. XVI, 279, 31. Erdbeben am 
1. April. Eodem anno magna mortalitas hominum facta est. || Chr. 
Ursperg. M. G. S. S. kl. Ausg. 51. Terrae motus maximi facti sunt et 
ingens inundatio aquarum mense Septembri. 

1171. Ann. Catälaun. S. S. XVI, 489, 44. 7. Idus Novembris 
(7. Nov.) ingens ventus auditus est in hac regione. || Ann. Magdeburg. 
S. S. XVI, 193, 17. Repentina mors hominum et gravis pestilencia 
pecorum plurimas provincias vastat. || Cont. Claustroneobg. III. S. S. 
IX, 630, 23. Hoc anno a nativitate Domini (25. Dec.) post septem ebdo- 
madas Danubius congelatus est. His duobus annis tanta fuit ariditas, 
ut aque fere omnes preter Danubium in partibus Austrie exsiccarentur. 
Et tamen tanta copia alimentorum fuit ut homines et pecora satis 
habunde sustentarentur. 

1172. Ann. Magdeburg. S. S. XVI, 193, 20. Mense Januario ingens 
fragor ventorum, et in Februario crebra micuerunt fulmina. 

1173. SiGEB. coNT. Aqüicinct. S. S. VI, 414, 21. Hyemps solito 
asperior, hyemi accedit intemperies aeris. Nam corrupto aere mense 
Decembri, homines succumbunt infirmitatibus diversis; multi etiam in- 
firmitate illa moriuntur, quam medici vocant catarrum et tussim. || Ann. 
Bland. S. S. V, 29, 48. Pestilentia hominum ex tussi morientium. || 
Ann. Egmund. S. S. XVI, 468, 4. Hyemps validissima et pene nivis 
expers extitit. 11. 6. Idus Mai (10. Mai) 5. feria secuta est plaga 
maxima diluvii cum tanto impetu decurrens, qualem numquam Traiec- 
tensium aliquis viderit — — — || Chr. reg. Col. prs. IH. M. G. S. S. 
kl. Ausg. 124. Ipso anno in Kalendis Decembris tussis intolerabilis 
et inaudita omne Theutonicum regnum et precipue Galliam Comatam 
pervasit, senes cum iunioribus et infantibus debilitavit, plures morti ad- 
dixit. Monasteriensis episcopus Luodevicus eadem peste occubuit. || 
Ann. Staden. S. S. XVI, 347, 38. Terra circa Bremam arsit graviter in 
aestate fervida fere per mensem, et per se cessavit. || Ann. Magde- 
burg. S. S. XVI, 192, 22. 3. Idus Februarii (11. Feb.) nube rubea in celo 
apparente, secuta est magna siccitas terre, ut frugibus exarentibus. 



152 Chronik der elementaren Ereignisse. 

plerisque in locis nee futuri seminis auxilium inveniretur. Processit item 
de terra nebula crassa, de qua concepta est in hominibus tussis gra- 
vissima, ipsaque lues graviter invaluit, pluribus ex ea morientibus et 
precipue pregnantibus. Mortuus est ex ea Lotowigus Monasteriensis 
episcopus. II Ann. Palid. S. S. XVI, 94, 40. Nix inopinata descendit 

in festo sancti Servacii (13. Mai) que nix plures arbores silvaticas 

et fructiferas confregit, stantes quoque fruges obpressit. Ipso anno 
gravis pestis in hominibus facta est, adeo ut multi laboriose tussiendo 
animas exhalarent. || Ann. Veterocell. S. S. XVI, 42, 42. Tussis magna 
fit. II CoNT. Ckemifan. S. S. IX, 546, 6. Hiemps valida. Circulus san- 
guineus cira lunam, et cruces visae sunt. Danubius mense Februario, 
naturali meatu obcluso glati^ rupta exundans, in utraque sui ripa in- 
audita strage homines, villas, iumenta consumit. || Cont. Claustkoneobg. II. 
S. S. IX, 616, 31. Facta est alluvio magna fluminis Danubii 
hiemali algore concreta in civitate quae dicitur Chremis et in finibus 
eius, in qua multiplex hominum et pecorum pars interiit set et domi- 
cilia humana in undoso impetu deciderunt ^) 

1174. ROBERTI CANON. S. MaRIANI AuTISSIOD. CHR. S. S. XXVI, 241, 6. 

Hoc anno in mense Novembri tanta aquarum inundatio contigit, quan- 
tam nullus qui tunc viveret se vidisse vel audisse meminerit. Nam dilu- 
TÜ instar latitudinem camporum exundans, multa edificia diruit, caulas 
subvertit ovium, submersit villas, sata absorbuit; unde et in subsequenti 
tempore vehementissima fames inhorruit. || Ann. Bland. S. S. V, 29, 49. 
Pluviale tempus incessabiliter a festo sancti Johannis (24. Jun.) us- 
que in finem anni, et magna penuria vini et omnium frugum. || Ann. 
S. Jacobi Leod. S. S. XVI, 642, 19. Hoc anno facta est inundatio 

aquarum infirma, amplius vindemia, mustum 

II Lambbrti Parvi ANN. S. S. XVI, 648, 60. Inundatio aquarum 

maxima. Pluvia iugis a festivitate sancti Johannis babtiste (24. Jun.) 
usque Kai. Junii. Seges tarda, mustum vix Symonis et Jude (28. Okt.).*)|| 
Chr. reg. Col. prs. IE. M. G. S. S. kl. Ausg. 125. Totum aestivum 
tempus in pluvias hyemales conversum est, unde segetes et vineae sunt 
corruptae. 126. Inundatio Reni et fluviorum insolita et diutina. || 
Ann. Rem. et Col. cont. S. S. XVI, 733, 40. Tussis magna fuit. || Ann. 
S. ViNCENTii Mett. S. S. III, 159, 1. Inundationes aquarum. || Ann. 
Magdeburg. S. S. XVI, 193, 30. Hoc anno multa edificia vi ventorum 
diruta sunt, annosa robora evulsa; fru<?es habundabant, vinum deperiit. || 
Ann. Pegav. cont. S. S. XVI, 261, 7. Vinum et fruges perierunt. || Cr. 

5. Petri Erford. mod. S. S. XXX, 371, 41. Hoc anno ex assiduitate ven- 
torum estas solito calore caruit, unde et vinum seu frumentum 
multis locis periit. Autumnali eciam tempore ex assiduitate im- 
brium et instancia ventorum facta est aquarum inundacio non mo- 
dica. II Ann. Ratispon. cont. Hugonis de Lerchenfelt S. S. XV ll, 589, 5. 

6. Kai. Junii (27. Mai) bruma consumsit totas fruges siliginis circa Ratis- 
ponam et vinum. 

1175. RoBERTI CANON. S. MarIANI. AuTISSIOD. CHR. S. S. XXVI, 241, 17. 

Valde fuerunt tenues segetum messiones, quia magna ex parte quae 
coloni terrae mandaverant preteriti anni exundationes obruerant. || Sigeb. 
CONT. Aqüicinct. S. S. vi, 415, 18. Estas pluviosa et dampnosa 
mensem Augusti mensis et autumpnalem vindemiam protelavit. Per 
Galliam et Germaniam panis inopia multos affligit. Sub hac tem- 
pestate multi monachi et milites in hac nostra regione elemosinas largas 



1) So der cod. Scotorum, die Codices der B-Klasse haben inhalt- 
lich dieselbe Nachricht, aber in kürzerer Fassung. 

2) Die Nachricht stammt aus den Ann. S. Jacobi Leod. und er- 
gänzt zum Teü ihre verstümmelte Fassung. 



Chronik der elementaren Ereignisse. 153 

pauperibus tribuebant; inter quos Valcellenses monachi eminebant. 
23. Magna circa nativitatem Domini fluminum redundantia, in tantum, 
ut Sequana, Axona et Hysa alveos suos egressi, sub una nocte magnum 
circummanentibus damnum inferrent , multos etiam necarent. || Cb. 
S. Petei Erfoed. mod. S. S. XXX, 371, 46. Estatis quoque siccitas 
magna fuit. 

1176. Hungersnot in Mittelfrankreich (Böberti ehr.), in Lothringen 
(Ann. Catalaun., Ann. S. Vincent. Mett.) und dem Elsafs (Ann. Mauri- 
monast). Sigeb. cont. Aquicinct. S. S. VI, 415, 40. Magna panis et 
vini abundantia. || Roberti canon. S. Mariani Aütissiod. che. S. S. XXVI, 
241, 23. Maxima per Gallias fames invaluit^), in qua multarum abba- 
tiarum, sed precipue Cisterciensis ordinis, magna apparuit munificentia 
in pauperibus sustentandis. In plerisque etiam ecclesiis multa ob susten- 
tacionem pauperum invadiata sunt ornamenta, multa sanctorum fereta 
decrustata. || Ann. Catalaun. S. S. XVI, 489, 45. Fames valida ubique 
terrarum, ut ex sextarius frumenti ad 15 solidos acciperentur. ]| 
Ann. S. Vincentii Mett. S. S. III, 159, 2. Fames valida. || Ann. Mauri- 
MONAST. S. S. XVn, 181, 29. Hiems dura fuit et hominum pesti- 
lentia et fames magna et siccitas et fervor maximus. 

1177. Die Hungersnot des vorigen Jahres dauert noch fort (Ann. 
S. Clement. Mett, Ann. S. Benigni. Div.). Bei der isolierten Nachricht 
aus Franken (Ann. Haleshrunn.) wird man besser einen besonderen lokalen 
Notstand, als eine Ausdehnung der Hungersnot so weit nach Osten an- 
nehmen. Sigeb. cont. Aqdicinct. S. S. VI, 416, 42. Estas nimium fuit 
sicca et calida. Messis triticea provenit uberior solito. Post finem 
mensis Augusti, autumpnus nimis extitit pluvialis. Vindemia etiam 
ipsius temporis multis in locis corrupta est. Nam quadam matutinali 
nebula uve contacte atque ita putrefacte sunt, ut vinum ex eis expres- 
sum magnam bibentibus attulerit incommoditatem. Multi etiam in hac 
nostra regione diversis laborant febribus, multi et moriuntur. 
53. Initium hyemis frequentibus pluviis et ventorum flabris satis mole- 
stum. II Cmi. Clement. Mett. S. S. XXIV, 502, 3. Fames valida. || Ann. 

S. Benig. Div. S. S. V, 45, 29. Hoc anno fames valida invaluit 

tabula argentea maioris altaris pauperibus duxit .... || Ann. Halesbrdnn. 
S. S. XVI, 14, 30. Hyemps dura et hominum pestilentia simul 
evenerunt, et subsecuta magna fame, tanta siccitas et tantus fervor 
estatis subsecuta sunt, ut queque virentia exsiccarent. || Ann. Prägens. 
S. S. in, 121, 9. Nimia siccitas attenuavit fruges. 

1178. Sigeb. cont. Aqüicinct. S. S. VI, 417, 19. Circa finem Ja- 
nuarii mensis, cum gelu et nix liquarentur, inundatio fluminum per 
totas Gallias talis erupit, que sclusas vivariorum et structuras molen- 
dinorum rapide impetu secum ferret, domos everteret, multos etiam ne- 
caret. 32. Estas sicca nee nimis calida usque ad 5. Non. Julii (3. Jul.) 
extitit. Abhinc pluvie erumpentes, usque in ipsis Kalendis Januarii 
homines afflixerunt. Nam fenum secare, triticum metere, vinum colU- 
gere, semen iacere vix potuerunt. || Cr. S. Petei Ebfoed. mod. XXX, 
372, 23. Hyemps diuturna, adeo ut a XII. Kai. Novembris (21. Okt.) 
usque in mediam quadragesimam ferme duraverat. || Ann. S. Petri Er- 
PHESF. MAioE. M. G. S. S. kl. Ausg. 62, 30. XI. Kai. Augus. (22. Jul.) 
tempestas valida et grando insoüta, ita ut non tantum fruges in pleris- 
que partibus interirent, verum et arbores in plerisque locis foliis et 
ramis magnitudine grandinis lapidum penitus vastarentur. 

1179. Sigeb. cont. Aqüicinct. S. S. VI, 417, 42. Secunda ebdo- 
mada mensis Januarii nives copiose ceciderunt, subsequitur gelu maxi- 



1) Über die Entstehung der Hungersnot s. die beiden vorhergehen- 
den Jahre. 



154 Chronik der elementaren Ereignisse. 

mum, usque in medium mensem Februarium, nimis molestum. Reliqui 
dies eiusdem mensis, Marcius quoque et Aprilis, vento flante continue 
subsolano, gelidissimi fuerunt nimis. Hoc istius anni inicio carissima 
pecudum fuit annona, ita ut quod retroactis annis tribus compara- 
batur denariis, nunc tribus venderetur solidis, feni videlicet et straminis. 
Subsequuta est mortalitas ovium seu boum. 418, 3. Messis tri- 
ticea solito fuit rarior; porro avena seu tercii mensis semina 
suprascripta reparavere dampna. 7. Autumpnus perpulcher et 
calidus usque 5. Nonas Octobris (3. Okt.) extitit. || Ann. Elnon. maiob. 
S. S. V, 15, 45. Eodem anno factum est gelu grave, durans ab Id. 
Nov. (13. Nov.) usque circiter Kai. Mai. || Ann. Magdebueg. S. S. XVI, 
194, 38. Hiemps gravis ipso anno ipsum etiam vemum tempus occu- 
pavit, ita ut 13. Kai. Julii (19. Jun.) flores in arboribus primum appa- 
rerent. || Ann. Admünt. cont. A. S. S. IX, 585, 38. Grando multa. 

1180. SiGEB. coNT. Aquicinct. S. S. VI, 418, 50. Hoc anno per 
hanc nostram Galliam profert bumus frumentum, hordeum, legumina et 
sufficientem avenam. 

1181. Ann. Stedekbukg. S. S. XVI, 214, 51. Eo tempore nee ad 
praesentem annum spectantes fruges babuimus, et futuro prospicere, 
quia Seminare non potuimus, nullatenus valuimus ; unde pro conquirenda 
annuna sexaginta novem marcas argenti expendimus. || Ann. Marbac. 
S. S. XVII, 161, 42. Annona cara, vinum bonum et bene venale. 

1182. Sigeb. cont. Aquicinct. S. S. VI, 421, 17. Luna mensis 
Augusti et in accessu et in discessu nimis extitit pluviosa et ad- 
modum frigida; que magnam incommoditatem per multa generavit 
loca. Nam segetes humide in horreis sunt recondite; fenum nundum 
resecatum nee collectum vix potuit colligi; et quod plus omnes pene 
dolent, vini maturitas et coUectio tardius provenit. || Ann. Egmund. S. 
S. XVI, 469, 33. Hiemps mollis. || Ann. Marbac S. S. XVII, 161, 46. 
Vinum multum et bonum; hama vendebatur pro 6 denariis Argentinen- 
sibus. II Cont. Cremifan. S. S. IX, 546, 36. Inundationes variae. 

1183. Lokale, auf Holland beschränkte Hungersnot^ entstanden 
durch Überschwemmungen und anhaltenden Begen, der die Ernte verdirbt 
(Ann. Egmund.). Ann. Egmund. S. S. XVI, 469, 37. Eruptio flumi- 
num in plerisque locis fuit, et tanta inundatio pluviae, ut sata omnia 
interirent, maxime in episcopatu Traiectensi et Hollandensi comitatu, ut 
innumera multitudo famis angustia impellente propria colonia relicta, 
alias migraverit. || Ann. Floreff. S. S. XVI, 625, 25. Mense Julio tanta 
aquarum eruptio ex imbrium collectione facta est, quod et villas 
et sata vastavit, domos subvertit, plurimos submersit. || Cont. Cremifan. 
S. S. IX, 546, 40. Hiemps asperrima eodem anno. 

1184. Cr. S. Petri Erford. mod. S. S. XXX, 374, 20. Vemo tem- 
pore ventus vehemens et assiduus magnam cladem intulit, ita ut non 
solum semina verum ipsam quoque terram, cui iniecta erant, traiceret. 

1185. Ann. S. Dionysii Rem. S. S. XIII, 84, 9. Ea vini fuit ab- 
undantia, ut quodcumque vas hominum ad recondendum non suffi- 
ceret, multaeque vineae vindemiandae brutis animalibus relictae fuerint.|| 
Ann. S. Vmc. Mett. S. S. III, 159, 9. Inundatio aquarum. || Sigeb. cont. 
Aquicinct. S. S. VI, 423, 24. Hie annus habundat frumento et vino. 

1186. Sigeb. cont. Aquicinct. S. S. VI, 424, 14. Pridie Kai. Julii 
(30. Jun.) turbo gravissimus et tempestas valida, ab Affrico veniens 
et ad subsolanum tendens, per multa loca fruges et omnia sata pessum- 
dedit. Nam lapides ovo galline maiores per loca diversa ceciderunt, 
qui pecora in campis et aves in aquis occiderunt, fenestras quoque vitreas 
ecclesiarum, et domorum tegulas confregerunt; stipula quoque, que in 
agris remanserat, ita erat fetens et inutilis, ut nee pastui esset apta 
bestiis. 23. Vindemia in pago Belvacensi et Noviomensi per temi.,esta- 



Chronik der elementaren Ereignisse. 155 

tem suprascriptam tota pene perdita, non solum in his locis, sed etiam 
in Arida Gamantia vel Humida, in comitatu quoque Ostrevandensi et 
Hainoensi; et ubicumque transivit, flenda et dolenda reliquit vestigia. || 
GisLEBERTi CHR. Hanoniense M. G. S. S. kl. Ausg. 174. Eodem anno et 
tempore mense Julio tempestas quedam magna cum tonitruo et grandine 
et pluvia a Warda sancti Remigii per mediam Hanoniam in longum trans- 
volans, segetes in campis non solum prostravit, sed totus contrivit, ar- 
bores desiccavit, aves in nemoribus et campis et lepores et feras in 
silvis interfecit, bestias eciam in pascuis occidit, et Hanoniam graviter 
afflixit. II Ann. Prag. S. S. EI, 121, 17. Eclypsis solis feria quinta; mor- 
talitas hominum facta est. || Chr. Pülkavae ed. Dobner, MoNtrw. hist. 
BoEM. in, 198. Item eodem anno sol paciebat Ecclipsim, et magna 
mortalitas hominum est secuta. 

1187. Ann. S. Diontsu Rem. S. S. XHI, 84, 11. Tantus fuit vini 
defectus, ut infinitae vineae sine omni fructu invenirentur, ubique ali- 
quando fuerunt collecti centum modii vini, vix unus inventus est. || 
Ann. Mell. cont. S. S. IX, 505, 26. Omnium penuria maxima facta 
est, et pestilentia hominum simul et animalium. ^) 

1188. Chr. reg. Col. cont. I. M. G. S. S. kl. Ausg. p. 140. In 
Aprili eruptiones rivulorum factae, quales ante nemo viderat; sed 
et in siccis locis iuxta fluenta maximarum inundationum ebulliciones 
apparuerunt. Estas sicca et ferventissima fuit. 

1189. Lamberti Parti ann. S. S. XVI, 649, 43. Tanta inundatio 
aquarum facta est mense Aprili in civitate Leodiensi, in ea parte, que 
dicitur extra castrura, ut multos submergeret, et mortuorum corpora 
diluvium aquae de sepulchris erueret. || Chr. reg. Col. cont. I. M. G. 
S. S. kl. Ausg. 143. Estas ferventissima usque ad Augustum men- 
sem fuit, in quo etiam mortalitas hominum et pecudum inmensa 
contigit. 

1190. Chr. reg. Col. cont. I. M. G. S. S. kl. Ausg. 147. Hyems 
sicca et calida. Mortalitas hominum inmensa. — In Maio grando 
insolita circa Moguntiam ad 100 villas et amplius omnia vastavit. 
Omnis hie annus pluvia et crebris inundationibus plenus fuit. 

1192. Cont. Aquicinct. S. S. VI, 428, 13. 18. Kai. Febr. (15. Jan.) 
4. feria, post solis occasum, in ipso noctis crepusculo, visa est a multis 
species ignis terribilis, totum orbem ad partem borealem occupans. Sub- 
secuta est in multis locis in partibus illis plaga ignis divin i. Unde in 
episcopatu Tornacensi et multis locis indictum est ieiunium 6. ferie ex- 
ceptis infirmis et infantibus universis. 429, 29. Luna mensis Augusti 
crescens et decrescens nimis extitit pluviosa et tempestuosa, et meten- 
tibus nimis molesta; tamen subsequens luna mensis Septembris fuit gra- 
tiosa, unde messis triticea et vindemia mediocriter fuit bona. || Bald. 
NiNov. CHR. S. S. XXV, 537, 40. Eodem anno ignis in aere visus est 
per totam Galliam nocte, ita ut singuli proxima sibi loca ardere puta- 
rent. Subsecuta vero est fames fere septennis. *) || Chr. reg. Col. cont. I. 
M. G. S. S. kl. Ausg. 155. Estas ferventissima in Augusto mense 
subito tepore refriguit; unde febres acutae et quartaniae passim in 
hominibus dominantur. 

1193. Ann. S. Steph. Frising. S, S. XHI, 55, 16. Locus noster 

attritus est grandinis depopulatione. 



1) Die Datierung der Annalen in diesem Teile ist sehr unsicher, 
daher ist der Notiz, die durch keine anderen Nachrichten bestätigt 
wird, wenig Bedeutung beizulegen. 

2) Die Hungersnot begann nicht, wie die Chronik anzunehmen 
scheint, schon in diesem Jahre, sondern wie sie nachher in Überein- 
stimmimg mit den anderen Nachrichten angiebt, erst 1196. 



156 Chronik der elementaren Ereignisse. 

1194. Ann. Floreff. S. S. XVI, 626, 1. Grando mirae magni- 
tudinis mense Julio cum impetu venti mens, vineas et sata vastavit, ar- 
bores concussit, fructus excussit, tecta et vitreas confregit. || Reineri 
ANN. S. S. XVI, 651, 35. Messis bona, vindemia optima. |1 Chr. eeö. 
CoL. M. G. S. S. kl. Ausg. 156. In Maio vinee floruisse vise sunt. || 
Ann. S. Vitonis Vied. S. S. X, 527, 46. Farnes valida adeo ut fru- 
mentum precio 4 librarum venumdaretur. ^) || Ann. Scheftlae. maior. 

5. S. XVII, 337, 31. Facta est grando et tempestas valida 11. Kai. 
Septembris (22. Äugst.). |[ Cont. Cbemifan. S. S. IX, 548, 30. Danubius 
in Austria glaciali molestia versus Niwenburch ebullit, et meatum suum 
longius vagando relinquens, homines cum villis mergendo adnichilavit. 
Eadem regio mirabili incendio in civitatibus et opidis et villis et ure- 
dine in agris longius late rara annona consumendo depauperatur. In- 
undationes tribus vicibus magnae et intollerabiles atque insolitae 
omnes pene regiones, villas et circumpositas domos demoliendo occupa- 
verunt. || Cont. Claustroneobg. II. cod. Scotor. S. S. IX, 619, 24. Hoc 
anno propter ariditatem terre que totam Austriam invaserat, coloni eius- 
dem terre cruces suas tollentes cum orginibus diversa limina sanctorum 
pecierunt. 31. Danubius iam vice altera contra solitum inundans, 
vicina loca cum hominibus et iumentis occupat. 

1195. Ein regnerischer Sommer (Cont. Aquincinct., Reiner.) bereitet 
die grofse allgemeine Hungersnot des folgenden Jahres vor. An zwei 
Stellen, im Elsafs (Ann. Argent.) und in Österreich (Cont. Claustroneo- 
burg. II), wo auch das Jahr 1194 schon besonders ungünstig war, kommt 
es schon jetzt zur Hungersnot. Sigkb. cont. Aquicinctina VI, 432, 50. 
Flu via mensis Augusti metentibus nimis fuit molesta, Septembris vinde- 
miam colligentibus gravis Octobris seminantibus nimis incommoda. Sexto 
Idus Octobris (10. Okt.) ventus vebemens post noctem mediam ab Affrico 

veniens, domos evertit, || Reinüri ann. S. S. XVI, 652, 6. Hoc anno 

pluvia iugis a festo sancti Johannis (24. Jun.) usque ad natale Domini, 
et maxime tempore sationis, ita ut in natale Domini vix esset persemi- 
natum. 11. Hoc anno modius siliginis circa Maium 18 solidis, 
modius speltae 9, modius ordei octo se redemit. Messis pigra, 
vindemia tarda et periculosa. Hoc anno tempestas gravissima post 
festum sancti Jacobi (25. Juli) omnes fruges contrivit, numquam antea 
tam gravis, sicut dicebatur ab bis qui seniores erant, in diebus eorum 
apparuit; per multa enim loca diversis temporibus istius anni cursum 
suum fecit nee aliquis locus est huius provinciae, qui ab hac tempestate 
immunis extiterit. || Ann. Argent. S. S. XVII, 89, 32. Eodem anno facta 
est maxima fames in terra. || Cont. Cbemifan. S. S. IX, 549, 2. Inun- 
dationes iterum diversae, et intemperies aeris totum pene orbem vexat. 

6. Sterilitas agrorum ubique terrarum. || Cont. Cladsteoneobg. H. 
COD. Scotorum S. S. IX, 619, 39. Fames magna homines et iumenta 
aut penitus deficere aut mori coegit. || Cont. Clausteoneobg. H. cod. B. 
S. S. IX, 619, 24. Fames valida facta est in Teutonia. *) || Cont. Clau- 



1) Die Nachricht gehört zu einer Gruppe von Nachrichten, die 
nach Angabe des Herausgebers Waitz einem den Ann. S. Vincentii Mett. 
nahe verwandten Werke entstammen. Die vorliegende Nachricht ent- 
spricht dann Ann. S. Vinc. a. 1197 und ist also hier wertlos. 

2) Die Codices der B-Klasse bringen die Nachricht irrtümlich 
schon a. 1194. Das Versehen ist durch eine Verschiebung entstanden, 
indem sie alles, was cod. Scot. richtig unter 1194 bringt, an den SchluTs 
von 1193 setzen. So bleibt für 1194 überhaupt keine Nachricht übrig 
und hier findet sich dann die Nachricht über die Hungersnot, die cod. 
Scot. am Anfange von 1195 bringt. Beide Handschriften fahren dann 
1195 sehr ähnlich fort. 



Chronik der elementaren Ereignisse. 157 

STRONEOBo. III. S. S. IX, 634, 13. Hoc anno autumpnali tempore quod- 
dam genus locustarum, 4 pennas habens, venit ab exteris regionibus, 
transiens per Ungariam et Marchiam et Carniolam, vastans in circuitu 
omnia; cum elevaretur a terra quasi nebula consurgebat, et pre multi- 
tudine sua lucem diei et splendorem solis obtenebrabat. 

1196. Beginn der grofsen allgemeinen Hungersnot, die über Belgien 
(Cont. Aquicinct, Ann. Elnon., Bald. Ninov., Ann. Floreff. Beiner.), 
Lothringen (Ann. Derv.), Westdeutschland (Chr. reg. Col., Caes. Heisterhac.) 
und Süddeutschland bis nach Österreich hin (Ann. Zwifalt., Ann. Scheftl., 
Ann. Wernh., Cont. Cremif.) sich ausdehnt. Sigeb. cont. Aquict. S. S. VI, 
433, 36. Multi, et maxime iuvenes, acuta febre moriuntur; inter 
quos et Johannes Cameracensis episcopus, cum ad regem in North- 
mannia proficisceretur, Ambianis mortuus est. Gravissima panis pe- 
nuria hoc anno multos afflixit et multos pauperavit. Ab Apennino 
monte usque ad mare Oceanum, per totam Galliam et Germa- 
niam, fames in tantum prevaluit, ut maximam utriusque sexus multi- 
tudinem contigerit interisse. Nam triticum 40 vel 50 solidis venun- 
dabatur; quod pro quatuor aut quinque ante hanc pestem dabatur; unde 
accidit ut multi, qui putabantur sibi sufficientes esse, diro famis gladio 
perurgente, coacti sunt alio emigrare. Sicque factum est, ut excres- 
centem pauperum multitudinem sine magno gravamine sustentare pos- 
sent hii, qui respectu Dei manum misericordie eis porrigebant. Games 
quoque iam fetentium ardmalium et radices inusitatas herbarum com- 
pulsi sunt manducare. Non tantum panis, set etiam cetere res mandu- 
cabiles, inaudito nobis precio venundabantur. Lupi circa Alpes in itine- 
ribus et in villis in unum congregati, absque ullo timore multos devo- 
rant. Triticea messis et avene collectio ultra estimationem 
hominum fuit rarissima. || Ann. Elnonens. maioe. S. S. V, 16, 23. Hoc 
anno apud Tornacum rasera frumenti venundatur 50 solidis 
quod a predecessoribus nostris non est auditum. || Balduini Ninov. chr. 
S. S. XXV, 538, 7. Fames prioribus annis paulatim cepta totum mun- 
dum conterruit anno Domini 1196. Pauci tamen perierunt, quia a fide- 
libus sustentati sunt. || Ann. Floreff. S. S. XVI, 626, 3. Hoc anno 
fames valida multos extinxit. || Reineei ann. S. S. XVI, 652, 20. An- 
nus iste gravis et periculosus, seges cara. 24. Pluvia iugis et peri- 
culosa, pauperes maximam victus patiuntur penuriam, et 
maxime circa principium Augusti Corpus beati Lamberti propter immi- 
nentia pericula, et pluviarum inundationes , et timorem sterilitatis et 
egrae messis et parvae, in vigilia saticti Jacobi (24. Jul.) cum maxima 
devotione non sine multis lacrimis in montem Cornelii deportatur, ibi- 
que missa spetialis a clero et populo sollempniter celebratur — — — 
Messis tarda circa festum sancti Bartholomei (24. Äugst.) vix habuit 
principium, eodemque tempore modium siliginis 18 solidis vendi- 
derunt, modium speltae 8 solidis et dimidio. 37. Satio pulcra, 
mustum vix habitum Luce euangelistae (18. Okt.); sie permansit tempus 
usque ad finem incamationis, hoc est natalis Domini (25. Dec). Hiemps 
prolixa usque ad Martium. || Ann. Dervenses S. S. XVI, 490, 24. 
Fames valida ita ut frumentum XXX sol.') || Che. reg. Col. cont. I. 
M. G. S. S. kl. Ausg. 158. Penuria frumenti et annonae magna 
facta est, quae et in sequentem annum usque duravit. Eratque fames 
valida et pene omnium victualium penuria inaudita. — Estas frigida et 
humida. || Caes. Heisterbac. Dlal. dist. H. c. 30. bd. Strange I, 103. In 
principio episcopatus eiusdem Adolphi, cum praecessissent anni magnae 



1) Pertz vermutet auf Grund einer Notiz Abfassung der Annalen 
in S. Mustier en Der, jedenfalls stammen sie aus der Diöcese Chälons 
sur Marne. 



158 Chronik der elementaren Ereignisse. 

abundantiae, tres fuerunt anni tantae sterilitatis, ut in primo modius sili- 
ginis venderetur marca argenti. ^) || Ann. Zwifalt. maioh. S. S. X, 
57, 39. Maxima tres annos pressit fames hie Alamannos. || Ann. Scheftl. 
MAiOR. S. S. XVII, 337, 34. Farnes valida facta est. || Ann. Weenheri 
ALioEUMQxiE Tegehnseen. S. S. XXIV, 58, 28. Hoc anno fames valida et 
annona ita cara, ut modium in Augusta venundaretur 30 solidis, 
et Francienum vinum non erat penitus. || Cont. Cremifan. S. S. IX, 549, 14. 
Bara annona et sterilitas magna in diversis mundi partibus. 

1197. Die Hungersnot nimmt noch an Intensität zu, auch das Not- 
standsgebiet hat sich noch weiter ausgedehnt, die Nachrichten sind zahl- 
reicher. Es sind erhalten Berichte über die Hungersnot aus Belgien 
(Guielm. ehr. Andr., Ann. JElnon., Cont. Aquicinct., Bald. Ninov., Ann. 
Parch., Beiner, Hist. monast. Vicon.) , Lothringen und Ostfrankreich 
(Ann. S. Vincent. Mett., Chr. universal. Mett., Ann. S. Pauli Vird , Ann. 
Dei'vens., Ann. S. Nicasii Bern.), Westdeutschland (Chr. reg. Caes., Heister- 
bac), Westfalen (Caes. Heisterhac.) und Süddeutschland (Ann. Spiren., 
Ann. Marbac, Chr. Ebersh., Ann. Ottenbur. Ising. min.). Guielmi chr. 
Andren. S. S. XXIV, 724, 47. Ceptum opus *) brevi tempore elapso sur- 
git in altum, et famis angustia totam affligens patriam urget et ac- 
celerat opus sumptuosum. Nam multos hie operarii vidimus non num- 
mis conductos, sed solo pane et tenui cervisia contentos et pro adiec- 
tione alicuius pulmenti satis exhilaratos. || Ann. Elnon. maioe. S. S. V, 
16,27. Viatici copia deficiente, fit fames acutissima et clades vehemens. || 
SiGEB. CONT. Aquicinct. S. S. VI, 433, 52. Menses Januarius, Februarius, 
Martius quoque et Aprilis, hoc anno fuerunt naturales et hominibus 
gratissimi. Verumtamen fames, annis superioribus concepta, 
nullum habuit temperamentum , quia superioris anni annone rara col- 
lectio nullum potuit conferre levamentum. Nam usque hodie fame 
moriuntur milia milium; multi enim hac necessitate constricti, contra 
consuetum vivendi usum latrones effecti, laqueo sunt suspensi. Set ver- 
nalis temporis temperies gratiosa, et seminum ut videtur pulchra pro- 
cessio, fit expectantibus non minima consolatio. 434, 19. Vindemia per 
totam Franciam, in pago scilicet Remensi, Laudunesi, Suessionensi, No- 
viomensi et Belvacensi, rara fuit et tarda; unde accidit, ut rustici, qui 
vineas colebant et pecuniam super vinum futurum mutaverant, non 
valentes vinum reddere, compulsi sunt fugere. || Baldüini Ninov. chr. 
S. S. XXV, 538, 30. Fames, que 6 fere annis debachata est, ita omnia 
consumpsit, ut sextarius siliginis, quem 7. denariis apud Nini- 
ven constare vidimus, 19 solidis Valenchenensis monete ven- 
deretur. II Ann. Parch. S. S. XVI, 606, 40. Hoc anno vendebatur mo- 
dius frumenti 63 solidis et modius siliginis 53, modius vero 
ordei 30 et amplius, et multi fame perierunt. || Reiner. S. S. XVI, 
652, 41. Anni istius periculum vix audeo scribere, cum numquam simi- 
lem viderint, qui vixerunt hoc tempore. Multitudo pauperum fame 
moritur. Cadavera mortuorum animalium indifferenter ab eis comedun- 
tur, et fere ab universis propter imminentem necessitatem desperatur. 
Modius siliginis 18 solidis, modius speltae 10 usque ad fe- 
stum sancti ßarnabe (11. Jun.) venditur. Insequenti autem 
die f'12. Juni) de modio siliginis 32 solidi accipiuntur, de 
modio speltae 17. Procedente autem tempore cum messis adesse 
speraretur, malum increvit, et circa festum sancti Jacobi (25. Juli) 
modius siliginis 40 venditur, modius spelte 20 solidis. Pau- 
peres per plateas iacebant et moriebantur et ante fores ecclesiae nostrae, 

1) Adolf von Altena war Erzbischof von Köln 1193—1205, die Not- 
jahre sind nach der Chr. reg. Col. 1196, 1197 und 1198. 

2) Ein Krankenhaus für das Kloster. 



Chronik der elementaren Ereignisse. 159 

cum matutinae laudes canerentur, iacebant gementes et morientes, ele- 
mosinam quae summo diluculo fiebat expectantes. Hoc anno in epiphania 
(6. Jun.) annona defuit nobis, et plus quam centum marchas usque ad 
Augustum in pane expendimus, nee vinum a medio Maio nisi raro usque 
ad novam vindemiam habuimus. Cervisia autem toto anno defuit nobis. 
Panemvero siligineum 15 diebus ante Augustum comedimus, aquam autem 
in conventu indiflPerenter bibimus. Quid plura? Annus iste post plurima 
pericula dissentionis, que praecesserant, gravissimus fuit ecclesiae nostrae, 
qualem nee prius habuit nee amplius possit habere. Abbas noster 
domnus Gozuinus cum in tanto defectu posse suum videret deficere, 
abbatiam, praesente episcopo Alberto, in capitulo nostro in die sancti 
Marci ewangeliste (25. Aprl.) sponte resignavit. Episcopus autem 
liberam optionem eligendi nobis, sicut debuit, dedit; nos autem com- 
muni habito consilio in momento, in ictu oculi ut ita dicam, domnum 
Gerardum, abbatem Sancti Laurentii, virum iuvenem, set iudustrium et 
providum, et in Omnibus locis abbatiae nostrae amicis optimis, qui prius 
nostra diripiebant, vallatum et munitum, elegimus. — — — || Hist. 
MONÄST. VicoN. coNT. AüCT. NicoLAo c. 7. S. S. XXIV, 302, 23. Amulpho 
cum officialibus suis sumptuosius et lautius vivente, quam ordo exigeret, 
denuo cepit domus debitis obligari, maxime vero eo quod per multos 
annos annona ita fuit cara, quod infinita milia pauperum fame 
perierunt, et nos, qui multum seminavimus parum intulimus. Inde pro- 
venit, ut quod dandum erat pauperibus in usus communes verteretur, 
ut etiam ante ianuas religiosorum inedia confecti morerentur egeni. 
Tunc impletum est illud propheticum: Clerici eorum non proderunt eis. 
Erat ergo videre miseriam. Nam qui prius solebamus esse pauperibus 
liberales, pre nimia continuatione famis, que 5 annis sine inter- 
polatione alicuius fertilitatis duravit, nobismet ipsis timentes, ne 
nihil serentes nihil reciperemus, plus quam mille marchatas avene ad 
opus iumentorum comparavimus. Siquidem in agricultura periti non 
solo foragio, sed et avena ea sustentari asserebant. Exinde accidit, 
ut quod dandum erat pauperibus pro iumentis expenderemus, vendito- 
que nemore nostro, quod procerum et annosum nobisque valde neces- 
sarium habebamus, ad extremam fere penuriam devoluti sumus. c. 10. 
p. 304, 1. Desolationem Terre promissionis secuta est terre steri- 
litas, ut predictum est; in qua quidem, quod mirum est dictu, multa 
victualia inveniebantur venalia, licet grandi pretio venderen- 
tur, ut etiam inopes, si pretium habuissent, evadere potuissent. Tunc 
nos et omnes fere ecclesie regularium et secularium tum ex inhuma,ni- 
tate, tum ex diffidentia, retentis vasis aureis et argenteis aliisque oma- 
mentis et pecoribus multis, graviter ofFendimus, quod fons misericordie 
ignoscat, eo quod in substentationem pauperum expensa non sunt; tan- 
tum nempe invaluerat fames, quod nihil aut modicum talis expensa 
crederetur proficere. Hanc sterilitatem, que inundatione pluviarum 

continua accidit, secute sunt guerre || Ann. S. VnicENTn Mett. 

S. S. ni, 159, 18. Fames valida; hoc anno venit quarta frumenti 
12 solidis, et facta est mortalitas maxima. |1 Chbonica uNrvERSAiis Met- 
TENsis S. S. XXrV, 519, 25. Fames magna inaudita venditio annone, 
quarta frumenti 13. solid. Met. || Ann. S. Pauli Yirdun. S. S. XVI, 
501, 42. Eodem anno fames invaluit, ut maldrum 20 solidis com- 
paretur. || Ann. Debv. S. S. XVI, 490, 25. Hoc anno venditur similiter .... 
IX 80 1. II Ann. S. Nicasii Rem. S S. XIII, 84, 19. Facta est fames 
validissima, ita quod pauperes pre panis inopia morticiniis ovium equo- 
rum et boum etiam in ipsa quadragesima cogerentur vesci, et fecem vini 
loco panis comedebant; innumeri vero fame perempti sunt; sextarius 
quoque frumenti 16 solidis venditus fuit. || Chk. beg. Col. cont. I. M. 
G. S. S. kl. Ausg. 159. Penuria annonae et ifrumenti magna et fames 



160 Chronik der elementaren Ereignisse. 

valida, ita quod maldrum siliginis in partibus Reni ad 15 soli- 
des vendebatur. || Caks. Heistekbac. Dialog, mikacul. dist. X, cap. 47 ed. 
Strange vol. II, 251. Post mortem praedicti Henrici Imperatoris tanta 
fames erat, ut maldrum siliginis in Alemannia marca Colo- 
niensium, et in quibusdam provinciis decem et octo solidis venderetur, 
et ex magnitudine famis populus innumerabilis extingueretur. dist. IV. 
vol. I, 233. 

c. 65. De largitate pauperibus famis tempore a domo Vallis 

sancti Petri exbibita. 
Eo tempore quo fames illa validissima, quae anno Dominicae in- 
camationis millesimo centesimo nonagesimo septimo fuit, incubuit, et 
plurimos exstinxit, domus nostra, licet tunc temporis pauper fuerit ac 
novella, multis subvenit. Sicut dixerunt hi qui numerum inopum ante 
portam consideraverunt aliquando una die mille quingentis elee- 
mosynae datae sunt. Dominus Gerardus tunc Abbas singulis diebus 
ante messem, in quibus camibus uti licebat, bovem unum in tribus cal- 
dariis cum oleribus circumquaque collectis coqui iussit, et cum pane 
per singulos pauperes divisit. Simile factum est de ovibus aliisque pul- 
mentariis. Sicque per Gratiam Dei omnes pauperes supervenientes, us- 
que ad messem sustentati sunt. Et sicut audivi ab ore iam dicti Ge- 
vardi Abbatis cum timeret, ne forte annona pauperum ante tempus 
deficeret, et pistorem pro eo quod panes nimis magnos faceret, argueret; 
respondit ille: Credite mihi, domine, in pasta valde parvi sunt et in 
fomace crescunt. Parvi immittuntur et magni extrahuntur. Retulit mihi 
idem pistor, frater scilicet Conradus rufus, qui adhuc vivit, quia non 
solum panes in fomace, immo etiam farina creverit in saccis et in 

vasis, c. 66. Eodem tempore domus in Hemme^irode, mater 

nostra non minorem caritatem, imo tanto maiorem, quanto ditior fuit, 
pauperibus exhibuit. Tanta enim fames pauperes premebat, ut mulieres 
praegnantes ante portam in nemore pariendi tempora implerent. — — 
Gerardus enim Praepositus sancti Simeonis in Treveri moriens circa sex- 
centas libras argenti illis legavit, ex quibus centum ad portam in usus 
pauperum sequestravit. Portarius vero centum libras suas reci- 
piens, non ex eis vineas vel agros, sed totidem maldra siligi- 
nis apud Confluentiam comparavit, quibus satis sufficienter usque 
ad messem pauperes sustentavit. c. 67. Retulit mihi frater Godescalcus 
de Volmuntsteine, monachus noster, post eadem cara tempora cellarium 
quendam ordinis nostri de Westfalia occurrisse sibi. Quem cum interro- 
gasset, quo festinaret, respondit ille: Ad concambium. Ante messem ob 
necessitatem pauperum pecora nostra occidimus, calices et libros nostros 
inpignoravimus. Modo Dominus misit nobis hominem, qui tantum nobis 
auri dedit, ut eius quantitas in duplo erogatis respondeat. Unde vado 
illud cambire pro argento, ut ex eo possim pignora nostra redimere, et 
greges reparare. || Ajjn. Spiken. S. S. XVII, 84, 2. Eodem anno facta est 
tanta fames quod multi mortui sunt; modius enim siliginis valuit 
octo uncias denariorum et modius tritici pro novem unciis 
vendebatur. || Ann. Marbac. S. S. XVII, 168, 29. Eodem anno apparuit 
commeta. Ipso quoque anno facta est fames tam valida in Alsatia, 
quod passim per campos et vicos gregatim mortui fame inveniebantur. 
Nam mensura, que vulgo burevirteil dicitur, marca argenti 
vendebatur. || Chr. Ebersheim. S. S. XXIII, 448, 31. Tantaque fames 
orta est, quod exinde multi interierunt. Siligo vendebatur qua- 
dringentis denariis, ordeum trecentis. || Ann. Ottenb. Isingb. 
MINOR. S. S. XVII, 316, 54. Fames facta est tam magna per totam Ger- 
maniam, ut maltrum siliginis 30 solidis venderetur et maltrum 
tritici duabus libris. Que per quin que annos durans multa hominum 
milia necavit. || Cont. Cremifan. S. S. IX, 549, 15. Hoc anno in mense 



Chronik der elementaren Ereignisse. 161 

Februario et Martio turbines ventorum maximi et inundationes et 
hominum infirmitates et pestilentiae efferbuerunt. ]] Guielmi chk. 
Andren. S. S. XXIV, 732, 14. Nam, ut verum fateamur, qui toto tem- 
pore sui ei conviximus, per 13 fere annos, "quibus huic loco prefuit, 
non minori pretio quam 10 solidis polkinum frumenti ven- 
didit, et aliquando 20, aliquando 30, aliquando etiam 40 et 
amplius solidos inde accepit, sicque vicinorum penuria ei habundan- 
tiam ministravit. ^) 

1198. Die Hungersnot ist fast überall erloschen, nur noch an zwei 
vereinzelten Stellen in Trier (Gest. Trev.) und Neresheim in Schwaben 
(Ann. Neresh.) wird davon berichtet, doch besteht auch in Lüttich (Beiner.) 
und Köln (Chr. reg.) noch ein geicisser Notstand. Reineri aiw. S. S. XVI, 
654, 15. Modius siliginis 15 solidis, mense Junii carius est 
venditus, modius speltae 7 solidis, modius ordei 8 solidis, 
vini sextarium 14 denariis est venditum, et vinum de Rochella 

primum in hanc civitatem est advectum. 20. Philippus Mo- 

sellam transivit, quae prae siccitate nimia, qualis ante centum annos 
non fuit, transitum liberum praebuit. 52. Fluvius Mosa numquam minor 
visus est, quam fuit hoc tempore. Vinum carum. Modius siliginis 
12 solidis. Modius speltae septem ante natale Domini. Mo- 
neta nova. |1 Gest. Trev. cont. IV. S. S. XXTV, 392, 42. Fuit fames 
magna, ita ut maldrum siliginis marca venderetur. || Chr. reg. 
C0L..C0NT. I. M. G. S. S. kl. Ausg. 166. Penuriae annonae magna. || 
Ann. Neresheim. S. S. X, 22, 43. Farnes magna per tres continuos annos 
violenter oppressit terram hanc pluresque extinxit. 

1199. SiGEB. coNT. Aqoict. S. S. VI, 435, 49. Messis et vindemia 
mediocriter abundat. 

1200. Reineri ann. S. S. XVI, 655, 18. Modius siliginis pro 
tribus solidis et dimidio, modius speltae pro duobus solidis. 
Siccitas magna a medio Martio usque ad Kalendas Maii (1. Mai). 
22. Inaudita mortalitas boum per totum Imperium. 

1201. Reineri ann. S. S. XVI, 655, 44. Hyemps longa a festo 
Sancti Martini (11. Nov.) usque ad Kai. Martii (1. März); annona bono 
precio fuit, set vinum carum. Bona spes fuit in flore vindemie, set 
postea frustrata est, Augusto impediente. 

1202. Reineri ann. S. S. XVI, 656, 9. In Kalendis Februarii (1. Feb.) 
omnia victualia defuerunt nobis. Modius siliginis 5 solidis, spel- 
tae 40 denariorum, vinum 6 denariorum. 

1203. Reineri ann. S. S. XVI, 657, 31. Mustum Mosellanum 
10 denariorum, modius siliginis 10 solidorum, spelte autem 
5 solidorum, hordei 4. || Ann. S. Nicash Rem. S. S. XIII, 84, 37. Hoc 
anno tantus fuit vini defectus, quod sextarius albi vini de Autisio- 
doro et partibus remotis adducti pro 32 denariis, vini vero rubel pro 
duobus solidis, medonis et cervisie pro 6 denariis contra solitum apud 
nos comparabatur. 

1204. Reineri ann. S. S. XVI, 658, 13. Modius siliginis 8 so- 
lidis, speltae 5, ordei 4 venditur in festo omnium sanetorum anni 
praesentis (1. Nov.), vinum 8 denariis. || Chr. reg. Col. cont. II. M. G. 
S. S. kl. Ausg. 175. Hoc anno hyemps prolixa et asperrima fuit. || 
Che. reg. Col. cont. III. M. G. S. S. kl. Ausg. 216. Estas calida et sicca. 
219 Hyemps longissima et nimis asperrima. || Ann. S. Nicasii Rem. 
S. S. Xni, 84, 40. Hoc anno vinee in floribus suis pluvia inundante 
corrupte, botris cadentibus paucos et parvos racemos retinentes, vix ad 
maturitatem pervenientes, ita defecerunt, quod modius vini pro 



1) Vgl. auch ibid. p. 714, 47. 
Leipziger Stadien VI. 1: Carschmann, Hungersnöte. 1 1 



162 Chronik der elementaren Ereignisse. 

40 solidis emebatur, et pro vini penuria medone et cerrisia braciata 
mel et avena cariora vendebantur. 

1205. Hungersnot in Thüringen (Chr. S. Petri Erford. mod.). 
Reineri ANN. S. S. XVI, fe58, 51. Hyemps aspera et longa. Morta- 
litas ovium per totum imperium. 659, 5. De qualitate hyemis huius 
anni pauca volo scribere ad cautelam praesentium et noticiam futurorum. 
Hyemps hoc anno quinquies respiravit, graviorque semper fuit sub- 
sequens respiratio priore; prima respiratio in festo sancti Martini 
(11. Nov.), secunda in festo sancti Andree (30. Nov.), tercia in festo 
sancti Marcelli (16. Jan.), quarta in festo purificationis (2. Feb.), quinta 
in pascha (10. Aprl.). Per totum Februarium et totum Martium aratra 
non exierunt ad colendum nee cultores ortorum ad laborandum. Sil- 
vestres fere ad villas veniebant, quaerentes pascua tamquam domesticae; 
multae tamen fame periere. Mortalitas permaxima ovium et ceterorum 
animalium, deficiente pabulo et byemis seviente periculo. In Kalendis Mail 
(1. Mai) vix erat aliqua notitia annonae in satis; set ex insperato Domi- 
nus magnam copiama nnonae tribuit, et estas sicca fuit ; a festo sancte 
Marie Magdalene (22. Jul.) usque ad Kalendas Augusti (1. Äugst.) estus 
nimius et intolerabilis fuit, set post Kalendas quievit. 33. Messis 
bona. Vindemia rara. Modius siliginis 10 solidorum, spelte 5, 
vinum octo denariorum. || Ann. Foss. S. S. IV, 32, 7. Hiemis maxima 
asperitas usque ad festum sancti ßenedicti (21. März). || Ann. Bland. 
S. S. V, 30, 24. Hiemps valida durante glacie a 14. Kai. Feb. (19. Jan.) 
usque ad 14. Kai. Apr. (19. März). || Cr. S. Petri Ehfokd. mod. XX X, 
379, 28. Hoc eciam anno facta est fames valida in Thuringia et per 
omnes regiones. ^) 

1206. Lokale Hungersnot in Österreich (Ann. Meli.). Reineei ann. 
S. S. XVI, 659, 50. De qualitate temporis huius anni dicimus, quod 
usque ad circumcisionem Domini (1. Jan.) nuUa fuerunt signa hiemis, 
nee in gelu, nee in nive, set a circumcisione Domini in 15 sequentes dies 
et non amplius hyemps desevit; reliquum tempus usque in pascha 
(2. Aprl.), non quasi ver, set quasi estas fuit. Seges tamen cara, 
vinum carius et omnia quae ad victum hominis prodesse debent carissima, 
in alleciis, in ovis et camibus, et piscibus. 660, 13. Messis bona, vin- 
demia optima, in Mosella infra vindemiam sextarium vini pro denario 
Treverensi; ego qui interfui, vidi. Apud nos vinum sex denariorum, 
21. Hoc anno inter festum sancti Jacobi (25. Jul.) et ad vincula sancti 
Petri (1. Aug.) tantus fervor solis incaluit, ut videres messores vim 
caloris ferre non valentes passim per agros morientes. Tres fuerunt 
mortui, quos ego presentium scriptor agnovi. 27. In vigilia sancti 
Nicholai (5. Dec.) post vesperas saepius auditum est tonitruum, ita ut a 
nobis opinatum sit esse fulminatum. Hyemps tarda sed aspera et 
februaria. Inundatio aquarum maxima, maxime in Alemannia et 
Francia, ita ut Mogus in altitudine triginta duarum ulnarum se extol- 
leret, Renus quedam claustra subverteret, et plurima milia virorum et 
mulierum et parvulorum submergeret, Secuana Parisius parvum pontem 
cum edificiis suis frangeret, et molendina impetu suo deduceret. Mosa 
tamen, noster fluvius, magnus fuit set pacificus. || Ann. Akgent. S. S. 
XVII, 90, 1. Datum fuit in Argentina unum quartale vini pro duobus 
solidis ; sequenti ebdomada dabatur pro duobus denariis, et vas vacuum 
pro duabus libris. || Chr. univers. Mett. cont. cod. Paris. (2) S. S. XXIV, 



1) Einen Anhalt für die Ursachen der Hungersnot giebt die An- 
gabe zum vorhergehenden Jahre „rex Phüippus Thuringiam in- 

gressus — — — omnem regionem tempore messis ferro et igne crude- 
liter vastavit." Der harte Winter, von dem wir sonst hören, wird weiter 
zur Erhöhung des Notstandes beigetragen haben. 



Chronik der elementaren Ereignisse. 16B 

524, 7. Maxima inundacio aquarum. {| Ann. Mell. cont. S. S. IX, 
506, 31. Farnes valida facta est. || Ann. Admunt. cont. S. S. IX, 591, 26. 
Inundatio aquarum tam intoUerabilis , ut homines cum oppidis et 
domibus in Swewia pessumdaret. 

1207. Reineri ANN. S. S. XVI, 660, 40. Mensis Maii crudelis 
fuit, quia sevitia yemis non naturalis vineas, silvas quasi quodam igne 
combussit; set pluvia superveniens in Kalendis Junii (1. Jun.), magnam 
utilitatem vineis praestitit. Glaties non modica visa est Bonefatii mar- 
tyris (5. Juni). Estas sicca. Messis pulcra. Satio pulcherrima. 
Vindemie satis tempestiva. Set gelu Octobris fere abstulit omnia vina. 
47. Hyems temperata, sine magno gelu et continuo. || Chr. Albrici 
MONACH. Thiüm Fonthjm S. S. XXIII, 887, 22. Et hie annus pre nimia 
siccitate veris et etatis satis extitit calamitosus. 

1208. Reineri ann. S. S. XVI, 661, 5. Modius siliginis 5 soli- 
dis, speltae modius tribus venduntur, vinum 7 denariis. 8. Tem- 
peries aeris tam veris quam estatis; habundantiaannonae in campis 
laudabilis, vinum sicut priua. Siligo tribus solidis, spelta 30 de- 
nariis comparatur. Sicut a veridicis relatoribus audivimus , flores visi 
sunt in vineis in vineto in prima ebpthomada Maii in montibus. 
19. Mensis Augusti pluviosus fuit diebus 15 primis. Annonae habun- 
tantia qualis non fuit a quadraginta annis et supra. || Chr. reg. Col. 
CONT. IL M. G. S. S. kl. Ausg. 183. Estas levis et sicca, fertilis et ca- 
lida, adeo ut maldrum siliginis 6 libris, 7 denariis emeretur. || 
Ajra. Mell. cont. S. S. IX, 506, 35. Et tempore messis pars vulgi non 
minima aut nimietate estus aut sitis ariditate vitali spiritu precluso, 
miserabiHter extincta est. 

1209. Reineri ann. S. S. XVI, 661, 30. Annus iste pauperum 
gloria, divitum mestitia, habundans ad votum in annona. Modius 
siliginis 15 denariis, spelte eodem precio venditur. Cetera genera 
annone precio inferiore. Vinum praecipuum 5 denariis. Sicut anno 
1197 modius syliginis venditus est 40 solidis, ita hoc anno 40 modii 
süiginis dati sunt pro 40 solidis. 663, 17. Annona bono pretio, 
siligo duobus solidis, spelta 20 denariis, et hordeum et avena 
carior spelta. || Chr. reg. Col. cont. III. M. G. S. S. kl. Ausg. 230. 
Hoc anno erat aestas tonitruis, fulminibus et imbribus valde tempestuosa, 
et hyems nimis asperrima. 

1210. Reineri ann. S. S. XVI, 663, 20. Hiems longa, aspera et 
continua a Kalendis Januarü (1. Jan.) usque ad festum sancti Mathie apo- 
stoli (24. Feb.), pestilentia murium in agris, in satis et domibus, in villis. 
Idus Aprilis, hoc est dominica in palmis ^), hora nona audita sunt toni- 
trua magna cum grandine miro, aere mirabiliter mutato. Flores praeter 
solitum tarde apparuerunt, vix aliqui flores arborum in Aprili apparu- 
erunt, vix enim apparuerunt spiee in siligine ürbani papae (25. Mai). 
28. Annona carior solito, siligo 6 solidorum, spelta quatuor. 
664, 14. Annona bono pretio, Vinum sex denariorum.*) || Cr. Rein- 
hardsbrunn. S. S. XXX, 577, 22. Hyems dura et prolixa et intoUera- 
bilis valde subsecuta est, ita ut veterani homines unanimiter testarentur 
tantam intemperanciam frigoiis sua recordacione non fuisse; homines 
quam plures nimo gelu mortui sunt, pecora, volucres et apes quam plures 
perierunt; vinee et annose arbores ita lese sunt, ut usque ad imas ra- 
dices arescerent. || Ann. Mell. cont. S. S. IX, 506, 40. Pluvia maxima 
repente effusa est et inundatione facta multi homines perierunt, 
3. Kai. Junii (30. Mai) die dominico circa meridiem. Item tempore 



1) Id. Aprilis = 13. Aprl. Palmarum = 11. Aprl. 

2) Bezieht sich auf das Ende des Jahres, die letzten Worte des 
Abschnittes. 

11* 



164 Chronik der elementaren Ereignisse. 

messis 5. Id. Aug. (9. Aug.) pluvia incipiente, et septem dies continuos 
durante, Danubius aquarum habuntantia supra duos cubitos intumescens, 
continua aedificia plurima ingurgitavit , et effusus per campestria, que 
messa fuerant auferens, vineta quoque et prata sabulo sternens, in suo 
tractu maximam cladem exercuit. Reliqua passim per agros tarn ea 
que messa fuerant, quam que meti non poterant putruerunt. || Ann. 
GoTwic. S. S. IX, 602, 28. Hoc anno instante messe inundatio 

non repente veniens sed paulatim crescens et pene 

per mensem dur omnem annonam que satis larga creverat sub 

d annichilans putrefecit. Danubius non 

solum adiacentes verum etiam longe positas villas 

1211. Lokale Hungersnot in Baiern (Ann. S. Steph. Frising., Ann. 
Scheftl. maior.). Reineei ann. S. S. XVI, 664, 16. Hiemis asperitas. 
17. Siccitas estatis et Augusti, Defectus vini, propter vineas gelu attritas. 
21. Abundantia frugum. || Ann. S. Steph. Feisinö. S. S. XIII, 55, 39. 
Hoc anno pestilentia magna et fames valida per totam Bawariam 
facta est. || Ann. Scheftlak. maiok. S. S. XVII, 338, 2. Fames facta 
est ex inproviso fere per totam provinciam. || Ann. Mell cont. S. S. IX, 
506, 47. Maxima nix, qualem se nemo in partibus nostris vidisse tes- 
tabatur, effusa est; per quam multi cum incaute graderentur, incidentes 
violentia frigoris et venti, cum emergere non possent, extincti sunt. || 
Heinkici chb. Lyvoniae M. G. S. S. kl. Ausg. 89. Et facta est pesti- 
lencia magna per universam Lyvoniam, et ceperunt homines egrotare 
et mori, et mortua est maxima pars populi, incipiens a Thoreyda, ubi cada- 
vera paganorum iacebant inhumata, usque in Methsepole, et sie in Ydu- 
meam usque ad Lettos et Wenden, et mortui sunt seniores, qui dicebantnr 
Dabrelus et Ninnus et alii multi. Similiter in Saccala et Ugaunia facta 
est plaga mortis magne et in aliis terminis Estonie, et multi, qui gladio- 
rum percussionem fugientes evaserunt, amare mortis pestem evadere non 
potuerunt. 

1212. Reinem annales S. S. XVI, 664, 22. Hiems temperata. 
23. Februarius plurimum ventosus cum aquarum inundationibus. 27. In 
parasceue (23. März) per octo dies hiems fuit asperrima que omnes nuces 
abstulit. Martius tamen siccissimus fuit. 665, 25. Estus Julii permaxi- 
mus quindecim primis diebus. 48. Annona bono precio fuit. Spelta 
duobus solidis, siligo 40 denariis, vinum 7 denariis. 

1213. Reineei annales S. S. XVI, 666, 7. Hiems longa set tempe- 
rata a Kalendis Novembris (1. Nov.) usque in pasca (14. Aprl.), hoc est 
Tiburtii et Valeriani. Processus florum tardus, set postea bonus. Nivis 
modicum set glaciei plurimum. 28. Circa Maium vinum carum et rarum 
8 denariis. Annona bono precio, siligo 4 solidis, spelta 28 de- 
nariis. 670, 40. Hiems longa a Kalendis Novembris (1. Nov.) usque ad 
octavas pasce set non continua (26. Aprl. 1214). Annona bono precio, 
siligo trium, spelta duorum solidorum, vinum septem dena- 
riorum. 

1214. Ann. Bland. S. S. V, 30, 29. Inundatio maris. 

1215. Reineei ann. S. S. XVI, 672, 45. Jems in Februario aspera 
et sicca. 47. Hordeum carius siligine, avena carior spelta, modius 
siliginis duobus solidis, spelta 20 denariis, vinum carior sex 
denariis venditur. 51. Motus florum et cunctus avium tardissimus. 
673, 8. Mosa maximus in Maio. 10. In inventione sancte crucis (3. Mai) 
tempestas maxima cum imbribus et tonitruis descindens arbores eruit, 
fruges in quibusdam locis contrivit. Malus pluviosus. 

1216. In Österreich (Ann. Zwifalt. min.) beginnt eine Hungersnot, 
die aber erst im nächsten Jahre größere Ausdehnung gewinnt. \\ Reineei 
ANN. S. S. XVI, 674, 16. Annona bono precio. || Ann. Zwifaltenses 
MiNOBEs S. S. X, 58, 52. Australem populum pressit fames innumerum. 



Chronik der elementaren Ereignisse. 165 

1217. Grofse Hungersnot über den ganzen Osten verbreitet. In 
Norddeutschland (Detmar, Magdeburg. Schöppenchr. a. 1218, Chr. Montis 
Seren, a. 1218), Baiern (Ann. S. Steph. Frising. , Ann. Wessofont. 
Annony. monach. Bav. chronolog.), Böhmen (Ann. Zwifalt.), Österreich 
(Ann. Gotwic, Ann. S. Steph. Frising., Ann. Wessofont.) und Ungarn 
(Ann. S. Steph. Frising., Ann. Wessofont.). Reixeri ann. S. S. XVI, 675, 35. 
Hiems longa in fine Januarii et Februarii aspera a festo sancti Seve- 
rini (8. Jan.) usque ad Kai. Martii (1. März). Annona bono precio, 
spelta 18 denariorum, siligo 2 solidorum, vinum 7 denariorum. 
In Leodio nuUa certa moneta. 676, 9. Annona in duplo carior 
solito, siligo quatuor solidis spelta tribus. 37. Hoc anno in 
Mosella vinum fuit habundans, set superveniente repentino frigore cruda 
remanserunt et male defecata, unde multi diversas incurrerunt infirmi- 
tatum molestias. || Ann. S. Benig. Div. S. S. V, 48, 46. Hoc anno fuit 
magnus ventus per totum mundum. Mortalitas hominum, defectio 
fructuum. |] Ann. Zwifalt. maigk. S. S. X, 59, 14. Vinum habundat. || 
Detmar. St. Chr. XIX, 296, 15. Des jares wart grot hungher unde 
warde twe jar. 297, 11. Dor na wart so grot watervlot. dat vele dusent 
Volkes dar verdarf. ») || Ann. S. Steph. Frising. S. S. XIH, 56, 1. Stella 
comes visa est. Farnes valida per totam Bawariam et Austriam et Mar- 
chiam et Ungariam. || Ann. Wessofont. ed. Leütner Hist. Wessofont. H, 28. 
Cometa visus est. Fames eciam valida sequitur per totam Bavariam, 
Austriam, Marchiam et Hungariam. || Anonymi monachi Bav. compil. 
chronologica rer. boic. Oefele H, 335. Fames valida fuit. || Ann. 
GoTwic. S. S. IX, 603, 5. Fames valida et inopinata usque adeo pre- 

valuit ut multos plerosque etiam ipsa morte interficeret. 

Quam famem mortalitas non parva subsecuta est. || Ann. Zwifalt. 
min. S. S. X, 59, 1. Multa milia hominum in Austria et Boemia fame 
perierunt. 

1218. Die Hungersnot des vorigen Jahres dauert in Norddeutsch- 
land auch noch in diesem Jahre fort (Detmar a. 1217. Magdeburg. 
Schöppenchr., Chr. Mont. Sereni). Reineri ann. S. S. XVI, 676, 41. 
Yemps sine yeme et sine nive; annona multo carior solito ante 
natale (25. Dec. 1217) et post siligo octo solidis, spelta 4 se redi- 
munt. 677, 8. Messis optima, vindemia bona, yemps asperrima a 
festo omnium sanctorum (1. Nov.) usque ad festum sancti Andrea (30. Nov.), 
postea pluvialis usque ad natale (25. Dec). 16. Inaudita pestilentia 
caulium, non solum per regna transmontana , set per totum Imperium. || 
Balduini Ninov. CHR. S. S. XXV, 541, 3. Erucarum inaudita multitudo 
operuit terram. || Caes. Heisterbac. Dialog, miracul. dist. H. c. 3 ed. 
Strange II, 3. Anno videlicet gratiae millesimo ducentesimo decimo 
octavo, mare in partibus Frisiae terminos suos egrediens, multarum pro- 
vinciarum terras occupavit, villas delevit, ecclesias lapideas deiecit, tan- 
tam hominum extinguens multitudinem, ut summa centum milia trans- 
cenderet. Ita exaltati sunt fluctus eins , ut turrim altitudines operire 
viderentur, et procellam impellens, generale diluvium terris minaretur. || 
Magdebg. Schöppenchr. St. Chr. VII, 143. Hir na worden twe dure 
jar*), do satte me van greven Hoiers rade van Valkenstein dat men 
nein dicker beir scholde bruwen wenn ein stoveken umme einen pen- 
ning, und vorbot alle kroge in dissem lande, dat halp sere to brotkom.|| 



1) Bezieht sich wohl auf die Sturmflut von 1219, vgl. Emo a. 1219. 

2) Die beiden Notjahre sind 1217 und 1218, nicht 1218 und 1219, 
wie die Quelle anzunehmen scheint. Die Hungersnot von 1219 war nur 
auf Friesland beschränkt und kann nach ihrer Entstehungsursache, einer 
Sturmflut, nicht in Zusammenhang mit einer Hungersnot in Magdeburg 
gebracht werden. 



166 Chronik der elementaren Ereignisse. 

Chr. Montis Seeeni S. S. XXIII, 190, 46. Farnes magna facta est, que 
priori anno inchoata tantum invaluit, ut modius siliginis, qui 
Tulgo heimece dicitur, tribus lotis et nonnumquam carius 
venderetur. Huius temporis necessitatem ecclesia Sereni Montis pre 
ceteris experta est. Cum enim multe provinciales ecclesie rebus hac 
longe inferiores nullum in se famis haberent vestigium, in ista tantum 
viguit, ut fratres, die quadam panem, quo ad prandium uti debebant, 
mutuare in villis circumiacentibus cogerentur. Quadam vero vespera pane 
deficiente, incenati manentes omnium vicinorum suorum fabula sunt 
effecti. Tunc eciam ordeaceo et avenaceo pane uti didicerunt, quibus 
priorum prelatorum temporibus siligo nonnumquam intollerabilis vide- 
batur. In aliis quoque eorum cibariis tanta erat tenuitas, ut quod dictu 
verecundum est, eos non semel in diebus lacticiniorum solo pane cer- 
visia remollito vel fece calida contentos esse oporteret. 

1219. Hungersnot in Friesland als Folge einer Sturmflut, die das 
Land zum grofsen Teile überschwemmte (Emo). Reineri ann. S. S. XVI, 
677, 18. Yemps longa a festo omnium sanctorum (1. Nov.), usque ad 
Kalendas Martii (1. März). 21. Nova moneta pauperibus gravissima. 
Yinum quinque denariis, siligo quatuor solidis, spelta tribus ven- 
duntur. 23. Sterilitas in satis, yeme faciente, messis modica et 
humilis, arescentibus hominibus pre timore future famis; set 
ille qui pavit quinque milia hominum de quinque panibus, paucitatem 
illam panis convertit in melius. Estas nulla set quasi veris tempora. 
36. De vindemia huius anni, dicimus, quod cum racemi multa eva- 
serint pericula, maius, quod de voluntate Dei peccatis nostris exigenti- 
bus credimus contigisse, evadere non potuerunt; nam cum vindemia 
esset in ianuis, repente supervenit intempestivum gelu et asperitas im- 
mitis boree intolerabilis, cuius initium septima die Octobris et per dies 
octo continue duravit. Quid multa? Tunc videres vineas foliis spoliatas 
et nudas, racemos nigros dependentes^ quasi in clibano decoctos; ita 
periit vindemia. Illud idem vinum quod de torcularibus elitiebatur, 
ultra spem habundans inveniebatur. Itaque vinum fuitkarum, no- 
vum novem, vetus decem denariorum. Nonas Octobris (7. Okt.) ortum 
est tempus pluviale cum vi ventorum et aquarum frequenti inundatione, 
quod perseveravit sine intermissione usque ad natale (25. Dec), et quod 
mirum est sine gelu et sine nive. || Emonis chr. S. S. XXIH, 488, 40. Die 
inquam mensis Januarii 16., cum aliquot diebus precedentibus spirasset 
affricus, sed non immoderate, die prefata plus solito invaluit a mane 
usque ad vesperam, sed precipue ut visum est, ab hora nona diei in- 
valuit. Verum per intervalla grandinem cum magna acer- 

bitate proiecit, quia calor solis in alto erat, qui guttas attraxit; sed fri- 
gore constricte in grandinem sunt verse. Et hiis iaculis ille cruentus 
affricus armatus miseros mortales tarn in mari quam in terra afflixit 
crudeliter. Cunque homines pro defendendis domiciliis suis plurimum 
usque ad solis occasum et ultra laborassent et furorem occeani minime 
formidassent, iam hora dormitionis securitatem qualemcunque promittente, 
illico choro cruentissimo crudelis cessit, affricus coUaterali zephiri a 
septentrione. Et quia mare funditus motum fuit per affricum, choro 
ruente, effluxit, et effusum est multis voluminibus et crementis, more 
bullientis aquae, et optinuit precipue maritimas Frisie, et more 
repentine mortis invaluit et attraxit pauperum domicilia, divitum domos 
indomite aggrediens, sicut quidam dixit: Mors eque tuguria pauperum 
et turres divitum pulsat. Cunque aliquid resisteret, eo amplius furor 
arma nocendi exacuit, more humani ingenii assiliendo recurrens et rela- 
bendo fugiens, donec crebris assultibus ipsas domorum columnas effo- 
diendo et frangendo evulsit. Dum igitur hora dormitionis securitatem, 
ut dictum est, promisisset, et subito violentia maris amplius invaluisset 



Chronik der elementaren Ereignisse. 167 

et quasi per spatium unius höre noctis ascendisset, ceperunt miseri mor- 
tales fugere et scandere domorum solaria, et pro terra trabium robora 
calcare; et fenestras per tecta facientes, tutissimum sibi refugium puta- 
verunt, non in tectis, sed super tecta commorari. Multi siquidem vo- 
lentes, sed non valentes tempestati resistere et res perituras defendere, 
perierunt, quos violentia currentis aque in terra subsistere non permisit. 
dolor et gemitus, videre homines tanquam natatilia maris inter fluc- 
tus iactari, videre miseros aliquot sudibus compressis et substratis sibi, 
vel feno vel stramine, quo trahebat vis maris, sine navi navigare. In 
quo diluvio milia virorum, mulierum et parvulorum perierunt, et eccle- 
siae destructe sunt. 489, 29. Mane facto cepit sevire affricus, et mise- 
ros mortales submersos cum ceteris animalibus quasi gremio terre im- 
meritos eventilare; cui accedente vespera restitit aquilo a septentrione. 
490, 31. Sed adhuc iratus erat Altissimus, et residuum maris fame 
flagellavit et pestilentia, iuxta comminationes prophetarum, qui 
semper populum rebellem, ne peccarent vel ne perirent a facie gladii, 

famis et pestilentiae, terruerunt. — 39. Erant quidam blasfemi, 

qui in labore hominum non fuerunt, in cacuminibus villarum constituti 
et Silvarum accole, in quorum terminis quasi unius höre incursum, 
quippe quia non erat nisi unica maris estuatio, licet multum aucta 
crementis, qua tot milia stravit civili prelio rabies occeani et mitigata 
recessit. Et ideo illi habundantes panem pauperibus et annonam divi- 
tibus, sicut econtra Idumei aquam negaverunt Israelitis. Et isti res 
alienas ex inundatione rapientes, ut proprias cum gaudio amplexati sunt 
et creatis insticiariis pro restitutione earum maliciose absconderunt. In 
illa maris inundatione accidit, cum hinc inde aggeres dissipasset et quasi 
irrecuperabiliter destruxisset secus Emesam circa terminos fratrum, et 
multi depauperati recessissent de finibus illis, quorum erat reparare, 
mare crebro ascendit pristinos terminos reposcens. || Sachs. Weltchk. 
M. G. S. S. Deutsch. Chr. II, 241, 4. Do wart oc du grote watervlot^), 
de liude unde lant irdrencte wol ses unde drittich dusent. || Ann. Zwi- 
FALT. MIN. S. S. X, 59, 5. Eodem anno magna nix et aspera hiems. || 
Ann. Pkuvening. S. S. XVI, 607, 22. Hiemps solito asperior et lon- 
gior. II CosM. coNT. Ann. Prag. I. S. S. IX, 170, 37. Hyems calida fuit 
et pluviosa. 

1220. Lokale Hungersnot in Schwaben, offenbar von keiner grofsen 
Bedeutung , da nur durch eine Nachricht (Ann. Zwifalt. min.) belegt. 
Reinbri akn. S. S. XVI. 677, 47. Natalis festivitas (25. Dec. 1219) ventosa 
fuit et pluvialis cum aquarum inundatione, subsequensque tempus 
simile preterito usque ad conversionem sancti Pauli (27. Jan.). Tunc 
per tres dies yemps aliquantulum aspiravit, quarto autem die pluvia 
quasi penitens vires resumpsit. Blasii martiris (3. Feb.) aliquantulum 
nivis cecidit set cito pertransiit. 678, 19. Ante festum sancti Johannis 
(24. Jun.) annona multo carior fuit solito, siligo 11 solidis, 
spelta sex et dimidio solidos, hordeum sex solidis, avena 
5 solidis venditur; vinum vile et caro, non solum pauperibus, set etiam 
divitibus. Hoc anno defuit annona, solaria que prius erant repleta 
sunt vacua et magnum famis esset periculum, nisi habundantia 
siliginis, quod nos de inferiori terra in vehiculis et plaustris 
fuisset allata, annona tamen in campis satis laudabilis. 
40. Ante natale Domini (25. Dec.) nulla fuerunt hygemis signa, sed quasi 
veris tempora. Silligo 8 solidis, spelta 4 et 4 denariis vendebantur, 
vinum 6 denariis. || Emonis chb. S. S. XXIII, 495, 9. Facta est horrenda 
maris diruptio et multis metuenda in horrore crepusculi. Sed quam- 
vis in multa profunditate estuaverit, non tamen equo molimine delevit 



1) Cod. 18 und 19 fügen hinzu: in deme nortlande. 



168 Chronik der elementaren Ereignisse. 

homines ut antea, quia terminos maris nondum occupare ausi sunt ut 
olim. II Ann. Zwifalt. min. S. S. X, 59, 7. Hoc anno fames magna 
facta est. 

1221. Hungersnot in Polen (Ann. Pol). Ann. Parch. S. S. XVI, 
607, 6. Facta est inundatio apud Lovanium, que transivit refectorium 
versus atrium. || Ann. Floreff. S. S. XVI, 626, 31. Hoc anno apparuit 
cometes; mortalitas hominum maxima. || Eeineri ann. S. S. XVI, 678, 47. 
Hyemps aspera a circumcisione Domini (1. Jan.) usque ad purifica- 
tionem sanctae Mariae (2. Feb.). || Emonis chr. S. S. XXIH, 495, 21. 

6. Kai. Marcii (24. Feb.) cum hiems secundum naturam piscium 

versus finem suum magis humida, aquis videlicet pluviae, et minus 
frigida fore debuisset spiritus temporis fefellit. Nam die prefata, 
cum aliquot diebus precedentibus chorus ope partim zefiri, partim 
circii, antequam mare eiceret, dira inequalitate vexasset, effuso oc- 
ceano dirupit aggeres Neptunus et totam terram sua replevit amari- 
tudine, loca tarnen superiora statim deseruit, sed in inferioribus exspa- 
cians ruptis obstaculis versus Silvas, moram fecit odiosam. Siccitas 
magna secuta est. Collecta est messis ordei, quod debile fuit tam culmo 
quam arista et tenue. 14 vero Kai. Octobris (18. Sept.) luna 29. effu- 
dit se occeanus, et terram totam optinuit, et que sicca fuit paulo 
ante, repleta est amaritudine. || Ann. Pol. I. S. S. XIX, 632, 12 (= Ann. 
Pol. III = Ann. Cracov. compil. a. 1221 u. 1223). Facta est erup- 
cio ymbrium et aquarum inundacio per triennium in Polonia, et 
ex hoc fuit fames per byennium, mortui sunt multi. ^) 

1222. Emonis CHR. S. S. XXHI, 495, 43. Siccitas arrefecit pa- 
schua; herba ordei et avene brevis fuit et rara, sed Silve abunda- 
bant siligine. Verumtamen si tellus irriguum superius suo tempore 
aliquot ebdomadibus habuisset, famem frugum ubertate depulisset, de- 
cursis iam tribus annis et mensibus sex. 496, 4. Pluviae vero in 
capite Kalendarum Septembris et deinceps leserunt messem ordei, avene, 
feni. II SiGEB. coNT. Bergen. S. S. VI, 440, 29. Gewitter am 11. August. \\ 
Sachs. Weltchr. M. G. S. S. Deutsch. Chr. II, 243, 14. Do irdrank oc 
Isleve van ener groten wolkenborst unde vile Indes darinne. || Chr. Montis 
Sereni S. S. XXIII, 199, 30. De inundacione aquarum ex pluvia in villa 
Isleve et in vicinis villis ducenti et quinquaginta et amplius homines 
perierunt 2. Kai. Augusti (31. Jul.) et edificia plurima eversa sunt. || 
Ann. S. ßüDBERTi Salisbg. S. S. IX, 782, 41. 11. Kai. Junii (22. Mai) 
post vesperas confuso subito aere venit grando afferens lapides in mo- 
dum ovi gallinae, qui per magnam partem prata, campos, hortos, po- 
meria devastaverunt 

1223. Emonis chr. S. S. XXIII, 498, 37. Accessit memorabile 
festum assumptionis beate Virginis (15. Aug.), in quo post peracta mis- 
sarum sollemnia inundantia pluviarum fosse et depressa ter- 
rarum quasi lacus adimplentur, et campi in stagna aquarum con- 
versi sunt. Et videres lacteas adhuc, cum iam regio alba deberet esse 
ad messem. — — 44. Periit feni copia ex parte maxima et messis 
precipue vemalis late per multas provincias. Arbores olim fructifere poma 
negabant et vindemia diu dilata est. || Ann. Mahbac. S. S. XVII, 175, 7. 
Orta est pestilentia maxima pecudum et iumentorum, incipiens 
ut dicebatur ab Ungaria, et per omnes provincias interiacentes transiens 
usque ad nos, que etiam duravit amplius quam per triennium. || Ann. 



1) Es ist das natürlichste als das eine Notjahr, ob das erste oder 
zweite läfst sich nicht entscheiden, 1221 anzunehmen. Die Aim Cracov. 
compil. trennen die Nachricht der ursprünglichen Vorlage in zwei Teile, 
geben 1221 die Nachricht von den drei Regenjahren und setzen dann 
in das dritte Jahre darauf den Anfang der Hungersnot. 



Chronik der elementaren Ereignisse. 169 

S. NicAsii Rem. S. S. XIQ, 85, 16. Et ab illa die (6. Aug.) tanta pluvia 
inundavit, quod fere omnes segetes stantes in terra fuerunt putrefacti et 
vinee ad debitam minime pervenerunt maturitatem. || Not. Cononis 
PKAEP. Lausonnen. S. S. XXIV, 783, 33. Parum vini crevit in vineis 
ultra quam dixerit se vidisse aliquis tunc vivens. Et expenderat C. pre- 
positus eo anno in facienda vinea de Oschie 24 s. preter vindemias et 
accepit in ea 7 sextaria. Es folgen noch fünf ähnliche Notizen. Eo 
anno fuit tanta multitudo de nucibus Avellanis, quantam nullus tunc 
vivens dixit se umquam vidisse, et post pentecostes (11. Jun.) fuit tanta 
caristia annone, quod cuppa avene fuit vendita 17 den. et 
cuppa frumenti 4 sol. 

1224. Mehrere Quellen berichten von einem heftigen Sturme, der die 
Körner des Getreides aus den Ähren geschüttelt haben soll, es handelt sich 
offenbar um eine tveit verbreitete Getr«ideJcranJcheit (Gotfr. Viderb. cont. 
Funiac, Chr. Albr., Aegid. Aureaevall., Cr. S. Petri Erford. mod.J. Gleich- 
zeitig breitet sich eine verheerende Viehseuche aus (Ann. Marbae. a. 1223, 
Chr. Albr., Gotfr. Viderb. cont. iuniac, Ann. S. Budberti, Cont. Garst., 
Ann. Gotw.). Beide Umstände bereiten die schwere Hungersnot der beiden 
folgenden Jahre vor, die sich an einer Stelle schon jetzt bemerkbar macht 
(Gotfr. Viderb. cont. Funiac). Ann. Foss. S. S. IV, 32, 22. Hoc anno 
fuit biemps continua a festo Dyonisii (9. Okt. 1223) usque ad festum 
Marci euangeliste (25. Aprl.). || Aegimi Aureaevall. g. episc. Leod. 
lib. m. c. 94. S. S. XXV, 119, 27. Post 2 vero annos, cum in estate 
siccitas foret pre nimio calore, in festo beati Jacobi et Christofori 
(25. Jul.) Dominus noster emisit ventum validum de tessauris suis, 
qui concussit aristas triticeas, que mature erant, et per totam 
Teutoniam, Allemanniam, Frantiam et usque Ispaniam excussa fuerunt 
grana. 1| Che. Albrici monch. Trium Fontium S. S. XXIH, 914, 14. Ven- 
tus validus extitit ultra modum nocivus in inventione sancti Stephani 
(3. Aug.) in diversis terrarum partibus, segetes ad medium excutiens. 
38. Mortalitas maxima animalium, veniens a partibus Orientis per 
Greciam, eodem anno transivit per Hungariam, et anno sequenti fuit in 
Alemannia et sequenti anno altero in Francia. || Gotifredi Viteeb. cont. 
FuNLiCENsis S. S. XXII, 343, 1. De valido vento qui contigit anno Do- 
mini 1224, in invencione prothomartiris Stephani (3. Aug.). Tanta com- 
mocio ac vehemencia ventorum facta est, ut segetes, que usque ad 
messem profecerant, quasi triturate essent, excussis frugibus et spicis 
rectis et vacuis remanentibus, in agris deperirent. Hec plaga tam horri- 
bilis per omnes provincias et regiones dylatata fecit annone penu- 
riam et insperatam multis intulit egestatem. 

De eodem versifice. 

Adveniens ventus vehemens vacavit aristam, 

Fruges excuciens, pestem circumtulit istam. 

Plurima sie orbis penetrat vi regna potenti, 

Defectus anno res parturit ista sequenti; 

Prevalet ergo fames, et publica crescit egestas. 

Stemit amara necis pecus insuper omne potestas. 
Emonis CHR. S. S. XXIII, 508, 9. Eodem anno Augustus plu- 
viosus spem feni et annone fraudavit. Nam faba preter solitum ante 
festum beati Bonifacii (5. Jun.) effloruit, et circiter idem festum rosa 
natalicium habuit. A festo beati Martini (11. Nov.) gelu forte con- 
strinxit lutum et lacus ad meandum , exceptis paucis et brevibus inter- 
sticiis per totam hiemem et ultra. || Cr. S. Petri Erford. mod. S. S. XXX, 
390, 8. Ventus excussit in agro annonam. || Ann. S. Rudberti Salisbg. 
S. S. IX, 783, 7. Pestilentia animalium per totam Austriam, Mar- 



170 Chronik der elementaren Ereignisse. 

chiam et Karinthiam ^) gravissima facta est. || Ann. GoTwic. S. S. IX, 
603, 25. Hiems continua siccitas gravem frugibus et vinetis 
intulit p'erniciem. Subsecuta est evestigio tempore estivo gravis et 
inaudita pecorum mortalitas, que tarn divitibus quam et inopibus 
necessarium derogavit subsidium. || Cont. Garsten. S. S. IX, 596, 5. 
Pestilentia animalium sevit per Universum orbem. || Cont. Clau- 
STEONEOBG. II. S. S. IX, 624, 4. Magna pestilentia et ante inaudita 
vastavit pene Universum mundum. 

1225. Grofse allgemeine Hungersnot; verbreitet über Teile Belgiens 
(Chr. Andr., Ann. Floreff., Aegid. Aureaevall.), Ostfrankreich (Chr. ATbrici), 
das Bheinland (Chr. reg., V. Engelb.), Friesland (Emo), die norddeutsche 
Ebene (Ann. Stad., Brem. Chr., Cr. S. Petri Erford. mod.) und ganz 
Süddeutschland (Ann. Wessofont., Ann. Scheftlar. niaior. u. min., Choum- 
radi Schirens.). Die Viehseuche dauert fm-t (Sachs. Weltchr., Chounrad. 
Schiren., Ann. Meli. cont.). Guielmi che. Andren. S. S. XXIV, 765, 6. 
Farnes hoc anno quam plures opprimit et affligit. || Ann. Floreff. S. 
S. XVI, 626, 41. Hoc anno fuit fames valida. || Reineri ann. S. S. XVI, 
679, 19. Hoc anno fuit hiemps asperrima a festo omnium sanctorum 
(1. Nov.) usque medium Aprilem. Annona bono precio a messe usque 
Kai. Februarii;postmoduminKalendisMaii spelta 10 solidis, siligo 17, 
frumentum 20 venditur, ordeum octo. || Aegidii Aureaevall. g. episc. 
Leod. lib. in. c. 94. S. S. XXV, 119, 31. Pro quo in sequenti estate 
tanta caristia secuta est, 'quod modius bladi vendebatur 25 flo- 
renis Leodiensibus, et lupi exeuntes de silvis irruebant in homines, 
etiam ut dicitur, infantes asportabant a villis circa Renum pre angustia 
famis. II Chr. Albrici monach. Trium Fontium. S. S. XXIH, 917, 15. Hoc 
etiam anno in tantum carum tempus fuit, quod modius frumenti 
vendebatur 28 solidis Leodinensium. 20. Hyemps hoc anno fuit 
longissima, a festo sancti Luce (18. Okt.) usque ad quindenam post 
pascha (13. Apr.), et de lunatione in lunationem satis aspera. || Che. reg. 
CoL. CONT. IV. M. G. S. S. kl. Ausg. 255. Hoc anno erat hiemps longis- 
sima et valde asperrima, fames eciam magna et inaudita, per bien- 
nium durans. ^) || Caes. Heisteebac. v. Engelbeeti lib. I. cap. 8. Böhmer, 
Fontes II, 304. Anno praeterito cum annona venderetur sex soli- 
dis et eo amplius, et quod magis terruit homines nee haberi quidem 
posset pro pecunia, naves cum annona comparans autoritate sua e pro- 
vincia Moguntina eas iussit adduci, et per cenobia que magis indigebant 
distribui. Eodem tempore Colonie per totum episcopatum suum ad totius 
provincie subsidium cerevisiam coqui inhibuit, malens maximis reddi- 
tibus quos recipiebat ab illis qui cerevisiam coquebant carere, quam 
questus sui causa populos fame perire. || Emonis che. S. S. XXIII, 508, 13. 
Sacratissimo die pasche, videlicet 3. Kalendas Aprilis (30. März), eurus 
ab Oriente nubibus intumuit, et in octava eins (6. Apr.) nive Candida et 
tecta et prata operuit, et sie intravit cano capite Aprilis et frigido, non- 
dum pro voto multorum, qui feno et pabulo et annona caruerunt. Et 
fuit illis diebus magna caristia omnium rerum. Mortua sunt pecora 
pre inopia feni et agni pre frigore, et debiles erant oves. Tria enim 
concurrerunt, frigus insolitum, mortalitas animalium et car^is- 



1) Cod. S. Petri: per totam fere mundum. 

2) Die letzten Worte des Jahres 1224; es ist also offenbar der 
Winter 1224 auf 1225 gemeint. Soll nun hier, wie sich das häufig 
findet, die Hungersnot als eine Folge des harten Winters hingestellt 
werden, dann wären die Notjahre 1225 und 1226. Man könnte aber die 
Nachricht von der Hungersnot auch als einen Nachtrag auffassen, der 
sich auf das ganze Jahr bezieht, dann erhielten wir 1224 und 1225 als 
Notjahre. Jedenfalls bleibt das eine Notjahr 1225 bestehen. 



Chronik der elementaren Ereignisse. 171 

tia annone metuenda. Vendebatur nempe quarta pars modii pro 
duabus marcis et dimidia. 509, 10. Julius sicut leo fervidus in 
inicio sui secutus est, sed posteriora eius pluviosa usque 7. Id. Augusti 
(7. Aug.); et expectabatur temperies, quia prata densa erant et sata ad 
messem propter irriguum Julii. Sed luna quarta, quasi post boram 
vespertinam, turbo cum tempestate subito exortus est, et secuta est con- 
tiaua inundantia pluvie. — — 20. Augustus totus pluviosus fuit, et 
terre cultoribus iniuriosus; et collecta est messis cum culmo viridi et 
grano lactenti, et mentita est spem seges. Am 27. Okt. ein Erdbeben. 
Postea maxima pluviarum inundantia secuta est, et impleta sunt 
prata aquis abissi superioris. || Bremische Chb. von Rynesberch ed. Lappen- 
BEBG Gr. Q. D. Eezstifts u. d. Stadt Bremen 72. Do was also groot dure 
strenge tijt. || Ann. Stad. S. S. XVI, 359, 1. Fames validissima. || 
Sachs. Weltchr. M. G. Deutsch. Chr. II, 245, 13. In deme selven jare 
wart groit sterfde van ve over alle lant van rinderen inde van scbafen. || 
Cr. S. Petri Erford. mod. S. S. XXX, 390, 13. Hoc eciam anno, quia 
in precedenti ventus excusserat annonam, maxima caristia fuit. || 
Ann. Wessofont. ed. Leütner Hist. Wessof. II, 29. Praeterea fames 
valida incolis illius terre incubuit. Insuper pestilencia inedicibilis 
predicte terre dominabatur. || Chodnradi Schikens. ann. S. S. XVII, 632, 48. 
Pestilentia pecudum maxima fuit, ita ut non sigillatim sed cater- 
vatim ruerent, quam secuta est non parva fames et lues hominum. || 
Ann. Scheftlar. maior. S. S. XVII, 338, 28. Eodem etiam anno pesti- 
lentia et fames ubique terrarum facta est. || Ann. Scheftlar. min. S. 
S. XVII, 343, 31. Et fames valida fuit et pestilencia magna. || Ann. 
Mell. cont. S. S. IX, 507, 27. Pestilentia animalium hoc anno 
sevit, et post pestilentiam mortalitas hominum secuta est. 

1226. Im Westen scheint die Hungersnot nachgelassen zu haben, 
sonst beherrscht sie aber noch im Ganzen ihr Ausdehnungsgebiet des 
vorigen Jahres. Es sind Nachrichten aus Niedersachsen (Sachs. Weltchr.), 
Lübeck (Detmar), Thüringen (Chr. Beinhardsbr.), Schwaben (Ann. Zwi- 
falt., Ann. Neresh.) und Baiern (Chounradi Schiren., Ann. Scheftlar.) er- 
halten. Die Viehseuche dauert noch fort (Cononis Lausann, notae, Ann. 
Zwifalt. mai., Ann. Neresh.). Chr. Albrici monach. Trixjm Fontium. S. S. 
XXni, 918, 17. Tempore rogationum (25 — 27. Mai) tempestas sevissima 
et nostris temporibus inaudita cecidit in territorio Laudunensi, specia- 
liter tamen apud abbatiam Fusniaci, ita quod ipsius abbatie et sex 
grangiarum eius domos discooperuit et pomeria ex maxima parte era- 
dicavit et confregit — — || Gotf. Viterb. cont. Funiacensis S. S. XXII, 
343, 42. 

Anno Domini 1226 facta est tempestas maxima circa Funicum 
per decem miliaria. 
Succedente gravis tempestas tempore surgens 
Cuncta terit, vastat, homines terrore perurgens. 
Signa munt nemorum, pecus interit omne per ai-va. 
CoNON. PRAEP. Lausannen, not. S. S. XXTV, 783, 45. Fuerunt mor- 
tui boves et vacce a mari Rutenorum in Hungaria et Saxosonia et 
Alemannia et Burgundia usque ad mare Massilie in plurimis locis fere 
omnes, et in quibusdam locis oves, in quibusdam porci, in quibusdam 
capre, in quibusdam galline et in quibusdam pisces. || Emonis chr. S. 
S. XXin, 511, 18. In autumpno pestilentia equorum fuit, quorum 
lingue et ungule putrescebant; sed sanguine fuso desuper ungulam con- 
valuerunt. || Detmar St. Chr. XIX, 305, 8. Dar na wart grot hungher. || 
Sachs. Weltchr. M. G. S. S. Deutsch. Chr. II, 245, 15. In deme an- 
deren jare dama wart groit hunger unde sterbin. De wart walle 
gemaisgeit van greve Sivartz rade van Blankenbürg, also dat man 
alle cüfbeir up deme lande verlovede, inde dat neyman geynen mart 



172 Chronik der elementaren Ereignisse. 

zu cufbeir in sette, in dat man eynen stuf beirs umbe eynen pennic 
gulde, inde neyman me komes in gulde, han he zu eynem mainde 
bedorte, inde we is me hedde dan he is bedorte zu eme inde sime ge- 
sinde, dat he id vort verkogte zu beschedener ziit. || Ann. Erphokd. 
M. G. S. S. XVI, 27. Inundatio maxima fuit in Thuringia VI. Kai. 
Septembris (27. Aug.). || Ckon. Reinhardsbkun. S. S. XXX, 605, 36. In 
illo tempore fuit fames validissima in omnibus partibus Alemannie 
et iam duraverat usque ad tercium annum. Afflixit Deus eciam homines 
diversis modis, peccatis suis exigentibus, nunc per periculum mortis 
subitanee et inprovise, nunc vero per enormem rabiem pestilencie, facte- 
que sunt inundaciones aquarum maxime et tales, quales non fue- 
runt nee vise sunt diebus nostris. || Ann. Zwifalt. maior. S. S. X, 59, 24. 
Pestilencia pecudum per universas terras grassatur, fames etiam 
pressit homines. || Ann. Neresheim. S. S. X, 23, 23. Pestis anima- 
lium, fames et defectus victualium graviter invaluit. || Chounradi 
Schiren. ann. S. S. XVII, 633, 13. Ventus vehemens et grando per mundi 
partes plurimas desevit, unde et sterilitas et fames non parva secuta 
est, domibus, edificiis, arboribus a vento non modico et grandine con- 
cussis et deciectis. || Ann. Scheptlar. maior. S. S. XVII, 338, 31. Eodem 
anno fames invaluit. 

1227. Chr. reg. Col. cont. IV. M. G. S. S. kl. Ausg. 260. Hoc anno 
in Decembri ventus validus partes aedificiorum stravit, arbores radicitus 
eruit. Hiemps nimis erat pluviosa. 

1228. Ellenhardi ANN. S. S. XVII, 102, 3. Vinee floruerunt in 
Aprili et mature uve habebantur in festo beati Johannis baptiste 
(24. Jun.).i) 

1229. Ann. Mosomag. S. S. HI, 164, 1. Eodem anno tanta fuit 
inundatio aquarum et pluviarum, quod rivuli fluentes pre nimio 
impetu fecerunt caunas in terris ad modum speluncarum. — — || Chr. 
REG. Col. cont. IV. M. G. S. S. kl. Ausg. 261. Hoc anno hiemps erat 
longa et aspera (1229—1230). 

1230. Ann. Colbazienses S. S. XIX, 716, 17. Hiems illa magna a 
festivitate omnium sanctorum (1. Nov.) usque in pascha (7. Aprl.). || Ann. 
Bavarici S. S. XXV, 638, 10. Tota hyeme illa tanta asperitas in- 
horruit, ut multi fluvii, qui ante large fluebant, a fundo usque ad sum- 
mum ita indurescerent pre frigore, ut fluere desinerent, circa tempus 
vero vernale cum solveretur glacies, Danubius ex multitudine gla- 
ciei et habundantia aquarum excessit terminos suos; turres, muros, 
domos, pomeria arbores subvertit horreaque multa extinxit et agros a 
se remotos vastavit, replensque omnia glacie immensi ponderis, quod 
glacies per magnum tempus ipsius anni duravit. 

1231. Lokale Teuerung in Österreich und Passau. Ann. Bavarici 
S. S. XXV, 638, 8. Magna pestilencia fuit inaudita, que pene Uni- 
versum mundum vastavit. || Cont. Sancrüc. I. S. S. IX, 627, 51. Item 
facta est caristia; Patavie dabatur modius frumenti pro quin- 
que talentis. 

1233. Nach einem auffallend harten Winter entsteht in Nordfrank- 
reich Hungersnot (Vinc. Beil.); aus demselben Grunde auch Mifsernte in 
verschiedenen Landstrichen Mittel- und Südfrankreichs (Cononis Laus, 
not.). Gleichzeitig Hungersnot in Livland (Ann. Stad.). Vincent. Bellov. 
SPECÜL. HisT. HisT. DE Fr. XXI, 72 G. Auno quoque praenotato magnum 
gelu fuit, ita quod segetes congelatae fuerunt; unde et fames magna 
secuta est in Francia. || Chr. Albrici monach. Trium Fontium S. S. XXIH, 
932, 46. Die Martis post dominicam Trinitatis (31. Mai) quedam mala 
per fulmen et tonitruum facta sunt, et sequenti die, hoc est feria 4, 

1) Verwandte Notiz: Notae bist. Altdorf Mittl. d. Inst. IV, 211. 



Chronik der elementaren Ereignisse. 173 

Kalendis Junii (1. Jun.), apud Leodium ceciderunt lapides glaciei 

mire magnitudinis — — || Cononis pkäep. Lausannen, not. S. S. XXIV, 
789, 27. Fuit hiemps valida, qualem nullus tunc Tivens in Burgondia 
dixit se vidisse, et fuerunt pre frigore mortue nuces et vinee fere omnes 
apud Bisuncium et Saliaum, Arbens, Divionem et Beaulna et Altisio- 
dorum, Lugdunum et Viennam et Valentiam et Sabaudiam et Taren- 
tasiam et Gebennam et Belicium et Sedunum et etiam in aliis locis, 
ita quod multi qui solebant habere 100 mo[dio8] vini vix habuerunt 3, 
et parum fuit de frumento, sed Lausan. satis per Dei gratiam crevit de 
frumento et vino. || Che. reg. Col. cont. IV. M. G. S. S. kl. Ausg. 265. 
Hoc anno messis et vindemia fuit pluviosa; vinum plurimum sed 
vile. — Eodem anno hyems solito asperior inhorruit et multas 
vineas, ficus et olivas per ItaHam, Franciam et Teutoniam congelavit. || 
Emonis CHR. S. S. XXin, 514, 48. Effudit abissus superior horrendam 
satis pluviarum inundantiam a Kalendis Julii et deinceps; et ex- 
spaciata est aqua huc atque illuc per campos et planiciem terrarum, 
duobus annis retroactis satis aridis. Presertim post exaltationem sancte 
crucis (14. Sept.) tanta fuit ymbrium effusio mense Septembri, ut diluvio 
maris posset adequari; et ideo fenum multum periit et prata relicta sunt 
cum vellere suo. Residuum feni magnis navibus ducebatur per campos 

et vias, quasi per alta maria. Verisimile fuit, quod in illa in- 

undatione superioris abissi, que hactenus salsugo in sinu terre delituit, 
diluta sit et absorta. Extunc enim terra cepit solitos fructus reddere. || 
Ann. Stad. S. S. XVI, 361, 24. Fames validissima in Livonia, ita ut 
homines se invicem comederent; etiam fures , a patabulis abstracti, 
magna aviditate devorabantur. 

1231. Harter Winter, die Hungersnot in Frankreich dauert fort 
(Chr. Ändr.J. Im Donaugebiet grofse Frühjahrsüberschwemmung (Ann. 
S. Miidbert. Salisbv/rg., Cont. Lambac., Cont., Sancruc.) , als deren Folge 
eine Hungersnot entsteht (Cont. Lambac). Guielmi. chr. Ande. S. S. 
XXIV, 772, 45. Hiems gravis et aspera non solum totam Galliam, 
sed et Italiam et Angliam multo tempore torquet et affligit, et non tam 
frigoris angustia quam famis miseria pauperes miserabiliter afficit. || 
Ann. Erphord. frat. Pkaedicat. M, G. S. S. kl. Ausg. 88, 3. Hoc anno 
hiems asperrima fuit, adeo ut in Mediterraneo mari institores Vene- 
tiam cum oneratis summariis pedestri itinere per glaciem transirent; 
que nempe hiems non parvam per totam Italiam in vineis et olivetis in- 
tulit cladem. || Ann. S. Rudberti Salisbg. (cod. S. Petri). S. S. IX, 786, 4. 
Danubius alveum suum egressus, vicos quam plures et civitates 
muratas in Austria impetu glaciali destruxit. 1| Cont. Lasibac. S. S. IX, 
558, 44. Hoc anno, resoluta glacie Danubii, ipse Danubius meatus 
suos longe lateque diffudit, et tanta inundatione excrevit, ut omnes 
vicos et villas adiacentes destruxit. Omnis etiam annona et pecorum 
infinitus numerus interiit, et quod his Omnibus miserabilius est, infinita 
hominum multitudo periit. Quam vastationem valida fames subsecuta 
est. II Cont. Sancruc. IL S. S. IX, 638, 4. Tota hyeme illa tanta aspe- 
ritas frigoris inhorruit, ut multi fluvii qui ante large fluebant, a fundo, 
usque ad summum ita indurescerent pre frigore, ut fluere desinerent. 
Circa tempus vero vemale cum solveretur glacies, Danubius ex mul- 
titudine glaciei et habundaijtia aquarum excessit terminos 
suos, turres, muros, domus, promaria arboresque subvertit, hominesque 
multos extinxit; vineas et agros a se remotos vastavit, replensque omnia 
glacie immensi ponderis, que glacies per magnum tempus ipsius anni 
duravit. 

1235. Hungersnot in Ostfrankreich (Vincent Bellov., Conon. Lausan. 
notae). Im Südosten dauert die Hungersnot des voi'igen Jahres noch fort 
(Ann. S. Mudherti Salishurg.). Vincent. Bellov. specul. hist. Hist. de 



174 Chronik der elementaren Ereignisse. 

Fr. XXI, 72 H. Anno sequenti facta est magna valde fames in Francia, 
maximeque in Aquitania, ita ut homines herbas campestres sicut ani- 
malia comederent. Valebat enim sextarius blandi centum solidos 
in Pictavia. Ibidem quoque facta est magna pestilentia, qua multi 
pauperes, magni et parvi, sacro igne accendebantur, ita quod ecclesia 
Sancti Maxentii talibus illuc allatis implebatur. || Chr. Albrici monach. 
Trium Font. S. S. XXIII, 936, 48. In hac hyeme scilicet in principio huius 
anni inundatio aquarum post liquefactionem nivium enorma dampna 
multis intulit. Sicut in Hoyo 5. Idus Februarii (9. Feb.) feria 6. Hoyolus 
cepit intumescere circa mediam noctem usque ad tertiam cum tanto im- 
petu, quod eins inundatio perveniens usque ad quintum gradum Petronii 
in foro siti — — 1| Cononis praep. Lausannen. not. S. S. XXIV, 792, 28. 
Eo anno fuerat nimia caristia annone a pasca (8. Apr.) usque ad 
messem, et fait vendita cuppa frument[i] 3 s. et plus et cuppa 
avene 16 denariis. || Ann. Erphord. frat. Praedicat. M. G. S. S. kl. 
Ausg. 90, 27. Hoc etiam anno in die pentecostes (27. Mai) magna -tem- 
pestas pluvie et grandinis in Thuringia non modicam ovibus et 
segetibus intulit cladem. || Ann. S. Rudberti Salisbg. S. S. IX, 
786, 16. Imperator per Canales^), — — intravit Teutoniam tempore 
maxime famis. 31. Dux Austrie consilio Judeorum terram Austrie 
clausit, nee per terram vel aquam annonam in partes superiores ire 
permisit, nee tamen eo minus civitas Salzpurcb et tota provincia illius 
frumento sibi de Suevia allato vinoque Latino et Franconico habun- 
davit. II CoNT. Sancruc. II. S. S. IX, 638, 20. Item Danubius ex habun- 
dantia aquarum terminos suos excedens, agros, villas, segetes vastans, 
homines quoque qui in insulas confugerant, cum iumentis suis et aliis 
rebus extinxit. 

1236. Ann. Marbac. S. S. XVII, 178, 25. Ipso anno facta est hab- 
undantia vini maxima, ita quod vas unum quadraginta capiens amas 
vacuum vendebatur pro viginti unceis et quartale vini pro denario. || 
NoTAE HisT. Altorpenses. M. d. Inst. F. OST. Gesch. IV, 211. Tanta erat 
vindemiae fertilitas, ut unum quartale vini venderetur pro duobus 
denariis. || Ann. Erphord. M. G. S. S. kl. Ausg. 92, 10. Hoc anno adeo 
calida fuit hiems, ut vix sedecim dies glaciales in ea computari 
potuerint, in qua et audita sunt tonitrua VI. Idus Marcii (10. März). 

1237. Akn. Marbac. S. S. XVII, 178, 39. Et nota, quod ante 
autumpnum ipsius anni vendebatur quartale vini pro sedecim denariis, 
cuius tanta fuerat habundantia in anno priori. || Menkonis chr. S. S. 
XXIII, 524, 19. Lues etiam in linguis et ungulis equorum exorta est; 
sed post sanguinis minutionem sub lingua et super ungulis convaluerunt. 
Omnia fere semina degenerarunt; fenum habundavit propter irri- 
guum. Autumpno itaque prolabente, cum varia febris vexaret religiö- 
ses, in tantum ut per totam Frisiam vix sufficerent sani ministrare in- 

firmis, nee etiam infirmitoria caperent infirmos, || Cont. Sancruc. H. 

S. S. IX, 639, 20. Circa vindemiam que satis sterilis erat ipso anno. 

1239. Ann. Erfhord. fr. Praedicat. M. G. S. S. kl. Ausg. 96, 17. 
Adeo lenis exstitit hiems, ut a feste Thome (21. Dec.) fere usque 
ad purificationem (2. Feb.), exceptis montanis, nix visa non fuerit, nee 
glacies. 



1) Friedrich II. überschritt die Alpen im Mai auf dem Wege durch 
den Canale die Ferro über Chiusa und Pontafel nach Villach (Böhmer 
Regest.* 2089 d), seine Anwesenheit in Admunt ist am 30. Mai bezeugt 
(Böh. Reg. 2090 a), er zieht dann weiter über Wels nach Regensburg. 
Die Nachricht von einer Hungersnot pafst also nach Ort und Zeit sehr 
gut zu der Hungersnot des vorhergehenden Jahres, von der aus Lam- 
bach berichtet wird. 



Chronik der elementaren Ereignisse. 175 

1240. Vincent. Bell, specül. hist. Hist. de Fr. XXI, 73 K. Anno 
quoque praenotato, a Dominica post Natale Domini (1. Jan.) usque ad 
Exaltationem sanctae crucis (14. Sept.), fuit siccitas magna, vinaque 
tarn fortia fuerunt, ut non possent bibi commode sine aqua. 

1241. Die Mongolen fallen im Frühjahr in Ungarn ein, durch 
die Verwüstung des Landes entsteht eine Hungersnot, wahrscheinlich 
schon in demselben Jahre (Mart. Oppav.J. Chr. pont. et imp. Rhenense 
E COD. GissENsi 177. N. Arch. IV, 74. Et eodem anno creyit tanta 
habundancia vini, quod carrata solvit 40 denarios Wormaciensium. || 
Mart. Oppav. cor. S. S. XXII, 472, 10. Reliquum vero vulgus tarn in 
viris quam in mulieribus, quos invenire potuerunt, in ore gladii ex- 
terminantes, sie terras illas, maxime üngariam, redegerunt in solitu- 
dinem, ut pre fame pervalida matres puerorum suorum vescerentur 
carnibus, ut plerique pulvere cuiusdam montis pro farina uterentur. 

1242. Hungersnot in Ungarn (Ann. S. Biidbert. Salisburg., Cont. 
Sancruc). Ann. S. Rudb. Salisbg. S. S. IX, 788, 2. Hoc anno propter 
crudelem exterminationem et vastationem Tartarorum, ob nimiam ra- 
biem famis, innumerabiles homines in Ungaria se mutuo come- 
derunt, ita ut nee filii a parentibus nee parentes a filiis abstinerent. 
15. Locuste magna corporis quantitate Austriam intrantes in tanta 
multitudine, quod vineta et pomeria plurima consumpserunt, insuper 
equos et animalia in campis pascentia corroserunt. || Cont. Sancruc. II. 
S. S. IX, 641, 8. Interea fames horribilis et inaudita invasit terram 
Ungarie, et plures perierunt fame quam ante a paganis. Canes edebant 
et cattos et homines; humana caro publice vendebatur in nundinis. 
Deinde lupi rapaces et infesti, nemini parcentes, prevaluerunt in terra 
ita quod vix aliquis änderet de domo sua inermis procedere. Deinde 
locusta id quod seminatum erat coiTOsit. In quindecim dietis in longi- 
tudine et latitudine homo non inveniebatur in regno illo. 

1244. Ann. S. Nicasii Remen. S. S. XIII, 86, 32. Hoc anno tanta 
fuit vini habundantia, quod sextarius proclamatus et venditus pro 
8 Ovis. II Cont. Sancruc. II, S. S. IX, 641, 28. Multe civitates igne do- 
mestico consumpte sunt propter siccitatem et sterilitatem que 
hoc anno inhorruerat. 

1245. Ann. Bland. S. S. V, 31, 12. Hoc anno magna inundatio 
aquarum facta est 3. Idus Junii (11. Jun.). || Menko. chr. S. S. XXHI, 
539, 43. Eodem anno a cathedra sancti Petri (22. Feb.) cepit exoriri 
siccitas, gelu in principio terram constringente, ut facillime 
aratis tereretur, et sie labor agricolarum est diminutus; sed circa pen- 
tecostem (4. Jun.) pluvia tantum increvit, quod segetes in multa 
parte perierunt; et sie eo anno facta est maxima penuria panis, 
et duravit usque post diluvia illa multiplicia, que fuerunt anno Do- 
mini 1249. 

1246. Chr. reg. Col. cont. V. M. G. S. S. kl. Ausg. 288. Eodem 
anno mense Maio et Junio tanta fuit penuria annone Colonie, ut 
raro panis inveniretur venalis. Et id eo acciderat, quia cives statuerant, 
quod maldrum siliginis nonnisi pro tribus solidis venderetur, cum in 
rure plus solveretur. Cuius statuti eos penituit, cum viderent magnam 
popuH afflictionem, qtua propter idem statutum annona Coloniam non 
adducebatur. 2^9. Eodem anno hyemaü tempore ultra soHtum Rhenus 
plurimum exundavit. || Menko. chr. S. S. XXIII, 540, 8. Eodem anno 
in festo Luce euangeliste (18. Oct.) crescente rabie ventorum, aggravata 
est inundatio salsi maris et sie factum fuit diluvium particulare, 
et multe naves fuerunt submerse vel confracte, et homines submersi. 

1247. Ann. Stadens. S. S. XVI, 371, 29. Die sanctorum Basilidis 
et Cirini (12. Jun.) feria quarta, post meridiem, cum esset aura calida 
et serena, subita tempestas orta est, et inter pluviam et tonitrua grando 



176 Chronik der elementaren Ereignisse. 

densissima cecidit, cuius quantitas plus quam columbini ovi magni- 
tudinem adaequavit. || Excerpta che. Riedeseliani Hassiaci, Kuchenbecker 
Analecta Hassiaca III, 7. Um diese Zeit waren 7 gute Jahre und so 
wolfeil dafs man kein Gesind kriegen konte und musten viel Adel- 
und Geistliche Gesinds halben ihren Ackerbau aufschütten die Dörffer 
konten keinen Hirten zu ihrem Viehe überkommen. 

1248. Ann. Egmünd. S. S. XVI, 478, 21. Circa festum beati Mar- 
tini episcopi (11. Nov.) maxime fuere tempestates ventorum et tanta 
fuit inundatio maris, quantam nuUus mortalium eo tempore viven- 
tium meminit factam, in Omnibus terminis maris, praecipue in comitatu 
Hollandie, Flandrie, et Fresie orientalis et occidentalis. Aggeribus vero 
mari oppositas in Omnibus locis ruptis et collisis, maximam fuit videre 
miseriam in suffocatione iumentorum et pecudum, viris vix cum liberis 
et uxoribus evadentibus et in trabibus domorum suarum residentibus, 
donec a vicinis misericordia motis vix vivi inde navibus abstraherentur. 
Eo tempore pisces marini qui vulgo bullik et rivisk dicitur circa Delf 
ex flumine retibus abstracti sunt. Eodem anno a festo Luce ewangeliste 
(18. Okt.) usque ad diem beati Valentini (14. Feb. 1249) per totam 
hiemem nix visa et glacies non fuerunt, nisi unius noctis aut duarum 
ad malus noctium. Ventus vero ex plaga occidentali ita continue 
flabat, — — II Menko. chr. S. S. XXIII, 542, 17. Eodem anno feria 
6. post octavam sancti Martini (20. Nov.) surgente rabie ventorum satis 
immoderata, — — facta est elevatio maris, et rupti sunt aggeres 
occeani, et operuerunt aque superficiem terre, ita ut in Campo Rosarum 
aggerem plurimis locis supergrediens totam curiam impleret; et sie do- 
lores et genitus non modicos suscitavit. In ipsa maris estuatione ventus 
boream a circio transiliens ad aquilonem se transtulit, et sie in aggeri- 
bus versis contra aquilonem et vulturnum preter consuetudinem maxi- 
mum dampnum evenit. In ordeo etiam hiemali et tritico, que abundan- 
tius seminata fuerunt, propter siccitatem estatiset autumni damnum 
accidit gravissimum. Sed cito rupto aggere mediterraneo iuxta fossatum 
effluxionis aquarum, quod dicitur Delf, aque hinc inde sunt diffuse, 

maxima ad Silvas australes; et maxima pars siliginis periit in 

der Nacht vom 27. auf den 28. Dec. neue Sturmflut. || Chr. reg. Col. 
coNT. VI. (S. Pantal. in) M. G. S. S. kl. Ausg. 296. Eodem anno hyems in 
partibus nostris tota erat corrupta, pluvialis et omnino remissa, ita quod 
per totam hyemem duobus diebus, et hoc interpolatis , modica glacies 
est visa. || Chr. pont. et imp. Rhen. e cod. Gissensi 177. N. Akch. IV, 75. 
Vinum maxime acidum crevit. || Sachs. Weltchr. M. G. S. S. Deutsch. 
Chr. II, 258^ 8. In der winachten nacht (24. Dec.) ward darna en grot 
bliese unde en donreslach. Darna in der kindre nacht (28. Dec.) ward 

en regen unde en wint vamme sudwestene Du vlot van derse 

hof sie so ho, dat siu tobrac al de dike in den niderlanden, unde er- 
dranc volk unde ve ane tale, unde gescha grot jamer. || Ann. Erfobd. 
ERAT. Praedicat. M. G. S. S. kl. Ausg. 106, 25. Hoc etiam anno V. Kai. 
Januarii (28. Dec.) flante aquilonari vento mare minoris oceani 
tanta violentia maritimis terris appulsum est, ut circa villam 
Hamburc CCC [naves] periclitate referantur; quot autem in Hollandia 

vel Fresia seu ceteris maritimis regionibus perierint, novit Deus, . || 

Ann. Stad. S. S. XVI, 372, 11. Maxima inundatio aquarum nocte 
puerorum (28. Dec.) et in utroque litore Albiae plurima submersio homi- 
num. II Ann. S. Rüdb. Salisbg. .S. S. IX, 790, 7. Propter nimias gwerras 
et Pessimum statum Austrie vinum et victualia non fuerunt claustris et 
civitatibus sive terris ab Austria deportata. 

1249. Mifsernte am Rhein (Chr. reg.) uml in Friesland (Menko.). 
Chr. reg. Col. M. G. S. S. kl. Ausg. 296. Unde in subsequenti estate 
(1249) fruges, licet abundanter provenissent, fructum speratum non redde- 



Chronik der elementaren Ereignisse. 177 

bant, sed et vinum licet multum, non bene potuit maturari. || Menko. chr. 

5. S. XXIII, 543, 5. Sturmflut am 4. Feh. 17. Et quia hec plaga circa 
extremam partem hiemis accidit, aque totiens augmentate tardius de- 
fluxerunt, et in humilioribus locis vix circa festum sancti Liudgeri 
(26. März) terra fuit arrabilis, et tunc ex qiiadam vi salsugininis et ma- 
tutino gelu terram constringente, fuit terra valde solubilis et videbatur 
pinguis, delectabanturque agricole in facilitate laboris ex tale solubili- 
tate terre, et fere ubique locorum plus solito seminatum est. — — 
26. Cepit autem semen terre inmissum prima folia pulchre ostendere, 
sed natura aruit, quia non habebat humorem vegetantem, sed pocius 
sua salsugine arefacientem , quia quo magis sol incalescebat , eo magis 
salsugo ad superficiem terre trahebatur, et sie homines ad augmentum 
flagellationis sue semen et laborem perdiderunt. Quidam etiam propter 
defectum graminum pecora in Threnthiam et quocunque poterant pro 
alimonia miserunt, ex quibus ad augmentum flagellationis plurima mor- 

tua sunt. Et non fuit locus, quo quisquam flagellum Dei evaderet. 

In Silvis autem et aliis locis, ubi propter locorum eminentiam siligo 
per salsam aquam non poterat attingi, aliud accessit flagellum. In agris 
enim eorum, pascuis salsugine infectis, quasi nulla fuerunt gramina nee 
fenum in pratis, et sie misera pecora pre fame terram corruptam cum 
radicibus evulserunt et fere in illis locis omnia mortua sunt. Et sie 
nulla pars Frisiae fuit a flagellis libera. 

1250. Menkonis chk. S. S. XXUI, 543, 38. Similiter prior pars 
estatis fuit nimis sicca, et pestilentia animalium increvit, et fere 
omnia pecora Silvanorum, que fuerunt piori anno residua, vel ex novo 
aliis iam mortuis, empta moriebantur, et in calore estivo Corpora mor- 
tuorum animalium computrescebant , et fuit ibi fetor intolerabiUs , de 
quo etiam homines corrumpebantur, es folgt ausfuhrliche Beschrei- 
bung der Krankheit. || Cosmae. cont. ann. Prag. I. S. S. IX, 172, 23. 

6. Non. Julii (2. Jul.) grando magna cecidit post meridiem, quae multa 
damna intulit segetibus autumnaUbus et vemalibus, vineis, arboribus 
pomiferis et aliis, multamque stragem fecit pecorum, volucrum diversi 
generis, silvestria etiam animalia plura peremit; in plerisque locis regni 
Bohemiae et maxime circa Pragam homines quoque et iumenta multa 
submersa, et aedificia et granaria plurima turbine diruta. Quae grando 
duravit indissolubüis infra Septem dies, et mirae fuit magnitudinis et 
triangula, et quaedam musco permixta, quam etiam nimia pluviae 
secuta est inundatio. 

1251. CosMAE CONT. ANK. Peag. I. S. S. IX, 173, 6. In purificatione 
vero sanctae Mariae (2. Feb.) episcopo praedicante magna vis ventorum 
exorta est, et aer obscuratus est, ita ut vix poterant hominum vultus 
dignosci, postea nix magna in plerisque partibus Bohemiae descendit, 
qualem non meminit aetas nostra. 16. 8. Idus Augusti (6. Aug.) primo 
crepusculo orta est magna vis ventorum et choruscationum et tonitruum. 
Ebenso heftige Gewitter am 14. u. 18. Äugst. De quorum gravi impulsu 
multa aedificia ruerunt, horrea funditus eversa sunt, homines plerique 
fulminati, fruges grandine percussae, finictus arborei excussi, vineae 
laesae per totam diocesim Pragensem. Annona male provenit et prae- 
cipue hyemalis. 27. Nimia etiam siccitas fuit, propter quam 
homines seminare non valuerunt in Augusto, in Septembri et 
Octobri medio. Hoc etiam anno male provenerunt annona, 
vinum, fructus arborei. 

1252. Schon das vorige Jahr hatte eine Mifsernte gebracht und im 
Herbste war die Aussaat durch die Ungunst der Witterung erschwert 
worden (Cont. Cosmae a. 1251). Plötzlicher Frost und Schneefall zu 
Pfingsten verschlimmern die Lage noch mehr, es entsteht eine Hungersnot 
in Böhmen (Cont. Cosmae) und Österreich (Cont. Sancruc. II). Cosm, 

Leipziger Studien VI. 1: Curschmann, Hungersnöte. 12 



178 Chronik der elementaren Ereignisse. 

coNT. ANN. Pkag. I. S. S. IX, 174, 6. In vigilia penthecosten (18. Mai) 
et in die sancto (19. Mai) magnum frigus inhorruit, et nix in ple- 
risque locis descendit, a quorum asperitate multa iumenta, oves et pecora 
mortua sunt. 10. Pabuli sive straminum magnus defectus fuit. 
Ver fere totum siccum fuit, cuius finis satis humidus erat; fames satis 
dura in fine veris et in initio aestatis. 17. Eodem anno tye- 
malia mediocriter in plerisque partibus provenerunt, aestivalia 
fere penitus defecerunt excepto milio. 20. Eodem anno hyems 
asper a fuit et glacies grossa ad duas ulnas. 1| Cont. Sancrdc. IL S. S. 
IX, 643, 12. Fames prevaluit in terra et in tota Austria frumentum 
valde carum fuit, ita ut modius frumenti venderetur pro unde- 
cim talentis et in aliquibus locis sola metreta daretur pro 
tribus solidis, et multi homines fame interierunt. || Canon. Sambiens. 
ANN. S. S. XIX, 699, 7. Fames invaluit in Austria ita quod modius 
tritici pro 11 talentis et 40 denariis vendebatur. ^) 

1253. Hungersnot in Lothringen (Chr. univers. Mett.), auch in 
Strafsburg ist die Teuerung noch fühlbar (Ellenhard.). Chr. univers. 
Mett. S. S. XXIV, 523, 2. Estas et hiemps gravissima (1252—53) 
quam sequenti anno secuta est fames et mortalitas maxima — in 
Lotharingia. || Ellenhardi ann. S. S. XVII, 102, 27. 7. Idus Julii (9. Juli) 
quartale veteris annone vendebatur pro 16 solidis et in cra- 
stino eiusdem diei dabatur pro 7 solidis; quartale novi tri- 
tici pro quatuor solidis. || Ann. S. Eudb. Salisbg. S. S. IX, 792, 40, 
Hiems asperrima (1253 — 54) fuit, ita ut multi homines et iumenta 
frigore interirent. || Ann. capit. Posnan. S. S. XXIX, 449, 31. Eodem 
anno a festo pasche (20. April) usque ad festum sancti Jacobi apostoli 
(25. Juli), cuius festum est in messe, incessanter nocte et die pluit 
seu pluebat pluvia; et tanta fuit inundacio facta, quod per multos 
agros et per vias potuit navigari; et cum metebantur segetes, quere- 
bantur montes ad fruges reponendas. 

1254. Allgemeine Mifsernte in Böhmen (Cont. Cosm.) und im Donau- 
gebiete (Herrn. Altah., Cont. Sancruc. IL, Cont. praedicat. Vindob.). Cosm. 
CONT. ANN. Prag. I. S. S. IX, 175, 23. Hoc etiam anno male provene- 
runt annona autumnalis et fructus arborei, vinum penitus 
defecit. Cuius defectus quantitatem, quod antea contigerit, aetas nostra 
non meminit. || Herman. Alth. ann. S. S. XVII, 396, 37. Eodem anno 
sterilitas frugum magna fuit et maxime circa Danubium, ut nee se- 
mina possint haberi: Set et in nocte sancti Marci ewangeliste (25. Aprl.) 
per maximum frigus vin§e et fructus arborum perierunt, ita ut valde 
modicum vini nasceretur et illud nimis esset acerbum. || Cont. Sancruc. II. 
S. S. IX, 643, 20. Messis et vindemia satis mala fuerunt hoc anno. 
29. Eodem anno fuit magna sterilitas per plures terras in vino et 
frumento.^) || Cont. praed. Vindob. S. S. IX, 728, 1. Nota quod omnes 
vinee per totam Austriam de pruina perierunt, ita quod centum 
iugera unam karratam non habuerunt. 

1255. Hungersnot in der Gegend von Melk, offenbar im Zusammen- 
hange mit der Mifsernte des vorhergehenden Jahres, doch läfst die ver- 
einzelte Nachricht darauf schliefsen, dafs der Notstand nur lokale Bedeu- 
tung hatte. Ann. Mell. cont. S. S. IX, 509, 9. Hoc anno tanta fuit 
aeris inclementia, ut terra siccitate depressa, ut nee agri sege- 
tes, nee uvas vineta, nee arbores fructus redderent suis cultoribus, in 
tantum ut divites cum pauperibus famis inediam angustiati sustinerent. 



1) Die Nachricht stammt, wie aber die Verschiedenheit des Preises 
zeigt, wohl nicht unmittelbar aus der Cont. Sancruc. II. 

2) Der Canonicus Sambiensis übernimmt die Nachricht fast wörtlich. 



Chronik der elementaren Ereignisse. 179 

1256. Lokale Hungersnot im Elsafs (Ann. Colm. min.). Ann. Colm. 
JON. S. S. XVII, 190, 42. Farnes erat. || Notae Diessen. S. S. XVII, 326, 12. 
Intemperies grandinis contrivit omnes fruges nostras hyemales 
et estivales in barrochia nostra et alias usui nostro cedentes ad nume- 
rum 86 curiarum et houbarum, et decimas 7 ecclesiarum. scilicet Prun- 
nen inferioris, Musingen, Wezzilingen, Frütingen, Prunnen superioris, 
Mishinriet et Sancti Georii. Hec facta sunt in vigilia sancti Laurentii 
(9. Äugst.). II CosM. coNT. ANN. Pkag. I. S. S. IX, 176, 35. Eodem anno 
ubertas annonae in plerisque partibus fuit, sed vini et pomorum 
carentia. || Ann. Mell. cont. S. S. IX, 509, 13. Effuso comu copie tarn 
prospera tempora divinitus sunt secuta, ut conterranei ex felici 
frugum habundancia vinique copiositate vix possent preacte penurie 
renainisci. 

1257. Menko. CHR. S. S. XXin, 547, 1. Iniciatus fuit novus agger 
in Sonde, et satis fuit firmatus; sed cum non esset satis exaltatus, in- 
crescente nimis occeano, dominica ante festum Gereonis (7. Okt.) 
Fivela fuit irrupta, que anno eodem, videlicet in estate instanti, fuit re- 
parata. Sed illa irruptio, que fuit in aggere Thitardi Jüldelenga non 
potuit stabiliri. || Cosm. cont. ann. Prag. I. S. S. IX, 177, 1. Eodem anno 
intrantibus Kai. Augusti (1. Aug.) facta est maxima inundatio aqua- 
rum, quae gravia et grandia damna per totam Pragensem dioecesim in- 
tulit in ortis, in seminatis campis et aedificiis, quae iuxta ripas posita 
fuerunt; plures etiam homines suflFocavit. || Cont. Lambäc. S. S. IX, 559, 51. 
Mirabilis inundatio pluvie aput civitatem Prunne in Moravia subito 
erupit, et ad sex miliaria terram et arbores cum edificiis totaliter sub- 
vertit et quod miserabilius est multa milia hominum interierunt. || Ann. 
PoLON. I. S. S. XIX, 634, 37. In Moravia circa Bucinam diluvium 
emersit, multos homines submersit in nocte in die sancte Margarethe 
virginis (13. Jul.). 

1258. Allgemeine Mißernte in Frankreich (Bich. g. Senon. eccl), am 
Bhein (Ann. Wormat, Ann. Spiren., Ellenhard.) und in Schwaben (Ann. 
Neresh.). Richeri gesta Senoniensis eccl. Hb. V. c. 4. S. S. XXV, 332, 29. 
In inicio anni illius tanta bestiarum, scilicet boum et vaccarum, in 
circumadiacentibus regionibus mortalitatis cursum desevisse, ut nullus 
hominum assereret, tarn generalem tamque sevissimam in terris nunc 
aliquando apparuisse; Beschreibung der Krankheit, c. 5. p. .S33, 20. Quid 
igitur dicam de fructibus illius anni, cum tanta eiusdem anni intem- 
peries extiterit, ut vix calor solis etiam terram aliquantulum tangere 
posset, ut fruges illius anni ad aliquam maturitatem parum 
aut nichil devenire possent? Nam tanta nubium densitas per totam 
illam estatem celum obduxerat, ut, si estas vel auctumnus esset, vix 
aliquis cognoscere posset. Nam fenum illius anni vi pluviarum inde- 
sinenter infusum exsiccari non valuit, quia solis calorem pre densitate 
nubium habere nequibat. Messis vero tanta intemperantia aeris eodem 
anno retardata est, ut nuUo modo tempore suo coUigi posset, sed usque 
ad Septembrem prorogata est, ita ut etiam in spicis segetum ipsa grana 
germinarent, quia ita seges illa humida in horreis coUocata ex maiore 
parte sui computruit. Wein- und Obsternte mißraten. 52. Sed tarnen 
pestilentia pecorum ipso anno finiente non finivit, sed per totum 
sequentem annum regiones plurimas bobus et vaccis penitus vacuavit. || 
Ann. Wormat. Boos Mon. Wormat. 155, 37. Anno 1258 dominica letare, 
que fuit 5. nonas mensis martii (3. März) de abundantia nivis tanta 
venit abundantia aquarum et tam vehementi torrente processit, quod 
vallus civitatis Wormatiensis prope cemiterium Judeorum in maxima 
quantitate rumpebatur, ita quod super ponte porte sancti Andree duo 
submersi fuerint. || Ann. Spieen. S. S. XVH, 85, 13. Eodem etiam anno 
maxima fuit corrupcio vini et frumenti et aliarum frugum, et appellatus 

12* 



ISO Chronik der elementaren Ereignisse. 

est annus idem a vulgo munkeliar. || Ellenhardi ann. S. S. XVII, 102, 36. 
Tanta fuit aeris intemperies, quod annona computrivit in terra; et botri 
crudi et immaturi remanserunt, ita quod tempore vindemiarum gelu 
superveniente, in sportis et in saccis inferebatur et in torcularibus cum 
calciis calcabantur, et effluxit glacies cum vino. || Ann. Neeesheim. S. S. 
X, 24, 23. Penuria magna fuit 

1259. Lokale Hungersnot in Baiern (Ann. S. Steph. Frising., Ann. 
Wessofont. , Ann. Scheftlar.) und Salzbwg (Ann. S. JRudb. Salisbtirg.). 
Dagegen ein besonders gutes Jahr in Frankreich (Rieh. g. Sen. eccl.) und 
am Bhein (Ann. Wormat, Ellenh.). Richeki g. Senon. eccl. lib. V. c. 5. 
S. S. XXV, 334, 1. Sed sequens annus tam temperatus et fertilis 
extitit, ut adeo bonis babundaret, ut iam nemo preteriti anni inordina- 
tionis non reminisceretur. Unde quilibet cognoscere potest, quod non 
obliviscitur misereri Deus et non continet in ira misericordias suas, sed 
cum iratus castigat, sicut pater filiorum miseretur et parcit. || Airä. S. 
Benigni Div. S. S. V, 50, 11. Hoc anno fuit infirmitas et mortalitas 
hominum in toto mundo, ita ut pauce domus essent in quibus aliquis 
sanus inveniretur; cepitque inicium hec mortalitas in magna ebdomada 
ante pascha (6. — 12. Apr.), duravitque circiter unum mensem. || Ellen- 
hardi ANN. S. S. XVII, 102, 39. Sequenti autem anno crevit optimum 
vinum. Anno Domini 1259 dabatur quartale vini pro 4 solidis et 
quartale frumenti pro 4 solidis in curia Dalmazingen.^) || Ann. 
WoRMAT. Boos. MoNxrai. WoRMAT. 156, 18. In die apostolorum Petri et 
Pauli (29. Jun.) quo fuit estas calida et sicca, sie ut a martio usque 
ad augustum parum vel nichil pluerit, et tamen vini et omnium 
frugum magna fuit abundantia, ita ut vasa carius quam vinum 
venderentur. || Ann. S. Steph. Feising. S. S. XIII, 57, 10. Hoc anno fuit 
maxima fames et homines de diversis terris exulaverunt euntes ad 
partes Ungarie. |) Ann. Wessofont. ed. Ledtner. Hist. V^essof. H, 33. 
Eclipsis lune apparuit XV. Kai. Junii (18. Mai). Eodem anno fames 
validissima facta est et morticinium grande nimis hominum atque 
pecudum. Et innumerabilis multitudo hominum Hungariam est pro- 
fecta. II Ann. Scheftlar. min. S. S. XVII, 344, 24. Fames valida fuit, 
et multitudo hominum in Ungariam profecta est. || Ann. S. Rudb. Salisbg. 
S. S. IX, 795, 7. Maxima caristia orta est per omnes terras, quam 
sequitur maxima pestilentia hominum. || Cosmae cont. Ann.. Prag. I. 
S. S. IX, 177, 41. Vinum miri valoris provenit in tota Bohemia. || Cont. 
Lambac. S. S. IX, 560, 12. Estas calida et sicca. 

1260. CöLNER Jahrbücher Rec. B. St. Chr. XIII, 30, 4. Do was 
ein grois gewesser, dat der Rin also ho up sprank ind alle wasser. || 
CosMAE CONT. Ann. Prag. I. S. S. IX, 177, 48. Hoc etiam anno sata 
laesa sunt et vineae et fructus arborei, quaedam siccitate, quaedam 
grandine in plerisque partibus. In alüs autem partibus vinum copiose 
provenit. 

1261. Ellenhardi bellum Walthbr. S. S. XVH. c. 8. 107, 6. Et 
tamen dicto autumpno crevit tanta habundancia vini, quod ama boni 
vini dabatur undique in terra pro quatuor denariis et plenum vas vini 
pro vacuo vase; et hec fuit causa quod magna fuit habundancia vini et 
quod vina non poterant duci ad civitatem. Karistia tamen nulla fuit 
in civitate. Quartale enim frumenti vendebatur pro quatuor 
solidis, quartale vero vini pro quatuor denariis. || Pritsche 
Closeners Chr. St. Chr. VIÜ, 135, 23. Do wart grosse genuhte fruhte 
und wines, daz ein ome wines galt 2 d. unde der beste 6 d. || Canon. 



1) Thalmäfsig nördl. von Eichstädt. 



Chronik der elementaren Ereignisse. 181 

Sambien. ANN. S. S. XIX, 699, 22. Item magna karistia facta fuit, mo- 
dius tritici pro 10 talentis dabatur. ^) 

1262. Menkonis chb. S. S. XXIII, 550, 43. In octava Agnetis 
(28. Jan.) subito circa horam terciam, irruente choro collaterali zefiri et 
subsequente circio nimis immoderate, multe domus corruerunt. — — Et 
oeceanus vehementer commotus aggeres infregit, et aque salse 
superficiem terre operuerunt, et aqueductus in Fiskmare irruptus super- 
natavit, et aque per noctem et fere per diem irruperunt, donec ferven- 
tissimo labore omnium fratrum Floridi Orti et tocius parochie, necnon 
et civium de Waltersum spacium aqueductus lignis infixis et straminibus 
cum terra interiectis fuit obstructum et in vigilia purificationis (1. Feb.) 
exaltatum et firmatum. Quia vero terra fuit dulci aqua satiata, salsugo 
eam non infecit, sed fruges sequentis estatis competenter fu- 
erunt prosperate. || Cosmae cont. Ann. Prag. I. S. S. EX, 178, 20. 
Sata diversi seminis tam hyemalia quam aestivalia in plerisque Bo- 
hemiae partibus fere penitus perierunt, tum a grandine, tum a 
siccitate, tum ab exercitu transeunte in Ungariam, excepto solo milio, 
ita ut nee homines victualia nee 'iumenta et pecora poterant habere 
pabula sufficientia. Verum in paucissimis eiusdem terrae partibus copia 
frumenti crevit in habundantia, vini quoque et fructuum arborum exigua 
fuit ubertas. || Chb. Boh. auct. Neplach. abb. Opatovic. Font. beb. 
BoH. in, 475. Incendia multa fuerunt inBoemia, et fames gravissima. — 
Eodem eciam anno caristia maxima et fames fuit in Boemia. *) || Ann. 
Mell. cont. S. S. IX, 509, 36. Vulgata sepe per Austriam fertilitas 
tanta est hoc anno uredine sterilitatis absorpta, ut segetes in herbis 
premortue pre nimio solis ardore, ad ipsas tempore messis resecandas 
non opus esset falcibus, sed magis vellencium manibus. 

1263. Hungersnot in Böhmen, Mähren (Cosmae cont. Ann. Prag., 
Jleinric. de Heimberg, Chr. dorn. Saren., Chr. Pulkav.), Österreich (Cont. 
Meli., Cont. Laubac, Cont. Sancruc. II) und Ungarn (Cont. Sancruc. II). 
Auch in Baiern herrscht Mifsivachs (Ann. Wessofont., Ann. Scheftlar.). 
Ann. Wessofont. ed. Leütner Hist. Wessof. II, 34. In octava S. Agnetis 
(28. Jan.) ventus tam validus est exortus, ut non solum edificia plurima 
subverteret, sed eciam prostemendo multas arbores magnum damnum 
faceret in nemoribus et silvis. Eodem anno tanta fuit sterilitas et 
ariditas terre, ut in omnibus prouinciis cum multa penuria tam iumenta 
quam eciam homines sustentabantur. Comet. || Ann. Scheftlab. min. S. 
S. XVII, 344, 34. Sterilitas magna et ariditas fuit. Et sol obscuratus 
est die dominico, Nonis Augusti, festo sancti Oswaldi (5. Äugst.). || Cosm. 
CONT. Ann. Peag. I. S. S. IX, 179, 1. Maxima fuit caristia frumenti, 
foeni et pabuli in Bohemia et Moravia, ita ut mensura regalis 
siliginis venderetur 120 denariis quandoque plus quandoque minus 
monetae Pragensis, tritici autem multo amplius, et pisae 150. 
Tunc et maxima fames fuit in populo, ita ut multi agricolae et arti- 
fices varii, venditis pecoribus et rebus aliis, nee se sustentare valentes, 
cogerentur hostiatim eleemosynam petere; plures etiam, domibus suis in 
rure relictis, cum uxoribus et liberis iverunt mendicatum; multa etiam 
pecora et iumenta mortua sunt propter maximum pabuli defectum et 



1) Die Annalen beruhen in diesem Teile ausschliefslich auf öster- 
reichischen Quellen , also mufs auch diese Nachricht auf Österreich be- 
zogen werden. 

2) Es erscheint unwahrscheinlich, dafs die Hungersnot schon in 
diesem Jahre begonnen hat, wie die späte Kompilation (N. Abt von 
Opatowitz von 1355 — 62) annimmt. Die Fortsetzung des Cosmas weifs 
1262 nur von einer Mifsemte und läXst mit den anderen gleichzeitigen 
Quellen die Hungersnot erst 1263 beginnen. 



182 Chronik der elementaren Ereignisse. 

hyemis asperitatem, quae plus solito hoc anno inhorruerat. || Chr. 
PuLKAVAE ED. DoBNEE MoNUM. HisT. BoEM. III, 232. AnHO Domini MCCLXIII 
perierunt fruges grandine siccitate, nee non exercitu transeunte. Anno 
Domini MCCLXIII in Boemia propter predictas causas caristia fuit 
magna, multique homines ex hac famis inopia sunt defuncti || Heinrici 
DE Heimbg. ANN. S. S. XVII, 714, 46. Farnes validissima fuit per Mora- 
viam et Austriam, ita ut multi fame morerentur, comedentes radices, 
arbonim cortices. 1| Ca. domüs Saeen. auct. Heins, de Heimbueg. v. 706. 
S. S. XXX. 696. 18. 

Ulis temporibus, quando Domini fuit annus 

Mille duo CLX et tercius annus, 

Ipse fuit durus miseris nee non gravis annus; 

Nam pro dimidio data est metreta talento. 
CoNT. Lambac. S. S. IX, 560, 26. Farnes faeta est in Austria. || Ann. 
Mell. CONT. S. S. IX, 509, 39. Gravissima fames Austriam per eircuitum 
vastavit. || Cont. Sanckuc. II. S. S. IX. 645, 29. Mondfinsternis am 24. Feh. 
Hoc anno fuit maxima fames per totam Austriam et Ungariam et Boe- 
miam et Moraviam, qualis ante raro visa fuit, et duravit usque ad mes- 
sem. Sonnenfinsternis am 5. Aug. Mondfinsternis am 20. Äug. 87. Hoc 
anno fuerunt vindemia festilissima. 

1264. Hungersnot in Schlesien (Ann. Wratislav. antiqui), offenbar 
hn Zusammenhange mit der vorjahrigen Hungersnot. Che. minor M. G. 
S. S. kl. Ausg. 670, 14. Pluvie et repentine inundationes aquarum 
circa festum beati Nicolai (6. Dec,) multas villas in Saxonia miserabiliter 
submerserunt. || Ann. Wratislav. antiq. S. S. XIX, 528, 28. Visa est 
cometa 5. Kalendas Augusti (28. Jul.), que stetit usque ad 6. Nonas 
Octobris (2. Okt.), que multam famem, effusionem sangwinis, mortem 
animalium et principum signavit. Tanta enim fames in Almania ex- 
titit, ut multi relictis agris suis fugerunt in Poloniam: extitit mors ani- 
malium ut nullas earnes bovinas comedere vel emere presumerent. || 
Ann. Polon. III. S. S. XIX, 637, 10. Cometes Stella apparuit 80 diebus 
et mortalitas animalium est nimia secuta. || Ann. capit. Cracov. S. 
S. XIX, 601, 37. Cometa sive cometes, quem quidam dicunt ignitum 
sydus, quidam nubem accensam, apparuit et stetit quasi octoginta die- 
bus. Mortalitas animalium. || Ann. S. Rüdb. Salisbg. S. S. IX, 
797, 3. Cometa visa est per duos menses, quam mortalitas hominum 
in plerisque locis, maxime in üngaria, subsecuta est. 

1265. Ann. S. Rudb. Salisbg. S. S. IX, 797, 15. Grando sevis- 
sima lesit Bawariam pluribus vicibus et alias terras, vastans domini- 
calia ducum, fora et civitates ducum. 

1266. CosM. coNT. Ann. Prag. I. S. S. IX, 179, 48. Hoc etiam anno 
annona, fructus arborum et vinum male in Bohemia provenerunt 
propter grandinis et siccitatis laesionem. || Bist. a. 1264 — 1279, S. S. IX, 
650, 10. Kai. Aug. (1. Aug.) in Schadwienna, tanta ex concursu in nocte 
et coUisione nubium facta est inundacio ut quingentos homines extin- 
gueret, et ecclesiam ibidem pluresque domos ac edificia funditus de- 
vastaret. 

1267. Menkonis che. S. S. XXHI, 552, 1. Cum ventus per aliquot 
dies per nothum et affricum mare concitasset, subito inter crepusculum 
et conticinium aifrico successit crudelis circius vehementi afflatu, et per 
plurimas partes Frisie occeanus aggeres infringens diluvium in- 
duxit. Sola vero Fivelgonia ab hac plaga fuit libera, — — || Cr. 
S. Petri Erford. mod. S. S. XXX, 404, 6. Ipso anno fuit hyems dura 
et sicca et estas similiter nimis calida et sicca. || Cr. minor 
CONT. I. M. G. S. S. kl. Ausg. 675, 8. Similiter in Thuringia et in 
confinio eius multe egrotationes ac pestilencie hominum et pe- 



Chronik der elementaren Ereignisse. 183 

cudum irruerunt. || Ann. Basil. S. S. XVII, 193, 25. Annus bonus et 
in Omnibus habundans. 

1268. Anx. Basil. S. S. XVn, 193, 31. Circa Columbariam non 
pluit 12 septimanis, videlicet a festo Mathig (24. Feb.) usque ad festum 
Septem fratrum (10. Jul.); fuitque calor magnus. 34. Ex nucum hab- 
undantia arbores fractg sunt. Renus crevit usque adeo, quod omnes 
pontes destruxit. 

1269. Teuerung am Mittel- und Oberrhein. Günthek Cod. dipl. 
Rheno-Mosell. II. No. 234, p. 364. Erzb. Werner von Mainz an d. Bürger 
von Koblenz dat. Laach 8. Äugst. Sciatis etiam quod propter caristiam 
et communem defectum annone quem sustinuerunt in nostris et 
superioribus partibus ciuitates et generaliter omnes principales terra 
nostre, nos fecimus interdici ne ad partes inferiores annona per Reni 
alueum aliquatenus duceretur. sed ne contra nos sinistre suspicionis ma- 
teria aliquatenus habeatur. nos interdictum hujusmodi reuocamus ut an- 
nonam et res alias ducat quilibet prout placuerit. et reducat. || G. prae- 

posiT. Stedeebürg. cont. S S. XXV, 721, 47. Emimus quindecim 

modios siliginis pro undecim talentis et quinque solidis. || 
Ann. Basil. S. S. XVII, 193, 40. Crevit vinum bonum. || Ann. Wesso- 
FONT. ED. Leütner Hist. Wessof. IE, .'i4. In ipso festo Nativitatis Christi 
(25. Dec.) tanta facta est inundacio aquarum, quanta numquam a 
tunc viventibus visa fuit. || Ann. Pol. IH. S. S. XIX, 637, 31. Wandalus 
fluvius subito inundavit. 

1270. Mifsernte und Teuerung in verschiedenen Teilen Deutsch- 
lands (G. praeposit. Stederburg., Ann. Basil., Cosm. cont. Ann. Prag. I). 
In einzelnen Gegenden entsteht auch Hungersnot (Cr. minor, cont. VIT, 
Ann. Neresh., Herrn. Alth., Ann. S. Budb. Salisburg.). G. praeposit. 
Stedeebürg. cont. S. S. XXV, 721, 50. Eodem anno*) defectum ha- 
buimus in annona; dedimus ergo dominabus duodecim talenta 
pro triginta modus siliginis, domino ßertoldo vicario duodecim 
talenta pro viginti octo modus tritici. || Ann. Basil. S. S. XVTT, 
193, 42. Botri maturi in octava Petri et Pauli (6. Jul.) in Rubiaca. 
Inundatio molendinam in Uffhen*) destruxit. 194, 16. Renus magnus in 
festo Jacobi (25. Jul.). Alsa magna in messibus circa Herichen^); quod 
secundum opinionem rusticorum signat sterilitatem. Quartale fru- 
menti 30 solidis vendebatur. || Ann. Neresheim. S. S. X, 24, 36. Fames 
et defectus victualium gravissime invaluit. || Herm. Alth. ann. S. S. XVII, 
406, 35. In ipsa eciam estate tanta siccitas fuit ubique, ut sata om- 
nia arescerent; et ex hoc fames maxima est secuta. Attamen vinum 
in habundancia natum fuit. || Cr. mdjoris cont. VII. M. G. S. S. kl. 
Ausg. 702, 24. Anno Domini MCCLXX incepit esse fames valida in 
festo sancti Jacobi apostoli (25. Juli). || Ann. S. Rüdb. Salisbg. S. S. IX, 
798, 38. Magna caristia annone fuit hoc anno per circumiacentes 
terras. || Cosm. cont. Ann. Prag. I. S. S. IX, 180, 13. Periit tota an- 
nona tam hiemalis quam vernalis fere per totam Bohemiam, fructus 
arborum provenerunt mediocriter, vinum abundans fuit. || Ann. Pol. I. 
S. S. XIX, 638, 2. Ipso anno fluvius qui dicitur Niza fluxit sanguine 
tribus diebus, id est a feria sexta usque ad diem dominicum. Circa 
idem tempus fluvius Odora fluxit tribus diebus ita quod color eins aque 
fuit viridissimus, postea aliis tribus diebus tota aqua sanguinea. Iterum 
circum festum beate Marie Magdalene (22. Jul.) tribus diebus fuit maxima 
inundacio aquarum in Cracovia per Wyslam, qualis nunquam visa 
fuit, quia occupavit villas, segethes, prata et totum campum et spacium 



1) Vielleicht auch 1269 gemeint. 

2) UfFenheim zwischen Basel und Mühlhausen. 

3) Ober- und Niederhergheim am 111. 



184 Chronik der elementaren Ereignisse. 

a monte sancti Stanislaij usque ad montem sancti Benedicti, et multos 
homines submersit et domos et molendina, et duravit hoc malum per 
15 dies, et hoc diluvium per diversas provincias mundi et fecit Raba et 
Dunaiecz. (Ganz ahnlich Ann. Pol. III u. IV. S. S. XIX, 637, 43 u. 
639, 2.) II Ann. capit. Cracovic. S. S. XIX, 604, 36. 12. Kai. Augusti 
(21. Jul.) fuit inaudita inundacio fluviorum, precipue Wizle, Rabe et 
Dunaiech. — — — 

1271. Die Hungersnot des vorhergehenden Jahres dauert fort, doch 
hat sich das Notstandsgebiet noch vergröfsert, es umfafst Thüringen (Cr. 
Beinhardsbrunn., Sifrid. de Balinhus.), Schwaben (Ann. August, minor.), 
Baiern (Ann. Pruvening., Monach. Füstenfeld., Ann. Scheftlar., Ann. 
Wessofont.) und Ungarn (Cont. Vindob.). Wohl ohne Zusammenhang mit 
dieser Hungersnot ist das gleichzeitige Entstehen einer Hungersnot in 
Friesland (Menko). Chk. ünivers. Mett. S. S. XXIV, 523, 39. Mor- 
talitas maxima in Lotharingia; illo anno 20 fratres in conventu fra- 
trum Predicatorum Meten, mortui sunt. || Menkonis chr. S. S. XXIII, 
559, 44. Eodem anno cepit accrescere fames et ovium pestilentia 
propter iugem pluviam trium annorum. || Ann. Bäsil. S. S. XVII, 194, 31. 
Putrefactum fuit vinum in vineis. Apes profecerunt. 36. Hoc anno et 
prioribus 1270, 1269 commederunt vermes folia arborum, quod vix aliqua 
cum foliis inveniebatur. Hoc incommodum sacerdos quidam aqua bene- 
dicta arboribus aspersa prohibuit. Mures frumenta devastant; caristia 
magna. || Cr. Reinhardsbrunn. S. S. XXX, 626, 52. Anno Domini 
MoCCoLXXI° valde magna fames in regionibus Theutunice erat, ita quod 
in festo sancti Jacobi (25. Jul.) maldrum frumenti Erffordense duas 
marcas puri argenti solvebat, et panis quod vix homini uno semel 
sufficeret pro uno solido d. Et multi homines fame perierunt. ') || Sifridi 
PRESB. DE Balnhusin compend. BIST. S. S. XXV, 707, 6. Eodem anno in 
Theutonia fames valida fuit et tribus annis duravit, ita quod multi 
homines fame perierunt. ^) 1| Ann. August, min. S. S. X, 9, 51. In Suevia 
et per omnes circumiacentes provintias tanta fames iavaluit, ut in eadem 
civitate modius tritici pro 4 libris, modius siguli pro 3 libris et 
4 solidis, modius ordei pro 35 solidis, modius avene pro 24 soli- 
dis denariorum Augustensium venderentur, et plurimi pauperes famis 
angustiati miseria quasi exanimes, et plures inveniebantur mortui in 
plateis. II Ann. Pruvening. S. S. XVII, 608, 3. Tanta famis inopia re- 
gionem oppresserat, ut scapha siliginis ad summam 5 librarum 
Ratisponensium denariorum deveniret. || Monach. Fürstenfeld. chr. 
DE GEST. PRiNciPUM BÖHMER FoNT. I, 12. Nou longc ctiam ante Rudolfo 
primo regnum intrante, post vel ante non est certum, fuit etiam pre- 
valida fames longe lateque ex eo, quod eodem in tempore terra nega- 
verat fructum suum et fuit permaxima sterilitas et defectus frugum, in 
tantum ut nusquam vel paucissimis in locis annona venderetur. Panis 
etiam non inveniebatur in foro publico vel communi, et pistores clausis 
domibus et serratis, ne a strepitu populi conculcarentur , pro condigno 
pretio porigebant panem ementibus per fenestram. Vendebatur enim 
mensura unius scaffe pro quatuor libris augustensis vel mo- 
nacensis monete parum plus. Verum pauperiores miserum victum 
queritabant, alii glandes et queque grossiora in cibum confricabant, sicut 
olim ubi mortales primi temptabant mandere glandes, alii de herbis 
agrestibus victitabant, et immo sine panis edulio versi in tumorem et 

pallorem pre famis inedia multi supreme vite spiritum exalabant. 

Sic illo in tempore post dire famis molestiam super annonam descendit 



1) Verwandt mit Cr. S. Petri Erford. a. 1272, nach Holder-Egger 
ist auch Cr. Minoris cont. VII a. 1270 in diesen Bericht aufgenommen. 

2) Verwandt mit Cr. S. Petri Erford. med. a. 1272. 



Chronik der elementaren Ereignisse. 185 

benedictio Domini copiose, ita ut revertente anno granariis evacuatis et 
exhaustis, mensura que dabatur pro quattuor libris denariorum jam 
pro libra dimidia venderetur. Quis enim sperare potuit tarn subito 
m emptione frumenti tarn magnam partem pretii defalcari. || Ann. 
ScHEFTLAK. MIN. S. S. XVII, 345, 6. Fames magna fait, quod modius 
siguli pro tribus libris denariorum Augustensinum et plus 
vendebatur, et multi homines pre fame mortui sunt. || Ann. Wessofont. 
ED. Ledtnee Hist. Wessof. n, 34. Anno Domini MCCLXXI. Indictione 
Xin ex sterüitate terre fuit fames validissima ubique terrarum. || Hist. 
A. 1264 — 1279. S. S. IX, 651, 52. Eiusdem tempore anni tarn inaudita 
facta est pestilentia in Austria et Ungaria, ut ex tam vehementi 
pestilentie plaga in fossatis maximis simul et semel mortui homines 
tamquam peccora infoderentur. || Cont. Vindobon. S. S. IX, 704, 5. Item 
vero rex Bochemie videns quod pre nimia fame que tantum invaluit, 
et usque ad messem plenarie perduravit, diucius cum tanta multitudine 
stare non posset, secessit inde *), — — 

1272. Hungersnot in Friesland und den angrenzenden Gebieten 
Westfalens (Menko). Gleichzeitig Hungersnot in Erfurt (Cr. S. Petri 
Erford. mod.) im Zusammenhange mit der Not des vorhergehenden Jahres. 
Menkonis. cmt. S. S. XXIII, 560, 2. Eodem anno fuit maxima fames in 
Frisia et per totam Westfaliam, et mortalitas ovium. Multa enim 
Frisonibus et maxime orientalibus a Fivelgonia usque ad orientem eo anno 
ad augmentum famis accessenmt incommoda. Primo quia per pere- 
grinos terra fuit evacuata argento; secundo quia propter 
nimiam pluviam per quatuor annos nimis modicum creverat 
frumentum, et maxime in Silvia, ubi aliis temporibus solebat ab- 
undare; nee etiam in Threnthia, nee secus Emesam, nee alicubi ad 
emendum inveniebatur, nisi in Datia et Slavia, ubi Dominus, qui iras- 
citur et miseretur, dedit magnam copiam frumenti, ut saltem alicubi 
inveniretur, unde creatura Dei sustentaretur, quia ipse dat iumentis 
escam ipsorum et puUis corvorum invocantibus eum; tercio quia in 
odium Emesgonum et Hocidensium propter suam inobedientiam dom- 
nus episcpus nundinas secus Emesam interdixerat, et ita 
Frisones non poterant pecora vendere nee necessaria comparare cum 
butiro, caseis et equis, cum pecuniam non haberent, nee cum aliquibus 
rebus possent habere; et illi de Datia et de Slavia pecora eorum et 
similia non curabant, sed solam pecuniam sitiebant. Insuper iudices 
eorum in quibuslibet civitatibus interdixenmt, ne frumenta de terris 
illis deportarentur. Et sie mercatores tardaverunt, donec ab ipsis iu- 
dicibus mediante pecunia quasi secundo emeretur. Unde Dominus iustus 
iudex, quia ipsi conservis suis non compatiebantur, eodem anno cepit 
eis retribuere retributiones , quia cum in terris illis estivales fructus 
tarde soleant seminare, scilicet post festum sancti Bonifacii (5. Jun.), 
circa tempus illud tanta increvit siccitas quod fere onmes fructus esti- 
vales perierunt. — — — 31. Quarto etiam aucta est penuria, 
quia iam septem annis de loco ad locum serpserat pestilentia 
pe eorum, et plurima moriebantur. Istis vero duobus annis fere ubi- 
que moriebantur oves, et ideo non poterant homines famem lacticinio 
sublevare, sicut quandoque solebant. Et sie tantum fuit fames aggra- 
vata, quod modius magnus ad tempus circa pentecosten (12. Juni) ven- 
debatur pro 18 solidis sterlingorum paratorum denariorum ad ma- 
num, in Menterawalda unus modius pro 4 marcis sterlingorum 
ad inducias anni. Ipsi enim immoderatas accipiunt usuras, ita ut 
pro una marca ad manum accipiant quatuor post annum, pro uno modio 
quatuor post annum; et ideo verisimile est, quod idcirco laboraverunt 



1) Ottokar stand mit seinem Heere im westlichen Ungarn. 



186 Chronik der elementaren Ereignisse. 

enervare iurisdictionem spiritualem, ut usuras suas libere possent ex- 
ercere. Predia etiam eo tempore quasi nullius erant precii, maxime in 
locis humilibus, et in Waltersum et eorum confiniis propter submersio- 
nem avene; nee inveniebantur emptores propter defectum pecunie. Ideo 
tantum invaluit fames, quod multi fame moriebantur; et plurimi essent 
morituri, si claustrales eis non subvenissent. Multi enim religiosi, sane 

sapientes et in Domino cogitatum iactantes, elemosinam auxerunt, 

In hac caristia plurimi angustiati fuerunt Silvani, et maxime in Asta- 
walda et in Broke propter humilitatem agrorum, et ideo non pauci con- 
fugerunt in villas, quidam mendicando, quidam etiam quasi pro solo 
victu serviendo, licet prius babebant proprios agros ad colendum; quia 
cum Silvanis non prosperatur siligo, nee ad pecora, nee ad lacticinium 
habent refugium. Multi etiam tam de Frisia, quam de Threnthia patriam 
exierant, sperantes se alicubl meliorem invenire sustentationem. Non- 
nulli etiam de urtica et tribulis et lolio miseram vitam utcunque susten- 
tabant, maxime tamen de lanceola, id est sude, quia Dominus, qui in 
ira sua non solet misericordie oblivisci, sepius in caris annis permittit 
lanceolam in pratis et pisces in mari ac precipue conchilia menarum 
plus solito abundare. || Cr. S. Petri Ekfokd. mod. S. S. XXX, 406, 33. 
Eodem anno^) facta est fames valida in regionibus Teutonie et alibi, 
ita quod plures fame morerentur, et maldrum Erfordie solvebat 
plus quam VI marcas. || Ann. Basil. S. S. XVII, 194, 41. Tempus 
nebulosum a 15. Kalend. Septembris (18. Äugst. 1271) usque Hilarii 
(13. Jan. 1272); raro apparuerunt sol vel luna; aura temperata. 195, 3. 
Feste sancti Mathei (21, Sept.) rusticus agrum seminavit, sed semen ob 
delictum periit, et oportuit eum secundo seminare. 19. Frigus fuit 
magnum tribus septimanis et precipue tribus diebus ante nativitatem 
Domini. Congelabatur enim sacramentum dominici sanguinis ante 
elevationem eucharistie. Föns congelatus in Sulczmatin et puteus in 
Rubiaca. Frigus autem in nativitate Domini solvebatur. || Herm. Alth. 
ANN. S. S. XVII, 407, 8. In sequenti etiam auttumpno tanta inun- 
datio pluvie erupit, ut parvuli rivi in tam magna flumina subito ex- 
crescerent, ut evulsis domibus multis, in submersione pecorum, abduc- 
tione feni et annone homines circa valles residentes dampna plurima 
paterentur. || Ann. S. Rudb. Salisbg. cod. S. Petri S. S. IX, 799, 29. 
Item ex inundationibus maximis que fuerunt, multi tam in Austria quam 
in Babaria dampna plurima receperunt. 

1273. Hungersnot an der OstseeJcüste (Ann. Luhic, Menko). Chr. 
CoLMAR. S. S. XVn, 243, 45. Tanta fuit karistia') propter multitu- 
dinem bominum, quod panis modicus duobus denariis vendebatur, et 
sextarium avene pro decem Coloniensibus denariis vix poterat compa- 
rari. || Ann. Basil. S. S. XVH, 195, 41. Tempus vindemiarum fuit siccum et 
amenum; parumvini crevit, quia vinee circa nativitatem Domini (25. Dec.) 
frigore perierunt. || Ann. Lubic. S. S. XVI, 414, 8. Magna fames fuit ni 
mundo, et duravit a quadragesima (26. Feb.) usque ad autumpnum 
sequentem; et statim dedit Dens b ab und an ti am frugum, ita quod 



1) Anno MoCC-^LXXII fährt cod. E fort; MCCLXXni cod. 2a und 
2b; Sifrid von Ballhausen setzt dieselbe Nachricht, die er aus einer 
vervs^andten Quelle entnimmt, 1271 an. Die Chronik selbst meint un- 
zweifelhaft 1272, sie bringt diese Notiz als einzigen selbständigen Zu- 
satz zu dem sonst ganz aus der Cr. minor, cont. I entlehnten Abschnitte 
Jedenfalls wird man die vorliegende Nachricht mit Recht mit der 
Hungersnot, über die uns 1271 eine Reihe von Quellen berichten, in 
Verbindung bringen. 

2) Die Not entsteht durch das Zusammenströmen grofser Menschen- 
massen in Achen zur Krönung Kaiser Rudolfs im Oktober 1273. 



Chronik der elementaren Ereignisse. 187 

siligo, quae solvebat prius 5 sol., pro novem denariis quivis 
modius emebatur. Modius hordei qui solvebat 3 sol, pro 
9 denariis*); et modius avenae qui solvebat 2 sol., emebatur 
pro 6 denariis. Qua fame durante infinitus populus defecit. || Men- 
KONis CHR. S. S. XXni, 560, 27. Quia statim sequenti anno mercatores 
ceperunt fabam de Frisia in Datiam transvehere , quia illa eo anno in 
Frisia fuit prosperata. In Grippeswalda, ubi iam multis annis fru- 
menta superhabundaverant, eo anno summa fuit egestas. 561, 6. Sed 
in illa estate paulo melius prosperata fuit annona, licet vemalis pluvia 
prohibuit agriculturam , quia eo anno ad cathedram Petri (22. Feb.) 
ceperunt homines arare ac seminare, et ideo competenter fuit prospera- 
tum. Postmodum circa Gregorii (12. März) cum potissima est agricul- 
tura, increvit pluvia, et fere per septem ebdomadas. Et tunc quicquid 
proiectum fuit in lutosos agros modicum fructum attulit seminanti, et 
sie prime sationis fructus melius fuerunt prosperati. Eodem anno in 
autumpno cepit oriri mortalitas, et quidam etiam subitanea morte 
moriebantur. || Cosmae cont. Ann. Prag. prs. I. S. S. IX, 180, 22. 15. Kai. 
Septembris (18. Aug.) inundatio aquarum facta est magna in flumine 
Wltaviae, ita ut capella lignea quae sita erat ante pontem in Pesek 
totaliter cum fundamento defluxit, et alia ecclesia lapidea, quae erat 
sub ponte in insula, pars eius media collisa est, et omnia mollendina, 
quae erant circa civitatem Pragensem, cum aqua confracta defluxerunt; 
homines plurimos suffocavit, aedificia subvertit. In campis annona et 
foenum de pratis cum alluvione descenderunt ; ortos olerum vitiavit, per 
civitatem Pragensem fluxit, extendens meatus suos usque ad ecclesiam 
sancti Aegidii et ecclesiam sancti Nicolai, fluens per totum vicum Judae- 
orum usque in ecclesiam sancti Francisci. 

1274. Ann. Basil. S. S. XVH, 196, 7. Hiems calida fuit valde. 
15. Ordeum novum trituratum fuit tribus septimanis ante festum Johannis 
baptiste (24. Jun.). A Januario usque ad festum Johannis baptiste dies 
frigidi et tenebrosi; circa plenilunium et novilunium pluebat et legu- 
mina sine vermibus creverunt. 6. Kai. Junii (27. Mai) magna pluvia. 
Renas tum tantus, quantus unquam antehac anno; omnes pontes de- 
struebat, nisi dum festo Jacobi (25. Jul.) pluere cessabat. Dies clari et 
calidi. 30. 13. Kai. Octobris (19. Sept.) cecidit pruina magna et multos 
botros deturpavit. In festo sancti Martini (11. Nov.) incepit vindemia. 

1275. Ann. Basil. S. S. XVH, 198, 1. Penuria frumenti fuit 
Basilee; quartale frumenti 10 solidis vendebatur. Fratres Predi- 
catores Basilienses nigrum commedebant, cogente eos paupertate. Quarta 
feria in sexagesima (20. Feb.) fuit ventus validus, nix et frigus mag- 
num. 7. Frumentum novum comedi octo diebus ante Johannis baptiste 
(17. Jun.). 9. Tertio nonas Augusti (3. Aug.) ventus validissimus , qui 
vineas et arbores devastavit, ramos ad tria miliaria deportabat; puerum 
cimi cunabulo in Hercheim deportavit Fructus pauci. 34. Grandines 
4 in Boceberc ceciderunt; ex quibus una lapides habuit ut ova galli- 
narum, que omnia devastavit. Porci semivivi de agris domum delati. || 
Cr. S. Petri Erford. mod. S. S. XXX. 411, 6. Eodem anno in marchia 
Misenensi facte sunt inundaciones aquarum, videlicet in Albia et 
aliis fluminibus de nimietate pluviarum circa festum sancti Bartholo- 
mei (24. Aug.), ita quod multe ville ac multi homines submersi sunt, 
montes magni destructi sunt, et pecora, frumenta quoque plurima peri- 
erunt Domino permittente. 15. Hoc anno tempora mutata sunt, et in- 
temperies aeris prevaluit in tantum quod vinea et multe fruges ex hab- 
undancia pluviarum et ex defectu estivi caloris inmatura permanserunt. ]| 



1) Detmar, der die vorliegende Stelle übersetzt, hat hier 10 d. St. 
Chr. XIX, 354. 



188 Chronik der elementaren Ereignisse. 

CoNT. ViNDOB. S. S. IX, 706, 17. Item tempore mensis Maii, nubes 
aquas quas a mari et ab aliis fluminibus inmoderate anno proximo pre- 
cedenti hauserant, diversis terrarum partibus dispersim divina Provi- 
dentia absque grandine et sine magno impetu refundentes; per 
singulos enim subsequentes menses dum ad hyemalem terminum in tan- 
tum ymber continuare studuit, quod ex inundatione per Ytaliam, Ger- 
maniam et Alamaniam universi rivi statutos terminos excesserunt: 
in Austria autem ut veridicam flavus Massagetes qui et Danubius bis in- 
undans; tercia vero inundatione tempore autumpni longe lateque difFu- 
sus, molendina et edificia, acervos quoque cuiuslibet grani, incirculatos 
straminis et feni cumulos penes se extinxit. Annona etiam que pre 
continuatione pluvie ad horrea congregari non poterat, putrefacta est in 
campis, et quoniam repleta est terra et inebriata a pluvia, multa mon- 
cium cacumina et arbores una cum radicibus proni ad planiciem dilapsa 
semitas et convallia obstruxerunt. Vinee etiam inconsueto gelu territe 
pro botris ex se labruscas producentes, et inicialis terminus vindemii 
post Ydus Octobris (15. Okt.) prolongatus est et alique vinee Ydibus 
Novembris (13. Nov.) sunt vindemiate, et ecce vina hoc anno per Austriam 
amara sunt communiter et nimis acerba omnibus ad potandum. || Hisx. 
A. 1264—1279. S. S. IX, 652, 11. In die annunciationis (25. März) audita 
sunt tonitrua a parte aquilonis. Et quia teste propheta maligna et frigida 
sunt latera aquilonis ipso anno tam perniciosa ac contiuua facta est 
pluviarum inundatio, ut secundum illut ettyci: „Naturam cursus per- 
deret unda sui." Propter raros namquam solis radios, et ymbres assi- 
duos, vindemias in tantum vidimus serotinas, ut botri earum in nivibus 
legerentur, vinumque earum tante accerbitatis tanteque acetositatis ex- 
stitit, ut verbum illud Ysaie impletum videres : Expectavi ut faceres uvam, 
et fecisti labruscam. Sequenti vero anno cum onmes vinee iam floru- 
erunt, vinum anni preteriti adhuc scaturiendo suis in fecibus requievit. 
1276. G. PKAEPosiT. Stedekburg. S. S. XXV, 728, 39. Eodem anno 
circa messem invaluerunt mures, et demoliti sunt segetes in tantum, ut 
vix mediam partem frugum reciperemus. Qua necessitate conpulsi plus 
quam triginta marcas puri argenti expendimus annonam comparando. 
729, 6. Domina Elizabet priorissa dicta de Helmenstat in officio custodie 
comparavit duos choros tritici pro marcis 10. || Jacob von Königs- 
hofes Chr. St. Chr. IX, 869, 10. Do men zalte 1276 jor, do gabt ein 
viert elweissen 28 d. und rocken 16 d und gerste 10 ditem 14 eyger 
umb 1 d., ein hün umb 2 d und 8 beringe umb 1 d. || Ann. Basil. S. S. XVII, 
199, 4. Hiems gravis et longa. Festo Nicolai (6. Dec.) nix in mon- 
tanis Alsatie, sed in planicie in vigilia nativitatis (24. Dec.) cecidit, 
durans usque ad festum Scolastice (10. Febr.). 30. Die pasce botri vide- 
bantur, scilicet Nonis April eis (5. Aprl.). Tertia et quarta feria sequenti 
(7., 8. Apr.) veneae frigore perierunt. 44. Botri floruerunt 9. Kalend. 
Junii (24. Mai), et eadem die grana frumenti matura in Alsatia comme- 
debantur. 200, 8. Basileae messes fuerunt inchoatae infra octavas 
sancti Joannis baptistae (1. Jul.). 22. Fraga, quae hymper vocantur, et 
botros commedi in assumptione Virginis beatae (15. Aug.), et eodem die 
fructum et flores plures arbores habuerunt. 25. Vinum circa Thuregum 
periit. || Ann. Suevici S. S. XVII. 283, 30. Maxima etiam opulentia 
annone, quam antea fuisse nullus meminit, hoc tempore viguit, ita ut 
modius siliginis venderetur pro 11 denariis, et modius tritici 
pro 16 denaris. || Cont. Claustroneobdrö. IV, S. S. IX, 648, 34. Ventus 
etiam vehementissimus fuit, et tanta siccitasterre, ut pecora multa 
perierunt fame. ^) 



1) Die cont. Claustroneoburg. IV ist indirekt aus der bist. ann. 
1264—1279 abgeleitet, die entsprechende Stelle findet sich dort a. 1277. 



Chronik der elementaren Ereignisse. 189 

1277. Hungersnot in Tirol (Chr. v. Marienberg), Steiermark und 
Kärnten (Joh. Victoriensis, Cont. praedicat. Vindoh.). G. praeposit. Steder- 
BUEG. S. S. XXV, 728, 42. Anno sequenti pestilencia pecorum est 
exorta, ita ut nobis secundum veram computacionem mille et ducente 
oves et plus quam centum vacce morerentur; unde in comparandis lacti- 
ciniis multa expendere oportebat. || Ann. Basii-. S. S. XVII, 202, 5. 
Annus in omnibus habundans, excepto lino. Quartale ordei 
3 solidis, avene 18 denariis, sigulum 4 solidis, triticum 6 so- 
lidis. II GoswiNS Che. des Stiftes Maeienbebg ed. Schwitzer Tieolee 
G. Q. II, 117. Anno domini MCCLXXVII tanta pestilencia erat in fame, 
quod modius siliginis vendebatur pro libris HI veronensium. || 
Joh. Victoeiensis lib. II. cap. 5. Böhmee Font. I, 313. Hoc anno per 
Austriam Styriam et Karinthiam tanta fames extitit, ut homines cattas 
canes equos et mortuorum cadavera manducaverint. || Cont. peaedicat. 
ViNDOBON. S. S. IX, 730, 38. Eodem anno^) maxima caristia in Karin- 
thia facta est, ita ut homines se invicem comederent, et in Styria 
similiter se ipsos invicem comederunt. || Hist. a. 1264 — 1279. S. S. IX, 
652, 35. Tunc etiam temporis erat inaudita terre siccitas nascen- 
tibusque terre funditus arescentibus infinita peccora perierunt. 

1278. Fa^ in ganz Deutschland ein besonders gutes Jahr. G. pbae- 
posit. Stedeebürg. S. S. XXV, 729, 12. Fere generalis ac miserabilis 
plaga nostre provincie, peccatis hominum exigentibus, est exorta; nam 
tota siligo, cum iam esset in flore, per gelu periit, similiter 
alle segetes per ariditatem temporis minus valuerunt; et sie in com- 
parando annona eodem anno plus quam quinquaginta marcas expendere 
oportebat; vis semina in omnibus curiis nostris coUigere poteramus. || 
LiBER Ceonicor. Eefoed. M. G. S. S. kl. Ausg. 770, 34. Sequenti anno 
facta est magna frugum habundancia, ita quod 4or maldra tritici 
Erfordensis mensure emerentur pro LII solidis denariorum, 
scilicet maldro tritici solvente fertonem vel Xül solides, mal- 
drum havene pro dimidio fertone, et hoc stetit sie per multos an- 
nos. *) II Ce. Reinhaedsbedn. S. S. XXX, 629, 25. Facta est frugum hab- 
undancia, ita quod quatuor maldra tritici Erfordensis mensure 
emerentur pro marca. || Ellenhaedi che. S. S. XVII, 125, 2. Ipso autem 
anno in tantum profecit annona, quod quartale tritici vende- 
batur pro 28 denariis et quartale siliginis pro 16 et quartale 
ordei pro 10 denariis et 14 ova pro 1 denario et pullus pro 2 denariis 
et 8 alletia pro uno denario. || Feitsche Closenees Chr. Städteche. Vm, 
135, 28. Do man zalt 1278 jor, do ossent die müse die fruht uf dem 
velde, daz den luten kume daz driteil zu nütze kam und desselben jores 
galt 1 vierteil roken 16 d. und 1 vierteü gersten 10 d. und ein vierteil 
habem 7 d. || Ann. Colm. maioe. S. S. XVII, 202, 22. Regelsbiren 40 uno 
denario, gigilspiren 60 uno denario, Gruonacher poma ein bugty vol 
6 denariis vendebantur. 27. Circa pasca (17. Apr.) quartale salis 6 solidis, 
quartale siguli 3 solidis 4 denariis, quartale ordei 20 dena- 
riis, quartale frumenti pro 6 vendebatur. Linum et lana cara. 
203, 7. Item fraga matura fuere in principio Mail; item ordeum invenie- 
batur maturum in octava sancti Johannis baptiste (1. Juli). 31. Item in 
adventu Domini frumentum pro 4 solidis, pisa faba, lentes pro 
3 solidis; siligo pro 2 solidis; ordeum pro 14 denariis; avena 



1) Nach der Cont. a. 1278, da aber in diesem, dem vorhergehenden 
und folgenden Jahre die Ereignisse durchgängig ein Jahr zu spät an- 
gesetzt sind, so mufs sich die Nachricht auf 1277 beziehen. 

2) Dieselbe Quelle wie Cr. Heinhardsbrun., benutzt aber hier die 
vollständigere Form. 



190 Chronik der elementaren Ereignisse. 

pro decem denariis; talentnm camium pro denario vel tribus obolis. 
Mures fuerunt multae et annus in omnibus abundans. 41. Et fuit hie 
annus in omnibus abundans. Hyems calida fuit; de nocte enim 
congelabatur, post meridiem glacies solvebatur. In Carintia provincia, 
que sita dicitur apud Austriam, tanta fames extitit, quod homines 
cames bumanas comedebant et plurimi fame perierunt. || Ann. Colm. 
MIN. S. S. XVII, 192, 17. Et fuit annus in omnibus abundans. || 
Ann. Sindelfing. S. S. XVII, 302, 16. Annonae vilitas erat. 

1279. Cr. Reinhardsbk. S. S. XXX, 629, 40. Facta est similis hab- 
undancia frugum, scilicet maldro tritici solvente fertonem. 
Maldrum avene solvit fertonem et dimidium. |1 Ellenh. ann. S. 
S. XVII, 103, 17. Tantum venit frigus subbato ante Oculi (4. März) et 
duodus diebus sequentibus, quod omnes fructus arborum perierunt. || 
Ann. hospit. Argent. S. S. XVII, 104, 10. Omnes fruges terre Alsacie per 
mures soffocate sunt et perierunt, et in aliis partibus circumiacentibus 
quasi nicbil nocuerunt. Et hoc anno vendebatur quartale tritici pro 
6 solidis et quartale siliginis pro 2 unciis, et quartale ordei 
pro 30 denariis. Et hoc anno habuit hospitalis Argentinensis de om- 
nibus redditibus suis vix quadraginta quartalia. || Ann. Colm. majores 
S. S. XVII, 204, 10. Item eodem tempore (Nach d. Mathiastage 24. Feh.) 
dabatur in Columbaria, que sita est in Alsatia, siligo pro 17 dena- 
riis, ordeum pro 18 denariis, avena pro 19 denariis. 13. Quar]- 
tale frumenti dabatur pro 30 denariis. 18. Quarto Nonas Martii 
(4. März) venit frygus, et nuces et alia, que de arboribus eruperant, de- 
vastavit. 21. Precedenti sexta feria anseres et grues in Alsatiam propter 
calorem hyemis non venerunt. Item nuces perierunt. Item 18. Kalendas 
Maiias (14. Apr.) vinee perierunt. 25. Vinum circa festum pentecostes 
(21. Mai) dabatur pro duobus solidis, quia modicum in Alsatia et quia 
fuerit bonum valde. 35. Fructus arborum perierunt; frumentum pro- 
fecit; avena defecit. 38. In Hornichen, villa Alsatie, cecidit grando 
magna. 39. In crastino Barnabe apostoli (12. Jun.) cecidit grando 
magna cum magnis lapidibus multis, quorum multi habebant magni- 
tudinem ovorum, — — et damnum in diversis locis Alsatie. 205, 2. Et 
terremotus ecclesias et castra multa subvertit. 5. Item communiter 
vinum bonum fuit et preciosum. Quartale pro 20 denariis soma vero 
pro 30 solidis dabatur in Alsatia. 9. Messis communis fuit in Alsatia 
in vigilia Margarethe (14. Jul.). 12. In octava apostolorum Petri et 
Pauli (6. Jul.) fuit novum frumentum in Columbaria, dabaturque 
pro duobus solidis. 28. 7. Idus Februarii (7. Feb.) destruxit frigus 
fructus. Secundo autem Idus Marcii (14. März) venit nix, et quod frigus 
reliquerat, nix superveniens creditur destruxisse. Arbores sie destructe 
fuerunt quod usque ad Augustum pauca folia protulerunt. Vindemia 
fuit quasi nulla; vix enim decimam partem vinee, quam consuerant, 
protulerunt. Fuit et in multis locis Alsacie ante festum Michaelis 
(22. Sept.) vindemia terminata. Mures circa Argentinam maximam dam- 
num fecerunt cultoribus in frumento. Fuit insuper vile et vernibus 
de facili replebatur frumentum. || Ann. Sindelfing. S. S. XVII, 
302, 20. Vinum hoc anno preciosum erat; annona vero in optimo foro. || 

EXCERPTA EX EXPOSITIONE HuGO. DE RuTLINGEN IN CHR. METK. BÖHMER 

Font. IV, 131. Dabatur modius siliginis in Almania pro duobus 
solidis, modius speltarum pro viginti hall, modius avene pro 
sedecimhall. 1| Ann. August, min. S. S. X, 10, 14. Eodem anno tanta 
fuit habundantia frugum, quod modius siliginis pro 4 solidis 
Augustensibus vendebatur. || Ann. S. Rüdberti Salisbühg. S. S. IX, 
805, 47. In Bavsraria ventus fuit adeo validus, quod multa edificia sub- 
ruit; pre frequenti etiam terre motu homines in campis per Romanio- 
lam, relictis domibus, noctibus accubabant, plurime etiam arbores pre 



Chronik der elementaren Ereignisse. 191 

ventorum impetu sunt evulse. || Cosm. cont. Ann. Prag. prs. II. S. S. IX, 
196, 42. Autumnus calide exivit. 

1280. Beginn einer mehrjährigen Hungersnot, einstweilen nur in 
Böhmen (cont. Cosm., Ann. Colm.). Miracula S. Mariae Argent. c. 3. 
S. S. XVn, 114, 28. Cum clerus et universa cohors populi civitatis 
Argentinensis pro serenitate aeris circa campi segetes cum reliquiis 
reverenter incederet, ecce omnes candele quantum cumque ibidem grandes 
pre nimia pluvie ingentis irrigatione exstincte sunt. ^) || Ann. Colm. maior. 
S. S. XVn, 201 , 4. Quidam homines in quibusdam terris ceperunt 
comedere asinos, lupos, ranas, serpentes, que hactenus commedere ab- 
hominabilia credebantur. *) 7. Antiqui coloni dixerunt, in 50 annis se 
tantarum aquarum abundantiam non vidisse. || Ann. Sindelfing. S. 
S. XVII, 302, 28. Eodem tempore (c. 29. Sept.) et anno vinum in optimo 
foro fuit. II Ann. S. Rudberti Salisbg. S. S. IX, 806, 18. Magna inun- 
datio facta est in Bawaria et in montanis, ita ut plures agros et do- 
mos eversas obrueret, et domos plurimas asportaret. || Cosm. cont. ann. 
Prag. prs. 11. S. S. IX, 196, 42. Hyems aspera fuit et nivosa, quae 
asperitas duravit usque ad annunciationem beatae Mariae (25. März), et 
post dissolutionem nivis aquarum magna inundatio facta fuit infra 
20 dies, ita quod molendina non poterant prae nimia abundantia aquae 
infra dies praedictos ad propria loca reduci et debito modo collocari. 
Eodem etiam anno magna caristia fuit omnium rerum, in annona, in 
camibus, in piscibus, in caseis, in ovis, ita quod nonnisi duo ova galli- 
narum vix poterant pro denario comparari, multis tamen adhuc recolen- 
tibus, quia non multum retroactis temporibus 50 ova pro denario eme- 
bantur in Pragensi civitate. 197, 3. Nee fuit hoc anno seminatum ad 
hyemalia, nisi in remotis partibus a Pragensi civitate, et si fuit semi- 
natum, tamen modicum, et ideo valida fames cruciabat pauperes, et 
multi egentium fame oppressi decesserunt. 30. 8. Kai. Julii anni prae- 
teriti (1280) hoc est in vigilia sancti Johannis baptistae*) pluvia des- 
cendit post meridiem in maxima quantitate, quae multa et gran- 
dia damna intulit, subvertendo funditus aedificia murorum in Pragensi 
Castro circa ecclesiam sancti Georgii, murum castri versus aquilonem 
funditus evulsit et in Bruscam rivulum impetu suo deiecit — — — . 
198, 7. Nee est etiam obmittendum de impetu ventorum, qui eodem anno 
3. Non. Decembris (3. Dec), hoc est in die beatae Barbarae, orti, sua vi 
et impetu veloci deiecerunt de turribus gravissima et firmissima aedi- 
ficia. II HEraRici DE Heimbürg. ann. S. S. XVII, 717, 9. Ipsa hyeme 

fuit nix maxima, que destruxit annonam. || Cont. Vindob. S. S. IX, 712, 3. 
Item mense Julio inundatio maxima fit. Danubius multa edificia cir- 
cumquaque destruxit. Item mense Augusto, 4. Nonas (2. Aug.), tonitrua, 
grando, choruscationes, et impetus pluviarum fit in Austria, — — 

1281. Hungersnot in Böhmen (Chr. imp. et. pont. Baw., Heinr. de 
Heimburg., Ann. eist, in Heinrichotv, Cont. Claustroneohwrg.) , Mähren 
(Heinr. de Heiniburg., Cont. Claustroneoburg.), Schlesien (Ann. cisterc. in 
Heinrichow., Ann. Lubens., Ann. Wratislav. maior.) und vielleicht auch 
schon in Polen (Cont. Claustroneoburg.). Ann. Colm. maior. S. S. XVII, 
207, 18. Aqua transiens castellum Sultze magnum damnum fecit, ibi- 



1) Alle Wunder, die erzählt werden, fallen nach Angabe des Autors 
in die Zeit vom 28. Jul. bis 29. Sept. 1280. Das hier angeführte ist 
das erste. 

2) Bezieht sich offenbar auf die Hungersnot in Böhmen, schon 
früher, v. a. 1278, p. 190, zeigt sich die Quelle über eine Hungersnot im 
Osten unterrichtet. 

3) Ein Widerspruch in den beiden Datenangaben: 8. Kai. Jul. = 
24. Jun. ; vigilia Joh. bapt. = 23. Jun. 



192 Chronik der elementaren Ereignisse. 

dem et arena plurimos perturbavit. In Gebwilre magna pars montis 
propter aquam cecidit, et torrentes per Alsatie montana damnum 
magnum in vineis et agris hominibus intulerunt. 37. Ciconie 
pauce circa cathedram sancti Petri (22. Feb.) venerunt. Alie reditum 
usque ad festum sancti Gregorii (12. März) transtulerunt. Earum vero, 
que prius venerant, quedam frigore perierunt. Nix cecidit magne pro- 
funditatis, que animalia sylvestria perturbavit. 42. Nix in vigilia puri- 
ficationis (1. Teb.) magne profunditatis cecidit, que homines animalia 
sylvestria perturbavit, et usque ad festum sancti Gregorii (12. März) per- 
duravit. 47. In festo sancti Georgii (23. Aprl.) arboribus pauci flores 
apparuerunt. In vigilia sancti Marci audita (24. Aprl.) sunt tonitrua. 
208, 4. Grando magna cecidit circa Kentzingen 15. Kalendas Junii 
(18. Mai) fecitque damnum magnum, ovesque centum vel amplius inter- 
tecit. 28. Quartale frumenti pro 17 solidis^) dabatur, quartale 
vero vini pro denariis 9. || Ann. S. Rudb. Salisbg. S. S. IX, 807, 15. 
Hyemps memorabilis et insolita in nativitate seviens et nivium den- 
sitate fuit. 17. Nix competens a Frisinga usque in Longou in die beati 
Alexii (17. Jul.) cecidit, ita quod omnes indigene mirarentur. Estas 
pene tota pluviis inundat, ita quod ex intemperie aeris etiam senes 
quod ante tale non viderint sint mirati. 26. Generalis sterilitas terre 
facta est, ädeo quod eius similem in terris pluribus paucissimi recor- 
dentur. Plurimi etiam fame moriuntur; panis etiam de avena coctus 
soUempnibus viris carus habetur. || Che. imp. et. pont. Bav. S. S. XXIV, 
224, 53. Puerunt nives, pluvie et inundaciones aquarum magne, et cepit 
esse fames valida in cunctis inferioribus partibus Europe, et Bohemi 
quocumque divertebant fame et pestilencia interibant. || Heinrici de 
Heimbüeg. ANN. S. S, XVn, 717, 43. Destructis itaque terris Bohemie et 
Moravie, cepit ipso anno fames magna invalescere in ipsis locis, ita ut 
non modica hominum multitudo fame interiret. Ipso anno gelu terram 
nimio algore premente auditum et grande tonitru. || Ann. cistekc. in 
Heinkichow S. S. XIX, 545, 22. Eodem anno fames valida oppressit 
terram Bohemie et Slezie, per quam Bohemi infiniti et alii multi peri- 
erunt. II Ann. Luben. S. S. XIX, 549, 44. Cepit fames valida in multis 
terris et duravit .... annis. || Ann. Weatislav. maiob. S. S. XIX, 532, 13. 
Fuit mortalitas Bohemorum. *) || Ann. Polon. I. S. S. XIX, 646, 14. 
Inundacio aquarum fuit per totum fere mundum. || Cont. Caustkoneobg. VI. 
S. S. IX, 746, 21. Item nix insolite nixit et duravit; per Bavariam et 
terras nemorosas sata perierunt; propter karistiam et prelia fame 
succedente per Moraviam, Bohemiam, Poloniam multi perierunt. || Cont. 
ViNDOB. S. S. IX, 712, 14. Item hyemps multum aspera fuit; in fine 
Februarii nix in multis terminis coacervatur, quod multe ville vix appa- 
ruerunt. Item mortalitas maxima animalium fit in Austria. 

1282. Die Hungersnot hat ihren Höhepunkt erreicht. Sie dauert 
in Böhmen (Cosm. cont. Ann. Prag. III, Königsaaf. G. Q., Bernard. de 
ord. duc. Wawar., Neplach., Sifrid. de Balhus., Monach. Fürstenfeld.), 
Mähren (Heinrici d. Heimhur g. ann., Chr. domus Sar.) fort und ist fü/r 
dieses Jahr auch sicher in Polen bezeugt (Ann. Pol. I, Ann. Cracov. 
compil., Ann. Cracov. brev., Ann. S. Crucis). Ann. hospit. Akgent. S. S. 
XVII, 104, 22. In die assumptionis beate Virginis (15. Aug.) nova vina 
habebantur venalia in Argentina. Eodem anno festo crucis (14. Sept.) 
dabatur vetus vinum pro duobus solidis, et novum vinum pro duobus 
denariis. || Ann. Colm. min. S. S. XVII, 192, 24. In Alsatia quartale 
frumenti pro libra, et quartale vini pro duobus solidis vendebatur. || 
Ann. Colmab. maiob. S. S. XVII, 208, 38. Nix intra octavam epiphanie 



1) Preis nach der Ernte im Herbst. 

2) Dieselbe Nachricht auch Ann. Grissow. maior. S. S. XIX, 541, 21. 



Chronik der elementaren Ereignisse. 19B 

(13. Jan.) cecidit, que nuUo recordabatur intra 30 annos tante spissi- 
tudinis in Alsatie finibus cecidisse; plures etiam homines dicebantur in 
ea frigore periisse. 209, 12. In festo Petronelle (31. Mai) grana frumenti, 
cerusa, fraga matura inventa fuerunt in plurima quantitate. 20. Circa 
Bragam, metropolim Boemorum, fame mortui fuerunt homines; sexcenti 
triginta millia perierunt. Mulier confessa fuit, se pueros plures occi- 
disse et fame cogente se retulit commedisse. Vir similiter dixit, se 
viros 21 occidisse et eos avide commedisse. In Alsatia quartale 
frumenti pro libra dabatur et quartale vini pro duobus solidis. 
Sorores de sancto Johanne de Columbaria inter tilia ordinis fratrum 
Predicatorum 6 septimanis cottidie pulmentum faciebant et eis panem 
bis in septimana dabant, et ad eas mille sexcenti pauperes, ut ibidem 
elymosinam reciperent veniebant. Novum frumentum in Alsatia duabus 
septimanis ante festum sancti Johannis baptiste (vor 24. Jun.) pauperes 
commederunt. Pepones mature commedebantur in festo sancte Marga- 
rethe (15. Jul.). 35. Item mel in Alsatiae finibus pluebat, unde multi 
olera seu fructus commedere recusabant. Item pestilentia in locis pluri- 
bus sequebatur. 39. Item messis ante festum Johannis (24. Jun.), et vin- 
demia ante festum crucis (14. Sept.) in Alsatie partibus aflfuerunt. 
210, 13. Item equi multi perierunt. 15. Frumentum pro 12 solidis 
dabatur. *) || Sifkid. de BALiraus. compend. hist. S. S. XXV, 709, 4. 
Mortuo itaque rege Odakaro statim maxima clades totius regni sui 
secuta est, ita quod per triennium cottidie gens Bohemorum de terra 
sua, fame compellente et inopia, relictis habitaculis, transmigrarent, 
venientesque in Thuringiam et Mysnam et alias partes Theotonie, mise- 
rabili inedia per plateas civitatum mortui corruerunt. j| Bernard. de 
ORD. DUO. Wawar. S. S. XXV, 662, 57. Farnes magna fuit in terra Bo- 
hemie, ita quod aliqui rustici suos pueros occiderunt et comederunt. || 
MoNACHi Fürstenfeld. cron. de gest. princip. Böhmer Font. I, 11. Illo in 
tempore post obitum regis Bohemie , qui occubuit in prelio , facta est 
fames magna in eadem terra; in tantum ut pre famis inedia infiniti 
homines morerentur. Sed non ut estimabant ex sterilitate, vel ex de- 
fectu annone, sed ex plaga Domini, magna lues mortalitatis in 
populo seviebat, in tantum ut in civitate Pragensi duo plaustra nil 
aliud facerent, nisi quod ad unam fossam ad hoc preparatam, extra 
muros cottidie mortuorum corpora deportarent. Profecto quodam in 
vico civitatis eiusdem fuit cumulus vel acervus de fimo, in quo jacebant 
plura corpora mortuorum. Que cum vidisset quedam mulier adhuc fortis 
et incolumis, desperans, sciens se etiam subito morituram, accessit pro- 
pius et prostravit se in medio mortuorum, anime sue exitum inibi ex- 
pectando. || Cosmae cont. Ann. Prag. III. S. S. IX, 203, 45. Fames 
validissima omnium rerum, quae usibus humanis ad vescendum com- 
petunt, multarum terrarum homines interemit. Sed obmissis extraneis 
ad Bohemorum pressuras et calamitatum angustias progrediar, quia cir- 
cumdederunt Bohemiam ex omni parte mala, quorum non est numerus; 
oppressionibus , spoliis excussionibus nocturnis et incendiis consumptio- 

ribus omnium rerum inimici induxerant famem in medium eorum, 

204, 7. Unde restat dicendum de pauperioribus Bohemiae, qui rebus et 
divitiis multis affluebant, et hiis omnibus per praedationes et spoUa 
amissis, cum egenis hostiatim mendicando esurie in mortem corruerunt. 
Circuibant itaque pauperes fame nimia compulsi civitatis Pragensis 
uicos, plateas et domos civium, petentes eleemosynam. Et quia iam 
nimia multitudo pauperum excreverat, ditiores in distributione elee- 
mosynarum eis sufficere non poterant. — - — 204, 14. Mendicabant 



1) Der Preis bezieht sich auf das Ende des Jahres, letztes Datum 
vorher 15. Nov. 

Leipziger Studien VI. 1: Curschmann, Hungersnöte. 1 3 



194 Chronik der elementaren Ereignisse. 

etiam infiniti artifices et diversarum artium operarii, ex 
quibus nonnulli habuere de facultatibus rerum suarum ad valorem cen- 
tum marcarum argenti; et hiis Omnibus alii exspoliati, aliqui in familia 
sua consumptis vendebant de uxoribus suis armillas, inaures, monilia et 
omnem ornatum, qui cultui femineo competebat in vestitu, cupientes 
salutem vitae depulsa esurie conservare, et tarnen multi ex hiis con- 
sumptis Omnibus quae habebant, cum egenis hostiatim mendicando 
vitam miserabili fine terminarunt. Habebant quidem omnes pauperes 
favorem civium ingredi domos ipsorum ad expetendam eleemosynam, 
intrantibus autem villanis mendicis civitatem Pragensem, quorum non 
erat numerus, prae nimia multitudine coeperunt furari oUas circa ignem 
cum cibis, qui ad vescendum civibus parabantur, alias etiam res dome- 
sticas, quascunque poterant rapere subtrahebant in damnum suum et 
odium universorum. Et ita ab eo tempore denegatus fuit Omnibus pau- 
peribus introitus domorum, nee recipiebantur ad pernoctationes infra 
civitatem et extra, quia multa mala ex eorum obscoenis actibus civibus 
proveniebant. Quidam pauperes recepti ad pernoctandum extra moenia 
civitatis, nocte surgentes, necato hospite et familia eius perempta ab- 
latis rebus melioribus, recesserunt. Talia et hiis similia in plerisque 
locis contigerunt. Es werden verschiedene Mordthaten erzählt, dann folgt 
eine Auseinandersetzung, wie in dieser Notzeit alle Bande der Pietät zer- 
rissen wurden, wie die Eltern die Kinder und die Kinder die Eltern ver- 
liefsen. 206, 1. Cumque pauperibus denegaretur ingressus domorum 
civitatis Pragensis, nee ad pernoctandum reciperentur propter furti per- 
petrationes, quae ab ipsis committebantur, iacebant in nocte in vicis et 
plateis, tanquam sues fimo involuti, qui eiiciebatur in vicos de stabulis 
equorum, propter corporis nuditatem et frigoris asperitatem. Erat ita- 
que tempus hyemale et aura frigidissima et continua; et ita 
tempore aestivali non nisi occasione famis moriebantur, tempore vero 
hyemali geminatum est malum, quia mors non per fenestram, sed per 
ostium irrepsit in orbem inscia parcere humano generi; habebat quippe 
fortes comites, famem, nuditatem et frigoris asperitatem, quorum robur 
celeriter penetravit omnia confinia totius Bohemiae, interemit maiorem 

partem mortalium, et non erat qui sepeliret. 16. Congregati sunt 

itaque omnes consules et maiores civitatis, et diutius habito consilio 
super hiis, quid esset faciendum ad purgandum huiusmodi turpitudinem, 
tandem de consilio et voluntate communi decreverunt convenire opera- 
rios ad effodienda sepulchra maxima, in quibus multa corpora humana 
possent collocari, quorum profunditas erat trium lastrorum, latitudo ab 
omni parte decem cubitorum, et quodlibet sepulcrum capiebat corpora 
mille vel paulo magis vel minus. Haec sepulcra horrenda prae 
sui magnitudine erant octo: unum apud Sanctum Petrum in vico 
Theutonicorum, in quo proiecta sunt 2000 corporum, — — 27. Erat 
etiam ad officium sepulturae deputati aliquot viri, qui laboribus insu- 
dantes toto die vix poterant deferre ad sepulcra omnia corpora, quae 
occubuerant ipso die ante solis occasum. Sed quia ex alia parte pontis 
civitas antiqua populosior est, in currum vectura trahebantur corpora 

ad humandum. — 41. Quidam homines miserrimi et infelices, 

egestate nimia depressi, naturam corporis sui fovere nutrimentis con- 
suetis non valentes, devorabant cadavera iumentorum, pecorum et quo- 
rumlibet animalium, mortuorum canum. Immo etiam — quod horribile 
est auditui et nefandum, tamen quia auditui multorum insonuit sub silen- 
tio transire non possumus — quod quidam more canum latrantium ho- 
mines perimendo in huius miseriaenaufragiopro sustentaculo cor- 
poris devorabant. Quidam autem suspensos patibulo nocte furtim 
ablatos tempore quadragesimali non deserentes, timore Dei avulso, co- 
medere non formidabant, hominum abiecto pudore. Praeterea eodem 



Chronik der elementaren Ereignisse. 195 

anno contigit in villa dicta Horaz, spectante ad ecclesiam Soczsensem, 
etenim quaedam filia omni pietate deposita, et immemor matemae 
dilectionis, matrem suam incisam in partes decoquens manducavit. J| 

KÖNIGSAAXEE GeSCHICHTSQ. Hb. I. C. XIII. FoNT. KEB. AüSTK. S. S. VIII, 56 ff. 

Eo tempore per totum regnum Bohemie monasteria detruuntur. 

Monasterium siquidem Sedlicense ad tantam devenit inopiam, quod nihil 
penitus ibi remanserat, unde fratres suam possent evadere egestatem. 
Grangiae ipsorum perierunt, structurae corruerunt et vülis spoliatis cen- 
sum de pauperibus suis tollere nequiverunt. Non habentibus igitur fra- 
tribus, unde viverent, mobilia venduntur, et cleinodia monasterii iudaeis 
sub usurarum voragine exponuntur. Auxilium amicorum quaeritur, sed 
qui perituro succurrat monasterio, nullus penitus invenitur. Quid am- 
plius? Consumptis his, quae habere poterant, annona deficiente panem 
de multis granorum generibus congestum sub gratiarum actionibus fra- 
tres comederunt, panis rudis, potus tenuis, alius quoque victus dabatur 
miserabüis, cibaria, brutis apta, monachis praeponuntur, quia pisa, olus 
et rapulae, si tamen habentur, oleo aut adipe rarissime condiuntur. 

Piscis raro datur monachis cum non habeatur 
Copia nummorum; compesce deus reproborum, 
Qui spoliant mentes, monachos pie respice flentes. 
His bona largire nee eos sie mitte perire, 
Debüis est victus monachorum sie et amictus 
Est multum durus, et humi positus, quasi murus 
Erigitur sursum, talem monachi puto cursum 
Sumptibus et pannis tenuerunt pluribus annis. 

Fratres vero mirae mansuetudinis dum diu talem patienter in 
domino sustinuerunt miseriam, paucis domi remanentibus, ad alias domos 
ordinis dispergimtur, ut in eis pro tempore starent et sie proprii mona- 
sterii pressuram saltem per suam absentiam relevarent, sed victu inibi 
onmino deficiente vasa, quae divino cultui dedicata fuerant, cum gemitu 
exponuntur et ea, quae recedentes reliquerant, domi remanentes con- 
sumere compelluntur. Patres igitur ordinis convenerunt et inito con- 
silio ipsum monasterium redigere in grangiam simplicem decreverunt, 
quatenus tribus aut quatuor personis ibi habitatio fieret, ubi propter 
defectus innumeros magna fratrum congregatio mansionis commodum 
vitaeque necessaria non haberet. Quidam autem saniori suffulti spiritu 
hoc dederunt consilium, ut dominus Waltherius, qui ex tunc ipsi mona- 
sterio praefuit, vir quidem visum habens debilem, absolveretur et alius 
ad laborandum habilis canonica electione praevia eidem in officio suc- 
cederet, qui destructo monasterio cum sollicitudine debita subveniret. 
Quo absoluto frater Heidenricus in abbatem eligitur sed destitutione per- 
pendens monasterii oblatam curam suscipere verebatur, qui tandem auc- 
toritate ordinis compulsus humeros iugo difficulter supposuit et amplius 
de dei misericordia, quam de propria confisus industria cum omni dili- 
gentia sibi commissi monasterii negotia dispensavit. — — || RtmovanI 

KKONIKA ÖeSKjS. TAK BECElrtaO DaLIMILA. C. 94. FoNT. RER. BoHEM. HI, 199.^) 



1) Ibid. auch eine mittelhochdeutsche Übersetzung, die inhaltlich 
ganz mit dem tschechischen Texte übereinstimmt. Dieser lautet in wört- 
licher Übersetzung: Nach dem Tode des Königs im dritten Jahre trat 
eine Hungersnot in Böhmen ein, wahrlich das Jahr war von Gott selbst 
verflucht, so dafs die Menschen Menschenaas und auch ihre eigenen 
Kinder verzehrten. Es war ein solcher Schrecken, so sehr starben sie, 
dafs in jeder Stadt ein Wagen war, der nichts anderes that, als dafs 
er die Toten herausfuhr, auf ein Mal warfen sie mehr als zehn in die 
Grube. Dann im Jahre darauf war ein solches Gedeihen, dafs der 

13* 



196 Chronik der elementaren Ereignisse. 

Po krälove^ smrti na tretie l^to 

by hlad v Cechäch. Pravie, to leto bylo samym Bohem prokleto, 

ze liudie mrchu lindskü, i sv^ deti jediechu. 

Az hroza byla, tako velmi mfiechu, 

ze V kazdöm meste voz biese, 

ten jineho neciniese, 

jedno ze umrlco voziese, 

po jednü viece nez des§t' v d61 uvrziese. 

Pak na l6to takä zizn biese 

ze kofec zita sest' penez zlycli platiese. 

Keonika Neplachova Fontes her. Boh. III, 477. Et fames maxima 
subsequitur. || Heinkici de Heimkürg. ann. S. S. XVII. 717, 46. Farne 
invalescente et spoliis ingrayescentibus tanta multitudo pauperum mortua 
est in Moravia, ita ut eciam omnes sepeliri non possent, set effossis 
in altum puteis corpora mortuorum in campis vel in vicis inventa, 
in ipsos puteos proiecta, tandem repletis puteis terra obruebantur. || 
Ck. DOM. Sähen, auct. Heink. de Heimbukg. S. S. XXX, 700, 33. Eins 
temporibus ^) fit magna fames, moriuntur quam plures, ut non pos- 
sent omnes tumulari. 39. Anno Domini MCCLXXXII» sub Johanne fuit 
fames. || Ann. Pol. I. S. S. XIX, 646, 25 (= Ann. Pol. IV). Eodem anno 
fuit maxima fames in terra Cracoviensi, propter quam infinita milia 
hominum exiverunt in Rusiam et in Ungariam, sed qui iverant in Rusiam 
dati sunt Thartharis, qui vero transiverunt in Ungariam venditi sunt 
Comanis. || Ann. Cbacovic. compil. S. S. XIX, 605, 24. Eodem anno 
fames incepit que duobus annis fuit. || Ann. Ckacov. bkev. cont. S. 
S. XIX, 666, 34. Fames horrenda fuit; nam mensura siliginis sol- 
vit 13 scotis argenti. || Ann. S. Crucis Pol. S. S. XIX, 682, 43. 
Fames horrenda fuit in partibus Poloniae: nam mensuram tritici 
solvebant tredecim scotis Pragensibus. ^) || Cont. Vindob. S. S. 
IX, 712, 24. Maxima mortalitas hominum fit per Boemiam et Mora- 
viam. Nam Präge ac Brunne et alibi defuneti innumerabiles , velut 
fenum in curribus ac agros ducebantur; ibi in fossis profundis catervatim 
obstruuntur, tempore hyemalis et veris. || Cont. praedicat. Vindob. S. S. 
IX, 731, 45. Eodem anno maxima mortalitas hominum fit per Boe- 
miam, Moraviam et Austriam. 

1283. Cr. S. Petri Erford. mod. S. S. XXX, 418, 26. Eodem anno 
tempestates et grandines tales fuerunt, quales ante longa tempora non 
fuerunt audite; multos homines submerserunt — — || Ann. Colm. maior. 
S. S. XVn, 210, 17. Hyems calida fuit. 18. Item ciconie festum 
cathedre sancti Petri diebus 15 pervenerunt (22. Feb.). 21. In annun- 



Scheflfel Getreide 6 schlechte Pfennige galt. — Im dritten Jahre nach 
dem Tode des Königs (Ottokar f 1278) wäre das Jahr 1280 oder 1281, 
doch braucht die allgemein gehaltene Schilderung nicht eben auf ein 
bestimmtes der drei Notjahre bezogen zu werden, das gute Jahr, von 
dem die Rede ist, mufs jedenfalls das erste Jahr nach der Hungersnot, 
also 1283 sein, darum ist die Nachricht hier unter 1282 angesetzt worden. 

1) Johann III., Abt von 1281—1283. 

2) Die Annalen datieren die Nachricht 1277, sie sind aber in den 
ersten Jahren, in denen sie Selbständiges berichten (seit 1269), voll- 
ständig unzuverlässig, es ist sonst nichts von einer Hungersnot in diesem 
Jahre in Polen bekannt. Die Nachricht zeigt in der Fassung eine ge- 
wisse Verwandtschaft mit den Ann. Cracov. brev. a. 1282 und gehört 
auch in dieses Jahr. Die Verwechslung ist offenbar durch das Ver- 
sehen eines Abschreibers entstanden, der die letzte X von MCCLXXXH 
in eine V verwandelte. 



Chronik der elementaren Ereignisse. 197 

ciatione dominica (25. März) vinee botros et folia protulerunt. In octava 
vero nativitatis spiee frumenti in locis pluribus apparuerunt. 27. In 
festo Gordiani Epimachi (10. Mai) inventa fuerunt grana recentia et 
fuerunt turtures et balumbe. 211, 1. Nuces Avellane, fraga, pira regalia, 
rape magne in bona quantitate crevisse dicuntur et lignum in vitibus 
abundavit. || Ann. S. Rüdb. Salisbg. S. S. IX, 808, 36. In die sancti 
Uedalrici (4. Jul.) grando maxima ad quantitatem ovorum cecidit in 
barrochia Vorowensi. || Cosm. cont. ann. Prag. HI. S. S. IX, 208, 19. 
Eodem anno ver totum siccum fuit. Hoc etiam anno 4. Idus Maii (12. Mai) 
frigus vineas et fructus arborum ita enormiter laesit, quod penitus nullos 
fructus protulerunt; laesit etiam segetes frumenti hyemales et aestivales 
per totam Bohemiam, tritici, siliginis, ordei, pisae caeterorumque semi- 
num, ita quod in plurimis locis defalcatae sunt propter suam infruc- 
tuositatem, quia nutrimenta parva vel nulla bumanis usibus conferre 
videbantur. 

1284. Ann. Colm. maioe. S. S. XVII, 211, 13. Item in vigilia 
sancti Marci (24. Apr.) perierunt vineae multae. Fraga, pisa, cerusa 
matura reperiebantur in magna quantitate in festo pentecoste (28. Mai.), 
quod raro vidimus contigisse. Messis inchoata fuit in festo sanctorum 
Joannis et Pauli (26. Jun.), qui est post festum Johannis baptiste. 
35. Bonum vinum crevit in bona quantitate, sed non durabile vide- 
batur. II Ann. S. Rddb. Salisbg. S. S. IX, 809, 17. Ventus validus ädeo 
fuit per Bawariam et Austriam generalis, quod memoria eins similis 
non habetur. || Cont. Vindob. S. S. IX, 713, 6. Eodem anno in estate, 
in partibus Austrie, circa Spanneperch in meridie facta sunt fulgura ac 
tonitrua horribilia et coruscationes et nubium disruptiones ac pluvie in- 
gentes, in tantum quod aque de vicinis montibus defluentes in villis 
circumadiacientibus cooperiebant domos et horrea, submersaque est ibi 

in quibusdam villis multitudo hominum. || Ann. Polonoeum I. S. 

S. XIX, 648, 28 (= Ann. Pol. IV). Eodem anno Tarthari terram Ungarie 
que dicitur de Septemcastris , intraverunt et multos christianos capti- 
vaverunt et occiderunt. Christus autem tutor christianorum, magnam 
famem in eos et pestilenciam inmisit. 

1285. Menko. CHR. CONT. S. S. XXIII, 563, 29. Anno eodem fuit 
hyems humida (1284 — 85), et cataractibus apertis recens aqua supera- 
bundavit et superexspaciata est planiciem terrae in tantum, quod homi- 
nes prudentes assererent infra quinquaginta annos nunquam sie aquam 
pluvialem increvisse, pestilentia autem eodem anno sacerdotum maxima, 
nam infra 15 septumanas quadraginta duo moriebantur. 564, 30. Plu- 
vialis aqua valde terram implevit circa festum Martini hyemalis 
(11. Nov.), trans Laycam recens mare intumuit et, aggeribus confrac- 
tis, bis occidentalem Frisiam spatio interposito superexspatiata est. 
Postea die nativitatis Christi (25. Dec.) cum frigore intollerabili con- 
gelatio aquarum subsecuta est cum nive et grandine intermixta. Con- 
tigit et tunc temporis homines propter intollerabile frigus inter silvas 
et villas in pascuis mori. Fuerunt et tunc aquae congelatae in tantum, 
quod solidum iter itinerantibns trans Laycam praeberent, intrantes per 
paludes et nemora. übi prius ad centum annos nullus viam quaesivit 
indubitanter cum curribus pertransibant. Trans Emesam prope Oter- 
thom, Longene et Knocka cum equis homines in glacie solidum iter 
carpeijant. || Magdeburg. Schoppen chr. St. Chr. VII, 169, 20. In dem 
1285 jar was vele donres und unweders, und in dem achten dage sunte 
Peters und Pawels (6. Juli) vorhof sik hir umme de stad grot unweder 
an dem dage und stunt wente an de sextentit und regende und 

hagelde. dar af wart grot water und dede groten schaden. || Ann. 

SiNDELFiNG. S. S. XVII, 304, 3. lu hicme boves multi moriebantur usque. 
10. Kai. Jun. (23. Mai) grando Syndelphingae damnosa, et pestilentia facta 



198 Chronik der elementaren Ereignisse. 

buum, et mel carum. || Ann. August, min. S. S. X, 10, 18. Pestilentia 
pecudum solito maior per totam estatem duravit, ita ut in Augusta 
non decima pars vaccarum remaneret viva. || Cont. Zwetl. III. S. S. IX, 
657, 40. Aves ubique moriuntur. Pars hyemis prima ante nativitatem 
Domini (25. Dec.) caloris miri habita est, et nix modica, et optima tem- 
peries, durans usque ad katbedram sancti Petri (22. Feb.) sequentis anni, 
ita ut per omne illud tempus numquam in falcibus flores deessent, et 
plura veris indicia sunt reperta. 

1286. Menko. che. cont. S. S. XXIII, 564, 38. Nee fuit mirum, quia 
ad festum Petri cathedrae (22. Febr.) gelavit et pluvialis aqua est sub- 
secuta usque ad festum Gregorii (12. Mrz.). Et sie quicquid in autumno 
tritici aut hordei fuerat seminatum deperiit omnino. Gregorii papae 
cum agricultura deberet esse potissima, per gelu, quod de mane fortiter 
terram corripuit, tardati sunt agricultores, et pabulum iumentorum etiam 
in villis, etiam ad greges pascendos, non poterat inveniri propter aestatis 
praecedentis siccitatem et hyemis frigiditatem subsequentis. Fuit enim 
fenum tanti precii, ut modius frumentalis bene repletus ad quatuor vel 

sex denarios vix emi posset. Et si maior fuit In Daventria 

plaustrum feni pro decem solidis Deventriensibus vendebatur. Cum gra- 
mina nuUa in pascuis crescerent, quam plures ruscas confregerunt et 
stramina rapientes de lectis suis, de domibus, pecudi apposuerunt, ne 
inedia deperiret. Preccium vaccae unius fuerunt sex solidi sterlingenses 
vel octo ad malus propter defectum pabuli. || Lat. Reimche. St. Chb. 
XIII, 203, 29. 

Cristi milleno bis centeno quoque seno 
Ac octogeno flumina magna lego. 

Ann. Colm. maioe. S. S. XVll, 212, 47. Item Parisius tanta 
fuit caristia circa festum pentecostes (2. Juni), quod homo in die com- 
medit 12 denariatas panis; sed in quadragesima tanta fuit, quod epi- 
scopus carnes commedere cum pauperibus dispensavit. 213, 14. Hie 
annus in fructibus et bonis Omnibus abundavit. 28. Pridie Ka- 
lendas Octobris (30. Sept.) cecidit pruina magna in Alsatia; iterum in 
brevi post due, lesique fuerunt in campestri botri, et folia et botri 
multi. de vitibus cecideruijt; et crevit vinum, vasaque chara multum, 
quia pro 15 communiter vendebantur. 40. Glacies, que fluxit in Rheno, 
115 naves submersit et villas aliquas devastavit. 

1287. Grofse Sturmfluten an der Nordseeküste. Ann. Bland. S. S. 
V, 33, 28. Primo die Februarii (1. Feb.) commotum est mare; tur- 
batis fluctibus et procellis eins, facta est inundatio orrida, — — 
tercia pars Hollandiae, cum Omnibus habitatoribus suis, bestiis et uni- 
versis creaturis interiit. Flandria, Fresia, Anglia, Dachia et omnis locus 
mari contiguus huius doloris amaritudine fuit plenus. || Balduini Ninov. 
CHE. S. S. XXV, 546, 16. Mare ventis validissimis agitatum procellosis 
fluctibus solito multo altius intumescit, ruptisque ripis et obicibus, vio- 
lenter egressum, in Hollandia, Zelandia, Frisia, Datia et Anglia et aliis 
multis locis virorum, mulierum et infantum ac diversi generis bestiarum 
multitudinem infinitam in se miserabiliter rapuit et involvit. || Ann. 
Floeeff. S. S. XVI, 628, 39. Hoc anno tanta aquarum inundatio 
fuit in Zelandia, Frisia et Holandia, quamque nunquam audita fuerat, 
unde multi perierunt. || Ann. Tielenses S. S. XXIV, 25, 38. Inundacio 
mari 8 ita crevit, quod persone virorum ac mulierum centum milia sub- 
mersi sunt. || Jon. de Beka che. ed. Buchelius Ulteaiecti 1643. p. 94. 
Anno Domini MCCLXXXVII . die XIV. mensis Decembris ex magna 
ventorum intemperie factum est undosum diluvium, quod submersis 
hominibus et iumentis lachrymosum fecit excidium. || Rijmkeonick van 
Melis Stoke 4. Bock. v. 498 uitgev. d. W. G. Bkill. I, 233. 



Chronik der elementaren Ereignisse. 199 

Doe ghevielt also zint, 

Dat op de zestiende kaiende 

Van Loumaent (17. Dec.) God doe sende 

Ene vloet also groot, 

Daer vele volx in bleef doot. 

Te hant dama sinte Aechten daghe (5. Feb.) 

Sende God tote ere plaghe 

Echter ene grote vloet. 

Dese twee waren, als ic verstoet, 

In enen winter int jaer ons heren, 

Als ons de scrifturen leren, 

Xn hondert ende seven ende dachtich 

Dese twe vloedo waren so crachtich, 

Dat sie ghinghen over al tlant, 

Dat leghet an dessewes cant, 

Beide oester ende wester Vresen, 

Ende Hollant moste oec Verliesen: 

SuuthoUant verdranc oec mede, 



Menkonis chb. cont. S. S. XXIII, 565, 1. Anno gratiae 1287 de- 
cima quarta die Decembris factum est diluvium in partibus 
Frisiae periculosum in homines, iumenta et res, et propter hoc famo- 
sum in tempus futurum. Aquis vero sie coadunatis et commotis, inter 
conticinium noctis et gallicinium libere aggeres transeunt, et omne genus 
hominum, quod in locis humilibus mansionem habuerat, cum iumentis, 
domibus, frumento feno gurges aquarum miserabiliter funditus evertens 
ad Silvas deportabat. Domus lapideae quam plures corruerunt. In 
Silvis etiam agri ab ymo evulsi aquis ferebantur. In locis humilibus 
sine obstaculo Impetus aquarum paludes transivit. Nee fuit mirum, quia 
a tempore cuius non extat memoria in partibus istis tam magna salsi 
maris ebullitio ad mensuram quinque pedum non est visa. Et propter 
hoc infinita populi multitudo periit submersa. In occidente, ut sacer- 
dotes et decani coniecerant, a Stauria usque ad Laycam triginta millia 
hominum submersa. A Laica usque ad Emesam viginti millia perierunt, 
Orientales ut sunt, Riustingi, Astingi et Herlingi, a plaga praedicta 
immunes fuerunt. Agri etiam eorum sationales et pascuales fructum 
dederunt competentem; sed in locis humilibus, ut est in Sunedeswolda 
et Sconamora, agri quam plurimum fuerunt destructi. Res mira: vir 
unus, lupus unus, et canis et lepus in baculo ad silvas venerunt vivi. 
Multi etiam qui rabiem aquarum miserabiliter evaserunt. Et plerique 
pauperes, recedente aqua, paludes ascenderunt, construentes ibidem casas, 
in quibus frumentum quod ibi ab aquis fuerat proiectum triturabant. 
Circa Martini hyemalis (11. Nov.) vacca pro tribus solidis aut quatuor 
vendebatur, et hoc nuUa de causa, nisi quod paucissimi paucos fructus 
collegerant. || Hknkici de Hekvokdia chk. ed. Potthast p. 211. Quinto- 
decimo anno Rudolfi in festo sancti Nycasii (14. Dec.) ex maris in- 
undatione submersa sunt in Selandia 15 insule una cum 15000 homi- 
num utriusque sexus, ut legitur in cronicis Flammighorum. || Cr. S. 
Petri Erford. mod S. S. XXX, 419, 26. Eodem anno in Fresia submersi 
sunt per inundacionem aque pene octoginta milia hominum. || Ann. 
Colmar. maior. S. S. XVII, 214, 7. Item vinum bonum ci'evit in locis, 
ubi vinum durum crescere consueverat, et vinum durum crevit in vineis, 
que vinum Optimum proferre in Alsatia consueverunt. 

1288. Menkon. CHR. cont. S. S. XXIII, 565, 20. Sequenti anno 
circa assumptionem Mariae (15. Aug.), etiam circa exaltationem sanctae 
crucis (14. Sept.), oceanus turbine ventorum commovetur ita ut pene 
omnes naves, quae se alto pelago commiserant, periclitarent, et submersi 



200 Chronik der elementaren Ereignisse. 

sunt centum gubernatores; 29. Anno graciae ut supra 7. Kalendas 

Novembris (26. Okt.) circa festum Simonis et Judae in Oriente prope 
Oterdum et in occidente prope Usquert, in Merna et in Suterdicke prop- 
ter destructionem aggerum, qui minime in dictis locis fuerunt reparati, 
salsum mare ebullivit, et superexpatiata est aqua planiciem terrarum, 
venitque ad loca humiliora, ut est Germerwolt, Waltersum, Astawalt, 
ubique fluitando. || Cr. S. Petbi Ebfobd. mod. S. S. XXX, 420, 26. Eo- 
dem anno circa festum sancti Michaelis (29. Sept.) per nimiam vim ven- 
torum multa milia hominum in aqua que vocatur Lacus prope civitatem 
Lubecensem cum omnibus que habebant simul cum navibus miserabiliter 
submersi sunt. || Ellenh. ann. S. S. XVII, 103, 21. Anno D. 1288 vise 
fuerunt glacies circa festum beati Urbani (25. Mai), et choruscationes 
et tonitrua circa festum undecim milium virginum (21. Okt.). Ipso anno 
vinum periit, annona autem in tantum profecit, quod quartale 
tritici vendebatur pro 30 denariis, quartale siliginis pro 
20, ordei pro 13 denariis. || Ann. Colmab. Maiob. S. S. XVII, 215, 18. 
Circa festum purificationis (2. Eeb.) venit ventus magnus, qui in Flan- 
dria oceanum de alveo suo ad tria magna miliaria inundare fecit, 
et plus quam quinquaginta milia hominum interfecit. 24. Circa Ka- 
lendas Marcii (1. März) tantum frygus fuit, quod infra Basileam 
clausit glacies aquas Rehni et vinum congelebatur in ecclesiis in calici- 
bus et ampullis. 30. 17. Kalendas Maii (15. Aprl.) nocte perierunt vinee, 
et solidus denariorum Basiliensis datus fuerat in vineis rustico laboranti. 
40. Item 6. Idus Julii (10. Jul.) cecidit grando magna et fecit damnum in 

diversis locis et fulgur . || Flobes temp. auct. fb. oed. minor. S. S. XXIV, 

242, 7. 1288 in vigilia sancte Margarete (12. Jul.) in Sukental fragore 
nubium 300 homines perierunt. || Ann. Sindelfing. S. S. XVII, 305, 32. 
Item proxima die post translationem sancti Benedicti (12. Juli) maxima 
tempestas vineas, agros, homines grandine et aqua destruxit: Ezzelingen, 
Butispach et villam in Wile prope Holzirringen penitus devastavit 
grandine. 

1289. Ellenh. chb. S. S. XVII, 131, 49. In expeditione autem 
predicta ^), incipiente crastino Margarete (16. Juli) et durante usque ad 
feriam sextam post Adelfi (2. Sept.) , caristia rerum inexcogitatarum 
magna fuit orta, ita videlicet, quod unum ovum galline venderetur pro 
9 denariis, — — bos pro 5 solidis, una nummata panis pro tribus 
magnis Turonensibus, due oves pro uno ovo, quatuor porci pro uno 
solido et lectus pro 5 solidis; nee tamen aliquis in tanta penuria ex 
parte ista ratione famis interiit, sed ex parte adversa infiniti. || Ann. 
CoLM. MAioB. S. S. XVn, 216, 22. Grando magna circa Basileam fuit, 
que frumentum, fructus, vineas devastavit. 29. Circa Columbariam fuit 
messis ante festum Johannis baptiste (24. Jun.) inchoata, et ante festum 
sancte Praxedis virginis (21. Juli) terminata. 217, 5. Hiems calida 
(1289 — 1290); herbe flores, arbores flores et folia ante nativitatem Do- 
mini (25. Dec.) produxerunt; venatores tum fraga in Alsatia invenerunt; 
pice cum gallinis puUos ante trium regum (6. Jan.) protulerunt; arbores 
folia antiqua retinuerunt usque ex eis recentia prodierunt; vites botros, 
folia, flores ante Hilarii (13. Jan.) protulerunt; pueri in Egesheim in aqua 
fluenti balneabant. 

1290. Menko. che. cont. S. S. XXIII, 567, 26. Frequens pluvia 
autumnalis segetes cum feno destruxit in agris et pratis. Propter 
nimiam abundantiam aquae pluvialis prope Amum et Daventriam Rhe- 
nus et Isla effluxerunt, et destructa est Batua prope Islam. Domus 
multae devastatae sunt, hominibus submersis. Item crastina Benedicti 
abbatis rabies aquarum ventis agitata Frisiam replet. In ista congre- 



1) Feldzug Rudolfs gegen Burgund. 



Chronik der elementaren Ereignisse. 201 

gatione aquarum antiquum Silsteth funditus est evulsum in Otterdum, 
et aquae transierunt terminos suos repleveruntque omnia prata, et nisi 
praeter omnem Waltersum per vim. || Ann. Colm. maiok. S. S. XVII, 
217, 28. Hiemps calida et pluviosa, aestas frigida et pluviosa. 
In Burgundia prope Susanam cecidit grando magna, cuius lapides duo- 
rum vel trium panum magnitudinem superabant. Laesit novem ecclesias 
parrochiales , et sexaginta millia hominum computabantur periisse. 
39. Hiemps calida (1290 — 91); annus pluviosus. Rhenus quater ante 
nativitatem Domini (25. Dec.) inundavit. 218, 2. Fructus propter nimiam 
productionem florum totaliter perierunt. Frumentum crevit vile. || Cont. 
ViNDOB. S. S. IX, 716, 16. Eodem anno inveniebantur viole in nativi- 
tate Domini (25. Dec. 1289) et in circumcisione (1. Jan. 1290) et in epy- 
phania (6. Jan.), et deinceps per totam Austriam arbores produxerunt 
flores in hortis et pomeriia, sicut in Maio, et qui vidimus testamur, quia 
insolitum prius fuerat. 

1291. Ann. Colm. maioe. S. S. XVII, 218, 38. Crevit vinum nobile 
et virtuosum. || Cont. Vindob. S. S. IX, 716, 40. Kg. Andreas v. Ungarn 
fallt in Österreich ein. Segetes tempore messis tam per pabulum quam 
per incendium et conculcationem pedum equorum ac hominum penitus 
devastavit; et talis pestilencia sex septimanis in terra ista duravit, 
et multo deterius huic terre fecit, quam Bela 

1292. Ann. Colm. maiok. S. S. XVII, -219, 5. Hiems temperata usque 
ad purificationem (2. Feh.), postea invaluit frigus, quod Renus in Brisaco 
ex utraque parte pontis fuit congelatus, quod equis et bigis commu- 
niter transiverunt. Cires dederunt 10 libras, quo glacies scinderetur, ut 
naves possent transire. Ciconie Kathedra Petri (22. Feb.) non venerunt, 
sed circa Gregorii (12. März) pauce Columbariam venerunt, quia multe 
frigore perierunt. Frumentum charum; quartale siliginis 10 so- 
lidis Columbarie vendebatur circa Gregorii (12. März). || Ann. Sdtdel- 
FiNG. S. S. XVii, 307, 1. Annona erat satis cara. 

1293. Ann. Colm. maior. S. S. XVII, 220, 23. Item estas calida 
et sicca, et vinum bonum, ut dicebatur generaliter habundavit. || Chb. 
Colm. S. S. XVII, 258, 50. In obsidione hac^) regis exercitus bonis 
Omnibus habundabat. Annus fuit calidus et siccus, vinum Opti- 
mum — — Columbarienses vinum et bladum sufficientia habebant. 
Quartale frumenti vendebatur 7 solidis. 

1294. Hungersnot in Lothringen (G. episc. Mett.) tmd im Elsaß 
(Ellenh.). G. episc. Mett. cont. HI. S. S. X, 551, 26. Huius etiam tem- 
poribus, anno scilicet 11 et 12*), inaudita caristia et in ultimo tanta 
copia vini fuit, ut pro tribus solidis cum dimidio modius haberetur, qui 
prius vineis in hyeme congelatis, vendebatur 26, ita ut pro tribus soli- 
dis infra unum mensem haberetur unus modius vini, ut pro una quarta 
bladi et pro uno modio vini haberetur || Ellenh. ann. S. S. XVII, 103, 43. 
In die beate Margarete virginis (15. Jul.) annona valuit in Argentina: 
siligo videlicet tredecim solidos et triticum 14 solidos; et 
in die Marie Magdalene (22. Juli) sequenti non inveniebatur panis venalis 
in tota civitate Argentinensi, eodemque die fracta fuerunt omnia scampna 
panificum per vulgum civitatis Argentinensis. Eodem die Margarete 
cives Argentinenses dederunt in elemosinis pauperibus centum quartalia 
siliginis una vice. || Ann. Colm. maior. S. S. XVII, 220, 39. Item 17. Ka- 
lendas Februarii (16. Jan.) venit frygus tantae fortitudiais, quod circa 
Haginogiam multae vinee frigore perierunt, tüie et arbores aliae fisse 
fuerunt, pisces in aquis , aves et homines in sylvis pariter perierunt. 



1) Während der Belagerung Colmars. 

2) Nach Angabe der Gesta regierte Buchard 13 Jahre bis 1296, 
also müssen hier die Jahre 129^ und 1295 gemeint sein. 



202 Chronik der elementaren Ereignisse. 

221, 3. Item karistia magna fuit et quartale frumenti pro 18 so- 
lidis dabatur et sorores de Columbaria plus quam 300 quartalia in 
una sua grangia pauperibus erogaverant ante festum Marie Magdalene 
(22. Jul.). Yenit circa Basileam ventus validus, fulgura, tonitrua, pluvia 
magna, que domus destruxerunt et arbores magnas et fortes funditus 
sive radicitus evulserunt. || Che. pont. et imp. Rhen. e cod. Gissensi 117. 
N, Akch. IV, 76. Cecidit maxima nix, qualis unquam visa fuit et 
duravit quinque ebdomadis. 

1296. Gest. Boemundi arciepsc. Tbev. S. S. XXIV, 480, 5. Per 
totam dyocesim Treverensem vinee congelantur et vindemiis cessantibus, 
non pauci ad vindemiandum vineas intrare dedignabantur. || Cont. 
ViNDOB. S. S. IX, 718, 8. Eodem tempore tanta fuit austeritas fri- 
goris, ut nix et pluvia plurimos facerent defficere inibi venientes. 
17. Eodem anno tanta inundatio aquarum facta est, ut aqua Wienna 
hosspitale civium et fontem ante hosspitale situm transcenderet, ita ut 
infirmi in lectulis natare et vix afugere viderentur; et rivus qui Satel- 
pach dicitur ad Sanctam Crucem per totum claustrum et ante liberariam 
usque ad gradum ecclesie intravit. 21. Eodem anno per totam 
yemen aura adeo lenis fuit, quod stuppis bene caruissent homines 
si Toluissent. 35. Eodem anno perierunt poma, ita quod in foro Wienne 
pro infirmis vix parva et corrupta inveniebantur 12 pro 8 denariis. [| 
Ann. Colm. maior. S. S. XVII, 221, 23. Rhenus, qui longo tempore oppi- 
dum Brisacum ab Alsacia diviserat, isto anno pro parte ad latus montis 
se aliud transferebat. Inundacio cuiusdam aque ad oppidum Rin- 
veldin, — — 37. In Colmar uno hoc anno mortui pueri 777. || Cont. 
Flokianen. S. S. IX, 750, 16. Eadem estate diversis temporibus plura 
loca a fulmine sunt cremata. Eodem quoque anno 12. Kalendas Sep- 
tembris (21. Aug.) circa horam vespertinam subito cepit ventus validis- 
simus, qui per diversa loca Austrie plura edificia et etiam muros vali- 
dissimos deiecit. 

1296. Teuerung in Lüttich (Ann. S. Jacobi Leod. min.), gleich- 
zeitig Hungersnot in Baiern (Anonymi monach. Bav. chronolog.). Ann. 
S. Jacobi Leod. min. S. S. XVI, 643, 32 (= Joh. Hocsem). Eodem anno 
bladi fuit caristia, et vini quarta 27 Turonensibus vendebatur, quod 
nunquam ante visum fuit. || G. Boemündi arohiep. Trev. S. S. XXIV, 
480, 9. Inundaverunt aque Treveris, et flumen Moselle elevatum 
est super muros Treverenses in ripa Moselle sitos, ita quod celaria in 
medio civitatis sita aquis replerentur, quod etiam prius numquam visum 
est a diebus antiquis. |1 G. episc. Mett. cont. III. S. S. X, 551, 30. Fuit 
etiam ipso 13. anno tanta pluviarum inundantia, ut coUes et domus 
multe ruerent et ipsi montes horride finderentur. || Anont. monach. Bav. 
coMPiL. CHRONOLOG. RER. Boic. Oefele S. S. II, 340. Famcs validissima 
fuit ita quod modius Monacensis siliginis vendebatur pro 
V libris denariorum; modius avenae pro III libris. ^) 

1297. Ellenh. ANN. S. S. XVII, 104, 4. Tempore auctumpnali tanta 
excrevit habundancia vini, quod vacuum vas vendebatur pro una 
libra, et quiqumque habuisset centum vacua vasa, habuisset quinqua- 
ginta plena vini pro quinquaginta vacuis. Vetus vero vinum dabatur 
gratis, ut vacuarentur vasa et implerentur novo vino; et clamabatur 
publice in civitate: Bonum vinum gratis in diversis ceUariis. Et quar- 
tale annone vendebatur pro 7 solidis. || Chr. pont. et imp. Rhen. e 
COD. Gissensi N. Aech. IV, 76. Carrata vini solvit 5 solides Hallensium 
in Wormacia. |1 Ann. Colm. maior. S. S. XVII, 222, 23. Cogente pesti- 
lentia atque mortalitate Columbarienses canonici processionem cum 



1) Über den "Wert der isolierten Nachricht läfst sich nichts Be- 
stimmtes angeben. ^ 



Chronik der elementaren Ereignisse. 203 

reliquiis indixerunt. In vigilia purificationis (1. Feb.) circa terciam ad 
ecclesiam homines religiosi ac clerici Sancti Martini convenerunt — — 
44. Botros maturos in conventu in festo Dominici (4. Aug.) commederunt. 
In Columbaria multa nova vina bona inveniebantur in nativitate sanete 
Marie virginis gloriose (8. Sept.). 223, 2. Ama boni novi vini in Slezcistat 
pro octo denariis vendebatur. 25. Vas vini dabatur in Columbaria pro 
denario, ut vas eyacuaretur. Unum vas rappes pro vase vacuo vende- 
batur pauperibus. Boni crevit abundantia vini. 23. Quinto decimo 
Kalendas Decembris (17. Nov.) coUigebantur rose in Columbaria Alsatie, 
in horto fratrum Predicatorum. Et eadem die cecidit nix magna, et 
usque ad illum diem frygus modicum instavit. 

1298. Ellenh. chb. S. S. XVII, 140, 24. Qui marscalcus preceptis 
domini sui voluit obedire, et rogaverat aliquos cives Argentinenses, quod 
ei annonam venderent. Quorum aliqui sie responderunt. Licet unum 
quartale siliginis vendatur bene pro decem solidis Argenti- 
nensibus, et quartale avene sex solidis, tamen sie nolumus ven- 
dere, sed quantum unum quartale siliginis valet et vendi potest infra 
octavam sancti Joannis baptiste (1. Jul.) et eiusdem diei estimationem 
volumus nobis esse salvam et quod infra dictam octavam sancti Johan- 
nis baptiste annona taxatur. Tandem conditio predicta inter predictas 
partes intervenerat sie, quod si aliquis tria milia quartalia siliginis, ali- 
quis quinque milia et quantum voluit recepit; et iter versus partes in- 
feriores receperunt. 37. Interfecto vero Adolfo rege predicto in die 
Processi et Martiniani (2. Jul.) anno Domini 1298 annona minus valuit 
de die in diem. 44. Termino vero solutionis annone appropinquante, 
infra octavam Johannis baptiste prescriptam civibus Argentinensibus, 
Albertus Dei gratia Romanorum rex misit illum de Landenberg, suum 
marscalcum, ad civitatem Argentinensem , quod interesset taxationi an- 
none prescripte ac solutioni eiusdem. Annona vero, videlicet quodlibet 
quartale siliginis taxatum fuit iuxta forum commune pro quinque 
solidis, avena vero pro tribus solidis, et carrata vini pro duabus 
que prius octo libras valuit, et omnia mundi necessaria bono foro ven- 
debantur. 138, 45. Annona enim, que vendebatur ante adventum suum *) 
pro decem solidis, vendebatur subito postea pro quatuor solidis, et pro 
minori. Eodem itaque tempore tanta fuit habundancia vini, quod 
unum picarium vini dabatur pro ovo, et unum picarium boni vini 
pro uno denario. || Ann. Colm. maigk. S. S. XVII, 224, 26. Mortalitas 
magna extitit et commestio boum prohibebatur. || Chr. Colm. S. S. 
XVII, 265, 52. Tanta autem fuit in ducis*) exercitu caristia, quod 
panis vix valens denarium pro 6 denariis vendebatur. || Ann. Pol. I. 
S. S. XIX, 652, 31 (= Ann. Pol. III). Generalis pestilencia anima- 
lium in tcta Polonia. 

1299. Chb. Elwag. S. S. X, 39, 1. Hoc anno pestis animalium 
per omnes terras gravissime invaluit. 

1300. JoH. HocsEM. GEST. PONT. Leod. Hb. I. cap. XXIV. Chapea- 
viLLE, Gest. pont. Leod. II, 333 D. Anno Domini 1300. die secunda 
Decembris inundatione mosa tantum excreuit, quod antiquum Hoy 
pontem superfluens trabes anexit, quae fluminis impetu defluentes arcum 
vnum pontis noui lapidei diruerunt. || Ann. Ensdobf. S. S. X, 6, 45. Hoc 
anno maxima pestilentia animalium et maxime vaccanim per totum 
mundum suborta est. 

1302. Ann. Gand. ed. Funck-Bbentano p. 29. Circa istud tempus 
tanta fuit caristia et fames in Gandavo, quod vulgares communiter 
pane facto de avena vescebantur; villa enim Gandensis se tenuit cum 



1) Zur Zeit von Albrechts Wahl, gewählt am 27. Juli. 

2) In Albrechts Heere auf seinem Zuge gegen Adolf von Nassau. 



204 Chronik der elementaren Ereignisse. 

rege, toto territorio circumiacente cum Guidon e et Wilhelmo existente, 
et ideo frumentum et alia victualia non nisi furtive in ea poterant in- 
troduci. II Ann. Colm. maiob. S. S. XVII, 227, 2. Inundatio Eheni 
tanta fuit, quod homines de Nuwenburcli in Friburgum navigio potu- 
erunt pervenire, quod usque ad illud tempus fuerat inauditum. 25. Nono 
Kalendas Februarii (24. Jun.) et sequenti die perierunt vinee et magna 
pars frumenti et multa alia, et non fuit frigus ista hyeme nisi bis die- 
bus prenominatis ; et non fuit calor estate sequenti nisi duobus diebus, 
et hiis fuerunt duo homines prope Rubiacam calore nimio suffocati. 
Acre vinum atque debile noscitur crevisse, et circa festum sancti Martini 
(11. Nov.) quartale pro duobus solidis vendebatur; vinum vero vetus pro 

32 denariis vix poterat comparari. Es folgen noch hier u. Zeile 34 ff. 

einige Weinpreise. 228, 3. Circa festum sancte Lucie (13. Dec.) venit fri- 
gus tollerabile. Circa festum sancti Thomae (21. Dec.) venit frigus 
magnum, quod pauperes plurimum perturbavit et permansit usque post 
epiphaniam (6. Jan. 1303). Hoc frigus terram fidit, et sacramentum domi- 
nicum in calicibus congelavit. Circa Bisuncium fluvius Dubius congelatus 
fuit et homines glaciem ascenderunt et glacies sub eis fregit et homines 
promiscui sexus quingenti pariter perierunt in die sancti Stephani (26. Dec). 
Hoc anno aquarum exstitit inundatio et Renus fluvius tante magnitudinis 
extitit, quod nullus hominum recordabatur, eum tante magnitudinis ex- 
titisse. In Brisaco Renus congelabatur, quod canes in glacie poterant 
pertransire. 20. Vinum vile crevit in Alsatia, sed bonum in Turego et 
Wormacia dicebatur. || Cont. Zwetl. HI. S. S. IX, 660, 15. Eodem anno 
ex intemperie aeris vina Austrie communiter in tanta sunt procreata 
amaritudine, ut nullus retroactis temporibus a quoquam sub simili acer- 
bitate procreata tarn generaliter recordaretur. 

1303. Ann. Colmak. maigr. S. S. XVII, 228, 33. In festo sancti 
Marci (25. Apr.) ariste florentes in Columbaria videbantur. Item flores 
herbarum plurimi prodierunt. Eadem die perierunt vinee. Item ipso 
die fraga recentia videbantur. 38. Item ante festum sancti Marci fabe 
et vinum floruere. Tertio nonas Maii (5. Mai) in Rubiaca quedam vinee 
perierunt, et flores fabarum tribus diebus antea dicebantur periisse. 
43. In festo sancti ürbani (25. Mai) matura cerusa in Columbaria vende- 
bantur. Item frumentum novum inveniebatur. 229, 8. Messis inchoata 
fuit in festo sanctorum Johannis et Pauli* (26. Jun.) sed diebus octo 
ante frumentum pauperes collegerunt. In uno culmo frumenti ariste 
13 prodierunt. 22. Bonum vinum crevit et carrata vini novi in vitibus 
pro decem libris non poterat comparari. 26. Hoc anno vinum bonum 
crevit et persica et alii arbores fructibus abundabantur. 36. In die 
sancti Andree (30. Nov.) atque sequenti venit ventus fortis. — — 
Hyems Rome frigida in Alsatia calida. — — || Ann. Wkatislav. 
ANTiQ. S. S. XIX, 529, 34. Habita fuit yemps estivalis, quod homines 
nullum frigus senserunt. 

1304. Ann. S. Petki Erfoed. mod. S. S. XXX, 436, 31. Gewitter 
am 30. JSfov. \\ Anonymi che. Wircebürgense Eckhart, Coment. reh. Franc. 
oRiENTAL. I, 821. In diePhilippi et Jacobi (1. Mai) cecidit nix tarn magna, 
quod arbores multas fregerit. || Ann. Colmar. maior. S. S. XVII, 230, 8. 
Hyems calida. 21. Fraga in Amliswire in sancti Urbani (25. Mai) 
festivitatibus vendebantur. 28. Ante festum Johannis baptiste 15 diebus 
novum ordeum vendebatur. 39. Annus hie calidus fuit et nullus 
hominum recordabatur annum tante caliditatis extitisse. Messis ante 
Johannis (24. Jun.) inchoata et ante tres consumata. Botri maturi in 
vigilia sancti Johannis (23. Jun.) in Alsatia videbantur. Tantus calor 
in Alsatia erat, quod senes communiter dixerunt, nullum annum tante 
caliditatis suis temporibus evenisse. Annus sine pluvia et calidus ; et 
bonum vinum crevit, quod loqui fecit pauperes per talenta. 45. Vinee 



Chronik der elementaren Ereignisse. 205 

montium vinum bonum in maxima quantitate protulerunt. 231, 3. In 
Alsatia tantus erat calor, quod carrucarii nudi per campos bigas suas 
cum oneribus deduxerunt. Tantus fuit calor, quod rivus volvens duas 
rotas solam vix molendine volvere dicebatur. Panis modicus pro denario 
dabatur et frumentum pro 5 vel 6 solidis vendebatur. Annus hie cali- 
dus, clarus, sine notabili pluvia, vinum protulit bonum in montibus et 
magna quantitate, et ubi credebat se quis vas aut tria replere, quinque 
faciliter adimplevit. In quibusdam vero locis campestria vinum debile 
ac modicum potulerunt. Quartale frumenti pro 5 vel 6 solidis 
vendebatur, sed panis modicus pro denario dabatur. Si enim pro 12 so- 
lidis frumentum venditum fuisset, panis nimis extitisset. Ideo panis 
modicus erat, quia molendina frumenta molere non valebant. Vinum 
bonum abundabatur ac pro parvo precio dabatur, quia Rhenus vinum 
deducere non valebat. Rhenus tante parvitatis erat, quod in locis pluri- 
bus inter Argentinam et Basileam poterat transvadari. || Cont. Zwetl. III. 
S. S. IX, 662, 1. Eo etiam anno Danubius ariditate nimia ita inaruerat, 
ut inter Neunburgam et Chremsam in tribus locis vadabilem equis et 
curribus se preberet. || Cont. Sancruc. HI. S. S. IX, 733, 18. Rex eciam 
Romanorum Albertus — — Bohemiam ingressus, incendiis et rapinis 
cuncta devastans, ibidem duravit, quosque yemis asperitate et famis 
necessitate reddire ad propria compelleretur. 

1305. Himgersnot in Frankreich (Mart. Opp. cont. Angl.) v/nd in 
Cöln (Cöln. Jahrb.). Makt. Oppav. cont. Anglicae fkat. jiin. S. S. XXIV, 
259, 22. Facta est fames valida in regno Francie, eo quod erat inibi 
caristia magna, sie ut summa frumenti venderetur pro 40 solidis 
sterlingorum. || Cöl. Jahkbüchek Rec. A. St. Chb. XIII, 20, 17. In 
deme selven jaire ervrois der Rin, dat man dar over geink up sente 
Agneten advent (20. Jan.). in deme selven jare was de grose duir zit, 
dat vil luits hungers sturven. ^) || Lat. Reimchb. St. Chr. XHI, 204, 1. 

Annis post mille trecentis addito quinque 
Est glacie Renus Heriberti (16. März) lumine plenus. 
Ann. Colmar. major. S. S. XVII, 231, 19. Hyems diu duravit. 
Stramen ad commedendum ovibus et aüis pecoribus prebebatur. Ciconie 
et muite alie parve avicule fame et frigore perierunt. Allaude multe 
capiebantur. Rhenus naves oneratas portare non valebat pre nimia 
parvitate. 

1306. Hn/ngersnot in Böhmen (Kr. Neplach.), angeblich von zwei- 
jähriger Dauer. Ann. Francofurt. Grotefend Q. z. frankf. Gesch. I, 1, 4. 
Nota quod anno domini MCCCVI in vigilia purificationis beate Marie 
virginis gloriose (1. Feb.) circa noctein due turres pontis et ipse pons 
Frankenfordensis pro majori parte, multis utriusque sexus hominibus 
desuper stantibus, propter nimiam glaciem et aquarum inunda- 
cionem ceciderunt. qui homines quasi ad quingentos estimati omnes 
pro tunc submersi perierunt. *) |1 Kronika Neplachova Font. rer. Boh. 
in, 478. Fames duobus annis non ex sterilitate terre sed ex malicia 
vastancium plus quam terciam partem hominum consumpsit. 

1308. Aegidii Li Muisis chb. De Smet. Corp. chr. Fland. II, 175. 



1) Es liegt kein entscheidender Grund vor, die Richtigkeit der 
Nachricht anzuzweifeln und eine Verwechslung mit 1315 anzunehmen, 
wo übrigens die Quelle richtig wieder von Hungersnot berichtet. Nach- 
dem die Rec. A. schon 1298 eine selbständige Nachricht gebracht hat, 
beginnt jetzt eine bis 1333 fortgesetzte Reihe selbständiger Notizen. 
Der Anfang der Jahresnotiz zu 1305 ist zweifellos selbständig, warum 
soll es die Fortsetzung nicht auch sein? 

2) Vgl. Deutsch. Ann. ibid. p. 4, die die SteUe übernehmen. 



206 Chronik der elementaren Ereignisse. 

Anno MCCCVin, mense Septembri, fuit tempus pluviale in tantum quod 
fluyius Scaldae prae magnitudine exivit metas, et in proces- 
sione in pluribus locis peregrinos per naves transire oportebat. 

1309. Nach einem besonders harten Winter entsteht im Westen 
Belgiens ein bedeutender Notstand (Aegid. li Muis.), gleichzeitig herrscht 
Hungersnot in Hessen (Chr. Ridesel.). Aegidii Li Muisis che. De Smet. 
Corp. chr. Fland. II, 176. In illo anno fuit tantum gelu quod etiam 
in mari nautae moriebantur, et etiam fuit post gelu maxima aquarum 
abundantia. Anno illo fuit eclipsis solis ultima die Januarii (31. Jan. 
1310)^), et eodem anno fuit karistia bladi et vini. || Ann. S. Jacobi 
Leod. S. S. XVI, 644, 1. Hyemps asperrima, deinde aquarum in- 
undatio maxima. Eodem fit eclipsis solis ultima die Januarii (31. Jan.).|| 
JoH. Hocs. GEST. PONT. Leod. Hb. I. cap. XXXI. Chapeaville, Gest. pont. 
Leod. II, 351B. Eodem anno byems asperrima: deinde aquarum in- 
undatio maxima 15. Kai. Februarii in Huyo molendinao, pontes (18. Jan.), 
domos diruit, in vna domo sex homines suffocando. Eodem anno in vigilia 
purificationis (1. Feb.) circa meridiem fit solis ecclypsis. H Gest. Trev. 
c. 234 ED. Wyttenbach. u. Müller II, 206. Isto tempore fuit frigus 
permaximum, cujus aequiparantia a nullo tunc vivente potuit recor- 
dari. 1| Excerpta chr. Riedeseliani Hassiaci, Kdchenbecker Analecta 
Hassiaca col. III, 14. War ein greulicher Hunger und Pestilentz- 
Sterben. || Cr. S. Petei Erford. mod. S. S. XXX, 443, 25. Magna in- 
undancia aquarum facta fuit circa diem santi Alexii (17. Jul.). 

1310. Hungersnot in Mitteldeutschland (Ann. aus DietJcirchen, 
Mart. Oppav. cont. Fuld.) und gleichzeitig in Baiern (Ann. S. Budb. 
Salisburg.J, hier hauptsächlich infolge von kriegerischen Verwüstungen des 
Landes. Annalen aus Dietkirchen M. G. Deutsch. Chr. IV. 1. p. 118, 20. 
Frigus lesit omnes vineas, et nucum arbores exscindebantur, eratque in 
die natalis Domini nostri (25. Dec). 

Anno milleno ter centeno decimoque 
Oppressit totum tunc dira caristia mundum, 
Atque fames multos dissolvit corpore sanos; 
Annone maldrum binis marcis fuit emptum. 
Mart. Oppav. cont. Fuld. ed. Basil. 1559, p. 245. Anno Domini 
millesimo trecentesimo decimo, fuerunt pluuie multae, et inunda- 
tiones magnae in uerno et aestate, et subsequuta est magna steri- 
litas frumenti et uini, qualem tunc nemo meminerat audivisse et in 
pluribus locis, panis non inueniebatur ad uendendum: et pauperes more 
bestiarum comedebant herbas. *) || Ann. S. Rudberti Salisbg. cont. S. 
S. IX, 821, 5. Item dux Austrie misit circa festum beati Martini 
(11. Nov.) dominum Uolricum de Waise cum trecentis armatis in Tit- 
maning contra ducem Babarie; qui adiunctis sibi hominibus archiepis- 
copi Salzburgensis tam districtum Salzburgensem qu8,m etiam districtum 
du eis Babarie spoliis et incendiis devastarunt, in tantum ut propter 
frigus et famem tanta mortalitas hominum est secuta, ut a pre- 
fato festo usque ad festum purificationis (2. Peb. 1311) in uno cimiterio 
Titmaning plus quam duo milia et trecenta funera sint sepulta, et mor- 
talitas hominum per totam Babariam fuit magna subsecuta. || 
Ann. Mell. cont. S. S. IX, 511, 17. Vinee per Austriam et orti fruc- 



1) Ringförmige Sonnenf. am 31. Jan. 1310, nicht 1. Feb., wie Joh. 
Hocs. angiebt. Die Quellen rechnen den Tag noch zu 1309, da sie den 
Jahresanfang auf Ostern ansetzen. Der kalte Winter war also der 
Winter 1309—1310. 

2) Die Nachricht ist in gekürzter Form in die Magdeburger 
Schöppenchr. St. Chr. VE, 182 übergegangen. 



Chronik der elementaren Ereignisse. 207 

tuum comesti sunt per brucos, per duos annos se continue succedentes. || 
Ann. Matseen. S. S. IX, 825, 7. Pestilentia hominum et pecorum atque 
pecudum facta est magna. || Ann. cistercien. dj Heinhichow S. S. XIX, 
545, 42. In die beati Jacobi apostoli (25. Jul.) mane incepit pluere, et 
duravit continue illa pluvia per duos dies et noctes per quam aqua, 
que Niza vocatur, tarn inundavit, quod ante civitatem Glatz multas do- 
mos subruit . 

1311. Hungersnot in Süddeutschland (Ann. Haiesbrunn., Ann. 
Osterhov., Ann. August, min.). Hessische Congeries ed. Nebelthau Z. f. 
HESS. Gesch. VII, 321. War in allen Landen grofs Sterben der Pesti- 
lentz, desmahls ist Landgraflf Johannes zu Hessen zu Cassel an der 
Pestilentz gestorben. || Ann. Halesbkunn. maiob. S. S. XXIV, 48, 19. Eo- 
dem anno fuit maxima fames per totum fere mundum, ita ut in Nurem- 
berg unum sumerinum siliginis pro 4 libris Hallensium vende- 
retur. || Ann. Osterhov. S. S. XVII, 557, 37. Eodem anno fuit tanta 
karistia, quod modius Landawensis siliginis vendebatur pro 
e'/j libris Ratisponensibus, scaffa Pataviensis pro undecim 
libris Pataviensibus, Australis modius prodecem librisWien- 
nensibus. || Ann. August, min. S. S. X, 10, 41. In die Egidii (1. Sept.) 

hora vespertina venit grando super Augustam — 48. Eodem anno 

karistia magna fuit. In tempore messis vendebatur modius 
siliginis in Augusta pro 26 solidis. Et post messem cepit cres- 
cere pretium annone de septimana in septimanam, ita quod circa 
festum Michahelis (29. Sept.) modius siguli dabatur pro 42 so- 
lidis denariorum. || Kronika Neplachova Font. her. Boh. HI, 479. Et 
VII. kalendas Augusti (26. Jul.) in Glacz maxima inundacio fuit, et 
innumeras domos abduxit, et homines utriusque sexus, ut refertur, ad 
mille animas submersit. 

1312. Hungersnot in Österreich (Ann. Matsee., Cont. Zwetl. III). 
Ann. Matseen. S. S. IX, 825, 12. Fames validissima facta est, ita ut 
mensura siliginis unius videlicet metrete pro tribus solidis 
denariorum aut amplius venundetur, mensura vero avene pro 
nummis 60 venderetur. 1| Cont. Zwetl. IE. S. S. IX, 665, 1. Eodem 
anno metreta siliginis ante pascha (26. März) pro sexaginta 
denariis vendebatur. Caristia autem a pascha usque ad nova tan- 
tum de die in diem crevit, quod demum metreta tritici pro dimi- 
dio talento vendebatur, metreta siliginis pro tribus solidis 
et 15 denariis, hordei pro 70, avene pro 60. Unde etiam contigit, 
ut multi homines in terra Austrie, et precipue in altera parte nemoris, 
et in terra Bawarie fame morerentur. Eodem anno quedam tempestas 
in Bachovia et in Chremsa repente inundans, aliquos homines et domos 
quamplurimas subruens et abducens interemit, molendina multa et 
vineas destruxit. 1| Ann. Polon. H, S. S. XIX, 636, 37. Wisla maxime 
inundavit. 

1313. Hungersnot in Süddeutschland, belegt durch Nachrichten für 
das Elsafs (Joh. Vitodu/r.) und Salzburg (Arm. S. Rudberti). Jon. Vito- 
DUR. CHR. ED. G. V. Wyss. p. 69. Circiter ista tempora propter kari- 
stiam que invaluerat in pluribus mundi partibus perierunt nimia pre 
fame in civitate Alsacie dicta Colmur tot homines, quod in duabus 
foveis extra muros ad hoc paratis sepulti fuerant XX et XVII centena 
et in aliis tribus LXXX . XIX centena hominum qui pro majori parte 
de Westerrich et de Lothoringia ut fertur extiterunt. Nam iUic fames 
crudelius inhorruerat et ut eam homines ibidem habitantes effugerent, 
ad civitatem prenominatam , terre fructibus tunc magis exuberantem, 
turmatim confluxerunt. Tempore ejusdem famis accidit homines de terris 
prefatis fugere et ad terram Ungarie, tunc fertilem et uberem, sterili- 
tatem aliarum terrarum penitus nescientem, properare. Cum autem in 



208 Chronik der elementaren Ereignisse. 

mangna multitudine ad unam navim fluvii Danubii consedissent, ut 
proficiscerentur ad terram Ungarie, nauta, intelligens ipsorum inten- 
cionem et iter et insuper perspiciens eos fame prevalida maceratos con- 
fectos et pene consumptos, navem subvertit et omnes pariter in pro- 
fundum Danubii dimergendo eos precipitavit dicens: „Melius est quod 
in hoc fluvio pereant, quam quod terram totam Ungarie depascendo 
consumerent." Quod factum inhumanum immo dyabolico perswasum 
instinctu dum ad nostros terrigenos relacione plurimorum pervenisset, 
nautam celebriter commendabant. |1 Aks. S. Rüdberti. Salisbueg. cont. 
S. S. IX, 821, 52. Eodem anno erat tanta karistia quod metreta 
tritici dabatur pro tribus solidis et duobus denariis. || Cont. 
ZwETL. III. S. S. IX, 665, 12. Eodem anno pius Dominus sterilitatem 
prioris anni omnium victualium habundantia compensans, in tantum 
terram fructificare fecit, ut tempore novorum metreta tritici pro 
sex vel minus, siliginis pro quatuor yel minus, hordei pro 
quatuor vel minus, avene pro duobus vel ad malus pro tribus 
denariis venderetur. Insuper carrata vini secundum qualitatem 
valoris sui circa talentum vel infra vel paulum supra comparabatur, 
nisi esset egregium vinum. Tanta enim erat copia vini presertim in 
Austria, ut vasis deficientibus unum vas vini pro vase vacuo equaliter 
traderetur; et quia tunc vindemia nimis erat serotina contigit ut fructus 
uvarum in vineis, et mustum in torcularibus et in dolus congelasceret ; 
et circa festum sancti Martini (11. Nov.) in Wienna et Neunburg vix 
eadem vindemia complebatur. Poma etiam et pira et omnes huius- 
modi fructus in tanta copia, sicut a longe retroactis temporibus con- 
tigerat habundantius provenerunt. 

1314. Hungersnot in Böhmen (Ann. Böh. brev.J. Ann. Boh. beeviss. 
S. S. XVn, 720, 40. Ex magnitudine frigoris et nivis facta est cari- 
stia maxima et pestilentia hominum et brutorum animalium 
infinita multitudo, et facta est tunc miseria inaudita. || Canon. Samb. ann. 
S. S. XIX, 706, 12. Eeodem anno fratres habebant expedicionem in fines 
Ruthenorum Criwicz , amiserunt multos equos et ad sarcinam et expen- 
sas deductas, et multi homines fame perierunt et fratres famem susti- 
nuerunt. 

1315. Allgemeine Hungersnot. Das Notgebiet erstreckt sich Ober 
Belgien (Jacob. Muev. Aegid. Li Muisis, Jan de KlerTc, Chr. Villar., Joh. 
Hocsem., Levold v. Nordhof., Ann. Foss., Mart. Opp. cont. Brdbant.), 
Holland (Wilh. Procurator), das Bheinland (Ann. Agripp., Cöl. Jahrb., 
Lat. Eeimchr., Gr. van der hillig. stat, Not. Col., Gest. Trev.), Westfalen 
(Chr. episc. Mind.J, die Ostseeküste von Lübeck bis Esthland (Detmar, 
Ann. Lubic, Gan. Samb.), Brandenburg (Detmar). In Süddeutschland 
wird über die Hungersnot nu/r aus dem JElsafs (Ann. Marbac.) und Baiern 
(Ann. Windherg.) berichtet. Jacobi Muevini chb. De Smet Corp. chr. 
Fland. II, 457. Eodem anno, facta est fames valida et caristia per- 
maxima, ita ut venderetur raseria bladi ad mensuram Torna- 
censem IV Ib. fortis monetae, plurimis haereditates suas propter in- 
opiam victualium vendentibus, et ob hoc ad summam paupertatem de- 
volutis. II Aegidii Li Muisis che. De Smet. Corp. chronic. Fland. II, 207. 
Eodem anno, fuit magnus defectus vini in Francia, quod in Tornaco 
non bibebantur nisi vina sancti Johannis. Anno etiam illo, post reces- 
sum dicti regis Ludovici , pro inundatione pluviae , et quia bona terrae 
male recepta fuerunt, et in multis locis devastata, incepit caristia 
bladi et salis, in tantum quod raseria salis sex libras vendebatur, et 
de die in diem caristia augebatur. || Jan de Klerk Brabantsche Yeesten. 
Buch V. cap. X. v. 783—820. Collect, de Chboniqües Bblges I, p. 442. 

Int jaer 0ns Heren, weet voerwaer, 
Dertienhondert ende XV jaer, 



Chronik der elementaren Ereignisse. 209 

Doen begonsten die drie plaghen, 
Die men ewelic sal ghewaghen, 
Die God sende den menschen ie ghen: 
Deerste plaghe dat was die reghen, 
Die in die maent von Meie began, 
Ende duerde een jaer voert an, 
Soe dat die vrucht ende dat coren 
Daer bi meest bleef verloren. 
Dander plaghe volghede daer naer, 
Sonder beiden, int selve jaer: 
Dat was die sware dieren tijt. 



Niet broot allene, mer alle spise 

Was soe diere, dat ghelike 

Noit en gheviel in ertrike. 

Die viertele rogs, die gout 

In Antwerpen, dies ben sie bout, 

Tsestich conincs tornoyse groot. 

Tvolc was in soe groter noot, 

En mochte verteilen man en gheen ; 

Want dat ghecarm ende dat gheween, 

Dat men hoerde van den armen. 

Mochte enen steene ontfermen, 

Daer si achter Straten laghen 

Met iammere ende met groten claghen, 

Ende swollen van honghere groot, 

Ende bleven van armoeden doot, 

Soe dat menre warp bi ghetale, 

In enen putte tenenmale, 

Tsestich ende oec mere. 

Dus wrac God Onse Here 

In ertrike des menschen sonden, 

Daer si met weelden in stonden. 

Chr. ViLLARtEN. MONAST. coNT. II. S. S. XXV, 213, 8. Dominus 
Johannes de Malre abbatizavit anno Domini 1315, et fuit suo tempore 
fames et mortalitas maxima, qualis non est audita a centum annis 
et infra. || Jon. Hocsem. gest. pont. Leod. lib. 11. cap. VI. Chapeavillk, 
Gest. pont. Leod. II, 373 C. Hoc anno vsque ad Augustum sequentem 
tanta fuit mortalitas et caristia, quod modius siliginis men- 
surae Thenensis, (quorum quinque modii quatuor tantum mensurae 
Leodiensium adaequant) decem florenis aureis vendebatur, et de 
hospitali in lovanio biga bis, vel ter in die onerata sex vel octo cada- 
ueribus mortuorum, extra villam in nouo facto caemiterio, miseranda 
corpuscula continuo deportabat: quae cum transiret quotidie ante do- 
mum, qua tunc morari coeperam, foetore cogente, conduxi mihi domum 
in suburbiis iuxta campos. Et idem in villis caeteris contingebat; et 
tamen bladis granaria erant plena sed ad loca maritima, vbi maior 
erat caristia portabantur. || Levolds v. Northof Che. d. Grf. von der 
Mark ed. Tross. p. 156. Eodem anno incepit caristia, quae duravit us- 
que ad Augustum anni sequentis. || Ann. Foss. S. S. IV, 33, 51. Hoc 
anno valuit modius spelte 6 solidos veterum grossorum, fuitque 
gentium imortalitas inenarrabilis. || Mart. Oppav. cont. Brabant. S. S. 
XXIV, 262, 32. Cuius vacationis tempore') maxima fames, morta- 



1) Während der Sedisvakanz nach dem Tode Clemens V., f 1*- Aprl. 
1314, bis zur Wahl Johanns XXII. am 7. Aug. 1316. 

Leipziger Studien, VI. 1: Curschmann, Hungersnöte. 14 



210 Chronik der elementaren Ereignisse. 

litas et sterilitas terrarum fuit, quanta ab alicuius memoria tunc viven- 
tis antea visa non est, quia modius siliginis valebat duodecim 
solidos grossorum Turonentium regis Frantrie et ultra. || Willelmi 
Pbocuratoris Egmond. CHR. Matthaeus Veteeis aevi analecta II (edit. II), 
579. Eodem tempore quo et praedicta fiunt, videlicet circa mensem 
Augusti omnipotentis iustitia volens humanum genus corripere, nee non 
pro suis sceleribus quam plurimos castigare, famis tristitiam, famem- 
que per omnes casus tam validam incepit mittere in terram, qua 
mundus corripitur, et etiam multi quodammodo divites affliguntur, 
pauperes vero quam plurimi per vias semitasque errantes, nee se famis 
miseria dirigentes locorum variis moriuntur. || Chk. episc. Mindensium 
Leibniz S. S. heb. Bkunswic. II, 190. Item post hoc, ut metro sequenti 
elici potest, caristia maxima fuit, et multi fame et inedia perierunt. 
Ut lateat nullum tempus famis, ecce, CUCÜLLUM '). || Detmar. St. 
Che. XIX, 427, 8. In deme sulven jare was bi der zee unde in der 
Marke so dure tiid, dat de schepel rocghe gholt 10 scillinghe 
Branden burgh es, oc was zo grot hunger in Estlande. || Ann. Lubic. 
S. S. XVI, 424, 21. Magna fuit fames in mundo, maxima tamen in 
episcopatibus, scilicet Rigensi, Osiliensi, Darbatensi et Revaliensi et in 
eorum confinibus. Et pro certo dicitur, quod quidam in hiis terminis 
propter famem nimiam devoraverunt proprios suos pueros, et quidam 
famelici vivi intraverunt sepulcra, in quibusdam locis multitudini fame 
decedentium facta, ut in hiis morerentur et darent finem poenis suis. 
Fratres vero domus Teotonicorum multos suos homines salvarunt per 
amministrationem annonae habundantis reservatae in loculis castrorum 
suorum. || Canon. Samb. ann. S. S. XIX, 704, 14. Tanta fames in Lyvo- 
nia et Esconia orta est, quod matres filiis vescebantur. (| Ann. Maebac. 
S. S. XVII, 179, 20. Versus de tempore magne caristie: Hoc lateat 
nullum; tempus famis ecce: cucullum. || Ann. Windbeeg. S. S. XVII, 
565, 31. Facta est fames magna, ita quod scaffa siliginis sol- 
vebat quinque libras et sexaginta denarios monete Ratis- 
ponensis. || Jon. Staindelii che. generale Oefele I, 515. Pestilentia 
et fames in Germania saevit maxime, ubi tertia pars hominum pro- 
strata fuit, et infra unum diem infecti deficiebant. |1 Ann. Ageippin. S. 
S. XVI, 737, 24. Anno 1315 erat magna pestilencia, ita quod multi 
fame perierunt. Unde 

Ut lateat nullum tempus famis ecce cucullum. 

CöL. Jaheb. Rec. A. St. Che. XIII, 21, 7. In den jairen uns herren 
1315 was de groisse sterfde und groisse dure zit. || Lat. Reimche. 
St. Che. XIII, 204, 5. 

Annis ter quinque ter centum iungito mille 
Magna fames viguit morteque non caruit. 

Ceonica van der hilligee stat van Coellen St. Che. XIV, 663, 33. 
In den jaeren uns herren 1315 was ein grois duir zit in duitschen ind 
welschen landen, dat men den armen zolies dat si moichten broit nemen 
van den fensteren dae men broit verkochte, ind sturven vil lüde hungers. 
ind die duir zit werde anderhalf jair. || Not. Col. N. Aech. XIII, 598. 
Mo.CCC.XV. fuerunt maxima cara tempora. || Gesta Teev. c. CCL 
ed. Wyttenbach u. Mülles II, 235. Isto tempore fuit fames per- 
maximaque caristia in tota ista terra: ita quod maldrum sili- 
ginis vendebatur Treviris pro quinquaginta solidis monetae tunc 
gravis. Cellis in Hammone venditum est maldrum tritici septem 



1) Die Buchstaben dieses Wortes ergeben als Ziffern aufgefafst und 
zusammengezählt die Jahreszahl 1315. 



Chronik der elementaren Ereignisse. 211 

libris Hallensibus gravium Trevirensium pro XIV Hall ensis. Etiam 
pestilentia universalis erat adeo magna, quod multorum pauperum Cor- 
pora exanima, fame et pestilentia infecta, in stratis publicis invenie- 
bantur, et a pluribus civitatibus magnae generales foveae in cimiterium 
consecratae parabantur, et pretia statuebantur, ut ipsa cadavera sepul- 
turae traderentur. Istae plagae, heu! post mortem lamentabilem Henrici 
imperatoris in flagellum omnium nationum statim esse coeperunt, et 
plus quam per triennium miserabiliter duraverunt. Unde quidam metri- 
ticator: 

Ut lateat nuUum tempus famis esse cucullum. 

1316, Die Hungersnot dauert in den betroffenen Gebieten mit un- 
verminderter Kraft fort. Es sind Nachrichten erhalten aus Lothringen 
(Ann. S. Vit. Virdun.), Belgien (Aegid. Li Muisis, Jan de Klerh, Ann. 
Parch., Gest. abb. Trud., Ann. Foss., Joh. Hocsem., Levold v. Northof), 
Holland (Ann. Helen., Joh. de Beka, Will. Procurat.), aus dem Rhein- 
lande (Lat. Reimchr.), aus Bremen (Brem. Chr. v Rynesberch), Magde- 
burg (G. epise. Magdeburg., Magdeburg. Schöppenchr.) , aus Thüringen 
(Cr. S. Petri Erford. mod., Urk. aus Avignon) und der Mark Meifsen 
(Ann. Vetroeell). Aus Süddeutschland ist nur eine Nachricht über eine 
ausgesprochene Hungersnot in Franken erhalten (Anonymi ehr. Wirceburg), 
aber in Strafsburg herrscht Teuerung (Fritsche CIps.) und im Südosten, in 
Böhmen (Königsaal. G. Q.) , in Salzburg und Österreich (Ann. S. Rud- 
berti Salisburg., Cont. Zwetl. III) bereitet sich die Hungersnot des folgen- 
den Jahres vor. Ann. S. Vitonis Vikdun. S. S. X, 529, 12. Magna fames 
et maxima mortalitas hominum. || Ann. Derv. S. S. XVI, 490, 48. 
Hoc anno non fuit vinum in toto regno Francie et valuit 1 sextarium 
frumenti quatuor libras, et modium. || Aegidii Li Muisis che. De Smet. 
CoBP. CHK. Fand. II, 207. Anno MCCCXVI, circa diem Maii, creverat 
penuria et caristia, et fuit in nostro climate aer intemperatus et 
male ordinatus, et raseria bladi vendebatur LX solidis, et rase- 
ria avenae XXVII solidis, et raseria pisorum XIV solidis, et rix 
pro pecunia poterant reperiri. Et populus coepit in multis locis parum 
de pane comedere, quia non habebant. Et multi fabas, hordea, vecias 
et grana, quaecumque habere poterant, miscebant sicut poterant, de hoc 
panem faciendo et comedendo. Et propter intemperiem aeris et famem 
validam coeperunt corpora debilitari et infirmitates nasci; ex quo secuta 
est mortalitas talis et tanta, quod ab aliquo tunc vivente non fuerat 
visum aut auditum hujus simile. Et testificor, quod in Tornaco tarn 
viri quam mulieres de potentibus, de mediis et de mediocribus, senibus 
et juvenibus, divitibus et pauperibus, tanta copia moriebatur quotidie, 
quod aer erat quasi totus corruptus, et quod presbyteri parochiales sae;pe 
qua parte uti nesciebant, et tanta copia pauperum mendicantium in 
vicis moriebantur super fimis et ubique, quod per consiliarios civitatis 
fuit ordinatum et commissum certis personis, ut corpora pauperum sie 
morientium portarent circa Scaldam in valle de Vignea, et aliis locis 
et ultra Scaldam, in loco vocato Folais, ibique eos sepelirent, et pro 
qualibet persona habebant taxatum salarium. || Jacobi Muevini che. De 
Smet. Coep. che. Fland. II, 457. Anno vero XVI, praedictam famem et 
caristiam imraediate subsecuta est mortalitas atrocissima ac saevis- 
sima, quae generaliter ubique super potentes, nobiles, divites, mediocres 
et pauperes crudelitatis suae vestigia dilatavit. || Jan de Kx.erk Bea- 
BANTSCHE Yeesten. Üb. V. c. X. V. 821 — 850. Collect, de Chboniq. Belg. 
I, 443. 

Die derde plaghe, groot ende swaer, 

Volghede na dit, int naeste jaer: 

Dat was die sterfde, die swaerlike 

Quam op arme ende op rike, 

14* 



212 Chronik der elementaren Ereignisse. 

Dat niemant en was soe ghesont 

Hi en ontsach hem tier stont 

Van der doot, des sijt ghewes. 

Luttel ontghinc ieman des 

Hi en moeste grote siech eit liden 

Van der socht, ten selven tiden, 

Weder hi starf oft ghenas. 

Men seide dat verstorven was 

Van den volke dat derden deel. 

Danse, speie, sanc al riveel 

"Wart af gheleeght in desen daghen, 

Van anxste dat die liede saghen. 

Dat woert vantmen nu waer, 

Dat daer te voren menich jaer 

Ghesproken was, heb ic vernomen: 

Dat die tijt noch soude comen 

Dat men in ertrike soude scouwen 

Sonder bliscap bruden trouwen, 

Ende sonder seer ten liken gaen: 

Dit sachmen nu, al sonder waen. 

Ende onlanghe, eer dit ghevel, 

Sachmen die cometen fei 

In die lucht die hat den staert 

Rechte staende Noort-West waert, 

Di van naturen altoes bedieden 

Doot van princen, oft i^laghen van lieden. 

Ann. Pabch. S. S. XVI, 608, 35. Visa est Stella comata. Quam 
subsecuta est pestilentia universa, fames prevalida mors quam plu- 
rimos prosternens. Emebatur hoc anno et sequenti modius siliginis 
24 libris et modius salis totidem; set post decrescendo in quinto 
anno pro 20 solidis; omnis populus infectus; quidam de vita des- 
perantes languebant, fere plus quam tertia pars moriebatur, nullus quasi 

mortem amici sui curabat, quia quod debuit , ita ut omnes 

fructus corrumperentur. Quantum mors et fames illis duobus annis 
regnabant et quantos populos destruebant ubique terrarum, sed plus in 
inferioribus terris nullus dicere posset: Morsque fames fit in M, C tria 
sexque decem. || Gtesta abb. Trud. Cont. teritia prs. IL S. S. X, 416, 7. 
Eodem anno fuit generaliter per diversa terrarum regna maxima steri- 
litas, mortalitas et blandorum caristia, ita ut in partibus Has- 
banie nostre habitationis modius siliginis mensure Sancti Tru- 
donis pro 11 florenis emeretur. Nam circa nativitatem sancti Johan- 
nis (24. Jun.) usque ad messem fuit aura continue pluvialis, ita quod 
grana interius erant quasi a farina vacua. Et ideo homines a mensa 
surgentes, cum nutritivus minime fuisset panis, statim esuriebant, et 
multo plus edebant quam actenus consueverant. Propter quod communes 
et pauperes populos fames tanta premebat, ut famelici per vicos de- 
ambulando supini in terram cadentes exspirarent. Victualia tamen ali- 
orum conmestibilium fuerunt competentis fori. Item in anno huius 
caristie larga elemosina pauperibus distribuebatur ad portam. Fuit 
enim in domo elemosinarii vel a tempore Willelmi primi abbatis aut a 
presentis abbatis Ade fornax constructus cum caldaria grandi, in qua 
statutis diebus pottagium ex pisis et condimentis coquebatur, quod men- 
dicantibus et pauperibus distribuebatur. || Ann. Foss. S. S. IV, 34, 1. 
Valuit modius spelte per totum annum 40 grossos. || Jon. Hoc- 
SEMn GEST. PONT. Leod. IIb. II. cap. VI. Chapeaville Gest. pont. Leod. II, 
373D. Anno vero sequenti minori, quam vnius floreni, pretio 
modius vendebatur. Gontigit autem hgc caristia ex eo quod ante 



Chronik der elementaren Ereignisse. 213 

festum beati Joannis (24. Jun.) praecedentis vsque ad Augustum pluere 
non cessauit; propter quod grana intrinsecus quasi vacua remanserunt ; 
et circa mare propter inundationem defecit annona. lib. 11. cap. VII. 
p. 376A. Tandem tarn caristia quam guerris ambae partes, id est 
Episcopus et aduersarii sui, — — || Levolds v. Northof Chr. d. Grf. 
V. D. Mark ed. Tkoss p. 156. Anno Domini MCCCXVI. invaluerunt 
caristia, fames et mortalitas. Valuit enim modius speltae quatuor 
solidis grossis et amplius. || Ann. Tielenses. S. S. XXTV, 26, 15. Tanta 
fuit caristia, qualis ante non est visa; maldrum enim tritici eme- 
batur pro sex libris, maldrum siliginis pro quinque libris, 
maldrum ordei pro tribus libris et sex solidis et maldrum 
havene pro duabus libris. || Jon. de Beka chr. ed. Büchehus Ultra- 
lECTi. 1643. p. 108. Anno Domini MCCCXVI radiosus Cometes apparuit, 
mortifera pestis inhorruit, et valida fames invaluit, adeo quod 
plerique pauperes, (si fas est dicere^) cadavera pecorum sicuti canes 
cruda corroderent, et gi-amina pratorum sicuti boves incocte comme- 
derent: fuit etiam haec fames ac pestilentia tam aspera, quod mendi- 
cantes absque numero morerentur in campis, sylvis sive nemoribus, et 
eorum corpora sine catholicis exequiis sepulturae traderentur in locis 
agrestibus. Quapropter haec miseranda calamitas a Threnis Jeremiae 
Prophetae solum in hoc discrepare videtur, quod hie manus mulierum 
proprios filios non decoxerunt, et eorum carnes urgente fame, non man- 
ducaverunt. Post biennium vero divina misericordia compatiens, huma- 
nae miseriae largitatem munificentiae suae clementer ostendit, et in- 
crementa frugum ubique terrarum in tantum addauxit, ut modius 
siliginis pro quinque grossis Turonensibus emeretur, qui 
paulo pridem pro quinque solidis Turonensibus emebatur. || 
Lat. Reimchr. St. Chr. XIII, 204, 7. 

Anno milleno ter CCC sexto quoque deno 
Magna fames vere per terram morsque fuere. 
Non prius audivit homo talia qui modo vivit. 

WiLLELMi Procüratoris Egmond. CHR. Matthaei Analecta II, 579. 
Anno sequenti scilicet MCCCXV ^) fuit tam valida haec pestis, tam- 
que amara, quod per eam omnis pietas, omnisque Caritas negligitur, 
perpaucis elemosina tribuitur, quia licet pluribus copia panis largiendi- 
que possibilitas affuerit, divinae tarnen pietatis fiducia carentibus, quod 
ut nunc in pauperibus cernitur, magna diffidentia ipsorum corporibus 
proximis temporibus affirmatur. Nee solum inter ignotos hoc tempore 
deficit misericordia, sed etiam inter affines sanguineque contiguos omnis 
dementia omnisque sublevatio denegatur, quum nee parentes filiis, nee 
filii parentibus in hac necessitate maxima volunt assistere, ipsisque 
licet habundantes vitae necessaria ministrare. Et ecce, quod magis est, 
conjuges divina ordinatione una caro existentes sibi invicem deficiunt, 
et inter eos victu parvi muneris thori fidelitas violatur. Fuit autem 
tantus horror tantaque necessitas praesenti agone, quod pauper dum 
fame moritur, et in plateis jacere conspicitur, non multo magis quam 
canis rabidus diversorum oculis reputatur. Fertur quoque veridicis, 
quod homines cujusdam villae tanta hoc tempore famis penuria cohae- 
rerent, ut ranis extractis paludibus, caninis quoque carnibus, vescerentur. 
Insuper, quod magis est veritate percipitur, pauperes quosdam ad ab- 
jecta pecorum cadavera pi-ocedere, et ibi more canum carnes crudas 
dentibus abstractas deglutire. Unde praesens maledictio non multum 



1) Irrtum; es ist zweifellos das Jahr 1316 gemeint, die Nachricht 
schliefst sich unmittelbar an die Erzählung vom Beginn der Hungersnot 
an, der ausdräcklich in das Jahr 1315 gesetzt wird. 



214 Chronik der elementaren Ereignisse. 

ab illa, qüae in Threnis legitur, distare dinoscitur, nisi quod hie manus 
mulierum filios non coxerunt. Interea divinae pietatis dementia suae 
benignitatis largitatem volens ostendere, eodem anno, eisdem locis 
humano generi tarn clementer affuit, quod mensura siliginis XV so- 
lidis Hollandicis comparata et amplius totidem ejusdem 
monetae denariis compararetur. In quo omnipotentis dementia 
ejusque potentia quam plurimum commendatur. Nee solum hac miseria 
hujusque taedio populos hoe triennio affligitur sed etiam in fine hujus 
mortalitate peeorum aggravatur. 

Morte famis coeto fuit M ter C que bis octo 
Cum reliquis binis doluit peeorum neee finis. 

Brem. Che. d. G. R\nesbekch ed. Lappenbeeg G. Q. d. Ekzstifts u. ö. 
Stadt Bremen 86. In deme iare des Heren MoCCC°X"VT° in den twen 
iaren do golt die rogge de scepell XXIV older grote. In den suluen 
twen iaren starff alto vele volkes van hunger vnde van smachte. In 
den suluen duren iaren leet die erlike, gotlike, wise here deken Booch 
der hilghen kerken to Bremen geuen dor die lieue Godes alle syn broot- 
koren, des vele was, unde alle syn meel also, dat to deme lesten syn 
ghesinde sprack: here, gy en hebbet nicht meer vppe der lucht vnde in 
den casten. Die here sprack: gat vppe die lucht vnde soket all vmme, 
veghet die casten vnde gheuet dor Got alle die wile dat it wäret; Got 
vnde die gude here sunte Peter giflFt vns ghenuch. Die denere deden 
also en ere here hetede vnde quemen wedder in der stunde vnde spre- 
ken: here, wy vinden alle winkele vnde alle casten vull. Die here die 
wart van gotliker inwendigher lieue wenende vnde bot alle syn volk 
do twyge so sere dor Got gheuende. 1| Gesta archiepisc. Magdeburg. 
coNT. I. S. S. XIV, 430, 7. Orta est magna fames, ita quod multi 
homines mortui sunt. || Magdeburg. Schöppenchr. St Chr. VII, 185, 16. 
In dem 1316 jare wart grot duer tid, dat vele lüde van hunger 
mosten sterven, und ok starf vele vehes, und van den doden koien 
reddeden sik vele armer lüde, de anders gestorven weren van hungere, 
de armen lüde legen vor den doren buten der stad und ok ein deil 
binnen der stad up dem Breden Wege und soden und breden dat as 
und verkoften dat under sik. de becker de brot veil hadden in oren 
husen, de mosten mit stocken dar bi stan und weren vor den armen, 
boven dat se on dat nicht nemen. In disser duren tid spiseden de 
grawen monnike to Riddershusen bi ßrunswik alle dage mer denn veir- 
hundert volkes mit brode von der vasten wente to der erne , dat men 
dat koren sniden scholde. do geven se islikem armen minschen ein 
sekelen und ein brod und beiden se gan arbeiden und sniden. 196, 13. 
Dar na quam ein duer jar, dat ein wischpel korns galt wol 3 mark, 
do verbot he in dem lande dat neimant körn to der stad voreu noch 
bringen moste, scholden do de ratlude de meinheit in der stad stillen 
und trösten, dat on körn in de stad mochte komen, do mosten se om 
aver geven 300 mark. || Cron. S. Petri Erford. mod. S. S. XXX, 446, 27. 
Fames valida, que iam per tres annos invaluerat, tam magna facta 
est, ut multi fame perirent. Nam in strata publica, in eivitatibus, in 
opidis, in villis innumerabiles exanimes iaeere videbantur. ünde cives 
Erphordenses misericordia moti magnas foveas quinque ante civitatem 
fecerunt, ubi quottidie proiecta sunt innumerabilia cadavera mortuorum. 
In Smedestete sepeliebantur centum XXXDI sexagene cum quinque homi- 
nibus. ^) II Ann. Vetekockll. S. S XVI, 45, 11. Insuper caristia 



1) Vgl. hierzu Beyer, Urkundenbuch d. Stadt Erfurt IL 170, No. 209; 
Urkunde Avignon 10. Sept. 1341. Es wird ein Ablafs für alle Teil- 
nehmer an einer jährlich stattfindenden Gedächtnisfeier zum Heile der 



i 



Chronik der elementaren Ereignisse. 215 

magna invaluit et duravit tercium dimidium anni, et innumerabilis 
multitudo hominum fame moriebatur. || Canon. Samb. ann. S. S. XIX, 
706, 28. Eodem anno fuerunt multe tempestates et inundancia a'qua- 
rum tam in estate quam in yeme sive autumpno. || Fritsche Closeners 
Chr. St. Chr. Bd. VIII, 135, 5. Do man zalt 1316 jor, do galt 1 vierteil 
roken 30 sol. zu Strosburg. 16. Do man zalt 1316 jor, do galt ein 
vierteil kornes 30 sol. zu Strosburg, und in dem lande 2 lib. oder 

2 lib. und 5 sol. von dem gebresten kam ein grofse sterbote. 1| 

Anonymi che. Wirceburg. Eckhart, Comment. her. Franc, grient. I, 821. Ita 
magnafames erat etpestilentia grandis boum et pecorum, utpau- 
peres prae penuria et fame carnes mortuorum pecorum certatim comede- 
bant. IJ Ann. S. Rudberti Salisbg. cont. S. S. IX, 822, 13. Item eodem anno 
ante festum Johannis baptiste (24. Jun.), et in vigilia eiusdem (23. Jun.), 
et in vigilia apostolorum Petri et Pauli (28. Jun.), triplex inundatio 
tanta aquarum facta fuit, quod quasi particulare diluvium videretur. || 
Ann. Salisbürg. cont. cod. Monac. S. S. IX, 241, 24. Facte sunt inun- 
daciones aquarum in vigilia Petri et Pauli (28. Jun.), de qua mundus 
totus turbabatur. || Cont. Zwetl. IE. S. S. IX, 666, 10. Inundatio 
maxima Danubii ac omnium fluviorum, tam ex pluviis quam erup- 
tione venarum terre, quam nix maxima et nimis diutuma subsecuta 
omnia sata destruxit. || Königsaal. G. Q. lib. I. c. 128. ed. Loserth 
Font. rer. Austr. S. S. VIII, 379. De pestilentiis , quae evenerunt in 
diversis mundi partibus anno domini 1316. Iste annus domini 1316 tot 
in se pestilentias et miserias continet, quod eas audire auris refugit, 
mens stupescit; in boc anno, ut supra diximus, cometa quaedam in 
parte aquilonari apparuit, quae disponente deo plurima pericula nun- 
tiavit; aestatis namque tempore contra naturam huius temporis facta 
est ex continuatis imbribus tam copiosa aquarum habundan- 
tia, quod more diluvii in locis pluribus subverteret aedificia, muros et 
castra. In partibus Saxoniae tantum Albea fluvius excrevit, quod 
quadringentas et quinquaginta villas aquae vicinas cum hominibus et 
pecoribus pariter delevit. In Austria, Polonia, Ungaria et Misna de hoc 
diluvio omnium hominum quaerimonia nuntiabat infinita pericula esse 
facta. Haec aquarum inundatio campos et valles cooperuit, fenum et 
segetes distruxit, secumque plura, quae rapuit, deduxit. Subsecuta est 
lacrimosa mors hominum et tantum mors praevaluit, quod in pleris- 
que villis et civitatibus foveae profundae fierent, quae mortuorum insimul 
plurima corpora velut morticinia operiret. Bladum fenum deficit, 
deficiunt et pascua, ut esurire et interire incipiant homines et iumenta. 
Retulit nobis dominus Petrus Moguntinus archiepiscopus , quod infra 
dimidii anni tempus in civitate solum Metensi quinquies centum millia 
hominum mortua sunt, nihilominus equos, oves et boves et uni- 
versa pecora campi necuit pestilentia huius anni, oves enim 
plures quam mille exceptis aliis animalibus praemortuis, quae ad Aulam 
regiam pertinuerunt, in grangiis perierunt. Aestatem hanc fluminibus 
non fructibus fertilem hiemps aspera subsequitur adducens nivis 
copiam, frigorisque rigorem. || Ann. Pol. III. S. S. XIX, 655, 43. 
Intravit provinciam Saxonie anno mortalitatis. 

1317. Die Hungersnot hat in den meisten betroffenen Gebieten auf- 
gehört, es sind aus Norddeutschland noch eine allgemein gehaltene Nach- 
richt (Ann. Lubic.), weiter Nachrichten aus Mecklenburg (Ernst de Kirch- 
berg) u/nd Ostpreußen (Can. Samb.) erhalten. In Strafsburg dauert die 
Teuerung fort (Pritsche Glos., Jacob v. Königshof.) , dagegen hat die Not 
jetzt den Südosten, Baiem (Ann. Burghaus.), Salzburg (Ann. Salisbürg.), 

Seelen von 8100 Bürgern, die während der Hungersnot in Neuschmidt- 
städt begraben worden sind, verkündet. 



216 Chronik der elementaren Ereignisse. 

Österreich (Cont. Zwetl. III), Böhmen (Königsaal. G. Q.) und Schlesien 
(Ann. cisterc. in Heinrichow, Sigismund Bosicz) ergriffen. Ann. Lubic. S. 
S. XVI, 426, 23. Eodem tempore intollerabilis erat fames in Francia, 
Flandria, Hollandia, in partibus Reni, Westvaliae, Frisiae, Saxoniae'); 
et fame perierunt homines infiniti, multaeque villae desolatae manserunt, 
quia homines aut fame moriebantur aut relictis suis possessionibus ces- 
serunt ad regiones extraneas, quorum infiniti declinarunt ad partes 
maritimas Saxoniae et Slaviae, mendicantes in civitatibus et villis, prae- 
cipue in civitate Lubicensi, ubi eleemosynis devotae gentis reficiebantur. 
Tamen multi fame adeo devicti cum alimenta susciperent, expiraverunt. 
In nulla autem praedictarum partium erat locus, in quo tempus esset 
tollerabilius, quam in civitate Lubicensi, in qua modius siliginis solve- 
bat sex solides et citra, modius ordei 3 solidos, avenae duos solidos. 
Et non solum isto anno, sed annis pluribus ante solvebat annona in 
partibus Slaviae et Holtzatiae et partibus aliis vicinis circa pretium 
praenotatum. Propter hanc karistiam, quae ante et post duravit fere 
15 annis, et propter hominum seditiones et pestilentias eo tempore 
perierunt et depauperati sunt multi divites et potentes. || Ernesti de 
Kirchberg. Chr. Mecklenburg, c. CLX ed. Westphalen, Monom, ined. 
IV, 815. 

Dy Czyd waz Hungir groz bekant, 

Und groz sterben durch dy Laut. 

M . ter C . denus septenus tunc fuit annus. 

cum (p.„°'- ) modius bis X . solid, fuit emptus. 

Canon. Samb. ann. S. S. XIX, 706, 34. Eodem anno fuit fames 
per Septem climata terre. || Fritsche Closeners Chr. St. Chr. Bd. VIII, 
135, 20. Dise durunge ving in dem vorgeschriben jor an und ver- 
zoch sich in das nochgende jor do man zalt 1317 jor. do wart es alse 
diire alse do vor geschriben stot. || Jacob von Königshofens Chr. St. 
Chr. IX, 738, 10. Die türunge werte ein gantz jor von der dürunge 
und gebresten kam ein grosser sterbotte, das der spittel und [die] 
graben bi sant Erhartz cappellen wurdent alle vol mit doten gefüllet, 
und hette men zu enge, me gruben zu machen, davon wart der spittel 
ussewendig der stat gemacht, nebent unser frowen brüder closter. || Ann. 
Burghaus. S. S. XXIV, 62, 44. Facta est penuria et fames maxima ita 
quod maldrum Purchuse vendebatur pro quinque solidis. || Ann. 
Salisburg. cont. cod. Monacen. S. S. XIII, 241, 26. Facta est penuria 
maxima, ut metreta Purchhuse vendebatur pro 5 solidis den. jj 
Cont. Zwtl. III. S. S. IX, 666, 12. Fames et sterilitas inaudita ex 
nive preteriti anni omnia sata destruente. ünde siliginis quasi nichil 
ille annus habuit, tritici vero parum amplius, hordei vero et avene ac 
estivalium satorum mediocriter, et vini modicum, ita ut rarus esset 
panis triticeus et siligineus; hordeaceus autem et avenaceus quasi com- 
muniter commedebatur. || Ann. Mell. cont. S. S. IX, 511, 35. Facta est 
inundatio aquarum per totam Almaniam, Ungariam, Bohemiam et 
Galliam. || Königsaal. G. Q. lib. I. c. 128. ed. Loserth Font. rer. Austr. 
S. S. VIII, 379. In hac hieme a festo beati Andreae apostoli (30. Nov.) 
usque ad diem Palmarum, qui videlicet quinto Kalendas Aprilis fuerat, 
Multavia fluvius in tantum congelatus permanserat, quod in ipsius gla- 
ciali superficie sine omni interpolatione cotidie quasi super aridam po- 
dulus transiens ambulabat. Ex hac diutina hieme acriori fame 



1) Die Nachricht bezieht sich wohl ganz allgemein auf die Hungers- 
not von 1315 — 1317 und stimmt dann mit dem, was an Nachrichten 
über die beiden vorhergehenden Jahre erhalten ist, gut überein. 



J 



Chronik der elementaren Ereignisse. 217 

premebatur populus et pabula animalibus defecerunt, malum malo 
additur, quia regnum ubilibet et maxime religiosorum possessio assidue 

spoliatur. (| Ann Mechov. S. S. XIX, 669, 2. Mortalitas fuit. || 

Ann. cisterciens. in Heineichow. S. S. XIX, 546, 1. Farnes valida 
Slecziam et totam Poloniam oppressit, per quam innumerabiles Poloni 
perierunt, ita quod ia civitate Wratizlavie propter eorum nimiam multi- 
tudinem cives eos extra civitatem sepelire fecerimt, et ibidem ecclesiam 
ad honorem corporis Christi edificaverunt. || Sigismund Rosicz Gesta 
DivEKSA S. S. REB. SiL. Xu, 38. Anuo domini 1317 et 18 et 19 tanta 
fuit caristia et fames in Polonia et Silesia, ita quod pluribus in locis 
parentes filios et filii parentes necantes devoraverunt , plures etiam 
cames de suspensis cadaveribus comederunt; multi etiam fame mortui, 
aliqui etiam post famem cibo salvati et recreati suflfocati sunt, prout 
accidisse dicitur in Sagano, Freystadt, Kothwiz inter Saganum et Frey- 
stadt et aliis pluribus locis. 



Druckfehler, 



S. 2 Zeile 9 v. o. lies: besonders hervorzuheben statt hervor- 
zuheben, besonders. 

S. 14 Anm. 10 lies: Leutner statt Leuter. 

S. 79 Zeile 20 v. o. lies: klein statt kein. 

S. 85 ist zu tilgen in den Spalten Süddeutschland, Westen und Osten 
die Zahl 1312, dafür ist die Zahl 1312 in der Spalte Österreich 
einzufügen. 

ibid. die Zahl 1314 in der Spalte Belgien zu tilgen. 



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