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Full text of "Jahrbücher des Nassauischen Vereins für Naturkunde"

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JAHRBUCHES, 



DES 



NASSAUISCHEN VEREINS 



für 



NATURKUNDE. 




DAS MUSEUMSGEBAUDE. 



JAHRGANG XXXI u. XXXII. 



WIESBADEN. 

JULIUS NIEDNER, VERL AGSHANDL U XO. 

1878 u. 1879. 



JAHRBÜCHER 



DES 



NASSAUISCHEN VEREINS 



FÜR 



NATURKUNDE. 




HERAUSGEGEBEN -* ^ • 



VON 



Dr. C. L. KIRSCHBAUM, 

PROFESSOR AM KÖNIGLICHEN GYMNASIUM UND INSPEOTOR DES NATURHISTORTSCHEN MUSEUMS 
ZU WIESBADEN, SECRETÄR DES VEREINS FÜB NATURKUNDE, 



UND NACH DESSEN TOD IM NAMEN DES VOESTANDES 

VON 

HOFRATH LEHR. 



JAHRGANG XXXI u. XXXII. 



-.•«■--•*».-*■• ► 



WIESBADEN. 

JULIUS NIEDNER, VER L A (i Sil ANDL U N 0. 
1878 u. 1879. 




> «f..« . ■ 

^ « 



Inhal t. 



Seite 

Freseniiii, R., Chemische Analyse der Mineral-Quelle 

bei Biskirchen im Lahn thale 1 

, Analyse der Wappen-Quelle zu Bad Ems .... 17 

— — , Analyse des Kaiser-Brunnens zu Bad Ems ... 32 

, Chemische Untersuchung der warmen Quellen zu 

Schlangenbad 49 

, Chemische Analyse der Wilhelm s- Quelle zu Kron- 
thal 70 

von Hoineyer, .%.. Mein Fang im Ober-Engadin 187G 
und 1878 84 

von Heyden, £<., Erster Nachtrag zu „Die Käfer von 
Nassau und Frankfurt" 116 

Wenckenbacli, F"r., Ueber sieht über die in Nassau auf- 
gefundenen einfachen Mineralien 147 

Rüssler, Versuch, die Grundlage für eine natürliche 

Reihenfolge der Lepidopteren zu finden 220 

, Ueber Nachahmung bei lebenden Wesen (Orga- 
nismen), insbes. den Lepidopteren, mit einer Be- 
trachtung über die Abstammungslehre 232 

Römer, %ui>. , Nachträge zu dem Verzeichnisse der 
Säugethiere und Vögel des vorm. Herzogthums Nassau, 
insbesondere der Umgegend von Wiesbaden . . . .245 

Pagenstecher, Arnold, Ueber Schlaf und Traum . . . 251 

Protocoll der 19. Versammlung der Sectionen des Nassau- 
ischen Vereins für Naturkunde zu Rüdesheim . . . 284 

Protocoll der 20. Versammlung der Sectionen des Nassau- 
ischen Vereins für Naturkunde zu Limburg a. d. Lahn 290 

Protocoll der 21. Versammlung der Sectionen des Nassau- 
ischen Vereins für Naturkunde zu Biebrich . . . .292 



z£Y£3 



Seite 
Jahresbericht, erstattet an die Generalversammlung am 

22. December 1877 von dem Secretär des Vereins, 

Professor Dr. Kirschbaum 300 

Verhandlungen der Generalversammlung am 22. December 
1877 307 

Jahresbericht, erstattet an die Generalversammlung am 
21. December 1878 von dem Secretär des Vereins, 
Professor Dr. Kirschbaum 308 

Verhandlungen der Generalversammlung am 21. December 

1878 314 

Verhandlungen der Generalversammlung am 20. Decem- 
ber 1879, zugleich Jubiläumsfeier des 50jährigen 
Bestehens des Vereins 315 

Uebersicht der Erwerbungen des Museums im Jahre 1879 . 318 

Dr. Eugen Borginann, Nekrolog des Professors Dr. 

Carl Neubauer 320 

Dr. Carl Hoch, Dr. Carl Ludwig Kirschbaum und sein 
Wirken auf dem Gebiete der Naturwissenschaften, 
besonders in dem Vereine für Naturkunde (Nekrolog) 324 

Verzeichniss der Mitglieder des nassauischen Vereins für 
Naturkunde für das Jahr 1880 335 




Chemische Analyse der Mineral-Quelle hei Biskirchen 

im Lahnthale. 



Von 

Dr. R. Fresenius, 

Geheimem Hofrathe und Professor. 



Die Biskirchener Mineralquelle, eine seit Jahrhunderten bekannte 
und geschätzte, aber lange Zeit hindurch in ihrer Fassung ganz ver- 
nachlässigte Quelle, entspringt etwa 350 Meter nördlich vom Dorfe 
Biskirchen, Kreis Wetzlar, Regierungsbezirk Coblenz, an der Einmün- 
dung des Ulmbachthaies in das Lahnthal, am linken Ufer des Ulmbaches 
und zwar aus den daselbst von Basaltgerölle überdeckten Schichten des 
Kramenzel-Schiefers. 

In neuerer Zeit ging die Quelle in den temporären Besitz Sr. Durch- 
laucht des Fürsten Ernst zu Solms-Braunfels über. Derselbe 
Hess sie neu und ganz solid fassen und errichtete ein Haus in der 
Nähe der Quelle. — 

Nachdem die Fassung beendigt und bewährt erfunden war, unter- 
nahm ich, dem Wunsche Sr. Durchlaucht des Fürsten entsprechend, eine 
umfassende Analyse des Wassers. Ich besuchte zu dem Ende die Quelle 
am 13. October 1875, um das zur Analyse erforderliche Wasser selbst 
zu füllen und die Arbeiten vorzubereiten und vorzunehmen, welche an 
der Quelle selbst ausgeführt werden müssen. 

Die gemachten Beobachtungen und die Ergebnisse meiner Analyse 
sind im Folgenden niedergelegt. 

Jahrb. d. nass. Vor. f. Nat. XXXI u, XXX11. \ 






A. Fassung der Quelle*). 

Im Sommer 1874 wurde nach Ablegung der aus unvordenklicher 
Zeit herstammenden alten Fassung das Quellenterrain bis zur völligen 
Entblüssung des blauen unverwitterten Schiefers aufgedeckt. Die aus dem- 
selben in einem Flächenraume von etwa 8 Quadratmeter zahlreich auf- 
steigenden einzelnen Mineralwasser- und Kohlensäure-Quellchen wurden 
mit Hülfe von Hohlbacksteinen und Cementmauerung unter vollkom- 
menem Abschlüsse des Süsswassers von dem Architecten Herrn Ernst 
Malm in Wiesbaden neu gefasst. Der Brunnenschacht hat 1 Meter 
inneren Durchmesser und von der Sohle bis zum Ausflussrohre des 
Wassers 3 Meter Höhe. — 2,5 Meter über der Schachtsohlg ist der 
Schacht durch einen Cementboden geschlossen. Durch denselben führt 
ein Rohr in das obere gedeckte Bassin, in dem das Wasser 0,5 Meter 
hoch steht und aus dem es aus einer mit Hahn versehenen Röhre in 
dünnem Strahle frei abläuft. 



B. Physikalische Verhältnisse. 

Das der Quelle frisch entnommene Wasser erscheint ganz klar; 
bei plötzlicher stärkerer Kohlensäureentwickelung finden sich in dem- 
selben zuweilen geringe Ockerflöckchen. 

Füllt man mit dem Wasser ein trockenes Glas, so setzen sich an 
den Wandungen zahlreiche Gasperlen an. 

Der Geschmack des Wassers ist rein, erfrischend, weich, säuerlich 
prickelnd, sehr angenehm. 

Einen Geruch des Wassers kann man bei seiner Prüfung im Trink- 
glase nicht wahrnehmen. Schüttelt man aber das Wasser in halb- 
gefüllter Flasche, wobei sich viel Gas entbindet, so entdeckt man bei 
sorgfältiger Prüfung einen eben noch erkennbaren geringen Geruch nach 
Schwefelwasserstoff. 

Die Menge des Wassers, welches die Quelle liefert, ist nicht sehr 
gross. Bei freiem Ablauf füllt sich eine 1 Liter haltende Flasche in 
24 Secunden. Danach liefert die Quelle in einer Minute 2,5 Liter, in 
einer Stunde 150 Liter und in 24 Stunden 3600 Liter. Mit dem Wasser 






*) Die betreffenden Mittlieilungeii verdanke ich der Güte des Fürstliehen 
Bergwerksdirectors Herrn Bellinger zu Braunt'els. 



- d - 

strömt auch Kohlensäurcgas frei aus,- aber in nicht erheblicher Menge. 
Es gibt sich durch zeitweiliges Spauzen am Ausflussrohre zu erkennen. 

Die Temperatur des Wassers fand ich bei bei 12° C. oder 9,6° R. 
Lufttemperatur zu 11,8° C. oder 9,44° R. 

Das speeifische Gewicht bestimmte ich nach der von mir für gas- 
reiche Wasser seit längerer Zeit angewandten Methode*). Es ergab sich 
bei 13° C. im Mittel zweier Bestimmungen zu 1,00404. 



C. Chemische Verhältnisse. 

Unter dem Einflüsse des atmosphärischen Sauerstoffes wird das 
Biskirchener Wasser allmählich weisslich opalisirend, später bildet sich 
ein geringer, der Hauptsache nach aus Eisenoxydverbindungen bestehen- 
der ockerfarbiger Niederschlag. 

Beim Kochen des Wassers entstellt ein reichlicher, grossentheils 
krystallinischer, gelblich- weisser Niederschlag. 

Zu Reagentien verhält sich das der Quelle frisch entnommene 
Wasser also: 

Blaues Lackmuspapier färbt sich im Wasser roth, beim 
Trocknen werden die Streifen wieder blau. 

Curcumapapier, im Wasser unverändert bleibend, färbt sich 
beim Trocknen der eingetaucht gewesenen Streifen deutlich braun. 

In gekochtem Wasser färbt sich Curcumapapier sofort braun. 

Amnion erzeugt sogleich starke Trübung; sehr bald entsteht ein 
dicker weissflockiger Niederschlag. 

Salzsäure bewirkt massige Kohlensäureentwickelung. 

Chlor bary um erzeugt in dem mit Salzsäure angesäuerten Wasser 
erst allmählich eine geringe weisse Trübung. 

Salpeter sau res Silberoxyd bewirkt in dem mit Salpetersäure 
angesäuerten Wasser einen starken käsigen weissen Niederschlag. 

Ox als au res Amnion bewirkt eine sehr starke Trübung, bald 
einen erheblichen weissen Niederschlag. 

Ferridcyankalium bläut das mit Salzsäure angesäuerte Wasser 
sofort ziemlich stark. 

Gerbsäure lässt das Wasser anfangs unverändert, bald aber tritt 
rothviolette, allmählich immer stärker werdende Färbung ein. 



") Meine Zeitschr. f. analyt. Chemie 1, 178. 



Gallussäure lässt das Wasser ebenfalls anfangs farblos, allmählich 
färbt sich das damit versetzte tief blanviolett. 

Jodkalium- Stärkekle ist er unter Zusatz von etwas Schwefel- 
säure lässt das Wasser längere Zeit hindurch unverändert (Abwesenheit 
salpetrigsaurer Salze). 

Die qualitative Analyse nach der von mir in meiner Anleitung zur 
qualitativen Analyse, 14. Aufl. §. 211 ff. angegebenen Methode aus- 
geführt, Hess folgende Bestandteile erkennen. Die eingeklammerten sind 
in so geringer Menge zugegen, dass auf ihre quantitative Bestimmung 
verzichtet werden musste. 

Basen: Säuren und Halogene: 

Natron Kohlensäure 

Kali Schwefelsäure 

(Caesion) Phosphorsäure 

(Bubidion) (Borsäure) 

Amnion Kieselsäure 

Lithion Chlor 

Kalk Brom 

Baryt Jod 

Strontian (Schwefelwasserstoff). 
Magnesia 
Thonerde 
Eisenoxydul 
Manganoxydul. 

Indifferente Best andt heile: 

(Stickgas). 

Das zur quantitativen Analyse bestimmte Wasser wurde von mir 
am 13. October 1875 der Quelle entnommen und in weissen, mit ein- 
geschliffenen Glasstopfen versehenen Flaschen in mein Laboratorium 
nach Wiesbaden transportirt. Ich bemerke ausdrücklich, dass alles zur 
Analyse verwendete Wasser frei von Ockerflöckchen war. 

Die Methode der Analyse war genau die, welche ich vor kurzer 
Zeit in meiner Zeitschrift für analytische Chemie, Band 15, S. 221, 
unter der Ueberschrift : Methode zur Analyse alkalischer Mineralwasser, 
veröffentlicht habe. 

Im Folgenden theile ich unter I die Originalzahlen, unter II die 
Berechnung der Analyse, unter III deren Controle und unter IV die 
Zusammen itellung der Resultate mit. 






5 



I. Bei der quantitativen Analyse erhaltene Originalzahlen 

in Grammen. 

1. Be st im um 11 g des Chlors. 

a) 470,6 Grm. Wasser lieferten 2,2294 Grm. 
Chlorsilber sammt Brom- und Jodsilber, entsprechend 4,737357 p. M. 

b) 387,56 Grm. Wasser lieferten 1,8340 Grm. 
Chlorsilber etc., entsprechend 4,732171 » » 

Mittel . . 4,734764 p. M. 

Hiervon geht ab die dem Brom entsprechende Menge 

Bromsilber (nach 2) mit . . 0,001901 p. M. 
und die dem Jod entsprechende Menge 

Jodsilber (nach 2) mit . . . 0,000009 » » 

zusammen . . 0,001910 p. M. 

Rest . . 4,732854 p. M. 
entsprechend Chlor 1,170423 » » 

2. Bestimmung des Jods und Broms. 

65450 Grm. Wasser lieferten nach Trennung der Jod- und Brom- 
Alkalimetalle von der grösseren Menge der Chloralkalimetalle eine Flüs- 
sigkeit, aus welcher durch Behandlung mit verdünnter Schwefelsäure, 
salpetriger Säure und Schwefelkohlenstoff das Jod abgeschieden wurde. 
Zur Ueberführung desselben in Jodnatrium waren 0,62 CC. einer Lösung 
von unterschwefligsaurem Natron erforderlich, von welcher 18,08 CC. 
0,0095578 Grm. Jod entsprachen. 

Dies ergibt 0,000327756 Grm. Jod, entsprechend 0,000005 p. M. 
entsprechend Jodsilber 0,000009»» 

Aus der Flüssigkeit, welche von dem jodhaltigen Schwefelkohlenstoff 
getrennt worden war, wurden Chlor und Brom als Silberverbindungen 
gefällt. 

Man erhielt 4,5429 Grm. 

a) 2,3345 Grm. hiervon nahmen beim Glühen im 
Chlorstrome ab um 0,0148 Grm., die 4,5429 Grm. 
hätten also abgenommen um 0,02880 Grm. 

0) 2,1565 Grm. nahmen ab um 0,0143, die 
4,5429 Grm. hätten somit abgenommen um . . . 0,03012 » 

Mittel . . 0,02946 Grm. 



— 6 — 

Hieraus berechnet sich ein Gehalt an Bromsilber 
für die 65450 Grm. Wasser von 0,124408 Grm. oder 

ein Gehalt an Brom von 0,000809 p. M. 

entsprechend Bromsilber 0,001901 



» » 



Mittel . . 0,021359 p. M. 

6. Bestimmung des Eisenoxyduls. 

a) Das in 5 a erhaltene Filtrat lieferte reines 

Eisenoxyd 0,0588 Grrn., entsprechend Eisenoxydul . 0,008619 p. M. 

b) Das in 5b erhaltene Filtrat lieferte 0,0586 Grm. 
Eisenoxyd, entsprechend Eisenoxydul 0,008822 



» » 



3. Bestimmung der Kohlensäure. 

a) 232,194 Grm. Wasser lieferten in Natron- 
kalkröhren aufgefangene Kohlensäure 0,8316 Grm., 
entsprechend 3,581488 p. M. 

b) 251,832 Grm. Wasser lieferten 0,9066 Grm., 
entsprechend 3,600019 » » 

c) 234,236 Grm. Wasser lieferten 0,8373 Grm., 
entsprechend 3,574600 » » 

Mittel . . 3,585369 p. M. 

4. Bestimmung der Schwefelsäure. 

a) 1838,0 Grm. Wasser lieferten nach vorherge- 
gangener Abscheidung der Kieselsäure reinen schwefel- 
sauren Baryt 0,0891 Grm., entsprechend Schwefel- 
säure 0,016644 p. M. 

b) 6999,6 Grm. Wasser lieferten 0,3381 Grm., 
entsprechend Schwefelsäure 0,016585 » » 

Mittel . . 0,016614 p. M. 

5. Bestimmung der Kieselsäure. 

a) 6140,0 Grm. Wasser ergaben reine Kiesel- 
saure 0,1296 Grm. oder 0,021107 p. M. 

b) 5978,5 Grm. Wasser ergaben 0,1292 Grm. 
Kieselsäure oder 0,021611 » » 



Mittel . . 0,008721 p. M. 



7. Bestimmung der Tho norde. 

6140,0 Grm. Wasser ergaben 0,0016 Grm. phos- 
phorsanre Thonerde. Da im Piltrate weder Phosphor- 
säure noch Thonerde vorhanden waren, so kann die 
phosphorsaure Thonerde gleich als solche aufgeführt 
werden. Ihre Menge beträgt 

8. Bestimmung des Mangans. 

a) 6140,0 Grm. Wasser lieferten 0,0050 Grm 
Schwefelmangan, entsprechend Manganoxydul . . 

b) 5978,5 Grm. Wasser ergaben 0,0048 Grm 
Schwefelmangan, entsprechend Manganoxydul . . 

Mittel . 

9. Bestimmung des Kalks. 

a) 6140,0 Grm. Wasser (das Filtrat von 8 a) 
ergaben 4,1859 Grm. kohlensauren Kalk, entsprechend 
Kalk 

b) 5978,5 Grm. Wasser (Filtrat von 8 b) ergaben 
4,0612 Grm. kohlensauren Kalk, entsprechend Kalk . 

Mittel . . 

10. Bestimmung der Magnesia. 

a) Das Filtrat von 9 a, von 6140,0 Grm. Wasser 
herstammend, ergab 3,1931 Grm. pyrophosphorsaure 
Magnesia, entsprechend Magnesia 

b) DasFiltrat von 9b, herrührend von 5978,5 Grm. 
Wasser, ergab 3,1226 Grm., entsprechend Magnesia . 

Mittel . . 

11. Bestimmung der Chloralkalimetal 

a) 502,57 Grm. Wasser lieferten 1,2561 Grm 
völlig reine Chloralkalimetalle, entsprechend 

b) 503,41 Grm. Wasser lieferten 1,2575 Grm 
Chloralkalimetalle, entsprechend 

Mittel . 

12. Bestimmung des Kalis. 

a) 1838,0 Grm. Wasser ergaben reines wasser- 



0,000261 p. M. 

0,000665 » » 
0,000655 » » 



0,000660 p. M. 



0,381776 
0,380408 



p. M. 



0,381092 p. M. 



0,187405 
0,188218 



p. M. 



0,187812 p. M. 



le. 



2,499353 
2,497964 



p. M. 



2,498659 p. M. 



— 8 — 

freies Kaliumplatinchlorid 0,4886 Grm., entsprechend 

Kali 0,051326 p. M. 

b) 1925,1 Grm. Wasser ergaben Kaliumplatin- 
clüorid 0,5153 Grm., entsprechend Kali 0,051684 » » 

Mittel . . 0,051505 p. M. 

13. Bestimmung des Lithions. 

65450 Grm. "Wasser lieferten basisch phosphor- 
saures Lithion 0,4941 Grm., entsprechend Lithion . 0,002931 p. M. 

14. Bestimmung des Natrons. 

Chloralkalimetalle sind vorhanden nach 11 . . 2,498659 p. M. 

Davon gehen ab die dem gefundenen Kali und 
Lithion entsprechenden Mengen Chlorkalium und Chlor- 
lithium, nämlich : 

Chlorkalium 0,081514 p. M. 

Chlorlithiurn 0,008290 » » 

zusammen . . 0,089804 » » 

Best : Chlornatrium . . 2,408855 p. M. 
entsprechend Natron 1,278134 » » 

15. Bestimmung des Baryts. 

65450 Grm.Wasser lieferten 0,0135 Grm. schwefel- 
sauren Baryt, entsprechend Baryt 0,000135 p. M. 

16. Bestimmung des Strontians. 

65450 Grm.Wasser lieferten 0,0705 Grm. schwefel- 
sauren Strontian, entsprechend Strontian .... 0,000608 p. M. 

17. Bestimmung der Phosphorsäure. 

6999,6 Grm. Wasser lieferten 0,0016 Grm. pyro- 
phosphorsaure Magnesia, entsprechend Phosphorsäure 0,000146 p. M. 

Diese Phosphorsäuremenge entspricht fast absolut derjenigen, welche 
sich aus der nach 7 gefundenen phosphorsauren Thonerde berechnet. 

18. Bestimmung des Ammons. 

7194,2 Grm. Wasser lieferten 0,0813 Grm. aus 
Ammoniumplatinchlorid erhaltenes Platin, entsprechend 
Ammoniumoxyd 0,002985 p. M. 






— 9 — 

19. Bestimmung des Gesammtr ückst an des. 

1877,5 Grm. Wasser wurden mit Schwefelsäure 
angesäuert, zur Trockne verdampft und unter Zusatz 
von kohlensaurem Amnion so lange vorsichtig geglüht, 
bis die sauren schwefelsauren Alkalien vollständig in 
neutrale übergeführt waren. Es wurden erhalten 
8,5530 Grm., entsprechend 4,555520 p. M. 



II. Berechnung der Analyse. 

a) Schwefelsaures Kali. 

Schwefelsäure ist vorhanden nach 4 0,010014 p. M. 

bindend Kali 0,019575 » » 



zu schwefelsaurem Kali . . 0,030189 p. M. 

b) Chlorkaliu m. 

Kali ist vorhanden nach 12 0,051505 p. M. 

davon ist gebunden an Schwefelsäure 0,019575 



» » 



Eest: Kali . . 0,031930 p. M. 

enthaltend Kalium 0,020510 » » 

bindend Chlor 0,024024 » » 



zu Chlorkalium . . 0,050534 p. M. 
c) Chlornatrium. 

Chlor ist vorhanden nach 1 1,170423 p. M. 

davon ist gebunden an Kalium 0,024024 



» » 



Rest . . 1,140399 p. M. 
bindend Natrium 0,744808 » » 



zu Chlornatrium . . 1,891207 p. M. 

d) Bromnatrium. 

Brom ist vorhanden nach 2 0,000809 p. M. 

bindend Natrium 0,000233 » » 



zu Bromnatrium . . 0,001042 p. M. 
e) Jodnatrium. 

Jod ist vorhanden nach 2 0,0000050 p. M. 

bindend Natrium 0,0000009 



» » 



zu Jodnatrium . . 0,0000059 p. M. 



- 10 — 

f) Kohlensaures Natron. 

Natron ist vorhanden nach 14 1,278134 p. M. 

Davon ist gebunden als Natrium: 

an Chlor 1,003503 p. M. 

» Brom 0,000314 » » 

»Jod 0,000001 » » 



zusammen . . 1,003818 > 



> » 



Rest . . 0,274316 p. M. 

bindend Kohlensäure 0,194425 » » 

zu einfach kohlensaurem Natron . . 0,468741 p. M. 
entsprechend wasserfrei gedachtem zweifach kohlen- 
saurem Natron 0,663166 » » 

g) Kohlensaures Lithion. 

Lithion ist vorhanden nach 13 0,002931 p. M. 

bindend Kohlensäure 0,004293 » » 

zu einfach kohlensaurem Lithion . . 0,007224 p. M. 
entsprechend wasserfrei gedachtem zweifach kohlen- 
saurem Lithion 0,011517 » » 

h) Kohlensaures Ammon. 

Ammon ist vorhanden nach 18 0,002985 p. M. 

bindend Kohlensäure 0,002522 » » 

zu einfach kohlensaurem Ammon . . 0,005507 p. M. 
entsprechend wasserfrei gedachtem zweifach kohlen- 
saurem Ammon . . . . , 0,008029 » » 

i) Kohl e n saurer B a r y t. 

Baryt ist vorhanden nach 15 0,000135 p. M. 

bindend Kohlensäure 0,000039 » » 

zu einfach kohlensaurem Baryt . . 0,000174 p. M. 

entsprechend zweifach kohlensaurem Baryt .... 0,000213 » » 

k) K o hlensanrer S t r o n t i a n. 

Strontian ist vorhanden nach 16 0,000608 p. M. 

bindend Kohlensäure 0,0.00258 » » 

zu einfach kohlensaurem Strontian . . 0,000866 p. M. 

entsprechend zweifach kohlensaurem Strontian . . . 0,001124 



» » 



— 11 — 

1) Kohlensaurer Kalk. 

Kalk ist vorhanden nach 9 0,381092 p. M. 

bindend Kohlensäure 0,299429 » » 

zu einfach kohlensaurem Kalk . . 0,680521 p. M. 

entsprechend zweifach kohlensaurem Kalk .... 0,979950 » » 

m) Kohlensaure Magnesia. 

Magnesia ist vorhanden nach 10 0,187812 p. M. 

bindend Kohlensäure 0,206593 » » 

zu einfach kohlensaurer Magnesia . . 0,394405 p. M. 

entsprechend zweifach kohlensaurer Magnesia . . . 0,600998 » » 

n) Kohlensaures Eisenoxydul. 

Eisenoxydul ist vorhanden nach 6 0,008721 p. M. 

bindend Kohlensäure 0,005330 » » 



zu einfach kohlensaurem Eisenoxydul . . 0,014051 p. M. 

entsprechend zweifach kohlensaurem Eisenoxydul . . 0,019381 » » 

o) Kohlensaures M a n g a n o x y d u 1. 

Manganoxydul ist vorhanden nach 8 0,000660 p. M. 

bindend Kohlensäure 0,000409 » » 



zu einfach kohlensaurem Manganoxydul . . 0,001069 p. M. 
entsprechend zweifach kohlensaurem Manganoxydul . 0,001478 » 



» » 



p) Phosphor sau re Thonerde. 
Phosphorsaure Thonerde ist vorhanden nach 7 . . 0,000261 p. M. 

q) Kieselsäure. 
Kieselsäure ist vorhanden nach 5 0,021359 p. M. 

r) Freie Kohlensäure. 
Kohlensäure ist im Ganzen vorhanden nach 3 . . . 3,585369 p. M. 
Davon ist zu einfach kohlensauren Salzen gebunden: 
an Natron nach f . . . 0,194425 p. M. 
» Lithion nach g . . . 0,004293 » » 
» Ammon nach h . . . 0,002522 » » 
» Kalk nach 1 . . . . 0,299429 » » 
» Baryt nach i . . . . 0,000039 » » 
» Strontian nach k . . . 0,000258 » » 



— 12 — 

an Magnesia nach m . . 0,206593 p. M. 
» Eisenoxydul nach n . . 0,005330 » » 
» Manganoxydul nach o . 0,000409 » » 

zusammen . . 0,713298 p. M. 

Rest . . 2,872071 p. M. 
Hiervon ist mit den einfach kohlensauren Salzen zu 

Bicarbonaten verbunden 0,713298 » » 

Eest: völlig freie Kohlensäure . . 2,158773 p. M. 

III. Controle der Analyse. 

Berechnet man die einzelnen Bestandtheile des Mineralwassers auf 
den Zustand, in welchem sie in einem durch Eindampfen des Wassers 
mit Schwefelsäure und Glühen mit kohlensaurem Amnion erhaltenen Rück- 
stande enthalten sein müssen, so erhält man folgende Resultate: 

1,278134 p. M. Natron als schwefelsaures Natron . 2,925215 p. M. 
0,051505 » » Kali als schwefelsaures Kali . . . 0,095218 » » 
0,002931 » » Lithion als schwefelsaures Lithion . 0,010737 » » 
0,381092 » » Kalk als schwefelsaurer Kalk . . . 0,925509 » » 
0,187812 » » Magnesia als schwefelsaure Magnesia 0,563436 » » 
0,000135 » » Baryt als schwefelsaurer Baryt . . 0,000206 » » 
0,000608 ■' » Strontian als schwefelsaurer Strontian 0,001078 » » 
0,000660 » » Manganoxydul als schwefelsaures Man- 
ganoxydul 0,001404 » » 

0,008721 » » Eisenoxydul als Eisenoxyd .... 0,009690 » » 

0,000261 » » Phosphorsaure Thonerde .... 0,000261 » » 

0,021359 » » Kieselsäure 0,021359 » » 

zusammen . . 4,554113 p. M. 

Die dirccte Bestimmung ergab nach 19 4,555526 » » 



IV. Zusammenstellung der Resultate. 

In dem Biskirchener Mineralwasser sind in 1000 Ge- 
wichtstheilen enthalten : 

a) Die kohlensauren Salze als einfache Carbonate berechnet : 

a) In wägbarer Menge vorhandene Bestandtheile: 

Kohlensaures Natron 0,468741 p. M. 

» Lithion 0,007224 » » 



>- 13 - 

Kohlensaures Amnion 0,005507 p. M. 

Kohlensaurer Kalk 0,680521 » » 

» Baryt 0,000174 » » 

» Strontian 0,000866 » » 

Kohlensaure Magnesia 0,394405 » » 

Kohlensaures Eisenoxydul 0,014051 » » 

» Manganoxydul .... 0,001069 » » 

Chlornatrium 1,891267 » » 

Chlorkalium 0,050534 » » 

Bromnatrium 0,001042 » » 

Jodnatrium 0,000006 » » 

Schwefelsaures Kali 0,036189 » » 

Phospliorsaure Thonerde 0,000261 » » 

Kieselsäure 0,021359 » » 

Summe der festen Bestandtheile . . 3,573216 p. M. 
Kohlensäure, mit den Carhonaten zu Bicar- 

bonaten verbundene 0,713298 » » 

Kohlensäure, völlig freie 2,158773 » » 

Summe aller Bestandtheile . . 6,445287 p. M. 

ß) In unwägbarer Menge vorhandene Bestandtheile : 

Cäsium (an Chlor gebunden), Spur. 
Rubidium (an Chlor gebunden), Spur. 
Borsäure (an Natron gebunden), starke Spur. 
Schwefelwasserstoff, höchst geringe Spur. 
Stickgas, geringe Menge. 



b) Die Carbonate als wasserfreie Bicarbonate berechnet: 



a) In wägbarer Menge vorhandene Bestandtheile: 



Doppelt kohlensaures Natron 

» Lithion 

» » Ammon 

kohlensaurer Kalk . 

» » Baryt 

» » Strontian 

kohlensaure Magnesia 



0,663166 p. M. 

0,011517 » » 

0,008029 » » 

0,979950 » » 

0,000213 » » 

• ',001124 » » 

0,600998 » » 



14 



Doppelt kohlensaures Eisenoxydul . . 0,019381 p. M 

» Manganoxydul . . 0,001478 » » 

Chlornatrium 1,891267»» 

Chlorkalium 0,050534 » » 

Bromnatrium 0,001042 » » 

Jodnatrium 0,000006 » » 

Schwefelsaures Kali 0,036189 » » 

Phosphorsaure Thonerde 0,000261 » » 

Kieselsäure 0,021359 » » 



Summe der festen Bestandtheile . . 4,286514 p. M. 
Kohlensäure, völlig freie 2,158773 



» » 



Summe aller Bestandtheile . . 6,445287 p. M. 

ß) In unwägbarer Menge vorhandene Bestandtheile: 
Siehe a. 

Auf Volumina berechnet, beträgt bei Quellentemperatur (11,8° C.) 
und Normalbarometerstand : 

die völlig freie Kohlensäure in 1000 CC. 

Wasser 1146,99 CC. 

die freie und halbgebundene Kohlensäure 1525,98 » 

D. Charakter des Biskirchener Mineralwassers. 

Das Biskirchener Mineralwasser gehört zu den Wassern, welche 
in der Balneologie als alkalisch - muriatische Säuerlinge bezeichnet 
werden. Es nähert sich in seinen Bestandteilen dem Niederselterser 
Wasser, dem Boisdorfer Wasser, wie dem des Tönnissteiner Heil- 
brunnens. 

Die folgende Zusammenstellung der Bestandtheile dieser Quellen 
lässt dies leicht erkennen. Ich bemerke, dass die Analyse der Roisdorfer 
Quelle vdii Ct. Bischof, die der Niederselterser und des Tönnissteiner 
Heilbrunnens von mir herrühren. 



15 - 



In wägbarer Menge vorhandene Bestandtheile in 
1000 Gewiehtstlieilen Wasser. 



Bis- 

kirclien. 



Nieder- 
Selters. 



Roisdorf. 



Tönnis- 
ateiner 

Heil- 
bruniu'ii. 



Manganoxydul 



Doppelt kohlensaures Natron 
» » Lithion 

» Ammon 

kohlensaurer Kalk . . 

» » Baryt . . 

» Strontian . 

kohlensaure Magnesia . 

kohlensaures Eisenoxydul 

» » 

Chlornatrium 

Chlorkalium 

Bromnatrium 

Jodnatrium 

Schwefelsaures Kali .... 
» Natron . . . 

Phosphorsaure Thonerde . . 
Phosphorsaures Natron . . . 
Salpetersaures » ... 

Kieselsäure 

Suspendirte OckeiHöekchen . 

Summe 
Kohlensäure, völlig freie . . 
Stickgas 

Summe aller Bestandtheile 



0,663166 

0,011517 

0,008029 
0,979950 
0,000213 
0,001121 
0,600998 
0,019381 
0,001478 
1,891267 
0,050534 
0,001012 
0,00000(5 
0,036189 

0,000261 



0,021359 



4,286514 
2,158773 

geringe Menge 



6,445287 



1,236613 
0,(101990 
0,006840 
0,443846 
0,0011204 
0,002830 
0,308100 
0,004179 
0,000700 
2,334610 
0,017630 
0,000909 
0,000033 
0,046300 

0,000430 
0,000230 
0,006110 
0,021250 
0,001561 



4,437365 
2,235428 
0,004088 



1,112912 



0,405937 



0,607526 
0,009877 

1,900911 



0,478125 
0,001041 
0,006510 

0,016145 



4,538984 
2,474000 



6,676881 ; 7,012984 



2,57546 
0,00622 

0,00777 
0,55116 
0,00003 
0,00007 
1,63697 
0,02949 
0,00043 
1,41489 

0,00080 
0,00001 
0,09900 
0,14763 
0,00013 
0,00018 
0,00046 
0,02741 



6,49»16 

2,39334 

Spur 



8,89150 



Ein Blick auf die Zusammenstellung zeigt, dass das Biskirchener 
Wasser fast genau ebensoviel Chlornatrium enthält, als das Rois- 
dorfer und dass diese beiden Quellen im Gehalte daran vom Selterser 
Wasser übertroffen werden, während im Heilbrunnen davon weniger 
enthalten ist. 

Im Gehalt an doppelt kohlensaurem Natron steht das 
Biskirchener Wasser den anderen erheblich nach; es übertrifft dieselben 
dagegen im Gehalte an doppelt kohlensaurem Lithion. Der- 
selbe ist relativ hoch und sogar noch im Verhältniss 115:94 höher 
als der der Natron-Lithionquelle zu Bad Weilbach. 

An doppelt kohlensaurem Kalk ist die Biskirchener Quelle 



— 16 — 

am reichsten, — der Gehalt derselben an doppelt kohlensaurer 
Magnesia ist fast genau gleich dem des Koisdorfer Wassers. Beide 
Quellen sind daran wesentlich ärmer als der an dieser Verbindung unge- 
wöhnlich reiche Heilbrunnen, aber im Verhältniss 2 : 1 reicher als das 
Selterser Wasser. 

Im Gehalt an doppelt kohlensaurem Eisenoxydul schiebt 
sich das Biskirchener Wasser zwischen den daran reicheren Heilbrunnen 
und das daran ärmere Boisdorfer Wasser. Das Selterser Wasser ist 
daran viel ärmer als die drei anderen Quellen. 

An schwefelsauren Alkalien sind die sämmtlichen genannten 
Quellen arm, am reichsten daran ist die Boisdorfer Quelle, dann folgt 
das Wasser des Heilbrunnens; erheblich weniger enthält das Selterser 
und noch etwas weniger das Biskirchener Wasser. 

Im Gehalte an freier Kohlensäure kommt das Biskirchener 
Wasser dem Selterser fast gleich, — beide werden daran um ein Ge- 
ringes übertroffen vom Heilbrunnen und in etwas höherem Grade von 
dem Boisdorfer Wasser. 

Die Aehnlichkeit des Biskirchener Wassers mit anderen altberühmten 
und vielbegehrten Wassern lässt den Schluss zu, dass das Biskirchener 
Wasser, welches an Wohlgeschmack keinem der anderen nachsteht und 
dessen Reinheit nunmehr durch die solide Fassung der Quelle dauernd 
verbürgt ist, sich bald viele Freunde erwerben und unter den alkalisch- 
salinischen Säuerlingen einen ehrenvollen Flatz einnehmen wird. 

E. Füllung und Versandt des Biskirchener Wassers. 

Das Biskirchener Wasser kommt in Flaschen und Krügen zum 
Versandt. 

Oeffnet man eine längere Zeit gefüllte Flasche, so bemerkt man 
nicht den geringsten Geruch. Das Wasser fliesst fast bis auf den 
letzten Best vollkommen klar aus der Flasche, da sich der geringe 
Ockerabsatz, welcher sich mit Notwendigkeit bilden muss, fest an 
dem Boden der Gefässe ablagert. 

Das längere Zeit in gut verschlossenen Flaschen oder Krügen auf- 
bewahrte Wasser schmeckt ausserordentlich rein, erfrischend und ange- 
nehm. Seine Armuth an schwefelsauren Salzen und der Umstand, dass 
•'s von organischen Substanzen frei ist, wie sein relativer Beichthuin 
an Kochsalz lässt schliessen, dass es sich — in ähnlicher Art wie das 
Selterser Wasser sehr lange so gut wie unverändert aufbewahren 









— 17 — 

lassen wird. Der Umstand, dass hierbei das anfangs gelöste Eisen- 
oxyda] in Oxyd übergeht und dass dessen Verbindungen sich in (iestalt 
eines geringen Absatzes ausscheiden, thut dem Wohlgeschmack des Was- 
sers in keiner Weise Abbruch. 



Analyse der Wappen-Quelle zn Bad Ems, 

Von 

Dr. R. Fresenius, 

Geheimem Hofrathe und Professor. 



Auf einem älteren „Grundriss der Quellen, Wasserleitungen und 
Bäder zu Bad Ems" ohne Jahreszahl, welcher von Jos. Gunst auf 
Stein gezeichnet und bei N. Stadlmair in Coblenz gedruckt ist, findet 
sich die „Wappenquelle" mit beigefügtem Namen eingezeichnet und 
zwar in einem besonderen Baume, der hinter der Arcade des „Neuen 
Baues"', zwischen den „Kränchensbädern" und einem „Krugmagazin" 
gelegen ist. 

Dieser Baum wurde später als Krugmagazin benutzt und zu dem 
Behufe mit einem Plattenboden versehen, der über die Wappenquelle 
wegging und dieselbe so vollständig verdeckte, dass sie ganz und gar 
in Vergessenheit gerieth. 

Als man im Winter 1875/76 veranlasst war, am Kränchen das 
FüUgeschäft in der Art einzurichten, dass dadurch die Kurgäste nicht 
mehr wie früher belästigt wurden, und zu dem Behufe Baum schaffen 
niusste. wurde auch der Baum frei gemacht, in welchem die Wappen- 
queUe eingezeichnet war, und als man den Plattenboden wegnahm, 
fand man die Wappenquelle in noch fast vollkommen guter Fassung 
und mit wohl erhaltenem Ablauf. 

Nachdem die Fassung neu hergerichtet war. erhielt ich von Seiten 
Königlicher Regierung zu Wiesbaden, Abtheilung für directe Steuern. 
Domänen und Forsten, den Auftrag, das Wasser der Wappenquelle einer 
umfassenden Untersuchung zu unterwerfen. 

Jahrb. d. Haas. Ver. f. Xat. XXXI u. XXXII. 2 



- 18 ~ 

Diesem Auftrage bin ich nachgekommen und berichte in Folgen- 
dem über meine Wahrnehmungen an der Quelle, welche ich am 7. April 
1876 besuchte, und über die Ergebnisse der Analyse. 

A. Fassung und physikalische Verhältnisse der Quelle. 

Der Wappenbrunnen liegt etwa 50 Fuss östlich vom Kränchen in 
einer massig grossen, länglich viereckigen Seitenhalle, welche hinter 
der Halle liegt, in welcher jetzt das Wasser des Kränchens in Krüge 
gefüllt wird. 

Die Quelle kommt in einem kleinen viereckigen Schachte zu Tage, 
dessen Querschnitt fast quadratisch ist, die Seiten, welche von Südosten 
nach Nordwesten laufen, haben 0,43, die anderen 0,46 Meter Länge. 
Die Tiefe des Schachtes beträgt 1,25 Meter. 

Fliesst das Wasser aus dem oberen Ablauf des kleinen Schachtes 
ab, so ist die Wasserhöhe im Schacht 0,95 Meter, öffnet man den 
unteren Ablauf, so beträgt sie nur 0,3 Meter. Der aus Backstein und 
Cement aufgeführte Schacht ruht unmittelbar auf dem Felsen, aus dessen 
Spalte die Quelle zu Tage kommt. Am Boden des jetzt aufgeführten 
Schachtes sieht man noch Beste der alten Fassung. 

Gewöhnlich ist der untere Ablauf des Wassers geschlossen, also 
der Schacht bis 0,3 Meter vom oberen Bande gefüllt. Das Wasser 
erscheint alsdann im Schachte ganz klar, bewegt durch darin in mas- 
siger Menge aufsteigende grössere und kleinere Grasblasen. Die meisten 
Gasblasen steigen in der Mitte und in der westlichen Ecke des 
Schachtes auf. 

Oeffnet man den unteren Ablauf, so dass das Wasser bis auf 
einen Wasserstand von 0,3 Meter abfliesst, so wird die Quelle weit 
lebendiger und ist alsdann durch die darin aufsteigenden Gasblasen in 
steter Bewegung. 

Im Glase erscheint das Wasser vollkommen klar und farblos; hat 
man das Wasser mit einem trockenen Glase geschöpft, so setzen sich 
an den Wandungen desselben Gasperlen an. 

Der Geschmack des Wassers ist ganz weich, angenehm, wenig 
prickelnd. 

Beim Schütteln in halbgefüllter Flasche entbindet sich Gas in 
massiger Menge. Einen Geruch bemerkt man an dem Wasser weder 
so, noch nach dem Schütteln in halbgefüllter Flasche. 

Das Wasser fühlt sich weich an wie das aller anderen Emscr Thermen. 



— 19 — 

Zur Bestimmung der Temperatur des Wassers Öffnete man den 

unteren AMaut' an dem kleinen Schachte und senkte eine ein Thermo- 
meter enthaltende Kochflasche so in die Quelle, dass sie sich füllte und 
ganz in dem frisch quellenden Wasser stand. Nach 15—20 Minuten zeigte 
das Thermometer 35° C, gleich 28° E., bei etwa 16° C. Lufttemperatur. 

Bei gestautem Wasser und gefülltem Schachte betrug die Tempe- 
ratur 34° C. gleich 27,2° E, 

Die Wassermenge, welche die Quelle liefert, ist nicht sehr gross. 
Ein 10 Liter fassendes Gefäss füllte sich hei nicht gestautem Wasser 
in 4 Minuten 4-'! Secunden. Somit lieferte die Quelle in 1 Minute 
2.12 Liter, in 1 Stunde 127,2 Liter und in 24 Stunden 3052,8 Liter. 

Das specifisehe Gewicht des Wassers, hei 16° C. mittelst des 
Pyknometers bestimmt, beträgt 1,003054. 

B. Chemische Verhältnisse. 

Das Wasser des Wappenbrunnens verändert sich heim Stehen nicht. 
Das Wasser in am 7. April 1876 gefüllten Flaschen ist heute — am 
8. August 1876 — noch vollkommen klar. 

Leim Kochen des Wassers bildet sich erst an der Oberfläche ein 
Häutchen, dann ein massiger, weisser, krystallinischer Niederschlag. 

Zu Reagentien verhält sich das der Quelle frisch entnommene 
Wasser also: 

S a 1 z s ä u r e bewirkt nur massige Gasentwickelung. 

Chlorbaryum erzeugt in dem mit Salzsäure angesäuerten Was- 
ser allmählich einen nicht eben starken, weissen Niederschlag. 

Salpetersaures Silberoxyd erzeugt in dem mit Salpeter- 
s-äure angesäuerten Wasser einen starken, weissen, käsigen Niederschlag. 

Amnion lässt da_s Wasser anfangs klar, allmählich trübt sich das 
damit versetzte weisslich. 

Oxalsaures Amnion bewirkt einen massigen, weissen Niederschlag. 

Gerbsäure wie Gallussäure lassen das Wasser anfangs un- 
verändert; erst nach längerer Zeit treten äusserst geringe Färbungen ein. 

B laues L a c kraus p a p i e r wird im Wasser schwach geröthet, 
beim Trocknen werden die eingetaucht gewesenen Streifen wieder blau. 

Curcumapapier bleibt im Wasser unverändert, beim Trocknen wer- 
den die Streifen braun. Das gekochte Wasser bräunt Curcumapapier sofort. 

.1 ii il k a 1 i u m und Stärkekleist e r unter Zusatz von verdünnter 
Schwefelsäure bewirken keine auf salpetrige Säure deutende Bläuung. 

2* 



— 20 - 

Die qualitative Analyse Hess dieselben Bestandteile erkennen, welche 
auch in den anderen Emser Thermen enthalten sind. 

Die quantitative Analyse wurde nach der Methode ausgeführt, welche 
ich im fünfzehnten Jahrgang meiner Zeitschrift für analytische Chemie, 
S. 221 ff. beschrieben habe. Das dazu erforderliche Wasser entnahm 
ich am 7. April 1876 selbst der Quelle. Dasselbe wurde in mit Glasstopfen 
verschlossenen Flaschen in mein Laboratorium nach Wiesbaden transportirt. 

Im Folgenden gebe ich unter I. die Originalzahlen in Grammen, 
unter IL die Berechnung, unter III. die Controle der Analyse und 
unter IV. die Zusammenstellung der Resultate. 

I. Bei der quantitativen Analyse erhaltene Originalzahlen 

in Grammen. 

1. Bestimmung des Chlors. 

a) 176,978 Grm. Wasser lieferten 0,4225 Grm. 

Chlorsilber sammt Brom- und Jodsilber, entsprechend 2,387302 p. M. 

b) 174,130 Grm. Wasser lieferten 0,4154 Grm. 
Chlorsilber etc., entsprechend 2,385574 

Mittel . . 2,386438 p. M. 
Hiervon geht ab die dem Brom entsprechende 
Menge Bromsilber (nach 2) mit 0,00114600 p. M. 
und die dem Jod entsprechende 
Menge Jodsilber (nach 2) mit . 0,00000659 » » 

zusammen . . 0,00115259 » » 



Rest . . 2,38528541 p. M. 
entsprechend Chlor 0,589875 

2. Bestimmung des Jods und Broms. 

68250 Grm. Wasser lieferten, nach Trennung 
der Jod- und Brom-Alkalimetalle von der grösseren 
Menge der Chloralkalimetalle, eine Flüssigkeit, aus 
welcher durch Behandlung mit verdünnter Schwefel- 
säure, salpetriger Säure und Schwefelkohlenstoff das 
Jod abgeschieden wurde. Zur Ueberführung des- 
selben in Jodnatrium waren 0,71 CC. einer Lösung 
von unterschwefligsaurem Natron erforderlich, von 
welcher 27,90 CC. 0,0095578 Grm. Jod entsprachen. 
l>i.-s ergibt 0,0002432 Grm. Jod. entsprechend . 0,00000356 p. M. 
entsprechend Jodsilber 0,00000658 » » 



— 21 — 

Aus der Flüssigkeit, welche von dein jodhaltigen Schwefelkohlen- 
stoff getrennt wurden war, wurden Chlor und Brom als Silberverbin- 
dungen gefällt. 

Man erhielt 4,6345 (Irin. 

a) 2,5565 Gnu. hiervon nahmen beim (Hüben im 
Chlorstrome ab am 0,0104 Grm., die 4,6345 Grm. 
hätten also abgenommen um 0,018853 Grm. 

ß) 1.8360 Grm. nahmen ab um 0,0072, die 
4,6345 Grm. hätten somit abgenommen um . . . 0,018173 » 



Mittel . . 0,018513 Grm. 
Hieraus berechnet sich ein Gehalt an Bromsilber 
für die 68250 Grm. Wasser von 0,078171 Grm. oder 

ein Gehalt an Brom von 0,000487 p. M. 

entsprechend Bromsilber 0,011454 » » 

3. Bestimmung der Kohlensäure. 

a) 219,84 Grm. Wasser lieferten in Natronkalk - 
röhren aufgefangene Kohlensäure 0,5239 Grm., ent- 
sprechend 2,383097 p. M. 

b) 219,84 Grm. Wasser lieferten 0,5286 Grm., 
entsprechend 2,404476 » » 



Mittel . . 2,393787 p. M. 

4. Bestimmung der Schwefelsäure. 

a) 1020,253 Grm. Wasser lieferten nach vorherge- 
gangener Abscheidung der Kieselsäure reinen schwefel- 
sauren Baryt 0,1168 Grm., entsprechend Schwefelsäure 0,039307 p. M. 

b) 1055,787 Grm. Wasser lieferten 0,1207 Grm.. 
entsprechend Schwefelsäure 0,039253 » » 



Mittel . . 0,039280 p. M. 

5. Bestimmung der Kieselsäure. 

a) 6140,8 Grm. Wasser ergaben reine Kieselsäure 

0,2956 Grm. oder 0,048137 p. M. 

b) 6306,5 Grm. Wasser ergaben 0,3061 Grm. 

Kieselsäure oder 0,048537 » » 

Mittel . . 0,048337 p. M. 



22 



6. Bestimmung des Eisenoxyduls. 

a) Das in 5 a erhaltene Filtrat lieferte reines 
Eisenoxyd 0,0020 Grm., entsprechend Eisenoxydul 

h) Das in 5h erhaltene Filtrat lieferte 0,0021 Gnu. 
Eisenoxyd, entsprechend Eisenoxydul 

Mittel . . 

7. Bestimmung des Mangans. 

a) 68250,0 Grm. Wasser lieferten 0,0218 Grm. 
Schwefelmangan, entsprechend Manganoxydul . 

h) 6306,5 Grm. Wasser ergaben 0,0021 Grm. 

Schwefelmangan, entsprechend Manganoxydul . . . 

Mittel . . 

8. Bestimmung des Kalks. 

a) 6140,8 Grm. Wasser ergaben 0,9835 Grm. 
kohlensauren Kalk, Strontian und Baryt .... 

b) 6306,5 Grm. Wasser (Filtrat von 7 b) ergaben 
1,0058 Grm. kohlensauren Kalk etc 

Mittel . . 
Davon gehen ah kohlensaurer 

Strontian 0,002341 p. M. 

und kohlensaurer Baryt .... 0,000364 » » 

zusammen . 

Best . . 
entsprechend Kalk 



0,000293 p. M. 

0,000299 » » 
0,000296 p. M. 

0,000261 p. M. 

0,000272 » » 
0,000267 p. M. 

0,160158 i». M. 



0,159486 » » 



0,159822 p. M. 



0,002705 » » 

0,157117 p. M. 

0,087986 » » 



9. Bestimmung der Magnesia. 

a) Das Filtrat von 8 a, von 6140,8 Grm. Wasser 
herstammend, ergab 1,0905 Grm. pyrophosphorsaure 
Magnesia, entsprechend Magnesia 

1») Das Filtrat von 8 b, herrührend von 030(1,5 
Grm. Wasser, ergab 1,1290 Grm., entsprechend Magnesia 

Mittel . . 

10. Bestimmung der Chloralkalimetalle. 
a) 1196,21 Grm. Wasser lieferten 3,1041 Grm. 

völlig reine Chloralkalimetalle, entsprechend . . . 



0,063994 p. M. 



0,064512 » 
0,064253 p. M. 



2,594946 p. M. 






— 23 — 

b) 912,65 Urin. Wasser lieferten 2,3640 Gnu. 
Chloralkalimetalle, entsprechend 2,590259 p. M. 

Mittel . . 2,592603 p. M. 

11. Bestimmung des Kalis. 

a) 1020,258 Grrm. Wasser ergaben reines wasser- 
freies Kaliumplatinchlorid 0,1329 Grrm., entsprechend 

Kali 0,025150 p. M. 

b) 1055,787 tirni. Wasser ergaben Kaliumplatin- 

chlorid 0,1375 Grm., entsprechend Kali 0,025147 



» » 



Mittel . . 0,025148 p. M. 

12. Bestimmung des Lithions. 

68250,0 Grm. Wasser lieferten basisch phosphor- 
saures Lithion 0,4235 Grm., entsprechend Lithion . 0,002409 p. M. 

13. Bestimmung des Natrons. 

Chloralkalimetalle sind vorhanden nach 10 . . 2,592603 p. M. 
Davon gehen ab die dem gefundenen Kali und 
Lithion entsprechenden Mengen Chlorkalium und Chlor- 
lithium, nämlich 

Chlorkalium 0,039801 p. M. 

Chlorlithium 0,006813 » » 

zusammen . . 0,046614 » » 

Rest: Chlornatrium . . 2,545989 p. M. 
entsprechend Natron 1,350897 » » 

14. Bestimmung des Baryts. 

68250,0 Grm. Wasser lieferten 0,0294 Grm. 
schwefelsauren Baryt, entsprechend Baryt .... 0,000283 p. M. 

15. Bestimmung des Strontians. 

68250,0 Grm. Wasser lieferten 0,1988 Grm. 
schwefelsauren Strontian, entsprechend Strontian . . 0,001643 p. M. 

16. Bestimmung der Phosphorsäure. 

4966,4 Grm. Wasser lieferten 0,0014 Grm. pyro- 
phosphorsaure Magnesia, entsprechend Phosphorsäure 0,000180 p. M. 



— 24 — 

17. Bestimmung dos Amnions. 

1991,8 arm. Wasser lieferten 0,0044 Grm. ans 
Ammoniumplatinchlorid erhaltenes Platin, entsprechend 
Ammoniumoxyd 0,000588 p. M. 

18. Bestimmung des Gesammtrückstandes. 

417,92 Grm. Wasser wurden mit Schwefelsäure 
angesäuert, zur Trockne verdampft und der Rückstand 
in einer Atmosphäre von kohlensaurem Amnion solange 
vorsichtig geglüht, bis die sauren schwefelsauren Al- 
kalien vollständig in neutrale übergeführt waren. Es 
wurden erhalten 1,5069 Grm., entsprechend . . . 3,605714 p. M. 

II. Berechnung der Analyse. 

a) Schwefelsaures Kali. 

Kali ist vorhanden nach 11 0,025148 p. M. 

bindend Schwefelsäure 0.021344 » » 

zu schwefelsaurem Kali . . 0,046492 p. M. 

b) Schwefelsaures Natron. 

Schwefelsäure ist vorhanden nach 4 0,039280 p. M. 

Davon ist gebunden an Kali 0,021344 » » 

Rest: Schwefelsäure . . 0,017936 p. M. 
bindend Natron 0,013918 » » 

zu schwefelsaurem Natron . . 0,031854 p. M. 

c) Ch lo rnatrium. 

Chlor ist vorhanden nach 1 0,589875 p. M. 

bindend Natrium 0,383269 » » 

zu Chlornatrium . . 0,973144 p. M. 

d) J o d u a t r in m. 

Jod ist vorhanden nach 2 0,00000356 p. M. 

bindend Natrium 0,00000065 » » 



zu Jodnatrium . . 0,00000421 p. M. 
e) Bromnatrium. 

Brom ist vorbanden nach 2 0,000488 p. M. 

bindend Natrium 0,000141 » » 

zu Bromnatrium . . 0,000629 p. M. 



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— 25 — 

f) Phosphorsaures Natron. 

Phosphorsäure ist vorhanden nach L6 . . . . ". 0,000180 p. M. 

bindend Natron 0,000157 » » 

bindend Wasser 0,000023 » » 

zu 2Na() J P0 5 . . 0,000360 i». M. 

g) Kohlensaures Natron. 

Natron ist vorhanden nach 13 1,350897 p. M. 

Davon ist gebunden als Natrium 

an Chlor . . . . . 0,5163-19 p. M. 

» Brom 0,000190 

^> Jod 0,00000088 

Als Natron gebunden an Phosphor- 
säure 0,000157 

an Schwefelsäure. . . . 0,013918 » » 

zusammen . . 0,530615 » » 

Rest . . 0,820282 p. M. 
bindend Kohlensäure 0,581385 » » 

zu einfach kohlensaurem Natron . . 1,401667 p. M. 
entsprechend wasserfrei gedachtem zweifach kohlen- 
saurem Natron 1,983052 » » 

h) Kohlensaures Lithion. 

Lithion ist vorhanden nach 12 0,002409 p. M. 

bindend Kohlensäure 0,003528 » » 

zu einfach kohlensaurem Lithion . . 0,005937 p. M. 
entsprechend wasserfrei gedachtem zweifach kohlen- 
saurem Lithion 0,009465 » » 

i) Kohlensaures Ammon. 

Ammon ist vorhanden nach 17 0,000583 p. M. 

bindend Kohlensäure 0,000493 » » 

zu einfach kohlensaurem Ammon . . 0,001076 p. BL 
entsprechend wasserfrei gedachtem zweifach kohlen- 
saurem Ammon 0,001569 » » 



— 26 — 

k) Kohlensaurer Baryt. 

Baryt ist vorhanden nach 14 0,000283 p. M. 

bindend Kohlensäure 0,000081 » » 

zu einfach kohlensaurem Baryt . . 0,000364 p. M. 

entsprechend zweifach kohlensaurem Baryt .... 0,000445 » » 

1) Kohlensaurer Strontian. 

Strontian ist vorhanden nach 15 0,001643 p. M. 

bindend Kohlensäure 0,000698 » » 

zu einfach kohlensaurem Strontian . . 0,002341 p. M. 

entsprechend zweifach kohlensaurem Strontian . . . 0,003039 » » 

im) Kohlensaurer Kalk. 

Kalk ist vorhanden nach 8 0,087986 p. M. 

bindend Kohlensäure 0,069132 » » 

zu einfach kohlensaurem Kalk . . 0,157118 p. M. 

entsprechend zweifach kohlensaurem Kalk .... 0,226250 » » 

n) Kohlensaure Magnesia. 

Magnesia ist vorhanden nach 9 0,064253 p. M. 

bindend Kohlensäure 0,070678 » » 

zu einfach kohlensaurer Magnesia . . 0,134931 p. M. 

entsprechend zweifach kohlensaurer Magnesia . . . 0,205609 » » 

o) Kohlensaures Eisen oxydul. 

Eisenoxydul ist vorhanden nach 6 0,000296 p. M. 

bindend Kohlensäure 0,000181 » » 

zu einfach kohlensaurem Eisenoxydul . . 0,000477 p. M. 

entsprechend zweifach kohlensaurem Eisenoxydul . . 0,000658 » » 

p) Kohlen saures Manganoxydul. 

Manganoxydul ist vorhanden nach 7 0,000267 p. M. 

bindend Kohlensäure 0,000165 » » 

zu einfach kohlensaurem Manganoxydul 0,000432 p. M. 

entsprechend zweifach kohlensaurem Manganoxydul 0,000597 -> » 

(\) Kieselsäure. 

Kieselsäure ist vorhanden nach 5 0,048337 p. M. 



27 



r) Freie Kohlensäure. 

Kohlensäure ist im Ganzen vorhanden nach 3 . 

Davon ist zu einfach kohlensauren »Salzen gebunden: 



2,393787 p. M. 



an Natron nach g . 

» Lithion nach h . 

» Amnion nach i . 

» Kalk nach m 

^> Baryt nach k 

Strontian nach 1 

» Magnesia nach n 

» Eisenoxydul nach o 

» Manganoxydul nach p 



0,581385 i». M. 

0,003528 » >> 

0,000493 » » 

0,069132 » » 

0,000081 » 

0,000098 » » 

0,070678 » » 

0,000181 » » 

0,000165 » » 



0,726341 



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zusammen . 

Rest . . 1,667446 p. M. 
einfach kohlensauren Salzen zu 



Hiervon ist mit den 

Bicarhonaten verbunden 0,726341 » » 

Rest: völlig freie Kohlensäure 



0,941105 p. M. 



III. Controle der Analyse. 



Berechnet man die einzelnen Bestandteile des Mineralwassers auf 
den Zustand, in welchem sie in einem durch Eindampfen des Wassers 
mit Schwefelsäure und Glühen mit kohlensaurem Amnion erhaltenen 
Rückstande enthalten sein müssen, so erhält man folgende Resultate: 



1,360213 p. M. 

0,025148 » » 

0,002409 » » 

0.OS7986 » » 

0,064253 » » 

0,000283 » » 
0.001643 

0,000267 » » 

0.000296 » » 

0,ü4s:«7 » » 

0,000180 » » 



Natron als schwefelsaures Natron . . 
Kali als schwefelsaures Kali 
Lithion als schwefelsaures Lithion 
Kalk als schwefelsaurer Kalk . 
Magnesia als schwefelsaure Magnesia 
Baryt als schwefelsaurer Baryt . . 
Strontian als schwefelsaurer Strontian 
Manganoxydul als schwefeis. Manganox. 

Eisenoxydul als Oxyd 

Kieselsäure 

Phosphorsäure als 2 NaO,POs . . . 



3,091745 p. M. 

0,046492 » » 

0,008824 » » 

0,213680 » » 

0,192759 » » 

0,000431 » ^> 

0,002913 » » 

0,000568 » » 
0,000329 » 

0,048337 » » 

0,000337 » » 



zusammen 



3,606415 p. M. 



— 28 — 

Hiervon ab schwefelsaures Natron für phosphorsaures 

Natron 0,000360 p. M. 

Kost . . 3,606055 p. M. 

Die directe Bestimmung ergab nach 18 3,605714 » » 

IV. Zusammenstellung der Resultate. 

In dem Wasser der Wappenquelle zu Ems sind in 1000 Gewichts- 
theilen enthalten: 

a) Die kohlensauren Salze als einfache Carbonate berechnet und 
sämmtliche Salze ohne Krystallwasser. 

a. In wägbarer Menge vorhandene Bestandteile : 

Kohlensaures Natron 1,401667 p. M. 

» Lithion ....... 0,005937 » » 

» Amnion 0,001076 » » 

Kohlensaurer Kalk 0,157118 » » 

» Baryt 0,000364 » » 

Strontian 0,002341 » » 

Kohlensaure Magnesia 0,134931 » » 

Kohlensaures Eisenoxydul 0,000477 » » 

» Manganoxydul 0,000432 » » 

Chlornatrium 0,973144 » » 

Bromnatrium 0,000629 » » 

Jodnatrium 0,000004 » » 

Schwefelsaures Kali 0,046492 » » 

» Natron 0,031854 » » 

Phosphorsaures Natron 0,000360 » » 

Kieselsäure 0,048337 » » 

Summe der festen Bestandtheile . . 2,805163 p. M. 
Kohlensäure, mit den Carbonaten zu Bicar- 

bonaten verbundene 0,726341 » » 



Kohlensäure, völlig freie 0,941105 » 



» 



Summe aller Bestandtheile . . 4,472609 p. M. 
ß. In unwägbarer Menge vorhandene Bestandtheile: 

Borsäure, an Natron gebunden, Spur. 

Caesion und Rubidion, an Schwefelsäure gebunden, sehr geringe Spuren. 

Fluor, au Calcium gebunden, Spur. 

Stickgas, Spur. 



29 — 

b) Die kohlensauren Salze als wasserfreie Bicarbonate und sämmt- 
liche Salze ohne Krystallwasser berechnet: 

a. In wägbarer Menge vorhandene Bestandtheile: 

Doppelt kohlensaures Natron .... 1,983052 )>. M. 

» » Lithion .... 0,0094(55 » » 

» » Amnion .... 0,001569 » » 

» kohlensaurer Kalk 0,226250 » » 

» » Baryt 0,000445 » » 

» » Strontian .... 0,003039 » » 

» kohlensaure Magnesia .... 0,205609 » » 

» kohlensaures Eisenoxydul . . . 0,000658 » » 

» » Manganoxydul . . 0,000597 » » 

Chlornatrium 0,973144 » » . 

Bromnatrium 0,000629 ; 

Jodnatrium 0,000004 

Schwefelsaures Natron 0,031854 

Kali 0,046492 : 

Phosphorsaures Natron 0.000360 » » 

Kieselsäure 0,048337 » » 

Summe . . 3,531504 p. M. 
Kohlensäure, völlig freie 0,941105 » » 

Summe aller Bestandtheile . . 4,472609 p. M. 

ß. In unwägbarer Menge vorhandene Bestandtheile: 
Vergleiche die Zusammenstellung a. 

Auf Volumina berechnet, beträgt bei Quellentemperatur (35° ('.) 
und Normal- Barometerstand : 

1) Die wirklich freie Kohlensäure: 

In 1000 CC. Wasser 539,95 CC. 

2) Die freie und halbgebundene Kohlensäure: 

In 1000 CC. Wasser 956,68 CC. 



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Die Gase, welche der Wappenquelle frei entströmen, enthalten in 

1000 CC. Kohlensäure 987,5 CC, 

Stickgas 12,5 CC. 



30 



C. Charakter der Wappenquelle. 

Die Wappenquelle schliesst sich in ihrem ganzen Verhalten den 
anderen Emser Thermen an. Aus der Vergleichung der Bestandteile 

der Wappenquelle mit denen der anderen Emser Domanial- Thermen, 
welche ich unter 1). folgen lasse, ergeben sich folgende Schlüsse: 

Im Gehalt an doppelt kohlensaurem Natron steht die Wappenquelle 
zwischen dem Kränchen und Kesselbrunnen. 

Im Gehalte an doppelt kohlensaurem Lithion übertrifft sie die 
anderen Quellen etwas. 

Der Kochsalzgehalt der Wappenquelle liegt zwischen dem der neuen 
Badequelle und dem des Kränchens. 

Der Gehalt an schwefelsaurem Kali ist grösser als beim Kränchen 
und liegt zwischen dem der neuen Badequelle und dem des Fürsten- 
brunnens. 

An doppelt kohlensaurem Kalk ist die Wappenquelle etwas reicher 
als alle anderen Quellen. 

Der Gehalt der Wappenquelle an doppelt kohlensaurer Magnesia 
stimmt mit dem des Kränchens und Fürstenbrunnens, die daran etwas 
reicher sind als der Kesselbrunnen und die neue Badequelle, fast ganz 
übe rein. 

An doppelt kohlensaurem Eisenoxydul ist die Wappenquelle viel 
ärmer als alle anderen Quellen. Sie enthält nur 1 J3 dessen, was der 
Fürstenbrunnen — die daran firmste Quelle — enthält, während sie 
an doppelt kohlensaurem Manganoxydul die daran reichste Quelle 
die neue Badequelle — noch etwas übertrifft. 

Im Gehalt an freier Kohlensäure steht die Wappenquelle zwischen 
dem Kesselbrunnen und dem Fürstenbrunnen. 

Aus dem Gesagten folgt, dass die Wappenquelle den anderen 
Emser Thermen als ein weiteres schätzbares Heilmittel in erfreulicher 
Weise zur Seite steht. 



— 31 — 






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32 



Analyse des Kaiser-Brunnens zn Bad Ems. 



Von 

Dr. R. Fresenius, 

Geheimem Hofrathe und Professor. 



Auf dem alten „Grundriss der Quellen, Wasserleitungen und Bäder 
zu Bad Ems", welche von Jos. Gunst auf Stein gezeichnet und bei 
N. Stadlmair in Coblenz ohne Beifügung einer Jahreszahl gedruckt 
ist, findet sich in dem ,, Reservoir im Keller" bezeichneten Baume eine 
Quelle Nr. XV. eingezeichnet. Dieselbe liegt 86 Fuss westnordwestlich 
vom Kesselbrunnen, welcher auf dem genannten Grundriss als ,,Cur- 
brunnen" bezeichnet ist. 

Diese Quelle wurde im December 1877 neu gefasst und erhielt, da 
sich ihr Wasser als vorzüglich erwies, den Namen Kaiserbrunnen. 

Nachdem die Quelle vom December 1877 bis März 1878 gleich- 
massigen Abfluss gezeigt hatte, erhielt ich von Königlicher Regierung 
zu Wiesbaden, Abtheilung für directe Steuern, Domänen und Forsten, 
den Auftrag, das Wasser des Kaiserbrunnens einer umfassenden Unter- 
suchung zu unterwerfen. 

Diesem Auftrage entsprechend besuchte ich die Quelle am ID. März 
1878, am 5. Mai 1878 fand ein zweiter Besuch statt. Im Folgenden 
berichte ich über die Wahrnehmungen an der Quelle und über die 
Resultate der vorgenommenen chemischen Analyse. 

A. Fassung und physikalische Verhältnisse der Quelle. 

Die Lage der Quelle ergibt sich aus dem oben bereits Mitgetheilten. 
Die Quelle kommt zu Tage in einem kleinen gemauerten und cemen- 
tirten viereckigen Schachte. Der Querschnitt desselben ist quadratisch, 
von 40 Centimeter Seitenlänge. Der kleine Schacht hat 00 Centimeter 
Tiefe; an der südlichen Seite finden sich 2 Abläufe, einer 20, der andere 
42 Centimeter vom Boden entfernt. Der kellerartige Raum, in welchem 
der kleine Quellcnschacht sich befindet, liegt 1,30 Meter tiefer als der 






— 33 — 

hinter dem Mittelbau des Curhauses herlaufende Gang, seine Ausdeh- 
nung- von Osten nach Westen beträgt 6 Meter, die von Süden nach 
Norden 4 Meter. Die Quelle liegt unmittelbar an der nördlichen Wand, 
nicht ganz in der Mitte. 

Die Mauern des kleinen Quellenschachtes ruhen direct auf dem 
Felsen, aus dessen Spalten man Wasser und Kohlensäure austreten sieht. 
Das Wasser der Quelle fliesst fortwährend ab. 

Das Aussehen des Wassers im Quellenschachte ist klar, die Quelle 
ist durch aufsteigende Grasblasen in ziemlich lebhafter Bewegung-. Im 
(ilase erscheint das Wasser vollkommen klar und farblos, beim Schütteln 
in ha 11 »gefüllter Flasche wird relativ viel Gas entbunden. Das ent- 
wickelte (ias wie das ausgeschüttelte Wasser sind ganz geruchlos. Der 
Geschmack des Wassers ist weich, etwas prickelnd, angenehm. Es fühlt 
sich weich an wie das aller Emser Thermen. 

Die Temperatur des Wassers ergab sich am 5. Mai 1878 zu 28,55° C. 
oder 22,84° ß. 

Bei geöffnetem unterem Ablauf lieferte die Quelle in 1 Minute und 
50 Secunden 2 Liter Wasser, somit liefert sie in 1 Minute 1,09 Liter, 
in 1 Stunde 65,4 Liter und in 24 Stunden 1569,6 Liter. 

Freies Gas lieferte die Quelle im Durchschnitte mehrerer Versuche 
in einer Minute 1,063 Liter. 

Das specifische Gewicht des Wassers wurde nach der Methode be- 
stimmt, welche ich für an freiem Gase reichere Wasser angegeben habe. 
(Meine Zeitschrift f. analyt. Chemie 1, 178.) Es ergab sich bei 19,5° C. 
zu 1,003416. 



B. Chemische Verhältnisse. 

Das Wasser des Kaiserbrunnens wird unter der Einwirkung der 
atmosphärischen Luft allmählich schwach weisslich opalisirend; die diese 
Erscheinung bedingenden Substanzen, der Hauptsache nach unlösliche 
Eisenoxydverbindungen, setzen sich bei längerem Stehen des Wassers in 
Gestalt eines geringen gelblich weissen Niederschlages ab. Einen solchen 
fand ich auch beim vollkommenen Entleeren des kleinen Schachtes auf 
dem Buden desselben. Beim Kochen scheidet sich aus dem Kaiser- 
brunnenwasser ebenso wie aus dem Wasser aller anderen Emser Thermen 
ein weisser krystallinischer Niederschlag ab, welcher der Hauptsache 
nach aus kohlensaurem Kalk besteht. 

Jahrb. d. nass. Ver. f. Nat. XXXI u. XXXII. 3 



— 34 — 

Zu Reagentien verhält sich das der Quelle frisch entnommene 
Wasser also: 

S a 1 z s ä u r e bewirkt massige Kohlensäureentwickelung. 

Chlorbaryum erzeugt in dem mit Salzsäure schwach angesäuerten 
Wasser sofort weisse Trübung. 

Salpetersaures Silberoxyd bewirkt in dem mit Salpetersäure 
angesäuerten Wasser einen starken, weissen, käsigen Niederschlag. 

Ammoniak lässt das Wasser anfangs ganz klar, allmählich bildet 
sich ein massiger weisser Niederschlag. 

Oxalsaures Amnion bewirkt sofort ziemlich starke weisse 
Trübung. 

Gerbsäure färbt das Wasser bald massig rothviolett, 

Gallussäure allmählich ganz schwach blauviolett. 

Blaues Lackmuspapier färbt sich im Wasser st i fort roth ; 
heim Trocknen werden die eingetaucht gewesenen Streifen wieder blau. 

Curcumapapier bleibt im Wasser unverändert; beim Trocknen 
werden die Streifen braun. 

Jodkai ium- Stärkekleist er verändert das mit verdünnter 
Schwefelsäure angesäuerte Wasser nicht. 

Die qualitative Analyse zeigte, dass das Wasser des Kaiser- 
brunnens dieselben Bestandtheile enthält, welche ich in allen anderen 
Emser Thermalquellen nachgewiesen habe. 

Die quantitative Analyse wurde genau nach der Methode 
ausgeführt, welche ich in meiner Anleitung zur quantitativen Analyse, 
6. Aufl. §. 209 angegeben habe. Das zur quantitativen Analyse ver- 
wandte Wasser wurde am 5. Mai 1878 der Quelle entnommen uml 
abgesehen von den Mengen, welche zur Bestimmung der Kohlensäure 
und des specifischen Gewichtes dienten — in weissen Glasflaschen mit 
ein geschliffenen Stopfen in mein Laboratorium nach Wiesbaden trans- 
portirt. Die zur Bestimmung der in kleinster Menge vorhandenen Be- 
standtheile bestimmte Wassermenge kam in einem grossen Glasballon 
zur Versendung. 

Im Folgenden linden sich unter I die Originalzahlen, unter II die 
Berechnung, unter III die Controle der Analyse, IV gibt die Zusammen- 
stellung der bei der Analyse des Wassers erhaltenen Resultate und V 
die Analyse des der Quelle frei entströmenden Gases. 






35 



I. Bei der quantitativen Analyse des "Wassers erhaltene 
Originalzahlen in Grammen. 

1. Bestimmung des Chlors. 

a) r» » > 1.740 Grm. Wasser lieferten, mit Salpeter- 
säure angesäuert und mit salpetersaurem Silberoxycl 

gefallt, 1,2055 Grm. Chlor-Brom-Jodsilber, entsprechend 2,402039 p. M. 

b) 501,330 Grm. Wasser lieferten 1,2055 Grm. 

Chlor-, Brom- und Jodsilber, entsprechend .... 2,404004 » » 

Mittel . . 2,403021 p. M. 
Zieht man hiervon ab die geringen Mengen Brom- 
und Jodsilber, welche dem vorhandenen Brom und Jod 
entsprechen, nämlich : 

für Brom (siehe 2): Bromsilber 0,0008710 p. M. 
für Jod (siehe 2) : Jodsilber . 0,0000257 » » 

Summa . . 0,0008973 » » 

so bleibt Chlorsilber 2,4027237 p. M. 

entsprechend Chlor 0,594188 » » 

2. Bestimmung des Jods und Broms. 

a) 00533 Grm. Wasser lieferten soviel freies, in 
Schwefelkohlenstoff gelöstes Jod, dass zu dessen Ueber- 
führung in Jodnatrium 1,72 CG. einer Lösung von 
unterschwefligsanrem Natron gebraucht wurden, von 
welcher 19,50 CC. 0,00950 Grm. Jod entsprachen. 

Daraus berechnet sich 0,000843 Grm. Jod, entsprechend 0,0000139 p. M. 

b) Die vom Jod befreite Flüssigkeit lieferte, mit salpetersaurem 
Silberoxyd gefällt 1,7513 Grm. Chlor- und Bromsilber. 

a) 0,7005 Grm. desselben nahmen im Chlorstrom 
geschmolzen ab um 0,0055 Grm., die 1,7513 Grm. 
hätten somit abgenommen 0,012500 Grm. 

ß) 0,7894 Grm. nahmen ab 0,0050 Grm., die 
1,7513 Grm. hätten somit abgenommen .... 0,012423 » 

Mittel . . 0,012495 Grm. 
Hieraus berechnet sich ein Gehalt an Brom für 
die 00533 Grm. Wasser von 0,022454 Grm. oder . 0,0003709 p. M. 

3* 



36 



3. Bestimmung der Kohlensäure. 

a) 221,982 Grm. Wasser lieferten in Natron- 
kalkrühren aufgefangene Kohlensäure 0,6225 Grm., 
entsprechend 2,804281 p. M. 

b) 289,516 Grm. Wasser lieferten Kohlensäure 

0,8114 Grm., entsprechend 2,802608 » » 

Mittel . . 2,803445 p. M. 



4. Bestimmung der Schwefelsäure. 

a) 2004,8 Grm. Wasser lieferten 0,1895 Grm. 
schwefelsauren Baryt entsprechend 0,065064 Grm. 
Schwefelsäure oder 

b) 1862,3 Grm. Wasser lieferten 0,1765 Grm. 
schwefelsauren Baryt, entsprechend 0,060601 Grm. 
Schwefelsäure oder 



0,032454 p. M. 



0,032541 



Mittel 



0,032498 p. M. 



5. Bestimmung- der Kieselsäure. 



a) 6230,8 Grm. Wasser lieferten, in einer Platin- 
schale mit Salzsäure zur Trockne verdampft etc., 

0,3121 Grm. Kieselsäure, entsprechend 0,050090 p. M. 

b) 7062,3 Grm. Wasser lieferten 0,3549 Grm. 

Kieselsäure, entsprechend 0,050253 » » 



Mittel 



0,050171 p. M. 



0,000823 p. M. 



6. Bestimmung des Eisenoxyduls. 

a) Das Filtrat von 5 a lieferte vollkommen reines 
Eisi'iioxyd 0,0057 Grm., entsprechend Eisenoxydul 

b) Das Filtrat von 5b lieferte 0,0064 Grm. Eisen- 
oxyd, entsprechend Eisenoxydul 0,000816 » » 

Mittel . . 0,000820 p. M. 

7. Bestimmung des Kalks. 

a) Das Filtrat von Oa lieferte, bei doppelter 
Fällung mit oxalsaurem Ammon und nach Ueberführung 
der Oxalsäuren Basen in kohlensaure Verbindungen, 
0,9955 Grm. oder 0,159771 p. M. 



— 37 — 

1») Das Filtrat von 6b lieferte 1,1281 Grm. 
oder 0,159735 p. M. 

Mittel . . 0,159753 p. M. 
Davon geht ab nach - 12 kohlensaurer 

Baryt 0,0005531 

kohlensaurer Strontian 0,0017727 

zusammen . . 0,0023258 » » 

bleibt kohlensaurer Kalk 0,157427 p. M. 

entsprechend Kalk 0,088159 » » 

8. Bestimmung der Magnesia. 

a) Das Filtrat von 7 a lieferte pyrophosphorsaure 

Magnesia 1,1090 Grm., entsprechend Magnesia . . 0,064139 p. M. 

b) Das Filtrat von 7b lieferte pyrophosphorsaure 

Magnesia 1,2566 Grm., entsprechend Magnesia . . 0,064119 » » 

Mittel . . 0,064129 p. M. 

9. Bestimmung der Chloralkalimetalle. 

a) 2004,8 Grm. Wasser lieferten vollkommen 

reine Chloralkalimetalle 5,2028 Grm., entsprechend . 2,593172 p. M. 

b) 1862,3 Grm. Wasser lieferten 4,8308 Grm., 
entsprechend 2,593997 » » 

Mittel . . 2,594585 p. M. 

10. Bf Stimmung des Kalis. 

a) Die in 9 a erhaltenen Chloralkalimetalle liefer- 
ten reines wasserfreies Kaliumplatincblorid 0,2505 Grm., 
entsprechend Kali 0,024125 p. M. 

b) Die in 9 b erhaltenen Chloralkalimetalle liefer- 
ten 0,2331 Grm. Kaliumplatinchlorid, entsprechend Kali 0,024167 » » 

Mittel . . 0,024146 p. M. 
entsprechend Chlorkalium 0,0382145 



» » 



11. Bestimmung der Thonerde. 

Die Thonerde wurde in dem aus den Wassermengen 5 a und 5 b 
(zusammen 13293,1 Grm.) nach Abscheidung der Kieselsäure erhaltenen 
Ammonniederschlage bestimmt, nachdem durch Weinsäure und Schwefel- 



— 38 — 



ammonium Eisen und Mangan abgeschieden waren. Man erhielt phos- 
phorsaure Thonerde 0,0008 Grm., entsprechend . . 0,0000602 p. M. 
phosphorsaure Thonerde, oder Thonerde .... 0,0000251 » » 

12. Bestimmung der Phosphorsäure, des Baryts, 
Strontians, Manganoxyduls und Lithions,, 

a) 60533 Grm. Wasser lieferten, nach Abschei- 
dung aller Phosphorsäure in Gestalt basischen Eisen- 
salzes und Fällung der darin enthaltenen Phosphor- 
säure als phosphorsaures Molybdänsäure- Ammon etc., 
0,0208 Grm. pyrophosphorsaure Magnesia, entspre- 
chend Phosphorsäure 0,0133045 Grm. 

oder . . 0,0002198 p. M. 

b) 60533 Grm. Wasser lieferten reinen schwefel- 
sauren Baryt 0,0396 Grm., entsprechend Baryt . . 0,0004296 » » 
entsprechend kohlensaurem Baryt 0,0005531 » » 

c) 60533 Grm. Wasser lieferten reinen schwefel- 
sauren Strontian 0,1335 Grm., entsprechend Strontian 
entsprechend kohlensaurem Strontian 

d) 60533 Grm. Wasser lieferten 0,0 P29 Grm. 
im Wasserstoffstrome geglühtes Schwefelmangan, ent- 
sprechend 0,010528 Grm. Manganoxydul oder . 

e) 60533 Grm. Wasser lieferten 0,2749 Grm. 
basisch phosphorsaures Lithion, entsprechend 0,106729 

Grm. Lithion oder 0,0017631 

entsprechend Chlorlithium 0,0049864 

13. Bestimmung des Natrons. 

Die Summe der Chloralkalimetalle beträgt (nach 9) 
Hiervon geht ab : 

für Chlorkalium (nach 10) 0,0382140 p. M. 
» Chlorlithium (nach 12) 0,0049864 » » 



0,0012439 
0,0017727 



0,0001739 



» » 



2,5945850 p. M. 



zusammen 

bleibt Chlornatrium . . 
entsprechend Natron . 

14. Bestimmung des Ammon s. 

1 747 Grm. Wasser lieferten, nach dem Glühen des er- 
haltenen Ammoniumplatinchlorids, 0,0205 Grm. Platin, 
entsprechend 0,005414 Grm. Ammoniumoxyd oder . 



0,0432004 » » 

2,5513846 p. M. 
1.353760 » » 



0,003099 p. M. 



— 39 — 

15. Bestimmung des gesammte^i ALbdampfungsrück- 

standes nach »lein Behandeln mit Schwefelsäure 

unil gelindem Glühen in einer Atmosphäre von 

k ii li lens a u rem Am m on. 

614,845 Grrm. Wasser lieferten 2,2193 Grm. Sulfate etc. 

oder 3,609528 p. M. 

II. Berechnung der Analyse. 

a) Sc h w e fe Isau res Kai i. 

Kali ist vorhanden nach (10) 0,024146 p. M. 

bindend Schwefelsäure 0,020493 » » 

zu schwefelsaurem Kali . . 0,044639 p. M, 

b) Schwefelsaures Natron. 

Schwefelsäure ist vorhanden (nach 4) 0,032498 p. M. 

hiervon ist gebunden an Kali (nach a) .... 0,020493 » » 

Rest Schwefelsäure . . 0,012005 p. M. 

bindend Natron 0,009316 » » 

zu schwefelsaurem Natron . . 0,021321 p. M. 

c) C h ld rn atri u m. 

Chlor ist vorhanden (nach 1) 0,594188 p. M. 

bindend Natrium 0,386071 » » 

zu Chlornatrium . . 0,980259 p. M. 

d) Bromnatrium. 

Brom ist vorhanden (nach 2b) 0,0003709 p. M. 

bindend Natrium 0,0001069 » » 

zu Bromnatrium . . 0,0004778 p. M. 

e) Jodnatriu m. 

Jod ist vorhanden (nach 2 a) 0,0000139 p. M. 

bindend Natrium 0,0000025 » » 

zu Jodnatrium . . 0,0000164 p. M. 

f) Phos p h o r s a uro T h o n e r d e. 

Thonerde ist vorbanden (nach 11) 0,0000251 p. M. 

bindend Phosphorsäure 0,0000351 » » 

zu phosphorsaurer Thonerde . . 0,0000602 p. M. 



— 40 — 



g) Phosphorsaures Natron. 
Gresammtphosphorsäure ist vorhanden (nach 12a) 
davon ist gebunden an Thonerde (f) . . . . 

Best . 

bindend Natron (2 Aequivalente) 

bindend basisches Wasser (1 Aequivalent) 

zu phosphorsaurem Natron . 

h) Kohlensaures L i t h i o n. 

Lithion ist vorhanden (nach 12 e) 

bindend Kohlensäure 

zu einfach kohlensaurem Lithion . 

i) Kohlensaures Natron. 

Natron ist vorhanden (nach 13) 

Davon ist gebunden: 

an Schwefelsäure (b) . 
» Phosphorsäure (g) . 
als Natrium an Chlor (c) 
» » » Brom (d) 

» » » Jod (e) 



0,0002198 p. M. 
0,0000351 » » 

0,0001847 p. M. 
0,0001615 » » 
0,0000234 » » 

0,0003696 p. M. 



0,0017631 p. M. 
0,0025824 » » 

0,0043455 p. M. 



1,353760 p. M. 



. 0,0093160 


P- 


M. 


. 0,0001615 


» 


» 


. 0,5201230 


» 


» 


. 0,0001440 


» 


» 


. 0,0000034 


» 


» 


zusammen 


. 


. 


Rest 







bindend Kohlensäure 

zu einfach kohlensaurem Natron 

k) K o h 1 e n s a u res A m m o n. 

Ammoniumoxyd ist vorhanden (nach 14) . . 
bindend Kohlensäure 

zu einfach kohlensaurem Amnion 

1) Kohlensaurer Baryt. 

Baryt ist vorhanden (nach 12b) 

bindend Kohlensäure 

zu einfach kohlensaurem Baryt 

m) Kohlensaurer Strontian. 
Strontian ist vorhanden (nach 12c) 



bindend Kohlensäure 

zu einfach kohlensaurem Strontian 



0,5297479 » 
0,8240121 p. M. 
0,5840292 » » 

1,4080413 p. M. 



0,003099 p. M. 
0,002618 » » 

0,005717 p. M. 



0,0004296 p. M. 
0,0001235 » » 

0,0005531 p. M. 



0,0012439 p. M. 
0,0005288 » » 

0,0017727 p. M. 



— 41 — 

n) Kohlensaurer Kalk. 

Kalk ist vorhanden (nach 7) 0,088159 p. M. 

bindend Kohlensäure 0,069268 » » 

zu einfach kohlensaurem Kalk . . 0,157427 p. M. 

o) Kohlensaure Magnesia. 

Magnesia ist vorhanden (nach 8) 0,064129 p. M. 

bindend Kohlensäure 0,070542 » » 

zu einfach kohlensaurer Magnesia . . 0,134671 p. M. 

p) Kohlensaures E i s e n o x y d u 1. 

Eisenoxydul ist vorhanden (nach 6) 0,000820 p. M. 

bindend Kohlensäure 0,000501 » » 

zu einfach kohlensaurem Eisenoxydul . . 0,001321 p. M. 
q) Kohlensaures M a n g a n o x y d u 1. 

Manganoxydul ist vorhanden (nach 12 d) . . . . 0,0001739 p. M. 

bindend Kohlensäure 0,0001078 » » 

zu einfach kohlensaurem Manganoxydul . . 0,0002817 p. M. 

r) Kiesels äu r e. 
Kieselsäure ist vorhanden (nach 5) 0,050171 p. M. 

s) Freie Kohlensäure. 
Kohlensäure ist im Ganzen vorhanden (nach 3) . . 2,803445 p. M. 
Davon ist gebunden zu neutralen Salzen : 

an Natron 0,584029 p. M. 

» Lithion 0,002582 » » 

» Amnion 0,002618 » » 

» Baryt 0,000124 » » 

» Strontian 0,000529 » » 

» Kalk 0,069268 » » 

» Magnesia 0,070542 » » 

» Eisenoxydul .... 0,000501 » » 

» Manganoxydul . . . 0,000108 » » 

zusammen . . 0,730301 » » 
Rest . . 2,073144 p. M. 

Davon ist mit den einfach kohlensauren Salzen zu 

Bicarbonaten verbunden 0,730301 » » 

Völlig freie Kohlensäure . . 1,342843 p. M. 



42 — 



III. Controle der Analyse. 

Berechnet man die einzelnen Bestandteile des Wassers auf den 
Zustand, in welchem sie in dem Rückstande enthalten sein müssen, 
der in 15 durch Abdampfen mit Schwefelsäure und Glühen in einer 
Atmosphäre von kohlensaurem Amnion erhalten wurde, so erhält man 
folgende Zahlen: 

Gefunden Natron 1,353760 p. M. , berechnet als 

schwefelsaures Natron 3,098296 p. M. 

Gefunden Kali 0,024146 p. M., berechnet als schwefel- 
saures Kali 0,044639 » » 

Gefunden Lithion 0,0017631 p. M., berechnet als 

schwefelsaures Lithion 0,006458 » » 

Gefunden Kalk 0,088159 p. M., berechnet als schwefel- 
saurer Kalk 0,214100 » » 

Gefunden Strontian 0,0012439 p. M., berechnet als 

schwefelsaurer Strontian 0,002206 » » 

Gefunden Baryt 0,0004296 p. M., berechnet als schwe- 
felsaurer Baryt 0,000654 » » 

Gefunden Magnesia 0,064129 p. M., berechnet als 

schwefelsaure Magnesia 0,192387 » 

Gefunden Eisenoxydul 0,000820 p. M., berechnet als 

Eisenoxyd 0,000911 » » 

Gefunden Manganoxydul 0,0001739 p. M., berechnet 

als schwefelsaures Manganoxydul 0,000370 » » 

Gefunden Kieselsäure 0,050171 » 

» phosphorsaure Thonerde 0,000060 » » 

» Rest Phosphorsäure 0,0001847 p. M., be- 
rechnet als pyrophosphorsaures Natron .... 0,000346 » » 



•> 



» 



Summe . . 3,610598 p. M. 
Hiervon ab schwefelsaures Natron für phosphorsaures 

Natron 0,000370 » » 

bleiben Sulfate etc. 3,610228 p. M. 

Direct gefunden (nach 15) 3,609528 » » 



I > 



48 



IV. Zusammenstellung. 

Bestandtliei le des Kaiserbrunnens zu Ems. 

a) Die kohlensauren Salze als einfache Carbonate und sämmtliche 
Salze ohne Krystallwasser berechnet. 

a) In wägbarer Menge vorhandene Bestandtheile: 

In 1000 Gewichtstheilen 
Wasser. 

Kohlensaures Natron 1,408041 

Lithion 0,004345 

Amnion 0,005717 

Schwefelsaures Natron 0,021321 

Chlornatrium 0,980259 

Bromnatrium 0,000478 

Jodnatrium 0,000016 

Phosphorsaures Natron 0,000370 

Schwefelsaures Kali 0,044639 

Kohlensaurer Kalk .0,157427 

Strontian 0,001773 

Baryt 0,000553 

Kohlensaure Magnesia 0,134671 

Kohlensaures Eisenoxydul 0,001321 

Manganoxydul 0,000282 

Phosphorsaure Thonerde 0,000060 

Kieselsäure 0,050171 

Summe . . 2,811444 

Kohlensäure, halbgebundene 0,730301 

» völlig freie 1,342843 

Summe aller Bestandtheile . . 4,884588 

ß) In unwägbarer Menge vorhandene Bestandtheile : 

Borsäure (an Natron gebunden) Spur. 

Caesion und Bnbidion (an Schwefelsäure gebunden) sehr geringe Spur. 

Stickgas, Spur. 



— 44 — 

(Wäre von dem Wasser schon Kalksinter vorhanden, so hätten 
sich in demselben jedenfalls auch Spuren von Fluorcalcium nachweisen 
lassen.) 

b) Die kohlensauren Salze als wasserfreie Bicarbonate und sämmt- 
liche Salze ohne Krystallwasser berechnet. 

a) In wägbarer Menge vorhandene Bestandteile : 

In 1000 Gewichtstheilen 
Wasser. 

Doppelt kohlensaures Natron 1,992070 

» » Lithion 0,006928 

Amnion 0,008335 

Schwefelsaures Natron 0,021321 

Chlornatrium 0,980259 

Bromnatrium 0,000478 

Jodnatrium 0,000016 

Phosphorsaures Natron 0,000370 

Schwefelsaures Kali 0,044639 

Doppelt kohlensaurer Kalk 0,226695 

» » Strontian 0,002302 

» Baryt 0,000677 

» kohlensaure Magnesia 0,205213 

» kohlensaures Eisenoxydul 0,001822 

» » Manganoxydul .... 0,000389 

Phosphorsaure Thonerde ' . . 0,000060 

Kieselsäure 0,050171 

Summe . . 3,541745 
Kohlensäure, völlig freie 1,342843 

Summe aller Bestandtheile . . 4,884588 

ß) In unwägbarer Menge vorhandene Bestandtheile: 
(Vergleiche die Zusammenstellung a.) 

Auf Volumina berechnet, beträgt bei Quellentemperatur (28,55° C.) 
und Normalbarometerstand : 



- 45 — 

a) Die wirklich freie Kohlensäure: 

In 1000 CO. Wasser 750,8 CC. 

b) Die freie und halbgebundene Kohlensäure: 

In 1000 CC 1168,4 » 



V. Analyse des aus dem Kaiserbrunnen aufsteigenden freien 

Gases. 

Wie oben erwähnt, liefert der Kaiserbrunnen in einer Minute 1,063 
Liter frei aufsteigendes Gas. Die Bestimmung desselben wurde vorge- 
nommen, indem man einen Blechtrichter von quadratischem Querschnitt, 
welcher grade in den kleinen Brunnenschacht passte, in diesen einsenkte 
und so das freie Gas zwang, aus der unter dem Wasserspiegel befind- 
lichen Trichteröffnung zu entweichen. Diese Vorrichtung gab auch 
Gelegenheit, mit dem freien Gase bequem weiter zu operiren. 

Zunächst wurde das Verhältniss der freien Kohlensäure zu durch 
Kalilauge nicht absorbirbarem Gase festgestellt. Es ergab sich dabei, 
dass im Mittel mehrerer Versuche 210 CC. Gas von Quellentemperatur 
beim Behandeln mit Kalilauge 3,2 CO. nicht absorbirbares Gas von 
11,5° C. hinterliessen, gleich 3,399 CC. von 28,5° C. 

Es wurde sodann das nicht absorbirbare Gas langsam in in der 
Mitte verengerte, mit Kalilauge gefüllte Glasröhren geleitet, deren Mün- 
dung in Kalilauge eingetaucht war. Nachdem die Röhren bis über die 
Verengerung mit dem nicht absorbirbaren Gase gefüllt waren, schmolz 
man sie ab. Das so aufgefangene Gas, im Laboratorium genau unter- 
sucht, erwies sich als Stickgas mit Spuren leichten Kohlenwasserstoffgases. 

Demnach enthalten 1000 CC. dem Kaiserbrunnen frei entströ- 
mendes Gas 

Kohlensäure 983,81 CO. 

Stickgas mit Spuren leichten Kohlenwasserstoffgases 16,19 » 

1000,00 CC. 



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D. Charakter des Kaiserbrunnens. 

Der Kaiserbrunnen stimmt in seinem Gesammtverhalten ganz mit 
den übrigen Emser Thermen überein. Um seine Eigenthümlichkeit her- 
vorzuheben, ordne ich die in die Tabelle aufgenommenen, dem könig- 
lichen Domänenfiskus gehörenden Quellen nach Maassgabe ihrer Tem- 
peratur und ihres Gehaltes an den wichtigsten Bestandteilen. 

I. Nach ihrer Temperatur. 

Neue Badequelle 50,04° C. 

Kesselbrunnen 46,64° C. 

Fürstenbrunnen 39,42° C. 

Kränchen 35,86° C. 

Wappenquelle 35,00° C. 

Kaiserbrunnen 28,55° C. 

Der Kaiserbrunnen ist somit erheblich kühler als die anderen 
Quellen. Im Zusammenhange damit steht sein Gehalt an freier Kohlen- 
saure, in welchem er alle anderen Quellen übertrifft, wie die folgende 
Zusammenstellung zeigt : 



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II. Nach ihrem Gehalte an freier Kohlensäure. 

Kaiserbrunnen 1,342843 p. M. 

Kränchen 1,039967 » » 

Fürstenbrunnen 1,029536 » » 

Wappenquelle ...... 0,941105 » » 

Kesselbrunnen 0,920171 » » 

Neue Badequelle 0,746261 » » 

Nach dem Gehalte an doppeltkohlensaurem Natron nimmt der 
Kaiserbrunnen unter den angeführten sechs Quellen die dritte und nach 
dem Gehalte an Chlornatrium die vierte Stelle ein, wie sich aus III. 



ilt und IV. ergibt 



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m. Nach ihrem Gehalte an doppelt kohlensaurem Natron. 

Neue Badequelle 2,052761 p. M. 

Fürstenbrunnen 2,036607 » » 

Kaiserbrunnen 1,992070 » » 

Kesselbrunnen 1,989682» » 



'\ : - Wappenquelle 1,983052 » 



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Kränchen 1,979016 » » 



48 — 



IV. Nach ihrem Gehalte an Chlornatrium. 



Kesselbrunnen 
Fürstenbrunnen 
Kränchen . 
Kaiserbrunnen 
Wappenquelle . 
Neue Badequelb 



1,03130G p. M. 
1,011034 » » 
0,983129 » » 
0,980259 » » 
0,973144 » » 
0,927149 » » 



An doppelt kohlensaurem Kalk ist der Kaiserbrunnen am reichsten 
und in Betreff des Gehaltes an doppelt kohlensaurer Magnesia kommt 
derselbe mit dem Kränchen, der Wappenquelle und dem Fürstenbrunnen 
fast überein (V und VI.) 

V. Nach ihrem Gehalte an doppelt kohlensaurem Kalk. 



Kaiserbrunnen . 
Wappenquelle . 
Neue Badequelb 
Kesselbrunnen . 
Fürstenbrunnen 
Kränchen . 



0,220695 p. M. 
0,226250 » » 
0,220435 » » 
0,219605 » » 
0,217019 » » 
0,216174 » » 



VI. Nach ihrem Gehalte an doppelt kohlensaurer Magnesia. 

Neue Badequelle 0,210350 p. M. 

Kränchen 0,206985 » » 

Wappenquelle 0,205609 » » 

Fürstenbrunnen 0,205565 » » 

Kaiserbrunnen 0,205213 » » 

Kesselbrunnen 0,182481 » » 

An doppelt kohlensaurem Lithion nimmt der Kaiserbrunnen die 

zweite Stelle ein und an doppelt kohlensaurem Eisenoxydul steht er 

dem Fürstenbrunnen und Kränchen sehr nahe. 

Aus diesen Betrachtungen ergibt sich, dass der Kaiserbrunnen zu 
den besten Emser Thermalquellen gehört. In Folge seiner niedrigeren 
Temperatur und seines grösseren Gehaltes an freier Kohlensäure dürfte 
er beim Kurgebrauch anderen Quellen gegenüber in nicht wenigen Fällen 
Vortlieile bieten, und der angenehme Geschmack seines Wassers wird 
ihm sicher viele Freunde erwerben. 









III 



Chemische Untersuchung der warmen Quellen 
zu Schlangenbad. 

Im Auftrage der Königlichen Regierung zu Wiesbaden 

ausgeführt von 

Dr. R. Fresenius, 

Geheimem Hofrathe und Professor. 



Die letzte Untersuchung der warmen Quellen zu Schlangenbad ist 
von mir im Frühjahre 1852 vorgenommen worden. Die Resultate der- 
selben sind niedergelegt in meiner Schrift ,, Chemische Untersuchung der 
wichtigsten Mineralwasser des Herzogthums Nassau, dritte Abhandlung: 
Die Quellen zu Schlangenbad" Wiesbaden bei C. W. Kr ei de 1 1852, 
und finden sich auch in den Jahrbüchern des Vereins für Naturkunde 
im Herzogthum Nassau, 8. Heft, 2. Abth., S. 97 ff. 

Seit dieser Untersuchung sind 26 Jahre verflossen und es erschien 
daher entsprechend, die berühmten Thermen Schlangenbads einer neuen 
Analyse zu unterwerfen; denn die wichtige Frage, ob und in welchem 
Grade sich Mineralwasser in ihrem Gehalte ändern, kann ja nur durch 
in geeigneten Perioden wiederholte Untersuchungen entschieden werden. 

Dies die Ursache, welche die Königliche Regierung zu Wiesbaden, 
Abtheilung für directe Steuern, Domänen und Forsten, veranlasste, mich 
zu einer neuen Untersuchung der genannten Quellen aufzufordern. 

Die Vergleichung der Resultate der neuen Untersuchung mit denen 
der früheren wird — abgesehen von Anderem — auch erkennen lassen, 
dass in der analytischen Chemie in dem zwischen beiden Untersuchungen 
liegenden Zeiträume erhebliche Fortschritte gemacht worden sind. 

Wie in meiner früheren Abhandlung bereits erwähnt, treten die 
warmen Quellen Schlangenbads am Fusse des Rärstadter Kopfes gegen 
Süden zu Tage und zwar aus Spalten des der Quarzitzone angehörigen 
Gebirges. 

Jahrb. <l. nass. Ver. f. Nat. XXXI u. XXXII. 4 



— 50 — 

Man unterscheidet : 

1. Die Quellen des oberen Kurhauses. 

Es sind deren drei: die vordere, mittlere und hintere. Das Wasser 
derselben sammelt sich in einem Eeservoir. 

2. Die. Röhrenbrunnenquelle. 

Dieselbe fliesst vor dem oberen Kurhause aus. Ihr Wasser dient 
nur zum Trinken. 

3. Die Schachtquelle. 

Dieselbe liegt in einem Stollen (s. unten). Ein Abfluss derselben 
dient zum Trinken, die Hauptmenge des Wassers aber wird zum Speisen 
der auf der Südseite des mittleren (früher des unteren genannten) Kur- 
hauses gelegenen Bäder benutzt. 

4. Die Quellen des mittleren (früher des unteren ge- 
nannten) Kurhauses. 

Es sind deren drei: die vordere, mittlere und hintere. Dir Wasser 
sammelt sich in einem Reservoir und dient zur Speisung der auf der 
Nordseite des mittleren Kurhauses liegenden Bäder. 

5. Eine nur wenig Wasser liefernde, neu gefasste Quelle an der 
Futtermauer des mittleren Kurhauses. 

6. Die Pf er deb adquelle. 

Dir Wasser speist das jetzige untere Kurhaus. 

Wie bekannt, zeigt das Wasser sämmtlicher Quellen ganz und gar 
denselben Charakter und auch nur geringe Unterschiede in der Tempe- 
ratur. Während ich bei meiner früheren Analyse das Wasser des damals 
als unteres bezeichneten Kurhauses, welches jetzt das mittlere heisst, 
benutzte, somit das der Quellen, welche oben unter 4. aufgeführt sind, 
unterwarf ich dieses Mal, dem einstimmigen Wunsche der Herren Aerzte 
Schlangenbads Folge leistend, das Wasser der Schachtquelle, dessen Tem- 
peratur etwas höher als die der anderen Quellen ist, einer ganz ausführlichen 
Untersuchung, das der anderen Quellen aber prüfte ich nur auf Gehalt an 
Chlormetallen, d. h. an den Bestandteilen, welche in relativ grösster Menge 
im Schlangenbader Thermalwasser enthalten sind und somit den Concen- 
trationsgrad der einzelnen Quellen am leichtesten erkennen lassen. 

Zur Schachtquelle gelangt man durch einen ziemlich langen Stollen, 
dessen Eingang gegenüber dem westlichen Ende des mittleren Kurhauses 
liegt. Am Ende des Stollens befindet sich die Quelle. Sie bietet — etwas 
gestaut — eine etwa 3 Decimeter tiefe Wasseransammlung dar, aus 
welcher man grössere Wassermeng-en nicht füllen kann, ohne das Wasser 
der Quelle zu trüben. 



- 51 - 

Es wurde daher nur das zur KoMensäurebestimmraig und zur Be- 
stimmung- der im Wasser gelösten Gase erforderliche Wasser direct aus 
dieser Wasseransammlung genommen, während die als Trinkquelle dienende 
Quellenabzweigung die zur Eauptuntersuchung erforderlichen Wasser- 
mengen lieferte. Das Wasser dieser letzteren läuft ununterbrochen und 
in sehr starkem Strahle aus einem am Ende der Leitung angebrachten 
Kolire aus und zwar in dem freien Räume, welcher sich zwischen dem 
westlichen Ende des mittleren Kurhauses und dem Stolleneingange be- 
findet. 

Physikalische Verhältnisse. 

Das Wasser aller Schlangenbader Thermen zeichnet sich durch einen 
ganz ungewöhnlichen Grad von Klarheit aus. Es steht in den Bassins 
mit vollkommen ruhigem Spiegel und eine Gasentwickelung findet nicht 
statt. Nur in den Bassins des oberen Badhauses beobachtete ich dann 
und wann einmal eine aufsteigende Gasblase. 

Füllt man das Wasser in grosse weisse Flaschen, so erscheint es 
vollkommen klar und von eigenthümlichem bläulichem Schimmer; ganz 
unverkennbar tritt diese Färbung, welche ganz reinem und klarem Wasser 
eigentümlich ist, auf, wenn man eine der mit weissen Porzellanplatten 
ausgekleideten Badewannen mit dem Thermalwasser füllt. Es erscheint 
darin bläulich grün und so klar, dass man auf dem Grunde der Wanne 
den kleinsten Gegenstand erkennen kann. 

Der Geschmack des Wassers ist weich, gar nicht unangenehm, einen 
Geruch zeigt dasselbe weder so, noch beim Schütteln in halbgefüllter 
Flasche. Das Wasser fühlt sich sehr angenehm weich an. Beim Füllen 
in ein trockenes Glas liefert es keine Gasperlen an der Glaswandung, — 
beim Schütteln in einer mit dem Wasser nicht ganz gefüllten Flasche 
entbindet sich kein Gas. 

Die Temperatur der verschiedenen Quellen bestimmte ich am 
17. September 1877 mittelst eines Normalthermometers von Dr. Geissler 
in Bonn. Die Temperatur der Luft war 12° C. = 9,6° R. Die 
Temperatur der Quellen ergibt sich aus folgender Uebersicht: 

Quellen des oberen Kurhauses. 

a) Vordere Quelle 28,8° C. oder 23,04° R. 

b) Mittlere Quelle 28,0° » » 22,88° » 

c) Hintere Quelle 28,0° » » 22,40° » 

4* 



52 



Röhrenbrunnenquelle. 
Die Temperatur derselben betrug . 28,4° C. oder 22,72° R. 

Sehaehtquelle. 
Quelle im Schacht 31,0° C. oder 24,80° R. 

Quellen des mittleren Kurhauses. 

a) Vordere Quelle 29,1° C. oder 23,28° R. 

b) Mittlere Quelle 29,6° » » 23,68° » 

c) Hintere Quelle 30,0° » » 24,00° » 

Pferdebadquelle. 

Die Temperatur derselben betrug . 28,6° C. oder 22,88° R. 

Die folgende Zusammenstellung gibt eine Vergleichung der Quellen- 
temperaturen, wie solche von Kästner 1830, von Bertrand 1850 
und von mir im Frühjahre 1 S r> i> gefunden wurden und zwar in 
Reaumur'schen Graden (weil die älteren Bestimmungen in solchen aus- 
gedrückt sind). 

Kastner Bertrand Fresenius 

1830. 1850. 1852. 1878." 

Quellen des obereil Kurhauses 

Vordere 22,75 24 - 23,04 

Mittlere 23,50 ■ 22,88 

Hinten' 21,50 24 22,40 

Rührenbrunnenquelle . . 22,00 22,8 22,72 

Schachtquelle 24,50 26 25,6 24,80 

Quellen des mittleren Kurhauses 

Vordere 22,50 23,2 23,28 

Mittlere 24,50 24,0 ■ 23,68 

Hinten' 24,00 24,4 24,00 

Man ersieht aus dieser Vergleichung: 

1. dass die Schachtquelle die höchste Temperatur hat; 

2. dass die Temperatur sämmtlicher Quellen nur um wenige Grade 
differirt (der unterschied zwischen der heissesten und der 
kältesten beträgt nach meinen neueren Bestimmungen nur 2,4° R.); 

3. dass die Temperatur jeder einzelnen Quelle kleinen Schwankungen 
unterliegt. 



— 53 — 

Da man nirgends die Temperatur des eben hervorquellenden Wassers 
bestimmen kann, sondern überall darauf angewiesen ist, das Wasser in 
Quellenreservoirs oder an den Abläufen solcher auf seine Temperatur zu 
prüfen, so lassen weder die Temperaturunterschiede der verschiedenen 
Quellen, noch die Temperaturschwankungen einer einzelnen Quelle einen 
sicheren Schluss auf ursprüngliche Verschiedenheit der Quellentemperatur 
oder auf Veränderlichkeit der Temperatur einer und derselben Quelle im 
Laufe der Zeil zu, denn die geringen Temperaturunterschiede lassen sich 
alle auf äussere örtliche Verhältnisse (besseren oder weniger vollständigen 
Sclmt/. gegen die äussere Luft, Verschiedenheit der Temperatur derselben, 
raschere oder minder rasche Erneuerung des Wassers in den Reservoirs etc.) 
zurückführen. 

In Betreff des elektrischen Verhaltens des Schlarigenbader Wassers, 
das heisst der Messung des Stromes, welcher bei Berührung von Schlangen- 
bader Wasser mit destillirtem Wasser etc. entsteht, verweise ich auf 
„Die phvsikalisch-niediciiiischen Untersuchungen über die Wirkungsweise 
der Mineralbäder von Dr. K. Hey mann und Dr. Cl. Krebs", Wies- 
baden bei Chr. Limbarth ls70, S. 35. 

Es ergibt sich aus den betreffenden Untersuchungen, dass das 
Schlangenbader Wasser, ebenso wie fast alle sonstigen der Untersuchung 
unterworfenen Mineralwasser (mit Ausnahme des Weilbacher Schwefel- 
wassers), bei gewöhnlicher Temperatur in Berührung mit destillirtem 
Wasser gebracht, sich positiv, beziehungsweise als positiver Pol, zeigt, - 
sowie dass der Ausschlag, welchen der Multiplicator bei Berührung des 
Schlangenbader Wassers mit destillirtem Wasser liefert, geringer ist als 
bei allen anderen untersuchten Mineralwässern (Egerer Franzensbrunn, 
Karlsbader Sprudel, — Emser Kränchen, — Karlsbader Mühlbrunn, 

— Niederselterser Wasser, — Marienbader Kreuzbrunnen, - - Wiesbadener 
Kochbrunnen, Wildbader Wasser und Weilbacher Schwefelwasser). 
Aus letzterem Umstände würde nach Ansicht der Herren Verfasser 

— die bekannte beruhigende Wirkung der Schlangenbader Bäder abzu- 
leiten sein, gegenüber der erregenden Wirkung anderer zu Bädern ver- 
wandter Mineralwasser, namentlich der stark kohlensäurehaltigen (a. a. 
0. S. 46). 

Heim Stehen an der Luft trübt sich das Schlangenbader Wasser 
nicht im geringsten und liefert keine Spur eines Niederschlages; auch 
beim Kochen bleibt es ganz klar. Dampft man es aber ein, so bildet 
sich allmählich ein rein weisser flockiger Niederschlag, während sich 
gleichzeitig an den Wandungen der Abdampfschah' etwas krystallinischer 



— 54 — 

kohlensaurer Kolk absetzt. Dampft mau ganz zur Trockne, so er- 
hält man einen rein weissen, bei Glühen sich nicht schwärzenden 
Rückstand. 

Auch in den Reservoirs und Ahflusskanälen setzt das Schlangenhader 
Wasser nicht den geringsten, aus ursprünglich gelösten Bestandteilen 
des Wassers stammenden Niederschlag ab. 

Das specifische Gewicht des Wassers der Schachtquelle wurde wieder- 
holt mittelst eines yerhältnissmässig grossen Pyknometers bestimmt. Es 
ergab sich bei 16,5° C. zu 1,000342. 

Der Wasserreich thum der Quellen ist ausserordentlich gross. Die 
Tabelle auf Seite 55 drückt die Ergebnisse der Messungen aus, welche 
am 13., 20. und 27. August und am 3. September 1877 Seitens der 
königlichen Badeverwaltung vorgenommen worden sind. 

Aus dieser Zusammenstellung ergibt sich: 

1. Dass die Quellen im mittleren Durchschnitt in einer Minute 
folgende Wassermengen lieferten : 

die Quellen des oberen Kurhauses 103,38 Liter, 

die Pferdebadquelle 103,38 » 

die Schachtquelle 56,00 » 

die Quellen des mittleren Kurhauses 28,96 » 

der Röhrenbrunnen 16,19 » 

die Quelle an der Futtermauer des mittleren Kurhauses 5,01 » 

oder zusammen . . 312,92 Liter. 

In einer Stunde liefern somit alle Quellen zusammen 18775,2 Liter 
und in 24 Stunden 450604,8 Liter. 

2. Dass alle Quellen zusammen in einer Stunde an den verschiedenen 
Beobachtungstagen folgende Wassermengen lieferten : 

Am 13. August 1877 19118 

» 20. » 1877 18838 

» 27. » 1877 18959 

» 3. September 1877 18265 



55 



Die 

che 
der 






!. 



CO* 


Die 
Pferde- 

badquelle. 


Ol 

3 


00 
OJ 


00 


00 
Ol 


CO 
OJ 


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CO 

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CO 


CO 

1—1 


1—1 


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Die Quelle 

an der 
Futtermauer 

des mittleren 
Kurhauses. 


3 


00 
OJ 


00 
CM 


OD 
CJ 


00 
CJ 


1 

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03 *Ö 
CO 


CO 
CO 

CO 


co 

CO 

CO 


lO 
CO 
CO 


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CO 


*# 


Die vordere, 

mittlere und 

hintere 

Quelle des 

mittleren 

Kurhauses. 


3 


00 


CO 
CM 


CO 
Ol 


00 
OJ 


1 

03 'S 

CO 


CO 


CO 


CO 


00 

lO 


CO 


Die Schacht- 
quelle. 




00 
CM 


00 
CM 


00 
CM 


CO 
CJ 


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o 

CO 


o 

CO 


o 

CO 


o 

CO 


oi 


Die Röhren- 
brunnen- 
quelle. 


• 1— 1 

h3 


CO 
Ol 


CO 
CM 


CO 
CM 


CO 
Ol 


ö 3 Ö 

Oj T5 
CO 


o 


o 

CM 


o 

1— 1 


o 

1— 1 


iH 


Die vordere, 
mittlere und 

hintere 
Quelle des 
oberen Kur- 
hauses. 


3 


CO 
CM 


CO 
CM 


CO 
CM 


CO 
CJ 


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03 'ö 

CO 


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i— 1 


CO 

1—1 


CO 
1—1 


1—1 






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1—1 


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CO 
1—1 


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CM 


-4-2 
CO 

3 

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CM 


«13 

03 

CO 

et 



— 56 



Chemische Untersuchung. 

A. Die Schachtquelle. 

Das der Schachtquelle frisch entnommene Wasser zeigt folgendes 
Verhalten zu Eeagentien: 

Eeagenspapiere lässt das Wasser ganz unverändert. Concentrirt 
man es aber stark, so reagirt es deutlich alkalisch. 

Salzsäure bewirkt keine Veränderung und nicht die geringste 
Gasentwickelung. 

Chlorbaryum unter Zusatz von etwas Salzsäure lässt das Wasser 
anfangs klar, allmählich aber entstellt geringe Trübung. 

Salpeters au res Silberoxyd unter Zusatz von Salpetersäure 
bewirkt sofort deutliche Trübung. 

A m m o n veranlasst keine Veränderung. 

Oxal saures Amnion veranlasst bald Trübung, später geringen 
Niederschlag. 

Gerbsäure bewirkt keine Veränderung. 

J o d k a 1 i u m - S t ä r k e k 1 e i s t e r unter Zusatz v< >n etwas Schwefel- 
säure veranlasst keine Bläuung. 

Mit Kalilauge versetzte Auflösung von Jodkalium-Quecksilber- 
jodid bewirkt keine Färbung. 

l»as zur eigentlichen Analyse erforderliche grosse Wasserquantum 
wurde von mir am 17. September 1877 der Schachtquelle entnommen 
und in grossen, mit Glasstopfen versehenen Flaschen in mein Laboratorium 
nach Wiesbaden transportirt. 

Die qualitative Analyse des Wassers, ausgeführt nach der in meiner 
Anleitung zur qualitativen Analyse, 14. Auflage, §. 211, angegebenen 
Methode, Hess folgende Bestandteile erkennen: 



Basen: 
Natron, 
Kali, 

(Caesion), 
(Eubidion), 
Lithion, 
Kalk, 
(Baryt), 
Strontian, 
Magnesia, 
(Eisenoxydul). 



Säuren und Halogene: 

Kohlensäure, 

Schwefelsäure, 

Phosphorsäure, 
Kieselsäure, 

(I torsäure), 

(Salpetersäure). 

Chlor, 

Brom, 

(Jod). 



— 57 — 

I n d i f t'e re n t e H e Btandtheile: 
Sauerstoff, 
Stickstoff. 

Die eingeklammerten Bestandtheile sind in unbestimmbarer Menge 
zugegen. Zur Nachweisung des Caesions. Rubidions und Jods wurden 
etwa 60 Liter Wasser verwandt. Die Nachweisung des in unendlich 
kleinen Spuren vorhandenen Eisens wurde in der Art bewirkt, dass 
ti Liter Wasser anter Zusatz von ein wenig Salzsäure bis auf einen 
ganz kleinen Rest eingedampft wurden und zwar — um jede Verun- 
reinigung durch Staub abzuhalten -- in einer Retorte. Die rückständige 
geringe Menge saurer Flüssigkeit Hess - mit Rhodankalium geprüft - 
eben noch eine ganz geringe Spur Eisen erkennen. 

Die quantitative Analyse des Wassers wurde nach der Methode 
ausgeführt, welche ich in der sechsten Auflage meiner Anleitung- zur 
quantitativen Analyse §. 209 mitgetheilt habe. 

Im Folgenden gebe ich unter I die Öriginalzahlen in Grammen, 
unter II die Berechnung, unter III die Controle der Analyse und unter 
IV die Zusammenstellung der Resultate. 






I. Öriginalzahlen in Grammen. 

1. Bestimmung des Chlors. 

a) 2630,5Grm. Wasser lieferten, durch Abdampfen 
concentrirt, mit Salpetersäure angesäuert und mit 
salpetersaurem Süberoxyd gefällt, 1,7891 Grm. Chlor- 

und Bromsilber, entsprechend 0,680137 p. M. 

b) 2453,7 Grm. Wasser lieferten 1,6708 Grm. 

Chlor- und Bromsilber, entsprechend 0,680931 » » 

Mittel . . 0,680534 p. M. 
Zieht man hiervon ab die geringe Menge Brom- 
silber, welche (nach 2) dem vorhandenen Brom ent- 
spricht, nämlich 0,000204 » » 

so bleibt Chlorsilber 0,680330 p. M. 

entsprechend Chlor 0,168244 » » 

2. Bestimmung des Broms. 

61601 Grm. Wasser lieferten, nachdem sie von der grössten Menge 
der Chloralkalimetalle befreit waren (a. a. O. §. 209, 6), mit Salpeter- 



— 58 — 

säure angesäuert und mit salpetersaurem Silberoxyd gefällt 2,0861 Grm. 
Chlor- und Bromsilber. 

1,8917 Grm. desselben lieferten, im Chlorstrom ge- 
schmolzen, eine Gewichtsabnahme von 0,0027 Grm.; der 
ganze Niederschlag würde also abgenommen haben um 
0,002977 Grm. Hieraus berechnet sich ein Gehalt an 
Brom von 0,005350 Grm., entsprechend .... 0,000087 p. M. 

3. Bestimmung der Kohlensäure. 

Zur Bestimmung der Kohlensäure mussten, da dieselbe nur in relativ 
sehr geringer Menge zugegen ist, viel grössere, Wassermengen verwandt 
werden, als dies bei den meisten anderen Mineralwassern erforderlich ist. 
Die sammt Inhalt und Stopfen gewogenen Flaschen, welche zur Aufnahme 
des der Quelle frisch entnommenen Wassers betimmt waren, enthielten eine 
klare Mischung von Barytwasser mit etwas Chlorbaryumlösung. Man filtrirte 
dieselbe in die mit von Kohlensäure befreiter Luft gefüllte Flaschen. 

Nach dem Einfüllen des Wassers wurden die Stopfen fest eingedreht 
und überbunden. Nachdem das Gewicht der gefüllten Flaschen wieder 
bestimmt und somit die Wassermengen bekannt waren, welche man in 
jede Flasche gebracht hatte, filtrirte man nach 2 Tagen die überstehende 
klare Flüssigkeit unter möglichst vollständigem Abschluss der Luft rasch 
ab, brachte Filter sammt Niederschlag in kleine Kochfläschchen und be- 
stimmte alsdann die Kohlensäure nach der in meiner Anleitung zur 
quantitativen Analyse, sechste Auflage, Bd. I, S. -449, beschriebenen 
Methode. Bei der geringen Menge überhaupt vorhandener Kohlensäure 
brachte ich für die Kohlensäure eine Correction an, welche in Form 
von kohlensaurem Baryt gelöst bleiben musste, und legte dabei das 
Löslichkeitsverhältniss 1 : 14137 zu Grunde. 

a) 1227,3 Grm. Wasser lieferten Koh- 
lensäure 0,0902 

hierzu Correction für gelöst gebliebenen 

kohlensauren Baryt 0,0194 

0,1096 
entsprechend 0,089302 p. M. 

b) 1535,8 Grm. Wasser lieferten Koh- 
lensäure 0,1139 

hierzu Correction 0,0243 

0,1382 

entsprechend 0,089 986 » » 

Mittel . . 0,089644 p. M. 



59 

4. Bestimmung der Schwefelsäure. 

a) 4SI:;, 2 Grm. Wasser lieferten 0,0891 Gnu. 
schwefelsauren Baryt, entsprechend 0,030592 Gnu. 
Schwefelsäure oder 0,006316 p. M. 

b) 4987,6 Grm. Wasser lieferten 0,0931 Grm. 
schwefelsauren Baryt entsprechend 0,031906 Grm. 
Schwefelsäure oder 0,006409 » » 

Mittel . . 0,006363 p. M. 

5. Bestimmung der Kieselsäure. 

a) 47M.1 Gnu. Wasser lieferten, in einer Platin- 
schale mit Salzsäure zur Trockne verdampft, 0,1582 Grm. 

Kieselsäure, entsprechend 0,033277 p. M. 

b) 6250.0 Grm. lieferten 0,2089 Grm. Kieselsäure, 
entsprechend 0,033424 » » 

Mittel . . 0,033351 p. M. 

6. Bestimmung des Kalks. 

a) Das Filtrat von 5a lieferte, mit oxalsaurem 
Amnion gefällt, und nach Ueberführung der Oxal- 
säuren Basen in kohlensaure Verbindungen, 0,1840 Grm. 

oder 0,038703 p. M. 

b) Das Filtrat von 5b lieferte 0,2423 Grm. oder 0,038768 » » 

Mittel . . 0,038736 p. M. 
Davon geht ab nach 11. kohlensaurer Strontian 0,000331 » » 

bleibt kohlensaurer Kalk 0,038405 p. M. 

entsprechend Kalk 0,021507 



» » 



7. Bestimmung der Magnesia. 

a) Das Filtrat von 6a lieferte pyrophosphorsaure 

Magnesia 0,0556 Grm., entsprechend Magnesia . . 0,004214 p. M. 

b) Das Filtrat von 6b lieferte pyrophosphorsaure 

Magnesia 0,0721 Grm., entsprechend Magnesia . . 0,004157 » » 

Mittel . . 0,004186 p. M. 

8. Bestimmung der Chloralkalimetalle. 

a) 4843,2 Grm. Wasser lieferten 1,4361 Grm. 
vollkommen reine Chloralkalimetalle, entsprechend . . 0,296519 p. M, 



— 60 — 

b) 4987,6 Grm. Wasser lieferten 1,4759 Grm., ent- 
sprechend 0,295914 p. M. 

Mittel . . 0,296217 p. M. 
9) Bestimmung des Kalis. 

a) Die in Sa erhaltenen Chloralkalimetalle lieferten 
reines wasserfreies Kaliumplatinchlorid 0,3305 Grm., 
entsprechend Kali 0,013176 p. M. 

b) Die in 81» erhaltenen Chloralkalimetalle lie- 
ferten 0,3413 Grm. Kaliumplatinchlorid, entsprechend 

Kali 0,013212 » » 



Mittel . . 0,013194 p. M. 

10. Bestimmung' des Lithions. 

40876 Grm. Wasser lieferten 0,1122 Grm. basisch 
phosphorsaures Lithion, entsprechend 0,043561 Grm. 
Lithion oder 0,001066 p. M. 

11. Bestimmung- des Strontians. 

61601 Grm. Wasser lieferten 0,0254 Grm. reinen 
schwefelsauren Strontian, entsprechend 0,014326 Grm. 
Strontian oder 0,000232 p. M. 

12. Bestimmung der Phosphorsäure. 

a) 21191 Grm. Wasser lieferten, nach Abscheidung 
der Phosphorsäure als phosphormolybdänsaures Am- 
nion etc., 0,0023 Grm. pyrophosphorsaure Magnesia, ent- 
sprechend Phosphorsäure 0,000069 p. M. 

b) 19685 Grm. Wasser lieferten 0,0020 Grm. pyro- 
phosphorsaure Magnesia, entsprechend Phosphorsüure 0.000065 » » 



Mittel . . 0,000067 p. M. 
13. Bestimmung des Natrons. 

Die Summe der Chloralkalimetalle beträgt (nach 8) 0,296217 p. M. 
Davon gehen ab die dem gefundenen Kali und 
Lithion entsprechenden Mengen Chlorkalium und Chlor- 
lithium, nämlich: 

Chlorkalium 0,020881 p. M. 

Chlorlithium 0,003015 » » 

zusammen . . 0,023896 



» » 



liest: Chlornatrium . . 0,272321 p. M. 
entsprechend Natron 0,144493 » » 



— (51 — 

14. Bestimmung des fixen Rückstandes und der daraus 
durch Behandlung mit Schwefelsäure und Glühen 
in einer Atmosphäre von kohlensaurem Amnion er- 
haltenen neutralen Sulfate. 

a) 1005,7 Gnu. Wasser lieferten 0,3819 Gnn. 

bei 180° C. getrockneten Rückstand, entsprechend . 0,379735 p. M. 

b) nach [Jeherführung des Rückstandes in neutrale 

Sulfate 0,4614 Gnn.. entsprechend 0,458785 » » 

15. Directe Bestimmung- der kohlensauren Alkalien. 

5635 Gnn. Wasser wurden eingedampft, die concentrirte heisse Flüs- 
sigkeit filtrirt und wieder eingedampft. Zur Neutralisation der so erhal- 
tenen schwach alkalischen Flüssigkeit waren erforderlich 5,44 CC. 
Zehntel-Normalsalzsäure. Irgend bestimmbare Spuren von Kalk oder 
Magnesia waren in der so erhaltenen Flüssigkeit nicht vorhanden. 

16. Bestimmung der im Wasser aufgelösten Gase. 
Dieselbe wurde ausgeführt nach §.208. 10b meiner Anleitung zur 

quantitativen Analyse. 6. Auflage. 

(i-'JO CC. Wasser von Quellentemperatur lieferten bei vier Aus- 
kochungen im Mittel 8,73 CC, somit im Ganzen 34,92 CC. über Kali- 
lauge aufgefangene Gase, bei 755 Mm. Barometerstand und 17,(3° C. 
im feuchten Zustande gemessen. Es entspricht dies 31,96 CC. trockenem 
Gase von 0° und bei normalem Drucke, oder in 1000 Grammen (1 Liter 
Schlangenhader Wasser von 31 °C. wiegt 999,7 Gnn.) 12,68 CC. 

19,6 CC. dieser Gase, bei 18° C. und 708,65 Mm. Druck feucht 
gemessen, lieferten — nach Absorption des Sauerstoffs durch pyro- 
gallussaures Kali — 15,6 CC. von 17,5° C. und 688,1 Mm. Der Rest 
des Gases enthielt kein leichtes Kohlenwasserstoffgas und erwies sich 
als Stickgas. 

Danach bestehen die in 1000 Grm. Schlangenbader Wasser enthal- 
tenen Gase aus 2,86 CC. Sauerstoff und 9,82 CC. Stickstoff, bei 0° und 
normalem Barometerstand trocken gemessen, entsprechend 0,004101 Grm. 
Sauerstoff und 0,012320 Grm. Stickstoff. 

II. Berechnung der Analyse. 
a) Schwefelsaures Kali. 

Schwefelsäure ist vorhanden (nach 4) 0,006363 p. M. 

bindend Kali 0,007497 » » 

zu schwefelsaurem Kali . . 0,013860 p. M. 



— 62 



b) Chlorkalium. 



Kali ist vorhanden (nach 9) 0,013194 p. M. 

Davon ist gebunden an Schwefelsäure 0,007497 » » 

Eest . . 0,005697 p. M. 

entsprechend Kalium 0,004730 » » 

bindend Chlor 0,004286 » » 

zu Chlorkalium . . 0,009016 p. M. 

c) Chlornatrium. 

Chlor ist vorhanden (nach 1) 0,168244 p. M. 

Davon ist gebunden an Kalium 0,004286 » » 

Eest . . 0,163958 p. M. 

bindend Natrium 0,106531 » » 



zu Chlornatrium . . 0,270489 p. M. 



d) Bromnatrium. 



Brom ist vorhanden (nach 2) 0,000087 p. M. 

bindend Natrium 0,000025 » » 



'V 



zu Bromnatrium 0,000112 p. M. 

e) Phosphorsaures Natron. 

Phosphorsäure ist vorhanden (nach 12) 0,000067 p. M. 

bindend Natron (2 Aequivalente) 0,000059 » » 

bindend basisches Wasser 0,000008 » » 

zu phosphorsaurem Natron (2 NaO, HO, POs) . . 0,000134 p. M. 

f) Kohlensaures Lithion. 

Lithion ist vorhanden (nach 10) 0,001066 p. M. 

bindend Kohlensäure 0,001561 » » 

zu einfach kohlensaurem Lithion . . 0,002627 p. M. 

g) Kohlensaures Natron. 

Natron ist vorhanden (nach 13) 0,144493 p. M. 

Davon ist gebunden: 









— 63 



an Phosphorsäure 

als Natrium an Chlor 
v "■> Brom 



0,000059 p. M. 
0,143521 » » 
0,000034 » » 

zusammen . . 

Rest . . 



bindend Kohlensäure 

zu einfach kohlensaurem Natron 



h) Kohlensaurer Strontian. 

Strontian ist vorhanden (nach 11) 
bindend Kohlensäure . 



zu einfach kohlensaurem Strontian 

i) Kohlensaurer Kalk. 

Kalk ist vorhanden (nach 6) 

bindend Kohlensäure 

zu einfach kohlensaurem Kalk 

k) Kohlensaure Magnesia. 

Magnesia ist vorhanden (nach 7) 

bindend Kohlensäure 

zu einfach kohlensaurer Magnesia 

1) Kieselsäure. 
Kieselsäure ist vorhanden (nach 5) . . . 



m) Freie Kohlensäure. 
Kohlensäure ist im Ganzen vorhanden (nach 3) 
Davon ist gebunden zu neutralen Salzen: 

an Natron 0,000623 i 

» Lithion 0,001561 

» Strontian 0,000099 

» Kalk 0,016898 

» Magnesia 0,004605 

zusammen 

Zu übertragen: Rest 



0,143614 p. M. 

0,000879 p. M. 
0,000623 » » 

0,001502 p. M. 



0,000232 p. M. 
0,000099 » » 

0,000331 p. M. 



0,021507 p. M. 

0,016898 » » 

0,038405 p. M. 



0,004186 p. M. 
0,004605 » » 

0,008791 p. M. 



0,033351 p. M. 



0,089644 p. M. 



M. 

» 
» 
» 
» 



0,023786 » » 
0,065858 p. M. 



— 64 — 

Uebertrag: Rest . . 0,065858 p. M. 
Davon ist mit den einfach kohlensauren Salzen zu 

Bicarbonaten verbunden 0,023786 » » 

Rest : völlig freie Kohlensäure . . 0,042072 p. M. 

III. Controle der Analyse. 

a) Berechnet man die einzelnen Bestandteile des Wassers auf den 

Zustand, in welchem sie in dem Rückstande enthalten sein müssen, der 

in 14 durch Abdampfen mit Schwefelsäure und Glühen in einer Atmosphäre 

von kohlensaurem Amnion erhalten wurde, so erhält man folgende Zahlen: 

Gefunden Natron 0,144493 p. M., berechnet als schwe- 
felsaures Natron 0,330695 p. M. 

» Kali 0,013194 p. M., berechnet als schwefel- 
saures Kali 0,024392 » » 

» Lithion 0,001066 p. M., berechnet als schwe- 

felsanres Lithion 0,003905 » » 

» Kalk 0,021507 p. M., berechnet als schwe- 
felsaurer Kalk 0,052231 » » 

» Strontian 0,000232 p. M., berechnet als 

schwefelsaurer Strontian 0,000411 » » 

» Magnesia 0,004186 p. M., berechnet als 

schwefelsaure Magnesia 0,012558 » » 

» Kieselsäure . 0,033351 » » 

» Phosphorsall res Natron 0,000134 p. M., be- 

rechnet als pyrophosphorsaures Natron . . 0,000126 » » 

Summe . . 0,457669 p. M. 
Hiervon ab schwefelsaures Natron für phosphorsaures 

Natron 0,000135 » » 

bleiben Sulfate etc. . . 0,457534 p. M. 
Direct gefunden wurden in 14 0,d58785 » » 

bj Berechnet man aus der in 15 gefundenen Al- 
kalinität des eingedampften und filtrirten Wassers, 
welcher Menge kohlensauren Natrons dieselbe ent- 
spricht, so erhält man 0,005120 p. M. 

Gefunden wurde 0,001502 p. M. 

Hierzu die dem kohlensauren Lithion 

äquivalente Menge .... 0,003764 » » 

zusammen . . 0,005266 » » 



» » 

» » 

» » 

» » 

» » 



65 



IV. Zusammenstellung der Resultate. 

In 1000 Gewichtstheilen Wasser sind folgende Bestandtheüe ent- 
halten: 

;D Die kohlensauren Salz.' als einfache Carhonate und sämmtliche 
Salze ohne Erystallwasser berechnet: 

a) In wägbarer Menge vorhandene Bestandtheüe : 

Schwefelsaures Kali 0,013860 p. M. 

Chlorkalium 0,009010 

Chlornatrium 270489 

Bromnatrium 0,000112 

Phosphorsaures Natron 0,000134 

Kohlensaures Natron 0,001502 

Kohlensaures Lithion 0,002627 » » 

Kohlensaurer Kalk 0,038405 » » 

Kohlensaurer Strontian 0,000331 » » 

Kohlensaure Magnesia 0,008791 » » 

Kieselsäure 0,033351 » 

Summe . . 0,378618 p. M 
Kohlensäure, mit den einfachen Carhonaten zu Bicarbo- 

naten verbundene 0,023786 p. M 

Kohlensäure, völlig freie 0,042072 » » 

Stickstoff 0,012320 

Sauerstoff 0,004101 

Summe aller Bestandtheüe . . 0,460897 p. M. 

ß) In unwägbarer Menge vorhandene Bestandtheüe : 

Chlorcaesium, brichst geringe Spur. 
Chlorrubidium, » » » 

Borsaures Natron, geringe Spur. 
Salpetersaures Natron, geringe Spur. 
Jodnatrium, geringe Spur. 
Kohlensaurer Baryt, sehr geringe Spur. 
Kohlensaures Eisenoxydul, sehr geringe Spur. 

b) Die kohlensauren Salze als wasserfreie Bicarbonate und sämmt- 
liche Salze olme Krystallwasser berechnet: 

Jahrb. d. naas. Ver. f. Nat. XXXI u. XXXII. 5 



» 



» » 
» » 



— 66 — 

u) In wägbarer Menge vorhandene Bestandtheile : 

Schwefelsaures Kali 0,013860 p. M. 

Chlorkalium 0,009016 » » 

Chlornatrium 0,270489 » » 

Bromnatrium 0,000112 » » 

Phosphorsaures Natron 0,000134 » » 

Doppelt kohlensaures Natron 0,002125 » » 

» » Lithion 0,004188 » » 

» kohlensaurer Kalk 0,055303 » » 

» » Strontian . 0,000430 » » 

» kohlensaure Magnesia 0,013396 » » 

Kieselsäure 0,033351 » » 

Summe . . 0,402404 p. M. 

Kohlensäure, völlig freie 0,042072 » » 

Stickstort" 0,012320 » » 

Sauerstoff 0,004101 » » 

Summe aller Bestandtheile . . 0,460897 p. M. 

(3) In unwägbarer Menge vorhandene Bestandtheile: 
(Vergleiche Zusammenstellung a.) 

Auf Volumina berechnet, beträgt bei Quellentemperatur und Normal- 
barometerstand: 

a) Die völlig freie Kohlensäure in 1000 CC. Wasser . . 23,77 CC. 

b) die freie u. halbgebundene Kohlensäure in 1000 CC. Wasser 37,21 » 

c) der Stickstoff in 1000 CC. Wasser 10,93 » 

d) der Sauerstoff » » » » 3,19 



» 



B. Die anderen Quellen. 

Vergleicht man die Beactionen, welche das Wasser der anderen 
Schlangenbader Thermen gibt, mit denen der Schachtquelle, so lässt sich 
ein wahrnehmbarer Unterschied nicht finden. Dieselben haben somit 
ganz denselben Charakter, und auch in Betreff der Menge der aufgelösten 
Bestandtheile lassen sich zwischen den einzelnen Quellen keine erheb- 
lichen Unterschiede nachweisen. 

Da die Chloralkalinietalle fast 74 Procent aller gelösten Bestand- 
theile ausmachen, so eignet sich die Bestimmung des Chlors am meisten, 
um Concentrations-Unterschiede erkennen zu lassen. Aus diesem Grunde 









— 67 — 

winde auch der Chlorgehalt der Übrigen Quellen bestimmt. Die folgende 
Zusammenstellung belehrt über die erhaltenen Resultate: 

Chlorgehalt in 1000 Gewichtstheilen (einschliesslich des geringen 

Gehaltes an Brom): 

1. Die Quellen des oberen Kurhauses enthalten 

Chlor 0,17532 p. M. 

2. Die Röhrenbrunnenquelle enthält .... 0,16866 » » 

3. Die Schachtquelle 0,16829 

4. Die Quellen des mittleren Kurhauses . . . 0,16812 

5. Die Pferdebadquelle 0,16982 : 



» » 
» » 



o 

Es ergibt sich daraus, dass der Röhrenbrunnen, die Schachtquelle, 
die Quellen des mittleren Kurhauses und die Pferdebadquelle gleiche 
Concentration haben, während die der Quellen des oberen Kurhauses ein 
wenig grösser ist. 

Vergleichung der Resultate der 1852 ausgeführten Analyse mit 

den 1877 erhaltenen. 

Das Schlangenbader Thermalwasser, welches ich 1852 analysirte, 
war das des mittleren Kurhauses, während 1877 das der Schachtquelle 
untersucht wurde. 

Beziehen sich somit die damals und jetzt erhaltenen Zahlen auch 
nicht auf ganz dieselbe Quelle, so ist doch bei der kaum wahrnehm- 
baren Differenz der Schlangenbader Thermen eine Vergleichung der damals 
und jetzt gewonnenen Resultate zulässig und dies um so mehr, als aus 
der oben mitgetheilten Bestimmung des Chlorgehaltes sämmtlicher Quellen 
sich vollständige Uebereinstimmung zwischen der Schachtquelle und dem 
Wasser des mittleren Kurhauses ergibt. 

Eine Vergleichung der Resultate führt dann am besten zum Ziele, 
wenn man — so wie es in der folgenden Zusammenstellung geschieht — 
die Mengen der einzelnen Basen und Säuren direct mit einander vergleicht. 

In wägbarer Menge vorhandene Bestandteile in 1000 Gewichtstheilen 

Wasser. 

Quellen des mittleren Kurhauses: Schachtquelle: 
1852 1877 1877 

Kali 0,010111 nicht bestimmt 0,013194 

Natron 0,132346 » 0,144493 

Lithion nicht bestimmt » 0,001066 

5* 



68 



Quellen des mittleren Kurhauses: Sehaehtquelle: 

1852 1877 1877 

Kalk 0,018293 nicht bestimmt 0,021507 

Magnesia 0,002900 0,004186 

Strontian nicht bestimmt » 0,000232 

Kohlensäure .... 0,108884 » 0,089644 

Schwefelsäure .... 0,005449 0,006363 

Kieselsäure .... 0,032623 0,033351 

Phosphorsälire . . . 0,000331 » 0,000067 

Chlor 0,147050 0,168122 0,168244 

Brom nicht bestimmt nicht bestimmt 0,000087 

Summe der festen Be- 

standtheile .... 0,337884 » 0,378618 

Aus dieser Vergleichung ergeben sich folgende Schlussfolgerungen : 

1. Das Wasser der Schlangenbader Thermen hat sich in dem Zeit- 
räume von 1852 — 1877 in seinem Gesammt- Charakter nicht geändert. 

2. Das Wasser der Schlangenbader Thermen erwies sich 1877 etwas 
reicher an gelösten festen Bestandteilen als 1852, und zwar im Ver- 
hältnisse 338 : 379 oder 100 : 112. 

3. An dieser Zunahme sind alle Bestandtheile betheiligt. (In Be- 
treff der Phosphorsäure, welche eine Ausnahme zu machen scheint, ist 
zu bemerken, dass 1852 die zur Bestimmung kleiner Phosphorsäure- 
Meiigen so überaus geeignete Molybdänmethode noch nicht bekannt war.) 

4. Dass diese Schlussfolgerungen gerechtfertigt sind, obgleich 1852 
das Wasser des mittleren Kurhauses, 1877 dagegen das der Schacht- 
quelle untersucht wurde, ergibt sich daraus, dass auch der Chlorgehalt 
des Wassers des mittleren Kurhauses in gleichem Maasse zugenommen hat. 

5. Die Menge der im Ganzen vorhandenen Kohlensäure erwies sich 

in dem 1852 untersuchten Wasser des mittleren Kurhauses etwas höher 

als in dem der Schachtquelle. Vergleicht man, welche Antheile derselben 

gebunden und welche frei in dem Wasser vorhanden sind, so ergibt sich 

folgendes : 

Wasser des mittleren Kurhauses: Sehaehtquelle: 

1852 1877 

Kohlensäure, mit Basen zu einfachen p. M. p. M. 

Carhonaten verbundene .... 0,021903 0,023786 
Kohlensäure, mit Carhonaten zu Bi- 

carbonaten verbundene .... 0,021903 0,023786 

Kohlensäure, völlig freie . . . . 0,065078 0,042072 

zusammen . . 0,108884 0,089644 



— 69 — 

Man erkenn! somit, dass die Menge der ganz und halbgebundenen 
Kohlensäure 1877 sieh etwas grösser, die Menge der völlig freien Kohlen- 
säure aber etwas geringer erwies als 1852. 



Schlusswort. 

In meiner Abhandlung über die Quellen zu Schlangenbad vom 
Jahre 1852 gab ich auf der letzten Seite eine Vergleichnng der von mir 
erhaltenen Zahlen mit denen, welche Kastner, etwa 1830, erhalten 
hatte. Es ergab sieb daraus nicht die geringste Uebereinstimmung, weder 
im Hinblick auf die Gesammtmenge an fixen Bestandteilen, noch in 
Betreff des Verhältnisses der einzelnen gelösten Stoffe, noch endlich be- 
züglicb der Art derselben. Ich schloss damals meine Abhandlung mit 
den Worten: 

„Ich halte es aber für vorsichtiger, diese Frage (nämlich die, ob 
sieh das Schlangenbader Wasser von 1830 bis 1852 wesentlich geändert 
habe) so lange unentschieden zu lassen, bis eine nach 10 oder 20 Jahren 
anzustellende Analyse, bei deren Ausführung ich natürlich dieselbe Sorg- 
falt voraussetzen muss, mit der die Untersuchung meinerseits ausgeführt 
wurde, darüber Gewissheit gibt." 

Heute — nach etwa 26 Jahren — bin ich nun in der Lage, die 
damals offen gelassene Frage beantworten zu können und zwar dabin, 
dass das Schlangenbader Wasser in seinem Gehalte an gelösten Bestand- 
teilen zwar auch Schwankungen unterliegt, wie dies bei allen oder fast 
allen Mineralquellen beobachtet wird, dass die Schwankungen aber nur 
sehr gering sind und den Gesammtcharakter des Schlangenbader Thermal- 
wassers in keiner Weise ändern. 



70 



Chemische Analyse der Wilhelms-Quelle zu Kronthal. 

Von 

Dr. R. Fresenius, 

Geheimem Hofratlie und Professor. 



Das Kronthaler Mineralwasser ist schon seit Jahrhunderten bekannt 
und geschätzt. Tabernaemontanus widmete demselben in seinem 
,,Neuw Wasserschatz, das ist von allen heylsamen metallischen mi- 
norischen Bädern und Wassern etc.", gedruckt zu Frankfurt a. Mayn 1584, 
ein besonderes, das 69. Capitel: „Von dem Kronenburger Sauerbrunnen 
und von seiner Krafft und Wirkung". 

Auf den Werth und die Bedeutung der Quellen machte in diesem 
Jahrhundert namentlich Mcdicinalrath Dr. F. Küster aufmerksam*). 
Die in dem von Norden nach Süden ziehenden Wiesenthal gelegenen 
Quellen waren, als derselbe 1818 als Physikus nach Kronberg kam, in 
vernachlässigtem Zustande. Er Hess sie 1821 fassen und errichtete 1833 
das an dem nördlichen Ende des Thaies gelegene. Kurhaus. Als die 
wirksamsten und besten der Kronthaler Mineralquellen erwiesen sich 
bald die Wilhelmsquelle und die Stahlquelle. 

Die Wilbelmsquelle, etwa in der Mitte der Thalsohle unterhalb des 
Kurhauses gelegen, hat in neuerer Zeit eine ganz solide Fassung er- 
halten. Ein runder, in Content ausgeführter Schacht geht durch den 
den Taunusschiefer überlagernden Torf und Letten bis auf den Fels, 
so dass das Tagwasser von der Quelle völlig ausgeschlossen ist. Die 
Höhe des Schachtes von dem Niveau des Wassers bis zum Felsen 
beträgt etwa 3 Meter. — Der Schacht ist oben geschlossen und das 
Wasser der Quelle hat seinen Ablauf an 3 Krahnen. Die Quelle be- 
findet sich in einem kleinen verschliessbaren Hause. 

Auf den Wunsch der gegenwärtigen Besitzer der Wilhelmsquello, 
der Herren Gogol und Brünier in Frankfurt a. M. und Kronthal, 



*) Die Nassauischen Heilquellen, Wiesbaden, bei C.W. Krcidcl 1851, 
S. 82. 



ii 



— 71 — 

welche das Wasser der Wilhelmsquclle in mit natürlicher Kohlensäure 
übersättigtem Zustande in den Handel bringen, unternahm ich eine um- 
fassende chemische Analyse des Mineralwassers, wie es die Quelle, liefert. 

Ich begab mich zu dem Ende am 11. November 1878 nach Kron- 
thal, um das zur Analyse erforderliche Wasser zu füllen und die Opera- 
tionen auszuführen oder vorzubereiten, welche an der Quelle selbst vor- 
genommen werden müssen. 

Die Temperatur des Wassers fand ich gleich 13,45° C. oder 
10.7t»° R. bei 6° E. Temperatur der Luft. 

Das der Quelle frisch entnommene Wasser ist ganz klar und 
farblos; es hat einen sehr angenehmen, weichen, prickelnden, schwach 
salinischen, etwas eisenartigen Geschmack. Einen Geruch hat das 
Wasser nicht. Füllt man dasselbe in ein Glas, so setzen sich an den 
Wandungen zahlreiche Gasperlen an. Schüttelt man es in halbgefüllter 
Flasche, so entbindet sich viel Kohlensäure. Auch an dem durch 
solches Ausschütteln von Kohlensäure befreiten Wasser bemerkt man 
keinen Geruch. 

Was die Menge des Wassers betrifft, welches die Quelle gibt, 
so konnte, da die drei Ablaufkrahnen nicht alles Wasser der Quelle 
liefern, eine Messung der an den Erahnen ablaufenden Quantitäten kein 
brauchbares Resultat geben. Ich theile daher nur die Erfahrung der 
Herren Gogel und Brünier mit, welche dahin geht, dass man der 
Quelle in der Stunde 1200 Liter Wasser entnehmen kann, ohne dass 
der Ausiluss des Wassers an den Krahnen aufhört, also ohne dass das 
Niveau des Wassers in dem Schachte sich ändert. — Die Menge der 
freien Kohlensäure, welche die Quelle liefert, ist sehr gross, Hess 
sich aber hei dem geschlossenen Zustande des Quellenschachtes nicht 
messen. Sie wird in das zur Uebersättigung und Füllung des Wassers 
dienende Gebäude geleitet und in Gasometern aufgefangen. 

Lässt man das der Quelle entnommene Wasser in nicht völlig ge- 
schlossener Flasche stehen, so wird es unter dem Einflüsse des 
atmosphärischen Sauerstoffes auf das gelöste doppelt kohlensaure 
Eisenoxydul anfangs opalisirend, allmählich aber setzt sich ein ocker- 
farbiger Niederschlag fest ab. Ein gleicher bildet sich in den Abfiuss- 
rinnen, in welche die Krahnen das Wasser der Quelle ergiessen. 

Das speeifische Gewicht des Wassers ergab sich hei 14° C. 
zu 1,003130. 

Zu Reagentien zeigte das der Quelle frisch entnommene Mineral- 
wasser folgendes Verhalten: 



72 — 



Blaues Lackmuspapier färbt sich im Wasser roth, beim Liegen 
an der Luft wird es wieder blau. 

Curcumapapier bleibt im Wasser unverändert; trocknet man 
aber die eingetaucht gewesenen Streifen, so erweisen sie sich schwach 
gebräunt. 

Salzsäure bewirkt massiges Aufbrausen. 

Chlorbaryum erzeugt in dem mit Salzsäure schwach angesäuerten 
Wasser erst allmählich Trübung und Niederschlag. 

Ammuii bewirkt sofort weissliche Trübung, später Niederschlag. 

Salpetersaures Silberoxyd bewirkt in dem mit Salpetersäure 
angesäuerten Wasser sogleich starken Niederschlag. 

Oxal saures Amnion bewirkt starke weisse Fällung. 

Gerbsäure lässt das Wasser anfangs farblos, bald aber tritt roth- 
violette Färbung ein. 

Gallussäure bewirkt anfangs keine, bald aber eine blauviolette 
Färbung. 

Beim andauernden Kochen entsteht ein durch Eisenoxydhydrat 
gefärbter, grobkrystallinischer, der Hauptsache nach aus kohlensauren) 
Kalk und kohlensaurer Magnesia bestehender Niederschlag. Das von 
demselben getrennte Filtrat reagirt deutlich alkalisch. Es enthält nur 
noch Spuren von Kalk, aber noch erhebliche Mengen von Magnesia. 

Die qualitative Analyse liess folgende Bestandteile in dem 
Wasser erkennen: 



Basen: 
Natron 
Kali 

(Caesion) 
(Rubidion) 
Lithion 
(Amnion) 
Kalk 
Strontian 
Baryt 
Magnesia 
(Thonerde) 
Eisenoxydul 
Manganoxydul. 



Säuren und Halogene: 
Chlor 
Brom 
Jod 

Schwefelsäure 
Phosphorsäure 
Kohlensäure 
Kieselsäure 
(Borsäure) 
(Arsensäure). 



— 73 — 

Indifferente Bestandtheile: 
(Stickgas) 
(Organische Substanzen). 

Die eingeklammerten Bestandtheile wurden ihrer sehr geringen Menge 
halber nicht quantitativ bestimmt. 

Das zur quantitativen Analyse erforderliche Wasser entnahm 
ich, wie erwähnt, am 11. November 1878 selbst der Quelle. Es wurde 
in mit eingeschliffenen Glasstopfen versehenen Glasflaschen in mein 
Laboratorium nach Wiesbaden transportirt. 

Die Methode der Untersuchung war genau die in meiner Anleitung 
zur quantitativen Analyse, 6. Auflage, §§. 206 — 210 angegebene. 

Im Folgenden gebe ich unter I. die Originalzahlen der Analyse, 
unter II. die Berechnung und unter III. die Controle der Analyse. 
IV. endlich enthält die Zusammenstellung der Resultate. 

I. Originalzahlen in Grammen. 

1. Bestimmung des Chlors. 

a) 500,358 Grm. Wasser lieferten mit Salpeter- 
säure angesäuert und mit salpetersaurem Silberoxyd 
gefällt, 2,1088 Grm. Chlor-, Brom- und Jodsilber, 
entsprechend 4,214582 p. M. 

b) 500,982 Grm. Wasser lieferten 2,1131 Grm. 

Chlor-, Brom- und Jodsilber, entsprechend .... 4,217916 



» » 



Mittel . . 4,216249 p. M. 
Zieht man hiervon ab die geringen Mengen Brorn- 
und Jodsüber, welche (nach 2) dem vorhandenen 
Brom und Jod entsprechen, nämlich: 

für Brom Bromsilber 0,001170 p. M. 

für Jod Jodsilber 0,000016 » » 

in Summa . . 0,001186 p. M. 

so bleibt Chlorsilber 4,215063 p. M. 

entsprechend Chlor 1,042374 



» » 



2. Bestimmung des Jods und Broms. 

a) 61700 Grm. Wasser lieferten so viel freies, 



in Schwefelkohlenstoff gelöstes Jod, dass zu dessen 




l ^ 



-. 






MC 






74 — 

Deberführung in Jodnatrium 2,25 CC. einer Lösung 
von unterschwefligsaurem Natron gebraucht wurden, 
von welcher 4,31 CC. 0,001 Grm. Jod entsprachen. 
Daraus berechnet sich 0,000522 Grm. Jod, entsprechend 0,0000085 p. M. 

b) Die vom Jod befreite Flüssigkeit lieferte, mit 
salpetersaurem Silberoxyd gefällt, 2,3781 Grm. Chlor- 
und Bromsilber. 

a) 1,0992 Grm. desselben nahmen im Chlorstrom 
geschmolzen ab 0,0081 Grm., die 2,3781 Grm. hätten 
somit abgenommen 0,017524 Grm. 

ß) 1,0976 Grm. nahmen ab 0,0077 Grm., die 
2,3781 Grm. hätten somit abgenommen 0,01(3683 » 



Mittel . . 0,017103 Grm. 
Hieraus berechnet sich ein Gehalt an Brom für 
die 61700 Grm. Wasser von 0,030735 Grm., ent- 
sprechend 0,000498 p. M. 

3. Bestimmung der Kohlensäure. 

a) 257,705 Grm. Wasser lieferten in Natron- 
kalkröhren aufgefangene Kohlensäure 0,7200 Grm., 
entsprechend 2,793892 p. M. 

b) 248,774 Grm. Wasser lieferten 0,6937 Grm. 
Kohlensäure, entsprechend 2,788475 » » 

Mittel . . 2,791184 p. M. 

4. Bestimmung der Schwefelsäure. 

a) 1923,8 Grm. Wasser lieferten 0,0604 Grm. 
schwefelsauren Baryt, entsprechend Schwefelsäure . . 0,010779 p. M. 

b) 2022,0 Grm. Wasser lieferten 0,0643 Grm. 
schwefelsauren Baryt, entsprechend Schwefelsäure . . 0,010918 » » 



Mittel . . 0,010849 p. M 
5. Bestimmung der Kieselsäure. 

a) 5033,5 Grm. Wasser lieferten, in einer Platin- 
schale mit Salzsäure zur Trockne verdampft etc., 

0,5100 Grm. Kieselsäure, entsprechend . . . . . 0,101321 p. M 

b) 4865,2 Grm. Wasser lieferten 0,4907 Grm. 
Kie-elsäure. entsprechend 0,100859 » 



» 



Mittel . . 0,101090 p. M. 



75 

6. Bestimmung des Eisenoxyduls. 

a) Das Piltrat von 5a lieferte vollkommen reines 

Eisenoxyd 0,1038 Grrm., entsprechend Eisenoxydul . 0,018560 p. M. 

b) Das Piltrat von 5b lieferte 0,0988 Grm. Eisen- 
oxyd, entsprechend Eisenoxydul 0,018277 » » 



Mittel . . 0,018419 p. M. 
7. Bestimmung des Kalks. 



L ö 



a) Das Filtrat von 6a lieferte bei doppelter Fäl- 
lung mit oxalsaurem Amnion und Ueberfuhrung der 
Oxalsäuren Basen in kohlensaure Verbindungen 2,1133 

Grm. «Hier 0,419847 p. M. 

b) Das Filtrat von 6b lieferte 2,0476 Grm. oder 0,420866 » » 

Mittel . . 0,420357 p. M. 
Davon gebt ab (nach 13b) kohlensaurer Strontian 0,002019 » » 

Bleibt kohlensaurer Kalk 0,418338 p. M. 

entsprechend Kalk 0,234269 » » 

8. Bestimmung der Magnesia. 

a) Das Filtrat vun 7a lieferte pyrophosphorsaure 

Magnesia 0,6415 Grm., entsprechend Magnesia . . 0,045926 p. M. 

b) Das Filtrat von 7b lieferte 0,6204 Grm. pyro- 
phosphorsaure Magnesia, entsprechend Magnesia . . 0.04- r )952 » » 

Mittel . . 0,045939 p. M. 

9. Bestimmung der Chloralkalimetalle. 

a) 1923,8 Grm. Wasser lieferten 3,4817 Grm. 

vollkommen reine Chloralkalimetalle, entsprechend . 1,809803 p. M. 

b) 2022,0 Grm. Wasser lieferten 3,6573 Grm., 
entsprechend 1,808754 » » 



Mittel . . 1,809279 p. M. 

10. Bestimmung des Kalis. 

a) Die in 9a erhaltenen Cbloralkalimetalle lieferten 
reines wasserfreies Kaliumplatinchlorid 0,3567 Gnu., 
entsprechend Kali 0,035799 p. M. 



— 76 — 

b) Die in 9 h erhaltenen Chloralkalimetalle lie- 
ferten Kaliumplatinchlorid 0,3769 Grm., entsprechend 
Kali 0,035990 p. M. 

Mittel . . 0,035895 p. M. 
entsprechend Chlorkalium . . 0,056809 » » 

11. Bestimmung des Lithions. 

30850 Grm. Wasser lieferten 0,1141 Grm. basisch 
phosphorsaures Litliion, entsprechend 0,044299 Grm. 

Lithion oder 0,001436 p. M. 

entsprechend Chlorlithium . . 0,004061 » » 

12. Bestimmung der Phosphorsäure. 

5093 Grm. Wasser lieferten — nach Abscheidung 
der Phosphorsäure als phosphormolybdänsaures Am- 
nion etc. — 0,0038 Grm. pyrophosphorsaure Magnesia, 
entsprechend 0,002431 Grm. Phosphorsäure oder . . 0,000477 p. M. 

13. Bestimmung des Baryts, Strontians und Mangan- 
oxyduls. 

a) 61700 Grm. Wasser lieferten reinen schwefel- 
sauren Baryt 0,0281 Grm., entsprechend Baryt 

0,018452 Grm. oder 0,000299 p. M. 

b) 61700 Grm. Wasser lieferten reinen schwefel- 
sauren Strontian 0,1550 Grm., entsprechend Strontian 

0,087425 Grm. oder 0,001417 » » 

c) 61700 Grm. Wasser lieferten 0,1105 Grm. 
wasserfreies Mangansulfür, entsprechend 0,090178 Grm. 
Manganoxydul oder 0,001462 » » 

14. Bestimmung des Natrons. 

Die Summe der Chloralkalimetalle beträgt (nach 9) 1,809279 p. M. 

Hiervon geht ab: 
für Chlorkalium (nach 10) . . . 0,056809 p. M. 
für Chlorlithium (nach 11) . . . 0,004061 » » 0,060870 » » 

Bleibt Chlornatrium . . 1,748409 p. M. 
entsprechend Natron . . 0,927703 » » 



77 



15. Bestimmung des fixen Rückstandes und der daraus 
durch Behandlung mit Schwefelsäure und Glühen in 
einer Atmosphäre von kohlensaurem Amnion erhal- 
tenen neutralen Sulfate. 

282,483 Gm. Wasser gaben 0,6899 Gnu. bei 
180° C. getrockneten Rückstand, entsprechend 

Nach Behandeln mit Schwefelsäure lieferte der 

Rückstand 0,8539 Grm. Sulfate etc., entsprechend 



2,442271 p. M. 

3,022837 » » 



16. Bestimmung der Säure abstumpfenden Bestandteile 
des Wassers. 

a) 603,7 Grm. Wasser mit Normalsäure über- 
sättigt, die Kohlensäure durch Kochen verjagt und 
mit Normallauge zurücktitrirt, gebrauchten 7,11 CC. 
Normalsäure, demnach 1000 Grm. Wasser .... 11,777 CC. 

b) Zu 654,0 Grm. Wasser wurden gebraucht 

7,68 CC, demnach zu 1000 Grm 11,743 » 



Mittel 



11,760 CC. 



II. Berechnung der Analyse. 

a) Schwefelsaures Kali. 

Schwefelsäure ist vorhanden (nach 4) 0,010849 p. M. 

bindend Kali 0,012783 » » 

zu schwefelsaurem Kali 

b) Chlorkalium. 
Kali ist vorhanden (nach 10) 



0,023632 p. M. 



Davon ist gebunden an Schwefelsäure 



Rest 

entsprechend Kalium 

bindend Chlor 



0,035895 p. M. 
0,012783 » » 



0,023112 p. M. 
0,019189 » » 
0,017389 » » 



0,036578 p. M. 



zu Chlorkalium 

c) Bromnatrium. 

Brom ist vorhanden (nach 2b) 0,000498 p. M. 

bindend Natrium 0,000143 » » 

zu Bromnatrium . . 0,000641 p. M. 



78 — 



d) Jo du a t rium. 

Jod ist vorhanden (nach 2a) 
bindend Natrium . 



zu Jodnatrium 



. 0,0000085 p. M. 
. 0,0000015 » » 

. 0,0000100 p. M. 



e) Chlornatrium. 

Chlor ist vorhanden (nach 1) 
Davon ist gebunden an Kalium 



1 


1,042374 p. M. 
. 0,017389 » » 


Rest . 
bindend Natrium . 


. 1,024985 p. M. 

. 0,665980 » » 


zu Chlornatrium 


. 1,690965 p. M. 



f) Phosphorsaures Natron. 

Phosphorsäure ist vorhanden (nach 12) 0,000477 p. M. 

bindend Natron 0,000417 » » 

bindend basisches Wasser 0,000060 » » 



zu phosphorsaurem Natron 



0,000954 p. M. 



g) Kohlensaures Natron. 
Natron ist vorhanden (nach 14) 0,927703 p. M. 



Davon ist gebunden 



an 


Phosphorsäure 


als 


Natrium an Chlor 


» 


» » Brom 


» 


» » Jod 



0,000417 p. M. 
0,897223 » » 
0,000193 » » 
0,000002 » » 

zusammen . . 

Rest . . 



0,897835 » » 
0,029868 p. M. 



bindend Kohlensäure 0,021169 



zu einfach kohlensaurem Natron 



0,051037 p. M. 



h) Kohlensaures Lithion. 

Lithion ist vorhanden (nach 11) 0,001436 p. M. 

bindend Kohlensäure 0,002103 » » 

zu einfach kohlensaurem Lithion . . 0.003539 p. M. 



— 79 — 

i) Kohlensaurer Baryt. 

Baryt ist vorhanden (nach 13a) 0,000299 p. M 

bindend Kohlensäure 0,000080 » » 

zu einfach kohlensaurem Baryt . . 0,000385 p. M 

k) Kohlensaurer Strontian. 

Strontian ist vorhanden (nach 13b) 0,001417 p. M 

bindend Kohlensäure 0,000602 » » 



zu einfach kohlensaurem Strontian . . 0,002019 p. M. 

1) Kohlensaurer Kalk. 

Kalk ist vorhanden (nach 7) 0,234209 p. M. 

bindend Kohlensäure 0,184069 » » 



zu einfach kohlensaurem Kalk . . 0,418338 p. M. 

m) Kohlensaure Magnesia. 

Magnesia ist vorhanden (nach 8) 0,045939 p. M. 

bindend Kohlensäure 0,050533 » » 

zu einfach kohlensaurer Magnesia . . 0,096472 p. M. 

n) Kohlensaures Eisenoxydul. 

Eisenoxydul ist vorhanden (nach 6) 0,018419 p. M. 

bindend Kohlensäure 0,011256 » » 



zu einfach kohlensaurem Eisenoxydul . . 0,029675 p. M. 

o) Kohlensaures Manganoxydul. 

Manganoxydul ist vorhanden (nach 13c) .... 0,001462 p. M. 

bindend Kohlensäure 0,000906 » » 



zu einfach kohlensaurem Manganoxydul . . 0,002368 p. M. 

p) Kieselsäure. 
Kieselsäure ist vorhanden (nach 5) 0,101090 p. M. 

q) Freie Kohlensäure. 
Kohlensäure ist im Ganzen vorhanden (nach 3) . 2,791184 p. M. 



80 



Davon ist gebunden zu neutralen Salzen: 

an Natron 0,021169 p. M. 

» Lithion 0,002103 » » 

» Kalk 0,184069 » » 

» Strontian 0,000602 » » 

» Baryt 0,000086 » » 

» Magnesia 0,050533 » » 

» Eisenoxydul 0,011256 » » 

» Manganoxydul .... 0,000906 



» » 



zusammen . . 0,270724 p. M. 

Rest . . 2,520460 p. M. 

Davon ist mit den einfach kohlensauren Salzen zu 

Bicarbonaten verbunden 0,270724 » » 



Rest: völlig freie Kohlensäure . . 2,249736 p. M. 

III. Controle der Analyse. 

1. Berechnet man die einzelnen Bestandteile des Wassers auf den 
Zustand, in welchem sie in dem Rückstände enthalten sein müssen, der 
in 15 durch Abdampfen mit Schwefelsäure und Glühen in einer Atmo- 
sphäre von kohlensaurem Ammon erhalten wurde, so erhält man fol- 
gende Zahlen: 

Gefunden Natron 0,927703 p. M., berechnet als schwe- 
felsaures Natron 2,123197 p. M. 

» Kali 0,035895 p. M., berechnet als schwefel- 
saures Kali 0,066360 » » 

» Lithion 0,001436 p. M., berechnet als schwe- 
felsaures Lithion 0,005260 » » 

» Baryt 0,000299 p. M., berechnet als schwe- 
felsaurer Baryt . 0,000455 » » 

» Strontian 0,001417 p. M., berechnet als 

schwefelsaurer Strontian 0,002512 » » 

» Kalk 0,234269 p. M., berechnet als schwefel- 
saurer Kalk 0,568939 » » 

» Magnesia 0,045939 p. M., berechnet als 

schwefelsaure Magnesia 0,137817 » » 






- 81 - 

Gefunden Eisenoxydul 0,018419 p. M., berechnet als 

Eisenoxyd 0,020405 p. M. 

Manganoxydul 0,001402 p. M., berechnet 

als schwefelsaures Manganoxydul . . . 0,003109 » » 

» Kieselsäure 0,101090 » » 

» phosphorsaures Natron 0,000954 p. M., be- 
rechnet als pyrophosphorsaures Natron . 0,000894 » ». 

Summe . . 3,030098 p. M. 

Hiervon ab schwefelsaures Natron für phosphorsaures 
Natron 0,000954 » » 

bleiben Sulfate etc. . . 3,029144 p. M. 
Direct gefunden wurden in 15 3,022837 » » 



* 



2. Die Säure abstumpfenden Bestandteile in 1000 Grm. Wasser 
verlangen Normalsäure : 

0,418338 Grm. kohlensaurer Kalk 8,367 CC. 

0,002019 » » Strontian .... 0,027 » 

0,000385 » » Baryt 0,004 

0,096472 » kohlensaure Magnesia .... 2,297 » 

0,051037 » kohlensaures Natron 0,962 » 

0,003539 » » Lithion 0,095 



» 



» 



Summe . . 11,752 CC. 
Gebraucht wurden nach 16 11,760 » 

IV. Zusammenstellung der Resultate. 
Bestandteile des Wilhelmsbrunnens in Kronthal. 

a) Die kohlensauren Salze als einfache Carbonate und sämmtliche 
Salze ohne Krystallwasser berechnet. 

a. In wägbarer Menge vorhandene Bestandtheile : 

In 1000 Gewichtstheilen 
Wasser. 

Chlornatrium 1,690965 p. M. 

Chlorkalium 0,036578 » » 

Bromnatrium 0,000641 » » 

Jodnatrium 0,000010 » » 

Jahrb. d. nass. Ver. f. Nat. XXXI u. XXXII. ß 



82 



Iu 1000 Gewichtstheilen 
Wasser. 



Schwefelsaures Kali 0,023632 p. M 

Phosphorsaures Natron 0,000954»» 

Kohlensaures Natron 0,051037 » » 

» Lithion 0,003539 » » 

Kohlensaurer Kalk 0,418338 » » 

» Strontian 0,002019 » » 

» Baryt 0,000385 » » 

Kohlensaure Magnesia 0,096472 » » 

Kohlensaures Eisenoxydul 0,029675 » » 

» Manganoxydul 0,002368 

Kieselsäure 0,101090 



» » 
» » 









Summe . . 2,457703 p. M. 
Kohlensäure, mit den einfachen Carbonaten 

zu Bicarbonaten verbundene .... 0,270724 » » 

Kohlensäure, völlig freie 2,249736 » » 

Summe aller Bestandteile . . 4,978163 p. M. 

ß. In unwägbarer Menge vorhandene Bestandteile: 

Caesion, Spur. 

Kubidion, Spur. 

Amnion, Spur. 

Thonerde, geringe Spuren. 

Borsäure, Spur. 

Arsensäure, sehr geringe Spur. 

Organische Substanzen, Spur. 

Stickgas, geringe Menge. 

b) Die kohlensauren Salze als wasserfreie Bicarbonate und sämmt- 
liche Salze ohne Krystallwasser berechnet: 

a. In wägbarer Menge vorhandene Bestandteile: 

In 1000 Gewichtstheilen 
Wasser. 

Chlornatrium 1,690965 p. M. 

Chlorkalium 0,036578 » » 

Bromnatrium 0,000641 » » 

Jodnatrium 0,000010 » » 




'>' 



83 



Schwefelsaures Kali . . . 
Phosphorsaures Natron . . 
Doppelt kohlensaures Natron 
» » Lithion 

» kohlensaurer Kalk . 
» » Strontian 
» » Baryt . 
» kohlensaure Magnesia 
» kohlensaures Eisenoxydul 
» » Manganoxydul 
Kieselsäure 



Summe 
Kohlensäure, völlig freie .... 

Summe aller Bestandteile 



In 1000 Gewichtstheilen 
Wasser. 

0,023632 p. M. 

0,000954 » » 

0,072206 » » 

0,005642 » » 

0,602407 » » 

0,002621 » » 

0,000471 » » 

0,147005 » » 

0,040931 » » 

0,003274 » » 

0,101090 » » 

2,728427 p. M. 
2,249736 » » 

4,978163 p. M. 



ß. In unwägbarer Menge vorhandene Bestandtheile: 
(Vergleiche Zusammenstellung a.) 

Auf Volumina berechnet, beträgt bei Quellentemperatur und Normal- 
barometerstand : 

a) Die wirklich freie Kohlensäure: 

In 1000 CC. Wasser 1201,13 CC. 

b) Die freie und halbgebundene Kohlensäure: 

In 1000 CC. Wasser 1345,67 » 






6* 



Mein Fang im Ober-Engadin 187G und 1878. 

Von 

Alexander von Homeyer, 

Ehrenmitglied des nassauischen Vereins für Naturkunde. 



1. 

Elf volle Wochen hatte ich im Sommer 1875 gelähmt in Pungo 
Alldango unter den Cuanzo-Negern gelegen. Das Gallenfieber hatte 
mich an den Rand des Grabes gebracht. Mit Mühe wurde ich die 
100 Stunden Weges zurück an die Küste nach Loanda getragen. Noch 
auf dem Schiff befürchtete der Arzt meine Auflösung ; von Neuem stellte 
sich das Fieber ein; und endlich als halbe Leiche in der Heimath 
angekommen, riethen die befreundeten Aerzte einstimmig, sobald als 
möglich — nach einer Bade- Cur in Wiesbaden — die Hochschweiz 
aufzusuchen, und daselbst möglichst den ganzen Tag im Freien zu sein. 

Der Schöff von Heyden, seiner Zeit regierender Bürgermeister 
von Frankfurt a. M., unser hochgefeierter Entomologe und mein alter, 
jetzt leider längst verblichener Freund, hatte mir in den 50er Jahren 
so oft von den Herrlichkeiten des Ober-Engadin erzählt, was also lag 
näher, meinen Blick dorthin zu richten! — Vom Sohne, Herrn Lucas 
von Heyden, erhielt ich bei meiner Durchreise in Frankfurt a. M. 
(Bockenheim) noch einige bezügliche Details, und dann ging es fort, 
um in Samaden mein Standquartier aufzuschlagen. 

Am 26. Juni langte ich daselbst an. Das Klima that mir so 
wohl, dass ich schliesslich bis in den September hinein blieb. Da ich 
möglichst viel mich in frischer Luft bewegen und mich namentlich auch 
geistig zerstreuen sollte, so ging ich meiner Liebhaberei „dem Schmetter- 
lingsfang" von Morgens bis Abends nach. Der Erfolg war bedeutend, 
denn ausser vielen Micros wurden über 220 Arten und Varietäten von 
Grossschmetterlingen gefangen. Dies günstige Resultat ist um so auf- 



— 85 — 

falliger, als das Jahr 1876 von Anderen als schlecht bezeichnet wird. 
Im Engadin hatte ich durchweg gutes Wetter, nur am 20. Juli starken 
Schneefall mit Kälte. Diese Kälte tödtete fast Alles, denn den 21. und 22. 
traf ich nur einige abgeflogene Apollo's und eine fast unkenntliche 

Lycaene, aber am 23. Morgens kam bereits Ersatz, und am 24. hatte 
die Natur den Ausfall beseitigt. 

Das bezügliche Terrain ist von Herrn H. Mengolbir (Stett. 
Ent. Zeitung 1861, pag. 93 — 106) so trefflich beschrieben worden, dass 
ich einzig nur hinzuzufügen brauche, dass der Piz Padella und Piz Ot 
bei Samaden „Kalkgebirge" sind, und demnach Manches haben, was 
bis jetzt nur als auf dem Ortler vorkommend betrachtet wurde. Leider 
erfuhr ich dies zu spät, erst im August; das Resultat einer Excursion 
war denn auch Agrotis culminicola, Dasydia Wockearia, Psodos alti- 
colaria, Hercyna Helveticalis etc. In diesem Jahre (1878) will ich, um 
meine Gesundheit vollkommen in die Reihe zu bringen, das mir lieb 
gewordene Ober-Engadin wieder besuchen. Hoffentlich wird sich 
nachstehende Liste alsdann noch vergrössem. 

Mainz, den 5. Januar 1878. 

2. 

Dieser Wunsch ist in Erfüllung gegangen. Demnach kann ich 
bei der Arbeit „mein Fang im Ober-Engadin" die Resultate pro 1878 
gleich mitverwerthen, da die Aufzeichnungen pro 1876 noch nicht 
gedruckt sind. Dabei bemerke ich, dass 1878 bei Weitem nicht so 
günstig war, wie 1876. Nach einem sehr warmen April und Mai hatte 
das betreffende Gebiet Ende Mai einen sehr unangenehmen Nachwinter, 
was natürlich zur Folge hatte, dass die durch die Wärme bereits vor- 
entwickelten Organismen durch die spätere Kälte wieder zu Grunde 
gingen. Dessenungeachtet trat für vorstehendes Verzeichniss manche 
Bereicherung ein, sei es durch Auffinden neuer Species für dortiges 
Faunengebiet, sei es durch Complettirung des bereits Beobachteten. 
Manche Arten können nicht mit der nöthigen Sorgfalt vorgeführt werden, 
so z. B. die der Gruppe Hesperidae speciell Syrichtus, und die der 
Gruppe Geometrae speciell Eupithecia. In nächster Zeit hoffe ich mit 
dem Altmeister der Lepidopterologie, Herrn Professor Zell er, dieser- 
halb zu conferiren, und werde ich alsdann das Versäumte in dieser 
Zeitschrift „in einem Zusatz" nachholen. 

Wiesbaden, den 15. Juni 1879. 



86 — 



I. RHOPALOCERA*). 



I. Papilionidae. 

I. Pap Mio L. 

1. Mahaon L. Der Schwalbenschwanz ist nicht häufig. Einzeln 
im Juli bei St. Moritz und Celerina. Die Raupe fand ich auf den 
Höhen bei Celerina auf Foeniculum officinale. 

2. Parnassius L. 

2. Apollo L. Vom 15. Juli besonders häufig dicht bei Samaden 
auf den Inn -Wiesen, namentlich auf den trockenen Kiesstellen, wo die 
Futterpflanze der Raupe Sedum album wächst. Die Begattung der 
Schmetterlinge findet dann auch hier zwischen dem niederen Sedum auf 
dem Kiesboden statt. Z e 1 1 e r 's Beobachtung, dass dieses sehr langsam 
vor sich geht, kann ich bestätigen. Ich habe wiederholt Pärchen 
beobachtet, die mehrere Minuten sich mit den Flügeln schlugen, und 
di 'im och nicht zur Copula kamen, sondern bei meinem Herantreten 
davon flogen. Auf diesen Plätzen ist Apollo sehr leicht zu fangen, 
man muss sich nur ruhig verhalten und nicht laufen. 

3. DelillS Esp. Am häufigsten zwischen St. Moritz und Campher 
an Rinnsalen, welche von den Höhen kommen. Fangplatz an der 
Chaussee. Im Rinnsalwasser steht hier Saxifraga aizoides, welches die 
Futterpflanze der Raupe und auch des Schmetterlings ist. Männchen 
und Weibchen tummeln sich hier herum, doch ist zu bemerken, dass 
die Falter von der Höhe kommen, und stets dem Wasserlauf folgend, 
bis zu einer gewissen Tiefe (Chaussee) hinabsteigen, um dann wieder 
mit einer gewissen Eilfertigkeit nach Oben zu fliegen, um das Spiel 
von Neuem zu beginnen. Die Weibchen thun dasselbe mit weniger 
Hast und setzen sie sich öfter auf die Nährpflanze. Geschieht dies, so 
kommen die Männchen zur Begattung. Um die Thiere zu fangen, muss 






*) Systematische Eintheilung nach Dr. Staudinger. 



— 87 — 

man sich ruhig an den Wasserlauf stellen, und kann man alsdann ohne 
zu laufen, reiche Beute machen. So fing ich in einer halben Stunde 
an derselben Stelle zehn Männchen und zwei prächtige, sehr stark 
schwarz bestäubte Weibchen. In der rutlien Punktzeichnung variiren 
auch die Männchen sehr stark. 

Delhis fliegt ferner im Val foin, am Bernina-Haus bis fast zum 
Hospiz aufwärts steigend, am Faix-Glätscher und einzeln an den nassen 
Hochstellen des Piz Padella, so namentlich an der Koncillon-Quelle. 
Die ausgewachsene Raupe fand ich im Val foin. Zeller beschreibt 
dieselbe sehr correct in der Stettiner Ent. Zeitung 1877, pag. 279, 
doch fand ich die Seitenflecke nicht citronengelb, sondern hell ziegel- 
roth. Die Hauptfarbe war dunkel, fast schwarz. Sowohl im Freien, 
wie später in der Schachtel war die Raupe sehr unruhig, sie lief 
eiligst hin und her. Nach ein paar Tagen Abwesenheit meinerseits 
lag die Raupe zusammengezogen und sah sie so ungünstig aus, dass ich 
nichts daraus zu erzielen hoffte. Dennoch bildete sich nach drei Tagen 
eine freiliegende tadellose Puppe daraus, woraus ich nach circa 14 Tagen 
einen guten Falter erhielt. 

Die Flugzeit beginnt mit Mitte Juli und dauert bis in den Sep- 
tember hinein. 

IL P i e r i d a e. 

3. Aporia Hübn. 

-i. Crataegi L. Der Baumweissling, der in den tieferen Thälern 
ziemlich häufig fliegt, kommt im Ober-Engadin nur sparsam vor. Die 
Thiere sind durchweg sehr klein. Flugzeit im Juli und August. 

4. Pieris Schrk. 

5. Brassicae L. In sehr marMrt gezeichneten und grossen 
Stücken bei Samaden. Ein sehr grosses Weibchen fing ich auf der 
Spitze des Padella, also circa 9000 Fuss hoch. Flugzeit im August. 
Bei St. Moritz beobachtete ich eine Massenwanderung von Tausenden. 
Der Zug kam aus dem Unter-Engadin und ging nach dem Maloga- 
Pass zu. Der Wind war unbedeutend, die Schmetterlinge Hessen sich 
von ihm treiben, und flogen sie in losen Massen. Der Zug dauerte 
Vormittags von 9 — 11 Uhr. 

6. Rapae L. nicht häufig im Juli. 



— 88 — 

7. Napi ab Bryoniae 0. Die Weibchen variiren sehr stark, 
und auch die Männchen unterscheiden sich von der Stammform durch 
dunklere Zeichnung'. 1876 traf ich das Thier nicht häufig oberhalb 
Samadens an, aber 78 sehr oft am Piz Murail, wo die Futterpflanze 
der Eaupe massenhaft wuchs. Flugzeit Ende Mai und Juni bis in den 
Juli hinein. 

8. Callidice Esp. Ein rastloser und eilfertiger Flieger. Im felsigen 
Terrain voller Geröll kann der Sammler leicht verunglücken, wesshalb 
man gut thut, die Thiere zu beobachten, sich den Wechsel zu merken, 
und alsda geeignet sich zu placiren. Man thut gut, sich hinter einen 
Felsblock zu stellen, denn die Thiere. äugen sehr scharf. Auf diese 
Weise wird man bald einige Männchen fangen. Die Weibchen sitzen mit 
Vorliebe im Gras, stieben dann vor unseren Füssen auf, um sich einige 
Hundert Schritt weiter wieder niederzulassen. Diesen Platz muss man 
sich genau merken, und dann behutsam, aber eilfertigst fangen. Die 
Jagd auf Callidice ist sehr ermüdend und angreifend. Flugzeit im 
Juli, und auf den höchsten Stellen (9000 Fuss) noch im August. Man 
trifft diesen schönen Weissling besonders zwischen Bernina-Haus und 
Hospiz, weniger im Val foin, auf Piz Padella, Piz Neir und Faix-Thal. 

5. Anthocharis B. 

9. Cardamines L. Nur sparsam. Ende Juni 1876 und 78 einige 
gute Männchen auf den Wiesen vor Piz Padella, ein Weibchen bekam 
ich nicht. Der Schmetterling ist grösser als der deutsche. 

6. Leucophasia. 

10. SinapiS L. Ende Juni häufig am Piz Murail, sonst nur 
sehr einzeln. 

7. Colias. 

11. PalaenO var. Eliropomene 0. Ich verstehe darunter die 
Schweizerform: gelbes cf, weisses 9, etwas kleiner als der deutsche. 
Haupeflugzeit von Mitte Juli bis Mitte August. Zell er schreibt 
Stett. Ent. Zeitung 1877, pag. 283: „aber schwer zu fangen". Bei 
ruhigem sonnigen Wetter ist dies sehr richtig, aber bei trüber kalter 
Witterung kann man das Thier sehr leicht bekommen, indem es auf 
der Futterpflanze Vaccinium uliginosum ruhig sitzt. So fing ich auch 
auf der Ober- Alpina neben normalen weissen Weibchen, die gelbe Form 



— 89 — 

Vax. Werdandi II. S; — sowie auch zwei Weibchen, welche lichtgelb 
waren, and desshalb mitteninnen stehen. (Siehe Entomologische Nach- 
richten 1877). — Flugplätze: Ober-Alpina, Morteratsch-Grlätscher, Bevers- 
Thal. — Die ganz frischen Schmetterlinge haben den schwarzen Flügel- 

sauui grau bestaubt. 

12. Edlisa F. 1876 sah ich nur zwei Stück, aber 1878 fing ich 
mehrere im Inn-Thal und bei Celerina. Flugzeit Juli und August. 

13. Hyale L. überall, doch nicht gerade häufig und mehr auf der 
Thalsohle. Ich fing bereits im Juni Thiere und auch noch im Sep- 
tember. Zell er fing deren sogar im Mai. Ich glaube desshalb an 
zwei Generationen. 

1-4. PhiCOmone Esp. überall sehr häufig. Die Ober-Engadiner 
Stücke (cf) sind sehr mit grau gemischt, und demnach von den gelb- 
lichen Stücken der West-Schweiz sehr abweichend. — Flugzeit von 
Ende Juni bis Anfang August. Die sehr eilfertigen Thiere sind Abends 
am Besten zu fangen, wenn sie sich zur Ruhe setzen. 



III, Lycaenidae, 

8. Polyommatus Latr. 

15. Virgaureae L. var. Die Stücke des Ober-Engadins sind 
etwas kleiner, als die deutschen und genau so gross, als die Var. 
Zermattensis Fallou. Das 9 ist betreffs der Färbung mitteninnestehend. 
Die 9 variiren sehr in der Fleckenzeichnung, so habe ich deren zwei 
mit schwarzen Keilflecken in den Oberflügeln. 

16. Hippothoe var. Eurybia 0. Bei Samaden auf den fetten 
Wiesen nicht selten, besonders häufig dicht am Bernina-Haus und vorn 
im Val foin. Einige Männchen haben den schwarzen Fleck auf den 
Oberflüge bi sehr klein, während er anderen ganz fehlt; allen fehlt der 
Fleck auf den Unterflügeln. Die Weibchen variiren sehr stark, manche 
sind fast einfarbig. 

17. Dorilis Hufn. recht selten. Ich fing nur 2 cf bei Samaden. 
Die Stücke sind gross, fast einfarbig schwarz, ohne roth auf den 
Unterflügeln, also ähnlich wie die Var. allous der Stammform Ly- 
caena astrarche. 









— 90 — 
9. Lycaena. 

18. Aegon S. V. Im Ober-Engadin kommt sie wohl nicht vor, 
wohl aber im Unter-Engadin, ferner im Bregell-Thal und bei Chur. 
Flugzeit Mitte Juni bis Mitte Juli. 

19. Argus L. Juli und August häufig. 

20. Baton Berg. Im Juli 1878 fing ich ein cf bei Samaden. 

21. Optilete KnOCh. Fliegt nicht gerade häufig auf den Torf- 
wiesen der Ober-Alpina bei St. Moritz, am Morteratsch und auf den 
Bernina -Wiesen am Piz Alf. 

22. Pheretes Hb. Immer nur sparsam im Juli. Ich fing das 
Thierchen bei Samaden, Pontresina, im Val foin, auf Ober-Alpina, 
aber dennoch kann ich nicht von einem wirklichen Flugplatz reden. 
Ein 9 bekam ich nicht. — 1878 war der Falter viel sparsamer als 76. 

23. OrbitulllS Prun. Aeusserst häufig, namentlich im Val foin im 
Juli und August. Die 9 variiren sehr stark. Ich besitze drei Stück 
mit weissumgürteten Flecken, und ein Stück, bei dem ausser diesen 
Flecken im Oberflügel noch vier lichtblaue Eingflecke stehen zwischen 
Augenflecken und Aussenrand. — Man trifft oft 30 — 50 Schmetter- 
linge auf einer kleinen Stelle, die Feuchtigkeit begierig aufsaugend. 

24. Astrarche var. AllOUS Hb. Nicht häufig, besonders oberhalb 
von Samaden. Ich brachte 15 ^ und -4 9 mit. Dieselben sind einfarbig, 
doch scheinen die kleinen rothen Eandflecke mehr oder minder durch. 
Flugzeit im Juli. 

25. ErOS 0. Flugzeit Juli, namentlich im Val foin; ziemlich 
sparsam, das 9 selten. 

26. Alexis S. V. Juni und Juli häufig. 

27. Elimedon Esp. Im Juli nicht häufig, und kleiner als die 
deutschen. 

28. Bellargus Roth. Juli, ziemlich häufig, kleine Form. 

29. Corydon Poda. Häufig auf den Kiesstellen des Inn-Thals. 
Diese Alpenform ist sehr klein, die cf sind sehr blau mit schmalem 
Flügelband, der Flügelsaum reiner schwarz und weiss markirt. Da 
auch die Flügelrippen nicht so dunkel sind, so erscheint der Falter 
viel lichter, als der deutsche. Flugzeit im Juli. 

30. Dämon Schiff. Dieser Bläuling ist von Zeller auf dem 
Aibula nicht angetroffen; bei Samaden ziemlich häufig, kleiner und 
leuchtender, als die Wiener Stücke meinor Sammlung. Flugzeit im Juli. 



— 91 — 

31. DonzelÜ B. 1876 traf ich am 26. August nur zwei cT auf 
der Alp zwischen Celerina und Pontresina, 1878 aber hatte ich das 
Glück, einen Flugplatz im Bevers-Tha] aufzufinden. Hier fing ich 
Anfang August viele dieser niedlichen Thiere, auch Weibchen, welche 
ziemlich variiren. Dieser Bläuling fliegt nur bei Sonnenschein, und 
ruht sofort, wenn der Himmel sich trübt. Ich fand meinen Fangplatz 
immer sehr niedergetreten, und erfuhr denn endlich, dass auch Herr 
Graf Turati aus Mailand diesen Platz kannte und besuchte. 

32. AISUS S. V. Der häufigste Bläuling des Ober-Engadin. Als 
ich am 28. Juni 1876 Morgens gegen 9 Uhr von Samaden aus auf 
den Fang ausging, kam ich kaum aus dem Ort heraus, denn Alsus und 
S. carthami sassen in den Strassen zu Dutzenden auf den feuchten 
Plätzen. 1878 war er lange nicht so häufig. Auf allen Wiesen, 
namentlich auf den Stellen, wo ein feuchter Erdfleck sichtbar ist, 
kommt unser Thierchen zu Hunderten vor. Hier sitzt er mit Acis, Orbi- 
tulus, S. carthami und alveus zusammen, und kann man das Netz 
darüber decken und wohl 50 — 70 Stücke halten. Flugzeit bis zum 
August; aufwärts geht er fast bis zum Bernina-Hospiz und ist er 
namentlich im Val foin äusserst gemein. Ich habe sehr kleine und 
sehr grosse Stücke gefangen, die deutsche Form steht mitteninne. 

33. Acis Schiff. Ich traf ihn von Mitte Juli bis in den August, 
namentlich oberhalb von Samaden und im Val foin. Nicht gerade 
häufig. 

34. AlCOll S. V. Nur ein cT am 4. Juli 1876 bei Samaden 
gefangen. — Im Vergleich zu meinen Sammlungs-Exemplaren (Bremen 
und Klein-Asien) sehr blau und der Flügelsaum lichter. 

35. Arion L. Flugzeit Juli, namentlich zwischen St. Moritz und 
Campher. Die Form ist viel dunkler und kleiner, als der deutsche 
Stamm. 

IV. Nymphalidae. 

10. Vanessa. 

36. Urticae L. fliegt im Juli und August in feurig rothen Exem- 
plaren auf Piz Padella (gegen 9000 Fuss hoch) und am Bcrnina- 
Hospiz. Ende August fand ich viele Raupen auf Nesseln am Bernina- 
Haus. 






— 92 — 

37. PolychlorOS L. Ich erhielt ein Stück vom Sammler Hnatek 
aus Silz Maria. 

38. Atalanta L. flog 1876 Anfangs September einzeln auf den 
Muutos bei Pontresina. 

39. Cardui L. war 1876 sehr sparsam. 1878 häufiger. Flugzeit 
vom Juni bis Mitte September. 



II. Melitaea. 

40. Cynthia Hb. Im Val foin (in der mittleren Partie) vom 
15. Juni bis 15. Juli häufig. Der Falter ruht gern auf den niederen 
Wachholdersträuchen aus, und kehrt aufgescheucht immer wieder dorthin 
zurück. Das 9 fliegt wenig, und hält sich noch lieber auf und im 
Wachholder auf als das cf . Beide Geschlechter variiren sehr stark ; 
so habe ich ein fast ganz schwarzes cf, und ein cf mit sehr starker 
weisser Einlage. Die 9 gehen noch weiter auseinander, und erhielt 
ich namentlich 1878 sehr Variante und dunkle Exemplare. 

41. Matlirna L. Während ich 1876 kein Stück bekam, erhielt 
ich 1878 mehrere. Im Bevers-Thal konnte man fast von einem Fang- 
platz sprechen, ausserdem einzeln auf den trockenen Innwiesen bei 
Samaden. Die Stücke sind sehr klein. 

42. Artemis var. merope Prun. Im Val foin namentlich häufig, 
ausserdem überall, hinaufgehend bis Bernina-Hospiz. Auf der Innsohle 
sparsam. 1878 fing ich eine prachtvolle Aberration (9). 

43. Phoebe S. V. Flugzeit von Mitte Juli bis in den August. 
Sparsam bei Samaden, Pontresina und Morteratsch. 

44. Didyma var. alpina Staild. Ist namentlich oberhalb Samadens 
sehr häufig, Mitte Juli bis Mitte August. Die cf fliegen acht Tage, 
früher, als die ersten 9. Die feurigen cf variiren wenig, desto mehr 
die 9. Die Oberflügel derselben gehen von gelb zu roth, zu braun, 
zu grün und zu aschefarben über. Dabei sind manche hell, manche 
ganz dunkel. Die Unterflüge] zeigen stets das eigenthümliche Roth, 
welches oft rein auftritt, oft von aschefarben fast verdeckt ist. 

45. Dictynna Esp. erscheint Mitte Juli auf den Centaurien der 
oberen Wiesen in oft sehr dunklen Exemplaren; ziemlich häufig. 

46. Athalia Roth, wie vorstehend, doch sparsamer. 



— 93 — 

47. Parthenie var. varia Meyer Düren. Hauptsächlich im 

Val foin, 1876 viel sparsamer als 78, und erhielt ich in diesem .Talire 
namentlich Variante Weibchen. Fliegt ausserdem auf Ober- Alpina. Flug- 
zeit vom 20. Juli bis 15. August. 

48. Asteria Frr. Flog Anfang August 1876 einzeln auf Piz 
Padella dicht am Schnee. Ich fing am 12. August nur ein Exemplar, ich 
gestehe aus Unachtsamkeit, ich hielt die Thiere für kleine Merope's. 
Ich war zu sehr mit dem Fang von Psodos alticolaria beschäftigt. 

12. Argynnis. 

49. Euphrosyne L. Nicht gerade häufig im Val foin, oberhalb 
von Samaden, im Bevers-Thal etc. Flugzeit im Juli. 

50. Pales S. V. hat eine grosse Verbreitung und ist sehr variant 
in Grösse, Färbung und Schiller. Auf den höchsten Partien ist der 
Falter sehr klein und fahl, fast hell. Dabei laufen die Oberflügel sehr 
spitz aus. Auch Zell er beobachtete diese Eigenthümlichkeit. Dieselbe 
kommt bei der tiefer liegenden Normalform niemals vor, dafür aber 
tritt die Färbung in den Vordergrund. Die Männchen Samadens sind 
feurig und leuchtend, und zeigen die Weibchen fast ohne Ausnahme 
das Irrisiren in blau, violett und grün. 1876 fing ich fast nur solche 9, 
1878 gar nicht, dieselben waren ebenfalls braun. Flugzeit vom 10. Juli 
bis Mitte August. 1876 fing ich auf Ober- Alpina eine interessante 
Aberratio (9), die Schultern der Oberflügel sind hell (weisslich), sonst 
ist Alles dunkel mit heller Fleckenbinde vor dem Aussen r and der vier 
Flügel. 

51. Amathusia Esp. 1876 sehr sparsam bei Samaden, 1878 
häufiger im Bevers-Thal mit Lycaena Donzelii zusammen. Flugzeit 
vom 15. Juli bis 15. August. 

52. InO Esp. Zahlreich auf offenen, futterreichen Wiesen. Juli. 
Die stachelige graue Eaupe auf Sanguisorba officinalis. 

53. Latonia L. Im August nicht häufig auf Steinhalden. Die 
Stücke sind sehr gross. Z e 1 1 e r fand sie im Mai, demnach wohl zwei 
Generationen. 

54. Aglaja L. Im Juli und August überall auf niederen Höhen 
häufig, besonders auf Ober-Alpina. Die Alpenform ist klein, und 
das 9 oft schillernd. 



— 94 - 

55. Niobe ab. Er'lS Meig. Ich habe in beiden Jahren nur diese 
Form in Masse gefangen. Flugzeit Juli und August. — Da diese 
Form ständig, so dürfte sie nicht als aberratio gelten, sondern als 
varietas. — Ihr Flugterrain ist mehrsten Theils trockner und steiniger 
als wie bei Aglaja, sonst auf denselben Höhen. 

56. Paphia und Var. valesina Esp. Im Engadin nicht. Herr 
Architekt Schelle nberg aus Wiesbaden fing einige Stücke bei Reichenau 
(Chur). Ich traf die Stammform oberhalb von Tiefenkasten im Ober- 
Hallsteiner-Thal. 

V, Satyridae, 

13. Erebia. 

57. EpiphrOII Var. CaSSiope F. und zwar speciell die kaum 
schwarz geaugte Form Nelamus B., einzeln und selten zwischen Melampus 
im Val foin. Juli. 

58. MelampilS FÜSSÜ. Juli und August äusserst zahlreich, 
überall. 

59. Mnestra Hb. flog 1876 am 1. August ziemlich häufig auf 
Ober- Alpina an den Kalkabhängen des Piz Neir, und um dieselbe Zeit 
1878 am Padella. Scheint Kalkboden zu lieben. 

60. Ceto Hb. Die Männchen variiren mehr als die Weibchen. 
Ich habe deren fast ohne braune Flecken im Oberflügel. Das Thier 
flog im Juli 1876 ziemlich häufig dicht bei Samaden auf der trockenen 
und mageren Viehweide unter den einzeln stehenden alten Lärchen- 
bäumen. Alle Ober-Engadiner sind im Vergleich zu denen der West- 
schweiz sehr klein und einfarbig. 

61. Evias God. liebt ebenfalls das Kalkgebiet und fliegt bereits 
bei Samaden Anfang Juni ziemlich häufig. 1876 traf ich abgeflogene 
Stücke noch Ende Juli am Morteratsch, also viel höher. 

62. Glacialis Esp. liebt auch Kalkboden, namentlich Schutt- und 
Geröllpartien, sucht dabei die höchsten Stellen auf. So fing ich 1876 
mehrere Stücke oben auf dem Piz Padella am 18. August. Nicht häufig 
und dabei schwer zu fangen. 

63. Lappona Esp. 1878 fing ich das erste Männchen schon am 
20. Juni; die eigentliche Flugzeit ist von Mitte Juli bis Mitte August. 
Der Falter fliegt auf kahlen Steinhalden sehr häufig vom Bernina-Haus 



— 95 — 

aufwärts bis zum Hospiz. Im Val foin und am Padella einzeln. Die 
Unterseite namentlich des Unterflügels variirt sehr. 

64. Tyndarus Esp. überall, hoch und tief im Juli bis September. 

65. Gorge var. Triopes Spr. Ich habe beide Jahre viel davon 
gefangen, namentlich 1876, während das Thier 1878 bedeutend seltener 
war. Flugzeit ist der Juli, Hauptflugplatz zwischen Bernina-Haus und 
Hospiz. Ich habe Männchen mit 1, 2, 3, 4, 5 Augen auf dem Ober- 
flügel, und diese bald weiss gekernt, bald blind. Auch fing ich ein cf , 
welches auf einem Oberflügel einen schwarzen Fleck hat, auf dem 
anderen aber nicht. Ein anderes Stück ist ohne jeglichen Fleck. Der- 
artige Stücke sind allerdings sehr abweichend gegen Männchen mit 
18 hellweiss gekernten Augen auf den vier Flügeln. Die typische 
Gorge ist im Ober-Engadin nur sehr sparsam, Var. triopes hauptsächlich; 
nach meiner Ansicht ist Alles dasselbe, und nur Var. gorgone B. aus 
den Pyrenäen beizubehalten. Die Weibchen gehen oft in's Gelbliche 
oder Grünliche über. 

66. Goanthe Esp. vielfach häufig vom Juli bis August, besonders 
an den felsigen Partien Saniadens, St. Moritz, des Morteratsch (Chaussee), 
am Staats-See. Farbenvariation findet in der Grundfarbe statt, in der 
Breite des Flügelrandes und in der Augenzahl. Ferner findet man 
auch Thiere sehr verschiedener Grösse. 

14. Pararge. 

67. Maera L. Ganz frisch Ende Juli am Fuss des Padella und 
zwischen St. Moritz und Campher. 

68. Hiera L. Wenn sich dieser Falter auf Hochpartien (Mor- 
teratsch-Chaussee) auch noch bis zum August findet, so ist die eigent- 
liche Flugzeit doch bereits Ende Juni und Anfang Juli. Hauptflugplatz 
hinter St. Moritz kurz vor Campher. Der Falter sitzt viel zwischen 
Geröll, man thut gut, mit dem Netz zu decken. Es kommen übrigens 
fast schwarze, wenigstens braunschwarze Männchen vor. 

69. Hyperanthus L. Ein d" ohne Augen bei Chor 26. Juni 1876. 
Der Falter hört im Ober-Hallsteiner- Thal mit der Laubholzregion auf 
und findet sich im Ober-Engadin nicht. 

15. Coenonympha Hb. 

70. Arcania var. Satyrion Esp. im Jahre 1878 häufiger wie 1876. 

Fliegt auf fetten Wiesen oberhalb Samaden und auf derartigen Stellen 



— 96 — 

im Val foin, am Bernina-Haus etc. vom 30. Juni bis zum August. 
Die 9 erscheinen acht Tage später als die ersten cf\ und variiren 
viel mehr. Die weisse Unterbinde des Unterflügels hat bei beiden Ge- 
schlechtern durchaus nicht eine constante Form. 

71. PamphilllS L. Die cT sind im Vergleich zu den 9 sehr 
klein. Flugzeit wie Satyrion, doch durchaus nicht häufig. 



VI. H e s p e r i d a e. 



16. Syrichthus. 

72. Carthami Hb. Sehr verbreitet und zahlreich im ganzen 
Gebiet von Ende Juni bis August. Wenig abweichend von der deutschen 
Form (z. B. Mombach am Ehein). 

73. AlveuS Hb. nebst Var. fritillum Hb. Beide Formen gehen 
vollkommen in einander über; überall, namentlich im Val foin. Flug- 
zeit Mitte Juni bis Ende August. 

74. Serratulae var. Caecus Hb. In beiden Jahren fing ich 
einige Stücke; fliegt im Juli und August. 

75. Cacaiiae Rbr. Fliegt im Val foin Ende Juli nicht selten, 
hinaufsteigend bis zum Bernina-Hospiz. 

76. Malvae L. Von Ende Juni an sehr häufig im ganzen Gebiet. 
Die Ab. Teras Meigen habe ich nicht gefangen. 

77. Sao Hb. Ende Juli selten; ich erhielt in beiden Jahren 
drei Stück. 

17. Nisoniades. 

78. Tages- L. ziemlich häufig, buntfarbig. Flugzeit von Ende 
Juni an. 

18. Hesperia. 

79. Lineola 0. Im August sehr häufig dicht bei Samaden auf 
den Inn wiesen. 

80. Comma L. sparsam; sehr dunkel. 



— 97 — 



IL HETEEOCERA. 



A. SPHINGES. 

I. Sphingidae. 

19. Sphinx. 

81. ConVOlvuli L. Kommt sparsam im Ober-Engadin vor, im 
Bregell ist er häufiger. Ich sah einen Schwärmer im Rosegg-Thal 
dicht bei Pontresina 28. August; da ich das Netz nicht bei der Hand 
hatte, konnte ich das Thier nicht fangen. Das Stück meiner Sammlung 
erhielt ich von Herrn Hnatek aus Silz Maria. 

20. Deilephila 0. 

82. VespertiliO Esp. Ende Juni 1876 sah ich ohne Zweifel 
einen Schwärmer zwischen Samaden und Bevers. Später fand ich mir 
unbekannte Schwärmerraupen auf Epilobium augustifolium oberhalb von 
Celerina, welche jedenfalls hierher gehören. 1878 fand Herr Fischer 
aus Wiesbaden ebenda einen frisch ausgeschlüpften Schwärmer. 

83. GalÜ Roth. Nicht häufig und sehr dunkel. Ich fing ihn in 
beiden Jahren Ende Juni. Ende August fand ich bei Celerina aus- 
gewachsene Raupen an Galium. 

84. Euphorbiae L. Einzeln. Die Raupen Anfangs September 
auf den Kiesspartien des Inn- Thals an Euphorbia, Die Raupen müssen 
gelegentlich sehr hungern, da die Pflanze oft nur sehr vereinzelt wächst. 
Ich traf zwei Raupen auf der Futtersuche; als ich sie in die Hand 
nahm und dazu Futter that, begann sofort ein gieriges Fressen. 

85. PorcellllS L. Einzeln, gross und mit sehr dunklen Unter- 
flügeln. Juli. 

21. Macroglossa. 

85a. Stellatarum L. Bei Samaden nicht selten. Am 17. August 1876 
fing ich ein Stück unmittelbar am Bernina-Hospiz. Die Stücke sind 
sehr gross. — 1878 häufiger in den Blumengärten Samadens. 

Jahrb. d. nass. Ver. f. Nat. XXXT u. XXXII. 7 



— 98 — 

86. Bombyliformis 0. Am 14. Juli 1876 fing ich ein Stück 
bei St. Moritz. 

87. Fuc'lformis L. Am 16. Juli 1876 fing ich ein Stück zwischen 
Bernina-Haus und Hospiz auf einer blumenreichen Wiese. 

IL Zygaenidae. 

22. Ino. 

88. Statices L. ziemlich sparsam bei Samaden. 

89. Var. chrySOCephalllS Nick. Im August sehr häufig im 
ganzen Gebiet. Mit Zeller halte ich das Thier für eigene Art. 

23. Zygaena. 

90. MinOS var. nubigena Mann. Zahlreich im Juli auf den 
Höhen Samadens. 

91. Scabiosae Esp. Zwei Stück bei Samaden Ende Juli. 

92. Achüleae Esp. Häufig vom 11. Juli bis 15. August. 

93. Exulans Kohw. Auf dem Padella und im Val foin namentlich 
zwischen Alpenrosen, bei St. Moritz etc. Die Weibchen variiren sehr 
stark nach Gelb zu. 

94. Meliloti Esp. Anfang August selten bei Samaden. 

95. Filipendulae var. MannÜ H. S. Mehr oder minder bestäubt 
oberhalb Samadens, Celerinas etc. Flugzeit 15. Juli bis 15. August. 

96. Transalpina Esp. Gegen die Exemplare des Bregell sehr 
klein mit intensiv rothen Flecken und starkem schwarzen Unterflüffelrand. 



'ö v 



B. BOMBYCES. 

III Lithosidae. 

24. Setina. 

97. Irrorella Cl. Ich sammelte 1878 auf einem Platze des Inn- 
Thals (Celerina) einige 50 Raupen, die sich meinen Augen nicht ver- 
schieden zeigten, und erzog daraus die vorstehende Stammform, ferner 
var. flavicans B; var. Freyeri Nick.; var. Anderegii H. S. ; und pracht- 



Hariir 



- 99 - 

volle var. Riffelensis Fall. Ich bin clor Meinung, dass man von einem 
eierlegenden V alle Formen bekommen kann. 

98. Roseida var. Melanomos Nick. Vom l. Juli bis 1. August 

ziemlich häufig im Val foin. Auf dem Padella einzeln. 

99. Aurita var. Ramosa Fabr. Fliegt auf den höchsten Partien: 
Padella, Alpgrüm, im oberen Val foin. Anfang August. 

2 5. Lithosia. 

100. Lurideola Zinck. Sehr einzeln oberhalb Samadens Ende Juli. 

101. Cereola Hb. Die Raupe lebt auf grossen Geröllsteinen von 
Flechten, so am Fuss des Padella und im Rosegg-Thal dicht beim 
Glätscher. Selten. Die $9 halten Neigung zum Verkrüppeln, was 
bei diesen zarten Thieren nicht auffallen kann. Juli. 

IV. Arctiidae, 

26. Nemeophila. 

102. Russula L. Die Höhengrenze wurde bis jetzt 5500 bis 
G000 Fuss angenommen. Ich fing das Thier dicht am Bernina-Hospiz 
8900 Fuss. Es ist ein sehr dunkles Weibchen. Ausserdem gefunden 
im A T al foin und bei St. Moritz. Juli. 

103. Plantaginis L. In beiden Jahren äusserst gemein im ganzen 
Gebiet bis hinauf zum Bernina- Hospiz. Alle Varietäten Matronalis, 
Hospita kommen bunt durcheinander vor. In meiner Sammlung stecken 
34 Exemplare aus dem Ober-Engadin, welche alle mehr oder minder 
so variiren, dass die bis jetzt bestehenden Varietäten-Namen nicht aus- 
reichen. Die Stücke zu beschreiben, würde eine eigene Arbeit aus- 
machen. Vom 1. Juli bis in den August. 

27. Arctia Schrk. 

104. Flavia FüSSli. Im ganzen Ober-Engadin in Geröll und 
Schutthalden unter grossen Steinen, namentlich da, wo der Bergsauer- 
ampfer wächst. Flug Anfang bis Mitte Juli. 

105. Maculosa var. simplonica B. Selten. 1876 fing ich vom 
Padella herabsteigend ein cf, welches im Sonnenschein schwärmte 

7* 



\ 



— 100 — 

(15. August Nachmittags 2 Uhr). Ausserdem sammelte ich im Val 
foin mehrere Raupen, welche Tags an oder unter Steinen sassen. Leider 
verunglückte die Zucht. Man hatte beim Aufräumen der Stube die 
Schachtel in die Sonne gestellt, wodurch die bereits stark in der Puppe 
entwickelten Schmetterlinge vertrockneten. — 1878 fand ich keine 
Raupen. 

106. Quenselii Payk. Kommt nach Herrn Wolf er sb erger (Zürich) 

überall auf den Vorbergen (Muotos) des Ober-Engadin vor, wo das 
sog. isländische Moos wächst. Ich fand die Raupe auf den Hochweiden 
des Padella unter kleinen Steinen. Während Flavia-Raupen grosse Steine 
lieben, trifft man Simplonica und Quenselii gern unter kleinen Steinen an. 



V. H e p i a 1 i d a e, 



2 8. Hepialus. 

107. Humilli L. Zu Tausenden schwärmend auf den fetten Wiesen 
der niederen Abhänge (Samaden, Chresta, St. Moritz) Anfang Juli. 

108. SylvinilS L. Einzeln im Juli bei Samaden. 



VI. P s y c h i d a e. 



29. Psyche. 

109. Un'lCOlor Hufn. Im Bregell sehr häufig, verirrt sie sich bis 
Silz Maria (Hnatek). 

HO. Tenella Spr. Ich erhielt einige Stück von Hnatek, welche 
wohl aus dein Bregell sind. 



VII, L i p a r i d a e, 

30. Leucoma Stph. 

111. Salicis L. Sehr grosse Stücke. Sehr häufig bei Samaden, 
die Raupe massenhaft an den kleinen Weiden des Inn-Thals. Flugzeit 
Mitte Juli. 



101 



VIII. Bombycidae, 



31. Bombyx. 

112. Crataegi L. Ich erhielt ein c? durch Herrn Hnatek 
(vielleicht ans dem Bregell). 

113. Franconica Esp. DieEaupe auf Vaccinium uliginosum und 
myrrtillum. Besonders im Val foin und auf Ober-Alpina. In der 
Jngend gesellig in Nestern; später vereinzelt. Sie liebt sehr die Sonne, 
liegt oft auf einem heissen Stein und schlägt wohlgefällig mit dem Kopf 
hin und her. Die Zucht ist sehr schwierig. 1878 fing ich am 25. Juli 
ein Pärchen in copula auf dem Padella. 

114. CastrensiS L. Sehr zahlreich die Raupe, aber schwer zu 
erziehen. 

115. Lanestris L. var. Arbusculae Frr. Man findet die Raupe 
mehrfach (Samaden, Yal foin) an der kleinblätterigen Weide. Die Zucht 
ist mir nicht gelungen. Die Raupe geht auch an Tamarix. 

116. QuerCUS L. Im Don-Thal hei Samaden und im Bevers- 
Thal ziemlich häufig im Juli. Die Raup« auf Weide und Tamarix. 
1878 fing ich mehrere tadellose cf, und Herr Münzmeister Korn 
(Wiesbaden) prachtvolle Weibchen. Diese Thiere sind colossal gross 
und haben die 9 ein eigentümliches Ansehen. Die langen Flügel- 
deckhaare sind nämlich sehr gross und weiss, wodurch das Thier ganz 
rauh wird. Vielleicht hat der kalte April und Mai mitgewirkt. Zimmer- 
zucht ergab normale Thiere. 

117. Rubi L. Nicht häufig bei Samaden. 

IX. Saturnidae, 

32. Saturnia. 

118. Pavonia L. Durch Hnatek einige Stücke aus dem Bregell. 

X, Notodontidae, 

33. Harpyia. 

119. Furcula L. Der Schmetterling kam Abends öfters an's 
Licht geflogen (Juli). Die Raupe im September bei Samaden an der Weide. 



— 102 — 

120. Vinula L. Der nicht Variante Falter ziemlich häufig bei 
Cresta und Celerina. 

34. Notodonta. 

121. ZiczaC L. Im Juni 1878 bei Samaden öfters an's Licht 
gekommen. Sehr gross und dunkel gefärbt. 

35. Pygaera. 

122. Pigra Hufn. Aus auf Weiden gefundenen Raupen der Falter 
mehrfach erzogen. 



C. NOCTUAE. 
3 6. Acronycta 0. 

123. Menyanthidis View. Einzeln bei Samaden und am Mor- 
teratsch. Juli. 

124. Auricoma S. V. Wie vorstehend, gross und dunkel. 

125. Euphorbiae var. Montivaga Gn. Häufig, grösser als die 

Stammform. Anfang Juli bei Samaden, Bernina-Haus an Steinen, Ge- 
ländern etc. 

126. Eliphrasiae Borkll. Einzeln an Felsen. 

37. Bryophila. 

127. Perla F. Ich fand am 1. Juli 1878 ein grosses Exemplar 
oberhalb Celerina. 

38. Agrotis. 

128. Augur F. S. Ich erhielt sehr grosse Exemplare von Hnatok 
aus Silz Maria. 

129. Pronuba L. Ziemlich häufig. 

130. Sincera var. Rhaetica. Staud. 

131. SpeciOSa Hb. Beide Eulen (130 und 131) fängt Hnatek 
jedes Jahr bei Silz und Silva plana durch Anstrich oder mit Apfel- 
schnitten. Es ist recht schade, dass dieser Herr sich nicht zu einem 
Giftglas entschliesscn kann; er zieht es vor, die gefangenen Schmetter- 
linge mit Tabaksrauch zu tödten. Herr H n a t e k macht leider ferner 



— L03 

den Fehler, dass er die getödteten TMere zu lange im Glas lässt, 
wodurch mindestens die Fransen leiden. 

132. Cuprea Hb. 1878 sparsam, 1870 aber äusserst häufig ober- 
halb Samaden und Celerina auf Centaurien. Alan muss die Eulen Vor- 
mittags suchen, d. h. von 9 Uhr ab bis Mittag-. Vorher und Nach- 
mittags findet man sie nicht, sie lieben den Morgensonnenschein, nach- 
dem der Thau verschwunden ist. 

133. Ocellina S. V. Sehr häufig, namentlich am Padellä und im 
Val foin. Juli. 

134. AlpestriS B. Sparsam auf Hochpartien an gelben Distel- 
blumen. Juli. Beide Arten zeigen übrigens so viele Uebergänge, dass 
sie schwer auseinander zu halten sind. 

135. Clllminicola Staut!. Ein ganz frisches prachtvolles Weibchen 
dieser seltenen Eule sass im hellen Sonnenschein hoch oben auf dem 
Abhang des Piz Padella auf Silene acaulis dicht am Schnee 
(22. August 1876). — 1878 fing ich kein Stück. 

136. GriseSCens Fr. Vier Exemplare zwischen Samaden und 
Celerina unter Erdvorsprüngen versteckt oder unter Grasbüscheln. 
Anfang August. 

137. Simplonia H. G. 1876 und 78 jedenfalls sehr selten. Herr 
Münzmeister Korn fing am 15. Juli 1878 ein frisches Stück oberhalb 
des Bernina-Hauses. 

138. Exclamationis L. Ich fing wenige Stücke Abends beim 
Lampenlicht im Gartenhause des Herrn von Planta in Samaden. 
Ende Juli 1876. 

139. ReCUSSa Hb. Am 11. August 1876 ein Stück bei Samaden 
auf Centauria. 

140. Corticea S. V. Nicht häufig. Ich fing mehrere Stücke 
wie bei No. 138 in sehr braunen Varietäten. 

141. Fatidica Hb. findet sich auf dem Albula-Pass (Graf Turati) 
und im Val foin (Pün geler). Durch Hnatek erhielt ich sie aus dem 
Pak-Thal. 

39. Charaeas. 

142. Graminis L. So häufig diese Eule 76, so sparsam war 
sie 78. Sie unterscheidet sich sehr von der deutschen Form, indem 
sie nicht so braun ist. Fliegt besonders im Bevers-Thal. Juli und August. 



104 — 






40. Mamestra. 

143. Advena F. Ein Stück bei Samaden. Juli 1878. 

144. Pisi L Prachtvoll dunkelbraun variirend. Die Raupe fand 
ich vielfach auf Tamarix. Flug im Juli. 

145. Brassicae L. Nicht häufig. 

146. Genistae Bkh. Ein Stück bei St. Moritz. 4. Juli 1876. 

147. Glauca Hb. Im ganzen Gebiet ziemlich verbreitet, sehr 
gross und markirt, blauschwarz gefärbt. Ich bemerke hierbei, dass 
sich Glauca, Dentina, Caesia etc. Nachmittags gern den Sonnenstrahlen 
aussetzen, und demnach oben auf den Steinen sitzen, nicht unterhalb 
versteckt. Hier trifft man sie Morgens in aller Frühe. 

148. Dentina ab Latenai Pier. Ich verstehe darunter die dunkle 
Bergform. Aeusserst häufig im Juli und August an Steinen, Zäunen etc. 

149. Marmorosa var. Microdon Gn. Sparsam Anfangs August. 
Sie schwärmt namentlich im Val foin an Alpenrosen im Sonnenschein. 
Es ist mir zwei Mal passirt, dass eine Eule an mich geflogen kam, 
als ich Chloroform in die Schachtel goss. Der Flug ist sehr eilfertig, 
an den Blüthen läuft sie mit gehobenen Flügeln saugend hin und her. 

150. TrifolÜ Roth. Ein Exemplar erhielt ich von Herrn Hnatek 
aus Silz als besondere Seltenheit. Ich selbst traf das Thier nicht. 

151. Reticillata Vill. Ich fing einige Stücke in Samaden am 
Lampenlicht. 

152. Dysodea Hb. Am 20. Juni 1878 fing ich Abends in Sa- 
maden ein frisches Stück, etwas kleiner und dunkler als die deutsche 
Form. 

41. Dianthoecia. 

153. Proxima Hb. Anfang Juli 1878 ein d" bei Samaden. 
1877 hatte Commerzienrath Pün geler mehrere Stücke bei St. Moritz 
gefangen. (1870 fing ich Proxima Anfang Juli auf Festung König- 
stein in Sachsen.) 

154. Caesia Bkh. Mehrfach an Felsen bei Samaden, St. Moritz 
und Morteratsch, namentlich im Juli. Die Thiere variiren. 

155. Tephroleuca B. Ein prächtiges Stück Abends im Garten 
des Herrn von Planta in Samaden 20. Juni 1878. 

156. Albimacula Bkh. Ich erhielt ein 9 durch Hnatek. 

157. Compta F. Ich fing ein abgeflogenes Stück in Samaden. 



105 — 

42. Polia. 

158. Xanthomista var. nigrocincta Tr. Bnatek hatte einige 

Stücke bei Silz gefangen. 

43. Ha de na. 

159. Adusta Esp. sparsam bei St. Moritz unter Erdvorsprüngen 
versteckt im Juli. 

160. Maiilardi H. G. mit ihren Verwandten Ceta und Pernix, 
wenigstens mit und ohne Fleck hier und da, namentlich im Bevers- 
Thal Anfangs August. 

161. Gemmea Fr. Ich erbeutete drei Exemplare, zwei Stück 
am 27. August im Bevers-Thal an einem Zaun sitzend, und ein Stück 
am 1. September oberhalb Samadens. Dieses Thicr sass versteckt an 

einem Stein. 

162. Rubrirena Tr. Im Juli 1878 fand ich drei Stück an der 
Bergchaussee in der Nähe des Morteratsch, an Felsen sitzend. 

163. Lateritia Hufn. Wenige Stücke am Fels bei Saniaden und 
Celerina; war 1878 etwas häufiger. Gross und rothbraun. 

164. Gemina Hb. 1876 fand ich ein Stück am 20. Juli; ausserdem 
erhielt ich ein zweites Exemplar durch Herrn Hnatek aus Silz. 

165. Strigilis Cl. Ein Stück in Samaden und ab. latruneula 
ebenda zwei Exemplare. 

44. Leucania. 

166. Andereggii B. var. Cinis Frr. ich fing am Lampenlicht 

in Samaden einige Stücke im Juli 1876 und 78. 

45. Mithymna. 

167. Imbecilla F. Besonders häufig im Val foin. Die ? sehr 

dunkel. Die cf fliegen namentlich eilfertigst im Sonnenlicht an Blumen, 
kommen aber auch Abends an's Lampenlicht. Juli. 

46. Caradrlna. 

168. Cubicularis Bkh. In Samaden recht häufig, Abends am 
Lampenlicht, Tags im Garten an den Hauswänden versteckt. Flugzeit 
Ende Juni und Juli. 






106 — 

169. Palustris Hb. 1876 fing ich oberhalb Samadens nur 

zwei cT- — 1878 fing ich ein solches im von Planta's Garten und 
später deren sehr viele bei Pontresina und am Bernina-Haus. Die 
Flugzeit ist Ende Juni. Das Thier fliegt mit Sonnenuntergang über 
feuchte Wiesen hin, es befindet sich auf der Weibersuche. Das $ ist 
schwer zu erbeuten. Es sitzt tief unten im Gras und kommt an einem 
Grashalm in die Höhe gelaufen. Mit seinen kurzen Flügeln fliegt es 
sehr schlecht, hüpft vielmehr nur. — Die Nahrpflanze des Schmetter- 
lings ist das honigschwitzende Gras Odoratum. — Die Flugzeit des 
Abends dauert eine Stunde; sowie es dunkel wird, verschwindet das 
Thier. 

47. Amphipyra. 

170. Tragopogonis L Im September 1876 fand ich ein Stück 
im Ober-Halstein-Thal. 

171. Pyramidea L. Ein Stück von Herrn Hnatek aus Silz. 

48. Cleoceris. 

172. Viminalis F. Nicht selten bei Samaden. Die Raupe an der 

Zwergweide. Der Falter Ende August bis Mitte September; sehr dunkel. 

49. Calocampa. 

173. Exoleta L Durch Hnatek erhalten. 

50. Plusia. 

174. Deaurata Esp. Am 17. August 1876 ein frisches ? dicht 
am Bernina-Hospiz 8500 Fuss hoch am Felsen gefunden. 

175. Moneta F. Ich fand im Juni 1878 mehrere Raupen am 
Fuss des Padella auf Aconitum und erzog daraus grosse Thiere. 

176. Illustris F. Raupe auf Aconitum sehr häufig, namentlich 
oberhalb Samadens und bei St. Moritz, im Juni. Der Falter erscheint 
im Juli und August. Derselbe variirt ziemlich. Ich sah denselben 
Tags nie fliegen. 

177. Bractea F. Am 1. August 1878 fing ich ein prachtvolles 
Stück auf der Samadener Hochwiese Morgens 11 Uhr. Der Falter sog 
auf einer Centaurie. Einige Tage später traf ich ein zweites Thier am 
Tage fliegend, ähnlich wie dies Plusia gamma thut. Ich deckte es mit 






107 — 

dem Netz, doch lief der Bösewicht unter den Pflanzen hinweg und 
entfloh, so dass ich das Nachsehen hatte. 

178. V. argenteum Esp. Hnatei versicherte auf das Bestimmteste, 
diese Plusie dreimal im Ober-Engadin gefangen zu haben. 

179. Gamma L. Nicht gerade häufig im August namentlich auf 
der Thalsohle. 

180. Ain Höh. Ende Juli und August sparsam auf Centaurien, 

namentlich des Morgens thätig, doch auch Nachmittags flüchtig, ähnlich 
wie Gamma. Bei Samaden vier Stück erheutet. 

181. Hohenwarthi (Höh.) Häufig im Val foin. Flugzeit Ende 
Juli. Der Flug ist eiligst und dicht über der Erde hin, so dass man 
das Thier Leicht übersehen kann. 

182. Devergens Hb. Viel seltener auf dem Padella und fast noch 
eilfertiger. Wurde von Graf Turati mehrfach auf dem Albula-Pass 

gefangen. Flugzeit Ende Juli. 

51. Anarta. 

183. Myrtilli L. Ziemlich selten und von dunkler Färbung am 
Morteratsch im Juli. 

184. Cordigera Thlib. Etwas häufiger im Val foin, am Morteratsch 
und Ober- Alpina. Flug Ende Juli. 

185. Melanopa und var. rupestraÜS Hb. Beide Formen am 
Bernina-Hospiz. Die Thierchen laufen auf dem nassen Torfboden hin 
und her, der gerade vom Schnee frei wurde, die Feuchtigkeit aufsaugend. 
Ziemlich zahlreich, aber schwer zu fangen. Ende Juli und Anfang 
August. 

186. Nigrita B. Der Hauptfangplatz ist der Albula-Pass. Ich 
fing ein Stück am Bernina 187 6; ausserdem soll es nach Herrn 
Mengelbier's mündlicher Mittheilung am Piz Neir gefangen worden sein. 

187. Flinebris Hb. Kommt nicht so selten, wie man meint, im 
Ober-Engadin vor. Das Thier bewohnt die torfmoorigen Stellen der 
Muotos, wo Vaccinium uliginosum wächst. Flugzeit Ende Juni und 
Anfang Juli. Die Flugstellen sind oft die nämlichen, wo Dasydia 
tenebraria fliegt. 

52. Omia. 

188. Cymbalariae Hb. Man fängt das nicht häufige Thierchen 
Morgens auf Centaurien. Bei Samaden im Juli. 



— 108 — 

53. Erastria 0. 

189. Fasciana L. Ich fing ein Stück bei Clmr 25. Juni 1876. 

190. Deceptoria Sc. Das Thierchen flog ziemlich häufig hei 
Zürich 22. Juni 1876. 

54. Prothymia. 

191. Viridaria Cl. Nicht häufig bei Samaden im Juli aufwiesen. 

55. Euclidia. 

192. Glyphica L Nicht häufig auf den niederen Wiesen- 
ahhängen des Inn- Thals. (Samaden, Silva plana, Silz Baselia.) 

56. Herminia. 

193. ModestaÜS Heyd. Besonders häufig auf den Wiesen bei Sa- 
maden und Pontresina und im Bevers-Thal. Die Raupe lebt von Poly- 
gonum. Wo diese Pflanze üppig wächst, fliegt auch diu - Schmetter- 
ling cf, das 9 fliegt selten. Juli und August. — Vielfach auch auf 
der kleinen Wiese bei Silz unmittelbar hinter Hnatek's Hause. 

57. Ri vula. 

194. Sericealis Sc. Mehrfach bei Zürch gefangen. 25. Juni 1876. 
Im Engadin wohl nicht vorkommend. 

D. GEOMETRAE. 

58. Acidalia. 

195. Flaveolaria Hb. Fliegt im Juli besonders im Bevers-Thal und 
auf den Vorbergen zwischen Samaden und Pontresina. Das 9 fliegt 
wenig. Das Thierchen liebt die Waldstellen, wo Sonnenschein und 
Schatten wechseln, liier fliegt es Tags, namentlich Nachmittags. 

196. Immorata L. Nicht häufig oberhalb Samadens zwischen den 
Lärchen. Juli und August. 

197. Strigilaria Hb. Wie vorstehend. 

59. Cabera. 

198. Exanthemata Sc. Einzeln im Erlen-Gebüsch der Ober- Alpina 
und des Bevers-Thal. Bei Chur 25. Juni 1876 häufig. 



— 109 — 

60. Odontopera. 

190. Bidentata Cl. Ich fand Ende Juni am Piz murail ein 
frisches Stück. 

61. Biston. 

200. Alpinus Sulz. 1878 fing ich mehrere Schmetterlinge. Die 
Raupen findet man im Juni auf Centaurien. Die Puppen trocknen leicht ein. 

62. Gnophos. 

201. Ambiguata Dup. Vom 1. bis 25. Juli an den Felsblöcken 
oberhalb Samadens. Nicht häufig. 

202. Giaucinaria Hb. Wie vorstehend, doch viel häufiger; wobei 
ich bemerke, dass alle Gnophos- Arten 1878 viel seltener als 187G 
waren (excl. No. 204). 

203. Serotinaria Hb. Sparsam oberhalb Samadens vom 11. bis 
25. Juli. 

204. Sordaria Thunb. Sehr einzeln, doch 1878 etwas häufiger. 

205. DÜUCidaria Hb. Ziemlich häufig. 

206. Obfuscaria und Var. canaria. Sehr variirend, häufig ober- 
halb Samadens und dicht am Bernina-Hospiz. Hier fand ich viele c? 
in Schneelachen ertrunken. Flugzeit im Juli. 

207. Zelleraria Frr. Herr Wolfersberger zeigte mir, wie man 
diesen Spanner zu suchen hat. Er sitzt unter den kleinen Steinen des 
Glätschergerölls, also dicht vor den Glätschern selbst. Bei schönem 
Wetter ist das d 1 sehr flüchtig. 

208. Caelibaria var. spurcaria Lah. Hnatek findet ihn im 

Faix-Thal. Ich vermuthe, dass er ähnlichen Aufenthalt wie Zelle- 
raria hat. 

63. Dasydia. 

209. Tenebraria Esp. und var. innuptaria H. S. Auf den 

Torfmooren der Mustos von Celerina, ferner am Morteratsch. Der 
Spanner fliegt ferner Morgens im Sonnenschein unter lichten Arven 
(Pinus cembra), doch kommt er auch ganz im Freien vor, wie z. B. 
am Bernina-Hospiz. Flugzeit Juli. 



— 110 — 

210. Wockearia Staud. Ich halte diesen Spanner für eine 
durchaus gute Art. Er fliegt auf dem Padella und Piz Ot, d. h. ganz 
oben und immer auf Kalkhoden. Flugzeit August. 

64. Psodos. 

211. Alticolaria Mn. Die nämlichen Flugplätze wie No. 210. 
Durchaus nicht selten, aber — die Jagd wird durch Witterungsunbilden 
oft vereitelt. Es ist hart, nach zwei- bis dreistündigem Bergsteigen 
an den Fangplatz anzukommen und dann Nebel, Eegen oder Schnee 
zu haben. Glückt es mit dem Wetter, dann kann man mehrere Stücke 
fangen, die wie Wockearia munter umherfliegen oder von Silene acaulis 
naschen. 

212. Coracina Esp. Beim Bernina-Haus beginnend und auf- 
steigend bis zum Hospiz; auch im Val foin und am Padella. August. 

213. Trepidaria Hb. Wie vorstehend. Beide Arten fliegen nicht 
so eilfertig wie Alticolaria. 

214. Quadrifaria Sulz. Auf den Vorhöhen unter Arven und 
Laryx sylvestris. Flugplatz viel tiefer wie vorstehende Arten. 

65. Pygmaena. 

215. FllSCa Thnb. Fliegt wieder bedeutend höher und nie unter 
Bäumen; namentlich oberhalb der Schurre des Padella's. Er fliegt 
aufwärts bis an die Fluggrenze von P. alticolaria. Ich traf ihn auch 
im Val foin an, und namentlich zwischen den beiden Bernina-Etablisse- 
ments, immer auf Torf und oft mit Anarta melanopa zusammen. 
August. 

66. Fidonia. 



216. Carbonaria Cl. Beginnt zu fliegen, wenn der Schnee schmilzt, 
doch findet man den Falter noch im Juni. — Im Val foin, Bernina- 
Haus, Faix-Thal. Das Thierchen sitzt gern auf feuchten Wegen. 



67. Ematurga. 

217. Atomaria L. Klein und sehr variirend bei Samaden, nicht 



häufig. 



— 111 - 

68. Halia. 

218. Wauaria L. Durch Hnatek bei Silz gefangen. 

219. Brunneata Thnb. Liebt Moorpartieen mit V. uliginosum etc. 
Demnach kommt er namentlich am Morteratsch und auf den Muotos 
von Celerina vor. Ende Juli und August. 

69. Phasiane. 

220. Clathrata L. Ende Juni sehr einzeln. Ich fing ihn bei 
Pontresina. 

70. Cleogene. 

221. Llltearia F. Vom 10. Juli bis in den August. Dieser 
Spanner ist so häufig, dass er Morgens sieben Uhr, wenn er über den 
Wiesen des Thals hin und her flattert, diesen fast eine gelbe Farbe 
verleiht. Das 9 sitzt tief und lässt es sich gleich fallen. 

71. Lythria. 

222. Plumularia Frr. Ich fing im Ganzen (1876 u. 78) circa 
15 Stück. Das Thierchen fliegt oberhalb Samaden, oberhalb Bernina- 
Haus und im Val foin. Es hat die Manier der Purpuraria. Flugzeit 
im Juli. 

72. Ortholitha. 

223. Limitata Sc. ziemlich selten oberhalb Samadens. Ende Juli. 

224. Bipunctaria Schiff. Häufig oberhalb Samadens. Variirt ; 
im Ober-Halstein-Thal fing ich ein äusserst blaues Exemplar. 

73. Minoa. 

225. Eliphorbiata F. Wenig grösser und lichter als die deutsche 
Form; ziemlich häufig. Ist wohl die Form Cinerearia? 

74. Odezia. 

226. Atrata L. Fast so häufig wie Lutearia und auf denselben 
Wiesen. Sowie die Wiesen im Juli abgemäht sind, verschwinden beide 
Arten. 



- 112 - 



75. An ai t is. 



227. Plagiata L. Ich fand ein Stück im Ober-Halstein-Thal. 

228. Paludata var. imbutata Hb. Ende Juli und August häufig 
auf den mehrfach erwähnten Moorstellen. 



76. Cidaria. 

229. Populata L. Wie vorstehend, sehr häufig, etwas dunkler als 
die deutsche Form. 

230. Simulata Hb. Am 16. August 1876 fing ich Abends 
zwischen 9 1 J2 und 11 Uhr mit Hülfe eines schlecht brennenden Talg- 
lichtes auf dem Bernina-Haus 26 Stück. Später traf ich das Thier 
noch einige Mal im Val foin und auch oberhalb Samadens und Bevers 
an. Die Totalfärbung ist mehr grau, während meine Schottländer 
bräunlich sind. 

231. TriMCata var. perfuscata Hw. Besonders häufig und 
dunkel im Bevers-Thal von Mitte August bis in den September. 

232. Mutlitata Hb. Ist nur sehr einzeln bei Samaden und dem 
Bernina-Haus (Lichtfang). Juli und August. 

233. Aptata Hb. Dicht bei Samaden am Fuss des Padella sehr 
häufig. Er liebt sich unter Felsvorsprüngen zu setzen, geht selbst in 
Höhlen hinein. Oft sitzen 20 — 30 zusammen. 

234. Turbata Hb. Fliegt, sowie der Schnee schwindet. Sitzt 
gern in Hohlwegen, unter Baumwurzeln etc. Einige Stück sieht man 
bis Ende Juni. Abends fliegen sie zwischen den Lärchenbäumen hin 
und her, nach dem Weibchen suchend. 

235. Kollariaria H. S. Am 23. Juli 1876 erbeutete ich ein Stücfe 
bei Samaden, 1878 einige. 

236. Austriacaria H. S. Am 10. und 26. Juli 1876 fing ich 
zwei Stück in der Aptata-Höhle, 1878 mehrere. 

237. Aqueata Hb. Wie vorstehend in Höhlen, gelegentlich sitzen 
sie auch etwas freier; ziemlich häufig. 

238. Salicata Hb. Genau wie vorstehend. 

239. Incursata Hb. Fliegt auf den Moorpartieen unter Arven, 
namentlich bei St. Moritz und oberhalb Celerina's. Man klopft den 
Spanner öfters aus den Flechtmoosen, welche an den Arvenzweigen 
sitzoi. Der Plug ist sehr eilfertig- 






— 113 — 

240. Mixtata in litt. Ich fing das Thierchen mehrfach in Ge- 
sellschaft der Salicata. 

241. Fluctuata L. Nicht gerade häufig; geht hinauf bis Ber- 
nina-Hospiz. All«' Thiere sind weisser wie die deutschen und unter- 
scheiden sich namentlich sehr von meinen dunklen pommerschen Stücken. 
Juni bis August. 

242. Montanata Bkh. Im Juli und August sehr häufig. Die 
Thiere sind kleiner als die deutschen und namentlich nicht so schön 
gefärbt als meine Pommern. 

243. Ferrugata Cl. Häufig im Juli. 

244. Spadicearia Bkh. Wie vorstehend. 

245. Dilutata Bkh. Ich erhielt einige Stücke von Hnatek. 

240. Caesiata Lang. Aeusserst häufig im ganzen Gebiet, nament- 
lich aher bei St. Moritz. Juli und August. 

247. Flavicinctata Hb. Ich fing nur ein Stück hei Silvaplana, 
8. September 1878. 

248. Cyanata Hb. Hnatek fängt diesen schönen Spanner mehr- 
fach, aher ich glaube, nicht im Ober-Engadin, sondern im Bregell. Ich 

traf ihn im Ober-Hallstein-Thal. 

249. Nobiliaria H. S. Ein Prachtpärchen in copula sass am 
17. August 1870 in unmittelbarer Nachbarschaft einer Plusia deaurata 
am Felsen des Bernina-Hospiz. Die frischen Stücke haben Silberglanz. 

250. Incultaria H. S. Dieser kleine, elegante Spanner ist selten. 
Ende .7 uni bis .Mitte Juli ist die Flugzeit. 1870 fing ich 2—3 Stücke 
hei Samaden und 1878 hatte ich das Glück, am 0. Juli bei Silz Baselia 
an einem einzelnen Felsen cf und 1 $ zu fangen. 

251. Verberata Sc. Aehnlieh wie C. lutearia ein ächter Wiesen- 
spanner. Sehr häufig im Juli. 

252. Frustata var. fulvOCinctata Rbr. Fliegt im Juli ziemlich 
selten bei Samaden und aufwärts bis Val foin. Das Thier sitzt gewöhn- 
lich unter Erdvorsprüngen, kommt auch Abends gern an's Licht. 

253. AlpiCOlaria H. S. Ueberall, wo die grosse, gelbblühende 
ßentiane zu finden. 1870 war die Raupe im August sehr häufig in 
den Samenkapseln dieser Pflanze anzutreffen. Der viele Regen des Juli 
tödtete viele Raupen in den Kapseln, indem letztere Wasser zogen. 

254. Galiata Tr. Ich fing am 0. Juli 1S70 nur ein Stück hei 

Samaden. 

Jahrb. d. nass. Ver. f. Nat. XXXI n. XXXII. Q 



114 



Nicht häufig bei Samaden im Juni 



255. Lugubraria Staut! 
mit Turbata zusammen. 

256. Subhastata Nolk. Fliegt Ende Juni auf den Moorplätzen der 

südlich von Celerina gelegenen Muotos mit Incultaria zusammen. Nicht 
häufig und schwer zu fangen. 

257. Tristata L. Im Juni und Juli überall sehr häufig. 

258. Molluginata Hb. Selten. Flugplatz der Rand der oberen 

Celerina -Wiese unter Pinus und Laryx. Flugzeit Mitte Juli. 

259. Affinitata Stph. Ein Stück Ende Juni 1S78 bei Samaden 
gefangen. 

260. Alchemillata L. Einzeln bei Samaden Anfangs Juli. 

261. Minorata Tr. Man klopft im Juli den Spanner oberhalb 
Samadens aus den Tannen- und Lärchenzweigen. Nicht häufig. 

262. Adaequata Bkh. Zwischen Tamarix und Salix der 
Iim-Niederung nicht selten im Juli in schönen, markirt gezeicheten 
Stücken. 

263. Albulata Schiff. Anfang Juli, wie vorstehend, doch seltener. 

264. Candidata Schiff. Ein frisches Stück mit vier schwarzen 
Punkten bei Zürich am 22. Juni 1876 gefangen. — Meine deutschen 
Exemplare haben diesen Punkt nicht. 

265. Bilineata L. Kommt im Ober-Engadin nicht vor, wohl aber 
im Bregell. 

266. Sordidata F. In Hohlwegen und unter Felsgehängen, nament- 
lich im Bevers-Thal; im Juli 1878 mehrfach gefunden. 

267. Trifasciata Bkh. Zahlreich in dem Erlengebüsch bei Ponte. 
Juni und Juli. Die Raupe lebt von Erlen. 

268. Literata Don. Die Flugzeit beginnt bereits im Mai und 
erreicht ihre Höhe im Juni. 1878 habe ich viele schöne Exemplare 
eingesammelt. Die Raupe lebt vom Vogelbeerbaum; der Schmetterling 
hat stets eine rothe Einlage und ist grösser, als der nachbarlich flie- 
gende Trifasciata, der nie roth zeigt. Ich halte Literata nicht für eine 
gute Art, sondern für ständige Varietas zu Trifasciata. Einzelne 
Stücke traten noch im August auf und diese sind es wohl, welche früher 
als grosse Seltenheiten in die Sammlungen wanderten, nicht wissend, 
dass die Flugzeit im Mai und Juni, also zu einer Zeit sei, wo das Ober- 
Engadin wenig oder nicht besucht wird. 












- 115 - 

269. Silaceata var. deflavata Staud. In Höhlen und anter Erd- 
vorsprüngen an schattigen Plätzen, so Bevers-Thal und Piz Murail. 
Juli. Nicht häutig. 

270. Berberata Schiff. Fliegt mit Literata zu gleicher Zeit. 
Häutig. Alle Stücke sind grösser und bunter, wie die deutschen bei 
gleicher Zeichnung. 

271. Aemulata Hb. In beiden Jahren fing ich wenige Stücke 
oberhalb von Samaden an Baumstämmen. Juli. 

77. Eupithecia. 

272. Nanata Hb. Herr Graf Turati schickte mir ein Stück ans 
dein Ober-Engadin. 

273. TamarJSCiata FIT. Mitte Juni und Anfang Juli beleben 
sich die Tamarisken des Inn- Thals mit diesen Schmetterlingen und im 
August und September findet man die ausgewachsenen Raupen. — Beide, 
Schmetterling und Raupe, erbeutet man am besten bei nasskalter Witterung 
durch Klopfen in den Schirm. 

274. Scriptaria H. S. Kommt oberhalb Samadens in den Lärchen- 
waldungen Ende Juni und Juli nicht eben selten vor. Man klopft sie 
aus den Zweigen. 

275. Satyrata Hb. Wie vorstehend. 

276. Veratraria H. S. Wie vorstehend. 

277. Austriacaria B. Wie vorstehend. 

278. Castigata var. atraria H. S. 29. Juni 1878 ein stück. 

279. CailChyata Hb. Zwei Stück, Anfang Juli (durch Herrn 
Apellrath Eö ssler bestimmt). 

280. Lariciata Frr. Mehrfach in schönen Varietäten. 



8* 



Erster Nachtrag zu „Die Käfer von Nassau und 

Frankfurt". 



Von 

Dr. L. vou II e y tl e n. 



Kaum zwei Jahre sind verflossen, so sehe ich mich schon veran- 
lasst, einen ersten Nachtrag zu unserer Käferfauna zu veröffentlichen. 
Einestheils bewegt mich dazu die ermunternde Aufmerksamkeit, welche 
meiner früheren Arbeit von Seiten einiger ausgezeichneten Coleoptero- 
logen zu Theil wurde; ich nenne hier Dr. Kraatz in Berlin, A. Pauvel 
in Caen, der den Catalog wegen seiner genauen Angaben (Revisionen 
durch Specialisten) geradezu als mustergültig für andere Arbeiten hin- 
stellt. Herr von Harold am königlichen zoologischen Museum in 
Berlin, der einen ähnlichen Catalog für die Münchener Gegend heraus- 
zugeben beabsichtigt, schrieb mir ,,.... wobei ich mir Ihre hübsche 
Arbeit über die Frankfurter Fauna zum Vorbild nehmen werde. Ich 
habe mich mehr und mehr von dem grossen Werthe solcher kritisch 
gearbeiteten Localfaunen überzeugt; sie sollen die Basis zu unserer 
Kenntniss der Insectengeographie bilden, in der wir durchaus noch 
keine rationelle Methode befolgen". 

Andererseits sehe ich mit Vergnügen, dass meine Arbeit die directe 
Veranlassung war zu gewissenhaftem Sammeln und genauem Bestimmen 
von Seiten einer Anzahl zum Theil jüngerer Entomologen in unserem 
Gebiete, die mir alle zweifelhaften Arten einsandten und ihre Notizrn 
zur Veröffentlichung übergaben. Ich nenne hier vor Allen Herrn 
Dr. Buddeberg, Dirigent der Realschule in Nassau an der Lahn (ein 
Gebiet, das seither entomologisch noch gar nicht bekannt war) ; fast die 
meisten der hier folgenden Angaben stammen von ihm, an 52 Arten von 80 
konnte er allein als neu für unsere Fauna constatiren und eine ganze 
Reihe neuer Varietäten anführen. Weitere werthvolle Mittheüungen 
verdanke ich den HH. Dr. Bertkau am zoologischen Museum in 
Poppeisdorf bei Bonn; General-Domänen-Director von Bodemeyer in 
Heinrichsau in Schlesien, der 1877 fleissig in der Gegend von Wies- 
baden sammelte; Giebeler, Lieutenant im Rheinischen Jägerbataillon 






V 



— 117 

Nu. 8 in Zabern, aus Wiesbaden, sammelte bei Wetzlar; Hauptmann 
a. I>. Herber in Wiesbaden; Oberrevisor Jaennicke in Mainz; Gym- 
nasiast Georg Metzler; Oberstlieutenant a. 1). Saalmüller; Lehrer 
Schneider und Kaufmann A. Weiss; die vier Letzteren von Frankfurt. 

In Betreff der Maikäferflugjahre habe ich mir erlaubt, noch auf 
einige Gesichtspunkte aufmerksam zu machen, von welchen aus das 
Leben dieser scheinbar so weltbekannten Tbiere bei näherer Betrach- 
tung noch manche dunkle Punkte aufweisen, deren Aufklärung erwünscht 
sein dürfte. Zur Lösung dieser Angaben anzuregen, w r ar der Zweck des 
diesjährigen Nachtrages zur Maikäferfrage. 

Wegen der im Text vorkommenden Abkürzungen verweise ich auf 
das Hauptverzeichniss. 

Die Nummer vor einem Namen bedeutet die Ordnungsnummer 
innerhalb der Gattung in Bezug auf das Hauptverzeichniss. 

N. = Nassau a. d. Lahn. 

Bd. = Dr. Buddeberg. 

Gbl. = Lieutenant Giebeler. 

Hrb. = Hauptmann Herbe r. 

Mzl. = Georg Metzler. 

-f- = Für die Fauna neue Art. 

O = » » » » Varietät. 

Str. = Ist zu streichen. 

Juli 1879. 



1. Cychrus rostratus L. — N. (Bd.) im Wald. — Die von L. IL 
angeführten Formen gehören alle noch zum ächten rostratus; der C. 
elongatus Hoppe ist eine nur in Krain vorkommende Form. 

8. Carabus auratus L. — Weg von Bingen zum Rochusberg gef. 
13. Mai 1879 in copula; am Fuss der Ruine Falkenstein im Taunus, 
am Waldrande in der Nähe der Felder 4. Juni 1879 einzeln. 

4. C. auronitens F. — Im Catalog zu ändern in „nicht bei Wlb. 
aber bei Obershausen h. (1 Stunde von Wlb.)" (Seh.) 

5. C. morbillosus Panz. — Bei Sachsenhausen in den Weinbergen 
27. August 1879 (L. H.). 

9. C. arvensis F. var. pomeranus Oliv. — Von Mzl. einmal 

hei Oberrad 1878 gef. — L. H. sah dieses Stück; die Schenkel sind 
roth, der mittlere der drei Streifen zwischen den Kettenstreifen er- 
höhter, glatt, nicht gekerbt. 



— 118 — 

-j- 3. (nach 2.) Nebria picicornis F. --Von Gbl. bei Budenheim 

am Rhein einmal gef. [Auch am Laacher See auf der linken Rhein- 

seite (Wirtgen) in Sammlung L. H. und von C. H. hei Bonn gef.] 

Brachnras muss Brachynus heissen. 

1. B. crepitans L. — Bingen (L. BT.). 

1. Lamprias cyanocephala L. — N. (Bd.) unter Steinen. 

1. Lehia crux minor L. — N. (Bd.) auf Weinlaub einmal. — Diez 
(Lehrer Weber). 

2. L. haemorrhoidalis F. — N. (Bd.) 

2. Cymindis axillaris F. — Von Dr. Bertkau auf dem Kochusberg bei 
Bingen 13. October 1877 gef. - - Bei Wlb. zweimal (Seh.). — N. (Bd.) 

2. Panagaeus quadripustulatus Sturm. — Wlb. zweimal (Seh.). 

1. Patrobus excavatus Payk. — Bei Schlangenbad n. s. unter 
feuchten Steinen 1878 von Mzl. gef. 

1. Taphria nivalis Panz. — N. (Bd.) 

+ 18. (nach 10.) Agonum gracilipes Duft. — Von Hrb. im 

Biebricher Schlossgarten und bei Mombach am Rhein gef. 15. Mai 1878. 
-f 19. (nach 11.) Ag. lugens Duft. — Von Hrb. 1878 bei Wsb. 
gef., auch die Form mit niedergedrückter Schildchengegend. 

1. Olisthopus rotundatus Payk. — Bei Wsb. 1877 von v. Bode- 
meyer gef. 

21. Steropus madidus F. var. concinnus F. — Wlb. (Seh.) — N. (Bd.) 
unter Steinen im Wald. 

23. Pterostichus cristatus Dufour = parumpunetatus Germ. — Von 
Gbl. auf der Platte bei Wsb. gef. 

2. Molops terricola F. — N. (Bd.) unter Steinen im Wald. 

3. Amara ovata F. — N. (Bd.) 

-f 23. (nach 4.) A. nitida Sturm. - Von Mzl. einmal bei Fr. 
gef., nun in Sammlung L. H., N. (Bd.) 

5. A. communis Illig. — An der englischen Gasfabrik bei Fr. von 
Herrn A. Weiss ein Mann gef. 8. April 1879. 

+ 24. (nach 7.) A. acuminata Payk. — Fr. einmal. --Wsb. (Gbl.) 
einmal. 

12. A. lucida Dft. — Von L. H. auf dem Roclmsberg bei Bingen 
gef. 23. April 1878. ■ N. (Bd.) 

16. A. livida F. und 

19. A. fulva Deg. — N. (Bd.) 

21. A. apricaria Payk. — Wetzlar sehr dunkles Weib (Gbl.). 

1. Diachromus germanus L. N. (Bd.) auf Pflanzen. 






— 119 — 

2. Anisodactylua binotatus F. v. spurcaticornis J><,i- N. (Bd.) 
f 38. (nach 2.) Ophonus diffinis Dej. Race rotundicollis 
Fairm. Bei Wetzlar einmal von Gbl. gef. Neu für Mitteldeutsch- 
land. L. II. sali das Stück. 

5. 0. cordatus Dft. — 24. April 1878 bei Bingen von L. H. gef. — 
N. (Bd.) 

17. Harpalus calceatus Dft. - Wlb. (Seh.) 

18. H. rnfus Brüggemann = ferraginens auetorum, nee P. 
zu ändern. 

24. H. var. erythroeephalus F. ist var. von latus L. var. 

fulvipes Dft. ist = var. marginellus Dft. 

O Var. SObrinilS Dej. — Hierher das Stück vom kleinen Feldberg. 
Bergform. Neu für unsere Gegend. 

32. H. serripes Duft. — N. (Bd.) 

+ 39. (nach 32.) H. taciturnUS Dej. - Fr. einmal (C. H.). 
1. Perileptus areolatus Creutzer. — N. (Bd.) am Mühlbach. 

1. Tachys Fockii Hum. — N. (Bd.) ein Exemplar Abends im Flug. 

2. T. bistriatus Dft. — N. (Bd.) am Mühlbach. 

3. T. sexstriatus Dft. var. quadrisignatus Dft. und 
-1. T. parvulus Dej. von Bd. 1879 im Juli an der Lahn bei N. gef. 
■1. Bembidion (ist die richtige Schreibart) guttulum F. — Biebrich 

(Bd.). 

18. B. fasciolatum Dft. — Im Juli 1879 bei N. einige Exemplare 
an der Lahn gef. (Bd.) 

31. B. punetulatum Drapiez. — Wlb. (Seh.) 1879 im Juli an der 
Lahn h. gef. (Bd.) 

-f- 35. (nach 33.) B. striatum F. — Bei Castel am Rhein (Gbl.). 

33. Für B. impressum Panz. hat der ältere Name velox L. einzutreten. 
1. Haliplus elevatus Panz. gehört zur Gattung Brychius Thoms. 
3. H. ruficollis Deg. — Fr. nur ein Exemplar in Sammlung L. H. 
Str. 5. H. fulvicollis Er. - L. H. besitzt nur drei norddeutsche Stücke. 
Str. 7. Das Synonym apicalis Thoms., verschiedene Art von striatus 

Sharp. 

Es waren seither neun ächte Haliplus aus dem Gebiet bekannt, 
hierzu treten vier neue Arten: 

+ 10. H. Heydeni Wehncke (nach ruficollis). — Fr. drei Stück 
als ruficollis. [Vom Autor bestimmt.] 

+ II. H. immaculatus Gerhardt (nach Heydeni). — Fr. einmal 
als ruficollis. [Vom Autor bestimmt.] 






— 120 — 

-h 12. H. lineolatllS Mnhm. (nach fluviat). — Fr. einmal als 
fluviatilis. [Von Wehncke bestimmt.] 

+ 13. H. confinis Steph. = lineatus Aube. Wetzlar zweimal 
(Gbl.). [Von Wehncke bestimmt.] 

H. obliquus Gyll. mnss amoenus Oliv, heissen, da obliq. F. et 
auetor. = Hygrotus versicolor Schauer ist (welchem Namen der reti- 
culatus F. weichen muss). 

1. Coelambus confluens F. — Wsb. einmal (Gbl.). 
6. Hydroporus granularis L. muss den älteren Scopoli'schen Namen 

minimus führen. 

9. H. erythrocephalus L. var. (femin.) tleplanatus Gyll. — Bei 
Wetzlar seltener (Gbl.). 

12. H. marginatus Dft. — Wetzlar einmal (Gbl.). 

13. H. pubescens Gyll. — Die Synonyme discretus Fairm. und 
nigrita St. zu streichen. 

11. Zu H. nigrita F. Gyll. Thoms. tritt als Synonym nivalis Redtb. 
Rantus Eschscholtz (i. 1.) muss heissen Rhantus Lacordaire. 

2. Rh. notatus F. = roridus Müller. 

3. Gaurodytes didymus Oliv, muss den älteren Namen biocellatus 
Müller führen. 

1. Trogus virens Müll. — Bei N. (Bd.) in der Lahn. 

2. Gyrinus natator L. — In den Bassins des Schlossgrabens zu Wlb. 
s. h. (Seh.). 

1. G. opacus Sahlb. — Das Exemplar von Offenbach ist ein marinus 
und ist es mir fraglich geworden, ob die Art überhaupt bei uns vorkommt. 
1. Orectochilus villosus Müll. N. (Bd.) im Mühlbach. 

1. Hydrobius fuseipes L. — Sachsenhäuser Gärtnerei (bei var. chal- 
conotus zu streichen). 

+ 2. H. Rottenbergi Gerhardt. — Hierher das Stück fuseipes 
ans Königstein und das Stück var. chalconotus aus Fr. (welche var. 
demnach zu streichen). [Beide vom Autor bestimmt.] Unter den Vor- 
räthen in Sammlung L. H. beide Arten aus hiesiger Gegend gleich 
h. gef., Rottenbergi fast noch häufiger. Die Punktreihen der Decken 
mit eingestochenen grösseren Punkten, bei fosc. stehen diese Punkte auf 
den abwechselnden Zwischenräumen; die Punktirung dieser ist stärker; 
die Augen sind schwächer facettirt, dalier glänzender als bei fuseipes; die 
Vorderschienen sind bei Kottbg. nach der Spitze mehr erweitert. 

2. Philydrns melanocephalus Er. nee Oliv, muss quadripunetatus 
übst, heissen. 






121 - 

5. Ph. marginellus F. = marginatus Dft. = ovaHs Thoms. 
— Wetzl. h. (Gbl.) 

1. Enochrns bicolor Gyll. nee F., nee Payk. muss melanocephalus 
Oliv, heissen. 

1. Anacaena limbata F. — Wetzlar h. (Gbl.) 

2. A. globulus Thoms, — Ein Stück aus dem Gebiet, wohl Taunus, 
in Sammlung L. H. 

+ 3. Laccobius maculieeps Rottbg. ist gute Art. 

1. Limnebius truncatellus Thbg. — N. (Bd.) 

2. L. papposus Muls. — Wetzlar b. (Gbl.) 

Helophorus granularis Er. = brevicollis Thoms. aus der hohen 
Mark gehört zu 

6. H. obscurus Muls. = aeneipennis Thoms. — N. (Bd.) 

7. H. dorsalis Er. — Wlb. (Seh.) = Erichsoni Bach. 

-\- 9. (nach 3.) H. aequaÜS Thoms. (Kleiner wie aquaticus, 
erzfarben.) — Taunus einmal, Nauheim = 5. 

+ 10. (nach 8.) H. pumilio Er. - Wlb. (Seh.) 

2. Hydrochus elongatus Schaller. — Bei Wetzlar zu Hunderten gef. 
(Gbl.) 

-f 4. (vor i.) Ochthebius exsculptus Germar. 

-f 5. (nach 4.) 0. gibbosus Germ. 

-f- 6. (nach 5.) 0. lacunosus Sturm. 

1. Hydraena riparia Kugelann. 

2. H. gracilis Germ. 

3. H. pulehella Germ. 

+ 4. (nach 2.) H. flavipes Sturm. Einmal October 1877. 
+ 5. (nach 3.) H. pygmaea Waterh. = Sieboldi Rosh. = lata 

KSW. (3 Ex.) Alle 8 Arten von Bd. bei N. im Mühlbach gesammelt. 
2. Cercyon obsoletus Gyll. — N. (Bd.) einmal. 
+ 5. (nach 2.) Parnus lutulentus Er. — N. (Bd.) 

Elmis (1.) Latreillei Bedel = aeneus Er. nee Müller (2.), Kirschii 
Müll, und (3.) Maugeti Latr. = aeneus Müll, bilden die Gattung 
Lareynia Duval. 

Riolus Muls. 

4- I. R. nitens Müll. - - Von Bd. bei N. einmal Abends im Flug 
1877 gef. Ich sah das Exemplar. 

(4.) Elmis Mülleri Er. und (5.) E. Volkmari Panz. bilden die 
eigentlichen Elmis, dazu gehören : 



122 



4- 3. E. opacus Müll. - - N. (Bd.) einmal im Mühlbach Oct. 1877. 
-)- 4. E. Germari Müll. Desgl. 6 Ex. gefanden. 

2. E. Volkmari Panz. — N. (Bd.) 

(6.) E. parallelepipedus Müll, und (7.) angustatus Müll, bilden 
die Gattung Esolus Muls. 

1. E. parallelepipedus Müll. N. (Ed.) im Mühlbach. 

2. E. angustatus Müll. N. (Bd.) im Mühlbach. 
(8.) Limnius tuberculatus Müll, bildet Gattung. 

1. Georyssus pygmaeus F. muss dem älteren Namen crenulatus 
Kossi weichen. 

1. Psammobius caesus Panz. — N. (Bd.) 

1. Sisyphus Schaffen L. — Diez (Lehrer Weber). 

4. Trox scaber L. — N. (Bd.) einmal. 

1. Anoxia villosa F. — Hauptmann Herber fand (siehe Katter's 
Entomologische Nachrichten, Bd. IV, 1878, pag. 310) 2. Juli 1878 bei 
Castel, in der Bichtung auf Biebrich auf sandigem Boden nach Sonnen- 
untergang, die Art in grosser Menge (unter 200 Stück nur 8 Weiber) 
um die Gipfel der Zwetschenbäume schwärmen. Nach Verlauf einer 
halben Stunde waren alle wieder in dem Sande verkrochen ; nach 
10 Tagen war kein Stück mehr zu finden. 

Maikäfei'flllg jalire. Wegen Beantwortung der Frage, ob 
wirklich regelmässig periodisches massenhaftes Auftreten der Melolontha 
vulgaris L. für jede Localität zu constatiren ist, verweise ich auf das 
bereits früher Gesagte und möchte nur auf einige Gesichtspunkte auf- 
merksam machen, welche das Unhaltbare dieser Theorie bestätigen werden. 

Obige Theorie basirt auf der Annahme bestimmter Loc alitäten; 
dieser Begriff bedingt aber genau zu definirende Grenzen. Dass die 
Grenzbestimmungen sich auf unsere Festländer nur sehr schwer im Sinne 
obiger Theorie nach einem einheitlichen Princip durchführen lassen wird, 
liegt nahe. Erleichtern wird uns desshalb die Definition des Begriffs 
Localität (Gegend) im Sinne obiger Theorie, indem wir den geographi- 
schen Begriff Insel an seine Stelle setzen, und erproben die Theorie 
nunmehr an dieser bestimmt abgeschlossenen Localität, so wird der 
Vertreter jener Theorie zugeben müssen, dass ihm keine günstigeren 
Zugeständnisse gemacht werden konnten, als eine etwa eine viertel 
Quadratmeile grosse, ganz isolirte Insel in einem weiten Meere. 

Nimmt man an: I. Dass auf dieser Insel bisher kein Maikäfer 
existirte, dass alter bei günstigen Existenzverhältnissen daselbst „ein 
Maikä ferpaar" importirt würde und sich naturgemäss im ersten Jahre 



— 123 



r;i, 



durch Eierlegen vermehrte, so würde die Folge davon die sein (voraus- 
gesetzt, dass die Entwicklungszeit nie von der vierjährigen abweichen 
könnte), dass auf dieser Insel das vierjährige Wiederkehren zum Landes- 
gesetz würde, d. h. es würden factisch nur alle vier Jahre Maikäfer 
auf dieser Insel fliegen. Würde aber innerhalb einer Entwicklungsperiode 
dieser importirten Maiküferfamilie z. B. im letzten Jahre der Entwick- 
lung im Mai während der allgemeinen Paarungszeit ein Waldbrand ent- 
stehen und sämmtliche bereits ausgeflogene Familienglieder durch den- 
selben getödtet werden, so würde selbstverständlich die Art daselbst 
wieder ausgestorben sein. 

IL Würde aber vier Jahre hintereinander je ein Paar dort 
importirt worden und wie oben zur stärksten Vermehrung gekommen 
sein, so würde, nach Vertilgung der zuerst eingewanderten Familie durch 
den Waldbrand, nur die zweite, dritte und vierte importirte Familie in 
ihren Flugjahren erscheinen, also jedes Jahr ein Massenflugjahr sein, 
mit Ausnahme des 5., 9., 13., 17., 21. etc., in welchem gar keine 
Maikäfer erscheinen können. 

III. Würde dagegen nach Importirung von Maikäfern in obenge- 
nannten vier aufeinander folgenden Jahren etwa erst im 8., 12., 16., 
20. Jahre u. s. f. Maikäfer in Masse erscheinen, so würde dies nicht 
etwa als eine berechtigte Eigenthümlichkeit der Maikäfercolonie dieser 
Insel aufgefasst werden dürfen, sondern lediglich als Folge des Miss- 
lingens sämmtlicher Brüten des ersten, zweiten und dritten importirten 
Maikäferpaares. Es würde diese Erscheinung nur den thatsächlichen 
Beweis liefern von den ungünstigsten localen Verhältnissen, welche in 
den ersten drei Importirungsjahren die betreffenden Brüten zu Grunde 
richteten. 

Würde man also obige drei Fälle als drei verschiedene Beobachtungs- 
localitäten annehmen, so würde ein oberflächlicher Beobachter, dem es 
unbekannt geblieben, dass die Maikäfer in obiger Weise immer impor- 
tirt waren, mit einiger Berechtigung schliessen, dass im I. und III. Falle 
die locale Maikäferart die Eigenthümlichkeit habe, nur alle vier Jahre 
an Tageslicht zu kommen (alleinige Fortpflanzung des ersten resp. 
vierten Paares), während im IL Falle geschlossen werden könnte, dass 
die Maikäfer bei ihrem jährlichen Erscheinen im Mai die eigentümliche 
Gewohnheit haben, im vierten Jahre mit dem Erscheinen auszusetzen. 
Jeder Kenner dieser Insectenart wird, w T enn ihm ebenfalls die Impor- 
tation unbekannt geblieben, dagegen im I. und III. Falle auf eine Eigen- 
thümlichkeit der Maikäfer dieser Insel schliessen, welche darin besteht, 






— 124 — 

dass alle ein und dasselbe Kalenderjahr als Flugjahr haben ; da ihm 
aber bekannt ist, dass auch anderwärts dieses Insect immer vier Jahre 
zu seiner individuellen Entwicklung braucht, so wird er in den alle 
vier Jahre auf dieser Insel erscheinenden Maikäfern entweder die Nach- 
kommen eines einzigen bereits diesen Lebensgesetzen unterworfenen Ur- 
paares erkennen, oder aus dieser Erscheinung schliessen müssen, dass 
einmal drei Jahre hintereinander in der Localgeschichte dieser Thierart 
die Brut derselben durch besonders ungünstige Verhältnisse vernichtet 
worden ist. 

In dem II. Falle würde dagegen der Kenner aus den, mit Aus- 
nahme des je 5., 9., 13., 17. u. s. w. Jahres, jährlich wiederkehrenden 
Massenflugjahren (ebenfalls vorausgesetzt, dass ihm das Herkommen 
dieser Maikäfer unbekannt geblieben) schliessen, dass, obgleich diese 
Localität dem Gedeihen der Maikäfer besonders günstig zu sein scheint, 
dennoch alle vier Jahre ein ihrer Vermehrung ungünstiges Jahr wieder- 
kehrt; und mit Recht würde er die Ursache nicht etwa in den Mai- 
käfern dieser Insel, sondern in den äusseren Naturverhältnissen der 
Localität suchen, nachdem er sich durch Beobachtungen überzeugt hat, 
dass die individuelle Lebensweise dieser Maikäfer in nichts von der ihm 
bekannten Art (Melolontha vulgaris L.) abweicht. 

Da aber solche abnorme Verhältnisse, wie die der Maikäfer auf 
dieser Insel, auf grösseren Festlandcomplexen nicht angenommen werden 
können, weil eine Isolirung einer Localität von der benachbarten kaum 
denkbar, so muss, im Gegensatz zu jenen insularen Verhältnissen, für 
alle Localitäten als Regel angenommen werden, dass in jedem Jahre 
wenigstens eine Minimalzahl von Maikäfern existirt 
und zur Vermehrung, folglich auch zum Ausflug kommt. 
Dass die Zahl dieser jährlich zum Ausflug kommenden Maikäfer von 
den mehr oder weniger günstigen Existenzbedingungen ihrer resp. Eltern, 
sowie ihres eigenen Larvenstadiums (drei Jahre) abhängig ist, wird 
wohl nicht bestritten werden können. Die Ausnahme von dieser Regel 
wird jedes Vorkommen sein, welches jenen insularen Erscheinungen 
ähnelt, während auch dann noch eine Rückkehr zur Regel immer noch 
näher liegt als das Verharren in diesem Ausnahmezustand wegen der 
jeder Zeit wahrscheinlichen Rekrutirung aus Nachbarlocalitäten (durch 
Ueberfliegen) im Falle des Aussterbens einer Jahresfamilie. 

Dass der Fall der regelmässigen Wiederkehr eines Massen-Flug- 
jahres nach Ueberspringung dreier dazwischen liegender Jahre in einer 
längeren Periode beobachtet worden ist, spricht nur für die locale 



— 125 — 



Ungunst der Verhältnisse, ohne dass daraus für andere Legalitäten irgend 
welches Gesetz einer Periodicität hergeleitet werden könnte. 

In Vorliegendem wurde nach Vorgang bewährter Beobachter eine 
vierjährige Entwicklungszeit des Maikäfers angenommen, während 
nicht minder beachtenswerthe Autoren für ihre Beobachtungsbezirke 
entschieden eine dreijährige Entwicklungszeit angeben. Es hat also 
den Anschein, als ob heidi' Fälle vorkommen; oh dieselben nach der 
Localität (Hoden und Clima) oder nur durch zufälliges Zusammentreffen 
besonders günstiger oder ungünstiger, also nur vorübergehender Existenz- 
bedingungen innerhalb der Entwicklungszeit zwischen drei und vier 
Jahren variirt, dies ist noch nicht ermittelt und würde sich nur ent- 
scheiden lassen, nachdem in verschiedenen Localitäten eine hinreichende 
Anzahl Beobachtungen an bestimmten Individuen durch alle 
ihre Verwandlungsphasen unter möglichst na tur ge- 
rn ä s s e n B e d i n g u n g e n stattgefunden haben. Aus dem Er- 
scheinen des Maikäfers als Imago in einer bestimmten 
Localität lässt sich überhaupt nicht auf das Jahr seines 
Eistadiums schliessen, so lange die Angaben über die 
Entwicklungszeit noch zwischen drei und vier Jahren 
seh w a n k e n. Folglich lässt sich auch nicht aus dem eine Reihe von 
Jahren in gleichen Abständen wiederkehrenden massenhaften Auftreten 
I Massen-Flugjahr) auf die Entwicklungszeit des Maikäfer-Individuums 
ein sicherer Schluss ziehen, da möglicherweise das Gedeihen nicht eine r 
einzigen Jahresfamilie, sondern das zweier oder sogar dreier die 
Ursache dieser periodischen Reihe sein könnte. 

Nachstehendes Beispiel wird obige Möglichkeit klar stellen : Nehmen 
wir eine Localität an, in welcher, nach einer langjährigen Beobachtung, 
ein immer im vierten Jahre wiederkehrendes Flugjahr constatirt wurde, 
z.B. die von Ratzeburg beobachtete Gegend der Mark Brandenburg, 
so scheint es selbstverständlich, dass mit Recht aus dieser Beobach- 
tung auf eine vierjährige Entwicklungszeit geschlossen wird und 
beruht die Annahme dieses Gesetzes wohl lediglich auf der Beobachtung 
der Flug jähre. Dem widersprechend theilt Heer eine Reihe von 
Beobachtungen mit, welche ihn veranlassen, eine dreijährige Ent- 
wicklungszeit anzunehmen. Aus seinen Mittheilungen ist zu entnehmen, 
dass er durch Beobachtungen immer ein und desselben Indi- 
viduums durch dessen Entwicklungsstadien zu dem 
Resultat einer dreijährigen Entwicklungszeit gelangte und scheint 
sicli dieses Gesetz auch durch die vielfachen Fälle von alle drei 



126 



Jahre wiederkehrenden Plugjahren in seinem Beobachtungsgebiet zu be- 
stätigen. 

Nimmt man nun an, dass die H e e r 'sehen Beobachtungen rationeller 
(an einzelnen Individuen) als die Katze bürg 's (Eückschluss aus dem 
Flugjahr) gemacht worden sind, so würde sich die vierjährige Wieder- 
kehr der Flugjahre nach Eatzeburg trotzdem ganz gut mit der drei- 
jährigen Entwicklungszeit nach Heer in Einklang bringen lassen. 



Ratzebu rg's 
Massen-Flugjahre, 

1828 war ein Massen 

Flugjahr . 

1829 

1830 

1831 

1832 war ein Massen 

Flugjahr . 

1833 

1834 

1835 

1836 war ein Massen- j 

Flugjahr . . I 

1837 

1838 

1839 

1840 war ein Massen 

Flugjahr . 



Entwicklungsjahre (I., II., III.) nach Heer der 



ersten Familie. 



zweiten Familie. dritten Familie. 



III. 

I. 

II. 

III. 

I. 

II. 

III. 

I. 

II. 

III. 

I. 

II. 

III. 



Jahr Massen- 1 
ir . I 



Flug.jal 

Jahr 



» Flugjahr 



Flugjahr 



» Flugjahr 



» Massen- 



Flugjahr 



:] 



II. Jahr 



III 

I 

II 

III 



» Flugjahr 

» 



» Massen- 

Flugjahr . 

I. Jahr . . . 

II. » . . . 

III. Flugjahr 

I. 

II. 

III. 

I. 

II. 



! 



» Flugjahr 
» ... 



I. Jahr. 



» Flugjahr. 



II. 

III. 

I. 

II. » 

III. » Flugjahr. 

I. » 

IL » 

III. » Massen- 
Flugjahr. 
I. Jahr. 

II. » 

III. » Flugjahr. 

I. » 



Es ergibt sich aus vorstehender Tabelle dass: 

a) die Ratzeburg'schen Massen-Flugjahre abwechselnd 

1828 durch die erste Familie, 

1832 durch die zweite Familie und 

1836 durch die dritte Familie repräsentirt werden. 

b) Dass die Massen-Flugjahre durch besonders günstige Umstände 
hervorgerufen wurden, welche aber nicht jede Generation der drei 
Familien begleiteten, sondern nur immer in der je vierten Generation 
ein massenhaftes Ausfliegen zu Wege brachten, während die dazwischen 
liegenden Generationen resp. deren Flugjahre sich nicht als massenhaft 
beobachtetes Erscheinen des Imago bemerkbar machten, sondern unter 



- 127 — 

die maikäferarmeii Jahre gehörten, von welchen man keine Notiz 
nimmt. 

c) Würde sieh daraus ergeben, dass dort durchschnittlich jede 
Maikäferfamilie nur alle 12 Jahre eine so günstige Vermehrung- erlebt, 
dass ihr Wiedererscheinen im Mai dem Menschen zur Plage und daher 
als officielles Flugjahr bemerkt wird. So entsteht der vierjährige 
Turnus der Massen - Flugj ahre, hervorgerufen durch 
den zwölfjährigen Turnus des massenhaften Ausfliegeiis 
der T h i e r e jeder der drei Familie n. 

An der Hand dieses Beispiels, dessen Möglichkeit nahe liegt, lassen 
sich eine Eeihe von Modifikationen construiren, welche, abhängig von 
äusseren Umständen, für längere Zeit die sich bemerkbar machenden 
Flug jähre als in einer gewissen Periodicität sich folgend erscheinen 
lassen werden. 

Eine gewissenhafte Beobachtung wird aber auch zum Ergebniss 
führen, dass im Laufe der Zeit alle möglichen Modifikationen in einer 
und derselben Localität die Länge der Perioden ver- 
ä n d er n k ö n n e n , ohne dass die Entwicklungszeit des Maikäfers 
variirt. Dass ein einmal eingeschlagener Modus sich mit Wahrschein- 
lichkeit für eine längere Eeihe von Jahren als maassgebend erhalten 
wird, dies liegt im Gesetze der mindestens dreijährigen Entwicklungs- 
zeit, während bei einer einjährigen Entwicklungszeit der Modus der 
Periodicität von massenhaftem Erscheinen der betreffenden Thiergattung 
viel häufiger wechseln und nicht so leicht als regelmässig wieder- 
kehrende Periode aufgefasst werden wird. 

Bei Berücksichtigung aller dieser Umstände kann wohl kaum 
gehofft werden, ein allgemeingültiges Gesetz für die periodische Wieder- 
kehr des massenhaften Auftretens dieser Thiere zu finden und müsseu 
wir uns damit zufrieden geben, dass die Weisheit des Schöpfers durch 
mannigfache äussere Umstände die ausserordentliche Vermehrungsfähig- 
keit und damit dessen ernste Schädlichkeit beschränkt hat. 

Fortgesetzte und erneute rationelle Beobachtungen werden neben 
den für eine bestimmte Localität als Kegel erscheinende gleichlange 
Perioden ebenso häufig Unregelmässigkeiten, mindestens aber öfteres 
Wechseln des Modus der Perioden constatiren. 









— 128 



3. Rhizotrogns ruficornis F. — Wsb. (Gbl.) 

2. T. abdominalis Menetr. — N. (Bd.) maeii! 

Buprestis Linne = Ancylocheira Eschsch. 

-f I. B. OCtoyilttata L. fand Herr Oberrevisor Jännicke öfter 
im Flug im Sonnenschein im August um Mittag bei Kelsterbach. — 
Im Sommer 1877 von F. 1). Heynemann in seinem Garten in Sachsen- 
hansen einmal gefunden. 

2. Anthaxia umbellatarum F. — N. (Bd.) Juli 1878. 

3. A. candens Panz. — N. einmal in Pflaumenbaum 1878 (Bd.). 

6. A. nitida Rossi. — N. einmal (Bd.). 

I. Chrysobothrys affinis F. — N. einmal (Bd.). 

7. Agrilus olivicolor Ksw. — N. auf Eichen (Bd.). 
-|- 21. (nach 9.) A. derasofasciatus Lac. N. Juni, Juli in 

Menge auf Weinlanb (Bd.). 

II. A. caeruleus Rossi. — N. einmal (Bd.). 

12. A. laticornis Illig. — N. auf Eichen (Bd.). 
17. A. Hyperici Creutz. N. im Juli 1872 oft gef. (Bd.). 
19. A. aurichalccus Redtb. — N. einmal (Bd.). 
1. Drapetes mordelloides Host — N. 2 Ex. (Bd.) 
Das Synonym Trixagus Kugel, bei Throscus Latr. ist zu streichen. 
1. Melasis buprestoides L. — N. (Bd.) 
1. Tharops melasoides Lap. — N. (Bd.) 
1. Dromaeolus barnabita Villa. — 1877 von Stern auch einzeln aus 

Eichenholz (es war nur solches in die Holzkammer eingefahren) erzogen. 
[-}- (nach 11.) Elater Sinuatus Germar. - - Ein Exemplar dieser 
sonst nur aus Ungarn bekannten Art fing Mzl. in Fr. lebend in der 
Kaiserstrasse an einem Hause, im Frühjahre 1875. Ich sah das 
Exemplar, das wohl sicher zufällig importirt wurde | 

1. Cardiophorus gramineus Scopoli = thoraciens L. — N. (Bd.) 

3. C. rufipes Goeze. — N. (Bd.) 
-f- 8. (vor 1.) AthoUS rilfllS Deg. — Von Bd. bei N. im Sommer 

1879 neu für Mitteldeutschland aufgefunden. 

13. Diacanthus bipustulatus L. — N. (Bd.) einmal. 
7. Agriotes sobrinus Ksw. — N. (Bd.) ein ganz dunkles Ex. 

4. Adrastus lacertosus Er. — Fr. (Mzl.) 

2. Lepturoides linearis var. mesomelas L. — (Weib) N. (Bd.) 
1. Tiresias serra F. — N. (Bd.) an Eichensaft. 






— 129 



1. Str. Limnichus sericens Dffc. war falsch bestimmt; es ist pyg- 
maeus Sturm.; die Punktirung der Flügeldecken reicht bis zur Naht. 
I. Pedilophorus nitens Panz. N. (Bd.) 
1. Cytilus varius F. N. (Bd.) zweimal im Garten. 
Byrrhus muss Cistela GeofFroy heissen. 
1. C. ornatus Panz. Dlb. einmal (Seh.). 
4. Platysoma angustatum E. H. Wlb. (Seh.) 
1. Hister quadrimaculatus L. — Nauheim (Bd..) 

9. II. neglectus Germ. N. (Bd.) ein kleines Exemplar. 

+ 23. (nach !».) H. ignobiÜS Marseul. N. (Bd.) einmal. 

10. H. carbonarius Illig. N. (Bd.) 

17. H. quadrinotatas Scriba. Nauheim (Bd.) 1 Ex. mit zu- 

sammengeflossenen Flecken. 

22. H. corvinus Germ. - - Auf dem Rochusberg- bei Bingen vor der 
Kapelle unter Steinen in den Nestern der Tapinoma erraticum Latr. 
23. April L878 22 St. gef. 9. April 1879 1 Ex. in dem von Phyl- 

loxera heimgesuchten Garten von Baumann am Hainerweg in Sachsen- 
hausen unter Steinen bei Ameisen gef. 

2. Dendrophilus pygmaeus L. — N. (Bd.) 

4. Saprinus virescens Payk. - Bei Oberrad an thierischen Resten 
von Mzl. gef. 

1. Gnathoncus rotundatus Payk. — N. (Bd.) 

1. Teretrius pieipes F.— Bei Oberhöchstadt einmal im Flug 11. Juni 
1879 von L. H. gef. 

2. Plegaderus caesus Illig. — N. (Bd.) einmal unter Birkenrinde. 

3. P. dissectus Er. — N. (Bd.) einmal an Apfelbaum. 

1. Onthophilus striatus Forster. — N. (Bd.) 

J. Acritus fulvus Marsl. — N. (Bd.) einmal. [Reitter vid.) 

Die Gattung Amartus muss dem älteren Namen Heterhelus Duval 

weichen. Der Name Amartus affmis Heer muss fallen und die Art 

rubiginosus Er. heissen. 

2. A. Sambuci Er. muss den älteren Namen Solani Heer führen. 
1. Brach vpterus pubescens Er. ebenso den älteren Namen glaberNewm. 

I. Carpophilus sexpustulatus Er. — N. (Bd.) 

8. Epuraea rufomarginata Steph. = parvula Sturm. — N. (Bd.) 

II. E. obsoleta F. — Wetzlar. (Bd.) 
15. E. pusilla 111. — N. (Bd.) 

1. Micrnria melanocephala Mrsh. N. (Bd.) Diese 5 Arten von 
Reitter bestimmt. 

Jahrb. d. uass. Ver. f. Nat. XXXI u. XXXII. y 



— 130 — 

Der Gattungsname Epuraeanella Crotch ist älter wie Omosiphora Reitt. 
1. E. limbata F. — N. (Bd.) 

Nitidula qnadripustulata F. muss den älteren Namen N. carnaria 
Schaller tragen. 

1. Soronia punctatissima Illig. — N. (Bd.) einmal. 

O 7. Meligethes Brassicae Scop. var. caeruleus Mrsh. N. (Bd.) 
22. M. picipes Sturm. Ende Mai bei Mombach in copula gef. (L. H.) 
41. M. erythropus Gyll. N. (Bd.) 

2. Rhizophagus parallelocollis Gyll. N. (Bd.) einmal. 

-j- 9 (nach 3.) R. perforatus Er. N. Juni 1877 (Bd.). 

5. R. dispar Paj T k. — N. (Bd.) Die letzten 6 Arten vonReitter bestimmt. 

1. Nemosoma elongatum L. - 10 kleine Stück von 3 Millim. (sonst 
3^2—4) bei N. von Bd. aus Lindenrinde mit Cryphalus Ratzeburgi, 
von dessen Larve er sich nährt, Winter 1878 erzogen. 

Trogosita Oliv, muss dem älteren Namen Tenebrioides Piller weichen, 
ebenso Peltis Illig. dem älteren Ostoma Laicharting. 

Bei Byturus (s. Anhang) haben die Fabricius'schen Namen wieder 
einzutreten, da die Scopoli'schen nicht zur Gattung gehören. 

Mycetophagidae muss Tritomidae heissen und Mycetopliagus dem 
älteren Namen Tritoma Geoffroy weichen. Tritoma bei den Erotylidae muss 
Cyrtotriplax Crotch heissen. T. (Myc. olim.) picea ist älter als variabilis. 

2. Phalacrus caricis Sturm. N. (Bd.) 
Brontes F. muss Uliota Latreille heissen. 

1. Laemophloeus denticulatus Preyssler und 

2. L. testaceus F. N. (Bd.) 

6. L. ater Oliv, (die dunkle Stammart) N. (Bd.) März is:s 
in Mehrzahl unter Spartium-Rinde bei Phloeophthorus tarsalis gef. 
Die Stammart neu für die Fauna. 

4- 7. L. Clematidis Er. — N. (Bd.) in Clematis vitalba 1879 
in Anzahl gef. — 

1. Lyctus unipunctatus Hbst. (älterer Name) = canaliculatus F. 
Von C. H. = 4. in grosser Menge mit Larven in dem Holze von 
Robinia Pseudo-Acacia in den Promenaden von Fr. gef. 

L. bicolor Comolli ist = L. pubescens Panz. 

Aulonium sulcatum Oliv, muss trisulcum Fourcroy und Ditoma 
Uliger = Synchitodes Crotch heissen; Synchita Hellw. ist Ditoma Hbst. 

1. Orthocerus muticus L. ist älter als clavicornis L. 

1. Monotoma picipes Hbst. N. (Bd.) [Eeitter vid.] 

Die Synonymie der zwei Monotoma muss sein 2. M. conicicollis 



— 131 — 

Äube = angusticollis Thoms. und 3. M. angusticollis Gryll. = formice- 
torum Thoms. 

7. M. longicollis Gyll. = flavipes Kunze. - Schloss Kchaumburg (Bd.). 

+ 3. Lathridius angusticollis Hummel. N. (Bd.) h. unter 
faulenden Pflanzen. 

+ 4. L. rugicollis Olivier. N. am Burgberg Juni 1877 (Bd.). 

-f- 2. Coninomus constrictus Hummel. N. unter faulenden 
Pflanzen (Bd.). [Diese 4 Arten von Reitter bestimmt.] 

+ 3. C. nodifer Westwood. Von diesem interessanten Thier 
fand Bd. im Sommer 1877 etwa 30 Ex. in seinem Garten in N. unter 
faulem Heu. Sehen am 11. März 1878 einmal gef. — 

6. (vor 3.) Enicmus testaceus Steph. = cordaticollis 
Aube 1 Ex. dieser seltenen Art fand Bd. bei N. [Reitter vid.] 

3. E. rugosus übst. N. Buchenholz im Wald (Bd.). 

•"). E. carbonarius Mhm. — Ebenso. 

O I- Cartodere elongata Curtis v. clathrata Mhm. — Bei 
N. zweimal im Garten 1877 unter faulem Heu (Bd.). 

2. C. ruficollis Mrsh. und 

3. C. filiformis Gyll. — N. 1877 einzeln (Bd.). Alle drei von Reitter best. 
1. Dasycerus sulcatus Brong. Burgberg bei N. (Bd.) 

3. Corticaria fulva Com. — N. in Anzahl (Bd.). 
12. C. elongata Hum. und 

4. Melanophthalma similata Gyll. N. (Bd.) [Die drei letzten 
Arten Reitter vid.] 

3. Cerylon fagi Bris. N. 1878 in Buchenschwamm (Bd.). 

Symbiotes pygmaeus Hampe ist = sübberosus Lucas. 

1. Alexia pilifera Müller. — N. im Wald unter Laub (Bd.). 

1. Aspidiphorus orbiculatus Gyll. — N. (Bd.) 

1. Atomaria linearis Steph., 

6. A. fuscicollis Mhm. (dazu als Synonyme umbrina Er. = plici- 
eollis Mäklin). 

+ 21. (nach 4.) A. Zetterstedti Zett. = salicicola Krtz., 

17. A. turgida Er. und 

7. Cryptophagus acutangulus Gyll. — Alle vier Arten von Bd. bei- 
N. gef. und von Reitter bestimmt. 

Unter C. subdepressus stecken zwei Arten: 

19. ('. subdepressus Gyll. = depressus Thoms. — Fr. einmal (C.H.) und 

-4- 23. C. lapponicus Gyll. = pubescens Sturm. Fr., Soden. 

X. (Bd.) Beide Arten von Reitter bestimmt. 

9* 






— 132 — 

20. C. Heydeni Reitter wird jetzt zu C. acutangulus Gyll. monströs. 
Waterhousei Rye gestellt. 

1. Paramecosoma melanocephalum Hbst. N. (Dd.) einmal. 

Engis glaber Schaller bildet die Gattung Combocerüs Bedel; bipustu- 
lata Thunbg. = Immeralis F. sowie ruflfrons F. die Gattung Dacne 
Latr. — Alle drei gehören zu den Erotylidae. 

1. Bei Sphindus muss hispidus Payk. wegfallen, der ein Cis ist. 
also dubius Gyll. heissen, den Bd. bei N. im Wald 1877 fand. 

9. Cis alni Gyll. N. (Bd.) 

10. C. castaneus Meli. -- Bei N. im März in Eichenrinde von Bd. gef. 
+ 12. (nach 11.) C. pygmaeus Marsh. = oblongus Meli. 

Bei N. zweimal in Eichen von Bd. gef. — Von Reitter. wie die vorige 
Art, bestimmt und nach ihm selten in Deutschland. 

1. Octotemnus glabriculus Gyll. -- N. häufig in Schwämmen. (Bd.) 

2. Telmatophilus Typhae Fallen. - Bei Mombach am Rheinufer von 
von Bodemeyer 1877 gesammelt. 

1. Endomychus coccineus L. - Von Bd. bei N. 3. September 1878 
in 20 Ex. gef. an Buchenklafterholz, das über Sommer im Wald gelegen 
hatte, dabei 6 Pärchen in copula. Durch Dr. Böttger 1879 aus dem 
Fr. Gebiet erhalten. 

1. Lycoperdina succinctaL. — Mo. Mitte April überwintert in Bovist gef. 

Ueber die neuere Nomenclatur der Coccinellidae nach Crotch, sieht' 
Catalogi coleopt. Europae auctor. Stein et Weise edit. II. 1877. 

1. Scymnus pulchellus Hbst. = quadrilunulatus 111. — N. (Bd.) 
zweimal gef. 

-f 2. Sacium Rhenanum Reitter. Der Autor erwähnt in 

seiner Bearbeitung dieser Gruppe (Abeille XVI. 1877) 1 Ex. dieser 
Art aus Fr., die sich durch kaum punktirte und sehr feine Behaarung 
der Oberseite, sowie nicht vorgezogene Halsschildbasis von obscurum 
unterscheidet. Auch sonst am Rhein gef. 

1. Sericoderus lateralis Gyll. — N. (Bd.) an faulen Pflanzen. 

1. Corylophus cassidoides Marsh. — N. (Bd.) bei einer Ueber- 
schwemnrang gef. 

2. Orthoperus picatus Marsh. = atomus Gyll. = corticalis Redt. 
| Reitter viel. ] Auch von Bd. bei N. gef. 

Folgende Trichopterygidae müssen ältere Namen führen und zwar: 
Ptenidium laevigatum Er., den von punctulum Steph. 
P. apicale Er. — evanescens Marsh. 9 

Ptilimn angnstatuiD Kr. Spencei Allibert. 



"!' Ml 



mW 



— 133 — 

IM. miiiut issiinuin Weber bildet die Gattung Blillidram Bfotschulsky. 

l*t. canaliculatum (iillni. exaratum Allibert. 

l't. inquilinum Gillm. Er. myrrnecophilum Allibert. 

Trichopteryx pumila Er. longicornis Mlim. 

T. pygmaea Er. — Chevrolati Allibert. 

3. Clambus minutus Sturm. N. zweimal (Bd.). Hiernach folgt: 

Calyptomerus Redtb. = (Comazus Pairm.) 

-f I. C. dubius Marsh. = Enshamensis Steph. Von Bd. 

1877 in X. im Keller gef. Ich sali 2 Ex. 

Cybocephalus exiguus Er. ist = politüs Gyll. (nee Er.), älterer Name. 
.">. Anisotoma dubia Kugel. 
11. A. calcarata Er. 

1. Colenis immunda Sturm. 

2. Agaricophagns conformis Er. August 1878 einmal. 
1. Liodes humeralis F. 

1. Amphicyllis globus F. im Wald. 
Var. staphylaea Gyll. Am Burgberg Juni 1877. 

2. A. globiformis Sahlbg. im Wald. — Alle sieben Arten bei N. (Bd.) 
8. Agathidium marginatum Sturm. Von Bd. in Anzahl bei N. 

im Februar 1879 an der Lahn nacdi einer Ueberschwemmung gef. 

Necrophorus mortuorum F. muss den älteren Namen vespüloides 
Hbst. führen. 

-f 9. (nach 8.) Colon latum Kraatz. -- N. (Bd.) ein Männchen gef. 

3. Catops colonoides Krtz. N. (Bd.) auf Wiesen im Flug. 

4. C. Wilkini Spence. — N. am Schlossberg Mai 1877 unter Laub (Bd.). 

5. C. anisotomoides Spence. N. im Wald (Bd.). 

11. C. pieipes F. N. im Wald unter Laub (Bd.). 

12. C. nigricans Spence. — N. im Garten unter faulen Pflanzen (Bd.). 
16. C. grandicollis Er. — N. (Bd.) 

4. Scydmaenus pusillus Müll. — N. (Bd.) 

-f 5. (nach 4.) S. exiÜS Er. - N. am Burgberg 1877 von Bd. gef. 

2. Euconnus denticomis Müll. — N. (Bd.) 

6. E. Wetterhali Gyll. — N. am Burgberg im Mai 1877 n. s. gef. 
1. Eumicrus tarsatus Müll. N. im Garten (Bd.). 

1. Cephennium thuracicum Müll. — N. h. (Bd.) 

2. Claviger longicornis Müll. N. einmal gef. (Bd.) 
2. Batrisus venustus Reichb. von Offenbach ist üelaportei, das 

Exemplar von Soden ist richtig bestimmt. 



— 134 — 

4- 4. (nach 3.) B. adnexus Hampe. Hierher der venüstus 
vmi Oberrad. Seither nur aus Oesterreich. Stud. med. Flach fand ihn bei 
Aschaffenburg. [Saulcy vid.] 

2. Trichonyx Märkeli Aub. N. faule Pflanzen (Bd.). 

1. Tychus niger Payk. N. Wald im Gras (Bd.). 
6. Bryaxis juncorum Leach. — N. (Bd.) 

2. Bythinus bulbifer Reichb., 
•1. B. nodicornis Aub., 

5. B. securiger Reichb., 

6. B. Burellii Benny., 

6. Euplectus Karsteni Rclib.. 

1. Trimium brevicorne Rchb. einmal, 
1. Phloeocbaris subtilissima Mhm. und 

1. Phloeobium clypeatum Müll. - Alle D Arten von Bd. bei N. gef. 
5. Megarthrus hemipterus Illig 1879 von Bd. bei N. an Pilzen gef. 
-f- 6. (nach 5.) M. affinis Miller. Von Bd. bei N. zweimal 

gef. [Bplsh. vid.] 

2. Proteinus braehypterus F. — N. einmal an einer todtenKröte gef.( Bd.) 
-f- 15. (nach 14.) Anthoblum rectangulum Fauvel. N. (Bd.) 

12. Homalium caesum Grav. und 

13. H. rivulare Payk. N. (Bd.) 

1. Acidota crenata F. -- Einmal im October an einem Haus in N. (Bd.) 

2. Der Speciesname Lathrimaeum unicolor Mrsh. zu streichen, die 
Art heisst luteum Er. 

3. Anthophagus caraboides L. 

1. Syntomium aeneum Müll. 

2. Oxytelus insecatus Grav. [Eplsh. vid. | 

7. 0. nitidulus Grav. [Eplsh. vid.] 

8. 0. complanatus Er. [Eplsh. vid. | 
27. Stenus brunnipes Steph. 

30. St. tarsalis Ljungh. 
I. Sunius filifurmis Latr. 

3. S. gracilis Payk. 

1. Domene scahricollis Er. — Einmal gef. 

4. Scopaeus cognatus Rye. 

5. S. sulcicollis Steph., forma a. 
8. Lithoeharis melanocephala F. 
3. Othius melanocephalus Grav. 

2. Baptolinus affinis Payk. 












— 135 — 

+ 8. (vor l.) Xantholinus (Nudobius Thoms.) lentus Er. 
Xiintli. fulgidus F. bildet die Untergattung Eulissug Mliui.. die 
folgenden die Untergattung Gyrohypnus Steph. 

7. X. linearis Oliv. Alle 17 Arten von IM. bei N. gef. und 
von Dr. Eppelsheim bestimmt. 

L6. Staphylinus pedator Grav. Von Mzl. im Herbst LS77 bei 
Oberrad unter dürrem Kartoffellaub gef. 

18. St. edentulus Block. Am 23. April 1878 h. auf den Wegen 
in den Weinbergen am Kocbusberg bei Bingen. 

-f- 43. (nach 10.) Philonthus rutimatuis Er. Juni 1872 von 
Bd. im Mühlbachthal bei N. einmal gef. [Eplsh. vid.J 

22. Ph. splendidulus Grav. N. (Bd.) 

1. Heterothops praevia Er. Einmal [Eplsh. vid.] bei N. (Bd.) 

•4. Bolitobius pygmaeus F. et var. biguttatus Steph. — Beide bei 
N. (Bd.) gef. 

3. Megacronus analis Payk. — Von Oberstlieutenant Saalmüller einmal 
anter einem Stein in den Rüdesheimer Weinbergen am 23. April 1878 gef. 

-j- 6. (nach 5.) M. CernuilS Grav. — Von Bd. bei N. einmal 
gef. [Eplsh. vid.] 

5. Mycetoporus brunneus Marsh. 

8. Tachyporus macropterus Steph. = (scitulus Er.) 
10. T. nitidulus F. 

5. Conurus pedicularius Grav. — Die vier letzten Arten von Bd. bei N. gef. 
[3. Hypocyptus Ovulum Heer zu streichen, da die Exemplare zu 
laeviusculus Mhm. gehören.] 

1. Brachida notha Er. ■ Mai 1877. [Kraatz vid.] 
1. Oligota pusillima Grav. [Eplsh. vid.] 

1. Placusa pumilio Grav. 

2. P. infima Er. 

-f 54. (nach 3.) Homalota pygmaea Grav. 

5. H. laticollis Steph. [vernacula Er.] 

6. H. fungi Grav. [Eplsh. vid.] 

7. H. longicornis Grav. 

8. H. celata Er. 

13. H. inquinula Er. [Eplsh. vid.] 

15. H. palleola Er. [Eplsh. vid.] 

20. H. nigritula Grav. 

22. H. trinotata Krtz. 

25. H. sericans Grav. 



136 



Unter Laub im 



vid.] 



26. H. gagatina Baudi. 

32. H. brunnea F. 

-f 55. (nach 32.) H. Pertyi Heer. [Eplsh. vid.] 

41. H. analis Er. — Bei gelben Ameisen. 

50. H. elongatula Grav. 

52. H. insecta Tboms. [Eplsh. vid.] 

-f 56. H. hypnorum Kiesw. = silvicola Fuss. 

Wald. Die letzten 21 Arten alle von Bd. bei N. gef. 

1. Ocalea castanea Er. — N. im Kaltbach. (Bd.) 
4. Oxypoda umbrata Gyll. [Eplsh. vid.] 
16. 0. annularis Mhm. ■ An Eichen unter Moos. [Eplsh. 

2. Phloeopora corticalis Grav. An Nussbaum. 
+ 3. Ph. major Kraatz. 

1. Dinaraea aequata Er. — Ein Pärchen in faulem Holz. 

4. 1). immersa Er. — Auf Holllinder. 

5. D. cuspidata Er. [Eplsh. vid.] 

-f- 7. (nach 6.) D. plana Gyll. 

1. Tbiasophila angulata Er. [Eplsh. vid.] 

2. Silusa rubra Er. — Einmal. [Eplsh. vid.] 

1. Stichoglossa corticina Er. - An einem Nussbaum. 

1. Leptusa ruficollis Er. Unter Laub; desgl. unter Lindenrinde 
bei Cryphalus Katzeburgi. 

-f 3. (nach 2.) L. analis Gyll. In Pilzen Juni 1S76. Die 
letzten 13 Arten von Bd. bei N. gef. 

-j- 18. mach 1.) Aleochara (Ceranota) erythroptera Grav. 

Ein Männchen dieses seltenen Thieres fand Bd. 1878 bei N. 



7. A. 1 



annginosa Grav. 



-f 19. (nach 7.) A. villosa Mhm. [Eplsh. vid.] 
-f 20. (nach 8.) A. latipalpis Rey. [Eplsh. vid.] 

16. A. morion Grav. im Garten. [Eplsh. vid.] Die letzten vier 
Arten von Bd. bei N. gef. 

9. A. moerens Gyll. muss heissen sanguinea L. = brunnipennis 
Krtz. — N. (Bd.) [Eplsh. vid.] 

12. A. muss heissen moerens Gyll. nee Er. = lugubris Aube. 

2. Bolitochara lunulata Payk. — N. (Bd.) 

2. Helodes marginatus F. N. am Mühlbach (Bd.). 

1. Prionocyphon serricornis Müll. -- N. 1 Ex. auf Eiche (Bd.). - 
Auf dem Bahnhof Friedberg 1 Ex. im Flug gef. 19. Juli 1879 iL. II.). 

1. Hydrocyphon deflexicollis Müller. — Von Herrn von Bodemeyer 



— 137 — 

1877 bei Wsb. and in dem Bache bei der Oberurseier Spinnerei gef. 
- X. häufig (Bd.). 

Telephoridae, Telephorini and Telephorus müssen die Namen führen 
Cantharidae, Cantharini und Cantharis Linne. 

Dictyoptera ist älterer Name wie Lygistopterus. 

Zu Eros gehört coccineus L. — minutus F. und Cosnardi Chevr. 
bilden die Gattung Platycis Thoms. 

1. Lampyris noctiluca L. — Auch bei Wlb., der Küfer unter 
Steinen, die Larve im Gras, liier auch das Weibchen Abends (Seh.). 

1. Podabrus alpinus Payk. fing- auch von Bodemeyer auf der Kuppe 
des <i rossen Feldbergs. 

3. Malthinus punetatus Fourcr. und 
5. M. frontalis Marsh. — N. (Bd.) 

4. Ebaeus thoracicus Fourcr. — Bei Wsb. von H. v. Bodemeyer gef. 
1. Hypebaeus flavipes F. — N. in beiden Geschlechtern auf Hain- 
buchenhecken (Bd.). 

(1. Troglops albicans L. — N. zweimal (Bd.). 
1. Danacaea pallipes Panz. — Von L. H. 23. April 1878 in den 
Puidcsheimer Weinbergen gef. 

II. Lymexylon navale L. — N. einmal (Bd.). 
2. Tillus unifasciatus F. — Bei Wlb. zweimal gef. (Seh.) 
Thanasimus muss Cleroides Schaffe r u. Trichodes — ClerusGeoff. heissen. 
1. Cleros alvearius F. — Bei N. häufig von Bd. gef.; apiarius L. 
dort noch nicht beobachtet. 

4. Corynetes ruficollis F. — Von Bd. 1876 an der Knochenmühle bei N. 
an faulenden Klauen unter Schaaren anderer blauer Arten in einigen Ex. gef. 

Apate F. muss dem älteren Namen Bostrychus Geoffroy weichen. 

1. B. capucinus L. 

1. Dryophilus pussillus Gyll. 

1. Gastrallus laevigatus Oliv. = exilis Sturm. — Von Bd. bei N. gef. 

5. Anobium punetatum Degeer häufig. 

6. A. fagicola Muls. 
9. A. denticolle Panz. 

2. Xestobium plumbeum Illig. — Die letzten sechs Arten von N. (Bd.) 
1. Ochina Hederae Müll. — Auf der Burg Stein bei N. an Epheu (Bd.). 

3. Dorcatoma serra Panz. - - N. in Schwämmen an Pflaumenb. (Bd.) 
Die Gattung Ptinus L. muss den älteren Namen Byrrhus Geoff. führen. 
1. B. sexpunetatus Panz. 
3. B. rufipes Oliv. 






oOS 



— 138 



9. B. pilosus Müll. — Moos an Buchen. 

1. Niptus griseofuscus Deg. — Die letzten vier Arten von N. (Bd.) 

[Asida sabulosa Goeze. Dr. Bertkau hat seitdem das Thier bei 
mehrmaligem Besuche auch auf der rechten Rheinsexte bei Hönningeii. 
zwischen Coblenz und Bonn, zuerst November 1877 1 Stück und viele Beste. 
am 10. November 2 weitere lebende Stücke unter Steinen, später 17 Stück 
zwischen den Stengeln und Wurzeln von Thymus serpyllum aufgefunden. 
Am 12. April 1878 hatte ich 6 lebende Ex. von dort erhalten. L. H.] 

1. Opatrum sabulosum L. — BeiN. nur einmal am Burgberg gef. (Bd.) 

1. Tribolium ferrugineum F. — N. (Bd.) 

5. Corticeus linearis F. Bei N. in den Gängen von Pityoph- 
thorus bidens F., von dessen Larven er lebt, gef. (Bd.) 

I »er Gattungsname Corticeus Piller ist älter als Hypophloeüs Hellwig. 

2. Der Name Nalassus quisquilius F. muss fallen und Fabricii Gem- 
minger heissen, da Fabricius darunter den Crypticus quisquilius verstand. 

Cistelidae muss Pseudocistelidae heissen und 

Cistela Fabr. Pseudocistela Crotch, da Cistela Geoffroy an Stelle 
von Byrrhus treten muss. 

2. Pseudocistela ceramboides L. N. an Eichen (Bd.). 

3. P. luperus Hbst. et var. ferruginea F. — N. auf Blüthen (Bd.). 

3. Mycetochares flavipes F. — N. einmal (Bd.). 

4. M. axillaris Payk. var. morio Bedtb. — N. in faulem Holz (Bd.). 
1. Cteniopus flavus Scop. N. zweimal auf Blüthen (Bd.). 

1. Omophlus Amerinae Curtis. Von meinem Vater = 5. 1865 
einmal an der Obersaustiege im Fr. Wald gef. 

1. Eustrophus dermestoides F. — Auf dem Neroberg bei Wsb. 
1870 in Baumpilzen von Bd. gef. 

1. Orchesia picea Herbst = micans Panz. In Schwämmen. 

2. 0. fasciata Payk. In faulem Buchenholz 5 Ex. 
I. Abdera quadrifasciata Curtis. N. 1 Ex. gezogen. 

1. Anisoxya fuscula Illig. — Aus Holz gezogen. Die letzten 
-1 Arten von N. (Bd.) 

-f 2. Phloeotrya rufipes Gyll. Dieses seltene Thier fand 

Bd. bei N. 1879 in Mehrzahl in einem faulen Buchenstrunk. 

1. Melandrya caraboides F. — N. zweimal im Flug (Bd.). 

1. Cnnopalpus testaceus Oliv, et var. flavicollis Gyll. — N. (Bd.): 
die Varität an Buchen im Freien gef. 

O 8. Anaspis flava L. var. thoracica L. - Von Haag einige- 
mal bei Fr. gef. 



— 139 — 

in. A. rufilabris Gyll. Desgleichen zweimal, 

-\- 13. (nach 10.) A. (Nassipa) Costae Emery. Hierher 
die zwei stücke aus dürrem Waldholz = 4. von Fr. (A. ruficollis F.) 
Ks ist fraglich, ob letztere Art bei uns vorkommt. A. Costae ist durch 
die Länge der männlichen Anhänge des 4. Hinterleibsegmentes von allen 
Anaspis-Arten zu unterscheiden. Sic gehört in die Gruppe mit perl- 
schnurförmigen Fühlern und ist kleiner wie flava L. var. thoracica L., 
aber grösser wie confusa Emery, der sie in der Farbe gleicht. 

4 10. (nach 5.) Mordellistena nana Motchulsky. Hierher 
parvula von Soden. — Durch den oft kaum noch bemerkbaren äusseren 
Sporn der Hinterschienen von parvula. bei welcher Art er stets deutlich 
ist, verschieden; auch ist sie kleiner und schmäler. 

Bei Cantharis L. = Lytta F. muss der erste Name wegfallen. 

1. Salpingus castaneus Panz. N. an Föhren (B.). 

4- 3. (nach 2.) S. (Rabocerus Muls.) foveolatus Ljungh. Von 
Bd. 1876 einmal an einem Eichenholzgeländer bei N. gef. — 12. Februar 
1856 von L. H. im Fr. Wald einmal an Harzausflüssen angeklebt gef. 

•J. Lissodema denticolle Gyll. — N. ein Ex. im Flug (Bd.). 

1. Piatypus cylindrus F. 

3. Scolytus intricatus Ratzbg., 

4. S. pruni Ratzb. var. pyri Ratzbg. s. li.. 
•">. S. rugulosus Ratzbg. ungemein h.. 

ii. S. carpini Er. zweimal. 

J. Hylastes eunicularius Er. selten. 

5. H. attenuatus Er., 

7. H. palliatus Gyll. häufig; die letzten acht Arten von Bd. bei 
N. gef. 

Phloeosinus Chapuis. 

+ I. Phloeosinus Thujae Perris = Juniperi Doebner (nach 

der Gattung Deiidroctonus). Von Bd. 1879 in Menge aus einem 

trockenen Wachholderstamm (Juniperus communis), den er abgehauen 
auf einem Acker bei N. fand, erzogen. Senator C. v. Heyden hatte 
früher schon in unserem Gebiet Larvengänge in der Pflanze beobachtet, aber 
kein Thier darin gefunden. Neu für Mitteldeutschland und wohl der nörd- 
lichst bekannte Funkt; sonst auch\Vürttemberg(Nördlinger), Südfrankreich. 
1. Phloeophthorus tarsalis Forst. — Von Bd. in Menge, in den 
Zweigen des Goldregen (Cytisus laburnum) bei N. am 24. Februar 1879 
gef. — Die Zweige waren ganz von den Käfern zerstört. 



— 140 



2. Eylesiims oleiperda F. — Von Bd. 1878 und 79 bei N. erzogen. 
1. Polygraphus polygraphus L. = pubescens F. — N. h. in Edel- 
tanne (Pinus Picea) (Bd.). 

1. Xyloterus lineatus Oliv, und 

2. X. domesticus L. — Beide von N. (Bd.) 
Die Synonymie der Cryphalus gestaltet sich so: 

-f I. Cryphalus Piceae Ratzbg. — Von Bd. in einer kleinen 
Rothtanne (Pinus Abies) bei X. gef. 

2. C. Abietis Ratzb. == Tiliae Gyll. 

3. C. Tiliae Panz. Ratzb. = Batzeburgi Ferrari. — Von Bd. bei 
N. in Lindenzweigen gef. 

4. C. (Ernoporus Thoms.) Fagi F. Nördlg. Thoms. = Thomsoni 
Ferrari. — Von Bd. bei N. in Weissbuchen (Carpinus betula). 

1. [C] asperatus Gyll. = binodulus Ratzbg. bildet die Gattung 

Glyptoderes Eichhoff. — Auch von Bd. bei N. gef. in trockenen 

Rothtannenzweigen (P. Abies) in etwa 20 Ex. gef. 

1. Pityophthorus Lichtensteinii Ratzb. — N. (Bd.) 

[2. P.] 5. T. bidentatus Hbst. = bidens F. älterer Name, ist ein 

ächter Tomicus. — Von Bd. n. s. bei N. in Fichtenstämmen gef.; in 

seinen Gängen Hypophloeus linearis. 

+ 2. P. micrographus L. = pityographus Ratzbg. — Von 

Bd. bei N. gef. 

1. Thamnurgus Kaltenbachi Bach. — Von Bd. bei N. im März 

1878 in Menge gef. 

Bostrychus muss den Namen Tomicus Latr. führen, da der erstere 
für Apate einzutreten hat. Bostrychidae und Bostrychini müssen Tomi- 
cidae und Tomicini heissen. 

3. Tomicus Laricis F. (die Untergattung muss Orthotomicus heissen). 
— N. (Bd.) h. in Schwarztanne (Pinus Abies). 

4. T. suturalis Gyll. (Weib nigritus Gyll.) — 2 schwarze Stücke 
bei N. gef. (Bd.) 

1. Xylocleptes bispinus Ratzb. — Bd. fand bei N. auf 37 Weiber 
nur 2 Männer, Februar 1879; [aus Paderborn erhielt er bei 24 Weiber 
keinen Mann]. 

1. Dryocoetes villosus F. — N. (Bd.) 

3. D. Coryli Perris. — Bei N. einmal in Rhamnus catharctica 

1879 gef. (Bd.) 

1. Otiorhynchns scabripennis Sehn. — Am 23. April 1878 fand L. H. 
auf dem Kuchusberg bei Bingen ein Paar Flügeldecken unter einem Stein. 






— 141 — 

.">. Phyllobius oblongus L. — Die Purin mit schwarzen Flügel- 
decken einmal von Bd. bei N. gef. — Neu für das Gebiet. 

I. Sciaphilus muricatus F. -- Bei N. nach einer (Jeberschwemmung 
vuii Schwarztannen geschüttelt (Bd.). 

1. Platytarsus echinatus Bonsd. — Am Burgberg bei N. (Bd.) 

1. Barypeithes pellucidns Schh. N. (Bd.) 

1. Trachyphloeus aristatas Gyll. N. (Bd.) Bei der Februar- 
oberschwemmung 1879. 

7. Pbytonomus Meles F., 
10. P. suspiciosus Hbst., 

12. P. variabilis Hbst. und 

14. P. trilineatos Marsh, von N. (Bd.) 

1. Limobius dissimilis Hbst. — Bei Wsb. von v. Bodemeyer gef. 

1. Rhinocyllus antiodontalgicus Gerbi var. Olivieri Schh. - - N. (Bd.) 

1. Liosoma ovatulum Clairv. — Am Burgberg häufig- im Gras (Bd.). 

I. Plinthus caliginosus F. — 4. Juni 1879 fand L. H. unter Steinen 
1 Ex. an dem nördlichen Fusse der Ruine Falkenstein im Taunus. 
Danach fulgt: 

TracllOCleS Schönherr. 

4- I. T. hispidus L Von Bd. zweimal Juli 1872 auf einem 
Buchenstumpf bei N. gef. 

4. Dorytomus Silbermanni Wencker. 

5. D. taeniatus F. und 

15. D. punctator Hbst. — Alle 3 Arten von v. Bodemeyer bei Wsb. gef. 
1. Smicronyx cicur Schh. 

1. Acalles roboris Curtis = abstersus Schh. 

+ 5. (nach 2.) A. Lemur Germ. — Diese 3 Arten von Bd. bei N. gef. 

1. Magdalinus Memnonius Gyll. und 

8. M. rufus Germ, bei Mo. von v. Bodemeyer gef. 

13. M. flavicornis Schh. var. fuscicornis Desbr. — N. einmal (Bd.) gef. 

1. Anthonomus rectirostris L. — Bei N. auf Crataegus- und 
Schlehen-Blüthen (Bd.). 

9. A. pedicularius L. — Bei N. auf Crataegus-Blüthe (Bd.). 

3. MecinusjanthinusGerm. — Von Bd. beiN.h. auf Linaria vulgaris gef. 

2. Gymnetron Beccabungae L. — Fr. einmal (Senator C. v. Heyden). 
-f 3. G. Veronicae Germ. — Hierher die Fr. und Sodener 

Exemplare von Beccabungae. Das Halsschild ist nach vorn verengt, an 
den Seiten (bei Beccab. ganz) weiss beschuppt. 






— 142 — 

-f 15. (nach 2.) G. VÜIOSUIUS Schh. - Anfang September 1878 
von Herrn Oberstlieutenant Saalmüller aus den Samen von Veronica 
anagallis von Fr. erzogen. 

8. G. spilotusGerm. muss den ältesten Namen bipustulatusRossi führen. 

+ 16. (nach 9.) G. COllitlUS Gyll. - Von Bd. hei N. gef. 
(Kirsch determ.) 

1. Coeliod.es Epilobii Payk. — N. (Bd.) 

-f 6. (nach 5.) Rhinoncus albicinetus Schh. Ein kleines 
Exemplar hei N. von Bd. gef. 



X 



1. Orobitis evaneus L. 



N. einmal (Bd.). 



Von Md. bei 



O 7. Ceutorhynchidius pumilio Gyll. var. posthumus Germ. 

— N. (Md.) [Kirsch vid. | 

-f- 41. (nach 2.) Ceutorhynchus arator Gyll. 
auf Hesperis matronalis gesammelt. | Kirsch vid.] 
+ 42. (nach 14.) C. VJduatUS Gyll. einmal, 
28. C. marginatus Payk., 
39. C. chalybaeus Genn., 
1. Tapinotus sellatus F., im Mai. 
1. Coryssomerus capucinus Beck, 
1. Baridius morio Schh.. 

4. B. laticollis Marsh. — Im Frühjahr 1877 unter Steinen. 
1. Sphenophorus mutillatus Laichtg., 
6. Apion ochropus Schh. [Eplsh. vid.], 
12. A. Hoockeri Kirby, 
14. A. tenue Kirby, 
18. A. onopordi Kirby, 
23. A. pallipes Kirby, 
57. A. filirostre Kirby, 
60. A. punetigerum Germar, 

Spencei Kirby, 

aethiops Herbst, 

Pisi F., 

Sorbi Hbst., 

dispar Germar, 

Sedi Germar, 

78. A. violaceum Kirby, 

79. A. Marchicum Herbst. 

80. A. affine Kirby, 
I. Rhynchites auratus Scopoli, 



61. 


A 


63. 


A 


69. 


A 


70. 


A 


71. 


A 


75. 


A 



UPS; 



Fn'ir] 



— 143 — 

2. R. Bacchus L., 

4. K. aeqnatus L.. 

5. K. cnpreas L., 

6. K. aeneovirens Marsh.. 

8. K. conicus Illig., 
LO. i;. Germanicus Hbst., 

15. R. sericeus Hbst., 

16. R. pubescens F., 

17. R. comatus Schh., 

19. R. Betulae F. — All.- diese 28 Arten von Bd. bei N. gef. 
1. Platyrrhinus latirostris F.. 

1. Trcpideres albirostris Hbst. — Je einmal beide Arten beiN. (Bd.) 
+ 5. T. lindulatus Panz. - - Aus Holz entwickelt N. (Bd.) 1879. 
Anthribus Geoffroy mnss dem älteren Namen Macrocephalus Oliv. 

weichen und die Brachytarsus Schh. müssen Anthribus Geoff. heissen. 

1. Anthribus (Brachyt. olim) fasciatus Forster = scabrosus F. — 
N. r Ex. (Bd.) 

II. Urodon rufipes Oliv. — Einmal bei N. (Bd.) 
3. U. conforrais Suffr. — Bei N. h. auf Reseda lutea von Bd. gef. 
Die Bruchus Linne bilden die Mylabris Geoffroy (siehe Mittheilungen 
des Münchener Entomol. Vereins 1877, pag. 120). 

4. Mylabris cana Germ, ist = Cisti F. [nee muss wegfallen]. 

7. M. pisorum L. — Von Seh. h. bei Wlb. in reifen Erbsen gef. 
— Von Lehrer Schneider im Taunus aus den Früchten von Pisum 
sativum erzogen. — Wsb. (Hrb.) 

9. M. affinis Fröhl. — 15. Juni 1878 von Hrb. bei Wsb. 2 Stück 
von Gesträuch geklopft. 

1 1. M. atomaria L. = granaria L. — Von Lehrer Schneider aus 
Früchten von Vicia sepium von Ginheim gezogen. 

+ 17. (nach 11.) M. pallidicornis Bohem. — 26. April 1878 von 
Hrb. bei Wsb. ein Weib gef. auf dem Neroberg auf junger Kiefer. — L. H. 
sah das Exemplar. Die fünf ersten und das letzte Fühlerglied sind roth. 

12. M. luteicornis Illig. [nubilis muss nubila heissen]. Die Männer 
haben ganz rothe Fühler, bei den Weibern sind nur die fünf ersten 
Glieder roth. Hrb. fand am Neroberg bei Wsb. die Weiber am 8. Juni 
(4 Stück), die Männer im Mai in Anzahl. 

14. M. Loti Pavk. — Von Hrb. bei Wsb. in Anzahl gef. 

2. Clythra (Labidostomis) humeralis Schneid. — N. (Bd.) 
4. C. (Lachnaea) sexpunetata Scopoli. — Dr. Bertkau fand auf 



— 144 



dem Rochusberg bei Bingen die Larvenhülsen in grosser Menge, nicht 
in Ameisennestern, sondern am Boden, am Pusse niedriger Pflanzen und 
erzog den Käfer in Anzahl. So lange die Larve frisst, hat sie, wie die 
Clythra-Larven, den Kopf am dünnen Ende der Hülse; bei der Ver- 
puppung schliesst sie die Öffnung und dreht sich herum. 

6. Cryptocephalus violaceus Laich. — N. (Bd.) 

[18. C. flavescens Schneid, et var. frenatus F. zu streichen.] Das 
Stück ist = 

O 17. C. decemmaculatus L. var. ornatus Hbst (Gelber 

Mittelstrich des Halsschildes hinten breiter werdend; bei bothnicus L. 
durchaus gleich schmal). 

27. C. pusillus F. — Bei Wlb. in allen Varietäten häufig (Seh.). 

29. C. chrysopus Gmelin. -- Flörsheim a. M. Ende Juni von L. H. gel'. 

1. Oomorphus concolor Sturm. — N. (Bd.) 

1. Adoxus obscurus L. var. vitis F. — Bei Gelegenheit der Reblaus- 
untersuchungen auf dem Sachsenhäuser Berge bei Frankfurt in den Wein- 
bergen von Prof. Kirschbaum und mir Ende August 1879 oft gefunden. 
Der Käfer frisst 10 Millim. lange und 1 Millim. breite gerade Gänge 
aus dem Blatt heraus. 

3. Timarcha metallica Laich. Von Mzl. 1877 einmal bei Ober- 
rad (in der Ebene, vom Gebirg durch den Main getrennt) im Gras mit 
dem Köcher gef. L. H. sah das Exemplar. 

Q 15. Chrysomela analis F. var. lomata Hbst. (blau, statt erz- 
farben, mit rothem Band) Fr. einmal (C. H.). 

22. Ch. Hyperici Forst. - Von Mzl. im Mai 1877 auf Hypericum 
im Fr. Wald an der Götheruhe und im Scheerwald gesammelt. 

5. Phytodecta olivacea Forst, (litura F.) - Bei Wlb. häufig (Seh.). 

Die Gattung Phratora Redtb. muss den älteren Namen Phyllodecta 
Kirby tragen. 

4- 4. Ph. tibialis Suffr. ist Art. - - (Das Fühlerglied 2 ist kürzer 
als 3 ; bei vulgatissima gleichlang.) 

+ 21. (nach 4.) Cassida fastuosa Schall. = vittata F. Von 
Mzl. bei Fr. gef. L. H. sah das Stück. [Früher von Carl Dietze bei 
Jugenheim an der Bergstrasse gef., was L. H. Deutsche Entom. Zeitschr. 
1875, pag. 392 erwähnte.] 

Die Gattung Adimonia Laicharting muss Galeruca Geoffroy, 

Die Gattung Galeruca Geoffr. muss Galerucella Crotch heissen und 

Agelastica Halensis L., die Gattung Agelasa Motscli. bilden und 
hinter Luperus zu stehen kommen. 



— 145 — 

Galeruca sanguinea F. muss den älteren Namen Crataegi Forst. 
tragen. 

Galerucella 2 muss heissen: G. xanthomelaena Schrk. = Calma- 
riensis F. 

Luperas xanthopoda muss xanthopus heissen. 

1. L. circumfusus Marsh. Am Burgberg bei N. (Bd.) h. 

51. Haltica (Aphthona) venustula Kutsch. — N. (Bd.) 

Die Untergattungen Graptodera (= Haltica), Hermaeophaga, Crepi- 
dodera (hierzu Chalcoides, Hippuriphila, Ochrosis) und Epitrix, Balano- 
morpha (== Mantura Steph.), Batophila, Podagrica, Phyllotreta und 
Aphthona werden jetzt als besondere Gattungen angenommen. 

1. Dibolia occultans E. H. — N. (Bd.) 

2. D. Porsten Bach. — N. auf Echium (Bd.). 

1. Apteropoda globosa Illig. 

2. A. orbiculata Marsh, (graminis E. H.) 

1. Mniophila muscorum E. H. Die 3 letzten Arten bei N. am 
Burgberg von Bd. gef. 

O I. Orsodacna cerasi L. var. D. Lacord. — limbata Oliv. 

Von Bd. bei N. einmal auf Chaerophyllum temulum gef. 
1. Asemum striatum F. und 

1. Callidium femoratum L. einmal bei N. von Bd. gef. 

2. C. violaceum L. — 1879 am Feldberg s. h. 
5. C. rufipes F. — N. auf Crataegus (Bd.). 

-f- 12. (nach 4.) C. arvicola Oliv. — Von Bd. bei N. einmal 
gef. Neu für die ganze Gegend. [Heyd. vid.] 
5. Clytus Arietis L. — N. (Bd.) 

7. C. cinereus Lap. (Sternii Kraatz). — Stern erzog später ein 
drittes Exemplar, das nun Dr. Kraatz besitzt. 

8. Clytus A^erbasci L. 
11. C. mysticus L. 

1. Gracilia minuta F. — Alle 3 N. (Bd.) 

2. Obrium brunneum F. — Am Burgberg bei N. auf Chaero- 
phyllum temulum (Bdj. 

[Dorcadion fuliginator L. — Nach v. Hopffgarten noch bei Langen- 
salza in Thüringen, auch auf Kalkboden.] 

Unter Exocentrus Lusitanus L. stecken zwei Arten : 
1. E. Lusitanus L. (viel kleiner und ohne reihenweise gestellte 
kahle Flecken der Flügeldecken). — Hierher: Von C. H. aus Lindenholz 
von Fr. erzogen. — Mo. — 10. an Ulmen. 

.Jahrb. d. nass. Ver. f. Nat. XXXI u. XXXII. IQ 



— 146 — 

+ 2. E. adspersus Muls. — Hierher: > 8. aus Birkenreisern 

von Fr. entwickelt. — Bd. fand beide Arten bei N. 

2. Pogonocherus ovatus Groeze. — N. einmal (Bd.). 

-j- 5. (nach 2.) P. scutellaris Muls. = multipunctatus Georg 

— Von Bd. bei N. gef. — Hierher auch das Exemplar ovatus Fr. Ende 
Februar unter Fichtenrinde. Von ovatus durch das nach hinten deutlich 
mehr verengte Halsschild unterschieden. 

2. Mesosa nebulosa F. 

-f 4. (nach 2.) Agapanthia Cardui L. = suturalis F. Von 
Bd. bei N. am Burgberg nicht selten gesammelt. Auch Dr. Richter 
fand 1 Ex. von 7 Millim. Länge, das ich nun besitze, an der Irren- 
anstalt Eichberg im Rheingau. 

1. Anaestethis testacea F. — Beide bei N. auf Eichen (Bd.). 

2. Oberea pupillata Schh. — Nach Bd. von Lehrer Weber bei Diez gef. 
1. Stenostola ferrea Schrk. — Aus Lindenholz von N. in Menge 

Anfang April entwickelt (Bd.). 

4. Phytoecia nigricornis F. 

6. P. virescens F. — Beide von N. (Bd.) 

1. Rhamnusium bicolor Schrk. — Nach Bd. von Lehrer Weber bei 
Diez gef. 

1. Toxotus Quercus Goetze. — Der verstorbene H. Gremmers fand 
beide Geschlechter in grosser Menge im Röderspiesswald (Protocolle des 
Frankfurter Vereins für naturwissensch. Unterhaltung vom 4. Juni 18i><>.) 

5. Grammoptera analis Panz.. 

1. Cortodera- humeralis Schaller, 
1. Leptura rufipes Schaller, 

7. L. scutellata F., einmal. 

1. Strangalia aurulenta F., einmal. — Die letzten 5 Arten von N. (Bd.) 

Zu den Nachträgen. 
43. Aphodius (Plagiogonus) rhododactylus Marsh. = arenarius Oliv. 

- N. (Bd.) 

1. Byturus tonientosus F. var. flavescens Marsh. — Wsb. einmal 
(Hrb.). 

Nach dem ersten Verzeichniss waren aus dem 

Gebiet bekannt 3 161 Arten. 

Hierzu kommen ans diesem ersten Nachtrag . 81 » 



Jetzt sind bekannt, nach Streichung von 2 Arten 3242 Arten. 



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NASSAU AUFGEFUNDENEN EINFACHEN 

MINERALIEN 



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FR. WENCKENBAOH. 



TJcImt die in Nassau vorkommenden einfachen Mineralien hat zuerst 
Dr. Fr. Sandberger in seiner im Jahr 1847 erschienenen Uebersicht der 
geologischen Verhältnisse des Herzogthums Nassau eine für die damalige 

Zeit vollständige Uebersicht gegeben. Diese ist später von ihm und 
Anderen in den Jahrbüchern des Nassauischen Vereins für Naturkunde 
vervollständigt worden. Seit dem Jahre 1866 ist jedoch in dieser 
Richtung nichts Wesentliches mehr geschehen und man findet von da 
ab nur noch in der Literatur zerstreute Mittheilungen. Aber auch in 
den Jahrbüchern des Vereins sind die darin niedergelegten Mittheilungen 
sehr zerstreut, sodass manches Schätzenswerthe. für Viele wenigstens, 
als begraben betrachtet werden durfte. Es schien daher wünschens- 
wert!^ eine gedrängte und möglichst vollständige Uebersicht über die 
in Nassau in so mannigfaltigen Arten und in grossen Theils pracht- 
vollen Ausbildungen aufgefundenen einfachen Mineralien zu haben. Indem 
ich eine solche Uebersicht, bei der es mir auf eine strenge systematische 
Ordnung nicht ankam, der Öffentlichkeit hiermit übergebe, muss ich 
dabei noch Folgendes vorausschicken: 

Die vorliegende Uebersicht ist hauptsächlich nach den bisherigen 
Veröffentlichungen bearbeitet, Manches jedoch nur im Auszuge wieder- 
gegeben; namentlich finden sich die Krystallformen, welche; an den 
Mineralien beobachtet, und beschrieben wurden, nur in den seltensten 
Fällen angeführt. Es wird desshalb, besonders in letzterer Beziehung, ein 
Zurückgreifen auf die Quellen in gewissen Fällen nützlich sein. Diese 
sind bei einem jeden Minerale genau angegeben. — Bei Angabe der 
Fundorte der Mineralien finden sich in den älteren Mittheilungen öfters 
ungenaue oder unrichtige Bezeichnungen. Ich habe dieselben berichtigt. 

Den Namen derjenigen Mineralien, welche in Fr. Sandberger's 
Uebersicht und den Jahrbüchern des Vereins noch nicht als in Nassau 
vorkommend erwähnt wurden, ist ein Sternchen vorgesetzt; ebenso den 
von mir. bezw. meinem Freunde Dr. C. Koch, gemachten Zusätzen. 

Da, wo Krystallformen angegeben sind, ist dabei die Naumann'sche 
Bezeichnungsweise zur Anwendung gekommen, 



150 — 

Bei den Quellenangaben bedeutet „S. Uebers." Fr. Sandberger, 

Uebersicht der geologischen Verhältnisse des Herzogthums Nassau. Die 
beigesetzten Zahlen bezeichnen Seite und Nummer, auf und unter welcher 
das Mineral angeführt ist. Die übrigen Zahlen geben Jahrgang, Ab- 
theilung und Seite der Jahrbücher des Nassauischen Vereins für Natur- 
kunde an. 

Weilburg, im September 1879. 



Mineralogische Notizen linden sich 



1. In den Jahrbüchern des nassauischen Vereins für 

Naturkunde. 



1849, 



1857, 



S. 202-205. 



1850, S. 37-42. 

1851. 11, S. 139 — 141. 

S. 212-240. 

S. 257-208. 

1852. II, S. 119 — 123. 

1853, II, S. 40-41. 

S. 40—48. 



S. 390-401. 



isiilOfi. S. 87-9«. 



S. 41-80. 



1807, OS, S. 417-428. 



S. 409-471, 



Dr. Fridolin Sandberger. Nachtrag zu 
dem Verzeichnisse einheimischer Mineralien 
in der ,, Uebersicht der geologischen A T er- 
hältnisse des Herzogthums Nassau". 

Derselbe. Mineralogische Notizen. 

Derselbe. Ueber das Vorkommen des 
Smaragdochalcites im Herzogthum Nassau. 

Grandjean. Die Pseudomorphosen des Mine- 
ralreichs in Nassau. 

Dr. F. Sandberger. Mineralogische Notizen. 

Derselbe. ditto. 

Derselbe. ditto. 

Derselbe. Ueber spitze Bhomboeder des 
Manganspaths und Eisenspaths. 

Dr. Gr. Sandberger und C. Koch. Mine- 
ralogische Notizen. 

M. C. Grandjean. Mineralogische Notizen 
und Pseudomorphosen. 

C. A. Stein. Ueber das Vorkommen phos- 
phorsauren Kalks in der Lahn- und Dill- 
gegend. 

B. Kosmann. Der Apatit von Offheim und 
der Kalkwavellit von Ahlbach und Dehrn. 

Bemerkungen dazu von C. A. Stein. 



— 151 



2. In den Verhandlungen des naturhistorischen Vereins der 
preussischen Rheinlande und "Westfalens. 



1867, Corresp.-Bl., S. 104. 

1868, Sitz.-Ber., S. 79. 



1868, Sitz.-Ber., S. 

1869, Desgl. 

1876, 



S. 



25. 



95. 



1878, 



K. Bluhme. Braunbleierzkrystalle von der 

Grube Friedrichssegen bei Ober-Lahnstein. 

H. Hermann. Ueber Pyromorphit mit Um- 
hüllungspseudomorphosen von Brauneisen- 
stein nach Weissbleierz von Grube Fried- 
richssegen bei Ober-Lahnstein. 

Fr. Mohr. Ueber Aragonit ähnliche Phos- 
phoritmassen aus Nassau. 

H. Heymann. Mineralien aus Nassau. 
Verhandl., S. 241. G. Seligmann. Beschreibung der auf Grube 

Friedrichssegen bei Ober-Lahnstein vor- 
kommenden Mineralien. 

G. vom Rath. Skoroditkrystalle von Dern- 
bach. 

Derselbe. Mineralogische Beiträge. Skorodit 
von Grube Schöneaussicht bei Dernbacb. 
S. 173 und Beudantid von da, S. 176. 
Sitz.-Ber., S. 46. Derselbe. Strengit von Grube Eleonore am 

Dünstberg bei Giessen. 

Derselbe. Jodobromit von Grube Schöne- 
aussicht bei Dernbacb. 

Dr. W. v. d. Marck. Beitrag zur Kennt- 
niss der Bestandteile der Taunus-Gesteine. 



Sitz.-Ber.. S. 14. 



ls77, Verhandl., S. 131. 



Desgl., S. 191. 
Verhandl., S. 257. 



1870, 



1871. 



3. Neues Jahrbuch für Mineralogie etc. 

S. 234. B. Kosmann. Ueber eigenthümliche oktae- 
drische Krystalle aus dem Tuff der Dorn- 
burg bei Wilsenroth. 

S. 513. G. vom Rath. Babingtonit von Herborn- 
seelbach. 

S. 514. Derselbe. Ilvait aus Nassau. 



— 152 



Analysen sind von folgenden Mineralien vorhanden: 

Aphrosiderit von Grube Gelegenheit bei Weilburg. Fr. Sandberger. 
Uebers. der geologischen Verhältnisse des Herzogthums Nassau. 
1847, S. 97. 

Albit, krystallinischer aus Quarztrümmern des Taunusschiefers vod Naurod. 
1851, II, S. 261. 

Allophan, Neues Jahrbuch für Mineralogie etc. 1872, S. 875. 

Apatit von Offheim und der Kalkwavellit von Dehrn und Ahlbach. 

1867/68, S. 417. 
Bauxit von Mühlbach. Einige Analysen werden in der in der Kürze 

erscheinenden Beschreibung des Bergreviercs Weilburg mit- 

getheilt werden. 

Braunkohlen des Westerwaldes. 1853, II, S. 49. 
Braunstein aus einer Grube bei Diez. 1850, S. 137. 
Buntbleierz von Cransberg. 1849, S. 226. 
Buntbleierz von Ems. 1849, S. 229. 

Chloritoid von Falkenstein. Verhandlungen des naturhistorischen Vereins 

der preussischen Rheinlande und Westfalens. 1878, 8. 257. 

Graphitvorkommen in der Nähe von Montabaur. 1859, 8. 432. 

Halloysit. Neues Jahrbuch für Mineralogie etc. 1845, S. 577 — 581. 

Kalksteine, die wichtigsten, des Herzogthums Nassau. 1851, II, 
S. 241. 

Kupferindig von Grube Stangenwage bei Donsbach. 1850. 8. 141. 

Laumontit, halbverwitterter, von Oberscheid bei Dillenburg. 1850. S. 134. 

Lievrit. G. u. F. Sandberger. Versteinerungen des Rh. Schichten- 
systems in Nassau. 1850/56, S. 528. 

Manganspath von Oberneisen bei Diez. 1859, S. 434. 

Marmor, grauer, von Villmar. 1850, S. 140. 

Nickelglanz von Ems. 1852, II, S. 119. 

Nickelerze von Grube Hülfe Gottes bei Nanzenbach. 1859. S. 424. 

Palagonit vom Hof Beselich bei Limburg. 1849, S. 227. 

Phosphorit. 1864/66, S. 51 und VIII. Bericht des Offenbacher Vereins 
für Naturkunde. 1867. 



153 









IW11. 



Schwerspatli von Naurod bei Wiesbaden. 1840, S. 170. 
Sericit von Naurod. 1851, II. S. 266. 

Sericit von Hallgarten. Verhandlungen des naturhistorischen Vereins der 

preussischen Rheinlande und Westfalens. 1878, S. 262. 
Serpentin von Grube Neuer Muth bei Nanzenbach. 1851, II, S. 265. 

Thone, die wichtigsten nassauisehen Thone. (Aus den Aeintern Mon- 
tabaur und Selters.) 1852, II, 145. 

Walkererde von Merenberg. Eine Analyse wird in der in der Kürze 
erscheinenden Beschreibung des Bergreviers Weilburg mitge- 
theilt werden. 

Weissbleierz von Grube Priedrichssegen bei Ober-Lahnstein. 1850, 
S. 200. 



Vereins I 

257, 



iL 



421. 



I. Nichtmetallische Mineralien, 



Kohlenstoff. 

i. Graphit. 1859, S. 432. 

In der Gemarkung Wirges des Amtes Montabaur fand sich im 
devonischen, verwitterten Thonschiefer von gelblicher Farbe ein gra- 
phitisches Thonlager von 20 — 90 cm Mächtigkeit, das am Hangenden 
und Liegenden von Brauneisenstein begleitet wurde. 

Die Zusammensetzung der an Graphit reicheren Stücke ergab sich 
nach dem Trocknen bei 100° zu 35 — 37% Kohlenstoff und 65—63% 
wasserhaltiges Thonerdesilicat, worin 4°/<> Wasser enthalten waren; die 
ärmeren Stücke lieferten 11,6% Kohlenstoff und 88,4% Thonerdesilicat. 
Da der beigemengte Thon vollkommen bildsam und feuerbeständig war, 
glaubte man die Masse zur Darstellung von Schmelztiegeln verwenden 
zu können. 

2. Anthracit (Kohlenblende). 1857, S. 396. 

Eine graphitähnliche Abart fand sich in der älteren Rheinischen 
Grauwacke bei Dernbach im Amte Montabaur. 

* Im Rotheisenstein der Gruben Neueinst bei Dillenburg, Schwarzen- 
stein, Breitehecke, Stillingeisenzug und Königszug bei Nanzenbach. 

3. Braunkohle. 1853, II, S. 49. 

Sie tritt als dichte oder gemeine Braunkohle, als holzige Braunkohle 
(bituminöses Holz, Lignit), seltener als Blätterkohle auf und findet sich 
vorzugsweise auf dem Westerwalde. 

4. Retinit. 1851, II, S. 268; 1852, II, S. 123; 1853, II, S. 55; 
1857, S. 401. 

Erdiger Retinit kam bei Bommersheim im Amte Königstein sehr 
schön vor. Bei Langenaubach und Breitscheid im Dillkreise fand er 
sich in der Braunkohle erdig, meist als Anflug, seltener derb. 



— 155 — 

Auf der Braunkohlengrube Wilhelmsfund bei Westerburg kam er 
in schönen harzglänzenden, dunkelbraunrothen Stückchen bis zu 15 nun 
Durchmesser vor. 

Scheererit. S. Hebers., S. 103, 89; 1853, II, S. 55. 

In weissen perlmutterglänzenden Blättchen auf Klüften der Braun- 
kohle bei Bach im Amte Marienberg; auch auf Grube Wilhehnsfund 
bei Westerburg. 

Sc h wef e I. 

6. Schwefel. S. Uebers., S. 82, 1. 

Selten als dünne, röthlichgelbe Kruste auf Schichtungsflächen der 
Grauwacke in der Nähe der Thermalquellen zu Ems. 

Fluoride. Fluor-Verbindungen. 

7. Flussspath (Liparit). 8. Uebers., 8. 103, 88; 1851, II, 8. 268. 
Ein lichtbraunes Oktaeder mit abgestumpften Ecken fand sich in 

einem Quarzconglomerate mit Pyrolusit, Rotheisenstein und Quarz bei 
Assmannshausen. — Mit Quarz im Taunusschiefer bei Dotzheim, Amt 
Wiesbaden. Auf Schnüren im Porphyr bei Oberneisen im Aarthäle. Mit 
Quarz auf einem Gange im Grünstein bei Oberscheid. In kleinen derben 
Massen in den Kalkspathklüften des Schalsteins bei Fleisbach im Amte 
Herborn. An den vier letzteren Fundorten von violblauer Farbe. 

* Das schönste Vorkommen von Flussspath im Gebiete fand Herr 
Dr. F. Schar ff von Frankfurt an dem Rossert im Taunus, wo Oktaeder- 
krystalle von Erbsengrösse rein ausgebildet, meist wasserhell, auf Klüften 
eines grünen Serieitschiefers mit Albit zusammen vorkommen. (C. Koch.) 






Carbonate. Kohlensaure Verbindungen. 

8. Aragonit. S. Uebers., S. 100, 82; 1852, II, S. 123. 

Stängliche Massen von gelblichweisser Farbe finden sich im Rotheisen- 
stein bei Oberscheid; mit Kupfererzen auf der Grube Neue Constanz bei 
Herbornseelbach. In Basalt auf dem Beselicherkopf bei Niedertiefenbach, 
bei Härtungen, Guckheim, Steinen und Hof auf dem Westerwalde und 
Rabenscheid im Amte Herborn. In faserigen Massen auf Grube Rosen- 
berg bei Braubach. Wahrscheinlich gehört hierher der Tropfstein auf 
den alten Gruben bei Welhuich und Ems. 

In faserigen, gelblichen Massen auf der Braunkohlengrube Kohlen- 



— 156 — 

sogen bei Gusternhain ; in weissen, krystallinischen Massen in anthracit- 
artiger Braunkohle auf Grube Adolf bei Oberrossbach auf dem Wester- 
walde; in stänglichen Massen, gangförmige Trümmer in zersetztem 
Schalstein bildend, in einem Hohlwege nahe bei Eschhofen im Amte 
Limburg. 

9. Kalkspath (Kalkstein. Calcit). S. Uebers., S. 100, 83; 1841». 
S. 205; 1850, S. 42; 1851, II, S. 234, 237, 267; 1852, II, S. 122; 
1853, II, S. 41. 

Dichter Kalkstein findet sich als Massenkalk, dem mitteldcvo- 
nischen Gebirge angehörend, an vielen Orten der Dill- und nament- 
lich der Lahngegend und wird bei Diez und Villmar zu Marmor ver- 
arbeitet. In denselben Gegenden kommt er auch als Glied des ober- 
devonischen Gebirges vor. — Im Tertiärgebirge findet sich der Kalkstein 
als Süsswasserkalk zwischen Hochheim und Flörsheim und anderen Orten 
der Maingegend; als Cerithienkalk an der Flörsheimer Ziegelhütte; als 
Litorinellenkalk bei Wiesbaden, von wo er sich über Castel bis jen- 
seits des Rheins erstreckt, bei Cronberg und Höchst (S. Uebers.. S. 40 
bis 48). — Kalktuff findet sich als Bildung der Jetztwelt in der Nähe der 
unterhalb Weyer im Amte Runkel gelegenen Nieder-Mühle (S. Uebers.. 
S. 59). 

Kalkspath kommt sehr häufig in schönen Krystallen vor, deren 
Formen sehr verschiedenartig sind. Bei Philippstein im Amte Weilburg 
fanden sich 6 — 12 cm grosse Krystalle, welche sich durch grosse 
Reinheit und prachtvolle doppelte Strahlenbrechung auszeichneten. 

Schöne Krystalle kamen vor: auf den Kupfererzgruben Nicolaus 
bei Dillenburg und Gnadegottes (Hachelbach) bei Donsbach, der Bleierz- 
grube Holzappel bei Dörnberg, den Rotheisensteingruben Gelegenheit 
bei Weilburg, Wilhelmstein und Friedericke bei Kirschhofen und auf 
L'otheisensteingruben bei Eibach im Amte Dillenburg; im Kalkstein von 
Villmar; im Dolomit von Steeten; im Schalstein der Steinlache bei 
Weilburg; im Grünstein bei Niederscheid, Merkenbach und Uckersdorf 
im Dillkreise, bei Weilburg in einer Kluft am Lahntunnel (wasserhelle 
Krystalle, rings umschlossen von trüben Krystallen); im Basalt bei 
Härtungen und Stahlhofen auf dem Westerwalde und bei Naurod auf 
dem Taunus; auf Quarzadern im Thonschiefer bei (Jaul) (blassgelbliche 
Krystalle). 

Eine sehr ausgezeichnete Verwachsung von gelbem Kalkspath und 
rosenrothem Aragonit fand sich zuweilen in Drusenräumen des Basaltes 
der Grube Alexandria bei Höhn auf dem Westerwalde. 






— 157 — 

Kalkspath nach Kalkspath wurde als Dmhüllungs-Pseudomor- 
phose im Dillenburgiscliei] gefunden. Dabei war immer die Krystall- 
t'tirni des umhüllenden Kalkspathes verschieden von der des umhüllten. 
Auf der Grube Nicolaus bei Dillenburg fanden sich beide Formen durch 
eine wadartige dünne Kruste getrennt. 

Kalkspath nach Laumontit. Der Laumontit der Grünsteine bei 
Dillenburg erleidet die bekannte Zersetzung in kohlensauren Kalk und 
ein saures Silicat unter Beibehaltung seiner Krvstallform und ist diese 
Umwandlung als eine Pseudomorphose anzusehen, obwohl sie nicht 
eigentlich eine Umwandlung des Laumontits in Kalkspath zu nennen 
wäre. Die Laumontitkrvstalle verlieren durch diese Zersetzung an Härte. 
blähen sich etwas auf. verlieren die gewöhnliche fleischrothe Farbe, 
erhalten Sprünge und zerfallen sehr leicht. 

Kalkspath findet sich sehr häufig als Versteinerungsuiittel thierische-r 
Beste, so z. B. bei Villmar, Dillenburg u. s. w. ; aber es kommt auch 
Kalkspath nach Braunkohle vor, wie in dem Sohlgebirge bei Berz- 
liahn, Amts Rennerod. Die Holzästchen sind hier ihrer Form nach 
gut erhalten und zum Theil ganz durch strahligen Kalkspath. der 
divergirend nach der Mitte krystallisirt ist, ersetzt. Zum Theil ist aber 
auch bei Erhaltung der äusseren Form das Innere drusig und mit 
einem verworrenen Aggregat von Kalkspathkrystallen und einem flockigen, 
wadartigen Mineral angefüllt. 

Stänghcher Kalkspath kommt in Schnüren im Schalstein vor 
am Schellhofe bei Weilburg; in Höhlungen des Basaltes, begleitet und 
Überzügen von Zeolithen, bei Rennerod, Stahlhofen, Gemünden und Schön- 
berg bei Marienberg, durchaus von weiss- bis weingelber Färbung. 

Faseriger Kalkspath kommt vor in derben Stücken im Cypridinen- 

schiefer von Kirschhofen bei Weilburg; in alten Gruben bei Dillenburg 
und Weilburg (doch ist ein Theil davon vielleicht Aragonit) ; als Absatz 
heisser Quellen in Wiesbaden und Ems. 

Als Stalaktitenbildung kam Kalkspath auf Grube Holzappel bei 
Dörnberg vor. Im übrigen findet sich Kalkspath in derben Massen so 
sehr verbreitet, dass es überflüssig ist, weitere Fundorte namhaft zu 
machen. 

Bergmilch wurde im tertiären Letten bei der Spelzmühle bei Wies- 
baden beobachtet. 

Als weitere Fundorte schöner Kalkspathkrystalle sind noch zu 
nennen: ein Grünstein-Conglomerat am Weg von Burg nach dem Neuen- 



158 



Haus boi Dillenburg ; der Dolomit von Aull und Gückingen ; die Kupfer- 
erzgrüben Gemeinezeche bei Nanzenbach und Fortunatus boi Dillenburg; 
die Manganerzgrube Heiligenhäuschen bei Dietkirchen und die Eisen- 
erzgrube Friedrich bei Birlenbach. — Sodann ist noch ein Kalksinter 
(Tropfstein) zu erwähnen, der sieh auf der Sohle eines von dem Stollen 
der Grube Gemeinezeche nach der Grube Neuermuth bei Nanzenbach 
getriebenen Querschlags bildete und vorzugsweise aus losen, mehr oder 
weniger rundlichen und bohnenförmigen Kürnern bestand. 

10. Dolomit (Bitterkalk, Bitterspath). Braunspath. S. üebers. 
S. 101, 84; 1850, S. 42; 1851, II, S. 221, 267; 1852, II, S. 122. 

Dolomit kommt als Felsart sehr häufig in der Lahngegend mit 
dem Massenkalke vor. 

Bitterspath, bezw. Braunspath, kommt vor: auf Quarztrümmern in 
Thonschiefer bei Caub von perlgrauer oder blassrosenrother Farbe, vor 
dem Löthrohre starke Reactionen auf Mangan gebend; in ausgezeich- 
neten weissen Krystallen bei Wellmich ; in besonders schönen 3 mm grossen 
Krystallen zu Ems; in gelblich-weissen Krystallen auf Grube Mehlbach 
bei Rohnstadt und bei Winden im Amte Nassau ; als Begleiter der 
Kupfererze auf den Gruben Altehoffnung bei Langenaubach, Neuermuth 
und Gemeinezeche bei Nanzenbach und Gnadegottes (Hachelbach) bei 
Donsbach; auf Klüften des körnigen Braunspaths (Dolomits), dieKrystalle 
meist mit gekrümmten Flächen bei Weinbach und Hirschhausen bei 
Weilburg, Steeten, Dehrn und Niedertiefenbach bei Limburg, Offheim 
bei Hadamar, Oranienstein bei Diez; oft ganz überzogen mit Pyrolusit 
oder Wad, mit Kalkspath und Rotheisenstein, die Flächen sehr gekrümmt. 
auf den Gruben Friedericke bei Kirschhofen und Gelegenheit bei Weil- 
burg; in ziegelrothen, scharf ausgebildeten Krystallen öfter in Höhlungen 
des Stilpnomelans von Weilburg; hellbräurilich mit Kupferkies, Fahler? 
und Quarz bei Weilmünster (Rohnstadt?). Beim Verwittern mit brauner 
Rinde sich überziehend, durch einen sich höher, zu 2(Fe20s) -j- 3HO 
oxydirenden Gehalt an kohlensaurem Eisen- und Manganoxydul, der 
sich in die vielen kleinen Risse, welche die Braunspathkn stalle an 
ihrer Oberfläche gewöhnlich haben und welche den Blätterdurchgängen 
entsprechen, hineinsetzt und den eigenthümlichen braunen schimmernden 
Glanz, welcher die Krystalle der Grube Mehlbach bei Rohnstadt aus- 
zeichnet, hervorbringt. 

Bitterspath nach Kalkspath kommt als Umwandkmgs-Pseudo- 
morphose vor auf Klüften des Grünsteins bei Weilburg und in Drusen- 
räumen des Dolomites bei Niedertiefenbach. 






— 159 — 

' Als Fundorte schöner Bitterspathkrystalle sind noch die Gruben 
Friedrichssegen bei Ober-Lahnstein, Pauline bei Scheuern und Holzappel 
bei Dörnberg zu nennen. 

Sulphate. Schwefelsaure Verbindungen. 

11. Schwerspath (Baryt. Barytspath). S. Hebers. S. 99, 78; 
1849. S. 295; 1859 S. 41; 1851. 11. 8. 297; 1852, II, S. 121. 

Krystalle sind Seltenheiten; sie finden sich mit Fahlerz und Blei- 
glanz auf der Grube Aurora bei Niederrossbach im Amte Dillenburg; 
mit Kupferkies auf Grube Gnadegottes (Hachelbach) bei Dorisbach ; mit 
Brauneisenstein (kleine, zierliche, wasserhelle Krystalle) bei Lohrheim 
im Amte Dir/. ; im Rotheisenstein in dünnen Tafeln auf Quarz auf Grube 
Hohegräben bei Weilburg; mit Quarz, Bleiglanz und Kupferkies (wein- 
gelbe und weisse Krystalle bis zu 3 cm Grösse) bei Michelbach, Amt 
Wehen ; im körnigen Baryt bei Naurod, Amt Wiesbaden. Häufiger ist 
fleiscbrother. derber Barytspath in blätterigen Massen mit Bleiglanz 
oder Blende auf Gängen in Grauwacke bei Marienfels im Amte Na statten 
und bei Michelbach. In kugeligen Massen von schaliger Structur findet 
er sich im Diabase von Oberscheid bei Dillenburg. Gangförmig tritt er 
auf im Grünstein oder Schalstein : an der Schütte, im Feldbacher Wäld- 
ehen, im Paulinenstollen und auf der Grube Nicolaus bei Dillenburg. 
Körniger Baryt findet sich als Gang im Taunusschiefer bei Naurod. 

* Schöne, helle und zum Theil grosse Schwerspathkrystalle kamen 
vor auf den Schwerspathgruben Rohberg bei Naurod im Amte Wiesbaden 
und Theobald bei Burg im Amte Herborn; auf der Braunsteingrube 
Hörkopf bei Assmannshausen im Rheingau; auf einer Phosphoritgrube 
in der Gemarkung Ahlbach bei Hadamar und im Thonschiefer des 
Qramberger Tunnels bei Diez. Die Krystalle von Grube Theobald sind 
schön hellgrün gefärbt. 

12. * Cölestin fand sich in früherer Zeit einmal in schönen, himmel- 
blauen Krystallen zwischen Kalkspath auf der Grube Gnadegottes bei 
Donsbach (District Hachelbach); ein schönes Belegstück war in der 
Sammlung des Herrn Oberingenieur Max Braun auf dem Altenberg. 
(C. Koch.) 

13. * Bittersalz. Auf dm- Eisenerzgrube Waldwiese bei Hambach 
blüht an manchen Stellen des Eisenerzlagers ein Salz aus, das als 
Bittersalz angesprochen werden darf. Dasselbe enthält nach der Analyse 
viin E. He rget zu Diez : 



Kill 



Schwefelsäure . 



50.01 °/o. 



Magnesia 25,12 » 

Manganoxydul 0,80 » 

Wasser und Verlust 24,07 » 



100,00 °/o. 

Da bei 100° getrocknet wurde, ist wahrscheinlich Krystallwasser 
verloren gegangen. 

14. GypS. S. Uebers., S. 99, 77; 1849, S. 205. 

In einzelnen Kryställchen in den Klüften der Braunkohle des Wester- 
waldes, so namentlich auf den Gruben Wilhelmsfund und Gutehoffnung bei 
Westerburg; aus Thonschiefer ausblühend auf vielen Gruben um Dillen- 
burg und Weilburg; im tertiären Thon (Zwillinge) bei Bierstadt, Amt 
Wiesbaden ; in losen Stücken auf dem Zimmerplatz bei Wiesbaden ; in 
grösseren, aber undeutlichen Krystallen mit Malachit und Kupferbraun 
auf Grube Stangenwage bei Donsbach. 

* Sehr schöne und grosse Gypskrystalle kommen in den oberen 
Schichten des Septarinthones der Thongruben bei Flörsheim am Main 
vor; dort findet man auch die schönen sternförmigen Gruppirungen 
dieses Minerals. (C. Koch.) 

15. Eisenalaun (Halotrichit). 1857, S. 397. 

In stänglichen Massen von berggrüner Farbe zwischen Braunkohlen 
der Grube Wohlfahrt bei Gusternhain. 



Phosphate. Phosphorsaure Verbindungen. 

16. Apatit. Phosphorit. 1850, S. 41; 1864/66. S. 57, 92: 
1867/68, S. 417, 469. 

In weissen, faserigen und dichten bräunlichgelben stalaktitischen 
Gestalten mit Psilomelen auf Grube Kleinfeld bei Birlenbach. Dieses 
ältere, seit 1850 bekannte Phosphoritvorkommen bot nur in mineralo- 
gischer Beziehung einiges Interesse. Im Sommer 1864 dagegen entdeckte 
man in den Districten Fusshohl und Weissenstein bei Staffel, unweit 
Limburg, eine ausgedehnte Ablagerung von Phosphorit, sodass derselbe 
in grossen Massen gewonnen werden konnte. Seitdem wurden ähnliche 
Ablagerungen an vielen Orten der Lahngegend und auch an einigen 
Stellen in der Dillgegend aufgefunden und gaben Veranlassung zu 
einer umfangreichen Gewinnung des Phosphorits für landwirtschaftliche 

Zwecke. 



— 161 — 

* Per Phosphorit hat das verschiedenartigste Ansehen, sowohl hill- 
sichtlich seines Gefüges als seiner Farbe. Tn mineralogischer Beziehung 
fand der bei Staffel zuerst gefundene, vorwaltend grüne, durchscheinende, 
in schönen (rauhen- und nierenförmigen Formen vorkommende Phosphorit 
eine besondere Beachtung und da er sich sehr wesentlich von dem 
Apatite unterscheiden sollte, betrachtete ihn C. A. Stein als ein selbst- 
ständiges Mineral und nannte ihn „Staffelit". Schon damals wurden 
aber auf der ersten Fundstelle bei Staffel kleine, scharf ausgebildete. 
hellgrüne und durchsichtige Krystalle gefunden, welche sehr deutlich 
die gewöhnliche Form des Apatites (oo P . OP . P) erkennen lassen 
und dem grünen, dichten Phosphorite aufsitzen und wie aus diesem 
herausgewachsen erscheinen. Später wurden bei Offheim, unweit Limburg, 
ebenfalls Apatitkrystalle in unmittelbarem Zusammenhange mit dem 
grünen Phosphorite und diesem aufsitzend gefunden. Der Staffelit kann 
daher mir als ein. kohlensauren Kalk (bis zu 9%) und etwas Wasser 
enthaltender Apatit angesehen werden. — Ausser an den genannten 
orten fand er sich noch auf vielen Phosphoritgruben in traubigen 
und nierenförmigen Formen von mehr oder weniger schönem Aus- 
sehen, so z. B. bei Dehm, Ahlbach, Heckholzhausen, Gräveneck, 
(lückingen. Catzenelnbogen, Allendorf. Mudershausen, Oberneisen, Netz- 
bach u. s. w. 

17. Wavellit. S. Uebers. S. 99. 72: 1851, II. S. -267; 1857, 
S. 396, 397; 1864/66, S. 92. 

In faserigen Anflügen, nicht besonders schön, auf Kieselschiefer 
im Aarthale; in graulich -weissen strahligen Kugeln auf Dolomit oder 
in schneeweissen Schnüren in Pyrolusit oder Wad bei Weinbach im Amte 
Weilburg; in strahligen Schnüren in Manganerzen bei Dehrn im Amte 
Limburg; auf der Eisenerzgrube Langenstück bei Wildsachsen im Amte 
Hochheim: im Rotheisenstein der Grube Eisenzeche bei Oberscheid in 
sehr schönen halbkugeligen, oft traubig verbundenen Partieen von radial- 
faseriger Struktur mit zuweilen erkennbaren Endflächen in schön weisser, 
seidenglänzender Färbung. 

Kalk- Wavellit, 1867/68, S. 417, nannte Kosmann einen Wavellit, 
in welchem drei Viertel des neutralen Thonerde-Phosphathydrats durch 
dreibasisch phosphorsauren Kalk vertreten sein sollen. Er fand ihn im 
District „in den Borngräben" bei Dehrn und nicht weit davon in der 
Gemarkung Ahlbach auf Phosphoritgruben und schildert ihn als ein 
Mineral, das in feinen, weissen, schwach glänzenden Nadeln, welche zu 
concentrisch-strahligen Büscheln oder Kugeln gruppirt sind, auftritt 

Jahrb. .1. uass. Ver. f. Nat. XXXI u. XXXII. ^ 



— 162 — 

und welches auf .den die Trümmer des Phosphorites verkittenden In- 
krustationen ausgebildet ist. 

18. * Kalait (Türkis). 

In dichten Massen auf dem Brauneisenstein der Grube Pindsberg 
bei Gatzenelnbogen (Bergmeister Ulrich). Dieses Mineral hat Petersen 
Cäruleolactin genannt (Ele.mente der Mineralogie von Naumann- 
Zirkel, 1877. S. 47?»). 

Kieselerde. 

19. Quarz. S. Uebers. S. 88, 23; 1849. S. 203; 1850, S. 39; 
1851. II, S. 230—234. 237. 259. 260; 1853. II, S. 41. No. 2; 
1857, S. 398; 1864/66, S. 95. 96. 

Der Fundort der grössten Krystalle, zuweilen von 30 cm Länge 
und ebenso bedeutender Breite, ist der mächtige Quarzgang in der 
Grauwacke am Streitfelde bei Eschbach im Amte Usingen. Die Krystalle 
sind meist grau, unrein weiss, lassen aber in ausgezeichnetem Grade 
ihre Massenzunahme in der Art verfolgen, dass, wenn man einen Krystall 
durchschlägt, eine Menge einander umschliessender Sechsecke, die sich 
zum Theil durch ihre Färbung verschieden zeigen, zum Vorschein kommt. 
Rauchgraue bis 15 cm grosse Krystalle finden sich am Spitzen-Stein 
bei Frauenstein im Amte Wiesbaden. Bei diesen gelingt es öfter durch 
vorsichtiges Erhitzen und Abkühlen die einzelnen Krystallschalen von 
einander zu trennen, namentlich wenn dünne Schichten von Eisenoxyd- 
hydrat dazwischen liegen. 

Wasserklare, sehr schön ausgebildete Krystalle fanden sich auf den 
Erzgängen bei Holzappel, Obernhof, Ems und Wellmich und auf Grube 
Aurora bei Niederrossbach im Amte Dillenburg (rosetten- und stern- 
förmige Gruppirungen) ; im Grünstein bei Steinsberg im Rupbachthale. 
bei Gräveneck; im Innern fossiler Muscheln auf Grube Lahnstein bei 
Odersbach, bei Oberscheid. In ausgezeichneten, theils durchsichtigen, 
theils chalcedonartigen Krystallen auf gelblichem Hornstein der Grube 
Christiane bei Westerburg; hier auch kleine Kryställchen auf verkieselter 
Braunkohle. In ausgezeichneten Krystallen, zum Theil mit Einschlüssen 
eines talkähnlichen Minerals auf Quarztrümmern im Thonschiefer bei 
Caub am Rhein; auf der Dachschiefergrube Jacobine bei Dörscheid, Amts 
St. Goarshausen; in Knollen von Psilomelan und Brauneisenstein bei 
Birlenbach und auf Grube Koppelfeld bei Freiendiez; in Drusenhöhlungen 
des Dolomites in einem Steinbruch bei Weinbach, Amts Weilburg; mit 
Kupferkies auf den Gruben Nicolaus bei Dillenburg, Gnadegottes (Hacliel- 






— 163 — 

bach) und Stangenwage bei Donsbach und Gemeinezeche bei Nanzen- 
bach; schöD hellgrün gefärbt auf Alte Wilhelmshoffnung bei Herborn- 
seelbach; im Quarzgestein des Taunus oder in Gängen des Taunusschiefers 
bei Königstein und Wiesbaden. Mit Chlorittiberzug trifft man den Quarz 
bei Holzappel; in kleinen, rauchgrauen Körnern und Krystallen im 
Porphyr am Stein bei Ballersbach im Amte Berborn, an der Papier- 
mühle bei Weilburg; im Pasalt eingeschlossen in rissigen Stücken von 
blaugrauer bis weisser Farbe und starkem Glänze am Mühlenberg bei 
Holzappel. auf dem Basaltkopf bei Weilburg. Man sehe auch: Mangan- 
kiesel, schwarzer. 

* In neuerer Zeit fanden sich im Dorfe Görsroth im Amte Weben 
bei dem Graben einer Grube schöne, wasserhelle, zum Tbeil ganz reine 
Bergkrystalle mit 2 — ä cm langen Säulenflächen; wahrscheinlich stam- 
men die lose im Schotter lagernden Krystalle aus einem Quarzgange, 
welcher den Schiefer durchsetzt, ähnlich dem Vorkommen von Caüb etc. 
(C. Koch.) 

Folgende Pseudomorphosen des Quarzes wurden beobachtet: 

Quarz nach Kalkspath. Diese Umhüllungs-Pseudomorphose, welche 
die Abdrücke bis zu 3 cm grosser Kalkspathkrystalle zeigt, kam auf 
einem Gange der Kupfererzgrube Stangenwage bei Donsbach, Amts 
dnnÜ Dillenburg, in oberer Teufe vor. Von dem Kalkspath war keine Spur 
mein- vorhanden. Die Abdrücke zeigten sich auf beiden Seiten der Stufe 
mit glatten Flächen. Eindrücke von KaJkspathkrystallen in Quarz fanden 
sich auch am Hartenberg bei Königstein. 

Quarz nach Braunspath. Als Abdrucks-Pseudomorphose auf der 
Kupfererzgrube Xeuermuth bei Nanzenbach, Amts Dillenburg. Die Stufe 
besteht aus kristallinischem Quarz und ist die vollständige Ausfüllungs- 
masse einer Braunspathdruse. deren Krystalle ihre sehr sauberen Ein- 
drücke rings um die Quarzmasse zurückgelassen haben und in dritter 
Generation von Kupferkieskryställchen besetzt sind. 

Quarz nach Barytspath. In schönen pseudomorphosischenKrystallen, 
deren Flächen von wasserhellen Quarzkryställchen überzogen sind, bei 
Erdbach im Amte Herborn. Auf Kupfererzgängen bei Medenbach und 
Amdorf, sowie auch bei Donsbach im Dillenburgischen finden sich nicht 
selten in oberen Teufen diese Umhüllungs-Pseudomorphosen, die aus 
einem Aggregat kleiner Quarzkrystalle gebildet sind und die ehemaligen 
durcheinander gewachsenen Barytkrystalle in Krusten umgeben, welche 
den ursprünglichen Raum der Barytkrystalle fast ganz einnehmen. Die 
Quarzflächen, welche den Krystallflächen zugekehrt sind, sind minder 

11* 



Ural 

!>■ 



— 164 — 

rauh wie die äusseren. Eine ähnliche Pseudomorphose kam am grauen 

Stein bei Wiesbaden vor. 

Quarz nach Laumontit. Auf Klüften des Grünsteins bei Dillen- 
burg findet man nicht selten die Abdrücke von verschwundenen Lau- 
montitkrystallen der gewöhnlichen Form in Quarz, der also nach Bildung 
des Laumontits die noch leeren Räume ausgefüllt und die Krystalle des 
letzteren Minerals umschlossen hat. 

Quarz nach Chrysotil. Zwischen Uckersdorf und dem Neuen- 
haus bei Dillenburg kommt auf Klüften des Grünsteins Chrysotil von 
matter dunkelgrüner Farbe vor. zwischen dem sich Quarzstücke finden, 
die ganz die Structur des ersteren Minerals zeigen und dessen Kaum 
zuweilen ganz einnehmen. 

Quarz nach Kupferkies. Auf den Kupfererzgängen des Dillen- 
burgischen und besonders auf der Grube Neuermuth bei Nanzenbach 
sind die Räume mitunter fast ganz mit zerfressenem Quarz bis zu an- 
sehnlichen Teufen (120 m unter der Thalsohle) an beiden Saalbändern 
abwechselnd begleitet. Diese Zerfressenheit rührt von Kupferkies her. 
der sich vor dem Quarz auf diesen Gängen gebildet hatte und wieder 
verschwunden ist. Die Form dieser Krystallabdrücke ist die gewöhnliche 
im Dillenburgischen vorkommende — das verzerrte tetragonale Sphenoid. 

Mitunter ist der krystallisirte Kupferkies auch mit rosettenförmig 
krystallisirten Quarzkrusten umgeben, worunter der erstere zum Theil 
weggeführt wurde — oder der Quarz hat sich auch in amorphem Zu- 
stande in die Räume eingelagert, welche der von beiden Saalbändern 
alternirend mit Quarz und Kalkspath in Streifen oder unregelmässigen 
Partieen angesetzte Kupferkies und Eisenkies darbot. 

Quarz nach Bleiglanz. Die Bleigänge in dem Grauwackengebirge 
an der Lahn und dem Rhein zeigen in ihren oberen Teufen nicht selten 
ein zelliges Gewebe von Quarz, das sich bei näherer Betrachtung als 
Umhüllung von verschwundenem Bleiglanz ausweist. 

Quarz nach Eisenspath. Diese Pseudomorphose kommt auf den 
Brauneisensteingängen bei Hachenburg und im Siegen'schen sehr häutig 
vor. Sie gibt Zeugniss davon, dass der Quarz zum Theil erst nach 
der Bildung des Eisenspatiis in den Gangräumen abgesetzt und darauf 
der Letztere gelöst und in Brauneisenstein umgewandelt an anderen 
Punkten abgesetzt wurde. 

Quarz nach Eisenkies. Als Umhüllung von krystallisirtem Eisen- 
kies kommt der Quarz in wasserhellen Krystallkrusten. die das erstere 
Mineral durchschimmern lassen, bis zu 8 mm Dicke auf Klüften der 



— 165 — 

Braunkohlen und auf diesen ansitzend auf der Grube Wilhelmsfund bei 
Westerburg vor. 

Quarz ist ein verbreitetes Versteinerungsmittel und findet sich als 
Verdrängungs - Pseudomorphose nach Braunkohle auf den Gruben 
Christiane und Wilhelmsfund bei Westerburg. 

Amethyst. In Amethyst übergehender Quarz fand sich auf dem 
Quarzgange am Streitfelde bei Eschbach. 

Eisenkiesel. Als Begleiter des Rotheisensteins mit Eisenglanz. 
meist blutroth oder bräunlich roth gefärbt am Selterserkopf bei Weil- 
burg, bei Dülenburg, Herborn u. s. w. Mit Grünstein, auch in Krystallen 
der Formen des Quarzes, in braunen und gelben Farben am Eeutersberg 
bei Herborn; in Schnüren und Trümmern im Porphyr an der Hauselay 
bei Weilburg. 

Hornstein. In hell fleischrothen bis dunkelbraunen, andererseits 
in grünen Varietäten als Begleiter des Grünsteins am geistlichen Berg 
(Weinberg), Homberg und Eeutersberg bei Herborn; zuweilen in kleinen 
anregelmässigen Säulen abgesondert im Stringocephalenkalke von Allen- 
dorf bei Catzenelnbogen. im Basalttuff und Braunkohlenthon bei Breit- 
scheid und Westerburg; als Gangmasse mit Barythspath in Schalstein 
bei Lohrheim, Amts Diez; braune und schwärzliche Varietäten, über- 
gehend in Halbopal, auf der Braunkohlengrube Adolf bei Oberrossbach 
auf dem Westenvalde. 

Kieselschiefer (Lydit, lydischer Stein). Als Lager im Cypridinen- 
schiefer bei Gräveneck, im Posidonomyenschiefer bei Herborn, Erdbach, 
Oberndorf. In fleischrothen bis dunkelgrauen Geschieben in der Lahn 
und dem Diluvium bei Weilburg. 

Chalcedon. Mit Kupfererzen auf Grube Neue Constanz bei Herborn- 
seelbach; auf Kieselschiefer bei Catzenelnbogen ; auf Hornstein im Basalt- 
tuff oder in der Dammerde bei Westerburg und Eossbach bei Marienberg ; 
auf Klüften des Basaltes bei Neunkirchen, Amts Kennerod; in röthlich- 
weissen Lagen mit Kalkspath abwechselnd im Diabas bei Bicken, Amts 
Herborn ; auf dein Quarzgange am Buchenstem im Streitfelde bei F]schbach. 

Als Pseudomorphose findet sich: 

Chalcedon nach Kalkspath in traubigen und nierentförmigen 
Gestalten als Umhüllung von Kalkspath auf Klüften des Grünsteins am 
Löhnberger Wege und Tunnel bei Weilburg. 

Chalcedon nach Baryt, als dünner Ueberzug auf den Barytgängen 
an der Eisernen Hand bei Oberscheid im Schalstein nahe am Tage. 

Chalcedon nach Quarz mit dem vorigen Ueberzuge auf Quarz- 



— 166 — 

krystalleu, welche mit Baryt verwachsen sind: aber auch zu Westerburg 
im Braunkohlengebirge. 

Chalcedon nach Braunkohle findet sich auf Grube Adolf bei 
Oberrossbach im Dachgebirge als Umhüllung. 

Karneol. Auf dem Quarzgange am Buchenstein im Streitfelde 
bei Eschbach. Amts Usingen. 

Plasma. Grün und stark durchscheinend auf der Braunkohlengruhe 
Wilhelmsfund bei Westerburg. Die Färbung des Minerals rührt von 
Chromoxyd her. Es verwittert zu einer dem Wolkonskoit ähnlichen Masse. 

20. Opal. S. Uebers., S. 90, 24; 1850, S. 39; 1851, II, S. 220, 
234, 237. 260. 

a) Gemeiner Opal findet sich in Höhlungen des Palagonit- 
congloinerates auf dem Beselicher Kopfe bei Niedertiefenbach. unweit 
Limburg und verhält sich als ausgezeichneter Hydrophan. 

b) Halbopal kommt im hintersten Steinbruche des Sonnenberger 
Seitenthälchens bei Wiesbaden vor. Er bildet die Ausfüllung einer sehr 
grossen Anzahl von Klüften im Taunusschiefer, welche gegen die 
Schieferung laufen und mitunter eine Dicke von 3 cm erreichen, bleiben 
aber meist sehr hinter diesem Maasse zurück. Die Farben des Minerals, 
welches sich in einzelnen Stücken ganz wie ein ausgezeichneter Hydro- 
phan, wenn auch in geringerem Grade wie der oben erwähnte Halbopal 
verhält, gehen vom reinsten Weiss durch Grau, Gelb, Fleischroth in's 
Ziegelrothe über. In losen Blöcken findet sich Halbopal in der Damm- 
erde bei Rabenscheid, Marienberg und Westerburg; als Versteinerungs- 
mittel von bituminösem Holze (Holzopal) ist er weit verbreitet auf dem 
ganzen Westerwalde, namentlich auf Braunkohlengruben bei Breitscheid 
und Merenberg. 

* Halbopal kommt auch nesterweise mit Ueberzug von traubigem 
Manganspath im Eisensteinlager der Grube Rothenberg bei Oberneisen 
vor. (Bergmeister Ulrich.) 

c) Hyalit. Auf Palagonitconglomerat am Beselicher-Kopf und mit 
Manganerzen, ausgezeichnet schön, bei Niedertiefenbach; auf schwarzem 
Diabas bei Uckersdorf, Amts Herborn; auf Thonschiefer zwischen Uckers- 
dorf und Amdorf; auf einem blasigen Dolerit oder olivenreichen Basalt 
bei Neunkirchen auf dem Westerwalde, Urdorf bei Marienberg, Saynscheid, 
Amts Wallmerod, Falkenbach, Amts Runkel, und Hermesköppel (Her- 
mannskopf) bei Weilburg. 

Hyalit nach Augit kommt bei Neunkirchen, an der Strasse 
zwischen da und Rennerod, vor. Er findet sich hier in drusigen Klüften 






167 — 

riiirs in Zersetzung begriffenen Basalts als Ueberzug, auf dem in den 
mannigfaltigsten Gruppirungen kleine nadeiförmig und scharf ausgebildete 
Augitkryställchen von olivengrüner Farbe und stark durchscheinend 
sitzen. Diese Kryställchen sind grösstentheils mit einer Hyalitkruste 
überzogen, aus der der Krystall nicht selten ganz verschwunden und 
der hohle Kaum zurückgeblieben ist. Auf den Hyalitkrusten sitzen 
dann oft wieder ohne Zusammenhang mit dem verschwundenen Krystall 
zahlreiche Augitnadeln, die wie die ersteren erst nach der Bildung der 
Hyalitkrusten entstanden sein können. Der Hyalit füllte auch die 
Küume vieler Augitnadeln ganz aus. 

d) * Leberopal (Meniüt) findet sich in plattenförmigen und nieren- 
förmigen Ausscheidungen in einem tertiären Sande, welcher durch 
Thermalquellensinter zu Sandstein verkittet ist. über dem Schützenhofe 
in Wiesbaden. (C. Koch.) 



Silikate oder kieselsaure Verbindungen. 

21. Granat. S. Hebers., S. 95, 48; 1851, II, S. 264; 1864/66, S. 90. 

a) Rother Granat. In einem blasigen Dolerit in kleinen Körnern 
eingesprengt bei Neunkirchen auf dem Westerwalde; in Körnern von 
rother Farbe eingewachsen in glasigem Feldspath bei Naurod, Amts 
Wiesbaden. 

b) Melanit. Findet sich sehr schön ausgebildet, aber in sehr 
kleinen Krystallen der Form cc mit Magnet- und Titaneisen im 
Himssteinsand bei Grenzhausen. 

22. Epidot (Pistazit). S. Uebers., S. 95, 47; 1864/66, S. 92. 
Derselbe hat sich krystall isirt am schönsten zwischen Kirschhofen und 
Gräveneck gefunden. Fr besitzt ausgezeichnete pistaziengrüne Farbe 
und ist mit Albit verwachsen. Ausserdem findet sich am Grävenecker 
Burgberge eine beinahe 30 cm breite Spalte, ebenfalls im dichten 
Diabas, welche mit einem graugrünen Gemenge von Epidot und Quarz 
ausgefüllt ist. Ferner kommt er vor im Grünstein eingewachsen oder 
auf Klüften desselben am Tunnel bei Weilburg ; bei Kirschhofen, Edels- 
berg, Essershausen. Weinbach im Amte Weilburg; bei Amdorf, Burg 
und anderen Orten bei Herborn ; an den Löhren bei Dillenburg in 
hellgrünen unvollkommen ausgebildeten Krystallen, welche leicht mit 
Titanit verwechselt werden können; an sonstigen Orten bei Dillenburg. 
Im Schalstein bei Balduinstein. an der Bodensteiner Lay bei Villmar. 
bei Aumenau und Freienfels. In kieseligen Schichten des Grünsteins 



— 168 



bei Gaudernbach und Edelsberg bei Weilburg, au der Rheinstrasse bei 

I »illenburg. Im Taunusschiefer bei Königstein und Naurod, am Donners- 
köpfchen bei Wehen; in einem <lem Taunusschiefer untergeordneten 
dolomitischem Gestein bei Eppenhain im Amte Königstein. 

* In hellgrünen, krystallinisehen Massen in einem Kalkschalstein 
au der Kerkerbach zwischen Höfen und Eschenau. 

23. Nephelin. 1851, II, S. 262; 1864/66, S. 89. 

In eckigen Augiteinschlüssen des Basaltes in bräunlichgrauen 
Krystallen eingewachsen bei Naurod, Amts Wiesbaden. Zuweilen ist in 
einem solchen Krystalle ein Kern von grünlichweisser Farbe enthalten, 
jedoch ist auch zuweilen der Kern dunkel, die äusserste Schichte hell 
gefärbt. Das Vorkommen ist selten. In sehr kleinen, aber zierlichen 
braunen bis in's Grünliche gehenden hexagonalen Kryställchen der Forin 
ooP . OP fand er sich in Drusenräumen des Trachy-Dolerites von Bellingen 
bei Marienberg mit Magnet- und Titaneisen. 

24. Labrador (Labradorit). S. Uebers. S. 93, 37; 1850, S. 40; 
1851, II, S. 261. 

Krystallinische Partieen finden sich im Grünstein von Sechshelden, 
am Nebelsberg zwischen Dillenburg und Frohnhausen und an vielen 
andern Orten um Dillenburg, am Halberg bei Niedertiefenbach, bei 
Gräveneck, bei Birlenbach unweit Diez; im Schalstein, jedoch meist 
verwittert und von kaolinartigem Ansehen am Häuser Hof bei Nassau. 
im Löhnberger Weg bei Weilburg. In schönen Krystallen im Diabas 
von Tringenstein bei Herborn und dem des Kupbachthales bei Steins- 
berg und zwar hier zuweilen mit dem characteristischen Schiller. 

25. Feldspath (Orthoklas). S. Uebers. S. 92, 35; 1850. S. 40; 
1851, II, S. 219. 261. 

In verwitterten undeutlichen Krystallen eingewachsen im Taunus- 
schiefer am Himmelöhr bei Wiesbaden, bei Dotzheim. In kleinen 
glänzenden Krystallen und krystallinisehen Massen im quarzführenden 
Porphyr der Papiermühle bei Weilburg, bei Altendiez und Steinsberg; 
im Porphyrconglomerat von Waldhausen bei Weilburg; in Porphyrroll- 
stücken des Schalsteins bei Weilburg. — In kleinen Drusenräumen des 
Glimmerporphyrs in undeutlichen Krystallen bei Heimbach, Amts Langen- 
schwalbach. In wohl ausgebildeten, meist aber schon etwas verwitterten 
Krystallen in einer regelmässig der Grauwacke eingelagerten Schicht 
eines flaserigen Schiefers von röthlich grauer Farbe bei Niederrossbach 
unweit Dillenburg. In schönen Krystallen im Schalstein bei Donsbach, 
Amts Dillenburg. 






- 169 — 

Dicht, als Feldstein, in gTaulichweissen ßollstücken mit einge- 
wachsenen Quarzkörnern im Diluvium von Merenberg bei Weilburg. 

* Dieses Feldspathgestein — Quarzporphyr — findet sich anstehend 
and durch einen Steinbruch aufgeschlossen etwa 1,5 km westlich von 

Merenberg, links der Strasse von da nach Rennerod. 

Als Umwandlungs-Pseudomorphose kommt der Peldspath (Orthoklas) 
nach Laumontit auf Klüften des in Zersetzung begriffenen Grünsteins 
von Niederscheid und Oberscheid bei Dillenburg und Burg bei Her- 
borri vor. 

Glasiger Feldspath (Ehyakolith, Sanidin). S. Hebers. S. 93, 
35, 38; 1851. II, S. 261. 

Im Trachyt bei Helferskirchen, Weidenhahn, Wölferlingen and 
Dahlen auf dem Westerwalde sehr häufig porphyrartig eingemengt. 
ebenso im Trachyttuff von Schönberg; im Basalt und Dolerit an der 
First bei Kemmenau, am Beilstein bei Wahlrod, Amts Hachenburg, bei 
Weilburg, ßabenscheid und Oberbrechen ; im Phonolith von Hartenfels. 
Obersayn und Oberötzingen. In abgerundeten Stücken fand er sich im 
Hasalt der Grube Concordia bei Unnau und Langenbach auf dem Wester- 
walde. Ein verwitterter Krystall fand sich aufgewachsen in einer 
Höhlung des Basalttuffs der Grube Kohlensegen bei Gusternhain. 

26. Albit. S. Uebers. S. 93, 36; 1850, S. 40; 1851, II, S. 235. 
261; 1852, II, S. 120; 1853. II, S. 41; 1864/66, S. 89. 

Einfache Krystalle sind kaum häufiger als Zwillinge. Das Mineral 
findet sich auf Klüften des Grünsteins mit Quarz und Epidot bei Oders- 
bach. Kirschhofen. Löhnberg, im Weilwege bei Weilburg, im Rupbach- 
thale unterhalb Diez. bei Amdorf im Amte Herborn; im Taunusschiefer 
krystallirt und derb in der Gegend um Wiesbaden; in einem gang- 
artigen Räume des grünen Taunusschiefers am Königsteiner Burgberg 
in ausgezeichneten Krystallen. einfachen und Zwillingen, mit Chlorit, 
Quarz und Kalkspath; auf einem Quarzgange der älteren Grauwacke in 
derben, fleischrothen Partieen in der Hammerborner Hohle bei Holz- 
hausen a. d. Haide; in Drusenräumen des Trachy-Üolerits von Bellingen 
bei Marienberg als fast wasserhelle Kryställchen, auf welchen mitunter 
sehr zierliche Magneteisen-Oktaeder sitzen. 

Albit nach Kalkspath als UmhüllungSrPseudomorphose. Häufig 
besitzt der Albit, welcher auf Klüften des Grünsteins am Löhnberger- 
wege bei Weilburg vorkommt, ein zerfressenes Ansehen und Eindrücke 
von Flächen anderer Krystalle, die auf Kalkspath zurückgeführt werden 
können. 




— 170 — 

Adinole (dichter Albit). 1850. S. 40; 1851, II, S. 261. 

Mit grünem Kieselschiefer verwachsen zu Merkenbach bei Herborn und 
,mi vielen <>iten bei Dillenburg und Herborn zwischen dichtem kalkreichem 
Diabas und Schiefergesteinen als Zersetzungsprodukt des Labradorits. 

27. Tachylit. 150. S. 40; 1852, II, S. 121. 

Als Ueberzug von Blasenräumen im Basalte, welche durch Aragonit 
ausgefüllt sind bei Hof auf dem Westerwalde. In Blasenräumen des 
Hasaltes der Grube Alexandria bei Höhn findet sich gelblicher stäng- 
licher Kalkspath, auf welchem eine dünne Binde von Tachylit liegt, 
welche ihrerseits wieder von Chabasitrhomboedem bedeckt ist. 

28. Palagonit. S. Hebers., S. 96, 55; 1849, S. 227; 1851, II, S. 267. 
Findet sich am Beselicher Kopfe bei N. -Tiefenbach in braunen 

oder schwärzlichen amorphen Massen. Eingemengt im Basalttuff von 
Lautzenbrücken auf dem Westerwalde. 

29. Bimsstein. S. Hebers. S. 73. 

Als Sand auf dem Westerwalde weit verbreitet und sich bis in 
die Gegend von Ems und Lahnstein erstreckend. Besteht aus Bimsstein- 
trümmern, meist als feiner Sand mit Titaneisenkörnchen vorkommend, 
selten aus grösseren Stücken Bimsstein bis zu 15 cm Durchmesser und 
darüber, so z. B. bei der Ahler-Hütte zwischen Lahnstein und Fachbach. 

* Bimssteinsand findet sich auch bei Niedertiefenbach, Dehrn und 
Niederbrechen unweit Limburg. 

30. Glimmer (einaxiger Glimmer. Biotit). S. Uebers. S. 93. 40; 
1849, S. 204. 

Im Basalt von Nordhofen, Nomborn, Härtungen und Nentershausen ; 
im Trachyt von Wölferlingen, Wied-Selters, Leuterod, Niederahr und 
Helferskirchen ; im Trachyttuff bei Wirges, Amts Montabaur. 

31. Glimmer (zweiaxiger Glimmer. Muscovit). S. Uebers. S. 94. 
41; 1851. II, S. 224, 262. 

Im Glimmerporphyr als wesentlicher Gemengtheil in kleinen Krystallen 
hei Adolfseck, Lindschied und Heimbach bei Langenschwalbach und Ober- 
auroff bei Idstein; im Grünstein in tombackbraunen Blättchen an den 
Schwärzen-Steinen bei Wallenfels, Weissberg bei Burg; mit Albit und 
Quarz auf Klüften des Grünsteins im Bupbachthale, unterhalb Diez; in 
einem schwarzen Gesteine, welches das Saalband eines Rotheisenstein- 
lagers im Diabase bildet, in zahllosen kupferrothen Blättchen einge- 
wachsen bei Uckersdorf, Amts Herborn; auf Klüften von Basalt mit 
Chalcedon bei Neunkirchen, Amts Eennerod; in einem sehr zersetzten 
IVhlspathgesteiiie bei Merenberg, Amts Weilburg. (Hier wurde er von 









— 171 — 

der Bauern hartnäckig rar Platin gehalten); in Höhlungen des Trachy- 
Dolerits in tombackbraunen sechsseitigen Tafeln h«*i Bellingen, Amts 
Marienberg. Allgemein verbreitet als Gemengtheü des Taunusschiefers, 
der Sandsteine und des Braunkohlenlettens bei Hochheim; in der Grau- 
wacke in grösseren Partieen bei Brandoherndorf. 

Glimmer nach Hornblende als Umwandlungs-Pseudomorphose 
im Trachyt von Helferskirchen. Auf den Spaltungsflächen nach oo P 
der Hornblendekrystalle hatten sich Glimmerblättchen von messinggelher 
bis silherweisser Farbe ausgebildet. Die Hornblendekrystalle waren 
dabei in ihrem Gefüge sehr aufgelockert und das Gestein sichtlieh an- 
gegriffen. — Die Hornblende der porphyrartigen Trachyte d. S. W. 
Westerwaldes erleidet sebr häufig eine Zersetzung in Glimmer, welche 
man durch alle Stadien hindurch verfolgen kann. 

Bei Helferskirchen befinden sich an einem und demselben Berge 
zwei Steinbrüche in porphyrartigem Trachyt. einer oben am Ausgebenden, 
ein anderer unten. In letzterem ist die Hornblende noch vollkommen 
frisch und Glimmer nicht bemerkbar, in ersterem dagegen die Horn- 
blendekrystalle in eine blassgraue, erdige Substanz verwandelt und das 
ganze Gestein angefüllt mit frischen, lebhaft glänzenden, braunen Glim- 
merblättchen. Dieselbe Erscheinung zeigt sich bei Niederahr, Wolfer- 
lingen u. s. w. 

32. Sericit. 1851, II. S. 266. 

Sehr verbreitet als wesentlicher Bestandtheil der Taunuschiefer. 

* Grobe ausgeschiedene Partieen dieses Minerals finden sich besonders 

rein in einem Steinbruche oberhalb Hallgarten im Rheingau. (C. Koch.) 

33. Chromophyllit. 1851, IL S. 266. 

Viele Schalsteine, namentlich die violetten, enthalten eine oliven- 
apfelgrüne Mineralsubstanz von ausgezeichnetem Fettglanze, Talkhärte 
und krummschaliger Absonderung. Dieselbe schmilzt vor dem Löthrohr 
in der Pincette leicht zu schwarzem Email und nähert sich in allen Be- 
ziehungen sehr dem von List untersuchten Sericit. Gleich diesem wurde 



■.'- 



sie früher immer für Talk gehalten. Bei Limburg am Wege nach 
Eschhofen, im Feldbacher Wäldchen bei Dillenburg und am Windhofe 
bei Weilburg findet sich dieselbe sehr ausgezeichnet. Dr. C. List 
fand bei einer quantitativen Analyse der apfelgrünen Varietät von 
Limburg: viel Thonerde, Chromoxyd, wenig Eisenoxydul und Kalkerde, 
ausserdem Magnesia, Alkalien und Wasser. 

* Dieses Mineral findet sich auch auf der Grube Gronauerecke bei 
Berghausen im Amte Nastätten. (Bergmeister Ulrich.) 



172 



34. Lepidomelan. S. uebers., S. 93, 39. 

Rabenschwarze, blätterige Partieen mit Quarz und Kalkspath im 
Saalbande des Kotheisensteinlagers der Grube Friedericke bei Kirchhöfen. 

35. Augit (Pyroxen). S. Uebers., S. 95, 44; 1849, S. 204; 
1851, II, S. 264; 1864/66, S. 89. 

Schöne Krystalle von 12 — 15 mm Länge fanden sich im körnigen 
Basalt von Weilburg. Die Gegend von Oberahr, Weidenhahn, Nieder- 
sayn und Saynerholz zeichnet sich durch die grosse Menge der im 
Basalt vorkommenden schönen Augitkrystalle aus; ebenso liefert der 
Basalttuff von Härtungen prachtvolle einfache Krystalle und anscheinend 
rechtwinkelig durchwachsene Zwillinge. Wenn dieser Tuff ganz ver- 
wittert ist, so liegen Augite und Hornblenden in grosser Menge in dem 
Weg und auf den Feldern. Aehnliche Krystalle findet man in einem 
rothen, thonigen Gestein, welches zwischen Ewighausen und Weidenhahn 
auf dem Westerwalde im Basalte vorkommt; conglomeratartig zwischen 
Schichten von Braunkohlenletten auf der Grube Kohlensegen bei Gustern- 
hain, wo auch grüne Krystalle vorkommen. In grünen, sehr vollkommen 
theilbaren Massen findet sich Augit im Basalte von Naurod bei Wies- 
baden; in dichten Stücken und Körnern im Grünstein von Birlenbach, 
Weyer, Gräveneck, Weilburg und am Klangstein bei Sechshelden, unweit 
Dillenburg; in kleinen Kryställchen im Palagonitconglomerat am Beselicher 
Kopf bei Niedertiefenbach ; im Trachy-Dolerit von Caden bei Wester- 
burg in kleinen lang gezogenen Prismen von sehr schöner, aber nicht 
näher zu beobachtender Ausbildung. 

36. Babingtonit. 1864/66, S. 91. 

In Gesellschaft des Lievrits von Herbornseelbach bei Herborn, in 
schwarzen, mattglänzenden, unregelmässig ausgebildeten, triklinoedrischen 
Krystallen von mitunter 15 mm Grösse. 

37. Hornblende (Amphibol). Strahlstein, Tremolit, Asbest. S. Uebers.. 
S. 94, 43; 1849, S. 204; 1851, II, S. 263; 1857, S. 398; 1864/66, 
S. 94, 96. 

Hornblende kommt in grossen ausgezeichneten Krystallen im 
Basalttuff von Härtungen mit Augit vor. Hier fand sich auch ein 
ausgezeichneter Zwillingskrystall, welcher zur Hälfte von einem Augit- 
krystalle, zur anderen von einem Hornblendekrystalle gebildet wird. 
Ausserdem kommen nicht selten Hornblendekrystalle vor, aus denen 
Augite hervorragen und umgekehrt. Im Basalt von Wölferlingen kommen 
in grosser Menge und bis zu 3 cm Grösse ausgezeichnete Zwillinge vor, 
bei welchen der einspringende Winkel so verdeckt wird, dass man einen 



— 173 — 

einfachen Krystall vor sich zu haben glauben könnte, ausserdem findet 
sich Hornblende in grossen blätterigen Massen im Basalt bei NTaurod, 
Weilburg and ist fast über den ganzen Westerwald verbreitet. In 
schönen blätterigen Partieen kommt sie im Grünstein vor bei Odersbach, 
Kirschhofen, Löhnberg, im Tunnel bei Weilburg, am Halberg bei 
Niedertiefenbach, am Klangstein bei Sechshelden und Heunstein bei 
Dillenburg, bei Burg und Amdorf im Amte Herborn. In zuweilen 
recht deutlichen Krystallen kommt sie im Trachyt von Weidenhahn im 
Amte Wallmerod vor. Die Krystalle sind theils unmittelbar in den 
Trachyt porphyrartig eingemengt, theils in den glasigen Peldspath 
eingewachsen oder um diesen krystallisirt und sehr in die Länge 
gezogen. Ausser im Trachyt von Weidenhahn finden sich dieselben 
Doch bei Helferskirchen, Labien, Niederahr, Selters und im Trachyt- 
conglomerat von Schönberg. Kleinere Hornblendekrystalle, meist in der 
Richtung der Hauptaxe verlängert, finden sich nicht selten im Trachy- 
Dolerit von Salz, Bellingen und Härtungen. Sie sind indess fast immer 
schon halb zersetzt und zwar von Innen nach Aussen. Im Phonolith 
kommt Hornblende bei Oberrötzingen im Amte Montabaur vor. 

In dem Basaltmandelstein bei Härtungen, in welchem Pseudo- 
morphosen von Chabasit nach Hornblende und Augit vorkommen, 
fand sich ein auf beiden Enden zerfressener, sonst aber noch wohl 
erhaltener Hornblendekrystall, durch den seiner Längenaxe nach eine 
Höhlung ging, die sich nach glücklichem Aufbrechen des Krystalls als 
den hinterlassenen Eindruck einer hexagonalen Pyramide von Kalkspath 
ergab, wie sie in dem zersetzten Gestein gar nicht selten vorkommt. 
Sodann ist noch eine Pseudomorphose nach Hornblende zu erwähnen, 
welche sich bei Bellingen als fast wesentlicher Bestandteil des Trachy- 
Dolerits findet. Sie kommt in ausgezeichnet wohl gebildeten Krystallen 
bis zu 15 mm Grösse in derselben Form wie bei Härtungen vor, welche 
von Aussen mattgrau erscheinen und im Innern unter vollständiger 
Zerstörung der blätterigen Textur in ein Gemenge von Zeolithen und 
anderen Mineralien, worunter sich Magneteisen stark vertreten findet 
(wie der Magnet nachweist), umgewandelt ist. Die einzelnen Individuen 
der Mineralien sind wegen ihrer Kleinheit nicht näher zu erkennen, 
man kann aber doch sehen, dass es verschiedene sind. 

Strahlstein. Kommt vor als Bestandteil mehrerer Grünsteine 
und auf Klüften derselben ausgeschieden; besonders deutlich auf einem 
Rotheisensteinlager des Grünsteins bei Burg. 

Tremoli! Findet sich auf Kluftflächen des schwarzen Kiesel- 






— 174 — 

Schiefers in der Nähe des Grünsteins an mehreren Punkten, so z. B. 
bei Herbornseelbach. 

Asbest. Fand sich auf Klüften des Grünsteins bei Weilhurg und 
Gräveneck in lavendelhlauen Paserlagen zwischen den einzelnen Lagen 
eines stänglichen Kalkspaths. 

38. Broncit. S. Uebers., S. 95, 46. 
luv Olivin des Basaltes von Naurod bei Wiesbaden eingewachsen. 

39. Hypersthen. S. üebers., S. 95, 45. 

Als wesentlicher Gemengtheil mancher Grünsteine, z. B. Schwärze- 
Steine bei Wallenfels, Weissberg bei Borg. 

40. Talk. Speckstein (Steatit). S. Liebers.. S. 94. 42: 1849, 
S. 204; 1851. II, S. 237. 

a) Talk. Talk kommt vor auf Klüften des Eisenspaths bei 
Höchstenhach im Amte Hachenhurg; als Umhüllung von Versteinerungen 
im Cypridinenschiefer des Löhnherger Weges bei Weilburg. Unterhalb 
Hachenhurg auf der Dachschiefergrube Hardt bei Astert kommt in der 
älteren Grauwacke eine Schicht vor, welche ganz mit Haliserites Dechianus 
erfüllt ist. Diese Pflanzen sind sehr schön in Talk versteinert. Auch 
bei Oberrossbach im Dillehburgischen findet sich, aber nicht so ausge- 
zeichnet, diese Erscheinung bei anderen Pflanzenformen. 

b) Speckstein. S. Uehers. S. 96. 52; 1850, S. 40; 1851, II. 
S. 214, 231; 1853, II, S. 41. 

In Basalt und Dolerit in braunen Varietäten, zuweilen noch in 
der Form des Augits bei Härtungen, Gemünden und Stockum auf dem 
Westerwalde, in weissen Varietäten bei Schenkelberg im Amte Selters : 
in schwefelgelben und gelbgrünen bei Rabenscheid, Amt Herborn; als 
dünner Ueherzug auf Taunusschiefer im Nerothal bei Wiesbaden. In 
apfelgrünen, derben Massen auf Brauneisenstein am Oberilmenberg 
bei Aumenau. * Das hier gefundene Mineral ist als Speckstein, 
jedoch mit ? versehen, aufgeführt und dürfte wohl Nontronit ge- 
wesen sein. 

Speckstein nach Hornblende. In dem Augit-Hornblendegestein 
von Härtungen ist die Hornblende zuweilen mit einer Binde von lauch- 
grünem Speckstein umgeben, der den Kaum der zum Theil zersetzten 
Krvstalle einnimmt. Aber auch im Innern der Krystalle zeigt sich diese 
Specksteinmasse in einzelnen Partieen ausgebildet. Wo diese Erschei- 
nung an der Hornblende auftritt, ist das Gestein schon zum Theil an- 
gegriffen und nahe am Tag liegend. 

Speckstein nach Chabasit. Im zersetzten Basalt des Schachtes 






— 175 — 

Leda der Grube Kohlensegen bei Gusternhain kommt Chabasit vor, 
welcher in eineii gelblich grauen, bolähnlichen Speckstein umgewandelt 
ist. Bei Härtlingen wird der Chabasit im Augit-Hornblendegestein in 
milchweissen Speckstein umgesetzt, während im tiefen Stollen der Braun- 
kohlengrube Gutehoffhung bei Westerburg der Chabasit mit Erhaltung 
seiner Krystallform in eine braune, durchscheinende, bolartige Masse um- 
gewandelt gefunden wurde 

Speckstein nach Olivin (Chrysolith) kommt in den zur Ver- 
witterung neigenden, sein- olivinreichen Basalten der Umgegend von 
Höhn bei Marienberg, besonders aber auf dem Waffenfelde vor und es 
ist entweder der vormalige, von Olivin eingenommene Raum ganz von 
lauchgrünem Speckstein erfüllt, oder der Olivin nur zum Theil zersetzt. 
Häufig sind die zahlreichen kleinen Bäume, welche der Olivin einnahm. 
ganz ausgewittert und mit später eingedrungenen amorphen Substanzen 
wieder ausgekleidet, wodurch das Gestein ein blasig-schlackiges Ansehen 
erhält. 

Eine ähnliche Erscheinung findet sich im Stollen der Braunkohlen- 
grube Wilhelmszeche bei Bach, wo die Höhlungen zahlreicher ausgewit- 
terter Augitkrystalle ein ebenso blasig-schlackiges Gebilde zurücklassen. 
Die ausgewitterten Kalkmandeln der Grünsteine bei Dillenburg geben 
zu ganz ähnlichen Produkten Veranlassung. Speckstein nach Chrysolith 
wurde auch in sehr scharf ausgebildeten Kryställchen im Basalte von 
Guckheim bei Wailmerod entdeckt. 

Speckstein nach Kalkspath. In vielen dichten Basalten des 
Westerwaldes und oft in grösseren Partieen findet sich ein mattgrünes. 
erdiges Mineral ausgeschieden, das nach der qualitativen Untersuchung 

von F. Sandb erger Si, Mg, Fe, AI und K enthält und das vorläufig 
als Speckstein bezeichnet werden mag, obschon sich diese Zusammen- 
setzung bedeutend von der des eigentlichen Steatits entfernt. Die all- 
gemeine Unsicherheit über eine Menge Mineralien, die unter dem Namen 
Speckstein cursiren, mag diese Bezeichnung, der man keine andere als 
Vermiculit substituiren könnte, entschuldigen. Dieses Mineral kommt 
besonders häufig auf Klüften und in Drusenräumen und als Mandeln 
in den dichten schwarzen Sohlbasalten der Gruben Alexandria bei Höhn, 
Nassau bei Schönberg nnd Waffenfeld bei Urdorf vor und verdrängt 
den in diesen Bäumen früher angesetzten Kalkspath. Li einzelnen 
Drusen ist der nach Form K 3 R krystallisirte Kalkspath nur theilweise 
verdrängt und es ist dabei deutlich zu sehen, wie es in die Krystalle 
eindringt und sie nach und nach vollständig zerstört. 



— 176 — 

41. Olivin (Chrysolith). S. Uebers., S. 92, 33. 

Krystallisirt, nur am Wolfsholz bei Langwiesei) im Amte Wall- 
merod gefunden. Krystallinische Partieen, sowie körnig abgesonderte 
Stücke von der Grösse eines Kinderkopfes bis zu der einer Erbse, sind 
häufig- in manchen Basalten. Die grössten Kugeln finden sich im Basalt 
von Naurod bei Wiesbaden, kleinere bei Weilburg. Limburg. Welsch- 
neudorf. Dieselben schliessen oft ein hell apfelgriin gefärbtes Mineral 
ein, welches der Farbe nach »'ine kieselsaure Chromoxyd- oder Nickel- 
oxydul -Verbindung ist. Der körnige Chrysolith oder Olivin ist der Ver- 
witterung sehr ausgesetzt und zerfällt zu einem gelblich -weissen, lockeren 
Saude, der leicht aus dem Basalte herausfällt. 

HyalOSiderit. S. Uebers.. S. 92. 34; 1849. S. 204: 1851. II, 
8. 223; 1852. II. 8. 120. 

Derselbe ist vorzugsweise den eisenschüssigen, verschlackten Basalten 
eigen, in denen er sich am Mühlenberg bei Holzappel, bei Molsberg 
und Weidenhahn in kleinen, aber nicht bestimmbaren Krystallen findet. 
Ausserdem kommt er vor im Basalt von Westerburg, Bennerod und 
Rabenscheid. 

HyalOSiderit nach OÜVin. Obschon Olivin und Hyalosiderit der- 
selben Mineralspecies angehören, so dürfte doch die Umwandlung des 
Olivins. welche er bei der Verwitterung des oben bei ..Speckstein nach 
Olivin" angeführten Basaltes von Höhn erleidet, anzuführen sein. Da 
übrigens über die Bestandteile dieses Umwandlungsproduktes und zumal 
aber den Eisengehalt keine quantitativen Nachweisungen vorhanden sind, 
so kann — obschon der Eisengehalt im Hyalosiderit wechselnd gefun- 
den wurde — nicht behauptet werden, dass man es hier mit einem 
wirklichen Hyalosiderit zu thun habe, wie er z. B. am Kaiserstuhl vor- 
kommt. Während bei der Zersetzung des Basalts nur wenige Olivin- 
Individuen in Speckstein übergehen, nehmen die meisten, von Aussen 
nach Innen fortschreitend, die Natur des Hyalosiderits an und der 
muschelige Bruch macht einem blätterigen Gefüge Platz. Zwischen 
diesen Blättern, deren Pachtung wegen der Ulideutlichkeit der Krystall- 
Umrisse nicht genau auszumitteln ist, die aber in der Richtung von 
cdPqo zu gehen scheinen, sind dann auch zuweilen dünne Glimmer- 
blättchen von tombackbrauner Farbe eingelagert, die ebenfalls als ein 
Umwandlungsprodukt des Olivins anzusehen sein werden. Sowohl der 
Speckstein, wie der Hyalosiderit und Glimmer verschwinden bei der 
fortschreitenden Verwitterung des Gesteins und hinterlassen, wie schon 
oben angegeben, leere Bäume in dein Gestein. 



— 177 



\iii- 



4-2. Zirkon (Hyazinth). 1804/66, S. 89. 

Fand sich als einziges, rothbraunes Kryställchen der genau erkenn- 
baren tetragonalen Form oo P , P . o P in einer Druse des Trachy- 
Dolerits von Caden bei Westerburg. 

43. Natronmesotyp (Natrolith). S. Uebers., S. 97, 60; 1849, 
S. 204. 

In nadeiförmigen Krystallen und strahligen Partieen im Basalt: 
Basaltkopf bei Weübnrg, Hornköppel bei Oberbrechen, bei Arborn und 
Rabenscheid im Amte Herborn, am Hirschstein bei Dillenburg, bei 
Westerburg. bei Hartenfels im Amte Selters, bei Untershausen im Amte 
Montabaur, bei Nomborn und Ewighausen im Amte Wallmerod, am 
Salzburgerkopf bei Marienberg, bei Langendernbach ; im Basalttuff bei 
Härtungen, Amts Wallmerod, im Trachyt bei Dahlen, Amts Wallmerod, und 
in porphyrartigem Phonolith an der Burg bei Hartenfels im Amte Selters. 

* Ferner kommt er sehr schön vor im Basalt von Hüblingen im 
Amte Rennerod und im Basalt vom Steinkopf bei Blessenbach im Amte 
Bunke]. 

44. Kalkmesotyp. (Skolezit). 1851, II, S. 220. 

Auf der Braunkohlengrube Kohlensegen bei Gusternhain wurde bei 
dem Abteufen des Schachtes Leda eine in Zersetzung begriffene Basalt- 
tuffschicht durchbrochen, deren zahlreiche Blasenräume theils mit Bol 
ausgefüllt oder mit Chabasitkrystallen (Kalkchabasit) bekleidet waren. 
Zum Theil war dieser Tuff in unregelmässigen Partieen oder in Schnüren 
ganz in Bol umgewandelt und in einer Blase fanden sich auch — um- 
hüllt von einer zerreiblichen, specksteinartigen Masse — zwei kleine 
Krystalle glasigen Feldspaths, die offenbar auch schon angegriffen er- 
schienen. In vielen derartigen Blasen, die sich mit Chabasit ausge- 
kleidet zeigten, erscheint zunächst der Blasenwand ein dieser entsprechen- 
der Streifen Mesotyp, der sich in die Krystalle des Chabasits verbreitet 
und dieselben stellenweise durchdringt, sodass die Form des Chabasits 
noch erhalten ist, aber der Mesotyp zu allen Flächen herauswächst und 
diese mit seinen Nadeln bedeckt. 

45. Thomsonit. (Comptonit). S. Uebers., S. 97, 61. 

In kleinen Krystallen mit Phillipsit im Dolerit am Hornköppel bei 
Oberbrechen. 

46. Laumontit. S. Uebers., S. 98, 63. 

In deutlichen Krystallen selten; gewöhnlich in krystallinischen 
Partieen mit Kalkspath auf Klüften des Grünsteins: Amdorf und Uckers- 
dorf bei Herborn, Neues Haus bei Dillenburg, Weilburg. 

Jahrb. d. nass. Ver. f. Nat. XXXI u. XXXII. 12 



— 178 



47. Prehnit. S. Uebers., S. 97, 59; 1849, S. 204; 1850, S. 40; 
1851, II, S. 217, 264; 1857, S. 398. 

In krystallinischen Massen für sich oder in kleinen, grünlichen 
Kryställchen auf Laumontit im Grünstein: Tunnel bei Weilburg, Burg 
bei Herborn, Neues Haus und Oberscheid bei Dillenburg. Der krystalli- 
nische Prehnit von Burg zeigt die diesem Minerale eigenthümliohe Pyro- 
elektricität sehr ausgezeichnet. Im Grünstein von Amdorf bei Herborn 
kommt er krystallisirt mit stark gebogenen Flächen vor und in besonders 
schönen Krystallen bei Oberscheid und Uckersdorf. In Klüften des Dia- 
bases von Niederscheid werden sehr häufig die Saalbänder von Prehnit, 
die zweite Lage von Kalkspath, die innerste von Quarz gebildet. 

Prehnit nach Analcim. Der Analcim kommt im Dillenburgischen 
und bei Weilburg auf Klüften und Drusenräumen verschiedener Grün- 
steine, aber nur sparsam vor. Er ist gewöhnlich von fleischrother Farbe 
in der Form 2 02 krystallisirt und in Prehnit umgewandelt. Bei Meden- 
bach im Dillenburgischen findet diese Pseudomorphose sich in einem 
Grünstein-Mandelstein, worin die Kalkmandeln in der Umgebung der 
Pseudomorphosen ausgewittert sind, wodurch das Gestein ein ganz blasiges 
Ansehen erhält. Die pseudomorphen Krystalle sitzen aber auch zuweilen 
auf Kalkspathschnüren, die ein ganz angefressenes Aussehen zeigen. Die 
2 02 Flächen sind in der Regel sehr wohl erhalten und nur im Innern 
kann man die Structurveränderung und kleine Höhlungen bemerken. 
Diese Pseudomorphose wurde auch am geistlichen Berge (Weinberg) bei 
Herborn gefunden. 

Prehnit nach Quarz. Auf den Klüften eines verwitterten dichten 
Grünsteins zwischen Burg und Herbornseelbach, die mit Prehnitschalen 
bekleidet sind, finden sich Quarzkrystalle in verschiedenen Gruppirungen 
dem Prehnit aufgewachsen. Dieselben sind trüb, an einzelnen Theilen 
oft angefressen und dann mit Prehnitkryställchen, die in die Quarz- 
krystalle eindringen, bedeckt. Am stärksten scheinen die Pyramiden zu 
leiden. Der Prehnit gruppirt sich in kugeligen oder wulstigen Partieen 
um die Krystalle des Quarzes, welche dessen Dasein dann erst erkennen 
lassen, wenn man sie entzwei schlägt, wo sich dann in der Regel noch 
ein zerfressener Quarzkern findet. 

Prehnit nach Laumontit. Diese Pseudomorphose wurde am 
Tunnel bei Weilburg mehrmals beobachtet. Der Laumontit ist von 
microscopischen Prehnitkrystallen überzogen und bis zu geringer Tiefe 
ganz in denselben umgewandelt, der Kern besteht aber auch aus dem 
unzersetzten Minerale. Auch bei Oberscheid wurde solch ein umge- 



fcsb 



— 179 — 

wandeltet Laumontit aufgefunden. Derselbe kam in Gesellschaft von 
Kalkspath in einer Grünsteindruse vor und besteht aus einem Aggregat 
divergirender Krystalle der Form go P.oP von beinahe 6 cm Länge, 
zwischen die Kalkspath gelagert ist, und wovon einer über 15 mm aus 
der Gruppe hervorragt. Die Flächen desselben sind rauh und die Krystalle 
rings von einer Kruste lauchgrünen Prehnits, die unregelmässig in den 
Kern desselben verläuft, umgeben. Das Merkwürdigste bei dieser Pseudo- 
morphose ist aber, dass vor der Umwandlung in Prehnit eine solche aus 
Laumontit in Kalkspath zuerst stattgefunden haben muss; denn das 
Innere der Krystalle ist vollständig weiss (der Laumontit sonst fleisch- 
roth) mit der Structur und Härte und dem Glänze des Kalkspaths und 
braust mit Säure sehr heftig. 

Prehnit nach Kalkspath. Diese Pseudomorphose ist vorstellend 
schon berührt worden ; ausserdem kommt aber bei Niederscheid, am Neuen 
Haus u. s. w. krystallinischer Kalkspath vor, in dessen Masse der Prehnit 
sichtlich eingedrungen ist. Auch finden sich einzelne Partieen dieses 
Kalkspaths in Prehnit eingeschlossen und ist der erstere immer von zer- 
fressenem Ansehen. Diese Erscheinung findet sich ebenfalls auf Klüften 
des Grünsteins bei Dillenburg. 

48. Analcim. S. Uebers., S. 98, 67; 1849, S. 205; 1857, S. 398. 
Auf Klüften eines zersetzten Grünsteins im Löhnberger Wege bei 

Weilburg fanden sich fleischrothe Krystalle mit Trapezoederflächen, welche 
mit Säure und vor dem Löthrohr die ßeactionen eines Zeoliths gaben, 
aber schon zu verwittert waren, um sie näher zu bestimmen. In wasser- 
hellen Trapezoedern mit Kalkspath und Prehnit auf Klüften eines dichten 
Grünsteins bei Niederseheid; in röthlich weissen, undeutlichen Krystallen 
bei Uckersdorf im Amte Herborn; hier aber auch in einem Mandelsteine 
in grossen, schönen Krystallen der Form 2 02. — Ein ähnliches, aber 
schlechteres Vorkommen ist bei Oberscheid bekannt geworden. 

49. Chabasit. S. Uebers., S. 98, 66; 1849, S. 205; 1850, S. 41; 
1851, II, S. 215, 216, 235, 238, 264; 1864/66, S. 93, 95. 

In gelblich weissen Krystallen auf Klüften im Grünstein, begleitet 
von Laumontit und Quarz bei Uckersdorf im Amte Herborn ; in weissen 
Krystallen von 12 — 15 mm Länge mit Kalkspath in Drusenräumen des 
Dolerits von Oberbrechen bei Limburg; im Basalte mit Mesotyp bei 
Niederahr im Amte Wallmerod; in kleineren Kryställchen im porösen 
Basalt von Westerburg und Weidenhahn, Amts Wallmerod; in ausge- 
zeichneten Zwillingen bei Ewighausen, Amts Wallmerod, und Stahlhofen 
bei Westerburg; in wasserhellen Krystalldrusen im Basalttuff von Ge- 

12* 






— 180 — 

münden bei Westerburg, Gusternhain bei Herborn, Schönberg und Höhn 
bei Marienberg; in Blasenräumen des Basalttuffs von Härtungen; eben- 
daselbst auch Durchkreuzungszwillinge. Die Krystalle gewöhnlich um 
einen Augitkrystall herum auskrystallisirt. In demselben Gestein bei 
Westerburg, Molsberg, Wallmerod und Oberötzingen. In den Blasen- 
ränmen des zersetzten Basaltes der Grube Kohlensegen bei Gusternhain 
lassen sich öfter folgende Mineralien übereinander wahrnehmen : Bol, 
faseriger Mesotyp, Chabasit in Rhomboedern krystallisirt. 

Chabasit nach Hornblende. Diese Pseudomorphose findet sich 
in den angegriffenen Partieen des Augit-Hornblendegesteins bei Härt- 
ungen sehr häufig. Bei der äusseren Abnahme der Krystalle, die in 
bis über 3 cm grossen, schön ausgebildeten Individuen vorkommen, 
wächst die Chabasitkruste und fast immer bilden sich gleichzeitig im 
Innern der Krystalle kleine Drusenräume. Nicht minder scheidet 
sich dieses Mineral in dünnen Lamellen auch gleichzeitig auf den 
Blätterdurchgängen aus, wodurch die Krystalle auseinander getrieben 
werden. 

Chabasit nach Aligit. An demselben Fundorte und unter ganz 
gleichen Verhältnissen tritt die Umwandlung des Augits, welcher in 
ebenso zahlreichen grossen und schönen Krystallen wie die Hornblende 
vorkommt, in Chabasit häufig ein. 

Chabasit nach Laumontit. Zwischen Burg und dem Neuen 
Haus bei Dillenburg sind in dem zur Verwitterung geneigten kugeligen 
Grünsteine nicht selten unregelmässige drusige Räume vorhanden, die 
mit Quarz und Kalkspath ausgekleidet, in den verschiedenartigsten 
Gruppirungen Laumontit, Chabasit, Heulandit, Kalkspath und Quarz 
krystallisirt enthalten, wobei gewöhnlich eingestreut ein dunkel- oliven- 
grünes schuppiges Mineral, welches wahrscheinlich Aplirosiderit ist, die 
anderen Mineralien überkleidend vorkommt. Der Laumontit, welcher 
sich den Drusenwänden zunächst ausgebildet hat, ist zerfressen und in 
Chabasit übergehend, während dieser wieder trüb und ebenfalls zerfressen 
eine Menge kleiner Heulanditkryställchen in seiner Masse und in seinen 
Flächen eingewachsen zeigt. Der Kalkspath, welcher dabei vorkommt, 
ist ebenfalls angegriffen, sowie auch mitunter der Quarz. 

Chabasit nach Kalkspath. Bei Härtungen auf dem Westerwalde 
finden sich in Chabasitdrusen des dasigen Augit-Hornblendegesteins an 
Durchkreuzungszwillingen die scharfflächigen Höhlungen, die nur von 
hexagonalen Pyramiden des Kalkspathes herrühren können. Ein eben 
solcher Abdruck findet sich auch als Höhle, die zum Theil wieder mit 



"*j 






— 181 — 

Chabasit besetzt ist, mitten in einem Hornblendekrystall von da, und 

zwar in der Eichtun-- der Hauptaxe. 

Chabasit nach Braunkohle. Diese interessante Pseudomorphose 
fand sich zuerst in Drusen des festen Sohlbasaltes der Braunkohlengrube 
Segengottes bei Illfurt im Amte Marienberg, sodann im tiefen Stollen 
der gegenüberliegenden Grube Alexandria, ebenfalls im Sohlbasalte, als 
wasserhelle Inkrustation von Braunkohlenfasern und breitgedrückten Holz- 
stückchen. Später fand sich dieselbe Erscheinung, aber in grösseren 
Krystallen in Braunkohlenstückchen im Sohlthon der Grube Gutehoffnung 
bei Westerbarg und Gerechtigkeit bei Stahlhofen, sowie Concordia bei Unnau. 

50. Faujasit. 1850, S. 41; 1852, II, S. 121. 
In weissen quadratischen Octaedern in Drusen des Basaltes von 

Trierischhausen im Amte Selters; selten in kleinen Blasenräumen des 
Dolerits von Eibingen bei Wallmerod. 

51. Phillipsit (Kalkharmotom). S. Uebers., S. 98, 65; 1849, 
S. 204; 1850, S. 41: 1851, II, S. 219, 238, 265; 1852, II, S. 121. 

In einfachen und Durchkreuzungs-Zwillingskrystallen mit Mesotyp 
im Dolerit am Hornköppel bei Oberbrechen ; mit Chabasit im Basalttuff 
der Grube Alexandria bei Höhn und bei Härtungen ; mit strahligem 
Kalkspath in wasserhellen einfachen Krystallen bei Stahlhofen ; in porösem 
Basalt mit Chabasit: Gemünden bei Westerburg, Ewighausen, Ritzhausen 
bei Marienberg ; in schönen Zwillingskrystallen in Drusen des Basaltes 
von Meudt bei Wallmerod und Höchstenbach bei Hachenburg; in com- 
pactem Basalt bei Caden und Langendernbach; im Basalte von Wester- 
burg und der Grube Alexandria bei Höhn; in sehr kleinen Krystallen 
auch im Basalte von Weilburg und der Kalteiche bei Dillenburg; im 
Braunkohlenletten von Gusternhain. 

Phillipsit und Kalkspath. Im verhärteten basaltischen Sohlthon 
der Braunkohlengrube Gerechtigkeit bei Stahlhofen erscheinen nicht selten 
ürusenräume, die von Braunkohlenstücken, welche ausgewittert sind, her- 
rühren und mit Kalkspath, Chabasit und Phillipsit in sehr kleinen 
Kryställchen besetzt sind. Die weingelben Kalkspathkrystalle sind in 
diesen Drusen zuweilen von Phillipsit angefressen und wandeln sich in 
ein Gemenge von Phillipsit und einem grünen, erdigen Mineral um. 
Einer ähnlichen Umsetzung scheint der Chabasit zu unterliegen. 

Phillipsit nach Braunkohle wurde in Begleitung von Chabasit 
und Kalkspath als Auskleidung der Höhlungen zerstörter Braunkohlen 
auf der Grube Gerechtigkeit bei Stahlhofen und Alexandria bei Höhn 
als Inkrustation von Braunkohlenfasern beobachtet. 






— 182 — 

52. Harmotom (Barytharmotom). S. Uebers., S. 98, 64. 
In kleinen Krystallen auf Klüften des Grünsteins von Amdorf bei 

Herborn (Stifft). 

53. Herschel'lt. 1849, S. 205; 1851, II, S. 265; 1852, II, 
S. 121. 

In kleinen Krystallen als Seltenbeit mit Chabasit bei Ewighausen 
im Amte Wallmerod; in Drusenräumen des Basaltes bei Härtungen. 

54. Desmin. 1857, s. 398. 

Kommt selten in concentrisch faserigen Kugeln in einem Kalkspath- 
gange des Grünsteins zwischen Burg und Uckersdorf vor. 

55. Heulandit (Stilbit). S. Uebers., S. 98, 62; 1851, II, S. 216, 
217; 1857, S. 398. 

Wurde in verschiedenen Krystallformen auf einem dichten Grünstein 
bei Uckersdorf im Amte Herborn und in blätterigen Partieen am Neuen- 
haus bei Dillenburg gefunden; in Krystallen auf Klüften des Grünsteins 
bei Niederscheid und in röthlichen stänglich-blätterigen Partieen auf 
einem Rotheisensteinlager des Grünsteins bei Burg. 

* In Blasenräumen des Dolerits am Hornköppel bei dem Bahnhofe 
von Oberbrechen. (Bergmeister Ulrich.) 

Heulandit nach Chabasit kommt mit der oben erwähnten Pseudo- 
morphose von Chabasit nach Laumontit vor. 

Heulandit nach Quarz. Auf den sogenannten Prehnitgängen zu 
Niederscheid unterhalb Dillenburg finden sich enge Klüfte, auf denen 
Quarz und Heulandit in zahlreichen kleinen Krystallen aufsitzen. Die 
Quarzkryställchen sind häufig und zumal an den Pyramiden angefressen 
und trüb und es haben sich sowohl da als auch an den oo P Flächen 
Heulanditkryställchen eingenistet, die sie zuweilen ganz umschliessen. 

Heulandit nach Prehnit. Das letztere Mineral scheint an dem- 
selben Fundorte, auf den sogen. Prehnitgängen einer Umwandlung in 
Heulandit zu unterliegen, da die Klüfte derselben mit Heulanditkrystallen, 
wie auch bei den vorhergehenden Pseudomorphosen bedeckt sind und in 
die Masse des Prehnits eindringen, wobei derselbe öfter ein ganz zer- 
fressenes Ansehen annimmt. 

56. Chlorit. S. Uebers., S. 97, 57. 
Als Ueberzug von Quarzkrystallen auf Erzgängen von Holzappel 

und Ems, im Taunusschiefer bei Falkenstein und Eppenhain; in der 

Grauwacke bei Nievern. 

* In Quarzdrusen an der Hohenlay bei Obernhof im Amte 
Nassau. 



Amt« 



— 183 — 

57. * Chloritoid kommt als grüner Bestandteil der Hornblende- 
Sericitschiefer des Taunus vor und findet sich in feinschuppigen Partiecn 
mit Albit zusammen öfters in derben Massen von grösserer oder ge- 
ringerer Ausdehnung in diesem Gestein ausgeschieden, besonders auf 
Klüften und Gangtrümmern, so bei Falkenstein und ßuppertshain, wie 
auch zwischen Neudorf und Schlangenbad. (C. Koch.) 

58. AphrOSiderit. S. Uebers., S. 97, 56; 1849, S. 204; 1850, 
S. 40; 1851, II, S. 222, 230. 

Findet sich nicht nur in der ganzen Gegend von Weilburg, Limburg 
und Diez, sondern auch hier und da im Dillenburgischen verbreitet und 
bricht gewöhnlich verwachsen mit Ankerit oder Quarz. Ausserdem findet 
er sich auch auf Klüften des Taunusschiefers mit Albit oder Quarz in 
der Gegend von Wiesbaden. Auf Rotheisensteinlagern findet er sich auf 
Grube Gelegenheit bei Weilburg in äusserst feinschuppigen, oliven- bis 
schwärzlich-grünen Massen mit Kalkspath und Quarz, bei Rückershausen 
und Balduinstein bei Diez. 

Aphrosiderit nach Rotheisenstein kommt als Umwandlungs- 

Pseudomorphose auf mehreren Rotheisensteinlagern bei Weilburg, Diez 
und Dillenburg vor. 

AphrOSiderit nach Kalkspath. Der Aphrosiderit kommt, wie 
erwähnt, als ein Umwandlungsprodnct des Eisenoxydes auf Rotheisen- 
steinlagerstätten an der Lahn in Begleitung von Kalkspath häufig vor. 
Er dringt dabei nicht selten in die Masse des Kalkspaths ein, der dann 
nach und nach verschwindet und den Aphrosiderit als ein lockeres, 
schaumiges Gebilde zurücklässt. 

59. Allophan. 1851, II, S. 264. 

Als ganz neue Bildung derb und traubig mit Malachit und Ara- 
gonitkrystallen, oder als Verkittung von Schieferbruchstückchen in 
einem Versuchsstollen auf Kupfer am Wege zwischen Obernhof und 
Nassau. 

* Bei Dehrn, in der Nähe von Limburg, wurde ein wie Hyalith 
aussehender Allophan gefunden, welcher wasserhell und durchsichtig ist, 
starken Glasglanz und muscheligen Bruch hat und sehr zerbrechlich ist. 
Die Analyse ergab die Zusammensetzung des Allophans. (H. v. Rath. 
Neues Jahrb. f. Mineralogie u. s. w., 1872, S. 875.) 

* In spangrün und grünlichblauen traubigen Gestalten mit Kupferkies, 
Kupferpecherz und Malachit auf der Grube Kronbuche bei Dillenburg; 
als bläulichweisser Ueberzug auf Brauneisenstein auf der Grube Isora 
bei Gaudernbach. 



— 184 — 

60. * Halloys'lt. Mit Psilornelan und Pyrolusit in Braunstein- 

gmben bei Niedertiefenbach von weisser bis leberbrauner Farbe. Auf 
der Lagerstätte noch ganz feucht und knetbar, im trockenen Zustande 
schneidbar. (Fr. Sandberger. Neues Jahrb. f. Mineralogie u. s. w., 
1845, S. 577-581.) 

61. * Kollyrit. Kollyrit und Halloysit fanden sich bei Nieder* 
tiefenbach, hauptsächlich auf den Gruben Hofgewann und Nollsgrube 
auf und in Psilomelan und Pyrolusit, dicht, erdig, von weisser Farbe 
im Thon, denselben streifenweise durchziehend. (F. Odern heimer. 
Das Berg- und Hüttenwesen im Herzogthum Nassau. 1865, S. 219.) 

62. Kaolin (Porzellanerde). 1851, II, S. 221. 

Am Nebelsberge bei Dillenburg auf dem Wege von da nach Mander- 
bach setzt auf der Grenze des Wissenbacher-Schiefers ein Labrador- 
porphyr-Lager von 2 — 20 m Mächtigkeit im gewöhnlichen Gebirgsstreichen 
auf, welches sich an mehreren Punkten und besonders an den Saalbändern 
im Zustande der Zersetzung befindet. Die dichte, dunkelgrüne Grund- 
masse ist dann in ein schmutziges Olivengrün übergegangen und die 
zahlreichen Labradorkrystalle, die in dem Gesteine von 3 mm bis zu 
3 cm Grösse vorkommen, sind zu Kaolin umgewandelt. Auch an der 
Löhnberger Hütte bei Weilburg kommt diese Pseudomorphose nach 
Sandberger sehr schön vor. 

63., 64. * Thon und Walkererde. 

Die edlen Thonarten und die Walkererde finden sich in Nassau 
grösstentheils in naher Beziehung zu der Braunkohlenformation; sie 
überlagern dieselbe entweder oder kommen an deren Rändern vor, so 
namentlich auf den Vorterrassen des Westerwaldes in den Aemtern Monta- 
baur und Selters, aber auch an dem Nord- und Südrande des Westerwaldes 
in den Aemtern Dillenburg, Herborn und Weilburg. 

Am Südrande des Taunus kommen ebenfalls edle Thonlager vor, 
besonders reichhaltig bei Geisenheim, Taunusgestein überlagernd, und 
in Berührung mit einem eigenthümlichen Feldspathgestein, sodann 
bei Hochheim mit der Braunkohlenformation u. s. w. (F. Odern- 
heimer. Das Berg- und Hüttenwesen im Herzogthum Nassau. 1865, 
S. 101.) 

Besonders gute Walkererde findet sich in den Gemarkungen Breit- 
scheid, Medenbach und Langenaubach und in den Districten Arret und 
Eichwald bei Merenberg. 

65. * Gelberde. 

Gelberde kommt besonders bei Krümme], Nordhofen und Sessen- 






— 185 — 

hausen im Amte Selters vor, dann auch bei Manderbach und Wissen- 
bach im Amte Dillenburg- und vielen anderen Orten. 

66. Bol (Bolus). S. Uebers., S. 96, 50; 1851, II, S. 288. 

In aufgelöstem Basalt: Thalheim bei Hadamar, am Beilstein bei 
Wahlrod, Amts Hacbenburg, Basaltkopf bei Weilburg u. s. \v. Dieses 
Mineral, das, wohl von verschiedener Zusammensetzung unter diesem 
Namen begriffen, in den Basalten des Westerwaldes sehr häufig vor- 
kommt, erfüllt Drusenräume des Basaltes, die offenbar von zerstörten 
Braunkohlen lurrühren. Zum Theil lassen sich auch noch die Massen 
davon in dorn bituminösen Bol beobachten. 

67. Steinmark. S. Hebers., S. 96, 51; 1851, II, S. 221. 
Meist ein Umwandlungsproduct von Quarz und häufig mit diesem 

auf Gängen vorkommend; in manchen Stücken von der Grube Aurora 
bei Niederrossbach im Amte Dillenburg verlaufen sich die feinen Quarz- 
klüfte, welche das Nebengestein (Grauwacke) durchsetzen, ganz allmälig 
in Steinmark mit Verlust der Härte und des Glanzes. Ebenso findet 
sich das Mineral bei Oberrossbach, unweit Hacbenburg, mit Brauneisen- 
stein; bei Ahausen, Löhnberg und Nanzenbach mit Rotheisenstein, 
namentlich wo sich der letztere auskeilt. 

* Steinmark fand sich auch in derben Stücken auf der Braun- 
kohlengrube Ludwighaasengrube bei Breitscheid. 

68. Apophyllit. 1850, S. 40. 

In ungefähr 15 mm langen Krystallen mit Kalkspatb in Drusen- 
räumen des Dolerits von Oberbrechen. 

! Fand sich in neuester Zeit hier wieder in der Form »Poo , oP.P. 
sehr schön. Der Fundort liegt am Horuköppel bei dem Bahnhofe von 
Oberbrechen. 

69. Serpentin. S. Uebers., S. 96, 53; 1851, II, S. 265. 

In schwärzlichgrünen Massen auf Quarz- und Kalkspathklüften im 
Grünstein bei Dillenburg; als Lager in demselben auf den Gruben Hilfe- 
Gottes und Neuer-Muth bei Nanzenbach ; auf der Grenze des Grünsteins 
gegen schieferige Gesteine, allmälig in Grünstein übergehend bei Weilburg 
und Merkenbach bei Herborn. 

70. Schillerspath (Bastit). 1857, S. 399. 

Als Bestandtheil einer Grünstein-Abart hinter Burg bei Herborn. 

71. Chrysotil. S. Uebers., S. 96, 54; 1857, S. 398. 

Im Serpentin des tiefen Stollens der Grube Hilfe-Gottes in der 
Wfyerheck bei Nanzenbach in lauchgrünen, faserigen Partieen; ähnliche 
Vorkommen finden sich bei Eibach und Nanzenbach ; wahrscheinlich 



^o os 
L I 



Im> 



186 — 



IL Metallische Mineralien. 



Titan. 

74. Sphen (Titamt). S. Uebers., S. 98, 68; 1864/66, S. 89. 

In einfachen und Zwillingskrystallen im Trachyt von Weidenhahn 
bei Wallmerod. — Als Zersetzungsproduct des Basalts bei Fehl, Amts 
Marienberg, in Drusenräume mit Magneteisen und einem Zeolith (Hersche- 
lith?) verwachsen. 

Quecksilber. 

75. Zinnober. 1851, II, s. 258. 

Kam im Jahre 1848 auf der Grube Neuer Muth bei Nanzenbach, 
jedoch in sehr geringer Menge vor. Auf Nestern im Schalstein findet 
er sich nahe an der Grenze des Naussauischen zu Hohensolms im Kreise 
Wetzlar. 

* Zinnober wurde in etwas grösserer Menge im Schalstein nahe bei 
der Grube Fortunatus bei Dillenburg gefunden und darauf im Jahre 1873 
die Quecksilbergrube Idria verliehen, (ßergmeister Fr oh wein.) 

* Im Jahre 1857 fand er sich, jedoch in geringer Menge, in der 
Gemarkung Nanzenbach in einem im Walddistrict Untere Eck abgeteuften 
Schurfschächtchen. 






im Diorit von Weinbach bei Weilburg, der Grube Mehlhach bei ßohnstadt 
und am Halberg bei Niedertiefenba eh. 

72. Neolith. 1852, II, S. 120. 
In Drusenräumen des Basaltes bei Weilburg. 

73. * Bauxit. 

Wurde im Anfange des Jahres 1878 auf der Grube Waldmanns- 
hausen bei Mühlbach im Amte Hadamar aufgefunden. Es folgt hier 
gleich unter der Dammerde ein rothbrauner Thon, in welchem grössere 
und kleinere Knollen von Bauxit, sowie Basaltkrotzen liegen. Die Farbe 
des Bauxits ist seltener hell röthlichbraun, meist mehr oder weniger 
dunkel rothbraun, wesshalb er früher für einen geringhaltigen Braun- 
eisenstein angesehen wurde. 



— 187 — 

Silber. 

76. Gediegen Silber. S. Uebers., S. 82, 2; 1851, II, S. 257; 

1852, II, S. 119; 1861/66, S. 93. 

In haar förmigen Gestalten mit Quarz, Fahlerz und Blende auf 
Grube Holzappel bei Dörnberg. Hier fand sich auch ein ausgezeichnetes 
Stück mit fast 3 cm langen und ziemlich dicken, in einer Höhlung der 
Gangmasse sitzenden Drähten. — In rundlichen oder dendritischen Ge- 
stalten mit Weissbleierz und Kupferglanz auf Grube Friedrichssegen bei 
Oberlahnstein. Hier kommt es auch in drusigem Brauneisenstein öfter 
mit Weissbleierzkrystallen verwachsen, in sehr zierlichen Aggregaten, in 
der sog. gestrickten und gezähnten, auch fadenförmigen Ausbildung vor. 
Ebenso auch derb eingesprengt und dann dem gediegenen Quecksilber 
oder Amalgam ähnlich, wie auch als Ueberzug auf Weissbleierz. 

* Gediegen Silber fand sich auch im Brauneisenstein der Grube 
Bergmannstrost (Lindenbach) bei Nievera. 

77. Silberblende als: 

Antimonsilberblende (dunkles Kothgiltigerz, Pyrargyrit). S. Uebers., 
S. 86, 16; 1850, S. 38. 

Kam äusserst selten in kleinen Krystallen, an denen man die Flächen 
der sechsseitigen Säule erkennt, in Fahlerz eingewachsen, auf den auf- 
lässigen Erzgruben Mehlbach bei Rohnstadt und Alte-Hoffnung (Weyerer 
Werk) bei Weyer vor. Einige gute Stücke von Grube Mehlbach finden 
sich in der Sammlung des Weilburger Gymnasiums. Auch auf der Grube 
Bergmannstrost (Lindenbach) bei Nievern soll sie sich gefunden haben. 

* Nach alten Akten wurden im Anfange des vorigen Jahrhunderts 
auf einer Erzgrube bei Langhecke, innerhalb des heutigen Grubenfeldes 
Altermann, 269 Pfund Rothgiltigerze gewonnen. 

78. * Jodobromit. Wurde auf einer Beudantit-Stufe von Grube 
Schöne-Aussicht bei Dernbach im Amte Montabaur in kleinen, schwefel- 
gelben Krystallen der Form . oo co gefunden. Dieselben sind schneid- 
bar, leicht schmelzbar und geben vor dem Löthrohre ein Silberkorn und 
Bromdämpfe. Die chemische Zusammensetzung entspricht der Formel: 
2 Ag (Cl Br) -\- AgJ. (Verhandlungen des naturhistorischen Vereins der 
preussischen Rheinlande und Westfalens. 1877. Sitz.-Ber., S. 191.) 

* Anhangsweise mag hier erwähnt werden, dass die Erze auf den 
Gruben an der unteren Lahn silber- und zum Theil goldhaltig sind. 
Auf der Grube Holzappel bei Dörnberg enthalten 100 kg aufbereitete 
Erze 37 g Silber. Der Goldgehalt des Silbers ist hier so gering, dass 



— 188 — 

er die Ausscheidung nicht lohnt. — Auf dem Einser Blei- und Silber- 
werk kommen auf 100 kg aus den Erzen ausgebrachtes Blei 97 g Silber 
und auf 3300 kg Silber 1 kg Gold. Hier wurde eine Zeit lang das 
Gold aus dem Silber ausgeschieden; jetzt geschieht dies nicht mehr, in- 
dessen wird ein Theil des Goldes bei dem Verkaufe des Silbers in Rech- 
nung gebracht. 

Kupfer. 

79. Gediegen Kupfer. S. üebers., S. 82, 3; 1864/66, S. 92. 
Mit Brauneisenstein und Quarz auf Grube Gemeinezeche bei Nanzen- 

bach, unweit Dillenburg; in dünnen Blechen in Grauwackenschiefer auf 
Grube Bergmannstrost (Lindenbach) bei Nievern; mit Rotlikupfererz in 
den Formen von und . oo <x> im drusigen Brauneisenstein der 
Grube Friedrichssegen bei Oberlahnstein. 

* Gediegen Kupfer fand sich auch auf der Kupfererzgrube Neuer- 
muth bei Strassebersbach im Amte Dillenburg und an der Hoheley bei 
Obernhof, hier auf Thonschiefer aufsitzend. 

80. Rothkupfererz (Cuprit). S. üebers., S. 87, 19; 1864/66, S. 92. 
Mit Kupferlasur auf Grube Goldbach bei Oberrossbach im Amte 

Dillenburg und nach Becher auf Grube Alte-Constanz bei Uebernthal 
im Amte Herborn. Vielleicht beruht aber die letztere Angabe nur auf 
Verwechselung mit Ziegelerz. 

* Rothkupfererz fand sich auf der Kupfererzgrube Neuermuth bei 
Nanzenbach und auf den Gruben Mercur bei Ems und Friedrichssegen 
bei Oberlahnstein. Auf letzterer Grube in kleinen zum Theil durchschei- 
nenden Oktaedern. 

81. Ziegelerz (Kupferziegelerz). S. üebers., S. 87, 20; 1851, II, 
S. 226. 

Fand sich allenthalben in der Gegend von Dillenburg mit Kupfer- 
kies, aus dem es entsteht, mit Malachit, Kupferpecherz und Kalkspath 
auf Gängen im Grünstein und Schalstein. Es kam lediglich in den 
oberen Teufen der Kupfererzgänge vor, manchmal in Pseudomorphosen 
nach Kupferkies, wie auf Grube Nicolaus; ausserdem auf den Gruben 
Gnadegottes, Stangenwage, Gemeinezeche, Alte-Constanz und anderen 
Gruben im Dillen burgischen. — Früher kam Ziegelerz auch auf der 
Grube Stollberg bei Weilmünster, am Schellhof und Windhof bei Weil- 
burg vor, sowie am Scheuernberger Kopf bei Odersbach. Als grosse 
Seltenheit fand es sicli auf einem Seitentrümmchen des Rotheisenstein- 
lagers der Grube Lahnstein bei Odersbach mit faserigem Malachit. 



ler- 



— 189 — 

* Sehr schön kommt es mit faserigem Malachit auf Grube Fried- 
richssegen bei Oberlahnstein vor. 

82. Kupferschwärze. 1*850, S. 39; 1851, II, s. 224. 
Auf zersetztem Kupferglanz und Kupferkies auf der Grube Stangen- 

w.ige bei Donsbach. Auf dem braunen Gange dieser Grube kam sie als 
Pseudomorphose nach Kupferglanz ohne Krystallform als Umwandlungs- 
product vor. Der derbe krystallinische Kupferglanz erleidet auf Drusen- 
raumen eine Zersetzung von Aussen nach Innen. 

83. Malachit. S. üebers., S. 102, 87; 1851, II, S. 225, 235. 
Meist faserig auf den Gruben Nicolaus bei Dillenburg, Gnadegottes 

(Hachelbach) bei Donsbach, Alte- und Neue-Constanz bei Uebernthal 
und Herbornseelbach; am Schellhof und Windhof bei Weilburg, auf 
Grube Stollberg bei Weilmünster. Mit Rotheisenstein in Begleitung von 
Ziegelerz auf Grube Lahnstein bei Odersbach. Mit Bleiglanz, Barytspath 
und Kupferkies auf Gängen in Grauwacke: Michelbach bei Wehen, Holz- 
appel, Ems, Niederrossbach bei Dillenburg, hier auf Kissen der Fahlerz- 
krystalle efflorescirend. Als Anflug auf Schalstem und Cypridinenschiefer 
bei Weilburg und Fleisbach bei Herborn; auf Taunusschiefer oder im 
Quarze desselben bei Naurod und Königstein. Zersetzungsproduct, welches 
theils direct aus Kupferkies oder Fahlerz, theils aus Ziegelerz gebildet 
wird, durch Oxydation und Aufnahme von Kohlensäure und Wasser. 

* Sehr schöner faseriger und zum Theil auch traubiger Malachit 
kam vor auf den Gruben Stangenwage bei Donsbach, Neuermuth bei 
Nanzenbach, Ludwigszuversicht bei Frohnhausen und Friedrichssegen bei 
Oberlahnstein. — Auf den Gruben Stangenwage und Ludwigszuversicht 
konnte man s. Z. an einigen Stellen die fortdauernde Bildung des Mala- 
chites sehr schön beobachten. 

Malachit nach Kalkspath kam auf Grube Gnadegottes (Hachel- 
bach) bei Donsbach vor. 

Malachit nach Kupferkies. Kommt im Dillenburgischen auf 
Gängen im Grünstein und an der Lahn in den Gängen der Grauwacke 
ziemlich häufig vor. Die Kupferkieskrystalle büssen dabei die Schärfe 
ihrer Formen ein, schwellen auf und im Innern derselben findet sich in 
der Kegel noch ein Kern des unzersetzten Minerals. 

Malachit nach Kupferglanz. Der Kupferglanz, welcher bei Eisem- 
roth östlich von Dillenburg auf einem schmalen Gangtrümmchen im 
Grünstein kristallinisch und derb, ohne die Begleitung der gewöhnlichen 
Gangarten vorkam, ist einer Umwandlung in Malachit unterworfen, der 
sich in derben Partieen und als dünner Anflug in dem Kupferglanz 



— 190 — 

verbreitet, wobei der Malachit zuweilen als vorwaltender Bestandteil des 
Kupfererzes erscheint. 

Malachit nach Quarz. In den oberen Teufen der Kupfererzgänge 
der Grube Gnadegottes bei Donsbach erscheinen Abdrücke von Quarz- 
krystallen, die nun zum Theil verschwunden sind, in später abgesetztem 
Malachit. 

84. Kupferlasur (Azurit). S. TJebers., S. 102, 86; 1850, S. 42; 
1851, II, S. 227, 268; 1852, II, S. 122. 

In kleinen undeutlichen Krystallen oder strahligen Partieen auf 
Fahlerz, Ziegelerz oder Quarz auf den Gruben Holzappel bei Dörnberg, 
Mehlbach bei Eohnstadt, bei Langhecke ; selten im Dillenburgischen : 
Alte-Hoffnung bei Langenaubach, sehr schön auf Neue-Constanz bei 
Herbornseelbach und Fortunatus bei Dillenburg; zuweilen mit Braun- 
eisenstein auf Grube Friedrichssegen bei Oberlahnstein. Angeflogen auf 
Taunusschiefer bei Naurod und Georgenborn. Zersetzungsproduct von 
Fahlerz und Kupferkies. Eingesprengt und angeflogen im Schalstein, 
der das Hangende eines Bleierzganges bildet bei Wolfenhausen auf der 
im Felde Altermann liegenden Grube ßotherköppel. Im Wiesbadener 
Museum befindet sich ein Stück von der Alte-Constanz bei Uebernthal, 
an welchem über einem Kern von Kupferkies zunächst eine dünne Schicht 
von Malachit und darauf Krystalle von Kupferlasur erscheinen. 

* Kupferlasur kam in krystalliniscken Massen auf der Grube Gold- 
bach bei Oberrossbach im Amte Dillenburg und sehr schön krystallisirt 
auf Grube Friedrichssegen bei Oberlahnstein vor. 

Kupferlasur nach Fahlerz. Diese oben erwähnte Umwandlung 
des Fahlerzes in Kupferlasur findet sich ohne Erhaltung der Form in 
der oberen Teufe des in Grauwacke aufsetzenden Ganges der Bleierzgrube 
Henry, welche in dem Felde der Grube Thomas bei Bergebersbach 
liegt. Auf den Kupfererzgruben Alte-Lohrbach bei Nanzenbach und 
Constanze bei Langenaubach ist in früherer Zeit auf den oberen Teufen 
Kupferlasur vorgekommen, die nur ein Zersetzungsproduct des Kupfer- 
kieses sein kann, da daselbst keine Fahlerze vorkommen. 

85. Kupfervitriol (Chalkanthit). S. Uebers., S. 99, 75. 
In derben Partieen auf Kupferkies, Eisenkies oder Quarz als Seltenheit 

bei Ems. 

86. BrOChantit (Krisuvigit). 1864/66, S. 91. 

Wurde bei dem Bau der Lahneisenbahn zwischen Nassau und Obern- 
hof an der sog. Hoheley gefunden. Im frischen Zustande ist das Mineral 
schön smaragdgrün und in büschelförmigen Krystallpartieen auf den 



— 191 — 

Schieferungsflächen der ßrauwacke aufgewachsen. Deutliche Flächen sind 
nicht zu erkennen. 

87. Phosphorcalcit (Lunnit). 1864/66, S. 92. 

Dieses Mineral wurde auf der Kupfererzgrube Neue-Constanz bei 
Herbornseelbach in schönen krystallmischen Aggregaten mit Kupferlasur 
entdeckt. Die mit demselben angestellte chemische Untersuchung ergab 
einen Gehalt von 5°/o Vanadinsäure, welcher sich dann auch als Vanaclill- 
OCker in bräunlichen Partieen besonders ausgeschieden bemerklich macht. 

ss. Kupferschaum (Tirolit). 1850, S. 41; 1851, II, S. 227. 

In kleinblätterigen Partieen als Zersetzungsproduct von Fahlerz auf 
der Grube Mehlbach bei Rohnstadt, begleitet von einem dunkler grünen, 
erdigen, arseniksauren Kupferoxyd, welches noch nicht näher untersucht 
ist, und Kupferlasur. 

89. Kieselmalachit (Kupfergrün, Kieselkupfer, Malachitkiesel, 
Chrysokoll). S. üebers., S. 96, 49; 1850, S. 40; 1851, II, S. 226; 
1864/66, S. 97. 

Mit Kupferkies und anderen Kupfererzen bei Nanzenbach auf der 
Grube Alte-Constanz bei Uebernthal und anderen Orten bei Dillenburg; 
als kleintraubiger Ueberzug auf Quarz mit Kupferlasur auf Grube Holz- 
appel bei Dörnberg, als dünner Ueberzug auf Kupferkies bei Gemünden 
im Amte Usingen, auf Buntkupfererz bei Naurod. 

* Kieselmalachit fand sich sehr schön auf Grube Altewilhelmshoffnung 
bei Herbornseelbach und am Weissberg bei Burg im Amte Herborn. 

Kupfergrün (Kieselkupfer) nach Kupferkies. Diese Umwandlung 

ist auf den Kupfererzgruben im Dillenburgischen nicht selten. Vorzüglich 
schön kam sie aber auf der Grube Alte-Constanz bei Uebernthal in 
oberer Teufe vor. Die Umwandlung scheint indessen nicht direct statt- 
gefunden zu haben, sondern Kupferpecherz als Uebergang zu haben, in 
das zuerst der Kupferkies umgesetzt wird. Als Begleiter fand sich 
vorzüglich Quarz und kieseliger Rotheisenstein. 

Kieselkupfer nach Kupferlasur. Diese Pseudomorphose fand 

sich auf einer Stufe von der Kupfererzgrube Neue-Constanz bei Herborn- 
seelbach, auf welcher sich der schon erwähnte Phosphorcalcit und 
Kupferlasur befindet. Die unverkennbaren Krystalle des letzteren Minerals 
sind zum Theil in Kieselkupfer umgesetzt. 

90. Kupferpecherz. 

* In derben Massen mit Kupferkies und Malachit auf der Grube 
Stangenwage bei Donsbach und ebenso auf der Grube Maria (Schöne- 
Hoffnung) bei Philippstein. 



— 192 — 

Kupferpecherz nach Kupferkies (1851, II, S. 226) findet sich 
auf den Umhüllungen von Quarz nach Schwerspath bei Uckersdorf und 
Medenbach im Amte Herborn. Die Form des Kupferkieses ist deutlich 
erhalten, jedoch etwas rauh und mit Eisenoxydhydrat überzogen. Die 
Krystalle sind entweder schon durchaus umgewandelt oder es findet sich 
noch ein Kern unveränderten Kupferkieses in ihnen. 

Diese Pseudomorphose ist auch von der Grube Nicolaus bei Dillen- 
burg, sowie von anderen Fundorten von Blum S. 214 und im Nach- 
trag S. 114 angeführt. 

91. Atakamit (Smaragdochalcit). 1851, II, S. 139, 268. 

Auf einem in der Grauwacke aufsetzenden Quarzgänge zwischen 
Oberlahnstein und Braubach, Koppenstein genannt, begleitet von Gyps- 
krystallen. 

92. Kupferglanz (Kupferglaserz. Chalkosin). S. Uebers., S. 83, 7; 
1849, S. 203; 1851, II, S. 225. 

Im Quarz eines Ganges im Taunusschiefer bei Georgenborn ; krystal- 
lisirt und derb mit Buntkupfererz, Kupferkies und Quarz auf einem 
kleinen Seitentrumm der Grube Stangenwage bei Donsbach. 

* Vermengt mit Malachit auf den Gruben Neuermutk bei Nanzen- 
bach, Altenberg bei Laubuseschbach und Mark bei Essershausen; sehr 
schön mit Malachit und Weissbleierz auf Grube Friedrichssegen bei 
Oberlahnstein, 

Kupferglanz nach Kupferindig. Mit Pseudomorphosen von Kupfer- 
indig nach Kupferkies kommt auch Kupferglanz auf Grube Stangenwage 
vor, welcher ganz allmälig in Kupferindig übergeht. Kupferindig stellt 
ein verworrenblätteriges Gebilde dar, während der Kupferglanz in schiefe- 
riger Textur erscheint, deren dünne krystallinische Blätter den Saal- 
bändern des Ganges parallel laufen. Es ist bemerkenswerth, dass an 
demselben Fundorte und unter gleichen Verhältnissen Umwandlungen 
von Kupfererzen stattfinden konnten, die Verlust und Aufnahme von 
Eisen bedingen, wie bei Kupferindig nach Kupferkies und Buntkupfer- 
erz nach Kupferglanz. Diese Thatsache scheint jedoch ausser Zweifel zu 
sein ; denn die Umsetzung des Kupferkieses in verschiedene Kupfer- 
fossilien ohne Eisengehalt ist zu bestimmt erwiesen und ebenso kann 
bei der erhaltenen Krystallform des Kupferglanzes, der in Buntkupfererz 
übergeht, der zweite Vorgang nicht beanstandet werden, es sei denn, 
dass der Kupferglanz in ein Gebilde übergehen könnte, welches bei den 
physikalischen Eigenschaften des Buntkupfererzes dennoch chemisch davon 
verschieden wäre. 



- 193 - 

03. Kupferindig (Covellin). S. Uebers., S. 83, 8; 1850, S. 38, 
141; 1851, II, S. 224. 

Als Uebemig von Ziegelerz und Quarz auf Grube Stangenwage bei 
Donsbach. 

* Im Jahre 1866 ist er auch auf Grube Friedrichssegen bei Ober- 
lahnstein, aber nur in geringer Menge gefunden worden. 

Kupferindig nach Kupferkies. Der Kupferindig, welcher auf dem 
braunen Gange der Grube Stangenwage vorgekommen ist, erscheint als 
ein Umwandlungsproduct des Kupferkieses. In dem daselbst brechenden 
Kupferindig sind die Reste des Kupferkieses noch vielfältig und deutlich 
bemerkbar. 

04. Fahlerz (Tetraedrit). S. Uebers., S. 86, 17; 1840, S. 203; 

1850, S. 38; 1851, II, S. 258. 

Vorzüglich reich an ausgezeichneten Krystall-Combinationen war die 
Grube Aurora bei Niederrossbach. Sie erscheinen begleitet von Bleiglanz 
und sind oft mit Quarz, auch wohl mit Eisenkies oder Kupferkies über- 
zogen. Eigentümlich ist es bei diesen Krystallen, dass sie oft bersten, 
durch vermehrten Austritt eines hellgrünen Minerals aus den Rissen 
endlich ganz gesprengt werden und zerfallen. Was das letztere wohl 
sein möge, konnte wegen Mangel an Material nicht untersucht werden. 
In sehr schönen, wenngleich den auf der Aurora vorkommenden nach- 
stehenden Krystallen, Tetraedern und Triakis-Tetraedern, findet sich 
Fahlerz auch eingewachsen im Bleiglanz von Holzappel; mit Braunspath 
und Quarz auf der Grube Mehlbach bei Rohnstadt und Alte-Hoffnung bei 
Weyer. In zierlichen kleinen Krystallen, worunter zuweilen schöne Hemi- 
tropieen, auf Grube Thomas bei Bergebersbach. Derb und eingesprengt 
kommt es auf der Holzapprder und Welhnicher Grube häufig vor und 
ist namentlich auf ersterer Grube silberhaltig. Die Fahlerze von Grube 
Mehlbach und Alte-Hoffnung sind Arsenikfahlerze, haben einen schwarzen 
Strich und überziehen sich bei der Zersetzung mit Kupferschaum und 
Kupferlasur. Das Fahlerz von Grube Thomas ist s. Z. mit Bournonit 
verwechselt worden. Es gehört zu der zinkhaltigen Varietät, welche leicht 
durch ihren rothen Strich und die Zinkreaction zu erkennen ist. Das 
Vorkommen von Aurora gehört ebenfalls hierher. Dasjenige von Thomas 
zeigt mitunter hohle Krystalle, in welchen Bleiglanz und Kupferkies auf- 
gewachsen erscheinen. 

05. Kupferkies (Chalkopyrit). S. Uebers., S. 83, 10; 1850, S. 38; 

1851, II, S. 226, 235, 258. 

Selten erscheint dies sehr verbreitete Mineral deutlich krystallisirt. 

Jahrb. d. nass. Ver. f. Nat. XXXI u. XXXII. jg 



— 194 — 

Die gefundenen Krystalle sind quadratische Tetraeder; am schönsten 
fanden sie sich auf den Gruben Geineinezeche und Neuermuth bei Nanzen- 
bach, Nicolaus bei Dillenburg und Alte-Constanz bei Uebernthal. Derber 
Kupferkies kommt auf Gängen im Schalstein und Grünstein häufig in 
der Umgegend von Dillenburg vor, so auf den Gruben Gnade-Gottes und 
Stangenwage bei Donsbach, Milchborn, Gemeinezeche, Neuermuth, Hilfe- 
Gottes bei Nanzenbach, Nicolaus und Fortunatus bei Dillenburg. Auch 
in der Gegend von Weilburg bestand unter ganz gleichen geognostischen 
Verhältnissen Bergbau auf dieses Erz, so auf Grube Stollberg bei Weil- 
münster, im Schellhof und Windhof bei Weilburg. Sehr häufig erscheint 
Kupferkies eingesprengt auf Kalkspathtrümmchen im Grünstein, begleitet 
von Bleiglanz, Zinkblende, Laumontit in der Gegend von Weilburg am 
Tunnel, am Karlsberg, bei Löhnberg u. s. w. Auch auf den Bleierz- 
lagerstätten in der Grauwacke kommt er zuweilen vor bei Holzappel, 
Obernhof, Ems, Weyer bei Kunkel, Grube Mehlbach bei Rohnstadt und 
bei Gemünden im Amte Usingen; im Thonschiefer auf Braunspath- 
trümmern bei Caub ; als Seltenheit mit Kalkspath auf der Rotheisenstein- 
grube Bonscheuer bei Mudershausen ; in dem Quarzgange des Nerothaies 
bei Wiesbaden hier und da eingesprengt. 

Beim Liegen an der Luft läuft der Kupferkies bald buntfarbig an, 
stahlblau, violett, roth, was höchst wahrscheinlich von theilweiser Oxy- 
dation und damit zusammenhängender Bildung einer höheren Schwefel- 
verbindung, des Kupferindigs (Cu S), herrührt. Ist die Zersetzung beendet, 
so bleibt diese neben Ziegelerz zurück. Dieser Zersetzung ist wahr- 
scheinlich die des Buntkupfererzes ganz analog; äusserlich wenigstens 
sind die Erscheinungen dieselben, wesshalb der bunt angelaufene Kupfer- 
kies oft mit letzterem Erze verwechselt wird. Ueber die wahre Natur 
des vorliegenden Stückes belehrt leicht ein frischer Bruch, der bei dem 
Kupferkies messinggelb, beim Buntkupfererz hell broncefarbig erscheint. 

* Krystallisirt in der tetragonalen Pyramide und bunt, auch ein- 
farbig braun angelaufen auf Grube Mercur bei Ems. 

Kupferkies nach Fahlerz. Die Fahlerzkrystalle sind häufig mit 
einem Ueberzuge von Kupferkies versehen. Eine Stufe von der Grube 
Aurora bei Niederrossbach zeigt eine, dem dünnen Quarzüberzuge der 
Gangspalte aufgewachsene Krystallgruppe von Fahlerz, wovon einzelne 
Individuen nach allen Seiten zersprungen sind. Sowohl in diesen Sprüngen, 
wie etwas erhaben über denselben und noch auf gewisse Flächen über- 
greifend, halien sich Kupferkieskryställchen dicht aneinander gereiht 
angesiedelt. Die Krystallflächen haben alter dabei, da sie bis auf die 



— 195 — 

Spränge spiegelblank sind, keine Veränderung erlitten. Dagegen sind 
andere Flächen mit einer Kruste dieser Kryställchen besetzt und stark 
angefressen. 

Kupferkies nach Fahlerz und Blende. Ein dünner Ueberzug 

von Kupferkies findet sich auf den Bleierzgängen im Dillenburgischen 
auf den genannten Mineralien. 

96. Buntkupfererz (Bornit). S. Uebers., S. 83, 9; 1851, II, 
S. 224. 

Auf kleinen Gangtrümmern in bunt angelaufenen derben Stücken 
mit Malachit bei Naurod; mit Kupferglanz, Kupferkies und Quarz auf 
Grube Aurora bei Niederrossbach. Es lassen sich hier alle Uebergänge 
von Kupferglanz und Buntkupfererz und von letzterem in Kupferkies 
verfolgen. Buntkupfererz findet sich, jedoch äusserst selten, eingesprengt 
im Basalt von Naurod. 

Buntkupfererz nach Kupferglanz. Diese Umwandlung des 
Kupferglanzes in Buntkupfererz findet sich an Krystallen der Kupfererz- 
grube Stangenwage bei Donsbach. Die Umwandlung des Kupferglanzes, 
der sich auf Klüften eines Kupferkiesganges im Schalsteiu findet, 
geschieht bier von Aussen nach Innen. 



•- 



Blei. 

97. * Gediegen Blei. Fand sich in dünnen Blättchen im Quarz- 
gange auf der Grube Schöne-Aussicht bei Dernbach im Amte Montabaur. 
(Bergmeister U 1 r i c h.) 

98. Bleiglätte. 1857, s. 400. 

Sie findet sich ganz entschieden und deutlich in einer ganz alten 
Halde bei Greifenstein im Kreise Wetzlar. Der Stollen, aus welchem 
vor Zeiten die Halde gelaufen wurde, ist zu Bruch, jedoch geht aus 
dem Haldenmaterial, wie aus den örtlichen geognostischen Verhältnissen 
daselbst hervor, dass der Basalt in der Grube ansteht, wahrscheinlich 
den Speriferensandstein, der Bleimittelchen führt, durchsetzt und das 
Glättevorkommen durch den Basalt bedingt ist. Die hier vorkommende 
Glätte sieht nicht wie die künstliche aus : sie ist dichter, kaum merklich 
krystallinisch, mit Eisenoxyd roth gefärbt und durch Thon verunreinigt. 

99. Mennige. S. Uebers., S. 87, 18; 1851, S. 228. 

Ist in morgenrothen erdigen Partieen und in Pseudomorphosen nach 
kohlensaurem Bleioxyd in zerfressenem Quarz in der oberen Teufe der 
Grube Mehlbach bei ßohnstadt vorgekommen. 

13* 






- 196 - 

100. Weissbleierz und Schwarzbleierz (Bleicarbonat, Cerussit). 

S. Uebers., S. 100, 80 und 81; 1849, S. 205; 1850, S. 42, 200; 
1864/66, S. 97. 

Weissbleierz in einfachen und Zwillingskrystallen auf den Gruben 
Holzappel bei Dörnberg, Mercur bei Ems, Friedrichssegen bei Oberlahn- 
stein, Goldhütte bei Merkenbach. In 3 cm grossen, aber undeutlichen 
Krystallen bei Cransberg im Amte Usingen; in derben Partieen bei 
Weilmünster (Rohnstadt?) und Altweilnau; in Krystallen in Quarz mit 
Bleiglanz, Malachit und Schwarzbleierz bei Mappershain und als erdiger 
Ueberzug auf Bleiglanz (Bleierde) bei Höllenstein im Amte Langen- 
schwalbach. 

Schwarzbleierz mit Bleiglanz und Weissbleierz bei Ems und Merken- 
bach; an letzterem Orte finden sich Stücke, die noch zur Hälfte aus 
unzersetztem Bleiglanz bestehen. 

* Schwarzbleierz findet sich auch auf Grube Friedrichssegen bei 
Oberlahnstein. 

Kohlensaures Bleioxyd nach Bleiglanz. Diese Pseudomorphose 

beschreibt Blum in seinem Werke, S. 184, als von der Grube Aurora 
bei Niederrossbach stammend. Dieselbe Pseudomorphose soll bei Dernbach 
im Amte Montabaur beobachtet worden sein. Es dürfte diese jedoch 
Pyromorphit gewesen sein, da bis dahin zu Dernbach kein Weissbleierz 
vorgekommen ist; Buntblei sich dagegen nicht selten schön weiss findet, 
so dass es leicht mit Weissbleierz verwechselt werden kann. 

101. Bleivitriol (Anglesit). S. Uebers., S. 100, 79; 1850, S. 41. 
Mit Bleiglanz in derben Partieen und auch in Krystallen in 

Höhlungen von Bleiglanz auf Grube Holzappel bei Dörnberg. 

102. Bleilasur (Kupferbleispath, Liuarit). 1852, II, S. 122; 
1857, S. 397. 

Wurde beim Aufräumen alter Halden zur Gewinnung der darin 
enthaltenen Blende zu Ems aufgefunden. Sie wurde von Gyps begleitet, 
welcher theils wasserhell, theils bläulich oder grünlich gefärbt war. 
Bleilasur wurde auch als krystallinischer Ueberzug unter älteren Hand- 
stücken, welche von der Grube Aurora bei Niederrossbach und Thomas 
bei Bergebersbach stammten, aufgefunden. 

* Nach einem älteren Handstück kam Bleilasur als ein dünner 
Ueberzug auf der Grube Mehlbach bei Rohnstadt vor und fand sich als 
Ueberzug auf Thonschiefer, z. Thl. mit Brochantit an der Hoheley bei 
Obernhof und mit anderen Erzen auf Grube Friedrichssegen bei Ober- 
lahnstein. 



— 197 — 

103. Pyromorphit(Grün- und Braunbleierz, Buntbleierz). S. Uebers., 
S. 99, 71; 1849, S. 205; 1850, S. 41; 1851, II, S. 227, 267; 
1852, II, S. 121. 

Grüne Varietäten zeigen die kurze Säule mit der basiseben End- 
fläche ; häufig sind dieselben schalig abgesondert, was auch aus den 
gekrümmten Flächen der Säule leicht ersichtlich ist; ausserdem nadei- 
förmige Krystalle und kugelige Massen. Auf Gängen der Grauwacke 
mit Bleiglanz, Psilomelan und Brauneisenstein: Cransberg bei Usingen, 
Weyer bei Kunkel, Altweilnau, Weilmünster (Bohnstadt?), Holzappel. 
Im Brauneisensteingang der Grube Schöneaussicht bei Dernbach, unweit 
Montabaur, finden sich weisse, graue und citronengelbe Varietäten dieses 
Minerals in traubigen Gestalten (Polysphärit, Breithaupt), selten krystal- 
lisirt, wohl auch Pseudomorphosen des Brauneisensteins nach seiner Form. 
Von grünlicher und bräunlicher Farbe in kleinen Drusenräumen von 
derbem Barytspath, welcher Bleiglanz und Schwarzbleierz eingesprengt 
enthält, bei Merken bach im Amte Herborn. 

Braune Varietäten in langgezogenen Krystallen auf Bleiglanz oder 
Quarz: Daisbach bei Wehen, Ems. 

Erdiges Buntbleierz. Als hellgelber Ueberzug auf dem grünen 
Buntbleierz von Cransberg. 

Phosphorsaures Bleioxyd in wachsgelben, schwärzlich ange- 
flogenen Pseudomorphosen nach Bleiglanz auf stalaktitischem Braun- 
eisenstein zu Dernbach bei Montabaur. 

* Besonders schöne Krystalle von Pyromorphit fanden sich auf den 
Gruben Friedrichssegen bei Oberlahnstein und Mercur bei Ems. Auf 
letzterer Grube hatten die Krystalle häufig eine beträchtliche Grösse und 
waren dann fassförmig gekrümmt. Schöne Krystalle kamen auch in 
früheren Zeiten auf den Gruben Anna bei Winden, Holzappel bei Dörn- 
berg und bei Cransberg vor. 

104. * Mimetesit. In gelblich-grünen Tafeln im Brauneisenstein 
der Grube Schöneaussicht bei Dernbach im Amte Montabaur. (Bergmeister 
Ulrich.) 

105. Bleiniere (Antimonsaures Bleioxyd). 1851, II, S. 229; 1852, 
II, S. 121. 

Antimonsauros Bleioxyd nach Weissbleierz. Ein noch nicht näher 
untersuchtes Mineral, welches von erdiger Beschaffenheit ist und die 
Mitte zwischen orange- und schwefelgelb hält, aber nach Fr. Sand- 
berger wasserhaltiges antimonsaures Bleioxyd ist, kommt in den oberen 
Teufen der Grube Friedrichssegen bei Oberlahnstein auf einem Gange in 



— 198 — 

der Grauwacke vor. Dieses Mineral, welches offenbar ein Uinwandlungs- 
product des Weissbleierzes ist, hat die Krystalle desselben mitunter sehr 
stark zerfressen und dringt in das Innere derselben ein. — Bleiniere 
(antimonsaures Bleioxyd) kommt in oberen Teufen in Höhlungen von 
Weissbleierz oder mit demselben gemengt auf der Grube Friedrichssegen 
bei Oberlahnstein, dem Emser Gange und dem Herminenschacht bei 
Holzappel vor, jedoch nur an dem zuerst erwähnten Orte in grösserer 
Menge. 

106. Bleigummi. 1864/66, s. 191. 

Dieses Mineral wurde in und auf Brauneisenstein der Gangmasse 
im Tiefendeller-Stollen der Grube Bergmannstrost (Lindenbach) bei Ems 
in mikrokrystallinischen Aggregaten von schaliger und radial-faseriger 
Structur, mit weisser und blassgrünlicher Färbung und mitunter in 
stalaktitischen Formen entdeckt. 

107. Bleiglanz (Galenit). S. Hebers., S. 82, 6; 1849, S. 202; 
1850, S. 38; 1851, II, S. 236, 258; 1864/66, S. 97. 

Die schönsten Krystalle und die meisten Combinationen kamen auf 
der Grube Aurora bei Niederrossbach unweit Dillenburg vor. Weniger 
ausgezeichnet mit Zinkblende, Spatheisenstein u. s. w. bei Holzappel, 
Obernhof, Winden bei Nassau, Würzenborn und Reckenthal bei Monta- 
baur, Hohenstein und Mappershain bei Langenschwalbach, Wellmich am 
Rhein und Daisbach bei Wehen (hier erreichten die Krystalle zuweilen 
eine Grösse von 3 cm) auf Gängen in Grauwacke; in kleinen Gang- 
trümmern im Thonschiefer begleitet von Eisenkies, Blende und Kalkspath 
bei Langendernbach im Amte Hadamar ; auf Kalkspathklüften im Grün- 
stein des Rupbachthales und bei Weilburg; in einem Gange in dem- 
selben Gestein auf Grube Goldhütte bei Merkenbach. — Blätterige Partieen 
ausser an den angeführten Orten : im körnigen Baryt zu Naurod bei 
Wiesbaden, jedoch sehr selten; auf Gängen in Grauwacke mit anderen 
Bleierzen : Cransberg und Altweilnau bei Usingen ; mit Barytspath bei 
Michelbach. Auf Gängen in Grauwacke und Schalstein mit Braunspath, 
Kupferkies und Fahlerz: Grube Mehlbach bei Rohnstadt, Alte-Hoffnung 
bei Weyer im Amte Runkel, Goldgraben bei Weinbach. Als grosse 
Seltenheit eingesprengt in Kupferkies auf Gängen im Grünstein und 
Schalstein : Grube Fortunatus bei Dillenbnrg, Gnade-Gottes bei Donsbach 
und Goldgrube (?) bei Dillenburg. In derben Partieen in sehr weissem 
Quarze eines Ganges bei Assmannshausen. 

Dichter Bleiglanz zu Holzappel, Obernhof und Dachsenhausen. — 
Erdiger Bleiglanz, Bleimulm. Mit kohlensaurem Bleioxyd zu Holzappel. 



— 199 — 

Der Bleiglanz von Holzappcl, Obcrnhof und mehreren anderen Orten 
enthält geringe Mengen von Schwefelsilber. 

* Recht schöne Bleiglanzkrystalle fanden sich auch auf den Gruben 
Thomas bei Bergebersbach, Bergmannstrost bei Nievern, Friedrichssegen 
bei Oberlahnstein und Mercur bei Ems; auf den beiden letzten Gruben 
kommt auch dichter Bleiglanz vor. 

Als Versteinerungsmittel von Pleurotomaria antiqua kam Bleiglanz, 
jedoch nicht häufig in dem Schiefer von Wissenbach bei Dillenburg vor. 

Bleiglanz nach Kalkspath. Sehr schön ausgebildete hexagonale 
Pyramiden der Form K 3 , auf Kluftflächen aufgewachsen und zum Theil 
oder ganz in Bleiglanz umgewandelt: auf der dritten Tiefbausohle des 
vierten Mittels der Grube Mercur bei Ems. 

108. * Bournonit (Schwarzspiessglanzerz). Bournonit kam auf Grube 
Mercur bei Ems mit anderen antimonischen Bleierzen vor. 



Zink. 

109. Zinkspath (Sraithsonit). 1853, II, S. 41. 

Dieses Mineral wurde in gerundeten 6 mm langen gelblich-weissen 
Krystallen als Umhüllung von blätteriger, bernsteingelber Zinkblende auf 
einem Gange in der Grauwacke bei Höhr unweit Montabaur aufgefunden. 
Ueber die Entstehung des kohlensauren Oxyds aus Schwefelzink bleibt 
für diese Lokalität wohl kein Zweifel. 

* Zinkspath fand sich auf Grube Pauline bei Scheuern mit Zink- 
blende in derben, sinterartigen Massen. 

HO. Franklinit. 1857, s. 399. 

Wurde in einem rauhen quarzigen Eisenstein von der Grube Victoria 
bei Eibach unweit Dillenburg gefunden. Er bildete schwarze tesserale 
Krystalle von metallähnlichem Pechglanz. Der durchgehende Zinkgehalt 
vieler Botheisensteinlager lässt auf ein verbreiteteres Vorkommen schliessen. 
Schon im Jahre 1834 soll auf der Grube Breiteheck bei Nanzenbach im 
Amte Dillenburg Franklinit gefunden worden sein. 

111. Zinkblende (Sphalerit). S. Uebers., S. 86, 15; 1849, S. 203; 
1850, S. 38; 1851, II, S. 258; 1864/66, S. 90. 

In regelmässig ausgebildeten, selten verschobenen Oktaedern von 
wachsgelber Farbe findet sich das Mineral in Begleitung von Fahlerz 
und Bleiglanz auf Gängen in Grauwacke auf der Grube Goldbach bei 
Oberrossbach unweit Dillenburg; in nickelhaltigem Eisenkies auf Grube 
Hilfe-Gottes bei Nanzenbach ; als Seltenheit in kleinen schwarzen Oktaedern 



— 200 — 

auf Quarz oder Kalkspath mit Bleiglanz und Kupferkies auf Grube 
Neuermuth bei Nanzenbach. Zuweilen bildet ein Kupferkieskrystall den 
Kern eines Blendekrystalls, ist also ältere Bildung. In verschiedenen 
Schattirangen von Braun und Roth und meist in Combinationen des 
Rautendodecaeders und Tetraeders ist das Mineral auf den Erzgängen 
bei Holzappel und Wellmich verl reitet, woselbst es auch vielfach in 
derben blätterigen Partieen mit Quarz und Bleiglanz verwachsen sich 
findet. Stalaktitisch auf Bleiglanz kam es im Josephsstollen zu Holzappel 
vor. Eine hell gelbbraun gefärbte Varietät findet sich auf den Braun- 
spathtrümmern des Thonschiefers von Caub. In nussgrossen, schönen 
Krystallen von brauner Farbe zu Ems; in kleinen Gangtrümmern im 
Thonschiefer begleitet von Eisenkies und Bleiglanz bei Langendernbach 
im Amte Hadainar. Auch auf vielen alten Gruben der Gegend von 
Hachenburg kam es vor. In Oktaedern, zuweilen in den zierlichsten 
Hemitropien, spargelgrün bis wachs- und honiggelb, kommt Blende auf 
Kalkspathtrümmern im Grünstein am Tunnel bei Weilburg und im Löhn- 
berger Weg bei Weilburg vor, begleitet von Laumontit, Kupferkies und 
Bleiglanz. 

* In hell weingelben Krystallen fand sich Zinkblende auf der Grube 
Mühlenberg bei Würzenborn (Bergmeister Ulrich), und in concentrisch 
schaligen Massen, als sog. Schalenblende, auf Grube Leopoldine-Louise 
bei Obernhof. 

Nickel. 

112. Nickelkies (Schwefelnickel, Haarkies, Millerit). S. Uebers., 
S. 86, 14. 

In glänzenden, messinggelben Nadeln auf einem kleinen Gange im 
Grauwackenschiefer bei Weidelbach im Amte Dillenburg; in Höhlungen 
des nickelhaltigen Eisenkieses auf Grube Hilfe Gottes bei Nanzenbach. 

113. Nickelglanz. 1850, S. 37, 1852, II, S. 119; 1864/66, S. 90. 
Kam als Nickelarsenikglanz (Gersdorffit) auf dem Emser Gange 

in der Regel im Quarze eingesprengt und innig mit demselben gemengt 
vor. Ein Theil des Nickels ist in demselben durch Kobalt ersetzt. Er 
kam daselbst aber auch später in sehr schönen Krystallen der Form 
vor. Die Krystall- Aggregate sind aber vor schneller Zersetzung nicht 
leicht zu bewahren. 

114. Rothnickelkies (Kupfernickel, Nickelin). S. Uebers., S. 82, 
4; 1857, S. 401. 

In derben Partieen in Kalkspath und Kobaltglanz eingewachsen auf 






'auf 



— 201 — 

Grube Hilfe-Gottes Lei Nanzenbach. Er kam daselbst aber auch krystal- 
lisirt vor, zwar sehr undeutlich und nur das Pinakoid erkenntlich. 

115. Weissnickelkies (Chloanthit). 1857, S. 401; 1864/66, S. 90. 
Kommt viel Kobalt haltend bisweilen mit dem vorigen Mineral auf 

derselben Grube vor. Er fand sich hier auch krystallisirt in den Formen 
oo oo und vor. 

* Kobalthaltiger Weissnickelkies fand sich in derben Stücken im 
Grünstein mit Anflug von Kobalt- und Nickelblüthe auf Grube Hubertus 
bei Odersbach. 

116. Nickelblüthe. S. Uebers., S. 98, 69; 1852, II, S. 121. 
In erdigen, hellgrünen Massen auf zersetztem Kupfernickel auf Grube 

Hilfe-Gottes bei Nanzenbach ; mit Kobaltblüthe zuweilen auf dem Emser 
Gange, wo man ihre Entstehung aus Nickelglanz sehr leicht direct nach- 
weisen kann. 

Kobalt. 

117. Kobaltblüthe (Erythrin). S. Uebers., S. 99, 70; 1852, II, 
S. 121. 

Als rosenrother Anflug auf zersetztem Kobaltglanz mit Nickelblüthe 
auf Grube Hilfe-Gottes bei Nanzenbach und auf dem Nickelglanz des 
Einser Ganges. 

118. Glanzkobalt (Kobaltglanz, Kobaltin). S. Uebers., S. 82, 5. 
In Cubo-Oktaedern und derben Massen von feinstrahliger Textur 

in Kalkspath auf Grube Hilfe-Gottes bei Nanzenbach. 

Eisen. 

119. Magneteisenerz (Magnetit). S. Uebers., S. 91, 31; 1850, 
S. 39; 1851, II, S. 260; 1856, S. 127. 

In sehr kleinen Cubo-Oktaedern im nickelhaltigen Eisenkiese der 
Grube Hilfe-Gottes bei Nanzenbach; mit Eisenkies auf einem Lager zwischen 
Schalstein und Grünstein bei Hirzenhain, auf den Gruben Schwarzestein, 
Stillingseisenzug und Blinkertshecke bei Nanzenbach im Amte Dillenburg; 
Friedericke bei Kirschhofen, Catharinenzeche bei Odersbach (polarmag- 
netisch). Sehr stark magnetisch, so dass er Eisenfeilspähne mit Leichtigkeit 
anzieht, ist der Magneteisenstein der Rotheisensteingrube Fortuna bei 
Aumenau. Diese Eigenschaften zeigen sich jedoch nur an kleinen, auf der 
Halde ausgelesenen Stücken. — In undeutlichen Oktaedern, meist aber 
in Körnern im Grünstein: Dillenburg, Schwarze-Steine bei Hirzenhain, 
Gräveneck bei Weilburg, Niedertiefenbach bei Hadamar; lagerartig im 



202 



Grünstein: Steinberg bei Schönbach im Amte Herborn. In kleinen 
Oktaedern (titauhaltig) im Trachyt des kleinen Arzbacher Kopfes, unweit 
Ems; im glasigen Feldspath des Trachyts bei Wied-Selters; auf Drusen- 
räumen des Basaltes bei Fehl und Neukirch im Amte Marienberg, am 
letzteren Orte mit einem Ueberzuge von Hyalit. Auch im Trachy-Dolerit 
von Bellingen bei Marienberg. 

* Magneteisenstein findet sich noch auf vielen Eisenerzlagerstätten 
im Reviere Weilburg, z. B. auf den Gruben Neuereisensegen und Gloria 
bei Aumenau, Erzengel bei Weinbach, Friederich, Bernhardus und Strichen 
bei Münster, Altenberg bei Laubuseschbach, Magnet bei Seelbach u. s. w. 
Auf Grube Strichen fand sich ein blauschwarzer, zu feinem Sande leicht 
zerfallender Magneteisenstein. 

120. Rotheisenerz (Hämatit). S. Uebers., S. 88, 22; 1849, 
S. 203; 1850, S. 38, 39; 1851, II, S. 222, 229, 230, 236, 260; 
1852, II, S. 123. 

Als Eisenglanz fand sich dasselbe krystallisirt in Drusenräumen 
am Beilstein bei Eibach, bei Nanzenbach im Amte Dillenburg, am Wind- 
hofe und Scheuernbergerkopfe bei Weilburg, am Oberilmenberg bei 
Aumenau und bei Gaudernbach im Amte Runkel. — Derbe Massen auf 
Gängen in Grauwacke bei Luckenbach und Atzelgift im Amte Hachenburg. 
In Höhlungen oder auf Klüften vom Eisenkiesel: Selters bei Weilburg, 
Reutersberg bei Herborn, Buschstein bei Tringenstein. Im Quarz des 
Taunusschiefers am Grauenst'dn bei Auringen; in Quarz- und Feldspath- 
trümmern des Taunusschiefers im Nerothal und bei Sonnenberg bei 
Wiesbaden (schwach magnetisch); als schwaches Lager mit Rotheisenstein 
in demselben Gestein bei Hausen vor der Höhe im Amte Langen- 
schwalbach. In Porphyr bei Balduinstein. In Trachyt bei Wied-Selters, 
Obersayn. Als Versteinerungsmittel von Calamopora polymorpha mit 
Quarz bei Aumenau. 

* Eisenglanz kam mit Eisenglimmer sehr schön auf den Gruben 
Heidenkopf bei Elz und Hahnberg bei Wirbelau vor. Die Analyse des 
letzteren ergab: 

Eisenoxyd 98,760%. 

Mangan 0,223 » 

Kieselsäure 1,300 » 

Phosphorsäure 0,035 » 

Schwefel 0,002 » 

100,320 °/o. 



auf 



— 203 — 

Rother Glaskopf, faseriger Rotheisenstciii, fand sicli in traubigen 
und tropfsteinartigen Partieen mit dichtem Rotheisenstein auf Grube 
Kalkstein bei Heckholzhausen im Amte Runkel; Offenbach bei Herborn 
und bei Dillenburg; mit Rotheisenrahm in den Districten Rothengräben 
und Seitersfeld bei Oberneisen im Amte Diez. In stalaktitischen Formen 
im Thone mit Pyrolusit u. s. w. bei Birlenbach, unweit Diez. 

* Rother Glaskopf fand sich neuerdings sehr schön auf der Eisen- 
erzgrube Strassenfeld bei Elz. 

Dichter Rotheisenstein bildet an vielen Orten der Lahn- und 
Dillgegend ganze Lager. Er wird gewöhnlich begleitet von Kalkspath, 
Quarz und Aphrosiderit. Seltener findet er sich im Porphyr in kleinen 
M, -sen ausgeschieden: Hauselay bei Weilburg, Balduinstein. Der an- 
scheinend ganz reine, dichte Rotheisenstein aus den Lahngegenden scheidet 
die beigemengte Kieselsäure bei der Zersetzung mit Salzsäure theilweise 
oder ganz als Gallerte ab und enthält demnach, wie manche Brauneisen- 
steine, dieselbe in der Form eines von Säuren zersetzbaren Silikates. 

Der Rotheisenstein kommt als Versteinerungsmittel von Conchylien, 
Polyparien u. s. w., die äussere Schale derselben ersetzend vor bei 
Nanzenbach, Oberscheid und Weilburg. 

* Auf Grube Gottes-Gabe bei Villmar kommt zuweilen ein dichter 
Rotheisenstein vor, der sehr regelmässig nach dem Kalkspath-Rhomboeder 
spaltet. 

Rotheisenrahm (Eisenrahm). Auf dichtem Rotheisenstein auf 
verschiedenen Gruben um Dillenburg, namentlich schön auf Grube Stillings- 
eisenzug bei Nanzenbach, zu Ahausen bei Weilburg; auf Kalkspath- 
drusen des Dolomits von Staffel bei Limburg; in massiger Ablagerung 
über Porphyr mit dichtem Rotheisenstein und überlagert von Brauneisen- 
stein in den Districten Rothengräben und Seitersfeld bei Oberneisen, 
unweit Diez. 

* Rotheisenrahm findet sich häufig auf der Eisenerzgrube Eisen- 
feld bei Philippstein und auf Eisensteingruben in der Nähe von Catzen- 
elnbogen. 

Rotheisenstein nach Eisenkies. Wurde in einem kleinen Exemplare 
auf der Braunkohlengrube Alexandria bei Höhn in einem Strahlkies- 
Knoten in den Braunkohlen beobachtet. Die äussere, krystallinische 
Structur des Strahlkieses ist noch vollständig erhalten und die kugeligen, 
zusammengehäuften strahligen Partieen des Markasits sind bis zu 1 — 2 mm 
Dicke in Rotheisenstein, der sich von den tieferen Lamellen rein ab- 
sprengt, umgewandelt. 



— 204 — 

Eisenoxyd nach Kalkspath. Bei Heckholzhausen finden sich in 
den Thonablagerungen, welche dem Dolomit angehören, Concretionen von 
faserigem Rotheisenstein, in dem zuweilen noch die Formen des Kalk- 
spaths ziemlich scharf erhalten sind. Auch bei Diez kommen im drusigen 
Dolomit Kalkspathkrystalle vor, die zum Theil in Rotheisenstein umge- 
wandelt sind. Der in Dolomit umgesetzte Kalk ist dann mit Eisenoxyd 
gefärbt, welches sich nach diesen Drusenräumen hin zusammenzieht. 

Eisenoxyd nach Braiinspath. Wie der Braunspath im Dolomit- 
gebiete bei Niedertiefenbach von Pyrolusit in den manganhaltigen Dolo- 
miten verdrängt wird, so geschieht dieses auch durch Eisenglimmer oder 
Eisenrahm in den eisenoxydhaltigen. — Pseudomorphosen hiervon wurden 
an der Lay bei Steeten aufgefunden. 

Die meisten Rotheisensteinlager in Nassau sind als Pseudomorphosen 
zu betrachten. Die Eisensteingruben Breitehecke, Königszug, Prinzkessel, 
Rinkebach u. s. w. bei Dillenburg bestätigen diese Annahme auf das 
Entschiedenste, indem auf den Lagerstätten derselben zahlreiche thierische 
Reste, namentlich die Gehäuse von Cephalopoden sehr schön erhalten 
und in Rotheisenstein umgesetzt vorkommen. Nicht selten ist sogar in 
diesen Petrefakten. die Structur des Kalkspaths vollständig erhalten oder 
das Innere derselben besteht noch aus unalterirtem Kalkspath. — Auf 
Grube Breitehecke kamen Orthoceratiten vor, welche aus einem Gemenge 
von Rotheisenstein und Magneteisenstein bestanden. 

121. Lepidokrokit. S. Uebers., S. 90, 25; 1849, S. 203; 1851, 
II, S. 260; 1852, II, S. 120. 

In undeutlichen Krystallen und schuppig -strahligen Partieen als 
Ueberzug auf Pyrolusit und Brauneisenstein auf Grube Wachhecke bei 
Gaudernbach im Amte Runkel; mit Brauneisenstein und Manganerzen 
im Thone bei Elz im Amte Hadamar; mit Brauneisenstein auf Lagern 
im Thon : Grube Welschenberg bei Balduinstein unweit Diez ; mit Braun- 
eisenstein bei Lautzenbrücken im Amte Hachenburg. 

122. Rubinglimmer (Göthit). 1849, S. 203; 1851, II, S. 260. 
In zierlichen Krystallen im Eisenglanz eines Ganges in Grauwacke 

bei Oberhattert im Amte Hachenburg. — Ausgezeichnet schön in 
Höhlungen von dichtem Eisenglanz, welcher lagerförmig über rothem 
Porphyr vorkommt bei Oberneisen. 

* Die Richtigkeit letzterer Mittheilung ist indessen zu bezweifeln. Auf 
den Gruben Rothenberg und Seitersfeld bei Oberneisen kam in den 
Höhlungen eines dichten Eisenglanzes ein ausgezeichnet schöner, rubin- 
rother, durchscheinender, feinschuppiger Eis engl immer vor, der bei 



- 205 - 

oberflächlicher Betrachtung leicht mit Rubinglimmer verwechselt, dagegen 
an dem rothen Striche leicht erkannt werden konnte. Dieses Vorkommen 
war gar nicht selten. 

* Rubinglimmer kam auf Grube Jonas bei Nieder tief enbach im 
Amte Hadamar sehr selten als Ueberzug von Pyrolusit vor. (F. Odern- 
heim er: Das Berg- und Hüttenwesen im Herz. Nassau, 1865, S. 219.) 

* Göthit fand sich auf Grube Friedrichssegen bei Oberlahnstein, 
eine Druse rother, durchscheinender Täfelchen in Brauneisenstein bildend. 
(Verhandlungen des naturhistorischen Vereins der Preussischen Rhein- 
lande und Westfalens, 1876, S. 266.) 

123. Stilpnosiderit (amorphes Eisenoxydhydrat). 1849, S. 203; 
1850, S. 39; 1851, II, S. 260; 1852, II, S. 120. 

In Brauneisenstein auf Grube Schöne-Aussicht bei Dernbach im Amte 
Montabaur; mit Brauneisenstein und Quarz lagerartig bei Johannisberg 
im Rheingau ; auf Lagern in verwittertem Taunusschiefer bei Wildsachsen 
und Frauenstein ; auf Gängen in der Grauwacke von Lautzenbrücken 
bei Hachenburg und Bölsberg bei Marienberg; im Schalstein bei Essers- 
hausen und in Höhlungen des Dolomites von Weinbach bei Weilburg. 

124. Brauneisenerz (Limonit). S. Hebers., S. 90, 26, 27, 61; 
1849, S. 203; 1850, S. 39; 1851, II, S. 228, 230, 237, 260; 1853, 
II, S. 41; 1857, S. 397. 

Faseriger Brauneisenstein auf Gängen in Grauwacke: Lautzen- 
brücken, Bölsberg und Oberrossbach auf dem Westerwalde ; Dernbach 
bei Montabaur und Auel bei St. Goarshausen in Begleitung von Psilo- 
nielan ; auf Klüften in derselben Felsart: Welschneudorf, Ems, Dahl- 
heim u. s. w. ; im Diluvialthon über Quarz oder Taunusgesteinen : 
Balduinstein, Wallau; im Schalstein mit Barytspath: Lohrheim an 
der Aar. 

* Faseriger Brauneisenstein fand sich sehr schön, zum Theil 
als brauner Glaskopf, auf den Gruben Strassenfeld, Winkel und Gustav 
bei Elz, Lückenbach bei Weinbach u. s. w. In zierlichen, strauchartig 
verästelten Gestalten fand er sich auf der Brauneisensteingrube Franken- 
art (Aisbacherhöhe) bei Aisbach im Amte Selters. 

Haarförmiger Brauneisenstein (Nadeleisenstein, Sammetblende) 
kam in kleinen Drusen im Brauneisenstein bei Wiesbaden und Dern- 
bach vor. 

Dichter Brauneisenstein im Taunusschiefer: Wildsachsen, König- 
stein, Eppstein; in Grauwacke an den bereits bei dem faserigen Braun- 
eisenstein angeführten Orten, sodann bei Welkenbach, Winkelbach und 



— 206 — 

Alpenrod, unweit Hachenburg, Steinfischbach bei Idstein, Holzappel. 
Lagerartig im Schalstein bei Dehrn, unweit Limburg; im Stringocephalen- 
kalk in Nestern: Allendorf beiCatzenelnbogen, Villmar. Mit Eotheisenstein : 
Odersbach, Kirschhofen u. a. 0. bei Weilburg, Holzheini bei Diez, 
Hirzenhain u. s. w. bei Dillenburg. Mit Pyrolusit und Psilomelan im 
Dolomit: Niedertiefenbach, Diez, Weinbach. Mit Kupfererzen: Gemeine 
Zeche bei Nanzenbach im Amte Dillenburg. 

* Dichter Brauneisenstein kam in kleinen, losen, eckigen Körnern 
im Wilhelmstollen der Grube Eisenfeld bei Philippstein vor; als Bolltierz 
eingebettet in braunrothem Thone auf einigen Gruben bei Heckholz- 
hausen. 

Brauneisenstein findet sich in der tertiären Eisensteinbildung bei 
Dernbach im Amte Montabaur als Versteinerungsmittel von Holz, Blättern 
und Früchten ziemlich häufig. Hier scheint derselbe ein Umwandlungs- 
product aus Sphärosiderit zu sein, woraus die ganze Ablagerung im 
Wesentlichen besteht und der ebenfalls als Versteinerungsmittel daselbst 
auftritt. 

Als Bindemittel von Diluvialconglomeraten kommt er vor bei Weil- 
burg, Limburg, Hofheim. 

Brauneisenstein nach Eisenspath kommt vor in der Form R 

bei Holzappel und als Hülle von Steinkernen in dem Grauwackensandstein 
von Kemmenau. Ausserdem findet sich diese Pseudomorphose bei Höchsten- 
bach und Lautzenbrücken im Amte Hachenburg und an anderen Orten 
Nassaus in oberen Teufen auf Gängen in der Grauwacke. Der sehr 
manganreiche Eisenspath der Grube Eisenkaute bei Lautzenbrücken er- 
scheint auch nicht selten in Manganit und ein Gemenge von Rotheisen- 
stein und diesem letzteren Minerale umgewandelt. 

Brauneisenstein nach Schwefelkies. An dorn Weg, welcher 
gleich unterhalb Dillenburg nach der Schütte führt, finden sich in ver- 
wittertem Schalsteine Knollen und Kugeln, die in der dortigen Gegend 
fälschlich Markasite genannt werden. Dieselben haben in der Regel ein 
radialstrahliges Gefüge, zeigen an ihrer Oberfläche Würfelflächen und 
bestehen zum Theil ganz aus Brauneisenstein, zum Theil haben sie aber 
auch einen Kern von Schwefelkies. Diese Pseudomorphose kam auch sehr 
schön am Scheuernberger Kopfe bei Weilburg nach der Form oo oo 
auf einer mit Eisenmulm ausgefüllten Kluft im Grünsteine vor und fand 
sich auch bei Cronberg auf dem Taunus. 

Brauneisenstein nach Eisenspath der Form R kommt zu Holz- 
appel vor. 



- 207 - 

Brauneisenstein nach Barytspath in sehr kleinen Krystallen 
auf Kluftflächen des Quarzganges bei Schneidhain, unweit Königstein. 

Brauneisenstein nach Pyromorphit. Diese Pseudomorphose von 
Dernbach bei Montabaur kommt auf einem Gange in der älteren Grau- 
wacke in oberer Teufe vor. 

Erdiger Brauneisenstein findet sich als Ueberzug der Steinkerne 
von Versteinerungen in der Grauwacke von Lahnstein, Hasselborn n. s. w.; 
im Thon in den Pyrolusitlagerstätten mit Halloysit, Wavellit und Wad 
bei Niedertiefenbach und Weinbach; im Basalttuff bei Wölferlingen. In 
Dendriten als Ueberzug verwitterter Gesteine allgemein vorkommend. 

Schuppiger Brauneisenstein (Brauneisenrahm) kommt vor in 
Blasenräumen eines grünsteinartigen Schalsteins bei Runkel. 

Gelbeisenstein. In faserigen Partieen in Brauneisenstein bei Ober- 
rossbach im Amte Hachenburg. Thoniger Gelbeisenstein von ausgezeichnet 
schaliger Absonderung und öfter noch mit einem Kerne von unzersetztem 
Sphärosiderit findet sich im Thone bei Oestrich. Derselbe wird zur 
Darstellung verschiedener Ockerfarben benutzt. 

* Gelbeisenstein kommt auf mehreren Eisenerzgruben, z. B. Heinrichs- 
segen bei Münster, Allerheiligen bei Cubach vor. 

* Umbra kommt vor am Ausgehenden des Eisen- und Manganerz- 
Lagers der Grube Schottenbach bei Gräveneck im fiskalischen Walde 
Schottenbach. 

Raseneisenstein. Häufig mit Torf gemeinsam in abgerundeten 
Stücken auf dem Grunde stagnirender Gewässer des Westerwaldes oder 
in einzelnen Lagen unter der Dammerde, so bei Dernbach in der Nähe 
von Montabaur, in der Räuschebach und an der Ziegelhütte bei Weilburg. 
Ueberall ist das Vorhandensein an der glänzenden Eisenhaut über den 
kleinen, durch solche sumpfige Strecken ziehenden Bächen sogleich zu 
erkennen. 

* Kaseneisenstein kommt auch vor bei Rennerod. (Bergmeister 
Fr oh wein.) 

125. Spatheisenstein (Eisenspath, Siderit). S. Uebers., S. 102, 85. 

Von Krystallformen nur R beobachtet zu Holzappel. In derben, 
grossblätterigen Massen mit Fahlerz und Bleiglanz: Holzappel, Obern- 
hof, Wellmich, Höchstenbach und Alpenrod bei Hachenburg. In oberen 
Teufen gewöhnlich zu Brauneisenstein umgewandelt mit Beibehaltung der 
Form. 

* Spatheisenstein kommt ausserdem vor auf den Erzgruben bei 
Ems, Oberlahustein und Braubach, auf den Gruben Neuermuth bei 



— 208 — 

Strassebersbach, Kühberg bei Alpenrod, Urwald bei Hachenburg und 
Haincben bei Grenzhausen. In Rhomboedern krystallisirt fand er sich 
auf den Gruben Hilfe-Gottes bei Nanzenbach und Himrain bei Manderbach. 

* Sphärosiderit kommt vor auf den Gruben bei Hambach, Gückingen, 
Staffel, Elz und auf Grube Cronberg bei Horressen im Amte Montabaur. 
(F. Odernheim er. Das Berg- und Hüttenwesen im Herz. Nassau. 
1865, S. 274 und 276.) 

126. Mesitin (Mesitinspath). 1864/66, S. 92. 

Auf der Nickelerzgrube Hilfe-Gottes bei Nanzenbach fand sich dieses 
Mineral in schönen, weingelben, durchscheinenden, flachrhomboedrischen 
Kryställchen der Formen — l / 2 R m & — V 2 R- ° R- Dasselbe kommt in 
nickelhaltigem Schwefelkies als Auskleidung von kleinen Drusen in 
Begleitung von Schwefelnickel vor. 

127. Ankerit (Eisenkalkspath). 1850, S. 42. 

Der meist krummblätterige, derbe Kalkspath auf den sog. Fluss- 
eisensteinlagern der Lahngegenden gibt beim Spalten Winkel von 106° 12', 
deren Erkennung bei der mitunter starken Biegung der Spaltungsflächen 
und anderen durch die in den Massen überall wahrnehmbare Zwillings- 
bildung bedingten Hindernissen indessen oft erschwert wird. Ausserdem 
verwittert derselbe mit intensiv gelber Farbe, welche auf eine Ausscheidung 
von Eisenoxydhydrat hindeutet; alles Eigenschaften, welche dem Eisen- 
kalkspath (Ankerit) zukommen. 

128. Eisenvitriol (Melanterit). S. Uebers., S. 90, 76; 1852, II, 
S. 122. 

Auf einer Kluft, dem sog. grünen Trumm, im Grünstein der Grube 
Hilfe-Gottes bei Nanzenbach (nickelhaltig) ; in zersetztem Basalt unter 
eisenkiesreicher Braunkohle der Grube Wilhelmsfund bei Westerburg. 
Wurde ausserdem bei dem Aufräumen alter Halden behufs der Gewinnuug 
der darin enthaltenen Blende zu Ems gefunden. Die Farbe streift an's 
Bläuliche und das Mineral enthält nach einer qualitativen Analyse neben 
Eisenoxydul und Schwefelsäure auch noch Kupferoxyd, Nickeloxyd, Blei- 
oxyd und Chlor. 

* Eisenvitriol kommt krystallisirt auf Grube Strichen bei Münster 
in schwarzen Schiefern vor, welche sich zersetzenden Schwefelkies enthalten. 

* Auf der Braunkohlen- und Schwefelkies-Grube Inspector bei Ober- 
tiefenbach im Amte Runkel fand sich ein ausgewittertes Salz, das wahr- 
scheinlich ein Gemenge von Eisenvitriol und schwefelsaurem Eisenoxyd 
ist. Die Analyse von E. Herget zu Diez ergab: 



igiiiij 



— 209 — 

Schwefelsäure 39,68 °/o. 

Eisenoxydul 23,31 » 

Eisenoxyd 10,30 » 

Magnesia 0,73 > 

Thonerde 3,47 » 

Wasser (?) 22,51 » 



100,00 /o. 

Das Wasser wurde aus dem Verlust bestimmt und da bei 100° 
getrocknet wurde, ist wahrscheinlich Krystallwasser verloren gegangen. 

129. Eisenblau (Blaueisenerde, Vivianit). S. Uebers., S. 99, 73; 

1850, S. 41; 1851, II, S. 236; 1857, S. 397. 
Vielleicht gehört hierher der bläuliche Anflug der Blasenräume im 

Basalt von Neunkirchen, Weilburg u. a. 0. Hin und wieder als Anflug 
oder Ueberzug auf fossilen Zähnen im Sande von Mosbach. In den 
Thonen der Braunkohlenformation als Anflug auf Spaltungsflächen der- 
selben, wie auch in Drusenräumen bei dem Contacte mit Basalten u. s. w. 
bei Langenaubach häufig. Dieses letztere Vorkommen dürfte sich übrigens 
bei näherer Untersuchung als Krokydolith herausstellen. 

* Deutliche lebhaft glänzende Krystalle von Vivianit finden sich 
hin und wieder in der trichterförmigen Vertiefung fossiler Fischwirbel 
aus den Septarienthonen von Flörsheim. (C. Koch.) 

130. Kakoxen. 1864/66, s. 91. 

Kommt auf Kluftflächen des Thoneisensteins in der Grauwacke im 
District Wormersberg bei Osterspai am Rhein in zarten, strahlig-radialen 
Partieen mit ockergelber Färbung vor. 

* Auf Brauneisenstein bei Niedertiefenbach im Amte Hadamar, 
besonders schön aber auf Grube Mark bei Essershausen im Amte Weil- 
burg, in dunkel citrongelben, lebhaft seidenglänzenden strahligen Büscheln, 
welche auf Brauneisenstein aufsitzen. 

131. Grüneisenstein. S. Uebers., S. 99, 74; 1849, S. 205; 

1851, II, S. 267; 1857, S. 396; 1864/66, S. 90. 
Als erdiger Anflug auf stalaktitischem Brauneisenstein bei Bölsberg 

im Amte Marienberg; in Drusen des Brauneisensteins der Grube Schöne- 
Aussicht bei Dernbach im Amte Montabaur; mit Stilpnosiderit im thonigen 
Brauneisenstein zu Weyer bei St. Goarshausen ; auf Brauneisenstein der 
Grube Langenstück bei Wildsachsen auf dem Taunus. Hier krystallisirt 
und faserig. Auf Kluftflächen des Thoneisensteins der Grube Eisenborn 
bei Breitenau im Amte Selters in radial-strahligori Partieen. 

Jahrb. d. na89. Ver. f. >iat. XXXI u. XXXII. ^ 









— 210 — 

132. Lievrit (Ilvait). 1857, S. 396, 399. 

Findet sich derb in Ideseligen Eisensteinlagern der Dillgegend ziem- 
lich häufig. In schönen und mitunter grossen Krystallen in der Monzen- 
bach hei Herbornseelbach, am Dollenberg hei D>rborn, bei Burg, Hörbach 
und Eisemroth. 

133. Stjlpnomelail. 1851, II, S. 222, 230; 1852, II, S. 120. 

Dieses, zuerst auf der Grube Friedericke bei Kirschhofen nachge- 
wiesene Mineral findet sich auch auf den Rotheisensteinlagern bei Bohn- 
scheuer in der Nähe von Mudershausen und im Concor diastollen bei 
Villmar, begleitet von eisenhaltigem Kalkspath und Quarz. Die.schwarzgrüne 
Farbe des unzersetzten Minerals ändert sich bei der höheren Oxydation in 
Tombackbraun um; die Spaltbarkeit, der Glanz u. s. w. bleiben dieselben. 

Stilpnomelan nach Quarz. Auf dem Rotheisensteinlager der 
Grube Friedericke kommt der Stilpnomelan, der als ein Umwandlungs- 
product des Rotheisensteius erscheint, an zerklüfteten Punkten, die mit 
Quarzkrystallen und Kalkspath theilweise erfüllt sind, in einem zer- 
setzten Zustande vor. Seine schwarzgrüne Farbe ist in ein metallisch 
glänzendes Tombackbraun verändert. Die von dem Quarz frei gelassenen 
Räume sind mit den schuppigen Aggregaten dieses veränderten Minerals 
erfüllt und die Quarzkrystalle davon, zumal an den Pyramidenflächen, 
sichtlich angegriffen und zerfressen, während die übrigen unangegriffenen 
Flächen ein braunes, schillerndes Ansehen haben und sich abblättern. 
Diese Veränderung dringt oft ziemlich tief in die Quarzkrystalle ein. 
Dieselbe Umwandlung scheint an demselben Fundorte auch mit unalte- 
rirtem Stilpnomelan zu geschehen. 

Stilpnomelan nach Rotheisenstein. Diese Pseudomorphose kommt 
an demselben Fundorte wie die vorigen vor. Da, wo das Lager zer- 
klüftet und mit Quarz und Kalkspath zum Theil ausgefüllt ist, wird 
der Rotheisenstein an den Salbändern oder in einzelnen Trümmchen, die 
durch den Lagerraum hindurchziehen, in Stilpnomelan umgewandelt, und 
zwar fast immer nur von der Klüftung ausgehend. Die Drusenräume, fei 
welche bei dieser Umwandlung offen bleiben und mit Quarz und schup- 
pigen Aggregaten von Stilpnomelan bekleidet sind, zeigen öfter einen 
Ueberzug von Braunspath und einzelne Partieen kleiner Heulanditkrystalle. 

Stilpnomelan nach Kalkspath. Mit der oben angeführten Um- 
wandlung des Quarzes in Stilpnomelan kommt an demselben Fundorte 
ein Kalkspath vor, welcher das äussere Ansehen wie Eisenspath hat, der 
in Verwitterung begriffen ist und seinen Merkmalen nach dem Ankerit 
nahe zu stehen scheint. Dieses Mineral, das wahrscheinlich selbst als 






, 



— 211 — 

eine Pseudomorphose zu betrachten ist, wird von dem in Zersetzung be- 
griffenen Stilpnomelan angegriffen, oder das noch vorliandene Kalk- 
carbonat noch weiter verdrängt, indem sich derselbe in die Blätterdurch- 
giinge und Risse des aufgelockerten Kalkspaths einnistet. 

134. Grünerde (Seladonit). S. Uebers., S. 97, 58. 

In serpentinartigem Grünstein in kleinen Nestern : Tunnel bei Weil- 
burg und wahrscheinlich als färbender Bestandtheil der dichten Grünsteine. 

135. Nontronjt. 1857, S. 399. 

Auf Klüften der Rotheisensteinlager auf der Eisernen-Hand bei 
Oberscheid derb und eingesprengt. 

* In zeisiggrünen Massen im Cypridinenschiefer des Grimmeisgraben 
bei Nanzenbach; matt zeisiggrün auf den Ausgehenden der Rotheisen- 
steinlager der Gruben Fortuna bei Aumenau und Stollberg bei Weil- 
münster. Man sehe auch unter Speckstein. 

* Auch in den Sericitgneissen des Taunus findet sich vielfach grüner 
und gelbgrüner Nontronit auf Kluftflächen ausgeschieden, besonders häufig 
bei Auringen. (C. Koch.) 

136. Sordawalit. 1864/66, S. 92. 

Wurde im Grünstein von Herbornseelbach bei Herborn in Begleitung 
von Lievrit als Kluftausfüllung in derben, plattenförmigen Stücken mit 
den charakteristischen Eigenschaften aufgefunden. 

137. Skorodit. 1864/66, S. 90. 

In Drusenräumen und auf Contractionsflächen des Nickelarsenik- 
glanzes zu Ems kommt ein Mineral in sehr kleinen Krystallen der an- 
scheinend rhombischen Form P.ooP2 vor. Dasselbe ist glasglänzend 
und zum Theil bläulich grün und wohl als ein Zersetzungsproduct des 
genannten Erzes und als Skorodit anzusprechen. 

* Skorodit wurde auf Grube Schöne-Aussicht bei Dernbach im Amte 
Montabaur aufgewachsen auf quarzigem Brauneisenstein und in ausge- 
zeichneten Krystallen aufgefunden. (Verhandlungen des naturhistorischen 
Vereins der preussischen Rheinlande und Westfalens. 1876, Sitzungs- 
berichte, S. 14 und 1877, Verhandlungen, S. 173.) 

138. Carminspath (Carminit). 1864/66, S. 90. 

Mit dem unter Skorodit erwähnten Mineral von Ems kommt unter 
denselben Verhältnissen in büschelförmigen, microkrystallinischen Partieen 
und Ueberzügen, die aus dem dunkeln Carminroth in's Braune verlaufen 
und theilweise schon wieder zersetzt sind, Carminspath vor. 

139. Beudantit. 1857, S. 396; 1864/66, S. 90. 

Mit phosphorsaurem Bleioxyd in kleinen Kryställchen im Braun- 

14* 



— 212 — 

eisenstein der Grube Schöne- Aussicht bei Dernbach im Amte Montabaur 
und unter ähnlichen Verhältnissen auf Brauneisenstein der Grube Edel- 
stein bei Luckenbach im Amte Hachenburg. 

* Später fand er sich auf Grube Schöne- Aussicht auch in grösseren, 
lauchgrünen und braunen Krystallen. 

140. Titaneisen (Menakan). S. Uebers., S. 92, 32, 1849, S. 204. 
In irisirenden Oktaedern und Hemitropien derselben im Trachyt: 

Dahlen und Heilberscheid bei Montabaur; in phorphyrartigem Phonolith 
an der Burg bei Hartenfels im Amte Selters; in Basaltmandelstein bei 
Härtungen im Amte Wallmerod; in ausgezeichneten muscheligen Stücken 
im Basalt von Naurod bei Wiesbaden und bei Weilburg (sog. schlackiges 
Magneteisen). In Körnern sehr häufig im Dolerit, weniger im Phonolith. 
Titaneisen ist gewöhnlich dem Bimsstoinsande beigemengt. 

141. Schwefelkies (Tesseraler Eisenkies. Pyrit). S. Uebers., S. 84, 
12; 1850, S. 38; 1851, II, S. 236, 258; 1852, II, S. 120; 1853, II, S. 40. 

Kommt sehr häufig derb und krystallisirt vor. Die Krystalle zeigen 
verschiedenartige Formen und sind häufig von ausgezeichneter Schönheit. 
Als Fundorte sind anzuführen : im Taunusschiefer oder auf Quarztrümmern 
in demselben: Cronberg, Königstein, Dotzheim, Nerothal bei Wiesbaden ; 
meist jedoch ist das Mineral in Brauneisenstein umgewandelt; in Grau- 
wackeschichten in einzelnen Krystallen, Krystallschnüren oder Kugeln: 
Lahnstein, Ems, Caub, Egenroth, Wisperthal, Langhecke, Wissenbach. 

Die Combination qoOqo • — - — • -'— — , welche sich mit Manganbraun- 

spath, Quarz, Kupferkies und Kalkspath auf kleinen Gangtrümmern im 
Dachschiefer von Caub findet, zeigt öfter eine unsymmetrische Verlängerung 
vom Habitus einer quadratischen Säule, aus deren Ende mitunter ein 
kleiner, regelmässiger Krystall hervorragt. Im dünnschieferigen Cypridinen- 
schiefer von Kirschhofen bei Weil bürg finden sich in Brauneisenstein 
umgewandelte Krystalle, welche sehr ausgezeichnet die Combination 

0. — - — zeigen. Sonst findet sich in dem Cypridinenschiefer, besonders 

Li 

in den Kalkscbiefern und den Anthracit-Lagen derselben, der Schwefelkies 
bei Odersbach, Löhnberg und Weilburg. Im Grünstein ist Eisenkies 
allenthalben verbreitet. Die Dillenburger sog. Markasite sind bereits 
früher unter Brauneisenerz erwähnt. Sehr schön traubige Gestalten 
finden sich zuweilen auch in der Braunkohle, namentlich bei Marienberg. 
Mikroskopische Oktaeder kommen im Basalte von Weil bürg am Rande 
der Ausscheidungsriude von Neolith und zeolithischen Mineralien oder 



— 213 — 

auch zwischen diesen selbst nicht selten vor. Grössere Krystalle kommen 
auf den Rotheisensteinlagern bei Eibach und Nanzenbach vor. Auf den 
Erzgängen der Grauwacke findet sich Schwefelkies mit Kupferkies und 
Bleiglanz theils krystallisirt, theils in traubigen und kolbigen Gestalten: 
Ems, Wellmich, Holzappel. Auf den Kupfererzgängen im Grünstein und 
Schalstein sehr schön auf den Gruben Gnade-Gottes bei Donsbach und 
Gemeinezeche bei Nanzenbach. An letzterem Orte findet sich die Com- 
bination qo oo . . oo zuweilen sehr schön ausgebildet. 

Nickelhaltiger Eisenkies. Auf Gängen im Grünstein oder Schal- 
stein findet sich zuweilen ein mehr oder weniger nickelhaltiger Eisenkies. 
Derselbe besteht sichtlich aus einem Gemenge von Kupferkies mit einem 
Eisenkies von auffallend heller und fahler Farbe. Ein solches Vorkommen 
wurde auf der Grube Hilfe-Gottes bei Nanzenbach unweit Dillenburg zur 
Gewinnung von Nickel behaut. — Auf dem Emser Gange kam ein Eisenkies 
mit einem nicht unbedeutenden Gehalte an Nickel derb und krystal- 
lisirt vor. 

Eisenkies findet sich als bekanntes Versteinerungsmittel sowohl an 
thierischen Resten in den Schiefern bei Wissenbach, als auch an fossilen 
Pflanzen bei Dernbach im Amte Montabaur im Tertiärgebiete. 

Manche fossile Hölzer aus der Braunkohlengrube Wilhelmsfund bei 
Westerburg sind zum Theil in Eisenkies umgewandelt, welcher wieder 
von einem späteren Absätze von krystallisirtem Quarze überrindet ist. 

1-42. Markasit (rhombischer Eisenkies, Kammkies, Speerkies, Strahl- 
kies). S. Uebers., S. 85, 13. 

Selten auf Erzgängen mit Kupferkies und Quarz: Ems, Grube Neuer- 
muth bei Nanzenbach. Im Braunkohlenletten: Breitscheid, Bierstadt. 
In den Braunkohlenlagern selbst ist er in Nassau seltener als in anderen 
Ländern. Als Fundorte sind vorzüglich zu nennen: Grube Oranien bei 
Stockhausen unweit Marienberg, Merenberg bei Weilburg, Bommersheim 
bei Königstein. Deutliche Krystalle wurden nicht beobachtet. 

143. Magnetkies (Pyrrhotin). S. Uebers., S. 84, 11; 1851, II, 
S. 258; 1853, II, S. 40. 

Selten eingesprengt und in Körnern eingewachsen in Basalt: Weil- 
burg, Naurod bei Wiesbaden. Im Basalte von Weilburg fand sich dieses 
Mineral am Rande zeolithischer Ausscheidungen, zwischen den Spaltungs- 
flächen eingeschlossener Hornblendekrystalle und mitunter in derben 
Partieen von 6 mm Durchmesser mitten im strahligen Mesotyp. Alle 
diese Umstände deuten auf eine sehr neue Bildung des Schwefeleisens in 
den Basalten hin. Ferner fand sich Magnetkies im Grünstein des Rup- 



— 214 — 

bachthales und in krystallinischem schwarzen Diabase eingesprengt bei 
Uckersdorf im Amte Herborn. 

Mangan. 

144. Pyrolusit (Graubraunsteinerz). S. Uebers., S. 87, 21; 1850, 
S. 137; 1851, II, S. 228, 229. 

Mit Brauneisenstein und Psilomelan trifft man Pyrolusit sehr häufig 
im Gebiete des Dolomits. Die schönsten Krystalle kommen zu Weinbach 
unweit Weilburg und zu Niedertiefenhach bei Limburg vor. An letzterem 
Orte finden sich auch ausgezeichnete stängelig abgesonderte Stücke, die 
theilweise Uebergangsstufen zwischen Manganit und Pyrolusit oder Polianit 
sind. Weitere Fundorte im Dolomitgebiete sind : Cubach und Hirsch- 
hausen hei Weilburg, Schupbach und Gaudernbach bei ßunkel, Freien- 
diez, Oranienstein, Birlenbach und Diez, Hadamar. In Hornsteinkugeln: 
Lahr bei Hadamar. In einem eisenschüssigen Quarzconglomerate über 
Taunusschiefer: Assmannshausen. Strahlige und erdige Varietäten finden 
sich mit den krystallinischen zu Weinbach und Niedertiefenbach. — Die 
Analyse eines Braunsteins von Diez ergab nehen Spuren von Kobalt- 
oxydul einen Gehalt von 0,21% an Nickeloxydul. 

Pyrolusit nach Braunspath. Diese Pseudomorphose wurde bei 
Niedertiefenbach aufgefunden. An derselben sind alle Stadien der Ver- 
drängung von anderen Fundorten, wie z. B. von Hadamar, zu beobachten. 

145. Manganit. S. Uebers., S. 91, 30; 1853, II, S. 41. 

Mit Pyrolusit, in den er sich umwandelt, auf den Manganerz- 
lagerstätten bei Niedertiefenbach und als Zersetzungsproduct des Maugan- 
spaths bei Oberneisen. 

146. Wad (Braunsteinschaum). S. Uebers., S. 91, 29; 1849, S. 203. 
Mit Halloysit und Wavellit im Thon über Pyrolusit bei Weinbach. 

In tropfsteinartigen schaumigen Partieen im Dolomit oder in den anderen 
Manganerzen bei Steeten, Dehrn, Niedertiefenbach, Hadamar, Elz, Birlen- 
bach u. s. w. In Höhlungen des Palagonitconglomerats am Beselicherkopf 
bei Niedertiefenbach; in einem Barytspathgang bei Burg unweit Herborn. 
In Pseudomorphosen nach Kalkspath auf Grube Nicolaus bei Dillenburg. 

147. Psilomelan (Hartmanganerz). S. Uebers., S. 91, 28; 1850, 
S. 39; 1851, II, S. 236. 

Faserig in vorzüglicher Schönheit im Thon über Pyrolusitlagerstätten 
bei Weinbach ; sehr schöne Stalaktiten mit strahliger Textur bildend auf 
Grube Kalk bei Cubach im Amte Weilburg; im Quarze eines Kotheisen- 
steinlagers der Grube Gaensberg bei Weil bürg. Dicht auf allen bei dem 



— 215 — 

Pyrolusit angegebenen Manganerzlagerstätten; die Knüllen, welche die 
Erze enthalten, bestehen aus drei Lagen, die üusserste ist Brauneisenstein, 
die zweite Psilomelan, die innerste Pyrolusit, gewöhnlich auskrystallisirt 
mit nach dem Mittelpunkte der Kugel gerichteten Krystallspitzen. Auf 
Quarzklüften in der Grauwacke von Grävenwiesbach bei Usingen. Mit 
Rotheisenstein bei Dronnnershausen und Odersbach hei Weüburg; mit 
Brauneisenstein: Kramberg bei Wied, unweit Hachenburg. In einem 
Conglomerate mit Pyrolusit und Botheisenstein bei Assmannshausen; in 
losen Stücken in der Dammerde bei Pottum im Amte Rennerod. In 
dendritischen Gestalten (doch werden diese wohl zum Theil auch von 
Pyrolusit und Wad gebildet) auf verwitterten Gesteinen allgemein verbreitet. 
In Pseudomorphosen nach Braunspath bei Niedertiefenbach im 
Amte Hadamar. Psilomelan fand sich auch als Abdruck einer Muschel- 
schale im Dolomit bei Catzenelnbogen. 

* Psilomelan kommt auch vor auf den Gruben Freiherr und Hugo 
bei Hörbach im Amte Herborn. (Bergmeister Froh wein.) 

US. Manganspath (Dialogit). 1852, II, S. 122; 1853, II, S. 46. 

Ausgezeichnete Krystalle (Combination eines spitzen Rhomboeders 
mit der Endfläche) der Varietät Himbeerspath angehörig, finden sich auf 
der Rotheisensteinlagerstätte im Porphyr bei Oberneisen im Amte Diez. 
Ausserdem findet er sich hier in warzigen und traubigen Gestalten, öfters 
mit Anlage zu strahliger Structur. 

* Auf Grube Rothenberg bei Oberneisen kam der Manganspath am 
schönsten vor, sowohl in den oben erwähnten Krystallen, als auch in 
traubigen Gebilden von schön himbeerrother Farbe; fand sich hier aber 
auch derb mit krystallinisch blätterigem Gefüge und weisser Farbe. 
Ausserdem kommt er sehr häufig auf den Gruben bei Elz, Hambach 
und Gückingen mit Sphärosiderit vor. Hier ist er meistens braun bis 
fast schwarz gefärbt; indessen fanden sich auch sehr schöne, hell rosen- 
rothe Stücke auf den Gruben Langenau und Hambach bei Elz. Krystalle 
sind hier sehr selten und fanden sich nur auf Grube Gustav (Ernst II.) 
bei Elz. Es waren rosenroth gefärbte, linsenförmige Rhomboeder, die 
einen üeberzug auf Sphärosiderit bildeten. 

Eisenmanganspath. 1864/66, S. 91. 

Auf der Grube Rothenberg bei Oberneisen kommt mit Rotheisenstein 
verwachsen ein gelblichweisses, krystallinisches Mineral vor, welches ganz 
den Habitus eines Dolomits zeigt und wesentlich aus kohlensaurem 
Eisenoxydul und kohlensaurem Manganoxydul zusammengesetzt ist. Dieses 
Mineral, welches eine Pseudoraorphose zu sein scheint, aber doch, wie so 



— 216 — 

viele derartige Bildungen, Anspruch auf die Stellung einer Mineralspecies 
hat, dürfte am Schicklichsten als Eisenmanganspath zu bezeichnen sein. 

149. Mangankiesel, rother (Kieselmangan, Ehodonit). 1851, II, 
S. 228, 264. 

Bei Donsbach im Dillenburgischen setzt ein schmales Gangtrümmchen 
von Psilomelan in Grünstein auf, der ein fast dünnschieferiges Gefüge 
zeigt. Zwischen den einzelnen Blättern des Psilomelans sind dünne 
Schichten eines rosenrothen amorphen Minerals abgelagert, das die Härte 
3 — 4 hat, mit Säure nicht braust und das nach allen Merkmalen nur 
für Kieselmangan und ein Umwandlungsproduct des Psilomelans gehalten 
werden kann. 

150. Mangankiesel, schwarzer. 1864/66, s. 90. 

In kleinen Drusenräumen des Psilomelans von Niedertiefenbach im 
Amte Hadamar finden sich Gruppirungen von Quarzkryställchen, welche 
von Mangan ganz undurchsichtig und schwarz gefärbt sind. * Dieses 
Mineral dürfte wohl besser bei dem Quarze unterzubringen sein. 

151. * Klipsteinit. Bildet ein über 30 cm mächtiges Lager über 
Rotheisenstein bei Herbornseelbach im Amte Herborn. (Mineralogie von 
Franz v. Kobell 1878; Elemente der Mineralogie von Naumann- 
Zirkel 1877.) 

152. * Manganvitriol. 

Auf der Grube Hub bei Hambach bildet das unmittelbare Hangende 
des Eisensteinlagers ein Schwefelkies führender Thon, der in Zersetzung 
begriffen öfters eine Temperatur von 30° C. in den Grubenbauen ver- 
anlasste. In Folge dieser Zersetzung entstand ein weisses Salz, das als 
Manganvitriol bezeichnet werden dürfte. Die Analyse von E. Herget 
zu Diez ergab: 

Schwefelsäure 46,98%. 

Manganoxydul 37,86 » 

Eisenoxydul 0,94 » 

Magnesia 2,64 » 

Wasser und Verlust 11,58 » 

100,00 °/o. 

Da bei 100° getrocknet wurde, ist wahrscheinlich Krystallwass« r 
verloren gegangen. 



Register. 



Keode 



ver- 



Blei- 



Adinole . . 
Albit . . . 
Allophan . . 
Amethyst . . 
Amphibol . . 
Analcim . . 
Anglesit . . 
Ankerit 
Anthracit . . 
Antimonsames 

oxyd 

Antimonsilberblende 

Apatit 

Aphrosiderit . . . 
Apophyllit . . . 
Aragonit .... 

Asbest 

Atakam it .... 

Augit 

Azurit 



Babingtonit . . 
Baryt, Barytspatb 
Barytharmotom . 
Bastit .... 
Bauxit .... 
Bergkrystall . . 
V Bergmileh . . 



mt 






Beudantit 

Bimsstein 

Biotit ...... 

Bitterkalk, Bitterspath 

Bittersalz 

Bituminöses Holz . . 



No. 

26 
26 
59 

19 

37 

48 
101 
127 

2 i 

105 

77 
16 

58 I 
68 
8 1 
37! 
91 1 

35 j 

84 ! 

i 

36 i 
ll 1 
52, 
70 ! 
73 I 
19 

9 
139 
29^ 
30 
10 
13 

3 ! 



Blaueisenerde . 
Blei, gediegen 

Bleicarbonat . . 

Bleiglanz . . . 

Bleiglätte . . . 

Bleigummi . . 

Bleilasur . . . 

Bleiniere . . . 

Bleivitriol . . 

Bohnerz . . . 

Bol, Bolus . . 
Bornit .... 

Bournonit . . . 

Braunbleierz . . 

Brauneisenerz . 

Braunkohle . . 

Braunspath . . 

Braunstein . . 

Braunsteinscha um 

Brochantit . . 

Broncit . . . 

Buntkupfererz . 

Buntbleierz . . 



Cäruleolaetin 

Calcit . . . 

Carminspath, 

Cerussit . 

Chabasit . 

Chalcedon 

Chalkanthit 

Chalkopyrit 

Chalkosin 

Chloanthit 



No. 

129 

97 

100 

107 

98 

106 

102 

105 

101 

124 

66 

96 

108 

103 

124 

3 

10 

144 

146 

86 

38 

96 

103 



. 18 
. 9 
Carminit 138 
. 100 
. 49 
. 19 
. 85 
. 95 
. 92 
. 115 



Chlorit . . 

Chloritoid 

Chrysokoll 

Chrysolith 

Chrysotil . 

Chromophyllit 

Cölestin 

Comptonit 

Covellin 

Cuprit . . 



Desmin 
Dialogit 
Dolomit 



Eisenalaun 
Eisenblau . 
Eisenglanz 
Eisenglimmer 
Eisenkalkspath 
Eisenkies, tesseraler . 
» rhombischer 
Eisenkiesel .... 
Eisenmanganspath 
Eisenrahm .... 
Eisenspath .... 
Eisenvitriol .... 

Epidot 

Erythrin 117 

Fahlerz 94 

Feldspath, Feldstein . 25 

Flussspath .... 7 

Franklinit .... 110 

Faujasit 50 



No. 

56 
57 
89 
41 
71 
33 
12 
45 
93 
80 

54 

148 
10 

15 
129 
120 
122 
127 
141 
142 

19 
148 
120 
125 
128 

22 



i\ 



— 218 



Galenit . . 
Gelbeisenstein 
Gelberde . . 
Gemeiner Opal 
Gersdorffit 
Glasiger Feldspatb 
Glaskopf, rother 

» brauner 

Glanzkobalt . 
Glimmer . . 
Götbit . . . 
Granat . . . 
Grapbit . . 
Graubraunsteinerz 
Grünbleierz . 
Grüneisenstein 
Grünerde . . 
Gyps . . . 



Haarkies . . 

Hämatit . . 

Halbopal . . 

Halloysit . . 

Halotricbit . 
Harmotom 
Hartmanganerz 
Herschelit 

Heulandit . . 

Holzopal . . 

Hornblende . 
Hornstein 

Hyalit . . . 

Hyalosiderit . 

Hyazinth . . 

Hydrophan . 

Hypersthen . 

Ilvait . . . 
Jodobromit . 

Kalait . . . 
Kalkharmotom 
Kakoxen . . 
Kalkmesotyp 
Kalksinter, Kalktuff . 
Kalk — Wavellit . . 



No. 

. 107 
. 124 
. 65 
. 20 
. 113 
. 25 
. 120 
. 124 
. 118 
30, 31 
. 122 
. 21 
. 1 
. 144 
. 103 
. 131 
. 134 
. 14 



112 
120 
20 
60 
15 
52 
147 
53 
55 
20 
37 
19 
20 
41 
42 
20 
39 

132 

78 

18 
51 
130 
44 
9 
17 



Kalkspath, Kalkstein 
Kammkies . . 
Kaolin .... 
Karneol . . . 
Kieselkupfer 
Kieselmalachit . 
Kieselmangan . 
Kieselschiefer . 
Klipsteinit . . 
Kobaltblüthe . 
Kobaltglanz, Kobaltin 
Kohlenblende . 
Kollyrit . . . 
Krokydolith . . 
Kupfer, gediegen 
Kupferbleispath 
Kupferglanz, Kupfer- 
glaserz . . . 
Kupfergrün . . 
Kupferindig . . 
Kupferkies . . 
Kupferlasur . . 
Kupfernickel 
Kupferpecherz . 
Kupferschaum . 
Kupferschwärze 
Kupfervitriol 
Kupferziegelerz 
Krisuvigit . . 



No. I 

142 
62 
19 
89 
89 

149 
19 

151 

117 

118 

2 

61 

129 
79 

102 

92 

89 
93 

95 
84 
114 
90 
88 
82 
85 
81 
86 



L<abrador, Labradorit 24 
Laumontit .... 46 
Leberopa] .... 20 
Lepidokrokit . . . 121 
Lepidomelan ... 34 

Lievrit 132 

Lignit 3 

Limonit 124 

Linarit 102 

Liparit 7 

Lunnit 87 

Lydischer Stein, Lydit 19 

Magneteisenerz, Mag- 
netit 119 

Magnetkies .... 143 



Malachit 

Malachitkiese] . . . 

Manganit 

Mangankiesel, rother 

» schwarzer 

Manganspath . . . 

Manganvitriol . . . 

Markasit 

Melanit 

Melanterit . . . . 

Menakan 

Menilit 

Mennige 

Mesitin, Mesitinspath 

Mesotyp 

Millerit 

Mimetesit 

Muscovit 

Nadeleisenstein . . 

Natrolith. — Natron- 

mesotyp . . . . 

Neolith 

Nephelin 

Nickelarsenikglanz 
Nickelglanz . . . . 
Nickelblüthe . . . 

Nickelin 

Nickelkies . . . . 
Nontronit 



No. 

83 

89 
145 
149 
150 
14s 
152 
142 

21 
128 
140 

20 -| 

99 
12(5 

44 
112 
104 

31 

124 



43 
72 
23 
113 
113 
116 
114 
112 
135 



Olivin . 
Opal . 
Orthoklas 



Palagonit 
Phillipsit . . 
Phosphorit . 
Phosphorcalcit 
Pistazit . . 
Plasma . . 
Porzellanerde 
Prehnit . . 
Psilomelan 
Pyrargyrit . 
Pvrit . . . 



41 
20 
25 

28 
51 
16 
87 
22 
19 
62 
47 

147 
77 

141 



219 









.1 



,111 
J 

.US 

.11: 



Pyrolusit . 
Pyromorphit 
Pyroxen . 
Pvrrhotin . 



Quarz 



Raseneisenstein 

Retinit . . . 

Rhodonit . . 

Rhyakolith . 

Rotheisenerz 

Rotheisenralini 

Rotlier Granat 

Rothgiltigcrz 

Rothkupfererz 

Rothnickelkies 

Rnbinglimmer 

Sanimtblende 

Sanidin . . 

Scheererit 

Schillerspath 

Schwarzbleierz 

Sclnvarzspiessglanzerz 

Schwefel 

Sehwefelkies,tesseraler 
rhombischer 



No. 
144 
103 
35 
143 

19 

124 

4 

149 

25 

120 

120 

21 

77 

80 

114 

122 

124 

25 

5 

70 

100 

103 

6 

141 

142 



Sclvwefelnickcl 
Sehwerspath 
Seladonit . . 

Sericit . . . 
Serpentin . . 
Siderit . . . 
Silber, gediegen 
Silberblende . 
Silberfahlerz 
Skolezit . . 
Skorodit . . 



Smaragdochalcit 



Shmithsonit . 
Sordawalit 
Spatheiscnstein 
Speckstein 
Speerkies . . 
Sphalerit . . 
Sphärosiderit 
Sphen . . . 
Staffelit . . 
Steatit . . . 
Steinmark 
Stilbit . . . 
Stilpnomelan 
Stilpnosiderit 
Strahlkies 
Strahlstein 



No. 

112 

11 

134 

32 

69 

125 

76 

77 

94 

44 

137 

91 

109 

136 

125 

40 

142 

111 

125 

74 

16 

40 

67 

55 

133 

123 

142 

37 



Tachylit 
Talk . 
Tetraedrit 
Thomsonit 
Thon . 
Tirolit . 
Titaneisen 
Titanit . 
Tremolit 
Tropfstein 
Türkis . 



Umbra 



Vanadinocker 
Yivianit . . 



Wad . . 
Walkererde 
Wavellit . 
Weissbleierz 
Weissnickelkies 



Ziegelerz . 
Zinkblende 
Zinnober . 
Zinkspath 
Zirkon . . 



No. 

. 27 

. 40 

. 94 

. 45 

. 63 

. 88 

. 140 

. 74 

. 37 

. 9 

. 18 

. 124 

. 87 
. 129 

. 146 
. 64 
. 17 
. 100 
. 115 

. 81 
. 111 
. 75 
. 109 
. 42 



Versuch die Grundlage für eine natürliche Reihenfolge 
der Lepidopteren zu finden. 



Von 



Dr. Rössler. 



Den Systematikern ist es gelungen, die organischen Körper nach 
den anatomischen Unterschieden ihres Baues in Ober- und Unterabthei- 
lungen zu bringen. Künstliche Eintheilungen, wie z. B. Linne's 
botanisches System, haben vor der heutigen Wissenschaft nur noch 
insofern Werth, als sie zweckmässige Krücken für die Beschränktheit des 
menschlichen Auffassungsvermögens sind. 

Eine dem Gedanken des schöpferischen Naturgeistes gemässe Reihen- 
folge der einzelnen Abtheilungen, besonders der unteren und ihrer Gat- 
tungen (Species) wird für kaum möglich gehalten. Denn es ist kein 
Zweifel, die Naturkörper und ihre Abtheilungen erscheinen wie Aeste 
und Zweige auf gemeinsamen Stämmen, gleichsam doldenförmig und 
ihre Verwandtschaften erstrecken sich nicht blos auf die zunächst stehen- 
den Classen und Arten, sondern berühren sich strahlenförmig mit 
den Arten näherer sowohl als entfernterer Kreise. Bildliche Dar- 
stellungen dieser Verwandtschaften können daher nur so ausfallen, dass 
um eine in der Mitte stehende Gattung oder Abtheilung in engeren 
und weiteren Kreisen die verwandten Arten oder Abtheilungen sich 
gruppiren, ohne dass es möglich ist, überall die nächstverwandten neben 
einander zu stellen. Dass eine dieser letzten Anforderung entsprechende 
Reihenfolge aufzustellen durchaus unmöglich sei, haben die grössten 
Systematiker, insbesondere auch unter den Lepidopterologen Leder er 
und Her rich-Schaeffer (Correspondenzblatt des Regensburger zoolo- 
gisch-mineralogischen Vereins von 1857, pag. 57) bestimmt ausgesprochen. 

Die Anforderung an eine systematische Anordnung der Gattungen 






— 221 — 

muss daher darauf beschränkt werden, dass jede Abtheilung mit den 
vollkommensten beginnt und mit den niedrigsten schliesst, oder umge- 
kehrt, wenn das höchste Geschöpf den Schluss bilden soll, ohne Rück- 
sicht darauf, dass der Schluss der vorhergehenden Classe tiefer stehende 
Gattungen enthält als der Anfang der folgenden. 

Statt dessen haben sich unsere Systematiker bemüht, den Anfang 
und das Ende der Classen mit der vorhergehenden und folgenden da- 
durch möglichst unmerklich zu verbinden, dass sie die scheinbar einan- 
der nächststehenden Gattungen dahin stellen. So z. B. schliessen in 
Lederer's System, wie es in Staudin ger's Catalog in der Haupt- 
sache wiedergegeben ist. die Sphingiden mit den Zygänen und die 
Spinner beginnen mit den denselben nächstverwandten Syntomiden; ein 
zweifacher üebelstand. da die Zygänen zu den Spinnern gehören und 
die Syntomiden keineswegs die höchststehenden Spinner sind, während 
doch nach dem Vorgang bei den Tagfaltern auch hier die höchste 
Abtheilung am Anfang stehen sollte, welche die uns die Seide gebenden 
Saturnien enthält. In ähnlicher Weise sind an den Schluss der Spinner 
die den Eulen ähnlichsten gestellt und die Eulen beginnen mit den 
spinnerähnlichsten Geschlechtern. 

Der leitende Gedanke bei der zu versuchenden Aufeinanderfolge 
ist nicht neu. Er ist von Oken meines Wissens zuerst ausgesprochen 
im ersten Band seiner allg. Naturgeschichte pag. 592 mit den Worten : 
„Die Zünfte sind nur kleine Classen in den grossen, oder die Wieder- 
holung aller Classen in jeder einzelnen". Dann pag. 502 : „In den 
Säugethieren wiederholen sich die Classen der Fleischthiere : Die Wall- 
fische sind offenbar nur eine höhere Stufe der Fische, die Schuppen- 
und Gürtelthiere der Eidechsen und Schildkröten, die Fledermäuse der 
Vögel", und anderswo bezeichnet er die in der Erde wühlenden Nage- 
thiere als Analogon der Würmer. Dem entsprechend sind die Schmetter- 
linge die Vorbilder der Vögel und wiederholen in ihren Unterabtheilungen 
ihre eigenen sechs Hauptclassen : Tagfalter, Schwärmer, Spinner, Eulen, 
Spanner und Kleinfalter. Dabei bewährt sich aber die richtige Be- 
merkung Oken's (Naturphilosophie §. 3647, pag. 481): „Es besteht keine 
einfache Leiter in der Entwickelungsgeschichte und mithin in der An- 
ordnung der Thiere. Die niederen Thiere reissen ab und es folgen die 
ganz verschiedenen Fische, Lurche und Vögel, welche noch einmal 
abreissen und den Säugethieren Platz machen. Es findet sich kein 
fortlaufender Zusammenhang, sondern ein ruckweises Hervortreten neuer 
Formen, wie denn auch die anatomischen Systeme und Organe nicht 



222 — 



fortschreitende Verwandlungen eines Systems sind, sondern plötzliche 
Rucke mit neuen Geweben, Formen und Verrichtungen". 

Leider musste die heutige Wissenschaft sein System der Thiere 
bei Seite legen, weil er dasselbe in zu einseitiger Beschränkung auf 
das Hervortreten der fünf Sinne und der denselben nach seiner vorgefassten 
Meinung entsprechenden Organe: Haut (Gefühl), Geruch (Lunge), Gehör 
(Bewegungs- und Lautorgane), Gesicht (Auge und Hirn) gegründet 
hatte und dabei von seinem genialisch übergrossen Scharfblick für 
Analogie zu weit geführt wurde. 

Sein hier zu Grund gelegter Gedanke gestaltet sich in der An- 
wendung als eine Fundquelle von Aufschlüssen über den schöpferischen 
Gedanken. Der Naturgeist arbeitet wie ein menschlicher Künstler, nur 
mit dem Unterschied, dass er dem grössten menschlichen Genie unendlich 
überlegen, aber doch gleich diesem mit dem Einfachen, dem am tiefsten 
stehenden, mit den einfachsten Mitteln beginnt, dann aber die Grund- 
formen in immer besserem Material und vollkommenerer Ausführung in 
der aufwärts steigenden Linie der Naturkörper wiederholt mit immer 
neuen Verbesserungen und Steigerungen des organischen Baues und 
Lebens. Er verfährt wie ein Bildhauer, der seine Idee zuerst in Kreide 
auf Papier, dann in Thon, zuletzt in Marmor gestaltet, oder wie ein 
Maler, der mit einer flüchtigen Stiftzeichnung beginnt, dann einen 
Carton, eine Farbenskizze und zuletzt das vollendete Bild ausführt. 
Ganz so verhalten sich die unteren Thierclassen und Ordnungen zu den 
höheren. Derselbe Gedanke wird mit unerschöpflicher Phfmdungskraft 
immer vollkommener in's Dasein gerufen, in immer reicherer, lebens- 
vollerer Einkleidung und grösserer Arbeitstheilung der Organe. Dabei 
bestätigt sich die weitere Oken'sche Wahrnehmung, dass in jeder 
Classe und Abtheilung eine Gruppe besteht, welche das Wesen (den 
Typus) derselben am reinsten darstellt und dass die obersten Gruppen 
oder Gattungen, wenigstens der grösseren Abtheilungen, über ihre eigene 
hinaus einer höheren sich zu verähnlichen streben. 

So nähern sicli bei den Fischen die höchsten Knorpelfische den 
Walen, die höchstorganisirten Vögel, die Straussarten, den Säugethieren, 
unter letzteren der Mensch einem noch nicht auf der Erde geschaffenen 
höheren Wesen, das er als Ideal in sich trägt, und um auf unseren 
Gegenstand zurückzukommen: unter den Schmetterlingen die höchste 
Abtheilung des Genus Papilio, die Ornithopteren, wie schon ihr Name 
andeutet, an Grösse, Muskelkraft und festem Bau, sowie leuchtenden Farben 
den prächtigen Vögeln ihrer Heimath, den Paradiesvögeln und Papageien. 



223 



jiiffl 



ta 



Na» 
Farben 



Dieser Auffassung folgend lassen sich wohl alle Organismen ordnen. 
Die auf den inneren Bau gegründeten bestehenden Systeme bleiben 
bezüglich der Abscheidung der (Massen. Ordnungen und weiteren Unter- 
abtheilungen von einander maassgebend. Schwieriger ist das Aufsuchen 
der Analogie des schöpferischen Gedankens /um Zweck der Aufstellung 
der natürlichen Reihenfolge. Aber es finden sich so viele, durch ihre 
Zahl einander gegenseitig als richtig bestätigende Wiederholungen der 
Grundformen einer niederen Abtheilung in einer höheren, und folgeweise 
umgekehrt Analogie höherer mit niederen, dass es nicht so ganz schwer 
fällt, gleichsam Leitmuscheln in den Schichten der organischen Schöpfung 
zu finden. Am leichtesten verschwindet der leitende Faden bei Anord- 
nung der Reihe innerhalb der letzten nicht mehr theilbaren Unter- 
abteilungen. Die Ursache liegt grossentheils darin, dass zu einer ganz 
vollständigen und tadelfreien Aufstellung die vollste Herrschaft über das 
Thier- und Insectenreich der ganzen Erde erfordert würde, d. h. eine 
Kenntniss, wie sie der unvollkommene Mensch vielleicht kaum in vielen 
Jahrhunderten annähernd erreichen wird wie grosse Gebiete, z. B. 

das des Congo, sind noch ganz unerforscht ! — und dass die Vereinigung 
dieses ganzen Wissens kaum in einem Menschen möglich sein wird, da 
schon jetzt z. B. zu einer gründlichen Kenntniss aller Grossschmetter- 
linge der Erde ein ganzes Menschenleben kaum ausreicht, während dieses 
Wissen noch zu Linne's Zeiten auf wenigen Druckbogen zusammen- 
gefasst werden konnte. Dazu kommt, dass die Natur sich dem Menschen 
nur widerstrebend entschleiert und, wie sie Grenzen der grossen und 
kleinen Abtheilungen, die wir als Krücken unserer Erkenntniss bedürfen, 
durch die allmäligsten Uebergänge verschwinden zu machen strebt, so 
verhüllt sie das hauptsächliche Vorbild vielfach dadurch, dass noch 
mehrere Vorbilder nebenbei, oft durch blosse Nachäffung ganz fremd- 
artiger Thiere nachgeahmt werden und die Raupen häufig ganz andere 
Vorbilder nachzuahmen scheinen, als die vollkommenen Thiere*). Ein 
starres, unfehlbares Gefüge der Reihe wird sich desshalb zwar ein- für 
allemal nie bilden lassen, sondern dem Scharfsinn und Natursinn des 
Einzelnen Vieles zur freien Wahl gestellt bleiben; aber das ist wohl 
kein Nachtheil, im Gegentheil ein Vorzug, der dem Wachsen der Wissen- 
schaft Raum lässt, sie gegen Verknöcherung schützt und genialen Blicken 
allezeit freien Weg gibt. 



*) So sind z. B. die Raupen der Catocalen halb .Spanner und halb 
denen der sog. Cilucken ähnlich, während die Schmetterlinge sich höheren 
Tagfaltern nachbilden. 



— 224 — 

Versuchen wir jetzt unsere Aufgabe zu lösen. Die Lepidopteren 
zerfallen in die grossen Abtheilungen : 

I. Tagfalter, TL Schwärmer, III. Spinner, IV. Eulen, V. Spanner, 
VI. Kleinfalter*). 

Diese Eintheilung rührt noch von Linne her, der dabei zunächst 
die Europäer vor Augen hatte. Seitdom sind unter den Exoten vielfach 
Geschlechter bekannt geworden, welche kaum darin unterzubringen sind, 
wenn man die engen Grenzen der bisherigen Definitionen, z. B. die 
Herrich-Schaef fer's, nicht erweitern will. So z. B. die Castniiden, 
die Uraniden, über deren Stellung im System sich bestimmt auszusprechen 
nicht einmal Herrich-Schaeffer gewagt hat. Hier wird es daher 
genügen müssen, dieselbe eventuell zu bezeichnen. 

Nach Maassgabe der angeführten Classen 1—6 würden sich die 
Tagfalter etwa so ordnen: 

1. Höchst organisirte: Papilioniden, durch ähnliches Verhältniss 
der Flügel zum Körper, Schnitt der Flügel und Grösse sowie die an Gestalt, 
Zeichnung und Farbe sehr ähnlichen Raupen die Saturnien wiederholend. 

2. Eigentlichste Tagfalter: die Genera Pieris, Vanessa, Argynnis 
und Melitaea, die Nymphaliden. 

3. Schwärmerartig: die Hesperiden und Castniiden, wenn letztere 
trotz des cossus-ähnlichen Lebens der Raupen anatomisch hierher gezogen 
werden können. 

4. Spinnerartige : Apollo und Verwandte. Die mit haarigen Knöpf- 
chen besetzten Raupen verwandeln sich nach Zell er auf oder in der 
Erde, die Falter haben besonders schwere haarige Leiber. 

5. Eulenartig: die Satyriden. Ihre Raupen leben gleich denen der 
eigentlichsten Eulen an der Erde, einige wie die des Genus Satyrus 
werden sogar in der Erde zur Puppe, ihre Färbung ist vorherrschend 
nächtlich düster. 



*) Die Abteilungen II — VI sind keineswegs im Gegensatz zu 1, den 

Tagfaltern, ausnahmslos als Abend- und Nachtfalter zu bezeichnen. In allen 

diesen Abtheilungen finden sich taglebende Thiere, z. B. bei den Schwärmern 

das Genus Macroglossa, bei den Spinnern die Zygänen und viele Arctien, 

bei den Eulen die Genera Thalpochares, Erastria, Anarta, Brephos u. A., bei 

den Spannern viele einzelne Gattungen, wie Hastata und Luctuata S. V. Von 

den Kleinfaltern haben sehr viele eine doppelte Flugzeit, zuerst Morgens zu 

einer bestimmten Stunde, die nach den Arten verschieden ist, sodann fast 

I 
alle kurz vor und nach Sonnenuntergang. 



äie 



— 225 — 

6. Spannerartig: die Eeliconier. Aehnlich durch leichten, schlanken 
Leib und verhältnissmässig grosse Flügel. Bei den Spannern umge- 
kehrt nähert sich ihnen das von P. C. T. Snellen neu aufgestellte 
Genus Melanoptenm bis zur Nachäffung. 

Den Spannern entspricht in hohem Grade auch das proteusartige 
Geschlecht der Eryciniden oder Lemoniiden, wie sie Kirby benennt. 
dessen Catalog auch die folgenden Namen alle entsprechen. Sie wieder- 
holen in ihren zahlreichen Onterabtheilungen im Bau, Flügelschnitt, 
Farbe und Zeichnung nicht nur fast alle Genera der Tagfalter, sondern 
auch viele Spinner und Spanner, oft bis zur offenbaren Nachäffung. 

Es haben P a p il i oniden gestalt die Abtheilungen Zeonia, Ancy- 
luris, Diorrhina ; Hesperien stellen vor: Anteros, Renaldus, Euse- 
lasia, Thncydides, Tharops, Pretus. 

Die Van es sen, insbesondere C. album ahmt nach Libythea celtis, 
die Melitäen unsere Nemeob. lucina, wie die Unterseite der Hinter- 
flügel klar zeigt, noch mehr die Abtheilungen Emesis (Mandana, Fatima, 
Fatimella), Metacharis (Ptolemaeus), Echenais (Penthea), Nymphidium 
aretos. 

Pieriden und zugleich die ihnen entsprechenden weissen Spanner. 
wie z. B. Procellata u. s. w. führen vor Nymphidium Lamis, Ascolia etc. 

Abisara segecia ist nach Oberseite und Umriss eine Apatura. 

Satyriden und Erebien: Eurybia Carolina, Nicaeus, Dardus, 
Euselasia Orfita, besonders auf der Unterseite eine Euptychia darstellend. 

Mesosemia tenera und einige Verwandte das Genus Ypthima. 

Hades noctula etwa unseren Hyperanthus in der augenlosen Abart. 

Themone Pais eine Heliconide, Lycänen stellen sehr viele vor, ich 
nenne Tharops Menander; Anteros Chrysus ist wie eine Thecla, desgl. 
die Arten der A.btheilung Helicopis, Theope Pedias u. s. w. 

Panara Thisbe ahmt die Bombyciden des Genus Ephaltias und Calo- 
soma nach. 

Chamaelimnas jatropharia ist vollständige Nachäffung von Atyria 
dichroa und Osiris Cr., Aricoris Amnion des Letzteren allein. 

Limnas Pixe, Melander und Verwandte sind wie aretien ähnliche 
Spinner. 

Mesosemia acuta, gaudiolum. Baeotis Hisbon haben Spanner- 
gestalt. 

Bei dieser wunderbaren Maskerade ist es mir noch nicht möglich 
gewesen, Arten zu finden, welche den eigentlichen Charakter der Abthei- 
lung der Lemoniden rein darstellen. 

Jahrb. d. nass. Ver. f. Nat. XXXI u. XXXII, jg 



— 226 — 

7. Den Kleinfaltern entsprechen die Lycänen, auch abgesehen von 
ihrer verhältnissmässigen Kleinheit durch ihre unvollkommenen, assei- 
förmigen, zum Theil in Pflanzen minirend lebenden Raupen, wie Lyc. 
Diomedes in den Köpfen von Sanguisorba, Baetica in den Schoten des 
Blasenstrauchs. for» 



II. Schwär m e r. 



I 



welcher 



ZI 



Diese Classe theilt sich nach dem Vorgang der Hesperiden in 
glattrandige und zackenrandige. Im Uebrigen bilden sie, in Europa 
wenigstens, eine ziemlich gleichartige Masse und nur das Genus Macro- 
glossa kann man etwa als Nachahmung der Sesien ansehen. Die 
Arten Atropos, Ligustri, Convolvuli und ähnliche sind durch ihre 
hochgefärbten, quergebänderten Unterfliigel den Arctien verwandt, und 
unter den zahllosen Exoten gibt es Abtheilungen, welche durch plum- 
pen, kurzflügeligen Bau Spinner- und eulenartig erscheinen, während 
schlankere Gattungen den Bau der Zünsler zu wiederholen scheinen. 
Bei den Europäern dürfte bei ihrer sehr geringen Zahl die übliche 
Anordnung genügen, da sie keine offenbaren Widersprüche gegen den 
hier durchzuführenden Gedanken enthält. 

. fet » 

III. Spinner. 

1. Tagfalter artige: I 

a) Die Saturnien, dem Genus Papilio in den bei diesem angege- 
benen Beziehungen entsprechend. 

b) Die Arctiiden entsprechen im Ganzen dem Genus Melitaea und 
Argynnis durch die an der Erde polyphag lebenden, überwinternden, 
borstigen (dort feinstacheligen) Raupen und dadurch, dass der Schwer- 
punkt ihrer Zeichnung auf den Hinterflügeln ruht. Bei den im Leben 
meist mit zusammengelegten Flügeln dem Auge sichtbar werdenden Tag- 
faltern ist die Unterseite, besonders in diesen beiden Abtheilungen, 
charakteristischer als die Oberseite und vielfach durch eine mitten durch 
querlaufende, helle Fleckenbinde ausgezeichnet; diese Grundzeichnung 
und höhere Färbung zeigen in der Regel auch die Arctiiden. 

Unter den exotischen Arctiiden gibt es viele, welche Heliconiden 
(viele Arten des Genus Pericopis), andere, welche sogar Pieriden bis 
zur Täuschung nachahmen (Nyctemera Coletä und Cenis Cr. 147). 

c) Die Gochliopoden entsprechen den Lycänen, nicht blos durch 
ihre kleinere Gestalt, auch durch die asseiförmigen Raupen und die bei 



227 



einer Mehrzahl exotischer Arten auftretende grüne Farbe, welche ja 
auch viele exotische Lycänerj an sich tragen. 

2. Schwärmer artige Spinner sind: 

1. Die Sesiiden, 2. die Zygänen, und 3. deren exotische nächste 
Verwandten: die Glaucopiden. Letztere Beide in verschiedene Classen 
zu stellen, ist ihrem ganzen Bau und Wesen entgegen. Linne hat 
es offenbar nur wegen der oberflächlichen Aehnlichkeit der Fühler der 
Zygänen und Sesieu mit denen der Schwärmer gethan. 

Schwärmerähnliche Spinner gibt es unter den eigentlichen Bombyciden 
noch manche, z. B. den nordamerikanischen Ceratocampa simulatilis Grote, 
welcher den Sphinx ocellata nachahmt. Es wird dieser Aehnlichkeit als 
einer vereinzelten besser vielleicht bei der Stellung desselben innerhalb 
seiner Verwandten Rechnung zu tragen oder als blose Nachäffung hier 
nicht zu beachten sein. 

3. Eigentliche Spinner. Diese sind die Bombycidae Boisduvals, 
sowie die Lipariden. Letztere stehen durch ihre bei mehreren Arten 
flügellosen Weiber tiefer. Innerhalb ihrer Abtheilung ahmen Chrysor- 
rhoea. Salicis, ja auch Dispar und Monacha Pieriden nach. Nicht blos 
durch die weisse Farbe, man denke nur an die tagfalterähnliche Be- 
festigung der Puppen der drei letzten und an die bunte Puppe von 
Salicis, welche lebhaft an die von Pieris brassicae erinnert. 

4. Eulen artige Spinner. Hierher gehören vor allem die Noto- 
dontiden mit ihren grünen, glatten Raupen, Verwandlung in der Erde 
und ganzem Ansehen (Habitus). 

Auch Hylolophila (Prasinana) mit ihrer ganz eulenartigen Raupe 
wird hier Stelle finden. 

Zuletzt folgt das Genus Asphalia (ruficollis, diluta) und Cymato- 
phora (octogesima), Thyatira (derasa). 

."> . Spannerartige Spinner sind augenscheinlich die Drepanuliden, 
besonders durch grosse Flügel und kleinen zarten Leib als solche 
erkennbar. 

Ebenso die Lithosiden mit Ausnahme von Nola. Ihre Verwandt- 
schaft bezieht sich zunächst auf die Acidalien. Gestalt, vorherrschend 
lichtgelbe Farbe und Flechtennahrung machen beide ähnlich. 

6. Klein falterartige Spinner: 

a) Zünslerartige: Nycteola falsalis und die Noliden. 

b) Wicklerartige: die Cossiden. Cossus ligniperda ist gleichsam ein 
grosser Wickler, nach Gestalt und Farbe nicht nur, sondern auch durch 

15* 



22S 

Raupe und Puppe sowie deren Lebensweise an Pomonaiia Wahl- 
bomiana, Funebrana, Nubilana erinnernd, Zeuzera Mineus Cr. an Graph. 
Woeberiana, Pyrina an Myelois Cribrum. 

Ferner folgt die früher für einen Wickler gehaltene Sarrothripa 
undulana, die dem Genus Teras sich nähert. 

Tineen artig sind die Hepialiden. Ihr Bau stimmt namentlich 
bezüglich der Einfügung des Hinterflügels mit der Abtheihmg Microp- 
teryx. Ihre farblosen Raupen in der Erde sind wie minirende Tineen. 

Ferner ganz auffällig die Psychide n. Sie sind offenbar Wieder- 
holungen der Talaeporiden und einiger Genera der eigentlichen Tineiden. 
Sacktragende Raupe, Farbe und Gestalt der Schmetterlinge zeigen dies 
ohne weitere Auseinandersetzung. 

IV. E u 1 e 11. 

1. Tagfalterartige: 

Hier ist zuerst Stelle für die exotischen Genera: Urania und 
Cydimon. Ihre Nachahmung, ja Nachäffung der Papilioniden ist so 
gross, dass die älteren Entomologen, selbst Linne und auch Oken 
noch sie für solche hielten, während ihre catocalaartigen Fühler und 
nicht spannerartigen über der Erde sich einspinnenden Raupen sie als 
Eulen kennzeichnen dürften. 

Dann würden folgen die Genera : Ommatophora, Nyctipao, Phyllodes 
u. s. w. Diese exotischen Riesen wiederholen zunächst die Saturniden, 
mittelbar die Papilioniden, und characterisiren sich durch ihre Augen- 
flecken als Saturnia-, aber auch als Vanessa- Verwandte. 

Die Genera der Erebiden, wie z. B. Odora, sind wohl den Satyriden, 
insbesondere den Morphiden ihrer Heimath nachgebildet. 

Ligniodes endoleuca Gn. stellt eine Euploea oder Apatura dar. 

Auch die Catocala-Arten dürften hier stehen wegen ihrer durch 
die Arctiiden vermittelten Verwandtschaft mit Argynnis und Melitaea, 
welche sich bei ihnen durch die characteristische Färbung der Unter- 
flügel offenbart. 

2. Schwärmerartig sind nach Gestalt und ihrer glatten, bunten, 
frei lebenden Raupe : die Genera Calocampa (vetusta), Cucullia (umbratica, 
wie ein kleiner convolvuli), Xylina (socia), Xylomyges (conspicillaris). 

Auch das tropische Genus Sphingiomorpha Gn. dürfte, wie schon 
sein Name anzeigt, hierher gestellt werden können. 

3. Spinnernartig : die Genera Asteroscopus (nubeculosa), Diloba 
(caeruleocephala). Raphia (hybris), üemas (coryli), Miselia (oxyacanthae. 



— 229 — 



die Raupe wie Bombyx populi!), Valeria (oleagina), Acronycta und 
Bryophila, Diphthera (ludifica), Moma (Orion). Panthea (coenobita). 

4. Unter den eigentlichen Knien hätten voran zu stehen: Agrotis, 
Hadena, Mamestra. 

Zuletzt kämen unter ihnen die in Pflanzen als Raupe lebenden 
Genera Gortyna, Nonagria und Dianthoecia. 

5. Spannerartig: die Brephos- Arten (Parthenias), Zethes (insularis), 
Pericyma (albidentaria), Prothymia (viridaria), Madopa salicalis. Bole- 
tobia (fuliginaria), Aventia (flexula). 

6. Zünslerartige Eulen: die Genera Herminia, Zanclognatha, Hy- 
pena etc. Die Tropen und Amerika besitzen ein ganzes Heer hierher 
gehöriger, oft seltsam gestalteter Thiere! 

7. Wicklerartige Eulen: die Genera Thalpochares, Erastria, Meto- 
pomia u. a. mit zum Theil in Pflanzen lebenden Raupen (Rosina, Paula). 

V. Spanner. 

1. Tagfalterartig ist unter den Europäern zumeist Urapteryx 
Sambucaria und zwar durch Gestalt, Farbe, Andeutung des Auges 
und Schwanzes an den Hinterflügeln. Aussehen bei seinem abendlichen 
Fluge den Papilioniden ähnlich. 

In derselben Weise ist Angerona primaria ein Vor- oder Nachbild 
mancher Pieriden, z. B. von Callidryas Argante. 

Rumia crataegata erinnert an eine kleine Colias und Scoria lineata 
an Pieris crataegi. 

Die Zonosoma -Arten erscheinen als Nachbildung der Eryciniden- 
Gattung Mesosemia, Odezia chacrophyllata und tibialata, beide am 
Tage fliegend als Satyriden, die Arten von Zerene und Verwandte als 
Pieriden. Callidryas Felderi aus Sibirien stellt eine Coenonympha dar. 

2. Spinnerartig, insbesondere den Notodonten vergleichbar, sind 
die Genera Biston und Amphidasis, ferner Ellopia prosapiaria (Puppe 
wie die von L. Monacha am Stamm der Nadelhölzer geheftet), Himera 
pennaria, Crocallis Tusciaria, Ligia opacaria. 

Die exotischen Spanner und Spinner scheinen zu verschmelzen. 
Guenee weiss noch nicht, in welche dieser Classen er z. B. Hazis 
(Militaris) stellen soll. Die noch unbekannten Kaupen werden die Ent- 
scheidung geben. 

4. Eulenartig sind Gnophos und Boarmia, erstere noch besonders 
durch ihre am Boden versteckt polyphag lebenden Raupen, 



230 



Cimelia Margarita stellt eine Plasia in Spannergestalt dar. Aehnlich 
eine Reibe von Exoten, die mit Metallfarben verziert sind. 

5. Spannerartig, d. b. wahre Spanner im eigentlichsten Sinne sind 
vor allem die Cidarien. Bei ihnen in Verbindung mit dem Genus Lygris. 
welches die Papiüoniden zu wiederholen seheint (man denke an die 
sibirische riesige Fixseni), werden Wiederholungen der übrigen Classen 
deutlicher sichtbar. Hastata, ein Tagflieger mit seinen Verwandten, 
ferner Procellata, Cucullata, Albicillata u. a. scheinen Pieriden vorzu- 
stellen, während andere, wie Salicata, Siterata, Fluviata ?, Corylata, 
Trifasciata mein- an die Eulen erinnern, und die kleinen, meist in 
Pflanzen lebenden Arten, wie Decolorata, Luteata, Unifasciata, Hydrata 
u. s. w., den Eupethiceen und Kleinfaltern sich nähern. 

Jedenfalls dürfte es sich empfehlen, die Leder er' sehe Reihen- 
folge zu verlassen, welche, nur auf den Unterschied in der Bewimperung 
der Fühler gegründet, alles bunt durcheinander wirft. Die Bewimperung 
oder Kammförmigkeit der Fühler ist aber ein sehr nebensächlicher 
anatomischer Unterschied, der bei den nächstverwandten Arten vor- 
kommen kann. Man denke nur an Brephos Parthenias und Notha. 
letztere mit, erstere ohne Bewimperung der Fühler. 

Kleinfalterartig sind : 

1. Die Acidalien. sie wiederholen nach oben die Lithosien. abwärts 
die Pyraliden, während ihre Raupen durch ihre Vorliebe zu trockenen 
Blättern, Moos und Flechten eine Verwandtschaft mit den Tineiden 
offenbaren. 

2. Die Eupithecien stehen noch tiefer durch ihre vielfach in Pflanzen 
lebenden Raupen. 

VI. Die Kleinfalter 

scheinen, mit Ausnahme der Pyraliden. nicht die Grossschmetterlinge, 
sondern niedrigere Classen der fliegenden Insecten und einander selbst 
in den höheren Abtheilungen in steigender Vollkommenheit zu wieder- 
holen. Bei den Pyraliden, welche im Allgemeinen durch ihren schlanken 
Bau an die Schwärmer erinnern, gibt es Abtheilungen, welche Spinnern 
nachgebildet sind, z. B. die exotischen Genera Chrysauge, Homalochroa. 
Vitessa, Cardamyla sind offenbar aretienartig; Cledeobia ist ebenfalls 
spinner- oder noch mehr spannerartig — Hercyna stellt kleine Eulen 
dar, Nemeophila noctuella hat von dieser Eulenähnlichkeit sogar den 
Xamen. Agrotera kann mit Noct. libatrix verglichen werden. Eurrhypara 









— 231 

orticata ist wie eine Zerene. Innerhalb des Genus Botys spiegeln sicli 
in den grossen gelben exotischen Arten, wie Ponderalis Guen., die 
gelben Eulen der Genera Xanthia, Hydroecia und Gortyna ab, während 
Nebnlalis und Umbralis spannerartig sind. 

Die Crambiden und Phycisarten werden mehr und mehr phryganiden- 
gestaltig, nur Gall. mellonella und Verwandte sind noch wie kleine 
Eulen. 

Die Wickler und unter den Tineiden die Depressarien haben eulen- 
artiges Aussehen, dagegen sind die Adelen und das Genus Ochsenheiineria 
phryganidengestaltig mit Zeichnung und Färbung der Neptikeln. Chima- 
bacebe Phryganella ist durch die in ihrem Namen ausgedrückte, auch im 
Flug sich offenbarende Aehnlichkeit schon dem namengebenden Autor, 
dem nicht hoch genug zu schätzenden Hübner aufgefallen. 

Die Federmotten erscheinen als in Schmetterlinge verwandelte 
Schnaken, die minirenden Genera Nepticula, Elachista, Lithocolletis etc. 
können die Verwandtschaft mit den kleinen, ebenfalls blattminirenden 
Zweiflüglern nicht verleugnen — und dies dürfte auch erklären, warum 
bei ihnen, ja überhaupt bei den kleineren Tineiden die Hinterflügel 
immer mehr an Breite verlieren, und fast nur noch aus Fransen be- 
stehen. 

Bei vollkommener Kenntniss der anderen Insectenclassen und der — 
freilich noch grossentheils zu entdeckenden - - exotischen Kleinfalter und 
ihrer Entwickelungsgeschichte fände vergleichender Scharfsinn ein er- 
giebigstes Feld der Bethätigung. 

Schliesslich bitte ich die lesenden Entomologen um Entschuldigung, 
dass ich mit dieser flüchtigen, so sehr der Verbesserung bedürfenden 
Skizze mich vor die Öffentlichkeit gewagt habe. Allein zur Ausarbeitung 
eines vollständigen Systems würde unendlich viel mehr an Material, Wissen 
und auch an Lebensdauer erforderlich gewesen sein, als worüber ich ver- 
fügen kann. 









Ueber Nachahmung bei lebenden Wesen (Organismen), 
insbes. den Lepidopteren, mit einer Betrachtung über 

die Abstammungslehre. 



Von 

Dr. Bössler. 






Ich bin genöthigt, auch über die Nachahmung (Mimicry) mich zu 
äussern, um den im vorhergehenden Aufsatz zu Grund gelegten Begriff 
der Wiederholung desselben schöpferischen Gedankens in den aufstei- 
genden und nebeneinander stehenden Abtheilungen der Thiere durch 
einen Gegensatz klarer zu machen und muss um Entschuldigung bitten, 
wenn ich dieses im letzten Jahrzehnt viel behandelte Thema nicht be- 
sprechen kann, ohne Manches dem Leser hinreichend bekannte zu wieder- 
holen. Die Nachahmung, von der jetzt die Rede sein soll, auch Nach- 
äffung oder Verkleidung, Vermummung (Maskerade) in manchen Fällen 
mit Eecht genannt, ist eine rein ausser liehe, Täuschung des Auges 
und Erkennungsvermögens bezweckende Aehnlichkeit, während die Wieder- 
holung in dem oben bezeichneten Sinn eine das innerste Wesen be- 
herrschende, gleichsam der schöpferische Gedanke selbst ist. Beides 
kommt aber in vielen Fällen mit einander verbunden vor. Die Heli- 
coniden z. B. wiederholen Spanner und äffen zugleich in ihrer Gestalt 
den Libellen nach. 

Die äussere Nachahmung ist im Thier- und Pflanzenreiche eine 
häufige Erscheinung, wir sind aber durch das alltägliche Sehen dagegen 
minder empfänglich. Die obere Seite der Thiere ist vorherrschend die 
ihres Aufenthalts, bei auf der Erdoberfläche lebenden, wie den meisten 
Säugethieren, erdfarbig; man denke an die Farbe des am Boden geduckt 
liegenden Hasen, die dem Wüstensand gleiche Farbe des Löwen, während 
im Allgemeinen die Bauchseite heller, weisslich oder gelblich gefärbt 



— 233 — 

ist. Dass «liest* erstere Farbe nicht rein zufällig ist, zeigt der Umstand, 
dass die Thiere im Norden die weisse Farbe des Schnees annehmen, 
so dass viele im Sommer ganz dunkel gefärbte Thiere im Winter weiss 
werden. 

Die Nachäffung anderer Thiere ist in den oberen Classen in ge- 
ringerem Maasse bemerklich, während bei den unteren sowohl diese als die 
der umgebenden Gegenstände, namentlich bei den Insecten immer augen- 
scheinlicher und überraschender wird. Von dem wandelnden Blatt, das 
einen belaubten Zweig und den Stabschrecken, die dürre Zweige vor- 
stellen, hat Jeder gehört. Unter den Lepidopteren findet sich nicht 
weniger Erstaunliches. In der Wiener entomol. Zeitschrift (1861, Bd. V, 
pag. 163) habe ich diesen Gegenstand schon einmal berührt und aus- 
geführt, dass die Malerei auf den Schmetterlingsfiügeln vielfach bezweckt, 
sie den Augen ihrer Verfolger zu entziehen und zwar, wie ich später 
erkannt habe, vorzugsweise bei den am Tage schlafend verweilenden 
Arten, während bei den taglebenden, meist in gewandtem Flug ihren 
Feinden leicht entschlüpfenden, die einen solchen Schutz also wenig 
bedürfen, mehr die Schönheit angestrebt zu sein scheint. Und doch 
werden auch viele solcher blendend in's Auge fallenden Thiere wieder 
geschützt, wenn sie sich zur Kühe begeben, indem die alsdann allein 
sichtbare Farbe der Unterseite ihrem Sitze gleicht, z. B. bei den Vanessen 
und Satyrus -Arten, wenn sie auf der Erde oder an Baumstämmen sich 
niederlassen. Die Unterseite der Flügel unserer Argynnis -Arten, z. B. 
Aglaja und Niobe gelb oder grün mit Silberflecken stellt ein Blatt 
mit glänzenden Thautropfen dar. 

Ferner habe ich dort erwähnt die Aehnlichkeit der zackenflügeligen 
Schwärmer mit lebenden, der Xanthia- und Cerastis- Arten mit absterben- 
den gelben und braunen Herbstblättern, zwischen denen sie ruhen und 
zum Theil überwintern, endlich darf ich wohl wiederholen die wunderbare 
Erscheinung, wie Ph. bucephala in ruhender Stellung ein oben und unten 
abgebrochenes Stück eines Buchenzweigs," Cym. batis ein mit rothen 
Pilzen besetztes faules Holz vorstellt, die Xylinen die Farbe altersgrau 
gewordener Baumpfähle, überhaupt, wie ihr Name andeutet, Holzfarben 
an sich tragen. Dazu kommt der Instinct — fast Intelligenz — dieser 
Thiere. sich wenn irgend möglich diese ihnen gleichfarbigen und gleich- 
artig scheinenden Gegenstände zum Kuhepiatz zu wählen. Dahin gehört 
auch die Gewohnheit der — wenigstens soweit meine Beobachtungen 
reichen — meisten Arten des Genus Polia, sich an Felsen zu setzen, 
obgleich ihre Raupe]] nicht, wie bei den Bryophilen dies erklärlich is*. 



- 284 — 

ihre Nahrung an den daran wachsenden Flechten, sondern an niederen 
Pflanzen zu finden pflegen. 

Die aussereuropäischen Schmetterlinge bieten aber noch bewunderns- 
werthere Aehnlichkeiten dar. Kalliina paralecta, ein unseren Schiller- 
falter an Grösse übertreffender Tagfalter mit leuchtenden Farben : 
schwarz, himmelblau und lila schillernd mit breitem hochgelbem Quer- 
band über die Oberflügel verschwindet im Niedersetzen dem Auge voll- 
ständig. Er lässt sich dann an einem Zweig, vermuthlich seiner Nahrungs- 
pflanze, nieder und die Unterseite der zusammengelegten Flügel stellt 
ein Blatt an Umriss und Farbe täuschend dar. Damit nicht genug, 
die verlängerten Spitzen am Ende der Hinterflügel berühren den Zweig 
so, dass sie als Blattstiel erscheinen*). 

Und diese Täuschung wird noch überboten durch Siderone Mars 
Hew., der, fast gleich gross wie der vorige, oben prachtvoll roth und 
blau gefärbt, in sitzender Stellung ein trockenes, braungelbes and rost- 
farbenes Blatt darstellt. Nicht durch Umriss und Farbe allein, obgleich 
auch letztere schon täuschend genug ist, auch die Rippen eines Blattes 
sind so richtig und vollständig dargestellt, wie es nur Künstlerhand 
vermöchte, obgleich sie im vollsten Gegensatz zu den Bippen der Flügel 
selbst stellen, indem sie diese rechtwinkelig durchschneiden. 

Ein Tagfalter des tropischen Amerika (Leptalis Orise Hew.), dessen 
Geschlechtsverwandte vorherrschend weiss und gelb gefärbt sind, kleidet 
sich in das düstere mit unbeschuppten glasartigen Flächen durchsetzte 
Schwarz einer Heliconide (der Thyridia Psidii) und fliegt unter den 
zahllosen Schwärmen dieser letzteren, welche durch ihren widrigen 
Geruch vor der Fresslust der Vögel geschützt sein sollen. Die Aehn- 
lichkeit ist so gross, dass selbst ein Menschenauge dadurch getäuscht 
werden kann. Auch Castnia Linus Cr. 257 ahmt dieselbe (auf dem 
nämlichen Blatt von Gramer dargestellte) Heliconide nach und lebt 
vermuthlich in ihrer schützenden Gesellschaft. Zu erwähnen sind hier 
auch die eigenthümlichen Fälle, wo nur das eine Geschlecht eines 
Falters einen anderen nachahmt und dadurch von seinem Ehe-Genossen 
gründlich verschieden wird. Von Papilio Memnon ist der Mann fast 
ganz schwarz und ungeschwänzt, während von den mehrfachen Formen 
seiner Weiber eine geschwänzte bunte Hinterflügel hat und in einem 
gewissen Grade dem in ihrer Heimath vorkommenden Papilio Coon nach- 
äfft, eine andere ungeschwänzte auf der Oberseite ihrem Mann, unten 



*) S. Wallaoe, der Malayische Archipel, Bd. 1, Cap. S. 



— 235 — 

dem P. Polymnestor gleicht, eine dritte ebenfalls angeschwänzte durch 
hochgelbe, am Rand schwarz gefleckte und schwarz geäderte Hinter- 
flügel sehr in die Augen fällt. 

Aehnlieh verhalten sich Mann und Weib des auf der Insel Luzon 
fliegenden Pap. Agenor var. Ledeburia*). Der Mann angeschwänzt tief- 
schwarz und gleichsam mit einer weissen Perlenkette behängt, die vor- 
herrschende Form des Weibes braunschwarz, auf den Oberflügeln hell- 
streifig, auf den Unterflügeln mit rothen Randflecken, durch welche in 
Verbindung mit Schwänzen eine oberflächliche Aehnlichkeit mit dem 
dort ganz gemeinen P. Antiphus entsteht; während eine seltenere weib- 
liche Form dem Manne ganz gleich ist. Bei Hypolimnas Misippus ist 
der Mann auf der Oberseite der Flügel schwarz mit grossen weissen 
blauschillernden Flecken, das Weib der rostfarbigen Danais Chrysippus 
zum Verwechseln ähnlich. Dieses in den Tropen der alten Welt überall 
gemeine Thier soll ebenfalls wegen seines widrigen Geruchs und Ge- 
schmacks von den insectenfressenden Thieren verschmäht werden. 

Die Sesien ahmen grossentheils mit Stacheln versehene Zweiflügler 
ziun Schrecken ihrer Feinde nach. So erscheint Sciapteron tabaniforme 
als Hornisse, an Gestalt, Grösse und Färbung fast täuschend, unter 
den Ausländern viele als Hummeln und mannigfaltige Bienengestalten. 

Die Augen auf den ersten Ringen der Raupe von Sphx. Elpenor 
vereint mit der Gestalt des Vorderkörpers lassen denselben als 
Kopf eines ihren Verfolgern gefährlichen Ungeheuers erscheinen, wie 
Weiss mann sehr gut ausgeführt hat und ein ähnliches Schreckbild 
könnten die manchmal wirklich lebend scheinenden auf den Flügeln 
mancher Saturnien befindlichen Augen (Polyphemus), denen selbst der 
spiegelnde Lichtpunkt nicht fehlt, vorstellen. Einen noch sonderbareren 
Aufschluss gab mir dieser Tage eine Thecla aus Manila. Mit ihren 
zusammengelegten unten lehmgelben Flügeln bildet ihr Umriss ein 
beinahe gleichseitiges Dreieck. An der einen Spitze der Grundlinie 
werden sichtbar Kopf und Fühler, an der entgegengesetzten die bekannten 
feinen Schwanzspitzen des Genus Thecla und im Winkel zwei in lila- 
farbigem Abschnitt stehende schwarze Augenflecken von leuchtend grün- 
goldenen Zeichnungen umgeben. Als ihn mein Töchterchen sah, meinte 



*) Diese von Kirby als eigene Art aufgeführte Form ist wohl nur 
locale Abänderung von Pammon und Polytes L. $, da der Unterschied nur 
in dem Mangel des Schwanzes bei der Luzonischen Form besteht. Aehnlieh 
dürften sich P. Emalthion, ungeschwänzt, ebenfalls auf Luzon und der ge- 
schwänzte P. Deiphobus zu einander verhalten. 



— 236 — 

es: ,.Ei, der hat ja zwei Köpfe". Da begriff ich, dass diese mit Spitzen 
oder Schwänzen verbundenen Augenflecken bei den Thecla, Lycaena — 
auch Papilio -Arten eine zunächst wohl zur Abschreckung dienende 
Maske eines Kopfes sind, oder, wenn der Verfolger sich nicht schrecken 
lassen und seine Beute beim Kopf fassen will, so entreisst sich ihm 
dieselbe, indem sie ihm ihre Endverzierung im Maule lässt*). 

Solche Nachäffungen, auch bei den Kaupen, haben in jüngster Zeit 
die Naturforscher mehr und mehr beschäftigt, indem sich besonders 
die Anhänger Darwin's abquälen, sie zu erklären. So hat Professor 
Weiss mann im II. Band seiner Studien zur Descendenztheorie sehr 
schön und, wie ich glaube, richtig beobachtet und ausgeführt, wie die 
Zeichnungen der Schwärmerraupen ihre Nahrungspflanze nachahmen, 
z. B. die grünen seitenstreifigen ein grünes Blatt mit dessen Bippen, 
wobei die gelben Streifen die beleuchtete Erhöhung derselben, die lila- 
farbigen nach dem malerisch-optischen Grundsatz der im Schatten immer 
wirksam werdenden entgegengesetzten Farben die Schatten der Rippen 
vorstellen. Bekanntere Beispiele bieten viele Spannerraupen, welche 
trockene kleine Zweige, andere, welche die Baumrinde, in deren Ver- 
tiefungen sie ruhen, nachahmen, oder wie viele Eupithecien die Farbe 
der Blüthen, in oder auf denen sie wohnen, ja sogar Gestalt und Farbe 
der darin befindlichen Staubfäden (Digitaliata) annehmen. 

Die Entstehung dieser im Allgemeinen zunächst Schutz bezwecken- 
den Aehnlichkeiten - - so nennt sie Darwin selbst, während viele, seiner 
die Descendenztheorie zur äussersten Consequenz treibenden Anhänger 
eine Zweckabsicht in der Schöpfung gar nicht anerkennen wollen — 
erklärt sich Darwin**) bei Leptalis Orise wörtlich so: „Dieser Process 
der Nachäffung nahm wahrscheinlich vor langer Zeit bei Formen seinen 
Anfang, welche in der Färbung einander nicht sehr ähnlich waren. 
In diesem Fall wird selbst eine geringe Abänderung von Vortheil sein, 
wenn die eine Species dadurch der anderen gleicher gemacht wird; 



*) Eine grössere Anzahl solcher Nachäffungen auch in anderen Ord- 
nungen der Kerfe findet sich in dem Werk: Die Naturkräfte Bd. XXII, die 
Insecten von Dr. V. Graben, pag. 57 und 69 ff. Siehe auch das eben er- 
schienene Werk, welches mir leider erst nach Vollendung dieses Aufsatzes 
zukam: Die Tropenwelt nebst Abhandlungen verwandten Inhalts von Alfred 
R. Wallace, übersetzt von Brauns, worin die Nachäffhngen sowie mehrere 
hier berührte Fragen im Sinne der Abstammungslehre ausführlich erörtert sind. 

**) Die Entstehung des Menschen, Uebersetzung von Carus, Bd. I, 
pag. 423. 



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später kann die nachgeahmte Species durch natürliche Zuchtwahl 
oder durch andere Mittel bis zu einem extremen Grade modificirt 
worden sein." 

An einer anderen Stelle*) äussert er sieh wie folgt: „Die nach- 
geahmten Formen, welche immer äusserst zahlreich vorkommen, müssen 
gewöhnlich der Zerstörung in hohem Maasse entgehen, sonst könnten 
sie nicht in solchen Schwärmen auftreten; man hat jetzt auch zahl- 
reiche Beweise gesammelt, dass sie Vögeln und anderen insektenfressen- 
den Thieren zuwider sind. Die imitirenden Formen, welche denselben 
District bewohnen, sind dagegen vergleichweise selten und gehören zu 
seltenen (V?) Gruppen. Sie müssen daher mancher Gefahr ausgesetzt 
sein, denn sonst würden sie nach der Zahl der von allen Schmetter- 
lingen gelegt werdenden Eier in drei bis vier Generationen die ganze 
Gegend in Schwärmen überziehen. — Die weniger vollständigen Aehn- 
lichkeitsgrade werden nach und nach eliminirt und nur die anderen 
zur Erhaltung ihrer Art bewahrt. Wir haben daher hier ein ausge- 
zeichnetes Beispiel der natürlichen Zuchtwahl." Wallace a. a. 0. und 
andere Naturforscher, die zugleich Lepidopterologen sind, haben die- 
selbe Erklärung wie Darwin auch für die angeführte Erscheinung 
bei P. Memnon und hei Ledeburia wird dasselbe gelten sollen. 
Da aller keinerlei Uebergänge, weder bei Memnon, Ledeburia noch 
M is i p p u s vorhanden sind, sondern im Gegentheil bei den ersteren 
den Männern ganz gleiche Weiber noch vorkommen, so dürfte es näher 
liegen, dass von Anfang die verschiedenen Formen alle aus verschiedenen 
ürzellen entstanden und nur die den schlecht schmeckenden Arten nach- 
äffenden Formen mehr verschont worden und desshalb häufiger als die 
anderen geworden sind. Weissmann in seinen Descendenzstudien, 
Bd. II, pag. 137, kommt zu einem im Wesentlichen gleichen Ergebniss 
wie Darwin bezüglich der Eaupenzeichnungen, indem er sagt: „Innere 
treibende Kräfte existiren dabei überhaupt nicht. Aeusserungen einer 
„phyletischen" Lebenskraft sind auf dem Gebiete der Sphingiden- 
Zeichnung und Färbung nicht zu erkennen, die Entstehung und Aus- 
bildung derselben beruht lediglich auf den bekannten F a c - 
toren der Naturzüchtung und der „Correlation", und glaubt 
(pag. 181) wirklich diesen Beweis geführt, sogar die letzten Ur- 
sachen der „Transmutation" ergründet zu haben!! 

Lassen wir einmal von Darwin selbst hören, was er unter natür- 

*) Die Entstehung der Arten, Cap. 14, pag. 509. 



- 23S — 

licher Zuchtwahl (Naturzuchtuii.tr) verstanden haben will. Er schreibt*): 
..Wir müssen eingedenk sein, wie unendlich verwickelt und eng zusammen- 
passend die gegenseitigen Beziehungen aller organischer Wesen zu 
einander und zu ihren physikalischen Lebensbedingungen sind, und 
folglich wie unendlich vielfältige Abänderungen der Structur einem 
jeden Wesen unter wechselnden Lebensbedingungen nützlich sein können. 
Kann man es denn, wenn man sieht, dass viele für den Menschen 
nützliche Abänderungen unzweifelhaft vorgekommen sind**), für unwahr- 
scheinlich halten, dass auch andere mehr und weniger einem jeden 
Wesen selbst in dem grossen und zusammengesetzten Kampf um's Leben 
vorteilhafte Abänderungen im Laufe vieler aufeinander folgenden Genera- 
tionen zuweilen vorkommen werden? Wenn solche aber vorkommen, 
bleibt dann zu bezweifeln, dass diejenigen Individuen, welche irgend 
einen, wenn auch noch so geringen Vortheil vor anderen voraus besitzen, 
die meiste Wahrscheinlichkeit haben, die anderen zu überdauern und 
wieder ihresgleichen hervorzubringen? Andererseits können wir sicher 
sein, dass eine im geringsten Grad nachtheilige Abänderung zur Zer- 
störung der Form führt. Diese Erhaltung günstiger indi- 
vidueller Verschiedenheiten und Abänderungen und 
die Zerstörung jener, welche nachtheilig sind, ist es, 
was ich natürliche Zuchtwahl nenne oder Ueberleben des 
Passendsten." 

Da es sich bei der Naehäffung nur um das Auge der Feinde 
täuschende Aehnlichkeiten handeln kann, also die Einwirkung sonstiger 
Lebensbedingungen ausser Betracht bleiben muss, so ist die sehr ge- 
wundene Darwinische Erklärung in kurzen Worten die: Alle Individuen, 
welche diese Aehnlichkeit nicht hinreichend an sich trugen, sind nach 
und nach gefressen worden. 

Wenn dieses der wahre Entstehungsgrund ist, möchte ich lieber 
glauben, dann wäre die ganze Art längst gefressen worden, ehe die 
Aehnlichkeit ausreichend war, zumal ja die Feinde, wie Schilde***) 
scharfsinnig bemerkt hat, nach dem Darwinischen Grundsatz der fort- 
währenden Anpassung und Vervollkommnung auch die Verfolger in 
gleichem Maasse scharfsichtiger geworden wären. 



*) Entstehung der Arten, pag. 101. 
**) D. h. bei künstlicher Zuchtwahl durch den Menschen. 
***) Zeitschrift für die gesammten Naturwissenschaften, herausgegeben 
von Dr. C. G. Gorbel, 1877, Bd. II. 






— 239 — 

Setzt diese Umbildung zur Sicherung, wenn »'im' solche überhaupt 
Dach und nach erst angebildet werden musste, nicht ein im Innern 
wirkendes geistiges Princip nothwendig voraus, welches die Umänderung 
nicht blos beginnt, sondern unbeirrt zum Ziele führt? Eine innere 
Reaction gegen die äusseren schädlichen Verhältnisse scheint ein logisches 
Erforderniss, denn die äusseren Verhältnisse können ja doch die schützende 
Zeichnung und Färbung nicht unmittelbar auftragen. 

Wir kennen eine solche innere Kraft im Menschen selbst, welche 
die Functionen der Lunge, der Verdauung, die Temperatur des Körpers 
regelt und vor Allem die sogenannten Heilbestrebungen der Natur bei 
Krankheit und Wunden hervorruft; ihr Sitz wird im Kückenmark und 
gewissen Gehirntheilen vermuthet. Es ist dasselbe Princip wie das 
(uns) Unbewusste des Philosophen Hartmann. 

Es wäre denkbar, dass dabei eine Nachbildungs- oder Nach- 
ahmungskraft, gleichsam eine photographische Wirkung thätig wäre, 
welche auch bei dem sogenannten Versehen der Frauen (das freilich 
bestritten wird) zu Grund liegt, in dessen umgekehrter Anwendung die 
Griechen ihren in Hoffnung befindlichen Weibern möglichst schöne 
Menschenbilder vor Augen führten, um schöne Kinder zu erhalten. Die 
Thiere verähnlichen sich dem, was sie täglich um sich sehen, wie das 
Chamäleon die Farben seiner Umgebung sogar willkührlich nach- 
ahmen soll. 

Diese Erklärung könnte wenigstens verständlich machen, wie aus 
den Eiern derselben Mutter stammende Kaupen auf verschiedenen Pflanzen 
und Pflanzentheilen deren oft sehr verschiedene Farben annehmen. 

Gehen wir einen Schritt weiter und betrachten auch die geschlecht- 
liche Zuchtwahl in ihrer Anwendung auf Lepidopteren. Darwin denkt 
sich*) diese Art der Zuchtwahl so: 

„In derselben Art und Weise, wie der Mensch die Kasse seiner 
Kampfhähne durch die Zuchtwahl derjenigen Vögel verbessern kann, 
welche in den Hahnenkämpfen siegreich sind, so haben auch, wie es 
scheint, die stärksten und siegreichsten Männchen oder diejenigen, welche 
mit den besten Waffen versehen sind, im Naturzustände den Sieg davon 
getragen und haben zur Verbesserung der natürlichen Rasse oder Species 
beigetragen. Im Verlauf der wiederholten Kämpfe auf Tod und Leben 
wird ein geringer Grad von Variabilität, wenn derselbe nur zu irgend 
einem Vortheil, wenn auch noch so unbedeutend, führt, zu der Wirk- 



*) Darwin: Die Abstammung des Menschen. Bd. I, Oap. 8, pag. 277, 



— 240 — 

samkeit der geschlechtlichen Zuchtwahl genügen und es ist sicher, dass 
secundäre Sexualcharactere ausserordentlich variabel sind. In derselben 
Weise, wie der Mensch je nach seinem Geschmack seinein männlichen 
Geflügel Schönheit geben — wie er den Sebright-Bantam-Hühnern ein 
neues und elegantes Gefieder, aufrechte und eigentümliche Haltung (durch 
künstliche Zuchtwahl) geben kann, — so haben nach allem Anschein 
im Naturzustände die weiblichen Vögel die Schönheit oder andere an- 
ziehende Eigenschaften ihrer Männer dadurch erhöht, dass sie lange 
Zeit hindurch die anziehenderen Männchen sich erwählt haben". 

,,Bei fast allen Thieren besteht ein Kampf zwischen den Männchen 
um den Besitz des Weibchens. Es können daher (!) die Weibchen 
eines von mehreren Männchen auswählen." 

Man sollte denken, im Gegentheil die Wahl durch das Weib wäre 
ausgeschlossen, nachdem die schwächeren Männer von dem Sieger fort- 
getrieben sind. Bd. I, Theil 2. Cap. 11. pag. 415 nimmt Darwin 
an, dass das Weibchen unter den männlichen Schmetterlingen die schön- 
gefärbtesten wähle, und dass dadurch die Färbung der Männer immer 
mehr gesteigert und verschönert worden sei. 

Er schreibt damit den Schmetterlingsweibern einen selbst bei dem 
menschlichen Geschlecht seltenen guten Geschmack zu. Aber was die 
Schmetterlinge betrifft, so verhält es sich doch wohl anders. Die Weiber, 
selbst vieler Tagfalter (z. B. Lim. Iris), ganz entschieden aber die der 
Spinner, die flügellosen selbstverständlich, erwarten regungslos nach 
ihrer Entwicklung aus der Puppe zunächst die Befruchtung. Erst nach 
derselben beginnt ihre Activität, insbesondere Flug, um die Eier an 
die Nahrungspfianzen zu vertheilen, sofern sie nicht (wie die flügel- 
losen, z. B. das § von Gon. antiqua) sich darauf beschränken müssen, 
dieselben auf ihre Puppenhülle zu legen. Das Weib gehört dem ersten 
Mann, der es findet. Das kann w r ohl der schnellste und scharfwittemdste 
sein aber ebenso gut ein ganz in der Nähe ausgekommener ver- 
krüppelter oder gänzlich entfärbter. Von einer Wahl durch das Weib 
kann gar keine Rede sein. 

Eine weitere Frage ist, wie weit gehen die Wirkungen der Natur- 
zucht? (um Weissmann's Ausdruck für „natürliche Zuchtwahl" zu 
gebrauchen). Dass die Art sich dadurch den Aenderungen des Klima's, 
anderen Nahrungspflanzen in einem anderen Lande u. s. w. anpasst, 
dass sie in ihrer äusseren Erscheinung, insbesondere Färbung, ändert, 
kann man zugeben. Vielleicht auch, dass unsere heutigen Thiere und 
Pflanzen von Vorfahren gleichen anatomischen Baues und gleicher 






i» 



— 241 — 

Gattung abstammen, welche in der Vorwelt mit kleinen Verschieden- 
heiten lebten, z. B. unsere Linden von denen, die versteinert gefunden 
werden. Vielleicht sind auch die in einem jeden Laude einheimischen 
verschiedenen Hundeformen weiter nichts als die untereinander gemischten 
gezähmten Abkömmlinge der dort einheimischen Raubthiere, wie Wolf, 
Fuehs. Hyäne u. s. w. Doch das ist eher Ergebniss der künstlichen 
Zuchtwahl. Klar ist auch, dass durch die Kämpfe unter den Männchen, 
die Gewohnheit vieler gesellig lebender Thiere schwächere Genossen zu 
fcödten, eine Absicht der Natur sichtbar wird, die Art bezüglich ihrer 
Kraft nicht rückschreiten, eher Fortschritte machen zu lassen. Vielleicht 
ist die Naturzucht auch im Stande zu bewirken, dass eine Gattung — 
d. h. (nach altem Begriff) die Gesammtheit aller Individuen, welche 
ungezwungen in ihrem natürlichen Lebenslauf mit Erfolg sich paaren — 
sich in zwei nahestehende spaltet; aber kann sie bewirken, dass 

alle oder einzelne Individuen über die Grenzen des Genus oder sogar 
bis zum Aufrücken in eine höhere Classe sich verändern? Hier stellt 
das allgemeine Naturgesetz entgegen, dass zwar vom ersten Lebenskeim 
bis zur Geschlechtsreife die ausserordentlichsten Umwandlungen nicht 
nur leicht geschehen, sondern sogar die Kegel sind — wird ja doch 
selbst der Mensch aus einem kiemenathmenden, in Wasser lebenden 
Geschöpf ein hingen- und luftathniendes — dass aber mit der ge- 
schlechtlichen Zeugungsfähigkeit die aufsteigende Bewegung der Bildung 
geschlossen ist und von da ein neuer, ewig sich wiederholender, im 
Wesentlichen gleicher Kreislauf beginnt. Selbst die raffmirteste Zucht- 
wahl des Menschen hat durch geistige Einwirkung und veränderte 
Nahrung und Lebensweise kein Thier diese Grenze überschreiten lassen. 
Die verschiedensten Hunde- und Pferderassen bleiben in der mannich- 
faltigsten Gestalt immer Hunde und Pferde und mit ihres Gleichen 
fruchtbar. 

Die Anhänger der Abstammungslehre behaupten freilich, dass jene 
Artgrenzen durchbrochen werden könnten und berufen sich unter Anderem 
auf die durch wiederholte, auch durch Prof. Weiss mann 's Versuche 
bestätigte Thatsache, dass eine mexikanische, im Wasser lebende Eidechse 
des Genus Siredon sich bei Erziehung durch den Menschen in immer 
seichterem Wasser aus einer kiemenathmenden in eine lungenathmende 
Amblystoma, eine Salamanderform umwandelt, womit dann noch weitere 
Veränderungen verbunden waren*). 



*) Weissmann: Studien zur Deseendenztheorie. Bd. II, pag. 230. 

Jahrb. d. nass. Ver. f. Nat. XXXI u. XXXII. IQ 



242 



Dieser Fall steht aber nicht allein bis jetzt vereinzelt, sondern er 
ist auch keine Entwickelung im Sinne, der Natur. Nach der Ansicht 
Weiss mann 's selbst ist die geschehene Umwandlung ein Bückschritt, 
also eine Verkümmerung und demgemäss sind auch die umgewandelten 
Thiere zur Fortpflanzung unfähig. 

Der für die Abstammungslehre schwerwiegendste Grund wird in 
der grossen Aehnlichkeit des allmälig in den höher stehenden Abthei- 
lungen, die auch im Laufe der Zeiten später entstanden scheinen, immer 
mehr vervollkommneten inneren Baues der Lebewesen gesucht. 

Ein ausreichender Beweis ist aber darin nicht zu finden, da bekannt- 
lich äussere und innere Aehnlichkeit bei Naturkörpern auch auf anderen 
Ursachen als der Abstammung von denselben Vorfahren beruhen kann. 

Die Krystalle, ja die Mineralien überhaupt, kommen in den ver- 
schiedensten Theilen der Erde in ganz gleicher Zusammensetzung und 
Gestaltung vor. Gleiche Ursachen haben gleiche Wirkungen hervor- 
gerufen. Die Bildung eines Lebewesens (Organismus) ist nur eine auf 
höherer Stufe stehende Kristallisation ; ganz gleiche Einwirkungen auf 
den gleichen Urstoff — von dem es wohl höchst unwahrscheinlich wäre, 
anzunehmen, dass er nur an einem einzigen Ort sich befunden hätte — 
können also sehr wohl die gleiche Art, blos ähnliche Einwirkungen, 
ähnliche, zusammengesetztere, verwickeitere Verhältnisse und Wirkungen, 
wie sie bei steigender Entwickelung des Erdkörpers wohl gekommen 
sind, complicirtere, d. h. höher organisirte Geschöpfe hervorgerufen 
haben. 

Einen Hauptgrund sollen auch die Ueberbleibsel (Rudimente) von 
Körpertheilen (Organen) bilden, welche sich bei den höheren Thieren 
und dem Menschen finden, und wohl mit Recht als aus früheren Zu- 
ständen einer niedrigeren Organisation ererbt, aber durch Nichtgebrauch 
verkümmert angesehen werden. Soweit dies Vorhandensein solcher Ueber- 
bleibsel nicht auf Phantasie beruht — wie z. B. die kaum sichtbare 
Behaarung vieler Flächen des menschlichen Körpers für einen Ueberrest 
früherer vollständiger Behaarung gehalten werden soll — so steht nichts 
im Wege, sie für Ueberbleibsel aus dem Zustande der ersterschaffeneii 
elternlosen Vorfahren zu halten, welcher nothwendig in der Zeit dea 
Wachsthums von der Urzelle bis zur Fortpflanzungsfähigkeit von 
der heutigen Entwickelung vielfach, besonders im Beginn, sehr ver- 
schieden gewesen sein muss. 

Aus den angeführten Gründen halten sich indessen die Anhänger 
der Abstammungslehre berechtigt, anzunehmen, dass nicht blos alle 






243 — 

Gattungen eines Genus von einem gemeinsamen Stammpaar, sondern in 
äusserst» 1 r Consequenz wenigstens das ganze Thierreich, wo nicht gar 
Pflanzen- und Thierreich aus einer einzigen Urzelle hervorgegangen seien. 

Das ist eine so starke Zumuthung an den Wunderglauben, wie ihn 
kaum irgend eine asiatische Religion macht und sie hat schon die 
bekannte Erfahrung gegen sich, dass alle auf die äusserste Spitze 
getriebene Theorie wegen Nichtbeachtung unzähliger im wirklichen Reich 
der Dinge mitwirkender Thatsachen und Verhältnisse zu den grössten 
Irrthümern zu führen pflegt. 

Da aber einmal der menschliche Geist genöthigt ist eine erste 
Entstehung der Lebewesen anzunehmen, so liegt wohl die Annahme 
näher, dass nach Maassgabe der sonstigen unerschöpflichen Hervor- 
bringungskraft der Natur unzählige Urkeime entstanden sein und 
sich entwickelt haben mögen und dass, um nach menschlicher Auf- 
fassung zu reden, der schöpferische Gedanke mit ihnen verfahren ist, 
wie ein menschlicher Künstler in der denkbarsten Steigerung geistiger 
Fälligkeiten, ohne dass dabei allerlei Versehen und Missgriffe eines 
Anfängers ausgeschlossen waren, die aber nach und nach in höheren 
Classen und Ordnungen verbessert wurden. 

Bei den Insecten, den Schmetterlingen insbesondere, ist der Weg, 
auf welchem Entwickelung der Arten durch Naturzucht geschehen sein 
sollte, nach unseren jetzigen Kenntnissen wenigstens ganz unfindbar. 

Die kleineren Arten müssten sich, wie schon angeführt, aus Zwei- 
flüglern, grössere aus allerlei Phryganiden und Libellen (als Heli- 
conier) entpuppt haben. Woher aber die ganz grossen Thiere ? die 
Drnithopteren und Saturnien ? Stammen sie mit den Laternenträgern und 
Heuschrecken ähnlichen Thieren von gemeinsamen Stammvätern? 

Wie sollen die an ganz bestimmte Nahrungspflanzen gebundenen 
Arten, wie sollen die blattminirenden sich umgewandelt haben in höher 
stehende, andere Pflanzen geniessende Arten? oder umgekehrt? während 
jeder kleinste Schritt über den vorgeschriebenen Lebenslauf der Larve den 
Tod bringt?*) Es scheint nichts übrig zu bleiben, als vorerst wenigstens 
für möglich zu halten, dass in den Säften der Nahrungspflanzen einige 
Zellen thierisches Leben gewonnen und sich in pflanzenfressende Insecten 
verwandelt haben, deren Höhepunkt im Leben ja auch meist mit der 
Blüthe ihrer Pflanze zusammentrifft. 

*) Siehe die Schrift „(legen pseudodoxische Transmutationslehren" von 
Johannes Schilde, Leipzig 1879, wo noch subtilere Gründe gegen die 
Abstammungslehre beigebracht werden. 

16* 



— 244 — 

Allerlei Gegengründe sind freilich leicht zu finden, deren Wider- 
legung schwer wäre. 

Freuen wir uns einstweilen an dem uns erreichbaren Geschaffenen. 
Alles was später menschliches Genie im Reiche der Formen und Farben 
erfunden zu haben glaubt, davon sind schon seit Urzeiten die unüber- 
troffenen Vorbilder da. Die schönsten Gebilde von Seide oder Sammt, 
geschmackvollste, künstlichste Band- und Fransengestaltung, Verzierung 
mit glänzenden Gold-, Silber- und anderen Metallfarben, die Metalle 
scheinbar selbst, bald eingewogen, bald flüssig aufgetröpfelt (Helicopis 
Cupido L.), die feinsten Harmonieen ganzer und gebrochener Farben 
alles das ist bereits an dem Gewand der Schmetterlinge in der höchsten 
Vollkommenheit vorgebildet und wunderbarer Weise, alles, auch das 
scheinbare Metall, nur aus dem einfachen Hornstoff (Chitin), aus welchem 
auch die Federn der Vögel bestehen. 

Wie wollen Die, welche einen blos mechanisch-physikalischen Auf- 
bau der Welt annehmen, erklären, dass über Tausende von Schuppen 
fortlaufende, also vom Innern heraus entsprungene, offenbar absicht- 
liche vorbedachte Zeichnungen und Malereien, die einen unzweideutigen 
Sinn haben, wie die oben erwähnte Abbildung der Blattrippen auf der 
Unterseite der Flügel von Siderone Mars, entstehen konnten? 

Die Nachäffung anderer Arten, wie sie z. 1>. in dem Genus der 
Lemoniden fast bei jeder Art auf das Unverkennbarste vorkommt, soll 
sie nur dadurch entstanden sein, dass alle diese Nachäffung weniger 
stark an sich tragenden Individuen von den Vögeln, Lurchen und Raub- 
fliegen gefressen wurden? Dann müsste dieses Genus der Lemoniden 
ganz besonders appetitlich sein! Menschlich verständlicher ist es, hier 
ein übermüthiges Spiel der Gestaltungskraft zu sehen, es ist, wie wenn 
bisweilen ein neckischer Kobold die Rolle des schaffenden Geistes über- 
nommen hätte. 

Das Endergebniss dürfte sein: Der Geist ist mit der Materie ver- 
bunden, wie im Menschen, dem Mikrokosmus, Körper und Geist, der 
Geist - - im Menschen" der uns unbewusste Theil desselben - - beherrscht 
die chemischen, physikalischen und physiologischen Vorgänge in den 
Lebewesen wie im Weltall und führt sie mit der höchsten Intelligenz 
klar bestimmten Zwecken entgegen. Diese Vorgänge selbst aber bei 
Entstehung der Arten der Lebewesen und ihrer Nachahmung unter 
einander liegen noch weit jenseits der Grenze menschlichen Wissens. 









*• 



Nachträge zu dem Verzeichnisse der Säugethiere und 

Vögel des vorm. Herzogthums Nassau, insbesondere der 

Umgegend von Wiesbaden. 



Von 

Ang. Römer. 



Im Jahre 1863 im XVII./XVIII. Bande der Jahrbücher des Vereins 
für Naturkunde im Herzogthum Nassau erschien das Verzeichniss der 
Säugethiere und Vögel des Herzogthums Nassau, insbesondere der Um- 
gegend von Wiesbaden. 

Nachdem 16 Jahre verflossen sind, möge es gestattet sein, neue 
Vorkömmnisse und Beobachtungen nachzutragen. 

Wie zu erwarten stand, hat sich für unser Gebiet als neues Vor- 
kommen nur eine Vogelspecies Emberiza Cirlus L. (Zaunammer) er- 
geben. Das Nest nebst Eiern desselben sind bei Sonnenberg aufge- 
funden, ohne dass der Vogel selbst erbeutet worden wäre. 

Es würde mit diesem Zuwachs die Anzahl der in unserem Gebiete 
vorkommenden Vögel -Arten 259 betragen; dagegen haben sich neue 
Vorkommnisse für Säugethiere nicht ergeben und es ist daher ihre An- 
zahl bei 51 Species verblieben. 



L Säugethiere. 

l. Cervus Capreolus L. Reh. 

Eine gehörnte Rehgeise wurde am 10. Juni 1875 von Förster Dorn 
bei Glashütten, im District ,, Seelborn", Amts Königstein, erlegt. Herr 
Oberförster Schwab zu Königstein veranlasste, dass dieselbe im natur- 
historischen Museum zur Aufstellung gelangte. Das Thier trug noch 



_ 246 — 

im Juni sein Winterhaar, ist klein und wog nur 35 Pfund. Die linke, von 
beiden Seiten zusammengedrückte Stange ist fast glatt, 6" lang, hat 
einen kurzen Rosenstock und ist nach rückwärts sanft gebogen. Auf 
der rechten Seite befindet sich nur ein Wulst mit Haaren überwachsen, 
wie dies bei alten Geisen vorzukommen pflegt. 

3. Sus Scrofa L Wildes Schwein. 

Im Januar 1879 wurde im Kamnierforste bei Loren ein starker 
Keiler von Herrn Oberförster v. Preu sehen zu Lorch erlegt. 

5. Lepus Cuniculus L. Kaninchen. 

In den Feldern und Weinbergen bei Hochheim, Erbenheim, im 
Erbenheimer Thal, Biebricli, Mosbach. Wiesbaden, im Winter sogar 
bis in die Gärten kommend. 

14. Mus minutus Pall. Zwergmaus. 

An dem Waldrande des Wiesenthaies oberhalb der Stickelmühle 
bei Sonnenberg, im Gebüsch in geringer Entfernung von der Erde fand 
ich das runde künstliche Nest der Zwergmaus. 

44. Canis Vulpes L. Fuchs. 

Eine schöne schwärzliche Varietät wurde im September 1865 bei 
Selters von Herrn Hauptmann Stahl erlegt. 

51. Lutra vulgaris Erxl. Fischotter. 

Am 16. Juni 1879 ist von Schiffern ein 9 bei Schierstein im Rhein 
gefangen worden. 



9. 

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28 



II Vögel, 

5. Falco vespertinus L. Rothfussfalke. 

Ein prachtvolles altes cf wurde vor mehreren Jahren von Herrn 
Förster Diefenhard bei Hochheim geschossen. Es ist dies das dritte 
Exemplar, welches in unserem Gebiete vorkam. 

6. F. Tinnunculus L. Thurmfalke. 

In der Frontspitze des Museumsgebäudes horstete im Jahre 1866 
ein Paar. Bei der am 1. Juni vorgenommenen Zerstörung des Nestes 
fanden sich mehrere eben ausgeschlüpfte Jungen und ein Ei vor. In 
den Thürmen der neuen protestantischen Kirche nisten seit Jahren 
mehrere Paare. 

8. Circaetos gallicus Gmel. Schlangenadler. 

Ein am 2. August 1872 bei Caub aus hoher Luft herabgeschossener 






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— 247 — 

Schlangenadler hatte ein Gewicht vod 3 ] i Pfund, eine Fingelweite von 
6' und eine Körperlänge von -\1\:". Ein anderes Exemplar wurde im 
September 1874 bei Dotzheim erlegt. 

9. Pernis apivorus L. Wespenbussard. 

Mehrfach vereinzelt vorgekommen, ein im Mai 1879 erlegter Vogel 
dieser Art hatte im Kröpfe und Magen drei Eidechsen, zwei Blind- 
schleichen und einen Laubfrosch. 

13. Haliaetos Albicilla Briss. Seeadler. 

Am 19. December 1 s 7 •"> wurde auf der Heidesheimer Jagd ein 
Seeadler geschossen, dessen Flugweite 75" und seine Körperlänge 30" 
betrug. Derselbe befindet sich aufgestellt im Besitze des Herrn A. Nil- 
kens auf Villa Sicambria bei Eltville. 

18. Circus cyaneus L. Kornweihe. 

Ein altes ausgefärbtes cf ist Ende November 1879 bei Frauenstein 
erlegt worden. 

29. Bubo maximus Ranz. Uhu. 

Im October 1873 bei Wehen vorgekommen. Anfangs November 
1864 wurde im Wisperthale bei Lorch ein altes cT erlegt. 

Emberiza Cirlus L. Zaunammer. (Nach n . 48. a. verz.) 

Das Nest mit den Eiern dieses Vogels wurde bei Sonnenberg im 
Sommer 1864 aufgefunden, den Vogel selbst hat man aber bis jetzt 
noch nicht erhalten können. (S. Z.) 

48. Emberiza Hortulana L Ortolan. 

Nest und Eier sind in der Umgegend von Wiesbaden aufgefunden. 

51. Emberiza Cia L. Zippammer. 

Nest und Eier des Zippammers sind ebenfalls in der Umgegend 
Wiesbadens aufgefunden. Herr Pfarrer Baldamus bestimmte die Eier 
dieser und der vorhergehenden Species. 

56. Pyrrhula Serinus L. Girlitz. 

Im Frühjahr 1866 wurde der Girlitz, welcher auf der linken Rhein- 
seite häufig ist, hier in den Anlagen und umliegenden Gärten zum 
erstenmal beobachtet und ist jetzt häufig. Er nistet auf Obstbäumen 
und baut sein zierliches Nestchen an die äusseren auslaufenden Aeste 
derselben. Auch in dem Gärtchen des Museums brütete er in den 
letzten Jahren ; ein aus dem Neste entflogenes und gefangenes Junges fütter- 



— 248 — 

ten die Alten in einem hingehängten Bauer auf; dasselbe war ein 
Männchen und vergnügt noch jetzt den Besitzer durch seinen Gesang. 
Die Ankunft des Eingewanderten am Brutorte, wo er sich durch 
seinen häufigen Gesang bald bemerkbar macht, erfolgt Anfangs April, 
wie aus Folgendem ersichtlich wird: 

April. 



1872 . 


. 10. April. 


1876 . 


. 14. 


1873 . 


. 23. » 


1877 . 


. 8. 


1874 . 


8. » 


1878 . 


. 11. 


1875 . 


. 11. » 


1879 . . 


. 9. 



79. Bombycilla Garrula L. Seidenschwanz. 

Von November 1866 bis März L877 waren diese nur periodisch 
unsere Gegend besuchenden prachtvollen Vögel sehr häufig, so dass 
viele geschossen und lebend gefangen wurden, z. B. in den Curhaus- 
anlagen, Alter Geisberg, im Taunus etc. 

Unser Gebiet ist in einem Zeiträume von 45 Jahren nur zweimal 
von Seidenschwänzen besucht worden, nämlich im Winter 1844 und 1866. 

81. Nucifraga Caryocatactes L. Tannenheher. 

Im October 1868 vereinzelt vorgekommen im Taunus, geschossen 
bei Wehen. 

83. Corvus Monedula L. Dohle. 

In den Thürmen der neuen protestantischen Kirche, woselbst, wie 
schon erwähnt, mehrere Paare von Thurmfalken horsten, haben im Jahre 
1864 auch mehrere Paare Dohlen ihre Niststellen aufgeschlagen. Das 
Material zum Nestbau (Reisig) brechen sie von den, in den umliegenden 
Gärten und Anlagen stehenden Bäumen und tragen es im Schnabel, 
paarweise fliegend, zum Nistorte. So ganz friedlich aber geht das Neben- 
einandernisten beider Vogelarten nicht her, häufig sieht man Thurm- 
falken und Dohlen schreiend und stossend einander verfolgen. 

86. Corvus Corax L. Kolkrabe. 

Es dürfte erwähnenswert!) sein, dass Frau Revisionsrath Rössel 
hier eine)] zahmen Kolkraben, der sehr deutlich sprach, 24 Jahre lebend 
hatte. Zum grössten Leidwesen der Besitzerin fand derselbe durch 
Ueberschütten mit Wasser am 14. April 1SH8 seinen Tod. 

87. Corvus frugilegus L. Saatkrähe. 

Ein Exemplar mit stark verlängertem Oberschnabel wurde bei Hahn 
bei Wehen gefangen und dem Museum durch Herrn Oberförster Hey- 
mach übergeben. 









lilji'i 



— 249 — 

107 Turdus Merula L. Amsel. 

Ein Weibchen mit mehreren rein weissen Schwung- und Schwanz- 
federn hielt sich mehrere Jahre im Mfoseumsgärtchen auf. Ein Paar 
Amseln nistete im vorigen .Jahn' unter einer Dachtraufe eines kleinen 
Gebändes daselbst und brachte auch seine Jungen glücklich auf. Das 
nicht lange verlassene Nest benutzte ein grauer Fliegenfänger, Musci- 
capa Grisola L., indem er sein Nest hineinbaute. 

119. Ficedula rufa Lath. Grauer Laubsänger. 

In der Umgegend von Wiesbaden nicht selten, er ist im Frühjahre 
einer der zuerst ankommenden Singvögel und gewöhnlich Ende März 
zurückgekehrt. 

130. Lusciola Tithys Scop. Hausrothschwanz. 

Eine weissliche Varietät von hier erhielt die Museums-Sammlung 
durch Herrn Kaufmann D. Lugenbühl. 

U4. Hirundo riparia L. Uferschwalbe. 

Nisten in den Sandgruben bei Mosbach gesellschaftlich. 

i r >7. Otls tarda L. Trappe. 

Gleich wie in früheren Jahren während des Winters erlegt, 
z. B. am 5. Januar 1871 ein 9 bei Idstein von 16 Pfund Körper- 
gewicht; am 20. Februar desselben Jahres ein starkes cT von 21 Pfund 
Gewicht bei Delkenheim, im Februar 1872 ein sehr altes 9 bei Erben- 
heim und am 12. December 1875 ein 9 bei Bierstadt. 

161 Ortygometra pygmaea Naum. Zwergsumpfhuhn. 

Am Rhein bei Schierstein vorgekommen. 

166. Oedicnemus crepitans Temm. Dickfuss. 

Am Rhein bei (Teisenheim wurde am 21. November 1877 ein 9 
geschossen. 

179. Totanus Calidris L. Rothfüssiger Wasserläufer. 

Im September 1879 am Rhein bei Eltville erlegt. 

182. Actitis hypoleucos L. Trillernder Wasserläufer. 

An dem Fischweiher im Adamsthale bei Wiesbaden wurde ein cT 
am 14. Juli 1868 und ein zweites Exemplar am 7. August 1870 ge- 
schossen. 

190. Ascalöpax Gallinula L. Kleine Bekassine. 

In einem Wiesenthaie unterhalb der Platte am 8. März 1870 vor- 
gekommen. 



— 250 — 

192. Ascalöpax major Gmel. Bruchwaldschnepfe. 

Am 27. September 1865 fand oberhalb Biebrich auf der Eisen- 
bahn ♦•in Bahnwärter eine Bruchwaldschnepfe, welche gegen den Tele- 
graphendraht anrannte und todt niederfiel. 

195. Numenius Arquata L. Grosser Brachvogel. 

Am 22. October 1868 bei Schierstein am Rheine ein 9 geschossen. 

202. Ardea Nycticorax L. Nachtreiher. 

Im März 1872 am Rhein in der Nähe von Erbach geschossen. 

203. Ciconia nigra L. Schwarzer Storch. 

Im Juni 1866 bei Königstein im Taunus geschossen. 

206. Cygnus musicus Bechst. Singschwan. 

Am Rhein bei Lorch von Herrn Altkirch im Januar 1869 erlegt. 

227. Fuligula ferina L. Tafelente. 

Zwei 9 im April 1872 am Rhein bei Schierstein geschossen. 

232. Phalacrocorax Carbo L. Cormoran. 

Ein junges rf wurde im November 1875 bei Schierstein geschossen. 

239. Colymbus arcticus L. Polar-Seetaucher. 

Ein junges d'. dessen Länge 24 1 /2 /; , die Flugweite 44 Vü" und das 
Körpergewicht 6 3 /4 Pfund betrug, wurde am 1. Januar 1877 auf 
Urban's Fischweiher an der Schwalbacher Chausse'e lebend gefangen. 

244. Lestris pommarinusTemm. Breitschwänzige Raubmöve. 

Am 22. October 1879 bei Niederwalluf am Rhein vorgekommen. 

248. Larus tridactylus L. Dreizehige Möve. 

Im März 1869 bei Königstein vorgekommen. 






lieber Selüaf und Traum. 

Vortrag, gehalten bei der 50jährigen Jubiläumsfeier des nassauischen 
Vereins für Naturkunde, am 20. December 1879 

von 

Dr. Arnold Pagenstecher, 

Sanitätsratli. 



H o c h z u v e r ehre n de Anwesen d e ! 

Wenn ich mir gestatte, Ihnen in der heutigen Festversammlung 
eine Betrachtung über den Schlaf und den Traum vorzuführen, so mögen 
Sie von mir keine erschöpfende Darstellung dieser eigenthümlichen, in 
alle Beziehungen unseres geistigen und körperlichen Lebens eingreifen- 
den Zustände erwarten. — Was ich Ihnen heute aus dem überreichen 
Stoffe biete, das kann der Natur der Sache nach nur eine kurze Ueber- 
sicht bilden von naturwissenschaftlicher Seite aus über eines der vielen 
Räthsel unseres Seines, welches für den speculativen Philosophen sowohl, 
als den nüchternen Naturforscher trotz der reichsten und vielfältigsten 
Erforschung in seinem eigensten Wesen doch noch ungelöst geblieben ist. 

Ich werde versuchen, Ihnen zunächst in einem kurzen historischen 
Rückblick über die Ansichten über Schlaf und Traum eine De- 
finition dieser Zustände zu geben, und werde darauf das Wesentliche 
der physiologischen Bedingungen der genannten, und einiger nahe 
verwandten Zustände, wie des Winterschlafs und des thierischen 
Hypnotismus skizziren, um hiermit eine Grundlage für die am 
Schlüsse vorzuführende Theorie des Schlafes zu erhalten. 

Das Gebiet der Psychologie werde ich dabei, soweit es überhaupt 
bei der Erörterung der Lehre vom Traum möglich ist, vermeiden und 
auch die hier einschlagenden psychischen Störungen sowohl, wie die meist 
in das Gebiet des gestörten Nervenlebens übergehenden Zustände, wie 



— 252 — 

den Mesmerismus, Somnambulismus und thierischen Magnetismus aus 
dem Kreise der Darstellung Verbannen, wiewohl letztere in der neuesten 
Zeit durch die Forschungen über die interessanten Phänomene der Me- 
talloseopie und Metallotherapie für die Pathologie und Physiologie eine 
ungeahnte Wichtigkeit erlangt haben. 

Sie wollen es verzeihen, wenn durch das Zusammendrängen in einen 
engen Rahmen aus dem Ihnen vorgelegten mosaikähnlichen Bilde nur 
einige Punkte lebhafter hervortreten: das theilt mein Vortrag mit dem 
einen Gegenstand desselben, mit dem Traum, der uns auch nur ein ver- 
waschenes und verschobenes Bild der Wirklichkeit darbietet. 

I. 

Schlaf und Traum sind oft genug von dem grössten Einflüsse 
auf die Begebenheiten des wachen Lebens geworden. Aus ihnen sind 
für ganze Völkerschaften der alten wie der neueren Zeit nicht minder 
grosse historische Momente entstanden — ich brauche nur an Mahom- 
med und Johanna d'Arc zu erinnern — , als auch grosse Dichter das 
Mystische dieser Zustände im Gewände der Poesie verklärten, und Prie- 
ster, Traumdeuter und Visionäre das Unbegriffene zum Gegenstande 
eines frommen Betrugs oder verbrecherischer Gewinnsucht machten. Auch 
heute noch versuchen neben den Traumbüchlein mystische und spiri- 
tistische Lehren sich Geltung zu verschaffen und noch heute drohen 
Phantasie und Wunderglaube der echten Forschung und der klaren Ver- 
nunft den Rang abzulaufen. 

Die alten Griechen pflegten den Schlaf mit seinem Zwillings- 
bruder, dem Tod, in Verbindung zu bringen, und wie sie überhaupt 
die Vorgänge in der Natur und der menschlichen Seele zu verkörpern 
und in lebensvolle Gestalten zu kleiden suchten, so wohnen bei ihnen 
das Bruderpaar Schlaf und Tod als Kinder der Nacht mit dieser in 
unterirdischem Dunkel, von wo aus die Nacht den Schlaf als lieben 
Freund und Tröster der Menschheit herauf sendet. Dem Tode starrt 
erbarmungslos das eherne Herz in der Brust, und wen er erhascht, den 
hält er fest, ein Entsetzen sogar den unsterblichen Göttern. Der leben- 
vernichtende, langhinstreckende, nachtumhüllte Thanatos bringt schweren 
Todesschlummer, süsse Ruhe verleiht der liebliche, ambrosische Hypnos, 
der Beherrscher der Götter und Menschen. — Die Träume schildert 
v i d als Kinder der Nacht, und dieselben Anschauungen, dass aus der 
Nacht der Tag, der Finsterniss das Licht, dem Schlaf das Wachen ent- 
stehe, lassen sich in allen Religionen und Mythen aller Völker wiederfinden. 



253 — 

In der Wissenschaft hatten sich auf dem Boden der noch 
heute mustergültigen aristotelischen Forschung nach langer, dürrer und 
unfruchtbarer Zeit ein reicher Strom der Erkenntniss über die perio- 
dischen Zustände des Wachens und Schlafes ergossen. Zu den philo- 
sophischen Forschungen eines Kant*), 11 er hart**) und Hegel***) 
hatten sieh die physiologischen eines Burdachf), Johannes 
Müller ff) und Purkinjefff) gesellt. Auch in der neuesten Zeit 
widmete man sich wieder mit erneutem Eifer diesen Fragen und wie 
auf der philosophischen Seite Sehern er §), Maury§§), Strüm- 
pell§§§), Spittaf*), Sie heck f**), Radestockf***) und viele 
Andere, so haben auf der physiologischen namentlich B in z§*), Preyer§**) 
und Pf] üge r§***) bemerkenswerthe Arbeiten geliefert, auf welche wir 
uns im Nachfolgenden zu beziehen haben werden. Freilich müssen wir 
bekennen, dass noch viele Erscheinungen uns dunkel geblieben sind. 
Hier wie sonst im Bereiche des rastlos vorschreitenden Menschengeistes 
stellen wir an der Schwelle der Erkenntniss, hier, wie überall, wo wil- 
dem Ende und Ursprung aller Dinge nachspüren, behält das Ignoramus: 
..Wir wissen es nicht", des grossen deutschen Physiologen seine Be- 
rechtigung. 

*) Kant, Anthrop. Didactik. 
**) Heibart (Psychol., Bd. II) 8. 
***) Hegel, Encycl. der phil. Wies. Heidelbg. 1817. 
f) Burdach, Physiologie, Bd. III. (Leipzig 1838.) 
ff) .loh. Müller, Physiologie. (Coblenz 1840.) 

tft) Purkinje inWagner's Handwörterb. der Phvs. (Braunschweig 1846«) 
Bd. III, Abth. 2, pag. 412 ff. 

§) K. J. Scherner, Das Leben des Traums. Berlin 1861. 
§§) A. Maury, Le sommeil et les reves. Paris 1861. 
§§§) L. v. Strümpell, Ueber die Natur und Entstehung der Träume. 
Leipzig 1874. 

f*) H. S p i 1 1 a , Die Schlaf- und Traumzustände der menschlichen Seele. 
Tübingen 1878. 

f**) H. Sieb eck, Das Traumleben der Seele. Sammlung wissensch. Vor- 
träge von Virchow und Ho 1 1 ze nd or f f, Heft 279. Berlin 1877. 

t***) P. Radestock, Schlaf und Traum. Eine physiologisch-psycho- 
logische Untersuchung. Leipzig 1879. 

§*) C. Binz, Ueber den Traum. Bonn 1878. 
§**) W. Preyer, Ueber die Ursache des Schlafes. Stuttgart 1877. 
§***) E. Pflüger, Archiv f. ges. Physiologie, Bd. X, Heft 6, pag. 251: 
Ueber die physiologische Wirkung in dem lebendigen Organismus. E. Pflüger, 
Theorie des Schlafes, Bd. X, pag. 468 ff. E. Pf lüg er, Ueber Wärme und 
Oxydation der lebendigen Materie, Bd. XVIII, pag. 247 ff. 



*) 0. H. v. Schubart, Symbolik des Traums. Bamberg 1874. 
**) Kant. Anthrop. Did. Leipziger Ausgabe von 1838, pag. 60. 



— 254 — 

Ein Jeglicher von uns erscheint als ein dankbares Substrat zur 
Beobachtung des periodischen Wechsels zwischen Wachen und Schlaf, 
aber wir sind zur Selbstbeobachtung um so weniger geeignet, als die 
eine Phase unseres Seins mit dem Augenblicke ihres Eintretens gewisser- 
maassen wieder aufhört, für uns zu existiren, weil unser Bewusstsein 
mit dem eingetretenen Schlaf schwindet und nur ein dunkles Traum- 
leben die innere Thätigkeit unseres Ich fortsetzt. 

Wie uncultivirte Völker sich dies Verhältniss erklären, das zeigt 
unter Anderein die Anschauung der Grünländer, welche in sinniger 
Weise dem Menschen zwei Seelen zutheilen, zuerst den Athem, der 
während des Schlafes das ganze Leben überhaupt erhält, sodann den 
Schatten, ein zerfliessendes, dahinschwebendes Dunstbild, welches sich 
in besonders lebhaften Träumen vom Körper loslöst und entfernt. Dann 
wandert die Seele schrankenlos aus dem Leibe, sie zieht aus auf die 
Jagd, auf den Fischfang, treibt ihre Lieblingsgeschäfte, während der 
Leib von tiefem Schlafe umfangen auf seinem Lager ruht, ihrer Bück- 
kehr harrend. (Spitta.) Aehnliche Anschauungen vertreten auch unsere 
Naturphilosophen, wie z. B. G. H. von Schub art*), der im Schlafe 
die Seele den jenseitigen Regionen zueilen lässt, aus dem sie ihren Ur- 
sprung genommen und wo sie während der Nacht des Lebens der 
Lichter eines fernen Sternenhimmels theilhaftig werde. 

Sehr klar und treffend sagt Kant **) in seiner Anthropologie : 
„Der Schlaf ist der Worterklärung nach ein Zustand des Unvermögens 
eines gesunden Menschen, sich der Vorstellungen durch äussere Sinne 
bewusst werden zu können;" und weiter: „Hierzu die Sacherklärung 
zu finden, bleibt den Physiologen überlassen, welche diese Abspannung, 
die doch eine Sammlung der Kräfte zu erneuter äusserer Sinnesempfin- 
dung ist (wodurch sich der Mensch gleich als neugeboren in der Welt 
sieht, und womit wohl ein Dritttheil unserer Lebenszeit unbewusst und 
unbedauert dahin geht), — wenn sie können, erklären mögen". 

Dieser Aufforderung des grossen Philosophen folgte ein nicht minder 
grosser Physiolog und Anatom, Johannes Müller, indem er schrieb 
(Physiologie Bd. II, pag. 579, 1840): „Jene Art von Erregung der 
organischen Zustände des Gehirns, welche bei der Geistesthätigkeit statt- 
findet, macht allmälig das Gehirn selbst zur Fortsetzung dieser Action 
unfähig und erzeugt dadurch Schlaf, der hier dasselbe ist, was die Er- 



Gähnaii: 



- S55 — 

müdung in jedem andern Theil des Nervensystems. Das Aufhören oder 
die Remission der geistigen Thätigkeit im Schlafe macht aber auch eine 
Integration der organischen Zustände, wodurch sie wieder erregbar wer- 
den, möglich. Das Gehirn, dessen Wirkungen bei dem geistigen Leben 
Döthig sind, gehorcht dem allgemeinen Gesetz für alle organischen Er- 
scheinungen, dass die Lebenserscheinungen als Zustände der organischen 
Theile mit Veränderungen ihrer Materie erfolgen." Hiermit war der 
Schlaf als Gehi r n e r m ü d u n g festgestellt, deren Erscheinungen zu 
ergründen sich verschiedene Forscher hingaben. Binz*) glaubt als 
Ergebniss sagen zn dürfen: „Der Schlaf ist eine vorübergehende, durch 
mehrfache Ursachen bewirkbare Hemmung des Stoffwechsels unserer Ge- 
hirnsul »stanz, auf welchem deren specifische Thätigkeit, d. i. die Wahr- 
nehmung und die Reproduction, beruhen. 

Haben wir so auf dem Boden der Bhilosophie und Physiologie eine 
Definition für den Schlaf gefunden, so w r ollen wir nunmehr auf die 
physiologischen Erscheinungen desselben übergehen. Es wird 
genügen, sie in cursorischer Weise, weil Ihnen allen hinreichend be- 
kannt, hier vorzuführen. Folgen wir der mustergültigen Schilderung 
Pnrkinje's**). Der Schlaf kündigt sich durch ein Gefühl der Müdig- 
keit an, wodurch wir auf unser gesammtes körperliches Befinden, von 
dem wir Tags über wenig Bewusstsein hatten, aufmerksam gemacht 
werden. Alle unsere Thätigkeiten vollziehen sich langsamer, träger oder 
versagen den Dienst, und nach und nach sind wir mit der grössten 
Willensanstrengung nicht mehr im Stande, uns aufrecht zu erhalten. 
Merkwürdig ist ein eigenes Wohlgefühl von sanftem Druck, das sich 
Leise um die Schläfe zwischen Auge und Ohr lagert, und sich steigernd 
und ausbreitend diese Sinne in seine Nebel hüllt. Ein andermal nimmt 
dieses Wohlgefühl zuerst die Stirne ein und steigt gegen den Scheitel 
herauf. Ein ähnliches Gefühl legt sich mit sanften Banden um die 
Handgelenke und um alle Gelenke des Körpers. Auch am Halse, der 
Herz- und Magengegend und längs des ganzen Bückgrats melden sich 
nicht selten ähnliche Empfindungen, eine Art von Kitzel, auch wolü von 
einem gelinden Frösteln begleitet. Dieselbe Empfindung in der Um- 
gegend der Bückgratssäule ist's, die das Gähnen oder wenigstens einen 
Gähnungsversuch zu erregen pflegt. Wir suchen eine bequeme Lage, 
wo dem Körper möglichst viel Unterstützungspunkte gegeben und die 



*) Binz, a. a. 0., pag. 6. 
**) Purkinje, a. a. 0., pag. 420. 









— 256 — 

Muskelkräfte gelöst werden. Alle Wahrnehmungen und Empfindungen 
kommen schwächer an uns heran, die sensitiven Nerven bedürfen stär- 
kere Reizungen. Die Einwirkungen des Lichtes auf das Auge werden 
unbestimmt und nicht mehr verarbeitet, das Gehör vernimmt noch am 
längsten den Schall, doch bald „versinkt in tiefer Stille die Welt". 
Auch die niederen Sinne arbeiten nicht mehr, wie Geruch und Geschmack; 
das leibliche Gefühl verliert die Empfindlichkeit und der Druck der Um- 
gebung wird nicht mehr empfunden; undeutliche Traumvorstellungen 
treten auf, das Selbstbewußtsein schwindet endlich, die Glieder strecken 
sich, die Brust hebt sich unter tiefem Athmen, das Auge schliesst sich, 
das Haupt sinkt nieder und wir treten in den Schlaf ein, „die Wieder- 
einkehr in die gegensatzlose Subjectivität" *). „Nur die ewig wache Quelle 
unseres Lebens, das verlängerte Mark, bleibt unversehrt von diesem 
Rückgänge. Gleich dem Herzen des primum movens und ultimo moriens 
erhält es noch die vitalen Processe. lieber diese Grenze hinaus und es 
erfolgt Ohnmacht und Tod. " (Hus ch ke **). 

Der Schlaf nimmt unter normalen Verhältnissen im mittleren Lebens- 
alter etwa ein Drittel der Gesammttageszeit, 6—8 Stunden, ein, während 
nach der Geburt und in den ersten Lebensjahren für das noch sehr 
unentschiedene Wachen kaum die Hälfte der Tageszeit übrig bleibt und 
im höheren Alter das Wachen bei Vielen mehr als 3 /4 einnimmt. Mit 
der Lichtperiode des Tages braucht das Wachen durchaus nicht zu- 
sammenzufallen, sondern wir vermögen das Verhältniss selbst umzu- 
kehren, wie denn überhaupt Gewöhnung und Individualität hier eine 
grosse Rolle spielt. Die Kinder schlafen sehr fest, Greise haben einen 
leisen Schlaf, Männer schlafen fester als Weiber. 

Der tiefe Schlaf dauert gewöhnlich nur 1 bis l x /2 Stunden, 
dann stellt sich ein allmäliges Steigen der Reizempfindlichkeit wieder 
her. Wir schlafen unruhiger, bewegen uns mechanisch und empfinden 
sowohl dunkle Gehörs- als Tastempfindungen. Das Bewusstsein erwacht 
allmälig und bemächtigt sich der Sinne, Anfangs noch in verworrener 
Weise und zu mannigfachen Traumvorstellungen Veranlassung gebend. 
Das Erwachen geschieht durch äussere Reize, oder auch in Folge cen- 
traler und psychischer Erregung. Gewöhnlieh werden wir durch Gehörs- 
empfindungen wach, aber auch durch solche unserer übrigen Sinne. 



*) Purkinje, a. a. O. 

**) Huschke (Schädel, Bim und Seele des Menschen). Jena 1854. 
pag. 161. 






— 257 — 

Auf psychischem Wege wird du ich die Kräftigung des Bewusstseins das 
Selbstbewusstsein wieder thätig, wir erkennen die Traumgestalten und 
erwachen. So ist nach Purkinje der Schlaf sein eigner grösster Feind, 
denn indem er die volle Bewusstseinskraft der Seele wiederherstellt, 
gibi er ihr die Macht, sich gegen ihn seihst zu wenden. 

Die Festigkeit des Schlafes ändert sich stetig mit der seit dem 
Einschlafen verflossenen Zeit. Die interessanten Versuche, welche Kohl- 
schütter*) mittelst eines ursprünglich von Fechner angegebenen 
Schallpendels hierüber angestellt hat, haben ergeben, dass der Schlaf 
sich Anfangs rasch, dann langsamer vertieft, innerhalb der ersten 
Stunde nach dem Einschlafen seine Maximaltiefe erreicht, von da an 
Anfangs rasch, dann langsamer und langsamer sich vertieft und mehrere 
Stunden vor dem Erwachen merklich unverändert eine sehr geringe 
Festigkeit behält. 

Die organischen Functionen erleiden während des Schlafes 
bemerkenswerthe Veränderungen, wenn sie auch ununterbrochen fort- 
dauern. Was zunächst die At Innung betrifft, so wird dieselbe viel 
langsamer. Die einzelnen Athemzüge sind im Schlafe tiefer und regel- 
mässiger, die Exspiration folgt der Inspiration unmittelbar und danach 
tritt eine im "Wachen fehlende Pause ein. Der Procentgehalt an Kohlen- 
säure nimmt im Schlafe ab; es wird bedeutend weniger Kohlensäure 
abgegeben, während mehr Sauerstoff aufgenommen wird. Von der Ge- 
sammtmenge der in 24 Stunden ausgeathmeten Kohlensäure kommen 
nach Pettenkofer und Voit 58 °/o auf die 12 Tages-, 42°/o auf 
die 12 Nachtstunden, während vom Sauerstoff 33% auf den Tag und 
67 °/o auf die Nacht fallen. Die Pulsfrequenz ist im Schlafe ver- 
mindert, und zwar um etwa 1 J5. Nach Knox ist ihr Minimum um 
Mitternacht, um 3 Uhr Morgens nimmt sie wieder zu. Auch wird der 
Puls gegen Morgen voller und stärker. 

Wichtig sind die Beobachtungen, welche man in Beziehung auf 
die Blntvertheilung, insbesondere den Blutgehalt des Gehirns während 
des Schlafes gemacht hat. Marshall Hall und Haller nehmen 
eine Blutfülle desselben an, während Blumenbach und Dur ha m 
für Abnahme des Blutgehaltes eintreten. Nach Koelen**) indess und 
Valentin, der seine Beobachtungen namentlich an winterschlafenden 
Murmeltbieren machte, treten keinerlei Veränderungen in dem Verhalten 



*) Kohl-, ckütter, Zeitschrift f. rat. Medin., III. R., Bd. XVII, pag\ 209. 
**) Roelen, de somno. Bonn 1849. 

Jahrb. d. nasa. Ver. f. Nat. XXXI u. XXXII. U 



m 



der Hirngefässe im Schlafe gegenüber demjenigen im Wachen ein. Wie 
schon Lenhossek angab, beruht eben der natürliche Schlaf weder 
auf einer Zu- oder Abnahme des Blutes im Gehirn, wenn auch patho- 
logische bewusstlose Zustände durch Veränderungen der Blutfülle her- 
vorgerufen werden können. 

Die mit der Pulsfrequenz in ihren Tagesschwankungen ziemlich 
gleichen Schritt haltende Wärmeerzeugung und Eigenwärme 
des Organismus ist in der Nacht vermindert, was schon H i p p o - 
erat es beobachtet haben soll. Letztere hat schon normal zwischen 4 
und 9 Uhr Nachmittags ihr Maximum, sinkt dann bis Mitternacht, 
bleibt bis Morgens am geringsten, um von da an wieder zu steigen. 
Nach Burdach ist die Temperatur des Körpers in der Begel in der 
Nacht um mehr als 1 /2° R. niedriger. Die Secretionen nehmen 
während des Schlafes ab. Die Speichelsecretion und Thränensecretion 
ist geringer, die Hautausdünstung nimmt ab, wie auch die Schleim- 
secretionen. Die Verdauung wird verlangsamt, der Stoffwechsel überhaupt 
träger; Hunger und Durst schweigen, die Consumtion und Zersetzung 
ist geringer, während die Anbildung zunimmt. 

Durch die geringere Wärmeausgabe, welche abhängig ist von 
der verminderten Thätigkeit des Organismus, wird trotz der fehlenden 
Nahrungsaufnahme ein Ueberschuss an Wärme gebildet, die sich in 
Verbindung mit der gesteigerten Sauerstoffaufnahme während des Schlafes 
als Spannkraft des Organismus vorzüglich im Nervensystem aufhäuft 
und am Morgen einestheils die physiologische Grundlage zu den Träumen 
bildet, andererseits die Intensität der organischen Functionen steigert 
und endlich durch summirte Wirkung der inneren und äusseren Beize 
beim Erwachen sich als lebendige Kraft äussert, die durch kein anderes 
Mittel beschafft werden kann. 

Der Herabsetzung der organischen Functionen im Schlafe geht die 
Verminderung der psychischen Thätigkeit parallel. Das Selbst- 
bewusstsein, mit dem wir unser Ich der Aussenwelt gegenübersetzen, 
hört auf, während das Bewusstsein, das Vorstellungen haben überhaupt 
vorhanden ist, wie die Träume zeigen. Dasselbe ist indess herabgesetzt 
und modificirt und die Affecte des Traumes sind stets matter und 
schwächer als im Wachen. Die mannigfachen subjeetiven Reize des Or- 
ganismus, die wir unter dem Namen ,, Gemeingefühl" zusammenfassen, 
machen sich bei dem Mangel der Thätigkeit der äusseren Reize geltend. 
Das Bewusstsein, das schon im Wachen weniger Vorstellungen Raum 
zugleich gibt, wird enger; dagegen erscheint der Wechsel der Vorstel- 



2;V.J 

hingen rapider, ohne dass indess eine erhöhte Reproductionskraft vor- 
handen ist.- Der ideale göttliche Zustand, den Viele im Schlafe sehen 
wollen, schrumpft bei näherer Betrachtung ganz bedeutend ein. 

Der Schlaf tritt in Folge der auch sonst im Organismus auf- 
tretenden Periodicität bei einem regelmässig lebenden und gesunden 
Menschen zur bestimmten Stunde ein. Eine völlige Schlafentziehung ist 
ohne Zerstörung von Körper und Geist nicht möglich, wenn auch ein 
weiter Spielraunt je nach der einzelnen Individualität in dem Bedürfnisse 
nach Schlaf stattfindet. Entfernung der Sinnesreize, wie dieselbe im höchsten 
Grade durch die Kühe und Stille der Nacht gebildet wird, bewirkt den 
Schlaf, während andererseits das Aufhören gewohnter Erregungen den- 
selben unterbrechen kann, wie z. B. bei Müllern das Aufhören des Ge- 
klappers der Mühle. Interessant ist der von Strümpell aus der Leipziger 
Klinik erzählte Fall. Einem dorthin verbrachten jungen Mann fehlten 
alle Sinnes- und Hautempfindungen, nur durch das rechte Auge und 
das linke Ohr stand er mit der Aussenwelt in Verbindung. Schloss 
man ihm diese Sinne auch ab, so schlief der Kranke binnen Kurzem 
ein; man erweckte ihn durch Rufe in's linke Ohr oder durch einen 
auf das rechte Auge wirkenden Lichtstrahl, während alles Schütteln u. s. w. 
vergeblich w r ar. 

Körperliche und geistige Anstrengung bewirken den Schlaf. Be- 
friedigung der Selbstthätigkeit ist eine Hauptbedingung für das Eintreten 
und Burdach sagt: „Wo die Seele noch nach einem Ziele strebt, mit 
■einem Object beschäftigt ist, Vorstellungen zu lebhaft verfolgt, da tritt 
kein Schlaf ein, dieser erfolgt erst, wenn sie durch rüstiges Wirken 
und durch Erreichung eines nächsten Zieles gesättigt ist und vor der 
Hand ihre Rechnung abgeschlossen hat. Wenn nur der Gegenwart 
Genüge geschehen ist, kann sich der Schlaf einstellen: so schliefen 
Alexander der Grosse, Pompejus, Napoleon und andere Feldherren die 
Nacht vor einer entscheidenden Schlacht, Cato und Andere vor dem 
freiwilligen Tode. Wenn die Freude aufgehört hat zu brausen, und 
man das Object derselben nach allen Richtungen verfolgt hat, so ver- 
fällt man im Gefühle der Sättigung in sanften Schlaf". — Angst, 
Furcht, Unlust, Aerger und Zorn stören den Schlaf, ebenso wie Zweifel, 
Gewissensbisse, Sorge und Reue. Krankhafte Gemüthsstimmungen lassen 
beim Hypochonder keinen Schlaf entstehen ; Aufregung durch Schmerzen, 
durch Fieber und Entzündungen, Ueberspannung der Kräfte, Congestion 
nach dem Gehirn durch kalte Füsse, Kaffee, Thee und andere Stoffe 
hindern seinen Eintritt. Kälte und Wärme wirken relativ, indem ihre 

17* 



— 260 — 

Extreme den Schlaf befördern. — Ebenso wie wir zwischen physischen 
und psychischen Schlafmitteln unterscheiden müssen, gibt es auch 
physische und psychische Weckungsmittel. Der Unterschied zwischen 
den Weckungs- und Einschläferungsmitteln wird am leichtesten durch 
den Modus der Bewegung und den Grad derselben veranschaulicht. 
Langsame, stetige, regelmässige, einförmige Bewegung, sowohl rein 
körperliche, als auch psychische, ladet zum Schlummer ein, plötzliche, 
ruckweise vorgenommene, willkührliche pflegt ihn zu verhindern. 

Der Schlaf findet sich bei allen lebenden Organismen und wir 
können selbst den Pflanzen einen solchen zuschreiben. Es ist ja be- 
kannt, dass das Tages- und Nachtleben derselben wesentlich verschieden 
ist. Doch würde uns eine Erörterung dieser Verhältnisse zu weit 
führen. Bei den Thieren ist der Schlaf allbekannt, insbesondere 

bei unseren Hausthieren. Er hält auch bei ihnen eine gewisse Perio- 
dicität ein, nur dass es mehr Thiere gibt, die des Nachts wachen, 
als dies beim Menschen der Fall ist. Bei den niederen Thieren sind 
indess die Schlaf- und Traumzustände nicht in solchen Gegensätzen 
ausgebildet und weniger an bestimmte Zeit gebunden. 

Eine physiologisch ganz besonders interessante und namentlich 
auch für die Deutung des Schlafes überhaupt wichtige Erscheinung im 
Thierleben ist der Winterschlaf, über welchen, wie schon früher 
Barkow, so in neuer Zeit Valentin nach Untersuchungen an 
Murmelthieren und in jüngster Horvath*) nach solchen an dem in 
Russland so häufigen und der Landwirtschaft verderblichen Ziesel 
(Spermophillus citillus) interessante Mittheilungen gemacht haben. Wir 
können hier nur auf die allgemeinen Verhältnisse eingehen, so interessant 
es auch wäre, physiologische Erscheinungen, die mit allen bekannten 
sonstigen Gesetzen der Ernährung und der Wärmelehre in Widerspruch 
stehen und die, wenn nicht empirisch festgestellt, von uns als einfach 
unmöglich in das Reich der Fabeln gewiesen werden würden, des 
Näheren zu untersuchen. 

Der Winterschlaf ist im Wesentlichen ein protrahirter Schlaf, der 
sich aber von dein normalen durch enorme Herabsetzung der Reflex- 
erregbarkeit und dadurch unterscheidet, dass die Temperatur des Blutes 
bei den winterschlafenden Thieren, in specie bei den winterschlafenden 
Säugethieren, bis zu der der umgebenden Luft annähernd heruntergeht. 



*) Horvath, Verhaiull. der phys. med. Ges. in Würzburg. Neue Folge. 
Bd. XII, pag. 354 und Bd. XIII, pag. 1 u. 2. 



— 261 — 

Unter den Wirbelthieren zeichnen sich bekanntlich nur Säugethiere und 
Vögel durch die Fälligkeit der Wärmeregulation aus. Die Amphibien, 
Reptilien, Fische, wie auch die Wirbellosen und die Pflanzen sind Sclaven 
der umgebenden Temperatur. Je mehr dieselbe ausserhalb sinkt, um 
so mehr sinkt sie auch innerhalb des Körpers dieser Geschöpfe, und um 
so träger vollziehen sich alle Lebensprocesse, um endlich bei einigen 
Graden unter zum absoluten Stillstand zu kommen. Viele können 
dauernd wieder erwachen und sich um so mehr erfreuen, je höher die 
Temperatur ist, da es ja nur selten in der Natur vorkommt, dass die 
Temperatur bis zu einer mit dem Leben unverträglichen Höhe steigt. - 
Hier sind zunächst die interessanten Versuche von Spallanzani*) zu er- 
wähnen, welcher beobachtete, dass Schnecken bei - 1° C. keinen Sauer- 
stoff mehr verbrauchten und dass jede Lebensthätigkeit bei ihnen auf- 
hört. Ebenso gehören hierher die Beobachtungen von Reauuiur**) einer- 
seits und Kirby und Spence***) andererseits über das Gefrieren und 
wieder Aufleben der Insekten. Endlich sind hier die interessanten Ver- 
suche von Gaspard mitzutheilen, wonach Schnecken bei niederer Tem- 
peratur den ganzen Winter hindurch unter Oel und Quecksilber, ja in 
Fett eingeschmolzen ausdauern und im Frühjahr bei der Erwärmung 
vollkommen lebendig wurden. — Der Winterschlaf kommt bei Vögeln 
gar nicht vor — die Erzählungen von einem Winterschlaf der Schwalben 
sind Fabeln — bei vielen niederen Thieren scheint er Regel, und bei 
manchen Säugethiergattimgen ist er allgemein, so bei Fledermäusen, 
einigen Insektenfressern und Sohlengängern und besonders bei mehreren 
Nagern. Er hat verschiedene Grade und besteht entweder in tiefem den 
ganzen Winter anhaltendem Schlaf, wie bei den Murmelthieren, oder in 
einem von Zeit zu Zeit unterbrochenen Schlaf, wie bei vielen Insekten 
und manchen Säugethieren, wie den Siebenschläfern, Igeln und Hasel- 
mäusen, Fledermäusen, welche durch eintretende Wärme geweckt werden, 
oder endlich nur in einem Uebergewicht des Schlafes, wie beim Dachs 
und Bär, den Mäusen, dem Hamster, Eichhörnchen und Maulwurf. 

Die physiologischen Erscheinungen des Winterschlafes sind, wie 
gesagt, die eines potenzirten Schlafes. Das animale Leben tritt zurück, 



*) Spallanzani, Mem. sur la resp. trad. par Sembier, 1863, pag. 150 cc. 

**) Reaumur, Hist. des Insect., T. II, P. I, pag. 178. 

***) Kirby und Spence, Einleitung in die Entomologie, Bd. II, pag. 505 ff. 

Vergl. auch Pflüg er in dem oben angegeb. Aufsatz: lieber Wärme und 

Oxydation der lebendigen Materie, Arch. f. Phys., Bd. XVIII, Heft 7—9, 

pag. 369 ff. 



— 262 — 

die Sinnesthätigkeiten erlöschen, das Gemeingefühl ist stumpf, die Glie- 
der sind starr und die Reflexthätigkeit sehr herabgesetzt. Das Nahrungs- 
bedürfniss schweigt, Verdauung und Secretionen hören auf. Die Blut- 
bewegung und das Athemholen werden auf das Aeusserste reducirt, so 
dass in einer Minute oft nur ein Athemzug oder noch weniger beob- 
achtet wird, die Sauerstoffaufnahme und Kohlensäurebildung hört auf 
und die Wärme sinkt ganz gewaltig, so beim Murmelthier von 29° R. 
auf 5 bis 6° R. 

Der Winterschlaf sichert gegen die Winterkälte oder besser gegen 
die ungünstige Beschaffenheit der Atmosphäre, da er seine Analogie in 
dem sogenannten Sommerschlaf mancher Amphibien in heissen Climaten 
hat und er ist zugleich eine Sicherheit gegen den Mangel an Nahrung. 
Dadurch erhält er eine ganz ausserordentliche Bedeutung für den Haus- 
halt der Natur. Zum näheren Verständniss seiner Erscheinung müssen 
wir festhalten, dass der Winterschlaf bei einer gewissen Zahl von kalt- 
und warmblütigen Thieren in Folge der längeren Einwirkung der Kälte 
eintritt, wenn die Temperatur des Gehirns unter einen gewissen Werth 
sinkt. Dass die Temperatur die wesentliche Ursache ist, wird dadurch 
bewiesen, dass jeder Winterschläfer zu jeder Zeit durch Kälte in Schlaf 
verfällt und darin verharrt, so lange die niedere Temperatur anhält, 
dass ferner jeder Winterschläfer aus irgend welchem Stadium seiner 
Lethargie durch künstliche Erhöhung der Temperatur erweckt werden 
kann und es auch bleibt, wenn die Temperatur hoch bleibt. Die In- 
tensität des Lebens in allen Organen der Winterschläfer ist stets ge- 
geben mit der Temperatur, welche die Organe besitzen oder anders ge- 
sagt, mit dem Quantum der intramolecularen Wärme der lebendigen 
Materie. (Pflüg er.) Je tiefer die Temperatur des Gehirns ist, um 
so schwieriger sind die Winterschläfer zu erwecken, wenn auch ein. 
heftiger, Schmerz erregender Nervenreiz vorübergehend erwecken kann. 
Die niederen, wach machenden Temperaturen liegen unter 1° G, wäh- 
rend die innere Temperatur des warmblütigen Winterschläfers ohne Ge- 
fahr für die Gesundheit z. B. beim Murmelthier auf 4° R., bei der 
Fledermaus auf 3 7 5 ° R., der Haselmaus auf 2 2 / 5 ° R., beim Igel auf 
2 3 /s R. und vielleicht noch etwas tiefer gehen kann, während 0° R. 
tödtlich ist. Es ist die tödtliche Temperatur, welche in Folge des ein- 
tretenden Schmerzes zur Erhaltung der Existenz weckt, sofortige Wärme- 
bildung im Körper in Folge des wachen Zustandes erregt und es dem Thiere 
ermöglicht, sich tiefer einzugraben oder sonst zu sichern. So gehen in 
Sibirien die Winterschläfer nach Pallas bis 20' tief unter die Oberfläche. 



» i 



— 263 



Ueberaus interessant für die Lehre vun der tliierischen Wärme ist 
die von Horvath bei seinen erwachenden Zieseln beobachtete rasche 
Temperatursteigerung, die sich in den 2 »Stunden, welche der Ziesel zum 
völligen Erwachen braucht, nach anfangs langsamer Steigung rasch von 
17° C. auf 32° C. hob, und zwar ohne dass äussere Einflüsse einwirkten 
und ohne dass eine Steigerung der Athemzüge oder der Muskelcontrac- 
tionen beobachtet wurde. 

Für jeden Warmblüter existirt eine untere Grenze der Temperatur, 
der gegenüber er seine eigene constante innere Temperatur nicht zu be- 
haupten vermag. Die nächste Ursache der geringeren Widerstandsfähig- 
keit der Winterschläfer liegt wohl in der Kleinheit des Gehirns und den 
schwach entwickelten Gehirnarterien, sowie der ebenfalls geringeren Ent- 
wicklung des Eespirationsapparates. Ebenso ist die Hirnmaterie der 
einen Sommerschlaf haltenden Amphibien mit trägem Stoffwechsel für 
einen schnellen Umsatz und raschere Erwärmung nicht eingerichtet. 

Die beim Menschen zeitweise zur Beobachtung kommenden Fälle 
von längerem Schlafe sind entschieden krankhafter Natur und gehören 
meist unter die unter dem Namen der Catalepsie bekannten Erschei- 
nungen eines pathologischen Nervensystems, welche freilich von erfahrenen 
Aerzten vielfach als Simulation gedeutet werden. Der in den Zeitungen 
viel besprochene Fall von dem schlafenden Uhlanen hat in der jüngsten 
Zeit wieder einen Nachfolger gefunden. Es würde uns zu weit führen, 
auf diese und ähnliche Zustände, die wir unter dem Namen Lethargie, 
Coma und dergleichen kennen, hier des Näheren einzugehen. Doch will 
ich nicht unerwähnt lassen, dass in Indien eine eigene Schule, die der 
Yoga-Philosophie existirt, die durch eine ganz besondere Diät und Lebens- 
weise die psychische Kraft des Menschen zu erhöhen und seine leiblichen 
Bedürfnisse zu ersticken sucht. Die Anhänger dieser Secte sollen sich 
durch Abschluss von der Aussenwelt, durch Buhe und besondere Nah- 
rung in einen exstatischen Zustand versetzen, worin die Sinnes- und 
Wülensthätigkeit völlig suspendirt und der Geist in Schlaf versunken 
erscheint. Zuletzt sollen sie Luft und Nahrung für längere Zeit ent- 
behren können und der englische Arzt Paul glaubt drei Fälle von 
solcher Hibernation registriren zu dürfen, in welchen solche Fanatiker 
sich hätten ohne Speise und Trank für längere Zeit einmauern lassen, 
um später wieder zum wachen Leben zurückzukehren. — Der Einfmss 
des Fastens auf die Erregung von exstatischen Zuständen ist in der 
christlichen Welt von Alters her bekannt, wenn wir auch von den eben 
genannten Steigerungen dieser Zustände nichts wissen, deren Hervor- 



— 264 — 



rufmig, wenn bewahrheitet, für die Lösung der drohenden socialen Frage, 

in Uebereinstimmung mit dem thierischen Winterscblaf, vielleicht von 
besserem Erfolg sein würde, als die bisher vorgeschlagenen Mittel. 

Den eben erörterten Erscheinungen schliesst sich ein anderer schlaf- 
ähnlicher Zustand an, der indess von wesentlich verschiedener Natur 
ist und welcher unter dem Namen des Hypnotismus und der Cata- 
plexie, wie ihn Preyer*) benannte, Aufsehen gemacht hat. Seines 
besonderen physiologischen Interesses wegen verdient er hier kurzer Er- 
wähnung. 

Das Wort Hypnotismus — Schlafsucht — ist im Jahre 1841 von 
dem schottischen Chirurgen Braid in die Wissenschaft eingeführt wur- 
den, welcher damit jene eigentümlichen schlafartigen Zustände und 
Nervenerscheinungen bezeichnen wollte, die sich bei manchen Menschen 
in Folge länger fortgesetzten starren Fixirens selbst eines kleinen leb- 
losen Gegenstandes und gleichzeitiger Concentration des Willens durch 
Ablenkung der Aufmerksamkeit auf die Eindrücke der Aussenwelt ein- 
stellen und welche man mit dem Mesmerismus und thierischen Magnetis- 
mus zusammenbrachte. Bekanntlich hatten später (1859) die berühmten 
Chirurgen Y e 1 p e a u und Broca in Paris eine schmerzhafte Operation 
an einer auf die genannte Weise in einen bewusstlosen Zustand ver- 
setzten Frauensperson gemacht, ohne derselben den geringsten Schmerz 
verursacht zu haben, und grosses Aufsehen erregt. Man war dadurch 
wieder auf die schon vom Mittelalter her unter dem Namen des experi- 
mentum mirabile Kircheri bekannten Versuche aufmerksam gemacht 
worden. Dieser von dem gelehrten Jesuiten Athanasius Kircher**) 
im Jahre 1646 beschriebene Versuch bestand in dem den Laien viel- 
fach bekannten Vorgang der Versetzung eines Huhnes in einen schlaf- 
ähnlichen Zustand dadurch, dass man dasselbe plötzlich und fest bei 
gefesselten Füssen auf irgend einer Unterlage fixirt hielt und ihm einen 
Kreidestrich vom Auge über den Schnabel hin auf die Unterlage zog, 
wonach das Huhn ganz ruhig für längere Zeit liegen bleibt. Schwen- 
ter***) hatte schon 10 Jahre vorher den gleichen Versuch, jedoch ohne 
Fesselung der Füsse, beschrieben und auch angegeben, dass man statt 
des Kreidestrichs dem Thiere einen Span über die Augen lege. Kircher 



*) Die Cataplexie und der thierisehe Hypnotismus. In Sammlung physiol. 
Abhandl. von W. Preyer, II. Reihe 1. Heft. Jena 1878. 

**) A. Kircher, Ars magna lucis et umbrae. Rom 1646. 
***) Schwenterus, Deliciae physicomatheniaticae. Nürnberg 1636. 



pag. 562. 



— 265 — 

hatte nur die naive Erklärung abgegeben, dass das Huhn sich ge- 
fangen fühle, durch die Fruchtlosigkeit seiner Bemühungen in Ver- 
iweiflung gerathe und ruhig- liegen bliebe, weil es den Kreidestrich für 
die Fessel halte. Sehwenter dagegen liess das Thier „nur in grossen 
Forchten", wie er sich ausdrückt, sitzen. 

Im Jahre 1873 nahm sich der Physiologe Czermak*), der Er- 
finder des Kehlkopfspiegels, dieses interessanten Versuchs in wissen- 
schaftlicher Bearbeitung an. Czermak war durch einen Freund in 
Böhmen auf das sogenannte Magnetisiren der Krebse aufmerksam gemacht 
wurden, welche sich durch eine besondere Manipulation in aufrechter 
Stellung für längere Zeit auf den Kopf stellen lassen. Czermak 
nahm die Kirch er'schen Versuche mit dem besten Erfolge auf und 
erweiterte sie. auch ohne den Kreidestrich und die Fesselung, von Hühnern 
auf kleine Vögel, Enten, Frösche und selbst Säugethiere, wie Kaninchen 
und Meerschweinchen, welche er durch rasches festes Anfassen und 
Aufdrücken oder aber auch, z. B. Tauben durch Anstarrenlassen eines 
über der Schnabelwurzel befestigten kleinen Gegenstandes in einen 
eigenthümlichen starren, ja vollständig schlafgleichen Zustand versetzen 
konnte. 

Zur Erklärung der höchst überraschenden Versuche nahm nun 
Czermak neben dem Schreck, welcher ja auch bei dem Menschen 
eine momentane Starre hervorrufen kann, einen mitunter von catalep- 
tdschen Erscheinungen begleiteten wirklichen Schlaf-Zustand an und 
brachte ihn mit dem als Braidismus bekannten Verstimmungen des 
Nervensystems in Beziehung. 

Dr. He übel**) in Kiew wiederholte die Czermak' sehen Versuche 
und kam zu dem gleichen Schlüsse, dass die bei den Thieren beobachtete 
Ruhe nichts anderes als gewöhnlicher, mehr oder weniger tiefer Schlaf 
sei. da keine den Schlaf begleitende Erscheinung vermisst werde und 
keine mit dem Schlaf unvereinbar sei. Aber diese Erklärung ist ver- 
fehlt. P r e y e r , der dieselben Versuche neuerdings in grösserer Weise 
durchführte, bewies ausführlich, dass wir es hier nicht mit einem wirk- 
lichen Schlafzustand zu thun haben, sondern mit einer eigenthümlichen 
durch den Schrecken hervorgerufenen Veränderung im Nervensystem, 
woher er auch den Namen „Cataplexie" wählt. Es würden bei diesem 



*) Czermak, LXVI. Bd. der Sitzungsber. der Acad. der Wissensch. zu 
Wien. Abth. 3, pag. 361, 364—381 und Archiv f. ges. Phys., Bd. VII, pag. 
107-121. Bonn 1873. 

**) Dr. Heubel, Archiv f. ges. Phys., Bd. XIII, pag. 158. 1877. 



■im 



Zustande in Folge des heftigen taktilen Eeizes besondere, von ihm 
allerdings hypothetisch angenommene, aber auch experimentell wahr- 
scheinlich gemachte Hemmungscentren im nervösen Centralapparate in 
Thätigkeit versetzt, wodurch der Einfluss des Willens auf die peripheren 
Nerven gelähmt werde. Er machte dabei darauf aufmerksam, dass der 
Versuch zumeist nur bei willensarmen Thieren, und auch nur unter 
besonderen Umständen, wozu namentlich Entfernung anderer äusserer 
Reize gehöre, gelinge. — Unsere Zeit gestattet es nicht, auf eine weitere 
Erörterung und namentlich auch auf Demonstration der so interessanten 
und überraschenden Erscheinungen des Experimentum mirabile einzu- 
gehen, ich glaubte Ihnen aber wenigstens etwas von dem Hypnotismus 
mittheilen zu müssen, weil neuerdings von den Anhängern der spiri- 
tistischen Richtung hypnotische Versuche beim Menschen, so namentlich 
von Chemnitz aus durch Prof. Wein hold, wieder angestellt worden 
sind, wobei sich unter Zuhülfenahme des Braidismus und des thierischen 
Magnetismus ausser dem anhaltenden Fixiren der durch Bestreichen 
erzeugte Hautreiz und die Beeinflussung der Einbildungskraft von grosser 
Bedeutung gezeigt hat. 

II. 

Wir gelangen nunmehr zu dem zweiten Gegenstande unserer Be- 
trachtung, dem Traum, bei dessen Erörterung wir uns schon kürzer 
fassen können. 

Man ist von jeher gewohnt, das Reich der Träume vom realen 
Boden abzulösen und in das alleinige Gebiet der Speculation herüber- 
zuziehen und der Traum gilt nach Kant als das Paradies der Phan- 
tasten. Selbst die Unsterblichkeit der Seele hat man herangezogen, 
um den Traum zu erklären, und wieder aus ihm heraus hat man die 
Existenz einer unsterblichen Seele zu beweisen gesucht. 

Während die Poesie den Traum eigen auffasst und z. B. Goethe 
in seinem Egniont sagt: „Ungehindert fliesst der Kreis innerer Har- 
monien und eingehüllt in gefälligen Wahnsinn versinken wir und hören 
auf zu sein", macht Schopenhauer in seinem interessanten Versuch 
über Geistersehen und was damit zusammenhängt den Traum zu einer 
ganz eigenthümlichen Function unseres Gehirns, durchaus verschieden 
von blosser Einbildungskraft, speciflsch verschieden vom Gedankenspiel 
und Phantasiebildern. Sieb eck nennt in einem neuerdings erschienenen 
anziehenden Vortrage — „das Traumleben der Seele" — Wachen und 









— 267 — 

Träumen nur gradweise verschiedene Zustände des Bewusstseins. Der 
Traum ist ein Stadium des Zwischenzustandes zwischen Wachen und 
tiefem Schlaf. Das Licht des Bewusstseins erscheint auf einen Best 
herabgesetzt und kann den Baum, über den es gebietet, kaum dämmernd 
erhellen. „Jene Hemmung des Bewusstseins nun ist durch ein körper- 
liches Organ veranlasst, nämlich durch das Gehirn und Nervensystem, 
welches eine Vielheit von Theilen hat, deren Verrichtungen verschieden 
sind. Damit ist die Möglichkeit gegeben, dass jene Hemmung in einzelnen 
Theilen des hemmenden Organs nachlässt, während sie in anderen fort- 
besteht." Binz*) betrachtet den Traum als einen rein körperlichen, ja 
pathologischen Vorgang, als einen Vorgang von unvollständigem Schlaf 
und ungeordnetem Erinnern und sucht diese Ansicht durch anatomische 
Nachweise der Zusammensetzung des Gehirns und experimentelle der 
Einwirkung vieler Arzneistoffe zu begründen. Er stellt nämlich die 
durch Arzneistoffe hervorgebrachten künstlichen Schlaf- und Traum- 
zustände mit den natürlichen in eine Linie, während andere Forscher, 
z. B. Freyer, dies entschieden verwerfen und einen Unterschied 
zwischen den durch Blutfülle des Gehirns hervorgerufenen Hallucinationen 
oder Sinnestäuschungen bei künstlichem Schlaf und den natürlichen Traum- 
gestalten annehmen. Es ist nun eigentümlich und nicht erklärt, warum 
die verschiedenen Arzneistoffe ganz verschiedenartige Träume hervor- 
rufen. "Während z. B. das p i u m mit dem Morphium die Bilder 
eines schrankenlosen Seirwebens und Visionen von paradiesischen Gegenden, 
ein Entrücktsein in eine andere Welt hervorruft und der Opiophage 
sich in einer Art wollüstigen Taumels befindet, seine Sinne sich zu 
schliessen scheinen und die entfesselte Phantasie ihm die üppigsten, 
herrlichsten Gebilde vorzaubert, ruft die Belladonna mit ihrem 
Alkaloid, dem Atropin, meist schreckhafte und furchtbare Traumgestalten 
hervor, ebenso wie die Abkochungen des Stechapfels, welche in 
Zaubertränken eine Bolle spielten, wüste, sinnliche Träume erzeugen. 
Der Haschisch, das Extract des indischen Hanfs erregt die selt- 
samsten Hallucinationen und seeligsten Gefühle und schon Marco Polo 
berichtet 1275, dass der Alte vom Berge seine Haschischin durch den 
Genuss eines aus Haschisch bereiteten Trankes in paradiesische Wonnen 
versetzte. In dem durch den Alkohol bewirkten Säuferdelirium werden 
kleine, ekle Thiere, wie Eatten und Mäuse, gesehen, während man 
durch den Genuss von San tonin starke Geruchs- und Geschmacks- 

*) Binz, a. a. 0. 



268 



empfindungen hervorrufen kann. In der Chloroform- undAether- 
iiarcose mischt sich tiefer Schlaf mit den lebhaftesten Träumen, von 
denen einst Dieffenbach, der berühmte Chirurg, eine so glänzende 
Schilderung gab, dass sie in einem bekannten Falle einen jungen Mann 
zum vernichtenden, consequenten Aethermissbrauch trieb. Aber die 
Vergiftung mit solchen betäubenden Stoffen führen entschieden zu krank- 
haften Zuständen und haben nichts mit dem physiologischen Schlaf 
und Traum zu thun, wenn auch, wie Preyer sagt, sich der mytho- 
logische Irrthum, welcher dem allbändigenden, in dem Berge der Ver- 
gessenheit ruhenden Endymion, der Personification des Schlafes, unter 
anderen Attributen auch der Mohn verlieh, seit Hippocrates sich bis 
auf unsere Tage fortgesetzt hat. 

Wir haben nach dem Erwachen aus dem tiefen Schlaf keine Er- 
innerung von einem Traume und es gibt sich auch kein Ausdruck 
desselben während des tiefen Schlafes kund. Wir wissen es nicht, ob 
während des tiefen, traumlosen Schlafes jede seelische Thätigkeit auf- 
gehoben ist, aber es ist anzunehmen, dass ebenso wie die organische 
vegetative Function während des Schlafes herabgesetzt ist, auch die 
psychische Thätigkeit des Menschen im Tiefschlaf minimal geworden 
ist, ohne desshalb ganz aufgehört zu haben. Die letzte, langgedehnte 
Schlafperiode gegen den Morgen hin ist die Domaine des Traums, wie 
wir Alle täglich erfahren. Schon Homer lässt den Agamemnon am 
frühen Morgen durch den Traumgott neue Kampfbegier einflössen, wie- 
wohl es physiologisch unrichtig erscheint, dass Agamemnon sich beim 
Erwachen aller Einzelheiten erinnert. — Die Träume des frühen Morgens 
reihen sich ausgedehnt aneinander und indem allmälig die Eindrücke 
der Aussenwelt herandringen, verflechten sich diese in die Träume, bis 
endlich die Narcose der Hirnzellen durch einen starken Reiz überboten 
wird. Herrlich hat Goethe im Egmont das Erwachen vom Morgentraum 
geschildert, wo das Wirbeln der spanischen Trommeln auf einmal dem 
schönen Bilde ein Ende macht, welches den letzten Schlaf Egmont's 
verklärt. 

Der Character der Träume ist meist ein höchst veränderlicher. 
Wohl erscheinen sie in der Poesie meist voll hohen Inhalts und abge- 
rundet und vernünftig, in der Wirklichkeit sind sie vielfach höchst ab- 
surden Inhaltes. Personen und Dinge, die nicht die geringsten Bezie- 
hungen zu einander haben, werden zu einander gebracht. So lässt 
Shakespeare seinen Mercutio sagen (Romeo und Julie, Act I, 
Scene 5): 



— 269 — 

„Ich rede 
Von Träumen, Kindern eines müss'gen Hirns, 
Von Nichts, als eitler Phantasie erzeugt, 
Die aus so dünnem Stoff, als Luft besteht, 
Und flüoht'ger wechselt als der Wind.'' 

Wohl sind die einzelnen Theile des Traumes vielfach vernünftig, 
aber ihre Verknüpfung ist thöricht und Hegel sagt: „Dem Traum 
fehlt aller objeetiv verständiger Zusammenhalt. Nicht wie im Gemälde 
der wachen Anschauung bestätigen sich gegenseitig und binden sich 
harmonievoll alle Glieder." Wir erstaunen uns nicht mehr im Traume, 
wir nehmen das Abenteuerlichste ruhig hin und der grösste Unsinn 
wird zur Wahrheit. Man kann von der Lösung einer wissenschaftlichen 
Frage träumen — endlich hat man sie gefunden, man ist von Freude 
erfüllt, man erwacht und findet einen ganz gewöhnlichen selbst falschen 
Gedanken. 

Bei dem Fehlen des Selbstbewusstseins fehlt uns im Traume auch 
jegliches Gewissen : wir vollziehen die grässlichsten Dinge, die schlech- 
testen Handlungen ohne Keue und besondere Empfindungen (Spitta). 
Wir dürfen nicht aus den Träumen auf das Wesen und den Character 
eines Mannes schliessen, wie man es hat vielfach tlmn wollen, im 
Gegentheil: „Die Guten erlauben sich nur im Traume das, was die 
Schlechten im Wachen tlmn." 

„Wir sind nicht wir, 

Wenn die Natur im Druck, die Seele zwingt, 

Zu leiden mit dem Körper", 

sagt Shakespeare im König Lear. 

Die Zeitdauer der Träume hat man bei besonderen Anlässen 
und auch durch künstliche Träume zu bestimmen gewusst und gefunden, 
dass in unglaublich geringer Zeit eine Traumhandlung von der grössten 
Ausdehnung vor sich gehen kann. Man braucht zur Erzählung eines 
Traums eine viel längere Zeit, als zum Durchleben eines solchen. 

Träume sind Vorstellungen. Aber während wir träumen, glauben 
wir nicht innere Vorstellungen, Gedanken und Erinnerungsbilder zu 
produciren, sondern äussere Objecte wahrzunehmen. Wir unterscheiden 
zwei Formen der Träume, erstens die sogenannten somatischen, 
erregt durch Zustände unseres Körpers und zweitens die reinen Vor- 
stellungsträume. — Erstere können nun zunächst durch unsere 
Sinnesorgane bewirkt werden, welche aber nicht nur äussern Er- 
regungen zugänglich sind, sondern auch innern, wie dem Druck des 



270 



Blutes Und dergleichen. Zu der vorhandenen Erregung der Sinnes- 
nerven tritt eine seelische Thätigkeit, die wir auch im Wachen unaus- 
gesetzt üben. 

Die eigentlichen Traumgestalten bestehen in überwiegender Menge 
aus Gesichtswahrnehmungen, wenn auch die andern Sinne gleichfalls 
betheiligt sind. Die bekannten Schlummerbilder vor dem Einschlafen 
sind schon Fingerzeige für die Thätigkeit des Gesichtssinnes, 
welche, obwohl verschlossen, doch fortarbeitet. Häufig erregen der Mond 
und die Sonne allerlei Spukgestalten. So ist ein Traum sehr charac- 
teristisch, welchen Dr. Elinsch auf seiner jüngsten Eeise nach West- 
sibirien in sein Tagebuch verzeichnet hat. Er erzählt (pag. 472) : „Mir 
träumte, ich liege unter dem schwarzen Firmament, an dem einzelne 
kleine, hellleuchtende Sterne blitzten, während eine leuchtende Hand 
immer neue Sterne schuf. Das war schön und merkwürdig, aber noch 
viel merkwürdiger, dass erwachend der Traum fortdauerte und Wirk- 
lichkeit zu sein schien. Ich war mir der offenen Augen bewusst, sah 
aber immer noch die schwarze Nacht mit den flimmernden Sternen. 
Freilich nur ein paar Augenblicke, denn dann erkannte ich mich in 
dem dunkeln Tsciran (dem Wanderzelt der Ostiaken auf der Tundra), 
die Sterne als kleine Löcher, die flammende Hand als ein grösseres 
Loch in demselben, draussen war es bereits Tag!" — 

Die Eindrücke des Gehörsinns rufen vorzüglich eine Menge ver- 
schiedener Bilder hervor und ganz unbedeutende Gehörsempfindungen 
werden im Traume durch Association zu ganz besonderen ausgesponnen. 
Interessant ist es, dass man es mit Erfolg versucht hat, bestimmte 
Träume durch Einflüsterungen in das Ohr des Schlafenden zu erzeugen 
und dadurch selbst Einfluss auf das wache Leben zu gewinnen. So er- 
zählt Dr. Ab er er om bie von einem englischen Officier, bei welchem 
seine Kameraden jegliche Art von Träumen durch Worte hervorriefen, 
die sie ihm in's Ohr lispelten, und Kluge berichtete von einem ver- 
schmähten Liebhaber, der jedoch die Gunst der Mutter besass und von 
dieser die Erlaubniss erhielt, seiner Angebeteten im Schlafe seinen Namen 
in das Ohr zu flüstern, was ihm eine kluge Frau gerathen hatte. Bald 
zeigte sich eine merkwürdige Umstimmung bei dem Mädchen, sie wurde 
ihm gewogen und gab ihm endlich sogar die Hand. Um ihre Sinnes- 
änderung befragt, gab sie zur Antwort, sie habe ihren Mann in leb- 
haften, oft wiederholten Träumen gesehen und lieb gewonnen. 

Geruchs- und Geschmacksempfindungen spielen eine ge- 
ringere Kollc für die Hervorrufung von Träumen, weil sie seltener 






- 271 - 

erregt werden. Sohr leicht gehen die von ihnen erregten Empfindungen 

in solche des Gesichtes über, ebenso wie man die Blumen im Traume 
nicht riecht, sondern sieht. 

Der Tastsinn, das sinnliche Gefühl, ist eine Hauptquelle der 
, Traumgebilde. Ein kleiner Druck auf die Haut des Schlafenden führt 
schon eine entsprechend vergrösserte Vorstellung hervor. Eine ver- 
schränkte Lage im Bett, ein Druck auf den Arm oder die Brust geben 
Anstoss zu Geschichten von Gefesseltsein, von Gefahr und Abgründen; 
ein Luftzug erregt die Bilder der Seefahrt und dergleichen mehr. (Grie- 
singer.) Ebenso stellen die Empfindungen des Schwebens und Fallens 
in Verbindung mit Zustünden unserer Haut und sowohl die Unterlage 
als die Bedeckung des Schlafenden tragen zu Traumgebilden bei. 

Subjective Erregungen unserer Sinne bei Fernhaltung äusserer 
sind häufige Ursache von Träumen. Die leuchtenden Phantasmen, welche 
viele MenAchen sehr deutlich vor dem Einschlafen sehen (Goethe, Job. 
Müller)*), sind nichts anderes, wie die subjectiven Traumbilder. Indess 
sind Träume mit viel Lichterscheinungen bei Gesunden seltener als bei 
Kranken. Wie diese Erscheinungen des Gesichtssinnes dem Einschlafen 
vorangehen, so dauern sie auch öfters nach dem Erwachen fort. Ja es 
werden Beispiele erzählt, wo Leute im halbwachen Zustande, durch ein 
Traumbild getäuscht, Gewalttätigkeiten verübt haben, für die sie natür- 
lich nicht verantwortlich waren. Das Gehirn ist hier noch nicht zu seiner 
vollen Thätigkeit gekommen und die freie Ueberlegung und das Denken 
ist noch nicht erwacht, während unwillkürliche Willensimpulse eintreten. 
Beim gewöhnlichen Erwachen muss ja auch erst nach und nach das 
freie Denken die Herrschaft gewinnen. 

Subjective Gehörsempfindungen erregen viel seltener Traumgebilde, 
während die im eigenen Organismus entstandenen Muskelempfin- 
dungen, sowie die mannichfachen Beizempfindungen, die wir als „Ge- 
rne ingefühl" kennen, nicht minder häufige Ursachen der Traum- 
bildungen sind. Athembeklemmung und Herzklopfen rufen sehr leicht 
Traumzustände hervor, ebenso wie Kopfschmerzen oder an andern Stellen 
des Organismus gefühlte Schmerzen besondere Vorstellungen im Traume 
erzeugen. Die Erregungen einzelner Organe oder selbst ihrer Nachbarn 
bestimmt den Charakter der Träume, besonders der erotischen. 

Hierher gehört auch das Alpdrücken, das als Incubus der Alten 
vielfach eine bedeutende Rolle gespielt hat, am häufigsten kurz nach 



*) Joh. Müller, Phantast. Gesichtserscheinungen. Coblenz 1826. 



— 272 — 

Mitternacht eintritt und nach den Versuchen von Dr. Boerner*) durch 
ungenügende Athmung hei verschiedenen Anlässen entsteht und leicht 
künstlich erzeugt werden kann. So kann schon ein heftiger Schnupfen 
oder eine etwas reichliche Abendmahlzeit Ursache des Alpdrückens 
werden. Das kindliche Alter ist ihm hesonders ausgesetzt. 

Eine zweite Hauptform der Träume sind die reinen Vorstell ungs- 
träume. Die träumende Seele hält die geträumten Bilder für wirk- 
liche Gegenstände, weil ihr die Möglichkeit der Vergleichung dieser 
Bilder mit den Dingen der Aussenwelt abgeschnitten ist. während wir 
im Wachen uns leicht darüber klar werden, ob wir eine blosse Er- 
innerung oder eine wirkliche Sinneswahrnehmung haben. Während wir 
im Wachen im Stande sind, willkührlich Vorstellungen hervorzurufen, 
tritt dies im Traum unwillkührlich ein und meist geben Eindrücke des 
vorigen oder früherer Tage oder Gedanken, die uns vorher beschäftigten, 
Anlass zu Traumbildern. Jedes Geschlecht hat seine ihm eigenthüm- 
lichen Träume, jede Gemüthsstimmung des einzelnen Individuums, Liebe, 
Hass, Trauer und Freude, spricht sich im Traume aus, das Alter, die 
tägliche Gewohnheit und Beschäftigung, die Constitution und Lebens- 
weise, die Bildungsstufe, die Nationalität und Basse sind von Einfluss 
auf den Traum und bestimmen, wenn ich mich so ausdrücken darf, 
dessen Klangfarbe. 

„Wenn wir wachen, so haben wir eine gemeinschaftliche Welt, 
schlafen wir, so hat ein Jeder seine eigene", sagte schon Her acut. 

Es würde unmöglich sein, alle Erscheinungsformen des Traumes 
und ihre Begründung hier zu besprechen. Wir können nur einige wenige 
hervorheben. Wenn wir z. B. im Traum uns oft vergeblich anstrengen, 
zu schreien oder zu bewegen, so erklärt dies Schopenhauer**) dahin, 
dass der Traum als blosse Vorstellung nur eine Thätigkeit des grossen 
Gehirns sei, die sich nicht auf das kleine mit erstrecke: das klein.' 
Gehirn bleibe daher in der Erstarrung des Schlafes liegen, und könne 
sein Amt, als Kegulator der Gliederbewegung auf die Medulla zu wirken, 
nicht versehen, wesshalb eben die dringendsten Befehle des Gehirns 
nicht ausgeführt würden — ein Umstand, der eben die peinliche Be- 
ängstigung im Traume erzeuge. Andere Forscher sind freilich geneigt, 
die genannte Erscheinung als mit dem Alpdrücken verwandt zu erklären. 



*) Dr. Boerner, Das Alpdrücken, seine Begründung und Verhütung 
Wtirzburg L855. 

**) Schopenhauer, Parerga und Paralipomena, Bd. 1, pag. 259. 



— 273 — 

Ks gibt verschiedene üfter wiederkehrende Formen der Träume, 
welch»' eine besondere Erwähnung verdienen. So haben stets ein grosses 
Interesse die sogenannten Offenbarungsträume erregt, die nament- 
lich in älteren Traumsammhingen vielfach aufgeführt werden. Indess 
Betzen sieh bei ihnen nur die Vorstellungsreihen des Tages in die der 
Nacht fort. Der berühmte Traum des Herrn van öoens — die 
Lösung einer Schulaufgabi' durch einen Andern im Traume - - ist aller- 
dings bemerkenswerth, wiewohl er in ähnlicher Weise durchaus nicht 
selten ist. weil in ihm eine Theilung des Ichs eintritt, wie sie^auch in 
psychischen Störungen häufig vorkommt. 

Die sogenannten Zukunfts- oder Ah n un gs träume haben nur 
bei Kranken und bei einer starken nervösen Spannung eine wirkliche 
Bedeutung. Denn hier wird der Inhalt des Geträumten häufig zur 
Illustration des veränderten Körpergefühls. Bei Personen, bei welchen 
ein und dieselbe Art von Unwohlsein öfters wiederkehrt, ist der Inhalt 
der Traumbilder häufig in merkwürdiger Weise immer derselbe. C. G. 
C a r u s erzählte von Jemand, der vor der Wiederkehr seiner Brust- 
krämpfe regelmässig von wilden Katzen träumte, bei einem Anderen 
pflegten sich, wenn er im Traume Menschengewühl sah, bald darauf 
Fieberanfälle einzustellen. Der Glaube an prophetische Träume ist 
zwar uralt und sie kommen in der Sage und Geschichte oft genug 
vor. Die Seher des Alterthums sind ausgestorben, aber Karten- 
schlägerinnen haben selbst nicht weit von hier ein dankbares Publi- 
kum. Und doch rufen die Greise des Sophokles schon aus (Ajax 
v. 1418): 

„Wohl Vieles vermag anschauend der Mensch zu erspähen, doch 
eh' er geschaut, kennt auch kein Seher die Loose der Zukunft", und 
Schiller sagt in der Braut von Messina : 

„Die Kunst der Seher ist ein eitles Nichts, 
Betrüger sind sie oder sind betrogen. 
Nichts Wahres lässt sich von der Zukunft wissen, 
Du schöpfest drunten an der Hölle Flüssen, 
Du schöpfest droben an dem Quell des Licht3. 



Vermauert ist dem Sterblichen die Zukunft, 

Und kein Gebet durchbohrt den eh'rnen Himmel, 

Ob rechts die Vögel fliegen oder links, 

Die Sterne so sich oder anders fügen, 

Nicht Sinn ist in dem Buche der Natur, 

Die Traumkunst träumt und alle Zeichen trügen." 

Jahrb. J. uass. Ver. f. Nat. XXXI u. XXXII. 18 



274 



Wir müssen bei der Bemessung der Bedeutung der Träume stets 
berücksichtigen, dass es überhaupt ungemein schwierig ist, einen Traum 
richtig und unverfälscht im Gedächtniss zu reproduciren, einmal weil 
die Traumbilder meist unklar sind und wir sie durch unsere Vor- 
stellungskraft ergänzen und zweitens weil wir ihnen im wachen Zustande 
erst einen logischen Zusammenhang zu geben suchen. Die sogenannte 
Erfüllung ist ein sehr zweifelhaftes Element, indem wir, wenn sie nicht 
eintritt, auch den Traum vergessen, wenn sie aber kommt, das Fehlende 
ergänzen. Es geht hiermit, wie bereits Kant von dem hundertjährigen 
Kalender sagt, dass man seine Voraussetzungen preist, wenn sie ein- 
treffen und vergisst, wenn sie nicht eintreffen. 

Eine besondere Betrachtung wollen wir nur noch den sogenannten 
potenzirten Träumen widmen, wohin wir das Schlafreden und 
das Nachtwandeln zu rechnen haben. Bei ersterem geht eine 
motorische Erregung vorzugsweise auf die Sprachorgane über, eine Er- 
scheinung, die namentlich bei Kindern und leicht erregbaren Personen 
nicht selten ist. Der Inhalt der Reden richtet sich zumeist nach der 
Hauptbeschäftigung und dem Ideengange des wachen Zustandes. In- 
dessen dürfen sie nicht mit demselben Maassstabe gemessen werden 
und vor allen Dingen sind sie nicht zurechnungsfähig. Bei dem Nacht- 
w and ein, welches namentlich zu der Zeit der Pubertät häufiger beob- 
achtet wird, ist die Bewegung der Traumvorstellungen mit einer grossen 
Beharrlichkeit nach aussen gerichtet und während in den idealen Be- 
wegungsträumen die Bewegungen nur intendirt, aber nicht ausgeführt 
werden, gehen hier wirkliche Bewegungen automatisch in tiefem Schlafe 
vor sich und mit grosser Gewandtheit und Sicherheit. „Manche Menschen 
schlafen mit dem grössten Theil ihres Gehirns so fest, wachen aber 
gleichzeitig mit einigen erregten Zellengruppen so energisch, dass die 
Traumvorstellungen im Stande sind, Bewegungsreflexe gewohnter Art 
auszulösen." Lady Macbeth macht, während ihr verbrecherischer Gatte 
Hallucinationen hat, im Traume die Bewegungen des Händewaschens, 
um den Blutgeruch zu entfernen und ihr Arzt nennt es: „Eine grosse 
Zerrüttung in der Natur, zu gleicher Zeit die Wohlthat des Schlafes zu 
gemessen und die Geschäfte des Wachens zu besorgen". 

Die aus tiefem Schlafe aufwachenden Nachtwandler wissen niemals 
etwas von dem, was sie im Schlafe gethan. Das Selbstbewusstsein 
cessirt während dieser Thätigkeit, deren grösste Sicherheit in gefähr- 
lichen Lagen sich eben daraus erklärt, dass der Nachtwandler die Be- 
denklichkeit der Situation nicht kennt. Johannes Müller hat schon 






— 275 — 

richtig gesagt: ,,Der Träumende führt seine Handlungen aus wie ein 
Kind, ohne das Bewusstsein der Gefahr und desshalb ohne Beben und 
Schwindel". Die von einigen Schriftstellern in diese Zustände hinein- 
gelegten wunderbaren körperlichen Leistungen beruhen, ebenso wie die 
vermeinte wunderbare Schärfung des Geistes während des Schlafwandelns, 
zumeist auf Uebertreibung und phantasievoller Anschauung. In den 
wenigen von nüchterner medicinischer Seite beobachteten und beschrie- 
benen Fällen hat die Schärfe der Geistesfähigkeit stets gefehlt, wie denn 
in den meisten Schriften über das Nachtwandeln sich ein mystischer, 
mit dem thierischen Magnetismus und dem Hellsehen verwandter Zug 
geltend macht und die mitgetheilten Fälle mehr den Character von aus 
zweiter und dritter Hand erzählten Geschichtchen haben. — Mit dem 
Monde und seinen verschiedenen Phasen hat das Schlafwandeln nichts 
zu thun und die „Mondsüchtigen" schlafwandeln, ob der Mond scheint 
oder nicht. Es können höchstens die von ihm ausgehenden Lichtstrahlen 
in zweiter Linie einen Einfluss auf das halbverschleierte Auge des Nacht- 
wandlers üben. 

III. 

Zum Schlüsse hätten wir uns nun noch mit den letzten p h y Bio- 
logischen Ursachen des Schlafes zu beschäftigen, gewissermaassen 
eine Theorie des Schlafes zu geben. 

Sowohl Wachen als Schlaf und Traum sind Processe, die sich in 
periodischer Folge an einem und demselben Organe vollziehen, an dem 
Gehirn. Nun haben die zahlreichen anatomischen Arbeiten und physio- 
logischen Versuche über den Bau und die Thätigkeit des Gehirns als 
Sitz der seelischen Thätigkeit die graue Gehirnrinde nachgewiesen. Die 
einzelnen diese graue Bindenschicht zusammensetzenden sogenannten 
Ganglienzellen stehen durch Leitungsfäden miteinander und anderseits 
wieder mit Nervenfasern in Verbindung, welche in der weissen Mark- 
schicht zusammenlaufen und von hier aus in alle Organe des Körpers 
übergehen, wohin sie die Anregungen der Gehirnrinde mittheilen und 
umgekehrt die empfangenen Eindrücke wieder zurückleiten. Thierver- 
suche und eine Beihe von wohlbeobachteten klinischen Erfahrungen von 
Erkrankungen des Gehirns haben dann zu der These geführt, dass die 
Einzelbegriffe und Einzelbewegungen unseres Empfindens, Denkens und 
Wollens an räumlich getrennte Elemente des Gehirns gebun- 
den sind. 

Während wir nun im Wachen über unser ganzes Gehirn verfügen 

18* 



— 276 — 

und jede einzelne der nach Meynert in der Zahl von 900 Millionen 
vorhandenen Nervenzellen, welche ihrerseits wieder mit bis zu zehn Fort- 
sätzen mit ihren verschiedenen Nachbarn verbunden sind, wie ein Tele- 
graphenapparat beim Ansprechen bereit ist, in der verschiedensten Com- 
bination zu antworten, ist dies im tiefen Schlafe nicht der Fall. Hier 
arbeiten die ermüdeten Einzeltheile nicht, während im Traume nur ein- 
zelne Zellen oder Gruppen von solchen in Thätigkeit sind. Dadurch, 
dass die Verbindung zwischen den einzelnen Zellen durch die Ermüdung 
anderer unterbrochen ist und die Controlle der die Association bewir- 
kenden Gehirntheile fehlt, erhalten wir die verzerrten Bilder des Traumes. 

Von Alters her sind nun die Anschauungen über das letzte Werden 
von Schlaf und Traum verschieden gewesen. Während noch Galen 
aufrichtig sagte, er wisse es nicht, stellte man bis in die neueste Zeit 
allerlei Hypothesen auf. Man liess das Einschlafen bald durch eine Ein- 
trocknung, dann wieder durch Ansammlung von Flüssigkeit, durch 
Compression des Gehirns und so weiter entstehen. Ar genter ius hielt 
1540 die Abnahme der eingeborenen Wärme für die Ursache und 1818 
suchte ein junger Arzt *) die Ansicht zu begründen, dass das Einschlafen 
durch eine Explosion verursacht werde, indem die positive und negative 
Electricität des Gehirns sich abgleichen sollte. Es würde eine unnütze 
Mühe sein, Ihnen die verschiedenartigen Ansichten alle hier vorzuführen, 
von denen keine sich bisher einer allgemeinen Annahme zu erfreuen ge- 
habt hat. Aus der grossen Zahl von Hypothesen aber leuchten einige 
hervor, welche feststehenden Thatsachen genügend Rechnung tragen. 
Diese möchte ich Ihnen hier mittheilen, Ihrem eigenen Urtheile es über- 
lassend, welcher von den Theorieen Sie die Palme reichen wollen. 

Die am meisten bekannte, wenn ich nicht irre in neuerer Zeit von 
Sommer vertretene, in ihren ersten Anfängen wohl auf Alexander 
von Humboldt's in seinem berühmten Buche über die gereizte Muskel- 
und Nervenfaser ausgesprochene Ansicht von dem Verbrauch des Sauer- 
stoffs im Gehirn zurückgehende Theorie, welche namentlich seit den 
Pettenkofer'schen Untersuchungen über den Gasaustausch im mensch- 
lichen Organismus wohl begründet erscheint, ist die, dass der Schlaf 
nur ein Zustand der Sauerstoffarnmth sei, der durch den wäh- 
rend des Wachens beschleunigten Stoffwechsel, d. h. die Oxydations- 
processe im Innern des Organismus, einträte. Im thätigen Zustande 
wird der Verbrauch an Sauerstoff immer grösser und die Kohlensäure- 



*) Joh. Ziehl, de soinno. Diss. lnauguralis. Erlangen 1818. 



— 277 — 

menge, welche bei Lebhaftem Stoffwechsel während des Tages ausge- 
athmet wird, verbraucht nicht allein den während des Tages aufgenom- 
menen, sondern auch den während der Nacht bei ruhendem Stoffwechsel 
aufgespeicherten Sauerstoff, mit welchem wir also stets ein sonst ein- 
tretendes Deficit decken. Je mehr der Sauerstoff verbraucht wird, um 
so geringer wird der Stoffwechsel und die Lebensthätigkeit der Organe : 
es tritt schliesslich Erschlaffung und Ermüdung ein. — Geistig und 
körperlich thätige Menschen verbrauchen den Sauerstoff schneller, weil 
sich die Oxydationsprocesse rascher folgen und dem entsprechend tritt 
hei ihnen das Bedürfniss nach Schlaf rascher ein. Ebenso zeigen Kinder, 
welche in der Entwicklung und im Wachstimm sind, ein grösseres 
Schlafbedürfniss, weil zur Ausbildung stets ausser den in der Nahrung 
rageführten sonstigen Stoffen auch Sauerstoff gehört. Nach dem Essen 
fühlen wir Bedürfniss zum Schlaf, weil wir gewissermaassen Sauerstoff- 
hnnger haben. 

Die Blutzellen haben die Eigenschaft, in längerer oder kürzerer 
Zeit so viel Sauerstoff aufzunehmen, als zu einem lebendigen Stoffwechsel 
nöthig ist, indem namentlich das Hämoglobin nach Lothar Meyer 
der Regulator des Sauerstoffverbrauchs ist. Die Schwäche und Müdigkeit 
bleichsichtiger Frauen und blutarmer Menschen beruht auf der Abnahme 
der Blutzellen und auf dem Verluste der Fähigkeit derselben, Sauerstoff 
zu binden. Daher haben diese Personen Neigung zum Schlaf. Ebenso 
geht es im Alter. 

Ist der Schlaf nach dieser Anschauung ein Zustand der Sauerstoff- 
armuth des Blutes, in welchem das Gehirn unthätig ist, so treten die 
Träume dann auf. wenn durch allmäliges Zutreten von gewissen Mengen 
von neuem Sauerstoff die Thätigkeit des Gehirns allmälig wieder erwacht. 
Die Sauerstoffaufspeicherung ist noch nicht der Art, um das völlig 
freie Denken auszulösen, aber doch so stark, dass wir z. B. im Stande 
sind, im Traume einen Traum als solchen anzuerkennen oder aber 
selbst einen solchen kurz vor dem wirklichen Erwachen fortzuspinnen. 
Individuelle Anlagen bewirken eine Verschiedenheit in dem Auftreten 
der Träume, indem bei leicht erregbaren Naturen durch geringe Mengen 
von Sauerstoff bereits die Gehirnzellen in Thätigkeit versetzt werden, 
während andere bei gleichen Mengen noch ruhig weiterschlafen. 

Das Erwachen tritt ein, wenn die Sauerstoffaufspeicherung ihren 
höchsten Grad erreicht hat und der Stoffwechsel wieder in vollen Gang 
kommt. Aber auch vorher kann schon ein Erwachen bewirkt werden, 
wenn äussere Reize einen starken Stoffwechsel im Gehirn erregen. 



— 278 — 

Eine neue Theorie stellte Preyer*) auf. Er geht auch von der 
Grundvoraussetzung aus, dass jeder geistige Process mit einem lebhaften 
Sauerstoffverbrauch Seitens des Gehirns verbunden sei und lässt den 
Eintritt des Schlafes durch einen chemischen Process vermittelt werden. 
Er trennt den physiologischen Schlaf von dem künstlichen und sagt, 
der erstere trete ein, wenn die Endorgane des Nervensystems ermüdet 
sind, also die Sinnesorgane als Endorgane der sensibeln, die Muskeln 
als periphere Endorgane motorischer Nerven und die Ganglienzellen des 
Gehirns als Endorgane, an deren Bestand das geistige Leben geknüpft 
ist. Fehlt es den Ganglienzellen an Blutsauerstoff, so erlöschen die 
psychischen Processe. Preyer erwähnt, dass schon Alexander von 
Humboldt im Jahre 1787 es aussprach, dass, wenn auch das Denken 
selbst weder ein chemischer Process, noch Folge mechanischer Erschüt- 
terung ist, es doch keineswegs unphysiologisch erscheine, „fibröse Be- 
wegungen oder chemische Zersetzungen gleichzeitig mit dem 
Denken anzunehmen. Während der sensoriellen Kraftäusserungen 
werde Sauerstoff absorbirt, beim Wachsein mehr als im Schlaf. Das 
durch die Halsschlagadern in den Kopf steigende arterielle Blut kehrt 
venös zurück, während der verschwundene Sauerstoff vom Gehirn ver- 
braucht werde. — In der That entzieht das Gehirn mit grosser Leich- 
tigkeit dem Blute den Sauerstoff, ebenso wie noch ausser der Leber die 
Muskeln. Nach grossen Blutverlusten tritt daher durch Mangel an 
Sauerstoff Schlafsucht ein, ebenso wenn besondere Gasarten, wie z. B. 
Stickstoff, jenen aus dem Blute verdrängen. Da nun anzunehmen ist, 
dass im natürlichen periodischen Schlaf nach allen Beobachtungen weder 
erheblich mehr, noch weniger Hämoglobin-Sauerstoff durch die Arterien 
in das Gehirn gelangt, als im Wachen, so bleibt nach Preyer nichts 
anderes übrig, als dass der Sauerstoff eine andere Verwendung findet 
im Schlaf, als im Wachsein. Preyer nimmt an, dass während des 
Wachens leicht oxydable Ermüdungsstoffe gebildet werden, die im Schlafe, 
wenn Reize fehlen, den Sauerstoff an sich reissen und sich selbst damit 
oxydiren, während er sonst im wachen Zustande für die Inganghaltung 
der willkührlichen Muskulatur, wie der psychischen Processe verbraucht 
werde. Nun ist durch Untersuchungen von Berzelius, Dubois- 
Reymond, Liebig und Helmholtz festgestellt worden, dass wäh- 
rend der Muskelcontraction chemische Processe stattfinden, und Jo- 
hannes Ranke wies nach, dass der Muskel die Produete seines Stoff - 



*) Preyer, Ueber die Ursache des Schlafs. 



— 279 — 

wechsele in sieh anhäuft, namentlich Milchsäure und Kroatin. Audi 
hat Claude Bornard beobachtet und von Ludwig und Szelkow 
wurde es erhärtet, dass der arbeitende Muskel an das ihn durchströmende 
Blut mehr Kohlensäure abgibt und ihm mehr Sauerstoff entzieht als der 
ruhende. Ebenso ist durch Dubois-Reymond erwiesen, dass in den 
aervösen Apparaten ebenso eine chemische Umsetzung mit saurer Reac- 
tion bei der Arbeit stattfindet und Gescheidlen hat in der thätigen 
Nervensubstanz eine fixe Säure, die wahrscheinlich Milchsäure ist, nach- 
gewiesen. Endlich hat Ranke die Milchsäure als einen den Muskel 
ermüdenden Stoff beobachtet. Auf Grundlage dieser soeben genannten 
Forschungen stellt sich nun Preyer vor, dass die geistige Ermüdung 
und Schläfrigkeit nach gesteigerter Muskelaction wesentlich durch die 
Ablagerung der Muskelproducte im Gehirn bedingt sei, welche den Sauer- 
stoff in Beschlag nehmen, während die Schläfrigkeit nach geistiger An- 
strengung auf einer Anhäufung der im Gehirne selbst entstehenden 
Thätigkeitsproducte, namentlich Milchsäure, beruht. Preyer weiss die 
Erscheinungen über das Eintreten des natürlichen Schlafes mit seiner 
hypothetischen Annahme in Uebereinstimmung zu bringen und letztere 
auch durch Versuche plausibel zu machen, welche er mit dem Haupt- 
ermüdungsstoffe, der Milchsäure, anstellte. Er fand, dass die Milch- 
säure nach ihrer Einführung in den Organismus künstlichen Schlaf 
herbeiführt, der alle Symptome des natürlichen habe. Solche Versuche 
wurden nicht allein bei Thieren, sondern auch beim Menschen gemacht, 
von andern Beobachtern auch mehrfach bestätigt*), von wieder andern 
verworfen**). Obwohl nun Preyer den Beweis schuldig bleibt, dass in 
den Fällen, wo die Ermüdungsstoffe Schlaf bedingen, dieser durch Ab- 
ziehung des Sauerstoffs von dem Substrate der bewussten geistigen Vor- 
gänge zu Stande kommt, indem jener diese Stoffe selbst oxydire, so 
glaubt er sich doch zu der Hypothese berechtigt, die Milchsäure als 
Hauptursache des Schlafes anzusehen und fordert zu weiteren Versuchen 
in dieser Richtung auf, die er namentlich durch das Zusammenarbeiten 
der Pathologie, beziehungsweise der Psychiatrie mit der Experimental- 
physiologie erhofft. 

Eine neue und eigenartige Theorie des Schlafes ist die von Pro- 



*) L. Meyer, Virchow's Archiv, Bd. LXVI, Heft 1, pag. 120. — 
Mendel, Deutsche med. "Wochenschr., 1876, pag. 193. 

**) Er ler, Centralbl. f. d. med. Wissensch., 1876, pag. 658. — Fischer, 
Zeitschr. f. Psych., Bd. XXXIII, pag. 720. 



280 



fessor Pflüger*) in Bonn, der im Gegensatz zu Preyer den Schlaf 
durch das Aufhören eines chemischen Processes eintreten lässt. Seine 
Theorie gründet sich einestheils auf die hauptsächlich von C 1 a u s i u s 
vertretene Wärmetheorie und anderntheils auf die dem Autor eigene 
Theorie des Lebens und ist daher auch ohne nähere Kenntniss dieser 
Pflüger 'sehen Anschauungen und Arbeiten**) schwer verständlich. Nach 
Pflüg er's***) Theorie des Lebens ist die organisirte lebendige Substanz 
der Ort der Oxydation, nicht das Blut und die Leistungen der Organe 
sind durch Dissociation der lebendigen Materie bedingt, die im Wesent- 
lichen eine besondere Modifikation von Eiweiss ist. Er zeigte durch 
Versuche, dass die Erregbarkeit ihren nächsten Grund im intramolecu- 
laren Sauerstoff hat und dass sie erlischt, wenn derselbe zur Bildung 
von Kohlensäure verbraucht ist. Indem sich Kohlensäure fortwährend 
durch intramolecule Dissociation bildet, welche Umlagerung der Atome 
erzeugt, so wandelt sich die hierbei verbrauchte chemische potentielle 
Energie zunächst in Wärme des neugebildeten Kohlensäuremoleculs um. 
und die Atome des letzteren werden im Momente der Bildung desselben 
in die heftigsten Oscillationen versetzt, wie dies bei einer Explosion 
geschieht. Diese während des Lebens fortwährend ablaufenden Explo- 
sionen erzeugen durch die Fortpflanzung der Stoffe auf alle Theile der 
Molecüle starke Fibrationen der Atome. Am stärksten sind sie während 
des Wachens. Versuche an Thieren, bei welchen Entziehung des Sauer- 
stoffs Schlaf und Scheintod herbeiführte, ergaben, dass eine bestimmte 
Summe intramolecularen Sauerstoffs die Fundamentalbedingung für den 
wachen Zustand abgibt. Sie ermöglicht einen bestimmten Werth der 
Zahl der Explosionen, welche in der Zeiteinheit bei gegebener Tempe- 
ratur ausgelöst werden können. Nun bildet nach Pflüger das ganze 
Nervensystem mit Einschlnss der Muskeln und Secretionsdrüsen eine 
continuirlich zusammenhängende Masse, das a n im a 1 e Z el lenn etz . 
in welchem er sich die lebendigen Molecüle durch chemische Kräfte 
kettenartig aneinander geknüpft denkt. In diesen aneinandergeknüpften 
Molecülen befinden sich die Atome in fortwährenden Oscillationen und 
es muss jede Veränderung der Schwingung eines Atoms eine Yerände- 



*) Arcli. f. ges. I'liys., Bd. X, 8, 9, pag. 4(58. 
**) S. d. oben angegebenen Arbeiten im Archiv f. ges. Phys., Bd. X, 8, !'. 
pag. 468. 

***) pflüg er, Ueber Wärme und Oxydation der Lebendigen Materie, 
Bd. XVIII, Heft 7—8, pag. 247 ff. 



— 281 — 

rang der Schwingung der benachbarten Atome zur Folge haben. Nun 
sind in der grauen Substanz des Gehirns sehr labile Zustände vorhan- 
den, welche eine sehr starke Dissociation zur Folge haben. Die Vibrationen 
des wachen Zustandes in Folge der Kohlensäurebildung werden nach 
den verschiedensten Richtungen des Körpers wellenartig übertragen. 

Jede Erschütterung der bereits in Dissociation begriffenen Molecüle 
des Körpers verstärkt die Dissociation oder den Kraftverbrauch. 
Der Verbrauch an chemischer Spannkraft ist nun während dem Wachen 
so gross, dass die während dieser Zeit mögliche Aufsaugung von Sauer- 
stoff durch die lebendigen Gehirnmolecüle nicht Schritt hält, so dass 
die graue Substanz mehr verliert als gewinnt und die Kohlensäure- 
bildung und die Explosionen daher abnehmen. Zwar wird nicht die 
ganze Kraft des Gehirns verbraucht, wohl aber so viel, dass bei Ab- 
wesenheit äusserer Erregungen die gesunkene Kohlensäurebildung nicht 
die nothwendige Grösse der lebendigen Kräfte für die Erhaltung des 
wachen Zustandes liefern kann. Stärkere Erschütterungen werden auch, 
nachdem der grosse Heerd im Gehirn zur Kühe gekommen ist, nicht 
mehr weiterhin fortgepflanzt. Der Arbeits verbrauch nimmt in allen 
Organen ab, die unter dem Nervensystem stehen: Schlaftrunkenheit tritt 
ein, die Muskeln versagen ihren Dienst, das Rückenmark kommt zur 
Buhe. Die Ersparniss an Arbeitsverbrauch ermöglicht 
nun die Erholung in allen diesen Organen. Während 
des Schlafes ersetzen die lebendigen Molecüle zugleich 
ihren Verlust an v er brennbarer Materie, an Kohlen- 
stoff und Wasserstoff. 

Die Vibrationen der Gehirnmaterie, durch welche das Bewusstsein 
bedingt ist, besitzen eine grosse Trägheit, tönen lange nach — daher 
die starke Beeinträchtigung der Fähigkeit zum Einschlafen nach geistiger 
Arbeit. 

Sobald die Hirnmolecüle während des Schlafes mehr und mehr 
mit intramoleculem Sauerstoff gesättigt werden, muss auch die Kohlen- 
säurebildung zunehmen, bis durch Summation der Wirkung aus inneren 
Gründen oder durch einen äusseren starken Anstoss wieder eine grosse 
Summe von Dissociationen, also reichliche Kohlensäurebildung ausgelöst 
wird und Erwachen eintritt. 

Für die Erklärung des Winterschlafs ist die Theorie sehr einfach. 
Durch die Einwirkung der Kälte sinkt die Temperatur des Gehirns, es 
verkleinert sich die intramolecule Vibration, folglich auch die Intensität 
der Dissociation und Kohlensäurebildung, es tritt Schlaf ein. während 




— 282 — 

anderseits durch eine dem Gehirn zugeführte Quantität lebendiger Kraft, 
ein heftiger Reiz, die intramolecule Wärme des Gehirns steigert. Kälte 
kann so durch Schmerzerregung, obwohl sie eigentlich verringerte leben- 
dige Kraft ist, doch vermehrte lebendige Kraft der Ganglienzellen des 
centralen Nervensystems hervorrufen. Bei den einen Sommerschlaf hal- 
tenden Amphibien tritt rasch eine Consumtion der spärlichen Spann- 
kraft ein und damit Schlaf. — Es führen also sehr verschiedene Zu- 
stände der Hirnmaterie zum Schlafe ; sie haben aber alle das Gemein- 
same, dass die intramoleculare Wärme, also die Dissociation herab- 
gesetzt ist. 

Die Ansichten über die letzten Ursachen des Schlafes sind vor- 
läufig noch Hypothesen, über die sich streiten lässt. Ich habe sie Ihnen 
vorgetragen, weil in einer jeden den Thatsachen gerechten Hypothese 
ein wesentliches Motiv des Fortschritts der Wissenschaft liegt. Diese 
aber wird noch lange in der Erforschung der in der Natur wirksamen 
Kräfte dankbare Aufgaben finden. Es ist ja möglich, dass Naturkräfte, 
die uns bis jetzt noch unbekannt sind, entdeckt werden, und dass wir 
dereinst zum Beispiel selbst die Natur des immateriellen Willens kennen 
lernen werden. In einer Zeit aber, welche wiederum eine psychische Kraft, 
die eine actio in distans hat, wahrscheinlich zu machen sucht, und welche 
uns Kräfte lehren will, an deren Erfassung uns die Organisation unserer 
Sinne bis jetzt verhindert; in einer Zeit, in der ein mit den radicalsten 
Tendenzen auf Umwälzung unseres ganzen Naturalismus und Supra- 
naturalismus auftretender und eine neue Weltreligion dictirender Spiri- 
tismus sich Geltung zu machen versucht; in einer Zeit, in welcher die 
beseelten Atome nach der Herrschaft ringen und man die Urzelle be- 
reits in den Steinen aufgefunden zu haben wähnt : da ist es nöthig. 
sich Kühe und Klarheit im Denken zu bewahren. 

Als einst Copemicus durch seine Lehre von der Bewegung der 
Erde um die Sonne die ganze denkende Welt in Dissonanz gebracht 
hatte und Galilei für die neue Lehre in dem Kerker der Inquisition 
leiden musste : da war es Newton, jener grosse Denker und ebenso 
scharfsinnige Ausleger der Natur, wie der heiligen Schrift, welcher jenes 
grosse Princip der Einheit und der Gleichheit nach Maassgabe der 
inneren virtuellen Ausstattung nachwies, durch welches im ungeheuren 
Reiche der Sonnen in Ewigkeit Ordnung und Sicherheit erhalten wird. 
Als der still gewaltige Zug der Gestirne aus dem Fall des Steins er- 
klärt werden konnte, da musste, wie Meyer sagt, die Empfindung jenes 
ewigen Bandes der Brüderlichkeit, das uns mit allen Welten unseres 



— 283 — 

Sonnenvaterlandes verbindet, uns einen hohen idealischen Kuhepunkt 
gewähren. 

Auch in unserer Zeit, die die höchsten Fragen des Seins spielend 
lösen zu können wähnt, bedarf es für die Naturwissenschaften jenes 
ruhenden Pols, den die Vernunft uns bietet, wenn sie an die Stelle 
eines metaphysischen Erkennens mechanische Einsicht setzt und da 
Eesignation übt, wo Wissen und Beweisführung unmöglich wird. 

Wie aber auch in der Folge die Würfel fallen mögen in der Wissen- 
schaft, stets möge für uns, für diese Stätte und unsern Verein die eine 
Richtschnur als die berechtigte gelten : 

Das ernste, lautere Streben nach Erkenntniss der Wahrheit! 



■ der 



Protocoll 



der 



19. Versammlung der Sectionen des Vereins für Naturkunde 

zu Rüdesheini. 



Den 14. October 1877. 

Herr Landrath Fonck war durch die Massnahmen in Geisenheim 

wegen der Rinderpest so in Anspruch genommen, dass er nicht an- 
wesend sein konnte. Herr Präsident v. Wurmh eröffnet die Versamm- 
lung und ertheilt Herrn Diltey das Wort zur Begrüssung der Ver- 
sammelten. Herr Diltey hegrüsst die Versammlung im Namen der 
Stadt Rüdesheim. 

Der Vereinssecretär, Herr Professor Dr. Kirschbaum, ergreift 
das Wort zur Ausführung des geschäftlichen Theües. Dr. Koch refe- 
rirt im Auftrage von Bergmeister Wenckenbach über die Fort- 
schritte der mineralogischen und geologischen Section, gleichzeitig über 
die paläontologische., der er vorsteht. H. V ig euer referirt über die 
botanische Section, Professor Dr. Kirschbaum über die zoologische 
Section und hebt die schöne Arbeit von Dr. v. Hey den hervor. 

Auf Antrag von Professor Dr. Kirschbaum wird für den Ort der 
nächsten Versammlung Limburg a. d. Lahn bestimmt und Herr Justiz- 
rath Hilf als Geschäftsführer ernannt. Auf Zusatzantrag von Dr. Koch 
wurde Donnerstag nach Pfingsten als Zeit der Zusammenkunft bestimmt. 

Angemeldete Vorträge: Herr Dr. Bertkau spricht über die Ent- 
deckung der 9 von Eresus quadriguttatus und zeigt cf und 9 lebend 
vor und anknüpfend an ein in dem Vortrage von Dr. Bertkau er- 
wähnten Käfer-Vorkommens macht Herr Hauptmann Dr. v. Heyden 
Mittheilung über Asida grisea. 

Herr Dr. v. Hoff mann spricht über Structuren der Nieren von 

Säugethieren. 









— 285 - 

Herr Dr. Cavet über Selaginella, und zwar speciell über den 
Keimungsprocess, unter Vorzeigung von lebenden Pflanzen. 

Herr Dr. Bischof über das Vorkommen von Bauxit an der Dorn- 
burg bei Hadamar mit 32 °/o AI2O3. 

Herr Dr. Müller aus Geisenbeini über Erscheinungen beim Ge- 
frieren der Pflanzen. 

Herr Vi gener aus Hiebrich berichtet sodann über die nassauische 
Phanerogamenflora des Vereinsgebietes und fordert zu Notizen und Bei- 
trägen zur Ergänzung der Flora sowie Rosa- und Kubus- Arten auf. 

Herr Neuss aus Wiesbaden spricht über Verfälschung von Nali- 
nmgs- und Genussmittel. 

Dr. C. Koch über die geologischen und orographischen Verhält- 
nisse in der Umgebung von Rüdesheim. 

Von drei Vorträgen sind genaue Mittheilungen eingelaufen und 
folgen hierbei. 

Ein sehr schönes Essen vereinigte die Mitglieder noch bis zur 
Abfahrt. 

Dr. Koch. 



Ueber Selaginella und den Keimungsprocess. Von Dr. Cavet. 

Herr Dr. Cavet zeigte Keimpflänzchen von Selaginella Krauseana 
vor. erwähnte dabei die Befruchtungsverhältnisse der geschlechtlichen 
Generation und gab eine Beschreibung des Baues der Selaginellenpflanze ; 
als Beispiel zeigte er die durch ihre mächtigen Wurzelträger interes- 
santen Selaginella Mortensis compacta vor. Nach seinen Beobachtungen 
sind alle Selaginellen, die starke und viele Wurzelträger bilden, wie 
z. B. Selaginella Mortensis, Selaginella apoda, Selaginella denticulata, 
weniger geneigt zur Bildung von Sporocistenständen, als die Arten mit 
weniger Wurzelträgern, wie z. B. Selaginella pubescens, Selaginella 
Krauseana etc.; letztere seien nur bei trockener Luft und Witterung 
zum Fruchtansatz zu bringen. 



Ueber das Vorkommen von Bauxit in Nassau. Ton Dr. Bischof. 

Herr Dr. Bischof sprach über ein Vorkommen von Bauxit in 
Nassau, diesem natürlichen bis jetzt nur an vereinzelten Punkten auf- 
gefundenen und zu Thonerdepräparaten wie feuerfesten Zwecken ge- 



286 



schätzten Thonerdehydrate, welches nach seiner ersten Fundstelle hei 
Baux im südlichen Frankreich Bauxit und nach der in der Wochein in 
Krain Wocheinit genannt worden. Gemäss den in der Literatur be- 
kannten Fundstätten ist die in Rede stehende die erste, welche im 
deutschen Reiche nachgewiesen. Nach vielem mehrjährigem Suchen unter 
verschiedenen Eisenerzen in hiesigen Sammlungen wie in den Gruben, 
gelanges endlich durch die freundliche Vermittelung des Herrn Troost 
in Wiesbaden den Fund zu machen. Das neue Mineral kommt vor bei 
dem Dorfe Mühlbach unfern Hadamar, in einem schwachen Lager im 
Eisenstein-Grubenfelde des Herrn J. Siebert jr. in Hadamar, wo es 
an einem Bachufer zu Tage tritt. 

Nachdem durch vergleichende Prüfungen mit einem bekannten Bauxit, 
dessen mehr unmittelbare Erkennungszeichen genauer ermittelt worden, 
worunter die hervorragende Thonerdemenge und deren Kennzeichen zuerst 
immer in die Augen fallen mussten und später unter verschiedenen 
Proben die einfache Nachweisung des bedeutenden Glühverlustes 
einen zutreffenden Anhalt gab, wurde schliesslich durch die quantitative 
Bestimmung des Thonerde- wie Kieselsäuregehaltes von mir festgestellt, 
dass man es mit einem eigentlichen d. h. wenig Kieselsäure- wenn auch 
stark eisenhaltigen Bauxit zu thun hatte. 

Hierauf wurde dann zur vollständigen chemischen Analyse ge- 
schritten, welche in dem Laboratorium der Töpfer- und Ziegler-Zeitung 
zu Berlin von Herrn Chemiker Carl Holthof ausgeführt worden, 
deren Ergebniss ich hier mittheile. In der aus einem Kgr. Material 
sorgsam bereiteten Durchschnittsprobe, welche bei 112° C. getrocknet 
und durch Erhitzen mit Schwefelsäure aufgeschlossen worden, wurde 
gefunden : 

Thonerde 32,46 

Kieselsäure (chemisch gebunden) . . . 6,68 

Magnesia 0,44 

Kalk sehr geringe Spuren 

Eisenoxyd 38,94 

Kali 0,43 

Natron 0,21 

Gangart und Sand 0,73 

Phosphorsäure 0,27 

Glühverlust 19,90 

100,06 



— 287 — 

Der vorliegende Bauxit, welcher aus wallnuss- bis eigrossen, theils 
dichten, leberartigen, und theils zerfressenen, feinlöcherigen und äusser- 
lich mitunter abgerundeten Roll stücken von rothbrauner Farbe be- 
steht — gehört zu den thonerdeärmereu und an Eisenoxyd reicheren. 



Ueber das Gefrieren und Erfrieren der Pflanzen. 
Von Dr. H. Müll er-Thurgau. 

Diese beiden Erscheinungen sind streng auseinander zu halten ; denn 
nicht immer bedingt das Gefrieren ein Erfrieren. Die Untersuchungen 
des Vortragenden beziehen sich vorläufig hauptsächlich auf den Vorgang 
des Gefrier ens und haben Resultate ergeben, durch welche die ge- 
wöhnliche Ansicht über das Erfrieren widerlegt wird. Nach dieser er- 
frieren nämlich die Pflanzen, weil das in den Zellen entstehende Eis 
deren Wandungen zerreisst. Die vorgenommenen Versuche haben jedoch 
gezeigt, dass beim Gefrieren das Eis gar nicht in den Zellen sich 
bildet, sondern zwischen denselben in den sogen. Intercellularräumen . 
Hier entstehen Drusen von Eiskrystallen, die auf Schnitten durch ge- 
frorene saftige Pflanzentheile auch dem unbewaffneten Auge sichtbar 
sind. Diese Krystalle bestehen aus reinem Wasser, das während des 
Gefrierens aus den Zellen herausgewandert ist. Die Zellen selbst werden 
hierbei keineswegs verletzt und sogar diejenigen, welche direct an die 
Eiskrystalle angrenzen, sind nach sorgfältigem Aufthauen des Pflanzen- 
theils unverletzt und lebend. 

Wird ein gefrorener Pflanzentheil auf noch niederere Temperatur 
gebracht, so tritt noch mehr Wasser aus den Zellen heraus und die 
Krystalldrusen werden grösser. 

Dass die Pflanzen nicht bei 0°, sondern erst bei 2—3° Kälte ge- 
frieren, hat seinen Grund darin, dass das Wasser nicht in reiner Form 
in der Pflanze sich findet, sondern als Salzlösung und sodann die ersten 
Krystallisationsvorgänge in capillaren Schichten (in den Intercellular- 
räumen auf der Aussenwand der Zellen) auftreten. Für die Mitwirkung 
des letzteren Factors spricht besonders der eigenthümliche Gang der 
Temperatur innerhall) gefrierender Pflanzentheile. Dem Obigen ent- 
sprechend gefrieren saftige Pflanzentheile bei geringeren Kältegraden 
als wasserarme. 

Das Erfrieren oder der Tod durch Kälte wird nun gewöhnlich 



— 288 — 

nicht durch das Gefrieren, sondern durch ein zu schnelles Aufthauen 
der gefrorenen Pflanzen herbeigeführt. Es lässt sich dies leicht nach- 
weisen, indem man von zwei gleichen Pflanzen, die bei gleicher Tem- 
peratur gefroren sind, die eine plötzlich in ein geheiztes Zimmer bringt, 
die andere dagegen in einem kalten Zimmer allmälig aufthauen lässt. 
Meist wird letztere Pflanze am Leben bleiben, während erstere erfroren 
ist. Der Grund dieser Erscheinung liegt wohl darin, dass beim lang- 
samen Aufthauen das Protoplasma der Zellen das Wasser, welches durch 
die allmälig schmelzenden Eiskrystalle geliefert wird, ohne Nachtheil 
wieder in sich aufnehmen kann. Bei plötzlichem Erwärmen schmilzt 
dagegen das gebildete Eis rasch, die durch das Gefrieren sozusagen 
ausgetrockneten Zellen nehmen das entstehende Wasser zu schnell in 
sich auf, wodurch leicht Structurveränderungen innerhalb der Zellen 
stattfinden können, die den Tod herbeiführen. 

Mehrere praktische Verfahren, Pflanzen vor dem Erfrierungstod zu 
schützen, können geradezu als Belege für die Ansicht dienen, dass das 
Erfrieren meist durch ein zu schnelles Aufthauen herbeigeführt wird, 
und dass man die Pflanzen durch langsames Aufthauen am Leben er- 
halten kann. Gefrorener Kohl, Buben, Kartoffeln werden von Land- 
wirthen dadurch gesund erhalten, dass man sie auf Haufen wirft und 
dadurch ein schnelles Aufthauen verhindert. Dasselbe wird bezweckt, 
wenn man gefrorene Aepfel, Gemüse etc. in eiskaltes Wasser bringt. 
Gärtner retten oft im Freien stehende gefrorene Pflanzen, indem sie 
auf dieselben durch Begiessen mit Wasser eine Eiskruste bilden, die 
zuerst schmelzen muss, bevor die Wärme in das Innere der Pflanze ein- 
dringen kann. In derselben Weise mag wohl der auf die Bosenstämm- 
chen geworfene Schnee die Pflanzen vor dem Erfrieren schützen. 

In gewissen Fällen wird der Tod sehr wahrscheinlich durch das 
Gefrieren selbst herbeigeführt. Es lässt sich nämlich denken, dass durch 
das Gefrieren bei sehr niederen Temperaturen den Zellen zu viel Wasser 
entzogen wird und in Folge dessen chemische Umsetzungen innerhalb 
der Zelle stattfinden, die den Tod derselben herbeiführen. Pflanzen, die 
bei — 5 ° gefroren, durch langsames Aufthauen am Leben erhalten wer- 
den können, sind z. B. oft unrettbar verloren, wenn man sie bei — 15° 
gefrieren lässt. 

Es kann unter ganz besonderen Umständen das Erfrieren, d. h. der 
Tod durch Kälte herbeigeführt werden, ohne dass ein Gefrieren voraus- 
ging. Wenn man z. B. zur Winterszeit in einem ungeheizten Zimmer 
Topfpflanzen am Fenster stehen hat und es scheint Morgens die Sonne 






15 






— 289 - 

auf dieselben, so verdunsten die rasch erwärmten Blätter viel Wasser. 
Die in der kalten nur langsam wann werdenden Erde befindlichen 
Wurzeln liefern nur wenig Wasser in den obererdigen Theil der Pflanze 
und es kann diese leicht durch dieses Missverhältniss zu Grunde gehen. 
Manche hierher gehörige Vorgänge, wie z. B. das Absterben tropischer 
Pflanzen, bei Temperaturen über ° sind in ihrem Wesen noch ziemlich 
unbekannt und bedürfen noch eingehender Untersuchungen. 



Jahrb. d. nas8. Ver. f. Nat. XXXI u. XXXII. 19 



Protocoll 



der 



20. Versammlung der Sectionen des Vereins für Naturkunde 

zu Limburg a. d. Lahn. 



Den 15. Juni 1878. 

Die Sitzung, welche in der Aula der höheren Bürgerschule statt- 
fand, begann nach Begrüssung der Versammlung durch Herrn Justizrath 
Hilf von Limburg, unter dem Vorsitze des wirklichen Geheimen Rathes 
v. De eben Excellenz von Bonn, mit den Vorträgen der Sections- 
vorsteher über die Thätigkeit der einzelnen Sectionen. 

Es berichtete zunächst der Ktfnigl. Landesgeologe, Herr Dr. Carl 
Koch von Wiesbaden, als Vorsteher der paläontologischen Section, 
sodann Herr Apotheker Dr. V i g e n e r von Biebrich als Vorsteher der 
botanischen Section und zuletzt Herr Professor Dr. K i r s c h b a u m von 
Wiesbaden als Vorsteher der zoologischen Section. 

Auf Vorschlag des letztgenannten Referenten ehrte sodann die Ver- 
sammlung das Andenken an das dem Vereine und speciell der zoolo- 
gischen Section durch den Tod entrissenen verdienstvollen Mitgliedes, 
des Herrn Professors S c h e n c k von Weilburg durch Erheben von den 
Sitzen. 

Zu der auf Freitag nach Pfingsten einstimmig in Biebrich a. Rh. 
beschlossenen nächstjährigen Versammlung ward Herr V i g e n e r mit 
dem Rechte der Cooptation als Geschäftsführer ernannt. 

Hierauf folgten die wissenschaftlichen Vorträge: 

Herr Dr. Letzerich aus Braunfels sprach über Krankheit er- 
regende Pilze. 

Herr Dr. Vigener aus Biebrich über das Keimen der Pflanzen. 

Herr Director Wer n her aus Limburg berichtete über das Vor- 
kommen der Diamanten in Südafrika. 



Herr wirklicher Geheime Rath v. Dechen besprach, unter Vorlage 
der neuen Generalstabskarte, das Basalt- und Trachytvorkommen des 
Westerwaldes und Rheingebietes, in Beziehung zu den tertiären Ab- 
lagerungen. 

Herr Geheime Rath Beyrich aus Berlin machte sodann Mitthei- 
lung über die Beziehungen der vulkanischen Thätigkeit in unseren 
Gegenden zu den vulkanischen Erscheinungen am Südabfalle der Alpen. 

Herr Landesgeologe Dr. Koch endlich berichtete über tertiäre und 
Diluvial-Kiesablagerungen des Mainzer Beckens und des Lahnthaies in 
der Umgegend von Limburg sowie über Löss ; letzterer Punkt veran- 
lasste den Vorsitzenden über Verbreitung sowie über Entstehung des 
Lösses. insbesondere nach der Ansicht des Freiherrn v. R i c h t h o v e n , 
einige Bemerkungen anzuknüpfen. 

Hierauf erfolgte Schluss der Versammlung. 

Die Schriftführer: 
Dr. Zimmermann und Ulrich. 



19* 



Protocoll 



der 



21. Versammlung der Sectionen des Vereins für Naturkunde 

zu Biebrich. 



Den 8. Juni 1879, Vormittags 9 1 /* Uhr. 

Auf Vorschlag des Herrn Apothekers Vi gen er, welcher die Ge- 
schäftsführung für die diesjährige Sectionsversammlung übernommen 
hatte, wurde Herr Geheime Hofrath Dr. Fresenius von Wiesbaden 
zum Vorsitzenden und der Unterzeichnete, Lehrer L e o n h a r d daselbst, 
zum Schriftführer ernannt. 

Nachdem der Vorsitzende die zahlreiche Versammlung begrüsst 
hatte, gedachte er des Verlustes, den der Verein durch den Tod eines 
seiner langjährigen Vorstandsmitglieder, des Herrn Professors Dr. Neu- 
bauer, erlitten und hob hervor, dass derselbe von allen, die ihn ge- 
kannt, als ausgezeichneter Charakter und tüchtiger Forscher geschätzt 
und geliebt wurde, der mit grossem Wissen die seltene Gabe verband, 
sich in neuen Fächern rasch zu orientiren, der als wahrer Jünger der 
Wissenschaft stets nach dem Idealen gestrebt und der in dem beson- 
deren Fache, dem er sich in den letzten Jahren vorzugsweise gewidmet, 
der Chemie des Weines, als eine Autorität ersten Banges gegolten habe, 
dessen früher Tod desshalb ein Verlust für die Wissenschaft sei. Die 
Versammlung ehrte das Andenken des Verstorbenen durch Erheben von 
den Sitzen. 

Bei der hierauf vorgenommenen Wahl der Sectionsvorsteher wurden 
die seitherigen wiedergewählt, mit Ausnahme des Herrn Bergmeisters 
Wenckenbach, an dessen Stelle Herr Bergrath Giebeler trat. 

Als Vorsteher für die verschiedenen Sectionen fungiren demnach 






— 293 

Herr Professor Dr. Kirschbaum für die zoologische, Herr Apotheker 
Eigener für die botanische, Herr Bergrath Giebeler für die minera- 
logische und endlich Herr Landesgeologe Dr. Koch für die paläon- 
tologische Section. 

Der Vorschlag des Herrn Vereinssecretärs, als Ort für die nächste 
Sectionsversammlung St. Goarshausen zu bestimmen, wurde einstimmig 
angenommen und zum Geschäftsführer Herr Director Hildenbrandt 
daselbst in Aussicht genommen. Die Bestimmung der Zeit, in welcher 
die Versammlung stattfinden soll, ob in der Pfingstwoche oder später, 
bleibt dem Vorstande überlassen. 

Die Reihe der wissenschaftlichen Vorträge eröffnete Herr Major 
Alexander v. Homeyer mit einem Vortrage über die Gruppe der 
Singvögel im Allgemeinen und über die Sänger im Besonderen. Die 
ganze Gruppe, gekennzeichnet durch den Singmuskelapparat, gehört zu 
der Hauptgruppe der Nesthocker, im Gegensatz zu der anderen Haupt- 
gruppe — der Nestflüchter. Nachdem der Redner hervorgehoben, dass 
trotz des genannten Apparats bei den rabenartigen Vögeln von Sanges- 
gabe nicht viel zu reden sei, ging er speciell zu der Gruppe der eigent- 
lichen Sänger über und kennzeichnete die Familien, welche sich inner- 
halb der engen Gruppe anatomisch mehr oder weniger scharf unter- 
scheiden, speciell biologisch je nach der Eigenthümlichkeit der Oert- 
lichkeit des bezüglichen Lebensaufenthaltes. 

Als erste Gruppe wurden die Erd- oder Edelsänger (Humicola) 
hingestellt, welche hauptsächlich auf dem bebuschten Boden ihrer Nah- 
rung nachgehen und diese vornehmlich von der Erde selbst auflesen. 
Die langen Tarsen ihrer Beine befähigen sie zum schnellen und ge- 
schickten Laufen. Hierher gehören die Nachtigall (Lusciola luscinia), 
der Sprosser (L. philomela), das Blau- und Rothkehlchen (L. suecia 
und L. rubecula), sowie der Wald- und Hausrothschwanz (Ruticilla 
phoenicurus und R. titys), wobei gleichzeitig bemerkt wurde, dass letz- 
tere Species erst seit 1811 von Nordafrika durch Spanien gehend, als 
europäischer Vogel betrachtet wird, der auch heute noch den Drang 
hat, sich weiter nordwärts zu schieben. 

Die sogenannten Grasmücken (Sylvia) rechnete Redner zur zweiten 
Gruppe. Die Vertreter derselben reihen sich in Bezug auf edle Körper- 
form und Gesangestüchtigkeit der Edelgruppe würdig an; vermöge 
ihrer kurzen Tarsen gehören sie aber nicht dem Boden, sondern dem 
eigentlichen Gebüsche an. Als Hauptrepräsentanten sind zu nennen: 
Der Meistersänger (S. orphea), die Gartengrasmücke (S. hortensis), der 






— 294 — 

Mönch (S. atricapiila), die Dorngrasmücke (S. cinera) und das Müller- 
chen (S. garrula). 

Eine Schwester dieser Gruppe und derselben sehr ähnlich, aber 
gekennzeichnet durch nackte Augenlider und staffeiförmigen Schwanz 
ist die dritte Gruppe, die Strauchsänger (Dumeticola), welche durch 
ihren lieblichen Gesang die wenig bewachsenen und bebuschten Felsen 
des Mittelmeergebiets auf das Angenehmste beleben. Der Gesang ist 
nicht so umfangreich, als bei den Mitgliedern der zweiten Gruppe, aber 
lieblich und zart. Wir nennen als hierher gehörend: den schwarzköpfigen 
Buschsänger (D. melanocephala), den Bardischen Buschsänger (D. Sarda) 
und den zu Ehren des Frankfurter Naturforschers Dr. Kupp eil ge- 
nannten Rüppell'schen Buschsänger (D. Küppelli). 

Zur vierten Gruppe gehören die Laubsänger (Phyllopneuste), durch- 
weg kleine, zarte, grüne Vögel, welche hauptsächlich die Laubkronen 
unserer Auenwaldungen bewohnen und theilweise die Fähigkeit haben, 
mit ihrer starken Stimme den Gesang anderer Vögel nachzuahmen, wess- 
halb sie den Namen Spötter erhielten. In erster Linie wäre hier der 
gelbe oder Gartenspötter (Ph. hypolais), der vielzüngige Spötter (Ph. 
polyglotta) und der Olivenspötter (Ph. olivetorum) zu nennen. 

Wenn schon die vorhergehende Gruppe wegen ihres Baues, nament- 
lich wegen des spitzen Schnabels und des seitwärts zusammengedrückten 
Kopfes und Leibes besonders geeignet ist zum Durchschlüpfen des Laub- 
dickichts, so ist dies bei der letzten Gruppe, den Bohrsängern (Cala- 
moherpe) noch viel mehr der Fall. Um diese Thierchen besonders ge- 
eignet zu ihrem Leben im Bohre zu machen, hat sie die Natur auf 
Kosten des Flugvermögens mit langen Beinen ausgestattet, so dass die- 
selben im Falle der Gefahr sich nicht viel aufs Fliegen einlassen, sun- 
dern das Weite durch schnelles Laufen und Klettern durch die Kohr- 
halme zu erreichen suchen. Wir haben es hier auch mit einigen guten 
Sängern zu thun, welche unsere Wiesen- und Wasserlandschaften früh 
Morgens mit Tagesanbruch und Abends mit Sonnenuntergang im Verein 
mit Fröschen und andern Wasserbewohnern auf das Eigenartigste be- 
leben. Der Drosselrohrsänger (C. turdoides), wie ferner der Sumpfrohr- 
sänger (C. palustris) und endlich der Schilfrohrsänger (C. phragmitis) 
verdienen hier genannt zu werden. Im engeren Anschluss und auch 
anatomisch und biologisch zu dieser Gruppe gehörig, wurden die Schwirr- 
sänger (Locustella) angeführt, welche durch ihre eigenartigen mono- 
tonen Schwirrgesänge auf das Eigenthümlichste das Schwirren der 
grossen Heuschrecken wiedergeben. 



295 






Zum Schlüsse erwähnte der Redner noch der Nachbargruppen, 
welche, wenn auch nicht zu den eigentlichen Sängern gehörend, durch 
ihre Gesänge Feld, Wald und Au vortheilhaft beleben, wie z. B. der 
auch im schneeigen Winter singende Zaunkönig (Troglodytes parvulus), 
die Goldhähnchen (Eegulus), die Steinschmätzer (Saxicolae), die Bach- 
stelze (Motacilla) und vor allen die den Wald und unsere Gärten be- 
lebenden Drosseln (Turdus) und die Lerchen (Alauda), die Sängerinnen 
des Feldes und die Beleberinnen des öden, sandigen Nadelholzgebietes. 

Den zweiten Vortrag hielt Herr Dr. H. Müller-Thu rgau, 
Vorstand der Versuchsstation in Geisenheim. Derselbe sprach über die 
Bedeutung des Stickstoffs für das Leben der Pflanzen. In erster Linie 
zeigte Vortragender, dass das Protoplasma der Zelle der eigentlich 
lebende Theil derselben ist und dass dasselbe bei der Theilung der 
Zellen sowie bei deren Wachsthum die Hauptrolle spielt. Sodann besprach 
er die chemische Zusammensetzung der Kohlenhydrate (Stärke, Zucker, 
(Vllulus.i, sowie des Protoplasmas resp. die dasselbe bildenden Eiweiss- 
Btoffe. Diese letzteren enthalten bekanntlich ausser den Elementen der 
Kohlenhydrate noch Stickstoff und geht also schon hieraus die hohe 
Bedeutung des Stickstoffs für das Leben der Pflanze hervor, da ohne 
dieses Element kein Eiweiss, also auch kein Protoplasma und somit 
kein Leben bestehen kann. 

Während man sicher weiss, dass die Kohlenhydrate nur in den 
grünen Theilen (Blättern) der Pflanzen unter dem Einfluss von Licht 
aus Kohlensäure und Wasser gebildet werden können, ist man über den 
Ort der Eiweissbildung noch im Ungewissen. Aus einer grossen Anzahl 
von Versuchen, die Vortragender zur Entscheidung dieser Frage unter- 
nommen, will er nur einige auswählen und im Anschluss an die obigen 
Betrachtungen mittheilen. 

Bekanntlich wurde durch genaue Versuche festgestellt, dass die 
Pflanze den freien Stickstoff der Atmosphäre sich nicht nutzbar machen 
kann, um aus Kohlenhydraten Eiweissstoffe herzustellen; sie kann den 
Stickstoff nur in gebundener Form als Ammoniak oder salpetersaures 
Salz verwenden, und zwar nimmt sie diese Salze durch die Wurzeln 
aus dem Boden auf. Wenn nun Eiweissbildung nur in den Blättern 
vor sich gehen könnte, so müssten die aus dem Boden aufgenommenen 
Stickstoffverbindungen zuerst in die Blätter wandern und die Wurzeln 
müssten alles zu ihrem Wachsthum nothwendige Eiweiss von dorther 
beziehen. 

In den Versuchen wurden in destillirtem Wasser junge Pflanzen 



296 — 

von Mais, Weinstock etc. gezogen. Zu einem bestimmten Zeitpunkte 
wurden bei allen Pflänzchen sämmtliche Wurzeln, bis auf zwei gleich 
grosse, entfernt und die Pflanzen so aufgestellt, dass die eine Wurzel 
in eine Nährstofflösung mit Stickstoff, die andere in eine solche ohne 
Stickstoff tauchte. 

Werden nun die Eiweissstoffe nur in den grünen obererdigen Theilen 
der Pflanze gebildet, so hat die Wurzel, welcher Stickstoff geboten 
wird, keinen Vortheil vor der andern ; das Wachstlium der beiden wird 
sich ziemlich gleich bleiben, weil für beide sowohl Kohlenhydrate als 
Eiweissstoff aus derselben Quelle, nämlich aus den Blättern, herwan- 
dern müssen. Können dagegen auch in den Zellen der Wurzeln aus 
Kohlenhydraten und unorganischen Stickstoffverbindungen Eiweissstoffe 
gebildet werden, so kann die in stickstoffhaltige Lösung tauchende Wurzel 
dies vielleicht durch eine erhöhte Wachsthumsenergie zeigen, da sie ja 
direct aus den in ihr befindlichen Kohlenhydraten Eiweiss herstellen 
und die Masse des vorhandenen Protoplasmas vermehren kann. 

Die Versuche zeigten nun, dass die in stickstoffhaltige Nährstoff- 
lösung getauchten Wurzeln bedeutend rascher wuchsen, als die in stick- 
stofffreier Lösung und namentlich die Anlage von Nebenwurzeln eine 
reichlichere war. Dasselbe Resultat ergaben Versuche, bei denen die 
Wurzeln in Töpfe mit ausgeglühtem und ausgewaschenem Sand hinein- 
wuchsen. Der eine Topf wurde mit stickstoffhaltiger, der andere mit 
stickstofffreier Nährlösung begossen. 

Es ist bei der grossen Zahl von Versuchen nicht denkbar, dass 
durch Zufall immer diejenige Wurzel in stickstoffhaltige Lösung kam, 
die vielleicht auch sonst schneller gewachsen sein würde; es wurden 
aber dennoch, um ein solches Eintreffen auszuschliessen, eine Reihe von 
Versuchen angestellt, in denen zuerst die eine Wurzel (a) in stickstoff- 
haltiger Lösung sich befand, die andere (b) in stickstofffreier. Nach 
zwei Tagen wurden die Zuwachse beider Wurzeln sammt denen ihrer 
Nebenwurzeln genau gemessen und nun die Wurzel a in stickstofffreie, 
die Wurzel b in stickstoffhaltige Lösung getaucht; nach zwei Tagen 
wurde wieder gemessen und die Lösungen gewechselt etc. Auch in diesen 
Versuchen zeigten immer die in stickstoffhaltiger Lösung befindlichen 
Wurzeln ein ausgiebigeres Wachstlium. 

Diese, sowie eine Reihe anderer Versuche machen es höchst wahr- 
scheinlich, dass auch in den Zellen der Wurzeln aus Kohlen- 
hydraten und unorganischen Stickstoffverbindungen 
Eiweissstoffe gebildet werden können, 






297 — 

Nach einer kurzen Pause wurden die Verhandlungen wieder auf- 
genommen und von Seiten der Sectionsvorsteher Bericht über die Thätig- 
keit der einzelnen Sectionen erstattet. Der Vorsteher der mineralogischen 
Section war nicht erschienen, wesshalb der Bericht über dieselbe 
unterblieb. 

Zunächst nahm Herr Professor Dr. Kirschbaum das Wort und 
hob hervor, dass in der zoologischen Section. wie auch früher, recht 
wacker gearbeitet wurde, obwohl für das diesjährige Jahrbuch keine 
grössere Arbeit druckfertig geworden wäre. 

Herr Apotheker Vi gen er theilt mit, dass von ihm im verflossenen 
Jahre drei für unser Gebiet neue Pflanzen aufgefunden worden seien, 
nämlich: Silene hirsuta (als Flüchtling), Solanum villosum und Equi- 
setum ramosissimum. Von mehreren seltenen Pflanzen wurden neue 
Standorte angegeben und darauf aufmerksam gemacht, dass in dem 
botanischen Gärtchen hinter dem Museumsgebäude dermalen über 300 
Species meist recht interessanter Pflanzen cultivirt würden, wofür Herrn 
Hofrath Lehr, der sich der Sache so warm angenommen, der Dank 
des Vereins gebühre. Zu erwähnen ist ferner noch, dass während des 
Sommers öfters Excursionen gemacht werden, und dass in den Abend- 
sitzungen des Vereins, die während der Wintermonate allwöchentlich 
stattfinden, häufig über botanische Gegenstände verhandelt wird. 

In Betreff der paläontologischen Section erwähnte Herr Landes- 
geologe Dr. Koch der bedeutenden Thätigkeit, welche Herr Dr. 0. 
Böttcher in Frankfurt a. M. entwickelt hat und besprach einige von 
dessen neueren, interessanten Forschungen. 

Nach Erledigung dieses geschäftlichen Theils folgten wieder wissen- 
schaftliche Vorträge. Zuerst sprach Herr Landesgeologe Dr. Koch 
über Veränderung der Flussläufe durch Erosion. Redner verbreitete sich 
über die Verhältnisse der Schichtenfolgen des Rhein- und Mainthaies, 
welche zwischen der Tertiärzeit und der Jetzwelt abgelagert wurden, 
wobei insbesondere des Rheindurchbruchs bei Bingen gedacht und ver- 
schiedene Profile als Bestätigung der vorgetragenen Anschauungen vor- 
geführt wurden. 

Unter Vorlegung einer grossen Anzahl Herbarien-Exemplare von 
Cinchona -Arten und einer über 120 Nummern starken Chinarinden- 
Sammlung hielt Herr Apotheker Vi gener einen Vortrag über „die 
Pflanzengattung Cinchona und die Chinarinden", in dem er zuvörderst 
die Wichtigkeit betonte, welche die Familie der Cinchonaceen nicht nur 
für die Botaniker, sondern auch für die Pharmacognosten habe, und 



— 298 — 

dass gerade diese Pflanzenfamilie für den Forschungseifer ein anziehen- 
des Feld gewesen sei, wie auch die betreffende Literatur zeige, die über 
1000 Publicationen aufzuweisen habe, unter denen die hervorragenden 
Arbeiten der berühmten Cinchonologen von Berger, Wedell und 
Howard und in der neuesten Zeit die Studien von Dr. 0. Kuntze 
ganz besonderer Erwähnung verdienten. Es folgten nun geschichtliche 
Notizen über die Cultur der Cinchonaceen, Mittheilungen über die geo- 
graphische Verbreitung derselben in ihrer eigentlichen Heimath, Süd- 
Amerika, sowie über die Cinchona-Culturen der Holländer auf Java und 
der Engländer am Himalaja. Die verschiedenen Arten wurden mit be- 
sonderer Berücksichtigung des Gehaltes an dem werthvollsten Alcaloid 
,, Chinin" mit einander verglichen und die Vorsehläge und Erfahrungen, 
die man behufs Vermehrung des Chiningehalts gemacht, erwähnt. Dann 
ging Redner näher auf die von Kuntze aufgestellten vier Hauptarten 
„Cinchona Weddelliana 0. Kuntze, C. Pavoniana 0. Ktze., C. Howar- 
diana 0. Ktze. und C. Pahudiana Howard ein und besprach die grosse 
Menge der Hybriden, welche wir bei Cinchona häufiger als die Stamm- 
formen antreffen. An der Hand von Herbarien-Exemplaren wurden dann 
die unterscheidenden Merkmale vorgeführt und ganz besonders der Bau 
der Blüthe und der Frucht erklärt. Zum Schluss sprach Vortragender 
den Wunsch aus, dass die auf Erfahrungen beruhenden Vorschläge 
Kuntze's, nach welchen gerade die Hybriden und besonders die un- 
regelmässigen Hybriden, d. h. solche durch Befruchtung einer Art mit 
Pollen eines Bastards entstandenen, die chininreichsten Binden lieferten, 
in den Culturen auf Java und am Himalaja befolgt werden und von 
bestem Erfolge begleitet sein möchten. Erzielt man chininreichere Binden, 
so wird selbstredend der Werth des Chinins fallen und so das hoch- 
wichtige Medicament auch in den Fieberherden der Tropen zur allge- 
meinen Anwendung kommen und hunderte von unbemittelten Kranken 
vom jähen Tode retten. 

Da die Zeit bereits ziemlich vorgeschritten und nach den Vorträgen 
noch eine Demonstration verschiedener optischer Instrumente in Aussicht 
genommen war, so war Herr Professor Dr. Kirschbaum genöthigt, 
seinen Vortrag über ,, Krokodilschädel" sehr zu kürzen, wesshalb nur 
das Wichtigste über den Bau desselben und die charakteristischen 
Unterscheidungsmerkmale bei den drei Arten, nämlich Krokodil, Alli- 
gator und Gavial, an den vorgelegten Schädeln demonstrirt werden 
konnte. 

Herr Optiker Hänsch aus Berlin hatte einen neuen Apparat zur 






- - 299 

Untersuchung auf Farbenblindheit, einen Polarisationsapparat und einige 
Mikroskope ausgestellt und gab die nöthigen Erläuterungen. Sämmt- 
ücho Instrumente fanden den Beifall der Versammlung. 

Nach Beendigung der ebenso interessanten als reichhaltigen Tages- 
ordnung wurde die Sitzung gegen 2 Uhr geschlossen, nachdem der 
Vorsitzende der Versammlung für die zahlreiche Betheiligung seinen 
Dank ausgesprochen hatte. 

Die für Montag den 9. Juni in Aussicht genommene Excursion 
nach Freienweinheim und den Gaualgesheimer-Kopf, musste der ungün- 
stigen Witterung wegen, unterbleiben. 

Leon h a r d. 



Jahresbericht, 



erstattet an die Generalversanimlunff am 22. Deeember 1877 



Professor Dr. Kirschbaum. 

Secretär des Vereins und Inspector des naturhistorischen Museums. 



Meine Herren! 

Ich habe Ihnen nach den Bestimmungen unserer Statuten zuerst 
über die Thätigkeit und die Verhältnisse unseres Vereins für Natur- 
kunde während des verflossenen Jahres, des 48. seit seiner Gründung, 
zu berichten. 

Von unserem Jahrbuch, Jahrgang XXIX/XXX ist der Druck be- 
endigt und wird dasselbe demnächst in ihre Hände gelangen. Es ent- 
hält, 31 Bogen stark, ausser den bereits namhaft gemachten Arbeiten, 
namentlich der 358 Seiten starken Arbeit des Herrn Hauptmann z. D. 
Dr. v. Heyden über die Käfer von Nassau und Frankfurt, die Analyse 
der warmen Quelle zu Assmannshausen von Herrn Geheimen Hofrath 
Dr. Fresenius und Vereinsnachrichten. 

Die wissenschaftlichen Abendsitzungen sind im letzten Winter bis 
Ende Mai regelmässig wöchentlich fortgeführt, von da an während des 
Sommers nur an jedem ersten Freitag des Monats, vom October an 
wieder wöchentlich gehalten worden. Ein sehr reiches Material natur- 
wissenschaftlicher Gegenstände ist in denselben zur Verhandlung ge- 
kommen und sind die zahlreichen Besucher sehr befriedigt durch die- 
selben gewesen. Die ungezwungene Form der Versammlungen hat wesent- 
lich beigetragen, sie beliebt zu machen und werden dieselben in der 
bisherigen Weise auch ferner Freitag Abends 8 Uhr in einem der 
kleineren Säle des Casinogebäudes abgehalten werden. 



301 — 

Die Mittwochsvorträge im Museumssaale sind durch Herrn Dr. II. 
Fresenius fortgesetzt worden, der an mehreren Abenden die Flamme 
und ihr Wesen behandelte und durch zahlreiche Experimente erläuterte, 
sowie durch Herrn Major v. Homeyer zu Mainz, der über die Cuanzo- 
Expedition in Westafrika sprach, deren Leiter er gewesen. Auch im 
laufenden Winter werden dieselben stattfinden und zunächst Herr Landes- 
geologe Dr. Koch am 9. Januar das Leben im Mainzer Tertiärmeer 
und auf dessen continentaler Umgebung behandeln. Weitere Vorträge 
sind bis jetzt zugesagt von den Herren Dr. med. v. Hoff mann, 
Apotheker Neuss, Professor Dr. Neubauer, Apotheker V i g e n e r 
und m i r. 

Die für Homburg anberaumte Versammlung der Sectionen des 
Vereins für 1876 konnte, da der in Diez dafür bestimmte Tag nicht 
zweckmässig gewählt war, nicht wie bestimmt war, abgehalten werden; 
sie wurde desshalb in diesem Jahre am 13. Mai nachgeholt. Der um- 
sichtigen Leitung des dafür ernannten Comite's, bestehend aus den 
Herren Curdirector Schultz-Leitershofen, Polizeidirector Schaff- 
ner, Oberförster Freiherr v. Huene, Geheime Sanitätsrath Dr. Fried- 
lieb und Gas- und Wasserdirector Trapp, ist es wesentlich zu danken, 
dass sie, die erste, die in dieser früher nicht zum Gebiet des nassauischen 
Vereins gehörenden Stadt gehalten wurde, so wohl gelungen war, dass 
wir wohl bald wieder in Homburg uns versammeln werden. 

Die 19. Versammlung der Sectionen fand am 14. October zu 
Rüdesheim unter dem Vorsitz des Vereinsdirectors Herrn Regierungs- 
präsidenten v. Wurmb statt und hatte wieder wie bei der von 1871 
Herr Landrath Fonck die Geschäftsführung übernommen. Sie war recht 
zahlreich besucht und verlief ebenfalls in der allerbefriedigendsten Weise. 

Für das nächste Jahr ist Limburg gewählt und als Termin 
Donnerstag nach Pfingsten bestimmt. 

Geschenke erhielt das Museum im Jahre 1877: 

Von Herrn Regierungsrath v. Reichen au Pernis apicorus Lim. 9, 
Wespenbussard. 

Von Herrn Oberlieutenant a. D. v. Marillac Pica caudata L. cf 
ad., Elster, und Picuncanus L. cf, Grauspecht; ferner Ortygometra 
Porzana L., punktirtes Rohrhuhn, Schierstein. 

Von Herrn Verlagsbuchhändler Bischkopff Amadina striata var. 
alba, weisses japanisches Mövchen und Platycercus haematonotus Gould., 
Siegsittich. Neuholland. 



- 802 — 

Von der städtischen C u rli aus -Di rec tion Cygnus plutonia 
Sh., schwarzer Schwan und Cygnus Olor L. sp. juv., Höcker-Schwan. 

Von Herrn P h. Kunz dahier ein abnormes Hühnerei. 

Von Herrn Th. Groehde Mineralien aus der Mammuthshöhle in 
Kentucky nebst einem augenlosen Fisch und Krebs. 

Vom Gymnasiasten v. Grass verkieseltes Holz. 

Von Herrn Premier-Lieutenant L e h r zu Celle Versteinerungen 
aus der Gegend von Metz. 

Von Herrn Apotheker Neuss Mucanna prariens und einige andere 
Präparate. 

Ausserdem erhielten wir lediglich g&g^n Ersatz der Auslagen (circa 
• r )0 Mk.) von Herrn Bildhauer Thomas zu Berlin: Siehe f. S. 



Angekauft wurden im Jahre 1877: Von den Herren Frank 
und Gr. Schneider: 

I. Säugethiere: 

Cuscus maculatus, Neu-Guinea. 

Dercopsis Mülleri, Neu-Guinea. 

Centeies ecaudatus Illig. und Scelett, Mauritius. 

Otospermophilus Bercheyi, Californien. 

II. Vögel: 

Platycercus personatus, Fidschi-Inseln. 
Otis aurita cT, Indien. 

Ptilorhynchus Cuccoides Temm., Neu-Guinea. 
Carpophaga Pinon ri\ Arve-Inseln. 
Chrysoena Victor cT et 9, Fidschi-Inseln. 
Chrysoena luteovirens cf, Fidschi-Inseln. 
Columba (Goura) Victoria, Neu-Guinea. 
Acryllium vulturinum cf, Afrika. 
Anas hyperboreus Pall., Californien. 
Pica Nuttalli And., Californien. 

III. Reptilien: 

Macrochelys Temminckii Gray, Mississippi. 

In Weingeist: 
Menopoma alleghaniensis Hartl. Pennsylvanien. 
Siren lacertina, S. Karolina. 
Monobranchus lateralis Say. Mississippi. 






Boa 



IV. Conchylien: 

Ungefähr 200 Stück aus Mauritius, aus Californieri und vom 

Kaukasus. 

Y. Insekten: 

Eine Suite aus Japan. 

V I . C r u s t a c e e n : 

-i Species von der Insel Mauritius. 

VII. Radiaten: 

5 Species vod der Insel Mauritius. 

VIII. Kurallen: 

ca. 8 Species. 

IX. Gyps- Abgüsse von Bildhauer Thomas zu Berlin: 

Statue des Gorilla, Troglodytes Gorilla, West -Afrika. 
Büste des Orang-utan, Simia satyrus, nebst 2 Händen und 

1 Fuss, Borneo. 

Büste des Chimpansen „Molly", Troglodytes niger 9, nebst 

2 Händen und 2 Füssen, West -Afrika. 

Büste des Chimpansen „Pauline", Troglodytes niger 9, nebst 
1 Hand und 1 Fuss. 

Aufgestellt wurden: 

Eine Anzahl als Geschenke eingegangener einheimischer Vögel. 

Die in 1876 angekauften Säugethiere *) und Vögel. 

Revision der Museums-Sammlungen der höh. Thiere; 

desgleichen der Insekten-Sammlungen ; 

desgleichen der Weingeist-Sammlungen ; 

der Fische, Reptilien und Crustaceen. 

Die in diesem Jahre angekauften Korallen und Crustaceen. 

Unsere Schriftentauschverbindungen haben sich wieder erweitert. 
Hinzugekommen sind: 

der naturwissenschaftliche Verein zu Aussig, 

das mährische Gewerbe-Museum zu B r ü n n , 

die Academv of Natural Sciences zu Davonport, Jowa, 



N ) Lichanotus Indri Illig., Madagascar. Moschus moschiferus L., Tibet. 






— 304 — 

der k. mathematisch-physicalische Salon zu Dresden. 

die naturforschende Gesellschaft zu Leipzig, 

der Verein für Naturkunde in Oesterreich oh der Euns zu Linz. 

der Director of the Mint zu Washington. 

Die Gresammtzahl dieser Verbindungen beträgt jetzt 274. 

Als Geschenke für unsere Bibliothek sind Schriften eingegangen 
von den Herren : Dr. B ö 1 1 g e r zu Frankfurt, Dr. Drechsler zu 
Dresden, Dr. Hüll zu Albany, Dr. Ha y den, U. St. Geologist zu 
Washington, Dr. Koch, Landesgeologe zu Wiesbaden, Dr. Müller, 
Professor zu Münden. 

Ausserdem erhielten wir heute von Herrn v. Barr an de in Prag 
eine Fortsetzung seines so überaus werthvollen Werkes über das siluriska 
System Böhmens. 

Von wirklichen Mitgliedern sind dem Verein seit der letzten General- 
versammlung durch Sterbfall entrissen worden: 

Herr Backer, Lehrer, zu St. Goarshausen. 

» Beyer, Forstmeister a. D., zu Mittelheim. 

» Bertrand, Medicinalassessor, zu Langenschwalbach. 

» Dr. Haas, Obermedicinalrath. zu Wiesbaden. 

» Lade, Oscar, zu Geisenheim. 

» Martin, Schreinermeister, zu Wiesbaden. 

» Müller, Fr., Hoflieferant, zu Eltville. 

» Nadouceur, Major a. D., zu Diez. 

» Dr. Pagen Stecher, Arzt, zu Soden. 

» Philippi, Hofschlosser, zu Wiesbaden. 

» Schuh mann, Apotheker, zu Weilburg. 

» Stahl, Schulinspector, zu Eschborn. 

» Vietor, Bergrath, zu Neuwied. 

» Will, Geheime Rath, zu Homburg. 

» v. Zangen, Forstmeister, zu Battenberg. 

Ausgetreten sind: 

Herr Adler, Consul, zu Frankfurt. 

» Barth, Assessor, zu Diez. 

» Dr. Bau mann, Arzt, zu Schlangenbad. 

» Becker, Kentier, zu Wiesbaden. 

» Drexel, Hütteningenieur, zu Braubach. 

» Freudenberg, Kentier, zu Wiesbaden. 






— 305 — 

Herr Friede mann, Amtsgerichtssecretär, zu Höchst. 

» Dr. Genth, Arzt, zu Wiesbaden. 

» Geis, Lehrer, zu Ems. 

» Greiss, Buchdruckereibesitzer, zu Wiesbaden. 

» H a n i e 1 , zu Düsseldorf. 

» Heu sing, Verwalter, zu Wellmich. 

» Holz, Director der Adolphshütte, zu Dillenburg. 

» Dr. Kuhn, Schulinspector, zu Wiesbaden. 

» Langhans, Hüttendirector, zu Höchst. 

» L u n z , zu Sterkrade. 

» M e n c k e , Oberförster, zu Wasselnheim. 

» Müller, Bernhard, zu Eltville. 

» Riehl, Hausverwalter, zu Schlangenbad. 

» Schelle nberg, Geh. Finanzrath, zu Münster. 

» St oll, Major, zu Diez. 

Eingetreten sind: 

Herr Baldus, Steuerinspector, zu Eüdesheim. 

» Becker, G., Botaniker, zu Bonn. 

» Bergeat, Assistent am chemischen Laboratorium, zu Wies- 
baden. 

» Dr. Berle, F., Banquier, zu Wiesbaden. 

» Dr. Bertkau, Privatdocent, zu Bonn. 

» v. Bertouch, Kammerherr und Regierungsrath, zu Wies- 
baden. 

» Bim ler, Kaufmann, zu Wiesbaden. 

» Dr. med. v. Bodemeyer, zu Wiesbaden. 

» Bott, Bürgermeister, zu Eltville. 

» Brömme, Fr., Rentier, zu Wiesbaden. 

» Bücher, Kreisgerichtsrath a. D., zu Wiesbaden. 

» Crass, Bürgermeister, zu Erbach. 

» Czech, Fürstlich Metternich'scher Inspector, zu Schloss 
Johannisberg. 

» Dietrich, J. B., Schaumweinfabrikant, zu Rüdesheim. 

» Effel berger, Lehrer der höh. Bürgerschule, zu Wiesbaden. 

» Eisenkopf, Lehrer der Vorbereitungsschule, zu Wiesbaden. 

» Fievet, Gutsbesitzer auf Keltershausen bei Ehrenbreitstein. 

» Dr. med. Fried lieb, Geheimer Sanitätsrath, zu Homburg. 
Geisenhayner, Gymnasiallehrer, zu Kreuznach. 



Jahrb. d. nass. Ver. f. Nat. XXXI u. XXXIJ. 



20 



— 306 — 

Herr Griebe ler, Lieutenant im rheinischen Jägerbataillon, zu 
Zabern. 

» Herber, Hauptmann a. D., zu Wiesbaden. 

» Dr. med. v. Hoffmann, Arzt, zu Wiesbaden. 

» Dr. Hofs, Hof-Intendant, zu Erbach. 

» Hopmann, Kreisgerichtsdirector, zu Wiesbaden. 

» Freiherr v. Huene, Oberförster, zu Homburg. 

» Jung, Steph., Weinhändler, zu Rüdesheim. 

» Kilian, Lehrer der höh. Töchterschule, zu Wiesbaden. 

» Kirchhof er, Rentier, zu Wiesbaden. 

» Kopp, Rud., Fabrikant, zu Oestrich. 

» Krayer, Maschinenfabrikant, zu Johannisberg. 

» Dr. Freiherr v. P e 1 s e r - B e r e n s b e r g , zu Wiesbaden. 

» Freiherr v. Ritter, Carl, zu Rüdesheim. 

» Saalmüller, Oberstlieutenant a. D., zu Frankfurt. 

» Schaffner, Polizeidirector, zu Homburg. 1 

» Schlichter, Oberamtsrichter, zu Eltville. I 

» Dr. med. Scheidt, zu Homburg. I 

» Schmitthenner, Oberlehrer, zu Wiesbaden. 

» Schnabel, Hugo, Rentner, zu Wiesbaden. 

» Seh nie wind, Steuerrath a. D., zu Wiesbaden. 

» Schultz-Leitershofen, Curdirector, zu Homburg. 

» St eng, Optiker, zu Homburg. 

» Freiherr v. Swaine, zu Wiesbaden. 

» v. Thompson, Oberst, zu Wiesbaden. 

» Trinius, Rentier, zu Wiesbaden. 

» Freiherr v. Wangenheim, Hauptmann, zu Homburg. 

Durch diese Aenderungen stellt sich die Zahl unserer dermaligen 
wirklichen Mitglieder auf 386. 






Verhandlungen 



der 



Generalversammlung am 22. December 1877, Abends 6 Uhr. 



Nach Eröffnung der Generalversammlung durch den Herrn Ver- 
einsdirector trug der Secretär des Vereins und Museums-Inspector 
Dr. Kirschbaum den Jahresbericht vor. Hierauf folgten die Be- 
richte der Sectionsvorsteher. Auf Antrag des Herrn Begierungsrath 
Sartorius wurde der bisherige Vorstand einstimmig wieder gewählt. 

Den Vorstand bilden demnach: 

Herr Regierungspräsident v. Wurmb, Director. 
» Professor und Museumsinspector Dr. Kirschbaum, Secretär 

des Vereins und Vorsteher der zoologischen Section. 
» Hofrath Lehr, ökonomischer Commissär. 
» Kechnungsrath Petsch, Cassirer und Eechner. 
» Professor Dr. Neubauer. 
» Geheime Bergrath Odern heime r. 
» Landesgeologe Dr. Koch, Vorsteher der paläontologischen 

Section. 
» Apotheker Vigener, Vorsteher der botanischen Section. 
» Bergmeister Wenckenbach, Vorsteher der mineralogischen 

Section. 

Darauf folgte ein Vortrag des Herrn Landesgeologen Dr. Koch 
über geologische Kartirung in ihren Principien, Zwecken und gegebenen 
Mitteln. 



20* 






Jahresbericht, 



erstattet an die Generalversammlung am 21. December 1878 






Professor Dr. Kirschbaum, 

Secretär des Vereins und Inspector des naturhistorischen Museums. 



Meine Herren! 

Den Statuten unseres Vereins entsprechend ist der Bericht über 
die Thätigkeit und die Verhältnisse unseres Vereins für Naturkunde 
während des verflossenen Jahres, des 49. seit seiner Gründung, der 
Gegenstand meiner Worte. 

Da mit dem Schluss des nächsten 50. Jahres das erste halbe Jahr- 
hundert des Bestehens unseres Vereins seinen Abschluss erreicht, so 
liegt es in unserer Absicht, diesen Zeitpunkt durch eine Semisäcular- 
feier festlich zu begehen und werden wir im bevorstehenden Frühjahr 
die nöthigen Vorkehrungen hierzu berathen und in's Werk setzen. 
Namentlich gedenken wir den nächsteil Jahrgang unserer Jahrbücher 
als Festschrift erscheinen zu lassen und fordern hiermit zu recht reichen 
Beiträgen dazu auf. Zugesagt sind uns bereits ausser anderem eine 
Anzahl von Quellenanalysen von Herrn Geheimen Hofrath Dr. Fre- 
senius und eine grössere zoologisch-paläontologische Arbeit von Herrn 
Landesgeologen Dr. Koch. 

Die wissenschaftlichen Freitagssitzungen des Vereins haben wieder 
ein sehr bedeutendes Material von naturwissenschaftlichen Gegenständen 
zur Verhandlung gebracht, zahlreichen Besuch gefunden und recht be- 
lebte Discussionen veranlasst. Sie haben im vorigen Winter bis Ende 
. April fortgedauert und sind in diesem mit dem 1. November wiedep 
begonnen worden. Im Sommer wurden sie durch sehr besuchte natur- 






309 



wissenschaftliche Excursionen ersetzt. So haben sich diese Anfangs nur 
jrersuchsweise unternommenen A.bendsitzungen als' die Zwecke unseres 
Vereins wesentlich fördernd bewiesen und es hat zu ihrem Gedeihen 
die ungezwungene Form derselben wesentlich mitgewirkt. 

Die Mittwochsvorträge im Museumssaale haben in ausgedehnterer 
Weise als in den letzten Wintern stattgefunden. Es haben die Herren 
Landesgeologe Dr. K o c h über das Leben im Mainzer Tertiärmeer und 
auf dessen continentaler Umgebung, Herr Dr. med. v. Hoff mann 
über das menschliche Stimmorgan mit besonderer Beziehung auf Gesang, 
Herr Landesgeologe Dr. Koch über Skizzen aus der Baukunst der 
Thiere, Herr Apotheker Neuss über einige für das praktische Leben 
wichtige Pflanzen- und Thierstoffe (Conserven, Arzneien und Riech- 
stoffe), Herr Professor Dr. Neubauer über Weinverbesserung und 
Weinverfälschung, Herr Dr. Cavet über Pflanzenwachsthum und Pflan- 
Benbewegung und Herr Apotheker Vigener über Physiognomik der 
Pflanzen mit besonderer Berücksichtigung der Kryptogamen gesprochen 
und ihre Mittheilungen durch vortreffliche Demonstrationen begleitet. 
Auch für diesen Winter sind wieder eine Anzahl interessanter Vorträge 
in Aussicht gestellt, die bald nach Neujahr beginnen werden. 

Die 20. Versammlung der Sectionen unseres Vereins fand unter 
der trefflichen Geschäftsführung der Herren Justizrath Hilf, Berg- 
assessor Giesler und Bergmeisterei -Accessist a. D. Stipp ler am 
15. Juni in Limburg unter dem Vorsitz unseres langjährigen Ehren- 
mitgliedes, Herrn Geheimen Raths v. Dechen, Excellenz, statt und 
bot unter zahlreichem Besuch, namentlich auch von auswärts, recht 
reiche naturwissenschaftliche Mittheilungen dar. Eine grössere Excur- 
sion nach den Eislagern der Dornburg bei Hadamar, die für den fol- 
genden Tag in Aussicht genommen war, konnte wegen Ungunst der 
Witterung nicht ausgeführt werden. 

Die nächste Versammlung der Sectionen wird am 8. Juni des be- 
vorstehenden Jahres in Bie brich gehalten werden und hat Herr 
Apotheker Vigener die Geschäftsführung übernommen. 

Geschenke erhielt das naturhistorische Museum im Jahre 1878: 

Von Herrn Regierun gsrath v. Reich enau Falco Tinnunculus cT 
juv., Schierstein; Milvus niger 9, Schierstein und Mergus albellus d" 
Schierstein. 

Von Herrn Apotheker Cäsar in Catzenelnbogen Falco subbuteo 
L. cf , Catzenelnbogen. 



— 310 — 

Von Herrn Oberförster Flindt Strix Otus cT, Wiesbaden und 
Picus major L. 9. 

Von Herrn Regierungsrath v. Bertouch Strix flammea juv., Wies- 
baden. 

Von Herrn Hofrath Lehr Fringilla astrilda L. sp., Afrika. 

Von Herrn Oberlieutenant v. Marillac Picus canus Gmel. rf, 
Grünspecht. 

Von Herrn Oberforstmeistcr v. Grass ein Nest von der Goldamsel 
Oriolus Galbula L. 

Von Herrn Hofrath Lehr eine kloine Schildkröte. 

Von Herrn Oberlehrer Geselschap eine Anzahl Reptilien in 
Weingeist, Insecten u. s. w. von Java. 

Von Herrn Rentner Isenbeck 6 Species Coleopteren, 1 Crustacee. 

Von Herrn Mühlenbesitzer T h e i s s Pectunculus - Steinkerne von 
Bingerbrück. 

Von Herrn Kaufmann Herz Steinkohle mit Pflanzenabdrücken. 

Von Herrn Dr. Bischof Bauxit von Mühlbach bei Hadamar. 

Vom Verein für nass. Alte rthumsk und e eine exotische 
Frucht. 

Angekauft wurden im Jahre 1878: 

I. Säuget liiere: 

Habrocebus Diadema Renn. sp. Schleiermaki, Madagascar. 
Habrocebus lanatus Schreb. (Lemur laniger L. Gmel.), Avahi, 

Madagascar. 
Dendrolagus inustus Schleg. Müller, Wakera der Papuas, 

Neu-Guinea. 
Dasypus gigas Cuv., Riesen-Gürtelthier, Süd -Amerika. 
Manatus australis Tilesius. Manati, Seekuh, atlantischer Ocean. 
Dicranocerus fureifer H. Smith. Kabri. Nord -Amerika. 

IL Vögel: 

Paradisea rubra L. 9, Neu-Guinea. 

Gracula sp., Neu-Guinea. 

Domicella fuscata Blyth. cf et 9, Neu-Guinea. 

Psittacus niger L. (Carocopsis vaza Less.), Madagascar. 

Microglossus aterrimus Gmel., Neu-Guinea. 

Dasyptilus Pesqueti Lep., Neu-Guinea. 

Tanyseptera Carolinae, Neu-Guinea. 



— 311 — 

Musophaga gigantea, West-Afrika. 
Podargus papuensis, Neu-Guinea. 
Eemicophaps albifrons, Neu-Gninea. 

Guttora cristata, Afrika. 

Pucrasia Darvinii, China. 

Grus carunculata, Kafferland. 

Cereopsis Novae-Hollandiac Lath., Australien. 



I 






III. Reptilien: 

Gavialis gangeticus (Cranium), Ganges. 
(Zur Vergleichung ist der schon vorhandene Schädel des 
Flusskrokodils daneben gestellt.) 

IV. Fische (in Weingeist) : 

Polypteras Endlichen Hcckel., weisser Niel. 
Gymnarchus niloticus Cuv., weisser Niel. 
Malapterus electricus Harn., weisser Niel. 

Y. Conchylien: 

Namentlich eine Anzahl neuer Genera aus Ecuador. 

VI. Versteinerungen: 

Mastodon longirostris, Kaup., Eppelsheim. 
Dinotherium giganteum, Kaup., Eppelsheim. 
Carcharias megalodon, Kaup., Eppelsheim. 

Unsere Schriftentauschverbindungen sind wieder erweitert wor- 
den durch 

den Verein für Erdkunde zu Halle, 

den Verein für Naturkunde in Oesterreich ob der Enns zu Linz, 

die zoologische Section des westfälischen Provinzialvereins für 
Wissenschaft und Kunst zu Münster und 

die American Medical Association zu Washington, 
und hierdurch die Gesammtzahl der Schriftentauschverbindungen auf 
277 gestiegen. 

Von wirklichen Mitgliedern sind dem Verein seit der letzten General- 
versammlung durch Sterbfall entrissen worden: 

Herr Freiherr v. Bibra, Oberforstmeister, zu Wiesbaden. 
» Heinrich, Consistorialrath a. ü., zu Wiesbaden. 



— 312 — 

Herr Dr. med. Robert, Professor, zu Wiesbaden. 
Schniowind, Steuerrath, zu Wiesbaden. 
Snell, Pfarrer a. D., zu Reicheisheim. 
Weissgerber, Director, zu Giessen. 

Ihren Austritt haben erklärt: 

Herr Dr. Ahlemoyer, Kroisphysicus, zu Diez. 
» Bock, Generalmajor a. D., zu Cassel. 
» Engisch, Telegraphendirector, zu Aachen. 
» H a a s e n , Kaufmann, zu Wiesbaden. 
» Harr ach, Lehrer, zu St. Goarshausen. 
» Dr. Mandt, Arzt, zu Hadamar. 

» Freiherr v. Marillac, Ober-Lieutenant a. D., zu Schier- 
stein. 
» Müller, Reallehrer, zu Idstein. 
» Ohlenburger, Reallehrer a. D. , zu Idstein. 
» Quentel, Assessor a. D., zu Wiesbaden. 
» Varena, Kaufmann, zu Oberlahnstein. 

Eingetreten sind dagegen: 

Herr Dr. Angeibis zu Bonn. 

» Dr. med. Becker, zu Wiesbaden. 

» Colli in, Bürgermeister, zu Wiesbaden. 

» Dr. med. Cuntz, zu Wiesbaden. 

» Dr. Dietrich, Kreis- und Departements - Thierarzt , zu 

Wiesbaden. 

» Dr. Fleischer, Sanitätsrath a. D., zu Wiesbaden. 

» Geselschap, Oberlehrer, zu Wiesbaden. 

» Gräber, Commerzienrath, zu Wiesbaden. 

» Dr. med. Kranz, zu Wiesbaden. 

» Magdeburg, Rentmeister a. D., zu Wiesbaden. 

» Matthi essen, E. A., Rentier, zu Wiesbaden. 

» Maurer, zu Bendorf. 

» Mühl, Forstmeister, zu Wiesbaden. 

» v. Normann, Oberst a. D., zu Wiesbaden. 

» Dr. Paehler, Gymnasialdirector, zu Wiesbaden. 

» Ramsthal, Oberförsterei-Candidat, zu Wiesbaden. 

» Ritter, C, jun., zu Wiesbaden. 

» Dr. med. Runge, zu Nassau. 






— 313 






Herr Schellenberg, Hof-Buchdruckereibesitzer, zu Wiesbaden. 
» Schütz, Rentier, zu Wiesbaden. 
» Spiegelthal, Generalconsul a, I)., zu Wiesbaden. 
» Trombetta, C, Kaufmann, zu Limburg. 
» Voll mar, Consul a. D., zu Wiesbaden. 
» Wer n her, Director, zu Limburg. 
» Dr. med. Wibel, zu Wiesbaden. 
» Willi elmi, Apotheker, zu Nassau. 
» Winter, Oberstlieutenant, zu Wiesbaden. 
» Dr. med. Zinkeisen, Anstaltsarzt, Dietenmühle bei Wies- 
baden. 






Verhandlungen 



der 



Generalversammlung am 21. Docember 1878, Abends 6 Uhr. 






Nach Eröffnung der Generalversammlung durch den Herrn Vereins- 
director, Regierungspräsidenten v. W u r m b , erstattete der Museums- 
Inspector und Vereinssecretär Professor Dr. Kirschbaum den Jahres- 
bericht. Hierauf folgten die Berichte der Sectionsvorsteher Dr. Koch, 
Apotheker V i g e n e r und Dr. K i r s c h b a u m , sodann ein natur- 
wissenschaftlicher Vortrag von Herrn Apotheker Neuss über Nahrungs- 
und Genussmittel. 















Verhandlungen 

der 

Generalversammlung am 20. Decomber 1879, 

zugleich 

Jubiläumsfeier des 50jährigen Bestehens des Vereins. 



Der Vereinsdireetor, Herr Regierungspräsident von Wurm b, eröff- 
eete die Versammlung, begrüsste die zahlreich erschienenen Mitglieder 
und Freunde des Vereins und wies darauf hin, wie innerhalb der letzten 
50 Jahre sich ein grossartiger Aufschwung der Naturwissenschaften ent- 
wickelt habe, welcher der Gründung und Fortentwickelung des Vereins 
sehr zu Statten gekommen sei. In dem von Naturschätzen so reich ge- 
segneten Nassau sei ein günstiger Boden gegeben gewesen, auf welchem 
allzeit erfahrene Männer den Zwecken des Vereins in bester Weise ge- 
dient hätten. Einer von diesen — es wurde einer Anzahl der bereits 
verstorbenen, sowie der noch lebenden gedacht — sei der Museums- 
inspector und Vereinssecretär Herr Professor Dr. Kirschbaum ge- 
wesen, der nunmehr gerade 25 Jahre in dem Verein wirke und dem 
aus Anlass dieser Feier von Sr. Majestät dem Kaiser in Anbetracht 
seiner Verdienste der rothe Adlerorden 4. Classe verliehen worden sei, 
dessen Insignien er demselben überreichte. 

Hierauf erstattete Herr Professor Dr. Kirschbaum, welcher aus 
Anlass seiner 25 jährigen Thätigkeit im Nassauischen Verein für Natur- 
kunde von der Senkenberg'schen naturforschenden Gesellschaft in Frank- 
furt a. M. zu ihrem correspondirenden und von der Gesellschaft „Natura 
artis magistra" in Amsterdam zu ihrem Ehrenmitgliede ernannt worden 
war, einen Bericht über die 50 Jahre des Bestehens des Vereins, dem 
wir Folgendes entnehmen: 

Der Nassauische Verein für Naturkunde wurde gegen Ende des 
Jahres 1829 auf Anregung des Oberstallmeisters Freiherrn A n t o n von 



— 316 — 

Breidbach-Bürresheim gegründet und ihm der mittlere Stock des 
Museumsgebäudes zugewiesen. Als erster Director fungirte Herr Geh. 
Rath F. A. P. von A r n o 1 d i , während der damalige Chef des Medi- 
cinalwesens in den holländisch - ostindischen Colonien, Herr Dr. E. A. 
Fritze, sich besondere Verdienste um den jungen Verein erwarb, in- 
dem er die Sammlungen durch reiche Geschenke, namentlich aus dem 
Gebiete der Zoologie, vermehrte. Nach dem im Jahre 1839 erfolgten 
Tode beider Männer wurde Dr. Thomä als Secretär des Vereins und 
Director des Museums die Hauptkraft für das folgende Jahrzehnt, wäh- 
rend als Directoren des Vereins die Herren Freiherrn von Düngern 
und von Wintzingerode fungirten. Im Jahre 1847 wurde auf An- 
trag des Pharmaceuten Franz Rudio in Weilburg die Section für 
Zoologie, Botanik und Mineralogie gebildet, der sich später eine weitere 
für Paläontologie zugesellte. Durch die dazwischen eintretenden Stürme 
der Revolution wurde indess die erste Sectionsversammlung im Jahre 1849 
gehalten. Als im gleichen Jahre Dr. T h o m ä zum Director des land- 
wirtschaftlichen Instituts ernannt wurde, übernahm Herr Dr. Fr idolin 
Sandberger das Sekretariat und vereinigte im Jahre 1851 damit die 
Stellung des Museumsinspectors. Gegen Ende 1854 wurde nach der Be- 
rufung desselben nach Carlsruhe Professor Kirschbaum zum Museums- 
inspector ernannt und Präsident Faber ward Vereinsdirector. Ihm 
folgte 1857 Herr Rechnungskammerpräsident von Wintzingerode 
und nach seinem im Jahre 1864 erfolgten Tode ward Geh. Hofrath 
Dr. Fresenius zum Director gewählt, der dieses Amt bis zum Jahre 1874 
mit Auszeichnung bekleidete, wo er dasselbe wegen Arbeitsüberhäufung 
niederlegte und Regierungspräsident von Wurmb an seine Stelle trat. 
Der Nassauische Verein für Naturkunde steht, wie die mit ihm 
unter gleichem Dache vereinten Vereine für Alterthumskundo und der 
Kunstverein, nicht auf eigenen Füssen, sondern er erwirbt theils mit 
eigenen, theils mit Staatsmitteln, welch' letztere jetzt das Dreifache der 
ersteren botragen, für ein Museum, das nach der eventuellen Auflösung 
des Vereins als Landeseigenthum und als Ganzes unzertrennt Wiesbaden 
erhalten bleiben muss. Während die ersten Anfänge desselben einige 
fossile Knochen und die von Gerning'sche Insectensammlung bildeten, 
repräsentiren nach 50 Jahren die Sammlungen einen Werth von meh- 
reren Hunderttausend Mark und nehmen den ganzen mittleren Stock des 
Museumsgebäudes ein. Der überwiegend grösste Theil der Stücke ist 
von dem Conservator Herrn August Römer hergestellt, welcher sein 
Amt mit grosser Gewissenhaftigkeit und Geschick verwaltet. 



— 317 — 



Von den seit dem Jahre 1844 herausgegebenen Jahrbüchern sind 
bis jetzt 32 Hefte erschienen, welche Arbeiten aus den verschiedensten 
Gebieten der Naturwissenschaften enthalten. Der Verein steht mit 27f> 
Vereinen und Gesellschaften in Schriftenaustausch. 

Die statutarische Thätigkeit des Vereins für Anregung und Be- 
lebung des Sinnes für Naturwissenschaften wird durch die Mittwoch 
Abends im Museumssaale stattfindenden Wintervorträge für Herren und 
Damen repräsentirt, sowie durch die seit September 1876 im Winter- 
semester allwöchentlich im Casino abgehaltenen naturwissenschaftlichen 
Abendunterhaltungen, in welchen von Mitgliedern und Gästen meist 
kürzere Mitteilungen mit anschliessenden freien Discussionen und Demon- 
strationen gemacht werden. Für die Sommermonate treten an deren 
Stelle Exemtionen in die Nachbarschaft. — Die Zahl der Vereins- 
mitglieder beträgt dermalen 410. 

Auf diese Mittheilungen des Herrn Vereinssecretärs und Jubilars 
folgte die Ergänzungswahl des Vorstandes und ward von der General- 
versammlung die vom Vorstand getroffene Cooptation des Herrn Berg- 
raths Giebeler (als Vorstand der mineralogischen Section), sowie des 
Herrn Sanitätsraths Dr. Arnold Pagenstecher (an Stelle des ver- 
storbenen Professors Dr. Carl Neubauer) und des Herrn Dr. Hein- 
rich Fresenius (an Stelle des aus Gesundheitsrücksichten austretenden 
Oberbergraths Odernheime r) bestätigt. 

Die Reihe der Glückwünsche, die dem Vereine aus Anlass seiner 
Jubelfeier dargebracht wurden, eröffnete Herr Oberbürgermeister L a n z , 
der die Sympathien der Einwohner Wiesbadens für den Verein bekun- 
dete. Die Senkenberg'sche naturforschende Gesellschaft war durch Herrn 
Hauptmann von Hey den vertreten und Hess dem Verein durch 
diesen ihre Glückwünsche übermitteln. Der wirkliche Staatsrath Herr 
von Bulmerincq gratulirte im Namen der Dorpater Naturforscher- 
Gesellschaft und überreichte die geognostische Karte von Liv-, Esth- 
und Kurland nebst einem Bande Einläuterungen dazu von Professor 
Dr. C. Grewingk. — Desgleichen gratulirte der Offenbacher Verein 
durch einen Vertreter. Ausserdem waren von Vereinen und Gelehrten- 
Gesellschaften gegen 70 Glückwunschschreiben eingelaufen. 

Den Schluss der Feier bildete ein in diesem Jahrbuche abgedruckter 
Vortrag des Sanitätsraths Dr. Arnold Pagenstecher über Schlaf 
und Traum. 



318 



Uebersieht der Erwerbungen des Museums im Jahre 1879. 

An Geschenken erhielt das Museum im Jahre 1879: 

Von Herrn W. Nötzel dahier Ursus maritimus L. (Cranium) 
Eishär-Schädel. 

Von Herrn W. Cropp dahier Cervus sp. ? (Cranium) Hirsch- 
schädel, aus der Provinz Cordova in Süd -Amerika. 

Von Herrn Regierun gsrath v. Reichen au dahier Strix Otus L., 
Waldohreule und Ardea minuta L., Zwergrohrdommel. 

Von Herrn Gutsbesitzer H. v. Koppen dahier Anser segetum 
Gmel. Saatgans cf und 9, aus Westfalen. 

Von Herrn Hofrath Lehr Nest nebst Ei von Pyrrhula Serinus L., 
Girlitz. 

Von Herrn Generalarzt Dr. Stödtke dahier ein Vogelei von 
Java. 

Von Herrn Sanitätsrath Dr. Arnold Pagen Stecher dahier 
ein Glaskasten mit 22 Species einheimischer Schmetterlinge, sowie deren 
Eier, Raupen und Puppen zur Veranschaulichung ihrer Entwicklungs- 
geschichte. 

Von Herrn W. Giebel er, Lieutenant im rhein. Jägerbataillon 
No. 8, ein Glaskasten mit 52 Species Käfer aus der Umgegend von 
Zabern im Elsass. 

Von den Herren Dyckerhoff & Söhne zu Biebrich durch gütige 
Vermittelung des Herrn Bergrathes Giebeler dahier fossile Knochen 
aus dem Litorinellenkalke des Mühlthales bei Wiesbaden. 

Von Herrn Bergrath G i e b e 1 e r Septarien und Septarienthone mit 
Versteinerungen von Flörsheim und Spiriferensandstein mit Versteine- 
rungen von Niederwallmenach ; ferner Versteinerungen aus dem Dach- 
schiefer von Caub, dabei Orthoceras triangularis d'Arch. et Vera., 
welcher bisher von dieser Fundstelle nicht bekannt war. 

Von Herrn Bergverwalter Königsberger zu Diez durch gütige 
Vermittelung des Herrn Bergrathes Giebel er Versteinerungen aus 
dem Dachschiefer bei Diez. 

Von den Basaltbruchbesitzern Herren Stahlschmidt & Braun 
durch gütige Vermittelung des Herrn Stadt-Ingenieur Richter dahier 
Dendriten auf Basalt von Nieder-Ohmen. 

Von Herrn Professor Dr. F r i d o 1 i n S a n d b e r g e r zu Würzburg 
Equisitum arenaceum Jaeg. sp. Prachtstück aus dem Lettenkohlen-Sand- 






— 319 — 

stein von Estenfeld bei Würzburg und Ceratites semipartitus Gäill. von 
ausgezeichneter Erhaltung aus dem oberen Muschelkalke bei Würz- 
burg-. 

Durch Kauf wurden im Jahre 1879 erworben: 

I. Säugethiere: 

Macropus Billiardiari, Australien. 

II. Vögel: 

Hieraspiza (Astur) tinus Lath., Brasilien. 
Neomorpha gouldii Gray., Neu-Seeland. 
Cyanocorax affinis Pilz, Panama. 
Ampelis cincta Gray., San Paulo. 
Museivora meseicana Sei., San Paulo. 
Milvulus forficatus Sw., Mexiko. 
Ehamphoceles dimidiatus Cufr., Panama. 
Peristera Geoffroy Sw., Süd-Amerika. 
Phasianus Amlieristiae, Ära. 
Phasianus Reveesii, China. 
Otis Kori Burch. Sad., Afrika. 
Palamedea cornuta L., Süd- Amerika. 
Aptenodytes papua, Palklands-Inseln. 

III. Eine Collection Conchylien. 



Nekrolog. 



Am 2. Juni 1879 verlor der Nassauische Verein für Naturkunde 
ein Vorstandsmitglied, dessen Name weit über die Grenzen seines engeren 
Vaterlandes berühmt war, den 

Professor Dr. Carl Neubauer. 



Möge es mir gestattet sein, ein Blatt der Erinnerung an den be- 
deutenden Gelehrten in diese Jahrbücher niederzulegen. 

Carl Theodor Ludwig Neubauer wurde am 26. October 
1830, als Sohn eines Kaufmanns in Lüchow in Hannover, geboren, wo- 
selbst er auch seine erste Schulbildung erhielt. Später besuchte er das 
Gymnasium in Salzwedel und widmete sich nach Beendigung seiner 
Gymnasialstudien der Pharmacie. 

Seine Lehrzeit absolvirte Neubauer bei Herrn Apotheker Sandhagen 
in Lüchow, arbeitete dann als Gehülfe in der Apotheke des Herrn 
J. du Menü in Wormsdorf und vom Frühjahre 1852 an in der des 
Herrn Hildebrandt in Hannover. 

Noch als Apothekergehülfe thätig, gelang es ihm, eine von der 
Hagen-Buchholtz'schen Stiftung ausgeschriebene Preisaufgabe zu lösen 
und erhielt derselbe den ersten Preis. 

Wohl mag dieser Erfolg mit dazu beigetragen haben, dass Neu- 
bauer sich entschloss, fernerhin seine ganze Kraft der Wissenschaft zu 
widmen. 

Im Frühjahre 1853 trat derselbe als Assistent in das chemische 
Laboratorium des Herrn Professor Dr. Fresenius in Wiesbaden und 
unterstützte Letzteren als solcher beim Unterricht der Practikanten bis 
zum Frühjahre 185G. 

Von da an bis zum Schlüsse des Wintersemesters 1862 — 1863 



— 321 — 

war er zugleich Docent und von diesem Zeitpunkte bis zu seinem Hin- 

I scheiden nur Docent an diesem Laboratorium. 
Die Hauptvorträge, welche er hielt, waren über theoretische und 
organische Chemie, sowie Physik und vorübergehend Mineralogie, Phar- 
makognosie und pharmazeutische Chemie. 

Am 1. Juli 1856 trat Neubauer zugleich in den Staatsdienst, erst 
als Accessist, 1862 als Assessor am Herzoglich Nassauischen Finanz- 
collegium. In dieser Stellung hatte er ausser Anderem die Münzunter- 
suchung auszuführen. 1855 wurde er von der Universität Göttingen zum 
Doctor phil. promovirt, 1864 erhielt er den Titel Professor. Von 1855 
an trug er Chemie und Physik am landwirthschaftlichen Institut vor 
und zwar bis zu dessen Aufhebung im Jahre 1876. 

Längere Zeit hindurch war Neubauer Mitglied der Prüfungscom- 
mission der Aerzte und Apotheker, sowie Apotheker-Revisor und wurde 
im Sommersemester 1868 zum Director der neubegründeten landwirth- 
schaftlichen önologischen Versuchsstation ernannt, welche Stellung ihm 
ganz zusagte und ihm Veranlassung zu seinen interessanten und wich- 
tigen Arbeiten auf dem Gebiete der Chemie des "Weines gab. 

Mehrfache ehrenvolle Berufungen an Universitäten und landwirth- 
wirthschaftliche Academien sind an Neubauer ergangen; so 1864 als 
Professor der Pharmacie nach Erlangen, 1870 als Leiter der önologischen 
Versuchsstation zu Kloster Neuburg bei Wien, 1871 als Professor der 
Agricultur-Chemie nach Zürich, 1872 als Professor der physiologischen 
Chemie nach Tübingen. 

Er konnte sich aber nicht entschiiessen, einem dieser ehrenvollen 
Aufträge Folge zu leisten, und blieb dem Laboratorium und der Stadt 
treu, wo er seine bedeutenden Arbeiten ausgeführt hatte. 

Auch dem öffentlichen Leben widmete Neubauer seine freie Zeit 
und war immer dafür bemüht, das wirklich Wahre und Gute zu fördern 
und zu befestigen. 

Als Zeichen äusserer Anerkennung erhielt derselbe den rothen 
Adlerorden IV. Cl. und den kaiserl. russischen St. Annenorden III. Cl. 

Neuhauer Hess sich gern bereit finden, seine wissenschaftlichen 
Forschungen auch weiteren Kreisen zugänglich zu machen und haben 
auch die Mitglieder des Nassauischen Vereins für Naturkunde öfters 
Gelegenheit gehabt, sich an seinen klaren, dabei aber streng wissen- 
schaftlich gehaltenen Vorträgen zu erfreuen. 

Neuhauer verstand es im grössten Maasse, die wissenschaftlichen 
Errungenschaften in populärer Weise zum Ausdruck zu bringen und 

Jahrb. d. nass. Ver. f. Nat. XXXI u. XXXII. 21 



— 322 — 

war ein gern gesehener Redner bei landwirtschaftlichen Vereinen und 
bei Versammlungen von Weinproducenten und Weinhändlern. 

Die schriftstellerische Thätigkeit Neubauer's war eine sehr grosse. 
So sind von ihm erschienen: 

1 . Anleitung zur qualitativen und quantitativen Analyse des Harns. 
I. Auflage 1854; VII. Auflage 1876, C. W. Kreidel's Verlag. 
Uebersetzungen : In's Russische 1859 und 1875. In's Franzö- 
sische 1869 und 1877. Eine englische veranstaltete die Syden- 
ham-Society. 

2. lieber die Chemie des Weines. Drei Vorträge gehalten im Win- 
ter 1869/70 in Mainz, Oppenheim und Oestrich a, Rh. 1870. 
C. W. Kreidel's Verlag. Uebersetzungen: In's Italienische 1871. 
In's Ungarische 1873. In Amerika nachgedruckt. 

3. Berichterstattung über die Fortschritte der analytischen Chemie 
auf dem Gebiete der organischen, der physiologischen, patho- 
logischen und gerichtlichen Chemie. In Fresenius' Zeitschrift 
für analytische Chemie. 1. bis 18. Jahrgang 1862 — 1879. 

Von seinen 52*) Abhandlungen auf den verschiedensten Gebieten 
der Chemie mögen nur hier erwähnt werden: 

1. Chemische Untersuchung einiger Schalsteine des Herzogthums 
Nassau. Gemeinschaftlich mit A. Dollfus. Jahrb. d. Vereins f. 
Naturkunde im Herzogthum Nassau, Bd. X, pag. 49. 

2. Chemische Untersuchung über das Reifen der Trauben. Jahrb. 
d. Nassauischen Vereins f. Naturkunde, Bd. XXV und XXVI, 
pag. 381. 

3. Most- und Treberanlagen aus dem Jahre 1868. Jahrb. d. 
Nassauischen Vereins f. Naturkunde, Bd. XXV und XXVI, pag. 412. 
Studien über die Rothwein-Annalen d. Oenologie. 

4. Ueber die quantitative Bestimmung des Gerbstoffgehaltes der 
Eichenrinde. Zeitschr. f. analyt. Chemie, Bd. X, pag. 1. 

5. Die epochemachende Arbeit: Ueber das optische Verhalten ver- 
schiedener Weine und Moste, sowie über die Erkennung mit 
Traubenzucker gallisirter Weine. Zeitschr. f. analyt. Chemie, 
Bd. XV, pag. 188, Bd. XIV, pag. 201, Bd. XVII, pag. 321. 

6. Seine letzte Publication: Die Weinbohandlung in hygienischer 



*) Ein chronologisches Verzeichniss von Neubauer's literarischen Arbeiten 
befindet sich in Fresenius' Zeitschrift für analyt. Chemie, Bd. XIX. 






— 323 — 

Beziehung. Verhandlungen auf der sechsten Versammlung des 
deutschen Vereins für öffentliche Gesundheitspflege in Dresden 
am 7. September 1878. Deutsche Vierteljahrsschrift für öffent- 
liche Gesundheitspflege, Bd. XI, Heft 1. 

Neubauer war mit hoher Begeisterung und Treue seiner Wissen- 
schaft zugethan. Während semer vierwöchentlichen Krankheit äusserte 
er mehr wie ein Mal: „Wenn ich doch wieder arbeiten könnte". Er 
ahnte nicht, wie bald er sich von seiner Arbeit für immer ausruhen 
sollte. — Neubauer's Gewissenhaftigkeit bei seinen Arbeiten, seine 
strenge Objectivität bei der Beurtheilung fremder Leistungen, seine 
neidlose Anerkennung wissenschaftlichen Erfolges musste ihm die Herzen 
seiner Collegen und seiner Schüler zuführen. 

Sein Familienleben war das herzlichste und glücklichste. Durch 
seinen offenen und biederen Character, sein liebenswürdiges Entgegen- 
kommen und seine Ehrenhaftigkeit fühlte sich Jeder, der mit ihm in 
Berührung kam, zu ihm hingezogen. 

Mit Neubauer hat die Wissenschaft einen ihrer tüchtigsten Männer, 
der Nassauische Verein für Naturkunde eine hervorragende Kraft und 
seine vielen Freunde einen treuen Freund verloren. 

Mitten aus seiner erfolgreichen Thätigkeit wurde Neubauer hin- 
weggeführt und viele grossartigen Gedanken, welche in dem Kopfe dieses 
bedeutenden Mannes schlummerten, mussten mit ihm zu Grabe getragen 
werden. 

Neubauer's Name aber ist mit unauslöschlichen Lettern in die Ge- 
schichte der Naturwissenschaften eingetragen. 



Wiesbaden, im April 1880. 



Dr. Eugen Borgmann. 



[:-' , 



21* 






Dr. Carl Ludwig Kirschbaum 

und sein Wirken auf dem Gebiete der Naturwissenschaften, 
besonders in dem Vereine für Naturkunde. 



Nekrolog 



Dr. Carl Koch. 



Carl Ludwig Kirschbaum, geboren am 31. Januar 1812 
zu Usingen, war der älteste Sohn des in Weilburg verstorbenen Herzogl. 
Nassauischen Hofraths Kirschbaum, welcher damals in Usingen und 
später in' Eltville die Stelle eines Landoberschultheissen bekleidete. Zwei 
rechte Brüder, eine Schwester und ein Stiefbruder haben den verstor- 
benen älteren Bruder überlebt, obgleich dessen abgehärtete, fast niemals 
von Krankheiten alterirte Natur ihm ein längeres Dasein als die ver- 
lebten 68 Jahre in Aussicht stellte. Die Tage seiner Kindheit verflossen 
in Usingen, seine Knabenjahre bis in sein 13. Lebensjahr in Eltville 
am Rhein. Dort wurde er durch Privat-Unterricht vorbereitet zum Be- 
suche einer höheren Schule; dort lernte er in seiner freien Zeit zuerst 
die Schönheit der Natur und das Leben in derselben an den Ufern des 
Rheinstromes und in dem Eltviller Walde kennen, welcher, wie sich 
seine Zeitgenossen erinnern, ein Lieblingsaufenthalt für ihn geworden 
war; dort jagte er den Schmetterlingen nach, und begründete unter 
der Anleitung eines katholischen Geistlichen und seines Privatlehrers 
Feller die ersten Anfänge seiner entomologischen Sammlungen. 

Im Herbste 1824 brachte sein Vater ihn in das damalige Päda- 
gogium zu Wiesbaden, welches er nach anderthalb Jahren absolvirt 



325 — 



hatte, und danach an Osten) 1826 in das Gymnasium zu Weilburg 

aufgenommen wurde. Schon im Frühjahre 1830, nachdem er 18 Jahre 
alt war, bestand er die Maturitätsprüfung mit dem Prädicate Nr. 1 
(vorzüglich); auf Anregung des damaligen Gymnasial-Directors blieb er 
aber noch ein Jahr länger in Weilburg als Schüler der Prima, war 
aber von einer Anzahl Lehrstunden dispensirt und fand Verwendung 
als Lehrer an dem damals in Weilburg bestehenden Privatpädagogium. 

Kirschbaum hatte sich als Lebensberuf die Philologie erwählt, er 
widmete sich dem Gymnasiallehrerfache; unter seinen Lehrern in Weil- 
burg war aber einer, welcher damals schon, und noch mehr in späteren 
Jahren, Einfluss auf seinen künftigen Lebensberuf übte, indem er die 
Erinnerungen an den Eltviller Wald und das Leben in der Natur von 
Neuem in dem strebsamen Jünglinge auffrischte. Dieser Lehrer war 
das vor ihm dahingegangene, rastlos thätige Mitglied unseres Vereins 
für Naturkunde, der allen Entomologen wohlbekannte, am 23. Februar 
1878 zu Weilburg in seinem 75. Lebensjahre verstorbene Professor 
Dr. Philipp Adolph Schenk. Dieser war damals Lehrer an dem erwähnten 
Privatpädagogium, hatte aber als Candidat den erkrankten Professor der 
Mathematik Pistor am Gymnasium zu vertreten; so kam es, dass Schenk 
vom Jahre 1825 bis zum Jahre 1828 Lehrer seines späteren Freundes 
und Fachgenossen war. Beide Freunde waren neben ihrer berufsgemässen 
philologischen Thätigkeit eifrige Forscher auf dem Gebiete der Zoologie 
und der Botanik ; beide Freunde waren rege, schaffende und anregende Mit- 
glieder unseres Vereins für Naturkunde, wie wir sie so oft nebeneinander 
sitzend in den heiteren Stunden unserer Sections- Versammlungen gesehen 
haben; beide Freunde kämpften den Kampf um das Leben gegen kör- 
perliche Störungen bis zu ihrem Ende; beide Freunde wurden im Zu- 
stande scheinbaren Wohlbefindens vom Schlage gerührt, und beide 
Freunde schieden drei Tage nach diesen Unfällen von dem Leben. 

Carl Ludwig Kirschbaum bezog an Ostern 1831 die Universität 
Göttingen, wo er 6 Semester studirte und Mitglied des philologischen 
Seminars wurde. Nachdem er am 23. August 1834 vor der damaligen 
Herzogl. Nassauischen Prüfungs-Commission das Staats-Examen in allen 
Gymnasial-Lehrfächern mit dem Prädicate Nr. 1 (vorzüglich) bestanden 
hatte, wurde er an der Anstalt, wo er als Gymnasiast seine erste Lehr- 
tätigkeit versuchte, dem damaligen Privat-Pädagogium in Weilburg, 
als Lehrer angestellt und war dort vom Herbste 1834 bis zum 1. Juli 
1837 thätig. Durch Decret vom 24. Juni 1837 erhielt er die Anstellung 
als Collaborator an dem Herzogl. Nassauischen Pädagogium zu Hadamar 



— 326 — 

und wurde in gleicher Eigenschaft am 1. Januar 1839 an das Gym- 
nasium zu Weilburg versetzt. Mit dem 1. Juli 1841 wurde er zum 
Conrector befördert, am 1. April 1845 als solcher an das damals neu 
gegründete Gymnasium zu Hadamar überwiesen, und von dort wurde 
er am 1. October 1846 von der Herzogl. Regierung an das Gymnasium 
zu Wiesbaden berufen, welchem er 33 1 J2 Jahre lang seine Kräfte bis 
zu seinem Tode gewidmet hat. 

Als Conrector in Wiesbaden verheirathete sich Carl Ludwig Kirsch- 
baum am 26. September 1848 mit Fräulein Hermine Panthel von Diez, 
welche als treue Gattin ihm stets zur Seite stand und ihm die von 
dem Leben Abschied nehmenden Augen zudrückte, wie er 7 Jahre vor- 
her seinem hoffnungsvollen Sohne Emil, welcher den ganzen Feldzug 
gegen Frankreich in der Königlich Preussischen Ambulance mitgemacht 
hatte und als Candidat der Mediän am 15. April 1873 in dem Eltern- 
hause sterben musste. Die anderen drei Kinder, zwei Töchter und ein 
Sohn, überlebten den Vater. 

Schon im Jahre 1839, mit seiner Versetzung von Hadamar an das 
Gymnasium zu Weilburg, wurde Kirschbaum Mitglied der wissenschaft- 
lichen Prüfungs-Commission für die Candidaten des höheren Lehramtes 
im Herzogthum Nassau; im Jahre 1845 legte er dieses Amt nieder, 
wurde aber 1847 wieder dazu berufen, und durch Herzogliches Decret 
vom 22. December 1848 zum Professor ernannt. Im Jahre 1854 wurde 
er gleichzeitig Mitglied der wissenschaftlichen Prüfungs-Commission für 
die Candidaten des Bergbaues, der Hüttenkunde und der Markscheide- 
kunst, sowie im Jahre 1862 Mitglied der Prüfungs-Commission für 
Forstwissenschaft, Medicin und Pharmacie. Mitglied dieser drei ver- 
schiedenen Prüfungs-Commissionen blieb er bis zum Jahre 1866, wo das 
Herzogthum Nassau an das Königreich Preussen fiel. Viele nassauische 
Beamte lernten Kirschbaum als Prüfungs-Commissär schätzen und achten, 
und dachten nicht ungern an die Zeit zurück, wo sie vor dem früheren 
Lehrer als Candidaten standen. 

Obgleich Kirschbaum während seiner Studienzeit in Göttingen sich 
vorzugsweise mit der classischen Philologie beschäftigt hatte und auch 
als Lehrer lange Zeit wesentlich den Unterricht der alten Sprachen in 
allen Classen ertheilt hatte, zog ihn sein Sinn für das Schöne und 
Grosse in der Natur immer mehr und mehr nach dieser Seite; nicht 
allein in dem synoptischen Theile dieser Wissenschaft wurde er immer 
mehr und mehr Meister, sondern auch das Leben der Thiere, deren 
Entwickelung und Gewohnheiten, wie ihre Eigenthümlichkeiten der 



— 327 



Lebensweise machte er sich zum Gegenstände besonderer Studien, und 
erwarb er sich auf diesem Gebiete bald einen Ruf als Meister und 
Kenner. Am 12. August 1843 trat Kirschbaum als Conrector in Weil- 
burg in den Verein für Naturkunde im Herzogtimm Nassau als wirk- 
liches Mitglied ein. Auf der Generalversammlung am 31. August 1847 
wurde er zum Chef der Zoologischen Section, welche damals aus 11 
Mitgliedern bestand, erwählt und erhielt damit statutenmässig Sitz und 
Stimme in dem Vorstande des Vereins. Diese Stelle als Sections-Chef 
behielt er bis zu seinem Tode, indem er bei jeder Neuwahl immer 
wieder gewählt worden ist. 

Im Jahre 1853 erschien in der Stettiner Entomologischen Zeitschrift 
seine erste literarische Arbeit, eine Zusammenstellung der in den Um- 
gebungen von Wiesbaden, Dillenburg und Weilburg aufgefundenen 
Sphegiden, und hat er bei der Bestimmung dieser vorher in den be- 
treffenden Gegenden noch w r enig beachteten Graswespen, Sandwespen 
und Kaupentödtern gezeigt, wie gründlich und eingehend er das vor- 
liegende Material zu behandeln wusste. Die dabei nothwendige Literatur 
und deren Kenntniss verdankte er dem als Entomologen ersten Hanges 
bekannten Senator Dr. Carl von Heyden in Frankfurt am Main. In 
demselben Jahre erschienen von Kirschbaum in unserem Jahrbuche des 
Vereins für Naturkunde unter der Ueberschrift ,, Entomologische Mis- 
cellen" verschiedene Mittheilungen über Unterscheidungsmerkmale und 
über das Vorkommen einiger noch wenig bekannten Glieder unserer 
Insectenfauna, welche den Beweis lieferten, wie eingehend und allseitig 
seine Kenntnisse auf diesem Gebiete waren, und dass es sehr zu be- 
klagen ist, dass sich Kirschbaum aus einer gewissen Bescheidenheit 
den studirten Fachmännern gegenüber nicht schon früher zu solchen 
literarischen Thätigkeiten hatte bestimmen lassen wollen. 

Zur Zeit, als der jetzige Professor Dr. Fridolin Sandberger in Würz- 
burg Inspector des Naturhistorischen Museums und Secretär des Vereins 
für Naturkunde in Wiesbaden war, fand er in Kirschbaum eine Stütze 
zur Hebung und Förderung der Vereins-Interessen; auf zahlreichen 
wissenschaftlichen Versammlungen lernten die Besucher derselben Kirsch- 
baum^ umfassende Kenntnisse auf den verschiedensten Gebieten der 
beschreibenden Naturwissenschaften nach und nach kennen und wahr- 
haft bewundern. 

Als im Jahre 1855 Dr. F. Sandberger einem ehrenvollen Eufe 
an das Polytechnikum in Karlsruhe folgte, w r urde Kirschbaum von Sr. 
Hoheit dem Herzog Adolph von Nassau unter Belassung in seinem Gym- 



— 328 — 

nasial-Lehramte zum Inspector des Naturhistorischen Museums und 

beständigen Secretär des Nassauischen Vereins für Naturkunde ernannt, 
welche Stellung er bis zu seinem Tode bekleidet hat. Hier entfaltete 
sich für ihn eine mannigfaltige Thätigkeit; hier wirkte er fördernd und 
aufmunternd; viele Veröffentlichungen von Seiten jüngerer Mitglieder 
des Vereins sind auf seine Veranlassung als werthvolle Beiträge in 
unsere Jahrbücher gekommen, und viele neue Mitglieder wurden durch 
sein auf allen Versammlungen bethätigtes Interesse für den Verein 
gewonnen. Aber auch die Bibliothek erhielt durch Kirschbaum^ Thätig- 
keit, durch sein Interesse an anderen wissenschaftlichen Gesellschaften 
reichlichen Zuwachs, indem er den Schriftenaustausch mit den meisten 
wissenschaftlichen Vereinen und Anstalten Deutschlands und anderer 
Länder diesseits und jenseits des Oceans vermittelte und ausbildete. 

Vorher betrachtete der Philologe sich, trotz seiner nach und nach 
erworbenen eingehenden Kenntnisse auf allen Gebieten der Naturwissen- 
schaft, als Autodidakt auf diesem Felde und übte daher die oben er- 
wähnte Bescheidenheit, welche ihn nur mit gewissem Widerstrehen zu 
irgend einer Veröffentlichung seiner Beobachtungen kommen liess; jetzt 
kam fr alier durch seine Stellung an dem Naturhistorischen Museum in 
Verbindung mit hervorragenden Fachgenossen verschiedener Länder und 
Nationen ; jetzt war ihm ein fruchtbringendes Feld, das zugleich seinen 
Neigungen entsprach, zur Bearbeitung erschlossen; er fühlte nach und 
nach selbst, dass er nicht nur Philologe, sondern dass er auf dein 
Gebiete der Zoologie nach und nach Fachmann und Meister ge- 
worden war; er überwand jetzt leichter das seitherige Widerstreben 
gegen Veröffentlichung seiner gemachten, interessanten Beobachtungen, 
und sein Name erhielt den wohlbekannten Klang bei allen Fachge- 
nossen des In- und Auslandes. Es würde an dieser Stelle keinen Zweck 
haben, alle die Namen kritischer Insectengenera, worüber Kirschbaum 
geschrieben hat, aufzuzählen; es waren circa 18 verschiedene grössere 
und kleinere Beiträge zur Kenntniss der einheimischen Fauna nebst 
grösseren Abhandlungen von ihm, welche unser gemeinschaftlicher Freund, 
Herr Dr. L. von Heyden, zusammengestellt hatte; dabei äusserte sich 
derselbe über seine Beschreibung der Capsulen, welche 1858 erschienen 
war, folgendermaassen : „Hiermit documentirte Kirschbaum auf das Glän- 
zendste seine Befähigung zur Bearbeitung schwieriger Insectcngruppen, 
und allein dieses Werk sicherte ihm den Ruf als einen der vorzüglichsten 
Kenner der Hemipteren ; für alle Zeiten ist Kirschbaum'* Name mit der 
Naturgeschichte und Art-Erkenntniss dieser Insectenordnung auf das 



— 329 



gngste verknüpft". — Diese vortreffliche Arbeit erschien zuerst anter 
dem bescheidenen Titel „Rhynchotographische Beiträge" in dem 10. Hefte 
des Jahrbuchs von unserem Verein für Naturkunde und erst 3 Jahre 
später, geeignet erweitert, als besonderes Werk unter dem oben ange- 
führten Titel, dasselbe sollte eigentlich und ursprünglich die erste Ab- 
theilung eines zusammengehörenden umfassenden Werkes über sämmt- 
liche Familien der Rhynchoten sein; das Material wuchs dem Forscher 
aber immer mehr und- mehr an, so dass der gründliche Kenner und 
Forscher seine Fülle von Wissen und Gedanken nicht mehr in der 
spärlichen Zeit zwischen seinen Berufsgeschäften zum Ganzen ordnen 
konnte, zumal auch auf anderen Gebieten der Zoologie das Bedürfniss 
nach Ausfüllung vorhandener Lücken in den Vordergrund trat. 

Säugethiere und Vögel, Reptilien und Fische des Vereinsgebietes 
unterwarf er der Revision nach den neuesten Bearbeitungen von Blasius, 
Siebold und Anderen. 

Im Jahre 1859 gab er in dem Programm des Gymnasiums Be- 
stimmungstal »eilen und Fundortsverzeichnisse der im Herzogthum Nassau 
vorkommenden Reptilien und Fische heraus. In dem 17. und 18. Heft 
der Jahrbücher unseres Vereins für Naturkunde erschien im Jahre 1865 
diese Arbeit wesentlich erweitert und fand die verdiente günstigste Auf- 
nahme bei den Zoologen, was im Jahre 1878 noch dadurch bestätigt 
wurde, dass die Königliche Regierung in den „Resultaten der Forst- 
verwaltung im Regierungsbezirk Wiesbaden, Abtheilung der Fischerei- 
Verhältnisse" die Bearbeitung der Fische durch Kirschbaum als Grund- 
lage für das Verzeichniss der vorkommenden Fischarten acceptirte. 

Im Jahre 1865, nachdem die oben erwähnte Bearbeitung der 
Capsulen unter den Männern der Wissenschaft allgemein bekannt ge- 
worden und zur Anerkennung gekommen war, erhielt Carl Ludwig 
Kirschbaum von der philosophischen Facultät der Universität Göttingen 
die Doctorwürde honoris causa. 

An den besonders in das Auge gefassten Rhynchoten arbeitete 
Kirschbaum mit der erwähnten Vorliebe weiter und brachte im Jahre 
1868, also 10 Jahre nach dem Erscheinen der ersten, eine zweite Ab- 
theilung des gedachten grösseren Werkes als ein für sich abgeschlossenes 
Ganze zur Veröffentlichung. Dieses Werk behandelt die Bhynchoten- 
Familie der Cicadinen; darin sind 371 deutsche Arten von Cicadinen 
unterschieden und beschrieben, worunter 172 Arten von Kirschbaum 
neu aufgestellt worden sind; er widmete dieses schöne Werk seinem 
wissenschaftlichen Freunde, dem Senator Dr. Carl von Heyden, und 



330 — 



jeder Entomologe erkannte darin wieder die umfassende Kenntniss des 
Autors in denjenigen Insectenabtheilungen, welche am schwierigsten zu 
unterscheiden sind, rühmend an. 

Kirschbaum^ Freunde brachten dessen Vorliebe zu den von anderen 
Forschern mehr vernachlässigten Khynchoten sowohl in ernsten wissen- 
schaftlichen Betrachtungen, wie auch in dem heiteren Scherze bei Tafel- 
reden vielfach zum geläufigen, wohlbekannten Ausdrucke; an maass- 
gebenden Stellen erkannte man aber auch das Verdienst, welches sich 
Kirschbaum um die Kenntniss einer in den Haushalt der Natur und damit 
in die Pflege der Forst- und Landwirtschaft so tief und nachhaltig- 
eingreifenden Insecten-Ordnung erworben hat, ehrend und lohnend an. 

Nachdem im Herbste 1874 Kirschbaum als Abgeordneter im Auf- 
trage des Reichskanzleramtes den Congres international viticole et sericole 
in Montpellier besucht hatte und im Frühjahre 1875 Mitglied der in 
Berlin versammelten Commission zur Untersuchung der Reblauskrankheit 
des Weinstockes gewesen, wurde er durch Erlass des Reichskanzler* 
amtes vom 1. August 1875 zum Sachverständigen für die Verhinderung 
der Einschleppung und eventuell Vertilgung der Phylloxera vastatrix 
in den rechtsrheinischen Weinbau-Gegenden des Königreichs Preussen 
ernannt. 

Als am 20. December 1879 der Nassauische Verein für Natur- 
kunde sein 50jähriges Jubiläum feierte, war Kirschbaum bereits 25 Jahre 
Museums-Inspector und Secretär des Vereins; er wurde auf Antrag des 
Vereins -Vorsitzenden, des Herrn Regierungs-Präsidenten von Wurmb, 
von Sr. Majestät dem Kaiser und König durch Verleihung des rothen 
Adlerordens IV. Classe ausgezeichnet; den vielfachen Ehrendiplomen, 
welche Kirschbaum von wissenschaftlichen Gesellschaften inne hatte, 
wurden noch zwei wesentliche Blätter von Amsterdam und Frankfurt 
am Main zugefügt und Kirschbaum wurde an diesem Tage von 23 Vereinen, 
deren Wirkliches, Correspondirendes oder Ehren-Mitglied er war, die 
Anerkennungen dargebracht. 

Kirschbaum war Ehren-Mitglied der Bayerischen Pollichia seit 1852, 
der Koninglyk zoologisch Genootschap in Amsterdam seit 1879 und 
des Vereins Nassauischer Bienenzüchter seit 1870; er war Correspon- 
direndes Mitglied von dem Naturwissenschaftlichen Verein in Hamburg 
seit 1856, der Wetterauischen Gesellschaft für die gesammte Natur- 
kunde seit 1857, der Kaiserlich Königl. geologischen Reichsanstalt in 
Wien seit 1857, der Naturforschenden Gesellschaft in Emden seit 1857, 
der Societe des mede'cins et des naturalistes in Jassy seit 1858, der 






331 



Schweizerischen Entomologischen Gesellschaft in Zürich seit 1859, des 
Offenhacher Vereins für Naturkunde seit 1860, des Zoologisch-mine- 
ralogischen Vereins zu Eegensburg seit 1860, der Gesellschaft für Natur- 
kunde in Dresden seit 1861, des Vereins für Naturkunde in Cassel seit 
1863, der Sociedad Zoologica Argentina in Buenos-Aires seit 1874 und 
der Senkenbergischen Naturforschenden Gesellschaft zu Frankfurt a. M. 
seit 1879; er hatte ferner die Mitglieds-Diplome als Anerkennung er- 
halten von der Societe Imperiale des Naturalistes in Moskau im Jahre 
1855, des Zoologisch-botanischen Vereins zu Wien im Jahre 1856, der 
Kaiserlich Leopoldinisch-Carolinischen Deutschen Akademie der Natur- 
forscher im Jahre 1874 und der Academia Gioenia di scienze naturale 
in Catania im Jahre 1876; ausserdem war er Wirkliches Mitglied des 
Entomologischen Vereins zu Stettin seit 1848, des Vereins für Nassauische 
Alterthumskunde und Geschichtsforschung seit 1855, der Nassauischen 
Gesellschaft für Förderung der Seidenzucht seit 1857 und unseres 
Vereins für Naturkunde seit 1843. 

In allen Gesellschaften, wo Kirschbaum verkehrte, war er stets 
willkommen; er war und blieb Lehrer für Jung und Alt; in dem in 
Wiesbaden bestehenden wissenschaftlichen Montagskränzchen war er 
24 Jahre lang Mitglied und erfreute die Gesellschaft durch zahlreiche 
belehrende Vorträge, denen er den würzenden Humor beizufügen wusste. 
Wer in früheren Jahren den Versammlungen des Vereins für Natur- 
kunde beigewohnt hat, erinnert sich gerne des durch äussere Einflüsse 
nicht zu beirrenden, stets belebenden, beseelenden und belehrenden 
Elementes, welches durch Kirschbaum in der Gesellschaft vertreten war; 
der Verein für Naturkunde war mit ihm verwachsen, wie er mit dem 
Vereine. Sein Körper war abgehärtet gegen die Einflüsse von aussen: 
wie er ohne diejenigen Bekleidungsgegenstände, welche er für überflüssig 
erkannt hatte, zu jeder Jahreszeit, im Winter wie im Sommer in der- 
selben Form, die freie, männliche Brust dem Winde und Wetter preis- 
gab, liess er sich auch nicht irre machen durch einen unvermeidlichen 
Misskiang in der Gesellschaft; er verfolgte stets gerade aus sein Ziel 
zur Erreichung seiner Zwecke, die er als dem Wohle der Gesellschaft, 
besonders dem des Vereins für Naturkunde dienend, erachtet hatte. Er 
liess sich auf den gemeinschaftlichen Ausflügen nicht irre machen durch 
die Laune des Wetters, aber auch nicht durch verfrühten Mahnruf; er 
sorgte, dass unter seiner Führung kein Wartesaal auf einer Eisenbahn 
zu lange in Anspruch genommen wurde, und doch kam er immer noch 
rechtzeitig genug; dabei verstand er es, mit unvergleichlichem Humor 



— 332 — 

alle hin und wieder eintretenden, bei solchen Exemtionen unvermeid- 
lichen kleinen Unfälle so zu benutzen und auszubeuten, dass Niemand 
anders denken konnte, als dass gerade das Eingetretene wesentlich mit zu 
dem Ganzen gehörte. Kirschbaum regte lange Zeit hindurch fast allein 
alle gemeinschaftlichen Excursionen an; ausser den grösseren Ausflügen, 
welche während den in früherer Zeit auf drei Tage vertheilten Sections- 
Versammlungen im Lande unternommen wurden, führte Kirschbaum 
stets zahlreiche Besucher auf Excursionen in der Umgebung von Wies- 
baden am liebsten auf das Gebiet seiner bevorzugten Thätigkeit auf 
der linken Rheinseite, den Gaualgesheimer Kopf und die mit alten Sand- 
dünen durchzogenen Nadelholzwaldungen von Mombach, Budenheim und 
Gonsenheim, wo ein mehr südländischer Character in Pflanzen- und 
Thier-Welt sich ausprägte und die Eindrücke einer veränderten Land- 
schaft die Gedanken an das Alltagsleben im Berufe leichter vergessen 
Messen. Der vortreffliche wissenschaftliche Führer war dort in allen 
Theilen vollständig localkundig und wusste daher auch anderen Wünschen 
(ausser dem Durste nach Erkenntniss der Natur), welche bei den von 
ihm geleiteten jungen und alten Schülern gegen den Schluss der Ex- 
cursionen rege wurden, in geeignetster Weise Rechnung zu tragen, so 
dass alle Betheiligten an den Excursionon ihre Befriedigung nach ver- 
schiedenen Richtungen hin fanden und die ganze Gesellschaft stets 
geistig und körperlich gestärkt in gehobener Stimmung den Heimweg 
antrat. 

So erinnern sich die Freunde und Fachgenosson aus jener Zeit 
gerne an die Stunden, welche sie in Gottes freier Natur und in fröhlicher 
Tafelrunde mit Kirschbaum verlebten. Wer mit demselben erst in 
späterer Zeit bekannt wurde, mag wohl nicht immer begreifen, was die 
alten Genossen empfanden. — Seitdem der trauernde"* Vater im Früh- 
jahre 1873 einen Sohn, der so ganz in seinen Fusstapfen in der 
Wissenschaft vorwärts geschritten war, zur letzten Ruhestätte geleitete, 
hinterliess der Schmerz um das Verlorene einen unauslöschlichen Ein- 
druck in den wohlwollenden, stets gemüthlichen und heiteren Gesichts- 
zügen; der Ernst des Lebens trat immer deutlicher aus denselben her- 
vor, und nur seltener gelang es den alten Freunden, die alte Heiterkeit 
durch Erinnerungen an vergangene, schöne Zeiten darin wieder zu 
erwecken. Neben seiner in dem Kampfe um das Dasein immer gewissen- 
haft festgehaltenen Berufsthätigkeit in dem Lehrfache an dem Gymnasium 
und an der Fresenius'schen Anstalt für Chemiker und Pharmaceuten 
beschäftigte Kirchbaum sich immer noch eifrig forschend mit der oben 



— 333 



als Hauptfeld seiner Thätigkeit bezeichneten Insecten-Familie, den Rhyn- 
photen; sein reiches Wissen auf diesem Gebiete bezeichnen in seinem 
Nachlasse vielfache Notizen und umfangreiche Sammlungen; die anderen 
Familien in umfassenden Zusammenstellungen, wie seiner Zeit die Cap- 
sulen und Cieadinen, für die Nachwelt zu überliefern, ist ihm leider 
nicht mehr gelungen. Früher war es das Streben, eine vorhandene 
Lücke in der Erkenntniss der Naturerzeugnisse mit diesen Bearbeitungen 
auszufüllen, was dem fremden Beschauer oft als theilweise unbegreifliche 
Neigung gerade zu diesen Thieren erscheinen mochte. Die neue dienst- 
liche Stellung, welche Kirschbaum durch das Reichskanzleramt erhielt, 
nöthigte ihn, einer weiteren Rhynchoten-Familie, den Aphidinen, energisch 
den Krieg zu erklären, und ging er in dieser Richtung unbeirrt und 
pflichtschuldigst vor, wie wir in Sachsenhausen und anderwärts mehr- 
fach zu beobachten Gelegenheit hatten. Das Bewusstsein der Pflicht 
trat vielfach an die sonstige Stelle der aneifernden Neigung, und die 
Sorge um das Gelingen seiner durch die Pflicht gebotenen Bestrebungen 
mochte ihn vielfach beschäftigen, wie aus seinen wiederkehrenden Be- 
merkungen in dieser Richtung hervorging. Daher richteten sich Kirsch- 
baum's Bestrebungen mehr und mehr nach einer ihm vorgezeichneten 
Seite hin, und die Mittheilungen seiner vielseitigen geistigen Errungen- 
schaften flössen von Zeit zu Zeit spärlicher, wenn auch immerhin noch 
reichlich genug, um das zu beleben und zu erhalten, was er im rüstigen 
und kräftigen Mannesalter geschaffen hatte. Im Herbste 1878 erlitt 
seine körperliche Rüstigkeit den ersten Stoss in einem apopleetischen 
Anfalle, gegen dessen Folgen er mit der ihm eigenen Energie und 
Selbstbeherrschung in bewundernswürdiger Weise ankämpfte, um seine 
vielfachen Berufstätigkeiten in keiner Weise zu unterbrechen oder auf- 
zugeben, bis am 29. Februar 1880 ein Schlaganfall folgte, der drei 
Tage später, am 3. März, seinem strebsamen Leben ein Ende machte. 
„Kirschbaum war noch einer der Repräsentanten der ,, alten Schule", zu 
der auch sein alter Freund, der Senator Dr. C. von Heyden, gehörte, 
deren Bestreben es war, die Naturobjecte in der Natur selbst zu be- 
obachten, worin auch der weitumfassende Gesichtspunkt Kirschbaum's 
seinen innersten Grund hat" — so schrieb mir unser gemeinschaftlicher 
Freund, Dr. L. von Heyden, als er die Anzeige von dem Dahinscheiden 
erhalten hatte. 

Die Familie betrauert in Carl Ludwig Kirschbaum einen treuen 
Gatten und Vater, seine Berufs- und Gesellschafts-Genossen einen treuen, 
stets gefälligen und aufopfernden Freund, das Gymnasium einen gewissen- 



— 334 — 

haften, für das wahre Wohl seiner Schüler empfänglichen Lehrer, die 
Wissenschaft einen eifrigen Förderer und der Verein für Naturkunde 
ein treues Mitglied und umsichtigen Beamten. 

Zahlreiche Freunde und Schüler geleiteten am 6. März die sterb- 
lichen Reste zur letzten Ruhestätte; der Lorheerkranz, womit wir sein 
Grab schmückten, ist bereits verdorret, aber der Lorbeer mit des Geistes 
Blüthen, die Saat, welche der Verewigte gesäet hat, wird nicht verdorren. 

Die Kräfte des Körpers ersterben, sie werden zu Erde und Asche, 
Aber der strebende dreist lebt unter den Lebenden fort. 



Im W{ 














Verzeichniss der Mitglieder des nassaiiisclien Vereins 
für Naturkunde für das Jahr 1880. 



Vorstand. 



Herr Begierungs-Präsident v. Wurmb, Direetor. 
» Professor und Museums-Inspector Dr. Kirschbaum, Secretär des 

Vereins und Vorsteher der zoologischen Section f. 
» Hofrath L ehr, ökonomischer Commissär. 
» Bechnungsrath Petsch, Cassirer und Rechner. 
» Dr. Heinrich F r e s e n i u s. 
» Sanitätsrath Dr. A. Pagen Stecher. 

» Apotheker A. Vi gener, Vorsteher der botanischen Section. 
» Landesgeologe Dr. Koch, Vorsteher der paläontologischen Section. 
» Bergrath Giebel er, Vorsteher der mineralogischen Section. 

Ehren-Mitglieder. 

Herr Graf Brune de Mons, in Wiesbaden. 
» v. Hörn ey er, Major a. D., in Wiesbaden. 
» Dr. Thomae, Direetor, in Wiesbaden. 
» Odern heimer, Geheimer Bergrath, in Wiesbaden. 
» Dr. Schieid en, Staatsrat!!, in Wiesbaden. 



Correspondirende Mitglieder. 

Herr Dr. Böttcher, in Frankfurt a. M. 
» Dr. Kinkel in, in Frankfurt a. M. 
» Dr. P a s s a v a n t , in Frankfurt a. M. 



— 336 



Ordentliche Mitglieder. 

Herr Ackermann, Hauptmann a. D., in Wiesbaden. 

» Ahlemeyer, Dr. med., Kreisphysikus, in Diez. 

» Albert, Fabrikant, zu Amöneburg bei Biebrich. 

» Albrecht, Dr. med., in Wiesbaden. 

» Alefeld, Dr. med., Hofrath, in Wiesbaden. 

» Angelbie, Dr., in Bonn. 

» Anthes, Hotelbesitzer, in Wiesbaden. 

» Bader, Dr., in Frankfurt a. M. 

» Bald us, Steuerinspector, in Rüdesheim. 

» B a u m , Kaiserl. Forstinspectionsbeamter, in Strassburg. 

» Baumann, Dr. med., Sanitätsrath, in Schlangenbad. 

» Becher, G., Botaniker, in Bonn. 

» Bechtold, Bud., Buchdruckereibesitzer, in Wiesbaden. 

» Becker, Dr. med., in Wiesbaden. 

» Becker, Lehrer, in St. Goarshausen. 

» Berge at, Assistent am chemischen Laboratorium, in Wiesbaden. 

» Berle, Dr., Banquier, in Wiesbaden. 

» Berthau, Dr., Privatdocent, in Bonn. 

» v. Bertouch, Kammerherr und Begierungsrath, in Wiesbaden. 

» Bertram, Bauinspector, in Wiesbaden. 

» Bertram, Staatsanwalt, in Potsdam. 

» Bertram, Dr., Appellationsgerichts - Vicepräsident a. D., in 

Wiesbaden. 

» Bertrand, Dr., Medicinalassessor, in L.-Schwalbach f. 

» Biebr icher, Bergverwalter, in Diez. 

» B i e h 1 , Apotheker, in Diez. 

» Bim ler, Kaufmann, in Wiesbaden. 

» Bischkopff, Verlagsbuchhändler, in Wiesbaden. 

» Bischof, C, Dr., in Wiesbaden. 

» v. Bis mark, Graf, Kammerherr und Hauptmann a. D., in 

Wiesbaden. 

» Blum, Dr. theol., Bischof, in Limburg. 

» v. Bodemeyer, Dr. med., in Wiesbaden. 

» v. Bon hörst, Eechnungsrath a. D., in Wiesbaden. 



- 337 — 

Herr Borgmann, Engen, Dr., in Wiesbaden. 

» v. B o r n , Kpntier, in Wiesbaden. 

» v. Böse, Graf, zu Hof Goldstein, in Höchst. 

» Bott, Bürgermeister, in Eltvüle. 

» Brenner, Daniel, Bentier, in Wiesbaden. 

» Breuer, Oberlehrer, in Montabaur. 

» Brodersen, Apotheker, in Wiesbaden. 

» B r o d z i n a , Bürgermeister, in Ems. 

» Brömme, Christ., Rentier, in Wiesbaden. 

» B r o m m e , Eduard, Rentier, in Wiesbaden. 

» B r ö m m e , Friedrich, Rentier, in Wiesbaden. 

» Brüning, Adolph, Dr., in Höchst. 

» Buddeberg, Dr., Rector, in Nassau. 

» Buderus, Fr., Hüttenbesitzer, zu Andenschmiede bei Weilburg. 

» Bücher, Kreisgerichtsrath a. D., in Wiesbaden. 

» Cavet, Dr., Botaniker, in Wiesbaden. 

» Charlier, Alb., Rentier, in Wiesbaden. 

» C 1 ö s , Lehrer, in Neunkhausen. 

» v. Coli aus en, Oberst z. D., in Wiesbaden. 

» Coulin, Bürgermeister, in Wiesbaden. 

» C ramer, F., Dr. med., in Wiesbaden. 

» Crass, Bürgermeister, in Erbach. 

» Cr atz, Dr. med., in Oestrich. 

» de la Croix, Ober-Regierungsrath, in Wiesbaden. 

» C r o p p , Rentier, in Wiesbaden. 

» Cuntz, Dr. med., in Wiesbaden. 

» Czech, Fürstl. Metternich'scher Dispector, zu Schloss Johannisberg. 

» Dem, Dr., Regimentsarzt a. D., in Wiesbaden. 

» Dem, Pfarrer, in Schierstein. 

» Dietrich, Dr., Kreisthierarzt, in Wiesbaden. 

» Dietrich, J. B., Schaumweinfabrikant, in Büdesheim. 

» Dodel, Consul, in Leipzig. 

» Döring, Dr. med., in Ems. 

» Dörr, Pfarrer, in Kernel. 

» Dressler, Pfarrverwalter, in Diez. 

» Duder stadt, Rentier, in Wiesbaden. 

» Dünkelberg, Dr., Professor, in Poppeisdorf bei Bonn. 

Jahrb. d. nass. Ver. f. Nat. XXXI u. XXXII. 22 






~- 338 — 

Herr Ebertz, Dr. med., Kreisphysikus, in Weilburg. 

» v. Eck, Justizrath, in Wiesbaden. 

» Ef fei berger, Lehrer der höheren Bürgerschule, in Wiesbaden. 

» Eiffert, Appellationsgerichtsratli, in Frankfurt a. M. 

» Eiffinger, Eisenbahn-Secretär, in Frankfurt a. M. 

» Eisen köpf, Lehrer der Vorbereitungsschule, in Frankfurt a. M. 

» Ewald, Max, Weinhändler, in Rüdesheim. 

» Fade, Alfred, zu Braubacher Hütte. 

» Fassbender, Bergverwalter, in Diez. 

» Feldhausen, Gg., Lehrer, in Wiesbaden. 

» Fievet, Gutsbesitzer, in Keltershausen bei Ehrenbreitstein. 

» Fink ler, Eechnungsrath, in Wiesbaden. 

» Flach, Geh. Cabinetsrath, in Wiesbaden. 

» Flechet, Director, in Laurenburg. 

» Fleischer, Dr., Sanitätsrath, in Wiesbaden. 

» v. Flies, Generallieutenant, Excellenz, in Wiesbaden. 

» F o n k , Landrath, in Rüdesheim. 

» v. Forell, Generalmajor z. D., in Wiesbaden. 

» Forst, Appellationsgerichtsratli, in Wiesbaden f. 

» Frank, Hüttendirector, zu Nieverner Hütte. 

» Fresenius, Dr., Geh. Hofrath, in Wiesbaden. 

» Fresenius, H., Dr., Assistent am chemischen Laboratorium, in 

Wiesbaden. 

» Freudenberg, Generaldirector, in Ems. 

» Frey, Ingenieur bei der Ludwigsbahn, in Wiesbaden. 

» Freytag, Otto, Hotelbesitzer, in Wiesbaden. 

» Frickhöfer, Dr., Hofrath, in L.- Schwalbach. 

» Friedlieb, Dr. med., Geh. Sanitätsrath, in Homburg v. d. H. 

» Fritze, Em., Fräulein, in Wiesbaden. 

» Fritze, Dr., Geh. Rath, in Wiesbaden. 

» Fritze, Dr., Kreisphysikus, in L.-Schwalbach f. 

» F r o h w e i n , Bergverwalter, in Diez. 

» Fuchs, Landgerichtsrath, in Wiesbaden. 

» Fuchs, Oberförster, in Montabaur. 

» Fuchs, Pfarrer, in Bornig. 

» Gecks, Buchhändler, in Wiesbaden, 

» Geis, Bürgermeister, in Diez. 






— 339 — 

Herr Geisenhagen, Gymnasiallehrer, in Kreuznach. 

» Geiss, Lehrer, in Ems. 

» Genth, Dr., Geh. iSanitätsrath, in L.- Schwalbach. 

» Geselschap, Oberlehrer, in Wiesbaden. 

» Giebel er, Bergrath, in Wiesbaden. 

» Giebel er, Lieutenant im Khein. Jägerbataillon No. 8, in Zabern 

im Elsass. 

» Giebeler, Hüttenbesitzer, in Wiesbaden. 

» Giesler, Friedrich, Bergassessor und Director, in Limburg. 

» Glaser, Materialist, in Wiesbaden. 

» Goethe, Director des pomologischen Institutes, in Geisenheim. 

» G üb eil, Dr., Obermedicinalrath a. D., in Limburg. 

» Götz, Oberbaurath a. D., in Wiesbaden. 

» v. Götz, Regierungsrath, in Wiesbaden. 

» Gräber, Commerzienrath, in Wiesbaden. 

» Gräser, Oberst a. D., in Wiesbaden. 

» Gro schwitz, C, Buchbinder, in Wiesbaden. 

» Gros ch witz, G., Lithograph, in Wiesbaden. 

» Gull, Lehrer, in Wiesbaden. 

» Haas, Kügerichter, in Frankfurt a. M. 

» Haas, L., Dr. med., in Wiesbaden f. 

» Habel, W., Rentier, in Wiesbaden. 

» H a 1 b e y , Forstmeister, in Dillenburg. 

» Hartmann, Dr. med., Sanitätsrath, in Wiesbaden. 

» Hartmann, Heinr., Tünchermeister, in Wiesbaden. 

» Hausmann, Rentier, in Wiesbaden. 

» Hacker, Schreiner, in Wiesbaden. 

» Häuser, Dr., Irrenhaus-Director, zu Eichberg. 

» Haus in g, Willi., Bergverwalter, in Wellmich. 

» Heberle, Bergwerks-Director, in Oberlahnstein. 

» v. Heemskerck, Präsident, in Wiesbaden. 

» Heibig, Pharmaceut, in Wiesbaden. 

» Henrich, Oberlehrer, in Wiesbaden. 

» Hensel, C, Buchhändler, in Wiesbaden. 

» Herber, Hauptmann a. D., in Wiesbaden. 

» Herget, Bergwerks-Director, in Diez. 

» Hertz, Herrn., Kaufmann, in Wiesbaden. 

» Herwig, Robert, in Steinbrücken. 



» 



— 340 — 

Herr Herz, Dr., prakt. Arzt, in Wiesbaden. 

» Herz, Salomon, Kaufmann, in Wiesbaden. 

» Hess, Dr. med., in Kirberg. 

» Heydenreich, Dr., Obermed.-Rath a. D., in Wiesbaden. 

» Hildenbrand, Dr., Director, in St. Goarshausen. 

» Hilf, Geh. Regierungsrath, in Wiesbaden. 

» Hilf, Justizratli, in Limburg. 

» Hirscb, Franz, Schlossermeister, in Wiesbaden. 

» v. Hoffmann, Rittergutsbesitzer, in Wiesbaden. 

» v. Hoff mann, Dr. med., in Wiesbaden. 

» Hoffmann, Oberbaurath a. D., in Wiesbaden. 

» Hoffmann, Phil., Bergverwalter, in Diez. 

» Hof mann, Wilh., Lehrer der Schlossschule, in Schaumburg. 

» Hofs, Dr., Hof-Intendant, in Erbach. 

» Holz, E., Director, in Dillenburg (Adolphshütte). 

» Hop mann, Landgerichts-Director, in Wiesbaden. 

» Höchst, Bergmeister, in Attendorn. 

» Höhn, Optikus, in Wiesbaden. 

» v. Huene, Freiherr, Königl. Oberförster, in Homburg v. d. H. 

» Jacob, Bernhard, Zimmermeister, in Wiesbaden. 

» Jaskewitz, Louis, Banquier, in Wiesbaden. 

» Johanni, Ew., Rentier, in Wiesbaden. 

» Jung, Stephan, Weinhändler, in Rüdesheim. 

» v. Kaikreuth, Hauptmann, in Wiesbaden. 

» Kalle, F. R., Fabrikant, in Biebrich a. Rh. 

» K a y s e r , Bergwerks-Director, in Dillenburg. 

» Kässberger, Lederfabrikant, in Wiesbaden. 

» Keim, Landgerichtsrath, in Wiesbade"n. 

» Keim, Oberstlieutenant a. D., in Wiesbaden. 

» Keller, Adolph, in Bockenheim. 

» Koller, Oberförster, in Driedorf. 

» Kessler, Mitglied der Landesbankdirection, in Wiesbaden. 

» Kilian, Lehrer der höheren Töchterschule, in Wiesbaden. 

» Klaas, Dr., Generalsecretär, in Darmstadt. 
Klappert, Rentner, in Wiesbaden. 



» Knauer, Kaufmann, in Wiesbaden. 
» v. Knoop, Rentier, in Wiesbaden. 



— 341 — 












Herr Knüttel, F., in Stuttgart. 
» Kobbe, Ferd., Kaufmann, in Wiesbaden. 
» Kobelt, Dr. med., in Scliwanheini. 
» Koch, C, Dr., Landesgeologe, in Wiesbaden. 

Koch, Dr., Arzt der Elisabethen-Heilanstalt, in Wiesbaden. 

Koch, Dr., Medicinalrath a. D., in St. Goarshausen. 

K o c h , Fabrikant, in St. Goarshausen. 

Kopp, Rud., Fabrikant, in Oestrich. 

v. Koppen, Hrch., Rentier, in Wiesbaden. 

v. Kr aatz-Kos chlau, General der Infanterie, Excellenz, in 
Wiesbaden. 

Kranz, Dr. med., in Wiesbaden. 

Krayer, Maschinenfabrikant, zu Johannisberg. 

Krebs, Dr., Oberlehrer an der Wöhlerschule, in Frankfurt a. M. 

Kreide 1, Verlagsbuchhändler, in Wiesbaden. 

Kreis, Franz, Geometer, in Eltville. 

Kunz, Christ., Lehrer, in Ems. 

Kühne, Dr. med., Hofrath, in Wiesbaden. 

v. Lade, General-Consul, in Geisenheim. 

v. Lade, Friedrich, in Geisenheim. 

Lange, Dr. med., Sanitätsrath, in Wiesbaden. 

Langen, Dr., Rentier, in Wiesbaden. 

v. Lange ndorff, Major, in Wiesbaden. 

Lanz, Oberbürgermeister, in Wiesbaden. 

Lautz, Geheimer Regierungsrath, in Wiesbaden. 

Lautz, Lehrer der höheren Töchterschule, in Wiesbaden. 

Lehr, Hofrath, in Wiesbaden. 

Lehr, Dr. med., Arzt, in Wiesbaden. 

Lehr, Dr. med., Medicinalrath a. D., in Nassau. 

Leisler, Dr. jur., Rechtsanwalt, in Wiesbaden. 

v. Lenge rke, Oberstlieutenant, in Wiesbaden. 

L e o n h a r d , Lehrer, in Wiesbaden. 

Letzerich, Dr. med., in Braunfels. 

Lex, Rechnungsrath, in Wiesbaden. 

Leyendecker, Oberlehrer, in Weilburg. 

Limbarth, Buchhändler, in Wiesbaden. 

Linkenbach, Bergverwalter, in Ems. 

Lohnt an n, Consistorialrath, in Wiesbaden. 






— 342 — 

Herr Lommel, Geh. Regierungsrath, in Wiesbaden. 

» Lottichius, Eduard, in St. Goarshausen. 

» Löbeke, Hauptmann a. D., in Wiesbaden. 

» Lueg, C, Ingenieur (Eisenhütte), in Oberhausen bei Sterkrade. 

» Lugenbühl, Daniel, Kaufmann, in Wiesbaden. 

» Magdeburg, Rentmeister a. D., in Wiesbaden. 

» Mahr, Dr., Geh. Sanitätsrath, in Wiesbaden. 

» Marburg, Kentier, in Wiesbaden. 

» v. M a s s e n b a c h , Forstmeister, in Wiesbaden. 

» Mathiesen, E. A., Rentier, in Wiesbaden. 

» Maurer, in Bendorf. 

» Maus, Postsecretär, in Wiesbaden. 

» Max, Pfarrer, in Braunfels. 

» Medicus, Dr., Professor, in Wiesbaden. 

» Meinecke, Hütten-Ingenieur, in Braubach. 

» Menny, Rentier, in Wiesbaden. 

» Metz, Oberförster, in Oberlahnstein. 

» Meyer, Victor, Grubenbesitzer, in Limburg. 

» Michaelis, Thierarzt I. Classe, in Wiesbaden. 

» Mo liier, Ober-Regierungsrath, in Wiesbaden. 

» Moritz, Dr., Chemiker am Königl. pomologischen Institut, in 

Geisenheim. 

» Mo min, Theodor, stud. ehem., in Wiesbaden. 

» M u c h a 1 1 , Ingenieur bei dem städtischen Gas- und Wasserwerk, 

in Wiesbaden. 

» Mühl, Forstmeister, in Wiesbaden. 

» Müller, Dr. med., Grossh. oldenb. Sanitätsrath, in Wiesbaden. 

» Müller, Bergverwalter, in Diez. 

» Müller, Franz, 



Weinhändler und Hoflieferanten, in Eltville. 
Müller, Leonhardt, 

Müller, Dr., Botaniker am Königl. pomologischen Institut, in 

Geisenheim. 

Müller, Institutsvorsteher, in St. Goarshausen. 

M ü n z e 1 , Banquier, in Wiesbaden. 

Napp. Jacob, Rentier, in Wiesbaden. 

Neu berger, Dav., Rechtspraktikant, in Wiesbaden. 

Neub ronner, Apotheker, in Cronberg. 









— 343 — 

Herr Neuendorff, Badhausbesitzer, in Wiesbaden. 

» N e u s s , Apotheker, in Wiesbaden. 

» Niedner, Verlagsbuchhändler, in Wiesbaden. 

» v. Nimptsch, Kentier, in Wiesbaden. 

» v. Normann. Oberst a. D., in Wiesbaden. 

» Nötzel, Rentier, in Wiesbaden. 

» Oberbergamt, Königliches, in Bonn. 

» v. Oetinger, Obrist, in Trier. 

» Opitz, Regierungsrath, in Wiesbaden. 

» Orth, Dr. med., Geh. Sanitätsrath, in Ems. 

» d'Orville, Rentier, in Wiesbaden. 

» Ost, Lehrer, in Wiesbaden. 

» Paehler, Dr., Gymnasialdirector, in Wiesbaden. 

» Pagen Stecher, Dr., Sanitätsrath, in Wiesbaden. 

» Panthel, Dr. med., Sanitätsrath, in Ems. 

» Passavant, Theodor, in Frankfurt a. M. 

» v. P e 1 s e r - B e r e n s b e r g , Freiherr, Dr . , in Wiesbaden. 

» Petsch, Rechnungsrath, in Wiesbaden. 

» Pfeiffer, E., Dr. med., in Wiesbaden. 

» Pfeiffer, A., Dr. med., in Wiesbaden. 

» Pfeiffer, Jacob, Rentier, in Diez. 

» Philgus, Major a. D., in Wiesbaden. 

» Polack, Rector a. D. der höheren Bürgerschule, in Wiesbaden. 

» v. Preuschen, Freiherr, Oberförster, in Lorch. 

» v. Preuschen, Freiherr, Ober-Appellationsgerichtsrath a. D., zu 

Schloss Liebeneck. 

» Probst, Rentier, in Wiesbaden. 

» Ramsthal, Oberförster-Candidat, in Wiesbaden. 

» Raven, Pfarrer, in Delkenheim. 

» v. Reichen au, Regierungsrath, in Wiesbaden. 

» v. Reichenau, Major z. D., in Wiesbaden. 

» Reu seh, Ferd., Rentier, in Wiesbaden. 

» Reuss, A., Grubenbesitzer, in Geisenheim. 

» Reuter, Dr., Obermedicinalrath, in Wiesbaden. 

» Reuter, Aug., Weinhändler, in Rüdesheim. 

» Rick er", Dr., prakt. Arzt, in Wiesbaden. 



— 344 — 

Herr Riehl, Hausverwalter, in Schlangenbad. 

» v. Ritter, Freiherr, Hauptmann a. D., in Wiesbaden. 

» Ritter, Carl, Buchdruckereibesitzer, in Wiesbaden. 

» Ritter, Carl, jun., Buchdrucker, in Wiesbaden. 

» Rossbach, Reallehrer, in Wiesbaden. 

» Roth, Forstmeister, in Wiesbaden. 

» Roth, Rentier, in Wiesbaden. 

» Roth, Dr. med., Hofrath, in Wiesbaden. 

» v. Röder, Excellenz, Generallieutenant z. D., in Wiesbaden. 

» Röder, A., Hofconditor, in Wiesbaden. 

» Römer, Conservator, in Wiesbaden. 

» v. Rö ssler, Hofgerichtsrath a. D., in Wiesbaden. 

» Rössler, Dr., Appellationsgerichtsrath, in Wiesbaden. 
Runge, Dr. med., Sanitätsrath, in Nassau. 



» 



Saalmüller, Oberstlieutenant a. D., in Frankfurt a. M. 

v. Sachs, Major a. D., in Wiesbaden. 

Sartorius, Regierungsrath, in Wiesbaden. 

Schaffner, Regierungsrath, in Wiesbaden. 

Schaffner, Polizeidirector, in Homburg v. d. H. 

Schalk, Dr. jur., in Wiesbaden. 

Scheidt, Dr. med., in Homburg v. d. H. 

v. Scheliha, Oberst a. D., in Wiesbaden. 

Schellenberg, Apotheker, in Wiesbaden. 

Schellenberg, Hof-Buchdruckereibesitzer, in Wiesbaden. 

Schellen berg, Regierungsrath, in Wiesbaden. 

Schenk, Gymnasiallehrer, in Weilburg. 

Schirm, Dr., Rentier, in Wiesbaden. 

S c h i r m er, H., Rentier, in Wiesbaden. 

Schlicht e r , Rentier, in Wiesbaden. 

Schlichter, Oberamtsrichter, in Eltville. 

Seh lieben, Major, in Wiesbaden. 

v. Schlief fen, Graf, Major, in Weimar. 

Schlüter, Appellationsgerichtsrath, in Wiesbaden. 

Schmidt, Reinhard, Kaufmann, in Wiesbaden. 

Schmidt, Apotheker, in Braubach. 

Schmidt, Dr. med., in Homburg v. d. H. 

Schmitt, Lehrer am Gymnasium, in Wiesbaden. 

Schmitthenner, Oberlehrer, in Wiesbaden. 






— 345 



Herr Seh na bei, Rentier, in Wiesbaden. 

» Schneid e r , Oberbergamts-M arkseheider, in 1 tonn. 

» Scholle, Mitglied des Orchesters, in Wiesbaden. 

» Schönb erger, Kevisionsrath, in Wiesbaden. 

«» Schramm, Jul., Gerbereibesitzer, in Dillenburg. 

» Schulte, Kentier, in Wiesbaden. 

» Schultz-Leitershofe n, Curdirector, in Homburg v. d. II. 

* Schulz, Dr. med., in Diez. 

» Schulz, Hermann, Dr. med., in Ehringhausen, Kreis Wetzlar. 

» Schütz, Rentier, in Wiesbaden. 

» v. Schwartzenau, Freiherr, Rittmeister, in Winkel. 

» Schwarz, Zahlmeister, in Wiesbaden. 

» Seyberth, Apotheker, in Wiesbaden. 

I» Seyberth, Landrath , in Biedenkopf. 

» Siebert, Gr., ordentlicher Lehrer der höheren Bürgerschule, in 
Wiesbaden. 

» Sn eil, Amtsgerichtsrath, in Wiesbaden. 

» Snell, Pfarrer, in Reicheisheim. 

» v. Sodenstern, C, Appellationsgerichts -Assessor a, D., in 

Wiesbaden. 

» Sommer, Major, in Wiesbaden. 

» Souchay, Chemiker, in Wiesbaden. 

» Speck, Dr., Kreisphysikus, in Dillenburg. 

» Spiegelthal, Generalconsul a. D., in Wiesbaden. 

» Spie ss, Willi., Bergverwalter, in Wetzlar. 

» Stahl, Schulinspector, in Eschborn. 

» Stamm, Dr., Rechtsanwalt, in Wiesbaden. 

> Steeg, Optiker, in Homburg v. d. H. 

» Stein, Bergrath a. D., in Wiesbaden. 

» Stein kau ler, Adalb., in Wiesbaden. 

» Stephan, Dr., Lehrer der höheren Töchterschule, in Wiesbaden. 

» Steubing, Decan, in Dillenburg. 

» Stippler, Grubenbesitzer, in Limburg a. d. L. 

» Stell, Major, in Diez. 

» Stödtko, Dr., Königl. niederl. Generalarzt a. D., in Wiesbaden. 

» v. Strauss, Polizeidirector, in Wiesbaden. 

» Strempel, Apotheker, in Wiesbaden. 

» v. Swaine, Freiherr, in Wiesbaden, 



— 346 — 

Herr Thilenius, Moritz, Dr. med., in Wiesbaden. 

» Thilenius, Otto, Dr. med., in Soden. 

» Thilenius, Dr. med., Sanitätsrath, in Soden. 

» v. Thompson, Oberst, in Wiesbaden. 

» T h ö n g e s , Rechtsanwalt, in Wiesbaden. 

» Tilmann, Oberforstmeister, in Wiesbaden. 

» T ö 1 k e , Fabrikant, in Wiesbaden. 

» Trapp, Conrad, Gaswerks-Director, in Homburg v. d. H. 

» T r i e s t , Victor, Director zur Ritzenmühle bei Dernbach. 

» T r i n i u s , Rentier, in Wiesbaden. 

» Trombetta, C, Kaufmann, in Limburg. 

» Trüstedt, Major bei der Artillerie, in Wiesbaden. 

» v. Tschudi, Oberst a. D., in Wiesbaden. 

» Ulrich, Bergmeister, in Diez. 

» Unverzagt, Professor, in Wiesbaden. 

» Velde, Rechtsanwalt, in Diez. 

» Vi gener, Apotheker, in Biebrich a. Rh. 

» Voll mar, Consul a. D., in Wiesbaden. 

» Wagner, L., Hof-Photograph, in Wiesbaden. 

» Wagner, Inspector, in Wiesbaden. 

» v. Wangenheim, Hauptmann, in Homburg v. d. H. 

» Weber, Obrist, in Wiesbaden. 

» Weber, Amtsverwalter, in Usingen. 

» Weidenbusch, Dr., Chemiker, in Wiesbaden. 

» Weissgerber, H., Director, in Giessen. 

» Wenkenbach, Bergrath, in Weilburg. 

» Wernher, Director, in Limburg. 

» Werz, Carl, Glasermeister, in Wiesbaden. 

» West er bürg, Amtmann, in Eltville. 

» Wibel, Dr. med., in Wiesbaden. 

» Wilhelmi, Dr. theol., Landesbischof, in Wiesbaden. 

» Wilhelmi, Dr., Bataillonsarzt a. D. ? in Wiesbaden. 

» Wilhelmi, Apotheker, in Nassau. 

» Will et, Bauinspector a. D., in Wiesbaden. 

» Wimpf, Georg, Rentier, in Wiesbaden. 

» Winter, Königl. niederl. Oberstlieutenant a. D., in Wiesbaden. 



347 — 






Herr Winter, Gas- und Wasserwerks-Director, in Wiesbaden. 

» Winter, G., Grubenbesitzer, in Höchst a. M. 

» Winter, Präsident, in Elmshausen bei Biedenkopf. 

» Wolff jun., Dr., Apotheker, in Limburg a, d. L. 

» Wo ronin, Kaiscrl. russischer Hofrath, in Wiesbaden. 

» v. Wurmb, Kcgierungs-Präsident, in Wiesbaden. 

» Z a i s , Hotelbesitzer, in Wiesbaden. 

» Z a i s , Baurath, in Wiesbaden. 

» Zaun, Dr. theol., Geistl. Eath, in Kiedrieh. 

» Z i m m e r m a n n , Dr., Lehrer der höh. Bürgerschule, in Limburg. 

» Zink eisen, Dr. med., Anstaltsarzt zur Dietenmühle bei Wies- 
baden. 

» v. Zwi er lein,. Freiherr, Kammerherr, in Geisenheim. 






Wiesbaden. L. Schellenberg'sche Hof-Buchdruckerei. 



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Wiesbaden. L. Schellenberg'sche Hof-BuchdriR..ierci. 



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