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Full text of "Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik"

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JAHRBÜCHER 

FÜR 

NATIONALÖKONOMIE UND STATISTIK. 

oegbOndet von 
BBimO HILDEBSAND. 

HEBADSOEGEBEN TOM 

DR- J. CONRAD, uko D" L ELSTER, 

PBOF. IH HALLE ▲. 8., PBOF. IH BRESLAU, 

IN VERBINDUMO MIT 

DR- EDG. LOENING, und D"- W. LEXIS, 

PBOF. IH HALLE A. 8., PBOF. IE OÖTTIMOBM. 



DBITTE FOLfiR SIEBENTEB BAND. 

ERSTE FOLGE, BAND I— XXXIV; ZWEITE FOLGE, BAND XXXV— LV ODEB 
NEUE FOLGE, BAND I— XXI5 DRITTE FOLGE, BAND LXII (UI. FOLGE, BAND VII). 



-o— ^^(^— - 



JENA, 

VERLAG VON GUSTAV FISCHER. 
1894. 



LIBRARY OF THE 
LELAND 8TAf'ir:}r> '^SRSfTY. 

OL. 5/3? t 
MAY 2 19Ö1 



Inhalt d. Bd. FII. Dritte Folge (LIII). 



L Abhaadlmigen. 

FSIdes, BdU, Dm FuniUenfideikommia in Ungarn. 8. 815. 

Olauert, O., DepocitenbildimK in England und in DeotMhland. 8. 801. 

Lots, Walt her, Die Lehre rom Unpninge des Geldes. 8. 887. 

Nenmann, J., Die unehelichen Kinder in Berlin nnd ihr Sehnts. 8. 518. 

Sarter, Frani, Die Syndikatsbeatrebnngen im niederrheiniieh-weftflaisehen 8teinkob- 

lenbeairke. 8. 1. 
8eidler, Ernst, Die 8cbwanknngen des Geldwertes (der Kaofluraft des Geldes) nnd 

die jaristbche Lehre ron dem Inhalte der Geldschulden. 8. 685. 
8ommerlad,Theo, Die wirtschaftliche Thitigkeit der Kirche im mittelalterlichen 

Deutschland. 8. 657. 
Wiedenfeld, Kurt, Der deutsche Getreidehandel. 8. 161, 860. 



IL NaÜoxialökonomlsohe Oesetvgebimg. 

G e s e t s über die AbXndemng des Geseties, betreffend die Krankenrersicherung der 
Arbeiter, rom 15. Juni 1888. Vom 10. April 188S. 8. 288. 

Greiff, Die sweite Lesung des Entwurfes eines B&rgerlichen Gesetibuohes flir das 
Deutsche Reich (Fortseteung). 8. 54, 208, 878, 707, 888. 

Hampke, Thilo, Die Organisation des Handwerks und die Regelung des Lehrlings- 
wesens. 8. 78| 565. 

Liesse, Andrd, Die Altersyersicherung für Arbeiter in Frankreich. 8. 252. 

Z e 1 1 e r , Die wirtschaftlichen Fragen des XXIL deutschen Juristentages. 8. 602, 



ni. MIsBellen. 

Aschrott, Nachtrag su dem An£iatse: Das Projekt einer allgemeinen obligatorischen 

Alters- und Krankenversicherung in England. 8. 118. 
BayerdSrffer, A., Der Zolltarif RulUands. 8. 405. 
Conrad, J., Die Preise des Jahres 1888 in Deutschland und der EinfluTs des Zolle» 

auf die Getreidepreise. 8. 801. 
Die Sparkasseneinlagen in einigen europftischen Staaten. 8. 121. 
Die Schwankungen des DiskonU, des Notenkurses und des Silberpreises im Jahr* 

1883 und der Voijahre. S. 182. 
Di es mann, M., Der deutsche Außenhandel seit 1885. S. 260. 
Derselbe, Englands Außenhandel im Jahre 1881. S. 284. 



IV Inhalt 

Oruniel, Joseph, China und die Silberkrisis. S. 613. 

Hirsohberg, Die Brotpreise in Berlin im Jahre 1893. 8. 454. 

Derselbe, Die ortsablichen TtKelöhne der jagendlichen Arbeiter. 8. 740. 

Lezis, W., Zur Mfins- und W&hrangsfrage. 8. 459. 

Lux, H., Die Ergebnisse der Gewerbe- und Betriebssteaerveranlagung in Preufsen für 

1893/94. 8. 747. 
Preisausschreiben. 8. 786, 787. 

Produktion und Konsumtion der Wolle in Europa and Nordamerika. 8. 624. 
Bahland, G., Zur Agrarfrage. 8. 864. 



rv. Litteratar. 

Adler, Georg, Die Fleiscbteuerungspolitik der deutschen 8tlUlte beim Ausgang des 

Mittelalters. (Wilh. 8tieda.) 8. 770. 
Alezander, Edmund, Die Sonderrechte der Aktionire. (V. Bing.) 8. 780. 
Anton, Günther K., Französische Agrarpolitik in Algerien. Eine kolonialpolitisehe 

Studie. (W. Naud6.) S. 629. 
Arendt, O., Das goldene Zeitalter Ludwig Bambergers. (W. Lezis.) 8. 469. 
Backhaus, W. B., Allen die Erde! Kritisch-geschichtliche Darlegungen cur soiialen 

Bewegung. (K. Diehl.) 8. 160. 
Bamberger, L., Die Stichworte der Silberleute. (W. Lezis.) 8. 460. 
Bauer, Josef, Der Aufsichtsrat. (V. Bing.) 8. 779. 
Baumgarten, Otto, Evangelisch-soiiale Zeitfragen, Hgg. mit Unterstützung des 

Evangelisch-sozialen Kongresses. Erste Beihe 1. — 10. Heft. Zweite Beihe 1. — 8. Heft. 

(Lehr.) 8. 929. 
Beiträge, Berner, zur Geschichte der Nationalökonomie. No. 4. 

Hgg. von A. Oncken. [Beichesberg , Friedrich Albert Lange als Nation alökonom.j 

(M. V. He ekel.) 8. 762. 
Bing, F^liz-M., La soci^t^ anonyme en droit AUemand. (V. Bing.) 8. 781. 
Boissevain, La problime monötaire et sa Solution. Memoire qui a remport^ le Premier 

Priz au Concours Bim^taliiqne. (W. Lezis.) 8. 460. 
Bomolo Broglio d'Ajano, Graf, Die venetianische Seidenindustrie und ihre Orga- 
nisation bis zum Ausgang des Mittelalters. [Müocheoer volkswirtschaftliche Stadien. 

H^g. von Brentano u. Lotz. 2. Stück.] (Wilh. Nand«) S. 146. 
Brusa, E., Das Staatsrecht des Königreichs Italien. (Handbuch des öffentl. Beehts. 

IV. I, 7.] (Carlo F. Ferraris.) 8. 786. 
Buchwald, Gustav, t., Bilder aus der volkswirtschaftlichen n. politischen Ver- 
gangenheit Mecklenburgs. (Wil h. Stie da.) 8. 187. 
Busch, Wilhelm, England unter den Tudors. L Band. König Heinrich VII. 1485— 

1609. (G. Schanz.) 8. 772. 
Caro, Leopold, Der Wucher. Eine sozialpolitische Studie. (M. von H e c k e 1.) 8. 760. 
Cube,Mazimilian von, Die geschichtliche Entwickelung der fürstlich Stolbergl- 

sehen Forsten zu Wernigerode. Auf Grund archivalischen Materials dargestellt. (M. ▼. 

He ekel.) 8. 143. 
Drezler, A., Frei Land: Ein Menschenrecht. Ein Beitrag zur praktischen Duchfüh- 

rung der Bodenbesitzreform. (K. Diehl.) 8. 638. 
E 1 1 i n g e r , M., Einflufs der Goldwährung auf das Einkommen der Bevölkeruogsklassen 

und des Staates. Eine sozialpolitische Studie. (W. Lezis.) S. 469. 
Feliz, Ludwig, Kritik des Sozialismus. (K. Dieb 1.) 8. 766. 
Gageur, K., Beform des Wahlrechts im Beich und in Baden. (Neukamp.) 8. 986. 
George, Henry, Zur Erlösung aus sozialer Not. (The condition of labour.) Offener 

Brief an Seine Heiligkeit Papst Leo XIH. Deutsch von Bernhard Eulenstein. Nebst 

dem Bundschreiben des Papstes Über die Arbeiterfrage. (K. Diehl.) 8. 149. 
Gumplovics, Ludwig, Soziologie u. Politik. (K. Diehl.) 8. 764. 
Haupt, O., Arbitrage et parit4s. (W. Lezis.) 8. 460. 
Hecht, C, 66 Thesen zur W&hrungsfrage. (W. Lezis.) 8. 469. 
Heim, G., Ist eine Abnahme der Goldproduktion zu befürchten? (W. Lezis.) 8.459. 
Hertzka, Th., Das internationale Währungsproblem und dessen Lösung. (W. Lezis.) 

S. 459. 



Inhalt. y 

TKirffer, K., Die ArbeiterpAcht. Ein Mittel lur Ldsang der Ifindlichen Arbeiterfrage. 
(Th. Frb. v. d. Oolti.) S. 631. 

Kalender und itatist. Jahrbnch f. das Königreich Sachsen f. d. Jahr 
189 3. Ugg. Tom etat. Bnrean des K. Siebs. Ministeriams des Innern. (J. C.) S. 791. 

Kern, Arthur, Der neue Grenszoll in Schlesien. Seine Begründung u. £ntwickelung 
1666— 16S4. (K. Wutke.) S. 767. 

KirchhOfer, Beinbold, Zur Entstehung des Kurkollegiums. (W ilh. B e cker.) 
S. 769. 

Knieke, Aug., Die Einwanderung in den westfälischen Stidten bis 1400. Ein Beitrag 
Bur Geschichte der deutschen Städte. (Hogeweeg.) S. 188. 

K o 1 1 m a n n , P. , Das Hersogtum Oldenburg in seiner wirtschaftlichen Entwickelung 
während der letsten viersig Jahre. Auf statistischer Grundlage dargestellt. (Gut sehe.) 
S. 939. 

Landesberger, Jul., Währungssystem und Relation. (W. L e z i s.) S. 469. 

Derselbe, Ueber die Goldprämieopolitik der Zettelkanken. Denkschrift erstattet lur 
Yalutareform in Oestenreich-Ungam. (W. Lexis) S. 469. 

Leiffmann, M., Gold, Silber, Papier. (W. Lexis.) S. 469. ^ 

Leys, Baron £., Etudes mon4taires. (W. Lexis.) S. 460. ^ 

Ltindsay, S. M., Die Preisbewegung der Edelmetalle seit 1860 Terglichen mit der der 
anderen Metalle unter besonderer Berücksichtigung der Produktions- und Konsumtions- 
▼erhältnisse. (W. Lexis.) S. 460. 

Mayer, H., Mfiniwesen und Edelmetallprodnktion Bnlslands. (W. Lexis.) S. 469. 

Mensel, Adolf, Die Arbeiterversicherung nach dsterreichischem Rechte. Unter Be- 
rücksichtigung des deutschen Reichsreehts aystematisch bearbeitet. (F. Friedens- 
burg.) S. 989. « 

Meyer, Georg, Lehrbuch des deutschen Verwaltungsrechts. 2. Aufl. I. Bd. (R e h m.) 
S. 788. 

Minies, Boris, Die Mationalgüterveräufsernng während der fransösischen Revolution 
mit besonderer Berücksichtigung des Departement Seine und Oise. [Staats wissenschaft- 
liche Studien. Hgg. von Elster. IV. Bd. 8. Heft] (Redlich.) S. 917. 

Kfibling, Eugen, Ulms Handel und Gewerbe im Hittelalter. Eine Sammlung von 
Einzeldarstellungen. Heit 1—4. (Wi Ih. S t i eda.^ S. 770. 

Petersdorff, R., Die soaialen Gegensätie und ihre Ziele, iür die Schule und Familie 
beleuchtet (v a n d e r B o r g h t.) S. 783. 

Philippovich, E. v. , Auswanderung und Auswanderungspolitik in Deutschland. 
Berichte über die Entwickelung und den gegenwärtigen Zustand des Auswanderungs- 
wesens in den Einzelstaaten und im Reich. Im Auftrage des Vereins für Sozialpolitik 
herausgegeben. [Schriften des Vereins für Sozialpolitik. Bd. 62.] (G r i t s e r ) S. 139. 

Prag, die K. Hauptstadt , mit den Vororten nach den Ergebnissen 
der Volkszählung vom 31. XII. 1890. Hgg. von der städt. stat. Kommission. 
(J. C.) S. 790. 

Beichesberg, NaAm, Friedrich Albert Lange als Nationalökonom. [Berner Beiträge 
zur Geschichte der Nationalökonomie. No. 4. Hgg. von A. Oncken.] (M. v. H e c k e 1.) 
8. 762. 

Report of the Direetor of the Mint upon te Production of the 
precious Metals in the United States during the Calendar Tear 1892. 
(W. Lexis.) S. 469. 

Bochussen, Memoire sur le Bim^tallisme international et le moyen juste de le 
r^aliser. (Prim4 dans le Concours Uernuschi). (W. Lexis.) S. 460. 

Bnpprecht, Ludwig, Justus Möser's soziale und volkswirtschaitliche Anschauungen 
in ihrem Verhältnis zur Theorie und Praxis seines ZeiUlters. (M. v. Heckel.) 
S. 134. 

Schriften des Vereins für Sozialpolitik. Bd. 62. [Auswanderung und Aus- 
wanderungspolitik in Deutschland. Berichte etc. hgg. von E. v. Philip povich.] 
(Grats er.) 8. 189. 

Sewen, M., Studien über die Zukunft des Geldwesens. (W. Lexis.) S. 460. 

Spiegel, E. , Die südafrikanische Republik (Transvaal) und ihre Goldproduktion. 
(W. Lexis.) S. 469. 

Staats- und sozial wissenschaftlic he Forschungen. Hgg. von Gustav 
8 e h m o 1 1 e r, XU. Bd. 4. Heft. [Wuttke, Robert, Gesindeordnungen und Gesinde- 
swangsdienst in Sachsen bis z. Jahre 1836.] (W ilh. Naud^.) S. 773. 



VI Inbalt 

Stammhammer, Joaef, Bibliographie dM SoiiaUimns nnd KommttnUnms. (K. DiehL) 

8. 626. 
Statiitiscbe Beschreibong der Stadt Frankfurt a./ll nnd ihrer Ba- 

TÖlkerang. Hgg. Tom etat. Amt. Band I: Dia iaÜMre Yerteilong der BevSlke- 

rang, bearbeiut Ton Dr. H. Bleicher. (J. C) 8. 791. 
8 tatiitiicbes Handbneh der. K. Hauptstadt Prag nnd der Vororte 

f. d. J. 1889. Hgg. Ton der etat Kommiieion nnter Redaktion des Direktors des 

stXdt. sUt. Boreans Jos. Erben. N. F. 7. Jahrg. (J. C.) 8. 790. 
Studien, rolkswirtschaf tliche, Mflnchener. Hgg. von Brentano und 

Lots. S. Stfiok. [Bomolo Broglio d'Ajano, Graf, Die yenetianische Seidenindustrie 

und ihre Organisation bis snm Ausgang des MittelalUrs.] (Wilh. Naud 6.) 8. 145. 
Studien, Staats wissenschaftlich e. Hgg. tod L. Elster. IV. Bd. 9. Heft. 

[Bfinses, Boris, Die Nationalgfitenrerlufseruog während der fhinsSsisohen Berolntion.] 

(Redlich.) 8. 917. 
Suefs, Ed., Die Zukunft des Silbers. (W. Lezis.) 8. 459. 
Tabellen sur Wih rungsstatistik, yerfaCit im k. k. Finansministcrium. 

(W. Lezis.) 8. 460. 
Taufsig, Tb., The SUtct Situation in the United States. (W. Lezis.) 8. 460. 
Volkmar, O., Die WIhrangs- und die Arbeiterfrage. (W. Lezis.) 8. 459. 
Wagner, Ad., Die neueste Silberkrisis und unser M&nswesen. (W. Lezis.) S. 459. 
Weis, Heinrich, Die ordentlichen direkten Staatssteuern von Kurtrier im Mittel- 
alter. (B. Hilliger.) 8. 778. 
WittelshSfer, O. , Untersuchungen Aber das Kapital, seine Natur und Funktion. 

Ein Beitrag sur Analyse und Kritik der Volkswirtschaft (W. Lezis.) 8. 769. 
Wolf, Julius, Verstaatlichung der Silberproduktion und andere Vorschläge sur 

WXhrangsfrage. (W. Lezis.) 8. 459. 
Wuttke, Robert, Oesindeordnungen und Oesindeswangsdienst in Sachsen bis sum 

Jahre 1835. [Staats- und sosialwisaenschaftliche Forschungen, hgg. Ton Oustar 

Schmoller. Bd. XU. Heft 4.J (Wilh. Naud6.) 8.778. 
Zimmermann, Alfred, Oeschichte der preufsisch-deutsohen Handelspolitik, akten- 

mifsig dargesteUt. (A. ▼. Hatl ekorits.) 8. 901. 

Uebersioht über die neuesten Pablikationen Deutsohlands und dee 

AUBlandes. S. 184. 822. 495. 626. 750. 916. 

Die periodiBChe Presse des Auslandes« s. i56. 508. 647. 795. 948. 
Die periodische Presse Deutschlands, s. 159. 6ii. 658. 799. 952. 



Frans Sarter, Dia SyadikatilMatrebiingan ete. 



Die Sjmdikatsbestrebungen^) 
im niederrheinisch -westfälischen Steinkohlen- 
bezirke. 

Eine geschichtlich-kritische Stadie 



Frans Sarter» 
Bargaasessor. 

I. Etnleltnng. 

Die rheinisch-westfUische Steinkohlenindustrie gehört infolge ihres 
gewaltigen Betriebes auf einer verhältnism&Big kleinen Fläche und 
der alljährlich zunehmenden Arbeiterzahl zu den wichtigsten Industrie- 
zweigen unseres Vaterlandes und beansprucht wegen der grOSem 
oder geringeren Beteiligung weiterer Volkskreise lebhaftes Interesse. 
Bis vor wenigen Jahren war den meisten unserer Landsleute der 
Bergwerksbetrieb nur in undeutlichen Umrissen bekannt Erst der 
im Frühjahr 1889 ausgebrochene große Arbeiterausstand lenkte plötz- 
lich die allgemeine Aufmerksamkeit auf die bergbaulichen Verhält- 



1) Vorliagende Stndia basweekt niobt, aio in Jader Basiafaang Tollstftndigat Bild dar 
Kartallbairagiuig im oiadarrbaioiich-wastfiliMhen Stainkoblenbaairlie in gabao und aUa 
gagan lia arhobanan Einwftnda an baleacbtan: vialmabr soll dia Arbait nur ainan Bai- 
trag an der Banrtailiing der Syndikatofraga bilden. Hieran iet ae für aweckmftBig er- 
aebtat worden, der kritiscben Betprecbaog eine syatemadfche Darstellung der Ent> 
stebnngsgesebiebte des Syndikates in knrsen Zflgen Torantansablcken. 

Das Hatarial dieser Stadie ist yorsngswelse Originalaktan und Anfkaichnnngan ant- 
Dommen, welobe mir mit dankenawerter Bereitwilligkeit von Werksdirigeaten und 
sonstigen am wastAlisehen Bergbau beteiligten Herren aar Verf&gnng gestellt wurden. 
Ebenso fbBt dar kritische Teil aof Brfahrangen, die ron mir im westfkUscben Steinkohlen- 
basirka aaf On»d parsdnliehar Ansohanong gesammelt worden sind. 

KSln, im Oktober 1898. Sartar. 

Dritte FMge Bd. Yn (LZn). 1 



2 



Frans 8&rter« 



nisse und brachte das Interesse für den Steinkohlenbergbau nicht 
nur bei deo kohlenverbrauchenden iDdustriezweigeo, sondern auch bei 
dem Privatmann, der in seinem kleinen Haushalte diesen uoenlbehr* 
liehen BrennstoflF verwenden muß, in recht fühlbarer Weise zur Gel- 
tung. Dieses einmal geweckte Interesse mußte noch um so mehr 
gesteigert werden und auch sonst uDbrteiligte Kreise ergreifen, als 
sich auf diesem Gebiete Vorgänge vollzogen, welche für das volks- 
wirtschaftliche Leben von einschueidender Bedeutung sind. 

Die Bestrebungen zur Hebung der westfälischen Steinkohlen* 
Industrie, welche in den letzten Jahrzehnten sich in verschiedenen 
Formen geltend machten, haben neuerdings ihren Ausdruck in der 
Bildung von Kohlenverkaufsvert^inen und in der Gründung des Kob- 
lensyndikates gefunden. Die Presse bat sich der Atigelegenheit mit 
Eifer bemächtigt, die verschiedenen Industriezweige, im besonderen 
die sehr interessierte Eisenindustrie hat Stellung zu der Frage ge- 
nommen, und auch die Vertreter der Landwirlschaft haben geglaubt» 
ihre Ansicht über den ihnen im allgemeinen fernliegenden Gegen- 
stand aussprechen zu müssen. Im Hause der Abgeordneten ist das 
Syndikat der Gegenstand häufiger und heftiger Debatten^) gewesen; 
zahlreiche Broschüren sind gedruckt worden. Je nach dem partei- 
politischen Standpunkte und nach der jeweiligen volkswirtschaftlicheo 
Stellung des Kritikers haben die Kohlenkarielle eine unbeflingt zu- 
stimmende odt*r abfällige Beurteilung erfahren. Während der Frei- 
händler in den Kohlenverkaufsvereinigungen eine die Selbständigkeit 
und Individualthäiigkeit hemmende Einrichtung erblickt, verurteilt 
der kuhlenverbrauchende, iiidustrielle SclmtzzoUner sie deshalb, weil 
er von einer monopolistischen Ausbeutung eine Erschwerung seiner 
Konkurrenzfähigkeit befürchtet. Die Gegnerschaft des Landwirtes 
erklärt sich wohl hauptsächlich aus der Besorj^nns, daß mit der ge- 
steigerten Lebensfähitikeit der Steinkohlenindustrie der Laudwirt- 
schaft die nötigen Arbeilskräfte ent/(igen werden könnten. 

Diese Urteile sind jetloch weni:ier von allgemeinen volkswirt- 
schaftlichen Gesichtspunkten» als vielmehr von Sonderintercssen ge- 
leitet; andererseits ist nicht zu verkt-nnen, dnß die den Vereinigungen 
günstigen Ansicliten vorzugsweise das Interesse des Bergwerksbesilzcra 
vertreten. 

Eine richtige Beurteilung der Kohlen Verkaufsvereinigungen ist 
Bur möglich an der Hand der Geschichte, welche zeigt, unter 
welchen Verhältnissen die westfälische Steaikohleninduslrie Jahre lang 
gearbeitet hat, welche Versuche zur Erhitltung ihrer Lebenstahijikeit 
unternommen worden sind ur»d wie sich nach diesen zahlreichen, zum 
größten Teile mißglückten Versuchen die Bildung der Verkaufsver- 
einigungen und die Gründung des Syndikates vollzogen hat. 

Es ist hierzu erforderlich, zunsichst mit einigen Worten auf die 
liage der Industrie vor einigen Jahrzehnten einzugeben. 



1) Vgl die ittnoffraphischfio Benclile der Bitiunfr^n d«i pretifftiicheD Abgeordii«tttii-, 
hAU»es Tom 15. Februmr, 16« F«bruftr, 1. atid 3. Mlrs 1B98. 



Die SyndikAtttboAtrebuD^eQ im niederrheioiscb-vrtAtflHschen Steinkolileabesirk«. 



n. GescMchtllche Entwfelceliifig der Solilenrerkaiift* 
Terelnigungen. 

A. Die Lage der Steinkohle niBdustrie zu Anfang und 
Mitte der 70er Jabre. 

Die Gruben des niederrbeinisch-westfälischeD Bezirkes waren in 
der Milte dieses Jahrhundtirts vorwiegend in den HäuduD alterer, im 
Reviere ansässiger P'annlien. Fremde^ größere Kapitalien waren bis 
dabin nur in den seltensten Fällen zu Hilfe geuotniuen. Erst die 
Jabre 1855—1867 gaben infoljj;e des Eisenbahnbaues und der Ent- 
Wickelung der Eisenindustrie überhaupt, nacbdein der Kulilenreichtum 
der nördlichen Reviere unter dem Mergel festgestellt war, den ersten 
AnlaB zur Gründung einer größeren Anzahl neuer, mit verbesserten 
maschinellen Anlagen ausgerüsteten Unternehmungen, zu deren Durch- 
führung umfangreichere Geldmittel erforderlich waren. Auch das 
Ausland stellte ein nicht unbedeutendes Kapital diesen Zwecken zur 
Vertügung. 

Nachdem durch die Einführung des Allgemeinen Berggesetzes 
vom 24. Juni 18b5 die der freiheitlichen Bewegung der Industrie bin- 
derlichen Schranken gefallen waren und mit dem Bevormundungs- 
system gebrochen war, ergab sich als nächste Folge eine Vermehrung 
der Produktion. Die Steinkohlentörderung in den westfälischen Berg- 
revieren stieg in den Jahren 1864— 18b9 von 8146433 Tonnen auf 
12034 169 Tonnen. Die beiden folgenden Kriegsjahre brachten natnr- 
gf^mäß einen Rückgang der Förderung, ^'ach dem glücklieben Aus- 
gange des deutsch französischen Krieges trat jedoch ein unerbörter 
Aufschwung der Industrie ein. Es entstand eine große Anzahl neuer 
Unternehmungen, an denen sich nicht nur bedeutende, angesammelte 
Kapitalien^ sondern auch die kleinsten Ersparnisse beteiligten, Aeltere, 
bestehende VNerke wurden zu bedeutenden Preisen angekauft und in 
Aktiengesellschaften umgewandelt. Wenn schon die Gründung der 
Neuanlagen eine bedeutende Zunahme der Produktion veranlaßte, so 
hatte auch bei den bestehenden Anlagen das Bestreben, durch Er- 
niedtigung der Selbstkosten einen möglichst hoben Gewinn zu erzielen, 
eine Vermehrung der Förderunj^ zur Folge, So kam es, daß sich die 
Förderung des Jahres 1873 bereits auf 16416570 Tonnen belief. 
Allerdings fand dieses Förderquantum bei di5r atigemein gesteigerten 
Industneihäti^keit flotten Absatz zu hohen Preisen. 

Der Schwerpunkt des Interesses des Bergbaues war jedoch an die 
Börsenplätze verlegt. Es bandelte sieb nicht mehr um eine gedeih- 
lithe Entwickelun^ der Bergwerksindustrie, sondern um die Herbei- 
führung einer günstigen Kursbewegung und die Erzielung einer hohen 
Dividende. Die Bergwerksaküen wurden zu einer schwindelhalten 
Uöhe gesteigert und die Börse machte glänzende Geschäfte^). 



1) VieL hifrILber sucb Wilfa« O e ehe Ibft naer , Die vt irtsebAmiche Krisia, BerUtt 
1S76, 8«ite i9 fS 

1* 



Frans Sftrter, 



Der Rückschlag begann im Jahre 1874, als die allgemeine wirt- 
schaftliche Lage sich zu verschlechtern anfing. 

Die Eiseaiuduslrie, die Uauptabnehmerin der Bergwerksprodukte, 
mußte wegen Mangels ao Aufträgen den Betrieb einschränken. Aus 
der verminderten Nachfrage folgte ein Preissturz der Kohlen, die 
Kurse fielen rapid uod es begann die Zeit des tiefsten wirtschaft- 
lichen Verfalles der SteinkohleDindustrie. Die Gesamtproduktion des 
Jahres 1874 sank auf 15312812 Tonnen; der Ausfall erfolgte jedoch 
nur in den drei ersten Quartaleo; im vierten Quartal 1874 war die 
Förderung des gleichen Zeitraumes im vorhergehenden Jahre wieder 
erreicht, und damit begann die Tendenz zur Vermehrung der 
Produktion. 

Die fortwährend steigende Zunahme der Förderung, die dem Be- 
streben, die Selbstkosten zu erniedrigen, entsprang, welche jedoch zur 
Nachfrage in keinem Verhältnisse stand, — die Sucht, die Produkte 
um jeden Preis loszuschlagen uod die infolgedessen hervorgerufene 
Preisschleuderei wirktea sehr schädlich* Eine Anzahl von Werken, 
besonders von deojenigeD, welche mit unverhältnismäßig hohem Kapi- 
tal angekauft waren, mußte infolge zunehmender betriebatecbnischer 
Schwierigkeiten den Betrieb einstellen; auch diejenigen Werke, welche 
auf einer soliden Grundlage ruhten, hatten mit den größten Schwierig- 
keiten zu kämpfeo , um überhaupt bestehen zu können. In dieser 
Zelt erfolgte auch die RQckwandlung mancher Aktieugeselischaften in 
Gewerkschaften, lediglich zu dem Zwecke, um zur Fortführung des 
Betriebes die nötigen Kapitalien aufbringen zu können* 

Es mag dahingestellt bleiben, ob, wie von schutzzötlneriscber 
Seite') behauptet wird, der Debergang zu der freihändlerischen Poli- 
tik und zur Goldwährung im Jahre 1874 einen EinfluS auf den 
Niedergang der Industrie ausgeübt bat. Die Hauptursachen, warum 
die niederrheinisch-westfälische Steiokohlenindustne schwerer wie die 
anderen ladustriezweige von der Ungunst der allgemeinen Geschäfts- 
lage betroffen wurde, liegen auf anderen Gebieten: 

1) Die gesteigerte Forderung brachte eine Heber Produktion 
hervor, welche auf dem Markte nicht unterzubringen war, und infolge- 
dessen einen Preisniedergang. 

2) Die große Zersplitterung des Bergwerksbesitzes 
nötigte die einzeloen Werke, untereioaQder eineo Wettbewerb auf 
Tod und Leben aufzunehmen und die Waren selbst unter den Selbst- 
kosten auf den Markt zu werfen, lediglich zum Zwecke der Aufrecht- 
erbaltung des Betriebes, unter Aufwendung von Mitteln, die mit 
großen Opfern durch Zubußen und Anleihen aufgebracht werden 
mußten. Betrug doch noch im Jahre 1882 die Anzahl der konkurrie- m 
renden Werke 192. ■ 

3) Hierzu kommt die scharfe Konkurrenz mit der eng- 
lischen und belgischen Kohle. Berücksichtigt man, daß ein 



1) itttt<nattg«o dfts Verein« s;ir WahruDfp der f^meiDAAineii wirtscbAftlicheo lDt«r«**an 
in Bheintmod und Westfftlen. Düsseldorf 1883 Heft 4 und 5, Seite 111. 



Di« Syndikikta bestreb UDffQQ im ]iitd6frb«ini»€b-ir«0tfMti»chen Steinkoblenbesirke. 

gto&fdV Teil der englischen Kohlen aus den in unmittelbarer Nähe der 
See oder schiffbaren Flüsse liegenden Bergwerken in Grubenfahrzeugen 
auf kurze Entfernung bis an die ^ee herangeschafft und direkt in 
diesen »en verladen wird, und daß außer den niedrigen Schiffsfrachten 
auch die Preise der Kohlen selbst in England im Allgemeinen ein 
niedriges Niveau zeigen, so erscheint es nicht auftallu.nd , daß die 
Wettbewerbsbedingungen für die englischen Kohlen wesentlich günstiger 
waren als für die westfälischen. 

4) Dieser Wettbewerb war noch mehr erschwert durch die hohen 
Frachtsätze, welche die lediglich auf den Eisenbahntransport an- 
gewiesene Ruhrkohle wesentlich verteuern. 

Solchen Verhältnissen stand die niederrheinisch-westfälische Stein- 
kohlenindustrie in der Mitte der siebziger Jahre gegenüber. Die 
beteiligten Kreise sahen sich vor die Alternaive gestellt, auf Mittel 
und Wege zur Wiederbelebung der Industrie zu sinnen oder ihre 
Existenz in bedenklicher Weise zu gefährden. 

Vor allem ward es den Bergbautreibenden klar» daß die Ver- 
schleuderung der Betgwerksprodukte auf der inneren ungesunden 
Konkurrenz beruhte und daß als das durchgreifendste Mittel die 
Konsolidation der Werke zu größeren Komplexen anzustreben 
sei* Dieses Ziel wird auch jetzt noch beharrlich verfolgt, und es sind 
vorzugsweise die „Gelsenkirchener*' und „Harpener** Bergwerksaktien- 
gesellschaft, welche mit Glück diesen Weg beschritten haben. Drr 
zielbewußten Durchführung eines derartigen Planes stehen jedoch 
Schwierigkeiten gegenüber, deren Beseitigung in unabsehbare Ferne 
gerückt ist. Es mag hier nur angedeutet werden, daß, abgesehen 
von Hindernissen technischer Natur, die in Betracht kommenden 
änanziellen Fragen die Lösung der Aufgabe sehr erschweren, zumal 
da ohne Heranziehung fremder Kapitalien der Konsolidationsplan wohl 
nicht ausführbar ist. Zudem werden vielfach von denjenigen Werken, 
deren Verschmelzung mit größeren Gesellschaften ins Auge gefaßt ist, 
fast unerfüllbare Bedingungen gestellt. Andererseits tritt auch in der 
geringen Geneigtheit der einzelnen Gruben Verwaltungen, ihre vielleicht 
mit zäher Ausdauer errungene Selbständigkeit preiszugeben, der Durch- 
führung des Konsolidationsplaiies ein Uindernis entgegen, das nur 
durch die Zeit überwunden werden kann. 

Da von vornherein die Verwirklichung eines einheitlichen Kon- 
solidationsplanes vor der Hand als aussichtslos erkannt wurde« so 
mußte auf anderem Wege versucht werden, die Steinkohlenindustrie 
wieder in gesunde Bahnen zurückzuführen. 



B. Die auf Hebung der Steinkohlenindustrie hinzielen- 
den Bestrebungen, 

welche zum Teil nebeneinander laufen, lassen sich nach vier ver- 
schiedenen Richtungen hin verfolgen: 

L Das Bestreben war darauf gerichtet, das Absatzgebiet zu 
erweitern. 



6 



Frans 8 «rtAr^ 



II. Man suchte die U e b e r 8 c h w e m m u n g des Kohlenmarktes 
durch Fördereinschränkungen zu beseitigen und so durch An- 
passen des Aogebotes an die Nachfrage eioe konstante Preislage zu 
erzielen. 

III. Es wurde der Versuch einer Preisreg ulierung iioter- 
Qommen. 

IV. Man ging zur Organisation des Koh lenverkaufage- 
achäftes über. (Bildung der Kohleosyndikate.) 



I. Die Bestrebungen snr Vargrosserung des Absategebietea. 

Die verschiedenen Einzelbestrebungen, den Produkten neue Ab- 
satzgebiete zu verschaffen, erhielten eine bestimmtere Form, als 23 
Gas- und Flammenkohleuzechen des Bochunier und Geisenkirchener 
Reviers im Jahre 1877 zu dem Westfälischen Koblenaus- 
fuhr verein zusammentraten. 

Dieser Verein, welcher auch heute noch nominell besteht, bildet 
eine lose Vereinigung von Interessenten mit dem Zwecke, durch Agi- 
tation den Absatz der Produkte in den heirai sehen und überseeischen 
Häfen zu befördern und für die einzelnen Zechen die Einleitung der 
Geschäfte so zu treffen, daß ohne große Weiterungen zum sofortigen 
Abschluß derselben vorgegan^^eu werden kann. 

Der Ausfuhrverein bediente sich xur Abwickelung der Geschäfte 
einer Firma. Seine Bestrebungen richteten sich hauptsächlich gegen 
die Konkurrenz der englischen Kohlen, und es ist diesem Vereine auch 
gelungen, der westfälischen Kohle in den Nordseebäten, mit Ausnahme 
von Hamburg, dauernd Eingang zu verschaffen. Das Uebergewicht der 
englischen Kohleneiuiuhr im Hamburg ist außer den durch die Schiffs^ 
Verfrachtung^ bedingten Vorteilen und Annehmlichkeiten, hauptüächlidi 
durch die Abneigung der Hamburger Kauffeute gegen den Bezug der 
westfälischen Kohle begründet^ da sie durch eine Verdrängung der 
fremden Kohlen eine Schädigung ihrer lebhaften englischen Handels* 
beziehungen befürchten. I 

Die Versuche des Kohlenausfuhr Vereines, auch die Ostseehäfen zu 
gewinnen, sind gescheitert; diese sind in unbestrittenem Besitze des 
englischen Kohlenmarktes. Ebensowenig erfolgreich waren die Ver- 
suche, die östlichen Provinzen') zu gewinnen, da sowohl die sächsi- 
schen und schlesischen Steinkohlen als auch die Braunkohlen den 
Markt beherrschen* Einen besonderen Erfolg erzielte der Verein noch 
dadurch, daß es ihm im Jahre 1^78 gelang, die Lieferungen für die 
kaiserlich deutsche Marine zu erhalten, welche bis dahin ihren Jahres- 
bedarf mit englischer Kohle deckte. Leider ist die Kohlenlieferung 
für das Etatsjahr 1893/94 wiederum an englische Händler vergeben 
worden. Ohne auf die Beweggründe näher einzugehen, welche die 

ij Ein Mitte November 1876 bej^ÜDdiBtes „Ber^ptch'Mttrkisches Zecbenkon^ortiniit 
fUr den Kohlen&bitmtz nacli dem Oiten^\ welcbes den Abaats der westfElUcbeti Kohle In 
Otten der Maoiirchte, speiiell ia Berlto ilu vergröBerii atrebtOi hat gleivbfmlle keine 
oeoneiievrerteD ErloJge erhielt. 



DI« SyodikAUbestreboDgeD im Di«dflrrheioi9ch>westntUscb6D Stetukohleobexlrk«. J 

Marineverwaltung zu diesem Schritte veranlaßt hat, und ohne die 
Frage prüfen 5?u wollen, ob dieselbe durch den diesjährigen Bezug der 
eoglischen Kohle wirklich die von ihr behaupteten großen Ersparnisse 
erzielt hat, muß man es doch sehr bedauern, daß bei den ohnehin 
schwierigen Äbsatzverbältnissen die Ruhrkohle diesen Abnehmer ver- 
loren hat^ ein Verlust, der auch vom sozialpolitischen Standpunkte 
aus von großer Bedeutung ist. 

Der Kohlenausfuhrverein , dessen Aufgabe in letzter Zeit durch 
die Thätigkeit der Kohlenverkaufsvereine sehr beschränkt wurde, ist 
die einzige ausgeprägte Vereinsbildung zum Zwecke der Erweiterung 
des Absatzgebietes gewesen. 

Daneben sind auch von selten des „Vereins für die bergbaulichen 
Interessen im Oberberframtsbezirke Dortmund" Bestrebungen ausge- 
gangen , der westfälischen Kohle neue AbsatzL^ebiete zu erschließen. 
Der genannte Verein*) wurde im November 1858 gegründet, zu einer 
Zeit, wo nicht nur die Erträgnisse des Grubenbetriebes hinter den be- 
scheidensten Erwartungen zurückgeblieben waren, sondern auch wo 
durch die Errichtung einer großen Reihe von Tiefbauanlagen eine be- 
denkliche Uebcrproduktion den Kohlenmarkt zu Überschwemmen drohte. 
Diese ungünstige Lage des Steinkohlenbergbaues führte die Gründung 
des Vereins herbei. Seine Benmhungen sind während der Zeit seines 
Bestehens fortwährend darauf gerichtet gewesen, die Exportfähigkeit 
der Ruhrkohle zu steigern* Zu dem Zwecke unterzog sich der Verein 
vor allem der Aufgabe, neue Verkehrswege zu schaffen und auf eine 
Tariferraäßigung für die Kohlentransporte hinzuwirken. That^ 
sächlich ist es ihm auch gelungen, die Bewilligung einer Reihe von 
Ausnahmetarifen für die exportierte Ruhrkohle zu erreichen. 

Einen weiteren Fortschritt bezeichnet die Ausdehnung der Fracht- 
satzermäßigung, welche bisher nur den Überseeisch ausgeführten 
westfälischen Kohlen und den Bunkerkohlen bewilligt war, auf die 
für den Ortsgebrauch in Hamburg und Umgegend bestimmte Kohle. 
Die Folge war eine Vereinigung von sieben größeren Bergwerksgesell- 
schaflen zum Zwecke der Errichtung eines Rheinisch -Westfälischen 
Kohlen- und Kokslagers**, welches unter dem Namen „Kohlenlager 
Sternschanze" zu Hamburg seit Beginn des Jahres 1889 besteht 
und durch welches auch eine allmähliche Aufbesserung des Kohlenge- 
schäftes erreicht worden ist 

Wenn auch die Bestrebungen zur Erweiterung des Absatzgebietes 
von teilweisen Erfolgen begleitet waren, so sind sie doch nicht im- 
stande gewesen, der in den siebziger Jahren herrschenden Ueber- 
produktion Abflußkanäle zu eröffnen. 

Man versuchte deshalb, das Grundübel, an dem die Steinkohlen- 
produktion krankte, mit der Wurzel auszurotten und glaubte den 
richtigen Weg in einer Organisation der Förderung gefunden zu 
haben« 



I) Vgl. d€n Jihresbcncht pro ISSS. 



8 



Kmiix 8«Tter, 



II. Die OrgamisatiOD der Förderung. 

1) Die Periode der FörderkonveDtionen vom Jahre 
1877 bis 1887. 

Trotzdem in der Mitte der siebziger Jahre Angebot und Nach- 
frage in eioem ganz unaugemesseDeD Verhältnisse zu einander standen, 
steigerte sich die Kohlenförderung alljährlich. Es tauchten zwar 
mancherlei Vorschläge auf, durch Fallenlassen von üeber- und Neben- 
schicbten, durch Einlegen von Feierschichten die Ueberproduktion zu 
vermindern. Aber von solchen halben Maür^eln war ein durchschla- 
gender Erfolg nicht zu erwarten. 

Der erste direkte Versuch, sich über eine Reduktion der 
Förderung zu einigen, ging im Dezember 1877 von Zechen gruppen der 
Bergreviere Dortmund, Witten und Sprockhövel aus, denen sich bald 
die übrigen Zechen des Oberbergamtsbezirkes anschlössen. Man einigte 
sich dahin, für die drei ersten Monate des Jahres 1878 eine 10-proz. 
Reduktion der Förderung des IV. Quartals 1877 eintreten zu lassen. 
Dieses Uebereinkommen hatte wenigstens den Erfolg, daß cUe rück- 
läufige Preisbewegung einhielt und sich die Preise, wenn auch auf 
niedrigem Niveau, hielten* Eine thatsächliche Fördereinschräokung 
fand jedoch nicht statt, da die den jüngeren Anlagen eingeräumte 
Ausnahmestellung die lO-prozentige Einschränkung illusorisch machte. 
Da außerdem von Festsetzung einer Konventionalstrafe abgesehen 
worden war, so war diese Einigung bereits im Anfange ihres Be- ^ 
Stehens t^escheitert. ■ 

Nunmehr wurden die Versuche zur Regulierung der Produktion 
im nämlichen Jahre von dem Vereine für die bergbaulichen Interessen 
wieder aufgenommen. Die Verhandlungen zo^eu sich lange hin, hatten 
aber schließlich doch den Erfolg, daß 141 Zechen, welche 95,1 Proz. 
der Gesamtförderung des Oberbergamtsbezirkes Dortmund vertraten» 
sich zu der L Förderkonvention für das Jahr 18 80 einigten. 

Der Vertrag wurde am 29. Oktober 1879 notariell geihätigt 
Seine wesentlichen Bestimmungen gipfeln in folgenden Punkten : 

1) Jede kontrahierende Zeche vermindert für das Jahr 1880 ihre 
Förderung um 5 Prozent. 

2) Es bleibt jeder Zeche überlassen, für die Reduktion dasjenige 
Förderquantum zu Grunde zu legen, welches sie in einem der 
Jahre 1876—1879 gefördert hat. 

3) Für je 100 Centner Kohlen, die über das auf diese Weise fest- 
gelegte Quantum hinaus gefördert werden, verfällt die betreffende 
Zeche in eine Konventionalstrafe von je 10 Mark. 

4) Eine Ausnahmestellung wird bewilligt 

a) den in der Entwickelung begriffenen Tiefbauanlagen, welche 
ihre Tagesforderung bis zu 7500 Centner steigern dürfen, 

b) den im Besitze von Hüttenwerken befindlichen Zechen, für 
welche nur das zum Verkaufe gelangende Quantum unter 
obige Reduktion fällt. 



IK« 8yDdikiktab«strtbuDgeQ im ni^derrheiiiiscb-ireitfillbch«!! Stoinkohienbf »Irke, 







5) Der Vertrag soll nur bindend sein, wenn so viele Zechen bei- 
treten, daß mindestene 90 Prozent des Förderquantums pro 1879 
in den Vertrag eingehen. 

Der lange Winter und die wieder gesteigerte Beschäftigung der 
£iseDindustrie brachte bei flottem Kobtenabsatze eine Preissteigerung 
von 50—60 Prozent. Eine Fördereinschränkung fand jedoch that- 
sachlich nicht statt, denn im I Quartal 1880 wurden bereits 14 
Millionen Centner Stückkohlen mehr gefördert, wie im gleichen Zeit- 
räume des Vorjahres. Mit Rücksicht auf diese Thatsache, welche die 
Gefahr der Ueberproduktion in erhöhtem Maße herbeizuföhren schien, 
wurden schon im Mai 1880 die Verhandlungen wegen der Verlänge- 
rung der L Konvention aufgenommen. 

Die Neigung, sich auch für 1881 zu binden, trat jedoch schon 
weniger hervor. Gleichwohl kam auch die 2. Förderkonvention 
ffkr das Jahr 1881 zustande, jedoch mit verschiedenen Abände- 
mngen. Der Kardinalpunkt lag in der Erweiterung der Ausnahme- 
Stellungen : 

1) Den Neuanlagen wurde anstatt der frühern 7500 Centner ein 
tägliches Förderquantum von 9000 Centnern zugebilligt. 

2) Die im Besitze von Hüttenwerken befindlichen Zechen durften 
im Falle geringeren eigenen Bedarfes die gegen das laufende 
Jahr hervortretenden Difierenzquantitäten auf den Markt 
bringen. 

3) Diejenigen Zechen^ welche im Jahre 1880 durch besondere Um- 
stände in ihrer Förderung zurückgeblieben waren, durften nach 
der Entscheidung einer Kommission ihr pro 1880 bewilligtes 
Quantum bis zu 10 Prozent erhöhen- 

4) Die Konventionalstrafe wurde auf 5 Mark ermäßipt. 

Bei dem Spielräume, welcher den verschiedenen Zechen bei der 
Normierung der Förderung eingeräumt war, bei der großen Anzahl 
von Ausnahmestellungen, welche schHeßlicb die Regel Überwogen, war 
es nicht zu verwundern, daß beide Förderkonventionen ihren Zweck 
verfehlten. Bei den niedrigen Konventionalstrafen ergab sich für die 
meisten Zechen bei Ueberschreitung des bewilligten Förderquantums 
Doch ein Nutzen. 

Es wurden für die Jahre 1880 und 1881 an Konventionalstrafen 
die Summen von 537332 M. und 185252 M. eingenommen, welche 
einer Mehrförderung von 5373320, resp. 3 706040 Centnern 
entsprachen. 

Die verschiedenen Verhältnisse und Bedingungen, unter denen die 
einzelnen Werke arbeiten, — von den großen Unternehmungen im 
Norden des Bezirkes mit ihren Massenförderungen bis zum Kleinbe- 
trieb herab, wie er noch vielfach im Ruhrgebiete umgeht, — ferner 
die Mannigfaltigkeit der Kohlensorten und ihre verschiedene Qualität 
bilden den Hauptgrund, weshalb die Versuche zur Bildung von Kon- 
ventionen für die folgenden Jahre scheitern mußten. 

Im Jahre 1883 glaubte man die Organisation der Förderung auf 
veränderter Basis durchführen zu können. Von dem Gedanken aus- 



10 



rrftQ I SftrUr, 



gehend, daß die beiden früheren KonveiitioDeu an den zahllosen Aus- 
nah mestelluDgen gescheitert waren, wollte man das Ziel nunmehr durck 
das entgegeoi^^esetzte Verfahren erreichen. 

Durch Aufheben sämtlicher Ausnahmestellungen hoffte 
man einerseits den Einwendungen zu begegnen, welche gegen die 
früheren Verträge wegen angeblicher Begünstigung einzelner Zechen 
erhoben wurden, andererseits durch eine derartige Gleichstellung nicht 
mehr auf so große Schwierigkeiten zu stoßen, zumal da sich zur da* 
maltgen Zeit nur noch einzeloe Zeclien im Eotwickelungsstadium be- 
fanden und noch nicht auf der Höhe des von ihnen angestrebten nor- 
malen Betriebes angelangt waren. Der auf Grund dieser Erwägungen 
in einer außerordentlichen Generalversammlung des bergbaulichea 
Vereins den Zechen besitzern vorgelegte Entwurf fand zwar allseitige 
Zustimmung; die Durchführung des Planes scheiterte aber an dem 
Mangel an Beteiligung, da nur 68 Prozent ihre Beitrittserklärung ab- 
gaben. 

Trotz aller mißlungenen Versuche gab der Vorstand des bergbau- 
lichen Vereins seine Bemühungen nicht auf. Es gelang ihm auch, 
noch einmal eine 3. Ford erkonvention für die Zeit vom 
1. Juli 188 5 bis 31, Dezember 1886 zustande zu bringen, in 
welche 90,6 Prozent der Förderung eingingen» Sie beruhte auf dem 
Entwürfe von 1884 mit der einen Ausnahme, daß eine Ausnahme* 
Stellung denjenigen Zechen zugebilligt werden dürfte, welche eine 
solche beanspruchen zu müssen glaubten. Die Ausnahmestellungen 
vereitelten wied*Tum die Wirkung der Konvention. 

Im Jahre 1886 wurde nunmehr der Vorschlag gemacht, eine (4,) 
Förderkonvention für die folgenden 5 Jahre unter nachstehenden, van 
den früheren Grundsätzen abweichenden Gesichtspunkten ins Leben 
zu rufen: 

IJ Eine Regulierung des Angebotes soll in der Weise angestrebt 
werden, daß die Zechen sich verpflichten, in dem ersten Halb- 
jahre eines jeden Jahres nur ^/i^i iin dritten Vierteljahre ^/,, 
des Quantums zum Absatz zu bringen, während das 4. Quartal 
freigegeben wird. 
2) P'ür Aiinderförderung wird den betreffenden Zechen eine Vergtt-» 
lung bewilligt, welche aus der Abgabe für Mehrförderung, be- 
ziehungsweise aus einer Umlage zu bestreiten ist 
Durch diese Abänderungsvorschläge suchte man zweierlei zu er- 
reichen, nämlich 

a) eine Regelung des Angebotes, entsprechend der wechselnden Ge- 
schäftslage, 

b) durch Prämiierung der Minderforderung eine Einschränkung der 
Produktion, 

Bei den Verhandlungen stellte sich jedoch heraus, daß eine aua- 
reichende Zustimmung in den Kreisen der Ürubenverwaltungen nicht 
zu erzielen war, und die weiteren Bemühungen wurden als aussichts^j 
loa aufgegeben. 

Nachdem sich erwiesen hatte, daß auf dem bisherigeQ Wege,! 



DI« SjadlkatibestTAbaügea im üiederrhetnUcb-weslfiliscbeii Stelnkohleobesirk«, H 

nämlich durch freie VereiobaraDg, eine angemessene Regelung 
der Förderung nicht zu erreichen war, beschloß der Vorstand des 
bergbaulicheo Vereins, von weiteren Versuchen abzusteheo und das 
angestrebte Ziel vermittelst der alle Zechen des Oberbergamtsbezirkes 
umfassenden BerggewerkscbaftskaBse zu erreichen. 



» 



2* Versuch der Organisation der Produktion mittelst 
der Berggewerkschaftskasse. 

Die westfälische Berggewerkschaftskasse ist eine den Bestimmun- 
gen des Gesetzes vom 5. Juni 1863 unterworfene Bergbauhilfskasse, 
welche zufolge eines Fusionsvertrages aus der Märkischen und Essen- 
Werden^scheti Berggewerkschaftskasse gebildet wurde. Sie umfaßt mit 
verschwindenden Ausnahmen sämtliche im Oberber^^amtsbezirke Dort- 
mund gelegenen Bergwerke. Ihre Aufgabe bildet im allgemeinen die 
Verfolgung wissenschaftlicher Zwecke zur Hebung und Beförderung 
des Bergbaus. Da die Beschlüsse der Berggewerkschaftskasse für alle 
Mitglieder bindend sind, so glaubte man durch eine entsprechende 
Abänderung der Satzungen ein Mittel j^^efunden zu haben , mit Erfolg 
die Organisation der Förderung durchzuführen. 

Nach längereu Beratungen und mit dem Herrn Minister gepfloge- 
nen UnterbandluDgeu erhielt das Statut eine neue Fassung, welche 
am 1. März 1887 die ministerielle Bestätigung fand. Nach diesem 
Statut waren die Obliegenheiten der Berggewerkschaftskasse dabin er- 
weitert, daß ihr auch die Mitwirkung bei Ausführung gewisser den 
Bergwerken des Kassen bezirkes durch die Unfallversicherung erwachse- 
nen Auff^'aben zustehen sollte^ welche über die gesetzlich vorgeschrie- 
benen Pflichten hinausgingen. Zur Erfüllung dieser Zwecke sollten 
außerordentliche ) in einer Abgabe für Mehrförderung bestehende 
Beiträge erhoben werden. 

Der Kardinalpunkt der Statutenänderung lag in dem der Gene- 
ralversammlung der Berggewerkschaftskasse zustehenden Rechte, eine 
bis zu 5 Prozent steigende Einschränkung der Förderung 
mit der Wirkung zu beschließen, daß die kontraveniereude Zeche ge- 
zwungen war» für Mehrförderung eine außerordentliche Abgabe zu ent- 
richten, deren Höhe jährlich nach bestimmten Grundsätzen festgesetzt 
werden sollte. Von der Befugnis der Fördereinschränkung wurde be- 
reils im Jahre 1887 Gebrauch gemacht, indem eine Einschränkung 
der Förderung um 2 Prozent gegenüber der Jahresforderung von 1886 
beschlossen wurde. 

Dieser Beschluß hatte jedoch so wenig Wirkung, daß nicht nur 
keine Verminderung eintrat, sondern das Förderquantum des Jahres 
1887 eine Zunahme von 5 Prozent gegen die Förderung des Vor* 
Jahres erfuhr. 

Auch wurde von einigen Zechen die Rechtsverbindlichkeit der die 
außerordentlichen Beiträge betreffenden Satzungsabänderuugen be- 
stritten. Der anhängig gemachte Rechtsstreit wurde durch mehrere 
Instanzen verfolgt und schließlich zu Ungunsten der Berggewerkschafts- 



« 



%2 ^^^^^^^^^^Tyäii» S«rt«r, 

kaue cnUchiedeii. Id dem Urteile des Oberlandesgericbts zu Hamm 
f0ro 13, Dezember 1890 ist ausgeführt*), Haß 
^die Btaturariscbe BestimmiiBg der Westfälischen Berggewerkschafts- 
kaase Ober die Erhebung der außerordentlichen Beitrage, über den 
geieUlicheo Wirkungsgrad der Rergbauhilfskassen binaosgehe und 
dem § 2 des Gesetzes über die Verwaltung der Bergbauhilfskassen 
Tom 5. Juni 1863 entgegenlaufe". 

Durch dieses gerichtliche Crtcil war der durch die Statuten- 
änderung beabsichtigte Zweck einer Produktionseioschränkung voll* 
Btändig ?ereitelt. 

Mit diesem mißlongeuen letzten Versuche haben die Bestrebungen, 
durch eine Organisation der Förderung die Steinkohlen- 
industrie in gesunde Bahnen zurückzulenken , ihren Abschluß 
gefunden, 

m. Freisregaliemng* 

Gleichzeitig mit den Versuchen zur Organisation der Förderung 
waren Bestrebungen darauf gerichtet, durch Preiskonventionen 
die innere Konkurrenz der einzelnen Werke zu beseitigen. 

Die allgemeine Durchführung eines derartigen Unternehmens be- 
gegnete sehr vielen SchwierigkeiteD, da es fast unmöglich schien, für 
die so verschiedenen Kohlen qualitäten einheitliche Preissätze so zu 
normieren, daß alle Produzenten einverstanden waren. Solche um- 
fassende Preiskonventionen sind zwar vorübergehend zustande ge- 
kommen; sie vermochten jedoch einen durchschlagenden Erfolg nicht 
auszuüben, einerseits weil diese Verständigungen nur loser Art waren 
und nur einen Teil der Zechen umfaßten» andererseits weil mangels 
einer straffen Organisation die Bedingungen nicht eingehalten wurden. 

Gleichwohl hat man das Ziel innerhalb engerer Grenzen 
zu erreichen gesucht, indem man zu Preiskonventionen für bestimmte 
Kohlenqualitäten zusammentrat. Diese Konventionen haben ihrem 
Zwecke wenigsten insoweit entsprochen, als der Verschleuderung der 
Produkte vorgebeugt, beziehungsweise ein zu weit gehendes Sinken 
der Preise verhindert wurde. 

Der erste Versuch, auf der Grundlage der Preisregulierung eine 
Einigung zu erzielen, ist bereits im Februar 1878 von Seiten der 
Gaskoblenzechen des Bochumer und Gelsenkirchener Reviers ausge- 
gangen. 

1) Die Vereinigung der Gaskohlenzechen, V 

Die im Februar 1878 abgeschlossene Preiskonvention wurde im 
nämlichen Jahre wieder aufgehoben, weil eine größere Gesellschaft 
nicht beitrat Die Bestrebungen ruhten bis zum Ende des Jahres 
1879. Erst im Anfange des folgenden Jahres traten wieder 8 Zechen 



n 



t) S«ita«hrUV fttr B«rgr«cfat, benasKtben toq Bruscrl, Bonn — 89. JahrgMg 1891, 
MU 368 r 



Die 8jiidiluUtb«itrebiiiigen im afederrhtiniach-wMtfiUiichen Steinkohltnbeiirkt. 13 

swecks Normiemng diies Mindestpreises zusammen ; diese Verdnigimg 
serfiel jedoch bald infolge des Austrittes bedeutender Werke. 

Eine im März 1884 von 22 Gaskohlenzechen zur Preisfestsetzung 
berufene Versammlung verlief gleichfalls resultatlos. In der Mitte des 
Jahres 1887 bestand nur noch eine Vereinigung von 3 Gaskohlenzechen 
mit der Bestimmung, sich gegenseitig ihre Kundschaft zu sichern. 
Allmählich schlössen sich in den folgenden Jahren wieder mehrere 
Zechen dieser Vereinigung an, andere traten wieder aus, so daß heute 
noch 7 größere Gesellschaften der Vereinigung angehören, welche im 
Jahre 1890 zu festen Satzungen überging. 

2) Die Vereinigung der Gasflammkohlenzechen 

wurde im Jahre 1881 behufs Feststellung eines Mindestpreises ge- 
schlossen, ging jedoch schon in der Mitte des folgenden Jahres still- 
schweigend anseinander. Die im Jahre 1883 angestellten Versuche, 
die Konvention in einen festen Rahmen zu bringen, verliefrai gleich- 
falls resultatlos« Erst die im Jahre 1885 wieder aufgenommenen Ver- 
handlungen führten im folgende Jahren den notariellen Abschluß der 
bis Ende 1887 giltigen Preis konvention herbei, welcher 22 Zechen 
betraten. Die Vereinigung ist alljährlich erneuert worden. Es ge- 
hören ihr zur Zeit 18 Zechen an. Vorübergehend trat sie während 
des Besteh^s der „Zechengemeinschaft^^ vom Februar bis September 
1892 außer Kraft 

3) Die Vereinigung der Fettkohlenzechen und Koks- 
anstalten. 

Die Vorgeschichte des Kokssyndikates reicht bis zum Jahre 1882 
zurück. Dasselbe nimmt als Preiskonvention seinen Ursprung 
in der Vereinigung der Kokskohlenzechen des Ober- 
bergamtsbezirkes Dortmund, welche in diesem Jahre zu 
Bochum abgeschlossen wurde. Die Lösung der Preisregulierungsfrage 
bot weniger Schwierigkeiten beim Koksverkaufe, weil hier nur eine be- 
stimmte Kohlenart in Frage kam. Die Vereinigung bestand 1 Vs Jahre 
mit gutem Erfolge, und es wurden lohnende Preise erzielt Obschon 
zur damaligen Zeit die Produktion und Nachfrage in angemessenem 
Verhältnisse standen, so trat doch bald eine Ueberproduktion ein, da 
eine Beihe neuer Koksöfen gebaut wurde. Mögen auch die tech- 
nischen Verbesserungen des Koksofenbetriebes, bei welchem die Ofen- 
gase nutzbar zur Kesselheizung verwendet werden, die Zunahme der 
Koksöfenzahl verursacht haben, so gab doch auch die Erzielung der 
guten Preise Anlaß zu der Ueberproduktion. 

Durch die Konvention waren die einzelnen Zechen zwar an die 
Preisbildung gebunden ; diese wurde jedoch vielfach umgangen, indem 
entweder zugleich mit dem Koks Kokskohle zu ermäßigten Preisen 
geliefert oder ein höheres Skonto gewährt wurde, thatsächlich also 
der Koks billiger abgegeben wurde, als die PreisDormierung gestattete. 
Die Konvention zerfiel daher auch im Jahre 1883, und es trat ein 



u 



Franm Sarteri 



erheblicher Preisrückgang in Koks ein. Erst im Jahre 1885 wurde 
der Plan einer KoDveDtion M/ieder aufgenomiuen, und es entstand nach 
läitgcren Beratungen die Vereininigung der Fettkohlen- 
zecheD und Koksanstalten im Oberbergamtsbezirke 
Dortmund (Kokssyndikat Bochum). 

Sie hatte sich als üauptKwii'ck die Vereinbarung angemessener 
Preise, außerdem noch die EiuschränkuEig der Produktioo zum Ziele 
gesetzt 

77 Proz, der Produzenten traten der Vereinigung bei. Nach den 
Satzungen mußte jeder Abschluß mit dem Konsumenten durch das 
Syndikat genehmigt werden, welclie seinerseits den Preis festsetzte. 
Ais Mindestpreise galten zur damaligen Zeit, i 

für Koks 7.6 Mark und ■ 

für Kokskohle 4,0 „ ■ 

Bei der infolge der schlechten Lage der Eisenindustrie herunter- 
gehenden Konjunktur mußte im Jahre 1886 mit Produktionseinschiän- 
kungen vorgegangen werden , welches unter den Produzenten große 
Mißstimmung hervorriefen. Als nun in der Mitte desselben Jahres 
der ViTsui'h gemacht wurde, von der Zt^ntralstelie allein aus den 
ganzen VerkauJF zu besorgen, um höhere Preise zu erzielen, und ala 
infolgedessen 14 Tage lang überhaupt keine Aufträge einliefen, er» 
folgte mit dem l. Oktober 1886 die Suspension der Preisregulierung- 
Formell sollte allerdings noch jeder Abschluß dem Syndikate ange- 
zeitj;t werden; jede Zeche brhielt jedoch in der Preisbildung freie 
Hand, Hauptzweck der formellen Bestimmung war die Absicht, den 
Ucberbtick Über den Koksmarkt nicht zu verlieren. 

Infolge des nunmehr eintretenden wilden Konkurrenzkampfes sank 
der Kokspreis auf ö M. herab. Bei den weiteren Bestrebungen zur 
Hebung des KokBnmrkles ist jedoch das Mittel dtv Preiskonvertion 
fallen gelassen; auf ganz anderem Gebiete werden wir die Bt^mühungeü 
der KükBproduzenten wiederfinden. 

4) Die verschiedenen Vereinigungen der Magerkohlen- 

zechen, 

welche erst in neuerer Zeit erfolgt sind, bezwecken gleichfalls lediglich 
eine Preisregulierung. Sie sollen der systtmatischen Vollständi^^keit 
halber unter den BeHtrebun^en zur Preiskonventionshildung an dieser 
Sti'ile angeführt werden; sie werden jedoch erst später abgehandelt 
werden, da die?c Ve^eil^ignngen ein festeres Gefü^e auf weisen und 
bereits als Kühlenverkaufsvereine zugleich eine Regulierung des Ver- 
kaufsgeschäftes bezwecken. 



IV. Die Organisation des Verkaofsgeschäftes« 

Am 24. Mai 1887, also nach dem Scheitern der Förderkonventionen, 
legte der Abgeordnete Dr. Hamm ache r dem Verein*^ für die bergbau- 
lieben Jntere»seii eine Den k sehr ift vor, welche sich mit den Mitteln 
zur Hebung der Steinkoblenindustrie eiftgebend befaßte. Aus dieser 
Schrift öind folgende wesentliche Gesichtspunkte hervorzuheben: 



Die SyndikKUbeitrebungen Im nfedttrTbelDisoh-wttttfKUscheD Steinkoblenbeftirk«. 15 

1) Die BemübuDgen sind zu richten auf die Erzielung lohnender 
Verkaufspreise unter Zugrundelegung der gegenwärtigen ge- 
Bamten Prod uktiousl eistun g und einer mäßigen, den Be- 
dürfnissen sich anpansenden Steigerung ders^elben* 

2) Der Grund, weshalb biüber keine lohnenden Ergebnisse erzielt 
worden sind, liegt lo der Zersplitterung des Bergwerks- 
besitzes und inder ,,Indi vi dual thätigkeit der einzelnen 
Werke**, ihre Produkte zu verkaufen, 

3) Mit Rücksiebt auf diese Thatsache ist der gemeinschaft- 
liche Verkauf der Berg Werksprodukte durch Syndikat* 
liehe Vereinigungen zu regeln. 

4) Diese Bestrebungen sind jedoch erfolglos, solange sie des festen 
kontraktlichen Bodens entbehren, und solange sich kräftige Kon* 
kurrenzwerke aus^chließen. 

5) Die Verkaufsvereine lassen sich konstruieren aus 

a) den einzelnen Werken oder 

b) den Werken und Syndikatsheteiligten, oder 

c) bloß aus dritten Per^onen, 

Die beiden letzten Formen haben die Bildung einer Handels- 
gesellschaft zur Voraussetzung. 

Auf dies^er wei^enilith veränderten Grundlage wurde noch im 
Sommer des Jahres 1887 der Versuch aufgejkommen, eine Einigung 
sänitlicher Zechen herbeizutühren. Der Vorsthlag ging dahin, unter 
Mitwirkung von Kapitalkräften in Form einer Handelsgesellschaft ein 
Syndikat ins Lebens zu ruleo, welches 

1) die gesamte Kohlenförderung zu beistimmten Preisen und unter 
bestimmten Bedingungen übernimmt, und 

2) den Vertrieb derselben allein und auf eigene Hand zu b^ 
sorgen bat. 

Die Hauptschwierigkeit lag in der festen Begrenzung 
der Produktion* Die Handelsgebellschaft sollte nach dem Ent- 
würfe nur gebunden sein, zu dem im voraus festgesetzten Grund- 
preise 8 Proz. der Förderung zu übernehmen, und sie hätte da- 
nach das Recht erhalten, für alle über jene 80 Proz. hinausgehenden, 
ihr zum Verkaufe angebotenen Kohleivmengeu Preise zu gewähren, 
die unter die festgesetzten Preiise hinabgingen« 

Auf diese indirekte Nötigung zur Fördereinschrän- 
kung ibt das Scheitern des Projektes zurückzuführen. 

Von weiteren Bemühungen nach dieser Richtung hin wurde bei 
der sich günstiger gestaltenden Geschäftslage abgesehen. Kur der 
Koksmarkt zeigte infolge Scheiterns der Preiskünveniion im Jahre 
1887 ein trustloses Aussehen, Die Fettkohlenzechen nahmen deshalb 
den Plan einer Syndikatsbildung für sich allein wieder auf. Man 
hotrte hier eher eine Vereinbarung auf fester Grundlag*^ zustande zu 
bringen, weil der Umfang des Koks- und Fettkohlengeschäftes hichter 
zu übersehen war; es handelte sich nän)lii:h nur um etwa 75 Ei&eu- 
bütten mit 500—600 Äbsclilüssen. Die Koksprotluzenten traten an- 
fänglich mit einer Firma wegen Verkaufs der get^am ten Kokserzeugung 



1» 



FrAOS SattAr, 



in VerbinduDg* Als die UnterhandlungeD sich zerschlugen, wurde 
im Oktober die Bildung einer Kommanditgesellschaft „West- 
fälische KoksvereiniguQg*^ beschlosseu, welche aus den Produzenten 
selbst bestehen sollte. Aus juristischen Bedenkeo ließ man den Plan 
jedoch fallen. Ebensowenig gelang es, die Bildung einer den gleichen 
Zweck verfolgenden Aktiengesellschaft zu erreichen, da die 
größeren Koksanstalten sich fem hielten. 

Nach diesen vergeblichen Versuchen zur Syndikatsbildung wurde 
vorläufig die Fortsetzung der „wirtschaftlichen Vereinigung der Fett- 
kohlenzechen und Kokaanstalten*' im Jahre 1888 auf die Dauer der 
folgenden 5 Jahre beschlossen, mit der Modifikation, daß 

„die mit dem Auslande abgeschlosseneu Geschäfte aus der allge- 
meinen Vereinkasse subventioniert werden sollten.** 

Mit Beginn des Jahres 1889 begann sich der Kokspreis zu heben 
und stieg bis zum Schlüsse dieses Jahres von 10 M. auf 30 M. 
pro Tonne. Bei derartigen Preis Verhältnissen wurden die Syndikats- 
bestrebungen beiseite gesetzt* 

Id den Preisen der übrigeß Kohlen war jedoch beim EiDtdtt des 
Sommers 1889 wieder eine rückläufige Bewegung eingetreten. Dm dem 
Markte eine größere Stetigkeit zu gebeo, faßte man endlich in den 
verschiedenen Teilen des Oberbergamtsbezirkes Dortmund die Bildung 
von gemeinschaftlichen Verkaufsstellen ins Auge. Man ging diesmal 
von zwei Gesichtspunkten aus: 

1) Man ließ die früher stets vorschwebende Idee fahren, sämt- 
liche Werke des Oberbergamtsbezirkes zu vereinigen. Mau entschied 
sich vielmehr, mehrere lokale Vereinigungen ins Leben zu rufen, 
welche sich untereinander und mit den außenstehenden Gesellschaften 
leicbt benehmen konnten. 

2) Innerhalb der so zustande gekommenen Gruppen glaubte man 
jedoch mit dem System der losen Fühlungnahme brechen zu müssen, 
entschied sich vielmehr für die Bildung fest geschlossener Verk aufs* 
vereine. 

Diese Verkaufsvereine sind im Laufe des Jahres 1890 zustande 
gekommen. Sie sind in zwei Formen in die Erscheinung getreten: 

a) In der einen Form treten die Zechen zu einer Vereinigung zu- 
sammen, welche die Kontrolle über den Verkauf in der Art 
ausübt, daß die von den Zechen gethätigten Abschlüsse von 
den dazu bestellten Organen kontrolliert werden: Verkaafs- 
vereine zur Preisregulierung. 

b) Die andere Form besteht darin, daß die Zechen zu einer Han- 
delsgesellschaft zusammentreten, welche den ganzen An- und 
Verkauf der Produkte vermittelt: Verkaufs vereine in Form 
von Handelsgesellschaften. 



Die Syndikatibeftrebiingeii im niederrlieiiiiach-westfUiscben Steinkohlenbesirke. 17 



1) Die Kohlenverkaufsvereine und ihre Organisation. 

a) Die Verkanfsyereine zum Zwecke der Preis- 
reguliernng. 

Zu diesen Verkaufsvereinen sind zu rechnen: Der Verein Bheinisch- 
Westftlischer Magerkohlenzechen, der Steele-Mülheimer Kohlenver- 
kaufsverein, die Ziegel- und Kalkkohlenvereinigung und die Grus- und 
Siebgruskohlenvereinigung. Ihre wesentlichen Bestimmungen sind 
folgende : 

1) Der allgemeine Zweck des Vertrages besteht darin, durch 
eine Preiseinigung möglichst günstige Kohlenpreise zu erzielen. 

2) Die Festsetzung des Mindestpreises erfolgt alljährlich 
durch die Vereinsversammlung. Derselbe darf nicht „unterschritten^^ 
werden. 

3) Die einzelnen Zechen treten mit einem nach gewissen Grund- 
sätzen festgd^ten Förderquantum in die Vereinigung ein. Es 
ist Sache der Geschäftsleitung, dafür Sorge zu tragen, daiß die ein- 
zelnen Mitglieder an dem Ge&ÜEuntverkaufe im VerhIÜtnis zu ihrer Be- 
teiligungsziffer teilnehmen. 

4) Die Verkaufsorganisation weist einen Unterschied auf: 

a) Fflr die Ziegel- und Kalkkohlenvereinigung ist eine gemein- 
same Verkaufsstelle errichtet, und die Mitglieder begeben 
sich des Bechtes, direkt an die Kundschaft zu verkaufen oder zu 
offerieren. 

b) Bei den drei anderen Verkaufsvereinen erfolgt der Kohlenver- 
kauf selbständig durch die Zechen sdbst Sie sind nur ver- 
pflichtet, dem Geschäftsführer die Origtnalrechnungen zur Prüfung 
vorzulegen. Diese Vereinigungen bilden daher eine Art Kon- 
trollbureaus. 

5) Für Uebertretungen der Vertragsbestimmungen sind Konven- 
tionalstrafen festgesetzt 

b) Die VerkaufBTereine in Form von Handelsgesell- 

Schäften. 

Die rückläufige Bewegung des Kokspreises, welcher im Anfange 
des Jahres 1890 wieder auf 8,50 M. pro 1 Tonne sank, veranlaßte 
zunächst die Koksproduzenten, zur Syndikatsbildung überzugehen. 
Die. Erfahrungen, welche diese bei den früher angestellten, fehlge- 
schlagenen Versuchen gesammelt hatten, kamen auch bei der Bildung 
der übrigen Handelsgesellschaften zur Geltung. Man entschied sich 
für die Gründung von Aktiengesellschaften, die ihrerseits 
wieder mit den einzelnen Zechen besondere Verträge abschlössen. 

Die Dortmunder Zechen gingen am 9. August 1890 mit der Grün- 
dung des Dortmunder Kohlenverkaufsvereins voran. 

Fast gleichzeitig entstand das Kokssyndikat. Ihnen folgte 
im Dezember die Gründung des Bochumer und Essener Kohlen- 

Dritte Fol«« Bd. YH (LZII). 2 



18 



Prsiii Sftrttr« 



Verkaufs Vereins, uod im Februar 1891 diejenige des B rikettvcr- 
kaufsvereins zu Dortmand, 

Die drei KohleDverkaufsvereioe vertreten eine Jahresfdrdemng von 
aber 10 Vt Millionen Tonnen. 

Die Organisation und die wesentlichen Bestimmungen der Satzun- 
gen der vorstehend genannten Verkaufsvereine sind folgende : 

A. Es werden Aktiengesellschaften gegründet zum Zwecke des 
An- und Verkaufes von Bergwerksprodukten (Kohlen, Koks und 
Briketts). Thatsächliche Inhaber der Aktien sind nur die Zechen- 
besitzen Die Uebertragung der Aktien ist an die Einwilligung der 
Gesellschaft gebunden. 

B* Zwischen diesen Aktiengesellschaften und den einzelnen Werks- 
besitzen! wird ein Vertrag abgeschlossen, der nachstehende wesent- 
liche Bedingungen enthält: 

1) Der Vertrag bezweckt, jede innere Konkurrenz auf dem 
Koblenmarkte thunlichst auszuschließen und feste Vereinbarungen über 
die Beteiligung am Gesamtabsatze und über Preise und Lieferungs- 
bedingungen zu erreichen. 

2) Zu dem Zwecke übertragen die dem Verkaufsvereine ange^ 
hörigen Mitglieder ihre gesandte Produktion diesem Vereine, welche 
dagegen die Verpflichtung des Verkaufes der Produkte übemimml 
Die kontrahierenden Zechen haben sich jeden direkten Verkaufes 
enthalten. 

3) Die Preisbildung erfolgt derartig, daß in den nach Be- 
dürfnis anberaumten Versammlungen der Werksbesitzer Mindest- 
preise festgesetzt werden, welche nicht „unterschritten*' werden 
dürfen. Diese Mindestpreise sind Verrechnungspreise und dienen nur 
dazu, um das Verhältnis der einzelnen Zechen zu einander zu regeln. 

a) Die über die Mindestpreise erzielten Preise kommen zu bestimm- 
ten Teilen der betreffenden Zeche und den Verkaufsvereineu 
zu gute. 

b) Die Mindestpreise dürfen nur „unterschritten" werden, wenn im 
Falle einer Konkurrenz das Geschäft für den Verein verloren 
geben würde. Dieser bat alsdann auch den entstandenen Verlust 
zu tragen. ^ 

4) Als Grundlage für die Beteiligung am Gesamtabsatfffl 
ist das im L Semester 1890 produzierte Quantum festgelegt, üeber 
die H5he des den einzelnen Zechen zuzubilligenden Quantums ent- 
scheidet der Verkaufsverein und endgiltig eine Kommission. 

5) Eine gleichmäßig prozentuale Einschränkung der 
Förderung kann nach Lage des Marktes von dem Verkaufsvereine in 
üebereinstimmung mit den Beschlüssen der Versammlung der Werks- 
besitzer angeordnet werden. Der Verkaufsverein braucht in diesem 
Falle nur das durch Beschluß eingeschränkte Förderquantum zu über- 
nehmen. 

6) Die Konventionalstrafe für jeden den Bestimmungen des Ve 
träges zuwider abgesetzten Doppelwaggon beträgt je ö(X) M* 



Die Sjiidikitftbeütrebutig«A im nieder rheioiscli-WMtnitiadieQ SteinköblcDbeiirkt. l9 

Nach diesen beideu Richtungen sind die Verkaufsvereine in 
IMtigkeit getreten. 

£g galt jetzt, untereinander und mit den außerhalb stehenden 
größeren Gesellschaften, welche för sich eine Art Verkaufsverein bilden, 
in D&here Beziehungen zu treten. 

Dieses Ziel glaubte man am besten durch Begründung eines größeren 
Verbandes zu erreichen. 



2. Die Gemeinschaft. 

Die Zechengemeinschaft wurde Anfangs Januar 1892 ins Leben 
gerufen« zu dem Zwecke, 
„durch gemeinschaftliche Maßregeln Förderung und Absatz in 
Kohlen der Gemeinschaftsmitglieder zu regeln, den verlustbringenden 
Wettbewerb der Mitglieder untereinander zu beseitigen und ange- 
messene Preise zu erzielen.*^ 

Die Hauptbefugnisse der Versammlungen, welche in den nach der 
Qualität der Kohlen gebildeten Gruppen zusammentraten — der 
Gruppenversammlungen — waren 

1) Festsetzung der Preise für sämtliche Kohlensorten, 

2) zeitweilige Einschränkung der Förderung. 

Mit Ausnahme dieser beiden Punkte hatte die Hauptver- 
sammlung, welche aus den Vertretern der sämtlichen der Gemein« 
Echaft angehörenden Mitglieder bestand, die endgiltige Entscheidung 
über sonstige in Frage kommende Gegenstände* 

Diese Gemeinschaft, in welche 30665196 Tonnen eingegangen 
waren, entbehrte jeder festen Organisation und war von vornherein 
so locker gefügt, daß jeder Interessent auf eigene Faust handelte. Die 
Hilfslosigkeit dieser Vereinigung, welche das Recht der juristischen 
Person nicht besaß, trat kurz nach der Gründung zu Tage, als es 
nicht möglich war, eine kontraktbrüchige Zeche gerichtlich zu verfol- 
gen, znmaJ da auch anderen Werken die Gelegenheit zu statten kam, 
die ihnen unbequeme Vereinbarung lösen zu können. Ebenso schnell 
wie sie im Jahre 1892 erschien, ist die Gemeinschaft auch wieder 
verschwunden. 

Das Bedürfnis der Kohlenverkaufsvereine, sich durch eine weitere 
bestimmte Vereinbarung mit den anderen Zechen zu vereiuigen, zeigt 
am deutlichsten die Unsicherheit des westfälischen Kohlenmarktes und 
den Mangel an eigenem Zutrauen, die innere ungesunde Konkurrenz 
zu beseitigen. 

Die Kohlenverkaufsvereine haben auch nicht den gehegten Er- 
wartungen entsprochen. Es mag hier nur angedeutet werden, daß die 
Ursache dieses teilweisen Mißerfolges unter anderem in den Mängeln 
der Organisation zu suchen ist. Einerseits um diese zu beseitigen, 
andererseits um einen festen , auf kontraktlichem Boden gegründeten 
Zusammenschluß der Industrielle« zu erzielen, wurde der 1887 ent- 
worfene ursprüngliche Plan der Gründung eines Kohlensyndikates 
wieder aufgenommen. 



90 



¥w%mm SmrC«r, 



3. Das Bbeinisch-Westfälische RohleosjDdikat 



Die 



bereits im 



Jalixes Ifi 
ligSe mit de 



Die mit dea ViiTcritmidliragwi beUsnte 

eralai Sumt- imd VertrigBentinirfe zn^teicii eine Begrlttdnii« f or, in 

irekker ee bei&l: 

JM Zeebengemcäiiadiaft im Oberbergamtsbesike Dortmond hat 
der KotniniiMinn ab Bichtadmar f&r ihze Auigßim die einheitliche 
Yerkanfaetrile ▼ürgescbridmL Einer acdebei Verkniifi»telle nur 
die VenDitteloDg der Verkäufe zuzutetleD. erschlea ao3geschlo8Ben, 
iriehnehr wurde zur erfolgreicheo Durchfähning der au^noramenen 
BeitrebiDigeii für nötig erachtet^ die YerkaofiBatelle ab aelbatstäiidige 
und BelbtSadtoIdiieriacbe bezw. berechtigte Trägerin des Ein- und 
Verkaofee der Bergwerimerseognisae «nznaelac», und es war daher 
die Erriditoog einer selbstJüidigeD Gesellschaft in Aussicht zu nehmen 
geboten/* 

Unter diesen Gesichtspunkten ging das Bestreben darauf hinaus, 
den gesamten Kohlen-Ein* uod Verkauf des ganzen Oberbergamtsbeorkes 
in einer Hand zu Tereioigen. 

Die Terschiedenen den Zechenbesitzern torgelegten SjmdikataeQt- 
würfe fanden nicht ihre Zustimmung. Erst im Februar dieses Jahres 
ist es gelungen, eine Einigung herbeizuführen, nachdem die schwierige 
F^e über die Höhe der Beteiligung der einseinen Zechen am Ver- 
kaufe nach vielen mühevollen Verhandlungen ^) endlich gelöst war. 
Die Organisation des Kohlensyndikates gleicht derjenigen der Kohlen- 
verkaufsvereine^ Ist auch Zweck und Ziel des Syndikates Tiel weit- 
gebender, da es den Vertrieb der Produkte des ganzen Oberbergamis- 
Bezirkes umfaßt, so sind doch im allgemeinen die Grundzüge adner 
Verfassung dieselben geblieben. 

L Auch hier ist eine Aktiengesellschaft gegründet Jede am 
Syndikate beteiligte Zeche ist im Verhältnis zu ihrer Förderung zur 
Abnahme einer gewissen Anzahl von Aktien verpflichtet, deren Oeber- 
Iragung von der Zustimmung der Gesellschaft abhangig ist. ^ 

IL ]>agegen weist der zwischen dem Syndikate und den Zechen- 
besitzem abgeschlossene Vertrag einige wesentliche Abänderungen gegen 
die Satzungen der Verkaufsvereine actf, und zwar betreffen diese Aende- 
ruQgen 

1) die Organisation, 

2) die Befugnisse der Einzelorgane. 
1) In die Reihe der Organe ist neu aufgenommen: 

a) der Beirat, welcher sich aus Mitgliedern von Zechenverwaltungen" 
zusammensetzt^ und zwar derartig, daß auf eine Produktionsbetei« 
ligung von je 1 Million Tonnen jeder Zechenbesitzer, resp. jede 
Gruppe je ein Mitglied zum Beirate ernennt 

I) All chArakterUtUch hlorfttr sei rnnfeführt, dmtH &b«r den Asspratli «iner Zoch«ik«_ 
▼«rwalrinif, mit emem tftglichen Mefarqiuuituin ^on 400 Toonea fto dem Verk&ufe tellsil 
ntlmea, in den d^sa «nbermttinUo Versamtnlangeo nicht weniger als 9€ Stunden t« 
hmndelt worden ist! 



Di« SyiidilcAtibMtrebtiDgeD im oiederrbeiDiseb-westfilischen St«iiikohleDb«sirke, 21 



b) Eine KommissioQ zur Feststellung der Beteiliguogszjffero. 

2) Gegenüber den in den Bestiiumungen der KohleDverkaufsvereine 
festgesetzten, weitgehenden Befugnissen, welche den Versammlungen 
der Zechenbesitzer eingeräumt sind, ist der Schwerpunkt der Thätig* 
keit des Syndikates in die Hand des Vorstandes und Beirates 
gelegt* Die wesentlichen Befugnisse dieser Organe sind folgende: 

a) Der Vorstand bestimmt die Verkaufspreise und Verkaufsbedin- 
gufigen, jedoch anter Beachtung der Normen, welche der Beirat 
hinsichtlich der Preis*, Qualitäts- und Sortenbestimmung als Richt- 
schnur aufstellt. 

b) Der Beirat entscheidet endgiltig 

a) aber den Antrag eines Zechenbesitzers auf Produktiousvermeh- 
rnng, 

ß) über Straffestsetzung gegen einen Zechenbesitzer bei Nichter- 
füllung der Li eferungs Verpflichtung, 

y) über Aufstellung der allgemeinen Normen bei Preis-, Qualitäts- 
und Sortenbestimmung. 

Dagegen ist der Versammlung der Zechenbesi tzer von 
wesentlichen Befugnissen nur die Beschlußfassung Über eine etwaige 
Fördereinschränkung verblieben. 

Als Grundlage für die Beteiligung der einzelnen Zechen Ist je 
nach Wahl die Förderung des Jalires 1891 oder 1892 zu Grunde 
gelegt 

Das Syndikat, in welchem eine Produktion von SSV» MiUioneQ 
Tonnen vereinigt ist, ist entgegen den ersten Vertragsentwürfen anstatt 
auf 10 Jahre nur auf eine fünfjährige Dauer abgeschlossen worden. 
Das Syndikat hat seine offizielle Thätigkeit am L August d, J. auf- 
genommen; bis dahin haben die Zechen noch allein und nur unter 
Zustimmung des Syndikats Vorstandes den Verkauf besorgt. Auch heute 
ist die Thätigkeit des Syndikates noch beschränkt, da vor dem Inkraft- 
treten desselben von sehr vielen Zechen bereits langjährige Abschlüsse 
gethätigt worden sind. 

Die Aufgabe der Kohlen Verkaufs vereine ist durch die Gründung 
des Kohlensyndikats beendigt. Es wird wohl nur eine Frage der Zeit 
sein, wenn die Verkaufsvereine nach Erledigung ihrer Geschäfte ihre 
Thätigkeit einstellen werden. In dem Berichte \) des Dortmunder 
Kohlenverkaufsvereines über das verflossene Geschäftsjahr heißt es 
bereits: 

„Da unsere sämtlichen Vereinszechen (mit einer Ausnahme) dem 
Rheinisch- Westfälischen Kohlensyndikate beigetreten sind, und letz- 
teres, nachdem dasselbe seine Organisatioasarbeiten beendet, nun- 
mehr auch den Verkauf übernommen hat, kann unsere Aktien- 
gesellschaft sich auflösen''. 

Die Bestrebungen zur Organisation des Verkaufsgeschäftes haben 
daher heute in der Bildung des Rheinisch-Westfälischen Kohlensyndi- 
kates ihren letzten Ausdruck gefunden. Bevor jedoch auf eine kriti- 



1) Kolniiefai Zeitung TOm 6. S«pt. d J. Nr. 716. 



s»ih f^vjM-.rr.iüx:. ßf >^ n^iucaisiHStreüiuiat!: tjniiztaninge: wir- dittlk 
v*l.i.'m: r.. i»r»i }r.iiiicc >\r.tiu£Ai i*fi5:i7.t;. 

«^-•»v^T.-: ixi^i-rr^.z -w ."-r- >•.*:: rrf^ '»-^rfdurm^ — zerr 
.>r.:.»- :. .-• -.izuvtr vrüSJK r^'^ü:.:- 




Die SjfodikAUbestrebangen im uieden-httniftch-went/Xlitcheit Stoinkottleobesirkfl. 23 



GesAmiuborftcbafl 
njtch erfolgten Abacbreibam^eQ 
Jahr 1879 Jahr iSBi 



107 Aktieo(^ttlUeb«f^en für EUeobötienbetrieb 

und MASchloeobiLii*) 
TVestffUische SteinkoblenmdiiAtrie 



ti99 Pros. 
Oi77 „ 



5,16 Pro«. 



Forscht maD den inoern Gründen des schlechten finanziellen 
Ergebnisses des westfälischen Bergwerksbetriebes nach, so ist an 
erster Stelle die Ueberlastung der Bergwerke mit Kapital 
anzuführen. 

Es ist eine allgemeine und nicht unberechtigte Annahme, daß zur 
Rentabilität eines Werkes auf die Tonne Förderung eine Kapitalanlage 
von 10 Mark entfallen darf. 

Unter diesen günstigen Bedingungen arbeiten etwa 5—6 Werke 
des Oberbergamtsbezirkes Dortmund* Bei den übrigen Werken beträgt 
[jedoch die Summe des aufgewendeten Kapitals, einschl. der Uypothe- 
tkenschuld im Durchschnitt der 18 Jahre 20,09 Mark^) pro Tonne 
I Förderung, also doppelt so viel. Es war eben eine Folge des Nieder- 
ganges der Industrie (und hierbei spielen die ^.Gründerjahre'^ 1871 
bis 1874 keine geringe Rolle), daß die Zechen lediglich zur Aufrecht- 
erhaltung des Betriebes gezwungen waren, durch Ausschreibung von 
Zubußen oder Emittierung neuer Aktien die Gesellschaft mit Grund- 
kapital zu Überlasten. 

In zwei ter Linie Ist in Betracht zu ziehen, daß die Selbst- 
kosten sich in keinem Verhältnisse zu den Verkaufspreisen steigern, 
und zwar: 
I 1) durch die im allgemeinen erhöhten Löhne, 
■ 2) durch die fortwährend gesteigerten Kosten der Wetterführung, 
» Förderung und Wasserhaltung bei zunehmeoder Teufe der Schächte, 
3) durch die den Werken infolge der sozialpolitischen Gesetzgebung 

P auferlegten größeren Lasten, 
Schließlich sind noch die Bergwerksabgaben in die Berechnung 
mit einzuziehen* 

Dr. Reismann-Grone*) hat über die beiden zuletzt genannten 
Punkte auf Grund eingebender statistischer Nachrichten Berechnungen 
angestellt, die eher zu niedrig als zu hoch zu erachten sind. Greijfen 
wir aus dieser Zusammenstellung zwei Jahrgänge heraus, so erhalten 
wir folgendes Bild: 

(SIefa« Tabelle muf 8. 24.) 

H Die Jahresförderung hat betragen: 

^^^ im Jfthre 18 8 6 18 9 1 

^^^B 28 497 3 1 7 ToDueo , 3 7 39S 56 1 Toon «n. 

^^^ Es haben sich also die öffentlicfarechtlichen Lasten auf die Tonne 
I Förderung belaufen auf 0,27 M. pro 1886 und 0,45 M. pro 189L 



1) „Olfick »o-f S B«rfC- und HUtt«timftnabebe Zeitung Hlr d«ii KiedsiTheio und Waet- 
faltn. Esaen — Jfthrgmng 1883, No. 45. 

f) Effertt, Was sind oomuile Kobleoprebe? S. 11. 
8l ».Glück ftaf't Jahrgang 1895. Nr. 5. 



IPrftBi Isrtir, 



J«lir 18B€ jAbr lif 1 



4m W«fktb«iilser wmr 
HL Pijyjfi 4fr Wcrkftbeiiciar mt 
IV Btittfgt i«r lü>a|i|>scliftnaifi«r«/«- 



BtScbnchdkb« Abgmben 



Umrk 

3205S97 

195^370 



«304939 

1043002 

119689 



Mark 

5000000*) 

921544 

3986619 

3407009 
261790 



^ rsvH? 



16830404 



Dtadbeo siod demnaeb im Zeitraum von 6 Jahres um 67 Proz. 
K»tiegeii»). 

B€i ¥orBtehender Berecbnaog ist noch darauf hinzuweisen, daS 
lediglich die Beitrage der Werksbesitzer zur Knappscbaftskassej 
und Alters- und Invaliditiltsversicherung aufgenommen sind. Di€ 
Beiträge der Arbeiter, welche Reismann mit in die Berechnung ge 
zogen hat, sind außer Betracht gelassen; letztere hätten jedoch auc 
hier mit Recht einbezogen werden können, da dieselben bei der Fest 
Setzung der Lohnhöhe stets mit berücksichtigt und daher in<f 
auch vom Werksbesitzer geleistet werden. Es genügten jedoch schon 
die in vorstehender Tabelle aufgeführten Zahlen, um die abnorme^ 
Steigerung in der Belastung der Werke zu kennzeichnen. 

Wenn iemer eingewendet werden konnte, daß sich durch die dem- 
oäcbstige Außerhebungsetzung der Bergwerksabgaben ^) die Belastung 
fast um r/j vermindern würde, so ist dem entgegenzuhalten, daß 
dieser Ausfall durch die nach dem Gesetze vom 24. Juni 1891 er- 
hobene Einkommensteuer in Hohe von rund 4200000 M. wieder ge- 
deckt wird; bis zu dem Zeitpunkte aber, wo das Gesetz vom 14* Juli 
1893 in Kraft*) tritt, haben die Werke eine doppelte Steuerlast zu 
tragen. Im übrigen dürfte jedoch darauf hinzuweisen sein, daß durch 
die Einkommensteuer eine viel gerechtere Besteuerung des Bergbaues 
erfolgt, wie durch die bisherigen vom Brutto werte der Produkte er- 
hobenen Bergwerksabgaben. Außer diesen Steuern werden die Berg* 
werke noch gemäß §§ 28 und 96 des Kommunalabgabengesetzes vom 
14* Juli 1893 für die Gemeinden Abgaben zu entrichten haben* 

Die Verteilung der Selbstkosten auf die Zechen des Oberberg- 
amtsbezirkes Dortmund ergiebt ffXt das Jahr 1890 folgendes BUd^): 



1) Dimetben t>«inig«n im OberbfirgamUbezlrk Dortroond fAr du Etat^Ahr lB^O/0t 
hon 94a, für dM EtAUJahr 1891/92 5 371 527. 

2) Nftch dem Betriebs berichte pro 1892/93 b«Ue die OewerkAch&ft der SteiDkohlen- 
stelle Moni Cenii bei Herne in dieeem Zeitruime ad öffeatliehea Latten 0^63 IC, 
flr di« Tonne der iC«hIenf5rderun|7 x.u leitten« ^* Kdlniacbe Zeitung vom 2S^ Sepiembtr 
1898, Nr 778. 

3) Gesetz wegen Aufbebaog direkter StA&teeteaem vom 14. Juli 1893 % 2 betreffend 
AnTserfaebiingsetBung der nergwerkeabgebea. 

4) 1. JkprU 189&; % 30. 

A) Kleine, Heber Selbstkosten und Preise der westnUUcben Koblen, i^QlQek wat\ 
tSil, Nr 88. 



Die SyndlkitsbesIrebaD^en im iitederrlietnbcb-woitnilUcheQ Steinkohlen bewirke. 25 



■ Jabjr 1890 


2»bl 

der 
Berip. 

werke 


BrattofSrde- x^iii d^, 

"^g Arbeiter 

Tonnen 


Effekt pro 

Maon ond^ 

Bebtobt 

Tonnen 


Selbet- 

k 1 1 e D 

pro Tonne 

Mark 


fierifwerke mit mehr nU 300 t Effekt 
m „ „ 160—300 t „ 
W 1, .t weniger &Ls 600 t ,, 


3^ 
43 
100 


12750909 
10736291 
1 1 982 990 


36 980 , 

38613 

52192 


344 

377 
221 


5,6 

8,4 


Ob«rl»erffKDt«bemLrk Dortmund 


«7S 


35496290 


127 794 


277 


7.0 



Zu den am schlechtesten gestellteo Bergwerken mit 8,4 Mark 

i Selbstkosten gehören mithin ö7,2 Proz. sämtlicher Bergwerke. Nach 

1 den Ermittelungen des Dortmunder Kohlen Verkaufs Vereins stellte sich 

der durchschnittliche Verkaufspreis im Geschäftsjahre 1890/91 auf 

8,79 Marki). 

Dem Gedanken, auch diese ungünstig gestellten Zechen bei der 
gedrückten Geschäftslage lebensfähig zu erhalten, entsprang die Bil- 
dung der Konventionen. £s liegt nahe, daß in der Wahl der Mittel 
zuerst Mißgriffe gemacht worden sind. Als solche sind die Preis- 
und Förderkonventionen zu bezeichnen: 

a) PreiskonventioD en irgend welcher Art, welche auf der 
Qualität beruhen, sind nicht durchführbar, weil so viele Zechen 
verschiedene Kohlensorten zugleich förtiern und weil es aus 
technischen Gründen nicht immer möglich ist, die verlangten 
Kohlenqualitäten zu liefern. 

b) Die Förder kon ventionen haben die jährliche Zunahme der 
Förderung nicht zu hindern vermocht und ihrem Zwecke nicht 
entsprochen, weil die ihnen zu Grunde liegende Idee vollständig 
verfehlt ist. 

et) Jede lebensfähige Industrie muß sich ausdehnen und ihre Pro- 
duktion steigern. Die Steinkoblenindustrie beendet sich auch 
heute noch in eioem fortwährenden Entwickelungsstadlum, und es 
ist noch gar nicht abzusehen, wann die Kohlenschätze der nörd- 
lichen Reviere dem Betriebe erschlossen sein werden. Es ist 
grundfalsch, den Datürlichen und uuvermeidlichen Ausdehnungs- 
prozeß durch künstliche Mittel hemmen zu wollen. Uebrigens 
gingen auch die Förderkonventionen durch Bewilligung der zahl- 
reichen Ausnahmestellungen an ihrer eigenen Inkonsequenz zu Grunde. 
lÜchtig ist der in den Förderkonventionen ausgesprochene Ge- 
danke, daß zu jener Zeit die Produktionszunahme in einem 
unua türlichen Verhältnisse zur Erweiterung des Absatzgebietes 
stand. Doch läßt eich schon seit dem Jahre 1882 die Be- 
hauptung einer Ueberpro<iuktion ^) bestreiten, wenn der Bedarf an 



1) Dr. KeUmann Grone fiebt In der HroscbQre „Die KoblenkiLrtelle und die Ei&ec- 
iDdustrie'* Essen 1891 den Durch«chiiitt^preU pro 1890 nur »nt' 8 Mark en (Seite 6). — 
Der in der Minis terielzeitscb Hit für des Berg-, HQtteo- und Salinen weeen im preofeiscbea 
9Uate (Berlin], B^nd 89, Stetistiecber Teil engegebene Durckschnittsprels von 11,07 KL 
beliebt sieb aar auf P(irderkoble. 

1) Tgl. hierüber encli den Beriebt der oordwestUeben Gruppe dee Vereins deatscher 



Franz S^rter^ 

Gas- und GasflammkohIeD beute a]lerdit]<>s auch reichlich gedecE 
ist. Der Beweis liegt in der Thatsache, daß ohne thatsäcbliche 
FördereinschränkuDg das jährliche Förderquantum ohae Schwie* 
rigkeiteD abgesetzt worden ist. Auf dem Koksmarkte überwiegt 
allerdings das Angebot die Nachfrage, und aus diesem Grunde 
ist das Kokssyndikat aucb bereits zu bedeutenden Produktions- 
einschränkungen übergegangen. 
ß) Die Förderkonventionen sind nur eine mechanische, die Be- 
dürfnisse der Industrie nicht berücksichtigende Einrichtung ge- 
wesen, und haben die Regulierung des Angebotes ganz 
auüer acht gelassen. Eine zeitweilige, der Marktlage ent- 
sprechende Fördereinschränkung würde auf die Preislage entschie- 
den günstig eingewirkt haben. Dieser Gesichtspunkt ist aber erst 
bei dem Entwürfe der 4, (nicht zustande gekommenen) Förder- 
konvention zum Ausdrucke gelangt (Seite 10.) 



IV. Eritiselie Belenehtiing der Syiidlkatsbestre1>tiiigeii. 

Erst allmählich hat sich in den Kreisen der Bergbautreibendeo 
die Ceberzeugung Bahn gebrochen, daß der Krebsschaden der west- 
fälischen Bergwerksindustrie nicht in der vermeintlichen üeberproduk- 
tion, sondern in der Art des Vertriebes der Produktion liegt. Diese 
Erkenntnis hat zur Gründung der Kohlenverkaufavereine und des Koh- 
lensyndikates gefühfL 

An die Spitze ihrer Satzungen sind, ganz im Gegensatz zu den 
früheren Satzungen folgende beiden Grundsatze gestellt: 

1) Als Grundlage für die Beteiligung der einzelnen Zechen dient die 
heutige Jahresförderung, zugleich unter Annahme einer mäüigen 
Steigerung derselben. 

2) Die Produktion kann zeitweise und entsprechend der 
Marktlage eingeschränkt werden. 

Zu solchen Produktionseinschränkungen ist man auch thätsächlich 
übergegangen. So hat der Dortmunder Kohlenverkaufsverein nach 
seinem Jahresberichte ^ ) gegenüber der Beteiligungsziifer im Geschäfts- 
jahre 1892/95 eine wirkliche Einschränkung der Förderung von 22 Proz. 
durchgeführt. In gleicher Weise ist auch das Kokssyndikat zu erheb* 
licheu Produktionseinschränkungen übergegangen, welche im vergangenen 
Geschäftsjahre durchschnittlich 13 Vs Proz. betragen haben. 

Trotz solcher Produktionseinschränkungen, welche doch Angebot 
und Nachfrage in ein rationelles Verhältnis zurückzuführen geeignet 
waren, ist eine rückläufige Preisbewegung eingetreten. Nun ist zwar 
das abgelaufene Wirtschaftsjahr in allen Zweigen von Industrie und 
Handel ein ziemlich ungünstiges gewesen ; überall wurden Klagen über 
Mangel an ausreichender Beschäftigung laut, und der stetig zurück- 

Bit«o* und Stahl iDdastrifllter, ia den ^,MiUeiliiiigeii du Varoloi tttr Wilirttaf; der ^mein- 
»Mneo wirUcfaftf^Ueheo Intereasea id HhemlaDd und W«9(fj|teo'\ ]S84| Nr. 3 aod i^ 
Seite 45$. 

1) Kölüiscbe Zeitoog 6, September 1893, Abendaaigftbe, 



Oii d7tidik«l9b««trebuDgea im Qiedttrrli«itiisch-wMtfiHseh«ii Staiokohltnbcvirk«. 27 

gehende Bedarf gab zu mehr oder weniger erheblichen Konzessionen 
iD den Preisen der Produkte Anlaß. Aber trotz dieser allgemeiDen 
uDgüDstigen wirtschaftlichen Lage hatte man doch von den Kartellen 
erwartet, daß sie dem Sinken der Preise Eiohalt thun würden. Daß 
sie diese Hoffnung zu Schanden machten, ist, wie die Handelskammer 
zu Mannheim in ihrem Jahresbericht pro 1892 zutreffend bemerkt, 
,,teils auf die zu elastische Organisation dieser Vereinigungen, teils viel- 
leicht auch auf eine nicht ganz korrekte Auffassung des Sinnes der- 
selben durch einzelne Mitglieder, teils auch auf nicht unbedeutende 
Zwangsverkäufe zu Lasten säumiger Abnehmer" zurückzuführen. 

Diese Ausführungen verweisen zunächst auf die Einreden, welche 
von privat wirtschaftlichen Gesichtspunkten aus gegen die Syndikat« 
erhoben werden, und die für die Beurteilung der Syndikatsbestrebungen 
w^ entlicbe Anhaltspunkte bieten. 

Einwände gegen die KohlensyndUate. 

A, Privat wirtschaftli eher Natur. 
L Mängel. 

1) Wenn die Mannheimer Handelskammer der Organisation 
der Kohlen Verkaufs vereine einen Teil des Mißerfolges zuschreibt, welchen 
sie auf dem Eohlenmarkte zu verzeichnen haben, so ist zur Beurtei- 
lung dieses Einwurfes in Erwägung zu ziehen, daß die Entscheidung 
Über die wichtigsten Fragen bisher in den Händen der Versammlung 
der Zechenbesitzer lag. Solange allerdings dieses vielköpfige, durch 
Sonderinteressen geleitete Organ zur Entscheidung über die wichtig- 
sten Fragen berufen ist, kann eine ersprießliche Thätigkeit der Koh- 
lenverkaufs vereine nicht erhofft werden* 

Wünscht eine Zeche mit einem größeren F5rderquantum am 
Verkaufe beteiligt zu werden, so ist der Antrag drei Monate vor- 
her dem Verkaufsvereine zu unterbreiten. Bei diesem liegt die Ent- 
scheidung in erster Instanz, und in zweiter bei einer besonderen Kom- 
mission. Die Preisregulierung erfolgt gleichfalls durch die Ver- 
sammlung. Ehe letztere einen diesbezüglichen Antrag erledigt hat, 
ist es vielleicht für die Ausnutzung einer guten Konjunktur zu spät. 

Die schlimmen Erfahrungen, welche durch eine derartige Organi- 
sation gesammelt worden sind, bat sich das heutige Kohlensyndikat 
zQ Katzen gemacht und deshalb die endglltige Entscheidung über die 
vorhin genannten beiden Punkte in die Hand des Beirates gelegt Dem 
Vorstand ist allerdings die Festsetzung der Verkaufspreise und -bedio- 
gungen vorbehalten, jedoch unter Beachtung der vom Beirat hierfür 
festgesetzten Normen. Letzterer ist daher thats&chlich dasjenige Organ, 
welchem die wichtigsten Befugnisse übertragen sind. So zweckmäßig 
und vorteilhaft nun auch die dem Beirat übertragene Befugnis erscheint, 
ao darf man sich andererseits auch nicht verhehlen, daß die Art seiner 
Zusammensetzung zu ernsten Bedenken Anlaß geben kann. Diese soll 
derartig erfolgen, daß jedem Zechenbesitzer, beziehungsweise jeder 



28 



ftmnm Bmtft , 



das Bedit zusteht, far eine ProdnktiofisbetriSginig 
je 1 MiirioB Tcmneo je ein Mitglied tum Beirmt ni 
Die groSes Werke erhalteD hierdurch eines tinYerfamhJusaiitigea Ein- 
ioS uf die SjndikütEleitiiiig , während die kletseren Zecbeo efaie 
eiffeatiiche Vertretcmg zor Wahnmg ihrer IntereBBen nicht besitzeB. 
Dkm BesCifliaiiiiig des SjidikataeBtwiirfes kMUe Tielleicht fQr die 
Eiiste&z des Syndiluitea seihst ^erhiiigiusToIl «erden. DsB bei einem 
UnteraehmeD Ton solchem Umfange die Geschiftdeiliiiig in die Hände 
weniger, einsichtsToUer Mäoner gelegt werden muß, ooterliegt 
keinem Zweifel. Man sollte jedoch von Tonihcmn alle Organe mit 
unparteiischen Mäonem besetzen nnd dedhalb auch die weit- 
gehenden Befagnisse des Beirates nicht den Interessenten selbst, son- 
dern solchen Leuten anvertrauen, die zwar mit den indadtriellen Ver- 
hältnissen durchaas vertraut sein müssen, deren objektives Urteil aber 
durch Sonderinteressen nicht getrübt sein darf. Ohne irgendwie die 
Unparteilichkeit und Fähigkeit des heute konstituierten Beirates in 
Zweifel ziehen zu wollen, da ihm Leute von bewährter Tbätigkeit und 
Einsicht angehören, uod da erst die Zukunft zeigen muß, wie sich 
diese Organisation bewähren wird, dürfte es angezeigt erscheinen, auf 
die Gefahren uod Nachteile derselben hinzuweisen. Denn man muß 
immerhin berücksichtigen, daßman es mit Menschen zu than hat^ auf deren 
Handlongsweise das SelbstiDteresse einen großen Einfluß ausübt, und 
die, gelbst wenn sie von diesem Einflüsse frei sein sollten, doch unter 
dem mächtigeren Eindrucke derjenigen handeln müßten, deren Interessen 
zu vertreten sie übernommen haben. 

2) Der Vorstand des Kohlensyndikates vermag durch eine rasch 
und sichere Orientierung über die Marktlage, durch richtige Dispo-^ 
sitionen sich das Vertrauen seiner Hitglieder zu erwerben. Er muß 
aber vor allem die Energie besitzen, die in den Versammlongen her- 
vortretenden Sonderinteressen und Gegensatze so auszugleichen, daß 
die Beschlußfassung nicht unnötigerweise verzögert wird und vor allem 
so ausfällt, daß für die Gesamtheit günstige Erfolge erwachsen. 
In dem heutigen Kohlensyndikat sind allerdings die Befugnisse der 
Zecbenversammlungen im Vergleiche zu den von den Kohlenverkau^ 
vereinen diesem Organe eingeräumten Rechten gewaltig beschnitten. 
Aber es sind doch noch manche Bestimmungen (wie z. B, die wichtige 
der zeitweisen Produktionseinschränkung) verblieben, welche unter 
Umständen von einschneidender Bedeutung sein können; man ver- 
gegenwärtige sich nur^ daß das Syndikat heute bereits eine 15-proz. 
Förderungseinschränkuug beschlossen hat. Daß der Syndikatsvorstand 
auf die Beschlußfassung der Zechenbesitzer durch seine vorbereitenden 
Haßregeln einen wesentlichen Einfluß ausüben kann, ist ebensowenig 
zu bezweifeln, wie die Annahme, daß die Erfolge des Syndikates durch 
einsichtige und energische Maßnahmen des Vorstandes bedingt sind. 
Die Leitung der bisherigen Kohlen Verkaufsvereine scheint in vielen 
Punkten der nötigen Energie entbehrt zu haben, sonst würde ^) z. B, 



1) Auf Qnusd priTAtor lIitt«llii]ig«D. 



Di« S;fDdikatabettrftbuag«u im aledflrrheitkiscfa-wastf&liAchej] Suinkotilenbeiirke, 29 

der Essener KohleDverkaufsverein « dessen Existenzbediuguiigeii doch 
die gleichen wie diejeDigeo des Bochum er und Dortmunder sind, auch 
noch weiter bestanden haben, während er thatsäcblich nur ein Schein- 
dasein gefristet hat. Derartige innere Vorgänge entziehen sich nattlr- 
licb der Beurteilung des Unbeteiligten. Es mag jedoch noch hervor- 
gehoben werden, daß besonders der Dortmunder Kohlen verkaufsverein 
ein viel festeres Gefüge und innigeren Zusammenhang aufgewiesen bat; 
die ihm angehörigen Zechen sind seit längerer Zeit an ein gemein- 
sames Handeln und ein Zusammenhalten gewöhnt, und daher ist auch 
hier die festere Organisation und energische Leitung zu erklären. 

3) Ein Teil des Mißerfolges der Kohlenverkaufsvereine ist den 
von ihnen befolgten Geschäftsprinzipien zuzuschreiben. Wie 
der Zusammenbruch der Zechengemeinschaft gezeigt hat, ist die Not- 
wendigkeit des Zusammenarbeitens noch nicht Men Werksbesitzem 
zu lebhaftem Bewußtsein gekommen. Auch die Kohlenverkaufsvereine 

»haben, anstatt den Grundsatz treu zu befolgen, die innere Konkurrenz 
möglichst zu beseitigen, sich vielfach gegenseitig unreelle Kon- 
kurrenz bereitet. Die Vereinbarungen über Mindestpreise wurden 
zwar offiziell gehalten, aber dadurch umgangen, daß ein Teil der 
Frucht übernommen oder ein höheres Skonto bewilligt wurde'). Bei 
derartigen Grundsätzen kann es allerdings nicht wunder nehmen, daß 
die Kohlen Verkaufs vereine, welche Hand in Hand gehen sollten, durch 
entgegengesetzte Bestrebungen den gehegten Erwartungen nicht ent- 
sprochen haben. 

Dieser den Kohlenverkaufsvereinen anhaftende Mangel ist durch 
die Gründung des Kohlensyndikates beseitigt, nachdem nunmehr der 
gesamte Vertrieb in eine Hand gelegt ist. Daß die einzelne Zeche 
entgegen den Bestimmungen des Vertrages auf eigene Faust Geschäfte 
abschließen und das Syndikat hintergehen könnte, ist bei der Höhe 
der Konventionalstrafen ausgeschlossen ; denn das Syndikat besitzt 
ganz anders wie die ehemalige Gemeinschaft die Gewalt, eine Ver- 
tragsbrüchige Zeche eventuell auf gerichtlichem Wege zur Erfüllung 
I ihrer Verbindlichkeiten anzuhalten. 

■ Das Kohlensyndikat wird daher durch seine verbesserte Organi- 
r sation diejenigen Fehler vermeiden können, denen die Kohlen Verkaufs- 
vereine einen Teil ihres Mißerfolges zu verdanken hatten. Es teilt 
jedoch mit letzteren gewisse, im Wesen der Kartelle liegende innere 
Gefahren, welche den Bestand des Syndikates leicht gefährden können. 



n. Die inneren Gefahren 

liegen auf zwei Gebieten, und zwar 

1 ) in der Beteiligung der einzelnen Zechen am Verkaufe 
tin gentierungs frage. 

2) in der Preisbestimmung. 



— Kon- 



1) Niicli priTftUn HHUlltuigo» 



30 



Wrmmm Sftiter, 



1. 

MitgUeder des Kohlensjiidikates sind Werke mit einer grofiec 
TagesfördernDg yod mehr als 500 ToBDen, und solche mit einer täg- 
lichen FörderuDg bis zu 500 Tonnen. 

Es steht sich also Groß- und Kleinbetrieb gegenüber. Die 
Interessen beider vereinigen sich in dem Bestreben, mit einer mög- 
lichst hohen Beteilignngsziffer in das Syndikat einzutreten, gehen aber 
darin grundsatzlich auseinander, daß f&r die kleineren Betriebe die 
Frage über die Höhe der Beteiligung am Verkaufe von viel größerer 
Bedeutung ist wie für die umfangreichen Unternehmungen^ welche 
durch einen Ausfall an Förderoog relativ nicht so hart betroffen 
werden. 

Folgendes Beispiel, dem ein thatsäcUicher Vorgang aus der Zeit 
der Syndikatsbildung zu Grunde liegt, wird dies erläutern: 

Ein größeres Werk hat für eine neue Schachtanlage ein Kapital 
von 8 Millionen Mark aufgewendet. Seine Forderung, mit einem täg- 
lichen Mehrquantum von 400 Tonnen an dem Verkaufe teilzunehmen, 
erscheint daher nicht unberechtigt. Dagegen hat eine kleinere Zeche 
mit einer Tagesförderung von 500 Tonnen eine neue Kohlenwäsche 
im Werte von 200000 Mark gebaut Mit Recht hebt diese Zeche 
hervor, daß sie durch Aufwendung dieser Summe relativ mehr be- 
lastet vnrd, wie jenes Werk durch die Kosten der neuen Schacht- 
anlage, und daß sie viel empfindlicher getroffen wird, wenn ihr kleines 
Produktionsquantum durch die Mehrförderung jenes Werkes an Absatz- 
fähigkeit verliert. 

Diese Gegensätze des Groß- und Kleinbetriebes erschweren nicht 
nur das Zustandekommen jeder Vereinigung, sondern bilden auch 
fernerhin eine Klippe, an der das Syndikat leicht scheitern kann 



I 



Dem Syndikate gehören Zechen mit hohen und solche mit 
niedrigen Selbstkosten an. Hieraus ergiebt sich die Frage: Ist das 
Syndikat imstande, die Preise immer derartig zu halten, daß auch die 
schlechter situierten Zechen rentabel bleiben? 

Zechen mit günstigen Betriebsverhältnissen haben auch in Zeiten 
gedrückter Geschäftslage und bei niedrigen Kohlenpreisen Ueberschüsse — 
erzielt Diese Werke werden daher geneigt sein, auch die Mindest^fl 
preise möglichst niedrig zu halten, schon von der Besorgnis geleitet,^ 
bei hohen Preisen nicht genügend Abnehmer zu finden. Nun sind 
aber diese günstig gestellten Werke nicht die Preisbestimmer. Zweck 
aller Konventionen ist die Verbesserung der Lage derjenigen Werke, 
die unter schwierigeren Verhältnissen arbeiten. Diese bilden die über- 
wiegende Anzahl; ihre Interessen müssen deshalb bei der Preisbe- 
stimmung der Kartelle vorzugsweise berücksichtigt werden und drängen 
naturgemäß auf eine steigende Richtung der Preise hin. 

Die beiden Gegensätze werden noch durch ein drittes Moment 
verschärft, nämlich durch die Preisbestimmungsgründe der Reeder- 



Die 8yodik«Ub«Btrebiiiig«n im ni«derrfa<mi«cb-«es(flEliw:beo Steiokobleiibesirke. gj 

firmen, welche einmal als Zechenbesitzer die Interessen der Pro- 
duzenten vertreten, femer als Kohlenankäufer bestrebt sind, die 
Preise zu drücken, und drittens als Frachtvermittler gleichfalls ein 
Interesse an niedrigen Kohlenpreisen besitzen. 

Bei flottem Kohlenabsatze und bei steigenden Preisen wird die 
Lösung der Preisbestiramungsfrage keine Schwierigkeiten bieten. Da- 
gegen hat das Syndikat bei gedrückter Geschäftslage durch erfolg- 
reichen Ausgleich der Gegensätze seinen Wert zu beweisen, und es 
hängt von der Einsicht seiner Mitglieder ab, ob es einen Preisrück- 
gang unter die Selbstkosten zu verhindern in der Lage ist. 

Nach den Satzungen darf das Syndikat aUerdings in vereinzelten 
FälleD^ in denen durch eine fremde Konkurrenz der Verlust eines 
Absatzgebietes zu befürchten steht, unter die Mindestpreise herab- 
gehen. Der entstandene Verlust wird aber alsdann auch von dem 
Syndikate, d. h. von allen Mitgliedern getragen. — In dem Ge- 
danken, daß die Gesamtheit für die Lebensfähigkeit des Einzelnen 
Opfer übernimmt und übernehmen muß, liegt ein nicht zu unter- 
schätzendes ethisches Moment. 

Die Möglichkeit, daß das Kohlensyndikat an diesen beiden inneren 
Gegensätzen von Groß- und Kleinbetrieb, von gut und schlecht Situ- 
ierten scheitern kann, ist nicht ausgeschlossen. Grundsätzlich läßt 
sich diese Frage jedoch nicht entscheiden; sie ist lediglich eine 
That Sachen frage. Ihre Beantwortung hängt von der Feststellung 
ab, wie stark die widerstrebenden Elemente sind, und ob die Leitung 
die nötige Energie besitzt, die inneren Gegensätze auszugleichen. Aber 
auch bei der umsichtigsten Leitung können alle Erfolge illusorisch 
werden durch die auswärtige Konkurrenz, welche leicht einen Zwie- 
spalt unter den Mitglie<lern hervorzurufen vermag. Allerdings wird 
sich jetzt, wo die Entscheidung Über die wichtigsten Fragen in den 
Händen weniger Männer ruht, ein Ausgleich eher ermöglichen 
lassen wie früher; dafür ist aber auch die Abstimmung des Einzelnen 
um so verantwortlicher und um so schwerwiegender geworden, als bei 
der Vertretung einer Reihe von Interessenten durch die eine 
Stimme vielleicht die schärfsten Gegensätze ausgeglichen werden 
müssen, und zwar derartig, daß das für Alle Ersprießliche zum Aus- 
druck gelangt. 

Wie ersichtlich, sind die vom privatwirtschaftlichen Standpunkte 
aus gegen das Kohlensyndikat erhobenen Einwände nicht unbegründet. 
Aber es ist zu berücksichtigen, daß nicht nur die Form noch immer 
verbesserungsfähig ist und heute bereits gegenüber der Organisation 
der Kohlen Verkaufsvereine wesentliche Vorzüge aufweist, sondern daß 
auch die inneren Gegensätze im Laufe der Zeit immer mehr schwinden 
werden. 

Unser ganzes wirtschaftliches Leben steht heute unter dem 
Einflüsse des Großbetriebes, Auf allen Gebieten der Industrie hat in- 
folge der großen Kapitalansammlungen, des stetig zunehmenden Ver- 
kehrs und der hierdurch gesteigerten Bedürfnisse der Großbetrieb den 
Kleinbetrieb immer mehr verdrängt; die Massenproduktion drückt 



32 



F r AD t S artor ^ 



den Preis der Ware, und deshalb muß das Bestrebeii darauf gerichte 
sein, möglichst die Selbstkosten zu erniedrigen. Die Erreichung dieses^ 
Zieles ist aber auf die Dauer nur im Großbetriebe möglich, und der 
Kleinbetrieb muß daher, wenn er nicht unter besonders günstigen Be- 
dingungen arbeitet, entweder konkurrenzunfähig werden oder im Groß- 
betriebe aufgehen. Und daß die kleineu Steinkohlenbetriebe einmal 
verschwinden werden, unterliegt keinem Zweifel; ihre Assimilation zu 
oder auch mit größeren Verbänden erfordert jedoch, wie bereits früher 
dargetban worden ist, noch einen bedeutenden Zeitaufwand. 

■f^ Eine zweite charakteristische Erscheinung unseres heutigen Wir 
Schaftslebens giebt sich in der Bildung der Kartelle kund, welche in aJleD 
möglichen Branchen entstanden sind. Auch hier läßt sich geschieh tUc' 
nachweisen, daß die Zunahme der industriellen Thätigkeit zanäch 
die einzelnen Industriellen eines bestimmten Industriezweiges zu einem 
erbitterten Konkurrenzkampfe unter sich veranlaßte. Erst der Rück- 
schritt, welchen die Werke durch einen solchen ungeregelten Wett^_ 
bewerb machten, führte zu der Erkenntnis, daß nur eine Einigunj 
über Preis- und Absatzbedingungen unter den konkurrierenden Werke 
den Untergang des Industriezweiges aufhalten könne. Und so erleben 
wir jetzt das Schauspiel, daß durch die Kartellbildungen, in sich ge- 
einigt, Industriezweig gegen Industriezweig kämpft. 

Daß die niederrheinisch- westfälische Steinkohlenindustrie au 
diesen Weg gegangen ist, wurde in der Darstellung der geschieht 
liehen Entwickelung der Syndikatsbestrebungen dargethan. Die Ge 
schichte zeigt, wie viele Versuche zur Hebung dieses Industriezweigeffi 
unternommen worden sind, bevor die Erkenntnis durchbrach, daß der 
Produkten vertrieb reformbedürftig war. Auf dieser neuen Grund- 
lage sind die Kartelle und das heutige Kohlensyndikat aufgebaut, mit 
dem bestimmt ausgesprochenen Zwecke, 
„für die Zukunft die ungesunde, innere Konkurrenz auf dem Kohleo- 
markte auszuschließen und mit anderen bei der Konkurrenz in 
Betracht kommenden Zechenbesitzern und Vereinigungen soweit als 
thunlichst feste Vereinbarungen über die Beteiligung am Gesamt- 
absatz, sowie über Preise und Lieferungsbedingungen zu erreichen". 
Dieses von den Syndikaten angestrebte Ziel hat eine Reibe volks- 
wirtschaftlicher Vorwürfe und Bedenken hervorgerufen, welche eine 
eingehende Beurteilung erfordern. 



B. Volkswirtschaftliche Einreden gegen die Syndikate. 

Aus der Zahl der gegen die Kartellbestrebungen erhobenen Ein^ 
Wendungen ist zunächst folgender Vorwurf hervorzuheben: ■ 

Durch das Kohlensyndikat wird ein Kohlen ring gebildet, und^ 
hierdurch werden Monopolpreise geschaffen, unter deren Ein- 
wirkung die kohlen verbrauch enden Industriezweige zu Grunde gehen 
müssen. 

Daß die Gefahr einer monopolistischen Ausbeutung zeitweise 
eintreten kann, soll nicht bestritten werden. Diese Gefahr ist aber 
unter den heutigen Verhältnissen äußerst beschränkt. 



üb SyndtkaUbettrebungeo im tiiederrheintich-westfiJiseheD StemkohtenlMxirke 33 



Es ist zunächst eDtschiedeo zu bestreiten, daß durch das Kohlen- 
syndikat ein ökonomisches Monopol geschaffeD wird. Man fiodtt zwar 
vielfach das Kohteusyndikat in eine Parallele mit dem verkrachten 
Kupferring gestellt. Daß dieser Vorgleich ^anz unzutreffend ist, er- 
giebt sich aus der Thatsache, daß der Kupferring, als ein KoDSortium 
von Spekulanten, die ausschließliche Verfügung und Ver- 
wertung sämtlicher Kupfervorräte der Welt anstrebte, um „durch un- 
lautere, künstliche spekulative Mittel plötzliche Preisverschiebungen 
nach oben oder nach unten ins Werk zu setzen, und auf diese Weise 
durch den plötzlichen Hoch- und Tiefgang des Preises das Publikum 
auszubeuten'**)* Dagegen bezweckt das Kohtensyndikat als eine Ver- 
einigung der Produzenten, nach Möglichkeit uur die innere Kon- 
kurrenz auf dem westfälischen Kohlenmarkte zu beseitigen. 

Von einem Kohlenmonopole könnte überhaupt nur die Rede sein» 
wenn der regulierende Einfluß aller aus* und inländischen Kohlen- 
angebote wegfiele, d, h. wenn sämtliche Kohlenproduzentee zu 
einem einzigen großen Syndikate zusararaentreien würden. Die west- 
fälische Steinkohlenindustrie ist aber heute ebenso wie früher genötigt, 
auf die allgemeine Lage des Weltmarktes Rücksicht zu nehmen, und 
da sind es vor allem die konkurrierenden Kohlengebiete, welche die 
Preisuonnierung beeinflussen. Wie der Handelsminister Frh. von Ber- 
lepsch in der Sitzung vom 3. März*) d. J. treffend ausführte, 
^konkurriert die englische Kohle an außerordentlich vielen Stellen 
mit der westfälischen^ die belgisciie Kohle konkurriert mit ihr; in 
gewissem Sinne konkurriert mit ihr die Saarbrücker Kohle; in der 
Provinz Sachsen konkurriert die böhmische und sächsische Kohle, 
eben dort über Berlin hinaus die oberschlesische Kohle", 

Es gehört keine lebhafte Phantasie dazu, um sich zu vergegen- 
wärtigen, daß die westfälische Steinkohlenindustrie ringsum von Kon- 
karrenten und zumeist sogar recht gefährlichen umgeben ist. Außerdem 
sind auch, wie die „Erfolge" der Gemeinschaft dargethan haben, im 
niederrheinisch-westfälischen Bezirke selbst genug Zechen vorhanden, 
welche durch ihre Konkurrenz auf die Preisbestimmung einwirken. 

Ist daher thatsächllch ein Kohleomonopol nicht vorhanden, so 
wird auch die Befürchtung, es könnten durch das Syndikat monopo- 
listische Preise geschaffen werden, durch folgende Erwägung hinfällig. 
Der gnißte Teil der Steinkohlenprodukiion des Oberbergaratsbezrrkes 
Dortmund wird in den natürlichen Absatzgebieten Rheinland- Westfalen 
abgesetzt. So sind im Jahre 1890 von der Gesamt förderuug von 
35469 290 Tonnen in diesen beiden Provinzen lU 336 800 Tonnen 
= 54,3 Proz. oder 69,79 Proz. der absatzfähigen Rohkohle ver- 
blieben, welche vorwiegend zu industriellen Zwecken, im besonderen zu 
Zwecken der Eisenindustrie Verwendung fanden. Würde durch mono- 
polistische Preise die Lebensfähigkeit dieser Industriezweige bedrohti 



i) Abgeordneter Schmiedinfr in der SlUatig des Abgeordoeteahauae« vom 16. Feb 
1&93{ Stenograph. Berichte Seite 893, 
%) Stenograph. BeHebte, Seite ISOS. 
Dritte folce Bd. VU (IXtt), 3 



84 



Frftnt S&rl« 



SO würde sich die westfälisclie SteitikohleöiDdustrie ihre eigeneD Lebens- 
adern unterbinden. Denn die kohlenverbraticbenden loduBtriezweige 
würden ihren Bedarf aikderweitig decken können« und die Staatsgewalt 
wäre in der Lage, durch Bewilligung von AusuahmetarifeD die Heran- 
scbafl'ung billiger Indusiriekohlen zu vermitteln und durch Aufbebung 
der wegtfälischen Ausnah nietarife das Syndikat zu Preisrückgäugen zu 
zwingen. „In einem Staate, dei^sen Eisenbahnverwaltung in einer Hand 
koLzentricrt ist, sind die Mittel, eiuer solchen Vereinigung gegenüber- 
zutreten, erheblich größer als in irgend einem anderen Lande der 
Welt" '). 1 

Die Folgen des durch eine mulwillige Preistreiberei kaum wieder" 
einzuholenden Verlustes an Absatzfäbigkeit und des unvermeidlichen 
Preissturzes würden albdanu auf die Steinkohlenindustrie selbst zurück- 
fallen. 

Eine weitere Folpe würde unzweifelhaft auch die Vernichtung des 
Syndikates sein, da beim Mangel au Aufträgen jede Zeche selbst 
wieder ihre Produkte zu vertreiben suchen würde. Wenn der Syn- 
dikatsgegner die Anllösurig der Karti^lle auch mit Freuden begrüßen 
wird, so kann er sich doch nicht verhehlen, daß dann erst recht die 
frühere Preisschleuderei zu voller Blüte gelangen und die Steiukohlen- 
industrie den trostlosesten Zuständen enlgegengehen wird. 

Unter diesen Gesichtspunkten muß die Gefahr, daß das Kohlen- 
syndikat eine nronopolislische Ausbeutung auch nur versuchen wird, 
Vollstil ndig verschwinden. 

Allerdings wird es durch Verminderung der inneren Konkurrens^ 
die Erzielnng besserer Preise ermöglichen. 

Hierdurch betördert aber das Kohlensyndikat — so wird weiter 
eingewendet — die Gründung neuer UnttTnebmungeu und die Er- 
weiterung bestehender Anlagen, infolgedessen eine Ueberpro- 
d u k t i o n. 

Es ist richtig, daß alle Konventionen zugleich mit einer günstigea 
Preisnormierung diese Uehelsiände zur Folge haben können. 

So ist z, B* der Eintluß der Preiskonveuiion von 1882 auf die 
Koksproduktion unverkennbar ^): 



Zftbl der b«tri«b«ficii 

Kok^5^eo 



Zaii»hiii6 In Profteoten. 



1881 Mai 



lass 



November 



4292 

4<»33 
5284 



|8°/^ im Irttufe eiDtjfi gADxen Jahres 

)I ].()<*/« ^^ Lftufe eines )i Alben Jähret unter 
der EiDWii-kaug der Preit^kouvection. 



Ende 1892 standen 63()4 Koksofen in Petrieb; demnach hat 
Laufe der letzten zehn Jahre trotz Bestehens des Kokssyndikate 
die Zunahme nur 19,3 Proz., oder noch keine 2 Proz. pro Jahr betragen. 



t) Frh. Too Berippsch in der SiUiinK vom 3. Mftrs 1893. 



,,0[Ück nuf«', Jiitirtfmi.g 1883« Kr, 28. 



DS« SjodikfeUbestrebottgen im nfederrheiQifidi-wefttfilischcti Steiakoh)tnb«tirko. 35 



Iß) allgemeineD machen sich auch ohne Syndikate bei günstiger 
Geecbäftslage BestrebungeD zur NeugründuDg und Erweiterung 
von Anlagen geltend; man vergleiche nur die Gründerwut zu Aurang 
der 70er Jahre. Daß die Syndikatsbilduog nach dieser Richtung hin 
begünstigend einwirkt, ist eine Qbele Nebenwirkung, aus der jedoch 
dem Syndikate als solchem ein Vorwurf nicht herzuleiten ist. 

Wenn auch der Kartellbildung ein gewiss^er Eiiiöuß auf die Koks- 
erzeugung zuzuschreiben ist, so wäre es doch falsch, erstere allein 
für die Zunahme derselben verantwortlich zu machen. Entsprechend 
der allgemeinen, naturgemäßen Produktionsvermehrung der nieder- 
rheinisch-westfälischen Steinkohlenindustrie, ist auch das geförderte 
Kokskohlenquantum alljährlich gewachsen. Dieses ist aber außerdem 
auch durch die geologischen und technischen Verhältnisse bedingt. 
Im allgemeinen zergliedert sich das Sleinkohlenvorkommen Westfalens 
in drei Abteilungen, nämlich — vom Hangenden zum Liegenden ge- 
rechnet — in die Gaskohlen-, Fettkohlen- und Magerkohlen|>artie. 
Nach dem geologischen Verhalten der Lagerstätte, nach der Anzahl 
und der Art der sie durchsetzenden Verwerfungen und nach den Be- 
triebsverhällnissen richtet sich die Forderung und die Qualität 
der geförderten Kohle, Während die eine Zeche nur eine bestimmte 
Kohlen quali tat produziert, fördert eine andere etwa zugleich Gas- und 
Fettkohle. Die Betriebsverhältnisse der letzteren können es nun mit 
sich bringen, daß nur Fettkohlen gefördert werden müssen, und damit 
ist denn sofort auch eine Zunahme iler Koksprüduktion j^egeben- So 
entsprechen ferner manchmal die bestehenden Anlagen nicht mehr den 
an die Wetterführung und Förderung gestellten Anforderungen. Die 
Betriebspunkte rücken von den Förderschächten aus immer mehr ms 
Feld, die Förderkosten werden fortwährend gesteigert und der Berg- 
werksbesitzer ist im Interesse eines rationellen Betriebes geradezu ge- 
zwungen, das Grubenfeld durch ueue Schächte zu erschließc-n. Diese 
Anlagen erfordern aber oft einen Aufwand von Millionen; man kann 
deshalb das Bestreben, durch eine Produklionsvergrößerunjj aus der 
Kapitalanlage Nutzen zu ziehen, nicht als unben-chiigt ansehen. Wie 
weit derartige Verhältnisse im einzelnen Falle von Einfluß sind, läßt 
sich schwer feststellen, zumal da solche Veränderungen unter Umstän- 
den innerhalb kurzer Zeit eintreten können. Würde jedoch die Zu- 
nahme der Kokskohlenförderung, unabhängig von den vorhin geschil- 
derten Verhältnissen, in so abnormer VNeise erfolgen, wie sie vielfach 
von den Gegnern der Syndikate dargestellt wird, so müßte diese Ab- 
normilät auch in den Produkt ionszifiern der gesamten Steiukolilen- 
Industrie zu Tage treten. Letztere bat sich aber in dem letzten Jahr- 
zehnt in ziemlich gleiihmäßig prozentualer Steigerung entwickelt 
Hieraus ist zu schliißen, duß auch die Kokskohleuproduktion im all- 
gemeinen denjeni^jen Verlauf genommen hat, welcher als eine Folge 
der Gesamteiiiwickelunsz der Sleinkohlenindustrie und der Betriebsver- 
hältnisse erscheinen nmß. 

Im einzelnen Falle ist es jedoch schwer zu beurteilen, welche 
Momente für die jeweilige Zunahme der Förderung von maßgebendem 



K r»ti % Sarter, 



Eioflusse gewesen sind. Bis zu einem gewissen Grade ma^ auch d^ 
SyndikatsbilduDg eioe Schuld m der allgemeinen ProduktioDsver- 
größening beizunjesseD sein. In etwas wird aber dieser üebelstand 
durch die Thatsacbe parallelisiert, da£ die Syndikate in bedeutend 
mehr erfolgreicher Weise wie die Einzelzecben imstande sind, der 
yermehrten Produktion neue Abflußkanäle zu eröffnen. 

Kun wird aber gerade aus den Bemühungen, der stärkeren Pro- 
duktion Absatz zu verschaffen, der Vorwurf hergeleitet, daß das 
Koblensyndikat genötigt sei, dem Auslande die Kohlen zu billigeren 
Preisen zu liefern als dem Inlande, und daß daher die ausländische 
Konkurrenz auf Kosten der vaterländischen konkurrenzfähig gemacht 
werde. Zur Begründung dieses Vorwurfes stützen sich die Syndikats* 
g^gner auf die vom Kokssyndikate gethätigten Auslands verkaufe. 

Zar Beurteilung der Handlungsweise des Kokssyndikates ist da- 
von auszugehen, daß dieses gezwungen war, auf jeden Fall die üeber- 
Produktion zu vertreiben. Wenn es auch eine durchgreifende Ein- * 
gchränkung der Produktion anordnete, so würde die Durchführung 
doch an der technischen Unmöglichkeit scheitern ; denn die Fettkohlen- 1 
zechen sind auf die Kokserzeugung angewiesen* „Bei der Weichheit] 
der westfälischen Fettkohle ist ein starker Feinkobtenfall unvermeid- 
lich, und hierdurch werden die Zechen geradezu gezwungen, über den 
Bedarf des Inlandes hinaus Koks zu fabrizieren, um überhaupt die 
Feinkohle nutzbringend zu verwerten*' *). Außerdem würde ein Nicht- 
betrieb der Kokst^fen oder auch nur eine bedeutende Einschränkung 
des Koksofenbetriebes den rationellen Grubenbetrieb im höchsten Grade 
gefährden« einmal weil die Kesselheizung ausschließlich durch die 
Koksofengase bewerkstelligt wird, sodann weil ein längeres Stillliegen 
der Oefen diese dauernd betrlebsunfähig macht. Da nun das Koks- 
syndikat der Ueberproduktion keine Schranken auferlegen kann , so 
handelt es vom volkswirtschaftlichen Standpunkte aus ganz richtig» 
wenn es die im Inlande nicht absetzbaren Koksmengen wenigstens zu 
verwerten sucht Die teilweise Preisschleuderei ist nicht dem 
Kokssyndikate als solchem zur Last zu legen , sie ist vielmehr in der 
Macht der Verhältnisse begründet Wäre der Koks dem Auslände« 
nicht zugeführt worden, wäre also dieses Koksquantum unabsetzbar! 
geblieben, so wäre Einstellung des Betriebes und Entlassung von 
Arbeitern die nächste Folge gewesen ; andererseits wären die bedeuten- 
den Eisenbabnf rächten, welche doch der A 1 Ige m ein hei t zu gute fl 
kommen, ausgefallen, — Verluste, welche ungleich hober anzuschlagen! 
sind, wie die allerdings bedauernswerte Verschleuderung von National- 
gut ins Ausland. 

Daß die Koksk auf preise dem Auslande billiger gestellt wer- 
den mußten, ist wohlbegründet 

Bei den Au Bland SV er kaufen kommen allgemein zwei wesent- 
liche Momente in Betracht: 

1) Die Verkaufspreise können nicht einseitig vom Verkäufer nach 



1) Jahrttbcricht Üb«r HAndelBkAmmtr mn BiKbom pro 1891. 



Die Syodikatsbestreboogen im niedorrheioisch-westfllUchen SUiokohlenbesirke. 37 

den im Inlande erzielten Preisen normiert werden; vielmehr wirkt 
hier als Preisbestimmungsfaktor der Konkurrenzpreis der aus- 
ländischen Kohle. 

2) Der wirkliche Kohlenkaufpreis setzt sich zusammen aus dem 
Grundpreise loco Zeche und der Fracht, welche für die Koblentrans- 
porte nach dem Auslande durchschnittlich 30— 40M. >) über den 
durchschnittlichen Inlandsfrachten steht. Zur Entschädigung für den 
Fracht auf seh lag giebt die Kohlenindustrie den ausländischen Kon- 
sumenten einen Preisabschlag, um ihn zum Abschluß des Ge- 
schäftes geneigter zu machen, — ein im Handel allgemein anerkanntes 
und wohlberechtigtes Geschäftsprinzip. 

Die in Broschüren, Handelskammerberichten und der Presse auf- 
gestellten Behauptungen *}, daß der ausländische Konsument hierdurch 
zum Nachteile des inländischen bevorzugt wird, sind jedoch in dieser 
Allgemeinheit unzutreffend. 

Legen wir folgendes, von Dr. Reismann in seiner Broschüre auf- 
geführte Beispiel zu Grunde : 



Koks Ton 

BsMD nach 

LQttich 



Koks Ton 

Essen nach 

Hamm 



Kaufpreis fBr den Doppelwagen | 120,0 M. 1300 M. 

Dmsu Pracht für den Doppelwagen 1 65,86 M. 1 26,0 M. 



185,86 M. I 156 M. 



Dieses konkrete Beispiel veranschaulicht zweierlei. Einmal drückt 
es deutlich den Einfluß aus, den die Frachtkosten auf den Gesamt- 
preis ausüben. Thatsächlich bezahlt also der ausländische Kon- 
sument, weil er die Fracht mitbezahlen muß, den Koks höher wie 
der inländische. In einem derartigen Preisabschlage kann daher ein 
Verlust an nationalem Wirtschaftsleben nicht gefunden werden, freilich 
insoweit nur, als nicht Preisschleuderei eintritt. Demgegenüber ist 
wieder zu berücksichtigen, daß die Kohlenindustrie auf alle Fälle ge- 
nötigt war, einen Teil ihrer im Inlande nicht absatzfähigen Kokspro- 
duktion ins Ausland zu verschleudern , um denselben überhaupt ver- 
werten zu können. Da sich eine durchgreifende Einschränkung der 
Kokserzeugung aus technischen Gründen nicht durchführen läßt, so 
ist die Industrie in die Notlage versetzt worden, das Nationalgut an 
Steinkohlen zu vergeuden. Andererseits bringt sie aber dit'ses, wenn 
auch unfreiwillige Opfer im Interesse der Allgemeinheit, weiche in den 



1) Dr. Beismann-Grooe , Die Kohlen kartelle and die Eisenindustrie, Essen 1891, 
Seite S6 ff. 

S) Kanits -Podangen, Die Kohlen verkaafsTereine und ihre wirtschaftliche Be- 
reehtii^f, Berlin, Seite 17 ff. — „Kohleurioge" , 1891 (Verlag Wieseuthal-Berlio), 
Seite 17 ff. — iJ^^^ geplante Kohlenring, eine Gefahr f&r die 
Indastrie*' 1892 (Verlag Bachern Köln) Seite 27 ff. ,,Zam Monopol?'' 1891(?) 
(Verlag Brieger-Berlin) Seite 9 ff. — Preihan dels-K orr espondens, Berlin 1891, 
Nr. 66 und andere. Ferner die Jahresberichte der Handelskammer so Siegen. 



Fttkur 4Art«r, 



fODi Aaslaode (diesseits der LaDdesgreim) gi^ahltea Frachtpretsen 
eiDeo Za wachs des KatioDalvertDögeiis erhält Diese Thatsacfae 
briogt die andere Konseqaenz obigen Beispieles zum Aasdruck. So 
werden für jeden nach Lüttich abgesetzten Doppetwagen etwa 5 Sechstel 
der Frachtkosten f also mehr wie 50 M. Tom aosländischen 
Käufer zu Gunsten der Allgemeinheit vereinnahmt. 

Diese für die Beurteilung der Auslandsverkäufe wichtigen Momente 
werden vielfach nicht genügend gewürdigt. 

Das Kokssyndikat ist besonders von der stark interessierten 
Eisenindustrie wegen der Auslandsverkäufe sehr angefeindet worden. 
Zum Beweise jedoch, daß dieser Industriezweig am wenigsten AnlaS 
batf über derartige, durch die Verhältnisse gebotene Auslandsverkäufe 
ein abfälliges Urteil zu falten, berücksichtige man zunächst, daß der 
Kokskonsum von selten desselben ein sehr schwankender ist^), sodaau 
daß die Siegener Hüttenwerke und der Roheisen verband z. B. im 
Jahre 1892 für jede über die Zollvereinsgrenzen exportierte Tonne 
Boheisen eine Bonifikation von 1,50 M. vom Kokssyadikat erhalten 
haben; dabei ist überhaupt davon abgesehen, daß der Koksversand 
ins Siej?erland zu ermäßigten Tarifsätzen erfolgt Und hat etwa die 
Eisenindustrie in Zeiten geschäftlicher Krisen solche verlustbringende 
Auslandsverkäufe nicht selbst gethätigt, und steht sie heute etwa auf 
einem anderen wirtschaftlichen Standpunkte? Man vergleiche nur 
folgende Ausführungen aus dem Berichte der nordwestlichen Gruppe 
des Vereins deutscher Eisen- und Stahlindustrieller über die Lage 
der Eisen- und Stahlindustrie in Rheinland- Westfalen und Nassau im 
Jahre 1883^): 

,,Es muß anerkannt werden, daß, wenn vereinzelte Geschäfte zu 

verlustbringenden Preisen im Auslande abgeschlossen worden sind, 

dies geschehen ist, um den Betrieb im großen und ganzen und 

damit die Leistungsfähigkeit des Werkes aufrecht zu erbalten, und 

den Arbeitern Beschäftigung und Verdienst zu sichern. Nur die 

gänzliche Verkenn ung dieser Verhältnisse und die Unkenntnis der 

Bedingungen, welche für die Gestaltung der Selbstkosten und der 

Preisbildung maßgebend sind, können dazu führen, Vorwürfe und 

Verdächtigungen auf die Industriellen zu häufen , weil sie die im 

gegebenen Falle im Auslände kontrahierten , verlustbringenden 

Preise nicht auch im Inlande gelten lassen wollten/' 

Wenn aber die Eisenindustrie auch heute ^) noch solche An- 

schauungen über Auslandsverkäufe vertritt, darf sie der Koblenin- 

dustrie die Befolgung der nämlichen Grundsätze nicht zum Vorwurf 

machen* 

Freilich dürfen die für die Kohle nindustrie allein vertust^ 
bringenden Auslandsverkäufe nur die Ausnahme bilden; es würde 

i) £i wordaa im «reitfiLJSftchflD Kohlenrevier abgesefett 
189 t 468 000 Tonnea Koki 
dmgeiceo 18»2 nur 878 380 ,, „ 
») April-Heft 18S4 der Zeittchrirt „SUbl and Ebeii'\ 
2) Vf(L Jahresbericht der Handel skfttnaier za Sieg«» pro 1891. 



I 



Die SjndikftUbt«tr«bang«ti Im mederrheiiibcli*west(%lischei> SteiDkohlenbeiirke. 39 



I 



sonst der ud vermeid) iche Niedergang dieses Indus triezweiires auch von 
den schlimmsten wirtschaftlichen Folgen f(ir die Gesamtheit begleitet 
sein. Dies zu verhindern, wird das Syndikat viel eher in der Lage 
sein, wie die einzelnen unter sich konkurrierenden Zechen. 

Zu diesen bedeutsamen volkswirtschaftlichen Einwänden gesellen 
sich noch zwei andere, die zwar nicht von gleich einschneidender Be- 
deutung sind, auf die jedoch der Vollständigkeit halber kurz einge- 
angen werden muß. 

Man befürchtet nämlich von den Kohlenverkaufsvereinen die Ver* 
nichtung vieler kaufmännischer Existenzen und die 
Lahmlegung des Kohlenhandels. 

Daß die Zechen^ auch wenn sie den direkten Kohlenverkauf aus 
der Hand gegeben haben, kaufmannischer Kräfte nicht entbehren 
können, ergiebt sich aus der Ueberiegung, daß für jedes Werk eine 
geordnete Buchführung, eine tüchtige Materialienverwaltung von 
höchster Bedeutung ist* Zudem ist eine kaufmännische Leitnog schon 
deshalb nicht entbehrlich, weil nach den Satzungen das Kohlensyndi- 
kat das Recht besitzt, 

„die Mitwirkung eines jeden der Zechenbesitzer zum Abschluß 
eines Vertrages oder zur Beilegung von Differenzen in Anspruch zu 
nehmen''. 

Schließlich wird ganz übersehen, daß auch das Syndikat kauf- 
männischer Kräfte bedarf, und daß also ein dort entstehender Aus- 
fall durch den hier gesteigerten Mehrbedarf ausgeglichen wird. Es 
findet nur eine Verschiebung des kanfmänniscben Geschäftes statt. 
An Stelle der Gesamtheit von Zechen tritt das Syndikat als alleiniger 
Verkäufer auf. Mit ihm hat sich der Händler zu benehmen. Dieser 
wird freilich nicht mehr wie früher in der Lage sein, die Konkurrenz 
der Einzel verkauf er zu einem Drucke auf die Preise zu benutzen» 
Und auch insofern wird die Reform des kaufmännischen Vertriebes 
von Vorteil sein, als „die oft verderbliche Intervention eines ille- 
gitimen Zwischenhandels eingeschränkt wird*' *). Aber der Kohlen- 
handel selbst wird ebensowenig lahmgelegt, wie ein volkswirtschaft- 
liches Leben ohne Zwischenhandel möglich ist 

Daß für die Zukunft „unter Ausschaltung aller lebendigen Kräfte 
die Bestellungen von der Zentralstelle aus ressortmäßig'**) erledigt 
werden^ hat doch zur Voraussetzung, daß solche Bestellungen auch 
einlaufen. Ein Mangel in der Nachfrage wird sich aber schon bald 
fühlbar machen bei Außerachtlassung des kaufmännischen Grundsatzes, 
daß der Verkäufer einer Ware seine Abnehmer aufsuchen muß, 
um sich über ihre Bedürfnisse zu orientieren. Das Syndikat wird 
daher von selbst darauf angewiesen sein , durch Agenten die Fühlung 
mit der Kundschaft aufrecht zu erhalten. 

Diese geht freilich für die einzelnen Zechen verloren, da sie sich 
des direkten Vertriebes an die Konsumenten begeben haben. Nicht 



1) Bericht der HAadelskammer su Bocham pro 1880, S«ito 6. 
S) „Der geplanfe RobtttDriog*^, Seit« 0. 



40 



F r &I1Z Sftr C«r , 



unberechtigt ist deshalb der Einwaud , daß sich die eiuzelne Zecli^ i 
durch Aufgabe der persönlicbeu Beziehungen der Gefahr aussetze, bei | 
eiuem Zusamnieobruche des Syndikates nicht sofort genügende Ab- 
nehmer für ihre Produkte zu öoden, und daß die Wiederaufnahme der 
Beziehungen mit der Kundschaft neue Opfer an Zeit und Geld er- 
fordere. Dieser immerhin wieder einzuholende Verlust muß jedoch 
weit hinter die verderblichen Folgen des wilden Konkurrenzkaoipfea 
und der Preisschleuderei zurücktreten, welche beim Scheitern des 
Syndikates in erhöhtem Maße eintreten werden* 



C. Wirtschaftliche Berechtigung des Kohlensyndikats.' 

Sämtliche volks- und privat wirtschaftliche Einwände gegen das 
Kohlensyndikat verdienen eingehende Berücksichtigung, Sie vermögen 
jedoch nicht die Gründe zu entkruftigen, welche im Interesse der 
Lebensfähigkeit der Steinkohleniudustrie zu Gunsten der KÄrtell- 
bildung sprechen. 

Daß diese Bestrebungen lediglich auf Börsenmanöver zurückzu* 
fuhren seien, dürfte eine unerwiesene Behauptung sein. Die verwerf- 
lichen Kurstreibereien und das Börseuspiel mit Bergwerkspapierea 
haben mit den berechtigten Interessen der Steinkohleutndustrie nichts 
zu thun. Es mag auch noch darauf hingewiesen werden, daß durck« 
das Statut der Aktiengesellschaft des Syndikates, die nebertraguagj 
der Aktien von der Zustimmung der Gesellschaft abhängig gemacht] 
ist; diese Bestimmung weist darauf hin, daß die Börsenspekulation! 
von den Syndikatsbestrebungen vollständig fern gebalten werden solK 

Es sind allerdings sechs große Bankhäuser an einer Reihe von 
Zechen stark beteiligt; diese vertreten noch nicht ein Viertel der 
Gesamtproduktion des Oberhergamtsbezirkes Dortmund, Wie wenig 
aber gerade von dieser Seite Kartellbildungen beJürwortet werden» 
ergiebt sich aus der Thatsache, daß bei den Verhandlungen über die 
Gründung des heutigen Kohleosyndikates sowohl die Gelsenkirchener 
Bergwerks-Aktiengesellschaft, als auch die Berg Werksgesellschaft Hi- 
bernia, deren Aktien vorwiegend in Händen Berliner Firmen sind, sich 
am schwierigsten gezeigt haben*). 

Die geschichtliche Entwickelung der Kartellbestrebungen beweist^ 
daß der Gedanke zur Gründung des Syndikates aus der Industrie 
selbst hervorgegangen ist Seine volkswirtschaftliche fierechtigung 
Hegt in der Berechtigung der Steinkohlenindustrie zu exi- 
stieren, und zwar so zu existieren, daß sie aus der Kapitalanlag d-;fl 
einen angeuiessenen Gewinn zieht ™ 

Die niederrheinisch*westfälische Steinkohlenindustrie ist aber nur 
lebensfähig, wenn die innere, ungesunde Konkurrenz be-,j 
seitigt wird, 

„Der ganze ungeheuere Aufbau einer Aktiengesellschaft, die erst 
»ach so vielen Mühen zustande gekommen ist, sollte weiter keinem] 



1) Na«]| prWftten MiUeilntigen eines VoraUiidsmit|fnede$ des Sjrodikates. 



DU ^yndtkitabtsIrebun^eQ im tiiederrhefDfich-wdsrilllieheii Stemkohlenbezirke. 41 

Zweck haben, als die Preise für die Kohlen 2U erzielen, die auch bei 
dem voUstäDdig freien Verkaufe der Kohlen seitens aller 
Zechen herauskommen?*)*' Daß bei der ungeregelten Konkurrenz die 
westlälische Steinkohlenindustrie keine Preise erzielt hat , welche als 
an gemessen zu bezeichnen sind, beweist die Geschichte und die 
Statistik der 70er und 80er Jahre. Auch Produktionseinschränkungen und 
Preiskonventionen können einen Erfolg nicht aufweisen, eben weil das 
Angebot ungeregelt bleibt. Eine solche Regulierung ist nur durch- 
führbar, wenn die 175 konkurrierenden Einzelwerke sich zu größeren 
Komplexen vereinigen. Ehe das rationellste Mittel der Konso- 
lidation durchgeführt sein wird , kann die westfälische Steinkoblenin- 
dustrie längst zum Erliegen gekommen sein. Das andere Mittel zur 
• Beseitigung der inneren, ungesunden Konkurrenz besteht in der wirt- 
schattlichen Vereinigung zum Zwecke des gemeinsamen 
Kohlenverkaufes. Es bedarf keines Hinweises, <)aß die durch die 
Kohleuverkanfsvereine auf 30 zusammengeschmolzene Zahl der Kon- 
kurrenteu mit fiirößerem Ertolge VereiDbarungen Über Absatzverhält- 
nisse und Preishöhe treffen kann. Um so mehr ist das heutige Kohlen- 
syndikat imstande, den Produktenvertrieb in einer den Marktverhält- 
nissen entsprechenden Weise zu regeln. 

Zunächst ist das Syndikat in der Lage, darauf hinzuwirken, duß 
das Angebot der wirklichen Nachfrage auch entspricht. Die früheren 
Jahre haben nicht so sehr an den Folgen der gesteigerten Produktion 
gekrankt als an dem Fehler, daß in Zeiten des flauen Geschäftsganges 
das Angebot nicht vermindert wurde. Das Syndikat besitzt das Mittel, 
Sfine Mit;Li;lieder zu einer zeitweisen Einschränkung der Produktion 
zu zwingen, ohne jedoch durch Beschränkung der Gesamtproduktion 
die natürliche Entwickelung der Steinkohlenindustrie zu hemmen. Die 
Durchführung dieses richtigen Grundsatzes, nur die der Nachfrage ent- 
sprechenden Quantitäten auf den Markt zu bringen, wird erleichtert, 
wenn die einzelnen Zechen den Betrieb so einrichten, daß die Haupt- 
forderung in die Monate des Hauptabsutzes fällt, während in den 
Sommermonaten der Schwerpunkt auf die Aus- und Vorrichtungs- 
arbeiten gelegt wird. 

Mit der Regelung des Angebotes ist die Preisbildung eng ver- 
knöpft. Bisher ist es eine eigentümliche Erscheinung des westfälischen 
Kohlenmarktes gewesen, daß ein die Nachfrage nur um wenige Prozent 
übersteigendes Angebot die größten Preisschwankungen hervorruft. 
Es ist ein Vorzug des Syndikates, durch ein reguliertes Angebot eine 
gleichmäßige Preisgestaltung zu bewirken. 

Die Syndikatsgegner sehen allerdings in der Karlellbildung nur 
den frevelhaften Versuch der Steinkohlenindustriellen, durch Preis- 
steigerungen die Kohlenkonsumenten auszubeuten; verfolgt man die 
diesjährigen Verhandlungen des Abgeordnetenhauses über den Etat 
der Berg-, Hütten- und Salinenverwaltuug, so findet man diesen Ge- 
danken in den sämtlichen Reden der dem Syndikate abgeneigten Ab- 



1) Abgeordnettr Brdmei in der SiUttog des Abg^ordneteahmaads Tom 1. März 1893. 



42 



F mnz Sftrterf 



geordneten ausgesponnen. Von fr^ihäBclIerischer Seite') wird es ge- 
radezu als eine Absiebt der KarteUbildiidg hingestellt, „die Regelang 
der Produktion uod des Preises durch Angebot und Nachfrage bei 
Seite zu schieben und an dessen Stelle den souveränen Willeu der 
Mitglieder der Vereinigung zu setzen**. Die Folgen einer unberech- 
tigten Preistreiberei sind bereits auseinandergesetzt worden. Daß sich 
aber die ludustnellen des westfälischen Steinkohlenbergbaues auch 
dieser Wirkungen bewußt sind, darf man von einer UnternehmerscbafM 
voraussetzen, „die sich durch einen besonders hohen Grad von Intelli^B 
genz auszeichnet und niemals die einfachsten wirtschaftlichen Gesetze 
außer acht lassen und beispielsweise niemals bewußt die Kohlenpreise 
80 steigern wird, daß die deutsche ludustrie konkurrenzunfähig auf 
dera Weltmärkte werden müßte*)**. 

Zweck des Syndikates ist nämlich nicht die Erzielung hoher 
Preise und starres Festhalten an solchen Preisen ohne Rücksicht 
auf die Lage der übrigen Industriezweige. Es strebt vielmehr, und 
zwar mit vollem Rechte Preise an, die in angemessenem 
Verhältnisse zu dem Kapi talaufwande und den erhöhten Selbst* 
kosten stehen, und welche die „starren'* Durchschnittspreise der 
70er und 80nr Jahre von 4—5 Mark übersteigen müssen ^). Eine 
Starrheit der Preise wäre für die Steinkohlenindustrie selbst ver- 
hängnisvoll. Die Konkurrenz mit der ausländischen Kohle zwingt von 
selbst schon, auf die Lage des Weltmarktes Rücksicht zu nehmen. 
Und eben weil das Kohlensyndikat dieselbe besser zu überblicken und 
auszunutzen vermag, wird es eine regelmäßige Preisbewegung 
erzielen, welche den Erfordernissen sämtlicher Industriezweige gerecht 
wird, welche sich jedoch von den verhängnisvollen Folgen hef- 
tiger und unvorhergesehener Preisschwankungen frei halt 
Eine Bestätigung der vorstehend entwickelten Ansichlen findet 
sich in dem Jahresberichte der Handelskammer zu Frankfurt a, M. 
für das Jahr 1890 (S. 208), in welchem es heißt; 

„Durch die Verkaufsvereinigungen erhielt der ungeregelte Werl 
der Kohlen wieder eine feste Position, das Unterbieten hörte auf, 
ebenso verhinderte aber dieses Zusammengehen der Zechen An- 
wüchse nach oben, welche sonst bei dem bald eintretenden 
strengen und langen Winter, der geschlossenen Schiffahrt und den 
vielen Störungen auf den Eisenbahnen sicher eingetreten wären, 
während unter der Leitung der Syndikate nur eine langsame und 
nicht eine sprungweise Erholung der Preise sich vollzogen hat Es 
muß konstatiert werden, daß die uns vorliegenden Berichte erster 
Kohlenhandlungen hier alle einstimmig betonten, nur den Verei- 
nigungen der Zechen und deren maßvollem Vorgehen sei es zu ver- 



1) PrelfaftndelikorreapondcDS, 1890, Nr* 60. 
3) Dr BQekiiighiias f DI« VerstmatHchung der Stemkofa]eiib«rfprerk«, Jen« tS9l 
3) Frhrr. von Bdriepach in der Sitssmig des Abi^eordDeteß hause» vom 3. M&rc l89Ss1 
i^Wean d«s Bestreben de» Syndikates 4mhm fcebea sollte^ eine der Erböliani;; der Selbtt- 
koAten entsprechende Preis erhöh ao^^ eintreten sa lassen ^ so wird meines Erachtens nie* 
nand den F&hrern und Leitern de» Syndikates aus ihrem Streben «inen Vorwarf maolwa 
konnao.*^ 



Die SjadikatsbeetrebiiogeB im niederrheiniteli-westflUischen Steinkohlenbesirke. 43 

danken, daß nicht rapide und übertriebene Preissteigerungen und 
Mehrforderungen sich geltend machen konnten, die ohne einheit- 
liche Leitung bei dem während des Winters flberall so dringend 
auftretenden Bedarf gar nicht zu vermeiden gewesen wären ^). 

Ueber die im Dezember 1892 infolge der eintretenden scharfen 
Kilte plötzlich gesteigerte Nachfrage nach Hausbrandkoblen fQhrt die 
Frankfurter Handelskammer im diesjährigen Berichte (S. 207) aus: 

^Im Bezüge direkt von den Kohlenzechen oder deren Ver- 
tretern trat während dieser Periode eine Verteuerung der Kohlen- 
nreise nicht ein, während im Kleinhandel etwas höhere Preise ge- 
fordert wurden/^ 

Die bis jetzt mit den Kohlenverkaufsvereinen gemachten Er- 
fahrungen haben dargethan, daß sie mit Mäßigung das Ziel einer 
Aofbenening der Preise durchzuführen bestrebt sind, und man darf 
auch von dem Syndikate erwarten, daß es mit Festigkeit den Plan 
dnrchl&hren wird, eine stabile Preislage zu schaffen. Diese wird 
lieht nur den westfälischen Kohlenmarkt festigen, sondern auch den 
kohleoTerbrauchenden Industriezweigen zu gute kommen, welche auf 
regelmäßige Preisschwankungen mit größerer Sicherheit ihre Kal- 
kslatioQen an&tellen können. 

Wie aus den statistischen Darstellungen des Kokssyndikates er- 
nchtlich ist, hat der deutsche Robeisenmarkt infolge der gleichmäßigen 
Pniabewegung des Koks in den Jahren 1891 und 1892 eine ziemlich 
hMntante Haltung bewahrt, während das schottische Roheisen im 
girichtti Zeiträume, allerdings auch unter dem Einflüsse einer ausge- 
dehnten Spekulation und des im FrQbjahre 1892 in Durham ausge- 
brocbenen Streikes, den heftigen Schwankungen des englischen Koks 
gefalgt ist 

D4e Beseitigung der inneren, ungesunden Konkurrenz durch die 
Kartellbestrebungen ist noch nach einer andern Richtung hin für die 
westfälische Steinkohlenindustrie von Belang, insofern als die Lebens- 
fthigkeit derselben als einer Exportindustrie durch die Konzen- 
tration des kaufmännischen Vertriebes bedingt ist. Die Größe und 
Bewegung der westfälischen Steinkohlenausfuhr ist aus der am Schlüsse 
tfeser Arbeit befindlichen Tabelle ersichtlich. 

Hiernach beläuft sich die G e s a m t a u s f u h r an Kohlen und Koks auf: 







Prosent- 




Proient- 


im Jfthre 


Kohlen 
Tonnen 


SAtS Tom 

Gesunt- 
abtaue 


Koks 
Tonnen 


tats Tom 

GTesamt- 
absatse 


1S80 


1622 516 


8,6 


209187 


16,1 


1SS5 


2202216 


9,«i 


536358 


23,14 


1S88 


2392 118 


8,88 


691474 


22,45 


1889 


2283347 


8,5 


697651 


21,07 


1890 


2597274 


9,»7 


827690 


22,8 


1891 


2589019 


8,74 


894 265 


23,11 


189S 


2524416 


8,76 


I 201446 


29,86 



1) la Ihalieliem Sinne ftoieni aich die Handelaluuninern sa MUlieim a. d. Bnlir 
in den B«riehten pro 1890. 



44 



Franz S«rt«r, 



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46 



Fraos Smrter, 



Diese Zahlen beweisen deutlich die Bedeutung des westfälischeo 
Steinkoblenexiiortes; derselbe hat in deu letzten 10 Jahren sich bei 
Kohien auf dem zieriilich gleichen Niveau von 8 — 9 Prozent der zum 
Absatz gelangten Kohlenmenge gehalten. Dagegen ist die Koksausfuhr 
bedeutend gestiegen und beträgt heute über V^ der gesamten absatz* 
fähigen Menge. Andererseits zeigt jedoch die Ausfuhrtabelle, wie 
schwankend und unzuverlässig die einzelnen Absatzgebiete sind ; diese 
Thatsache ist gerade kein besonders hervorragender Beweis &Xr die 
nachhaltige Exportfähigkeit der westfälischen Steinkohlenindustrie. 
Die Ursache dieser ErscheiDung ist vorzugsweise in dem Mangel einer 
einheitlichen Organisation zu suchen. 

Die Geschichte der Aui^fuhr lehrt, daß erst die Bestrebungen 
mehrerer zu einer Vereinigung zusammengetretenen Zechen Erfolge 
erzielt haben; sie zeigt aber auch, daß eine lose Vereinigung eine 
systematische Erweiterung des Absatzgebietes nicht durchzuführen 
vermag. Zwar sind viele Versuche und Vorstöße unternommen worden, 
jedoch ohne dauernden Nutzen, Es ist erklärlich^ daß die einzelne 
Zeche das Risiko von Auslandsgeschäften nicht übernehmen kann, ohne 
sich beim Mißlingen derselben dem vollständigen Ruitie auszusetzen. 
Wohl aber vermögen auf koutrakilichem Boden festgeschlossene Ver- 
bände wie die Kohleuvt-rkaufsvereine und das Syndikat, die mit aus- 
reichenden Geld- und Hilfsmitteln ausgestattet sind, die Exportfrage 
mit dauerndem Erfolge zu lösen. Nur weil die»e den Wellmarkt zu 
übersehen und not einem in sich konkurrenzfreien Angebote der aus- 
ländischen Konkurrenz entgegenzutreten verniö^^en , kann es ihnen 
gelingen, der westfäfischen Kohle dauernde Absatzgebiete im Auslande 
zu sichern. Andererseits entfallt das Risiko, welclies allen Auslands- 
geschattcn eigen tümlich ist, auf die Gesamtheit, ohne den Einzelnen^ 
zu stark zu belasten, fl 

(Siehe Tabelle »uf S. 44.) ^ 

unter diesen Gesichtspunkten, welche aus dem Grundsatze ent- 
8prin,34en, daß die Lehenslahi^keit der Steinkohlenindu^strie auf dem 
Export beruht, erscheint das Kohlensyndikat wirtsrhaftlich berechtit^t. 

Seine Bestrebungin haben sich vorzugsweise nach drei Richtungen 
hin geltend zu machen: 

a) Es müssen vor allem die Gebiete gewonnen werden, welche heute 
noch im ausschließlichen Besitze des auslandischt-n Kohtrnrnarkte^ 
sind. Die wichii^iblen und wohl auch gesichertsten ausländischen Absatz« 
gebiete für die Ruhrkohle sind bis jetzt Holland, Lnx*mburg; Frankreich 
und Belgien, Die Ausfuhr in die beiden zulrfzt genannten Länder 
hat jedtch gegen die Vurjahre einen Rück^^cbritt zu verzeichnen; auch 
in Holland hat im vergani^enen Jahre die englische Kohle Fortschritte 
gemacht. Nur in geringerem Maße sind Rußland, Schweden, Spanien 
ond die außereuropäischi*n Länder am Export beteiligt; in diese Ge- 
biete wurden im Jahre 1890 zusammen 60 otHJ Tonnen Steinkohle und 
10620 Tonnen Knks verwandt. Auf die Gewinnung von Itaheu und 
Spanien würde wohl zunächst das Augenmerk zu richten sein. 

Vor allem wird das Syndikat aber auch dafür zu sorgen ht 



Di« SyndikaUbMtrebaogen im DiederrheiDisch^weslflUischeD Steinkohlenbesirke. 47 

dtB die Umladung in den Seehäfen in einer den heatigen Anforde- 
roBgra entsprechenden Weise geschieht, und daß die erforderlichen 
teeboischen Verbesserungen und Anlagen in Angriff genommen werden. 
Die Klagen Ober die Schwierigkeiten, welche dem Export zur See von 
Hamburg aus entgegenstehen, richten sich nicht zum geringsten Teile 
dagegen, daß dort keine einzige Kippvorrichtung zur Verladung der 
BohrkoUe in die Seeschiffe vorhanden ist. Wie es in dem auf Ver- 
«DlaaaoDg der Handelskammer herausgegebenen Berichte tlber Ham- 
burgs Handel im Jahre 1892 heißt, funktionieren die bestehenden 
LiduDgs- und Löschvorrichtungen zur Zufriedenheit; „der Mangel einer 
praktischen Kippvorrichtung bleibt aber fühlbar^. 

b) Das Koblensyndikat muß noch eine weitere Verbilligung 
der Frachtsätze fQr die Ruhrkohle anstreben. Der Einfluß der 
verbilligten Tarifsätze für die Ausfuhr nach Hamburg tritt in folgender 
Zosammmstellung recht zu Tage: 

j . Einfuhr nmch Hamburg Zunahme in dem Yieijihrigen 

t Zeitraum 

18S2 494 944 — 

1S86 572945 77951 t — 16 7p 

1890 885882 312937 t -a 54,6 0/0 seit Einmhrung 

der Attsnahmeiarife im J. 1886. 

Die Tariffrage bat von Seiten der Handelskammern, der einzelnen 
Industriezweige und der Tagespresse eine sehr verschiedene Beant- 
wortung gefunden. Während der eine Tariferhöhung fordert, befür- 
wortet der andere die Herabsetzung und ein Dritter sogar die Ab- 
tchaffiiDg aller Ausnahmetarife. 

Van der Borght^) hat die Kohlentariffrage eingehend erörtert, 
und gelangt zu folgenden allgemeinen Folgerungen: 

Billige Kohlenfracbten liegen zunächst im Interesse der Kohlen- 
produzeuten selbst, sodann aber auch im Interesse der Kohlen- 
konsumenten: 

1) Wenn es der vaterländischen Industrie möglich ist, mittelst nied- 
riger Tarife den Wettbewerb des Auslandes erfolgreich zu be- 
kämpfen, so bleibt dem Vaterlande ein großes Nationalvermögen 
ei halten. 

2) Ist die Kohlenausfuhr durch hohe Tarifsätze erschwert, so werden 
sich die kohlenverbrauchenden Industriezweige in den Kohlen- 
distrikten über Gebühr zusammendrängen, während bei billigen 
Tarifen sich auch dort eine Industrie entwickeln kann, wo ent- 
weder andere wichiijze Rohstotie erzeugt werden, oder ein Haupt- 
absatzgebiet in der Nähe liegt oder endlich zahlreiche Arbeits- 
kräfte zur Verfügung stehen. 

Die^e Au^führungtn legen die volkswirtschaftliche Bedeutung 
billiger Tarife in präziser Weise dar und sind in ihrer Allgemeinheit 
tls zutreffend zu erachten. Was jedoch im einzelnen Falle unter bil- 
ligen Tarifeu zu verstehen ist, und was als die untere Grenze für 



1) Ten dT Borght, Zur Kohlentariffrage, Aachen 1884. 



Fr ftm S Arter, 



KobleDtarifermäßlj^iiügeD angesehen werden rouß, ist nicht leiclit m 
entscbeiden. 

Dr. ReisiDäDD^) giebt eine Zusammetiatellung der für Steinkohle 
giltigeo Ausoahmetarife, und kommt in Uebereinstimmung mit iran 
der Borght^) zu dem zutreffenden Sclilasse, daß die Frachten der 
Ruhrkohle im Vergleich zu denen der ausländischen , namentlich der 
englischen Kohle, gegenwärtig noch zu hoch sind. Eine Erniedrigong 
der Koblentarife wird aber nicht nur die Ausfuhr der Ruhrkohle 
steigern« sondern auch der staatlichen Eisenbahnverwaltung erhöhte 
Einnahmen sichern. 

Die Bielefelder Handelskammer (Jahresbericht pro 1891) erblickt 
allerdings in den Kohlenausfubrtarifen die Einräumung einer MoDopol- 
stellun«; zu Gunsten der Kohlenindustrie. Sie befürwortet deshalb die 
Beseitigung oder wenigstens eine wesentliche Einschränkung aller 
Ausfuhrerieichterungen und verspricht sich von solchen MaSnahmea 
den Erfolg, daß der ansländische Absatz verringert, hierdurch auf dem 
inländischen Kohlen markte ein gesteigertes Angebot und infolgedesaeo 
ein Preisrückgang bewirkt werde. Bei der Durchführung eines solchen 
Planes steht nur zu befürchten, daß die Folgen für die Steinkohlen* 
Industrie viel schwerwiegender sein werden, wie von der Handelskammer 
angenommen ist. 

Wie schon dargethan, ist der Export für die westfiüiache Stein- 
kohlenindustrie eine Lebensbedingung; wie im besonderen gezeigt wurde, 
muß das Syndikat diejenige Koksmenge, welche über den Bedarf des 
Inlandes hinaus produziert wird, im Auslande vertreiben. Ein Auf» 
hören dieser Ausfuhr würde die Steinkohlenindustrie tief schädigen« 
wenn nicht zum Erliegen bringen. Und unter diesem Gesichtspunkte 
muß man es so^ar als eine Pflicht des Staates bezeichnen, die 
Ausfuhr zu begünstigen, und als Aufgabe des Syndikates» auf 
weitere Tarifermäßigungen hinzuarbeiten. 

c) Die Stein kohienindustrie besitzt das lebhafteste Interesae an 
der Vennehning der Absatzwege. Im besonderen ist der Ausbau der 
Wasserstraßen für sie von höchster Bedeutung. Die verschiedeiieffi 
Kanal Projekte, die zum Teil schon in der Ausführung begriffen sind, 
zum Teil noch der Beschlußfassung unterliegen, versprechen der wesi- 
&liscben Steinkohlenindustrie eine große Zukunft. Hierbei mag nur 
angedeutet werden, daß die wichtige Frage, wer späterhin den Schiff- 
fahrtsbetrieb auf den ueuen Wasserstraßen übernehmen soll, in zweck- 
mäßigster Weise vielleicht dahin gelöst wird, daß das Kohlensyndikal 
mit eigenen Fahrzeugen den Wassertransport ausführt, da dieses am 
besten in der Lage ist, die erforderlichen technischen Einricfatongeo 
in einer den Anforderungen des Betriebes und der Verfrachtung eoV 
sprechenden Weise zu treffen. 

Nicht minder bedeutungsvoll ist für die Steinkohlenindastrie das 
in leuter Zeit aufgetauchte Projekt der Rhein* Seeschiffahrt Die Be- 



1) Bai«BAii]i. Die Kolilcokvun« ofte.. S. S« IT rua der Borsbt, Dm 



BtdMtUf dar Sl 



K^n 1891, Mie St. 



Dk filiidikAUbestretiiingeii im QlederrhfiiiiisGh>weatfEUsch«o Steinkofalenbosirkfl. 49 

tataog desselben für die Ruhrkohle in Bezug auf die Export- uod 

' EnoknrreoiEf ahigkeit mit der englischen Kohle ist yod Prof, Dr. van 

der Borght in der bereits früher erwähnten Schrift aberzeugend nach- 

Würden doch nach seiner Berechoung allein an Unkosten 

*/, MQlioQ Mark bei einer Ausfuhr von 957000 Tonnen erspart 

In den Yorstehenden Ausführungen sind nur die wichtigsten Ge- 
4dltspttQkte, welche für eine befriedigende Lösung der Exportfrage 
i« Rohrkohlengebiet maßgebend sind, kurz skizziert. Sie reichen je- 
doch aus, um zu zeigen, daß der Thätigkeit zur Erweiterung des Ab- 
nUgebietas der Ruhrkohle noch ein weites Feld geboten ist 

fia ist eine wirtschaftliche Aufgabe des Koblensyndikates, 
iDe derartigen Bestrebungen zu ur^terstützen, und es Hegt in seiner 
Jfacbl, die gebotenen Mittel zur Steigerung der Exportfäbigkeit 
gftüdlich auszunützen. 

Dms Schlußergebnis der kritischen Studie fassen wir dahin 
somnmen, daß unter den gegenwärtigen Verhältnissen das 
K^ÜaiiSf ndikat nicht nur wirlachaftlich berechtigt, sondern sogar not- 
jMilft tsL Damit jedoch dauernde Erfolge erzielt werden können, 
M erforderlich, daß die einzelnen Werksbesitzer von der Solidarität 
flver Interessen überzeugt and auch bereit sind, zum Wohle der 6©- 
sa&tbeit Opfer zu bringen, 

EDie Kartellbestrebungen werden von dem Freihändler aus pri n zi- 
Jlen wirtschaftlichen Gründen bekämpft. Wenn er jedoch an 
Spitze seines Programraes die unbedingte wirtschaftliche Frei- 
vmt des einzelnen Individuums stellt^ dürfte er konsequenterweise auch 
iie Sf odikatsbiliiung nicht verurteilen, insofern als sich diese als eine 
freiwillige Willensäußerung der einzelnen Mitglieder darstellt Frei- 
lUi wird dagegen eingewendet werden, daß einerseits viele, lediglich 
m existaizläbig zu bleiben, zum Anschluß an ein Kartell und daher 
iBlil Aufgeben ihrer Selbständigkeit gezwungen werden, andererseits 
die freie Konkurrenzfähigkeit desjenigen beeinträchtigt wird, welcher 
ridi tarn Syndikate fern hält. Aber diese Folge tritt, auch ohne 
KartdlbUdang, im Volkswirtschaftsleben überall da ein, wo im gleichen 
Gewerbe große und kleine Betriebe in Wettbewerb treten. Ferner 
wefvlea ?oa freihändlerischer Seite die Kartellbildungen mit Vorliebe 
«li ein Produkt der Schutzzollpolitik hingestellt. „Nächst Nord- 
merilEa tat das Deutsche Reich das Land, in welchem, unter dem 
Sdnilze hoher Zolle, Kartelle und Koalitionen sich in reichster Fülle 
flÄiidft haben 0-" D*e 'ß Nordamerika erfolgte Gründung der 
Kartelle ist jedoch nicht als eine Wirkung des Schutzzollsystems an* 
SDBdbeii; vielmehr haben dort „übermäßige Konkurrenz und die durch 
die YereiDigung verschiedener Ktablisflements zu einem einzigen Uoter- 



Seliluf^. 



^I) VHIhaiid«Ukorr«tpondeai^ 1890, Nr. SS. 
üt ai. TU (LXU), 



so 



Fr» ns Sfir ter , 



DchmeQ erzielten Ersparnisse die Trusts ins Leben gerufen ^j/* Diese 
Auslassungen treffeu auch auf die westfälische Steinkohlenindustrie zu. 
Die Kohknsyndikatsbilduog kann, wie die Freihan del^korrespondena 
auch an anderer Stelle zugeben muß» bei dem Fehlen jeglichen Kobleo- 
BchutzzoUesauf die Schutzzollpolitik nicht zurückgeführt werden ; ebenso- 
wenig ist dieselbe aber auch, wie dieses Blatt weiter behauptet, als 
eine Folge der allgemeinen, vom Staate eingeschlagenen volksvrirt- 
schaftlichen Richtung anzusehen. Wenn vielmehr jemals ein Industrie- 
zweig eine Verbesserung seiner Lage aus eigener Kraft zu er- 
reichen sich bemüht, so ist es die westf älis che Steinkohlenindustrie. 
Ihre Geschichte beweist dies und zeigt ferner, daß die Industriellen 
nicht etwa eine unberechtigte Preistreiberei, sondern vielmehr eine 
gleichmäßige Preisbewegung auf dem Kohlenmarkte als 
Zweck ihrer Koalitionsbestrebungen betrachten. Die Erreichung dieses 
Zieles dürfte wohl als die wichtigste Errungenschaft des Syndikates 
zu bezeichnen sein. Im Laufe dieser Studie wurde bereits darauf 
hingewiesen, daß eine gleichmäßige Preisbewegung auch für die kohlen- 
verbrauchenden Industriezweige von großer Bedeutung ist Aber noch 
nach einer anderen Richtung hin ist der Einfluß der Preisgestaltung 
zu prüfen. Heute vollzieht sich auf volkswirtschaftlichem Gebiete 
kaum ein Vorgang, der nicht auch von sozialpolitischem Standpunkte 
aus der Kritik unterzogen würde. Es erübrigt daher noch, in eine 
Prüfung der Frage einzutreten, in welchem Maße das Kohlensyndikat 
auf die sozialen Arbeiterverhältoisse einwirken wird. Nach der An- 
schauung der Abgeordneten Brömel und v. Kardorff *) steht zu be- 
fruchten, daß „aus den Preissteigerungen, welche das Kohlensyndikat 
durchsetzt, mit Notwendigkeit neue Ansprüche der Arbeiter hervor- 
gehen, und daß demnach diese geschäftltcbe Praxis gerade dazu drängt, 
die Gegnerschaft zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern aufs neue 
zu verschärfen und speziell wieder verhänKnisvolle Ausstände 
herbeizuführen". Das Koblensyndikat wird daher direkt für den Aus- 
bruch von Streiks verantwortlich gemacht, und zwar deshalb, vreil die 
„Dividenden in so bedeutendem Maße wachsen würden**. Der Kurs- 
zettel ist aber noch lange nicht für den Stand der Industrie maß* 
gebend ; auf die Notierungen der B5rse wirken vielmehr häufig Momente^ 
die den Interessen der Steiukohlenindustrie geradezu entgegenstehen. 
Aber abgesehen hiervon würde die Gefahr der Herbeiführung von 
Streiks durch die Syndikate dann thatsächlich eintreten können, wenn 
die Prämissen dieses Schlusses zutreöend wären. Die Syndikata- 
gegner verwechseln stets die Syndikate mit den spekulativen 
Ringen; sie können sich deshalb von dem Gedanken nicht trennen, 
daß die Kartei Ihestrebun gen etwas anderes bezwecken, als die innere 
ungesunde Konkurrenz auf dem westfälischen Kohlenmarkte zu be- 
seitigen und durch ein der Nachfrage entsprechendes Angebot an- 

1) JeremiAh W. Jaoks , Die Tra»ts in den Vereis i|Eteo Suaten von Nordftmertkft, 
deutsche l?eb«rsettQaf^ in deo JahrbQcherD ffir NitiODmlökauomie und SUtUtik, Jene. 1891, 

%) SieDa|(ra.|>h. n«rlcbte des Lasdtiigfti, SUiocg vom 1&, Febr., reip. 9. Mirs« 
8. 874 iiiid 1305. 



Di« ftjradUEBtftbwtrtbiicgen im oie4errb«uiiich-wcstfIlbch«n SteiQkohlenbesirke. 51 



S messe ne Preise zu erzieleo. Dieser Zweck kano zwar bei sinn- 
er Leitung außer acht gelassen werden. Eine unnatürliche 
PreiBtreiberet könnte alsdann allerdings die Begehrlichkeit der Arbeiter 
Qidi Loboerhohungen reizen und Streiks herbeiführen. Ehe jedoch 
ibe eolche Bewegung unter den Arbeitern Platz greift^ werden die 
Felgen einer unberechtigten Preissteigerung längst eingetreten sein; 
tar RAckgang in den Preisverhiiltnissen und die auf dem Kohlen* 
■aiktt» eststebende Verwirrung wird derartig auf die ganze Industrie 
mUdnnrfcen, daß ein etwa yorübergeheod eintretender Arbeiterausstand 
eteoso schnell wieder beendigt wird. Die Steinkoblenindustrie muß 
jedoch mit der Möglichkeit, daß durch gewissenlose Agitation Streiks 
fom Zaane gebrochen werden, heute mehr wie sonst rechnen. Dies 
kttn sie aber trotzdem nicht abhalten, mit allen erlaubten Mitteln 
ebe Aufbesserung ihrer ungünstigen Lage anzustreben. Wie im Laufe 
der kritischen Studie dargethan wurde, bietet jedoch unter den gegen- 
MriigeD Verhältnissen die Syndikatsbildung die einzige Möglichkeit, 
|B wm de VerbÄltnisse auf dem Kohlenmarkte zu schafFen. 

Von dieser Association der Zechenbesitzer befürchten aber die 
lUrtdlg^ner noch einen zweiten sozialpolitischen Nachteil. Sie er- 
bBcIWi Dämlich in dem Syndikate die Vereinigung yon großen Kapitalien 
11 einer llaud« und halten dafür, daß eine derartige Kapitalanhäufung 
oer dszo geeignet sei, den Angriffen der sozialistischen Richtung 
Wut imaere heutige Wirtschaftsform neue Angriffspunkte zu bieten *)* 
Den gegeoüber weist Steinmann-Bucher ^) in seinen allgemeinen Unter- 
eoebuigeii über die Kartelle zutreffend darauf hin, daß es „das Eigen- 
Mnllelie ^on dem deutschen Unternebmerverbande ist, daß er sich nicht 
ale die vereinigte Kapital macht der Einzelunternehmer geltend 
sadit« eandem als ein volkswirtschaftlicher Verwaltuogskörper, dessen 
mtigkcit nur ein Teil der wirtschaftlichen Verwaltung des ganzen 
▼idkes ist*\ Gerade so wie vor der Syndikatsgründung ist auch 
heoie bei jedem Werke Produktion und Selbstkostenbilduog (abgesehen 
fw düfl Lagerungsverhältnissen, denen ja auch eine ausschlaggebende 
SoUe mfütlt) durch die Höhe des in dem Bergwerke steckenden An- 
l^gekApitales und des verfügbaren Betriebskapitales bedingt; auch 
Msl bleibt es Sache des einzelnen Industriellen, den Ertrag seines 
Widkes dorch eine sachgemäße technische Leitung unter möglichster 
Bermbeetzong der Selbstkosten zu steigern. Aufgabe des Syndikates 
ist m^ die Produkte, welche ganz ohne sein Zuthun einen bestimmten, 
darcfa die U6he der Selbstkosten bedingten Mindestverkaufswert er- 
Ingt haben, zu einem möglichst günstigen Preise zu verwerten. 
Dm Syndikat erscheint daher gewissermaßen nur als ein großes Ver- 
kfto&baremtt* Würde dagegen das Syndikat bezwecken, sämtliche 
Zidieft ^konsolidieren, stellte es also, in diesem Sinne, in seiner 



d. J, 



1) VkL dl« Red« des Abgeordnelen Brdmel io der SiUnog Tom 3. Härs 
lüfr. B«r. B. 130^ 

t) A. BtelRibAikti- Bacher , Weaen und Bedeutung der gewerbllctieo Karten e , im 
t^bf^§^ ftr Q«MUgebaiiff, VerwaUnng luid Volkswirtscfaftftr :Nene Folge 15. JftbrgADg, 

4* 



52 



Frftat Sarter, 



VoUeDdung ein ganz WestfaleD omfasseodes koDsolidiertes Werk 
dauD wäre allerdings die AQSatnmluDg der Kapitalieo ti 
einer Hand eine uDbe&trittene Tbatsache. Nur in den Bestrebung 
die kleineren Zechen zu größeren Unternehmungen oder mit besteheodeij^ 
umfangreichen Werken zu konsolidieren, könnte die Gefahr einer 
„Kapitalsasäociation'' erblickt werden. Wenn es Absicht des Syndikates 
wäre, die an sich berechtigten Konsolida tionsbestrebuugen derartig su 
tibertreiben, daß die sämtlichen westfälischen Zechen zu einheitlichem 
Betriebe und einheitlicher Verwaltung vereinigt würden, dann w&re 
allerdings der Vorwurf berechtigt, das Syndikat begünstige eine Stär- 
kung der Irrlehre über die kapitalistische Wirtschaft. Es verrät jedoch 
eine vollständige Verkennang des Wesens und Zweckes der Kar- 
telle, auch die heutigen Syndikatsbildungen für die Verbreitung 
solcher falschen Anschauungen verantwortlich machen zu wollen. 

Als das Endziel der Syndikatsbestrebungen ist die Herbeiführung 
einer gleichmäßigen Preisbewegung bezeichnet worden. Wie bereits 
angedeutet wurde, ist dieselbe auch auf die Arbeiter 1 o b n frage von 
wesentlichem Einflüsse. Denn die Lohnhöhe ist nicht etwa allein voa^ 
dem Verhältnis des Arbeiterangebotea zur Nachfrage abhängig, sonderflfl 
wird auch durch die Preise wesentlich beeinflußt, welche der Arbeit- 
geber für seine Produkte zu erzielen hoffen darf. 

Und dieser Faktor wird durch die Marktverhältnisse bestimmt 
Es ist gezeigt worden, welchen Einfluß das Syndikat hierauf auszuüben 
berufen ist, und es wurde insbesondere darauf hingewiesen, daß die 
Kartelle imstande sind, eine relativ stabile Preislage auf dem Markte 
zu erzielen. Der Einfluß auf die Lohnbewegung würde sich alsdanii 
dahin geltend machen, daß auch hier die Schwankungen sich in engeren 
Grenzen halten müßten, und daß die Lobnverhältnisse entsprediUDd 
den ang^trebten gleichmäßigen Verkaufspreisen reguliert werden. 

Es wird jedoch immer ein schwieriges Unternehmen bilden, mittelst 
der Statistik auch den Nachweis für die Einwirkung der Kartelle auf 
die L#ohnhöhe zu erbringen. Denn dieselbe wird von den verschie- 
densten Faktoren beeinflußt. So macht eine Verlängerung oder Ver- 
kürzung der Schichtdauer bei gleichbleibender Lohnhöhe eine Lohn- 
herabsetzung bezieh uüj79weise -erhöhung aus. Ferner spielt die 
Arbeitsleistung in der Lohn beurteil ung eine große Rolle. Im rheinisch- 
westfälischen Stein kohlenbezirke ist die Steigerung der Löhne mit 
einem Rückgang der Arbeitsleistung zusammengetroffen. Vergleicht 
man die in verschiedenen Jahren erzielten Arbeiterleistun^eu des Ober- 
bergamtsbezirks Dortmund untereinander, so ist „der im Jahre 1889 
und 1890 aufgetretene Rückgang der Förderleistung im wesentlichen 
auf die im Laufe der Jahre 1889 und 1890 eingetretene Abkürzung 
der Schichtdauer zurückzuführen. 1891 sind solche in größerem Um- 
fange nicht erfolgt. Die Thatsache des weiteren RückschritteB scheint 
in e^tttkff^ Zusammenhange mit der Lohnbewegung zu stehen; wahr- 
(\ dies durch die Beobachtung, daß bei sinkenden 
'S91 die Leistung eine Steigerung aufwies. Einen 
h die Winterversorgung haben; daß diese indea 



Di« BjrB^ikalsVettnbiiogtD im iiS«d«iTlieiiiis«li-w««t<iUseheii Steiokohlenbesirke. Qg 

nicht allein die Ursache, zeigt der Vergleich mit den vorhergehenden 
gtnstigen Jahren^ ^). Auch ist nicht außer acht zu lassen, daß die 
Arbeiterbewegiingen (Streiks) sowohl auf die Lohnhöhe als auch auf die 
nfdsbige des Marktes und hierdurch wieder indirekt auf den Lohn 
enwirken. Mit einem Worte, es sind so viele Faktoren bei der Be- 
arteilang der Lohnfrage zu berQcksichtigen, daß erst auf Grund ein- 
gehender Erhebungen ein Urteil darüber möglich ist, welcher Ein- 
ftuB in einem bestimmten Falle maßgebend gewesen ist. Solange 
addie DntersuchuDgen und Feststellungen nicht vorliegen, wird sich 
auch statistisch nicht nachweisen lassen, inwieweit die Syndikatsbil- 
dimg die Lohnbewegung günstig beeinflußt. Daß jene aber hierauf 
ausreichend einwirken wird, darf so lange bestimmt angenommen 
woden, als die Kartelle den mit ihrer Gründung verfolgten Zweck 
— eine Festignng des Kohlenmarktes — mit Energie und Mäßigung 
dnrdifOhren. C&e Zukunft muß zeigen, ob das Kohlensyndikat auch 
eine acdche segensreiche, sozialpolitische Mission zu erfüllen im- 
stande sein wird. 

Wer auch heute noch in dem Kohlensyndikate nur einen von 
^etaüanten zu Spekulationszwecken gebildeten Ring erblickt, geht 
mit seinem Urteil auf eben so schiefer Bahn, wie derjenige, welcher 
iDsn sanguinisch von dem Kartell die plötzliche Gesundung der west- 
iUiichcp Steinkohlenindustrie erwartet. Das Kohlensyndikat stellt 
vorttnfig in der Geschichte der rheinisch-westfälischen Steinkohlen- 
iidnatrie erst einen auf veränderter Grundlage angestellten neuen 
Vemch rar Schaffung gesunder Verhältnisse dar. Dieser Versuch ist 
au den bedeutsamsten wirtschaftlichen Ereignissen zu rech* 
und lutnn mit den früheren Bestrebungen der Industriellen gar 
in Vergleich gezogen werden. Bei dieser Sachlage kann die 
Kartellbildung noch nicht auf hinreichende Erfahrungen sich stützen. 
Ihre Ergebnisse dürfen deshiüb vorläufig noch nicht mit demselben 
Maßstäbe gemessen werden, wie Unternehmungen, welche nach er- 
probten Grundsätzen geleitet werden. Man darf nicht jeden Mißgriff 
und Fehler dem Syndikate als solchem zur Last legen, ebensowenig 
aber aach die Leiter für dieselben verantwortlich machen, sofern ihnen 
lieht ein offenbarer Mangel an der erforderlichen Einsicht und Um- 
ncht nachgewiesen werden kann. Es ist zu hofien, daß die Besonnen- 
heit und der gute Wille der rheinisch-westfälischen Bergbautreibenden 
die Btfttrchtungen der Syndikatsgegner als haltlos erweist und die 
mmmdir fast zwei Dezennien währenden Bestrebungen zu einem be- 
fciedigeDden Abschluß bringt. 

1) MiabterialseitMhrift, Sutist Teil pro 1891, S. 73. 



64 



KatiiNitAlökatiomlsclke OeMtsgeboo^, 



Nationalökonomische Gesetzgebung. 



Die zweite Lesimg des Entwurfes eines Bürgerlichen Oe* 
setzbuches für das Deutsche Beich. 

(Fortftetioiig) ^) 
Vou Ajntsriohter Greif f. 



xxin. 

Die §§ 898 — 902 behandeln den Erwerb dea Eigentams an 
BrzeugniBffeo und ähnlicliezi BeataDdteilen einer Sach^»^ 
Der % 898, welcher die Begel ausspricht, dafs ErzeugnisBe und aonatigl^l 
BestaDdieile einer Saohe auoh nach der Trennung dem Eigentümer der 
Bache gehören» blieb unbeao standet. Die folgenden Vortchriften enthalten 
AuAuahmen von der Regel. Nach § 899 Aba. 1 erwirbt derjenige, den 
an der Sache ein dingüchee Nutuangarecht (z. B. ein Niefsbrauch) Kustehtj 
dAfl Eigentum an den seinem Hecht unterliegenden Erzeugnissen 
sonstigen Bestandteilen mit der Trennung. Dieser Satz, welcher nich^^ 
angefochten wurde, soll nach dem L Halbsatz des Abs. % nicht Anwendung 
inden, wenn der Eigentümer die Sache ohne Kenntnis yon dem Nutzung!- 
rechte im Eigeobesitz hat; die Bestimmung des Abs. 1 soll jedoch nach 
dem 2. Halbsatz dann wieder gelten, wenn der Nutzungsberechtigte 
Trennung der Bestand teüe ohne verbotene Eigen macht bewirkt* Der Aba. * 
wnxda mit Rücksicht auf die folgenden zu § 900 gefafsten Beschlfta 



Yorl&uflga Zmanmen stellimg ddr KommiiaiombescMtii«, (FortseUang.) 
IW Erwerb voo Erzeug aUseJi und soaiitigeQ Bestandteilea einer Sache. 

§ 898 EnMugDisAe tmd «oiutjgo Bes^t&tid teile einer Sache gefadren auch nach 
Treanaog dem Eigeatümer der Sache, loweit sich nicht mu den §§ 899 bis 901 ein 
anderes ergiebt 

§ 899 r Wer vermöge eme« Hechtes au einer fremden Bache befngt ist, Eraengnlsee 
oder ftonitige Bestand teile der Sache eich ansueignen, erwirbt das Eigentum an deaaalben, 
unbeachadet der Vorachrifken der §§ 900 and 901, mit der Trennang« 

§ 900. Wer eine Sache im Eigeoheäit^e bat, erwirbt da» Eigentum an den Früchten 
der Im $ 79S Ab». 1 beaeichoeUn Art^ tinbeachadet der VorttchriHeu des § 901 » mit der 



1} Ver^l den rortgen Band S. 677. 



Nad^iiftJöliotioiiib^lie G«t«tig«ban^. 



56 



f gntdohen. Der § 900 läfst den Eigenbesitzer eioer fremden Sache dai 
Bgenhrm an den im § 793 Kr 1 bezeichneten natürlichen Früchten — d, h, 
ü den Erxengnitsen und der eooBiigen Ausbeute, welche der BeBtimmung 
itr 6«ehe gemäfs aus ihr gewonnen wird, — mit der Trennung erwerben, 
ei lei denn, dafs der Eigenbesitzer bei der Trennung den Mangel seiner 
Bcirwdi^gQiig zum Besitz oder das an der Sache beateheode Nutzungsrecht 
«MB uid«ren gekannt hat» oder dafs einer Ton zwei weiteren später zu 
«fViklienden Auen ahm eföllen vorliegt. Die Kommission erweiterte die 
Tonoiirifi des § dOO nach zwei Richtungen : sie dehnte sie erstens auf 
jeden Eigen besitz er, also auoh den im Eigenbesitz befindlichen Eigen- 
t&Bier« sveitens auf deujecigen ausp welcher eine Sache zum Zwecke der 
AoHibiiiig eines Nutzungsrechts an deraelben besitzt oder im mittelbaren 
BMits bei. Durch die erste Erweiterung wurde der 1. Halbsatz des § 899 
Ate, 9 aaehlich gedeckt, durch die zweite der 2. Halbsatz nach der An- 
iieki der Kommission wenigstens in der Hauptsache; darüber ^ ob der 
i. Heibeats noch andere Fälle im Auge habe^ welche durch den erwei- 
tvien S 900 nicht getrofft^n werden^ waren die Meinungen geteilt; jeden- 
&lla eher glaubte man die Entscheidung dieser Fälle der Wiasenschaft 
oftd Praxia öbarlasaen zu können. Der § 900 erfuhr weiter folgende 
AcBdenangen : Voraussetzung des Fraohterwerbs ist nach dem Entwurf, dafs 
ier Bigtfiibeiitz an der Sache zur Zeit der Trenoung der Früchte besteht 
Die KofBiniesion beschlofSf einer Anregung der Kritik folgendp auf den 
mA ihren Befchlüsseo zum Fruchterwerb erforderlichen Besitz den § 885 
Aba. 3, 3 und deo § d88a Abs. 2 Satz 1 (nach der im Tor. Bd. S. 690, 691 
B)%«iellien Zusammenstellung) zur entsprechenden Anwendung zubnugen; 
ea eell eleo der Besitzer, wenn er den Besitz ohne seinen WiUen Ter- 
BfKty aber binnen JahreBfriat oder mittels einer innerhalb dieser Frist 
tdlobexien Klage wiedererlangt, an den in der Zwieohenzeit gezogenen 
FMebten Eigentum erwerben und ebenso der Erbe dea Besitzers an den 
I^Ib der Zeit zwischen dem Tode des Beailzera und der Besitzergreifung 
^^^KBrben getrennten Früchten, wenn entweder in dieser Zeit kein anderer 
^HB Beaitz ergriflten oder, falls ein anderer den Besitz ergriffen hat« der 
^1 Jbtelmiien Jahresfrist nach der Besitzergreifung oder mittels einer inner- 
■ halb dieeer Frist erhobenen Klage sich den Besitz Terschafift hat, — Nach 
dam Esiwurf (Satz 2 Nr, 1) schliefst femer nur die bei der Trennung 
der yrHebte Torhandene Kenntnis tob dem Mangel seiner Berechti- 
gmg sam Besitz oder von dem Nutzungtreoht eines anderen den Fmehi- 
erwetb des Besitzers aus. Die Kommission setzte die Torschrift in Ein* 
Ueog mit dem § 881 Abs. 2 und dem § 886 dahin, dafs der Fruoht- 
crwerb ebenso wie die Ersitzung ausgesohlossen sein soll, wenn der Be- 



Tnmmaig* Der Erwerb Ut aui^fi^chlosten^ wcdd d«r £if«Dbesits«r nicht sam Eigenbttslts 
eiir rfe m^ttw wtrmög^ eioei Recht«a an der Sache xum Pmcbibezago berechtigt ist 
9mi ^m SigBlib<sits«r bei dem Erwerbe des Eigenbeaüsei nicht in gutem QUaben wftr 
•im var der Trenonng den Rechtsmuigfl! erfahren hat. 

Oeai K^l^iibeaitmer steht derjenige gleich, welcher eine Sache tum Zwecke der Au* 
ikaag «ieee Nvtsiiiigsrecbtea an derselben bevitst oder im mittelbaren Besitae hat. 

Aef tfe« Eigeobeaits und den ibna gleicbgcstellteti Beaits finden die VorftchrfHeo des 
I Mi Ab«, t, a und des § aS8a Abs. t Ssta 1 entapreofaende Anwendung. 



66 



N&tioiiftl^koiiombclie GeseUgobttog. 



aitser deo BediUmangel beim Betitzerwerb kannte oder nur infolge grober 
FfthrlHfiftigkeit nicht kaonte oder Apäter vor der Trennung der Frilohta 
erfahrt — Der Entwurf ycrsagt dem Eigenbesitzer (in Satz 2 Kr* 2) 
den Fruobterwerb auch dann, wenn er den Heaitx durch eine «irafbare^ 
wenn auch nur auf Fabrläfisigkeit beruhende Handlting erworben hat. 
Bie Ausnahme, ist wesendich auf den Fall der Hehlerei berechoet; da 
jede oh dieiei Vergehen nach der fefltfiteheDden Kecht&preobung des Keioha- 
gerichts nicht als ein ^^nur auf Fabrlä«tigkeit beruhendes" onzuieheii tat, 
10 sah die Eommiasion kein Bediirfnifl, die Ausnahme der Nr. 2 neben 
der der Nr. 1 beizubehalteD. Die furaere AusDahme, welche der Satz 2 Nr« S 
bestimmt^ wurde aus demselben Qrunde gestrichen wie die Terwandte Vor- 
schrift des 2. Halbsatzes des § 699 Abs. 2. 

Die Bestimmungen der g§ 901, 902 über den Erwerb des Kigen- 
tums an Erzeugnissen oder sonstigen Bestandteilen durch denjenigen, welchem 
der Eigentümer oder ein anderer, dem die Bestandteile nach der Trennung 
gehören^ gestattet hat, sich die Bestandteile ansueignen, blieben sachlich 
unangefochten, erfuhren aber eine Ergänzung. Die Bestimmungen setzen 
Toraus, dufs derjenige, der die Aneignung gestattet, hierzu bertichtigt ist. 
Bie wurden also keine Anwendung Enden z. B. auf einen Pächter, der 
in gutem Glauben Ton eintm unredlichen Eigeobe&itzer gepachtet hmt. 
Die Kommission ftillte die Lücke aus, indem sie dayon ausging, dafs nach 
dem den §§901, 902 zu Grunde liegenden Gedanken der redliche Pächter 
etc. ebenso nach Mafsgabe dieser Vorschriften Eigentum an den Erzeug- 
nissen erwerben müsse, wie er es nach §§ 877 C thun würde, wenn die 
Erzeugnisse ygn dem Verpächter ihm einzeln veräufsert und übergeben 
würden. 

Der § 903 Abs. 1, der die Vorsohrifien über die Zueignung (oder 
naeh der Fassang der RedaktioDskommission die Aneignung) mit dem 



§ 901. (SOI, 902,) Bat der Eig«atlim«r eioem undereD f^eaUttet, lich Eneagobs* 
oder »oostlgo BeaUndteile der S&che ADiaelgneii, so «rwirbt dieser du EigeDtam an dtD- 
selbeD , weati ihm der Besits der Sache ober lassen hi , mit der Trennung , anderenfmUs 
mit der BesiliergreifgQg. Solange stcJi der andere in dem ihm iberlMMDen BettUe d«r 
Sache befindet, kann der Eigectfliner di« Oestftltung aicfat widernifeii « wenn sv aa dsr* 
selbeo verp fliehtet 15 L 

Da» QleJcbe gilt, weon die Geitattang oicht von dem Eigentümer, sondern too 
eiocm aadereo ausgeht, welchem Erzengiiiii^e oder sonstige Bestandteile einer Sache nach 
dar Trennt] Dg gehören, 

Dieee Vorschriften finden auch dann Anwendung, weno derjenige « welcher dU Aa> 
eigoang einem anderen getUUet hat , hlerKu nicht berechtigt war , es sei deao « da£i dar 
andere, fallft ihm der Besttx der Sache überlassen war, bei der Ueberlassaog, aaderan- 
falls bei der Ergretrung des Besitaes der Eriengnisse oder der sonstigen Bestandteile niefat 
in gutem Glauben war oder vor der Trenonng den Keofatsmangel erfahren hat 

§ SOS vergl. § 901, 

V. Aaeignttüg. 

I 909. Wer eine herrenlos« bewegliche Bache in Eigenbesitz nimmt, erwirbt da« 
ESganlam an der Sache, Das Eigentum wird nicht erworben, wenn die Aneignung gasvts* 
lieh Terboten ist oder da» Aneignangsrechl eines anderen durch die Besitsergrelfuog Ttr- 
leut wird, 

Anmerkung. Es bleibt Torbehalten, dem Art. 43 des Entwurfes des Einführtiags* 
gesaties folgenden Zosats beiiufOgeu: 

aab^tchftdet der Vorschrifl de« § BOA SaKi 8 des Bürgerlichen Oeseubuchs. 



NfttioDaldkonomiiebe Oesetigebang. 



57 



dnleitot, daft wer eine hen-eolose bewegliehe Sache in Eigen beBiis 
uia«il» das Kigeolum an deraelbeD erwirbt, wurde nicht beaDstandet. 
Haoli Ab«* 2 wird da« Eigentum nicht erworben, wenn die Aneignung 
g üa Uli ch rerbaiea ist oder das AneigDun garecht eine» anderen yerletzea 
Wlltda. Die Kommiseion behielt diese Vorschrift einem Streichungian trage 
Ifgenfkber sachlich bei. Soweit der Abs, 2 den Fall yer bot widriger An- 
iigaiiiig betrifft^ erschien seine Beibehaltung im Interesee der Deutlicbkeit 
aitxliiih. BexiigUch des Falles einer gegen ein au sBchliefa liebes Aneig* 
BUBgnfBchi yeretoseenden AneigQung hielt man es nicht iür angängig, die 
B#gctiiog lediglich der Landesgesetsgebung zu überlassen und diese da- 
duic^ lu einem Eingreifen zu nötigen , zumal da eine landesreohtüoh 
fWMkiedeiie Hegelung zu abweichender strafrechllicber Beurteilung der 
gUf^eii Handlung in den einzelnen Staaten führen würde. Indem man 
das Hauptgewicht darauf legte, die priTatreobtlichen Wirkungen der hier 
tacliaheii Aneignungshandlungen so zu bestimmen, dafs die daraus sich er* 
gttondeD strafrechtlichen Folgerungen mit der Yolkäanftchauang im Ein- 
Umog slehen, erachtete man es für ailein gemesseu , mit dem Entwurf 
wador den Oecupanten noch den AneigDungsberechtigteo Eigentum er^ 
Wtrten , sondern die Herrenlosigkeit der Sache fortbestehen su lassen. 
Dtr Beratung des Eintührungagesetxes wurde die Prüfung Torbehaltea, 
A bezüglich einzelner der landei gesetzlicher Begelung überlassener An- 
•Ifotiiigsreohte den Landesgeaetzen auch eine Abweichung vom § 903 
Ate. 9 gestattet werden solle ; nur inbetreff des Jagd- und Fischereirechts 
(Alt* 43 des Einf.*OeB.) entschied man sich vorbehaltlich einer Naoh- 
pftfotig schon jetzt, eine solche Abweichung nicht zuzulassen. Zu § 904, 
der die Toraussetzungen des Herrenlos werden s einer im Eigentum stehen- 
deo beweglichen Sache bestimm t^ vermied man, ron einer Erklärung 
das Kigeotümers, dafs er das Eigentum aufgebe, zu sprechen. Im § 905, 
Wilelüif die Voraussetzung der Herrenlosigkeit wilder und gezähmter Tiere 
Mlift« wurde der Abs. 2, übrigens in Uebereinstimmuug mit der Absicht 
im Entwurfs, entsprechend dem § 906 dahin geändert, dafs gefangene 
wüde Tiere herrenlos werden, wenn sie die Freiheit wiedererlangen und 
der Kigentümer sie nicht unverzüglich Terfolgt oder die Verfolgung auf- 
giefai; maa hielt es für angemessen, in dieser Weise einen Eigentums« 
▼eriosl ebne Willen des Eigen tUmers auszuichliefsen. Der Entwurf erf er- 
dest Wiedererlangung der natürlichen Freiheit; dieser Aufdruck wurde 
Tecwcden, weil aus demselben Zweifel bezüglich der Anwendbarkeit der 
Tenelmft auf nicht einheimisobe wilde Tiere hergeleitet werden könnten. 
Wilde Here dieeor Art von der Yorschrift des Abs. 2 auszunehmen, 
«rseUe» wegen der Unbestimmtheit der Unterscheidung Ton einheimischen 

I te4« Eine bewegliche Sache wird herrenlos, wena der Eigentümer la der Abaiebt, 
•af Äaa Blgsatum in venichten, den Besitx der S«ch« aufgiebt. 

I f Od. Wilde Tiere »iod herrenlos, lolsnge ste sich in der Preibeil befinden. WQde 
Timm la Tltri^irteii gnd Fitche in Teichen und anderen goscbloiiMnen Prir«tgewSsMrn 
sied eSrht herreslo«. 

Q#£ioa*i3« wilde Tiere werden herreuloi, wenn sie die Freiheit wiedererlaogen bb4 
^•ff SftatliD^f si« nicht QOTersüglich verfolg oder die Verfolgung eofgiebt 

Oäaibinte Titre werden herrenlo^i wenn «ie die Gewohnheit ablegen, an den ih&ea 
Ort aoracksukehreo. 



66 



Nationalök onotnfsehe GesaUgebiuig. 



und oieht einheimiftchexi wilden Tieren bedenklicli und innerlicli ntö 
gerechtfertigt. Die §§ 906 — 909, welche besondere Bestimmungea über 
die YorauAsetzuDgen des H erren los werden a von Bienen und den Erwerb 
dcB Eigentums an denselben enthalten, wurden aacblich uoTerändert ange- 
nommen* Da diese Beatimmungen Yom preufsiBchen LandesökonomiekoUe* 
gium gebilligt, ferner in den dem preuftaiscben Äbgeordnetenhause tod 
den Abgeordneten Letocba und Forsch im MIrs 1889 vorgelegten Geaatz* 
entwurf mit geringfügigen Aenderiingen aufgenommen und dort von der 
3* AV an derrer Sammlung dea Deutschen bienenwirtsohaftlioben Vereine (Sep- 
tember 1889) gutgehmlden worden smd, hielt die KommiBaion sieh zn 
einer sachlichen Nachprüfung derselben nicht für berufen. 

Im §910, weloher die VorschrifLen über gefundene Sachen 
eröffnet und die Anzeigepäicht des Finders (Abs. l, 2) sowie die Yer- 
p£ichtuDg der Polizeibehörde zur öffentlichen Bekanntmaohang dea Eundea 
(Abs. 3) ausspricht, wurde der Abs. 3 als lediglich eine lostruktion für 
die FoUzeibebÖrde enthaltend und deshalb nicht in das Gesetebaoh gehörig 
gestrichen. Die Bestimmungen des § 911 über die Erhaltungs- und Yar- 
wahrungspflicht des Finders wurde gebilligt Bezüglich aller Verpflich- 
tungen des Finders besohlofs man, seine Haftung entsprechend dem § 750 
aufVoraatz und grobe Fahrlässigkeit zu beschränken. Der § 912, welcher 



§ i^OG. £iu iLU»g«2Dgener Bieneüschwarni wird herreDloSi wenn der EigentQmer ihu 
alciht uiiver^Üglieh verfolgt oder die Verfolgung aufgiebc oder wenn er den Schwann dbr-^ 
geitalt aui dem Gesichte verliert« dafs er Dicht mehr weir», wo »tch der Schwitrm beflndciL 

§ 907, Der Eigeotümer eines ausgesogenen Bienen »eh warmes kann bei der Verfal- 
gang fremde GrundstÜiike betrete», lüt der Schwärm in eine fremde nicht besettte Bieoeo- 
wobnung eiagezogeni «o kann der Eigen tUroer dea Scbwarmei tum Zwecke des Eiuraageos 
die Wohnaitg dffnen und die Waben herausnehmen oder heraiubrecben. Die Vorschriften 
des § 824 c finden Anwendang. 

§ 908. Vereinigen »ich ausgezogene Bieneo&cb wärme verschiedener Etgentümer, ao 
warden die Eigentümer^ welche ihre Sohw&rme verfolgt habeQ, Miteigentütnar das «ia- 
gefangenen Gesmmtächwartnea; die Auleila bcstinimou fiicb nach der Zahl der Terfolgteo 
Schwirme« 

§ 909, Ist ein Bienenschwarm in eine fremde besetzte Bienenwohnung eingeaogen, 
so erstrecken sich das Eigentum und die sonstigen Rechte au den Bienen , mit welcbeo 
die Wohnung besetzt war^ auch auf deu eingesogenen Schwärm. Das EigentiuDi tiad die 
sonstigen Rechte an dem eingesogenen Schwärm erJoscben, 

VI Fund. 

§ 910. (910^ 9St Abs. 1,) Wer «ine verlorene Sache findet und au sich nimiDt, 
bat dem Verlierer oder dem Eigentümer oder einem sonstigeci Empfangsberechtigten wawmr* 
afigUeb Anseige zu machen 

Kennt der Finder die Empfangsberechtigten nicht oder ist ihm ihr Aufenthalt unbe- 
kannt, so hat er den Fund und die Umatlode, welche für die Ermittelung der Empfangs« 
barechtigten erheblich sein können^ uuvertüglich der Polizeibehörde antuseigen. Betrlgt 
dar WfliTl der Sache nicht mehr als drei Mark, so bedarf es der Ansetge bei der Poliaei* 
b«b3rd« nicht, 

§ 911 ^911, 913.) Der Finder ist zur Vorwahrung der Sache verpflichtet. 

Ist der Verderb der Sache lu besorgen oder ist die Aufbewahrung mit unverhiltnis* 
mlUiiifeii Kosten verbunden, so hat der Finder die Sache öffentlich versteigern zu lassen. 
Tor der Versteigerung ist der Polizeibehörde Anzeige su machen. Der Erl5s tritt an die 
Stall« der Sache. 

§ 912. Der Finder ist berechtigt und auf Anordnung der Polizei beb 5rda Terpllielitet, 
die Sache odar den Versteigerungserlds an die PolizeibebÖrde abtuliefern. 



^«tioo&ldkoiiocniflch« G«««ttgebuag. 



fiO 



^e BereelitiguDg und die Verpftiohtung des Finders zur Ablieferung dii 
FiudeB ftD die Polizeibehörde regelt, blieb uDbeanstaiidet. NAch dem Abi, d 
des § 912 kann sich der Finder durch Ablieferung der Sacbe an die 
Peii^eibehöFde voo seinen Verpflichtungen für die Zukunft befreien. Die 
Sommisäion war der Ansicht» d&fa dem Finder noch auf andere Weise 
ermöglicht werden mÜBse, sich zu befreien, zumal da e« in manchen 
<3egenden nicht üblich sei, die Polizeibehörden mit der Aufbewuhrung 
geftindener Sachen zu befassen. Sie ging davon aus, dafs thunliohste £r- 

tleiohterung der Pflichten de^ Finders dessen Geneigtheit, sich der Ter- 
lorenen Sache anzunehmen, steigere und sich deshalb auch im Interesse 
des Verlierers empfehle. Nach der dem Entwurf tu Grunde liegenden 
Ansicht wird der Finder auch dann befreit, wenn er die Sadie an 
einen zum Empfange Berechtigten herausgiebt; die Frage, wer empfaoga- 
boreehtigc ist, wird im Entwurf nicht ausdrücklich entschieden, nach 
den Motiven ist es jeder, der zum Besitz der Sache berech- 

tilgt ist. Der Finder soll zur Prüfung der Empfangsberechtigung des- 
jeaigen, dem er die Sache herausgiebt, verpflichtet sein, und demnach 
EoU die Herausgabe der Sache an den Verlierer ihn nicht schlechthin 
befreien* Die Kommission beschlofs dagegen, der Herausgabe an den 
Verlierer unbedingt befreiende Wirkung auch gegenüber den sonstigen 
Empfangsberechtigten beizulegen. Sie nahm an, dafs sich die Empfangs- 
berechti^^ung dt^s Verlierers im allgemeinen schon aus dem ihm nach den 

»Grundsätzen über die Erstatfuog eioer ungerechtfertigten Bereicherung 
zuitehenden Herausgabeanspniche ergebe, dafs aber der Finder auch dann 
durch Herausgabe an den Verlierer befreit werden müsse, wenn diesem 
in Gemäfsheit des beschlossenen § 797 a (^ergL Bd. LXI S. 60) ein eol- 
ober Anspruch uicht zustehe; nur dann dürfe in diesem Falle die Be- 
fireiiug selbstverständlich nicht eintreten, wenn der Finder bei der Her- 
ausgabe wisse, doTs das Verhältnis, auf welchem die thatsächliche Gewalt 
des Verlierers beruhte, nicht mehr bestehe, er sich also durch die Heraus* 
g«be einer Begünstigung schuldig mache. — Der § 913, nach weichemim 
FsJle der Versteigerung der Sache der Erlös an Stelle der Sache tritt, 
wurde nicht angefochten. 

Die §§ 914 — 916 betreffen die Ansprüche des Finders. Der in 
§ 914 Nr. 1 anerkannte Anspruch auf Ersatz von Aufwendungen wurde 



% 913 v^rirl. § ni AU», t, % 918 b. 

f fl5«» Der Fiader hat Dur Voruts und grobe FahrlÄ^jiigkeit %q. vertreten. 

§ 913 b. Der Finder wird ddrch die Uerausgkbe der Sache &ii den Verlierer iknch 
dea :»ODsbf;eQ EmpfangsberechtigteD (^egeafiber befreit. 

§ 914, Bat der Finder zum Zwecke der Verwnhrung oder Erhaltung der Sache oder 
«um Zwecke der Ermittelung eine« EmpfaDfcaberecbti^ten Aafweadungen gemacht, die er 
nach den Utm»tanden für erforderlich halten durfte, hq kann er von dem Empfaogi- 
berechtigten Knuiti& verlangen. 

§ 914 a, (914, 9St Abs ?.) Der Finder kann von dem Em pfaogr berechtigten einen 
Pinderlobn verlangen. Der Pinderlohn beträgt von dem Werte der Sache bi« lU drol- 
hundert Mark fünf vom Hundert, von dem Mehrwert ein« vom Hundert^ bet Tieren eins 
vom Hundert. Hat die Sache nar f&r deu Empfangsberechtigten einen Wert, »o ial der 
Finderlobn nach billigem Ermeaken aa bestimmen. 

Der Anspruch Ist aoageechlo^seo , wenn der Finder die AnaeigepAichl verletaC oder 
4eo ^ond auf Nachfrage verheimlicht hat. 



eo 



NftdoDAldkonomiichfl Oeafitsfftbiuig. 



inehtJoh gebilligt. Nach Nr. 2 soU der Finder eineo Dach dem Wert' 
der Sache fest bestimmten Fuodlohn verlangen können. Gegen diese Vor- 
sehrift wnrde eingewendet, daTs man die Belohnung des Finders dem Ansiands 
geftihl des Yeriterera überlassen müsse und dafs die gesetzliche Bemessang 
des Fundlohns su onbilligen Ergeboiseen fiihre. Es wurde daher teils 
Beseitigung des Ansprnohs auf Fundlohn ^ teils Beiehränkung desselben 
auf den Fall, wenn der Verlierer und der Eigentümer unbekannt sind, 
empfohlen. Die Kommisaion hielt jedoch mit dem Entwarf das im Ge* 
biete des preufsischen und sachatschen Rechts im Volksbewufstsein fest 
eingewurzelte Institut des Fundlohns für innerlich gerechtfertigt und cur 
Yerhütang Ton Fundunterschlagungen dienlich. Im einzelnen setzte mau 
entsprechend einem Wunsche des Generalkomitees des landwirtschaftliehen 
Vereins in Bayern und des deutschen Landwirt seh afUrats den Fandlohn 
für verlorene Tiere auf eins yom Hundert des Wertes fest Ungereoht* 
fertigt erschien die Bestimmung der Kr. 2 Abs. 2 Satz 2 , dafs bei der 
Berechnung des FundJobna von dem Wertbetrage die dem Finder so er* 
setzenden Aufwendungen in Abzug kommen sollen, weil danach der Fand- 
lohn desto niedriger werden würde, je länger der Finder die Sache auf- 
bewahrt and je mehr Mühe er auf die Ermittelung des Verlierers Ter- 
wendet. Der Abs. 3 der Nr* 2, nach welchen der Finder durch Ver- 
letzung der Anzeigepfiicht des Anspruchs auf den Fundlohn verloiltg 
wird, blieb unbeanstandet Nach § 915 hat der Finder wegen der ihm 
nach § ^H zustehenden Ansprüche daa Recht, die Sache bis sa seiner 
Befriedigung zurückzubehalten ; hat er die Bache dem EmpfaogGbereohtigten 
herausgegeben, so kann er sich wegen seiner Ansprüche an denselben 
persönlich nur dann halten, wenn er sich die Ansprüche bei der Heraoa- 
gäbe vorbehalten hat. Die Kommission stimmte dem Entwarf darin bei, dafs 
der Finder vor der Herausgabe der Sache an den Empfangsberechtigten 
durch das ZurückbehaltungBrecht genügend geschützt sei. Dagegen er- 
schien es ihr nicht angemessen , die Haftung des Bmpfangsbereohtigtaa 
nach der Herausgabe tou einem Vorbehalt des Finders abhängig lu 
maohen, weil der minder geschäftskundige Finder einen solchen Vorbehalt 
regelmäfsig unterlassen werde und es Sache des Empfangiberechtigten sei, 
sich Tor der Annahme der Bache bei dem Finder nach dem umfang seiner 
Ansprüche zu erkundigeu. Man beschlofs dagegen die Haftung des Em- 
pfängers in Ermangelung eines Tom Finder gemachten Vorbehalts ander- 
weit in doppelter Hineicht zn erleichtern. Einerseits wurdo fUr die 
Geltendmachung der Ansprüche des Finders <»ine kurze Ausschi oTsfrift 
festgesetzt ähnlich wie für den Ansprach des Vermieters auf Heraus- 
gabe der gegen seinen Willen Ton dem Mieter aus den vermieteten Räuman 
fortfeaehafilten Sachen (nach § 52t b der Bd. LIX S. bbb mitgeteilten 
Zosammenstellung), Andererseits gab man dem Empfangsberechtigten daa 
Hecht, sich durch Rückgabe der Sache an den Finder Ton der Haftung 
an befreien ; es erschien dies notwendig, am den Empfangsberechtigten daTor 



§ 9lb. Aaf die m den %% 914, 914 a b«stiiiimtan Aoeprteb« findeo die f&r di« An- 
Sprache des Beeitxen gegeo deja Eigvotüioer wegco VenreDdoDgeo gek«iideD Vors«lirifWo 
dss I 9dS entiprecbende AnwendaDg 



OteatefeboBf. ßl 

SB tehtitsMy dttCi er naehtxiglieli duroh Antpräohe des Finden^ die Tiel- 
kieiit den Wert der Seohe tlbertteigen, überrasoht werde. (Die Eedaktiotte* 
kenmi«ioa will die sa S 916 beeohloMeDeii Venehriften durah eine Yer- 
weieang «ef die besfigliJi der YerwendaDgumeprfielie des Beeiiien gegen 
den fiigentiimer ipSier betchlotteDen Bestimmungen eraetien.) Der § 916 
wnrda seehlieli gebilligt Der § 917, welcher der Polizeibehörde wegen 
der Ton ihr gemachten Aufwendungen dieselben Beohte beilegt, welche 
des Finder nach ^ 914, 916 anstehen, wurde gestrichen, weil man dayen 
aoaging, dals die Pdiaeibehdrde die Fftrsorge fOr Fundsachen nicht als 
6eaehiflsfllhrer der beteiligten PriTstperaonen, sondern kraft ihres Amtea 
ttbemehnM und deshalb nicht die Gewährung eines privatrechtlichen An« 
spnieha gegen den Smpfisngsberechtigten, sondern nur etwa die Fest- 
setsnng einer GebQhr angemessen erscheine. 

Die SS 918 — 921 regeln den Eigentumserwerb des Finders, derselbe 
sdl sieh regelmSfsig durch die Aushändigung eines schriftlichen Zeugnisses 
der Foliseibehörde an den Finder yoUdehen, durch welches die Behörde 
beaeheinigt, dafs binnen eines Jahres (besw. binnen drei Jahren) nach der 
Anneige dea Fundes ein Anspruch auf Herausgabe der Sache bei ihr nicht 
angemeldet ist Nur bei Sachen Ton einem drei Mark nicht übersteigenden 
Werte aoll die Anaeigepflicht des Finders und das Erfordernis des pdiaei- 
Hehen Zeugnisses weglillen und der Finder mit Ablauf eines Jahrea ohne 



i Sie Tergl. S 918 b. 

I SIT fMtriehen. 

I eie. (Sia— 9tl.) mt dem AblMf efaiM JaliTM nach der AnMige dM Fuid« 
M eir Folimelbelierde anrirbt der Finder die Eigentam an der Saelie, ee aei denn, daft 
wmhf&t eio BanpfiuigBberachiigter dem Finder bekannt geworden iat oder sein Recht bei 
der Feibeibeberde angemeldet hat Mit dem Erwerbe^ desEigentams erlöschen die sonstigen 
Bedtte an der Sache. 

Beftri^ der Wert der Sache nicht mehr als drei Marie, so beginnt die einjibrige 
FHst Biit dem Fände. Der Finder erwurbt das Eigentam nicht, wenn er den Fond sAf 
Kafchfrage ▼erheimlicht hat. 

§ 918 a. Sind innerhalb der im § 918 Abs. 1 bestimmten Frist Emp&ngslierecb- 
tigte dem Finder bekannt geworden oder haben sie ihre Rechte bei der Poliselbehörde 
reehtseilig angemeldet, so erwirbt der Finder das Eigentom und erlöschen die sonstigen 
Rechte an der Sache dann, wenn die Empfangsl>erechtigten sich auf die AnfTordening dea 
Ffiadere nicht aar Befriedignog der dem Finder nach den §§ 914 bis 916 anstehenden 
Anaprfiehe bereit erkllren. Die Auffordenmg hat nach Mafitgabe des § 9S8a Abs. 1, S 
an erfolgen. 

§ 9iab. (918, 916.) Durch die Abliefemng der Sache oder des Versteigernngs- 
erUbea an die Poliaeibehörde werden die Rechte des Finders nicht berfihrt. LUst die 
Pdli8eibeb8fde die Sache Yerstoigem, so tritt der Erlös an die Stelle der Sache. Die 
Ptoliaeibebörde darf die Sache oder den Erlös nur mit Zostimmong des Finders einem 
EmpCangsbereehtiiiten herausgeben. 

f aiSe. (9S8 Abs. 1.) Versiebtet der Finder gegenüber der Foliseibehörde auf das 
Recht sam Erwerbe des Eigentums an der Sache , so geht sein Recht auf die Gemeinde 
des Fnndorts fiber. 

Hat der Finder nach der Ablieferung der Sache oder des Erlöses an die Poliaei- 
bshSrde auf Ornnd der Vorschriften der §§ 918, 918a das Eigentum erworben, so geht 
daaselbe anf die Gemeinde des Fundorts Aber, wenn der Finder nicht innerhalb einer 
ihm Ton der Poliseibehörde bestimmten Frist die Herausgabe Tcrlangt. 

$919 Tergl. $ 918. 

{ 9fO rergl. $ 918. 

{ Ml TtrgL § 910 Abs. 1 SaU 9, % 914a Abs. 8, ( 918 Abs. t. 



68 



Nfttionftlfikonomiftcb« GeectsgibanK* 



weiteres daa Eigen tarn an der Fundsache erwerben. Die Eommission be<- 
Bchlofs im Anechlaro an einen Vorschlag Ton Bahr, bezüglich aller Fund* 
Sachen Ton dem Erfordernis des polizeilichen ^eagnis&es abzusehen. Mit 
den aus dieser grundsätzlichen Aenderung eich ergebenden Abweichungen 
wurden die §§ 918 — 921 sachlich gebilligL Danach ist der Eigentums- 
erwerb und das mit diesem regelmäTsig Terbundene Erlöschen der son- 
stigen Hechte dann ausgeschlossen, wenn innerhalb eines Jahres nacb der 
Anseige (bexw. bei geringwertigen Sat^heu nach dem Funde) der Eigen- 
tum er oder ein sonstiger Empfangsberechtigter dem Finder bekannt ge- 
worden oder ihre Hechte bei der Poliiseibehörde angemeldet haben. Im 
Anschluls an den § 919 Abs. 2 beschlofs die Kommissioo, den Heraus- 
gabeansprueh eines solchen Empfangsberechtigten dann erlöschen ^u lassen, 
wenn derselbe die Abnahme der Bache gegen Bt^friedigung des Fioders 
rerweigert. Eine Vorschrift darüber^ unter welcht-n Toraus?et2ungen der 
Finder das Eigentum erwerbe und die sonstigen Hechte erlöschen, hielt 
die Mehrheit für entbehrlich. Die EedaktioDskommission hat jedoch in 
der Ton ihr Torgeschlagenen Fassung Ton einer Entscheidung dieser Frage 
nicht absehen zu können geglaubt. Der Verweigerung der Abnahme stellte 
man den Fall gleich , wenn der Empfangsberechtigte nicht innerhalb einer 
ihm Ton dem Finder bestimmten angemessenen Frist die Sache gegen 
Befriedigung des Finders abnimmt oder^ falls er die Ansprüche desselben 
bestreitet, gegen den Finder Klage auf Herausgabe der Sache erhebt. 
Die EedaktioDskommission hat diese Beschlüsse mit den bezüglich der 
Verwendungsansprüche des Besitzers gegen den Eigeotüraer beschlossenen 
Vorschriften in Einklang gesetzt Die Vorschrift des § 922 über die Ver- 
pflichtung des Finders zur Herausgabe der Bereicherung blieb sachlich unan- 
gefochten. Der § 923, welcher die Hechte des Finders unter gewissen 
Voraussetzutigen auf die Gemeinde des Finders übergehen läfst, bedurfte mit 
Hücksicht auf die vom Entwurf abweichende Hegelung des Eigentumserwerbes 
des Finders einer Aenderung. Die besonderen Bestimmungen der §§ 924 — 927 



§ 922. (922, 923 Abs. 2.) Wer lufolR« der Vorschriaen der §§ »18, 918a, 9lSc 
etoeD RecbUrerlust erleidet, kunn la doo Fällen der §§ 818, 918 a voq dem Finder, b 
den Fällen des § 918 c von der Gemeinde de« FandarU diis durcli die Recht&indemsg 
Erlangte nach den Varschnften über die Hernas^abe einer angerechtfertif^ten Bereich»- 
ning rordern. Der Ansprnch erlischt, wenn «r nicht binnen drei Jahren nach dem Erwerbe 
d&» Eigentnms gerichtlich geltend gemacht worden ist, 

§ 928 yerg). §§ 918 c 922, 

§ 924. Wer eine Ssche in den Geschifksr&amen oder den TmnsportmittelD «mer 
Sffenllichen Behörde oder einer dem öffentlichen Verkehr dienenden Verkehrsansi alt findvt 
und an steh ntmmt^ hat die Sache nnTeraügiich an die Behörde oder die VerkebrMUi!«taU 
oder an einen Beamten derselben abxnltefem. Die Vorschriften der §§910 bis 922 
finden keine Anwendung. 

§ 925. (925 Abs. 1, 92C Abs. 2.) Die Behörde oder die Verkehrsanstalt kann die 
an tie abgelieferte Sache offieutlicb veriteigern lft.s«.en. Die öfieotlichen Behörden nod die 
VerkehrMustalten des Reiche», der Bnadeastaaten nnd der Gemeinden können die Ver- 
steigerung durch einen ihrer Beamten vornehmen lassen. 

Die Verstelgernng Ut erst «otissig, wenn der Fond SOentlich bekannt gemacht, die 
Empfani^sberechtigten in der Bekanntmachang aar Anmeldung ihrer Rechte nnter Bestim- 
mong einer F>ist anfgefordert worden sind und die Frist ohne eine Anmeldang verstriebeo 



NutionftlSkonomische Gesetig^bnog. gg 

aber die BehandluBg der in den Oesohäftiräumen oder Traniportmitteln 
einer öffenüiehen Behörde oder Yerkehrsanstalt gefundenen Saohen sowie 
laderen in den BesiU einer öffenÜicben Behörde gelangten Sachen einet 
•eiaer Person oder seinem Aufenthalt nach anbekannten Empfangsberech- 
tigten blieben sachlich unangefochten. 

Die Vorschrift des § 928 über den Schatzerwerb erfahr folgende 
Aendemngen: Zum Begriff des Schatzes gehört nach dem Entwurf, dafs 
die Sache Ton dem früheren Besitzer verborgen worden ist, so dafs ins- 
beeondere eine verlorene Sache nicht unter den Schatzbegriff fallt Man 
erweiterte den Begriff, indem man nur erforderte, dafs die Sache ver- 
borgen gelegen hat Nach dem Entwurf tritt femer der Eigentums- 
arwerb mit der Besitzergreifung durch den Pinder ein. Die Kommission 
hielt ea für angemessener, den Eigentumserwerb an die Entdeckung zu 
knüpfen, vorausgesetzt jedoch, dafs infolge dieser Entdeckung der Schatz 
•ach Bachtrfiglich von dem Entdecker in Besitz genommen worden ist 
2a ciDcr besonderen abweichenden Vorschrift über den Erwerb des Eigen- 
tarne an einem in einer beweglichen Sache verborgenen Schatze 
sah man keinen hinreichenden Grand. Eine Bestimmung über die Be- 
handlang aufgefundener Sachen von künstlerischem oder geschichtlichem 
Wert erschien entbehrlich, weil nach Ansicht der Kommission gemäfs 
Art 42 des Entwurfs des Einführungsgesetzes die landesgesetzlichen Vor- 
schriften unberührt bleiben, welche den Finder zur Ablieferung solcher 
an öffentliche Behörden gegen Wertersatz verpflichten. 



ist Die BekanntmaehoDZ ist Dicht erforderlieb, wenn der Verderb der Sache la besorgen 
oder die Aufbewahrung mit nnTerhUtnismftfsigen Kosten Terbanden ist 

Der Erlös tritt an die Stelle der Sache. 

§ 926. Hat sich der Empfangsberechtigte nicht binnen drei Jahren nach dem Ablaafe 
der in der BekanntmachoDg bestimmten Frist gemeldet, so fällt der VersteigerangserlSs, 
wenn die Behörde oder die Yerkehrsanstalt eine Reichsbehörde oder eine Reicbsanstalt 
ist, an den Reichsfiskas, wenn sie eine Landesbehörde oder eine Landesanstalt ist, an 
den Fiakos des Bondesstaats, wenn sie eine Gemeindebehörde oder eine Gemeindeanstalt 
ist, an die Gemeinde, wenn die Verkehrsanstalt von einer Privatperson betrieben wird, 
an diese. 

Ist die Versteigernng ohne die im § 925 Abs. 2 bestimmte Bekanntmachang erfolgt, 
so beginnt die dreijährige Frist erst, nachdem der Fand öffentlich bekannt gemacht and 
die Empfangsberechtigten in der Bekanntmachung snr Anmeldang ihrer Rechte aufgefordert 
worden sind. Das Gleiche gilt, wenn gefandenes Geld abgeliefert worden ist. 

Die Kosten werden von dem herauszugebenden Betrag abgezogen. 

§ 926 a. (925 Abs. 2.) Die in den §§925, 926 bestimmte Bekanntmachung erfolgt, 
wenn die Behörde oder die Yerkehrsanstalt eine Reichsbehörde oder eine Reichsanstalt 
ist, nach den von dem Bundesrat erlassenen Vorschriften, in den übrigen Fällen sind die 
▼OB der Zentralbehörde des Bundesstaates erlassenen Vorschriften maf:»gebend. 

§ 927. Ist eine Sache im Besitz einer öffentlichen Behörde, ohne dafs diese vertrage- 
milsig Bur Herausgabe verpflichtet ist, so finden die Vorschriften der §§ 925 bis 926 a ent* 
sprechende Anwendung, wenn der Behörde der Empfangsberechtigte oder dessen Aufenthalt 
■nbekannt ist. 

§ 928. Wird eine Sache, die so lange verborgen gelegen hat, dafs der Eigentiimer 
nickt mehr zn ermitteln ist (Schatz), entdeckt und infolge der Entdeckung in Besits 
gettommen, so wird das Eigentum zur Hälfte von dem Entdecker, zur Hälfte von dem 
Eifeatftmer der Sache erworben, in welcher der Schatz verborgen war. 



64 



N»Uooal5konoQiiscbe 0€««tsgebuug^ 



Mit dem § 929 beginnt der vom EigentumsaBspruch handelnde 
Tierte TiteL Der § 929 giebt dem Eigentümer einen AuBpraob auf Her* 
ausgäbe der Saohe lowobl gegen den Besitzer (im Sinne det Entwurf«) 
wie gegen den Inhaber; nur die Erfüllung der Herauigabeptlicht eoU eioh 
(n&oh den Motiven) verlieh ieden gestalten für den Inhaber und den die 
Sache eelbst innehabendeu BeKitser auf der einen und den nicht selbst 
in der Inhabung befindlichen Besitzer auf der anderen Seite dergestalt, 
dofa die ersteren dem Eigentümer die Sache selbst herouszu geben haben, 
während letzterer nur den ihm gegen den Inhaber suatehenden Heraus- 
gabeanspruch abzutreten haben boIL Biese Regelung bedurfte mit Rück- 



Vierter TiteL I 

Ansprüche aas dem Eigentam. 

§ 929. Der Etgenturoer kAtin voq dem Bmsiuer die HerjmsgAbe der Seche Terlengeo, 

§ 929 e. (942«) Der Besltier ketin die Herftusgebe der Sache verweigern, wean er 
oder der mittelbare Besiuer, toq dem er lein Recht zam Besks ableitet, dem EigeotÜmer 
gegenüber zum Besitxe berechtigt ist Itt der mittelbare B««iizer dem Eigentümer gegeafibe r aar 
Ueberlaasuog dea BeaUze^ ao den Besitaer nicht befugt, so kauo der EigeatOmer von dem 
BesHier die Herausgabe der Bache an den mittelbaren Besitzer oder^ wenn dieser deo 
ßeeits nicht wieder Übernehmen will oder kafiD| an sich selbst verlangen. 

Der Beüitser einer Sache, die nach § 87i b durch Abtrettiog des Aosprachs auf Ber* 
ausgäbe verftuf^ert worden ist, kann dem neuen EigentQmer die Einwendungen entgegen« 
seUeo, welche ihm gegen den abgetretanen Anspruch zustehen. 

§ 929 b. (9S3.) Der BesitEer hat dem Eigentümer die Nutiungen hersas zu geben « 
welche er nach dem Eintritte der Rechtshängigkeit gezogen bat. Die aaf die Gewinnung 
der Nutanngen verwendeten Kosten sind von dem Eigentümer insoweit an ersetzen , als 
sie einer ordnangsmifaigen Wirlacfaa/t entsprechen und den Wert der Nutaungen ntehl 
Übersteigen. 

Bat der Besitser nach dem Eintritte der Bechtshinglgkett infolge teinea yeracbntdeoa 
Nutaungen nicht gezogen, die er nach den Regeln einer ordoongsmitr^igen Wirtschaft bitte 
ziehen können, so ist er dem Eigentümer zum Eraatae verpflichtet. 

§ 939 c. Hat em Besitzer, der die Sache als eigene oder tum Zwecke der Aastbuiif 
eines Ihm in Wirklichkeit nicht aoatehendeo Nutzungsrechtes an der Sache beaitat, den 
Besitz unentgeltlich erlsngt, so ist er dem ElgenthÜmer zur Herausgabe der vor dem Ein- 
tritte der Kechtshingigkeit gesogenen Kutzuugeo nach den Vorschriften Über die Beraoa* 
gäbe einer ungerechtfertigten Bereicherung verpflichtet. 

§ 929 d. (953) Der BeaUter ist von dem Eintritte der Bechtshiogigkett an dem 
£igentümer fUr den Schaden verantwortlich, welcher dadurch entsteht, dafi die Sache 
infolge seines V^erschnldens verschlechtert wird, outergeht oder aus einem aonstigen Grunde 
von ihm nicht herausgegeben werden kann, 

% 929 0. (93t, 93i.) War der Besitzer bei dem Erwerbe des Besitaes nicht in gatem 
Glauben^ so haftet er dem Eigentümer von der Zeit des Erwerbes an nach den §§ 9S9 b, 
9S9 d. Erfährt der Besitzer spfiter, dafs er zum Besitze nicht berechtigt ist, so haftet er 
in gleicher Weise von der Erlangung der Kenninis au. Eine weitergehende Haftung wegen 
Verzuges bleibt unberührt 

§ 929 r (9StJ Leitet der Besitzer das Recht aum Besitze von einem mlttelbareu 
Beaitxer ab, eo finden die Vorschriften des § 929 e in Ansehung der Nutzungen nur An- 
wendung« wenn der mittelbare Besitzer bei dem Erwerbe des Besitaes nicht in fulem i 
Olaubeu war oder später den Mangel des Rechtes zum Besitze erfahren hat ' 

War der Besitzer bei dem Erwerbe des Besitzes in gutem Glauben, so hat er gleich* 
wohl von dem Erwerb an den Schaden, welcher dadurch entsteht, dafs die Sache infolge 
•eines V^erschuldons verschlechtert wird , untergeht uder aus einem sonstigen Grunde von 
ihm nicht herzusgegeben werden kann, dem Eigentümer gegenüber insoweit zu vertreten, 
aU er dem mittelbaren Besitzer verantwortlich ist 

§ 929 g. (936,) Hat sich der Besitzer durch verbotene Eigenmacht oder durch eine 
strafbare Flandlung den Besits verschafft, so haftet er dem Eigentümer nach den Vor- 
Schriften Über den Schadensersatz wegen unerlaubter Haadlnugen. 



MatioiyüftkoBOiiiiselie G«8€tegebiiiig. g5 

lieht auf die betohlostene Umgettaltang der Be8ii87or»ohriften einer 
Aeoderang. EinTerständnis bestand in der KommiBsion darüber, dafa 
dem SigentOmer gegenüber dem Besitzer (im Sinne der 2. Lesung) der 
Ansprach auf Herausgabe der Sache anstehen müsse. Dagegen zeigte sich 
eine eriiebliehe Meinungsverschiedenheit darüber, ob dem Eigentümer weiter 
soeh gegen den mittelbaren Besitzer ein Anspruch auf Einräumung des 
Bittalbaren Besitaes gegeben und ob daneben eine bedingte Verurteilung 
des mittelbaren Besitzers zur Herausgabe der Sache fiir den Fall der 
Wiadararlangnng des unmittelbaren Besitzes zugelassen werden solle. 
Für die Gewährung eines Anspruchs auf Einräumung des mittelbaren 
Besitzes wurde geltend gemacht, dieselbe entspreche theoretisch dem 
Wesen des mittelbaren Besitzes, sei es dafs man in diesem ein wirk- 
liches Besitzrerhältnis , sei es dafs man in ihm eine dem Eigentümer 
gebührende Rechtsposition und deshalb in dem mittelbaren Besitz eines 
Dritten eine Yerletzung des Eigentums erblicke. Vor allem aber sei der 
bezaiehnete Anspruch praktisch zum Schutze des Eigentümers unentbehr- 
lich, damit der Eigentümer sich die mit dem mittelbaren Besitz bezüglich 
des Beiitssehutzes und der Eigentumsübertragung verbundenen Yorteile 
Tmehaffen und dem mittelbaren Besitzer die für ihn mit diesem 
Verhältnis rerknüpften Vorteile in Bezug auf den Fruchterwerb und die 
Srutznng entziehen, auch den Umweg yermeiden könne, der sich ergebe, 
wenn der auf Herausgabe der Sache verklsgie unmittelbare Besitzer ge- 
■äls S 78 C.P.O. den mittelbaren Besitzer als seinen Auktor benennt; 
anter Umständen werde die Verfolgung des Eigentums unerträglich er- 
schwert, ja unmöglich gemacht, wenn man den Eigentümer auf den 
Ansprach gegen den unmittelbaren Besitzer beschränke. Die Mehrheit 
der Kommission lehnte jedoch die Anerkennung eines Anspruchs der be- 
leiehneten Art gegen den mittelbaren Besitzer ab. Sie war der Ansicht, 
dsis ein solcher Anspruch durch die Natur des mittelbaren Besitzes sich 
nicht rechtfertige, da(s es sich hier um die Eegelung des der gemein- 
rechtlichen rei vindicatio entsprechenden Eigentumsanspruohes handle, 
dessen Wesen die Ausdehnung auf den mittelbaren Besitzer nicht zulasse 
und durch diese Ausdehnung verdunkelt werden würde. Wenn die rei 
vindicatio nach römischem Recht auch gegen den nicht selbst inne- 
habenden juristischen Besitzer (im Sinne des gemeinen Hechts) gegeben 
werde, so beruhe dies darauf, dafs nach römischem Becht der juristische 
Besitzer den Inhaber jederzeit seiner Inhabung entsetzen könne; dieser 
Standpunkt sei aber nicht mehr haltbar, nachdem dem Inhaber Besitz- 
schutz gewährt worden sei. Ein vindikatorischer Anspruch gegen den 
mittelbaren Besitzer, z. B. den Verpächter eines fremden Grundstücks, 
entspreche nicht der natürlichen Auffassung des Lebens und habe über- 
dies nur geringen praktischen Wert, da mit demselben eine unmittelbare 
und unbedingte Verurteilung zur Herausgabe der Sache doch nicht er- 
reicht werden könne. Der Eigentümer habe gegenüber dem mittelbaren 
Besitzer unter Umständen einen Anspruch aus einer unerlaubten Hand- 
lung, den negatorischen Eigentumsanspruch (§ 943), jedenfalls eine Fest- 
stellungsklage (nach § 231 O.P.O.); bei diesem Schutz könne und müsse 
man es bewenden lassen. 

Ddtlt folgt Bd. VU (LXn). 5 



66 



NftlioQ *ldkos om Uehe Oescf cge b un g. 



Die Kommisfiion erledigte hierauf zunächBt dcfii § 942, welcher dia 
EiDweDdiiDgen gegen den Herauegabeanspruch des Eigeutütnera auf ÜTUod 
einea dinglicben oder obligatoriechen RechrA sum Besitze betriflPt Der- 
selbe wurde entsprecheDd der Umgestaltung der BeBitzIehre und dem zu 
§ 929 gefafaten Beschlufs d&hm geändeit, dafa der Besitzer die Heraui- 
gäbe der Sache vor weigern kann, wenn er oder der mittelbare Besitzer^ 
Ton dem er sein Recht zum Besitze ableitet, dem Eigentümer gegenüber 
zum Besitze berechtigt ist. Zweifel ergabeu sich darüber, wie sich 
in dem falle, wenn zwar der mittelbare Besitzer dem Eigentümer gegen- 
über (als Nieffl brauch er, Pächter eto.) zum Besitz berechtigt ist, den Be- 
8it£ aber tinbefugterweise an einen Dritten überlassen bat, der Anspruch 
des Eigentümers gegen diesen dritten Besitzer gestalte. Man war zum 
Teil der Ansicht^ dafs der Eigen tum er mit dem yindikatoTischeo Anspruch 
zum Teil, dafs er mit dem negatorischen Anspruch gegen den Besitze 
vorgehen könne. Die Mehrheit beschlofs mit Rüoksicht auf diese Meinung« 
yerschiedenheit ond darauf, dafs keine der vertretenen Ansichten zu eioeoi^ 
praktisch befriedigenden Ergebnis führe, die Frage ausdrücklich dahin zu 
entscheiden, dafs der Eigentümer Yon dem Besitjser die Herausgabe der 
Sache an den mittelbaren Besitzer oder, wenn dieser den Besitz nicht wieder 
übernehmen will oder kann, an sich selbst verlangen könne. 

Die §§ 930 — 935 regeln die Voraussetzungeo, unter welchen der 
„Besitzer" uod der Inhaber dem Eigentümer gegenüber zur Herausgabe 
der Nutzungen und zum Schadensersatz yerpdichtet ist. Auf den § 930 
wird später eingegangen weiden. Der § 931 betrifft die Haitung des 
unredlichen „Beiitzers" d. b. nach der Terminologie der 2. Lesung dea un- 
redlichen Eigenbesitzers ohne Unterschied, ob dieser die Sache in unmittel- 
barem oder nur in mittelbarem Besitz hat Die Haftung dea mittelbaren 
Besitzers wurde späterer Erwägung vorbehalten. Anlangend die Haftung 
des unredlichen selbst im Besitz befindlichen Eigen besitzers, so setzt die 
selbe nach dem Entwurf die — sei es beim Besitzerwerb vorhandene 
sei es später erlangte — Kenntnis des Eigenbesitzers von dem Mang« 
des Rechte zum Besitze voraus. Die Kommission billigte diese Kegeluog^ 
für den erst nach erfolgtem Besitzerwerb eintretenden bdeen Glauben, be- 
schlofs aber, der beim Besttzerwerb vorhandenen Kenntnis des Eigen- 
besitzers von seinem Rechtsmangel die auf grober Fahrlässigkeit beruhende 
Ünkenntnia gl ei ohzua teilen. Sie hielt diese Gleichstellung aus denselben 
Gründen für geboten, wie bei der Ersitzung (§ B81 Abs. 3) und dem 
Fruchterwerb (s. oben S. 55), Man sah keinen Grnnd, einen Besitzer, 
der nach dem zu § 900 gefaCsten Beschlüsse an den natürlichen Früchten 
nicht Eigentum erwerben, diese vielmehr dem Eigentümer herauszugeben 
haben aoU, wegen anderer Nutzungen nur nach den Grundsätzen über die 
Erstattung einer ungereohtiertigten Bereicherung haften zu lassen, und 
erachtete es auch im übrigen für dem natürlichen Rechtsbewufstaeiu ent- 
spreohendi dafs ein aolcher Besitzer in demselben Umfange hafte wie der-, 

§ 030» Liegen die ia den §§ 929 b bb 929^ bflselchneten Vorftossetsuiigeo olcli 
▼or» sf» ist der BesitEer weder lar Herftusgabe von NatsuDgeti noch zum Ersals etAes 
8otiad«iis verpflichtet. 

$ 931 vergl. % 929 e Satt 1, 



N«tional0koiiomisch« GeMtagebang. gy 

iaig^ der beim BetitdEerwerbe feineii Bechtsmangel gekannt hat. Der 
§ 931 Abf. 8 ber&ckBiohtigt noch besonders den Fall, dafs der Besitser 
d« Beeits durch eine strafbare, wenn auch nur auf Fahrlässigkeit he- 
nkende Handlung erworben hat. Diese Bestimmung wurde aus dem- 
MlbeoTGninde gestrichen wie die des § 900 Satz 2 Nr. 3. — Den Um- 
fing der Haftung des unredlichen Eigenbesitzers bestimmt der Entwurf 
dakis, daCs derselbe dem Eigentümer die gezogenen Nutzungen herauszu- 
geben und den Schaden 2u ersetzen hat, welcher infolge seines Yer- 
Nbaldens durch Untergang oder Yerschlediterung der Sache oder jener 
HutsvDgeD oder durch versäumte Ziehung Ton Nutsungen entstanden ist; 
dagegen schweigt der Entwurf Ton der Haftung für den Schaden, welcher 
dsdazeh entsteht, dafs der Eigenbesitzer auf andere Weise als durch 
Untei^;mng oder Verschlechterung, insbesondere durch Veräufserung, schuld- 
kaft zur Hermusgabe der Sache aufser Stand gesetzt wird. Die Kommission 
nk hierin eine Lücke des Gesetzes und dehnte daher die Haftung auf den 
baseiehneten Schaden aus. Der § 932 Abs. 1 Satz 1 regelt die Haftung 
des unredlichen Inhabers, der die Sache „für den Besitzer" innehat, also 
aaeh der Terminologie der 2. Lesung des unredlichen Besitzers in dem 
Falle, wenn ein anderer Hb der Eigentümer mittelbarer Besitzer ist. 
Wenn dagegen der unredliche Besitzer sein Becht zum Besitze Tom Eigen- 
timer ableitet, z. B. aus einem mit diesem geschlossenen Mietyertrage, 
dessen Nichtigkeit ihm bekannt ist, so soll sich seine Haftung nach den 
tUgemeinen Grundsätzen über ungerechtfertigte Bereicherung oder uner- 
knbte Handlungen bestimmen. Die Kommission war der Ansicht, dafs 
das Bednrfiiis einer selbständigen gesetzlichen Begelung der Haftung des 
naiedlichen Besitzers auch für diesen Fall bestehe, und dehnte deshalb 
die zu % 931 beschlossenen Bestimmungen über die Haftung des Eigen- 
badtzera anf jeden Besitzer aus. Der § 932 Abs. 1 Satz 2, welcher dem 
$931 Abs. 2 entspricht, wurde, wie dieser, gestrichen. Der § 932 Abs. 2 
lehliefst die Haftung des unredlichen Besitzers in Ansehung der Nutzungen 
las, wenn derselbe sein Besitzrecht von einem redlichen mittelbaren Be- 
ulzer ableitet, weil, wenn der Besitzer vom Eigentümer in Anspruch ge- 
aemmen werden könnte, er sich seinerseits an den mittelbaren Besitzer 
wurde halten können. Diese Vorschrift fand die Zustimmung der Kom- 
mission. 

Der § 933 regelt die Haftung des Prozefsbesitzers d. h. des redlichen 
Beötaera nach dem Eintritt der Kechtshängigkeit des Eigentum sanspruchs 
dnreh Verweisung auf § 931 Abs. 1 und § 932. Sachlich wurde die Be- 
stimmung mit den Aenderungen, die sich aus den zu den letztgenannten 
Tonehriften gefafsten Beschlüssen ergaben, gebilligt. Die Kedaktions- 
kommiseion hat entsprechend einem bei der Kommission gestellten 
Antrage, für zweckmäfsig erachtet, die Haftung des Prozefsbesitzers an 
tfster Stelle und selbständig zu regeln und bezüglich der Haftung des 
■nredliehen Besitzers auf diese Begelung zu yerweisen ; es ist dies nament- 
bah ans dem Grunde geschehen, weil an mehreren Stellen des Eechts der 



§ 9S2 rergl. § 989 f. 

§ 98S Tergl. §§ 929 b, 989 d. 

6* 



68 



KfttiODalölcODOiDtsche GeseU^ebim^. 



Sciltildverhältmsge auf die Vorschriften über die Haftung des ProxeCibe- 
fiitzerB Bezug genonimeu wird, 

Naoh § 934 soll sowohl der redliohe wie der ud redliche Bedtier 
voD dem Zeitpunkte au^ in welchem er nach den §§ 245, 246 in Verzug 
kommt, nach den für den Verzug geltenden Vorschriften haften. Ditse 
Vorschrift fand insoweit Billigung » als sie sich auf den unredlichen Be- 
siicer bezieht; ihre Ausdehnung auf den redlichen Besitzer wurde dagegen 
abgelehnt. Nach dem Entwurf würde dieser, nachdem er von dem Eigen- 
tümer zur Herausgabe der Bache aufgefordert wäre, die slreßge Haftung 
nach den Grundsätzen über den Verzug nur durch den seh wer zu führenden 
Beweis abwenden könaeu, dafs er ohne jedes Verschulden das Recht des 
Eigentümers nicht erkannt habe. Diese Regelung, welche dem bestehenden 
Recht nicht entsprich t, eraohien nicht angemessen, weil sie der Bedeutung 
des redlichen Besitzes niclit gerecht werde und im Widerspruch damit 
siehe, dafs für die Unterbrechung der Ersitzung und des Fruohterwerbs 
der Eintritt der Verzugs Voraussetzungen nicht genügen soll. Ben Eigen- 
tümer hielt man durch die Möglichkeit^ den redlichen Besitzer^ duroh 
Klageerhebung in die Lage des Prozefsbesitzers zu bringen, für aus- 
reichend geschützt« Der § 935, nach %velchem eine Schadensersatzp flieht 
des Besitzers nach den Vorschritten über die Haftung aus unerlaubten 
Handlungen nur dann eintritt, wenn er sich den Besitz durch eine straf- 
bare oder eine vorsätzlich begangene unerlaubte Handlung Terschafft hat, 
wurde sachlich beibehalten; nur setzte man an die Stt^lle der allgemeinen 
Kategorie einer vorsötzlich begangenen unerlaubten Handlung die aHtin 
in Betracht kommende Handlung dieser Art, die verbotene Eigenmacht 

In den §§ 9131 — 936 sinrl die Voraussetzungen, unter denen der Be- 
sitzer dem Eigentümer gegenüber zur Herausgabe der Nutzungen oder 
zum Schadensersalz verpflichtet ist, erschöpfend bestimmt Der redliohe 
Besitzer ist hiemach von dieser Verpflichtung für die Zeit bis zum Ein- 
tritt der Rechtshängigkeit frei. Eine Ausnahme von dieser Regel kann 
sich, da der Fall des Verzuges nach dem mitgeteilten Beschlüsse nicht 
mehr in Betracht kommt, nur noch orgeben, wenn die Voraussetzungen 
dus § 935 vorliegen. Die Kommission hielt es für zweokmafsig, ent* 
sprechend dem § 930 Abs. l die beaeichnete Regel zur Vermeidung von 
Zweifeln auszusprechen. Sie fügte aber abweichend vom Entwurf noch 
eine weitere Ausnahme bei inbetreff der Haftung für Schaden, welcher 
dadurch entsteht, dafs die Sache infolge des Verschuldens des redlichen 
Besitzers verschlechtert wird, untergeht oder aus einem sonstigen Grunde 
von ihm nicht herausgegeben werden kann. Man ging davon aus, d&fa 
eine solche Haftung zwar den redlichen Eigenbesitzer nicht treffen dürfe, 
dafs dagegen ein redlicher Besitzer, der sein Besitzrecht von einem mittel- 
baren Besitzer ableite, die Sache also als fremde besitze, wegen des be- 
zeichneten Schadens dem Eigentümer ebenso haften müsse wie dem mittel- 
baren Besitzer und sich nicht darauf dürfe berufen können, dafs er einen 
anderen für den Eigentümer gehalten habe. Nicht erforderlich eranhien 



% d34 vergK § 929 « Sttx 2. 
S 035 vergl § 989 g. 



NatioiialSkoiiomisehe GeMtegebnng. g9 

ei, batonden klannitellen, dab die Haftang des redlichen Besitzers nach 
den OmndaStsan über die Erstattung einer ungerechtfertigten Bereicherang 
«Her anderen Beschränkung nicht unterliege als derjenigen, welche sich 
tas den Bestimmungen über den Fruchterwerb des redlichen Besitzers 
(S 900) und der Befreiung desselben yon der Yerpflichtung zur Heraus- 
gabe sonstiger Nutiungen (§ 930 Abs. 1) ergiebt. Die Kommission be- 
fshlofs jedoeh, auch in Ansehung der Früchte und sonstigen Nutzungen 
eine Haftung dee redlichen Besitzers nach den Grundsätzen über die Her- 
snsgabe einer ungerechtfertigten Bereicherung dann eintreten zu lassen, 
wenn derselbe den Besitz unentgeltlich erlangt hat Sie erblickte in dieser 
Bestimmung eine notwendige Folgerung aus dem Gedanken, welcher den 
n den §$ 889, 880 ge&fsten Beschlüssen zu Grunde liegt, daTs das für 
den Sohatx des gutgläubigen Erwerbs mafsgebende Verkehrsinteresse nicht 
daza nötige, auch im Falle unentgeltlichen Erwerbs diesen Schutz auf 
Kasten des wahren Berechtigten unbeschränkt durchzuführen. — Der § 930 
Abs. 2« welcher lediglich das Verhältnis der Vorschrift des Abs. 1 zu den 
H 898 — 908 klarzustellen bezweckt, ist als entbehrlich weggelassen. 

Die §S 986 — 938 regeln die Ersatzansprüche des Besitzers gegen den 
Bigentftmer wegen der yon ihm auf die Sache gemachten Verwendungen. 
Nach dem Entwurf (| 986 Abs. 1) kann jeder Besitzer, der redliche wie 
dsr muredliche, wegen jeder Verwendung yom Eigentümer insoweit Ersatz 
indem, als der Eigentümer durch die Verwendung infolge der Wieder- 
sriangong der Sache aus dem Vermögen des Besitzers bereichert ist. Die 
KoBmiaaion hielt demgegenüber in üebereinstimmung mit mehreren AeuTse- 
ringen der Kritik eine yerschiedene Behandlung des redlichen und des 
aredliehen Besitzers für geboten. Dem redlichen Besitzer beschlofs man, 
aaen Brsatianspruch insoweit zu gewähren, als die Verwendung not- 

§ ese. (9S6 Abs. 1, 8.) Der Beiitser kann fUr die Verwendangen, die er anf die 
Stelle gemmeht hat, von dem Eigentümer insoweit Ersatz Terlangen, als sie notwendig 
waren oder durch sie der Wert der Sache noch zu der Zeit, zn welcher der Eigentümer 
die Sache wiederlangt, erhöht ist. Die gewöhnlichen Kosten der Erhaltung der Sache 
siad jedoch dem Besitser für die Zeit, für welche ihm die Nntaangen Terbleiben, nicht 



Fllr Verwendangen, die nach dem Eintritte der Rechtshängigkeit gemacht worden 
sind, kann der Besitzer Ersatz nur Tcrlangen, wenn sie notwendig waren. Das Gleiche 
gilt far Verwendungen, die ein Besitzer gemacht hat, der nach § 929 e Abs. 1 haftet. 

§ 986 a. Zn den notwendigen Verwendangen im Sinne des § 9S6 gehören auch die 
Aefvendnogen, die der Besitzer zar Bestreitung tod Lasten der Sache gemacht hat. Für 
die Zeit, flr welche dem Besitzer die Nutzungen yerbleiben, sind ihm nur auTserordent- 
Sehe Laaten au ersetzen, die als auf den Stammwert der Sache gelegt anzusehen sind. 

§ 986 b. (936 Abs. S.) Hat der Besitzer mit der Sache eine andere Sache als wesent- 
lichcB Bestandteil Terbunden, so kann er sie abtrennen und sich aneignen. Die Vorschriften 
des I 514 Abs. 8 Satz 8, S finden entsprechende Anwendung. 

Daa Recht nur Abtrennung ist ausgeschlossen, wenn der Besitzer nach § 936 Abs. 1 
SMS S für die Verwendung Ersatz nicht verlangen kann oder die Abtrennung für ihn 
kanto Katzen hat oder der Eigentümer ihm mindestens den Wert ersetzt, welchen der 
Bestaadteil nach der Abtrennung für den Besitzer haben würde. 

{ 986 c Ist ein landwirtschaftliches Grundstück herauszugeben, so hat der Eigen- 
tteer die Kosten, welche der Besitzer auf die noch nicht getrennten, jedoch nach den 
Bcgeln einer ordnongsmifsigen Wirtschaft vor dem Ende des Wirtschaft^ahres zu trennen- 
den Früchte verwendet hat, insoweit zu ersetzen, als sie einer ordnungsm&fsigen Wirt- 
entsprechen und den Wert dieser Früchte nicht übersteigen. 



70 



NfttioiulSkonomische Oetetag^bimg, 



wendig oder durch sie der Wert der Sache «ur Zeit der Keritisgabe 
erhöht ist. Man nahm an, daf« diete Begelang mit der des Entwürfe if 
wesentlichen auf das gleiobe Ergebnis hinaualaafe; denn nach richtiger 
Anflicht werde der Eigentümer durch eine Tom Besitzer gemachte not- 
wendige Verwendang stets infolge der Ersparung einer notwendigen Aus* 
gäbe bereichert, auch wenn der Wert der 8ache zur Zeit der Herausgabe 
durch die Verwendung nicht mehr erhöht sei, 80 dafe auch nach dem 
Eütwurf der Besitzer wegen notwendiger Verwendungen steta Enati 
fordern könne. Zur Vermeidung von Zweifeln erschien es jedoch sweck- 
mäfsiger, dies besonders auszusprechen. Dem unredlichen Besitzer (und 
ebenso dem Prozefsbeflitzer) beechlofB man dagegen nur wegen notwen- 
diger Verwendungen einen Ersatzanspruch zu gehen. Man erwog , daTa 
durch die Regelung des Entwurfs der Eigentümer der Willkür des 
Besitzers preisgegeben werde, dafs femer dem Besitzer» der wissentlioh 
auf eine fremde Sache eine Verwendung mache ^ an sich jeder Eraatzan* 
Spruch versagt sein müsse und dafs nur bezüglich der notwendigen 
Verwendangen aus Billigkeitagründen eine Ausnahme gemacht werden könne. 

Nach § 936 Abs. 2 mufs sich der Besiteer, welchem die Nutzungen 
der Sache yerbleiben, also der redliche Besitzer, yon dem ihm fSi 
Verwendungen zu ersetzenden Betrage den Reinertrag der gezogenen 
Nutzungen abrechneu lassen. Die Kommission war der Ansicht, dafi 
diese Abrechnung zu Schwierigkeiten und nicht selten zu ungerechten 
Ergebnissen fuhren würde. Einfacher und billiger erbchien es, den dem 
Abs. 2 zu Grunde liegenden Gedanken einer Ausgleichung der mit dem 
Besitz der Sache verbundenen Vorteile und Nachteile in der Art zur 
Geltung zu bringen, dafs dem Besitzer für die Zeit^ für welche ihm die 
Nutzungen verbleiben» ein Ersatzanspruch wegen der von ihm aufgewen- 
deten gewöhnlichen Kosten der Erhaltung der Sache versagt werde. 

Der Begriff der Verwendungen wird im Entwurf nicht definiert 
Zweifelhaft kann daher sein, ob die Vorschriften über den Ersatz von 
Verwendungen auch für die vom Besitzer zur Bestreitang von Lasten der 
Sache gemachten Aufwendungen gelten. Da das Wort „Verwendungen** 
an manchen Stellen des Entwurfs in einem diese Aufwendungen nicht 
mitumfasaeuden engeren Sinne gebraucht wird, hielt man für zweck- 
mäfsig^ durch eine erläuternde Vorschrift die Anwendbarkeit der hier in 
Bede stehenden Bestimmungen auf die bezeichneten Aufwendangen klar- 
zustellen (vergl. § 936 a der Zusammenstellung]. Die Kommission er- 
blickte femer eine Lücke des Entwurfs dann» dafs er keine Bestimmungen 
enthält über die Verpliichtung des Eigentümers zum Ersatz der auf die 
Gewinnung von Nutzungen vom Besitzer aufgewendeten Kosten sowie der 
Kosten, welche der Besitzer eines landwirtflchaftUchen Grundstücks auf die 
noch nicht getrennten, jedoch nach den Regeln einer ordnungemälsigen 
Wirtschaft vor dem Ende des Wirtschaftsjahres zu trennenden Früchte 
verwandt hat (vergl. § 54öa der Bd. LIX 8. 565 mitgeteilten Zusammen- 
stellung und § 1009 des Entwurfs). Diese Lücke wurde ausgefüllt (§ 929b 
Abs. 1 Satz 2, § 936c der Zusammenttellung). 

Der § 936 Abs. 3 giebt dem Besitzer einen erweiterten Schutz in 
dem Falle, wenn die Verwendung darin besteht, daÜB er eine andere 



HatioiiAldkonoiiiisehe GeMtsgvbimg. 7]^ 

SMhe mit der heraiuiragebenden Saohe als weBenÜiohen Bestandteil ver- 
boDden 2. B. auf einem Grundstüok ein Gebäude errichtet hat. In diesem 
Falle ktente es nach den §§ 897, 986 Abs. 1, 2 Torkommen, dafs der Be- 
litaer nicht einnud den Wert vom Eigentümer ersetzt zu yerlangen be- 
nohtigt wäre, welchen die verbundene Sache nach der Trennung haben 
würde. Zur Yermeidong dieses unbilligen Ergebnisses wird dem Besitzer 
unter der Voiaassetzung, dafs der Eigentümer ihm nicht mindestens den 
btieiohneten Wert ersetzt, das Recht gegeben, die von ihm verbundene 
Sache wieder abzutrennen und sich anzueignen, jedoch unter der Ver- 
^chtoiig, die herauszugebende Sache auf seine Kosten wieder in den 
Torigen Stand zu setzen. Diese Bestimmung wurde gebilligt; die Mehr- 
heit hielt auch einem abweichenden Antrage gegenüber daran fest, dafs 
das Abtrennungsrecht, entsprechend dem geltenden Becht, von dem Eigen- 
tömer duxeh Ersatz des angegebenen Wertes müsse ausgeschlossen werden 
können, weil anderenfalls der Eigentümer der Chikaoe des Besitzers aus- 
gesetst und die volkswirtschaftlich nicht wünschenswerte Lösung von 
■ttslichen Sachverbindungen (wie das Niederreilsen von Gebäuden, das 
Abhauen von Bäumen) befördert werden würde. Das Abtrennungsrecht 
des Besitzers wurde jedoch dadurch erweitert, dafs man den auf das Weg- 
Bthmerecht des Mieters bezüglichen § 514 Abs. 2 Satz 8 (der Bd. LIX 
S. 552 mitgeteilten Zusammenstellung) für entsprechend anwendbar er- 
klärte; der Eigentümer soll also, wenn seine Sache vor der Abtrennung 
an ihn zurückgelangt ist, auch verpflichtet sein, dem Besitzer die Ab- 
trennung zu gestatten, diese Gestattung jedoch verweigern dürfen, bis der 
Bedtser für den durch die Abtrennung entstehenden Schaden Sicherheit 
leistet. Aus den gleichen Gründen wie in dem Falle, wenn der Eigen- 
tümer den Wert ersetzt, den die verbundene Sache nach der Trennung 
haben würde, wurde das Abtrennungsrecht auch dann ausgeschlossen, 
wenn die Abtrennung für den Besitzer keinen Nutzen hat. Eine fernere 
Ausnahme war selbstverständlich für den Fall zu bestimmen, wenn der 
Besitzer für die in der Ter bin düng liegende Yerwendung nach der an 
Stelle des § 936 Abs. 2 beschlossenen Vorschrift keinen Ersatz yerlangen 
kann. Dagegen wurde der Antrag abgelehnt, das Abtrennungsrecht für 
Pflanzen und Bäume deshalb ganz auszuschliefsen , weil diese, wenn sie 
längere Zeit ihre Nahrung aus dem Grundstücke gezogen hätten, einen 
Teil des Wertes des Grundstücks selbst darstellten. Die Mehrheit ging 
davon aus, dafs man bezüglich der Pflanzen und Bäume zu einem ange- 
measenen Ergebnis sowohl inbetreff des redlichen wie des unredlichen 
Besitzers gelange, wenn man sie als Nutzungen des Grundstücks auffasse, 
hielt aber für nicht erforderlich und im Interesse der Einfachheit des 
Geaetzea für nicht rätlich, eine besondere Vorschrift über die Frage auf- 
znnehnaen. 

Die Yorschrift des § 937 über das Becht des Besitzers, wegen Ver- 



§ 937 Der Besitser luuin für die Verwendungen eines Vorbe«itzers, dessen Rechts- 
■•chfolzcr er geworden ist, in demselben Umfange Ersatz verlangen, in welchem ihn der 
Verbesitaer fordern l^önnte, wenn er die Sache heraoszageben hätte. 

Die Verpflichtung des Eigentümers zum Ersätze der Verwendangen erstreckt sich 
■Mb aof die Verwendiingen, welche gemacht worden sind, bevor er das Eigentum er- 



72 



Nfttiooildkoaomiscb« G«set«gebBxig:« 



weD düngen eines Yarbesitzers, desten Eeohtsnachfolger er gewordea itt^ 

Ertatz ztt TerUngen, blieb unbeanaUndet. Während nach § 937 eine auf 
aeiten des Besitzers eingetretene Reohtsneoh folge den Ersatzae Spruch 
wegen der Verwendung nicht auBschliefst, soll im umgekehrten Falle, wenn 
auf leiten des Eigentümers nach der Verwendung eine Hechtsaachfolge 
eingetreten, das Eigentum also auf einen anderen übertragen ist, der neue 
Eigentümer zum Eriatjc der Verwendung nach dem Entwurf nicht Ter* 
pflichtet seiu. Diese TOn der Kritik mehrfach beanstandete Regelung 
erschien auch der Kommission bedenklich, weil sie dem Eigentümer er- 
mögliche, dem Besitzer die in der Sache selbst liegende Sicherheit für 
den Ersatz der Verwendung durch Uebertragung des Eigentums zu ent- 
ziehen. Sie beschlofs daher, dem Besitzer auch gegen den neuen Eigen- 
tümer den Ersatzanspruch wegen der Verwendung zu gewähren. Das Be- 
denken, dals hierdurch der Grundsatz des äfTeotlichen Glaubens des Grund- 
buchs durchbrochen werde, erschien hier ebensowenig durchschlagend wie 
gegenüber dem Satze „Kauf bricht Miete nicht**. Man setzte jedoch vor- 
aus, dafs durch das ZwangsYoIl Streckungsgesetz die Geltendmachung des 
Ersatzanspruches wegen Verwendungen gegenüber den Real gläubigem und 
und dem Ersteher ausschliefsen werde. 

Nach § 938 Abs, 1 ist der Ersatzanspruch des Besitzers wegen Ver- 
wendungen dadurch bedingt, dafs der Eigentümer die Sache, sei es durch 
Herausgabe Ton seiten des Besitzers, sei es auf andere Weise wiederer- 
langt. Daraus folgt einerseitSp dafs der Besitzer Tor der Wiedererlangung 
der Saehe durch den Eigentümer von diesem Ersatz nicht fordern kann, 



A n m 6 r k Q n g. Voraiugesetzt wird^ dafs m das GeAets, betruffeDd die ZwAiigrroll- 
■treckuDg in da« atibewegliche VennÖK«0) eine Vorschrift mufgeDommen wird^ oftch welcher 
der Beaitser deo ReftlgliublK^eru ntid dem Ersteher gegenüber einen ErSAtftanBpmcb wegeo 
YerweDdoRgen olcbt geltend inftcben kann. 

g 98^. Der Besitzer kjuin den Anspruch aaf Ersatz von Verwendungen nur geltuid 
mscbea , wenn der Eigentümer die Sache wiedererUngt oder die Verwendungen g«neh* 
migt. Solange die Genehmigung nicht erfolgt itit^ kann der Eigentümer die Geltend- 
ntachang des Anspruchi» dadurch aasschJieftten , dafs er die wiedererlangte Sache lurQck- 
giebt. Die Genehmigung gilt aU erteilt, wenn der Eigentümer die ihm von dem Besitaer 
unter Vorbehalt des Anspraeba aagebotene Sache angenommen bat. 

Hat der Besitaer die Sache dem Eigentümer herausgegeben, »o erlischt der Anspraeli, 
wenn er nicht vor dem Ablauf eines Monats, bei einem Ornndstiicke vor dem Ablaufe 
von tech» Monaten nach der Heraujigabe gerichtlich geltend gemacht wird, es sei denn, 
dafs der Eigentümer die Verwendungen genehmigt hat. 

Zur BerauBgabe der Sache ist der Beaitser nur gegen Befriedigung des Anaprnelis 
verpflichtet; das Zurück behaltungarecht ist aasgejchlossen , wenti der Besitaer die Sache 
durch eine vorstttzlich beganiprene uoerJaubte Handlung erlangt bat 

§ 938 a. Der ße»it29r kann den Eigentümer unter Angabe der H5he des als Eraati 
verlangten Betrags aoffordem, innerhalb einer von ihm bestimmten angemessenen Frist 
sich darüber au erkiirsn, ob er die Verwendungen genehmige. 

Erfolgt die Genehmignag nicht vor dem Ablaufe der Frist, so ist der Besilieir 
berechtigt, Befriedigung aus der Sache »aeb dfo Vorschriften über den Pfand verkaufi be! 
einem Qmiidstticke nach den Vorschnftan über die Zwaagsvollstreckung in das unbeweg* 
liehe Vermögen zu sucheo. 

Bestreitet der Eigentümer den Ansprach vor dem Ablaufe der Prtst^ so kann sich 
der Beaitser aus der Sache erst dann befriedigen t wenn er nach rechtskräftiger Peststel- 
iang des Betrag« der Verwendungen den Eigentümer unter Bestimmung einer angemessenen 
Frist lur Erklixung aufgefordert hat and die Genehmigung nicht inaerbalb der Frist 
erfolgt ist 



KitJopftlgkonomtocha Geietsgebiiog. 73 

«dg ro wa it i, dab im Beritier mit der Wiedererlangung ein für allemal 
iao Snatianspmoh erworben hat. Die EommiBsion billigte die YorBchri^ 
im Aba. 1, hielt aber im Interesse des Besitzers auf der einen, des Eigen- 
tuiera auf dar anderen Seite eine Modifikation der beaeichneten Folge- 
nugan fllr ndtig. Was aunftohst den Eigentümer betrifft, so könnte 
dieaar tehwer gesohftdigt werden, wenn er infolge der Wiedererlangung 
dar Saehe unbedingt sum Ersatz aller notwendigen Verwendungen yer- 
pfliehtat w&de. Gerechtfertigt erschien eine solche Haftung nur in dem 
Falle, wenn der Eigentümer die ihm vom Besitser unter Vorbehalt seines 
Ersatsantpruchs angebotene Sache diesem abgenommen hat; in der solcher- 
geetalt orfolgtan Abnahme kann eine Genehmigung der Verwendungen durch 
daa Sigantümer gefunden werden. Die Redaktionskommission will dem- 
gamils jede anderweitige Genehmigung der Verwendungen durch den 
Bigentümar der in der bezeichneten Art erfolgten Abnahme der Sache 
in der Wirkung gleichstellen; der Besitzer soll also durch die Genehmigung 
iteia einen unbedingten Ersatzanspruch erhalten. In den Fällen dagegen, 
m denen dar Eigentümer die Sache entweder nicht yom Besitzer selbst 
gozftekampIlBngen hat oder zwar yon diesem, aber ohne dafs derselbe sich 
bei dar Heransgabe seinen Ersatzanspruch vorbehalten hat, und in denen 
der Eigentümer die Verwendungen auch nicht anderweit genehmigt hat, 
beaahloCa die Kommission, seine Haftung in doppelter Weise zu erleichtem. 
Kr eoU sunäohst das Recht haben, die Sache an den Besitzer mit der 
Wirimng zurückzugeben, dafs dieselbe Rechtslage wieder eintritt, welche 
bealand, beror er die Sache wiedererlangte, d. h. dafs der Besitzer ron 
Sun nicht Ersatz fordern kann. Weiter soll der Eigentümer, auch wenn 
er die ihm yom Besitzer herausgegebene Sache behält, von der Haftung 
frei werden, falls der Beaitzer seinen Ersatzanspruch nicht innerhalb 
eines Monats, bei Grundstücken nicht innerhalb sechs Monaten gericht- 
lieh geltend macht 

Anlangend den Besitzer, so ergiebt sich für diesen aus der Vorschrift 
des § 938 Abs. 1 eine sehr mifsliche Lage. Der Abs. 2 legt ihm zwar 
wegen seines Ersatzanspruchs das Zurückbehaitangsrecht bei, d. h. das 
Recht, die Herausgabe der Sache bis zur Befriedigung seines Ersatzan- 
spmohs zu yerweigem. Diese yon der Kommission gebilligte Bestimmung 
yerhilft dem Besitzer aber nicht zur Befriedigung, wenn der Eigentümer 
die Sache nicht zurückerlangen will. Es nützt dem Besitzer auch nichts, 
wenn er die Sache dem Eigentümer anbietet. Verweigert dieser die Ab- 
nahme, so kommt er zwar nach § 941 in Verzug; der Besitzer kann je- 
doch deshalb yon ihm nicht Ersatz seiner Verwendungen verlangen, er 
darf sieh femer der Sache nicht entäufsem, muTs sie weiter als fremde 
behandeln und bleibt fortdauernd dem Herausgabeanspruch des Eigen- 
tümers ausgesetzt. Die überwiegende Mehrheit der Kommission erblickte 
in dieser Regelung eine grofse Härte für den redlichen Besitzer, und es 
wurden mannigfache Vorschläge zur Abhilfe gemacht. Einer derselben 
ging dahin, den Eigentümer, falls er die Abnahme der Sache gegen Be- 
friedigung des Besitzers yerweigert, das Eigentum zu Gunsten des Be- 
sitzers yerlieren zu lassen; dieser Vorschlag erschien jedoch dem Eigen- 
gegenüber übermäXsig hart. Die Kommission beschlofs dagegen nach 



74 



NtttiQiialSkonomische Gesetegebaog, 



eingehender Kr^rteruc^, dem Besitzer da« Hecht zu gehen, seine Befried!* 
guQg aus der Sache zu suohen, falls der Eigeatümer auf die Auffordarung 
des Besitzers, die Sache gegen Befriedigung desselben abzunebmeti , ihn 
nicht binnen einer ihm vom Besitzer gesetzten angemessenen Frist be- 
friedigt* Man war nach Prüfuog aller Anträge der Ansicht, dafs durch 
diese Bestimrautig der erforderliche Schutz des Besitzer« auf die Verhältnis- 
müfsig b&ßte und einfachste Art erreicht werde. (VergL im einzelnen de« \ 
§ 938a der Zusammenstellang, io welchem der Gedanke des BesohloMet * 
wieder ebenso wie in § 938 Terailgemeinert ist.) 

Der § 939 giebt dem redlichen Besitzer einer beweglichen Saohe, 
der dieselbe entgeltlich erworben und nur deshalb nicht das Eigentum 
an ihr erlangt hat« weil sie gestohlen^ Yerloren oder sonst ohne den 
V^illen eines früheren Besitzers aus dessen Besitze gekommeo war, dem 
die Sache zurückrerlangenden Eigentümer gegenüber den sog. Losung«* 
anspruch, d. h, den Anspruch auf Ersatz desjenigeu, was er für die Bache 
dem VerÄufserer geleistet oder noch zu leisten hat. Die Kommiision 
strich diese Bestimmungp Sie zog in Betracht» dafs der Entwurf, indem 
er den redlichen Erwerber in der Regel das Eigentum erlangen lasae und 
ilin daneben in den Ausnahmefällen allgemein durch den Lösungsanspruoh 
schütze, im geltenden Recht keinen Vorgang habe und «ich bezüglich Amt 
HeKelung dieser Ausnahmefalle einer Halbheit schuldig mache. Der 
Lösungsanspruch sei geeignet, zum Schutze der Hehlerei zu dienen und 
dem unredlichen Besitzer einen gewissen Vorschub zu leisten, er führe 
zu Tielen Streitigkeiten und stelle den bemittelten Eigentümer in Bezug 
auf die Verfolgung seines Rechts günstiger als den unbemittelten. Diesen 
Bedenken gegenüber erschien die Öilligkeitsrücksicht auf den redlichen 
Erwerber nicht ausreichend^ um die Beibehaltung des Lös ungsan Spruchs 
zu rechtfertigen. Ebenso wie der § 939 wurde auch die Vorschrift des 
§ 940 über den Lösungsanspruch desjenigen, der eine bewegliche Sache 
in gutem Glauben von einem Nichteigentümer als Pfand genommen hat, 
gestrichen. Man war dabei aber einverstanden, dafs den Landesgesetzen H 
gestattet sein müsse, gewerblichen Pfandleihem und Pfandleihinstituten ^ 
eben dem § 940 entsprechenden Schutz zu gewähren, und behielt «ich 
vor, den Art 47 des Entwurfs des Einführungsgesetzes nötigenfalls in 
diesem Sinne zu verdeutlichen. 

Die Bestimmung de« § 941, dafs der Eigentümer gegenüber einem 
Besitzer, der wegen Verwendungen Ersatz verlangt, auch dann in An* 
nahmevorzug kommt, wenn er zwar die Sache anzunehmen bereit ist, 
aber nicht Befriedigung oder Sicherstellung des Ersatzanspruchs anbietet» 
wurde gleichfalls gestrichen. Ein Teil der Mehrheit hielt die Bestimmung 



I 930 gestrichen. ' 

§ 940 Ke^trieheo. 

Anmerkittig. K» wird dftvoD «usgegmogeo, dar» nftch Art. 47 de» Entwurfes dt« 
EinnihraDg9ii;e3>etse!i die lftxideag«9etsllcfaeo Vor»chrift«D aaeh insoweit aobenibrt bleibtn, 
»Is ajicK den^elbea die i^o werblieben PfAndl^iher und PCsndlelbAn»talteii die bei ibnaa 
verpHiodetea SecboD dem Ei^entSiaer nur gegen BesAblaog der auf die Sacben gegebenen 
Darlehen h^rftustufroben braachAii, 

f Sil gettricben. 



MatioiiAlökoiiomiMh« G«Mtsgebiiiig. 75 

fldt Bfteknoht Mif den § 266 für felbsirentändliohy ein anderer Teil dagegen 
für oBTereinbar mit der zu § 938 besohlossenen Vorschrift» durch welche 
an die Weigerung dee Eigentümers, die Sache unter Berichtigung des 
Verwendangianspmchs abzunehmen, eine Tom § 256 abweichende Bechts- 
folge geknüpft ist Des § 942 ist scbon oben Erwähnung geschehen. 

Die Kommiaaion kam aodann auf die bisher Torbehaltene Präge zu- 
rück, ob über das Verhältnis des Eigentümers zum mittelbaren Besitzer 
eine Bestimmung aufgenommen werden solle. Es wurde Torgeschlagen, 
auf dieaea TerhUtnis die für das Verhältnis des Eigentümers zum (un- 
mittelbaren) Besitzer besohlossenen Vorschriften ganz oder teilweise für 
estapredhend anwendbar zu erklären. Die Minderheit erachtete diese Vor- 
aohläge für nicht vereinbar mit der Auffassung yom Wesen des mittel- 
baren Beaitzea, auf Grund deren bei § 929 ein Anspruch des Eigentümers 
auf Einräumung des mittelbaren Besitzes abgelehnt worden sei. Die 
Mehrheit teilte diese Ansieht nur insoweit, dafs sie von einer Bezugnahme 
aof den § 929 absah, um nicht den Sinn ihres zu § 929 gefafsten Be- 
Bchlnaaes zu yerdunkeln. Dagegen beschloOi sie, die Vorschriften über 
die Haftung des Besitzers für Nutzungen und Schäden und über seine 
Eraatssmsprüche wegen Verwendungen auf das Verhältnis des Eigentümers 
zom mittelbaren Besitzer für entsprechend anwendbar zu erklären, sie 
hielt die entspreohende Anwendung nach den jenen Vorschriften zu Grunde 
liegenden Gedanken für innerlich gerechtfertigt und erachtete im Interesse 
der Frazia für erforderlich und angemessen, die in Bede stehende Frage 
im allgemeinen, jedoch ohne ein Eingehen auf Einzelheiten, ausdrücklich 
n entacheiden. 

Die Bestimmungen des § 948 über den (negatorischen) Anspruch des 
Big«ntümerB in dem Falle, wenn sein Becht auf andere Weise als durch 
Entziehung oder Voreuthaltung des Besitzes beeinträchtigt wird, blieben 
unbeanstandet. Der Landeigesetzgebung behielt man vor, in Bezug auf 
Eisenbahn-, Dampfschiffahrts- und andere Verkehrsuntemehmungen mit 
Rücksicht auf das öffentliche Interesse an der Fortfuhrung des Betriebes 
den aus § 943 folgenden Anspruch der benachbarten Grundeigentümer 
auf Einstellung des Betriebes nach dem Vorbilde des § 26 der Gewerbe- 
ordnung auszuschlielsen. Der § 944, welcher den § 942 und den § 73 

§ 942 Tergl § 929 a. 

§ 942«. Auf dM RechUverhältnU zwischen dem Eif^eDtfimer und dem mittelbaren 
Besitzer finden die Vorschriften der §§ 929 b bis 938 a enUprechende Anwendanf^. 

§ 94S. (948, 944.) Wird das EiKeutum in anderer Weise als durch EntziehunK 
oder Vorenthaltuog des Besitzes beeinträchtigt, so kann der Eigentümer von dem Störer 
die Beseitigung der Beeintrichtignng verlangen Sind weitere Beeintrfichtigangen zu 
besorgen, so kann der Eigentümer auf Unterlaasong klagen. 

Der Ansprach des Eigentümers ist ausgeschlossen, wenn der Thäter dem Eigentümer 
gegenüber sor Vornahme der Handlung berechtigt war. 

Anmerkong. In dem Entwarf des EinführungsgeseUes soll geeigneten Ortes 
bcatiinmt werden : 

Unberührt bleiben die landesgesetslichen Vorschriften, nach welchen die Vorschrift 

des § 26 der Gewerbeordnung auf Eisenbahn-, Dampfschiffahrts- und ähnliche Ver- 

kehrsoDtarDehmungen erstreckt wird. 

§ 944 vergl. § 948 Abs. 2. 

Anmerkung. Im Art II des Entwurfes des Ein führ ungsgesetses soll die Civil- 
pros^ftordnung dahin ge&ndert werden: 



76 



N&tioQAlökoDomifiche Gesetigfebmif?. 



der O.P.O. auf den negatorischen Ei gen tu msan Spruch für entaprecheö^ 
Jin wendbar erklärt, wurde sachlich gebilligt; den auf den §73 beziigücheu 
Teil verwies man jedoch in die Civil prozefs Ordnung, Der § 73 eelbst 
wurde mit der in «weiter Lesung angenommenen Gestaltung der Beiiüe- 
Torschriften in Einklang gebracht. 

Eine wesentliche Aenderun^ erfuhr der Entwurf sodann durch den 
Beschlurs, eine Eigentumaverroutung zu Gunsten des gegenwärtigen und 
des frühereD Besitzers einer beweglichen Sache für die Dauer des Be- 
sitzes aufzustellen. Der Beschlufs bezweckte in erster Linie einen er- 
weiterten Schutz des gegenwärtigen Besitzers. Nach dem Entwurf 
genügt diesem gegenüber zur Begründung des Anspruchs auf Herausgabe 
der Sache der Nachweis» dafs der Kläger einmal das Eigentum erworben 
hat; der Besitxer mufs zur Abwehr des Anspruchs, sofern er nicht Ver- 
jahruDg oder gemäfs § 942 ein Kecht zum Besitze einwenden kann» dar- 
thuut dafs da^i Eigentum des Klägers nicht mehr fortbesteht, gegebenen- 
falls dafs er seihet Eigentum erworben hat. Die Mehrheit erblickte in 
dieser Regelung eine unerträgliche Gefährdung des Besitzers und hielt et 
der natürlichen Anpassung Ton der Bedeutung des gegenwärtigen Bedtzes 
für entsprechend, in Ueberein Stimmung mit der Anschauung des deutschen 
Rechts, dem französischen und dem Handelsrecht zu Gunsten des gegen- 
wärtigen Besitzers eine EigentumsTermutung aufzustellen. Die Yermutung 
soU für Geld und Inhaberpapiere ausnahmslos gelten^ bei anderen beweg- 
lichen Sachen aber fortfallen, wenn der Kläger nachweisti dafs die Sache 
gestohlen oder verloren oder sonst ohne den Willen des Besitzers aus 
dessen Besitz gekommen ist; deon diese Art des Besitzverlustes hat für 
den früheren Besitzer den Eigentumsverlust nicht zur Folge und schliefst 
einen Eigentumserwerb des gegenwärtigen Besitzers nach den Vorschriften 
über den redlichen Erwerb aus. In den Fällen, in denen die Eigentums- 
vermutung zu Gunsten des gegenwärtigen Besitzers ausgeschlossen oder 
vom klagenden früheren Besitzer widerlegt ist, eoll diesem die Eigen- 



1. Im § 7B sind statt der Worte ^,iiii N&m«Q eines Drilten^' zu ietB«D 
Im Ab&, 1 die Wort« ,,aQf Grutid eines Rechts irerbtl totstes der im § 824 d Abf. 1 
de» Bürf^erlichen Oesetabuchb bezeich Eieteti Art^*, 

im Abs. $ die Worte ,,tuf Grund data RechtSTerbfiJtuiiSfteB der im Abi. 1 bMeieb* 
neten AtV\ 
S. Als % 13tk wird fof|^eude Vorschrift eingestellt: 

Die Vorscbriften de» § 73 fiodeii entsprecbende Anwendunff wenn jem&ad ron 
dem Eigentümer einer Sftcbe wegen BeeintrKchti^n^ des Gigentums auf Orond einer 
Maudlung verklagt iftt, die er in Ausübung des Rechtes eines Dritten Torgenomman 
SU haben behauptet. 

§ 944 a. (867.) Befindet iich ein« bewegliche Sache auf etnem Grundstäcko, dfta 
ein anderer als der Eigentümer der Sache beaitxt^ so steht diesem gegen den BesiUer 
des OrondstÜcJis der im § 884 c bestimmte Anspruch lu 

§ 944 b. Es wird vermatet^ da/« der Besitzer einer beweglichen Saclie Eigeotüracr 
der Sttehe ist Zu Gunsten eines früheren Besitzers besteht die Vermatuog für die Z«it, 
während welcher er die Sache besessen hat 

Ist die Sache gestohlen oder verloren oder sonst ohne den Willen eines früheren Besitaers 
ans dessen Besitae gekommen^ so ist die Vermutung für das Eigentum des gegenwärtigen 
Besitiers dem früheren Besitzer gegenüber ausgescblosson. Auf Geld und Inhaberpapiere 
findet diese Vorschritl keine Anwendung. 

Im Falle eines mittelbaren Besitaes gilt die Vermutung fir den mittelbareo BeaiUer. 



NttionaUtkonomisohe GeMtigebang. 77 

tnrntTermatiiDg snr Seite stehen. Ist neben dem gegenwärtigen oder 
frikheren Besitzer ein mittelbarer Besitzer yorhanden oder Torhanden ge- 
wesen, so soll die Yermatong für ihn gelten. 

Der § 945 giebt dem redlichen Eigenbesitzer einer beweglichen Sache 
im AnsehlnCs an die gemeinrechtliche actio Pabliciana einen eigentnm- 
ihnlichen Schutz , indem er die Bestimmangen über die Ansprüche des 
Eigentümers zu seinen Gnnsten für entsprechend anwendbar erklärt Die 
Mehrheit der Kommission hielt einen auf den Eigenbesitzer be- 
schränkten publicianischen Schatz neben der beschlossenen Eigentumsyer- 
rnntuDg für entbehrlich. Dagegen nahm sie an, dafs auch neben den An- 
sprüchen ans dem Besitz, einer ungerechtfertigten Bereicherung und einer 
onerlanbten Handlung ein Bedürfnis bestehe, dem irüheren Besitzer 
einer beweglichen Sache, also z. B. auch dem Mieter, dem Einder, 
einen dem preufsischen Recht nachgebildeten Schutz gegen den schlechter 
berechtigten gegenwärtigen Besitzer, zu gewähren, d. h. stets gegen den 
anredlichen, unter gewissen Voraussetzuqgen auch gegen den redlichen 
Bedtier. Man yersagte diesen Schutz jedoch dem früheren Besitzer nicht 
nur im Falle bdsgläubigen Besitzerwerbes, sondern auch dann, wenn er den 
Besitz aulgegeben hat, weil er damit sein Verhältnis zur Sache selbst ge- 
löst habe. 

Aus der Zeit, auf welche sich dieser Bericht erstreckt, ist zum Schluls 
Doeh ein für die Zusammensetzung der Kommission bedeutsames Ereignis 
lu erwähnen. Am 80. April y. J. starb der Vorsitzende, Staatssekretär 
des Beichsjustizamts Hanauer. Inzwischen ist durch einen BeschluTs 
des Bundesrats die Frage des Vorsitzes dahin neu geregelt worden, dafs 
dem bisherigen stellyertretenden Vorsitzenden Königl. preufis. Geheimen 
Ober-Jnstizrat Küntzel der Vorsitz übertragen, dem neu ernannten 
Staatssekretär des Beichs- Justizamts Wirkl. Geheimen Rat Nieberding 
jedoch das Recht yorbehalten ist, an einzelnen Sitzungen der KommissioD, 
in denen Fragen yon besonderer politischer Bedeutung zur Beratung 
•tehen, mit Stimmberechtigung teilzunehmen und in denselben den Yor- 
•itz zu führen. 



§ 945. Wer eine bewegliche Sache im Besitze gehabt hat, kann yon dem Besitser 
die Herausgabe der Sache yerlangen, wenn dieser bei dem Erwerbe des Besitzes nicht 
in gntem Glauben war. 

Ist die Sache gestohlen oder yerloren oder sonst ohne den Willen des früheren Be- 
sitzers ans dessen Besitze gekommen, so findet der Anspruch auch gegen einen gutglftu- 
bigen Besitzer statt, es sei denn, dafs dieser der Eigentämer der Sache ist oder dafs ihm 
der Besitz in gleicher Weise wie dem früheren Besitzer yor dessen Besitzzeit abhanden 
cekommen ist. Auf Qeld oder Inhaberpapiere findet diese Vorschrift keine Anwendung. 

Der Anspruch ist ausgeschlossen, wenn der frühere Besitzer bei dem Erwerbe des 
Besitses nicht in gntem Qlauben war oder wenn er den Besitz aufgegeben hat. Im übrigen 
finden die Vorschriften der §§ 929 a bis 942 a entsprechende Anwendung. 

§ 945 a. Die Vorschrift des § 945 findet zu Qunsten eines früheren mittelbaren 
Besitzers entsprechende Anwendung. 



78 NatioiiAlÖkoiiomiftoh« GeMtigebiuig. 



IL 

Die Oj^anisation des Handwerks und die Begelung des 

Lehrlingswesens. 

Von Dr. Thilo Hiimpke, Altona. 

Am 15. Augast 1893 hat der Herr Minister für Handel and Ge- 
werbe, Freiherr Ton Berlepsch, ein Schreiben an die Ober-Präsidenten 
der preufBisohen Provinzen gerichtet, in welchem er diesen 

A. Vorschläge für die Organisation des Handwerks, 

B. Vorschläge für die Regelang des Lehrlingswebens 
im Handwerk 

zar Begutachtung unterbreitet Der Herr Minister nennt diese Vorschläge 
selbst das unTerbindliche Ergebnis Torläufiger Erwägungen. Dieselben 
geben im wesentlichen nur die Grundlage für weitere Erörterungen, bei 
denen die Auslassungen der Behörden und die Ton der Oeffentlichkeit cu 
erwartende Kritik gewürdigt und berücksichtigt werden sollen. Am 
18. August ist dann das Rundschreiben im Staatsanzeiger zur Veröffent- 
lichung gelangt. Der Herr Minister hat dadurch ausdrücklich bekundet, 
dafs er eine möglichst vielseitige Kritik seiner Vorschläge wünscht. 

Diese Handlungsweise verdient die gröfste Anerkennung, die ihr 
leider bisher nur in bescheidener Weise zu teil geworden ist Der Herr 
Minister hat durch seine Veröffentlichung ausdrücklich gezeigt, dafs das 
etwa zu erlassende Gesetz nicht am grünen Tische gemacht werden 
soll, sondern dafs den Interessenten der weiteste Spielraum geboten werden 
soll, ihre Wünsche und Ansichten zur Geltung zu bringen. 

Die Kritik hat sich auch in sehr ausgedehnter Weise der neuen 
Vorschläge bemächtigt. Wer jedoch die bisherigen kritischen Aeufserongen 
der Presse verfolgt, kann leider nur konstatieren, dafs diese Be- 
sprechungen an Sachlichkeit, wenn auch nicht alles, so doch sehr viel 
cu wünschen übrig lassen. Die in der Tagespresse bisher laut gewordenen 
MeinuDgsäufserungen verraten aufs deutlichste, dafs die Bekanntschaft 
mit dieser Materie aufserhalb der Fachkreise noch eine äufserst mangel- 
hafte ist ; man stöfst dabei auf die stärksten Irrtümer und Mifsverständ- 
nisse. Es ist diesen Dingen von jeher nur eine sehr geringe, ja, man 
kann sagen, so gut wie gar keine Beachtung geschenkt worden. 

Za den vielen falschen Auffassungen, denen wir wiederholt begegnet 
sind, gehört z. B. die, dafs die genannten Vorschläge, weil von einem 



NatioiiAldkonomiseb« Gafetsgebmi^. 79 

preaÜMSclien Ressortminister ausgegangen, sich lediglich auf PreuTsen be- 
zögen und es sich demnach nur um die Errichtung preufsischer Gewerbe- 
kiiDmem u. s. w. handle. Dafs sie aber yielmehr sur Vorbereitung eines 
Reichsgeeeises dienen sollen, hätte man auch bei nur flüchtigem Durch- 
leben schon daraus ersehen können, dafs darin an mehreren Stellen dem 
Bundesrate gewisse Befugnisse yorbehalten werden; zudem ist für den 
gröfsten Teil der darin behandelten Gegenstände überhaupt nicht die 
pirtikularstaatliche, sondern nur die Eeichsgesetzgebung zuständig. 

Um kurs auf die Entstehung des Entwurfes zur Organisation des 
Hiodwerks einzugehen, so ist zu bemerken, dalis sich die Regierung be- 
raiti seit mehreren Jahren mit dieser Frage beschäftigt 

Gelegentlich der ersten Interpellation Hitze am 24. November 1891 
erklärte der Herr Staatsminister Dr. von Bötticher im Beichstage, dals 
die BegieruDg den Silagen des Handwerkerstandes durch eine Organisation 
des gesamten Handwerks Abhilfe schaffen wolle. „Wir denken uns", so 
fahrte der Herr Minister aus, „die Organisation des gesamten Handwerks 
ia der Weise, dafs wir Handwerker- oder Gewerbekammem errichten 
vollen, welche für die einzelnen Bezirke eingerichtet werden und denen 
der gesamte Handwerkerstand dieser Bezirke unterworfen, resp. an denen 
er beteiligt ist Die nähere Ausgestaltung dieses Gedankens kann ich 
Ihnen heate noch nicht entwickeln, auch hier habe ich zu sagen, dafs 
diese Entvirickelung meiner persönlichen Anschauung für Sie von keinem 
beienderen Werte sein dürfte, weil diese persönliche Anschauung natür- 
lich der Korrektur deijenigen Instanzen unterliegt, die sich, bevor die 
Siehe an den Eeichstag kommt, noch damit zu beschäftigen haben" ^). 

In deraelhen Bede hatte kurz vorher der Herr Minister die Ein- 
fihning der obligatorischen Innung und die Einführung des Befähigungs- 
Bichweiaes nsu^h seiner und nach der Ansicht des preufsischen Ministers 
für Handel und Gewerbe für nahezu unmöglich bezeichnet. Der Eedner 
betonte, dafs in dieser Beziehung der Bundesrat keine Beschlüsse gefafst 
habe, dafs aber die Frage wegen der Wiedereinführung des Befähigungs- 
nichweisea in einem Hundschreiben bei den sämtlichen Bundesregierungen 
inr Sprache gebracht worden sei und dafs das Ergebnis dieser Umfrage 
äthin gehe , dafs die Regierungen sich nicht für die Wiedereinführung 
des Betähigungsnacbweises erwärmen können ^). 

Diese klare ablehnende Stellungnahme des Ministers gegenüber den 
beiden Hauptforderungen der Handwerker hatte jedoch nicht den ge- 
wünschten Erfolg, denn auf dem Deutschen Innungs- und allgemeinen 
Hsodwerkertage, der vom 14. bis 17. Februar 1892 in Berlin stattfand, 
blieben die Handwerker auf diesen ihren Kardinalforderungen bestehen. 

Da die von dem Minister von Bötticher in Aussicht gestellte Vor- 
lige wegen Organisation des Handwerks dem Beichstage nicht so scbDell 
nging, wie die dem Handwerk befreundeten Parteien erwartet hatten, 
10 stellte der Abgeordnete Hitze, wiederum am 6. Dezember 1892, eine 



1> Thilo Hampke, Handwerker- oder Gewerbekammem V Ein Beitrag zur Lösung 
icr gewerblicben Organisationsfragef Jena 1893, S. 142 fg. 

2) Stenographische Berichte über die Verhandlungen des Reichstages, 8. Legislatur- 
ptriodt, I. Session 1890/92, V. Bd. 125. Sitznng, S. 8019 fg. 



80 



fatißalSkaDOtuiscIiQ Geaetzg«btiDg, 



laierpelleition an die Regierung» am zu erfahren , wie weit diese mit 
ihrem Organieationeplane gekommen ftei^). 

St&atamiüister Br. yod Bättioher beantwortete diese Anfrage* Er 
erklärte, dafd das Reichsamt des Innern und das preu^iaohe Handelt- 
miniflterium keineswegs die Hände in den Schofs gelegt hätten und dafs, 
wenn die Sachen bis heute nicht spruchreif lur das Haus wären^ dann 
die Sobald nicht an der Kegierungf sondern an den Schwierigkeiten liege^ 
wtdche die Frage biete. Vorschläge seien für die Organiiution des Hand* 
Werks und für die Regelung des LehriiDgäwesens als Torläu£ge Grundlage 
aufgestellt« lieber diese YorsclUäge sei bereits mit sachverständigen 
Interessenten aue den gewerbetreibenden Kreisen verhandelt und swar 
in neuester Zeit ^). Das Protokoll enthalte wertvolle und ausgiebige 
kritische Bemerkungen z\i Jenen Vorechlägeo, die nun zu Vurlagen ver- 
arbeitet werden sollten. 

Die verbündeten Regierungen, erklärte der Redner, hätten jedoch 
noch keine Stellung zur Organisation sfirage genommen. Bei der Organi- 
sation gehe die Absicht dahin, das gesamte Handwerk in Handwerker- 
kammern zusammenzufassen I weiche territonal abgegrenzt sind» Diesen 
Handwerkerkammern sollten gewisse obligatorische Funktionen beigelegt 
werden, uamenÜich gewisse Belugnisse bei Regelung des Lehrlingiwesens^ 
die Erstattung von Gutachten^ welche über gewerbliche Fragen von den 
Behörden gefordert werden, die periodisohe Berichterstattung Eber die 
Lage des Handwerks, die Aufsicht über die Durchführung der für die 
Ausbildung und Behandlung der Lehrlinge erlassenen Yorsohriften and 
die Mitwirkung bei der Ueberwachung der auf den Arbeiterschutas be- 
züglichen Bestimmungen der Gewerbeordnung. Daneben sollten den Hand- 
werkerkammern gewisse fakultative Befugüisse zustehen, welche sich be- 
ziehen auf die zur Förderung des Kleingewerbes geeigneten Einrichtungen 
und Mafsnahmen uod welche dahin zielen^ dafs sie solche Mafanahmen 
auch bei den kompetenten Behörden anregen dürfen* Dann werde eine 
weitere Fakultät ihnen dahin beigelegt werden, die zur Förderung des 
Kleingewerbes geeigneten Einrichtungen und Mafsnahmen zu beraten und 
anzuregen, Veranstaltungen zur Förderung der gewerblichen, sittlichen 
und techniHchen Aasbildung der Gesellen, Gehilfen und Lehrlinge zu 
treffen und für einzelne Gewerbe oder Gewerbegruppen Prüfungsausechüase 
mit der Aufgabe zu errichten, diejenigen Lehrlinge, welche es bean- 
spruchen» bei Beendigung der Lehrzeit einer Prüfung zu unterziehen 
und über den Erfolg dieser Prüfung Zeugnisse auszustellen. Weiter 
solle ihnen der Erlafs von Vorschriften zugestanden werden über das 
Verhalten der Lehrlinge, die Art und den Gang ihrer Ausbildung, sowie 



1) Steuogrspliische Bericht« Über dU VerhAndtuogen dea Ealcfatftges, j VIII. L«fi*«j 
likHirpeTiode, U. Se^siciD 1892/93 I. Ud. 9. SUsuDg, S. Sfi3 fg. 

2} Diese VerbaadluDgea fnaden mm 25* und 2$, November in Berlin im Beichuml^ 
de» lüDern statt. SftchTerstäodige waren Fabrikbesitzer Berghnuäcn-KolD, Vorsitzender 
des Verbandes deatjfcher GewerbeToreine» Dr. Brehmer^LÜbeckf SekretAr der Lübecker 
Gewerbekaunncrr , Nagel- Hambiirg, Sekretär der Uambnrger Gewerbekammer , Stampf- 
Osnabrück , Sekret&r der Oanabrücker Daudeljücammer^ und Dr. Schal i, G^eralaelLfetir 
des Zentral aasschoBsei der vereSnigten InnungsTerbinde Deotacbiands. 



Hatioiuü^kononiUche (^M^tsgebniig. g]^ 

aber den Besuch der Ton ihnen errichteten Fach- und Fortbildungs- 
schulen, soweit dieser Besuch nicht durch Gesetz oder Statut geregelt ist^ 
endlieh über^die Anmeldung der Gesellen, Lehrlinge und Arbeiter. 

y^Sie sehen", so fahr der Herr Minister fort, „dafs wir für die Kom- 
petens der Gewerbekammem einen sehr weiten Kreis gezogen haben, und 
das haben wir thun cu müssen geglaubt, weil wir den Gewerbekammern 
Tor allen Dingen eine lebenstüchtige und lebensvolle Thätigkeit sichern 
wollen. Uni hat selbstverständlich die Frage, wie die Innungen in dieser 
Organisation einzugliedern sein möchten, lebhaft beschäftigt. Es besteht 
bei uns beiden Ministem, die wir zunächst uns mit der Sache beschäftigt 
haben, nicht das Bestreben, die Innungen aus der Welt zu schaffen oder 
ihnen das Dasein zu erschweren. Im Gegenteil, wir stehen beide auf 
dem Standpunkte, dafs wir die Zusammenfassung des Handwerks zu wirt- 
schaftlichen Zwe<^en als durchaus löblich und nützlich ansehen. £s wird 
lieh unseres Erachtens ermöglichen lassen , den Innungen innerhalb der 
neu in Aussicht genommenen Organisation eine Stelle anzuweisen.'' üeber 
die Einzelheiten liefs sich der Minister jedoch nicht aus. Er ging dann 
auf die Unterfragen ein, z. B. auf das Wahlrecht und auf die Abgrenzung 
rüoksiehtlieh des Kreises der Beteiligten, namentlich die letzte Frage be- 
zeichnete er als sehr schwierig, denn was sei heute Handwerk. Hin- 
nehtlich dieses Punktes werde man wahrscheinlich zu keinem anderen 
Ergebnis kommen, als dafs hier, wie bei der Unfallversicherungsgesetz- 
febong, zu einer mechanischen Begrenzung geschritten wird. Sodann ging 
der Minister auf die das Lehrlingswesen betreffenden Fragen ein. Zum 
Sehluls bat der Bedner, der Regierung Zeit zu lassen, damit sie mit 
ordentlichen, gut vorbereiteten Yorschlägen vor das Haus kommen könne. 

In dem ersten Entwürfe, von dem der Herr Minister hier ge- 
•prochen hatte, war noch nicht an Fachgenossenschaften gedacht worden. 
Dieser erste Entwurf sollte mit den Abänderungsvorschlägen, die in der 
Kommission am 25. und 26. November von den Sachverständigen ge- 
macht waren, zu einem neuen Entwürfe umgearbeitet werden. 

Der erste Entwurf war, obgleich er nicht offiziell publiziert wurde, 
doch ziemlich bekannt geworden, und die Presse hatte bereits angefangen, 
an diesem Kritik zu üben. Der hanseatische Gewerbekammertag, der 
vom 18. bis 20. Januar 1893 in Lüneburg stattfand und an dem neben 
dem Generalsekretär der vereinigten Innungsverbände Deutschlands auch 
ein][höherer Beamter des Königlich Preufsischen Handelsministeriums teil- 
nahm, beschäftigte sich ausschliefslich mit der gewerblichen Organisations- 
frage. Eine zweite Konferenz, zu welcher der Zentralausschufs der 
deutschen Innungsverbände die Einladung übernommen hatte und die am 
3. und 3. März 1893 in Berlin stattfand, beschäftigte sich ebenfalls mit 
der Frage. Auch diese Verhandlungen wurden vertraulich behandelt. 
Man besehlofB, die Innungen und Innungsverbände zu erhalten und weiter 
auszubauen, da man nur in ihnen eine feste Stütze des Handwerks er- 
blicken könne. Vor allen Dingen sei es nötig, dafs denselben mehr, als 
bisher, Förderung von selten der staatlichen Behörden zu teil werde. 
Die Handwerk erkammem nach dem Vorschlage der Begierung aber — auch 

Mite Folce Bd. VH (LZII). 5 



82 



Kfttioiuildkotioiiiltelie GeMtsgibnnir. 



darüber war man einig — könne man nicht als geeignet ansehen, di8 
Innungen zu ersetzen^). 

Alle die in der Breese und in diesen und vielen anderen Veraamm* 
langen herYortretenden Anaiohtezi Bind von der Kegierung erwogen worden, 
nnd so sind wohl die mannigfachen Abweichungen , entstanden die der 
jetzige neue Entwurf gegenüber dem früheren aufweist. 

Die grör^te Abweichung besteht darin, dafs mau jetzt auTeer Hand* 
werkerkammern auch noch Faohgenossenschaften schaffen will, denn Punkt I 
der Yorachläge über die Organisation des Handwerks sagt: f^Znt Wahr* 
nebmung der Interessen des Kleingewerbes sind FaohgeDORsenschaften und 
Handwerkskammern cu errichten. Die Errichtung der Fachgenossen- 
schaften erfolgt inoerhalb der Bezirke der Handwerkskammern, Die Ab- 
grenzung dieser Bezirke wird nach Anhi>rung beteiligter Gewerbetreibender 
von der Landescentralbehörde bestimmt** 

Folgen wir dem neuen Organi Baiionsentwurf und treten wir deshalb 
zunächst an die Faehgenossenschaften heran. 



L Faehgenotsensohaften. 

Zaatändigkeit. 

IL 

Mit Ausnahme des Handels und der in §§ 29—30, 31 — 57 der Ge- 
werbeordnung aufgeführten Gewerbe, aber ein schlief «lieh des Musiker- 
gewerbes, soweit es höhere kiinstlerieche Interessen nicht Terfolgt, gehören 
den Fach genossen Schäften alle Gewerbetreibenden an, wekbe ein Hand- 
werk betreiben oder regelmäfsig nicht mehr als 20 Arbeiter beschäftigen. 

Durch Beschlufs des Bundearates kanu für bestimmte Gewerbe die 
BeiehäfligUDg einer geringeren Zahl von Arbeitern als Grenze festgesetzt 
werden. (Diese Faohgeno&gcnschfiften Bollen also Zwangsorganisationen sein«)^ 

Durch Beschlufs des Bundesrats können bestimmte Gewerbe tod der 
Zogehörigkeit zu den Fach gen o äsen sohaften ausgenommen werden* Der 
Beschlufs kann auch für örtliche Bezirke erlassen werden. 

lieber die Errichtung sagt der Entwurf weiter: ^ 

Die Fachgenosdenachaften sind, soweit einzelne Gewerbszweige im 
Bezirke der Handwerkskammer hinreichend stark Tertreteu sind^ für diese» 
soweit dies nicht der Fall, für mehrere Gewerbszweige unter tbuntiohstef 
Berücksichtigung der Terwandten Gewerbe zu bilden. 

i 

Die Bildung erfolgt in ähnlicher Weise wie die Bildung der Be- 
ruf sgenossen schatten bei der UnfallTersicherang. 



t) Bericht der Bremisolien OewerbekamiDer über ibre ThitJgkdt in dsr Zdt Yon 
Aofang Mu 1898 bi* dahio 1893, erAUttet an d«D Gewerb ekonvent am 19* Hai 1893« 
BremeD 1893, S. 13 C 



VL 

Jedor (Gewerbetreibende gehört kraft Oesetses der Genossenschaft 
•eines Faches an. Gewerbetreibende, in deren Betriebe mehrere Gewerbs* 
sweige Tereinigt sind, sind der Fachgenossenschaft ihres Hanptgewerbs- 
sweiges loraweisen. 

Statut 

vn. 

Die FaehgenoBsensohaften regeln ihre innere Yerwaltnng sowie ihre 
GeediUUordnnng doreh ein Ton der GeneralTersammlong ihrer Mitglieder 
in beeehüelsendes Statut. Das Statut mufs Bestimmungen treffen über 

den Namen, Sita und Besirk der Fachgenoesenschalt, 

die Zusammensetsung, Wahl und Befugnisse des Vorstandes und der 
etwa XU bestellenden Ausschüsse, 

die Zusammensetsung, Berufong und Art der Beschlufsfassung der 
GeneralTorsammlung, 

die Bemessung und Yerteilung der Beiträge, 

das Rechnungswesen. 

Das Statut bedarf der Genehmigung der höheren Verwaltungsbehörde. 

Kommt ein BeschluÜB der GeneralTersammlung über das Statut nicht 
nstande oder wird die Genehmigung wiederholt yersagt, so erläfst die 
köhere Verwaltungsbehörde das Statut mit rechtsyerbindlicher Kraft. 

Organe. 

vm. 

Dem Vorstande liegt die gesamte Verwaltung der FachgenossenBchaft 
and die Wahrnehmung ihrer gesetiHohen Befagnisse ob, soweit nicht ein- 
lelne Angelegenheiten durch Gesets oder Statut der BeschluTsnahme der 
GeneralTersammlung Torbehalten oder besonderen Ausschüssen über- 
tragen sind. 

Der Beschlofsnahme der GeneralTersammlung sind Torbehalten: 

1) die Wahl der Mitglieder des Vorstandes und der Ausschüsse; 

2) die Wahl der Mitglieder der Handwerkskammer; 

3) die Feststellung des Etats, die Prüfung und Abnahme der Jahres- 
rechnung, die Bewilligung Ton Ausgaben, welche nicht im Etat 
Torgesehen sind; 

4) Abftnderungen des Statuts. 

Stimmrecht in der GeneralTersammlung. 
IX. 

In den GeneralTersammlungen der Fachgenossensohaft ist stimm- 
bereohtigt, wer das 95. Lebensjahr ToUendet und seit mindestens einem 
Jahr im Beiirke der Handwerkskammer ein der Fachgenossenschaft an- 
gehörendes stehendes Gewerbe betreibt. Personen, welche cum Amte 

6* 



84 



IS'atioiiidöktiiioiitiAcli« Ge*etsgQbtuif[* 



eines SchÖffan unfähig aind 
»md nicht stimmberechtigt. 



31, 32 des GerichteTtrfasatiBgtgeaetzeiU 



WählbaTkeit £u Aemtern. 
X. 

Zu. Mitgliedern des VoratandeB oder der AuMohütsa kÖDiien nur 
solche Angehörige der FachgeDosBenschatt gewählt werden^ welche da« 
30* Lebensjahr Tollendet, io dem der Wahl YorhergegaDgeoen Jahre für 
sich oder ihre Familie ArmenunterBtützUDg aus öffentlichen Mitteln nicht 
empfiangen oder die empfangene Armenunteratützang erstattet haben nnd 
im Bezirk der Handelskammer seit mindestens 2 Jahren ein der Fach- 
genossenschaft augehörendes stehendes Gewerbe betreibeu. 

PersoneD^ welche zum Amte eines Schöffen nnfähig sind, sind nicht ^ 
wählbar. 

Ehrenamtliche Stellung der Inhaber der Aemter* 

XL 

Die Aemter der Fachgen ossensoliaften sind Ehrenämter, Die Ceber* 
Qahme kann nur aus Granden Terweigert werden , aus denen die Wahl 
«um Beisitzer eines Gewerbegerichts abgelehnt werden durt 

Die Aufgaben der Fachgenoasenschaft werden in obligatorische 
fakoltatire onterschieden. 



Aufgaben, 
a) Obligatorisclie. 

XII 

Aufgabe der Faehgenossenschaft ist: 

1) Die Pflege des Gemeingeistes, sowie die Aufrechterhaltang 
Stärkung der Stand es ehre nnter den Genossen, 

2) Die Förderung eines gedeiklicheu Verhältnisses zwischen Meistern 
und Gesellen, sowie die Fürsorge für daa Herbergsweden der Gesellen und i 
fiir die Naohweisung der Gesellenarbeit. fl 

3) Die nähere Regelung des Lehrlingsweaens und die Fürsorge für^ 
die technische, gewerbliche und sittliche Auabildung der Lehrlinge, der 
Erlafs von Vorschriften über das Verhalten der Lehrlinge, die Art und 
den Gang ihrer Ausbildung, die Form und den Inhalt der Lehrverträge, 
sowie über die Verwendung der Lehrlinge aufserhalb des Gewerbes. 

4j Die Entscheidung über die zwischen den Mitgliedern der Fach- 
genosseuichaft nnd ihren Lehrlingen entatehenden Streitigkeiten, welche 
sich auf den Antritt, die Fortsetzung oder Aufhebung des Lehrverhält- 
nisaes, anf die gegenseitigen Leistungen aus demselben, auf die £rteilung 
oder den Inhalt der Arbeitsbücher oder Zeugnisse beziehen. 

b) Die Bildung von Prufung&aussohüisen für einzelne Gewerbe oder 
Gewerbegroppen zu dem Zwecke, Lehrlinge und Gesellen auf ihren An- 



KfttfonaUlkonomisclM C(«s«tsg«bmif • g5 

trtg dner PrUmg bq anteniehen und über den Erfolg derselben ein 
Zeugnis aufkoetellen. 

b) Pakaltatiye. 

xm. 

Die Faohgenossensohftiten sind befdgt: 

1) Veranstaltongen zar Fördemog der gewerblichen, tedhnisohen and 
nttiichen Ansbildung der Gesellen, Gehilfen and Lehrlinge sa treffen and 
Paahsehalen za erriohten and la leiten. 

2) üeber den Besnoh der yon ihnen errichteten Fortbildangs- and 
Fftohsebalen Vorsohriften za erlassen, soweit dieser Beeaoh nicht daroh 
Statat oder Gesetz geregelt ist 

xnr. 

Die Yorschriften der Fachgenossensohaften, welche anch für einzelne 
Gewerbe erlassen werden können, anterliegen der Genehmigang der Hand- 
verkskammer and dürfen deren Yorsehriften and Beschlüssen nicht za- 
viderlanfen. 

Die nähere Begelang der Prüfdngen erfolgt dnrch eine Prüftings- 
ordnang, welehe yon der Fachgenossenschaft za beschlief sen ist and der 
Genehmigang der Handelskammer bedarl 

Aufsicht. 
XV. 

Die Fachgenossenschaften sind der Aafbidht der Handwerkskammern 
nnterstellt. Die Handwerkskammer kann sich der Fachgenossenschaften 
all ihrer Organe bedienen. 

Bei diesen Fachgenossenschaften ist aach ein GehilfenaQssohnls yor- 
geaehen. 

Gehilfen aasschuf 6. Errichtung. 

XVL 

Die bei den Mitgliedern der Fachgenossenschaft beschäftigten Ar- 
beiter wählen den Gehilfenausschufs. Zur Teilnahme an der Wahl sind 
diejenigen Arbeiter berechtigt, welche: 

a) sich im Besitze der bürgerlichen Ehrenrechte befinden; 

b) das 21. Lebensjahr zurückgelegt haben; 

c) seit länger als einem halben Jahre im Bezirk der Fachgenossen- 
ssbaft beschäftigt sind und während mindestens der £Wfte dieses Zeit- 
raumes bei Mitgliedern derselben in Arbeit stehen. 

Wählbar ist jeder Arbeiter, welcher 

a) sich im Besitze der bürgerlichen Ehrenrechte befindet; 

b) das 80. Lebensjahr yoUendet hat; 

c) in dem der Wi^ yorangegangenen Jahre für sich oder seine Fa- 
ailie aas öffentlichen Mitteln Armenunterstützung nicht empfangen oder 
die «BpÜMigene Armenunterstützung erstattet hat 



86 



NfttioDiiökoDOmisolie G«ietsf«biiiig. 



d) seit miDdeit^Ds 2 Jahren im Bezirk d^r Fachgenoetansohaft be- 
schäftigt ist and während dieser Zeit laager als ein Jahr hm liitgliedam i 
der FaohgenDaseQBchaft io Arbeit gestanden hat. fl 

Bas Amt eines Mitgliedes des GehilfenaussohusteB ist ein EhrenamL V 
Die Uehernahme kann nur aus GrUnden verweigert werden, ans denen 
die WaM zum Beisitzer eines Qewerbegerichts abgelehnt werden darf. ^m 

XYIL ' 

Kommen Wahlen jedoch nicht zustande, oder wird von der Mehrzahl 
der Oewähltan wiederholt die Annahme der Wahl mit Erfolg abgelehnt« M 
so hat die höhere Verwaltungsbehörde nach Anhörung der Handwerks* ^ 
kammer entweder einen Gehilfenanssehufa aus der Zahl der Wählbaren 
zu ernennen oder die Wahrnehmung seiner Obliegenheiten anderen Per- 
sonen zu übertragen. 



Zuständigk eit, 

xvni. 

Der Gehilfe nausaehufs ist bereohtigt zar lOtwirkang bei Begelang 
der LehrlingsTerhältDisse» der Abnahme der Gesellenprüfung, der Ent- 
soheidung von Streitigkeiten zwischen Mitgliedern der FaohgenosBenschaft 

und ihren Lehrlingen, sowie bei der Begründung und Yerwaltong aller 
Einriohtungen» welche die Interessen der Gehilfenschaft berühren. 

Seine Mitglieder nehmen an der Beratung und ßesohluXsfassung der 
Fachgenossen Schaft über die Yorstehend bezeichneten Angelegenheiten mit 
vollem Stimmrecht teil« Kommt ein Besohlnls gegen die Stimmen seiner 
sämtlichen Mitglieder zustande, so kann der Qehilfenausschufs mit auf- 
schiebender Wirkung die Enteoheidung der Handwerkskammer beantragen. 

Bei der Abnahme der Gesellenprüfungen, bei der Entscheidung von 
Streitigkeiten zwiBohen Angehörigen der Fachgenossensohaft and ihren 
Lehrlingen und bei der Verwaltung von Ein rieh tun gen, für welche die 
Gehilfen Aufwendungen zu ma^^hen haben, sind die Mitglieder des Ge- 
hiifenaus Schusses, abgesehen von der Person des Yoraiizenden, in dem 
gleichen Mafse zu beteiligen, wie die Mitglieder der Fachgen ossenschafL. 

Der Gehilfe Dausschufs ist ferner berechtigt, Anträge bezüglich aller 
aeine; Zugehörigkeit angehörenden Gagenstände bei der Fachgenossen- 
schaft und der Handwerkskammer zu stellen, welche aber dieselben zu 
besohl] efsen haben. 

XIX. 

Die durch die Bildung und die GesohäftsfUhruKig des Gehilfenaus- 
Schosses bedingteo Aufwendungen sind von allen Wahlberechtigten auf- 
zubringen ^). 

Dies sind die fUr die Faohgenossenschaften in dem Entwarf in Aus* 



]) H&Mpk«, Dar Verbmid deuUeber Oewerb« vereine, seloe EcUtebiiDg« OrgeniSAÜoti 
und biiherige Wtrka&mkeit. Jahrbuch für Gesetsgebnn^, VerwilCmig imd Volkswirtschaft 
w, 6. SchmoUer, XVII. Jahrg., S. S09 ff. 



KatfonalSkonomisohe G«Mteg«biing. g7 

fielit genommenen Beitimmiingen , ond obwohl dieselben mit denen über 
die Handwerkikammem and das Lehrlingswesen susammenhängen, wollen 
wir doch der Faohgenosfenscbaftsfrage zunäohst gesondert näher treten. 

Die Gründe, die dasn geführt haben, in dem Entwarf Zwangsfaohge- 
Doseenaebaften Torzaschlagen, sind in den Erläaterangen za dem Entwarf 
angedentet. Dieselben sprechen sich in folgender Weise aus: 

Durch die beabsichtigte Begelang sollen nnr das Handwerk and 
diesem gleich ca erachtende Kleinbetriebe, nicht aber der Grofsbetrieb ge- 
troffen werden. Femer sind Gewerbszweige, die mit dem Handwerk 
keine Berührnngspunkte haben, ausgeschieden; anch ist dem Bandesrat 
die Beftignia beigelegt, den Kreis der anfser Betrieb bleibenden Betriebs- 
arten, als welohe i. B. hansindastrielle Betriebe in Frage kommen können, 
nach Bedürfnis zn erweitem. 

Von der Festlegang des Begriffes „Handwerk'' ist ebenso wie in den 
bisherigen Gesetzgebungen in der Erwägung Abstand genommen, dafs die 
Entscheidung der Frage, ob ein handwerksmäfsiger Betrieb Torliegt, nur 
nach Lage der thatsächlichen VerhältnisBe Ton Fall lu Fall beurteilt 
werden kann. 

Für die neben dem Handwerk hervorgezogenen Betriebe, welche 
saeh ihrem Umfange und ihrer wirtschaftlichen Bedeutung sich von 
luBidirerkamäfsigen Betrieben nicht wesentlich unterscheiden, ist als Merk- 
mal in Ermangelung einer erschöpfenden Begriffsbestimmung nach dem 
Vorgänge anderer Beiohsgesetze , z. B. des ünfallyersicherungsgesetzes, 
die Zahl der der Begel nach ständig besöhäftigten Arbeiter angenommen. 

Brfii£st werden sollen alle Betriebe, bei denen die obigen Yoraus- 
•etzungen zutreffen, ohne Büoksicht auf persönliche Eigenschaften der 
Inhaber; es mufste daher ausgeschlossen erscheinen, hierzu durch weiteren 
Ausbau der Innnngsgesetzgebang zu gelangen, weil die Innungen ihrer 
Entwickelung und ihrem Wesen nach nur einen begrenzten Kreis der 
Gewerbetreibenden ihres Fsches von yomherein nicht zulassen. Obwohl 
die Mitglieder der Innungen den Fach gen ossenschaften angehören, erscheint 
der Fortbestand der Innungen und die Weiterbildung ihrer Bestrebungen 
nmsoweniger geföhrdet, als Einrichtungen, wie Herbergen, Arbeitsnachweis 
und Fachschulen, deren Kosten gegenwärtig Ton den Innungamitgliedem 
allein zu bestreiten sind, künftig von allen Fachgenossen unterhalten 
worden müssen und dadurch eine erhebliche finanzielle Entlastung der 
Innungen herbeigeführt wird. Es steht vielmehr zu erwarten, dafs nach 
wie Tor sich diejenigen Elemente in der Innung zusammenfinden werden, 
welche in einem ausgedehnteren Bildungsgange die alleinige Gewähr für 
die Erhaltung und gedeihliche Entwickelung des Handwerks erblicken 
und weiteren Anforderangen freiwillig genügen wollen. Auch werden 
sieh die Innungen, da ihnen wirtschaftliche Aufgaben vorbehalten bleiben, 
mehr als bisher der Ausbildung des Genossenschaftswesens zuwenden und 
durch Einrichtung von Darlehenskasssen, Bohstoffassoziationen etc. einem 
in weiten Kreisen des Handwerks empfundenen Bedürfnis Bechnung 
tragen können. Um die Gesamtheit der Gewerbetreibenden durch die 
Regelung erfassen zu lassen, war es unvermeidlich, in der Fachgenossen- 
sehaft eine Organisation zu schaffen, der alle Gewerbetreibenden in einem 



88 



NAtioiiat^koDOdoisdi« GMetigeboo^. 



Örtlichen Bezirke ohoe Erfülltiog beetimmter Vorbedlogungea kraft Gesetsei 
aogebören. Diese soll ah Korporation im wetentlichen für alle Fach- 
genossen diejenigen Aufgaben erfülieQ^ die bisher den Innungen fUr den 
beBchräuklen Kreis ihrer Mitglieder zugewiesen waren und unter denen 
die Regelung des LehrliDgswesens die erste Stelle einnimmt; damit ist 
gleichzeitig für die ErfüUung aller auf die Hebung des Haüdwerkerstandes 
abzielenden Veranstaltungen eine breitere und .leistungsfähigere Grundlage 
gewonnen* 

Die Faohgenosaensohaften werden in den Handwerkerkammern xn- 
Bammengefafst, die berufen ist, eioerseita die Interessen des Kleingewerbes 
der AllgemeiDheit gegenüber zu yertreten und andererseits die Durch- 
fdhrung der den Fachgenossensohaften und Innungen zufallenden Auf- 
gaben zu sichern/' 

Aus dieder Begründung geht aufs deutlichste hervor ^ dafs man 
ZwangsfachgoDOssenBchalten schaffen wollte , um die Gesamtheit der Ge- 
wt'rbetreibeoden in einer gemeinsamen festen Organisation 2u umfassen« 
Diese ZwangsfaohgeDOssenachaften sind, da ihnen die Aufgaben der bis- 
herigen Innungen zugewiesen werden, genau das, was gewisse Handwerker* 
kreise Deutschlands bisher unter dem Namen von obligatorischen oder 
Zwangsinnungen forderten. Allein in Namen besteht ein Unterschied. Der 
Name Faohgenossensohaft ist der österreichischen Gesetzgebung nachgebildet, 
die in demselben Sinne Genossensohatten kennt. Man wählte diesen fremden 
Namen, weil, wie der Geh, Ober-Eeg,-Eat Dr. Sieffert auf dem Gewerbe- 
kammertag zu Eiseuach ausführte, der Name Innung in SiiddeatsohlaDd 
geradezu das rote Tuch sei, da man darin einen Bückachritt ins Mittel- 
alter sehe ^ ). 

Vielleicht lag wohl auch der Grund mit darin, daTs es dem Herrn Handelfl- I 
minister Freiherm Ton Berlepsch nicht angenehm war, die obÜgatorisoheo 
Innungen unter ihrem eigentlichen Namen den Handwerkern seihst ent- 
gegenzubringen, nachdem erst vor zwei Jahren sein Kollege, der Staate- 
minister Dr. von Bötticher, im Reichstag ausgeführt hatte, d&Ts er und 
der Handel aminister die Einführung des Befähigungsnachweises und der ■ 
obligatorisohen Innung fUr nahezu unmöglich hielten, ^ 

Das, was am 24 NoTember 1891 noch für unmöglich gehalten wurde, 
wird also jetzt unter dem unschuldigen Namen „Fachgenossenaohaft" selbst 
im Gesetzentwurf Torgeschlagen. Nur der Befähigungsnachweis wird auch 
heute noch auf Grund der schlechten Erfahrungen, die mit diesem in 
Oeaterreioh gemacht worden sind, fiir unmöglich gehalten. Hätte man 
auch bei den Zwangsfaohorganisationen die österreichischen Erfahrungen 
herangezogen, so würden auch diese jedenfalls heute noch für unmög- 
lich gehalten werden, wie wir später nachzuweisen gedenken. 

Wie ist dieser plötzliche Umschwung in den Anschauungen unserer 
höcbsten Eegierungskreise zustande gekommen? m 

Um dies näher zu beleuchten, wollen wir etwas auf die Innungsfrago ' 
eingehen. 



l)^Bsrfeht Qbsr die VerhAtidtani;«a des XI. Deutaebso OewerbekunmerUgei in 
Eis«n*rh «m 13 , IZ. und 14. Oktober 109», Dr«id«D, S. 89. 



NationaUSkonomitch« G«Mtag«biiiig. g9 

Bei SinfiUining der Oewerbefreiheit durch das Geseti Tom 21. Juni 
1869 hatte man die Innungen zwar bestehen lassen, man hatte sie jedoch 
nach dem Grundsatz laisser faire, laisser passer, der damals in der Blüte 
das Mancheatertums der Hauptgrundsatz in den wirtschaftlichen An- 
lehaunngen war, des Charakters der öffentlich-rechtlichen Korporation be- 
näht und sie thatsächlich zu losen Vereinen herabgedrückt, die nichts 
Srheblichea mehr leisten konnten. Viele Innungen lösten sich infolge- 
dessen auf; die, welche bestehen blieben, wurden höchstens noch durch 
Kassen zusammengehalten, leisteten aber sonst nichts mehr auf den Ge- 
bieten, auf denen sich die Innungen eine Existenzberechtigung bewahrt 
hatten^). Diese sehr grolbe Organisationslosigkeit machte sich in ihren 
Folgen auf dem Gebiete des Lehrlings-, Gesellen-, Herbergs- und ÜDter- 
itütsuBgsweaens etc. fühlbar, und weitgehende Mifsstände bildeten sich 
Nif allen diesen Gebieten heraus. 

um dieser Organisationslosigkeit entgegenzutreten, wurde das Innungs- 
gesetz Tom 18. Juli 1881 mit seinen Zusatznovellen der Jahre 1884, 
1886 und 1887 erlassen. 

Obgleich sdion vor Erlafs des Innungsgesetzes eine sehr weitgehende 
Handwericerbewegung hervorgetreten war, welche obligatorische Innungen 
forderte, so machte man sie doch nicht obligatorisch, sondern man liefs 
ihren fakultatiTen Charakter bestehen. 

Es wurde ihnen nur ihr öffentlich-rechtlicher Charakter wieder- 
ftgeben und da mit den den Innungen zugewiesenen mannigfachen Auf- 
giben Tiele Fflichten für die Mitglieder verbunden waren, so gab man 
Siaeii einige Vorrechte, um einen Anreiz zum Beitritt zu diesen Innungen 
n bieten. 

Man lehnte damals die obligatorische Innung ab, weil die TJeber- 
leagong herrsehend war, dafs der gröfisere, wichtigere Teil bei der 
Reorganisation der Innungen auf die eigene Initiative und die energische 
Thaügkeit der beteiligten Ejreise falle. Es wurde darauf besonders hin- 
gswieaen, dals jener korporative Geist, der die mittelalterlichen Zünfte 
in ihrer Blütezeit erfüllte und der auch zum gröfsten Teil seine ideale 
Schwungkraft aus dem Boden lebendiger religiöser TJeberzeugung gewauu, 
neh nicht durch Gesetzesparagraphen werde erzwingen lassen. Die For- 
derung der obligatorischen Innung beruhte auf einer TJeberschätzung legis- 
lativer Mafsregeln. Aus diesem Grunde wurde im Jahre 1881, obgleich 
einige Stimmen für den Innungszwang im Reichstag sich regten, ein An- 
trag, der derartige Zwangsinnungen forderte, doch thatsächlich nicht 
gestellt. 

Man war der Ueberzeugung, dafs es ein ganz aussichtsloses Beginnen 
leia würde, auf dem Wege der Gesetzgebung zur Wiedereinführung des 
laoungazwanges zu schreiten. Bei der Verschiedenheit des Gewerbe- 
betriebs in Städten und auf dem Lande, bei der verschiedenen Beschaffen- 
heit der einzelnen Gewerbszweige, bei der mannigfachen und noch viel- 



1) Hftmpke, Die wesentl ichsten Handwerkerfragen unserer Zeit in den Verhand- 
laaftB d«r^enteo lordentlichen Hauptversammlnng des Verbandes der dentsohen Gewerbe- 
wttB«, KSln 189), 8. 58 fg. 



90 



K&t!on&15ko&omisoh6 6eaetig;ebiui^. 



faoh im Flufa befindlioben Technik, bei der &afserordeatlioh Tereohiedenen 
wirtschafüieheii und so^ialaa StelluDg der eiDzelnen GewerbetTeibecdeo 
würde es geradezu ein unvoUziehharer Gedanke seiü ^ durch die Beicks« 
gesetzgebung ZwaogsiDnungen einzuführen, ausQahmiloB also die gleichen 
oder verwandten Gewerbe in die Schablone eiuer ZwaogskorporatioQ 
hinbin führen zu wollen und auch da, wo dies gar nicht den Intereasen 
der betiüligton Kreise entspricht^ wo die Beteiligteu selbst die lo«e Fona 
des blofaen Vereins weit vorziehen wurden *). 

Wenn msn aber den Zwaag ablebniCi so war die Frage, was dann 
gesetzliob geacheheo könne, um die Wiederbelebung des iDnungswesena 
herbei zuführeo. 

Von der Neuerweckung des korporativen Geistes erhoffte man die 
Neubdubung von Zucht und Sitte, von körperlicher Tüchtigkeit, cameut- 
lieh auch die WiederbelebuDg des Gefühls für die Ehre des Stande«, Han 
war der MetDung, dafs mit dieser ethischen Seite auf d&s engste in Zu- 
sammenhang stehe die erziehliehe Seite. Man hoffte, dafs durch die 
InnuDgeu ein Mittel gefandon werde, um sowohl in moralischer wie in 
technischer Beziehung die junge d Handwerker besaerf als bisher geschehen 
sei, zu erziehen. Es sei vor allem dem jungen Handwerker eine allseitige 
Ausbilduug zu geben, damit aus dem Üt-ifsigen Lehrling ein tüchtiger 
Geselle und demnächst ein ehrenwerter Heister werde. Aber gegen diete 
einseitige Hervorhebung der mehr idealen Seite der Aufgabe wurden auch 
erhebliche Bedenken geiiuTsert, Man fragte sich, mit welchen Mitteln 
dieser ideale ethische Zweck erreicht werden solle und wie man sich 
namentlich ein zulässiges Einseifen der Staatsgewalt naoh dieser Seite 
hin vorstelle. Es wurde darauf hingewiesen, dafs, wenn man der Innung 
die Aufgabe stelle, in technischer, intellektueller und sittlicher Be- 
ziehung den Handwerkerstand zu heben, damit ja den einzelnen Innungs- 
genossen ebensoviel VerpÜichtuogen auferlegt werden, und man fragte 
sich: wenn man keinen Innungszwang will und keine staatlich regle- 
mentierte Innung, wie will man dann die Erfüllung dieser grofsen Auf* 
gaben herbeiführen, die mit so vielen Verpflichtungen für das einzelne Mit- 
glied verbunden ^icid? Mit anderen Worten: es schien notwendig zu sein^ 
dafs man den Innungeo gewisse Vorteile zuweise, damit jene Yerpflich- 
tungen von den Innungsgenossen übernommen würden , und es schien 
darum berechtigt zu sein, diese Vorteile ihnen zuzuweisen, weil die Ueber- 
nähme und Ausführung jener Yerpflichtnngen im allgemeinen Intereate 
als überaus wünschenswert sich darstellten. 

Auf diesen Standpunkt stellte eich der damalige Entwurf der Regierung. 
In der Begründung des Innungsügesetzentwurfes war ausdrücklich hervor- 
gehoben, das Gesetz beruhe im allgemeinen auf der Auffassung^ dafs zu 
dem Ende die Innungen, soweit es ohne Anwendung eines direkten oder 
indirekten Zwange;» geschehen kann, wieder zu Organen der gewerblichen 
Selbstverwaltung für das Handwerk gemacht werden sollen . welche im- 
stande sind^ durch die Förderung der gewerblichen Interessen ihrer Mit- 



1) dtenoginphiftche Bencbfce über die VerhaDdlangui des RttiduUgeSi 4. Legislatar' < 
Periode, lU Sq»»{od, 1880, U4. II, S. 1184 C 



KatimiAlSkonoiiiisciM G«Mteg»biiiifi 91 

ifSMu and dmreh Pflege dee OemeingeiiteB und des StandesbewuIstBeins 
«ne wirtsehafQiehe und Bittliohe Hebung des Handwerkerstandes ansu- 



Den Alireis sum Beitritt in die Innung sollte hauptsächlich der 
I lOOe bieten. 

Die Orfinde, die zur Aufiiahme dieses Paragraphen führten, waren 
nach dar Begründung des Oesetientwurfes folgende^): 

Sie beruhen auf der Erwägung, dats es wünschenswert sei, den 
Innungen eine grSfsere Anziehungskraft für die Handwerker zu verleihen, 
ils sie nach den bisherigen Erfiahrungen ohne solche Bechte haben, und 
dab ee nioht nur zulässig, sondern auch durch die Bäcksicht auf die not- 
wendige Hebung des Handwerkerstandes geboten erscheine, denjenigen 
Innungen, welohe in ihrem Kreise das Oesellen- und Lehrlingswesen mit 
firfelg geregelt und dadurch zugleieh ein öffentliches Interesse wahr- 
gnommen haben, diese Begelung auch für das ganze in der Innung yer- 
treieae Handwedc anzuTertzauen. Zumal der Erfolg der Thätigkeit der 
Innung auf diesem Gebiete stets ein lückenhafter bleiben werde und unter 
Pmslinden Tereitelt werden könne, wenn es in das Belieben des 
onaelnen Handwerkers gestellt bleibe, sich durch Femhaltung von der 
lanung der tou derselben aufgerichteten heilsamen Ordnung zu entziehen. 
Sieee Erwägungen können für das Lehrlingswesen in gewissem Mause und 
issofbm als zutreffend anerkannt werden, als dasselbe neben der gewerb- 
lidMB auch eine Bedeutung für das Erziehungs- und Bildungswesen hat, 
weUhe eine beschränkende Begelung durch staatliches Eingreifen recht- 
fvtift Der Uebertragnng der Aufsicht über das gesamte Lehrlingswesen 
dea betr«£bnden Gewerbes auf die Innung stehen indessen unüberwindliche 
praktiaabe Schwierigkeiten und Bedenken entgegen. 

Ihren Mitgliedem gegenüber ist die Innung Tollkommen befugt, nicht 
aar die Beobachtung der das Lehrlingswesen betreffenden gesetzlichen 
Torsehriften, sondern auch die Erfüllung der yon ihr selbst aufgestellten 
■Ututarischen Anforderungen durch Ordnungsstrafen und andere Zwangs- 
nitlal zu sichern. Soweit es sich um die Mitglieder der Innung handelt, 
bat auch ein den Organen der Innung durch das Statut eingeräumtes 
Berisionarecht nichts Bedenkliches. Auf serhalb der Innung stehenden 
Meistam gegenüber den Innungsorganen dieses Becht, ohne welches eine 
wirksame Aufsicht undurchführbar bleiben würde, einzuräumen, erscheint 
dsgegea nicht nur grundsätzlich bedenklich, sondern würde auch unver- 
meidlieh zu den gehässigsten Streitigkeiten Anlafs geben. Ebensowenig 
wilde den Innungen das Becht eingeräumt werden können, Verletzungen 
der geaetalichen oder der statutarischen Yorschriften an Nichtmitgliedern 
dareh Ordnungsstrafen zu ahnden. Die ganze Aufsichtsthätigkeit würde 
neh daher darauf reduzieren, dafs die Innungen die zu ihrer Kenntnis 
fslangenden Verletzungen gesetzlicher Vorschriften bei der zuständigen 
Fsliieibehörde zur Anzeige brächten , eine Thätigkeit , zu welcher die 
laaoBgseigane auch ohne besondere Ermächtigung berechtigt sind, und 



1) StMMgfmphisefae Berichte Aber die Verhandlongen des Beichstegea, 4. Legitlatiur- 
pnede, IV. SesMon, 1881, Bd. lU, Berlin 1881, Aktenetttcke Mr 49. 



92 



KAtlonAlJSkoBOtQfatbe GesetigebuDg. 



welohe all Pflicht 2n übemehmen sie wahrsoheinlich wenig geoeigi 
würden. 

Ei De EiDwirkuDg auf das LehrlingsweBen atifierhalb de« Kreites 
ihrer Mitgliader, welcher derartige Bedenken oioht eDtgegeosteheD, kaon 
den Innungeo nur dadurch eingeräumt werden^ 

1) dafs ihren Organen die Entscheidung der zwischen Meistern undfl 
Gesellen entstehenden Streitigkeiten, auch wenn die erateren nicht Mit-^ 
glieder der Innung sind, für den Fall übertragen wird, dafs sie von einem 
der streitenden Teile angerufen wird, und 

2) dafk diejeaigen Yorsohriften ^ welche Ton der Innung für ihre 
Mitglieder über die Kegelung der Yerhältnisse der Lehrlinge, über deren 
Ausbildung und Prüfung getroffen mnd, auch für die der Innung nicht 
angehörenden Gewerbetreibenden für verbindlich erklärt werden. 

Die letztere Mafsregel erscheint namentlich dann gerechtfertigt, weoQ^ 
die Innung zur Sicherung einer dem öffentlichen Interesse cntsprechendeaH 
Erziehung und Ausbildung der Lehrlinge ihren Mitgliedern Opfer auf- 
erlegt und an die bei letzteren eintretenden Lehrlinge Anforderungen 
stellt I welche die Innungamitglieder gegenüber den an jene Vorschrifteo j 
nicht gebuDdenen Meistern in N'aohteil versetzen und die Lehrlinge vom] 
Eintritte bei Innungumeietern abschrecken könnten. Auch die Durch- 
fuhrung der aus schlief gliche D Befugnis der Innungsmitglieder zur An- 
nahme von Lehrlingen stehen praktische Schwierigkeiten nicht entgegen*] 

Diese Befugnisse können indesaen den Innungen wiederum nur unter 
gewissen Voraussetzungen und in einem gewissen Umfange übertragen wer» 
den, wenn den damit zu erreichenden Vorteilen nicht überwiegende Nachteile 
gegenübertreten aollen. Die Voraussetzungen sind, dafs die betreffende Innung 
das Lehrlings wesen nicht nur statutenmöfsig in befriedigender Weise ge- 
regelt, sondern auch durch die Handhabung dieser Ecgelung in ihrem Be- 
zirke unzweifelhafte Erfolge erzielt bat, und dafs sie in ihrem Bezirke 
wirklich den Kern des Handwerkerstandes in sich vereinigt Ob diese Vor- 
aussetzungen vorhanden sind, muTs in jedem einzelnen Falle festgestellt 
werden. Es ftind daher natürlich in der Weise, wie es durch den 
BeichstagsbeschluTs ad No. 10 vorgesehen wird, durch allgemeine Vor- 
schriften im voraus die Voraussetzungen festzuttellcn , unter denen die 
Uebertragung der fraglichen Befugnisse eintreten soll. Es muTs vielmehr 
der höheren Verwaltungsbehörde überlassen werden, auf Grund pflicht- 
mäfdger Prüfung darüber zu entscheiden , ob im einzelnen Falle die 
Uebertragung zulässig ist oder nicht. Die Grenze aber, innerhalb welcher 
jene Befugnisse uuszuüben sind, mufs so gezogen werden, dafs die letzteren 
nur solchen Gewerbetreibenden gegenüber Geltung haben, welche nach der 
Art ihres Gewerbebetriebes in die Innung einzutreten berechtigt sind, 
also weder durch deren Umfaog noch durch die Gegenstände ihres B^ 
triebes von der Innung ausgesoblossen werden. Nur auf diese Wetee 
können der Grofsbetrieb und solche Kleinbetriebe, in welchen die Arbeiten 
Tertchiedener Handwerke kombiniert sind » vor unberechtigten Ein- 
wirkungen der Innungen sicher gestellt werden. 

Der so begründete § 100 e wurde nach langen parlamentaritohen 
Kämpfen in allen seinen drei Teilen erat im Jahre 1884 QeaeU« Da 



KAtioiuddkonotnisehe Gesetagebmig. 93 

dieser § 100 e einen noch nicht genügenden Anreiz zum Beitritt zu den 
Innungen bot, ao wurde durch Gesetz vom 6. Juli 1887 der § 100 f. mit 
•einen ZuBtttzparagraphen zum Gesetz erhoben. Weil Aufwendungen der 
Innungen für Herbergswesen , Arbeitsnachweis, für Fortbildungfischulen 
and Sehiedsgerichte im allgemeinen Interesse liegen, so sollte nach § lOOf 
fOr den Bezirk einer Innung auf Antrag derselben durch die höhere 
Verwaltungsbehörde bestimmt werden können, dafs Arbeitgeber, welche, 
obwohl sie ein in der Innung vertretenes Gewerbe betreiben, derselben 
nicht angehören, und deren Gesellen zu den Kosten 

1) der Ton der Innung für das Herbergs wesen und den Nachweis 
für Gesellenarbeit getroffenen beziehungsweise übernommenen Einrich- 
tungen (§ 94, Ziffer 2), 

2) derjenigen Einrichtungen, welche von der Innung zur Förderung 
der gewerblichen und technischen Ausbildung der Meister, Gesellen und 
Lehrlinge getroffen sind, beziehungsweise unternommen werden, 

3) des Yon der Innung errichteten, beziehungsweise zu errichtenden 
Schiedsgerichts in derselben Weise und nach demselben Malsstabe beizu- 
tragen yerpflichtet sind, wie die Innungsmitglieder und deren Gesellen. 

Die Bestimmungen sind widerruflich. 

Aber auch dieser § lOOf hat keinen besonderen Anreiz zum Beitritt 
ra solchen Innungen gegeben ^)» 

Die Erfolge des Innungsgesetzes Tom 18. Juli 1881 sind bisher nicht 
^«rartige gewesen, wie man sie erwartet hatte. 

In Preuüsen ist die Innungsbildung am weitesten «gediehen. Daselbst 
katten sieh bis zom 1. Dezember 1892 auf Grund des Innungsgesetzes 
79S6 Inniingen mit 221 387 Mitgliedern reorganisiert, beziehungsweise 
lea gebildet. Yon diesen 7925 preulÜBischen Innungen hatten 1904 den 
Antrmg aof Verleihung des § 100 e gestellt, doch ist dieser Paragraph 
snr 1220 der beantragenden Innungen yerliehen worden. 

Den § 100 f hatten sogar nur 136 Innungen in Preufsen beantragt, 
und an 68 ist er dann yerliehen worden. 

Für die anderen deutschen Staaten liegen nur Daten aus dem Jahr 
1888 Yor. Bis zum 1. Dezember 1888 bestanden in 

(Siehe Tabelle auf S. 94.) 

Im ganzen Deutschen Reich bebtanden demnach 10 325 Innungen 
mit 316 507 Innungsmeistern. 

Bö würden also die Innungsmeister , wenn wir circa 2 Millionen 
lelbständiger Handwerker im Deutschen Reich annehmen, nur 16 Proz. 
sUer selbständigen Handwerker ausmachen. 

Es ist also mit dem neuen Innungsgesetz nicht gelungen, die Majorität 
dtr Handwerker Deutschlands in derartigen Organisationen zu umfassen. 
In Süddeutachland haben die Innungen so gut wie keinen Eingang ge- 
fimden. Dort ist der Gewerbestand hauptsächlich in Gewerbevereinen 
organisiert, die eine weitgehende Thätigkeit im Interesse des Handwerks 
eatwiekeln. Aber selbst in Preufsen, wo die Innungsentwickelung die 



1) Th. Hampke , Die Innongsentwickelung in Preofsen , eine statistbche Studie. 
«fichmoUen Jahrbficher, Bd. XVIU, 8. 212 fg. 



N«tlonii15kotiomt9(jbc GeMtsg^bung. 



Bajeni 


156 tnniingen mit 


11 144 


Saclueo 


1264 


55 574 


Württemberg 


2$ 


I 112 


Baden 


3« 


1063 


Heuen 


36 


996 


MAckleobitrg - ächweiio 


a73 


S3S8 


Saehsen - WeiniAr 


52 


961 


Mecklenbarg^Strelit« 


SS 


917 


Oldenborg 


36 


I tat 


BrsoDftchireig 


63 


»44« 


Sachjen-MeioiitgeD 


40 


680 


SAcbsen- AI tenbnrg 


51 


139« 


Skehsen-Goburg-Gotba 


91 


2 194 


Aoh&ll 


93 


2271 


Schwftrsbarg - SoadershAUcii 


12 


^n 


Scbwarzbarg* RadoUtftdt 


19 


399 


Waldeck nnd Pyrmont 


6 


88 


Renjj ältere Linie 


19 


624 


Renf» jüngere Linie 


U 


320 


Sch&nmbnrg-Lipp« 


3 


40 


Lippe 


9 


»79 


Lftbeck 


18 


640 


Bremen 


n 


1169 


Hunbnrg 


28 


4258 



höchste Blüte in Deutsohland erreicht bat^ haben die InnungeQ eigentlich 
Dur in den Stlult^n und oamenüich in den gröfseren Städten ordentlioh 
Eingang gefunden. Auf dem Lande iet yan einer Innungathätigkeit bieber 
urenig zu spüren. , 

Die §§ 100 e uod f^ die hanptiächlieh einen indirekten Zwang sma 
Beitritt in die Innungen ausüben soilten» haben die gehofften Erfolge nicht 
gehabt. Der § 100 e hat da, wo er verliehen wurde» die Gegenaätse 
swisühen Innungameister und NichtinnungsmeiBter nur noch Terachlrfti 
und da die betreffenden, denen die Lehrltngsbaltung durch die Innung Ter> 
boteu wurde, ihre Lehrlinge als jugendliche Arbeiter weiter behielten, 
bat dieser Paragraph auch vielfach nicht die beabsichtigten Wirkungen 
gehabt. Der § lOOf^ der überhaupt so gut wie nicht in Kraft getreten 
ist^ hat wegen der rielen umetiodlichen Kassen führungen^ die mit feiner 
Durchführung verbunden waren^ den Innungen, die ihn erhielten, riele 
Arbeit veruriacht, ohne meist die beabeichtigteu pekuniären Erfolge zu 
bringen. Da die meisten Gewerbetreibenden sieh weigerten» die Kosten 
mit £U eablen und da häuEg nicht feststand, ob der Betreffende auch 
wirklich tu den Kosten herangezogen werden kannte» sc hat der § 100 f 
die Innungen» die ihn erhielten, häu£g in unaufhörliche Prozesse ver- 
wickelt, so dafs die Neigung» sich um ihn zu bewerben» bei den meisten 
Innungen geschwunden ist ^). 

Haben die Innungen, da sich nur 16 Pros, der deutschen BLandwerker 
ihnen anschlössen» nicht zu der gewünschten Ordnung auf den ihnen an- 
vertrauten Oebieten gefuhrt» eo mufs man anerkennen» dafs sie doch 
Erhebliohee geleistet haben und dals die Yerhältnisse im Gewerbe anter 



1) KiDSchUerslkb der Mitglieder von 42 nicht orgati Vierter iDnani^eD. 
tj Bis som 1, Detember 189S hatten von eilen prearsiscben Innungen nur t^T Pr< 
den § 100 f beantragt und nur 0,8 Proi denselben erhalten. 



NationalSkononüsche G«Mtigebiiiig. 95 

ihrem Einflufs beMer geworden uncL EiBzelne InnoDgen können sogar 
•nf Torsfigliohe Leistungen zorückblieken. 

84 Proz. aller deutschen Handwerker stehen also noch aufserhalb 
der Innungen, teils weil sie überhaupt einen festen Zusammenschlufs nicht 
nötig EU haben glauben , teils weil sie die mit der Innung yerbundenen 
Kosten sehenen und weil sie Yon diesen Kosten keine persönliehen Yor- 
teile erwarten, teils auch weil der losere Zusammenschlufs in Oewerbe- 
Tereinen ihnen angenehmer erscheint 

Die Innungen haben zum Teil Aufgaben zu erfüllen, die im allge- 
meinen öffentlichen Interesse liegen ; Pflege des Herbergswesens, des Arbeits- 
nschweises, der gewerblichen Ausbildung etc. lag im Interesse der Allge- 
meinheit. Die Innungen konnten daher auf diesen Gebieten nicht Genügen- 
des leisten, wenn nicht alle, die GennXs dayon haben wollten, mit zu 
den Kosten beitrugen. Gerade weil die Leistungen der Innungen im 
gewissen Sinne der Gesamtheit zu Oute kommen, ist stets yon den In- 
onngsmeistem die Forderung der Zwangsinnung erhoben worden, damit 
die Aulsenstehenden in die Innung und zu den Kosten beizutragen ge- 
iwungen würden. 

Auf diesen Standpunkt hat sich nun der preufsische Minister für 
Handel und Gewerbe gestellt, indem er Zwangsfachgenossenschaften in 
das Leben rufen wilL 

Die Gründe, die zur Zwangsorganisation fahren, hat in sehr präziser 
Form die Hamburger Gewerbekammer in einer Besolution zusammen- 
gefaHit, in der sie auf dem Eisenacher Gewerbetag ihr zustimmendes 
Fotam SU den obligatorischen Fachgenossenschaften begründete. 

Diese Resolution lautet*): 

Im Hinblick darauf: dafs die Gesetzgebung über das Innungswesen 
infefem einen Widerspruch in sich schliefst, als sie freiwillige und 
partiknläre Innungen mit Aufgaben belastet, wie namentlich den in § 97 
Ziffer 2 und 8 der Gewerbeordnung bezeichneten, deren Erfüllung im 
Interesse des Geaamtgewerbes geboten ist und demnach auch den gesamten 
6ewerb^;enossen auferlegt werden müfste; 

dafs er femer durch die §§ 100 und folg. d. G. 0. nur in unyoll- 
ftindigem und unbefriedigtem Mafse gelungen ist, diesen Widerspruch zu 
beseitigen ; 

daOs aber auch den zu errichtenden Handwerkskammern zur Erfüllung 
der ihnen zugewiesenen Aufgaben der SelbstverwaltuDg pflichtmäfsige 
Organe zur Seite stehen müssen, die sie nicht in freiwilligen und parti- 
koliren Vereinigungen, sondern nur in obligatorischen und die gesamten 
der Handwerkskammer unterstehenden Gewerbetreibenden umfassenden 
Körperschaften finden können; 

dafs endlich eine durchgreifende körperschaftliche Organisation des 
Kleingewerbes ebenso sehr aus wirtschaftlichen, wie aus sozialpolitischen 
Rfiekaichten wünschenswert erscheint: 

iat die Hamburger Kammer mit der in den Vorschlägen des preuf sischen 



1) Beriebt fiber die VerhandlnDgen des XI. dentachen GewerbekammerUges in Eiie- 
lieh am IS., 18. und 14. Oktober 1898, Dresden, S. 11. 



96 



NAtioDAlSkonomUcbe GeseUgebanfp« 



Ministers für Handel tiod Gewerbe Torgeaehenen Errichtung von oblig 
toriaohen FackgenoBBenachaften gruLtdaatzlich and im allgemeinen ainyer«' 
standen/' 

Um die Gesamtheit der Gewerbe treibenden durch die Regelung erfaftt 
2a lassen, war ea unvermeidlich, in der Fachgenossenschaft eine Organa 
sation eu schaffen, der alle Gewerbetreibenden in einem örtlichen Bezirk 
ohne Erfüllung bestimmter Yorbedin gangen kraft Gesetzes angehören, 
fuhren die Erläuterungen des oeuen Entwurfes aus. 

Eine derartige zwangsweise Organisation unter Zusammenfassung aller 
Gewerbetreibenden hat in Oeaterreich stattgefunden, und wenn für die 
Ablehnung des Befähigungsnachweises die österreichischen Erfahrungen 
stichhaltig gewesen sind» so dürften auch in Bezug auf die Beurteiluni; 
des Wertes ¥0n Genossenschaften die österreichischen Erfahrungen Ton 
einigem Werte sein. 

lyie österreichische Gewerbeordnung vom Jahre 1859, welche mit 
dem 1. Mai 1860 in Wirksamkeit trat, ruhte bekanntlich auf dem Prinzipe 
der Gewerbefreiheit» und sie ßtimmte im allgemeinen mit der zehn Jahre 
apater erlassenen deutschen G*0, überein. In einem wesentlichen Punkte 
trat jedoch ein Unterschied zu Ttige. Die österreichische Gewerbeord« 
nung behielt die alten Innungen, wenngleich mit geschmälertem Wirkungs- 
kreise, als Zwangs genossen Schäften bei. 

Bie Gewerbeordnung beseitigte zwar die atten Zünfte und Innungen mit 
ihren Zwangsrechten uud Vorrechten^ üefs es sieh aber dennoch angelegen 
sein, eine genossenschaftliche Verbindung der Gewerbegenossen aufrecht 
zu erhalten und selbst in Gewerben, in weJohen bisher keine Korpo- 
rationen bestanden, eine solche herzustellen, Sie schrieb daher Gewerbe- 
genossenschaften Yor^ weichen jeder Gewerbetreibende durch den blofsen 
Antritt seines Gewerbes beitreten mufste. Die Aufgabe dieser Genossen- 
schaften war, in richtiger Fortbildung der Idee der Zunft eine gewerb* 
liehe SelbstTcrwaltung. Das Gesetz übertrug ihnen insbesondere die Borge 
für die Erhaltung geregelter Zustände zwischen Mitgliedern der Genossen- 
schaft und ihren Angehörigen (Gehilfen, Lehrlingen), namentHoh in Bezug 
auf Lehr- und Dienstverhältnii»; die Austragung der bezüglichen Streitig- 
keiten; die Gründung oder Förderung Ton Fachschulen; die Gründung 
YOD Ad stalten zur Unterstützung der Mitglieder und Angehörigen der 
Genossenschaft in Fällen der Erkrankung oder sonstigen Notlagen und 
die Beau&iohtigung dieser Anstalten ; die Veranstaltung tou Ausweisen 
zum Zwecke der Arbeitävermittelung; die Erstattung Ton Auskünften an 
die Behörden und die Mitwirkung bei allen auf die Gesamtheit der Gewerbe- 
genossen bezüglichen allgemeinen Verwaltungsmarsregelo. Sie erhielten 
jedoch keine eigene Exekutivgewalt, sondern nur eine Disziplinargewalt 
über ihre Genossen. Stimmberechtigt und wählbar waren nur jene 
Gewerbetreibenden» welche ihr Gewerbe bereits durch drei Jahre betrieben. 
Die Geschälte der Genossenschaft wurden durch einen Ausschufs (Vor- 
stand) besorgt. Die Gehilfen waren nicht eigentliche Mitglieder, sondern 
nur Angehörige der Genossenschaft, aie nahmen indes an der Verwaltung 
der Krankenkassen und an den Genossenschaftsgerichten akÜT Teil. 

In der Praxis sind diese Zwangsgewerbegenossenschaiten nicht zu 



Kation Al^konotnlscfa« flesetij^bung. 



m 



gtdtihMthem Leben gelangt; ausgoDommeD io der Reichihauptstadt^ «owie 
in tinigvn gröfBoren 8iädten und Industrie orten, wo nooh von früher htr 
kitlUge lanaogeo bestanden '). Sie wurden nur sehr allmählioh in den 
|rtl&«fen Städten errichtet, freilioh auch hier und da mit gewiiltsamer 
ZuammeDlegUDg veTSchiedener Gewerbe in eine GenoaBenachatt, während 
lie auf dem Lande und in den kleinen Städten nur wenig Wurzel fafüten* 
IB75 bestanden erst ungefähr 2500 Oenossenscharten *), Neben ihnen 
habet» aioh auf der Basis des Yereinsgesetzea rom Jahre 1B67 freie Ver- 
tani^migen (Gewerk vereine, Fachvereine etc.) gebildet, welche analoge 
Zirteke^ suweilen mit gröfserem Erfolg, anstrebten. 

Obgleich die GenoBsenschf^ften auf dem vielgepriesenen Prinzip des 
Zwanges beruhten , war zu Anfang der 80er Jahre die Auflösung des 
gewerblioben Verbandes sehr weit gediehen. Man ersieht dies aus den 
RaaiilialtQ der von der Regierung aus Anlar» der Reform der G.O. ge- 
|Aogtft«a ErhebuDgen über den Zustand des Genossenschaftswesens in den 
aisielnen öaterreiobiscben Ländern. Danach bestund in Oesterreich im- 
nctltiti eine nicht unbeträchtliche Zahl von genoBeenschaftlichen Ver- 
ttadeii mit einem oft bedeutenden Vermögensbestand ^)< 

Allein nur der bei weitem kleinere Teil dieser Verbände konnte als 
Önoaeenacbaften im Sinne der Gewerbeordnung angesehen werden, die 
gmCM MebfBabl bestund lediglich aus Ueberresten der alten Innungen. 
Auf dem Eachen Lande Nieder^Oesterroichsy in Ober- Oesterreich, Salzburg, 
KraiHy dem Küstenlande, in Galisien und der Bukowina bestanden keine 
Geiioeaeiidchaften im Sinne des Gewerbegesetzea, ja teilweise, wie in Kruin 
nd dein Eusteniande, tiberhaupt keine Inoungsverbande, In Dalmutian 
war weder der Bestand einer Geno)>sen8cbaft noch einer Innung zu kon- 
ititiereii« und ebenso lagen die Dinge in dem südlichen Teile von Tirol. 
MNt in Böhmen, Mahren und Sohlesien, jene Ländern, in welchen der 
HaoptviU des alten Innungewesens ei oh befunden hatte, war eine gedeih- 
tiaiie Eotwiokelung des Genossenschaftswesens nicht eingetreten. Nur 
fir Wien und Umgebung glaubte man eine solche bis zu einem gewissen 
Grmde mit Sicherheit konstatieren au können. Ein tieferer Einblick 
in äie Entwiokelung: der Gewerbegenossenschaften während ihres 
iweaffi^jiliTigen Bestandes vom Beginn der 606r Jahre bis zur Gewerbe- 
aoreUe vom 15. Mär^ 18SS kann nioht gewonnen werden. Gleich- 
wahl durfte die Anticbt kaum bestreitbar sein , dafs das gewerbliche 
KerpormlleiliweseQ in dem erwtihnten Zeiträume erhebliche Rtioksohritte 
|eB«eht bsbe. Von irgendwelcher ThÜtigkeit der meisten Genossenschaften 
Wir wenif SU veräpitren. In dem Berichte der Pilsener Handels- und 
Geverbekkinmer tnr daa Jahr 1870 dndet sich die Thatfiache yerseiohnet, 
iift T90 den SO 4 Genossen schalten des Kammerbezirkes , deren Statuten 



' t} fleMiib«rg« Eftiidbucli d«r politfsehen OekODorote, TQbtiigea, 1886, Bd. II, 8. 48S. 

>ii det Dr. von PI euer tn der A. OenoralversAtninluDg dM Vcreini für Sotlal- 
|«l V. f. 8., Bd. XI, S. 78. 

&] rr ?^4-Hmfd. SiktUtisehe Stndieo über die Entwickelunff der dsterrdcbisctien Qewtrbe- 
gaecnaantrliifttn mit beionderer Rücksicht nuf die Wiener Genosten Schäften. StatbCliche 
lk«raasg«geli«u von der k. k. «Utistbcben Zentral kotnmistioot XIV. J*]|r- 
Wi«ti, tidS, 8. 174 

«te r^a^ u, \n tum 7 



98 



NftUonftt^kotiomitcbe OMotigebaof. 



genehmigt worden waren, 155, also mehr als die Hälfte, überhaupt nicht 
ina Leben getreten wKren, ron den übrigen 149 aber war eine genossen* 
ech&ftiiche Thätigkeit im Sinne des § 1 1 4 des GewurbegeicUcs tiichi ent- 
wickelt werde D. Dieselben kouaten rielmehr höohsteDs als Leichenbestat-i 
tungsvereine an^eflehen werden. Biese Genossen sohat'teu waren also eial 
schlagotider Beweis^ dafs eich wirklioh korporativei Leben nicht erswingetti 
lärsi. Eine Zusammt^nsteLIung aus dem Jahre 18B0 weist für die Reichs« 
ratsläuder die GeeamtzaM der Oenossenschaften mit 2870 nach. Hiarroo 
waren 832 yermögensios *). 

Welches war nnu der Grund des Scheiterns dieser Zwangsgenossen- 
iohaf ien } 

Erstens lag er in der Schwierigkeit, Elemente der Mittelklasse xn 
selbstTcr waltender Thätigkeit zu Tcranlaseen* Man ist in diesen Kreisen 
wenig geneigt, mü^hselige und verantwortliche Aemter zu übernehmen. 
Auf dem Gebiete dur wirtschaf Hieben BelbstTerwaltungy wo man niebt 
blofs selbst verwaltet, sondern wo man sich selbst Yerwaltet, wo es «ich 
also um die unmittelbaren eigenen materiellen Interessen handelt, tritt 
eine Lauigkeit häutig heiror, welche die Keime einer korporatiTen Selbst- 
rerwaltung nicht gedeihen läfst. 

Durch die Bestimmung, deXs nur ein dreijähriger Gewerbebetrieb das 
aktiTe und passive Wahlrecht in der GenosseDschaft erteilt» während 
gleichwohl die Beitragspflicht schon vom Tage des Gewerbeantritta beginnt, 
waren von Tornherein die jÜDgeren und strebsameren Elemente des Ge- 
werbes der Genossenschaft entfremdet, und die Wahlen und damit der Ein- 
Üufs in der GenoeseDschaftsvorstchung kamen so in die Hände einer kleinen 
Anzahl von Gewerbetreibenden, welchen oft die Lust und Fähigkeit zu 
einer erfolgreichen Tbätigkeit fehlte. Ebenso hatte das Geseti es versäumt, 
den Beschlüssen der Genossenschaft eine ordentliche Exekutivkrafl lu 
geben. Um ihre BcsohlÜBse durchzusetzen , muTste der Vorstand sieh an 
die Polizei- und Verwaltungsbehörden wendeo, wodurch die Autorität und 
die W^irksumkeit der neuen Icstitution von vornherein lahmgelegt wurde. 
Aufserdem Hefi die Bohchränkung der Kompetenz der Genossenschaft in 
Streitigkeiten atis dem Arbeitsverhältni8 auf die Dauer desselben oder 
auf 30 Tage nach seinem Ablaufe, sowie die überaus leichte Appelk- 
bilität ihrer Urteile an die Verwaltungsbehörden die genossenschaftliche 
Jurisdiktion nicht recht aufkommen. Auch entsprach die Vertretung der 
Arbeitnehmer in den Genossen seh aftsgeri oh ten nicht der gerechten Forde- ^ 
ning nach Parität *). ■ 

Auch in Bezug auf das Krankenkassenwesen hatten die Genossen sohaflen 
von Anfang an mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Vor allem hatten sie 
häufig grofse Spitalschul den von den alten Innungen zu übernehmen. 
Biese Schuldenlast» welche bei manchen Genossenschaften noch immer 
weiter anwuchs, hatte ihren Grund hauptsächlich in einer gesatzlichen Ver- 
ffigung (für Ni oder Österreich das sog. Verpflegungsnormale vom 30. Man 

1) Frsibvrr Fnedrtch Ton Cftll, Die OewerbegeseUgebang in Oesterrelcb (Usodirörttr- 
buch für äUatawUaeuachftfteo, Bd. 111, S. 994). 

Z) Beitrat den Dr. von Plener m der 3. Getierftlvorssrnmltiiig des Vereins fflr Sosial- 
poUtik (8. d. V. r 8 , Bd XI, 8 ?9;} 



NfttloDal5koBOiiii8che OeMtigebnng. 99 

1887), welche aUe ffir ein Genossenschafttinitglied aufgelaafeDen Spital- 
kasten ohne Eüokaicht auf die Dauer der Verpflegung der Oenossenscbaft 
snr Last sohreihen liefs. Diese Bestimmung war besonders drückend für 
die Genossenschaften der gröfseren Städte, in welchen allein sich öffeut- 
liehe Spitäler befanden, da viele Gehilfen schon in leidendem Zustande 
io die Stadt, insbesondere nach Wien reisten, dort für einige Tage in 
Arbeit traten, den Kranken beitrug für einmal entrichteten und dann so- 
fort sich in das Spital aufnehmen liefsen, wo sie auf Kosten der Ge- 
nossenschaft Tcrpflegt wurden. Da die Krankenbeiträge der Gehilfen 
schwer einzutreiben wareu, so ruhten in den Genossenaohaften, die kein 
Vermögen besafsen, die Spitallast hauptsächlich auf den kleinen Meistern, 
und dieser Umstand hat Tiel dazu beigetragen, die Genossenschaft, welche 
ihnen hauptsächlich als Kassierer des Spitals erschien, bei den Gewerbe- 
tieihenden unpopulär zu machen. 

In Bezug auf die Arbeitsvermittlung entsprachen die Genossenschaften 
nicht in genügender Weise ihren Aufgaben. 

]^n weiterer Grund, um die Genossenschaften unbeliebt zu machen, 
lag in ihrer Verwendung von Seiten der Steuerbehörden bei der £in- 
sehätsnng zur Erwerbs- und Einkommensteuer, indem hier die Genossen- 
lehaftsTorstände mit Mitteilungen über die Zahl der beschäftigten Arbeiter 
und andere Verhältnisse der Genossenschaftsmitglieder den Behörden an die 
Hand gehen mufsten. 

Den Genossenschaften ist es sodann auch nicht gelungen, auf das 
Lehrlingswesen einen bedeutenden Einflufs auszuüben. Auch auf dem Ge- 
biet« des XJnterrichtswesens waren nur minimale Erfolge zu yerzeiohnen. 

Ein Hauptgrund des Scheiterns der ganzen Institution lag zweifellos 
in der nieht genügenden Berücksichtigung des bernfsgenosseuBchaftlichen 
Momentes. Die bunte Zusammen würfelung heterogener Gewerbebranchen 
liels ein Gefühl für ein gemeinsames berufsgenossensohaftliches Streben 
kaum aufkommen. Andererseits gelaug es selbst auf diesem Wege oft 
nieht, solche Verbände ins Leben zu rufen, die sich zur Erfüllung der 
zahlreichen und überaus wichtigen Aufgaben, welche das Gewerbegesetz 
den Genossenschaften als obligatorische Funktion überwiesen hatte, fähig 
erweisen konnten. 

Dafs man auch namentlich den Zwang ftir ein Hinderungsmittel des 
Gedeihens der Genossenschaften hielt, geht besonders deutlich aus den 
Protokollen der allgemeinen öffentlichen Enquete über die Lage des Klein- 
gewerbes in Nieder-Oesterreich, abgehalten von der Handels« und Gewerbe- 
kammer in Wien 1873 und 1874, hervor. Es war die Frage gestellt 
worden : „Sind die Bestimmungen dos VIL HauptstÖckos der G.O. in Bezug 
suf die Gewerbegenossenschaften (Zwangsgenossenschaften) den dermaligen 
Verhältnissen des Gewerbestaodes entsprechend; welche Beschwerden 
werden in dieser Beziehung erhoben und welche Beformen des Instituts 
der Gewerbegenossenschaften werden beantragt?" 

Fast alle Experten, meist sogar Vorstandsmitglieder yon Genossen- 
tehaften, forderten die Aufhebung des Zwanges. Der Ruf nach Ab- 
Mhaffnng der Zwangsgenossensohaften erlangte immer mehr Nachdruck, 
aod fist allgemein forderte man freie Genossenschaften und glaubte, dafs 

7* 



100 



Nation AldkODOoalscbe Gesatsgebang, 



diese erspriefsliober wirken würden, weil die iDtelligeDteo uod besseren 
Elemente sich in ihnen zasammenachliefsen würden^). 

Infolge dieser Strdmuog wurden mehrmals VerBaohe gemacht, die 
Zwangsgenofiseo Schäften zu beseitigen. Dies gelang jedooh nicht, sondern 
einer kleiogewerblichen Agitation, welche in ihren Tendenseo nngemeiD viel 
Aehnlicbkeit mit nnfterer neuen deuUohen Handwerkerbewegung hat, ge- 
lang es, ein Gesetz zustande zu bringen, in dem der Befahiguoganaehweis 
und die Zwangagenostensohaft daa Hauplsiel der Reform waren. 

Oeateriüioh wurde durch Geeet£ Tom 15. März 1863 bereits mit dem 
Befähigungsnachweis und der obhgatori sehen Innung (Zwangsgenossen* 
Schaft) beglüoktf yon denen unser deutscher Handwerkerstand immer noch 
die Hetlung erwartet 

Der Teil des Gesetzes^ welcher sich mit den Fach gen oftsenschaften 
beschäftigte, der also den obligatorischen Genossenschaften der osterreiohi- ^ 
sehen Gewerbeordnung yom Jahre 1859 neues Leben einzuhauchen be- fl 
stimmt war, erfuhr verhältnismäfsig wenig Widerstand, da es sich nicht 
um ein NoYum handelte, sondern lediglich einer bestehenden Institution 
unter günstigeren Umständen eine ehrliche Probe gegönnt werden sollte. M 
Begeistert wurde damals das Evangelium der Kettung de^ Kleingewerbes V 
durch die auf dem Befähigungsnachweise basierten Zwangsgenossenaohafleu 
von dea Stimm fiihrem der Handwerker gepredigt ^). 

Biese erblickten darin den Beginn einer Selbstverwaltung des klein* 
gewerblichen Lebens, durch die aua einem atomisierteu Menschenhaufen ein 
sielbewufster und willenskräftiger Stand erwachsen werde. Was die 
Zünfte in ihrer Blüteieit gewesen, das sollten die Zwangsgen oisentcb&tteD 
in moderner Form sein. Sie wlirdeo die zersplitterten » im Kampfe mit 
dem Grofsbetriebe aufgeriebenen Einzelkräfte zusammenfassen zu einer 
widerBtandsfähigen, belebenden Organisation, in welcher jene den Kampf 
mit dem Kapitale siegreich zu bestehen die F^ähigkett erlangen. Nicht 
blofs das materielle Moment geeioter Kraft komme in dieser Hinsicht 
in Betracht; auch die geistigen und moralischen Faktoren gehobenen 
Selbstbewulstseins, der Standesehre, des korporativen Pflichtgefühls würden 
in Wirksamkeit treten. In dieser korporativen Gliederung würden auch 
die Interessengegensätze zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer Aua* 
gleiohung finden, und so wurden sich die Zwangsgenoseenscbafien zu einer 
lebensvollen Gesamtorganisation der klcingewerblichen Kreise gestalten« 
welche die Lösung der einschlägigen Ver waltun gsaufgaben tibernehraeu 
und einen erhebenden Gegensatz zu der Auflösung des Biirgerstandes 
bieten wü^rde. Der skeptischen Frage: Warum denn dies alles nicht 
längst — bei dem mehr als zwanzigjährigen Bestände der Zwangsge« 
Dessen Schäften — schon realisiert sei, begegnete man mit einer Reihe von 
Gründen. Die Behörden seien schuld, dafs die Genossenschaften wenig 
gediehen, well sie denselben kein Interesse entgegenbrachten und die 



1} Protokolle der «U^emeiDeti öaterrebhitoheo Enquete ttber die Lsf^ des Klelo- 
gewerbea in Nt«d«r*Oeftter reich, nbgebaltea voia der Handeln* uod GewerbekAtomer in 
Wien 1873 und 1874, I. Bd., Wien 1074. 

2) Emil BaX| Die dsterreichiscfae Gevrerbsnorelle tod 1883, in SchmoUer's Jfthr* 
bttcbem, YIL J&brg„ Leipzig 1883, S. 153. 



NftHoDftltfkonomiiehe G«setsgebQng. 



101 



iwiagtweite Bildnog von soloheD nicht betrieben. Wie? Ware es nicht 
irof allem S&che der Beteiligten selbst gewesen, d. h, der Einnichtigeren, 
BoftrgiBcberen unter den HaDiiwerkagenassen, die Bildung der Genoisen* 
•eiiall#o iLDSuregen und in die Hand zvl nehmen, wenn mit demselben 
wirkliob jene Fanaoee gegeben ist? Die Bebördeo würden dann ihre 
FflMlItt beittglich der Zwang«bildung gewife üicht Tersäumt haben, wie 

^ja mmiih an einzelnen Fällen, welche die Befärworter selbst anführten, 
0awte»en iat Wo solche GenosÄentohaftea io gröfserer Zahl that- 

Filalilieii iDi Leben traten, z, B. in Wien, dort loll es wieder eine den 
W&nachen der Beteiligten nicht eotsprecheode Zasammen legung mehrerer 
GflWerii« xa einer Genossenschaft gewesen sein, welche die Apathie der 
Mlt^Üe^eri ja sogar ein Widerstrebet) gegen den genossenschaftHohen Ver* 
band harforb rächte. Das kann unt«r allen Umständen indes nur einzelne 
Falle bolfaffen, und auch bezüglich dieser war das Votum der Handtjls- 
katttoer in Bezug auf die ZuFammeo legung nicht bindend, nichts hätte 
(aod hat thatsäoblich) einzelne Gewerbe gehindert, im Gegensatz zu 
diaaain Votum gesonderte Genossenschaften zu bilden. 

Daoo sei der Wirkungskreis der Zwangsgen essen seh aften nach der 
5riibeTea 0.0. kein ausreichender gewesen; dieselben wären wenig mehr 
ak dar Kaasierer für das Spital (in dem die erkrankten Hilfsarbeiter rer- 
pAi0 werden) und der Berater der Steuerbehörden (bei Auflage der Er- 
wirb* und Einkommensteuer) gewesen, die Gewerbetreibenden hätten so 
gal wie gar keine Vorteile, viel mehr blofs Lasten Ton dem Verbände ge- 
haJb/L Ein Vergleich der Kompetenz der Zwangsgenossensobafteu nach 
te 0.0. Tom Jahre 1859 und der Gewerbenovelle vom 15. März 188S 
wifd ariEeben, inwieweit das begründet ist, und das MaTs der Erweiterung 
kciiQcti lehren, von welchem man sich so grofsartige EesuUate versprach. 
Badlich sei die Organisation selbst mangelhaft gewesen ; eine Besserung 
daraalbea auf Grand der gewonnenen Erfahrungen werde die Zwangs* 
pMoaaaoaohaften erst aktionsf^hig machen. Es werden also auch nach 
titaar Riabtuog hin die Bestimmungen der vorliegenden Gesetznovelle zu 
pruita »ein* 

Daa neue Oasetz enthält eine wesentliche Verschärfung des Prinzips 
dat Kwaoges. Die Apostel der Zwangsinnung hatten ja auch stets das 
Arftmaol geltend gemacht, es sei noch nicht genug Zwang vorhanden 
gawaaaa» as müsse noch mehr Zwang aosgeübt werden. Der Wortlaut des 
6» ia ta a< seigt, dafs keineswegs blofs die handwerksmäfsigen Gewerbe, 
mm^mrwLf mit Ausnahme der Fabriken, alle Gewerbebetriebe Zwangsgenossen- 
•Hi^*^"^ bilden sollen, wie überhaupt die Novelle fast aufrsohliefttlioh auf 
daa Klatagewerbe zugeschnitten ist^), 

Daa Gesetz geht, wi« früher, von der Betrachtung aus, dafs auf eine Ein- 
wiflraog zum Beitritt nicht verzichtet werden könne, damit der beabsichtigte 
Zwaok amicht ward«». Allerdings werden die thatsäcbUohen Vurhältnisse, 
welcihti die Bildung von Genossenschaften nicht allerwarts zulassen, durch 



1) S^ItsTf OrwerbepoUtische Strßmungen in Ocsterreicb - Uttg»rn. Eme 8kisie. 
Vlvimymcbrlll für Volkjiwinh»cb«ft , Poütik und Kultargcscliichta, berAiugegsben voo 
Maati Witt« B4< 99, Bmlin 1886, S. 181. 



102 



KAtiooAldkononiiBcbe Ge^eUgefauog« 



§ 106, wie folgt, berückfliohtigt: Uoter deoeot welche gleiche oder verwandle 
Gewerbe iü einer oder lo Dachbarlicheti GemeiDden betreibeo, samt den 
HilfBarbeitero , hi der bustehende Verbauü aufreiht gu erhalteo aod , 60- 
fem er ooch eicht besteht, nach ßinTemehmeu der HaodeU* and Gewerb«* 
kammer, welche die Beteiligton zu hören hat, soweit es die Örtlichen Ver- 
hältnisae nicht uxjmöglioh tnaohen, durch die Gewerbebehörde hersu* 
filelleu. Die BeitrilUpütht ist die Folge des Aotritts des Ge werbet; 
wer mehrere verfichiedeoartige Gewerbe »eibstäudig betreibt, kann daheir 
auch mehreren Gecossenscbaften ao gehören. Die bestehenden Gewerbe- 
korporatioDeii hüben ihre Statuten dem ueuen Recht entsprechend sn re- 
formieren. Dia im § 114 normierten Zwecke der Genossenschaften sind 
in der Hauptsache den bisherigen gleich. Die 18 59er Gewerbeordnung 
erklärte als Aufgabe der Genosseaschaften ,,die Förderung derjenigen An« 
stalten und Vorbereitungen, welche die Bedingungen der gemeinaamen 
gewerblichen loleresaen abgeben'^, und führte als ihre obligatorisohe Auf- 
gabe namentlich auf: die Sorge für Aufreohlerhaltung des Lehr- und 
BieDstTerbandes, die schied sgerichtiiohe Au^tragoii;; der Streitigkeiten, die 
Gründung von Fachächulen und Anstalten 2ar Unterstützung der Mit- 
glieder in Erkrank ungsfäLlen und Notlagen, Ton gewerblichen Assosiationeo, 
Gewerbsan lügen sur gemeinsamen Benutzung u, b. w.^). 

Nach der Novelle von 1883 büsteht der Zweck der Genoäsenschaft 
in der Pflege des Gemeingeiatesp in der Erhaltung und Hebung der 
Standesehre» sowie in der Förderang der gemeinfiameü gewerblichen In* 
tere0«eo durch Errichtung Ton VorschufakasseD, Kohstofflagero, Verkaufs- 
hallen p durch Einführung dea gemein schaftlicheu Maschinenbetriebes und 
anderer Methoden. Hieran reiht eich eine Aufzählung der obligato tischen 
einzelnen Aufgaben , welche mit dem früheren Gesetze bis auf die neuen 
belangreichen Funktionen bezüglich des Lehrlingswesens übereinstimmen *). 

Den neuen Genossenschaften ist nämlich eine weitgehende EinfluTa- 
nähme auf daa ganze Lehrlings wesen zugewiesen durch Erlafs von der 
behördlichen Genehmigung zu unterbreitenden Beatimmungen : über fach- 
liche und religiös-sittliche Ausbilduag dar Lehrlinge, über die Lehrseit 
bei nicht handwerkBmäfsigen Gewerben, die LehrlingsprüfoDgen, die Be- 
stätigung der Lehrzeugnisse, über die Bedingungen für das Halten der 
Lehrlinge überhaupt, sowie über das Verhältnis der letzteren zur Zahl 
der Gehilfen im Gewerbe. Was die Organisation der Genossenschaften 
betrifft, so gehören denselben al» Mitglieder nur die Arbeitgeber an, die 
Gehilfen sind in untergeordneter Vertretung nur Angehörige der Ge- 
nossenschaft Die EegierungsTorlage wollte die Hilfsarbeiter unter ge- 
wissen Voraussetzungen (Unbescholtenheit, Grofsjährigkeit) als gleiohbe> 
rechtigte Mitglieder ansehen, die Novelle drückte ihre Stellung «u der 
unfreieren des bisherigen Systems wegen der Interessengegensätze und 
Verschiedenheit der eosialen Stellung herab. Nur bei dem wichtigen 



1) Tf Lakner, Pruktisches HAndbüch der neuen österreichtschen Oewerbe-Ordniiiig, 
•ntbiltend don ▼olbtModigcD Text des Gesersea vom 20. Dezember 1839, Wien 1660, 
S. 63 IT. 

S) Die durch dl« Oesetse vom 15. Man 18^3 und B. M^n 1835 nbgeloderte 
und ergiuitte Gewerbe-Ordoang Tom 20. Dezember 1859« 5. Aufl., Wien 1893, S. 136 IT* 



NAÜo«m|5liononniiehe G«s«tzg«biin^. 



103 



lericbtlicheii Aassohasae zur Austragurtg der zwisoheo den Arbeit- 
end Hilfflarbeitern ent stehenden Streitigkeiten aus dem Arbeitd-^ 
Lilir» tmd Lohn* Verhältnisse und bei der VerwaUung der KrankeukaBieu 
(im wekhen die Gehilfen neben den Arbeitgebern Beiträge leisten) ist eine 
GltidiaieLfung der beiden Elemente erfolgt. Die Geschäfte der Genossen« 
idull besorgt die Genossenaohaftsversammlung» die Genossensobafts-Yor- 
4ia!^QDg i^Geo otsen Schafts- Auaschufs unter Leitung des VorsteherB) und der 
laJtieiTichterl i cb e Aassschurs. Die GenosseDBohaftsTersammlunfr besteht 
Uta den atimmbereehtigten Mitgliedern (das Stimmrechi erliseht infolge 
I ttimfreebtlieher Verurteilnng, Konkurseröffnung, Anordnung einer Kuratel). 
Die Gehilfen der io der Genosse nscbafl vereinten Gewerbetreibenden , als 
Aogehorig« der Genossen schaft konstituieren sich als GeaellenTersammlong 
ttstor dt» gewählten Obmann. Ihre Thätigkeit, die Rechte and Pflichten 
rvftlt daa Statut. Zum Wirkungskreis der Gebilfenyersammlung gehört: 
dia Wahroebmung und Erörterung der Interessen der Gesellen, die Wahl 
dvr MitfUeder des schiedsrichterlichen Ausschusses und die Wahl der 
DdafWtto tUT Genossen schaftsrersammlung tum Zweck der Vorbriogung 
fön W8Dicheu. Ebenso kann die GenossensohaftsTersammtung durch De- 
Itfierte mit beratender Stimme an der Oehilfenversammlung teitnehmen. 
Im iriehtige Neuerung liegt in der den Genoesenscbaften auferlegten 
Ver^i^btnog, lur Unterstützung der Gehilfen in Krankheitsfällen Kranken- 
Irnitn so errichten» tu welchen beide Teile Beiträge sahlen. Der Zu* 
•ahnla der Gehilfen darf nicht höher als d Proz, rem Lohne sein, während 
jar d«r Arbeitgeber nicht höher bemesseo werden dar! als der des Ge- 
Ulleobeitimgs^) 

Auf die Details dieser Organisation weiter einzugehen, würde den 
Elkmeo dieser Abhandlung fibersehreiten. Die Abweichungen gegenüber 
das früheren Bestimmungen, Ton denen man das ganze Heil erwartete, 
wareo aUo angemeiu geringe. Einen Erfolg Tnrsprach man sieh deshalb 
b «»bjektiT urteilenden Kreisen in Oesterreich too den Zwangsgenossen- 
lahaltso nicht, weil sieh eben ein pelbstthätigea Wirken duroh Gesetzes- 
|M»gi«pl»#B nicht erzwingen läfst* 

BIb endgiltiges Urteil läfi^t sich natürlich über die Novelle vom 
Jahre \MZ Jetzt noch nicht fällen, soriel steht jedoch fest, dafs obwohl 
dia StimiBen Über den Wert odi^r Unwert der Gewerberechtsreform in 
O tilf r iMi Tom Jahre 1B89 noch nicht Yerstummt sind, kann man doch 
Mfui« dia Zweifler sind nicht bekehrt, die Anhänger nicht befriedigt 
vordeo. Dafs mancherlei bei der neuen Ordnung der Dinge nicht so seii 
via M aaia sollte^ ist eine tou niemand geleugnete That^ache; ob aber 
i^ Grand Hir die Mangelhaftigkeit darin gelegen sei^ dafs man mit der 
Oew#rbeordnuDgsno Felle zu sehr oder zu wenig gegen dns Prinzip der 
Oavarbftfriiheit yeriitofsen habe» ist noch die Frage « hinsichtUch deren 
teolworiuog die Meinungen sehr auseinandergehen ^). 



[t) Ztller, 0«werb«poHti*cii« Ström aogen io Oestflircich - On^Ärn. Ein« SkiM«. 
(Vl«1«l|«lbrs*e]uiri (ür VolkswirUcbaft, Politik and KotturgesehicbU, hftrsatg^'geben voo 
Ibiaari Wis», Bd. ft9 ) B«rlia \tU, S. 184. 

S) ^Ftkt4ir Mst^s.^ Die Kntwickloni^ der dtterrelchiicbeu GcDosavo^hAftea (DeuUche 
Wvm^ ||eaAt»b«ftc, h«rftüsgeg«b^tt toii C Poriier»lorfsr, VUI. JAhrg.« 1888, Aagutlbefl). 



104 



KatiomLldkoDOiniselie GeBelzgtbmic« 



Nach einer ZueamnieDi^telltttig im OeeterTeichiBchen OekonomiileB 
(1888) Nr. 11 betrug die tiesamtzohl der io Oesterreioh auf Grund dtr 
G«werbeDOTelle bu Ende des Jahre«. 1887 errJohteten Genoäsensohaftea 
4648, von welchen 651 auf die Oenossen Schäften für einzelne Gewerbe, 
6^2 auf die Genosfienschaften fiir Gruppen rerwandter Gewerbe und Mib 
auf die KailektivgenosBet] Schäften entfielen. Die meisten GenoasenBchafteo, 
Dämlich 1422, bcfcfitzt Böhmen, die wenif^sten, 6 an der Zahl, das KtUten- 
land. Es machen die Faohganossensohaften alao nur 14,2 Proz. aller 
5»terreiehiBchen Genosaenschnften auB. Nur 14»3 Pro2. aller Genossen* 
Schäften sind aolehe yerwandier Uewerba^uppen , dagegen machen 71,3 
Proz. aller Genoasenachaften die KollektiTgenosBenschafteo oder Eeiben- 
xünfte auB« 

Schon früher hat die bunte Zusammen würfe! ung heterogener Gewerbe- 
branchen das GetUhl für gemein Bchaftliches» berufsgeDosfienaohaftltobea 
Streben nicht aufkommen lassenf man darf wohl annehmen, dafa die Ver* 
haltnisae in den Kolleklivgeoossen Schäften heute noch die gleichen find. 

Seit dem Jahre 1887 bat die GenosaenBohaftfientwickelung Oeaterreichi 
uoüh weitere Portaohritte gemacht. 

Nach der Darstellnng des Standes des gewerblichen GenoseenschAfta- 
weaens (1891), Wien 1891, betrug die Gesamtzahl der Genossen Schäften 
5118. Es hatte sich also die Zahl in den yier Jahren um 565 GenoBsen- 
Bohaften renuehrt. Von diesen 5113 Genosseni^chaften waren 722 solohe 
für einiselne Gewerbe, 2252 solche für verwandte Gewerbe und 2189 Kol- 
lektivgenoBsen Schäften. £a hatten sich altio die Fachgenosßenschaften um 
71 rermehrt, die GeuossenBchafteD verwandter Gewerbsgruppen wiesen 
eine Vermehrung von 1600 Genossen sohaften auf, dagegen waren die 
KollektivgenossenBchaUeu um 1106 an Zahl zurückgegangen, d. h. es war 
eine Zerschlagung von EolIektivgenoBseusohaften in solche verwandter Ge- 
werbsgruppen und in Fachgenosaenschaften erfolgt. 

Ea waren also jetzt 14,1 Proz. Fachgeoossenschaften, 44 »2 Proz. Ge- 
nosaensohaften für Gruppen verwandter Gewerbe und 41,7 Proz. KoUektiv- 
genoBBenscheften (TerritorialgenoBseusehafteo oder sogenannte Heihenzünfta). 

Dafa aber die Zahl der Genoaseosohaften noch keinen Schluft auf 
die Wirksamkeit derselben zuläf^t, möge aus folgendem hervorgehen. Nach 
einer Ton dem gemeinsamen «tatis tischen Bureau der Handelskammer bewirke 
Brunn und Olmülz für das Jahr 1886 bearbeiteten Statistik der mahrischen 
Geoossenschaften bestanden im ganzen 857 Genossenschaften, von denen 
sich 155 auf den BrÜnner uud 202 auf den Olmützer Kammerbezirk ver- 
teilen. Nur Über 276 dieser Genossenschaften lagen Angaben über Ein- 
nahmen und über 288 Angaben über Ausgaben vor. Wenn man bedenkt» 
dafs eine sehr botrachtliohe Zahl von Gewerbegenossenschaften gar keine 
YermögenBgt^ bahrung ausgewiesen hat, alHO wahrscheinlich bis zum Sclilusse 
des Jahres 1886 noch nicht funktionierte, so wird man nicht auf eine 
lebensvolle Bethätifiung der geD0R«en8chiiftlich©n Institution Bchliefjsen 
können, zumal ein nicht unbedeutender Teil der zumeist nicht erheblichen 
Ausgaben schon in dem allgemeinen Yerwultungsaufwande seine Be- 
gründung findet^). 



I 



1) Scfanüd, StatUtUolie Stadien Über die Entwickelang der österreichtscbeo Gewerbo- 



NfttioiMilttoiiOHiiiehe Off te g ü lwing. 



105 



IXmm ThftiflMhe, db tieh wahnoheinlieh nicht nur in Mähvtn oder 
sonstwo finden irird, ist aber ein Beweis, dafs siob wohl durch 
0eseti Oenosaenschaften aaf dem Papier schaffen lassen, dafs diesen jedoch 
■eist kein Leben innewohnt. 

Folgende Uebersicht der aof Grand der Bestimmungen des Gesetzes 
Toa 15. Mim 1883 errichteten gewerblichen Genossenschaften für das 
Jahr 1891 seigt näher die Yerteilung ^). 



Kronljuid 


Schäften für 
einielne 
Gewerbe 


Genossen- 
schaften für 
Orappen 


KoUekHr- 
SODosaen- 


Summe 


Bemerkung 




verwandter 
Gewerbe 


sehaften 






1) Nicdvestttmich 


163 


276 


95 


534 




t) OlMrastemich 


84 


3" 


260 


666 




3) Salsbar« 


II 


57 


t\ 


109 




4) 8f«i«niimrk 


57 


320 


338 




5) Kiratan 


8 


34 


47 


83 




S) Krsia 


5 


13 


16 


34 




7) KflstenUnd 


S 


2 


— 


7 




8) Tirol und Vor- 












■ribcrg 


34 


176 


85 


395 




•) Bullaen 


321 


884 


889 


1884 




10) MIhrcii 


56 


131 


387 


s 




11) 8eblMi«]i 


16 


,11 


15a 




It) Gallsien 


58 


211 


435 




IS) B«kowiD« 


3 


5 


16 


44 




14) DataMCiMi 


I 


5 


9 


«5 


Nach dem SUnde 
▼om Des. 1886 


SamiM 


7" 


2252 


2139 


5113 





Obgleich, wie wir sahen, 5113 Genossenschaften bestanden, waren 
doch nur 2857 GehilfenversammluDgen, 2657 Schiedsgerichtsausschüsse, 
B08 Genossenschaftskrankenkassen und 195 Lehrlingskrankenkassen ge- 
läldet worden. 

Aas den Zahlen ergiebt sich, dafs das Oüoossenschaftswesen in formeller 
Bexiehong, soweit es sich nämlich lediglich um die Bildung der Genossen- 
lehalten nnd um die Verfassung der Statuten für dieselben handelt, seit 
der Wirksamkeit der NoTcUe yom Jahre 1883 eine namhafte Entwickelnng 

lofWrist 

Leider ist hinsichtlich der Erfüllung der den Genossenschaften durch 
dts Gaseis übertragenen materiellen Aufgaben — wie dies bei der Kürze 
des Bestandes der neueren Gesetzgebung übrigens zum Teil wohl begreif- 
lieh erseheint — ein auch nur annähernd gleicher Fortschritt nicht zu 
Terseiehnen. Wenn selbst berechtigte Hoffnungen, welche an die Reform 
der G.G. geknüpft wurden, bisher unerfüllt bleiben, so mufs die Ursache 



Uli. 



mit besonderer Bttcksicht aaf die Wiener Genossenschaften. Statistische 
XIV. Jahrg., Wien 1888, S. 177. 
1) DantelJoBg des Standes des gewerblichen Genossenschaftswesens (1891), Wien 



l 



106 



NationtlSkonOTnUeha Q«s«tx^btttif^ 



d&YOQ SQiiSehet in den allgameitieD wirtichafllioheo, sozialen und politiscbeo 
Verhfü toi igen geeucht werden. Aber aach dai GeseU »elbit trägt, wenn- 
gleich nnr in untergeordnetem &fafi^e, daran Schuld, indem namentlich 
seiDe organisatorischen Bedtimmungen übermäfsig verwickelt und mehrfach 
unklar und dadurch einer glatten Abwickelung der Geschäfte hinderlich «lod* 
Auf manchen Gebieten ist eogar ein Rückschritt gegen früher wahr- 
nehmbar, to hei der Arbeit«Termittelang infolge des Auischeidens det 
Fabrikbetriebes aus den Genossen schafteD und bei der judisiellen Th^tig* 
keil der GeDogAenBchalteo, welche durch die Novelle Tom Jahre 1883 in 
eine rein schiedsrichterliche umgewandelt worden ist, also nie auf Grund 
eines Kompromisses wirksam wer^len kann. 

Der Thateacho, dafs schon im Jahre 1886 für 10 86 genotsenschaft- 
iiche Kroukenkas£en das Statut vorfafst war, ist gegenüberzuhalten» 
dafs an GenossenachaftskrankenkasBen ^ welche den Bestimmungen dei^ 
KrankeDversicherungsgesetses vom 30. März 1888 (R.G Bl Nr. 89) eni 
spracheo^ für das Jahr 1889 nur 599 mit eiuer MitgUederzahl Ton 180 67fl 
(durchschnittlioh also 302) Personen und für das Jahr 1890 nur 663 miil 
einer Mitgliederzahl von 215 894 (durchschnittlich also 326) Personen 
ausgewiesen wurden, Lehrlingskrankenkassen , welche den AnordnuDgen 
des KrankenrersieheruQgsgesetzes entsprachen, bestanden im gauien 91 
mit 25 347 (durchschnittlich 279) FersoneD. 

Auch für das gewerbliche Bildungswesen ist bisher seitens der Ge- 
ne tseoschaften nur sehr wenig geschehen. Der grofse Aufschwung, der 
auf diesem Gebiete wahrzunehmen ist, mufs vielmehr zumeist auf die 
Förderung, welche dem iDdustrielleu Bildungswcsoo seitens des Staates 
direkt zu Teil wird, zurückgeführt werden. Dies beweisen schon die 
jährltoh für diesen Zweck in das Budget eingestellten Summen» welche 
betrugen in Gulden 

Im Jmbre 1876 308300 

t, „ 1881 454 4'0 

,, M 1882 84« 437 

„ ,, 1883 1 00s 948 

und, 10 weiter jährlich um rund 100 000 fl, waohseod, im Jahre 1893 
angesetzt sied mit 2 081359 fl. 

Nur ein kleiner Tiil dietter Beträge flnfs GenoBsenschaftBijehulen ak 
Staat ssubrention zu* Immerhin wird ein gewisser Zusammenhang zwischeaij 
den den Berdhigungsnachweia fordernden Bestimmungen der 0,0, und der 
Förderung, wekhe dem gewerblicheu Bildungswesen gerade in den letzten 
Jahren und mit stüts zunehmuudem Erfolge zuteil geworden ist, ntohftH 
in Abrede gestellt werden ^), 'S 

Schwiedland sagt in seiner Abhandlung über die Einführung obliga* 
toriseher ArbeiteranfiBohüsse und den Versuch einer Organisierung der^ 
Industrie in Oesterreich über die Genossenschaften folgendes >): ^M 

1) Freiherr Friedrich von Call, Gewerbeges«tsgfbung In Oesterreich. Bandwort^r^ 
buch für StA aU Wissenschaften, Bd 111, S 998. 

2) Si:hwi«dUt]d, Die EiiinihrQDi< obligmtorischer Arbeiteratt&fichÜMe und der Ver»neb 
einer Organ isierong der Induitrie in Oe&terreirh. Sehmoll er'n Jfibrbacb für Ge«etsgebang, 
Verw«UtiDg und VolkswirUebafr, XV. Jabrg ^ Leipilg lS9i, S. 1358. 



KaüofialSkonotnische &ea6ti|[;»bttng. 



lOT 



ifTrotsdem das Gesetz TOm 15. Mars 1683 bereits seit »ieben Jahren in 
Hrk^amkeit ist, sind dioGewerbegeDossensohafteD Dooh lange nicht defimtir 
konstituiert, und auch wo äie besttfheQ, ist die Beteili|^UDg an der Genos^en- 
sohaftsTeraammlung so gering, dafs die Anzahl an Mitgliedern^ an deren 
Anwesenheit die Beschluffifahigkeit der Versammlung geknüpft ist, stetig 
reduJEiert werden muTd. IHe Interesseodivergenz der kapitalkräftigen and 
der unbemittelten Meister hat sich auch innerhalb der Genossenschaft 
gelttfnd gemacht , und da die letzteren in Mehrzahl sind , werden die 
kapitalkräftigen Genosdensehaftsvorsteher allmählich durch solche ersetzt, 
deren Tendenzen die Sympathien der kleinen Leute haben und welche 
selbst auf das Gehalt als Vorateher angewiesen sind» Hieraus folgt, dafs 
bie die Popularität Ruchen und nicht stets mit der erforderlichen That- 
kraft an der Durchführung der Bestimmungen der Gewerbeordnung in 
Bezug auf das Lehrlings wesen und dergleichen mltarbeiteD. Bio Gehilfen 
umgekehrt stellen überall die ttichtig«)ten Genossen an die Spitze des Ge- 
hillroaussohusses und haben diese seit der Durchführung deg Arbeiter^ 
Kranken versieh erungsge setz es ror Kntlassungen und gemeinsamen Mals- 
oahmeu der Meister didurch sicher zu stellen gewufst, dafs sie ihnen die 
bieoldeten Stellen in den geDOssenschaftlicben Krankenkassen zuwendeten, 
Bf deren Verwaltung sie mafsgebenden Einflufs haben. Während 
Kmit die Genossi uschaft der Meister bisher nicht jene kräftige Gestalt 
besitzt, welche dem Gesetzgeber Torgeschwebt haben mag, ist der Ge- 
hilfei>aus3ohufs, z imindest in den Städten, eine wenn auch nicht einflufs* 
reiche, so doch thatkrüftige Vertretung des Arbeiterinteresses, welche früh- 
zeitig auf die Vereinigung der Berufsgenossen Bedacht nahm und deren 
Fuhrung übernahm, sowie in der Genossensohaft unermüdet auf die Durch- 
führung der zu Gunsten der Arbeiterschaft und der Lehrlinge bestehenden 
retzliohan Bestimmungen drängt.'* 
Eine in Oesterreich ziemlich anerkannte Thatsaehe ist es, dafi die 
meisten Genossen^fchaften und iltre Verbiu düngen vorwiegend nur eine 
politische Thätigkeit entfalten utid lusbeaondere von der radikalen und 
aniisemi tischen Partei Strömung benutzt worden. Vor allem zeigt sich der 
Uebtlstand, dafs in die Zwangsgeno^senschaften Handwerker aufgenommen 
werden, welche ausäcbltefslieh nur für einen grofscn Arbeitgeber arbeiten, 
der dann die betrefiPenden Waren vertreibt. Diese Leute sind eigentlich 
keine Unternehmer, sondern Hausindu^trlelle. Diese Elemente bilden die 
Mehrzahl in den grofsen Genossenschaften der Schneider, Tischler etc, 
und durch sie sind sehr schädliche Bewegungen in die Handwerkerfrage 
bin eilt getragen* Diese Bewegungen, die in Oesterreich vorwiegend anti- 
femitisclien Charakter tragen, würden bei uns jedenfalls Sozialdemokratie 
setien Charakter annehmen. 

Da auch die österreichische Statiftik über die Gewerbegenossen* 
echaften eine sehr mangelhafte ist, so kann man über die Wirksamkeit 
derselben auf dem Gebiete der Arbeitsvermittlung, des Lehrlingswesens, 
der schiedsrichterlichen Thatigkeit, des genoBsenschaftliohen Kranken- 
kaesen Wesens und der sonstigen Leistungen auf wirtschaftlichem Gebiete 
jm einzelnen keine Aufschlüsse geben. 

Nur über die Wiener Genossenschaften, die wohl mit die höchste 



KationilBkonomiBch« Q«Bat*KftbQnir* 



EDiwiekeluDg der östeireichi sehen GeDossetiflcliaiten überhaupt zdigeD, 
liegen derftrtige Ans^aben Tor, doch beweiflen diese, dafa die Leisiunge^H 
selbst in Wien auf allen diesen Gebieten böebBt mantrel^afte sind ^)« ^t 

Scbmid sagt über die Resultate seiner statietiicben Arbeit: ,,Duroh die 
Torstehende Untersuchung ist, glauben wir, aur Genüge klargelegt, welche 
grofse und wichtige Aufgaben der administratiTen Htatistik bei Lösung 
der Frage der Gewerbeorganisation noch harren ^ und wie wenig sie die- 
selben bisher erfüllt hat. Es mufs in der That als ein dringendes B«^- 
dürfnis bezeichnet werden, dafs die Gewerbegesetzgebungp bevor sie neuer- 
lich kodifikatorisoh vorgeht, sich zunächst Bechen schalt ablege über die 
bisherigen Hesultate des durch die GewerbenoTolle yersuohten Neubaue|H 
der Gewerbeorganisation, Insbesondere wird nur auf diesem Wege di^| 
Entecheidung über die Frage der z w an gs gemeinschaftlichen Natur der 
gewerblichen Yerbände mit Sicherheit gefüllt werden können. Es mag 
sein» dafs die bisherigen Erfahrungen nicht zu Gunsten der Zwaogige- 
Dossenfiohaften sprechen, und auch wir yermdgen uns des Eindruckei 
kaum zu erwehren, dafs die in den letzten 20 Jahren wiederholt ge- 
iiufserten Zweifel über den Nutzen dieser Institution durch unsere Unter- 
suchung eher eine Verstärkung als eine Abschwächung erfahren haben. 
Gleichwohl sind wir noch weit entfernt zu meinen, dafs durch freie In* 
nuni^en oder berufsgenossenschaftliche Vereinigungen für sich allein ohne 
weiteres die durch das Institut der Zwangsgenossenschaften angestrebten 
Zwecke sicherer oder ausgiebiger erreicht werden würden, Wohl aber 
glauben wir durch die vorsteheode BarstoUung den Beweis erbracht tu 
haben, dafs die gegenwärtige Gewerbeorganisation nicht nur in vielen 
Bt'tails Gebrechen aufweist, sondern vor allem ein Organ Termissen läf^t^ 
welches für die Durchführung der genossenschaftlichen Aufgaben wachen 
würde. Ein derartiges Organ sollen für Deutschland die IHandwerks- 
kammern sein.*^ 

Um uns nochmals zu resümieren, so steht so viel in Oesterreich fest, 
dafs das gepriesene Prinzip des Zwanges bisher nicht die erwarteten Er* 
folge gebracht hat. 80 kurz der seit der letzten tiefgreifenden Reform 
verstrichene Zeitraum auch ist, so wurden doch Versuche unternommen, 
die Frage der Aenderung der 0.0. wieder von neuem 10 Flufa zu bringen *)» 
Eine Reihe einschiügiger Antrage von Abgeordneten war bei der am Be- 
ginne des Jahres 1891 erfolgten Auflösung des AbgeordneteDhauses noch 
unerledigt gewesen, und die Mehrzahl derselben wurde in dem im Früh- 
jahr 1891 neugewählten Hause abermals eingebracht. Alle diese Antrage 
haben von der fortdauernden Notlage des Kleingewerbeetandea ihren Au«M 
gang genommen und haben zum Teil wohl auch in der Enttäuschung dieseH 
Kreise ihren Ursprung , welche an die Röfarm der 80er Jahre über» 
mäXsige Hoffnungen geknüpft hatten. Sie gehen dahin, den EinfluTs der 
Genossenschaften auf die Verwaltung des Ge werbe wesens zti erweitern, die 



1> F. Schmidt Ststistisehe Srudien Ubsr die Enhrloksianj? der dsterreichisehen Gewerbe- 
l^enotMiij^chAft«» mit bettOD derer Rücksicht auf die Wieii«r Genosa«osch&fleii. 3Utist{«cHa 
MonatHschrifi, XIV JahTg , Wien 1888, S 184 ff und 8. S23 ff. 

2) Freiherr Friedrich von Cati. Gewerbugesotigebung in Oesterreich. Bmndirörteft- 
biwli Ar StaatttwisatnachAften, Bd. IJI, S. 995. 



KiktEoDiJökoiiomliche Oeäetsirebaiig. 



109 



Zahl der kotuseftsiomertea and der haudwerksmäTiigeB Geweibe za ver- 
■lalireD I dte FabriksunteraebmuD^en, fiillB sie Oegeaätäude handwerkt- 
nibi^er Gewerbe erseugeo, dem BetähiguugsDachwäise und dadaroh weiter- 
filieDdeo BetcbräokuQgeo zu unter werfen, den iierahigungsnaohweis f eroer 
•aeh ftaf die Mebrzahl der KandeUgewerbe auszudehoeD und der gewerb- 
belieii Tbiitigkeil der Eiuielneo auch durch bliDacbraQkaDg dee Umfauges 
d«pr eiaxeloeQ Handels- und Gcwerbebefuguisse eogere Grenzeo £u ziehen. 
Ferner werden eine Verlängerung der Lehrzeit, EioBohränkuDg de» Ageotur- 
w nf e oj , Mmfsregeln gegen ua reelle Aus verkaufe und die Wiederherstellung 
dar ffeBoaaeDsebatliicheD Geriehtsbarkett als einer obligatorischen verlangt. 
Amh die pbligatoriache Schaffung vnn Verbänden zwischen den GoQOsseu- 
idttlten eioes Bezirkes, mit der Fakultät den Verband auch aaf mehrere 
Btnrke aoBZudehnen, wird behufs besseri^r WahruDg der Standesintercsaeo 
(«tedorL Uand in Hand damit gehen die Bestrebungen auf Teilung der 
keKlelieiidea Handels« und Gewerbekammern in selbständige Handels- und 
tillkaliiidige Gewerbekammem. 

Um BUD, ehe die Gesetzgebung auf dem angedeuteten Wege weitere 
Mnilla Ihot, sieh über die thatsächlichen Verhältnisse zu orientieren, 
hu dma Stterreiohisohe Parlament einen Permanenz aussohui's eingesetzt, 
im yom 6. Juni bis zum 10. August 1893 eine Gewerbeenquete ver- 
attitftlWie^ deren Resultate noch nicht vorliegen . aber bald zu erwarten 
^), Jedenfalls wird diese Enquete auch mehr Einblick in die that- 
Verhältnisse der Ö&terreiohisohen Genossen schafteu gestatten. 
!• Vii# »ehr zu wünschen ^ dafs unsere Kegierung dem Beispiele der 
lillKf«tollia^#Q Regierung folgte und, bevor sie mit dem Orgauisatioiis- 
istinirf mm den Rinohstag herantritt, eine EnquMe tiber die Wirksumiceii 
d«r Inonagen veranstaltete, um im Detail statistisoh nachzuweisen , was 
diaailliatt denn eigentlich auf dem Gebiete des Lehrlings-, GeaelleD*, 
AtMlAAchweis- , Herbergs-, Unterstützungs-, Fachschulwesens etc. ge- 



Wtt sind der persönlichen Ueberzeugang, dafs eine Vergleiohiing der 
der österreichischen und der deutschen Enqudte^ also eine Ver- 
Bg der Keaaltate von Zwangs- und von freien gewerblichen Ur* 
MlMoeo, nicht zu TJnguotteu der letaleren ausfallen würde'). 
Obwohl also die Resultate der österreichischen Zwan gegen ot^senschafteo 
Äaaaweft zur Nachahmung anreizen^ will der preufsische Haudelsminister 
Dränfen weiter Kreise unseres Handwerkerstandes, welche in der 
bUgmloHaohen Innung das Heil des Handwerkerstandes sehen, nachgebeti 
wmA diele ooter dem Namen Facbgenossenschaft, genau nach dem Muster 
I d€r MieTre« Chi sehen Genossenschaft, ins Leben rufen. 
■^ Dttfa bei dem neuen Organ isatiootentwurf bezüglich der Faohgenossen- 

^^^H) SeaUtpolltlsche» ZentrAlbUtt, II, Jahrg., Kr. 5S (Engelbert Periicrstorrer, Dt« 
^^HmlilrfselM 6«w«rt)e«nf)uet« vom 6. «Iudi bis 10. AuiriiftC 1893). 

t| Wllir««i4 d«» Uruckei dieser AbljMnitung bjit Dr. jur Ebenhoeh, fisterreiehlsoher 
UdHratebfvoTdiittter und Ktfereut d^ber die Uewerbereform im Oew«rbssiU!»Lhu9S<i dss 
istsinhysthiii Abgeordueteuhftttfte»t «i^»e ScbriTr, betUelt: ^^Die mtindliche Oewerbeeiiqudte 
^ MtfVeMabcKaa ParlAnuDls und dio Gsworbcrefurm in Oeitsrr«ich'* erscheinon Iftsaen^ 
^tiin ^alM AafiMlUis«« Ub«r die Heäalute d%r EuquSle giebL 



110 



KutioiiklSkiHioiiilMilie 6es«ttgtbiini;. 



loh&ftaii die österreiobitche GesetzgebuBg aU Muster gedient hat , i<t 

sweifello»; deno die im Entwarf Torge^ehcnen Fachgenossenschafteo stimmcQ 
in ihren Aufgaben und in ihrer Organisation fast volletündig mit den m 
Oesterreioh bereita Eieit 1859 be^tehendeD Genossenschaften überein. 

Wir müsten also die Facbgenossenschaften grundgätelich Terwerfen« 
und wollen nun besonders der Frage näher ireteUf was aus den Innungen 
werden wtirde, wenn derartige Zwangsorganisationen dooh geseha^en 
würden. 

Die Fachgenosgentcbaften sind ganz ähnlioh gedacht wie dte he^ 
stehenden Innungen» nur einmal mit der EinweiU rung, dufs ihnen alle 
Gewerbetreibenden des Faches oder der Fächer, für die sie gebildet werden 
sollen, angehören müssen, fem er mit der Erweiterung, dafa sie je nach 
der Sachlage mehrere — wenn möglich verwandte — oder gar alle Ge- 
werbe des Ortes hezw. ihres Bezirkes werden umfassen können, endlich 
mit Vermehrung der Befugnisse ineofurn, als ihnen ein gesteigerter Ein- 
Hufs auf das Lehrlingsweeen eine weitergehende Mitwirkung bei den Ge« 
sellenprüfnngen zustehen solL Der Entwurf will dabei, wie wir bereit« 
herTorhobenp die Innungen, jedoch unter Beschränkung auf ihre Mitglieder, 
neben diesen Genoßsensohaften weiter bestehen lassen. 

Erregt fchon dieses Nebeneinanderbestehen so gleichartiger, teilfl 
weise sich deckender Vereinigungen auf den ersten Blick Bedenken, f^^ 
wird dies noch gesteigert, wenn man erwägt, dafs von diesen Ter* 
einigungen die eine — die Fach genossen seh aft — eine Zwangporgtinisatioo 
ist, die andere — die Innung — auf freiwilligem Beitritt beruht. E* 
wenien daher diejenigen Handwerker, welche bisher Innungsmitgliedeir 
wiiren und es weiter bleiben wollen , doppc^lt belastet, ihnen erhöhte 
materielle Opfer und eTentucil iweimaliger Zeit¥€rlust zugemutet. Schon 
diese Erwägung führt dahin, mit Sicherheit anzunehmen, dafs Tennutlich 
den Innungen der gröfste Teil ihrer Mitglieder ent:;£ogen und schon damit 
zumeist die Lebensfähigkeit genommen werden würde* Noch klarer wird 
die Schwierigkeit und ünzweckmafsigkeit des Nebeneinanderbestehens, 
wenn man die für die neuen Körperschaftfn im Entwürfe und die fllr 
die Innungen in der Gewerbeordoung festgesetzten Aufgabeo, sowohl die 
,, obligatorischen^' als ..fakultutiTen'', mit einander vergieioht. Diese Auf- 
gaben sind zum gröfsten Teile identisch. Nebst der allgemein vorge- 
schriebenen Pflege des Gern ein geistes, Aufrech terhaltung und Stärkung der 
Stiuideiehre, Forderung des gedeihlichen Verhältnisses zwischen Meister 
und (Jesellen obliegt beiden : Fürsorge für Herberg!>wesen und Arbeits- 
nachweis, Regelung des Lehrlingswesens und Fürsorge für dit) Lehrlinge 
und deren gewerbliche und sittliche Ausbildung, Entscheidung von Streitig- 
keiten, Fachsehulenerrichtung, Veranstaltung von Prüfungen der Lehrliage 
und Gesellen; nur ist deti Fach genossen schoften die Hildung von Prüfung!« 
ausschüasen für Gesellen- und Meisterprüfung als obligatorische Funktion 
vorgeschrieben, den Innungen noch die Förderung des gemeinschaftlioheu 
Geschäftsbetriebes der Innungsmitglieder, die Errichtung von Unter- 
stüttungskassen anheim gestellt. 

Das sind die ganzen — im Grunde geringfügigen Unterschiede in 
dem Wirkungskreise beider Körperschaften — um so melur gering^ als die 



IfttioQiJökoiiomische Geaetigebuii^. 



111 



Vartutt^lttiiigen für gern ein seh aftli eben geschäftlichen Betrieb, wie 2. 6, 
feBcdatameii BohstoffeinkaQf, MagasiogenoBseDschaft u. dergl, so gut wie 
^r ttteht bei den Innungen bisher ztistande gekommen aind und btji der 
liidtr tief eingewurzelten Abnti|i;ung utiserer deutiohen Handwerker gegi^u 
des Senettenachaftswesen ToraussichÜich auch in Zukunft keiue belang- 
reiclie Holle s[>ieten werden. Ni eh tadesto weniger wird in der Begründuog 
liet Botwuri'ae die Erfüllung dibsor letztgenannten Aufgabtn als hin- 
TwAivd für den weiteren Bestand und Zu^^amtnenhalt der lunungen er- 
WMrt^ 10 drnen sioh nach wie vor diejenigen Elemente zui^ammenfinden 
wUrdeo, welche in seinem ausgedehnten Bildungsgang die alleinige Gewähr 
IQj die Erhaltung und gedeihliche Entwickelung des Handwerks erblicken 
md weiteren Anforderungen freiwillig genügen wollen. Dufs diese Voraus- 
•eUungen nicht zutreffen würdeUp ist Ton allen Seiten, namentlich toq 
4eii iDQungen selbst, herTorgehoben worden. Die Innungsmitglieder haben 
daher ganz richtig in der Vorlage ein Todesurteil der Innungen erbliokt. 
Bitt Nebeneinanderbestehen von Fach genossen schatten und Innungen ist 
azu unm£»glich. Die in AuBaicht genommene Bildung von Zwangsfaoh- 
geaoisen Schäften würde die in vieler Beziehung für das Handwerk recht 
ncenireich gewordenen lonungeo und Oewerbevereine zu Tollstündig be- 
öitttitBgv- und wesenlosen Scheininstitutiooeu machen. In den Innungs- 
kfilieii kam man daher bald zu folgenden GegenTorschlägen. Man sagte: 
Der Zwjkgf den Facbgenossenschaften beizutreten, braucht einfach in die 
TtTpStehituig umgewandelt zu werden» Hch der Innuug anzuschliefsen. 
Kin eoicheo Vorgehen würde gegenüber der geplanten Neuerung den 
haben, dafs die weitere Orgatiisalion des Handwerks auf dem un* 
eil TieleD Stellen bewährten Innungdwesen aufgebaut würdc^ und 
die T^rheodenen Innungen würden dann nicht nur im V öligen ufa der 
Oiaftfi etomal verliehenen Rechte bleiben, sondern ihre Wirksamkeit wurde 
den Beitritt«- und Beitragszwang der sämtlichin Handwerker eine 
rerte Stärkung erfahren. Es würde dabei freilich vorausgesetzt 
werde« mQstenf dafi auch da, wo mun bislang von der Vereinigiin«; dur 
Oeaoieeii in Innungen abgesehen hat, von Gesetzes wegen solche Körper- 
mhMiUm ernchtet würden. Lehnten daher die Innungen anfänglich die 
Tsiiflife allfeinein rund ab» so sahen sie doch bei reiflicher Prüfung, 
dale die Faohgenosienschaften eigentlich weiter nichts seien, als die von 
Auen ULogft herbeigewünschten Zwangst onungen. Neuerdings stellt man 
»dl dAlier der Vorlage in diesen Kreistn sympathischer gegenüber. Man 
Vtefdbi^ dafs stett des Ausdrucks »^FachgenosBenschaft^' das Wort Innung 
geMiCst werde und glaubt mit den so geachüffeuen Zwangsinnungen wieder 
& Blüte des Handwirks herbeiführen zu können, 

Bie ioouDgsmitglieder machen sich jedoch hierbei nicht klar, dafs 
die Ineosgen mit dem Augenblick, mit dem sie obligatotischen Charakter 
trlajigeft« euch ihre viele Elemente ausschliefscnden AufnahmebedingUDgen 
^esi laaeen müaien. 

Jelai fordert die Innung den Besitz der bürgerlichen Ehrenrechte 
ode? ciB4^ beatimmten Auabildungsgang, euch vielfach eine .Vleisterprüfung 
e&a Attiktahmebedingungf wird die Innung obligatorisch, so kommen alle 
erilietiodigeo Handwerker, seien sie nun im Besitz der Ehrenrechte oder 
■ifikit aeien aie Ffmeher oder geprüfte Meister, in die Innung hinein. 



112 



KsHonAldk onomische Gesetvgtabimi;. 



Giöe obligttoiitehe Inoung iet alto nur mögliofa» irenD den InouDgeti 
aufgegeben würde« ihre Aufnahm ebedinguogeo eu euspendiereD. Die 
Forderung der obligatoriiohen InnuDg wäre doch geradezu ein Unrechti 
weno die Innungea nur den Teil der Vorechläge uoceptieren wollten, welche 
ihnen Beiträge zu ihren Einrichtungen auch Ton Nichtniitgliedern re 
schafft, sich im übrigen aber, wie bisher, abgrenzen wollten. Fallen 
AutnahmebedingungeQi so würde jede Innung in der Lage sein« die 
samten Handwerker ihres Bezirkei in sich aufzunehmen. Die Fortdaue 
der Innungen als jurifttische FerBonen, welohe wegen Terdchiedener Kas^en^ 
einriohtungen, die aonst aufgelöst würden, sehr wünEichenawert ift, wäre 
dann gewahrleiatet. Diese Aufnahme aller Elemente wird aber yon den 
Innungen ganz besonders und mit Recht gefürchtet, denn man will sich 
reiuhalten yon unlauteren Elementen. 

Gerade der Umstandi dafa die Innungsmitglieder mit allen mögliche 
unlauteren Bltnienten, die gar kein Interesse an der Hebung des Hand 
werker^tandea haben, zusammeo geworfen werden würdeu, war bisher eil 
Hauptargument der Innungen gegen die Fachgenoasenschaften, Dieses 
Argument trifft auch gegen die obliga fori sehen Innungen zu« 

Alle Freunde der obligatorischen Organisationen, mögen sie nun unter 
dem Namen Fachgenosaenscbafl oder obligatorische Innung ins Leben treten, 
glauben, dafs die Elemente, die sich bisher in den Innungen znsammen- 
geschlossen, auch in den obligatorischen Organisationen die Führung be- 
balten würden, dafs z, B. die Vorstände der bishengen Innungen auch 
Wahrscheinlich später die Vorstände der späteren FachgenoBsensohafCen 
(obligutorisohen Innungen) warden würden, denn die Elemente, die sich 
jetzt fern gehalten hätten, würden aus IntercHselosigkeit doch meist zu den 
Versammlungen nicht kommen ^). Es würde daher alles beim alten bleiben 
nur der grofse Vorteil werde erzielt, dafs alle Handwerker zahlen müfsteii. 

Mau ist sogar der Ueberzeuguog, dafs die Innungen auch an den 
Orten, wo sie nicht die Mehrzahl bilden, um ihres bisherigen Zusammen- 
hanges willen den Auaschlag geben und ihren lunungsToritand an die 
Spitze der Fachgenossenschaft bringen werden. 

Aus diesem Grunde forderte die Gewerbekammer zu Hamburg eine 
Bestimmung, wonach der Voritand einer innerhalb der Fach gen esse nschaft 
bestehenden Innung — die als die engere Fachgenossenschaft zu gelten 
hat — aus denselben Personen zusammengesetzt sein kann, wie der Vor- 
stand der Fach genossen Schaft. 

Ferner müfbte nach Ansicht der Hamburger Gewerbekammer zu be* 
stimmen sein, dafs Überall da, wo für einen Gewerbszweig oder fUt ve 
wandte Oewerbszweige Innungen bestehen, welche in Hinsicht auf 
Zahl oder die gewerbliche Bedeutung ihrer Mitglieder gewissen Torau« 
Setzungen entsprechen, die Fstohgenossensohaften im AnsohliirB an diei»! 
Innungen zu bilden, die betreffenden Qewerbszweige also nicht etwa einer 
andersartigen zueammengesetzten Faohgenossenschaft einzugliedern sind 

Den Glauben daran, dafs die Vorstände der jetzigen Innungen auch 
die Seele der Faoh gen essen seh aften bilden werden, teilen wir Aioht. J 



1) Bericht über die Verh«ndliing^«D des XL deuUchen Oewerb«kaaimert«gM ia EUonaeli 
au IS., 13 DQd 14, Oktober 1893, Dresdeo^ 3. S7. 



K«tioB«l<koiioml8Glie Oesettg^bung. \\^ 

Die Leote^ die jetst die Yorstände der Innungen l»ilden, sind stols 
•af ikr HendweiA und ihre mei«t abgelegte Prüfong. Sie würden aber 
dadsreh, dafa sie mit allen möglichen Elementen in einer Körperschaft 
imaMnieB tagen toUen, Tor den Kopf gestofsen werden. Sie würden sich 
waliraeheinüch ana Ehrgefühl ans den Tersammlnngen aurückziehen , in 
denen Elemente Torhandeni auf die aie mit Nichtachtung herabblioken. 

Wahrtoheinlioh würden in Gewerben, wie bei den Schuhmachern, 
Sdineidem ete.^ in denen die Sozialdemokratie weite Kreise bereits er- 
griffen hat, die Genossenschaft sehr bald soiialdemokratisohen Charakter 
erhalten, denn gerade in diesen Gewerben, in denen es viele selbständige 
Haadwerker giebt, die eigentlich unselbständige Hausindustrielle genannt 
werden mülsten, würde, wie in Oesterreieh, der Yorstand aus diesen 
Kreisen aieh rekrutieren. 

Wenn die sosialdemokratisohen Elemente, durch ihre feste Partel- 
eiganiiation geaehult, aahlreioh in den Generalyersftmmlungen erscheinen, 
während bei der grofsen Interesselosigkeit der Handwerkerinreise überhaupt 
die Beteiligung an diesen Yersammlungen eine geringe ist, wird ea leicht 
sein, diesen Zwangsorganisationen sozialdemokratischen Charakter au geben. 

Herr Geh. Ober^Beg.-Rat Dr. Sieffert hob auf dem Eisenacher Ge- 
werbekammertag herror, dafs die Innungen in ländlichen Beiirken nicht 
oidentlich gewirkt hätten. Im Osten gebe es eine ganze Anzahl von 
puiungea, die im wesentlichen nur auf dem Papier ständen. Ea seien 
zwar die Handwerker thatsäehlich zusammengeschlossen, aber nach dem 
ZuaHmnensehlufs ebenso teilnahmlos wie früher geblieben; yon einem 
Darelidriagen der Notwendigkeit, gemeinsam au operieren, sei keine Rede. 
?on Zeit su Zeit werde einmal eine Innnngsfestlichkeit oder eine Prüfung 
abgehAlteii, damit würde aber die Hebung des Standes nicht erreicht. 
Diese Mifserfolge hätten zu dem Gedanken der Zwangsorganisation geführt, 
aad er müsse doch sagen, dafs der Drang nach obligatorischer Gestaltung 
•ehr lebhaft in Handwerkerkreisen Platz gegriffen habe ^). 

Unserer Ansicht nach mtifste der Mifserfolg den man schon mit frei- 
willigen Organisationen bisher auf dem Lande gehabt hat, gerade yor 
obligatoriaehen Organisationen warnen. Wenn die Handwerker, die sich, 
weil aie ein Bedürfnis zum ZusammenBchlnfs fühlten, in Innungen freiwillig 
▼ereinigt haben, bei der loteressenlosigkeit ihrer Handwerksgenossen nichts 
leisten können: wie kann man da glauben, dafs Organisationen, in denen 
die widerwilligen Elemente mit Gewalt hinein gezwungen werden, etwas 
lebten sollen. Die Interessen] osigkeit wird durch den Zwang nicht aus der 
Welt geachafft, das zeigen deutlich die österreichischen Genossenschaften, 
denn dort ist die Genossensohaftsentwickelung auf dem Lande eine sehr 
geringe trotz des Zwanges, und diejenigen Genossenschaften, welche dort 
besteiMO, leisten meist nichts im Yergleich zu denjenigen in den Städten. 
Dnreh daa Prinzip des Zwanges würde die Zahl der Organisationen, die 
auf dem Papiere bestehen , jedenfalls sehr vermehrt werden. 

Man braucht sich nur eine derartige ländliche Genossenschaft, die 



1) Btriebt &b«r cUt VerbsndlnDgen des XI. dentscben Oewerbekammertages in 
~ am IS., IS. und 14. Oktober 1893, Dresden, S. S6. 
IMUt Polte B4. VU (LZU). g 



114 



H»ttoQ«l$koDoiiiiBclie Gesöltgebung« 



eich auf einen landmtlicben Kreis eratreokt und naturgemäTt mehrere Ue- 
werbe umfafst als bestehend Yorzustellen, um zu begreifen, wie onmöglich 
die Lebensfähigkeit einer Bolchen OeDosienschaft sein mafi. Eine Geoeral- 
Tersammlnng einer derartigen Genosftenaohaft wird kaum jsustande kommeo, 
wenn man niaht bestimmt, dafs sie bereits bei einigen wenigen An- 
wesenden beschtufefahig sein soU^ denn die Mitglieder dieser Genossen* 
Schäften» die kein gemeinsames Faohinteresse Terbindet, da alle möglichen 
Gewerbe zusammengewürfelt sind ^ werden keine Last haben , auf eigen^J 
Kosten den ganzen Bezirk zu durohreisen, um an einer Generalversamm^J 
lang teilnehmen zu können. 

Was soll eine derartige Fachgenossensohaft inr Pflege de« Gemein-'^ 
geiates und Aufreohterhaltung der Standesehre thnn , wenn keine Gene- 
ral Versammlungen zustande sa bringen sind , und wenn yielleioht der 
Yorstand nicht einmal in allen seinen Mitgliedern am Orte des Sitzes der 
Genossenschaft wohnt? Die Mitglieder werden wahrscheinlich nur dnroh ihre 
Zwangsbeiträge an die Existenz ihrer GeuoMenscbaft erinnert werden und 
mit Nachdruck auf die Beseitigung der unnützen Ausgaben zu dringen aueheo. 

Treten wir nun noch der Frage der ErriohttiQg sotoher Fachgenossen* 
Schäften (obligatorischen Innungen) gerade auf dem Lande näher. 

Gerade hier, wo infolge der geringen Zahl der Angehörigen der eio- 
eelnen Gewerbe bisher gar keine Innungen oder Vereinigungen welcher 
Art immer bestanden haben , insbesondere in den kleinen Landstädten 
und auf dem flachen Lande, wird die Errichtung von wirklichen Fachge- 
noisen Schäften, d. h. Ton Vereinigungen von Handwerkern gleioben Faches^ 
ohnedies zumeist ausgeschlossen sein, und salbst Genossenschaften aus 
mehreren Yerwandten Gewerben werden schwer zu bilden sein. Es wird 
daher nichts erübrigen, als, wie auch der Organisationsplan andentet, „ge- 
mischte Genossenschaften", d. h. Vereinigungen aller möglichen Gewerbe, 
zu bilden, und die Angehörigen der Terschiedensten , oft in ihren Stand- 
punkten und Interessen kollidierenden Gewerbe in eine Genossenschaft lu- 
sammenzubongen, wenn man nicht den zweiten, noch umständlicherea 
Weg wählen und GenossenBchaften fUr weite Bezirke bilden wilL Bafs eine 
gedeihliche Funktion der neuen Körperschaften von Tornherein ausge- 
schlössen sein wird, ist klar; wie wenig gemeinsame Interessen sind eigent- 
lich bei einer solchen „gemtichten Genossenschaft" vorhanden und wie 
beachwerlich wird andererseits eine wirkliche aktive Mitarbeit für die Ge- 
nosaenschaftsmiiglieder bei räumlich sehr grofsem Bezirke ! Für die ersten, 
die gemischten Genossenschaften ^ fehlt es an gemeinsamen techniaoh- 
gewerblichen Interessen , die allein zu Veranstaltungen fdr Hebung des 
Gewerbes führen köonen ; für die letzteren, die Genossen sohaften mit 
grofsen Bezirken, an gemeinsamen lokalen Interessen , so dafs hier nicht 
einmal die Veranstaltungen , die allen Gewerben eines Ortes dienen, wie 
Fortbildungsschulen und dergL^ werden Förderung fiüden können» da immer 
eine Rivalität zwischen den verschiedenen Orten vorhanden sein wird. 

Auf dem Eisen acher G ewerbekam meriage hat der Herr Geh. Ober- 
Beg.-Bat Dr. Sieffert erklärt^ die Bildung von Bezirken der Fachgenossen* 
Schäften werde lediglich von den thatsächlichen Verhältnissen abhängen *}, 

1) Bericht über die VerhkndlQngen des Xl, deutschen QewerbekainiD«rtsg«s Iq 
KiHnaeh sm lt., 18. und 14. Oktober I8ta, Dresdeo, S, 19 ff. 



NatioDtldkonomische G«8«ttf;ebang. \\q 

Betnehte man dagegen die ländliohen fiedrke im Osten des Reiches, wo 
du Menschenmaterial in Beeng auf die einseloen Fachgenossenschaften 
•0 vnendlieb gering sei, dann müfsten selbstyerständlich die Kreise er- 
weitert werden, um eine lebensfähige Organisation zu bekommen. In 
liodliehen Beiirken nnd im Osten werde man daher wohl fiit Bildang 
Ton Faohgenoesenschaften Landratsbezirke ins Auge zn fassen haben; 
der Mittdpinnkt sei aber in eine kleine Stadt zu legen. Die Tendenz 
nach möglichst kleinen Fachgenossenschaften sei übrigens auch bereits 
in den MotiTen snm Gesetzentwurf berTorgehoben, wonach je für dasselbe 
Faeh sogar die Bildung von mehreren Faehgenossensohaften möglich sein 
loUe. Berlio habe Innungen von mehreren 1000 Mitgliedern, was ja vom 
Standpunkt der Innungen ans ganz erfreulich sei, wornnter aber das innere 
Leben nnd die Wirksamkeit einer solchen Organisation leiden müsse. 
Sein Herr Chef stehe auf dem Standpunkte, dafs er nichts dagegen haben 
würde, wenn die grofsen Berliner Schuhmacher- oder Schneiderinnungen 
sieh nach Stadtteilen gliedern wollten. Die Tendenz des Entwurfs gehe 
also nach Fachgenossenschaften yon möglichst geringem Umfang und 
lasse einen gröfseren Besirk nur da zu, wo es mit kleinen nicht angehe. 

Wenn sich also die Bezirke nur auf landrätliche Kreise erstrecken, 
so werden aofser dem Schneider, Schuhmacher nnd einigen anderen Ge- 
werben, die rielleicht sahireich genug vertreten »ind, um eine besondere 
Genossenschaft für sieh bilden su können, alle anderen Gewerbe in eine 
oder mehrere gemischte Genossenschaften zusammengeworfen werden 
Bussen. Dafs die Leistungen dieser gemischten Genossenschaften, deren 
Mit^ieder zu den Versammlungen aus dem ganzen Bezirke nach dem Sitz 
der Genossenschaft kommen müssen, wahrscheinlich gleich Null sein 
werden, ist jetzt schon mit Sicherheit anzunehmen. 

In Berlin möchte man die grofsen Genossenschaften der Schneider 
und Sehuhmacher, die, wenn der Beitritt zu denselben obligatorisch wird, 
jedenfalls bis auf 6 — 7000 Mitglieder steigen würden, nach Stadtteilen 
zergliedern. 

Dieser Vorschlag wird kaum Sympathien bei den Innungsmeistem 
finden, wenn man bedenkt, zu welchen Unznträglichkeiten bisher Doppel- 
innnngen geführt haben. 

Ss ist leider yorgekommen, daß yerschiedentlich Doppelinnungen in 
sin nnd derselben Stadt genehmigt worden sind. Sogenannte Doppel- 
mnungen bestehen in Berlin bereits für das Gewerbe der Bäcker, der 
Barbiere (Friseure nnd Perückenmaoher) und der Böttcher. Es hat sich 
in Berlin, wie in anderen Städten heran sgest eilt, daß das Vorhandensein 
derartiger Doppelinnungen der Förderung der gemeinsamen gewerblichen 
Interessen im allgemeinen nicht zuträglich ist. 

Wollte man jedoch trotz dieser Bedenken für jeden Berliner Stadt- 
bezirk je eine Fachgenossenschaft der Schneider, Schuhmacher etc. bilden, 
•oll dann der Arbeitsnachweis an allen einzeln geregelt werden oder soll 
ein gemeinsamer Arbeitsnachweis bestehen? Der gemeinsame Arbeits- 
Bsehweis wäre natürlich das richtige. Derselbe würde jedoch wegen der 
Reibereien der einzelnen Genossenschaften nicht funktionieren können. 
Aehnlich würde es sich auch mit den übrigen Aufgaben verhalten. 

8* 



116 



K«tioiiAl(Jkoiiomisch« Geietsgebuiig« 



Was nun den Kreis der Personen betriflft, die in Fachgenossenschafte&l 
vereinigt werden sollen, so waren infolge der nicht ganz prävisen A usdru< 
weil 6 der Yorlage yiele Irrttiiner laut geworden, die diireh die Erkläruo* 
gen der Herren Vertreter der Regierung auf dem Kiseuaoher Gewerbe«^ 
kammertag indessen beseitigt worden sind. H 

Der Entwurf sagt: 

„Mit Ausnahme des Handels und der in §§ 29 — 30, Sl — 37 der 
Gewerbeordnung angeführten Gewerbe» aber einschließlich des Musikcrge- 
werbes, soweit os höhere künstlerische Interessen nicht verfolgt, gehörten 
den Fachgeoossenschaften alle Gewerbe treiben den an , welche ein Hand- 
werk betreiben oder regelmäßig nicht mehr als 20 Arbeiter beschäftigen. 
Durch Busohlufs des Bundesrates kann für bestimmte Gewerbe Aie Be- 
schäftigung einer gerin|!6renZahl von Arbeitern als Grenze festgt' setzt werden. 

Durch Beechluß des Bundesrats können bestimmte Gewerbe von der 
Zugehörigkeit zu den Paohgenossensohatten ausgenommen werden. Der 
Beschluß kann auch für örtliche begrenste Bt^sirk erlassen werden. 

Obgleich die Erläuterungen sagen, daß Ton der Festlegung des Be^| 
griffs „Handwerk** Abstand genommen wäre und daß die Trage, ob eiB^ 
handwerkimäfsiger Betrieb vorliege, nur nach Lage der thatsächlichen 
Verhältnisse von Fall zu Fall beurteilt werden kann , so hat der Herr 
Begierungsvertreter, Geh. Eeg.*Bat Dr. Wilhelmi^ doch auf dem Eisenacher 
Gew erbekam mertag ausgeführt, dafs^ wenn in dem Entwurf von hatid- 
werksmälsigen Betrieben oder solchen « welche regelmäf£^ig nicht mehr 
als 20 Arbeiter besobäfligen, die Bede sei, damit gesagt werden sollen 
dafs unter die Zuständigkeit der Fachgenossenschaften alle Betriebe fallen» 
welche als handwerkamäfsig im Sinne des Entwurfes anzusehen sind, 
d. h. jeder band werk smaftige Betrieb ohne Rücksicht auf die Zahl deC^ 
Arbeiter soll unter die Organisation fallen *). Die Zahl 20 ist also nurS 
eine Grenze für die nicht band werk smäfsige Klein Industrie. 

Wenn also das Maurergewerbe ein handwerksmafsigce ist» so sollen 
alle Maurermeister, haben sie nun 100 oder 200 Hilfsarbeiter, in die Facb- 
genossenschaft gehören. 

Diese Art der Auslegung der einschlägigen Bestimmung scheint 
jedoch fiir viele Gewerbe äufserst bedenklich^ da es in vielen hmnd« 
werksmäfsigen Gewerben Grofsbetriebe giebt, deren Leiter dünn in die 
Fachgen ossensoh&fl und Handwerkskammer gezwungen würden. Die KoD* 
ditorei ist gewifs ein handwerksmäfsiges Gewerbe. Es müfsten d&her 
aUe Konditorei), gleichviel wie viel Arbeiter sie habeo, in die Fachge- 
ooBsenschaft gehören -). Die Chefs der Firma Gebrüder Stollwerck in Köln 
würden daher io die Fach gen ossenschaft und in die Handwerkskammer 
gehören. Derartige Terhältnisse würden sich in sehr vielen handwerks- 
mäfsigen Gewerben herausstellent so z. B. in der Möbeltischlerei, Silber- 
war enfabrlkation, Schneiderei, Schuhmacherei^ Uhrmacher ei etc. Die Chefi 
der grofseu Exportmöbelfabriken in Berlin, der Schuhfabriken in Firma- 
teils, die Grolskauäeute und OroCsindustrielle im wahrsten Sinne dea 



1) Bericht Über die Verh&ndlangeD des XL dsutacben Gewerbekftmmertagei lo 
ElseoMb Am 12., 13. und li. Oktober 1898, S, 63. 

%) WoUU m«£i dies« Befliimmatig oicbt «> ftiiil6g«n, so mülite man de» Beanittfi 
&b«rt«Aa«ii, vua FiJl in FaU bu boitimmenj bei wU viel Arbeileru der Betrieb ein buid« 



MftlloiiaUlkonoiiiiflcbe 6MetBg«buig. l\'J 

W«itM md, würden nur, weil das Gewerbe, welches sie im Orofsen be- 
tniben, noeh haadwerksinftfsig genannt werden mnfs, in die Faohge- 
BestenBehali und Handwerkskammer hinein gezwungen werden. 

Man wflxde bei dieeer Auslegnng togar die österreichiBohe GeBeis- 
gebung übertrumpfen. 

In Oetterreioh sind Fabriken yon dem Beitritt aar Fachgenossen- 
tehaft bisher noeh befMt. Unter Fabrik yersteht man dort solche ge- 
werblidie Unternehmungen, in welchen die Herstellung oder Verarbeitung 
Ton gewerbliehen Yerkehrsgegenständen in geschlosseDen Werkstätten 
unter Beteiligung einer gewöhnlich die Zahl von 20 übersteigenden, 
aufserfaalb ihrer Wohnungen beschäftigten Ansahl tou gewerblichen 
HilÜBarbestem erfolgt, wobei die Benutzung Ton Maschinen als Hilfsmittel 
und die Anwendung eines aibeitsteiligen Verfahrens die Regel bildet und 
bei denen eine Unterscheidung von den handwerksmäfsig betriebenen 
Prodnktionsgewerben auch durch die Persönlichkeit des zwar das Unter- 
nehmen leitenden, jedoch an der manuellen Arbeitsleistung nicht ieil- 
Behmenden Gewerbsnntemehmers, dann durch höhere Steuerleistang durch 
Fimenprotokolliernng und dergleichen eintritt. 

Dcorjenige, welcher in Oesterreich eines der im Gesetz genannten 
47 haodwerksmftfiigeo Gewerbe mit mehr als 20 Hilfsarbeitern betreibt, 
ist Fabrikant und braucht weder den Befähigungsnachweis zu erbringen, 
noch der Faohgenossenschaft anzugehören. 

Aber auch noch in anderer Beziehung geht der deutsche Vorschlag 
zn weit, und dies ist durch die unglückliche Verquickung der Handwerks- 
kammer mit der Fachgenossensohaft herbeigeführt worden. Man hat die 
Notwendigkeit eingesehen, die Kleinindustrie mit in die fl[andwerkskammer 
dnzubeziehen. Da jedoch die Handwerkskammer von den Fachgenossen- 
sehaften gewählt werden soll, so will man die Kleinindustrie, bei der noch 
kein Wunsch naoh obligatorischem Zusammenschlufs laut geworden ist, 
nun auch in Fachgenossenschaften organisieren. Eine Notwendigkeit, 
die Kleinindustrie in allen ihren Mitgliedern bis zu 20 Hilfsarbeitern in 
Zwangsfachgen OBsen Schäften zu vereinigen, ist nicht vorhanden und wird 
auch von der Regierung gar nicht zu erweisen gesucht. 

Werfen wir zum Schlufs noch einen Blick auf die Aufgaben der 
Fach gen oseenschaften. In der Hauptsache handelt es sich, wie bei den 
jetzigen Innungen, um die Pflege des Gemeingeistes, sowie Aufrechter- 
erhaltung und Stärkung der Standesehre unter den Genossen des Hand- 
werks. Bei der Durchberatung des Innungsgesetzes im Reichstag wies 
man besonders darauf hin, dafs es sich hier um soziale und ethische 
Aufgaben handele, die sich nicht erzwingen liefsen, sondern auf deren 
Entwiekelung Zwang geradezu ertötend wirken würde. Aus diesem Ge- 
siehtspunkte heraus wurde damals ein Antrag auf Schaffung von obliga- 
torischen Innungen überhaupt nicht gestellt, und dieser Gesichtspunkt 
dürfte unseres Erachtens heute noch ebenso zutreffen. Pflichtgefühl löfst 
neh nicht erzwingen, und die widerwillig in die Fachgenossenschaft 

vcrksmiXiiger Ut. Wahrscheinlich wfirde jedoch die Agitation der Handwerker bald dahin 
fahren, daJk man alle Betriebe in die FachgenoMenschaft hineinaaawingen sacht. In 
Oertifieieh will man Jetst auch bereits die bbher aasgeschlossenen Fabriken in die Fach- 
swlogen. 



Nftdotiftl^konomiBclie Gctetigtbiui^. 



der obligatonBclien Inoung hineingezwimgeoen Elemente werden nielitt 
DÜUen, a 00 dem nur eioeQ Ballast für die loBtHitüoD bilden. 

Man hat auch neuerdings wieder darauf hingewieseu, dafs Berufsge- 
noasemchafteo, KrankenkaBBen etc. auf dem Prinzip des Zwanges beruhten, 
und daraus ableiten wellen , dafs dann auch dieses Prinzip bei den 
Innungen das richtige sei. 

Bei Kraukenkassen, Berufs genösse nsohaften» bei Alters- und Inralidi* 
tätsversieherung haudeU es sieh hauptsächlich um die Beechaffung 
materieller Güter. Ist Geld da, so köonen die Aufgaben dieser Insti* 
talionen in der Hauptsache erfüllt werden. Der Schwerpunkt liegt hier 
auf dem materiellen Gebiet. Ist bei eiüer Inuung oder Fachgenossenschaf) 
dagegen nur Geld vorhanden, fehlt der Gemeinsiun , so wird doch trotz 
des Geldes nichts Wesentlichem im Interesse des Standes geleistet werden. 

Sodaun werden auoh zu verschiedene Kiemente in die Genossenschaft 
gezwungen, und an der InteresseodiTergeßz derselben mofs, wie es sich 
bereits in Oesterreioh zeigte eine gesunde Wirksamkeit scheitern« Aus 
allen den au geführten Gründen glauben wir die Faehgenossensobaften 
oder obligatorischen Innungen, man oenne sie, wie man wolle, ablehnen 
zu müssen^ weil durch sie die jetzt bestehenden Organisationen zerstört 
werden würden und Organ isalionen an deren Stelle treten würden, deren 
Wirksamkeit man zwar noch nicht kennt, die jedoch aller Wahrschein* 
lichkeit nach der österreichischen Analogie keine gedeihlichere sein würde. 

Wir sind yielmehr der Au sieht, dafs man die bestehenden Innungen 
und Gewerbevereine mit allen Kräften fordern sollte dadurch^ dafs man sie 
möglichst zu üntiTorganen der beabsichtigten Handwerkskammern heran- 
zieht, und was die Innungen besonders betrifift, die vielen kleinlichen Auf- 
siohtsbestimmunii^eny die im Gesetz Yorgeschrteben sind, etwas erleichtert^ 

Die aus der Natur der Suche keineswegs folgende organische Yef^V 
bindung von Fachgeuossen Schäften und Handwerkskammern halten wir 
für einen HÜckschritt des zweiten Eutwurfä gegenüber dem ersten, der 
die Fachgeno säen schuften nicht kannte. 

Die Fachgenossenschatten sind wahrscheinlich einer energisohen Agi* 
tation der Handwerker zu dankt n , die in obligatorisohen Innuniien ihr 
Heil sehen. Hoffentlich wird jedoch die sehr energische Gegeoagitatiou 
der süddeutschen Gewerbevereine die Kcgieruug wieder zu ihrem früheren 
Standpunkt znrückbringen. 

Auf der zweiten ordentlichen Hauptversammiung des Verbandei 
Deutscher Oewerbevereiue zu Wiesbaden, am 25. und 26. September 1893, 
wurden die Fachgenosseuschaften fast einetimroig abgelehnt^). 

Die Fachgenoßstnachaften wären höoht^tens Wahlkörper für die Hand- 
werkskummer, um solche tu schaffen, int jedoch eine so verklaui^ulierte 
Organisation nicht erforderlich, wie wir bei der Frage der Handwer 
kammer erweisen wollen, der wir nun näher treten. 



t) \'6rh&iidlaiig«o der IL ofdentllthen Httoptveriianimtung des VerU&ades deutActter 
6eir«rbeY6roine tu WiftsbAden ^m ^6. a. S6. Septembor 1893» E5la 1893. 



Misielles. j^J^g 



Miszellen. 



Vachtrag zu dem Anftatzet Das Projekt einer allge- 
meinen obligatoriBchen Alters- und Krankenversicherang 

in England. 

Von Dr. Asehrott 

Band XY, 8. 861 ff. dieses Jahrbaohi habe leh das Ton Canon 
Blacklej «ofgettellte Projekt einer allgemeinen obligatorischen Alters- und 
KnakMiTorsiohening erOrtert und am Sohlnsse dieses Aufsaties meine 
penSniiehe Ansieht dahin ausgesproohen, dafs dies Projekt trotz der viel- 
laehao dagegen erhobenen Einwendungen und, obwohl manche dieser Ein- 
weadimgen insbesondere nach den Brmittelnngen des 8elect Committee 
•n National ProTident Insnsanoe (1885 — 1887) als berechtigte anerkannt 
wasdmi müssen, suniohst nicht Ton der Tagesordnung in England yer- 
sehwiDden werde. 

IHeee Ansieht hat ihre Bestätigung gefunden: das Projekt hat nicht 
snfgebSrty die öffentliche Meinung in England und das englische Parlament 
SU besohäftigen. Ja, das Interesse an dem Projekte ist in letster Zeit 
dadureb erheblioh verstärkt worden, dafs der bekannte Parlamentarier 
Chamberlain su wesentlichen Punkten des Projekts seine Zustimmung 
erklärt hat. Im Jahre 1891 ist unter dem Vorsitze Chamberlain's ein 
freiwilliges, aus fast allen Parteien gebildetes Komitee des Unterhauses 
zusammengetreten, um die Frage der staatlichen Altersversicherung zu 
beraten. Im Ansehlusee an die von diesem Komitee gefafsten Beschlüsse, 
welche einige erhebliche Veränderungen des Blackley'schen Projektes in 
sich schlössen, hat dann Chamberlain in der National Beview vom Februar 
1892 einen Artikel über Old Age Pensions veröffentlicht, welcher be- 
sonders wegen des darin gemachten Vorschlags einer staatlichen Unter- 
stützung der Altersversicherung, wovon Blackley in seinem Projekte nichts 
wissen wollte , grofses Aufsehen erregte. In Bede und Schrift wurde 
Chaaberlein wegen dieses Artikels vielfach angegriffen; vergl. insbesondere 
die Rede des früheren Staatssekretärs für Irland, Morley, in der Times 
vom 8. Februar 1892 und die kleine, aber vortreffliche Schrift von C. 
8. Loch, Old Age Pensions and Pauperism. London, Swan Sonnen- 
schein A Co., 1 892. Besonders wurden gegenüber Chamberlain die Wechsel- 
beziehungen erörtert, welche zwischen der von ihm vorgeschlagenen 
Altersrersicherung und den geltenden Annengesetzen beständen, und es 
wurde ferner die Kichtigkeit der von Chamberlain aus den Armenziffern 
gesogenen Schlüsse bestritten. 



120 



Miiiellen, 



Im Aoäcblusee an diese Erörterungen fufsie daa englische üoterhaui 
am 7. März 1892 den Bescblufs» eine besondere Erhebung über die Zahl 
der Armen unteratützten in £ng:land und Wales nach bcatimmteo Alters- 
klassen vorzunehmen. Die Resultat« dieser Erhebung sind jetzt im XXU« 
Jöbreaberichte des Local GoTemment Board (London 1893, Seite LYIII ff.) 
veröffentlicht worden und bieten soviel Interessantes, dafs et angezeigt 
erscheint, hier kurz darauf einzugeben. 

Die Erbebung weicht von den bisherigen armeo statistischen Er* 
mittelungen insofern ab , als sie sich nicht auf die Feststellung der Zahl 
der Unterstützten an einem bestimmten Tage beschränkt, Bondern neben 
der auch bisher erhobenen Zahl der am 1. Januar 1892 üntersiütsteB^H 
gleichzeitig die Gesamtzahl der im Laufe des Rech du ngs Jahres 1891/99H 
— Lady-day {25. März) 1891 bis Ladj-day 1892 — Unterstützten ao- " 
giebt/). Da für das Verhältnis von Altersversicherung und Armennnter- 
atützung nur die letztere Zahl von Bedeutung ist, so lasse ioh im Fol« 
genden die Ermittelungen über die am 1. Januar 1892 UnterstütxteD 
aufser Betracht 

Bei der Erhebung sind 3 AltersklaBsen der Unterstiizten unterschieden 
worden a) Personen unter 16 Jahren^ b) Personen zwischen 16 und 66 
Jahren; o) Personen von 65 Jahren und darüber. Bei dieser Klasseoein- 
teilung war einmal mafsgebend, dafs man jetzt in England darüber einig 
ist| dafs die Altersgrenze, bei der eine Alters Versorgung eintreten müfsle, 
nicht über das 65. Lebensjahr hinausgeriiokt werden darf, während in 
dem BlacklejrUchen Projekte die Altersgrenze auf 70 Jahre angenommen 
war; die Hervorhebung der unter 16 Jahre alten rechtfertigt sich ferner 
dadurch, dafs es sieh hier um Uneelbstständige handelt, welche für die 
eigene Versicherung nicht in Betracht kommen können. 

Die Gesamtzahl der zu irgend einer Zeit während de» Bachnungs* 
Jahres 1891/92 aus Armen mitt^in Unterstützten betrug 1573 074« Davon 
waren 

s) PenonsD unter 16 Ja.brea 

b) Fer&oDen iwUch«» 16 und 65 Jiihrei) 
tind swar: 

fnftnnUche 276 387 

w«ibllcb(s 34 t 196 

c) PeriöDSD voti 65 Jahren und darüber 
und «war: 

inäiiDUcba 163 630 

wsiblicbe 338 274 



553 587 
617 5«3 



401904 



1) Id nieliiein Buche über dss on^tlscb« Artnenwesen, Lstpsig, Duncker und 
btot» I8&6f habe ich Seite 411 ff. die bisherig« Erbebun^&srt Der engtiacben Anneiitfl atUi 
welche nur die Zahl der um t. Januar and 1. Juli eioes jedaa Jahres UritemtÜlAtea 
featgestellt und die auä diei^n beldea ZifTero gezo>^eite Uitle ali die DurchscbuitUkiffer 
der Unterst ütateii beBeichnot^ aui»fUhrlicb besprachen und auch meine Bedeuketi i^e^^eo die 
englische Annahme, def* die Ge^aoitsahl der im i.»ufe eines jAhre^ Unter^tüitten 3 '/i 
Mil BO grof» Bti «Is diese Durchsohoitt&ti^er, auägedrüekt. Dieao ßedenkeo werden durch 
dia neue Brbebaug beatAtigt ; deon wahrend die Zahl der am 1. Janaar 1899 Unter* 
slfiUteo 700 746 betrKgt. war die Gesamuahl der im Laufe dea RechDung^ahre« l891/9t 
UotemtOUten 1 573 074, aUo nar wenig Qber doppelt so grots ala die ersiere Ziffer. In 
beiden ZifTem eind UbrigenB die in Anstalten bef^nctltcben armen Irren und die Vaga* 
Händen Dicht mltentballan , diese beidea Klasüeo »tnd bd der guuan Erhebiing aulaar 
BeiraebC gebUebeu. 



MliseHen. 121 

Um SohlÜB86 aas dieseQ Ziffern zu ziehen, mnts man dieselben mit 
den allgemeinen Bevölkerungsziffern in Yergleioh bringen. Et ergiebt 
sieh aUdann, daCi Ton der Gesamtbevölkerung in England und Wales 
5,424 Proz. im Laufe des Bechnungsjahres 1891/92 der öffentliohen Unter- 
stützung anheimgefallen sind, dajk dagegen yon der 65 Jahre und darüber 
alten Beyölkerung 27,424 Proz., und zwar bei den Männern 26,976 Proz., 
bei d«n Fraoeii 91,106 Psoz. der öffentliohen Unterstützung bedurft 
haben. 

Be steht hietnaoh fest, dalb fast V9 aller Frauen und über V4 <^Uer 
Männer im Alter von 65 Jahren und darüber der Armenkasse bisher zur 
Last fallen. Ein hinlänglicher Beweis dafür, welch grolsen Einflufs die 
Einführung einer Altersversicherung auf die Armenkosten ausüben würde, 
und ein gewichtiges Argument für den yon Chamberlain beantragten 
8taatssusehufs ! Dabei ist noch darauf hinzuweisen, dafs sich die Propor- 
tion der über 65 Jahre alten unterstützungsbedürftigen Personen in den 
sinzelnen Bezirken sehr verschieden gestaltet Während die Ziffer, wie 
eben angeführt, für ganz England und Wales etwas über 27 Proz. be- 
trägt, bleibt sie in zwei Bezirken (Westmorland und Salop) unter 15 Proz., 
erhobt sich dagegen für London auf mehr als 35 Proz., für die Grafeohaft 
Hertford sogar auf mehr als 36 Proz. 

Mit Rücksieht auf die Idee des Blackley^schen Projektes, mit der 
Altersversicherung eine Krankenyersicherung zu verbinden, ist auch die 
Zahl derjenigen Armen unterstützten ermittelt worden, bei denen die 
Unterstützung lediglieh in der Gewährung ärztlicher Hilfe und Heilmittel 
(^medieal relief) bestand. Die Ziffer beträgt für das Hechnungsjahr 1891/92: 
311082 und verteilt sich auf die Altersklassen 



a) ODter 16 Jahren 




68576 


b) awUcheii 16 and 65 Jahren 


117 029 


and twar: 






bei den Männern 


54 794 




bei den Frauen 


62235 




c) 65 Jahre nod darüber 




25 477 


und Bwar: 






bei den Männern 


II 233 




bei den Frauen 


14244 





Bemerkenswert ist hierbei das starke Heryortreten der Altersklasse b 
und das Zurücktreten der Altersklasse c. Während die Gesamtzahl der mit 
medical relief unterstützten Armen etwa 14 Proz. aller Unterstützungen 
beträgt, verringert sich dieser Prozentsatz bei den über 65 Jahre alten 
Armen auf etwa 6 Proz. 

Ob und wann sich die Projekte der Einführung einer Alters- und 
KrankenTersioherung in England zur That umsetzen werden , läfst sich 
kaom Toraussagen. Sicherlich haben aber diese Projekte durch die hier 
besprochene Erhebung eine gewichtige Unterlage gewonnen. 



^^r^ m 


% 




r 


« 1 i 1 1 « ti. 


^ 


^^M 


SparkaBseneinlagen in 


i einigen 


enropäiBchen Staatt 


^^^M 


Entwiekelaof der Sparkassetieiiilagen 


in PreiÜBeD, Bayern, 8m 








Baden 


und Heefieo* 1 




Züb] der 




ll? 




Zahl der 




lit 




EiDlGg«r 


ßfltriig dor 


Ijä 




Einleger 


EolrmK der 


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Eilllftg«!! 


lU 




(Spur. 


£inlft|;ea 


|i= 


^^^^^H 


kiusen- 


(m Mirk] 


J*^ 1 


Ende der 


kAsaen- 


(in Mark) 


l!i 


^^^^P Jftbre 


büclier) 




Jahr« 


büchcr) 




m 




Pre af»«n 




Pr.-r..„ t 




iieitl87M 


BiDschl neue Pro 


vinzirii) 




(seit 1871 einseht neue Pwr 


^^^^H 


309029 


61779159 


200 


1880 


2 936055 1 592 868 290 


543 


^^^H 1869 


339 112 


69 27 1 224 


204 


1881 


309158417074590641 55» 


^^^H 


375 <8o 


79135512 


220 


1883 


3363518,18175596081 540 


^^^H 


397913 


87530301 


220 


1868 


3650613 196572226s 


S38 


^^^H 


423 542 


96 869 460 


229 


1884 


3 925 8071 a 109 343 655 


537 


^^^^1 


36« 955 


78917 131 


214 


1885 


4209453 


2260933912 


537 


^^^^1 


4^3 43« 


108004113 


m 


1886 


4 467 078 


2467600000 552,4 


^^^^1 1857 


S15826 


133 082962 


239 


1887 


4742009 


2672600000 


5637 


^^^^1 


557 697 


134081 883 


240 


1888 


5029174 


2889270000 


574» 


^^^^1 1859 


S64 986 


135843264 


240 


1889 


5312192 


3 loi 750000 


583» 


^^^^H 


613782 


'5i375<>89 


247 


I8d0 


5 592 662 


3 281 570000 


586,7 


^^^^1 


543 144 


130477462 


240 


ISÖI 


5772956,3406540000 


S90.Ö 


^^^^1 


676 101 


175048776 


259 




1 




Bmftm i| 


^^^^H 1B62 


739 3S3 


199017078 


269 i 




^^^^1 


806 528 
864 131 


223 734 606 
24s 672 232 


276 i 

284 1 




^^^^1 1864 


1874 


299 277 


70 253 440 


23s 


^^^M 


919 513 


267854073 


291 1 


1876 


310984 


75 572 248 


243 


^^^H 


801 125, 


222265353 


277 


1876 


313287 


79472392 


254 


^^^^1 


900468 


271 110993 


29t 


1877 


307515 


8( 078976 


264 


^^^^H 


927931 


288 468 825 


311 


i *878 


307 «83 


81 546 248 


\^ 


^^^H 1868 


983 857 


312170559 


317 ! 


' 1879 


310754 


83327336 


^^^^H 1889 


1 046 3^4 


343816668 


329 


1880 


320 246 


89255553 


178 


^^^^B 


i 072 94S 


363754443 


339 


1881 


34173« 


98 OS3 730 


286 


^^^^1 


986313 


315864298 


320 


1882 


364 997 


106 800 60$ 


293 


^^^^1 


1 551 539 


578671 78t 


373 


1888 


396117 


114 167 187 


288 


^^^H 


I 706 1 1 1 


688 976 436 


404 


1884 


436728 


12 1 897907 


279 


^^^^H 


1907914 


836 154 201 


438 


1885 


474 545 


130859355 


282 


^^^^1 


206 t 199 


987 237 180 


478 1 


tB86 


489 154 


14t 070000 


288 


^^^^1 


2 209 lOI 


1 112077407 


503 i 


1887 


507 4S6 


149580000 


»95 


^^^^1 1876 


237163a 


i 221 320406 


515 


1888 


530 573 


159720000 


30t 


^^^H 


2512019 


1300078 513 


Si8 


1889 


558 507 


172360000 


309 


^^^B 


2 66] 382 


1383897126 


$20 


ISOÜ 


576 325 


184 100000 


3*9 


^^^H 


2 760 302 


1476811952 


535 


18»! 


579 445 


193200000 

j 





Hi«tall«n. 



138 





Zahl dar 
Eioleger 


Betraff der 


{|i 


ll] 




Zahl der 
Einleger 


Betrag der 


w 






(8par. 


Einlafen 


lii 




(Spar. 


Einlagen 


J äSr 


ar 


luMao- 
bfieher) 


(in Mark) 


1*1 


Ende der 
Jahre 


kasMn- 
bflcher) 


(in Mark) 


lll 


Pl 




Sachten 


Baden 


Hb 


348010 


7« 759750 


206 


3«.* 


1881 


184775 


145384570 


7«7 


92 


170 


434 SH 


100 143 241 


230 


4«,» 


188S 


193382 


«55711087 


818 


98 




52*J* 


131 116 950 


254 


5«i« 


1888 


202 779 


165 681 361 


104 




568189 


«57 «43 «4« 


277 


60.S 


1884 


215 646 


«75 727 III 


81S 


HO 




630438 


192 237 205 


305 


72,8 


1885 


225 850 


«83700000 


813 


"5 




686733 


232203831 


338 


85,7 


1886 


237384 


196200000 


836 


122 




733951 


361 647 201 


356 


94J 


1887 


251568 


208540000 


839 


128 




770560 


282426724 


367 


100.7 


1888 


25043« 


212090000 


846 


130 




794*43 


293887679 


370 


103,2 


1889 


258675 


225 310000 


871 


132 




821444 


305 793 359 


372 


105,8 


1890 


268330 


236570000 


880 


143 




861600 
909787 


318289086 
338806699 


369 
372 


io8.tf 
««3.« 


1891 


285048 


250470000 


88a 


«52 
















958549 


349088702 


364 


115,8 
ii8,& 














1 031 822 


362285310 


35« 






Hessen 








1 121 103 


380741000 


340 


122.8 














I 199 5$b 


407 621 000 


340 


126,6 














1174543 


434050000 


34' 


«36,4 


1861—1865 


53 949 
61 480 


18 277 767 


339 


21,6 




1 339710 


462 930 000 


345 «45* 


1866—1870 


23 210 521 


378 


27,6 




1401 7 «3 


49« «40000 


350,4 154.* 


1871 


7« «14 


29081344 


409 


34«o 




1471 968 


523070000 


355,4, «58.» 


1872 


74 «44 


3« 530 150 
35 333 483 


435 


36.6 




I 541 984 


554890000 


360 162,9 


1873 


78353 


45 > 


40,« 




1 606650 


581 720000 


362 167,8 


1874 


8449« 


40225356 


476 


45.8 




1 6s8 149 


602570000 


363 «70.58 


1875 


93 947 


46364246 


494 


52,4 










1876 


92777 


50 511 691 


544 


56,4 






Baden 




1877 


96142 


53 970 740 


561 


59,« 










1878 


98318 
100764 


56997738 
60218880 


S8o 
598 


62« 




81547 


32 288 698 


396 22,5 


1879 


65»- 




93857 


41011358 


437 28.5 


1880 


108236 


67 «43 358 


630 


7«.7 




«I3 4>4 


56092764 


495 : 38,8 


1881 


125 190 


72 656 682 


580 


77.« 




«23390 


64772124 


525 43.9 


1882 


«36 893 


78271933 


57a 


82,9 




131 420 


71973369 


548 ; 48.4 


1883 


149420 


84 «76 275 


563 


88,7 




141 781 


83 297 384 


588 55,« 


1884 


160745 


90588725 


564 


95,1 




«5*432 


9559676« 


627 1 63 8 


1885 


164 240 


96270000 


587 


100,6 




159 «82 


«06 737 435 


671 70.1 


1886 


«67 722 


101 650000 


606 


«05.8 




«64035 


114 276 203 


697 74»4 


1887 


170912 


106 240 000 


6«l 


«10,4 




«66944 


120354620 


7»« 77.8 


1888 


«73890 


1 1 1 920 000 


643 


««5,5 




170762 


«25 343 525 


734 : 80.4 


1889 


177980 


118090000 


663 


i«9»5 




177 081 


134670005 


'" 


85.7 ! 


1890 


183 265 


«23350000 


675 


V24,S 



124 



MitieUeti. 



II. Die EntwickeluDg der Sparkasten, der Ein- und Bück- 





2*hl der 


Ätif l 8p 1?- 


ZuwKcb» des Etalagebelrages im 


Veniiiod«ninf de« 

EinlagebetrAgea 
im LAuf$ dei* 








Jahre 


Sp»r- 


k*»«* ent- 


durch neue Em- 


duF^h Eofichreibeti 


Jahren dareb ^n^ 




k*Äsep 


fallen fiio^ 
wohfier 


lagen 


von ZiDMn 


rQckxlebung von 
Ein lagen 








(in Umrk) 


(iD Mark) 


(in Mafk) 


ießi-i85& 


273 


62 630 


32099573 


1915416 


25332229 


iBm 


3^5 


4rsjt 


43836741 


z 689 074 


34 549 806 


1867 


405 


43 385 


49 737 509 


3057181 


37 S82 430 


1B58 


453 


39161 


5 t 685722 


3 437 35^ 


44 444 09 ; 


1BÄ9 


462 


38948 


SO 429 617 


3 562 605 


52376891 


1860 


4?" 


38 m 


57 44« 24s 


38670»! 


45 7 7S 617 


1856^1660 


431 


41343 


50427567 


3322659 


42925863 


1861 


478 


3868S 


69 925 839 


4369884 


50 228 595 


1SB3 


4P3 


387S4 


77749221 


499963s 


S9 257 653 


1869 


494 


38447 


84175200 


5 725 *27 


65 443 668 ' 


1864 


504 


38205 


88 838 790 


6 386 50a 


73 364 643 


1S6& 


5<7 


37612 


97971 l&O 


7003003 


82971343 


1861-1866 


49S 


38550 


83732046 


S 696 650 


66 253 iSo 


1866 


51s 


37 146 


91400547 


7 243 3S1 


9S38600S 


1867 


54^ 


36296 


100857210 


7747333 


91 371 964 


1868 


548 


36176 


109905684 


840431t 


194634065 


1869 


560 


35 673 


123896988 


19364461 


101 618 994 


1870 


S67 


3S503 


118 154 286 


17260900 


139078 140 


1866—1870 


548 


36170 


108 843 943 


18603877 


198279494 


1B71 


945 


s6o74 


199700832 


14052819 


140519847 


187* 


950 


26214 


J68 3it594 


26673245 


174 8 EO 204 


1873 


9&3 


26134 


334179886 


2050043' 


197 99« 237 


1874 


9S3 


35870 


359619333 


24752661 


333 762 103 ! 


IB76 


1004 


25591 ; 


359833439 


38814944 


264427588 , 


1878 


1030 1 


»5 539 


36'«3S3'6 


32205754 


293165984 


1877 


to8o 


24405 


355911 149 


35 '59^7 1 


319374649 


1678 


1157 


23 047 


351 500932 


47812866 


329899221 


1879 


1174 


22 974 ; 


3&0 118 681 


40221 482 


329 399 380 


1880 


iigo 


12924 


428470871 


43911044 


356475485 


1381 1 


1303 


22849 


450 584 604 


46 427 670 


3833^3383 


IS8S 


1234 


32524 


471303540 


49 283 765 


497 846 949 


1883 


iiSS 


22 tSo 


5(0891 687 


54006954 


416565366 


1884 


I28S 


21S76 


53S i8S 750 


58145213 


446955539 


188& 


1318 


21 485 


576176504 


59248616 


487310334 


1886 


133s 


21460 


653300000 


67 570000 


524370000 


1887 


1340 


21630 


706 100 000 


69300000 


574070000 


1888 


*363 


21 520 


754810000 


75230000 


612870000 


18S9 


1378 


21 500 


823 040 000 


77980000 


687 210000 


1890 


1393 


31 503 


831 1 30 000 


80 850 000 


732 840 000 1 


ISfil 


1412 


21309 


827 ;oo 000 


86260000 


789130000 1 



Misiellen. 



125 



lahlaogen sowie der Höhe der Einlagen in Preufsen. 



An Spar kaue ab D che rn bofmideD &kh «m 
J«1ir«»»chii»se im Oml^uf mit Eiolagefi 




(Stock) 



(Siick) 



S-3 

* Ol 

(SlOck) 



(SiQck) 



(StÖtk) 



Von Je 100 8p»t-kftBsenbticlieni 
lauteten fttif Betrüge vqd 



4 * 



0-2 









"I 



I 9\ 






ÄDf 

10 000 
Elnwohn. 
koinm«ii 
Spnrkuh 
»enb&cher 



127037 
iSftoai 
173 036 
18S 656 
'97 76a 
114311 
186357 

131671 
*49 17a 

3^857 
2*3716 

167166 

39*805 
jOf 66& 

PS 3 «4 

339 »It 

333199 

459 9» 4 
4S] toS 

S09 4S9 
5H986 
530331 

305304 
641 959 

649 3*«> 
6S1 21t 

7*5 474 

77^ 336 
896174 
joij 160 
1110711 I 
ti»S372 I 

J3S96t3| 
1434 ^59 ; 
i>4ia«3 
1609881 
i63q 839 1 



94 ^^o 
1 14 092 
115*79 
13$ 10" 
135011 
I46S06 
131 3S0 

160747 
171868 
187117 

300 1t] 
109639 
IS6136 

301 365 
30* 803 

2t*73S 

331 691 

13S 436 
119 iH 

333506 
364033 
393 093 
43463* 
447 997 

469733 
465 101 
516014 

S34 9^7 
S59 7IO 

583 5ß4 
605 HO 

646 in 
701 091 

754 755 

781649 
810353 
853435 
887 194 
9^3 773 
9¥> »57 



76 111 

90996 

102000 

109*79 

106521 

113183 
104516 

135 I30 
137 130 
149 87S 

160 93S 

170413 

I4S 694 

163407 
165 923 
174059 
1*5821 

189568 

175 759 

375 349 
310590 

348009 

375 948 

398 2 20 

43*633 
4466*4 

4S3 7O0 

471465 
491 *0t 

511948 
541370 

575469 
60549g 

647 434 

675 230 
710805 
753 801 

7790*2 
*ri866 



4* 588 
64 404 
73 041 
79 S05 
80039 
87**3 
76975 

97983 
109405 
115964 
135430 
134 87* 
116733 

US 531 

"37 356 
149023 

158417 
161 739 
14*413 

243 6S8 

375 990 ; 
520411 

35»SSi 
388 694 

417376 I 

430963 

437674 

448 398 , 
I 468 794 I 

; 489 4S7 ; 
1530843! 
1 570 314 f 

! 596945, 

64615! 



12599 

3S9I8 
41 870 
44558 
45642 
51593 
43 9«^ 
6058 t 
70778 
84613 
93846 
101 167 
83197 

101 460 
m 1*3 

116 716 
130604 

138335 
119 662 

339182 

37440 
336 943 
384076 
443 9S9 
487 596 
514831 
554 693 

590 030 
631545 
673685 
711 471 

795 637 
853 686 

93S ?6i 



683 503 1006001 
734 738 loSa 903 

769695 ,1174437 
825 656 1261 119 
864906 1334 741 
83401* , 8*9 603 ,1391 235 



34H3 35,65 
34,10 34.t)2 

33S5J i4-*o 
3J.S5 34,iS 
35,Oü 33,80 
34.9»!33,t8 
34^3ll34'l9 



33'to 
333* 
3i*«3 
33,00 

33^37 
33 Si 

33*01 
33,4s 
33.4s 

3MB 

29,64 

3*,41 
26^70 

35"17 
14,00 

23-3Ö 
25''J 

24,d^ 
14.99 
15^3? 

25**8 
i7i*o| 

3*,34 

i8,flfl; 
19.11! 

28,7 
28,0 

a8,7a 

28.» 

28,-^ 

29,36 



33.76 
13.38 
3311 
33.17 

13^80 

33.88 

11,3& 

12, ao 

13,23 
II1I4 
11,94 
3l,Sf 

11,64 

30,S0 
30.60 

ao,3§ 

19.81 
l8,60 
19^84 
I9,fi3 

19.4^ 

t9.t5 

18,36 

i7ieo 

l8,06 
(7.33 

I7»& 
»7*3 

17. lÄ 

16,*) 

16.& 
16,43 



20, 6 S 
19.64 

19*77 

19,70 

18, s 

I8,i4 

19.S4 

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395 
435 
449 
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461 
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1 486 

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16369 
17164 
17948 
1*691 
19115 







tll. Die EntwickelaDg der SpftrkMseDeinlftgen 






Poitsp&rkAiifiJi 




SoiistiK& Bp«rk«st«D 




Ende 














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1866—1870 


967066 


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141 


I 384 889 


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1871 


1 303 492 


340 500 080 


261 


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1 44a 448 


386 366 780 


268 


— 


793 597 600 


— 


1873 


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423 354 980 


27 2 


— 


810002700 


— 


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I 668 733 


463 349 380 


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839327980 


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539 93« 000 


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865 669 160 


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1 791 340 


574815140 


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— 


884 773 710 


— 


I87i 


I 892756 


608 231 260 


311 


1515735 


885 867 700 


SS* 


1879 


1988477 


640 242 680 


3" 


I 506714 


87s 957 100 


S84 


1880 


i 184971 


674 892 740 


309 


15 19 80s 


879518940 
832803320 


SU 


I8at 


2607613 


723889930 


278 


1 531 486 


S76 


1881 


J 858 976 


780756410 


173 


1553983 


89 3 351 620 


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1883 


3 105 H^ 


83s 376160 


369 


1 566 1 84 


899 741 460 


579 


1884 


3 333^75 


895475460 


269 


1 581 474 


9i6«ii7 740 


S79 


1885 


3535650 


953 956 760 


279 


1 592 997 


927 118 180 


579 


1B86 


3 731 421 


1017486740 


299 


1 i 590 804 


936879900 


5*9 


1887 


3951761 


1079481300 


173 


[ &04610 


945144440 


S90 i 


1888 


4230927 


I 171 127 S80 


379 


«579546 


938093 760 


SS7 


188» 


4 507 809 


I 259 991 400 


379 


> 55! 594 


902 556 400 


SSO 


1890 


4837314 


1352696140 


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1 535 782 


87301104a 


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1891 


5118395 


I 432 160040 


279 


I 510281 


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569 




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1879 


— 


— 


— 


676 337 


357110683 


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1873 


— 


_ 


—^ 


680116 


360061858 


519 


1874 


— 


— 


— 


705 *89 


373 69s 846 


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1875 


— 


-^ 


— 


769 iS7 


431 76t 106 


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1876 


57 354 


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833760 


442 303 586 


53° 


1877 


114191 


s 179934 


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880032 


459139854 


SM 


1878 


157651 


9 108 131 


58 


886 947 


481 746611 


543 


1879 


238 869 


30985829 


88 


915 466 


515450790 


SM 


1880 


33984s 


37 002 2S8 


109 


958044 


549377359 


573 


1881 


471094 


53 597 491 


114 


997036 


571 844 361 


574 


1889 


591018 


67 960 989 


ns 


I 037 139 


595115763 


574 


1889 


805 988 


89 701 738 


III 


i 089 287 


640 507 383 


S88 


1884 


1015328 


1 118 675 921 


117 


1 136 579 


710084443 


6*5 


188& 


I 305 61 1 


141 391 356 


117 


i 189 167 


763 566 246 


64a 


1886 


I 391 343 


1 175871900 


126 


I 348 360 


815559500 


661 


1887 


1 588 S67 


i8S7S55i" 


117 


I 194552 


861 823692 


666 


J888 


16593^1 


199376200 


120 


1317511 


869 907 260 


675 


1889 


194(^43 


228763464 


116 


1358672 


911 219700 


671 



AnmerknDK. Die Daten wurden folgenden Werken entnommen: Zeittohr. 6m 
Bureaus, Jahrg. 1880 ff.; Kalender und Statist. Jahrb. fflr d. Königr. SaehMo, Jahrg. 
teilungen der GrofsharBogl. Hessischen Zentralstelle f. d. Landesstatistik. Bd. 19 — 19: 
of the M. Kingdom, Teil Y— YIUi Annnario Statistico Itaiiano , Jahrg. I8M| Oailtr 
Sparkassen n. s. w., f. d. Jahr 1889; Statist Monatsschrift» heransgvg. t. d. 2«Btr.«XttB^ 
de i4gislation eompar^s, Jahrg. 1887. — 



ia KngiMHl, Bilieii, Oefterr«idi nnd Frankreioh. 











8|»atkaM«D (ohD« di« Mit 


1888 in 






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1 916 338 


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460 


1862—1865 


523012 


226159742 


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«351955 


973 «»4 57a 


4«4 


1866—1870 


727 243 


410589370 


lä 




1 116893340 




1871 


1021 462 


682 347 298 


— 


»1799^380 


— 


1878 


I 13344« 


806093612 


712 


— 


1233357680 


— 


1873 


l 207 139 


965 564 404 
1078 626 918 


800 


— 


119a 477 360 


— 


1874 


I 263 357 


854 


— 


i35M97 4«o 


» 


1876 


1342693 


I 178 858 314 


878 


— 


1 405 600 160 


.— 


1876 


1 381 077 


1230 126 150 


883 


— 


1459 5» Wo 


— 


1877 


I 403 936 


1 250048718 


890 


340« 4»> 


1494098960 
1516199880 


441 


1878 


■ 425 174 


1397384706 


910 


3495 191 


437 


1879 


1 483 559 
1550084 


1398677354 


943 


37<H477 


1554421680 


430 


1880 


1489308914 
1584 397 116 


961 


4140098 


1606693240 


388 


1881 


1 616 936 


980 


4401959 


1673008040 


358 


188S 


1690540 


1653 668 513 


978 


4671816 


1735118630 


371 


1888 


1769680 


1736598660 


981 


4916149 


1 812 393 200 


364 


1884 


I 85; 833 


1851850668 


997 


S 128 647 


1881074940 


367 


1885 


I 932 504 


I 971 512 720 


1020 


5 3" «5 


1954366640 


369 


1886 


2018695 


3 145 325 000 


105 1 


5 55^37« 


a OH 7*5 740 


364 


1887 


2089196 


2 182 404 000 


1044 


5700473 


2099331640 


342 


1888 


2183483 


2307516000 


1057 


6o<9403 
6363096 


2 162 548 800 


357 


1889 


3299306 


2471030000 


1074 


2 225 707 180 


349 


1890 


2 397 327 


2565534000 


1070 


6638677 


j 289 671 340 


347 


1891 
1868—1865 


2 481 415 


3671852000 ' 


1076 


Italitn 


Frankreich 





_ 


— 


151« 3451 


365 51« 982 


242 





— 


_^ 


1866—1870 


I 955 «96 


492230402 


252 


— 


^__ 


— 


1871 


3 031 328 


429983228 


213 


— 


_ 


— 


1878 


2016552 


412 174822 


204 


891 114 


444 «5« 309 


493 


1878 


2 079 196 


436077390 


210 


9943*3 
1044598 


464419788 
49085474« 


467 


1874 


2 170066 


458799654 


211 


470 


1875 


2 365 567 


52833« 174 


223 


« 164 335 


546436619 


469 


1876 


2625209 

2 868 263 


615 227 749 


234 


1297889 


586379547 
625441853 
663086750 


452 


1877 


690 267 325 


24« 


1468 120 


426 


1878 


3173721 


812933122 


256 


1629 157 


407 


1879 


3507711 
3 841 104 


923636633 


263 


«895*75 


1 730 310 03 1 


385 


1880 


1024 162 155 


267 


2 151 907 


828 760 364 


404 


1881 


4 199 238 


I 127 122 891 


268 


2394779 


904957602 


378 


1888 


4434362 


1 403 302 968 


3«6 


2639703 


1 001 432 400 


385 


1888 


4562452 


1453200000 


3 «9 


2883419 
2976834 


1 047 579 «03 


363 


1884 


4704452 


1620240000 


344 


1 069 283 460 


359 


1885 


4926391 


I 770 400 000 


359 


3 «99 915 


1 139983 100 


35« 


1886 


5096716 


1771 185600 


347 








1887 


5 207 354 


1891 560000 


363 








1888 


5361908 


I 996 261 600 


372 








1889 


5542602 


2 037 483 200 


369 








1890 


5761408 


3368369000 


4«« 








1891 


5948882 


3 484 748 800 


421 



EöaifL PtmI. Statut BnrMuu, Jahrg. 1876 ff.; ZeiUebr. de» Königl. Bayer. Sutitt. 
latft— ItST; ttatiat. Jahrb. f. d. GroEhenoKtnm fiaden, Jahrg. 1878 und 1884; Mit- 
Abatmel for the Unitad Kingdom No. 18, 88 und 88 ; MiMellaneons StatUtioa 
Sftatiatik, iMraaagif. v. d. K. K. Statist Zentral-KomnüMlon : Statittik der 
ItST; ABBMire statiitique de la France, Jahrg. 1886; BalleUn de ttaUsUqoe et 



128 



Misielleil. 



Beaoltate der belgiaohen Staatssparkasae vom 








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Die nuf Bücher bei der Zenrralkuu 






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Steaeräoitern, «owi« bei den 
















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Bücher 


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Bücher 


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Bücher 


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Betrug der 
EiotAgmi 


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KimtiTie dcT 
Eirtlfttren 


1865 


36 


82a 


17 


803 


' 135 


598388 


527.8 1 


ißse 


41 


6036 


S23 


6016 


35 470 


1645115 


to3»SÄ 


1807 


S' 


13978 


I 962 


18031 


58 106 


7569651 


llO*tl 


isee 


S9 


17814 


5 995 


39861 


146115 


11961517 


88.71 ' 


1869 


,s 


19364 


1144' 


47784 


156804 


8 8S9S37 


56,^0 


1870 


17981 


13419 


52346 


144468 


U S78 455' 


939* 


1871 


49« 


15975 


II iqo 


57 131 


"33 954 


u 66193s 


87.0« 


1872 


509 


17514 


11 '55 


63510 


153632 


18110 109 


ti8,ss 


1879 


533 


H^rs 


it 150 


77035 


18Ü007 


11 451 078 


115,3» 


1874 


544 


29498 


14141 


91191 


^37007 


21011 530 


92.SI 


IBIS 


55« 


19866 


15746 
iSiit 


106312 


*57 040 


31134887 


I25»2 


1876 


555 


14673 


121771 


^81355 


509319^1 


183*77 


1877 


552 


46150 


11 085 


147838 


187 1S8 


50375667 


i75'*i 


1878 


548 


44 477 


13030 


169285 


3J0939 


54411290 


174»»9 


18TS 


554 


41483 


3SoaS 


176741 


319958 


64114383 


t94.»* 


1880 


605 


S1IS4 


1913^ 


100565 


313 666 


67540057 


ioSe7 


1B8I 


619 


67961 


33674 


334851 


405004 


67413 194 


165.5« 


1882 


638 


134316 


43 693 


325 475 


836 541 


66 595 580 


79ie4 


1883 


624 


994S7 


54194 


370 768 


861 998 


78534999 


91,00 


1884 


628 


97 676 


61 7U 


406 656 


908085 


86 36S 705 


95^01 


188Ä 


830 


98 899 


61468 


444087 


9147^1 


foi 911839 


tIt,4S 


1886 


8J4 


103 803 


6248Q 


4^5 4^0 


931 564 


117889033 


I3S,S8 


1887 


841 


1139S6 


67 785 


546 611 


I 093 898 


1*3551033 


[1303 


IgSB 


842 


135 937 


73873 


598675 


I 193880 


119525676 


too,is 


1BS9 


841 


133799 


75 167 


657 307 


I 30 i 551 


120713639 


gi.7ft 


I8i0 


844 


140 104 


66454 


731057 


I 466 tt^ 


150906657 


101,9S 


188L 


846 


14&691 


77^74 


800074 


i 511000 


155341532 


10t,91 



MUielleo. 



129 



15. September 1585 bis 8L Deiember 1881. 



k BrtMel, bei 


den Agentaren der Nationalbank in der ProTini, bei den Post- and 


FUialeo bewirkten Einlagen 














Darchscbnitts- 




Gathaben, 




ItU der Rück. 


Betrag der 


samme der 


Kapitalisierte 


inkl. kapitalis. 


Darchscbnitts- 


uklnngen 


R&ckiahlongen 


Rfieksah- 
langen 


Zinsen 


Zinsen am 
31. Desember 


samme 


42 


71029 


169M8 


2273 


529632 


659.66 


1902 


916 930 


482,08 


35605 


2 293 422 


381,«« 


582s 


3238641 


556,27 


137968 


6 762 400 


375.0« 


13955 


4 708 576 


337,41 


302164 


15 31« 505 


384,29 


23461 


7 812 549 


333»oo 


356 161 


16 821 654 


352,08 


31943 


«U35244 


354*8« 


555 861 


19620726 


374^82 


«9 4«4 


10 244 896 


348,18 


953 246 


21 992 011 


384,94 


30451 


1 1 627 924 
15 849 588 


447i53 


682 777 


27256973 


429,17 


35086 


45^7S 


894866 


33753329 


438.16 


4463« 


19463455 


436,09 


1014708 


37 326 103 


404,87 


49 3" 


25798418 


5231O6 


1 194429 


44857001 


421,98 


61 102 


32794012 


536.70 


2742851 


65737831 


535,44 


7075« 


39379593 


556,60 


2044299 


78778204 


532,87 


77043 


43129198 


559,81 


2418469 


92 478 765 


546.29 


96255 


Si 416 969 


1 53417 


2 838 103 


108214282 
125098287 


612,27 


96725 


53939247 


557,65 


4 283 195 


623.73 


108293 


67 823 787 


' 623,00 


3682400 


128370094 


546,59 


136325 


70377728 


1 516,24 


3 408 262 


127996208 


393*25 


169627 


68318277 


1 402,75 


3729434 


141942464 


382,83 


199729 


73680380 


368,90 


4 198221 


158829010 


390,57 


221 152 


76 547 104 


345.»! 


4 856 344 


189061089 


425.72 


248643 


97 578 765 


392,40 


5812422 


216893238 


446,82 


277412 


105663 172 


1 380,89 


6160285 


239941384 


438,96 


319388 


106 169 928 


332.42 


6 927 306 


260 224 438 


434,67 


346787 


105 945 682 


305,fii 


7 585 704 


282 588 099 


429,92 


344 47« 


116597252 


338,48 


8517908 


325415412 


445,18 


427 792 


158335447 


370,12 


9473517 


333 428 732 


416,75 



IMte Pdf« BL VII (LXU). 



130 



Mivtellen. 



Die belgischen Schalaparkasaen von 1886 bis 189L 



.Tftlir 


Zahl der 


Zahl der Schfiler 


Schüler im Besiti 


Snmme der 


Einlagen bei 




Schalen 


IL SchQlerinnen 


eines Sparbuchs 


Knaben 


Mädchen 


1885 


7007 


827 670 


133 416 


1600467 


1238368 


1886 


7069 


869254 


138 031 


1 766 829 


1 373 7^S 


1887 


7022 


889 320 


146674 


1905 177 


1 485 658 


1888 


7447 


891 842 


154 192 


1 960111 


Ibi6 115 


1889 


7547 


894776 


162 589 


2 036 700 


1 698 343 


1890 


7637 


896787 


167696 


2 216 720 


I 825 429 


1891 


7753 


925 488 


172 629 


2361960 


I 945 «16 



Von den Einlagen des Jahres 1885 waren : 

77il ^/o ^m Betrage von i— 20 Frcs. 

13,6 „ „ „ „ 20— 100 „ 

5»9 «t t) « »f 100— 500 „ 

i»8 »» »» •» ♦» 500—1000 „ 

1,1 „ „ „ „ 1000—3000 „ 

0,6 „ „ „ über 3000 „ 

Von allen mit Jahressehlnfs aufrechten Einlägebüchem hatten : 



47,8 0/0 


ein Guthaben 


von 1— ao Pres. 


21,7 „ 


1» 


,1 


„ 20— 100 „ 


14»7 f, 


♦» 


», 


„ 100— 500 „ 


5.9 *. 


»1 


ti 


„ 500—1000 „ 


7,1 ,. 


>f 


1, 


„ 1000—3000 „ 


3t8 f, 


1» 


n 


über 3000 



Quelle: Compte Rendu des Operations et de U Situation de la caisse gön^rale 
d'^pargne et de retraite. Ann6e 1886. p. 2 und p. 80. 

Befloltate der italienisohen SchulBparkassen vom Jahre 1876 an 
bis Ende des Jahres 1886, 



Jahr 


Zahl der Lehrer, 

welche Spargelder 

annehmen 


Zahl der sparen- 
den Schulkinder 


Zahl der von 

den Lehrern 

angenommenen 

Einlagen 


Betrag der 
Einlagen 

Lire 


1876 


522 


"935 


89541 


32048,8s 


1877 


522 


8996 


69260 


296791«! 


1878 


1060 


17759 


144926 


53601.8S 


1879 


2304 


28432 


295481 


107021,70 


1880 


3240 


40956 


432 237 


174596,62 


1881 


4248 


55043 


635 356 


238 544,9» 


1882 


4580 


54841 


636305 


251 457,8S 


1883 


4540 


36212 


613 018 


253467.0s 


1884 


4526 


46939 


533 750 


295 506,68 


1885 


3451 


65062 


573037 


376344,87 



Quelle: Reladone intomo al servisio delle oasse postali riBparmio du- 
ranie Tanno 1885. (Anno deoimo.) Borna 1886. p. XGIY. 



Misielieii. 



131 



Die Besultate der SohnlBparkaBsen in Ungarn vom Jahre 

1876—1886. 



Jahr 


Orte 


Schulen 


Manipolanten 
(Lehrer) 


Einlagen 


Ersparte Saume 
in Qnlden 


1876 


«3 


IS 


3» 


2621 


lim 

30416 


1877 


17 


30 


9S 


2010 


1878 


30 


36 


105 


3682 


1S79 


3S 


50 


93 


2862 


33650 


1880 


96 


»41 


222 


7 333 


54647 


1881 


178 


340 


451 


14984 
16273 


71817 


1882 


256 


^^l 


§65 


"4734 
131 580 


1883 


314 


438 


697 


21992 


1884 


317 


458 


758 


24085 


151451 


1885 


334 


5«7 


775 


23494 


152474 


1886 


397 


581 


926 


28256 


113 264 



Quelle: BIfter fierioht über die SohalBparkassoD in Ungarn yon 

B. F. Weife, Yioe-Präsident der Soholsparkassen-SektioD des nngarischen 

Landee-Agriknltarvereins. 



132 



HUsellaa. 



in. 

Die Sohwankungen des BiBkonts, des Notenkones und des 





London^) 


Paris 1) 


Berlin*) 


Amsterdam ^) 




Bk. 


Mkt 


Bk. 


Mkt 


Bk. 


Mkt. 


Bk. 


Mkt. 




Vo 


% 


% 


O/o 


% 


% 


% 


% 


Dorchschoitt 1841—60 


3^8 


3»28 


4ao 


— 


— 


— 


— 


— 


„ 1861—60 




4.24 


3.78 


4.14 


^ — 


4.49 


— 


— 


— 


., 1861—70 




4.8 


3.» 


39 


— 


4.6 


— 


4.14 


— 


„ 1871—76 




358 


3.80 


. 478 


— 


4-46 


3.48 


3,74 


3.»o 


„ 1876—80 




2,88 


2.40 


2.6 


3.18 


406 


3 14 


3 16 


2,9 


1881 . 




388 


2,1b 


383 


3.87 


4.88 


38 


3.17 


3 


1882 






4.08 


342 


3.71 


3.89 


4.8 


4.03 


4.6 


4,26 


188?. 






34 


2,94 


3,04 


3.8 


4 


2,9 


4.08 


hf 


1884 






3.04 


2,6 


3 


3,6 


4 


2.97 


3« 


3,8 


Dnrehschoitt 1886 . 






H 


2« 


3 


H 


4i 


3 


n 


2t 


Ii6chster ,, 








4 


1 


3 


H 


5 


4 


3 


2« 


niedrigiter „ 








3 


3 


1} 


4 


4 


3| 


3 


Dnrchsehnitt 1886 








3A 


H 


3 


2| 


3«\ 


Jl 


3 


Hl 


Ii6eh8ter „ 








S 


4A 


3 


3 


5 


21 


2S 


niedrigster „ 








a 


«* 


3 


I* 


3 


11 


3} 


IJ 


Dnrchscbnitt 1887 








3A 


»A 


3 


m 


3tl 


H 


3) 


2H 


h6chster „ 








5 


3i 


— 


3 


4 


3} 


— 


21 


niedrigster „ 








2 


I 


— 


H 


3 


it 


— 


3 


Durchschnitt 1888 








3»80 


3,S8 


3.10 


2.75 


3.8 


H 


31 


H 


h6ch8ter ,, 








5 


41 


41 


3i 


4.6 


31 




2* 


niedrigster „ 








3 


H 


H 


3 


3 


H 





If 


Durchschnitt 1889 








3i 


31 


3.1 


n 


3i 


H 


21 


21 


höchster „ 








6 


ii 


4i 


4J 


5 


5 


n 


24 


niedrigster „ 








n 


'* 


3 


2 


3 


4 


H 


11 


Dnrchsehnitt 1890 








r' 


3.71 


3 


3,68 


4.84 


3.87 


3.87 


2,69 


höchster ,, 








4» 


3 


3 


51 


5i 


41 


4 


niedrigster „ 








3 


1} 


3 


2J 


4 


3} 


n 


24 


Durchschnitt 1891 








li 


'l 


3 


at 


3} 


H 


3iV 


2J 


höchster „ 








5 


3| 

4 


3 


H 


4 


li 


3i 


3 


niedrigster „ 








n 


3 


U 


3 


3} 


3 


2t 


Dnrchsehnitt 1892 








H 


H 


n 


1} 


3} 


I* 


2| 


3 


höchster „ 








3 


2} 


3 


n 


4 


3J 


3 


2fi 


niedrigster „ 








2 


} 


2) 


I 


3 


U 


H 


14 


Durchschnitt 1898 








3 


I| 


2j 


2} 


4 


31 


31 


2} 
4} 


höchster 








5 


3} 


2} 


2} 


5 


4i 


5 


niedrigster ,, 








n 


I 


3} 


n 


3 


n 


H 


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31 


3 



1) Auf Grund der Angaben des Statist u. Beonomist 



S) Haeh dtm BvliBar 



Mitsellen. 



133 



Sflberpreites im 


Jahre 


1898 and der Veijahre. 




Brfiaseli) 


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Peten- 

• 1. 


Preis 1) des 
SUbers in 


Ross.*) 


OesUrr. *) 


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nisohe 








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London 


Banknoten 


Bankn. per 


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100 Quid. 


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161,20 


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212,46 


160,8 5 


70,75 


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213,86 


162,66 


70,80 


3 


3| 


5 




3«.76 


216,25 


162,90 


72.70 



134 l^ebenieht Aber die neuesten Publikationen DeuUcbUnds und des Amtondm, 



üebertucht über die neuesten Publikationen Deutschlands 
und des Auslandes. 

1. 0eiohiolit6 der Wifienieliaft. Enojklopfcdiichti. Lehrbftelier. 8peii«ll« 
theorettiobe üntermolrangeB. 

Bapprechty Ludwig» Juttus Möser^s sosiale and yolkt- 
wi rtschaftliohe Ansohauungen in ihrem Yerhältnis sar 
Theorie and Praxis seines Zeitalters. Gekrönte Preisschrift 
Stuttgart, J. 6. Gotta'sche Buchhandlung Nachfolger. 1892. gr. 8 <> I? 
und 173 SS. 

Eine Monographie, welche das Denken und wissenschaftliche Schaflfen 
des deutschen Patrioten und Politikers mit all' seinen Eigentümlichkeiten 
und Charaktersügen auf seinen volkswirtschaftlichen und sozial- 
politischen Inhalt hin prüfte, war längst eio litterarischer Wunsch, 
den indes die dogmengescbichtliche Forschung bis jetzt nicht erfüllt halt«. 
Die staatswirtsohaftliche Fakultät der Universität München suchte diesem 
Bedürfnisse zu entsprechen, indem sie vor zwei Jahren eine Darstellung 
der sozialen und nationalökonomischen Ansichten Justus Möser's als Preis- 
frage stellte. Der Verfasser der uns Torliegenden Arbeit, der auch der 
Preis zuerkannt wurde, hat sich in erfreulicher und, wie wir mit Recht 
sagen dürfen, in glücklicher Weise seiner Aufgabe entledigt, and ist 
durch eine erschöpfende Behandlung des Stoffs der höchst interessanten 
Persönlichkeit des osnabrückischen Staatsmannes im ganzen auch gerecht 
geworden. 

Der Anlage nach zerfällt die ganze Schrift in zwei Abteilungen. Von 
diesen beschäftigt sich die erste (S. 1 — 64) mit dem sozialen und sosial- 
politischen Gedankenkreis Mö8er8, während die zweite (S. 64 — 173) seinen 
Tolkswirtschaftlichen Ansichten gewidmet ist Seiner Bearbeitung legt 
der Verfasser eine scharfe, auf ihren inneren Zusammenhang gegründete 
Bohematische Gliederung zu Grunde, welche in beiden Hauptabschnitten 
langsam und allmählich von den generellen Gesichtspunkten za den 
speziellen yorschreitet. Nachdem wir immer zunächst die Elemente seiner 
Auffassung veranschaulicht erhalten, werden wir in der Folge über seine 
Anschauungen über die politische Seite der Frage aufgeklärt Beiden 
Abteilungen wird ein etwas allgemein gehaltener Abschnitt Toran geschickt, 
welcher die Stellung Möser's zur sozialen Bewegung in der zweiten Hälfte 
des achtzehnten Jahrhunderts näher charakterisiert Im einseinen: 



»lebt iib«r di« DeuMtra PublikAtionen Dfiattcblftods and das AusUndes. ]35 



Ropprecht b^ginot seine Darstellung mit den Ideen Moser'» über Freiheit 
und Gleicbheit, wobei seine Gedanken entgegen der sonatigen Zeitrichtung 
Yeaentlieh von den allei nivellierenden Houiseau'schen Egalitateideen 
abweichen, die er im Gegenteil scharf bekämpft. Hieran gchlieffit Aioh 
die Darlegung der Grundsätze Moier^s hinsichtlich der Stände als politi- 
•dlA Organiiation des Staatsganzeo ^ in welcher er die naturgemäfse 
(XiederuBg der verschiedenen sozialen Schichten und Klai^sen erblickt, die 
logUche Abstufung in Eechta- und Bangkreise ^ndet. Den Abschlafs der 
mlen Abteilung bildet dann eine Zusammenfassung seiner Ansichten 
iber die »oaiale Politik, 

Die volkswirtschaftlichen £r<Krterangen werden mit Betrachtungen 
aber die Elemente der Produktion eingeleitet und der Verfasser bu* 
•chaftigt sich insbesondere mit der Stellungnahme Möser's jsu den Be- 
gnIPexi y^ Arbeit" and .^Kapital". In ersterer Beziehung sind die ange- 
lOfenen Darlegungen ziemlich ausführlich und stehen sehr häufig in 
ebrnkteriitisehem Gegensätze zu Adam 8mith, was namentlich bei dem 
Problem der Arbeitsteilung zu Tage tritt. Ueberhaupt ist es auffallend» 
dafs die Lehren des grof^en Schotten auf Moser ohne tiefgehenderen Ein- 
flofft geblieben sind, wiewohl das Erschainen des grofsen Werkes von 
Adain Smith über den Wohlstand der Nationen gerade in die Zeit fallt, 
die rieb als den Höhepunkt der schriftstellerischen Thätigkeit Möser's 
I (1766—1782) darstellt^ in jene Epoche, in welcher die trefflichen Auf- 
s&tie in den osnabrückischen In telligenjf blättern entstanden« die er später 
unter dem Titel „Patriotische Phantasien'^ gesammelt haL Dagegen ver- 
wmeu wir bei ihm eine einläfsliche, wissensohaflliche Behandlung des 
tweit«o Produktionsfaktors, des Kapitals. Die ilbrigon Kapitel beschäftigen 
mA mit der Bevölkerungspolitik, der Konsumtion und dem Luzus. Den 
fletklaf» bildet eine Erörterung über Möser's Stellung zu den drei Haupt- 
fiUeteOy der Produktion der Landwirtschaft , des Gewerbes und Handels, 

Belnem ganzen Wesen nach ist der osnabrüeker Staatsmann Historiker 
Bod Praktiker und als solcher steht er mit der ganzen theoretisierenden- 
ratl<niAluüaehen Richtung seines J^ahrhunderts in Widerspruch. Gegen 
He Eottitemusche Doktrin» welche den uDgeselligen Zustand der Mensch- 
hett a!» don idealsten preifat» macht er die geBellschafItliche Naturanlage 
dt« lleDicben, seine soziale Bedingtheit, geltend« Aber auf der anderen 
Sttil« variastet gerade Eieine hiBtorisch* praktische Begabung den Sosial- 
peHtikar tu man gelhaflem, irrtümlichem Bestreben« indem Moser vorhandene 
Zustiade nicht nur historisch zu erklären, sondern auch ihr Fortbestehen 
I über die Zulässigkeit hinaus mit dieser Erklärung zu rechtfertigen suobt. 
I Wl« ar aber den abstrakten Strömungen seines durchaus philosophischen 
MtmHeri abhold ist» lo steht er auch mit der Staats- und Verwaltuiigs- 
prtzia ttinea Säkulums in mannigfachem Widerspruch, Im Gegensätze 
n des ccotripetalen Strömungen des Wohlfahrtsstaates des 18. Jahr- 
InradMta oeigt er den Organisationen einer ständisch gegliederten Selbst- 
vmraltliiif zu. Er ist ein überaus warmer Vertreter und Freund des 
boqiortttiTm Wesens, dem er die Ausgleichung der sozialen Interessen 
ikvlttMCD will und seine nachdrückliche Betonung des Prinzips der ge* 
saUaelimltllohen Selbsthilfe durch genossen schaftlicbe Vereinigungen ist ffir 
B hohem Grade oharakteristiach. 



136 Ueberslcht über die aeuesteu Pubtikatiuneti Deuttn'blAads uod des Attslsndas. 

Id Bupprechts Arbeit haben wir es mit einer gohÖDeu Leistung tu 
thun , die wir gerne als aulseret dankenswerte Bereicherung anserer 
do g m e ngeet chi oh tl lohen Litterutur und Forftohuug anarkenDeo. Nur hätte 
Keferent gewtiDsoht , dafs die beiden Abteilungen der Darstellung durch 
ein eiDheiÜioheB Band Terbunden worden waren: nämlich durch eine 
kurze Schilderung, die uns deo Entwiirkelungfigang , die Einfluase und 
Strömungen veranfichauücht hätte, welohe den Werdeprozefs Yon Justua 
Möser'fl sosialen und yolkswirtsohuftlicheD Ideen bedingt und geleitet 
haben. Ein derartiger Abschnitt tollte in eioheitlichem Bilde das Torführen, 
was in des Yerfa^tseri ErörteruDgen an verschiede Den Stellen ohne iunaren 
Zusammenhang mit dem Ganzen geboten wird« 

Würzburg. Dr. Max yon HeckeL 

Born hakt C, Die deatjchu Süsialf^esetzgebuDg syst^matlfch durgesUllt. 3. Aafi. 
Freiburg i/ß., Mohr, 1895. gr. 8. IV^ßÄ S8. AI. 1,60. 

Wurst, Ad., A. Tbier«WolkiiwirUcbBfi]iche AoAcbftuuDgen. Jena, G» Fischer, 1893. 
gr. 8. VUI — 89 SS. (A. u, d. T : Sammlung uatioiialükoiiomKj<cher and »ututiteber 
Abhandlatigen des sUaUwiMfinacbaftlieheo Seminara za Hall« , beraaagegebttn vou (ProC) 
J. Conrad, Bind I, Hett 5.) 



C a u w fc 8 , Paul (prof. k la faonltd de droit da Paris), Conra d^^nomie polltiqaet 
eonianant, avec Texpove dea priocipe«, raDalyae des qaeitions de t^Ulalioa ieo&omkitte, 
3« Edition* 4 toI». Parb» Larose & F^oreel, 1883, 8. fr. 40.—, 

Dictioaaaire de» Üuarice», pttbll/« aoua la directton de L^oo Say (aocien minlitre 
de Hnanceftf etc.) par L. Foyot et A. Lanjalley (chef d« bareftu et nncieo directeur g^neraJ 
aa Minist^re de» flnunces) Pasdcute 2S, Parle, Berger- LevranU & C^\ 1893. Roy, 
in*8. fr, 3t50» (Sommaire : Sapeur^^pönipier:» — Soci^tis de aecoar« mataels, — 8eb. 
— Serrieei p^niteatjaires. — Soci6t6ii. — Solde. — Bubstancet aUmeotairea. — Snoc«»- 
iloo, — etc.) 

Balfoar, A. J.^ Essays aod addresses. London, David Dooglaa, 1893. crüfni>8. 
6/, — ♦ (Gontents: The pteasures of readiog. — Hiahop ßerkeley*f lifo and lett«rs — 
Cobden and ih« Manchester Schoot. ^ Politic» and political economy, — A fragment on 
progrees. — etc.) 

Morria, W, and E. Beiford BaXf Social btii : ita growth and ootcome. Landan, 
8wan SonnenscheiOr 1895, crown-8 VIII— 335 pp. 6/—. 

NieholBOQ, J. Shieid {Prof. of poliL economyf Edinburgh), Principle* of political 
ecoBomy. Voh l London, A. k Ch. Black, 1893 gr. Jn-8. VI— 451 pp», clolh. 15/, — . 
(ContenU: Introduction, — I, Pruduction: Utility. ProducCioii. UouKUtnptJon. Natare. 
Labour. Capital. Dlviaioo of Inbour^ Production on a Urge end productiou ou a &malt 
»cale. Large aod small fanning, The law of dtmmidibing return and Ihe law of incroa^rng 
retarn. The princlpte of popatation. The growth of material capital. — II, Distribution : 
Tbe di»tribation of wealth, The inAtitaiion of private property. Bt^quest and inheritanee. 
Property in land and compeiisation for exprüpriatioti. Competition aud cui^toni. Cti»tij<iu < 
and village commiinities. Feudalism Modern üwner!»hip of Und and industrial freedoia. 
Contractu for the bire of Und. Wage» und tfieories of WBges. Relative wagoa* Th« | 
effecta of law and cnstooi on wages. Profits. Economic rent. Economic ht»tory and «eo- 
nomic otopias, — ) 

(fnoccbi-Viani, O., Dal fnaszinianiamo al iocialtbnio : couferenaa. Colle, cjp. 
Meont, 1893. 8. 18 pp. (Pnbblicato a eura delta sezione »ocialiffta regionale toscana 
del partito dei lavoratori italieni,] 

Gnaaaardi, G. (avvocato), Cafechii»niio polittco degti itallani, Alesaandria, tip, Q. ] 
M Piccooe^ 1893. 8. 35 pp, (Per le uozi^n d'Argi»uto dei sovrani d*ftal»a,) 

Joynesf J. L.| 11 catecbismo aoclalt»u. Traduziooe iteliana daU* ingle*e di E*. 
D, £. Milano, Critica sociale edit , 1893 16. 47 pp I 0,15. 

M o 1 1 o i a f D. (avrocato)« Scienza policicti : trattato in diritto amminislradvo stüla 
retponaabilitk degti uffieiali di govemo e pubblici runeionari. 3^ editiooe. Catanzaro, 
tip del Calabro^ 1894. 8. 153 pp. t 4.—. 



UabcnSdil ttbtr die ntMSten Pablikatiooen DentsehUnds und des AaslandM. 137 

Kitti, Fr. S., La popolaiioDe e il sistema aodale. Torino, L. Rou & C, 1894. 
6. SIS pp. L $^50. (Contiene: CauM storiehe delle dottrine economiehe solla popo- 
lasioaa. — La popolasfone e 11 sistema lodale.) 

Sabbatini, P. (prof.)« ^^ eompito sociale delJo stato e la legislasione sociale in 
Balia. Modena, tip. Soliani, 1898. 4. 89 pp. 

Dieelonario prietico de adminietraciöo. 2 tomoe. Madrid, EstabL tip. de »,E1 
Seeretariado^S 1893. 4. pee. 40.—. 

t, 0Me]iiflhta und Darttdliiiig der wixtiobmftliolien Kultur. 

T. Buehwald, GottaT,. Bilder aoa der volkswirtBohaftlichen 
«od polititehen Vergangenheit Meoklenbargs. Neattrelitz 1893. S^. 

Dieses als Festsehrift zur Feier der goldenen Hochceit Ihrer König- 
lichen Hoheiten des Qrofsherzogs und der Orofsherzogin von Mecklenborg- 
Sireliti Teröffentliehte B&chlein enthält fünf bemerkenswerte Sohiide- 
nmgen ans der Zeit Ton 1631 — 1708. Drei derselben sind wesentlieh 
politisohen Charakters und behandeln die Pläne zur Einigung und Eräfti- 
giing Mecklenburgs, die sogen, »^meoklenbttrgische Kombination'^ sowie den 
Gftstrower Erbfolgestreit; die beiden anderen beziehen sich auf national- 
ftkonomische Dinge. Hier teilt der Yerl einerseits auf Grund eingehenden 
Aktenstodiums eine Reihe von Angaben mit, die ein ziffernmäfsiges Bild 
TOD den Verwüstungen, denen das platte Land im dreilsigjährigen Kriege 
sotgesetzt war, aufrollen. Die Daten stammen aus den Aemtem Strelitz 
and Stargard. Andererseits charakterisiert er den Stammyater des Hauses 
Mecklenburg Strelitz , Herzog Adolf Friedrich II., in seinen Bemühuugen 
am die Hebung der Yolkswirtscbaft in seinem Ländchen Stargard 
and Batzeburg. Tabakskultur und Hopfenbau» Brauerei und Branntwein- 
brennerei, Gold- und Glasmalerei, Wollenweberei und Pulrerfabrikation 
haben den hohen Herrn beschäftigt, der die Freude hatte, dafs seine Be- 
strebungen nicht TÖllig im Sande verliefen und heute die Genugthuung 
haben würde, dafs wenigstens der eine der von ihm begünstigten Pro- 
duktionszweige, nämlich der Tabaksbau, bis auf den heutigen Tag blüht. 
Herr von Buchwald, den man als gewandten und geistvollen Schriftsteller 
schon aus seinen früheren Veröffentlichungen zu schätzen Ursache hat, 
bewährt auch hier wieder sein eigenartiges Talent. Aus gröfätenteils un- 
gedruckten Quellen, Akten und Briefen schöpfend, weifs er nicht nur ganz 
Neues vorzutragen, sondern versteht auch dem Neuen durch ansprechende 
Beleuchtung besonderen Reiz zu verleihen, vereinzelte trockene Angaben, 
auf die er je nachdem Licht oder Schatten fallen läfst, zur Würdigung ihrer 
allgemeinen Bedeutung zu bringen. Mit Vergnügen liest man, wie er dem 
Herzog Adolf Friedrich gerecht zu werden versteht und mit Staunen 
aimmt man wahr, wie er den vielgeschmähten Herzog Ghretien Louis I. 
in Schutz zu nehmen und in seinem Wesen versöhnende Seiten aufzufinden 
veiLi. Da die wirtschaftlichen Zustände des 17. und des Beginnes des 
18. Jahrhunderts erst wenig erforscht sind, hat der Verfasser sich ein 
eotsehiedenes Verdienst mit seinen Forschungen erworben, ganz abge- 
sehen von dem Danke, den ihm die mecklenburgische Landesgeschichte zu 
loUen hat. 
Rostock i. M. Wilh, Stieda. 



138 Ueberslchl Qb«r die ntuesten PuibHkftilonen D«a1»cfal«nd« und det Aasltndes. 



Kniekei Aug, , Die Ein Wanderung io den westfUllschea Btädteo 
bift 1400. Ein Beitrag zur Geechiehte der deataelien Städte. Kanster, 
Regeosbergiche Buchhandlung, 1893. 176 SS. (U, 3.) 

Der Verf. sagt in der Flinleitung, dafa er ungedrucktes Material nicht 
herangezogen habe» auch nit^hl beabsichtige, neue Thesen aufzustellen, 
londem dafß es »eine Abliebt sei, durch Benutzung des gedruckt Tor- 
Uegenden urkundlichen Materialifl in möglichster Yolhtändigkeii fiir eine 
bestimnite, zeitlich abgegrenzte Periode und fdr ein beschränktes Landes- 
gebiet der Prüfung der Frage der Einwanderung in den Städten naher 
zu treten^ die bisher meist nur in dem Rahmen der Verfassungegeiohiehte 
der deutschen Städte im allgemeinen behandelt worden ist« Er erledigt 
sich seiner Aufgabe in einer sehr geschickten Weise und in korrekter, 
klarer Sprache, Nachdem er die Gründe für die Einwanderung dar* 
gelegt hat, die teils rechtlicher teils wirtschaftlicher Natur waren, be- 
handelt er die Stellung der Landesherm, der Grundherrn und der Stadt 
eeibst zu den Pfahlbürgern, Edelbürgern, Fremden (Gästen) und Jaden 
und das Verhältnis dieser zu einander und zu den VoObürgern. Für die 
Grotte der Einwanderung weifs der Verf. keine bestimmten Nachweise zu 
liefern, weil das Üueilenmaterial fiir den Zeitraum, den er sich yorgeselzt 
hat« fehlt. Ein Exkurs beschäftigt sich mit der deutschen Verjährungsfrisr, 
in welchem der Verf. geg< u Hegels Vermutung des englischen Kinflussee 
durch Vermittelung Heinrichs des Löwen, die selbatändige Entwickelung 
der betreffenden RechtJ^grundBätz6 in Deutschland nachzuweisen sucht. 

Müneter i./W. Hoogeweg. 

V. Hrennor, J. (Frh), ßei^ach bei den Kannibalen Sumatras. Erst« Durchquerung: 
der utiabfaäDgigen Bataklande, Wür£bur((, L Woerl, 1B94. Roy -8. IV — 388 8{i^ init_ 
sah Irei eben 111 D»tfat innen, Karten etc. If. 10, — , 

Cholera, di«^ in Hamburg in Ihren Ursachen und Wirkungen. Ein« okoaotniacli 
medixioiücfae Uniers ucbunj;. Teil 11^ Abreilutii; 1 und Totl III Hamburg, hrs|c und ver 
legt von der Akrien};e5elUchart f,Neiie Börsenhu.Ue**^ 1893, hücb'4. (Inhftlt: Teil 
Abteil I ; Verlauf und Bekftmpfanf^ d«r Epidemie von (Dr. med.) F, Wolter (prnki. Ar 
Hamburg) K Ein Rückblick auf Uamburi;!» frUbere Choleraepidemien, — Teil 111: 
Notatand »pflege. Der EinflufHi der Cholera auf GrofaindustriOf Gewerbe, Handel uod Scbiff*' 
fahrt. Mit lahtreichen Tabellen und Formularen.) 

Chronik der Stadt An gern) linde. Augermiinde, C. Windolff, 1895« 8. 78 SS 
M. 1 -^. 

Demme, L. (StadtsekreUr eu Her«feld), Kacbricbten und Urkunden lar Chronik 
von Herttfold. Band It: die Zeit von Hegiiin des 30j£hrigon bis «u Befcinn des Tjihrigen 
Kriege». Hersfeld, U. Schmidt. 1893. gr. 8. 360 8S. M. i,50. ^Enthält bt^sonder»_ 
urkundliche Belege sar Qeachichte der Qewerke, Lebenümlttelpreiie, l^hne and Zäaf\ ~ 
Bersfelda:) ^ 

K i n Blick auf die volkswirUcbaft liehen VerhiUniasa Italiens. Stuttgart« su Qaiu 
berg» 1894. gr. 8. 43 SS. M. 1 — . 

Horne^ A* (Lehrer an der Süueha/achule), Geschichte von Frankfurt a/H. iti | 
drÄngter Darstellung. 3. Aufl. Krankfurt a,,^., C. Jösel, 1893. 8. Vlll-341 88. uiÜ 
Ansichten und Pl&nen der Stadt aun friiberen Jahrhunderten. M. 5* — . (Au» dem Inhalte? 
Bauliche und wirtschaftliche Zustiiide, — Die FVsakfurter Messen und Verkehr^auitaiteo. 
— Eutwickeiung der bürgerlichen Freiheit, — Das Haus Rothschild. — ) 

Koppmann, K„ Beiträge xur Qeschiehte der Stadt Rostock. Heft 3. Rnslocki 
Stiller, 1893. gr 8. 11t SS. M. 2. — . (Herausgegeben im Auftrage des Vereins der 
Rostocker Altertümer, Hell 3 ) 

Marcuse, Adolf, Die HawaÜM-heu Inseln. Berlin, R. Friedlinder k Sohn, 1894 
gr. 8. IV— 186 SS. mit 4 Kart«n und 40 Abbtldungeti nach photographiscfaen Dngiiial- 
AofomhiDttn. M, 9. — , 



UaUnSebt ftbtr die neaMten Poblikationen DeotsehlAiids und des AvsUndes. 139 

Baab«, W., MeekkabiirgUche VaterlAndskiuide. 8. Aufl., «iiiBlich umgearbeitet and 
bb aar Oegenwart Terbeesert nnd TervoUstindigt Ton Gustav Qoade. Band I. Wismar, 
SastorfTsebe Hofbaehbdl., 1898. 12. VI— 1610 88. M. 18.—. (A. a. d. T. : SpesieUe 
Ortakande beider OroMierxogtflmer Mecklenburg nebst 5 StAdteplInen und einem alpha- 
betiaclian Ortsregiater. 

8a eb, A. (Prof.), Der Ursprung der Stadt Hadersleben ond des Stadtrecbt Hersog 
WaUeman IV. Tom Jahre 1298. Hadersleben, J. Dreesen Nachf., 1898. 4. VIII— 80 88. 
■it dner Ansieht der alten 8tadt und 6 Siegelabdrücken. M. 8.—. (Festschrift zur 
nebshoBdertjIhrigen Jubelfeier der Sudt.) 

Seliweadimann, Job., Der Bauernstand des Kantons Lasern ehemals und heute, 
«srgalect rom Standpunkte der Staatswirtsohaft und Sosialpolitik. Luaem, Gebr. Biber, 
1898. gr. 8. XVI— 808 88. M. 8,40. 

Semran, A., Beiträge zur Geschichte der Stadt Neumark. Neumark (Westpr.), 
J. K5pke, 1898. 8. 74— VI 88. M. 1,50. (VeröffenÜichung des „historischen Vereins 
b Marfanwardar^.) 

Wattke, K. (kgl. ArehiTassistent), Die Versorgung Schlesiens mit Sali, 1777— 
1790, Tornebmlich mit Siedsals, künstlichem und englischem Steinsais und Halle, Grofsen 
Selse and die kdnigl. Seehandlung. Nach archivalischen Quellen dargestellt. Berlin, 
Slaigardt, 1894. 8. VI— 185 88. M. 4.—. 



Appel ans ehambers de eommeree. Avenir de Tlndo-Chine. Extrait d*un livre 
»ou presse: La France et TAngleterre dans l'Indo-Chine. Rizheim, impr. A. Sutter, 
1898. 8. 

Foarnier de Flaix, E., Pendant une mission en Bussie, I^^sörie: A trayers 
rAüemagne. 8 tomes. Paris, Guillaumin & O«, 1894. in-18 j^ns. 668— XXXI et 
XLVIU pair. fr. 10—. (Table des mati^res: L'entrainement ^conomique de TAUemagne: 
Coktcna. Br4me. Hambourg. Progr^s de la naTigation maritime et du commerce de 
PAllciBagne. Berlin. La Beichsbank et les banques en Allemagne. — L'entrainement 
•odal de TAlleniagne: Les associations coop^ratives compar^es en Allemagne et dans les 
aadrts Euts. De la richesse de rAIIemagne compar6e k celle des Etats-Ünis, de TAngle- 
terrc da la Franee. — De Berlin k Dantsig et ä KSnigsberg. Kant et Schopenhauer. — 
EBtraiBemeot politique de TAllemagne: La lutte pour la Suprematie en Europe. Le reli- 
vtaMBt de la Franee. — Appendices. — ) 

Mayer, E. (auditeur de Ire classe au Conseil d'Etat), L'utilitä publique et la pro- 
priete prir^e. Paris, G. Massoo, 1893. 194 pag. fr. 2«50. (Sommaire: Expropriation 
pour cause d'utilit^ publique. — Restrictions apport^s an droit de propri^t^ dans l'int^rdt 
d« la drenlation. — BestrictioDs apport^es an droit de propri6tö dans un int6r6t d'hygi^ne 
et de salnbrit^. — Restrictions apport^es k la propri^ti privee daos l'int^rdt de la s^curit^ 
pabliqne et de la defense. — etc.) 

Demarr, J., Ad^enturesin Anstralia fifty years ago : being a record of an emigrants 
vmaderings through the colonies of New South Wales, Victoria and Queensland during 
tbe y^ars 1889 — 1884. London, Swan Sonnenschein, 1893. 8. 362 pp. 6/.—. 

Renne rt, T., Diamonds and gold in South Africa. London, Stanford, 1893. 8. 
854 pp. witb maps and illnstrations. 7/6. 

W a w n , W. T., The South Sea Isländers and the Queensland labour trade : a record 
fÄ royai^es and experiences in tbe Western Paoific, from 1875—1891. London, Swan 
Sonnenschein, 1898. Roy.-S. XVI— 440 pp with maps and illnstrations. 18/.6. 

8. BarUkamngslahra nnd Bevdlkaningtpolitik. Aaswandamng und Kolonisation. 

AoBwandernngUDd AaswaDderangspolitik inDeotsoh- 
land. Berichte über die EDtwiokelnng und den gegenwär- 
tigen Zustand des Auswan d e r angewesen s in den Einzel- 
staaten und im Reich. Im Auftrage des Vereins für Sozialpolitik 
henwagegeben ron Prof. Dr. E. von Philippe vi eh. Leipzig. 
Dancker ft Humblot, 1892. 479 SS. 

Das alte und dooh ewig jange Aas wandern ngsproblem hat in der 
letsten Zeit mehr denn je die öffentliche Anftnerksamkeit aaf tioh gelenkt. 



140 tleherslcht Über die neuesten PubUkatFonen Deaisehlftbdft Dnd des Atul&ndes. 



Bpexielle in dieser HichtuDg wirkt»Dde Hotneote aind haupteächlich tn dem 
Zusammen hang der AuswanderuDg mit den schweben den agrarpolitiicheo 
K OD tro Versen zu erblicken, e^odann iq der Vorlegung eioes Reichsaaswao- 
demogsgeBetzefi. das hoffen tlioh iq der nächsten Tagung des Reiehstagea 
Terabscbiedet wird. 

80 ist denn der rorliegeode Sammelband doppelt willkommen lu 
heirsen , zumal er aurserordentlich dankenswerte MitteilungeD aus allen 
Teilen des Reiohsgebietes in Fülle enthält, die von den kompeten tasten 
Beurteilern herstammen« Eingeleitet wird das Bach daroh Prof. t. Philippo-^ 
Tioh, der besonders die Fragen de lege ferenda eingehend bespricht^ Ait^| 
das englische Vorbild anknüpfend, verlangt der sachkundige Verfasser die 
Errichtung einer Zentral stefle zur Verwaltung des gesamten Answande- 
rungswesens, die Nutzbarmachung der auswärtigen Reichsvertretung <u 
gleichem Zweck, Verhandlungen mit den Regierungen der Einwanderungs- 
länder zum Schutz wie zur Fürsorge für dahin gehende Emigranten. Mit 
dieser staatlichen hätte die private Organisation Hand in Hand su gehett^ 
uud erstere zu ergänzen. Leider sind wir, wie der Gesetzentwurf seigt^^| 
Ton der Realisierung dieser Posiultate noch recht weit entfernt 

Derselbe Autor behandelt auch die Auswanderung aus Baden, einem 
der wichtigsten hier in ßetraeht kommenden Gebietsteile. Hier ist von 
besonderem Interesse die Epoche positiv fördernder Autwanderungspolitik 
1846 — 54. Der Staat, die Gemeinde, organisierte wie nicht organisierte 
Priyatthättgkeit grifiTen hier ein mit nicht unbeträchtlichen Mitteln. 80 
wurden in den Jahren 1850^56 allein 1 601 783 fl, dafür Terwendet. 
Die gesamten den Auswanderern gewährten öffentlichen Unterstützungen 
(seit 1866 nur von den Gemeinden herstammend) betrugen in 1840 — 89 
nicht weniger als 9 687 176 Mark. Die Auswanderung aus Baden betrug 
in den letzten Jahren 6000 Köpfp, Das Maximum war in 1867 mit 8 
bis 10 000 Auswanderera; zweifellos war die Einfuhrung der allgemeinen 
Wehrpflicht das Hauptmotiv. Iq sehr instruktiver Weise zeigt Philippovioh 
durch Vergleichung der Aemter mit Mehr- bezw. Nfinderbevölkerung in 
1858 uud 1885, wie es giradc die ärmsten und am dürftigsten bevölkerten 
Gegenden sind , aus denen sich der Auswandererstrom ergiefst Aafser 
ungünstigen klimatischen Verhältnissen wie der wechselTollen Lage des 
Weinbaues ist es hier die Boden Zersplitterung, welche die wirksamste 
ökoriomisohe Ursache der Auswanderung ist. ^o ist denn der Schlufs 
ein unabweisbarer» dafs eine repressive Auswanderui^gspolitlk nur ungUn- 
etige Folgen zeitigen würde. 

Rag.- Assessor Dr. Krieg behandelt das bayrische Auswauderungs* 
wesen. Dieser Staat ist besonders typisch för die gesetzgeberischen Er- 
schwerungen der EmigratioD — freilich ohne sonderlichen Erfolg. Die 
AuRwanderongsBiffer ist hier nicht hoch: 1846 — ^55: 3,1 Ausgewanderte 
auf 1000 Bewohner, 1886 — 90: 4»0, Für das ganze reohtsrheini^he Ge- 
biet der Monarchie betrug der Durchschnitt 1836—90 nur 1,5. Die 
höchste Zi0er weist das Jahr 1853/54 mit 4,1 auf. Dagegen lind aus 
der Pfalz in 18S6~9Q 252 678 Personen in die Fremde gezogen •• 
7,1 ^/^p der Bevölkerung im Jahre. Die Differenz der Bewegung in beiden 
Gebieten wird durch eine grapfaiiohe Darstellung sehr gut illuatriert. Die 



ü«liftfBicht Obtf die nsQMlMi Pubrikaiioueo DeiitBcht»ads und de« Aaslandes* ]4[ 



EheinpfaU erreicht ihr erstes Maximum in 1854 mit 15 ^j^^^ ; in deo 
iahreo Id7d— 1881 seifet »ch mo plötdioher Spniüg tod noch nicht 3 

[mt li ^/o0 der Bevöikeruog, die Bewegung dauert bis 1890 au und er- 
reicht hier oaheza 22 ^/qq. In den letsteu JahreD ist sie weoigsteae 
iiiieh der EeiohBatatistik erheblich gesunkeD. Auch hier wirken die für 
Baden geachilderten ökouomi scheu Verhältoisse ala primäre Ursache der 
Aaawmodenuig* Im übrigen zeigt das Diagramm einoQ ToUkommenen 
Ftraileliamai der Aaswaaderaagä^iffero, der, wie wir hiaziifügen möchten, 
«aeh dar Bewegung im Reiche entspricht. 

F&r daa (irofsherzogtum Hessen hat Mioisterialsekretar Fay Be- 
rieht erstattet Es findeo sich hier Anlaufe xur Organisation der Aus- 
wandamog und Kolonisation besonders seit 1849, dem Jahre, welches 
lb«rhAupt die bossugliche Gesetzgebung ruformatorJBch umgestalttft. Ganze 
QfnaiDden wanderten ans; eine Gemeinde der Provinz Starken bürg suchte 
üire 615 Ortsanne mit Aufwand yon 50 UOO fl. in Amerika anzu^iiedelo, 
was natürUoh mirslang. Während die hestjisohe Auswaudoruog bis Mitte 
dar 4Ü«r Jahre unerheblich war, stieg sie ?an 1845 — ^46 von 1969 auf 
6020 Köpfe, eine Zahl, die sie seither nie erreicht hat Für die letzte 
Ep<»ohe ist das Jahr 1881 mit 4173 Auswanderern das Maximum, Der 
Ottrohschnitt beträgt etwas über 2000 Seelen, steht soaaoh etwas über 
dem des Beiohes* 

I Daa letzte der Gebietsteile in der 8üd westecke des Reiches ist W ür- 

timberg, über das Prüf. Dr. F. C. Huber referiert Dieses Köuigreioh 
iti neben den osteibischen Gebieten der eigentlich klassische Boden der 
Aoivaodeniiig. Nioht weuiger als ein volles Viertel seiner heutigen Be- 
wahacfsaliJ sind im Laufe dieses Jahrhunderts über See gegangen. Auch 
hter wmr das Maximum Ende der 40er und Anfang der 50er Jahre mit 
$7000 Atifwanderern in 1841—45 und 70 000 in 1862 — 55. lu rier- 
jihfig^a Darchschnitten sinkt der Auswanderer ström von da auf 16 000 
ud watter auf 4000, von 1879 steigt er auf 24 000 Köpfe, 1882 — 90: 
:UI0041, Haber führt ans, die vielberufeae „schwäbische Wanderlust*' 
hteft« miniißgUch die Ursache dieser Massenbewegnog sein. Die Haupt- 
pAate MWi vieUnehr in eioer lauge dauernden gewerblichen Krisis au 
f%^\tWi welche im Anfange dieses Jahrbondert« in Württemberg mit be* 
iattd«l«r Sabärfe wütete , sodauu die besonderen Yerhältniase des Weiu- 
ba«eSy später nach den geschetlerten Erwerbuugen von 1848 UQa:ufriedeQ- 
beii mit den politi sehen Zuständen iu der Heimat. Huber macht sehr 
beoMrkan «werte Bandglosseo bezüglich der künftigen Auswauderungs* 
fsUtik dea Reiches. 

Ton Wurtemberg nach Mecklenburg ist kein geringer geogra- 
phieafcT ^Sprung. Ref. Liudig, welcher das Auswanderuugswesen letzteren 
^-^T^Tf schildert, eutroUt uns dabei ein ergrtsifendes^ treu nach der Wirk- 
Ikhksii gisseiohnetes Bild von der Lage des Landarbeiters, insbesoudere 
la htiem^haitlicheu Besiti. Yollig abhängig von dem Grofsgrand besitz er 
iltt» Aoaeteht das Fortkommens hat hier freilich die Emigralion festen 
BoJeB- Die Verhältnisse haben sich übrigens im Domanium durch iooere 
EeleniiaaliettaaiarsregelD erheblich gebessert. Bis 1850 war in Mecklen- 
barg die Atuwanderuag unerheblich; in den Jahren 1851 — 54 tohwoU sie 



142 Ueberfticht Über di« oebe^tQH PubUkaüonen D«tttsclilandi tmd de« AusUndtt 



aber auf eine seither nicht mehr erreichte Höhe an. Daa Maximum fii 
auf 1B54 mit 10 000 AuswaDdereru und überstieg damit weitaus doill 
Geburtenüberschurs. 1855 — 58 betrag die DarohschDittszifiTer immer Doeh 
8 *7o„ der BevÖlkeruug; sie sinkt bis 1861, steigt tou da ab wieder be- 
trächtlich. 1871 — 80 iat sie wieder schwächer» dagegen sehr stark 1880 
— 83; auf 1882 fällt daa zweite Maximum mit 6155 überseeischen Aai- 
Wanderern === lü,68 ^/^^ dur BevölkeruDg; seither ist wieder eine Kh- 
sohwäühung zu konstatieren. Die überaus fesselnde Darstellung der agra- 
rischen Yerhältniase machen Liadigs Beitrag £u einem besonders wert-, 
Tollen. 

Analog liegen die Binge im oBtelbischen Preafsen (Bericht er statt 
Reg.-Asaesaor Dr. Leidig). Eine nennenswerte Auswanderung besteht en 
seit den 40er Jahren; allein bis 1860 überwiesen weitaus die wt«stIicbeo' 
industriellen FroTiuzeu. Von 1870 ab kommt die AuswandeTung der öst- 
lichen Landarbeiter in JFiuTs, wozu Westpreufsen, Posen und Pommern 
das gröfsle Konlingent stellen. In diesen FroTinzen mit OatpreoTsen (ohne 
erhebliche Auswanderung!) zuaammeugenommen kamen auf eioeo Aut* 
waoderer Bewohner 

in 1880 3 194,3 
1885 : 202^1 

1890 : 225 

Somit ist immerhin eine nicht unerhebliche Minderung der Bewegung za 
konataiieren. 

Diesen Ziffern am nächsten, doch in beträchtlichem Abstände kommt 
die Auewanderung aus Schleswig-Holstein und Hannoyer, sodann die aus 
den Westprovinzen (relativ hoch im Begier ungsbez. Kassel), Am schwäch* 
aten iat sie in Brandenburg, Schlesien und Sachsen. Die Uraacheo der 
oatelbiachen Auswanderung aind in der Grund besitzverteÜung zu suchen, 
welche neuerdings oft insbeaondere durch die Arbeiten und Verhandlungen 
des Vereins für Sosialpolitik beleuchtet wurde. 

Dr. £. Boasoh referiert für Hamburg, Dr. M. Lindemann für 
Bremen die Gesetzgebung and die Wohlfahrtseinrichtungen des Aus* 
w an derungs Wesens. Bezüglich des letzteren als weitaus wichtigsten £in- 
schitiTungshafeus ist anzumerken , dafa die Kontrolle doch stark reform- 
bedüdtig aein mufa, da dort eingreifende Abänderungsvorachläge zur Zeit 
beraten wurden. 

Endlich das Königreich Saohsen, welches Dr. £. Pohle behandelt. 
Hier war die Auswanderung von jeher eine aohwaohe. Hur fUr die Jahre 
1853—61 liegen detaillierte Ziffern vor, die bei ihrer Kleinheit keine 
weitergehenden Schlüsse geatatten. 

Im ganzen reiht sich der vorliegende Sammelband den besten Unter- 
suchungen des Vereins für Sozialpolitik würdig an. Als seine bedeut- 
samste Lehre möchten wir die betrachten , daTs eine repressiye Auswan- 
derungspolitik keine Zukunft hat. Bui den Verhandlungen wird zweifels- 
ohne auf die Ergebnisse dieses Buches vielfach hingewiesen werden« Sollte 
fieferent an diesem a ufaer ordentlich brauchbaren Werke eine Ausstellung 
machen^ so wäre es die, daTs die Einzelergebnisae und namentlich auch 
die Zifleru nach einem einheitlichen Schema zusammengestellt und üher^ 



D«btraiehl tb«r die nmiMUn PabUkationen Deutschlands und des Auslandes 143 

dehtlioh geordnet würden. Vielleioht bringt der zweite Band, weloher 
die Aoswendemngfpolitik der InimigrationBländer enthalten toll, eine 
•elehe Tabelle, welehe seinen Wert u. £. noch erhöhen dürfte. 

Berlin. Rudolf Grätzer. 

Otto, Bd. (Gymnasiallehrer, Dannstadt), Die Bevölkerunic der Stadt Batsbaeh (i.d. 
Wetteram) wihreiid des Mittelalters. Darmsudt, A. Bergsträfser , 1898. gr. 8. X— 

les sa. M. s.— . 

Stahl mann, F., Mit Emin Pascha ins Hers von Afrika. Ein Reisebericht mit Bei- 
trigea von Dr. Emin Pascha, in seinem Aaftrage geschildert. Im amtlichen Auftrage der 
Keloaialabteiluig des Answirtigen Amtes herausgegeben, 2 Teile. Berlin, D. Reimer, 
IBM. Boj.-e. 901 SS. Text mit 8 Karten, % Porträts, SS Vollbildern a. 275 TexUb- 
bildnc«n. Prachtband. M. 25.~. 



Balletin de la Soci^t^ Neochateloise de g6ographie. Tome VII : 1892— 1898. 
Isechitel, 8oci6t< Nenehateloise d'imprimerie, 1898. gr. in-8. 671 pag. avec cartes et 
gmrwea. (Bxtrait de sommaire : Une Tisite an pay« des Hakka, dans la proTinee de Canton, 
per Cb. Piton (aneiea missionaire en Chine). — Observations sur les popolations k peaa dalre 
•t k peaa fone^ de la Poljn6sie , par L. Metchoikuff. — Dicouverte de TAustralie. 
ItstüratioDs de premi^res cartes de l'Australie, par G. Colliogridge. — Mes voyages au 
Ooofo fraa^als, par E. Presset (instituteur-missionaire k Baraka-Libreville). — De Val- 
dssia k Looren^ Marques, Jooiiial de voyage de C. H. Schloefli-Glardon (missionaire k 
VsldeaU [Traoawaal].) 

JeaanenejyA. (agent de eolonisation), La Nouvelle-Cal^donie agricole| natura 
■iairalogiqae et g&logiqoe da sol. Renseignements pratiques pour les Amigrants. Paris, 
ChaUamel, 1894. 12. VU— 844 pag. reli«. fr. 8,50. (Sommaire: Le sol. — La flore. — 
Us terrea. Caltore gindrale. La mein d'oeuvre agricole. Condamn^s. Immigrants. Emi- 
psats, etc. — Colonisation. Oatillage ^conomique. La petite propriit^. — Prodoits de 
Tsfrlealtare en Noavelle-Calddonie. — Renseignements agrieoles et commerciaux pour les 
iBigranta. — ete. — ) 

Dal 7, C P., llie settlement of the jews in North America; ed. with notes and 
sfpaadiMS hj M. J. Köhler. New York, Ph. Cowen, 1898. 12. XVUI~17l pp., doth. 

4. Bergbau. Land- nnd Fontwirtachalt. Fiieheroiweeen. 

Cnbe, Maximilian von, Die geschichtliche Entwickelnng der 
fiirBtlioh Stolbergischen Forsten su Wernigerode. Auf Grund arohivalischen 
Materials dargestellt. Mit einer Karte. Berlin, Paul Parey, 1893. gr. 
8V XI und 220 88. 

Der hohen Bedeutung und sorgfältigen Pflege, deren sich der deutsche 
Wald l>ei allen germanischen Yölkerstämmen 2U allen Zeiten eu erfreuen 
hatte, entspsioht nicht der Zustand unserer wirtschafts- und forstgeschioht- 
Hehen Litteratur. Insbesondere gebricht es uns noch immer an um- 
CMsenderen, quellenmärsigen Untersuchungen, welche gerade die historische 
Kntwiekelung gröfserer Forstkomplexe, an denen wir erfreulicherweise 
dank deutsoher Rechtsinstitute in anserem Yaterlande eine stattliche Zahl 
sa£raweisen haben, sur Darstellung bringen. Wir dürfen daher Cabe's 
Sehrift mit Freude begrüfsen, da sie in dieser Art den Anfang zu forst- 
(esehiehtliohen Spezialforschungen bildet und hoffen, dafs durch sie bald 
aeoe Arbeiten ähnlicher Art angeregt werden möchten. 

Die ganze Schrift zerfällt in vier Teile. Hiervon behandelt das 
erste Kapitel die Lage, Gröfse, die BodenbeschafPenheit, das Klima und 
den allgemeinen Charakter der Forsten nach Baumgattungen, Wildstand 
■od administratiTer Binteilung. Das zweite Kapitel ist der Wirtschafts- 
md y erwaltungigeichichte , das dritte der Verwertung und der Preis- 



|44 Ueberiieht über die neaesten Pubtikaijoiten D«nt8chlaads and des AutUmdM. 



entwickelung der forstliohea KutzuDgeo, YOrnebmlicli der Audhaltang des 
Holzes und das vierte den Besoldung!»- » Lohn- und sonflügen Arbeiter- 
verhältnifiden gewidmet* BeEionders interessant erscheint mir die sehr aus- 
führlioh dargestellte geschichtliche Entwickelung der Holzpreise , deren 
Gestaltung, namentlich seit Mitte des vorigen Jahrhunderts durch eine 
Reihe voq Tabellen veranschaulicht wird. Für die Arbeiterverhältnisse 
dürfte es charakteriBtisch sein^ dafs die eigenartigen Umstände der Grftf* 
Schaft auf ein Jahrhunderte langes ZuBamraeogehen von Herrschaft und 
ünterthanen, von Arbeitgeber und Arbeiter fruchtbringend und förderod , 
hingewirkt haben* Die günstigen Bedingungen für ein patriarchalische 
Verhältijis haben denn auch thataächlicb in stürmischer Zeit ihre Prüfung 
bestanden; denn das erlauchte Dynasten geschlecht hat nicht nur die 
iJinimalgrenae der Fürsorge für ihre üntergebenuu geleistet, sondern hat 
es auch verstanden, mit wahrer Humanität den üeist des gesell schiiftiichea 
Zueammengehörigkeit^gefütils zu pflegen und im Sturme der Zeiten zu 
erhalten. Wiederum ein Beweis, dafs auch in unseren Tagen historisch 
herauigewaohsene putriarchaliscbe Zustände, wenn durch höhere £in* 
sieht und zeitgemäfse Zugeständnisse entsprechend fortentwickelt, ihr 
Seherflein zu segensreicher Gestaltung der Arbeiterfrage beitragen können. 

Das quellenmärsige Material zur vorliegenden Schrift ist aus dea 
(urstlich Stolbergi sehen Archiven zu Wernigerode geschöpft. Sie scbliefsl 
sich dem Cyklus von Abhandlungen an, welche der Herr Herausgeber | 
dieser Jahrbücher über die Landwirischaft der gräflich Htolbergiechett 
Domänen (Backhaus, Wendorif), sowie über die ältesten gewerblichen 
Verbände der Stadt Wernigerode ^Meister) schon trüher angeregt halte^j 

Würzburg. Dr, Max von H e o k e L 

Bock, U. C.f Roggen« aad Weite DeiEi fahr darcb das Deutsch e Hei eh. BerliQ, Bng 
18d8. a^T, 8. W SS. M. 0,20. (SoaderAbdmck «ui den Nummero v. 88. u. 29. No 
vember 1893 der , «Täglichen Rundschaa/*) 

Biicking, H. (Prof. der MmormJogie, StrAfaburg), Der QordvrestÜcbe Spessart 
Oeologtscb aufgeuotnuien und edftutert, Berlin« Bcbropp^ 1898* Roy, -8, VJll — S74 gä 
mit I geologischen Karte u. 3 TAfdn. (A. a* d. T. : Abhandtuogen der kgU prent 
geotogiaeheo Laadesaofltatt« Neue Folge Heft It,) 

Forst* aad Jagdkaleoder 1894. Jahrgaug XXLI, Qerausgegebeo vod P. Jadeicb 
and H. Behm. Teit 11. ßerlm, ^^pHnger, 1894, 12. XU— 704 SS. M. 9.— . (lolialt: 
StatistUche Ceberaicht und Personalatatu» d«r Foraten des Deutschen Reichs aud <ii^t 
(jRathcheu ForU Verwaltungen. — Kacbricbtefj über die foritlicben UDt«rrichtaan»lalten 
Deutscblaud»^ Oeeterreich» und der Schweiz« die Statistik der o»terreicht»cfaeo Staat»- «ad 
FoDd^ forste, die Wald fläche der Schweiz, etc.) 

Holzapfel, E. (Fror, techn. Hochschule, Aachen), Das ßheinthal iron Binger- 
brück bis Lahnstein Berlia, Schrupp, 1893. RojS. VI — 124 SS. mit 1 goologiseb«« 
Ueberkichlskarte, 16 AniichteD aus dem Ebeintbil itod 5 Abbildungen im Tez^t. (A. l 
d. T. : Abbandluugen der kgl. preuf». geulogischeu Landesanstalt, IJeue Folge Beft 12 

Jahreaberlcbt über die Verbreitung von Tierseuchen im DeuUcb«o 
Jahrg. VII: Das Jahr 1892. Berlia, J.Springer, 1893. Roy. -8. VI— SSO SB, 
92 Tabellen nod Uebersichtakarten. M. IS.^. 

Kinkelin, F. (Dozent der Geologie am Senekeobergianttm, Frankf. e/M.), Dta 
Tertiär- and Dilavislbiidungeu den Untermaintbales, der Wetterau und des Südabbang«» 
des Taunus. Berlin, Scbropp, 1892. Roj-8. 302 SS. mit 8 gaologtscben Ueberaiebts- 
karten und 12 Abbildungen im Text (A. u. d. T. : Abhaodlangen sur geoIog;fscheQ 
Spezialk arte von Prenfsen und den ThßringiBcheo Staaten, Band IX Heft 4*) 

Langer, L. (Direktor der Ackerbau- und Flachsbereitongstchnle, TrantMiatt), Flaclka- 
baa und F lache be reitung. Darstellung ihrer g«geuwftrtigen Entwickelung* WittD» A, BSidtft, 
1893* gr, Lex.-8. 69 88. M. 8.--, # 



Utbmidrt lb«r di« nmamUn PablikAtionen Dentschlaods und des AnaUndas. 145 

Reuss, K. (Foritnt» Dessau), Ranchbasch&digang in dem Ton Tiele-Winckler'sehen 
Fdratrarlara Mjslowiti-KaitowiU, insbesondere Ermittelang, Bewertung und Vertaünng 
daa Banehsebadana. Goalar, J. Jiger & Sohn, 1898. 4. IV— 836 SS. mit t Karten. 
M. 16 . 

T. BosebmaDn-H5rbQrg,J. (o. 8. Prof., Gsemowits), Die Viebsihlang in Oester- 
reicb Tom $1. Desembar 1890. Heft 1. Wien, A. H5Ider, 1898. gr. 8. 180 SS. M. 8,40. 



Calrert, A. F., The mineral resonrces of Western Aostralia. London, G. Philip & 
Soa, 1898. erown-8. XII— 179 pp. 8/.~. 

Carman, £. A., H. A. Heath, and J. Minto, Special report on the biatory 
aad praiant oondftion of the shaep indoatry of the U. Statea. Prepared nnder the dfareotion 
of D. B. Salmoa. Washington 1898. 8. (Pabiication of the U. St. Department of agri- 
ealtara.) 

Maanal, a, of the geology of lodia. Snd edition, largelj re-written by R. D. Old- 
kaai (GalentU). London, Panl, Trübner & C^ 1898. Roy.-S. 16/.—. 

6. Oawarba und Indoitrla. 

Romolo Broglio d'Ajano, Graf, Die yenetianiBohe Seidenin- 
dnitrie und ihre Organisation bis sam Ausgang des Mittelalters. (Mfinohener 
Tolkswirtschaftliehe Studien, herausgegeben von Lujo Brentano und Walther 
Lots, 2. Stück.) Stuttgart, Gotta, 1898. 8<>. VI u. 59 SS. 

Die Seidenindustrie hat sich in Venedig, ebenso wie in Florenz und 
Godha im 18. Jahrhundert entwickelt; der Fabrikationsbetrieb war haus- 
iadnstrielL Kaufleute und Seidenarbeiter aus Luooa, dem Hauptsits der 
itaHenisohen Seidenweberei im 13. Jahrhundert, wanderten zu Beginn des 
14. Jahrhunderts infolge der heftigen Parteikämpfe zwischen Ouelfen und 
Ohibellincn aus Lucoa aus und wandten sich zum grofsen Teil nach Venedig, 
wo sie im 14. und 15. Jahrhundert die Industrie auf ihren Höhepunkt 
braefaten. Das kaufmännische Element erlangt zu gleicher Zeit mehr und 
sehr die Oberhand über die Meister und Arbeiter. Der Kaufmann wird 
Leiter der Produktion und liefert den Meistern den Rohstoff zur Ver- 
srbeitang. Mit dem 16. Jahrhundert ist in Venedig die Blütezeit der 
Seideiiindustrie zu Ende. 

Die kleine- Schrift des Grafen Broglio d^Ajano , die in einzelnen un- 
dfutachen Kedewendungen den Ausländer verrät, ist nach den Akten des 
itaatlichen Archivs und des städtischen Museums in Venedig gearbeitet, 
ne giebt eine ausführliche Darstellung der Geschichte und der Organi- 
tstionsformen der venetianischen Seidenindustrie und bietet eine will- 
kommene Ergänzung zu dem monumentalen Werke, das die Berliner 
Akademie der Wisseoschaften 1892 über die preufsische Seidenindustrie 
des 18. Jahrhunderts herausgegeben hat^), insbesondere zu Band III, 
S. 7 ff.., wo die Seidenindustrie in Italien geschildert wird. 

Die üntersuchuDg Broglio d'Ajano's soll übrigens nur eine Vorarbeit 
idn für spätere Studien über die Hausindustrie der italienischen Städte 
im Mittelalter. 
Charlotten burg-Berlin. Wilhelm Naud^. 

B Abm s D n , R , Der FabiikeoreTisor. AnleitaDg fQr die mit der Revision der gewerb- 
ikbtB Anlagen «of Grund der Reichsgewerbeordnnng betrauten Beamten. Dresden, G. A. 
Kaufmann, 1893. 8. 90 SS. M. 1,50. 



1) Acta Boronaica. Denkmäler der preußischen Staatsverwaltung. Band I—III. 
Seidc&iDdsstria. 

Mtte Pelf« Bd. VII (iJLtt) 1 



146 Usbenicbt über die neuesten Pubtikationefi DeatstbUnds it&d d«» Aatlindef. 



Böttger, H., FUr dfti Baodwerk, Ein« Besprechung des Entwurfs des prettCiti 
HandeUminiBters Frb. r. Berleptch itir Organi&Ation d^A Handwerks and »ar B^gtlrnng" 
de« Lebrllngawesen». Braanachweig, A. Limbucht 1894. gr. 8, 81 88, M. 1. — . 

Kreba^ W*, Zum Schutze de» Kiemgewerbes liegen Auswüchse und UebelelAnde im 
fimodel and Kredit tf^erkebr. ßericbt im Auftrage des Centralvorstandeü des 8cbweizeri»cben 
Gewerbevereins eritatcet an die Delegiertenversaoomlung in Freiburg^ Juni 1893. Zfihcb, 
Verlag des Scbweizerlscheu GewerbeTerelnSi 1893, kl, 4. 48 83. M. i.— . (A* 
Gewerbliche Zeitfragen, Heft 8,) 

Mitteilungen, amtliche, aa^ den Jahre^berlcbten der GewcrbeaufaicbUb 
Jahrgang XVH: 1892. Berliu, W. T Brocr, 1893. gr. 8, XX— 405 88. mit 
und Abbildungen. M, 6,90. (Eebufi Vorlage an den Bundearat und den Reichitag 
mengestellt im Reichsamt dea Innern.) 

Norddeutscher Lloyds Bremen, Worlis Columbian EapoBition, 1893. Bremen. 
kl. 4. S4 88. engl. Text u. 8 Kartogramme, 

Oaierrietb, A., Die Reform des Urbeberrecbts, Berlin, Deutsche Schriflateller' 
genoasanschaft, V^erlagsabteilungi 1893. k\, 4. 34 BS. 

Patentgesetze, »imtUcbe, des In- und Auslandes in ihren wlchtigateu Bestim* 
moDgeo« IToter Miiwiirkung der Bedaktinu des lugeniearkaieaders von W. H. tJhlaod 
ber&usgegeben von (Ingenieur) R. Scbmebtik. Dreadenf Q. Kübtroann, 1894, 19. VUl — 
231 88. M. 2,—, 

8cb wanb au sser , E., Die Nürnberger Bleistiftiudustrie von ihren ersten Anf&ng^en 
bis aur Gegenwart. Greifswald, Druck ron C. Seil» 1893. 8. 168 8S, (DisaerUiion > 

UebereinkommsUf da^^ des Reiches mit dea Vereinigten Staaten von Nordamerika 
vom 15. Januar 189^» den gegenseitigen Scbuta des Urheberrechts betrefiend, Berlin, 
Deutsche SchriftAtellergenciBSeDScbart, Verltgsabt eilung, 1893. kl. 4 6 88. 

Witt» O. N. (Prof. der tecbn. Chemie), Die deutsche chemische Industrie in ihren 
Beiiehungen zum Patentwesen mit besonderer Berücksichtigung der Erfindungen ans dem 
Gebiete der organischen Chemie. Acht Vorträge gebalten im kais. Patentamt tu Bertiiu 
Berlin, R. Httckecberger, 1893. Roy.-8, VUl— 143 88. geh M. ö.— . 



Anuuaire des commer9ant« de btnyrne ec de rAnalolie^ ctH par J, L. Naip 
(et publik par J Nalpas et J. d'Andria). U« annee ; 1893. Smyrne, impr. de G. Timoni, 
1899. 8. 

Conc i 1 i a ti o n , de la^ et de Tarbitrage dans les conflits collectißi entre patrons 
et ouvriers en France el k T^tranger. Paris 1893. 6. 610 pag. (Publicatioii de TOffic 
du travail.) 

Ri9*raquot, Faiences, porcelalnas et biscuits : Fabrication. Caract^ret. Di 
Paris, H. Laureus, 1893. 8. ay, gravores. fr. 3 60, 

Georgeson, C. C. (Prof.), Progress report od tfae dairy itidoatry of Denmark 
a. L (Wasbingtoo) 1893. 8. (Publication of tbe U, ät Department of agricultare.) 

Low eil, J. 8., lodustrial arbitrntioo and conciliatton : some cfaapters from tbi 
indostrial hlstory of the past thirty ye&rs. London, Putnam's 8oni, 1693. crowo-8. t/.6. 

6 Kandel und Verkehr. 

Glaser, F. (k. k. Prof., Uitglied der k. k Prüfuagskommissioo filr das Lahramt 
an bfiberen UandelsiehransUlten), Das kommersielle Bildungswesen in Oe.^terretcb- Ungarn 
auf Grundlage des elemeouren und mittleren Unterrichtes ond die kaufmftnniscfaen Lehr- 
anst&lten des Deutschen Reiches. Wies, A. Holder, 1893. Roy.-8. VI-'431S S8. H. 10 — 

O e t % ^ P. (UegBaumstr.), Der Elster- Saal ek anal von Leipsig nach Creypan. Asf 
Grand der vom kgl. si^chs. Pinan«minlsterium im Jahre 1891 veranlafsten eiogahaiidaii 
Vorarbeiten und Entwürfe bearbeitet. Loipilg , Klster'8aalekanal verein , 1893. gr* 8. 
60 88. mit Karte in gröfst Imp.-Folio, M. 1,60. 

Jahresbericht der Bandelakammer fiir das Lenoegebiat des Kreiaaa Altena 
und für den Kreis Olpe für das Jahr 1893. Altena, Druck von Rolaod Kord*Bawisch« 
1898. 8. 63 88. nebst 86 SS, tabellariseber Anlagen. 

Jahresbericht der Handels- und Gewerbekammer zu Plauen auf das Jahr 189S. 
Teil II. Planen, Druck von Wieprecbt, 1893. gr. 8. 8S. 306—485. 

Norddeutscher Lloyd. tJistoire et statistiqut. Br^me, imprim. Hauschild, 189S. 
pet. in-4. t4 pag. et 9 Ubieaux graphiqnes. -^ Dasselbe, englische Ausgabe, 
in. 9 graphische Darstellungen. 



Uebenielit fiber die neneston Pablikationen DeatschUnds und des Aaslandes. 147 

8 e ha OB, Q. (Prof., Wfinibiirg), Die KetteDschleppschifTehrt auf demMaiD. Bam- 
berg, C. C. Baebiier, 1898. gr. 8. VI^lOl 88. 2.—. (A. o. d. T. : 8tndieD über die 
bajeritchen Wasserstralseii.) 

StrafsenbahneD, Aber, mit besonderer Bficlckicht auf die Verkehrsverhftltnisse 
dsr Haopt- and Beaidenssudt Dessan and ihrer Umgebangen. Dessen, F. Baomann, 
i888. 8. 80 88. M. 0,20. 



Mnllender, A. (viee-consal et n^godant ä Verviers etc.), Projet de chemin de 
in- ilectriqne sonterrain ä Bruzelles. Vervier, impr. Cronqaet & fils, 1893. in-4. 190 psg. 
»▼. nombrenses graTOres dans le texte et hors texte et pians hors texte, fr. 25. — . 

International (the) Colambian naval rendezvoas and review of 1898, and nayal 
■snoeoTres of 1892, Angnst 1898. Washington, Government Printing Office, 1898. 
gr. in-8. 288 pp. with mape. 12/.6. (Pablieation of the Office of naval intelligence, NaTj 
OtpertBMnt. Contents: The international Columbian naval rendeavoos and review. — 
Motes on naval administration and personnel. — Notes on ships and turpedo boats. — 
Xotee on ordaance. — Notes on small anns. — Some Standard boolcs on professional 
Mbjeets. — etc.) 

7. FinaaswoMn. 

Bericht Aber die Besprechung von Handelskammern and landwirtschaftlichen Vereinen 
ite. betrefüend den Reichsweinsteaergesetsentwurf. Geschehen : Mains, den 13. November 
1113. Mains, B«ehdrackerei H. Prickarto, 1898. 8. 105 SS. 

Brandt, F., Das Lotteriewesen unserer Zeit. Eine hamanistische Studie. Hamburg, 
Bademacher, 1898. gr. 8. 100 88. M. l.~. 

Fernow, A. (BegB., Frki. a/0.), ErgänsungsstenergeseU vom 14. Juli 1893. Text- 
nifsbe Büt Anmerkk. und Sachregister. Berlin, Guttentag, 1893. 16. 98 SS. M. 0,80. 
(A. ■. d. T.: Gottentag'sche Sammlung preufsischer Gesetse, Nr. 13.) 

Mitteilungen aus der Verwaltung der direkten Steuern im preufsischen Staate. 
tetistik der fveuHuschen Einkommennteuerveranlagung für das Jahr 1893/94. Im Auf- 
tnie des Herrn Finansmiuisters bearbeitet vom kgL statistischen Bureau. Berlin, Verlag 
im Bftrwu», 1898. imp.^. IV— 879 88. 

Sand, H., Das deutsche Spiritusmonopol im Lichte der Zahlen. Volkswirtschaft- 
Ixlie Stadie. Berlin, Parej, 1893. B07.-8. 16 SS. M. 1.—. 

T. 8 e h m i d , £. (wflrtt. Oberstleutnant a. D.), Die Wehrsteuer eine natOrliche Folge 
dtr allgemeinen Wehrpflicht Berlin, Fr. Lnckhardt, 1893. gr. 8. 24 88. M. 0,50. 

Sommerlad, Th. (Privatdos. Halle- Wittenberg) , Die Rheinzölle im Mittelalter. 
Hslle a/S., Kaemmerer & C^ 1894. 8. VUI— 173 SS. M. 3,60. 

Werminghoff, A., Die Verpfilndungen der mittel- und niederrheinifichen Reichs- 
aidte wAhresd des 18. und 14. Jahrhunderts. Breslau, W. Koebner, 1893. gr. 8. Vi- 
lli 88. M. 5,60. (A. u. d. T. : Untersuchungen zur deutschen Staats- und Rechts- 
Itwhiebte, hrsg. von (Prof.) O. Gierke, Heft 45.) 



J o s a t , J. (ancien sons-chef de bureau ä l'administration centrale du Minist^re des 
e), Becaeil de ridactions sur les si^ets d'^conomie politique et sur des questions 
teiBci^res et adminbtratives. Sujets et questions donn^s aax difltirents concours, trait^ 
»ne toas les d4veloppements qu'ils comportent et groupös dans un ordre m^thodique et 
imtani. Paris et Nancy, Berger-Levranlt & O«, 1894. gr. in-8. VIII— 500 pag. avec 
7 plaaebes diagrammes. fr. 8. — . (Concours aux grandes administrations financüres de 
fbet: Miniatire des finances. Cour des comptes. Inspection g^o^rale des finances. 
Tr^iorerie d'Afrique. Caisse des d^p6ts et consignations. Banqae de France. Credit 
fserier.) 

Ashton, J., A history of English lotteries now for the first time written. London, 
Snipkaa, Marshall k C^ 1893. gr. in-8. XI — 359 pp. with numerous woodeuts and 
St separatalj inaerted old lottery hüls in facsimile on papers of various tints, doth. 
1S/.6 (ConUnta : Antiquity of the lot. First lottery in England. — Lottery for armour 
m 15M. A rojal lottery at Harefleld in 1602. — The Virginia lottery of 1612. — 
fIrst Stau lottary, anotherin 1697 and in 1710. — Penalties on private lotteries. Bri^sh 
MsBiiim lottery I Lottery for Cox's Museum; Lottery for the Leverian Museum. — The 
BtjdcU lottery. — „The City«' lottery for houses. — London and the lottery. — Be- 

10» 



Ueb«r«iehl (iber die o«iie«t€t] Fabtikationfln DeatschUnds und du Auslandei 



giniilDg of Uid ead of totteries, — Prote«t$ a^slti^t loiteries, — The lotter/ ftbolUbtd. — 
The Ifttt totterj (18^6). — D«»cri|itiün of touery t>ffice-keep«r&. — Suidd«* caiUMd by 
ihe lottery. ^ The Glugow btterleä. — Advertbtug foreign lotterieA. — EftohurK 
luUaries. — The „MbiinK Word Competitiun^% iU ri»e »ad fall. — elc) 

ColbarDf B. T, TaxMtion uf Urge estates. Philadelphia, Afuericao Academj of 
Politioal and Social Scieiite, 1893. 8. | 0.15. (Publkatlou» of ihe Society, N* 97.) 

Moutagaa, Fr <deptttatü)» II moDg^olio detia labbricaBioDe e detla veudiia deU' 
alcool in llalia; «tudi e proposte Roma^ tip. deÜM. Camera dei depuUtl, IB93< 6. 
167 pp. I. t, (CoQtieQe: L'iuduatda e il commefcio de^li »pirlci e dei loro derivAti in 
Italia. — La uostra le^t^lazione aagii spiriti ed i «uoi efifettJ. — A qnali criteri düvr«bb« 
upirarai lo italia la legialasione suf^Ü ^piriüf per garaoiire tattt gl! iulereasi che ad «aaa 
tti cooneitODo ? — 11 mauopalio ri^olvtj ]ti questloue doIT alcool eoacilJaiidone tutti gUM 
mtere«^i ad e&aa collegatl. -^ Impianto ed e^erciii^» del oiüDopölio. — EflTeUi äuausiaHl 
ed ecouamiei det mooupoUo. — ) 

P i c b , C. (av vocAto), CitUdmo e Usco : le Uggt dHiDposta splegat« al eootriboeole, 
ToriDo, L. Roox &, C, edit., 1893 16. 134 pp. 1 0,50 

TaDji^orra, V., Le teggi »tatbtiche del cansiiDio del tabacco in Italia» Bqiba^ 
tip. G. Ualbip 1893. 8. 17 pp. 

B. Geld-, Bank-, Kredit- tmd T«rKioli«nLsgtw«Beii. 

A»Gheobeim, W., Der Abanudon der Veraiehertea in der 8eever8tcbernti|t. 
J. J, Heioe, 1893. nr* 8. 56 SS M. 1,20. 

BarcsyDskl (kgl. Au'hung!iinsp«ktor der Prov. Sacbsesl, Die Maf»» and Gewieble» 
ordnUDg f&r da« Deutsche Reich uebai AichordEiUDg und Aiehgebühreotaxa «rgiUiai tmd 
erUatert Magdeburg, E. Bttensch jau., 1893. 8. X^I92 SS. M. S. — . 

r a i fs t , U. (Piorahelm)» Vemicherung gegen aDvera»vbuidete Ar beiuloei^kait. Zar 
Orientternog nod ße^fpre^buog spemiell für evau^tUische Arbeiterveteioe. Leipsig, Grunow, 
1894. 8. 56 SS. M. 0,50. ^A u d. T.: Evaogeliach-soziale Zeicfrageu , II. Reibe, 
Heft 9.) 

Oc»hhard, H. (Direktor der Hanseat lachen Versicherangsanstalt filr Invalititit»» 
and AUersversitbeTung)^ Die iiacb dem Invaläditats- und Alter» veräieheruugegeMise ver> 
kicberteu Peraoueo. Handbuch zur Festsielluog des der Invaliditati- und Alter^versicbt' 
rung uaterstellteu Peräoneukrei^eb. lierlio, Hey manne Verlag, 1893. gr. 8. X — BS8 8S 
M. 6.». 

Oebhaid, H. Die Reform der InvalidititA' und AltersTersicberong. Maint, 
J. Diemer, 1898. 8. 74 SS. M. K— . 

Ic h en hae user, J., Kitie Eiors«nkriAid. Ein Beitrag sur Geaobichte der Kriien. 
Zittau i. S , Pahl, 1693. 8. 20 SS. U, 0,75. 

Israel, B., Die V ersiehe rungsgeselbchafteo io Geste rreich* Ungarn im Jahre 1892. 
Wien 1893. S. 5 Bogen. (Sc^uderab druck aus «.Ebrensweigs A«»ekaranxjabrbttch^*.) 

Israel, B., Die Reau!tate der detiracheu VeraJcherung^geaallscbafCen im Jabre 1892 
Wien 1893. 8. 6 Bogen. (Souderabdruck aus .,EhreDiireige Aa»ekaraii2jahrbtieb^.) 

JQigens, A. C. (Sekretiir der HMudehkammer, Hamburg), Bambnrgi^cbes BörMo- 
handbach. Sammlung von den Haniburgbchen Handel betreffenden Ueanaeu, Verordnaogen« 
Statuten etc. 4. Auflage, Hamburg, O. HeiAiner, 1893. 18 VIH— 288 bS. M. 3.^ 

Karden, E., Die Ujr»achtuLig de» Geide« in Preulaen Berlin, H. SteSnita, 1894 
8. 66 SS. M, 1.—. 

Kolk, F. (Leutnant a. D.), Scblacbtdnbllder von der Börse. Berlin, Verlag der 
Gescb&ftSft teile der Anttjiemliiflchen Verein igung Itlr Korddeui$chland, 1894. gr, 8. 54 83. 
mit 2 grapfaiflchen Darrt telluugeti in Imper ^uer-folio. M. 1. — . 

Liudsay, S. Mc Cune (Whaiton School fellow in politic&l »dence, ünirentty of 
Paniieylvanie, Pbiladelpbia), Die Preisbewegung der Edelmetalle seil 1850 YergUcbeo mil 
dar der anderen MDtalJe unter besonderer Berückäidiligung der Produktion»* und Konasm-i 
Cionsverbllinias«. Jena, G. Fischer, 1898. gr. 8. XIV— S18 SS. M. 5.^. (A. 
d. T. : Sammlung nationatokouomiachor und ttatistibcher Abhandlungen des Staats wisset»*] 
•cbaftlicben Seminars zu Halle a./S , beratugegeben von (Prorj J. Conrad. Band VI 
Heft S.) 

Solano, Arw. , Die Organisation der Terminbörse und deren notwendige Au 
bebitug, Leipaig, H. Beyer, 1893. gr. 8. 40 SS. M. 0,eO 

Spiegel, E., Die sCIdamenkaniscbe Republik (Transvaal) and ihre Goidproduktion. 



Ueberstelit llb«r die Muettoii Publikationen DeatschUuids und des Auslandes. I49 

Daten aar Orientlening fttr Besitaer sfldaftikanischer Goldminenaktien (und^Staatspapiere. 
Bariin, W. T. BrMr, 1898. gr. 8. 81 88. mit Karte. M. 0,60. 

Yonlaathea, B. (HypothekarkontroUeor) » Kreditreform und ZalUungsiristen. 
BaCiratv gehalten an der DeiegiertenTersammlnng des schweizerischen Gewerbevereins in 
Preibnrg den 18. Juni 1898. Zflrieh, Verlag des Schweiserischen Gewerbevereins, 1898. 
kL 4. 95 88. M. 1 — . (A. u. d. T. : Gewerbliche Zeitfragen, Heft IX.) 

Wagner, Ad., Die neueste 8ilberkrisis und unser Mfinawesen. Berlin, H. Walther, 
1894. gr. 8. 89 88. M. 1,50. (Zwei mit einem Vorwort Tersehene Aufsitse aus den 
„PreaiUaehen Jahrbflchem**.) 



van Djek-Poury (directeur de la Banqne popnlaire de Bmzelles), Les secrets 
de la finaaee ou Tart de g4rer soi-mdme ses affaires. Bruxelles, Vanderauwera, 1898. 
19. 148 pag. fr. l.~. 

Lefort, J., Trait^ thioriqne et pratique du contrat d'assnrance sur la yie. VoL I. 
Psris, Thorin & fils, 1894. 8. fr. 12,50. (Sommaire: Notions gto^rales, histoire des assn- 
naces sur la yie. — Leur fontionnement. — Le contrat, ses ^Itoients constitutifs, sa 
natare juridiqae et sa formation. — 8on8 presse : Vol. 11. Obligations des parties, effists 
im eontrat. Vol. IIL Eztinotion du contrat. — ) 

Penn's Compendium of the English and foreign fnnds. 15^ edition, re-written. 
With an addendum giTing latest Information, by R. L. Nash. London, E. Wilson & C^, 
im. 8. 790 pp. 85/.—. 

Haalitt, W. Carew, The coinage of the European continent. London, Swan 
Sonaensebein, 1898. 8. With 950 iUustrations. 91/.— . (Contents : Introduction (66 pp.). 
— The catalognes (places of coinage, nomenclatnre) etc. (828 pp.) — Descriptive out- 
liat, systematieally arraoged (240 pp.) — ) 

Lota, W., Monetary Situation in Germany. Philadelphia, American Academy of 
PoUtieal and 8ocial Science, 1898. 8. | 0,25. (PnblicaUons of the Society, N* 95.) 

Nicholson, J. 8h. (Prof., Edinburgh), Money and monetary problems. New 
&Dd enlarged edition. London, A. & C. Biach, 1898. crown-8. 7/.6. 

Statfleld, G. H. and U. 8. Cautley, The rnles and nsages of the stock 
cxchaage. %^ edition« London, Wilson & C*, 1898. 8. 190 pp. 5/.—. 

Woodford, A. Barnham, On the use of silver as money in the United States: 
iB historical study. Philadelphia, American Academy of Political and Social Science, 
1995. 8. 60 pp. I 0,35. (Pnblications of the Society, N® 96.) 

9. Boiiale Frage. 

George, Henry, Zur Erlösung aus sozialer Not. (The condition 
of laboor.) Offener Brief an Seine Heiligkeit Papst Leo XIII. Deutsch 
Ton Bernhard Ealenstein. Nebst dem Bundschreiben des Papstes über 
tie Arbeiterfrage. Berlin, Verlag t. Elyin Staude, 1893. 

Der bekannte Führer der amerikanischen Bodenverstaatlichungspartei, 
Henry George, antwortet in seiner Schrift The condition of labour auf 
das Bandftchreiben des Papstes über die Arbeiterfrage. In letzterem 
Schriftst&eke , das in yorliegender Schrift abgedruckt ist, hatte der 
Papst nicht nur seine Ansichten über die soziale Beform im allgemeinen ausge- 
ipioehen, sondern sich auch speziell gegen die Ideen der single tax men 
gtwendet. Leo XIII. tritt hier für das Privateigentum an Grund und 
Boden ein: immer unterliege der Mensch Bedürfnissen, die nur in der 
Geatalt wechselten ; seien die heutigen befriedigt, so stellten morgen andere 
ikre Anforderungen; die Natur mtisse dem Menschen demgemäfs eine 
bleibende, unrersiegliche Quelle zur Befriedigung dieser Bedürfnisse ange- 
vieeen haben und eine solche Quelle sei nur der Boden mit den Gaben, 
£e er spende. Die Yorschläge des Papstes zur Hebung der wirtschaft- 
liehen Lege der Arbeiter laufen im wesentlichen darauf hinaus, dafs deir 
Staat das Uebermafs der Arbeit verhindern, die Frauen- und Kinder- 



150 Clebtrsicht übtr die oeuestait Publik itioD«i} DeuuchlAiidt und de» AuilJUidat, 






arbait eioschräixkeii, und GeseUaBTorBotinfteD zur Sicherung dar OeAuod- 
heit und Sittliohkeit io den Fabrikea erlaasen ealle. Auch möge er im 
Palle allzu aiedriger Löhne zur Regelung deraelben die AusBtäude bil- 
ligen; ferner «oU dem Arbeiter der Erwerb von Gruud und Boden er- 
leichtert werden, und die Bildung von ArbeiterkoaLitionsD dürfe nich^fl 
erschwert werden, Gegen den Inhalt dieses Rundschreibens wendefV 
sich 0*, indem er eine kurze Zusammenfassung seiner bereits in den 
früheren Werken, namentlich in ,,ForUchritt und Armut** niedergelegten 
Ideen giebt. Für ihn ist die soziale Frage schlechthin die „Landfrage''; 
ist letztere erledigt ^ dann ist erstere gelöst. Dabei betont G. wiederholt, 
dafs er das gleiche Aureuht aller am Grutid uod Boden des Vaturlacdei 
nicht durch gemeinsohafüichen Beiitz züt Geltung bringen wolle; dnXs 
Tielmehr nach seinem Vorschlag der Grund und Boden in Fri Tatbesitz 
zu belassen sei» mit der vollen Freiheit des Besitzers, denselben zu Ter- 
schenken, zu verkaufen und 2U vererben; nur die Grundrente soll durch 
Wegsteuerung den Grundbesitzern abgenommeu und zur Deckuug aller 
StaaUausgaben verwandt werdt^n* 

Die von Eule »stein gut üb er setzte Schrift Bei allen denen empfohlen, 
die sieb über die Ideen des originelkni amerikanischen Autors zu informieren 
wünschen, ohne seine grafseu Werke zu ötudierea. 

Halle a/S. K. Die hl. 

Backhaus, W. E., Allen die Erde! Kritisch-geschichUiche Di 
legungen zur i^ozialen Bewegung. Leipzig, Yerlug t. W, Friedrigh, 1893, 

Wie der Titel des Buchs Termutem lüfst, gehört der Verf. zu der Boden* 
reformpartei^ und zwar i&t Backhaus ein spezieller Anhänger Flur scheim 's 
B. giebt in seiner Schrift eine historische Darlegung der Bodenreform- 
bewegung und der Theorie von Stemm, George, Flürscheim u. s. w. 
Das sozialdemokratische Programm wird einer eingehendea Kritik unter- 
zogen. Der Verf, fordert alle sozialreformalorischen Farteien auf, sieb 
um das freie Banner ,, Allen die Erde'' zu acharen. Die Differenzen, welche 
die einzelneil Sekten iootfrhalb der Bodenreformpartei aufweisen, seien 
höchfit beklagenswert; am besten wäre es nach Backhaus' Ansicht, wenn 
alle sich FlürE^cheim's Programm anschlössen. Für die Kritik der F/scheo 
Theorie, die B. unbedingt acoeptiert, darf ich auf meine ausfahrliabe Be- 
sprechung der neuesten Liti-jratur liber Verstaatlichung des Grund und 
Bodens Terweisen (io diesen Jahrbüchern, 111. F. ill* Bd. 8. 516 fg,}. 
Halle a/S. E. DiehL 

Brsttti, Adolf, Berlttter Wahfiun^verbiltdisäe. D«t]käcbrift d«r B«rlioer Arbeit«] 
lAnitÜtskommtasioa. Berlin. VerUj^ de» „Vonrärts'V 1893. 8, 80 SS. M. 0,35. (A. a. 
d, T.: Berlioer Arbdterbibliottiek, HL Serie, Heft 6 u. 7.) 

Colt, StuntDu^ Nscbbarichaft&gildeo. Ein Werkzeug sosider Reform. Atu 
dem Eof^tischen. Berlin, B. Oppenheim, 189B 8. VI~195 HS M. 2^. 

Protokoll über die V^erhandlutiK^Q ^es Purteitsge» der aosiatdemokrstUchen Partd 
Deuticblands. Abgehalten so K51a «./Rh. vom SS. bU 28. Oktober 189S. Beriln, Vi 
l«g de.« „Vorw*m'\ 1893- 8. S85 »S. M, 0,40. 

Roth, £. (R«g.' u, MedK.), Armen fürar^r^e und Armenkratikenpflege mit besonderer 
Bftrttcksicbtigung der beutii^eti Stellunj^ des Artneuarttes tiud VorachlKge su ihrer Reform 
Berlin, B Seboeti, 1893. 8 V— 90 SS. M «,— . 

Siltel, V. I Kreisdirektor s. D.) ^ Reform der Armeapdage in EUaft» Lothringen. 
Freiburg l/B., Herder, 1893 8. Vül— 89 SS. U. 1,40. 



I 



ü^ hmt Ubi Iber die nenwlMi Pablikationen Deatschlaods und dM AuUndet. 15X 

Und B«WI ^rschl Zeitroman. % Bftode. Leipsig, E. Herrmann sen., 1898. 8. 
IV— 810 u. IV— S95 88. M. 8.—. 



L'AJmanaeh de la qaesUon soeiaie poar 1894. Rddigi par lee öcrivains les plas 
aatorie^ da eoeialiame et Teilte de la litt^rator« soos la direction de P. Argyriadis. 
Paria, BMaedon, 49, me de RivoU» 1898. 8. 824 pag. av. graTures. fr. 1,80. (8om- 
maire: Liberte bourgeoise, r4ponse k „la Tyrannie soeialiste** [par Guyot], par 
P. AffTriad^ — Pierre Leroox, par H. Denis. — La latte de classe, par £. Landrin. — 
Solidarit^, par O. Renard. — Le parti socialiste, par E. Vaillant. — Conte sodaliste, 
par L. Perrin. — La grande iniqait^ 6conomiqiie, par Benolt Malon. — Amonr et 
Benage, par J. Preaiigny. — Le socialisme en Chine. — Lettre de H. Bochefort sur 
Looiee Micbel. — Paysans et capiuliates, par Bebel. — Whiteehapel, par Charlotte 
Vairelle. — Le monde marcbe, par H. Brissac. — Poar la vie, par Paule Minck« — 
HynM k la mort, par J. Goesde. — Demolissons, par A. Cipriani. — Barbarie et eiviii- 
Mtion, par F. Engel«. — La morgae, par G. Moroteao. — Let fonctionnaires, par A. 
T«ber. — Les deox prostitntions, par Foarier. — Le coUectivisme, par E. Zola. — 
Union et discipline, par Eng4nie Potoni6-Pierre. — Le militarisme, par D. Nieawen- 
bais. — Congris des monidpalit^ socialistes de Saiot-Deois, par H. Laarent. — Le 
estaplasme social de la Chambre, par G. Martin. — etc.) 

Darkheim, E. , De la division da travail social. Paris, Alcan, 1898. 8. 

Uoyois, J., La bourse braxelloise da travail poar femmes. Rapport prösent^ au 
Bom du eomit4 k Tassembl^e g4n6rale du 86 f^vrier 1898. Renaix, Coartin, 1898. 8. 
7 psg. fr. 0,50. 

Pias de griTOS. Le galn proportional au salaire. Etüde sociale, par X et XX. 
Ixslks, Legrand-Maerakaleke, 1898. 8. 20 pag. 

Davidson, J. M., The gospel of the poor. Londoo , W. ReoTes, 1898. 18. 
HO pp. 1/. 

Malloek, W. H. (author of ,4» lifo worth living?'*), Labour and the populär 
wtliisre. London, A. & C. Black, 1898. 8. 840 pp. 6/.—. 

Tneker, Benj. R., Instead of a book by a man too busy to write one. New York 
1893. 8. (Der Verfasser dieser Schrift Aber den philosophbchen Anarchismus ist Redakteur 
dts New Torker anarchistischen Jonmals „Liberty^^) 

n^exaioBa, F., PycciÜH paöovlK fl peBOJuoiaoHHUM& abh^ohIx. >KeHe6a 1892. 
t. (Der rasaisciie Arbeiter in der revolutionären Bewegung der Gegenwart. Genf 1892.) 

Colajanni, N., Uoa questione ardeote: la concorreoza del lavoro. Roma, la 
..Ri^-isto popolare'' edit., 1898. 8. 89 pp 

F r a t i n i f G., II socialismo cattolico nel sao torreoo pratico : note, appanti e proposte 
Trevi, G. Fratini edit, 1893. 16. 80 pp. 1. 0,30. 

Morris. W., La futnra rivoluzione sociale ossia un capitolo del libro: Un paese 
cb« oon esbte. Traduziooe di Raggero Panebianco. Milane, tip. degli „Operai", 1893. 
16 85 pp. 1 0,10 

M o 1 1 o 1 a , D. (arvocato), Coosiderazioni suUa questione sociale in rapporto alle otto 
ore di lavoro. 3» edizione. Catanzaro, tip. del Calabro, 1894. 8. 153 pp. 1. 4. — . 

Smissaert, H., Het aandeel van den Staat in de verzorging der armen. Utrecht, 
J. L. Beyers, 1893. gr 8. VIII — 208 biz. fi. 8 — . (Historische, sUtistische und kritische 
Betrachtangen über das hollftodische Armeogeseta.) 

de Vries, T., Beawaren tegen het socialittme zooals het zieh in Nederland open- 
basrt Appingedam, A. Knaap, 1893. 8. 4en 82 blz. fl. 0,20. 

Vi Cent, A., Socialismo y anarquismo. La enciclica de ouestro saotisimo padre 
Uo XIIL De conditione opificnm. Madrid, Hernandez, 1898 4. pes. 5,50. 

10. Oesetsgebong. 

T. Braochitschf M., Die neuen preaf;tichen Verwaltangsgesetze. Nach dem Tode 
de» Verfassers omgearbeitet, fortgeführt und herausgegeben von (Oberpräsident) Studt und 
UstcrstaatssekretAr) Brauobehrens. Bd. V. Berlin, Heymann, 1898. gr. 8. VIII— 850 SS. 
ftb. M. 8.—. (Inhalt: XIX. Gewerbepolizei — XX. HaodeUkammern. — XXL Hills- 
ksMen, Kranken-, Unfall-, Invaliditäts- und Altersversicherung. — ) 

Ergftaaangsband 1898 der Rechtsgrundsitze des kgl. preuf»ischeo Oberverwaltungs- 
(crichu. Heraasgegeben von K. Parey (VerwGerDir. a. D.). 2. Aufl. Berlin, J. J. Heine, 



152 1^0t>«r&kht über die a«QQ«tea Pablikaüotiea Dealsetilaiids uud de* AtulAad«it.j 



Udd. 8 Vm— 143 SS. M. 3,50. (lobatt: H«chUgrDnd&äU6 n.us Bd, XXUl a. 
der fintscheidaageiif aoirie aa& Bd. I der £nUcheidiiDgeo in äteuersmchen.) 

Meyot E« (OLuade«kultmrQerichtsfi.), Städte rweiterungeti in rechtlicher Beuebimi;. 
ßerliu, He^rmenn, 1093. 8. VI — 97 SS. mit 4 Zeicbotiogeo. H, S.— . 

Loi du 15 Ikiillet 1889 sar Je recrutement de l'erm^ei modiüee pmr iei loi^ dtt 
6 Dovembre 1890, 2 fävHer 1891, 11 et 19 jiiiiiet^ 11 uovembre et S6 decembre 189S* 
ö« ^ditioD uinot^e et mtse k joar jusqu^ea joiti 1693. PArb« Chu-Iei LATfttiaelle, 1893. 
8. 60 pe^. (t, 0,60. 

ßigelow, M, M., Elemeatft of the Uw &i bilU^ notea üod checjue«. London ^ Sweei 
Sl Uuweli, 1893. crown^S. 10/.6. 

Matthews, J. B,f The law relatin^ to coveoanU in refitraiol of trade. Loodon, 
Sweet dt Maxwell, 1893, 8. 9/.—. 

Moicoao de] Prado y Eozas, J», Nuevo tratado de legi«Uci6Q hfpotbecaria de 
ßspana y ultranar. Zaragos&a^ C\ AniJo, 1893. 4. pes. 13.». 

11* Staat«- und YerwaltnngeTeoht* 

Achen, Üauähalt&eUt der Sudt Aachen für 1893/94. Aachen, Druck von A^ Jacobt 
& C**, 1893. 4. 174 SS, — Bericht Qber die Verwaltttag and den Suud der Gemeinde- 
angelegen hei ten SU dem (Aachener) Hatiähaltjietat de^ Jahre« 1893/94, ebd. 4. 12$ SS* 
und 38 SS. Anlagen. J 

Düsseldorf. Bericht über Stand und Verwaltung der Gerne iodeangelegeiüieiteilf 
der Stadt DfU&eldorf fOr den Zeitranin vom 1 IV. 1893 bis 31. 111. 1893. DOüseldorf, 
gedruckt bei L. Vo£t & D«, 1893, 4. 201 SS. 

Erfurt. Bericht über die Verwaltung und den Stand der OeDieindeaDgelegeubeltea 
der SUdt Erfurt für das Etat»jahr 1892/93. Erfurt, Ohleuroth'sche Huchdruckerei, 1893. 
gr. 4. 106— LXll SS. 

GehaltSiiätBe, die, der Eeichsbeamten und preufaii sehen Beamten im Eingetnen 
aiifgetührt und vergüchen und ein Wort au Gunaten der GehaltssHtze nach Alten^tulen. 
Von mciireren Postbeamten. 3. AtuB. Bielefeld, E. Siedhoff, 1893. 8. 16 SS. M. 0,40* 

OsuahrDck. Berictit Ober die Verwaltntig tiud den St&ad der Oemeiodeaagelcfen* 
heiton der Stadt 0«n«brilck für das BechunQ>isjabr vom 1. IV. 1B09 bis 81. UL 1893. 
OsnabrÜLk, Huchdruckerei vou A Liej»ecke, 1893. 4. 103 SS. 

P r e u f s , W. ü., Die engliäche Staatj»verraj>^uQg. Eine gedräugte Darstellung der- 
selben für StaatjfOiMunery Kaufleute, Schiffsrheder etc* Oldenburg, Schulze, 1894^ 8. 

viu— 118 S8 ÄL i,eo. 

Batzenhofer, G., Weaea und Zweck der Politik. Als Teil der Soaiologie und 
Grundlage der Staat&wiA&eu&di&f^en. Bd. It vu UL Leipzig, Brockhaus, 1893. gr. 8* 
VU— 363 u. X— 481 SS. mit 1 lithogr. T»fel. (Preia für das dreibändige Werk M, 20. — .) 
[Inhalt Band 11: Die St&atapulitik nach auffteti. — Die Gesellschaftfipolttik. — Ba^nd HI: 
Der Zweck der Politik im allgemeineo. ^- Die siviliaatori»che Politik im Staate. — Die 
aivilisatort^che Staaiapoiitlk nach aufsen. ^- Die xivitUatorische GeäellftchaftftpoÜlik« ^— 
Zar Kritik der Zivilisatlou. — ] 

Schweizer, P. (a. o. Prof., Zürich), Geschichte der ichwel^erbchen Nentralitit. 
Teil n. Prauenfeld, J. Huber, 1893. gr. 8. Bogen 18—33 des Ge*amtwerkes. M 4 — . 

Witten. HauahalteeUt tUr die Zeit vom I, April 1893 hU 31. Mira 1894 nebjt 
Bericht Qber Verwaltung und Stand der Gemeindeangelegeuheiten für das ßeehoungsjahr 
1899/93. Witleu, Druck von C L, Krüger, 1893. 4. IV-~146 SS, 

ßorgeftudf Gh., Ela.blisaemeDt et revlaion des oonatitutions en Aui4rique et en 
Enrope. Etüde de lögislatioa compar^e. Paris, Thorin & fils, 1894. 6. fr 7,öO. 

Lage maus, £. G., Eecueil dt» trait^a et Conventions conclus par le royaome de^ 
Pajfl-Bas avec les puissmuces etrauger^, depuis 1813 juAqu'ä nos Jours, Tome XI. La 
Heye, Belinfaote (rhres, 1893. gr, 8 XXX^270 pag. fl. 7. — (Bd. t--XJ d. 73,S5..i 

Mec heiin, L., Lettre ouverte a M. le Eedacteur reüponsable du Journal de Saint« 
P^tersbourg. Belstngfors, impr. centr,, 1693. 8. J 

Olli vi er, Em. (de TAcademie fraoc<^ie)» Solutions politiqaee et sociales. Pi^iiS^ 
A. BeMier & O«, 1894. iu-18 j^sus. Vll— 810 pag. fr. 3,50. (Table des matiires: Le 
guerre sociale. — De la presse. — De la m^tbode politiqne. — De la poliüqae pontific4le. — J 

T h o r 1 e t , L, (chtf de bureati k (a pr6fecture de la Seine)) Trait4 des trevanx com* 



DtbtftUt ftbcr di« neBMten PabUkationeii I>eatsehUiid8 und des AnsUndes. 153 

■BBMz k l'iiMg« d«f nudret. Nancy, Bwc^r-Levraolt & 0, 1894. gr. in-8. XX— 417 p«g. 
fr. 7,50. (Tabl« das nuUlires: Dispositions legales et r^lementaires applieables ä U 
g^ntoüiU dm tniTMix tz^eaUs par les eommonet. — Dispositioni l^alet etc. applicables 
k eertainea catdgoriea de travanx oommnnaiix. — ) 

O o o d n o w , £. J., Comparative admmittratiye law : an analysis oC the administrative 
Systems, national and locaL 8 vols. London, Patnam's Sons, 1898. 8. 85/. — . 

Hart, A. B., Practical essays on American govemment. London, Longnums, Green 
k C*, 1898. crown-8. 880 pp. 6/.—. (Contents : The Speaker as premier. — The 9xtniM 
of the saffrage. — The election of a President. — Do the people wish civil service reform. 

— The Chilean eontroversy : a study in American diplomacy. — The oolonial town meeting. 

— The colonial shire. — The rise of American eitles. — The biography of a river and 
ksrbor BilL -. The public land-policy of the ü. SUtes. — Why the South was defeated 
in tk« dril war. ~~) 

Temple, £. (Sir), Life in Parliament: being the experience of a member in the 
Houe of Commons from 1886 to 1898, ind. London, Mnrray, 1893. crown-8. 
XVIU— 891 pp. 7/.6. 

Williams, £. V., A treatise on the law of executors and adnünistrators. 9^ ed. 
t Tols. London, Stevens & Sons, 1893. Roy. 8. 76/. — . 

12. StatUtik. 
Deutsches Reich. 

Badiscbe Jastisstatistik für das Jahr 1890. Karlsruhe, MUler'sche Hofbuchbdl., 
1S9S. 4. VlI— 189 SS. (Bearbeitet im grobbers. Jostisministerium.) 

Beiträge sur Statbtik des QroAherzogtums Baden. Herausgegeben vom statbtischen 
8ir«aa. Neue Folge, Hefk 6. Karlsruhe, MaUer'sche Hofbuchhandl., 1893. 4. XI~312 SS. 
(lokalt: Die Volksalhlung vom 1. XIL 1890, Teil I.) 

Beiträge sur Statistik des Köoigsreichs Bayern, Heft LIX. Mttnchen, Hofbuoh- 
drackerei von Wolf & Sohn, 1898. Roy.-8. Herausgegeben vom k statistischen Bureau, 
(lahalt: I. Die Ergebnisse der Viehsählung im KR. Bayern vom 1. Desember 1892 nüt 
«akiteaden Bemerkungen von (ORegR.) Carl Rasp (Vorstand des k. Statist. Bfireaus). 
LXVI — 405 SS. mit 1 Karto- und 1 Diagramm. — II. Ergebnis der Erhebung Aber die 
ZsrtrfimBiemng bäuerlicher Anwesen in Bayern während der Jahre 1888 — 1890 81 SS.) 

Bericht, statistischer, ttber den Betrieb der kgl. bayerischen Verkehrsanstalten im 
7crwaltang»jahre 1898 n^bst Nachrichten ttber den Eisenbahnneubau. Mfinchen, Hof- 
bocbdruckerei E. Mahlthaler, 1893. Roy .-4. VI— 857 SS. mit XXX Beilagen auf 280 SS. 
(Herausgegeben von der Generaldirektion der kgl. bayer. Staatseisenbahnen und der Direktion 
der kgl. bayerischen Posten und Telegraphen.) 

Bericht Über die 46. Hauptversammlung des Evangelischen Vereins der Gustav- 
Adolf-Stiftung, abgehalten in Bremen am 6., 6. und 7. Sept. 1893. Leipzig, Selbstverlag 
des CentralvorsUndes des Evang. Vereins der GasUv- Adolf-Stiftung, 1893. 8. 252 SS. 
(Aaf S. 114 ff.: Die internationale Einnahme- und Gemeindeunterstützungsstatistik.^ 

Jahrbuch, sUtistisches, der Stadt Berlin. Jahrgang XVUI: Sutistik des Jahres 
1891. Im Auftrage des Magistrats herausgegeben von R. Böckh (Direktor des statistischen 
Amtes der Stadt Berlin). Berlin, Stankiewics Buebdruckerei, 1893. 8. XVI— 426 SS. 
M 6.—. 

Mitteilungen des statistischen Amtes der Stadt München. Band XIH. MUochen, 
Uodaaer, 1893. 4. 304 und 298 SS. (A. u. d. T.: Bericht Aber die Ergebnisse der 
Volkssählung in München vom 1. 12. 1890 und der damit verbundenen Wohnungs- und 
Hsoshaltszähinng. 3 Teile mit 9 Tafeln, 24 Plankärtchen und 1 Stadtplan.) 

Protokoll über die Verhandlungen der Kommission für Arbeiterstatistik vom 
23. Juni bis 25. Juni 1892 und vom 3. Februar bis 10. Februar 1898. Berlin, C. Hey- 
naoa, 1893. 4. 11—61 SS. M. 1. — . (A. u. d. T.: Drucksachen der Kommission fiir 
Arbeiterstatistik, Verhandlungen Nr. 1/2.) 

Röder, J. (Besirksarst der Sudt Würsburg), Medizinische Sutistik der Stadt 
Wfirsburg für das Jahr 1891 mit Einschlnb des Jahres 1890. Wfirzburg, Stahel, 1898. 
p. 8. M SS. mit Tabellen und 2 lithogr. Tafeln. M. 3.--. 

Rufsland. 
Beiträge zur Sutistik des Rigaschen Handels. Jahrgang 1891. II. Abteilung: 
Ufas Handelsverkehr auf den Eisenbahnen. Herausgegeben im Auftrage der handeis- 



154 treb«raicbl über die neafttten PabLikationeo Deutschknds und dM Auttutdes. , 



sUtUtiseheo S«klioii des Rifr^er Börsen koroitees voa A. Tobieo (S«kr«Uf der 
Biga, BaeU Bucbdruckertf, 1893. Boj. i VUI— 113 Sd 

UaliftD. 

BelAiioDe medico-sUlisticA solle condixioni ftmniturfe dei B. esercifo itolUno nelt* 

Inno 1892 comptUCa dall* Ispettorato di saait^ milltftre (Ufflcio stAtistica] sotto U direxion« 

del (Msggior geoerale medico Upettore) SaoUnera. Borna, K. Vogbera, 169S gr. m^t. 

IV — 179 pp. (PubblicAifooe del MlDJatero della gnerra.) J 

Schweia. " 

BeTÖlkerung, die, der Scbweia tinterschfedeii nach dem Bernfe. Vom eidgeo5»sltcbeo 

Btatiätiscben Bureau, o, 0. a J. (Bero, S. X. 1893) 4. 21 83. (Abdruck ana daa^i 

III. Bande der .^Ergebnisse der eidg, VolkseihluDg" rom 1 . XII, 1888) 

Mitteilungen, atatisü»che, betrefi'eod den Kaotoa Zdrlch. Herauägegabea roa 

kantonalen 5tatitü»chen BOreau, Jabr 1891. HeA 2: Landwirtschaftliche Statistik^ 1. HÜfU : 

Arealstatistik. Zürich 1893. k} 8 IV- 82 SS. mit 4 Karten. 

Schweizerieiche HandelsstatUtik. Uebersicht der Ein- und Ausfuhr dar wicbtigstesj 

Wareo, UI. Quartal 1893 Bern, Buclidruckerei B Colin, 1893. gr. foUo. 60 

(Herausgegeben vom schweiBerischen Zoltdepartement.) 

Amerika (Vereinigle Staaten] - 
Production and dUtribution of the pnoclpul agricultural producta ot tbe world. 
Compiled from tbe orfieint siatistic*. Washington 1893, 8. (Ü. St. Department of agri^j 
cnlture. Division of atatistics. Misceilancaus series^ report N^ 5.) I 

— (Argen tioien). 
Estadistica del comercio j de la navegaciiSn de ta Repiäblica Argentloa ccrrr»> 
ipondiente al ano 1892 Buenos Aires, Compauia de billetes de banco, 1893« Boj. in-8. 
XVI— 472 pp. (Pablicaciöo ofßciaj ) 

Asien (Britisch 'In dien). 
Statut ical abstract relatlDg to ßrlllsb Indta from 1882/83 to 1881/99» XXVIl^ 
Dumber. LoEidon ^ prtnted bj Eyre k Spottiswoode , 1898 gr. In - S IV^300 pp 
(Purliiim. pHpf^r« blue book. Contents: Area and population, Cenaus of 1891. «-» Vttat' 
stattstic». Emigration. — Finance — Coinige and curreDC)'. — Agricalture atid laü4 
tenures. — Railways, Post Ofäce Telegrapbs. — SaTings bauks. — Educaiioa. — ^_ 
Trade. -— Sbipping, — Cnstoms laHff'. Prices current: food graln« and satt. — ate.) ^M 

18. Tertohiedenea. 

Bern heim, E (Prof. der Geüchichtei Greifswald], Lehrbuch der histarisch«D 
Methode. Mit Nachweis der wichtigateu Quellen und Bilfsmittel aum Stadium der Ge- 
schichte. S. (völlig durchgearbeitete) Aufl. Leipzig, Duncker & Humblot, 1894. 8» 
XI t— 684 SS H 12.—. (luhftit: Hegriß* und Wesen der Geschichis Wissenschaft. 
Methodologie. — Quellenkunde (Heuristik). — Kritik. — Auffüssung ) 

Bismarck. Die politischen Heden des FQrsteti Bismarck. Ilistorisch-krittscbe Oeaamt^^ 
ausgäbe besorgt von Horst Kohl. Band VIÜ: 1879—1881- Stuttgart, CotU Nachfolger; 
1893 gr. 8. XX— 436 SS M 8.—. 

Blum, Hans, Das Deutsche Reich zur Zeit Bismarcks Politische Geschieht« tob 
1871 bis 1890. Leipsig« Bibtiograpbiscbes Institut* 1898 Boy.-8. XX— 708 SS. mit 
Portrit Bismarcks geb M. 7,50. 

V. Bodelschwingh, F., Lose B litter aus einem Tagebuch. Berlin, Pattkammer 
k M, 1893 kl 8 89 SS M 1,60. 

T. Hoeusbroecb, P. (Gral'), Modemer Jesuitiamus. Berlin, H. Waltber. 1893. 
gr. 8. M. l.— 

Jahresbericht« XXIU , de» Verein« schwel leriseher Gymnasiallehrer. Aarau, 
Saaeriftnder Sc C^, 1893. gr. 8 54 SS. M. 1 — . (Darin: Di« Ergebnisse der neue« 
Ausgrabungen auf der AkropoÜt von Athen, von J. Escber. — ) 

Jahresbericht, XXIV.^ des LandesmedidnatkoUeglums über das Medisinai wesea 
im K4$oijrreich Sachsen auf das Jahr 189S Leipiiig, F C W Vogel 1898 Roy .-8 
890 SS. 



ütbanielit ab« die neuesten Pablikationen Dentschlands and des AasUndes. 155 

Kalender für die technischen Hochschulen nnd Bergekedemien des Deatscben 
Reiches, Wintersemester 1898/14. S Teile. Leipsig, A. FeUz, 1898. 12. geb. M. 1 — . 
(Teil n. Personellen und stotistische Nmchrichten enthaltend, ist bearbeitet von (Prof.) 
W. Sebeffler.) 

Katerban (Reg.- u. Med.R.), Das öffentliche Gesundheitswesen im Begbs. Stettin 
wfthrend der Jahre 1889, 1890, 1891. VII. Verwaltungsbericht. Stettin, Druck von 
Herrcke ft Lebeling, 1898. 8. VI— 218 SS. einschl. 47 TabeUen. 

Raab, K. R., Hans von Raumer. Ein biographischer Versuch. Erlangen, Haz 
Mencke, 189S gr. 8. X— 188 SS. mit dem Bildnis Raumers. H. 1,60. 

Roseoboom (Ingenieur, Kiel), Die stidtische WasserversorguDg. Unter besonderer 
Berücksichtigung der hygleinitchen nnd whtsehaftlichen Qesichts|Hinkte bearbeitet. Berlin, 
B. Mflckenberger, 1898 gr. 8. VIII— 44 SS. M. 1,20. 

Tan er a, C, Die Revolutions- und Napoleon ischen Kriege. 2 Bftndchen. (I. :Von 
Vitasy bis AusterHU. IL: Von lena bis Moskau.) Mfinchen, C. H. Beck, 1898. kl 8. 
Vni-245 u. VI~244 SS. mit Uebersichtskarten und Schlschtpiftnen. M. 5.—. (A. u. 
d T. : Deutschlands Kriege von Fehrbellin bis K5n{ggrilta, Bd. IV u. V.) 

Volker, H. 8., Handbuch der deutschen Volksblldungabetitrebungen. Gewidmet den 
Volksbilduogsvereinen und allen Volksfreuoden. ZQrich, C. Schmidt, 1898. gr. 8. IV — 
130 SS. M. 2.—. 



L* A 1 s a c e Lorraine devant l'Europe par Patiens, (pseud.). Psris, P. Ollendorff 
1893. in-18. couverture en coul., avec cartes, croquis, etc. fr. 8,60. 

C 1 e r c , H. (ancien membre de l'Ecole fran^. d'Athkoes), Les m^tkques ath^niens. 
Etode sur la condition legale, la Situation morale et le rdle sociale et ^conomique des 
etrangers domicUi4s k Athines. Paris, Thorin & fils, 1894. 8. fr. 14.—. 

Errera, L. (prof., Bmxelles), Les Juifs russes. Extermination ou ömancipation? 
Bntxelles, Muqusrdt, 1898. gr. in-8. 184 psg. avec carte, fr. 1,60. (Table desmatiires: 
Lettre pr^face de Th. Mommsen — Etablissement des Juifs eo Russte. — La population 
jnvs. I^ territoire. Les privil4gi6s. — Condition des Juifs dans le territoire. — Les 
Btsares de pers^utioo. — Accrusations port^es per les antlsömites, en Rnssie, contre les 
jsif». — etc.) 

Morean de Jennys, A. (membre de Tlnstitut), Aventures de guerre au temps de 
U R4publique et du Consnlat. Pr^face de L^on Say (de l*Acad4mie fran^alse). Paris, 
OaOlanmin & O«, 1893. gr. in-S. XXIU— 469 pag. fr. 7. -. 

Plaget. E., Histoire de l'^Ublissemeot des J^saites eo France 1540—1640. Leide, 
E. J BrilK 1893 8. IX— 628 psg. fr. 11.—. 

T a i n e , H. (de TAcad^mie fran^eise), Les origines de la FrsDce contemporaine. Le 
rcfime moderne. Tome II. Paris, Hachette & Ci^ 1894. gr. in-8. XVI— 406 pag. 
\T. 7.50. (Table; Livre VW««: L'^gllse. — Livre VIi*me : L'Ecole.) 

Clemow, F., The cholera epidemic of 1892 in tbe Rnssian Empire. With notes 
-jpoD treatmeot snd methods of desinfection in cholera, and a sbort aeconnt of the Con- 
fereoce od cholera held in St Petersburg in December 1892. London, Longmans, Green & 
C' .8. 136 pp. 6/.—. 

Great public schools: Eton, Harrow, Winchester, Rugby, Westminster, Marlborough, 
Cbeltenham, Haileybary, Clifton, Charterhonse. London, E. Arnold, 1893. 8. 6/. — . 

Strahan, S. A. K., Suicide and insanity: A physiological and sociological study. 
LocdoD. Sonnenschein, 1893 crown-8. 

W i U o u g h b y , E. F., Haodbook of public health and demography. London, Mac« 
millan. 1898. crown-8. XVI— 609 pp., clotb. 4/.6. (Contents: Health of the man. — 
Health of the hoose. — Health of tbe cIty. — Health of the people. — Demography: 
Sutistics, Constitution, etc. of popolation. Death rates and prcTcntible mortality. Com- 
parative mortalitles. Birth rates, Life tables Dr. O^le'«. — Saniury law. — etc.) 

Phttezi, A., PyccKiH boohhbiii ölitt. b-l Ä*HCTBiiTejLHOCTH H me^Tax^. Ct.- 
nerepfiypri* 1893. 8. (Das russische Militftrleben in der Wirklichkeit nnd in der Ein- 
bilding, von A. Rittikh.) 

Csro, E, EI snicido y la civilizaci6n. Madrid, impr. de la Compania de impr. y 
iibr., 1898 8 pes. 3.—. 

Trsba'Jos escolares. Exposici6n de Chicago an o de 1893. Buenos Aires 1898. 8. 

Kupt3x(8ov. E. K., 'loTopCa toO cuyxpovou 'EXXtjvtafioO and rrj; I8puacci>c toC 



1&6 



Die periodSflcfae Press« de« Aaslftndes. 



Patjuctow Tij; *EXA(iöoc P^XP^ "^^^ ^1 \^*'P^'* M-ac 1832—1892, etc. I, (Oeeebichte i«» 
tDoderaeo GriecheoluidT seit der OründaD^ des K5Di^eicbs (1832) bis Kar Gegeav^rt, 
TOD E, K. Kyrlaktdos.) Athen 1893 8. 



Die periodische Fresse des Auslandes, 

A. Frftnkreieh. 

AopAle» de TEcote llbre des äcieoces potitiques (PAris). Tome VIII, l^* 
Janvier k Juillet 1693: öoe noavelle Ecole libre des sciences eoeiales et polttiqaes tu 
B«lgi(|ue, per L. Aacoc. — Lea iiidigimes tuoiaieos, pikr Manr. Ceudel, — De 1« 000- 
ditioD dea otraugers ea Alsace-LorriaßeT pur M. Veren. — Hippolyte Taine , pjir E. BoQimjr. 

— L'^tJibHsseiiieat et 1a rerbioa des constitattons «ux Eut^-Uais d'Ameriqae^ p&r C. 
BorgeJLud. — De la d6dactioD du passlf dans les d^cUrations de sacce»ü»ioD , par P* de 
Goioluon. — FöDCttouiiaires et hommes d'Etat auglais, par Max Ledere. — Las varUHons 
do reveDu et du prix des terrea eo France aa XVIIe et au XVIII« si^cte, par D. ZoUa. 

— Les enqnctes parlemeoCairea et la loi beige du 3 tnai 1880^ par £. Payen. — One 
aaaodation contre la meodiciU k domicil« dant le graud-duüfa^ de Bade, par A. Spire« 

— etc, 

Bulletin de atatistiqu« et de l^glslatloo comparL<e. XVII<> ana^e (1898) KoTembre: 
A« France, colouies: Prodnctia'D des yihs et des ddreg eo 1893 (France et Algerie) avec 
cartea. — Lea prodalts de reoreglatrementi des domaines et du timbre constat^s pendant 
rannte I89S, — Les caisses dMpargne scotaires — Le> reveuus de TEtat: France dix 
Premiers moia, Algerie neuf premier» müia, exereice 1898. — Le commerce exterieur, 
mois d'Octubre. — La «ttuation finnöcifere des cummanes en 1892 (Fraoce et Algerie) 

— B. Paya ^trangera : Autriche-Oougrie : Le projet de tudget autrichieo pour 1894« — 
Eapagne: Le r^'glme des atcoots. — Italie: Le payement des droits de douaoe eo espfceet^ 
m^talliquea (d^cret du 8 novembre 1898j> — Grice : Le message royal. — Rasste: 
r^ultata d^finitifs de Texercice 1892. — Etats-Uni» : L'abrogatlou de la loi du 14 juillet 
1890» lol du l^r novbEnbre 1898. — Ausirane : La vigne et le vin. — etc 

Journal des Economiste», 52« aoneef Novembre 1893t Le nourelle regime dooftoier 
de» colonics, par Bouchid de Belle. — Les officiers minist^riels, par L. Thenreau (stiite). 

— Le mouvemeot agncole, par G. Foutjuel. — Revue critiqae des poblicatioo» ^conomt- 
ques ea langue fran9(ii3eT par Rouxel. — L^ujiure en Rusäie, par Inostraniets. — Un 
syndicat de la paix. — Les faaci social ivles de la Sicile. — Societ»- dVconomie potitiqae;, 
s^«Dce du 4 novembre 1893: Discni^sion; De Tintervention de TEtat dan» le contrat de 
travail. N^crologie : Ed. Lecouteux et Auguste ä6vene. — Cfaronique <?conomique. — 

Journal de la Societe de «talistique de Paris. XXXlVt>'iiift annee (1893) 2f« U^ 
Novembre: Proc^s-vcrbel de la s^ance du 25 octobre 1893, — Les valears successoraUs 
et lea donatloos, par Tous^aint Loaa. — Chroniqae des transports, par Beaurin-Gressier. 

— Chronique des Ünance» publiques, par Fr. Desjnrdins. — Cbroniquc de» banqoes. 
changes et m^tanx prdcleux, pmr Pierre des Essara. — etc. 

Reform Q sociale, la. II1<' s^rte, N»«" 68 k 71, 16 Octobre k 1 Dicembre 1898: 
Les programmes radicaux de r6formes d^impfits^ par Rene Stonrm. — Lea oeuvres de 
rinitiatiTe priv(^e k Genfeve, par P. Mariu. — La t'<^pression legale de l'unure eri AU«* 
magne, par E. Dubob. — Un mot aur le credit agricole k propo» d'un Hvre r^'cent : 
„le credit sgricole, par Tonil lon*S par Benoit L^^vy. — La reorganisation de reoseigne- 
ment des sciences politiques dans les univer»ites de l'Etat en Belgique. — La Constitution 
de la famille et du patHmoine sous le For, ea B^arn, par L. Batcavo. I. Persistanee de« 
id4es ancienoes sous le code i IL La Constitution da patrimoine ; 111. Inäuence des tois 
rictotM. — Le ayndlcat agricole de PAojou et ses aections paroisaiales, par E, Kicolle, 

— Lea aasociations professionnellftB «t les physiocratea, par A. des Cilleals — Les gr^ves 
d'apr^ une aUtisttque r^cente, par (prof.) Santangelo Spoto. — ün cours prattqne d'4co' 
oomie politique k rUnivcriitd de Ll^ge, par A D. — M^langes et notices: Cn disciple 
am^ricaln de Proudhom (B. R. Tocker), par J. Angot des Hotours. LHodiistrie et les 



Di« periodisehe PresM des Aaslandet. 257 

moeurs sociales, par A. Fongerouss«. — La snppression des bareaox de plaeement, par 
Maar. Vanlaer. — LtJnion d'sssistance par le travail da VI« arrondissement et las boreanx 
aanidpaiix de plaeemeot, par H. Defert. — Corner d'Aatriche, par Walter Kaempfo: 
Le congrto de ^aa et les tendanees de la petite indostrie. Le parti soeial-chr^tien et 
scs dang^reoses propagandes etc. — L'initiative popalaire et le droit aa travail en Saisse, 
per J. d'Anetban. » Histoire öleetorale de 1898, per H. Joly. — Une famille mrale 
sovs Taneien regime de Poitoa (1560 — 1840), par A. Tandonnet. — Uo noavel historien 
de Biehelieo, par J. Argot des Sotoars. — La Sod^t^ beige d'^eonomie sociale. Rapport 
sommaire sar les travaax de sa 12« session (1892 — 1893), par V. Brants. — Le moare- 
mtot social k l'^tranger, par J. Cas^Jeux. — Chrooiqae da moavement social, par A. 
Fougeroosse. — etc. 

Revae gönirale d'administration. Pablication daMinist^re de rintMeur. XVle ann^e 
(189S) Novembre : Un baoqoier da Tresor royal aa XVUIo si^le : Samael Bernard, sa 
TIS, so oorrespondence (1661 — 1789), par V. de Swarte (tr^rler-payear gin^al de Seine- 
«t-Mame). — Notes de jarispmdence (section de l'int^rlear, des caltes, de l'instmction 
pnbliqoe etc.) saite. — Chroniqae d'Aatriohe-Hongrie : La r^forme äl^ctorale en Aatriohe. 

— Chroniqae de Belgiqae: R^rision de la Constitation (loi da 7 sept 1898). — Chroniqae 
d« Tadministration franfaise. — etc. 

Revne d'^conomie politiqae (Paris). 7« ann^e, M® 11, Novembre 1898: Eisai sar 
Is fabriqae collective, par E. Schwiedland. — Les grands magasins tels qa'ils sont, par 
P. da Maroossem. — Comment et finir avec le sweating-system ? par Bdatrice Potter 
(Hn- Sidney Webb). — Chroniqae IdgislaÜve, par E. VUley. — etc. 

Revoe maritime et eoloniale. Tome CXIX, livraison 887, D^cembre 1893: Laeonstrao- 
tion des b&timents par l*indaftrie, par R. Lavigne. — Agde, son origine, son histoire 
msritime (soite et fin), par Robin. — Jean Gaspard Vence, corsaire et amiral (saite et 
fia), par H. Loir. — Vocabalaire des poadres et explosifs (soite). — Pdches maritimes: 
Ls ptebe da maqoereaa dans le mer d'Irlande. La pdche da thon en Sardaigne. Sitoation 
de la p^che et de rostrdicoltore pendant le mols de septembre 1898. — etc. 

B. England. 
Board of Trade Joomal. December 1898: Formation of a Rossian naphtha anlon. 
•» The flax trade of Rassia. — Railway rates in Sweden for iron and iron goods. — 
yetherUnds trade marks legislation. — The present condition of the French wine indostry. 

— International workmen's exhibition in Milan. — The Import trade of Beyrooth. — 
The Import trade of China and the likin doties. — Imports of ootton into the United 
Stetes. — Tariff changes and costoms regolations. — Customs tariff of Western Aostra- 
lia. — Proceedings of Chambers of commerce. — Statistics of trade, emlgration, fisheries, 
etc. — 

Contemporary Review, the. December 1893: The government and laboar, by 
H. W. Massingham. — Parish coancils and parish charities, by J. Darfield. — The 
economy of high wages , by J. A. Hobson. — Education and instroctioD , by (Lord) 
Coleridge. — The Strasborg commemoration. — Compolsory porchase of Isnd in Ireland, 
bj A. Traill. — Territorialism in the South-Eastern counties, by R. Heath. — A rejoinder 
to Prof. Weitmann, by H. Spencer. — etc. 

Fortnightly Review, the. December 1893 : The Ireland of to>day, psrt II: 
The rhetoricisns, by X. — The onemployed, by (the Rev. Canon) Barnett — The ice 
age aod its work, part 2, by A. R. WsUace. — A Seuth-Sea island and its people, by 
Fr. J Mose. — Self-govemment, by W. 8. Lilly. — A hunt for bsppiness, by (the 
Iste) Fr. Adams. — Clothing as s protection against cold, by R. Roose. — History and 
ses-power, by „Naaticas'*. — etc. 

Humanitarian, the Vol. III, No. 6, December 1893: A key to the social 
Problem, by (Cardinal) Vsoghsn. — Alcobol: its ose and misuse, by (Sir) Dyce Dack- 
worth. — Anthropometry as applied to social and economic qoestions, by Ch. Roberts. 

— The daty of the employed, by (Sir) W. Houldsworth. — The taxation of pleasore, 
bj M. Qo. Holyoake. — The palpit and the press, by A. Wilcox. — A commenUry of 
marriage, by L. Johnson. — etc. 

National Review, the. December 1893: Is oar sea power to be maintained? 
by (Lord) O. Hamilton. — Matthew Arnold, by L. Stephen. — The volontary schools 
criftis, by (the Rev. Canon) Hayman. — The kirk and presbyterian union, by (the Rev.) 
E. H. Story. — The onsolved Irish problem, by the O'Conor Don. — Silver, by Moretotf 
Frewen. — etc. 



158 



Di« periodische Prest« det AusUndet. 



KiQet«etith Century, the. No. 202^ December 1893: Sociali&ni in Fr«Ace, bjr ] 
Yve* Gayot (Ute Miahter of public works of Frauce). — Wliat Loodoo people die of, 
by Hugh Percy Dudd. — Reconeclions of Prof Jowett, by A, Ch. Swinburne. — Upper 
Bouses in modern Sutes. 1. The IUÜad Seuete* by (the Bfarcbe^e) F. Nobili-VitelletchL 
— Queen Elizabeth and Ivad the lerriblci by W. Bartiea SleveDi. — The Queen eud [ 
her fir«t prime Mioisterf by K, B. Brett. — Od the origio of the HaaboniiJutd raio«, by 
J, Tb. BeDt. — The Loudoo Schout Board: a repty to Mr, Lyulph Sunley, by J. IL 
Biggle (Chairmao of tbe Board). — A wedding-gift to Eaglaud io 1662, by W. Freirei} 
Lord. — Toalon lud the Freu eh navy, by W. Laird Clowes, — etc. 



C. O e ä t e r r e i c h 
BitouiitAhefte, hrsg. 



Ungarn, 
von EogelberC Pernerstorfer. 



Decitache Worte. Bitouiit«hefte, hrsg, von EogelberC Pernerstorfer. Jahrg. XIll 
(1893), Heft 12| Dezember: Zu einem oeueu Buche: („Die EntatehoDg der Volkairifi- 
acheft'S voa Prof. Bücher), voo (Prof.J Jul Platter (Zürich). — Die ArbeiUverhlituiss« 
in RofslaLDd* — Zur Eefortn der Armenvertretutig, von Jul. BrUgel (Brünni. — Abs 
meiDem Baueroapiegel, von W. Nag] (Wien). — Zur Kontroverse F. v. Peldegg und i 
Dr. Himmelbaurf vod J. (Bitter) y. Neupeuer (Wieo). — etc. ' 

Mo D ataac bri ft , statiitische^ beran»gegeben vod der k. k, »tatistischeo Central- 
komtnit^ioD. Jahrg. XIX (1893), Uelt 10/1^, Oktober, November und Desember: Die 
öaterreicbiachen Assekuraoigeüeibcbafteti im Jahre 1891, von R. Krickl (Scblufä) : Die 
Schilden versicheruDg. — Die fi'ischerei an der adriatUchen K&ite Oesterreicha im J^re 
1891/92, von C. Krafft« — Die BerufiiverbiUuliae der Bevölkerung Wiens, von E, 
Eauchberg. — Aus den Sitsungeu der k. k. slatbtjtcheii CentrelkommifisioD. — etc. | 

Oe 8 t e r r e i c b - Ungariäthe Revue. Jahrg. VUl (1893). Herauagegeben und redi* 

Heft 2 : Die ReforiBarbeiteQ im ungariicben 
— Der Reicbfrbofrat in Wieti, von £. Qmgtia, 



giert voB A. Mayer -Wyde. Band XV 
AckerbaumJnisterium, von K. Mandello. 
— etc. 



Italien. 



Qiornale dogli Economiitl, Dicembre 1893: La criei e 11 programmA liberale 
(per 1» direstoQfl del Giornale). — Teorii della popolasione, per £. La Loggtm (codU* 
nuasione e fine). — Francesco Ferrara all' Univerftitk di Torino, 1849 — 18Ö9, per S. 
Cognetti de Martiia. — 11 taJlimento quale sintomo della potenaa commerciale d'un paeae, 
per A. Contento« — Hivista del t^redito popolare, per G. C. B. — Cronaco, per V. Pareto. 

— La sitttaztooe del mercato uiüneiano, per X. — 

Riviata della beneficeuza pubblica e di igiene aociale« — Anno XXI, 31 Ottobre 
— 30 Novembre 1893, ü^ 10/1 1: Quali debbano easere gli avanzi dei coosuntivi del 
ricoveri di mendicitk e degii iatituti equivalentl, devolatl • beneficio degU isabili al lavoro, 
per C. Hoflali« — La riforma dei monti di piet^ per (avvocato) B. Peaoo. — L'Impero 
coloniale ingleae: EmigraEione e colonizuaione, per G. F. Righetti. — L'Espoetaione 
intern asio aale operaia di Hilano nel 1894. — Lo »vtluppo della cooperaztone di coDStimo 
in Europa. — Unasocietk cooperativa per l'eserciiio del CoUegio coovitto ,, Dante Alighieri'* 
in Firenae. — Lo avlluppo delt' igteue iu Germania, per C Flügge. — Note di iogegae- 
ria aaoitaria, per Chiappont. — Cronac« della beoeficenaa, della prevfdenxa, della coopera* 
aiooe e di fatri jioctall intereaeanti i lavoratori. — etc. 

G. Holland. 

de Economist» opgericbt door J. L. de ßruyti Kopa. XLU. jaargang (1893) 
December: Das holländiBche Arbeiterachui2ge»etz, von F. W. Weaterouen van Meetereu 

— Die Annahme dea Gesetsea vom 2. X. 1893 betreffend die Besteuerung der Einkommen 
auf Gewerbe und Beruf, von G. M. Boiaaevain. — Wir lach aftliche Cbronik. — HaodeU- 
ehronik. — etc. 

H. Seh weil. 
Schwel leriache BtHter FQr WirtachafU^ und Sozialpolitik. Redigiert von O. 
Wultacbleger. Jahrg. l (1895) Ko. 10 u. 11: 15. November und 1. Dexember: Agrar* 
politiacbea aua Oeaterreich, von J. Platter, — Die Notwendigkeit einer Erweiternog der 
Bevöikerung^utiatik iu der Scbweis, von G. H. Schmidt — Ein moderner Stidteer* 
weiterungaplau, von A. MÜlberger. — Zar Frage dea RechU auf Arbeit, von 0. Beck. 

— Die geplante Kranken- and (Jutall veraicherung und die Arbeite racbalt. — Zar THnk- 



Di« periodische Presse Dentscblands. j[59 

gelderfrAge. — Zm Beniteilang der Gewerkschsftsbewegoog. — Zar Initiative fBr die 
iMBtstttlicbe Knukenilage. — Der intemationele Kohlengrftberstreik, toxi O. Wull- 
seklegv. — QemeJBdllcfae Syialpoiitik. — etc. 

L' Union poetale. XVIIIe volnme, No 11, ler NoTembre et N» 12, ler D^cembre 
1M8: Beeensement rar le service des postes de la R^pabliqne de Liberia. — Franchise 
de port et eontrebande posUle an P^rou. — Trois horaires des postes saisses da XVXI^ 
tikle (fin.) — Eztrait dn SSme rapport de gestion du Maitre g^n^ral des postes de- 
Grande-Bretagne et d'Irlaode, ponr 1' exerdce d'ayril 1892 k fin mars 1893. — etc. 



Sie periodiBohe Fresse Deutschlands. 

Archiv für Post and Telegraphie, Jahrgang 1893, No. 22 and 23, November and 
Dnember: Das neoe Postgeblnde in Memel. — Th^ophraste Benandot, ein Vergessener 
- miekbliek anf die Fortschritte der angewandten Elektrisität im letiten Jahre. — Der 
Goldfnnd auf dem Postgrandstüek in Köln. — Der Schiffahrtskanal von Dortmund nach 
d« Emsbifen. — Handels- und VerkehrsverhIItnisse der Kanarischen Inseln. — etc. 

Allgemeines statistisches Archiv. Heransgegeben von Georg v. Mayr. Jahrg. III 
(1818). 1. Halbband : Die Reform der deatschen landwirtschaftlichen Statistik, von Traa- 
fott Müller. — Rossisehe Sterbetafeln, von L. v. Bortkewitsch. — Die österreichische 
Arbeitenufallstatbtik nnd die SosialsUtistik, von Schiff.— Sutistische Technik: Deatsehe 
Arbdterstatlstik, von v. Mayr. Meine Kritik der prenlsiscben Volkssühlangsformalare, 
TOD demselben. — Statistische Ergebnisse: Innere Wanderangen in Oesterreich, von 
Bsaebberg. Die deat»chen Arbeiterkolonien 1882/1892, von Berthold. Rafslands Beden- 
tag flir den Weltgetreidemarkt (SehlaDi). — Verschiedenes: Die Reform der deatschen 
Lsadwirtsehaftsstatistik (nach den Bestimmungen des Bandesrats). Die Statistik aaf den 
iBtwnationalen Kongressen des Jahres 1891. Gkschiftsberichte der statistischen Aemter, 
voa 6. V. Mayr. Hogo Frani (Ritter) v. Brachelli Nekrolog, von V. MaUja. — Inter- 
satioaale statistische Uebersiehten : 1. KriminalitAt, von £. Mischler. 2. Bevdlkerangsstand, 
vom Heraasgeber. — etc. 

Chriatlieh-sosiale Blfttter. Katholisch-sosiales Centralorgan. Jahrg. XXVI (1893) 
Htft 19 and 20: Ueber die Zerreibang des Mittelstandes (Schlafs). — Ueber die Ursachen 
der franiösischen Revolation (III. Fortseta.). — Die Verteilang der Sozialdemokratie nach 
doB Wahlkreisen. — Die Zustände in Sisilien. — Allgemeine Menschenliebe und allge- 
Btioer Klassenkampf. — Ein unheilvoller Streik (der Kohlengrüber in Mittelengland). — 
Unser Centram. — Zur Lohnfrsge. — Die Sosialdemokratie in den fiberwiegend katho- 
Uacben Reichstagswablkreisen. — 

Deatsehe Revue über das gesamte nationale Leben der Gegenwart. Hrsg. von 
iL Fletscher. Jahrg. XVIII, 1893, Desember: Der fransösisch-siamesiscbe Friedens- 
MbUls, von M. V. Brandt. — Lotbar Bacher, von H. v. Poschinger, Artikel VII. — England, 
Prtakreich and Rnfsland in Asien, von H. Geffcken. — Die Unfreiheit des menschlichen Willens, 
TOD E. (Frh«) V. Stockmar. — Erlebnisse eines amerikanischen Staatsmannes bei Bereisung 
dtotscher Höfe tu Ende des vorigen Jahrhunderts, von H. v. Wilke. — Die russische 
Flotte. — etc. 

Pinaniarchiv. Herausgegeben von Georg Schans. Jahrg. X (1893) Band U: 
RosoBlage, Etatsfragen und Stand der Steuerreform in Württemberg, von K. F. v. Schall 
(vftrttemb. StaatsR.) — Die Verpachtung der prenlsiscben Staatsdomänen nebst Vor- 
MhJIgen aar Reform der allgemeinen Bedingungen, von P. Berger (Schlafs.) — Die 
Flasnsen Spaniens, von Max v. Heckel (Privatdos., Univers. Wfirsburg ) — Die ersten 
Bwolute der Herabsetsung der Eilgütertarife in Frankreich, von A. Raffalovich (wirkl. 
ScsatsR.) — Das Budget Frankreichs für das Jahr 1893 und die Rechnung von 1891, 
▼OB Maar. Harbulot. — Das Finanzwesen Italiens im Jahre 1892, von Ludw. Sachs 
(Wiea.) — Der Steuerertrag von Branntwein, Wein, Bier, Zucker, Sali und Tabak in 
dsB wichtigsten Knitarstaaten anf Grund der letzten Rechnung (1891), von G. Schans. — 
Die Erbschaftssteuer in Preufsen, Elsafs-Lothringen und den wichtigsten aufserdentschen 
tsropiischen Lftndem. — etc. 



160 ^^ periodische Presse DentsohUnds. 

PreaTsische Jshrbttcher. Herausgegeben von Hins Delbrfiek. Band LXXIV, 
Heft S, Oeseniber 1898: Die rechtlicbe Stellung der evangelischen Kirche Deutschlands 
in ihrer geschichtlichen Entwickelang, von (OKonsistorR. a. D.) K. K5hler (Darmstadt). — 
Entwarf einer Baaplattsteuer, von Rod. Eberstadt. — Zwei Jabrxehnte deutscher See- 
schifTahrt (1878—1893), von (Prof.) O. Krfimrael (Kiel). — Der politische Wert der Ge- 
schichte, von Hartpole Lecky, fibers. v. W. Imelmann. — Das Deutsche Reich und die 
Polen, von L. E. (III. Artikel). — etc. 

Vereinsblatt fQr deatscbes Versicherungswesen. Jahrg. XXI, 1898, Nr. 18: Ver- 
sicherang indirekter Schftden in Brauereien und Malzfabriken. — Zur Rechtsprechung des 
Reichsgerichts und anderer Gerichtshöfe in Versicherungsangelegenheiten. — etc. 

Vieteljahrshefte sar Statistik des Deotschen Reiches. Herausgegeben vom kais. 
sUtistischen Amt Jahrg. 1893, Heft 4: SUtistik der Reichstagswahlen von 1898. — 
Verbrechen und Vergehen gegen Reichsgesetze 1887—1892. Vorllufige Mitteilung. — 
Schttibildang der im Ersatijahre 1892/98 eingestellten Rekruten. — Ueberseeische Aus- 
wanderung im dritten Vierte^ahr 1898. — Verungiackungen deutscher Seeschiffe in den 
Jahren 1891 and 1892. — SchiffsunfXlle an der deutschen Kttste während des Jahrei 
1892. — Salzproduktion und Salsbesteuerung im deutschen Zollgebiet während des Etats- 
jahres 1892/93. — Tabakbau und Tabakernte im Emtcjahr 1898/98. Tabakbau in 
Emt^abr 1898/94. Vorläufige Nach Weisungen. Bierbrauerei und Bierbesteuerung während 
des Eutijahres 1892/93. — Stärkezuckergewinnung und -Handel während des Betriebe- 
jahres 1. August 1892 bis 81. Juli 1898. — Zuckergewinnung und -Besteuerung während 
des Betrieb%jahres 1892/93. — SaatensUnds- und vorläufige Emtenachriehten fQr dai 
Jahr 1893. — 

Viertel Jahrschrift ffir Volkswirtschaft, Politik und Kulturgeschichte. Jahrg. 
XXX, 1898, Band IV, 2. Hälfte: Zur Geschichte der deutschen Gesellenverbände, von 
Chr. Meyer. — Der Individualismus, von M. Block. — Ein neuer Versuch zur LSsnng 
der Don Carlos-Frage, von G. Winter. — Volkswirtschaftliche Korrespondenz aus Wien, 
von E. Blau. — Philosophie und Volkswirtschaft, von G. Lewinstein. — etc. 

Zeitschrift des kgl. prenfsischen statistischen Bureaus, hrsg. von dessen Direkt« 
£. Blenek. Jahrg. XXXIII (1893), IV. VierteUahrsheft: Die Geburten, Eheschlieftongen 
und Sterbefälle im prenfsischen Stsate während des Jahres 1892. — Der Altersaufbaa 
der prenfsischen Bev51kerttng in der Zeit vom 1. Januar 1881 bis zum 81. Dezembsf 
1890. — Die prenfsischen Sterbekassen mit Umlageverfahren gegen das Ende des Jahrei 
1892. — etc. 



Frommannsche iJuchdi uckerei (Hemuinn Pohle) In Jena. 



KartWi«d«afeld, Der deotoelie Oetreidebuidel. IQl 



n. 
Der deutsche Getreidehandel 

Von 

Kurt Wiedenfald. 

W&hrend die ProduktioD des Getreides yod unberechenbaren und 
jedem EiDfluS entzogenen Naturfaktoren abhängt und daher in ihren 
ebzeluen Perioden beträchtliche Schwankungen aufweist, ist der Be- 
dtrf nach Brotkom in gleichmäßig steigendem Umfange ein notwendiger 
ODd zeigt daher nur geringe Abweichungen von der gerade auf- 
steigenden Linie. 

In diesem Verhältnis liegt die Schwierig:keit für den Getreide- 
groBhandel« seine Rolle als Vermittler zwischen Produktion und 
Konsumtion erfolgreich wahrzunehmen; aus dieser Sachlage entspringt 
die l^rvorragende Wichtigkeit, welche dem Handel gerade auf diesem 
Gebiete beizumessen ist Seine Aufgabe ist es, Angebot und Nach- 
frage entsprechend Vorrat und Bedarf zu regeln und durch Anziehen 
oder Nachlassen des Preises mit einander in Einklang zu bringen, 
indem er in Notjahren durch hohen Preisstand den Bedarf auf das 
geringst mögliche Maß beschränkt und in guten Ertragsjahren ihn zur 
höchsten Grenze aufsteigen läßt, indem er das Angebot durch Auf- 
gpeichem ausgleicht. 

Solange ein Land stets über seinen Bedarf hinaus Getreide pro- 
duziert, ist dem Handel seine Aufgabe leicht gemacht; hat er doch 
dann nur den jeweiligen Ueberscbuß abzustoßen. Muß aber zur Be- 
friedigung des inländischen Bedarfs ausländisches Korn herangezogen 
werden, so wächst mit der zunehmenden Importnotwendigkeit die 
Wichtigkeit des Getreidegroßhandels ; denn von seiner Thätigkeit hängt 
dann in großem Umfange die Volksemährung ab. Notgedrungen wird 
der Handel dann ein internationaler; er nimmt die Zufuhrmengen, 
wo er sie am leichtesten findet. 

In dieser Lage befinden wir uns jetzt in Deutschland. Seit etwa 
der Mitte unseres Jahrhunderts vermag bekannntlich die Landwirt- 
schaft den durch starken Volkszuwacbs bedeutend gesteigerten Bedarf 
nicht mehr zu decken. Nach v. Graß*KIanin muß etwa Vs ^^ 

Mttt Folf« M. Vn (LID). II 



162 



Kurt Wtedenf*ia, 



konsemierten Brotkorns selbst dann noch eingeführt werden, wenn 
ganze Üeberschuß des Ostens in den zufuhrbedürftigen Westen geleit 
wird*). Schon diese Durchschnittsquote, in absoluter Zahl 1,3 Mil 
liarden kg herbeizuschaffen , verlangt angestrengte Thätigkeit d« 
Handelskretse; die Anforderungen sind aber noch größer, da ja auch 
jene Ausgleichung zwischen Ost und West bewerkstelligt werden mtiB 
— eine Aufgabe, die um so schwerer zu erfüllen ist, als der Westen 
andere Qualitäten zu beziehen gewöhnt war, als der Osten sie liefert. 

Mit Recht ist daher die Aufmerksamkeit weiter Kreise auf die 
Organisation gerichtet, mittels deren unser Getreidegroßbandel sdne 
80 wichtige Bestimmung erfüllt. Der Einblick ist jetzt wesentlich er- 
leichtert, da die umfangreichen Materialien der nun abgeschlossenen 
Börsenull tersuchung, vor allem die ausgedehnten Sachverständigen- 
Vernehmungen manchen dunklen Punkt aufkläre«. Auf dieser Grund- 
lage soll hier eine Schilderung dieser Organisation gegeben werden. 
Bei der Beurteilhng ihrer Vorzüge und ihrer Schwächen hat man daran 
festzuhalten, daß dem flandel lediglich die Versorgung mit Getreide 
obliegt, daß soziale Probleme zu lösen, zunächst nicht seine Sache ist. 
Die Antwort auf die Frage, ob und wie eine Reform einzuleiten ist, 
wird dagegen wesentlich durch soziale Rücksichten beeinflußt; es darf 
nicht vergessen werden, daß etwa 40 Proz, unserer Bevölkerung Land- 
wirtschaft treiben und also auch als Produzenten an dem Getreide- 
umsatz interessiert sind. 

Es erschien zweckmäßig, zunächst die heutige Organisation des 
Getreidehandels zu betrachten, indem erst der Ausbau der Börsen und 
freien Händlerversammlungeo, dann die Zweige des Handels und die 
dabei beteiligten Personen, darauf die Geschäftsformen und schließlich 
einige wichtige Börseneinrichtungen besprochen werden. Es folgt eine 
ausführliche Darstellung des Termingeschäfts, das bekanntlich, wie es 
zur Zeit gehandhabt wird, fast ganz aus dem Rahmen des wirklich^ 
Getreidehandels heraustritt; mit ihm hängt auf das innigste dd 
Kommissionshandel zusammen, dessen Schilderung daher hier sein 
Stelle findet. Endlich werden die bisher gemachten Reformvor- 
schläge, vor allem die der Börsenuntersuchungskommission einer Krtt 
unterzogen werden. 



A. Die Organisation des Getreidehandels* 

L Die Börsen und freien HändlerversammluDgeD? 

1, Den Mittelpunkt des Getreidehandels bilden natürlich di 
großen und kleinen ßör s en , welche in nicht geringer Zahl den Koni- 
umsatz in ihren Betrieb aufgenommen haben. Allen steht an Be* 
deutung weit voran Berlin; es ist Gentralpunkt für Deutschland. 



1) V. Grifs-RlaDin, dk wtrt9ch»n]iche Bedoatung d«r Korni6tl« and die MJ^^Uehktlf 
Ihrftr Uerabietsuog (BerHo 1S91) berechnet den jfthrlicbea Bedarf DeQtacbUods ftol 
10 Mmiard«Q ki;, wihrend Dar 8J Milliardeu prodoviert werden. 



Der deutsche Getrei^ehaodel. \ßQ 

hat mch auch im Welthandel einen bedeutenden, für den Roggen- 
wrfcehr sogar aoasdilaggebendea Einfluß zu erringen gewußt ^). Sein 
Umatiti ist belrichtlicb ; in 1892 z. B. hat die bauptatädtische BOrse 
81064 1 Weizm und 178041 1 Boggen gehandelt, wozu noch 108610 t 
Hafer und 64096 1 Gerste, sowie bedeutende Mengen Mais und Mehl 
treten; die enormen Abschlüsse, welche durch Differenzzahlungen erledigt 
wurden, sind in diesen Zahlen nicht einbegriffen; und das war ein 
Jahr, in dem die Staffeltarife manche Sendung, welche sonst Berlin 
berührt hätte, dies umgehen ließen. Die Centralisation auf Berlin ist 
in ständigem Wachstum begriffen ; zahlreiche Klagen der übrigen Börsen- 
^tae, wie sie namentlich in den Eingaben bezüglich der Staffeltarife 
eathaltra aind, beweisen es; davon zeugt auch die Thatsache, daß aus 
Breslau der letzte vereidete Makler 1892 nach Berlin gezogen ist. 

Der Beichshauptstadt am n&chsten, im effektiven Umsatz noch 
Uhar steht der große süddeutsche Getreidehandelsplatz Mannheim. 
Bogflnatigt durch unsere beste Wasserstraße, versorgt diese Börse 
ganz Süddeutschland und die Schweiz mit dem aus dem deut- 
schen Osten und dem Ausland zugeführten Korn. Vor allem wird 
kier in Weizen gehandelt (in 1892 636880,6 t); in den anderen Sorten 
iit der Verkehr nur geringfügig, und auch die Termingeschäfte sind 
nicht umfangreich. 

Auch der andere, am Bhein gelegene große Getreideplatz, Köln, 
Mtit vor allem Weizen um. Seine Bezugsgebiete sind dieselben, wie 
die Mannheims ; der Absatz findet nach dem nördlichen Westen Deutsch- 
hMla sUtt 

Geringerer Bedeutung sind die übrigen Börsen. Königsberg und 
Danzig dienen dem Export des ost- und westpreußischen Getreides^ 
Siettin ist Einfuhrhafen für Berlin geworden und versorgt dies zu- 
sammen mit Hamburg mit den erforderlichen Quantitäten ausländischen 
Korns. Breslau ist stark zurückgegangen; es hat seinen Umsatz an 
Borlin verloren. 

Es bestehen dann noch in Deutschland eine Anzahl von Getreide- 
kandelsplätzen, die nur lokale Bedeutung haben; es sind dies Posen, 
Magdeburg, Halle, Leipzig, Dresden, Lübeck, Bremen, Frankfurt a. M. 
Stuttgart, München, Straßburg. Sie haben sich teils zu Börsen kon- 
lentriert, teils bestehen nur lose Zusammenkünfte der dortigen Groß- 
händler; die Versammlungen werden auch an den meisten dieser Plätze 
nicht täglich abgehalten. 

2. Eine reichsgesetzliche Regelung der Börsenorganisation 
ist bisher nicht erfolgt. Die bestehenden Einrichtungen sind im wesent- 
lidien ein Produkt allmählicher Entwickelung und meist der Initiative 
der Börsenkaufleute entsprungen. Sie sind daher sehr verschiedenartig, 
dem lokalen Bedürfnisse entsprechend. 

Nur in Preußen besteht ein umfangreiches Aufsichtsrecbt des 
Staatea. § 3 des Emfübrungsgesetzes zum Handelsgesetzbuch macht 



1) ünttf WjiehDegntdski waren die Berliner Boggenpreite allUiglieh an dei 
BaboMtai angesehlagen. 

II» 



164 



i'rl Wied enf€ t d , 



die Errichtung von Börsen und die Aufßtellung von Börsenordnungeo 
TOD der GenehmiguDg des Handelstninisters abhängig; § 191 A. L R. 
I, 6 giebt dem Staate die Befugnis, „wenn durch Mißbräuche oder 
Mängel der inneren Verfassung einer Korporation die Erreichung des 
Zweckes gehindert oder Nachteil für das gemeine Wohl hervorgebracht 
wird, zur Abschaffung der Mißbräuche und Wiederherstellung der 
guten Ordnung zweckmäßige Mittel vorzukehren** — oSenbar eine 
sehr dehnbare Bestimmung, da die Voraussetzungen des Eingreifens 
je nach dem Ermessen der Regierung vorliegen oder nicht. Vielfiieh 
ist von diesem Rechte Gebrauch gemacht worden ; es braucht nur an 
den Streit zwischen dem Handelsminister (damals Fürst Bismarck) und 
den Berliner Aeltesten über die Produktensach verständigen und über 
das Mindestgewicht des Termingetreides erinnert zu werden, wobei 
stets die Börse zur Nachgiebigkeit gezwungen wurde. Das Resultat 
ist eine ziemlich weitgehende Einheit in der Organisation der preußischen 
Börsen^ die aber doch der Befriedigung lokaler Bedürfnisse geoügendea^ 
Baum läßt 

Auch in Württemberg hat der Staat sich Einfluß auf die Bdrsenl 
vorbehalten; die Feststellung von Börsenpreisen ist dort nur Vereineal 
gestattet, deren Börsenordnungen vom Landesherrn genehmigt und die 
dadurch zu öffentlichen Vereinen geworden sind» Ist die Börsenord- 
nung einmal bestätigt, so steht dem Staate keine weitere Aufsicht zu. 

In den Übrigen Bundesstaaten hat die Regierung nicht einmal bei 
der Gründung einer Börse entscheidend mitzusprechen, 

3. Bezüglich der inneren Organisation können wir 3 Grop* 
pen unterscheiden. Dresden und Stuttgart sind korporativ zusammen- 
gefaßt; Generalversammlung und der von ihr gewählte Vorstand, in 
Stuttgart auch ein ständiger Börsenansschuß sind die Organe der Ver- 
einigung, die für sich eine juristische Person bildet. Ganz frei und 
ohne festgesetzte Ordtmng kommen die Getreidegroßhändler in Frank- 
furt, München und Bremen zur Abwicki^lung ihrer Geschäfte zusam- 
men ; Frankfurt und München haben auch keine B()rsen gebildet, sondern 
stellen lediglich zwanglose Großliandlerversammlungen dar. In der 
Mitte stehen die übrigen deutschen Börsen, vor allem die preußischen 
und Mannheim; hier sind die Börsenmitglieder als solche ohne Ver- 
tretung und haben als Gesamtheit keinerlei Rechte und Pflichten; nur 
die Zugehörigkeit ist von gewissen Voraussetzungen abhangi*,^; die Börse 
untersteht hier den Handelskatnmeru oder den im wesentlichen gleich- 
artigen Aeltesten- und Vorsieherkollegien der Kaufmannschaft. 

Die Funktionen der Börsenvorstände und die der üandelskammern 
oder Aeltesten sind die gleichen ; sie haben für die Ordnung im Börsen- 
verkehr zu sorgen, die Geschäftsbedinguiigen zu formulieren, den Ge- 
schäftsgang zu beaufsichtigen und durch geeignete Einrichtungen zu 
erleichtern; sie ernennen die Sachverständigen und die Schiedsrichter 
und stallen die vereideten Handelsmakler an, sie vertreten die Börse 
nach außen. Ihre wichtigste Befugnis ist die Entscheidung über Zu- 
lassung und Ausschließung der Börsenmitglieder innerhalb der durch 
die Börsenordnungen gezogenen Grenzen, sowie die Bestimmung der 
an ihrer Börse zu handelnden Fruchtsorten. 



Dtr diauch« G»trel(l«biirid«L 



165 



Am eogsteo ist der Kreis der Mitglieder Datürlich bei deu 
korporativ organisierten Börsen; nur Personen aua dem Handel und 
der Landwirtschaft können den Vereinen beitreten. Auch die freien 
GroSbiiDdler Versammlungen zu Frankfurt und München werden nur 
von Interessenten besucht. Ganz anders in Hamburg und Bremen; 
liier 181 das gesamte anständige männliche Publikum zugelassen, und 
aitBer den Getreidehändlern verkehren in der Thal dort zahlreich die 
mit dem Getreidetransport beschäftigten Personen, Rechtsanwälte und 
Notare, sowie ganz uninteressierte Privatpersonen. Für die übrigen 
Biyrseii können als Beispiel die Berliner Aufnabmebestimmungen gdten, 
da sie im großen und ganzen mit denen der anderen Plätze überein- 
stimmen. 

Nach § 4 der revidierten Berliner Börsenordnung vom 15. Juli 
1884 darf die Börseneintrittskarte nicht erteilt werden au Minderjährige 
inid Frauen; an Personen« die sich nicht im Vollgeuuß der bürger- 
liebeD Ehrenrechte befinden , die entmündigt sind, oder über deren 
Vcrmdgen der Konkurs schwebt; an Personen endlich, die wegen betrüg- 
Ikheti Bftakerutts rechtskräftig verurteilt worden sind* Sofern nicht 
ciaer dieser Falle vorliegt« muß der Zutritt gewährt werden deu Mit- 
gBedem der Kaufmannschaftskorporation ; Personen, welche als Inhaber, 
Tttkelimer oder Prokuristen einer Hündlungsfirma oder als Vorsteher einer 
.UttiMgeaellschaft oder Genossenschaft in das Handels- oder Genossen- 
icbiftsregister Berlins oder seiner Vororte eingetragen sind; Personen, 
wtithe als Handlungsgehilfen bei einer der vor bezeichneten Personen 
oder Firmen angestellt sind und deren Zulassung vom Prinzipal beau- 
flagt wird; Personen, welche vermöge ihrer Amts- oder Diensipfiicht 
dfe BOfse zu besuchen haben. Im übrigen entscheidet das Aeltesten- 
UBegiiiin nach freiem Ermessen; doch steht dem Abgewiesenen die 
Dage bei dem Bezirksausschusse offen (§ 137 des Ges. über die Zu- 
ittodlgkeit der V^erwaltungsbehörden vom 1. 8. 83). Nur sofern der 
Bncbluß einen Fremden oder einen Berichterstatter der Presse oder 
iChUeUlcb Personen betrifft, welche ein Hiifsgewerbe betreiben, ist er 
inaafechtbar. Antragsteller, welche nicht Mitglied der Korporation 
dar Kaufmannschaft sind, müssen eine schriftliche Empfehlung Beitens 
dreier Korporationsmitglieder beibringen. 

Bei der in ihr Ermessen gestellten Zulassung richten sich die Ber- 
Baer Aelteaten danach, ob jemand an dem Börsen bandet ein Interesse 
idaer Lebensstellung nach hat oder nicht; eine Kommission hat diese 
F^e tu jedem Einzelfall zu prüfen. Auch wird neuerdings nachge- 
briuil, ob die als Handlungsgehilfen angemeldeten Personen dies wirk- 
lieh sind; es ist früher unter anderm vorgekommen^ daß jemand sich 
fW befreundeter Seite als Kommis zum Börsenbesuch anmelden ließ, 
^bücilil er garnicht in dieser Stellung stand, vielmehr von Beruf Ge- 
ligeaahiiljdichter war^. 

In Jeioand einmal zugelassen, so kann er nur aus den in den 
BSiieiioiileuDgen festgesetzten Gründen vrieder ausgeschlossen werden. 



%) ITttik Bachvtntiodiffenprotokone der Enqaet«, S* Si04 and seO«. 



166 



Kurt Wiflden i eld, 



Uierio kommen auch die freien Börsen der Hansastädte den übrigeit ' 
ziemlich nahe; auch bierfür mag Berlin als Beispiel dienen. Von selbst 
erlischt da» Zutrittsrecht, sofern jemand in ein Verhältnis gerät, welches 
seine Zulassung verhindern würde. Sonst bedarf es eines AusschließangB- 
beschlusses der Aeltesteu. Dieser kann ergehen 

1) gegen diejenigen, welche erweislich nicht des Börseohandels, 
sondern anderer, demselben fremder Zwecke wegen sich einfinden; . 

2) diejenigen, gegen welche der VerJüst der bürgerlichen Ehren- ■ 
rechte durch ein noch nicht rechtskräftiges Erkenntnis ausgesprochen ist ;^ 

3) diejenigen, gegen welche der Antrag auf Entmündigung ge- 
stellt ist; 

4) diejenigen, welche wegen einfachen Bankerutts rechtskräftig 
verurteilt worden sind oder welche sich im Zustande der Zahlungsun- 
fähigkeit befinden — (dieser Zustand gilt als eingetreten, wenn jemand 
Akkord vorschlage macht oder wenn er eine liquide und fällige Schuld- 
Verbindlichkeit unberichtigt gelassen hat) — 

5) diejenigen, welche in den Börsensälen und Nebenräumen von 
Oeffnußg bis Schließung der Eingangsthüren sich schuldig machen der 
Beleidigung oder Verleumdung eines anderen Börsenbesuchers oder einea 
Korporationsbeamten, der Erre^^'ung von Lärm, der Verletzung des 
Auslandes oder der Zuwiderhandlung gegen eine Anordnung des Bcirsea* 
kommissars^ endlich der Verbreitung falscher Gerüchte, sofern nicht 
ein unverschuldeter Irrtum zugrunde liegt In den Fällen 1) bis 3) 
dauert die Ausschließung so lange, bis der Grund beseitigt ist. Bei 
Bankerutt oder Zahlungsunfähigkeit ist die Ausschließungszeit auf 
3 Monate bis 3 Jahre festzusetzen, mindestens aber so lange, bis der 
Nachweis einer mit sämtlichen Gläubigern durch Zahlung, Erlaß oder 
Stundung erfolgten Regulierung geführt ist. In den Fällen der No, 5) 
ist der Börsenbesucher auf die Zeit von 3 Tagen bis zu 1 Jahre aus- 
zuschließen. Gegen Rückfällige und uuter sonst erschwerenden Umständen 
kann lebenslängliche Ausschließung verfügt werden. — Vor Abfassung 
des Beschlusses ist stets der Beschuldigte anzuhören ; er hat dag^en 
die Klage bei dem Bezirksausschusse. 

Aus den Ausschließungsgrüude« , welche die übrigen Börsenord» 
nungen anführen, sind nur die Stuttgarter anzuführen, da die anderen 
wie gesagt, im wesentlichen den Berlinern entsprechen. Die Stuttgarter 
Landesproduktenbörse entfernt nur diejenigen, welche das Schiedsgericht 
umgehen oder sich nicht seinem Spruche unterwerfen ; die den Jahres- 
beitrag oder Schiedsgerichtsgebühren nicht zahlen, die sich eines not«>- 
risch unehrlichen, chikauösen ^Geschäftsbetriebes schuldig machen, und 
schließlich diejenigen, welche fortgesetzt den Statuten, Satzungen und 
Beschlüssen des Ausschusses entgegenhandeln. 

Die Physiognomie der Börsen iat auch bei weitgehender Ueber- 
einstimmung in den Aufnahme- und Ausschlußbestimmungen eine sehr 
verschiedene ; lokale Eigentümlichkeiten , vor allem die historische 
EntWickelung haben hier mehr Einfluß, als die schärfsten Kontroll- 
maßregeln. Wie es bei einem so großen Verkehr nur natürlich ist, 
zeigt die Berliner Produktenbörse die bunteste Zusammensetzung, wenn 



Dar demtsoha Gatreidabandel. ]g7 

8ie sidi auch noeh sehr zu ihrem Vorteile von der Berliner Effekten- 
Ufse nnteradieidet; neben hochangesehenen, altfundierten Firmen 
•tehoi Neafinge, von denen niemand weiß, was sie gestern waren und 
was sie moraen sein werden, und mit denen jene nur wenig sich ein- 
lassen >). Wie anders sieht es dagegen z.B. in Bremen aus; ohne 
Börsenordnung hat der Stand der Getreidehändler sich hier sehr 
eiklniT erhalten, einem homo novus ist es fast unmöglich, einzu- 
dringen *). Wo auch Landwirte verkehren — in Mannheim z. B. — 
wird das Bild wieder anders. 

4. An all«! Börsen ist dafiär gesorgt, daß die Aufsichtsbehörde 
IUmt die Ihatsächlichen Vorgänge stets gehörig unterrichtet ist. Von 
ihr gewählte Kommissarien müssen beständig zur Börsenzeit auf der 
Börse anwesend sein und haben ftlr die unmittelbare Aufrechterhaltung 
der Ordnmig Sorge zu tragen ; sie sind zur Entgegennahme von Be- 
achwerdcD befugt In Berlin besteht außerdem die sogen. „Ständige 
Deputation der Produktenbörse^', deren Aufgabe in erster Linie die 
Bstsdieidung von Streitigkeiten der Börsenmitglieder ist, die aber 
toeh das Aeltesten- Kollegium in der Festsetzung von Börsenbe- 
diagungea zu unterstfitzen hat; sie wird aus 4 Mitgliedern des 
AetoBten-KoUegiums und 11 gewählten Mitgliedern der Kaufmann- 
schafte-Korporation gebildet*). 

5. Berlin hat dann noch eine bemerkenswerte Eigentümlichkeit, 
mdardi es sich nicht gerade zu seinem Vorteile von den anderen 
FlltaeB unterscheidet. Es besteht nämlich neben der organisierten 
ODd beanfsichtigten Hauptbörse noch die sogenannte Frühbörse. 
Eatstanden aus dem Verkehre der Berliner Händler mit den um- 
iNgenden Produzenten und ursprünglich lediglich ein Getreidemarkt, 
hat sich dieses Institut allmählich zu einer freien Börse entwickelt. 
Die Börsenhändler benutzen sie jetzt weniger dazu, das Getreide an- 
zokaufen, als vielmehr zur Orientierung über die Börsenstimmung 
oad auch direkt zum Abschlüsse von Börsengeschäften, die sich aber 
hier jeder Kontrolle entziehen; die Befugnisse der Börsenkommissare 
erstrecken sich nicht auf diese FrQhbörse, der Zutritt steht jeder- 
mann frei. 

II. Die Zweige des Getreidegroßhandels und die dabei 
beteiligten Personen. 

Selbst in London, das doch sonst in seinen Handelseinrichtungen 
darchaos konservativ ist, hat sich die Scheidung der am Getreide- 
groShandel beteiligten Personen nach dem Felde ihrer Thätigkeit 
Didit aufrecht erhalten lassen; die Grenze zwischen merchant (Egen- 



1) DiflM AosflUiruiigeii, wie auch ein groBer Teil der gsnsen Arbeit berahen aaf 
Mitteiioiigen, welche dem Verfasser persöolich gemacht worden sind. Auch der Auskunft 
mtikrwv Handelskammern Terdankt er manche Bemerkung. 

S) Vergl. auch Lctj Ton Halle: Der f^eie Handelsmakler in Bremen, S. 78 (in 
SchmoOer's Jahrb. 1898). 

S) Handbuch der Berl. Produktenbörse, 1894, S. 186 fg. 



Kort Wiedenfeid, 



h&ndler) und factor (KommissioDär) eioeraeits, zwischen factor uH 
broker (Makler) andererseits verwischt sich immer mehr*)- An den 
deutschen Plätzen ist eine einseitige Thätigkeit noch seltener; bald 
auf diesem, bald auf jenem Gebiete des Getreidehandels ist jede einzelne 
Firma je nach Gelegenheit thätig. 

L Für Deutschland am wichtigsten ist die Ueberführung des bei 
uns selbst produzierten Getreides in den Verbrauch, vor allem die 
Ausgleichung zwischen der Ueberproduktion im Osten und dera Mehr- 
bedarfe im Westen und Süden. Der kleine Händler in der Provinz, 
welcher die Vorräte der Landwirte aufkauft und zu größeren Posten 
vereinigt, führt die gesammelten Mengen dem Großkaufmanne in einer 
der Börsenstädte zu; von hier aus erfolgt dann die Verteiloog auf 
die bedürftigen Gegenden. Vor allem sind es die Danziger, Königs- 
berger und Berliner Händler, welche diese Thätigkeit ausüben; doch 
hat sich unter der Geltung der Staffeltarife das Bestreben entwickelt, 
unter Umgehung dieser Umschlagplätze das östliche Korn direkt nach 
dem westlichen nnd südlichen Deutschland zu versenden. Aber auch 
hierbei sind es die Großhändler, welche den Verkehr ermitteln, Ein 
anmittelbarer Uebergang vom Erzeuger zum Verbraucher findet nicht 
einmal in den Produktionsgebieten selbst statt; der Landwirt hat es 
noch nicht vermocht, sich auch nur für seine nächste Umgebung von 
dem Zwischenhändler zu emanzipieren *). 

2. Der Rest des Bedarfs wird durch den Import gedeckt. 
Äußer Rußland, das in gewöhnlichen Zeiten Hauptlieferant aller Ge- 
treidesorten ist» versorgen uns die Vereinigten Staaten von Nord- 
amerika, Ostindien, Ungarn, Australien, auch Chile, Argentinien und 
Syrien mit Weizen; Roggen wird aus Kanada und der Türkei, Hafer 
aus der Balkan- tialbinsel und Nordamerika bezogen« Gerste kommt 
aus Böhmen und Mähren, Mais von der unteren Donau, der Türkei 
und Nordamerika. Doch ändern sich naturgemäß diese Bezugs- 
Verhältnisse vielfach, je nachdem die inländische Ernte ausgefallen ist 
und sich die Lage der exportierenden Länder gestaltet. Früher be- 
zogen wir alles fremde überseeische Getreide von London; dort war 
das große Vorratsmagazin, aus dem auch Deutschland schöpfte. Jetat 
ist es gelungen, wenigstens mit einigen Exportgebieten, vor allem mit 
Rußland und den Balkanstaaten, direkte Beziehungen anzuknüpfen; 
für amerikanisches und ostindisches Korn ist London auch jetzt noch 
der Vermittlungsplatz ^). 

3. Der Export ist seit der Herrschaft der Getreidezölle sehr 
zurückgetreten ^). W&hrend vorher ein großer Teil des östlichen 



1) Pachl>, Der eugtUcbe OetrcIdebEodel, 1890, S, 2$ fg. 

3) Die ,,ß&IU9cho KorDr«rkiiarS'Qe&05iten»ch*n'S welche di««ts ZieJ ▼•rfolft, 
»ich leider bei deu augflafttigen Zeiteo nicht weiter »uadehoen kdonen. 

3V Vergi. SÄchverst. Prot. 8. 2769 

4) Die AQsftLhr betrag 1880 — 178 170 t Weiteo, 26587 t Roggen 

1884 — 16195 I IT 6 2S6 t „ 

1887 — 412 t „ 314 t ♦, 

1890 — ao6 t „ 193 t ,t 



Der deutsche Getreidebandel. \QQ 

Korns seinen Absatz in SkandiDavien und England fand, bat es natfir- 
lidi die Gebietsabscbließung darcb die Zölle notwendig und einträg- 
lidi gemacbt) das Gretreide innerbalb der Zollscbranken unterzubringen; 
nur unbedeutende Mengen werden noch von Danzig und Königsberg 
ans in das Ausland versandt. Ein Aufschwung ist von der in Aus- 
sidit gestellten Aufhebung des Identitätsnachweises zu erwarten. 

4 Endlich kommt noch der Transitverkehr, d. h. der Durch- 
inhrh&ndel in Betracht. Russisch- Polen benutzt als Ausfuhrhafen 
Danzig; die Billigkeit des Wassertransports — die Weichsel hinab — 
weist ja darauf hin. In Königsberg und Pillau kommt vielfach Ge- 
treide aus den nördlichen . Komdistrikten Rußlands zur Verladung, da 
das Zarenreich bis jetzt noch keinen günstigen Hafen an der Ostsee 
besitzt; Kronstadt ist bekanntlich einen großen Teil des Jahres hin- 
durch dem Verkehr entzogen. Hier droht allerdings dem deutschen 
Handel eine große Gefahr: durch Ausbau des Liebauer Hafens und 
dnich Gewährung billiger Eisenbahntarife sucht sich Rußland selb- 
ständig zu stellen. 

Im sQdlichen Deutschland sind Mannheim und München Transit- 
plätze; der schweizer Import wird zum großen Teile von hier aus 
besorgt. 

5. Alle Geschäfte, welche mit dem Ausland geschlossen werden, 
sei es zum Import oder zum Export oder zum Transit, gehen auf 
eigene Gefahr und Rechnung des deutschen Händlers; in dieser 
Btehtong sind keine Kommissionäre im rechtlichen Sinne thätig, 
vor allem der in London so vielfach auftretende Konsignatär, d. h. 
der mit überseeischem Getreide auf fremde Rechnung handelnde Kauf- 
mann fehlt in Deutschland ganz ^ ). 

Der Kommissionshandel beschränkt sich auf den internen Umsatz 
und ist auch da im effektiven Verkehr nur geringfügig. Sein Haupt- 
gebiet ist das Termingeschäft; hier vermittelt er die Geschäfte der 
Dicht zur Börse gehörigen Personen und vor allem den Verkehr 
zwischen den einzelnen Börsen. Am zahlreichsten sind sie daher in 
Berlin, unserer bedeutendsten Terminbörse, vertreten. Firmen, die 
nach außen zunächst als Bankiers erscheinen, sind vielfach Kommissionäre 
im Getreidehandel und die großen und kleinen Getreideürmen sind 
alle zugleich Kommissionäre. Mit Unrecht werden aber die Kaufleute 
so genannt, welche in regelmäßiger Geschäftsverbindung den Groß- 
grundbesitzern ihr Getreide abnehmen; diese treten stets selbst als 
Käufer auf und bringen das Korn auf eigene Rechnung und Gefahr 
in Umlauf'). 

6. Außer den Händlern sind noch die Leiter der großen Handels- 
mahlen, soweit sie an dem Börsenplatze ansässig sind, regelmäßige 
Besucher. Die Landwirte beteiligen sich unmittelbar verhältnismäßig 
wenig an dem Börsenhandel, nur an den süddeutschen und säch- 



1) Ttrgl. SaehTerst. Prot. S. 2441. 

t) Dm Eigentflmlichkeit dlMes Verkehrs bestobt darin , dafs der Kaufpreis nicbt 
ibsotot bestimmt, sondern dafs der Bdrseopreis dafür in Besag genommen wird. 



170 



Kurt WUdenfeld, 



sischeB Plätzen machen sie ihre Abschlüsse in Person, meist be 
sie sich für ihre Tcrmtogeschäfte eines Kommissionilrs, während sifti 
ihr effektives Getreide an die Saniinelhändler in der Provinz abgeben; 
einige wenige stehen auch in direkter Beziehung zu einem Groß- 
kaufmann. 

7. Es ist nun noch eine Personengruppe zu besprechen, welche 
dem Handel unentbehrlich, ihrer notwendigen Funktionen wegen aber^ . 
dringend einer Reform bedürftig ist: die Makler Wir unter scheidai^l 
an den deutschen Börsen die vereideten Hanclelsmakler und die freiei^l 
Makler; jene haben besondere reichsgesetzlich und durch Makler- 
Ordnungen aufgestellte Rechte und Pflichten, diese sind unbeschränkte 
Vermittler der innerhalb einer Börse geschlossenen Geschäfte, 

Nach Art 66 des Handelsgesetzbuches sind die Handelsmakler 
(Sensale) amtlich bestellte Vermittler für Handelsgeschäfte; sie leisten 
den Eid, daß sie die ihnen obliegenden Geschäfte getreu erfüllen 
wollen. Die Anstellung erfolgt in der Regel durch den Börsenvorstand, 
beziehentlich die beaufsichtigende kaufmännische Korporation, nur in 
Stuttgart durch den Gemeinderat; in Preußen hat der Kegierungs-^ 
präsindent (in Berlin der OberpräsidentX in Sachsen der König dilfl 
Anstellung zu bestätigen. Sie müssen unbescholten, zuverlässig tiod^ 
in ihrem Fach erfahren sein. Sie stehen unter der Disciplinargewalt 
der sie anstellenden Behörde; Strafen sind Verweis, Geldbuße und 
zeitweilige Ausschließung von der Börse, Von der ihnen nach § 6ft 
der Berliner Maklerordnung zustehenden Befugnis, den Handelsmaklero 
feste Plätze anzuweisen und zur Kontrolle Börsensekretäre neben sie 
zu stellen, haben die Berliner Aeltesten im Produktenverkehr bisher 
keinen Gebrauch gemacht. 

Das wichtigste Recht der Handelsmäkler ist die Mitwirkung bei 
der Kursfeststellung; die ihnen früher vielfach zustehende Berechtigung 
der alleinijj;en Geschäftsvernjittelung ist jetzt überall aufgehoben. Zahl- 
reich sind die ihnen obliegenden Pflichten, Sie dürfen nicht auf 
eigene Rechnung oder als Komraissioiiäre Geschäfte abschließen, auch 
sich nicht für die Erfüllung verbindlich machen; sie müssen ihre Ver* 
richtungen persönlich und ohne Gehilfen betreiben; sie dürfen nur von 
Anwesenden Auftrage entgegen nehmen. Sodann haben sie ein Tage- 
buch zu führen» in welches täglich die vermittelten Geschäfte unter 
Angabe der Kontrahenten, der Zeit des Abschlusses, der gebändelten 
Menge und des Preises einzutragen sind. Einige weniger wichtige 
Obliegenheiten treten noch hinzu. 

Der Verkehr hat sich jedoch von den Handel maklern abgewandt 
In den Hansastädten sind sie daher schon ganz abgeschafft, und an den 
übrigen Börsen ist ihr Dasein kein glänzendes, soweit sie überhaupt 
noch vorhanden sind — von Breslau ist, wie erwähnt, der letzte 1892 
verzogen und in Stettin giebt es auch keinen mehr*). Die lawt_ 



1) Sftcbverst Prot. S. 2386. Zu bemerken ist^ dars oacb den AoBMgeo der 
llii«r Sachverttändtgea nur etWA i/^^ — >/^^ dir TermiDgescbftfte darcli verdd. Mi, 
▼ermittelt werden. 



Dw deutsche Oetreidehandel. m 

mimuscheD SachveiBtäDdigen der Enquete haben sich daher fast ein- 
stimiDig ipsgesa die Bdbehaltiing der vereideten Makler in ihrer heutigen 
Ofganisation ausgesprochen ^). 

Die Schwierigl^it liegt vor allem in dem Verbot, Gesch&fte fttr 
eigeae Rechnung zu machen, während das Vermittelungsmonopol auf- 
gehoben ist Wie der Verkehr sich heute entwickelt hat, will der 
(Merent sofort wissen, ob ein Abschluß möglich ist; er will auch oft 
niAt sogleich erk^nen lassen, welche Stellung, ob die des Käufers 
oder des Verkäufers, er einzunehmen beabsichtigt Wendet er sich an 
eincD Tereideten Makler, so ist ihm nicht gedient; dieser mufi ja erst 
den Gegenkontrahenten suchen und finden und dazu wissen, ob der 
Offisreot kaufen oder verkaufen will. Der freie Makler dagegen über- 
Bimsit das Geschäft selbst, der Händler braucht daher nicht mit der 
Frage, kann ich zu dem und dem Preise kaufen oder verkaufen, an 
ihn heranzutreten; er erkundigt sich vielmehr nur, zu welchen Preisen 
tAeriiaupt ein Geschäft zu machen ist, und erhält dann die Antwort, 
^ch nehme zu dem und gebe zu dem Preise'S Aber auch, wenn der 
Händler mit einer offenen Offerte an den freien Makler herangeht, 
ichfieSt dieser das Geschäft in der Regel fttr sich ab; er rechnet 
darauf, auch seinerseits einen Gegenkontrahenten zu finden, und braucht 
<khar jenen ersten Händler nicht in Ungewißheit zu lassen. 

Allerdings muß bei der Vermittlung durch einen freien Makler 
darauf verzichtet werden, daß der Vertrag offiziell bei der Preisnotiz 
bcrteksiditigt wird; aber oft entspricht dies aus SpekulationsrQck- 
sichten nur dem Wunsche der Parteien, sonst kann auch leicht durch 
eise Mitteilung an den BOrsenkommissar eine Einwirkung auf die 
Notiz erwirkt werden. 

Die vereideten Makler sind daher mit ihren vielen Pflichten und 
geringen Rechten sehr im Nachteil gegenüber den unbeschränkten 
Pfnschmaklern ; die von ihnen vermittelten Umsätze sind nicht be- 
deutend und ihr Einkommen, das doch im wesentlichen aus der 
Kourtage besteht, nur gering ^). Es ist demnach nicht zu verwundern, 
daß vidfach Strohmänner seitens der Makler gehalten werden, welche 
im Auftrage und auf Rechnung dieser — gegen das Verbot — als 
Gegenkontrahenten auftreten ; der Schein ist dann gewahrt, der Makler 
kun aber sofort seinem Auftraggeber Bescheid geben, da der Stroh- 
Muin ja nur nach seiner Instruktion handelt. Daß eine ganze Anzahl 
dber Händelsmakler mit Hilfe solcher Strohmänner arbeiten, ist an 
der Börse ein offenes Geheimnis^). 

Aber selbst bei dem besten Willen, eigene Geschäfte zu ver- 
meiden, kann bei der heutigen Art der Kursfeststellung ^) ein Handels- 
makier in die Lage kommen, selbst übernehmen zu müssen, wenn er nicht 



1) Vergl. syttemat. SachregUter der Enquete, 8. Teil, tu Frage 13. 

t) Et ist daher vorgekommeo, dafs vereidete Makler in BerÜD am die Erlaobois 
fcbeten haben, neben ihrem Maklergewerbe noch Agentaren und dergl. betreiben zu 
4ürfeo (Sachrerst Prot. S. 8578). 

3) Vergl. Sachyerst. Prot. S. 2578. 

4) Darflber später. 



172 Kurt Witdenfeld, 

anders seine ganze Existen?. gefährden will. Ein Beispiel: Ein MakleT 
erhält den Auftrag, eioen Posten Getreide zu verkaufen nicht unter 
150 M.; er kann zu diesem Preise keinen Käufer finden. Bei der 
Kursnotiz ergiebt sich^ daß irgend jemand dem amtierenden Kommissar 
aberzeugend nachgewiesen hat, daß er zu 150 M. ein Geschäft abge- 
schlossen hat; dieser Preis kommt also zur Notiz. Will nun jener 
Makler nicht seine ganze Kundschaft verlieren, so ist er gezwungen, 
zu diesem Preise abzunehmen, und alles, was er zur Milderung dieser 
Gesetzes- und Eidesverletzung thun kann, ist, daß er sofort a tont 
prix weiterverkauft *). Hierin liegt doch zum mindesten ein Gewissens- 
zwang der bedenktichslen Art. 

Aber auch die Vorschriften über die Führung des Tagebuches 
gehörig zu beachten, ist dem Handelsmakler sehr schwer und bei | 
Häufung der Geschäfte ganz unmöglich. Die Namen der Kontrahenten, ' 
sowie die Mengen und Preise wird er sich allerdings im stärksten 
Gedränge notieren können uod zur Unterstützung seines Gedächt- 
nisses notieren müssen, aber nicht auch den genauen Zeitpunkt des 
Abschlusses. Eine Angabe nach Stunden hat wenig Zweck; innerhalb 
kürzerer Zeiträume schwankt der Preis, Nach Minuten aber die Notiz 
zu machen, geht bei starkem Betriebe nicht an. 

Alles dies drängt zu einer Beseitigung der beutigen Makler- 
organisation. Es wird später zu untersuchen sein, wie man auch ohne 
den vereideten Makler zu einer glaubwürdigen Preisnotiz gelangen kann. 

Der freie oder sogen. Pfuschmakler hat nur die Pflicht, sein Ge- 
werbe anzuzeigen (Gewerbeordnung § 35); wenn er sich als unzuver- 
lässig erweist, ist ihm der Betrieb zu untersagen. Andere Schranken 
sind nicht gezogen; vor allem untersteht der freie Makler der Börsen- 
disziplin nicht mehr, wie jeder andere Besucher auch. Zahlreich ist 
daher diese Klasse, und nicht wenige „katilinariscbe Existenzen*' halten 
sich durch Verniittterthätigkeit über Wasser. Die Folge ist ein ständiges 
Unterbieten in den Kourtagesätzen und eine Folge hiervon die Not- 
wendigkeit, durch kühne Spekulationen das Einkommen zu Ter« 
mehren. Der Reiz und die Gelegenheit zu Wagnissen, liegt schon in 
der Art, wie die freien Makler die Geschäfte vermitteln; da sie doch 
einmal übernommen haben, so ist es verführerisch, nicht sogleich den 
Gegner zu suchen, sondern einen günstigeren, noch besonderen Ge- 
winn verheißenden Moment abzuwarten. Die Provision verdienen sie 
ja auf jeden Fall In der Reihe der freien Makler finden sich daher 
auch die stärksten Jobber, die planlos bald in dieser, bald in jener 
Richtung der Spekulation ihr Glück versuchen *) — die Wirkungen 
zeigen sich beim Termingeschäft* Hat ein Makler falsch gerechnet 
und seinen Verpflichtungen nicht nachkommen können, so wird er von 
den geschädigten Auftraggebern noch möglichst lange gehatt43n; durch 
die lim stets zukommende Kourtage können die Verluste allmähltj^ 
gedeckt werden. 



3) VargL SaGhYer»t Prot. S. 5469. 

4) Vergl, t^l^^t" TerminhaDdef^S SonderAbdmck las der Hamburgiftcben BdrsentiAU« 
1092« 3. 26 



Der daattcha GetraidebMidel. 173 



III. Die Geschäftsformen. 

Die FormeD, in denen sich der deutsche Getreidegroßhandel bewegt, 
siDd die des allgemeinen internationalen Handels; sie schließen sidi, 
wie es bei der Entwickelang gerade des Getreideverkehrs natürlich ist, 
besonders eng dem euglisdien Geschäftsgange an ^). Entweder wird 
anf sofortige Erfüllung, loco, gehandelt, oder die Lieferung der Ware 
folgt dem Vertragsabschluß erst nach längerem Zeiträume (Lieferungs- 
gOKh&ft i w. S.). Hier unterscheiden wir wieder Verträge über Ge- 
treide, welches bereits unterwegs — rollend oder schwimmend — ist, 
Yortrfige Ober lagerndes und demnächst zur Verladung kommendes 
Korn und endlich Verträge über die Lieferung zu bestimmter Zeit; 
eine Unterart dieser letzten Gattung, des Lieferungsgeschäfts i. e. S. 
ist das Termingeschäft. 

Die Geschäftsformen sind nicht plötzlich und willkürlich von den 
Interessenten aufgestellt; wir haben es hier mit einer langfam fort- 
schreitenden EntWickelung zu thun *), die sich in jedem Fache des 
Handels wiederfindet. Der ursprüngliche Kontrakt ging nur über Ware, 
die bereits am Erfüllungsort vorhanden ist und von deren Beschaffen- 
hdt sich daher der Käufer überzeugen kann. Allmählich kam man 
darauf, unterwegs befindliche Sachen, deren Qualität man nur aus 
Proben ersehen konnte, zu verkaufen; der Schritt, auch lagerndes 
Getreide zu handeln, war nicht weit Schließlich sah man von der 
individuellen Bestimmung der Ware ab; nach feststehenden Mustern 
veri^ichtete sich der Verkäufer bis zu einem bestimmten Zeitpunkte 
m liefern. Ein Einheitsmuster stellte dann der Terminhaodel auf. 

Die Entwickelung ist durchaus planmäßig. Zunächst handelte es 
sich darum, die in einem Engagement festgelegten Gelder möglichst 
sdinell wieder zu neuer Arbeit frei zu bekommen und den Zeitraum 
zwischen Produktion und Verwertung einer Ware zu verkürzen ; deshalb 
Keß man den Verkauf dem Einkauf rasch folgen und schließlich vor- 
angeben. Gleichzeitig wurde durch die Aufstellung erst mehrerer, dann 
dnes Einheitsmusters die individuelle Ware generalisiert und durch 
die Fixierung fester Vertragsbedingungen den Abschlüssen das persön- 
liche Moment genommen; beides diente zur Erweiterung der Bezugs- 
und Absatzmöglichkeit 

1. Bei dem Platzgeschäft oder, wie es auch genannt wird, 
Geschäft mit prompter Ware, loco-Geschäft, muß das Getreide zur 
sofortigen Lieferung bereit liegen. Es wird ab Bahn, ab Speicher, ab 
Kahn oder auch ab Fuhre gehandelt, je nach dem Ort, an dem der 
Käufer abzunehmen hat; es wird bei der Empfangnahme bar bezahlt. 
— Diese Geschäfte bilden die Regel in dem Verkehr zwischen unserem 
einheimischen Landwirt und seinen Abnehmern; doch sind sie natur- 
gemäß auch im inneren Börsenverkehr nicht selten. In Berlin werden 



1) Vergl. Fachs a. a. O., S. 81 fg 

2) Vergl. SAchyanUadigenprotokoU, S. 82S4fg., 2429 fg. 



174 



Kflrt Wied e ti f«t 



sie tum größten Teil, jedenfalls in weit bedeuteoderer Zahl als 

rend der offiziellen Börse an der uDkoDtrollierten Frühbörse geschlosseiLl 

2. Zahlreicher sind die Lieferungsgeschäfte. Als „rol- 
lend** oder j^schwimmend** bezeichnetes Getreide muß zur Zeit de 
Vertragsschiusses bereits der Eisenbahn oder dem Schiffer zum Traai 
port übergeben sein *). Rollende Transporte kommen aber fast nti 
im inneren Verkehr vor; bei ausländischem Bezug muß der billiger 
Wasserweg benutzt werden. In der Regel wird das überseeische Kor 
zunächst nach einem Orderhafen*) dirigiert und vor oder bei de 
Ankunft in diesem Hafen weiter verkauft; dort erhält der Schiffer 
dann die Anweisung, wohin er sein Fahrzeug führen und abladen soll 

Trotz dieser Transport körzung ist bei den Schwankungen de 
Getreidepreise auch diese Form des Kaufes noch mit einem bedeutend 
den Risiko verbunden; zwischen der Abfahrt des Schiffes von dem^ 
Verladungsort und der Ankunft im Orderhafen liegen Wochen und 
Monate, welche bedeutende Aenderungeu in den Preisen mit sich bringea 
können. Nur gut fundierte Häuser vermögen diese Gefahr zu rrageiufl 
und es wird daher auch bei uns^) immer mehr üblich „auf Abladung**^ 
zu verkaufen. Das Korn wird dann der Gefahr einer Seefahrt nicht 
aasgesetzt, ohne daß seine preiswerte Abnahme gesichert ist; es wird 
lagernd mit der Verpflichtung verkauft, daß es binnen kürzester Frist 
(nach den verschiedenen Börsenusaucen differierend) zur Verladung 
gebracht wird. Das Risiko eines Preisfalls und des Transports gebt 
auf den Käufer über. 

In den Einzelbestimmungen dieser Kontrakte über überseeisches 
Getreide richtet sich der deutsche Handel ganz nach seinem englischen 
Vorbilde. Auch bei uns bürgert sich das Cife- Geschäft, d. h. der Vertrag, 
nach welchem der Verkäufer auch die Fracht- und VersicherungsgebObr 
(cost, freight und insurance) zu leisten hat, mehr und mehr ein. 

Die Zahlung des Preises erfolgt schon gegen Aushändigung der 
Dokumente, welche zur Verfügung über die Ware berechtigen; das 
sind Konnossement und Versicherungspolice. Diese Papiere werden nach 
vollendeter Verladung mit der Post abgesandt, erreichen also den Be- 
stimmungsort weit früher als das Frachtschiff. Der Käufer zahlt daher 
entweder bar mit einem Abzug von 3 Monat Diskont oder er giebt eia 
Accept gleichen Ziels. Die Dokumente gehen dann von Hand zu Hand« 
und ihr Umlauf ersetzt durchaus den des Getreides selbst. 

Die Qualität wird nach einer individuellen Probe bestimmt oder 
nach Londoner Standardmuster und, soweit amerikanisches Getreide 
in Frage kommt, nach den Graden eines der dortigen Elevator&ysteme *). 
Die erste Form, der Handel nach Probe, ist die einfachste und ur- 
sprüngliche; sie vermeidet zwar leichter den Streit über die Vertrags* 
mäßigkeit der gelieferten Ware, ist aber auch sehr umständlich and 



1) Verg^l BiiDdbuch der Berlioer Prodalcfetibdrtef 1894« 8. 89. 

S) Solche Häfeo sind für dms öitliche Getreide MalU aod vor «llem OibnklUr, flkr_ 
dms weltliche die BMen der BQd«Dj(]i»chce KQfte. 

3) In Ed Irland i»t es ebeoio (Fachs). 

4) VergL hTerQb«r SeriDg, Die lAndwirtscbemicbi RookiUTe&i NoFd*Ameiik«a« 



Dar deotseha Getraidthandel. ^75 

erkuibt nur einea langsamen Umsatz, so daß bei ans sogar das wech- 
Rlnd ausfallende russische Gretreide lieber nach Gewichtsgrenzen als 
■ach fester Probe gehandelt wird. Die zweite Art kämpft mit der Schwie- 
rigkdt einen festen Standard herzustellen. New- York hat in seinen 
Bevators eine nach der Ernte innerhalb gewisser Grenzen wechselnde 
Qradierang, Chikago dagegen einen an veränderlichen Maßstab, in den 
jede Ernte eingereiht wird. Welches System soll man wählen; wonach 
Mdlen vor allem aach die Londoner Standardmaster aufgestellt werden ? 
Und doch ist ein schneller Umsatz heute dermaßen Lebensfrage des 
Geirddehandels, daß man lieber die mit dieser Unsicherheit verbun* 
dmen ünzatrftgiichkeiten erträgt, als zum Handel nach Probe zurück- 
greift. 

Die Versicherung erstreckt sich außer auf den völligen Verlast 
der Ladung häufig auch auf eine Beschädigung durch die Fahrt bis 
a 10 Proz. des Wertes. Die sonstigen Wertminderungen tragen die 
Burteien, je nach besonderer Abmachung der Käufer oder Verkäufer 
mit oder ohne Preisnachlaß ^). 

3u Der Käufer aus einem derartigen Vertrage schließt zu seiner 
Deckung einen Lieferungsverkauf in e. S. ab; er verpflichtet sich zu 
bntimmter Zeit einen Posten Getreide zu liefern. Er kann sich unge- 
fthr berechnen, wann die von ihm gekaufte Ladung den Bestimmungs- 
ort erreichen wird, und bestimmt danach den Zeitpunkt seiner Liefe- 
roagsverpflichtung. Da aber die Ankunft eines Schifles sich nicht auf 
4m Tag vorher angeben läßt, so ist eine Frist üblich, innerhalb deren 
die Lieferung zu erfolgen hat; der Verkäufer hat dann die Wahl, an 
iridiem Tage dieses Zeitraumes er seiner Verpflichtung nachkommen 
w3L Der Vorteil dieser Geschäftsart liegt für den Verkäufer darin, 
dal er das Risiko des Absatzes und des Preisrückganges abwälzt; der 
Känfer sichert dagegen den Bezug. 

Technisch eine Unterart des Lieferungsgeschäfts bildet das Termin- 
geschäft, das auch allmählich an die Stelle jenes tritt. Es unter- 
scheidet sich nur dadurch, daß die wichtigsten Vertragsbestimmungen, 
mit Ausnahme der Preisabrede, dem Parteiwillen nicht unterliegen, 
ein für alle Mal durch Börseousance fixiert sind. 

Eine aasführliche Besprechung dieses so vielfach angefochtenen, 
nabezweifelt äußerst wichtigen Geschäftszweiges und des eng damit 
verbundenen Kommissionshandels wird später folgen. Es bleiben noch 
einige Einrichtungen der Börsen zu besprechen, welche zur Erfüllung 
ihrer allgemein volkswirtschaftlichen Aufgabe getrofiien sind — die 
Vmsnotiz — und die der Erleichterung des Verkehrs dienen sollen 
— Sachverständigenkommissionen und Schiedsgerichte. 

IV. Einzelne Börseneinrichtungen. 

L Zwar sind die Börsen, wie im § 1 der meisten Ordnungen zu- 
treflfend gesagt ist, zur Erleichterung des Handels gegründet und daher 



1) Dto Biotelheiten sind geaaa die der englischen Kontrakte. Vergl. Fuchs (a. a. O., 
S. 87)t dar hier ftbarhaopt snr Ghrondlage dient. 



176 



Kart W!«deD fe Id, 



iD erster Linie verpflichtet, bei ihren Einrichtungeii die Handels^ 
interessezi zu berücksichtigeo. Ihr Einfluß erstreckt sich aber weil 
über diese Kreise binaus, sie haben sich zu schwerwiegenden Faktorea 
der allgemeinen Wirtschaft entwickelt, und vor allem sind es die er- 
zielten Preise, welche die Aufmerksamkeit auf sich lenken. Nicht nur 
die Börsen unter sich richten sich in ihren Preisen nach einander — 
für Deutschland ist Berlin der Mittelpunkt; das Treiben an den i 
anderen Plätzen wird erst lebhaft, wenn das Telegramm mit d^M 
Berliner Notierungen eingelaufen ist, und man beginnt und scblieJtff 
daher meist etwas später als in der Hauptstadt. Auch im Verkehr 
zwischen den Landwirten und den aufkaufenden Händlern ist der 
Börsenpreis maßgebend, und meist wird der Kaufpreis nur durch eine 
Relation zum — in der Begel höchsten bezahlten — Börsenpreis aus- 
gedrückt. 

Es ist daher notwendig, daß auch anßerhalb der Börse stehende 
Kreise die Preise erfahren. Diesem Bedürfnis kommt man durch die 
Preisnotierung entgegen. 

Leider fehlt es hier an einheitlichen Gmndsätzeu. Während die 
meisten, darunter alle preußischen Börsen die Notiz durch börsen- 
amtlich bestellte Kommissare feststellt' n lassen, ist sie an andercD 
Plätzen, vor allem in den Hansastädten, ganz privaten Ursprungs. 
Ihre Genauigkeit läßt in beiden Fälleu viel zu wünschen übrig. 

I* In Berlin ist das Verfahren so geregelt, daß sich am Schlosse 
der Börse, um 2 Uhr, die vereideten Makler mit dem amtierenden 
Bör.'^enkommissar io das Kurszimmer zurückziehen und unter Au^h 
schliißung aller übrigen Persönlichkeiten die Preisnotierungen fest^ 
stellen. Das Material, auf das man sich stützt, sind zunächst die von 
den vereideten Maklern selbst vermittelten Geschäfte; sie sind ver- 
pflichtet, auf ihren Eid sie wahrheitsgemäß anzugeben. Außerd^n 
haben sie sich auch über die sonsti^^en Abschlüsse zu informieren, um 
ein mö^^lichst getreues Bild der Markttage geben zu können. Die 
Makler sind aber nur Gehilfen des Kommissars; dieser trägt die Ver- 
antwortung für die Notiz und hat daher auch Über sie zu entscheidea 
Auch er erkundigt sich während des Börsenlaufes über die abge- 
schlossenen Geschäfte; er htßt sich vor allem von den freien Maklern 
ihre Bücher zeigen und fragt auch die Kontrahenten selbst — nur ist 
niemand verpflichtet, ihm Auskunft zu geben, wahrheitswidrige An* 
gaben werden allerdings mit zeitweiliger Ausscbiießung geahndet, und 
ein großer Teil der Geschäfte kommt bekanntlich unter lautem Geschrei 
zustande. Außerdem machen die Parteien selbst, auch unaufgefordert, 
vielfach Mitteilung von ihren Preisen; besonders den Kommissionären 
liegt daran, die von ihnen erzielten Abschlüsse in der offiziellen Notiz 
vertreten zu sehen, da sie sich den Kunden gegenüber nur hierdurch 
rechtfertigen können. 

Trotz alledem ist das Material nur unvollständig und unzuver- 
lässig. Zahl reiche Kontrakte kommen in der Notiz eicht zum Aus- 
druck; entweder die Parteien haben ihre Engagements auch dem 
Kommissar gegenüber nicht aufdecken wollen uud daher auch dem 



D«r deotiolie Gatreidefauid«!. 



177 



fennittelDden freien Makler jede Mitteilung untersagt, oder sie haben 
sich Dicht um die Notiz bekümmert, und der Eommissar hat auch 
«mst keine Kenntnis erhalten. Sodann fehlen und müssen nach den 
BestimiDungen der Börsenordnung fehlen die umfangreichen Abschlüsse 
der Frühbörse; hier ist im Effektivgeschäft der Umsatz nicht gering 
and Termingeschäfte werden, wenn auch in geringer Zahl, ebenfalls 
dort abgeschlossen, so daß hier ein offenbarer Mangel vorliegt 

Üüler diesem Material hat der Kommissar zu sichten, keine leichte 
Aofgabe an sich und erschwert durch das Bewußtsein des umfassenden 
Einflusses der Berliner Preisnotiz, Feste Regeln, nach denen der 
Kommissar die Notierung zu leiten bat, sind nicht aufgestellt; er ist 
I ganz auf sein Urteil angewiesen. Vor allem steht er vor der Frage, 
loU die Preisnotiz möglichst alle thatsächlich abgeschlossenen Ver- 
trtge umfassen, oder soll sie ein Bild der allgemeinen Marktlage eines 
Tages geben? Je nachdem er sich diese Frage beantwortet, wird er 
oSäbaren Spekulationsmanövern Einfluß gewähren oder nicht Nicht 
mmal innerhalb derselben Börse herrseben hierüber einheitliche Grund- 
sitze, wenn auch die Mehrzahl, besonders der Berliner Kommissarien« 
die zweite Ansicht vertritt'). Wie wichtig aber die Auffassung des 
jeweiligen Leiters der Preisfeststellung ist, ergiebt sich schon daraus, 
dat Tiele Kommissionäre aus spekulativen Rücksichten zu gewissen 
Preisen Geschäfte — thatsächlich oder fiktiv — abschließen, lediglich. 
Bin ihren Kunden gegentiber eine bestimmte Notiz zu erzielen; das 
Beispiel von dem wider Willen eintretenden Handelsmakler ist auch 
«i Beleg. 

Wie es bei den zahllosen kleinen Unterschieden in der Qualität 
des gebändelten Getreides nicht anders möglich ist, giebt die amtliche 
Prdsfeatstellung auch für den loco-Handel nicht eine Einbeitsnotiz ; 
€s werden nur die niedrigste und höchste Grenze, sowie der Durch- 
icfanittspreis der Lieferungsqualität und einiger besonders gesuchter 
Sorten angegeben *y Entscheidend ist daran die Notierung des Preises 
der Liefertingsqualität , die generelle Angabe gewinnt dadurch über- 
laopt erst einen Wert Diese Qualität steht ein für alle Mal fest und 
iit daa Landwirten bekannt, so daß sie sich aus ihrem Pretsstande 
■flgefiUir den für das eigene Korn zu erzielenden Preis innerhalb der 
geMrelleo Grenzen zu berechnen vermögen. Ohne eine derartige An- 
gtim hat der Produzent gar keine Kontrolle; er erfährt ja nicht, 
wddie Qualitäten gerade an einem Tage umgesetzt sind, und in der 
allpfDeinen Notiz ist die beste und schlechteste Ware enthalten ^), 

Die Notiz der Terminpreise giebt nur den Gang der Preisbewegung 



I) T«rgL die Ausi«g«n d«r als S&chTeratJLDdg. TerDommeoeu Kommissariea su 
!• 10. 
i) Der «iDÜich« Prebssttel rom 19. Aag^aat 1893^ der gBrade vorliegt, leuttt e. 6. 
ttigjfea! U>eo 130 — 140 U. nach QuaUtäC, Lieferung«qaalitit 136 M. ; rtasiacher — 
fttter ftlter und neuer 136 — 137 üb Bahn bea., September-Oktober 138|25 k 
tia^ h US V. hex. 0, ». w. 

a) la di«Mm Punkte leigt steh die Wichtigkeit det itMitnebeii Elnfluaseei dl« 
MfarMf 4m LiefemDgiqtiatitAt erfolgt auf Veranlessang der Regiernng. 

ic ni (Lxn). 12 



178 



Kttft Wi«dftiif»ld< 



an, ©hne aber bestimmte Zeitabschnitte im Auge zu haben und obne 
jede Rücksicht auf die zu den au gesetzten Preisen gebändelten Mengen. 
In dem Beispiel der Anmerkung 2 S. 177 bedeutet die Notiz: zu Begion 
der Börse wurde auf September-Oktober- Termin für 1000 kg 138,25 M, 
bezahlt, im Laufe der Börse — wann, ist unbestimmt — stieg der 
Preis auf 138,5 M. und fiel schließlich wieder auf 138 '/g M. Nur 
durch ein Zurückgehen auf die Maklerböcher und auch dann nur mit 
großer Vorsicht, ist die Angabe des ungefähren Zeitpunktes, wann 
einer der notierten Preise herrschte, möglich; die Feststellung der 
dazu verkauften Mengen ist überhaupt nicht möglich ') — ein Mangel, 
der sich im Kommissionshandel drückend fühlbar macht. 

Für die sonstigen Lieferungsgeschäfte findet eine Preisnotierung 
nicht statt; sie ist bei der Mannigfaltigkeit dieser Verträge nicht 
möglich uad ohne Interesse. 

Dem Berliner Verfahren schließen sich im wesentlichen die Börsen 
an, an denen noch vereidete Makler fuogieren. Köln macht insofern 
eine Ausnahme^), als lediglich die von den Handelsmaklern ver- 
mitteiten Geschäfte berücksichtigt werden und auch nur „insoweit sie^ 
angemessene Quantitäten zum Gegenstande haben, resp. das im Börsen-B 
verkehr übliche Quantum erreichen^S Dieser Zusatz erhebt etwas zum 
Prinzip, was in Berlin thatsächlich auch geübt wird. 

2. An den Börsen, wo die vereideten Makler fehlen, ist der Börsen- 
kommissar noch mehr wie in Berlin auf die Beobachtungen und Mit- 
teilungen angewiesen, welche ihm aus der Mitte der Börsenbesucher ge- 
macht werden. Man hat deshalb in Danzig und Stettin dazu gegriffen, zu 
bestimmten Zeiten durch öffentlichen Aufruf die Preise festzustellen; 
die Interessenten versammeln sich dann um den Kommissar, und unter 
gegenseitiger Kontrolle, jedoch ohne Zwang, werden die vereinbarten,^ 
Preise angegeben. In Breslau fungieren 2 Kommissare bei der PreiS'fl 
feststeltung; zu ihrer Unterstützung werden, da vereidete Makler 
fehlen, von der Handelskammer Per&onen aus dem aktiven Händier- 
stande herangezogen. 

In den Hansasiädten findet eine amtliche Notierung der Getreide- 
preise Überhaupt nicht statt; die privaten Aufzeichnungen beruhen 
auf den Beobachtungen ihrer Veranstalter, sie enthalten die Grenzea^ 
der loco-Preise. fl 

6. Stuttgart, dessen Getreideumsatz bekanntlich nicht sehr be- 
deutend ist, hat das amerikanische System angenommen^); alle Ver* 
träge müssen in ein ßörsenbuch eingetragen werden, Käufer und Ver- 
käufer sind zu der Angabe verpflichtet. 

In der äußeren Erscheinung der Preisnotiz ist leider auch keine 
Einheit; die eine Börse notiert für eine Einheit von 1000 kg, andere 
nur nach 100 kg, einige sogar noch nach den holländischen Maßen, 



1) VtTgl Sachverst-Prot. 8, 2310. 

t) KOIoer BdraeQordntmg § 7. 

3) SUtnton der Stuttg* LAndttAprodaktooliorse § II. 



Der deatftcbe Oetreideh&Ddel. 



179 



U. Schließlich siBd noch die Einrichtungen zu besprechen, welche 
Too den Börsen zur Entscheidung etwaiger Streitigkeiten getroffen sind. 

Wird die Qualitä^t der gelieferten Ware — spätestens am Tage 
nach der Lieferung — bemängelt, so treten Sachverständigenkommis- 
sionen in Aktion. Zu diesem Zwecke werden von den Börsen behörden 
auf eine Anzahl Jahre Experten ernannt, aus denen im Einzelfall die 
Urteiler genommen werden. In Preußen unterliegt die Ernennung der 
Bestätigung durch die Regierung ; Berlin hat sich 1888 nach heftigem 
Streit mit dem Handelsministerium (unter Bismarck) verpflichtet, die 
Sachverständigen möglichst aus den Firmen zu wählen^ welche sich in 
der Regel nicht am Termingeschäft beteiligen. Die Benennung für 
den Einzelfall liegt bei dem Bönsenvorstand^) oder bei dem Vor- 
sitzenden des Gremiums; sie geschieht in Berlin*) nach bestimmter 
Reihenfolge, sonst durch das Los. Meist 3, in Berlin auf besonderes 
Verlangen bei dem Termingeschäft auch 5 Sachverständige entscheiden 
über die Vertragsmäßigkeit des Getreides nach ihrem besten Wissen; 
zur Feststellung des Gewichtes bedienen sie sich der Börsenwage, 

Alle sich nicht auf die Qualität der Ware beziehenden Streitig- 
keiten werden durch das Börsenschiedsgericht entschieden. Es be* 
siebt meist aus 3 Richtern, welche dem Schiedsrichterkollegium zu 
entnehmen sind, und zwar wählt in der Regel jede Partei einen Rich- 
ter und die so bestimmten Beisitzer deu Obmann *). Id Berlin be- 
steht ein doppeltes Verfahren; für alle Nicht-Termingeschäfte gilt^ so- 
fern nicht durch Vertrag ein anderes Forum vereinbart ist, die von 
der „ständigen Deputation der Produktenbörse^^ abgezweigte Abteilung 
von 3 iMitgliedern der Deputation als Gerichtshof*), bei Terminge- 
i Schäften entscheidet unter Anschluß jedes anderen Forums ein Schieds* 
gerieht von 3 Personen, welche der Präsident des Aeltesten- Kollegiums 
aus den stets für 3 Jahre gewählten Schiedsrichtern ernannt ^). Das 
Verfahren richtet sich nach den Vorschriften der Reichszivilprozeß- 
ordnung, es ist ein möglichst bescbleunigtes. In Berlin sind daher 
als Beweismittel nur Urkunden und anwesende Zeugen zugelassen; 
die Entscheidung erfolgt sofort nach geschehener Verhandlung«). 

So die heutige Organisation des deutschen Getreidehandels; das 
Termingeschäft und der damit eng verbundenen Kommissionshandel 
Bind dabei nur flüchtig gestreift worden, da beide in ihrer jetzigen 
Benutzung weniger dem wirklichen Mandel dienen, ala vielmehr Speku- 
lationsgelüste der Borsenbesucher sowohl als außenstehender Personen 
befriedigen, Ihre Schilderung ist daher einem besonderen Teile vor* 
behalten. 



i) So in BerUn. 

3} HAQdbDfh der Berl, Prodaktcnbdrsa 1894, S. 88, § 8^ S 91, § 23; S. 3, % 7. 
S) In BreftlAU kÖnn^a die 3 Richter noch diia Hakudfllakammtr^S/ndLkaft zur B«- 
n^tnnir liiDiasieh^D. 

4) Hukdbach S. Ii7 ^erb. mit 8. 93 § 30* 

A) Haiidbuth S. ö, § 16. 

e) Handbuoh S* 128, § 7 and 9 9. 

12* 



180 



Kurt Wied«]ir«ld, 



B. Ber Termin- und EonmilsBlonshAiideU 
L Der TermiDbandel. 

Das Tenningescbäft hat sich allmählich aus dem Liefeniogsver- 
trag entwickelt ; es unterscheidet sich von diesem dadurch , d^ bei 
ihm alle weseotlicheü Bestandteile des Vertrages , ausgeDommen die 
Preisbestimmung, der Willkür der Parteien entzogen sind; von den 
Börsenbehörden festgesetzte Bedingungen sind für alle Kontrakte dieser 
Art maßgebend und bestlmmeQ sie teils absolut (so betrefis der Quali- 
tät des gebändelten Getreides)» teils ziehen sie der Parteiyereiobaruog 
gewisse Schranken (so bezüglich der gehandelten Mengen uad der 
Lieferungazeit). 

Für den Gang^ welchen die Entwickelung dieser GeschäftsfortD 
genommeü hat, kann wohl die Schilderungj, die zwei Berliner GroS- 
bändler vor der Börsen-Dntersuchungskommission gegeben haben, als 
typisch angenommen werden V). 

Während noch in den zwanziger Jahren unseres Jahrhunderts 
der Getreidehaodel Berlins wesentlich ein loco-Verkehr war — der 
Markt fand auf dem Genadarmen markt statt — , entwickelte sich id 
dem folgenden Jahrzehnt ein umfangreicher Koenossementhandel; die 
Provinzialhändlerj die das Getreide von den Landwirten aufkauften, 
verkauften es per Konnossement nach Berlin mit der VerpflichtuDg, 
die Ladung spätestens Ende April abschwimmen zu lassen, die Gefahr 
der TransportverzögeruDg und Preisänderung trug der Käufer. All- 
mählich wurde es dann üblich, zukünftige Konnossemente zu verkaufen; 
es wurde in diesen Verträgen nur das Quantum und ungefähr die 
Qualität bezeichnet, weder der Ort der Abladung noch eine genauere 
Sortenbezeichnung waren darin angegeben. Mit der Zeit stellten sich 
aber bei dieser Geschäftsform Unzuträglichkeiten heraus; es kam vor, 
daß im Hinblick auf ein und dieselbe Ladung mehrere Konnossemente 
verkauft wurden, daß vor altem sehr schlechte Qualitäten zur Lieferung 
gelangten. In den fünfziger Jahren schritt man daher zur Fixierung 
der zu liefernden Mindestqualität und der sonstigen Vertragsbedingungen. 
Anfangs enthielten die Schlußscheine nur Bestimmungen über das Quan- 
tum (1250 Scheflfel), das Durchschnittsgewicht (80, dann 81 preuß. 
Pfund per alten Scheffel), den Termin und Ort der Lieferung, schließ- 
lich die Bedingung, daß bei Verzug der Gegner berechtigt sei, durch 
einen vereideten Makler einen entsprechenden Posten kaufen oder yer* 
kaufen zu lassen. In den sechziger Jahren trat noch die Unterwerfung 
unter das Schiedsgericht hinzu, und mit allmäblicben, jeweilig geringen 
Aenderungen ist man zu dem beutigen Schlußschein gelangt Die letzte 
Umarbeitung ist erst am 1. Januar dieses Jahres wirksam geworden. 

Außer Berlin, welches jetzt den Terminhandel für Roggen, Weizen, 
Hafer und Mais ausgebildet hat, haben Mannheim (alle Sorten), Köln 
(Weizen, Roggen und Hafer), Stettin und Danzig (Weizen, Roggen) 

1) VergL 8Ad3vtr9t.^ProL 8. SSSi ff. nad S. Ut9 ff. 



Der dentiolie GetreldebMideL 



181 



sowie Breslau (Roggen« Hafer) Bestimmungen für diese Geschäftsform 
icetmffeo. Bedeuteod ist aber nur der Berliner Verkehr; die anderen 
Plitxe bleibeo hinter ihtn weit zurück. 



a) SohltifssoheinbestimmungeiL 

Die börseniDäßig festgesetzten Bedingungen regeln das Tennin- 
gttch&ft in jedem Stadium seines Verlaufs. 

Der AbschluÜ erfolgt unter Auswechslung der formularmäOigen 
SdiloBscheine. Gegenstand des Geschäfts ist ein sogenannter Schluß, 
1 h* eise Mengeneinheit von meist 50 t oder ein beliebiges Viel- 
fache dii'ser Quantität 0* 

Sodann ist die Quantität der gehandelten Ware festgesetzt, je 
.nach der Börse verschieden, Berlin ist nach hartnäckigem Streite 
|lrit dem preuß. Handelsministerium in den neuen Formularen zu fol- 
sodeo Festsetzungen gelangt^). 

1) Weizen — gut, gesund, trocken, frei von Darrgeruch (Rauh- 
Pövett«-], Kubanke- und syrischer Weizen ausgeschlossen) und durch- 
lebaitUich 756 gr per Liter wiegend; 

2) Boggen — gut, gesund, trocken, frei von Darrgeruch und durch- 
ttknitllich 712 gr pro Liter wiegend; 

3) Hafer — gut, gesund, trocken, frei von Darrgeruch und durch- 
«ksitüicb 450 gr pro Liter wiegend; 

4) Hais — gut, gesund« 

Ajmähemd gleiche Anforderuogeo für die Lieferungsware werden 
ia KBlii und Breslau an alle dort gehandelten Getreidearten, in Stettin 
is B^ggeo und in Mannheim ao Mais gestellt Im übrigen difierieren 
msere Mrsen ziemlich bedeutend von einanden In Mannheim ist das 
UiDdestgewicht erheblich niedriger, man begnügt sich dort mit 75 kg 
pfi> U (etwa 724,5 gr pro I) für Weizen, 70 kg (= 667,5 g) för Roggen 
od 48 kg (=:400g*)) für Hafer; die Bestimmungen Über die liefer- 
Ima Sorten und die Zulassung fremder Bestandteile sind dagegen 
lAirfer präzisiert als in Berlin. In Stettin ist für Weizen, in Danzig 
Ar Weiten und Roggen auf den Durchschnitt der letzten Ernten Bezug 
■BMinmeii ^); Danzig bat auch die Besonderheit, daß mehrere Qua- 
ilAieii derselben Art je nach Herkunft, Alter und Bestimmung ge- 
kttddt werden. 

Zu liefern ist die Ware innerhalb eines usancenmäßtg begrenzten, 
in Obrigen durch die Parteien zu vereinbarenden Zeitlaufs, Früher 
«ireo mehrfach 2, seit dem 1. L 94 ist allgemein 1 Monat Lieferungs* 



1) I f der Berliner Bedio^ngen für den WeiBeotenslDliftQdeL Nach dleeeo wird 
y^lgaaJti fttete cidert werden^ tafeni nicbta beftoodere« gesagt iit* 

•) 1 l- 

M) Die üfBreclmiiiigeo aüid erfolgt uMch den Angaben in Sonndorfer^ Tedinik det 

i) fttottfo: Weisen nicbt geringer wXb der Darchiebnitt der beiden letiten iol&ndi* 
m ftaHB. Danaig: Weisen« AaswadiA nor nach dem Darehaefanitt der letaten Ernte 
iHif ; Wt^ggn — gute DitrcluchnittaqiialitAt. 



162 



Kurt Wiedeafeld, 



frist dem Verkäafer zu lassen*)- ^^^ P^eis ist in das beHebige 
mes&eü der Parteieo gestellt. Ein Uebertrafren des Schlaßscheios 
eineo Dritten ist nur luit Genehraigung des Gegners gestattet*). 

So die Vereinbarungen bei dem Abschluß des Vertrages, Sei» 
Abwickelung vollzieht sich ebenfalls in festen Formen, denen sich die 
Parteien in dem Schlußscheine unterwerfen. 

An einem nach seinem Belieben zu wählenden Tage innerhalb des 
Lieferungsmonats muß der Verkäufer seinem Kontrahenten .«ankündigen, 
andienen'', d. h. sich zur Lieferung bereit erklären ^). Er benutzt zu 
diesem Zwecke ein feststehendes Formular, welches unter anderem die 
Angabc des Lagerungsortes enthalten muß. Den Zettel giebt er bis 
zu einer in den Kündigungsordnungen näher bezeichneten Stunde dem 
Käufer selbst oder an das Bureau der Börse ab. Für jeden „Schluß* 
muß er einen besonderen Schein ausstellen; die Kündigung erfolgt 
unter dem nach gewissen Prinzipien alltäglich börsenamtllch festge- 
stellten Kündigungspreise. 

Sämtliche Scheine lauten daher über die gleiche Quantität, gleiche 
Qualität und gleichen Preis; es ermöglicht sich ein Weiterbegebeo: 
Der Käufer, welcher zugleich Verkäufer auf den gleichen Termin ist, 
setzt nicht einen neuen Kündigungsschein in Umlauf, sondern überträ^^t 
— durch Indossament — den ihm eingehändigten Schein an seineo 
Käufer Zur Erleichterung und Beschleunigung dieses Verfahrens 
dient das unter Börsenaufsicht stattfindende Köndigungsverfahren. Zu 
bestimmter Stunde werden hierbei die im Bureau eingelaufenen 
Scheine durch Börsenangestellte aufgerufen und den Käufern einge- 
händigt. In eng begrenzter Zeit muß die Indossierung erfolgen. In 
Berlin werden dazu nur wenige Minuten gelassen*); in Köln und 
Mannheim^) dagegen ist noch am Tage nach der Ausstellung eiu 
Umlaufen gestattet, wenn es innerhalb der ersten 5 Minuten seit 
Borsenanfang beginnt; Breslau und Danzig lassen bis zur Beendigung 
der — auf den Kündiguogstag beschränkten — Umlaufszeit jedem 
Inhaber beliebige Frist des Giro zu vollziehen^). 

Wer nicht sofort den Schein indossiert, bezw. wer ihn am Schlüsse 
der ümlaufszeit in den Händen hat, darf nicht weiter übertragen; ein 
Kursieren an einem späteren Tage ist nicht statthaft, der letzte In- 
haber muß abnehmen. Weigert jemand die Annahme des Kündigungs- 
scheines oder ist er zur Zeit des Aufrufs nicht gegenwärtig, so ^t 
er als in Verzug befindlich. 

Hat der Schein kursiert, so erfolgt die efifektive Lieferung seit 



1) UeberscJirUt o. a O. 

S> § IS. Di«»e Bestimm uDii^ ist wieh%, d* »te em«ii v«rbr«it«ten Irrtum «riderl^ 
Etn Austritt ai» dem Vertrag v er bftltai5 Ut nicht ohne weitarat möglich; nur die 
s&clüicht Leiatno^ kum flbertniirto werden. Der Sehwerponkt dei Termin g^etch^fts liegt 
daher in dem K&ndigmigsverfahrea. 

5) § B. 

i) Die gMite Umleitftteit betrigt 90, ua ultimo ^ Uln. (§ I der Berliiier Kättdi» 
fnagftordnQOg). 

6) § 13 der dortigen .^endelsgebrAncbe'*. 
6) Stettin hat kein KJlndJfiuigfeYerfiahrea, 



Der dtnticii« Getr«id«h&odftL 



183 



1 des ersten Aoküodigers an den lohaber des Scheins , spätestens am 
& oder 7. Tage — je nach der Börse — nach der Kündigung. Der 
Ueferer hat dabei einen geringen Spielraum der zu erstattenden Menge, 
& Pro^ in Berlin *)• Breslau- Daazig und 2 Proz. in Stettin ; nur Köln 
itad Mannheim verlangen strikte Lieferung. Für das Zuwenig oder 
Zuviel wird der Durchschnittspreis vom Tage der Ahnahme für den 
laafendeo Termin berechnet — Der Abnehmer hat Zug um Zug den 
Kiodignogspreis zu zahlen ^), 

Ist die Lieferung unbeanstandet erfolgt und der Regulierungspreis 
gesablt, auch etwaige Streitigkeiten ausgetragen, so erfolgt die end- 
gilcige Begleichung der Vertragspreise unter allen Gliedern der Kün- 
(ligQDgskette; sie zahlen sich die Differenzen, welche zwischen ihrem 
Vertragspreise und dem Kündigungspreis entstanden sind, einander 
ans'). Bis zu diesem Schluß haftet jeder Indossant seinem Indossa- 
Utar für die Lieferung der Ware, jeder Nach mann seinem Vorgänger 
fhr die Zahlung des ganzen Kaufpreises. 

Aaf die Entscheidung von Streitigkeiten finden die allgemeinen, 
^B geeebilderten Prinzipien Anwendung, 

Erkliren die Sachverständigen die angekündigte Ware für nicht 

lieferfahig, so bat der Käufer die Wahl^ ob er sie zu dem von den 

.Experten alsbald festzusetzenden Minderwert abnehmen oder sie zu- 

jrftdc weisen will. Entscheidet er sich für Zurückweisung; so gilt die 

Ueferoog als nicht geschehen^). Die einmal für nicht lieferbar erklärte 

P**-*«jiß «Surf in Berlin^) und Breslau®) erst nach Ablauf von 7 Tagen 
er zu einer Andienung benutzt werden, falls nicht ihre Lieferbar* 
vorher nachgewiesen wird, in Danzig sogar schlechthin erst nach 
Igen 'l 
Die wichtigste Rechtsfrage, welche sich an die Abwickelung des 
Termipge^h&fts knüpft, ist die nach den Folgen des Verzugs. Nur 
!■ deo beiden rheinischen Plätzen sind die einschlägigen Bestimmungen 
des Handelsgesetzbuches gewahrt worden. Die übrigen Börsen haben 
«ireblich abweichende Festsetzungen getroffen. Ueberall ist das Recht, 
bd Verxug des Gegners vom Vertrage zurückzutreten, ausgeschlossen ®). 
Der Kaufer hat, wenn ihm nicht geliefert wird, nur die Wahl zwischen 
dem Selbsthilfekauf, d. h. Ankauf der Waren für Rechnung des Ver- 
kiitfera durch einen vereideten Makler, und der abstrakten Differenz- 
beredinitiig, d. h. der Berechnung „des Preisunterschiedes zwischen 
dem Vertragspreise und dem amtlich festgesetzten Durchschnittspreise 
d» letzten Werktages der Lieferungsfrist*'^); beides kann natürlich 
aaeb ra seinem Nachteil ausschlagen. Der Verkäufer hat im Verzugs- 

t) § 8 4«r B«fUogtmg6n. 
t) ft «- 

S) 9 f d«r KQjidIgsiigiordii. 

«) I ft* 

f) § 10 i*r dorticMi BadioKuagwi. 

T> f 1< dar dortigao B«diDgaDg«a ßr Li«feraiigsgMch£fttt. 

•) ft «>• 



Kart Wiedonftld, 

falle in Berlin nur das Recht, die Ware am Tage nach der letiten 
Äbnahmefrist durch einen vereideten Makler für Rechnung des Käufers 
verkaufen zu lassen*); in Danzig, Stettin und Breslau hat auch er 
das Recht der Differenz berech nung. 

Der Verzug tritt ein wie bei anderen Geschäften auch, wenn der 
Verkäufer nicht zur Zeit liefert oder wenn der Käufer nicht abnimmt ; 
es tritt der erwähnte Fall hinzu, daS der Käufer die Andienung durch 
Nichterscheinen an der Börse an dem vom Veikäufer gewählten Tage 
durch oder ohne ein Verschulden verhindert. 

So die rechtliche Gestaltung des Terminhandela, Sie zeigt, daS 
nach den Schlußscheinbedinguogen jeder Kontrahent einen unbedingten 
Anspruch auf effektive Abwickelung hat; die Abrede nur durch Diffe- 
renzn'gulierung das Geschäft zu erledigen hat hier keinen Raum, sie 
mündlich oder sonst nebenbei zu treffen ist natürlich nicht ausge- 
schlossen. 

Wichtig ist auch, daß Berlin, unser Hauptterminmarkt in eirügen 
wenigen Punkten von den übrigen Plätzen abweichende Bestimmungen 
getroffen hat; so die äußerst enge Begrenzung für den Umlauf eines 
Kündigungsscheines, der Ausschluß der Terminhändler vom Sachver- 
ständij^^enamt, die Beschränkung des Verkäufers auf das Recht des 
Hilfeverkaufs. 



b. WirtBOhaltUobe Stellung. 
1. Zweok und Aufgaben« 



Die wichtigste Funktion des Terminhandels liegt bekanntlich' 
VersicherungsmögUchkeit, welche er dem effektiven Verkehr 



1. 
in der 

bietet 

Der Händler, welcher erst später an ihn gelangende Ware kauft, 
trägt zunächst das ganze Verwertungsrisiko ; er läuft Gefahr überhaupt 
nicht oder nur zu geringerem Preise weiter verkaufen zu können. Zur 
Vermeidung dieser Klippe veräußert er auf Zeit und sichert sich da- 
durch den Absatz und einen ibm genehmen Preis, verzichtet aber auch 
auf die Chance eines höheren Gewinns. Bei geringem Umsatz würde 
zu diesem Zwecke vollkommen das Lieferungsgeschäft i. e. S. genügen. 
Der kaufende Händler hat dann Zeit genug sich wieder einen Abnehmer 
zu suchen und mit diesem alle Bedingungen der Lieferung zu verein* 
baren, ehe er jenen ersten Kauf abschließt Bei starkem Verkehr und 
der damit verbundenen Notwendigkeit schnellen ^Entschlusses muß er 
zum Termingeschäft greifen und dieses seinen Berech aungen zugrunde 
legen; denn der ihm offerierende Verkäufer kann nicht warten, bis er 
seinerseits einen Käufer zu den gerade passenden BediuguDgen gefun* 
den hat. Beim Termingeschäft sind alle Einzelheiten festgelegt; zu 
diesem finden sich stets Kontrahenten. Ohne daher bereilseine bestimmte 
Person als Abnehmer im Auge zu haben, kann der Händler die von 



i> I 11, 



D«r deaUche CletreidehAiideL 



185 



Ai38W&rt8 kämmende Offerte aDDebmen, wenn er nur bei den TermiD- 
preisen seine Recboung findet; um den Absatz braucht er Dicht mehr 
zu sorgen. 

Dabei läßt das TermiDgeschäft dem Verkäufer die Freiheit, trotz 
des Verkaufs noch anderweit günstiger über die Ware zu verfügen 
Dareb die Qualitätsfestsetzungea verliert das Getreide völlig seine 
Eigenschaft als individuelle Sache und wird wahrhaft, nicht nur, wie 
Oboe TermiDgeschäft fiktiv, fungibel; für die Lieferbarkeit kommen 
ja Dor die Mindestforderungen der Schlußscheine in betracht, alle 
ftbrigeo Eigenschaften bleiben unbeachtet. Eine der Art generalisierte 
Ware ist aber an einer großen Börse stets zu haben. Will daher 
jcoer Händler seinem Käufer nicht das Getreide, welches er bei Ab- 
sthloß des Terminvertrages im Auge hatte, liefern, so „deckt er sich 
tflf den Termin ein^\ d. b. kauft seinerseits einen entsprechend großen 
Terminposten und überweist seinem Käufer nur den Ktindigungsschein. 
Er kann dies, weil seinem Terminverkauf zwar die von ihm gekaufte 
QuQtitüt Getreide zu Grunde lag, aber darin nicht individuell 
verkauft iat; er riskiert nur eine Differenzzahlung. In der Zwischen- 
xett kann er nach Gutdünken über seine Ware verfügen; er vermag 
vor allem, wenn ihre Qualität die usancemäßige übertrifft, den ent- 
q)reebeod höheren Preis zu erzielen und auch unterwegs befindliche 
Sendungen noch unter Abkürzung des Transportweges anderweit 
gÜBStiger abzusetzen. Dieser letzte Gesichtspunkt kommt besonders 
hr den überseeischen Importeur in Betracht; er verkauft bei Abschluß 
im Kaufes einen gleich großen Posten auf Termin, verschafft sich 
jedoch nach Ankunft der Schiffspapiere einen günstigeren Käufer und 
dirigiert nun unter beträchtlicher Kostenersparnis die Ladung direkt 
Meli dem dem Abnehmer am nächsten gele^^enen Hafen, während 
jeaea Termingeschäft durch Eindeckung seine Erledigung findet* 

Außer dem großen Getreidehändler bedient sich auch der große 
Haadelamüller mit Vorteil des Termin Verkehrs. Sei es, daß er be- 
deQtetidere Quantitäten Mehl auf spätere Lieferung schon verkauft 
bal QJid sich daa erforderliche Rohmaterial verschaffen muß, sei es, 
dal er überkaupt für eine gleichmäßige Tbätigkeit seiner Mühle Sorge 
tragen will, er nimmt Getreide auf Termin zu einem Zeitpunkt, wenn 
die Pr^isstellung ihm Gewinn verheißt, und ist nicht gezwungen, 
wie beim Lieferungsgeschäft ein effektives Angebot abzuwarten. Be- 
ichaflt er sich in der Zwischenzeit anderweitig das nötige Material, 
m dtekX auch er sich auf den Termin ein. 

0i^e Vorgänge werden noch durch das Kündigungsverfahren er- 
kkhtart und verbilligt. Bei einem Umsatz, wie die großen Getreide- 
UneD UlD beute haben, ist es klar, daß die effektiven Mengen nicht 
Mets direkt aus der Haod des Importeurs in die des Müllers über- 
gribeo; eine Reibe von Zwischenhändlern ist noch an dem Gange be- 
teiligt. Ist nun das Getreide, wie bei dem Terminhandel, generalisiert, 
11 wurde in primitiven Verhältnissen ein Posten durch viele Hände 
kttfai, ebne irgend welche Aenderung zu erfahren; B, giebt die von 
L empfiangene Ware unversehrt an C. weiter. Die sämtlichen, hier- 



186 



Kttrt Wi«d«iif«H, 



mit ^erkoüpften Transport-, La^erun^s*, VersicheruDgs- und sonstigen 
Kosten erspart das KüEidigungsverrahren. Aehnlich, wie darch das 
ausgedehnte Abrecbnungswesen auf dem Gebiete des Geldverkehrs, 
wird durch das umlaufen des Kündigungsscheins die Zirkulation der 
Ware ersetzt; diese legt nur den Weg vom Lagerungsort des ersten 
auf den des letzten Gliedes einer Kette zurück. Wie wesentlich diese 
Erleichlerunj? für den nich deckenden Händler oder Müller ist, ergiebt 
schon die Thatsache, daß diese Deckungsgeschäfte naturgemäß unge- 
heuer häufig sind. 

Es fragt sieb nun, in welchem Umfange vermag das Termin- 
geschäft der Versicherung zu dienen? Kann es gegen jeden Verlust 
schützen oder verringert es nur die Gefahr? Nur eine Abschwächung, 
nicht die Aufhebung des Risikos ist seine Folge. 

Am einfachsten liegen die Verhältnisse, wenn die dem Termin- 
geschäft zu Grunde liegende Getreidemenge den Schlußscfaeinbe- 
dingungen entspricht und der Verkäufer sie thatsächlich andient; ist 
gegen früher zur Zeit der Lieferung der Preis gesunken, so ist der 
Händler vor diesem Schaden bewahrt, da er ja seinen höheren Ver- 
traj^spreis erhält; hat dagegen eine Steigerung stattgefunden, so muß 
er sieh mit dem niederen, vereinbarten Preise begnügen, und mit der 
Möglichkeit dieses Verlustes ist die Möglichkeit jenes Gewinnes und 
die Sicherheit des Absatzes bezahlt 

Wenn die Qualität dag^egen die Usanceware übertrifft, so wird 
sich der Käufer in der Regel eingedeckt haben und sehen, sein Ge- 
treide zu dem entsprechend höheren Preise abzusetzen* War die Preis- 
bewegong eine sinkende, so muß ihn die Differenz, welche er aus 
seinen beiden Termingeschäften bezieht — er hat billiger ge- als ver- 
kauft — für die Einbuße an Gewinn, welche ihm der Verkauf seiner 
Effektivladung zu dem niedrigeren Preise bewirkt, entschädigen; diese 
wird also erheblich eingeschränkt. Sind die Preise dagegen gestiegen, 
Bü gewinnt er im effektiven und zahlt im Termingeschäft; hier also 
verringerter Gewinn. 

Die ungünstigste Lage für den Verkäufer ist die, daß sein Ge- 
treide nicht einmal den Terminerfordernissen entspricht Der Preis 
einer derartigen Ware steht infolge des geringen Bedarfs so wesent* 
lieh unter dem Terminpreis, daß der Inhaber zunächst versuchen muß, 
durch Mischung wenigstens die Terminqualität herzustellen. Gelingt 
ihm die Operation, so kommt er in die Stellung eines Käufers von 
Terminware, wie sie «uerst geschildert ist. Hat er dagegen keinen 
Erfolg^ so muß er sich aus seinem Termingeschäft durch Differenz- 
Zahlung lösen und tritt nunmehr in die Beziehungen ein, wie sie sich 
für den Fall einer besseren Qualität ergeben. Stets ist aber sein Ver- 
lust erhöht und sein Gewinn gemindert» entweder durch die Ver- 
arbeitungskosten oder durch den unverhältnismäßig tiefen Stand der 
Preise minder guter Ware'). 



l) Hierbei wird ▼or&osiceaetst, dmft die W&re erst Auf dem Trmoiport gelltteo het, 
d^DU BODit wQrde der Verkäufer dtirch den niedrigea, Ton ihm gesahlteD KAOfpreii 
gedeckt sein. Diei muß hervorgehoben werden wegen der später la beeprecheDdeii FiUe 
Abeicbtlicher Andieoung nünderwertigeu Oetreidei. 



Der deutsch« G«treid«bftDdeL 



187 



Aof alle Fälle wird die Gefahr eines Verlustes verringert. Deno^ 
selbst wenn der Händler seine Ware zur Terminlieferung benutzt und 
dabei Schaden erleidet, so hat er dafür die Sicherheit sofortigen Ab- 
satzes and 8part Lagerungs- und ünterbaltunf^Bkosten. Am günstigsten 
ist seine Stellung, wenn er auf Termin eflektiv liefert und die Preise 
gesunken sind; seinem Gewinne steht keinerlei Verlust gegenüber. 

Für den kaufenden Händler oder Müller liegen die Verhältnisse 
gerade umgekehrt, je nachdem er Terminware oder eine bessere oder 
rine schlechtere Qualität braucht; für ihn ist das günstigste, wenn die 
Preise steigen und er gerade Verwendung für Lieferungsgetreide hat, 
da dann sein Vertragspreis niedriger ist als der zur Lieferungszeit 
herrschende und diesem Gewinne kein Verlust entgegen steht. 

Alle an dem Terminhandel sich beteiligenden Personen stehen 
unter dem £influl}e gleicher Faktoren, und es verteilt sich daher die 
Gefahrstragung auf alle Teilnehmer in ziemlich gleicher Weise; es ist 
eine Art von Versicherung auf Gegenseitigkeit. Voraussetzung ist, 
daß sich jederzeit Käufer und Verkäufer für Terminware finden. Die 
nnmittelbaren Interessenten bilden aber eine zu kleine Gruppe, als 
dftA sie stets mit Sicherheit auf einen Gegenkontrahenten innerhalb 
totdben rechnen könnten. Der Kreis der Beteiligten muß erweitert 
werben; das Anlage suchende Großkapital muß hinzutreten, um aus 
rein spekulativen Motiven anzubieten oder abzunehmen. Auch hierzu 
bietet der Terminbandel die Hand. Die Festlegung der Qualität 
erübrigt die Kenntnis vom Getreide, die Difierenzregelung bei Verzug, 
»wie die Möglichkeit prompter Weiterbegehung machen das Halten 
fOO Speichern und sonstigen mit dem effektiven Handel verbundenen 
Verrkfatungen entbehrlich. Das Kapital findet daher in dem Getreide- 
termtDbandel ein ebenso geeignetes Gebiet zur Arbeit, wie in irgend 
ciiem anderen Felde; ihm kommt es ja nur auf Ausnutzung der 
Preisdifferenzen an, und über die Zukunftschancen kann sich ein großer 
Kapitalist mit ausgedehnten Beziehungen ebenso gut eine Meinung 
bilden, wie der Getreide hfindler oder Müller* 

Uaber die Beteiligung des Publikums im allgemeinen ist an 
Ipitarer Stelle zu sprechen. Hier muß nun noch die Stellung erörtert 
werden, welche der Landwirt zu dem Terminhandel einnimmt. Er ist 
doch auch erheblich an dem Getreideumsatze interessiert. Hat er 
■icbi aacb Vorteil vom Terminhandel? Indirekt zweifellos, wenigstens 
M den heutigen AbsatzverhältnisseD; der von dem Gutsbesitzer 
ktafende Handler würde ihm eine erhebliche Risikoprämie von dem 
Preise abziehen müssen, wenn er sich nicht an der nächsten Börse 
den Verkauf sichern könnte. Aber nicht auch direkt ? Ist e^ nicht 
vidkacht auch für ihn zweckmäßig, sein Produkt nach Termin- 
botiiiiinang zu verkaufen? Auf diese Frage ist nur verneinend zu 
aoiWoiteD; der Landwirt bleibt besser fern vom Terminbandel. Ein- 
ntal isl 66 für ihn, der sich im wesentlichen aus Zeitungsnachrichten 
lud welligen privaten Erkundigungen seine Ansicht von der Welt- 
varhtslage bilden muß, unmöglich ein auch nur annähernd sicheres 
Crtdl über den wahrscheinlichen Gang der Preisbewegung zu ge- 



l88 



Kart WUdenf«]d, 



winnen ; er kann daher in der Regel nicht wissen, welcher Tennin ftlr 
ihn der vorteilhafteste ist, uod muß sich fast ganz dem Zufall oder 
seinem Kommissionär überlassen. Vor allem ist aber sein Produkt 
durchaus nicht die generelle Ware des Terminhandels; er kann nicht 
wie der Händler durch Mischung aller möglichen Sorten die Lieferung»- 
qualität herstellen, er ist stets an das von ihm produzierte Korn ge- 
bunden und daher zahlreichen Gefahren ausgesetzt, die der Händler 
umgehen kann. Schließlich ist auch die gleichzeitige Lieferung der 
Mindestquaotität, des Schlusses, nur großen Grundherren möglich und 
auch für diese mit bedentenden Kosten für Fuhrwerk und A^rbeiter 
verbunden, da sie sehr angestrengte, aber nur kurze Zeit andauernde 
Arbeit erfordert; kleinere Landwirte würden stets nur ratenweise an 
den Börsenplatz abführen können und die nicht geringen Lagerspesen 
für die Zeit tragen müssen, bis sie einen Schluß zusammen haben*). 
Nach alledem muß schon der Landwirt den Vorteil der Absatz- und 
Preisversicheriing dem Händler und Handelsmüller überlassen *). 

Daß überhaupt die Versicherungsmöglichkeit für die beteiligten 
Handelskreise ein Vorteil ist, bedarf keiner weiteren Ausführung. Sie 
ist es aber auch unmittelbar für die gesamte Volkswirtschaft. Einmal 
kann der sich schützende Zwischenhändler mit einer geringeren Risiko- 
prämie sich begnügen ; er verteuert also das Brotkom auf seinem 
Wege vom Produzenten zum Konsumenten nicht in dem Maße, wie er 
es ohne Terminhandel müßte. Sodann wird in Notzeiten hierdurch 
eine regelmäßige Versorgung mit Getreide möglich. Bei der starken 
Konkurrenz, welche sich in- und ausländische Händler heute gegen- 
seitig machen, wirft das einzelne Geschäft nur geringen Gewinn ab. 
Ledtglich ein häufiger Umsatz des Betriebskapitals vermag dasselbe 
einträglich zu verzinsen. Soll daher der Händler auch noch das 
Absatzrisiko tragen und ein längeres Festliegen seines Kapitals fürchten 
müssen, so verringerte sich die Aufsicht auf vorteilhaften Geschäfts» 
betrieb in einer Weise, daß ein großer Teil gerade der angesehenen 
Firmen sich zurückziehen und anderweitig sich ein Feld der Thätigkeit 
suchen müßte ^), Diese Verminderung der Konkurrenz würde auf die 
Versorgung mit Brotkoro nur nachteilig wirken können. 

2, Für die gesamte Volkswirtschaft wichtiger ist die Ausgleichung 
der Preise, welche der Getreideterminhandel nach Art and Zeit 
bewirkt. 

Wenn an einem Platze Ueberfluß an Ware ist und daher das 
Getreide nur zu niedrigen Sätzen Absatz findet, während an anderer 
Stelle infolge Mangels hohe Preise gezahlt werden, benutzt der Ter- 
minhändler die mit diesem Geschäft verbundene Frist, das Getreide 
von dem Ort des Ueberangebots an den des Mehrbedarfs zu leiten. 
Er zieht also dort Ware fort und verringert das Angebot, erhöht den 
Preis; hier vermehrt er die Vorräte, senkt den Preis* Der Erfolg 

l) VergL Sichverat.-Prot. 8. 26i7. 

t) Sinnliche ia der Eoqmet« TerDotumenen Landwirte von ProfeMion stiiiiia«ii mit 
dtr hier vertreteDen Aniicbt Über«iQ. 

B) VergL SAoliTerttlJidtg^D.ProtolioUe d«r Esqnllt 8. »94. 



Der detttocbo QetT«id«luMi<l«]. 



189 



ist eine AnoäheruDg beider , bezw. aller Plätze, die um so mehr an 
Bedeutung gewioDt, als der Händler ja durchaus nicht den thatsäch- 
lichen Eintritt starker Preisdivergierungen abwartet, sondern schon 
die Anzeichen der Bewegungbeobachtet und danach seine Ware dirigiert, 
Hberhohen Diflerenzeo daher vorbeugt ^). 

Auch die Schwankungen in der Zeit verhindert der Terminhandel. 
WfthreDd ohne ihn nach jeder Ernte das Getreide massenhaft an den 
Markt geworfen wird und nun Aufnahme — natürlich zu geringem 
Preise — aucht; während andererseits ohne ihn kurz vor der neuen 
Ernte Mangel herrscht und daher hohe Preise gezahlt werden müssen, 
verteilt der Terminhandel die Mengen auf das ganze Jabr und gleicht 
10 Aogeboi und Nachfrage, also auch die Preise aus. Er nimmt aber 
iich die Preisfaktoren längerer Zeiträume in seine Berechnungen im 
loraos auf. Ist ein schlechtes Jahr zu erwarten^ so lohnt es sich^ 
Getreide zu speichern; dadurch wird schon vorher das Angebot ver- 
riflgert und die Preisstellung in die Höhe getrieben, während anderer- 
seits diese Vorräte das neue Angebot verstärken und die Preise niedriger 
halten. Umgekehrt, wenn eine gute Ernte in Aussicht steht. Also 
mch hier Ausgleichung. 

Damit ist aber nicht gesagt, daß Preisschwankungen durch den 
Teiminhandel überhaupt ausgeschlossen sind. Im Gegenteil Da es 
bei dieaen Geschäften möglich und notwendig ist, daß jedes Ereignis 
[6i>fort zum Ausdruck kommt, und z. B. Weizen fast allmonatlich auf 
irgend einem Punkte der Erde geerntet wird, also auch stets neue 
FaJkloreD in die Erscheinung treten, so oszilliert der Preis beständig '). 

Dies gilt jedoch nur für ruhige Jahre, welche sich nicht zu weit 
feil dem Durchschnitt entfernen* Tritt ein Notjahr oder eine Periode 
iülerordentlich guter Erträge ein, so ist aus später zu erörternden 
GrtDdeii das Gegenteil zu konstatieren. 

Die statistischen Untersuchungen, welche Cohn und Eantorowicz •) 
bis zum Jahre 189ü durchgeführt haben, bestätigen die obigen Be- 
kioptuirgeo. Im Roggenhandel betrug z. B. die größte Dififerenz, 
vdehe zwischen einer Terminnotierung und dem Effektivpreise zur 
Z^t dea Termins sich ergab, in 1850—1860 = 30 Proz,, 1861—1870 
— 98 Proz., 1871—1880 == 19,11 Proz. und im letzten Jahrzehnt 
der Berechnung 15,78 Proz. Der Durchschnitt der Differenzen betrug 
ftr die gleichen Zeiträume 13,81 Proz., 8,50 Proz., 6,56 Proz. und 
7^ Press. * ^). Im ganzen also eine Verringerung dieser Differenzen, 

I) In Dratacbluid i»t eio« lokale AnnäherunK beaoDdsrs sdt dar ZvaMmmtntmuuug 
in gtbiiCi dorcli den Schuttiotl so beobAcbteo. 

1) la Berlin fast akb n«cb den BUtUt, Üntenacbungcti der Eoqa^te der Roggen- 
« (V— fc»ebUt und dArgeateltt toh dea AeUeaten der K&aftnADtischaft) kAom jeinali 
S Wmhtn mui gleicbem Stande gebaltco. 

1) CoKo, Zeitscbrift des prU. »tatittt. Barean« 1868 , Zeitschrirt für Nal.-Oekonarmti 
flk SMitiik hd. 16« Zeitscbrifl flr dii gea. StaaUiriss. 1877. Kantorowici, Schmolle» 
Jalirbft«licr K. F. Bd. 15 

4) Vimm teUU Sleigeroog Oült aof 1885—90, wo 9,30 Pro«, gegenüber 6,80 Proi. 
h liet — §4 inioff itarker SpekulattoDnDaodTer und Stdrangen durch die Zonp^oltük 
■li OwdhMfcaitttdlfferaiia «rMibl«oeii. 

ft) la WdMO i«t dir Gang; 1866— 7S Maximaio 81^68 Pros.» Dorcbichnitt 8,$8 Prom. 
IITi— fi Uäx, ia,66 Pros., DarcbacbDiU 7,56 Proi. 



190 



Kurt Wled iiiftld, 



die bei dem Einfluß der Termiepreise auf den effektiven Umsatz einen 
Rückschluß auf Verriogerung der Differenzen der Effektivpreise selbst 
unbedingt zuläßt *). 

Allerdings ist einzuräumeo, daß an dieser Ausgleichung auch die 
enorme Verbesserung des Nachrichten- und Transportdienstes in nicht 
unbedeutendem Maße Anteil hat. Wie weit der Einfluß dieser Faktoren, 
wie weit der des Termiuhandels reicht, läßt sich natürlich ziffermäßig 
nicht feststellen; aber jedenfalls hat aus deu angeführten, dem Wesen 
des Terminhandels entnommenen Gründen auch dieser daran mit* 
gewirkt. 

Nur bei dem Terminhatidel ist auch eine Spekulation k la baisseH 
möglich. Die festbestiranite Qualität, welche allen Verträgen zu Grunde B 
liegt, erlaubt dem Händler, einen Posten zu verkaufen, den er zur 
Zeit des Vertragsschlusses noch nicht besitzt, den er aber bis zur 
Lieferung — billiger einzukaufen gedenkt. Es tritt also der auf Preis- 
niedergang rechnende Verkäufer dem ä la hausse spekulierenden 
Käufer gegenüber und setzt dessen ohne Terminhandel fast unbe- 
schränktem Einfluß den seinigen entgegen, zweifellos ein Vorgang aus- 
gleichender Wirkung. 

3. Auch ist, wie schon erwähnt, nur bei dem Terminhandel eine 
Preisnotierung möglich. Während bei dem der Parteienwillkör über- 
lassenen Lieferungsgeschäft i, e. S. die Preise durch alle möglichen 
Kebenumstände bestimmt werden, läßt die Preisabrede bei dem Termin- 
geschäft sehr deutlich die Ansicht der Kontrahenten über die zu- 
künftige Gestaltung des Getreidehandels erkennen und daher ein dem 
Kurs der Wertpapiere analog zu beurteilender Preis des Getreides s ich 
auch für spätere Lieferung feststellen. 

Dies ist die — man möchte mit Rücksicht auf die jetzigen Zu- 
stande an den Terminbörsen sagen, ideale — wirtschaftliche Stellung 
des Terminhandels; er giebt dem Effektivhändler eine Gelegenheit, sich 
gegen allzu starken Verlust zu schützen, er vermag eine Ausgleichung 
der Preise nach Prt und Zeit zu bewirken^ er ermöglicht eine Preis- 
notierung für zukünftige Termine. 

Aus diesem Resultat ergiebt sich auch, für welche Handelszweige 
der Termin Umsatz ein wirtschaftliches Bedürfnis ist Er ist notwendig 
und daher berechtigt nur bei dem Verkehr in solchen Sachen, welche 
Gegenstände des internationalen Handels sind, deren Üedarf ein all- 
gemeiner und sich stets gleichbleibender ist, deren Produktion aber 
Schwankungen unterliegt und sich auf bestimmte Zeiten beschränkt. 
Nur bei dem Umsatz von Welthandelsobjekten mit seinen wechselnden 
Chancen ist das Verlangen nach so prompter Versicherung berechtigt; 
nur bei Gegenständen allgemeinen gleichen Bedarfs unter schwankender 
Herstellung ißt die Ausgleichung der Preise und die Kenntnis von der 
voraussichtlichen Zukunftsgestaltung wichtig. 

1) Der Tenniopreis «i«ht beroito deti loco Pr«ts sar Zeit des AbschJua»es da« . 
TermiDgeschifU in die Udba oder draekt ihu her&b^ oihert ihn ftlso dem loeo Preis tnf >J 
Zeit deg Temin». 



t>«r dMitiche GttraidehnndcK 



191 



Von Getreidearten fallen darunter Weizen, Roggen und Hafer, in 
neuerer Zeit auch Mais, nicht Gerste. In jeneD Arten ist daher der 
Ttt'iiiiobajidel sehr entwickelt, auch in Mais breitet er sich immer nnehr 
üts; für Gerste hat er noch nirgends Fuß fassen köoneo. 

Dm zu beweisen, daß der Terminhandel nicht einmal für den Um- 
Mz von Weizen, diesem bedeutendsten Welthandetsartikel, notwendig 
ist, hat man auf London verwiesen^). Hier ist ein Hauptpunkt des 
gesamten Weizenhandels und doch ein ganz unbedeutender Termin- 
terkehr In London liegen aber die Verbältnisse ganz singulan ün- 
eodlicbe Vorräte und Proben senduogsbereiter Mengen liegen dort; der 
Bedarf kann daher ununterbrochen gedeckt werden. Meist ist es Kon- 
agnalionsware, die nach London kommt; der Importeur trägt daher 
kcbi Risiko. Und doch beteiligt sich auch der Londoner Getreide- 
hiadler am Termingeschäft; da die dortigen konservativen Grundsätze 
m ihm uur in sehr beschränktem Umfange erlauben^ so wendet er 
63cli ans Ausland und giebt seine Terminaufträge vor allem nach 
New YorkO- 

Für Weizen und Roggen, Hafer und Mais ist also das Bedürfnis 
nach dem Termiobandel anzuerkennen* Es fragt sich nun, sind die 
Attiit verbundenen Nachteile so stark, daß sie die Lichtseiten ver- 

Idankelii, oder kann man ihnen wirksam entgegentreten? 
52) Nachteile dea Termi nh&ndele, 
Ea ist als notwendige Voraussetzung eines wirksamen Termin» 
hiadaia die Möglichkeit bHszeichnet worden, daß sich auch nichtfach- 
Vlaiissche, kapitalistische Kreise beteiligen. In diesem Hineinziehen 
HÜeDstebender Personen liegt aber zugleich die größte Gefahr; fast 
iOa KachteUe des Termingeschäfts lassen sich hierauf zurückfuhren, 
1, Am bedenklichsten ist die Teilnahme dem Börsenleben sonst 
08Z fern stehender Leute, der sog. Outsiders, und auch diesen ist ja 
M der heutigen Organisation des Termin handeis dieser nicht ver- 
Ifllliüidi Wenn ein ganz unerfahrener Mann zum Termingeschäft 
gnUi^ ao treibt ihn lediglich die Sucht, mühelos hohen Gewinn ein- 
miSreichen; er benutzt es, wie er sonst vielleicbt sich an einer Lotterie 
iMUiUgao würde. Meist steh blind dem Zufall überlassend, da er sich 
riD Urteil zo bilden nicht in der Lage und oft auch nicht fähig ist« 
kiofl oder verkauft ein Outsider beliebige Posten Termingetreide; er 
hofft, die Preisgestaltung wird für ihn eine Differenz abwerfen. Hier- 
Mf lUMDBI es ihm allein an; an effektive Abwicklung denkt er gar- 
aicbt. Auf seiner Seite liegt daher zweifellos ein Spiel, vielleicht ein* 
Bai ailie Wette vor, ein wirtschaftlich vernünftiges Geschäft aber nie. 
Wdchfl Gefahren für ihn selbst hierin liegen, bedarf kaum der Aus- 
tthnmg; die Aussicht auf mühelosen Gewinn unterdrücken den Spar* 
tiifilv der oft hohe und immer unberechenbare Verlust führt zum liuin. 
D& outaider schädigt aber nicht nur sich selbst; er beeinträchtigt 



I) B«riebl der Esqaltt-Kommusion S. 79. 
I) VmiL 8«ehT«nt*Prot S. SeSS, 3S799. 



Kurt Wi6il«nf«Jdf 



auch die güBBtigeo Wirkuogeii der ganzen GeschäftsgattuDg. Die ver 
gichernde Funktion des TermiDhaedels verliert ihren Grund, wenn die 
Gefahr von den stärkereu Schultern der Händler und Müller auf die 
schwachen Privaten abgewälzt wird, und infolge der Uoerfahrenheit 
dieser Kreise ist dieser Erfolg unabwendbar. Wenn dagegen einge- 
wendet wird, daß das Risiko bei dem Gange vom großen Importeur 
zum kleinen Spieler sich auf unzählige Personen verteilt und zum 
größten Teil bereita innerhalb der kapitalkräftigen Kreise absorbiert fl 
wird, so ist diese Thatsache allerdings zuzugeben; es bleibt aber trotz« ^ 
dem richtig, daß auch eine üebertragung auf zahlreiche, aber schwache 
Kräfte zu Gunsten einer einzigen, aber starken Hand kein wünschens- 
werter Vorgang, sondern möglichst zu verhindern ist Der outsider 
ist ja dann für den wirklichen Handel auch ganz überflüssig^). 

Dann die Preisgestaltung. Die unvermögenden, aber gewinnsüch- 
tigen Kreise beteiligen sich fast nur in ungewöhnlichen Zeilen *). Bei 
ruhigem Geschäftsgange verheißen die zwar unaufhörlichen, aber geriog- 
fügigee Schwankungen der Preise einen zu geringen Gewinn, als daS 
auf Uninteressierte ein Reiz zur Teilnahme ausgeübt würde. Kommt 
aber Erregung in die Bewegung, so stürzt das Publikum hinzu, und 
urteilslos wie es ist, verstärkt es lediglich die gerade herrschende 
Richtung, treibt also den Preis ganz unverhältnismäßig in die Höhe 
— ich erinnere an den Herbst 1891 — oder drückt ihn über das sonst 
berechtigte Maß hinab. Tritt dann der unvermeidliche Umschwung ein, 
so machen ihn die Outsiders zu einem jähen, Aengstlich ihr geringes 
Kapital zu verlieren, suchen sie bei dem Wechsel der Bewegung noch 
möglichst viel zu retten; sie lösen sich aus ihren Engagements and 
verstärken so nur den ihrer ursprünglichen Richtung entgegengesetzten 
Gang, Ein Beispiel: Im Sommer beginnt Getreide ungewöhnlich stark 
im Werte zu steigen, Roggen wird teuerer als Weizen. Von allen 
Seiten kommen nun die Aufträge zum Kaufen, und diese enorra ge- 
steigerte Nachfrage treibt natürlich die Preise mächtig — 1891 sprung- 
weise in die Höhe. Eine Zeit lang hält diese Bewegung an; niemand 
denkt an Realisieren der Engagements, der Gewinn kann gar nicht 
groß genug sein. Jetzt steht für das nächste Jahr ein guter Ertrag 
in Aussicht, das Angebot wird stärker und stärker, die Preise beginnen 
erst langsam, dann stärker zu fallen. Nun rührt sich auch das Pub* 
likum und deckt sich; es verkauft, was es früher gekauft hat. Jetzt 
ist es das Angebot, welches anschwillt, die Preise gehen sprangweise 
herab. Die in ruhigen Zeiten dem Terminhandel innewohnende Kraft 
der PreisausgleicbuDg wird durch diese Vorgänge vollständig in das 
Gegenteil verkehrt. 

Was für Leute aber gewissenlose Kommissionäre in den Termin- 
handel hineinziehen, ist geradezu unglaublich. Offiziere, hohe und 



1) Diea geben mach Torurteilafrete Stianneii aus dum KaafinixinASlJkiide unbedm^ sa. 
VergL f,D6r TerminhaDd«!*' (Abdruck kus der II«iaburg. B5rsenhftllB 1&92); Grünwald* 
LUieothAl, Zum TerminbADdel ah der Berlmer ProdukCenbör»«. Atteh faal ^le Steh* 
TenUad){(en der Eoqu^te siod dieser Ansicht. 

S) Vergl. SaehTorst.-Prot. S290. 



Der dcatsohe GetreidehaQdel. ^93 

Diedrige Beamte, kleine Kaafleate und Handwerker, ja Eelber and 
Hausknechte sind in den Prozessen am Börsendifferenzen als Parteien 
aufgetreten I 

Za diesem anverständigen Pablikum gesellen sich noch vielfach 
onbedeatende Pfoschmakler, die ihre Vermittelungsthätigkeit zu Speku- 
lationen allerkühnster Art benutzen ^). 

2. Alle diese Kreise rufen die geschilderte Wirkung sehr gegen 
ihren Willen hervor. Bewußt lenkt dagegen oft das sich beteiligende 
Großkapital die Preisbewegung. 

Daiß im Terminhandel weit größere Mengen als gehandelt erschei- 
nen, als wirklich vorhanden sind, ist selbstverständlich und nicht zu 
tadeln, so lange den Abschlüssen thatsächliche Vorräte zugrunde liegen ; 
steUt sich doch schon ein Schluß als verdoppelt dar, wenn er nur durch 
3 H&nde geht. Die Terminbestimmungen ermöglichen aber auch ein 
Handeln, ohne daß im geringsten an Ware gedacht wird; die schließ- 
liche Differenzregulierung vertritt die effektive Lieferung. An diesem 
Punkt setzt nun die Spekulation ein, um die sich günstige Preisgestal- 
tong zu erzwingen und die natürliche Bewegung auf Zeit wenigstens 
za hemmen. 

Auf den verschiedensten Wegen erreicht das Kapital dieses Ziel. 
Hat es bei Abschluß des Vertrages k la hausse spekuliert, so heißt 
es bis zur Regelung des Geschäfts den Börsenpreis in die Höhe treiben, 
das Angebot vermindern und die Nachfrage erhöhen. Es werden des- 
halb bedeutende Posten Getreide unter der Hand abgegeben mit der 
Bedingung, daß die so verkaufte Ware in den Konsum überführt wird 
und nicht wieder an der Börse erscheint. Oder es werden große Vor- 
lite eingesperrt und dadurch dem Markte entzogen'). Beide Manöver 
erfordern aber Geldmittel und zwar, da sie nur bei großen Posten zum 
Erfolge führen, bedeutende Geldmittel; das in dieser Richtung engagierte 
Großkapital muß sie gewähren. — Die Nachfrage wird erhöht durch 
massenhafte Kaufaufträge, deren bedeutendes Risiko wieder nur das 
Großkapital zu tragen vermag. 

Die Gegenpartei verfährt natürlich umgekehrt; sie verstärkt das 
Angebot und verringert die Nachfrage. Von allen Seiten schafft sie 
doShalb Getreide heran, um es zur Kündigung zu verwenden und nach 
gemachtem Gebrauch wieder abzustoßen. Am Tage vor dem ultimo 
kommen ja häufig ganze Eitrazüge mit Korn nach Berlin. Mit Vorliebe 
bedient man sich minderwertiger Ware. Denn durch die Kündigung 
auch solchen Getreides erscheint das Angebot erhöht ; daß sie ungiltig 
ist, zeigt sich ja erst später. Wird es zurückgewiesen, so steckt der 
Verkäufer die Differenz der Preise, die sein ungiltiges Angebot noch 
zu seinen Gunsten vergrößert hat, ein und wiederholt bei nächster 
Gelegenheit das einträgliche Manöver, so oft als die Differenzen ihn 
filr die Lagerungskosten entschädigen. 

1) Vmrgl. oben S. 171. 

2) B«idet ist im Winter 1891/92 in umfangreichstem Mafse «n der Berliner Börse, 
Teraa die berflchtlgte Speknlationifirm« Ritter & Blamenfeld getehehen. Vergl. Sftchyer- 
stiadigenproi., 8. S488. 

Mite Folf« Bd. YU (LXU). 13 



194 



Kurt Wifld«iiffild, 



Beide Parteien bedienen sich auch mit Erfolg der sog. Dnterder- 
handregulieruDgeDf d. h. sie bestimmen durch Gewährung irgend ivelcher 
Vorteile den Gegen kontrahenten vorzeitig seine Position aufzugeben und 
das Geschäft heimlich zu realisieren. 

Alles dies sind Vorgänge, die an sich den Beteiligten nicht zam 
Vorwurf gemacht werden können; jeder will eben für sein arbeitendes 
Kapital mit Recht mdglichst hohen Gewinn erzielen. Aber in diesem | 
Zusammenhatig, da sie bestimmt und fähig sind auf den Börsenpreis j 
einzuwirken, sind sie verwerflich und gefährlich. Der Börsenpreis ist 
nicht nur ein Durchschnittspreis der an der Börse abgeschlossenen 
Geschäfte — schon diese Eigenschaft wird durch jene heimlichen ^ 
Machenschaften hinfällig — sondern er ist bestimmt von der au^en*fl 
blicklichen Preislage des Artikels überhaupt ein Bild zu geben unti H 
dient daher auch zahlreichen anüerhalb der Börse geschlossenen Ver- 
trägen zur Grundlage. Diese Aunahme wird illusorisch, wenn nicht 
auf Vorrat und Bedarf beruhendes Angebot und Nachfrage, sondern 
lediglich Kapital- und Kreditmacht den Preis bestimmen ; wenn dieser 
nur davon abhängt, welche der Parteien die kräftigere ist und daher _ 
ihre Position länger zu behaupten vermag. ■ 

Aber auch vor an sich zu verurteilenden Handlungen scheuen sich ™ 
die Spekulanten nicht. Falsche Gerüchte werden an der Börse aus- 
gesprengt und in der gefügigen Presse verbreitet; Geschenke werden 
an die Vertreter von Zeitungen gegeben, damit sie die gleiche Rich- 
tung in ihren Berichten vertreten. Jenes Betrug, dieses Bestechung 
vom moralischen Standpunkt aus. Auch rechtlich Betrug, leider nur 
äußerst selten zu fassen, sind die Scheingeschäfte, in Sonderheit die 
Scheinkündigungen. Obwohl der Kündigungsschein den Lagerort an- 
giebt — er muß es ja zu seiner Giltigkeit — ist doch das damit 
angediente Getreide garnicht vorhanden. Er erscheint nur an der 
Börse, um den Preis zu drücken. Willfahrige Freunde lassen ihn kur- 
sieren und schließlich in die Hand des Ausstellers zurückgteiten. Liegt J~ 
der Scheinkündigung bereits ein Scheinabschluß zugrunde, so ist diej 
Wirkung verdoppelt; das Verfahren ist das gleiche. 

Demselben Zwecke dienen vielfach auch die Kündigungen auf sich 
selbst. Allerdings sucht oft der Aussteller eines auf ihn selbst als 
Empfänger lautenden Scheins damit sich einen Aufschub der Entschei*i 
düng, an wen er kündigen will, zu verschaffen — er gewinnt die Zeit! 
zwischen dem Endtermin der Büreauabüeferung und dem Beginn des] 
Kündigungsverfahrens; aber in zahlreichen Fällen wird ein solcher 
Schein nur abgegeben, damit die gekündigte Menge größer erscheint, 
und bleibt im übrigen regungslos bei dem Aussteller. 

Seitens der Börsenleute wird allerdings behauptet, daß derartig^ij 
Erscheinungen in ruhigen Zeiten nur äußerst selten hervortreten; für 
bewegte Perioden werden sie als häufig zugegeben '). Das genügt 
zwar, die Aufmerksamkeit auf sie zu lenken. Aber auch in verhältnis- 



1) VMTgl. die AenSeruiigen der kattfmftuD. Bkebreratlodlgeii. (System. Berichl Teil 11 

KU Frife t). 



Der deaUcbo Gctreidebuidel, 



id6 



mhjgen Jahreo, wie 1893 eines war, müssen SpekulatioD3- 
fma&Ofer in ziemlich beträchtlichem Maße gespielt habeu. Woher deno 
die plützlicbeu, ganz UDgewöhDlich großen Küodigungen^ welche in den 
eisten Tagea des September 1893 stattfanden»)? Es läßt sich bei 
der Höhe der gekündigten Mengen nicht annehmen, daß die Kündigungen 
ille aus Engagements mit eßektiver Grundlage herrührten. Hier liegt 
(»ffeDbar der Schloß eines Spekulationsgeschäfs von 

Alle diese Nachteile, wie sie bisher geschildert sind, beruhen auf 
ier allzu ausgedehnten und unkontrollierten Beteiligung von an dem 
eSektiveu Getreidebandel nicht interessierten Personen. Sie sind 
schwerwiegend genug, die Vorzüge des Termin band eis in den Schatten 
m stallen. Denn : die Versicherung wird dem Händler sehr erschwert, 
ia ofiber^chenbare Einflüsse seine Aufstellungen durchkreuzen^); sie 
wird UQ wirtschaftlich, indem schwache Elemente das Risiko den starken 
ihnehmen. Der in ruhigen Zeiten bewirkten Ausgleichung der Preise 
liiit eine ungeheure Bewegung bei unnormaler Lage des Marktes gegen- 
über. Die Preisnotierungen sind nicht mehr das, was sie sein soUen, 
datier wertlos und gefährlich. 

3. Weniger bedeutend und auch leichter zu beseitigen sind einige 
Fdiler, welche der heutigen Organisation des Terminhandels anhaften, 
aber picht in seinem Wesen begründet sind. 

Eine Gefahr liegt in der Feststellung der Lieferuu-;squalität ein- 
witig durch die Börsenbebörden. Im Interesse des Handels liegt es, 
tttcht zu hohe Anforderungen zu stellen, damit stets genügende Mengen 
mit Leichtigkeit beschafft werden können. Andererseits wird aber der 
Preis 80 wesentlich durch das Verhältnis beemflußt, in welchem ein 
Po-^ n rreide zu der Lieferungsqualität steht, daß überwertiges Korn 
mii i entsprechend höheren, sondern nur einen wenig höheren 

Frei* erzielt. Es wird daher vorteilhaft, das Getreide nur in Lieferung«- 
gute herzustellen; eine leicht zu erkennende Gefahr für die Landwirt- 
schaft, wenn die Anforderungen gering sind'). Allerdings ist auch 
Dicht zu verkennen, daß durch ein sehr hohes Maß die Durchführung 
fon Schwänzen (corners) erleichtert wird. 

Auch die Zulassung einer Ware zum Terminhandel sollte nicht 
ltd%Uefa in da5 Ermessen der Börsen selbst gestellt sein. Nicht das 
Bedtrfate des Verkehrs, oft allein das Verlangen nach vermehrten 
Spehalationsobjekten ist dann maßgebend ^). 

4. Die sonst noch erhobenen Vorwürfe sind nicht zutreffend. 
Selbst mit Hilfe des Termin bandeis ist es der Börse nicht mög- 
lich, die Getreidepreise unabhängig von den Preisfaktoren der Natur 



1) Am K S«pt«tiib«r 1893 sitid 2^450 t fio^geo gekündigt worden. 

1) Itftöchflr OrofililjidJer bfidieDt sich jetzt „der ewigen SebwAnltongeQ wegen** oiolll 
du TenalnhejidetA (SAcbverst -Prot. S. 34 6S, S886). 

t) Aue di«MtB Gmode hui io Prea&eo die Regteraog dAr&uf gedroDgeo, daB die 
Il6fi«ii dAi Mladeetgewiciit bereafeetsteo. 

4j Kia Beieplel bierfür bietet der Termbbandel in Kammaug. In Preu&eo wurde 
••Im EbMfVair toa der Kegieriug niebt aagel»sien; in Leipzig ist er trote lebbefteo 
Wldenpmeba eUer Intereeaeotea «ifgeiioimtieii worden. 



196 



Kart Wiedeofeld» 



ZU diktieren. Zu jedem Vertrag gehören doch 2 Parteien* deren 
Interessen entgegengesetzte sind. Den a la baisse spekulierenden 
Verkäufern stehen daher stets die ä ia hausse auftretenden Käufer 
gegenüber, und es kann ja gar nicht anders sein, als daß sich die • 
beiden Richtungen im großen und ganzen gleich stark gegenüber ■ 
stehen. Gerade bei reinen Spekulationsgeschäften fehlt doch die Not- ■ 
wendigkeil des Abschlusses, die unter anderen Verhältnissen vielleicht 
zu einem Vertragsschluß auch auf einer verlorenen Position drängt 
Wollte daher eine der Parteien — der Vorwurf wird vor allem deo 
Baisse-Spekulanten geuiacht — ihre Kräfte mißbrauchen, so würden 
ihr bald die Gegeukontrahenten fehlen. 

Es tritt hinzu, daß gerade der Getreidehandel ein vollständig 
internationaler ist, daß es daher nicht in der Hand einer, auch nicht 
der bedeutendsten Börse liegt, beliebige Preise zu zahleo* Um daher 
einer bestimmten Richtung dauernd zum Siege zu verhelfen, müßte 
eine Einigung aller der in- und ausländischen Interessenten erzielt 
werden ; von vornlierein ein aussichtsloses unternehmen , wie der 
KaifeekorRcr in Hamburg, der trotz der Führung der Rothschilds mit 
Verlust geendet hat, und die Versuche in dem Petroleumhandel zur 
Genüge bewiesen haben. 

Daß die Börse überhaupt den Preis bestimmt, läßt sich natürlich 
nicht leugnen; es ist leider nur allzu wahr, daß, wie bereits erwähnt, 
fast alle Verträge zwischen dea Produzenten und ihren Käufern nach 
dem Börseüpreise abgeschlossen werden. In der Bestimmung dieses^fl 
Preises ist die Börse aber auch an die natürlichen Faktoren gebuoden, H 
die für sie allerdings international sind und daher auch dem heimischen 
Einflüsse entgegengesetzt wirken können. Der stetige Niedergang in 
den letzten Jahrzehnten ist sehr erklärlich, ohne daß maa Spekulationen 
ä la baisse dafür verantwortlich machen kann; Nordamerika und 
Indien haben so bedeutende Mengen Getreides auf den Markt ge- j 
bracht, daß ein Fallen des Preises unvermeidlich war V)- ■ 

Vorübergehende Störungen bringt aber das Termingeschäft zu-" 
Stande. Schon die Thatsache eines starken, unerwarteten Angebots an 
sich vermag, auch ohne daß eine entsprechende Menge Getreides 
dahinter steht, den Preis monieutan zu werfen und umgekehrt eine 
spekulative Nachfrage ihn zu treiben. Doch wirken solche Manipu^ M 
lationen nicht auf die Dauer, die Gegenpartei durchschaut sie in derfl 
Regel bald und läßt sich daher nicht weiter dadurch beeinflussen. 
Aber da imnierhin jene Bestürzung in den Preisnotierungen zum Aus- 
druck gekommen ist, so bleibt bei deren weitreichendem Einflüsse der 
Schaden dieses Gebahrens auf der Landwirtschaft haften, die Börse 
erholt sich leicht durch die stärkere Gegenströmung, der Landwirt 
ist an seinen Vertrag, den er bei dem ungünstigen Preisstande abge* 
schlössen hat, gebunden^). 



t) VergL Soriti^: LftudirfrUcbd'll. Koakurrens Hordamerniae , S. 211 aod Wolf« 
ThmtsAchen und Auastchlcn der ostindtAcheii Koakarreaz im WeiseDbandel (1886), 

i) Vergl. die AeulAeruageu d«r k«uifmiiiiiisch«ii, sowohl wie die der laudwirUehAfl* 
Ucfaeo SachvtrsUUidtgeii (Stchregiater su Ff«f e 7 uüd 6). 



Der deotoclie G^treMehuidftl, 



197 




HH Man hat ferner behauptet, der TerminhaDdel befördere die Kon- 

■nttrattoo des Handels in Getreide und setze dadurch die Produzenten 

m tu drückende Abhängigkeit von ihnen unzugänglichen Faktoren. Die 

" Tbataacbe einer fortscbreiteuden Zentralisation, besonders auf Berlin 

SQ, kann nicht geleugnet werden. Dies liegt aber so sehr im Inter- 

efise jedes Handels, daß er stets mit allen Kräften danach streben und 

es daher auch erreichen wird, wenn nicht mit Hilfe des Termingeschäfts, 

ilMli mit andern Mitteln, 

Der Terminhandel soll auch der Bildung von Schwänzen Vorschub 
leisten. Eher das Gegenteil ist der Fall. Durch die Verteilung der 
Lieferungsverbindlichkeit auf einen längeren Zeitraum ist der Ver- 
teofer in die Lage gesetzt, bei eintretendem Mangel noch bis zum 
Schluß der Frist Ware heranzuziehen und dadurch der sonst allerdings 
leicht erdrückenden Nachfrage entgegentreten zu können. Es hat daher 
auch jeder corner der letzten Zeit mit bedeutendendem Verluste der 
iligten geendet. 

Schließlich sind die Verzugsbestimmungen bemängelt worden : daß 
Nachfrist nicht gegeben wird, daß der Schaden nicht speziell 
mchzuweisen ist, daß das Recht des Rücktritts fast überall ausge- 
idilo8$eD ist — Die Gewährung einer Nachfrist ist bei dem Interesse 
im Handels an pünktlichem Abschluß unmöglich, daher ja auch im 
mistigen kaufmännischen Verkehr nur selten (Wechsel!). Der Kauf- 
aiami muß, wenn er überhaupt konkurrenzfähig sein will, sein Kapital 
mAgliebst oft umsetzen; er baut daher eine Unternehmung unmittel- 
bar auf der anderen auf, und wird die eine nicht pünktlich abgewickelt, 
10 stürzt das ganze Gebäude. Eine Nachfrist hat hier keinen Platz *). 
Warum den Schaden spezialisieren und auch wieder eine Ver- 
«dgening der Abwickelung hervorrufen^)? Auf einem Terminmarkt 
fiideii sich stets Käufer und Verkäufer für beliebige Mengen Getreide 
n deni Börsenpreis, Der Erfüllungsbereite kann sich zu diesem daher 
tl€ia decken, und sein Schaden besteht eben nur in einer etwaigen 
Diflereait. Ebenso kann aber auch der Säumige stets sich aus dem 
Vefvtfe sieben, und deshalb ist das Rücktrittsrecht ausgeschlossen. 
Will der Gegner seine Stellung verbessern und den Preis durch ein 
DecJcuDgsgeschäft zu seinen Gunsten noch etwas verändern, so ist es 
ihm an den meisten Börsen, sowohl als Käufer, wie als Verkäufer, 
imbeiioinmen, durch einen vereideten Makler den An- oder Verkauf 
ctoor seinem Vertrage entsprechenden Menge zu bewerkstelligen ; in 
Berlin hat allerdings nur der Käufer dies Recht, der Verkäufer nicht. 
5, Zum Schluß noch einige Worte über das Prämiengeschäft Eng 
mit dem Termiahandel verbunden, bestärkt es die mit diesem ver- 
boDdooen Gefahren noch beträchtlich. Nur in sehr seltenen Fällen 
M m für den Händler ein Bedürfnis, durch Zahlung einer Prämie 
mA den Abschluß eines Vertrages oder den Rücktritt von einem 
za sichern. Der Importeur, der ins Ausland eine Offerte ge- 

}> ammj^f weleher dies V«rlMigen txn BeichfUg (SiUung Tom 1€. 6. 89 ftmfgeateUt 
•« leteCDt M idbil »nfgegtbeo la b»beo ; wetti^l«i» ist er in den Enqnlte-Sitsungea 
ile dmof rarftekfekomiiieii, obwohl «r sonst «Ue Bedeoken eingehend geltend mmcbt* 
I) KrvaaMeitnng >oip 10. HSm 1892 (BeaernTereuDmlaDg TOa B&Ue). 



198 



irt WUdenfald, 



sandt hat und noch UDsicher ist, ob sie angenommen wird, kann ja 
in die Lage koniraen, sich eines derartigeo Geschäfts (sog. Vor- oder 
Rückprämie) mit Vorteil zu bedieneo. Aber wie gering ist das Risiko» 
welches er dadurch vermeidet t Heute bindet sich Diemaud mehr auf 
Tage an seine Offerte, höchstens auf Stunden; per Draht gebt sie 
hinaus, umgehend bat die Antwort per Draht zu erfolgen '). Noch 
kürzer ist die Warte frist, weno im Inland eine große Getreidelieferang 
ausgeschrieben wird und der bietende Händler sich den Bezug nur 
für den Fall, daß er zur Lieferung gelangt, sichern will. Stets ist 
also das Risiko doch nur unbedeutend und daher ein dringendes Be- 
dürfnis kaum anzuerkennen^). Aber immerhin liegt hier doch ein 
wirtschaftlicher Grund vor. 

Bedenklicher sind schon die Nochgeschäfte. Der Verkäufer, welcher 
einen größeren Posten Getreide lagern hat, möchte wenigstens für einen 
Teil einen höheren, als den Termiopreis erzielen; er verkauft deshalb 
nur */3 etwa gegen Prämie und gewährt dafür dem Käufer das Recht, 
einen gleichen Posten noch ein- oder zweimal zn verlangen *). Macht 
dann der Käufer von dieser Befugnis Gebrauch, so hat der ganze 
Posten vorteilhaften Absatz gefunden; thut er es nicht, so muß der 
für das eine Drittel erzielte höhere Preis einen etwaigen Ausfall des 
Rests decken- — Zweifellos eine äußerst kühne Berechnung, die mit 
der Versicherung durch Terminhandel nichts mehr gemein hat; der 
eine Faktor, die Absatzversicherung, fällt ja ganz fort. 

Gar keinen Boden im wirtschaftlichen Lehen haben die Stellage- 
geschäfte. Wie läßt sich wohl eine Sachlage denken, in der es für 
den Händler von Wichtigkeit Ist, zu einem gewissen Zeitpunkte nach 
seiner Wahl als Käufer oder als Verkäufer aufzutreten? Eio Grund 
ist unerfindlich ; es ist die reine, lediglich auf Difierenz gerichtete 
Spekulation, die mit dem effektiven Umsatz garnichts zu thun hat*). 

Einen Fehler haben aber alle Prämiengeschäfte: der Prämien- J 
geber muß sich für die Prämie zu entschädigen suchen und ist! 
geradezu darauf angewiesen, mit allen Mitteln eine ihm günstige Preis- 
bewegung durchzusetzen, die oben geschilderten Manöver auszuführen. 
Andererseits liegt in der Beschränkung des Risikos auf eine Prämie, 
wie sie die Vor- und Rückprämieogeschäfte enthalten, ein verstärkter 
Anreiz für Outsiders, von dem Gifte des Tenninhandels zu naschen und 
in der Aussicht auf die im Nochgeschäft doppelt und dreifach zu ver* 
dienende Provision eine starke Versuchung für Kommissionäre, immer 
neue Opfer heranzuziehen. 

Dem ganz geringfügigen Nutzen, den in seltenen Fätlen der eSektive 
Handel aus dem Prämiengeschäft zieht, stehen also recht bedenkliche 
Wirkungen auf das Börsenspiel gegenüber. ■ 



1) VergL S^cbv-Prot. S. 2317. 

9) D«r ^dfst« O^trmdehftndler Dsnslgs htX nach aeiner Angabe ftberliAopc ooeh 
koin PrlmieDgescbiLft abgescb1os»en. (Sju^hT.-Prot. S. 8892). H 

3) So betreffs SpirituA SAcbv.-ProL S. 3153. H 

i) Treffend ist das Stell ft^egeacbfirt von dem 8«c1it. KopUch (Prot. S, 36T2) „«int^ 
besondere Form von Monte*K«rio*' j^eoAnnt. 



D«r dmtodie OttnidchjiDikL 



199 



n« DerKommiasionshaDdel. 

Dm Termiogescbäft mit seiner ausgedehnten Heranziehung atißer- 

der Börse stehender Kreise hat die KonfimissioDSthätigkeit zu einer 
^der wicbtigsteu und eiDträglichsten Funktionen der großen und kleinen 
Bdrsenhändler auf dem Gebiete des Getreidehandels gemacht Zahl- 
reiche Finnen beschäftigen sich überhaupt nur mit der Besorgung 
fremder Aufträge, und auch die bedeutendsten Berliner Importeure 
baboD diese Tbätigkeit in ihren Betrieb aufgenommen. 

Der Kommissionär, wie er sich uameBtlieh in Berlin ausgebildet 
tiil, bewegt sich auf doppeltem Gebiete; einmal schließt er für seinen 
Auftraggeber die Verträge über individuelle Ware ab, sodann besorgt 
er auch dessen Terminabschlusse. Die Formen, in denen sich diese 
Thatigkeit vollzieht, sind bei beiden Arten im wesentlichen die gleichen ; 
bei dem Terminhandel treten aber ihre Kigentümlichkeiten schärfer 
benror, so daß sie im Anschluß an diesen besprochen werden sollen. 

L Unter dem Einfluß des § 376 H.G.B. hat sich eine vollstän- 
dige Umwälfung des Kommissionsverkehrs vollzogen; § 376 giebt be- 
lanntlich dem Kommissionär das Recht, bei Waren, , • , welche einen 
BQfiezK oder Marktpreis haben, das Gut selbst zu liefern oder für 
sieh zu bebalten, wenn nicht der Kommittent ein anderes bestimmt 
bat; er muß nur nachweisen, „daß bei dem berechneten Preise der 
Kirseii preis oder Marktpreis zur Zeit der Ausführung des Auftrages 
eiogehalten ist". Da Getreide zu diesen Börsenwaren gehört, so macht 
htole dar Kommissionär fast immer ^ ) von diesem „Selbsteintritts- 
reeht*^ Gebrauch und wird Gegen kontrahent seines Kommittenten. 
Dtr Schlußsehein lautet daher auch stets: „Ich kaufte von Ibnen oder 
Ich verkaufte an Sie , . . /^^), so daß der Auftraggeber spätestens 
bei Empfang dieses Scheins das Verhältnis durchschaut Selbstver- 
Kindlich „behält" der Kommissionär nicht alle so geschlossenen Ver- 
I Mgt ,4n sicb^S d, h. er verkauft oder kauft diese Waren auch seiner- 
icitBb Das Deckungsgeschäft schließt er aber dann nicht als Kom- 
ttiasiOliäri sondern auf seine eigene Rechnung und daher auch zu der 
ihm beliebenden Zeit and Größe ab* 

Das Selbsteintrittsrecht hat den Vorzug vor der eigentlichen Kom- 
osnoB^ daß der Auftraggeber sofort Bescheid Über die Ausführung 
te Auftrags erhält ^% überhaupt besser bedient wird und daß ander er- 
Mts der Kommissionär nicht gezwungen ist, durch die Angabe (sogen. 
AnlpUie) des Gegners seine Geschäftsbeziehungen dem Kommittenten 
dha IQ legen*). Es bringt sodann den sogen. Kursschnitt mit sich. 
WihreiMl bei der eigentlichen Kommission der Beauftragte dem Auf- 
den Preis berechnen muß, welchen er thatsäcblicb bei dem 



i: i«c2tTe7itAndiK«iiprotokoU S. 8418, 8598, 8770 u. *. 

v^ngl die SchlafMcbeiiiei die anser gröfster Kommistioaix »d dar EffcktBobör»«, 
^ «N j&ocli»li«okf im V«rk«hr mit ihren Auftraggebern benntst 

|| Hoiik« Ssr Bdrsenrebrm, S. 89. 

i) Terfl Orllnirftld und LUi^nUi&l^ D«r Terminb&nde) wa der Berliner Produkteabön« 
[ (im;, S. li. 



200 



Kart Wiedesfftld, 



Geschäft erzielt hat, genügt es bei Seibateintritt, daß er „d^o BörsetJ^l 
preis zur Zeit der Ausführung des Auftrags" iaDegehalten hat; bringt' 
ihm das Deckungsgeschäft einen günstigeren Preis, so ist das sein 
Vorteil» er macht dann einen ,,K ursschnitt*'. 

Die Bestimmung des Handelsgesetzbuches leidet an zwei Mängeln 
Einmal ist es bei dem Verfahren der Kursfeststellung kaum mögüchj 
den Zeitpunkt, wann einer der Preise geherrscht hat, {festzusteUen p 
ganz unmöglich ist es aber zu erkennen, in welchem Augenblick der 
Kommissionär von seinem Rechte des Selbsteintritts Gebrauch macht, — 
es ist ja eine Sache lediglich des Entschlusses , dem eine Aeußerung 
durchaus nicht zu entsprechen braucht. Je nachdem eine Einkaufs- 
oder eine Verkaufskommission vorliegt, trägt der Kommissionär oder 
der Kommittent die Nachteile, die sich aus diesem Verfahren ergeben. 
Denn wenn der Beauftragte als Verkäufer mehr beansprucht, als die 
niedrigste Preisnotiernng angiebt, und der Käufer will ihm nicht mehr 
bewilligen, so ist bei der heutigen Notierung jenem der Beweis seines 
höheren Anspruchs sehr erschwert, wenn nicht unmöglich, und ebenso 
liegt es, wenn der Auftraggeber der Verkäufer ist und der Kommis- 
sionär nur einen niedrigen Preis in Rechnuog stellt* 

Ist das aber wirklich ein Nachteil? Für den Börsenhändler 
zweifellos nicht; er hat es in seiner Hand, den Auftrag ohne Selbsteintritt 
auszuführen und dann durch den Schluüschein den Beweis des höheren 
Preises zu führen. Aber auch der Kommittent ist nicht geschädigt; 
er kann es nicht verhindern, daß sein Beauftragter das Geschäft für 
ihn in dem ungünstigsten Augenblick abschließt, und darf sich daher 
auch nicht beklagen, wenn nun der Kommissionär selbst anstatt eines 
Dritten den Gewinn einsteckt, üebrigens wird sich der Börsenmann 
in der Regel aus Furcht vor der Konkurrenz scheuen, stets oder auch 
nur oft den niedrigsten Preis anzusetzen, wenn er sich auch nicht weit 
darüber erheben wird. 

Auch von einem K u r s s c h n i 1 1 kann nicht wohl die Rede sein, 
da das Deckungsgeschäft den Kommittenten gar nicht berührt Die 
meisten Aufträge laufen vor Beginn der Börse ein, also zu einer Zeit, 
wo noch kein Börsenpreis besteht Der Kommissionär kann dann von 
seinem Rechte noch keinen Gebrauch machen, er muß die Ausführung 
des Geschäfts aufschieben und behält sich den Selbsteintritt vor. Da 
aber die Börsenpreise auch im Laufe der Börse nicht festgestellt und 
somit nicht bekannt werden, so kann er sich auch in dieser Zeit über 
den Preis nicht entacheideD; er muß warten, bis die Notiz veröffent- 
licht ist und er daraus den Börsenpreis ersieht Selbst wenn er nun 
auch den Moment markiert hat, in dem er den Entschluß, den Auf- 
trag gerade dieses oder jenes Kunden selbst zu erfüllen, gefaßt hat, 
so ist es ihm doch unmöglich^ den Börsenpreis dieses Augenblicks fest- 
zustellen. Er ist darauf angewiesen, aus den Zahlen eine auszusuchen, 
und da er dabei nicht in seiner Eigenschaft als Beauftragter, sondern 
als selbständiger Verkäufer dem Kommittenten gegenüber steht, so 
ist er — wenn man überhaupt bei dieser Sachlage noch eine Berecfa- 




D«r dentsehe GetreidehaDdeL 



201 



tigimg zum SelbsteiDtritt aDDebmen iwill — sicherlich befugt, sein 
Uiiareflse voran zustellen und einen Preis nahe der niedrigen Grenze in 
Reclmittig zu nehmen. Der Kursschnitt soll nun darin bestehen ^ daß 
der Kommissjonär diesen Preis stets so aussucht, daß aus dem Deckungs- 
gesehäft ein Gewinn für ihn abfällt. Auch das ist im einzelnen nicht 
der FalL Bei den Abschlüssen, die er während einer Börse — auf 
seine dgeoe Rechnung — macht, denkt der Börsenhändler wohl an 
die Gesamtheit der Aufträge^ die ihm geworden sind; aber jeden ein- 
leloeo hat er nicht im Kopfe. Auch er selbst ist nicht imstande an- 
tsgebeo, für welchen Auftrag er in diesem, für welchen er in jenem 
AiiKeoblicke sich deckt ^). Er wird selten so unvorsichtig sein, alle 
Dedcongsgescbäfte auf einmal und zu demselben Preise auszuführen; 
idcfaeo Preis soll er nun dem einen, welchen dem anderen Kunden 
htt^echoeii? Im ganzen gewinnt er vielleicht bei diesem Vorgehen; im 
cioselfieD l&ßt sich aber nichts feststellen, und darauf kommt es an, 
«eQD man von „Kursschnitt** reden will. 

Etwas anderes ist es ja, ob man bei der heutigen Art der Preis- 
fcsistelictng im Getreidehandel ein Recht zum Selbsteintritt als beste* 
hiod Doeh annehmen wilL Es kann sehr wohl dagegen geltend gemacht 
lerden, daß der Absatz 2 des § 376 zugleich eine weitere Voraus- 
Maujig dca Selbsteintrittsrechts aufstellt; daß es dem selbsteintreten- 
dm KoaiiDisaionär überhaupt möglich sein muß, ,,deo Börsenpreis zur 
Zdl der Ausführung des Auftrags einzuhalten'', und dazu muß er ihn 
for altem selbst kennen. Einige wenige Börsenhändler verzichten aus 
diesem Grunde auf das Recht des § 376; die überwiegende Mehrheit 
hftt aber — offenbar gegen die Absicht des Gesetzes — den Begriff 
dar AiiafBhrungszeit weiter und versteht darunter den ganzen Lauf 
einer B&ise; jedenfalls halten sie sich für zum Selbsteintritt befugt 
idioii aus dem Grunde, weil diese hier genannte Voraussetzung ohne 
Ikr Verschulden fehlt»). 

Der Verkehr hat sich an diese Art der Auftragserfüllung gewohnt. 
Aocb der Kommittent will in der Regel mit niemandem außer seinem 
Kommiflsionär zu tbun haben. Er würde vermutlich sehr erstaunt sein, 
wenn auf dem Scblußschein stände: „In Ihrem Auftrage verkaufte ich 
^ in N* N- .*♦**; sein erster Gedanke ist sicherlich, was geht mich 
H S. V, aa» ich will von meinem Kommissionär das Kaufgeld haben, was 
H «r mit der Ware macht, ist seine Sache *). Will er aber in seinem 
H Vertrsoeii nicht so weit gehen, daß er dem Kommissionär ganz freie 

1) V«rfS. 8««b7«rstIiiaiROoprotokon. S. StU. 

t) Bt wfirdt SU weit nihrtn» die«« Eechtsfrft^e hier sa b«h&iide]a. Eine oberstricht«r- 
~ donf i»t, sortd mir bek«tiiit, noch nicht erfolgt. Auch bisher nicht provosiert 



1) Um «f« ikn meiAtft» aIber]i«g«odeB Esispiel tu wihltto : Ein Deponent der Reiehs- 
kmk fMat dlneüf Or4er sn ▼erknafen; Unt Schlarsseheto het sie »n X verknufl; et ent- 
iliiC eia« S4f«ruDg in der Geldiehlanf;. Was würde wohl der Deponent legen ^ wenn 
mi ^m IfallBeis ait«Utt de» b&ren Oeldea eine Ceialonsur künde mn ihn gesandt wQrde 
all 4v AsHbrderunf^ , den X eu beten^n , de die Keicbsbenk nur den Auftrag «rfttlH 
nicht übernoiameD habe ? 



202 



Kurt WUdenr«]d, 



Hand läßt, so liegt es in seiner Macht, eine Grenze anzugeben ; selbst* 
Terständlich muß diese inneprehalten werden. Allerdings sind solche 
^Jimits'' Dicht häufig; das heute vielfach zugezogene Publikam ist nicht 
dazu angethan, mit seinem Vertrauen vor der Spekulation zurückzu- 
halten, erst bei Verlusten wird es stutzig. 

Kann somit auch für die Parteien aus dem Selbsteintritt in dieses 
Stadium der Spekulation ein Nachteil nicht erwachsen, so ist doch ein 
allgemeiner Schaden damit nicht verbunden. Der Gewinn, den die 
Deckungsgeschäfte abwerfen — Verluste können es nur in ganz seltenen 
Fällen sein, da auch der unvorteilhafteste Preis in der Notiz erscheiot 
" reizt natürlich, die Zahl der Kunden möglichst zu vergrößern und 
rücksichtslos auch ganz uninteressierte Kreise in das Treiben der 
Spekulation hineinzuziehen. Doch davon später. 

2. In der Regel vollzieht sich heutzutage der Beginn eines Termin- 
engagements in einer anderen Form. Der Börsenhändler wartet nicht 
ab, daß ihm Aufträge von außerhalb zugehen, sondern geht seinerseits 
mit sogen. Anstellungen vor*). Er stellt nach Börsenschluß einea 
Offertenzettel zusammen, der an alle seine Agenten telegraphiert wird 
und diesen zur Grundlage ihrer Aufforderungen zum Geschäftsabschluß 
dient. Hier ist also der Auswärtige, der sogen. Kommittent, der an- 
nehmende Teil. Von einem Auftrag kann gar keine Rede sein; es 
liegt vielmehr ein Kaufvertrag vor mit der Besonderheit, daß der 
Offerent zugleich sich verpflichtet, die Abwickelung des Engagements 
zu leiten ^). 

Da in diesen „Anstellungen" meist, wenigstens bei ruhigem Ge- 
schäftsgange — in bewegten Zeiten pflegt man vorsichtiger zu sein — 
die Offerte für Ein- und Verkauf dieselbe ist oder nur ganz unbe- 
deutende Spanimngen zwischen den beiden Preisen aufweist^), so ist 
natürlich das Risiko ein ganz bedeutendes. Die Angaben sind auf 
Grund der letzten Börse gemacht; alle bis zum Schluß der nächsten 
Börse daraufhin einlaufenden „Aufträge*' werden danach berechnet; 
da aber jede Aenderung bei der Gleichheit der Offerte sich doppelt, 
als Gewinnverringerung und Verlustvermehrung geltend macht, so 
können die ständigen Preisschwankungen den Anstellenden stark in 
Verlust setzen. Er rechnet darauf, dalS die Kaufs- und Verkaufsab- 
schlüsse sich ungefähr gleichstehen werden und daß ihm die — audi 
bei dieser Geschäftsform erhobene — Provision als Gewinn verbleibt, 
auch etwaige Verluste überwiegt. Wie weit diese Wahrscheinlichkeits- 
rechnung zutrifft, läßt sich nicht übersehen. Immerhin ist das Risiko 
80 groß, daß gerade die angesehenen Firmen es vermeiden und zum 
Teil derartige Geschäfte für unreell erklären*), und das mit Recht; 
es ist durchaus ungesund, daß jemand sich für Verhältnisse bindet« 
die er nicht übersehen kann. Wie will der Ansteller m genau angeben 



1) aachvarst-Prot. 3. i417 n. a. <^ GrÜDw&ld a. a. O. B. 19. { 

1) In den B€r9«iikreiseD hat iioh di6i« riehtige AoffMsiiiii^ bereits Geltung verschaffl; 
vergl. Grüawald a, a. O., sowie die kaufm&iiiiiscbeD Saohvent&Ddigao aa Frage 19 luid tl. 
S) Vergl. Sachvcrst-Prot. S. 8747, 
4) VergJ. SachTerat-Prot, 8. 8769. 



iHr dentseh« Oetr^idehaodeK 



203 



^UoD^i, wie er es zur AufstelluDg einer derartigen OSerte müßte, 
welcher Preisgan^ am nächsten Tage sein wird* Es ist also nur eine 
kühne, planlose Spekulation, welche der Ansteller betreibt, ohne wirt- 
scb&fUiche Berechtigung, lediglich zu dem Zwecke eingegangen, Kunden 
etjunifangeD and dadurch möglichst viel Provision zu verdienen. 

EHe Anbänger dieses Gebahrens machen geltend, daß der aus- 
wärtige Getreidehändler in jeder Minute Gelegenheit haben muß, sich 
öher die Termin Verhältnisse der anderen Börsen, besonders Berlins, zu 
ifkntieren '). Telegraph und Telephon dürften ihn aber diesem Ziele 
weieBilich näher bringen als die Anstellungen der meist kleinen 
EoiDmifisiiottsfirmen die so arbeiten. Den Schaden tragen auch hierbei 
die aiitsiders, die zur Erhöhung des Umsatzes und der Provisionen 
fceiftiigezogeQ werden. 

So der Abschluß des Termingeschäfts. Als Regel kann man danach 
hmsteHea, daß der Börsenhändler das Geschäft selbst macht, daß er 
itao im wesentlichen nicht mehr Kommissionär ist Wofür bezieht er 
■her die Provision, die doch stets berechnet wird? Nach der Auf- 
kamag des Börsenschiedsgerichts von Berlin ^ ), der beizutreten ist, 
fl^ die Verpflichtung die Lösung des Vertrages auszuführen, also für 
doD zweiten und wesentlichen Teil der Spekulation. 

3. Iq der Zeit zwischen dem Vertragsschluß und der Erfüllung 
tritt die Stellung des Börsenhändlers als eines Kommissionärs wieder 
ti den Vordergrund, Da die Mehrzahl der Kunden nicht im ent- 
ferntesten an eine effektive Lieferung oder Abnahme denkt, so handelt 
m lieb nun darum, den richtigen Zeitpunkt der Deckung zu finden. 
Ist der Auftraggeber selbst Getreidebändler und börsen kundig, so kann 
er «OB eigenem Wissen das Deckungsgeschäft anordnen; jeder andere 
Eosdis Ist aber auf den Rat seines Koramissiooärs angewiesen, und da 
' aieb du Realisationsgeschaft durch Selbsteintrirt erledigt wird — An- 
Isugeii können hierbei nicht vorkommen — so kommt es in der 
TItal zu einer scharfen Interessenkollision. Der Kommissionär, der im 
mteo Vertrag Käufer gewesen ist und daher im zweiten als Verkäufer 
asftitttf bat das Interesse, bei steigenden Preisen den Kunden mdg- 
bhsl tange bei dem ersten Engagement festzuhalten ; der Unterschied 
zwifldiieii den Preisen, der in diesem Falle ihm zufällt, wird dann immer 
gfifier. Wenn der Preisgang dagegen nach unten tyerichtet ist, so be- 
mtht sieh der Kommissionär, recht bald die Deckung zu bewirken, um 
OMl geringe Differenz nur zahlen zu müssen. Gerade umgekehrt liegen 
41b Verbältoisse, wenn der Kommissionär sich a la hausse engagiert 
kat. In Jedem Falle ist das Interesse des Kommittenten engegengesetzt ; 
er frigt also seinen Gegner um Rat. 

Eine Milderung dieser Gegensätze liegt, wie zuzugeben ist, darin, 
i$i fiisi jeder Kommissionär in beiden Richtungen spekuliert und haupt- 
lieblitb lof den sogen. Kursschnitt und die Provision rechnet. Aber 
hier kommt wieder in Betracht, daß vor allem kapital- und kredit* 



1) Ortowmid m, ». O. 

I> VmrgL 8«d»T«rit.-Prot. B, 27U. 



204 



Knrt Wledetif^ld, 



Starken Börsenleuten eine — wenn auch nur vorübergehende — Bö 

einflassung der Preise, mindestens der Preisnotiz möglich ist M, Es' 
ist bei der großen Macht^ die ihr Rat auf die Kunden ausübt, nicht 
schwer zu erreichen, daß die Geschäfte der einen Richtung zu dieser, 
die der anderen Tendenz zu jener Zeit abgewickelt werden; je nach- 
dem wird dann eine Pression ausj^eübt oder der Preis in die Höhe ge- 
trieben. Hier sind die kleineren Firmen die harmloseren. 

4 Wenn ein derartiges Realisationsgeschäft abgeschlossen ist, so 
ist die Spekulation im wesentlichen erledigt; die zu zahlende Preis- 
differenz ergiebt sich aus den Preisen der beiden Verträge. Wartet 
dagegen der Kunde den Termin ab und deckt sich erst im Laufe des- 
selben oder läßt sich, da er nicht abnehmen oder liefern kann und 
will, in Verzug setzen, so ist die Stellung des Kommissionärs ver- 
schieden, je nachdem der Kunde mit dem ursprünglichen Geschäft ge- 
oder verkauft hat. Hat der Kommittent zu empfangen, so ist der 
Kommissionär unbedingt berechtigt, den Zeitpunkt der Kündigung 
nach seinem Interesse ohne jede Rücksicht auf den Kunden zu wählen. 
Auch als Mandatar könnte er nicht verhindern, daß seinem Auftrag- 
geber die Lieferung bei ungünstiger Preisgestaltung angeboten wird; 
der Selbsteintritt soll aber weder seine Stellung verschlechtern, noch 
die des Kommittenten verbessern, und der Kommissionär muß sicher- 
lich als Verkäufer dasselbe thun können, was jedem Dritten erlaubt 
ist. Die Vertrauensstellung, die er einnimmt,' hat hiermit gar nichts 
zu thun ^). 

Anders bei der Verkaufskommission. Hier ist der Kommittent 
der kündigende Teil, und der Komraissiouär handelt daher zuerst in 
dieser Eigenschaft und soll das Interesse jenes wahren; er hat also 
vor allem den Tag auszusuchen, der eine möglichst hohe Differenz zu 
Gunsten (niedrige zu Ungunsten) seines Kommittenten abwirft Sein 
persönliches Interesse ist entgegengesetzt; das Verhältnis ist das gleiche, 
wie das oben ausgeführte. 

5. Diese Schattenseiten des Selbsteintrittsrechts zeigen sich nur, 
wenn dem Kommissionär ein unerfahrener Outsider gegenübersteht; 
denn nur der bedarf des Rates. Und in diesm Punkte liegt daa ganze 
Unheil des heutigen Kommissionshandels. Um die Provisionen und 
sonstigen recht zahlreichen Vorteile, die ein umfangreiches Kommissions- 
geschäft abwirft, einziehen zu können, wird der ganze Schwärm un- 
interessierter und unverständiger Privatpersonen, vom Offizier und Be» 
amten bis zum Hausknecht und Kellner veranlaßt, den Tanz um das 
goldene Kalb des Termingeschäfts mitzumachen. Agenten und Reisende 
machen die Kunden ausfindig'*); mit der Vorspiegelung, daß sie im 
schlimmsten Falle nur eine geringe Differenz verlieren, aber anderer- 



l) VergK 

t) lo der Litt«r»tiir bcrrs«ht die «n^cgeDf^Betste Ansicht; TergK Hnok «. ^ O. 
S. 29f KsebenbAcb, Zur Reorg^nisKtion des Termio^eschttlts (Preuf». J&brbttcbvr 1891 
Oktobcirbeft) S, &11 fg. 

3) 8achver»t,-Prot 8. 2508. 



Der deutsche Getreidehandel. 205 

seits große Sammen gewinDen können ^), verleiten sie diese Personen 
zam Abschloß. 

Nun mag es ja sein, daß ein Teil der Agenten gegen den Willen 
der Auftraggeber ohne Rücksicht auf die Yermögensstellung des Kunden 
fiirgeht, um auch ihrerseits die Provision zu verdienen ; es wird jedenfalls 
auch vorkommen, daß sie denselbcQ outsider mehreren Kommissionären 
Kof&hren und erst dadurch seine Kreditfähigkeit überschreiten '). Beides 
mildert zwar den Vorwurf, den man mit Recht gegen die Kommissionäre 
wegen dieses Treibens erhebt; die wirtschaftliche Kalamität wird da- 
durch nicht beseitigt. 

Daß aber auch die Kommissionäre selbst nicht wählerisch in ihren 
Mitteln aind und dem Agententreiben widerspruchslos zusehen, geht 
schon daraus hervor, daß immer wieder kleine Leute verleitet werden. 
Allmählich dürften doch die Herren ihre Agenten kennen lernen; es 
ist nicht zuviel verlangt, daß sie derartigen Zutreibern den Laufpaß 
geben« Bezeichnend ist auch ein Beispiel, das einer der Sachver- 
ttindigen vor der Börsenuntersuchungskommission erzählt hat ^). 
Duiach hat sich ein Berliner Kommissionshaus an die Bürgermeister 
Udner süddeutscher Städte mit der Bitte gewandt, Personen zu be- 
DOineD, die vielleicht zu Termingeschäften geeignet wären. Eine £r- 
liatemog ist wohl überflüssig. 

6. Im Verkehr mit diesem Publikum müssen allerdings die 
Kommissionäre oft auf die Einziehung des Gewinns verzichten; die 
Schuldner haben eben nichts. Meist aber sichern sie sich durch Depots, 
d. h. sie verlangen bei Abschluß des Geschäfts eine prozentuale Ein- 
ahluDg, die bei ungünstigem Preisgang vermehrt werden muß. Dies 
Verfahreo hat allerdings den Vorzug, daß der Kunde frühzeitig vor 
der Gefahr gewarnt wird. Es bietet aber dem Kommissionär auch 
die willkommene Handhabe, den Kunden „aus dem Engagement zu 
w^en^% d. h. eine vorzeitige Lösung des Verhältnisses herbeizuführen. 
Hit Hilfe einer momentanen Preisbeeinfiussung bewirkt er, wenn sein 
Kunde ihm unsicher erscheint oder er für sich Verlust aus dem Preis- 
ging fürchtet, .daß das Depot nicht ausreicht, und verlangt nun Er- 
gänzung ohne Rücksicht darauf, daß der Privatmann vielleicht nicht 
is der Lage ist, erneute Einzahlungen zu machen. Läuft die geforderte 
Depotsverstärkung nicht ein, so reguliert der Kommissionär sofort, d. h. 
er handelt so, als ob an diesem Tage der Erfüllungstermin eingetreten 
wäre^). Auch ohne bösen Willen des Kommissionärs verschlechtert 
die Nachschußpflicht die Stellung des Kunden; momentane Preis- 
störungen bringen ihn um den Gewinn, den er erhalten hätte, wenn 
er bis zum Termin alle Nachschüsse hätte zahlen können. 

7. Eine fernere Sicherheit für den Kommissionär liegt bekannt- 



1) Vergl. den ThatbestAnd des Urteils in EDtscbeidangen de« Reichsgerichts in Ciril- 
naicD Bd. 30, S. S15. 

S) OrflBirmld a. •. O. S. 23. 

S) SAciiTer8t.-Prot. S. 2841. 

4) Di« kAafmäniiisehen Sachverst. haben diese Manipulationen zagegeben. Vergl. 
Hch KsebeabAch a. a. O. 



206 



Kort Wiedenfeld, 



lieh in dem gesetzlichen Pfandrecht, das er nach § 374 H-ÖJ 
an dem Kommissiousgut bat Diese BestimniuDg ist zu allgemein ge- 
halten und führt in einem Falle zu offenbarer Dogerechtigkeit. Weon 
ein Provinzialbändier einem Mitgliede der nächBlen Börse (etwa Breslan) 
einen Posten Getreide zum Verkauf übersendet and dieser sich wieder 
eines Konimissionärs (etwa in Berlin) bedient, so ist es zweifellos nicht 
angebracht, daß der Berliner Kommissionär wegen aller Forderungeo, 
die er gegen den Breslauer hat, ein Pfandrecht an dem Gute des 
Provinzialhandlers bat ^), und doch deckt der § ä74 H.G*B, auch 
diesen Fall. 

Sodann fragt man sich auch, wie kommt der selbstein tretende 
Komniisäionär zu diesem Pfandrecht, Seine Stellung als Kommissionär 
besteht, wie wir gesehen haben, nur dem Namen nach; thatsachlich 
iüt er einfach Gegenkun traben t mit einem unbedeutenden Mehr ?oq 
Verpflichlungen, als sie Käufer oder Verkäufer im gewöhnlichen Leben 
übernehmen. Ein Grund zu einem gesetzlichen Pfandrecht liegt hier 
gar nicht vor. 

Nach alledem leuchtet es ein, daß in der Regel das außenstehende 
Publikum nur heranzezogen wird, um gerupft zu werden. Es fragt sich, 
wie kann es sich bei dem heutigen Recht gegen die Ausbeutung schützen. 



III. Die Differenzeinrede*)* ■ 

Wenn der Termin vertrag durch Lieferung der Ware, sei es yoö 
Hand zu Hand, sei es in Form von Weiterkündigungen, erledigt wird, 
so liegt eine rechtliche Besonderheit nicht Tor; die Ansprüche daraus, 

auch die auf Differenzzahlung, smd ebenso rechtsbeständig wie bei 
jedem andern Kaufe. 

Aüders wird es, wenn lediglich die Diflferenzregulierung eintritt, 
wie sie sich im Verkehr zwischen Kommissionär und Kommittenten als 
Regel hodet Hier erscheint das sogen, reine Difierenzgescb&ft, bei 
dem die Parteien es von Anfang an lediglich auf diese Differenz ab> 
gesehen haben. Unzweifelhaft kann der Klage aus einem derartigeo 
Geschäft nach heutigem Recht die sogen. Differenzeinrede entgegen- 
gesetzt werden, d. h. es kann geltend gemacht werden, daß die Kon- 
trahenten effektive Erfüllung überhaupt nicht gewollt haben. Es liegt 
dann eben kein reelles Geschäft, sondern ein Spiel vor, und Spiel- 
forderuugen sind nicht klagbar. Darüber ist kein Zweifel. Die Schwierig- 
keit liegt aber in der Frage, wann ist ein so gearteter Vertrag ansßu- 
nehmen ? 

Zunächst natürlich, wenn die Parteien die effektive Erfüllung aus- 
drücklich ausschließen. Das kommt aber thatsächtihh nie vor. Die 
lermingeschäfte werden auch seitens der Outsiders nach den Schluß- 
scheiubedingungen abgeschlossen, und nach diesen ist ja jedem Teil^ 

1) Sa«hver»t-Prot 8, 2768. 

t) V«rgl. IQ diesem AbicbaiU die sehr auKführUcbe Dftntelliuig dar R«cht»prftcbaiig 
tber PiffereRageseli&fte in dem Berieiit d«r EaqueCekommiAsion S« ISS fg. 



t>9T dvntaclio GetreidehAndel. 



207 



i 



dift Recht auf Lieferuog bez^r. AbDahme gewahrt. Also dann still^ 
scbireogeiide VereinbaruDg« Aber wann liegt eioe golche vor? 

I>er sich sicherode Importeur hat zweifellos die Absicht, seine 
Wmre oicht zur Erledigung des TermiDgescbäfts zu verwenden; er will, 
weon irgend möglich, aus diesem nun die Differenz ziehen. Sein 
Ktiifer ist sich desseo auch bewußt, ihm ist die Ditferenzregeluog auch 
' Ol. Und doch liegt kein reines Differenzgeschäft vor; nun und 
verzichtet der Käufer auf s^in Recht, dem Gegner seiner Zeit 
eoisprechendeu Warenposten „aozudienen'S 
Wie aber, wenn ein Outsider mit einenj Börsenkommissionär das 
Geischaft abschließt? Ist dann nicht durch die Natur der Sache, auch 
ifte SiellQOg des einen Kontrabenten, jede eff^ektive Erfüllung ausge- 
^Kkloa8«D? An sich keineswegs, der verkaufende Private braucht nur 
Auftrag au einem Deckungskauf zu geben und den ihm übertragenen 
KQlidigofigsscheiQ an seinen Käufer zu girieren; oder der kaufende 
nataider läßt einen Deckuugsverkauf vornehmen — in beiden Fallen 
ist der urspranglicbe Vertrag erfüllt, beides ist jederzeit möglich, der 
Eifolg ist der gleiche wie bei einfacher Differenzregulierung '). Der 
intritt ändert an dieser Sachlage auch nichts; denn es ist recht- 
ofleiibar gleichgiltig, ob das sog. Realisationsgeschäft mit einem 
ilteo oder mit dem Kommissionär abgeschlossen wird. Auch in 
Falle verzichtet der Börsenhändler bei Abschluß des Termin- 
vcnrages durchaus nicht darauf, dem Kunden effektives Getreide anzu- 
kttodigüo oder Lieferung zu verlangen, er kann es schon deshalb nicht, 
vdl er sieb in der Regel deckt und daher auch seinerseits auf eine 
KtSndigong gefaßt sein oder selbst kündigen muß. In dem Healisations- 
wrtFMg liegt, wie immer betont werden muß, eine effektive Erfüllung; 
la Stelle des Getreides geht dann der Ktindigungsschein von Konimis- 
riooAr zu Kommittent (zu Mänden des Kommissionärs) und zurück. 

Aus der sozialen Stellung des Kunden alleiti kann die Difl'erenz- 
exDrede daher nicht begründet werden. Jeder Hausknecht kann sich 
bdiebig auf Spekulation Häuser kaufen , ob er etwas vom Bauen oder 
Mtb nur Verwalten versteht oder nicht — In Berlin bekaontlich keine 
8dt€Dheit — ; aber niemand käme auf den Gedanken, den Kauf des- 
halb fllr anfechtbar zu erklären. Liegt die Sache bei einem Getreide- 
kitif aB der Börse rechtlich — und nur darauf kommt es an — im 
fttlagateii anders? Die größere Verleitung, der schnellere Vertauf sind 
ifelteidit Gesichtspunkte , welche eine abweichende Gesetzgebung 
feraolaaseo können, aber für die Rechtsanwenduug ohne jeden 
BafloS. Ebensowenig wie die soziale Stellung die Einrede begrün- 
Mt kaoo sie daraufgestützt werden, daß dem Kommissionär die Ver- 
seinea Kommittenten und seine Unfähigkeit eine so bedeu- 
SiraiiDe, wie sie der ganze Kaufpreis darstellt, zu zahlen bekannt 
war; der Kommittent braucht auch bei effektiver Erfüllung nur zur 
OiAraiuzablung stark genug zu sein, da sie doch durch die öeber- 
des Kündigungsscheines vor sich geht. 



1) OI# KomniiMioasgebilhreQ werden »tets nur einnial, für Abacbliiijt und Beiftliiiig 
OBBCB b«r«ehiiei Die MAklerspesea kSniiaQ sieht ia BeCraebt kommeii. 



^Sisi 



208 



Kurt Wied^nfeM, Der deutsche Qetreidehtnd«!. 



In dem bekannten Urteil vom 19. November 1892^) hat das Reichs- 
gericht (i. Civilseuat) das Vorliegen einea reineo Differenzgeschafts 
daraus entnonjoieo, daß der Agent des Kommissionärs den Kunden zu 
dem Terminabschluß durch die Bemerkung überredete, er habe ifli 
schlimmsten Falle nur eine DifTerenz zu zahlen, abzunehmen brauche 
er nicht — Richtig ist an diesem Erkenntnis, daß der Kommissioo&r 
die Äeußerung des Agenten auch dann gegen sich gelten lassen muA, 
wenn er ihn nicht dazu ermächtigt hat. Aber in keinem der Worte 
liegt ein Verzicht auf effektive Erfüllung* Der Kommissionär ist immer 
uoch berechtigt, vou seinem Kunden einen Realisationsabschluß zu ver* 
langen; dieser muß entweder für einen Nachindossatar (bei Einkaufs -^ 
kommission) oder für einen Vor Indossanten (bei Verkaufskommissioi^H 
Sorge tragen. Und was ist dann der Erfolg? Der Kunde zahlt odel™ 
empfängt die Differenz und bekommt von dem Getreide kein Körnchen 
zu sehen. Also das, was der Agent versprochen hat. ^H 

Anderen Senaten desselben Gerichts bat daher der jenem UrteiB 
zu Grunde liegende Thalbestaod nicht genügt, die Einrede durchgreifen 
zu lassen. Also selbst beim höchsten Gericht keine Einigkeit. Beim 
Berliner Handelsgericht I, der ersten Instanz für derartige Prozesse, 
sind die Meinungen ebenso geteilt; die eine Kammer schließt sich jenem 
Reichsgerichtsurteil an, die andere verwirft es* 

Und bei den anderen Gerichten ist derselbe Zustand. Die Sicher- 
heit der Rechtsprechung fehlt; je nach dem Anfangsbuchstaben des 
Klägers wird ein Prozeß verloren oder gewonnen; das Rechtauchen 
wird selbst zum Hazardspiel. 

Diese Einrede ist aber die einzige Besonderheit, welche das Ter- 
mingeschäft im Civilrecht hat; sie gewährt höchstens dem unglQck* 
liehen Spieler ein Mittel, sich den Ansprüchen seines Gegners zu ent- 
zieheii, während er den Gewinn sicherlich eingesteckt haben würde. 
Indirekt veranlaßt sie vielleicht auch die Kommissionäre, in der Wahl 
ihrer Kuaden vorsichtiger zu sein, und schränkt dadurch die Beteili- 
gung außenstehender Kreise ein; in Berlin ist wenigstens das Ueraa^ 
ziehen der Outsiders wesentlich zurückgegangen, seitdem jenes Reicb^H 
gerichtsurteil erlassen worden ist. Aber die Einrede macht doch dies^^ 
Teilnahme nicht unmöglich, und das Treiben der Börsenleute unter 
sich laßt sie ganz unberührt. 

Strafrechtlich wird das „Differenzpiel" nur geahndet, soweit über- 
mäßige Verluste zum Konkurse geführt haben ; das erfolgreiche Spielen 
ist erlaubt *). 

Es erhellt, daß die rechtliche Regelung des Termin- und Kommis- 
sionshandels nicht genügt; auch hier ist Abhilfe dringend notwendig. 



1) EnUcbeidungen des Reichs^ericbls m CiTits&cfaeti Bd. 30, S. 215. 

£) lo geistreicher Webe wird in der Broschüre ^^Üiffereoigeachlfr^j Hatnbnr^r Btfneo- 
h»ne 1893 der Widerspruch iwJacheci der D ifToret) sei a rede und dieser StrafbesÜaxaiaiiit 
gekeansetchaet I jeoe richtet »ich gegen die Übeririebeae Kreditgew&brang , di«se be- 
straft diLü zu starke Kreditaehmea. 

(PorUetzuag folgt) 



l^AtidMl^onomiteb« CUMtigelmiif. ^Q^ 



Nationalökonomische Gesetzgebung, 
m. 

Ke iweite Lesimg des Entwurfes eines Bttrgerliohen Oe- 
setsbuohes für das Deutsche Beich. 

(Forttetauog) *). 
Von Amtsrichter Greiff. 

XXIV. 

Der f&nfle Titel dei Tom Eigentum handelnden Absehnitts regelt 
dM Mit eigen ihn m. Der § 946 erkennt in Abi. 1 die Möglichkeit 
«nee Miteigentums d. h. eines mehreren Personen gemeinschaftlich 
nsUhenden Eigentums an und spricht in Abs. 2 aus, dafs für das die 
Begel bildende Miteigentum nach Bruchteilen neben den §§ 768 — 778 
fis SS 947—951 gelten. Diese Sätze wurden sachlich nicht angefochten. 
Die Badaktionskoromission hat den Abs. 1 und den in Abs. 2 enthaltenen 
Hinweis anf die §§ 768-- 778 als entbehrlich weggelassen. Der § 947 
iteUt die Zulässigkeit der Begründung eines Rechts an der gemeinschaft- 
liehen Saohe für einen Miteigentümer gegen den Zweifel eicher, welcher 
dsrans hergeleitet werden könnte, dafs der Miteigentümer den Begründungs- 
Tortrag mit sich selbst abschlief sen mufs. Die Kommission hielt einem 
Streichungsantrage gegenüber die Beibehaltung dieses Satzes für nützlich, 

▼erUiiilge Zosamm^nstellimg der Kommissionsbesehlilise. (Fortsetsang.) 

Fünfter Titel. 

Miteigentum. 

I f4S. 8t«ht das Eigeotam an einer Sache Mehreren nach Brachteilen so, so findra 
£e Vorschriften der §S 947 bis 951 Anwendung. 

§ 947. Die gemeinschaftliche Sache kann auch su Gunsten eines Miteigentümers 
belastet werden. 

Die Belastune eines gemeinschaftlichen Grundstücks su Gunsten des jeweiligen Eigen- 
tlaers eines anderen Grundstficlis sowie die Belastung eines anderen Grundstücks sa 
Gaosten der jeweiligen Eigentümer des genieint»chaftlichen Grundstücks wird nicht dadurch 
saige»chlo»s«u , da£i das andere Grundstück einem Miteigentümer des gemeinschaftliehen 
Grindstüeks gehört. 



1) V«trl. S. 54. 
Ontto Folge Bd. VU (LXÜ). |4 



210 



KAtioDAlSkoDOtnlsclie Gesets^bun^. 



erwog aber, dnh derselbe Zweifel auch in dem Falle sich ergebe, weoa 
ein gemeinscbaftlioliei GrundstÜGk zu Guoaten dea jeweiligen JSigeotumer» 
eines einem Mittigentümer gehörigen CirnndatUcks oder ein Grundstück 
der letzteren Art zu Gunsten des jeweiligen Eigentümera dea gemeinscbaft- 
liehen Grundstucka belastet werden äolle« und sprach daher auch die 
Zuläsaigkeit ei Der derartigen BelaetuDg aasdrückiich aus. Der^ § 948 
welcher auf die Uebertragung und die Belaatung des Anteila eines Mit*^ 
eigentümers die für die Ue bertrag an ;:; dea Eigeotuinea an der gemeia« 
aohaftlicben Sache und die Belaatung derselben geltenden Vorachrifte« 
für anwendbar erklärt, wurde als enlbehrlioh geatriohen; man hielt it 
inaofem auch für Yerdunkelnd; als die Vorschriften über das Eigeotufl 
allgemein auf den Anteil ei Des Miteigentümers Anwenducg finden müisea,j 

Der § 949 ermöglicht, wahrend nach den YoraohrifteQ dea Eotwu 
über die Oemeinscbaft diu Yerainbarung über den Aussohlufs der Teilung 
nur unter den vertTagEohliefsenden Teilhabern selbst wirksam ist, den 
Miteigentümern eines Grondstüoks einen dinglich wirksamen Ausschluf» 
der Teilung. Nach dem früheren Beschlüsse der Kommission soll dagageo 
bei jeder Gemeinschaft die Yereinbarung der Teilhaber über den Aus- 
ichlufs der Teilung für und gegen die Sondernachfolger der Teilhaber 
wirken. Naeh dieser Vorschrift würde also auch der Erwerber eints 
MiteigentumsanteÜB an einem Grundstücke einen von dem veräufäerndeo 
Miteigeotümer mit einem anderen Miteigentümer vereinbarten Teilunga- 
ausscblufe uobedingt gegen sich gelten lassen müssen. Die Kommissioa 
hielt ea jedoch für nicht vereinbar mit dem Grundgedanken des Grund- 
buohsjstenis, dafs der Erwerber eiocs OruDdstücksan teils einer ao 
wesentlichen Beeinträchtigung seines Hechts, wie sie in dem Ausschlufs 
der Teilung liegt, ausgesetzt werden solle, wenn dieselbe aus dem Grund- 
buch nicht ersichtlich aei. Sie beschlofs daher, die Wirksamkeit des 
unter Miteigentümern eines Grundstücks vereinbarten Teilungaausaehlussee 
gegen den Sondemechf olger eines Miteigentümers von der Eintragung der 
yeTeiobarung in dae QruEidbuch abhängig zu machen. An dieselbe Voraus« 
Setzung knüpfte man aus dem gleichen Grunde die Wirksamkeit gegen 
den Sondernaohfolger auch bezüglich der Vereinbarung, durch welobe die 
Miteigentümer eines Grundstücks die Verwaltung und Benutzung regeln, 
sowie bezüglich der in den §§ 769 e und 770 (der Bd. LXI S. 535, 



% 948 gestricbeo. 

§ 949. Hftbeti die MitfiigcDtQmer aiDCs Graudstücks die Verwultang and Beoa 
durch VereiDbsrtitig {^ereg«tt oder haben sie das Recht ^ die Aafbeboog der Oemeioteli 
KU T«rU»gen, für immer oder auf Zeit atugeBchioisen oder eiue KÜDdigongsfrist bestimmt, 
10 wirkt die Veremharuiig gegen den SoDdernat^bfolger eiaes MittigentOmeri nur, w«na 
sie eis Beiiutung dei Anteils im Grundbuch eiogetrageu ist 

Die in den §§ 769 c, 770 hestrtDinteii Aosprüche können gegen den SoDdemachfelger 
eine» Miteigentümers nur geltend geiiiacht werden, wenn sie im Grundbuch eingetragen sind 
Anmerkung. Der Art, 7S des Entwurfes des Eißtlihrungjgeaeties aoH folgende 
Faasuug erhalten : 

Unberührt bleiben die landesgesetilichen Vors ehr i ftcn , welche f&r den Pallf dara 
jedem der Miteigentümer eines mit einem Gebäude rersehcaen Grandstäcks die aas- 
ftchlteraliche Benuttuuf^ eines Teiles de» OrundstÜckä eingeräumt ist, das Gemein- 
ich afts Verhältnis naher bestimmen nnd die Anwendung der §§ 767 bis 767b des 
Bürgerlichen Qesetshnchs sowie des § 14 Abs. ^ der Konkursordnang •ntscbliefsen. 



HttlomMcoBonibdit ÖMetigebiiii^. ^\\ 

■itgetnlten ZotammeiiBtelluiig) bestimmten AasgleiehaDgtansprftcbe der 
MiMgeattmer gegen einander. Infolge des zn § 949 gefafsten Beschlusses 
«fbhr der Art 78 des Entwurfs des Einf&hrungsgesetzes, welcher einen 
mf du sog. Stookwerkseigentum bezüglichen Vorbehalt fdi die Landes- 
gecetse enthält, eine Umgestaltung. Die Kommission nahm an, dafs auch 
ii den FSlIen, in denen die Eigentümer mehrerer Orundstüoke auf einem 
Sinen gemeinsehafüich gehörenden Grundstücke eine zum Vorteil jener 
Grondstücke dienende gemeinschaftliche Einrichtung, z. B. einen gemein* 
lebaftliohen Brunnen halten, durch TertragsmäljBigen Teilnngsausschlufs 
and Bestellung einer Grunddienstbarkeit an dem gemeinsamen Grund- 
itfieke ZV Gunsten der den einzelnen Miteigentümern gehörenden Grund* 
itfieke dem Bedürftiisse genügt werden könne, und lehnte daher die 
Aufnahme einer besonderen Bestimmung für die bezeichneten Fälle ab. 

NmOl § 950 sollen die Vorschriften der §§ 872, 903, 904 über den 
Big«ntumserwerb durch Aneignung und die Vorschrift des § 873 über 
den SigeDtumserwerb durch Aufgebot auf den Anteil eines Miteigen* 
timan Anwendung finden. Statt dessen wurde beantragt, den yon einem 
Miteigentümer aufgegebenen Anteil den anderen Miteigentümern nach 
Yerbiltnis ihrer bisherigen Anteile anfeilen zu lassen. Der Mehrheit 
tnchien jedoch diese Regelung für Anteile an Grundstücken nicht an- 
aehmbar, weil den anderen Miteigentümern ein belasteter Anteil nicht 
htth dfts Gesetz aufgedrängt werden dürfe, während bezügUch des 
Aoteils en einer beweglichen Sache dieses Bedenken praktisch nicht in 
Bstneht komme. Sie glaubte, dafs es für Grundstücksanteile eventuell 
d«B Vorzug Terdiene, den anderen Miteigentümern nur ein dem ans 
{ 872 folgenden Hechte des Fiskus yorgehendes Aneignungsrecht beizu- 
kgen, entschied sieh aber schliefslich für die Streichung des ^ 960, weil 
die angedeutete Regelung unTcrhältnismäfsig yerwickelte Bestimmungen 
Böthig machen würde und bei der geringen praktischen Bedeutung der 
ia S 950 behandelten Fragen die Entscheidung derselben unbedenklich 
4flr Wissenschaft und Praxis überlassen werden könne. Der § 951 
legeli den Schutz des Miteigentumes, indem er die §§ 929 — 945 für 
•Dtsprechend anwendbar erklärt und zwei erläuternde Bestimmungen 
beifügt. Soweit diese letzteren die Ansprüche des Miteigentümers gegen 
einen anderen Miteigentümer betrefiPen, der demselben den Mitbesitz an 
der gemeinschaftlichen Sache vorenthält, erachtete die Kommission sie 
far entbehrlich. Im übrigen wurde der § 951 sachlich beibehalten; 
man sah insbesondere keinen Grund, dem einzelnen Miteigentümer gegen- 
über einem dritten Besitzer der Sache abweichend von der allgemeinen 
Vorsehrifl des § 339 den Anspruch auf Herausgabe der Sache an ihn 
allein zu gewähren. 

Die Kommission ging hierauf unter Aussetzung des das Vorkaufsrecht 
SB Grundstücken behandelnden fünften Abschnitts zu dem sechsten 
Abechaiit über, welcher das Erbbaureoht betrifft, d. h. das yeräufaer- 

I seo gtstrichta. 

I 961. Jeder Miteigentümer kann die Ansprfiche aus dem Elgentnme Dritten gegen- 
Ikv ia AwMkmg der gansen Sache geltend machen, den Ansprach auf Heranagabe jedoeh 
wo m Qemliaheit dea § 841 a. 

14» 



212 



KmtionalÖkonomiAcbe QsMtzgBbung. 



Hohe uod yer erbliche Eeobt einer PtTflon an eiDem Q rund stücke, kraft 
desaen dieialbe befugt kt, auf oder unter der OberÜäche det Grutid^tücki 
ein ßauwerk zu habeo. Die in §961 Abs. l enthaltene ßegrlffi- 
bestimmung wurde gebilligt. Der Abs* 2 erschien, soweit er die Un- 
moglicbkeit der Besthxänkutig des Erbbaurechts auf einen Hruchteil dei 
Grundatüoks ausspricht, entbehrlich. An der iu Abs, 2 femer bestimmten 
Unzulässigkeit einer auf einen Gebäudeteil , insbesondere ein Stockwerk, 
beschränkten Erbbaurechte hielt man einem abweichenden Antrage 
gegenüber fest. Hinzugefügt wurde der Säte, dafs das Erb baurecht auf 
die BenuUung eines für das Bauwerk nicht erforderlichen Teiles des 
helastetcD Grundstücks erstreckt werden kann^ wenn sie für die Benntsung 
des Bauwerkes Vorteil oder Aonuhmlichkeit bietet Der Zusats besweckt« 
der in den MotiTcn ausgesprofihenen Auffassung entgegenzutreten, daX« 
es der Bestellung einer Grunddienstbarkeit zu Gunsten des jeweiligen 
Erbbauberechtigten bedürfe^ um diesem das Recht 2ur Benutzung anderer 
als der als Baugrund dienenden Teile des belasteten Grundstücke zu Ter- 
schaffen ; man nahm an, daß da^ regelmäfsig vorhandene Bedürfnis des 
Erbbauberechtigten^ auch unbebaute Teile des belasteten Grundstücks 
benutsen zu können, durch Beste) luug einer Grunddienstbarkeit jedenfalls 
nicht tünreichend einfach , zum Teil aber wegen der gesetzlichen Be- 
schränkung des zulÜBsigen lohalt« ron Grunddienstbarkeiten überhaupt 
nicht befriedigt werden kenne. In Gemafsheit des zu § 7B1 Abs. 2 ge- 
fafsten Beschlusses (rergl. diese Jahrb. Bd. LV S. 679) wurde sodano 
in den Torliegenden Abschnitt die Bestimmung eingestellt, dafs die für 
Grundstücke geltenden VorsohrifteB auch für das Frbbaureoht gelten. 

Der § 962 Abf. 1 erfuhr entsprechend dem bezüglich der Form der 
Auflassung gefefsten Besehluesc eine Aenderung dahin, dafi^ die zur Be* 
gründung des Erbbaureohts nach § B28 erforderliehe Einigung Tor dorn 
Grundbuchamt, Yor Gericht oder vor einem Notar erklärt werden mul^, 
der Abv^. 2 Satz 1 yerlangt zur Begründung des Erbbaurechts Eintragung 
sowohl auf dem Grundbuchblatt des belasteten Grundstücks als auf einea 
für das Erbbaurecht bestimmten Grundbuchblatt Die Kommission 



Sechster Absoluütt. 

Erbbaurecht. 

§ 961. Em OniodfttQck kann m der WoUe betosUt werdeo, dafs einem ftod«««? 
dem Eigentümer das yeräurserliclie und vererbljche Reicht stisteht, aaf oder unter der 
Oberfliche des OritadstQtks ein Bauwerk zu baben (Erbbatireobt), 

Das Erbbfliiiredit kaon auf die Benatxang eioea fUr das Bauvrerk Dicbt erforderUcben 
Teiles dea OruadstQcks erstreckt werden, wenn sie für die Beoutsnog des Banwerkas 
Vorteil oder Annebmücbkelt bietet. 

Die Beachr&nkmng des ErbbaurechtH aof einen Teil eine» GebKudeSi insbesondere eia 
Stockwerk, ist ansulM&si;, 

§ 962. Die Kur Begründnog de» Erbbaurecbta oacb § 8SS erforderliche Eiaigong 
des Eigentümers and de» Erwerber» rnnfs rot dem Grundbucbaintet ror Qericbt oder vor 
einem Notar erkllrt werden 

Bei der Eintragong de» Rechte» kann zur oftheren Bezeichnung dea InbalU des Reehte» 
aar die Eintragoogabewillignog ßeiiig f^eoonimen werdeu 

% 962 a. (965.) Die aor Aufhebiuag de» Erbbaurecht^t nach § 8S0a erforderlk 
Erkllruug de» Berechtigten mufs vor dem Gnindbuchamt abgegeben werden, 



IbitloaalAkonotnifclM Gastteft^brnDf. 313 

in Aanoht, daft die Anlegung eines beionderen Blattes für. das Erbbau« 
mbi lediglieh eine teofaniaohe Erleiohterang der Bachführong für weitere 
mf das ErbbAttrecbt bei&gliohe Eintragungen beiweoke und dafs es sieh 
iaher iiieht reehttetige, die Eintragung auf dem besonderen Blatt als 
■aleiiellea Erfordernis für die Begründung des Erbbaureohts auftu« 
■teilen. Dafs nr Begründung des Erbbaurechts Eintragung bei dem 
belaateten Orundstüoke erforderUoh ist» folgt schon aus § 828; der 
iba» 1 Beta 1 konnte daher gestrichen werden. Für die Orundbuoh- 
•fdnoog nahm jedoeh die Kommission die Aufnahme der Ordnungsyorschrift 
ia AiMsieht^ dafs das Erbbaurecht ein besonderes Blatt im Grundbuch 
fitaltfm aolL Der Abs. 2 Sata 2, welcher eine Bezugnahme auf die 
fiatmgiingsbewilligttng bei der Eintragung gestattet, blieb unangefochten, 
der S 963y welcher den Erbbauberechtigten im Falle des unter- 
des Bauwerks aur Erneuerung desselben für berechtigt erkl&rt 
Audi dar auf den Schutz des Erbbauberechtigten bezügliche § 964 und 
tar die reohtsgeschäftliche Aufhebung des Erbbaurechts regelnde § 965 
wurden aaehlich gebilligt. Die Yorschriften des % 965 waren jedoch 
boreita dmreh die zu $ 884 beschlossenen allgemeinen Bestimmnngen über 
£e reehtagesehiffüiche Aufhebung von Bechten an Ghrundstücken gedeckt 
(fvigl. den % 880 a der Bd. LXI 8. 72 mitgeteilten Zusammenstellung) ; 
nr die Beeonderheit bedurfte hier noeh der Erwähnung, dsfs die zur 
Aofhebiisg des Erbbaureohts erforderliche Erklärung des Berechtigten 
vor dem Orundbuehamt abgegeben werden mufs. In betreff der zur 
AnfhebiiDg weiter erforderlichen Löschung des Erbbaureohts war die 
Kemnuaaion der Ansicht, dafii die Eintragung der Löschung auf dem Blatt 
4ss belasteten Grundstücks erforderUoh und genügend sein müsse, 
neh wenn für das Erbbanrecht ein besonderes Blatt gebildet sei ; in dem 
klzteren Falle die Löschung auf dem besonderen Blatt des Erbbaurechts 
fir erlbrderlich und genügend zu erklftren lehnt man ab, weil man diese 
▼erschrifi mit dem hei § 962 Abs. 2 Satz I eingenommenen Standpunlcte 
sieht für vereinbar hielt. 

Mit % 966 beginnen die Yorschriften über die Grunddienst- 

§ ses. Dm Erbbanrecht erlischt nicht dadurch, dafs das Bauwerk untergeht. 

§ 9S4. (781 Abs. 2, 962 Abs. 2, 964.) Die (Br Grundstficke geltenden Vorsehriften 
Ithcn noch f&r das Erbbanrecht. 

Wird das Erbbanrecht beeintrilcbtigt, so finden die f&r die Ansprüche ans dem Eigen- 
time geltenden Vorschriften entsprechende Anwendung. 

Annerkmog. Es wird voransgesetst, dafs die Grund buohordnung eine Bestim- 
■ug «Btlialten wird, nach welcher das Erbbaurecht ein besonderes Blatt im Grundbuch 
ffhaltao solL 

§ 9e5 Tergl. § 962 a. 

Siebenter Abschnitt 

Dienstbarkeiten. 

Erster Titel. 

Grunddienstbarkeiten. 

I 9f«. Bin Omndstäck kann an Gunsten des jeweiligen Eigentflmers eines anderen 

Onadktflckj in der Weise belastet werden, dafs dieser das belastete Grundstück in ein- 

Mbca Beaichnsgen benutaen darf oder dafs auf dem belasteten Gmndstfteke gewisse 



814 



KfttioDAldkoDoniiicb« G«»«t»f§biiBf. 



barkeiten» welche den ersteo Titel de« ron den Dienslbarke 
haDdelnden fliebentea Abaohoitta bilden. Ueber die TOobUgdsohäftUb 
BegrÜDdung einer GruoddieDstbarkoit enthalt der Entwurf keine beeondere 
BefttimmuDg; für dietelbe «ind Tielmehr die allgemeinen Vorachrtfteo d«i 
§ 828 mafegebend, zur B^griindung ist mithin die Einigung der be- 
teiligten Gmndaigentamer and Eintragung der Granddienstbarkeit in dta 
Grundbuch erforderlich. Dies gilt jedooh nnr für die Neubegrondung too 
Grunddienstbarkeiten nach dem Inkrafttreteu des Gesetzbochea. Beiij 
der zu dieser Zeit bestehenden Cirnnddienatbarkeiteu trifft der ArUl 
dea Eutwurfea dea Einföhmngageaetsea Vorsorge. Zum Verstand nia daa- 
eelben mufa bemerkt werden , dafs das materielle Grundbuchrecht dta 
Geaetzbucha erst dann zur Anwendung kommen soll, wenn gemäfa ArL 10$ 
Aba, 2 des Kinf.-Gei^. durch landeaherrliche Verordnung bestimmt iat, 
dafa dae Grundbuch für einen Bezirk ala angelegt anzusehen ist. Von 
diesem Zeitpuükt an sind inabeaondere nicht eingetragene Rechte an 
Grundstücken dum Untergange infolge des Grundaatzea dea öffentlichen 
Glaubena dea Grund bucha (§g 837 ff) auageaetzt. Von der beseiobnetan 
Regel macht der Art. 109 eine Ausnahme zu Gunsten der bestehendeo 
Grunddienstbarkeiten. Es soll nämlich durch landeaherrliche Verordnung 
beafimmt werden können , düfa die £u der Zeit, in welcher das Grund- 
buch als angelegt anzusehen ist, bestehenden Grunddienstbarkeiten, mit 
welchem das Halten einer dauernden Anla^^e verbunden iat, aolaoge ala 
diese Anlage besteht, andere zu jener Zeit bestehende Gmnddieiistbar- 
keiten binnen einer zehn Jahre nicht übersteigenden, von dem lukraft* 
treten dea Bürgerlichen Gesetzbuches an zu berechnenden Frist der Ein* 
tragung in daa Grundbuch zur Erhaltung der vollen Wirksamkeit gegen 
Dritte nicht bedürfen. Die Kommission unterzog die Frage» ob dor Ein- 
tragungszwang, wie ihn der Entwurf unbedingt für neue Grucddieost- 
barkeiteu, beschränkt für bestehende featatellt, beibehalten werden aolle, 
einer sehr eingehenden ErÖrttrung» Wie in der Kritik, so wurde aueh 
in der Kommission der Standpunkt des Entwurfs lebhaft bekämpft Be- 
süglich der Neubegründung von Grunddienstbarkeitan eDtschied sich jedoch 
eine Mehrheit von 14 gegen 13 Stimmen für die Beibehaltung des Ent- 
wurfs. Sie ging davon aus, dafa alle Gründe, die bei gewitaen Reohta- 



HiiDdluugfin Qiclit vorgenomDien werden dürfon oder dafsi die Aatübaog «ioM mam detn 

Eigeutume ati dem bolasteten Grundstücke dem anderen Grundstock gegenüber sieh er* 

grebendcn Beclites AUsgeschloMen Ist (Grunddicnslbftrkeit). 

Anmerkung. Der Art. 109 des Entwurfes dos Ktoflühraogsgeeetiea toll , soweit 

er skh Aar DifiosIburkoUeD bezieht, dnreh fof^ende V^orscbrlfteD ersetst werdeo: 

Eine Griinddlen&tbArkeiti die tu der Zeit besteht, in welcher das Grund buch «la 
Btif^elrisrt Atizaache» Ut, bedarf tqj Krhiiltitug ihrer Wirkt^anikeit gegenOber den JUTeni- 
lichen nUubeii des Grundbuch» nicht der Elntregung. Die EInIregong but jedoch 
XU erfulgen, weun sie von dem Berechtigten oder dem £i(^nttimer dea belasteteit 
Grundstücks verlangt wird ; die Kostet] »ind ron demjentgen zu tragen ond Torta« 
scbiersen, welcher die Eintragung verliingt 

Durch landesherrliche Verordnung kann bestimmt werden, dafs die beifiitehenden 
ßrunddieuittbarkeiten oder eioaeine Arten derselben 2ur Krhaltaug der Wirksamkeit 
gegenüber dem öffeatlicheD Glauben des Grundbuclis bei der Anlegung des Grand* 
buche oder später in das Grundbuch eingetragen werden mü&fien. Die Verordunag 
kmnn für einaelne GrandbuehbeKirke erlassen werden, ^ 



NaÜOBftlökoiiomisch« G«MUgtbiiBf . 216 

gtwhiften «ine Foniudiiienuig erforderlich machten» auch Uli die Be- 
rtdlmg TOn Gmnddiensibarkeiten zuträfen. Bei diesen komme et zur 
Yenaeidnng TieUbeher Streitigkeiten namentlich darauf an, eine feste 
Grundlage fir die Untencheidung zwischen blofser Duldung aus nachbar- 
Ucher OefiÜli^eit und der Einräumung eines das dienende Grundstock 
dasend belaatanden Beehtes zu schaffen. MiUste daher mindestens ein 
genehtlioher oder notarieller Bestellungsverirag gefordert werden, so ver- 
fiena aa den Yonug, noch einen Schritt weiter zu gehen und in üeber* 
«aatiMmvng mit $ 828 Eintragung zu verlangen. Es handle sich 
kbei aielit um die formalistische, folgerichtige Durchführung des ange* 
•ommettan Oruadbnchsystems, yielmehr sprächen die gleichen sachlichen 
Grande, welche für die Annahme dieses Systems mafsgebend seien, auch 
llr den Sintiragungszwang bei Grunddienstbarkeiten. Eine Ueberfällung 
te Gmndbüeher sei nicht zu besorgen, da in den Städten durch Bau- 
fdiaeioidaungeD, auf dem Lande durch die Zusammenlegungen das Bedürfnis 
flkr die Keubegrfindung yon Grunddienstbarkeiten wesentlich yermindert 
mL Eine nicht geringe Anzahl yon städtischen und ländlichen Grund- 
änalbarkeiten belaste das dienende Grundstück so erheblich, dafs für sie 
die Kundbarmaehung durch das Grundbuch nicht entbehrt werden könne; 
oae Uetersoheidung der Grunddienstbarkeiten nach ihrem Werte lasse 
ach aber ueht machen. Dafb der Eintragungszwang für neue Grand- 
äenstbarkeiten nicht durchgeführt werden könne, sei nicht richtig. Man 
log dabei in Betracht, dafs der Entwurf in der vorliegenden Frage bei 
den meiaten Bundesregierungen und den zur Vertretung der Landwirt- 
Nhaft berufenen Körperschaften mit Ausnahme des preufs. Landes- 
Otkonensie-KoUegiums Zustimmung gefunden hat Die Mehrheit lehnte 
es auch ab, für die durch eine dauernde Anlage erkennbaren oder solche 
Ofonddienstbarkeiten, mit denen das Halten einer dauernden Aplage ver- 
bsnden iat, eine Ausnahme von dem Eintragungszwange zu machen. Man 
hielt den Begriff der bezeichneten Grunddienstbarkeiten für zu unbe- 
itimmt und erblickte in dem Bestehen einer dauernden Anlage keinen ge- 
Bfigenden Ersatz für die Eintragung, sowohl in Betreff der Feststellung, 
ob wirklieh ein Becht begründet werden solle, als hinsichtlich der Bestimmung 
dM Banges der Dienstbai'keit ; auch für den Hypothekenverkehr hielt man 
die Erkennbarkeit der Dienstbarkeit aus dem Grundbuch für unentbehrlich. 
Ebensowenig erachtete man es für berechtigt, in dem Falle, von zwei 
«ioem Eigentümer oder Miteigentümer gehörigen Grundstücken, von 
denen das eine der Benutzung des anderen durch eine dauernde Anlage 
dient» das eine vorauf sert, bezw. das eine dem einen, das andere dem 
anderen Miteigentümer zugeteilt wird, eine Grunddienstbarkeit nach Mafs- 
fsbe der aus der Anlage ersichtlichen Benutzung ohne Eintragung ent- 
stehen zu lassen; man war der Ansicht, dafs sich in dem bezeichneten 
Falle höchstens eine Auslegungsregel des Inhalts aufstellen lasse, dafs 
der Eigentümer des bisher der Benutzung des anderen Grundstückes 
dieeeaden Grundstücks zur Bestellung einer entsprechenden Grunddienst- 
barkeit verpflichtet sei, erachtete jedoch die Aufnahme einer solchen Aus- 
Isgnagsregel zum Teil für überflüssig, zum Teil für bedenklich. 

Während es hiernach bezüglich der Neubegründung von Grunddienst- 



HfttloiiiilöliofioiDlsche QeMtsgdbang« 



barkeitOD beim EDtwurf blit^b, erfuhr der Art. 109 des Eint Ges, eio« 
AeuderuDg* Man hielt es mit EuokBicht auf die Ycrflobiedenheii der 
wirtaohafÜichen Verbältniese und nameatlioh den sehr TerachiedeiieQ 8taiid 
der ÄblÖBUDgen und Flurbereinigungen nicht für aogängig, für das 
ganse Reich eine eiüheitliche AusBchlufsfriet lu beftümmen , nach 
deren Ablauf die nicht eingetragenen bestehenden Grunddienstbarkeiten 
der Gefahr des Untergangs in Gemäfaheit dee § 837 auigeeetzt eein eollteo; 
man nahm an« dafs diese Regelung unvermeidlich su sahlreiohen, wirt* 
ichaftlioh und sozial sehr empfindlichen Rechts Verlusten führeo miüjte* 
Es wurde daher der allgemeine Sats an die Spitze gesteUt» daf« die lur 
Zeit der Anlegung des Grundbuchi bestehenden Grunddienstbarkeiten tur 
Erhaltung ihrer Wirksamkeit gegenüber dem öffentlichen Glauben dei 
Grundbuchs nicht der Eintragung bedürfen. Dabei sah die Eammi«sion 
jedoch mit dem Entwurf als daa zu erstrebende Ziel die Eintragung aller 
Grunddienstbarkeiten an. Um die Erreichung dieses Zieles thunÜchst zu 
fördern, legte mau eiDerseits sowohl dem Eigentümer dee herrschendan« 
als dem des dienenden Grundstücks das Recht bei, die Eintragung der 
Grunddienstbarkeit auf seine Kosten zu verlangen, Andereraeita behiell 
man der landesherrlichen Yorordnungsgewalt die Befugnis Tor, für dai 
gante Landesgebiet oder auch für einzelne Grundbuchbezirke zu bestimmecr 
daffi die besteheuden Grunddienstbarkeiten oder einzelne Arten derselben 
zur Erhaltung der Wirksamkeit gegenüber dem öfFentlichao Glauben des 
Grundbuchs hei der Anlegung des Grundbuchs oder später eiogetragen 
werden müssen. 1 

Die Kommission bet^chaftigtc sich sodann mit der Ermge, ob oot* 
sprechend mehreren Wünschen der Kritik die Ersitzung Ton Grand* 
dienstbarkeiten durch gutgläubige Ausübung innerhalb gewiBser Frist 
zugelassen werden solle. Der Entwurf sohliefst diese Erwerbsart ans, 
und er fand hierin die Billigung einer grofsen Mehrheit der Kommission. 
Man erwog namentlich^ daXs die Anerkennung der Ersitzung erfiahrungi* 
mäfdg zu zahlreichen Terwi ekelten Prozessen und in vielen Fällen zur 
mifsbräuchlicheü Erschleichung eines Rechts führe, sowie dafs sie die 
Vorteile des Eintragungszwangs in erheblichem Mafae aulhehen würde. 
Eine neu beginnende Ersetzung sei nach dem Inkrafttreten des Getetz* 
buchs nahezu uq möglich, da kaum jemand gutgläubig würde annehmen 
können, ohne Eintragung ein Reoht zu erwerben. Ebensowenig sei die 
Zulassung der Ersitzung geboten ^ um den Beweis des Bestehens der 
älteren Grunddienstbarkeiten zu erleichtern, und sie sei andererseitj 
bedenklich, weil durch sie der wünschenswerte Antrieb zur Eintragung 
der bestehenden Grunddienstbarkeiten abgeschwächt werden würde. — 
Entsprechend der früher beschlossenen Vorschrift über die sog. Titularer- 
sitzung des Eigentums an einem Grundiitücke (rergl, den Torigen Band 
8. 683) liefi man jedoch auch für Grunddienstbarkeiten eine Titularer- 
Sitzung zu. Wenn nämlich eine in Wirklichkeit nicht bestehende Grund* 
dienstbarkeit dreifsig Jahre lang im Grundbuch eingetragen und ausgeübt 
worden ist, so ist die negatorische Klage des Eigentümers des dienenden 
Grundstücks auf Unterlassung weiterer Ausübung und Löschung der Grand- 
dienstbarkeit yerjährt. Trotzdem würde der Eigentümer des herrschenden 



NfttfoiuildkoiioBiiseh« O^Mtigsbuag. 217 

6n»ditftokB nieht £• Duldung weiterer Ausübung verlangen k^mnen. 
Vh üeeee widemproehtrolle Yerhältois zu beseitigen, besehlols man, den 
BgenidMer dea herraehenden Qruoditücks unter der beseichneten VorauB- 
MtauBg die Orunddienatbarkeit erwerben au lassen. Ss erschien dies 
aoah eineneita der in § 826 aufgestellten Yennutung für die Richtigkeit 
daa Omndbuehinbalts entspreohend, andererseits zweekmäfsig, um eine Erör- 
tavuag flber die etwaigen Mängel des Bestellungsaktes nach langer Zoit 
aoaiaaohlieliMn. Mit Rfioksioht auf die su vermutende Rechtmäfsigkeit 
der Begrindnng wurde der Sats hinaugefügt, [dafs der Rang der Dienst- 
barkeit sieh naeh der Eintragung bestimmt 

Der auf den Begriff und Inhalt der Grnnddienstbarkeiten beaügliche 
§ 966 blieb unbeanstandet Ebenso erfuhr der § 967, welcher den zu- 
liaaig«! Inhalt und Umfang Ton Orunddienstbarkeiten näher begrenzt, 
kmne aaehUdie Aendemng. Den § 968 strich man als aberflüssig, weil 
mib der in ihm enthaltene Satz, dafs eine Grunddienstbarkeit naeh 
Braehteilen weder begründet noch aufgehoben werden kann, aus dem 
Begriffe der Omnddienstbarkeit ergebe. Oegen die Vorschrift des § 969 
über die Art der Eintragung wurde nichts erinnert Auch die Bestimmongen 
des % 970 über die Verpflichtung des Berechtigten zu schonender Aus- 
übung der Dienstbarkeit und zur Erhaltung der von ihm auf dem dienenden 
Omndatftoke gehaltenen Anlagen wurden unTcrändert beibehalten. Der 
{971 Abs. 1 erklärt bei Grunddienstbarkeiten, su deren Ausübung das 



§ 967. Alt OnmddieiifltbArkait ist nur eine solche Belastong •ullssig, waleba für 
ik Bttiatswig des Gmndstfleks des Berechtigten Vorteil oder Annehmlichkeit bietet. Ueber 
das sieh hienuis ergebende Mefs hinaus kann der Inhalt der Dienstbarkeit nicht erstreckt 



§ tea geatriebeo. 

§ 969. Bei der Einhragnng einer Ckunddienstbarkelt in das Grundbuch kann snr 
aikaren Beseichnang dea Inhaltes des Rechtes auf die Eintragungsbewiiiigung Besug 
Itoommen werden. 

§ 969 a. Ist eine iu Wirklichkeit nicht bestehende Grunddienstbarkeit in das Grund- 
biek eingetragen, so erwirbt der Eigentämer des Grundstücks, su dessen Vorteile sie 
•infelragen iat, das Rocht, wenn die Dienstbarkeit dreifsig Jahre lang eingetragen gewesen 
lad aosgefibt worden ist. Die Vorschriften des § 871a Sats 2, 3 finden entsprechende 
Aswendung. Der Rang der Dienstbarkeit bestimmt sich nach der Eintragung. 

§ 970. Bei der Ausübung einer Grunddienstbarkeit hat der Berechtigte das Interesse 
des Eigentümers des belaateten Grundstücks thunlichst su schonen. Anlagen, die von 
taa Rcrechtigten auf dem belasteten Grundstücke sur Ausübung der Dienstbarkeit gehalten 
wtrden, sind von ihm in ordnungsroäf»igem Zustande su erhalten, soweit das Interesse 
4ts Eigentümers des belasteten Grundstücks es erfordert. 

§ 971. (971 Abs. 1, 8.) Gehört sur Ausübung einer Grunddienstbarkeit das Halten 
«aar Anlage auf dem belasteten Grundstücke, so kann bestimmt werden, dafs der Eigen- 
tflsMr dieses Grundstückes die Anlage au unterhalten hat, soweit das Interesse des Berech- 
tigten es erfordert Steht dem Eigentümer des belasteten Grundstücks das Recht sur 
Mitbenutsung einer solchen Anlage su, so kann bestimmt werden, dafs der Berechtigte 
die Anlage an unterhalten hat, soweit es für das Benutzungsrecht dea Eigentümers erfor* 
derüch iat. 

Wird eine solche Unter haltungspflicht bestimmt, >o finden auf sie die Vorschriften 
iibcr die Reellasten entsprechende Anwendung. 

§ 971 a. (971 Abs. 2, 3.) Besteht die Grunddienstbarkeit in dem Rechte, auf einer 
bealichen Anlage des belasteten Grundstücks eine bauliche Anlage su halten, so hat, 
wenn nicht ein Anderes bestimmt ist, der Eigentümer des belasteten Grundstücks die erstere 
Anlage xa unterhalten, s<>weit das Interesse des Berechtigten es erfordert. Die Vorschrift 
d« § 971 Aba. S gilt auch für diese Unterhaltungspflicht. 



K«tIoBal$k<»nomt>vbe Ge9«ls|rebiiiig. 



Halten einer ADkge auf dem dienenden Grundetüok gehörti die BentimoDung 
für zulässig» dais der Eigentümer dieses GrundBtücks die Anlage zu untere . 
halten hat, soweit das Interesse des Berechtigten e« erfordert, Di#l 
Kommission ergänzte diese Vorschrift, indem sie für den Fall, wenn dem i 
EigeDtümer des belasteten Grundstücks das Recht zur Mitbenutsang der . 
Anlage zusteht, auch die Bestimmung gestattete, dafs der Berecbtigtej 
die Anlage zu unterhalten hat, Boweit es für das Benutzungsrecht det| 
Eigentümere erforderlich iet; sie glaubte, dae praktische Bedürfnis «uf i 
diese Weise am einfachsten zu befriedigen. Die Absätze 2 und 3 wurden, 
abgesehen von einer durch den Zusatz zu Abs. l gebotenen Erweiterung 
des Abs, !), unverändert beibehalten. 

Der § 972 giebt dem Kigeotümer des belasteten Grundstücks bsi 
einer Gninddienat barkeit, bei der der Ort der Ausübung bestimmt ist»,^ 
das Kecht, die Verlegung der Ausübung auf einen anderen ebenso geeig*H 
neten Ort des belasteten Grundstücks auf seine Kosten zu yerlangeD, 
falls sich die Ausübung an di^m zuerst bestimmten Orte infolge einer 
Veränderung der Umstände als besondere beschwerlich für den Eigeo*^ 
tümer erweist. Ist ein Ort für die Ausübung nicht bestimmt, sondern 
dem Berechtigten die Wahl des Ortes überlassen, ohne dafs nach dem 
Inhalte des Begründungs vertrag es die aus § 970 folgende Beschränkung 
des Berechtigten als ausgeschloBaen anzusehen iatt so argiebt sich für 
den Eigentümer des belasteten Grundstücks ein dem § 972 entsprechendes 
Recht auf Verlegung der Ausübung schon aus § 970. Bei der praktischen 
Bedeutung dieser Folgerung aus § 970 erschien es der Mehrheit zweck- 
mäfsig, dieselbe im § 973 zum Ausdruck zu bringen. Auf&erdem giti£^ 
man in der Erleichterung des Eigentümers des belasteten Grundstüokfl^ 
insofern über den § 972 hinaus, als man dies Recht auf Verlegung der 
Ausübung nicht davon abhängig machte^ dafs die bisherige Ausübung i n« 
folge einer Veränderung der Umstände sich als besonderifl 
beschwerlich erweise. Man hielt diese Voraussetzung für bedenklich, weif^ 
der Nachweis einer Veränderang der Umstände oft schwer zu erbringen 
sein werde, und war der Ansicht, dafs die mit dem § 972 bezweckte 
Entlastung des Eigentümers des dienenden Grundstücks demselben im 
Yolkss wirtschaftlichem Interesse auch dann gewährt werden m&sse, wenn 
die eine besondere Beschwernis hervorrufenden Verhältnisse schon zur 
Zeit der Begründung der Dienstbarkeit bestanden haben; da nur eine 
Verlegung der Ausübung auf eine ebenso geeignete Stelle in Frage stehe, 
könne eine Benachteiligung des Berechtigten aus der Vorschrift nicht 
entstehen. Der Vorschlag» auch die Verlegung der Ausübung auf ein 
anderes Grundstück zuzulassen, wenn dadurch die Sicherheit der Dienst- 

I 97S. B«8ckränki sieh die jewellii^« Aasfibaitg^ edaer Grunddienstbarkeit oaeli deii^H 
Katur derselben eof einen Teil de« be)«Atet«ii OrandUQckSf lö kann der Eigentümer, wens^^ 
die Ausübung an der bistjerijiEQ^n S^telle für ibu besonder» beschwerlich i»t, die Verlefpiog 
der AuaObung auf eine andere, für den Bereehtigten ehens^o f^eeif^nete Stelle Terlangaa | 
die Rosten der Verle^uni? sind von Ihm 9;u trai^en and voriuscbiersen. Die VerlegBOg 
kano auch dann verlmogt werden ^ wenn die Au> Übung durch Rechlsgeiebäft auf eioeo 
bestimmten Teil des GrundMücks beschrKokt lit 

Da« Recht auf die Veriegung kaaa ntebt durch Re^htagesohift anagotchloasmi ote_ 

b^chrinkt werden. 



219 

bttfcmi BMht t— ia t r ichttgt werde, wurde maß Bfiokiioht euf dee InteresM 
dee Bweektigfteii ebi^eleliiii Zur Sicherung des Bereehtigten geb man 
deBidben miek die Beehi, YonohielBung der Kesten lu verlengen. 

Der S 978» weleber den Fall der Eolliaion einer Qrunddienttbarkeit 
■ut einem «ndmn Nutenngt- oder Oebrauehireobte an demselben Grund- 
stflAke betrifft» blieb saehliob nnrerftndert. Der $ 974 wurde gestriohen, 
wml man in a e inom labelt lediglieh s^bstrerständliehe Folgerungen aus 
dem Begriff der Grunddienstbarkeit erblickte. Aus demselben Grunde 
sliieh die Kommisaion auch den Sati 1 des $ 976, welcher besagt» dalb 
üo Oronddienstbaxkiait, wenn das dienende Grundstück in Natur geteilt 
wild, an allen einleben Teilen fortbesteht; die Aufnahme dieses Satses 
sreehien deshalb bedenMioh, weil der Entwurf fftr das Brbbanreeht eine 
sntsfveeheode Yorsehrifl nicht enthält, obwohl dort sachUeh dassalbe 
pikm mufis. Der 8ati 2 des { 976 wurde beibehalten. Nach % 976 
8als 1 besteht die Grunddienstbarkeit auch im Falle der Teilung des 
kerrsehendeB Grundstocks für alle einzelnen Teile fort Die Kommission 
bssehlofs, diesem Sets die Auslegungsregel beisuf&gen, dafs eine Yer- 
mshmag der Bdastnng infolge der Teilung im Zweifel nicht eintreten 
lilrle. Sie teilte aswar an sich die in den Motiren ausgeflUirte Ansicht, 
iafs die Frage, ob der Eigentümer des belasteten Grundstücks sich die 
ittsübuag der Grunddienstbarkeit nach dem Tollen umfange des durch 
fie Teilung des herrsehenden Grundstücks gesteigerten Bedürfnisses 
fahUen laasen mttsse, neoh dem Inhalte des Begründungsvertrages au 
mtseh e iden sei, hielt jedoch aur Beseitigung von Zweifeln die Auf« 
sabaM dee mitgeteilten Auslegungsregel für nütalich. Der Sata 2 des 
( 976 wurde nicht beanstandet. 

Die in $ 977 enthaltenen Vorschriften über die reehtsgeschMltliehe 
iafhebong einer Grunddienstbarkeit behielt man sachlich bei. Insbesondere 
Isknte man es ab, das Erfordernis der Zustimmung derjenigen, deren 
lochte an dem herrschenden Grundstück durch die Aufhebung berührt 
werden würden, fallen su lassen, weil man dieses Erfordernis sum Schutse 
der boaeichneten Bealberechtifstcn für anentbehrlich hielt Da der Inhalt 
dss $ 977 schon durch die als § 880a beschlossenen allgemeinen Vor- 
Mhriften gedeckt war, kam der % 977 in Wegfall. — Mehrere Anträge, 

§ 97S. TriBt «iDe Granddianstbarkeit mit eiDer anderen Ornnddlenstberkeit oder 
timm eoDetigen Nntsongsreoht an dem Grandstficke dergeetalt aatammen, daA die Rechte 
itbeneinander nicht oder nicht vollstindifr ausgeübt werden können, und haben die 
Seehte gleichen Rang, so kann Jeder Berechtigte eine den Intereasen aller Berechtigten 
■ach bllligvm Ermessen entsprechende Regelung der Ausfibnng verlangen. 

§ 974 gestrichen. 

I 974 a. (976.) Wird das GmndstQck des Berechtigten geteilt, so besteht die Grund- 
^■stlMrkeit f&r alle einseinen Teile fort; die Aosabong ist jedoeh im Zweifel nur in der 
Weise sollssig, dafii sie fOr den Eiirentfimer des belasteten Grandstttcks nicht beschwer- 
lieber wird. Gereicht die Dienstbarkeit nur einem Teile des Grundstücks des Berech- 
ügUn anra Vorteile, so erlisoht sie fUr die übrigen Teile. 

§ 976. Wird das belastete Grundstück geteilt, so werden, wenn die Ausübung der 
Grunddienstbarkeit auf einen bestimmten Teil des belasteten Grundstücks beschrAnkt ist, 
die Teile Ton der Dienstbarkeit frei, welche aufserhalb des Bsreichs der Ausübung liegen. 

§ 976 vergl. § 974 a. 

I 977 TsrgL § eSOa. 



220 



«nfti Ökonomische OesAUgebun^. 



welche dahin gingeo, auch durch drei fsigj ährige Niohtausübuog eio« 
Grumldienitbarkeit erlÖscbeD zu lassen, fanden nicht die Zustimmung der^ 
iMehrheit. Man hidt es mit der Bedeutung der Eintragung nioht förfl 
yereinbarp dafs der eingctrugene Berechligte sur Erhaltung seines RechU 
genötigt sein solle, die Auiühuag deiselben nachzuweisen. Aus der 
längeren Nichtausübung folge, so nahm man an, keineswegs die Wert* 
losigkeit des Rechtes für den Berechtigten. Die Anerkennung des Er- 
Ion oben s durch Nichtausübung führe erfshrangsmäTBig zu sahlreichrn 
Prozessen, setze den Berechtigten ohikanösen Einwendungen das Eigen« 
iümers des belasteten Grundstücks aus, gefährde unter Umatänden die 
liealbi reohtigten des herrschenden Grundstücks und habe die mifsliolte 
Folge, dalä einerseits daH Grundbach unrichtig werde, andererseita aber 
die erJosobene Grunddi^oitbarkeit Ttrmöge des öffentlichen Glaubens des 
Grundbuchs zu Gunsten eines dritten Erwerbers eines Rechts an dem 
hetraob enden Grundstück aU fortbestehend gelten müsse. Ebenso luhotn 
man es ab, an die widerspruchslose Duldung einer die Ausübung der 
Grunddienstbarkeit hinderndeD EinricbtuDg auf dem belasteten Grundstücke 
von Seiten des Bereohtigten das Erlöschen der Dienstbarkeit zu knöpfen; 
mau erblickte in diesem Vorschlag einen durch ein praktisches Bedürfe ii 
nicht gerechtfertigten liefgeheiiden Eingriff in das Recht des Bereohtigten. 

Der auf den Schutz des Dienstbarkeitsherechtigten bezügliche % 97% 
wurde nicht beanstandet Neu aufgenommen wurde die Bestimmung» dufs 
wenn der Anspruch des Berechtigten gegen den Eigentümer des belaste- 
ten Grundstücks auf Herstellung des der Dienstbarkeit entsprechenden 
thatsHchlii'heti Zustandei verjährt ist, die Grunddienstbarkeit erlischt 
Die Bestimmung setzt voraus» dafs die Grunddienstbarkeit nicht einge- 
tragen ist, da andernfalls die Verjährung des Anspruchs aaoh § 847 aus- 
geschloBsen sein wurde, kann also nur zur Auwenduog kommen^ wenn 
eine durch Eintragung entstandene Orunddienätbarkeit zu Unrecht ge- 
löscht ist und deshalb trotz der Löschung fortbesteht. Obwohl die Be- 
stimmung somit Ton geringer praktischer Bedeutung ist, hielt die 
Mehrheit die Aufnahme doch für angemessen , um den formalen Fort- 
b#8iand der Barecbligung trotz Wegfalls der Möglichkeit ihrer Geltend- 
maohung auszuachlierscn. Dabei wurde von Tomherein ins Auge ge* 
fafst ^ die hier fragliche Bestimmung zu einer alle Rechte an Grund- 
stücken umfassenden allgemeinen Yorscbrift zu erweitern. Eine derartige 
Vorsohrift ist yon der Redaktionskommission inzwischen festgestellt worden 
(yergU die Anmerkung zu § 978 der Zusammenstellung), 

Der § 979 gewährt dem Besitzer eines Grundstückt, für desaett 



{ 978. Wird eise GrunddienstbArkeit beeintriohtfgt, so finden auf den Atiftproek 
des 1iar«cht{gteD gegen den Slörer die Vorächriften d«a | 948 «Dlsprechead« Amreodiuig. 

Anajerkoofr. Als§ S45 b wird folgende Vorgchrift eiD^estetU : 

Ist eiD R«€ht an emetn Grundfttilck im Grundbache mit Uureclit gel&scht, so crliMbI 

ei», irenn der Ansprucli des Berechtigten gegen den BigeDtOmer Terjfihrt isL Da* 

Gleiehe gitt, wenn ein kr&ft Gcsotses entstandenei Recht an einem fremden Grund* 

»tück im Grundbuche nicht einicetragen int 

§ 979- Wird der Besitser eines OrundAtücks b der Ausübung einer für den Eigfia- 
tümet desselben im Gmudbiicb eiugetragenen Graaddietistbarkeit gestört, so finde» di« 
fUr den Be»it3ssihutz gelteiidon Vorschriften entsprechende Anwendung, soweit die Dienst* 
barkeii innerhalb eines Jahres vor der Stdrtmgi sei es aueb nur einmalp ausgeübt worden i»L 



NsIkmaUlkoiiomischt Gtntigtbiiiig. 221 

ügMtliiiiMr mm Gnmddienfltbarkait in das Gnmdbach eiDgetngen ist, 
•maa dem fientischuts naoh^bildeten Sohuti gegen Yerhinderong oder 
Stfirung der Austtbung der Dienstbarkeity soweit diese innerhalb eines 
Jahrea Tor der Yerbindeniog oder Störung, wenn anoh nur einmal, ausgeübt 
worden ist Die Yorsehrift wurde sachlich gebilligt Oer Zusatz, daüs 
bei Gmnddiraaibarkeiten , die nicht in jedem Jahre ausgeftbt werden 
kfinnen, es genfige, wenn die Ausübung bei einer der drei letiten darge- 
botenen Gelegenheiten stattgefonden hat, wurde abgelehnt, weil man 
Un Bedfirfnie für denselben anerkannte, auch die in ihm aufgestellte 
YoraiMBetsung für eine n unsichere hielt Der § 979 sohfitst nur die 
Attanbang einer eingetragenen Grunddienstbarkeit Die Kommisaion 
stimmte dieser Beschränkung au. Sie erachtete es mit den fiir den Bin- 
tragungisiwang moCsgebenden Granden nicht fiir yereinbar, der Ausübung 
mAi eingetragener Grunddienstbarkeiten oder auch nur solcher nicht 
eiagetrageaen Grunddienstbarkeiten, welche mit dem Halten einer dauern- 
den Anlage Terbunden sind, einen entsprechenden Schuts au gewähren. 
Dagegen erschien ein weitergehender Besitzschuts ffir die sur Zeit des 
Inkrafttretens des Oesetibuchs bestehenden Grunddienstbarkeiten geboten, 
als ihn der Art 111 des Entwurf des Binführungsgesetaes yorsieht 
Naeh dieser Yorsehrift sollen die bisherigen Gesetze ttber den Schutz im 
Besita einer Grunddienstbarkeit solange Anwendung finden, bis das Grund- 
baeh ffir das dienende Grundstfick als angelegt anzusehen ist. Bezüglich 
der la dieser Zeit nicht eingetragenen älteren Grunddienstbarkeiten 
würde danach ein Besitzschutz nicht mehr stattfinden; der Berechtigte 
würde auch für die Zeit, wfihrend deren die Grunddienstbarkeit nach 
Art 109 dea Binführungsgesetzes ohne Eintragung noch gegen Dritte 
Teil wirksam wäre, nur die aus seinem Rechte abgeleiteten Schutz- 
■itlel geltend machen können, durch welche dem Bedürfnis nach schleu- 
siger Beseitigung einer Hinderung oder Störung der AuBÜbung nicht Ge- 
süge geschieht Die Kommission bcöchlols, für die bezeichnete Zeit dem 
berechtigten eioen dem § 979 entsprechenden Schutz zu gewähren, je- 
doch nur bei Grunddienstbarkeiten, die mit dem Halten einer dauernden 
Anlage auf dem belasteten Grundstück verbunden sind, da nur bei diesem 
•in dem Sachbesitzer ähnliches äuTiseres Yerhältnis des Berechtigten zum 
belaateten Grundstücke yorhanden sei, wie es als Yoraussetzung eines Be- 
ntzschutzes gefordert werden müsse. Ueber die bezeichnete Zeit hinaus 
den bestehenden Grunddienstbarkeiten der gedachten Art Besitzschutz zu 
gewähren, lehnte man ab, weil dadurch ein wünschenswerter Antrieb zur 
Eintragung der bestehenden Dienstbarkeiten beseitigt werden würde. 

ADBtrknng. Dem Art 111 des Entwurfes des Einfttbmngsgesetses soll als Abs. S 
Iblgesde Vorschrift angefügt werden; 

Von der Zeit an, su welcher das Onindbncb als angelegt ansnseben ist, floden, wenn 
der Besitser eines Gmndstfleks in der Aasfibnog einer Granddienstbarkeit gestört 
wird, mit welcher das Halten einer dauernden Anlage anf dem belasteten GmodstUcke 
vertmnden ist, die fBr den Besitsschntx geltenden Vorsebriften des BQrgerlichen 
Gesetsbocbs so lange entsprechende Anwendung, als Dienstbarkeiten dieser Art nach 
Art 109 aar Erhaltung der ToUen Wirksamkeit gegenflber dem StTentUchen Glaaben 
des Oraodbnchs der Eintragung nicht bedürfen. 



222 



KitioQAlMioiiomisebe Gesett^bonf. 



Der zweite Titel des hier firaglieben AbBchnitti regelt den NiefB^ 
brauch und ewar saDächet den Nieffibrauoh an Sachen. 
Bestimmungen des | 980 über den Begriff des Niefsbrauchs und die 20- 
läisige BeflOhrünkung seines Inhalts wurden sachlioh gebilligt. Den 
§ 981 strich man, weil man die in ihm ausgesprochene Statthaftigkeit 
eiues Niefsbrauchs an dem Bruchteile einer Sache für selbstTerständlioh 
hielt. Die Vorschrift des § 982 über die Art der Kiutragung des Niefs- 
brauohs an einem Gmudstücke blieb unbeanstandet Entsprechend den 
für das Eigentum an Gruudstucken und für Grunddienstbarkeiten be- 
sohloisenen Vorachnften der §§ 87 la und 969a (vergL den Torigen 
Band 8. 679 und oben 8« 216) wurde auch eine TabularersitzunU 
des Niefsbrauchs an GrundstückeD anerkannt , dabei aber die Zlii| 
sammenfassung aller dieser Einzelvorschritten su einer allgemeinen Vor< 
schritt in Ausgeht genommen. Diese allgemeine Yorscbnft ist inz wische 
von der Redaktionskommission formuliert worden* (Vergl. den § S42 
in der Anmerkung au § 982 der Zusammeu Stellung«) Die in § 91 



Zweiter Titel 

Niefabrsticb, 
I. Kiefsbraucli an Sacb«!]. 
§ 900. Eine Sache kann in der Weise belastet werden, daft ein auderer ala 
Ki^ttutÜmer berechtigt tst, die Nutaangea der Sache au xtehen. (NteHibraucb.) 

Der Nie&braach kwstu durch dea AmschltLr« eit>aelii«r Nataangen bescbHLukt werdii 
§ 981 gestrkfaou. 

§ 988. Wird der Nietsbraucb an einem Gmudälücke bestellt^ ao kaDZi bei de 
tragung in das Grundbuch zur nfiheren Bez.eichDung des Inbalta des Bechtes auf die ] 
tragangsbewilligung Besug genommen werden. 

Anmarkung. AU § 84&a wird folgende Vorachrift eingestellte 

Wer als Elgeut&mer eines Grundstücks Im Oruudbucb «iugetrageii ist, ohne 
er das Eigentum erlangt hat^ erwirbt das Eigentum, wenn die Ktutragung dreifi 
Jabre bestanden und er während dieser Zelt das Grundstock im Eigenbesitse g«faa 
hat. Die dreifäiigjEhrige Frist wird in derselben Weise berechnet wie die Friat 
die Ersitaung einer beweglichen Sache. Der Lauf der Frist, ist gt^hemmt , aola 
eiu Wider»pruch gegmi die Richtigkeit der Eintragung im Gruudboefa einget] 

Diese Voracbriften finden entsprechende Anwendung^ wenn für jemand ein ifa 
austebendes anderes Kecht im Grundbuch eingetragen ist« das 3R um Besitze de« j 
atOicks berechtigt oder deasen Ausübung nach den für den Besita gelteuden 
Schriften geacbütat uU Ffir den Rang des Rechtea ist die Eintragung mafsgeb 
§ 9SSa< Uit dem Ktefsbrauch an einem Grundstück erlangt der Niefabraucher 
Niefsbraach ao dem Zubehöre nach den fUr den Erwerb des EigeDtuniä gelteudeti Va 
achrifteu des § 868 a. 

§ 98S. Zur Bestellung des NIersbrmacbs an einer beweglichen Sache tat erforderlich, 
dafs der Eigentümer die Baehe dem Erwerber QbergiebC und dafs beide darüber einig 
sind, dafs diesem der Niefsbraucb auateben soll. Die Vorschriflen des § 874 8ata S und 
der §§ 874 a bis 880 finden entsprechende Anwendung ; in den Fielen des § 878 tritt 
an die 8 teile des Erlöscbeos des Hechtes eiues Dritten die Wirkung, dafs der liliefsbnuidi 
dein Rechte vorgebt. 

§ 983 a. Der Niefsbrancb au einer beweglichen Sache kann durch Ersitsung erworben 
werden. Die fSr den Erwerb des Eigentums durch Ersitiung geltenden Voncbrifltt 
finden entsprechende Anwendung. J 

§ 983 b. (99S Aba. 1 Sats 1.) Der Nief^hraacber kajin den Zustand d«r SM&b« mm 
seine Kosten feststellen lassan* Da« gleiche Recht steht dem Besteller am. ^ 

Anmerkung. Die Voracbrifteu des § 99S Abs. 1 Sats t, Abs, S des Bntw« M 
aind in der Voraussetaung gestrichen worden, dafs sie tu das für erforderlioli erachtate 
Reichsgeseti über die Angelegenheiten der fVeiwilligen Gerichtsbarkeit aufgeuümuieQ werdasu 



MaitieiiAldkonoiniiehe Oesetigebntig. 223 

Abi. I aii%Mt«llieB BrfordeniiBse der rechtsgesehSftliehen BegHlndong 
dtt Nieftbran^ht «a fliner beweglichen Sache wurden saohlich gebilligt. 
Der Abt. 2 erkUbrt gewisae auf die EigentamBÜberiragang beiügliche 
Yenehriften für entepreoheDd anwendbar. Die KommiBsion stiinmte 
dieser Yerweiaang, Bowmt sie nieht daroh Streichung der angezogenen 
Yoiiohxillen erledigt war, eachlieh an, beschlofB aber, abweichend vom 
Ba t war f , auch die in den §{ 877 — 860 enthaltenen BcBtimmungen über 
iim EigentamBerwerb durch den gutglftubigen Erwerber auf den Erwerb 
des NiaCibrmoohs an einer beweglichen Sache für entsprechend anwendbar 
sa «lidäreD« Sie hielt den g^^n die entBpreehende Anwendung in den 
MetiTan geltend gemachten Grund, dafB die fraglichen BoBtimmnngen nur 
im YeriwhrBintereBBe gegeben und deehalb auf die Niefsbrauchsbestellung 
aieht aussadehnen seien, weil diese kein YerkehrBgeschäft sei, nicht fdr 
itiehhaltig. Namentlich aber erschien proklisch bedenklich, dafs nach 
dem Entwurf bei der Bestellung des Niefsbrauchs an einem GmndBtücke 
dareh einen als Eigentümer eingetragenen Nichteigentümer der Erwerber 
iwar gemÜB § 837 den Niefsbracuh an dem Grundstücke, nicht aber an 
dem etwaigen Zubehör erlangen würde. Ebenso hielt die Kommission, 
im OegenBati aum Entwarf, durch ein praktisches Bedürfbis für geboten, 
«ine Eraitsuag doB NieüibrauchB an beweglichen Sachen anzulassen, um 
dem redliehen Erwerber eines Niefsbrauchs in den Fällen Schutz su ge* 
wlhren, in denen die Sache gestohlen, Terloren oder auf andere Weise 
dem Beaitaer ohne seinen Willen abhanden gekommen und daher nach 
§ 879 der Erwerb des Niefsbrauchs nach den Grundsätaen über den Erwerb 
im guten Glauben ansgeschloBsen ist. 

Die Bestimmung des § 984 über das Recht des Niefsbrauches zum 
Bssita der Sache blieb unangefochten. Auch die auf den Niefsbrauch 



} SeSe. (993, 1042.) Bei dem Niefsbrauch an einem Inbegriffe von Gef^eastftoden 
Bod der NieDibnacher und der Besteller einander verpflichtet, aar Aufnahme eines Ver- 
Mkbnisset der Gegenstände mitsuwirken. Das Verzeichnis ist mit der Angabe des Tages 
4» Auftiahmt an versehen und von beiden Teilen zu unterzeichnen ; jeder kann ver- 
kagao, daCi die Unterzeichnung öffentlich beglaubigt wird. Jeder Teil kann auch ver- 
isngtiL, da(s das Verzeichnis durch die zuständige Behörde oder durch einen zuständigen 
Biüitcn aufgenommen wird. Die Kosten sind von den\janigen zu tragen und vorzu« 
lehiefiMn, welcher die Aufnahme oder die Beglaubigung verlangt. 

§ 984. (984, 991, 994 Satz 1.) Der Niefsbraucher ist zum Besitze der Sache be- 
rechtigt. 

Er hat bei der Ausfibung des Nutzungsrechts die bisherige wirtschaftliche Bestim- 
maag der Sache aufrechtzuerhalten und nach den Regeln einer ordnungsmäfsigen Wirt- 
schaft zu verfahren. 

I 984a. (989 Abs. 1, 994 Satz 8.) Der Niefsbraucher Ist nicht berechtigt, die 
Üaehe umsngeatalten oder wesentlich zu verändern. 

Der Niefsbraucher eines Grundstficks darf neue Anlagen zur Gewinnung von Steinen, 
Kies, Saad, Lehm, Tbon, Mergel, Torf und sonstigen Bodenbestandteilen errichten, sofern 
zieht dia wirtschaftliche Bestimmung des Grundstücks dadurch wesentlich verändert wird. 

§ f 84 b. Ist ein Wald Gegenstand des Niefsbrauchs , so kann sowohl der Besteller 
tb dar MIcAbraiicher verlangen, dafs das Mafs der Nutzung und die Art der wirtschaft- 
liehen Behandlung durch einen Wirtschaftsplan festgestellt wird. Tritt eine erhebliche 
Aeadtraiig der Umstände ein, so kann jeder Teil eine entsprechende Aenderuug des 
WjrtzAaftsyJaaa verlangen. 

Die Kostan sind von jedem Teile zur Hälfte zu tragen. 



224 



Nttlan&l^koDomiache Geseligebung^. 



an dem Bniohteilo einer Sache beziiglicben Bestimm ujigeti des § 98& er* 
fuhren keine sachliche Aenderutig; die KedaktiooBkommisaioD« veioher 
überlaisen war, den Abs. 2 mit dem Abi. 1 EUiammensofaflaeDp hat diaee 
ZusamTneDfaeftung für unthunlioh gehalten^ will den Aba* 2 aber weg- 
lafleen^ weil Bich der Inhalt durch Analogie ergebe. Der § 986, welcher 
den Fall des Zusammentreffens des NiefabrauchB mit einem anderen Nalsungt- 
oder Gebrauchsrecht un derselben Sache regelt, wurde mit einer dem Be* 
■chloTa zu § 973 enttprechendea Aenderung beibehalten. Im § 987, naoh 
welcbem sich der Nicrsbrauch an einem Grundatücke auf die mit dem 
Eigentum an dem Grundatücke Terbundenen Vermögensrechte eratreokt, 
erblickte mau eine aelbttyerstandliche Folgerung aus dem Wesen des dioglicbea 
Kechti und strich ihn daher. Neu aufgenommen wurde eine Bestimmung über 
die Kratr eckung der Bestellung des Niefsbrauchs an einem Grundstücke 
auf dessen Zubehör; man erklärte aus den gleichen Gründen, auf denen 
die auf die Auflassung bezügliche Vorschrift des § 86Sa (vergl« den 
vorigen Band S, 677, 679) beruhte, diese Vorschrift auf die Niefabrauch* 
beatellung für entsprechend anwendbar. H 

Der Abs. I des § 988 wurde als entbehrlich gestrichenf weil sich^ 
der in ihm auagesprocheoe Fortbeitand des Niefsbrauchs an solchen ge* 
trennten Bestandteilen der belasteten 8aohe» welche nicht £u den Früchteo 
gehören, aus § 898 und § 988 Abs. 2 ableiten lasse. Der Abs. 2 des 
§ 988 ergäüzt den § 899, nach welchem der Niefsbraucher an den ge- 
trennten Früchten der Sache mit der Trennung Eigentum erwirbt, in 
Bezug auf die über das Mafs ordentlicher Wirtsohafl hinaus gesogenen 
Früchte, iudem er einerseits di# Anwendbarkeit dea § 899 auch auf diese 
Früchte klarstellt^ andererseits aber eine VurpÜichtung des Niefsbraucher« 
AUTO Ersatz des Wertes solcher Früchte nach Beendigung des NieCs- 
brauchs und zur Sicherheitsleistung lür die EiTüllung der Krsatzpflicht bd> 
stimmt. Die bezüglichen Bestimmungen wurdeu you der Mehrheit gebiUigt|H 
insbesondere hielt man einem abweicheu den Antrag gegenüber die unbedingt*^ 
Verpflichtung zur Sicherheitsleietung zum Schutze des Eigentümers für un- 
entbehrlich. Der Vorschlag, den Kiefsbraucher eines Waldes sum Eraatso 
dee Wertes der Ton ihm gezog^enen Erzeugnisse über den § 988 Abu, :2 
hinaus insoweit zu yf-rpflichten, als durch ihre Trenoung die zukünftigen 
Erträge oder der Stamiiiwert des Waldes vermindert werden, wurde ab* 
gelahnt; man nahm an, dafs der § 988 Abe* 2 auoh in der Anwendung 



§ 9U vergL § 1017 a, J 

§ 986 vergL § 1013 a. f 

§ 987 getrieben. 

I 988. D«r Niefsbraacbsr srwirbt da» Eigentain tueh an soloben FrüebUn , die er 
den Kegeln einer ordnungBiu&riigen Wirtschaft Kuwider oder deihalti im üebermaTse geaogen 
bal« weil dies infolge «iues beaoQder«» Krei^uUse« uotweDdig geworden Ut Kr isl j«docli, 
imbeachadet aeiuer V^eraDtwortilchkek für ein Verschiilden, verpflichtet, des Wert, welcben 
die&e Früchte lur Zeit der Trenuiitig batteu, detu ücdteller bei der Beeadigaog des Ntel^ 
breuchs zu ersetzen uud fUr die Erfüll uug dieaer V^erpÜkbtung äicfaerbelt au leiateti. Die 
Ersatxpdjcht tillt weg,^ »uwoil durch den Uberinüfsigiin Fruchtbeaug die dem NieCibraocber 
für «toe «pitere Zeit gebiibreadea Katiuugeu beetulrichtjgt werden. 

Sowohl der Beateiler als der Niejj»braucber Iulüu verlangen, dafs der itt «raeia«ode 
Batrag aur Wiederberitellnng der Sache lueoweii verwendet wird * als ea eui«r 
KoiUlsigea Wirtacbaft «ut«prtctii. 



HatioiiAldkoDomlaelie 0«Mtig«lNiDg. 22b 

ud den. Hiefotanaoh aa einan Walde zu angemesaenen Ergebnissen fUure, 
irlhiead der Tonehlag den £igent1lmer des Waldes einseitig begünstige. 
Ilar eine BrgiaBong erfbhr der Entwarf, indem man dem Besteller des 
tritCslnraiieha und dem NieTabraucber das Beeht gab, von einander sn ver- 
kafen, dafs der ra ersetsende Betrag sur Wiederherstellung der Saehe 
iaaoweit Tenrendet werde, als es einer ordnungsmäfsigen Wirtschaft ent- 
eprieht. Man ging davon aus, dafs die Gewährung dieses Rechts nam ent- 
lieh ia den FÜen, in denen eine dbermäfsige Trennung Ton Frachten 
daveh einen besonderen umstand, s. B. durch Windbruch, erforderlich 
weidai durch das Interesse beider Teile geboten sei und dafs andererseits 
d«r Hielabrauoher durch die sofortige Verwendung des zu ersetzenden 
Betra g es regelmäfsig deshalb nicht benachteiligt werde, weil er ffir den 
entgehenden Zinsgenufs durch die Erhöhung des Nutzungs wertes des 
€raBdat&ekes entsohAdigt werde. Der Abs. 8 des § 988, welcher eine 
Sehadensersatspflieht des Niefsbrauchers wegen Yersohuldens vorbehält, 
blieb unangefochten. Ebenso wurde die Vorschrift dea § 989. Abs. 1 
8ats 1 Aber das Recht des Niefsbrauchers eines Grundstücks, zur Ge- 
winnasg von Bodenbestandteilen neue Anlagen zu errichten, gebilligt. 
Dsr 2. Satz des Abs. 1 wurde als neben § 793 des Eintührungsgesetzes 
entbehrlich gestrichen. In § 990, welcher ein Recht des Niefsbrauchers 
an einem in der belasteten Sache gefundenen Schatze verneint, wurde 
Sau 1 weggelassen, weil sich sein Inhalt aus § 928 ergiebt, Satz 2 da- 
gegen der Deutlichkeit wegen beibehalten. 

In den §§ 991 ff. geht der Entwurf davon aus, dafs mit der Be- 
gründong des Nießbrauchs kraft Gesetzes zwischen dem Niefsbraucher 
md dem Eigentümer der belasteten Sache ein Schuldverhältnis 
entsteht. Dementsprechead regelt er auch beim Pfandrecht an beweg- 
lichen Sachen ein gesetzliches Schuldverhältnis des Pfandgläubigers zum 
Bigentümer des Pfandes. Die Kommission hat bei der Beratung des 
P&ndrechts an beweglichen Sachen diese Grundaaffassung des Entwurfs 
tos später mitzuteilenden Gründen verworfen und bcBchlosBCD, statt der 
Yerschriften über das bezeichnete gesetzliche Sohuldverhältnis Bestimmungen 
aber das Schuldverhältnis des Pfandgläubigers zum Verpfänder auf- 
sonehmen. Mit Rücksicht auf diesen Beschlufs hat die Redaktions- 
kommission in der unten mitgeteilten Fassung der hier fraglichen Yor- 
lehriften an die Stelle des Eigentümers der belasteten Sache den Be- 
iteller des Niefsbrauchs gesetzt. Die §§ 991, 994 — 999 werden sachlich 

§ 989 vergl. § 984 a Abs. 2. 

§ 990. Du Recht des Niefsbraachers erstreckt sich nicht aaf den Anteil des Eigen- 
tiaers an einem Schatse, der in der Sache gefunden wird. 

§ 991 vergl. § 984 Abs. 2, § 997 Satz 1, § 1007 Abs. 1. 

i 992 Targl. § 988 b. 

I 998 Tergl. | 988 c. 

I 994 Tergl. § 984 Abs. 2, § 984 a Abs. 1. 

I 995 gestrichen. 

§ 998 vergl. | 997 a. 

I 997. (991, 997, 998 Abs. 1.) Der Nielsbrancher hat für die Erhaltung der Sache 
ia ihrem wirtschaftlichen Bestände sa sorgen. Ansbesaerangen nnd Ernenerangen liegen 
ihm oar insoweit ob, als sie sa der gewöhnlichen Unterhaltung der Sache gehören. 
Mtts roiff« BS. TU (Lxn). 2 5 



226 



^fatioDülökoziomische GeseUgebuog« 



gebilligt. Die EedaktioDskommissioD hat den § 99& als neben § 904 8ais * 
entbebrlioh weggelaHeeo. Bine Ergänzung erfulir der £utwurf durch di#J 
Yorsobrift, data bei dem Niefs brauch an einem Walde sowohl der Be*j 
stell er als der Niefsbraucher die Fefltstellung des Mafses der Nutzung] 
und der Art der wirtdchaftliohen Behandlung durch einen Wirtachafts*] 
plan und im Falle erheblicher Aenderuog der Umstände eine entsprechendt 
Aenderung des Wirtschaf teplao es yerlangen kann. Die Vorschrift ersohietkfj 
sowohl im Interesse der Forstkultur wie der Beteiligteu geboten. Da] 
diese von der Aufstellung und Berechtigung des Wirtschaftsplans gleich- [ 
mäfsig Vorteil haben, hielt man für angemessen, ihnen die Kosten je zur] 
Hälfte aufeuerlegeo» Die Beatimmun gen dea § 992 über die Feststellung 
des Zustandes der belasteten Saohe durch Sachvers Ländige wurden ge-- 
billigty die Verfahren sYorschriften des Abs. 1 Satz 2 und des Abs, ^ 
jedoch in das in Aussicht genommene Keichsgesetz über die Angelegen- 
heiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit verwiesen. Der § 99S Satf I 
Terpiichtet hei dem Nicfsbrauch an einem Inbegriff Yon Vermögens gegen* 
ständen den Niefsbraucher zur Mitteilung eines yon ihm aufge- 
nommenen, mit seiner ünterechrift und dem Datum Tersehenen Verseieh* , 
nisses der einzelnen Gegenstände an den Eigentümer und gicbt in 8at8 1 



§d97a. (996, 9 9d Ab«. 2.) Wird sine aufsergewöbnUche AuibssseraDg oder KH 
nsnerußg der Sache erforderUch oder wird die Such« xer^tdrt oder beHchldigl oder msfliln 
»ich ein EMttör ein Recht nn der Siiohe aU| so hat der NiefabrAticfaer dem Besteller untsr« 
ztiglk'h Anzeige zu machen. 

§ 998 vergl. §§ 991, 997», 999». 

§ 999, (999 Abu. l ) Kimmt der Niersbrftuclier eines OmadMÜcks eine erforderlicli 
gewordene anisflrgewöfanlirhe Auibessernog oder Emeoerong selbst vor, so d^rf er t^A 
derselben innerhalb der Grenzen einer ordnaog»mftrsigou Wirtschsffc auch BestADdteile des^J 
6rand«tiicka verwenden, welche nicht su den ihm gebührenden FHlchtea geboren, 

§ 999*, 4,908 Abs. 2^ 999 Abs, 3.) Nimmt der Nicfftbrttucher eine erforderticll 
gewordene Aasbeüserung oder Emeaerang der Sache nicht selbst vor, so hat er demi 
Besteller die Vornahme zu gestatten. Bei dem Nief^brauch an einem Grundstüi^ke kAoii 
der Besteller verlaugen, daf^ ihm teu der Ausbesserang oder Ernenerung die Verweodnng^J 
der im § 999 bezolchiiotea Bodtnbe>taiidteile gestattet wird. 

§ 999 b. (1001, 1003 Nr. 4) Der Niefsbraucher hftt für die Dauer de» Nief»br«achi j 
die Seche gegen Feuersgefahr und sonstige UnflLlte auf seine Konten unter Versicherunii^ 
zu bringen, wenn die Versicherung einer ordntingam&fsigen Wirt»cb«ft entspricht. Die 
Versicherang ij»t ao la Dehmeo, dafs der Ausspruch aus derselben nicht ohne den Bestellet 
geltend gemacht werden kenn. 

ist die Seche bereits versichert, so fallen die filr die Versicherung zu entrichtendeo^ 
Beitrige nnd Prämien dem Niefi^braucher für die Dauer des NiefsbrAachs zur Le»t, 
soweit er tm Versicherung verpflichtet gewesen sein würde. 

§ 999 c. (1002.) Tritt ein die Zehlunggpflicht de* Versicherers begründender ÜnfeU 
ein, so steht dem Nierabrancher der Niefsbreach an dem Anspruch auf die Versicbenuigs- 
snmme nach den für den Niefsbrauch eo einer auf Zinsen aosätehenden Forderung gelten* 
den Vorschriften zu. 

Sowohl der Besteller eis der Niefsbraucher kann verlangen , dafs die Versichern ngs* 
fumme aur Wiederherstellang der Sache oder zur BeschafTung eines Eneties insoweli 
verwendet wird, eis es einer ordnangsmftfsigtin Wirtscheft entsprichL Der Besteller keao 
die Verwendung selbst besorgen oder dem Nlefsbraucber überlessen. 

§ 999 d. (1003 Nr. 1 — B.) Der Niefsbreacher t!»t dem Besteller gegenüber ver- 
pflichtet, für die Dauer des Niefsbreachs die «u( der Sache ruhenden öffentlichen Leslen 
mit Ansschlnfs der euCserordent liehen besten, welche eis auf den Stemmwert der Sech« 
gelegt anzusehen sind, sowie diejenigen privetrecbtlicheo Lesten %a tregen, welche bereite 
zur Zeit der Bestellung des Nieföbreuchs auf der Seche hefteten, insbesondere die Zinien 
der Hjpothekeaforderungen und Grundachulden. 



NatloDaldkoBomiaehe Oaset^Ettbung^ 227 

anr diMMii das Beoht, öflfanüiohe Beglaubigung des Yerieiohnittss auf 
■eine Koeten au Terlangen. Naoh dem Besohlafs der KommisfioB soUeu 
der Kefrliranolier und der Eigentümer des belasteten InbegrifEs einander 
Terpfliehlet sein, sur Aufnahme eines Verzeichnisses mitzuwirken, und 
jeder Teil soll die 5£fentliehe Beglaubigung rerlangen können. Diese 
AenderuBg erschien im Interesse des Nieüsbrauohers notwendig. Sodann 
wurde beiden Teilen das fernere Becht beigelegt, lu Terlangen, daüs das 
Yeneiehnie durch die inständige Behörde oder durch einen anständigen 
Beamten aufgenommen wird. Der Bntwurf giebt dieses Becht im 
S 1043 beim Nielsbrauch an einem Yermögen dem Eigentümer allein. 
Schon wegen der Schwierigkeit der Unterscheidung zwischen einem solchen 
Ntelsbrauch und dem in § 993 behandelten Niefsbrauch an einem Inbe- 
gnif Ton Yermögensgegenständen erschien es ratsam , die Bestimmung 
des % 1042 hierher zu ftbertragen. 

Der % 1000, welcher den Niefsbrauch an einem Qrandst&ck samt 
laventar betrifft, wurde in Satz 2 dahin rerdeutlicht, dafs sich die Ver- 
pflichtung des Niefsbranehers zum Ersatz abgehender luTcntarstücke nnr 
auf den gewöhnlichen Abgang bezieht, und erhielt femer den Zasatz, 
dab» wenn der NiefBbraucher das Inrentar zum Schätzuogswerte mit der 
Yerpflichtung übernommen hat, es bei der Beendigung des NierSsbrauchs 
zum Schätzungswerte ZDrückzugewähren, die Vorschriften der §§ Ö8öb, 
535e (der Bd. LIX S. 568 mitgeteilten Zusammenstellung) entsprechende 
Anwendung finden. Der § 1000 verpflichtet den Niefsbraucher der Begel 
nach nur insoweit, die belastete Sache zu Gunsten des Eigentümers unter 
Yersicherung zu bringen, als es Ton Seiten eines ordentlichen Hausraters 
m geachehen pflegt, oder, wie statt dessen im Sinne der 2. Lesung 
gesagt werden soll, als die Versicherung einer ordnungsmäfsigen Wirtschaft 
entspricht; nur bei dem Niefsbrauch an einem Gebäude soll die Yerpflich- 
tong des Niefsbranehers, es gegen Feuersgefahr unter Versicherung zu 
bringen, unabhängig yon der bezeichneten Voranssetzung bestehen. 
Die Kommission besohlofs, auch diese Yerp flichtung des Niefsbranehers 
dnrch die gleiche Yoraussetzung zu beschränken, weil keineswegs 
lUe Gebäude, namentlich nicht alle Nebengebäude gegen Feuersgefahr 
Tsraichert zu werden pflegten und daher die unbedingte Versicherungs- 
pflicht des Nieffibrauchers mit der aus ihr folgenden Ersatzpflicht 
ra unbilliger Härte führen könnte. Nach Satz 3 des § 1001 ist 
die Yersicherung so zu bewirken , dafs dem Eigentümer der Anspruch 
ans der Yersicherung zusteht. Die Kommission war der Ansicht, dafs 
dsm Interesse des Bestellers auch durch eine auf den Namen des Niefs- 



§ 1000. Ist ein Orandstück samt Inventar Gegenstand des Niefftbraachs, so kann 
der Kicfsbraocber fiber einzelne Stücke des Inventars innerhalb der Grenzen einer ord- 
Bugsmilsigeo Wirtschaft verfQgen. Er hat für den gewöhnlichen Abgang sowie für die 
oacb den Regeln einer ordnnngsm&rsigen Wirtschaft aoszoscheidenden Stücke Ersatz zu 
beschaffen; die von ihm angeschafften Stücke werden mit der Einverleibung in das In- 
TtDtar Eigentum desjenigen^ welchem das Inventar gehört. 

Hat der Niefsbraucher das Inventar zum Schätzungswerte mit der Verpflichtung über- 
noameo, es b«i der Beendigung des Niefsbrauchs zum Schätzungswerte zurückzugewähren, 
w Soden die Vorschriften der §§ 5S5 b, 535 c entsprechende Anwendung. 

I 1001 vergl. § 999 b Abs. 1 

15* 



%28 



Vatiooftläkonomtschfl Gasttiif^bonf» 



brauoherd geDommene Versicherung dano genügt werde, wenn dabei 
aud bedungen werde, dafs der Anspruch aus der Vertioherung nioht ohne 
den Besteller geltend gemacht werden könne. Die Yartohriflen des 
§ 1002 über die Rechte des NiefsbraucherB bezüglich des Anspruch« i 
die Versichemngsgelder und sein und des Eigentümers Recht in Bezug i 
die Verwendung dieser Gelder erfuhren keine aachliche Aenderung. Ebenst] 
blieb der § 1003, welcher die Verpflichtung des Niefebrauchers gegenüber) 
dem Eigentümer zur Tragung gewisser Lasten regelt, unbeanstandet [ 
Der auf die Ansprüche des Eigentümers während des Bestehens des Nieff> 
brauch» bezügliche § 1004 wurde durch eine dem § 51 6a (der Band 
LIX S. 652 mitgeteilten Zusammen Stellung) entaprecbende Vorechrth 
ereetst, durch welche das Klagerecht des Eigentümers im Falle unrecht« 
mäfsigen Oebraucha der Sache vnn der trete Abmahnung erfolgten Fort« 
fetzuog des Gebrauchs abhängig gemacht wird; im übrigen ersohieo 
der Inhalt des § 1004 •elb&tTerständlich* 

Die Bestimmung des § 1005 über die Verpflichtung des Niefsb rauohers 
jur Sioherheitöleistung blieb unangefochten. Der § 1006 giebt dem] 
Eigentümer der belasteten Sache das Reoht^ die üebertragung der Niefs* 
brauch sausübung auf einen gerichtlich bestellten Verwalter 2u verlangen, 
erstens dannj wenn der Niefi^ braucher nicht innerhalb einer gerichüich 
bestimmten Frist Sicherheit leistet, ferner dann, wenn derselbe die iba 
obliegenden Verpflichtungen in erheblichem MaTse verlettt. Die letztere 
Voraussetzung wurde entsprechend dem zu § 1004 gefafsten Beschlusse 
dahin geändert ^ dafa der Niefabraucher sein die Rechte des Bestellers 
erfaebUoh verletzendes Verhalten ungeachtet einer Abrechnung des BesteUers 
fortseist. Im Uebrigen wurde der § 1006 sachlich beibehalten. Der 

g 1002 Yergl. % 999«. 

I 1003 yetgL § 999 b Abs. % 999 d. 

§ 1003 &. (10 10.) MAcbt d«r Ntefsbrftucher VerweadaDgea aaf die äAche, so bestia 
»ich die Ers&Upäicbt de» BestoUers Ra«h den Vorschriften über die QeschäfkafHhraog i 
Aarinig. Für die Dftiier des NJefibraucb» kaaa der Nier^braaclier Zinsen des von ihoi 
Anfgewendeten Geide« nicht verlftogeo. Daj Becht zur Wegnahme einer Eiorichtunj^ steht 
dem Nietäbriiuch«r m dem für den Mieter im § 614 Abs, % bestimmten Umf&OKe in. 

§ lÜOSb. (1007 Abs. 1) Ver&nderutifceo oder VerschUcbtemngen der Sache, wetch« 
durch die cirdnungstnifsig« Ausübung des Niefabraachs herbeigeführt werden ^ »od voo 
dem Niersbraucher nicht lu vertreten. 

§ lOOSc, (lOOfi, 1006) Wird durch dms Verholten des Nier^b rauch ers die BesorgnU 
einer VerteCsung der Rechle des Beatetiers bef^rÜndet ^ so kann der Besteller Sicherbeitt' 
leistnng verlangen. Auf Antrag des Bestellers hM das Gericht für die SioherheiUlebtoag 
eine Kri»t an bestimmen. 

Leistet der Niefsbraucher dis Sicherheit nioht innerhalb der be«timmi«n Frist, ad 
kann der Besteller veriangeot daTs die Ausübung des Niersbraucbs für Rechnung des NIett* 
brauchen einem von dem Gerichte lu bestellenden Verfralter übertragen wird. Der Ver- 
walter steht unter der Aufflicht des Gerichts wie ein für die Zwangsverwaltung «ine« 
Omndstflcka bestellter Verwalter. Vorwalter kann auch der Besteller des Ntefsbraachs »ein. 

Die Verwaltung ist aufsubeben, wenn die Sicherheit nachtriglicb geleistet wird. 

§ 1004^ Macht der Niefübrattcher einen Gebrauch von der Sache , «a dem er 
befogt ist, 9« kann der Besteller auf Unterlassang klagen, wenn der Gebrauch ang« 
einer Abmabnnng fortgesetxt wird. 

§ 1006 vergL § lOOSc 

% 1006. (10O6 Ab«. 1.) Verlettt der Nlersbraucbar die Rechte des Bestellers in 
erheblichem MaUe und »etat er das verletaende Verb alten ungeachtet einer AbmahDung 
dei Bestellers fort, «o kann der BesteUer die Anordnaug einer Verwaltung nach § l<K)i c 
Abs. S verlangen. 



JfAtioxiAldko&oiBiflebe Gesetsfebting. 



229 



§ 1007, waleber die Baekgewabr der beliisteten Sache nach der Beendi^n^ 
dm ISi^Ctbraucha betrifft, blieb sachlich uDbean stand et. Nach § 1008 
iadeo im Full der Becndi^ang desNieftbrauchi au einem rom Ifieribrnuoher 
Termitflaten oder verpachte ten OrundBtiiciE: die auf die Yeräufseruag eines 
▼•nBietetesi oder verpachteten Grundstücks bezüglichen Yorgchriften der 
II 509 — 51 2, 632, 537 entsprechende Anwendung. Nachdem diese Yor- 
iClinlt^ii aul de? Grundlage des Satzes ,,Kauf bricht nicht Miete*' umgestaltet 
warden waren, kannte eine uoTe ränderte entsprechende Anwendung derselben 
mal drii hier yorliegenden Fall nioht mehr in Frage kommen, da danach der 
Slgctttiimer aii den Tom Niefsbraucher geschlossenen Mietvertrag für die 
jM9e DiMier desselben gebuoden sein würde. Dagegen erschien es durch 
im IntttieaBe dea Niefibrauobi^rs und des Mieters geboten und mit der 
Biifcneht auf den Eigentümer wohl verträglich, diesen für die Bauer der 
gtMililieben Kündigungsfrist an den Mitvertrag zu binden und ihm abo 
atir das Recht zur Kündigung des Yartrages unter Einhaltung jener Frist 
«ULSttriomeo. Auch dam Mieter ein gleiches Kündigungsrecht zu geben 
kMl dia Mehrheit nicht für gerechtfertigt. Um dem Mieter jedoch die 
MdgUefakeit zu gewahren, eich über die Fortdauer des Yertrages Gewifs* 
Ml sm Ter^chaffeD, legte man ihm das Hecht bei, dem Eigentumer eine 
Kai zur Erkllrung mit der Wirkung zu bestimmen» dafs beim Sehweigen 
dti Eigentümers des«en Kündigung« recht erlösche. Zum Schutze des 
Micftef» gegen Kollusion des Niefs brauchers mit dem Eigentümer wurde 
aftdlii^ die Yorschhft aufganommen, dafs im Falle der Beendigung dbs 
KiaJabrauahs durch Verzicht des Niefs brauchen der Eigentümer erst tob 
dMi Zeitpunkte an kündigen kann, in welchem der Niefsbrauch ohne den 
Totlaht erloschen sein würde. Der § 1009, welcher den Anspruch des 
Siafiliraucbers auf Ersatz Ton Besteilungskosten regelt « wurde nicht 
biaiiiifelt, konnte jedoch durch Yerweisung auf den dem § 1009 naoh- 
galHMfiii, neu aufgenommenen § 5 4 da (der Bd LIJC B. 565 mitgeteilten 
ShMSAttantteUuiig) eraeti£t werden. Nach § 1010 Abs, 1 soll sich der 



I 1007. (991t 1007, 1009J Der Nifilsbraacfaer ist verpäkbtet, die Sache OAcb der 
Httndifitag dce Nlefsbr&ncbs dem Besteller surUck zugeben. 

Biti dem Niersbraoch aa einem UodwjrUcbal'lXJcbeii QruudfltQeke ßodoti die Vckr« 
f^rtltoB d«r §1 545, bibm, bei dem Niersbrvocb sd elDeni Landgcte die VonebHfkso 
lee I aaf eatspreebende AnwendaDg, 

I 1009 Lsl ein Oranditück von dem Niefsbrsaclier aber die Dsuer det Kieribraacfaft 
klsaas irennletet oder verpftchtet« io finden nscb der Beendigan^ de« Nief»br»iicbs die 
fir des Fall der Vertaltenuig Reitenden Vorscbriften der §§ 530 a, 530 b des § SSO c 
Im I und d«r §§ 5S0d bis 530 f, 53Di entsprechende Anwendung, 

Dar Bestalter ist jedoch berechtigt da« Hiet^ und Pacht Verhältnis unter Kinbaltttag 
der gaaatalleheo KQndigitDgsfrift zu kundigen. D^t Mieter oder der Pachter kann den 
BtrtaUer uuter Bestimmung einer angemessenen Frist lur Erklfiraug darüber aulTordern, 
o^ «r von dem KÜndigungsrecbte Gebrauch machen wolle. Die Küiidigang ist au»gt- 
srklfti»tii, wenn sie nicht innerhalb der Frist erfolgt, Ist der Nieüb rauch infolge Ver- 
liiils 4m Niefsbraacbers erloschen, so ka^o der Besteller erst von dem JiSeitpwnkt an 
liedligiii^ in welchem der Nieisbraach ohne den Versieht erlosch ea sein würde. 

I 1009 TerfL § 10O7 Abs. 2. 

I 1010 Targl g 1008 a. 

I 1010 ft. Die Ersataansprüche des Bestellers wegen Verleide mögen oder Verschlechte- 
twMßim 4m fiaebe sowia die Ansprüche des Niefsbrancbers auf Ersatz von Verwendungen 
siif mi QtSJSttnnc der Wegnahme einer Einrichtung verjähren in sechs Monaten. Die 
ftffOraaf b«fiaot nach Mafsgabe des § 620 b Sati S. 



230 



NfttioiiÄl5koiioaiiaehe G eseUgob üntf* 



£r§atz an Spruch des NiefibrAuchers wagen YdrweoduDgeD, die er über du 
Mafi Beicer Yerpfliohtung hinaus gemacht hat, nach den Vortchnften 
b^fttimmen^ die für den firBaUanspruoh des Besitsers gegen den Eigen- 
tümer gellen (§g 936 ff.). Diese Vorschriften erschienen , nachdem 
in zweiter Lesung ein unbedingter Ersatzanspruch des Besitz ers wegen 
notwendiger Verweaduogen anerkannt worden war, hier nicht mehr an* 
wendbar, weil man annahm, dafs notwendige Verwendungen des Niefs- 
braucherä bei langer Dauer des Niefsbrauchs regelmäfeig im alleinigen 
Interesse des Niefeibrauchers gemacht sind und dem Eigentümer nicht sn 
gute kommen. Man gab daher dem Niefsbraucher einen Ersatzansprach 
nur nach den Vorschriften über Geschäftsführung ohne Auftrag und auch 
diesen mit der Ausnabnie, dafs der Niefsbraucher für die Dauer des Niefs- 
brauche Zinsen des Ton ihm aufgewendeten Geldes nicht soll Terlangen 
können, und aufserdem ein dem in § 514 bestimmten Rechte dee Mieters 
entsprechendes Recht zur Wegnahme einer vor ihm gemachten Ein* 
richtung. Die gegenseitigen ErBatzansprüche des Niefsbraucher« und des 
Eigentümers wurden ebenso wie die des Mieters und des Vormieten 
einer kurzen Verjährung unterworfen. 

Nach § 1011 Abs. 1 kann der Niefsbrauch veräuftert und belastet 
werden. Obwuhl der Standpunkt des Entwurfs lebhaft Terteidigt wurde, 
entschied sich die Mehrheit dafür, die Uebertraguog des Niefsbraucht 
auszuschliefaen und nur die Ueberlassung der Ausübung an einen andertb 
zuzulassen. Sie ging davon au»^ dafs in den praktisch fast allein in fie> 
tracht kommenden Fällen eines rechtsgesohaftlich begründeten Niefi* 
brauchs, nämlich in den Fällen des testamentarisch angeordneten Niefs* 
brauchs des überlebenden Ehegatten oder eines anderen und des bei 
Gutstibergaben vertragämäfiig ausbedungenen Niefsbrauche, die üebertrag- 
barkeit dos Niersbraucha dem Wesen des Verhältnisses nicht entspreche* 
Der Niefsbrauch sei seiner Natur nach zum V er kehrsgegen stand und zur 
Kreditgrundlage nicht geeignet. Derjenige, welchem der Niefsbraucher 
die Ausübung des Niefsbrauchers zu obligatorischem Recht (als Mieter» 
Pächter etc.) überlassen habe, 6ei sowohl gogon Dritte, insbesondere gegen 
die Gläubiger des Niefsbrauchers^ als in Bezug auf die Fruchtziehung ans* 
reichend sichergestellt, ho dafs für die Zulassung der Uebertragung des 
Niefsbruuchs selbst kein Bedürfnis bestehe. Mit der Aenderung des § 101t 
Abs. l erledigten sich die Absätze 2 und 3 sowie die §§ 1012, lOld, 
welche die Veräufserliohkeit des Nieft^ brauchs voraussetzen. 

Die Vorschrift des § 1014 Abs* 1 über das Erlöschen des Niefs* 
brauchs durch den Tod des Berechtigten und durch das Erlöschen der 



% tOll (lOn^lOIS;) Der Niersbraach bt ntcbt ÜbertrAgbar Die Ao^übang dm 
Niefäibrftachs kipn eiuem Anderen QberIftAsen werden. 

§ 1012 v«TgL § lOU, 

g 1013 vergl. § 1011. 

% 1013 a, (686.) Trifl\ ein Ntefsbrauch mit eioem loderen Niefsbrauch oder mit 
einetn soniligen Null an gerecht ad der Sache dergestalt zusammen, ämC* die R«chte otbeu 
eiosnder nkht oder nicht vollständig aasgeQbt werden können, und baben die Be«liM 
gteieben Rang, lo findet die Vorschrift de» § 979 Anwendung. 

§ 1014 Der Nter&branch erlischt mit dem Tode des Nieräbrtttchert. Stellt der Nl«(a* 
brauch einer jaristischeo Person 2u, so erlischt er mit dieser 



JfatioBAldkonomitche OaBetsn^bong. 231 

jorifttiaehen Peraon, welcher er lasieht, blieb unbeaDstandet, dagegen warde 
die in Ab«, 2 ansgesprocheDe zeitliche Besehränkung des für eine jarittitche 
Person begrtiadeten Niefsbrauchs aaf die Dauer Ton 100 Jahren fallen 
gelasaen. Man sah keine darchsohlagendcn praktischen Qründe für diese 
rein fiosttiTe Beschränkung und nahm an, dafs die Zulassung eines bis 
siim Srlösehen der berechtigten juristischen Person fortbestehenden Niefs- 
branchs in manchen Fällen durch das Bedürfnis geboten sei und au Un* 
autiSglichkeiten nicht führe. Der auf die rechtsgeschäftliche Aufhebung 
dea Kiefsbrauohs an einem Grundstücke beaügliche § 1015 kam als durch 
den % 830 a gedeckt in Wegfall ; in betre£f der firstreokung einer solchen 
Aufhebung auf den Niefsbrauch am Zubehör des belasteten Grundstüeks 
wurde eine Anslegungsregel aufgenommen, welche den bezüglich der Auf- 
lassung und der Begründung des Niefsbrauchs an einem Grundstücke be- 
schlossenen Bestimmungen entspricht. Der § 1016 erledigte sich, soweit 
er den Fall der Belastung des Niefsbrauchs mit dem Recht eines Dritten 
betrifft, duroh den eine solohe Belastung ausschlielsenden Beschlufs lu 
§ 1011; im übrigen wurde er gebilligt. Ebenso blieb der auf den Schutz 
des Nielsbrauohers besügliche § 1017 unbeanstandet. Ueber das £r- 
lösehen eines lu Unrecht gelöschten Niefsbrauchs an einem Grund- 
stücke duroh Yeijährung des Anspruchs des Niefsbrauohers gegen den 
Eigentümer auf Ueberlassung des Besitses des Grundstückes wurde eine 
der besüglieh der Grunddienstbarkeiten beschlossenen Vorschrift ent* 
sprechende Bestimmung angenommen, welche, ebenso wie jene Vorschrift, 
durch den 8. 220 mitgeteilten § 843 b gedeckt werden soll. 

Die besonderen Bestimmungen der §§ 1018 — 1020 über den Niefs- 
brandh an verbrauchbaren Sachen erfuhren keine sachlichen Aenderungen. 
Der Abs. 2 des § 1018 erledigte sich dadurch, dafs sein Inhalt nach dem 



§ 1015 Tergl. § 830 a. 

§ 1015 a. Wird der Niersbraach an einem Grunditficlce durch Rechtsgesch&ft aaf- 
ftbobcD, so erstreckt eich die Aufhebung im Zweifel auch auf den Niefsbrauch an dem 
Zubehöre. 

{ 1016. (1016 Abs. 1.) Der Niefsbrauch an einer beweglichen Sache erlischt, wenn 
«r mit dem Eigentum in derselben Person susammentrifft. 

§ 1016 a. (1016 Abs. 8.) Zur Aufhebung des Niefsbrauchs an einer beweglichen 
Sache durch Rechtsgeschäft genügt die Erklärung des NieCsbrauchers gegenüber dem 
Best«Uer, dafs er den Niefsbrauch aufgebe. Ist der Besteller nicht der Eigentümer, so 
kann die Erklärung auch dem Eigentümer gegenüber abgegeben werden. 

§ 1017. Wird das Recht des NieCibrauchers beeinträchtigt, so finden auf die An- 
sprache des Niefsbranchers die für die Ansprüche aus dem Eigentume geltenden Vor- 
Schriften entsprechende Anwendung. 

§ 1017 a. (985 Abs. 1.) Besteht ein Niefsbrauch an dem Anteil eines Hiteigen- 
tömers, so übt der Nief:»braucher die sich aus der Gemeinschaft der Hiteigentümer in 
Ansehung der Verwaltung der Sache und der Art der Benutzung ergebenden Rechte aus. 
Die Aufbebong der Gemeinschaft kann nur yon beiden gemeinschaftlich yerlangt werden. 
Wird die Gemeinschaft aufgehoben, so gebührt dem Niefsbraucher der Niefsbrauch an 
den Gegenständen, welche an die Stelle des Anteils treten. 

§ 1018. (1018—1080.) Sind rerbrauchbare Sachen Gegenstand des Niefsbrauchs, 
w wird mit dessen Bestellung der Niefsbraucher Eigentümer der Sachen ; nach der Be- 
endigung dM Niefsbrauchs hat er dem Besteller den Wert su ersetsen, welchen die Sachen 
nr Zeit der Bestellung hatten. Sowohl der Besteller als der Niefsbraucher kann den 
W«t anf seine Kosten durch Sachverständige feststellen lassen. 

Der Besteller kann Sicherheitsleistung yerlangen, wenn der Anspruch auf Ersatz des 
Wertet geUhrdet ist 



232 



NAtfouAlSkonomisebe Gcielfigttmofr. 



zu § 9B3 gefafsten Besohlufs für den Niefibrauch an Saebeo aUgemeiii 
güUen toll Der 8aU 2 doB § 1020 wurde gestricheo, weil mao anuahm^ 
daA er tich aus Sats 1 mit genügender SiGherheit ableiten lasse. 

YoD den folgenden Vorschriften über den Niefsbraoch aa 
Be übten wurden die §§ 1021 —1026 im wesenUiGhen beibehalten« Za 
§ 1022, welcher die rechtegeicbäft liehe BegründuD^ eines Niefftbraach& 
an einem nicht übertragbaren Rechte aassohliefsr, wurde wegen der {prak- 
tischen Wichtigkeit «lea Hatzes ein Antmg auf Streichung abgelehnt. Im 
§ 1023 erledigte »ich der Sat£ 1 insoweit, als er die Yeräarsemng des 
Kiefsbrauebs betrifft, durch den au § 1011 gefafsten BeschluTs; dar 
SaUs 2, welcher die Anwendbarkeit des § 1087 Abs. 2 auf die Begrün- 
dung des Niefsbraucha verneint, wurde in der Voraussetzung gestrichen^ 
data der § 1087 Abs. 2 ebenso wie der verwandte § 869 in die Qrand* 
buchordnuug zu yerweisen seia werde. Die §§ 1024, 1025 fanden 
iStieichuDgsanirKgen gegenüber aus den in den Motiren angeführten 
Gründen die Billigung der Kehrheit. Die Bestimmung des § 1026, dafi 
die au den Nuteuogen des belasteten Hechts gehörenden Ansprüche gegen 
Dritte vom Ntefsbraucher ohne Abtretung erworben werden, wurde g«* 
striohen , weil man sie nach der Natur des Niefsbrauchs an einem 
Rechte für •elbatversländlich, die besondere HerTorbebuog aber für ge* 
eignet hielt , das Wesen eines solchen Nierabrauchs zu yerdunkaln. Den 
§ 1027 behielt man einem Streicbungsan trage gegenüber sur Vermeidung 
TOn Zweifeln bei. 



Anmsrkting. Es wird vorau«ges«tit , dalk die in der Aoinerkiuif sa % 98Sb im ' 
dsa Gesetz über die Angelegenheiten der freiwilligen Gerichts bar k et t verwitaeDeo Tor^ 
Mhriften des § 992 Abs. 1 Seti 2, Abs. % des Entw. 1 »af diesen F^ü erstreckt w«rd«iu ^ 
<' § 1019 Tergl. § lOlB. 

§ 1020 rergl. § lOlS. 

H. NiefsbrAuob an R«obten. 

§ 1021. Gegenstand des Nlefsbraucfas kenn each ein Recht sein. 

Aaf den Niefsbrench an Rechten finden die Vorschriften Über den Nief^branch mm- 
Sachen «nUprechende Aoweoduxigf soweit sich nicht aas den %% 1022 bis 1037 ein Aoderea 
argiebt 

§ 1022. (1022, 1023.) Die BestelJtiag de» Niefsbraacbi an einem Rechte erfolgt 
nach den fOr die Ueheriragunf des Rechtes geltenden Vorschrifben* 

An aluem Rechte, das nicht Übertragbar ist, kann ein Niefsbranch nicht bestellt 
werden. 

§ 1013. Ist ein Recht , kraft deaaen eine Leistani; gefordert werden kann , Qej^n- 
stand de» Niefsbrauehs, sc finden auf das Eecbtsverhiknis swiechen dem Niersbraucber 
und dem VBrpfiicbteten die Vorschriften entsprechende Anwendung , welche im Falle der 
Uebertraguiig des Rechtes tDIr das RechtsverbUtnts twiscbeo dem Erwerber ond dena 
VerpHtehteten trelten. 

§ 1024 Das mit dem Niefsbrauche belastete Recht kann durch BecbUgeschlft nur 
mit Zu»timmang des Nieftbraachers aufgehoben werden. Die Zustimmung ist, soweit 
nicht die Vorscbrit't des % 8^ a Abs. 2 Satz S An«Fendung findet, dem Berechtigten gegen-^ 
Ober SU erkliren; die Erklärung ist unwiderrunich. 

Da^ Gleiche gilt im Falle einer Aenderting des Rechtes , sofern sie den Nicfsbraoels 
beeinträchtigt. 

% 1025. Auf die Beendigung des Kiefsbraoehs an einem Rechte finden die Vor^ 
scJiriflen der §$ 10 IS, lOlßa auch dann entsprechende Anwendung, wenn daa mit den 
Nielabraoche belastete Recht nicht ein Recht an einer beweglichen Sache Ist. 

I 1026 gestrichen. 

§ 1027. Dem Niefsbraucher einer Leibrente ^ eines Ansaugs od«r •tnes üboJicbeB 



.Nfttionajäkoiioinische OdaeUgebuag. 



23S 



Der die beaoodereD Vonohrifieii über den Niefsbrauoh ftn Forde- 

Dfeo eröffDende § 1028, welcher dms Recht und die Pflicht de« Niefa* 

scher« tut BioziehuDg der Fordeniug Ausspricht, blieb unbeaootaodeiy 

•betiM» der § 1029 Abs. 1 , nach welchem der Niefobraucher mit der 

hmmfMUg dta fesohuldeteu Gegeattaadet an ihn den Niefsbraach an dem* 

utbmn erwirbt« Der Abs. 2 des § 1029 trifft für den Fall, dafa weoD 

mek der Betchaffenheit des Oegeostaudea zur Begrüodan^ dea Niefs- 

hnvebea deaaen KiotraguDg io das Gmudbach erforderlich ist» die be* 

ifudeie BetttmiDUDg, daXa der Gläubiger verpflichtet seio aoll, die zu der 

m&tnifinif erforderlichen ErkläruDgen abifttgebeo. Die Mehrheit nahm 

as^ dala in Ennangelung einer Sonderbestimmung der Niefsbrancher einer 

auf Cabertragung des Eigentums oder auf Begründang eines anderen 

Rtchta an einem Grundstücke gerichteten Forderung nach § 1028 ala 

emiehligt anzusehen sei, das Hecht ilir den Gläubiger iu erwerben und 

Üa in dteeem Erwerbe und zur Begründung dea Niefsbraucha an dem 

BMhte erforderlichen Erklärungen im Namen dea Gläubigers abzugeben, 

oad daXa er andererseits yom Gläubiger diejenigen Erklärungen yerlangen 

kSttbe^ welehe lu seiner Legitimation als Niefsbrauoher erforderlich seien. 

Da dleaaa Ergebnis angemessen erachien , hielt man eine besondere Be- 

iÜaimang im Sinne dea Abs, 2 oder vereohi edener sn ihm geatellter Ab- 

iadtruDgaan träge für entbehrlich. Gegen den Abs. 3 des § 1029 wurde 

nicht« erinnert. Während nach dieser Vorsohrift bei dem Nietsbraueh 

ta einer auf die Leistung Ter brauchbarer Sachen gerichteten Forderung 

der NieXabraucher mit der Einziehung der Forderung daa Eigentum an 

diD Saehen nach § 1018 erwirbt, giebt der § lOdO einem solchen NieCs- 

briQoher nach dem Eintritt der Fälligkeit der Forderung einen Ansprach 

gifan den Glänbiger auf Abtretung der Forderung, um demselben auch 

^k Tenrertung der Forderung im Wege des Verkaufs zu ermöglichen. 

\>\t Kommission ging dayon aus, dafs der Niefsbrauoher, wenn die Forde- 

mag sicher aei, regelmäXeig kein Interesse an der Möglichkeit dea Yer- 

liaii habe, wenn sie dagegen unsicher aei, die Möglichkeit dea Verkaufa 

tbitsächlich nicht bestehe^ und Uefa daher den § 1030 als für den Niefi* 

kiQcher praktisch bedeutungeloa fallen. Der § 1031, welcher den Niefa* 

brauch an einer gegen den Niefsbraucher selbst bestehenden Forderung 

bairim, wurde in der Erwägung gestrichen, dafs sich sein Inhalt schon 

las der in | 1028 anerkannten Verpflichtung dea Niefsbrauohers zur 

finsiehnng der belasteten Forderung und aus dem aelbstverständ liehen 

fctit ergebe, dafs der Gläubiger alle! mit dem Niefsbraoch Tereiubareo 

&eehle bezüglich seiner Forderung behalte. In der Bestimmung dea 



fc cbiai fvb&hita die eloselami Leistungeo , weldM saf Oniiid de« B«ehteft gefordert 

I 10$^. Der KieJAbrancber einer Forderang i»t sor EiosiebtiQg der Forderung be- 
mkt^ E/ hai für die ordnongsmifsigt fiinaiehuDg sa sorgen. Zu sonstigen Ver- 
Ifeafen ftber die Forderoog ist er nicht berechtigt, 

I tost. Mit der L«iitiiBg d«i 8«baIdDers ma den Miefibrancher erwirbt der Omabiger 
4« faiaititaton OagenstftDd nnd der Niefsbraucher den Nief«br«nch so demselben, 

Wcr^SD ^erbranehb&re Sachen geleJetet, so erwirbt der Niefsbraucher dei Eigenlimi i 
<is Voficbrfllco dae § lOIS finden entsprechende Anwendung. 

H 1080, 1051, I0$< gestrichen. 



234 



KAtioDftlfikonomftcbe Odseiif^ebnng» 



$ 1032, daft die VereiDigUDg der mit dem Niefsbrauch belasteten Forde- 
rung mit der Verbindlichkeit in derselben Person oicbt gegen den Niett- 
braacher wirke, erblickte man eine blofse Folgerung aui der dinglichen 
Katar des KieTsbraucbs, welche keines gesetzlichen Ausspruchs bedürfe. 
Die Vorschriften der §§ 1033, 1034 über den Niefabrauob an einer 
auf Zinsen ausstehenden Forderung wurden nur insofern angefochten^ ab 
sie durch die Voraussetzung einer auf Zinsen ausstehenden Forderung auf 
manche Forderungen anwendbar seien, fiir die sie nicht pafsten (e, B. Ter- 
zinsliohe Oiroguthaben), dagegen andere Forderungen nicht umfafsten, aiif 
welche sie nach dem zu Grunde liegenden Gedanken Anwendung Eodeti 
mtLfsten (z, B. unverzinsliche Abfindungsgelder, Kaufachillingsreste)^ und 
es wurde demgemäXs vorgeschlagen, die Vorschriften auf solche Forderungen 
zu beziehen, die zur Kapitalanlage dienen. Die Mehrheit hielt jedoch 
diese Fassung der Voraussetzung namentlich mit Rücksicht auf die Lage 
des Schuldners fUr zu unbestimmt und gab der Fassung des Entwurfs 
den Vorzug, weil diese die Anwendbarkeit der Vorschriften an eine sicher 
und leicht feststellbare Voraussetzung knüpfe und im; grofsen und gaozeu 
zutreffend abgreuze. (Die Bedaktionskommission hat den Abs. 5 des § 103S 
im Anschlüsse an den § 339 [a41a der Bd. LVIll S. 728 mitgeteilten 
Zusammenstellungj yom Entwurf abweichend gefafst.) Im § 1035» naoh 
welchem die Vorschriften über den Niefsbrauch an einer Forderung auf 
den Niefsbrauch an einer Grundsohuld oder einer Eigentümerhypothek 
entaprechende Anwendung finden, strich man das Wort ^^entsprechende*', 
um nicht zu der in der Wissenschaft vielfach vertretenen Auffassung der 
0rund schuld als einer Real Obligation im Gesetz bestimmte, ablehnende 
Stellung zu nehmen. Die §§ 1036, 1037 enthalten Vorschriften über den 



§ 1099. Ist «ine *uf ZiDs«ii iiusstcheade Forderung QegensUnd d«i KlefAbrAacbt, 
50 gelten die Vorschrirtea der §§ lOSS » bb 1054. 

§ 1033 A (loas Abs. 1, 2, 4, 5) Der Schuldner kAon d&a KApiUl our aa den 
Ktefdbrftucber und den Qliubigor gemeinschnftltcli Bfthleu. Jeder von beiden kAim T^t- 
Ungen , dafa mn sie gemeinAcbafUtch gexiblt wird ; jeder kana ststt der S&hlimg eto 
BlDterlegnag für beide fordern. 

Der Nier»braacher and der Qliabiger köoDcn nyr geiiielnscbftfllicfa kündigen. Di« 
Kfindigang des Schaldners ist iiur wirk&am ^ wenn sie dorn Nier^breacfaer and dem 
GlAabiger erklärt ist 

§ 1033 b. (1033 Abs, 3.) Ist die Forderung fällig, so sind der Niefabraucher und 
der GJftnbiger einender verpäichtet, sur Einsiebno^ mfttnvirken. Hängt die F&lligkeit 
von einer Kfindigang ab, so kenn joder die Mitwirkung dei Anderen zur Ründiguiig rer- 
lAugen^ wenn die EinKiehung der Forderung wegen Gefährdung ihrer Sicherheit Dich dta 
Regeln einer ordnungamfirslgen Vernaogensverweliung geboten ist 

§ 1034. Der Niefsbreucher und der Gliabiger sind einander verpflichtet dii»a mh- 
iowirken, dafs des eingestogene Kapital nach den für die Anlegung von Mündelgeldern 
geltenden Vorschriften vorainilicb angeiegt und gleichseitig dem Nier^braacber der Kiale* 
brauch bestellt wird. Die Art der Anlegung bestioimt der Niefabraucher, 

§ 1085. Die Voraciiriften über den Niefsbraueh an einer Forderung finden auf 
den Niefabraneh an einer Omndschald und auf den Kiefebrauch an einer Eigentümer- 
bjpotliek Anwendung. 

§ 1036- ist eine Scbutdrerscbreibang auf den Inhaber oder eine Aktie aaf den 
Inhaber Gegenstand des Niefsbrauch?^ «'> ^^"h* der Besitt des Papiers und des eb dem* 
aetben gcborenden Erneuernoiraächeip i»;(jbrmacfaer und dem Besteller gemelo* 

ichafilicb au. Kommt ^in ^ Art der Aatbewabrung nicht sucthod*, 

ao ist das Papier r ■ e bei einer Hinterlegungastell« oder, wms 



Nationalökonomische GesetsgeboDg. 235 

mdtlxraaob an ttDor SoholdvertchreibuDg auf den Inhaber oder an einer Aktie 
auf den Inhaber, YorausgeBetzt, daft diese Papiere nicht alt verbranohbare 
Sadien Gegenstand des NieTsbraaohs sind. Die Torgesöhlagene Aus- 
dehnnng der Yorschriften auf den Niefsbrauch an anderen Wertpapieren 
lehnte man, als vnm Teil nicht passend, lum Teil entbehrlich ab. Nach 
§ 1086 Abe. 2 ist, wenn sich der Eigentümer and der Niefsbrancher über 
die Art der Anfbewahrung des Papieres nicht einigen, das Papier mit 
den dani gehörenden Zins-, Benten- und Oewinnanteilscheinen und dem dazu 
gehörenden Smenerangssohein bei einer ö£fentliohen Hinterlegangstelle in 
bestimmter Weise in Yerwahrong su geben. Die Kommission billigte 
dieee YorBohrtft beiüglioh des Stammpapiers uod des Emeuerungsscheines, 
legte dagegen im Interesse der Yerkehrserleichterung das Recht tum 
BetitK der Zins-, Benten- und Gewin nanteilscheine dem Niefsbraucher 
allein bei Man gab diesem femer das Recht, nach seiner Wahl aach 
die Hinterlegong des Papiers und des Emeuemngsscheins bei der Beichs- 
bank sn verlangen. Der Yorsohlag, bei Papieren, bei denen eine üm- 
sehieilmng auf den Namen des Eigentümers zulässig ist, wahlweise diese 
ÜBsehreibang snsolassen, wurde als durch kein praktisches Bedürfnis ge- 
reehtfeitigt Terworfen. Der Abs. 8 erhielt in UebereinstimmuDg mit 
Wünsehen der Kritik eine allgemeinere Fassung. Zu Abs. 4, welcher 
die Yorschriften über den Niefsbrauch an einer auf Zinsen ausstehenden 
ferdemng, d. h. die §§ 1038, 1034 im übrigen für entsprechend an- 
wsndbar erklSrt, wurde die Yerweisung auf § 1088 gestrichen, weil dieser 
)sd«nfialls seinem Wortlaut nach zur entsprechenden Anwendung nicht 
geeignet erschien, die Beiugnahme auf § 1084 wurde dagegen sachlich beibe- 
balten. Hinzugefügt wurde der Satz, dafs als ein gemäfs § 1034 wieder- 
sasolegender Teil des Kapitals auch eine bei der Einlösung des Papiers 
m zahlende Prämie gelten soll. Bei der Erheblichkeit der in Betracht 
kommenden PrSmienbetrftge hielt man für zweckmäfsig, das Wesen der 
bei der Einlösung yon Prämien papieren gezahlten Prämien im Gegensatz 
IQ solchen Prämien, die, wie z. B. Konvertierungsprämien, als Form der 
&8Tergütung anzusehen sind, im Gesetze klarzusteUen. Der § 1037, 
ns«h welchem zur Begründung des Niefsbraucbs an einem der hier frag- 
liehen Inhaberpapiere an Stelle der IJebergabe des Papiers die „Einräumung 
sad Ergreifung der gemeinschaftlichen Inhabung^' oder die für den Eigentümer 
and den Niefsbraucher erfolgende öffentliche Hinterlegung des Papiers genügt, 



Ur Nieftbraacher es verlangt, bei der Reicbsbank dergestalt au hinterlegen, dafs der 
Aitpraeh aaf Herausgabe vgn dem Niefsbraacber und dem Besteller nur gemeinscbaft- 
tteb geltMid gemacht werden kann. Der Besitz der zu dem Papiere gehörenden Zins-, 
toten- oder Qewinnanteilschelne steht dem Niefsbraucher zu. 

Der Niefsbraucher und der Besteller sind einander verpflichtet, zur Beschaffung 
isMr Ziat-, Renten- oder Qewinnanteilscbeine sowie su sonstigen durch eine ordouogs- 
■iftigt Vena9gensTerwaltnng gebotenen Hafsnahmen mitzuwirken. 

Iii FnUe der Einlösung des Papiers finden die Vorschriften des § 1034 Anwendung. 
Bnt M der Einldsaog gesahlte Prämie gilt als Teil des KapiUls. 

lal die Scbaldverschreibung oder die Aktie als verbranchbare Sache Gegenstand des 
Ikftibnaefas, eo bewendet es bei den Vorschriften des § 1018. 

I 1087. Zur Bestellang des Niefsbraucbs an einer Schuldverschreibung auf den 
oder na einer Aktie auf den Inhaber genügt an Stelle der Uebergabe des Papiers 
U llMiMHui dM MitbMities. 



NmtionalJSkonoiDi&ehe Gesetspfebang. 



wurde, soweit er die HiDtarlegung beirifTt, g^fltrioheD, im übrigao aber 
der DetiUtohkeit wegen beibehalten. 

Äua dem gleichen Gruude Lehnte man die Streiohung des die Vor* 
Schriften über den Niersbreuch nn einem Vermögen eröffoeoden 
§ 103Ö eb. Der auf den § 313 verweilende § 1039 kam ebenso wie der 
§ 313 ale Belbstrerstfindlich iü Wegfall. Nach § 1040 Abs* 1 Satz 1 
kann der zur BesteUung des Niefsbraucha an einem Termögen Ver- 
pflichtete die zum Zweck der Berichtigung fälliger Schulden nödgeu 
Gegenstände zurückbehalten und, falls er sie nicht xurüekbehalien halt 
ist nach Sat2 2 der Niefsbraucher zur Rückgabe rerplüohtet. Die Kom^ 
mission beschränkte sich darauf, diese RückgabepÖicht des NieTsbraucberi 
aassusprechen, indem sie annahm, dafs sich aus denselben das Zorückbe- 
haltungsrecht des Bestellers rou selbst ergebe* Im übrigen wurden die 
Bestimmungen des § 1040 sachlich im wesentlichen gebilligt Der Eni- 
Wurf erfuhr jedoch eine doppelte Erganiung* Naoh dem Entwurf können 
die (Jläubiger des Bestellers, sofern sie die Bestellung des NieDsbrauehi 
nicht anfechten können, 2u ihrer Befriedigung sich nur an die beim Be- 
steller zurückgebliebenen Gegenätände und die dem Besteller gegen den 
Niefsbraucher sustehenden Ersatz- und Eückgabeansprüohe halten , nicht 
a& die dem Niefsbraucher übertragenen Gegenstände , es sei detm, dali 
der Niefsbraucher die «Schulden des Bestellers Übernommen hat* Die 
Kommission hielt diese Regelung für unsweokmafsig jedenfalla in den 
Fallen dea testamentarisch bestellten Niefsbraucha und der dem NieXs' 
brauch nachgebildeten ^gesetzlichen Nutzniersungsrechte, aber auch im Falle 
des yertragimäfbigen Niefsbraucha und gab daher den Gläubigem dei 
Bedteilers , soweit ihre Farderungeu vor der Bestellung entstanden sind, 
das Recht t ohne Rücksicht auf den Niefshrauch Befriedigung aus den 
diesem unterliegenden Gegenständen zu yersagen* Bezüglich der Ter« 
brauchbaren Sachen wurde zur Vermeidung Ton Zweifeln eine verdeut- 
Höhende Vor schritt aufgenommen. Die Entscheidung der Frage , ob lur 



111. NiersbrAuch an einein V6rro5g«D. 

§ 1038. Dur NiefjsbrAuch an dem VormöR«ii einer Person kann aar in dmr W«i»a b«- 
stellt werden, dafs der Kierabraucher den Ntefabrauch ma deo «iDHlneo sa d«ni V«nii^^feu 
gehörenden GefpeuKtiliideii erlani^t. Soweit der NiefdbrmuGh beitellt Ut« gellen die V(^r* 
acbriften der §§ 1029 e bi« 1041 . 

I 10d9 geütrichen. ■ 

§ t039ft. Die Gläubiger des Bestellers können, soweit ibre Forderangen Tor deA 
Bestellung erxtstanden sind , ohne KQcksichl &uf den Nieräbranch Befriedigong aus deo 
dem Niefj^brmucb unterliegenden Oegenfttämden verl engen. Hei der NieHibniacfaer da» 
Eigentum ao verbraucbbareo Sachen erlangt , so tritt an ihre Stelle der Ansprach de» 
Be»telJerA aaf KrBat« des Werte» der Sachen ; der Niefsbraucher itt den Gllabigem 
gegenüber zum sofortigen Krsatie verpAichteL 

^ 1040. Der Beeleller kann, wenn eine Forderung der im | 1039a bczetcbneteii 
Art nHlig iat| von den Niefabrencher BÜctkgmbe der au ihrer ßeriehtigung erforderlicbto 
Gegenstände verlangen. Die Auswahl ateht ihm tu ; er kann jedoch nur die tur Be* 
ricbtigung vorzugsweise geeigneten QegenstKnde auswählen. Soweit die anröckgegetkenen 
Gegenstände ausreichen, ist der Besteller dem Kiefsbraucher sur ßerichtigang TerpAklitet 

Der Nieisbrancher kann aum Zwecke der Bencbligong die dem Nier«braaeh anter- 
liegenden Gegenstände veriuftem ; er hat die aur Berichtigung vortugtweise geeigneten 
Gegehstände aueau wählen. Soweit er xum Ersatae des Wertes verbrauchbarer 
verpflichtet ist» darf er eine Veräufserung nicht vornehmen* 



NatioBftl5koaoiiii9eh6 Gks«Csfrebaof . 237 

Dimhlftlinnig der betehloMenen Beititntnangeii eine Brgäniang der 
CMlffiMwIeordniiog notwendig sei, blieb bis lor Beratung des eheliohen 
Gftterreehte MWgesetst. — Der Entwurf enthält femer keine Bestimmung 
dn&ber, ob der Niefsbranoher lur Beriohtigang von Scholden des 
BoftaUer» die dem Niefsbranoh unterliegenden Oegenstftade Teräufsem 
kann. Die Kommisnon legte ihm dieses Beoht bei» Terpfliohtete ihn 
star dorn Bestdier gegentber, die Tonnigsweise geeigneten OegenstSnde 
imuwIlLlen. Sntspreohend dieser Yerpfliobtuag hat ^e Redaktions- 
kommissioB den 8ats beigef&gt, dafs der Niefsbranoher insoweit eine Vor- 
ivbenuig nioht Tomehmen darf, als er lum Ersatse des Wertes Ter- 
branehbaror Saohen rerpfliehtet ist; denn der von ihm gesehuldete Geld- 
betrag ist stets Tor anderen Gegenständen als lur Scholdentilgnng geeignet 
ansuaehen. 

Der % 1041 rerpfliehtet den Niefsbranoher gegenüber dem Besteller, 

die Smen einer sohon bei der Bestellung Torzinsliohen Forderung des 

Bestcilers und gewisse andere Ton diesem geschuldete wiederkehrende 

Lmstongen fttr die Dauer des Niefsbrauchs lu tragen. Die Vorsohrifb 

haä im wesentlichen Zustimmung. Die Kommission erleiohterte aber 

aush hier den Olftubigem des Bestellers die Bechtsrerfolgung , indem sie 

ihnen das Beeht beilegte, ihre Forderungen wegen der Zinsen und sonstigen 

wiederkebrenden Leistungen fttr die Zeit des Niefsbrauchs gegen den 

Niefsbranoher unmittelbar geltead in maohen. Sie ging davon aus, dafs 

der Niefsbranoher eines Vermögens in betre£f der ihm sufidlenden 

Nntiongen sich in Shnlioher Lage befinde wie der Erwerber eines 

Yermdgens in betreff des gansen Vermögens untt dafs daher ebenso, wie 

assh S 819 der Erwerber fiir alle Sohulden des Veräufserers persönlich 

ksften solle, der Niefsbranoher fttr die ordnungsmäfsig aus den Nutsnngen 

n berichtigenden Sohulden des Bestellers persönlich haften müsse. Auch 

bssfiglich dieser Haftung erklärte man eine sie aussobliefsende oder be- 

Khränkende Vereinbarung für unstatthaft. Die Vorschrift des § 1042 

eriedigte sich dadurch, dafs sie, wie oben erwähnt, durch den Be- 

leklofs SU § 993 auf jeden Niefsbrauch ausgedehnt worden ist. In 

i 1048 wurde entsprechend den au § 319 Abs. 3 und § 501 gefafsten 

Bsichlössen die Erwähnung des Niefsbrauchs an dem Bruchteile eines 

Versnögens oder einer Erbschaft gestrichen. 

Der dritte Titel dieses Abschnitts, welcher von den beschränkten 
psrsönliohen Dienstbarkeiten handelt, erfuhr nur geringfügige 
Aeoderungen. Die Bestimmung des § 1045 über die IJnzuIässigkeit der 



I 1041. Die Qläabiger des Bestellen können ihre Ansprüche saf Zinsen Ton Forde- 
nnsM, die sehon snr Zeit der Bestellang des Nier»braach8 rersinslieh waren, sowie saf 
mUn wiederkehrende Leistangen, die bei ordnangsmaTsiger Verwaltung aus den Ein- 
klaftea bestritten sn werden pflegen, fSr die Zeit des Niefsbraachs auch gegen den Niels- 
brtieher geltend machen. Die Haltung des Nieftbraachers kann nicht durch Verein- 
bsraif swieehen ihm und dem Besteller ausgeschlossen oder beschränkt werden. 

Der Nieftbrancher ist dem Besteller sur Berichtigung dieser Ansprache rerpfliehtet. 
Die Baekfsbe ron Oegenstanden aur Berichtigung derselben kann der Besteller nur Ter- 
Isafen, weon der Nieliibraucher mit der Erlttllung dieser Verbindlichkeit in Versng kommt. 

f 104t TergL g 988 e. 

§ 104S. Die Vorschrillen der §J 10S8 bis 1041 finden auf den NieAbraueh an 
tiser Erbsehalt entsprechende Anwendung. 



NatioBftlSkoiiomiMlie G«tatif«biuf . 

BegrftDdnBg und der Auibebiuig einer eolohen DienttlMurkeii aa einem 
Bniehteile des belatteten OrandetückB warde ans demselben Onmde nie 
der S 968 gestrichen. In $ 1046 erklärte man die üebertragnng einer 
solchen Dienstbarkeit, entsprechend dem beafiglich des Niebbraoehs ge- 
üüsten Beschlasse, fttr absolut ansgesohlosseo, wShrend man in botreff 
der Unsolassigkeit der Ueberlassnng ihrer • Ausübung die DispositiF- 
Torsohrift des EntworfSi beibehielt. Der § 1048 erledigte sieh, soweit 
er den Fall der Yeränberlichkeit des Rechts Toraoasetit, dnrch den Be- 
sdhlnls lu S 1046. Die in $ 1049 enthaltene Besngnahme auf den % 1014 
Abs. S kam durch die Streichung des letiteren in Wegfidl. Den in 
S 1050 Abs. 2 für entsprechend anwendbar erkUrten Vorschriften wurden 
die neabeschlossenen §$ 982a, 1010a und 1015a der mitgeteilten Zu- 
sammenstellung beigefügt. 

Die Kommission beschäftigte sich endlich mit mehreren An- 
trägen, welche Bestimmungen über die einer Gemeinde lu Gunsten 
ihrer Mitglieder zustehenden Dienstbarkeiten vorschlugen. Die An- 
träge wurden abgelehnt. Es erschien weder erforderlich noch an- 
gängig, beiüglich der sehr mannigfaltigen, im bisherigen Recht Tor- 
kommenden Berechtigungen der fraglichen Art eine allgemeine, ihre 
rechtliche Natur klarstellende Bestimmung aufzunehmen. Man hielt es 
femer mit Rücksicht auf § 1046 für überflüssig, die Zulässigkeit der 
künftigen Bestellung einer beschränkten persönlichen Dienstbarkeit fUr 
eine Gemeinde zu Gunsten ihrer Mitglieder auszusprechen, und sah 
als selbstverständlich an, dafs ein über eine solche Dienstbarkeit in einem 
Rechtsstreit zwischen der Gemeinde und dem Eigentümer des belasteten 
Grundstücks ergangenes Urteil für und gegen die einzelnen Gemeinde- 
mitglieder wirke, da bei den künftig begründeten Dienstbarkeiten der in 
Rede stehenden Art den einzelnen Mitgliedern ein von dem Recht der 
Gemeinde unabhängiges Recht nicht zustehen könne. 



Dritter Titel. 
Beschränkte persönliche Dienstbarkeiten. 

§ 1044. (1044, 1048, 1049.) Ein Grandstflck kann in der Weise belastet werden, 
dafs ein anderer als Eigentümer berechtigt ist, das Grundstück in einseinen Besiehongen 
za benatzen oder eine sonstige als Inhalt einer Grunddienstbarkeit zulässige Befugnis 
auszuüben (beschränkte persönliche Dienstbarkeit). 

Die Vorschriften der §§ 967 bis 973, 975, 978, 979, 1014 finden entsprechende Anwendung. 

§ 1045 gestrichen. 

§ 1046. Der Umlang einer beschränkten persönlichen Dienstbarkeit bestimmt sieh 
im Zweifel nach dem persönlichen Bedürfnisse des Berechtigten. 

§ 1047. Eine beschränkte persönliche Dienstbarlieit ist nicht übertragbar. Die Ueber- 
lassnng der Ausübang an einen anderen ist uniuläasig, soweit nicht ein anderes bestimmt ist. 

§ 1048 vergl. § 1044 Abs. 2. 

§ 1049 vergl. § 1044 Abs. 2. 

§ 1050. Als beschränkte persönliche Dienstbarkeit kann auch das Recht begründet 
werden, ein Gebäude oder einen Teil eines Gebäudes unter Ausschlufs des Eigentümers 
als Wohnung zu benutzen. Auf dieses Recht finden die für den Niefsbrauch geltenden 
Vorschriften der §§ 982 a, 983 b, 984, des §984a Abs. 1, der §§997, 997 a, des § 999 a 
Satz 1 und der §§ 1003a, 1003b, lOlOa, I0l5a entsprechende Anwendung. 

Der Berechtigte ist befugt, seine Familie sowie die zur standesmäfsigen Bedienung 
und zur Pflege erforderlichen Personen zum Mitwohnen aufzunehmen. 

Ist das Recht auf einen Teil des Gebäudes beschränkt, so kann der Berechtigte die zum 
gemeinsamen Gebrauche der Bewohner bestimmten Anlagen und Einrichtungen mitbenutzen. 



NalioMlökoiiomiseht G«s«tagebiiiig. 288 



IV. 

Geaets, betrefTend die Oesellschaften mit beschränkter 
Haftung. Vom 20. April 1892. 

Enter AbiehiiiU. 
Errichtung dtr Oesellscha ft. 
S 1. QcMllscbaften mit beschränkter Haftung können nach Maü^pube der Bestim* 
■ogeu dieees GeMtaei lu jedem gesetslich suUuigen Zireck errichtet werden. 

{ 1. Der GeeellsehaftsTertrag bedarf des Abschlusses in gerichtlicher oder notarieller 
hm. Er ist ron simtlichen Gesellschaftern su unterseichnen. 

Die Uateneichnung durch BeToUmftchtigte bt nur auf Grund einer gerichtlich oder 
Ntariell errichteten oder beglaubigten VoIImaeht sulXssig. 

S S. Der GesellschaftsTertrag mufs enthalten: 
1. die Urma und den Sitz der Gesellschaft, 
t den Gegenstand des Unternehmens, 
t tai Betrag des Stammkapitals, 

i den Betrag der ron jedem Gtopellschafter auf das Stammkapital su leistenden Bin« 
lege (Stammeinlage). 

Soll das Unternehmen auf eine gewisse Zeit beschränkt sein oder sollen den Gesell- 
Kbiftern aafser der Leistung von Kapitaleinlagen noch andere Verpflichtungen gegenüber 
der Gtselbchafl auferlegt werden, so bedürfen auch diese Bestimmungen der Aufnahme 
in den GesellschaftsTertrag. 

§ 4. Die Firma der Gesellschaft mufs entweder von dem Gegenstande des Unter- 
Mhmess entlehnt sein , oder die Namen der Gesellschafter oder den Namen wenigstens 
eoes derselben mit einem das Vorhandensein eines Gesellschaftsverhftltnisses andeutenden 
Znatie enthalten. Die Namen anderer Personen als der Gesellschafter dürfen in die Firma 
liebt anfgenommeu werden. Die Beibebaltang der Firma eines auf die Gesellschaft fiber- 
Itfingenen Geschäfts (Handelsgesetzbuch Artikel 22) wird hierdurch nicht ausgeschlossen. 
Die Firma der Gesellschaft mufs in allen Fällen die zusätzliche Bezeichnung „mit 
bcsebrinkter Haftung** enthalten. 

$ 5. Das Stammkapital der Gesellschsft mufs mindestens zwansigtausend Mark, die 
iUfflineinlage jedes Gesellschafters mufs mindestens fünfhundert Mark betragen. 

Kein Gesellschafter kann bei Errichtung der Gesellschaft mehrere Stammeinlagen 
ibernebmen. 

Der Betrag der Stammeinlage kann für die einzelnen Gesellschsfter verschieden 
b«itimmt werden. Derselbe mufs in Mark durch hundert teilbar sein. Der Gesamtbetrag 
der Stammeinlagen mnis mit dem Stammkapital übereinstimmen. 

Sollen von Gesellschaftern Einlagen , welche nicht in Geld su leisten sind , auf das 
SUmkapital gemacht oder soll die Vergütung für VermSgensgegenstände , welche die 
GcMllsehaft übernimmt, auf Stammeinlagen angerechnet werden, so mufs die Person des 
Gnellschaftcrs, der Gegenstand der Einlage oder Uebernabme sowie der Geldwert, für 
«•kben die Einlage angenommen wird , oder die für die übernommenen Gegenstände zu 
Cnrihrende Vergütung im GesellschaftsTertrage festgesetzt werden. 



240 



NfttioxMÜ5koiioiiibche OeseUf^ttliuwg. 



§ 6. Dt« OeiellfchAtt mafs einen oder mehrere Ge«chlftsfäbrer hab«n. 

Zq 6e»cbil'tsf Obrem könneii Oeäeltscbifter oder aodere Personen bestellt 
Die Besteltnt)^ erfolgt entweder im GeMllschtflsverlrmge oder nech Mefsf^abe der Betll 
moDgeo de» dritteti Abacbnitta. 

Hi im GesellacbikrtST ertrag« bestimmt, dftfs sämtliche OeselUch&ft«r lar Oescbi 
fohruDg berechtigt sein sollen, eo gelten nar die der Qesellachiifc bei PeeteeUuni; dia 
Bestimmung Angehörenden Personen uls die bestettten Geschirufübrer. 

§ 7. Der GeaellschEfta vertrag , sowie die Personen der GescbKftafilhrer sind 
Eintragung in dos Bindelsregiiter bei dem Gericht^ in deuten Beiirk die Ge»ellicll 
ihren Sita hat^ anxnmelden. 

Die Anmeldang darf nur erfolgen, nachdem von jeder Stammeiolag«, eovreic oll 
andere alti in Geld xu leistende Einlagen auf da» StammkaptUt gema<'bt siod^ ein Vieri 
mindesten» aber der Betrag von Eweihancfertufidrünt'xig Mark eiogesahlt ist. 

Der Anmieldung müssen beigefSgt aein : 
1. der Gesell »uhftfuvertrag und im Palle daa § 2 AbsAts S die Vollmaehten d«r 1 

treter, welche den Geselbchaftsvertrag unters ei ebnet haben, oder eine begtaubl 

Abschrift dieser Urkunden, 
S. die Legitimation der Gcdchftfcsführer , sofern dieselben titcbt im Gesell sc hafisvertn 

bestellt sind, 

3. eine von den Anmeldenden na terschrl ebene Liste der Gesellsebafter, ans wald 
Name, Vorname, Stand and Wohnort der letaleren, sowie der Betrag der Toa 
jeden derselben übernommenen Stammeinlage ersiohtlich ist, 

4, in Item Falle, dafs der Gegenstand des fJoteniebmeni der staatlichen Genebniigj 
bedarf, die Geuehmigungsurkunde. 
In der Anmeldung ist die Versicherung absogeben, dafs die im § 7 Absats S he 

fieten Leistangen auf die StarameinlsgeD bewirkt sind, and dafs der Gegenstand 
Leistungen »ich in der freien V^erfiigung der Gesclifiltanihrer befindet. 

Die Gescbüfcsfuhrer hsben ihre Unterschrift vor dem Geriebt so teichne^n odar 
^tiiebnting in beglaubigter Form ein au reichen. 

§ 0, Die Anmeldendeu heften der Oesellsebaft solidarisch für die Richtigkeit 
Angaben hinsichtlich der auf die Stam mein tagen gemachten Leistungen (§ 7 Absatl 

Versichtlelitungen oder Vergleiche der Gesellschaft in betreff der ihr nach Absafii 
xustehendeu Ersatxamiprüche sind aowirksam , soweit der Ersats aar Befriedigung i 
Oiittbiger der Gesellschaft erforderlich ist. Auf einen Vergleich, welchen dar Sft 
Pflichtige im Falls der Zahlungsunfähigkeit aar Abwendung oder lieseitigaag de» I 
kursTerfabreiis mit seinen GISubigera abschUefst, findet diese Bestimmung kein« 
Wendung. 

Die ArisprQcbe auf Grund der vorstehendea Bestimmungen verjähren la fUnf Ja 
aeit der Eintragung des GeselUcbaftavertragc» in dai Handelsregister. 

§ 10. Der eingetragene Gesell Schafts vertrag ist von dem Gerieht tm Ausaog« 
▼erdifentlichen. 

Die VerdffentUcbung mufs das Datum des Gesell seh af [^Vertrages , sowie die im 
Kr. 1 bis 3 und gegehenenfsUs die im § 6 Absata 4 bexeicbneten Festsetsungeii o 
dem Kamen und Wohnorte der Gesehäftstlhrer enthalten. 

Ist das Unternehmen auf eine gewisse Zeit beachrlnkt (§ 3 Absats 3), so ist i 
diese Bestimmung au veröffentlichen. Das Gleiche gilt von Bestimmungen de« Qm 
scbaftsvertrages über die Form , in welcher die GeschiflsfBhrer ihre Witlenserkliraj|| 
kundgeben und für die Gesellschaft xelchnen^ sowie Über die Art und Weise, in wel« 
öffentliche Bekanntmj««hnngea der Gesellschaft su erlassen sind. 

§ 11. Vor erfolgter iilintragung in das Handelsregister besteht die GeselladuH i 
beschränkter Haftung als so Ichs nii*ht 

Ist vor der Eintragung im Namen der Gesellschaft gehandelt worden , so tiaflao 
Handelnden persdoHcb und solidarisch. 

§ 19. Jede Zweigniederlassung mufs bet dem Gericht, in dessen Betirk si« i 
befindet, aur Eintragung in das Handelsregister angemeldet werden. 

Die Anmeldung hat die im § 1 Absata 8 und 3 bezeichneten Angaben xu «nthall 
Derselben ist eine beglaubigte Abschrift des Gesellschaftsvertrages und eine von i 
Geriebt der Hauptniederlassung beglaubigte Abschrift der Liste der OesellsehAfier ' 
aufügen. 

Die Bestimmung im § 8 Abaatx 3 findet AoweDduDg. 



Kalioiiat^koiiomiMii« desategabang. g4l 

Zweiter Abeelmitt 
RtehtsTerhftltnisse der Gtstllsehaft und der Gesellschafter. 
I IS. Die GeseUseluift mit beschränkter Haftang eis solche bet selbstftndig ihre 
Backte and Pffiehten; sie kenn Eigentmn und andere dingliche Rechte an Omndstfickeu 
werben, Tor Gericht klagen and verklagt werden. 

P&r die VerUndliehkeiten der Gesellschaft haftet den GUlabigern derselben nar das 
Gwelltchaftsvermggen. 

Die OeeeUsehaft gilt als Handelsgesellschaft im Sinne des HandelsgeseUbuchs. 
f 14. Der Geschiftsanteil Jedes Geselltchafters bestimmt sich nach dem ßetrage 
d«r Ton ihm übernommenen Stammeinlage. 

I 16. Die Geschiftsanteile sind TerioAerlieh and yererbüch. 

Erwirbt ein Gesellschafter sn seinem orsprflnglichen Geschäftsanteile weitere Geschäfts- 
Mteile, so behalten dieselben ihre Selbständigkeit 

2ar Abtretung Ton Geschäftsanteilen durch Gesellschafter bedarf es eines in gericht- 
fieker oder notarieller Form geschlossenen Vertrages. Die Angabc des Bechtsgmndes 
dv Abtretung ist nicht erforderlieh. 

Der gerichtlichen oder notariellen Form bedarf auch eine Vereinbarung, durch welche 
4it Verpflichtung eines Gesellschafters sur Abtretung eines Gtoachäftsanteils begrfindet 
vird. Eine ohne diese Form getroffene Vereinbarung wird jedoch durch den nach Ma(s- 
gabe des rorigen Abeataes geschlossenen Abtretungsrertrag giltig. 

Durch dui Gesellschaftsvertrag kann die Abtretung der Geschäftsanteile an weitere 
yeraissetanngen geknüpft, Insbeeondere Ton der Genehmigung der Gesellscliaft abhängig 
fHBsekt werden. 

f 16. Der Gesellschaft gegenfiber gilt im Falle der Veräufserung des Geechäfts- 
utds nur deijenige als Erwerber, dessen Erwerb unter Nachweis des Uebergangs bei 
d«r OeeeUsehaft angemeldet ist. 

Die Tor der Anmeldung ron der Gesellschaft gegenfiber dem Veräufserer oder von 
im letsteren gegenfiber der Gesellschaft in Beeng auf das GeseilschaftsTerhältnis Torge- 
tosuMoen Bechtshandlnngen muis der Erwerber gegen sich gelten lassen. 

Ffir die nur Zeit der Anmeldung auf den Geschäftsanteil rfickständigen Leistungen 
irt der Erwerber neben dem Veränftwer Tcrhaftet. 

{17. Die Veräufterung von Teilen eines Geeehäftsanteils kann nur mit Genehmi- 
fug der Gesellschaft stattfinden. 

Die Genehmigung bedarf der schriftlichen Form; sie mufii die Person des Erwerbers 
■od den Betrag beseichnen, welcher von der Stammeinlage des ungeteilten Geschäfts- 
tttdls auf jeden der durch die Teilung entstehenden Geschäftsanteile entfällt. 

Im GesellschaftsTertrage kann bestimmt werden, dafs für die Veräuikerung von 
TdUo eines Geschäftsanteils an andere Gesellschafter, sowie ffir die Teilung ron Ge- 
KbIfUaateilen verstorbener Gesellschafter unter deren Erben eine Genehmigung der 
6«Mllsehaft nicht erforderlich ist 

Die Bestimmungen im § 5 Absats 1 und 3 Aber den Betrag der Stammeinlagen 
bdcn bei der Teilung von Geschäftsanteilen entsprechende Anwendung. 

Eine gleichseitige Uebertragung mehrerer Teile von Geschäftsanteilen eines Gesell- 
lehsfters an denselben Erwerber ist unsulässig. 

Aolser dem Falle der Veräufserung und Vererbung findet eine Teilung von Geschäfts- 
istaUen nicht statt Sie kann im Gesellscbaftsvertrage auch für diese Fälle ausgeschlossen 
vwden. 

§ 18. Steht ein Geschäftsanteil mehreren Hitberechtigten ungeteilt su, so können 
lis die Bechte aus demselben nur gemeinschaftlich ausfiben. 

Ffir die auf den Geschäftsanteil an bewirkenden Leistungen haften sie der Gesell- 
leksft soUdarisch. 

Bechtahandlungeo, welche die Gesellschaft gegenfiber dem Inhaber des Anteils vor- 
nsehmen hat, sind, sofern nicht ein gemeiosamer Vertreter der Mitberechtigten Torhanden 
bt, wirksem, wenn sie auch nur gegenfiber einem Mitberechtigten vorgenommen werden. 
Gefsaflber mehreren Erben eines Gesellschafters findet diese Bestimmung nur in Besug 
laf Beehtshandlungen Anwendung, welche nach Ablauf eines Monats seit dem Anfalle 
dtr Erbechaft vorgenommen werden. 

L vn (Lziu. 16 



S4e 



K«ttotialokonombehe Oeaels^banif« 



§ 19. Die EtnuhluDgen auf die SUmm«iii lagen siod nach Verhftltnis der letttrriti 
tu lelsteo. 

Die Summe in lagen können den Gesellscfaittern »arser dem Falle einer Herab seUnnit 
de» Stammkapitals weder erlassen nach i^stundel werden. Eine Aufreelinang kfioben 
di« GeeelUehalter nietat f^eltend machen ; ebensowenig findet an dem Ge^enetaDde «iaer 
nicht in Geld sa leistenden Einliige we^en Forderungen, welche sich nicht anf deo Oefea* 
stand besiebeu, ein Zurückbebattungsreeht statt. 

Eine Leistang auf die Stammeini age, welche in Geld besteht oder welche dorek 
Anfrecbnnng einer fUr die Ueberlafisung von Vermdgensgegen stünden an gfiwthrenden 
Vergütung bewirkt wird<» befreit den Gesellschafter von seiner Verpfifchtong nur, suwtit 
sie in AasfUhrung einer nach § 6 Absata i getroffenen Bestiromong erfolgt, 

§ 20. Ein Geseltsehafter, welcher den auf die Stammeintage eingeforderten Betrag 
nicht aar rechten Zeit einzahlt , ist zvlt Entrichtung von Veraugsainsen von Rechts wegen 
rerpfiichteL 

Im GesellscbsfisTertrage können fGr den Fall der versSgerten Einaablnng Konvea* 
ionaldtrafen ohne Rücksicht auf die sonst stattfindenden gesetzlichen Einschränkungen 
estgesetat werden. 

§ 21. Im Falte yeraögerter Einzahlung kann an den sftamigen Gesellschafter eine 
erneute Aufforderung zur Zahlung binnen einer zu bestimmenden Nachfrist unter Act' 
drobung seines Ausschlusses mit dem Qesch&i1santeil,r ■'^f welchen die Zahlnng lu erfolgen 
hat, erlassen werden. Die Aufiordernug erfolgt mittelst eingeschriebeneo Briefes, Die 
Nachfrist mafs mindestens einen Monat betragen. 

Nach fruchtlosem Ablauf der Frist ist der stumige Gesellschafter seines Geacbifts- 
anteila nnd der geleisteten Teilzahlungen tu Gunsten der Gesellschaft verlustig au erkltreo 

Wegen des Ausfslls, welchen die Gesellschaft au dem rückständigen Betrage oder 
den später auf den Gescbättsanteil eingeforderten Betrftgeo der Stammeinlage arleidei» 
bleibt ihr der ausgeschlossene Gesellschafter verhaftet. 

§ 22* Wegen des von dem ausgeschlossenen Gesellschafter nicht beaahtten Betrages 
der Stmmmeinlage ist der Oeseltscbaft der letzte und jeder frühere, bei der GeselladuUt 
angemeldete Rechtavorg&oger des AusgeMhloaietieii irerhaftet. 

Ein früherer Rechtevorgftnger haltet nur, soweit die Zahlung von desaen Rechl 
nach folger nicht lu erlaugen ist ; dies ist bb zum Beweise des Gegenteils ansmoehmeo^] 
wenn der letttere die Zahlung nicht bis zum Ablauf eines Monate geleistet hat, m 
an ihn die Zahlungsaufforderung nod an den fiechtsvorgfinger die Benachrichtiguiig toh 
derselben erfolgt ist. 

Die HaftpÜicfat des Rechts vorgingers ist auf die tanerhalb der Fri^t von f&nf Jahren 
auf die Summeinliige eingeforderten Einzahlungen beschrinkt Die Frist beginnt mit 
dem Tage, an welchem der Uebergaog des Geschftftsan teils auf den Rechtsnachfolger ord- 
oungsmifsig angemeldet ist. 

Der Eeehtsvorginger erwirbt gegen Zahlnng des rfickständigen Betrages den GeaebifU- 
anteil des auegeschlossenen Gesellschafters, 

§ 23, Ist die Zahlung des rückstJtndigen Betrages von Reebtsvorgingem nicht aa 
erlangen, so kann die Gesellschaft den Gescbiftsanteil durch einen Makler oder aur Vor- 
nähme von Versteigerungen befugten Beamten öffentlich verkaufen lassen. Eine ander« 
Art des Verkaufs ist nnr mit Zustimmung des ausgeschlosseneu Gesellschafters sulisiig. 

§ 24. Soweit eine dtsmmeinlage weder von den Zahlungspflichtigen eingeiogen, 
noch durch Verkauf des Geschäftsanteils gedeckt werden kann^ haben die übrigan Oeaell« 
achafter den Fehlbetrag nach Verbftitnis ihrer Gesch&ftM »teile anfau bringen. Beltrige, 
welche von einaeluen Gesellschaftern nicht zu erlangen sind , werden nach dem beaeieh* 
oetea VerhJUtnis auf die Übrigen verteilt. 

§ 2j!», Von den in den §§81 bis 14 beaelchneten fiechtefolgan können die Geeel]- 
sohaiter nicht befreit werden. 

§ 3 a* Im Gesellschaf tsver trage kann bestimmt werden , dafa die GMellecb alter ftber 
den Betrag der Stammeinlageu hinaus die Einforderung von weiteren Binsahlongvn (Nach* 
aobflaaen) bescbilelsen können. 

Die Einaablnng der Nach Schüsse hat nach VerhUtnifi der Geachäftsaaleite m 
erfolgen. 

Di« Naehschufspflicht kann im GoeellaehaftsTertrage auf eineo beeümmten« itaeh Ver^ 
hältnts der Geschäftsanteile festzusetzenden Betrag beschränkt werden. 



4 



an 

it«.^ 



ÜAdoiiallSkoiioiiiiMli« Owt i g tt>nag> 24^ 

f 17. Ist die NaobsdiBlkpfliekt nicht «nf eiaen bestimmten Betrsg beschrinkt, so 
ksl jeder O ese lto e hsft er, fiüls er die Stsmmeinlage Tollst&ndig eingessblt hst, des Recht, 
•ich Ton der Zahlung des saf den Oesehftflsanteil eingeforderten Nachschosses dadurch 
sa befreiMiy da6 er innerhalb eines Monats nach der Aaffordemng sar Einsahlang den 
flmliiftsMiteil der OeseUschaft aar Befriedignog ans demselben lar VerfQgaDg stellt. 
Ebenso kann die Gesellschaft, wenn der Oessllschafter binnen der angegebenen Frist 
weder Toa der beaeiebneten Befugnis Gebraaeh macht, noch die Einsablung leistet, dem- 
•elbea mittels! eingeschriebenen Briefes erklftren, dals sie den Geschäftsanteil als sor 
Yerflgaag gestellt betrachte. 

Die GeseUsehalt hat den GeschiftsantetI innerhalb eines Monats nach der Erklirung 
des Gesellschafters oder der Gesellschaft durch einen Makler oder einen aar Vornahme 
▼oa Versteigernngen befugten Beamten öffentlich yerkanfen su lassen. Eine andere Art 
des Verkaafs bt nur mit Zustimmung des Gesellschafters tullssig. Ein nach Deckung 
der Verkanfskosten und des rfickständigen Nachschusses Terblelbender Ueberschufs gebflhrt 
dem Oesellsehafter. 

Ist die Befriedigung der Gesellschaft durch den Verkauf nicht lu erlangen, so flUlt 
der €kschlflsanteil der Gesellschaft su. Dieselbe ist beftagt, den Anteil für eigene Rech- 
aang sa Terlalsem. 

Im Geeelisehaftsrertrage kann die Anwendung der rorstehenden Bestimmungen auf 
den Fall beschrinkt werden , dals die auf den Gesehftftsantell eingeforderten Nachschüsse 
einen bestimmten Betrag flberschreiten. 

{ S8. Ist die Nachsehufspflicht auf einen bestimmten Betrag beschrinkt, so finden, 
wenn im OeseUsehaftsrertrage nicht ein anderes festgesetst Ist, im Falle yersögerter 
Kimahlang Ton Nachschfissen die aaf die Einsablung der Stammelnlagen beifigliehen 
Votselniftan der §§ Sl bis S8 entsprechende Anwendung. Das Gleiche gilt im Falle 
dts { S7 Abeata 4 auch bei anbesebrlakter Nachschulspflicht, soweit die Kaehschfisse 
diB Im GesellsebaftsTertrage feetgeselsten Betrag nicht fiberschreiten. 

Im GesellschaftsTertrage kann bestimmt werden, dafs die Einforderung Ton Nsch- 
tchtssen, aaf deren Zahlung die Vorschriften der S§ 81 bis 88 Anwendung ünden, schon 
vor ToUstladiger Einfordemag der StammeinUgen sullssig ist. 

{ 89. Die Gesellschafter haben Anspruch auf den . nach der jihrlichen BUani sieh 
«gebeadeD Beiagewinn, soweit nicht im GesellsebaftsTertrage ein anderes bestimmt ist 
Die Vertellnng erfolgt nach Verhiltnis der Geschlftsanteile. Im GesellschaftoTsr- 
ksfe kann ein anderer Malsstab der Verteilung festgesetst werden. 

% 80. Das sur Erhaltung des Stammkapitals erforderliche Vermögen der Gesellsehaft 
dirf an die Gesellschafter nicht ausgeaablt werden. 

Bingeaahlte Nacbschflsse können, soweit sie nicht sur Deckung eines Verlustes am 
Stammkapital erforderlich sind, an die Gesellschafter surflckgesahlt werden. Die Zurfick* 
tthlsog darf nicht Tor Ablauf ron drei Monaten erfolgen, nachdem der Rficktahlungs- 
besehlnf« durch die im Gesellschaftsvertrage f&r die Bekanntmacbungen der Gesellschaft 
bcsünmiten öffentlichen Blltter und in Ermangelung solcher durch die fQr die Bekannt- 
aaehangen aus dem Handelsregister bestimmten öffentlichen Blätter bekannt gemacht ist. 
la Falle des § 88 Absats 8 ist die Zurflcksahlung Ton Nacbscbtissen Ton der Volleln- 
tthhmg des Stammkapitals unzullssig. ZurückgesabUe Nacbschflsse gelten als nicht 
dsgtsogen. 

I 81. Zahlungen, welche den Vorschriften des § 30 sawlder geleistet sind, mflssen 
ia Gesellschaft erstattet werden. 

War der Empfinger In gutem Glauben, so kann die Erstattung nur insoweit ver- 
iisft werden, als sie sur Befriedigung der Oesellschaftsglinbiger erforderlich Ist 

Ist die Erstattung von dem EmpAnger nicht sa erlangen, so haften fflr den su 
•Msftenden Betrag, soweit er sur Befriedigung der GeselUchaftsgllnbiger erforderlich 
in, die fibrigea Gesellsehafter nach Verhiltnis ihrer Geschlftsanteile. Beltrige, welche 
vou einseinen Gesellscbafcem nicht su erlangen sind, werden nach dem beselchneten 
V«UUtais auf die flbrigen Tertellt 

Zahlangen, welche aaf Grund der Torstehenden Bestimmungen su leisten sind, kön- 
MB den Verpflichteten nicht erlassen werden. 

Die Ansprüche der Gesellschaft verjähren in fünf Jahren ; die Veijihrung beginnt 
■it dem AbUnf des Tages, an welchem die Zahlung, deren Erstattung beansprucht wird, 
filsistet ist. Flllt dem Verpflichteten eine bösliche Handlungsweise rar Last, so findet 
4k BsgfimaBnng kalne Anweadang. 

16« 



344 



X&tioDaloköDOmltobe G«setig«buDg, 



Für dis in den Fillen d«s Aba«ts 3 geleistete ErsUttan^ «iner Zthlaag siüd den 
Oesellschartern die Oeschäfunihrer, welchen in betreff der geleiiteleo Zahlrmg ein Ver- , 
seholdeo lur Lmst llUt, solidBriscb lani ErsaUe rerpflichteC. 

§ 32. Liegt die Im § 31 AbsAtz 1 beaeichnete Voraaseetsting nicht Tor, so siikd] 
die QeieUAcbftt^er in keiDem Felle >rerpfl lebtet, Betraget welche sie io gutem dlaabea ' 
iUi Qew in Ott] teile bezogen beben, suraekiaiableo. 

§ 38. Üie GeaelUcb&ft darf eigene GeachKftABnteilef ftuf welche dl« StMiiiiiAtiilege 
nocfa nicht Tollstftodig eingeseblt ist« uicbt erwerben. 

Sie »oll euch eigene GeschÜftsanteUe, auf welche die Stamm einlage vollstiodlg ein* 
gesehlt Ist, nicht erwerben^ sofern nicht der Erwerb auü dem Über den Betrag dea 
Stammkapitals hiuaus vorhaDdeoeo Vermögeo geschehen katia. 

§ 34. Die Einiiebang (Amortisation] von Geschift&aateilen darf nur erfolgen« lowel^-^ 
bie im GeaflllschafU vertrage tagetaasen ist. 

Ohne die Zuitimmung des AnteilAberechligteD findet die Eineiehung nur Statt« wenn 
die Voraassetiungen derselben vor dem Zeitpunkt , in welchem der Üerechtigte den 
McbftftBanteil erworben hat, im Geselbchaftsvertrege festgesetzt waren. 

Die Deatimmnug im § 80 Absata 1 bleibt unberührt. 



ÜTitter AbidmiU. 
Vertretung und Geschäftaführung. 

§ 8&. Die Geselbehaft wird durch die GeschäTtaHibrer gencbtlicb und attraargerieht- 
lieh vertreten. 

Dieselben haben in der durch den Gesellacbafts vertrag bettimmten Form ihr« WUl«nj* 
«rklirungen kondaugeben und für die Geaellschaft au zeichnen, ist nichts darüber 
beütlmmt, so mufs die Erklärung and Zeichnung durch Bftmtliche Gesch&ftstührer erfalgeu 
Ist der Gesell schalt gegenüber eine WiJleuaerklärung abzugeben, so genfigt es, weiim die- 
selbe an einen dur Geechfifistlhrer ert'oJgt. 

Die Zeichnung geschieht in der Wetae, d&fa di« Zeichnenden so d«r FImi d«r 
G«B«llftcbaft ihre Nameua Unterschrift beifügen, 

§ 36. Die Gesellschaft wird durch die in ihrem Kamen von den Geachlfksf&hrem 
vorgenommenen KecbUge^chifte berechtigt und verptlichtet ; es ist gleichgiidg « ob das 
Geschäft ausdrücklich im Namen der Gesoltachat'c vorgenommen worden ht^ oder ob die 
Umstinde ergeben, dufs t^ nach dem Wiliea der Beteiligten lilr die Gesellschaft vor 
genommen werden tollte, 

§ 37. Die Ge»chftfta rubrer sind der Geaellscbaft gegenüber verpflichlel, die Bese 
kungen einsobalteui welche lUr den Umfang ihrer Befugnis, die Gesellsehait lo vertreten, 
durch den Gesellscbaftä vertrag oder, soweit dieser nicht ein anderes bestimmt, durch die 
BescblQ^sc der Gesellschafter festgesetzt sind. 

Gegen dritte Personen bat eine Besclirlnkung der Befugnis der Geschäftsführer» die 
Geaellscbaft zu vertreten, keine rechtliche Wirkung. Dies gilt insbesondere für den Fall, 
dal» die Vertretung sich nur auf gewisse Geschäfte oder Arten von Geschälten ersir«clc«& 
oder nur unter gewissen Umständen oder für eine gewiaa« Zelt oder an einaelnen Orten 
ataltfinden soll, oder daCs die Zuütimmuug der GeMÜschafter oder eine« Organa der 
Geaellscbaft für einzelne Geschäfte erfordert ist. 

§ 38. Die Bostellttog der Geachifts Fahrer ist zu jederzeit widermflich, onbeBcbadet 
der Entschädigungsansprüche aus be-'^tebenden Verträgen« 

Im Gesell tchafUvertrage kann die Zuläsaigkeit des Widerrnfs auf den Fall beachrftnkt 
werden, djifs wichtige Gründe denselben notwendig machen. Als solche Gründe sind 
laibesoodere grobe Pflichtverletzung oder Dnßihigkeit zur orduungsm&fsigeu GeechälU- 
fühmng an zusehen. 

§ 39. Jede Aenderong in den Personen der GcschlÜBÜhrer, aowle die ernente Beatellaeg 
oder die Beendigung der VoUmaolit eines GeschäftsiBhrers mufs ohne Verzug aor Eintrat 
gung in das ünndelsregister angemeldet werden. Die Legitimation der angemeldetem 
Geachäflsführer ist beizufiigen. 

Zugleich haben neu bestellte Gefich&rtsfÜhrer ihre Unterschrift vor dem Gericht zu 
seiehnen oder die Zeichnung in beglaubigter Form einzureichen. 

§ 40. Eine Aenderung in den Perikonen der GeschäflsfUbrer, «ine Beondlgnng der 



Kationalftkononiiach« Gtsetsgtbaiig. 245 

Y«llBMht ünm CktoldtfliilUirers , sowi« ein« Aeademng des GMdlsobaftfTertrtgw rftek- 
liehtlleli d«r Form Ar WUleiiMrkliniiigeii der Oeschftftsf&hrer kAnn, solange sie nicht 
» des Haadelsrefistor eingetragen und SffeDtHcii bekannt gemaeht ist, einem Dritten ron 
der Geeolleehaft nur entgegengesetat werden, wenn letitere beweist, dals der Dritte beim 
Abeebhisse des Gesehlfts Ton der Aendemng oder Beendigimg Kenntnis liatte. 

Naek gesc he ken e r ffintragong and Bekanntmaehnng moA der Dritte, sofern nicht 
darek die ümstMade die Aanalmie begründet wird, daTs er beim Absehlasse des Oeschlfts 
fie Aeodenng oder Beendigang weder gekannt halie, noch habe kennen mfissen, dieselbe 
fegen siek gelten lassen. 

f 41. AlljikrUck im Monat Janaar haben die GeschlfUflihrer eine ron ihnen anter- 
Mkriebene Ldste der Gesellschafter, aus welcher Name, Vorname, Stand and Wohnort 
der lelsteren sowie ihre Stammeinlagen sa entnelmien sind, lam Handelsregister einsa- 
reickea. Sind seit Einreichang der lotsten Liste Verlndemngen hinsichtlich der Person 
der Ctosellsckafler and des Umfangs ihrer Beteiligang nicht eingetreten, so genilgt die 
Einreicknng einer entsprechenden Brklimng. 

{ 4S. Die Geschäftsführer sind rerpllichtet, Ar die ordnangsmifsige BachfOhrang 
der CUseUsckaft sa sorgen« 

Sie müssen in den ersten drei Monaten des Geselilft^ahres die Bilans für das rer- 
lossene Oceehilt^ahr nebst einer Gewinn- and Verlastrechnnng aaistellen. 

Darek den GesellschaftsTertrag kann die beseichnete Frist bis aaf sechs Monate, 
bei Gesellschafken, deren Unternehmen den Betrieb Ton Geschiften in Übersemschen Gk- 
hietea sam Gegenstände hat, bb aaf nenn Monate erstreckt werden. 

Für Gescllscliaften, bei welchen der Gegenstand des Unternehmens im Betriebe Ton 
Bsnkgeschiften besteht, ist die Bilans innerhalb der Torbeseichneten Fristen in den im 
I 80 Absats 1 bestimmten difontllehen BUttem darch die Geschäftsführer bekannt sa 
■eeken. Die Bekanntmachung bt sam Handelsregister einsareichen. 

I 48. Für die Aafitellaog der Bilans kommen die Vorschriften des Artikels 81 des 
Hsaddigesetsbaehs mit folgenden Mafsgaben sar Anwendang: 
I. Anlagen and sonstige VermSgensgegenstände, welche nicht sar WeiterTeräofserong, 

londem danernd sam Betriebe des Unternehmens bestimmt sind, dürfen hdchstens 

sa dem Anschallbngs- oder Herstellangspreise angesetst werden; sie kSnnen ohne 

EÜcksicht aaf einen geringeren Wert sn diesem Preise angesetst werden , sofern ein 

der Abnntsaog gleichkommender Betrag in Absng oder ein derselben entsprechender 

Smenerangsfonds in Ansata gebrecht wird ; 
I. die Kosten der Organisation and Verwaltang dürfen nicht ab Aktiva in die Bilans 

eiDgesetst werden ; 

3. de» Recht der Gesellschaft sar Einsiebong Ton Nacbscbflssen der Gesellschafter ist 
Ab Aktirom in die Bilans nar insoweit einsastellen, als die Einsiehang bereits 
beschlossen bt and den Gesellschaftern ein Recht, durch Verweisang auf den Ge- 
scbXftsanteil sich von der Zshlang der Nachscbüsse sa befreien, nicht sasteht: den 
in die Aktira der Bilans aafgenommenen Nachschofsansprüchen mafs ein gleicher 
Kspitalbetrag in den Passiven gegenübergestellt werden; 

4. der Betrag des im GeselbchaftsTcrtrsge bestimmten Stammkapitals ist unter die 
Psssira aafsunehmen. Das Gleiche gilt von dem Betrage eines jeden Reserve- und 
Bmeaerungsfonds , soorie von dem Gesamtbeträge der eingesahlten Nachschüsse, 
soweit nicht die Verwendung eine Abschreibung der betreffenden Passivposten be- 
gründet; 

y der aas der Vergleichung sämtlicher Aktiva und Passiva sich ergebende Gewinn 
oder Verlust mufs am Schlüsse der Bilans besonders angegeben werden. 
{ 44. Die Geechäftsfübrer haben in den Angelegenheiten der Gesellschaft die Sorg- 
(tii eines ordentlichen Geschäftsmannes ansnwenden. 

Geschäftsführer, welche ihre Obliegenheiten verletsen, haften der Geselbchaft solidarisch 
Ar den entstandenen Schaden. 

Insbesondere sind sie lum Ersatse verpflichtet, wenn den Bestimmungen des % 80 
lewider Zahlangen ans dem snr Erhaltung des Stsnmikapitals erforderlichen Vermögen 
der Gesellschaft gemacht oder den Bestimmungen des § 88 suwider eigene Geschäfts- 
aateile der Geseilkchaft erworben worden sind. Auf den Ersatsansprach finden die Be- 
iÜBnnmgen im { 9 Absats 8 enUprechende Anwendung. Soweit der Ersats snr Befriedi- 
fOBg der Giäabiger der Gesellschaft erforderlich ist, wird die Verpflichtung der Geschäfts- 



246 



KAtionftldkoitomiftche G«AcUfebttag. 



ffihrer dftdtircb olcht »ufgeliofaen , daJj» dietelben in Betolgon^ »ihm B«achla»tei dar Ck* 
aellachiifter gebAßdelt Imbea. 

Die AniprÜcbe aot' Grund der vorstebeDden 8eaiiaiiiitiu|Een verjähren in flinf Jahrta, 

§ 46. Die rUr die Geschäfts Hl hr er gegebenen Vorschriften gellen auch für Stellver- 
treter von Oeschftflsf&hrern« 

§ 46* Die Rechte, welche den GesellschRftern in den Angelegenheiten der Qe»eU- 
aeh«ft^ insbesondere in Beang kuf die Führung der Geachäfte xuatehen, sowie die Ao»^ 
Qbujig dertelben besümmen sich, soweit nicht geaetstiche Vorttchnflten entgegen« teheui 
nech dem GeseUschaflsvenrage. 

Id firmmngetuiig besonderer BeätinunuDgen des OeteUschefU Vertrages finden die Vur- 
sehrinen der §§ 47 bis 62 Anwendung. 

§ 47. Der Bestimmnug der GeselUcbefter unterliegen : 
L die FesCstellnng der Jahresbilenz und die Verteilung des ens derselbeo eieh 

den Beingewiniu| 
2. die Einforderung rOD Einiahlungen aaf die Stammeinlagen ; 

5. die Rückzahlung von Nachschüssen; 
4. die Teilung sowie die Einsiehutig von Geschiitfü&n teilen ; 

6. die Bestellung ,und die Abberufung von Geflchiltaf^rero aowie die Entlastung 
selben ; 

6, die Mafsregeln zur Prüfung und Ueberwachung der Geschlftslübrung j 

7> die Bestellung von Prokuristen und von Handlungsbevollmikhtigteu sum gesamtiD 

Geschftrubetriebe ; 
8, die Geltendmachung von Er^Btsauj^prücben , welche der Gesellsehaft aus der Gnio- 

düng oder Geschäftsführung gegen Gescbäftsrubrer oder Gesellschafter xustehen, sowie 

die Vertrettifig der Gesellschaft in Proteasen, welche sie gegen die OeachiftsfiUtrer 

au mhren hat. 

§ 48. Die von den Gesellschaftern in den Augelegenheiten der GeselbchafI zu treffen* 
daa Beetimmungen erfolgen durch ßeschluf^fassung nach der Mehrheit der abgegebenen 
Stimmen. 

Jede hundert Mark eines GeschftfUanteiU gewähren eine Stimme. 

Vollmachten bedürfen tu ihrer Gikigkeit der schriftlichen Form, 

Ein Geselbchafteff welcher durch die Be&ehlufsfas»uug entlastet cMler von elfieff Ver- 
bindlichkeit befreit werden soll, hat hierbei kein Stimmrecht und darf ein solches aoch 
nkht für andere ausüben. Dasselbe gilt von einer Beseht u(kfai>siuigt welche die Vor- 
nahme eines Eechtsgeschlfts oder die Einleitung oder Erledigung eines Becht&»treites 
gegenüber einem Geaelbchnfter betrifft. 

§ 49. Die BftüchlÜüse der Gesell scbafler werden in Ver»amni langen gefafi»!. 

Der Abhaltung einer Versammlung bedarf es nicht, wenn s&mlliche Gesellschafter 
•cbriftlich mit der an tretenden Bestimmung oder ml t der schriftlichen Abgabe der Stimmen 
■ich einverstanden erklären. 

§ 60. Die Vcrsammlnng der Gesellschafter wird durch die Geschiftsführer berufen. 

Bie ist attfser den aasdrÜclcMch bestimmten FUleo «u berufen^ wenn es im liit«rM»e 
dttr Gesellschaft erforderlich erscheint. 

Insbesondere mufs die Versammlung unveraÜglich bernfen worden, wenn aus der 
Jahresbilans oder ans einer im Laufe des Geschäftsjahres aufgestellten Biiani sich ergiebt, 
dafs die Bllfle des StammkaptLals verloren ui. 

§ 51. Gesellschaftor , deren GedchÜftsan tolle zusammen mindestens dem lehntan 
Teile des Stammkapitals entsprecbeiiT sind berechtigt^ unter Angabe des Zwecks tind der 
Gründe die Bentfung der Versammlung su verlangen. 

In gleicher Weise haben die Geaellschaflter das Hecht^ au verlangeui dafs Gegen> 
stJUide xur Beschlufsfassung der Ver^iammlung angekündigt werden. 

Wird dem Verlangen nicht entsprachen oder sind Per»onen, an welche dasselbe %u 
rtchtßn wire, nirht vorhanden, so köaueti die im Absatz I beseichneten GesellscJiaftar 
anter Mitteilung des Bach Verhältnisses die Bernfung oder Ankündigung selbst bewirken« 
Die Versammlung beschliefsl, ob die entstandenen Kosten von der Oetdbchafi la tr*- J 
gen sind. 

§ 62. EHe Berufung der Versammlung erfolgt durch Einladung der Gesellschafter 
mittelst eingeschriebener Briefe. Sie iat mit einer Frist von mindestens einer Woche au 
bewirken. 



yurtonalgkoaomiacht GaMlsgtbniif . 247 

Dtf ZwMk d«r VtrMmmluig mU jedeneit b«i d«r B«niAuig aqgekfliidigt worden. 

Iil dim Vt iMininlnn g aieht ordnnnginiifiiig borafen, m kSonui BMchlftsM nnr gefalst 
werden, wenn simtUelio Gesellsohefter aDwesend sind. 

Dm GtelelM gilt in Beeng »nf BesehlOaee Aber OegeniOnde, welche nicht wenigstens 
drei "Alge tot der Ver— mminng in der Or die Berufung Torgeschriebenen Weise nnge- 
kindlgt worden sind. 

I 6B. Ist nnch dem OesellscheftsTertnige ein AofsiohUrat sn bestellen» so finden 
sef denselben, soweit nicht im Gesellschsftsvertrege ein anderes bestimmt ist, die für den 
AeüOehtimt einer Aktiengesellschmft nach den Artikeln 224 bis 226 AbsaU 1 des Handels- 
gwetsbochs geltenden Vorschriften entsprechende Anwendong. 

Schadensenatsansprftche gegen die Mitglieder des Aolsiohtsrats wegen Verletsnng 
ihrer Obliegen heit en reijihren in fUnf Jahren. 

Ylntn AbMhaitt 

Ablndernngen des Gesellsohaftsy ertrages. 

{ 54. Eine Ablndening des Gesellsehaftsvertrages kann nnr doroh Besehlois der 
GeseUschaller erfolgen. 

Der Beschlaft nmfs gerichtlich oder notariell benrkandet werden; derselbe bedarf 
•iner Mehrheit Ton drei Vierteilen der abgegebenen Stimmen. D%r GesellsohaftsTertrag 
kann noch andere Erfordernisse aaCitellen. 

Eine Vermehmng der den Gesellschaftern nach dem Gesellschaftsvertrage obliegenden 
Leastnngon kann nur mit Zostimmong simtlicher beteiligter Gesellschafter beschlossen 
werden. 

I 55. Der Beschluß, welcher eine AbXnderong des GesellschaftsTertragee sam Ghgen- 
itaade hat, uuJk rar Eintragung in daaHandelsregiater angemeldet werden. Die VertiTent- 
tichung der Eintragung findet nur insoweit statt, als die Abänderung eine der im ( 10 
AbsatB 2 und 8 beaeichaeten Beetimmungen sum Gegenstande hat. 

Die AbAnderung hat keine rechtliche Wirkung, bevor sie in das Handelsregister ein* 
getragen bL 

I 56. Wird eine Erhöhung des Stammkapitals beschlossen, so bedarf es sur Ueber- 
nahme jeder auf das erhöhte Kapital au leistenden Stammeinlage einer gerichtlich oder 
notarieU aufgenommenen oder beglaubigten Erklirung des Uebemehmers. 

Zur Uebemahme einer Stammeinlege kSnnen von der Gesellschaft die bisherigen 
Gesellsehafter oder andere Personen, welche durch die Uebemahme iliren Beitritt au der 
Ociellschaft erklären, angelassen werden. Im letsteren Falle sind aniser dem Betrage 
d«r Stammeinlage auch sonstige Leistungen, au welchen der Beitretende nach dem Gesell- 
»chafthvertrage ▼erpflichtet sein soll, in der im Absatz 1 beseiohneten Urkunde ersicht- 
lich SU machen. 

Wird von einem der Gesellschaft bereits angehörenden Gesellschafter eine Stamm- 
dnkge auf das erhöhte Kapital fibernommen, so erwirbt derselbe einen weiteren Geschäfts- 
&at«l. 

Die Besiimnmugeo im § 5 Absats 1 und 8 Aber den Betrag der Stammeinlagen 
Mwie die Bestimmung in § 5 Absats 2 über die Unsnlässigkeit der Uebemahme mehrerer 
Stammeinlagen finden auch hinsichtlich der auf das erhöhte Kapital su leistenden Stamm- 
siolaffen Anwendung. 

§ 57. Soll auf da» erhöhte Stammkapital eine Einlage gemacht werden, welche 
nicht in Gald su leisten ist, oder soll eine Vergätung ffir Vermögensgegenstände, welche 
die Gesellschaft flberaimmt, auf eine Einlage angerechnet werden, so muls die Person 
deijenigen , welcher die Einlage su leisten oder die Vermögensgegenstände au fiberlassen 
hat, sowie der Gegenstand der Einlage oder Ueberlassung und der Geldwert, ffir welchen 
die Einlage angenommen wird, oder die ffir den fiberlassenen Gegenstand su gewährende 
Vergfitung in dem Beschlüsse auf Erhöhung des Stammluipitals festgesetst und in der im 
§ 56 Absata 1 beseichneten Erklärung angegeben werden. 

Die Bestimmung im § 19 Absata 8 findet entsprechende Anwendung. 

§ 58. Die beschlossene Erhöhung des Stammkapitals ist sur Eintragung in das 
Hsndeisregiater aosumelden, nachdem das erhöhte Kapital durch Uebemahme Ton Stamm- 
eialagen gedeckt ist. 

Die Bestinunung im § 7 Absats 2 fiber die ror der Anmeldung des Gesellschafts- 
▼ertragee su leistende Einsahlung, sowie die Bestimmung im § 8 Absata 2 fiber die in 
der Amneldung absugebende Versicherung finden entsprechende Anwendung. 



KiklionAlÖkonomitche G^setzgebungt 

Der ABm«1dang stud beizafiigoi] ; 
1 dfQ im g 56 Ab»u 1 beseichneten KrkJi&rüngeo oder ein« bogUttbi^ Abtcltrifl 

derselben ; 
9. eine von den Anmeldenden unterschriebene I^Ut« der Personenf welche die neuen 

StunomnU^et) QbemommeD h&ben; aus der Liste mah der Betrag der voo jedem 

ubcrnomtnenen Einln^e ersichtlich sein. 

In Besni; Ruf die Verintwortlichkeit der Anmeldeuden nir die Richügkett ihrer An- 
geben finden die Besttmmangen im { 9 entsprechende Aitfrendang* 

§ 69. Eine Rermbsetsnng des Summkapitel« kenn nur unter Beobeehtiuiip dier ai«h- 
itehendeu Beitimnunngeo erfolgen : 
1. der Besclilnrs tnf HeriibMtsung dee SUmmkJipitalt maftf von den CkeehlfliAhiiin 

sn drei verschiedenen Malen durch die im §30 Ab«etm 2 bezeichneten Bl&Cter bekaa«! 

gemacht werden j in diesen Bekanntmachttngen »ind «tigteich die GlÄubiuer der Oeeell» 

achifl eufsufordern, sieb bei derselben lu melden \ die an» den HaadeUbüchem der 

Oeaellsobaft er§icht1icben oder in anderer Weise bekannten Ol&ubiger sind durch 

besondere Mitteilnnj? zur AnmelHung aufzufordern ; 
£. die OIKnbiger, welche »fch bei der Oej^etlschaft melden und der HerabseUnng nicht 

anjitimmen, ttnd wegen der erhobenen Ansprüche tu befnedigea oder t icberso«tellen ; 
8. die Anmeldung des Herab setxungsbedchlusse» sur Etntmgung in das HaDdeJ%regist«r 

erfolgt nicht Tor Ablaof eineü Jahres seit dem Tage , an welchem die Anffordening 

der Olftabiger in den ölfentlichen Blättern «um dritten Male stattgefüDdeii hat; 
4. mit der Anmeldung sind die Bekanntmachungen des BeachloMes eittsurelebea ; xit* 

gleich haben die GeschäftjifQhrer die Versicherung abzugeben, dar» die Gliubigflf, 

welche nich bei der Gesellschaft gemeldet und der Herabsetzung nicht togeetimmt 

haben, befriedigt oder sichergestellt sind. 

Die Bestimmung Im § 5 Absatz 1 über den Mindestbetrag des Stammkapitals bleibt 
onberährt Erfolgt die Herabsetaung zum Zweck der Zn rück sah lung von Stamme in lagen 
oder EUiD Zweck des f^rlasses der auf diese geschuldeten Einaahlungeo, so darf der v«r^ 
bleibende Betrag der dtammeiulageo nicht unter den im § 5 Absata i and 5 beaeichneteD 
Betrag berabgebeD* 



PanfUr Abiekiiitt. 
Auflösung und Liquidation. 
§ 60- Die Gesellschaft mit beschrlinkter Haftung wird aufgelöst: 
L durch Ablauf der im GeseltichaftsTertrage bestimmten Zeit ] 

%. durch Beacblufs der Gesellschafter ; derselbe bedarf» sofern im Gesell schaflsvertr ige 
nicht ein anderes bestimmt ist^ einer Mehrheit Ton drei Vierteilen der abgegebenen 
Stimmen ; 
3« durch gerichtliches Urteil oder durch Entscheidung de» Verwalluiigsgeiriohte oder 

der Verwaltungsbehörde in den FÄlleu der §§ 61 und 6S ; 
4. durch die Eröffnung des Kon kitrairer fahre ns. 

Im Gesellachal tsvertrage köuuen weitere AuflÖsuogsgrüude festgesetzt werden. 
§61« Die GcselUchaft kann durch gerichtliches Urteil aufgelöst werden, wenn die 
Erreichung des Gesollschaftssweckee unmöglich wird^ oder wenn andere, in den Ver- 
bal tn.iB&eo der Gesellschaft liegende» wichtige Gründe für die Auflö:<uiig vorhanden sind^ 
Die Aufldsungsklage ist gegen die Gesellschaft lu richten. Sie kann nur von Gesell- 
»cbaftern erhoben werden, deren Geschäftsanteile susammen mindestens dem aehntcn Teile 
des Stammkapitals entuprechen 

FQr die Klage ist das Landgerieht ausachliersltoh zust&adig, in dessen Betirlt die 
Gdse}hchaft ihren Sita hat. 

§ 69 Wenn eine Gesellschaft das Gcmeinwiihl dftdurch gefährdet, dafs die Ge^ll' 
si'hafter gesetzwidrige BoschlQsse fassen oder gesetzwidrige Handlungen der QcschJLfts- 
fUbrer wissentlich geschehen lassen, so kann sie aufgelöst werden, ohue dafs deshalb 
ein Anspruch auf Entschftdigung stattflndet. 

Das Verfahren und die Zustlndigkeit der Behörden richtet lieh nach den für etreitigt 
Verwaltungssachen landesgesetalich geltenden Vorschriften. Wo ein Verwattnngsstreit- 
verfahreii nicht besteht, kann die Auflöaung nur durch gerichtliches Erkenotoi» auf Be- 
treiben der höheren Verwaltungtbehorde erfolgen. AusechHefsnch lustindig ist in diesem 
Falle das Landgericht, In deeaeu Besirk die Gesellschaft ihren Sita hat 



HaÜMAUlkcnioaiiMlit Gta^ tig ^baag. 249 

I CS. ü^hm te yimiSfni d«r GMellBchAft findtt dai KookunverfSilirmi aafrer 
tai FUU d«r gahhragiwnflaiigktit aneh In dem Fille der Uebendmldniig stott. 

Die «tf des KonkonrerlUiren Aber das VermSfen einer Aktienfeeelleeheft bemflg- 
Keten Yoneliriften im f 198 Abernte S, § 194 der Konknrtordnnng finden aaf die Qesell- 
nkift mit beechrlnWer Halinng entiprecbende Anwendung. 

I 94. Die GeeehBftiflUirer beben die Eröflbnng dee KonknrsTerfmbrenfl in beentregen, 
lobiM die ZeblrageanflOiigkeit der GeMllsoball eintritt oder eoe der Jebreebllenm oder 
m iiner km Laafe dee Geeebiimebres enfgeetollten BUans üebenebnldong lieb ergiebi. 

Die OeeebÜlefUirer eind der Geeelleeheft snm Enetae aller neeb diesem Zeitpnnkt 
fMilelen SeUangen Terpdlebtet Anf den Bnetaenspraeh finden die Beetirnmengen im 
{ 44 Abeets 8 end 4 entspreebende Anwendung. 

Die KW U hnng dee Konkanreriebrene iel von Amte wegen in das Handelsregister ein- 
ntngea. Eine VeröffentUchong der Eintragung findet niebt stett. 

I 96. Anfror, dem FUle dee KonkursTerfabreos ist die Anflösnag der Qesellsebaft 
m Batragmig in das Handelsregister annmelden. 

Sie mnlii anfserdem von den Oesebiftsflibrem in drei ▼ersebledenen Malen dureb die 
in { 80 Abeets 1 beaelebnelen Sifentlleben BUtter bekannt gemaebt werden. Dnrcb die 
Bikmitmafliimig sind sngleieb die OUnblger der Gesellsobaft anfiinfordern , sieb bei der- 
mUm sa melden. Bekannte Gllnblger sind doreb besondere Mitteilong lor Anmeldung 



§ 99. In den Pillen der AuflSsnng aufser dem Falle dee KonkursTorfabrens erfolgt 
At Uffuidatkm dureb die Gescblltefabrer, wenn niobt dieselbe dureb den Gesellsebafts- 
twteag oder durdi Besebluft der Gesellsebafter anderen Personen Übertragen wird. 

Auf Antrag Ton Oesellsebaftem , deren Gescliiftsanteile sutammen mindeetens dem 
nkstsn Teile des Stemmkapirals enteprecben, kann ans wichtigen Gründen die Bestellung 
V« Liquidatoren dureb das Gericht (§ 7 Abeats 1) erfolgen. 

Die Abberufting tou Liquidatoren kann durch da» Gericht unter derselben Voraus- 
Ntnag wie die Bestellung stettfinden. Liquidatoren, welche nicht Tom Gericht ernannt 
M, kSanen aueb durch Beeebinrs der Gesellschafter ror Ablauf des Seitrsums, für 
»ildieB sie bestellt sind, abberufen werden. 

{ 97. Die ersten Liquidatoren sind durch die Gesehftft»lfibrer, Jede Aenderung in 
im Pfso n en der Liquidatoren sowie eine Beondigung ihrer Vollmacht Ist durah die Li- 
f ii4 ito r s n snr Eintragung in das Handdsregiater ansumelden. 

Sagleieh haben die angemeldeten Liquidatoren ihre Unterschrift persdnllch Tor dem 
Owieht SU seiehnen oder die Zeichnung In beglaubigter Form einsnreichen. 

Der Anmeldung der gerichtlich oder durch Beschluß der Gesellschafter bestellten 
Uqildatoren ist die Legitimation derselben beisufügen. 

I 99. Die Liquidatoren haben In der bei ihrer Bestellung bestimmten Form ihre 
WilltBserklirungen kundsugeben und für die Gesellschaft su seiehnen. Ist nichts dar- 
ibw beetimmt, so mn(s die Erkllrnng ond Zeichnung dorch sämtliche Liquidatoren 



Die Bestimmung Ist mit der Bestellung der Liquidatoren sur Eintragung in das 
Bsadelsregister ansumelden. 

Die Zeicbnongen geschehen In der Weise, dsfs die Liquidatoren der bisherigen, nun- 
■thr als Liquidationsfirma in beaelchnenden Firma ihre Namensunterschrift beifBgen. 

§ 99. Die Vorschriften dee § 40 über das Verhältnis an Dritten finden besflglich 
4« Liquidatoren Anwendung. 

§ 70. Bis sur Beendigung der Liquidation kommen ungeachtet der Auflösung der 
QatUtchaft In Besng auf die BeebtoTerhXltnisse derselben und der Gesellschafter die 
7«tchiUken des swelten und dritten Abschnitts sur Anwendung, soweit sich aus den 
Itj^mengen des gegenwirtigen Abschnitte and ans dem Wesen der Liquidation nicht 
ds saderee ergiebt. 

Der Geriehtsstand, welchen die Gesellschaft sur Zeit ihrer Aufidsung hatte, bleibt 
\m lar ToUsogenen Verteilung dee Vermögens besteben. 

§ 71. Die Liquidatoren haben die laufenden Gesohifte su beendigen, die Verpflich- 
tis(ta der aafgel9sten Gesellschaft su erfüllen, die Forderungen derselben einsuaiehen 
mi dssVermfigen der Geeellschaft In Geld umausetsen; sie haben die Gesellschaft gericht- 
Beh Bod aaisergerichtllcb au Tertreten. Zur Beendigung schwebender Gesehftfte können 
ii I#iqsidatoren aneh neue Geschifte eingehen. 

{ 71. Die LiqsIdatoreB haben die ans ^ 89, 87, | 49 Absata 1, t U Abeate 1, 



KülioaAlökoftomt&ebe Getettgftbims. 

2 itnd i, § 50 AbAftts 1 und 2, § 64 i^ioh ergebenden Eeohte und Pflidifceii dar OmcMfU' 

führer. 

Sie hebeo sofort bei Begifio der LiqaidAtion und detnnftehtt in j«d«iii J«lire etat 
Ritaos aufaiifetellen. 

§ 73 > Das VermögeD der GeaelUcheft wird unter die 6e»elt$cb aller nadi Verbüttau 
ihrer GefrcbaftAanteile verteilt. Darcb den Geaellsebafto vertrag kann ein viderea V«r- 
biltDl» für die Veneilung be&Ummc werdeiD. 

§ 7i Die Verteilung darf nicht vor TU^udr oder StehereteLLaog der Seboiden 4m 
GeseJUtrhaU oud nicht vor ▲blaaf eines Jabre» seit dem Tage vorgenomiiie& werdea« an 
«elcbem die Aufforderung an die GlaubiRer (§ 66 Abaata S) in den öfifentliobeii BilUera 
?.am dritten Male erfolgt bt. 

Nicht erhobeno Schul dbeträgei »owie die Beträge für betagte, •ehwabeade oder atreltige 
Vorbindlicfakeite» sind tu hintcrleKeu. 

Liquidatoreu, welche dieten Voracbrifteu auwiderhaodeln. sind aum Eraatae ämr rtt- 
toilteu Bellige »olidari^ch verpflichtet Auf deu Ersataauäpruch fladen die BeetinuBoagan 
im % 44 Ab»at8 3 und 4 efitaprecbeode Anwendußg. 

§ 76. Nach Beendigung der Liquidatiou »ind die Bücher und Sehriftea der Geaalt 
acbafc für die Dauer von sehn Jahren eitiem der Qe»elLichenEer oder eiueia Dritten in 
Verwahrung au gebau. Der Geaeibchafiter oder der Dritte wird in Ermangelung einer 
Besümmuüg deb Geselbchiftsvertrages oder eine» Be»ohlu&sea der Ge»ellftchaner durch 
daa Gericht (§ 7 Absatz l) heetimmt, 

Dia Geselbchafter und deren Bechtänaohfotger sind aur Einsteht der Bbcber and 
Schriften berecluigt. Gläubiger der Gesellschaft können von dem Gerieht (| 7 Abaatt t^ 
aar Eioaicbt ermächtigt werden. 

fisehiter Abaebiütt. 
ScfalurftbeitimmungeD. 

§ 76. Die iu dieiem Geaetae vorge^briebenen Anmeldungen sam H^odeUregtateir 
sind durch ^»amtliche GeachifLsfÜhrcr oder »amtliche Liquidatoren persönlich au bewirken 
oder in beglaubigter Form eiuiitreichen. 

Die in §§ 39, 41« § 48 Ab»ata 4. § 55, § 5a Abb«U 1 und Abiatz 3 Nr. S. | 59 
Abi»Hta 1 Nr. 3, §§65, 67, § 6g Absata X vorge^tchriebeneu Atim4»lduugen ond Ei«- 
roichungen miiflüen auch au dem Haudelüregi^ter einer jeden Zweiguiederleaaung erfolgen. 

Für den Eintritt der in ^ 11, 40, § 55 Absata 3, § 69 vorgesehenen Wirkttogeo 
enUcheidet die Eintragung in daa Hafkdebregister der Hauptniederla^^sung. 

§ 77. Die Geschaftaführer uod die Liquidaloren »ind vou dem Gericht (§ 7 Aba»la 1« 
^ n) zur Bewirkuiig der in §§ 12, 39, 41, § 4^ Ab»ats 4, |$ 66* 67« % 68 AbaaiUi t, 
^ 76 AbaAta 3 vorgeachriebenen Anmelduiigen und Eiureichuagea durch OrdonafeatnleB 
anzuhalten. 

Bück&ichttich des Verfahrens sind die Vorschriften mafsgebend, welche aar 
gung der im Handel sgeaetabueh angeordneten Anmeldungen aato HandelaregisCer 

§ 76. Wird eine Aktiengesell-^chaft aucn Zweck der Umwandlung in eine Geaellaebalt 
mit be!»chr£okter Haltung aufgelöit^ so kann die Liquidation der«elben unterbleiben, wenn 
hin^iciitlich der Errichtung der neuen Gesellachaft den uach^tebendan Beacimmungen gc» 
nügt wird. 

Das Stammkapital dar neuen Gesellschaft darf nicht gerittger aein mb die 0raiid- 
kapitel der auf gelobten GeiellftchaH 

Den Akttonäreo iat durch öffentliche Bekanutniaohaog oder in soottt geeigneter Weis« 
Gelegenheit an geben, mit dem auf Ihre Aktion entfallenden Anteil an dem Vermöieen 
der aufgetöstea Geiell»cbart »ich bei der neuen Geaellacbaft lu beteiligen. Die Aktie« 
der sich beteiligenden Mitglieder inüaseD mindesteos drei Vierteile des GruudkApitals der 
aufgelösten Gesellscliaft darstellen. 

Der auf jede Aktie entfnl lande Anteil an dem Vermögen der anfgeldateu Oeaelleekaft 
wird auf Grund einer Bilanz berechnet, welche der Generalversammlung der Aktiooirt 
xnr Geoebmi^ng vorsulege» bt. Der Befehl uTs, durch welchen die Genehmigang erfolgt, 
bedarf einer Mehrheit von drei Vierteilen de^ in der General veraam ml ong vartretenes 
Grundkapitals. 

Die neue Gesellschaft mufs spktestena binnen einem MonAte nach Aaflfieang d«^ 
Aktiengeaellacbaft sur Eintraguug in da» Handel sragbter angemeldet werd«o. Die 



KitiiMiAldkmioinifelie Qeftig»lmiig. 251 

tnguig darf nnr erfolfoi, nadidem die Beobacbtang der Torstehenden Bestimmimgen 
Mckgewieeen ist. 

{ 7f. In dem Falle des § 78 |^bt das VermSgen der anffrelösten Oesellsehaft ein- 
adBtlslieh ihrer Sebolden mit der Eintragung der nenen Oesellscliaft in das Handels- 
ngnler amf dieee von Beebta wegen Aber. 

Jeder Aktionär, welcher bei der nenen Gesellschaft sich nicht beteiligt bat, kann 
im dieser die Anssahlong eines seinem Anteil an dem VennSgen der aufgelösten Oesell- 
Mksft entsprechenden Betrages rerlangen. 

ünTeraflglieh nach der Eintragung der nenen Gesellschaft in das Handelsregister sind 
4s Olinbiger der aufgelösten Gesellschaft nach MaTsgabe der Bestimmungen des Artikels SiS 
dsi Handelsgeeetibaclu dureh die Gtosohftftsftihrer der neuen Gesellschaft anfsufordern, 
fleh bei dieser sn melden. Die Glftnbiger, welche sich melden und der Umwandlung 
sieht swtimmen, sind sn befriedigen oder siehersustellen. Die Geschfiftsf&hrer sind den 
GÜabigeni der aoiiKelösten Gesellschaft persönlich und solidarisch fthr die Beobachtung 
Vonehriftea Terantwortlich. 
§ 80. Mit Gefingnis bis so einem Jalire und sugleich mit Geldstrafe bis su fQnf- 
Mark werden bestraft: 
1. GesehiftsflUirer und Mitglieder einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung, welche 
bebols Eintragung des GescllseliaftsTertrages in das Handelsregister, sowie Geschäfts- 
Ahrer, welche behufs Eintragung einer Erhöhung des Stammkapitals in das Handels- 
ngister dem Gerieht {% 7 AbsaU 1) hinsichtlich der Biusahlnngen auf die Stamm- 
einlagen wissentlich iklscbe Angaben machen; 
S. Gesehäftsflihrer einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung, welche, um die Ein- 
tragmsg einer Herabsetsnng des Stammkapitals in das Handelsregister su erwirken, 
dem Gericht (§ 7 Absati 1) hinsichtlich der Befriedigung oder Sicherstellung der 
Gläabiger wissentlich eine unwahre Versicherung abgeben; 
3. Gesehäftsflihrer, Liquidatoren, sowie Mitglieder eines Aufsichtsrats oder ähnlichen 
Orgnas einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung, welche in einer öffentlichen 
Mitteilung die Vermögenslage der Gesellschaft wissentlich unwahr darstellen oder 
wsohleiem. 

Soglekh iLann aaf Verlust der bfirgerlichen Ehrenrechte erkannt werden. 

Bind mildernde Umstände vorhanden, so tritt aasschliefälicb die Geldstrafe ein. 

§ 81. Die Strafrorsehriften der §§ 209 bis 211 der Konkursordnung finden gegen 

die O e ec h äftsfl ihrer dner Gesellschaft mit beschränkter Haftung, welolie ihre Zahlungen 

eingestellt liat oder Aber deren Vermögen das Konkursverfahren eröffnet worden ist, 

Anwendung, wenn sie in dieser Eigenschaft die mit Strafe bedrohten Handlungen begangen 



§ 82. Die Geschäftsführer oder Liquidatoren einer Gesellschaft mit beschränkter 
Haftang werden mit Geßngnis bis su drei Monaten und sugleich mit Geldstrafe bis su 
■laniend Mark bestraft, wenn entgegen den Vorschriften im § 64, § 72 Absatz 1 der 
▲atrag aaf Eröffnung des Konkursverfahrens unterlassen ist 

Sind mildernde Umstände vorhanden, so tritt ausschliefslicb die Geldstrafe ein. 

Straflos bleibt derjenige, besflglich dessen festgestellt wird, dafs der Antrag auf 
EröAiuDg des Konkursverlkhrens ohne sein Verschulden unterblieben ist. 



252 



KMSoDAtökoniiiDischi Gesetsgebtsog« 



Die Altersyersicherung für Arbeiter in Frankreich. 



Von üodri Liest«. 



Mao beiobäftigt sich seit einifJC^Q Jahren in Frankreioh wie in riel^o 
anderen Landern viel mit der Frage^ wie tnan den Arbeitern für di« 
T&ge des AltHrA die Mittel des Unterhalte sichern könne. 8eit Unger 
Zeit ühng^ns sind solche Bestrebungen hervorgetreten. Doch hat der 
Tom Sozialismus gegebene Anstof», dm Streben der Kandidaten iür die 
Volksvertretung, sich Anhang im Volke 211 verschaffen, diese Frage jetzt 
SU einer brennenden gemacht. 

Zahlreiche Oesetzesvorschfäge aind, wie wir weiter unten tehen 
werden, in dieser seh wi erigen Frage gemacht worden. Bevor wir jedofh 
in eine Prüfung derselben eintruten« diirfte ee jedoch ewerkmäfAiK »ein, der 
früher in Frankreich nach dieser Eicbtung hin getn achten Bohritte Er- 
wähnung zu thun. 

Gesetz vom 18. und 2 5. Juni 1850. Dieses Oesets iti das 
erste liber die Alters versieh er uug oder Altersleibrentcn fiir Arbeiter 
Die Kasse stand unter Garantie df's Staates. Der Beitritt stand frei. 
Die Beiträge mulaten mindestens 5 Pres, oder ein Vielfaches davon ha- 
trßgen. Zur Ansammlung kUnncrer Beitrage auf die Höhe von 5 Frca._ 
dienten besondere vermittelnde Kassen. 

Die Tarilsätze waren nach folgenden Grundsätzen festgesetzt; 

1) wurden füi jode Einlige 5 Pro«. Zinsen berechnet; 

2) richtete man sich nach der Sterbewahrscheinlichkeit des Beitritt«*" 
alters und nach dem Alter, in welchem der Bezug der Rente begann, 
unter Zugrundr legung der bekannten Tafel von Deparcieux; 

3) trug man auch der KückTergiitung der eingezahlten Bumme itn 
Falle des Vorableben s Rechnung, falls der Verdcherte beim Eintritt dieee 
Bedingung gestellt hatte. 

Einzahlungen konnten für Personen im Alter von mehr als 3 Jahren 
erfolgen. Die Höhe der Rente für ein Mitglied war auf den Höohstbetraf; 
von 600 Frc8. bescIiränkL Die Rente war un'dbertragbar und konnte bis 
zur Rohe von 360 Frcs. nicht gepfändet werden. Die Rentenbeträge 
wurden vierteljährlich bezahlt Der Bezug der Rente begann nach W| 
der Versicherten zwischen dem 50. und 60. Lebensjahre. 



NalioiuaSkonomiscb« Oeaettfrelraog. 253 

Die YerwAllimg der Kasse wer der allgemeineQ Staatsdepositenkasse 
Ibsrtragen. Die Bedingongen, unter denen der Staat die Gesoliäfte führte, 
vtm sehr vorsorglieh getroffen. 

Der Artikel 12 des Gesetzes Tom 18. Jani 1850 giebt kurs die 
Qrandfüge dieser Verwaltung an, welche sugleich in sehr geschickter 
Weise die Amortisation der Staatsrente ermöglichte. 
Das Yerfiüiren war folgendes. 

Für die Binsahlungen der Deponenten kaufte man für Namen und 
Seehnung der Kasse Staatsrenten. Es ist klar» daüb man einen solchen 
ftententjpus wählte, welcher die meisten Zinsen brachte und unter Pari 
lUod. Waren die Beuten berechnet, so wurden sie in das grofse Staats- 
leholdbuch unter die dette viagire eingetragen. Diese Eintragung erfolgte 
alle 6 Monate für die während des Halbjahrs angelegten Renten auf den 
Naaen der Versicherten. Durch eine einfache Umschreibung wurde ein 
iof den Namen der Bentenkasse geschriebener Bentenbetrag auf den 
Nimen der Amortisationskasse ftbertragen. Dieser Bentenbetrag war so be- 
BSBsen, dsXs er nach dem mittleren Kurse der im letzten Vierteljahr be- 
werkstelligten Ankäufe ein der einsutragenden Leibrente gleiches Kapital 
faringwi mnfste. 

Et war dies eine Umwandlung ewiger Benten in Leibrenten, die 
fsn seibat eine Amortisation der Staatsrenten zur Folge hatte. Wenn 
den Turifen eine zutreffende Berechnung zu Grunde gelegen hätte, so 
bitte die Verwaltung der Altersrentenkasse dem Staate nichts als die 
thatsäehlichen Kosten der Amortisation gekostet. 

Dieses Gesetz nützte jedoch den Arbeitern, für die es eigentlich ge- 
aseht worden war, nicht so viel, wie man hätte erwarten sollen, sondern 
Bshr den Handwerkern, wohlhabenden Beamten, überhaupt allen besser 
Gestellten, bei denen der Hang zur Sparsamkeit schon ausgebildet ist. 
Selbst rermdgende Leute bedienten sich der Kasse, um ihr Einkommen zu 
erhöhen, indem sie die ganze Prämie in einer einmaligen Einlage zahlten 
and sidi so (ein Jahr Tor Eintritt in das zum Bezug der Beute be- 
leehtigte Alter) eine Torteilhafte Beute erwarben, die zu ihrem übrigen 
Einkommen noch hinzutrat. 

Das war nicht die Absicht, in welcher die Gesetzgeber Ton 1 850 die 
Rentenkasse geschaffen hatten. Man bemerkte denu auch schon im ersten 
Jahre dee Bestehens der Blasse, dafs das Gesetz nicht den daran ge- 
knüpften Erwartungen entsprach« 

Diese Erfahrung führte zu dem Gesetz vom 28. Mai 1858, welches 
die eben erwähnte Spekulation yerhindem sollte und bestimmte, dafs die 
jibziiehen Einzahlungen die Summe tou 2000 Frcs. nicht übersteigen 
durften. 

Ein anderes Gesetz, das Tom 4. Juni 1864, erhöhte den Betrag der 
Leibrente, welcher durch das Gesetz vom Juni 1850 auf einen Höchst- 
betng Ton 600 Frcs. festgesetzt worden war, auf 1500 Frcs. 

Diese Erhöhung hatte ihren Grund darin, dafs man die Alters- 
▼enichemng für die Arbeiter auch auf die Beamten ausdehnen wollte. 
Aofterdem erieichterte man so auch den groben industriellen Unter- 



254 



NfttioiiftlSkonomische OAaetsgabaDg. 



oehmuDgen und den Eisen bahn gesell sohaften das Anlegen von Renten f^ 
ihre Arbeiter und Beamten. 

Man kann Bogar sagen , dafa diese Gesell schaften die meinten Ein- 
sahlungen in die Altersrentenkasse gemacht haben. Die vorgenommeneiij 
Enqueten zeif^en, daXs Ton 185 1 bis 1881^ aUo in 30 Jahren, nur 225 OOQ 
Einzahlungen direkt gemaclit, dagegen beinahe 8 MiUioaen dorch Y« 
mittelung (von wechselseitigen HiifäTereinen, Geflellachaftan und Qeoossen** 
schalten) bewerkstelligt wurden* Der Betrag der direkt efngesahlten 
Summen war nichtadestoweniger höher als derjenige der indirekteD Ein- 
lagen« Die ersteren nämlioh betrugen 268 Mill*, während die letzteren 
nur die Summe Ton ungefähr 150 AJilL erreichten. Daraus ist leicht £u 
ersehen^ dafs die direkten Einlagen von den kleinen Kapitalisten bewerk- 
stelligt wurden, welche relativ grofse Summen einzahlten» während diifl 
indirekteD Einlagen geringfügige Lohn- oder GehaltsabsUge waren^ di^l 
durch die Arbeitgeber in die Kasse eingezahlt wurden. 

Jedenfalls aber war die Folge dieser Erhöhung der Rente auf 
1500 Fres. eine TerhältnismäFsig sehr starke Zunahme der Operationen 
der Eentenkasse. 

Der Satz der Kapitalisierung war durch das Gesetz vom Jani 18S0 
auf 5 Pros, festgesetzt worden , ein sehr hober Satz , der für den Staat 
Verluste bei der Verwaltung der Kasse herbeiführte. 

Eine andere Ursache von Verlusten kam 2U der eben genanntalfl 
noch hinzu. Die Tafel Deparcieux's, welche den Berechnungen als Grund^' 
läge diente, war voller Dehler. Als man später die Kasse unter dem 
Namen Caisse Nationale des Eetiaites reorganisierte, legte man. wie wir 
weiter unten sehen werden , eine neue Tafel an. Eine Beform war also 
geboten. Sie wurde durch das Gesetz vom 20* Juli 1886 vorgenommen. 



Gesetz Tom 20. Juli 1886. ^ 

Dieses Gesetz ermäfsigte nicht blofs den zu hohen Satz der Kapitali- 
si<:ining und änderte nicht nur die Tafel Deparoieux's, welche grobe Fehler 
enthielt. Das waren mehr Aenderungen der inneren Organisation and 
Verwaltung. Das Gesetz vom Jahre 1886 änderte auch die Natur der 
Kasse voUstandig, indem es dieselbe zu einer Staatskasse machte. Durch 
das Gesetz van 1850 war die Kasse mit Absicht so organisiert worden, 
dafs damit nicht ein wichtiges Staatsinstitut geschaffen wurde; man 
wollte die Gründung von Alterarentenkaseen mehr der privaten Initiative 
überlassen , Altersrentenkassen zu gründeo , was übrigens einige Ter* 
fiiohcrungegesellschaften auch mit grofsem Erfolge gethan haben. 

Der Einflnfs des Staatssozial ismus, welcher sich in den Jahren vorher 
im Parlament bemerklich macht, hat viel dazu beigetragen, sozialiatitohie 
Ideen in das Gesetz von 1886 hineinzubriugen. 

Die Kasse erhielt eine eigene Dotation. Der Satz der Kapital! salion 
wurde auf 4 Proz. herabgesetzt und der Uöchstbetrag der Beute auf 
1200 Frcs. beschränkt. 

Hinsichtlich der Einzahlungen wurdeo grofse Erleichterungen gewährt. 
Diejenigen, welche mehr als 16 Jahre alt sind, und die verheirateten 



VatioiiBldkoBOiiiMi« O^settfebniig. 256 

fnoM können Sinsahlnngen ohne den Nachweis der AatoriBation macheD. 
0er aiedrigite Beirag der EiniahJuDg ist 1 f re. 

Die Biniahlnngen können hei den Oeneraleinnehmem, hei den Nehen- 
imd Untereinnehmern und hei den Postämtern gemacht werden. Doch 
htlMn diese Brieichterungen die Zahl der direkten Deponenten und die 
Simmie ihrer Einzahlungen nicht so vermehrt, wie man hätte erwarten 
MÜen, wodnroh bewiesen wird, dafs die Vorsorge für die Zukunft in den 
irbeitenden Klassen sich nicht sehr gehoben hat. Indessen mufs ihan, 
■m eine mtreffende Antwort auf diese Frage zu geben, auch die £in- 
lahhmgen in die Sparkassen und die Anlage kleinerer Vermögen in 
OUigationen der Stadt Paris, der Eisenbahnen u. s. w. mit berücksichtigen. 

Seit 18B6 sind die Ausgaben im Verhältnis zu den Einnahmen immer 
lehr hoch gewesen, denn die Zahl der auszuzahlenden Beuten hat eine 
beständige Zunahme er&hren. Aufserdem war auch der Kapitalisations- 
nlz Ton 4 Proz. noch zu hoch. Man hat denn auoh die darin liegende 
Gefahr erkannt und ihn auf 8 ^/^ Proz. erniedrigt. 

Eine Beform, die wirklich Früchte getragen hat, war diejenige der 
Bereehnongstafel. 

Die neue Tafel wurde 1880 begonnen und 1886 abgeschlossen. Sie 
vnide naoh Beobachtungen an mehr als 287 000 Personen aufgestellt. 
Ss wird behauptet, — wir möchten dem jedoch nicht durchaus bei- 
stimmen — dafs sie die umfassendsten Erfahrungen wiedergiebt, die 
tberbaapt hinsichtlich der Gesetze der Sterblichkeit gemacht worden sind. 
Li Oebraadi ist sie seit dem 1. Januar 1888. Diese neue Tafel 
wsieht besonders darin von der früheren ,^ derjenigen Deparcieux's ab, 
dafii die Mortalität nach ihr bedeutend niedriger ist als nach der alten 
TtfaL 

Leon Say hat bei einem Vergleich gefunden, dafs die Besultate der 
neuen Tafel denjenigen der 1869 für die englischen Versicherungsgesell- 
sdiaften aufgestellten Tafel sehr nahe kommen. 

Wir haben uns hier weder auf die Einzelheiten der Thätigkeit der 
Ousee Nationale des Betraites noch auch auf eine ausführliche Statistik 
sinzulassen und beschränken uns auf die Angabe Zahlen zu geben, welche 
sieh auf die Tbätigkeit der Kasse im Jahre 1892 beziehen. 

Die Zahl der Einzahlungen (nach dem kürzlich im Journal officiell 
▼eröffentliohten Berieht) betrug 872 591, gegen 1891 82 080 mehr. 

Der Betrag der Einzahlungen in Francs ergab für 1892 82 799 984 Frcs., 
gegen 1891 1 481 414 Frcs. weniger. Die Zahl der Kollektiveinzahlungen 
Termehrte sich um 84 064 und der Betrag solcher Einzahlungen um 
277 857 Frcs. Es hat dies seine Ursache darin, dafs sich, wie Yorher 
schon, die grofsen Gesellschaften der Eisenbahnen, der Bergwerke, der 
Industrie etc. der Kasse zur Versicherung ihrer Beamten und Arbeiter 
bedieBen. 

So finden ee die Eisenbahngesellschaften Nord, Orions, Ouest, Est- 
Algtfrien, die Oompagnie des Mines d'Auzin, die Omnibasgesellschaft in 
Fluia Torleilhafty sich der Geisse Nationale des Betraites zur Vermitte- 
faukf so bedienen. 



256 



NAtiaDftlokooomiieb« G«s«tsgebitag« 



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Die Abnabme fällt daher auf die Einzeleinzahloiigent die der Zahl 
nach um 1984, dem Betrage nach am 1 7ö9 252 Fros. JHUÜckgegaDgeo tind* 

Dieser Kückgaog ist hauptaächliob der ReduktioD des Ziuafiifftei auf 
d^/, Proz. zuzttflohreiben* 

Es iit offenbar, dafe eine Staatskasse nur dano ohne »chwere Be- 
lastung des Budgets zu existieren vermag, veon sie auf die Aenderungeu 
des Zinefufaea^ der beute die Tendenz hat, immer mehr zu tinken, g€* 
QÜgende Rücksicht nimmt. 

Die ,,Caisa6 Nationale des Betrattes" würde dieselben Bedingungen 
haben müssen wie die PrivatgeBellsohtiften » wenn ihr nicht Tom Staat« 
Dotationen oder Subventionen zufliefseo würden. Es ist suiagebetii 
dafs in Frankreich die Gesellschaften , welche Alt«» raren tenkasaen er* 
richtet haben, dent Publikum zahlreiche Ycrteile bieten aod ihre Ter- 
waltung weniger unter Formalitäten leidet. 

Einige Arbeitgeber und mehrere Industrie- und Handeligeaellachafteo 
bedienen sich wie der gröfste Teil der Eisen bahn gesell schaf tan der Gaiaae 
Nationale. 

Ton solchen UntemehmuDgen der privaten Initiative sei die dm 
Bon March^ (magasin de nouveantes) erwähnt. Die ,,Compagnie d^Aasurauce 
g^u^rale'^ welche selbst eine Eenteukasse f&r das Publikum hat, bat eban- 
fall» eine besondere Eaase mit sehr bemerkenswerter Einrichtung 
ihre Beamten und Kommis. 

Leider werden die von den Arbeitgebern eingerichteten Kassen ni 
alle mit demselben Geschick verwaltet wie die eben genannte. Zuweilen 
ist es vorgekommen, dals bei Falüssementn die für die Altersrenten- 
küssen aufgesammelten Fonds mit dem Vermögen des Arbeitgebers zuaammeo- 
geworfen worden und in ,dem Zusammenbruch de« Unternehmena mit ver- 
loren gingen. Da die Fonds dieser Kassen im allgemeinen aui zwei 
Quellen herrühren , 1) den Ab^^ügen von den Lobuin der Arbeiter bezw. 
Kommis, 2) den Beiträgen und Dotationen der Arbeitgeberi so vr&ren in 
solchem Falle die Arbeiter um einen Teil ihres Lohnen gebracht 

Zur Verhütung darartiger Fälle ist der Vorschlag gemacht worden» 
dem Arbeiter» welchem der Arbeitgeber eine Altersrente augelegt hat, ein 
Vorrecht auf das Vermögen dea Arbeitgebers vor den übrigen Gläubigem 
zu geben. Ein Vorschlag, der der Gerechtigkeit entspricht 

Aufserdem wollte man, dals die Summen, weiche für Pensionen und 
Renten aus Lohnen und Beitragen der Arbeiter gesammelt werden, in 
die staatlichen Kasten (Alterarentenkaase oder Staatsdepositenkaflae) aiii^ 
gezahlt werden sollten. H 

Doch sind diese Vorschläge, wie wir weiter unten leken werdoii, 
weit überholt durch diejenigen , welche die Zwangsveriichemng ala das 
Beate anpreisen. 

Die liberalen Nationalökooomen, welche jedem Zwange abgeneigt 
uod der Ansicht sind , dafs jede V^ersicherung, um gute Erfolge zu er- 
zielen, möglichst freiwillig sein muTs, würden es lieber sehen, wenn 
•ich im Anschlüsse an die gewerblichen Syndikate solche Kassen bildeten^ 
die von Arbeitern und Arbeitgebern verwaltet würden. Damit aich die 




^ NatioiulfikoDOiiiiseh« OeMtigebaog. 257 

Ternohemng «of einen weiteren Kreii entieeken könnte, rnftfaien diese 
Kitten regionnle eein. 

Bin Beispiel dnf&r bietet die Onitte Centrale de Seeoart 
•t de Pr^Toynnoe für die Bergarbeiter des Loire-Beokent, der fttt 
aQe Kohlengnibengeeelltebaften dietet Beokens angehören. 

Diese Kasse ist sn gleicher Zeit 1) gegenseitige Hilftkatte für Krank- 
ksiten, 2) Kasse für Unfälle, 8) Kasse für Altersyersichernng. 

Die Kommission für die Direktion und Verwaltung besteht ans 
16 Mitgliedern , Ton denen 6 durch die Arbeitgeber aus der Zahl der 
Arbeitgeber, 9 durch die Arbeiter gewählt werden. 

Man hat hier eine lehrreiche Erfahrung dafür, dafs es wohl möglich 
iit, den Arbeiter an Selfguyerament su gewöhnen. 

Zu erwähnen ist noch, dafs die wechselseitigen Hilfsyereine, be- 
sonders diejenigen der kleinindustriellen Arbeiter, für ihre Mitglieder eben- 
fidls Altersrenten anlegen und die Fonds der Caisse Nationale des Betraites 
ftbergeben. Allem Anschein nach wird sich der ZufluTs von Fonds von 
dieser Seite noch sehr steigern und zu einer drückenden Last für den 
Staat weiden. Besser wäre es, wenn private freie regionale Kassen Ton 
den Arbeitern der gleichen Industrie oder ähnlicher Industrien gegründet 
würden. 

Nur beilänftg wollen wir die seit einigen Jahren erfolgte Gründung von 
BentenTersioherungsgesellschaften auf Gegenseitigkeit erwähnen, die ihre 
Thitifkeit mit allzu grofsem Optimismus begonnen und durch fslsche 
Bereehnangen sich selbst getäuscht haben. 

Berühmte Mathematiker und Nationalökonomen haben an den Hjpo- 
thesen dieser Gesellschaft Kritik geübt, deren Zweck zwar ein edler war 
imd die von den besten Absichten beseelt waren, die aber ins Allgemeine 
gehende Träumereien für Wirklichkeit nahmen. Sicherlich werden sie 
einige gute Folgen haben, und die ersten Mitglieder werden unbestreit- 
bare Vorteile davon haben, aber die später Beitretenden werden nur ge- 
ringen Nutzen von ihren Ersparnissen ziehen. 

JedenCslls aber beweist der grofse Zulauf, welchen diese Gesellschaften 
gefunden haben, dafs die private Initiative und die Neigung zu frei- 
willigem Handeln in den Arbeiter- und Mittelklassen nicht fehlen. Einige 
Jahre Zeit und ein wenig wirtschaftliche Erziehung werden zur Organi- 
sation derartiger Arbeiterkassen genügen. 

Aber man erwartet nichts von der Zeit und dem Fortschritt der Ideen. 

Viele Deputierte (und viele thnn dies aus Reklame) möchten gern 
allen Bürgern Altersrenten geben und machen den Vorschlag, Arbeit- 
geber und Arbeiter zur Beitragsleistung für solche Altersrenten zu 
zwingen. 

Wir wollen hier diese Gesetzesvorschläge nicht im Einzelnen durch- 
gehen. 

Es wird genügen, den allgemeinen Plan der wichtigsten unter ihnen 
vorzuführen. 

Die Urheber dieser Projekte weisen darauf hin, dafs die wechsel- 

Mnt P«lc« BS. VII (LXio. 17 



258 



29atioiiftJökoDomiaclie Geaetsgtbmig, 



settigeo Hilfavt^reine toh 12 MillioDen Arbeitern nur ungefähr 1 2S2 000^ 
also Dur wenig mehr als ein Zehntel zu ihren Mitgliedern xllhlen, dafi 
aufaerdem die Altersrenten in denaelben sich, na; io kleiner Zahl, Däm- 
lich 2u 2 Pros, der Mitglieder Enden, was durch die Statistik vom 
31. Oktober 18d0 dargethan ist Es giebt unter ihnen nur 27 787 Pensionäre. 

Seit 1890 »ind nicht weniger als 10 GesetzesTorsobläge in dieser 
Frage gemacht worden* 

Der bekanoteste von allen dieien Yomchlägen ist der von Constani, 
der im Juni 1891 im Namen der Regierung yorgelegt wurde. 

Viele wesentliche Zage hatte dieser Entwurf den früheren Vorschlagen, 
namentlich dem Vorschlage NameUs entlehnt. 

Er bezieht aieh auf frauzöflische Arbeiteri die nicht mehr als 3000 Frei. 
jährliches Einkommen haben. Das Gesetz übt keinen eigentlichen Zwang 
aus, ea prägumiert aber den Beilritt, d, h. der Arbeiter fällt von selbst 
unter das Gestttz, wenn er nicht ausdrücklich eine gegenteilige Erklärung 
abgiebt. Man äaoht uko die in der Natur des Arbeiters liegende Gleioh- 
giitigkeit zu seinem Vorteile zu wenden. Der Arbeitgeber soll nach 
diesem Projekt einen Betrag TOn 6 oder 10 Centimes yon dem Lohne 
seiner Arbeiter pro Arbeitstag zurückbehalten und selbst einen gleichen 
Beitrag zahlen. 

Der Staat würde eine Subvention im Betrage Ton zwei Drittel dt 
Einzahlungen des Arbeiters und Arbeitgebers gewähren und würde aufser 
dem ein Drittel der jährliohen Prämie übernehmen. Im Zeitpunkt de 
Liquidation mufs der Arbeiter^ welcher ein Qmttungabuch Über die 
Rente hat, nachweiseni da(s er nicht ein Einkommen über 600 Frei. 
bezieht. 

Das Zusammenwirken Ton Staat, Arbeitgeber und Arbeiter ist schon 
im Jahre 1879 von dem Depatierten Nadaud in Vorschlag gebracht worden. 

Auch unter den anderen Vorschlagen stützen sich viele auf das Zu- 
sammen wirkeu von Arbeiter, Arbeitgeber und Staat. So der von Laeote 
(Deputierter), welcher auf diu Kapitalisierung einer vom Staate zo gebenden 
jährlichen Zahlung von 75 MilL Frcs. während 2b Jahren und eine gleiche 
jährliche Zahlung hinauskommt, die von einer Hilfskasse, wdohe durch 
eine Jnoggesellensteuer ihre Nahrung erhalten sollte, zu leisten wäre» 

Der Urheber dieses Vorschlages beabsichtigt auiderdem die Grün- 
dung eines Invalidcnhauses in jedem Departement und eine« Hospitals 
in jedem Kanton für Invaliden der Arbeit, Es ist leicht zu erraten, 
dafs der Urheber dieses Vorschlages ein Mediziner ist. Man erkannte 
gleich, dafs der Vorsrhlag wenig praktisch i«it. 

Noch viel weiter geht der Vorschlag von Chassainge (Deputierter) 
£r will allen Franzosen beiderlei Geschlechts eine Rente geben. Diese 
Renten edlen im Betrage verschieden sein von 700 Frc«. für Paris bis 
zo SOü Fros. für die Gemeinden unter SOOU Einwohnern. 

Die Gelder sollten der Kasse aus Erbschaftssteuern zufliefseD, welche 
1 Proz. des Kapitals bei Vermögen von 10 000 Froe. und darunter, 20 Pios. 
für Vermögen von 50 000 bis 100 000 Frcs, und 75 Proz. für soIclia_ 
über 1 Mill. Frcs. betragen sollten. ^M 

Diese Vorschläge nehmen auf die individuelle Sparsamkeit also über- 
haupt keine Rücksicht. 



NationalSkoDomfeche Oesetigebmig. 259 

Paul GnieyMe (Deputierter) hat einen sehr eingehenden and sorg- 
naeB Bexieht fiber diese yerschiedenen Vorschläge geliefert. 

Die Kommission für die Arbeiterangelegenheiten (Commission da 
trsTail) der vorigen Kammer hat wohl das Zasammenwirken von Arbeiter, 
Arbeitgeber and Staat als Prinzip hingestellt, aber sie hat den Arbeit- 
geber der Yerpfliohtang enthoben, für den Arbeiter die Zahlung su leisten, 
(kUs dieser es selbst thun will und hat dem Arbeitgeber die Sorge für 
die Bewerkstelligung der Lohnabzüge abgenommen. 

Die Mitwirkung von Arbeitgeber und Staat war so gedacht, dafs 
eine Beisteuer Tom Arbeitgeber erhoben und vom Staat eine Subvention 
dasu gegeben werden sollte, ohne dafs jedoch ein bestimmtes Verhältnis 
iwischen diesen Subventionen und den von den Arbeitern gezahlten Be- 
tiigen obwalten sollte. 

Alle diese Vorschläge sind sehr lobenswert, bergen aber, selbst ab- 
geschwächt» eine grofse Gefahr in sieh, nämlich die, dafs in die Hände 
des Staates Summen gelegt werden, welche schliefslich sehr bedeutend 
werden müssen. Nach Ablauf einer gewissen Zeit würden sich die dem 
8taate anvertrauten Summen auf viele Milliarden beziffern. Nimmt man 
SB, dafs ein Drittel der Arbeiter, also etwa 6 Hill., jährlich einen 
dnrehschnittlichen Beitrag von 20 iSrcs. zahlt, so würde das aufgehäufte 
Kapital bald 20 Milliarden betragen. 

Was soll der Staat mit diesen Kapitalien anfangen? Wird er nicht 
in die Versuchung kommen, sie zu unnützen Arbeiten zu verwenden? 

Wird es für ihn nicht sehr schwierig sein, diese Fonds zu dem 
finsfuls von S^/^ Proz. anzulegen, welcher der ganzen Berechnung zu 
Grunde liegt ? Der ZinsAnfs sinkt von Tag zu Tage. Wenn er z. B. auf 
2 i/i Proz. angelangt ist, wird das ganze Gerüst der mühsam gewonnenen 
Berechnungen zusammenstürzen. 

Dahin gehen die Befürchtungen vieler denkender Männer, welche 
vissen, dafs bei dem Wachsen der Staatsaosgaben und der Schwierigkeit, 
neue Steuern aufzulegen, der Staat dazu neigen wird, diese Fonds zur 
Herstellung des Gleichgewichts in seinem Haashaltetat zu benützen. 

Welches Schicksal diese Vorschläge in der neuen Kammer haben 
werden, läfst sich nicht vorhersehen. Staatssozialisten sind sehr zahl- 
reioh darin, wenn sie auch nicht diesen Namen tragen. Nur wenige 
bsben Erfahrung in volks- und finanzwirtscbaftlichen Dingen. Wenn der 
FintDzminister, wer es auch immer sein mag, sich nicht vom Interesse 
für das allgemeine Wohl leiten läfst und nicht den Depatierten über die 
finsnriellen Konsequenzen dieses Altersyersicherungs-Gesetzes die Augen 
öffnet, so ist zu befürchten, dafs ein Gesetz von der Art zustande kommt, 
wie SS die Commission du travail der vorigen Kammer ausgearbeitet hat. 



17* 



260 



llS«tl0Q. 



Miszellen. 



IV. 
Ber deutsche Aurseiibaiidel seit iS85. 

Von M. Dieimaon- Cbemniu* 

In dem d«ut«cheD AufieDhaDdel hatte toq 1872 bu 1879 de 
der Einfuhr den der Ausfuhr regelmäfsig: um einen sehr bedeuten de a 
betrag überwogen, im Burchtohnitt des Geeamtverkehres ausflohliefAÜch 
der Edelmetalle um 1070 Millionen M, jährlich. 

Im Jahre 1880 trat nach wesentlioher Aenderung des fitatitUttche 
ErhebttngflTerfahrene ein plötzlicher Umschwung ein, der allerdingfl 
einem grofsen Teile durch nicht ein wurfB&aie Aenderung der Wertaohät«u 
begründet war, Yon 1880 bis 1887 wichen die berechneten Werte der" 
EiDfukr und der Auafuhx nur um yerhältni^mäfsig geringe Betrage von 
einander ab. 

Im Oktober 1888 erfolgte die Aufnalime von Hamburg und Breme 
in df^n Zoll verband dea Keiohea. An sehn liehe Warenvorräte wurden 
Niederlagen übemommeD und so ergab die Bilans des Jahres 1888^ 
gesehen von den Edelmetallen, im freien Verkehr oder, nach der neueren 
Bezeichnung, im Spesialhanclel, zwar nur einen Einfuhrüberschufs von 
85 MilHooen M., im Jahresaufsenhandel oder, nach der neueren Bezeich- 
nung, im Geeamteigenhandel dagegen einen solohen ron 201, bei Nieht- 
berück sich ti gang des YeredelungBTerkehres von 231 Millionen M. In den 
beiden folgenden Jahren stieg der Ein fuhr überBchufs des Spesialhandelf 
ansehnlich über 800 UilLionen M., erreichte 1891 994 und 1892 sogar 
1083 Millionen M. 

Aufserhalb der Fachkreise ist nur wenig bekannt , auf wie sweifeU 
hafter Grundlage die den auswärtigen Handel betreffenden Wertangaben 
wie fast in allen Ländern so auch bei uns beruhen. Die „amtlicheD^ 
Zahlen der Handel sstatistik werden von den Gebildeten unseres Volke 
in der Regel mit demselben absoluten Vertrauen aufgenommen wie ein« 
amtliohe Abrechnung über eine Kasaenverwaltung. Aber aueh d i e An«>~' 
sieht ist unter den Gebildeten weit verbreitet, dals eine „ungünsdge'' 
Handelsbilanz als ein nationales Unglück zu betrachten sei, und Vieles 
ist die Holle nooh in Erinnerung, welche der „ Milliarden verlust^^ in den 
handelspolittschen Kämpfen Eode der 70er Jahre gespielt hat. Soweit 



Mitiallen. 



261 



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262 



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dia BeobaohtuDg das Verf/s reiokt, yerbraitet tich die Kunde von <l«r 
neeenbaftea UnterbiUnz der leteten Jahre auffällig laugiam^ und wird 
in der Regel mit einem Gefühl aufgenommeni das iiob wohl als pein- 
liehee Erstaunen bezeiobnen läTfit. 

Aber auch die Fachkreise , in denen roilständige Klarheit Über den 
Vnteriohied zwiBchen Kandehbilanz und internationaler Zahlungsbilanz 
oder Wirtsohaftsbilaoz vorhanden iat, und in denen die Aufitellung der 
Bilanz durchaus niohi als Hauptzweck der Eandelsstatigtik betrachtet wird, 
übersehen die Vorgänge der letzten Jahre nicht mit voller Klarheit» und 
damit hängt es wohl auch zusammen ^ dafs die Tagespresso deuselben 
verhäitnismäfsig wenig Beachtung schenkt. 

Diese Vorgänge sind jedenfalls nicht durch Qrilnde einheitlicher Art 
bedingt. Einereeiis ist die Handelsbilanz unzweifelhaft beeiaÜoTtt durch 
erkennbare, aufgerhalb ihrer selbst liegende Aenderungeu in yerhältnissen^ 
welche auf die iDteroatiooale Zahlungsbilanz wirken. Aber diese Aende- 
rungeu ^ deren Wirkung sich allerdings zahlen mäft»ig nicht sicher feststellen 
läTst, genügen wohl sohwerlich zur Erklärung des Umschlages der Bilanz 
seit 1889, und es fragt sich nun, ob noch andere, nicht im Warenver- 
kehr selbst begründete Verhältnisse wirksam sind oder ob nur Fehler in 
der Ermittelung des Warenverkehres nach Mengen oder Werten vorliegen. 

In der Tabelle I sind zunächst die allgemeinen Verhältnisse des 
deutechen Aufsenhandels den Werten nach für die einzelnen Jahre leit 
ldS5 zur Darstellung gebracht- Das Jahr 1885 ist als Anfangejahr ge- 
wählt, teils weil in ihm^ bez. seinem Naoh folger die Handel sbewegnng 
Beutioblands ebenso wie die Englands , der Vereinigten Staaten etc. zu 
einem Tiefpunkt gesunken war, teils auch weil in ihm die deutschen ZöUe 
mehrfache Aenderungen erfahren haben und endlich auch weil in didsem 
Jahre die amtlichen handelflitatistisohen Verötfentliohungen umgestaltet 
worden find. 

Zur Erläuterung der Tabelle ist folgendes zu erwähnen. 

Von den Niederlagen*) gehen alljährlioh Waren in den 
Verkehr über, während neue Warenmengen aus dem Auslande eingehen. 
Die verbleibende Bi^Terenz ist unter der Einfuhr der Tabelle als Differenz 
auf Niederlagen aufgeführt. Sie liefert teils die „Ausfuhr von Nieder- 
lagen", teils dient sie zur Ansammlung von Vorräten. Aus der Tabelle 
läfst sich leicht berechnen , welche bedeutende Mengen seit dem ZoUan- 
schluTs von Hamburg uod Bremen für den letzteren Zweck Verwendung 
gefunden haben. Von 1B88 bis 1891 beträgt ihr Wert nicht weniger 
als 312,9 Millionen M. Darunter befinden sich u. a. 83 164,1 Tonnen 
Rohtabak. Wollte man deren Wert berechnen ^ ao würde man es wohl 
für selbstverständlich halten, dafs man den Einfuhrbetrag eines jeden 
Jahres mit dem geschätzten Wert der Mengeneinheit multiplizierte; man 
würde dann einen Gesamtwert von 128,0 MilL M. erhalten. Die Reichs* 
Statistik aber erhält 206,0 MilL M. Das macht sie in folgender Weise; 



Sstt d«m ZolUaschlufa ^sh^rsü nach die Preibesirke Bremeu aad Brake stt dev 
NiftdertAgsn, wodurch iich da» Vorkommen erheblicher Meogea sotlfreier Waren im Nieder* 
tagenverkehr erkllrt. 



Miizellan. 263 

Auf Niederlagen sind von 1888 bis 1891 an Bohtabak überhaupt 
angegangen 

276039,5 Tonnen im Werte von 450,15 Hill. M. 
In den freien Verkehr sind davon ausgegangeD 

117710,1 Tonnen im Werte von 195,31 Hill. M., 
sugefohri worden sind 

75 175,8 Tonnen im Werte von 48,84 üill. M. 
El rerbleiben demoaoh 

83 154,1 Tonnen im Werte von 306,oo Mill. Bf. 

Das Kanststück wurde dadurch fertig gebracht, dafs die Ansfiihr Ton 
Niederlagen mit gleichem Wertsatze für die Mengeneinheit bedacht wurde, 
wie die Ausfiahr aus dem freien Verkehr, und dieser Wertsatz ist für 
Rohtabak wesentlich niedriger als der für die Einfuhr ^). Auf logische 
Riehtigkeit hat dieses Verfahren keinen Ansprach; es ist daher duroh- 
SQS anzuerkennen, dafs dasselbe seit 1892 aufgegeben worden ist, iwenn 
auch das lange Beharren bei einer derartigen unrichtigen Auffassung nicht 
eignet ist, das Vertrauen zu unserer Handelsstatistik zu mehren. 

Die Methode, die auf Niederlagen eingegangenen Waren beim Aus- 
gang naoh verschiedenen Wertsätzen zu Terreohnen, je nachdem sie^^in 
den freien Verkehr eintreten oder ausgeführt werden, wird übrigens bis 
in die neneste Zeit mit nicht immer untweifelhafter Berechtigung für 
eine Anzahl Ton Waren festgehalten, sie ist aber seit 1892 doch wenig- 
itens auch für Petroleum, Branntwein in Fässern und Hefe aufgegeben 
▼erden. 

Jedenfalls ist hiemach die „Differenz auf Niederlagen*' ein recht 
xweifelhafter PostcD. 

Nicht recht verständlich ist der seit 1889 regelmäfsig auftretende 
Xiederlflgen verkehr von Edelmetallen. Im Jahre 1891 sind u. a. 12 606 OOOM. 
in gemünztem Qolde aus den Vereinigten Staaten auf Niederlagen einge- 
gangen, die bis Ende 1892 noch nicht wieder ausgegangen sind, und^ eine 
Btok, welche die Millionen aufgenommen haben könnte, befindet sich 
doch wohl nicht in den Freibezirken. 

Die Durchfuhr wird seit 1891 nur noch den Mengen nach, nicht 
aber den Werten nach aufgeführt, namentlich weil für sie „vielfach nur all- 
gemeine Warenbenennungen in Anwendung kommen, die für die Vor- 
nahme einer Wertberechnung nur eine wenig oder gar nicht geeignete 
Onmdlage abgeben." Das ist insofern bedauerlich, als dadurch der Ver- 
gleich der deutschen Handelsstatistik mit der des Auslandes wesentlich 
eriohwert wird. Es darf übrigens nicht übersehen werden, dafs eine ganz 
genaue Abscheidung der Durchfuhr von dem Eigenhandel nicht möglich 



1) Für die Tonne bei der Einfahr 








1888 


1889 


1890 


1891 


1500 
bei der Ausfuhr 900 


1700 
650 


1750 
650 


1630 
610 



264 



M is le I i en. 



ist, bei den zoLlfreieß nicht tod dem freien Verkehr, hei de& zollpflieh- 
tigen wenigBteDs nicht roo dem GeBamteigeDhftndt'l *). 

Eine EigenlümUchkeit der HeiohsBtatistik besteht dario, daTi lie deo 
BegriÖ' „K d e 1 m e t a 1 1 e*' an Yerschiedeoen SteUeo id Teraohiedeoem Sinne ^ 
gehraucht. Die in der KaDdehBtatialik überhaupt Tiel Terbreitete Sitte. fl 
den Edelmetalieu eine besondere Stellung einzuräumen^ beruht jedfofalli 
auf dem Geduckeni dafs Gold und Silber zur Ausgleichung der Hnndels- 
bilanz dienen. Mag man auch namentlich mit Rücksicht auf die um- fl 
fassende gewerbliche Varwenduag der beiden Metalle und die Stellang V 
des Silbers im deutschen Währungssjrstcine die allgemeine Richtigkeit dieser 
Annahme bezweifeln, so ist doch der Reiobsstatistik kein Vorwurf danins 
2u machen, wenn sie der alten Sitte und den Beschlüssen des sUUstiBohea 
Kongresses folgend bis eiDachUefsHch 1B90 Gold und Silbtr gemünzt, roh 
und in Barren, sowie unvollständig deklariert in den austuhrllchen Aus« 
weisen über den Warenverkehr als Edelmetalle ausschied; bis zum l. JuU 
188B rechnete sie auch Bruchgold und Bruchsilber ein. Diese Auffa^iong 
des Begriffes Edelmetalle ist in den Zusammenstellungen der Tabelle lu 
Grunde gelegt worden, 

Id dem ,, Statistischen Jahrbuche'' und seit 1891 auch in den ausfuhr* 
liehen Ausweisen ist jedoch der BegrifiP Edelmetalle noch dahin erweitert^ 
dafs er auXser dtm oben genannten Gold und Silber noch Fagament 
(dieser altertümliche Ausdruck bezeichnet aus Bruchgold und Bruchsilber 
zusammengeschmolzene Barren j^ seit dem L Jul] 188S mit EinschluTa von 
Bruchgold und Bruchsilber, weiter Abfälle von der Gold- und Silberrer- 
arbeituDg und ,, vorstehend nicht genannte edle Metalle, roh, in Barren 
oder Bruch'' un>fafst. Warum diese doppelte Unterscheidung gemacht 
wird, ist UD verständlich ; mit der iDternationalen Bilanz haben Platin, 
Iridium etc. doch keinesfalls etwas zu thun und für das Material der 
Af£nieran stalten ist der Zusammenhang mit dieser Bilanz doch mindeateot 
recht zweifelhaft. 

Fragt man nun, wie das Kais, statistische' Amt selbst den seit 18S9 
eingetretenen Omaohwung unserer Handelsbilanz erklärt, bo dndet man 
in der ^,S^tistik des Deutschen Reichs" im wesentlichen folgende Ant- 
worten. Im Jahre 1889 wird »,zur richtigen Würdigung der Zahlen*' 
darauf hingewiesen, dafs infolge des Zollan Schlusses der früheren Aut* 
Bchlttsse die Warenmengen^ welche früher aus dem Zollgebiete nach diesen 
Ausschlüssen zu deren Verbrauch ausgeführt wurden , nicht mehr nach* 
gewiesen werden und die jetzt mit zu verrechnenden Waren » welche in 
den früheren Ausschlüssen erzeugt und von da nach fremden Ländern 
ausgeführt werden, den obigen Ausfall voraus sichtlich bei weitem nicht 
ausgleichen. 

Andererseits sei die Einfuhr in den freien Verkehr durch den Hinzu- 
tritt einer so hervorragend kaufkräftigen Bevölkerung wie die Hamburgs 
und Bremens gehoben worden, wie auch die Erstreckung der statistischen 

l) Betspie IftWfllsB soUin nach der RftichsstatitClk von 188G bU 1891 11 4tl Toanen 
roh«r Kmfftte tm Ofiiimtoigenhftnd«! nach Rarslftod gesendet worden sein« Lübeck allein 
hat difpegen in dieser Zeit mllein nach Fiontatid 15 954 Toaoea gesendet aod iwar^ nach 
gef. Mitteilung der dortigen UaDdelsk&miner, fast atisschlief^tkh in eigenem Handel, 



M i s z e 1 1 a n. 265 

Kichwdse auf die als Simpelartikel dieser StSdte in grofsen Mengen zur 
Siofiüir kommenden Warenartikel fremden Ursprungs. Als Beispiel wird 
hitrbei die Sinfnhr Ton Baumwolle genannt ^). Der Hehrbetrag werde 
dtdnreb, dafs die aus der eigenen Produktion der früheren Ausschltiue 
ia du Zollgebiet eintretenden Waren nicht mehr zu berücksiohtigen sind, 
duehaas nicht aufgewogen. 

Femer wird bemerkt, dafs seit 1889 Proviant und Vorräte für in- 
lindische Schiffe in Hamburg etc. nicht mehr anmeldepflichtig seien, so 
Q. i. Steinkohlen, und endlich dafs der Yeredlungsverkehr, namentlich in 
d«r Eisenindustrie, auf Kosten des freien Verkehrs zugenommen habe. 

Allerdings wird auch herrorgehoben , daüs die teilweise recht un- 
ginitigen Ernten der Jahre 1888 und 1889 eine aufsergewöhnliche Steige- 
rang der Getreideeinfuhr bedingt haben, doch legt allem Anschein nach 
der Herr Beferent das Hauptgewicht auf Einverleibung der früheren Aus- 
idüftste. 

In der Einleitung zur Statistik des Jahres 1890 wird auf die Bilanz- 
iBgelegenheit nicht eingegangen. In der von einem anderen Referenten 
besibeiteten Statistik von 1891 wird bemerkt: „Die sogenannten un- 
llünstigen Handelbilansen, wie sie hier in die Erscheinung treten, dürften 
an sieh noch kein ungünstiges wirtschaftliches Bild darstellen, da durch 
die Wareneinfuhr und -Ausfuhr nur ein Teil der Qesamtverbindlichkeiten 
beglichen wird, welche das Zollgebiet gegen das Ausland hatte und welche 
ditses ihm schuldete.'' Im Jahre 1892 wird noch entschiedener aus- 
gesprochen, dafs die sogenannte ungünstige Bilanz charakteristisch für 
•US Industriestaaten sei. Damit kann man auf das Vollständigste ein- 
füttanden sein, aber es fehlt die Erklärung der gewaltigen, seit 1889 
«Bgetretenen Aenderung in der Art, wie diese Oesamtverbindlichkeiten 
bsgüehen werden. 

Unzweifelhaft ist es jedenfalls, dafs die Einverleibung der früheren 
AttMehlüsse einen sehr bedeutenden Einflufs auf die handelsstatistischen 
Zthlen ausgeübt hat. Dieser Einflufs kann wohl verhältnismäfsig am 
nehersten auf Grund der Ausweise über den QrcDZ verkehr beurteilt werden, 
die allerdings seit 1891 nicht mehr veröffentlicht werden, aber doch 
gende für die üebergangsjahre noch vorliegen. Es mufs dabei die ge- 
nate Nordseeküste mit den Ausschlüssen als ein Ganzes betrachtet werden, 
da die Bezeichnung ihrer einzelnen Teile wesentliche Aenderungen erlitten 
hat Auch ist der die Durchfuhr umfassende Oesamthandel ins Auge zu 
fuien, einerseits weil das vorliegende Material nur für diesen die Werte 
n ermitteln gestattet und andererseits weil die Unterscheidung der Durch- 
fuhr nicht immer gleichartig gewesen ist. 



1) Damit ist wohl gemeint, daA die frühere Durchfohr sollfreier Gegenstände nach 
te AnsehlaTs als Einfuhr in den freien Verkehr erscheine, denn der Lagerbestand war 
b«eiti im Vorjahre fibemommen worden. Es mfifste demnach die unmittelbare Durchfahr 
TOB BsamwoUe gesunken, andererseits aber die Einfuhr aus dem freien Verkehr gestiegen 
Min. Das macht sich in den amtlichen Zahlen nicht gerade aufTUlig bemerkbar. Es lind 
SB roher Baumwolle ausgegangen 

1887 1888 1889 

ans dem frden Verkehr 94 867 55 530 68 a86 Tonnen 
in Durchfuhr 14 337 15 403 19 54^ n 



Mi ssel leu. 

Es erglebt sich dud , dafi der Ge samt rerk ehr mit AusichliiTt der 
£delmetail0 (lo gleichem Sinne wie in der Tnbelle) betragön hat: 
1) aber die i^fMmt« NordsMkfist« 
18B5 18S6 1887 1888 1889 1890 

Millionen M. 
da ii;2,i 1245*7 I354tür 1S29*3 t790,ft >SlS«> 

■au 1394,1 1386,0 1521.1? i53^rfl '43^>& 'S'S-o 

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mehr »a» 



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1885 
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167,0 



3S2.0 



320,5 



7i6 



S) über aJlo anderen Grentstrecken 



1888 



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307^.1 



1887 1888 

MiUioQen M, 

33091» 34<6.» 
3192,7 3207.8 



1889 

3869,8 
3383.1 



1890 

39851« 
34654 



62,0 



4I1I 



IIb,! 



208 »s 



486,2 



$20.4 



TJoter der Einfuhr der Nordseeküste im Jahre 1888 befinden itob 
die auf Niederlagen übernommenen Vorräte , namenüicb von Rohtabak. 
Bringt man letzteren bei der Einftihr in Abzag, so stellt sioh der Uebfor- 
•chaTi der Einfuhr oder Ausfuhr für die Nordseekütte wie folgt : 



mehr ein 
mehr aiu 



1885 



I01,fl 



1886 



215,3 



387 188 8 


1889 


1610 


Milijonen H. 








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1I1,T 



264,7 



»77.0 



Man wird sohwerlich irren, wenn man Yoraussetzt, dafs die Aaiweii« 
über den Gesamtverkehr durch die Einverleibung der früheren AnsschlÜMo 
nur an der Grenze gegen die Nordteektiste (im oben beseiohneten 81 DU«) 
beeinfinfit worden sind. Denn dafs die jetzige für den Bedarf diea«r 
Ausschlüsse bestimmte Einfahr in den freien Verkehr, welche über andere 
Orenzstreoke kommt, früher als Dtirchfuhr eraohien, ändert an der Gefamt* 
summe nichts und jedenfalls beziehen die Ausschlüsse ihren Bedarf ao 
Dichtdeutschen Waren jetzt nicht auf anderen Wegen als vor dem Ao*^ 
schlufs. Aehnliches gilt für die Ausfuhr. |H 

Danach wäre aus den obigen Zahlen zu sohlieffien^ dafs die seit 1880 
eingetretene Aenderung im Verhältnis der Einfuhr zur Ausfuhr zwar zu 
einem sehr grofsen Teile durch den Anachlurs der früheren Z Hausse hl üase 
bedingt sein kann, dafs aber nach andere Gründe mitgewirkt haben 
müssen. 

Die Einverleibung der früheren Ausschlüsse scheint naoh der oben 
angeführten amtlichen Darstellung nur in der Art gewirkt %a haben, dafi 
das Zollgebiet gute KoDsumenten , aber sohlechte Produzenten erhaltafl 
hat. UnerÖrtert bleibt dabei die Frage 1 welche Gegenleistung die Aas- 
aoblüaae für die von ihnen konsumierten Artikel, die ihnen sicherlich 
nicht geschenkt werden, dem alten Zollgebiete gewähren. Zur Beantwortung 
dieser Frage ist von der Thatsache auszugehen, dafs Hamburg und 
Bremen reiche Städte mit umfassendem Handel und bedeutender Schilf* 
fahrt sind. 

Es ist wohl zweifellos « daffl mehr hanie>atisches Kapital im alten 



Mitseilen. 267 

Zollgebiete erwerbend angelegt ist, als umgekehrt zollinländiBohes in den 
Hanteetftdten and ebenso , dafs Hamburg und Bremen bedeutende Gut- 
haben in auTserdeutsohen Ländern besitzen. Die Erträge des in Deutsoh- 
land angelegten Kapitals werden mehr oder weniger durch Warensendungen 
susgeglichen werden. Soweit diese letzteren für den eigenen Konsum 
der Ausschlüsse bestimmt waren, erscheinen sie nach dem AnschluTs nicht 
mehr in der Handelsstatistik; soweit sie sur Ausfuhr bestimmt waren, 
bleiben sie in derselben nach wie vor. Die Erträge des im Auslande 
arbeitenden hansaatisehen Kapitals kommen unzweifelhaft ganz über- 
wiegend in Form von Waren nach Hamburg und Bremen. Soweit sie 
dort konsumiert werden, bilden sie jetzt zollinländische Einfuhr, welcher 
keine Ausfuhr gegenübersteht. Einen Teil dieser Waren aber erwirbt 
das alte Zollinland durch andere, welche in den Ausschlüssen konsumiert 
werden. Diese letzteren Waren erscheinen jetzt in der Ausfuhrstatistik 
nicht mehr. 

Der Reichtum der Hansestädte mufs sonach bewirken, dafs die deutsche 
Handelsbilanz nach dem Anschlüsse „ungünstiger" erscheint als vorher; 
dss „um wie yiel" läfst sich allerdings auch nicht annähernd bestimmen. 

Wohl noch stärkeren Einflofs auf die Bilanz mufs jedoch die Handels- 
und Schiffahrtsthätigkeit der Hansestädte ausüben. Es ist Grundsatz der 
Beichsstatistik, dafs als Preis der eingeführten Waren derjenige betrachtet 
wird , welcher dafür vom Inlande an das Ausland , als Preis der ausge- 
fahrten Waren dagegen deijenige Betrag, welcher dafür vom Auslande an 
du Inland gezahlt wurde. In die Einfuhrpreise sind nicht einzurechnen 
die für XJeberführung der Waren bis zum Bestimmungsorte an Inländer 
gezahlten Fracht- und Yersicherungsgelder, Lager- etc. Gebühren und 
Spesen, sowie der Handelsgewinn der inländischen Kanfleute bei 
RiMdisierung der Einfuhr. Andererseits sind in die Ausfuhrpreise einan- 
reehnen die für XJeberführung der Waren ins Ausland an Inländer 
gezahlten Fracht- und Yersicherungsgelder, Lager- etc. -Gebühren und 
Spesen, sowie die Kosten der Verpackung und der von inländischen 
Kaufleuten an den ausgeführten Waren erzielte Handelsgewinn. 

Die Folge davon, dafs die Hamburger und Bremer aus Ausländem 
SU Inländern geworden sind, mufs also ^r unsere Handelsstatistik darin 
bestehen, dafs die über die Nordseeküste eingegangenen Waren billiger, 
die über diese Küste ausgegangenen teuerer anzusetzen sind. 

Beispielsweise war früher als Preis des von Hamburg bezogenen 
Kaffees der vom Binnenländer an den Hamburger Kaufmann gezahlte Be- 
trag anzunehmen; jetzt dagegen ist für den Kaffee, der von einem Ham- 
burger bei einer Hamburger Gesellschaft versicherten Schiff für Ham- 
burger Bechnong von Brasilien gebracht worden ist, der in Brasilien vom 
Hamburger Geschäftshaus gezahlte Preis in Kechnung zu stellen. 

Andererseits war früher der Preis von Waren, welche im Binnenlande 
fiir Hamburger Exporteure angefertigt wurden, der von dem Exporteur 
fftr die frei Hamburg gestellte Sendung gezahlte Betrag; jetzt da- 
gegen ist es der, welchen der Exporteur etwa in Mexiko erzielt, wenn 
er die Ware auf einem Hamburger Schiffe dorthin sendet. 

So unsicher auch die zahlenmäfsige Feststellung der so entstehenden 



268 



MlfticlUn. 



Differenz sein mag» so dürfte ee doch wohl ziioht zu hoch gegriffen Beio, 
wenn die Differenz sowohl für die Einfuhr wid fdr die Aasfohr auf 
durchBOhiiittlich etwa 10 Proz* veraniohlagt wird. 

Danach würde die Handels* nnd 8ohiffahrt9thätigkeit der Hansestädte 
unsere Bilanz jährlich um etwa 300 bis 350 Millionen M, ,|Vertchlechtero'\ 
Der Reiehsstatisiik ab^r würde die auferordentlich schwere Aufgabe tu- 
fallenp ihre 8chätzuDgswerte für die Mengeueinheit mit Eücksicht auf den 
Anteil^ welchen die früheren AuBschlüsae an dem gesamten deutschen Ver- 
kehre der einzelnen Warenarten haben, entsprechend abzuändern. 

Zu den Einwirkungen, welche die Hansestädte auf die internationale 
Zahlungsbilanz (^im GegeDsatze zu Handelsbilanz) durch ihr Guthaben im 
Auslande, durch ihre Handekthätigkeit in Yermitteiung des deutschen 
Handels, durch den Gewinn ihrer Schiffahrt etc. ausüben, kommt noch 
die Wirkung des Gewinnes, welchen diese Plätze in dem Ton der Eeichs- 
statistik nicht berückst chügten auTserdeutschen Zwischenhandel erzielen. 

In den Ausweisen über den freien Verkehr Deutschland» ist direkt 
nichts TOn den Kolonialwaren aller Art zu bemerken, mit denen Ham- 
burg die skandinavischen Länder versorgt, von dem Reis und dem Tabak, 
die Bremen herbeiholt, um sie in den rerschiedensten aufserdeatschen 
Ländern wieder abzusetzen. 

Jeder wirtschaftlichen Leistung steht im Verkehr der Völker wie 
in dem der Einzelnen die Gegenleistung gegenüber, aber schwer erkenn« 
bar sind oft die Wege, auf denen »ich die in teruati anale Ausgleichung 
vollzieht. Dafs beispielsweise Hamburg Vieh aus Dänemark für viele 
MilüoQen M. jährlich ohne anscheinende GegeuieiatuDg bezieht, ist nicht» 
weniger als eine ueue Ersoheinung. Früher , als dies Vieh bei uns 
Durchfuhr bildete, kümmerte sich kaum jemand darum; jetzt, da e» Ein- 
fuhr geworden, wundert man sich darüber Früher wie jetzt haben die 
Dänen sicher kein Kalb ohne Bezahlung gegeben, und jetzt wie früher 
kann niemaud sagen, ob Dänemark sein Vieh etwa mit Petroleum au» 
den Vereinigten Staaten oder Kaffee aue Brasilien bezahlt erhalten hat 
oder ob damit nach mancherlei Umwegen Forderungen ausgeglichen 
worden sind, welche Hamburg durch Lieferung deutscher Wollen waren 
oder Pianofortes nach Ostindien oder Australien an Engtand erhalten 
hatte. 

Zur Beurteilung der Handels Verhältnisse an der Nordseeküete ist e« 
von Interesse, mit den Angaben der Reichs Statistik diejenigen in Ver- 
gleich zu stellen, welche seitens Hamburgs und Bremens gemacht werden. 
Dies ist in Tabelle II geschehen, zu deren Erläuterung folgendes tu be- 
merken ist: 

Die von Hamburg berücksiobtigte Einfuhr land- und ffufswärts ist 
die mit der Lübeck- Hamburger, Berlin-Hamburger und Venlo-Hambnrger 
Eisenbahn und die von der Oberelbe kommende. Sie stellt demnach 
nicht die gesamte Landeinfuhr dar, da die Einfuhr mit der Altooa-Kieier 
Bahn, die von und über Harburg, von Altena, mit Fuhre aus der nächsten 
Umgebung , die von der Unteretbe und mittelst der Post fehlen* Der 
Darcbfuhrverkehr durch Hamburg mittelst Eisenbahn ist nicht berück- 
sichtigt. Entsprechendes gilt für die Ausfuhr. Die Ausfuhrwerte bi» 
einschiiefslich 1B88 sind geachätzL 



Mitsellan. 



269 





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270 



MiftteJ J e ti. 



Von der hünsentischen Einfuhr seewarti aus aufderdeutsoheo Hifcn 
dient ein TeU dem E-igeneo Bed&rfe und dem au&erdeuUohen ZwUehea- 
hftDdel der HanBestadie, Der weite ua gröfste Teil ist dagegen cur Aus* 
fuhr und Durchfuhr nach Deutschland bestimmt und mit EintchluTs der 
Ausfuhr von eigenen Produkten der früheren Ausschlüsse in das Zoll- 
gebiet muls er der Ausfuhr land-, ÜuTs- und seewiirts uach Deutschland 
entsprechen, yorausgesetzt, dafs diese Ausfuhr den Mengen nach riehtig 
ermittelt und ihr Wert nach gleichen Einheitspreisen berechnet ist wie 
die Einfuhr. Die Tabelle £1 läTst t^rkennen, dafs die genaueren Er^ 
mlttelungen seit 1889 zwischen der Einfuhr seewärts aus aufserdeutachen 
Ländern und der Qesamtaust'uhr nach Deutschland^ soweit diese ernuttelt 
ist, eine jährliche DiffereoK von zwischen rund 165 und 280 HilHonen li. 
ergeben. 

Diese Differenz, welcher noch der Wert der nach Deutschland aus* 
geführten eigenen Produkte hinzujeufügen ist, bleibt für den eigenen Et* 
darf und den Zwischenhandel der Hansestädte und die Lücken der Aus- 
fuhr ermittel ung übrig. 

Die hatii^eatiache Ausfuhr nach Deutschland kann mit dem deutschen 
Geeamteingange über die Nordseegrenze einschliefslich der Freihafen in 
Vergleich gestellt werden. Allerdings umfafst die^e Grenze auoh Gebieti* 
teile, welche von dar hunseatitchen Statistik nicht erreicht werden« doch 
ist dies Terhältnismäft^ig nicht Yon grofser Bedeutung. 

Seit dem 15. Oktober 1888 hat die deutsche Statistik die für 
eigenen Bedarf der Htinsestädte bestimmte Einfuhr mit£uberücksiohtigeiipi 
während die Einfuhr eigener Produkte der HanBesiädte für »ie in Wog 
fall kommt. Ist die letztere Einfuhr wirklich so unbedeutend, wie das 
Kaiser!, statistische Amt nach dem oben Erwähnten anzunehmen scheint, 
und yerb rauchten andererseits die Hansestädte irüher in ansehnliohera 
Mafse seewärts eingeführte Waren , so muTs die Differenz zwischen den 
Angaben der Reichs Statistik und denen der Hansestädte, beiderseits voll- 
standige Kichtigkeit Torauegesetzt , jetzt eine entsprechende Aenderung 
gegen früher zeigen. 

Die hier benutzbaren Ausweise der Keichfistatistik über den Grenz- 
verkehr liegen nur bis zum Jahre 1890 Tor. 

Es gingen nun in den Hansestädten aua aufsereuropäischen Ländern 
leewärts an Waren ein: 



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18B6 



1889 



18B0 



1887 188« 
Million«« M. 

1236.0 t20t,S I36M 1404,7 l(>l%,$ 1814,1 

Im deutschen Zollgebiete gingen dagegen Über die Nordseeküste ein- 

schliefelich Freihäfen Überhaupi ein: 

1272.1 i245»7 i354»i 1529. a 1790,5 1835*3 

Die letzteren Zahlen sind sonach im Vergleich mit den erstereo 

höher um 46,1 43,8 124,6 151,« i,S 

niedriger um ^ . II, u , 

Der Vergleich wird für das Jahr 1888 dadurch gestört^ dafo die 
Beichsstatietik die üebemahmen auf Niederlagen ala Einfuhr mit zu rer* 



MissallaB. 271 

TMhMD hatte, so namentlioh die tod Bohtmbak. Bringt mea daher letz- 
teren auf beiden Seiten dnrehgängig in Abiug, so stellt sich die Seeeinftihr 
der HaaieetSdte anf 

1885 1886 1887 1888 1889 1890 

Hillionen M. 
1151,9 1130,« 1285,8 I33ii7 I57«.9 175077 
und die Einfahr in das Zollgebiet auf 

HUUonen M. 
1191.8 117I18 1356,5 1359,9 1685,0 1736,7 

Die XJebereinstimmang, die allerdings der gegenseitigen Ausgleiohang 
sshlreieher EinaeldifEerenaen zu danken ist, ist sonach nur im Jahre 1889 
in nennenswertem Mafse gestört, aber nach den Untersuchungen des Verf. 
im wesentlichen nach allein Anschein nicht durch Gründe, welche mit 
dsm Zollanschlüsse in Verbindung stehen. Oder mit anderen Worten : Der 
eigene Bedarf der Hsnsestädte an aufserdeutschen, seewärts eingegangenen 
Waren hat auf die deutsehe Handelsstatistik keinen nachweisbaren an- 
fshnliehen Kinflnfs ausgeübt 

Die obigen Darlegungen sprechen yielmehr dafür, dafs die Zunahme 
der Einfuhr an der Nordseeküste seit dem ZoUanschluTse keine scheinbare, 
•endem eine thatsächliohe ist. 

Anders dagegen steht es mit der Ausführ des Zollgebietes über die 
Herdseeküste, welche mit der Ton hanseatischer Seite angegebenen — aller- 
dings, wie oben bemerkt, seitens Hamburgs nnyoUständig angegebenen — 
Sinfishr in Vergleich au stellen ist 

Aus dem Zollgebiete gingen über die Nordseeküste aus: 

1885 1886 1887 1888 1889 1890 

Millionen M 
1294,1 1386,0 1521,« 1536,9 1438,» 15^5.0 
in Hamburg und Bremen gingen land- und fluTswärts ein 

Millionen M. 
955»* 992.« X040»5» "o8,3 1333,4 1451.0 
Die letzteren Zahlen sind sonach kleiner als die ersteren um 

Millionen M. 
338,7 393,8 481,0 428,6 105,1 64,0 

Hier findet sonach anecheinend die Angabe der Beiohsstatistik yolle 
BeitätiguDg, dafs der Zollanschlufs auf Verminderung der Aasfuhr des 
Zollgebietes gewirkt habe, weil die Waren, welche früher aus dem Zoll- 
gebiete SU deren Verbrauche ausgeführt wurden, nicht mehr nachgewiesen 
werden. 

Dies gilt namentlich auch für Vieh, landwirtschaftliche Produkte, 
Bsamaterial etc., welche in Hamburg aus der näheren Umgebung und mit 
der Altona-Kieler Bahn eingehen. Besondere Wichtigkeit besitzt darunter 
dss Vieh, dessen Einfuhr in Hamburg zwar ziemlich vollständig ermittelt, 
in den hier zu benntzenden Ausweisen jedoch nur soweit aufgeführt wird, 
sls sie auf den früher genannten Verkehrswegen erfolgt. 



272 



llii se 11 eo. 



Dies wirkt störend auf den Vergleich, ebenso aber auch der üml 
d&fi der Wert der Lederw&ren yoq der EeiohssUÜBtik ttur»erorde| 
riel höher angesetzt wird als Ton hanseatischer Seite. Es ist daher i 
xnäfsig, Vieh und Lederwaren auf beiden Seiten gleichmäTaig in 
bringen p wodurch sich folgende Zahlen ergeben. 

Ausgang aus dem Zollgebiete : 

1685 1886 1887 1888 1889 tS»0 

Millionen M. 
rii4,5 1194,1 1515,5 I3^4td i341«o ]43^*<> 
Eingang in den Hanseatädten : 

MiilloneD M, 
^H? 937i6 988*1 »067,7 1263,4 1393*» 
Dii'erenz : 

Millionea M. 
ai9.*^ 256»5 327»* 597>a 79*6 44.7 
Danach würde die Vermin d er ung, welche die deutsche Ausfuhrg 
gesehen YOm Vieh^ durch deü ZoUansohlufs erfahren hat, auf etw« 
bis 250 Mill. M, jährlich au Tcrunachlagen sein, wenn die Kambi 
firmittelungsfehler annähernd konstant geblieben sind. 

Ein ähnlrol^es Resultat ergiebt sich, wenn man die hanaeattsoha 
fuhr nach aufstTdeutschea Häfen in Betracht zieht. Stallt man hiei 
die Jahre bh 1883 die von Hamburg nicht ausgewiesene Auffuhr | 
ddutsoben Häfen mit ruod 50 Mill. M. in Rechnung^) und bringt 
hier Vieh und Lederwaren in Abzug, so ergiebt sich der Betrag; 

1885 1886 1887 1888 188« 1890 
MilliODen M. 
zu 942,4 976, i 1074, ti 1137,0 133^,:» I406,«> 

somit gegen die oben angegebene Ausfuhr aus dem Zollgebiete wei 
172,1 217,9 240,9 227,9 4,7 3it4 

Dies acbüefst aüerdings mancherlei Abweichungen zwIa 
Eeicha Statistik und der hanseatischen Statistik nicht ans. 

80 sind beispielsweise aus dem Zollgebiete über die Nor 
einschl. Freihäfen an Abraumsalzen, Chloriialium und schwefelai 
Kall ausgegangen : 

1888 188Q 1890 

ToQtiei] 

27399t 201915 154 7ÄS 

In Hamburg allein sind dagegen an solchen land- und fluCa' 
ein gegangen, ganz überwiegend unter der Bezeichnung ,,Abraum8| 

260381 228748 232461 Tonnen 

und seewärts nach auf serdeutschen Häfen ausgegangen : 

344 OSS 234671 229985 Toaneii*). 



1) Mit Rücksicht »nf die verscbiffUn IfengSD ist dies im Vorhlltnis in 
1800 and folgende reichlich. 

2) Hftch den VerflcbiffuogaUsteii der EeicIustiiUftilc siad mn „AbrAutmabea bb 1 
KocbsAtig«hAlt*' &m Htmbarg kasgegaogen: 



MUsellen. 273 

Aeholiehet Ee\g^ sioh bei MaMhiDOD, wobei aber die für Sohiffe bestiinmteii, 
welche tob der Beichsstatisük niobt berückuchtigt werden, EiDfLafs baben 
Unnen, bei muaikalisoben Instrumenten und anderen Waren ^). Es er- 
ieh«int aber um so weniger angemessen, diesen Abweiohungen grofsee 
Sewieht beizulegen, als die Hamburger Statistik in ibren yersobiedenen 
Jahig&Dgen niobt frei Ton Widersprüoben ist 

Hat nun auob der AnsobluTs der früheren Zollaussoblüsse naob dem 
Yontebenden unzweifelbaft in bedeutendem Mafse zu dem seit 1889 ein- 
getretenen ümscbwunge unserer Handelsbilanz beigetragen, so ist er doch 
keinesfalls dessen aussoblieliBliobe Ursache. Darauf weisen sohon die Aende- 
nngeo bin, welehe in dem Ton dem Ansohlufs niobt beeinfluTsten Ver- 
bhi über die yerscbiedenen Orenzstreeken auftreten. Am wenigsten auf- 
fidleDd ersoheinen diese Aenderungen an der Grenze gegen Frankreich 
md gegen die Schweiz. lieber diese beiden Grenzen zusammen gingen 
tauchliefslieh Edelmetalle im Gesamthandel : 

1885 1886 1886 1888 1889 1890 

MUlioneo Mark 

ein 639,2 66a,6 673,6 709»« 775fi 74a.7 

«u 605,7 654,6 662,6 6ss,o 676,7 678.7 

mehr ein 33,5 8,0 10,9 54,8 98>4 64,0 

Dagegen treten starke Aenderungen einerseits bei dem Yerkehre au^ 
welcher sieh über die Grenzen gegen Oesterreioh, Bufsland und die Ostsee 
bewegt und andererseits bei dem Yerkehr über die Grenzen gegen Holland 
«nd Belgien. Für den ersteren sind die den GesamtauTsenhandel betreffen- 
dcD Zahlen folgende: 





1885 


1886 


1887 


1888 


1889 


1890 








Millionen Mark 






ein 

AU 


1396,4 
1294.2 


1326,8 

1227,0 


1413»^ 
1273.7 


1579.9 
1298,9 


1733,4 
1413.« 


1837,7 
1466,2 


mehr ein 


102,2 


99.8 
1888 


140,0 
1889 


281,0 
1890 


320,1 


371.5 












Tonnen 









243673 222517 220008 

Dil Beseichnnng „AbranmiAlze etc." ist hier anrichtig, denn während dieselbe in Ham- 
barf, allerdings in nicht recht passender Weise, eine Art Sammelmbrik bildet, kommt 
de io der Beiehsstatistik einer bestimmten Warenart zq, von welcher im GesamtaadMn- 
kssdel flbtrhanpt nur ausgegangen sind: 

1888 1889 1890 

Tonnen 

200773 143022 112 133 

1) Auch die Verschiffongslisten der ReichssUtistik zeigen mancherlei AofllUliges. 
80 sind nach ihnen 1889 nicht weniger als 716 Tonnen halbseidene Posamente Ton 
Brtmen verschifift worden, darunter S88 Tonnen nach Britisch Indien, während im Qe- 
■BBtaiifMnhandel dieses Jahres nur 588 Tonnen solcher Waren aas Deutschland aasge- 
giifen sind, daron gar nichts nach Ostindien, und auch die Bremische Statistik Ton den 
«•Ündischen Vertchiffongen gar nichts weiOi. 

DiMa Folce Bd. yn (LZII). ^3 



274 MitielUa. 

Dagegen gingen über die belgiseh-hoUäiidiiehe Grense 

1885 1886 1887 1888 1889 1890 
Millionen Mark 

ein 1031,5 1081,4 1159,6 1 133,6 1339,1 I36l,t 

ans ina,5 1165,3 itas,o 1261,5 ia6t,6 i>9'»6 

mehr ein . 66,6 69,7 
mehr «in 81,0 83,9 65,4 139,7 

Die Vorgänge an dieser Grenze, walohe neben der gegen die Hordiee 
haaptsäohlidh für unseren Yerkehr mit England und den anlserearopiiaehen 
Undem Ton Bedeutung iit, haben einige Aehnliohkeit mit denen an der 
hanseatiiehen Grenze, wenn auch der ümsoblag des Jahres 1889 ans leieht 
Terständliohen Gründen hier yiel weniger stark herrortritt. 

Führt aber die üntersuohung im einzelnen schon an der Grenze 
gegen die Kordsee, wo die Vorbedingungen für sie die denkbar günstigsten 
sind, nur zu recht mangelhaften Aesultaten, so bietet sie an der belgisch- 
holländisohen Grenze noch yiel weniger Aussichten. — 

Im allgemeinen ist kein Umstand zu finden, der, aulserhalb der Handels- 
bilanz liegend, unsere internationale Wirtschaftsbilanz aufserhalb der Hanse- 
stidte seit 1888 plötzlich abgeändert haben könnte. 

Nichts deutet darauf hin, dafs wir Guthaben an das Ausland in 
ungewöhnlichem liafse neu erworben oder Torhandene flüssig gemacht 
haben, wenn auch Verschiebungen Torgekommen sein werden, oder dafs 
wir dem Auslande yersohuldet worden sind« 

Viel wahrscheinlicher ist die Erklärung wenigstens zum Teil darin 
zu suchen, dab die Mängel unserer Handelsstatistik sich neuerdings in 
anderer Weise geltend machen als früher. 

Es ist nicht zu erwarten, dafs in der Ermittelung der in den Ver- 
kehr getretenen Mengen wesentliche Aenderungen aufser den durch die 
Einverleibung der firüheren Ausschlüsse Tcranlafsten eingetreten sind. Es 
ist daher wohl unbedingt als sicher anzunehmen, dafs die Ton der Reichs- 
statistik konstatierte starke, meist anhaltende Zunahme der Mengeneinfuhr 
gewisser Waren und andererseits die anhaltende Abnahme der Mengen- 
ansfuhr gewisser anderer den Thatsachen so genau entspricht, als die 
Ermittelungsorgane, deren Gewissenhaftigkeit aufser allem Zweifel steht, 
überhaupt nachzuweisen yermögen. 

Der Verdaoht richtet sich vielmehr gegen die Schätzung der Werte, 
deren Zuverlässigkeit notorisch eine sehr beschränkte ist. Beruhen doch 
die bereohneten Verkehrswerte zu einem grofsen Teile auf der Annahme 
von Durchschnittspreisen der Einheitsmengen, welche kaum etwas anderes 
als Vermutungen sind. 

Oft genug ist der Widersinn eines Schätzungssystems hervorgehoben 
worden, welches den Wert einer gewissen unter einem Namen zusammen- 
gefafsten Warenmenge, die aus Artikeln der verschiedensten Art in unbe- 
kannten Verhältnissen zusammengesetzt ist, nach einem gemeinschaftlichen, 
auf Vermutung beruhenden Durchschnittspreise berechnet Der Grund- 
mangel des Systems läfst sich auch durch Befragung noch so zahlreicher 
und noch so tüchtiger Fachmänner seitens des statistischen Amtes nicht 



Mismellen. 276 

beteitigoii. Das sUtkÜMhe Amt fragt ebeo mehr, als der weiseste Mann 
beantworten kann; seheot es doch selbst nicht davor lur&ok, den Wert 
TOD Oelge m älden naoh deren Gewicht za sohätsen. Es ist daher nicht 
n Torwonderny dafs die befragten SachTorständigen die gewünschte Ans- 
kanft häufig nur sehr ungern geben, nicht selten dieselbe aach Terweigem 
ond daCs die Beiohsstatistik trotz aller ihrer anerkennenswerten Bemühungen 
isilweise zu fiasultaten gekommen ist, die mit der Wahrscheinlichkeit in 
entschiedenem Widerspruche stehen ^). 

Freilich ist es auXserordentlich schwer, den B e w e i s zu fähren, da(s der 
Tenautete Durchschnittspreis in einem bestimmten Falle unrichtig ist oder 
dsfs die Preisänderungen, die von Jahr zu Jabr erfolgt sind, nicht den 
wirkliehen Handelsyerhältnissen entsprechen. 

Dafs die jährlichen Preisänderungen teilweise sehr ansehnliche Be- 
träge erreichen, kann an sich nicht überraschen. Ihr Umfang läfst sich 
ans folgender Zusammenstellung erkennen, welche einerseits zeigt, um 
wisTiel die Handelswerte der einzelnen Jahre höher (+) oder niedriger 
(—) als die der Yoxjahre waren und andererseits, wie sich die Yerhält- 
lisse gestaltet haben würden, wenn den Wertberechnungen der einzelnen 
Jahre die Durcbschnittspreise des Yorjahres zu Gründe gelegt worden 
wiren. 

£s betrug nämlich der Wert der Wareneinfuhr und Ausfuhr im freien 
Yerkehr im Yergleidh mit dem Yoxjahre mehr (-|-) oder weniger ( — ) 

Einfahr Aoifiibr 

thateäehUch ."f^ ^?^- thatsftehlich -T** ^?^' 

jahrspreiMD virnumcmicn juiupgprelsen 

Millionen Mark 

1886 — 316372 — 58365 —344682 —111657 

1886 — 56145 — 44902 +125296 +199437 

1887 + 236420 + 232571 +149732 +158954 

1888 + 166 013 + 70574 + 70574 + 27154 

1889 + 724353 + 580660 — 39204 —130 951 
1880 + 147 048 — 12 056 + 161 493 — I 591 

1891 + 7745 + 149389 —152043 — 12884 

1892 — 131943 + 'O3992 —221 179 — 49488 

1893 gegen 1885 + 1 093 491 +1 080 228 + 94 669 + 190 631 

Hiemach wie auch Dach der XJotersuchung der Einzelheiten scheint 
die oben erläuterte, durch den Zollanschlufs der Hansestädte bedingte 
Pleitänderung im allgemeinen nicht berücksichtigt worden zu sein. 

Im einzelnen erregen die Aeoderungen mancherlei Bedenken. So 
gind namentlich die Durchschnittspreise einiger für die Ausfuhr wichtigen 
Waren teils plötzlich, teils allmählich der Art herabgesetzt worden, dafs 
die Herabsetzung allem Anschein nach weder der Verbilligung der Pro- 
duktion durch technische Fortschritte oder Preissenkung der Rohmaterialien 
oder einer Qualitätsverminderung der in den Verkehr gebrachten Waren, 
wadem einer Berichtigung früherer Fehler entspricht '). Beachtenswert 



1) ESm Aniahl BeUpiole dalür hat der Verf. in seiner Schrift : „Dentschlands Waren- 
^miä et«.** (Berlin« L. Simion, 1888) snsanunengestollt. 

1) £• ist nicht nnwshrscheiniich, daOi die in neuerer Zeit in yerschiedenen Lindem 

18* 



MUiellBii, 



19t mich der Umstand ^ dafa die Yerk eh rsm engen gewiiser Wftren, deren 

Wertscliätzyaii: besonders bedenklich kt, starke Aendfimngen erfahren haben 

und dafsnuo infolge der irrigen WertBchätzung der Einflurs der Mengenäade^ 

rung bedeutender ergeheint a!i den Thatsachen entspricht Bies füllt am 

meisten auf bei der Auäftibr, wie bei der von Spitzen^ feinen Lederwaren und 

anderen Wart d, deren Wert niutraafBlich stark überschätzt itt Ob bei den 

Mi der Ein fühl in wachsendem Mafse beteiligten Waren WeFtftbertchätmngen 

^'»^'Sttten m MaTae vorkommen, läfat eich mit einiger Sicherheit nicht 

len rwähnenawert ist jedoch p daik der Bezug Ton zwei Waren^ 

die der Einfuhr eine hervorragende Stelle ei nehmen, n um lieh 0e- 

una &a^ee, in hohem Matae durch das TermiDgescbäft reguliert 

und daTd daher die Ermittelung des wirklichen BnrcbschuitLspreiaea^ 

ftir dieselben vom laiande an das Ausland befahlt worden ist, wohl 

SU den Uümögliohkeiten gehört, 

üntersncht man nun zuuäohst, welche Waren eq der Einfohrzunahme 
besonderB starken Anteil genommen haben , bq ergiebt sich , dalk dnreh 
anhaltende oder zeitweilige Zunahme des üebersohusses der Einfuhr über 
die Ausfuhr im freiem Verkehre sich namentlich folgende Waren aus* 
zeichnen ^), 





1886 


1800 1 


1887 1 


1888 1 


1889 { 


1890 


I8fl 1 


189i 








BfehreiDfahr in 


MiUioneu 


Mmrk 














(^ Mebraaafahr) 








Vifth 


3.. 


70|7 


71» 


6t,a 


151.« 


J99,7 


224*1 


236,t) 


Nobruags- a. &oiial«- 


















mittil 


J34.* 


2^9,0 


393i» 


359»ö 


676.5 


726,5 


850,1 


898,3 


Bobstüfffl d«r T«xtil- 


















iodaitrie 


37116 


39Ö1« 


45«*« 


471.9 


S8M 


546.5 


S03'i 


477i7 


Gam« uod Seide 


189,8 


236,3 


307.7 


304.5 


351,9 


aia,ß 


1749 


iS2a 


QoIk, roh Qod einfach 


















bearbeitet') 


75.» 


45.9 


68,7 


86,fl 


I37»< 


ii6t& 


113^9 


i39ta 


Oelfrüchte 


44^4 


40.« 


46.S 


S9.» 


77.a 


79*4 


94.« 


7%o 


Eohe unedle Hetalle 


— 12,4 


- iH,s 


— titi 


— M 


3SiO 


3».ü 


as.ft 


28a 


DaagemitteliLAbmie 


40,5 


4StO 


43iS 


59.» 


?5.6 


8l»7 


96,1»; 


9SiO 


Alles ftndere 


-990,» 


-1194,8 


— 1285a 


^1216,7 


-112J,6 


-ii67,a 


•^1089,4 


--1052,5 




84.1 


- 97.3 


— 10,6 


84.9 


848,4 


834^0 


991^8 


1083,0 



Auf den Verkehr von Yieh hahen der AnBchlafs der früheren Zoll- 
auBBchüsse sowie die einerseits von Deutschland, andererseits Ton aus- 
wärtigen Staaten verfügten Beschränkungen mannigfacher Art in ver- 
dener Weise eingewirkt 

Die Mehreinfuhr y bez. Mehrausfuhr ( — ) verteilt sich in folgender 
Weise. 



•ingetretenen Zollerhöboogen teilweise der dentscheo Ausfahr besserer Waren weniger 
nacbteilig gewesen sind als der der geringeren, es ist jedocb nicbt mSglicb, nachznweiseni 
inwieweit dies der Fell gewesen ist. 

1) Die Zablenangeben sind hier wie im Folgenden tbnnlichst beschränkt worden? 
namentlich mit Rücksicht darauf, dafs das vom kais. statistischen Amte heransgegebene» 
weit yerbreitete ,,Statistische Jahrbuch** Über die Einselhelten yielfach Anfsohlols giebt> 

2) Einschl. geringer Mengen Fischbein- nnd Homstibe. 



Hitsellen. 



277 





1886 


1886 


1887 


1888 


1889 


1890 


1891 


1892 










Millionen Mark 








Pnrw 


41.» 


53»o 


58,9 


62,1 


69.9 


61,7 


64,4 


53,8 


BMHdi: Stirn und 


















OehMB 


—17,6 


—10,6 


—11,2 


-10,8 


4,8 


5.5 


IM 


14,5 


Kibe 


7»6 


17,8 


17,7 


17,0 


31,7 


38,7 


46,1 


43,7 


bgTM^ii]idK£lb«r 


- 5.* 


— 4,1 


-3,2 


— 2,8 


10,7 


13,9 


17.4 


17,6 




-15,* 


2,7 


3>8 


4,8 


46,7 


58,1 


80,6 


75,7 


SpiotelMl 


0,7 


!•* 


0.6 


0,8 


0,9 


2,6 


1,2 


I»6 


And«« Schweine 


23.« 


34'i 


25,6 


11,0 


37,7 


74.7 


71,2 


97,6 


Seteffieh Q. LImmer 


-26,4 


—27,6 


—24,4 


—26,0 


— I5i4 


—12,6 


— 6,5 


— 7,5 


Aadim 


6.0 


7,0 


9.« 


9,0 


11,8 


15« 


13,2 


15,5 




30,« 


70,7 


73,2 


6i,a 


151,6 


199.7 


224,1 


236,0 



oder Dach Stückzahl der wichtigeren Posten 





1885 


1 1886 


1887 1 1888 


1889 


1890 1 1891 


189S 








Teasende Stück 






Pfenie 


44,2 


45.1 


60,6 


63,8 


69,4 


62,5 


64.7 


53.9 


BadTich: Stiere 


















■ad Ochsen 


-43.6 


—27,5 


-28,9 


—27,6 


14.4 


16,8 


45,4 


42,6 


Ktlie 


10,« 


40.5 


53,1 


47,4 


88,0 


103,6 


130,6 


132,8 


JnigTiehii.Kilber 


-51,6 


—47,9 


—4«, 8 


—30,7 


55.1 


66,5 


83.1 


82,4 


^eaferkel 


94.8 


187.2 


89,9 


44.8 


98,1 


231,6 


181,4 


124,1 


Aader« Sehweine 


123,8 


-279,8 


98,9 


—73.2 


3»7,6 


592,6 


730,2 


856,4 


Sehefrieh B. Lim. 


















■er 


-1192,6 


—1332,3 


-1245,5 


— 123M 


—605,2 


-395,8 


-220,1 


-308,1 



Es scheint nicht gerade schwer zu sein, wenigstens annähernd den 
EinfLuTs zu beatimmen, welchen der Zollanschlufs der früheren Ausschlüsse 
tuf die Wertbilanz des deutschen Viehyerkehres ausgeübt hat Bis ein- 
lehlielslich des Jahres 1890 liegen die Ausweise über den Gesamtausgang 
Ton Vieh über die gesamte Nordseeküste vor; rechnet man zu den darin 
gegebenen Zahlen den yerhältnismäfsig geringen Eingang in den Hansestädten 
Mewärts aus dem Auslande nach der hanseatischen Statistik und bringt anderer- 
leits den hanseatischen Ausgang und Wiederausgang nach dem Zollinlande 
(nach der Beichsstatistik) in Abzug, so erhält man die Werte des Viehes, 
welches bis zum 15. Oktober 1888 in den Ausschlüssen für deren eigenen 
Bedarf wie für deren Ausfuhr nach dem Auslande» seitdem aber nur für 
die letztere verfügbar blieb. Dieser Betrag stellt sich wie folgt: 



1885 1886 



1889 1890 



Pferde 
SchlechtTieh 



12,2 
81,6 



9,6 
70,6 



6.7 

4,7 



11,2 
1,4 



1887 1888 
Millionen Mark 

9.2 9,6 

74.0 55.9 

Wie zweifelhaft jedoch die Zahlen sind, ergiebt sich sofort, wenn 
ans der Hamburger und Bremer Statistik die Werte des Viehes zu- 
Denstellt, welches in den beiden Plätzen für eigenen Bedarf und 
ftr die Ausfiahr verfügbar blieb. Diese Werte waren 



278 Missellen. 

1885 1886 1887 1888 1889 1890 1891 1891 
MillioDen Mark 

Pferde 17,3 14,3 15,5 ii,8 30,8^) 14,8 l6»4 17,» 

SchlftehtYieh 59,5 54,6 50,2 47,7 $6,7 65,4 69,0 61,9 

Die Ausfuhr seewärts aus den Hansestädten nach dem Ausland betrug 

Millionen Mark 

Pferde 3,8 2,5 2,0 2,8 7i4 3f9 3*6 >t8 

Schlachtrieh 5,4 6,5 5»4 4,6 I5,ö 5,9 3,9 2,9 

Die grofsen Differenzen der beiderseitigen Angaben liegen hauptBäoh- 
lioh in den Wertschätzungen. Dafür mögen nur zwei Beispiele herau»- 
gegriffen werden. 

Im Jahre 1890 sind nach der Beichsstatistik aus Deutschland nach 
England ausgegangen Pferde: 

im Jahreaaofaeohandel 705 Stück für i 410 000 M. 

in Durchfuhr*) 12 329 „ „ 10 628 000 „ 

13034 „ „ 12038000 M. 
Hamburg und Bremen haben nach 

England ausgeführt 12828 „ „ 3609000 „ 

Weiter gingen z. B. im Jahre 1887 nach Hamburg und Bremen an 
Schweinen, einschl. Ferkeln, aus Deutschland angeblich aus: 

im Jahresanlsenhandel ^S^ S^7 Stttck fOr 16 328 000 M. 

in Durchfuhr (dänische) 279637 „ „ 31878000 „ 

538 154 n »» 48206000 M. 
in Hamburg kamen land- und flufswirts an 596 416 „ „ 29 055 OOO „ 

Danach scheint der Wert des nach den Hansestädten ausgeführten 
Viehes früher überschätzt worden zu sein und es ist immerhin gewagt, 
wenn die „Verschlechterung", welche die Wertbilanz des deutschen Viehver- 
kehret durch den Zollanschluls erlitten hat, auf etwa 60 Millionen M. 
jährlich veranschlagt wird. 

Deutlicher alt nach den Werten tritt der EinfluÜB des ZollansohlosaeB 
hervor, wenn man das in den Hansestädten verbleibende Vieh nach Stück- 
zahl ermittelt. Dabei ergiebt sich der jährliche Bedarf dieser Städte an 
Pferden zu etwa 3500 bis 4000 Stück. Der AnschiuTs hat sonaoh auf 
den Verkehr von Pferden nur sehr geringen EinfluÜB gehabt; an der Zu- 
nahme des deutschen Einfuhrüberschusses im allgemeinen haben die billigen 
russischen Pferde ansehnlichen Anteil. 

Der eigene Verbrauch der Hansestädte an Stieren, Ochsen und Kühen 
stellte sich in den Jahren 1885 — 88 auf etwa 40—48000 Stück jährlich, 
der an Jungvieh und Kälbern auf etwa 70 — 75 000 Stück im geachätzten 
Gesamtwerte von etwa 25 Millionen M. Im Jahre 1889 machte das 
englische Einfuhrverbot der deutschen Ausfuhr von Rindvieh nadi England 
(in der Hauptsache aus Schleswig- Holstein) ein Ende, welche in den 
letzten vier Jahren zwischen 8000 und 18 000 Stück jährlich betragen hatte. 



1) Die Hamburg^ Angabe der Ausfuhr yon Pferden landwärts, tpeslell auf der 
Hamburg- Venloer Bahn, ist nach allem Anscheine in diesem Jahre fehlerhaft. 

2) Jedenfalls hauptoftchlich russische. 



Misselleii. 279 

Im übrigen aber ist die 1889 beginnende Steigerung des deatschen Ein- 
fabrfiberBohuBses tob Bindyieh nioht sowohl durch Abnahme der Ausfuhr 
alfl durch Zunahme des inländischen Bedarfes veranlafst 

Ib eigenthümlioher Weise ist der Verkehr tou Schweinen durch den 
Zollansehluis beeinflulst worden« Eine ansehnliche Durchfuhr, fast aus- 
nddiefiilich tob Dänemark, ging durch das Zollgebiet nach den Ausschlttssen ; 
•is Teil Ton ihr kam später wieder zurück, grölstenteils in den freien 
Ytrkehr. 

Diese gesamte Durchfuhr würde jetzt, soweit sie nioht auch beim 
Wiedereintritte Durchfuhr bildet, als Einfuhr zu betrachten sein, da Schweine 
Ton dan Ausschlüssen seewärts in das Ausland so gut wie gar nicht Tcr^ 
Mndet werden« Wären die Hansestädte schon 1885 einverleibt worden, so 
würde sich der EinfuhrüberschuTs nicht, wie oben angegeben. 



1S85 


IS86 


1887 


1888 


aaf 122 


279 


99 


— 73 Tausend Stück, 


Bondern auf 








640 


739 


575 


381 „ „ 



gettellt haben. 

Der Hamburger Bedarf hat sich nun aber infolge des Bückganges der 
Exportschlächterei allmählich stark yermindert Nach der Hamburger 
Sutistiky die in den vergleichbaren Jahren ganz leidlich mit der Heichs- 
ftttiftik übereinstimmt, sind in Hamburg an Schweinen, einschlielslich 
geringer Mengen Ferkel, verblieben: 

1886 1886 1887 1888 1889 1890 1891 189S 

Tanseode Stück 
482 426 444 399 257 201 260 248 

Nachdem die dänischen Zufuhren durch das deutsche Einfuhrverbot 
gesperrt worden waren, wurde 1888 und 1889 zunächst in Deutschland 
Srsatz gesucht. Später hat der in verschiedenen Teilen Deutschlauds 
auftretende Bedarf den Einfuhrüberschufs 1891 auf den gleichen und 
1892 selbst auf einen etwas höheren Betrag gebracht, als den bei Mit- 
berücksiehtigung Hamburgs im Jahre 1886 erreichten. 

Yerhältnismäfsig wenig ist der Verkehr von Schafvieh und Lämmern 
durch den Zollanschlufs beeinflufst worden; die starke Abnahme des Aus- 
fobrübersehusses ist vielmehr besonders durch die bekannten Erschwerungen 
der Ausfuhr nach Frankreich, Belgien, England und Holland, in Verbindung 
mit den Rückgange der deutschen Schafzucht, für einige Jahre (1889 — 91) 
ioeh durch den Umstand veranlafst, dafs wegen der französischen Verkehrs- 
beeebränkongen ansehnliche Mengen von Hammeln in ausgeschlachtetem 
Zustand nach Frankreich versendet wurden. 

Im allgemeinen ist es nach dem Vorstehenden nicht zulässig, die im 
Infsage dieses Abschnittes gegebenen, den deutschen Viehverkehr be- 
treffenden Zahlen einfach, wie es ja in Tageszeitungen mehrfach geschehen, 
als Beweis des durch die Bevölkerungszunahme und den gestiegenen 
Wohlstand des des Landes veranlafsten inländischen MehrbedarÜB an Fleisch 



ai^MiUi 




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12,1 


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159» 


6r6.5 


7ifi^ 


»s«! 


HIL^ 



— Ansfabrübenehiilft. 



I i67,s| 146,» I i85,«| 



MmiooM Mark 

i6m| i66,s| 



319,4 1 2313 tSui 



JJntST dem nioht yerarbeiteten Getreide (einschliefslieh 
mibliger NabrongsttofTe) erreichten den größten EinfdhrüberBchiilli : 





1885 


1888 


1887 


1888 1889 
Milllooen Mark 


1890 


1891 


189t 


Wt(MII 


2*'* 


38.« 


77.8 


48,7 


75.« 


'X 


163,« 


199.« 


Rogfftn 


84,1 


54.6 


54.0 


58,4 


"3.8 


137.1 


88.7 


Otrit« 


52,0 


35.« 


55.ft 


46,0 


86.8 


96,7 


103,1 


71.1 


Btftr 


22.4 


5.7 


12,7 


15.7 


30,6 


21.7 


13.8 


9,8 


Mull 


19.« 


16.8 


14.7 


10.4 


30.6 


54.* 


51.6 


74,9 


Aadorti 


4iS 


0.« 


3.0 


— 0,1 


9.8 


14.1 


3M 


26,1 




257,7 


i5o.ft 


217.» 


179,1 


345.7 


389,1 


499,9 


469,8 



1) Der AusführUbirtchufs yoo Zueker aller Art eiotchl. Symp nnd Melasse betrug: 



Misiellen. 281 

Man wird yerauoht sein, als selbstverständlich voraoscusetien, dals 
für die in den freien Verkehr eingegangenen soUpfliohtigen Waren der 
Zoll lach wirklich hexahlt worden sei. Das ist nicht der Fall. Als in 
dm freien Verkehr eingegangen werden u« a. aufgeführt 

1835 1886 1887 1888 1889 1890 1891 1892 
Tausende Tonnen 



WliMD 


572»4 
769.7 


«73.8 
565*8 


547,8 
638,6 


339.8 
652,8 


516,9 
1059,7 


672,6 
879,9 


905,8 
842,7 


1296,« 
548,6 


Für die Veraollang sind dagegen in 


Rechnung gestellt: 














Tanaende Tonnen 








WdMO 

Bogg» 


473.1 
714.« 


176,1 
464,8 


455,8 
567,1 


247,8 
486,1 


a-.' 


587,8 
833,8 


699.8 
741,7 


1219,9 
621,6 


Aehnliches 


gilt für 


andere 


OetreideartCD, 1 


sowie übrigens 1 


luch für 



Oel£räehte. 

Die Differenz erklärt sich dadurch, dafs die für Mühlenlager nach 
doB Gesets yom 23. Juni 1883 aoll£rei eingegangenen Waren dem freien 
Yerkehr angerechnet werden. Diese Waren müssen durch entsprechende 
Mengen in das Ausland ausgeführter Fabrikate ausgeglichen werden, 
deren Ausfuhr jedoch nicht immer in dem gleichen Jahre erfolgt. Da- 
doioh entstehen Wertrerschiebungen wie z. B. folgende: 

1888 1889 1890 1891 1892 

Millionen Mark 
Weisen nnd Boggen fQr Milhlenlager Terffigbar 28,3 40,8 l8,s 53,6 — 0,1 
Fibrikate^) Ton Mühlenlagern aoa 26,t 27,3 23,0 19,8 19,1 

Dafs wir hiemach mit dem Mühlenlagerverkehr ein schlechtes Oe- 
Mhäft machen, ist teilweise durch die schlechten Preise yeranlaTst, zu 
welchen die Beichsstatistik die Fabrikate neuerdings yerkaufen läfsi So 
kostete nach ihrer Angabe durchschnittlich die Tonne 

1891 1892 

Weisen 180,5 153,7 M. 

Boggen 162,8 162,0 „ 

dagegen Mehl 175 160 „ 

Der Bedarf der früheren Ausschlüsse für den eigenen Konsum fällt 
bei dem Oetreide nicht sehr schwer in das Gewicht ; es wird reichlich sein, 
wenn man deren Konsum an Brotkom auf 200 kg für den Kopf der 
Bey5lkerungy also im ganzen auf etwa 160 000 Tonnen veranschlagt. 

Die aus der obigen Zusammenstellung ersichtliche^ namentlich in den 
beiden letzten Jahren henrortretende Zunahme des Einfuhrüberschusses 
Ton Fabrikaten aus Getreide etc. erklärt sich durch zunehmende 
Einfuhr Ton Beis und von Mühlenfabrikaten für den Grenzbezirk» wie durch 
abnehmende Ausfuhr yon Mehl aus Getreide und yon Kartoffelstärke und 
-Mehl. Das grofse Bremer Beisgeschäft mit dem Auslande erscheint im 
YeredelungsTcrkehre, nicht im freien Verkehre. — 

Ein ungewöhnlich buntes Bild zeigt der Yerkehr tou Fleisch, 



1) Einschl. der ans Gerstei Mais» Reis and Httlsenfrfichten. 



882 



li i s s e 11 « n. 



bat. Die EiiiYerleibiiiig der Irakeren AusBchlüsse hat die Auifuhr 
Bungsmäfflig um etwa 6000 TonDeti, aber auch die £iafuhr um er 
2 000 TonueD jährlich vermindert Bie däniiche Durchfuhr, die bii zum 
EinfuhrTerbote von 1887 in einer jährlichen Höhe von 3 — 4600 Tonnen 
nach Hambarg ging, scheint dort, wenigateoB zunäcbst, durch gesteigerte 
Einfuhr von Schlachtvieh aua Deutschland ersetzt worden zu sein. Seit 
1839 haben in der Einfuhr von Fleisch die Vereinigten Staaten raach 
die dominierende Stellung erlangt; sie liefarten 1892 fast ^/^ dea Oe- 
iamtbetragoB. Beachtenswert ist übrigens, daCa der Fleiscbbedarf zur 
Froviantierung der hanseatidohen Flotte von der Handelsstatistüc md 
berücksichtigt wird, — 

In Bezug auf die übrigen Nahrung«- und Gonufsniittel mag 
erwähnt werden, dafe die Wertzunahme des EiDfuhrüberechuases 
Kaffee fast ausschUefilich durch Preissteigerung veranlafet ist; die 
Einfuhrmengen haben seit 1885 nur zwischen 10 200 und 12 600 Tonnen 
geschwankt und erreichen 1892 noch nicht die Höhe von 1886. Die 
hauptsächlich infolge der Beschränkungen , welche dieser selbst^ sowie 
Äuch der Verkehr von lebendem Vieh in verschiedenen Ländern erfahr 
von der Keichsstatistik ao genommenen Dorohschnittspreiee bleiben ni 
wie vor um 9 bis 17 M. für 100 kg höher als die in Hamburg 
klarierten, was nach dem Früheren schwerlich richtig ist. 

Weiter ist hervorzuheben die enorme Zunahme der Einfuhr von: 
Eiern, von welchen 1891 nicht weniger als 62 734 Tonoen im ge- 
iohätzten Werte von 70 889 000 M, eingegangen sind, grörsteDteila aus 
Oesterreich und Bufsknd. Wenn die österreichische Statistik Beoht hat, 
überschätzt freilich die un serige den Einfuhrwert der Eier um einen 
ganz gewaltigen Betrag. Während nämlich die Eeichsstatistik den Wi 
von 100 kg bei der Einfuhr an setzt , 

1888 1889 1890 1891 1898 
sa 85 85 105 98 113 M. 

giebt Oesterreich den Durchschnittswert bei der Ausfuhr nur an (1 fl. == l»7o] 
gerechnet) 

za 4S,j^ 44 45 48,& M. 

Kechnet man mit der Hamburger Statistik auf 100 kg 1800 Stück *)i 
ao erscheint der Durchschnittspreis der Keichsstatistik , namentlioh mit 
BEokiioht auf das mit dem Transport der Eier verbundene Eisiko, aller- 
dinga unverhältniBmäfsig hoch. Kamburg f^chätzt 1892 100 kg landwärta 
eingegaugene Eier zu 80 M*, also immerbin nur etwa ^/j| so hoch wie dio 
Eeichsstatistik» welche den vom Inlande an das Ausland gezahlten Fr 
lu berücksichtigen hat * ). — 

Nächst dem Vieh und den Nahrungs- und Oenufsmitteln haben 



1) Am dem Vergtckho der Ton H&mburg 1891 und 1892 in Terschiedeoeti Eiub« 
g«ffi««htea Augabea ersieht sich, d&Ti Aaf 100 kg 1818 Stück gerechoet werden, 

2) Die englische fltatbtlk schlitzt die «m DeutachUnd eingegBogetieD Eier Hir 
grofse Httodert (120 St&ck) 

1888 1889 18dO 1891 1898 

to 6,t3 6,0s 6fOS 5,B8 6tis M. 



MUiellen. 



283 



Spin Ott off 6 den bedeutendsten Ebflofs aof die Sleig^erung des Ein- 
fohrSbenehoiieo aoegeübt 

Den Mengen naoh stellte sieh der EinfuhräbersobulB der wichtigsten 
Spinnstoffe wie folgt: 



Baumwolle 

8eliafiroUe>) 

Jute 



1885 I 1886 I 1887 | 1888 | 1889 | 1880 | 1891 { 189S 
Tausende Tonnen 



IS7,« 
88,7 

4i»i 



i6i,o 
95,7 
43,« 



197,7 

100,9 

56,9 



»79,0 

Il8,7 

58,1 



224,5 

129,0 

63,6 



226,9 

119.6 

69,8 



»37,8 

136,6 

82,0 



219,1 

151,* 

46,4 



Die Zahlen sind nicht der Art , dafs Zweifel gana ungerechtfertigt 
encheinen; aber bei yersohiedenen Prüfungen der Einfuhr- und Aus- 
fahrangaben hat der Verfasser keinen ernstlichen Orund au ihrer Be- 
•oatandung gefunden. 

Einen Vergleich der Durchaohnittspreise der Baumwolle mit den 
hiBieatischen ermöglicht folgende* Zusammenstellung. 

Aua Hamburg und Bremen sind an Baumwolle (in Hamburg einschL 
AbfUle) land- und flufswärts ausgegangen 



1886 


1887 


1888 


ISO»60 


190,80 


I5a,6i 


Werte von 




MiUionen Mark 


144*70 


l82,S7 


151.89 



•Ifo im Durchschnittspreise für 100 kg yon 
96 96 99 

In das Eeichszollgebiet sind dagegen 



1889 



186,11 



190,45 



102 



1890 



239»08 



«47,41 



103,5 M. 



über die Qrenae gegen die 



Nordsee einschl. der Freihäfen an Baumwolle einschl. Abfälle im Qe- 
•amthandel eingegangen: 

1886 1887 1888 1889 1890 

Tausende Tonnen 

iS3f88 196,29 154,15 212,44') 344t9S 

im Werte von Millionen Mark 

149,91 I97»9« 159,95 231,88 270,10 
also im Durchschnittspreise für 100 kg von 

97 loi 104 109 iio M. 

Das ist somit eine gana leidliche Uebereinstimmung, aber doch würde 
die Gesamtsumme der Eeichsstatistik 1890 sich um etwa 17 Millionen 
M. niedriger stellen , wenn ihr die hanseatischen Durchschnittspreise au 
Onmde gelegt wären. Seit 1891 schätzt übrigens die Eeichsstatistik die 



1) Bis 80. Juni 1888 einschl. AbfKlIe 

9) Ob 1889 etwa teilweise eine Doppelrechnung seitens der Reiehsstatlstik statt- 
ftfuden hat, lft(st sich nicht entscheiden. 



284 



M issel Iflfi« 



Baumwolle niedriger ale Hamburg und Bremeo» Id dieeem Jahre koste 
100 kg zur See eiogefäbrte Baumwolle in Hamburg 94,4 M., in Bremen 
9SJ M* für 100 kg, naoh der Reichsstatietik dagegen Baumwolle durch- 
schuittJich nur 87 M.» im Jahre 1892 in Hamburg 79 M., in Bremen 80 M.» 
nach der Eeichsgtatifltik nur 77,6 M. | 

Der eotöpreohende Vergleich fdr Sohafwolle läfst sich mangele An- 
gaben in Hamburg nur für 1889 und 1890 durchführen. Er ergiebt 
(unter Mitberuckaiohtigung der Seeaue fuhr Ton Hamburg nach Hannover 
und von Bremen nach Preufsen) den Durch Bchnittspreie der nach dem 
Zollgebiete auegeführteD Wolle 1889 zu 164 M. und 1890 zu 177 M. für 
100 kg.j während die KeichsBtatiBtik im ersteren Jahre bei der Einfuhr , 
200 M., im zweiten 190 M. aoietÄt* 

Aehnliohe Differenzen ergiebt der Vergleich zwifiohen den Preisen,' 
die in Hamburg und Bremen der seewärta eingegangenen Wolle zuge- 
schrieben werden, und den DarobschnittapreiBen der Keiehsstatistik« ob* 
gleich die letztere neben der hanBeaiigchen Einfuhr hauptsächlich die 
über Belgien eingehende billige Laplatawolle zu berücksichtigen hat. 

Bedenkt man, dafs auch die hanseatisohen Angaben keinen Anspruch da- 
muf haben, den Betrag, der für die in Deutflohland eingeführte Schafwolle 
vom In lande an das Ausland gezahlt worden ist, absolut richtig darzustellen, 
so wird die Ansicht wohl nicht als ungerechtfertigt erscheinen, dals die 
Reichsstatistik nicht in der Lage ist, den Durchgchnittspreis aelbst dann, 
wenn es sich um einen anscheinend leicht zu beurteilenden Artikel han* 
delt , auf 20 Proz. genau festzustellen , so dafs beispielsweise Toc dem 
Werte» den sie der in den freien Verkehr eingeführten Schafwolle zu* 
schreibt, mindestens 50 Millionen M. jährlich in der Luft seh weben 
würden. 

Der Einfuhrwert von Garnen und Seide war nur 1889 unge- 
wöhnlich hoch ; der Mehrbetrag gegen das Vorjahr entfiel in diesem Jahre 
hauptsächlich auf ungefärbte Kohseide, zur reichlichen Hülfte infolge 
Erhöhung des Durchschnittspreises, und auf Wollengarne, euch bei dieeen 
zu mehr als ein Drittel durch Preiserhöhung. 

Bei dem Holze verteilte sich die Mehreinfuhr den Mengen nach in 
folgender Weise: 



Holt, roh 

Holt, einfach 
b6Arb«ttet ') 



leSß 1886 1887 1888 1889 1890 

Tftnsende Tonnen 
893,!! 1053,3 1412,0 i8i2,i iSl2,.i 



1891 



1892 



»379>a l^S.» 



1377,9 892r« 1052,2 

760,« 44J,9 719.1 802,8 1133.3 ll6s,s II 14.6 I30I|9 1 
Der Ansohlufs der Hansestädte scheint nur in der Weise gewirkt zo. 
haben, dafs er die Ausfuhr rechnungsmäfaig um etwa 80 000 Tonnen 
Bau- und Nutzholz vermindert und die Einfuhr durch Umwandlung Ton 
etwa 1 000 Tonnen früherer Durchfuhr vermehrt hat. Der eigene Konsum 
der Ausschlüsse an seewärts eingegangenem Holze läfst sich nicht bestimmen. 
Nicht 2n übersehen ist Übrigens, daCi die SchÜtzungspreiBe des Hol- 
zes zu den besonders bedenklichen gehoreUp 



1) Einftchl. geringer Mengen Fischbein- and Hornttibe, 



Misiellen. 285 

Ton den in den freien Verkehr eingeführten Oelfrüehten ist ein 
Teil sollfrei za Auefahrfabrikaten verarbeitet worden; anoh nach Abzug 
deeeelben verbleibt eine sehr ansehnliche Zunahme der Einfuhr. Es ver- 
blieben nimlich 

1885 1886 1887 1888 1889 1890 1891 1892 

Tansende Tonnen 
238,1 202.7 228,4 274,9 321,6 372,9 4",» 387.6 

Auffallig ist folgender Umstand, der vielleicht auf unrichtige Freis- 
bestimmung hindeutet In den Jahren 1885 bis 1892' sind im ganzen 
189 958 Tonnen Oelfrüchte zollfrei verarbeitet worden; als ausgegangen 
von Mühlenlagem werden aufgeführt 58 867 Tonnen Eüböl im Werte 
von 24 698 000 M. und 5487 Tonnen Speiseöle im Werte von 4 122 000 
M, Aulser Raps und Etibsaat sind fast nur Mohn, Sesam und Erdnüsse 
verarbeitet worden, die sämtlich durchschnittlich teuerer als die ersteren 
sind. Bechnet man jedoch den Wert der verarbeiteten Oelfrüchte nur 
nach den geschätzten Preisen des Raps, so ergiebt sich derselbe zu 
41804 000 M.y während die Fabrikate zusammen nur den Wert von 
28815 000 M. erreichen sollen. 

In Bezug auf die anderen am Einfuhrttberschufs besonders stark be- 
teiligten Artikel mag nur erwähnt werden, dafs unter den rohen unedlen 
Metallen Kupfer sich durch sehr starke, 1889 plötzlich eintretende 
Einfohrzunahme 1) und Blei und Zink durch gesteigerte Einfuhr bei ab- 
nehmender Ausfuhr auszeichnen, während unter den Düngemitteln 
und Abfällen Kleie etc., Oelkuchen, tierische Blasen etc. und Super- 
phoephat besonders starke Einfuhrzunahme erfahren haben. 



Während die Einfuhrwerte von Yieh, Nabrungs- und Genufsmitteln 
und einigen Rohstoffen weit stärker gewachsen sind als deren Ausfuhr- 
werte, hat namentlich bei den Fabrikaten der Textilindustrie (unter welche 
Game und Seide hier nicht eingerechnet sind) und bei den Leder-, Rie- 
mer- etc. Waren seit 1888 eine starke Abnahme der Ausfuhrwerte statt- 
gefanden. 

Es überwog nämlich die Ausfahr über die Einfuhr im freien Verkehre : 

1885 1886 1887 1888 1889 1890 1891 1882 
Mehrausfohr in Millionen Mam 

737.8 725.5 712,1 710,8 616,7 601,4 

126.9 123,8 104,1 90,6 83,8 73.0 
4 21.0 367,9 307,8 367.1 389,1 378.1 

990,2 1194,8 1285,1 1216,7 1123,5 1167,8 1089.1 1052,5 

Die Ausfuhr von Textilfabrikaten betrug in Tausenden Tonnen 
70,60 78,50 86,49 85,23 79,44 82,94 83,28 92,24 



TextUfabrikate 


544,8 


674,8 


Lederwaren 


104,9 


117,8 


ioderea«) 


341.0 


402,2 



1) Da(s Cementkupfer früher vielfach als £n deklariert wurde (B-St. Bd. 47), hat 
diriuf schwerlich wesentlichen Einflafs. 

2) Anfser den bei der Einfahr erwähnten Waren s. S. 876. 



286 Misiellen. 

Den Werten nach waren daran beteiligt 





1885 1886 1887 1888 1889 1890 1891 189« 




mit Millionen Mark 


Zeugwaren 


360,4 


408,3 


439,6 


434,9 


424.8 


425,2 


375.7 


384.5 


Strampfwaren 


88,1 


106,2 


109,9 


105,8 


108,6 


106,6 


«7,2 


93.4 


Posamente 


477O 


56,9 


62,5 


63,4 


68.3 


72.0 


67.7 


63,» 


Spitaen and Stickereien 


38.4 


59,4 


62,6 


49,4 


40»« 


38»o 


28,0 


17.2 


Kleider, Wisclie und Patawaren 


86,8 


97,2 


103,7 


104,8 


121,9 


121,8 


"3.8 


88,t 


HOte, Schmackfaden und kilnstUche 


















Blumen 


27,7 


30,8 


30,0 


28.3 


234 


20.1 


21,4 


20,0 


Anderes 1) 


9,6 


10,9 


12,8 


14*6 


14*4 


13.« 


12.6 


12,8 


mit Abrundoug 


658.0 


769,2 


821,0 


801,2 


801,0 


797.2 


705.9 


679.7 


dagegen Einfuhr 


II3i7 


94.4 


83,8 


75.7 


88,9 


87,0 


89,2 


78.4 



Unter den ausgeführten Zeugwaren befanden sich 



seidene 11. halbseidene 
wollene 
baumwollene 
leinene 



133.5 

158.4 

54,8 

13.5 

Am Au£fallend8ten 
halbseidenen Zeugwaren 



1886 1886 1887 1888 1889 
fOr Millionen Mark 

163,8 174,4 165,1 

189,8 172.7 181,4 

65,1 61,4 63,8 

'5.8 I5'5 H18 



1890 1891 



163,4 

172,4 

58.1 

13.8 



175,2 

180,1 

68,4 

15.4 

tritt hier die 
hervor , yon 



127,9 

165,8 

63 8 

18,4 



1889 



123,3 
165.5 

74.1 
21,2 



Ausfuhrabnahme der seidenen und 
der besonders die halbseidenen 



Zeuge, Tücher eto. auf ihren Hauptmärkten, den Vereinigten Staaten and 
England, betroffen worden sind. Der Verf. hat schon wiederholt *) darauf 
hingewiesen, dafs die Reiohstatistik im Vergleich mit den Handelsaus- 
weisen des Auslandes unsere Ausfuhr von seidenen und halbseidenen 
Waren bedeutend zu hoch bewertet ^) ; sie setzt z. B. die nach den Ver- 
einigten Staaten ausgeführten derartigen Waren etwa doppelt so hoch im 
Werte an, wie dieselben bei den in Deutschland wirkenden amerikanischen 
Konsulaten deklariert worden sind. Thatsächlich hat ja namentlich 
Krefeld, der Hauptpunkt der deutschen Seidenindustrie, neuerdings schlechte 
Zeiten durchzumachen gehabt. Seine Auefuhr an seidenen und halb- 
seidenen Zeugwaren nach auCserdeutschen Ländern betrug nach den Be- 
richten der Krefelder Handelskammer 



1885 



1886 



1887 



1892 



1888 1889 1890 1891 
Millionen M. 
49,5 54,9 54,7 45,6 50,9 54,2 44,4 39,9 

Hat die Beichsstatistik Becht, so müsseo, volle Bichtigkeit der beider- 
seitigen Zahlen vorausgesetzt, andere Fabrikationsorte zur Ausfuhr geliefert 
haben 



1) Fnfsdecken, Filae, Haargewebe und Seilerwaren. 



Dentschlands Warenhandel, S. 20 etc., Deutschlands Warenansfahr nach den Ver- 
•ialgteii Staaten (Berlin 1891, L. Simioo], S. 81. 

8) Fraglich erscheint es, ob die starke Preisherabsettang der Binder — der seidenen 
VM 8400 M. fttr 100 kg 1889 bis auf 4000 M. 1899, der halbseidenen Ton 8100 M. 
1890 auf 2000 M. in 1892 — eine Berichtigung frttherer Fehler enthält. 



Missellen. 287 

MiJUonen H. 
80,4 108,4 iao,5 118,9 123,5 110,» 83,0 83,4 

Diesen avflUlligeii Zahlen ist •ohwerlich groüse Bedeutung zusuer- 
kennen und zwar weil die BeichsBtatistik gar nicht in der Lage ist, 
weder die Mengen der aus Deutschland ausgehenden halbseidenen Waren, 
noch deren Durchschnittswert genau su ermitteln. Die Bezeichnung 
khalbeeiden'* ist im geschäftlichen 8prachgebrauohe eine vielfiBkch schwan- 
ende , der Art nach sind die Waren ädüserst versohieden — beispielsweise 
fireis-Oeraer oder Glanohauer Kleiderstoffe gegen Ohemnitzer Schirmsstoffe 
oder £lberfelder Möbelstoffe und gegen Erefelder Waren, — ihre Fabri- 
kation wird in yielen Industriebezirken gleichzeitig mit der yon anderen 
betrieben und dte statistisohe Deklaration giebt bei gemischten Sendungen, 
soTiel dem Yer£ bekannt, sehr häufig oder yielleicht in der Eegel nur 
den überwiegenden Bestandteil an. 

Zur Beurteilung der Glaubwürdigkeit der Angaben über die Ausfuhr 
Ton seidenen und halbseidenen Waren überhaupt sind folgende Zahlen 
Ton Interesse: 

Der Einfiihrüberschufs tou Seide betrug 

1S85 1886 1887 1888 1889 1890 1891 1892 

TonDen 
2015. 2707 2743 2989 3229 2745 2575 2876 

im Werte von MUlionen M. 
72,5 106,1 103,7 99.9 125,4 106,1 90,0 92,1 

Dayon wurde der gesamte deutsche Bedarf gedeckt und aufserdem 
wurden an seidenen und halbseidenen Waren aller Art zur Ausfuhr ge- 
lielert 

Tonnen 
4927 5943 6676 6628 6148 5728 4939 4824 

im Werte von Millionen M. 
148,7 179,« 195,9 183,4 I97i0 186,3 146,5 142,0 

Die Ausfuhr Ton wollenen Zeugwaren, die yon 1888 an den 
Mengen nach fast ununterbrochen gestiegen war, erlitt 1889 einen plötz- 
liehen Abfall yon rund 2800 TonneD, nahm dann aber die steigende Be- 
wegung sofort wieder auf. Es liegt nahe, den Sturz von 1889 auf den 
Anschlufs der früheren Zollausschltisse zurückzuführeD. Die Statistik 
Ton Hamburg — Bremen kommt hier wenig in Betracht — giebt nun den 
Verkehr yon Wollen- und Halbwollenwaren aufser Strumpfwaren und 
Posamenten wie folgt an: 

1886 1887 1888 1889 1890 1891 189S 



Ebfohr Undwirts*) 
Auftihr leew&rts 
Einfahr seewärts 
AiuhhT landwärts >) 


994a 
8148 
2426 
1948 


Tonnen netto 

10298 10 318 

8 523 8 564 

2813 2012 

I 690 I 523 


16222 
8153 
1884 
2 818 


10 186 
8312 
2015 
2394 


II 299 
7708 
1866 
2399 


12 156 
8572 
1651 
1683 



1) Im früher erläuterten Sinne. 



m 



HUteUeu. 



Diese Zahlen sind wohl dabin auszalegen, daTs nach dem AnschluBaö] 
zolliDländiiche Wollenwaren zunäohsi im UabermaTeei übrigens auch in 
besonders billigen Sorten ^), in Hamburg eingeführt wurden, während die 
Einfuhr aasländieoher (englischer) abnahm, und dafs Ton Hamburg aua 
Zwischenhandel mit den deutschen Waren in Deutschland selbst Tersuohi 
wurde, jedoch ohne dauernden Erfolg. 

Der gesamte Ausfuhrwert der Wollen waren ist im wesentlichen be* 
dingt durch den t ermuteten Durchschnittspreis der „unbedruckten Tuoh- 
und Zeugwaren'^ welchen die Rdohs&tatiatik von 750 M. für 100 kg im 
Jahre 1885 auf 825 M. im Jahre 1889 hat steigen und dann bis 1892 
auf 680 M. hat fallen lassen. Die Bestimmung eine« zutreffenden Durch- 
schnittspreises für so Tersohieden artige Waren gehört jedoch zu den Vu* 
möglichkeiten. 

In ähnlicher Weise hängt der berechnete Ausfuhrwert der baum- 
wollenen Waren in der Hauptsache yon der Annahme des Durch- 
sohnittspreises für gefärbte etc. dichte Gewebe ab, dessen Hichtigkeii xu 
konstatieren unmöglich ist Der Einflufs des Zollanschlusses soheiot für 
die baumwollenen Zetigwaren ein etwas anderer gewesen zu sein als für 
die wollenen insofern^ als in Hamburg die 1889 plötzlich eingetretene 
Zunahme der Einfuhr landwärts ebenso wie die der Ausfuhr landwärts 
länger angehalten hat. Es betrug nämlich in Hamburg der Verkehr 
Baum wollen waren aufs er Strumpfwaren und Posamenten 



1887 



1888 



Einfiibr lAsdwirt» 


9490 


9 745 


Ausfuhr SMW&rto 


9681 


10386 


Einfabr seewärtA 


6194 


5232 


AuAfuhr Und wärt« 


2639 


2 163 



1889 1890 

TonDen neUo 

12976 

9680 

4907 

4 162 



13038 

9854 
4961 

4008 



1891 



12035 

9 335 
5625 

4 5C>8 



13 179 
11319 
S3«7 
3023 



Wenn hier schon die Seeausfulir 1892 ungewöhnlich hoch erscheint^ 
so läfst die Eeichsstatistik eine noch weit bedeutendere erkennen; die 
Ausfuhr Ton gefärbten eie. dichten Geweben ist nach ihrer Angabe yon 
dem schon nicht gewöhnlichen Betrage Ton 14 456 Tonnen im Jahre 1891 
auf 18 185 Tonnen 1892 gestiegen* Die Zunahme lallt besonders auf 
England, Chile, Argentinien, Brasilien und Eumänien j vermutet darf wohl 
werden, dafs daran besonders die sächsische LausiU und der M.-Glad* 
bacber Bezirk beteiligt sind. 

Die Wertzunahme der Leinen aus fuhr ist hauptsächlich in dem 
gesteigerten Bezüge yon Tisch- etc. Zeug seitens der Yereinigten Staaten 
begründet — 

Was weiter die Strumpfwaren anlangt, so stehen hier die bagra^ 



1) Der DuTcbaciufltdpreia d«r In Hainburg landwärts eiogefübrteo Wollan- ' 
HalbwollenwarttD, «uasehllerslich Slrtinipfw&reti, betrug für 100 k{f 

1887 1888 1889 1B90 1691 189S J 

71Ä 751 637 763 77^ 688 M. | 

Kscb der ReichstatiAtik waren dagegen die Über die Nordsee eioachliefslicli Preili&fsa 
ftOftgegftDgeoeD eotsprecbeDdeD Waren, nur mit EiDscbtnfs der FasatDentea, wert: 

761 803 857 811 ii. — — 



Hisiellen. 289 

wollaneii obenan. Ihr DurchBohnittspreis war bei der Antfohr 1882 jeu 
1000 M. für 100 kg angesetzt» wurde bis 1885 allmählich auf 850 und 
seitdem bis auf 600 M. herabgemindert. Er ist früher wahrsoheinlioh 
ansehnlioh zu hoch gewesen. 

Naeh den Aasweisen der amerikanischen Konsulate sind nämlich in 
flachsen (einsohliefälich Zeulenroda i. Th.) ^) an derartigen Waren zur 
Ausfohr nach der Union deklariert worden beispielsweise 
1887 1891 1892 

fflr 22 950 000 M. 19 007 000 H. 23 939 000 M. 

Kach der Beichsstatistik sind an baumwollenen Strumpfwaren aus- 
gegangen naoh den Vereinigten Staaten 

fQr 22 561 000 M. *) 20 543 000 M. 26 754 000 M. 

nach anderen Ländern 

für 46209000 H. 22230000 M. 25066000 H. 

Der B&ckgang der Ausfuhr nach den ,,anderen Ländern'' entspricht 
keinesfalls den Thatsaohen. 

Wunderliche Schicksale schreibt die Beichsstatistik der Spitzen- 
und Stiokereiindustrie zu. Im Jahre 1886 läfst sie nicht weniger als 
64 300 kg Zwimspitzen im Durchschnittswerte von 20 000 M. für 100 kg 
ausführen, zur reichlichen Hälfte nach den Vereinigten Staaten , deren 
Statistik jedoch so gut wie nichts dayon weifs, im Jahre 1892 ist die 
Menge auf 5600 kg und der Darchachnittswert auf 10 000 M. gesunken. 
Seidene Spitzen mit Metallföden sinken von 1891 zu 1892 plötzlich Ton 
18 000 M. für 100 kg auf 10 000 M. Baumwollene Spitzen und Sticke- 
reien, die 1886 noch 5000 M. wert waren, erreichen nur noch 2500 M., 
ihr Gesamtwert sinkt Ton über 50 Mill. M., im Jahre 1887 auf kaum 
18 Hill. M. 1892 und der frühere Hauptabnehmer, England, hat in seiner 
Statistik yon dem grofsen Falle so gut wie keine Notiz genommen. 

Aehnlich geht es den Kleidern etc. Im Jahre 1889 waren 475 Ton- 
aen seidene und halbseidene Kleider und Putzwaren 44 147 000 M. wert, 
1892 dagegen 419 Tonnen nur noch 20 940 000 M.; der Dorohschnitts- 
pxds war von 9300 M. für 100 kg auf 5000 M. herabgesetzt^). Bei 
den baumwollenen und wollenen etc. Kleidern und Putzwaren stehen z. B. 

5821 ToDnen fBr 58 208 000 M. im Jahre 1892 
gegen 4909 „ „ 68723000 „ „ „ 1889 

Der DurchschnitUpreis ist von 1400 M. für 100 kg auf 1000 M. 
gefallen. 

Auf die hinsichtlich ihrer Wertschätzung herrorragend zweifelhaften 
Waren : halbseidene Zeuge und Bänder, baumwollene Strumpfwaren, Spitzen 

1) In anderen Teilen Dentschlands werden nur anbedeutende Mengen legalisiert. 

f\ Mengen nnTollstftndig ermittelt. 

8) 1889 etieg die Anafahrmenge der seidenen etc. Kleider plStsIich um 60*/ot ^^^' 
nod die der banmwollenen abnahm. Da die Hansestädte schwerlich die bedeutende Mengen 
Nidaier Kleider ans ihrer eigenen Produktion geliefert haben, so hat wohl Aendemng 
te Eabriiiemng stattgefunden. 

Mtt« Folge Bd. TU (LXn). 19 



290 



Miti e lle 0. 



und Stickereien, sowie Kleider fällt fast die gesamte AbDAbme, weicli 
der geschätzte Aystuhrwert der Textilfabrikate seit dem Höhepimkie to 
^'S87 erfahreo hat, — 

BeBoudere BeacbtuDg TerdieDt weiter unter anderem die Ausfuhr vog 
feinen Lederwaren (auBichliersHch Handschuhe und seit 1 . Ju 
188B Spielwaren *)). Dieselbe soll betragen haben: 

1886 1887 1888 1889 1890 18dl 18»S 

Tonil eu 

4989 5*73 5037 385^ 3358 318« 2599 

im Werte von Tiuatnden MArk 

99776 105458 100736 77110 68841 63610 5' 974 

Der Durchschnittswert war 1890 zu 2050 M., im übrigen zu 2UO0 M. 
f&r 100 kg angesetzt. 

Der Yerf bat echon früher die Vermutung ausgesprochen und durollH 
Hinweia auf die Handelwslalisiiken ver^tihiedener Ländtr begründet ^y| 
daTs ätitens der Keiehsstatislik Artikel^ die anderwärts nicht als Leder* 
waren klasaitizitrt werden, yielleicht Albums für Photographjen etc., 
unter .starker Werl üb erschau ung als „feine Ltderwaren*' verrechnet werden. 
Nun hat neuerdings der Abaais von Fhotogruphiealbums beträchtlich ab- 
genommen ^) und zwar namentlich auih nueh den Vereinigten Staaten, 
weiohen die Ausfuhrabtiahme der ^^feineD Lederwaren'' nach dt^r Reichs- 
fitütit^iik zum ^rofaen Teil zur Last fällt ^). Diea ^ iirde, wenn die obige 
Yermutung richtig ist, die Men^;eoabuahme der Ausfuhr tu einem ansehn- 
lichen Teile erklären. 

Als einen im Werte stark Überschätzten Artikel hatte der Verf. fräfarr 
das Papier bezeichnet Jetzt ist der Durchschnittspreis des Schreib'^ 
Druck- und Zeichanpapiers von 85 M. für 100 kg im Jahre 1885 bis 
70 M. 1888, 50 M. 1887 und 37 M, 1891 (1892 40 M.) herabgesetzt 
worden; die Ausfuhr von 2S 609 Tonnen 1885 war zu 20 068 000 M., 
die von 31417 Tonnen 1891 nur zu 11624 000 M. geschätzt worden. 
Allerdings ist der Preis des Papieres bekanntlich stark gesunken^ aber zu 
einem guten Teile ODtspricht die PreisherabHetzuug doch wohl einer Be- 
richtigung früherer Fehler. Der Hauptabnehmer England giebt den Wert 
des au& Deutschland eingeführten Bohreib- und Druckpapieres 1686 la 
durchi^chniltlich 59 M. für 100 kg, 1891 dagegen zu 47 M. an. 

Erwähnung verdient, dafa die Ausfuhr feiner Galanteriewaren seit 
1886 bis auf nicht viel mehr als den sehnten Teil^ die der leinen Gegen- 



1) Die Menge der seit 1, JuH 1888 abgeachiedeneti und so Spiel waren ger echoe 
feinea LederwAreo \AUt sich uiclit geoAii feststelleiit kAnn mber mehrere bandert Tonn 
betrftKeo. Durch diese veränderte Rabniiemng sinkt der Prei» der Tonne von 20Q00 
auf 1500 M. 

S) Deutachlfttids WArenhandef, S. 50. 

3) So 1. B Bcrieht der Aeltesten der Berliner KaafmuiiischAft 189S| 8. Sdl, Bericht 
der Handelskammer Offeubacb 18dS, S 89, 

4) Mach den Aiij^ben des amerikanischen GeneralkooBUlats in Berlin iat di« Aa»* 
fahr von Albama aa» Berlin, dem wicbtigsten Platse flr diesen Artikel, nach den Vcr« 
dnigten Staaten von B426 0DO M. in dem am 90. Jani achliersenden Bechnoog^ahre I8t0 
andaaernd gesunken bis auf 1407 000 M im Rechnungsjahre 1893. 



HisselUn. 291 

•tiiid« TOD Almnhiiam, Niokel eto. auf weniger als die Hälfte geennken 
•ein eolL Dm ist jedenfaUs nicht 80170111 die folge daron, dals der 
eifene Konsum der Hanseetfidte nioht mehr als Ausfuhr au^ef&hrt -wird, 
als vidmehr Ton Torftnderter Bnbriaierang. Die Dorohsicht der statiBtisohen 
Zahlen erweekt den Eindruck, da(s die oben genannten beiden Waren- 
arten in schwankender Weise als solche oder als Kurzwaren deklariert 
werden, dab aber in das Gebiet der Kurawaren wieder die p,feinen Eisen- 
waren'' einerseits, die „unToUständig deklarierten Spielwaren" andererseits 
eingreifen und Yeraweigungen noch nach yersohiedenen Bichtungen laufen. 
Zur Erläuterung genügt wohl folgende Ausfuhrttbersicht : 





1886 


1887 


1888 


1889 
Tonnen 


1890 


1891 


189S 


Galanteriewaren 
▲iBBinivm- ate. Waran 
Kanwaran 


alöS 
1536 


260 
3169 
1440 


359 
2341 
"37 


98 
1590 
1757 


81 

1379 
2115 


55 
1417 
«379 


63 

1317 
ao7a 



4932 4869 3737 3445 3575 3«5i 345« 

Die geänderte Rubriaterung würde den Durchschnittspreis, der für 

Galanteriewaren an 9000 M. und für Aluminium- etc. Waren au 6000 bis 

6500 M., nur 1892 au 5000 M. angesetzt war, auf rund 2000 M. für 

die Tonne werfen. — 

Gegenüber den lahlreicben Warenarten, deren Ausfuhr in neuerer 
Zttt stagniert oder abgenommen hat, aeigen nur yerhältnismäfsig wenige 
«ne ansehnliche Zunahme des Ueberschusses der Ausfuhrwerte über die 
Einfkihrwerte. Yen ihnen sind folgende herrorzuheben : 

AusfohraberschaTt in Millionen H. 

1885 1886 1887 1888 1889 1890 1891 189» 

Ckeaieeha Fabrikate 97,1 103,8 108,4 108,8 I30,s 130,2 i^6,t 145,8 

Qegenetlnde der Litterator ete. 39,1 38,1 49,9 4^/1 54*8 ^»9 03,0 61,7 

Die Ausfuhr der chemiBohen Fabrikate ist seit 1885 fast ohne Unter- 
bieebung um über 50 Millionen M. gestiegen. Davon fallen 20 Millionen 
M. auf Alizarin und Anilinfarben und rund 15 Millionen M. auf „nicht 
»nderweit genannte chemische Fabrikate und Farben'^ deren Wertschätzung 
ganz besonderen Scharfsinn erfordert, 5 Millionen M. auf Alkaloide etc. 

An der AusfubrsteigeruDg von Gegenständen der Litteratur und 
ödenden Kunst, welche seit 1885 über 30 Millionen M. beträgt, sind 
Bisher etc. mit rund 10, Farbendruckbilder mit 30 Millionen M. beteiligt, 
die ersteren fast ausschliefslich infolge Erhöhung des DnrchBchnittspreises, 
der ebenso wie der der Farbendruck bilder ein ziemlich willkürlicher ist ^). 
Dsnuf, dafs der Ausfohrwert der Farbendrackbilder, der seit 1880 von 6^/^ 
•sf 48 Millionen M. gestiegen sein soll, höchstwahrBcheinlich gewaltig 
ftbttrschätat ist, hat der Verf. schon früher hingewiesen. 

Von allen wichtigeren Waren haben wohl den bedeutendsten Anf- 
•ehwnng des Ausfuhrwertes die Bürsten binderwaren erfahren, und 



1) Die Korporation der Berliner BaehhüDdler hat sfch für onfEliig lor Angabe 
tttm satrefTeaden Dorebsclinittspreises der aas Deutschland ansgeführten Bücher etc. er- 
klirt Bericht der Aeltetten der Kaaftnanneehaft von Berlin, 1898, 8. 48. 

19* 



292 



M ! ä s e 1 1 « D. 



zwar Yon etwa 3 Millionen M. im Jahre 1885 auf t5V« KiUioneii 
I>ies igt im weseotlicheD eine Dur scheiDbare ZuDahme. Eioerseita ii 
nämiicli der DoToheohnittBpreis der groben BüratenbinderwareD seit 1888 
plötzlich voD 140 M. für 100 kg auf 400 U,, der der feioen von 700 M. 
Buf 2000 M, erhöht worden ^) and andererfleits sind 1889 allem Antoheine 
nach über 200 Tonnen all feine Waren, anstatt wie früher alt grobe 
aufgeführt. Der Menge nach ist die Ausfuhr im ganzen seit 1B85 nur 
Ton 1284 Tonnen auf 1629 Tonnen gestiegen. 

n Von weiterem Eingehen auf Einzelheiten kann hier wohl abgeeeheit 
werden. ■ 



Im allgemeinen aber mag, einige frtihere Betrachtungen zuiammen* 
fas^endp noch folgendes bemerkt werden« 

Es ist in Deutsohland, ebenso wie in jedem anderen Lande p nicht 
möglich, über die internationale Zahlung«- oder Wirtsohaftabilanz, Ton 
welcher die Kandelabilanz nur einen Teil bildet» volle Klarheit zu er- 
langen. Das Aufsuchen der HandeUbilanz ist auch keineswegs die Haupt- 
aufgabe der Handelsstatistik und die wirklich richtige Ermittelung dieser 
Bilanz ist als praktisch unerreichbar zu betrachten. Die deutache Statistik 
speziell vermag nach ihrem Wertschätzungssysteme nur eine rohe An- 
näherung zu geben. Die tou ihr früher ermittelte Ueberbilanz hatte ftn 
■ich weoig Wahrscheinlichkeit^ da Deutschland zweifellos ein international 
reiches Land ist. 

Trotzdem ist die Verwunderung über den plötzlichen Umschwung der 
deutschen Handelsbilanz seit 1889 ganz berechtigt. Denn derselbe isl 
keinesfalls allein dadurch zu erklären, dafs grobe Fehler der Wertschätzung 
entgegengesetzter Bichtung wie früher gemacht worden seien. 

Es liegen yielmehr diesem Umschwünge eine Mehrzahl von Ursachen 
zu Grunde, welche allerdings nicht sämtlich klar erkennbar sind. 

Jedenfalls ist die internationale Wirtechaftsbilanz Deutschlands durch 
den Zutritt Hamburgs und Bremens zum deutschen Zollgebiete derart Ter- 
ändert worden, dafd die Handelsbilanz ^^ungünstiger'' werden mufate. Inwie- 
weit die internationale Wirtschaftsbilanz noch durch andere aufserhalb des 
Handels liegende Umstände wenigstens zeitweilig geändert worden ist^ 
läTst sich nicht entscheiden* 

Weiter muTsten infolge des Umstandes, dafs die Hansestädte aus Zoll- 
ausland zu Zollinland geworden sind, die Waren, deren Verkehr diese 
Städte Yermitteln^ bei der Einfuhr verhältnismafsig billiger^ bei der Aus- 
fuhr verhältnismäfsig teuerer angesetzt werden als frliher* Dies ist, mit» viel- 
leicht zufälliger, Ausnahme dar Baumwolle und Schafwolle in den beiden 
letzten Jahren nicht geschehen. Die volle Berücksichtigung dieses Ein- 
flusses ist auch bei dem von der Eeichsstatietik angenommenen Schätzungs- 
BYsteme als unmöglich zu bezeichnen. 

Drittens haben Aenderungen der Wertschätzung stattgefunden, welche 
nach allem Anscheine weit mehr frühere IJebergchätzungen der Ausfuhr- 
werte berichtigen, als neue Ueberschätzungen herbeiführen. Zugleich hat 



1^ im Statist. Jabibaeb axod die Werte fUr 1085—87 omchtrftglieh «rbSbt wordl«ii. 



Missellen. 293 

die Auafiihr einiger besonders stark überschätzter Warenarten teils that- 
sftehWeh, teils wohl soheinbar, infolge veränderter Deklarationsart, ab- 
ganommen« 

Einigen Umständen , die für onyollständige Ermittelung der Ausfuhr- 
mangen in den Hansestädten sprechen, kann genügende Beweiskraft nicht 
jnierkannt werden. 

Der oben erwähnte Einflufs des Zollanschlusses ist so schwer- 
wiegendy dab yoranasichtiich auch in Zukunft die deutsche Handels« 
Statistik y wenn de die Omndsätze ihrer Wertschätzung nicht ändert, 
zn einer XJnterbilanz gelangen wird, aber bei der Unklarheit über andere 
mitwirkende Ursachen Iftfst sich darüber, ob die Höhe dieser zukünftigen 
Unterbilanz sich wie anscheinend für das laufende Jahr so auf die Dauer 
Termindem wird oder nicht, kein Urteil abgeben. 

Oktober 1893. 



\ 



294 



Missellen. 



Englands Aursenhandel im Jahre 1892^). 

Von M. Dieimann. 

Die auf- und alMteigende Bewegung des engUscheD AaftoohaDdalty die 
1886 eioen Tiefpunkt erreicht hatte, war seitdem bis Ende dar 80er Jahre 
in stark aufsteigender Richtung geblieben, sowohl in Bemg anf die Ein- 
fuhr Ton Waren, wie in Bezug auf die Aasfuhr derselben. In neuester 
Zeit jedoch zeigen Einfuhr und Ausfuhr Tersohiedenes Verhalten. Die Ein- 
fuhrwerte schwanken nur yerhältnismäfsig wenig um den in der eng- 
lischen Handelsgeschichte fast beispiellosen hohen Stand, den sie im Jahre 
1889 erreicht hatten; die Ausfuhrwerte dagegen sind yon dem allerdings 
ebenfalls beispiellosen hohen Stand des Jahres 1890 in den beiden letzten 
Jahren rasch herabgesunken. 

Aus den endgiltigen amtlichen Ausweisen ergiebt sich für das Jahr 
1892 folgende Znsammenstellung: 

Werte in Tausenden £ 
Englische Verein. Andere 



Ei nfuhr: 



Waren 

Edelmetalle 

Darchfahr 



A asfuhr: 

Waren, englische 

H fremde und koloniale 
Bdelmetolle 
Durchfuhr 



EinfohrÜberschuA 
Ausfnhrübersehufs 
Warenausfuhr in Pros, der Einfuhr 
desgl. einschl. Edelmetalle 



Europa 

175079 
6605 
7045 


97 766 ») 
10950 
I 127 


Staaten 
108 186 


Linder 

4*763 
8421 
1600 


im gansen 

4*3 794 
3*330 
10 581 


188 729 


109843 


"5 347 


52784 


466705 



78903 

39532 

13554 

1594 


1 'tt 

9855 
2640 


*6 547 

4865 

150 

4620 


46997 
3585 
5 35* 

17*7 


227 077 
64563 

28 911 

IG 581 


133 583 
55146 
67,66 

7*f66 


93706 
16 137 

83.07 
83.76 


46182 

69165 

38,28 
36,«» 


57661 
4877 

Il8,98 
109,18 


331 13* 

135 573 

68,ss 
70,28 



Gegen das Vorjahr zeigt die Wareneinfuhr eine Abnahme von kaum 
8 Proz., die Warenausfuhr dagegen, beinahe ebenso wie im Vorjahre, eine 
solche von fast 6 Proz. Die Aasfuhrabnahme fällt jedoch aussohliefslioh auf 
die englischen Waren, die einen Ausfall von 8 Pros, erlitten haben, 



1) U«ber die Vorjahre tind Milleiluiigeu gegobsD in den Jahrb. 3, F. Sd. lU, S, 4 IS 
«od Bd V, 3, 444, 

2) Anfterdero ward«£i au Dtamaatan vom Rip, welch« m diesem Jahr lam enGso 
Mal aufgeführt wefdin, rar IK^Ö 9Ut Pfd. Sutl elßgemhrt 



Misiellen. ^5 

wihxend die Ansfohr yon fremden and kolonialen Waren eine Zunahme 
TOD ftber 4 Proz. erfahren hat. 

Von den in England eingeführten Waren haben besondere Aufmerk- 
•amkeit in beanspruchen einerseits die Bohstoffe für die Textilindastrie, 
ond andererseits die Nahrungs- und GenuTsmitteL 

Die Einfuhr Ton Bohstoffen der Textilindustrie hat nach 
ihrem Gesamtwert allerdings eine Abnahme erlitten. Diese Abnahme trifft 
in der Hauptsache die rohe Baumwolle. Yon dieser war jedoch im Vor- 
jahr eine grSfsere Menge zugeführt worden, als je auTor, während gleich- 
seitig die wieder ausgeführte Menge geringer war als seit yielen Jahren, 
ao dals der noch nie erreichte Betrag von 16,2 Millionen englische Gtr. 
verfügbar geblieben war. Die Baumwollzufuhr des Jahres 1892 ist 
immerhin den Mengen nach eine reichlich normale, der Durchschnitts- 
preis war jedoch mit 2,39 Pfd. Sterl. für den englischen Ctr., entsprechend 
96 M. für 100 kg, ungewöhnlich niedrig. 

Der Gesamteingang von Bohstoffen der Textilindustrie^) 





1889 


1890 


1891 


1892 






Tausende £ 




BaamwoUe 
Schafwolle 
Jäte«) 
Aodsres 


4564a 

28362 

5429 

9755 


42757 

26931 

4922 

8635 


46081 

27857 

4204 

8923 


37888 

26839 

3891 

7860 




89198 


83245 


87065 


76478 


Davon wurden wieder 


ausgeführt 










1889 


1890 


1891 


1892 






Tausende £ 




Baumwolle 
Schafwolle 
Jäte 
Aoderes 


5872 

15418 

1745 

2637 


4750 

14463 

1594 

2224 


3788 

15785 

1351 

2827 


4536 
16802 

1289 
2297 



25672 23031 23751 24924 

Die Einfuhr von Nahrungs- und Qenufsmittel n läTst die 
irirtsehaftlichen Verhältnisse des englischen Volkes im Jahre 1892 durch- 
las nicht als ungünstige erscheinen. Allerdings ist der Gesamtwert dieser 
Einfohr nur um eine Kleinigkeit gestiegen, aber ein gana ansehnlicher 
Betrag, der am Bezug von Getreide erspart wurde, fand seine Verwendung 
lur Beschaffung von Nahrungsmitteln tierischen Ursprungs. Die Einfuhr 
«rrdchte folgende Werte: 



Mahinngsmittel tierischen Ursprungs 

Gelrelde etc. 

SMker 

Andeivs 


1889 

43721 
55842 
23081 
40046 


1890 1891 

Tausende £ 

46164 46 715 

18706 20488 
41 044 41 953 


1892 

SO 873 
63955 
20516 

41695 




162690 


164089 176569 


177 039 



Q DU Babriiierung ist hier wie im folgenden die der BeichssUtistik. 
4 Ota MtBgen nseh ist die Binfiüir Ton Jute andauernd gesunken von 888 458 Tons 
UM Ms 258860 Tons 1892. 



296 



MiBsellen. 








Die Wiederausfuhr dieser Waren betrug: 








1889 


1890 


1891 


189» 






Tausend« £ 




NahrangBinittel tierischen Urspniogs 

Oetreide etc. 

Zacker 

Anderes 


1734 

2002 

861 

8330 


2088 

1939 
960 

8519 


1883 

2296 

461 

7305 


ai66 

»313 
412 

7 395 




12927 


13506 


11945 


12286 


Unter den Nahrungsmitteln tierischen 


Ursprungs standen obeni 




1889 


1890 


1891 


1892 






Tausende £ 




Butter and Margarine 

Speck, Sehmals and Schinken 

Fleisch, frisch und gesalsen 

Eise 

Eier 


13900 

11972 

6828 

4491 
3 128 


13682 

II 939 

8431 

4975 

3 4»9 


15149 
II 162 

8531 
4813 
3506 


15678 

13 "7 

9210 

5417 
3 795 



Der gesteigerte Bezug yon Fleisch und Speck etc. ist im letsten 
Jahr nicht etwa durch yerminderte Einfuhr yon Schlachtyieh yeranlafst^ 
denn die Einfuhr yon Vieh ausschliefslich Pferden betrug: 

Taasende £ 
10 391 II 246 9282 9393 

In Bezug yon Oetreide etc. traten die Vereinigten Staaten für den 
durch das russische Ausfuhrverbot entstandenen Ausfall ein. Es kamen 
nämlich an Getreide und Mehl, also abgesehen yon anderen mehligen 
Nahrungsstoften : 

1889 1890 1891 ' 1892 

Taasende £ 
Aus den Verein. SUaten 18 209 19 890 22443 30 367 

„ Bafsland 14808 13 206 13833 5242 

„ anderen Ländern 18 169 20389 25746 23 124 

51 «86 53485 62022 58733 
Durch die Mehrlieferung yon Oetreide, sowie yon Nahrungsmitteln 
tierischen Ursprungs haben die Vereinigten Staaten die Minderlieferung 
yon Baumwolle mehr wie ausgeglichen. 

Weit weniger günstig als die Verhältnisse der Einfuhr erscheinen 
die der Ausfuhr, soweit die englischen Waren in Frage kommen. Von 
der ungttnstigen Oeschäftslage ist yor allem die Eisen- und Maschinen- 
industrie betroffen worden, zum Teil allerdings infolge des Rückgänge» 
der Preise, aber doch jedenfalls, wenn auch nicht durchgängig nachweis- 
bar, ganz überwiegend infolge der Abnahme der Absatzmengen. Die 
Ausfuhr englischer Waren betrug nämlich in Tausenden Pfd. Sterl.: 





1889 


1890 


1891 


1892 


Game and Seide 


21649 


22291 


21 203 


19360 


Teztilfabrikate 


98520 


99871 


94503 


89725 


Oegenstinde der MttaUindiutrle 


38943 


43182 


37227 


31 180 




17971 


19466 


18526 


16354 




1975 


3030 


1774 


827 


Brmisto 


14782 


19020 


18895 


i6 8it 


A-^ 


. Jf^5 


56671 


55107 


52820 



1935 «63531 247235 227077 



MiBsellen. 297 

Dio wichtigste Warengrappe, die der Textilfabrikate, erreiohte 
1892 einen geringeren Wert, ala in irgend einem Jahre seit 1880, mit 
einiiger Aoinahme des Jahres 1885; gegen 1890 ergiebt sieh ein Aus- 
Ul Ton nicht weniger als 10 Mill. Pfd. Sterling. 

Die Ansfohrwerte waren folgende: 



Banmwoliene Web- 

UDd Wirkwaren 
Woilene „ 
Anderes 


1889 

56101 
21325 
21094 


1890 1891 
Taasende £ 
59099 56976 
20418 18447 
20354 19080 


1892 

53398 
17907 
18420 




98520 


99871 94503 


89725 



Die Einfahr dagegen hat nieht nar nicht ab-, sondern sogar am eine 
Hflbigkeit zogenommen und damit den höchsten Stand seit 1880 er- 
nieht; sie betrag 

Taasende £ 
28364 27519 27975 28419 
woTon wieder aasgef&hrt warden 

Taasende £ 
3290 3856 3464 3275 

Die Aaafahrabnahme trifft hauptsächlich auf ungebleichte, demnächst 
«ich gebleichte, nicht gefärbte etc. fiaumwollstoffe und bei diesen wieder 
umentlich auf Ostindien (einschl. Strafsenansiedlungen und Ceylon) und 
Quna (einschL Hongkong). Die Wertabnahme ist jedoch größtenteils 
dsnh Sinken des Durchschnittspreises Teranlaftt. Es warden nämlich 
TOD derartigen Stoffen abgesetit 

1890 1891 1892 
Taasende Yards 

nach Ostindien 1 807 353 l 627 186 l 625 836 

,, China 503 88 1 462 829 426 136 

andern LKndern l 270 481 i 343 409 l 277 065 





3581 


715 


3433424 3329037 


Q Werten nach 






1890 1891 1892 
Taasende £ 


nach Ostindien 
„ China 
M anderen LKndem 






15967 14442 13 "7 

5128 4729 3985 

13232 13843 12485 



34327 33014 29597 

Danach findet die Ansicht, dafs die Wertabnahme der Ausfuhr Ton 
BanmwoUwaren nach Ostindien und China durch die Konkurren s der in 
Ölungen selbst heranwachsenden Industrie sowie durch die Konkurrens 
te Yereinigten Staaten yeranlafst sei, für das vorige Jahr in der eng- 
^i*^^ Statistik durchaus keine schwerwiegende Unterstützung. Dagegen 
^ noh die Ansicht, dals die ostindisohe Spinnerei auf die englische 
Aiiiftihr TOB Baumwollgarnen nach Ostindien und China nachteilig ein- 
wirke, doroh den Hinweis auf die englische Statistik nicht gerade wider- 
^^1 dsnn diese Ausfuhr ist 1892 allerdings nach Menge und Wert 



298 Misaellen. 

geringer gewesen als in irgend einem Jahre seit 1880 ; aber bei Ber&ok* 
sichtigung einer längeren Zeitdauer zeigt dooh gerade die Auafahr Ton 
Baumwollgarnen nach Ostasien zu bedeutende und zu unregehnSCuge 
Schwankungen, als dafs aus den Ergebnissen eines Jahres weitgehende 
Schlüsse gezogen werden könnten. 

Die englische Ausfuhr von Garnen und Seide erreichte folgende 
Werte 



Baomwollgarne 

nach Ostindien a. China 

,, anderen Ländern 
andere Game a. Seide 


1890 

9084 
9950 


1891 1892 
Taosende £ 

3003 2129 

8 174 7 564 

10 026 9 667 




22 291 


21203 19 3^ 



Den Mengen nach ist die Ausfuhrabnahme der baumwollenen Game 
infolge des Sinkens der Durchschnittspreise weit geringer als naoh den 
Werten und auf Ostindien und China beschränkt. Die Ausfuhr betrag 
nämlich in Tausenden engl. Pfunden 

1890 1891 1892 

nach Ostindien n. China 67 309 66 288 50 503 

„ anderen Ländern 190 982 178 971 182 819 

258291 245259 233322 

Noch ungünstiger als für die Textilindustrie lagen, wie sohon er- 
wähnt, die Absatzverhältnisse für die Metallindustrie, im besondern fttr 
die Eisenindustrie. An Metallartikeln aller 'Art gingen aui 

1889 1890 1891 1892 

Tausende £ 

Eiiien 3^ 131 34330 29405 23960 
anderes 6812 8852 7822 7 220 

38943 43182 37 "7 31180 

Während im Vorjahre namentlich der Absats nach Argentinien, Ost- 
indien und Deutschland-Holland gelitten hatte, wurde 1892 besonders 
der nach Australien, den Vereinigten Staaten, Südafrika und Brasilien 
Ton der Abnahme betroffen. £s wurden nämlich an Gegenständen der 
Eisenindustrie ausgeführt nach 





1890 


1891 
Tausende £ 


1892 


den Vereinigten Staaten 

Australien 

Ostindien 

Deattchland-Holland 


6804 
3843 
3721 
2859 


6440 

2873 
2034 


4987 
2579 
2558 
1806 


Argentinien 
Cap 0. Natal 
BrasOiwi 
•adma Lftod«» 


2539 

1 180 
"853 


865 

1505 

1224 

10 129 


703 
1 165 

852 
9310 




34330 


29405 


23960 



li^ ^^ A^naftihzabnahma nahmen mit wenigen Ausnahmen, wie 
^dattott» liBitliohe Artikel teil, beeonders stark Bisen- 



MiBselleD. 299 

baliMDatexialy Wailbbleeh, Draht und Meeserwaren. Beispielsweise he* 
tx«g die Aotftihr Toa Sohienen in Tausenden Tons 

1 035,4 70a,« 468,8 
der Darehsehnittspreis fttr die Ton 

5»^8 5»4» 4.80 £ 
die Ausfuhr Ton Weifsblech in Tausenden Ton 

421,8 448,* 395.4 
und der Durchsohnittspreis für die Ton 

15,08 15,98 13,48 £ 

Nooh weit stärker jedooh als das unter Eisen aufgeführte Eisenbahn- 
material haben naoh den oben angeführten Zahlen verhSltoismäTsag die 
Eisen bahnfahrxeuge gelitten. 

Die Abnahme füllt auoh hier Torzugsweise auf Argentinien, Ostindien 
«ad Australien. 

Weiter leigt sieh ein starker Ausfnhrrfickgang bei den Masohinen, 
und Instrumenten, deren Ausfuhr allerdings seit 1889 gröfser ge- 
wesen war als je suTor. Diese Ausfahr hatte nämlich betragen 

1889 1890 1891 1892 

Tansende £ 
17 971 19466 18526 16354 

An dem Absati speaiell Ton Masohinen sind, wie leioht erklärlich, 
die Tersohiedenen Länder in den einseinen Jahren in ziemlieh stark 
schwankendem Mafs beteiligt; während der Bückgang des Jahres 1891 
besonders durch Argentinien und Deutschland yeranlafst war, zeigten sich 
1892 namentlich Frankreich, Australien und Brasilien weniger auf- 
nahmefähig. 

Der letzte Artikel, der neben Gegenständen der Textilindustrie und 
der Metallindustrie sowie Maschinen in der englischen Ausfuhr von her- 
Torragender Bedeutung ist, sind die Brennstoffe. Auch diese zeigen 
twar einen Ausfuhrrückgang, aber doch hauptsächlich nur infolge der 
PreisTermioderung. Es wurden nämlich an Steinkohlen, Koks und Bri- 
ketts ausgeführt 

1889 1890 1891 1892 

Taasande Tons 
28956 30143 31084 30454 

im Werte von Tausenden £ 

14782 19020 18895 16 811 

Die Wiederausfuhr Ton fremden und kolonialen Waren, welche die 
«iglische Statistik von der Ausfuhr eigener Waren thunlichst genau 
Qoterscheidet» hat fast Tollständig den Verlust wieder eingeholt, welchen 
ne im Vorjahre erlitten hatte. Die Zunahme fällt hauptsächlich auf 
Schafwolle, Baumwolle, Schmalz und Speck, Indigo und Felle und 
Einte. 

Die besproohenen Verhältnisse lassen auf den Anteil schiiefsen, 
wslahen die yerschiedenen Länder im yorigen Jahr an dem englischen 



300 



^M e 1 1 e Q. 



Handel genaanDen babeD. Der Anteil Kuropfts au der Einfuhr erBchtint 
niedriger, der der Vereinigten Staaten höher oIb seit Tielen Jahren ^ in- 
folge der Termioderten Einfuhr von Getreide aus Katsland, nebenbei 
auch aus RunjänieOr und des gesteigerten Bezuges Ton Nahrun gamittaLn 
aufl den Vereinigten Staaten. 

Der prozentuale Anteil der TerBefaiedeoen Hände Ugebiete an der eag- 
lißcheu Einfuhr war folgender 

Eoropft engl. Beäitziingen ') Verein. SUAt«D «udere L&ndcr 
1S91 42,06 33^84 23,9S tO,t^ 

189t 41,BQ 23,0s 35,5a ]O,09 

Von dem Eückgang der Ausfuhr englischer Waren wurden 
stärkfiten betrol'en die englisehen Besitzungen , im besondern Australien, 
Ost] D dien und Hongkong, demnächst sämtliche europäische Staaten, aufiier 
Kufaland» Dänemark und Btilgarieo, Die Vereinigten Staaten hielten sich 
fast unverändert und Ton den aüdamerikaniichen Ländern ergaben Chile 
und Argentinien einen ansehnlichen Zuwachs gegen das Vozjahr. Pro- 
centual gingen Ton den englischen Waren nach 

EaropA engl. Hesttsungea Verein, SUsteo Rodereo LEndem 
13dl 34.65 34,77 rt,i4 19»^« 

1893 34»75 33,87 11,69 20,70 

Die Wiederausfuhr fremder und kolonialer Waren steigerte ti^ 
namentlioh nach den Vereinigten Staateu , KoUand , Deutschland und 
Bufsland, während sie nach Frankreich ^ Australien eto, abnahm. 

Im ganzen entspricht die Bewegung nicht des englischen Einfuhrhandais, 
wohl aber dos Ausfahrhandels in den letsten Jahren derjenigen , welche 
als charakteristisch für den Welthandel be2e lehnet werden mufs, näialioh 
einem Eückgaog Ton dem 1890 erreichten hohen Stand. Dieser Charakter 
spricht sich in der englischen Handelastatistik noch Bcbärfer aus als in 
der deutschen. Wird der Stand des Jahres 1BB9 mit 100 beseichnet» so 
•teilt sich die deutsche Ausfuhr 

1890 1891 189S 
»nf 104*7 102«0 96,7 

die der englischen Ausfuhr eigener Waren 

auf 105,^ 99,3 91,2 

und die der englischen Gesamtausfuhr von Waren 

&i]f t04,u 97,^ 92,4 

Dafs die englische Einfuhr sich in ganz anderer Weise bewegt alt 
die Ausfuhr, erklärt sich wie so manche andere ähnliche Erscheinung 
diraui, dafs zwischen den Völkern noch andere Wirtschaft Hebe Beziehtinge 
als die des Handels bestehen. 



1) Die amtliche eoglbcbu 8tatUtik kauu »teh noch immer nicht entschliersva, Helgo* 
Und von der Liate der engUschen Besitaimigeu m »treicheo» 



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VI. 

Die Preise des Jahres 1898 in Deutschland und der 
Einfiufo des ZcUes auf die Getreidepreise. 

Von J. Conrad. 

Id den folgenden Tabellen geben wir eine Uebenioht der Daroh- 
■chnitttpreiBe des Jahres 1893 gegenüber den Vorjahren bis 1879, wie 
sie in der offiziellen Beichsstaiistik als TereinEelte Zahlen geboten sind. 
Es ergiebt sich daraus, dafs nach dem arithmetisohen Mittel in dem Jahre 
1893 das Preisniveau gegenüber den Vorjahren nooh mehr gesunken ist. 
Gegenüber dem Durchschnitt von 1879 — 89 gleich 100 zeigt dies letzte 
Jahr einen Rückgang auf 91,52, während 1892 noch auf 95,32, 1891 
98,14, 1890 106,71 stand. Getreide und Mehl sind nicht ganz auf diese 
inäfe herabgegangen, sondern nur auf 93,86, während die Vorjahre, ins- 
besondere das Jahr 1891 sogar wie 100 zu 120, eine erhebliche Erhöhung 
ergaben. Bedeutend zurückgewichen ist das Bohmaterial für die Teztil- 
industrie auf 81. Auch die Metalle gingen auf 89,6 zurück, während 
Steinkohlen auf 114 stiegen. 

(Siebe Tabelle I, II n. III.) 
Zu einem ähnlichen Ergebnis gelangen wir für die Preise in Eng- 
lind, wie sie uns der Economist angiebt. Im Verhältnis zum Vorjahre 
und die Preise der Metalle gesunken, im Jahre 1893 wie 100 : 87, die 
Lebensmittel etwas weniger wie 100 : 89 , obwohl gerade das Ge- 
treide erheblich herabgegangen ist, der Weizen von 31 auf 26,5 sh. per 
Qaarter, die Gerste von 26,5 auf 25,5, der Hafer Ton 19,9 auf 15,4. 
Aach das Fleisch hat einen, wenn auch nur geringen Bückgang erfahren. 
Die Produkte der Textilindustrie sind um ein Geringes gestiegen. Kaffee, 
Thee, Zucker, Oel, Talg sind um ein Unbedeutendes gesunken. Im ganzen 
er^ben sämtliche Nummern einen Bückgang wie 100 : 91. Gegenüber 
öem Durchschnitt Ton 1867 — 77 stellt sich die Gesamtheit der Index- 
nommem in den letzten Jahren 1888: 70, 1889: 72, 1890: 72, 1891: 72, 
1S9S: 68, 1893: 62, die Nahrungsmittel inkl. Kolonialwaren gingen von 
78 im Jahre 1893 auf 66 zurück, das Silber fireilich ist noch stärker 
lierontergegangen yon 65,4 im Jahre 1892 auf 56 im Jahre 1893. 

In besonderer Weise wollen wir diesmal die Preisentwickelung bei 
^«a Getreide verfolgen. Wir erwähnten bereits, dals der Getreidepreis 
in Deutschland im letzten Jahre erheblich hinter den Voijahren zurückbleibt, 



302 



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305 



g^gaiiübar dem Dorchsolmitte yon 1879 — 83 ist er anf 86,8 sarüokgegangeD, 
wihxeiid des Jehr 1892 sieh Doch auf 97 erhielt. Am tiefsten ist der 
Weisenpreie gesunken, im IHirohsohnitt yon 15 Notierangen auf 157,4 M. 
pro Tonne, das ist g^enüber dem Darohschnitt yon 1879 — 89 wie 100 
sn 83,7. Der Monat Desember steht noch unter dem Jahresdurchschnitt 
aut 149 Mark pro Tonne, eine ZifPer, die wir in den letzten 14 Jahren 
yergebens suchen, obgleich unter denselben sehr billige Jahre yorhanden 
waren. In Königsberg und Breslau ist der yerzollte Weizen im Dezember 
sogar mit 132 M., der unyerzollte in Danzig mit 119 M. pro Tonne 
notiert, und man muTs bis in die zwanziger Jahre zurückgehen, um in 
PreuTsen einen so niedrigen Jahreepreis zu finden. In England war der Preis 
suf 26 sh. pr. Qu. gesunken (119,7 M. pro Tonne), im Dezember auf 27 sh. 
gestiegen. Anderthalb Jahrhunderte muTs man zurüokyerfolgen, um einen 
io niedrigen Jahrespreis für Weizen in England zu finden. Um einen 
Anhalt zu geben, wie auch an anderen Orten der Preis zurückgegangen 
ist, erwfthnen wir (nach dem Bericht über den Getreidehandel in Berlin 
und seine internationalen Beziehungen im Jahre 1893 yon Emil Meyer), 
dsTs nach den yon der Begierung ermittelten Durchschnittspreisen in den 
Ter. Staaten Nordamerikas per Bushel Weizen 1890 83,8 c, 1891 83,9 c, 
1892 62,4 c., 1893 52,1 c. gezahlt wurden. In Chicago 1892 79, 1893 
nur 68 0. In New- York im Januar 1-893 81,5 c, im Dezember 68 c. 

Als Grund dieser niedrigen Preise wird allgemein die Ueberproduktion 
sogeeehen, welche in den letzten 3 Jahren infolge im grofsen Ganzen 
(einstiger Ernten, in den hauptsächlichsten Teilen der ciyilisierten Welt 
Toiiag, wodurch erhebliche Vorräte als Ueberschüsse yon einem Jahre 
zum andern herüber genommen werden mufsten und einen Druck auf 
die Preise ausübten. Selbst der bedeutende Ausfall inolge der Mifsernte 
des Jahres 1891 in Bufsland yermochte dies Ergebnis nicht auftuhalten, 
rielmehr wurde er durch die überreichen Lieferungen besonders aus den 
Ver. Staaten yoUauf ausgeglichen. In dem letzten Jahre wurde dieses 
noch besonders unterstützt durch die Erisis und Geldnot in den Vor. Staaten, 
welche das Land zu starken Verkäufen k tout priz zwangen. 

Wir geben in dem Folgenden eine Uebersicht, wie sich die Ein- 
fuhryerhältnisse an Weizen in England in den letzten Jahren gestaltet 
haben: 

Tabelle IV. Britisches Eeich. Einfuhr yon Weizen und W.-Mehl. 



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Pro«. 



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8899221 

16657348 

4362986 

10 061 988 



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11,5 



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40249308 
38109250 

53354133 
50259352 



56,6 
47.7 
46,9 
61,3 
57,3 



3877077 
10 179320 

9603975 

12495442 

6 183 508 



5,7 
12 
11,6 

14.* 

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3872432 
2887534 
3449866 
5234845 
4238341 



25,7 

3i4 

4,1 

6,0 

4,1 



2446930 
3510933 

1 947 991 

2 016 846 
2655188 



3,6 
4,1 
3.1 

«.8 

3,0 



Es ergiebt sich daraus, dafs Bufsland yon 1887 — 91 das doppelte 
Quantum als bisher nach England geliefert hatte, yolle 20 Proz. des eng- 
liichen Bedarfs. Im Jahre 1892 aber ging die Lieferung auf fast ein 

Drittt Folf« Bd. ni (LXU). 20 



M i f ■ e U e t 



Viertel herab, ohne dafs dieser Ausfall io Eügland wesentlich rerspQrt 
wurde* Im Jalire 1893 stieg die Zutuhr wieder mit 10 Mili. Cwte, ober 
den Durch Bohniti der Jahre 1877 — 86 hinaui, indem Buislaod nach Eng- 
land erhebliche Quantitäten Terfrachtcte, welche ohne den Zollkrieg nach 
iJeatBohland gekommen waren. Von 1877^ — 91 haben die Ver. Staaten ziem- 
lieh das gleiche Quantum Ton 38 — 40 Hill. Cwts* in England abgesetzt, fa&t 
die Hälfte oder über die Hälfte der ganzen englischen Zufuhr* In den 
beiden lotsten Jahren sind diese Summen noch erheblich in die Höll 
gegangen auf über ÖO MilLp womit es 57 — 61 Proe. des englischen 
darfes deckte. Die auTser ordentlich günstigen Ernten in Amerika ge* 
statteten eine Steigerung der Ausfuhr um 10 — 12 MilL Cwta., ohne, wi^ 
wir aahen^ die amerikanischen Pruiae halten zu können. fl 

Von Interesse ist es, zu verfolgen, wie sich Britisch-Indien in diesen 
Jahren verhalten hat Noch in den Jahren von 1877 — 83 lieferte m 
nur 3,8 Mill Cwta., 5,7 Proz. der englischen Zufuhr Von 1882 — 91 
ca. 10 Mill. und nahezu 12 Proz. 1893 ging aber die Zufuhr auf 6 Mill. 
und 7 Proz, zurück und zwar» wie berichtet wird, weil die Londoner 
Preise die Lieferung aus Indien nicht mehr gestatteten. Während also 
bei diesen Preisen Amerika den Export noch zu steigern vermochte» ob- 
wohl im letzten Jahre, wie die Mannheimer Handelskammer berichtet, 
die Seefracht von New- York nach Liverpool etwas gestiegen war, hörte 
für Indien bereits die Lieferun gs Fähigkeit auf. Bas ist sehr bedeutsun 
auch für die Silberfrage. Denn es ergiebt sich« dais auch das letzte Laud, 
auf welches möglicherweise wieder das weitere Herabgehen des Silber- 
preises steigernd auf die Auefuhr wirken könnte, an dieser Preisgrenze 
den Dienst versagt, und man wird daher mit Fug und Becht sagen können, 
dafa die Preis Verhältnisse des Silbers fortan für die Gestaltung der Weisen- 
preise kaum eine höhere Bedeutung haben werden, als die der Eisen- und 
Kupfer preise, 

Bntisch-Nordamerika hat in den letzten Jahren eine steigende Be* 
deutung erlangt, es lieferte in den beiden letzten Jahren etwas aber 
5 Proz., Australien 2,8 Froz. In erhebltoh bedeutenderem MaTse ali 
bisher trat im Jahre 1893 Argentinien mit 7,7 Mill., 9,6 Froz. auf» im 
Jahre 1892 nur mit 3,4 Mill., während in den vorhergehenden Jahren 
der Statistical Abstract nicht einmal für wert hält, Argentinien überhaupt 
besonder» anzuführen. Die Gefahr, dafs neue Konkurrenten im Weisen- 
import auftreten, ist deshalb gegenwärtig noch keineswegs ausgeschlossen« 

Deutachland hat in den letzten Jahren eine nicht unbedeutende Steigerucg 
der WeizeDeinfuhr erfahren. In den 10 Jahren von 1880 — 89 schwankte 
die Gesamteinfuhr zwischen 227 000 t im Jahre 1880 und 750 000 im Jahre 
1884, und der Durchschnitt war 466 000 U Im Jahr© 1890 betrug di« 
Summe bereits 672 000, 1891 905 000, 1892 1296 000, 1893 703 000 t. 
Dagegen ist die Koggen einfuhr in den letzten Jahren sogar eine geringere 
gewesen. Von 1880—89 schwankt die Eoggeneinfuhr zwischen 565 00^ 
im Jahre 1886 und 1069 000 im Jahre 1889, während der DurohschniH 
rund 700 000 t beträgt* Im Jahre 1890 belief sich die Einfuhr a^ 
876 000, 1891 auf 842 000 und sank dann 1892 auf 648 000 und auf 
227 000 im Jahre 1893. Während der Hafer grofse Veränderungen nicht 



kisiellen. 30t 

«ofkuwoisen hat» ist dio Einfiihr der Genie erheblich gestiegen. In den 
enrihnten 10 Jahren sohwankte sie swischen 221000 im Jahre 1880 
nnd 651000 im Jahre 1889. 1890 werden bereits 735 000 eingeführt, 
1893 852 000. 

Dar annehmende Bedarf des Landes infolge des alljährlichen An- 
wachaena der BeTölkemng nm ca. 1 Proz. oder ^/^ Hill. Menschen kommt 
dabei mit swingender Gewalt znm Ansdruck. Die deutsche Landwirt- 
schaft zeigt aioh völlig anfser stände, dem wachsenden Bedarfe zu ge- 
nügen. Die Anbaufläche der vier Hauptgetreidearten ist um ein Unbe- 
dentendea zurückgegangen. Die Fortschritte der Landwirtschaft in der 
Bestellung und Dängung haben jenen Ausfall wohl ausgleichen köoneo, 
aber eine nachhaltige Steigerung der Ernteerträge nicht zu bewirken 
Termoeht. 

Das hauptsäohlichste Bezugsland Deutschlands für Getreide ist be« 
kanntlich BuTsland. Yen 1880 — 84 lieferte es yon dem Weizen 35 Proz. 
Ton dem Roggen 56 Proz. Von 1885 — 89 52 Proz. und 69 Proz., yon 
1890 — 93 38 Proz. und an Roggen 66 Proz. In dem Jahre nach der russischen 
MillBemte 1892 dagegen nur 20 und 22 Proz., trotzdem in diesem Jahre 
Deutachland wenigstens an Weizen einen sehr bedeutenden Bedarf hatte. 
1898 sank der Import an russ. Weizen auf 6 Pioz. herab, während er an 
Roggen noch 67 Proz. der im ganzen sehr yerringerten Zufahr aus- 

(Siehe Tabelle V.) 

Oeaterreioh, das in den achtziger Jahren noch 24 Proz. des Weizen- 
importa lieferte, hat in den 4 Jahren yon 1890 — 93 nur noch 7,7 Proz. 
abgegeben und die Roggenzufuhr hat in den letzten Jahren so gut wie 
ganz aufgehört. Daraus ist deutlich zu erkennen, wie gänzlich unbe- 
gründet die Furcht unserer Landwirte yor der Konkurrenz mit Oeatetreich 
war. Nur an Gerste erhalten wir noch erhebliche Quantitäten yon 
unserem sfidlichen Nachbar, und in einzelnen Jahren auch an Hafer. 
Dafür sind in den letzten Jahren die Vereinigten Staaten und Rumänien 
als direkte Lieferanten mehr heryorgetreten, da auch ihnen die ZoUer- 
mäfsigung zu gute gekommen ist. Im Jahre 1892 stammte fast die 
Hälfte unserer bedeutenden Weizeneinfuhr aus Amerika mit über einer 
halben Million Tonnen; im Jahre 1893 noch 27 Proz. In diesem Jahre 
war der hauptsächlichste Lieferant Rumänien, yon wo 35,6 Proz. der 
ganzen Weizeneinfohr kamen. Auch Roggen wurde da zum ersten Male 
aus diesen beiden Ländern bezogen, 1892 aus den Yer. Staaten 136 000 
Tonnen; doch scheint dies ganz exceptionell zu sein, denn schon im 
folgenden Jahre ging der Betrag auf 2000 Tonnen zurück, weil die Preise 
zu wenig ermutigend waren. Rumänien schickte uns besonders im letzten 
Jahre yerhältnismäfsig viel Roggen und noch mehr Gerste und Hafer, die 
Hüfte der ganzen Zufuhr. In diesem Lande ist mithin ein neuer und 
sehr beachtenswerter Faktor in unserem Getreidehandel aufgetreten, der 
bisher wenig Beachtung gefanden hat Rumänien ist hauptsächlich in 
den letzten Jahren an die Stelle Rofslands getreten, und bei Fortdauer 
des Zollkri^s mit Rufsland würden wir sicher noch mehr rumänisöhea 

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MisttUtB. 309 

Getreide erhalten, während die Rumänen roBsitohea Getreide konaumieren 
▼ürden« 

Bei der tohwankenden Einfohr in Dentschland mufaie anoh der £in- 
flnf t dea Zollea auf die Preiae in den yerachiedenen Jahren ein ungleicher 
aein. Wir haben auf der folgenden kleinen Tabelle den Preiaunteraohied 
zwiaehen yersolltem Weizen in Königaberg und unTerzolltem in Dansig, 
dann die Preiae in England mit denen in Berlin und Lindau yergliohen 
und die DifPerensen aeit dem Beatehen dea Zollea gekenozeiohnet Bei 
Boggen konnten wir leider die Vergleiohung nioht bia auf die neueate 
Zeit fortführen, da die deutaohe Reiohaatatiatik nur für Bremen den Preia 
f&r nnyersollten Roggen yerfolgt hat, der in den leisten Jahren überhaupt 
nicht sur Notierung gelaugte. Ea iat aehr zu beklagen, dafa die offizielle 
Statistik nicht f&r mehrere Orte die Preiae für Tranait- und Inlandware 
angiebt, da die Yergleiohuog beider für die Beurteilung der wirtaohaft- 
liehen Wirkung dea Zollea tou aufaerordentliohater Bedeutung iat 

(Siehe TabeUe Mf 8. 810.) 

Ana onaerer Tabelle ergiebt aich, dafis von 1879 — 88 der Preia dea 
Weisena in Danzig noch höher war ala in Königaberg. In Berlin nur 
5 M« höher ala in England. Nur Lindau zeigte damala aohon 45 M. 
mehr ala England. Die Wirkung dea eraten Zollea war mithin eine 
Terachwindende. Die erate Erhöhung dea Zollea machte aich in den 
feigenden Jahren bereite bemerklich« Nach der Erhöhung dea Zollea am 
20. Febroar 1885 erhöhte aich die Di£Perens zwiaehen unverzolltem und 
TersoUtem im Jahre 1886 — 87 auf 14 und 17 M. In England atellte aie aich 
gegenüber Berlin bereita 10 und 16 M. niedriger, zwiaehen Lindau und 
Ki^and atieg aie auf 62 und 54. Mit dem Jahre 1888 trat der erhöhte 
Zoll Ton 5 M. auf, und damit atieg die Differenz auch sofort zwiaehen 
Danzig und Königsberg auf 31, in den folgenden Jahren auf 39, 40 und 
43. Die Berliner Preiae erhoben aich über die englischen aohon im 
Jahre 1889 um 52, im Jahre 1891 sogar 56, in Lindau bia auf 90 und 
95 If. pr. t. In den erat genannten Städten sehen wir ganz allmählich den 
ZoU atärker zur Geltung kommen, die Differenz bleibt aber noch 
anter dem ZoUaatze zurück, während er in Berlin gegenüber England 
zeitweiae etwaa überachritten wird. Noch früher und energischer tritt die 
Wirkung dea Zollea in der Preiadifferenz für Roggen zwiaehen Lübeck 
and Bremen, Stettin und Bremen in den gleichen Jahren herror. 

Das Schwanken in der Wirkung dea Zollea hängt naturgemäfs zu- 
sammen mit dem Bedarf Deutschlands und dem Stand der Vorräte dea 
Auslandes, denn, wie wir schon im Jahre 1879 in dieaen Jahrbüchern 
darzulegen verauchten, ist die Preisgestaltung eine Machtfrage, und in 
jedem Jahre yerschiebt sich dieselbe ; bald hat daa Inland, bald das Ausland 
daa Uebergewicht bei der Preisbeatimmung. Je mehr wir genötigt aind, 
im Aualande die Händler zum Einkauf dea Bedarfa herumzuschicken, 
ui so mehr müssen wir uns den ausländischen Preisen anpassen, daa 
Ton ihnen eingeführte Getreide hat den Zoll Toll und ganz zu tragen, die 
Preisdiffereus zwischen In- und Ausland entspricht in der Hauptsache 
de« Zoll. Je weniger wir im Aualande als Käufer auftreten, je mehr 
■an unaTon dort daa Getreide offeriert, je mehr ea an den Auafuhratätten in 



310 








MUitÜ*», 














WdKeu pro 1000 kg 


WeUüU 


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176,5» 185,75 


331,46 


183.50 


142* 


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150,11 


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I37'ft* 


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178,11 


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Enjflftiid 


300, ai) 


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135^25 


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141, ßa 


119» 


Berlin 


105, Qfl 


161,6fr 


iSMSf 


164,38 


172,34 


l»7,7S 


i9S^*o 


324.« 1 


176*1 


tSi.J 


Lbdmm q 


HSii« 


101,11^ 


103,51 


101,74 


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a3Q,lT 


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«57»»8 


337^18 


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— tO,7& 


- 14,0« 


— i7t«ö 


— 30,91 


— lß,9(l 


— 40,09 


— 43^3Ä 


- 1S.4* 


— 17. 




+ $m 


+ 8,14 


+ 10, AI 


+ t6,ia 


+ 37,^^8 


+ S^.&o 


+ 4ö,3l 


+ S6,0fl 


1 


*..H«Jl.,». 


+ 45*1* 


+ 4f ri4 


+ 6i,gi 


+ 54^01 


+ 6345 


+ 84pS* 


-*- 87i9T 


-h 89,70 


+ 9Si«i 


+ 86. 







Roggen pro 


1000 kg 








187D/S3 


1&84/85 


18H€ 


1887 


1888 


1 1$89 


1890 


1B9I 


aA¥»riolli 
LUb^'k, ras», otw» 


163,14 


114.79 


lOlt9S 


94*€i 


9«,8« 


[O6^0i 


110,08 


154^4* 


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flt9lÜtl»ittl ff«^Il ki 

ff« Hl 


i64,Ao 


143,1^1 
138.4« 


136,51 




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131,8« 




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t66,€» 


317,96 
3tl,0& 


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+ 37 6* 


+ 49^«» + 50f38 


+ 63,5 S( 



Mmmb Itfvrt, OB to weniger kommt der Zoll lam Auadraek, die Preis- 
difereni Tereohwindet Nur auf Grund einer deUiUierten Yergleiohung 
der Brnte* und TorretaTerhiliDiaee der Tersehiedeoen in Betrmcht kommen- 
dea Linder kann der Zusammenhang Ton Umehe und Wirkung in ge- 
nllfender Weite klargelegt werden , wosn nnt im Momente der Raum 
und da» Material fehlt Wir wollen nur noeh auf die Preisbüdong der 
beiden letaten Jahre eingehen. 

In beiden Jahren iet die PreisdüFerenx sowohl swisehen Danzig and 
SSai^berg wie iwitehen Berlin und England bei dem Weisen eine auf- 
ftllend geringe, obwohl gerade in dieeem Jahre die ^»fo>»y naeh Deutsch- 
land eine exeeptioaell hohe gewesen ist In dem ersten Falle nur 25 
«ad 17» in dem iweiten 34 nad 32. Die Differenz sinkt authin noeh 
«rheblieh unter die Zollermil»igang iaMge des Ssterreiehkehen Handels- 
rertza^:«« herab. Offenbar war im Jahre 1S93 der Prms für russische 
Waure übermü;»ig hoeh» wihread er zagleieh ia Deatsehlaad durch das 
rek'hüche Angebot r^m Auslände luruckgehaltea wurde. Sehr begreiflich, 
dial& daher an der russisehen Grenze der Preisaatersehied aa Tenolltem 
and luiTersoIItem Getreide geriag» ia liadaa aber ger«äe aai sa r g ewöhnlich 
^ah war. Ganz aadblLend iai die aariwe WUm«: das Zellaa im Jahre 



MisielUo. 



311 



Weizen 1898 pro 1000 kg 



mr P«bniAri Mirs 


April 1 Mai 


Jaoi 


Jali 


August 


Septbr. 


October 


Novbr. 


Desbr. 


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152*17 
210,00 


146,00 
125,88 
114,00 
149.62 

209,00 


I47.60 
128,04 

112,5 

155'«» 

209,50 


151,00 
131.52 

117,40 
159.72 

212,50 


150,00 
127,12 
124,6 

157,85 

216,00 


149.00 

125,42 

121,6 

158,62 

212,00 


142,00 
125,41 
120,00 

I55.80 

201,50 


137,00 
128.12 

115.5 

149,48 

199.75 


136,00 

124,85 

125,00 
142.94 
196,50 


134,00 

119.68 

124.2 

142,16 

195.8O 


132,00 

119,18 

122,7 

143,68 

194.00 


7.4« 

0*t 


— l8,8S 
-♦- 32,47 
+ 90,8 


— 20,62 
+ 35.62 

+ 95.80 


— 19.46 

4- 4».79 

+ 97,00 


— 19.48 
+ 4«»82 

+ 95.1 


— 22,88 

+ 33.8» 

+ 91,4 


— 23,58 

+ 37,02 

+ 90,4 


— 16,59 

+ 35,80 

+ 81,5 


— 8,88 

+ 33,98 

+ 84,25 


— 11,65 

4- 17,94 

+ 71,60 


— 14,82 
+ 17,96 

+ 71.1 


— 12,87 
+ 20,88 
+ 71,8 



1893, da der Preuuntenohied zwischen Danzig und Königsberg nur 17 M. 
betrug, obgleich an der mssisohen Grenze der Zoll nicht nur nicht herab- 
geeetzt, sondern im August sogar noch um 50 Proz. erhöht wurde, wo- 
dnroh die Einfuhr russischen Getreides thatsächlich inhibiert werden 
mnllste. Wenn gleichwohl nach der Statistik 21 600 t Weizen und yolle 
100 000 t Boggen von der Statistik als Import russischen Ursprungs 
M^efuhrt sind und zwar im Spezialhandel, also in dem freien Verkehr 
das Zollgebietes, so hat das seine besondere Bewandtnis. Wenn die Statistik 
femer angiebt, dafs noch 6953 t Weizen zu 7^/, M. Zoll, und zum 
selben Satze 58,049 t Eoggen importiert sind, so scheint das dem oben Ge- 
Bigteo zu widersprechen, findet aber seine yolle Erklärung darin, dafs diese 
Quantitäten in die Mnhlenlager gewandert sind, wo sie unyerzollt zur 
Verarbeitung gelangten, um als Mehl in das Ausland zu gehen, also 
thatsächlich nicht in das Inland zu gelangen und Zoll zu zahlen, denn 
aa Mehl, welches aus dem Mühlenlageryerkehr in das Ausland gebracht 
▼urden, sind 145 500 t aufgeführt. 

In den einzelnen Monaten war die Differenz des yerzollten und un- 
Terzollten Weizens nach der offiziellen Statistik yon Danzig und Königs- 
berg während des letzten Jahres sehr yerschieden. Im Januar betrug 
sie 17 M., stieg im März auf 20, ging dann wieder herunter, um im Juni 
und Juli 23 und darüber zu erreichen und sank aber schon im August 
tof 16, also gerade in dem Momente, wo der Zollkrieg zum Aus- 
bruch kam. Im September sank die Differenz sogar auf 9, stieg bis 
zum Noyember auf 14 und war im Dezember 13. In den letzten 
3 Monaten verminderte sich auch die Differenz zwischen Berlin und 
Lindau einerseits und England andererseits erheblich, weil in Deutsch- 
liod die Preise heruntergegangen waren, während sie in England etwas 
itiegen. 80 war noch im April und Mai zwischen Berlin und England 
die Differenz 42 M., im Oktober und November war sie auf 18 herunter- 
gegangen. Zwischen Lindau und England betrug sie immerhin noch 
71 M., zwischen Mannheim und England im Dezember 50 M., so dafs 
sa Rhein die Einfuhr bei einem Zoll yon 35 M. noch offen blieb, 
vibrend sie an der russischen Grenze selbst bei einer Herabsetzung auf 
20 M. noch verschlossen gewesen wäre. 



312 



Hls t«1l aa. 



Eid wcetpreufsiaolier Gutabesitzor teilt uat aut den BörseD berichtet) 
rweier Danzigor Kaufleute Preise für kürseBte Termine für inländiftoben 
and TTanaitweizen in den letzten drei Monaten dee Jahres 189S mit, 

welche wir hier wiedergeben. 



Weizeopreiäe pro Tonne in Mnrk« 



II. 



DAtum 


InL 


Transit 


Differenz 


Dftttiiii 


lal. 


Transit 


Differi 


Sl. Okt. 


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132 


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17. Okt 


133 


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137 


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18. Not. 


136 


116 


30 


T. Nov. 


137 


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25. „ 


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136 


IIS 


XI 


16. Des. 


137 


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138 


117 


31 


2». ,. 


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I2V. 


26. ,, 


135 


itS 


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Hiernach lät also, aohraibt er, der Inlandweizen nach I. nur 11 bii 
21 '/j M. teurer als der russisohe im Transitlager in Danzig, nach I(. 
sogar nur 8 — 21 M. teurer« Wenn also auch der Zoll auf 35 M* er^ 
mäfsigt wird, so würde deshalb dach kein Zentner Weizen aus dem Tran* 
sitlager in den inländiaohen Verkehr übergehen. Der Abschluls dei 
HandeWertrageB mit KuTflland würde also auf den Inlandspreis des Wei^^ 
z<?ns in Danzig von keinem Einflufs sein. Wie aber stellt sioh die Sache' 
an der russischen Grenee» Die Ei aen bahn fr acht Ton Warschau nach Thoro 
stellt sich per Tonne um 6,4 M, billiger als nach Danzig. Warschaue 
Weizen, welcher im Transitlager in Danzig 118 M. kostet, würde in Thor 
unverzollt 111.60 M., mit dem Zoll Ton 35 M. alßo 146^60 M. stehen." 
Thatfiächlich sind aber in Thorn in den letzten 3 Monaten nur 127 
— 136 M. bezahlt worden, also auch hier würde sich nach AbschloTs 
des Hand eis Vertrags nichts ändern. Der polnische und russische Weizen 
würde weiter durch das Transitlager den Weltverkehr aufsuchen, den hie* 
ßigen Lok&lverkehr aber meiden. Was aber wirklich aus russischen Grens- 
orten herübergeschafft würde, könnte einen Einflufs auf die hiesigen freite 
nicht ausüben. 

Die Boggenpreise gestalteten sich wie folgt. 



Hoggenproiae pro Ton da in Hark^ 



IL 



Datum 


Xul. 


Tr«n5. 


Differenz 


D&tQin 


luL 


Tram. 


Differen 


21. Okt. 


115 


91 


24 


8. Okt. 


116 


94 


SS 


«8. „ 


117 


92 


3S 


17. „ 


116 


91 


^S 


18. Nov. 


'i4V. 


85 


^97, 


7, Nov. 


117 


90 


27 


2Ö, ,. 


"S 


81 


34 


38. NoY* 


H7 


83 


34 


16. Des. 


114 


84 


30 


5. D«>. 


116 


83 


33 


83. ,, 


"4 


84 


30 


19. t, 


114 


83 


31 



Hierbei ist zu bemerken, d&fs der in Danzig notierte Preis für Roggen 
von 121 Üf holliindisch Gewicht gilt und tür jedes £ darüber pro Tonne 
eine Mark Zuschlag gezahlt wird, und da der Eoggen dieses Jahre» ein 
schweres Gewicht hat, so werden dafür bis 10 M. pro Tonne mehr gezahlt. 

Die obige Zusammenstellung ergiebt, dafs besonders in der aweiteo 
Hälfte des November Transitware stark gefallen war , so dafs die Diffe- 
renz faat die Höhe eines Zolles von 35 M. erreichte, immerhin büeb er 
ob darunter und besonders im Dezember wäre die Einfuhr bei 



Missellen. 3)3 

diätem Zoll noeh ansgesohlossen geblieboD. Anders stellt sieh die Sache 
f&r Thorn, Naeh der fr&her gemaohten Angabe über die niedrigeren 
Frachtkosten Ton Warschau würde dort der Boggen zu 76,60 M. und 
naeh Yersollung 111,60 M. gekostet haben, so dafe daselbst bei dem in- 
ländischen Preis Ton 114 — 122 M. wenigstens für geringe Qualitäten die 
Einfuhr möglieh gewesen wäre. Bei erheblichen Lagerongen yon Getreide 
in Polen könnte der Import auf den inländischen Preis Einfluls ausüben, 
aber ein unbedeutender Büokgang würde ihn doch sofort wieder ausschliefsen. 
Auch für Boggen ist deshalb unter den vorliegenden Verhältnissen von 
der projektierten ZoUherabsetzung nicht viel zu befürchten. 

Soweit unser Gewährsmann. 

Die bisherige Untersuchung ergab, dafs bei einer günstigen Ernte in 
Deutschland wie im letzten Jahre und bei einem Bückgang der Preise 
iuf dem Weltmarkt infolge reichlicher Zufuhr, also gerade dann, wenn 
die Landwirte eine Unterstützung am nötigsten braachen, der Zoll seine 
Wirkung versagt Namentlich im Osten, wo die Produktion den Bedarf 
äbersteigt, wird dann ein erheblicher Einflufs auf die Preise nicht ausgeübt, 
80 dafs es dort gleichgiltig ist, ob der Zoll 3,5 oder 7 M. beträgt, wäh- 
rend allerdings im Westen bei der bedeutenden Preisdifferenz zwischen 
Mannheim-Köln einerseits und London andererseits doch auch bei höherem 
Zoll die Einfuhr möglich^leibt. In Jahren gröfseren heimischen BedarflB kommt 
dagegen der Zoll in seinem Einflufs auf die Preise allseitig zur Geltung, 
d. h. gerade wenn die Preise ohnehin schon Terhältnismäfsig hohe sind, 
findet noch eine Verteuerung um den Zoll, ja ev. noch darüber hinaus 
Btatt, welche den Konsum in bedeutenderem Mafse belastet» wie das im 
Jshre 1892 klar zu Tage trat 

Am 1. September 1891 wurden in Preufsen Staffeltarife für Trans- 
port auf Strecken mit mehr als 200 km eingeführt und zwar unter Gleich- 
itelluDg Ton Mehl und Getreide, yon Malz und Gerste, wie sie in anderen 
Landern längst existierten. Der Minister für Eisenbahnwesen hat die- 
lelben im Abgeordnetenhause Ende Juni des yorigen Jahres ausführlich 
Tsrteidigt. Er wies mit Becht darauf hin, dafs eine Ermäfsigung der 
Tarifsätze mit wachsender Entfernung auf einer wirtschaftlich und finanziell 
richtigen Grundlage beruhe, da dieselben dadurch den Selbstkosten in 
höherem Mafse angepafst würden. Für die landwirtschaftlichen Produkte 
laien sie ganz besonders geeignet, um innerhalb des Landes die Aus- 
gleichung der Vorräte auf gröfsere Entfernungen zu erleichtern. Sie seien 
gsrade für die nördlichen und östlichen Proyinzen yon Wichtigkeit, um 
ihren üeberschufs an Mittel- und Süddeutschland abzutreten. Die Gleich- 
itellnng von Mehl und Getreide begünstige die Verarbeitung des Boh- 
materials in der Produktionsgegend selbst, was wiederum für unseren 
Osten yon besonderer Bedeutung ist, da dort die Industrie als Ergänzung 
dsr Landwirtschaft zu sehr fehlt, was allgemein als ein grofser Mangel 
empfunden wird. Der Fachminister konstatierte auch eine sofortige Zu- 
asbme des Getreideverkehrs im Inlande in den 9 Monaten von September 
1892 bis zum Juni 1893, gegenüber der gleichen Zeit von 1890/91 um 
237000 T. Getreide und 29 600 T* Mühlen&brikate. Nun ist in der 



314 



Mi8sell«ii. 



neueren Zeit gerade von SüddeuUebland erhebliehe Klage gegen dieie 
Staffeltarife geführt und es fragt sich, ob namentlich der Preiedmek im 
Süden und Westen dadurch herbeigeführt ist, wie es dort behauptet winL 
Die Vergleiobung der Preise zwischen Marktorten des Ostena und 
Westens, die wir hier folgen lassen, ergeben keinen Anhalt, dats seit 
Einführung jener Tarifbegünstigungen eine erhöhte Ausgleichung und da- 
mit ein Druck auf die Preise des Westens ausgeübt ist 







Boggenpreise 






1886—90 


1891 


189S 


1898 


Frankfurt 
Danzig 


13a 


215 
208 


181 
174 


146 
1*3 


Differenz 


20 


7 


7 


23 


Köln 
Könlgsbersr 


149 
126 


222 
199 


191 
168 


152 
120 


DifliBrens 


23 


23 


23 


32 


Mannheim 
Stettin 


156 
"39 


218 
211 


188 
168 


154 
«31 


Differenz 


17 


7 


20 


23 


Magdeburg 
Posen 


145 
129 


211 
198 


175 
168 


136 
"3 


Differenz 


16 


13 
Weizenp 


7 
reise 


13 




1886—90 


1891 


1898 


1893 


Frankfurt 
Königsberg 


190 
168 


233 
221 


183 


163 

143 


Differenz 


22 


12 


II 


20 


Köln 
Stettin 


184 
i75 


232 
220 


!i; 


164 
150 


Differenz 


9 


12 


10 


14 


Mannheim 
Stettin 


203 

I7S 


241 
220 


204 
181 


178 
150 


Differenz 


28 


21 


23 


28 


Magdeburg 
Posen 


176 
167 


222 

221 


186 
187 


155 
145 


Differenz 


9 


I 


I 


10 



Eine Vergleichung der Transporte an Getreide auf den Eisenbahnen 
auf Grund der Zusammenstellung wie Thamer in dem Eisenbahn archiv, 
die wir in der Gesamtheit und für yerschiedene Gruppen der Besugs- 
und Absatadistrikte gemacht haben, unterstützt ebensowenig eine solche 
Meinung. 

(Siebe TabeUe auf 8. 816 u. 817.) 

Wir kommen deshalb au dem Ergebnis, daljs die Furcht Nord- und 
Sftddeutiohlaadt ror den StaflfSeltarifen wenigstens für Getreide eine er- 
heUiah UMartdafcene ist, bei Mehl liegt die Sache anders. 

"Snsar» wie lu erwarten steht, der Identitätsnachweis 

"^ wild, ao mufs dadurch die Wirkung der Staffel- 

|iii Mafhe abfiesohiriicht werden, denn 09 üe^ 



ifisielUii. 315 

dun nooh weniger eine Veranlassung ror, Ton den Eisenbahnen Ge- 
bcwieh sa macheD, nm den üeberschuXs der Frodaktion über den Bedarf 
Ton Fordoei- nach Mittel- und SuddeutschlaDd absusohieben. Die natür- 
Uehen Seewege würden dann wieder in ihre Reehte eintreten, der über- 
seeisehe Getreidehandel in Königsberg, Danzig, Stettin n. s, w., der durch 
die Zölle fisst auf Null reduziert war, würde wieder zur Blüte gelangen und damit 
die Einnahmen der Produzenten um den Zoll erhöhen, weil sie in der Lage 
wSren, ihre Produkte gegen bessere Preise als bisher zu exportieren und 
aufserdem noch die Zollquittungen mit wenig unter 35 M. pro Tonne an 
die Importeure im Westen zu rerkaufen. Wir haben uns sehen ror einer 
Beihe von Jahren an anderer Stelle (Deutsches Wochenblatt, Jahrgang 1887) 
darüber ausgesprochen und nachzuweisen versucht, dafs dadurch der 
erhoffte Nutzen der Getreidezölle wesentlich gesteigert würde, während 
ihre Nachteile dadurch in bedeutendem Mause gemildert werden könnten. 
Die Landwirtschaft des Ostens und Nordens würde erheblich gewinnen, 
während die des Südens und Westens bei weitem nicht in gleichem Ma(se 
geschädigt würden. Dieser Schaden schlösse aber einen entsprechenden 
Vorteil der dort überwiegenden Industrie ein, welche unter den bedeutend 
höheren Lebensmittelpreisen, als sie England hat, in der Konkurrenz auf 
dem Weltmarkte notwendig benachteiligt wird. 

Wir geben unten ^) die betreffenden Sätze des soeben veröffentlichten 
Oesetzentwurfs über die Beseitigung des Identitätsnachweises wieder. 

1) 1. Bei der Ausfuhr von Weisen, Boggen, Hmfer, HfilsenfrfichteD 
and Gerite werden, wenn die ausgeführte Menge wenigstens 500 kg beträgt, auf An- 
trag des WarenfShrers Bescheinigungen (Einfnhrsoheine) erteilt, welehe den In- 
haber berechtigen, innerhalb einer Yom Bundesrat auf längstens neun Monate 
SU bemessenden Frist die gleiche Menge der nämlichen Waren- 
gattnng ohne Zollentrichtung einsuffihren. Abfertigungen sur Ausfuhr 
fl[iit dem Anspruch auf Erteilung yon Eiofhhrschelnen finden nur bei den Vom Bundes- 
rat SU bestimmenden Zollstellen statt. Für die vorbeseichneten Waren, wenn sie aus- 
sehliefUich sum Absats in das Zollausland bestimmt sind, werden Transitlager ohne 
amtlichen Mitverschlufs , In welchen die Behandlung und ümpackung der gelagerten 
Waren uneingeschränkt und ohne Anmeldung und die Mischung derselben mit inländischer 
Ware sulässig ist, mit der Mafsgabe bewilligt, dafä die zur Ausfuhr abgefertigten Waren- 
mengen, soweit sie den derzeitigen Lagerbestand an ausländischer Ware nicht über- 
schreiten, von diesem Bestände abzuschreiben, im übrigen aber als inländische Waren 
SU behandeln sind. Für Waren der bezeichneten Art, welche zum Absats entweder in 
das Zollausland oder in das Zollinland bestimmt sind, können solche Lager mit der 
ferneren Mafsgabe bewilligt werden, dafn die aus dem Lager zum Eingang in den freien 
Verkehr des Zollinlands abgefertigten Wareomengen, soweit sie den derzeitigen Lager- 
bestand an inländischer Ware nicht übersteigen, von diesem Bestände sollfrei abzuschreiben, 
Im übrigen aber als ausländische Waren zu behandeln sind. Im Sinne der vorstehenden 
Bestimmungen steht die Aufnahme in eine öffentliche Niederlage oder in ein Transit- 
lager unter amtlichem Mitverschlufs der Ausfuhr gleich. 

8. Den Inhabern von Mühlen oder Mälzerelen wird für die Ausfuhr der von 
ihnen hergestellten Fabrikate eine Erleichterung dahin gewährt, dafs ihnen der Eingangs- 
mU für eine der Ausfuhr entsprechende Menge des zur Mühle oder Mälzerei gebrachten 
Misländischen Getreides nachgelassen wird. Der Ausfuhr der Fabrikate steht die Nieder- 
Ugang derselben In eine Zollniederlage unter amtlichem Verschlufs gleich. Ueber das 
hierbei in Bechnung zu stellende Ausbeuteverhältnis trifft der Bundesrat Bestimmung. 
Dsi zur Mühle oder Mälzerei zollamtlich abgefertigte ausländische sowie auch sonstiges 
Qskreide, welches in die der Steuerbehörde zur Lagerung des erstbezeichneten Oetreides 
ugtmeldeten Bäume eingebracht ist, darf in unverarbeitetem Zustande nur mit Genehmigung 



316 



MNitUfln. 



Tabelle VL 





Ge&amtsumineii von G^treid^ ood Hälien fruchten, 


VVeiiOD und 


WeiEeD.Hog- 

gen« Ger»ie* 

Berer 




ftof deauchcn Eiaeobahneo verfrachtet 


Eoggen 








Im entere n 


im Wechselver- 








Davou entfalten auf 


Lokal ver- 


kehr d. deutliche» 


Im Wechsel verkehr 


Jfthr 


üeber> 


den Verkehr 


kehr der 


Verkehrsbezirke 


der deatächeti Verkehrt- 




Haupt 






eiciselneii 


mit Au&»chl(if4 


heiirke mit Aii»aebliib 




im !q' 


mit dem 


Verkehre- 


der Beeh&fea- 


der Seehafen statioaen 






Uode 


Auslände 


beairke 


eUtionen 






TontiCQ 


1884 


s 463 097 


4312 196 


t 150900 1 867824 


1799 «77 


I 078 427 


t 604 250 


1885 


S 489 089 


43524^2 


1 136627 2007505 


1 805 694 


1 049 566 


1 593 02? 


1886 


5 297 029 


4 559 59J 


737438 2034852 


197 1330 


1 144 621 


t 746 40s 


1887 


S «35 704 


4 758 208 


1077496, 2132323 


2048316 


' 153 574 


1 799 980 


1888 


6650 152 


5315950 


1336202 2358399 


2 287 060 


I 212383 


2 023 994 


1S80 


6652614 


5 420 474 


1 232 139 2613662 


3207061 


1 180928 


I9'3 795 


1890 


6701 381 


5677941 


1023439 2 670 151 


233445» 


1 237 762 


1 949 409 


1891 


7281637 


5 969 767 


1 3nB70i 2915503 


2 385 900 


I 236850 2014537 


1892 


7068803 


6 163 loi 


905701 


3740032 


2524938 


1 382 393 


2130W 



Wir haben in uDserem Artikel Band I, Jahrgang 1691 über 
Wirkung der Getreidezölle gchoo doe Nachweis zu führen gesucht, 
die Sehwankungen des Eubelkurses weder ausachluggebend für die 
riiB«isoh6D Getreidtipreiae noch für die unsrigen seien. Da in der 
neueren Zeit die Frage von neuem in den Vordergrund getreten ist, in- 
dem im Bei oh s tage ein Antrag vorgelegt werden soll, der den Zoll je nach dem 
Sinken des Rubelknrses mit einem Zuschlag belegen soll, um die Wirkung 
desselben von den Kursschwankungen desselben zu emanzipieren, müssen 
wir noi^h einmal darauf zurückkommen. 

Darüber kann kein Zweifel sein ^ dafs ein Sinken des Rubelwerte» 
eine Exportprämie für nissisehes Getreide in sich soblierst. Natürlich! 
Sind 100 Papierruhel schon für 180 M, zu haben, so nimmt der russische 
Getreideexporteur, der in Deutschland für seinen Weizen Gold erhält, für 
je 100 Rubel 40 M, mehr ein, als wenn 100 Rubel 220 M. kosten. Das 
deutsche Gold bat in Rufaland eine entsprechend höhere Kaufkraft und 
es ist Tollständig ricbtig, dafs bei der angeoommenen Differene ein Zoll 
Ton 35 M. reichlich d» durch ausgeglichen wird. Ebenso sicher ift et» 



der Steuerbehörde verftursert werden. ZawiderhendlungeD hieri;egen werden mit einer 
Oeldstrefe hie eu einteasend Merk (feehndet. Inhehern von Hfihlen oder Mklxereien, 
welchen die vorbeKeichoete tCrt eichtet atig g^ewihrt ist, sind auf ihren <Antrm|^ bei der An«' 
führ ihrer Pebrtkate en Stelle des Erlasses des Eingenfcastiües fUr eine entsprechende 
Menge lur Mulüe oder Mälzerei gebrachten «asIindiBchen Getreides EittfuhrschelDS 
(Ziffer 1) über eine gleiche Getreidemeoge sa erteilen. 

9 Die nlhercn Anordnungen , insbesondere in Bezug auf die Form der Einfuhr- 
scbttine. auf die Beacbeffenhelt (Mindestqualilät) der mit dem Ansprach eaf Erteilang Yon 
KInfuhrscheinoti ausgeführten Waren und auf die an die Lagerinhaber in »teltendeii Aa'> ^M 
forderungen, trifll der Bundesrat Dereelhe ist ermächtigt, die Verweiidong der Emfuhr- H 
•#<ff)f>«. «)||<;h Mifsgtbe ihre» ZoHwertes auch «or Begleichung von Zoltgefllten für aodere 
* * ^iiTer 1 genannten Waren unter den von ihm fosttneetsendeo Bedingaageo 



llisiellan. 



817 



Jmhr 




ProTina Oit- imd W«ttpr«Qfi«ii| PoTiim^rni Pe»»«o oabit di& Hftfan 
di«««r Provinitii 



T9rk«hr itiner- 
hnlb der «in- 

SfeiUAQ Vw- 

kflhrsb«zirk« 



Vfirft»od 



Ettipfftner 



&fna«t)9cbilTAHr£a-l EeekchifTftbrtR* 
verkehr | T«rkettr 

Mehr Mehr 

Versnnd Empfmng VerÄ^od Ktiipfiog 



1888~89 
1889— «0 
1890—91 
1891 — 9S 



1888—89 
1889—90 
1890—91 
1891—99 



1888—89 
1889—90 
1890—91 

1891-99 



1888—89 
1889—90 
1890-91 
1891-99 



1888—89 
1889-90 
1890—91 
1891—99 



1888—89 
1889—90 
1890—91 
1891—99 



Weilen in Tonnen 



366780 
311 S16 
358956 
349614 



I 38a 354 
I 205 154 
I 253 846 
1049264 



144798 
III 037 

119 964 
108976 



116 460 
loi 230 
120 916 

93169 



140533 

113 3«o 

I 138 497 

131 893 



428 522 
166 507 

317 743 
186525 



8265 



336401365811 
I ( 289 289 888 



8713 



Roggen in Tonnen 

197539 «64761 1 171 662 
151 098 93047; 54380 

; 2163I5 . I2O3I2 ' 69936 

i 170 596 '128 133 1 57139 



165 961 

137704 



202611 — 



II 496 
18983 
29987 



FroTins Hessen, Oberbessen etc., Bohrreyier Daisbarg, Lotbringen, EUart, 
BAjeriscbe Plkls, Orof«hersogtam Hessen 

Weisen 



648883 
658460 

775617 
470254 



821 425 

886 140 

I 007083 

689442 



768085! 

721 764 

I 019 988 

836631I 



617 170 

644747 
802478 
658 041 



157 197 
165 170 
185 748 
156597 



113469 
95 345 
99214 
77430 



160798 
205598 
219978 
213 121 



35310 
46596 
43517 
48118 



140985 


241 859 


_ 


102 361 





156945 


250029 


— 


126 799 


— 


170005 


278696 


— 


123456 


— 


191 195 


379317 


— 


262313 


— 



169795 
157 726 
184055 

151 975 



Roggen 

211 928 
173 779 
192 56s 
187 073 



303 616 
280 145 
247 384 
241 837 



Bayern, Württemberg, Baden 
Weisen 



309344 
387421 
305 389 
465965 



284 343 

285 222 
232 478 
279989 

Roggen 



308 774 

I 250 S74 

394 782 

491866 



57356 


45728! - 


45 434 


— 


36547 


29 840 1 — 


43348 


— 


31840 


22 287 — 


51504 


— 


22719 


15308 - 


32781 


— 



dab dadaroh ein gewisser Einflufs auf den Getreidepreis in Rufsland aus- 
geübt werden kann. Die Exportprämie von 40 M. setat die Händler in 
den Stand, Getreide nooh in abgelegeneren Gegenden tiefer in dem Inneren 
des Landea aufaukaufen und über die Grenae hinaus au transportieren, 



318 



MUsAllen. 



wo sidi bisher der Tranßport niolit bezahlt machte. Dadurch wird m\ 
mal ioDerhalb der üren^eD de» Landes ein gröfserer Vorrat disponibel« 
welcher wiederum hemmend auf die Preiserhöhung in Kurtland selb^^t 
einwirkt» d, h. mildernd , nicht aufliebend. Der Export wird dadurch 
allerdinga erhöht Aber es ist klar, dafa sich diese Erhöhung n 
in engen Grenzen bewegen kann. Die russiache Landwirtschaft» besonder« 
der rtisaische Bauer ist nicht in der Lage, daa Wirtschaftssystem den Preis- 
Verhältnissen von einem Jahre zum anderen anzupassen. Er bebaut di 
selbe Fläche und mufs sie bebauen» wie das seiiiu landwirtschiiftlich'^'' 
techniacben VerhältniHae bedingen. Schau bei uns beobachten wir in den 
AnbauEächen der einzelnen Früchte von einem Jahre zum anderen nur 
gans geringe Schwankungen , wie viel geringer werden sie in eintm so 
zurückgebliebenen Lande wie Rufsland sein ; und treten auch Veränderungen 
darin ein, so sind sie auf ganz andere Ursachen lurückzufuhren ^ als auf 
die Höhe der Preise und die ValutaTurhältnisse. Die grofae Masse der 
Landwirte mufs femer jedes entbehrliche Quantum aus pekuniären Rück* 
sichten auf den Markt werfen. Das iür den Export yerfugbare Quantum 
wird deshalb in der Hauptaaobe durch dtn Ernteau^fall bestimmt. Die 
Preishöbe und eomit auch die Yalutayerhältnisse können darauf nur einen 
untergeordneten , die Frachtpreise ausgleichenden Einflufs haben. Der 
Bauer ist dchiieftlich mit jedem Preise zufrieden , auf ihn tälH in der 
Hauptsache der Gewinn wie der Schaden zurück^ soweit nicht die Händler 
durch geschlossenes Auftreten den ersteren für sich in Anspruch zu neh- 
men yermügen. Der EiuEufs der Valutaschwankungen auf die Höhe des 
Exports und infolgedessen auf die Preise auf dem Weltmarkte und speziell 
in Deutschland wird nach allem aufser ordentlich überschätzt, er ist nur 
ab ein untergeordneter anzusehen. Wir sahen oben« dafs der bedeutende 
Ausfall der russischen Ausfuhr infolge der Mifsernte im Jahre 1891 auf 
den Weltmarktpreis keine erhebliche Wirkung auszuüben vermochte, wie 
yiel weniger wird dies nach einer geringen Hebung des Exportes infolge 
eines niedrigen Rubelkurses zu tagen sein. ^ 

(Siehe Tabelle VII.) " 

Die folgende kleine Tabelle führt nun den gesamten russischen Export 
von 1875 bis auf das letzte Jahr an, unter gleichzeitiger Berücksichtigung 
des Rubelkurses, des Silberpreiaes wie der Getreide preise an verschiedenen 
Orten. Leider liegen uns nur Angaben für die Kalenderjahre vor, welche 
den EinÜufg der Ernte naturgemäfs nicht voll zur Erscheinung kommen 
lassen, da eben die Zahlen zweier Erntejahru mit einander verbunden sind. 
immerhin kann man durch Vergleiobung der Zahlen leicht ersehen, dafa 
Rubelkurs und Exportquantität in keinem inneren Zusammenhange stehen, 
und ebensowenig der Rubelkurs und der Getreidepreis in London oder 
Berlin. In den Jahren 1875 — 76, wo der Rubelkurs ein sehr hoher war, 
stand der Weltmarktpreis verhältnismäf^ig niedrig und ebenso die Aus- 
fahr aue Eufsland, Im Jahre 1878/79 war der Rubel billig, der Export 
allerdings auch verbal tnismafsig grofa, er sinkt aber in den folgenden 
Jahren, während der Kurs steigt Das Sinken des Eubelkurses 18S^ 
und 83 geht etwas Hand in Hand mit der Ausfuhr, der wescntllcliB 
Xiefttaitd des Kurses im Jahre ISi^S bewirkt aber nicht eine Steigeruiif 



Hisiellan. 



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320 



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der Ausfuhr, die vielmelir erheblich zurückgeht. Mit dem weiteren Sinlceii 
im Jahre 16B7 im Kurse steigt zwar auch die Ausfuhr, abt-r als im 
Jahre 1888 der Kübel wieder erheblich teurer wird, erreicht die Ausfuhr eine 
Höhe, wie äie noch oiemals dageweten ist Im Jahre 1889 ist der Rubel 
gestiegen von 191 auf 214, die Ausfuhr sinkt ganz unverhältQiBmäfiig 
TOD 531 auf 192 MilL Obwohl nun im folgendeu Jahre der Rubel g^nt 
exoepiioDell auf 235 steigt, wächst auch die Ausfuhr auf die doppelte Höhe