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Full text of "Jahrbuch der hamburgischen Wissenschaftlichen Anstalten"

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Jahrbuch 

der 

Hamburgischen 
Wissenschaftlichen Anstalten. 



XIV. Jahrgang-. 
1896. 



Inhalt: 
I. Die wissenschaftlichen Vorlesungen. Ostern 189G bis Ostern 1897. 
II. Jahresberichte der wissenschaftlichen Anstalten. 
III. Wissenschaftliche Abhandlungen : 

A. Mittheilung aus der Stadtbibliothek. 

Prof. Dr. F. Eysscnliardt. Pie siniiiisclien Handschriften der Stadtbibliotliek. 
Ji. Mittheilung aus dem Museum für Kunst und Gewerbe. 

Prof. Dr. Jnstas Brinckm.iiiii. Kenz;ni, Beitrüge zur Gescliiclite der japanischen Tönferliunst. 



Hamburg 1897. 

Commissions-Verlag von Lucas Gräfe & Silleni. 



Die bisher erschienenen Hefte des Jalirtnclies der nambnrgischen Wissenschaftlichen 

Anstalten cntlialten ausser den Jahresberichten derselben folgende Arbeiten: 



I. Jahrgang. 1883. 



Dr. J. G. Fischer. Ueber einige afrikanische 
Reptilien, Amphibien und Fische des Natur- 
historischen Museums. 40 S. und 3 Tafeln. 

Prot. Dr. A. Gerstäcker (Greifswald). Bestimmung 
der von Dr. G. A. Fischer während seiner Keise 
nach d. Massai-Land gesammelten Coleoptereu. 2.1 S. 

Dr. 0. Miigge. Ueber die Zwillingsbildung des 
Kryolith. 12 S. und 6 Holzschn. 



Dr. E. Ranteiiberg. Bericht über ein Hügelgrab 
bei Wandsbeck-Tonndorf. 13 S. und 2 Tafeln. 

Prof. Dr. R. Sadebeck. Untersuchungen über die 
Pilzgattung Exoascus und die durch dieselbe 
nm Hamburg hervorgerufenen Banmkrankheiten. 
34 S. und 4 Tafeln. 



II. Jahrgang. 1884. 



Prof. Dr- Pageiistccher. Die Vögel Süd -Georgiens, 
nach der Ausbeute der Deutschen Polarstation in 
18.92 und iss3. 27 S. und 1 Tafel. 

Prof. Dr. Pagenstecher. Die von Dr. G. A. 
Fischer auf der im Auftrage der Geographischen 
Gesellschaft in Hamburg unternommenen Reise 
in das Massai - Land gesammelten Sängetbiere. 
18 S. und 1 Tafel. 

Prof. Dr. Pagenstecher. Megaloglossus Woermanni, 
emeneueFormmakroglosserFledermäuse. TS.u.lTaf. 

Dr. J. G. Fischer. Ichthyologische und herpeto- 
logische Bemerkungen. 75 S. und 4 Tafeln. 



Dr. F. Karsch. Verzeichniss der von Dr. G. A. 
Fischer auf der im Auftrage der Geographischen 
Gesellschaft in Hamburg unternommenen Keise in 
das Massai-Land gesammelten Myriopoden und 
Arachnoiden. 9 S. und 1 Tafel. 

Prof. Dr. Th. Stnder (Bern). Die Seesterne Süd- 
Georgiens, nach der Ausbeute der Deutschen 
Polarstation in 1832 und 18S3. 26 S. und 2 Tafeln. 

Dr. E. Rantenberg. Ein Urnenfriedhof in Alten- 
Walde. 25 S. mit 16 Abb. und 1 Tafel. 



III. Jahrgang. 1885. 



Dr. J. G. Fischer. Ueber zwei neue Eidechsen des 
Naturhistorischen Museums zu Hamburg. 8 S. 
und 1 Tafel. 

Dr. Knrt Lauipcrt (Stuttgart). Die Holothurien 
von Süd-Georgien, nach der Ausbeute der Deutschen 
Polarstation in 1882 und 1883. 14 S. und 1 Tafel. 

Prof Dr. Ednard von Martens (Berlin) und Dr. Georg 
Pfeifer. Die Mollusken von Süd -Georgien, nach 
der Ausbeute der Deutschen Station 18.82 und 1883. 
73 S. und 4 Tafeln. 



Dr. Georg Pfeffer. Mollusken, Krebse und Echino- 
dermen von Cumberland-Sund, nach d. Ausbeute d. 
Deutsch. Nordpol-Expedition 1882 u. 1883. 28 S. u. 1 Taf. 

Dr. Georg Pfeffer. Neue Pennatuliden des Ham- 
burger Naturhistorischen Museums. 11 S. 

Dr. E. Rautenberg. Neue Funde von Altenwalde. 
8 S. und 1 Tafel. 

Dr. E. Rantenberg. Ueber Urnenhügel mit La Tene- 
Geräten an der Eibmündung. 30 S. mit 5 Abb 
und 3 Tafeln. 



IV. Jahrgang. 1886. 



Dr. L. Prochownik. Messungen an Südseeskeleten 
mit besonderer Berücksichtigung des Beckens. 
40 S. und 4 Tafeln. 

Dr. Georg Pfeffer. Die Krebse von Süd -Georgien, 



nach der Ausbeute der Deutschen Station 1832/83. 
110 S. und 7 Tafeln. 
)r. E. Rantenberg. Römische und germanisi:he 
Altertümer aus dem Amte Ritzebüttel und aus 
Altenwalde. 14 S. und 2 Tafeln. 



V. Jahrgang. 1887. 



Dr. J. G. Fischer. Herpetologisohe Mitteilungen. 
52 S. und 4 Tafeln. 

Dr. W. Michaelsen. Die Oligochaeten von Süd- 
Georgien, nach der Ausbeute der Deutschen Station 
von 1882—83. 21 S. und 2 Tafeln. 



Dr. Georg Pfeffer. Die Krebse von Süd-Georgien, 
nach der Ausbeute der Deutschen Station 1882— 
18S3. 2. Teil. Die Amphipoden. 63 S. und 3 Tafeln. 



Jahrgang, ll 
Erste Hälfte. 



Dr. W. Michaelsen. Oligochaeten des Naturhisto- 
rischen Museums in Hamburg. I. 17 S. und 1 Tafel. 



Zweite Hälfte. 



Dr. Georg Pfeffer. Übersicht der von Heri-n Dr. 
Franz Stuhlmann in Ägypten, auf Sansibar und 
dem gegenüberliegenden Festlande gesammelten 
Reptilien, Amphibien, Fische, Mollusken und 
Krebse. 3« S. 

Dr. Georg Pfeffer. Zur Fauna von Süd-Georgien. 19 S. 

Dr. W. Michaelsen. Oligochaeten des Naturhisto- 
rischen Museums in Hamburg. IL 13 S. u. 1 Taf. 

Dr. W. Michaelsen. Die Gephyreen von Süd-Georgien, 
nach der Ausbeute der Deutschen Station von 
1382-83. 13 S. und 1 Farbentafel. 

Dr. A. Voigt. Localisiruug des ätherischen Oeles 
in den Geweben der AUiam-Arteu. 13 S. 



Dr. C. Brick. Beitrag zur Kenntnis und Untei- 
Scheidung einiger Rothölzer, insbesondere der- 
jenigen von Bahia nitida Afz., Pterocarpus sauta- 
linoides I>'Her. und Pt. santalinus L. f. 9 S. 

Dr. Johannes Classen. Beobachtungen über die 
spezifische Wärme des flüssigen Schwefels. 28 S. 
und 2 Tafeln. 

Dr. C. Gottsche. Kreide und Tertiär bei Hemmoor in 
Nord-Hannover. 12 S. 

G. Gercke. Vorläufige Nachricht über die Fliegen 
Süd-Georgiens, nach der Ausbeute der Deutschen 
Station 1882—83. 2 S. 



5o4. A5 



Jahrbuch 



der 



Hamburgischen 
Wissenschaftlichen Anstalten. 



j'h 



XIV. Jahrgang. 
1896. 




Hamburg 189 7. 

Commissions -Verlas- von Lucas Gräfe i- Silleni. 




'^^411 




Inhaltsyerzeichniss. 



I. Die wisseiischaftlicheii Vorlesungen. Ostern 1896 seito 

bis Ostern 1897 Ill — Xlli 

II. Jalirfsberit'lite der wissenschaftlichen Anstalten. 

1 . StRdtbibliothek XVII 

■l. Museum für Völkf rkunde (einschliesslieli Sammlung vorgeschicht- 
licher Alterthümer) XVIII — XXXÜ 

i. Sammhnig Hamburscischer Alterthümer XXXIII — XLVI 

4. Museum für Kunst und (iewerbe XLVII — CXX 

5. Sternwarte CXXI - CXXY 

ti. Naturhistorisches Museum CXXVI — CXXXX 

7. Botanischer Garten CXXXVI — CXXXIX 

8. Botanisches Museum uud Laboratorium für Waarenkunde. . . . CXL — CLIV 

9. Physikalisches Staats-Laboratorium CLV — CLVII 

10. Chemisehes Staats-Laboratorium CLVIII — CLXX 

111. Wissenschaftliche Abhandinngen. seite 

A. Mittheilnng aus der Statitbililiotliek. 

l'nif Lr F. Eysf:cnliardt. Die spanischen Handschriften der Stadt- 

bibliuthek ' 1 — 21 

I!. Mittlieilnng aus dem Museum für Kunst und (Jewerbe. 

Prof. Dr. Justits Brinclcmann. Kenzan. Beiträge zur Geschichte dei- 
.japanischen Tfipferkunst 23 — 8ä 



I. 

Die wissenscliaftliclien A^orlesimgen. 
Ostern 1896 bis Ostern 1897. 



Die wisseuscliaftliclieii Vorlesiiiigeu. 

Ostern 1896 bis Ostern 1897. 



\y ie bereits im Vorjahre berichtet, hat die I. Sektion der Oberschul- 
behörde seit einiger Zeit eine weseuthche Vermehrung der von ihr zu ver- 
anstaltenden wissenschafthchen Vorlesungen angestrebt. Schon im Jahre 1895 
war nicht nur die Zahl der Vorlesungen aus den bis dahin haui)tsäclilich 
liehandelteu Gebieten (Geschichte, Littcratur, Kunstgewerl)e, Mathematik, 
Astronomie, Physik, Chemie, Geologie, Mineralogie, Zoologie und Botanik) 
vergrössert, sondern daneben auch eine Reihe weiterer Wissenschaftsgebiete 
(Theologie, Staats Wissenschaften, Völkerkunde und Älusikgeschichte) berück- 
sichtigt worden, 

Diese BemiÜiungen der Oberschulbehörde, die reichen und vielseitigen 
Bildungskräfte der heutigen Wissenschaft allen Kreisen unserer Bevölkerung 
in ernster, streng sachlicher und doch allgemein verständlicher Form zu- 
gänglich zu machen, sind auf guten Boden gefallen. Die Theilnahme 
der Bevölkerung an den meisten der augekündigten Vorlesungen war 
eine sehr befriedigende und anhaltende, theilweise sogar eine so starke, 
dass die vorhandenen Hörsäle sich als unzureichend erwiesen. Ferner aber 
wurde die Bedeutung dieses Vorgehens auch von den massgebenden Körper- 
schaften, E. H. Senate und der Bürgerschaft, vollauf gewürdigt. Es äusserte 
sich dies u. A. darin, dass im Berichtsjahre eine von den Direktoren der 
wissenschaftlichen Anstalten erbetene besondere Geldbewilligung zum Zwecke 
der besseren Ausstattung der Vorlesungen mit Demonstratiousmitteln ver- 
schiedener Art im Betrage von 14 000 J^ bereitwilligst gewährt wurde. 
So konnte die Oberschulbehörde im abgelaufenen Jahre für den Winter, 
als hauptsächlichste Vorlesungszeit, an eine weitere Ausdehnung der 
zu veranstaltenden Curse denken. Die behandelten Gebiete wurden neuer- 



IV Bericht übci- die Vorlüsun|feii. 

dings vcrnu'lirt; so wunloii Gcgciistiludc der Hygiene imd der pruktisclieu 
Medicin, der Geschichte der bildenden Künste, der Bau- und Ingenieur- 
wissenschaft wie der Gartenbaukunst von Fachniännern in abgeschlossenen 
Cursen behandelt, ebenso ein Cyclus von Vorträgen über das neue Bürgerliche 
(u'setzbuch durchgeführt. Das nachstehend abgedruckte Verzeichniss aller 
im Winter lB'.)G/07 gehaltenen Vorlesungen (einschliesslich der praktischen 
Laboratoriunisübungen) enthält 51 verschiedene ('urse, die von 41 Vor- 
tragenden gehalten vvorden sind; ein Tlieil derselben umfasste nur eine 
kleinere Zahl von Abenden, der grössere 'J'Iicil wurde während des ganzen 
Winters regelmässig wöchentlich einmal gehalten. Als Vorlesungsräume 
dienten die 3 Hörsäle A, B und (' im Mittelgebäudc des Juliaimeums, 
die llörsäl(> im physikalischen Staatslaboratorium, im naturliistorischen 
Museum, im botanischen Museum, im botanischen (jaitcn, im Museum 
für Kunst und Gewerbe mul die Aula der Gelchrtens(;luile des Johanneums. 
l)i(^ 'J'licilnalime an allen Vorlesungen ist, wie bcn'cits früher mit- 
getheilt, für die Hörer kostenfrei und an keinerlei /ulassbedingungen 
geknü))ft, soweit nicht der vorhandene llauin in den Hörsälen eine Be- 
sc'hränkung der Hörerzahl bedingt. Nur für die praktischen ü(0)nngcn im 
chemischen Staatslaboratorium ist ein Honorar zu bezahlen. 



Sommer 1896. 

I. Tlicoloici»'. 

Kür Caiididiitcii der Tlicologic iiiid des I'redigtiiiiitfs: 
Senior I). BehrmaDIi; Mrklärung auserwäli 1 ter l'salmen. 
Hauptpastor I). Röpe: Kateelietik. (Katechismus. Si)ccielle 
Methodik.) Sehlnss der Vorlesungen des Winters ISOn/'Ki. 

1> irrslag von IJ — 12 Ulir V(iriiiittaf;s. 

Hauiilpaslor Dr. Rode.' Casualien um! deren homiletische 
1! eh a ndl ung. 

Miinta.ys von 11 — 12 l'hi' V,irmilhit;s. 

iiauptpastor Dr. Krause: Philosophische Themata. 

Ddiincrstai;' von il — 10 llhr Vormittags. 

II. (icscliicliU' 1111(1 Mdcriiliir. 

l'rol'essor Dr. Wohlwül: Historische und litterarhis torische 
Uel)ungen. 

m. Miilliemaiik. 

Professor l)r. Schubert: l'luklidisehe und neuere Geometrie. 

Moiit!it;s von TVi— il'/a l'lir Aliends. 

IV. Astronomie. 

Professor Dr. Rümker: Theorie der geographischen Orts- 
besti m mung. 



Bericht über die Vorlesungen. V 

Observator Dr. Schorr; Allgcmci nc Astronomie ;*. Tlic il (das 
Sonneiisystein). 

Donnerstags — mit Ausnaliine des ersten Donnerstag 
in jedem Momit — von 7'/a-i^''J ''lir Abends. 

V. Botanik. 

Prof. Dr. Sadebeck: 

1) Tropiscli t' Nu tzp flaiizLMi, ihre Ei'/out,Miisso und ihr 
riant.-i o (.iil)('tricb, Fortsotzmig (Gcspiiiiistfasci'pflanzciti). 
Dienstags von 7—8 Uhr Abends. 
;J) Mikrosk()iHS(;he Uebungeu: 
a. Botanisches Praktikum. 

Dienstags von 5 — 7 Uhr Abends. 
]>. M ikroslvo])ie der vegetabilisclicn Nahrungsmittel 
und Jiohsto t'fe. 
H) P>ota,uiscl) e Exeu rsiou cii. 

Sonnabends Nachmittags und Sonntags. 

Pr(d'. Dr. Zachanas: 

1) Uel)cr ei 11 hi'i Miisc^lu' Pl'l au /.('iif'a.m i ii c n , Fortsetzung. 

Ki-eitag« V ;^7 l'lir Abends. 

2) Hebungen im Untei'sucheu und r)estimm('n von 
Phanerogamen. 

Mittwochs von 5—7 (Ihr Aljcnds. 

VI. riiysik. 

Prof. Dl-. Voller: Die Wärme, f'oi tsotzuiig und Sehluss der 
Wintervorh^sungen. 

Freitags von 7'/;-" Uhr Abends, )iis Mill.' .Iiini. 
Assistent Dr. Classen: Das I/icht, Fortsetzung lunl Selihiss der 
Wintervorh'simgen. 

Dienstags von "'/s— !• Ulir Aliends, bis Mitte .liirii. 

VII. (iicniic. 

l'nd'. Dr. Dennstedt: 

1) F.vjii'i'i m cn tal-('.h(Mn io (Metalle). 

Donnerstags von UJ — 12 Uhr Vormittags. 

2) Kurzer Abriss der organisclien Chemie. 

Mittwoch-i vo)\ 10—11 Uhr Vormittags. 

3) Pra.etiseiie Ücbungen im Ij a boratorium ITir A nfii llg('|■ 
^nd (ieübtcre. 

Täglich von fl~4 Uhr. 

Assistent Dr. Engelbrecht: 

1) Ausgc \v;i li 1 1 (■ ('a.|iiti'I iibei- Da,rsl,elinng und Analyse 
e li em i sc li - tecli n i seh e r 1' r ii |) a. i'a, te. 

Dienstags von 10-11 Uhr Vormittags. 

2) Practiselie Hebungen in der t eeli n iseli en Analyse. 

Täglich von 9—4 Ulir. 



W Bericht über die Vorlesungen. 

Assistent Dr. Schöpff: 

1) Ausgewählte Capitel der Photograpliie. 

Sonnabends von 1 — 2 Uhr. 

2) Photograpliische Uebungen, wöchentlich 3 Stunden. 
Assistent Dr. Toigtländer: Nahrungsmittel und ihre Ver- 
fälschungen. Kurzer Uebcrhlick über die Ernährungs- 
ieh r e. 

Mittwochs von S'/'i — 4 TThr Nachmittags. 

Hülfsarlieiter Dr. AhrCDS: Ueberblick über die quantitative 
Analyse ((Jewichts-, Maass-, Gasanalyse, Elektrolyse). 
Freitags von 10 — 11 Uhr Vormittags. 

Winter 1896 97. 
I. Tlieologie. 

Senior D. Behrmano: Christliche Glaubenslehre. 

72 Hörer. 
Freitags von 6';'2 — V'/j Uhr Abends. 



Für ('»iiiliilntni der Tlicolngio nnd des Prcdistamtcs: 

Senior D. Behrmann: 

1) Erklärung ausgewählter Abschnitte aus dem 
Pentateuch. 8—12 Hörer. 

Mittwochs von 9 — 10 Uhr Vormittags. 

2) Katechetik. 8—12 Hörer. 

Mittwochs von 10—11 Uhr Vormittags. 

Hauptpastor Dr. Grimm: Liturgik. H. Theil. Hörer. 

T>nnncrstags von 10 — 11 Vormittags. 
Hauptpastor Dr. Bode: Die Litteratur des nachapostolischeu 
Zeitalters. S Hörer. 

Jlontiigs von 11—12 Uhr Vormittags. 
Hauptpastor Dr. Krause: Die Logik des Aristoteles. 

8—11 Hörer. 
Donnerstags von 9 — 10 Uhr Vormittags. 

II. Reclilswisseiisdiaft. 

Oberlandcsgerichtsrath Dr. Martin: Unser künl'tiges Recht 
nach dem bürgerlichen Gesetzbuche. 107 Hörer. 

III. Staatswisseuscliaftcii. 

Dr. Ehrenberg, Secretair des Commerzcollegiums (Altena) : Di e v ol ks- 
wirthschaftliche Bedeutung des Handels. 

G4 Hörer. 

Montag, den 9., IG., 23. und 30. Xoveniber von 8-9 Uhr Abends. 



Bericht übiT die Vorlesungen. YH 

Trof. Dr. Lotz (München): Die Börse. 230 Hörer. 

An den folgenden Tagen von 8 — 9 Uhr Abends: 

4. Januar : Die geschichtliche Entwickelung des Börsenverkehrs. 

5. „ Die Verfassung der Börse. 

6. „ Die Technik der wichtigsten Börsengeschäfte. 

7. „ Der börsenmiissige Waarenhandel. 

8. „ Der börsenmässige Efiectenhandel. 

9. „ Die deutsche Börsengesetzgebung. 

Secretair der Gewerbekammer Dr. Hampke : D i e n e u e r e d e u t s c h e 
Gewerbepolitik. 54 Hörer. 

Dienstag, den 12.. 19. und 26. Januar von (i'/a — T'/j Uhr Abends. 

Vorstand des Statistischen Bureaus Dr. Koch: Grundzüge der 
Bevölkerungsstatistik. 48 Hörer. 

Donnerstag, den 11., 18. und 25. Mlirz von 8 — 9 Uhr Abends. 

IV. Mediciii. 

Oberarzt Dr. Rumpel: Tul)0 reu lose und T über cul ose -Heil- 
stätten. 72 Hörer. 
Freitag, den 13 , 20. und 27. November von 8 — 9 Uhr Abends. 

Hafenarzt Dr. Nocht: Tropenhygiene. 48 Hörer. 

Freitag, den 1-5., 22., 29. Januar und 12. Februar von 8 — 9 Abends. 

Oberarzt Dr. Schütz: Kinderhygiene. 284 Hörer. 

An den folgenden Mittwoch- Abenden von 8 — 9 Uhr: 

10. Februar: Zur Pflege und Ernährung des Säuglings. 
17. „ Allgemeine Kinderpflege. 

24. „ Die Somniererholung des Schulkindes. 

V. Geograpliic niid Völkerkniule. 

Assistent Dr. Hagen: Die deutschen Kolonien in geo- 
graphischer, ethnographischer und wirthschaftlichcr 
Hinsicht. 100 Hörer. 

Sonnabends von 8 — 9 Uhr Abends. 

Hülfsarbeitcr an der Seewarte Dr. Schott: Geographie der 
Oceane mit besonderer Berücksichtigung der Ver- 
kehrsverhältnisse zur See. 83 Hörer. 
Mittwochs von 8 — 9 Uhr Abends. 

VI. Gescliiclite. 

I'rof. Dr. Wohlwill: 

1) Deutsche Geschichte, 2. Theil, von 1250-1700. 

208 Hörer. 
Dienstags von 8 — 9 Uhr Abends. 



YJJJ Bei'icht über die Vorlesungen. 

2) Grunclzüge der Hamburgischen Geschichte vom 

17. Jahrhundert bis auf die Gegenwart. 

143 Hörer. 
Donnerstags von 8 — 9 Uhr Abends. 

3) Hieran scliloss sich ein besonderer Cyclus von Vorträgen über 
„Hamburgs Beziehungen zu Preussen", die an 
4 Donnerstag-Abenden von 8 — 9 Uhr die folgenden Themata 
behandelten: Etwa 300 Hörer. 

18. Februar : Hamburg und der Grosse Kurfürst. 
25. „ Hamburg und Friedrich der Grosse. 

4. Mäiz : Hamburgs Beziehungen zu Preussen im Zeitalter der 

französischen Revolution und Napoleons. 
11. „ Hamburg und der Zollverein. 

VII. Litteratur. 

Prof. Dr. Wohlwill: 

Deutsclic Litteraturgeschichte, 2. Theih vom 14. bis 
zum 18. Jahrhundert. 130 Hörer. 

Montags von ti'/a — ''''2 ' hr Abends. 
Prof. Dr. Litzmann (lioim) : E i c h t u n g e n n n d P e r s ö n 1 i c h k e i t e n 
in der Deutschen Litteratur von Goethe's Tod bis 
zum Jalu-e 1870. Etwa 400 Hörer. 

An den folgenden Tagen von 8 — 9 Uhr Abends: 

5. October: Pie Constellation bei Goethe's Tode. Ludwig Börne. 

7. > „ Heinrich Heine. 
8.) 

!,, Karl Immermann. 

... 

12 ) 

5 ,. Emanuel Geibel und die politisch-patriotische Dichtun<j 

\3.S 

14. „ Paul Heyse und Gottfried Keller. 

15. ,, Theodor Storm luid Konrad Ferdinand Meyer. 

Prof. Dr. Wendt: W. M. Thackeray's Werke (in Auswahl). 

Interpretation in englisclier Sprache. Ifil Hörer. 

Freitags von 6V2 — 8 Uhr Abends. 
Oberlehrer Brauneck: N'ictor Hugo. Sein Leben und seine 

Werke (in Auswahl). Leetüre und Interpretation in französischer 

Sprache. 152 Hörer. 

Mittwochs von 6';2 — 7'/2 Uhr Abends. 

VIII. Musik. 

Dr. Hermann Behn: INIusikwissenschaftliche Vorlesungen. 

114 Hörer. 

An den folgenden Montag-Abenden von 8 — 9 Uhr: 
1. März: Die Stellung der Tonkunst im Bunde der Schwesterkünste. 

8. „ Werden und Wesen unseres Tonsprachscbatzes. 

15. „ Die organische Einheit der Meisterwerke Richard Wagner's. 



Bericht über die Vorlesungen. IX 

IX. Ril'Jeiidi' Künste. 

Prof. Dr. BriDCkmann: Ausgewiililte Gegenstände aus der 
Geschichte des Kunstgewerbes, zunächst die innere 
und äussere Ausstattung des Buches. 10:2 Hörer. 

Montags von 2';i. — S'a Tlir Nachmittags. 
Prof. Dr. Eyssenhardt: Die Entwickelung der antiken 
Architectur. Etwa 80 Hörer. 

jMontag, den 19. und 26. Octobcr und 3. November 
von 8 — 9 Uhr Abends. 

Assistent Dr. Deneken: Gräber und (!rabdenkmäler der 
Hellenen. 57 Hörer. 

Montag, den 2t). October, 2., 9.. l(i, 23. und 30. November 
von 2i'2— S'/a Uhr Nachmittags. 

X. Bau- lind Ingen icni'wissenseliaft. 

Bauinspector Merkel: (i escliiclite der Ingenieurtechnik und 
des Verkelirs im Alterthuni und Mittelalter. 

2!) Hörer. 
Donnerstags von 8 — 9 Uhr Abends. 

XI. Gartenliaii. 

Prof Dr. Haupt (Hannover): Die Gartenbaukunst in der 
Vergaugenlicit, Gegenwart und Zukunft. 41 Hörer. 
Mittwoch, den 3, 10., 17., 24., 31. März und 7. April 
von 8 — 9 Ulir Abends. 

XII. Matlieniatlk. 

Prof. Dr. Schubert: Analytische Geonietrii' der Kegel- 
schnitte und anderer Kurven. 40 Hörer. 

Montags von 7','a— 9i/a Uhr Abends. 

XIII. Astronomie. 

Observator Dr. Schoir: 

1) Allgemeine A stronomie , 3. Theil (Cometen, Fixsterne). 

73 Hörer. 
Donnerstags (mit Ausnahme des ersten Donnerstags in jedem 
Monat) von TVa— 9 Uhr Abends. 

2) Theorie der Bahnbestimniung von Cometen und 
Planeten. Mathematische Vorkenntnisse erhu'derlich. 

4 Hörer. 
Montags von <>','-j— 7Va Uhr Abends. 

Navigationssclml-Lelirer Dr. Bolte: Die neueren Methoden der 
nautischen Astronomie im Lichte des modernen See- 
verkehrs. C'^} Hörer. 
Dienstags von 7 — 8 Uhr Abends. 



X Bericht ülicr die Vorlesungeu. 

XIV. Physik. 

Prof. Dr. Voller: Elektricitilt und Magnetismus, auf G run d- 
lage neuerer Erfalirungen und Anschauungen. 

90 Hörer. 

Freitnjjs von T'/a— 9übr Aliemls. 
Assistent Dr. Classen: Allgemeine Physik und Mechanik. 

GS Hörer. 
Dienstags von 8 — 9 Ulu' Abends. 

XV. Clieruie. 

Prof. Dr. Dennstedt: 

1) Experime ntal- Chemie (Anorganischer Theil, Nicht- 
metalle). SO Hörer. 

Donnerstags von 772 — 9 Uhr Abends. 

2) Practische Ueljuugen im Laboratorium für Anfänger und 
Geübtere. 

Täglich von 9—4 Uhr. 

Assistent Dr. Engelbrecht: 

1) Darstellung und Analyse chemisch- technischer 
Prcäparatc (Fortsetzung). s Hörer. 

Dienstags von 10 — 11 UIu' Vormittags. 

2) Practische Uebungen in der technischen Analyse. 

Täglicli von 9-4 Uhr. 
Assistent Dr. Schöpff: 

1) Photographischc Chemie. 44 Hörer. 

Montags von 8—9 Uhr Abends. 

2) Photographische Uebungen. 

WöclicntHeh 3 Stunden. 
Assistent Dr. Voigtländer: Kurzer Ueberblick der Er- 
nährungslehre. Fleisch und Conserven, Cerealien und 
Backwaaren. 23 Hörer. 

Donnerstags von 3 — 4 Ubr Nachmittags. 
Hülfsarbeiter von Boltenstern: Analytische Chemie, 1. Theil 
(Qualitative Analyse). 11 Hörer. 

Sonnabends von 10 — 11 [Ihr Vormittags. 

XVI. Mineralogie. 

Custos Dr. Gottsche: Einführung in die Palacontologie. 

56 Hörer. 

Dienstags von 7—8 Uhr Abends. 

XVII. Zoologie. 

Professor Dr. Kraepelin: Allgemeine Systematik, ein Ueber- 
blick über die Verwandtschaftsverhältnisse der 
heutigen Thierwelt. 115 Hörer. 

Sonnabends von 7 — 8 Uhr Abends. 



Bericht ülier die Vorlesungen. XI 

Gustos Dr. Pfeffer: Allgemeine Physiologie, die Lelirc von 
den (i ruii(Uigcnscliaften des Ijobens. 177 Höi-cr. 

Montaos von 8-9 Uhr Abends. 

Assistent Dr. von Brunn: Kurze Darstellung der Dcutsclicn 
Hochseefischerei, ilircr wivthsrli a ftlichen Bedeutunj;' 
und ihres Betriebes. 41 Hörer. 

Freitags von 7—8 Ulir Alicnds alle 14 Tage. 

XVIII. Botanik. 

Professor Dr. Sadebeck : 

1) Tropische Nutzpflanzen, ihre Erzeugnisse und ihr 
Plantagenbetrieb (Fortsetzung). 1. Kautschuk- und 
Gummipflanzen. 2. Gewürzjitlanzen. 3. Medicinalptianzen. 
4. Hölzer und Rinden. 30 Hörer. 

Dienstags von 7 — 8 Uhr Abends. 

2) Mikroskopische Plebungen, insbesondere Anleitung 
zu mikroskopischen Untersuchungcii. 

S Tlieiliiclinier. 
Täglich von 11—3 Uhr. 

Professor Dr. Zacharias: 

1 ) Anatomie und Entwickelungsgeschichte der Pflanzen. 

Donnerstags von 6 — 7 Uhr Abends. 

2) Practische Uebungen im Untersuchen und P>estimmen 
von Kr3'ptogamcn. 

In 2 Kursen, zusammen 20 Theilnehmer. 
Mittwochs von 3—5 Uhr Nachmittags. 

Im Wintersemester des Berichtsjahres ist der Versuch gemacht worden, 
für eine grössere Anzahl von Cursen durch Auflegen von Einschreibelisten 
einen Ueberblick über die Berufskreise, denen die Hörer entstammen, so- 
wie über die Betlieiligung des mannlichen nnd des weiblichen Geschlechtes 
zu gewinnen. In vielen Fällen sind jedoch die Listen unvollständig geblieben, 
da manche Hörer das Einschreiben unterlicssen ; von einzelnen Vortragenden 
ist mitgetheilt worden, dass die Zahl der Theilnehmer erheblich grösser 
gewesen sei, als die Listen ergeben. In vorstehendem Verzeichniss, sowie 
in der nachstehenden tabellarischen Zusammenstellung No. I, sind nur die 
den Listen entnommenen Zahlen angeführt worden. 

In einigen Fällen, wo es sich um Curse von kürzerer Dauer handelte, 
war eine solche Statistik deshalb nicht zu erlangen, weil die Zahl der 
Hörer zu gross war; an einzelnen Abenden war der Andrang so stai-k, 
dass z. B. in der Aula der Gelehrtenschule 500 — GOO Personen anwesend 
waren und ausserdem Viele keinen Platz mehr fanden. Die durchschnittliche 
Zahl der Hörer in diesen besonders stark besuchten, sowie einigen anderen 
Cursen ist in der IL Tabelle am Schlüsse dieses Berichtes mitgetheilt. 



XII 



Bericbt über die Vorlesunffen. 



I. Zahl und Beruf der eingeschriebenen Hörer in 22 verschiedenen Vorlesungscursei 
welclie regehnüßig wöchenthch im Winter 189G/97 gehalten worden sind. 







Gesammt- 


Davon 


waren 


Davon waren 






zahl der 






Lehrer 






VortriifreDder 


Gegenstand 


einge- 






und 


Kauf- 


Soi, 






schrieben. 
Ilnrer 


männl. 


weibl. 


Lehrer- 


leute 


Brnilr 










innen 






1. Senior D. Bulirmanii 


Christliebe Glaubenslehre 


7-i 


38 


34 


25 


21 


26 


2. Hr. Hagen 


Die dentsehen Kolonien in geo- 
graphiseher, ethnographischer 
und wirthsehaftlicher Hinsii-ht 


Ulli 


84 


22 


23 


31 


5-; 


3. Dr. Seluitt 


Geographie der Oceane mit 

besonderer Berücksichtigung 

der Verkehrsverhältnisse 

zur See 


SH 


71 


12 


10 


21 


52 


4. Troi'. Dr. Wolihvill 


Deutsche Geschichte 


208 


127 


81 


58 


22 


128 


5. Dersellie 


Ilamburgische Geschichte 


143 


88 


55 


39 


28 


76 


6. Derselbe 


Deutsche Litteraturgeschichte 


139 


73 


66 


44 


9 


86 


7. Prof. Dr. Wcndt 


'l'baekeray's Werke 


KU 


10.5 


56 


69 


9 


83 


8. Dr. Branneek 


Victor Hugo 


1 02 


71 


81 


82 


8 


62 


9. l'rol'. Dr. Prinelinianii 


Ausgewühlte Gegenstände a\is 


102 


32 


70 


nicht anger 


'eben 




der Geschichte des Kunst- 
















gewerbes, zunächst die innere 
















und äussere Ausstattung des 
















Buches 














10. Bauinspeet,i)r Merljel 


Geschichte der Ingenieur- 
technik und des Verkehrs im 
Alterthum und Mittelalter 


29 


24 


5 


1 


— 


'!s 


11. Prof. Dr. Srlmliert 


Analytische Geometrie der 
Kegelschnitte 


40 


40 


— 


13 


1 


26 


12. Dr. Schon- 


Allgemeine Astronomie 


73 


61 


12 


4 


15 


54 


13. Dr. Holte 


Die neueren Methoden der 
nautischen Astronomie 


(i.'i 


65 


— 


5 


1 


59 


U. Prof. Dr. Voller 


Elektricität und Magnetismus 


90 


65 


25 


24 


6 


60 


15. Dr. Classeii 


Allgemeine Physik und 
Mechanik 


liS 


65 


3 


6 


12 


50 


Iti. Prof Dr. DennsfrcU. 


Experiniental-Chcmie 


SD 


73 


7 


24 


29 


27 


17. Dr. Seliopfi- 


Photographische Chemie 


It 


40 


4 


5 


14 


25 


18. Dr. Gottsche 


Einführung in die Palaeon- 
tologie 


.'')») 


43 


13 


12 


11 


33 


19. Prof. Dr. Krarpelin 


Allgemeine Systematik, ein 

Ueberblick über die Verwandt- 

schaftsverliiUtnisse der 

heutigen Thierwelt 


11 T) 


81 


34 


48 


8 


59 


20. Dr. Pfcfier 


Allgemeine Physiologie, die 
Lehre von den Grundeigen- 
schaften des Lebens 


177 


137 


40 


41 


17 


124 


21. Prof. Dr. Sa,lebe<-k 


Tropische Nutzpflanzen, ihre 

Erzengnisse und ihr Plantagen 

betrieb 


30 


25 


5 


5 


6 


19 


22. Prof. Dr. Zaoharins 


Anatouiie und Entwickelungs- 
geschiehic der Pflanzen 


ri3 


45 


8 


27 


2 


24 



Bericht über die Vorlesungen. 



XIII 



II. Durcliscliiiittliche Zahl der Hörer in 1 b verschiedenen Vorlesuugscursen, 

welche an einer beschränkten Zahl von Abenden im Winter 189(5/97 

trehalton worden sind. 



Vurtranendcr 


Gegenstand 


Durchschnittliche 
Zahl der Hörer 


übcrlandusgerichtsratli 
Dr. Martin 


Das neue bürgerliche Gesetzbuch 


107 


l>r. Ehrenberg (Altena) 


Die volliswirthsehaftlieho Bedeutung 
des Handels 


tJ4 


Prof. Dr. Lotz (.AIiinchon| 


Die Börse 


230 


Dr. Haiupke 


Die neuere deutsche Gewerbepolitik 


.54 


Dr. Koch 


Grundzüge der Bevölkerungsstatistik 


48 


Überarzt Dr. Kumpel 


Tuberculose und Tuberculose- 
Heilstätten 


72 


Hafen arzt Dr. Nocht 


Tropenhygiene 


48 


Oberarzt Dr. Schütz 


Kinderhygiene 


284 


Prof. Dr. Wohlwill 


Hamburgs Beziehungen zu Preussen 


Etwa 300 


Dr. Deuekeu 


Gräber und Grabdenkmäler der 
Hellenen 


57 


Prof. Dr. Eyssenhardt 


Die Entwickelung der antiken 
Architektur 


Etwa 80 


Prof. Dr. Haupt 
(Hannover) 


Die Gartenbaukunst in der Vergangen- 
heit, Gegenwart und Zukunft 


41 


Prof. Dr. Litzniann 
(Bonn) 


Riehtungen und Persönlichkeiten in 

der deutschen Litteratur von Göthes 

Tode bis zum Jahre 1870 


Etwa 400 


Dr. H. Behn 


Musikwissenschaftliche Vorlesungen 


114 


Dr. von Brunn 


Kurze Darstellung der Deutschen 

llochseeliseherei, ihrer wirthschaftlichen 

Bedeutung und ihres Betriebes 


41 



IL 
Jahresberichte 

der 

Hambiirgischen 
Wissenschaftlichen Anstalten 

für das Jahr 1896. 



Stadtbililiothek. XVII 



1. Stadt bibliothek 

Bericht des Directors Professors Dr. Eysseuhardt 

In dem Personale der Stadtbibliotliek ist im Jahre 1896 keine Ver- 
änderung eingetreten. 

Der Bücherbestand wurde, abgesehen von den Zeitschriften, aus den 
budgetmässigen Mitteln, sowie durch zahlreiche und werthvolle Geschenke 
von Behörden, Vereinen, Instituten und Privatpersonen, imi 5117 Nummern 
vermehrt. 

Im Lesesaale wurden 2:') 890 Bände von 4840 Personen benutzt, wobei 
die Benutzung der Handbibliothek ausser Ansatz gelassen ist. Von aus- 
wärtigen Bibhotheken und Archiven wurden 1 1 1 Bände zur Benutzung 
im Lesesaale übersandt. 

Im Journalsaale sahen 2123 Personen 13 705 Hefte der ausliegenden 
Zeitschriften ein. 

Ausgeliehen wurden 10 675 Bände an 3956 Personen, darunter 
33 Handschriften; von diesen gingen 7 nach Berlin, 5 nach Erlangen, 
4 nach München, je 3 nach Breslau und Kiel, je 2 nach Braunschweig 
und Wiesbaden, je 1 nach Budapest, Leipzig, Mainz, Posen, Schildberg 
und Wien. Ausserdem wurden nach 38 auswärtigen Orten 230 Bände 
versandt. 

Das Neubinden des alten Bücherbestandes wurde für che Abtheilungen 
PD-PK, DF, DG und DH erledigt. 

Die neben den laufenden Katalogisirungsarbeiten hergehende Eintragung 
der Standortsbezeichnungen nach dem Realkataloge i.i den Noniinalkatalog 
wurde in der Weise gefördert, dass ein weiterer Theil der im Karten- 
schranke aufbewahrten geographischen Karten, der letzte Theil von DF d 
sowie der Anfang von DFe, MC, der Schluss von PB I und der Anfang 
von PB II übertragen wurden. 

Ausserdem wurde die Neukatalogisirung der Hamburger Zeitungen 
und Zeitschriften soweit gefördert, dass die Zettelaufnahme im wesentlichen 
vollendet ist. 



will iluseum für Völkerkunde (eiiiscbl. Sammlung vorgeschichtl. Altertümer). 



2. Museum für Völkerkunde 

(einschliesslich Sammlung vorgeschichtlicher Altertümer). 

Bericht vou Dr. K. Hageu. 

Das Jahr 189C war für die Anstalt in ni einfacher Weise ein besonders 
l)edeutungsvolles. 

Zunächst hatte die Anstalt den Tod des ersten Vorstehers und ihres 
eigeuthchen (iriinders, des Herrn C. W. Laders, zu beichigen. Nachdem 
Herr Lüders krankheitshalber am 1. Oktober einen längeren Urlaub 
nachgesucht und bewilligt erhalten hatte, verließen ihn trotz sorgsamster 
Pflege die Kräfte zusehends, bis ihn am 7. November, Abends l) Uhr, 
der Tod von seinen Leiden erlöste. Am 1 1 . fand die Bestattung im 
Krematorium zu Ohlsdorf statt unter der Teilnahme zahlreicher wissen- 
schaftlicher Vereine, denen Herr Luders lange Jahre hindurch als thätiges 
Mitglied angehört hatte. Herr Direktor Eaufenhe7rj hielt eine zu Herzen 
gehende Grabrede, in der er die Verdienste des Entschlafenen in gebührender 
Weise hervorhob. Am Abend desselben Tages widmete Referent im 
Naturwissenschaftlichen Verein seinem langjährigen Chef und väterlichen 
Freunde einen Nachruf. Ueber den Lebenslauf des Verstorbenen möge 
das Folgende liier Platz finden. 

Carl Wilhelm Lüders ist am 23. Mai 1823 in der Vorstadt St. Pauli 
geboren. Die Eltern verlor er früh durch den Tod, und so war er schon in 
jungen Jahren auf sich selbst angewdesen. Er widmete sich dem Kaufmanns- 
stande, ohne in ihm die rechte Befriedigung zu finden; mehr Interesse 
fand er seit jeher am Sammeln. 1853 ging er nach Amerika und zwar 
nach Valparaiso, wo er bis 1865 kaufmännisch thätig war; groß sind seine 
Verdienste um die Entwickelung der dortigen deutschen Kolonie. 1865 begab 
er sich auf Reisen, lernte die ganze Westküste von Südamerika, sowie 
Teile von Nordamerika kenneu und legte umfassende Sammlungen an. 
Ende 1866 kehrte er nach Hamburg zurück. Von 1870 — 73 hatte er die 
kaufmännische Leitnnij des „Freischütz" inne. Im Jahre 1874 gelanff es 



Musfura l'iir Völkerkunde (eiusehl. .Sniiniiluiiy vurgescliichtl. Altertümer). XIX 

ihm encUicli, eine seinen Neigungen entsprechende Thätigkeit zu iimlen mul 
zwar als KomniissionsmitgHed des Kulturliistorischen Museums, das damals 
kaum mehr als eine Earitätenkammer vorstellte, aber zum Senfkorue wurde, 
aus dem sieh imter Likle)-s liebevoller Pflege das „Museum für Völkerkunde" 
entwickelte. 1879 wurde der Verewigte unter gleichzeitiger lunverleibung 
sehier eigenen wertvollen Sammlung in den alten Bestand zum Vorsteher 
des Museums ernannt. Mit außerordentlichem Geschick und in erstaunlich 
kurzer Zeit hat er als solcher in den Jahren 1890 und 91 die schwierige 
Neuaufstellung der umfangreichen Samndungen im Galleriegeschoss des 
Naturhistorischen Museums besorgt und damit die vou ihm so lauge 
sehnlichst erwihischte systematische Aufstellung durchführen können. Rastlos 
hat er bis zum letzten Augenblick für das Gedeihen des Museums gestrebt. 

Die umfangreiche Privatsamuilung des Herrn Luders, welche durch- 
gehends aus ausgezeichneten, namentlich wegen ihres Alters kostbaren, 
ethnographischen Gegenständen besteht, sowie seine auf Völkerkunde 
bezügliche Bibliothek war bereits mit Schluß des Jahres 1888 laut Ver- 
einbarung in den Besitz des Staates übergegangen. Ein Legat im Betrage 
von J^ lOOüO wird das Museum in den Stand setzen, „aus den Zinsen 
nach Verlauf eines oder mehrerer Jahre je nach Umständen" ein besonders 
hervorragendes Stück zii erwerben. So hat Herr Lüders noch über den 
Tod hinaus für das ihm ans Herz gewachsene Institut gesorgt. 
Ehre seinem Andenken! 

Mit Anfang des Jahres wurde die bis zu dieser Zeit von einer 
besonderen Kommission verwaltete Sammlung vorgeschichtlicher Altertümer 
dem Museum für Völkerkunde fest angegliedert, da die bisherige Trennung 
der ihrem ganzen Wesen nach zusammengehörigen ethnographischen und 
vorgeschichtlichen Sammlungen eine unnötige Erschwerung des Geschäfts- 
ganges mit sich brachte. 

Den Vorsitz in der Kommission führte Herr Syndicns Dr. W. von Melle. 
Die übrigen Mitglieder waren die Herren C. W. Luders, Vorsteher des 
Museums für Vfilkerkunde, Direktor Prof. Dr. J. Brinchnmin, Landgeriehts- 
Direktor Dr. B. FöJiring, Direktor Prof. Dr. E. Raufcnherrj, J. U. Brey 
und F. Wienijreen. 

Der während fünf Jahre als wissenschaftlicher Hülfsarbeitcr beschäftigt 
gewesene Dr. Kcnl Hagen wurde auf den 1. Jamiar 189G als Assistent 
2. Gehaltsklasse angestellt. 

Der Besuch des Museums ist trotz der recht unbequemen Lage desselben Die Benutzung 
als ein fortgesetzt reger zu bezeichnen. Die Benutzung der Sammlungs- ''"'' 

,..„,,.,, , . Sammlungen. 

gegenstände ist infolge der Vorlesungen eine sehr gesteigerte gewesen. 
Außerdem wurden die bedeutenderen neuen Eingänge vom Berichterstatter 



XX Museum für Völkerkunde (einschl. Sammlung vurgescliielitl. Altertümer). 

in den Sitzungen der Anthropologischen Gruppe vorgeführt, auch niehrfacli 
anderen Herren Objekte des Museums zu Vorträgen zur Verfügung gestellt. 
Einem Gesuche^ der Direktion der Fischereiausstellung in Kiel entsprechend 
wurde eine grössere Anzahl solcher Bootmodelle, die weniger kostbar und 
Zinn Transport geeignet erschienen, der Ausstellung leihweise überlassen. 

Der Berichterstatter benutzte im Auftrage der Kommission 2 Tage 
des Juni, um das neue Museum in Bremen zu besichtigen uiul verband 
damit einen Besuch des besonders ;in Funden aus der jüngeren Steinzeit 
und der Bronzezeit reichen Museums in Oldenburg. Einen Aveiteren Urlaub von 
4 Tagen im September verwandte der Berichterstatter zum Studium der 
Kolonialausstellung der Beriiner Gewerbeausstellung mit Kücksicht auf die 
für das Winterhalbjahr angekündigten Vorlesungen. Über beide Reisen wurden 
der Konnnission eingehende Berichte vorgelegt. Drittens wurde auch die 
Sammlung des Herrn Dr. liartmann in Marne und daran anschliessend 
das neue Museum in Meldorf in Augenschein genommen. Eine zum Besuch 
der Millenniumsausstellung in Budapest geplante Urlaubsreise musste wegen 
der Krankheit des Vorstehers leider unausgeführt bleiben. 

Von Anfang Januar bis Ende März IS'JG hielt der Berichterstatter 
im Auftrage der Oherst^hiübehörde vor etwa 00 Zuhörern eine Reihe von 
11 Vorträgen über „Völkerkunde in Einzelbildern". Hiermit erschien über- 
haupt die Völkerkunde zum ersten Male unter den übrigen üblichen Vor- 
lesungen. Folgende Themata wurden behandelt: Aufgaben und Bedeutung 
der Völkerkunde. Abstammung und Urheimat des Mensclien. Rassenlehre. 
Australien und seine Bewohner. Neu Guinea; Kaiser Wilhelmsland. 
Melanesien; Bismarck Archipel. Polynesien und Mikronesien. Malayischer 
Archipel. Afrikanische Naturvölker. Amerikanische Indianer. Hyperboreische 
Völker. Von Anfang November 1896 bis Ende März 18'J7 hielt der 
Berichterstatter einen zweiten Cyklus von 17 Vorlesungen über „die deutschen 
Kolonien in geographischer, ethnographischer und wirtschaftlicher Hinsicht", 
an dem (iO — 80 Zuhörer teilnahmen. In drei einleitenden Vorlesungen 
wurden behandelt: Kolonien im Allgemeinen. Die deutsche Auswanderung 
und die Versuche, dieselbe zu organisieren und zu koncentrieren. Hambui-gei- 
Kolonisationspläne 1840 — 43; Versuch der Gründung eines Kolonialbesitzes 
unter dem grossen Kurfürsten. Die beiden folgenden Vorlesungen behandelten 
die Geschichte der Erwerbung der deutschen Kolonien, die übrigen galten 
der eingehenden Betrachtung derselben. Als Anschauungsstoff dienten die 
Sammlungen des Museums für Völkerkunde, sowie die des Naturhistorischen 
und des Botanischen Museums. Da unser Museum leider noch sehr arm 
an Photograpliien ist, so ist es um so mehr mit Dank zu begrüssen, dass 
mehrere Hamburger Firmen, die mit den Kolonien arbeiten, in hebens- 
würdigster Weise Photographien zur Verfügung stellten Insbesondere sei 



Musouln für A'<ilkri-kiiii(te ((jlnsclil. Sainiuliing viirtcescliichtl. Altertümer). XXl 

den Herren Angelo Crovo (Kaoko Land- und Minen -Gesellschaft). J. F. 
Ell. Bühleil, C. und Ad. Woerniann, Wölher & Zimmermann. L. Hanshif/. 
Jusfus Strandes und Konsid F. HcrnsJieim auch an dieser Stelle herzlichster 
Dank gesagt. Das nötige Kartenniaterial, Rassenlnlder und einige neuere 
Werke ülter die Kolonitni konnten aus der für das N'orlesungswesen 
hewilligten Summe angesrhatft worden, wodurcli einem lel)liaft empfundenen 
Bedürfnis ahgeholfen wurde. 

Dr. K. Hagen: Chinesische Prunkwaft'cn. (Internationales Archiv für Publikationen. 
Ethnographie, Leiden. Bd. IX. p. KU — 175 mit drei farhigen 
Tafeln.) Das Material besteht in einer nut Hülfe der Bürgermeister 
Kellinghusen-Stiftung angeschafften Sanindung chinesisclier und korea- 
nischer Waffen. (S. d. Jahili. VIII. p. XC.) 

Die Vermehrung der Sammlungen. 

A. Ethnographische Sammlung. 

Die /ald der Eingänge erreichte im Jaln'e 1890 mit 708 Nummern 
die hei weitem höchste von allen früheren .lalircn. Im Einzelnen verteilt 
sich der Zuwachs folgendermaßen : 

Eingegangen sind an (ieschenken: 

von Asien 1.j9 Nuiumern 
„ Amerika 50 „ 

„ Afrika 20 
„ Europa C „ 

Oceanien 83 „ 



318 Nummern 



Angekauft sind aus den Ijudgetniäfäigen Mitteln: 

von Asien f)5 Nummern im Werte von Jf 703,11 

„ Araerilca 102 „ „ „ „ „ 730,— 

,. Afrika 20 „ „ „ „ „ 254,.50 

,, Oceanien (13 „ ,, „ „ „ 560,— 



240 Nummern im Werte von Jf 2247,61 

Durch eine seitens E. H. Senats und des Bürgerausschusses genehnugte 
außerordentliche Bewilligung konnten von Ocea.in'cn noch l.'tO Nummern 
im Werte von Jf 2500. — angeschaft't werden. 

Denniach stellte sich der Bestand am Ende des Jahres laut den 
Katalogen wie folet : 



XXII Museum für Völkprkuiulc (cinsclil. Sammlung vorgescjiiclitl. Altprtümor). 

Asien r, GOO Nuiiinieni 

Amerika 3 12f) 
Afrika 2 IGl 

Europa 232 „ 

Oceanien 2 82V „ 

11 040 Nummern 



I. Geschenke. 

Von den zalilreiclien, durch Schenkung dem ]\Iusenm iilicrwiescncn 
Gegenständen seien folgende besonders hervorgehoben: 

Von Herrn Architekten raul G. Ehlers aus dem Nachhiß seines aui 
Neu Guinea verunglückten Bruders Otto E. Ehlers, des bekannten Reisenden : 
1 gi-nssc Harfe (soung) von Rirnia; 1 Schädcltrommcl (damaru) von Tibet 
(kostbares altes Stück); 2 silberne Zchenringe in Fischform, von den 
MarAthen; 2 alte Lederfutterale mit Porzellanschüssel (auf Kameelreisen 
gebraucht) von Yarkand in Ost-Turkestan ; eine Anzahl seidengestickter, 
alter Atlasgewänder ans Bokhara und indischer Bekleidungsgegenstände. 

Von Herrn Eluard Freiherrn von Ohlendorff die Doubletten einer 
großen, in seinem Auftrage für das Kthiigl. Museum für Völkerkunde 
in Berlin zusammengebrachten Sammlung der Hügelstämme von Assam. 
Dieses Geschenk ist deswegen doppelt willkommen und wertvoll, weil wir 
von Assam bisher außer einer Streitaxt und einer Lanze nichts besaßen. 
"Wir erhielten von den Dophla: 2 Helme aus Rotang geflochten, zwei 
breite, geflochtene Leibgurte, einen Tragkorb ans Flcchtwerk, ein 
geflochtenes Körbchen, eine flache Schale aus Rinde, eine Umhängetasche, 
einen Schaber, einen Bogen und einen primitiven Pflug aus Bambus, und 
einige Schmuckstücke; von den Mischmi: einen Schild aus Rotanggefleeht 
mit hölzernem Buckel, einen Bogen, eine Lanze, eine metallene Tabakspfeife 
nebst dem dazugehörigen Tabak und 2 Schwerter in Scheide: von den 
Ao Naga: einen geflochtenen Beutel, ein eisernes Messer, eine Ahle mit 
hölzernem Stiel, ein Hackmesser (dao), einen Schaber aus Eisen, — (dieser 
ist dem aus Bambus gefertigten der Dophla, bei dem sich die Form aus dem 
Wesen des Materiales erklärt, einfach nachgebildet und schon insofern 
von hohem Interesse), — eine Scheide von eigenartiger Form für das Wald- 
messer, einen Holzkamm, ein breites Armband aus dicht aufgereihten Mund- 
rändern von Kaurischnecken, ein zierlich geflochtenes, an die anmutigen 
japanischen Erzeugnisse erinnerndes Körbchen, mit rotgefärbten Ziegen- 
haaren besetzt, einen breiten hölzernen Armring und Lanzen, mit rotgefärbten 
Ziegenhaaren besetzt; von den Abor, Anganii-, Lhota-, Namsik-, Nangta-, 
Borduria-Naga einzelne sehr interessante Gegenstände, die nur durch 
eine derartige Gelegenheit erreichbar sind; von den angeführten 
Stämmen sind auch eine Anzahl der einheimischen, farbi" gestreiften 



MuSfUiii für Völkerkinulc (einschl. Sammlung sorgescliichtl. Altertiniior). XXIll 

Zeuge vertreten, sowie ein Leptscliakleid ; vonBlnitnn: aus farbiger Wolle 
gewebte Strunipfbäniler. ein i)aar Stiefel, ein Dolchmesser mit Messing- 
knauf, eine rot- und weiß gestreifte, wollene Umhängetasche, eine 
aus einer Ahornknolle gedrechselte Theeschale. (Die Ahornknollen 
entstehen durch die Schmarotzerpflanze Balanophora; die aus ihnen 
hergestellten Schalen gelten bei den Leptscha als Mittel gegen Vergiftung.) 
14 ausgezeichnete Platinotypien veranschaulichen die Aulage der Dörfer 
der Hügelstämme Assams, das Aussehen der als Pfahlbauten konstruierten 
Häuser, der Gemeindehäuser (morang) mit der riesigen, aus einem Baum- 
stamm angefertigten Signaltrommel, endlich der Bewohner selbst in Kriegs- 
schmuck und häuslicher Tra,cht. Ganz besonders wertvoll ist die Sammlung 
Ehlers durch die genaue Etikettierung mit Angabe der einheimischen Namen, 
die leider gew()hnlich bei fast allen sonstigen Eingängen fehlen. 

Von Herrn /'. J. Wasgermaim zahlreiche Mumienbeigabeu von Peru, 
darunter ein Korb mit Webegerät, kleinen Töpfen, Farbe, Ohrschmuck etc., 
ein Webstuhl mit angefangener W'eberei (schmales, buntgenuistertes Band), 
mehrere aus l)unter Wolle gewebte Bänder, 2 Kleidungsstücke mit bunten 
Rändern für Erwachsene, 1 weisser Kinder])oncho mit Saum aus braunen, 
eingewebten Vogelfiguren etc. 

Von Herrn Lieutenant z. See Häher in Cuxhaven ein Bastkorb mit 
Webegerät, roter Farlje und IMaiskolben. ausgegral)eu in Ancon, Peru. 

Von Herrn Anitsanwalt Dr. Edrjur lUies eine große Anzahl verschieden- 
artiger Pfeile aus dem Malayischen Archipel, (tou Flores, Aru-, Kei-, 
Tenimber-Inseln) mit Holz-, Knochen- und Eisen-Spitzen, 2 Bögen von 
Flores, Bogen und Pfeile von Neu-Guinea (Humboldtbai und Geelvinkbai). 

Von Herrn Dr. Walthrr von OhlcmJorß' ein sehr interessantes Modell 
eines Flosses mit Segel aus Peru. 

Von Herrn Andreas Sjnerinr; in Bergedorf 1 Grünsteina.\.t und 2 kleine 
Steinbeile. 1 Denkmünze mit Maoriko])f und 40 alte Photographien von 
Landschaften aus Neu Seeland. 

Von Herrn W. Ahlfeld eine Nephritaxt vom Lake Wanaka auf der 
Südinsel von Neu Seeland und eine Anzahl von Messern und Pfeilspitzen 
aus Obsidian vom Wanganui River, Neu Seeland. 

Von Fräulein F. Guwilaeli aus dem Nachlaß des verstorbenen Herrn 
C. 11'. Lüders ein aus Kauriharz gefertigtes Portrait eines die typische 
Kinntätowierung zeigenden Maoriweibes und eine Kupfermünze mit der 
Darstellung eines tätowierten Maorikriegerkopfes von Neu Seeland. 

Von Herrn Paul SfoJihiinwi diverse Gegenstände von Madagaskar. 
Von Herrn Dr. Josephson ein schwarzer Sammetgürtel mit Silber- 
stickerei und Schließen aus Silbertiligran, ein großer Zierknopf aus Silber- 



XXIV Museum für Tölkerkuucle (ciiisclil. Sammlung- vorgoscliiolitl. Altertümer). 

filigran, eine eigentüniliclie Kopftradit für Frauen, bestehend ans einer 
tricliterförniigen. schwarzen Wollkapiie mit hanger, in einer silbernen Röhre 
steckender, schwarzer Scidenqnaste und eine einfache Männerkappe 
von Island. 

Von Herrn Philipp Jnplict ein alter, geschnitzter Stock eines Kaftern- 
]iäui5tlings. 

Von Herrn Obergeometer H. StiicJ: eine Friedenspfeife mit hübsch 
geschnitztem Eohr von den Sioux-Indianern. 

Herr Direktor Ä. Thaer überwies eine alte, mit geschnitzten und 
bemalten Menschenfiguren verzierte Tanzkeule, Bogen und Pfeile von den 
Salomons Inseln und einen Sj^eer aus Bambus mit langer Palmeaholzspitze 
von Neu Hannover. 

II. Ankäufe. 

Unter den Ankäufen aus den budgetmäßigen Mitteln (nach vorstehender 
Übersicht J^ 2247.01) sind folgende besonders bemerkenswert: 

A. Asien. 

Eine Sammlung lamaistischer Kultgeräte aus Tibet: Gebetglocke 
(di'il-bu) und Donnerkeil (rdorje), Gebetmühlen, Gebettrommeln, Opferlampen, 
heilige Wassergefässe, eine große Tempeltrompete aus Kupfer (stag-dun, 
1,8.'') m lang), eine Tempelschalmei aus Kuiifer, eine Flöte aus einem 
menschlichen Schenkelknochcn (rag-dun), 4 hölzerne Druckniatrizen für 
Gehetrollen. Ausserdem ein vergoldeter, mit rohen Türkisen besetzter 
Brustschmuck (zugleich Anniletdose) sowie ein Paar dgl. Ohrringe, ein 
Schwert mit silberfiligranbesetzter, die eine Klingenseite unbedeckt lassender 
Scheide aus Sikhim und ein altes Schwert aus Bhutan mit schönem, durch- 
brochen gearbeiteten Messinggritf und mit gi-ünem Leder umkleideter Scheide. 
10 Modelle von Häusern und Böten von S. 0. Borneo und Pfeilgift in 
Basthülle von den Dayaks. 2 alte, schön geschnitzte Boot.modelle von Siam. 
1 Lanze zum Erlegen von Vögeln, mit Elfenbeinsjiitze und drei weitereu 
in der Mitte des Schaftes befestigten, von den Tschuktschen (N. 0. Sibirien). 

Ein reich mit aufgenähtem Gold- und Silberdraht verzierter Rock aus 
rotem Baumwollenstoff, von Kaschmir. 

B. Amerika. 
Es bot sich die günstige (ielegenheit, die Sammlung der peruanischen 
Grabgefäße (Huacos) um 32 weitere, ausgesucht schöne Exemplare zu 
vermehren. Eine staunenswerte Formonmannigfaltigkeit spricht sich in 
diesen herrlichen Erzeugnissen der alten Peruaner aus, die die Motive der 
sie umgehenden Pflanzen- und Tierwelt mit gi-oßem Geschick entnahmen. 
Auch mytiiologische Darstellungen begegnen uns in großer Anzahl. Unter 



Museum für Vnlkerkuiule (plnsolil. Sammlung vorgescliiclitl. Altertümer). XXV 

den neu erworbenen Gefäßen befinden sich auch eine Reilie der sehr 
gescliätzten, mit mythologischen Scenen bemalten Exemplare. Folgende 
verdienen besonders liervorgehoben zu werden: 

1. Gefäß in Fonn eines Hauses von rechteckigem Unterbau mit Gieljeldach. 

2. Gefäß mit einem anthropomorphisirten Decnpoden en relief, zweifellos 
von mythologischer Bedeutung. 

?>. Gefäß in Form eines Schneckenhauses mit antliropomorpliisirter 
Schnecke mit Schheßdeckel und Fühlern, d^ 

4. Rötlichbraunes Gefäß mit der Darstellung eines Anglers, der einen 
Fisch emporzieht und schwimmenden Quallen, in dünn aufgetragenem, 
weiß brennenden Tlion aufgemalt. 

'). Mehrere Gefäße mit in anders brennendem Thon aufgemalten Götter- 
figuren, den Emblemen des Donnergottes, Kampfscenen, einem Adler, 
der dem Anscheine nach aus einer vor ihm stehenden Scliüssel frißt etc. 

G. Gewundenes Blashorn mit Schallöffnung in Form eines Pumakopfes. 

7. Gesichtsurnen und Gefäße in Form sitzender Männcrgestalten. 

8. Gefäße in Tierform : kleine Eule, aufgezäumter Lamakopf, Ochsenfrösclie, 
dickbäuchiger Fisch etc. 

Eine Anzahl guter alter Bronzen aus peruanisclien Mumiengräbern, 
und zwar Meissel, Grabscheite, Messer, Zierscheiben, Perlen, Nadeln, 
Schmuckketten und eine grosse Schelle; ferner kleinere Schmuckstücke 
aus Schneckenschale. 

Drei Thongefäße, 1 Schädel und 1 Thonflöte, altme.xikanisch; 1 großes 
Steinbeil und 23 verschiedene steinerne Pfeilspitzen der nordamerikanischen 
Indianer aus früherer Zeit. 

C. Afrika. 

Ein großer Halsschmuck aus spiralig gewundenem Eisendraht, der 
Massaifrauen; eine Holzmaske von Dahomey. 13 kleine Goldarbeiten der 
Ashanti. Als Motive sind verwandt: das Nest eines Webervogels mit 
daraufsitzendem Vogel, ein Krokodil, mehrere verschiedene Conchylien, 
Zähne, kleine kugelförmige Schellen mit Längsschlitz und ein Körbchen. 
Eine typische Lederhaube der Hererofrauen, Deutsch-Südwest-Afrika. 

D. Europa. 

Zu Ankäufen l)ot sich im Berichtsjahre keine Gelegenheit. 

E. Oceanien. 

Eine große Holzmaske mit Federkleid von Neu Caledonien. Eine 
hölzei-ne, mit 2 geschnitzten Götterfiguren „atua" verzierte Planke von 
einem alten Vorratshäuschen „pataka" der Maori, aus Makeln, Bay of 
Plenty, Neu Seeland. Eine alte Sammlung von etwa CO Nummern, worunter 
eine Schädelmaske von Neu Britannien; 2 Tanzmasken von Neu Irland; 
2 Speerspitzen aus Rochenschwanz, Speere mit Obsidianspitzen, Holz- 



KXVI Museum für Völkpikundo (oinsclil. Sammlung vorgescliichtl. Altertümer). 

trommcl, Armringe. Gürtel. Holzscliüsseln etc. von den Admiralitiits-Inseln ; 

3 geschnitzte Kalkspatol. 1 Flasche aus Kokosnuß (ornamentiert) von 
Neu Guinea; Axt mit Tridacnaklinge, Armhänder, mit Brandmalerei 
verzierte Calebasse für Kalk zum Betelkauen, 4 fein geschnitzte Kalkspatel, 

4 Holzkämme von den Anachorcten; 1 interessanter Bamlnisdolcli \()n dei- 
Insel Yap (Carolinen) und diverse andere Gegenstände. 

III. Ankäufe mit Hülfe einer ausserordentlichen Bewilligung. 

Durch die Bewilligung einer Summe von 2500 J^ seitens K. H. Senates 
und des Bürgerausschusses wurde die Möglichkeit gehoten, eine umfang- 
reiche Sammlung des Herrn M. Thiel durch die freundliche Vcrniittclung 
des Herrn F. Hernsheim, Direktors der Jahiit-Gesellschaft in Hand)urg, 
anzukaufen. 

Diese Sammlung hesteht in der Hauptsache aus Gegenständen aller 
Art von den Inseln Maty, Dniour und Ninigo, kleinen Eilanden im Norden 
von Deutsch-Neu-Guinea, der deutschen Interessenphäre angehörig. 

Als die hervorragendsten Stücke sind zu hezeichnen : 2 Originalhöte 
von Maty und Duronr, von denen das größere fl.5 m, das kleinere 5,ü:j m 
lang ist. Beide sind aus einem Stück gearbeitet, am Bug und Stern mit 
einem aufgesetzten Zierstück und mit einem seitlichen Ausleger versehen. 
Ferner sind von Waffen verschiedenartige Speere, mit Brandmalerei ver- 
zierte Keulen, große Hellebarden aus Holz, die in ihrer Form an chinesische 
oder japanische Vorbilder erinnern und solche mit Haitischzähnen und 
Schildkrötenknochen bewehrt, vertreten ; von Werkzeugen kleine A.xtc mit 
breiter Klinge aus Schildkrötenknochen zum Bootbau, ein Korb, Angel- 
haken, Holzschlägcl zum Fischfang, Eßgefäße, Schöpfkellen, eigenartige 
Koko.snußschraper etc. ; von Schmuck- und Kleidungsstücken Hüte aus 
Pandanusblättern und Ohrgehänge aus Schildinxtt. Ausserdem von den 
Hermits-Inseln 4 lange S^jcere mit zierlich geschnitzten Spitzen und ein 
mit roten, stark stilisierten Menschenfiguren bemaltes Bootmodell ; von den 
Admiralitäts-Inseln 12 prachtvolle Speere mit Obsidianspitzen und zum 
Teil mit darunter angebrachten plastisch geschnitzten, mehr oder weniger 
stilisierten Menschenfiguren und eine große Holzschüssel mit durchbrochen 
gearbeiteten, ohrenförmigen Henkeln; von den Salomons-Inseln riesige, mit 
zahlreichen Widerhaken aus Knochen bewehrte und mit farbigem Stroh- 
geflecht verzierte Speere, sowie Bogen und Pfeile; von den Anachorcten 
ein dem Ahnenkultus dienender Menschenschädel, ein Stück Baumstamm, 
durch das die Methode der Tapabcreitung trefflich illustriert wird, und eine 
geflochtene Tasche mit in gelber Farbe aufgemalten Menschenflguren ; von 
Neu Guinea geschnitzte Ruder, Pfeile mit mannigfachen Rohr- und ge- 
schnitzten und bemalten Holzspitzen, Bogen mit cingeschnitztcn Ornamenten, 
Fischharpunen und Calebassen für Kalk zum Betelkauen; von Mioko ein 



Musoinii iur Völkorkmidc (liiisclil. SnminlmiiT vurgcsr-liiclitl. Altertümer). XXVll 

Feuciboluor; von Neu H.'iiinovcr inul Froncli Island Steinäxte, lieber 
die Bedcutuus der Sanindunij; wird eine in Vorbereitung befindlicbc;, mit 
Al)l)ibUnigen versebene Abliandhini; (b'n niHij^en Aiil'selibd.! ^elien. 

B. Sanimlung vorgescliielitlieher Altertümer. 

Die Sammbmg- bat sieli im J-anfe des Jabres 1890 um 240 Katalog- Sammlung 

, ' 1 , rr 1- 1 1 vorgesch. 

nunimern vermehrt, darunter od (leschenke. Altertümer. 

Der Direktor der Stiftnngsscbule von IS 15, Herr Dr. 0. Drärierf. Geschenke, 
iiberwies der Sammlung 4fl Steingeräto aus Holstein, eine scbubleisten- 
fönnige, facettierte Hacke aus Kiesolsebiefei- von leider nnlx'kamitein I''iindort. 
wabrscbeiiilicb aus Rlitteldeutsebland. und eine rriie mit :'> nuiiidsicbel- 
frtrmigeu Relicfbenkebi und scbräglanfenden, Haclien Furchen am IJanciiteii 
aus der römiscben Kaiser/eit, von dem Umenfriedbof in Fublsbüttel ber- 
stanimcnd. 

^'(nl Herrn il/. 7'A. IStiucr erbii'lten wir einen Kragencelt aus Drcnize, 
von tiüttingen am r>odensee ; von Herrn Geo. IT. Fischer einen kleinen 
geschliffenen Hammer mit rund gewölbter Ober- und ebener Unterseite 
von Ringstedt in Dänemni'k, sowie- einen 7 cm langen Meissel aus gelb- 
grauem, dnrcbscbeinenden Flintstein, Scbweizer Pfablbauteu ; von Herrn 
Dr. Ilarimann jr. in Marne die Nacbbildung eines merkwürdigen, liei 
'l'arbeek in Holstein gefundenen Hoblceltes mit senkrecht zur Schneide 
stehendem, durcli Anscbweißung angebrachten Oelire, dessen Original 
(Unikum) sich in der Sammlung des verstorbenen Herrn Dr. Hartmann in 
IMariie befindet; von H<'rru Virfor Bengison ein kalcinirtes Feuersteiu- 
messer von Hclsingborg. Herr Direktor Dr. Brinchmann iiberwies 2 kleine 
becherförmige Thongefäße mit je 2 Zwergbenkeln und Strichornamenten, die 
wobl in Erinnerung an mit Bändern umgebene Holzeimer angebracht sind, 
und eine kleine topfförmige, einhenkelige, unverzierte Urne der Bronzezeit, 
von Balkow bei Ziebingen. Das mit diesen Gefäßen zusammen gefundene, 
pracbtvolle Bronzemesser ist in den Besitz des Museums für Kunst und 
Gewerbe gelangt und im r)ericbtc dieser Anstalt beschrieben und abgebildet. 

Für Ankäufe und Keisen wurden Ji 1279.15, für Ausgrabungen J^ 252 Ankaufe, 
aus den budgetmäßigen Mitteln verbrauclit. Ueber die Eeisen ist schon 
oben das Nähere mitgeteilt. Auch in diesem Jahre konnten eine Anzahl 
Altsachen ersten Ranges angeschafft werden. Insbesondere waren wir in 
der liage, eine alte Privatsammlung, bestehend aus Steingeräten der ver- 
schiedensten Typen und Bronzesaclicn der Provinz Schleswig-Holstein zu 
erwerben. Es befinden sich darunter mebrere geschliffene Steinmcisscl mit 
prachtvoll erhaltener, haarscharfer Schneide, unfertige, nur roh l)ebauene, 
solche, die nur an der einen Seite erst geschliffen sind, zerschlagene und 
aufs Neue zugeschliffene Steinmeissel etc. Ferner Dolche, Lanzenspitzen 
und Messer aus Feuerstein, namentlich hervorzuheben eine Lanzenspitze 



XXVIII Museum für Völlicrkunde (einschl Snmnilung Vorgesoliiclitl. Altertümer). 

mit seitliclicn Einkerbungen, (wie Mestorf, Atlas No. 72, aber mit bogen- 
förmigem Abschnitt wie No. 7S, außerdem am Rande gezäbnelt), gefunden 
in einem Moor bei Rabenivircben bei Kappebi. Unter den Gesanitfundcn 
interessiert besonders ein solcher aus einem Grabhügel auf der Insel Köln-, 
bestehend aus einem kleinen, kurzen, luilien Steinliamnier mit großem Loch. 
einem Steinhammer mit beiderseits begonnener Kegelbohrung, einem runden 
durchlochten Quarzit (Behaustein) und einem Dolcligriff mit Nahtverzierung, 
aus Feuerstein. Weiter mögen erwälmt werden : ein scheibenförmiger 
Keulenknauf, später als Behaustein l)enutzt (wie IMestorf. Atlas No. 111). 
gefunden bei Neu-Berend in Schleswig; mehi-ere schön polirte Stein- 
hänimer; ein Kragencelt (wie M. A. 220) mit niedrigen Rändern. Iialb- 
mondförmig hervortretendem Schneidenteil und einem flach angedeuteten 
Grat am Beginne der Verbreiterung zur Schneide (M. A. 219), gefunden 
bei Lopstedt, Schleswig; ein kleiner Hohlcelt mit Leisten im Innern, ge- 
funden bei Gr. Bockwald, Holstein (wie M. A. 209. jedoch mit dein An- 
scheine nach erst nacli dem Gusse gradhnig abgestutzten Schneidenenden). 
Aus einer zweiten \(in uns angekauften Privatsammlung heben wir folgende 
Nummern hervor: eine große Axt aus Kiesolschiefer mit angeschliffenen 
Facetten, von Sylt; eine Reihe verschiedener Celttypen von Stade, Lüneburg, 
Ludwigslust, Havelberg, Hadersleben; einen 13 cm langen Bronzedolch 
mit 7 Nieten, die den am Ende 4,5 cm breiten, nicht erhaltenen Holzgriif 
hielten, der nebst einem kleineu, verzierten Knochenstück (s. d. Jahrbucli 
Bd. XI p. CXV) bei Glinde ausgegraben wurde. 

An hervorragenden Funden aus der Steinzeit erwarb das ]\Iuseuni 
weiter: eine 20 cm lange Axt mit zapfenförniigem Ansatz (M. A. 84, die- 
selbe Form und Größe), von Rehhorst bei Segeberg; eine Amazonenaxt 
(M. A. 102) von Gr. Wesenberg bei Reinfeld; das hintere Ende eines reich 
reliefierten Porphyrhammers (Form ähnlicli wie Madsen, Steenaldcren 
Taf. o2, 1 8), von Heilsliop bei Lübeck ; eine Axt aus Diorit, mit herumlaufender 
Furclie, in der Form an solche aus Nordamerika erinnernd, von Hanerau 
bei Hademarschen ; eine Amazonenaxt aus Diabasporphyr mit ovalem Stielloch 
von Pansdorf bei Lülieck (Form wie M. A. 88), in einem Steingrabe unweit 
Oldenburg gefunden. Unsei-e Sammlung besitzt schon ein ebensolches 
Holsteiner Exemplar aus Hornblendegestein. Vier schöne Steinhämmer 
von Seeland. An Gräberfunden der Steinzeit erwarben wir die Ausbeute 
aus einem Grabe von AVoldtorf bei Bergedorf, bestehend in zahlreichen 
Scherl)en mit Tiefstichornament, einem kleinen Meissel aus Diabas und 
Feuersteinmessern . 

Von Bronzen wurden außer dt'n bisher angi^fidu'ten noch erworlien: 
ein Bronzeschwert (wie bei Bastian und Voss Taf. VI, 1 ), Heilshop bei Lübeck ; 
zwei sogenannte Rasiermesser, eine Pincette und eine Nadel mit spiralig 
aufgerolltem Koj)f, aus Urnen von Armstorf, Provinz Hannover; ein Leisten- 



Museum für VcilkeikuiuK; (ciusclil. S;iinnilung vurgescliiclitl. Altertümer). XXIX 



celt (IC cm lang, M. A. 3 IG, aber ohne Ornamente) und ein 20 cm langer, 
fehl profilierter Lappencelt mit enudlartiger, chocoladebraiuier Patina, der 
wohl schon in den Beginn der Eisenzeit zu setzen ist, übrigens auch ganz 
den Eindruck der Imitation eines aus Eisen geschmiedeten Beiles macht, 
beide angeblich aus Schleswig. 

Von Bronzen außerdeutsclion Ursprungs wurden angekauft 
1) 3 ungarische Formen untl zwar: 1 Hulilcelt mit linearen Verzierungen und 
ornamentaler Andeutung der Sciiaftlappen au der Tülle und weit aus- 
ladender Schneide (fast gleich Hani[)el, Bronzezeit in Ungarn, Taf. XIII, 1); 
1 Lanzenspitze, von Komorii, mit scharfem Grat und jederseits von 
demselben einer dem Rand parallelen, leistenförmigeu Verdickung (etwa 
gleich Hampel a. a. O. Taf XXVI, 0, jedoch ohne Ornamente, 19 cm lang); 
1 Streithammer aus Kupfer, mit 2 zu einander senkrechten Schneiden 
(IS, 5 cm lang) und kurzer Tülle um das Schaftloch, gefunden bei Uj 
Szöny (etwa gleich l'ulszky, Kupferzeit in Ungiirn p. (i7,3 mit Schneiden- 
form von 2). 2) 5 Bronzen der Hallstattperiode, von Theben in Griechen- 
land, und zwar: 1 Spiralarnuing aus einem breiten Bronzestreifen mit in 
Tremoliistich hergestellten, fortlaufenden Rauten ornamentirt ; 1 kleiner 
spiraliger Fingerring; Bügel und Fußplatte einer großen, halbkreisförmigen 
Fibula (die quadratische, große Fußplatte mit einer eingeritzten Vogeltigur 
(Ente oder Gans) im sogenannten Dii)ylonstil verziert); 1 große einschleifige 
Bogenfibula mit langem, düimen Fuß und mit aufgereihten Knoclien- 
schelben am Bügel, die ursprünglich wohl durch irgend eine Fülhnasse aus- 
einander gehalten wurden; 1 rechteckige Dreipaukenfibula mit viereckiger 
Fußplatte, deren eine Seite mit einer eingeritzten vierblättrigen Blüthe 
verziert ist; die Pauken zeigen Linien in Tremolirstich. Alle Bronzen unter 2j 
gehören der ersten HiÜfte des 1. Jahrtausends v. C'lir. an. 

Die wertvollste Erwerbung des Jahres bilden 4 Schnuu.kstücke in 
Filigranarbeit aus Gold, die in Haddien bei Hooksiel am Jadebusen ge- 
funden wurden und aus absolut zuverlässiger Quelle stammen. Es sind 
3 Ohrringe und ein halbmondförmiger Schmuck aus Goldblech mit am 
Rande angelöteten Halbkugeln aus Goldblech (4 gr schwer). Von den 
3 Ohrringen bilden 2 ein zusammengehöriges Paar von folgendem Aussehen: 
Auf einem dicken Golddraht mit Schliesshaken an beiden Enden betinden 
sich aufgereiht 5 glatte, aus 2 Halbkugeln zusammengelötete Hohlkugeln 
und dazwischen 4 größere in derselben Weise hergestellte Hohlkugeln, 
deren Oberfläche mit aufgelötetem, gewundenen Golddraht verziert ist, in 
der Form von 8 lindenblattähnlicheu Figuren mit je 3 kleinen Goldkügelchen 
in der Mitte, je 4 auf jeder Halbkugel, getrennt durch einen am A(xuator 
verlaufenden Draht (eine der zuletzt beschriebenen Kugeln fehlt bei dem 
einen Ohrringe, deren Gewicht bezw. 5 und 7 gr, deren Druchmesser ca. 3 cm 
beträgt); sämtliche Kugeln waren, die intakten sind auch noch mit Thon 



Außer- 
dentsche 
Bronzen. 



XXX MusL'inn IVir Völk.'ilamar (eiiisi'lil. Sammlung vorgcschii-litl. Altertiiinor). 

get'iillt, um Festigkeit zu erzielen. Der dritte Ohrring (2 gr schwer) gleielit 
iui 'rv|)us ileu beiden vorigen. F,r trägt o ghitte Hohlkugehi und 3 größere 
durehhroi'hene Kngehi, die sieh als aus je S Kreisen und einem A(|uat(U'- 
kreis /.usauuuengelötot durstelleu. Zeitlieh gehören diese (ioldsclanuek- 
saeheu in das 8. — 10. Jahrhundert n. ("hr. und sind orieutalisclie Import- 
artikel. Sic entsprechen in Stil und Fiu'ui völlig solcheu aus Silber, die 
gewöhnlich in kleine Stücke /.erhackt, als Hacksilber, ucbst arabischen, mit 
kulisehcr Schritt bedeekteu Mihizeli ans den Jahren 750 — 1000 n. Chr. 
östlich der Elbe gefunden werden. l)er westelbische Fundort unserer 
Seluuuckstücke verleiht denselben noch ein erhöiites Interesse. Nicht aus- 
geschlossen wäre, daß, iu unserem Falle schwer nachweisbar, die Selunuck- 
saehen vou einem deutschen Künstler jener Zeit angefertigte Nachaluuuugeu 
orientalischer wären, wie der von Dr. Henkel beschriebene Lorseher Ring 
(Westdeutsehe Zeitschrift lSO(i j). 17:2). 

Die im vorigen Jahre vom I>eriehterstatter begomieuen Ausgrabungen 
bei Bergedorf wurden mit gleichem Erfolge fortgesetzt und beendet unter Mit- 
wirkung des Herrn IT. Aiulrcsen. Den Sehaui)latz bildete das (irundstück des 
Hen-n Dantjir Beim iu Heckkathou bei Dergedorf, der iu liebenswürdigster 
Weise die Ausgrabungen gestattete,, wofür ihm aucli hier herzlichster 
Dank gesagt sei. Durch die Nachforschungen hat sich ein am Ende der 
(ieest gelegener, unter Dünensand hegraheucr Urnentriedhof der ueolithischeu 
Zeit ergeben. Es wurden iu größerem Abstände von einander, circa 
Va m tief, ohne Steinsetzuugeu, etwa ein Dutzend Urnen gefunden, darunter 
f) mit den für die neolithischo Zeit charakteristischen Ornamenten ver- 
zierti'. \'on den gut erhaltenen Oefäüen heben wir folgende hervor: 

1) Weitmündige, im Halstcil nur wenig eingezogene, nach unten fast 
si)itz zulaufende Urne mit Schnurornanient, und zwar in 3 Zonen an- 
geordnetem Fischgrätenmuster (Höhe 'i'2,5 cm. Durelnnesser der Mündung 
lli cm, des Bodens 5,2 cm). 

:J) Becherförmige, gelblicln-ote Urne mit langem Halsteil, der von 
21 i)aralleleu Schnurfurchen umgeben ist (Form ähnlich wie tiötze, Gefäß- 
formen der neolithiseheu Keramik, Xo. 11. Höhe 15 cm, Diu'chmesser der 
Mündung 10 cm, des Bodens (i cm). 

3) Weitmündige Urne mit schärfer eingezogenem Halsteil als 1 
(Uebergaug zwischen Amphoren- und Becherform), etwas verbreitertem 
Boden und am Halsteil eiugeschuitteuem Si)arrenmnster in 2 durch je 
2 Linien getrennten Zonen, an die sich, ebenfalls durch 2 Linien getrennt, 
oben und unten noch eine Zone schräg liegender Striche anschließt, 
wiederum begrenzt ^on einem herumlaufenden Striche. (Höhe 23,5 cm, 
Durchmseser der Mündinig 18 cm, des Bodens 7 cm.) 



Museiiiu für Völkerkunde (einschl. Sammlung vorgrscliiolitl. AltertümoiJ. XXXI 

4) Kleine, dickwiimlige, gelbbraune Urne mit 3 dureli einen heruni- 
lani'enden Stricli getrennten Zonen von je Zickzacklinien (Götze, 
Taf. '2, 2S), die durcli kleine, nebeneinander eingestochene, quadratische 
oder oblonge Grübchen hergestellt sind. (Form wie Götze, Taf. 1 , 3!), 
aber schlanker und mit horizontalem Boden. Höhe U cm, Durchmesser 
der Mündung 10 bezw. 11 cm). Dieses Gefäß stand westlich dicht neben 
No. 3 in der Weise, daß die Ränder in gleicher Höhe waren. 

5) Große, weitbauchige, unverzierte Urne (nicht vollständig, Durch- 
messer etwa o2 cm, Höhe etwa 2S cm, Durchmesser des Bodens 8 cm) 
mit folgenden Beigaben: a. Kleines, dickwandiges Gefäß, Form me 3, mit 
3 Zonen von Dreiecken (Spitze unten) mit vertikalen, in Kanalstich aus- 
geführten Linien gefüllt. (Götze, Taf. 2, 34. Höhe rekonstruiert etwa 
14 cm, Durchmesser der Mündung 12 cm, des Bodens 4 cm.) b. Hammer 
aus Diorit, in Diminutivform. (Länge 8 cm. Breite 3 cm, Höhe 2,2 cm. 
Weite des Loches 1 cm ) 

(>) Große, roh und unregelmäßig, fast kegelförmig gebildete, gelbe 
Urne mit weiter Mündung, langem, wenig eingezogenen Hals, kleiner 
Bodenfläche, mit Tupfenverzierung oben auf dem Bande. (Höhe 28 cm, Durcii- 
messer der Mündung 27 < 25 cm, des Bodens 6,5 cm.) 

7) Urne mit fast gradem Halsteil, verdicktem, eljcnso wie G ver- 
zierten Rande und von gedrungenerer Gestalt als 0. (Hölie 23 cm, 
Durchmesser der Mündung 22 cm, des Bodens 11 — 12 cm.) 

Sämtliche Gefäße haben weder Henkel noch irgendwelche Ansätze. 
Sie enthalten alle gebrannte Gebeine, auf denen sich in einigen Fällen 
wenige Spui'en von Bronze nachweisen lassen. Frei im Boden fand sich 
zwischen den verzierten Gefäßen ein aufgerolltes, dünnes, 2 cm breites 
Bronzeband, das mit 3 aus eingesclüagenen Punkten hergestellten Linien 
(2 nahe dem Rande, eine in der Mitte) verziert ist. 

Wir glauben hiernach zu der Annahme berechtigt zu sein, daß sich 
die neolithische Keramik, wenigstens in diesem Falle, in 
unserer Gegend bis in den Anfang der Bronzezeit erhalten 
hat. An Steinwerkzeugen fanden sich frei im Boden ferner 2 im Feuer 
geglühte und verletzte Pfeilspitzen aus Feuerstein. Bn-e Formen ent- 
sprechen Mestorf, Atlas IX, 54 und 52. 

Bei Boberg wurde eine Ansiedelungsstelle und Werkstatt der neolithischen 
Zeit entdeckt, die eine Unmenge mit den verschiedenartigsten Mustern ver- 
zierter Scherben, so^vie eine große Zahl halbfertiger und fertiger kreisrunder 
Schaber aus Feuerstein und Pfeilspitzen in allen Stadien der Herstellung 
lieferte. 

Dem Naturhistorischen Museum, Abteilung für Mineralogie und Geo- Überweisung, 
logie, wurde, einem Antrage des Herrn Kustos Dr. C. Gotische entsprechend, 
eine Anzahl von diluvialen, nicht von Menschenhand bearbeiteten, in 
hiesiger Gegend gefundenen Thierknochen zu eigen überlassen. 



XXXII MuseuDi für Volkei'kunde (einschl. Sammlung vorgeschichtl. Altertümer). 

Die Bibliothek wurde um 67 Nummern vermehrt, von denen 37 durch 
Gesclienk und 30 durcli Kauf erworben wurden. Somit weist der Katalog 
700 Nummern am Ende des Jahres 1890 auf. Für Anschaffungen wurden 
Ji 314.05, für Buchbinderarbeiten J^ 53, im Ganzen also J^ 3tj6.05 für 
die Bibliothek verausgabt. Der Wert der Geschenke beziffert sich auf 
rund etwa J^ 135, der Zuwachs der Bibliothek im Ganzen also auf rund 
etwa J^ 500. Die Gruppe Haniburg-Altoua der Deutschen Anthropologischen 
Gesellschaft überwies der Sammlung wie bisher die ihr zugehenden Werke, 
ebenso der Naturwissenschaftliche Verein eine Anzahl von Doubletten. 
Von der Smithsonian Institution in Washington erhielten wir den 13. An- 
nual Report. Unter den Ankäufen verdienen hervorgehoben zu werden: 
W. Radimsky, die Neolithische Station von Butmir in Bosnien, und 
A. P. Madsen, Afbildninger af danske oldsager og miudesmaerker. 



Sammluiisj Huii)liiii-gischor Altertliümef. XXXIII 



3. Sammlung' Hamburgischer Alterthümer. 

Bericht von Dr. Tli. Sclirader. 

Die Commission für die Sanimluni^ Hamburgisdier Alterthümer hat 
im abgelaufenen Jahr zwei ilirer Mitglieder durch den Tod verloren. 

Völlig unerwartet wurde am IG. März 189G der bisherige Vorsitzende 
der Commission, Dr. Wilhelm Hildemar Mielck, durch einen plötz- 
lichen Tod dem Wirkungskreis, welchen er sich in unserer Sammlung ge- 
schaflon hatte, entrissen. Mielck war, nach dem Tode des Candidaten 
iStöter, am 4. Februar 1S!_):2 von der Uljcrschulljehörde zum Mitglied 
der Commission erwählt und am ö. October 180'2 von der Letzteren zu 
ihrem Vorsitzenden ernannt worden. Schon lange vor seinem Eintritt in 
die Commission hatte er bei jeder sich bietenden Gelegenheit seiner Theil- 
nahme an den Geschicken der Sammlung Ausdruck gegeben und es war 
für ihn eine grosse Genugthuung, für die Entwicklung der Sammlung aber 
v(ni ausschlaggebender Wichtigkeit, dass er grade in der Zeit, in welcher 
die völlige Umgestaltung derselben sich vollziehen sollte, in die Verwaltung 
berufen wmxle. Mielck nahm sofort die Leitung dieser, durcli den Umbau 
der Sannnluugsräume veranlassten Umgestaltung in die Hand, legte den 
Grundplau für die Neuaufstellung der Sammlung fest und Initte noch, 
einige Monate vor seinem Tode, die Freude, die ersten Früchte sehier 
hingebenden Arbeit öffentlich zur Schau stellen zu können. Sein Tod ist 
ein schwerer Verlust für die Sammlung, als deren Neidjcgründer Mielck 
gelten kann uud in deren (ieschichte sein Name allezeit einen ehrenvollen 
Platz einnehmen wird. 

Am 7. November 1896 starb in vorgerücktem Alter Carl Wilhelm 
Lüders, im Jahre 1882 an Stelle des ausgeschiedenen Herrn Dr. Otto 
Rüdiger vom Verein für Haniburgisclie Geschichte zum Mitglied der 
Commission ei-nannt. Lüders hat sofort nach seiner Ernennung sich der 
damals uugenügend untergebrachten und infolgedessen ziemlich vernach- 
lässigten Sammlung mit Eifer angenommen und bis zum Bcgiiui des jetzt 



XXXIV Sammlung Hambur<];ischer Alterthümer. 

durchgeführten Umbaus als eigentlicher Leiter derselben fungirt. Soweit 
die örtlichen Verhältnisse es erlaubten, hat er für die Erhaltung und 
Vermehrung der Sammlungsgegenstände gesorgt, und die Anregung dazu 
gegeben, dass die Sammlung nicht nm% wie bisher blos Sonntags, sondern 
auch Mittwochs zur Besichtigung geöffuet wurde. Ein von ihm angefer- 
tigter Katalog giebt, wenn auch lückenhaft, doch manche werthvoUe 
Auskunft über Herstaninumg luid Bedeutung einzelner Gegenstände der 
Sammlung. Die ungünstigen Verhältnisse hinderten ihn Erspriessliches zu 
leisten, aber an Liebe zu den Hamburgischen Alterthümern hat es Lüders 
nicht gefehlt, und er hat dieser Liebe auch noch über das Grab hinaus 
Ausdruck gegeben, indem er seine überaus werthvolle Sammlung ..Ham- 
burgischer Zeichen", von welcher unten noch die Rede sein wird, testa- 
mentarisch unserem Museum überwies. Ein ehrenvolles Andenken ist 
auch ihm durch seine Thätigkeit für che Sammlung Hamljurgischer Alter- 
thümer gesichert. 

Zu erwähnen ist hier noch der im Januar des Berichtsjahres erfolgte 
Tod des hochbejahrten Aufsehers im ehemaligen Bürgermilitär-Arsenal, 
J. H. Schossig. Neben seiner Gewerbstlültigkeit als Büchsenmacher hatte 
Schossig seit 1835 gegeu eine geringe Vergütung die Instandhaltung der 
im Arsenal bewahrten Waffen übernommen und setzte diese Thätigkeit fort, 
nachdem das Bürgermilitär-Arsenal, dem der werthvoUste Theil unserer 
jetzigen Abtheihmg „Kriegswesen" angehörte, im Jahre 1875 mit dem 
bisherigen Bestände der Sammlung vereinigt war. Wenn auch manche 
der von Schossig vorgenommenen Reparaturen vom archäologischen Stand- 
punkt aus bedenkhch erscheinen mögen, so ist es doch seiner liebevollen 
Fürsorge zu verdanken, dass unsere alten "Rüstungen und Geschütze in der 
Zeit der Vei'nachlässigung der Sammlung nicht völlig vom Rost zerfressen 
wurden. 

An Stelle des verstorbenen Dr. W. H. Mielck ernannte die Ober- 
schulbehörde am 23. April 1896 Herrn J. F. Goldschmidt zum Mit- 
gUed der Commissiou, imd für den verstorbenen C. AV. Lüders wurde am 
28. November 1896, in Geniässheit der Vereinbarung vom 10. März bezw. 
3. Mai 1849, vom Verein für Hamburgische Geschichte Herr Landrichter 
Dr. C. Amsinck in die Commission delegirt. Den Vorsitz in der Letzteren 
übernahm nach Dr. Mielck's Tode der Berichterstatter. 

Die Neuaufstellung der Sammlung hat durch den Tod des bis- 
herigen Leiters derselben keine Unterbrechung erlitten. Dr. Mielck hat 
in den ersten Monaten des Berichtsjahres mit gewohntem Eifer die Auf- 
stellung gefördert und noch zwei Tage vor seinem Tode in der Sammlung 
gearbeitet, als er aber dieser emsigen Thätigkeit plötzlich entrissen wurde, 
liess die Ausführung der von ihm bereits getroffenen Anordnungen der 
neuen Leitung genügend Zeit, um sich einzuarbeiten. 



Sammlung Haiiilnii-gischer Alterthümer. XXXV 

Die militärische Abtlieilung der Sammlung war allerdings im 
Herbst 1895 so weit gefördert, dass sie vorübergehend zur Schau gestellt 
werden konnte. Endgültig vollendet war damals aber nur die Reinigung 
und Aufstellung der mittelalterlichen Waffen, der Erinnerungen an die 
Stadtsoldaten und au die Bürgerwachc, und die dem Frciheitsla-iege ge- 
widmete Abtheilung. Die umfangreiche Sammlung von Ausrüstungs- 
gegenständen des Bürgermilitärs und des Bundescoutingents konnte damals 
nur in einer provisorischen, durch mancherlei Leihgaben ei'gänzten Anordnung 
zur Anschauung gebracht werden. Die erste Aufgabe musste es sein, 
diese Sachen zu reinigen und in den schon im vorigen Jahre bestellten, 
jetzt nach und nach zur Ablieferung gelangenden Schauschränken zweck- 
entsprechend zu ordnen. Erst gegen Ende des Sommers konnten die 
hierdurch erforderlichen, viel Zeit und Sorgfalt erfordernden Arbeiten als 
abgeschlossen gelten. Hervorzuheben ist hier, dass es im Laufe des Jahres 
gelungen ist, die Ueberweisung der sämmtlichen in den Kirchen auf- 
bewahrten Fahnen des Bürgermilitärs, mit einer Ausnahme, an die Samm- 
lung zu erlangen, dagegen sind die historisch besonders werthvollen Fahnen 
der hanseatischen Legion und des Bundescoutingents, sowie die Fahne des 
5. Bataillons des Bürgermilitärs in der St. Michaeliskirche verblieben. 
Von den beiden in der Sammlung auflx'wahrten sogenannten goldenen 
Kanonen, welche 1643 angefertigt sind und nachweislich seit 1675 zum 
Bestände des ehemahgen Zeughauses gehört haben, war die eine schon im 
Jahre 1895 nach den Anweisungen von Dr. Mielck gereinigt und restaurirt 
worden (vergl. den vorigjährigen Bericht). Dieselbe erregte bei ihrer 
Ausstellung im Herbst 1895 allgemeines Aufsehen und gab schliessheh 
Anlass zu einer Anfrage der Verwaltung des Könighchen Zeughauses in 
Berlin, ob man geneigt sein würde, eine der beiden Kanonen gegen Ge- 
währung einer entsprechenden Gegengabe dorthin abzugeben. Für die 
Stellung der Commission zu dieser Frage kam in Betracht, dass über die 
Hei'kunft der beiden Geschütze nichts zu ermitteln war und es mindestens 
zweifelhaft erscheinen musste, ob sie in Hamburg angefertigt seien oder 
zu der Geschichte Hamburgs in irgendwelcher Beziehung ständen, ferner 
dass der Besitz von zwei ganz gleichen Stücken einen praktischen Werth 
nicht hatte. Andererseits war zu erwägen, dass das Berliner Zeughaus im 
Besitz von zwei hervorragend schönen, in Hamburg gegossenen und mit 
den Wappen von Hamburger Rathsherren verzierten bronzenen Geschütz- 
rohren war, welche die Verwaltung zu der vorigjährigen Ausstellung 
bereitwillig hergeliehen hatte, dass ferner daselbst zahlreiche, s. Z. von 
den Franzosen weggeführte und nachher denselben wieder abgenommene 
Fahnen der ehemaligen Hamburger Bürgercompagnien aufbewahi't wurden, 
und endhch, dass es wünschenswerth erschien, die in unserer Sammlung 



XXX\T Sammlmig Ilaiuburgiscliei- Altertliüiiu-r. 

sehr spärlicli vertretenen Erinnerungen an den Krieg von 1870/71, 
namentlich an die Theilnahme des 7G. Kegiments an demselben, hei dieser 
Gelegenheit mit Hülfe der massgebenden Behörden zu vervollständigen. 
Von diesen Gesichtspunkten ausgehend trat die Comniission in Veriiand- 
lungeu über den angeregten Tausch ein und im Januar 18!)(j kam unter 
Genehmigung der Oberschulbehörde und nach Kenntnissnalmie seitens 
E. H. Senats ein Abkommen dahin zu Stande, dass das eine der beiden 
in der Sammlung betindlichen Prunkgeschütze gegen das grössere und 
schönere der dem Berliner Zeughaus gehörenden, in Hamburg gegossenen 
Geschützrohre umgetauscht werden und die Zeughausverwaltung zum 
Werthausgleich verschiedene für unsere Sammlung werthvolle Gegenstände 
hierher überweisen solle. Die Verhandlungen über letzteren Punkt sind 
erst im Sommer ISOli zum Abschluss gekommen und führten zu dem 
Ergebniss, dass unserer Sammlung die vollständigen feldmarschmässigen 
Ausrüstungen eines Gemeinen und eines Unteroffiziers des 76. Regiments 
aus den Jahi-en 1870/71 (7^! Nummern), ferner eine Sammlung von 
preussischen und französischen Waffen (32 Nummwii), endlich 10 Fahnen 
der Hamburgischen Bürgerwache aus dem 17. und 18. .laiirhundert über- 
wiesen wurden. Als Zeichen freundlicher Gesinnung fügte die Kgl. Zeug- 
hausverwaltung noch ein sehr hülisches 1870 erbeutetes französisches 
Gebirgsgeschtttz hinzu. Letzteres, ein gezogener Vorderlader von Bronze 
mit eiserner Lafette und eisernen Rädern, ist nach der Inschrift auf dem 
Rohr im Jahre 1SG2 in Strassburg gegossen und besonders werthvoll des- 
halb, weil ein gleiches Exemplar sich nur noch im Zeughaus zu Berlin 
befindet. Auf die beiden 7Ger Ausrüstungen wurde diesseits besonderer 
Werth gelegt, weil es sich als unmöghch erwiesen hatte, die ziu' Veran- 
schaulichung der Theilnahme der Hamburger an dem letzten Kriege er- 
forderlichen Uniformstücke und Waffen auf anderem Wege zu erlangen. 
Nur dem durch die Zeughaus-Verwaltung in Anspruch genommenen p]nt- 
gegenkommen des Kgl. Kriegsministeriums ist die Beschaffung dieser beiden 
Ausrüstungen zu verdanken. Nicht weniger erfreuhch ist der Erwerb der 
erwähnten AVaffensaunnlung, welche, ausser einem preussischen Kürass, 
lediglich aus Beutestücken von 1870/71 besteht. Sie enthält acht französische 
Gewehre, nändich ein Marine-Gewehr, ein Tabatier-Gewehr, zw^ei Chassepots, 
zwei Hinterlader- Walibüclisen und zwei Steinschloss-Gewehre von 1813/15, 
ferner einen französischen Kürass, zwei Kürassier-Pallasche, zwei Chasseur- 
Säbel, zwei 4f)fündige Wischer, zwei 1 2 pfundige AVischer, zwei 12 pfundige 
Granaten, zwei 4 pfundige Granaten und zwei 4 pfundige Schrapnels. Die 
überlieferten zehn Fahnen können vor der uothigen gründlichen Aus- 
besserung nicht genauer bestimmt werden. Es erscheint nicht ausgeschlossen, 
dass einige davon nicht der Bürgerwache, sondern der Garnison gehört 
haben, was ihren Werth bedeutend erhöhen würde. Schliesshch wurde 



Sammluüg Hambuig'isclier Altcrtiiümei'. XXXVII 

noch gestattet, von dem zurückzugebeiulen kleineren liamburgischen 
Gescliützrohr aus dem Jahre 1721 einen Abguss zu nehmen. Derselbe ist 
vorziighch gelungen und so täuschend liemalt. dass ^^v den Ik'sitz des 
Originals kaum vermissen lässt. 

Das nunmehr endgültig in unsere Sammlung übergegangene bronzene 
Geschützrohr ist ein Zwölfpfünder mit hübscheu Eenaissance-Ornamenten. 
Eine in einer Ansdrehung am Bodenstück befindhche Inschi'ift lautet: 
Hermaiui Benningk nie fecit. anno 1G62. Weiter nach vorn folgt die In- 
scluift; temporibus domiuorum Garlefi Langebeck et Johannis a Spreckelsen, 
darunter die AVappen dieser beiden Eathsherren, welche damals Artillei-ie- 
Herren waren. Noch weiter oben ist das Stadtwappen, umgeben von dem 
Wappen der damaligen Artillerie-Bürger Moller (vom Baum), Jarre, Lütckens 
und Meurer, angebracht. Der Verfertiger des Rohres, Hermami Benningk, 
war in den Jahren 1G35 bis ICCS in Hamburg als Stückgicsser thätig; 
er gehörte zu einer berühmten Stückgicsser-Familie, deren Mitglieder, 
ausser in Hamliurg, u. a. auch in Lübeck und Danzig ansässig waren. 

Das nach Berlin zurückgelieferte Geschützrohr, ein Dreipfünder aus 
Bronze, von dem wir nur einen Abguss behalten haben, trägt unten, über 
dem Zündloch die Inschrift: me fecit jolian moller. Darüber sieht man 
das Stadtwappen mit der Jahreszahl 17:21 an l)eiden Seiten. Dann folgen 
die Namen der Artillerie-Herren: H. Rutger Rulandt D., und: H. Johann 
Ulrich Pauli D., mit den AVappen beider Herren, und noch weiter oben 
die Namen und Wappen der Artillerie-P«ürger : Johan Hermann Luis, Johan 
Sohn und Lucas Beckman. 

Die hier verblieliene „goldene Kanone" ist in den ersten Monaten des 
Berichtsjahres ebenfalls rostaurirt worden und l)ildet jetzt eine Zierde unserer 
Samndung. Die zuerst restaurirte wurde sclinn im Januar 1896 nach Berlin 
geschickt und bei der Parole-Ausgabe am 27. Januar von Sr. Majestät dem 
Kaiser in Augenschein genommen, dessen höchstes Interesse sie erregte. 
Die hierüber in deutschen und ausser.dcutschen Zeitungen erstatteten, z. Th. 
mit Abbildungen versein'ueii Berichte haben die erfreuliche Folge gehabt, 
dass uns(M-e bisher wenig beachtete Sammlung in weiten Kreisen bekannt 
und wiederholt auch von auswärtigen Künstlern und Alterthumsforschern 
aufgesucht und zwecks Anfertigung von Zeiclnuingen benutzt wurde. 

Das bei den scliwierigen Verhandlungen über den Umtausch der 
„goldenen Kanone'" von der Königliciien Zeughaus- Verwaltung in Berlin, 
ins])esondere von Herrn Director Dr. v. Ubis(;h bewiesene Entgegenkommen 
ist mit grösstem Dank anzuerkennen. 

Die eingetauschten (Jegenstände WTn-den, voi- ihrer iMnreihnng in die 
betreffenden Abtlieilungen der Sammlung, rec-hts vom Eingang gesondert 
zur Schau gestellt und erregten die besondere Theihiahme der Kämpfer 
von 1870-71. 



XXXVIIl Sammlung Hamburgisclier Alterthümer. 

Zu erwähnen ist hier noch die von Dr. Mielck nach langwierigen Ver- 
handlungen am Anfang des Berichtsjahres erlangte Ueberweisung eines 
ansclieinend aus Hamburg stammenden, gusseisernen Geschützrohrs, welches 
bisher auf dem Bahnhof Porta in Westphalen aufgestellt war. Die Kenntniss 
von dem Vorhandensein dieses Rohres dankt die Commission einer ]\Iittheilung 
des Herrn Hauptmann C. F. Gaedechens, welcher dasselbe vor langen Jahren 
zufällig anf einem der beiden, die Weserscharte bildenden Berge entdeckt hatte 
und dem es durch das darauf befindliche Wappen aufgefallen war. Dr. Mielck 
fand dies Geschütz in einer Art Bastion mit Schiessscharten, die man bei 
dem Bahnhof Porta errichtet hatte und erlangte durch auf seinen Antrag 
von der Oberschulbehorde in Anspruch genommene diplomatische Ver- 
mittlung die Erlaubnis, dasselbe gegen Lieferung eines Abgusses für die 
Sammlung zu erwerlien. Das ziemlich schmucklose Geschütz zeigt ein 
Wappen mit einer dreithürniigen Burg im Stil des 17. oder 18. Jahr- 
hunderts. Schildhalter sind zwei gekrönte Löwen; eine Lischrift fehlt. 

Nächst der militärischen Abtheilung der Sammlung war die Abtheilung 
Staats- und Rechtsleben in Angriff zu nehmen. Dr. Mielck hatte 
hierzu bereits den ersten Schritt gethan. indem er den Erinnerungen an 
die ehemahge Strafjustiz ihren Platz anwies und sie zweckentsprechend 
ordnete. Die Herstellung dieser, durchgängig aus Stücken des alten Bestandes 
der Sammlung bestehenden Grujipe war kurz vor Mielck's Tode beendigt, 
so dass er sie mit berechtigtem Stolze noch einigen Freunden unserer 
Alterthümer zeigen konnte. 

Die nächste Gruppe ist der Geschichte des F e u e r 1 ö s c h w c s c n s 
gewidmet. Im alten Bestände der Sammlung war nur wenig hierher 
Gehörendes vorhanden. Einigen Zuwachs brachte der Erwerb der Werner'schen 
Sammlung von Uniformstücken; eine hervorragende Bereichernng aber wurde 
dieser Gruppe dadurch zu Theil, dass auf Antrag von Dr. Mielck Herr 
Branddirector Westphalen bereitwilligst die bei der Feuerwehr gesammelten 
Erinnerungsstücke der Sammlung überwies. Sie wurden wenige Tage vor 
Mielck's Tode abgeliefert und ihre Katalogisirung war die letzte Arbeit, 
welche Mielck für die Sammlung ausführte. Nachträglich konnte, ebenfalls 
durch das Entgegenkommen des Herrn Branddirectors, dieser Gruppe noch 
die letzte der in der Stadt aufljewahrten Feuerspritzen alter Construction, 
mit sämtlichen Zubehör, einverleibt werden. Die Gruppe „Feuerlöschwesen" 
umfasst nunmehr 1.39 Nummern und darf wohl als hervon-agende Sehens- 
würdigkeit der Sammlung, vielleicht als einzig in ihrer Art, bezeichnet 
werden. Der Platz für die Aufstellung dieser Gruppe ist durch Vermaurung 
eines der nach dem westlichen Lichtliof führenden Fenster gewonnen worden. 

Hieran schloss sich die Aufstellung der Gruppe „Nachtwache und 
Polizei", welche, ebenso wie die Strafjustiz und das Feuerlöschwesen, an 
der westUcheu Nordwand des Haui)tsaals aufgestellt ist. Den Mitteljjunkt 



Sammlung Ilamburgisclier Alterthümer. XXXIX 

bildet das dem alten Bestände der Samiiilinig angehörende Modell der 
Hauptwache des Corps der Nachtwache auf dem Pferdemarkt mit den 
dazu gehörenden Zinnfiguren. Darüljor hängt die sehr gut erhaltene blau- 
seidene Fahne des Corps vom Jahre 17G(J, mit der Inschrift: vigilantia 
et fide. In einem Schauschrank sind Erinnerungen an den letzten Haupt- 
mann des Corps. Grapengiesser, und an den ehemahgen Oberpolizeivogt 
Tittel vereinigt, und an den benachbarten Wänden haben Waffen und 
Üniformstücke der Nachtwache und Polizei, sowie der die erstcre 1852 
ersetzenden Constabler (jetzt Schutzleute) ihren Platz gefunden. 

Weiter links, an derselben Wand, sind die Erinnerungen an die 
frühere Thor sperre aufgestellt. Die schon früher vorhandene Sammlung 
von Thorsperr- und Baumsperrmarken wird, nach Einreihung des durch 
das Vermächtniss des Herrn Lüders uinl mehrere kleinere Zuwendungen 
ihr gewordenen Zuwachses, als vollständig angesehen werden können. 
Eine interessante Bereicherung erfuhr diese Abtheilung durch die Ueber- 
weisung einer bisher von der Baudeputation anfljewahrten Glocke, die zum 
Einläuten der Thorsperro gedient haben soll. Die meisten dieser Glocken 
sind, nach einer Ueberlieferung, bei Aufliebung der Thorsperre als Kirchen- 
glocken afrikanischen Missionsstationen überlassen worden ; die jetzt in der 
Sammlung befindliche aber muss, nach den auf ihr befindlichen Kelief- 
darstellungen, ursprünglicli für kirchliche Zwecke bestimmt gewesen sein. 
Näheres hierüber und über den Anlass ihrer späteren Profanirung hat sich 
bisher nicht feststellen lassen. 

Die nächste Aufgabe war die Aufstellung der schon im Jahre 1894 
von der Commerz-Bibliothek der Sanunlung überwiesenen sehr werthvoUen 
Normalmaasse und -Gewichte, welche früher beim Commercium auf- 
bewahrt wurdeu imd jedem zur Verfügung standen, der danach die 
Richtigkeit seiner Maasse und Gewichte prüfen lassen wollte. Ausser dem 
hamburgischen ist preussisches , lübisches , englisches , französisches , 
russisches, skandinavisches und holländisches Maass und Gewicht in dieser 
Sammlung vertreten. Unter den Gewichten zeichnen sich namentlich 
die im Jahre 1794 gegossenen englischen durch ihre gefallige Form aus; 
die Hohlmaasse haben sämmtlich cylindrische Form und sind, ihrem 
praktischen Zweck entsprechend, fast ganz schmucldos. Eine Ausnahme 
macht das Vorbild des alten Hamburger Getreidefasses, ein in schönem 
Bronzeguss hergestellter niediiger Cylinder mit Handgriffen und erhabenen 
Inschriften. Im oberen Rande steht : H. Erich v. der Vecht. H. Jochim 
Beckendorf H. Vincent Moller. H. Hieronimus Vogeler. Borgermeisters. 
Im unteren Rande: Soli Deo Gloria. Hans Siop me fecit. Hamburgi. 
Anno Domini Kill, 28. Februarii. Hans Siop ist seit dem Jahre 1595 
in Hamburg als Geschützgiesser nachzuweisen. Die jüngeren Hamburgischen 
Hohlmaasse sind nach ihren Inschriften zum Theil im Jahre 1810 von 



XL Sammlung Hamburgisclier Alterthümer. 

Joli. Diedr. Bieber, zum Theil um 1844 gegossen worden. Als Material 
ist, ausser Bronze, für die Hohlmaasse Messing und Zinn, für die Gewichte 
auch Eisen verwendet. Eine Ergänzung erhielt diese Sammlung durch 
die früher im Pulvermagazin in der Bastion Ulricus lienutzten Gewiclite, 
welche von der Polizei-Behörde überwiesen wurden. 

Von den Maassen und Gewichten, welche verkehrs-polizeilichen Zwecken 
dienten, diejenigen zu sondern, welche sich im Privatbesitz befunden haben, 
erschien unzweckmässig. Auch andere Erinnerungsstücke des Handels- 
verkehrs früherer Zeiten konnten nicht wohl in verschiedenen Abtheiluugen 
der Sammlung untergebracht werden, je nachdem sie vorwiegend staat- 
lichen oder jirivaten Zwecken gedient haben. Diese Gesiclitsijuukte führten 
zu dem Entschluss, eine besondere, sowohl die staatlichen als die privaten 
Erinnerungsstücke vereinigende Abtheilung für Handel und Verkehr, 
einschliesshch Schifffahrt, einzurichten. Bei der Wichtigkeit, welche 
grade diese Abtheilung für die Darstellung der äusseren Entwicklung 
Hambui-gs erlangen kann, ist auf die weitere Ausbildung derselben be- 
sonderer Werth gelegt worden und es ist erfreulich, festzustellen, dass 
ein in den Tagesl)lättern ergangener Hinweis auf die Absichten der 
Samndungsleitung die Zuwendung zahlreicher und werthvoller Gaben für die 
genannte Abtheilung zur Folge gehabt hat. Insbesondere ist zu erwähnen, 
dass Herr J. Garve, in richtigem Verstäudniss der Ziele unserer Sammlung, 
derscUjen eine aus 30 Stücken bestehende Samnüung Hamburgisclier Münzen 
schenkte, welche vollkommen ausreicht, um dem heranwachsenden Geschlecht 
die Münzverhältnisse früherer Zeiten vor Augen zu führen. Demselben 
Freund unserer Sammlung verdanken wir eine Collection von Hamburgischeu 
Postmarken, Briefumschlägen und Postaufgabescheinen, welche in Ver- 
bindung mit andereren ähnlichen Zuwendungen uns in den Stand gesetzt 
liaben, die Anfänge eines hamburgisclien Postmuseums zur Schau zu 
stellen. Erinnerungsstücke an den Personen- und Güterverkehr im alten 
Hamburg sind uns in grosser Menge , namentlich auch durch das Ver- 
mächtniss des Herrn Lüders, zugeflossen, e])enso Wechsclformidare , 
Connossemente, Frachtbriefe und Anderes, was geeignet ist, die äusseren 
Formen des Handels und Verkehrs unserer Vorfahren zu veranschaulichen. 

Die in dieselbe Abtheilung gehörenden Schiffsmodelle waren liisher 
nur durch das bekannte sehr werthvolle Modell eines Hamburger Kriegs- 
schiffes vertreten, das nebst den Schiffsgeschützeu und Seemannswaffen 
bisher der Abtheilung „Kriegswesen" einverleibt war, aber sehr wohl als 
Überleitung zu der Al)theilung für Handel und Verkehr dienen kann, da 
die Hamburgischen Kriegsschiffe seit Mitte des 17. Jahrhunderts lediglich 
zur Begleitung imd Vertheidigung der Handelsflotten lienutzt, auch, soweit 
ihr Zweck es gestattete, mit Waaren jiefrachtet wurden. Einige Modelle 
von Handelsschiffen wurden schon in den Jahren 1894 und 1895 durch 



Satnniluiin: IlamburgiscUer Alterthiimer. XLI 

Kauf und Schenkung ei-wmhcu, unter denen durch sorgfältige Ausführung 
besonders das grosso Modell eines (iodefroy 'sehen Klii)pers hervorragt. 
Interessant ist auch durch liauart und Einrichtung das Modell eines Grön- 
landfahrers, der allerdings unter ürenier Flagge fährt, sich aber im Uhrigen 
von den Hamburger Schiffen, welche dem gleichen Zweck dienten, wolil nicht 
unterscheiden wird. Im lieriehtsjahr wurden noch zwei kleinere Modelle 
erworben; ausserdem aher ül)t'rwies das Präsidium des Landgerieiits auf 
Antrag der Commission das grosse Modell eines Hand)urger Vollschiffes 
im Typus der 20ger Jahren dieses Jahrhunderts, -welches im ehenndigen 
Handelsgericht zur Denuinstration von Schiffscolhsionen gedient hat. Die 
Samndung von Schift'smodellen umfasst nunmehr 8 Nummern und kann, 
nach der gegen Ende des Berichtsjahres vorgenommenen Ruinigung und 
Reparatur sämmtlicher Modelle, bereits als sehr sehcnswerth und lehrreich 
bezeichnet werden. 

Aus der uns schon fiüher von der Baudejiutation idx'rwiescnen aber 
noch nicht aufgestelltiMi, umf.-ingreichen Modellsanimlung wurde ein Modell 
des 1SJ2 abgebrannten grossen Krahns der Abtheilung für Handel und 
Verkehr einverleibt. Einige in diese Abtheilung gehörende Oelgemälde 
und A(|uarelle, sowie eine Portraitbüste von Johann Georg Busch konnten 
aus dem alten Bestände der Sammlung hinzugefügt werden, so dass jetzt 
die neu gebildete Handelsabtheilung, wenn auch ergänzungsbedürftig, doch 
als vollberechtigt neben den schon aufgestellten Abtheilungen der Sammlung 
erscheint. 

In die Abtheilung für Handel und Verkehr geln'irt auch das schon 
früher von den Heri-en Schröder, Michaelsen & Co. geschenkte Modell 
der Guanoschuppen dieser Firma. Es konnte erst im Berichtsjahr zur 
Schau gestellt, aber wegen seiner Grösse nicht mit den übrigen (iegensländen 
der Verkehrsabtheilung vereinigt werden. Dasselbe stellt überaus anschaulich 
den Betrieb eines derartigen Geschäftes dar und giebt ausserdem eine 
Ül)ersicht iUier die Typen fast sämmtlicher jetzt im Hamburger Hafen 
vertretenen Fahrzeuge, von der Jolle und Schute bis zum Dreimaster, Alles 
in sorgfältigster Ausführung. Vorläutig musste dieses Modell im westlichen 
Lichthof untergebracht werden, Avodurch es übrigens in eine nicht unpassende 
Beziehung zu der dort im Entstehen begriffenen topogra]ihischen Abtheilung 
gebracht ist. 

Die topographische Abtheilung wird — abgesehen von dahin 
gehörenden Abbildungen — namentlich die Modelle von verschwundenen 
Stadttheilen und Gebäuden enthalten, auch wird man den grössten Theil 
der bereits in den beiden Liehtböfen aufgestellten Überreste von öffentlichen 
und Privatgebäuden dieser Alitheilnng zuzählen müssen. Letztere sind im 
Berichtsjahr nicht vermehrt worden; dagegen ist das für die „P.rand- 
ausstelluna:" von 1S9'2 hergestellte Modell des 1843 abgebrannten Stadttheils 



XLII Sammlung Hamburgisclipr Altertliüraer, 

vom Museumsverein der Sammlung gesclienkt und im westlichen Lichthof 
aufgestellt worden, wo es. bei dem dort vorliaudeuen Oberlicht, ungleich 
besser als früher zur Geltung kommt. Der zu dem Modell gehörende 
Situationsplan konnte an einer benachbarten Wand einen passenden 
Platz erhalten. 

Von der Baudeputation wurde der Sammlung das Baumodell der im 
Sommer 1895 auf der Binnenalster errichteten sogenannten Kaiserinsel 
überwiesen. Audi dieses ist im westlichen Lichthof aufgestellt, ebenso 
ein schon früher erworbenes Uhrwerk mit beweglichen Figuren, welches, 
aus den 20ger Jahren dieses Jahrhunderts stammend, die Aussicht vom 
„alten Raben" über die Aussen- und Binnenalster darstellt. 

Von hervorragendem Werth war l'ür die topographische Abtheilung 
eine Stiftung der Familie Suhr, durch welche 18 von Peter und Cornelius 
Suhr gemalte Dioramen-Bilder, sänimtlich Ansichten von Hamburg und 
Umgegend aus der Zeit von c. 1820 — 1842, der Sammlung einverleibt 
wurden. Diese Bilder, die neben dem topographischen auch künstlerischen 
Werth besitzen; sind die Überreste einer grossen Sammlung von Ansichten, 
namentlich der eiu'opäischen Hauptstädte, welche die Gebrüder Suhr auf 
zu diesem Zweck unternommenen Reisen aufgenommen hatten und bis in 
die öOger Jahre hier gegen ein massiges Eintrittsgeld zeigten. Die einzelnen 
Bilder waren im Hall)rund unter scharfer Beleuchtung aufgestellt und 
wurden durch Vergrösseiungsgläser betrachtet. Nach dem Tode der 
Künstler sind sie meistens veräussert worden; nur die Hamburger Ansichten 
verblieben im Besitz der Familie Suhr, aus dem sie jetzt an die Sammlung 
gelangt sind. 

Der Wunsch der Commission, diesen Neuerwerb, vor der durch die 
räumlichen Verhältnisse unserer Sammlung sehr erschwerten endgültigen 
Einreihung der Bilder in die einzelnen Abtheilnngen, in seiner Gesammtheit 
zur Schau zu stellen, gab die Veranlassung zu der ersten der im Berichtsjahr 
veranstalteten Sonderausstellungen. In dem für solche Schaustellungen 
reservirten östlichen Lichthof wurden die Suhr'schen Dioramen für einige 
Wochen ausgestellt und fanden die gebührende Beachtung der Besucher. 

Um ein Bild von der Vielseitigkeit des Schaffens der Gebrüder Suhr 
zu geben , wurde gleichzeitig im Hauptsaal eine Ausstellung Suhr'scher 
Lithographien, mit Ausschluss der bereits durch die Dioramen vertretenen 
Stadtansichten, die einen zu gi-ossen Raum beansprucht hal)en würden, 
veranstaltet. Aus Leihgaben des Vereins für Hamburgische Geschichte 
der Frau Senator Rapp und anderer Freunde der Sammlung war in tadellos 
erhaltenen, durchweg kolorirten Exemplaren eine vollständige Sammlung 
der von den Gebrüdern Suhr veröffentlichten, kultnrhistorisch sehr wichtigen 
Abbildungen von Hamburger Trachten zusammengestellt. Einige Genre- 



Sammlung- Ilamlmi-gischer Altertluimer. XLIII 

bilder, Portraits und Gelegenheitsblätter, z. Th. Haiulzeicbnungen , waren 
hinzugefügt, um möglichst Alles zu zeigen, was von den Brüdern Suhr auf 
anderen Gebieten als dem der Stadtansichten geleistet worden ist. 

Eine Ergänzung der topographischen Abtheilung bildete auch die zweite 
Sonderausstellung, welche, nach anderweitiger Unterbringung der Suhr'schen 
Dioramen, vom Verein für Hamburgische Geschichte im östlichen Lichthof 
veranstaltet wurde. Durch diese Ausstellung wurden die Originalzeichnungen 
des Architekten Herrn Julius Faulwasser zu dem von ihm im Auftrage 
des genannten Vereins herausgegebenen und gegen Schluss des Berichts- 
jahrs erschienenen Werk über die St. Katharinenkircbc für einige Wochen 
jedermann zugänglich gemacht. 

Schliesslich sind zwei Zuwendungen zu erwähnen, deren jede mehreren 
Abtheilungen der Sammlung zu Gute kam. 

Der Museumsverein gewährte die Mittel zur Herstellung von sechs 
Kostümfiguren, von denen fünf aus den Beständen der Sammlung bekleidet 
wurden, die sechste aber mit einem eljenfalls vom Museumsverein geschenkten 
Kostüm ausgestattet werden konnte. Veranlassung zu dieser Schenkung 
gab der vom Museumsverein getheilte Wunsch der Commission, die wenigen 
vollständig in der Sammlung vorhandenen Trachten und Uniformen, besser 
als es durch ihre Aulhängung in Schränken möglich ist, zur Anschauung 
zu bringen. Die Herstellung nachgemachter Kostüme wurde dabei von 
vornherein ausgeschlossen und lediglich die in allen wesentlichen Theilen 
echte Bekleidung und Bewaffnung der Figuren als massgebend für die 
Ausfülu-ung des gefasstcn Planes erachtet. Die vorhandenen Bestände 
haben die Möglichkeit gewährt folgende Figuren herzustellen: einen 
Trompeter der Reitendiener in Galauniform, einen Infanteristen des Bürger- 
militärs in der 1814 eingeführten Uniform, einen Sappeur der Artillerie 
des Bürgermilitärs in der zur Zeit der Auflösung des Letzteren vor- 
geschriebenen Uniform, einen Trompeter der Dragoner des Hamburgisclien 
Bundescontingents in der Uniform, in der es ISGO in's Feld zog, und 
einen Rohrleiter der ehemaligen Spritzenmannschaft. Dazu kommt das vom 
Museumsverein geschenkte vollständige Habit eines früheren Oberalten. 
Die Bemalung der aus Holz geschnitzten Köpfe der Figuren hat Herr 
Professor Paul Duyffcke in uneigennützigster Weise und vollständig dem 
Character der Figuren entsprecliend ausgeführt. 

Als eine, alle Abthoilungen der Sammlung bereichernde Zuwendung 
ist ebenfalls das Vermächtniss von C. W. Lüders zu bezeichnen. 
Dasselbe umfasst c. 800 Abzeichen von Metall, Papier und anderen 
Stoffen zu den verschiedensten Zwecken, welche — an sich meistens 
werthlos — doch in ihrer Zusammenstellung von hohem kulturhistorischem 
Interesse sind. Etwa die Hälfte der Zeichen wird später den bereits 
aufgestellten Abtheilungen „Staats- und Rechtsleben" und „Handel und 



XLIV Sammlung Hambuvirischer Alterthüraer. 

Verkehr" einzureihen sein, während die andere Hälfte einen Zuwachs zu 
den noch nicht aufgestellten Abtheilungen der Sammlung bilden wird. 
Als besonders werthvoll oder interessant sind zu erwähnen : die Legitimations- 
zeichen, welche die zum Erscheinen bei einer Feuersbrunst verpflichteten 
Personen bei sich führen mussten (c. 30 Stück), die Lootsenzeichen (1 1 Stück), 
die Zeichen der verschiedenen Handwerksämter, welche Meistern und 
Gesellen als Ausweis über ihre Persönlichkeit oder über erfüllte Veriiflichtungen 
(„auf der Herberge nichts schuldig", „beim Altgesellen abgemacht") dienten 
(c. 50 Stück), endlich die Vereinszeichen (c. 1 70 Stück). Es erschien 
zweckmässig die ganze Sammlung zunächst ungetrennt zur Schau zu stellen. 
Den Platz dazu bot wiederum der östliche Lichthof, in welchem, nach 
Beendigung der Ausstellung der Eaulwasser'schcn Pläne, die Zeichen auf 
zwei grossen Tischen übersichtlich geordnet luid ausgestellt wurden. 

In den letzten Monaten des Berichtsjahres wurden die Vorarbeiten 
für die Abtheilung „Kirche und Schule" in Angriff genominen und 
so weit gefördert, dass mit der Aufstellung der hierher gehörenden Gegen- 
stände demnächst begonnen werden kann. Ein im Laufe des Jahres von 
Herrn Henry Wendt geschenktes Modell der abgebrannten St. Petrikirche 
wurde sofort ausgestellt; bis zur Einordnung in die Kirchcnabtheilung hat 
es seinen Platz im östlichen Lichthof unter dem dort eingemauerten Portal 
der St. Petrikirche erhalten. 

Schliesslich ist auch mit der Zusammenstellung und Ordmuig der sehr 
umfangreichen Abtheilung „Gewerbe'" der Anfang gemacht worden. 

Die Fortschritte, welche die Neuaufstellung der Sammlung bereits in 
der ersten Hälfte des Berichtsjahres gemacht hatte, legten den Wunsch 
nahe, dieselbe, wie im vorhergehenden Jahre, wieder für einige Zeit täglich 
dem Publikum zu öffnen. Zugleich wurde erwogen, ob es nicht 
angängig sei, ohne die Aufstellungsarbeiten allzusehr zu behindern . die 
Sammlung auch nachher, wenigstens au zwei Wochentagen, bereits dauernd 
zugänglich zu machen. Nachdem die bezüglichen Vorschläge der Conimission 
die Billigung der 0])erschulbehörde gefunden hatten, wurde die Sammlung 
vom IG. September bis 18. October täglich, von da an jeden Sonntag und 
Älittwoch geöffnet. Die Besuchszeit war bis zum 18. October auf die 
Stunden von 12 — 4 Uhr an den Wochentagen, von 11 — 3 Uhr an den 
Sonntagen festgesetzt- Später wurde, wegen der früh eintretenden Dunkel- 
heit, auch Mittwochs die Besuchszeit auf die Stunden von 1 1 — .T Uhr verlegt. 

Von den in dieser Zeit veranstalteten Sonderausstellungen ist 
bereits oben die Rede gewesen. Zu erwähnen ist nur noch, dass die 
Suhr-Ausstellung vom 16. September bis 4. November dauerte. Vom 
S. November ])is 20. December waren die Faulwasser'schen Pläne und 
Zeichnungen der St. Katharinenkirche ausgestellt, und üleichzeitig fand im 



Sauiniluiig' Hainlmrgisclier Altertliümer. XLV 

Hauptsaal eine Ausstellung der Sulir'sclien AbbikUingen Haniburgisclier 
Kirchen statt. Vom 25. December an waren die von C. W. Lüders der 
Sammlung vermachten Zeichen ausgestellt. 

Der Besuch der Sammlung war ein sehr lebliattei'. (iezählt wurden 
am P^iugang vom l(i. September bis 30. December: 32457 Personen. 
Davon entfielen auf die Zeit vom Ifi. September bis 18. October (tägliche 
Oeffnung) 13 415, auf die Zeit von da bis Schluss des Jahres (Oett'nung 
Sonntags und Mittwochs) 904 2 Personen. An den in die Zeit seit der 
Wiedereröffnung fallenden 1 8 Sonn- und Festtagen besuchten 15 344 Personen, 
an den Wochentagen 7113 Personen die Sammlung, also durchschnittlich 
Sonntags 852, Wochentags 192 Personen. Am stärksten war der Besuch 
am Sonntag den 4. October (c. 1800 Personen), am schwäclisten am 
Mittwoch den 1(3. December (54 Personen). 

Der von Mielck begonnene Z ettelkatalog wurde fortgesetzt, konnte 
aber nur mühsam dem Gang der Aufstellungsarbeiten folgen. Die Abtheilung 
„Steinsachen" hat im .lahre 18911 keine Vermehrung erfahren; sie zählt, 
wie am Schluss des Jahres 1895, 12ü Nummern. Die Abtheilung 
„Kriegswesen" ist von llül auf 1290 Nimimern gewachsen. Die erst im 
Berichtsjahr zur Aufstellung gelangte Abtheilung „Staats- und Rechtsleben" 
weist 11)7 Nunimern auf, und von der neu eingerichteten Abtheilung 
„Handel und Verkehr" sind bis jetzt 70 Nummern (z. Tb. grössere 
Collectionen umfassend) katalogisirt. 

Der Mangel eines gedruckten Katalogs der Samuduug wh'd häutig 
beklagt, doch kann die Herstellung eines solchen nicht wohl vor vollständiger 
Aufstellung aller Abtheilungen der Sammlung in Angriff genommen 
werden. Um inzwischen das Verständniss der Sammlung zu ei-leichtern, 
ist die Commission bemüht gewesen alle irgendwie dessen bedürftigen 
Gegenstände der Sammlung durch beigefügte Zettel zu erklären. Auch 
die in den Tagesblättern veröffentlichten Hinweisungen auf hervorrag(^ule 
Gegenstände der Sammlung sind denselben beigefügt. 

Die der Sammlung zugeflossenen Geschenke und die gemachton 
Ankäufe belaufen sich auf etwa. 300, wobei die aus einer Mehrheit von 
Stücken bestehenden Collectionen nur einfach gezählt sind. Davon ent- 
tielen auf die bereits aufgestellten Abtheilungen Kriegswesen 82, Staats- 
und Rechtsleben 52, Topograiihie 48, Handel und Verkehr 27, und auf 
die noch nicht aufgestellten Abtheilungeu Kirche und Schule 7, Gewerbe 41, 
häusliches Leben 34 Zuwendungen. 

Folgende Behörden und Vereine haben die Sammlung durch Ueber- 
weisung von geeigneten Gegenständen unterstützt: Deputation für Handel 
und Schifffahrt, Handjurger Feuerwehr, Friedhofs- Deputation , Kirchen- 
vorstand zu St. Catliarinen, Ingenieur- Abtheilung der Bau -Deputation, 
Verwaltung des Gast- und Krankenhauses, Kirchenvortand zu St. Jacobi, 



XL VI Sammlung Hamburgischer Alterthümer. 

Museum für Kunst und Gewei'be, Kirclienvorstaud zu St. Pauli, Präsidium 
des Landgerichts, Museumsverein, Märzverein von 1803. Ferner sind 
Geschenke eingegangen von den Herren F. Abel, A. H. Albers- 
Schönberg, J. E. Benjamin, Frau Albert Blanckenburg, J. W. Boutin, 
H. Brambeer (Braunschweig), Rob. L. David, Ed. Uedicke , Siegmund 
Dettelbach, Dr. Ferber, Frau W. Fölsch, C. Frasch, J. Garve, E. H. Garvens, 
J. F. Goldschmidt, J. Goverts, Th. Günther (Altena), A. Hager, Jobs. Helm, 
Oscar Heyn, P. E. L. Hinsch, Th. Holtzmann, P. G. Hühbe, C. Hupe, F. Keil, 
J. L. Chr. Klapproth, Aug. Köster, Th. Kroger, J. C. C. Krohu, H. Martens, 
,1. H. Martens, M. Mayer, H. Menke, F. Max Meyer, Emil Mühlenpfordt, 
Th. Mussfeldt, J. Niemeier, Paul Nirruheim, J. W. H. Preil, J. D. J. Pingel, 
Ed. Pusch, Julius Richter, C. Röthler, J. H. L. Ruckenbrod, Alb. Sandvoss, 
Ad. Schieck, C. Rud. Schnittger, L. Schmidt, Ad. Schrader, J. H. H. Schröder, 
Wilhelm Schröder, 0. Schwindrazheim , G. 0. Tornwaldt, L. Warncke, 
Fräulein Mary Watson, Frau Oberinspector Weber, AV. Wehreidjerg, Henry 
Wendt, C. W. L. Westphal. Carl Wiebe, H. Windfuhr, C. W^itt jr.; 
Fräulein C. M. Wizel. 



Jluseum für Kunst und Gewerbe. XLVII 



4. Museum für Kunst und Gewerbe. 

Bericht des Directors Professor Dr. Justus Brinckmaun. 

Die Verwaltung. 

Den Vorsitz in (ier ('ommission des Museiuus für Kunst und Gewerbe 
führte im Jahre 189(5 Herr Sjiidicus Dr. von Melle. Wie im Vorjahre 
waren Mitgheder der Commission Herr G. R. Eicliter, Tischlermeister, 
als Mitglied der Oherschulbehörde, die Herren Carl Erjqcrt, Kaufmann, 
Heinrich Föhring Dr., Landgerichts-Dircctor, Wilhelm Hauers, Architekt, 
Carl Popert, Kaufmann, //. J. Eduard Schmidt, Schlossermeister, E. J. A. 
Sfiildmann Dr., Director der Allgemeinen Gewerbeschule, E. G. Vivie, 
Bildhauer. 

Neben dem Director und den beiden Assistenten, Herren Dr. Friedrich 
Dencken und Wilhelm Weimar, war während der ersten Hälfte des Jahres 
Herr Dr. Albrecht Wormsfall aus Münster i. W. als freiwilliger Hülfs- 
arbeiter am Museum thätig und arbeitete Herr Shinldchi Hara aus Japan 
mit an der wissenschaftlichen Bearbeitung unserer jaijanischen Sammlungen. 
Die von Senat und Bürgerschaft für die Verwaltung bewilligten 
budgetmässigen Geldmittel beliefen sich im Jahi-e 1896 auf J( 31 710 
für Gehalte und J( 15 050 für die allgemeine Verwaltung. Die Aus- 
gaben aus diesen J^ 15 050 vertheilten sich folgendermaassen : 

Hülfsarbeit J^ ^11 5, — 

Hülfeaufsicht „ 885,— 

Restam-irung und Ausstellungs-Arbeitcn „ 2 928,57 

Reisen, Fracht und Verpackung „ 2 178,43 

Drucksachen, Buchbinderarbeit u. Schreilnnaterialien . . „2 780,07 

Bureaukosten, kleine Ausgaben, Dienstkleidung „ 1 233,58 

Reinigung „ 1 929,35 

Zusammen ... J^ \b 050, — 



Die Vernielirmig der Sammlungen. 

Ankäufe aus budgetmässigen Mitteln. 
Wie die Ankäufe aus den budgetmässigen Mitteln sich in technischer 
und geschichthcher Hinsicht vertheilten, erhellt aus der nachstehenden 
Uebersicht. 



XLVllI 



Museum für Kunst und Gewerbe. 



Uebersicht der Ankäufe 

für das Hamburgische Museum für Kirnst und Gewerbe 
aus dem Budget des Jahres 1896. 



1 


I. Nach tcc 


iiiischeii G 


rupiiei 

stück 
... 3 
.. 39 


Preis J(, 
185- 
457,82 


Stück 

. 42 
. 1 
. 1 

. 40 

8 

. 16 

t> 
. 12 
. 1 

% 

. 1 


Preis .11, 










Te.\til-Arbeiteu im Ganzen.. 

Korbflcelitarbeittn 

Lederarbeitcii 




2 
3 

•1 


4 


2441,18 
1 226,— 
450,— 
1 472,14 
1 230,— 

1 705,— 

62,50 

1 494,90 


642,82 
120,— 
50,— 








. . 17 




5 
6 


Porzellangefässe 

Steinzeug 

Steingut 

Keramische Arbeiten im (ianze 
Gefässe aus Glas und Bcrgkristall . 
Möbel 


n 


4 
. . 10 
. . 5 

. . 7 


6. S 19,32 
2 715,87 




Holzgerätlie 




. . 3 






Ilolzarbeiten im Ganzen 

Sclimuek 

Silberne Gefässe 

Edelmctallarbeiten im Ganzen 
Japaniselio Seliwertornamente u. di. 








7 


. . 5 
.. 1 


1 191,— 
15,— 


3 262,40 
I 206,— 


8 
9 


■1. Metallarbe 


iten . . . 




2 334,59 

275,- 


10 
11 
1' 


Kleines Geräth aus Metall und and 


ereil Stoffen 






474,— 
900 


Grosse Werke der idastisi-bm K'un 

II. Nach t;csc 

endland: l. Vm-vsebirbtlirlie Zeit. 

2. Classis.lies Altertluim 

3. V.— L\. J;dirliundert . 

4. XIII. Jahrhundert . . . 

5. XV. Jahrhundert . , , . 

6. XVI. Jahrhundert . . 


■it 




1 200,— 




liclitlichoii 


im Ga 
(irup)) 








uzen 


.132 


20 000,— 


Ah 


cn. 


Stüclc 
. 2 
. 5 

3 

1 

3 
. 3 
. 7 
. 42 
. 41 
. 4 
. 21 


Prois Jl, 
894,— 










2 847,18 










95,— 
200,— 








173,- 
1 327,40 




7. XVII. Jahrhnndeit . 








2 206,— 


Mn 


8. XVIII. Jahrhundei't . 

9. XIX. Jahrhundert . . . 
rgenland : 10. China 








4 962,50 

2 365,27 

450,— 












4 479,65 








im G 








mzen . . . . 


.132 


20 000,— 



Ankaufe uiul Soheiikuiio'en i. J. 1896. XLIX. 

Im Vordergründe standen wie im Vorjahre die Möbel imd Holz- 
scbnitzereien, auf die Ji 3202,40 verwendet wurden. Die Edelmetall- 
arbeiten, für die im Vorjahre ebenfalls ein grösser Betrag augelegt werden 
konnte, traten dieses Jahr zurück; sie erscheinen nur mit J^ 120G; 
dagegen konnten für die Vervollständigung der Sammlung japanischer 
Schwertzieraten , der in den voraufgegangenen drei Jahren nur geringe 
Beträge zu Gute kamen, dieses Mal Jif 2334,59 verausgabt werden. Ein 
noch höherer Betrag, J^ 2715,87 wurde für den Ankauf von Glas- und 
Bergkristall-Gefässen verwendet, wodurch diese zum ersten Mal unter 
den Ankäufen auftreten. Demnächst erfuhren die griechischen Thonarbeiten, 
eine im Vergleich mit den übrigen Gruppen der keramischen Sammlung 
bisher zurückgebliebene Abtheilung, grössere Zuwendungen , im Ganzen 
Ji 2441,18. 

Hieraus folgt auch das Hervortreten des klassischen Alterthums in 
der historischen Uebersicht mit J^ 2847.18. Zum Ankauf von Arbeiten 
des Mittelalters boten sich nicht die gewünschten Gelegenheiten. Der nur 
J^ 1327,40 betragende Aufwand für Erzeugnisse der Renaissance des 
16. Jahrhunderts hat durch Ankäufe aus anderen als budgetmässigen 
Mitteln wesenthch erhöht werden können. Das 18. Jahrhundert tritt, 
obwohl die Ankäufe von Arbeiten aus demselben sich auf uf 4962,50 
beliefen, zurück im Vergleich mit den in den Vorjahren für den gleichen 
Zweck verwendeten Mitteln. Den Arbeiten des 19. Jahrhunderts konnten 
J^ 2865,27 zu Gute kommen; vorwiegend für allerneueste Erzeugnisse. 
Je mehr unsere Zeit einen von dem Zwang der alten Vorbilder befreiten 
eigenen Geschmack ausprägt und ihre technischen EiTungenschaften dem 
Kunstgewerbe nutzbar macht, desto öfter wird auch die Gelegenheit 
ergxift'en werden müssen, ihre Erzeugnisse denjenigen der voraufgegangenen 
Stilperioden anzureihen. Von den Kulturländern des Orients konnten dieses 
Mal nur China und Japan berücksichtigt werden, jenes nur mit J^ 450, 
dieses, nachdem ihm in den drei voraufgegangenen Jahren zusammen nur 
J^ 3173,54 zu Gute gekommen waren, endlich wieder, seiner Bedeutung 
entsprechend, mit einer grösseren Summe, Ji 4473,15, wofür ausser den 
schon erwähnten Metallarbeiten vorwiegend keramische Arbeiten angekauft 
wurden. Der Durchschnittspreis des einzelnen Gegenstandes stellte sich 
auf rund J^ 151 gegen rund J^ 87 in 1895, rund Ji 285 in 1894 und 
rund Ji 101 in 1893. Er würde ein weit höherer sein, wenn er nicht 
durch den niedrigen Preis von noch nicht Ji 300 für 32 neue englische 
Stoffmuster herabgedrückt würde. Im Jahre 1892 hatte er rund Ji 141 
betragen. 

Ausser diesen budgetmässigen Mitteln standen dem Museum für das 
Jahr 1896 noch J^ 10 511 aus privaten Beiträgen zur Verfügung und 
konnten aus dem Erlös von Doul^letten und ausgesonderten Gegenständen 

d 



1j Museum für Ivunst und Gewerbe. 

des alten Bestandes J^ 4500 für Ankäufe verwendet werden. Da die 
Ankäufe aus diesen ausserordentlichen Mitteln dieses Mal zumeist denselben 
Abtheilungen zu Gute kamen, auf deren Ausbau das Museum bei Ver- 
wendung der budgetmässigen Mittel bedacht war, werden in der folgenden 
Beschreibung der wichtigsten Ankäufe nicht wie in früheren Berichten die 
Ankäufe aus Staatsmitteln und die Geschenke gesondert, sondern nach 
ihrer sachlichen Zusammengehörigkeit geordnet aufgeführt. 

Nordalbingische Möbel und Holzschnitzereien. 

Die Sammel -Arbeit des Museums pflegt sich seit jeher zeitweilig auf 
bestimmte Gebiete zusammenzufassen, sowohl um unabhängig von den 
Zufälligkeiten der Angebote planmässig die Sammlungen auszubauen, wie 
um bei den Ankäufen der Vortheile theilhaftig zu werden, die das Ver- 
tiefen in umgrenzte Gebiete des kunst- und kulturgeschichtlichen Wissens, 
das Studium der Fachsamnilungen und der Verkehr mit den Fachgelehi'ten 
und Fachsammlern darbietet. Im verflossenen Jahr stand so im Vorder- 
grund die Vervollständigung derjenigen Abtheilungen, in denen die kunst- 
gewerblichen Alterthümer Nordalbingiens vertreten sind. Drei Gruppen : 
die Schnitzmöbel, die Edelmetall-Arbeiten und die Fayencen kommen 
hierbei vorzugsweise in Betracht. 

Ist auch das Sammeln der heimathlichen Altsachen zu allen Zeiten 
als eine der Hauptaufgaben unserer Anstalt anerkannt worden, so musste 
diese Seite unserer Thätlgkeit doch oft zurücktreten vor der Arbeit auf 
anderen Gebieten. In den ersten Jahren nach der Gründung des Museums 
war es uns gelungen, manches gute Denkmal heimathlicher Kunstübung, 
vorzugsweise der an erster Stelle beachtenswerthen Holzschnitzkunst uns 
zu sichern, dann aber traten andere Aufgaben in den Vordergrund und 
nur noch vereinzelt wurden alte Möbel und Schnitzwerke angekauft. Von 
Jahr zu Jahr wurden auch dergleichen Ankäufe schwieriger, nicht nur 
wegen zunehmender Seltenheit solcher Altsachen, sondern weil sich zeigte, 
dass die alten Möbel des Landes, wenn sie erst einmal durch das Lager 
des Antiquitätenhändlers oder das Haus eines Sammlers hindurch gegangen 
waren, durch die an ihnen vorgenommenen Ausbesserungen und Ergänzungen 
einen grossen Theil ihres ursprünglichen Werthes eingebüsst hatten. 

Während die öfl'entlichen Sammlungen, die in den beiden letzten 
Jahrzehnten in fast allen Städten Schleswig-Holsteins angelegt wurden, 
einerseits lehrten, wie viel uns noch zu einer auch nur die Typen darbietenden 
Vertretung der Schnitzmöbel unseres Landes fehle, erwies sich anderseits, 
dass die Kauf- und Arbeitskraft dieser Anstalten denn doch nicht an- 
nähernd ausreiche, um die in 25rivatem Besitz noch verbliebenen Reste des 
kunstvollen Hausrathes aus dem 16. bis 18. Jahrhundert im Vaterlande 
festzuhalten. Die Entführung wichtiger und bekannter Gegenstände, ja selbst 



Ankäufe und Schenkungen i. J. 189(5. LI 

ganzer Sammlungen in's Ausland, wie noch jüngst des nach unseren Käufen 
i. J. 188S verbliebenen werthvollen Restes der Magnussen'sclien Sammlung zu 
Schleswig in das Kunstindustiie-Museum zu Kopenhagen, bezeugten das in 
steigender Bewegung. Es ist ein Verdienst des Professors der Kunstgeschichte 
an der Kieler Universität Herrn Adelbert Matthaei, auf diese wachsenden 
Gefahren in Schrift und Rede nachdrücklich hingewiesen zu haben. In der 
Ueberzeugung, dass seine Forderung, „unbedingt muss verhindert werden, 
dass wie bisher Kunstschätze aus dem Lande herausgezogen werden", so 
berechtigt wie dringlich sei, hat auch das hamburgische Museum nach 
Kräften mitgewirkt zu ihrer Erfüllung, Was Hamburg dieser Anregung 
Matthaei's zunächst verdankt, stellen wir an die Sjjitze unseres diesjährigen 
Berichtes. In diesem Zusammenhang ei'wähnen wir neben den im Lande er- 
worbenen Gegenständen auch einzelne Stücke, die schon z. Th. vor langen Jahren 
in das Ausland entführt waren, durch uns aber im verflossenen Jahr der alten 
Heimath wieder zugeführt sind. Besonders erfreulich ist das Verständniss, das 
wir bei den Freunden des Museums für diese Arbeit fanden. Wie sich aus 
dem folgenden ergiebt, kamen gerade diesem Gebiete werthvolle Geschenke 
zu Gute. 

Sehr wichtig ist, dass sich unter den neuen Erwerbungen nicht nur 
ihrer ursiirünglichen Bestimmung entfremdete Holzschnitzereien, sondern 
auch vollständige Möbel befinden. Zunächst hervorzuheben sind vier Truhen, 
davon drei aus der Blüthezeit der deutschen Spätrenaissance. 

Eine dieser Truhen, deren Ankauf uns noch durch das Vermächtniss 
des im Jahre 1889 verstorbenen Architekten Herrn Eluard Ballier möglich 
wurde, war im vorigen Jahrhundert zu einem doppelthürigen Kleiderschrank 
umgebaut worden. Weniger der Pietät als der Sparsamkeit des Schreiners 
ist zu verdanken, dass sich aus den Bestandtheilen des Schrankes die 
ursprüngliche Truhe so vollständig wieder zusammen setzen Hess, wie wir 
kanm eine andere besitzen; sogar der fast immer fehlende kastenförmige 
Sockel hatte sich erhalten, da er durch die untergesetzten hohen Füsse des 
Schrankes vor der Zerstörung bewahrt worden war. In ihrer jetzigen 
Gestalt zeigt diese Truhe im Rahmenwerk ihrer Vorderseite vier grosse 
Füllplatten mit figürlichem Schnitzwerk, denen im Sockel vier Felder mit 
symmetrisch aus niedrigen Vasen entwachsenden Blättern und oben am 
Gesims vier schmale Felder entsprechen, auf denen kleine Masken inmitten 
symmetrischer Ranken angebracht sind. Auf den senkrechten Rahmen- 
stücken sind am Sockel breite flache kannelirte Consolen mit nachgebildeten 
Ringen, am Kasten weibliche und männliche Hermen, deren Schäfte mit 
Fruchtbüscheln behängt sind, und am Fries kannelirte Gonsölchen ange- 
bracht. Die vier vortreffhch geschnitzten Bildtafeln stellen in ovalen Roll- 
werkrahmen Scenen aus der Geschichte Davids dar, die nur seitenden 
Schnitzern unserer Gegend Vorwürfe geliefert hat. Wir sehen, wie Samuel 



LII 



Museum für Kunst und Gewerbe. 



den jugendlichen 
David V.nni Könige 
sall)t, wie Saul 
nach ihm mit dem 
Speere wirft (mit 
der Nebenscene, 
wie ]\Iichael den 
David zumFenster 
liinabhisst) , wie 
David den Goliath 
])esiegt, wie er 
endlich Bathseba 
im Bade erblickt, 
eine Scene, die in 

der decenten 
Auffassung eines 
Fussbades darge- 
stellt ist. Auf- 
gefunden wurde 
der Schrank, dem 
diese Truhe ent- 
stammt, im Dorfe 
Schwesing unweit 
von Husum ; er soll 
sich aber früher in 
Friedrichstadt an 
der Eider be- 
funden haben. 

Weitaus jiriichtiger als diese Truhe mit der Geschichte Davids ist die 
Truhe mit der Geschichte der ersten Menschen. Herr Gustav 
Meilin in London, selber ein Sammler geschnitzter alter Möbel, hat uns 
diese in einem alten Bauernhause zu Böddinghusen bei Neuenkirchen in 
Norderdithmarschen aufgefundene kostbare Truhe als Geschenk überwiesen. 
In Anbetracht der feinen, vielfach unterhöhlten Schnitzarbeit war die 
Erhaltung eine vorzüghche. Die wenigen Ergänzungen abgebrochener 
Gliedmaassen wurden in der Schnitzschule des Herrn Director H. Sauermann 
in Flensburg gewissenhaft ausgeführt, nachdem sie vorher an Gipsabgüssen 
der Platten in Thon modellirt worden waren. Ebendort haben wii- auch 
den fehlenden Sockel dem Sockel einer im Flensburger Museum bewahrten 
Truhe nachbilden lassen, die ersichtlich derselben Werkstatt entstammt, wie 
unsere Truhe. Sie ist ebenso wichtig durch den ausserordentlichen Reichthum 
ilu'er Ornamente, von denen die S. LIII u. LIV abgebildeten Eahmenstücke 




Füllt.Tfol von der Vnrderwand piner Trnlie aus Eichenholz 

mit der Geschichte Davids. SclUeswig-Holstein, Ende des 

16. Jahrhunderts. '■ nat. Gr. 



Ankäufe und Schenkujitren i. J. 1896. 



Lni 



eine Vorstellung vermitteln, wie dadurch, 
Meister hinweist, von dessen Hand das 
kleine Truhe mit der Geschichte von der 
unten) besitzt, mehrere gi'osse Truhen 
sich im Flensburger Museum und einige 
Hauptstücke, grosse Truhen, dabei eine 
der unserigen sehr ähnhche, sich in der 
Sammlung des Architekten Frohne in 
Kopenhagen befinden. Da wir diesen 
bedeutenden Bildschnitzer, der sich eben- 
sowenig an einem der Möbel seiner 
Werkstatt genannt hat, wie einer seiner 
Zeitgenossen, nicht mit dem Namen be- 
zeichnen können, führen wir ihn als den 
„Meister mit dem flöteblasenden 
Hasen" ein, nach einem von ilim 
öfter angewendeten, auch aus unserer 
Abbildung ersichtlichen Motiv, ohne 
damit sagen zu wollen, dass ihm dies 
Motiv ausschliesslich angehört habe. 

Die aus dieser Werkstatt hervor- 
gegangenen Schnitzmöbel stehen noch 
ganz unter der Herrschaft des Rollwerk- 
Ornaments der Spätrenaissance. Noch 
zeigen sich keine Spuren jener sonst 
schon um das Jahr 1600 in Einzel- 
heiten auftretenden Verschiebung und 
Quetschung des Rollwerks, die wenige 
Jahrzehnte später zu den knorpelhaften 
Bildungen des Ohrmuschelstils ausartete. 
Im Figürlichen wird der Meister von 
anderen seiner Zeit und Gegend über- 
troffen. Er liebt es, ohne Rücksicht 
auf das Relief, die Figuren zu häufen, 
die Hintergründe zu vertiefen und mit 
winzigen Nebenscenen zu füllen; das 
führt ilm dazu, die äussersten Zu- 
muthungen an das Eichenholz zu stellen, 
indem er die Gestalten fast voUrund 
mit unterschnittenen, oft ganz frei vor- 
tretenden Gliedmaassenwiedergiebt. Sein 
Hang zu üppiger Ornamentirung bringt 



dass sie auf einen ganz bestimmten 

hamburgische Museum schon eine 

schönen Esther (S. Führer S. 641 




Mittel-Liseue von der Vonlerwand 
der Truhe mit der üescliichte des 
ersten Mensclien-Paares. Arbeit des 
Meisters mit dem Üoteblasenden 
Hasen. Schleswig-Holstein, ca. 160u. 
Vj nat. Ur. 



LIV 



Museum für Kunst und Gewerbe. 



es auch mit sich, 

den Rahmen- 
hölzern grössere 
Breite zu geben 
und durch Bogen- 
stelhnigen die 
Bildfehler mehr 
zu beschränken 
als üblich, was 
wieder zu hliputa- 
nischer Kleinheit 
der Figuren führt. 
Seine Meistei'- 
schaft zeigt er in 
dem äusserst reich 
entwickelten Or- 
nament. Sein Roll- 
werk belebt er 
durch Frucht- 
büscliel und Ge- 
hänge oder mit 
Früchten gefüllte 

Vasen ; durch 
allerlei kleines 
Gethier, das bald, 
wie jener die Plöte 
blasende Hase, auf 
den Fruchtge- 
hängen sitzt, bald 
in kleineu im 
Sockel oder Fries 
angeordneten Feldern erscheint; vor allem aber durch vielerlei Figürchen 
in der Zeittracht. Solche bekleidete Gestalten vertreten auf den Lisenen 
die herkömmlichen nackten Hermen und erscheinen in den Friesfeldern, 
bald in ganzer Figur, bald in Brustbildern, häufig mit Musikinstrumenten, 
bisweilen einem Pokal in der Hand. Die reiche Tracht der Zeit ist ge- 
treulich wiedergegeben, bis zu den Radkrausen und Sintzenhauben. Von 
Pflanzenformen finden wir nur hier und da ein Blatt; Blumen und Ranken 
fehlen, aber auch nahezu gänzlich die grottesken Motive, insbesondere 
jene seltsamen Maskenbildungen, die im Rollwerk-Ornament der Nieder- 
länder so verschwenderisch auftreten. Nm- dann und wann wird ein ge- 
flügelter Engelskopf dem Ornament eingefügt. 




Liseneu vou der Tiuhe mit der Geschichte des ersten MeDscbeupaares. 
Vj nat. Gr. 



Ankäufü iiiul Scheiikuno-eu i. J. 1896. 



LV 



Dieser schleswig-liolsteinisclie Meister vom Ende des 1 6. Jahrhunderts, 
den wir bis auf Weiteres als den „Meister mit dem flöteblasenden 
Hasen" bezeichnen, hat eine so unverkennbai'e Eigenart, dass wir ihm 
mit Sichei'heit zwei geschnitzte Reliefs der Sammlung Jubinal zuschreiben 
können, die Emil Reiber vor 30 Jahren in „l'Art pour tous" (No. 184 
und 193 des 7. Jahrganges dieser Zeitschrift) veröffentUcht hat, und zwar als 
französische Sculpturen der Zeit Heinrichs III. (1574 — 89). Dabei passiert 
dem Herausgeber noch das Missgeschick, dass er den Umzug des Mar- 
dochai auf dem Ross des Königs Ahasverus als den Einzug König 
Heinrichs III. von Frankreich in sein Königreich Polen deutet und in der 
Scene der vor Ahasverus knieenden Esther die Krönung des französischen 
Prinzen mit der Krone Polens findet. 




Theil der Vorderwand einer Truhe mit der Geschichte vom barmherzigen Samariter. 
Ana dem Eiderstedtischen, um 160u. 1/4 nat. Gr. 

Einen von den bisher beschriebenen völlig abweichenden, unseres 
Wissens sonst im Lande noch nicht beobachteten Typus vertritt die dritte 
Truhe, die wir der Güte des Herrn Z. F. Ämsinck verdanken. Sie wurde 
in der Warmhörner Mühle im Eiderstedtischen aufgefunden und zeichnet 



LYJ Museum für Kunst und Gewerbe. 

sich dadurch aus, dass ihre Wände nicht in Eahmen und Fülhingen 
gearbeitet, sondern aus schlichten Brettern zusammengespundet sind. Auf 
der Vorderwand sind in versenktem Eelief drei Felder geschnitzt, von denen 
eines unsere Abbildung wiedergiebt. Die architektonische Umrahmung, welche 
sonst derartige Bildfelder einfasst, erscheint hier der Hauptsache nach nicht 
plastisch, sondern nur in den Umrissen mit Einzelheiten in ebenfalls 
versenktem Relief. Unter den drei Bogenstellungen ist je eine Scene aus 
der Geschichte vom barmherzigen Samariter wiedergegeben: der 
Ueberfall, die Pflege des Verwundeten, seine Ueberführung in die Herberge. 

Um ein halbes Jahrhundert jünger als die vorerwähnten drei Truhen 
ist die vierte, die wir dem Museum dithmarsischer Alterthümer zu Meldorf 
verdanken. Sie vertritt den Ohrmus chelstil der Mitte des 17. Jahrhunderts. 
Das Eollwerk der Spätrenaissance zeigt sich knorpelhaft entartet. Die 
Figuren sind in verdrehter Haltung mit vorgeckäugten Leibern dargestellt, 
die Grundformen sind aber noch die des voraufgegangenen Stiles. Hermen 
auf den Lisenen gUedern die Vorderwand, und auf den vier Fülltafeln 
sind unter Bogenstellungen der Glaube, die Weisheit, die Massigkeit und 
die Stärke als Frauengestalten mit den üblichen Attributen dargestellt. 
Derartige Truhen müssen ihrer Zeit in grosser Zahl angefertigt sein, auf 
Vorrath für die minderbegüterteu x\bnehmer. Sie waren und sind noch 
sehr häufig in den Bauernhäusern des Landes. Was aber unsere Truhe 
über viele ihres Gleichen erhebt, ist die wohlerhaltene alte Bemalung, in 
der zweierlei Roth, ein grünhches Blau, Weiss, Braun und Schwarz zu sehr 
wü-ksamer Hervorhebung des geschnitzten Ornamentes angewandt sind. 

Die deutschen Schränke, welche wir als Erwerbungen im Jahre 189G 
zu verzeichnen haben, stehen an Kunstwerth hinter den beschriebenen 
Truhen ziu-ück, sind aber wichtig, weil sie uns bisher fehlende Typen unseres 
Landes vertreten. Drei dieser Schränke sind Eckschräuke, von jener im 
Lande Hörnschap — von dem dänischen „Hi0rneskab" — genannten Art. 
Sie hatten ihren Platz in der Aussenecke des Pesels zwischen den beiden 
Fensterwänden. 

Der älteste unserer Hörnschränke wurde in einem Bauernhause zu 
Witzworth in der Eiderstedter Marsch erworben und ist ein Geschenk des 
Hamburger Gewerbevereins. Er vertritt den einfachsten Typus dieser 
Möbelart. Auf quadratischer Grundlage erhebt er sich in drei Geschossen, 
von denen das untere und obere mit einer Thür, das mittlere, schmale 
mit einer Klappe versehen ist. Da zwei Seiten sich an die Mauer legten, 
sind nur die zwei freien Seiten durchgebildet und mit flachem Beschlag- 
ornament in vertieftem, gepunztem Grimde auf den Lisenen, in den 
Füllungen des Unter- und Oberschrankes mit ähnlich verzierten Bogen- 
steUungen ausgestattet. Am Gesims steht die Jahreszahl 1627. 



Ankäufe und Schenkungen i. J. 189ti. LYII 

Von gleichem Aufbau, doch reich mit derbem Schnitzwerk geziert 
ist der zweite aus Nordhastedt in Norderdithmarschen stammende Schrank. 
Die barocke Haltung der allegorischen Gestalten des Glaubens und der 
Hoffnung, der Stärke und der Massigkeit auf den Haui^tfüUungen und 
die plumpen Ohrmuschelformen in den Einfassungen weisen auf die zweite 
Hälfte des 17. Jahrhunderts. Wie trotz des Verfalles der anderthalb 
Jahrhunderte unter wechselnden Stilformen in hoher Blüthe gestandenen 
Schnitzkunst noch gesunde Leistungen gefördert wurden, wenn nur die 
Schnitzer sich nicht an figürliche Vorwürfe wagten, zeigt der dritte 
Hörnschap aus Weunbüttel unweit von Albersdorf in Süderdithmarschen. 
Er trägt die Jahreszahl 1722 und ist dem um ein Jahrhundert älteren 
Eiderstedter Hörnschap ähnlich verziert; der Aufbau weicht aber insofern 
ab, als das Mittelgeschoss eingerückt ist, um für zwei zwischen den freien 
Ecken des Ober- und Unterschrankes eingeschaltete nackte Kinderfiguren 
Raum zu gewinnen. Diese Gliederung des Hörnschaps kommt schon in 
früherer Zeit vor, nur haben sich die stützenden Figuren selten erhalten. 

Ein wichtiger Ankauf aus den Budgetmitteln des Vorjahres ist ein 
in einem Bauernhause zu Curslack in den Vieri an den angekaufter 
vierthüriger Schrank des 18. Jahrhunderts. Abgesehen von den mageren 
jonischen Kapitalen der Lisenenpfeiler des Obergeschosses entbehrt dieser 
mit Nussholz auf Eichenblindholz fournirte Schrank jeglicher geschnitzten 
Verzierung ; gute architektonische Gliederung und vortreffliche, fein profilirtc 
Kröpfarbeit bilden seinen einzigen Schmuck. Sehr wirksam sind die 
kassettenartig vertieften Thüren mit rundlichen Füllungen und konkav 
vei'kröpftem Rahmen. Die Schränke dieser Art stammen offenbar aus den 
Werkstätten Hamburgs, da sie in den hamburgischen Vierlanden früher 
häufig waren, aber in weiterer Entfernung von der Stadt nicht vorkommen. 

Von den Schnitzereien, die aus iiu'em Zusammenhang mit denTruheu 
gelöst vorgefunden wurden, vertreten vier vordere und zwei seitliche Füll- 
tafeln die Anfänge der Renaissance in Dithmarschen ; früher befanden sich 
diese Platten in der Sammlung des Dr. med. Hartmann zu Marne; die 
Truhe, denen sie entnommen sind, wurde von diesem vor langen Jahren im 
Dorfe Krummwehl unweit Marnes aufgefunden. Schwerfällig in symmetrischer 
Bildung aufwachsendes Ptianzenwerk füllt die vier Platten der Vorderseite; 
es entspringt entweder aus einem grossen dreiseitigen Deckblatt oder aus 
einem kelchförmigen Gefäss von pflauzenhafter Bildung. Die schweren 
Akanthusblattscheiden und die frei wachsenden Blätter entsprechen dem 
für die Frührenaissance an der Nieder-Elbe bezeichnenden Typus, wie er 
in viel feinerer Durchbildung an unserem Buxtehuder Schrank von 1544 
auftritt. Die Ranken endigen in grosse Blumen, in hängende Blätterbüsche 
oder in grotteske Köpfe von unbeholfener Bildung. 



LVIII 



Museum für Kunst und Gewerbe. 



Auf dithmai-sische 
Herkunft deuten 
auch die beiden 
Wai)pen. Leider 
fehlt es noch 
an einer quellen- 
mässigeu Darstel- 
hmg der "Wappen 
des schleswig-hol- 
steinischen Adels 
und der wappen- 
führenden Bürger- 
und Bauern- 
geschlechter des 
Landes. Wajjpen- 
bücher, wie sie in 
dem „grossen Sieb- 
macher" und ver- 
wandten Werken 
vorliegen, genügen 
nicht für die Beant- 
wortung derFragen, 
welche die Kunst- 
geschichte zu 
stellen hat. Hier- 
für wäre eine aus 
den historischen 
Quellen an Bauten, Cirabsteinen, Scluiitzwerken, an Gerätheu aller Art, in 
(ilasbildern, Gemälden und Urkunden schöpfende Darstellung der Wappen 
nöthig. In Ermangelung solcher Hilfsmittel ist es uns nur möglich, das eine 
der Wappen auf der Krummwehler Truhe mit Sicherheit zu bestimmen. 
Das Frauenwappen, dessen Schild einen Pfeil (Pil) zeigt, ist nämlich das- 
jenige der Pilsen. Welcher Familie aber das oben abgebildete Mannes- 
wappen angehört, lässt sich vorläufig noch nicht entscheiden; nur soviel 
steht fest, dass es in Süderdithmarschen auch sonst vorkommt. Das halbe 
Mühlrad und ein kleiner Vogel, der auf dem Pfeil des Frauenwappens sitzt, 
sind Beizeichen, wie sie den Bauernwappen mehrfach hinzugefügt werden. 
Auch dem im Ornament angebrachten, von einer Hand gehaltenen Besen 
dürfte eine besondere Beziehung zu Grunde liegen, jedenfalls aber nicht 
diejenige des Donnerbesens heidnischen Angedenkens. Die Entstehung 
dieser Schnitzwerke mag um das Jahr 1550 angesetzt werden. Erst so 
spät verdrängte hier die Renaissance (.lie Gothik. 




Fülltafel von einer Truhenplatte mit dithmarsischen Bauernwappe 
DithmarEchen, ca. 1550. 



Ankäufe uiul SchcnkuiiKen i. J. 1896. 



LIX 



Wenig jünger ist ein scliönes Schnitzwerk desselben Stiles, das zu 
jenen ausgezeichneten Wangenbekrönungen gehört, die bis zum Jahre 1847 
das Gestühl im Üoni zu Schleswig schmückten, damals aber einer „stil- 
vollen" gothischen Restauration barbarisch geopfert wurden, um lange Zeit ver- 
wahrlost in einem Verliess des Thurmes zu lagern. Aus diesem verth eilte 
man sie im Jahre 1885 in die Museen zu Berlin, Kiel und Flensburg, 
anstatt, wie es richtig gewesen wäre, sie bei einer neuen Eestauration auf 
ihre alten Plätze in der Kirche zurück zu bringen. Eine dieser Bekrönungen 




Bekrönung einer Gestühlwanse aus dem Dum zu Schleswig; ca. 1556. '/i "at. Gr. 

war schon früher in's Ausland, nach Dänemark, gebracht worden, von wo 
sie nunmehr. Dank einer Gabe der Averhoff'' sehen Stiffunf/, in unser Museum 
gelangt ist. Sie gehört zu den schönsten und ältesten jener Bekrönungen, 
als deren Schnitzer wir jenen Hans von Münster ansehen dürfen, der, 
wie Herr Pastor Biernatzki nachgewiesen hat, um das Jahr 1 554 als Schnitzer 
in der Stadt Schleswig ansässig war und durch die Stadtgemeinde mit 
Schnitzarbeiten aller Art betraut wurde. Hiermit stimmt die Bezeichnung 
mehrerer in den genannten Museen bewahrten Bekrönungen mit den Jahr- 
zahleu 1556 und 1557. 



LX 



Museum für Kunst und Gewerbe. 






Vier Fülltafeln 
einer T r u li e mit der 
Jugendge schichte 
Jesu vertreten die 
um etliche Jahrzehnte 
jüngere Geschmacks- 
richtung, in welcher 
das Pflanzen - Orna- 
ment und die Grot- 
teske durch das figür- 
liche Eelief aus den 
Hauptfüllungen der 

Möhel verdrängt 
worden sind. Es sind 
jene Tafeln, die vor 
einigen Jahren in der 
^Ausstellung nordfrie- 
sischer Alterthümer 
zu Husum zu sehen 
waren und in der von 
Otto Koch unter dem 
Titel ,,Husum"heraus- 
gegebenen Sammlung 

von Heliogravüren 
abgebildet sind. Herr 
Pastor Ernst Midielsen 
in KlanxbüU an der 
schleswigschen West- 
küste hat die Güte 
gehabt, uns diese aus 
dem Hallier'schen Yermächtniss angekauften trefflichen Schnitzwerke zu 
überlassen. Sie kommen allerdings nicht aus seinem Pfarrbezirk; ähnliche, 
ja fast gleiche Schnitzwerke haben sich aber wiederholt in Orten der West- 
küste nachweisen lassen, jüngst noch an einem aus den Theilen einer Truhe 
zusammengesetzten Schrank in einem Eiderstedtischen Bauernhause. Diese 
vier Scenen aus der Jugendgeschichte Jesu — die Verkündigung Maria, die 
Anbetung der Hirten, die heiligen drei Könige, die Beschneidung — sind 
häufiger als irgend welche anderen biblischen Geschichten an den Möbeln 
der schleswig-holsteinischen Spätrenaissauce dargestellt worden; sie tragen 
in dieser Ausführung noch ganz das ernstere Gepräge der Blüthezeit der 
schleswig-holsteinischeu Schnitzkunst und plattdeutsche Unterschriften: De 
Bodeschob, De Gebordt, De Ofl'erong, De Beschniding. Wer der Meister 




Fülltafel einer Truhe mit der Jugendgeschichte Jesu. 
Sclileswig-Holstein, ca. 1600. Vi nat. Gr. 



Ankäufe und Schenkungen i. J. 1896. LXI 

war, aus dessen Werkstatt sie und viele Arbeiten ihres Gleichen hervor- 
gegangen, ist einstweilen nicht zu bestimmen. Er ist jedenfalls deutlich zu 
unterscheiden von dem obenerwähnten Meister mit dem flöteblasenden 
Hasen, und ebenso bestimmt von dem ungenannten Meister, der die im 
Führer S. 040 beschriebene Truhe mit der Geschichte des verlorenen Sohnes 
geschnitzt hat, und auf den auch der schöne, aus dem Marcus Swyn'schen 
Pesel zu Lebe bei Lunden stammende Hörnschap im Flensburger Museum 
zurückzuführen ist. 

Der Meister dieser Platten mit der Jugendgeschichte Jesu hat aller 
Wahrscheinlichkeit nach auch manche der Kanzeln geschnitzt, die in den 
Kirchen des Landes noch erhalten sind. Diese Kanzeln und die aus der- 
selben Zeit stammenden Altar -Schnitzwerke und Epitaphien bergen den 
Schlüssel zur Bestimmung der meisten an Möbeln überlieferten Schnitz- 
werke der Eenaissance. An manchen Kanzeln haben sich die Künstler 
genannt; von anderen haben die archivalischen Forschungen des Pastors 
Biernatzki und die Untersuchungen des Professors K. Haupt die Verfertiger 
festgestellt. Zu wünschen ist, dass die mit der Erhaltung und Erforschung 
der Landes-Alterthümer betrauten staatlichen Organe dem Vorbilde folgen, 
das die dänische Regierung mit dem grossen Werke über die Altäre in 
Dänemark ihnen gegeben hat. Erst auf Grund eines gleich zuverlässigen 
und mit ebenso guten Abbildungen grossen Maassstabes ausgestatteten 
Bilder-Inventars der kirchlichen Alterthümer dürfen wir hoffen, die vielen 
braven Meister namentlich kennen zu lernen, denen Nordalbingien seinen 
Ruhm als eine von keinem Lande übertroffenc Heimstätte künstlerischer 
Schnitzarbeit für das Bürger- und Bauernhaus verdankt. 

Dann werden wir wohl auch Näheres erfahren über einen hervor- 
ragenden Bildhauer, der zu den drei vorerwähnten, durch ihre Werke 
deutlich von demselben unterschiedenen Bildschnitzern als vierter hinzutritt, 
und wohl als der bedeutendste, wenngleich seine Zeit schon der des Nieder- 
ganges nahe liegt. Dank einer Gabe der Äverlioff'schen Stiftung konnten 
wir die Hauptbestandtheile eines Schrankes, vier Thüren mit den üblichen 
Scenen aus der Jugendgeschichte Jesu und drei Hermen, ankaufen, die sich 
seit langen Jahren in dänischem Privatbesitz befanden, im Jahre 1879 in 
einer Kopenhagener Ausstellung Aufsehen erregten und in der damals er- 
scheinenden Zeitschrift „Ude og Hjemme" („Draussen und Daheim") 
beschrieben und zum Theil abgebildet worden sind. Bei diesen fast malerisch 
wii'kenden Reliefs heben sich die stark hervortretenden, zum Theil volh-und 
herausgearbeiteten Figuren in freier Gruppirung und in natürlicher lebhafter 
Bewegung von einem landschaftlichen oder architektonischen Hintei-gi'und 
ab. Um sein Bildfeld zu füllen, hat der Künstler in der Verkündigung über 
einem Wolkenkranz Gott Vater, in der Anbetung den Stern, der die lieihgen 
drei Könige leitete, in den beiden anderen Scenen Engelsköpfe über 



LXII 



Museum für -Kunst und Gewerbe. 



Wolken dargestellt. Ueber den Bildscenen wölben sich feingegliedei'te Bögen, 
in deren Zwickeln Engel in ganzer Figur oder als geflügelte Köpfe angebracht 




Tliür eines Schrankes mit der Jugendgeschichte Jesu. Nordschleswig, um 1600. 
1/3 nat. Gr. 

sind. Annähernd lässt sich die Gegend der Anfertigung dieser kunstvollen 
Keliefs bestimmen, denn zwei von ihnen tragen Unterschriften in dänischer 



Ankäufe und Sclienkungen i. J. 1896. LXIII 

Sprache; unter den heiligen drei Königen steht: „De hilge 3 Konger", 
unter der Beschneidung: „Christi Omskierels[e]". Sie sind also, da sie 
im Uebrigen deutsche Kunstübung zeigen, wahrscheinlich im nördlichen 
Schleswig in einer Stadt entstanden, wo um das Jahr 1600 die dänische 
Sprache überwog. Von ihrer künstlerischen Bedeutung giebt unsere Abbildung 
eine Vorstellung. Andere Schnitzmöbel von gleichem Werth sind, 
abgesehen von dem eine Ausnahmestellung einnehmenden Susannen- 
schrank des Thaulow-Museums in Kiel, bisher in den dänischen und 
Schleswig - holsteinischen Sammlungen nicht nachgewiesen. Auch die 
Bildquelle, aus welcher der Schnitzer schöpfte, hat sich noch nicht 
ermitteln lassen. Eine Durchsicht der damals im Lande verbreiteten Bilder- 
bibeln hat weder für diese lleliefs, noch für die anderen hier erwähnten 
sichere Anhaltspunkte ergeben. Dass der Mehrzahl der biblischen Dar- 
stellungen an den Truhen und Schränken jener Zeit Holzschnitte oder 
Kupferstiche zu Grunde liegen, darf man schon aus der vorwiegend malerischen 
Behandlung des Reliefs schliessen. Wahrscheinlich haben niederländische 
Stiche oft als Vorlagen gedient. Die Feststellung im einzelnen Falle wird 
dadurch erschwert, dass die Schnitzer keine Kopisten waren, sondern den 
Vorwurf weiter gestalteten und je nach der Höhe und Breite ihrer Bild- 
felder veränderten, bei öfterer Wiederholung vollends vom ihm abwichen. 
Die Fortsetzung dieser Untersuchungen und das Sammeln der hierfür 
erforderlichen Bildquellen ist eine der weiteren Aufgaben der nordalbingischen 
Kunstforschung. Erst nach diesen und anderen Vorarbeiten wird eine 
gerechte Abgrenzung der eigenen Arbeit der schleswig-holsteinischen Künstler 
und des mittelbaren oder unmittelbaren Einflusses der Niederländer vor- 
genommen werden können. 

Von Schnitzwerken des IS. Jahrhunderts sind zwei hervorzuheben. 
Das eine ist ein aus Buchenholz geschnitztes Mangelbrett aus der Wilster- 
marsch, ein Geschenk des Herrn H. D. Böhme. Es ist dem im Führer 
S. 083 abgebildeten, offenbar von derselben Hand geschnitzten Mangelbrett 
ähnlich; der Figiu' der Hebe mit dem Knaben liegt dasselbe Vorbild zu 
Grunde, die Ornamente sind aber unabhängig behandelt. Auch die Meister 
der Spätzeit der holsteinischen Schnitzkunst wiederholten ihre Vorwürfe 
nicht mechanisch, sondern wurden jeder neuen Aufgabe auf neue Weise gerecht. 

Ebenfalls aus derWilsterniarscii stammt ein geschnitztes und bunt bemaltes 
Bildwerk, das einen streng stilisirten Vogel mit ausgebreiteten Flügeln von 
60 cm Spannweite darstellt und auf den ersten Blick an einen jener 
Schützenvögel erinnert, die noch hie und da bei den Vogelschiessen 
ländlicher Gilden eine Rolle spielen. Drei junge, sich an seine Brust 
klammernde Vögel, deren emporgereckten Hälsen drei Blutstropfen auf 
dem Gefieder des alten Vogels entsprechen, zeigen jedoch, dass hier ein 
Pelikan dargestellt ist, der nach mittelalterlicher Auffassung seine Brust 



L^jy Museum für Kunst und Gewerbe. 

öffnet, um seine Jungen mit seinem Blute zu tränken und deswegen häufig 
als Sinnbild des Opfertodes Christi und in einem weiteren Sinne als Sinn- 
bild der sich selbst aufopfernden Mutterliebe gedeutet wii-d. Aufgefunden 
wurde dieser Pelikan in einem Bauernhause unweit von St. Margarethen, 
wo er in der Wohnstube unter einem Deckenbalken schwebend liing über 
einer SteUe, wo die Wiege zu stehen pflegt. Dass es nicht ein zufällig 
aus einer Kirche dahin verlorenes Bildwerk war, durfte schon daraus ver- 
muthet werden, dass die Füsse des Vogels nicht geschnitzt, sondern aus 
wirklichen langspornigen Hahnenfüssen angesetzt sind. Weitere Nach- 
suchungen haben alsbald noch drei ähnliche Pelikane aus Bauernhäusern 
derselben Gegend zu Tage gefördert und bestätigt, dass hier eine alte 
Ueberlieferung vorliegt, wonach es Brauch gewesen, den Pelikan über der 
Wiege schwebend in den Bauernstuben aufzuhängen. Diesem Brauch 
gemäss hat unser Pelikan seinen Platz erhalten in dem Jochim Krey 'sehen 
Pesel aus Ivlein-Wisch in der Wilstermarsch. 

Dieser Pesel, dessen Bestandtheile, AVandgetäfel, Ofen luid Möbel, 
wir im Führer S. 662 u. 663 eingehend beschrieben haben, ist im ver- 
flossenen Jahr in einem der neuen Zimmer an der Nordwestecke der 
Museumsräume seiner ursprünglichen Anordnung entsprechend vollständig 
aufgestellt worden. Mit einem kugelfüssigen Tisch und geschnitzten Stühlen 
hat dies Zimmer passende Ausstattung erhalten. Hinter den Glasscheiben 
der Wandschränkchen über den Thüren erblickt man Thüringer Porzellan- 
geschirr, das in keinem Haus dieser Gegend fehlte, chinesische Poi'zellan- 
Teller und Tassen, silberne Leuchter und Messing-Wachsstockhalter und 
anderes kleines Geräth, wie es im Lande üblich war. Zur vollständigen 
Ausstattung fehlt nur noch die Wiege unter dem Pelikan, der an einem 
der nach der alten Bemalung im Krey'schen Pesel polychroniirten Decken- 
balken schwebt. 

Möbel und Schnitzwerke anderer als nordalbingischer Herkunft. 
Unter den i. J. 1896 angekauften Holzsclmitzwerken fremdländischer 
Herkunft steht das Mittelstück jener Truhenplatte aus Nussholz obenan, die 
schon im 13. Jahi-gang (1874) von „L'Art pour tous" unter No. 340 als eine 
italienische Arbeit abgebildet ist. Die schwungvolle Behandlung der einem 
mächtigen iialmettenförmigen Mittelkelch symmetrisch entwachsenden, in viel- 
fachen feinen Spü-alen sich windenden Akanthusranken und die meisterliche 
Technik des Eehefs, das in den Blattscheiden und Endblüthen fast voll- 
rund hervorquillt, in zarten Nebenblättchen und S-förmigen Eanken flach 
verläuft, weisen diesem Stücke eine SondersteUmig luiter unseren Schnitz- 
werken an. Zweifeln, ob es in der That italienische Arbeit oder nach 
der Ansicht des Vorbesitzers südfranzösischer Herkunft sei, war nicht 
auszuweichen. Neuerdings hat Herr Prof. A. Haupt in Hannover, der 



Ankäufe und Schenkungen i. J. 1898. 



LXV 



Kenner portugiesischer Bau- und 
Decorationskunst, in dieser Platte eine 
Arbeit der portugiesisclien Spät- 
renaissance des 17. Jalirluinderts 
erkannt. 

Gleichfalls Arbeiten der pyrc- 
näischen Halbinsel sind vier kleine 
Sclirankthüren mit Medaillonköpfen 
in weichem Flachrelief, dessen künst- 
lerische Ausführung mit jener un- 
beholfenen Schreiner-Arbeit in Wider- 
spruch steht, die ein auffallendes 
Merkmal vieler spanischen iMiihcl 
des 16. Jahrhunderts. 

Ein treffliches Beispiel der gegen 
Ende des Mittelalters überall in 
Deutschland geübten, aber nirgend 
zu grösserer Meisterschaft als in 
Tyrol gediehenen Flachschnitzerei ist 
die hier abgebildete Tyroler Platte 
aus Fichtenholz vom Jahre 1517. 
Die schwungvolle Zeichnung des von 
einem Schriftbande umschlungenen 
Eebstockes hebt sich ohne Relief nur 
dadurch vom Grunde ab, dass dieser 
flach herausgestochen ist; farbige 
Bemalung, von der nur Spuren 
erhalten sind, verdeutlichte die 
Windungen des Bandes, in das eine 
Inschrift eingeschnitten ist. Diese 
lautet: „i^cr Äaflbcii gcl)ort faiit Urbciiö 
prurberfcfjaföt 1517", d. li. „Der 
Kasten gehört Sanct Ui'bans Bruder- 
schaft 1517". Welcher Art der Kasten 
war, hat sich nicht ermitteln lassen; 
vermuthen lässt sich einer jener 
schlanken Waschschränke, an deren 
Seitenwänden Platten solcher Gestalt 
vorkommen. 

Italienische Arbeit vom Ende 
des 18. Jahrhunderts ist eine Kommode 
mit grossem Akanthus-Ornament und 








»r»r 



Wandung eines Solirankes aus Fichtenholz 

mit Flachsohnltzerei. Tyrol; 1517. 

i/s nat. Gr. 



Trophäen in schöner Holz-Intarsia. 



LXVl Museum für Kunst und Gewerbe. 

Europäisclie Fayencen. 

Die Sammlung dei' Fayencen ist, von den ungenügend vertretenen 
Majoliken abgesehen, eine der am besten entwickelten Abtheihingen des 
Museums. In unserem illustrirten Führer v. J. 1894 konnten wir Er- 
zeugnisse von nicht weniger als zwölf, zum Theil sehr bedeutenden 
deutschen Fajence-Manufacturen beschreiben, die in Fr. Jaennicke's 
umfangi-eichem Grundriss der Keramik, der i. J. 1879 das damalige 
keramische Wissen zusammen gefasst hat, nicht einmal dem Namen nach 
erwähnt sind. Es waren Frankfurt a. M., Fulda, Braunschweig, Hannoverisch- 
Münden, Vegesack-Lesum, Hamburg, Schles^\•ig, Criseby - Eckernförde, 
Stockelsdorff, Rendsburg, Kellinghusen, Proskau. Seither sind hinzu- 
gekommen von ebenfalls Jaennicke unbekannt gebliebenen deutschen 
Fayence-Manufacturen i. J. 1895 Durlach in Baden und Königsbei'g in Pr., 
über deren Erzeugnisse wir im vorjälu-igen Bericht Näheres mitgetheilt 
haben, und neuerdings i. J. 1896 Berlin, Potsdam, Magdeburg, Schrattenhofen. 

Von der zu Berlin und Potsdam in den ersten Jahrzehnten des 
18. Jahrhunderts betriebenen Fayence-Fabrication wissen wir sehr wenig, 
eigentHch nur aus der Vorgeschichte der Erfindung des Porzellans, dass 
Böttger i. J. 1708 einen Arbeiter des in Berlin ansässigen Delfter 
Fayenciers Funke nach Dresden berief. Nachforschungen im Kgl. Preuss. 
Staatsarchiv zu Berlin haben ergeben, dass Cornelius Funke schon 
am 11. April 1699 supphcirte: „Sr. Churfürstliche Dui-chlaucht geruhe, 
ihm gnädigst zu concediren, dass er das Bürger- und Meisterrecht gewinne, 
auch eines Porzelain-Ofens sich gebrauchen könne und solle". Wenn 
Funke sich darauf stützt, dass er schon tUicr 6 Jahr als Porzelain- 
(d. h. Fayence-) Dreher in BerHn gearbeitet und „ohne Ruhm zu melden, 
solche Arbeit verfertiget habe, die hier niemalen sei gemachet worden", 
so dürfen wir daraus schliessen, dass vor ihm, schon i. J. 1693 ein anderer 
Meister Fayence in Berhn herstellte. Am 28. April 1699 bewilligt der 
Kurfürst das Gesuch, jedoch solle der Porzelain-Ofen an solchem Ort 
errichtet werden „da wegen des Feuers dero Residentien keine Gefahr 
zu besorgen". Noch i. J. 1712 begegnen wir Funke, der in den Akten 
als Holländer, Bürger und Porzelain-Brenner in Berlin aufgeführt wird, 
aulässlich eines Streites mit seinem Gesellen Otto Müller, der gleich dem 
Meister ein Privileg für die Herstellung von Tabakspfeifen nachsuchte. 
Bei dieser Gelegenheit erfahren wir auch, dass Funke Gefässe aus der 
gleichen rothen Erde fabricirte, wie in Dresden geschah, und dass er einen 
von ihm daraus angefertigten Aufsatz aus 6 oder 7 Stücken dem König 
habe überreichen lassen. Mit Sicherheit sind die Arbeiten der Funke'schen 
Werkstatt bisher nicht nachgewiesen worden. Man darf sie vermuthen 
unter den hie und da, z. B. in den GeschiiTVorräthen des Schlosses zu 
Charlottenbiu-g bewahrten Fayencen mit Blaumalerei, die den Delfter 



Ankäufe und Schcnkiinoen i. J. 1896. LXVII 

Typus zeigen, aber sicher nicht Delfter Ursprunges sind. Wahi-scheinUch 
aus der Werkstatt Funkes stammen auch \'iele jener nicht seltenen Maasskrüge, 
die blaues Laub- und Bandelwerk mit manganviolett-betupften Flächen 
verbinden und häufig den Namenszug eines der ersten preussischen Könige 
zeigen. Ein solcher Krug unserer Sammlung zeigt als Marke ein f^ das 
auf Funke hinweist. Ein ebenso bemalter, besonders stattlicher, un- 
bezeichneter, aber offenbar derselben Werkstatt entsprungener Maasskrug 
unter den Ankäufen des letzten Jahres trägt das F. W. R. Friedrich 
Wilhelms des Ersten und im Stempel des Zinndeckels die Jahrzahl 1711 
mit dem Wappen der Stadt Charlottenburg. 

lieber die zu Potsdam um dieselbe Zeit oder wenig später betriebene 
Fayence-Fabrikation fehlen uns noch die urkundlichen Nachweise. Eine 
mit voller Ortsbezeichnung versehene blaubemalte Vase des Köngl. 
Kunstgewerbe-Museums zu BerKn weist auf den Einfluss des durch ost- 
asiatische Vorbilder beeinflussten Delfter Geschmackes; und aus derselben 
Potsdamer Werkstatt muss eine im vorigen Jahre für die Hamburger 
Sammlung erworbene geriefelte Deckelvase stammen. Schwere Masse, 
Dickwandigkeit, technische Unbeholfenheit der Mache, ein hoher hohler 
Fuss kennzeichnen diese Art ebenso, wie es die Bemalung in den zu 
Delft üblichen Scharffeuerfarben thut, wobei sogar das schwierige Ziegelroth 
nicht ungeschickte Verwendung findet und zwischen den blühenden Stauden 
steil aufgerichtete Pfauen besonders auffallen. 

Von der Magdeburger Fabrik wissen wir, dass durch Könighche 
Kabinets-Ordre vom 13. März 1764 der Syndikus der Pfälzer Kolonie 
zu Magdeburg Guischard auf 15 Jahre ein ausschliessliches Privilegium 
im Herzogthum Magdeburg für seine Fayence-Fabrik erhielt. Auch ist 
durch eine aus Berlin an den Minister für Schlesien Grafen Hoym am 
16. Oktober 1771 gerichtete Mittheilung überliefert, dass damals die 
Magdeburger Fabrik die Marke /// führte. Obwohl Prof Dr. A. Schultz 
hierauf schon im Jahre ISSO im 43. Bericht des Vere'nes für das Museum 
schlesischer Alterthümer in Breslau aufmerksam machte, scheint man 
Fayencen als Erzeugnisse Magdeburgs bisher nicht nachgewiesen zu haben. 
Nur die jüngere Steingutwaare Magdeburgs ist allgemeiner bekannt ge- 
worden. Auf der Rückseite eines ovalen Plättchens aus weissem Steingut 
im Köngl. Kunstgewerbe-Museum zu Berlin wird J. P. Guischard, den das 
Relief bildniss auf der Vorderseite darstellt, als „Erster Unternehmer einer 
englischen Steinguts-Fabrique in Magdeburg 1786" bezeichnet. Auch sind 
Steingutgefässe nicht selten, die im Trockenstempel bald ein M mit einer 
Modellnummer, bald den Namen Guichard voll ausgeschrieben tragen. 
Das Hamburgische Museum hat im vorigen Jahr zwei Teller letzterer Art 
mit der Modellnumraer 20 und mehrfarbiger Malerei erworben, die auf 
dem einen dieser Teller am Rande Vergissmeinnichtranken, im Spiegel einen 



J^XVIII Museum für Kunst und Gewerbe. 

flammenden Altar darstellt. Diese Steingutwaare und ihre Marken sind 

aber unabliängig von der älteren Fayence. Welcher Art diese gewesen, 

erhellt nunmehr aus einer ovalen kleinen Schüssel, die unser Museum dem 

Haust edt' sehen Legat verdankt. Jeder mit den Merkmalen der Fayencen 

r^-^X'ßory^ von Hannoverisch -Münden Vertraute wird 

C\''^ " Hj?^ diese Schüssel unbedenklich als Mündener 

Jf t^'/\ ^-^^ K'^^ Waare ansprechen ; sie zeigt denselben netz- 

. -t-r ."C' V'" vj^X^''?^^ /^ förmig durchbrochenen Eand mit den 

■■-!r-?Vci/'^-'^^T-J'v-r;-- >::.-_. Ti, . 1 r j T- 1-11 

^--^:Vb'''-'~r'-{^''-rQ^-~>- Blumchen aut den Kreuzungen, dieselben 

' '55.":^i.T.!! P '^'I r"!i«&S^ flauen manganvioletten und blassgrünen 

'' /^^<^^- -^■^■^^'/^'^^ '''i Blumenmalereien, wie sieunsanderMündener 

y ''^isCqr^iO-Ä AVaare begegnen • — aber die hier wieder- 

!>-^ ^ gegebene Bezeichnung auf der Unterseite 

, „. ,^,. , , , beweist den Magdeburgischen Ursprung. 

Wappen uerStaatMagaebiirgals r^ o i 

Marke einer dortigen Fayeuce- j^i^n ^\-il•d danach einen Theil der bisher für 

Fabnlv. Isat. Gr. 

Die punktirte Zeicimuns deutet Mündencr Waare erklärten Ketzvasen und 

ani das Pausen einer mit der 

Nadel nachgestociienen Vor- diesen verwandten Gcfässe Magdeburg zu- 

zeichnuDg. ^ _° 

theilen müssen. Zunächst w^erden die mit 
dem //l bezeichneten Stücke hiervon betroffen; in wie weit das M auf 
Magdeburg oder Münden zu deuten, wird nocli zu untersuchen sein; nur 
die mit den drei Mondsicheln aus dem Hanstein'schen AYappen gemarkten 
Stücke verbleiben zweifellos bei Münden. *) 

In Schrattenhofen, einem Dorfe im bayerischen Regierungsbezirk 
Schwaben, soll noch jetzt die Fayence-Fabrikation betrieben werden. 
Die keramischen Handbücher erwähnen den Ort aber gar nicht, obwohl er 
schon um die Mitte des 18. Jahrhunderts eine Fayence-Fabrik besessen 
haben muss. Dies wird durch einen mit dem vollen Ortsnamen bezeichneten 
Maasskrug bewiesen, der ebenfalls im verflosseneu Jahr in unsere Sammlung 
gelangt ist. In blassen Scharfl'euerfarben , Blau, schmutzigem Grün, 
hellem Gelb und weisskörnigem Manganviolett ist er mit einem Eel)stock 
im Felde einer mit Blumen dm-chwachsenen Kartusche bemalt. 

Dem Haust edf sehen Legat verdanken wii- auch noch ein für die 
Geschichte der Fayence-Fabrication in Nürnberg bedeutsames Stück, 
das \de die Kieler Bischofsbowle sich ehemals in der Eeynolds'schen 
Sammlung zu London befand. Es ist die dritte der drei Platten, von 
denen zwei als keramische Urkunden schon länger bekannt sind, da sie 
sich früher in der Kgl. Kunstkammer in Berlin befanden und jetzt im Kunst- 
gewerbemuseum zu Berlin bewahrt werden. Letztere beiden Platten haben 



*) In den Beiträgen zur Geschichte der Töpferkunst, Jahrbuch XÜI, sind anlässlich 
der Königsberger Fayencen schon Zweifel erhoben, ob alle M-Fayencen Mündener 
Fabrikate und nicht etwa Magdeburger seien. Diese damals von gan2 anderen Er- 
wägungen ausgegangenen Zweifel werden durch das oben Mitgetheilte bestätigt. 



Ankäufe und Schenkungen i. J. 189Ö. LXIX 

vor Jahren einmal in der keramischen Litteratur eine Rolle gespielt, weil man 
aus ihren Inschriften, in denen von einer Porzellan-Fabrik die Rede 
ist, irriger Weise folgerte, in Nürnberg sei schon i. J. 1720 Weich- 
Porzellan hergestellt worden. Die einfachste Untersuchung hätte ergeben, 
dass nur Fayence vorliegt, die in so vielen Urkunden jener Zeit als 
„Porzellan" bezeichnet wird und noch manchen anderen Orten zu dem 
unverdienten Ruhm verholten hat, Porzellan, oft sogar schon vor seiner 
Erfindung in Europa, fabricirt zu haben. Die beiden Berhuer Platten, 
abgebildet im dritten Jahrgang des Papst'schen Kunstgewerbeblattes S. 172, 
sind von ovaler Form, 0,56 m hoch und 0,45 m breit und zeigen in Blau- 
malerei die Bildnisse „der Anfänger dieser alliiesigen Nürnbergisclien 
Porcelaine Faberique", des Christoph Marx in seinem 60. Lebensjahr und 
des jungen Jobann Conrad Romedi, der durch seine Vormünder in der 
Societät vertreten, jedoch, als ihn Georg Michael Tauber i. J. 1720 auf 
jene Platte malte, kurz vorher iu seinem 17. Lebensjahr gestorben war. 
Die dritte, jetzt dem hamburgischen Museum gehörige Platte ist ein voll- 
kommenes Seitenstück zu den beiden in Berlin bewahrten Platten. Sie 
zeigt einen Mann von mittleren Jahren in Allonge-Perrücke von vorn 
gesehen; wen er vorstellt, sagt die Inschrift auf der Rückseite: 

3c»l)ann Sacob ?[)Jai)cr: 
©rfaiiffcr ^c6 SHomcbifdjcii l)al6eii 3liUl)ci(ö 
an dieser Porcelaine Faberique Ano 1720. 
Aetatis suae 30. 
Georg Michael Tauber 
Pinxit. 
Ano 1720 
? d. 22. November. 
Johann Jacob Ma'yer hatte, wie das aus anderen Quellen schon 
bekannt ist, den Antheil des jungen Romedi noch im Todesjahr des- 
selben erworben. Damit beantwortet sich die von Pabst 1. c. S. 174 
aufgeworfene Frage, wie die Namen Christoph Marx und Johann Jacob 
Mayer auf der v. J. 1724 datirten Fayenceglocke im Museum zu Sevres 
zu erklären seien. 

Das auf allen drei Platten verzeichnete Datum des 22. November 1720 
kann nicht wie Carl Friedrich in seineu i. J. 1887 erschienenen Beiträgen 
zur Geschichte der Nürnberger Fabrik annimmt, der Todestag Romedi's 
sein. Es bezeichnet wohl nur den Tag, an dem der Maler Tauber die 
Inscliriften auf die Platten setzte. 

Eine Speciahtät der Nürnberger Fayence-Fabrik waren die Krüge 
und Schüsseln mit dem Heirathswappen Nürnbergischer Patrizier 
in Blaumalerei. Durch solche Stücke sind schon seit längerer Zeit die 



LXX Museum für Kunst und Gewerbe. 

alten Geschlechter der Pömer und Oelhafen (an einem von Marx gemalten 
Kruge), der Imhof von Gundelfingen und der Tucher (an einem Kruge 
von derselben Hand), der Behaim von Schwarzbach und der älteren Linie 
der Fürer von Haimendorff (auf einer Schüssel) in der Sammlung vertreten. 
Hinzugekommen ist im Jahre 1896 ein Teller, auf dem zwei fliegende 
Engel die Wappen eines Behaim von Schwarzbach und einer Haller von 
Hallerstein an einem Bande schwebend tragen. Auf die eheliche Ver- 
bindung weist auch das „Dissolvi nequeuut" (Unlösbar verbunden) auf dem 
über den Schilden flatternden Spruchband. Auch dieses Stück trägt das 
aus einem M und F zusammengesetzte Monogramm des Malers und Mit- 
eigenthümers der Fabrik Johann Andreas Marx. 

Unter den schleswig-holsteinischen Fayencen, die unserer 
schon so reichen Sammlung solcher hinzugefügt wurden, ist Dank den Mitteln 
aus dem Hcmstedt' sehen Legat ein Hauptstück hervorzuheben, das für die 
Geschichte der Kieler Manufactur von besonderer Bedeutung ist. Li allen 
keramischen Handbüchern, auch denen des Auslandes, wird dieses Stück 
seit Jahrzehnten aufgeführt; ihm ist das Ansehen zu verdanken, dessen 
sich gerade Kiel in der keramischen Literatur zu erfreuen gehabt hat. 
Schon im Jahre 1870 finden wir es als dem Mr. C. \V. Reynolds gehüi'ig 
erwähnt in „Marks and monograms ou pottery aiul porcelain" von 
C. W. Chaffers, und 1872 abgebildet im Vol II, plate 85 der Keramic 
Gallery von William Chafi^ers. Jacquemart beschreibt es im Jahre 1871 
in seinen „Merveilles de la ceramique" als „une grande jatte couverte 
en forme de mitre, avec le globe crucigere pour bouton, l'un des plus 
curieux specimens de la coUection Eeynolds. Sur l'une des faces, dans 
im encadrement de chicorees jaunes relevees de bruu, on voit un combat 
de cavalerie execute avec un rare talent de dessin et d'harmonie; de 
l'autre, des personnages ä table puisent dans une mitre semblable la 
liqueur aimee des gens du nord; des raisins et un citron coupe peints 
sur le couvercle disent assez quelle est cette hqueur. Et pour que rien 
ne manque k l'interet de cette oeuvre, on lit en dessous: Kiel. Buchwald, 
directeur, — Abr. Leihamer fecit." Von Jacquemart hat dann Jaennicke 
die Beschreibung in seinen „Grundriss der Keramik" übernommen und aus 
dem „encadrement de chicorees" — was einfach Einfassung von ßococo- 
sclmörkeln bedeutete — „eine von gelben mit braun schattii'ten Cichorien- 
blüthen gebildete Guii'lande" gemacht, was hier nur deswegen bemerkt wird, 
weil ohne dies Zweifel bestehen könnten, ob unser Stück wirklich das 
vielgenannte der Sammlung Reynolds ist. 

Die auffällige Form der Bischofsmütze erklärt sich durch die Bestimmung 
des Gefässes zur Bereitung jenes „Bischof" genannten, in der zweiten Hälfte 
des vorigen Jahrhunderts in Norddeutschland sehr beliebten und ja auch 
heute nicht vergessenen Würzweines. Auf einem der hohen Zipfel der 



Ankäufe und Schenkangen i. J. 1896. 



LXXI 



Mitra sehen wir eine fröhliche Gesellschaft um eine Bowle gleicher Gestalt 
vereinigt. Bowlen dieser Art sind aus mehreren schleswig-holsteinischen 
Fayence -Manufactureu und aus der Kopenhagener überliefert. Die 
hamburgische Sammlung besitzt sogar eine Kellinghusener Fayence in 
Gestalt eines thronenden Bischofs, der auf den Knien ein Buch liält, 




Bischofsbowle von Fayence mit vielfarbiger Muffelfarben-Malerei. Kiel, ca. 1769. i/,i nat. Gr. 

mit der den Zweck des Gefässes verkündenden Inschrift: „Die ganze 
Clerisey mag unserthalben leben, wenn sie uns nur recht oft einen neuen 
Bischof geben". In der Literatur jener Zeit hat der Bischofstrank nicht 
mindere Zeugnisse seiner Beliebtheit hinterlassen. So ist in dem von 



l.XXII Miismim für Kunst und Gowcilie. 

J. H. Voss i. J. 1797 in Hiimburg liei'ausgegebeiien Musenalmanach unter 
der Ueberschrift „Der ächte Bischof" ein hinger von J. A. P. Schulz in 
Älusik gesetzter Riuulgesang abgedruckt, den ein harmloser Leser, dem 
der Doiipelsinn des Wortes Bischof unbekannt wäre, gar nicht seiner 
wahren Bedeutung nach verstehen könnte. Da singt z. B., nachdem der 
Chor die Worte „Nein! sonder alle Kehgion Steht keine Constitution" 
wiederholt hat, der Vorsänger: 

„Doch unsere, Brüder, wird bestehn! 

AVir fanden hier den ächten! 

"Wir lassen ohne Eeue gehn 
Die schlechten. 

In Deinem Bisthum, Bischof! hier, 

Was Frankreich sucht, das fanden wii\" 
und der Chor flillt ein: 

,,Ja, Bischof! in dem Bisthum hier, 

W'as Frankreich sucht, das fanden wir." 
Der dänische Dichter Baggesen hatte dieses Bischofshed i. J. 170:2 
für eine freundschaftliche Gesellschaft in Kopenhagen dänisch gedichtet 
und die deutsche Ueberti'agung seiuen hamburgischen Freunden als ein 
Gastgeschenk hinterlassen. Das Bisthum in der Bischofsbowle wird danach 
auch unter den Musenjüngern unserer Stadt seine Gemeüide gehabt haben, 
wie sie, nach den zahlreichen Mitra-Bowlen der Fayence-Fabriken zu 
scbliessen, vieler Orten nördlich der Elbe bestanden. 

Den bisher nur durch Speisegeschirre verti-etenen Erzeugnissen der 
Strassburger Fayence-Manufactur aus der Zeit Joseph Haunong's 
kamen zwei Potpoiu-ri-Vasen von zierlich gewundener Form mit bunten 
Blumenmalereien liinzu. Sie befanden sich früher in der Sammlung Vincent 
zu Konstanz und tragen die Modellnummer 770, deren Höhe den ausser- 
ordentlichen Umfang der Hannoug'schen Fabrikation bezeugt. 

Der Abtheilmig der D elfter Fayencen wurden einige werthvoUe 
Stücke hinzugefügt. Als Geschenk der Frau Julms See Wwe. eine pracht- 
volle, GO cm hohe Stangenvase, auf deren geriefelten Flächen die höchste 
Bracht jenes als „decoi*-cachemii"e" bezeichneten, aber nicht mit indischen, 
sondern mit chinesischen Laudschafts- und Blumenmotiven compouirten 
Decors entfiütet ist, der auf dem Dreiklang von blau, ohvgrün und ziegel- 
roth in Scharffeuerfarben beruht. Ferner zwei Teller mit von Wanderern 
in niederländischer Tracht belebten Landschaften in Blaumalerei, einem 
Wai>pen mit der von Josua imd Kaleb getragenen Eiesenti-aube luui den 
Buchstaben S B, die hier auf den Besteller, nicht den Verfertiger zu 
deuten sind. 

Endlich ist eine Suppenterrine mit Blaumalerei zu erwähnen, die als 
Erzeugniss der in der keriimischeu Literatur noch nicht erwähnten Favence- 



Ankaufe und Sclicnkun'ren i, J. 189(). LXXIII 

Manufactui- zu Herrebo in Norwegen angesprochen werden darf, auch 
wenn sie keine Marke trägt. Durch die Leihausstelhing, mit der vor 
einigen Jahren das Kopenhagener Kundindustrie-Museum eröffnet wurde, 
ist die Aufmerksamkeit der Sammler auf jene einzige Fabrik Norwegens 
gelenkt worden. Im Dansk Folkemuseum hat dann Bernhard Olsen eine 
Anzahl Hei-reboer Fayencen nachweisen können und deren mehrere sind 
aufgetaucht, nachdem einmal ihre Eigenart erkannt war. Mannigfache 
plastische Durchbildung der Gefässe und eine sehr flotte, in breiten Pinsel- 
zügen mit hellerem und abgesetztem dunklerem Blau liingestrichene ßemalung 
mit Kococo-Ornamenten, Blumenmotiven und selbst Figuren kennzeichen 
ihre Weise. Unsere mit nackten Kindern bemalte Terrine wurde inSchwabstedt 
im Schleswigschen erworben. 

Europäische Porzellane des 18. Jahrhunderts. 
Europäische rorzellane wurden im Jahre 1896 aus Mitteln des Budgets 
nicht angeschafft. Den reichen Zuwachs an solchen verdanken wir aus- 
schhesslich privaten Beiträgen, vorwiegend dem Vermächtniss des Herrn 
H. D. Hmistedt, aus dem wir schon im Vorjalu-e die sechs von Isabey 
bemalten Sevres-Teller zu verzeichnen gehabt haben. Nicht weniger als 
acht deutsche Porzellan-Manufacturen des 18. Jahrhunderts sind auf diesem 
Wege zu besserer Vertretung gelangt. Meissen durch sieben Stücke, 
Höchst durch drei, Frankenthal durch vier, Fürstenberg durch drei, 
Berlin durch fünf, Ludwigsburg, Fulda, Kelsterbach durch je ein Stück. 
Ausser den Porzellanen der Meissener-Manuf actur ist auch ein 
Messer- und Gabel-Paar mit Griffen aus polirtem rothem Steinzeug aus 
der ersten Zeit Böttger's hinzugekommen, in dessen Waarenverzeichniss 
V. J. 1711 bereits dergleichen Griffe erwähnt werden. 

Neben den beiden, schon im Führer beschriebenen kleinen 
Porzellan-Monumenten für C. F. Geliert, steht nunmehr ein drittes. 
Auf einem Säulenstumpfsehen wir eine Urne, auf deren Deckel zwei trauernde 
Kinder lagern, während ein drittes Kind das au der Säule hangende 
Bildniss des Dichters mit goldenem Lorbeerkranz behängt. Auf der anderen 
Seite steht auf ovaler Tafel die Widmung: „Memoriae C. F. Geliert 
Sacrum." Dass die Meissener Manuf actur dem Dichter nicht weniger als 
drei verscliiedene kleine Denkmäler widmen konnte, zeugt von dem hohen, 
weitverbreiteten Ansehen, in dem der Gefeierte noch eine gute Weile 
nach seinem Ableben stand. Keinem anderen deutschen Dichter ist je 
solche Ehrung von der Porzellankunst erwiesen. 

Die Porzellane aus der kurmainzischen Porzellan -Manufactur zu 
Höchst sind um ein prächtiges Mittelstück bereichert worden, in dem wir 
eine jener kostbaren Potpourri -Vasen finden, die im Preisverzeichniss 
von 1770 mit 55 Gulden, dem höchsten Ansatz für ein einzelnes Gefäss, 



LXXIV Museum für Kunst und Gewerbe. 

bewerthet sind. Um den mit rotli und golden staffirten Rococo-Ornamenten 
besetzten Bauch hängen Zweige mit grossen, vielfarbigen, von Schmetter- 
lingen belebten Blüthen in vollrunder Arbeit. Auf den Griffen des 
Gefässes sitzende nackte Kinder halten diese Gewinde, und ein drittes 
Kind auf dem Deckel zwischen Baumzweigen ein Gehänge kleiner Blüthen. 
Hals und Deckel sind durchbrochen, um den Duft der in solclier Vase 
bewahrten Blumen- und Würzmischung ausströmen zu lassen. Auf den 
Flächen des Bauches zwischen den Schnörkeln sind vielfarbige Sträusse 
fein gemalt. Auch eine Höchster Gruppe ist hervorzuheben, die zwei 
chinesische Kinder darstellt und in den für die beste Zeit der Manufactnr 
bezeichnenden zarten Farben bemalt ist. 

Unter den Erzeugnissen der kurpfälzischen Porzellan-Manufactur zu 
Frankenthal sind hervorzuheben die seltenen kleinen Büsten des 
Kurfürsten Carl Theodor von der Pfalz, der in antikem Panzerhemd und 
hermelinbesetztem Mantel, jedoch in der Puderfrisur seiner Zeit dargestellt 
ist, und seiner Gemahhn Elisabeth Auguste, die in ebensolchem Mantel 
über mit Spitzen eingefasstem tunikaartigem Hemde und mit Blumen in 
dem hinten lockig herabfliessenden Haar erscheint. 

Auch unter den Erzeugnissen der fürstlich braunschweigischen Porzellan- 
fabrik zu Fürstenberg befindet sich eine Figur, die zu den werthvollsten 
daselbst von Hendler und Schubert ausgeführten gehört: die Reiter- 
statuette Friedi'ichs des Grossen. Dieser Statuette liegt vermuthlich ein Modell 
des französischen Bildhauers E. Bardou zu Grunde, der im letzten Viertel 
des vorigen Jahrhunderts in Berlin, u. A. auch für die kgl. Poi'zellan- 
Manufactur arbeitete. Die Figur besteht aus Biscuit, das zu Fürstenberg 
besonders gepflegt wurde; der mit Attributen des Krieges und der Künste 
und dem F. R. des grossen Königs unter der Krone gezierte Sockel ist 
in glasirtem Porzellan ausgeführt. Der Preis - Courant der Fabrik vom 
Jahre 1785 verzeichnet diese Statuette zum Preise von 45 Reichsthalern, 
dem höchsten der für dergleichen plastische Arbeiten angesetzten, und 
als Seitenstück dazu die Reiterstatuette Josephs II. als römischen Kaisers. 

Von den Porzellanen der Berliner Manufactnr sind mehrere Stücke 
eines mit naturfarbenen Blumen schön bemalten Thee-Services hervorzu- 
heben, welche die Leistungsfähigkeit der Manufactur aus ihrer Wegeli- 
Periode besser bezeugen, als unser bisheriger Besitz an Porzellanen aus 
der Zeit, bevor die Manufactur zur königlichen wurde. Als ein für die 
Geschichte der Manufactur wichtiges Stück ist auch zu erwähnen das von 
C. F. Riese modeUirte Biscuit-Medaillon von „J. G. Grieninger, Koen. 
Preus. Geh. Commiss. Rath und Porcel. Manuf. Direct. 1716 — 91." 

Die kleine und nur kurze Zeit, von 1758 — 1772, in Betrieb gewesene 
Porzellan-Manufactur zu Kelsterbach am Main im Gebiet des Land- 
grafen von Hessen-Darmstadt war bisher in unserer Sammlung nicht ver- 



Ankäufe und Schenkuiioen i. J. 189(i. 



LXXV 



treten. Dem Haustedt'schen Legat verdanken wir die unbemalte Figur 
eines Harlekins; auf einem Baumstumpf sitzend, hat er sich vergeblich 
bemüht, in seinem vorgehaltenen Hut einen Ball zu fangen, der ihm schon 
in den Schooss geflogen ist. Bezeichnet ist diese Figur mit dem ver- 
bundenen H. D. (Hessen-Darmstadt) unter einer Krone in Blau. 

Endlich verdanken wir dem Haustedt'schen Legat eine Blumenvase, 
die für die Blüthezeit der Kopen ha gener Manufactur typisch ist, eben so 
sehr durch ihre Fächerform mit der durchlöcherten Deckplatte und den 
seitlich vorragenden -weiblichen Figürchen, wie durch die Bemalung mit 
feinen Landschaftsbildern; auf der einen Breitseite, vom Lande gesehen, 
Helsingör und Kronenborg, auf dessen Terrasse der Danebrog weht; auf 
der andern die Einfahrt in den Hafen von Helsingör mit dem alten Schloss 
im Hintergrunde. 








L 



Terrine aus Porzellan von Kloster Veilsilorf. ','3 Nat. Gr. 

Einige ausgezeichnete Porzellane verdanken wir einer Stiftung des 
Herrn Hermann Emden anlässlich der Feier seiner silbernen Hochzeit 
am 24. October 1896. Unter ihnen befindet sich die hier abgebildete 
Suppenterrine, jetzt das Hauptstück unserer Gruppe von Porzellanen aus 
der i. J. 1762 zu Kloster Veilsdorf im Herzogthum Hildburghausen 
begründeten Manufactur, der bedeutendsten der vielen kleinen thüringischen 
Porzellanfabriken. Die grossen zerflatternden Blüthen an den fadendünnen 
Stilen sind bezeichnend für die Eigenart ihrer Malereien. Neben dem 
bläulichen Roth der Rosen, das an das Meissener Rosen-Lila der Rococo- 



JjXXVI Museum für Kunst und Gewerbe 

Zeit erinnert, fällt ein lebhaftes Eisenroth auf, das bald allein, bald auf 
citrongelber Untermalung geschickt verwendet ist. Die als Deckelknauf 
angebrachte Tulpe ist grün und blauroth staffirt. Ferner zwei Bechertassen 
aus der Nymphen burger Manufactur mit fein gemalten Bildnissen, auf 
der einen des ersten Königs von Bayern, Maximilian Joseph's I., auf der 
anderen seiner Gemahlin Caroline Friederike Wilhelmine. Auf beiden Unter- 
schalen hat sich der Maler genannt, auf derjenigen mit dem verschlungenen 
CF der Königin steht „Auer pin. 1808". Anton Auer war seit 1794 
von seinem 17. Jahre an Maler der Nymi^henburger Manufactur. Nachdem 
er i. J. 1800 in der Kunstakademie zu Wien ausgebildet worden, wurde er 
Obermaler der Manufactur. Auf seine grosse Geschicklichkeit bezog sich 
i. J. 1810 der Auftrag des damaligen Kronprinzen, späteren Königs 
Ludwig I., die berühmtesten Gemälde der Münchener Pinakothek an ehiem 
Porzellanservice zu verewigen, ein Auftrag, der durch den Tod Auer's 
i. J. 1814 von diesem nicht mehr zu Ende geführt werden konnte, aber 
bestimmend geworden ist für die fortan von der Manufactur vorzugsweise 
gepflegte Eichtung, die noch heute in einigen aus ihr hervorgegangenen 
Porzellanmaler-Ateliers Münchens fortwirkt. 

Gefässe aus Bergkristall und Glas. 
In diesem Jahr zuerst erscheint unter den Ankäufen ein Gefäss aus 
geschnittenem Bergkristall, der hier abgebildete Becher, eine bezeichnete 
Arbeit des berühmten Nürnberger Kristall- und Glasschneiders Georg 
Schwanhard, von dem wir früher schon das ebenso mit G. S. bezeichnete 
und gleichfalls v. J. 1660 datirte römerförmige Glas erworben haben, das 
E. V. Czihak in seiner Studie über Schlesische Gläser und die Gläser- 
Sammlung des Museums zu Breslau auf Tafel V abgebildet hat. Wie 
dieser Glas-Römer zeigt auch der Kristallbecher die geschnittene, mit 
Hülfe des Rades hergestellte Arbeit in Verbindung mit der gerissenen, 
für die der Meister sich der Diamantspitze bediente. Dargestellt ist in 
bergiger, baumbewachsener Landschaft die Nymphe Echo, die hinter einem 
Felsen vortretend den geliebten Narkissos ruft, der sich in einem Quell- 
becken bespiegelt. Der Tiefschnitt ist durchweg matt belassen, nur- die 
nackte Gestalt der Echo in den Tiefen pohrt. Aus dem Munde der 
Nymphe geht ein fein punktirter Hauch hervor, in dem kaum sichtbar ihr 
Name erscheint. Die Bezeichnung G. S. 1660 ist am Brunnenbecken sehr 
zart eingerissen. Die Fassung aus vergoldetem Silber, welche den Deckel- 
und Fussrand schützt und die beiden Kristallstücke, aus denen das Gefäss 
zusammengesetzt ist, am Knaufe verbindet, gleicht derjenigen unseres 
Römers. Li beiden Gefässen liegen Arbeiten des älteren und berühmteren 
Georg Schwanhard vor, des 1601 zu Nürnberg geborenen und daselbst 
1067 gestorbenen Meisters dieses Namens, der ein Schüler Kaspar Lehmann's, 



Ankäufe nml So1ienkuno;en i. J. 1896. 



LXXVII 



des Prager 
Kristallschneiders 
Kaiser Rudolfs II. 
war und sich 
i. J. 1653 auf 
Wunsch Kaiser 

Ferdinands III. 

nach Eegensburg 

begab, um den 

Kaiser im 

Diamantreissen 
zu unterrichten. 
Dieses Auftrages 
entledigte er sich 
zum besonderen 
Wohlgefallen des 
Kaisers, der ilm 
zu seinem „Kunst- 
factor" ernannte. 

Das mühsame 
Reissendes Glases 
mit dem Diaman- 
ten blieb fortan 
eine von Dilettan- 
ten gern gepflegte 
Kunst. Zu den 
Arbeiten dieser 
Art gehören in un- 
serer Sammlung 
einige schon im 
Führer beschrie- 
bene Stücke, u. a. 
eine von dem 
Kanonikus Busch 






Becher aus BergUriatall in vergoldeter Silberfassung. Arbeit 
des Georg Scliwauhard v. J. iMv. "U nat. Gr. 



in Hildesheim mit 
Viehstücken ver- 
zierte Porzellankanne v. J. 1752 und ein Kelchglas des Dordrechters 
Franz Greenwood v. J. 1746. 

Vier i. J. 1896 erwoi'bene Gläser mit gerissener Arbeit weisen gleich- 
falls auf Holland, wo im 18. Jahrhundert diese Technik sich weit ver- 
breiteter Pflege nnd Anerkennung erfreute. Von ein und derselben Hand 
verziert erscheinen drei dieser liochfüssigen Trinkgläser aus sehr klarem, 



LXXVin Museum für Kunst und Gewerbe. 

liell klingendem Glase. Wie ein Nebelhauch liegt auf ihnen die äusserst 
zart i^unktirte Zeichnung, die aber silberweiss zu Tage tritt, sobald man 
einen dunklen Wein in das Glas füllt. Auf dem Kelch des einen erblicken 
wir zwei rauchende und zechende Bauern an einer ihnen als Tisch dienenden 
Tonne; darüber in fliegendem Band „Vriendschap", d. h. Freundschaft. 
Auf dem Kelche des zweiten sehen wir eine junge Dame und einen Kavalier 
in der Zeittracht mit zierlich an den Fussrändern gehaltenen Kelchgläsern 
mit einander anstossen, worauf, sagt die Beischrift: „Het goedt sucses 
van het aanstaande huwelyk", d. h. „Auf den guten Erfolg der bevor- 
stehenden Heirath". Auf dem dritten ist das Wappen der Stadt Haag, 
der Storch mit der Schlange im Schnabel, in einer ßococo-Kartusche 
zwischen zwei Löwen dargestellt. Die meisterliche und geschmackvolle Reiss- 
arbeit an diesen Gläsern erinnnert an die Arbeiten Wol ff 's, des berühmtesten 
der holländischen Diamantzeichner der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. 
Von anderer Hand gerissen ist das vierte, grössere Kelchglas. Dargestellt 
sind in gestrichelter, nicht punktürter Zeichnung zwei Gestalten in antiker 
Gewandung, die vor einem landschaftlichen Hintergrund flammende Herzen 
austauschen. 

Von Gläsern sind sonst noch erwähnenswerth ein kleiner deutscher 
Becher aus blassblaugrünem Glase, der mit gi-ossen kuchenförmigen Warzen 
besetzt ist und wie der noch vorhandene Wachsdeckel zeigt, einst in einer 
Kirche der Trientiner Diöcese zur Bewahrung einer Reliquie gedient hat. 
Die Mehrzahl der uns überlieferten deutschen Glasgefässe des Mittelalters 
verdanken ihre Erhaltung einer derartigen Weihung. Ferner ein Flügel- 
glas deutscher Arbeit von der Art jener zu Cöln, Cassel und an anderen 
Orten im 17. Jalu'hundert nach venetianischen Vorbildern angefertigten. 
Endlich ein Teller, der zu jener Art dunkelblauer, mit Schmelzfarben 
bemalten Gläser gehört, von denen wir einen auf dem Rande mit rothen 
Krebsen und weissen, an unreife Maiskolben erinnernden Motiven bemalten 
Teller schon länger besitzen. Eine gewisse Verwandtschaft mit den 
emaillirten Gläsern der Venetianer hat dazu geführt, den Gläsern dieser 
Art ihren deutschen Ursprung bisweilen zu bestreiten. In dem prachtvoll 
ausgestatteten Katalog der im British Museum bewahrten „Slade CoUection", 
einem Geschenk des Mr. Aug. W. Franks an das Hamburgische Museum, 
ist ein blauer, weiss emaillirter Teller dieser Art noch den venetianischen 
Gläsern eingereiht, obwohl der österreicliische Doppeladler auf deutschen 
Ursprung hinweist. In anderen Katalogen sind derartige Stücke schon 
richtig als deutsche Arbeiten vom Ende des 16. Jahrhunderts anerkannt. 
Könnten noch Zweifel bestehen, so würden sie entschieden durch einen 
Teller, den im vorigen Jahre Graf Hans Wilczek dem Museum liebens- 
würdig überwiesen hat, als eine Erinnerung an einen Besuch des Direktors 
in dem von dem Grafen als mittelalterliche Burg wieder aufgebauten und 



Ankäufe und Schenkungen i. J. 1896. 



LXXIX 



mit Kunstwerken, Möbeln, Geräthen und Waffen des Mittelalters aus- 
gestatteten herrlichen Schlosse Kreuzenstein an der Donau gegenüber 
Klosterneuburg. Dieser Teller, der nach den Einzelheiten seiner weissen 
Schmelzbemalung derselben Werkstatt entstammt, wie der Teller mit den 
Krebsen, zeigt in der vertieften Mitte das Monogramm Christi zwischen 
dem Kreuz und den drei Kreuzesnägeln und auf dem breiten Rande in 
grossen Buchstaben die Worte „Christi Blvdt mein Erbgvt". — 
Die Eigenart dieser Teller und der ihnen verwandten kleinen blauen, bunt 
emaillirten Krüge scheint auf eine einzige und zwar süddeutsche Werkstatt 
hinzuweisen, während die Kurfürstenhumpen, die Hofkellereigläser und 
die zahlreichen anderen weissen und grünhclien Gläser mit Emailschmuck 
in verschiedenen Gegenden angefertigt sind. 



Griechische Alterthümer. 

Unsere Sammlung altgriechischer Kunstgegenständc steht zwar 
noch in den Anfangsstadien, schreitet aber doch langsam von Jahr zu Jahr 
fort. Wir können auch diesmal einige bemerkens- 
werthe Ankäufe verzeichnen, die der keramischen 
Abtheilung und der Schmucksammlung zu gute 
gekommen sind. Zu den vorhandenen rothfigurigen 
Vasen ist ein grosser „Stamnos" hinzugekommen, 
ein urnenartiges VoiTathsgefäss mit weiter Mündung 
und zwei Horizontalhenkeln. Die Malerei zeigt 
figürliche Scenen und Palmettenranken, die sich 
über und unter den Henkeln ausbreiten. In der 
Hauptscene kommen zwei Musikantinnen geschritten, 
die von zwei anderen Frauen empfangen und mit 
Wein bewirthet werden. Es sind edel gebildete 
Gestalten, die mit vornehmer Ruhe auftreten; sie 
bekunden die Weise der attischen Vasenmalerei, 
die für die Mitte des 5. Jahrhunderts bezeichnend 
ist. Beispiele der polychromen Malerei auf weissem 
Grunde bieten zwei Lekythen, hohe flaschen- 
ähnliche, einhenkelige Vasen jener Art, die mit 
Salben gefüllt, den Todten mit in's Grab oder als 
Gaben der Liebe auf ihre Grabstätte gesetzt wurden. 
Die auf diesen Vasen dargestellten Motive sind 
denn auch meist mit sinnvollem Bezug auf Tod, 
Bestattung und Totenopfer gewählt. Auch auf der 
hier abgebildeten Lekythos findet man eine Friedhofs- 

S,. k c iii2 T>' ^ \ t. • \ Griechisclie Lekythos mit 

cene gemalt. Aui mehrstufiger Basis erhebt sich njehrtarbiger Maierei auf 

die Grabstele ; rechts und links stehen im Gespräch ^^''vs^n'at. Gr." 




LXXX Musoum für Kunst und Gewerbe. 

die Angehörigen des im Grabe Ruhenden, die gekommen sind, seinen Denk- 
stein mit Binden und Kränzen zu schmücken. — Ein reizendes Werk der 
plastischen Keramik haben wir in einer tanagräischen Terracottatigur gewonnen, 
die eine stehende matronale Frau darstellt; sie zieht den um den Kopf 
gelegten Mantel mit der Rechten vom Gesicht hinweg und hält auf der 
linken Hand eine Taube, — man schwankt, ob der Künstler eine schöne 
Frau oder die Göttin der Schönheit hat darstellen wollen. In ihrem 
ursprünglichen Zustande war die Figur bemalt ; die Farben waren auf einen 
weissen Kreidegrund aufgetragen ; es ist noch zu erkennen, dass die nackten 
Teile fleischfarben, die Augen blau, das üntergewand blau und der Mantel 
hellroth waren. 

Von den Stücken der bisher vorhandenen Sammlung griechischen 
Goldschmucks sind die meisten augenscheinlich als Totenschmuck gearbeitet. 
Ein im Leben getragenes kostbares Geschmeide besitzen wir aber nunmehr 
in einer goldenen Halskette. Sie besteht aus neunzehn Hängegliedern in 
Form von halbkugeligen, mit Goldkörnern besetzten Perlen, an denen 
schlanke, ebenso verzierte Bommeln hängen, eine überaus sorgfältige und 
geschmackvolle Arbeit eines griechischen Goldschmieds des 4. oder 3. Jahr- 
hunderts V. Chr. 

Vorgeschichtliche Alterthünier. 
Die Entwickeluug der Kunstgewerbe-Museen als eines der jüngsten, 
nur von den noch jüngeren Volkstrachten-Museen überholten Glieder in 
der Reihe der öffentlichen Sammlungen hat dahin geführt, dass im Allge- 
meinen ebenso wie die Denkmäler des klassischen Alterthums auch die 
Denkmäler der vorgeschichtlichen Zeit von ihnen ausgeschlossen blieben, 
weil schon ältere, diesen Altsachen gewidmete Sammlungen bestanden. 
Ein innerer Grund für diese Sonderung lässt sich nicht festhalten, daher 
hat das Hamburgische Museum von Anbeginn an gelegentlich auch vor- 
geschichtliche Alterthünier erworben, wenn sie durch ihre Technik oder 
ihren Stil den Aufgaben der Anstalt, wie solche in dem bei ihrer 
Begründung aufgestellten Programm dargelegt waren, entsprachen. In 
diesem Sinne ist schon vor Jahren der Hohenwestedter Depotfund mit den 
drei bronzenen Hängegefässen, die noch die schwarzen Kittausfüllungen 
der vertieften Verzierungen bewahrt haben, so sind früher schon zwei in 
Mecklenburg gefundene bronzene Armspangen mit mächtigen Spiralen 
zu Schmuck und Schutz, so ist im Laufe der Zeit eine Anzahl Gewand- 
nadeln, welche die Typen dieses wichtigsten Schmuckstückes bei ver- 
schiedenen Völkern von der vorgeschichtlichen bis zur römischen Zeit 
veranschaulichen, so sind endlich die goldenen Armringe des Erpeler 
Depot-Fundes eingereiht worden, über den wir im vorigen Jahr zu 
berichten hatten. 



Ankäufe und Schenkunpfeu i. J. 1896. 



LXXXi 



Im verflossenen Jahr sind einige wichtige 
Stücke hinzugekommen, die wie die vor- 
erwähnten in Iiohem Grade geeignet sind, 
von dem Geschmack jener Völkerschaften 
eine Vorstellung zu vermitteln, denen wir 
die Kultur der Bronze-Zeit im nördlichen 
Europa verdanken. Die Bedeutimg von der- 
gleichen Altsachen für die Entwickelungs- 
geschichte unseres Volkes wird mehr und 
mehr hervortreten, je sicherer durch weitere 
Forschungen die Kluft ausgefüllt wii'd, die 
sie noch von der Kultur des historischen 
Mittelalters trennt. 

Unter den neuen Erwerhungen her- 
vorzuheben ist das liier abgebildete 
Bronzemesser, das gleich ausgezeichnet 
ist durch seine ungewöhnliche Grösse, den 
gefälligen Schwung der Klinge, die feinen 
Gravirungen des Rückens und die noch 
erhaltenen Reste der mit Bronzenieten auf 
dem durchbrochenen Griff befestigten 
Schalen aus Hirschhorn. Gefunden ist es 
bei Balkow im Rgbz. Frankfurt a. d. Oder 
in einer Begräbnissstätte, die mit Steinen 
umsetzte Aschenurnen enthielt. Die Urne, 
unter der das Messer lag, ist beim Auf- 
finden zertrümmert worden ; einige thönerne 
Beigefässe von guten Formen haben sich 
erhalten und sind als typische Stücke 
unserer keramischen Sammlung einverleibt 
worden. 

Nicht minder wichtig ist ein 161 Gramm 
schwerer goldener Armring, der beim 
Pflügen unweit des Dorfes Klein-Bunstorf 
bei Bewensen in Hannover zu Tage ge- 
fördert ist. Er hat die öfter vorkommende 
Gestalt von uierenförmigem Contour mit 
hohlen, sich mit der Hohlfläche fast be- 
rührenden Halbkugeln an den Enden. Die 
Kanten des Ringes sind verziert durch 
Einschlagen kleiner Dreieckspunzen in zwei 
Reihen zwischen gravu-ten Rillen; vor den 



LXXXlI Miisotim für Ivunst und Gewerbe. 

Halbkugeln ahmen Ringverzierungen eine Drahtumwickeluug nach ; Schlangen- 
linien zieren die Halbkugeln. Alle diese Ornamente erscheinen an der 
inneren wie der äusseren Fläche durch Tragen des Arnibaiidos abgenutzt, 
während sie an den Seitenflächen scharf erhalten sind. 

Einer jüngeren, schon nahezu geschichtlichen Zeit entstammen zwei, 
aus der aus 'm Weerth'schen Sammlung in Kessenich bei Bonn erstandene, 
in fränkischen Gräbern jener Gegend gefundene Schmuckstücke: eine 
Fibula aus Bronze in Gestalt eines liegenden S, dessen Enden in Vogel- 
köi)fe mit Almadin-Axigen auslaufen und dessen Fläche geometrisches 
Ornament in Dreiecksformen kerbschnittartig eingeschnitten zeigt, und die 
Decki^latte einer bronzenen Fibula mit eingeschnittenem Kreuz, dessen 
gleichlange Arme fischsclnvanzälinlich verbreitert sind. 

Mittelalterliehe Alterthümer. 

Zur Erwerbung von Arbeiten aus der Zeit des romanischen und des 
gothischen Stiles boten sich im verflossenen Jahr leider nur wenige Gelegen- 
heiten. Angekauft wurde eine mit mehrfarbigem Grubeuschmelz geschmückte, 
vergoldete Kupfei'platte, die einst als Heiligenschein hinter dem Haupte 
einer der Bischofs- oder Märtyrer-Figuren am Reliquienschrein des heiligen 
Anno zu Siegburg angebracht war. Am 29. April 1183 sind die Gebeine des 
Heiligen, Gründers der Abtei Siegburg, in diesem Schrein niedergelegt 
worden, der eines der schönsten Werke rheinischer Goldschmiedekunst des 
romanischen Stiles war, aber nach vielfachen Beraubungen nur als Ruine 
uns überliefert ist. 

Einem ungenannten Freunde des MuseuQis, demselben, der uns die an 
anderer Stelle erwähnten Ohmacht'schen Sculpturen geschenkt hat, ver- 
danken wir ein plastisches Werk vom Ausgange des gothischen Stiles, ein 
Thonrelief, das, wenn auch nicht bezeichnet, so doch wegen seiner augen- 
fälligen Verwandtschaft mit namentlich, bezeichneten Thonreliefs des 
Judocus Vredis als ein Werk dieses in der ersten Hälfte des 
16. Jahrhunderts im Kartäuserkloster zu Wedderen bei Dülmen in 
Westfalen thätigen mönchischen Künstlei's anzusprechen und als solches 
auch von Dr. Albert Wormstall in seinem diesen Künstler und die Kunst- 
thätigkeit im Wedderen Kloster behandelnden Werke (Älünster i. W., Verlag 
von H. Schöningh) beschrieben und abgebildet worden ist. Herr Dr. Wormstall, 
unser Hülfsarbeiter im verflossenen Jahre, erinnert in diesem Buche 
daran, dass die im Jahre 1879 zu Münster in Westfalen veranstaltete 
Ausstellung westfäHscher Alterthümer zwei so gut wie verschollene west- 
fälische Künstler wieder zu Ehren gebracht habe, den Goldschmied 
Antonius Eisenhoit und den Thonbildner Judocus Vredis. Damals waren 
drei Thonreliefs dieses Künstlers ausgestellt; weitere wurden allmählich 
entdeckt, und den Forschunffen Dr. Wormstalls ist die Auffindung etlicher. 



Aiikäule und Sclienkungcii i. J. 1896. LXXXIlI 

bis daliin unbekannter Arbeiten des Judocus und die Bekanntgabe wiclitiger 
urkundHcher Nachweise über sein Leben und Wirken zu danken. Danach 
stammt Judocus Pelsers genannt Judocus Vredis, zu Deutsch Jost van 
Vreden aus der Stadt Vreden im Regierungsbezirk Münster i. W. 
Geboren zwischen 1470 und 1480, legte er um das Jahr 1500 
im Kloster zu Weddereii, dem einzigen Kloster der Kartäuser-Regel in 
Westfalen, die Ordensgelübde ab, wurde Prokurator, V^ikarius, schliessHch 
im Jahi'e 1531 Prior, welches Amt er bis zu seinem Tode im Jahre 1540 
versah. Die Hauptthätigkeit der Kartäusermönche ausserhalb der dem 
Gebet und der Ascese gewidmeten Stunden bestand in der Zubereitung 
von Pergament, dem Abschreiben, Illuminiren und Einbinden von Büchern. 
Nicht ausgeschlossen war aber die üebung anderer Künste, die um so 
mehr in den Vordergrund treten mussten, je mehr das Bücherschreiben 
durch die Ausbreitung der Druckerkunst verdrängt wurde. Die Anfertigung 
von Andachtsbüdern aus Thon, Gips oder Wachs wird geradezu als 
Kartäuser Brauch erwähnt. Dass auch in Wedderen solcher Bi'auch 
geübt wurde, ist urkundlich nicht nachgewiesen; die überlieferten Werke 
zeugen aber dafür. Von solchen, mit dem in den noch weichen Thon 
gestempelten Namen des Judocus Vredis versehenen Werken weist Wormstall 
vier Reliefs nach, die Gruppen darstellen: Maria mit dem Jesuskinde, 
Anna selbdritt, die Dreifaltigkeit; weiter sieben Reliefs mit Einzelfiguren, 
sämmtlich weiblichen Heiligen. Von unbezeichneten Werken gleicher Art 
sechs Reliefs, darunter das inzwischen von dem Hamburgischen Museum 
erworbene. Es stellt Maria dar, die unter einem flachen Baldachin auf 
einer Console steht und auf dem rechten Arm das Jesukind trägt, dem 
sie mit der Linken einen Apfel reicht. Die Figur ist in anmuthiger 
Haltung vorzüghch ausgeführt und gleicht im Faltenwurf der Gewänder 
schlagend der hl. Margarethe auf einem der bezeichneten ReUefs. Vor 
nicht langer Zeit befand sich unser Relief noch als Heiligenbild, dick mit 
Theer überstrichen, an einer Barke im adriatischen Meer bei Ancona. 
Wie l)ei den anderen Reliefs des Judocus ist die Hohlform zu dem 
unserigen über einem Thonmodell genommen. Der Thon unterscheidet 
sich durch eine etwas röthliche Fäi-lning von der Masse der anderen 
Reliefs. Spuren der ursprünglichen Bemalung, in der wir uns alle diese 
Rehefs zu denken haben, sind nicht mehr vorhanden. 

Alterthümer des 16. und 17. Jahrhunderts. 
Was unseren Sammlungen im verflossenen Jahr von Erzeugnissen der 
Renaissance des 16. — 17. Jahrhunderts hinzugekommen, gehört haupt- 
sächlich den Abtheilungen der Möbel- und Holzschnitzarbeiten, sowie 
der Glas- und Kristallgefässe an, deren schon in besonderen Abschnitten 
gedacht ist. 

f* 



LXXXIV 



Museum für Kunst und Guwerbe. 



Alterthünier des 18. Jahrhunderts. 
Das 18. Jalirliuudeit ist imter den Erwerbungen des Voijahres, abgesehen 
von den schon an anderer Stelle besprochenen Fayencen und Porzellanen, 
vorwiegend durch Metallarbeiten vertreten. 




■\Vandleuckter aus vergoldeter Brouze. Französisclie Arbeit der ilittc dos 18. Jiihrliundeits. 



Ist der Rococo-Stil seinem eigensten Wesen nach ein aus der plastischen 
Kunst geborener Stil, so sind auch seine reizvollsten Werke auf diesem 
Gebiet zu suchen. Nirgend erscheinen die ihm eigenen Vorzüge lebendiger 



Aiil<;inle iiml Sclieulunigon i. J. 1896. LXXXV 

verwirklicht als in den metallenen Geräthen und Gefässen und in dem 
Metallbeschlag der Möbel. Die schwungvolle Ausgestaltung des Eococo- 
Ornaments vereinigt sich in den Goldbronzen mit einer Vollendung der 
technischen Durchführung, welche die besten, unter den französischen Arbeiten 
zu suchenden Erzeugnisse dieses Stiles zu grossen Kostbai'keiten des 
Antiquitätenhandels erhebt. Diese zu erwerben fällt den Museen um so 
schwerer, als es sich meistens um Gegenstände handelt, die nicht nur für 
den Sammler Werth haben, sondern auch in der Ausstattung eines reichen 
Hauses ihren Platz behaupten. Das Museum hat daher bis jetzt nur wenige 
Bronzen dieser Art erwerben können. 

Um so wichtiger ist die Schenkung eines Paares solcher Wandle ucht er 
durch Herrn Generalconsul Edtiard Behrens. Unverkennbar französische 
Arbeiten der besten Zeit des Stiles Louis XV., sind diese Leuchter, Avie 
die Abbildung zeigt, frei von jenen Wucherungen des Muschelwerkes, die 
das deutsche Rococo so oft ungeniessbar machen und auch dem französischen 
nicht fremd sind. Die Arme sind von vegetabiler Bildung, ohne dass 
Anklänge an bestimmte Pflanzen hervortreten; mit weich geschlängeltem, 
doch elastischem Schwung heben sie die Kelche empor, denen die Dullen 
für die Kerzen entwachsen. Technisch meisterhaft durchgeführt ist der 
Wechsel der polirten Kehlungen mit den durch Punzung und Ciselirung 
mattirten Theilen. Metallische Schärfe im Einzelnen verbindet sich mit 
weicher Formengebung im Ganzen. 

Die Sammlung der wissenschaftlichen Instrumente, deren 
Begründung wir der Frau G. L. Gaifer Wive. verdanken, ist i. J. 189G um 
ein werthvolles Listrument, wieder ein Geschenk dieser Dame, bereichert 
worden. Es ist, wie die eingravirte Inschrift „Solare Horologium aequi- 
noctiale. Ad quamlib. elev. nem poli. Melch. Weltin fecit. Viennae 1744" 
besagt, eine für jede beliebige geographische Breite einstellbai'C äquatoreale 
Sonnenuhr und ein Werk des Wieners Melchior Welt in. Auf profiliertem 
Sockel sind zwei Träger befestigt, an denen in Scharnieren beweglich eine 
quadratische Platte angebracht ist, die das silberne, fein gravirte Ziffer- 
blatt trägt. Dazu gehört ein Diopter -Aufsatz, der zur bequemen Ver- 
packung abnehmbar ist, und eine Bussole in einer Schublade des Sockels. 
Auch das ursprüngliche Ledergehäuse ist erhalten. Wie die meisten wissen- 
schaftlichen Instrumente aus alter Zeit, ist auch dieses durch Gravirungen 
reich verziert. Die Ornamente stehen, obwohl das Rococo deutlich hervor- 
tritt, noch unter dem Eintluss des diesem voraufgehenden Laub- und 
Bandelwerkstiles, dessen symmetrische Bandverschlingungen noch nicht von 
der Unsymmetrie des Muschelwerkes verdrängt sind. 

Die im Jahre 1894 begründete und in unserem Führer S. 200 ff. 
beschriebene Sammlung jüdischer Kultgeräthe ist im Jahre 1896 
durch zwei werthvolle Geschenke vermehrt worden. Herrn Morifz 



LXXXVI 



Museum für Kuust und Gewerbe 



Warburg verdanken wir eine jener zinnerneu Seder- Schüsse In, die an den 
ersten beiden Abenden des Passahfestes zur Aufnahme von Kuchen, 
Kräutei'n u. a. gebraucht werden. Die im Jahre 177G gefertigte Arbeit 
ist, wie die Abbildung zeigt, ausgezeichnet durch reiches fein gravirtes 
Ornament und Borden mit beziehungsvollen hebräischen Inschriften. Von 







Gravirte Zinuscliüssel zum Gebrauch als Sederschüssel beim jüdiscben Passahfeste. 
Deutsche Arbeit v. 1776. Vi nat. Gr. 

den letzteren besagt die in der Mitte der Schüssel angebrachte: „.Je mehr 
einer erzählt von dem Auszuge aus Aegypten, desto lobens- 
werther (ist er)." Die Inschrift am Kande bezieht sich auf die Ceremonien 
am Sederabend; sie lautet: Kadesch (Einschenken des Bechers), Urchaz 
(Händewaschen des Hausherrn), Karpasz (Genuss der Petersilie), Jachaz 



AukiiuIV und Öchuiikmigcu i. J. 1«90. LXXXVU 

(Zertheilen der mittelsten Mazoh, ungesäuerten Brotes), Magicl (Erzählung 
vom Auszuge aus Aegypten), Eochzoli (Händewascheu der Theilnelimer), 
Hallel (Absingen des Lobliedes), Mazi Mazoh (Gebet über den ungesäuerten 
Broten), Morahr (Genuss des Meerrettichs), Kaurech (Zusammenthun von 
Mazoh und Morahr), Schulchan Aurech (Abendbrot), Zofan (Genuss der 
autbewahrten Mazoh), Borech (Gebet nach dem Abendbrot), Nirzoh (Schluss). 

Das zweite Stück, eine Gabe des Herrn Gustav Plaut, ist eine aus 
Silberfiligran gearbeitete Bessomin-Lade, das ist eine Eiechbüchse, die 
beim Segensspruch am Ausgange des Sabbats gebraucht wird. Auf einem 
Fuss erhebt sich ein sechseckiger, dreigeschossiger Turm, der im Innern 
mit kleinen vergoldeten Glocken und oben mit einem Zwiebeldach versehen 
ist. Auf einer Balustrade, die das Untergeschoss umgiebt, stehen kleine 
vergoldete Musikantenfiguren, am zweiten Geschoss sind vergoldete Fähnchen 
angebracht. Die Bekrönung besteht aus einer Filigraukugel, die eine 
vergoldete AVetterfahne in Form eines Hirsches trägt und auf deren 
oberstem Knopf eine kleine wappenhaltende Figur steht. Eine hebräische 
Inschrift auf dem Wappenschild bedeutet: „Und es soll in diesem Hause 
gehört werden die Stimme der Wonne und der Freude". 
An der Wetterfahne bemerkt man das Münzzeichen der Stadt Prag (ein B) 
und daneben den österreichischen Freistempel (Repunze) v. J. 1S09, woraus sich 
ergiebt, dass dieses Werthstück zu jener Zeit von der Einlieferung an den 
Fiscus befreit worden ist, weil seine Besitzer durch Leistung der gesetzlichen 
Abgabe das geschätzte Cultgeräth vor der Einschmelzung bewahrten. 

Eudhch sind noch zwei kleine plastische Werke hervorzuheben, Alabaster- 
sculpturen von Landoliu Oh macht, der, ein Württeniberger von Geburt 
und Scliüler des Bildhauers Melchior in Frankenthal, um die Mitte der 
neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts in Hamburg arbeitete. Als einer 
der letzten Vertreter der Kleinsculptur in Stein hat er hier eine grosse Anzahl 
von Büdnissen haniburgischer Damen und angesehener Männer geschaffen. 
Wen unsere beiden, aus altem hamburgischem Privatbesitz stammenden 
Bildnisse vorstellen, wissen wir nicht. Für das fast vollrund in einem 
konkaven Oval ausgeführte Brustbild eines älteren bartlosen Mannes in 
drei Viertel Profil, mit leicht gelocktem, unfrisiertem Haar, offener Hemd- 
krause und faltigem, über die Weste geworfenem Mantel, hat sich kein 
Anhalt ergeben. Für das in flachem Rehef ausgeführte Proülbilduiss eines 
Mannes mittleren Alters mit Zopffrisur, im Ueberrock mit hohem Kragen, 
wird vermuthet, dass der 1751 geborene, 1789 zum Senator erwählte, 1817 
gestorbene Dr. Job. Schulte dargestellt sei. Schon länger besitzt das Museum 
ein Biscuit-Medaillon der Meissener Porzellan-Manufactur, das offenbar nach 
diesem Original Ohmachts geformt ist. Wir verdanken diese wichtigen 
Sculpturen einem ungenannten Gönner, Herrn L., der sich vorzugsweise 
für die .Förderimg unserer Sammlung von Kleinsculptureu interessirt. 



LXXXVIII ]Muscum für Kunst und Gewerbe. 

Europäisches aiis unserer Zeit. 
Obenan unter den Ankäufen von Arl)eiten unserer Zeit steht ein 
plastisches Werk jenes Jean Carries, der nach meteorgleichem Auf- 
leuchten in der französischen Kunst durch einen frühen Tod i. J. 1804 
hingerafft worden ist. Von seinem Leben und seinen Werken hat ein von 
Arsene Alexandre unter dem Titel „Jean Carries — imagier et potier — 
etude d'une oeuvre et d'une vie" bald nach des Künstlers Ableben 
herausgegebenes Werk Kunde gegeben. Die Museen Frankreichs enthalten 
nur wenige seiner Arbeiten; eine grosse Zahl plastischer Werke und 
Gefässe aus emailKrtem Steinzeug befindet sich im Besitz seines Freundes 
Geoi'ges Hoentschel, der dem Künstler und Freunde das schönste Denkmal 
zu errichten beabsichtigt, indem er seine vornehmsten Werke in einem der 
Pariser Museen vereinigen will. Herrn Hoentschel, dem bekannt war, 
dass das Hamburgische Museum schon ein Werk von Carries, sein Eigen- 
bildniss, zu des Künstlers Lebzeiten von diesem selbst erworben hatte, 
verdanken wir das zweite, nach seinem Tode erworbene Werk, den 
schlafenden Säugling, von dem sich zwei Ausformungen in der Sanuiilung 
Hoentschels befanden; dazu noch einige Gefässe mit matten, sanimet- 
weichen Schmelzglasuren, in gebrochenen grauen und braunen Tönen, bei 
dem Hauptstück belebt durch weissen, von Goldadern durchzogenem 
Schmelzübergaiss. 

Was Carries wollte und konnte, war bis zu wenigen Jahren vor 
seinem Tode nur einem engen Kreise Eingeweihter offenbar geworden. 
Als Sohn eines kleinen Schusters in Lyon am 15. Februar 1855 geboren 
und früli verwaist, wurde er durch die Fürsorge einer barmherzigen Schwester 
einem Waisenhaus übergeben, aus dem er in seinem 13. Jahre bei einem 
Bildhauer und Verfertiger von Andachtsbildern in die Lehre trat. Dem 
unabhängigen Schaffensdrang des Knaben sagte diese geistlose Arbeit nicht 
zu; er hielt jedoch drei bis vier Jahre aus, um dann, unterstützt durcii 
die barmherzige Schwester, in einem armseligen Stadtviertel eine ärmliche 
Stube zu beziehen, in der er frei war, zu träumen und der Ausführung 
von Bildnissen sich hinzugeben, die bei ihm durch seine Fürsprecherin 
bestellt wurden. Mit Avenigen Franken in der Tasche wanderte er neun- 
zehn Jahre alt nach Paris, ward als Schüler in ein Bildhauer-Atelier der 
Kunstschide aufgenommen — bestand aber nicht in den eigentlichen Auf- 
nahmeprüfungen. Unter den grössten Entbehrungen ai'beitete er nun in 
einem Atelier zu 14 frs. monatlicher Miethe ganz allein an seiner Aus- 
bildung. Bettler imd Ausgestossene, wie sie in der Nähe seiner Behausung 
sich umhertrieben und um ein Geringes zu haben waren, dienten ihm als 
Modelle zu Studien, aus denen später seine Büsten der Enterbten und 
Trostlosen erwuchsen. 



Ankäufe und Sclionkvinoeii i. J. 1896. 



LXXXIX 



Diesem Leben wurde ev entrissen, als seine Beschützerin ihn an das 
Todtenbett seiner Schwester rief, damit er deren Züge im Bilde festhalte. 
Mit diesem ergreifenden Werke trat Carries in einer Ausstellung der Lyoner 
Kunstfreunde zuerst an die Oeffentlichkeit. Eben konnte er noch den 
Auftrag der Büste des in Rom ermordeten Malers Allard ausführen, dann 
musste er i. J. 1876 seiner Heerespflicht genügen. Nach zweijährigem 
Dienst auf die Fürsprache seiner Gönner beurlaubt, nahm er seine Studien 
in Paris wieder auf. 

Da es ihm an Mitteln fehlte, seine Modelle in Marmor oder Erz aus- 
zuführen, suchte er seine Gipsbüsten farbig zu bemalen und beschritt damit 




.Schlafender SäiiKlinp;' von Jean Carrifes, 
aus matt emaillirtem hartem Thon. Das Original in Lehensgi'össe. 

einen Weg, auf dem er später zu den wundervollen Patinen seiner Bronzen 
und endlich gegen Ende seines Lebens zu den matten Schmelzglasuren auf 
hart gebranntem Thon gelangte. Nur ausnahmsweise erhob er sich zu 
grösseren Werken ; seine Büsten und Masken wusste er aber in einer Weise 
zu beleben, die ihm einen Ehrenplatz unter seinen Zeitgenossen sichert. 
Eindrücke seiner Jugend durchzittern sie, mag er jene Ausgestosscnen der 
Gesellschaft zu Typen ausgestalten oder die wehmuthvollen Erinnerungen 
an seine Schwester in anmuthigen, doch ernst beseelten Mädchenbildern 
wiedererwecken. Büsten von Zeitgenossen, die er nach dem Leben entwarf, 



"N^Q Museum l'iir Kunst und Gewerbe. 

aber stets aus der Erinnerung zu Kunstwerken durchbildete, geträumte 
Bildnisse benannter und unbenannter Persönlicbkeiten, denen seine Phantasie 
seelenvolles Leben lieh; Kinderbildnisse und ideale Kinderfiguren, u. a. 
das hier und auch S. 8 1 im Buche Alexandres abgebildete „Bebe endormi" ; 
grotteske Masken, in denen Erinnerungen bald an Fratzengebilde aus 
gothischen Kirchen der Stätten, wo er seine Jugend verlebte, bald an jene 
ausdrucksvollen Masken des alten japanischen Theaters, die er in Pariser 
Sammlungen sah, in neuer Belebung auftauchen, vervollständigen sein 
Werk. Wenn er auch dann und wann in den Ausstellungen der Pariser 
Salons erschien, blieb er im Ganzen ziemlich unbemerkt. Erst das 
Jahr 1892 brachte ihm durchschlagenden Erfolg im Champ de Mars, dem 
Neuling sofort die Ehrenlegion und die Bewunderung der Bildhauer und 
Kunsttöpfer, denn ausser mit einigen seiner schönsten, von Bingen schon 
früher gegossenen Bronzen trat er als ein keramischer Künstler auf, wie 
ihn Frankreich damals nicht besass. 

Nur vier Jahre vor diesem Triumph hatte Carries mit der Feuer- 
arbeit begonnen. Sein Biograph nennt diesen Abschnitt seines Schaffens 
,,un long et admirable suicide". Mit fieberhaftem Eifer widmete der 
Künstler sich den Versuchen in einer ihm bis dahin fremden Tecknik. 
Augeregt durch japanische Töpferarbeiten, die er 1878 in der Welt- 
ausstellung gesehen und später in einigen Sammlungen, S. Bing's vor 
Anderen, wiedergefunden hatte, fand er keine Euhe, bis ihm gelungen war, 
ähnliche Glasuren auf hartgebranntem Scherben hervorzurufen. Ohne chemische 
Analysen, nur durch unermüdliche Versuche und geleitet von seinem 
künstlerischen Instinct erreichte er das Ziel. 

Soweit gelangt, strebte er, an einem monumentalen Werk zu zeigen, 
wozu seine Kunst im Bunde mit der neuen Technik berufen sei. Ein 
Auftrag der Prinzessin von Scey-Montbeliard, geborenen Winaretta Singer 
sollte ihm dazu Gelegenheit geben. Es handelte sich um ein Schlossthor, 
zu dem sein Freund Grasset, der bekannte Plakatkünstler und Blustrator, 
einen phantastischen Entwurf gezeichnet hatte. Aus dem erhaltenen Modell 
und einzelnen ausgeführten Stücken können wir uns ein Bild machen von 
diesem Gewimmel von Köpfen, in denen Erinnerungen gothischer Miseri- 
cordieu und japanischer No-Tanzmasken als Füllungen mittelalterlicher 
Bauformen uns anlachen, grinsen, glotzen und fauchen, wähi'end über allem 
Ungeheuerlichen unter dem Baldachin inmitten des Kielbogens ein graciöses 
Eitterfräulein uns empfängt. Carries sollte dies Werk nicht vollenden; im 
Kampf mit den technischen Schwierigkeiten wurde er von dem Brustleiden 
gepackt, das schon seine Eltern und Schwester hingerafft hatte. 

Ein Jahr vorher war der Direktor des Hamburgischen Museums mit 
dem Künstler in dem gastliehen Hause des Japan-Sammlers Herrn Bing 
in Paris zusanmieugetrofl'en. Eine wiederholte Begegnung im Hause des 



Ankäufu und Sclioiikuiiücn i. J. 189»). 



XCI 



Herrn Hoentscliel , dessen 
Mitbewohner Carries war, 
führte zur Erwerbung der im 
Jahi'esbericht für 1893 schon 
erwähnten Gegenstände. Die 
Uebersendung derselben be- 
gleitete der Künstler mit 
einem Schreiben, das wir 
hier nachträglich abdrucken, 
weil es für seine Art, nicht 
nur Formen und Farben der 
Dinge zu sehen, sondern diese 
gleichsam mit den Augen zu 
betasten , bezeichnend ist. 
Auch hierin war er, vielleicht 
ohne es zu ahnen, ein Geistes- 
verwandter der Japaner, bei 
denen der Tastsinn anders 
als bei uns Kunstgenüsse ver- 
mitteln hilft. Carries gab in 
der ihm eigenen lapidaren 
Schrift damals folgende Er- 
läuterungen zu den Gegen- 
ständen : 

„. . . Un masque dt 
gres emaille representant le 

Portrait de l'auteur ,Jean Carries' vu en dccor; ee masque est uuique et 
precieux, precieux en ceci qu'il est la piece la plus ancienne de mes 
emaux mats." „. . . Un hol ayant l'aspect d'une petite marmite sans 
anses, ayant aussi l'aspect d'un bois sombre et caressant au toucher:-' 
„. . . Une gourde de ton verdätre, d'aspect pulpeux aux contours fruites." 

Er schloss seinen Brief mit den Worten: 

„Je veux vous dire en terminant — monsieur le Directeur — combien 
je suis heureux que grace ä vous ces objets aillent echouer dans un des 
musees de la patrie d'Holbein et de l'inoubhable Albert Durer. 

Jean Carries 
Potier et statuaire." 

Eine Einladung, ihn inmitten seiner Bauern in der Werkstatt zu 
Montriveau im Departement de la Nievre, wo er sich der Eohstoffe wegen 
angesiedelt hatte, zu besuchen, schloss sich an. Ehe ihr Folge gegeben 
werden konnte, war Carries tödtlich erkrankt; er hess sich nach Paris zu 
seinem Freunde Hoentschel bringen; bei ihm starb er am I.Juli 1894. 




Maske von Jeiin Carries — Eigenbilduiss des kunstlers 
,vu eu decor' aus matt emaillirtem hartem Tuou. 
Original in Lebeusgrüsse. 



XCII Museum für Kunst und Gewerbe. 

Can'ies ist der bedeutendste Künstler gewesen auf dem Arbcitsfelde, 
dem er seine letzten Lebensjahre widmete. Er war aber nicht der erste und 
ist nicht der letzte geblieben unter den französischen Keramikern, die der 
von den Japanern empfangenen Anregung gefolgt sind. Schon früher hat 
unser Museum Ai'beiten dieser Kichtung von Delaherche erworben. 
Hinzugekommen ist im vergangenen Jahr eine Urne von Dalpeyrat, deren 
matte, abfliessende Glasur in blaugrünem, olivgrün geädertem Grunde dunkel- 
rothe Streifen zeigt; wie bei den meisten Werken Dalpeyrat's ist aber der 
feine matte Glanz nicht unmittelbar durch die Wirkung des Feuers, sondern 
erst durch nachträgliches Schmirgeln erreicht worden. Sehr fein in der 
Wirkung ist ein zweites Stück desselben Meisters, ein Geschenk des Herrn 
Beruh. Hirsclnqwung in Kopenhagen. Es ist ein kugeliges Fläschchen, über 
dessen in zweierlei Grün gescheckte, mit blutrothen Tropfen besprengte glatte 
Unterglasur ein dicker Mantel graubrauner, lederartig genarbter Ueberglasur 
bis zur Schulter herabfliesst. — Von A. Bigot, ein Gefäss von gedrückter 
Kürbisform , dessen grünlichgraue, durch das Auskristallisiren gewisser Bestand- 
theile eigenartig gemusterte und genarbte Glasur von Bächen hellblauen 
glasigen Schmelzes durchflössen ist. — Von Clement Massier, der durch 
den Purpurlüster seiner als „Poterie du Golfe Juan" in den Handel 
gebrachten Gefösse schon seit Jahren bekannt ist, ein Kümmchen, aus dessen 
blaugrau gewölkter Glasur Weinblätter und Trauben in rothem und violettem 
Lüster hervorleuchten. — Keiner dieser Keramiker tritt als Nachahmer eines 
Anderen auf. Unschwer lassen sich die Arbeiten jedes Einzelnen von ihnen 
auf ihren Ui'heber ansprechen, gewiss ein Beweis für die Fruchtbarkeit dieses 
den Ueberlieferungen der Töpferkunst Europas fremd gebliebenen Gebietes. 

Diesen Franzosen schliessen sich zwei dänische Keramiker an. Bei'ufs- 
mässig seit Jahren auf diesem Gebiete beschäftigt hat sich der in dem 
Städtchen Nestved auf Seeland ansässige Hermann A. Kahler. In 
den Glasuren seiner Gefässe und Thierfiguren herrschen rothe und graue 
Töne vor. Die Ueberglasurcn spielen von hellem Rosenroth zu tiefem 
Purpurroth oder lichtem Ziegelroth und wirken zum Theil noch als Lüster- 
farbeu mit metallischem Glanz. Die grauen, gross gekrackten Glasuren 
spielen vom Weiss des die Unterglasur bildenden Zinnschmelzes ins Dunkel- 
graue und Braune. Angekauft hat das Museum eine hohe, eiförmige Vase 
mit Doppelhenkeln in Gestalt markig stilisirter Geierköpfe, und eine niedrige 
weitraündige Vase, aus deren Nacken vier Schwanenhälse hervorwachsen, 
die mit den Schnäbeln ihre in Buckeln des Gefässes vorspringenden Brüste 
))erühren. Mit Versuchen auf dem von Carries eingeschlagenen Wege ist der 
dänische, jetzt in Paris lebende Bildhauer N. Hansen-Jacobsen hervor- 
getreten. Als Geschenk dieses Künstlers besitzen wir eines seiner ersten 
Versuchsstücke, ein kürbisförmiges Gefäss mit mattglänzender, graubrauner, 
rauhgestreifter Glasur. 



Ankäufe und Solicnkungen 1. J. 1896. XCIII 

Einige hervorragende Erzeugnisse der Porzellankunst unserer Zeit sind 
zu verzeichnen als Geschenke der Leiter der Fabriken, aus denen sie 
hervorgegangen sind. 

Herrn Harald Bing in Kopenhagen verdanken wir zwei Schniuckvasen, 
beredte Zeugnisse für den hohen künstlerischen Standpunkt, zu dem 
Bing & Gr0ndahrs l'orzelain-Fabrik sich im Wettbewerb mit 
der unter Philipp Schou's Direktion und Arnold Krogh's künstlerischer 
Leitung so ruhmreich emporgediehenen Könighchen Porzellan-Manufactur 
zu Kopenhagen aufgeschwungen hat. Wie diese, hat auch die Bing & 
Grdndahl'sche Manufactur nicht gleich beim Beginn ihrer Thätigkeit die 
neue Bahn einschlagen können, auf der sie jetzt als eine der wenigen 
europäischen Manufacturen dasteht, die in Fühlung mit der fortschrittlichen 
Strömung in den Künsten wahrhaft Neues und Schönes zu schaffen sich 
bestreben. Auch die Bing & Grondahl'sche Fabrik hat schon ihre Geschichte 
und ist durch wechselnde Stihvandlungen hindurchgegangen. Als sie vor 
44 Jahren ihie Arbeit begann, stand der Geschmack in der dänischen 
Hauptstadt noch ganz im Zeichen des ein Jahrzehnt vorher gestorbenen 
Thorwaldsen. Die Anregung zur Gründung der Manufactur gab ein hoch- 
begabter und energischer Arbeiter der Staatsfabrik, Frederik Gr0ndahl, 
der i. J. 1853 zwei angesehene Kaufleute, die Gebrüder M. H. Bing 
(geb. 1807, gest. 1884) und J. H. Bing (geb. 1811, gest. 189G), Lihaber 
der Firma H. J. Bing & Sohn für seinen Plan zu gewinnen wusste. Schon 
wenige Jahre nachdem Gnnidahl den Betrieb eingerichtet hatte, wurde er 
dem Unternehmen durch den Tod entrissen. Seine kaufmännischen TJieil- 
haber führten es weiter unter der künstlerischen Leitung des Landschafts- 
malers A. Juuel, eines Schülers des Professors G. F. He t seh. Dieser 
hatte vom Anfang der dreissiger bis zum Ende der fünfziger Jahre das 
Kunstgewerbe in Dänemark beherrscht. Unter seinem Einfluss hatte der 
Empire-Stil dort einen Spätherbst durchlebt zu einer Zeit, wo überall sonst 
in Europa schon neue, aus dem Mittelalter und der Kenaissance schöpfende 
Strömungen auftraten. Thorwaldsen war die Losung, seine in dem 
ihm allein gewidmeten Museum bewahrten Sculpturen, Statuen und Eeliefs, 
wurden in geschickt verkleinerten Nachbildungen aus Porzellan-Biscuit 
vervielfältigt oder in gemmenartiger Darstellung auf Zier- und Gebrauchs- 
gefässe gemalt. 

Die Londoner Weltausstellung von 1862 eröffnete den Bing & Grundahl- 
schen Arbeiten dieser Richtung den Weltmarkt. Als i. J. 1868 nach Juuel's 
Tod der Architekturmaler Heinrich Hansen als künstlerische Kraft 
eintrat, wurde im Auschluss an die in anderen Ländern zur Herrschaft 
drängende Renaissance eine neue Richtung eingeschlagen. Li dieser eiTang 
die Manufactur auf der Wiener Weltausstellung von 1873 neue Erfolge. 
Im Jahre 1880 traten zwei Söhne des einen Inhabers, J. H. Bing's, Ludwig 



3J^(^jy Mnsemii fiir Kunst mid Gewerbe. 

Bing (geb. 1847, gest. 1SS5) und Harald Bing (geb. 1848), nachdem 
sie schon längere Zeit ]\Otarbeiter des Vaters gewesen waren, als Theilhaber 
in die Firma ein. Diesen jungen Kräften folgte auch eine frische künstlerische 
Kraft in Pietro Krohn, dem jetzigen Director des Dänischen Kunst- 
industrie -Museums zu Kopenhagen. Ein begeisterter und feinfühliger 
Bewunderer der Kunst Japans, die damals den Europäern allmählich sich 
zu erschhessen begann, verliess Krohn die ausgetretenen Geleise, um auf 
Grund des Naturstudiums nicht den Japanern nachzuahmen, sondern 
selbständig Neues zu schaffen. In der Kopenhagener Industrie-Ausstellung 
d. J. 1S88 trat die Firma mit dem ßeiher-Service nach Krohn's Entwürfen 
an die Oeffentlichkeit. Das Reiher-Motiv war hier sowohl in den plastischen 
Formen der Gefässe und Tafelaufsätze wie in der Decoration mit Blau- 
raalerei folgerichtig mit Geschmack durchgeführt. Für die Pariser Welt- 
ausstellung von 1889 schuf Krohn in gleichem Geiste eine Anzahl zierlicher 
Gefässformen, zu denen Blumen, u. a. die Narcisse und die Seerose ihm 
die Motive dargeboten hatten. Unter seinem Beirath hat sich die 
Fabrik weiter entwickelt und in jüngster Zeit auch die Eichtung ein- 
geschlagen, auf der ihr die königliche Manufactur in der Behandlung 
der Blau- und Scharffeuermalerei mit dem glänzendsten, sogar in Paris 
bewunderten Erfolg vorausgegangen war. Unabhängig von einander 
streben beide Fabi-ilven, mit eigenen künstlerischen Kräften originale 
künstlerische Entwürfe in technischer Vollendimg auszuführen. Beiden 
gemeinsam ist, nachdem die anfanglichen Schwankungen überwunden 
sind, der glückliche Grundzug, dass ihre Maler von den Japanern viel 
gelernt haben und doch ihrem ganzen Wesen nach dänische Künstler 
gebheben sind. Nicht fremdländische Gewächse und Thiere oder exotische 
Landschaften drängen sich uns auf; zu uns spricht die Natur des dänischen 
Landes mit seinen buchenbeschatteten Strandhügeln, den birkenbestandeneu 
Mooren und Haiden, den stillen Waldseen, der gewaltigen Brandung an 
den Nordmeerküsten und den sanfteren Fluthen der Ostseebuchten. Alles 
das wird nicht veduten-artig kleinlich wiedergegeben, sondern in einem 
kräftigen Decorationsstil, der das Wesen der Landschaft und der Natur- 
erscheinungen und die Stimmungen in ihnen packend ausdrückt. Die 
Nordlands-Natur spricht zu uns mit den Reizen der Schneelandschaft, das 
nordische Meer mit seinem Wogengebraus und Wolkengewoge. Dazu dann 
die Thiere, die Land und Wasser dort beleben, von den Dammhirschen 
der Buchenwälder und den Schafheerden der Haiden zu den weissen 
Möven über den Wellen, den geisterhaft unter ihnen durch die Fluth 
schwebenden Quallen. Und ebenso die Pflanzenwelt, wie das dänische 
Land sie uns bietet, von den grossblüthigen Stauden des gepflegten 
Blumen-Gartens zu den Schwertlilien und Seerosen der stehenden 
Gewässer, den Alpenptlänzlein der Moore, den Tangen und Algen des 



Ankaufe und Sclicnkungen 1. .T. 1806. 



xcv 



Salzwassers. Auch hier hat 
neue Kunst die Porzehau- 
malerei befreit von jener zu 
Unrecht vielbewunderten Art 
des Flora dauica-Services aus 
der Pdüthezeit der Koijen- 
haijener Porzellan-Manu- 
factur im 18. Jahrhundert. 
Nicht mehr botanische Ab- 
bildungen bietet uns der Maler, 
ebensowenig schematisch sti- 
lisirte, in ein mathematisches 
Liniensystem gezwängte Zier- 
formen. Er strebt vor Allem, 
den natürlichen Wuchs der 
Pflanzen, den Halntus. auf 
denen ihr Charakter Ijeruht. 
zu decorativcm Ausdruck zu 
erheben und den P'lächcn 
und Formen der zu schniück- 
endeu Gefilsse anzuschmiegen. 
Die Darstellung der Menschen- 
gestalt tritt noch zurück; 
wenn sie erscheint, ist es öfter 
in einer märchenhaften oder 
symbolistischen Auffassung, 
als der Wiedergabe des realen 
Alltagslebens zu Lieb. 

Auf dem Boden solcher 
Kunstanschauungen wett- 
eifern heute beide dänischen 
Porzellan-Manufactureu um 
den Vorrang und die Aner- 
kennung auf dem Weltmarkt. 

Unter den künstlerischen 
Mitarbeitern der Firma 
Bing & Gron dalli sind 
vor Anderen F. A. Hallin und die Damen Fräulein Garde und Effie 
Hegermann-Lindencrone zu nennen. Nach den Entwürfen der letzt- 
genannten Dame von ihr sellter i)emalt sind die beiden Gefässe, von denen 
das grössere hier abgebildet ist. Das kleinere, ein Deckelväschen in 
Birnform, zeiüt auf zart fleischfarbenem Grunde wachsende weisseFedernelken. 




Vase von Poi'zellan ; in blauem, abgetöntem 

Cinmd Mohnstaudeu mit graugrünen Blättern 

und weissen Blumen. Kopenhagen. Fabrik 

von Bing Sc Grdndahl. Höhe 36 cm. 



XCVl Museum für Kunst und Gewerbe. 

Als ein sehr erfreulicher Zuwachs ist weiter eine Anzalil erlesener 
Erzeugnisse der Königlich Sächsischen Porzellan-Manufactur zu 
Meissen zu vei'zeichnen, ein Geschenk der Administration dieser Anstalt 
durch ihren Director, den Oberhergrath Herrn Brunncmann. 

Hervorzuheben sind drei ausgezeichnete Beispiele der Pasten-Malerei 
(päte sur iiäte). Auf der Wiener Weltausstellung von 1873 erregten die 
von M. Selon für Minton's in Stoke upon Treut ausgeführten Pinselreliefs 
auf englischem Weichporzellan berechtigtes Aufsehen; ein schöner, von 
Solon decorirter Teller wurde schon damals für das künftige Gewerbe- 
museum Hamburgs erworben. Später haben sich andere Manufacturen 
der neuen Kunsttechnik zugewandt und so auch Meissen, das vorher 
ähnliche decorative Wirkungen durch eine an die Limousiner Schmelz- 
malereien des IG. Jahrhunderts erinnernde Malerei in aufgesetztem Weiss 
auf dunkelfarbig glasirtem Grund erzielt hatte. Inzwischen sind die in 
Meissen beschäftigten Künstler zu vollkommener Beherrschung der Pasten- 
Malerei auf Hartporzellan vorgeschritten. Vertreten ist diese Technik nunmehr 
bei uns durch eine hlagrau glasirte Vase mit dem w^eissen Relief eines jungen 
Mädchens, das dem Liebesgott seinen Köcher und Bogen entwendet hat; durch 
ein gelbglasirtes Döschen, auf dessen Deckel ein behelmtes Frauenhaupt in 
zart grauem Grunde dargestellt ist; diu-ch ein Riechfläschchen, das auf 
blaugrünem Grunde mehrfarbige erhabene, mit Gold umrissene Ornamente 
und in ausgesparten, mit Keliefgold eingefassten Feldern Frauenköpfe in 
Relief auf lilagrauem Grunde zeigt. Ferner eine Kuchenschale, im Spiegel 
fein bemalt nach einem Gemälde Boucher's mit den Grazien, die, auf 
Wolkenbetten gelagert, Amor bekränzen, und auf dem Rande mit Blumen- 
gruijpen in Rococo-Einfassungen mit Reliefvergoldung. Eine Theebüchse 
mit Watteau-Figuren und Blumen in jenem feinen iiisirendcn Grün, dessen 
Herstellung aus Kupferoxyd lange Zeit für verloren gegolten hat, aber 
neuerdings wieder in alter Vollendung gelungen ist. — Von plastischen Arbeiten 
eine lebensvolle Büste des Fürsten Bisniarck in Bisquit-Porzellan, und einige 
bemalte Figuren, dabei eine Gruppe „Die ideale Liebe" nach dem Modell 
des Pariser Bildhauers Deloye. 

Hier ist auch einiger Glasgefässe zu gedenken, in denen das Streben 
nach Befreiung von dem Zwang der historisch festgelegten Zierformen an- 
muthenden Ausdruck gefunden hat. Karl Köpping, der Meister der 
Radii'nadel, hat seinen vor der Lampe gearbeiteten Gläsern Xaturformen, 
Blüthenkelche an beblätterten schlanken Stengeln zu Grunde gelegt. Ohne 
bestimmte Pflanzen wiederzugeben, entfalten diese Schmuckgläser ein reizvoll 
fi-eies vegetabiles Leben, das keiner der Nachahmer Köpping's seinen Arbeiten 
zu verleihen gewusst hat. Ein besonders schönes Glas des Meisters ist 
als Geschenk der Frau Adele Baumann zu verzeichnen. 



Ankäufe und Schenkungen i. J. 1896. XCVII 



Kozuka. Heft oines japanischnn Messers, aus schwarzem Shakudo mit 
dem Fujiyama in farbigem Zellenschmelz-Relief. Bez. Hirata Douin. Nat. Gr. 

Japanische Metall- und Töpferarbeiten. 

Die Sammlung der japcanischen Schwertzierathen wurde im verflossenen 
Jahr von Grund aus neu geordnet. Während de.s Jahrzehnts, seitdem sie 
als ein Orbis pictus japanischer Natur und Kunst zusammen gestellt worden, 
waren viele Stücke hinzugekommen, die zur Ausfüllung der in jenem Plan 
noch verbliebenen Lücken bestimmt waren. Diese sind nunmehr an 
gehörigem Orte eingeschaltet. Zugleich ist unter der Beihülfe des Herrn 
Hara das über 1500 Nummern umfassende Inventar dieser Abtheilung neu 
bearbeitet worden. 

Unter den i. J. 1896 erworbenen Tsuba, Stichblättern japanischer 
Schwerter, befinden sich mehrere von hervorragender Schönheit. Ein 
Hauptstück ist ein früher in einer der ersten Pariser Sammlungen bewahrtes 
altes Stichblatt von der Hand des Semposai, das auf der einen Seite 
in einem Grunde von gelber Bronze eine Eiesenkröte zeigt. Aus dem 
dunklen, in rostigem Eisen mit stellenweis abgeblättertem Silberbelag 
ausgeführten Körper des Thieres glimmei'n seine grossen goldenen Glotzaugen 
mit schwarzer Pupille unheimlich hervor. Auf der anderen Seite ist mit 
dem Spiegel der Mondsichel in silbernen Wasserlinien die Oertlichkeit in 
jener künstlerisch suggestivenWeise angedeutet, in der die Japaner Meister sind. 

Ein zweites Stichblatt, das früher zu den Zierden der Sammlung Burty 
gehörte und in Gonse's „l'Art japonais", II., S. 158, abgebildet ist, zeichnet 
sich ebenso sehr durch die unübertreffliche Handhabung des Eisenschnittes, 
wie durch die lebensvolle Darstellung eines Adlers aus, der einen Affen 
vor seiner Felshöhle gepackt hat; es ist ein Werk des Kawaji Tomomichi 
zu Hagi, der Hauptstadt der Provinz Nagato. In demselben Werke auf 
S. 159 befindet sich die Abbildung eines prächtigen Stichblattes von der 
Hand des Toshiyoshi, um das Herr Simon Löivenstein, dem unsere 
Sammlung schon bei ihrer Begründung werthvolle Gaben verdankte, sie 
neuerdings bereichert hat. Es zeigt auf einem Grimde von fein gekörntem 
schwarzen Shakudo in hohem Relief aus Gold, Silber, Shibuichi und Kupfer 
einerseits vier, anderseits drei Masken, wie sie bei den Pantomimen der 
feierlichen No-Tänze getragen werden. 

Ein viertes Stichblatt, das wir Herrn A. H. Wapinins verdanken, 
der ebenfalls zu den Begründern dieser Sammlung gehört, zeigt in kräftigem 



XCVIII Museum für Kunst und Gewerbe. 

Relief aus Gold und grauem Shibuichi auf Eisengrund eine über zerzausten 
Scliilfhalmen fliegende grosse Libelle. Bezeichnet ist dieses schöne Stück 
als Werk des Hoyen Kazutomo. Es stammt, wie die Mehrzahl der in 
diesem Zusammenhang erwähnten Schwertzierathen aus einer der alten 
Pariser Sammlungen. Ein fünftes Stichblatt, ein "Werk des Yoshitoshi, 
ist ganz aus Silber gearbeitet; beiderseits ist es in flachem Relief mit 
wogenden Wellen bedeckt, aus denen goldene Tropfen aufspritzen. 

Unter den Kozuka, Schwertmessern, befindet sich eines, dessen Griff 
die erstaunlichste Tauschir- Arbeit zeigt, die jemals aus eines japanischen 
Künstlers Hand hervorgegangen. Auf den beiden, nur 100 mm langen und 
14 mm hohen Flächen des Griffes sind auf der einen Seite in schwarzes 
Shakudo, auf der anderen in rothes Kupfer chinesische Schriftzeichen aus 
Gold flach eingelegt, wohlgezählte tausend Schriftzeichen, von denen kein 
einziges sich wiederholt. Es sind die 1000 Schriftzeichen des Senjimon, 
des zweiten Lesebuches, das in den chinesischen Schulen den Kindern in 
die Hände gegeben wird und auch in dem klassischen SchulunteiTicht der 
Japaner seine Bedeutung hat. Dabei hat der Künstler noch Raum ge- 
funden, den chinesischen Dichter Shukoshi darzustellen, wie er, am 
Schreibtisch sitzend, die 1000 Schriftzeichen niederschreibt; dazu die 
Erklärung: „Shukoshi hat auf Befehl des Kaisers diese Verse der 1000 
Schriftzeichen in einer Nacht gedichtet." Nur wie ein goldiger Schimmer 
wirken die Schriftzüge auf dem dunklen Grunde und doch ist jedes Zeichen 
klar und lesbar wiedergegeben. Sie alle zu übertragen, würde den Raum 
dieses Berichtes überschreiten. Daher hier nur wenige Proben ausser der 
Reihenfolge. 

— Ehrfürchtig bewahre, was Deine Eltern hegten. 

— Beobachte und befolge das Beispiel der Tugendhaften. 

— Die Pflicht der Kindesliebe fordert Deine ganze Willenskraft. 

— Elend ist der Lohn lasterhaften Lebens, 
Glückseligkeit die Belohnung erleuchteter Tugend. 

— Sei wachsam, als ständest Du an einem Abgrund oder wandeltest 

auf Eis. 

— Zeichne Dich aus im Lernen und Du wirst aufsteigen zu hohen 

Aemtern, 
Würden erhalten und betraut werden mit den Regierungsgeschäften ; 
Dein Andenken wird geliebt werden gleich dem süssen Pfirsichbaum, 
Und wenn Du gestorben, wird es gepriesen werden im Sänge. 

— Prüfe der Menschen Thaten, damit Du ihren Charakter ergründest. 

— Sei vorsichtig in der Rede; sprich nicht übereilt. 

Denn selbst die Wände Deines Gemaches können Ohren haben. 

— Jahre fliegen dahin gleich Pfeilen, eines drängt das andere. 
Die Sonne scheint hell in ihrem ganzen Lauf, 



Ankäufe und Schenkungen i. J. 1896. XCIX 

Der Sternenhimmel, an dem sie hängt, di'eht sich beständig, 
Und auch der helle Mond wiederholt seine Umdrehungen. 

— Halte Gleichmass im Gang, trage aufrecht dein Haupt. 

Von der Schwierigkeit der Arbeit kann die Thatsache eine Vorstellung 
geben, dass wir hier nur 18 von den 127 Sentenzen wiedergegeben haben, 
die auf dem kleinen Messergriff zu lesen sind, allerdings in der lapidaren 
Schrift und Sprache Chinas. Eine weitere Inschrift am Rücken des Griffes 
besagt noch, dass Jugakken Tani Motosada, gebürtig aus der Provinz 
Izumo, dieses während seines Aufenthaltes in der Stadt Osaka im 14. Jahr 
der Periode Tempo, d. i. i. J. 1843 unserer Zeitrechnung gemacht hat. 

Nicht minderes Interesse durch seine Inschriften bietet ein anderer 
Messergriff aus grauem Shibuichi mit einer Tänzerin und einer den Samisen 
spielenden Sängerin in Gravirung und flacher Tauschirung. Der Inhalt 
der wegen des Doppelsinnes einiger japanischen Wörter nicht übersetzbaren 
Verse geht annähernd dahin, dass der Dichter — als welcher Tokai Takuan 
genannt wird — eine der Künstlerinnen anredet: „Buddha stiftete eine 
Eeligion; die Priester stifteten verschiedene Sekten und die Priester aller 
Sekten verbreiten heutzutage emsig ihre Lehren, um das ganze Menschen- 
geschlecht vor den Leidenschaften dieser sündhaften Welt zu erretten ; aber 
nicht so gross ist ihr Verdienst, wie Deines, Du Kleine, die Du aller 
Männer Leidenschaften besänftigst". Als Künstler dieser zierlichen Gravir- 
arbeit nennt sich Goto Hokio Ichijo, der bedeutendste Meister, der 
aus dem altberühmten Stamm der Goto in der ersten Hälfte unseres Jahr- 
hunderts noch thätig war. Den Vorwurf zu seiner Darstellung hat er aber, 
wie er selber bemerkt, einer Malerei des Hanabusa Iccho entnommen, 
eines hundert Jahre vor ihm lebenden Künstlers, dessen Werke gleich 
denen des noch älteren Tanyu häufig als Vorlagen für Gravir arbeiten auf 
Schwertzierathen gedient haben. — Ein anderes Kozuka zeigt, ebenfalls 
in jener freien malerischen Behandlung, die von der gezeichneten und 
gestrichelten Gravirung der Europäer so auffallend abweicht, einen älteren 
Mann und einen Jüngling beim Weben von Vorhängen, neben ihnen ein 
Terrarium und ein Gefäss mit Goldfischen. Als Künstler nennt sich auf 
ihm jener Temmin, der als einer der tüchtigsten Ciseleure von Kaga- 
mibuto-Platten gilt. Er fügt hinzu, in seinem 66. Jahre habe er dies 
gemacht. Wie dieses Stück ein gutes Beispiel für geschickte Anordnung 
der Darstellung in dem schmalen Querfeld des Messerheftes, so ist ein 
folgendes ein nicht minder gutes Beispiel für die Anordnung im schmalen 
Hochfelde. Dargestellt ist ein in einer Badewanne hockendes Kind, über 
das die daneben stehende Mutter aus einer Flasche Wasser ausgiesst. Als 
Künstler nennt sich So min, wohl der älteste und berühmteste Meister 
dieses Namens, der um das Jahr 1700 thätige Begründer des als Yokoya- 
Schule bezeichneten Künstlerstammes. 



C Museum für Kunst und Gewerbe. 

Reizende Arbeiten in vielfarbigem Metalh-elief sind aticb zwei Messer- 
griffe, die Gonse in seinem grossen Werke in Heliogravüren abgebildet 
hat. Der eine, ein Werk des Yasuebika, zeigt in gelber Bronze einen 
durch ein umgelegtes Strobseil als geweiht bezeichneten Baumstamm, in 
dessen Höhlung eine schwarze und eine silberweisse Taube trauhch sitzen. 
Der andere, ein Werk des noch heute hochbetagt lebenden Natsuo, des 
letzten grossen Tsuba-Künstlers aus altem Stamm, zeigt auf schwarzem 
Shakudo in Silber- und Goldrelief eine Päonienstaude, die ihre grosse 
Blüthe unter dem winterlichen Strohdach entfaltet hat. 

Als besonders wichtige Stücke sind ein Schwertmesscr und zwei Stich- 
blätter hervorzuheben, die Fräulein Clara Lachmann der Sammlung geschenkt 
hat. Alle drei sind Arbeiten von Meistern aus jenem Stamm der Hirata, 
dessen Ruf Jahrhunderte hindurch auf der Anwendung von (ioldzellenschmelz 
zur Schmückung von Schwertzierathen beruht und dem der Engländer 
James L. Bowes kürzhch in seinen „Notes on Shippo" eine Monographie 
gewidmet hat. Das am Kopfe dieses Abschnittes abgebildete Messer trägt 
die Bezeichnung Hirata Donin, und die ebenso künstlerische wie 
technisch vollendete Darstellung des schneebedeckten Fujiyama-Gipfels über 
blauen und rothen Wolken in Goldzellenschmelzrelief auf schwarzem 
Shakudo gestattet die Annahme, dass wir in diesem Stücke in der That 
eine der seltenen Arbeiten des um das Jahr IGOO in Diensten des 
Tokugawa-Shogims thätigen Meisters jenes Namens besitzen, des Stamm- 
vaters des Künstler-Geschlechtes der Hirata, dessen Nachkommen und 
Schüler noch heute die von ihren Vorvätern ererbte Email-Technik ver- 
treten. Arbeit eines ungenannten Künstlers desselben Geschlechtes ist das 
ältere der beiden Stichblätter, das, früher in der Sammlung Burty bewahrt, 
ein lehrreiches Beispiel für den unserem Empfinden fremden Brauch der 
Japaner ist, ein durch Alter und Schönheit ausgezeichnetes Stichblatt 
durch eine Ueberdecoration nicht zu verfälschen, sondern zu ehren. In 
unserem Falle lag ein im 15. oder 16. Jahrhundert aus Eisen einfach 
geschmiedetes, nur mit ausgeschnittenen Schattenrissen von Kirschblüthen 
verziertes Stichblatt vor, das ein alter Hirata-Künstler überdecorirt hat, indem 
er einzelne der Durchbrechungen mit vielfarbigen Zellenschmelzmustcrn aus- 
füllte, die den Ernst der älteren Eisenarbeit weniger auf- als hervorheben. Man 
spürt angesichts der das UrsprüngUche nicht vernichtenden Zuthat die 
Absicht des Künstlers, dem alten Werke eine Auszeichnung zu erweisen. 
Das andere Stichblatt trägt ebenfalls keine Bezeichnung, vertritt aber ganz 
die Weise des zu Anfang des 1 9. Jahrhunderts arbeitenden achten Meisters 
des Geschlechtes, des Hirata Harunari. Die Platte ist von Eisen mit 
vier fächerförmigen Durchbrüchen. Auf beiden Flächen und dem Rande 
sind viele kleine Ornamente, welche die als Takaramono bezeichneten 
symbolischen Kostbarkeiten andeuten, tbeils in vielfarbigem Goldzellenschmelz, 



Ankäufe und Schenkungen i. J. 189tj. CI 

theils in aufgerollten Goklspiralen dargestellt. Unter den Glasflüssen, die 
auf in das Eisen eingebettete Metallfolieu geschmolzen sind, fällt ein helles 
Smaragd-Grün auf, als dessen Folie man Silber vermuthen darf. 

Endlich ist hier noch einer uns von Herrn W. v. Essen geschenkten 
Schwertklinge zu gedenken, mit der wir in den Besitz eines ersten 
Beispieles der hochgerühmten Schwertfegerkunst der Japaner gelaugt sind. 
Die dem Eisenblatt angeschweisste Stahlschneide hebt sich durch zarte 
hellgraue Wölkung gegen das blanke Eisen ab, in das am Rücken ein 
sich um ein Schwert windender Drache, „Kurikarario" in versenktem 
ReHef gemeisselt ist. Auf der Griffzunge nennt sich der Schwertfeger 
Mayeda Masanojo Sukekane mit dem Hinzufügen, er habe dies an 
einem Tage des achten Monats im achten Jahr der Periode Kuansei, d. i. 
i. J. 1796, geschmiedet. 

Den Schwertzierathen reihen sich einige Kagamibuto an, runde, 
knopfförmige Netzuke aus Holz oder Elfenbein mit einer eingelegten Metall- 
platte. Eines dieser Kagamibuto ist ein unübertreÖliches Beispiel dafür, 
wie intim die japanischen Künstler die Natur zu schauen und wiederzugeben 
wissen. Auf der Platte aus Shibuichi ist ein in schilfbewachsenem 
Gewässer stehender Reiher dargestellt. Wir sehen aber zunächst niu" das 
eine Bein, soweit es aus dem Wasser ragt, und von dem anderen den empor- 
gezogenen Fuss ; das Uebrige sagt uns das in der zartesten Punzung wieder- 
gegebene Spiegelbild des Vogels, dessen Gestalt wie ein körperloser Hauch 
auf der Wasserfläche liegt. Als Künstler des kleinen Meisterwerkes nennt sich 
Shuraku, von dem wir schon melu-ere Kagamibuto besitzen. Ein zweites 
ist ein Werk des S humin; auf seiner Shibuiclii-Platte ist in gravirter 
und mit Gold ausgelegter Zeichnung ein Krieger zu Pferde in Reithosen 
aus Tigerfell dargestellt, der auf drei fliegende Wüdgänse seinen Pfeil aiflegt. 

Unsere Erwerbungen japanischer Töpferarbeiten i. J. 1896 erstrecken 
sich vorzugsweise auf solche Stücke, bei denen die von den Japanern gepflegte 
Technik der geflossenen Glasuren oder die ihnen eigene impressionistische 
Bemalung angewandt sind. Welch fruchtbare Anregung die Gefässe der 
ersterwähnten Art dem europäischen Kunstgewerbe geboten haben, erhellt 
schon aus der Uebersicht unserer Ankäufe französischer und dänischer 
Töpferarbeiten dieser Richtung. Noch immer unerreicht sind aber die 
japanischen Vorbilder, sowohl hinsiclithch des auserlesenen Geschmackes 
in den Farben, wie darin, dass es sich bei ihnen nicht, wie bei der Mehr- 
zahl der europäischen Gefässe um reine Schaustücke, sondern um wirldiche 
Gebrauchsgegenstände handelt. Der japanische Töpfer hat schon vor Jalir- 
hunderten gelernt, die in der Gluth des Ofens schmelzenden, abfliessendeu 
und abtropfenden Glasuren in den für die farbige Wirkung günstigsten 
Augenblicken erstarren zu machen und so festzuhalten, was das Feuer 



CII 



Museum für Kunst und Gewerbe. 



mit allen Zufälligkeiten der Oxydationsprocesse, die sich in der Sclimelzhaut 
vollziehen, im Verborgenen bereitete. Kein Gefäss gleicht dem anderen, 
alle aber geben sich als feuergeborene Werke, in denen sich ein eigener 
keramischer Stil aussi^richt, der unserer Töpferkunst mit ihrem Streben 
nach gleichmässig getönten, glatten Glasuren fremd geblieben ist. Von 
Geschlecht zu Geschlecht fortgepflanzte Ueberlieferungen haben im Verein 
mit dem die japanische Kunstübung auszeichnenden Streben nach 
individuellem Ausdruck zu einer erstaunlichen Mannigfaltigkeit geführt. 

Unter den angekauften 
Beispielen dieser Richtung 
ist besonders hei'vorzu- 
heben die hier abgebildete 
Tokkuri, Flasche für Reis- 
wein, ein Erzeugniss der 
unweit des Hafens von 
Karatsu in der Provinz 
Hizen seit vielen Jahr- 
hunderten betriebenen 
Töpferei. Dort sollen, ja- 
panischen Quellen zufolge, 
glasirte Gefässe schon zu 
Ende des siebenten Jahr- 
hunderts angefertigt sein. 
Aus dem IG. Jahrhundert 
stammt unsere Flasche , 
die durch den Gegen- 
satz des matten Schwarz 
zu dem in's Grüne ab- 
laufenden Weiss der dicken 
glänzenden Ueberglasur 
auffällt. 

Wie die Anfänge der 
Töpferei zu Karatsu auf 
koreanische Lehrmeister 
zurückgeführt werden, so 
auch diejenigen jener als 
R ak u -W a ar e bekannten, 
hauptsächhch zu Kioto 
erzeugten Theekümmchen 
(Chawan) und anderen 

Sake-Flasche aus Steinzoue, mit matter, eisenscliwarzer 1 i " O f" 1' 

Glasur und geki-ackter, weisser in grüugeäderto Tropfen ICiemen ueiasse, Uie auS 
abfliessender ueberglasur. Karatsu- Waare. 16. Jahrhdt. • ]• -nr- ii li 

'A nat. Gr. einem die Warme schlecht 




Ankäufe und Scbenkunsen i. J. 1896. 



cm 



leitenden und daher den Theetuifguss lange heiss erhaltenden Thon mit 
der Hand geformt und mit farbigen Bleiglasuren überschmolzen sind. Von 
Geschlecht zu Geschlecht ist seit dem ersten Verfertiger dieser Waare, 
dem Koreaner Ameya, der um die Mitte des IG. Jahrhunderts lebte, durch 
zwölf Generationen die Anfertigung der Kakuwaare fortgepflanzt worden 
dis in unsere Tage. Auch wenn die Stempel fehlen, deren sich jeder 
Raku-Meister für sich zu bedienen pflegte, vermeinen japanische Kenner, 
den Verfertiger eines Chawan an besonderen Merkmalen der Glasuren zu 
erkennen. So wird dem vierten, Ichiniu genannten Meister, ein im Vor- 
jahre angekauftes Kümmchen 
zugewiesen, dessen tief- 
schwarze Glasur von Wolken 
dunkelen, in zarte Aederchen 
aufgelösten Ziegelroths durch- 
zogen ist. Ein Chawan mit 
hell ziegelrother Glasur und 
weiss ausgespartem Kiefernast 
haben wir als Werk des 
10. Raku-Meisters, des Tan- 
niu, schon im Führer 
S. 527 abgebildet. 

Von besonderer Art ist 
die zu Shigaraki in der 
Provinz Omi erzeugte Töpfer- 
waare. Eine ihrer Eigen- 
thümlichkeiten ist das Auf- 
treten weisser erhabener 
Pünktchen, als wären Quarz- 
stückchen eingesprengt, in 
der meist rothbraunen Unter- 
glasur, über die eine oliv- 
grüne Ueberglasur geflossen 
ist. Das hier abgebildete 
Blumengefäss ist ein aus- 
gezeichnetes Beispiel der 
Shigaraki- Waare des 1 8. Jahr- 
hunderts; in seiner durch die 
breite Basis ausgedrückten, 
durch die dicke Masse des 
unteren Theils gewährleisteten 

Standfestigkeit, mit dem Blumenvase aus Steiuzeutr. mit rotUbrauner, weiss 

. , T. t!i 11 gekörnter Glasur und graugrünem üeberlauf. 

energischen rronl und der shigaraki- Waare des is. Jahrhunderts. '/2 nat. Rr. 




Qiy Museum für Kunst und Gewerbe. 

feinen Stimmung seiner Glasuren fehlt ihm keine Eigenschaft, die ein guter 
Geschmack an einem der Aufnahme blühender Zweige dienenden Gefäss 
finden möchte. 

Auch die in der Provinz Satsuma betriebenen Töpfereien sind auf 
koreanische Arbeiter, die zu Ende des 16. Jahrhunderts nach Jai^an über- 
siedelten, zurückzuführen. Unter den mannigfachen Typen der alten 
Satsuma-Waare ist die als Sunkoroko bezeichnete von feiner, harter, hell- 
sandsteinfarbener Masse ; auf die durchscheinende Glasur, welche der Waare 
einen gelblichgrauen Ton verleiht, sind mit breitem Pinsel oliv- oder dunkel- 
braune Ornamente, am häufigsten Linienmuster gemalt. Ein gutes Beispiel 
solcher Sunkoroku- Waare wurde in einem sechsseitigen Hiire — Kohlen- 
gefäss — erworben, auf dessen Seiten drei verschiedene, geometrische 
Gruudmuster, je zwei gleiche auf sich gegenüberstehenden Flächen dunkel- 
braun gemalt sind. 

Ein ausgezeichnetes Beispiel einer bisher nicht vertretenen Werkstatt 
der Hauptstadt Ivioto verdanken wir Herrn Senator Schemmann. Es ist 
ein rundlich vierseitiges Najjf mit hellgelblichgrauer gekrackter Glasur, 
bemalt mit einem dunkelbraunen, von der Aussenwand die Innenfläche 
überwachsenden Mumebaura, in dessen rothblühendem Gezweig ein braunes, 
weissköijfiges Vögelchen sitzt. Der Stempel besagt, dass es ein Werk des 
Kitei, der zu Anfang unseres Jahrhunderts als einer der besten Meister 
unter jener Gruppe von Töpfern thätig war, deren Erzeugnisse als 
Kiomidzu-yaki zusammengefasst werden. 

Endlich ist einer Anzahl auserlesener Werke eines der berühmtesten 
keramischen Künstler Jajjans zu gedenken, des Kenzan, der, ein Bruder 
des Lackkünstlers Korin, um das Jahr 1700 in Kioto thätig war und, wie 
kein anderer Meister vor oder nach ihm, die impressionistische Malweise 
in technischer Vollendung auf die Töpferkunst angewandt hat. Aus Mitteln 
des Budgets wui'de angekauft ein Kogo (Döschen für Räucherwerk), dessen 
Deckel mit einem Flug wilder Gänse, die sich auf eine schilfbewachsene 
grüne Insel herablassen, bemalt ist. Die übx'igen Stücke, ein sehr schönes 
Kogo mit nebeldurchzogenen Ahornbäumen am Bache, noch zwei Kogo, 
zwei Chawan (Theekümmchen), ein Hiire (Feuertopf), ein Midzusashi 
(Wassertopf), ein Chakin-zutsu (Behälter für die Serviette beim Chauoyu), 
ein Cha-dai (Untersatz für ein Trinkschälchen), ein Futa-oki (Untersatz 
zum Ablegen des Deckels eines Theepulverväschens) , dreizehn Kuashi- 
zara (rechteckige Kuchenteller) und ein Xetzuke, zusammen 24 Werke 
des Meisters konnten aus Mitteln des //. D. Hausfedf sehen Legates 
erworben werden. Eine nähere Beschreibung unterlassen wir in diesem 
Zusammenhang, da wii* angesichts der ausserordentlichen Bedeutung Kenzan's 
diesem Meister eine besondere Abhandlung im Jahrbuch der wissenschaft- 
lichen Anstalten widmen. 



Ankäufe und Schenkungen i. J. 1896. CV 



Chinesisches Porzellan und Glas. 

Im Vergleich mit unserei- Sammlung japanischer Töpferarbeiten ist 
diejenige der cliinesischen bisher sehr zurückgebhebeu. Um so erfreulicher 
ist, dass wir für das Jahr 189G einige gute Erwerbungen zu verzeichnen 
haben, darunter ein Hauptstück, das wir wieder dem Legat des Herrn 
H. D. Haustedt verdanken. Es ist ein Beispiel erster Güte jener eiförmigen, 
in Gestalt den Ingwertöpfen gleichenden Gefässe, die mit weiss ausgesparten 
Mumezweigen in einem von gemalten Kracklinien durchzogenen, blau- 
gewölkten Grunde geschmückt sind. Seinen englischen Namen, „haw-thorn" 
oder „mayflower"', trägt dieser Decor ebenso zu unrecht wie den französischen 
„decor ä fleurs de pecher'' oder „tleur d'aubepine-', denn die Blüthenzweige 
stellen einfach den Prunus Mume dar, den die cbinesische Zierkuust nicht 
minder ausgiebig benutzt hat, wie es die Dichtkunst und Malerei der Japaner 
gethan haben. Die Blüthenzweige unseres Gefässes sind nicht lose verstreut, 
sondern abwechselnd vom unteren zum oberen und vom oberen zum unteren 
Gefässrande wachsend dargestellt; das wolldge Blau ist von vollendeter 
Schönheit ; hie und da deuten leichte Spuren von Gold darauf, dass ebenso, wie 
bei den ähnlichen Stücken der Kgl. Gefässsammluug in Dresden, europäischer 
Ungeschmack vor zweihundert Jahren den Decor diu'ch das Aufmalen von 
Blättern in kalter Vergoldung zu verschönern sich vermessen hat. Wie 
bedeutsam dieser Kauf für unsere Sammlung, erhellt am besten aus den 
Worten, die Herr Ernest Grandidier in dem grossen Werke „La ceramique 
chinoise" (Paris 1894) diesem Typus gewidmet hat, gewissermassen zur 
Entschuldigung dafür, dass er in der herrhchen, von ihm dem Louvre 
geschenkten Sammlung, einer der ersten ihrer Art in der Welt, ein Beispiel 
erster Güte nicht besass. Er schreibt darüber: „Dieser Typus ist bei erster 
Güte von verführeriscber Schönheit. Unglücklicherweise sind die schönsten, 
gut agatisirten, mit jenem königüchen Gewände bekleideten Stücke selten; 
sie werden besonders in London und Paris so boch bezahlt, dass nur 
gekrönte Fürsten und Millionäre über genügende Mittel zu ihrem Ankauf 
verfügen. Die „fleurs de pecher" in zweiter und dritter Güte" — (solche 
besitzt das Museum schon seit längerer Zeit; ein dahin gehöriger Topf 
ist abgebildet im Führer S. 513) — „sind allen Börsen erreichbar, die 
Feinschmecker jedoch betrachten sie mit Verachtung oder Gleich- 
gültigkeit, weil sie jenes Aroma vermissen lassen, das dem Beschauer 
zu Kopf steigt, ihn trunken macht und ein unwiderstehliches Begehren 
ihres Besitzes weckt. Für den Kenner trennt ein Abgrund die Stücke 
erster Güte von den übrigen." Wie sehr Grandidier hierin Recht 
hat, zeigt unsere Erfahrung, dass die verwandten Stücke minderer 
Güte die Vorzüge, welche sie an und für sich hatten, in Gegenwart 
des Gefässes erster Güte einzubüssen schienen und dieses nur an anderem 



CVI 



Museum für Kunst und Gewerbe. 



Orte als zwischen den blaubemalten Porzellanen aufgestellt werden konnte. 
Wie die Schönlieit dieses Typus in der That Kennei'n zu Kopf steigen kann, 
zeigt das Praclitwerk, dass die Engländer G. A. Audsley und James Lord 
Bowes 1875 der ..Keramic Art of Japan" gewidmet haben. Sie konnten 
es offenbar nicht über's Herz bringen, einen so schönen Decor den Chinesen 
zu lassen, haben ihn schleclithin für Japan annektirt und solche Gefässe 
als altes Hizen-Porzellan abgebildet. 0. du Sartelhat 1881 in seinem Werke 
„La Porcelaine de la Chine" diesen Irrthum berichtigt, und heute 
zweifelt Niemand mehr daran, dass die „Mayflower"-Gefässe chinesischen 
Ursprungs sind. 

Einen sehr wichtigen Zuwachs 
erhielt die Glas-Sammlung wie- 
derum durch eine Schenkung 
des Herrn Geh. Kommerzienrath 
TJi. Heye, der ihr eine Anzahl 
geschnittener Gliiser chinesischen 
Ursprungs, zumeist Arbeiten des 
18. Jahrhunderts aus der Zeit 
des Kaisers Kienlung, überwies. 
Darunter das hier abgebildete 
TabaksÜäschchen mit doppeltem 
Ueberfang, einer äusseren pfir- 
sichblüthrothen imd einer inneren 
dunkelgrünen Schicht auf dem 
milchweissem Körper; aus der 
rothen Schicht sind im Garten 
unter knorrigen Kieferbäumen 
und in einem Pavillon alte 
uliinesische Herren in vergnügter 
Unterhaltung gewonnen, aus der 
grünen Schicht ein Gezweig von 
Bambus und das Gehege des Gartens. Bei anderen Fläschchen sind die 
Farbschichten nicht über, sondern nebeneinander aufgesetzt und wir sehen 
auf reisfarbenem Grund rothe und grüne Goldfische von der monströsen 
Schleierschwanzform über bernsteinfarbenen Wellen, oder auf einem anderen 
Fläschchen blaue, rothblühende Lotos, über denen eine rothe Libelle fliegt 
und ein rother Fisch einen Luftsprung ausführt. Durch feine Modellirung aus- 
gezeichnet ist ein weisses Fläschchen, auf dessen weissem Grunde gelb- 
rothe Taschenkrebse sich zwischen Tangen bewegen, (S. d. Abb. S. CXX), 
und ein anderes mit Lotosstauden in durchsichtigem blauem Ueberfang 
auf farblosem Körper. Ein 1 .5 cm hohes Väschen ist aus bläulich weissem, 
bräunlich opahsirendem Glas geschnitten. 




Chinesisches TahaclvsHdschLhpn, aus geschnittenem 

Ueberfangglas; lier Korper weiss, die innere Schicht 

grün, die äussere biassrosA. IH. Jahrhundert. 

Nat. Gr. 



Wechselnde Ausstellungea i. J. 1896 CVII 

Wechselnde Ausstellungen. 

Im Jahre 18'JG nalimeu wechselnde Ausstelhmgen die Thätigkeit der 
Anstalt häufiger in Anspruch als in irgend einem der vorhergehenden Jahre. 

Im Januar wurde eine Auswahl der besten Wandkalender aus- 
gestellt, deren die Sammlung der Gelegeuheitsblätter eine ansehnliche Zahl 
besitzt. Da kein anderes Gelegenheitsblatt so weit zurückreicht und in 
so stetigem Gebrauch geblieben ist, wie der Wandkalender, eignet sich 
auch keines in gleichem Maasse, die Wandelungen des Geschmackes in 
den letzten vierhundert Jahren an einem bestimmten Beispiele vorzuführen. 
Besonders in unserem Jahrhundert erweist sich der Wandkalender, seiner 
aktuellen Bestimmung halber, als sehr empfindHch für neue Eindrücke 
auf den Gebieten der Kunst und der Technik, obwohl doch nur ausnahms- 
weise bedeutende Künstler mit dergleichen Aufgaben befasst erscheinen. 

Hieran schloss sich eine Ausstellung von Zeichnungen Theobald 
Riefesell's, die am 19. Januar, dem Todestag des Künstlei's eröffnet 
wurde. Alle dem Museum gehörigen Blätter vorzuführen, hätten die 
Wände nicht gereicht; wir beschränkten uns daher auf eine Auswahl 
solcher Blätter, die inzwischen verschwundene oder wesentlich veränderte 
Stadttheile vorführten. Für alle künftigen Ausstellungen zur Baugeschichte 
Hamburgs und seines Stadtbildes bieten diese Aufnahmen Riefesell's 
werthvolle Ergänzungen zu den Aufnahmen Fräulein Ebba Tesdorpf's. 
Sie werden daher neben letzteren noch oft in unseren wechselnden Aus- 
stellungen erscheinen, stehen aber auch ohne dies fortan den Besuchern 
des Lesezimmers zur Verfügung, da sie nunmehr der Hamburgensien- 
Sammlung je nach dem Ort und der Zeit der einzelnen Aufnahmen ein- 
geordnet sind. 

Ein dritte Ausstellung knüpfte an einen von Herrn Landgerichts- 
Director Dr. Föhring in der Aula des Museums für den Kunstgewerbe- 
Verein gehaltenen Vortrag über das Mosaik von der römischen 
bis auf die heutige Zeit, und führte eine reichhaltige Sammlung von 
Photographien und farbigen Abbildungen alter Mosaiken aus dem Besitz 
des Genannten den Besuchern des Museums in geographisch-historischer 
Anordnung vor. 

Eine vierte Ausstellung im April und Mai bot in auserlesenen Blättern 
eine Uebersicht der Entwickelung des japanischen Farbenholz- 
schnittes vom Anfang des 18. bis zm- Mitte des 19. Jahrhunderts. Da 
die eigene Sammlung der Anstalt nicht ausgereicht hätte, wurde das 
Anerbieten der Arnold'schen Kunsthandlung in Dresden, uns werthvolle 
Drucke für die Ausstellung zu leihen, mit Dank angenommen. Zugleich 
mit den Farbendrucken wurden die der Bibliothek des Museums gehörigen 
japanischen Bücher mit Holzschnitt-Illustrationen ausgestellt. 



(^yill Museum für Kunst uud Gewerbe. 

Eine fünfte Ausstellung enthielt die Diplome und Glückwunsch- 
Adressen, welche i. J. 1881 dem Du-ector des Thalia- Theaters zu 
Hamburg, Herrn Cheri Maurice, bei seinem 50jährigen Directions- 
Jubiläum gewidmet worden waren. Diese Ehrengaben und dazu noch 
andere Geschenke, die dem verehrten Manne bei anderen Gelegenheiten 
gespendet waren, hatte Herr W. Wennhacke Namens der Familie des am 
27. Januar 1896 verstorbenen Herrn Cheri Maurice dem Museum als 
Eigenthum überwiesen. Vor ihrer Einreihung in die Hamburgensien- 
Sammlung wurden die für die Geschichte des hamburgischen Theaters 
wichtigen Blätter, darunter mehrere in künstlerischer Ausführung durch 
Hans Speckter, Paul Duyffcke und den Frankfurter Ivlimscli, in ihrer 
Gesammtheit ausgestellt. Dabei befand sich auch der silberne Ehrenschild, 
der dem Gefeierten am 1. October 1881 von den Mitgliedern seiner 
eigenen Bühne übeiTcicht worden ist. 

Die sechste Ausstellung knüpfte an die Jahrhundertfeier der 
Erfindung der Lithographie und umfasste in einer ersten, in den 
Sammlungsräumen des Museums untergebrachten Abtheilung dieEntwickelung 
der Lithographie in Hamburg von ihren ersten Anfängen im Jalu-e 1818 
bis zur Gegenwart, dazu als Einleitung die Münchener Incunabeln des 
Steindruckes aus der Zeit vor dessen Einführung in Hamburg; in einer 
zweiten Abtheilung, die in der Aula Platz gefunden hatte, eine Collectiv- 
Ausstellung der hiesigen lithogi'aphischen Anstalten; in einer dritten 
Abtheilung, die noch in den Sammlungsräumen untergebracht werden 
konnte, die Vorführung der verschiedeneu technischen Verfahren der 
Lithographie und der ihr verwandten Vervielfältigungs-Arten. 

Diese Ausstellung war angeregt worden von einem zur Säcularfeier 
der Erfindung der Lithograpliie unter dem Vorsitz des Herrn Gustav 
W. Seitz zusammengetretenen Comite. Ein engerer Kreis von Fach- 
genossen, als dessen Obmann Herr Carl Griese thätig war, widmete sich 
der Ausstellung im Besonderen, und im Einverständniss mit dem Comite 
wurde Herr Dr. Ernst Zimmermann mit der Ausstellung, der Auswahl 
der Blätter, ihrer Anordnung und der Abfassung einer „Geschichte der 
Lithographie in Hamburg", die als Festschrift erscheinen sollte, beauftragt. 
An keiner Stelle waren bisher hamburgische Lithographien als solche 
gesammelt worden; es galt daher, aus der Hamburgensien-Sammlung des 
Museums, das Dank der Schenkung des Fräulein Ebha Tesdorjf viele 
wichtige Blätter, vorzugsweise landschaftlichen Lihalts besass, aus den 
Sammlungen der Kunsthalle, des Staatsarchivs und des Vereins für 
Hambm-gische Geschichte und soweit diese nicht ausreichten, aus privaten 
Sammlungen das nöthige Material auszuwählen. Hiebei kam besonders 
in Betracht, was sich noch im Besitz von Angehörigen oder Nachkommen 
jener Männer, der Speckter, Suhr u. A., befand, die sich um die 



Wochseliidc Ausstelluntjen i. J. 1806. CIX 

Einführung der Lithographie in Hamburg und ihre Blüthe verdient 
gemacht haben. Obwohl nur eine Arbeitszeit von sieben Wochen den 
Tag, au dem das Comite seinen Aufruf «'lassen hatte, von dem Tage der 
Eröffnung, dem 25. Juli, trennte, gelang es Herrn Dr. Zimmermann, nicht nur 
eine Ausstellung, der kaum ein wichtiges Blatt fehlte, in guter, die geschicht- 
liche Entwickelung der Lithographie vorführender Gruppirung zu vereinigen, 
sondern auch die Festschrift auszugeben. Für diese Arbeit hatten keine einheit- 
lichen Vorarbeiten vorgelegen, nur zerstreute Notizen in dem Hamburgischen 
Künstlerlexikon und in Zeitschriften. Als eine wichtige Fundgrube erwies 
sich das im Staatsarchiv bewahrte urkundliche Material betreffs der 
Privilegien der ersten Drucker; vieles aber musste durch die Aufzeichnung 
mündlicher Ueberlieferungen ergänzt werden. Konnten und sollten auch 
die von Herrn Dr. Zimmermann der Geschichtserzählung eingeflochtenen 
Verzeichnisse namentlich der älteren Lithographien auf Lückenlosigkeit 
keinen Anspruch machen, so bieten sie doch eine Grundlage für das 
planmässige Sammeln der Erzeugnisse dieses in Hamburg zu hoher Blüthe 
gediehenen Zweiges der vervielfältigenden Kunst. Ei'schienen ist dies 
wichtige, mit Lichtdrucken nach Lithographien der bedeutendsten in diesem 
Fache thätig gewesenen Künstler ausgestattete Werk im Selbstverlage des 
Comites in einer Auflage von 400 nummerirten Exemplaren. Welche 
Theilnahme die Besucher des Museums der Ausstellung erwiesen, erhellt 
aus der Besuchsziffer für den August im Vergleich mit den übrigen 
Monaten des Jahres. Wie alle Ausstellungen solcher Art bot auch diese 
dem Museum Gelegenheit, seine Hamburgensien-Sammlung ansehnlich zu 
vermehren. Viele in der neuzeitigen Abtheilung von den Druckereien 
ausgestellte Blätter verblieben in unserem Besitz. 

Die siebente, am 11. November eröffnete Ausstellung endlich führte 
den Besuchern des Museums die wichtigsten der im Laufe der Jahre 
gesammelten Plakate vor. Schon vier Jahre vorher hatte das Museum 
eine Plakat - Ausstellung veranstaltet, die wohl die erste ihrer Art in 
Deutschland gewesen ist. Lizwischen war die Sammlung, die sich damals 
auf französische und deutsche Plakate beschränkt hatte, durch Geschenke 
und Ankäufe wesentlich erweitert worden. Amerikanische Plakatdrucke 
der alten Eichtung, darunter Rieseuplakate für grosse Schauspiele und 
Sensationsstücke im amerikanischen Geschmack hatte uns Herr Carl Griese 
schon von seinem Besuch der Chicago -Weltausstellung mitgebracht. 
Plakate der neuen, durch Louis J. ßhead und Carqueville vertretenen 
künstlerischen Richtung hatte uns Frau Dr. Wilhelm Kubasek aus New- 
York übersandt. Werthvolle französische und englische Plakate verdankten 
wir Frau Adele Baumann, die sie am Orte ihrer Entstehung auszuwählen 
die Güte gehabt liatte. Spanische Plakate hatte uns Herr Dir. Dr. H. Föhring 
aus Spanien mitgebracht und Herr Ousiavo Jencqiiel aus Madrid übersandt. 



ex Museum für Kunst und Gewerbe. 

Eine Auswahl der schönsten, in den letzten Jahren in OesteiTeicli 
entstandenen Plakate verdankten wir Herrn Baumeister Jos. Sturany in 
Wien, höhniische dem Director des kunstgewerblichen Museums der 
Handels- und Gewerbelcammer in Prag, Herrn Dr. Oiytü, die wichtigeren 
dänischen der letzten Jahre dem Director des Kunstindustrie -Museums in 
Kopenhagen, Herrn Pietro Erolin. Auf unsere Bitte stellten uns mehrere 
deutsche Druckereien, insbesondere die Firma Wilhelm Hoffmann in Dresden, 
ihre neuesten Erzeugnisse zur Verfügung. Von hamburgisclien Druckereien 
hatten uns schon seit Jahren die Herren AdoJjßi Friedländer, Carl Griese, 
F. W. Kahler, Miihlmeister & Johler Abdrücke der wichtigsten von ihnen 
hergestellten Plakate zu überweisen die Güte gehabt und ebenso die 
Anschlagsäulen-Gesellschaft und Herr Paul Conström manches interessante 
Blatt aus ilu-en Gescliäftsbetrieben. Werthvolle ältere Blätter aus Frankreich 
und England imd solche, welche dem neuesten Aufschwung der Plakatkunst 
in diesen Ländern, in Belgien, Schweden und Nord-Amerika entsprungen 
waren, hatten wir in Paris, London und Brüssel, w'o der Handel mit 
Plakaten zu einer Specialität einzelner Kunsthandlungen sich entwickelt 
hat, käuflich erwerben können. Von diesem reichen Material wurden 
vierhundert der besten und lehrreichsten Blätter ausgewählt und nach den 
Ländern ihrer Entstehung und ihren künstlerischen Urhebern so übersichtlich 
zur Schau gestellt, wie es bei den für dergleichen Unternehmungen 
verfügbaren Räumlichkeiten des Museums möglich war. Däneben wurden 
in einem besonderen Raum sämmtliche Ausstellungs-Plakate, welche das 
Jahr 1896 hat entstehen sehen, vereinigt vorgeführt. 

In dieser Ausstellung waren zur Zeit ihrer Eröffnung von allen Ländern 
am reichsten vertreten Frankreich, das Urs^irungsland des künstlerischen 
Bildplakates, mit 15.') Blättern, als deren Verfasser 52 Künstler genannt 
werden konnten, und daneben mit nur 2 anonymen Blättern. Aus Deutschland 
dagegen, in dem die von der Plakatkunst gestellten Aufgaben erst in 
jüngster Zeit die Theilnahnie der Maler geweckt haben, waren neben 
52 Blättern von 42 namhaft gemachten Künstlern 33 Blätter zu sehen, 
von denen nur die Verleger oder Di'ucker bekannt waren. Die Plakatkunst 
in den Vereinigten Staaten von Nord-Amerika war durch 8 Künstler mit 
42 Blättern, diejenige Englands und Schottlands durch 25 Künstler mit 
39 Blättern, endlich Belgien mit 35 Blättern von 18 Künstlern vertreten; 
mit einer geringeren Zahl von Plakaten waren Oesterreich-Ungarn, Dänemark, 
Italien, Schweden und Spanien vertreten. Durch manche Eingänge während 
der Dauer der sich bis in das Jahr 1897 erstreckenden Ausstellung gelangten 
jedoch auch einige dieser Länder, insbesondere die beiden erstgenannten, 
nachträglich zu umfangreicherer Vertretung. 

Um das Verständniss des Inhaltes der einzelnen Blätter zu erleichtern 
und die Besucher in die ethischen Aufgaben dieses Zweiges der Strassen- 



Wechselmle Ausstellungen i. .T. ]896. f'XI 

kunst einzuführen, wurde ein von Fräulein Maria Brinckmann verfasster 
Katalog herausgegeben; dieser enthielt kurze Einleitungen in die Plakat- 
kunst der vertretenen Länder und die Werke ihrer Hauptmeister, sowie 
knappe Beschreibungen der einzelnen Blätter nebst Angaben über ihre 
technische Herstellung. 

In einem kritischen Nachwort erörterte die Verfasserin die Aufgaben 
und Aussichten der Plakatkunst. Sie schloss ihre Ausführungen mit dem 
Hinweis darauf, dass ein erfolgreicher Anbau dieses Arbeitsfeldes volks- 
thümlicher Kunst anderen, den Plakaten verwandten Gebieten der Drucker- 
künste Nutzen bringen werde; insbesondere seien die Geschäftsempfehlungen, 
die Waarenumhüllungen und Etiketten und sonstige zur Ausstattung von 
Waaren dienende Drucksachen sehr wichtig für eine Welthandelsstadt; auch 
bei ihnen könne und solle, ebenso wie bei den Plakaten, den Künstlern mehr 
als bisher ein Wort gegönnt werden. Diese Anregungen haben insofern 
weitgehende Zustimmung gefunden, als jenes Nachwort seither von auswärtigen 
Fachblättern mehrfach nachgedruckt worden ist. In wie weit der Handel und 
die Druckereien der Anregung folgen mögen, lässt sich noch nicht übersehen. 
Die Sammlungen des Museums erstrecken sich auch auf Drucksachen der 
erwähnten Art und bieten daher für dieses Arbeitsfeld sowohl mancherlei 
Anregung wie Stoff zur Kritik des Erreichten. 

Die Bibliothek. 

Mit der Vervollständigung der Bibliothek wurde i. J. 1896 nach den 
bisher befolgten Grundsätzen foi'tgefahren. Einerseits gilt es, die Bibliothek 
mit den für die wissenschaftliche Bearbeitung der Sammlungen erforderlichen 
Handbüchern und Nachschlagewerken auszustatten, anderseits, den Besuchern 
des Lesezimmers die von ihnen gewünschten Vorbilderwerke, soweit solche 
von dauerndem Werth für eine öffentliche Bibliothek, darzubieten. Bei 
den Anschaffungen musste vorwiegend auf die neuen Veröffentlichungen 
Rücksicht genommen werden. Ein planmässiger Ausbau wird später auch 
die ältere Literatur zu berücksichtigen haben. 

Von den im Lesezimmer bisher aufliegenden 51 Zeitschriften, deren 
Verzeichniss wir i. J. 1894 mitgetheilt haben, sind inzwischen das früher von 
Paul Schumann herausgegebene „Kunstgewerbe", das deutsche Malerjournal, 
das Buchgewerbeblatt, das Bulletin des Musees und das Patentblatt des 
Kaiserlichen Patentamts eingegangen. Neu hinzukommen sind dafür: 
der von der Genossenschaft Pan in Berlin herausgegebene Pan, die 
Münchener Jugend, das in Seemann's Verlag erscheinende Kunst- 
gewerbeblatt für das Gold-, Silber- und Feinmetall-Gewerbe 
und „Les Maitres de l'Affiche", unter welchem Titel allmonathch 
vier verkleinerte Farbendruck - Nachbildungen wichtiger Plakate aus- 
gegeben werden. 



QXII Museum für Kunst und Gewerlie. 

Auch für die Bibliothek gingen in diesem Jahre werthvoUe Geschenke 
ein. Das Königlich Dänische Ministerium für Kirchen- und 
Unterrichtswesen überwies uns ein unter dem Titel: „Altertavler i 
Dainiiark fra den senere Middelalder" erschienenes grosses Werk mit 
71 Lichtdrucktafeln in Doppelfolio und erläuterndem Text von Francis 
Beckett über die geschnitzten und gemalten Altäre des späteren Mittel- 
alters, ein für Geschichte der älteren Plastik und Malerei im Norden 
gnmdlegendes Werk. Dem als energischer Förderer der Kunstpflege in 
Dänemark und ebenso glücklicher wie verständnissvoller Sammler plastischer 
Kunstwerke des Alterthums rühmlich bekannten Brauer Herrn Carl Jacdbsen 
verdanken wir die mit Zeichnungen von Hans Tegner und anderen Künstlern 
schön ausgestattete, von Carl Jacobsen und Prof. C. Nyrop verfasste Fest- 
schrift zum fünfzig- und fünfundzwanzigjährigen Jubiläum der Jacobsen'schen 
Bierbrauereien zu Carlsberg und Nj'-Carlsberg. 

Von hervorragender Bedeutung ist eine Schenkung des Herrn Bauraths 
Manfred Semper, welcher dem Museum eine Anzahl älterer Werke aus 
der Handbibliothek seines Vaters, Gottfried Sempe^-'s, überwies. Zumeist 
sind es Bücher, die dieser als Künstler und gedankenvoller, bahnbrechender 
Gelehrter gleich berufene Architekt bei der Abfassung des zweiten Bandes 
seines klassischen Werkes vom Stil in den technischen und tektonischen 
Künsten zur Hand hatte. Dabei befindet sich auch eine Sammlung von 
Photographien jener kostbaren Möbel aller Zeiten, die zwei Jahre nach 
der ersten Weltausstellung aus königlichem und fürstlichem Besitz im 
Gore-House zu London vereinigt zu sehen waren und dem damals in 
London lebenden Meister den Stoff darboten für den die Möbel behandelnden 
Abschnitt seiner Praktischen Aestethik. Die Illustrationen zu diesem 
Abschnitt beruhen sämmtlicli auf Photographien von Möbeln in jener 
G ore-House-Exhibition. 

Die Sammlungen der Hambnrgensien, der Gelegenheitsblätter 
und der Ornamentsticlie. 

Wie die Sammlung der Hamburgensien der Hauptsache nach aus 
Geschenken entstanden ist, so sind wir auch für ihre Vermehrung vor- 
wiegend auf das Wohlwollen unserer Mitbürger angewiesen. Bilden ältere 
Blätter auch schon einen Gegenstand des Handels, so lassen sich neue, 
nicht für den Verkauf geschaffene Blätter nur durch die Güte ihrer 
Besteller oder Verfertiger erlangen. Je wiclitiger es für diese Sammlung 
ist, auf dem Laufenden zu bleiben und möghchst jedes neu erschienene 
Blatt ihr alsbald einreihen zu können, um so dankbarer sind wir den 
Spendern solcher käuflich nicht erhaltbaren Blätter. Herr Direktor A. Ballin 
hat stets Sorge getragen, dass uns die von der Hamburg -Amerika -Linie 



Die SaraiiiUingcn der IlamburirLMisicu etc. CXIII 

neu ausgegebenen Gelegenlieitsblätter, insbesondere die künstlerisch aus- 
geführten Vordrucke für die Menüs bei den Orient- und Nordhmdfahrten 
zugingen. Herr Dr. Heinrich Traun hat uns den von H. de Bruycker 
entworfenen, in Kupferdruck ausgeführten Vordruck des Ehren-Diploms 
übersandt, das er als Inhaber der Firmen Harburger Gummi-Kamm-Co., 
Excelsior Rubber Works und B. Soller Successor seinen langjährigen 
Beamten und Arbeitern gewidmet hat. Herrn Eduard Lorenz Meyer 
verdanken wir zahlreiche, von ihm entworfene Bücherzeiclien. Herrn 
Balletmeister Eudolph Knoll die auf den im Juli 1896 in Hamburg 
abgehaltenen 5. deutschen Tanzlehrertag bezüglichen Blätter. Herr Dr. 
H. iK Reiche hat wiederholt freundlich vermittelt, wenn er wusste, dass 
für uns wichtige Blätter erschienen waren. Hoffentlich verbreitet sich 
mehr und mehr die Auffassung, dass es für die Allgemeinheit, für alle 
Vereine, für die Familien und für den Einzelnen wichtig ist, sämmtliche 
Gelegenheitsblätter, die für irgend welche Ereignisse im Leben unserer 
Stadt und ihrer Bewohner ausgegeben sind, an einer Stelle vereinigt zu 
finden, wo sie wohlgeordnet bewahrt und zu jeder Zeit Jedermann leicht 
zugänglich bleiben. Nur wenn das Verständniss hierfür allgemein durchgedrungen 
ist, kann unser Ziel, den Hamburgern in dieser Sammlung nicht nur eine 
abgeschlossene Vergangenheit darzubieten, sondern fortlaufend mit der 
Entwickelung des staatlichen und bürgerlichen Lebens Schritt zu halten, 
erreicht werden. 

Von Ankäufen für die Hamburgcnsien-Sammlung ist nur einer von 
erheblicher Bedeutung zu verzeichnen. Aus dem Nachlass des hamburgischen 
Malers Theobald Eiefesell konnten Dank dem Entgegenkommen der 
Angehörigen des Künstlers alle für uns wichtigen hambui'gischen Ansichten 
angekauft werden, zunächst i. J. 1890 vierhundert Blätter, die zusammen 
mit den ebenso zahlreichen Aufnahmen, die wir Fräulein Ebba Tesdorpf 
verdanken, das Bild des alten Hamburgs, wie dies vor den Freihafenbauten 
und den Umwälzungen der Jahre bestand, auf das vollkommenste der 
Nachwelt überliefern. 

Theobald Riefescll ist i. J. 183G in Hamburg geboren. Seine 
Schulbildung erhielt er in der St. Nicolai-Kirchenschule, wo schon früh 
sein Zeichentalent beachtet wurde. Trotzdem schlug er zunächst nicht die 
Künstlerlaufbahn ein, sondern trat bei einem Gärtner in die Lehre. Nach 
beendeter Lehrzeit trieb es ihn jedoch wieder zur Kunst, er trat in die 
damals blühende lithographische Anstalt von Charles Fuchs als Lehrling 
ein. Dort lernte Wilh. Heuer, der bekannte Zeichner hamburgischer 
Ansichten für den Steindruck, ihn kennen und nahm sich seiner Ausbildung 
an. Ausserdem genoss Riefesell den von Martin Gensler geleiteten Zeichen- 
unterricht im Patriotischen Hause. Sein Fleiss und seine Leistungen trugen 
ihm dort die silberne Medaille und ein Eeisestipendum ein, das er 1856 



(]XIV Museum für Kunst und Gewerbe. 

zu mehrjährigem Besuch der Akademien in Düsseldorf und Wien benutzte. 
Im Jahre ISGO in seine Vaterstadt zurückgekehrt, machte er in Gemeinschaft 
mit seinen Freunden Mosengel und Schhecker Naturstudien in der ham- 
burgischen Umgegend. Damals fülu'te er mehrere Gemälde in Oel und 
Aquarell aus, später beschränkte er sich mehr auf die Bleistiftzeichnung. 
Mit der künstlerischen Begabung Eiefesell's verband sich ein ausgezeichnetes 
Lehrtalent und bald fand er als Lehrer in die ersten hamburgischen 
Familien Eingang. Da er nur solche Schüler und Schülerinnen länger zu 
unterrichten sich verstand, die durch Fleiss und Begabung sich aus- 
zeichneten, hatte er die Genugthuung, dass die Erfolge seines Unterrichts 
sichtlich hervortraten. Fräulein Ebba Tesdoriif und Frau Maria Zacharias, 
beide durch ihre Aufnahmen des alten Hamburgs bekannt, und Fräulein 
M. und H. Gramer, die trefflichen Blumenmalerinnen, waren seine 
Schülerinnen. Riefeseil blieb unverheirathet. Nach dem Tode seines 
Vaters 1SC7 lebte er mit seiner von ihm innig geliebten Mutter 
zusammen, bis auch diese ihm 1S80 durch den Tod entrissen wurde. 
Um ausschliesslich der Ausübung seiner Kunst zu leben, gab er 1890 
seine Unterrichtsthätigkeit auf. Bis zu der Krankheit, die ihn am 
19. Januar 1895 hinraffte, war er mit unermüdhcher Hingebung beflissen, 
seine Mappen mit immer neuen Aufnahmen der malerischen Ecken und 
Winkel Alt-Hambui-gs zu füllen. Keine liebere Beschäftigung kannte er, 
als mit der Zeichenmappe unter dem Arm die Stadt und ihre nächsten 
Umgebungen zu dui'chwandern, um An- und Aussichten, die ihn entzückten, 
mit dem Zeichenstift festzuhalten. Einen besondei'en Werth erhalten seine 
Stadtbilder noch dadurch, dass er verstanden hat, die Strassen- und 
Häuser-Ansichten in mannigfachster Weise mit hamburgischen Volkstypen 
zu beleben. Viele seiner Zeichnungen sind erzählende Darstellungen. 

Wie sehr er sich für die erst wenige Jahre vor seinem Ableben 
begründete Hamburgensien-Sammlung des Museums interessirte, hat er 
noch letztwillig dadurch bekundet, dass er dem Direktor die Originale 
jener GO auserlesenen Aufnahmen vermachte, zu deren Veröffenthchung er 
einige Jahre vorher Herrn Ferd. Schlotke ermächtigt hatte. Audi diese 
Blätter sind mit den später käuflich erworbenen der Sammlung des 
Museums eingereiht worden. 

Noch über eine andere letztwillige Zuwendung für die Hamburgensien- 
Sammlung haben wir dieses Jahr zu berichten. Als wir zu Ostern 1892 
den Aufruf erlassen hatten, in dem wir um Förderung unseres Vorhabens, 
eine derartige Sammlung dem Museum anzugliedern, baten, fragte Herr 
August Laute an, ob eine Sammlung hamburgischer Ansichten ange- 
nommen werde, wenn er sie dem Museum vermache. Nach dem inzwischen 
erfolgten Ableben ihres Mannes hat uns Frau Laute Wittwe jene Sammlung, 
in der sich mehrere werthvoUe ältere Blätter, u. A. eine seltene Ansicht 



l)ie Sammluns'en der Hamburgensien etc. CXV 

der Binnen-Alster befanden, überwiesen und ihr noch eine Anzahl auf die 
hamburgische Geschichte bezüglicher Bücher hinzuzufügen die Güte gehabt. 

Bei der Vermehruug der Sammlung von Ornamentsticheu 
waren wir hauptsächlich bedacht, solche Blätter zu erwerben, welche dem 
Museum fehlende und nicht leicht zu beschaffende Gegenstände darstellen, 
so Goldschmiedearbeiten im Allgemeinen und Möbel des 18. Jahrhunderts. 
Im Hinblick auf die für 1897 angekündigte Allgemeine Gartenbauausstellung 
wurden auch Stiche mit Garten-Ornamenten und Grundrissen, sowie An- 
sichten der wichtigsten historischen Gärten angekauft zur Vervollständigung 
der schon im Besitz des Museums befindlichen Blätter, die zu einer 
„Ausstellung zur Geschichte der Gartenkunst-' während der 
Dauer der Gartenbauausstellung bestimmt sind. 

Auch die Sammlung der Gelegenheitsblätter konnte ansehnlich 
vermehrt werden. Der hieher gehörigen Plakate ist schon bei der Plakat- 
Ausstellung gedacht worden. Hervorzuheben sind noch eine Anzahl von 
Gelegenheitsblättern der Münchener Künstlergesellschaften und Künstlerfeste, 
zu deren Ankauf uns die Historische Commission der Münchener Künstler- 
genossenschaft willkommene Gelegenheit bot. Damit ist, wie früher schon 
das Künstlerleben in Berlin und in Düsseldorf, jetzt auch das Künstlerleben 
in München zu vielseitiger Darstellung gelangt. Andere Ankäufe betrafen 
die von französischen Künstlern unserer Tage, von J. Cheret, A. Wille tte, 
E. Grasset, H. de Toulouse Lautrec, Th. Steinlen, F. Rops, 
Degas u. A. als Gelegenheitsblätter, als Buchtitel oder Umschläge 
geschaffenen Blätter; ferner die für das Diner du Bon Bock, eine gesellige 
Vereinigung von Künstlern und Schriftstellern in Paris gezeichneten 
Einladungen und Mittheilungen, in denen das französische Künstlerleben 
sich widerspiegelt. 

Endlich ist hier noch des Ankaufes einer ungefähr tausend Blätter 
zählenden Sammlung von farbigen Aufnahmen von Blumen und Früchten 
aus dem Nachlass des Wiener Malers Johann Knapp zu gedenken. 
Dieser, 1778 in Wien geboren, genoss als gewissenhafter Blumen- und 
Frucht-Maler einen über seine künstlerische Begabung hinausgehenden Ruf 
und war lange Jahre bis zu seinem 1833 erfolgten Ableben am Garten des 
k. k. Schlosses zu Schönbrunn in Thätigkeit. Dort fand er die Vorbilder für 
seine Folgen der in Oesterreich kultivirten Rosen, für Oesterreichs Wein- 
trauben, Kern- und Steinobstsorten und für seine Abbildungen der damals 
beliebten oder neu eingeführten Gartenstauden und vieler exotischen Ge- 
wächse. So naturgetreu seine farbigen Darstellungen, können sie für den 
Blumenmaler von Nutzen nicht sein, für viele Aufgaben der Zierkunst 
bieten sie aber eine Fundgrube von Motiven, an deren Reichthum kein 
gedruckt;es Werk hiuanreiclit. 



(3XVl Museum für Kunst und Gewerbe. 

Der Besuch der Sammlungen im Jahre 1896. 

Januar 3 ÜSl 

Februar 3 447 

Miirz 4 129 

April 8 271 

Mai 3 715 

Juni 1 875 

JuH 4 241 

August 9 830 

September 4 555 

October 4 141 

November 8 822 

December 6 107 

zusammen ... .62 814 Personen, 
von welcbeu 22 814 auf die Sonntage kamen. 

Die Benutzung der Bibliothek und des Lesezimmers. 

Der Besuch des Lesezimmers im Jahre 18üG ergiebt sich aus der 
folgenden Uebersicht : 

Januar 325 

Februar 228 

März 118 

April 116 

Mai 84 

Juni 73 

JuU 66 

August 86 

Sejitember 136 

October 247 

November 137 

December 145 

zusammen 17G1 Personen, 

gegen 1522 im Jahre 1895. 

Diese 1761 Personen benutzten 2085 Bände, deren Vertheilung über 
die verschiedenen Fächer sich aus der folgenden Uebersicht ergiebt: 

Geschichte 86 

Kulturgeschichte 38 

Heraldik 96 

Costümgescliichte 61 

Aesthetik 10 

Kunstgeschichte 183 

Baukunst .... 29 

Bildhauerkunst 18 

Malerei 130 

Transport. ... 651 Bände 



I)ie Öibliotliek und das Lesezimmer. CXVlI 

Transport. ... 651 Bände 

Kunstgewerbe im Allgemeinen 109 

Decoration und Ornamentik 433 

Schrift und Monogramme 22 

Gewebe und Stickerei 21 

Möbel- und Holzschnitzerei 77 

Metallarbeiteu 42 

Keramik 5 

Buchausstattung 30 

Anatomie und Zoologie 40 

Pflanzenbilder, naturalistische u. stilisirte 201 

Illustrirte Werke aller Art 122 

Werke über Japan 21 

Japanische Bilderbücher 132 

Verschiedenes 83 

zusannnen 2085 Bände, 

gegen 1890 Bände im Jahre 1895. Von den graphischen Sammlungen wurden 
die Hamburgensien in 122, die Gelegenheitsblätter in 40 Fällen benutzt. Die 
Benutzung der im Lesezimmer aufliegenden Zeitsclmften sowie der 
Vorbilder-Sammlung steht jedem Besucher des Lesezimmers ohne Aus- 
füllung eines Verlangzettels frei. 

Im Lesezimmer gezeichnet wurden : 20 Fayencen und Porzellane, 
1 1 Gewebe und Stickereien, 3 Lederarbeiten, 6 Holzschnitzereien, 9 Bronzen, 
zusammen 49 Gegenstände. Ueber diejenigen Gegenstände, welche ohne 
Entfernung von ihrem Aufstellungsort in der Sammlung gezeichnet werden, 
findet keine Kontrolle statt. 

Ausgehehen wurden im Jahre 1896 474 Bände gegen 418 im Jahre 1895. 
Ihrem Inhalte nach vertheilen sich dieselben folgendermaassen : 

Geschichte 8 Bände 

Kulturgeschichte 5 

Heraldik 10 

Costümgeschichte 26 

Aesthetik 3 

Kunstgeschichte 62 

Baukunst 18 

Bildhauerkunst 5 

Malerei 18 

Kunstgewerbe im Allgemeinen 09 

Decoration und Ornamentik 18 

Schrift und Monogramme. . 10 

Gewebe und Stickereien 4 

Möbel und Holzschnitzereien 23 

Metallarbeiten 2 

Keramik . ■ ■ 8 

Transport. . . .289 Bände 



CXVIII Museum für Kunst und Gewerbe. 

Trausport. . . .289 Bände 

Bucliausstattung ß 

Pflanzenbilder, natiiralistisclie und stilisii-te 9 

Illustrirte Werke aller Art 76 

Werke über Japan 14 

Japanische Bilderbücher 66 

Verschiedenes 14 

zusammen 474 Bände. 

Aussei'dem 30 Blätter der Vorbilder-Sammlung, 77 Photograjjhieen, 
125 Blätter aus der Hamburgensien-Sammlung, 415 Gelegenheitsblätter, 
zusammen 647 Einzelblätter gegen 85 im Vorjahre. 

Entleiher dieser Bücher und Blätter waren 110 verscliiedene Personen, 
welche sich ihren Berufen nach folgendermaassen vertheilten: 

Zeichner für das Kunstgewerbe 5 Personen 

Architekten 8 

Bildhauer 7 

Maler ". 5 

Malerinnen C 

Becorationsmaler 5 

Gelehrte 25 

Lehrer 4 

Möbelfabrikanten und Ta])cziere 4 

Ledertechniker und Buchbinder 2 

Lithographen und Buchdrucker 2 

Kunststicker und Kunststickerinnen 3 

Verschiedene Berufe 15 

Damen ohne Beruf . . 19 

zusammen 110 Personen. 

Ferner wurden zur Benutzung aussei'halb der Anstalt entliehen 
242 Gegenstände der Sammlung, welche sich folgendermaassen vertheilten: 
46 Stickereien, 40 Gewebe, 29 keramische Arbeiten, 3 Gläser, 20 Möbel 
und Holzschnitzereien, 22 Arbeiten aus unedlen Metallen, 8 Edel- 
metallarbeiten, 24 Bucheinbände, 5 japanische Körbe, 50 jai^anische Holz- 
drucke und -Platten, 56 japanische Färberschablonen, 11 mathematische 
Insti'umente. 

Nicht inbegriffen hierin sind die für den Zeichenunterricht in den 
gewerblichen Leluranstalten enthehenen Gegenstände. 

Die Allgemeine Gewerbeschule entlieh: 41 Möbel und Holz- 
schnitzereien, 34 Metallarbeiten, 12 Gewebe, zusammen 87 Gegenstände. 

DieGewerbeschule fürMädchen entheb: 11 Gewebe, 1 3 Stickereien, 
17 Stücke Porzellan und Fayencen, 2 Holzarbeiten, 11 Metallarbeiten, 
zusammen 54 Gegenstände. 



Bio Vortrüge i. J. 1896. CXIX 

Die Vorträge. 

Von den Vorträgen, die der Direktor im Winterhalbjahr 1895 — 96 
an den Montags-Nachmittagen von 2' 2 bis 3'/2Uhr über die Geschichte 
des Deutschen Kunstgewerbes liielt, entfielen diejenigen, welche das 
erste Auftreten des Menschen in Mittel-Europa, die Stein- und Bronzezeit 
und die vorrömische Eisenzeit betrafen, noch in das Jahr 1895. Im 
Berichtsjahr wurden behandelt: 1) Der Einfluss der Berührung mit den 
Römern auf die Germanen und die deutsch -römische Provinzialkunst. 
2) Die Zeit der Völkerwanderung. 3) Das jüngere Eisenalter der nordischen 
Völker in der Wikingerzeit. 4) Das Kunstgewerbe der karolingischen Zeit. 
5) Das deutsche Kinistgewerbe, insbesondere die Goldschmiedekunst im 
10. bis 13. Jahrhundert. 0) Das Kunstgewerbe unter der Herrschaft des 
gothischen Stiles im 14. Jahrhundert. 7) Das deutsche Kunstgewerbe im 
15. Jahrhundert und die Bewegung, welche der Wiedergeburt der Künste aus 
der Antike voraufging. S) Die deutsche Frülirenaissance. 9) Die deutsche 
Spätrenaissance. 10) Das deutsche Kunstgewerbe am Ende des 17. und 
zu Anfang des 18. Jaln-hunderts. 11) Das deutsche Kunstgewerbe des 
18. Jahrhunderts. 

Im Anschluss an die am 2. April eröffnete Ausstellung japanischer 
Holzfarbendrucke und illustrirter Bücher hielt der Director noch 
vier Vorträge an den Sonntagsvormittagen von 11 — 12 Uhr. Im ersten 
Vortrag besprach er das Figuren- und Sittenbild in der Malerei und dem 
Holzfarbendruck der Japaner; im zweiten Vortrag die Landschaft in 
der Kunst der Japaner, insbesondere in den Holzfai'bendrucken des 
Hokusai und Hiroshige. Anlässlich dieses Vortrages überwies Frau 
Adele Baumann dem Museum einen ausgezeichneten Holzfarbendruck 
des letztgenannten Künstlers, die auf zwei mit den Schmalseiten anein- 
ander gefügten Blättern gedruckte Darstellung einer Gebirgsschlucht im 
Winter. In seinem dritten Vortrag behandelte der Direktor die PHanzen- 
und Vogelbilder und das Stillleben im japanischen Farbendruck. Im 
vierten die Technik des japanischen Holzfarbendruckes an 
der Hand der im Besitz des Museums befindlichen japanischen Original- 
Holzstöcke mit ihren Probeabdrücken und der bei ihrer Herstellung 
benutzten Werkzeuge. Eine Besprechung der Farbenholzdrucke, welche 
der aus Hamburg gebürtige, in München lebende Maler Otto Eckmann 
auf Grund seines Studiums der japanischen Technik geschaffen hatte, 
schloss sich an. Dabei konnten die Original-Platten, die er für das 
bekannte grosse Blatt mit den Schwänen in dunklem Wasser geschnitten 
hatte, zu weiterer Erläuterung dienen, da sie von dem Künstler in dank- 
barer Erinnerung an das, was er von den japanischen Holzstöcken und 
Drucken unserer Sammlung für sein eigenes Verfahren gelernt hatte, dem 



cxx 



Museum für Kunst und Gewerbe. 



Museum überwiesen worden waren. Mit dem Ratlie, auch andere unserer 
iungen Künstler möchten das im Holzfarbendruck nach japanischer Weise 
ilinen gebotene Ausdrucksmittel für die Vervielfältigung ihrer Werke studiren 
und anwenden, stellte der Vortragende den Künstlern die im Besitze des 
Museums befindlichen Werkzeuge und Geräthe zur Benutzung oder Nach- 
bildung zur Verfügung. 

In den Vorträgen während des Winters 1S9G — 1897 wurde die 
Geschichte der inneren und äusseren Buchausstattung behandelt. 
Vier noch in das Berichtsjahr fallende Vorträge betrafen die Erfindung 
der Buchdruckerkunst, den Holzschnitt im 15. und IG. Jahrhundert, die 
mit Kupferstichen illustrirten Bücher des 17. und 18. Jahrhunderts. 

In sechs Vorträgen sprach Herr Dr. Fr. DeneJcen über die Gräber 
und Grabdenkmäler der Hellenen. Im ersten Vortrag wurde in 
Anknüpfung an Lessings bekannte Abhandlung die Darstellung des Todes- 
gottes in der antiken Kunst besprochen; danach die Grabessitte in der 
vorgeschichtlichen Zeit. Der zweite Vortrag behandelte die Ergebnisse der 
Ausgrabungen in Mykene; der dritte die Bestattungsgebräuche und den 
Seelenglauben in der homerischen und geschichtlichen Zeit; der vierte die 
attischen Grabdenkmäler; der fünfte die griechischen Sarkophage und die 
kleinasiatischen Grabbauten; der letzte die Heroisirung verstorbener 
Menschen. 




Cliinesisclios Tabaksfläschclien, aus nülcliweisaem 

Glas, mit rothem, goschnittenum Ueberl'ang. 

18. Jahrhundert. Nat. Gr. 



Sternwarte. CXXI 



5. Sternwarte. 

Bericht vüu Dr. R. Scliorr. *) 

Im Persoual tler Stcriiwurtc trat am Ende des Jahres 189(5 eine i- Peisouai. 
Veränderung ein, indem der wissenscliat'tliclieHülfsai'beiter, Herr Dr. C. Häniij, 
ausscliied, um eine Stellung am Kgl. Astronomischen Recheninstitnt in Berlin 
anzutreten. Au seine Stelle trat Herr Dr. H. Lndendorjf aus Derlin. 

Ausser einigen kleineren Ergäu/ungen liat der Instrumentenbestand der iLinstnunente. 
Sternwarte im vergangenen Jahre eine wesentliche Vermehrung durch das bereits 
im vorjährigen Bei'icht erwähnte, von den Herren A. Eepsold & Söhne 
hier erbaute transportabele Durehgangs-Iustrument erfahren. Das Instrument, 
welches ein Fernrohr von GS mm OeÖuung hat und mit KeiJsokVschem 
Ocular-Mikromcter zur selbstthätigen Kegistrirung der Durcligänge und 
jiiit Horrebow-Niveaux versehen i.st, ist auf dem im Garten der Sternwarte 
imter einer fuhrbaren Hütte errichteten l'i'eiler aufgestellt wurden. Ferner 
ist zum Ersatz der bisher zur RegnUruiig der öUenthchen sympatlietischen 
üiueii benutzten älteren Repsold'sclien l'endehdu' bei der Firma Strasser 
und liohde in (Uasliiitte eine l'endeliihi- mit Rietler'schem Tendel, Selialt- 
pendeln und electrischen Contacten bestclLt worileu, die Anfang 1>S'.)7 zur 
Ablieferung gelangen wird. 

Die Bibliothek hat im vergangenen Jaiue wieder die erheblielie Zu- in. Bibliothek, 
nähme von 384 Bänden erlälu-en, hauptsächlich infoige zalilreieher 
(jesehenkc von wisseusehaftliclien Instituten und Gesellschaften. Es gingen 
der Sternwarte Geschenke zu von den Sternwarten, bezw. meteorologischen 
und geodätischen Instituten in Adelaide, Arcetri, Berlin, Besan(;oii, Gandiridge 
(Mass.), Cambridge (Enghuul), Gap der guten Hoflnung, Chicago, Gordoba, 
Dorpat, Dresden, Dublin, Genf, (iotlia, Greenwich, Hamburg (Seewarte), 
Hongkong, Kalocsa, Karlsruhe, Kasan, Leipzig, Eund, Mailand, Moskau, 
]\Iount Hamilton, Neuchätel, New Haven, New York, Oxford (Radcliff'e und 
University OIjservatory), Padua, Paris (Gbservatoire und Bureau des 
Longitudes), Potsdam, Prag, Pulkowa, Strassburg, Tacubaya, Tokyo, Turin, 
Virginia, Washington, (Naval 01)servatory und Coast and Geodetic Survey), 
Wien (Sternwarte Ottakring und Mihtär-geographische Institut) Windsor und 



*) Erstattet in Vcrtiutuug des zur Zeit erkrankten Direktors l'roi'. Iiiiiucker. 



CXXII Sternwarte. 

Zürich; ferner von dem Centralbureau der Internationalen Erdniessung, 
den Gradmessungs-Commissionen von Bayern, Oesterreiuh und der Schweiz, 
der Preussischen Landestriangulation, der Royal Astronomical Society in 
London, den Astronomischen Gesellschaften in Brüssel und St. Petersburg, 
der Mathematischen Gesellschaft in Hamburg, der Deutschen Reichspost, dem 
Statistischen Bureau in Hamburg und von vielen Privaten. Allen Gebern 
sei an dieser Stelle der verbindlichste Dank abgestattet. Von den durch 
Kauf erworbenen Büchern sei namentlich die vorzügliche vollständige 
Ausgabe der Werke von Ptolemaeus, Theon und Aratus durch Halma 
erwähnt. Am Ende des Berichtsjahres umfasste die Bibliothek 8()lü Bände. 

IV. Piibii- Die am Aequatorial erhaltenen ersten Kometenbeobachtungen wurden, 
kationen. ^^^^^ jj^^. jj^ ersten Bahnbestimmungen verwandt werden zu können, alsbald 

in den „Astronomischen Nachrichten" veröffentlicht. In derselben Zeit- 
schrift wurde ferner veröffentlicht eine Zusammenstellung der von ver- 
schiedenen Beobachtern auf der hiesigen Sternwarte in den Jahren 1S'J2 
bis 1896 erhaltenen Beobachtungen von Sternbedeckuugen und Finster- 
nissen, sowie die „Resultate aus Beobachtungen von 55 Sternen im Parallel 
des Mondes", welche von dem früheren Obscrvator der Sternwarte Herrn 
Dr. Luther in den J;dn'en 18S8 — 91 am hiesigen Meridiankreise angestellt 
wai'en. Die im vorjährigen Bericht bereits erwähnte Ztisammenstellung 
des Berichterstatters „Bemerkungen und Berichtiguugi'U zu t'arl Rümker's 
Sterncatalogen 1S,3(J.0 und 1850. U"» wurde noch weiter vervollständigt und 
wird in dem vorliegenden Jahrliucli zur Veröffentlichung gelangen und 
separat als „Miltheilung 3 der Handiurgcr Sternwarte" versandt werden. 

V. Beob- -^'11 Meridiankreise wurden die für den Zeitdieiist der Sternwarte 
aci.tuuKeu am erforderlichen Zeitbestinmuuigen von dem Berichterstatter oder vertretungs- 
weise von Herrn Dr. Iläni;/ ausgeführt, die für die Zwecke des Chronometer- 
Prüfnngs-Institutes erforderlichen von Herrn Dr. StecJierL Ausserdem wurden 
von dem Berichterstatter die Ergänzungsbeobachtnngen zur Zone 80 — 81" 
fortgeführt. Im Ganzen wurde am Meridiankreis in 94 Nächten beobachtet. 

VI Beob- "'^"^ Ae(piatorial wurden hauptsächlich die erschienen Kometen und 

acbtiingfn am einige kleine Planeten vom Berichterstatter beobachtet und koimten folgende 
'' ^""''' Beobachtungen erhalten werden: 

Komet 1895 IV (Perrine Nov. IG.) 3 Beobachtungen 

„ 1896 I (Perrine-Lamp Febr. 14.) 12 „ 

1896 III (Swift April 13.) 23 

„ 1896 IV (Sperra Aug. 31.) 1 Beobachtung 

1896 V (Giacobini Sept. 4.) 1 

,, 1897 I (Perrine Nov. 2.) lU Beobachtungen- 
Planet (35) Leukothea 2 „ 

(71) Niobe 2 



kleineren 
lustrumeuten. 



SternwartG. CXXIII 

Planet (SO) Sapplio 1 Beobcaclitung 

„ (82) Alkniciic 2 Beobaclituugea 

(324) BanilxTga . . 2 „ 

„ (41G) 1S9G CS ; 1 Bcoliachtiing 

Nach (loni Faye'sclicn Kmiicini ISIKI II luid dem jicriddisclicn Koiucton 
Brooks 189(1 Yl wurdo öfters grsiirlit, jcducli ^\■.u■n\ beide Kometen für 
das hiesige Fernrolir zu schwarli. |)ei- lümiet. IS'.lC Vil (l'ei'rine Dop. 8) 
konnte wegen des ansserordentlich ungünstigen Wetters im Deccnnher nicht 
anfgesucht werden. Ausser den obigen Beobachtungen wurde aucli die 
Jupiterbedeckung 1890 Juni 11 und die riejadenbedeckung 189(') Sept. 2G 
vom Berichterstatter am Ae(|uatorial beobachtet. Im Oanzen wurde am 
Aeipiatorial in .'').^) Näcliten lienbaehtet. 

Am Kometensucher und .len kleineren Fernrohren wurde von Herrn vrr. Beoi.,ci,- 

-, tungen an den 

Dr. Sfcrherf und Herrn I>r. 7'r/r»,s- ein.' l.'eihe von Sternbedeckungen und 
die Jupiterbedeckung 189(i Juni 11 heoli;iclitet. 

Im Ganzen ist im vergangenen .l.dne in 121 XTieliten beobachtet 
worden und vertlieilen sieh iliese Niichte auf die einzelnen Monate wie lolgt: 
Jan. Febr. März April Mai Jinii Juli Aug. Sept. (»ct. Nov. Dec. 
r. 12 9 9 ]?, 12 !l 9 lö 9 11 8 

Die tägliche telegr.aidiische Veruleiclnmi;- der auf den beiden H<<ic]is- viil. Zeit- 

11 T> i- i^ dienst. 

Zeitball-Stationen bei dem 'l'elegr.iidienaint m Cu.xhaven nud dt;m 1 ostamt 
in Bremerliaven aufgestellten rendeluhren, sowie die Abgabe eines täglichen 
Zeitsignals an die Centralstation der hiesigen Polizei- und Feuerwachen 
und die tägliche Auslösung des auf dem Quaispeicher A im hiesigen Hafen 
aufgestellten Zeitballs wurde in der liisherigen Weise vom Berichterstatter 
und vertretungsweise von Herrn Dr. Ilänif/ ausgeführt. Von den 3G0 Signalen 
des hiesigen Zeitballs erfolgten 352 richtig, 5 konnten wegen Leitungs- 
störung, Versagens der mechanischen Auslösevorrichtung und wegen 
Eisbildung an der Scheere nicht erlbeiH werden, >ind nn 9 Tagen in der 
zweiten Hälfte des October konnte der Ball wegen einer vollstäiuligcn 
Erneuerung desselben nicht fallen. Die mittlere Abweichnung der crtheilten 
Signale von der richtigen Greenwich Zeit betrug 0,30 Secunde. Von den 
732 Zeitballsignalen in Cuxhaven konnten 3 wegen mechanischer Störungen 
und Eisbildung an der Scheere nicht erfolgen; ausserdem sind 3 Fehl- 
signale vorgekommen. Das Mittel der Abweichungen der ertheilten Signale, 
wobei zu bemerken ist, dass dieselben bei allen Pteichs-Zeitball-Stationen 
auf die halbe Secunde abgerundet werden, betrug 0,38 Secun<le. In 
Bremerhaven fiel der Ball nur an 2 Tagen nicht, in Folge von Reparaturen; 
die übrigen 728 Signale erfolgten ordnungsmässig. Das Mittel der Ab- 
weichunn;en betrug 0,33 Secunde. 



CXXIV Sternwarte. 

Die beiden zur genauen öffentlichen Zeitangabe dienenden elektrisch- 
sympatbetiseben Uhren an der Fassade des Börsengebäudes und am Eingang 
zum Ostfliigel der Sternwarte sind während des ganzen Jahres in Ueber- 
einstimmung mit der ihren Gang reguherenden Uhr auf der Sternwarte 
gewesen. Das Mittel der Abweichungen derselben von der genauen Mittel- 
Europäischen Zeit hat 0,45 Secunde, die grösste Abweichung 1,9 Secunden 
betragen. Eine Zusammenstellung der Abweichungen ist im „Oeff entliehen 
Anzeiger" veröffentlicht worden. Die für den Zeitdienst der Sternwarte 
benutzten beiden Normaluhren Kittel 25 und Tiede 375 haben anch im 
vergangenen Jahre einen recht gleichmässigen Gang gezeigt. Die bereits 
im vorjährigen Bericht erwähnte, erliebliche Acceleration im Gange der 
letzteren, unter luftdichtem Verschluss befindlichen Uhr hat auch im Berichts- 
jahre angehalten, wie aus den folgenden Zahlen hervorgeht-: 

Anfang Mai 1894: Täglicher Gang = —0,3 See. 

Januar 1805: ,, „ = — 3,f, „ 

„ ]89r.: . . „ „ = -5,4 „ 

„ ,. 1897: ,. ,. = —0,5 ,. 

Eine Erkliinmg dieser sehr merkwürdigen Acceleralion ist direct nicht 

ersichtlich und ist man auf Hypothesen angewiesen, da sowohl der 

Schwingungsbogen (fid'j als auch der Druck im luftdicht abgeschlossenem 

Gehäuse (520 mm) in der ganzen Zeit konstant gewesen ist oder nur 

periodische Aenderungen infolge der wechselnden Temperatur gezeigt hat. 

Die von der Firnm. J. Ni^licr S('ilnie in München der Sternwaiie 

zur Untersuchung zugestellte Bendcluhr mit Riefler'schem Pendel und 

Echappcment verblieb hierselbst bis Anfang September und hat während 

der ganzen Brüfungszeit zwichen den Temperaturen 1,5" und 22,2" C. einen 

sehr befriedigenden Gang und s(^lir gute Tcmperatur-Compensation gezeigt. 

IX. Chrono- Die Tliätigkeit des der Dii'ektion der Sternwarte unterstellten 

meter-Pra- Chronometer -Prüfungs- Institutes, Abtheilung IV der Deutschen Seewarte, 

fungs- Institut . o 7 o i 

war auch im vergangenen Jahre eine sehr ausgedehnte und hat namentlich 
din-ch die Inanspruchnahme seitens mehrerer grossen Schiffahrtsges(^llsclinften 
eine erhebliche Erweiterung ei'fahren. Ferner wiu'den dem Institute von 
wissenschaftlichen Anstalten und geographischen Forschungscxjx-ditionen 
eine Anzahl Chronometer zur Untersuchung überwiesen. In der Zeit vom 
19. November 1895 bis 23. April 1890 wm-dc auf dem Institute die 
19. Konkuri-enz-Prttfung von Marine-Clironometern abgehalten, über deren 
Ergebnisse im Atigusthefte des Jahrgangs 189G der „Annalen der 
Hydrographie und maritimen Meteorologie" ein eingehender ISericht 
veröffentlicht worden ist. Von den 32 geprüften Chronometern wurden 
seitens des Beichs-Marine-Amts priimiirt und ausserdem 10 von diesem 
und 2 von den Sternwarten in Krakau und Chicago angekauft. 



Sternwarte. CXXV 

Die Ablesungen der meteorologischen Instrumente wurden in der x. Meteoroio- 

l)islierigen Weise um 9 Uhr Morgens und Uhr Abends fortgeführt und "'*''' ' '' ' ■ 
täglich in den „Hamburger Nachrichten" veröffenthcht. 

An Vorlesungen wurden im Auftrag der Oberschulbehfirde folgende ,^'- ^'""' 

° ^ lesungen, 

gehalten : 

Im Sommer - Semester 1S9G: 

Prof. I\üml;er: Theorie der geographisclicn ()rtsl)estinimnng; 

2 Zuh('")rer. 
Dr. Scharr: Allgemeine Astronomie. Tlieil II (Sonnensystem); 

ca. 40 Zuhörei'. 
Im Winter- Semester 1896-97: 

Dr. Scharr: 1) Allgemeine Astronomie, Theil III (Kometen 

und Meteore); 73 Zuhörer. 
2) Bahnbestimmung von Planeten und Konieteii; 
3 Zuhörer. 
Die Vorlesungen über „Allgemeine Astronomie" wurden dun li die 
Vorführung einer Reihe, zum grossen Theil selbst hergestellter Diapositive 
unterstützt. 

Die Eeduction der Meridiankreisheobaclitungen der Zone 8(1 — 81" xii. Andere 

Arbeiten. 

wurde weiter fortgefülirt. Seitens des Berichterstatters wurde die Elementeu- 
Berechnung des neu erschienenen Kometen 1890 III (Swift A]iril 13) 
ausgeführt und in den „Astnuiomischen Naclirichten" veröffentlicht. Aucii 
wurde, wie bereits in den vorhergehenden Jahren, die Mitwirkung des 
Berichterstatters als Sachverständiger für die Beschaffung der Thurmuhren 
und zugehörigen Normaluhren für das neue IJafldians und die Micliaelis- 
kirclie mehrfach in Anspruch genommen. 



CXXVI 



Naturhistorisches Museum. 



6. Naturhistorisches Museum. 

Bericht des Direktors Professor Dr. Kraepelin. 



Instrumente 
nnJ Modplle. 



Den Vor.sitz in der ('i)niniissioii iVir das Natmliistorlsclic IMiiseuni 
fiiliitc, wie iin Vorjahre, Herr Syiidieus Dr. von Melle. Im inirineii Itestaiid 
dii' ('(»mrnissioii aus den Herren Direlctor Dr. H. Bolau, Dr. jnr. O. iJehn, 
C O. Efigerf, G. H. Martens, Dr. med. W. Oehrens und dem Direlctor. 

Dem T'ersonal des Musemns trat Herr f. Frescn als H ülfsarheiter 
bei. Dnreh (h^n Tod verlor das ]\rusenm den Anfselier Joh. Fischer, in 
dessen Stelle der bisherige Hansdiener B. SrJinmacJier eiinüekte. 

Wie im Vorjahre war Herr Dr. 0. ScJnniciIelnecJif — Blaidvenlnirg — 
mit der Bestimmung einzelner Abteilungen unserer Hymenopterensanimlung 
beauftragt, zu welchem Zwecke er auch eine Keihe von Woclien im Äluseum 
seihst thätig war. Des Weiteren wurden zur wissenschaftlichen Hülfsarljeit 
zeitweilig herangezogen die Herren G. SeJifuJiO-herVm und L. Sorhai/en - 
Handjurg. 

Durcli freiwillige Hülfsaibeit widirend einigiH- Wociien des Sommers 
erfreuten uns die Herren G. H. Martens und lichrer Th. Meyer. 

Die lüldiothelv des Museums hat im Laufe desJalires um X'.l'.W Nummern 
zugenommen, von denen 442 durch Kauf, 703 dnreh 'rnusch dder (lesclicnk 
erwoi'ben wurden. Der Wert der gekauften Bücher beziffert sich .luf rund 
J^ 3130. — , wdvon ein gi-oßer Teil für laufende Zeitschriften und Licfei-ungs- 
werkc verausgabt werden inuüto. Der Wert der durch Tauscli oder Oeschenk 
erlialtcneu Bücher beträgt J/f 3894. — , abgesehen von 3fi Bänden des 
Challenger-Rcport, welche die englische Regierung dem Älnseum als Geschenk 
ül)erwiescn hat. 

Ein Schriftenaustausch ist neu vereinbart mit der B>ibliothek der 
Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft in Bern, der 
Societe seien tifique et Station zoologique in Arcachon, der 
Californian Academj' of sciencc in San Francisco, der Faculte 
des sciences in Marseille, der Academie des sciences in 
Montpellier, dem American Museum in New-York, dem INfuseo 
paulista in Saö Paulo, den Keuilles des jeunes natnralistes in 
Paris, dem Musee zoologique in St. Petersburg. 

Außer den übhchen Ergänzungen an anatomischen Instrumenten, 
AVerkzeugen etc. wurden nur einige kleinere Apparate, wie Si)ritzen, Luft- 
pumpe etc. angeschafft; außerdem, zum Gebrauche bei den Vorlesungen, 
eine größere Reihe von Modellen zur Erläuterung der menschlichen Anatomie 
inid der Entwicklungsgeschichte, für deren Ankauf besondere Mittel nach- 
träclich in das Budget des Jahres eingestellt waren. 



Sammluug 



Naturhistoriselies Museum. CXXVII 

In dcrZoologisclien Abteilung ist ein Gesamtzuwachs von 7081 Nummern Vermeiirung 
in etwa 33 400 Exenii)laren zu verzeichnen. Der weitaus größere Teil — 
5 1C4 Nummern in rund 20 500 Exemi)Iaren und im Werte von t¥^ 8050 — 
ist dem Museum als Geschenk zugegangen. Der Gesamtwert der zoologischen 
Eingänge beziftert sich auf etwa J^ \\\ 000. — 

Auf die einzelneu Abteilungen verteilt sicli der Zuwaclis in 
folgender Weise: 

1. Säugetiere 310 Nummern, 210 lv\en\[>lare 

2. Vögel, Nester etc 233 „ 237 

3. Eeptilien, Amphibien 216 ., 000 „ 

4. Fische 212 „ 2037 

5. Mollusken 894 „ -1010 „ 

0. Insekten 4655 „ i;i 167 

7. Spinnni . . 518 „ 1S04 

8. Myrioiioileii 80 „ 300 „ 

9. Crustaceen 95 „ 844 

10. Würmer, Molluscoiden 424 „ 3792 

1 l. Kchinodermen lol „ 150 ,, 

12. (.'oeleuteraten, Protozoen 34 ., 249 „ 

7681 Nummern, 33 400 Exemplare. 

\'on größeren Ankaufen seien erwähnt die Duubletten der Myriopoden 
und Arachniden der i't;a'schen Sammlungen aus lürina, Tiefseetische des 
Mittelmeers von Professor Gi(jlioli, Teile der Gustav Freit ansehen Conchylien- 
samndung, sowie verschiedene größere Collektionen von Säugetier- und 
Vogelbälgen, von Tintentischen, Orthopteren und Schmetterlingen. 

Aus der Reihe der Geschenke , für welche der gebührende Dank in 
den Tagesblättern bereits abgestattet wurde, mögen folgende hier kurz 
erwiilmt werden : 

^'ou Herrn G. II. C. Ädicnnaiin ein Kell des seltenen Tragelaphus 
angasi; von Sr. Durchlaucht dem Fürsten von Bismarck Eber, Bache vind 
Frischlinge vom Wildschwein aus dem Sachsenwalde; von dem Bolanischcri 
Galten eingeschleppte Regenwürmer und Tausendfüße ; von Herrn 
Dr. Brandes-Üiüle 24 deutsche Trematoden; von Herrn Dr. iV«((t'r-Gießen 
Skorpione, Spinnen und Würmer von den Seychellen; von Herrn Dr. von Brunn 
30 Eiugeweidewiirmer aus Aalen; von Herrn W. BurcJiard -Simmhn 
174 Insekten, Tigerembryo von Ostsumatra; von Herrn CCahvood-Üt. Thomas 
wertvolle Sanunelausbeute aus St. Thomas; von Herrn P. 0. Caiyenfcr- 
Dublin 25 Phahingiden von Irland; von Herrn Dr. Z>e/^?i - Valparaiso eine 
große Anzahl Insekten, Würmer und Meorestierc von Chile; von Herrn 
Fr. Dörries 50 seltene Schmetterlinge aus Ostsibirien; von Herrn Quarantaine- 
luspektor C. Ejgert - St. Thouuis Insekten, Spinnen und Würmer von 



CXXVIII Naturliistorisches Museum. 

St. Thoiuas; von Herrn Geo. W. Fischer 2 Schädel von Aymara-Indianern 
aus Bolivien; von Herrn J. H. Fusen Fell und Skelett der Vierliorn- 
antilope, Tetraceros quadricornis, Fell von Canis jubatus; von Herrn 
Sehifi'sarzt Dr. Gasstnunn eine große Zalil Land- und Seetiere von der 
Südwestküste Südamerikas; von Herrn Schiffsoftizier Gölldner S(-ldangen 
von Santos; von Herrn K. Gosse Schlangen, Insekten und Spinnen von 
WestalVika; von Herrn L. Graeser zahlreiche Insekten, besonders i'oi\st- 
schädliche, der heimischen Fauna; von Herrn C. G. de HasefJt -Cm-nr-do 
wertvolle Sammelausbeute, namentlich an Landtieren, von Curacao ; von 
Frau W. iZ/nfee Meerestiere, Spinnen und Insekten von Anirum; von Herrn 
C. Ä. Höji niedere Tiere der heimischen Fauna ; von Herrn U. Hoetjo 
•200 seltene Käfer aus Mexico ; von den Herren Jantzen & Thornüihk'n 
Skelett einer Sirene, Manatus senegalensis ; von Herrn H. Jebens 2 Kohr- 
dommeln ; von Herrn Dr. von Jlterin;/ - Saö Paulo Wespennester aus 
Urasilien; von Herrn H. Jourdun exotische Fische und Libellen, von Herrn 
JI. Kalbe 74 einheimische Schlupfwespen und RaupenHiegen ; von Hei-rn 
Professor 7v(i/e;-Ziirich Ilegenwürmer von Madagaskar; von den Herren 
Professoren /•,'. und 7v'. KrüvpvUn Sammelausbeute einer Reise nach Nordalrika, 
Si)anien und den Palearen ; von Herrn F. Krause HO Regenwürnier von 
Saö Paulo ; von Herrn Dr. //. y>n(i-Lübeck 11 wertvolle Gorgonidentypen 
von Singaiiore ; von Herrn T.Lcii4-K()])v JfiO Fische, zahlreiche Peptihen, 
Amphibien und liisekti'U von Japan; von Herrn E. Th. Lind Vampyr, 
Insekten und Schneeken aus Veiieznela.; von den Herren Li litis/ n'iin, 
Roeld et': Co. fin Fauitiei- ; V(in Friiniein /.iiqiert Vogelbiüge, Skurpinue, 
Spinnen, Tausendfiiße, Insekten und Mollusken ans Transvaal ; von Herrn 
Ingenieur Jean Mdü 30U Insekten von Saö Paulo ; vun Herrn 
Dr. II'. MidiaeJsen Sammelausbeute seiner Reise nach Aegypten bis zum 
i'rsteii Katarakt; von der Zoolonisclien Station in Neapel 'ih Anneliden; 
von Herrn Dr. IT. njii (lldriidoiff \u'j,e\e\ev und Meerestiere von Huanillos 
und Lubos de Al'nera ; von Herrn B. O'Swald 11 Vogelbälge von 
Madagaskar ; von Herrn Schiffsoftizier M. Oswald reiche Sammelausbeuten 
seiner Reisen nach Nossibe; von Herrn Schiffsoftizier li. L'acsskr Sanimel- 
ausbeuten seiner Reisen nach t'iiile und der Magalhaenssti'aße ; von Herrn 
Kä.\ntiin Petersen Insekten, Spinnen inid Tausendfüße von Westindien ; von Herrn 
Professor Dr. P/((fe-I5erlin Regenwiii inei' aus (.'hile ; von Herrn IL Sacii//er 
20 Vogelbälge von Japan; von Herrn ,4. Suuher zahlreiche Insekten, 
l)esüiiders forstschädliche, der hiesigen Fauna; von Herrn Dr. ('. Silniffer 
Sammelausbeute einer Reise in die schwäbische Alp ; von Herrn Schiffs- 
oftizier Scliimmelpfcnnifj Schlangen von Hayti ; von Fräulein Schmilinshj 
Schuppenticr von Westafrika; von Herrn Professor Dr. O. <St7<ne«/c?-l)lasewitz 
Skorpione und Tausendfüße von Ale.xandrien und Palästiini, 400 Schlupf- 
wespen von Borkum; von Herrn W. Ä7(ok-Manaos Mäuse, Skorpione 



Xaturhistorisohes Museum. CXXIX 

Insekten und Tausendfüße vom Amazonenstrom ; aus dem Nachlasse des 
Herrn L. Schrader durch ¥v au Place 3C00 Insekten, meist aus Austrahen ; 
von Herrn Dr. Schi'iit Regenwürmer aus GriechenL^nd und Itahen; von 
den Heri-en Gebrüder Ä'emssoi-Indrapura Estate eme große Zahl wertvoller 
Reptilien, Fische, Krebse, Würmer und Insekten von Sumatra ; von Herrn 
Dr. 0. (SfancZer-Oldesloe Spinnen, Phalangiden, Afterskorpione und Milben 
der heimischen Fauna ; von Herrn Joh. H. Soosf 3 Lemuriden, 1 Viverre, 

3 Vögel von Madagaskar"; von Herrn Schiffsoffizier Stahen Eidechsen, Fische 
Mollusken, Krebse und Insekten von der Westküste Südamerikas; von 
Herrn Dr. F. Sfuhbnmm 255 Arachniden von Ostafrika ; von Herrn 
Dr. von Sydotu verschiedene Vögel aus seiner Vogelstube; von Herrn 
B. IVmcre- Anklam 4 Säuger, 6 Vögel und 565 Insekten aus Centralasien ; 
von Herrn j\[. Thiel-Miitiipi sehr wertvolle Sammlung von Meeres- und 
Landtieren, darunter 1700 Insekten und 12 Nautilus, von Neubritannien; 
von Herrn Dr. H. Traun Eidechsen, Schlangen, Fische, Mollusken, Krebse 
und Insekten von Bissao, Nieder-Guinea; von Herrn Dr. H. C/f?e-Hannover 
20 Würmer; von Herrn Dr. VanJtoeffen-Kicl 122 grönländische Polychaeten ; 
von Herrn Dr. VoeKzJioiv-Berlin Regenwürmer von Madagaskar ; von Herrn 
Apotheker B. Fo/fe - Ratzeburg 2 Rohrdommeln, 1 Drossel; von Herrn 
Walinhau durch Vermittclung des Herrn- 0. Louvier Regeuvvürmer von 
Venezuela ; von Herrn C. Wcydifj jun. Eidechsen , Schlangen und gegen 
500 Käfer von Neuguinea; von Herrn F. Wiengreen 13 Vogelbälgc aus 
Californien und Paraguay; von Herrn A. Wocrmann 1 Gorilla; von Herrn 
F. Worlee japanische Spinnen ; von der Zoologischen Oesellschaff durch 
Herrn Direktor Dr. H. Böhm 3!) Säugetiere, 37 Vögel, 7 Reptilien und 
Fische, diverse Würmer, Krebse, Spinnen und Schnecken. 

Die mineralogische Abteilung weist einen Gesamtzuwachs von 
1'.I37 Nummern auf, von denen 559 gekauft, 129 gesamnielt, 1249 geschenkt 
wuideu. Der Wert dieser Zugänge beziffert sich auf J^ 3970. — , von 
denen J^ 2921. — auf die Geschenke entfallen. 

Von wichtigeren Geschenken seien hervorgehoben: Von Herrn Vli. Buhbe 

4 5 hiesige Geschiebe; von Herrn Geheimrat Professor l)r. Crcdiuir-Lnimg 
liranchiosaurus-Suite von Niedcrliäßlich; vom Club Eleldra Sammlung 
wertvoller Kreideversteinerungen von Lüneburg ; von Herrn Regierungs- 
l)aufülirer i"re;/sfe(Z^-Ratzeburg 1 1 hiesige Geschiebe; von Herrn Dr. Hanssen- 
Liigerdorf 14 seltene Versteinerungen aus der Kreide von Lägerdorf; von 
l''rau II'. Hintze 20 hiesige Geschiebe; von Herrn L. Himdeshagen-\jo\\Aon 
2 Goldstufen und 4 Waschgoldproben aus Siebeidjürgen und Spanien; von 
Herrn C. JUics kostbare Suite von Topas und Feldspath aus Japan; vom 
Mnieralogi)<chcn Miiscum in Königsberg 59 (ieschiebe und Versteinerungen 
aus Ostpreussen; von Herrn J. F. /ütHOHt^/cW- Wankendorf zahlreiche lose 
Tertiärversteinerungen von Stüli)e; von Herru Dr. 71'. von Ohlendoiff 



CXXX Naturhistorisches Museum. 

diverse Mineralien und Versteinerungen aus Chile, Peru, Carolina und 
Algier; von Herrn Dr. /. Petersen marine Diluvialfauna von Kirch steiubeck ; 
von Herrn Seminarlehrer Pieper ca. 100 selbstgesammelte Versteinerungen aus 
dem Jura und der Kreide Pommerns ; von Frau Commerzienrat Riedemann 
283 auserlesene Älineralien, Versteinerungen und Geschiebe; von Herrn 
Dr. ii((5< - Hannover 20 Kadiolariengesteinc nebst Dünnschliü'eu ; von der 
Sammlung vorgescliielülicher Alteriümer 9 hier ausgegrabene Kuochenreste ; 
von Herrn Dr. ScJimelcIc-ChristisLniai G Grundjiroben der Norske Nordhavs- 
Ex^jcdition; von Hei'rn Pastor Ät/iroecZer-Itzehoe große Anzahl seltener Ver- 
steinerungen von Itzehoe und Lägerdorf, sowie einige Geschiebe von Zarrentin ; 
von Herrn Dr. &>7j(Zer-01desloe 13 hiesige Geschiebe; von Herrn J. H. Soost 
eine große Suite von Bergcrystallen von Madagaskar; von Herrn P. Trümmer 
72 hiesige Geschiebe ; von Herrn Professor V. L^ssm/z-Kopenhagen 7 Kryolith- 
Stufen von Grönland; von Herrn Ministeriah-at Tra(/a-Tokio diverse Feld- 
spathkrystalle von Japan; von Herrn Stud. Wieyers-JiaWe 13 hiesige 
Geschiebe imd einige Mineralien von Halle; von Herrn Ferd. Worlee 
10 diverse Mineralien; von Frau Dr. A. Zueharias eine große Iguano- 
donfährte von Oberkirchen. 

Die Vermehrung der Sammlungen vom 1. Mai 1S'J5 l)is 1. Mai 1S9G 
ist zum Zwecke der P'euerversicherung wie folgt geschätzt: 





1. Zoologische Sammlung. Wert J4 1^ 1*^^) — 




2. Mineralogische Sammlung ,, 


, » 4 587,— 




3. Bibliothek 


„ 8 008,— 




4. Instrumente etc. . , ,, 


, „ 345,— 




5. Mobiliar „ 


,, 2 809,— 




Summe J^ 28 931,— 


Benutzung 


Die Zahl der Besucher während der einzelnen 


Monate des Berichter- 


des Museums. 


Stattungsjahres ergielit sich aus folgender Übersicht 






Januar 7 540 Personen .luli 


9 670 Personen 




Februar 10 019 „ August 


11 190 




März 12 672 „ September 


8 8U0 




April 20 000 „ Oktober 


S 809 




Mai 15 330 „ Noveud^er 


8 815 




Juni 5 445 „ Dezember 


9 505 



Summe 127 795 Personen 
Von (35 Gelehrten, welche im Laufe des Jahres das Museum besuchten, 
benutzten 1 3 die Sannnlungen zu besonderen Studienzwecken, während 
4 andere vorwiegend die Kinrichtuugen des Museums studierten. 

Der hiesigen Gewerbeschule wurde, wie früher, an Sonntagen die 
Benutzung des kleinen Hörsaals und der Museumsobjekte für den Zeiclien- 
unterricht gestattet. Verschiedene Maler und Zeichner erhielten die 
Krhtulinis, geeignete Objekte des Museums zu ihren Studien zu verwerten. 



Naturhistorisclios Museum. CXXXI 

Von zahlreichen einheimischen Gelehrten wurde die Bibliothek zu Eathe 
gezogen, von einigen Material des Museums für Vorträge entliehen. Zwei 
hiesige Herren benutzten Arbeitsplätze des Museums für längere Zeit zu 
zoologischen Studien. Außerdem sind die Hörsäle — abgesehen von den 
gesetzlichen Vorlesungen der Beamten des naturhistorischen Museums und 
des Museums für Völkerkunde — dem Naturwissenschaftlichen Verein für 
seine allgemeinen und Gruppensitzungen, sowie dem Hambiu-ger Bezirksverein 
der deutschen Gesellschaft für angewandte Chemie ftir seine wissenschaftlichen 
Sitzungen unentgelthch zur Verfügung gestellt. Während des "Wintersemesters 
wurde endlich das kleine Auditorium noch für weitere Vorlesungen im 
Auftrage der Oberschulbehörde in Anspruch genommen. 

Samndungsteile dos Museums wurden zur Bestinmiung oder zum Verkehr mit 
Vcrgleicli übersandt au die Herren: Dr. Balor-Vrinr, Oberlehrer Breddin- f^'^mden 

Instituten und 

Halle, Budde - Lund - Kopenhagen, Rev. 0. F. Cumhridge - Bloxworth, Gelehrten. 
Dr. Carpenier-ViwXAm, Dr. Fauvd-Qucn, i¥. Go»n?oji-Bagueres, Dv. Uagen- 
Hondjurg, Dr. L. Juic/t-Nürnberg, Professor iawi^Jer^Stuttgart, Dr. Lucas- 
Bi'rlin, Dr. de il/rtu-Jerseke, Dr. von Marenzeüer-V^ iei\, Jion^rtiitZon-Bukarest, 
Professor iVc!(»z«nn-Toulon, Direktor Dr. -ßz's-Meudrisis, Dr. Schmiedelmecht- 
Blankenburg, Oberst von Schönfdd - YA^(i\v,ic\\, Dr. Ä'yfM- Amsterdam, 
Dr. ÄaH(?m^er-Blascwitz, Professor r«ZÄerr/-Upsala. 

Zur Bestimmung oder zum Vergleich ging liei dein hiesigen Museum 
Material ein von den Mu.seen zu A m s t e r d a m , Berlin, 1! o n n , C a 1 c u 1 1 a , 
Dresden, Frankfurt a. M., Genf, Gcittingen, Halle, Heidelberg, 
H e 1 g o 1 a n d , J e n a , L e i p z i g , S a o Paulo, S t. P e t e r s b u r g , S t r a s s b u r g , 
Stuttgart, Upsala, Würz bürg, sowie von den Herren Dr. Brauer- 
(iieüen, Dr. //«Hscji-Kopenhagen, Professor 7i'e/&r-Zürich, Dr. König-Momx, 
Professor i '/«/(.'-Berlin, Professor <Sc7(ue«/er-Blase\vitz, I)r. !:Sucrcnscn-\i<ii\)ti\\- 
liagen, Dr. Yaiüiofjjaii-Mu'], Di-. TW/.;/iO((/-Berliu. 

Douljlctten wurden abgegelien an verschiedene hiesige Scluden, 
wissenschaftliches Untersuchungsmaterial an Herrn Dr. />V//f?c;/-Amsterdam. 

Sammellvisten sind neu ausgegeben an die Herren: C. G. de Uaseth- 
Cura^^ao, C. CahuoodSt. Thomas, Egtjeri-'&t. Thomas, Eng. G'ulmann-Kl. Popo, 
Wald. ScIwlz-'Manaos, W. BitrcJiard-Hmnatra, Dr. Brauns-l'ovt Elizabeth, 
F. HVe)ir/ree?t-Argentinien, Dr. «S'/Zer/^i^-Tanga, F. Freg-l^oasihe, von Wülfing- 
Batavia, wie an die Herren Schiifsoftiziere resp. Schiffsärzte F. Faessler, 
Max Oswald und Dr. J. Fftßar. 

Von dem großen Vorratssaal des Kellergeschosses wurde durch jj^m imd 
Aufführung einer Zwischenwand ein Raum für Rohskelette und solches Mobiliar. 
Material abgescheert, welches seiner Grösse wegen nicht sofort in (iläseru 
untergebracht werden kann. Zu diesi'm Behufe wurden in dem neu 
gewonnenen Raum eine Anzahl gi'öüerer ('ementtröge und ein großer 
Skelettschrauk aufgestellt. Das bisherige Amtszimmer des Gustos für 



CXXXII Naturhistorisches Museum. 

Zoologie ist in einen allgemeinen x\rbeitsraum für wissenscliaftliclie Hülfs- 
arbeiter umgewandelt und dum Ciistos ein neues Arbeitszimmer licrgerielitet. 
Für Mollusken und Insekten waren neue Sannidnngssehränke notweiulig. 

Arbeiten im In der S cli aus u m m 1 u u g gelangte zunächst eine grössere Gruppe von 

Wildschweinen mit ihren Frischhngen — ein Geschenk Sr. Durchlaucht des 
Fürsten von Bismarck — , in einem besonderen Glas-Pavillon und in 
natürlicher Umgebung dargestellt, zur Aufstellung. Die Waltiersanimlung 
wurde durch den Kopf eines australischen Zwergwales (Gypsabguß) und den 
Schädel eines männlichen Hyperoodon vermehrt. Außerdem sind 50 Säuge- 
tiere neu gestopft, etwa 100 auf neue Postamente gesetzt, die anthropologische 
Sammlung und die Sammlungen der Aifen und Halbaffen mit gedruckten 
Etiketten versehen. An Spirituspräparaten wurden etwa 50 neu montiert, 
90 weitere hinzugefügt, darunter die Nachbildung einer holsteinischen 
Austernbank, die Entwickelungsstnfen und Varietäten des Flußaales etc. 
In der einheimischen Fauna ist die etwa 2000 Spezies umfassende Sannnlung 
von Hautfiüglern in 28 Kästen auf der Galleriebrüstung des Hauptgeschosses 
zur Aufstellung gebracht, während die durch Lichteinwirkung unansehnlich 
gewordene Oollektion biologischer Insektenpräparate durch kiuistliche 
Färbung der dazu gehörigen Zweige, Blätter und Blüten wieder ausstellungs- 
i'ähig gemacht wurde. Auch die Schaukästen der Molluskensannnlung 
mußten sämtlich wegen Ausbleichens der Farbe erneuert werden. Für die 
Fischereiabteilung der Allgemeinen Gewerbe-Ausstellung in Berlin wurde 
eine Reihe von Prä])araten durch Herrn Dr. von JJitinn zur Aufstellung 
gebracht, wofür demselben eine silbei'ne Verdienstmünze seitens des Deutschen 
Fischerei- Vereins und eiti Ehrenzeugnis seitens der (iewerbe-Ausstellung 
zu teil wurde. Auch das Äluseimi selbst ist mit einem solchen Ehrenzeugnis 
bedacht wurden. 

In der wissenschaftlichen Hauptsaniml tiiig ist die Revision 
und Katalogisierung dvr Säugetiere weiter gehirdert und auf die Hallj- 
affen , Raubtiere, Huftiere. Zalni:iniie und lleiiteltit'ie — insgesamt 
773 Exemplare — ausgedehnt wonlni. liiLih'ieln'U wurde eine Neuaufnahme 
der gesamten Skelettliestämle der Siiug<'r dnnlinctüiirt und mit der 
Katalogisierung derselben liegonnen. In cU'r \'iige Isa in nilu iii; wurdt^ 
die Hauptmasse der SchwininiV(igel — S(i I Ivxeniplare — nach den 
Bänden 25 und 28 des Britischen Ivataloges neu durelibestinnnt und 
katalogisiert; ebenso 221 Nummern Neueingänge. Die Eicrsanimbuig wurde 
geordnet, neu montiert und durchweg mit neuen Etiketten verseilen. 

Von niederiMi Wirbeltieren — Beptilien, Amphil)ien, Fischen — 
sind 830 Nummeri] neu bestimnil. zum größeren Teile auch katalogisiert 
und in die Sammlung eingeordnet. Tür die Familie der Siancuiden wurde 
ein neuer Katalog angefertigt. 



Natui'liistorischcs Museum. CXXXIII 

In der Molluskensiiramluiig ist der Inhalt von 8 Schränken mit 
Neiicinoängen der letzten Jalue vfu-iäiifig gesichtot, gereinigt, mit neuen 
Fundortsetiketten versehen etc., sndafi nunmehr mit dei' wissenscliaftlichen 
Bestimmung und Kinordining d(>s Matei'iales in die Haniitsamndung, 
welche seihst einer dnrcligreifendcu Ncnhc.-irlieituiig liedarl", l)i'günnen 
werden kann. 

In der Kn t o m ologiscli en Aliteilung sind 0200 Insekten gesi)ießt 
und gespannt worden. Die Nc^ueingänge der Schmetterlinge wurden he- 
stimmtund in die in denVorjidiren endgültig aufgestellte Samndung eingereiiit. 
Von Ortliopteren wurde die (irnppe der Pliasmiden unter Revision der 
Bestimmungen in einen neuen Schrank ühergefiUirt. Die große, his daliin 
völlig inigeordnete und uidiestinimle Saninduiig dir Ilantflügler 
konnte in ihrer Gesamtheit — etwa Kl OUÜ Ivxemplare — mit Individuen- 
etiketten versehen und nacii (iattungen zusammengesteckt werden, um so 
die Normalaufstelinng vorzuhereiten. In diese Normalaufstellimg sind dann 
his Schluß des Jahres 27 Kästen, das sind die Apiden l)is zur (iattuug 
X3locopa, gehracht worden. In ;i]niiicln>r Weise wurde mit der Ordnung 
der weit über doppelt so umfangreichen Käfersammlung dei' erste Anfang 
gemacht, in dem zunächst die ( 'iciinleleii und Carahiden zusammengesteckt, 
auch das Material zu einer l''.-iun:i des Niederelligebietes aus iliuen heraus- 
gezogen wurde. Von Sclinal)ei kerfen sind die Familien der Belostomiden, 
Mononyciden, Galguhden sowie die einnpfiisclien Capsiden l)estimmt, einige 
tausend Exemplare der liislicr fnst mir ans regellosen „Kingängen" 
liestelienden Hauptsammlung mit- lndi\ iduenetiketlen versehen. 

Für die geplante Ausstellung von Schädlingen des I'tlanzenh;iues in 
der Allgemeinen Gartenhan-Aussteilung zu Handnirg 1897 sind eine Reilie 
von Vorarbeiten — Listen der in Betracht kommenden Tierformen, Aussuchen 
des Materials aus den systematischen Sannnlungen, Anfertigung von 
Desidei-atenlisteu — zum Al)sc]dnß gebracht. 

Die Eingänge an Skorpionen (41 Nummern) wurden bestimmt und 
katalogisiert, ebenso die einiieimiseiien l'halangiden (50 Nummern) und 
etwa 100 Nummern Tausendfüße. Von Krebsen sind eine Anzahl 
Decapoden und die einheinnschen Asseln bestimmt und in die Sannnlung 
gestellt. 

Von Würmern sind die Neueingänge (424 Nummern) erledigt, 
während aus der Hauptsammluug 4 84 Nummern Oligochaeten , sowie 
aus der Gruppe der Coelenteraten 1130 Nummern Korallen bis zur 
Gattung bestimmt und katalogisiert wurden. Die Sfiihlmann'achc Ausbeute 
an Eehinodermen erfuhr eine wissenschaftliche Bearbeitung und gelangte 
alsdann zur Aufstellung in der Hauptsammhmg. 



CXXXIV Natui-lustorisclies Museum. 

Puijiikationen. An wissenschaftlichen Puhlikationen seitens der Beamten sind 

erschienen : 

Krae])elin, K.: Neue und wenig bekannte Skorpione. ]\[it 1 Tafel. 
im Jahrbuch der Hambg. wiss. Anstalten XIIT. ISOfi, Beiheft. 
Derselbe: Phalangiden aus der Umgegend Hamburgs, ebenda. 
Pfeffer, O.: Ostafrikanische Echiniden, Ästenden und Ophiuriden, 

ges. von Herrn Dr. F. Stuhlmann, ebenda. 
Derselbe: Die Fische Ostafrika's in „Deutsch-Ostafrika", Berlin 1890. 
MicJiadsen, W.: Oligochaeten in „Kükenthal, zool. Forschungsreise 

in den IMolukkcn und in Bornco". Frankfurt a. M. ISOfi. 
Derselbe: Polyc^haetenfauna der deutsehen Meere in „Wissensch. 
Meeresuntersuchungen etc., Kiel und Helgoland". Neue Folge II, 1. 
Derselbe: Eeisebericht in „Ergebnisse der Hanil)g. Älagalhaensischen 

Sammelreise". I. Hamburg ISOii, 
Sdtiiffcr , C. : Die Ciollembnlen der rnigebnng Hambni'gs und 
benachbarter Gebiete; mit -1 'i'afcln im Jalirliucli der Hanib. 
wissensch. Anstalten XIII, ISOG. 
Außerdem sind über das Material di^s Museums folgernde Arbeiten 
fertig gestellt, welche sämtlich teils im XIII. Bande der „IMitteilungen", 
teils im I. Hefte der seitens des Museums herausgegebenen „Ergebni.sse 
der Hamburger Magalhaensischen Sammelrcise" erschienen sind: 

Aff.enis, C. Graf: Beschreibung der von Dr. Stuhlniaini in Ostafnka 
gesammelten Myriapoden im .Iahrl)uc]i der Hand), wissensch. 
Anstalten XIII, ISDG. 1 Tafel. 
Chun, C. : Beiträge zur Kenntnis ostafrikanischcr Medusen und 
Siphonophoren nach den Sammlungen Dr. Stuhlmanns, ebenda. 
1 Tafel. 
Lamiiert, K. : Die von Dr. Stuhlmann ;in der Ostküsle Afrikas ge- 
sammelten Holothurien, ebenda. 
de Man, J. G.: Über neue und wenig bekannte Brachyuren des 

Hamburger und Pariser Museums, ebenda, .3 Tflii. 
Beddard, Franlc, E.: Naiden, Tubificiden luid Terricolen in „Ei-gebnisse 
der Hamburger Magalhaens. Sammelreise". I. Hamburg 1896. 
1 Tafel. 
Braun, M.,: Trematoden, ebenda. 1 Tafel. 
Fisclier, W.: Gephyreen, ,, 

V. Linsfow: Nemathehninthen ,, 1 „ 
Lönnherff, E.: Cestoden, „ 1 „ 

Ude, H.: Encliytraeiden, „ 1 „ 

Vorlesungen. Die öffentlichen Vorlesungen des D i r ek tor s im Wintersemester 1 S9G/97 

• .\ ur.sjonen. )jehaiulelten die allgemeine Systematik als Überblick über die Verwandtschafts- 
verhältnisse der heutigen Tierwelt, während Herr Custos Dr. Bfeffer über 



Naturhistorisches Museum. CXXXV 

allgemeine Physiologie als Lehre von den Grundeigenschaften des Lebens 
las. Herr Dr. von Brunn gab in der zweiten Hälfte des Semesters eine 
kurze Darstellung der Deutschen Hochseefischerei, ihrer wirtschaftlichen 
Iledcutung und ihres Betriebes. Während der Sommermonate wurden 
nur seitens des Direktors einige Exkursionen in die Umgegend mit hiesigen 
Lehrern unternommen. 

In der mineralogischen Abteilung blieb die Schausammlung Mineralogische 
der Hauptsache nach unverändert. Li der wissenschaftlicheu Hauptsammlung Abteilung, 
wurden 25 Schiebladen silurischer, devonischer und jurassischer Geschiebe, 
sowie 17 Schiebladen hiesiger Lokalsuiten revidiert und neu geordnet, auch 
die Eingänge sämtlich bestimmt und eingereiht. Die Aufstellung neuer 
Schränke machte umfangreiche Einräumungs- und Umstcllungsarbeiten nötig. 
Auf Ersuchen des Herrn Professor Lepsius — Darmstadt wurden die 
lilätter „Schleswig" und „Hamburg" seiner geologischen Karte von Deutsch- 
land vor der Drucklegung einer Revision unterzogen; ein Zettelkatalog 
der mineralogischen Litteratur der öffentlichen P>ibliotheken Hamburgs 
ist fertiggestellt. Außerdem wurden im Laufe des Jahres 20 Gutachten 
abgegeben, davon iilicr Pcihrungen auf Wasser, 3 ül)er Bohrungen auf 
Salz, 1 über Bohrungen aul' Kreide, 2 über Handelswerth von Mineralien, 
2 über wissenschaftliche Fragen. 

Die Zahl der Exkursionen wäiu'end des Sommerhalbjahres betrug IG; 
die öffentlichen Vorlesungen des Wintersemesters gaben eine Einführung 
in die PnhieontoloKie. 



CXXXVI Botanisclier Garten. 



7. Botanischer Garten. 

Bericht, des Prof. Dr. Zacliarias. 

Von grösseren Neuanla^cn kamen im Berichtsjalire Icrliglirli die seiion 
im vorigem Jalireshericlite erwiilniten Anpflanzungen von Medirinalpflanzen 
zur Ausfülirung; im übrigen wurden die vorliandenen Arl)eitsicriifte und 
Geldmittel für die Verbesserung und Ausgestaltung der vorliandenen 
Anlagen verwendet. Im System wurden gründliehe Bodenverbesserungen 
und Umpflanzungen vorgenommen, das vor dem Victorienbause belegene 
Warmwasserbassin wurde vergrössert, die Sammlungen einbcimiselier Ptlanzen 
wurden auf Excui'sioncn ergänzt. Unter anderm konnte die in Nord- 
deutsebland auf verbältnißmäßig wenige Standorte bescln-änkte Lnlielia 
Dortnninna aus dem Iblsee bei Regeberg in unsere Wasseranlage ver])ila,nzt 
werden. 

Da der Stadtgralien bisber seiner steil zu größerer Tiefe abfalli-ndcn 
Ufer balber für die Anpflanzung von Wassei'pflanzen wenig geeignet war, 
wurde der bei den Vorarlieiten für das im laufenden Jabre zu erbauende 
Gewäebsbaus gewonnene rioden zu einer Einscliüttung verwendet. In 
unmittelbarer Nähe einer dem rublicnm zugänglieben Uferstelle ist dadureb 
eine seichte Parthie für die Anpflanzung von Wasserpflanzen gewonnen 
worden, welche abgesehen von dem wissenschaftlichen Interesse, welelies 
sie gewähren wird, auch das Landschaftsbild am Stadtgral)en wesentlicli 
verschönern und beleben wird. Vei'schönerung des Gartens nnter gleich- 
zeitiger Beiücksichtigung der Lehrzwecke ist überhaupt dadui-ch angestrebt 
worden, daß außerhalb der nach bestimmten systematischen und biologischen 
Principien regelmäßig angeordneten Anpflanzungen an verschiedenen Stellen 
je nach Lage, Bodenbeschaffenheit etc. Gewächse verschiedener Art so 
angepflanzt wurden, dass sie dem Beschauer dort wild vorzukommen scheinen, 
ein Verfahren, welches als „natural grouping of hardy plants" in der 
neueren enghschen Landschaftsgärtnerei bedeutende Erfolge erzielt hat. 
(Vergl. Eobinson. The wild garden. London 1894). 



Botanischer Garten. CXXXVII 

In Folge der Fertigstellung des neuen Hörsaales und der durch eine 
ausserordentliche Bewilligung crmöglicliten Vervollständigung der Ijchrmittcl 
konnte die Lehrthätigkeit in grösserem Umfange als im vorigen Lierichtsjahrc 
aufgenommen werden. Im Winter wurde vom Berichterstatter üher die Zelle, 
im Sommer über Systematik der Dicotyledonen gelesen. Ferner wurden 
praktische Uebungen im Untersuchen und Bestimmen von Kryptogamen 
(Winter) und Phanerogamen (Sommer) veranstaltet. Die Anzahl d(>i- 'i'heil- 
nehnier an diesen Uehungen fiOirte zur Einrichtung von zwei gesonderten 
Kursen im Winter und von drei derartigen Kursen im Sommer des Berichts- 
jahres. 

Die Benutzung der Pllanzen des (iartens zu Unterrichts- und Studien- 
zwecken gestaltete sich im Uehrigen folgendermaßen: Für den botanischen 
Unterricht in den hamburgischen Schulen, als Vorlagen für den Unteri'icht im 
Zeichnen und Malen sowie an Besitzer von Herbarien wurden 353 2^7 PthniziMi. 
respective Pflanzentheilc verabfolgt (im Jahre 1895: 319 001). 

Es mag an dieser Stelle bemerkt Averden, daß die Anzahl derjenigen, 
welche in den Anlagen des Gartens lebende Pflanzen zeichnen und malen, 
sich beträchtlich vermehrt hat ; ein Umstand, der sicherlich mit da/.u 
beitragen wird die Blumenmalerei zu fördern. Es unterliegt keinem Z weile], 
daß die naturwidrigen Formen, welche auf manchen Pflanzenbildern das Auge 
unangenehm berühren, dadurch veraidaßt worden sind, daß der Künstler, nur 
über abgeschnittene, auch wohl oft mehr oder weniger angewelkte Pllanzentheile 
verfügte, welche er dann in beliebiger, seinem Geschmacke gerade entsprechen- 
der, dem Charakter der betreffenden Pflanzen aber fremder Weise anordnete. 
Material für wissenschaftliche Untersuchungen wurde gesendet an 
die Herren Prof Dr. van Tieghem in Paris und Prof. Dr. Arthur Meyer 
in Marburg. 

Wissenschaftliche Arbeiten wurden im Garten von zwei hiesigen 
Gelehrten sowie vom Berichterstatter ausgeführt. Die Untersuchungen des 
letzteren wurden zum Thei! veröff(>ntlicht in den Berichten der „Deutschen 
botanischen Gesellschaft" (über einige mikrochemische Untersuchungs- 
methoden) und in dem „Report of the Liverpool Meeting" der British 
Association for the advancement of science (on the cells of the Cyanophyceaej. 
Ueber die Vermehrung d(-r Pflanzensammlungen ist folgendes zu 
))erichten: Durch Tausch wurden namentlich von den botanischen Gärten 
zu Strassburg und Paris, der Flora zu Köln, den Herren Prof. Farmer in 
London, Henry Dreer in Philadelphia und A. van Imschoot in Gent werth- 
volle Pflanzen erworben. Besondere Erwähnung verdient der seltene 
Cycadeen-Bastard C^eratozamia mexicana fuscata ans dem Sti-aßburger 
Garten sowie eine Samndung von nordamerikanischen Insectivoren und 
Orchideen, welche von Herrn Dreer gegen Wasserpflanzen unserer heimischen 
Flora eingetauscht worden ist. 



CXXXVIIl Botanischer Garten. 

Durch Kauf wurden vorzugsweise tlic Gehölz- und Staudeiisanimkingen 
des Freihxndes vervollständigt. Bei der Auswahl der Stauden kamen nicht 
lediglich wissenschaftliche Gesichtspunkte in Betracht; es wurde vielmehr 
auch darauf Bedacht genommen, Pflanzen von decorativer Wirkung zu 
erwerhen. Der Garten erhielt mehrfach den Besuch von Gärtnern, welche 
sich über die Verwendbarkeit von neu eingeführten Stauden für decorative 
Zwecke unterrichten wollten. Das gab Veranlassung, den Garten aucli fin- 
den praktischen Gärtner durch entsprechende Erwerbungen nutzbringender 
zu gestalten. 

An Geschenken erhielt der Garten die folgenden: 

1) Sämereien, Knollen und Zwiebeln von den Herren A. Arnemann 
und Co., Dr. Borgcrt, Frau Baronin Caerilie von Broclidorf, den 
Herren Dill, Groeneivold, Hernsheim (eine größere Sendung von 
Orchideen aus dem Bismarckarchipel), A. Kochen (Früchte und 
Samen von Theobroma cacao. Die Samen erwiesen sich als keim- 
fähig, so daß die Anzucht einiger Cacao-Pflanzen möghch wnrdi'.), 
I'rof. Dr. Kracpelin, William A. Ritz (keimender Samen von Loddicea 
Sechellainim, einer auf den Sechellen vorkommenden, dtucli ilire 
10 — 25 Kilo schweren Früchte ausgezeichneten, in botanischen 
(i arten äußerst seltenen Palme), Capt. ScJiviidt, J. WinMcr (ver- 
schiedene Zwielieln inid Sämei'eien aus Jaiian), Zimpel. — 

2) PHanzen von Frau Berthold, Frau J. M. BretI Schneider, den Herren 
Dr. 0. Bunliard, Frau Busldes, den Herren Fritz, W. J. Gorerts 
(Kucephalartos horridus, Dioon edulc, Areca Verschaffeltii), Krüclc, 
Kuhle, Baron F. von Müller iu Melboui-ne (ein schönes Exemplar 
von Todea barbara. Es mag an dieser Stelle hervorgehoben werden, 
daß der hiesige Garten gleich vielen anderen botanischen Gärten 
der unermüdlichen Fürsorge des jüngst Verstorbenen Baron F. v. Müller 
einen großen Teil seiner australischen Pflanzen verdankt.), Capt. 
Möller (verschiedene Wasserpflanzen aus Haiti), Dr. Kanne, 
von Pöppinghnsen, Kunde, Sander, Capt. Schmidt (eine Anzahl 
wertvoller tropischer Pflanzen), Stoldt, ZimjJel (einige Exemplare von 
Sturmia Loeselii, einer der Seltenheiton des Eppendorfer Moores). — 

3) Sammlungsobjecte von Frau Dr. Bülmi, den Herren TF. J. Qooerts, 
Apotheker Kirsten und IM. Lipperf. 

Die Bibliothek erhielt verschiedene Bücher von der Oberschulbehörde, 
dem Vorstande des Bildungsvereins für Arbeiter, Herrn Dr. Biilau, 
Apotheker Dr. Mielck, J. Windeier (eine Japanische Flora sowie ein 
japanisches Werk über Veredelung). Das Herbar wurde durch eine werth- 
volle Schenkung von Herrn J. Sierchinff wesentlich vermehrt. 



Botanischer Garten. CXXXIX 

Für die innere Ausschmückung des Hörsaales sclienktcn: Herr Prof. 
Reynolds Green in London die Portraits von Dr. J. Dalton Hooker und 
Robert Brown, Herr Dr. Sonder eine Ansicht des hiesigen botanischen 
Gartens, Frau Marie Zacharias die Portraits von Prof. Dr. Leliniann und 
Physikus Dr. Buek sowie verschiedene Landschaftszeichnungen aus dem 
hiesigen botanischen Garten. 

Eine Anzahl schöner Goldorfen überwies Frau M. H. Mangeh dem 
Garten für den Stadtgraben. Einige Nachtigallcn-Piirclu'n wurden von 
Herrn YöUchan in sachkundiger Weise ausgesetzt. 



CXL Botanisches Museum und Laboratorium für Waareukunde. 

8. Botanisches Museum 
und Laboratorium für Waareukunde. 

Bericht des Direktors Professor Dr. Sa (leb eck. 

Die im Naclifolgeiulcn gegebene Zusammenstellung über die während 
des Berichtsjahres 1890 erfolgte Erweiterung der Sammlungen und die 
wissenschaftliche Thätigkeit des Institutes umfasst: A. die Sammlungen, 
B. die Instrumente und Apparate, C. die I)il)li(ithek, D. den Bericht ülier 
die wissenschaftliche Thätigkeit und die Benutzung des Institutes. 

A. Sammlungen. 
I. Gesclienke überwiesen: 

1) Herr J. D. Flügger: Weissen und röthlichen Sansil)ar-Copal, 
indischen und Sansibar-Copal mit Insekten, Angola-, Sierra-Leone-, Congo-, 
Madagaskar-, Macassar- und I'adang-Clopal. 

2) Die Direktion des Vereins deutscher Oclfabriken in Hanilmi'g 
und Mannheim : Westafrikanische Erdnüsse (AracJiis hypogaea L.), in Sciuilen 
und geschält, geschälte ostafrikanische Erdnüsse, 3 Sorten Erdnussöl, Erd- 
nusskuchen; ostafrikanische Sesamsaat [Sescimum indiciim L.), 3 Sorten 
Sesamöl, Sesamkuchen ; Coprah (Endosperm der Cocosnuss), Cocosöl und 
Cocoskuchen. 

3) Herr F. Gabain: Kamerun- und Togo-I'almül und Palmkernöl. 

4) Die Direktion der Ersten Deutschen Raniiespinn erei 
Emmendingen (Baden): Stengel von Ramie (Boehnieria nwea Hk. et Arn.) 
Kohfaser derselben, gebleichte und gekämmte Faser, weisse und gefärbte 
Garne und Gewebe. 

5) Die Direktion der Jute-Spinnerei und -'Weberei in Scliitt'bek: 
Eine Collection von Jute und Jute-Fabrikaten. 

C) Herr J. Jordan: Aegyptische Baumwolle. 

7) Herr L. Levy: Proben von Granbassa-, Monrovia- und Cap Palmas- 
Piassave von Eapl da- Äxten, Palmyra-Piassave von Borassus flahcllifer L., 
Para- und Bahia-Piassave von Attalea funifcra Mart. sowie Madagaskar- 
Piassave von Dicfyospcrma ßhrosiim Wright. 

8) Herr Apotheker C. Meyer- (f) Cura<;ao: Eine Collection von 
173 Hölzern. 



Botanisches Museum und Laboratorium für Waarenkunde. CXLI 

9) Die Direktion der Hamburg- Amerika-Linie: Landesprodukte 
aus Texas (Hirse, Eoggen, Hafer, Eeis, Maisstauden von ca. 3 Meter Höhe, 
Baumwollstauden mit Fruchtkapseln, Baumwollöl, verschiedene Coniferen- 
Hölzer, conservirte Früchte etc.), welche dem Kapitaiu des Dampfers „Sicilia" 
anlässlich des Anlaufens des Hafens von Galveston seitens einer dortigen 
Deputation überreicht worden war. 

lii) Herr Dr. Voigt: 12 z. Th. colorirte riiotograpliien japanisdier 
Culturfelder (Thee, Eeis, Lotos, Dambas etc.). 

11) Herr C. H. v. Kicken: Muster ostafrikanischen Tabaks von der 
Lewa-Plantage, 1894er Ernte. 

12) Fräulein Di n klage: Samen der Steiunuss-Palmc (Plit/felephas 
microcarpa R. et P.) und die Verai'beitungsstadien derselben zu Knöpfen. 

13) Herr 0. Eafflenbeul: Verarbeitung der Steinnuss {Phijtdcphas 
microcarpa R. etP.) und der Elfenbeinnuss (Coelococcits Salomonen sis Dini^].). 

14) Die Herren E. H. Worlee Ä' Co.: Kolanüsse (Samen von Cola 
acuminata R. Br.) aus Westafrika und sog. Westindische Kolanüsse (Samen 
von Tounafca guyanensis Aubl.). 

\b) Herr E. Dencker: Weisse Kolanüsse (Samen von Garcinia Cola 
Heck) und Corte.K Mangle (von Ixlnzophorn 3Jan.i/lt' L.) aus Westafrika, 
an der Sonne gedörrte KartoÖ'eln und Lignum Piclii (von Fahiana imhri- 
cata E. et P.) aus Chile. 

Kl) Herr Dr. Hinneberg: 3 Frucbtstäude von Andropojon arundi- 
nacciis Scop. 

11 ) Herr Dr. Brick: 30 Phanerogamen, 5 Farne, 4 Moose, o Flechten 
und 1 "id Pilze aus der Umgebung von Hamburg, besonders dem Sacbsenwalde. 

15) Herr Dr. ( i a f fro n -Lima : ^'.1 Phanerogamen und 5 Farne aus 
dem liuiern des nördlichen Peru (leg. D. H. Denks). 

19) Herr O. Jaap: Zwei für die Flora von Handnug neue Bidcns- 
Arten, D. (oinudinf Mülilcnlig. voni Hanimerb'-ook und B. frondosus L. 
von der Dove-Elhe; Pil/.e aus der Umgebung von Hamburg und Triglitz 
(Prignitz); ein Hexenhesen vonBclala verrucosa, hervorgerufen duixli Exoascus 
hduünus Sad. von Triglitz, ein grosser Hexenhesen der Kiefer, ebendaher; 
V'erl)änderung einer Weide aus AUermölu^. 

20) Herr Dr. Eichelbaum: Pilze aus der Umgebung von Hamburg. 

21) Der Direktor: 4 Algen, 1 Chara, b Flechten, 108 Pilze und 
5 Moose aus Nordamerika. 

22) Herr Oberförster Dr. Möller: 32 Originalphotographieu süd- 
brasilianischer Phalloideeu. 

23) Naturbistorisches ]\[useum: 20 Algen (leg. Dr. v. Ohlendorff, 
Dr.. (iräffe. Hupfer und Pässler), darunter mehrere Kalkalgen; eine 



CXLII Botanisches MuseuTii und Laboratorium für Waarenkunde. 

Eiclienwiirzel mit einem umwachsenen Steine, von Fuhlsbüttel (c. P. Eehdanz); 
eine Esclienwurzel, welelie durch ein Loch eines Feuersteins hindurch- 
gewachseu ist; Verwaciisungeu von je 2 und 3 Hasehiüssen, von einem 
Knick bei Stackenäs l^ei Warberg, Provinz Mailand in Schweden. 

Ausserdem erhielten wir noch (ieschenke einzelner Objekte von den 
Herren: ß. Frank, Th. llaetcke, Jantzen & Thormiihleu, 
C.'Steffen, Prof. Schenk, Dr. Timm, Richter, Dr. Klatt, Prot'. 
Wortmann, 0. Schneider, Groth, Rechtsanwalt J'ül scher, Hansen, 
Dr. Köhler, E. H. Winter, Arens Böcker & Bünemann, Barou 
F. v. Müller. 

Der bereits in den Tatiiebliltteru lür die genannten freundlichen Zu- 
wendungen erstattete Dank möge hier nochmals einen Ausdruck linden. 

II. Durch Ankauf fand folgende Vermehrung der Sammlungen statt: 

1) C. G. Pringle: Plantae mexkanae, 350 Nr. distr. 1885 — 89, 
435 Nr. distr. 1894 und 210 Nr. distr. 1895. 

2) G. Volkens: 304 Nr. Kihmandscharo -Pflanzen. 

3) V. Schiffner: 13 Nr. tropische Heil- und NutzpHanzen. 

4) J. Bornmüllcr: 351 Nr. oricntal. PHanzen, iter persico-turcicum, 
1892/93. 

5) V. Stribrny: 292 Nr. bulgarische PHan/eu. 
C) P. Sydow: Characeae exsiccatae III. 

7) A. Möller: Brasilianische Protohasidiomijveten. 

8) L. Rom eil: Fungi scandiuavici Cent. II. 

9) W. Krieger: Fungi saxonici XXIII und XXIV, sowie schädliche 
I'ilze dei- Kulturgewächse I. 

10) Th. Reinbold: Algae Muellerianae (c. J. Agardli) und Algae 
Ceylonenses et Japonicae. 

11) F. Pax: Herbarium cecidiologicum I^ — III. 

12) A. Schenkel: Diverse Fruchtstiinde, Zapfen, Früchte und Samen. 

13) Steidtmann & Nagel: Raphia-Piassave, -Bast und -Matten. 
Borassus-Piassave, Cocosgarn und Jute. 

14) H. Haas: Gewürze und Stärkemehle. 

15) Th. Schuchardt: Früchte von Coelococms vifiensis Wendl. 

16) Gebrüder Conn: Elfenbeiunüsse {Coelococms salomonensis Dingl.) 

17) J. J. Darboven: Usambara- Kaffee. 

18) Reese k Wichmann: Ostafrikanische Vanille. 

III. Durch Tausch wurden erworben: 

1) P. Richter: Phycotheca universalis XIV und XV. 

2) Von Herrn F. S. Collius-Malden, Mass.: 114 Nr. meist califurnische 
Algen. 



Botanisches Museum und Laljoratorium für Waarenkuntlc. CXLIII 

Im Tausch abgegeben wurden an 

1) U. S. DeiDartment of Agriculture, Division of Botany: 
90 Nr. Phanerogamen aus Queensland, 108 Nr. Ptei'idopliyten aus Queensland 
und Polynesien, 21 Nr. andere Pteridopbyten, 50 Nr. deutsche Gramineen, 
Juncacocn und ümbelhferen, sowie 93 Nr. Algen. 

2) Herrn V. S. C ollin s: 60 Algen. 

3) Kgl. Botanisches Museum - Berlin: Einige Stärkeniehlo und 
Fasern. 

4) Herrn Prof. Dr. Dctmer - Jena: Laeknuistleehte und einige Samen. 

B. Instrumente und Apparate. 

A) (lei<anl't wurden von: 

1 ) C. Zei s s -Jena : Ein Objectiv D, ein dreistrahliger iJcvoIver und 2 Cou- 
densor mit Irisblende. 

2) E. Leitz -Wetzlar: 1 Mikroskopstativ, 3 Ob.jective 3, 2 Objective 6 
und ein dreistrahUger Revolver. 

3) W. & H. Seibert: ein Irisblende. 

4) H. Hartnack - Potsdam: Ein Ocular 2. 

B) An Geschenken überwies der Direktor: 

1) Eine Schröder'sche Präparierlupe. 

2) Eine Sammellinse. 

C. Bibliothek. 

Gehalten wurden 19 Zeitsciniltrn uud 10 Lieferungswerke. Neu 
abonnirt wurde auf: 

1'. Ascherson: Synopsis der mitteleuroi)äiseli('n Flora. 

2) Kirchner & ßoltshauser: Atlas der Krankheiten und Be- 
schädigungen landwirthschaftlicher KulturpHanzen. 

3) G. Lindau: Lichenologisclie Untersuchungen. 
Ferner wurden angeschafft: 

1) J. G. Agardh: Analecta algologica c. coiit. 11 — 111 und Till 
Algernes Systenuitik, Nya Bidrag I — VI. 

2) 0. Da mm er: Illustrirtes Lexikon der Verfälschungen uud Ver- 
unreinigungen der Nahrungs- und Genussmittel. 

3) A. Engler: Botanische Jahrbücher für Systematik, PHanzen- 
geschichte und Pffanzengeographie I — IX. 

4) E. Hanausek: Erdmaun- Königs Grundriss der allgemeinen 
Waarcnkunde. 

b) H. Seilinz: Deutsch - Südwestafrika. 

6) A. Sodiro: Cryptogainae vasculares Qiütenscs. 

7) J. B. de Toni: Sylloge Alganun I — III. 



CXLIV Botanisches Museum und Laboratorium für Waarenkunrle. 

8) M. Wo ronin: Sklcrotirukrunklicit der Vacciuienljeercn, der Tniubeu- 
kirsclie und der Eberesclie. 

9) Kiepert: Wandkarte von Afrika. 

Im Tauschvcrkelir erhielten wir: 

1) Kgl. Sveuska Vetenskaps-Akademiens Handlingar XXVI, 2, 
1892 und XXVI, 3, 1893, Biliang Afd. III. Bd. XX, 1895 imd XXI, 1896 
sowie Öfversigt 1894 No. 2, 8, 9, 10, 16, 19, 31, 32, 36 und 37. 

2) U. S. Department of Agriculture: a) Experiment Station 
Record VIII. — b) Yearbook 1895 — c) 5 kleinere Broschüren von 
Atwater & Woods, Gilbert, Morton, Swingle und Waite. 

3) Kolonialmuseum Haarlem: Bulletin Maart und ,luli 1896. 

4) Hooker : Icones Plantarum IV, 3 und4, 1895, V, 1, 2, 3 und 4, 1896. 

5) Redaction des Jahrbuchs der Hamburgischen Wissen- 
schaftlichen Anstalten: 3 botanische Abhandlungen von Hartwich, 
Rehberger und Zenetti. 

Geschenke überwiesen: 

1) Gesellschaft für Botanik: a) Abhandlungen des Natur- 
wissenschaftlichen Vereins in Bremen XIII, 3, 1895 und 
XIV, 1, 1896. — b) Schriften der Naturforsclienden 
Gesellschaft in DanzigXI, 1, 1896. — c) Abhandlungen und 
Berichte des Vereins für Naturkunde zu Kassel XLI, ls95/9(i. 

— d) Anzeiger der Akademie der Wissenschaften zu 
Krakau 1896. — e) 14. Bericht des Botanischen Vereins in 
Landshut (Bayern) 1894''95. — f) Jahreshefte des Natur- 
wissenschaftlichen Vereins für das Fürstentliuni Lüneburg 
XIII, 1893/95. 

2) Naturwissensehaftliciier Verein: a) H. Conwentz, Mono- 
graphie der baltischen Bernsteinbäume. — b) J. Decaisne, 
Monographie des genres Ligustrum et Syringa. — c) Tb. M. Fries: 
Bidrag tili en lefnadstcekning öfver Carl von Linne I. — d) J. Buza: 
Krankheiten der Kulturpflanzen. — e) N. Filarszky : Die (.'haraceen 
mit besonderer Rücksicht auf die in Ungai-n beobachteti'ii Arten. 

— f) F. Haszlinszky: Fleclitentlora Ungaru's. — g) ü. Hoppe: 
Beobaclitungen der Wärme in der Blüthenscheide einer Colocasia 
odora (Aruni cordifoliuni). — h) Th. Kosutiiny: Chemisch- 
physiologische Untersuchiuig der characteristischeren Tabaksorten 
Ungarns. — i) H. Wetterdal: Baktcriengehalt der Wasserzüge in 
Stockholm. — k) W. Zopf: Die Conidienfrüchte von Fumago. — 
1) 25 Botanische Abhandlungen von Arthur, Bergonzini, Bombicci, 
Capellini, Cocconi, Deljjino, Faniintzin, Feruald, Goebel, 
Korshinsky, Maximowicz, Meinshausen, Morini, Rizza X Buutlerow, 



Botanisches Musimiiu und Laljuratoriuiu für Wanronlaimle. CXLV 

Schwab, Schwendener, Ssiisew, Wagliorne und Wilson aus ver- 
scliiedenen Akademie- und Vereinsschriften. — m) Einzelne Hefte 
der Schriften der Naturwissenschaftlichen Vereine zu Nürnberg, 
Reichenberg, Schleswig-Holstein, Schneeberg und Zwickau. 

3) Großherz ogl. B a discheL and wirthschaftlich-Botani sehe 
Versuchsanstalt in Karlsruhe: L. Klein, S.Bericht der Laud- 
wirthschafthch-Botanischen Versuchsanstalt 1888 — 1895. 

4) Herr Dr. Benecke: Soltwedel-Benecke, Formen und Farben von 
Saccliarinn officinarum L. und von verwandten Arten. 21 chromo- 
litliographische Tafeln mit Text. 

'S) Herr Dr. Brick: a) Forstliche Botanik 1894 und 1895. — 
b) Frank & Sorauer, Jahresbericht des Sonderausschusses für 
Prianzenschutz für 1895. — c) Frank & Sorauer, Pflanzenschutz, 
2. Autlage. — d) Warburg, die aus den deutschen Kolonien 
exportierten Produkte. 

6) Herr Gehe i'c Co. -Dresden : a) Handelsberichte. September 1895, 
April und Scptenilter 1890. — b) Verzeichnis neuerer Heilmittel 
mit kurzen Bemerkungen über Vorkommen, Zusammensetzung und 
Wirkung. 

7) Herr Kommerzienrath G. Hänsel-Pirna; 4 Vierteljahresberichte 
der Fabrik ätherischer Oelc und Essenzen 1890. 

8) Herr Dr. Klatt: 4 Sonderabdrücke über ('ompositcn. 

9) Herr Dr. Klebaliu: :i Kataloge der Haudelsausstellung zu 
Bremen 1890/91. 

10) Der Direktor: ;i) Mittheilnngen der Geographischen Goellschaft 
zu Hamburg, 1 — VII, 1; IX, 2; XI und XII. — 1)) Nuovo Giornale 
Botanico Italiano XXI, 1889. — c) .lalirbudi der Deutscheu 
Landwirthschafts-(iesellschaft 1892 und 1893. — d) Verhandlungen 
der Gesellschaft deutscher Naturforscher und Aerzte zu Halle 1891. — 
e) Lehmann, Kevisio Potentillarnm. 

11) Herr Major a. D. Th. Reinbold - Itzehoe: a) Schriften des 
Naturwissenschaftlichen Vereins für Schleswig-Holstein X, 2; 1895. 
— b) 40 botanische (meist algologische) Abhandlungen von Barton, 
Borgesen, Collius, Crato, Davis, v. Fischer-Benzon, Gomont, Hansgirg, 
Heincke, Hennings, Hieronymus, A. Krause, E. H. L. Krause, 
V. Lagerheini, Möbius, Prahl, Reinbold, Reinecke, Richter, Setchell, 
Schröder, Schutt, Weber -van Bosse, de Wildeman und Wille. 

Für Demonstrationen wurden in Folge einer nachträgiichen 
Extra-Bewilligung angeschaft : 

1) L. Kny: 100 botanische Wandtafeln. 

2) A. Peter: 22 Wandtafeln zur Systematik, Morpiiologie und 
Biologie der Pflanzen. 

k 



L'XLVl Botanisclies Museum uud Laburatni-iuiu für Waarfukunde. 

3) E. Brackebuscli : Medicinalpflaiizen, 25 Aijuarelltafcln für 
Demoustratioueu bei Vorlesungen. 

4) F. Rosen: 9 anatomische Wandtafeln der vegetabilischen Nalirungs- 
und Genussmittel. 

b) Tschirch & Oesterle: Anatomischer Atlas, Lieferung 1 — 11. 
(i) V. Dürfeid Naclif. : 119 Modelle von Pilzgruppcn. 

D. Die wissenscbaftliche Thätigkeit und die Benutzung des Institutes. 

Die Sammlungen und Instituts -Einrichtungen wurden in folgenden 
Publicationen benutzt, welche entweder bereits erscliienen oder im Er- 
scheinen begriffen sind: 

1) Barton, E. S., Cape Algae. (Journ. of Botany XXXIV). 

2) Brick, C, Forstliche Botanik, IS!!'). (Allgemeine Forst- und Jagd- 

zeitung, Suppl. Heft 1896). 

3) — Ptcridophyten, 1894 (Just's Botanischer Jahresbericht, XXI). 

4) Grub er, E., Ueber Aufbau und Entwickelung einiger Fucaceen 

(Bibliotheca botanica. Heft 38). 

5) ßeinbold, Th., Meeresalgen in Dr. Reineckc's Plora der Samoa-Inseln 

(Engler's Botau. Jahrbuch XXIII.) 
(i) — Algen der Lacepede- und Guichen-Bay etc. (Süd -Australien), 
gesammelt von Dr. Engelhart (Nuova Notarisia 1897). 

7) E eiuecke. F.. DieFlora derSamoa-Inseln (Engler's Botan. Jahrb. XxVIII). 

8) Sadebeck, R., Die wichtigeren NutzpHanzen und deren Erzengnisse 

aus den deutschen Colouien, mit Bezug auf die Colonial-Ausstellung 
des Botanischen Museums (Dieses Jahrbuch). 

9) — , Filices camerunianae Diuklageanae, mit 1 Taf. (Dieses Jahrbuch). 

10) Voigt, Ä., I'harmaceutische und technische Botanik, 1894. (Just's 

Botanischer Jahresbericht, XXI). 

11) War bürg, 0., Ueber Verbreitung, Systematik und Verwerthung der 

polyuesischen Steinnuss-Palmen (Berichte der Deutschen Botanischen 
Gesellschaft 1896). 

In der Vertheilung der ständigen wissenschaftliclien Arbeiten ist eine 
Aenderung nicht eingetreten. 

In den Sitzungen der Gesellschaft für Botanik wurden 
Theile der Sammlungen, namentlich die neuen Erwerbungen demonstrirt 
rmd die für die Bibliothek des Museums eingegangene neue Litteratur 
ausgelegt und besprochen. 

Die BetheUigung au den Vorlesungen, Excursiouen und am 
Practicum war dieselbe wie in früheren Jahren; ausserdem arbeiteten in 
dem Institut 1 1 Herren längere oder kürzere Zeit, z. Th. während des 
ganzen Jahres. 



Botauisclies Miisciuii und Liil/uratoriuiu lur Waarenkuiulc. CXLVII 

Aus der Bililiothek wurden 191 Bände entlielien; ausserdem 
arljeiteten in derselben 10 Herren. 

Tlieile der Sammlungen wurden in 7 Fallen an auswärtige Gelehrte 
ausgeliehen und z. Th. in Publikationen (vergl. oben) benutzt. 

Für G Vorträge, welche ausserhalb des Museumsgebäudes, alter in 
Hamburg gehalten wurden, lieferten die Sammlungen des Botanischen 
Museums das nöthige Demonstrationsmaterial. 

Der Besuch der Schausammlungen war ein sehr reger; auch 
20 auswärtige Fachgelehrte beehrten das Institut durch eingehendere 
Besichtigungen. 

Im Laufe des Berichtsjahres wurde auf Ansuchen in '2-ib Fällen 
Rath und Auskunft ortheilt. Die Samencontrolstation untersuchte 
841 Sämereien (344 mehr als 1895). Die Gesammteinnahme des 
Instituts betrug Jf 3770. 

Aus den Sammlungen des Botanischen Museums wurde eine Colonial- 
Ausstellung, d. h. eine Sammlung der wichtigeren Nutzpflanzen der deutschen 
Colonien, zusammengestellt und vom 2. — 12. A])ril im Botanischen Museum 
für das Publikum geöffnet. 

Dieselbe Sammlung wurde Ende Ajtril nach Berlin geschickt und vom 
1. Mai — 15. Oktober in der deutschen Colonial-Ausstellung in 5 grossen 
Schränken, 2 Doppel-Schaukästen mit Schrank-Aufsätzen und 5 einzelnen 
Schaukästen mit Schrank-Aufsätzen aufgestellt. Die nicht unbedeutenden 
Kosten für Transport, Feuerversicherung, Revision u. s. w. wurden von 
der deutschen Colonial-Ausstellung getragen. Auch lieh bierfür Herr 
Kommerzienrath G. Haensel in Pirna eine Sammlung ätherischer Oele, 
welche von tropischen Nutzpflanzen gewonnen werden. 



CXLVIII Bericlit über die. Tliätigkeit der AbÜioiluiig l'ür Saineiicoutrolo 1895,90. 



Bericht 

über die Thätigkeit der Abtheilung für Samencontrole 

(für die Zeit vom 1. Jali 1895 bis 30. Juni 1896) 

(V. Gescliäftsjalir) 
von 

Dr. A. l'olyt. 



In dem Beriulitsjahre kamen G77 I'rol)en zur Uutcrsuelmng und zwar 

von 20 Firmen Hamburgs .599 Muster 

„ 8 „ ausserhalb Hamburgs 32 „ 

Zur eigenen Information wurden 46 „ 

untersuclit, mithin zusanuncn .... G77 Muster. 

Auf die einzchien Monate vertheilen sich dieselben wie folgt 



1895 

Juli 7 

August 19 

September 29 

Ootober 28 

November 36 

December 62 



1896 

Trans|jort 181 

Januar 150 

l'ebrnar 115 

März 145 

April 49 

Mai 18 

Juni 19 



181 



677 



Für die eingesandten l'rol)en waren beantragt: 

Feststellungen der Echtheit ?> 

„ des Kleeseidegehalts ... 310 

„ der Herkunft <> 

Ermittelungen der Eeinheit 210 

,, „ Keimkraft 325 

Bestimmungen des Gewichts von lOOi» luirnrin 16 

,, ,, Volumengewichts 3 



873 



Dieselben vertheilen sich auf die einzelnen Samenarten wie neben- 
stehende Uebersicht ausweist. 



Bericht über die Thät-igkeit der A)]tlicilung für Sameneontrole 1895/96. CXLIX 







ö 


Untersucht auf 








Samenart 










■^ tl 


r3 


.3 




M a 


u 

S 
M 


> 


i 
> 


Sä 




1 


2 3 1 4 1 5 1 fi 


7 


8 1 9 


1 


Iiotliklee (Trifüliiim pralcitse L.) 


279 





184 


3 


61 


89 


16 





353 


2 


Wcissklee (Trifolium repens L.) 


72 


— 


29 


— 


24 


50 


— 


— 


103 


3 


Bastardklee (Trifolium hi/hrhhim L.) . . 


101 


— 


00 


— 


23 


48 


— 


— 


131 


4 


Incarnatklee (Trifolium Incarnahmt L.) 


4 


— 


— 


— 


— 


4 


— 


— 


4 


5 


AVundklce (Anthyllis indncraria L.) . . . 


5 


— 


3 


— 


1 


3 


— 


— 


7 


fi 




19 


9 


15 







1 






20 


7 


Gelljklee (Meilirago lupulina L.) 


11 




3 




2 


8 


— 


— 


13 


8 


Serradella (Ornithnpufs sativus L.) 


10 


— 


~ 


— 


1 


9 


— 


— 


10 


9 


Spnrgcl (Spergula sativa J>.) 


1 


— 


— 


— 


1 


4 


— 


— 


.5 


10 


Sesam- oder Gingellysaat (Seaaiiniiii. 




1 










1 




iiidicum DC) 


20 


— 


— 


_ 


20 


— 


— 


- 


20 


11 




7 
2 


~ 


I 


— 


2 











7 


13 


Lein (Limim nKiliilif:f<iiiiinii L.) 


2 


13 


Canariensaat (Phtihtris nniririeimf! L.) . 


8 


— 


— 


— 


8 


- 


— 


— 


8 


1 1 




1 





. 






1 





_ 


1 


15 


Kugl. Raygras (Lolium perenne L.) 


8 


- 


— 


— 


4 


8 


- 


- 


12 


17 


Italien. Ilaygras (Lolium italicum A. Br.) 
Franz. Raygras (Arrlienatherum elaiiua 


5 


— 


— 


-~ 


4 


4 


" 


" 


8 




Merf. et Koch.) 


IS 


— 


— 


- 


9 


14 


— 


— 


23 


18 


Knaulgras (Dadylis glomerata L.) . . 


22 


— 


- 


— 


17 


11 


— 


3 


31 


19 


Timothec (Phleum jn-afense L.) 


43 


— 


l(i 


1 


18 


36 


— 


— 


71 


?.o 


Honiggras (Holcus lanalus L.) 


3 


— 


— 


— 


- 


3 


— 


— 


3 


21 


Wiesen - Fuclisscliwanz (Alopccurus 






















pratensis L.) 


7 


— 


— 


— 


4 


6 


— 


— 


10 


22 


Gemeines Rispengras (Pua tririaUs L.) 


2 


— 


— 


— 


- 


2 


— 


— 


2 


23 


Wiesenrispengras (Poa pratensis L.) . . 


(5 


~ 


-- 


— 


— 


6 


— 


— 


6 


24 


Platthalm-Rispengras (Poa cmnpressa L.) 


4 


— 


— 


— 


2 


4 


— 


— 


6 


25 


'\Niesensoh\\'mgG\(Fe.stuca2»-afcnsisHuils.) 


7 


— 


— 


— 


1 


7 


— 


— 


8 


2« 


Ruchgras (ÄnthoxantJmm Pnelii Lee. et: 






















Lam.) 


2 


— 


— 


— 


- 


2 


— 


— 


2 


27 


Kammgras (Ci/nosrus rrisluhis) 


3 


— 


- 


— 


1 


2 


— 


— 


3 


28 




1 


— 


— 


— 


— 


1 


— 


— 


1 


oq 




1 


1 


— 


— 


— 


2 


— 


— 


2 


30 


Kleeseide 


1 




Suiuuie 


«77 


3 310 (j 1210 325 


16 


3 


873 



CL Bericht über die Tliätigkeit der Alitlieilunf; für Samencontrole 1895/96. 



2. Die Eclitlicitsbestimmiingcu betrafen, einmal die Bestimmung eines 
Siebseis als Kleeseide und ferner den Nachweis, ob amerikanische Luzerne 
blaublühend (Mcdkago sativa) sei. Die letzteren Fälle werden bei den 
Angaben über die Cultnrversnche der Abtheilung weitere Erwähnung finden. 

3. Die Untersucliungen auf Kleeseide gaben die folgenden Resultate: 

Es wurden gefunden 



Lei Kütidilee 


W(nss- 
klee 


Bastard- 
kleo 


Luzerne 


Gellddee 


Wund- 
klee 


Timo- 
tl.ee 


von rrolien 


IH-l 


29 


60 


15 


3 


3 


Iti 


seidehaltig 


90 


7 


29 


12 


1 


- 


3 


oder in "/o 


49 


25 


48 


80 


33 


- 


18,8 


gegen das -|- g, 
Vorjalir — '" 


— 10,2 


+ 3 


+ 3.! 


+ -• 


- 


- 


-f 18,8 



r)er höchste Gehalt an Ciiscuta betrug 

beim Rothklee .'')80 Küiner in 100 gr 

„ Weissklee 7 „ „ „ ,, 

„ Schwed. Klee 340 „ „ ,, „ 

,, Gelbklee 2 „ „ „ „ 

„ Timothee 85 „ „ „ „ 

bei der Luzerne 19 „ ,, „ „ 

Für die Rothkleeproben stellte sich der Seidcgehalt wie folgt 
Es enthielten 

Früchte der Kleeseide (sog. Kapselseide) ... 25 Proben = 1 4 "A 

weniger wie 1 Korn in 100 gr 5 „ = 3 „ 

1 Korn in 100 gr 10 „ = 5 „ 

mehr wie 1 Korn in 100 gr 

und theilweise Frücht(> 50 ,, ^ 27 ,, 



der auf 

Seide 

untersucht. 

Muster. 



49 %/ 



Der Prozentsatz der mit Kapselseide behafteten Proben ging von 31'Vo 
im Vorjahre auf 22 "ö zurück. 

4. Die Herkunftsbestimmungen erstreckten sich auf Rothkiee, Luzerne 
und Timothee. Ilire Anzahl war gering, da amerikanische Saaten für den 
Älarkt in umfangreicher Weise nicht in Betracht kamen. Zwei Rothklee- 
muster gaben keine Bedenken gegen europäischen Ursprung, die dritte war 
reiner Amerikaner. Die beiden Luzerneproben boten keinen Aidialt ihre 
Herkunft (Ungarn) zu bezweifeln, das Muster Timothee ebenfalls. 



Bcriclit über die Tliiitigkeit iler Abtheilmig- für Sameneontrole 1895/<)(i. ('JJ 

4. u. f). Für (lio K(>iiilieit und K r im fäliij^koit ergaben sich in der 
IJericlitszcit die auf naclisicliendcr 'l'aliclie znsanimcngestelltcn Minimal-, 
Maxinial- und Mittelwertlie. 



Samenart 



Reinlicit 



lü'indcraft ') 



1894/95 


Mittel 


ja 
a 


a 


9I),7 


90,5+7 


93,2 


84+11 


90,5 


85+11 


90,6 


12+2 


87,1 ■^) 


88+8 


— 


95+1,5 


li:!,9S 


77 


91,3 S) 


- 


94,5 


- 


94 





97,9<i 


89 


98,4 


83 


85,3 


66 


75,() 


74 


9(),(i 


83 


()0,3 


38 


89,28 


61,5 


87,4 


87 


92,55 


42,5 


96.5 


79,3 





86 









Gegen das 
Vorjahr 



Roin- 
hoit 

+ ü/„ 



Keim- 
kraft 



+ /y 



Kothklee 

Weissklee 

liastardklce .... 
Inkarnatklee. . . . 

Wundklee 

(ielbklee 

Ijiizern(> 

Sernidrilü 

V-'-sH 

Lein 

Ei'lisen 

Canariensaat . . . 

Sesam 

Kieinus 

Kngl. Ilaygras . . 

Ital. Raygras . . . 

Franz. llaygras . 

Knaulgras 

Timotlice 

Honiggras 

Fuclissebwanz . . 

Wiesenrispengras 

Plaltlialm -Rispen- 
gras 

Gemeines Rispen- 
gras 

Wiesensehwingel 

Gerucligras 

Kammgras 

Weizen 

Gerste 



88,45 
84,4 
82,6 



98,7 

93,1 
94,4 
94,4 

96,1 
9.3,9." 
52,55 
57,05 

95,2 

65,2 



98,7 
97,8 
98,9 



99,8 

96 
98,5 
97 
97,8 
97,9 
98,05 
91,14 
99. i 



86,4 



!tri,(> 
n;{,ü 
!)r),i 

SS,:'. 

94, (i 

!i:!,2 
<)S,Ö 

!i!),:ir. 

!l7,ä 

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97,18 

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S3,r, 

!t7,7 
71,4 

8;j,5 

S4,0 



!)0,!t 
07,2 



23+7( 

66+0 

()5+32 

92+0 

95+4 

46+5: 

19 
51 



89 
88 
21 
72 
75 
34 
40 
30 



99,5+0,5 
99+1 
99-1-0,5 
96+0 
97+3 
96+4 

90 



97 
97 
89 
97,5 
100 
89 



Sü+IO 
s:!+14 
S9+I0 
94+0 
!Mi+:i 
S7+12 

!i2+r. 

(19 



92 

72 
85 
07 
52 
71 
47 

89 

29 
91» 
92 

s:! 

9« 
90 



— ',1 
+0,4 

— 1,4 

-2,3 

+7,5 

-0,78 
- +8 

+ 0,7 
-1-0,1 
+ 1,7 

—0,78 
3,5 

-11,4 
+7,9 
+ 1,1 

+ 11,1 

— 5,8 



+0,4 



— 1,5 

— 1 
+i 

+84 

— 1 



+4 
+ 9 
+6 
+11 
+ 14 
— 15 
+33 
-14,5 

+2 

-13,5 

+10,7 
+<i 



Die mit Angalie der einzelnen vorliand<'ncn (Jrasarten ausgeführten 
Analysen französischer Knanlgräser und franz(isise.her Raygräser stellten 
sich im Durchschnitt wie die folgende Zusammenstellung zeigt. 



*) Bei den Kleearten bedeuten 
2) Mittel der Vorjalirc. 



lie der Keimkraft addirten Zalden die lini-tcn Kiirner. 



C'LII Bericht ül<er die Tluitigkeit der Abtheilung fi'u- Samencoutrole lft95;96. 



^ute Gräser 
82,2 % 



1. Französische Knaulgräser: 

reine Saat 72 "/o 

Wiesenschwingel 8,7 „ 

französisches Ray gras . . 0,8 „ 

Goldhafer, Poa 0,7 „ , 

Tresjjen 0,8 „ 

Engl. Ray gras, Honiggras 6,0 „ 

ünia-äuter 0,8 „ 

Spreu 10,1 „ 

Sand ■ . 0.1 „ 

100 
2. Französische Raygräsor (Fromental) 

reine Saat 67,64 j 

Knaulgras 7,0 \gnte Gräser 

Wiesenschwingol . .... 0,9 ( 75 co;,, 

Poa, Goldhafer 0.0(1 ) 

Trespen 8,8 

Engl. Raygras, Honiggras . 3,2 

Unkräuter 0,3 

Spreu 11,8 

Sand ■• 0,3 

100,0 
Für die Klecsaaten trat im Berichtsjahr der Einfluss der im Norden 
schon seit mehreren Jaliren eingeführten sog. Ritzmaschinen zum ersten Mal 
hervor. Im Anfange gelangte noch Rothklee zur Untersuchung, der bis 
70 % harte Körner aufwies, während gegen den Schluss der Saison fast 
durchweg behandelte Saaten zur Keimprüfung eingesendet wurden. Eine 
Reilie von Firmen, teils Hamburger, teils auswärtige liessen von der 
Abtheihmg vergleichende Versuche mit geritzten und ungeritzten Saaten 
anstellen, über die folgende Uebersicht das Nähere veranschaulicht. 



Es keimte 


u 
Minimum 


1 g e r i t / 
Maximimi 


Mittel 


Minimum 


r e r i t z t ' 
Maximum 


Mittel 


Dureli- 

schnittl. 
Ei'liöhung 

der 
Keindcraft 


Rotliklec 


74+24 


94+5 


85+14 


93+4 


99,5 


9r> 


11 "ü 


Weissklee 


68+28 


88+12 


79+20 


95+2 


99+1 


98+1 


19% 


Schwedklee 


82+18 


8(i+14 


84+16 


96+3 


99+0,5 


98+2 


14% 


Gelbklee 


- 


- 


88+10 


- 


- 


9G+4 


s% 



') Die addirten Zahlen geben die harten Korner an. 



Bericht iihor die Tlilitiokoit Jer Alitlieihmg für Samcncontrolc 1895,90. CLIH 

Während für Weissklee uiiil Scliwedklee ein naclitlieiliger Einfluß der 
Präparation bei den verscliicdensten Versuchen sich nicht ergab, wurden 
für ßothklee, Inkarnatklee und Gelbklee bei einer Reilie der Keimprüfungen 
eine Anzahl Körner beobachtet, die im Keimbett nach der (^)iielluug meist 
von der Wurzel getrennte Keimblätter aufwiesen, während vorher an dem 
Korn eine Verletzung nicht wahrzunehmen war. Der Cirinid für diese 
Ei'scheinung wird in dem mehr oder mimler accuraten Ar])citi'n der Kitz- 
maschinen zu suchen sein. 

Es hat sich nun als sehr wahrscheinlich herausgestellt, daß die 
Behandlung- im Keimbett, vor allen Dingen zu große Feuchtigkeit, von Einfluß 
auf das stärkere Hervortreten dieser Erscheinung ist. Es ist nun die 
Frage, ob die durch soi'gfältigerelJehandlung nicht zerftillenden, aber immerhin 
sich etwas schwächer entwickelnden Körner als gekeimt gezählt werden 
sollen oder nicht. Die Entscheidung dieser Frage ist, da die Versuclie 
noch nicht abgeschlossen sind, z. Z. noch nicht zu treffen und geht aueli 
über den Rahmen dieses Dcrichts hinaus. Sie wird n.ich Absililaü der 
Versuche eine eingehende Besprechung finden. 

Von Serradella kam wieder manch jährige und ältere Saat zur 
Keimprüfung, so daß der Durchschnitt der Resultate mich gegen das Vorjahr 
zurückging. Frische Muster keimten gut. (90 %) 

Die Reinheitsbestimmungen der Oel Sämereien (Sesamsaat, Ricinus 
und Lein) haben sämtlich eine crluihte Durchschnittsziffer ergeben. 

Die durchschnittliehe Keimkraft der Grassaaten hat sich mit Aus- 
nahme von Honiggras und den Rispengräsern bei allen recht erheblich 
gesteigert. Über die Reinheitsbestimmungen der Knaulgräser französischer 
Herkunft geben, ebenso wie über die französischen Raygräser, obige Tabellen 
Aufschluß. Neuseeländisches Knaulgras war im Mittel 88,3% rein. 
Die Culturversuche der Abtheilung im freien Lande galten neben 
der Anzucht der verschiedensten Provenienzen von Rothklee, Weißklee und 
Scliwedklee und dem Anliau der wichtigsten Futterpflanzen, in diesem 
Jahre vor allem der Luzerne verschiedenster Herkunft und Versuchen mit 
dem Ni tragin der Höchster Farbwerke. 

Nordamerikanische Luzerne') ist schon seit mehreren Jahren 
am Markt und wird gern gekauft, und doch herrschen noch stellenweise 
Zweifel, ob es sich um die blaul)lühen(le Medicago sativa handelt, obgleich 
aus den Veröffentlichungen des U. S. Department of Agriculturc hervorgeht, 
daß allein diese Pflanze in den Staaten in solchem Umfange gebaut wiid. 
daß an einen Exj)ort im Großen zu denken ist. 



') Ausgeschlossen sind sellistverstiindllcU die .ans den WollkSmmei-eien stammenden 
gänzhch unbrauchbaren Medieaijoarten. die w.dd manebmal als amerikanische Liiz(.-rne 
bezeichnet werden. 



CLIV Bericht iibei- die Thätigkeit der Abtheilung für Samencontrole 1895/96. 

Auch Argentinien sendet jetzt dann und wann einige Posten Alfalfa 
(Medicago sativa), und ebenso sind uns Muster russischer, turkestanischer und 
pcrsisclier Saaten zu Händen gekommen. Da nun bei diesen ebenfalls Zweifel 
vorhanden waren, ob es sich inu wirklicli echte Luzerne handelt, und ob die 
Saaten sich in unserm Klima bewähren, sind in dem vergangenen Jahr sämmt- 
liclie Provenienzen zur Aussaat gekommen. Die Versuche sind z. Z. noch nicht 
abgeschlossen. In der Entwickelung ist ein merklicher Unterschied bei 
sämratlichen Proben nicht zu beobachten gewesen, wenn auch zugegeben 
werden muß, daß so wenig umfangreiche Culturen, wie wir sie anzustellen 
im Stande sind, in dieser Beziehung nichts endgültig beweisen und nur der 
Versxich im Großen entscheiden kann. Die andere Frage aber, ob es sich 
um echte Medicago safiva liiindclt oder um Formen von media, konnte 
für sämmtliche Proben dii^ uns überwiesen worden waren, in ersterem 
Sinne entschieden werden. 

Die Versuche mit Ni tragin, einer Reincultur dei- Frreger <lcr Le- 
gurainosen-Knöllchen und Stickstoflfsammler für diese Gewächse, wurden 
in der Form angestellt, daß Eothklec, Erbsen, Bohnen, Serradella, Luzerne 
und Esparsette einmal ohne Nitragin, dann mit ihrem specifischen Bacterium 
und schliesslich mit dem einer andern Legumniose ausgcsäet wurden. Es 
kann über die Resultate aber erst später berichtet werden. 

Auf Wunsch mehrerer Großhandelshäuser wurden ferner einige An- 
gestellte derselben während der Sommermonati' in <lie Tecthnik und 
Methode der Snmenconti-ole einirefülirt. 



riiysikalisflics Staats-Lalioratorium. CLV 



9. Physikalisches Staats-Lahoratorium. 

Bericht des Direktors Professor Dr. A. Voller. 

lieber die Arbeiten des physikaliselien Stants - Laboratoriums im 
Jahre 189G kann das Folgende berichtet werden. 

1. Die amtliche Lehrthiitigkeit wurde gemäss dem im Vorjahre 
festgestellten erweiterten Vorlesungsplane fortgeführt. Es wurden folgende 
Curse durchgenommen : 

Im Sommer lS9f. Prof Voller: Die Lehre von der Wärme, 
(bis Mitte Juni): (l-'ortsetzung der Winter- Vorlesungen.) 

Dr. Classen: Das Licht und seine Wirkungen. 
(Fortsetzung der Winter- Vorlesungen). 
Im Winter 1890/97: Prof. Voller: Elektricität und Magnetismus 
auf Grundlage neuerer Erfahrungen und 
Anschauungen. 

Dr. Classen: Allgemeine Pliysik und 
Mechanik. 
Die Vorlesungen fanden regelmässig Dienstags und Freitags Abends 
7'/2 Ulu- statt; sie waren sämmtHch, wie seit Jahren, so stark besucht, 
dass des beschränkten Eaumcs wegen viele Meldungen zurückgewiesen 
werden mussten. Der Besuch hielt in allen 4 Cursen bis zum Schlüsse 
fast unverändert stark an. 

2. Die Benutzung der täglichen Sprechstunden des Bericht- 
erstatters namentlich von Seiten technischer und industrieller Besucher 
war, wie gewöhnlich, eine lebhafte. Ebenso wurde die Bibliothek 
unseres Institutes vielfach benutzt; in r,0 Fällen wurden Bücher aus- 
geliehen. 

3. In grossem Umfange wurde die Thätigkeit unseres Laboratoriums 
während des Berichtsjalu-es durch die umfassende medicinisclic Anwendung 
der von Prof Röntgen in Würzburg entdeckten neuen Durchdringungs- 
strahlen in Anspruch genommen. Nachdem es uns sehr bald nach 
Bekanntwerden der Röntgen'schen Entdeckung gelungen war, die von 



CLVI riiysikalisclu'S Staats-Labnratorium. 

demselben beschriebenen Erscheinungen ebenfalls hervorzurufen, wurde die 
Benutzung der neuen Strahlen Seitens der Aerzte Hamburgs und der 
Umgegend bald eine sehr häufige und stetig zunehmende. Da unser 
Laboratorium längere Zeit hindurch allein über die erforderlichen Ein- 
richtungen verfügte, so war während dieser Zeit die Zahl der von uns auf 
ärztlichen Wunsch zu den verschiedensten diagnostischen Zwecken aus- 
geführten llöntgenstrahlen-Untersuchungen eine sehr beträchthche. Auch 
nachdem im Neuen Allgemeinen Krankenhause sowie im Altonaer Kranken- 
hause vollständige Einrichtimgen für die neue Untersuchungsmethode 
hergestellt worden waren, mussten noch zahlreiche derartige Arbeiten bei 
uns ausgeführt werden. Erst in neuerer Zeit stehen den hiesigen Aerzten 
gut eingerichtete Privat-Institutc zur Verfügung, deren Leiter sich zum Theil 
während längerer Zeit mit der Praxis der Röntgenstrahlen-Arheiten in 
unserem Laboratorium vertraut gemacht haben, so dass wir nunmehr nur 
noch in l)esonderen Fällen ärztliche Aufnahmen mit Röntgenstrahlen aus- 
führen. — Ni'l)cn diesen praktischen Arlioiten gingen fortdauernd aucli 
vielfache rein wissenschaftliche Untersuchungen der mit den neuen Strahlen 
verknüpften Erscheinungen einher, ülier welclie an anderer Stelle zu 
berichten ist. 

4. Wie in den Vorjahren, so wurden aucli im P)Ci-iclitsjahre von den 
hiesigen ISehördcn melu'fach (Jutaehten und llerichte iilicr verschiedene 
Angelegenheiten erbeten. Besoiulers zahlreich waren die auf Wunsch 
der Deputation für das Feuerlöschwesen, des Waisenliaus- 
Collegiums und namentlich der Bau -Di^jutati on ausgeführten 
Besichtigungen und Begntaclitungen der Blltznhleiter-Anlagen auf zahl- 
reichen hiesigen Staatsgebäuden, Kirchen, Speichern, Petroleumlagern etc. 
Dagegen betrug die Zahl der von der Feuercasse zur Anzeige gebrachten 
Blitzschlagfälle nur 19 (gegen 40 im Voi'jahre), von denen allein 9 das 
Landgebiet betrafen. — Ausser diesen Arbeiten wurden Gutachten erstattet: 
für die Feuercasse über einen im Elektricitätswerk in der Carolinen- 
strasse eingetretenen Stromübergang von den Strassenbahnleitungen zu 
den Lichtleitungen und dadurch verursachte Brandschäden; für die 
Deputation für das Feuerlöschwesen über die etwaige Gefährhch- 
keit der Strassenbahnleitungen für die Feuerwehrleute bei Brandfällen ; 
für die Verwaltungs abtheilung für das Zollwesen über die Zoll- 
behandlung von Gasglühlichtkörpern; für die Vormundschaftsbehörde 
über die hiesige elektrotechnische Lehrwerkstätte Elektra; für die Staats- 
anwaltschaft über die vermuthete Fälschung einer Quittung in einem 
Verfahren wegen Verdachts der Urkundenfälschung. — Li Gemeinschaft 
mit Beamten der P.audei)utation und der Finanzdeiiutation nahm der 
Berichterstatten' an einer Liformationsreise zum Zwecke di'r Besichtigung 
neuerer elektrischer Strassenbahnsvsteme Theil. 



Pliysikalisches Stiiat.s-Labüriitdiiiiin, CLVII 

5) Flu- Private wurden gemäss dem bestehenden Ueguhitiv in 
50 Fällen Prüfungsarbeiten ausgeführt. Dieselben betrafen 
in lo Fällen elektrisehe Arbeiten versehiedciier Art, 
„ 7 „ phütometrische und sonstige Untersuehniigen von (ias- 

glühlichtlam[)fn und dcrgl. 
., oO „ Prüfungen von y.usannnen 409 ärztlichen 'i'lierniiinn^tern. 
All Prüfiiiigsgi'liiihren gingen u^ 7^(5,15 ein. 

(). Die tägliche Ermittelung des Grundwasserstandes und der (Irniid- 
wassertemperatur auf hamburgis(;heni liebietc wurde an 21 licohaclituiigs- 
brunnen in gewohnter Weise fortgeführt; die Eesultate der lleobaclitungi'n 
sind in einem Beihefte zu diesem Jahrbuch (Grundwasser V) mitgethcüt. 
7. Die Vorbereitungen für die innere Einrichtung unseres neuen 
Laboratoriumsgebäudes nahmen uns vielfach in Anspruch ; auch wurde 
der Berichterstatter von der vorgesetzten I. Sektion der Oberscludbehörde 
im Sommer 1890 noch auf eine Studienreise zur Besichtigung der 
Organisation und Einrichtung einer Anzahl neuerer j)hysikalischer 
Laboratorien in Deutschland und der Schweiz entsendet. Wir hoffen, das 
neue Gebäude im Herbste 1897 beziehen zu können. 



(LMII ChfUiisL-bcs Staats-Liil)uriituiium, 



10. Chemisches Staats - Laboratorium. 

Bericht des Direktors Professor Dr. M. Deunstedt. 

Aus dem \'oriaiue ist luiclizutraiieu , dass JuitIi Vt'rordming des 
Hohen Senats vom 17. Juni 18!)5 betreffend die Prüfung der Nalirungsmittel- 
t'liemiiver das Chemische Staats-Laboratorium als staatliche Anstalt zur 
technischen Untersuchung von Nahrungs- und Genussmitteln im Sinne des 
§ 16, Absatz 1 Ziffer 4 vom 22. Februar 1S94 zu gelten habe. 

In den Etat des Instituts ist diu'ch gemeinsamen Beschluss eines 
Hohen Senats imd der Bürgerschaft vom 23. September und 21. October 1896 
eine zweite Stelle eines Assistenten 2. Gehaltsklasse aufgenommen worden. 
Die neu gegründete Stelle ist durch Besclüuss der Oberschulbehörde 
(1. Sektion) vom 22. Dezember 1896 HeiTn Dr. Wilhelm GöhlicJi, bisher 
Assistent am pliarmaceutischeu Institut der Universität Marburg, übertragen 
worden. 

Herr Dr. Gühlich hat seine Thätigkcit am 1. Januar 1897 begonnen. 

Der langjährige wissenschaftliche Hilfsarbeitoi- Herr Dr. C. Ahrens 
liat am 1. September seine Tbätigkeit aufgegeben; an seiner Stelle ist 
Herr 0. von BoUenstern vom 1 . September bis 3 1 . De/xnaber als wissen- 
si luiftliilier Hilfsarbeiter beschäftigt gewesen. 

Die dem Institut zur Verfügung stehenden Geldmittel, erhöht um eine 
einmalige grössere Zuwendung für Voi'lesungszwecke, fanden, die wichtigeren 
Ausgal)cn anlangend, folgende Verwendung: 

Für Apparate, Geräthe u. s. w. 

1. zu allgemein chemischen Ai'beiten Ulf 404.20 

2. zu physikalisch chemischen Arbeiten ,, 165.28 

3. für die chemische Analyse im Allgemeinen „ 154.27 

4. für gerichtliche Analyse „ 74.25 

5. für Gas- Analyse „ 165.50 

6. für Elektrolyse „ 364.18 

7. für die Untersuchung von Zollsachen „ 8.35 

8. für die Photogi'aphio „ 41. — 

9. für Vorlesungszwecke „ 4 657.02 

10. für Vervollständigung der Bibliutliek „ 1 259. — 

11. Verschiedenes „ 19.20 

4 7 312.25 



Clieiiiisclies Sta,iits-L;ilionilnri CLIX. 

An Gescbeiiken, flu' die hieiiiit (k-r verljindlicbste Dank des Institutes 
ausgesprochen wird, gingen ein: 

1. Für die Bibliothek : Die bereits in den l'riihereu Jalueu aufiLieHihrten 
periodischen Schriften. 

2. Für die Sanuuhiiigon: Eine eclitc (iypsfurni (.liipitor) von .1. Mklidi, 
BerHn ; Steinsalz- und KarnalHtprobcn aus Leopoidshall von Herin 
l)v. C. Ahreiis; eine Keihc (13 Stück) russischer Mineralschniioröle von dem 
INI iueralöl werke AlbrevJif & Co.; Theile eines Rüniers in verscliiedeiien 
Stadien seiner Herstellung von der Direktion der Gräflich t^ehajfyAtsclien 
JosephinenliilUe in Schreiberhau. 

Die Gesammtthätigkeit der Anstalt ergiebt sicli aus der uinstehendeii, 
nach dem Ausgang-Journal zusammengestellten Uebersicht. 

Gegen das Vorjahr zeigt sich wiederum eine Zunahme der Tliätigkeit, 
601 Nummern gegen 584 im Vorjahre. 



Uebersicht. 



CLX 



ClieniiscLes Stiiats-Laboratori 



Uebersicht 

über die vom Cliemisclieii Staats -Laboratorium 

im Jalu'e 1896 ausgeführten Untersuchungen, abgestatteten 

Gutachten, Berichte u. s. w. 



I. 




Allgemeine Vcnvaltiiiig: 




183 


11. 


IJiitoisnclniiigen und (iiitacliU'ii für (iericlite: 








a. 


Moni, Koi-pcrverlctzung, Sittenvcrbreclien, vordik-htigi.' 
Tüdcsursachcn (Gifte, Flecken u. s. w.) 


16 






b. 


Brandstiftunj;, E.xplosioucn u. s. w 


10 






f. 


Mcdieiiialpfiiselierei, Nabriiiig.siinttelverfälsclmiitj, Betrug, 
Selirirt.veigleii-lnui!::-, Saelibeseliadiyiuig, ii. s. \v 


15 


41 
23 


ni 




Vei'liniiilliingi'ii \ iir den lierirliten 




IV. 




thimil vfiliiMKiciie riitiTsiiciiiiiigi'ii, Aiisgriibiiiigcii, 








Sei'lioiu'ii und ('uriTS]p«iideii/. ii. s. \v 




48 


V. 


1, 


Uiili'i'siicliuiigfii. (iiilaclili'ii und üoriclilc lur Jledifinal- 
burean, Polizfi- und anilrre lii'liiirdi'u: 

Verdäelitige TuiiesursaeUe, rraf;liclie Ver^il'tiuig u. s. w. 


8 
HO 






c. 
d. 
e. 




2-i 








4 






Verschiedene andere Untersueluingen und (iiitachten 


44 






f. 


Untersueliungen, Gutachten u. s. w. in Zull-Saehen 


6.3 


257 










VI. 




Bcsk'lidgiingcu von Kahrikon. gcwerbliclicu Anlagen n. s. w. 




16 


VII. 
kill. 








'27 


Uutfisutliungeu aus cigeueui Autriche 




6 










601 










gegen .084 Nummern im Jahre 1895. 







Chemisches Staats-Laboratorium. CLXI 

1. Untersuchungen und Gutachten für Gerichte. 

(Uebersieht unter II.) 

Journal. 

No. 10, 12, 147. Nahrungs- und Genussmittel Beurtheilung von 
Mineralwässern, ob unter die Verordnung vom 27. Januar 1890 
betr. den Verkehr mit Arzneimittela fallend. Begutaditung einer 
Butter- und verschiedener Schmalzproben. 

„ 76, 112, 481,. 553. Sittenvorbrechen. Untersuchung einer Anzahl 
von Wäsche — und Kleidungsstücken auf Spermatozoi'n und 
Blutspiu'cn. 

„ 103, 104, 1Ü2,2C4, 365, 371, 413, 538, 531), 552, 585. Vergiftungen. 
Untersuchung von Leicheutheilen auf GiftstoÜe, eines Kaffee- 
Absuds auf Beimengung giftiger, der (iesundheit schädlicher 
Stoft'e ; Prüfung eines Milclirestes auf giftige Bestandtheile. Unter- 
suchung des Inhaltes einer Schaclitel und eines Fläschchens auf 
giftige Substanzen, Feststellung des Inhaltes zweier Flaschen, 
Untersuchung eines braunen Pulvers und einer vermuthlich 
vergifteten Wurst. Untersuchung von Eingeweidetheüen und 
Feststellung der Art der ätzenden Säuren, die zur Vergiftung 
gedient haben. Untersuchung des Inhalts eines Fläschchens, 
ferner von Kamilleublüthen und eines daraus bereiteten Thee- 
aufgusses und eines Medizin- und eines Sherry-Restes auf Gifte. 

., 38, 117, 161, 211, 388, 424, 488, 540. Brandstiftung. Unter- 
suciiung von Hulztheilen, Tapeten, Pappe, Cigarrenkisten, einer 
St(!int1iese, Theilcn einer Bettstelle uiul eines Kissenbezuges auf 
Tränkung mit Petrvilcuni oder anderen zur Brandlegung geeigneten 
Stoffen. Gutachten über Selbstentzüiuluiig in einem Keller 
gelagerter Stoffe, sowie darüber, ob ein in einer Fahrik ausge- 
brochener Brand durch Fahrlässigkeit verschuldet sei. 

,, 130, 473. I)iel)stahl. Feststellung der Gleichheit dreier Seifen2)roben. 
Untersuchung eines Taschenmessers auf Spuren von Gespinnstfasern, 
die beim Zerschneiden einer Leinewand daran haften geblieben 
w.aren. 

„ 146, 151. Münzverlirechen. Untersuchung des Inhaltes einer 
Tüte und Feststellung, ob die in einer beigegebenen Wasserflasche 
befindlichen Krystalle mit dem in der Tüte enthaltenen Pulver 
identisch seien. 

„ 193, 347. Körperverletzung. Untersuchung einer Eeihe von 
Messern auf Blut, Untersuchung und Begutachtung des Inhaltes 
zweier Flaschen. 

1 



CLXII Cliciuisclies Staats-Laboratorium. 

Journal. 

No. 197, 253,259. Vergehen gegen das Patentgesetz. Begutailitnng 

der Aelinlichkeit oder Gleichheit der Vei'fahren bei der Herstelhmg 

von Zündhölzern, ferner, ob bei Herstellung von Pressheie und 

ebenso bei Bereitung reinen Naturlabes Patentverletzung vorliege. 

,, 214. 244. Arzneimittel. Untersudiung des Mundwassers „Odol" 

auf seine Zusammensetzung. Feststellung des P>ni(iii- und 

Strychningehaltes in H. S. von Dittens Pillen. 

„ 523, 5G1, 505. Betrug und Urku iidciif ä Iscliung. Untersudiung 

von 45 Quittungsniarkcn auf Nachweis \'uu etwa nachträglich 

entfernten Entwerthungszeichen. Begutachtung der Echtheit von 

Briefmarken mit Hülfe photograpliischer Aufnalmie; Feststclhiiig. 

oh auf einer mit Bleistift gesehrii'lH'iicu (^•uittiiiig eine der Zifleru 

mit einem andern Bleistift gesdiricbcn sei. als die übrige .Sclii-ilt. 

2. Untersucliungen und Gutachten für andere Behörden 
und Verwaltungen. 

(UclM-rsidit unter V.) 

Von folgiiidcn Behörden gingen Aufträge ein: Oberschutbehörde, 
Medizinal - Kullugiuni. Pcilizci - Behörde, Bau|i()lizei, Finanz - Deputation, 
Berathungsbehörde für das Znllwrsen, l!au-l)e|)utatii)n, f)e|iutati(jn lür das 
Feuerlöschwesen, Handel.skaininrr und liiicUidii dci- (lasweikc. 

Jour'iKil. 
No. 1, 57, G'J, 73, 74, '.iöO, ;-'54, oIHi, 117, 4:17, 5G!), 575. Feuer, 
fragliche Brandstiftung, Selbstentzündung u. s. w. 
Gutachten über die Verladung von Feucrwerkskörpi'rn im Hafen, 
üljer die Beförderung der (iemische von Schwefelsäure und 
Salpetersäure im Binnenverkcbr auf ' der Fll)e ; über die freie 
Lagerung von Plul.^llh()r ; ülier den Entwurf einer Verordnung 
betr. feuerpolizeiliche Vorschriften lürilie Lagerung feuergei;Ua-lichcr 
Stoffe, sowie für sonstige gewei])liclie Anlagen und Betriebe ; über 
die Lagerung von Calciunicarbid und Acetyleii. Beurtheilung von 
Feuerwcrksköipern im Sinne der \'erordnung vom 28. März lb'J4. 
Untersuchung des Inhaltes eines zwischen Kohlen gefundenen 
Pulvers auf seirn^' Zusaninieusetzung; verschiedener l)ei einem 
Brande aufgefundener fiegenstände aid' ihi-e Fähigkeit starke 
Detonationen veiurs.-icht zu liahen; Prüfung einei' Feuerh'ischinasse 
auf ihre Bestandtheile und Feststelhing der Ursachen dei' Sell)st- 
entzündung eines Cicwebes. 

„ 21, 26. UntersuchungverschiedenerGegenständeaul'ihre Verwemlbaikeit 
zur Herstellung von Sprengstoffen. 



Chemischeä Staats-Labovatorium. CLXIII 

Journal. 
No. 28, 58,96, 123, 145, 187,240, 312, 342, 393, 407,440, 494, 522, 

551, 583. Analysen der in der Abdeckerei gewonnenen Dünger- 
pulver, Fisch-, Fischroggen- und Blut-Mehle. 
„ 45, 46, 89, 90, 133, 134, 170, 173, 223, 229, 230, 273, 274, 322, 

323, 367, 3G8, 429, 430, 476, 477, 525, 526, 577, 578. Monatlich 

ausgeführte Bestimmungen des Gehaltes des hiesigen Leuchtgases 

an Gesammt-Schwefel und Kohlensäure. 
„ 62, 85, 124. Untersucluuig von pulverfürmigen Ausscheidungen in 

Gasheizungsöfen und Gutachten über die Verwendbarkeit des in 

der Barinbecker Anstalt aus deutschen Kohlen gewonnenen 

Leuchtgases zur Heizung. 
„ 70, 344, 439. Vergiftungen. Prüfung von Pottasche auf giftige 

Beimengungen. Untersuchung vermuthlich vergifteter Fadennudein. 

Untersucliung des Inhalts eines Fiäschcliens auf giftige Bestand- 

theile. 
„ 113, 300. Arzneimittel. Analyse der .Tuliiis Spiegerschen Haar- 

tinktnr. Eingehende Versuclic und (miI.icIiIi'ii über die Gewinnung 

von Medizinal-Le])erthran. 
„ 165. Gutachten über Deformation von Kiamnirdlu-en bei Fluss- und 

Seeschiffdampfkesseln. 
„ 258. Untersuchung eines Zuckerrohres. 
„ 292, 337. Untersuchung von Brandresten aus den Versuchen mit 

Speicherstützen, nämhch Analyse und Begutachtung von 42 Proben 

hauptsächlich darauf, ob darin etwa fremde, die Feuerbeständigkeit 

beeinträchtigende Stoffe vorhanden seien. 
„ 338. Prüfung der Ursachen der Korrosion des Dampfkessels einer 

Feuerspritze. 
„ 348. Gutachten über die Verwendung, norwegischer Dachziegeln aus 

Holzstoff als Dachdeckungsmaterial. 
,, 355. Untersuchung der Ablagerungsprodukte der Warmwasserreservoire 

des Centralschlachthofes. 
,, 377. Vergleichende Untersuchung verschiedener FLaschenbiere. 
„ 438. Gutachten über die Verwendbarkeit einer Davy'schen Sicherheits- 
lampe im Petroleumhafen. 
„ 450, 474. Gutachten über die Beschädigung von Welllilechdächern 

durch darauf gefallenen glühenden angeljlichen Salpeter. 
„ 584. Untersuchung und Begutachtung des Waschpulvers „Lessive 

Phenix". 
Die in Zollsachen ausgoriilu-t(?n Untersuchungen und .abgegel)enen 
Gutacliten bezogen sich auf folgende Gegenstände und Fragen : 



CLXIV Chcmisclios Staats-Laboratorium. 

Journal. 
No. 36, 6G, 81, 95, 121, 142, 152, 171, 188, 232, 241, 2G1, 280, 299, 

SOG, 350, 351, 359, 301, 378, 398, 418, 441, 442, 401, 475, 

513, 528, 548, 582. Branntwciu-Dcnatiu-irungsmittcl : Holzgeist, 

Pyridinbasen, Kosmarinöl. 
„ 71. Prüfung einer als „Normal-Säurc-Entwickler" bezeichneten Waarc. 
„ 109. Gutacbten übei" Dcnaturirung von Branntwein durcli Salzlauge. 
„ 120. Outachten über die Eückvergütung des Zolls für ausländische 

Rohmaterialien — Talg und Palmöl — ))ei der Ausfuhr von 

Stearin und Stearinlichteu. 
„ 128. TariKruug einer als Ölfirniss deklarirten Waare. 
„ 141. Tarifirung einer als Abfallfett deklarirten, durch Destillation aus 

Wollsclnveissfett dargestellten Waare. 
„ 225, 238. Tarifirung zweier unter der Handelsbezeichnung „Anti- 

korrosivum" eingeführter Waarenproben. 
„ 205, 284, 320, 392, 515. Untersuchung und Px^tjutaclitung einer als 

entwässertes Säureharz bezeichneten Waare. 
„ 285. Gutachtliche Aeusserung über die Verfügung vom 10. Äfai 1890 

betr. die Unterscheidung reinen Erdnussöls von :ind(U-eu 

vegetabilischen Ölen, sowie die reinen Olivenöls v(ui (iemischen 

dieses 01s mit anderen vegetabilischen Ölen. 
„ 343. Tarifirung einer als Schiffsbodcnanstrichmasse bezeicluieten Waare. 
„ 353. Tarifirung einer als Creoliu - Desinfektionpulver bezeichneten 

Waare. 
„ 370. Gutachten über die Bestimmung des zollteclniischen Begriffs von 

Presstalg. 
„ 405. Tarifirung einer unter der Deklaiation „Eüliöl" eingeführten 

Waare. 
„ 409, 410. Untersuchung und Begutachtung von flüssigem Walkfett 

(Blacköl). 
„ 480, 487. Prüfung verschiedener Fleischruttennchl- und Fleischguauo- 

Proben darauf, ob die Waaren nach ihrer Beschaffenheit als 

Fleischguano zollfrei abzulassen oder als ein sonstiges Fleisch- 
derivat nach dem* Zollsatz für Fleisch zu behandeln seien. 
„ 495. Untersuchung einer als Wasserschwärze bezeichneten Waaren- 

probc. 
„ 510, 510. Tarifirung zweier als Black-Varnish bezeichneter Waaren- 
proben. 
„ 546. Gutachtliche Aeusserung über die \'orschläge des Herrn Reichs- 
kanzlers betreffend Aenderung der Instruktion für die zolltechnische 
Unterscheidung des Talgs vom 30. Januar 1896. 
,. 580. Tarifirung einer als Hufsalbe Eorard k la Lano Cholesterin be- 
zeichneten Waare. 



Chemisches St.aats-Laljoratorium. CLXV 

Die amtliche Petroleum-ControUe im Jahre 1896. 

folterndes 



Die anitlielie Pctioleuui 


i-Controi 


le ; 


im Ja 


,bre 1896 lieferte 


"ji'gebniss : 










1 . Getestet wurden im 


Laboratorium 




1885 801 


Proben 


in 


1715 


liestinimunt^en 


1886 1982 


„ 


„ 


3936 


„ 


1887 2071 


„ 


„ 


4030 


„ 


1888 1971 


» 


„ 


3800 


,, 


1889 1023 


n 


,, 


1972 


„ 


1 890 7 1 7 


^, 


„ 


1408 


)i 


1891 458 


„ 


„ 


847 


„ 


1892 509 


„ 


)i 


906 


„ 


1893 307 


,. 


„ 


580 


„ 


1894 247 


„ 


„ 


472 


„ 


1895 41 f. 


„ 


„ 


794 


„ 


1890 3(il 


,, 


r 


680 


» 


2. Aus Tanks waren entnommen 






1889 


111 P 


loben = 


10,9 % 


1890 


132 


)) 


= 


18,0 „ 


1891 


120 


^) 


= 


27,5 „ 


1892 


121 


„ 


= 


23,8 „ 


1893 


161 


„ 


= 


52,4 „ 


1894 


225 


j, 


== 


91,1 „ 


1895 


301 


„ 


= 


72,3 „ 


1890 


345 


„ 


= 


95,5 „ 


3. Unter den Proben befanden 


siel 


li Russiscbes Petroleum 


1885 


10 


mal = 


1,2 Vo 


1886 


6 


I) 


= ( 


0,3 „ 


1887 


12 


n 


= i 


0,6 „ 


1888 


25 


,, 


=: 


1,2 „ 


1889 


21 


„ 


= : 


2,1 „ 


1890 


18 


jj 


= ; 


2,5 „ 


1891 





„ 


= 


1,3 „ 


1892 


6 


„ 


= 


1,2 „ 


1893 


3 


,, 


= 


1,0 „ 


1894 





„ 


= . 


— „ 


1895 


9 


,, 


= ! 


3 2 


1896 


12 




= 


3,4 „ 



CLXVI 



Chemisches Staats-Lalioratüi'ium. 



4. Bei den Testungen zeigte 


sich eine Differenz 


der Einzelbeob- 


achtungcn : 








von 72° C. 1885 bei 


110 Proben = 


13,5 


% 


188G „ 


IIa „ = 


13,8 


., 


1887 „ 


142 „ = 


0,9 


» 


1888 „ 


84 „ = 


4,3 




1889 „ 


26 „ = 


2,5 


„ 


1890 „ 


23 „ = 


3 2 


„ 


1891 „ 


19 „ = 


4^1 


» 


1892 ,, 


29 „ = 


5,7 


ji 


1893 ,, 


20 „ = 


8,5 




1894 „ 


37 „ = 


15,0 


,. 


1895 „ 


09 „ = 


10.0 




IRDG ,, 


35 ,, = 


9.7 




von 1"C. und mehr 1885 — 1890 keinmnl. 




5. Von den 3G1 Trolien des Jahres 1890 liatt 


'n 




Eeduc. Entflammungspnnkt 


Specif. Gewicht 1)ei 1 5 " C. 


nntci- 21 "C — = — "/o 


bis 0,799 ... 




,32 = 92,0 % 


21_21,9 " „ ... 43 = 11,9 „ 


0,800 




9 = 2.5 ,, 


22—22,9" „ . . .144= 39,9 „ 


0,801 




1 = 0,3 „ 


23—23,9 « „ .... SS = 24,4 „ 


0,802 . . 




^"^ n 


24 — 24,9 „ 31 = 8,0 „ 


0,803 




-_ 


25—29,9° „ . . . 15 = 4,1 „ 


0,804 . . . 




. = 


30»(!. n. daiüher. 40= 11,1 „ 


0,805 




^ 


301 = 100,0% 


0,800 . 




— = — ,, 




0,807 




-- 




0,808 u. niehi 




19= 5,2 „ 




Unbestininit 
, d. h. unter 




— = — « 




3G1 = 100.0 «0 


G. Mithin wurden niinderteistigc 


21 " 


C. entllanind)are 


Prolien g(^fanden : 








1885 = 9 mal = 1,0 "'o 


18SG = 11 mal = 


= 0,5% 


1887 = 7 „ = 0,4 „ 


1888 = 4 


„ = 


= 0,2 „ 


1889 = 8 „ = 0,8 „ 


1S90 = 9 


„ = 


= 1,3 „ 


1891 = 4 „ = 0,9 „ 


1892 = 3 


„ =: 


= 0,0 ,. 


1893 = „ = — „ 


1894 = 3 


,, = 


= 1,^ » 


1895 = „ = — „ 


1896 = 


= 


: . 



Die gemäss dem Gebühreu-Tarif (§ 9) des neuen Petroleum-Eegulativs 
dem Cliemischen Staats-Laboratorium zufallenden und dun von der Hanpt- 
staatscasse gutzuschreibenden Gebiüiren betrugen im Jahre 1S96 3482 J^. 



Chemisches Staats-Laboratorium. 



CLXVII 



Redvicirte Entflainraungspunkte. 
1. Fcissproben. 



Jahr 


Gesammt- 
probeii 


Ullt 

21 


or 



21 

bis 

21,9" 


22 

l)is 

22,9" 


bis 
23,9" 


2-1 

bis 

24,9" 


25 

bis 

29,9 " 


30" 

uikI 

ilarüln-r 




Zalil % 


Zahl 


% 


Zahl % 


Zahl 


% 


Zahl| % 


Zahl "o 


Zahl 


"Ai 


Zahl ";'u 


1885 


850 1 100 


9 


1,0 


218 


25,6 


280 


33,0 


179 21,1 


68 


8,0 


90 


10,6 


6 


0,7 


188Ü 


197Ü 


100 


11 


0,5 


244 


12,4 


907 


46,0 


360 


18,2 


196 


9,8 


209 


10,6 


49 


2,5 


1887 


2053 


99,7 


7 


0.3 


220 


10.7 


761 


37,1 


349 


17,0 


243 


11,8 


338 


16,5 


135 


6,6 


1888 


1898 


97,ti 


4 


0,2 


292 


15,4 


580 


30,5 


430 


22,6 


160 


8,6 


348 


18,4 


83 


4,3 


1889 


912 


91,0 


8 


0,9 


139 


15,2 


180 


19,7 


185 


20,3 


128 


14,0 


196 


21,5 


76 


8,3 


1890 


570 


81,5 


9 


1,6 


97 


17.1 


141 


24,8 


115 


20,1 


40 


7,0 


41 


7,2 


127 


22,2 


1891 


333 


73,5 


4 


1,2 


21 


6,3 


44 


13,2 


62 


18,7 


67 


20,2 


66 


19,9 


68 


20,5 


1892 


388 


77,3 


3 


0,8 


38 


9,7 


80 


20,7 


60 


15,4 


44 


11,6 


109 


27,9 


54 


13,9 


1893 


151 


49,7 


_ 




19 


12,6 


30 


19,9 


15 


9,9 


<l 


6,0 


47 


31,1 


31 


20,5 


1894 


22 


8,9 


_ 




_ 


— 


— 


— 


— 


— 


- 


— 


— 


— 


22 


10,0 


1S9Ö 


115 


28,3 


_ 


_ 


_ 


— 


— 


— 


4 


3,5 


39 


34,0 


42 


36,7 


30 


26,8 


1896 


16 


4,4 


- 


- 


- 


- 


1 


6.2 


4 


25,0 


4 


25,0 


— 


— 


7 


43,8 



II. T;iiik[n-übeu. 



1885 
1886 
1887 
1888 
1^<S9 
1 89(J 
1891 
1892 
1S9H 
1S94 
1895 
1896 



6 


0,3 




- 


- 




() 


100 


- 


_ 


- 


- 


- 


- 


- 


- 


48 


2,4 


— 


— 


— 


— 


27 


56,3 


9 


18,7 


li 


12,5 


6 


12,5 


— 


— 


90 


9,0 


— 


— 


23 


25,6 


49 


54,4 


18 


20.0 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


120 


26,5 


— 


— 


38 


31,7 


48 


4(_),0 


19 


15,8 


15 


12,5 


- 


— 


— 


— 


129 


18,5 


— 


— 


29 


22,5 


82 


63,6 


15 


11,7 


— 


— 


3 


2,3 


— 


— 


115 


22,7 


— 


— 


28 


24,4" 


48 


41,7 


16 


14,1 


20 


17,4 


3 


2,6 


— 


— 


153 


50,3 


— 


— 


14 


9,1 


24 


15,7 


76 


49,7 


33 


21,6 


6 


3,9 


— 


— 


225 


91,1 


3 


1,3 


56 


24,8 


92 


40.9 


55 


24,8 


14 


6,2 


5 


2,2 


— 


— 


292 


71,7 


_ 


_ 


116 


39,9 


85 


29,1 


45 


15,4 


18 


6,1 


22 


7,5 


6 


2,0 


345 


95,6 


— 


- 


43 


12,5 


143 


41,4 


84 


24,4 


27 


7,8 


15 


4,3 


33 


9,6 



CLXvm 



Chemisclies Staats-Laboratorium. 



Speciflsehe Gewichte bei 15" C. 
I. Fassproben. 







0,781 


0,785 


0,790 


0,795 


0,800 


0,805 




nicht 


Jahr 


bis 
0,780 


bis 
0,784 


bis 
0,789 


bis 
0,794 


bis 
0,799 


bis 
0,804 


bis 
0,806 


über 
0,806 


be- 
stimmt 




Zahl 'Vi, 


Zaiil 


" 


Zalil' ",0 


1 n, 

Zablj ",'o 


Zalil " 


Zahl % 


Zahl 


% 


Zilhl, % 


Zahl 


»0 


1885 


1 


. 


0,1 


, 


0,3 


8 


0,85 


„ 


3,6 


316l37,25 


374 


44,0 


109 


12,8 


8 


0,9 


1886 


~" 1 "~ 


24 


1,2 


25 


1,2 


62 


3,3 


72 


3,65 


1138 57,6 


518 


26,3 


98 


5,0 


35 


1,7 


1887 


11 '0,6 


19 


1,0 


63 


3,1 


39 


1,85 


72 


3,4 


1560 


76,05 


259 


12,6 


25 


1,2 


5 


0,2 


1888 


9 !o,5 


32 


1,6 


68 


3,5 


127 


6,7 


163 


8,7 


1117 


58,8 


358 


18,9 


21 


1,1 


4 


0,2 


1889 


— — 


42 


4,6 


7J 


7,8 


32 


3,5 


24 


2,6 


365 


40,0 


375 


41,2 


3 


0,3 


— 


— 


1890 


1 


96 


16,9 


26 


4,5 


14 2,5 


134 23,6 


296 


51,9 


2 


0,35 


— 


— 


2 


0,35 


1891 


— — 


45 


13,6 


3 


0,9 


28J 8,4 


186|55,9 


68 


20,4 


— 


— 


— 


- 


2 


0,6 


1892 


1 


0,3 


15 


3,8 


30 


7,8 


102 


26,2 


21655,5 


22 


5,7 


— 


— 


- 


— 


2 


0,5 


1893 


_ 


— 


24 


15,9 


— 


— 


18 


12,2 


88 


58,6 


15 


9,9 


— 


— 


6 


3,5 


— 


— 


1894 


— 


- 


19 


86,4 


2 


9,1 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


- 


— 


1 


4,5 


— 


— 


1895 


1 


0,9 


8 


7,0 


22 


19,2 


9 


7,9 


75 


65,1 


— 


_ 


— 


- 


— 


— 


_ 


— 


1896 


— 




3 


18,7 


4 


25,0 


1 


6,3 


- 


- 


1 


6,3 


- 


- 


7 


43,7 


- 


- 



II. Tank pro beil. 



1885 
1886 
1887 
1888 
1889 
1890 
1891 
1892 
1893 
1894 
1895 
1896 



- 


- 


_ 

9 


2,6 


6 
11 


2,0 

3.2 


6 

6 

8 
71 
66 
54 
30 


12,5 
4.6 

5,H 

6,9 

46,5 

29,4 

18,5 

8,7 


6 
33 
96 
104 
70 
159 
207 
274 


6,7 
25,6 
80,0 
90,5 
45,7 
70,6 
70,9 
79,4 


6 
39 
60 
90 
17 

3 
12 

25 
9 


100 
81,3 
66,6 
69,8 
14,2 
2,6 
7,8 

8,6 

2,6 


3 

24 


6,2 
26,7 


12 


3,5 


- 


- 



Chemiselies Staats-Laboratoriurn. CLXIX 

3. Die Unterrichtsthätigkeit. 

An Vorträgen wurden gehalten: 

im Sommersemester: 

1) Experimeiital-Chemie (Chemie der MetaHe). 2 Stunden wöchenthch, 
Prof. Dr. Dennstedt. 

2) Kurzer Abriss der Organischen Chemie. 1 Stunde wöehenthch, Prof. 
Dr. DennsfecU. 

3) Ausgewählte Kaintel über Darstellung und Analyse chemisch-technischer 
Präparate. 1 Stunde wöchentlich, Dr. Engelhrechf. 

4) Ausgewählte Kapitel der Photographie. 1 Stunde wöchentlich, 
Dr. Schöpff. 

5) üeber Nahrungsmittel und ihre Verfälschungen. p2 Stunden wöchentlich, 
Dr. Voigtländer. 

6) Ueberbhck über die (juantitative Analyse. 1 Stunde wöchentlich, 
Dr. Ährens. 

im Wintersemester: 

1) Experimental-Chemie (Anorganischer Theil, Nichtmetalle) 1' '2 Stunden 
wöchentlich, Prof. Dr. Dennstedt. 

2) Darstellung imd Analyse chemisch-technischer Präparate (Fortsetzung) 
1 Stunde wöchentlich, Dr. Engelhreclit. 

3) Photographische Chemie. 1 Stunde wöchenthch, Dr. Schöpff. 

4) Kurzer Ueberblick der Ernährungslehre, Fleisch und Konserven, Cerealien 
und Backwaaren, 1 Stunde wöchentlich, Dr. Voigtländer. 

5) Analytische Chemie., 1. Theil (Quahtative Analyse). 1 Stunde 
wöchentlich, 0. von Boltenstern. 

Ausserdem fanden die praktischen Uebungen im Lahoratorium (12-40 
Stunden wöchentlich) statt. 

Die Zahl der Theilnehmer an den Vorträgen betrug 225, an den 
photographischen Uebungen 8. 
Im Laboratorium arbeiteten : 

Winter 189G 

Januar-Ustern bommer , . ,, T^ -i 1 

bis ult. Dez. überhaupt 

17 25 13 32 

Chemiker 9 

Mediziner 6 

Geologe 1 

Lehrer 2 

Gewerbe-Inspektor 1 

Ingenieure 2 

Kaufleute . 8 

Polizeibeamte 3 

32 



(]]L\X Chemisches Staats-Laboratorium. 

Die Gesammtzahl der bisherigen Praktikanten beträgt 243. 

An Honorar, Gebühren u. s. w. wurden im Jahre 1896 vereinnahmt 
1865,46 J^ gegen 1510,57 u^ im Vorjahre. 2 Praktikanten waren auf 
Grund des § 14 der Statuten von der Honorarzahlung befreit. 



4. Die Ausführung von Untersuchungen aus eigenem 
Antriebe. 

(Uebersic'lit unter VIII.) 

1) Ueber die Proteinsubstanzen des Weizens. 

2) Eine einfache Methode zur Darstellung der Stickstoffwasserstoffsäure. 

3) üeber Schwefelbestimmungen im Petroleum. 

4) Ueber Zusammensetzung des amerikanischen Petroleums. 

5) Üeber den Nachweis von Verfälschung des Schweineschmalzes mit 
Pflanzenölen. 

6) Ueber die Eiuwii-kung von Sauerstoff und Ozon auf Pflanzenöle bei 
höherer Temperatur. 



III. 

Wissenschaftliche Abhandlungen. 



Die spanischen Handschriften 

der Stadtbibliothek 



F. Eyssenhardt 



Die spanischen Handschriften der Stadtbibliothek werden im 
Folgenden so beschrieben, dass auf die Angabe der Herkunft einer 
Handschrift, wo dieselbe zu ermitteln war, diejenigen Bezeichnungen, 
resp. Numerirungen folgen, welche ihr früher gegeben waren. 

Sämmtliche Handschriften sind auf Papier geschrieben. 

Hispan. 1 

Aus der Schenkung der Frau Senator Kapp im Jahre 1889 
Höhe 30 cm. 
Breite 20 Vs cm. 

.33 beschriebene Blätter 

16 Jahrhundert 

Drei Documente betreffend Don Gil Gonzalez de Avila, veröffentlicht in 
den Mittlieilungen aus der Stadtbibliothek zu Hamburg VI (1889) 
p. 9—120 

Hispan. 2 
ex Bihliotheca Hamburgeiisi Wolßana. 
No. 10 

Höhe 33-/3 cm. 
Breite 23 cm. 

l-lß beschriebene Seiten 

17 Jahrhundert 

Auf dem inneren Vorderdeckel von ,T. Christian Wolfs Hand Locorum 

uariorwn Indiae Orient. (l(jt^vr/[>iio geograpliicn et historica liispanice 

pp. 146 

Anfang Cauo de ^an ■■^ebastimi pasculo, El eano de hitena esperanza 

— pasado el cauo de huena speranza (sie) para nordeste en el eano de 

san Sebastian son iierras muy hermosas de montaiias y campos y volles 

en qiie ay muchas vacas y carneros y otras alimahas montesas es tierra 

liabitada de gentes negras y desnndas 

Ende ay en esta Jana vnos que venden a .ms j^adres qnando lo rehen 

(lies los veen) viejos & descaydos E otra nadon que se llama canihales 

antröpophagos que son paganos — E a si mismo los hermunos 

X* 



4 F. Eyssenhardt 

venden a Jos hermanos enfermos quando son dcsmaiados (lies de- 

smixiliadoi:) sacandolos a la plara e mercanlos aquellos carihes diziendo 

que la carne de hombre criada (lies criado) con tanio rerjalo e vizio no es 

razon que la tierra La coma 

Laus deo atque (hier fehlt wohl fiUo) semper virginis semj^er quae sacra- 

fiss/nia mater eins per infinita seculorum secula amen 

hie est finis 

Hispan. 3 

ex BlhUotli. Hamburg. Wolfiana (früher im Besitze Uffenbachs, von 

J. Christian Wolf als No. 4(39 bezeichnet) 
No. 113 

Höhe 24-7:! cm. 

Breite 21 cm. 

187 Seiten 
17 Jahrhundert 
p. 1 — 103 Notte (sie) De Prmripes, Virreges, Presidentes, Conseieros, 
Goitemadores g adueriimentos politicos sohre lo publico, g particular de 
una monarquia, inportantissimos a los tales, fandados en mafe)-ia g ra(on 
de estado g Gouierno. 

p. 105 von anderer Hand: deutsch geschriebene Notizen 
p. 107 — 121 eine unvollendete Abschrift des dahinter eingehefteten Druckes 
A true relation of tlie reasons luliich necessitafed His Majestg of Sweden to con- 
tinne the war ivlth Denmark cett. London, priiited for T. Pierrepont at 
the Sun in Pauls CJmrch-gard. 1058. klein 4" 3ii Seiten. Darauf folgt 
von S. 179 an der Anfang einer deutschen Uebersetzung der L'elation 
mit Notizen anderen Inhalts. 

Auf der letzten Seite eine Inhaltsangabe der Handschrift von Uftenbachs 
Hand. 

Hispaii. 4 

Px lihris bihliofheme D. Zach. Conr. ab Uß'mbach. M. F. 
III p. 13. n. 10 
No. 1135 

Auf dem Scliniutzblatt von Uifenbach's Hand Ad Historiam Ecclesiasticam 
spedanfia maximam partem hispanica. 
Höhe 31 cm. 
Breite 21 cm. 

248 beschriebene, resp. bedruckte Seiten 

17 Jahrhundert 

1) p. 1 — 19 Carla de frag Pedro de Solo äl Papa Pia PV Sobre que su 

Santidad j^'ocurasse que e^i d Concillo Trideniino se' delermine de que 

derecJio es la residenria de los Obispos g su auforid<(d. 



Die spanischen Ilamlsehrifteu der Stadtbibliotliek 5 

■2) p. 21 — 56 Relarion del C'aso de san Plando ante los Senores Inquisi- 
dores de Toledo gedruckt in den Mittlieilungen aus der Stadtbibliotliek 
zu Hamburg III (1886) p. iSJ— i;J6 

;;) p. 57 — 5i) Consilium Tlieologorum Hispanomm ( Hispanornm verbessert 
in Tridenti) super ijs quae Carola Qtiinfo Caesari facere licet et expedif, 
darauf durclistriclien in hello qnod cum Paulo quarto Pontifice flagerebat 
(flagerebat unsicher^ gerif. 

4) p. Gl — 83 Joannis Baptistae Pozae e Societafe Jesu Tlieologl de non 
temere prohibendis Catholicorum Authorum lihris et pro reuocanda Magistri 
sacri palatij censura qui eins Elucidarij primam partem in totum prolii- 
hnerat. Anno 1629. 

5) p. 85 — 89 Memorial que se diö al Reg sobre la prolubujion g censuras 
que los Diputados del Indice Eapurgatmio de Roma hazen de libros de 
■Ititores Espaholes procediendo con poca Justificagion. y sohre su remedio. 
Ana de 1628. 

(i) p. 91 — 93 gedrucktes Stück. Anfang: M. P. S. EL Licenciado Murcia 
de la Llana, Corretor general de libros de V. A. representa los inconue- 
nientes que ay de no moderar el estilo que han empegado a guardar los 
Diputados de Roma, para prohibicion de libros de Espana, los qiiales 
sumariamenfe propone para que F. A. supliquc a su Sanfid.ad prouea de 
remedio ohne Ort und Jalir. 

7) p. 95 — 9(j Erlass des Generalinquisitors Biscliofs Don Andres Paclieco 
zu Gunsten Don Gaspar's de Gusman Grafen von Olivares abgedruckt 
in den Mittheilungen aus der Stadtbibliothek zu Hamburg II (1885) 
p. 21—23 

8) p. 97 — 103 Los cabos que da Frag Thomas Campanela de la Orden de 
Predicadores en serui^io de Dios y de su Magestad conforme al memorial 
que ha dado al Conde de Lemos Virrey de Napoles abgedruckt in den 
Mittheilungen aus der Stadtbibliothek zu Hamburg II (1885) p. 9 — 20 

9) p. 105 — 106 Carla de Benito Arias Monfano al Reg Don Philippe II 
Sobre que conuenia detener el adelantamiento y progressos de la Compania 
en los Estados de Flandes. su fecha 18 de fehrero 1571 abgedi'uckt in den 
Mittheilungen aus der Stadtbibliothek zu Hamburg II (1885) p. 5 — 8. 

10) p. 107 — 109 Propositiones descriptae ex Ms quae in scriptis dictauit 
super Vota Societatis Jesu fr. Tomas a Pereda Professor Theologiae in 
Dominicano Conuentu Abidensi Anno 1584. 

11) p. 111 — 134 Singulares y secrefas Admoniciones para particulares 
personas de Xuesfra Compania, Tradimdas de Latin en Romance ver- 
öffentlicht in den Mittheilungen aus der Stadtbibliothek zu Hamburg IUI 
(1887) p. 60—100 

12) p. 135 — 136' Carla de la Vniuersidad de Scdamanca a la de SeuiUa 
pidiendole se Junle con i-Ua y con las demas Yninersidades de Espana contra 



6 F. Eyssenliarilt 

los Jesuitas veröffentliclit in den Mittlieilungen aus der Stadtbibliotliek 
zu Hamburg IUI (1887) p. 102—104 

13) p. 137 — 140 gedruckte Apuntamientos acerca de la prouision de las 
piagas de Mathematico Regio y CosmograpJio Mayor de Casiilla, en razon 
de los inconnenientes que se siguen al sei~uicio de su Magestad, y bien 
puhlico, de aplicarse a religion particidar estos oficios, y admitir a dies 
estrangeros de satisfacion no conocida, excluyendo los homhres doctos, y 
apro^iados, naturales de estos Heynos, que piieden regentar estos minisferios 
con ventajas ohne Ort und Jahr 

14) p. 141 — 142 Descriprion de la Cartnxa del Paular que esta (sie) 
a 12 leguas de Madrid 

15) p. 143 — 147 Parer^er de Theologos sohre que el Eey Don Philippe III 
no pudo remouer sin cargo de su consciengia al Presidente del Consejo 
Real de Castilla Don Rodrigo Vasquez de Arge de su, OJficio anfes de 
auerle oydo y hecho cargo de culpa y causas que contra el (sie) resultauan. 
IG) p. 149 — 161 Duhdas Sohrc el Vota de la Pobreza que hazen las 
Monjas y los comendadores 

17) p. 163 — 177 Antonij Äugustini aliquot disserfationes vel Tractatus 
ad Jiis Canonicum specfantes. Lucas Torrius ex schedis Authmis tran- 
sumpsif Madriti meme Octobri. 1627. 

18) p. 179 — 185 (yrdo serbandus in celebragione Concilij Prouingialis 

19) p. 187 — 190 El modo que se hadener (lies hü de tener) en hazer la 
Procesion el Domingo 

20) p. 191 — 204 Causas pm-que deue ser recogido el memorial impreso 
contra la fundarion de los estudios reales de Madrid, y corregido su 
autor por el Santo Tribunal de la suprema Inquisicion veröffentlicht in den 
Mittheilungen aus der StadtbibUothek zu Hamburg V (1888) p. 60 — 84 

21) p. 205 — 218 Capituli Ecclesiae Tolefanae ad Oregorium XV Pontificem 
Maximum Epistola pro non admittendo Breidario reformaio iussu Pij V. 
Accedit Tractatus eorum quae maiori consideratione digna sunt in eo 
Breuiario praesertim in lectionibus Sanctorum. 1573 

22) p. 219 — 226 Aduertengias a la nueua impression y enmendarion de 
los Hymnos del Breuiario Romano que el Papa Vrbano VIII mando 
(sie) imprimir en Roma el ario de 1629. 

23) p. 227 — 232 An Pensionarius ad Officium x)aruum D. Virginis dicen- 
dum teneatur ex piraecepto? 

24) p. 233 — 234 Vrbani VIII. ad J'rancisaim de Queuedo Breue quo in- 
dulget vt possit frui pensione annua DCL ducatorum etiam post profes- 
sionem militiae S. Jacobi et initum matrimonium veröffentlicht in den 
Mittheilungen aus der Stadtbibliothek zu Hamburg I (1884) p. 44 — 47. 

25) p. 235 — 236 Breue Vrbani VIII. ad Didacum Velasquez Clericum 
coniugatum quo Uli indiüget perisionem annuam CCC. ducatorum super 
quibusuis fructibus Ecclesiasticis. 



Die spanisclieu Handschriften der Stadtbibliotliek 7 

26) p. 237 — 248 Dismrso de Francisco de Rioja en defensa de Jas harbas 
de los Sacerdotes. Respondese en el (sie) a vn Edicto del Senor Don Pedro 
de Castro Arcobispo de SeuiUa qve en el Am de 1611. mando quitar las 
harbas a los Sarerdotes. 

Von derselben Hand geschrieben sind die ersten beiden Seiten von 
Stück 1 und die Stücke 1, ?,, 4, 5, 7, 8, 9, 10, 11, 12, 14, 15, 17, 20, 21, 22, 
23, 24, 25, 26. 

Beschrieben im Bibliothecac Vffenbachianae universalis Tomns HI 
(Francofurti 1730 8") ii. 21)1 unter N. LI, wo 28 Stücke gezählt wurden. 
Die Handschrift war früher mit No 1135 der theologischen Handschriften 
(C. S. SclmrzfleiscJiii historia universalis) zusammengebunden. 

Hispaii. 5 

Qb 14, aus J. Christoph Wolfs Bibliothek 
No. 1242 

Höhe 3173 cm. 
Breite 21 cm. 

42 beschriebene Blätter 

17 Jahrhundert 

Fortificarion de la Fee, Dos Dialogos Compuestos en Mariiecos San Ynter- 

lucotores (sie) del Primer dialogo Andres, Anttonio, Obadi/a Israel Y SimJia 

Su Muguer 

Hispan. 6 
ex Biblioth. Hamburg. Wolfiana N. 22 * 
No. 1564 

Höhe 19V5cm. 
Breite 14 cm. 

lOG beschriebene Blätter 
17 Jahrhundert 
fol. 1 — 104r. 33 Capitel. Capitulo prime}-o. De la ciencia del confcsor, y de 
sus requisitos necesarios. Capitulo trigessimo fertio. De la Simonia. 
fol. 104 V — lOöv Tratado Vnico. De el examen de el Predicador. 
fol. 106 Indice de los Capitulos, que contiene este Breue Eesumen. 

Hispan. 7 

ex Biblioth. Hamburg. Wolfiana. 
L. 1. 
No. 1732 

Höhe 23^/4 cm. 
Breite 16'/4 cm. 

276 beschriebene Seiten 
17 Jahrhundert 



8 F. Eysseuhardt 

p. 11 — 272 Auemaria bendita Catalina del spirihi sando 

Sumaria Relagion y h-eue compendio, de la vida y uirtudes de la vene- 

rahle y deuota Sehora Dona Catalina Polo de Trejo, por otro nombre 

Catalina del spiritu sancto, Religiosa qiie fue en el Eeal monasferio de 

sancta maria de la orden del glorioso pady'e san Bernardo, en la villa de 

Arebalo, obispado de Abila 

E scrita y Recopilada, por el padre frai christobal mendez, predicador 

de la orden de la santissima trinidad su confessor, natural de la villa de 

veles, obispado de Cuenca 

Dirigida a la seüara Abbadessa mmixas y conbento, de sancta maria 

la Real de la diclia villa de Arebalo. 

Vou anderer Hand p. 275 — 28() 

p. 275 — 278 Himno de San Buenauentura en alabanza de la Santisima 

Virgen A ti Madre de Bios Santisima alabamos: a ti Maria que eres 

Virgen y madre confessamos cett. Hinter dem Schlüsse : Carlos de castro. 

p. 279 — 285 Primera 2)etizion para el Lunes Padre nuestro que estas (sie) 

en los Zielos santificado sea tu nombre 

Camion 

Padrenuestro que estas con tres Coronas En los Cielos gozcmdo su Gouierno cett. 

p. 285 — 286 Redondillas, gedrnckt in den Mittlieilungen aus der Stadt- 

bibliotliek zu Hamburg I (1884) p. 35—40 

Hispan. 8 

Aus der Wolfscheu Bibliothek 
No. 115 a 

Höhe 26V2 cm. 
Breite 19V2 cm. 

57 beschriebene Seiten 
17 Jahrhundert 
Relacion de la embaxada de Roma y ynstrucion cd embaxador 

Hispan. 9 

ex Biblioth. Hamburg. Wolßana 
Ex libris Bibliothecae D. Zach. Conr. ab Vffenbach M. F. 
No. 393, bei Wolf 470. 
Höhe 20^5 cm. 
Breite 15 cm. 

G9 beschriebene Seiten 

17 Jahrhundert 

Breve Discurso en que se apuntan algunas causas que ayudan a desminuir 

los poderes y fu&rgas de Espana y los medios para la restauracion y 

mejoria dellos. Tanbien se truta de oiros arbitrios del seruicio de Dios 



Die spanischen Handschriften der Stadtbibliothek 9 

y de la Corona, y de las causas con que otras Prouincias de Europa 
enriqiiecen y enßaqiiecen estos Beynos con los medios con que se seguiran 
los effetos contrarios. Die am Eande stehenden Inhaltsangaben der Capitel 
sind abgedruckt in der Biblioiheca Vffenhacliiana mssta, Halae Herniun- 
durorum 17'20 fol. col. 1-221 seq. unter vol. LXXXI 4". 

Hispaii. 10 

ex Bibliofh. Hamhurg. Wolßana L. 39* 
No. 376. 

Höhe 21 cm. 

Breite 17 cm. 
81 beschriebene Seiten^ darauf 10 Blätter mit Abbildungen und 1 Seite 
Erklärungen derselben. 

Tratado de la Moneda Jaquesa y de otras de ovo y lüata del üeyno de 
Aragon. Por Don Vincenrdo Juan de Lastanosa, Gentühombre de la Casa 
de Su Magcstad. y lo dedica a los ILmos Senores Diputados. En Zara- 
goza, Aho 16S1: nach dem Druck abgeschrieben von J. Christoph Wolf. 

Hispan. 11 

Auf dem Schmutzblatt von der Hand Petersens Geschenk des Herrn 
Dr. W. Bernhardy, rectius Bernhardi (im Jahre 18G0); Wilhelm 
Bernhardi, der ältere Bruder des Historikers Theodor von Bernhardi, 
lebte damals als Theaterkritiker in Hamburg. 
Höhe 2IV2 cm. 
Breite 15 cm. 

40!) beschriebene oder bedruckte Blätter 
17 Jahrhundert 
Eückentitel Ohras varias MSS. 

1) fol. 1 — CO Belagion de la vida del Caxntan Domngo de Toral y Valdes. 

2) fol. 61- — 62 Proposiriones, que se le an oido al Marques de Valparaiso 
Virrey de Pamplona 

3) fol. 63 — 70 Siimario De los sugessos de la Diiquesa de Chevruse (sie), 
y causas de la salida de Frangia 

4) fol. 71 — 80 Encuentro Del Marques de Valparayso Virey de Navarra 
y el (sie) Obispo de Pamplona 

5) fol. 81 — 96 Anfang A las doge de la noche bafia las imertas del j)a- 
lagio de Apolo vn geniilhombre a cauallo con tanta furia, que inquieto 
(sie) toda la familia. 

Ende Y que en quanto al credido de la relagion, que le diesse el que qui- 
siesse, que bien piodia sin peligro de descorfesia, ni de infidelidad creer lo 



10 F. Eyssenhavdt 

imo, lo otro, y qtie tamhien se le escrmiesse al coiide Diiqiie, 2)rocurase no 
dexar en rincones a quicn piiede mher sus secretos. En esta confermidad 
se hirieron los xüiegos. Y para otro correo se auisara de la resiäta. 
(!) fol. 97 — 101 Anfang Domingo 29 de Junio dia de S. P" entro Sti 
Magestad de Filipo 4" en Molina 
Ende marfes 22 salio el Heg 

7) fol. 102 — 103 Exmo SeSior Bartolome Sanchos Porfocarrero y Don 
Diego Sanchos Portocarre^-o Eegidores de Molina 

Ende todo el iiempo que hasta oy a durado de algunos anos a esta parte 

8) fol. 104 Ana 1637 En Portugal en el mes de Agosto en las dudades 
de Jishoa Coinhra cett. 

!l) fol. 10r> Sonetto a Casa d Austria alludendo all' impjresa 
Aquilon con doi rostri e mille artiglj cett. 

10) fol. 10() — 107 Lo que D. Pedro de Aragon dixo al Beij quando le 
entro a besar la mano 

11) fol. 108 — 110 Orden del Hey sohre la conuocacion de los vltimos 
handos que quiere el Rey se haga esfe presenfe Aiigo (Aiigo unsicher^ 1639 

12) fol. 111 Aqii/ van las dos respnestas a las p^-oposiciones de las rortes 
que me pidio vm. 

13) fol. 112 — 114 Uebersclirieben El Eey, Unterschrift i^er/«« en Madrid, 
a onre de agosto de will y seis y quarenta y nueue anos yo El Rey Por 
mandado del Rey nuestro senor Juan Baptista Sanez Nauarrete Senalada 
de los de la camera del consejo Real de las Indlas. Darauf 6 Zeilen aus- 
gestrichen 

14) fol. 115 Ultilogo. 12 Zeilen ausgestrichen. Dann Algunos nomhres 
proprios, Amigo letm-, allaras en este papel, que por lo straTio le causara 
novedad. 

15) fol. ] 1() Marco (gemeint Marro?) IfUG. Anfang Mos. de Ancttrt 
todo el iiempo que estabo sobre Valaguer 

16) fol. 117 Quer eingelieftetes Folioblatt. Ende ga vino aviso de que 
se rindio Tarragona s/n resistencia con lo quäl se espera El buen su.teso g 
resolu^ion de todo 

17) fol 118 Anfang Sn Magestad viene a la villa de Caranena 

18) fol. liy Anfang Las lebas que di^en se hazen son los siguientes Que 
El marques de la fuente 

19) fol. 120 7 Zeilen Notizen. Anfang A se de Pedir A iodos los tergios 

20) fol. 121 Anfang Don Martin Suarez de Alarcon Primogenito del 
Marques Conde de Tm-resnedras, partio ä la Campaua luego que se puso 
el sitio a Barcelona. 

21) fol. 122 — 123 Notizen, Anfang Lo que se a tragdo de la nueba 
espaiia este aho de 1619 

22) fol. 124 anisos de las fronteras de francia y navarra 



Die spanischen Handschriften der Stadtbibliothek 11 

23) fol. 125 Anfang- Marques, todos debemos conformarnos con la voliin- 
tad de dios. Unterschrift yo el Bei/. Undatirt 

24) fol. 12(3 Anfang- El ÄFio. 1637 Comen^o en Juenes mnij nuhloso en 
Madrid. 

25) fol. 127 6 Zeilen. Anfang Altera causa est, quum longmn vsam, 
m hoc abxisu, et sie maiores docuise (sie) praetexunt. 

26) fol. 128 Anfang En ocho de Acjosto, salio su Magestad de Traga ä las 
quatro de la mafiana 

27) fol. 129 Copie einer roemisclien Inschrift mit Notizen nnd Feder- 
proben anf der Eückseite 

28) fol. 130 — 145 PRincipia et Budimenta ex Vniversa Theolog ia Morali 
Vreuiter Recolefa (per felilt^ Doctissimum P. f Hieronimum De Oamarra 
A meque Joanne de soto scripta Anno Domini 1644 

29) fol. 146 — 178 Capitulaciones de la Paz hecha entre el Rey nuestro 
senor y el serenissimo Rey de la gran Bretaiia, las quales se concluyeron 
por los Diputados que en ellas se dice en Madrid. 15. de Nohiemhre de 1630. 
Traducidas de laiin en Castellano Ano de 1631 

30) fol. 179 — 193 De La Corte del Gran Mogor, y sus Grandezas. Anfang 
El Rey Jamguir gran Moyor, tiene su corte, y asistengia, en la J'amosa 
Ciudad de Agru tan gelehre, y conogida por Todo el Mundo, por ser tma de 
las mas ricas de todo el Oriente; 

31) fol. 194 — 195 V. Testamentimi CJiristianum Armandi Richelii Cardinalis 
fol. 195 V. — 197 Testament um Politicum Aimandii (sie) Richelii Cardinalis. 

32) fol. 198 — 201 Druck. Anfang Senor (sie) Juan de Simon Palomera 
y Velasco, por lo mucho que dessea, como leal vasallo, los aumentos de 
V. M. y de su Real Corona y el hien comun de sus vasallos Ende 
Seuilla, y lunio 21. de 1644. aiios. Beso vuestro Real pie. 

33) fol. 202 — 228 Vexamen. Anfang El Doctor Don Miguel Geronimo Martel, 
Chantre de la santa iglesia Metropolitana de Carayoga Dicen que no se 
tienen los Poetas mas caridad cett. Ende Y Podra ser, que se vea porque 
cada vno querra defenderse, y la culpa la tendra el que prouoca que esto 
mismo viene a ser Ijuscar cinco pies al gato, y en la necesidad le han 
de sacar las vnas. Darauf ein Epigramm Martial's. 

34) fol. 229—230 Gedieht von 15 Strophen, deren erste lautet 

Ya que toda Qaragoga 
ahunda de Melarchia 
por no morirme de Ahogo 
cantare al son de mi lyra 

35) fo]. 231 Druck ohne Ort und Jahr. Sonsonete, a los aprohadores de 
los Comentarios de Luys Lopez, Pastelero examinado en la Ciudad de 
Zaragoga. 



12 F. EyssenhartU 

36) fol. 232 — 245 Carlo de lorena duque de mena teniente jeneral del 
Eftado y corona de Fi-anria a fodos los presenfes y henideros salud 
(dadn en paris a 17 de diciembre de 1592 anos) 

37) fol. 246— 2S2 Anfang Fara qiie consie en el tiempo venidero de los 
Cafalanes que fueron Bien afectos al servicio de Su Magestad en la ciudad 
de Barcelona Pindpado de Catalunya en el tiempo de las furbaciones de 
dicho pnnsipado pondre aqui el nomhre de los que an venido a mi noticia 
desferrados de dicha ciudad y prin^npado. o, se an Imido del furoi- de los 
ministros. Hierbei beruhen mehrere Worte auf Correcturen, die der 
Sclireiber selbst vorgenommen hat. 

■'58) fol. 283 — 294 BeJagion del publico Jnramento que los cabildos ecle- 
siasHco y seglar de la ciudad de Merida kicieron de defender que la Beina 
del rieh madre de Bios y sehora nuesfra la iiiryen sanfa maria fue con- 
cebida sin pecado orijinal 

39) fol. 29.5 — 304 Oben rechts in der Ecke Dr mit innem unleserlichen 
Namen. Dann Ana 1635. La orden de Santa clara. Esta religiosa 
estaua en el conuento de Carrion y en opinion de tan gran sienia de 
Bios que de toda espana y nueuo mundo la enbiauan limosnas y se cnco- 
inendauan a ella. 

40) fol. 305 M. Michel Nostradamus Cenfuria. 3. projohecia 8G Anfang 

Yn Chef d'Ausonne aux Espaignes ira 

41) fol. 306 — 313 Aduertencias para el Embaxador de Espana que estu- 
uiere en Borna de Anfang Esta corte de Borna esta compruesta de 
diuersas nadones 

42) fol. 314 — 320 (amtliche Blanquets mit einigen gedruckten Initialen 
auf jeder Seite) fol. 314 r. Federproben, fol. 314 v. aiio de mi y 
quinientos y beinte y siete De Safia (in dem schriftlichen Inhaltsverzeichniss 
aus unserer Zeit am Anfang des Bandes: de asia) el rei de franzia 
AL enperador 

Estando el enperador don rarlos en buryos lo inbio el rei de framia pu- 
blicamente a desafiar. 

4-3) fol. 321 — 328 Anfang La guerra del piamonte asi por la grand&;a 
della como por la ymportanda de los fines trae desuelados los discursos de 
todos aquellos a quien el amor o la obligacion haze curiosos. 
44) fol. 329 — 365 AI serenissimo sehor Don Joan de Austria Gran Prior 
de san. Joan en los reynos de Castilla y Leon. Anfang Aunque es verdad, 
serenissimo setior, que es mucho golfo para tan poca pluma el empeno de 
la mia; y que parece desatendmi no emperchar el animo a vista de tanto 
pielago, escarmentando en el otro poco aduertido mancebo, que de su nomhre 
(segun Ouidio) le vsurpo el mar Icaro, antes que fomentando otra teme- 
ridad, como la suya, solicitarme vn precipicio: no se paede negar, que nie 
apadrina vna gran'le disculpa Unterschrift der Vorrede Licenciado Joseph 



Die spanischen Handschriften der Stadtbibliothek 13 

garcia Piiei'ta nueiia. Darauf folgt Prologo al lector Anfang Aaiendo de 
escribir, lector amigo, los aplausos y fiestas, con qiie la nmy leal y antigua 
Villa de Consuegra Cabeza de los prioraios de san. Joan recibio al Sere- 
nissimo Seher Don Joan de Aicstria su Gran Prior 
Ende Y tenga con tu venida 

vn dueüo que la sazone, 

vn padre que la consuele, 

vn Senor que la conforte, 

Vn hrazo que la defienda, 

vn Principe que la lionrre, 

vna somhra que la ampare, 

y vn Sol que la desahogue. 
finis 

45) fol. 366 — 373 A Don Garria de Figueroa de la Caniara del Eey 
nuestro Senor. Darauf die Vorrede, datirt en Cnfra 20 de lunio 1606 
Dann fol. 367 r. Discwso en materia de Guerra y de Estado compuesto de 
Sentemßas y palahras de Demosthenes Jnntas y traduridas de Griego pm- 
Pedro de Valengia. 

46) fol. 374 — 403 Dialogo Digcurso en Dialogo del Estado de Alemania, 
y comparacion de Espana con las demas na^iones. Dedicalo AI Hey 
Nuestro Senor Don Juan de Palafox, y Mendo^a, de su consejo. y su fiscal 
eN el Real de las Yndias. INTerlocutores Don Francisco y Don Diego, 

47) fol. 404 — 400 Respuesta de los catolicos que esta (gemeint estän) 
rerca del de nahcura fol. 40.5 r. Ueberschrift Propiisifiones de los 
pringipjes perlados (sie) y ofiriales de la Corona sehores jentiles honhres y 
otros catolicos que esfan del j)artido del rrey de nabarra. 

Hispaii. 12 

Auf dem inneren ^'orderdeckel Bibliotcca de Scdvä und Bücherzeichen 
des Ricardo Heredia 

Höhe 2OV2 cm. 

Breite 15 cm. 

Quaritch Bibliotheca Hispana London 1895 p. 8!) nr 873: Canciomro de 

coniposicioncs en varios metros MS .... 318 pp. in two liand- 

luritings . . about 1620—30. Chiefly unpublished pieces of the dose of 
the sixteenth Century, including several canciones espirituales (which Salvä 
tvas inclined to atfribute to Ledesma) and a rather large number of 
Romances. Die Handschrift ist foliirt A — K und 1—175. Es fehlen 
Folia 12, 13, 27, 34-36, 40, 41, 55, 56, 70, 85—87, 116, 119—123, 
169, .171, 172, 174. 



14 F. Eyssenhardt 

Hispan. 13 

No. 177 

Höhe 26Vs cm. 

Breite 20V4 cm. 

201 beschriebene Seiten 
17 oder 18 Jahrhundert 
Arte de Jos mefahs, en que se enseha el verdadei-o heneficio de los de oro, 
y plaia por cizogue. el modo de fundirlos todos, y como se lian de refinar, 
I) apartnr vnos de otros. comjmesto por el licenciado Älvaro Alonso 
Bnrha natural de In Villa de Lepe en la Andalucia. Ctira en In Impeiial 
de Potosi, de la Parroquia de San Berardo Con Licencia iinprenfn en 
Madrid &c. &c. De 1640. Anws. Abschrift des Druckes, von dem eine 
deutsche Uebersetzung in Hamburg 1676 erschienen ist. 

Hispan. 14 

Aus der Schenkung der Frau Senator Eapp im Jahre 1889 
Höhe -lO^U cm. 
Breite UVs cm. 

84 beschriebene Seiten 

1 8 Jahrhundert 

Parecer sohre los repartimientos que aaistunibran Jiacer en alyunas partes 

los subdelegados entre los Yndios abgedruckt in den Mittheiluugen aus der 

Stadtbibliothek zu Hamburg YII (1890) p. 19—69 

Hispan. 15 

Aus der Schenkung der Frau Senator Kapp im Jahre 1889 

Ex Collectione Amcricana Domini Brasseur de Bourhourg Alpli. Pinart 

Serie E 1 iVo. 4 

Höhe SP/s cm. 

Breite "iOVs cm. 

(;2 beschriebene Blätter 

IS Jalirhundert 

Von einer Hand des 19 Jahrhunderts: Excmturia de las tierras de los 

pneblos de Chiapa, Acala y Cliiapilla, en contra de las pretennomts de 

los Indios de Iztapa. fecha en 16 del mes de Setiemire de 1706 

Hispan. 16 

Höhe 21 cm. 
Breite 14\'2 cm. 

317 bescliriebeue Blätter 
18 Jahrhundert 



Die spanischen Handscliriften der Stadtbibliothek 15 

Quaritch, Bibliotheca Hispana London 1895 p. 90 nr 875: Comedicis 
Munuscrüas: Cahleron, Auto sucramental nhgorko „Triunfar muriendo-' 
.... Velez de Qiievara (Luis) Comedia famosa de los Fijos de la 
Barhuda, preceded by a Loa. Loa: Cei-tamen entre las prendas que 
adornan cd Conde de Trastamnra. El Hijo Prodigo y Rico Ävnrienfo, 
en tres jornadas, stated to he by Don Antonio Pahlo Fernandez 
Loa para la Fasqua de 1771 — Los Mnjos vencidos, saynete — Zurzuda: 
el Fhilosopho natural, 2 acts (thc second entitled „Philos. Aldeano") etc. 
. . . ahout 1740—50 

Hispaii. 17 

erworben 1893 aus dem Nachlasse des am (; Februar isii-j gestorbenen 
Professors Eeinstortf 
Höhe 31^2 cm. 
Breite 22 cm. 

73 beschriebene Blätter 
18 Jahrhundert 
Eine Sammlung enthaltend spanische und lateinische Briefe ß2 genannter 
Briefsteller, ausserdem 4 anonyme Briefe, sowie andere Schriftstücke. 
Meist sind es Abschriften; vielfach sind Lücken gelassen, wenn der 
Schreiber Worte des Originals nicht lesen konnte; manelinial liegt 
das Original der Abschrift bei. 

Hispan. 18-20 

Höhe 31V5 cm. 

Breite 217* cm. 

712 beschriebene Blätter, darunter 12 pergamentene 
Quaritch Bibliotheca Hispana London 1895 p. 91 no885: Genealoyia de la 
Descendencia de los Sres Don Tliomas Eodriyuez: de Vargas MacJiuca, de 
D. Geronimo de Monterde, D. Martin Alberto de Bertodano y D. Miguel 
Martines de Velasco, abuelos de D. Ygnacio Bodriguez de Vargas — ßlazmi 
y Despacho de Armits de los yhistres aj)ellidos de Bodriguez y Vargas 
que pertenecen a D. Thomas Bodriguez de Vargas — Blazon y 
Despacho de armas de los yhistres apellidos de los Martines y Velascos 
que pertenecen a D. Miguel Martynes de Velasco, que corresponden por la 
linea materna a Ygnacio Bodriguez de Vargas Machuca — Blazon y Des- 
pacho de Armas de los Monterde y Antillon, que corresponden p</r linea 
paterna a Don Ygnacio Bodriguez de Vargas — .... 5 vols .... MS 
.... emblazoned and decorafed mth numerous po-rtraits, shields oj' arms, 
genealogical trees, sgmbolical figures, borders and ornamental initials .... 
Mexico 1780—1782 



16 F. Eyssenhardt 

Hispan. 21 23 

Aus der Scheukung der Frau Senator Eapp im Jahre 1889 
Höhe 20'/! cm. 
Breite 1473 cm. 

Band I: 463 beschriebene Seiten 
„ II: 382 „ Blätter 

„ III: 452 „ Seiten 

18 und Anfang des 19 Jahrhunderts 
Rtickentitel Coleccion de reales sedulas (sie) 1. 2. 3 

Das erste Stück des ersten Bandes ist ein Bando sobre Armas cortas de 
23 de Didemhre de 1775, das letzte des zweiten eine Ley que in-escrihe 
el modo de provedei- contra asesinos xj Indroiies . . am de 1824, das letzte 
des dritten Bandes eine Real CeduJa de 31 de Mayo de 1801, puhlicadn 
en Mexico por Bando del Exmo S. Don Felix Berengmr de Marquina 
con fecha de 19 de Jidio de 1802 sohre Estupros. 

Hispan. 24-29 

Aus der Schenkung der Frau Senator Eapp im Jahre 1881) 
Eine von dem verstorbenen Senator Eapp erworbene Sammlung von 
Documenten in G Mappen in folio 
Mappe I Personales: 

1) Gil Gonzalez de Aviki, 150G—1599 [jetzt gebunden als Hispan. 1] 

2) öregorio de Porras 1615: Real cedulu recomendandole al virey de La 
Nueva Espana am otra Real cediüa de 1591 dirigida al padre de 
Gregorio, Don Hernando de Porras de Sevilla y curla del duquo de 
Medina Sidonia a Gregorio de Porras 1612 

3) Fernando Sanchez Garcia Pareja, sus titulos originales 1741 — 1766 

Mappe II Estado ecclesiasHco 

1) 5 Expedientes de 45, 47 y 23 liojas 1569, 1610, 1689: escrituras de 
convenios etc. entre la cofradia de la Santisima Trinidad con las monjas 
de Santa Clara y con la congregacion de San Pedro, tocante a sn iglesia 
y sitios etc. 

2) 2 Dibros de obra en el C'olegio de Bethlen (Belen) en Mexico desde 
1699 hasta 1795 

3) Expedienfe de 38 liojas (1812) : Provision de la Prebenda de Idioma 
Mexicano en la Iglesia Colegiata de Guadalupe. 

Mappe III Juzgado generul de naturales 

1) Expediente de 73 hojas (1771): Benefidos de los Indios de las Juris- 
dicciones del Estado y Marquesado del Valle 

2) Expediente de 85 hojas (1796 — 97): El comun de Santa Catalina 
Cliiontla con el Cura de Tantima sohre querer quitarles el Vicario de pie 
fijo, que tienen en sa Pueblo 



Die spanischen Handschriften der Stadtbibliothek 17 

Mappe IV Varios 

1) Expediente de 37 hojas (17S6): Informe pedido al Gobernador de Merida 
pm- el virey Don Jose de Galvez, conforme a In Real orden de 6 de Ocfuhre 
de 1785 sohre las providencias tomndas para el establecimiento del Estanco 
de Äguardiente de cnha en In prmincia y Costa de Campeche 

2) Expediente de 40 hojas {1789—90): Real cedula de 19 de Agosto de 
1789 declarando, que en las Juntas, en que concurra Virrey, Presidente o 
Gohernador que tenga el ejercicio de Vice-Patronato Real, ha de presidirlas 
aunqiie asistan a ellas como vocales los Prelados Ecclesinsticos 

3) Expediente de 128 hojas (1795—1808): Suhsidios de 70 millones de reales 
de vellon exigidos al Estadu Ecclesiasiico Secular y Regulär de Indios pam 
las urgencias del Real Erario 

Mappe V Estado ecclesiasiico secular 
1) Expediente de 75 hojas zum Theil gedruckt, {1781—86. 1803) respecto 
a si convendria quitar los Capitulos Provinciales de la Orden de la Merced 
en Indias 

•1) Expediente de 10:i hjas (1794—98): Recurso de faerzit interpuesto 
por el Fr. Joseph de S. Ignacio de la Orden de Betlemitas por dcnegada 
justicia de parte de su prelado general 

8) Expediente de 32 hojas (1806 — 7) idem por el Fr. Nicolas de Lara 
contra su, supericrr el Padre Provincial de la Orden de San Agustin 

4) Expediente de 29 hojas en 4° (1818) idem del Doctor Frag Vicente 
- Urihc, religioso de N. S. de la Merced contra su Provincial 

Mappe VI Estado ecclesiasiico secular 
1) Expediente de 48 hojas (1811) sohre participacion del cnra de Ciiica- 
huastla en In fiiga del reo Francisco Pacheco 

•-') Expediente de 30 hojas (1811 —12) diligencias de B. Joaquin Sundoval 
para que se le ponga en posesion de unn canongia que sc le confiriö 

.S) Expediente de 39 hojas (1811 — 13) Real Orden de 1810 para que se 
suspenda la provision de canongius prebendas etc. que no sean de oficio 
(derogada 1811) 

4) Expediente de 34 Jiojas (1813 — 14) Benvficios ecclesiasticos, que se han 
provisio desde Octuhre 1811 hasta Novicmhre 1813 

5) Expediente de 74 iiojas (1814) Diligencias de Jose Mariano Beristain 
para que se le de colacion canonica y posesion cUl Deunato de In S. Iglesia 
Metropolitana de Mexico 

t!) 11 diversas relaciones de servicios, y meritos, que sus aiitores presentaron 
con el ohjeto de obtener cdguna gracia de prebendn o canongia (1793 — 94) 

2 



18 F. Eyssenhardt 

Hispan. 30 

Erworben 1860 
Höhe 20 cm. 
Breite 15 cm. 

60 beschriebene Blätter 
18 Jahrhundert 
Liiiro de eniremezes y mais curiozidades em Ämsfm'dam a 19 Jidiu de 
1711 AL 



Nr. 9. 



Hispan. 31 

ex Bihlioth. Hamburg. Wulfiana. 



Höhe 19 cm. 
Breite 15 cm. 



145 beschi'iebene Seiten. 

17 oder 18 Jahrhundert 
p. 1 — 42 Disairso primetv Lo passear 
p. 43 — 106 El via je de Ja Frangia Disairso segundo 
p. 107 — 145 La posada Disairso. 3. 

Schluss: fin de Jos dialogos de (Wolf hat hier hineincorrigirt lo.) Garnier 
IVaduzidos en Jengua Castellana (von M. Fernandez. gedruckt z. B. Am- 
sterdam 1556) 

Hispan. 32 

Erworben 1860 

Höhe 2OV2 cm. 

Breite 16 cm. 

45 beschriebene Blätter 
17 oder 18 Jahrhundert 
fol. 1 r. — 4 V. Entremes DeJ faJego 
fol. 4 V. — 7 V. Entremes famoso deJ Remediador 
fol. 8 r. — 12 r. Entremes de taragona 
fol. I3r.-^16r. Entremes Del Cuero 
fol. 16 V. — 19 V. Yo no pido 
fol. 19 V. — 23 V. La Podrida 
fol. 23v.— 26v. El fabaco 
fol. 27r.— 29r. El Poeta 
fol. 29 V.— 33 r. La Ronda 
fol. 33 r. — 35 r. La Capa y Sombrero 
fol. 38 und 39 spanische und portugiesische Verse 
fol. 40r— 44r. EJ tudesco 

Ausserdem vor fol. 1 ein Blatt und fol. 36 und 37 mit Eechnungen, 
die dabei stehenden Worte portugiesisch 



Die spanischen Handschriften der Stadtbibliothek 19 

Hispan. 33—35 

Aus der Schenkung- der Frau Senator ßapp im Jalire 1889 

Drei Mappen in quart 

Mappe I 94 beschriebene Blätter. Officielle Originalcorrespondenzeu aus 

Mexico aus den Jahren 1808 — 1821 

Mappe II 127 beschriebene Blätter verschiedenen Formats, Privatcorre- 

spondenz der Familie Iturbide 

Mappe III 40 beschriebene Blätter. A. de Iturbide : Aufenthalt in Li- 

vorno 1823, Correspondenz und Eechnungsbücher 

Hispan. 36 

Aus der Schenkung der Frau Senator Rapp im Jahre 1889 
Eine Mappe in folio , voll ungeordneter Documente verschiedenen 
Formats, auf Mexico bezüglich, aus dem 18 und 19 Jahrhimdert, das 
letzte ein Pergament von 1(582: 329 gedruckte oder beschriebene Blätter 

Hispan. 37 

In Scrin/o 22 

Höhe 36V2 cm. 
Breite 2.5 Vs cm. 

256 beschriebene Blätter 

18 Jahrhundert 

Prov'idencia de Dius Con Israel, y Vei'dad de la Ley de Mosseli y nnJidad 
de las demas Leyes Compaesto por el may Exselentissimo Sefior H. H. M. 
Arab R. Saal Levy Mortem de felise memoria,. Eine andere spanische 
Handschrift desselben AVerkes bescJirieben von Steinschneider, Katalog 
der Hebräischen Handschriften der Stadtbibli(jthek p. 1(J5 Nr. 339. Ver- 
gleiche auch die Bemerkung am Schluss dieses Verzeichnisses. 

Hispan. 38—40 

Von Petersen's Hand Geschenl; des Herrn Dr. B. (rectius N.) H. Julius 
Höhe 31 Vä cm. 
Breite 19^2 cm. 

19 Jahrhundert 

Band I 
42.5 beschriebene Seiten 
Floresta de Rimas antiguas Castellanas ordenada por Don Juan Nicolas 
Bohl de Faher Zusatz von anderer Hand: , de la Real Äcademia 
Espanola. Hamburgo: En Ja lihreria de Perthes y Besser. 1821. 
Schluss der letzten Seite Die Handschrift erfolgt in freien Bogen, so wie 
es der Setzer heim Drucken nötJtig hat. Sollte sich kein Verleger finden 
so trage ich die grössfe Sorgf(dt in Hinsicht der Handschrift auf. Ich 
habe nichts dagegen, dass seihe Freunden der spanischen Poesie als Schlegel, 



20 F- Eyssenhardt 

Gries, Keil etc. zum Genuss mitgetheilt werde, ivenn sie sich nemlich 
mif Ehre verjjßichten nichts abzuschreiben. Zu diesem Endzwecke müssten 
die Bogen dann 'wenigstens geheftet werden. Es sind 101 Bogen. 

Cadiz, den 5 Februar 1820 

Bohl V. Faber 
Band II 
415 bescluiebene Seiten (die letzten 13 grösstentlieils niclit von Böhl's Hand) 
Segunda parte de la Florcsta de Eimas antiguas castellanus ordenada pur 
Don Juan Nicolas Bohl de Faber de la Real Academia Espanola 
(Cadiz 1821) 

Band III 
Tercera parte de la Floresta, de Rimas antiguas Castellanas ordenada por 
Don Juan Nicolas Bohl de Faber de la real Academia Espafiola. Zusatz 
von anderer Hand: Ifamburgo en la librerla de Perthes y Besser 1825. 

445 beschriebene Seiten 
Am Sclilnss ein Brief an Dr. Julius mit einem Druckfehlerverzeicbniss. 
Die erste Seite lautet 

Puerto den 17 Martij (oder Marti) 1826 
Versprochenermassen erfolgt hiemit, bester Freund, die Anzeige der Druclc- 
fehler der dritten Floresta, die leider in grösserer Anzahl vorhanden sind, 
als in den vorigen. Finden Sie es schicklich, so mag die Anzeige der 
fehlenden Kommas wegbleiben. Bei genauer Durchgehung dieser Sammlung 
h(d)e ich mich aufs Neue von deren Trefflichkeit überzeugt. Der matten 
Stellen giebt es nur wenige. Die wenigen Kenner in meiner Umgebung 
loben diesen Band noch mehr als seine Brüder. Einer tvünscht in der 
neuen Ausgabe die Gedichte mit Ueberschriften verseilen zu erblicken. 
Bei den grösseren Stücken ginge dieses wohl an: bei den kurzen ivürde 
ich es störend finden. Dann auch würde die Oekonomie der Anordnung 
gestört werden, auf der (sie) ich mehr Fleiss verwandt habe ah 
sichtbar ist. 

Cap. Beasse ist leider so schnell wieder nach dorten zurückgesegelt, da.ss 
mein kleines Packet für Sie mit clen in Cadiz gedruckten Sachen mir wieder 
von Sevilla zurückgesandt ist und jetzt eine andere Gelegenheit abwarten 
inuss. Von Madrid habe ich noch keine Antwort in. Hinsicht der Defekte 
erhalten, obwohl ich meine Avfordermig erneuert habe. 

Hiebei ein an Perthes und Besser endossirter Wechsel von B^ 209 
mit Bitte, ihn einzukassiren imd mir in Rechnung zu vergüten. 

Ich bin jetzt aufs Nene für die alte spanische Poesie belebt geworden, 
und wenn (wie es scheint) diesen Sommer unsere Verschiffungen nach 
England minder lebhaft sein werden, so findet sich ivold Zeit zu einer 
Ausarbeitung des altspanischen Theaters. 



Die spanischen Hanflscliriften der Stadtbibliothek 21 

Meine Familie ist ivohl. Die ältesten (Töchter fehlt) mit ihren 
Männern in Sevilla und Cndiz: die jüngste mit ihrem Manne noch immer 
hei uns. Nächsten Monath jedoch luird das Regiment nach Chiclana 
verlegt. 

Treu ergebenst der Ihrige 
Bohl von Faher 
Mit N. 809 (welche ich ausicendig tveiss) leschwichtige ich manche 
schlaflose halbe Stunde. 

Hispaii. 41 
Von Petersen's Hand: Geschenk des Herrn Dr. B. ('rectins N.) H. Julius 
Höhe 25 cm. 
Breite 20 cm. 

221 beschriebene Blätter 

1!) Jahrlmndert 

Teatro Espaiiol anterior ä Lope de Vega x^or el editur de la Florcsta de 

Eimas antiguas Castellanas (von J. N. Bohl von Faber Hamburg 1832) 

Böhr.s Autograph 

Hispaii. 12 
Höhe 30-/3 cm. 
Breite 20 cm. 

548 beschriebene Seiten 
1!) Jahrhundert 
Auf dem inner» Deckel From fhe Snnderland Librarg, Blenheim Palace, 
Purchased, Decemher, ISSl, Bg Bernhard Qaaritch, 15 Piccadillg, London, 
und das Büclierzeichen des Ricardo Heredia. Qaaritch Bibliotheca Hispana 
London 1895 p. 89 Ni'. 869: Ajmnte [Pedro Geronimo) Sumario de cdgunas 
Casas de Espana de linages anfiquos (sie) de donde proceden muchos Sehores 
Duques, Condes g Marqiieses etc. . . . unpuhlished Ms. 317 pp. 
Aponte {Vasco de) Lihro de alganos Linages de Oalicia, unpuhlished Ms. 
60 pp. 

Garcia de Salazar {Lope) Lihro de Linages g Guerras de Biscaga g sus 
montahas g de otras cosas curiosas, los cinco lihros posteriores de su gründe 

ohra intitulada las Bienandansas, unpuhlished Ms. 164 pip 

Eine ähnliche handschriftliche Notiz auf dem vorderen Schutzblatte 

Mehrere andere spanische Handschriften werden von Steinschneider 
beschrieben. Vergleiche unter No. 37 

Das aus den unter No. 1 — 11, 13—15, 30 — 32 mitgetheilte ist buch- 
stiibengetreu abgedruckt, Fehler sind im allgemeinen nicht verbessert; 
manclimal ist durch ein sie ausdrücklicli auf sie hingewiesen worden. 



Kenzan 



Beiträge 

zur 

Geschichte der japanischen Töpferkunst 



Dr. Justas Brlnckmann. 




Holzschnitt nach einem Bilde ties Sliisui Shinsei iKenzanl 
Keuzan-lboku. 



Europäische Stimmen über Kenzan. 

Kaum fünfundzwanzig Jahre sind verflossen, seitdem in der keramischen 
Literatur des Abendlandes die Einsicht zu dämmern begonnen hat, dass 
jene durch Jahrhunderte geschätzten und bewunderten Hizen - Porzellane, 
deren prunkende Reihen den Weltruhm des japanischen Palais zu Dresden 
begründet hatten, nicht der eigenste und feinste Ausdruck japanischer 
Kunst in der Töpferei seien. Dann meinte man tiefer einzudringen in die 
Erkenntniss der japanischen Töpferkunst, indem man daneben und höher 
noch jenes in Gold und zarten Schmelzfarben schimmernde Satsuma- 
Steingut pries, das die technischen Ueberlieferungen einer feinfühligen und 
intimen Kunstübung nicht ganz eingebüsst hatte unter dem Weltmarkteifer 
keramischer Unternehmer. 

Von der japanischen Regierung beschickte W^elt-Ausstellungen, wie 
die Wiener des Jahres 1873, Hessen uns wohl die ausserordentliche Viel- 
seitigkeit der japanischen Töpferkunst ahnen; aber die Masse der Arbeiten, 
in denen die ersten unerquicklichen Früchte der neuen Aera geerntet 
wurden, legte sich wie eine dunkle Wolke vor das, was sich uns dargeboten 
hätte, wenn unsere Augen damals zu sehen verstanden hätten. Einzelne 
alte Töpferarbeiten, grosse Kostbarkeiten für- den ästhetisch gebildeten 
Japaner alten Schlages, verloren sich fast unbeachtet unter der Menge 
auffälliger Neuheiten und sind damals in ihr Ursprungsland heimgekehrt. 

Bedeutsamer für unser Wissen wurde die folgende Weltausstellung. 
Die Leiter des South Kensington-Museum in London hatten vorausbhckend 
die mit der Einrichtung der japanischen Abtheilung zu Philadelphia 1876 



2ß Dr. J. Brinckmantl. 

betrauten Behörden angeregt, eine möglichst vollständige Sammlung typischer 
Beispiele alter und neuer Töpferarbeiten zu vereinigen und auszustellen, 
die danach vom South Kensington-Museum angekauft werden sollte. Dies 
geschah und der bei diesem Anlass von M. Shioda verfasste, von T. Asami 
in's Englische übersetzte Bericht über die Geschichte der japanischen 
Töpferkunst wurde i. J. 1880 von Mr. Augustus W. Franks, einem der 
Direktoren des British Museum, zugleich mit dem 216 Nummern zählenden 
Katalog der ganz nach den Regeln japanischer Kennerschaft angelegten 
Sammlung veröffentlicht. 

Aus diesem Bericht erfahren wir, dass eine der Töpferwerkstätten bei 
der Hauptstadt Kioto, diejenige zu Narutaki, von einem Bruder des berühmten 
Malers Ogata Korin, Namens Shinsho begründet worden ist, der sich in 
seinen Mussestunden damit unterhielt, für die Theetrinker — die Chajin — 
Gefässe in Nachahmung derer des um die Mitte 17. Jahrhunderts in lüoto 
thätig gewesenen Ninsei anzufertigen. Das Dorf Narutaki, heisst es weiter, 
wo der Künstler seinen Wohnsitz hatte, lag am Fusse des Hügels von 
Atago, im Nordwesten des Kaiserpalastes. Da nun diese Himmelsrichtung 
auf Chinesisch „Ken" genannt wurde, führte der Künstler den Namen 
Shisui Kenzan, was besagen wolle, „schöner blauer Hügel im Nord- 
westen". Kenzan, dessen Werke hohes Ansehen bei den Chajin genössen, 
sei, 82 Jahre alt, im Jahre 1742 gestorben. 

Zu einer Würdigung der Kunst Kenzan's erhebt der Katalog sich 
nicht; er beschreibt nur kurz die drei bezeichneten Werke, einen kleinen 
tragbaren Heerd — Furo — , einen kleinen walzenförmigen Feuertopf für 
Raucher — Hiire — und eine Kumme — Hachi — . Auch der etliche 
Jahre früher — 1878 — veröffentlichte Katalog der eigenen Sammlung 
japanischer Töpferarbeiten, die Mr. A. W. Franks damals im Betlmal Green 
Brauch Museum leihweise ausgestellt hatte und später dem British Museum 
geschenkt hat, beschäftigt sich nicht anders mit dem Meister, als dass er 
fünf seiner Werke kurz beschreibt. Davon trägt eines neben der Bezeichnung 
Kenzan noch die Worte San dai, d. h. die dritte Generation, und die Angabe 
der Periode Bunsei, die den Jahren 181 8 bis 30 unserer Zeitrechnung entspricht. 
Wie sich der Kenzan des 19. Jahrhunderts zu dem Kenzan aus dem 18. 
Jahrhundert verhält, wird nicht erörtert. 

Auch das prachtvoll mit Farbendrucken ausgestattete Werk des 
Architekten George Ashdown Ausdsley und des Präsidenten des Liverpool 
Art Club, James Lord Bowes, das in den Jahren 1875 bis 77 unter dem 
Titel „Keramic art of Japan" erschienen ist, weiss von Shisui Kenzan nur 
zu sagen, dass er in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts zu Narutaki 
gute Nachahmungen der Ninsei -Waare gemacht habe, die von den Chajin 
hochgeschätzt wurden. Auf die künstlerische Bedeutung des Meisters 
gehen die Verfasser mit keinem Worte ein. 



Kenzan. 27 

Auch Edmond de Goncourt, der sich durch die farbenreiche und 
anschauliche, wenngleich etwas schwerfällige Schilderung seiner japanischen 
Sammlungen in seinem 1881 erschienenen Buche „La Maison d'un Artiste" 
als einer der Ersten verdient gemacht hat um die Einführung der Abend- 
länder in den Zaubergarten japanischer Kunst, schweigt über Kenzan. Ihm, 
dem Propheten der raffinirten Kunst des Zeitalters eines Louis XV. und 
Louis XVL, ist das volle Verständniss für den impressionistischen Flug des 
Pinsels eines Kenzan damals noch nicht aufgegangen gewesen und wohl 
auch später nicht erschlossen worden. Wie er in seinem Buche die 
Satsuma-Fayencen neuerer Zeit, die allerdings dem keramischen Geschmack 
des Jahrhunderts des Porzellans nahe standen, über Alles preist, so prägte 
sich diese Neigung in dem Inhalt seiner Sammlung auch dann noch aus, 
als andere Pariser Sammler schon längst zu den ästhetischen Bekenntnissen 
der Chajin vorgedrungen waren. Die Versteigerung der von dem Dichter 
hinterlassenen Kunstschätze im März des Jahres 1897 hat dafür den 
Beweis erbracht. Ein Chajin und wer auf den Spuren der Chajin wandelt, 
fand dabei nicht sein Genügen. 

Das Verdienst, den Meister Kenzan als Künstler gewürdigt und uns 
vorgestellt zu haben, hat sich zuerst S. Bing erworben als Verfasser des 
die Töpferkunst behandelnden Abschnittes in Louis Gonse's grossem und 
schönem Buch „L'Art japonais", das im Jahre 1883 denen, die sehen 
wollten, endlich die Augen öffnete über die Kunst des Landes der auf- 
gehenden Sonne. Bing giebt kurze Angaben über das Leben des Meisters, 
die er dem 1876 in Tokio mit schlechter französischer LTebersetzung 
erschienenen Buche des japanischen Archäologen und Sammlers Ninagawa 
Noritane entnimmt und fährt dann fort: „Obwohl Kenzan dieselben Stoffe 
verarbeitete, wie seine Vorgänger, schuf er eine ihm ausschliesslich eigene 
Gattung. Die Malereien aus seinen Werken haben eine absonderliche 
Eigenart. Man erkennt sie auf den ersten Blick an der Breite der 
Zeichnung und einer Maestria in der Ausführung, die zu der kleinlicheren 
Mache der voraufgehenden Künstler in Widerspruch tritt. Er schlägt 
eine neue Richtung ein, deren Einfluss sich seither nicht wieder verleugnet, 
die aber unglücklicher Weise zahlreichen Nachahmern Thür und Thor 
geöffnet und zu häufigen Missbräuchen seines Namens verführt hat." 

In der einige Jahre später als ein Band der „Bibliotheque de l'en- 
seignement des beaux-arts" erschienenen kleinen Ausgabe von „L'Art 
japonais" hat Louis Gonse den Abschnitt über die Keramik selbst 
bearbeitet und die Charakteristik Kenzan's weiter ausgeführt. Er setzt 
seine Lebenszeit in die Jahre 1G63 bis 1743 und nennt ihn einen Schüler 
seines älteren Bruders Korin. Von diesem, dem berühmten Lackmaler, 
sagt er, dass er die alte Form gesprengt habe, in die eingezwängt die 
Werkstätten von lüoto unter dem fast ausschliesslich herrschenden Einfluss 



28 Pr. J. Brinckmanu. 

der Maler der Tosa-Schule vegetirteu. Sein Eingreifen in die dekorativen 
Künste war von allmächtiger Wirkung. Durch seine Lackarbeiten, in 
denen er sich als ein Techniker ersten Ranges bewährte, erzwang er sich 
die Bewunderung auch derjenigen seiner Landsleute, die den Seltsamkeiten 
seiner Malereien abhold waren. Seine Goldlacke haben einen ganz eigenen 
Ton, einen gedämpften, gewaltigen Ton von verhaltener Gluth und vibrirender 
Leuchtkraft. Sie scheinen wie aus einem Stück massiven Goldes geschnitten. 
Seinem Pinsel entfliesst der Lack wie eine flüssige Fettmasse. Sein Decor 
beruht auf der Wirkung grosser Massen und der ausserordenthchen 
Kühnheit summarischer Widergaben. Dazu packende Wirkungen von 
Einlagen aus Perlmutter, aus Silber, aus grauem Blei oder Zinn. Durch 
seinen Bruder Kenzan, der Korin's überzeugter Anhänger war, befreite er 
die keramischen Schulen Kioto's von der Knechtschaft chinesischen Formel- 
wesens und vollendete er das von Ninsei begonnene Befreiungswerk. Wie 
die Werke Korin's zeichnen sich diejenigen Kenzan's durch die ausser- 
ordentliche Freiheit ihrer Verzierung aus, die auf grossen Massen von 
kräftigem Ton beruht, in dem fast immer smaragdgrüne Flächen auffallen. 
Man lernt daraus, welche Vortheile der Vereinfachung des Decoi's abzu- 
gewinnen sind. Was als Naivität erscheint, beruht bei Kenzan auf gi'ünd- 
licher Geschicklichkeit. Die schöneren seiner Werke können in den Augen 
der Kenner mit denen Ninsei"s wetteifern. Die Urwüchsigkeit der Formen, 
der Verfahren und der Zeichnung ist keine geringere ; der Farbensinn ist bei 
Kenzan sogar höher entwickelt. Der vibrirende harmonische Eeichthum 
seiner Schmelzfarben hat seines Gleichen nicht. Der Scherben seiner 
Töpferarbeiten ist meist ziemlich grob oder mindestens leicht und zerreiblicli, 
steht also tiefer als derjenige Ninsei's. Ihr Wertli beruht in dem pracht- 
vollen Gewände, mit dem der Künstler sie bekleidet hat. 

Diesen Bewunderern der Kunst Kenzan's folgt der Herausgeber des 
„Art Journal", Marcus B. Huish, in seinem in erster Auflage 1889, 
in zweiter 1892 erschienenen Buche .,Japan and its Ai't". Nach 
ihm lassen die breite Behandlungsweise und die lebhaften Farben, die 
Kenzan bisweilen anwendet, seine decorirten Werke auf den ersten Anblick 
oft etwas roh erscheinen, aber eindringendere Bekanntschaft mit ihnen 
werden bald zu der Ueberzeugung führen, dass jeghche Einzelheit von 
einer Meisterhand herrührt. Wie Korin, war Kenzan ein echter Im- 
pressionist. Er strebte in seinem Decor nach Wirkungen, die jenseits 
derer der Wiedergabe mechanischer Einzelheiten liegen, nach Wirkungen, 
die aus dem Kontrast oder der Harmonie der Farben oder des Stoffes, 
aus wohl abgewogener Komposition und Anordnung der Theile sich ergeben, 
oder Kraft und Freiheit der Hand bekunden, und in denen vor Allem 
die hohe poetische Empfindung zum Ausdruck gelangt, die ein Merkmal 
der Meisterwerke japanischer Kunst. Seine Werke gehören niclit zu denen, 



Kenzan. 09 

die dem Geschmack der Menge schmeicheln. Sie sind das gerade Gegen- 
theil vom NiedHchen. Man mag sie sich vorstellen als Werke eines Mannes, 
der nicht sorgte, irgend wem zu Gefallen zu schaffen, ausser ihm 
selber; eines Mannes mit kühnem Flug der Ideen und dem Muth, diese 
durchzuführen. Seine Werke sind in hohem Grade suggestiv; jedes neue 
Beispiel scheint eine neue Idee auszudrücken. 

Huish reiht an diese Würdigung der künstlerischen Bedeutung des 
Meisters einige kurze Hinweise auf seine Töpferarbeiten. Die Mehrzahl 
seiner in Kioto entstandenen Werke bestünde danach aus dem feinen 
Awata-Scherben ; aber auch den gröberen Thon von Shigaraki und anderen 
Orten habe er verarbeitet. Zuweilen formte er die Gefässe mittelst des 
Eades, bisweilen ganz aus freier Hand. Die Beschaffenheit seiner Glasur 
und die Art ihrer Anwendung wechselten ebenso sehr, wie der Decor. 
In jüngeren Jahren war er erfolgreich in der Nachahmung der Kaku- 
Waare der Chojiros. 

Den genannten Schriftstellern tritt mit kühleren Worten entgegen der 
schon erwähnte James Lord Bowes in seinem 1890 erschienenen Buche 
„Japanese Pottery", das zu der Beschreibung der Sammlung des Verfassers 
eine Einleitung giebt, in der, so oft sich die Gelegenheit bietet, dem 
ästhetischen Geschmack des japanischen „Chajin" und seiner europäischen 
Gefolgschaft allerlei kleine Bosheiten verabreicht werden. James Lord 
Bowes hatte in seinem ersten, in Gemeinschaft mit Audsley verfassten 
Werke gründlich fehlgegriffen, indem er zahlreiche prunkende und über- 
ladene Erzeugnisse der schon von europäischen Einflüssen und jedenfalls 
vom Drängen der Ausfuhrhändler nach reicherem Decor angekränkelten 
Töpferkunst jüngster Zeit als Meisterwerke beschrieb und in kost- 
spiehgen Farbendi'ucken abbildete. Seine Kennerschaft und sein Ver- 
ständniss für japanische Kunst waren aus anderen Quellen geflossen und 
beruhten auf anderen Anschauungen, als die der feinsinnigeren und mit der 
urwüchsigen Eigenart der Kunst Japans vertrauteren Männer, die nach 
dem Jahre 1877 über denselben Gegenstand geschrieben hatten. Ganz 
hatte sich Lord Bowes später der besseren Erkenntniss nicht verschhessen 
können, aber er konnte es sich doch nicht versagen, auf seinem Rückzuge 
den Gegnern allerlei Hiebe auszutheilen. Seinen entschiedensten Gegner, 
den Amerikaner Edward Sylvester Morse hat er im Jahre 1891 in 
einer mit Farbendrucken illustrirten Streitschrift unter dem Titel „A vin- 
dication of the decorated pottery of Japan" zu bekämpfen versucht. So 
richtig es ist, dass das ästhetische Glaubensbekenntniss der Chajin nicht 
den gesammten Schatz japanischer Kunst ausgeschöpft hat, so unrichtig 
wäre es, an dasjenige, was die Chajin bewunderten und bewundern, den 
Maassstab eines von europäischer Ueberladung und europäischer Prunksucht 
genährten und befriedigten Geschmackes anzulegen. 



30 D''- J- BriiR'kmann. 

Lord Bowes giebt zu, dass wenn wir uns begnügten, dem ürtheil der 
Chajin zu folgen, wie es deren abendländische Schüler sich zu eigen gemacht 
haben, Kenzan der gi'össte aller in Kioto thätigen Töpfer gewesen sei. 
Er erwähnt, Kenzan habe denselben Thon, wie Ninsei, Kinkozan und 
andere Awata-Töpfer verarbeitet, seine Werke aber entbehrten der 
eleganten Vollendung und der zarten Glasuren, welche die Werke jener aus- 
zeichnen. Im Decor Kenzan's erkennt auch er packende Urwüchsigkeit; 
seine Farben erscheinen ihm aber dunkler gestimmt, als diejenigen der 
Ninsei-Schule, die damals grossen Erfolg beim Volke hatte. Eben des- 
wegen meint er, weil Kenzan auf die Ueberlieferungen der älteren Kunst 
zurückgriff, sicherte der Künstler sich die Gunst der exclusiven Chajin. In den 
Vorwürfen seiner Malereien folgte er den impressionistischen Zeichnungen 
eines Tanyu und Yeishin und vermied so die sorgfältige und genaue 
Wiedergabe des Vorwurfes, welche die Ninsei-Schule bei ihren keramischen 
Malereien pflegte. Bowes findet Kenzan's Töpferwaaren im Allgemeinen 
etwas grob getöpfert ; ihre Oberflächen oftmals rauh, selbst in gekünstelter 
Weise. Als Lieblingsvorwürfe des Meisters begegnen ihm Zweige des 
Chrysanthemum, des Mume-Baumes, des Bambus, der Kiefer, des Lotos 
und andere Natur-Motive, die unter einer glänzenden, gekrackten Glasur 
in ruhigen Farben, in kaltem Blau, Olivbraun und Schwarz ausgeführt 
sind. Oft fügte der Maler einige poetische Worte hinzu, die sich auf den 
Vorwurf bezogen und fast immer brachte er seine Signatur in kühnen 
Schriftzügen an, sei es unter dem Gefäss, sei es als einen Theil des 
Dekors. Alles in Allem, findet auch Lord Bowes in den Töpferarbeiten 
Kenzan's eine Urwüchsigkeit der Zeichnung, eine Geschmeidigkeit des 
Stiles und eine Wunderlichkeit der Behandlung, die es ihm leicht machen, 
die Gunst zu begreifen, in der sie bei den Chajin stehen mochten; ver- 
einigten sie doch etwas von der affektirten Kunstlosigkeit der frühen 
Töpferwaare mit einer wohlerwogenen Annäherung an die höhere technische 
Vollendung und die Schönheit der Verzierungsweise, welche von der damals 
in Gunst stehenden jungen Töpferschule gepflegt wurden. 

Kapitän Brinkley, der in Basil Hall Chamberlains „Things Japanese" 
(1890) den Abschnitt „Porcelain and Pottery" bearbeitet hat, gedenkt des 
Kenzan nur mit kurzen Worten. Er bemerkt, dieser Name sei nicht auf 
einen Künstler beschränkt, sondern ein FamUien-Name. Der Kenzan, der 
in den Jahren 1688 — 1740 lebte, sei nur der bekannteste seines Geschlechtes 
gewesen; aus dem Vorkommen des Namens an einem Gegenstande dürfe 
man noch nicht auf die bestimmte Persönlichkeit des Urhebers schhessen. 

Was andere Schriftsteller über den Meister berichtet haben, beschränkt 
sich auf Wiederholungen aus den angeführten Quellen, oder ist bedeutunglos, 
wie Ph. Burty's Meinung, Kenzan, den er als einen kraftvollen, originalen 
Meister anerkennt, habe unter dem Einfluss des indischen Stiles gestanden. 



Ktnzan. ' 31 

Japanische Stimmen über den Meister. 

Halten wir nun Umschau über unseren Meister in der japanischen 
Literatur, so liegt es nahe, zunächst anzufragen bei Ninagawa Noritane, 
dem Verfasser des in den Jahren 1876 bis 1880 in Tokio unter dem Titel 
„Kuanko-Zusetsu" erschienenen, in Europa ziemHcli verbreiteten Werkes. 
Ninagawa, ein in seinem Vaterlande wohlangesehener Archäolog und 
Sammler, doch auch Händler zugleich, hat in diesem Buche seine eigene 
Sammlung japanischer Töpferarbeiten beschrieben und in kolorierten 
Lithographien vorzüglich abgebildet. Später ist diese Sammlung in den 
Besitz des Herrn S. Bing in Paris gelangt, von diesem an Herrn Edward 
S. Morse in Salem, Massachusetts, und jüngst ist sie mit der von diesem 
Gelehrten selbst fi-üher in Japan angelegten Sammlung in öffentlichen 
Besitz übergegangen. Das letzte Wort der Kennerschaft ist in Ninagawa's 
Buch gewiss nicht gesprochen, aber wir werden seine Feststellungen so 
lange anerkennen dürfen, als nicht weitere Forschungen und das vergleichende 
Studium der Altsachen selber uns sie zu berichtigen gestatten. Wir 
dürfen aber bei der Berufung auf Ninagawa nicht die in Yokohama 
erschienene, von Fehlern aller Art wimmelnde französische Uebersetzung 
seines Buches anziehen, sondern nur aus der Urschrift schöpfen. 

Ninagawa's Angaben über Kenzan's Lebensverhältnisse enthalten im 
Wesentlichen dasselbe, was uns schon die europäischen Quellen gesagt 
haben, die theils aus ihm, theils aus dem kurz nachher in London heraus- 
gegebenen Buche Shioda's entnommen sind. Ninagawa berichtet: 

„Die Kenzan-yaki genannten Töpferarbeiten sind von einem Manne 
Namens Kenzan angefertigt worden. Im Buche „Chado Sentei" lesen wir: 
„„Kenzan, ein jüngerer Bruder des Korin, hiess eigentlich Ogata Shinsei, 
wurde aber Kenzan benannt, weil er zu Narutaki-mura im Nordwesten 
von Kioto wohnte."" Das Buch „Shogua Benran" spricht also von ihm: 
„„Kenzan, Sohn des Ogata Soken, trug den Namen Shinsei; sein Rufname 
war Shinzaburo. Er bewohnte anfänglich Kioto und Hess sich dann in 
Narabi-oka nieder. Man gab ihm zu verschiedenen Zeiten verschiedene 
Namen, als Shoko, Shuseido, Shisui, Reikai, Toin und noch deren mehr. 
Später zog er nach Yedo, wo er im Alter von 83 Jahren starb. Er hatte 
die Dichtkunst bei Hirosawa Choko, die Kunst der Theebereitung bei 
Zuiriu Sosa gelernt. Er war auch ein geschickter Maler und verfertigte 
mit Vorhebe Töpferarbeiten, die er mit Blumenzeichnungen gar kunstvoll 
bemalte und oft mit schönen Versen beschrieb."" 

Die weiteren Angaben Ninagawa's geben eine kurze Kennzeichnung 
der Töpferarbeiten Kenzan's, wobei nach der Weise japanischer Kenner 
das Hauptgewicht auf die Beschreibung des Scherbens und die Herkunft 
des verarbeiteten Thones gelegt wird. 



32 Dr. J. Brinckiuann. 

Annähernd die gleichen Angaben über das Leben Kenzan's finden wir 
in der seit wenigen Jalu'en unter dem Titel Kökkua d. h. ., Blume des 
Landes" in Tokio veröfieutüchten Zeitschrift für bildende Kunst. Die Farben- 
druckwiedergaben alter Gemälde in der Kökkua stehen weit über den 
verwandten periodischen Schriften Europas. Ob ihre historische Methode den 
Anforderungen europäischer Wissenschaft entsijricht, vermögen wir nicht zu 
beurtheilen. Im 17. Hefte der Kökkua widmet der Direktor der Kunst- 
gewerbeschule zu Kioto, Imaiziimi Yiisaku, unserem Meister einen kurzen 
Aufsatz, aus dem wir ausser uns schon Bekanntem erfahren, dass Kenzan 
nach der Weise des Honami Köyetsu arbeitete, eines der Lehrer des Korin. 
Dabei wird die auffallende Angabe gemacht, dass auf Kenzan holländische 
Fayence nicht ohne Einfluss gewesen sei. Wie diese Einwirkung sich 
äusserte, wird aber nicht gesagt. Erwähnt wird noch, er sei im Dorfe 
Iriya gestorben und bestattet auf dem Friedhof des Zenyoji-Tempels. Li 
Folge einer Eisenbahn-Anlage sei das Grab jüngst an einen anderen Ort 
übertragen worden, aber sein Grabstein sei auf dem alten Friedhof verbheben. 

Ueber diesen Grabstein liegen uns schon ältere Nachrichten vor. 
Hoitsu, ein zu Anfang unseres Jahrhunderts in Yedo lebender Künstler 
und begeisterter Anhänger der von dem Brüderpaar aus dem Ogata- Stamme 
hundertfünfzig Jahre vorher eingeschlagenen neuen Richtung, hat uns in 
der Nachrede zu einer von ihm herausgegebenen Sammlung von Skizzen 
nach Werken des jüngeren der Brüder eine anmuthende Schilderung von 
seiner Auffindung des Grabsteines hinterlassen. Er schreibt: 

„Obwohl ich schon lange mich dem Studium der Malerhinst der leiden 
Ogata ividme, hin ich zu ihrem gründlichen Verständniss noch nicht gelangt. 

Ueherall hekannt ist, dass Korin und Kenzan ein Paar heriiJimter 
Maler tvaren. 

Als ich einst vernahm, das Grab Korin's liege im Friedhof des Hon- 
gioin in Miogenji zu Kioto, suchte ich es auf. Da ich sein Grabmal 
umgestürzt und zertrümmert fand, stiftete ich ihm einen Meinen Grabstein 
und setzte eine Inschrift darauf. 

Damals wünschte ich auch den Grabstein Kenzan's zu sehen, aber 
Niemand ivusste ihn mir zu zeigen. Wieder fragte ich nach ihm im nächsten 
Jahre hei Beivohnern von Kioto, jedoch ivieder vergeblich. 

Im October dieses Jahres wurde ich von Riolian zu einer Theegesellschajt 
geladen und hei dieser Gelegenheit erzählte er mir, das Grab Shinsei's befinde 
sich im Friedhof des Zemjoji-Tempels am Fusse des TJyeno-Parlces unweit 
meiner eigenen Hütte. 

Noch am selben Tage suchte ich den Friedhof auf und dort fand ich, 
wie Riohan mir gesagt hatte, das Grab Shinsei's. Ich wischte den Staub 
von dem Grabsteine, besprengte ihn mit Wasser, opferte Weihrauch und 
Blumen und ehrte den Kenzan im Gebet. 



Kenzau. 33 

Heimgekehrt habe ich cdsbald die Kopien seiner nachgelassenen Bilder 
und Schriften gesammelt, die ich schon lange in meinem Bücherschrein 
heivahrt hielt. Damit die Malerkunst Ogata's in hellerem Glänze strahle, 
habe ich nunmehr dieses kleine Werk verfassf, das ich dem Kenzan als 
ein Todtenopfer darbringe. 

Wunderbarer Weise ist dieses Jahr gerade das einundachtdgste seit 
dem Sterbejahre des Kenzan, der in seinem einundachtzigsten Lebensjahre 
verschieden ist. 

Im 10. Monat des 6. Jahres Bunsei. 
(Nov. 1823.) HoitsH." 

Des Weiteren tlieilt uns Hoitsu die Inschriften auf dem von ihm 
aufgefundenen Grabsteine Kenzan's mit. Diejenige der Rückseite hiutete: 

„Koji icar ein Kiofo-Mann und wohnte im Dorfe Karutaki-mura. 
Da dieses Dorf im Nordwesten von Kioto liegt, nannte er sich Kenzan. 
Er gehörte zum Geschlecht der Ogata und ivar berühmt als ein Meister in 
Irdenwaare. Gestorben ist er am zweiten Tag des sechsten Monats des 
zweiten Jahres Kuampo in seinem einundachtzigsten Lebensjahre." 

Da nach der Angabe des Hoitsu Kenzan auf einem Friedhof der 
Tendai-shu, einer der acht grossen Sekten des japanischen Buddhismus, 
bestattet ward, dürfen wir vermuthen, dass er auch im Leben derselben 
Sekte angehörte. Diese gegen Ende des 8. Jahrhunderts von China nach 
Japan verpflanzte Lehre gipfelt in dem Glauben, das endliche Ergebniss 
des Daseins sei im Nirwana zu suchen, jenem Zustande, in dem die Seele 
ohne ihre Persönlichkeit aufzugeben, durch nichts Aeusserliches mehr 
beeinflusst wird, daher des Fühlens, Denkens und aller Leidenschaften 
enthoben ist. Diesem Zustand giebt die Sekte den Namen Mui, was besagt 
absolutes, bedingungsloses Dasein. Dem Geiste dieser Lehre entflossen 
sind auch ein, nach chinesischer Verskunst abgefasster Spruch und ein 
japanischer Vers, den der alte Kenzan vielleicht selber für seinen Grabstein 
verfasst hat. Die schwer übersetzbaren Verse besagen etwa: 

„Einundachtzig Jahre lang habe ich sündhaftem Theben schamlos 
gefröhnt; nun ich einsehe, wie wandelbar diese Welt, gelC ich ruhig 
ein zum Nirwana." 

„Der Schivermuth Tage sind vorüber gezogen, vorüber der Frohsinn; 
gehlieben sind nur die Träume am Morgen und Abend." 

Unterzeichnet sind diese Verse mit dem Kaimio des Kenzan, d. h. dem 
Namen, der nach buddhistischem Braiich ihm als Verstorbenem beigelegt 
wurde mid lautet: Rekai S hinsei Koji. 

Wie in Japan üblich, führte der Künstler ausser seinem Geschlechts- 
namen Ogata einen Vornamen Koremitsu und einen Rufnamen Gombei, 



34 !-*''• J- Bi'iuekiuann. ^ 

ausserdem aber noch eine ganze Reihe anderer Namen. Als solche 
Namen finden vfir in japanischen Quellen (u. A. im 57. Heft der Kökkua) 
die folgenden: Shoko, d. h. der Verehrer des Alten; Shuseido, d. h. 
der ruhig Uebende; Rekai, d. h. heiliges Meer; Toin, d.h. der Töpfer- 
Einsiedler; Shinsei, d. h. der tief in sich selbst Blickende; Shisui, 
d. h. wörtlich „Grün- Violett" oder übertragen „Landschaft um Kioto", 
deren schöne Farbtöne man poetisch mit jener Bezeichnung andeutete. 
In welchen Lebensjahren und für welche Zwecke der Künstler sich aller 
dieser Namen bediente, ist uns nicht überliefert. Als seine Pinselnamen 
begegnen uns neben dem häufigsten Kenzan, der an die Himmelsgegend 
seiner Wohnung in der Kaisei'stadt erinnert, die Namen Shinsei oder 
Shisui allein oder in Verbindung mit einander oder dem Worte Kenzan. 
In seinen letzten Lebensjahren fügte er oft noch andere Bezeichnungen 
hinzu, wie Eojin, Rökan, Rofu, die aber nur bedeuten, „alter Mann", 
„alter Kerl", „Greis". Nicht selten verbindet er damit auch die Angabe 
seines Alters. Auf seinen von Hoitsu abgebildeten Werken finden sich 
solche Altersangaben vom 76. bis 80. Lebensjahr des Meisters. 

Einem so berühmten Bruderpaar, wie den Korin und Kenzan, durfte 
auch ein stattlicher Stammbaum nicht fehlen. Auf Grund welcher Ueber- 
lieferungen und Urkunden die japanischen Kunstforscher ihn aufgebaut 
haben, verschweigt Kawasaki Chitora, ein bekannter Archäologe, der im 
57. Heft der Kökkua uns mittheilt, was „ein altes Buch" darüber meldet. 
Ueber achtzehn Generationen rückwärts und vier Genei'ationen abwärts 
erstreckt sich dieses Geschlechtsregister, in dem wir Männern aller Lebens- 
berufe vom ruhmreichen Krieger bis zum ehrsamen Hofschneidermeister 
begegnen. Legen wir den Maassstab der vier, nahezu zwei Jahrhunderte 
von der Lebenszeit des Bruderpaares bis zum Jahre Meiji 1 1 ausfüllenden 
Generationen an, so führen uns die Wurzeln des Stammbaumes zurück in 
das neunte oder zehnte Jahrhundert unserer Zeitrechnung, in jene Zeit, da 
die Fujiwara noch die Zügel der Regierung fest in Händen hielten und 
die Feldherren aus den Geschlechtern der Taira und Minamoto noch nicht 
in jene Feindschaft wider einander entbrannt waren, die später in furcht- 
baren Bürgerkriegen aufloderte. 

Mit einer Erzählung, die sich liest wie ein altes deutsches Volksmärchen, 
hebt die Familiengeschichte der Ogata an. 

„Es war einmal" — so erzählt Kawasaki — „im Dorfe Shiota in der 
Provinz Hiuga ein Mann Namens Daitayu, der hatte eine schöne Tochter 
Namens Hana-no-Onmoto. Weil er einen Schwiegersohn vornehmen Ranges 
zu gewinnen wünschte, wies er alle Heirathsanträge von Männern seines 
Standes ab und erbaute im Garten hinter seinem Hause ein Häuschen, 
in dem er die Tochter vor den Augen der Männer verborgen hielt. Eines 
Abends fand sich aber, ohne dass die Eltern dessen gewahr wurden, ein 



Kenzati. 35 

schöner Herr in höfischer Kleidung bei dem Mädchen ein. Er unterhielt 
sich mit ihr und erschien fortan an jeglichem Abend. Vergebens erklärte 
er ihr seine Liebe. Lange widerstand die Jungfrau seinem Werben, aber 
heisser und heisser wurde sein Flehen, bis er endlich ihr Herz erweichte 
und Erhörung fand. Eine Dienerin jedoch verrieth das heimliche Glück 
der Liebenden den Eltern. Als diese Hana-no-Onmoto in's Gebet nahmen, 
schwieg das Mädchen schamhaft erröthend. Dann aber gestand sie der 
Mutter allein, was sich zugetragen hatte. Diese vermochte sich nicht zu 
erklären, woher ein vornehmer Herr in diese ländliche Abgeschiedenheit 
komme und drang in ihre Tochter, den Geliebten um seine Wohnung zu 
befragen. Da sie wohl ahnen mochte, auf diesem Wege werde das 
Geheimniss nicht enthüllt werden, gab sie der Tochter eine Nähnadel und 
ein Knäuel mit dem Rath, den Faden an der Nadel zu befestigen und 
diese in das Gewand des Herrn zu stecken. Als nun am selbigen Abend 
der fremde Herr wieder erschienen war, steckte Hana-no-Onmoto ihm beim 
Abschiede die Nadel heimlich in sein Kleid, wie ihr von der Mutter 
gerathen worden. Danach berichtete sie dieser, was sie gethan hatte. Als es 
Tag geworden, zogen die Eltern mit der Tochter und vieler Dienerschaft auf 
die Suche nach dem Fremden, immer dem Wege nach, den der abgewickelte 
Faden sie wies. Endlich fühi'te dieser sie an der Grenze der Provinzen 
Hiuga und Bungo zum Berge Uba-ga-dake vor ein Felsloch, aus dem ein 
lautes Wehgeschrei ertönte. Als nun die Tochter fragte „Wer sitzt dort 
im Loche und erhebt solches Klagen?" erscholl die Antwort: „Ich bin's, 
ich, liebe Hana-no-Onmoto, Dein Geliebter; heute morgen bin ich am 
Unterkiefer mit einer Nadel verwundet worden; das schmerzt so sehr, dass 
ich heut noch sterben muss. Ich bin eine grosse Schlange; vermöchte ich, 
wie früher, Menschengestalt anzunehmen, so könnte ich Dich sehen und 
vor Dir erscheinen. Nun aber ist meine Kraft, mich zu verwandeln, 
gebrochen. In meiner wahren Gestalt würde ich Dich nur erschrecken." 
Darauf erwidei'te das Mädchen: „Mag Deine Gestalt jetzt noch so 
fürchterlich sein, so bist Du, mein Geliebter, doch mir unvergesslich ; mir 
bangt nicht vor Dir." Da streckte die Riesenschlange ihr bemähntes 
und gehörntes Haupt aus dem Loche hervor; Hana-no-Onmoto aber bedeckte 
es mit ihrem Gewand und zog ihm die Nadel aus dem Munde. Darob erfreut 
hob die Riesenschlange an zu weissagen: „Du wirst einem Sohne das 
Leben schenken. Würde er erst im zehnten Monde das Licht erbhcken, so 
würde er ein grosser Feldherr über ganz Japan werden. Er wird aber 
schon im fünften Mond zur Welt kommen und der tapferste Krieger hier 
im Lande Kiushu werden. Ich bitte Dich, verlass nicht den Buben, weil er 
der Sohn einer Schlange ist." Mit den Worten: „Alle meine Nachkommen 
werde ich behüten", zog sich die Schlange, die, wie man glaubt, die im 
Tempel von Uba-ga-dake verehrte Gottheit war, in ihr Loch zurück und 



3(5 Dr. J. Brinckmänn. 

ward nicht mehr gesehen. Hana-no-Onmoto genas bakl nachher eines 
kräftigen Knaben. Diese Eiesenschlange und die Tochter des Daitayu 
sind die Vorfahren des berühmten Künstlerpaares, der Brüder Korin 
und Kenzan." 

Der Sohn der Schlange und der schönen Hana-no-Onmoto erfüllte 
aber nicht die Weissagung seines Vaters. Wenigstens wird von ihm nur 
berichtet, dass er ein wilder Knabe gewesen, der nichts lieber that, als 
sich in Wind und Wetter auf den Bergen umherzutreiben. Da von der 
scharfen Luft dort oben und der winterhchen Kälte seine Haut aufsprang, 
rissig und schuppig wurde, gab man ihm den Spottnamen Akagiri-Daiyata, 
d. h. der frostrissige Daiyata. Wahrscheinlich giebt dieser Name schon den 
Schlüssel zur Entstehung der Geschlechtssage der Ogata; zur Erklärung 
einer erworbenen oder ererbten absonderlichen Beschaffenheit der Haut 
wurde die Mähr von dem Schlangen-Stammvater ersonnen. Von den Nach- 
kommen des Daiyata, den Daiyaji, Dairoku und Daishichi wissen wir nichts 
als die Namen. Erst an des letzteren Sohn ging die Prophezeiung der 
Schlange in Erfüllung. Er hiess Koreyoshi und erhielt den von seinen 
Nachkommen als Geschlechtsnamen weitergeführten Beinamen Ogata, d. h. 
Bild eines Schlangenschwanzes, weil er auf dem Eücken ein Mal hatte, 
das wie ein schuppiger Schlangenschwanz aussah. Auch hier stossen wir 
auf die Beziehung der Geschlechtssage zu einem in der Familie offenbar 
erblichen Merkmal. Vermuthlich führte sie den Namen Ogata, weil in 
ihr die Ichthyosis serpentina, Schlangenschuppen-Kranklieit, erblich war, 
die Merkmale bietet, wie sie bei dem Stammvater Akagiri und dem 
Koreyoshi erwähnt wird. 

Ogata Koreyoshi war ein tapferer Krieger und noch Jahrhunderte 
hindurch lebten die Abkömmlinge der Kiesenschlange der Weissagung ihres 
AhnheiTn zu Ehren. Nach sieben Generationen aber erlosch das kriegerische 
Feuer in ihren Adern. Zuletzt erwies es sich lebendig in dem heldenmüthigen 
Koreharu, dessen treue Dienste vom Shogun Ashikaga Yoshiaki mit einer 
Dotation von 5000 Koku Reis gelohnt wurden. Des Korehai-u Sohn 
Dohaku lebte als Shinto-Priester, und dessen Sohn Sohaku ergriff das 
Schneiderhandwerk, das damals in Japan kein der Kunst fremder Beruf 
war. Zur Würde eines Hofschneidermeisters aufgestiegen, mochte Sohaku 
gute Gelegenheit haben, seinen Geschmack in Entwürfen für die Muster 
der köstbchen Brokatstoffe zu bilden, wie sie zur Bekleidung der Schön- 
heiten an dem. prachtliebenden Kaiserhofe dienten. Für Schneiderei in 
unserem Sinne hätte die im Schnitt so einfache Tracht auch der Vornehmen 
ohnehin keine grossen Aufgaben geboten. Des Sohaku Sohn Soken setzte das 
Gewerbe seines Vaters fort; neben der Schneiderei übte er sich tleissig in 
der Schönschreibekunst, in der Honami Koyetsu sein Lehrer war, derselbe, 
den wir schon als Lehrer seiner Söhne genannt haben. Soken soll es 



Keiizau. 37 

als Dilettant zu braven Leistungen im Schönschreiben gebracht haben, 
das von alten Zeiten her bekannthch in Jajian als eine wahre Kunst gepflegt 
und der Malerkunst ebenbürtig geschätzt wird. 

Soken's künstlerische Neigungen wuchsen bei seinen Söhnen Korin und 
Kenzan zu bahnbrechender Schaffenskraft aus. Dass ihnen wieder Söhne 
gefolgt wären, die dem Ruhm der Väter, wie es in Japan sonst so merk- 
würdig oft sich in den Künstlerberufen ereignet, neuen Ruhm hinzugefügt 
hätten, ist nicht überliefert. Vielmehr erfolgte ein Rückschlag in das 
Schneiderhandwerk, dem die Ogata fortan treu blieben. Drei Generationen 
nach Korin und Kenzan lebte im elften Jahr Meiji (1878) zu Kioto noch 
ein einundsiebzigj ähriger Schneidermeister Namens Konishi, ein Urur-Enkel 
des Korin. Schon der Sohn Korin's hatte den Familiennamen der Ogata 
aufgegeben, um als Adoptivsohn einer Familie Namens Konishi sich fortan 
nach dieser zu nennen. 

Kenzan und die Chajin. 

Nach dem von Ninagawa angeführten „Shogua Benran" ward Kenzan 
von Zuiriu Sosa in den Regeln der Chanoyu unterwiesen, die zu kennen 
und mit Würde und ceremoniösem Anstand auszuüben, damals noch Jeder 
sich beeiferte, der auf gesellschaftliche Bildung Anspruch machte. Wohl 
war im Laufe der Jahrhunderte dem alten Brauch der tiefere Grundgedanke 
entschwunden, der dem ersten Gründer und Lehrer der Wissenschaft des 
Theetrinkens, Shuko, zur Zeit des Shogun Yoshimasa (1443 — 1473) vor- 
geschwebt haben mochte und diesen Shogun zu einem Förderer der neuen 
Foi'm der Geselligkeit werden Hess. Dr. Funk, dem wir die ersten ein- 
gehenderen, in den Mittheilungen der Deutschen Gesellschaft für Natur- und 
Völkerkunde Ostasiens in Tokio veröffentlichten Mittheilungen über die Chanoyu 
verdanken, hat die Vermuthung ausgesprochen, Yoshimasa habe in diesen 
Bräuchen ein Mittel gesehen, die in langen Kriegen verwilderten Männer 
zu Sitten des Friedens und zur Lust an geistiger Beschäftigung zurück- 
zuführen. Vielleicht habe er in jenen in Stille und Abgeschlossenheit vor 
sich gehenden Theegesellschaften auch ein Mittel gesucht, im Geheimen 
einen regeren politischen Verkehr unter seinen Anhängern anzuregen und 
zu erhalten. Dieser doppelte Zweck soll auch dem Toyotomi Hideyoshi 
(Taiko sama) vorgeschwebt haben, als er, nachdem er Ruhe im Lande 
gestiftet hatte und vom Kaiser mit der Würde eines Regenten bekleidet 
worden war, dem Rikiu, einem seiner Günstlinge, den Auftrag ertheilte, 
die alten Satzungen der Chanoyu zu verbessern und zu ergänzen. Die 
damals — im Jahre 1584 — von Rikiu festgestellten Regeln sind im 
Wesentlichen bis auf die Jahre beobachtet worden, in denen mit überstürzter 
Aneignung abendländischer Tracht und Sitte die herkömmlichen Lebens- 
formen als veraltet und lächerlich verschi-ieen wurden. Als Dr. Funk im 



38 ßi'- J- Briiickmann. 

Jahre 1874 seine Abliandlung über die Chanoyu schrieb, waren die 
Theegesellschaften schon fast ganz verschwunden. Er spricht die Meinung 
aus, das alte Ceremoniell gehe schnell und unabwendbar der Vergessenheit 
entgegen. Seither scheint es freilich wieder in Aufnahme gekommen zu 
sein und wieder mögen politische Parteigänger, dieses Mal diejenigen, deren 
Losung „Japan für die Japaner" ist, sich der alten Formen der Geselligkeit 
bedienen, um in Ruhe unter sich zu sein. 

Die Grundsätze, welche Rikiu für die Theegesellschaften festgestellt 
hat, lassen sich im Wesentlichen in Folgendem zusammenfassen. Sobald 
die Geladenen sämmtlich vor der Thür des zur Abhaltung der Gesellschaft 
bestimmten Gemaches erschienen sind, kündigen sie sich durch Schläge 
mit einem Klopfer auf ein Brett an. Wichtig ist, dass die Gäste den 
Weg dorthin nicht nur mit reinem Antlitz und mit reinen Händen, sondern 
auch reinen Herzens beschreiten. Der Wirth geht seinen Gästen entgegen 
und führt sie ein. Untersagt ist, in oder vor dem Hause über weltliche 
Dinge zu reden. Auch dürfen bei einer wahren und reinen Versammlung 
weder Gast noch Wirth einander schmeicheln. Eine Versammlung soll 
nicht länger als vier Stunden dauern. 

Auch für alle Einzelheiten der Bewirthung gab er Regeln, die im 
Lauf der Zeiten zu einem äusserst umständlichen Ceremoniell auswuchsen, 
verschiedene Regeln für die zur Sommer- oder Winterzeit abgehaltenen 
Chanoyu. Besondere Lehrmeister widmeten sich der Wissenschaft dieses 
Ceremoniells, unterrichteten in ihm die vornehme Jugend und gaben den 
Alten Vorstellungen in seiner vollkommenen Ausbildung. Schulmeinungen 
bildeten sich und fanden Vertretung in der Literatur. Allmählich in der 
langen Friedenszeit unter den Tokugawa Shogunen schwand der ursprüng- 
liche Geist und nur die Form blieb zurück. Aber auch in diesem Verfall 
blieb in den Chanoyu etwas lebendig, was von tiefgreifender. Wirkung auf 
das Kunstleben der Gebildeten war. Mit den alten Formen der Geselligkeit 
wurden die Geräthe und Gefässe, deren man sich in alten Zeiten bedient 
hatte, überliefert. Indem man sie mit antiquarischem Interesse bewunderte 
und besprach, wurde in Zeiten, wo die Verweichlichung des Lebens auch 
die Künste mit hinabzog, das Gefühl für den Ernst und die Schhchtheit 
der alten Kunst wach erhalten; mochte das auch hie und da zu Alterthümelei 
ausarten, war damit doch ein äusserst wirksamer Anstoss gegeben, die Werke 
der Väter in Ehren zu halten, nicht nur als Objekte des Sammel- 
eifers, sondern als Gegenstände eines weihevollen Gebrauches. 
Diese Verehrung führte aber wieder die Künstler dahin, sich Inspirationen 
zu suchen bei den Alten und so zu schaffen, dass ihre Werke der Kritik 
der Chajin in den Chanoyu Stand halten konnten. Das erstreckte sich 
nicht nur auf die Thongefässe, deren man für die Ceremonien bedurfte, 
und auf die mancherlei andern dabei benutzten Gegenstände, sondern auch 



Kenzan. 39 

auf die schön geschriebenen, zur Erbauung der Gäste aufgehängten Sentenzen, 
auf die ihnen vorgeführten Bilder, auf die nach bestimmten Schulregeln 
geordnete einfache Aufzierung der Blumen, ja auf die Anlage und Haltung 
des Gartens, in dem das Gastzimmer lag. Alles in Allem drang von dem 
„Roji" — schmaler Weg — genannten Garten und dem Gemache für die 
Theegesellschaft ein eigenartiger Duft in die Kunst der Japaner, ein Geist, 
der lehrte, die ernsten und schlichten Werke urzeithchen Alterthums mit 
dem Raffinement eines ästhetischen Feinschmeckers zu geniessen, der aber 
zugleich anregte, in diesem Sinne Neues zu schaffen. 

In diesem Geist haben wir die eigentliche Seele der Chanoyu zu 
suchen, nicht in den gehäuften Einzelheiten ihrer Vorschriften. Immerhin 
müssen uns auch diese beschäftigen, weil sie uns den Schlüssel geben zur 
Deutung vieler uns sonst unverständhchen Erzeugnisse des japanischen 
Kunsthandwerks und vor Allem auch solcher unseres Kenzan, der selber ein 
eifriger Chajin war und mit Vorliebe seine Kunst für die Chajin schaffen Hess. 

Zwei hauptsächliche Arten der Chanoyu werden unterschieden, die 
eine für die Sommers-, die andere für die Winterszeit; seltsam aber ist, 
dass je nach der Bestimmung des Gastgebers die Soramerfoi'm auch im 
Winter, die Winterfoi'm auch im Sommer beobachtet werden kann. Wenn 
der Garten, den die Geladenen durchschreiten, im Sommer mit trockenen 
lüefernadeln bestreut ist, wissen sie schon, dass das Ceremoniell des 
Winters zu beobachten ist, sie also ihre Fussbekleidung anbehalten dürfen, 
während sie im Sommer barfüssig das Gemach betreten. Im Winter besteht 
der Herd, auf dem das Feuergefäss steht, aus einem in den Fussboden 
eingelassenen hölzernen Kasten mit thönernem Einsatz, dem Ro, wovon 
die Winter-Ceremonie ihre Bezeichnung Ro-Chanoyu führt. Im Sommer 
wird ein kleiner tragbarer thönerner Herd, Furo, auf den Fussboden des 
Zimmers gestellt, wovon die Sommer-Ceremonie Furo-Chanoyu heisst. 
Vier Tages-Zeiten gelten als schickHch für die Gesellschaft; beim Akatsuki 
no Chanoyu versammelt man sich schon in der Morgendämmerung ; beini 
Asa no Chanoyu zu einer späteren Stunde um halb sieben Uhr, beim 
Hiru no Chanoyu um die Mittagsstunde (12 ühi'), beim Yobanashi no 
Chanoyu zur Abendunterhaltung um 6 Ühr. Ausserdem ist es noch 
statthaft, zum Hango no Chanoyu d. h. nach der Stunde des Morgen- 
oder des Abendessens zu laden. 

Ist das Zeichen gegeben, dass alle Gäste versammelt sind, so erscheint 
der Wirth zu ihrer Einführung. Er kniet am Eingang nieder und erhebt 
sich erst zum Eintritt, nachdem alle Gäste an ihm vorüber hineingegangen 
sind. Haben die Gäste sich im Halbkreis auf den Matten niedergelassen, 
so begrüsst sie der Wirth und entfernt sich, um die für den ersten Theil, 
die Ceremonie der Kohle, erforderlichen Gegenstände aus dem Nebengeniach, 
in dem sie bereit stehen, herbeizuholen. 



4Ö 



i)r. J. Brinckmantl. 



Er trägt herein, -wenn es Winterszeit und der Herd also im Fussbodeü 
sitzt, einen dreifüssigen Kesseluntersatz, Gotoku, der aus Eisen oder 
gebranntem Thon besteht ; Kama, den Kessel ; Kuan. ein Paar offene Ringe, 
um mit ihnen den Kessel zu heben; den aus einem hohlen Kürbis ver- 
fertigten (Fukube Sumitori) oder geflochtenen (Sumi-Kago) Korb mit Holz- 
kohlen ; die Feuerzange, Hibashi, in Gestalt zweier, mit Holzgriffen versehenen 
Metall-Stäbe; ein thönernes Gefäss mit Asche, Haiboroku; ein Döschen, 
Kogo, mit Räucherwerk ; einen Wasserkrug, Mizusashi ; ein anderes Gefäss, 
Mizukoboshi, zur Aufnahme überflüssigen Wassers; den Schöpflöffel, 
Robishaku; ein kleines, Futaöki genanntes Gestell zum Ablegen des Kessel- 
deckels; einen aus drei Federn bestehenden, daher Mitsubane genannten 
Besen zum Abfegen des Staul)es; einen besonderen Löffel, Sokotori. für 
die Asche. 

Sind alle diese Gegenstände in 
der regelrechten Reihenfolge herbei- 
m'schafft und in ebensolcher Ordnung 
in der Nähe des Herdes aufgestellt 
— wofür die Lehrbücher Grundrisse 
enthalten — so setzt der Wirth den 
Dreifuss auf die Asche des Herdes, 
ordnet die mit den Hibashi gefassten 
Kohlen und beschüttet diese, nach- 
dem das Feuer angefacht worden, 
mit Asche, um ein helles Lodern zu 
vermeiden. Zur Verscheuchung des 
Kohlendunstes streut er von dem in 
dem Kogo enthaltenen Räucherwerk 
in die Gluth. Endlich setzt er den 
aus dem Kruge gefüllten Kessel auf den Dreifuss und deckt den Deckel 
wieder darauf, den er solange auf den Futaoki abgelegt hatte. Während 
dieser Beschäftigung bitten die Gäste, das Kogo betrachten zu dürfen; 
bewundert geht es von Hand zu Hand, bis der im Range niedrigste es 
dem Wirthe wieder behändigt oder es nochmals die Reihe durchwandert 
und vom vornehmsten Gast zurückgegeben wird. Für die sommerliche 
Theegesellschaft bedient man sich eines gelackten Döschens, Kobako 
genannt; für die -winterliche eines thönernen, des eigentlichen Kogo. Das 
Alter, die Herkunft, Schönheit und Seltenheit bietet in beiden Fällen 
ausgiebigen Gesprächsstoff für die Unterhaltung der Theilnehmer. Damit 
schliesst der erste Akt der Ceremonie. 

Von den bei ihm benutzten Gegenständen interessiren uns Mizusashi, 
Kogo und Futaöki deswegen, weil an ihnen, vornehmlich an dem 
Döschen für das Räucherwerk, viele angesehene Töpfer ihre Kunst 




Kogo, ziegelrothe Masse, oben durchscheinend 
glasirt, der Uumezweig schwarz, die Blüthen 
weiss mit gelben Tnpfen und schwarzer Zeich- 
nung; das Netzmuster der Seiten blau in Weiss. 
Iriya-Kenzan. Bez. Kenzan. -',4 nat. Gr. 



Ivenzan. 



41 




ChikuwaFiitaoki, Untersatz 
zum Ablegen des Dockeis 
des Kessels bei den Cliauoyu 
in Gestalt eines hohlen 
Bambusabschnittes ; hell- 
und dunkelbraun glasirt, 
mit weissen und braunen 
Blättern. Weiche Masse in 
der Art von Iriya-Kenzan. 
Unbez. Nat. Gr. 



geübt haben. Unter Kenzan's Werken werden 
wir die Kogos an erster Stelle zu erwähnen 
haben. Auch ein Futoaki von jener bei 
den Chajin beliebten Art, die das Bambus- 
motiv verwendet und daher als Chikuwa 
Futaoki, d. h. Bambusring, in den alten 
Lehrbüchern der Chajin vorkommt, zeigt seine 
Künstlerhand. 

Nach Beobachtung einer vorschrifts- 
mässigen Pause, während welcher geraucht 
wird, bringt der Hausherr die Speisen auf 
niedrigen Tischchen aus gelacktem Holze 
herbei. Die Gäste werden mit Suppe, Fisch 
und dem bei keiner Mahlzeit fehlenden Eeis 
bedient. Dazwischen wird wohl auch ein 
Schälchen Reiswein, Sake, geleert. Nachdem 
noch ein Pfeifchen geraucht worden, ziehen sich die Gäste in den Garten 
zurück, um dem Wirthe Zeit zu lassen, die Vorbereitungen für den zweiten 
Akt zu treffen. Für die zwischen die beiden Akte der Thee-Ceremonie 
eingeschaltete Mahlzeit scheinen keine so festen Regeln zu bestehen wie für 
das Chanoyu selbst, wenigstens übergehen die vorliegenden Berichte den 
Zwischenakt, als wäre er eine Nebensache. 

Inzwischen hat der Wirth frische Blumen aufgestellt, die Wandbilder 
gewechselt, sein Staatskleid angelegt und das Theegeräthe für die Ceremonie 
gerüstet, soweit es nicht schon im ersten Akt zur Stelle geschafft war. 
Die wichtigsten dieser Geräthe sind zwei Chaire, kleine thönerne Urnen, 
die mit elfenbeinernen Deckeln verschlossen und in Säckchen von Seiden- 
brokat verwahrt sind. Das eine enthält Koicha, eine Sorte feingepulvei'ten, 
sehr starken Thees, der mit einem Aufguss lauwarmen Wassers genossen 
wird; das andere Usucha, eine schwächere Theesorte, die mit kochendem 
Wasser übergössen wii'd. In dem Alter, der Seltenheit und Kostbarkeit 
dieser Chaire zeigt sich der Geschmack ihres Besitzers; der Bestimmung 
gemäss wird der werthvollere Koicha auch in dem bevorzugten Behälter 
bewahrt. Das brokatene Säckchen, mit Geschmack zu der Farbe des 
Thongefässes gestimmt, erhält bisweilen noch höheren Reiz in den Augen 
eines Chajin dadurch, dass der Stoff dazu vom Gewände einer historischen 
Persönlichkeit entnommen ist. Zu den Chaire gehört der Chashaku, ein 
einfacher Bambuslöffel mit leicht gebogener schmaler Laffe; obwohl ohne 
jegliche Verzierung, ist auch er durch den gefälligen Schwung seiner Form 
ein Gegenstand lebhaften Interesses für den Chajin. Man nennt Künstler 
und berühmte Chajin, die ihren Chashaku selber geschnitzt haben. Getrunken 
wird der Theeaufguss aus dem Chawan, einem meist tiefen, selten flachen 



42 Dr. J. Brinckmann. 

Kümmclien von glasirtem Thon. Dies Cliawau bildet den keramisclien 
Glanzpunkt der Ceremonie. Nicht eine augenfällige Pracht giebt ihm seinen 
Werth; für seine Schönheit hat der Chajin seinen eigenen Kanon; sie wird 
dem an prunkende Dekoration gewöhnten Auge des Europäers nicht immer 
beim ersten Anblick verständlich, gewinnt aber unvergleichlich bei längerer 
Betrachtung und erschliesst sich dann auch demjenigen, der über das 
Alter eines Chawans im Dunkelen ist imd die historischen Erinnerungen 
nicht theilt, die an den gepriesensten Theekümmchen haften. Solche 
Erinnerungen knüpfen nicht nur an berühmte Chajin, die einst aus dem 
Kümmclien tranken, oder an hochgestellte Liebhabertöpfer. die selber ihre 
Chawan formten und brannten; stammt ein Chawan aus jenen Tagen, da 
die Japaner das koreanische Eeich zertrümmerten, und von dorther ganze 
Töpferfamihen auf ihre Insel verjjflanzten, so mögen noch weitere Ausblicke 
sich in die Betrachtung des von Hand zu Hand wandernden Trinkgefässes 
mischen. Selbstverständlich dient nicht dasselbe Chawan für beide Thee- 
sorten; der kostbareren entsiiricht auch das edlere Gefäss. Zum Chawan 
gehört und in ihm liegend wird herbeigetragen ein Bambusquii-1 — Chasen — , 
dazu ein oft in einer thönernen Eöhre — Chakin-zutsu — bewahrtes 
seidenes Läppchen, jener zum Anrühren des Theeaufgusses, dieses zum 
Anfassen des Deckels des Kessels. Ein gi-osseres Stück violetten Seiden- 
zeuges, Murasald-Fukusa, zum Abwischen der Trinkgefässe und noch eine 
ganze Reihe kleiner nebensächlicher Dinge vervollständigen den Zubehör. 
Findet die Ceremonie des Abends oder in dunkler Morgenstunde statt, 
so sind auch Lampenständer, Tankei, und die darauf zu stellenden kleinen 
Oellampen mit ihren Unterschalen, sowie für den Garten besondere Papier- 
latei'nen, ßoji-ando, erforderlich. 

Mit besonderer Feierlichkeit vollzieht der Gastgeber die Bereitung des 
Theeaufgusses. Mit dem Chashaku entnimmt er dem Cha'ii'e die gehörige 
Menge des hellgrünen Theepulvers, schüttet sie in das Chawan, giesst lau- 
warmes Wasser mit dem Robishalni darüber und rührt nun mit dem 
Chasen, erst langsam herüber hinüber, dann rascher quirlend den Aufguss 
zu einem dünnen Brei. Mit der violetten Fukusa das Kümmchen haltend, 
reicht er es dem Gaste. Schon diese Farbenzusammenstellung, das feine 
Grün des Getränkes in der braunen, gi'auen, ziegelrotheu oder schwarzen 
Schale, dazu das milde Violett des Seidentuches sind eine Augenweide für 
den ästhetischen Theetrinker. Mit vorschriftsmässiger Würde führt der 
Erste das Chawan mit beiden Händen zum Munde; er trinkt, indem er 
Acht giebt, bei dem letzten Schluck schlürfend anzudeuten, wie gut üim 
der Trank gemundet habe. Frage und Antwort, gewechselt zwischen dem 
Wirth und dem Gast, beziehen sich auf die Güte des Thees ; wie bei dem Kogo 
giebt auch die Schönheit und Kostbarkeit des Chawan zu Wechselreden 
Anlass. Der Erste reicht die Schale dem Zweiten, dieser sie dem Dritten 



43 




und so fort. Jedei- fasst, nachdem er getrunken hat, den Eand der Schale 
zwischen den Zeigefinger und Daumen der rechten Hand und giebt ihr 
mit der Linken eine Umdrehung. Für die Beurtheilung der Güte 
eines Chawan soll eine jener drehenden Bewegung entgegenkommende 
Gestalt des Randes ein Merkmal sein. 

Die leere Schale nimmt nochmals ihren Weg der Reihe nach durch die 
Hände aller Gäste, um Jedem Gelegenheit zu geben, sie gebührend zu 
bewundern. 

Wird der leichtere Thee, 
Usucha getrunken, so ist das 
Ceremoniell im Allgemeinen das- 
selbe, jedoch weniger feierlich 
und jedem einzelnen Gaste wird 
das Chawan gefüllt, das er geleert 
dem Wirth zurückgiebt. Auch 
der Usucha ist ein Pulverthee wie 
der kostbarere Ivoicha. Beide Thee- 
sorten werden in den berühmtesten 
Theepflanzungen Japans zu Uji 
zwischen Osaka und dem Biwa- 
See aus den zartesten Blättcheii 
älterer und besonders gepflegter 
Sträucher gewonnen, sorgfältig 
autbewahrt und vor dem Gebrauch auf einer Handmühle gemahlen. Von 
den Theesträuchern zu Uji hat schon Kämpfer berichtet, dass „ejus clima 
mira benignitate favet culturae fruticis", aber erst Rein hat aus eigener 
Anschauung die eigenartige Kultur des Theestrauches zu Uji beschrieben. 
Der ausserordentlich anregende Aufguss des Pulverthees schmeckt auf der 
Zunge fein aromatisch bittei-, hinterlässt aber im Munde einen sehr ange- 
nehmen, anhaltenden Nachgeschmack wie von frischen Kräutern. 

Bei den Chanoyu wurde es später Aufgabe des Wirthes, seinen Gästen 
ästhetische Ueberraschungen zu bereiten, mochte das sein, indem er ihnen 
Blumen vorführte von unerhörter Seltenheit oder ein noch von Keinem gesehenes 
Bild von der Hand eines berühmten klassischen Malers, oder ein Chawan 
ganz unbekannter Herkunft. Dieses Bestreben, den Gästen nicht nur 
allbekannte Dinge zu zeigen, führte dazu, dass mit den Chanoyu-Geräthen 
ungeheurer Luxus getrieben wurde, ohne dass man dabei die alterthümliche 
Einfachheit opferte. Durch den Gedanken, sich nicht überraschen lassen zu 
wollen, den Wirth zu überholen, indem man gut vorbereitet seine angeblichen 
Neuheiten kühl als alte Bekannte ansprach, schhch sich bisweilen ein Geist des 
Aergernisses in den Frieden des Theegemaches, von dem es dann zu leiden- 
schaftUchem Zwiespalt ausserhalb des würdevollen Ceremoniells nicht weit war. 



Cliawan mit gekrackter hellgrauer Olasur. zum 
Tlieil mit durchsclieinender grüner Ueberglnsur; 
bemalt auf der hellen Fläche ia Grau, Schwarz 
und wenig Grün mit jungen Karren und Gräsern. 
Innen mit grüner und am Rande schwarzer Ueber- 
glasur, in dem ein hellgraues Muster ausgespart. 
Hellgi-aue harte Masse. Bez. Kenzan. 'U nat. Gr. 



44 Pr. J. Brinckmann. 

Bei den ceremoniellen Theegesellschaften der Chanoyu war jede 
Bewegung, jede Rede und Antwort durch die Etikette geregelt. Daneben 
gab es jedoch Theegesellschaften mit freierer Bewegung des Wirthes und 
seiner Gäste. Bei diesen Chaseki genannten Gesellschaften waltet nach 
der Schilderung F. A. Junker's von Langegg in seinen Jaiianischen Thee- 
Geschichten eine ungezwungene, nur durch feine Sitte besclu-änkte Unter- 
haltung. Der Gastgeber miethet zu diesem Zwecke gewöhnhch in einem 
an einem schönen Aussichtspunkte belegenen Thee-Hause eine der Anzahl 
seiner Gäste entsi^rechende Eäumlichkeit, die durch Ausheben der äusseren 
Papierfensterwände in eine nach der Landschaft offene Loge verwandelt 
wird. Li dieser lässt er Kunstschätze seines Hauses aufstellen, Wandschirme, 
Hängebilder, Bronzen, Lackgegenstände und Töpferarbeiten, jedoch ohne 
Ueberladung, niu- in einer Auswahl, entsprechend der geschmackvollen 
Beschränkung, die sich der gebildete Japaner bei der Ausstattung seiner 
Wohnräume mit beweglichem Hausrath und Kunstwerken auferlegt. Die 
Betrachtung und Besprechung der zur Schau gestellten Kunstwerke bildet 
auch bei den Chaseki den Mittelpunkt der Unterhaltung. 

Dass Kenzan dem in den Bräuchen des Chanoyu herrschenden Geist 
und ästhetischen Geschmack ergeben war, sagen uns seine Werke, die 
Töpferarbeiten vor Allem. Ein Chanosojo, d. h. ein Meister und Lehrer im 
Ceremoniell der Theebereitung war er nicht, wohl aber wird er es zur 
Würde eines Chajin gebracht haben, d. h. eines Mannes, der befähigt 
ist, das Ceremoniell nach der alten Ueberlieferung zu leiten. So finden 
wir denn auch in einem den Unterschriften und Handzeichen der berühmtesten 
„Theefreunde" gewidmeten Buche, Chaka-suikoshu, den Meister in erlauchter 
Theetrinkergesellschaft genannt und das Handzeichen des Shiusei neben 
denen des Shogun Yoshimasa und des Taikosama, des Eikiu, der das 
Ceremoniell der Chanoyu codificirte, des Enshiu, der neue Regeln für die 
Aufzierung der Blumen aufstellte, des berühmten Malers Kano Tanyu, der 
beiden Lehrmeister des Kenzan in der Kunst, Koyetsu und Korin, seines 
Lehrmeisters in der Theebereitung, Zuiriu Sosa, und anderer Chajin. Ein 
solches Handzeichen diente neben dem vollen Namen oder dem Künstler- 
namen zur Bezeichnung der Persönlichkeit. Männer gleichen Namens 
konnten diuxb ein dem Namen beigefügtes besonderes Handzeichen unter- 
schieden werden. Künstler, z. B. Metallarbeiter, bedienten sich seiner 
bisweilen ohne den Namen, wenn die Kleinheit des Gegenstandes diesem 
keinen Raum bot, und die Chajin malten, ebenfalls ohne Namensnennung, 
ihr Handzeichen in rother Farbe auf ii-gend ein Geräth, dessen sie sich 
bei den Chanoyu bedienten, um sich damit als Eigenthümer zu bezeichnen, 
etwa wie wir unsere Initialen anwenden. An alten Kogos finden sich nicht 
selten derartige unlesbare Chajin-Zeichen in rother Schrift. Kann man 
daraus auf irsrend eiuen berühmten Theegelehi'ten als üniheren Benutzer 



Kenzan. 45 

schliessen, so erhöht das natürlich den Werth des Gegenstandes in den 
Augen aller Chajin. Im Handzeichen des Shinsei, einem kräftigen Pinselzug 
von Eigestalt mit wogigen Vorsprüngen an der oberen Breitseite, meint 
man etwas von dem Charakter der Malweise des Meisters zu spüren. 
In seinen keramischen Malereien hat er dies Handzeichen bisweilen 
angebracht, jedoch niemals anders, als dass er es dem Namen beifügte. 

Kenzan als Maler. 

Die Lebenszeit Kenzan's, der nach der Inschrift auf seinem Grabstein 
im zweiten Jahre Kuampo, d. i. im Jahre 1742 unserer Zeitrechnung als 
Einundachtzigjähriger gestorben, also im Jahre 1C61 geboren ist, fällt in 
eine Zeit lebhaftester Bethätigung der Künste. 

Die in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts begründete Kano- 
Schule hatte — eine andere Renaissance — die grossen Ueberlieferungen 
der alten Malerkunst Chinas wiederbelebt. Drei Urenkel ihres Begi'ünders, 
des Kano Motonobu, pflegten um die Mitte des 17. Jahrhunderts die von 
ihren Vorfahren ererbte Kunstrichtung. Der älteste von ihnen, Kano 
Morinobu, wurde unter seinem Pinselnamen Tan yu einer der berühmtesten 
Kano-Maler. Selbst Fenollosa, dessen kritische Uebersicht der Malerkunst 
Japans für unsere Beurtheilung der Entwickelungsgeschichte dieser Kunst 
von höchster Bedeutung ist und im Allgemeinen das 17. Jahrhundert nur 
als eine Zeit des Kunstverfalles gelten lässt, gesteht dem Tanyu zu, dass 
er die nur noch glimmenden Kohlen einer gi'ossen klassischen Zeit zu 
einer letzten Flamme angefacht habe. Nur selten wendete Tanyu in seinen 
Bildern Farben an; wie die chinesischen Vorbilder der Schule wirkte er 
durch den kühnen Schwung seiner Schwarz -Weiss - Malerei. Ohne die 
urwüchsige Kraft der alten Meister zu erreichen, gestaltete er doch neue 
Motive, die lange Zeit, bis in unser Jahrhundert, fortwirkten und den 
Metallkünstlern häufig als Vorbilder für Gravirarbeiten gedient haben. 
Als Tanyu starb, stand Kenzan erst in seinem 15. Lebensjahre. 

Einfluss auf ihn gewann aber die Kano-Schule durch Sotatsu, der 
Schüler des Kano Yasunobu, genannt Yeishin, eines jüngeren Bruders des 
Tanyu, und Lehrer von Kenzan's älterem Bruder Korin war. Sotatsu 
steht im Rufe, einer der grössten Blumenmaler und Koloristen Japans 
gewesen zu sein. Korin, der grösste der japanischen Impressionisten, 
schuf sich einen eigenen grossen Stil. Die Kraft seiner Erfindungen 
erinnert an die Werke der alten klassischen Kunst, ohne sie jedoch nach- 
zuahmen. Er beschränkt sich nicht auf die Schwarz-Weiss-Malerei, sondern 
beherrscht auch die dekorative Farbenpracht, die in den Werken des 
Sotatsu be^mndert wird. Da auch die national-japanische Malerschule 
der Tosa mit reichen, leuchtenden Farben, mit GoldhintergrUnden und 



46 Dl- J- Brinckmann. 

Goldhöhung arbeitete, erklärt es sich, dass japanische Quellen von der 
Kunst des Ogata-Bruderpaares sagen, sie sei ähnlich der Kunst der Tosa- 
Schule, aber doch nicht aus , ihr hervorgegangen ; sie sei ähnlich der Kunst 
der Kano-Schule, aber doch keine Kano-Kunst; vielmehr seien in ihr beide 
Richtungen verschmolzen. Wie sich neben dem Einflüsse Korin's auf 
Kenzan derjenige des Koyetsu verhält, der auch als ein Lehrer der Brüder 
genannt wird, ist schwierig zu beurtheilen. Koyetsu wird von Fenollosa 
als ein Künstler von feinem Geschmack geschätzt, aber nicht den grossen 
Malern Japans zugezählt, „da er nur ein Dilettant gewesen sei." Als 
Lackmaler hat Koyetsu bedeutende Werke geschaffen, ganz in dem breiten, 
kräftigen Stil, den Korin für diese Technik befolgte. Dass auch Kenzan 
in Lack gemalt habe, wird in der Kokkua erwähnt, ohne dass Arbeiten 
dieser Art von seiner Hand nachgewiesen werden. Wahrscheinlich näherten 
sie sich ebenfalls dem Stil des Bruders. 

Nach dem japanischen Kunstgelehrten, der in der Kokkua über 
Kenzan geschrieben hat, soll Kenzan nur selten Farben in seinen Bildern 
angewendet haben. Dies scheint aber in Widerspruch zu stehen mit der 
Malweise Korin's. Auch befinden sich in Pariser Sammlungen Hängebilder 
— Kakemono — von der Hand Kenzan's, in denen dieser sich als Meister 
der Farbe bewähi't. Louis Gonse besitzt ein köstliches Bild des Meisters, 
eine der unzähligen Variationen über das unerschöi)fliclie Thema des 
Mumebaums, der seine Blüthen auf beschneiten Aesten entfaltet. Es ist 
das in den Winterliedern der klassischen Dichtung oft besungene Motiv, 
das mis schon der Dichter Ki no Tsurayuki achthundert Jahre vor Kenzan 
gezeigt hat mit den Worten: 

Wenn duftlos wären 

Wie frisch gefallener Schnee 

Mumehaiinis Blütlien, — 

Vom Schnee sie unterscheiden 

Nicht könnt ich, nicht sie brechen. 
Oder in einer ebenfalls in die klassische Gedichtsammlung Kokinwakashu 
aufgenommenen Uta, die Ono no Takamura gedichtet hat, als Schnee auf 
Mumeblüthen fiel : 

Blitthe des Mume, 

Vom Schnee zu unterscheiden 

Vermag ich dich nicht; — 

Aber sobald nur du. duftest, 

Dich erkennen die Menschen. 
Da der Maler seinen Blüthen den Duft nicht einflössen konnte, hat er sie 
mit rosigem Schimmer überhaucht. 

Wie so viele, wohl die meisten Natur-Motive in den Bildern Kenzan's 
und nicht nur dieses Malers auf alte Dichtungen zurückgreifen, so erinnert 



Kenzan. 47 

auch ein anderes schönes Hiingebild von seinei' Hand in der Sammhing 
S. Bing's mit der Darstellung einer mit Schnee bepolsterten alten Kiefer 
au eine Uta, die in der Periode Kuanipei bei Gelegenheit eines Preis- 
dichtens vor der Kaiserin verfasst worden ist und besagt: 

Beim Sddiiss des Jahres, 

Als schon der Schnee gefallen, 

Sehen konnte man, 

Wie immer noch die Kiefer 

Prangend stand in frischem Grün. 
Ein anderes Bild in derselben Pariser Sammlung erinnert uns an des 
Meisters Vorliebe für die Chanoyu; ein schlichtes Stillleben zeigt uns eine 
blaue Blume in einem jener bei den Chajin beliel)ten alterthümlichen 
Eaku-Kümmchen. 

Von grosser Schönheit und einzig in ihrer Art ist eine Reihe von 
Blumenmalereien in der Sammlung Gillot zu Paris. Die Blumen sind 
wachsend dargestellt in treuester Beobachtung des Habitus jeder Pflanze 
bei breitester Pinselführung und von einer Lebenswahrheit, die vermuthen 
lässt, Kenzan biete hier wirkliche Naturstudien, zumal viele dieser Stauden 
Pflanzenarten darstellen, die ausserhalb des geschlossenen Kreises der 
klassischen Dichtung und der feststehenden Motive der klassischen Malerkunst 
ihre Blüthen entfalten. Diese farbigen Malereien, auf überhöht rechteckige 
Blätter gleicher Grösse gemalt, könnten als eine Art Skizzenbuch des 
Künstlers angesehen werden, wenn nicht die Vermuthung näher läge, sie 
seien zur Schmückung eines Wandschirmes bestimmt gewesen. Ebenfalls 
farbige Behandlung zeigen zwei im 57. Heft der Kokkua abgebildete 
Fächerblätter, die einem Wandschirm entnommen sind; auf dem einen sehen 
wir einen alten krummgewachseuen Mumebaum, auf dem andern einen lose 
geflochtenen Blumenkorb, in dessen Bambus-Einsatz blühende Zweige des 
Mumebaumes und der Camellia so einfach angeordnet sind, wie es für die 
Blumen- Aufzierungen der Chajin beliebt war. Der Verfasser der Beschreibung 
zu diesen Abbildungen meint, bei nur flüchtigem Sehen finde man keinen 
Geschmack an ihnen, wenn man sie aber vom Morgen bis zum Abend 
betrachte, erkenne man ihre Schönheit und niemals werde man ihrer 
überdrüssig. Was er nicht bemerkt, ist, dass nahezu identische Darstellungen 
als bezeichnete Bilder von Korin's Hand in dem Buche Korin-Hiakuzu von 
Hoitsu schon i. J. 1815 abgebildet worden sind. 

Eine grössere Anzahl von Werken Kenzan's finden wir in dem Buche, 
das Hoitsu, wie er ims anlässlich seiner Auffindung des Grabsteines des 
Meisters erzählt, diesem als ein Todtenopfer gewidmet und noch im selben 
Jahr, dem 6. der Periode Bunsei, d. i. 1823, unter dem Titel Kenzan- 
Iboku, d. h. Kenzan's nachgelassene Tusche, mit dem Nebentitel Toki, 
d. h. Töpferarbeiten, in Yedo herausgegeben hat. Die Holzschnitte in 



48 D''- J- Brinckmann. 

diesem Buche geben woLl die von dem Meister bevorzugten Motive und 
seinen Stil wieder, das Colorit ist aber in vielen Fällen nur andeutungs- 
weise zu verstehen, zumal nicht immer gesagt ist, ob die Darstellung einem 
Hängebilde oder einer anderen Bildfläche, etwa einem Erzeugniss der 
Töpferkunst entnommen ist. Die Erinnerung an ausgeführte Werke von der 
Hand des Meisters muss hier zur Erklärung aushelfen, die aber nicht 
immer mit genügender Deutlichkeit gelingt. 

Wir sehen, dass Kenzan für die Wahl seiner Vorwürfe im Banne der 
klassischen Ueberlieferung steht, welche die wenigen von der alten Dicht- 
kunst besungenen Pflanzen imd Naturerscheinungen in endlosen Abwande- 
lungen vorführt, es aber in der Regel verschmäht, den ererbten Motiven- 
schatz durch frisches Hineingreifen in die Natur zu bereichern. 

Als feststehendes Motiv kehrt immer wieder der Mumebaum, Prunus 
Mume, dessen weisse oder rothe. duftende Blüthen als erste P'rühlings- 
boten noch vor der Blattentwickelung erscheinen. Der Gegensatz der 
Blüthenschüsse zu dem alten knorrigen verwitterten Stamm, dem sie ent- 
spriessen, ward energisch betont. Die Blüthe selbst wird oft unter Verzicht 
auf ihren natürlichen Umriss, wie ihn die japanische Kunst sonst mit 
deutlicher Angabe der fünf gerundeten Blumenblätter schematisch wieder- 
giebt, noch weiter vereinfacht und nur als wogiger Ivreis mit sternförmiger 
Mitte oder gar nur einem röthhclien oder gelben Augenfleck skizzirt. 

Häufig begegnen wir auch den anderen beiden Pflanzen, der Kiefer 
und dem Bambus, die vereint mit dem Mumebaum die mit chinesischer 
Bezeichnung als Sho-chiku-bai bekannte glückbedeutende Dreiheit bilden. 
Gern zeigt uns Kenzan Schneedecken auf den ganz summarisch angedeuteten 
breitfächerförmigen Nadelpolsteni der Kiefern. So auf Hängebildern und 
einem, von Huish abgebildeten Chawan des South Kensington-Museums. 
Von klassischen Bäumen finden wir den Ahorn im Herbstkleide, daneben 
den ihm von den Dichtern gesellten Shika-Hirsch, diesen allein auch als 
helle Silhouette in schwarzem Grunde auf dem Deckel eines von Hoitsu 
abgebildeten Kogo. Der blühende Kirschbaum, der kaiserliche Kiri-Baum, 
(Paulownia), die Hängeweide, die Päonie, die KamelUe, Chrysanthemum- 
stauden, Kürbisgeranke und der Hagi-Busch, eine der sieben Blütheu- 
pflanzen des Herbstes, treten hinzu. Der Kreis dieser klassischen Motive 
ist eben ein eng begrenzter. Wie Korin in seinen wundervollen farben- 
prangenden Wandschirmen darüber hinaus aus der vielgestaltigen Blüthen- 
pracht des Blumenlandes Japan voll geschöpft hat, sucht auch Kenzan, 
doch weniger phantasievoll, einige neue Motive zu gewinnen. Wiederholt, 
bei Hoitsu auf einem Hängebild und einem sechstheihgen Wandschirm, 
lässt er Stockrosen mit den grossen Blüthenrosetten an den senkrecht auf- 
schiessenden Stämmen in parallelen Steckenreihen aufziehen, ganz wie er 
bei dem Mumebaum in den bizarren, bald wogigen, bald eckigen Ast- 



Kenzan, 



49 



bildmigen den Habitus des Gewächses mit einer gewissen Uebertreibung 
betont. Besondere Vorliebe zeigt er für die Kräuter des ersten Frühlings, 
für den seine kolbenförmigen Fruchtstände eben vorstreckenden Schachtel- 
halm, für Farren, die ihre Wedel noch schneckenförmig eingerollt haljen. 
Solche Motive 
eben erwachenden ■"'|^^"jk'f?'»\*iFT 

Pflanzenlebens 
verstreut er am 
Fusse der Baum- 
stämme oder er 
nimmt sie als 
alleinigen Vor- 
wurf; so an zwei 
Theekümmchen 
der hamburgi- 
schen Sammlung. 

Landschafts- 
motive finden wir 
in jener Weise 
der chinesischen 
Kunst, die es liebt, 
von hohem Stand- 
punkt aus an be- 
bauten und be- 
wachsenen steilen 
Felskhppen vor- 
über unseren Blick auf die Meeresweite oder zu fern aufragendem Gebirg 
zu lenken; oder der Maler zieht ein enger begrenztes Gesichtsfeld vor und 
zeigt uns einen Gebirgsfluss wogend zwischen Hügeln, auf denen die rosigen 
Schneewolken blühender lürschbäume mit den festen dunkelen Massen der 
Strandkiefern wechseln, oder die in Herbstfarben glühenden Ahornbäume 
am Bergbache. 

Auch für die Landschaftsmotive erweist sich die klassische Ueber- 
lieferung als ein sicherer Leitfaden. Die Verse, welche Kenzan sowohl 
vielen seiner Hängebilder, wie keramischen Arbeiten beigefügt hat, geben 
über die Entstehung und die Bedeutung seiner Landschaften anziehenden 
Aufschluss. 

Im Ganzen erscheint Kenzan auch aut diesem Gebiet der weitaus 
ärmere im Vergleich mit seinem reicher begabten und als Maler voller 
entwickelten Bruder Korin. Vollends zurück treten bei ihm die Thierbilder 
und figürlichen Vorwürfe. Die keramische Kunst, in der seine Stärke lag, 
bot ihm dafür nur ein enges Arbeitsfeld. 




Sara, KucheQteller. bemalt mit besclmeiter Hängeweide, an dereu 

Zweigen rothblättrige Ranken wilden Weines hängen. Iriya-Kenzan. 

Bezeichnet Kenzan. Vi nat. Gr. 



50 Dl'. J- Brini-kmann. 

Kenzan und die Dichtkunst. 

Kenzan hat, wie die Kunst der Tlieebereitung, auch die Dichtkunst 
erlernt. Ob er es dabei weiter gebracht hat, als zur Beherrschung der 
Versfornien und zur Anwendung des in der poetischen Sprache gebräuch- 
lichen Wortschatzes, wissen wir nicht. Aber kein japanischer Töpfer, ja, 
kein japanischer Künstler hat so oft und so reichlich wie Kenzan Verse 
auf seinen Werken angebracht, sei es als einen Bestandtheil der dekorativen 
Ausstattung, sei es als erläuternde Zugabe. War er kein schöpferischer 
Dichter, war er doch ein gründlicher Kenner der klassischen Dichtkunst, 
der er nicht nur Verse, sondern auch malerische Motive entlehnte. Ja, 
die meisten Landschaftsmotive, denen wir in seinen keramischen Malereien 
begegnen, lassen sich auf Motive der klassischen Dichtkunst zurückführen. 
Hierin freilich steht er nicht als ein Einziger da, denn von Alters her 
verknüpften enge Bande den Dichter und den Maler. Stimmungen, die 
jener mit der Seele schaute und in der knappen epigrammatischen Form 
der Uta-Dichtung ausprägte, gestaltete dieser mit dem Pinsel zu malerischer 
Anschauhchkeit. Das war so herkömmlich, dass es oft gar nicht des 
geschriebenen Hinweises bedurfte, um den nur einigermaassen in seinen 
Klassikern bewanderten Japaner beim Anblick gewisser Landschaftsbilder 
sofort in dieselbe Stimmung zu versetzen, die ein Dichter in alter Zeit 
vor einer gleichen Landschaft empfunden hatte. Dank dieser innigen 
Wechselbeziehung der dichtenden und der bildenden Kunst sind die Japaner 
zu einer grossen Reihe feststehender Landschaftsmotive gelangt, die auch 
nur andeutungsweise, in abgekürzter Form wiederzugeben, dem Maler 
genügt, um von seinen Landsleuten verstanden zu werden. 

Die klassischen Quellen, aus denen Kenzan geschöpft hat, umfassen 
die ganze Uta-Poesie und nicht minder die altchinesische Dichtung. 

Von den Dichtungen seines Heimathlandes hat er am häufigsten 
benutzt tUe Hiakuninisshu, d. s. die Utas von hundert Dichtern, 
eine im 13. Jahrhundert zusammengestellte Blüthenlese von Utas zeit- 
genössischer oder älterer Dichter. Keine der alten Anthologien ist ver- 
breiteter als diese, die in keinem japanischen Haushalt unbekannt ist und 
von der Jedermann, wenn nicht alle, so doch ein gut Theil Verse aus- 
wendig weiss, obwohl die alte Yamato-Sprache, in der diese abgefasst 
sind, nicht leicht in ihrem vollen Sinne ohne Umschreibungen und Er- 
läutervmgen verstanden wird. 

Als ein Beispiel dafür, wie Kenzan Motive aus dieser Quelle schöpfte, 
sind zehn paai'weise zusammengehörige kleine rechteckige Kuchenteller 
— Sara — unserer Sammlung zu beachten. Auf jedem Stück eines 
Paares ist ein Landschaftsmotiv gegeben, das sich auf dem zugehörigen 
Stück fortsetzt, und dem entsprechend ist auf der einen Sara das Kami- 



Kenzaii. 



5 t- 



no-ku, die erste Hälfte der Uta mit ihren drei Versen von 5, 7, 5 Silben, 
auf der anderen Sara das Shimo-no-ku, die zweite Hälfte mit ihren zwei 
siebensilbigen Versen hinzugefügt. Verse und Bilder ergänzen sich wechselseitig. 
Auf dem ersten Paar sehen wir rechts den Nachtkukuk — Hototogisu — 
tiiegen, links in schwarzem Gewölk die Mondscheibe. 

Dazu die Verse der 81. Uta der Hiakuninisslm ; auf der einen Sara: 
Nachts der Ettkiik schrie; 
DorUiin, woher sein Rufen 
Tönt, ich starrte lang; — 



auf der anderen: 



DocJi nur im Morgenzwielicht 
Den bleichen Mond sali scheinen. 




Ein Paar Kuchenteller, Sara, bemalt mit grünen Maki-Bäumen in grauen Wolken und der 
87. Uta aus den Hiakuninisslm. Iriya-Kenzan. Bez. Kenzan. '/j nat. ür. 



Auf dem zweiten Paar: Maki-Bäume, eine Eiben- Art (Taxus macro- 
phylla Thunb.) in geballtem Gewölk, dazu die Verse der 87. Uta; auf 
der einen Sara: 

Aus Wolken svh cmei m 

Tropfender Thau netzt hier 

Der Eiben Blätter; — 
auf der anderen: 

Nebel ziehen und steigen 

In herbstlicher Dämmerung, 



52 I^r. J. firinckmälitl. 

Auf dem dritten Paar zur Eechten ein Rudel Hirsche auf einer 
Hügelkuppe, zur Linken den unter einem Ahorn nach den Hindinnen 
schreienden Hirsch, dazu die 83. Uta: 

Weil Missachtung nur 

Der Eedlichkeit ich schaute. 

FJoh ich in's Gebirg; — 

DocJi dort auch mir ertönte 

Der Hirsche Jdagender Euf. 
Auf dem vierten Paar: zerzaustes Schilf am Ufer vor wogendem Wasser, 
dazu die 88. Uta, die kaum übersetzbar, wegen des doppelsinnigen Wort- 
spieles, das auf die Kürze einer Liebesnacht und auf den nur kurzen 
Stammtheil, der am Wurzelende des Schilfes zwei Knoten trennt, gedeutet 
werden kann. Der Maler entschied sich für die zweite Deutung und 
überlässt uns, dem Dichter die erste unterzulegen, danach ist der Sinn 
der Verse etwa dieser: 

Kurz icar die Nacht nur 

Wie von Naniwa's Strandschilf 

Ein Wurzelknoten; — 

Dich Liebe fesfztihalten 

Alles ivill ich ivagen jetzt. 
Endlich auf dem fünften Paar die 90. Uta: 

Schau, wie nicht entfärbt 

Der Fischerinnen Aermel 

Ojima's Salzßuth; — 

Doch meiner Aermel Farben 

Von Thränen nass verbleichen. 
Dazu hat der Maler nur eine landschaftUche Andeutung gegeben, die 
uns erinnert, dass am Strand von Ojima durch Seesalzgewinnung und 
Tangfischerei die Fischerinnen zu dem Wortspiel Anlass gegeben haben, 
das auf dem Doppelsinn des Farbe und Liebe bedeutenden Wortes Iro beruht. 
Ein ander Mal schöpft Kenzan aus einem ungenannten chinesischen 
Dichter, der die acht als Shosho-Hakkei bekaimten Motive der 
klassischen Landschaftsmalerei Chinas geschildert hat. Diese vom Dichter 
lokalisirten Motive sind von den Malern zu fi-ei erfundenen Stimmungs- 
landschaften ausgestaltet worden und gehören als solche zu ihrem eisernen 
Bestand. Viele Maler von Ruf haben Shosho-Hakkei geschaffen, bisweilen 
als eine Folge von Hochbildern, wie sie zur Schmückung der acht Hoch- 
felder eines Wandschirmes geeignet waren, bisweilen in friesförmiger An- 
ordnung, so dass ein Stimmungsbild sich ohne sichtbare Unterbrechung 
aus dem anderen entwickelt, wie das bei der jeghcher Farbe entsagenden 
Tuschmalerei ausführbar war. Da die Shosho-Hakkei ursprünglich in China 
lokalisirt waren, begegnen sie uns am häufigsten bei den in chinesischen 



Ketizati. 53 

Ueberlieferungeii wurzelnden Meistern der Kano-Sclnile. Unter Festhaltung 
der Stimmungs-Motive hat man acht entsprechende Landschaften siiäter 
auch als Omi-Hakkei an den Ufern des Biwa-Sees in Japan lokalisirt. Dem 
Abendregen in Shosho entspricht der nächtliche Regen in dem durch seine 
uralte, vielgestützte Kiefer berühmten Karasaki. Die abendliche Brise, 
die in dem chinesischen Bergstädtchen weht, erfrischt uns auch in Awazu, 
und den Abendschnee am Ufer bewundern wir auch am Hira-Berge. Wie 
der Herbstmond sich bei dem chinesischen Dotei in den Wellen spiegelte, 
so schaute ihn auch die japanische Dichterin Murasaki Shikibu, als sie 
am Ishi-yama mit dem Blick auf die mondbeglänzte Fläche des Omi-Sees 
die Genji-Monogatari, das japanische Dekamerone, niederschrieb. Auch 
bei Katada fallen Wildgänse auf schilfumwachsenes Gelände ein, und aus 
weiter Ferne hört man das Abendgeläut der sagenumwobenen Tempelgiocke 
von Miidera. Heimfahrende Segelböte sieht man des Abends bei der Fähre 
von Yabase auf dem Omi-See, und Sonnenuntergang und Abendkühle kann 
man wie im namenlosen chinesischen Fischerdorf auch angesichts der viel- 
begangenen Brücke von Seta am Ausfluss jenes Sees geniessen. 

Noch auf eine zweite Lokalisirung der Shosho-Hakkei stossen wir bei 
den japanischen Landschaftsmalern. Als Nanto-Hakkei d. h. die acht 
Schönheiten der südlichen Hauptstadt, Nara's, bieten sie Stimmungs-Motive 
dar, von denen die Mehrzahl denen der acht Omi-Landschaften und der 
Shosho-Hakkei entsprechen. 

Kenzan hat von den feststehenden Landschafts- Motiven ausgiebigen 
Gebrauch gemacht, bald in Reihen, bald indem er einzelne Motive herausgriff. 
Vollständig begegnen uns die Shosho-Hakkei an einem Wassertopf — 
Mizusashi — an dem neben dem Namen des Meisters Kenzan Shinsei 
die Jahrzahl der Anfertigung, das fünfte Jahr der Periode Shotoku d. i. 1715 
verzeichnet ist. Dieser Topf von bauchiger achtseitiger Form besteht aus 
hellbräunlich grauem Steingut, auf das unter durchsichtiger, leicht bläulich 
irisirender Glasur Landschaftsbilder in schwarzer, mit spitzem Pinsel auf- 
getragener Zeichnung zu sehen sind, je ein Hochbild in jedem der acht 
schmalen Felder des Topfes. Jedem Bilde ist ein auf die Darstellung 
bezüglicher Vers eingesclu'ieben, der nicht die Uta-Form hat, sondern wie 
das Motiv selber in der chinesischen Form der Shichigon-zekku gekleidet 
ist, bei welcher jeder der vier Versabschnitte aus sieben Schriftzeichen besteht. 

Das erste Bild zeigt uns den „Abendregen in Shosho". Die Verse 
dazu besagen: 

Diese einsame Gegend erfüllt mich mit Wehmuth, Wolken und 

Regen erhöhen noch das Gefühl der Einsamkeit. Hier im Meinen 

Boote sitze ich ganz allein, die Meine Leuchte als einzigen Freund zur 

Seite. Von fern her tönt Musik, die einsamer noch und trauriger 

mich stimmt. 



54 Öl'- J- Brinckraann. 

Dann folgt der „Angenehme Wind im Bergstädtchen" : 

Im Ahendlicht flattert die Flagge eines Oasthanses. Viele Häuser 

liegen zerstreut im nebligen Gehirge. Immer frinJien und trinken! 

Spät erst hehren icir heim und täglich iceht so angenehmer FriiJdingswind. 

Drittens: der „Abendschnee am Ufer": 

Tiefhängende ScJmeewolken lassen den Himmel niedriger erscheinen. 

Einem kleinen Boot vertraut sich der Dichter. Von fern her tönt 

Ruderschlag. Es scheint, dass Leute herbeifahren, die schöne Schnee- 

landschaft zu gemessen. 

Viertens: „Der Herbstmond bei Dotei": 

Westwind verscheucht den Abendnebel und in weiten Wellen badet 

die Mondscheibe. Der Fischer-Knabe weiss nicht, icie untröstlich wir 

sind aif diesefr Eeise; die Flöte spielend, fährt er vorüber am 

bliilienden Schilf. 

Fünftens: ,,Die Wildgänse''. 

Einfallende Wildgänse in vielen Reihen gleichen alten Schriftzeichen 

am Himmel. Viele dichtstehende Schiljblumen bieten die Schneeansicht 

von Koyo dar. Gegen Abend jmtzen die Gänse ihre scheinbar bereiften 

Flügel, indem sie irrend Schilfblumen für Schnee halten. 

Um dieses Bild zu verstehen, muss man sich vergegenwärtigen, dass 
der Dichter luiter Schilfblumen hier und ebenso in den anderen Worten 
zu diesen Bildern nicht die Blumen, sondern die abgeblühten bleichen 
Kispen des Schilfes dem Schnee vergleicht. 

Sechstens: „Abendgeläute von fernem Tempel". 

Wolken verhüllen die Aussicht auf den Tempel; nur das Geläut der 

Glocken toird vom Abendwind herühergetragen. Nim eilen alle Leute, 

die nah oder fern von hier tcohnen, ihrer Heimstätte zu. 

Siebentens: „Heimfahrende Segel". 

Himmel und Berg zeigen jetzt gleiche Färbung. Den Himmel 

berührend fliessen silberne Wellen. Die Segel sind schon inmitten der 

Schilfblumen. Dort, reo die Sonne unterzugehen scheint, liegen die 

Wohnungen der Schiffer. 

Achtens: „Abend im Fischerdorf". 

Gegen Abend fliegen viele Krähen in aufgelösten Reihen. Im Süden 

und im Norden ist man emsig mit Fischen beschäftigt. Der Knabe hat 

mir Wein geholt; ruhig trinke ich, die Riedblumen betrachtend, die im 

Westwind tanzen. 

Dieselben Landschaftsbilder hat Kenzan in abgekürzter Darstellung 
auf den Feldern eines kleinen Chakinzutsu von achtseitiger prismatischer 
Form wiederholt und hier jedem Bilde nur die erste Hälfte der zugehörigen 
Verse beigeschrieben. Z. B. : 



Oder 



Kenzan. 55 

Westtvind verscheucht den Abendnebel und in iveiten Wellen badet 
die Mondscheibe. 

Einfallende Willgänse in vielen Reihen gleichen alten Schriß- 
zeichen am Bimmel. 




Kucbenteller — Sara — , bemalt in Farljen mit der Landschaft der Wildgänse 
aus den Shosho-Hakkei. Auf der Unterseite die zugehöriKen chinesischen 
und japanischen Verse. Iiiya-Kenzan. Bezeichnet Kenzan Sei. ','0 nat. Ur. 

Und wieder finden wir die auf die Wildgänse bezüglichen Verse aus- 
führlich auf der unteren Fläche eines Kuchentellers unserer Sammlung, 
auf dessen oberer Fläche das entsprechende Landschaftsbild in Farben 
stimmungsvoll gemalt erscheint. Dem chinesichen Gedicht hat der Maler 
hier noch eine japanische Uta hinzugefügt, die besagt: 

Ihr Ftdter Stichen 

Herabfliegend vom Himmel 

Dort die Wildgänse; — 

Gelockt von ihren Freunden 

Auf scliilfbeifaclis'nem Gefild. 
Dass Kenzan jedoch nicht selber die Uta verfasste, dürfen wir annehmen, 
weil diese in den volksthümlichen Nachschlagebüchern des für Jedermann 



5G Dl'- J- Ürinckmann. 

Wissenswerthen, z. B.' in dem unter dem Titel Daifuku-Setsuyo-Mujinzo 
(d. i. Grosses Glück — Unerscliöpfliches Nachschlagebuch für Alles) weit- 
verbreiteten Buche, zugleich mit den chinesischen Versen neben einem 
entsprechenden Bildchen steht und dort ebenso jedem anderen Bilde der 
Shosho Hakkei eine doppelte Erklärung in chinesischen und japanischen 
Versen beigeschrieben ist. 

Dass Kenzan wohl bewandert war in den chinesischen Klassikern, die 
für den gebildeten Japaner dieselbe Bedeutung haben, wie für uns die 
Klassiker des giüechischen und römischen Alterthums. zeigt auch unser flaches 
Chawan aus tief braunschwarz glasirter Kenzan-Kuro-Waare mit weiss aus- 
gesparter Zeichnung : der Mondsichel über Grashalmen und zwei chinesischen 
Schriftzeichen: „Seng k'ou". Diese besagen in wörtlicher Uebersetzung nur: 
„Der (buddhistische) Priester klopft an", was von Herrn Hara dahin 
ergänzt wurde: „Der Priester klopft an die vom Monde beschienene Thür". 
Auf welche Ideenverbindungen ein Chajin mit diesen Worten geführt wurde, 
hat uns der Kenner alter chinesischer Literatur, Herr Prof. C. Arendt in 
Berlin, gründlich nachzuweisen die Güte gehabt. Danach hat es mit jenen 
Worten folgende Bewandniss. 

Der chinesische Dichter Kia Täo, der zugleich Bonze war, machte 
sich einst, auf einem Esel reitend, auf den Weg, um seinen Freund Li Yi 
aufzusuchen, der irgendwo auf dem Laude wohnte. Während Kia Ttio in 
der mondhellen Nacht seines Weges ritt, kam ihm in den Sinn, ein Gedicht 
abzufassen, mit dem er seinen Freund begrüssen wollte. Dies Gedicht 
begann: „Die Vögel schlafen auf den Bäumen am Ufer des Teiches, der 
Priester stösst gegen die vom Mond beschienene Thür". Beim weitei'en 
Nachsinnen aber fiel ihm ein, ob es wohl gefälliger sein würde, im zweiten 
Verse ein Wort zu brauchen, das ein Anpochen anstatt des Stossens 
ausdrücke. Er konnte sich nicht gleich darüber schlüssig machen, welches 
Wort das bessere sei, und im Nachdenken darüber hub er an, auf dem 
Esel abwechselnd die Gebärden des Stossens an eine Thür und des Pochens 
an dieselbe mit den Händen zu wiederholen. Während dessen kam 
Han-Yü, auch Han-Wen-Kung genannt, (768 — 824) einer der aller- 
berühmtesten Dichter und Prosaisten Chinas und zugleich Premier-Minister 
des Kaisers Hsien-Tsung (805—820) von der Tang-Dynastie (618—917), 
mit grossem Gefolge von Wagen und Reitern desselbigen Weges gezogen. 
In Sinnen versunken, merkte Kia Täo davon nichts, als bis er sich mitten 
im Gedränge des Zuges befand. Das Gefolge brachte den Träumer, der so 
arg gegen alle Ordnung Verstössen hatte, vor Han-Yü. Kia Täo entschuldigte 
sich und erzählte, was die Ursache seiner Voreingenommenheit gewesen. 
„„Pocht" ist besser", erwiderte Han-Yü. Daran schloss sich auf offener 
Landstrasse ein längeres Gespräch über Dichtkunst und von Stund an schloss 
der damals schon sehr berühmte Han-Yü mit dem derzeit noch unbekannten 



Kenzan. 



Kia Tao innige Freundschaft. — Aus dieser Geschichte nun erklärt es sich, 
dass im Chinesischen die Wortverbindung „Pochen und Stossen" die Bedeutung 
„mit der Abfassung eines Gedichtes beschiiftigt sein" angenommen hat. 




Cliawan, schwarz glasirt ; Schriftzeiclifii, firashalme und Monrtsicliel lim Inneren) 
weiss; Masse älinlich der Rakuwaare. Kenzan-Kuro. Bez. Kenzan. ',4 nat. Gr. 

Der Vers „der Priester pocht an die vom Mond bescliienene Thür" 
mit der Variante Seng k'ou d. h. „der Priester klojjft an die vom Mond 
beschienene Thür", in welcher Form ihn Kenzan an dem Theekümmchen 
angebracht hat, hat aber noch in einer späteren Geschichte, die im 
Freundeskreise des berühmten Dichters der Sung-Dynastie, Su Tung-po, 
(1036 — 1 101) sich zutrug, eine Eolle gespielt. Dieser, ein Priester Namens 
Fä Tsing und ein Mann Namens Tsin Shao-yü, der später Su Tung-po's 
jüngere Schwester, die geistreiche und witzige Su Siao-me als Gemahlin 
heimführte, pflegten sich an bestimmten Tagen zu einem poetischen 
Kränzchen zu vereinigen. Einstmals blieb Fä Tsing so lange aus, dass 
die beiden anderen auf sein Erscheinen nicht mehr rechneten. Plötzlich 
aber, tief in der Nacht, wird zu wiederholten Malen laut an die Thüre 
geklopft, und als nicht gleich geöffnet wird, ertönt draussen Fa Tsing's 
wohlbekannte Stimme. Mit Kia Täo's Worten, in denen er an die Stelle 
des Zeitwortes der älteren Fassung das von Kenzan angebrachte setzt, 
ruft er: „der Priester ist's, der bei des Mondes Licht an Eure Thüre klopft!" 

Wie in dem vorerwähnten Beispiel, so lässt auch die chinesische 
Inschrift auf einem schönen Chawan von Kenzan-yaki in der Sammlung des 
Herrn Raymond Koeclilin zu Paris der Phantasie des Beschauers weiten 
Spielraum. Sie bietet zehn Schi'iftzeichen, die zwei Versen, wohl dem 
Bruchstück eines grösseren Gedichtes, entsprechen. Unter Berücksichtigung 
des Parallelismus der Wörter, wie er in dieser lapidaren Versform auftritt, 
ergiebt sich wörtlich folgende Uebersetzung : 

Bäume schweben, grüne Höhen ragen; 
Wasser strömen, iveisse Wolken fliessen. 



58 



t>r. J. Brincliinantl. 



Der Diclitor liat damit schildern wollen, -wie am Ufer wachsende 
weissblühende Bäume in dem vorbeifliessenden Gewässer, dessen Strömung 
die Einzelheiten verwischt, das Spiegelbild grüner, von weissen Wolken 
umzogener Hügel darbieten. Dazu hat Kenzan auf dem dunkelrahmfarbenen 
Grunde nur die Skizze eines an den Mumebaum erinnernden kräftigen 
braunen Stammes mit mild blauen Blüthen gegeben, die ohne Ausführung 
im Einzelnen wie fliessende Farbmassen erscheinen. 



Kenzan als Töpfer. 

Erstaunlich ist die Menge der Töpferarbeiten, die in privaten und 

öffentlichen Samm- 
lungen als Werke 
Kenzan"s vorgeführt 
werden ; erstaun- 
licher noch ist die 

Mannichfaltigkeit 
dieser dem einen 
Künstler zugeschrie- 
Ijenen Leistungen. 
Gemeinsam ist ihnen, 
dass sie fast alle 
Ijestimmt gewesen, 
den Theetrinkern zu 
dienen, sei es zu 
unmittelbarem Ge- 
brauch bei den 
Chanoyu, sei es für 
die weniger feier- 
lichen Theegesell- 
schaften, sei es für 
die Mahlzeiten, die 
sich an dergleichen gesellige Vereinigungen knüpften. 

Wir finden die Kümmchen, Chawan, zum Quirlen und Trinken 
des Pulverthees bei den eigentlichen Chanoyu; die walzenförmigen, 
Yunomi oder Choko genannten Becher, aus denen Sencha, der Aufguss des 
Blätterthees, getrunken wird; Kogos, vielgestaltige Döschen für das 
Räucherwerk; das röhrenförmige Chakinzutsu, in dem das Läppchen zum 
Anfassen des Deckels des Kessels bewahrt wird, und das Futaoki, auf dem 
dieser Deckel während des Wasserschöpfens abgelegt wird; den Wassertopf, 
Mizusashi, wie den Feuertopf, Hiire, in dem auf einem Bette weisser Asche die 
glimmenden Kohlen zum Anzünden der Pfeife hegen; den kleinen, beidemFuro- 




Feuei'topf— Hiire — bemalt mit cbincsisclier Scluioi^landschaft 
in Dunlvelbraun, graulichem Blau, grünlicliem Schwarz und 
dickaufliegendem Weiss. Bez. Fuso Kenzan. Höhe 10 '/n cm. 
Vgl. die andere Ansicht desselben Gefässes auf S. 5S. 



Kenzan. 



59 



Chanoyu benutzten tragbaren Herd; die viereckigen Teller, Sara, von ihrer 
Bestimmung für die marmeladenartigen Süssigkeiten (Yokan) auch Kuashi-Zara 
genannt; Hachi, Schalen und Kummen für die Speisen; Chadai, kleine Unter- 
sätze für die Schälchen, in denen der Sencha bisweilen gereicht wird. 
Auffällig ist auf den ersten Bhck, dass unter den Töpferarbeiten 
Kenzan's nirgend ein Chaire, eines jener kleinen urnen- oder vasenförmigen 
Gefässe erwähnt wird, denen als Behältern des Pulverthees eine so wichtige 
Rolle in den Chanoyu zufällt. Dieses Fehlen des Chaire erklärt sich aber 
leicht, wenn man sich erinnert, dass in Kenzan der Maler mit dem Töpfer 
innig verbunden war. Die RundHächen der kleinen Theeurnen boten ihm 
keinen Spielraum für den freien Flug seines Pinsels. Auch zog der in den 
Chaire von Alters 
her vorherrschende 
Geschmack es vor, 
sie mit den Reizen 
farbiger Glasuren zu 
schmücken, die keine 
Pinselarbeit sind, 
sondern auf tech- 
nischen Erfahrungen 
undUeberlieferungen 
beruhen. Bei diesen 
Glasuren gilt es, die 
richtig zusammen- 
gesetzten, in der 
Gluth des Ofens 
sich erweichenden, 
abfliessenden, ab- 
tropfenden Schmelze 
in dem für die farbige 
Wirkung günstigsten 
Augenblick zum Er- 
starren zu bringen ; 
bereitete, mit allen 




Feuertopf — Hiire —bemalt mit chinesiauliei' Siihneelaudscbal't 

in Duiikellii'aun, graulicliem Blau, g.ünlicliem Schwarz und 

dicUaut'liegendem Weiss. Bez. Fuso Kenzan. Höbe luVj cm. 

Vgl. die andere Ansiebt desselben Get'ässes auf S. 58. 



festzuhalten, was das Feuer in der Verborgenheit 
Zufälligkeiten der Oxidationsprocesse, die sich in 
den schmelzenden Glasuren vollziehen. Kein Gefäss gleicht dem anderen, 
alle aber geben sich als feuergeborene Werke, in denen sich ein keramischer 
Stil ausspricht, der den ebenmässig glatten, gleichmässig gefärbten 
Glasuren der europäischen Töpferkunst abgeht. Da auch in dergleichen 
Arbeiten nicht die technische Chemie allein zum Ziele führt, sondern der 
Geschmack und der Farbensinn mitsclialten müssen, bieten auch sie dem 
Künstler ein Arbeitsfeld. Auf diesem sich zu versuchen, lag aber dem 
Maler Kenzan fern. 



fiO Di. J. Brinckmann. 

Obwohl ein einheitlicher Zug durch die Melu'zahl der dem Kenzan 
zugeschriebenen Gefässe geht, so liegen doch Zweifel nahe, ob sie wirklich alle 
zu dem Lebenswerk des einen Ogata Shinsei, des unter dem Pinselnameu 
Kenzan schaffenden Bruders des Korin gehören. Hier zu sichten, ist 
keine leichte Aufgabe. Sammler- und Händler-Interessen stehen, wie oft, 
im Wege, wo es gilt, den Weg zur Wahrheit zu finden. Wenigstens 
einige leitende Betrachtungen sollen hier versucht werden, zu weiterer 
Prüfung und Vergleichung anzuregen. 

Vorausschicken müssen wir, dass die hochentwickelte keramische 
Kennerschaft der Japaner, die dort Hand in Hand geht mit der Kenner- 
schaft der alten Gemälde, auf einer anderen Methode beruht, als die 
keramische Kennerschaft der Europäer. Abgesehen von der laienhaften 
Meinung, die Grundlage der Kennerschaft sei in dem Studium der Marken zu 
finden, geht unser Studium im Wesentlichen aus von der äusseren Er- 
scheinung der Gefässe, von ihren plastischen oder gemalten Verzierungen, 
vernachlässigt aber fast ganz den Körper der Gefässe, die Masse, aus der 
er bereitet, und die technischen Handgriffe, die bei seiner Formgebung 
mitgewirkt haben. Anders in Japan, wo der Scherben des Gefässes, die 
Farbe, die Härte, das Gefüge des gebrannten Thones Gegenstand der 
peinhchsten Beobachtung sind, ja durch Angabe des Gewichtes des Gefässes 
ein Anhalt gegeben wd, das spezifische Gewicht des Thones vergleichend 
in Betracht zu ziehen. Auch die Art, wie der Töpfer den Thon durch 
Kneten, Drehen, Schneiden formt, wird beachtet. Besonders auch, wie er 
schliesslich den Fuss gestaltet; wie er das Gefäss von dem Thonklumpen, 
aus dem er es auf der Scheibe emporgedreht hat, mit einem Faden oder 
der Spatel abschneidet ; in welcher Eichtung, ob zu sich gekehrt oder von sich 
abgewendet er diesen Schnitt vollführt; ob er die in konzentrischen Bogen- 
hnien erkennbaren Spuren des Fadenschuittes bestehen lässt, oder den Fuss 
mit der Spatel oder den Fingern weiter formt oder glättet — und was 
immer sonst von technischen Handgriffen dabei in Frage kommen kann. 
Weiter, wie das Gefäss beim Brennen eingesetzt wird, ob es auf dem Fuss 
oder umgekehrt auf dem Bande oder auf Stützen stehend gebrannt wird. 

lüar ist, dass es sich hier nicht um kleinliche Spitzfindigkeiten 
handelt, sondern dass der japanische Kenner von der zutreffenden Ansicht 
ausgeht, die natürliche Mischung eines Thones an seiner Fundstelle sei 
etwas, was sich der Nachahmung in späteren Zeiten ebenso entziehe, wie 
die verschiedenen Thonsorten, aus denen vor Jahren einmal ein Töpfer die 
Masse für seinen Scherben gemengt habe. Gelinge es, aus dem Augen- 
schein des gebrannten Thones auf die Herkunft des ungebrannten zu 
schliessen, so sei damit ein erstes wu'kliches Merkmal für das Alter und die 
Aechtheit eines Thongefässes gewonnen. Was die technischen Handgriffe 
betrifft, so beruhen sie entweder auf UeberHeferungen oder auf persönlichen 



Kenzan. ßl 

Angewöhnungen des Künstlers oder der Werkstatt, in der er arbeitet. Da 
der Nachahmer nur die Wirkungen der Handgriffe, nicht aber diese selbst 
beobachten kann, wird er nur äusserst schwer die Wirkungen ganz genau 
denjenigen der ursprünglichen Handgrifle gemäss erreichen können. Von 
dieser Grundlage geht die japanische Kennerschaft zunächst aus; danach 
erst zieht sie alles das in Betracht, was bei uns dem vergleichenden Studium 
unterzogen zu werden pflegt. 

Ohne in Japan gelebt und die Unterweisung dortiger Kunstkenner 
genossen zu haben, ist es einem Europäer nicht gegönnt, in die Geheimnisse 
japanischer Kennerschaft einzudringen. Wir können daher nur versuchs- 
weise in Anlehnung an den japanischen Text des Ninagawa den Spuren 
japanischer Kennerschaft bei der Sichtung des Werkes Kenzan's folgen. 
Dass die japanische Methode auch für die Beurtheilung europäischer 
Töpferarbeiten mit Nutzen angewendet werden könnte, unterliegt für uns 
keinem Zweifel. 

Nachahmungen der Werke berühmter Töpfer, auch solche mit nach- 
geahmten Stempeln und Marken sind keineswegs erst durch die Nachfrage 
des abendländischen Marktes nach den seltenen Originalen hervorgerufen 
worden. Es hat ihrer zu allen Zeiten gegeben. Aber nicht alle falschen 
Stücke sind betrüglicheFälschungen in unserem Sinne, sondern viele entstanden 
aus der Absicht dieses oder jenes Meisters einer jüngeren Zeit, im Stil 
eines klassischen Meisters zu schaffen. Ganz harmlos haben daher manche 
neuere Töpfer zunächst ein Gefäss möglichst getreu irgend einem alten 
Stücke nachgeahmt oder in dessen Geschmack neuerfunden, und getrost 
den Namenszug des alten Meisters mit den ihm eigenen Schriftzügen 
darauf gemalt oder einen nachgeschnittenen Stempel in den noch weichen 
Thon gedrückt, — dann aber ihren eigenen Namen ganz offen hinzugefügt, 
so dass von der Absicht zu täuschen nicht die Eede sein kann. Selbst 
wenn der eigene Name nicht hinzugefügt wui-de, darf ein solches Stück nicht 
immer als in betrügerischer Absicht entstanden angesehen werden. Erst in 
der Hand des Zwischenhändlers und gegenüber dem in die Feinheiten 
japanischer Kennerschaft nicht eingeweihten Europäer wird es zur Fälschung. 

In diesem Sinne ist zunächst einiger Gruppen unechter Kenzan-Waare 
zu gedenken, die in unserem Jahrhundert aus der Verehrung hervor- 
gegangen sind, die der Meister bei seinen Landsleuten genoss. 

Eine erste Gruppe sogenannter Kenzan's ist auf die Werkstatt der 
Dohachi zurückzuführen, die seit der Mitte des 18. Jahrhunderts zu den 
tüchtigsten Kunsttöpfern der Kaiserstadt Kioto gehören. Der zweite Meister 
dieses Namens, der vom Anfang unseres Jahrhunderts bis gegen dessen 
Mitte thätig war, hat sich durch seine Nachahmungen alter japanischer 
und chinesischer Töpferwaaren hervorgethau. Ihm dürfen wir auch gewisse 
mit Kenzan bezeichnete Stücke zuschreiben, die wohl im Stil dieses 



G3 Pr. J. Brinckmann. 

Meisters, aber doch in abweichender Technik hergestellt sind. Diese Stücke, 
zumeist grössere Kummen für Speisen von der Hachi genannten Art, sind 
von weisser, steingutartiger, nicht sehr harter Masse und mit ziemlich 
dicker hellgrauer Glasiu- überzogen. Die Malereien sind in der breiten, 
suggestiven Weise Kenzan's in Schwarz, schwärzlichem Blau und dunkelem 
Braun ausgeführt. Das Braun ist ähnlich wie bei den echten Stücken oft 
etwas eingesunken oder blasig rauh und unregelmässig röthlich oder 
schwarz gefleckt. Aus dem Blau sind Einzelheiten, wie die Adern der 
Blätter mit trockenem Stift so herausgehoben, dass die Grundfarbe frei 
liegt. Bisweilen sind auch lebhaftere Farben, Eoth und Blau in grösseren 
Flächen von kräftig dekorativer Wirkung angewendet, so z. B. zur Füllung 
der Umrisse von Blumen ohne weitere Einzelzeichnung. Bei einigen Stücken 
hat Dohachi der Wahrheit die Ehre gegeben. So bei einer länglichen 
Schale in der Sammlung des Herrn Dr. Ulex in Hamburg. Diese Schale 
ist innen und aussen mit grossen Rettigen, an denen kurze Blätterschöpfe 
sitzen, in Blau und Braun sehr kräftig bemalt; unter dem Boden steht 
mit grossen Schriftzügen Kenzan no mo Dohachi tsukuru, d. h. gearbeitet 
von Dohachi nach Kenzan. In anderen Fällen hat der Meister nur sein 
Vorbild genannt, sei es, dass er weniger ehrhch war, sei es, dass er der 
Kennerschaft seiner Landsleute vertraute und sich obendrein zu nennen 
für überflüssig hielt. 

Für eine zweite Gruppe unechter Kenzan's ist der Ursprung in der 
Makuzu -Werkstatt zu suchen, die auf europäischen Ausstellungen 
der letzten Jahrzehnte wiederholt mit seltsamen, der alten Ueberlieferung 
Japans hohnsprechenden grossen Arbeiten Aufsehen erregt hat, imd auf die 
viele der dem Abendlande als Meisterwerke alter Satsuma-Kunst bescheerten 
grossen, in Gold und bunten Schmelzfarben ghtzernden Schauvasen zurück- 
zuführen sind. In Paris hatte diese Werkstatt 1878, was Eein mit Recht 
als eine Geschmacksverirrung hervorhebt, grosse Vasen ausgestellt, um die 
sich in hohem Relief grosse verrostete Anker schlangen, auf denen kleine 
Teufelchen sassen, und andere Vasen, deren höckerige Oberfläche an eine 
mit breiigem und mit Kieselsteinen vermischtem Cement beworfene Wand 
erinnerte. Die Werkstatt befand sich früher in der Makuzu-ga-hara 
genannten Stadtgegend von Kioto. Der dort ansässig gewesene Töpfer 
Kozan, den Rein nach japanischer Aussprache nicht zutreffend Kayama 
nennt, siedelte zu Anfang der siebziger Jahre nach Ota bei Yokohama 
über und leitet dort seither eine grosse Werkstatt, für die er von seinem 
früheren Wohnsitz die Benennung Makuzu beibehielt. Dort hat er neuer- 
dings auch chinesische Porzellane mit Blau- und Rothmalerei imter 
Glasur erfolgreich nachgeahmt — zum Schaden mancher europäischen 
Sammler. Ehe er auf den Gedanken kam, Schaustücke für den 
europäischen Markt auszuführen, hat er seine Fähigkeiten in der Nach- 



Kenzan. G3 

alimung alter japanischer Waare, darunter auch derjenigen Kenzan's, 
bethätigt. Bisweilen nennt er sich auf solchen Stücken neben dem alten 
Künstler. Ein Chawan der hamburgischen Sammlung ist auf graubrauner, 
etwas sandiger Glasur bemalt mit einem schwarzbraunen, dick mit Schnee 
bepolsterten Mumestamm, dessen hie und da grünbetupfte Zweige dunkel- 
rothe, golden gefleckte Blüthen tragen. Unter dem Boden stehen gross 
in trocknem, weissem Rechteck die Schriftzeichen für Kenzan, am Gefässe 
in rother Schrift klein die Bezeichnung Makuzu Kozan. Dem offenen Be- 
kenntniss, dass die Waare eine Nachahmung sei, ist Kozan aber nicht 
immer treu geblieben. 

Eine dritte Gruppe von Töpferarbeiten, die aus dem Werke des alten 
Kenzan auszuscheiden sind, ist auf jenen von Franks erwähnten Kenzan 
Sandai zurückzuführen, der in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts 
in Kioto thätig war. In welchen Beziehungen dieser Kenzan ,, dritter 
Generation" zu dem Ogata Shinsei steht, bleibt noch aufzuklären; nirgend 
wird eines Sohnes oder Enkels dieses Meisters gedacht; nirgend erwähnt, 
dass sich der Künstlerstamm in Ermangelung leiblicher Nachkommen 
durch Adoption fortgepflanzt habe. Das mit Kenzan Sandai bezeichnete 
Stück der Sammlung Franks ist ein Wassergefäss von weissglasirter, mit 
mehrfarbigen Banken grob bemalter Töpferwaare; seine bauchige Form 
wird auf ostindische Gefässe zurückgeführt, die in Japan vorkommen sollen. 
Auch Wm. Anderson erwähnt in seinem grossen Werke ,,The pictorial 
arts of Japan" „Kenzan den Dritten", dem er merkwürdige Nachahmungen 
alter Delfter Fayencen, Oranda no ntsiishi genannt, zuschreibt. Bei dieser 
Waare, die in Japan keineswegs geschätzt werde, soUen europäische 
Zeichnungen mit Blaumalerei auf weisser Glasur kopirt sein. Wahr- 
scheinhch sind unter diesen Oranda no utsushi jene europäisch beeinflussten 
Gefässe zu verstehen, deren Blaumalerei weniger die freie Piuselführung 
der alten Delfter Fayencen, als die Blaudruckmuster des enghschen 
Steingutes durch punktirte und gestrichelte Blaumalerei wiederzugeben 
versuchen, eine ärmhehe Tüpfelei, die mit der Kunst des alten Kenzan 
nichts gemein hat. 

Als ein entschiedener Nachahmer des alten Kenzan begegnet uns aber 
gegen die Mitte unseres Jahrhunderts ein erst vor wenigen Jahren gestorbener 
Töpfer zu Tokio, der dem Namen seines berühmten Vorbildes nur das erste 
Schriftzeicheu für Ken — • Nordwesten — entlehnt, und statt des Zeichens 
für zan — Berg — dasjenige für ya angenommen hat, das bei flüchtiger 
Betrachtung mit jenem verwechselt werden kann. Mit seinem vollen 
Namen hiess er Miura Kenya; ausgezeichnet hat er sich durch Lack- 
arbeiten mit eingelegten klemen Relieffiguren von Thieren, Muscheln, 
Blumen aus Fayence in der Weise des älteren Ritsuo. Die Bezeichnung 
Ken nari soll sich an einer Kumme im Kensington-Museum finden, 



04 Ti'- -T- Brinekmann. 

die von gelblicher Masse, dick, grün glasii-t und mit grossen weissen, 
gelbgeäugteu Blumen bestreut ist. Franks bemerkt dazu, diese Kumme 
gleiche in der Ausführung durchaus den Arbeiten Kenzan's; auch die 
Marke gleiche derjenigen dieses Meisters. Er zweifelt daher, ob nicht 
ein Irrthum der japanischen Gewährsmänner vorliege, die dieses Stück 
dem Kenya zuschrieben. Ein Irrthum liegt allerdings vor, aber nur insofern, 
als die von Franks mitgetheilte Marke gar nicht Ken nari, sondern einfach 
Kenya gelesen werden muss. Wie so oft bei der Lesung von Künstler- 
namen ist hier nicht die japanische, sondern die chinesische Ansprache 
des zweiten Schriftzeichens richtig, die nicht „nari", sondern „ya" lautet. 
Ein länglicher rechteckiger Kuchenteller — Sara — der hamburgischen 
Sammlung aus gelblicher, dem Iriya-Kenzan ähnlicher Masse ist mit schwarzen 
Glycine-Ranken über bläulichen Wasserlinien in der Weise Kenzan's bemalt 
und Kenya bezeichnet. 

Das von Oueda Tokounosuke verfasste, von E. Deshayes, 
einem Konservator des Musee Guimet in Paris, unter dem Titel „La 
Ceramique japonaise" herausgegebene, unbedeutende Büchlein erwähnt als 
Zeitgenossen des Kenya noch zwei Töpfer, die sich Kenzan nannten, der 
eine Kenzan Yahei, der andere Kenzan Gorobei. Ueber die Werke beider 
erfahren wir aber nicht mehr, als dass sie zu den Uchi-yaki genannten 
Liebhaber-Erzeugnissen gehören, die man bei sich zu Hause anfertigen 
könne, ohne dass man dazu der Werkstatt eines Töpfers von Beruf 
bedürfe. Immerhin wird man auch dieser Töpfer sich erinnern müssen, 
wenn man ernstlich aufräumen will unter den Mengen verschiedener 
Waaren, die als Kenzan-yaki umlaufen. 

Von älterer Waare greifen in das Werk Kenzan's hinüber eigenthüm- 
liche Töpferarbeiten, welche oft die Bezeichnung Inuyama tragen. Bei 
diesem Worte ist das zweite Schriftzeichen gleich dem zweiten Zeichen im 
Worte Kenzan, nur dass es hier nach chinesischer Aussprache zan, dort 
nach japanischer yama, was beides Berg bedeutet, gelesen werden muss. 
Das erste Schriftzeichen Inu, zu Deutsch Hund, kann mit dem ersten im 
Namen Kenzan nicht verwechselt werden, es wäre denn, dass Jemand dieses 
Zeichen statt mit der richtigen japanischen Aussprache Inu, irriger 
Weise mit der chinesischen Aussprache lesen würde. Nach dieser würde 
es ebenfalls ,,Hund" bedeuten, aber Ken lauten. Inuyama könnte also 
Kenzan gelesen werden. Dieser Umstand hat umsomehr zu Irrthümern 
geführt, als in der That alte Stücke vorkommen, die nach richtiger Lesung 
mit Kenzan bezeichnet und, wenn wir Ninagawa folgen, als echte Werke 
Kenzan's anzusprechen sind, aber völhg in einer Weise dekorirt sind, die 
für die Inuyama-Waare landläufig geworden ist. Dies zu erklären bieten 
sich zwei Wege. Entweder haben die in der Provinz Owari im Dorfe 
Inakimura unweit des Schlosses von Inuyama betriebenen, und von diesem 



Kenzan. 65 

ihre Bezeichnung führenden Töpfereien in älterer oder neuerer Zeit ein 
von Kenzan geschaffenes Vorhild aufgenommen und als es sich gangbar 
erwies, fortgesetzt nachgeahmt. Oder dieselben Töpfereien haben gelegent- 
lich derartige, ohne ein Vorbild Kenzan's geschaffene Stücke mit dem 
Namen des alten Meisters bezeichnet. Folgen wir dem zweiten Wege, so 
muss Ninagawa sich geirrt und ein Stück Inuyama-yaki als Kenzan- 
yaki beschrieben und abgebildet haljen. 

Ninagawa selbst giebt uns einen Fingerzeig für die Entscheidung, 
indem er Owari-Erde in der „hellerden-farbigen", etwas „mäusefarbigen", 
d. h. grauen Masse des von ihm als Figur 30 abgebildeten Chawan ver- 
muthet. Er schreibt, dessen nicht sehr glänzende, nicht durchscheinende 
und ziemlich dicke Glasur sei „birnfarbig", weissUch angehaucht und weiss 
gesprenkelt. In der Abbildung erscheint die Farbe als ein lichtes Grau- 
braun mit hellerem Anflug; die Bezeichnung „birnfarbig" — nashiji — 
bezieht sich nicht so sehr auf die Farbe, als auf den Vergleich mit der 
gesprenkelten Haut der japaniscJien Birne, von der auch der Aventurinlack 
seine japanische Benennung trägt. Die Malerei, heisst es weiter, sei 
kastanienfarben, roth und hellgrün. Aus der Abbildung ersehen wir, dass 
ein blühender Kirschbaum und Ahornzweige in grüner und rother Frühlings- 
belaubung dargestellt sind. Es sind genau die Motive, welche uns auf 
unzähligen Gefässen mit der deutlichen Bezeichnung Ä?(?/flwia ^begegnen, 
und zwar in ebensolcher Ausführung: die Kirschblüthen locker getupft, 
weiss, roth und grün; das bläuliche Hellgrün der Ahornblätter in undurch- 
scheinender Schmelzfarbe dick aufliegend; ihr glänzendes Ziegelroth dünn 
aufgetragen; bei beiden Farben die Blattadern mit dem Stift vor dem 
Brande ausgekratzt; das Braun der Aeste fleckig, schwarzstrichlig, leicht 
eingesunken. Ausnahmsweise, bei sorgfältiger ausgeführten Stücken tritt 
noch Gold oder Silber hinzu, etwa in goldenen Ahornblättern oder silbernen 
Kii-schblüthen, so bei zwei Chawans der Sammlung Gonse. In technischer 
Hinsicht unterscheidet sich die Inuyama-Waare dieser Art von allen 
Arbeiten Kenzan's auf den ersten Blick durch die ausgiebige Verwendung 
des opaken blass blaugrünen Schmelzes. Die handwerksmässige Wieder- 
holung eines und desselben Motivs, wie sie uns hier begegnet, lag der 
auf Bethätigung seiner künstlerischen Eigenart gerichteten Weise Kenzan's 
durchaus fern. Waloi'scheinlich werden sämmtliche als Inuyama - Kenzan 
von den europäischen Sammlern angesprochenen Stücke aus dem Werke 
unseres Meisters ausgeschieden werden müssen, zugleich mit ihnen das 
von Ninagawa abgebildete Chawan. 

Nachdem wir diese zweifelhaften Kenzan's verschiedener Herkunft 
von dem Werke des Ogata Shinsei ausgesondert haben, verbleibt diesem 
noch eine Fülle manichfaltiger Erzeugnisse ; diese lassen sich nach den von 
Ninagawa angegebenen Merkmalen des Thonscherbens in Gruppen zusammen- 



66 Dr. J. Biinckmann. 

fassen, die zugleich der Thätigkeit des Künstlers zu verschiedenen Zeiten 
seines Lebens imd an verschiedenen Orten gerecht werden. 

Unter den älteren, von Kenzan in der Kaiserstadt Kioto oder deren 
Nähe angefertigten, als Kenzan-yaki, (d. li. von Kenzan gebrannte 
Erde), im engeren Sinne bezeichneten Töpferarbeiten sind je nach dem 
verarbeiteten Thon verschiedene Gruppen zu unterscheiden. 

Für die eine dieser Gruppen hat Kenzan Erde von Shigaraki ver- 
wendet, einer in der Provinz Omi belegenen Ortschaft, in der schon seit 
dem 14. Jahrhundert Töpferei betrieben sein soll. Im 16. und 17. Jahr- 
hundert nahm diese grossen Aufschwung durch die Herstellung von Gefässen 
für die Theetrinker. Der damals verarbeitete Thon ergab einen sehr 
harten und schweren, sandigen, im Bruche rauhen und weissen Scherben. 
Solchen Scherben zeigt das von Ninagawa als Figur 29 abgebildete Chawan. 
Auf seine „mäusefarbene", nicht gekrackte Glasur sind grosse, unterbrochene 
Flächen dicker weisser Glasur mit dem Pinsel aufgetragen, darüber in 
dunkelem Graubraun und schwärzlichem Blau Zweige der Kikio-Pflanze, 
einer der sieben typischen Blüthenptlanzen des Herbstes, mit ihren grossen 
sternförmigen Glockenblumen Hott hingestrichen. 

Sowohl hinsichtlich des Scherbens, 

wie der Bemalung gehört hieher das 

hier abgebildete Chawan. Ueber die 

durchscheinend graubraune, den unteren 

kj^wjft^Q^» ~£jFj^-i^w|g^ - ^ggga Theil derAussenfläche freilassende Glasur 

I s^^^ ^^^ V y ,^VH ist aussen und innen am oberen ßand 

'J'/> W''ö "^/,__iJ|jK».1^w eine unregelmässig vertheilte schmutzig- 

weisse Ueberglasur aufgetragen und auf 
diese in bläulichem und braunem Schwarz 
Chawan. graubraun, bemalt auf wisser ginc Vordergrund-Studic gemalt: iunge, 

Uberglasur mit wachsenden Kräutern ° ° » o i 

in bläulichem und braunem Schwarz. eben ihre Schnecken aufrollende odersclion 

Kenzan-yaki ; bez. Kenzan. ','2 nat. Gr. 

ihre Fiederblätter entfaltende Farren- 
wedel, Schachtelhalme und blühende Veilchen, alle so angeordnet, als 
entsprössen sie dem Eande der erdfarbenen, den Erdboden darstellenden 
Unterglasur. In diese Gruppe gehört auch unser schönes Hiire mit der 
chinesischen Winterlandschaft, das wir auf Seite 58 und 59 abgebildet 
haben. Sein Scherben und seine Bemalung entsprechen den von Ninagawa 
angegebenen Merkmalen. 

Für eine zweite Gruppe der von Kenzan in Kioto angefertigten Töpfer- 
arbeiten hat der Meister Erde von Zeze verwendet, einer luiweit des 
Omi-Sees belegenen Ortschaft, wo seit der Mitte des 17. Jahrhunderts die 
Töpferei im Dienste der Theetrinker schwunghaft betrieben wurde. Der aus 
Zeze-Erde gebrannte Scherben ist von feiner Masse und nicht sehr hart. Seine 
Farbe beschreibt Ninagawa bald als weisshch grau, bald als etwas grünlich. 





^L 



Ivenzäti. ß^ 

Ausser der Erde von Zeze hat Kenzan aber auch Erde von Awata 
verarbeitet, einem durch seine Töpferarbeiten berühmten District der Kaiser- 
stadt Kioto. Der gute Ruf, dessen die Awata-Waare sich bis in die jüngste 
Zeit bewahrt liat, wird auf den berühmtesten der japanischen Kunsttöpfer 
zurückgeführt, jenen Ninsei, der um die Mitte des 17. Jahrhunderts zu 
Awata Brennöfen anlegte und zuerst die gelbliche Glasur des dort gebrannten 
Steingutes mit Schmelzmalereien schmückte, in denen Smaragdgrün, opakes 
Blau und Vergoldung den Ton angeben. Ohne in die Geheimnisse japanischer 
Kennerschaft eingeweiht zu sein, können wir die Awata-Erde und die Zeze- 
Erde nicht mit Sicherheit unterscheiden. Wir müssen ims daher begnügen, 
zusammenzustellen, was von Kenzan's Arbeiten mit annähernder Sicherheit 
als in Kioto entstanden anzuspi'echen ist und in Japan als Kenzan-yaki 
im engeren Sinne betrachtet wird. 

Von Ninagawa werden den in Kioto entstandenen Werken Kenzan's 
auch gewisse Döschen für Räucherwerk zugewiesen, die zu dem Schönsten 
gehören, was aus des Meisters Hand hervorgegangen ist. Ein solches 
Kogo bildet Ninagawa unter No. 23 ab. Es ist flach und von unregelmässig 
gebuchtetem Grundriss. Die senkrechten Wände zeigen ein blaues Gitter- 
muster in weissem Grunde. Auf der Deckelfläche ist das Meeresgestade 
von Akashi dargestellt, nach einem in alten Utas gepriesenen Motiv, das als 
Aluishi-no-ura zum eisernen Bestände des Motivenvorrathes der Maler 
gehört. Strohbedeckte Häuser erheben sich hart am Ufer, an dem 
einige Barken vor Anker liegen; in der Ferne Schifi'e unter Segel. Die 
Farben der Abbildung stimmen nicht ganz zu der Beschreibvmg. Diese 
besagt, soweit sie klar ist, die Malerei sei in Dunkelblau und hellgrünlichem 
Grau ausgeführt. Die Innenflächen seien mit Nebeln in Blau bemalt. 
Die Masse sei „hell-eierfarben" und „hell-mäusefarben", fein, hart und 
schwer. Die Glasur, welche nur die Ränder frei lasse, sei ziemlich 
dick, glänzend, nicht durchscheinend. Die unregelmässige Grundform des 
Kogo solle auf die Gestalt einer Insel anspielen. 

Hierher gehören auch zwei Kogos der hamburgischen Sammlung, von 
denen das kleinere auf der dieser Studie beigegebenen Farbendrucktafel 
abgebildet ist. Auch dieses Kogo zeigt einen unregelmässigen Umriss, der 
hier offenbar an einen Berg erinnern soll. Die Innenflächen sind mit 
goldenen und blauen Nebelstreifen bemalt, die senkrechten Wände mit 
blauem Grundmuster aus Shippo- Motiven. Auf der Aussenseite des 
Deckels sind rothbeblätterte Ahornbäume am Ufer eines weissschäumenden 
Gebirgsbaches dargestellt; goldene Nebelstreifen ziehen durch die Landschaft. 
Die äussere Bodenfläche ist weiss glasirt und zeigt ausser dem blauen 
Namenszug des Künstlers drei kleine Trockenstellen, Spuren der Stützen, 
auf denen das Gefäss beim Brande stand. Dieses technische Merkmal 
findet sich auch an dem im Folgenden beschriebenen Kogo. 



GS Dr. .T. Brinckmann. 

Auch dies, voin Meister so reizvoll wiedei-gegebene Motiv ruft dem 
Japaner die Erinnerung an alte Dichtungen wach, in denen die herbstliche 
Farbenpi'acht der Ahornbäunie — Momiji — geschildert wird. Schon 
vor einem Jahrtausend hat der Dichter Narihira die Ahornbäume gepriesen, 
die, an den üt'ern des Tätsuta-gawa wachsend, die Wirbel dieses Flusses 
mit Blutstropfen besprengen. Und heute noch wallfahrtet man, wenn 
gegen Ende des Octobers die Ahornbäume in ihren herbsthchen Tinten 
erglühen, nach der zwischen Nara und Osaka belegenen Ortschaft Tatta, 
dem alten Tätsuta, das immer noch berühmt ist wegen seiner Ahornbäume. 
Ein anderer Dichter, dessen Verse ebenfalls in die im 13. Jahrhundert 
compilirte Sammlung der Utas von hundert Dichtern aufgenommen sind, 
spielt mit dem Doppelsinn des Wortes Nishiki, das ihm sowohl Herbst- 
farbenpracht bedeutet, wie das Stück bunten Seidenbrokates, das an dem 
bei gewissen Gebetsverrichtungen benutzten, Nusa genannten Stabe befestigt 
wird. Er meint, da er in der Eile vergessen habe, die Nusa mitzunehmen, 
würden die Momiji-Bäume am Tamuke-yama den Göttern ebenso wohl- 
gefällig sein, wie der Seidenbrokat der Nusa. 

Das grössere unserer Kogos soll wohl durch seinen unregelmässigen 
Umriss ebenso wie jene Akashino-ura-Dose an die Gestalt einer Insel 
erinnern. Die Unterseite, die Bemalung der Seitenwände und der Innen- 
flächen entspricht ganz der Ahorn-Dose. Oben auf dem Deckel wachsen 
über smaragdgrünem Vordergrund zwei der sieben Herbstptlanzen, Hagi- 
Büsche und Susuki-Gras; in den natürlichen Farben gemalte Wildgänse 
fliegen von goldenem Gewölk herab. Auch hier liegt wieder ein dem Maler 
vom Dichter dargebotenes Motiv zu Grunde. Jeder gebildete Japaner weiss 
das und erinnert sich beim Anblick des Gemäldes der alten Verse, die 
Kenzan dieses Mal nicht dabei geschrieben hat, wie auf dem Kuchenteller, 
den, wir auf S. 55 abgebildet haben, und wie auf dem Wassertopf mit den 
acht chinesischen Landschaften. Ein Vergleich der Bilder auf diesen Stücken 
zeigt, wie frei sich der Künstler zu dem ihm vom Dichter gegebenen Motiv 
verhielt, und wie er bei jeder neuen Gestaltung desselben aus der Natur- 
beobachtung neue Kraft schöpfte. Aber doch gab die Thatsache, dass der 
Dichter aus dem Alltagsleben ein Stück Natur emporgehoben hatte, diesem 
erst die wahre Weihe, die auch dem Maler zu Gute kam. 

Zwei, der letzterwähnten Dose sowohl dui'ch die reiche farbige Aus- 
führung, die Anwendung des durchscheinenden, smaragdgrünen Schmelzes 
und des matten Goldes für die Wolkengi'ünde verwandte Kogos gehören zu 
den Zierden der Sammlung des Herrn Louis Gonse in Paris. Auf dem 
Deckel der einen dieser Dosen wiegt sich neben dem Strohdache eines 
Bauernhauses ein Vögelchen auf schwankem Zweige ; auf dem Deckel der 
anderen watet ein grosser schnepfenartiger Stelzvogel durch ein Wässerlein. 
Man möchte hier frei aus der Natur geschöpfte Motive linden ; nach Allem 



Kenzan. 



f)9 



aber, was wir sonst über die Kunstrichtung wissen, der Kenzan angehörte, 
dürfen wir vermuthen, dass weitere Forschung auch zu diesen Biklern die 
dicliterischen Quellen nachweisen wird. 

Aus der i. J. 1891 in Paris versteigerten Sammlung Ph. Burty's ist 
das S. 40 abgebildete Kogo in die hamburgische Sammlung gelangt. Die 
ziegelrothe Masse scheint durch die dünne, farblose Glasur, die alle nicht 
mit Farbe gedeckten Flächen überzieht. Auf dem Deckel ist ein schwarz- 
brauner Mumezweig mit wenigen grossen weissen Blüthen in der Weise 
Korin's sehr tlott gemalt. Die senkrechten Wände sind auf weisser Glasur 
mit einem Netzmuster in blauer, stellenweise blasig aufgetriebener Schmelz- 
farbe verziert. 

Wieder von anderer, weisslich 
grauer Masse, die dem Awata- 
Scherben ähnlich, ist das hier 
abgebildete Kogo. Die Malereien 
der Aussentlächen scheinen etwas 
eingesunken in die stark glänzende, 
gelblichgraue Glasur. Auf dem 
Deckel sind in warmem, an den 
Rändern etwas ausgeflossenem 
Schwarzbraun und bläulichem 
Grau grossblüthige Stauden so 
flott gemalt, dass die Grenze fast 
erreicht ist, wo die Darstellung 
aufhört, verständlich zu sein. 
Man schwankt zwischen Chrysan- 
themum und Stockrosen, möchte 
aber in Erinnerung an andere 
Malereien des Meisters sich für 
letztere entscheiden. Im Gegen- 
satz zu dieser Aussenseite zeigt 
die Innenseite goldene Nebel- 
streifen vor wogenden Grashalmen, 
in rother, hellblauer und blass- 
grüner Schmelzfarbe auf das 
zarteste ausgeführt. Dergleichen 
kunst der Japaner beliebt. 

Zu dem in Kioto entstandenen Kenzan -yaki gehört von Stücken 
unserer Sammlung noch das auf S. 43 abgebildete Chawan. Der Künstler 
hat hier den in der Decorationskunst der Japaner häufig vorkommenden 
Mi-parti-Decor angewendet, indem er die Aussenfläche des Kümmchens durch 
einen gezackten Schrägscimitt in zwei Hälften zerlegte, von denen nur die 




KO|Xi hellgiiuc Masse gelblichgnu glasirt, aussen 

bemalt in (jraublau und Schwaizbrauu. innen mit 

bunten Schmelzfarben and Gold. Keuzan-yaki. 

'I, nat. Gr. 



Gegensatzwirkungeu sind in der Zier- 



70 l'*!'- •(• Brlnckmafill, 

eine mit jungen, zum Theil noch eingerollten Farrenwedeln in Grau und 
Schwarz auf hellgrauem Grunde bemalt, die andere mit smaragdgrüner, 
durchscheinender Ueberglasur überschmolzen ist. Diese grüne Ueberglasur 
zeigt auch ein Chadai-Untersatz für ein Theetässchen ; der breite, schalen- 
förmige Rand ist durchbrochen in Gesalt eines Mumebaumes, dessen grüne 
Zweige golden gehöht und dessen weisse, stellenweis röthhch betupfte Blüthen 
eine goldene sternförmige Andeutung der Staubfaden auf Flecken gelber 
Schmelzfarbe zeigen. Die Masse ist hart und weisslich grau, die nur unter 
dem F>oden sichtbare Unterglasur hellgi'au. 

Endlich ist hier noch der kleinsten aller aus Kenzan's Hand hervor- 
gegangenen Töpferarbeiten zu gedenken, eines Netsuke in Gestalt eines 
quadratischen Döschens von nur 17 mm Seitenlänge. Auf der Innenseite 
des Deckels hält die dicke harte schwarze Glasur eine kupferne Oese für 
die durch das Loch des Untertheiles zu ziehende Schnur, an der ein Jnro 
oder ein Tabacksbesteck hing. Auf der Aussenfläche des Deckels sind 
in hellgrauem Grunde in Braun und Blau Hängeweidenzweige und in Gold 
verstreute Kirschblüthen gemalt; auf den Rändern ein schwärzhches Linien- 
Muster, wie es auch an den Rändern der Kogos vorkommt. 

In Kioto müssen ferner die von Kinagawa Kenzan-Kuro, d. h. Schwarzer 
Kenzan, benannten Stücke entstanden sein, da diese dem dort seit der 
Periode Yeiroku (1558 — 69) angefertigten Raku-yaki verwandt sind. Die 
Masse der bei den Theetrinkern sehr beliebten Raku-Gefässe ist schwer und 
bröckelig. Sie werden nur mit der Hand ohne die Töpferscheibe geformt 
und einzeln gebrannt. In ihren Glasuren ist häufig ein tiefes glänzendes 
Schwarz oder ein leuchtendes Ziegelroth, jenes auch mit dunkelrothen 
Adern und Flammen, dieses mit gelben, grauen oder grünen Wolken. 
Weiss ausgesparte oder eingelegte skizzenhafte Zeichnungen treten bisweilen 
hinzu. Ein Chawan von Kenzan-Kuro ist unter No. 27 bei Ninagawa 
abgebildet, der den Scherben als hell mäusefarbig, die Glasur als ganz 
schwarz und nicht sehr glänzend beschreibt und sie dem Schwarz des schwarzen 
Seto-yaki vergleicht, wohl wegen der vertieften Pünktchen, die sich so deutlich 
wie hier, an dem schwarzen Raku nicht finden. Auf dem Fussrande dieses 
Chawan sind drei Trockenstellen in der die ganze untere Fläche und auch 
den Rand deckenden Glasur erkennbar, wie sie ähnlich sich Ijei der Raku- 
Waare finden und den kleinen Stützen aus gebranntem Thon entsprechen, 
auf denen diese Gefässe in den Ofen gestellt wurden, um das Anschmelzen 
zu verhindern. Verziert ist das Kümmchen mit wenigen grossen Mume- 
blüthen in grünlicher, etwas eingesunkener „Mäusefarbe". 

Wenn wir ein von Huish, S. 231, abgebildetes Chawan als einen 
echten Kenzan hinnehmen dürfen, hätte dieser auch rothe Raku-Waare 
angefertigt. Eine weisse Inschrift auf der irisirenden rothen Glasur soll 
besagen „Ein Schluck von diesem Thee, eine Berührung dieses Gefässes 
mit der Hand wird neues Leben bringen". 



Kenzau. 



71 



Zum Kenzaii-Kuro gehört auch das auf Seite 57 abgebildete flache 
Chawan mit der Mondsichel über Grashalmen, und schwarze Glasur trägt 
auch das eigenartige Dös- 
chen für Räucherwerk, 
das die nebenstehenden 
Abbildungen zeigen. Die 
sonderbare Gestalt findet 
ihre Erklärung in jener von 
den japanischen Künstlern 
auf das maniiichfachste 
verwertheten Dreiheit des 
Mondes, des Schnees und 
der Kirschblüthe. Bisweilen 
tritt an die Stelle einer 
dieser Vorstellungen eine 
andere, die mit ihr in der 
alten Dichtkunst oder den 
volksthümlichen Mythen 
verknüpft ist. So sehen 
wir anstatt des Mondes 
den Hasen, der nach 
japanischer Vorstellung in 
den Flecken des Mondes 
erkennbar ist und diesem 

p ,• • -Ri- ,1 1-1, Kogo, Kenzan-Kuro, nach dem Motiv Mond-Schnee-Blume. 

Uestirn m iUytlien geseilt Die dem Schnee entsprecheude Hälfte der Doi 

wird. An die Stelle des 
Schnees tritt oft die Kiefer, 
deren Schneepolster von 

den Dichtern besungen, von den Malern abgebildet werden; so häufig auch von 
Kenzan, u. A. auf der voii Huish S. 233 abgebildeten Kumme im Kensington- 
Museum. Der Mond wird bisweilen als Vollmond, gewöhnlich als Sichel 
abgebildet. Der Schnee erscheint nicht selten in den kristallinischen Formen, 
die in den bei uns fallenden Schneeflocken nur ausnahmsweise mit blossem 
Auge erkennbar sind, in Japan aber in den bei ruhiger Luft und gleich- 
massig gelindem Frost niederschwebeiiden Flocken ihre geometrischen 
Blüthen freigebiger entfalten. Häufig wird der Schnee durch ein Blumen- 
gebilde mit einem aus dem Sechseck construirten, wogigen Umriss angedeutet. 
Als Blume tritt regelmässig hinzu die Kirschblüthe, Sakura, die in Japan 
als die Blume schlechthin, Hana, geschätzt wird. Aus dieser Tsiiki-Yuki- 
Hana, d. h. Mond, Schnee, Blume, oder nach chinesischer Lesung aus 
Gründen des Wohlklanges Setsu-Getsn-Kua, d. h. Schnee, Mond, Blume 
genannten Dreiheit hat Kenzan das Motiv für dieses Kogo entnommen. 




grau, un- 

glasirt; die Kohleoliältte schwarz glasirt mit goldenen 

Streublumen. Im Innern der Mond silljern. das Susuki-Gras 

grün, blau, weiss, graugelb und rothbrann. Bez. Kenzan, 

Gr. Dm. 9 cm. 



7'3 t)e. J. Brinckmaiiti. 

Zur Linken sieht man die Schneeblume aus hellgi'auem unglasirtem Thon ; 
auf der oberen Fläche folgen zwei Silberlinien ihrem Umriss. Zur Rechten, 
in die Schneeblume hineingeschoben, ist ein Stück schwarzer Holzkohle 
nachgeahmt, die hier, weil sie Sakurazumi genannt und aus Kirschbaumholz 
gewonnen wird, die Hana vertritt. Diese Deutung wird durch goldene, auf 
der Deckelfläche verstreute Kirschblüthen bestätigt. Der dritte im Bunde, 
der Mond, erscheint uns im Innern auf der schwarzen Fläche der Höhlung 
des Kohlenstückes als silberner Vollmond hinter Halmen des Susuki-Grases, 
die in blauer, grüner, weisser, graugelber Schmelzfarbe und trocknem Braun- 
rotli sich über alle InnenHächen verbreiten. Diese Verbindung des vollen 
Mondes mit dem Susukigras (Eularia japonica), das, wie der Hagi-Strauch, 
zu den sieben klassischen Herbstpflanzen gehört, ist wieder ein der alten 
Dichtung entlehntes Motiv, das in folgender Uta niedergelegt ist: 

Kein Berg ragt emimr 

Für des Mondes Untergang 

Im Musashi-Feld; — 

TJeber Siisuki- Hahnen 

Sclnvebt hier u-eisses Mondgetvölk. 
Der Dichter, der sich des Verschwindens des Mondes hinter Berggipfeln 
erinnert, vermisst diese in der Ebene von Musashi ; er findet Ersatz in der 
Betrachtung des hinter den wogenden Susuki-Rispen am Horizont ver- 
schwindenden Gestirns. 

Zum Kio-yaki des Meisters gehören endlich gewisse Stücke, deren 
schwarzer Decor auf weissem Grunde auf den ersten Blick seinen Ursprung 
ausserhalb Japans verräth. Ninagawa bildet ein derartiges Chakinzutsu 
unter Nr. 26 ab und bemerkt dazu, der Decor sei chinesischen Ursprungs. 
Bing vermuthet für das in Gonse's grossem Werk S. 329 des zweiten Bandes 
abgebildete linsenförmige Kogo koreanischen Ursprung des Musters. Die 
schwarzen Malereien auf diesen und ähnlichen Stücken, u. a. einem viereckigen 
Hiire aus der ehemals Rudorff 'sehen Sammlung im Kestner- Museum zu 
Hannover, bestehen aus Pflanzen-Motiven, kurzen Stämmen, verstreuten 
Blumen und dicken Ranken, die, wie das in der chinesischen Zierkunst 
häufig vorkommt, den erkennbaren Zusammenhang mit der Natur eingebüsst 
haben und daher auch nicht zu poetischen Ideenverbindungen anregen. Das 
chinesisch Alterthümhche mochte dem Chajin dafür Ersatz bieten. Von 
eigenem Reiz ist bei den besseren Stücken die Farbe: der Grund dunkel 
elfenbeinfai'ben, gekrackt, glänzend; das Ornament in warmem Braunschwarz, 
das an den Rändern hie und da leicht ausgeflossen und eine innere Zeichnung 
trägt, die mit dem Trockenstift ausgehoben ist. Dieser alterthümhche 
Decor muss sich besonderer Beliebtheit erfreut haben, da sich seiner auch 
die Fälscher angenommen haben, selbst auf Porzellangefässen mit der nach- 
geahmten Signatur des Meisters. 



Kenzan. ^3 

Eine leicht erkennbare Gruppe der dem Kenzan zugeschriebenen 
Töpferarbeiten umfasst die in seiner späteren Lebenszeit nach seiner Ueber- 
siedeking nach Yedo angefertigten Stücke. Japanische Kenner bezeichnen 
diese als Iriya-Keman, von dem Dorfe Iriya, in dem der Künstler die 
letzten Jahrzehnte seines langen Lebens zugebracht hat. Im europäischen 
Kunsthandel hat sich für dieselbe Waare die Benennung Imado-Kenzan 
eingebürgert, von der Ortschaft Imado, die unweit von Iriya und wie dieses 
Dorf in der Nähe des die Ebene von Yedo bewässernden Sumida-gawa lag. 

Von allen übrigen Töpferabeiten des Meisters unterscheidet sich das 
Iriya-Kenzan durch die leichte, weissliche Masse von sehr geringer Häi-te, 
und die dünne, durchsichtige, etwas gelbliche oder granhche, gekrackte 
und meistens leicht bläulich irisirende Glasur, die nirgend den Scherben 
unbedeckt lässt. 

In den nach Art von Tuschskizzen einfarbig bräunlich-schwarz oder 
mit dünn aufgetragenen Farben ausgeführten Unterglasurmalereien des 
L'iya-Kenzan spricht sich der Stil des Meisters auf das Nachdrücklichste 
aus. Je älter er wurde, so scheint es, desto kühner wurde der Flug seines 
Pinsels, desto sicherer wusste er, mit ganz wenigen breiten Pinselstrichen 
ein ihm vorschwebendes Motiv auf die Fläche zu fegen. Da ihm für diese 
Art der Malerei die gekrümmten Flächen der kleinen Theekümmchen, die 
kleinen Flächen der Kogos zu enge Grenzen setzten, zog er in der späteren 
Zeit vor, seine Kunst an den flachen Kuchentellern, den Sara, zu üben. 
Diese haben gewöhnlich die Form einer nahezu quadratischen Platte mit 
niedrigen, senkrecht aufgerichteten Rändern; oder sie sind von länglich 
rechteckiger Gestalt, wobei in der Regel zwei von ihnen ein Paar bilden; 
oder sie gleichen zwei solchen an den Langseiten verwachsenen, jedoch etwas 
verschobenen Tellern ; ihre Bestimmung ist stets, zum Vorsetzen von Kuchen 
oder Süssigkeiten zu dienen. Der AVunsch, über grosse Flächen mit dem 
Pinsel hinfahren zu können, führte den Meister in seiner Spätzeit auch 
wohl dazu, kleine thönerne Setzschirme, Kenbio, herzustellen, wie sie 
gebraucht werden, um, hinter den Tuschstein gestellt, beim Anreiben der 
Tusche die Spritzer aufzufangen. Auch vierkantige Feuertöi)fe, Hiire, boten 
seinem Pinsel günstige Flächen. 

Zu dieser Gruppe der Iriya-Kenzan gehören aus der hamburgischen 
Sammlung der S. 49 abgebildete Kuchenteller mit der beschneiten, von 
rothblättrigem Weinlaub umrankten Hängeweide; der S. 55 abgebildete 
Kuchenteller mit den Wildgänsen in herbstlicher Landschaft und der S. 74 
abgebildete mit Zweigen des Hagistrauches (Lespedeza sp.). der mit seinen 
Fiederblättern und weissen oder violetten Schmetterhngsblumen als eine der 
„Aki-no-Nanahisa" , der „sieben Blüthenpflanzen", die im Spätsommer und 
Herbst die Waldblumenfelder schmücken, in der dekorativen Malerei der 
Japaner uns so häufig begegnet. 



74 



Dr. .1. Briiipkmann. 




Hierher ge- 
hört auch der 
von Ninaoawa 
im 4. Heft unter 
Xr. 3 1 ahge- 
biklete Doppel- 
teller, Muko- 
zuke, mit einer 
Tuschskizze der 

Ran-Pflanze, 
jener grasblätt- 
rigen Orchisart 
(Cjmhidiumsp.), 
deren konven- 
tionelle Darstel- 
lung dem her- 
könimlichenMo- 
tivenvorrath der 
chinesischen und 

japanischen 
Maler entuom- 
men ist. Hier- 
her ebenfalls der 
unter Nr. 32 abgebildete Teller mit den in Schwarz, Blau, Grün und 
Violett oder — wie Ninagawa schreil)t: ,.Glycinenfarbe" sehr breit gemalten 
Primeln. Beide Stücke weist Ninagawa ausdrücklich dem Iriya-Kenzan 
zu, was wir deswegen hervorheben, weil man sich in Pariser Sammlerkreisen 
gewöhnt hat, die Benennung Imado-Kenzan, die gleichbedeutend mit 
Iriya-Kenzan, auf die mit weisser, opaker, sehr leicht abblätternder 
Glasur überzogenen Stücke anzuwenden, während sie, wenn diese überhaupt 
ächte Kenzan's sind, nicht nur ihnen, sondern auch den durchsichtig 
glasirten Stücken aus hellem, weichem Scherben zukommt. 

Von der charakteristischen breiten Malweise Kenzan's auf allen diesen 
und auf zahlreichen verwandten Stücken im Musee Guimet und in den 
Sammlungen der Pariser Liebhaber unterscheiden sich durch eine abweichende 
Pinselführung gewisse Stücke, wie das auf S. 51 wiedergegebene Paar eines 
Satzes von fünf Tellerpaaren und mehr noch der auf S. 53 beschriebene 
Wassertopf mit den acht chinesischen Stimmungslandschaften, sowie der 
zugehörige auf Seite 54 erwähnte kleine Chakinzutsu. Bei den letzt- 
erwähnten zwei Stücken ist die Zeichnung auffallend spitzig, mager, 
und trocken, als wäre ihr einer jener Holzschnitte zu Grunde gelegt, wie 
wir sie in den Vorlagebüchern etwa des Morikuni und ihm verwandter 



Kuchenteller — Sara — lieinalt mit wnclisenden Hagi-Zweigen. Die 

Blätter braunschwarz und smaragdgrün, die Blüthen lila und blau. 

Iriya-Keuzan. Bez. Kenzan. '/i nat. Gr. 



Kenzan. 75 

Illustratoren vom Anfang des 18. Jahrhunderts finden. Sonst hat der 
Holzschnitt, der während der zweiten Lebenshälfte unseres Meisters sich 
rasch entwickelte, eine irgendwie merkliche Einwii-kung auf ihn nicht 
gehabt, ebensowenig wie Kenzan je in dieser Kunst sich versucht oder 
auf sie zu seinen Lebzeiten Einfluss geübt hat. Ob die Malereien 
der beiden fraglichen Stücke, die in Masse und Glasvn- genau dem zweifel- 
losen Iriya-Kenzan entsprechen und beide aus dem fünften Jahr der 
Periode Shötoku d. i. 1715 datü-t sind, in der That als originale 
Werke dem Pinsel Kenzan's entflossen sind, muss fraglich erscheinen, obwohl 
sie von Pai'iser Kennern ebenso wie die fünf Teller-Paare unserer Sammlung 
mit den Utaversen dem alten Meister zugesprochen wurden. Wenn sie 
seiner Hand entstammen, wäre damit ein Anhalt für die Zeit seiner 
Uebersiedelung von Kioto nach Yedo gewonnen. 

Dem Iriya-Kenzan stehen nahe und ihm zuzuweisen wären, wenn sie 
wirklich Arbeiten von der Hand des Meisters, gewisse grössere Gefässe, 
zumeist von Kummenform, mit durchbrochenen Wandungen. Ein typisches 
Stück dieser Art bildet S. Bing im ersten Bande seines in deutscher Ueber- 
setzung als „Japanischer Formenschatz" erschienenen Werkes „Le Japon 
artistique" auf Tafel lA ab. Die Kumme ist ganz aus wachsenden Narzissen 
gebildet, zwischen deren gxünen Blättern die weissen, gelbgeäugten Blüthen 
vertheilt sind. Die Zwischenräume der Blätter und Blüthen sind aus- 
geschnitten, so dass die Kumme einen korbartigen Eindruck macht. Man 
könnte zweifeln, ob Kenzan sich der mühseligen Arbeit des Ausschneidens 
aus dem noch weichen Thon unterziehen mochte, die eher eines Töpfers 
als eines Malei's Werk wäi'e. Lumerhin ist nicht zu verkennen, dass diese 
Stücke dem Stil des Meisters verwandt erscheinen. 

Worin der Einfluss bestanden hat, den nach dem oben angeführten 
Gewährsmann der Kokkua holländische Fayence auf den Meister geübt 
haben soll, geht aus den betrachteten Werken des Meisters nicht hervor. 
Dass der Gewährsmann den Kenzan Sandai mit dem Kenzan Shinsei zusammen- 
gewoi'fen und dabei die dem ersten zugewiesenen iN^achahmungen blau- 
bedruckten Steingutes im Sinne gehabt habe, dürfen wir ihm nicht zumuthen. 
L'gend ein Einfluss holländischer Fayencemalereien auf den Stil des Meisters 
ist ausgeschlossen. So kommen wir zur Vermuthung, jener Hinweis beziehe 
sich auf die Technik und dann kann er schwerlich anders verstanden werden, 
als dass Kenzan von den Holländern die weisse Zinnglasur ihrer Fayencen 
als Malgrund entlehnt habe. Die weisse Glasur der schönen Kogos der 
hamburgischen Sammlung verdankt, wie HeiT Dr. Glinzer durch ihre 
chemische Untersuchung festzustellen die Güte gehabt hat, ihre weisse Farbe 
nicht dem Zinnoxyd, das die Glasur der Delfter Fayencen weiss färbt, sondern 
dem Bleioxyd. Danach bleibt nur die Annahme, die weisse Glasur der 
von den Franzosen Imado- Kenzan genannten Waare sei auf holländische 



76 D''- J- Brinckmann. 

Anregung zurückzuführen. Sie unterscheidet sich dem Aussehen nach 
durchaus von der weissen Bleiglasiu- des älteren, in Kioto entstandenen 
Kenzan-yaki. Material, um durch chemische Untersuchung zu entscheiden, 
ob die Imado-Glasm- Zinn enthalte, stand uns nicht zu Gebote. An und 
für sich war es sehr wohl möglich, dass dem Meister, als er in Yedo lebte, 
Delfter Fayencen vor Augen kamen, ihre der japanischen Töpferkunst 
unbekannte weisse Glasur ilin reizte und die Anwendung des Ziunoxyds zu 
dieser ihm offenbar wurde. 

Wir haben schon hervorgehoben, dass Kenzan seine Kunst weder leiblichen 
Nachkommen noch einem Adoptivsohn vererbte. Von zwei durch ihre Werke 
bekannten Meistern wird aber berichtet, dass sie seine Schüler gewesen, von 
Banko Kichibei und von Ogawa Ritsuo. Dafür, dass Banko, der erste 
Verfertiger eines als Banko-yaki bekannten Steinzeuges, bei Kenzan gelernt 
habe, spricht Ninagawa's Autorität, dagegen die Angabe Shioda's im 
Franks'schen Katalog, wonach Kichibei schon in den fünfziger Jahren des 
17. Jahrhunderts getöpfert hätte. Keinenfalls hat der künstlerische Geist 
Kenzan's in Banko einen Nachfolger gefunden. Für die Beziehungen Ritsuo"s 
zu Kenzan tritt ein Gewährsmann der Zeitschrift Kokkua ein. ßitsuo 
war nur zwei Jahre jünger als Kenzan und hat diesen um \'ier Jahre 
überlebt. Hat er von ihm gelernt, so ist er in der Kunst doch seine 
eigenen Wege gegangen. Nur in dem technischen Verfahren der Töpferkunst 
mag Ritsuo von Kenzan gelernt haben, aber dies auch nur zu einer ihm 
ganz eigenen neuen Anwendung. Indem er allerlei kleine Gegenstände, 
Blumen, Geräthe, Thiere, bisweilen auch menschliche Figuren in flachem 
ReHef aus Thon bildete, mit Schmelzfarben bemalte und brannte, um sie 
den spiegelnden Flächen seiner Schwarzlacke einzufügen und mit Goldlack- 
malereien das Kunstwerk zu vollenden, schlug Ritsuo ein neues Verfahren 
ein, in dem ihm seither mancher jüngere Meister gefolgt ist, bis zu Kenya 
in unseren Tagen. Mit der impressionistischen Weise des Ogata Shinsei 
hat aber die sorgfältig durcligeführte des Ogawa Ritsuo nichts gemein. 
Ein hervorragendes Werk des letzteren ist aus der Sammlung Goncourt 
in das hamburgische Museum gelangt, jener Schreibkasten, in dessen 
schwarze Lackfläche ein grüner, an den Rändern gelbrother Taschenkrebs 
aus gebranntem Thon eingelegt ist. 

Ritsuo ist wie Kenzan zu allen Zeiten ein Vorbild für Nachalmier 
gewesen. Alle japanischen Künstler-, die es zu hohen Ansehen unter ihren 
Landsleuten gebracht haben, theilen dieses Schicksal. Dem Europäer, der 
sich nicht nur am schönen Schein der Dinge erfreuen, sondern die geschichtUche 
Wahrheit ergründen will, stellen sich aus diesem Grunde schwer überwindbare 
Hindernisse in den Weg. Nur mühsam wird uns gelingen, überall die Spreu 
vom Weizen zu sondern. Mit manchen Enttäuschungen über den Werth 
unseres Besitzes werden wir die Erkenntniss der Wahrheit erkaufen müssen. 



Kenzan. 



77 



Bezeichnimgen der Werke Kenzan's. 

Mannigfacli wie die Töpfer-Ai-beiten des Meisters sind auch die 
Bezeichnungen derselben. Die auf den Stücken unserer Saninihnig vor- 
kommenden geben wir im Folgenden wieder. Der einfache Namenszug aus 
den Schriftzeichen für Ke7i, d. i. Nordwest, und San, d. i. Berg, im Zu- 
sammenhang Keman gelesen, findet sich am häufigsten. 



So in Bhxu auf dem S. 68 beschriebenen 
Kojro mit den Hieseuden Wildffänsen. 



So in Schwarz auf einem blau eingefassten 
Felde der weiss glasirten Unterseite des S. 40 
abgebildeten Kogo von ziegelrother Masse. 






Kenzan. 



^ 



•«4 



Kenzan. 




Kenzan. 



So in Schwarz unter der smaragdgrünen 
Glasur der Unterseite des S. 43 abgebildeten 
Chawan mit wachsenden Farrenkräutern und 
smaragdgrüner Ueberglasur. 

So in Schwarz auf der unteren Wölbungs- 
riäche des S. 66 abgebildeten Chawan ; hier dazu 
noch das Zeichen für Sei d. h. Shinsei. 



So in Schwarz auf der grau glasirten 
Unterfläche eines Chadai, dessen breiter Rand 
aus durchbrochenen Mumezweigen gebildet ist. 



So in eingesunkenem, mattem, an den Rändern 
gelbbraun ausgelaufenem Schwarz in einem ein- 
geritzten, braunen Rechteck auf der grauglasirten 
Unterseite des S. 69 abgebildeten Kogo mit 
Stockrosen und Gräsern. 

So klein auf der Unterseite des S. 70 be- 
schi'iebenen kogo-förmigen Netsuke. 




Dr. J. Brinckniann. 



So ausgespart (gekratzt) aus der schwarz 
glasirten Untertläche des Holzkohlenstückes des 
S. 7 1 abgebildeten Kogos mit Mond, Schnee und 
Blume. 



Kenzan. 



Ebenfalls nur der Namenszug Keman findet sich in grossen, zusammen 
bis zu 14 cm hohen Schriftzeichen mit breitem Pinsel schwarz hingestrichen 
unter der durchscheinenden Glasur der unteren Bodenfiächen der Kuchen- 
teller mit der beschneiten Hängeweide und den blühenden Hagistauden, 
die S. 49 und S. 74 abgebildet sind. 

Bisweilen fügt der Meister den Schiiftzeichen seines Namens das 
Kakihan, d. h. „gescluiebener Stempel" genannte Handzeichen hinzu: 



*i 



O 



So in folgender Gestalt, jedoch mit allerlei 
Abweichungen, auch grösser und fetter, auf den 
zehn Kuchentellern von Irij'a-Kenzan, von denen 
ein Paar auf S. 51 abgebildet ist. 



In anderen Fällen fügt er dem Namen das Schriftzeichen für yegakn, 
d. h. ..malen" hinzu : 



So in hellem Grau ausgespart auf der 
unteren AVölbungsfläche des S. 57 abgebildeten 
Chawan von Kenzan-Kuro mit Mondsichel, Gras- 
halmen imd chinesischen Schiiftzeichen. 




Kenzan yeyuku. 



Kenzaii. 



79 



Ein ander Mal setzt der Meister dem Namenszug fiii' Keman noch 
denjenigen für Sei, die Abkürzung seines zweiten Namens Shinsei hüizu, 
und dazu noch das Wort sho, womit er ausdrückt, dass er die Verse 
selber geschrieben hat, an deren Schluss seine Signatur steht. 




So auf dem S. 55 abgebildeten Kuchenteller 
mit den Wildgänsen in der Herbstlandschaft. 
Diese Bezeichnung ist in Zusammenhang zu lesen 
Kenzan Sei sho-su d. h. geschrieben von Kenzan 
Shinsei. 



Die Bezeichnung Kenzan Sei findet sich auch in Schwarz unter der 
gelbgrauen, durchscheinenden Glasur der unteren Wölbungsfläche des 
S. 66 abgebildeten Chawan mit Farrenkräutern. 

Ein ander Mal lesen wir vor dem Namen Kenzan das Wort Fiiso, das 
ein poetischer Ausdruck der chinesischen Sprache für Japan, und hinter 
ihm das Wort fsnknni, d. h. arbeiten. 






So in trockenem Schwarz auf schwarz um- 
randetem, trockem weissem Felde der matten 
gelbhchen Bodenfläche des S. 58 und 59 abge- 
bildeten Feuertopfes aus harter Shigaraki-Erde 
mit chinesischer Schneelandschaft. 



Kenzatt 
tsuhiirii. 

Bezeichnvmgen der Entstehungszeit finden sich an zwei Stücken der 
Sammlung, auf dem S. 53 fi'. beschriebenen achtseitigen Wassertopf mit 
den acht chinesischen Landschaften und dem zugehörigen kleinen Chakinzutsu. 



80 



Dr. J. Brinckmann. 



An dem Topf findet sich auf der glasirten 
Unterseite des Bodens die nebenstehende Inschrift, 
die besagt: Kenzan Shinsei im fünften Jahre 
Shotoku d. i. 1715. 



I *■ 

Sliotoliu 
otsubi 
no toshi 
Kenzan 
Shinsei. 

Dieser Inschrift ist ein hier nicht wiedergegebener quadratischer rother 
Stempel, wie ihn Maler unter ihre Signaturen zu drücken pflegen, hinzu- 
gefügt. Die Schriftzeichen auf ihm besagen: Slioiko, d. h. Verehrer des 
Alten, einer der S. 34 erwähnten Pinselnamen des Meisters. Die Inschrift 
auf dem Chakinzutsu weicht etwas hiervon ab; in des Meisters Namen 
steht Sei für Shinsei, und hinzugefügt ist das Zeichen für go d. h. pinseln. 




Wiedergabe der Abbildung eines Kogos von Kenzan in Hoitsu's 
Kenzan-Iboku. (Schneelandschaft am Ueeresufer.) 



Kenzan. 81 



Schlussbetrachtungen. 

Der V^erfasser wünscht mit der vorstehenden Studie nicht nur kunst- 
geschichtliches Material zu bieten, sondern zugleich die Freunde, welche 
die Kunst Japans in Europa gewonnen hat, in das innere Leben dieser 
Kunstübung einzuführen, soweit dies durch die Betrachtung der Werke 
eines einzelnen Meisters und bei unserem noch unvollkommenen Wissen auf 
diesem Gebiete erreichbar ist. Je mehr unser Verständniss sich vertiefen 
wird für die in der bildenden Kunst Japans lebendigen Ueberlieferungen, 
für ihren innigen Zusammenhang mit der dichtenden Kunst, für den engen 
Anschluss ihrer Werke an die Anforderungen des Lebens, für den der 
Ueberladung abholden Geist der alten Meister, die den ästhetischen Genuss 
in der künstlerischen Ausgestaltung eines einfachen Motivs zu gewähren 
strebten, desto sicherer werden die gedankenleeren und geschmacklosen Nach- 
ahmungen japanischer Vorwürfe aus unserem Kunsthandwerk verschwinden, 
desto fi-uchtbringender aber wird auch das Studium japanischen Kunstschaffens 
sich unserem eigenen Kunstschaffen erweisen. Schon die Beobachtung, wie sie 
sich aus dem Werke Kenzan's ergiebt, dass ein japanischer Künstler von der 
Bedeutung und der Bewegungsfreiheit dieses alten Meisters auf allen Wegen 
seine Arbeit anknüpft nicht an überflüssiges Zierwerk, sondern an Gegenstände 
thatsächlichen Gebrauches, wird zum Nachdenken anregen. Unsere immer 
noch vorwiegend von dem wohlverdienten Ruhm des 1 S.Jahrhunderts zehrende 
offizielle keramische Kunst wird gut thun, an ihre Leistungen einen anderen 
Maassstab anzulegen, als sie bisher zu thun gewöhnt war, wenn ihr Ansehen 
von heute nicht dauernd verdunkelt werden soll von dem Lichte, das aus- 
strahlt von den keramischen Leistungen anderer Länder, die früher als 
Deutschland ihre Augen für das geöffnet haben, was Japans keramische 
Kunst uns lehren kann. Nicht minder aber werden die wenigen deutschen 
Künstler, die in den letzten Jahren neue Töpferkunst haben bieten wollen, 
allen Grund haben, in sich zu gehen und sich zu sagen, dass künstlerisches 
Schaffen nur festen Boden finden kann in beherrschter Kunsttechnik. 
Unseren jungen Malern vor Allem, die mit so grossem Eifer einer führenden 
Rolle im deutschen Kunstgewerbe zustreben, möge das gesagt und an's 
Herz gelegt sein, was auch in dieser Hinsicht die japanische Töpferkunst 
sie lehren kann, als deren einen Vertreter unter Vielen wir den alten Ogata 
Shinsei ihnen vorgefülu-t haben. 



82 I^i'- J- Briiickmann. 



Nachwort. 

Die in dieser Studie angefülu'ten em-oi)äischen und japanischen Bücher 
befinden sich sämmtlich in der Bibliothek des Hamburgischen Museums füi- 
Kunst und Gewerbe. 

Die Benutzung der japanischen Quellenwerke, insbesondere des 
„Kenzan-Iboku" von Hoitsu, des „Kuanko-Zusetsu" von Ninagawa und 
der Zeitschrift „Kokkua" ist mir durch die eifrige und verständnissvolle 
Mitarbeiterschaft des Herrn Shinkichi Hara, z. Zt. wissenschaftlichen 
HüLfsarbeiters am Museum, möglich geworden. Herrn Hara verdanke 
ich auch die Lesung der japanischen und chinesischen Inschriften, deren 
Uebertragungen ich in einer der ursprünglichen Versform möglichst 
genäherten Fassung versucht habe. 

Sämmthche abgebildeten Töpferarbeiten Keuzan's gehören der Sammlung 
des Museums, das die werthvollsten derselben aus Mitteln des der Anstalt 
von Herrn H. D. Haustedt hinterlassenen Vermächtnisses hat anschaffen 
können. 

Die dem Te.\te eingedruckten Abbildungen von Werken des Meisters 
beruhen auf Zeichnungen des Assistenten des Museums, Herrn Wilhelm 
Weimar. 

Die eingefügte Farbendrucktafel mit der Ahorndose ist von Fräulein 
Henriette Hahn nach japanischem Verfahren von Holzplatten, die 
Fräulein Hahn selbst geschnitten hat, mit dem ßeiber gedruckt. Für die 
Ansicht der Dose ist eine Darstellungsweise befolgt, wie sie bei der 
Wiedergabe ähnlicher Gegenstände, u. A. der auf S. 80 nach Hoitsu 
wiedergegebenen Dose früher in Jajian übUch gewesen ist. 



Kenzan. 83 



Inhalt. 



Seite 

Europäische Stimmen über Kenzan 25 

Japanische Stimmen über den Meister 31 

Kenzan und die Chajin 37 

Kenzan als Maler 45 

Kenzan und die Dichtkunst 50 

Kenzan als Töpfer 58 

Arten der Gefässe 58 

Keramische Kennerschaft 60 

Nachahmungen der Werke Kenzan's 61 

Dohachi 61 

Makuzu 62 

Kenzan Sandai 63 

Miura Kenya 63 

Inuyama-yaki 64 

Kenzan-yaki 66 

Kenzan-Kuro ■ ■ 70 

Iriya-Kenzan, Imado-Kenzan 73 

Schüler des Meisters 76 

Bezeichnungen der Werke Kenzan's 77 

Schlussbetrachtungen • 81 

Nachwort 82 

Inhalt 83 



VII. Jahrgang. 1889. 



ür, W. Micluielsen. Die Lumbricidcn NorddeutscU- 
lands. 13 S. 

Dr. W. Jlicliaelsen. Beschreibung dor von Herrn 
Dr. Franz Stuhlmann im Mimdungsgebiet 
des Sambesi gesammelten Tcrricolen. Anlmng; 

1. Diagno.sticierung einiger Terricolcn aus San- 
sibar und dem gegenüberliegenden Festlande. 

2. Chylustaschen bei Eudrilideu. 30 S. u. 4 Tafeln. 
Dr. W. Michaelsen. Oligochaeten des Naturhisto- 

rischcn Museums in Hamburg. III. 13 S. 
Dr. Georg PfeiTer. Die Fauna der Insel Jeretik, 
Port 'Wladimir, an der Murman- Küste. Nach den 



Sammlungen des Herrn Kapitän Hörn. 1. Teil: 
Die Reptilien, Amphibien, Fische, Mollusken, 
Brachiopoden, Krebse, l'antopoden und Eohino- 
dermen. Nebst einer anliäuglichen Bemerkung 
über die Insekten, 34 S. 

Dr. Georg Pfeffer. Die Bezeichnungen für die höheren 
sj'Stematischen Kategorien in der Zoologie. 10 S. 

Dr. Georg Pfeifer. Die WiudungsverhäUnisse der 
Schale von l'lanorbis. 16 S. und 1 Tafel. 

Dr. Georg Pfeffer. Über einen Dimorphismus bei 
den Weibchen der Portuniden. 8 S. und 2 Tafeln. 



VIII. Jahrgang. 1890, 
Dr. Johannes Petersen. Beiträge zur Petrographie 1 B. Walter, 

von Snlphur Island, Peel Island, Hachijo und Mi.ja- 

keshima. 58 S. mit 4 Abbildg. im Text u. 2 Taf. 
Prof. Dr. R. Sadebeck. Kritische Untersuchungen 

über die durch Taphrina-Arten hervorgebrachten 

liaumkrankheiten. 37 S. mit 5 Tafelu Abbildungen. 
Dr. O. Bnrchard. Beiträge und Berichtigungen zur 

Laubmoosflora der Umgegend von Hamburg. 2S S. 
Dr. C. Apstciii, Kiel. Zool. Institut. Die Alciopideu 

des Naturhistorischen Museums in Hamburg. 19 S. 

mit 1 Tafel. 
Prof. Dr. K. Kraepclin. Revision der Skorpione. 

1. Die Familie der Androctonid.ie. 144 S. mit 2 Taf. 
Dr. F. W. Klatt. Die von Dr. Fr. Stuhlmann und 

Dr. Fischer in Ostafrika gesammelten Compositen 

und Irideen. 4 S. 



Eine charakteristische Absorptiona- 
erscheinung des Diamanton. 5 S. mit 1 Tafel. 

B. Walter. Ueber das a-Monobromnaphtalin. 2 S. 

Dr. W. Micliiielsen. Oligochaeten des Naturhisto- 
rischeu Museums in Hamburg. IV. 42 S. und 
1 Tafel. 

Dr. Johannes Petersen. Der Boninit von Peel Island. 
Nachtrag zu den Beiträgen zur Petrographie von 
Sulphur Island u. s. w. 9 S. 

Dr. F. Wibel. Beiträge zur Geschichte, Etymologie 
und Technik des Wismuths und der Wismuth- 
Malerei. 25 S. 



IX. Jahrgang. 1891. 

Erste Hälfte. 



Dr. W. Mieliael.<eii. Beschreibung der von Herrn 

ür. Fr. Stuhlmaun auf Sansibar und dem gegen- 
überliegenden Festlande gesammelten Terricolen. 
Anhang: I. Uebersicht über die Teleudrilinen. II. 
Die Terricolen-Fauna Afi'ikas. 72 S. mit 4 Tafeln 
Abbildungen. 

Prof. Dr. Th. Noack in Braunschweig. Beiträge zur 
Kenntniss derSäugethier-Fauna von Ostafrika. 8SS. 
mit 2 Tafeln Abbildungen. 

Dr. Heinr. Lenz in Lübeck. Spinnen von Madagascar 
und Nossibe. 22 S. mit 2 Tafeln Abbildungen. 

Prof. Dr. A. Gerstiicker. Die von Herrn Dr. Fr- 
Stuhlmann in Ustafi'ika gesammelten Termiten, 
Odonaten und Neuropteren. 9 S. 



Dr. Cäsar Scliiiffer. Die CoUemboIen von Süd-Geor- 
gien nach der Ausbeute der deutschen Station 
von 1382/33. 9 S. mit 1 Tafel Abbildungen. 

Prof. Dr. R. Sadebeck. Die tropischen Nutzpflanzen 
Ostafrikas, ihre Anzucht und ihr ev. Plantagen- 
betrieb. Eine orientirende Mittheilnng über einige 
Aufgaben und Arbeiten des Hamburgischen Bo- 
tanischen Museums und Laboratoriums für Waaren- 
kunde. 26 S. 

C. W. Lüders. Ueber Wurfwaflen. 15 S. mit 15 Taf. 
Abbildungen. 

Dr. B. Walter. I. Ueber die lichtverzögernde Kraft 
gelöster Salzmoleküle. II. Ein Verfahren zur ge- 
nauercnBestimmung vonBrechungsexponenten. 35 S. 



IX. Jahrgang. 1891. 

Zweite Hälfte. 



Dr. G. Mielke. Anatomische und physiologische 
Beobachtungen an den Blättern einiger Eucalyptus- 
Arten. 27 S. mit l Tafel Abbildungen. 

Dr. W. Michaelsen. Beschreibung der von Herrn 
Dr. Fr. Stuhlmann am Victoria Nj'anza ge- 
sammelten Terricolen. 14 S. mit 1 Tafel Ab- 
bildungen. 

Dr. A. Gerstaecker. Bestimmung der von Herrn 
Dr. Fr. Stuhlmanu in Ostafrika gesammelten 
Hemiptera. 16 S. 

Dr. V. Linstow in Göttingen. Helminthen von Süd- 
Georgien. Nach der Ausbeute der Deutschen 
Station von 1882 — 1833. 19 S. mit 3 Tafeln 
Abbildungen. 



Dr. W. Fischer in Bergedorf. Uebersicht der von 
Herrn Dr. Fr. Stuhlmann auf Sansibar und 
an der gegenüberliegenden Festlandsküste ge- 
sammelten Uephyreen. 11 S. mit 1 Tafel. 

Dr. W. Michaelsen am Naturhistorischen Museum 
zu Hamburg. Polychaeten von Ceylon. 23 S. mit 
1 Tafel Abbildungen. 

Dr. F. W. Klatt. Die von Frau Amalia Dietrich 
für das frühere Museum Godeftroy in West- 
Australien gesammelten Compositen. 3 S. 

Dr. F. W. Klatt. Die von Herrn Dr. Fischer 1884 
und Herrn Dr. Fr. Stuhlmann 1883/89 in Ostafrika 
gesammelten Gräser. 4 S. 

Dr. F. W. Klatt. Die von Herrn E. Dhle in Estado 
de Sta. Catharina (Brasilien) gesammelten Com- 
positen. 5 S. 



X. Jahrgang. 1892. 
Erste Hälfte. 



I. Mittheilungen aus dem botanischen Museum. 

1. Dr. W. Fischer in Bergedorf. Weitere Beiträge zur 
.^.natoraie und Histologie des Sipunculus iiulicus 
Peters. 12 S. mit 1 Tafel. 

2. F. Koeuike in Bremen. Die von Herrn Dr. F. S tuhl - 
mann in Ostafrika gesammelten Hydrachniden des 
Hamburger Naturhistorischeu Museums. 55 S. mit 

3 Tafeln. 
II. Beiheft in 4" mit einer Karte. 2 Texlfiguren und 7 Tafeln: 



3. Dr. Georg Pfeffer. Ostafrikanische Reptilien und 
Amphibien, gesammelt von Herrn Dr. Fr. Stuhl 



ann im Jahre 1888 und 1889. 37 S. mit 2 Tafeln 
Abbildungen. 

Dr. Anton Reiclienow. Die von Herrn Dr. Fr. 
Stuhlmann in Ostafrika gesammelten Vogel. 

27 S. 

A. Toller. Das Grundwasser in Hamburg. I. Heft. 



X. Jahrgang. 1892 
Zweite Hälfte. 
A. Mitlheilungen aus dem botanischen Museum. 

Pi-of. Dr. K. Sadebeck. Die p:iiusitischeii Exoasceen. 
Eine Monugraphie. 110 S. mit liiei Doiiiiel-Tafelii. 
Dr. r. Brick. ÜberXectriaoiuiiabariiia(Tode)Fr. 14 S. 
Dr. F. W. Klntt. Bericht isungen zu einigen von 
C. G. Pringle in Mexiko ge.saiumelten Com- 
po.siten. 4 S. 



B. Miltheilungen aus dem naturhistorischen Museum. 

. Dr. Georg PfelTer. Ostafrikani.sche Fische, g.? 
sammelt von Herrn Dr. F. St. ulilinann im Juliri 
181-8 unil 1889. 49 S. mit 3 Talein. 



Franz Friolr. Kolil in \\ i( u. llyniennpsereii von 

llenn Hr. Fr S( iiblniann in Ost-.\frika gesammelt. 

i:; s. mit 1 Tafel. 

Mr. (in.stav Slayr. Fnrmieiilen von Herrn Dr. Fr. 

.St 11 hl mann in 0,st-.\frika gesammelt. 9 S. 

V. V. Köder, Hoyni in .\nhalt. Dijileren von Herrn 

Dr. Fr. .Stuhlraann in (lst-.\lVika gesammelt. 4 S. 

Dr. Arnold Pagensteclier in Wiesbaden. Lepidop- 

teren. •resammelt in Ost-Afrika ISSS 89 ven Dr. Franz 

St Hill mann, hfi S. 

IM. .MexanderTornquistin Stras.sbarg. Fragmente 

einiT ti-\f.jrdfaiina von Jltaru in Deutseh-Ostafrika, 

iiarli dem voll Dr. S t ii b 1 ni an n gesammeltenMaterial. 

\iü S. mit S Tafeln. 



C. Prof. Dr. Adolf iFoliln-ill. Hamburg während der Pestjahre 1712— 1714. 118 S. 

XI. Jahrgang. 1893. 
Dr. -T. .T. Iteiiiclr. Die Cholera in Hamburg und 
ihre Beziehungen zum Wasser. li>2 .Seiten mit 
b Abbildungen im Text und 7 Tafeln. 



B. Mittheilung aus dem Museum für Völkerkunle. 
Uermaiiii. Strcbel. Die Stein-Sculiituren von .Santa 



C. Mittheilung aus dem Chemischen Staats-Laboratorium. 
M. Dennstedt und C. .Miren.s. leber das Hamburger 
Leuchtgas. XI Seiten. 



Hierzu 1) ein Beiheft in S° mit 3 Tafeln: K. Kraepelin. Revision der Scorpione. II. Scorpioiiidae und Bothriuridae; 
2) ein Beiheft in 4" mit 3 Tafeln: .4. V'oKec. Das Grundwasser in Hamburg. 2. Heft. 

XII. Jahrgang. 1894. 
A. Mittheilungen der Sternwarte. 

1. Prof. G. Küiuker. Po.sitionsbestimmungen von Xebel- 
Hecken nnd Sternhaufen. Ausgeführt auf der Ham- 
l)urger Sternwarte in den Jahren 1871—1880. 62 S. 

2. Dr. Carl Steelicrt. Bahnbestimmung des Planeten 
(258) Xyehe. 41 Seiten. 



B. Mittheilungen aus dem Physikalischen 
Staats-Laboratorium. 
A. Voller. Photographisehe Regisirirnng von 
Störungen magnetischer und elektrischer Mess- 
jnstrumente durch elektrische Strassenbahnströrae, 
und deren Verhütung. Mit einer Plauskizze und 
zwei Curventafeln. 13 Seiten. 
A. Voller. Versuche über die Schutzwirkung 
von Holzleisten und Stanniol-Sicherungen gegen 

Hierzu 1) ein Beiheft in 8°, enthaltend: 



den Eintritt hochgespannter Ströme in Schwach- 
strum-Leituugen bei Berührung mit elektrischen 
Strassenbahn-Leitungen. 12 Seiten. 

C. Mittheilung aus dem Chemischen Staats-Laboratorium. 

JI. Dennstedt & C Ahrcns. Wie ist das Verhält- 
nis der Schwetligeu zur Schwefelsäure in den 
Verbrennungsproducten des Leuchtgases? 11 Seiten 
mit einer Tafel. 



D. Dr. Emil Wulilniii: Galilei betreifende Handschriften 
der Hamburger Städtbibliothek. 77 Seiten. 

E. Dr. KnrI Hagen. Holsteinische Hängegelässfunde 
der Sammlung vorgeschichtlicher Altertümer zu Ham- 
burg. 18 Seiten mit r, Abliibluiigen im Tkki und 
4 Tafeln. 



1. Dr. V. Varia: Die von Hemi Dr. F. Stuhlmann gesammelten Susswasser-Ostracodeu 
Zanzibar's. Mit 52 Abbildungen im Texte. 2. W. Bnseiilierii und Dr. H. Lenz: Ost- 
afrikanische Spinnen, gesammelt von Herrn Dr. F. Stuhlmann in den Jahren isss und 1889. 
Mit 2 Tafeln. 3. Prof. Dr. P. Krämer: l'eber zwei von Herrn Dr. F. Stuhlmann in 
Ostafrika gesammelte Gamasiden. Mit 1 Tafel. 4. A. D. Jlirliael: Ueber die auf Süd- 
Georgien von der deutscheu Station lS-3— 1883 gesammelten Oribatiden. Jlit 1 Abbildung im 
Texte. 5. Prof. Dr. K. Kraepelin: Nachtrag zu Theil I der Kevisiun der Scorpione. 0. Prof. 
Dr. R. Latzel: Myriopoden aus der Umgebung Hamburgs. Mit 2 -Abbildungen im Texte. 
7. Prof. Dr. R. Latzel: Beitrüge zur Kenntnis der Myriopodenfauna von .Madeira, den 
Seivages und den Canarischen Inseln. Mit 5 -Abbildungen im Texte. 8. H. A. Poppe und 
A. Mräzek: Entomostraken des Naturhistorischen Museums in Hamburg; 1. Die von Heri-n 
Dr. F. Stuhlmann aufZanzibar und dein gegenüberliegenden Festiande gesammelten Süss- 
wasser-Copepoden. Mit 2 Tafeln. 2. Entomostraken von Süd -Georgien. Mit 1 Tafel. 
3. Die von Herrn Dr. H. Driesch auf Ceylon gesammelten Süsswasser-Entomostraken. 
Mit 1 Tafel. 
2) ein Beiheft in 4» mit 9 Tafeln: .1. YulUr. Das Grundwasser in Hamburg. 3. Heft. 



, 1895. 

C. Mittheilung aus dem Physikalischen Staats- 
Laboratorium. 

A. Voller. Mittheilungen über einige im Physika!. 
Staats -Laboratorium ausgeführte Versuche mit 
Röntgenstrahlen. 17 Seiten mit 7 Tafeln. 



XIII. Jahrgang, 

A. Prof. Or. Adolf Wühl will: Zur Geschichte des 
Gottorper Vergleichs vom 27. Mai 1768. 42 Seiten. 

B. Mittheilung aus dem Museum fUr Kunst und Gewerbe. 
Dr. Jnstns Brinckmann. Beiträge zur Geschichte 
der Töpferkunst iu Deutschland (1. Königsberg in 
Preussen, 2. Durlach in Baden), 35 Seiten. | 

Hierzu ll ein Beiheft in 8°, entlialtend: 

1. Prüf. Dr. C. Chun: Beiträge zur Kenntniss ostafrikanischer Medusen und Siphonophorea 
nach den Sammlungen Dr. Stuhlmanns. Mit 3 -Abbildungen im Texte und 1 Tafel. 

2. Dr. Graf Alterns: Beschreibung der von Dr. Stuhl mann in Ostafrika gesammelten 
Myriopoden. Mit 1 Tafel. Dr. G. Pfeffer: Ostafrikanische Echiniden, Ästenden und 
Ophiuriden, gesammelt von Herrn Dr. F. Stuhl mann im .Tahre ISSS und 1889. Prof. Dr. 
K. Lampert: Die von Dr. Stuhlmann in dc>n Jahren 188S und 1889 an der Ostküste -Afrikas 
gesammelten Holothurien. Mit 4 Abbildungen im Texte, lir. ile Man: Ueber neue und 
wenig bekannte Brachyureu des Hamburger und Pariser Museums. Mit 3 Tafeln. Prof. Dr. 
K. Kraepelin: Neue und wenig bekannte Scorpione. Mit 1 Tafel. Dr. C. Schäffer: Die 
Collembola der Umgebung von Hamburg und benachbarter Gebiete. Mit 4 Tafeln. Prof. Dr. 
K. Kraepelin: Phalangiden aus der Umgebung Hamburgs. 

2) ein Beiheft in 4" mit C Tafeln: A. Voller. Das Gruudwasser in Hamburg: 4. Heft. 



Gedruckt bei Lfitckjji .Wulff, E. H. Senats Buchdruckern. 



, Cj. XL. OCUUkä oui;! 



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