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Full text of "Jahrbuch der praktischen Medizin: Kritischer Jahresbericht für die Fortbildung der praktischen ..."

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JAHRBUCH 

DER 

PRAKTISCHEN MEDIZIN. 

EfilTISGHEB JAHBESBEBICHT 
FÜB DIE FOBTBILDTJNG DEB PBAKTISCHEN ÄBZTE. 

UNTER MITWIRKUNG VON 

Prof. Dr. Gramer in Oötüngen, Prof. Dr. A. Dennig In Stnttgurt, Oeh. Medlzbulrat Prof. 
Dr. F ür bringer In Berlin, Prof. Dr. GUx In Abbasla, Prof. Dr.E. arawitz In Oharlotten- 
borg. Medizlnalrat Prof. Dr. anmpreoht In Weimar, Prof. Dr. Hei na In Erlangen, Prof. 
Dr. W. HIB in Baiel, Prof. Dr. HochhauB in Köln, Geh. Medislnalrat Prof. Dr. Hoffa in 
Berlin, Prof. Dr. Horstmann In Berlin, Prof. Dr. Hneppe in Prag, Prof. Dr. Jadaasohn 
in Bern, Prot Dr. A. Jnraaa in Heidelberg, Privatdosent Dr. Klein in Straßbnrg i. E., Prof. 
Dr. Lorenz in Graz, Privatdozent Dr. H. Nenmann in Berlin, Prof. Dr. Redlich in Wien, 
Prof. Dr. Bibbert in Göttingen, Geh« Sanitfttarat Dr. Sohwabaoh in Berlin, Prof. Dr. 
H. Yierordt in Tübingen, Privatdozent Dr. Wagner in Leipzig, Prof. Dr. ZIemke in Halle 

HERAUSGEGEBEN VON 

Prof. Br. J. SCHWALBE 

IN BERLIN. 



Jahrgang 1904. 



wm^ 



STUTTGART. 

VERLAG VON FERDINAND ENEE. 
1904. 



Druck der Union Dentsohe YerlagsgesellBchaft in Stnttgart. 






Vorwort. 



Durch die dankenswerte Unterstützung meiner Mitarbeiter 
bin ich in den Stand gesetzt, den diesjährigen Band recht früh- 
zeitig herauszugeben. 

Die Form der Berichterstattung ist die alte geblieben. 

Das Referat über die Krankheiten der Ereislaufsorgane hat 
diesmal Herr Prof. Dr. Denn ig in Stuttgart, das Referat über 
die Krankheiten der Yerdauungsorgane Herr Prof. Dr. Lorenz, 
Direktor der medizinischen Klinik in Gfraz, erstattet. 

Berlin, den 80. April 1904. 

Julius Schwalbe. 



// 



Inhalt. 



Seite 
I« ülremeine Patliologie undpatliologiselie Anatomie (ein- 
seUlefiL Bakteriologie), von Prof. Dr. Hngo Bibbert, 

Direktor des pathologisch-anatomischen Institats in GOttingen 1—19 

Bakteriologie. Tierische Parasiten 1—8 

AUffemeine Pathologie 8—18 

Paüiologische Anatomie der einzelnen Organ- 

Systeme 14—17 

Literatur 17—19 

n. Allgemeine Tkerapie 20—118 

1, Pharmakotherapie. Von Prof. Dr. R. Heinz in Er- 

langen 20—51 

Literatur 48—51 

2, Diätetik, Von Med.-Bat Prof. Dr. F. Gumprecht in 
Weimar 52—56 

Allgemeines 52—54 

Einzelne Nahrungsmittel und Nahrungsformen . 54—56 

Literatur 56 

3, Klifnatotherapie, Pneumatoiherapief Hudrotherapie, Bah 
neoiherapie. Von k. k. Reg.-Rat Prof. Dr. J. Glax in 
Abbazia 57-74 

Klimatotherapie 57—61 

Pneumatotherapie 61—62 

Hydrotherapie 62—65 

Balneotherapie 65—70 

Literatur 70—74 

4, Orthopädie, Kineaiotherapie, Von Geh. Medizinalrat 

Prof. Dr. A. Hoffa in Berlin 75—102 

Allgemeines 75—86 

Spezielle Orthopädie 86—96 

Literatur 96—102 

5, Krankenpflege. Von Med.-Bat Prof. Dr. Gumprecht 

in Weimar 108—118 

Allgemeines 108—106 

Apparate und Verfahren 107—111 

Tnmsport und Lagerung 111—112 

Literatur 112—118 



VI Inhalt 

Seite 

III« Speslelle Pathologie und Therapie 114-~465 

1, Innere Medizin 114-305 

a) Krankheiten des NervenaystemB. Von Prof. 

Dr. B. Redlich in Wien 114—187 

AllgemeineB 114—116 

Gehirn 116—122 

Rackenmark 122—128 

Peripherische Nerven 128—129 

Neurosen 129—184 

Literatur 184—187 

b) Psychiatrie. Von Prof. Dr. A. Gramer, Direktor 
der psychiatrischen Klinik und Poliklinik fOr psy- 

chisdie und Nervenkranke in Oöttmgen .... 188—151 

Literatur 149—151 

c) Krankheiten der Atmungsorgane. Von Prof. 
Dr. Hochhaus, Oberant an den städtischen Kranken- 
anstalten in Köln 152—178 

Literatur 175—178 

d) Krankheiten derKreislaufsorgane. Von Prof. 

Dr. A. Dennig in Stuttgart 179—198 

Herz und Herzbeutel 179—191 

GeÄße 191—194 

Literatur 194—198 

e) Krankheiten der Verdauungsorgane. Von 
Prof. Dr. Lorenz, Vorstand der medizinischen 

Klinik in Graz 199—242 

Oesophagus 199—202 

Magen 202—215 

Darm 215—224 

Peritoneum 224—225 

Leber 225—281 

Pankreas 281—238 

Literatur 233—242 

f) Krankheiten der Harnorgane. Von Geh. Med.- 
Rat Prof. Dr. Ffirbringer und Dr. H. Stettiner 

in Berlin 248—265 

Nierenkrankheiten 243—259 

Krankheiten der unteren Hamwege 259—260 

Literatur 260—265 

g) Akute allgemeine Infektionskrankheiten 
und Zoonosen. Von o. Honorarprofessor Dr. H e r- 

mann Yierordt in T&bingen 266—281 

Lifektionskrankheiten 266—278 

Zoonosen 278—279 

Literatur 279—281 



Inhalt vn 

Seite 
h) Stoffwechselkrankheiten. Von Prof. Dr. Wil- 
helm Eis, Direktor der medizinischen Klinik in 

Basel, nnd Dr. Falta, Assistenten der Klinik . . 282—295 

Fettsucht 282 

Diabete 282—291 

Diabetes insipidns 292 

Gicht 292—294 

Literatur 294—295 

i) Krankheiten des Blutes. Von Prof. Dr. E. Gra- 
witz» dirig. Arzt der inneren Abteilung des Neuen 

städtischen Krankenhauses in Gharlottenburg . . 296—805 

Literatur 805 

2. Chirurgie (einschließl. der Unfalls- und Kriegschirurgie). 
Von Dr. Paul Wagner, Pri^atdozent an der ümver^ 

sit&t Leipzig 806—887 

Allgemeine Chirurgie 806—815 

Spezielle Chirurgie 815—881 

Kopf 815—817 

Brust 817—819 

Bauch 819—828 

Extremitäten 828—881 

Literatur 881—887 

3. OeburUhüfe und Gynäkologie. Von Privatdozent Dr. 
J. Klein, Lehrer an der Hebammenschule in Straß- 

turg i. E 888—875 

Geburtshilfe 888—851 

Allgemeines 888—889 

Schwangerschaft 840—348 

Geburt 843—348 

Wochenbett 848—850 

Neugeborene 850—851 

Gynäkologie 851—361 

Allgemeine Pathologie und Therapie .... 851—854 

Aeußere Geschlechtsorgane 354 

Scheide 854—855 

Mutterhals 855 

Gebärmutter 855—859 

Eierstock 859—860 

Tube 860 

Bauchfell, Bauchwand, Beckenbindegewebe . . 860—861 

Hamwege 861 

Literatur 861—875 

4. Augenkrankheiten. Von Prof. Dr. Horstmann in 

Berlin 876—892 

Literatur 890 — 892 

6. Ohrenkrankheiten. Von Geh. 8an.-Rat Dr. Schwab ach 

in Berlin 893—408 

Literatur 401—408 



r 



VTTT Inhalt 

Seite 

6. KramkhmUn der Nai€, de$ Natmtra^imnamHea , de$ 
Mundes, des Backens, des KMkapfes und der Luß- 

rgkre. Von Ftof. Dr. A. JurftSE in Heidelberg . . 404—415 

AUgemeinee 404—406 

Naae und Nasenradienraiim 407—409 

Mund und Radien 409—410 

Kehlkopf und LnftrShre 410—414 

Literatur 414—415 

7. Haut- und venerische Krankheiten. Von Prof. Dr. Jadaa- 
Bohn, Direktor der Klinik ffjac Haut- und venerische 
Krankheiten in Bern 416—447 

Hautkrankheiten 416—426 

Venerische Krankheiten 426—441 

Prophylaxe 426-427 

Gonorrhoe 427—481 

Syphilis 431—441 

Ulcus moUe 441 

Literatur 441—447 

8. Kinderkrankheiten. Von Privatdoient Dr. H. Neu- 
mann in Berlin 448—465 

Physioloffie 448—458 

Künstliche Ernfthrni^ . . . . 453—456 

Krankheiten der Neugeborenen 456 — 457 

YerdauunrntOrun^en 457 

LifektionsKnmkheiten 457—460 

Nervenkrankheiten 460—462 

Nierenkrankheiten 462-468 

Konstitutionelle Krankheiten 468—464 

Syphilis 464 

Literatur 464—465 

IT. AentUehe SaehvenUndlgeiitttigkeit. Von Prof. Dr. 

Ernst Ziemke in Halle a. 8 466—499 

Literatur 496—499 

y. OeffentllelieB Sanitiisiresen. Von Prof. Dr. F. Hneppe, 

Direktor des Hygienischen Instituts in Prag 500 — 523 

Boden und Wasser 500—506 

Luft und Klima 506—509 

Em&hrung 509—513 

Heilung, Ventilation, Beleuchtung 513 — 515 

Infektionskrankheiten 515 — 520 

Literatur 520—523 

Register 524-582 



Allgemeine Pathologie und patMogische Anatomie 

(einschließlich Bakteriologie). 

Yen Prof. Dr. Hugo Bibbert^ Direktor des pathologisch-anatomischen 
Instituts in Göttingen. 

Ueber das Vorkommen von Bakterien im normalen Körper 
liegen dieses Mal bemerkenswerte Untersuchungen nicht vor. Für 
die Ausscheidung durch die Nieren ist dagegen die Unter- 
suchung von W. Nötzel von Interesse. Er fand, daß die Bakterien 
in der ersten Zeit nach der Einverleibung im Harn nicht zu finden 
sind, daß sie also durch die unverletzte Niere nicht hindurchgehen. 
— Für die Biologie der Bakterien sind die von G. W. Chlopin 
und G. T am man angestellten Versuche von Interesse, aus denen 
hervorgeht, daß man virulente Bakterien durch hohen konstanten 
Druck (2000—3000 kg) lähmen und in ihrer Virulenz herabsetzen 
kann. Die so erzielte Abschwächung könne vielleicht zu Schutz- 
impfungen verwendet werden. Erwähnung verdient femer eine Be- 
obachtung von B. Kraus, derzufolge Bakterien, in seinem Falle 
ein dem Cholerabazillus ähnlicher Vibrio, Gifte bilden können, welche 
Tiere nach Art des Schlangengiftes in lO—SO Minuten zu töten ver- 
mögen. — Die Verhältnisse der tierischen Disposition erfahren 
eine Ergänzung durch die folgenden Beobachtungen. Bossi prüfte 
die Empfänglichkeit trächtiger Tiere und fand, daß im Beginn 
der Schwangerschaft eine Verschiedenheit gegenüber der Norm nicht 
hervortritt, daß aber mit der Dauer der Trächtigkeit die Disposition 
erheblich ansteigt. An akuten Infektionen gingen viel mehr trächtige 
als normale Tiere zu Grunde. Auch Hunger ändert, wie F. Th. Müller 
fand, das Verhalten der infizierten Tiere. Die Produktion von Ag- 
glutininen wird dadurch wesentlich modifiziert. Bei einigen Bakterien- 
arten tritt eine Erhöhung, bei anderen eine Erniedrigung der Ag- 
glutininproduktion ein. — Die Agglutinine waren auch sonst viel- 
fach Gegenstand der Forschung. So fand Stäuble, daß die durch 
Typhusbazillen erzeugten Agglutinine bei der Laktation in erheblicher, 
Jahrbach der praktischen Medizin. 1904. 1 



Ausscheidung 

der 

Bakterien 

durch die 

Nieren. 

Biologie der 
Bakterien. 



Disposition. 



Agglutina- 
tion. 



Ribbert. 



tiOB. 



Immaxiität. 



nach der Geburt in einer den Semmgehalt übersteigenden Menge in 
die Milch übergehen. Dagegen traten sie nicht oder nur in ver- 
schwindend geringer Menge im Harn, in der Gfalle nnd im Speichel 
aof. Gantani allerdings sah die GkJle mit einem spezifisch ag- 
glutinierenden Vermögen ausgestattet. Aber es war schwächer als 
das des Serums. P. Moser und G. v. Pirquet konnten agglu- 
tinierende Fähigkeiten des Serums bei Tieren nachweisen, die mit 
längere Zeit auf kunstlichem Nährboden gezüchteten Streptokokken 
infiziert worden waren. Die Kokken wurden makroskopisch und 
mikroskopisch gleich deutlieh agglutiniert. Auch J. dePiassetzks 
gewann ein agglutinierendes Antistreptokokkenserum, welches außer- 
dem in vitro bakterizid und im Tiere heilend wirkte. Immunisierang 
gegen eine Streptokokkenart schützte immer nur gegen diese eine, 
nicht gegen andere Arten, Immunisierung gegen mehrere Spezies 
erzielte dagegen ein gegen viele andere schützendes, polyvalentes 
Serum. Im Anschluß an diese Versuche machte Tavel Mitteilung 
über therapeutische Ergebnisse. Er sah bei Benutzung von poly- 
valentem S^rum sehr gute Erfolge bei verschiedenartigen, auch 
menschlichen Streptokokkeninjektionen. Bemerkenswert war es, daß 
die agglutinierende, die bakterizide Wirkung in vitro und die heilen- 
den Fähigkeiten des Serums parallel gingen. In den meisten anderen 
Fällen zeigen bekanntlich die bakteriziden und die schützenden Eigen- 
schaften des Serums keine engeren Beziehungen. Bail und Petters- 
son meinten, dies läge daran, daß die im Serum befindlichen Immun- 
körper an die Gewebszellen gebunden würden, also nicht vermittels 
des Komplementes zur Geltung gelangen können, üebrigens leidet 
durch Infektionen und andere Abnormitäten des Körpers auch die 
bakterizide £[raft des Serums in vitro. E. Löwenstein sah, daß 
die Bakterizidie des menschlichen Serums gegen Typhus-, Gholera- 
und Milzbrandbazillen verloren geht. Diabetiker büßen die bakteri- 
ziden Eigenschaften auf Milzbrandbazillen ein. 

Zur Immunitätstheorie Ehrlichs sind viele Untersuchun- 
gen aufgestellt worden, die dem weiteren Ausbau der Lehre gewidmet 
waren. Sie gehen aber so sehr ins einzelne und betrefiPen so kom- 
plizierte Verhältnisse, daß ein Eingehen auf sie im Bahmen dieses 
Beferates nicht möglich und insofern nicht notwendig ist, als klar 
zu umgrenzende, bestimmte Resultate nicht zu verzeichnen sind. 
Ehrlich selbst hat seine Anschauungen in einer lebhaften, inter- 
essanten Diskussion mit Grub er, der ihn angegriffen hatte, ver- 
teidigt und ausgebaut. 

Eine außerordentlich vielseitige Bearbeitung fand die Tuber- 



AUgemeine Pathologie, pathologische Anatomie, Bakteriologie. 3 

kulose. Bei einer Schildkröte beobachtete P. Friedmann einen Tuberkulose 
Bazillus, der sich in der bei 87^ gewachsenen Kultur von dem ^Bazüj^n*' 
menschlichen Bazillus nicht unterscheidet, der aber bei Meerschwein- 
chen nur in sehr großen Dosen tödlich wirkt, sonst nur lokale, aus- 
heilende Prozesse hervorruft. Bei der Schildkröte bewirkt er da- 
gegen stets eine Miliartuberkulose. H. Herzog untersuchte das 
Verhalten der Säugetiertuberkulose im Kaltblüter und sah nach 
einmaligem Durchgang eine Abschwächung, nach mehrmaligem eine 
solche Virulenzverminderung, daß Meerschweinchen nicht mehr in- 
fiziert werden konnten. Ve sz pr 6 mi konstatierte, daß die von 
verschiedenen Personen stammenden Bazillen deutliche Virulenz- 
unterschiede zeigten, die also bei Versuchen berücksichtigt werden 
müssen. Im Oegensatz dazu stellten E. Krompecher und 
K. Zimmermann fest, daß die Bazillen chirurgischer Prozesse 
und die der Lungentuberkulose ungefähr gleich virulent sind und 
daß die Unterschiede im Verlauf von der Disposition der Organe 
abhängen. Für die Wirkungsweise der Bazillen sind Ergebnisse 
von Interesse, die Armand Delille mit Injektion der toxischen 
Extrakte der Bazillen in die Meningen gewann. Es entstanden 
ganz ähnliche Prozesse wie nach Injektion der Bazillen. In der 
Gehimsubstanz selbst aber traten nur Degenerationen und Er- 
weichungen ein. — Für die Eingangspforten der tuberkulösen Infektions- 
Infektion ist eine Arbeit Seiges von Bedeutung. Es gelang ihm m^v^^'v J**^ 
im Gegensatz zu Friedmann nicht, durch Injektion von Bazillen 
in die Vagina frischbegatteter Kaninchen eine Tuberkulose der Em- 
bryonen zu erzielen. Bei Tieren, die zunächst nicht trächtig wurden, 
entstand Genitaltuberkulose; als von ihnen später eines konzipierte, 
blieben die Embryonen gesund. Weleminsky konnte durch Ver- 
fiitterung von Bazillen bei Meerschweinchen und Kaninchen und 
zwar vom Munde oder Darm aus Infektion erzielen. Dabei er- 
krankten oft die Lungen, ohne daß die Eingangspforten Veränderun- 
gen zeigten. Nebelthau brachte Tuberkelbazillen durch Laparo- 
tomie in den Darm imd sah bei Hunden im Anschluß daran Tuber- 
kulose des Mesenteriums und des Peritoneums eintreten, üeber die 
Ausbreitung der Genitaltuberkulose experimentierten Baum garten 
und Kraemer. Die Tuberkulose des Hodens greift danach all- 
mählich nach oben auf Samenblasen etc. über. Dagegen wird nie- 
mals der umgekehrte Weg eingeschlagen. Der Prozeß folgt also 
dem Verlauf der Lymphbahnen. Für die Infektion beim Menschen 
ist die Untersuchung von Ito wichtig. Er fand die lymphatischen 
Apparate des Rachens niemals primär erkrankt, dagegen in einer 



4 Ribbert 

Beihe von Fällen sekundär afiliziert. Von besonderer Bedentung ist 
Bindel^ mit Rücksicht auf die Frage der Eindertuberkulose die Ueber- 
tuberkuiose. tragung durch den Darmkanal. Koch stellte bekanntlich die 
Fütterungstuberkulose beim Menschen in Abrede. In der Tat ist 
eine Infektion vom Darm aus nur selten sicher nachgewiesen ^w^orden. 
Heller aber vermochte unter 76 Kindern ca. 21 ^/o primäre Darm- 
tuberkulöse aufzufinden, v. Hansemann dagegen betonte die Selten- 
heit dieser AfFektion. Er fand sie nur bei Greisen und sonst dis- 
ponierten Individuen. Sie heilt aber frühzeitig aus. Jedenfalls steht 
das Vorkommen primärer intestinaler Tuberkulose nicht im Ver- 
hältnis zu der Häufigkeit der Gegenwart von Tuberkelbazillen in 
der Kuhmilch. Nach Beobachtungen von L. Babinowitsch kann 
die Milch auch solcher Kühe bazillenhaltig sein, die noch keine 
klinisch nachweisbare Erkrankung haben und nur durch die Taber- 
kulinreaktion als tuberkulös erkannt werden können. 

Mit der Identität oder Verschiedenheit der Binder- 
und Menschenbazillen beschäftigten sich viele Arbeiten. 
P. Boemer stellte eine Skala der Empfänglichkeit bei Tieren auf. 
Am wenigsten disponiert ist das Bind. Daher die Schwierigkeit 
seiner Infektion durch menschliche Bazülen, die im übrigen nur in- 
sofern von denen des Bindes verschieden sind, als beide sich durch 
Anpassung an den verschiedenen Organismus modifiziert haben. 
V. Behring sprach sich ebenfalls ia diesem Sinne aus und betonte 
demgemäß die Möglichkeit und Häufigkeit einer Fütterungstuber- 
kulose, die nach seiner Meinung hauptsächlich bei Säuglingen zu 
Stande kommt, deren Schleimhaut besonders leicht für die Bazillen 
passierbar ist. Disse hat dafür einige Befunde an den Epithelien 
bei Neugeborenen verantwortlich gemacht. Im Sinne der Identität 
der Bazillen sind denn auch viele Experimente zu deuten. Troje 
sah nach Hautimpfung mit Binderbazillen beim Menschen lokale und 
Lymphdrüsentuberkulose entstehen. Schottelius beobachtete Fütte- 
rungstuberkulose bei Bindern, die längere Zeit größere Mengen eines 
Phthisikersputums dem Futter beigemengt erhielten. G. Dean konnte 
Kälber und Schweine erfolgreich infizieren und meint, die negativen 
Besultate Kochs beruhten darauf, daß dieser nicht wie er Sputum, 
sondern Kulturen benutzt habe. Orth hat über die im vergangenen 
Jahre bereits erwähnten Versuche in weiterem Zusammenhang be- 
richtet. Bazillen aus Kinderdärmeu lassen sich auf Binder mit 
positivem Besultat übertragen. Der Einwand, daß es sich, wie 
Kos sei gemeint hat, um Bazillen gehandelt habe, die ursprünglich 
vom Binde stammten, ist insofern nicht durchschlagend, als dann 






\i 



l i- 



Allgemeine Pathologie, pathologische Anatomie, Bakteriologie. 5 

er:: ja die Uebertragung yom Rinde auf den Menschen bewiesen ist. 
i " Das gilt auch für die Versuche Kessels, der unter 39 Versuchen 

i: 4mal positive Fätterungstuberkulose erzielte. Macfadyen konnte 

r '. Affen mit Binder- und mit Menschentuberkulose infizieren. Im ersteren 

c7 Falle war der Darm intakt, im letzteren aber mit Tuberkeln ver- 

sehen. In beiden Fällen bestand AUgemeininfektion. J. de Haan 
machte javanische Binder mit menschlichem Materiale tuberkulös. 
Auch bei fehlender Darmerkrankung trat Lungentuberkulose auf. 
Dessy sah Binder nach intravenöser Infektion und nach Fütterung 
tuberkulös werden. Die Binderrassen sind aber verschieden emp- 
]!:: fänglich. — Ueber die von v. Behring inaugurierte Immunisie- 

rung der Binder gegen Tuberkulose (s. voriges Jahrbuch) machte 
auch Neufeld auf analoge Weise erzielte positive Mitteilungen und 
I: y. Behring selbst verbreitete sich über die Frage noch mehrfach 

eingehend. Er ist der Meinung, daß es auch gelingen wird, eine 
]]:> antitoxische Behandlung zu erzielen und hoff%, diese schon bei Säug- 

^:i lingen mit der Milch immunisierter Kühe durchfuhren zu können. 

j>i: Die Möglichkeit jener Immunisierung wurde auch von Pearson 

:^v und Gilliland sowie von Thomassen dargetan. Friedmann 

endlich gelang es, Meerschweinchen durch Vorbehandlung mit Schild- 
[- krötenbazillen so zu immunisieren, daß sie für die menschlichen 

Bazillen unempfänglich wurden. 

Aus dem Gebiete der septischen Erkrankungen verdienen Sepsis. 
V- Untersuchungen über die Gasgangrän Erwähnung. Dansauer kam 

zu dem Schluß, daß Bacterium coli auch im nicht diabetischen Körper 
diese Veränderung zu erzeugen vermag, daß es aber dabei nicht als 
selbständiger Erreger in Betracht kommt, sondern in seiner Wirkung 
von anderen Organismen oder von Traumen oder Stoffwechselkrank- ^ 

heiten abhängig ist. Ghon und Sachs fanden in einem Fall jener 
Gangrän ein dem Bazillus des malignen Oedems ähnliches Stäbchen, 
w^elches bei Kaninchen Schaumorgane erzeugte. Chiari sah 4mal 
Oaszysten im Gehirn, betrachtet sie freilich als postmortale Produkte, 
aber hervorgerufen durch intravital eingedrungene, gasbildende Ba- 
zillen, die einmal von einer Gasgangrän des Uterus herstammten. 

Die toxische Wirkung der Typhusbazillen erfuhr eine Auf- Typhus, 
klärung durch Macfadyen und Bowland, die aus dem Leibe der 
Bazillen ein ausgesprochen gifkiges Produkt gewinnen konnten, 
-welches bei Pferden ein bakterizides und ein antitozisches Serum 
erzeugte und welches sich in diesem Sinne vielleicht auch besonders 
gut zur Herstellung praktisch verwertbarer Sera eignet. 

Die Verbreitungsweise der Pneumoniekokken im Körper 



•j 



6 



Ribbert. 



Pnenmonie. 



Milzbrand. 



Diphtherie. 



Aktinomykose 



studierte 0. Wandel. Er schloß, daß die Kokken, die von der 
Lunge aus in die bronchialen Lymphdrüsen gelangen, von hier aus 
in das Blut kommen können und, weil sie so zunächst in das rechte 
Herz fließen, besonders oft hier eine Endokarditis hervorrufen. 

Auf den Milzbrand bezog sich eine Mitteilung Bis eis. Er 
sah einen Fall von diffuser hämorrhagischer Leptomeningitis, die von 
«inem Eindringen der Bazillen aus der selbst wenig erkrankten Nase 
durch die Lymphscheiden des Olfaktorius abgeleitet wurde, und 
einen Fall von Lungenmilzbrand durch Lihalation des Staubes von 
Drogen, die in Tierhäute verpackt gewesen waren, die aus Argen- 
tinien stammten. Die Art der kutanen Milzbrandinjektion studierte 

A. Treutlein. Er fand, daß die Bazillen beim Einreiben in die 
intakte Kaninchenhaut durch die Haarbälge in die Haut eindringen 
und daß sie dann von hier aus in die Blutgefiiße gelangen können. 
Bei dem Menschen wird der gleiche Weg in den Fällen beschritten, 
in denen milzbrandhaltige Teile, z. B. Tierfelle, an der Haut gerieben 
werden. Es kommt aber bei ihm nicht so oft wie bei dem Kanin- 
chen zu einer Allgemeininfektion. Möglich ist aber eine solche üeber- 
tragung, weil die Sporen sich auch unter ungünstigen Verhältnissen 
sehr lange lebend erhalten. Aber auch die Bazillen sind, wie Bongert 
zeigte, sehr widerstandsfähig. In eingetrocknetem Blut waren sie 
noch nach 50 Tagen lebend. 

Ueber die Variabilität der Diphtheriebazillen arbeiteten 

B. Schick und H. Ersettig. Sie wendeten sich gegen Zupnik, 
der bei Diphtherie zwei Stäbchen züchtete und diesen Beftmd gegen 
die Spezifizität des Löffl ersehen Bazillus verwertete. Sie eruierten, 
daß in der Tat zwei in ihrem Wachstum verschiedene Formen ge- 
wonnen werden können, daß sich diese aber ineinander überfuhren 
lassen. Sie sind also biologisch identisch, sie produzieren dieselben 
Gifte imd verhalten sich auch bei der Agglutination völlig gleich. 
Auf die Morphologie des Diphtheriebazillus bezieht sich eine Unter- 
suchung von A. Abbo.tt und N. Gildersleeve. Sie fanden, daß 
die oft betonte Fähigkeit, in verzweigten Fäden zu wachsen, sich 
unter ungünstigen Existenzbedingungen geltend macht und daß des- 
halb aus ihr nicht auf eine Verwandtschaft des Bazillus mit den 
Fadenpilzen geschlossen werden darf. 

Der Aktinomyzespilz wurde von V. E. Mertens auf die 
Kolbenbildung untersucht. Er hielt diesen Vorgang wie Bostroem 
für einen degenerativen, dessen Zustandekommen noch unklar ist. 
Demgegenüber glaubte K. Doepke schließen zu sollen, daß es sich 
nicht um Degeneration handelt und zwar unter anderem deshalb. 



Allgemeine Pathologie, pathologische Anatomie, Bakteriologie. 



Ruhr. 



weil die Kolben schon in jungen Kulturen auftraten. Er konnte 
den Pilz in zwei Fällen von Mundaktinomykose aus hohlen Zähnen 
herauszüchten. Kasuistische Mitteilungen über Aktinomykose machten 
Kashiwanura und A. Fütterer. Ersterer beschrieb 4 Fälle von 
primärer Lungenerkrankung, letzterer einen ebensolchen mit üeber- 
greifen auf das Herz. Ceni und C. Besta machten Mitteilung über 
die Wirkungsweise der pathogenen Schimmelpilze. Auch diese Schimmelpilze. 
Mikroorganismen erzeugen Toxine, die durch Alkohol oder Aether 
extrahiert werden können, aber nur in den Sporen sitzen und be- 
sonders auf Nerven und Muskulatur wirken. 

In einer Epidemie von Buhr fand S. Jürgens nicht den von 
Kruse nachgewiesenen, sondern einen anderen auch nach der Serum- 
probe von ihm verschiedenen Bazillus. Er meint daher, es gebe 
neben der Amöben- und der Kruse sehen Dysenterie noch andere 
Formen. Die Ruhr sei also ätiologisch nicht einheitlich, üebrigens 
nimmt Kruse an, daß es auch Erkrankungen gebe, die durch Pseudo- 
dysenteriebazillen verursacht würden. Für die Bedeutung der Amö- 
ben bei den mit ihnen versehenen Dysenterien ist Groß eingetreten. 
Ihr Vorkommen sei konstant, sie verschwänden bei der Heilung, 
die Entzündung und Nekrose, auch im Tierversuch, die Eiterung 
in den Follikeln beweise ihre krankmachende Fähigkeit. 

Bei den Protozoen sei nun auch in Kürze der Gebilde gedacht, 
die Negri bei der Hundswut im Gehirn aufgefunden zu haben glaubt 
und für die Erreger der Erkrankung hält. Es sollen die „Negri- 
schen Körperchen^' Protozoen sein. Dagegen hat Schröder geltend 
gemacht, daß die Giftigkeit des Wutgifbes auch nach Filtration durch 
feinste Filter, durch welche Protozoen zweifellos zurückgehalten 
würden, bestehen bliebe. Aber Celli und Blasi meinten, daß im 
Protozoenzyklus auch die feinsten durch die Filter hindurchgehenden 
Gebilde vorkommen könnten. Sie geben an, daß sie in dem Gehirn 
eines mit dem Filtrat infizierten Hundes die Körperchen Negris 
gefunden hätten. Weiterhin haben E. Bertarelli und G. Volpino 
in einem Falle von menschlicher Wut zumal in den Purkinj eschen 
Zellen des Kleinhirns die Gebilde in mäßiger Menge aufgefunden. 
Sie lassen aber die ätiologische Bedeutung dahingestellt. 

Mit besserer Begründung hat Castellani für die Schlaf- 
krankheit der Neger ein Protozoon in Anspruch genommen, das 
er als Trypanosoma bezeichnet. Es ist ein wurmformiges Lebe- 
wesen mit einer Geißel und wurde von Castellani in der mittels 
Lumbalpunktion gewonnenen Zerebrospinalflüssigkeit nachgewiesen, 
kommt aber auch im Blute vor« Ueber die ätiologische Bedeutung 



Rabies. 



Schlaf- 
krankheit. 



8 



Bibbert. 



der Trypanosomen im allgemeinen verbreiteten sich L. Babino- 
witsch und W. Kempner. 

Parameciam. Weiterhin liegen mehrere Arbeiten über das Balantidium 

(Parameciam) coli vor. Klimenko fand bei einem Individuimif 
welches an Enteritis gestorben war, in geschwürigen Prozessen des 
Dickdarms zahlreiche Balantidien, die in sämtlichen Darmwand- 
schichten vorhanden und auch in Blut- und Lymphgefäße eingedrungen 
waren. Woit sah ebenfalls Geschwüre im Dickdarm, zumal in der 
Flexura lienalis, oder wenigstens (in einem anderen Falle) deutliche 
entzündhche Veränderungen. 

Aus dem Gebiete der allgemeinen Pathologie heben wir 
zunächst eine Arbeit von L. Gutschy heraus, der die Kenntnis 
ThromboBe. der Thrombose wesentlich förderte. Er stellte fest, daß die erste 
Erscheinung in allen Fällen die Bildung einer hyalinen Fibrinmembran 
ist, an der die körperlichen Elemente sich anheften, lieber die da- 
bei beteiligten Blutplättchen ist wieder viel gearbeitet worden, 
ohne daß deshalb ihre Genese befriedigend aufgeklärt worden wäre. 
Puchberger konnte an ihnen mit Brillantkresylblau zwei Sub- 
stanzen nachweisen, doch hält er die innere nicht für einen Kern. 
Da die roten Blutkörperchen sich nicht flürbten, ist ihm die Ab- 
stammung der Plättchen von ihnen unwahrscheinlich. P. Schneider 
andererseits trat wieder f&r diese Ableitung ein. 
LipÄmie. Ueber die Lipämie bei Diabetes machte B. Fischer inter- 

essante Mitteilungen. Er beobachtete einen außerordentlich hoch- 
gradigen Fall und führte das Verhandensein des Fettes im Blute 
für alle Fälle auf eine Schädigung der lipolytischen Kraft des Blutes 
zurück. Diese Schädigung kann beruhen auf einer Säureüberladung 
des Blutes, vielleicht auf einem Schwunde des fettlösenden Fer- 
mentes, auf einer mangelhaften Tätigkeit der Körperzellen etc. Bei 
der Mästungslipämie wird das Blut mit zugefuhrtem Fett in über- 
reichlicher, unlösbarer Menge überschwemmt. Ueber Luftembolie 
arbeitete L. P. Wolf. Das Wirksame ist die Verstopfung der 
Lungengefäße, aus denen die Luft teilweise in die Alveolen übertritt. 
Fettige Unter den degenerativen Prozessen fand die Fettentartung 

Degeneration, ausgedehnte Bearbeitung. Alle Beobachter verzichten neuerdings 
auf eine Ableitung von den Eiweißkörpem. Eine fettige Degenera- 
tion im Sinne Virchows gibt es also nicht. Dagegen ist es frag- 
lich, ob das Fett aus anderen fettbildenden Substanzen hervorgeht 
oder ob es den Zellen vom Blute aus zugeführt wird. Für diese 
Zufuhr sprachen sich J. Arnold, B. Traina, F. Fischer und 
Referent aus. Sie erfolgt im gespaltenen Zustand, so daß also in 



Allgemeine Pathologie, pathologische Anatomie, Bakteriologie. 9 

der Zelle eine Synthese stattfindet. Diese konnte Fischer nochi 
an der überlebenden Niere eintreten sehen, als er Seifenlösnngen 
durch sie hindurchleitete. J. Arnold sah ähnliches unter anderem 
bei Einfuhrung von Seifen in den Konjunktivalsack. Die Zellen der 
Kornea bauten das Fett aus den Komponenten auf. Dabei ergab 
sich hier und in anderen Fällen eine ausgesprochene Anlagerung 
des Fettes an die Zellgranula. Referent betrachtet die Fettdegenera- 
tion als die Folge der mangelhaften Verarbeitung des zugefulyi;en 
Fettes durch die geschädigten Zellen. Dagegen scheinen die Resul- 
tate Rosen felds zu sprechen, der in fettig degenerierenden Hunde- 
nieren nicht mehr Fett fand, als in normalen. Aber dieses Resultat, 
aus der Analyse des ganzen Organes gewonnen, beweist nichts für 
den Umsatz des Fettes in den einzelnen Teilen. Zudem fand 
Th. Rumpf in degenerierten menschlichen Organen fast immer 
mehr und manchmal erheblich mehr Fett als in normalen. Daß im 
übrigen ein Teil des Fettes auch durch Umsatz anderer Substanzen 
(Lezithin etc.) entstehen kann, wie G. Rosenfeld, Kraus und Müller 
behaupten, soll nicht geleugnet werden. 

Die amyloide Entartung wurde vor allem durch die Beschrei- Amyloid. 
bung vieler amyloider Tumoren des Larynz, der Zunge etc. ergänzt. 
Unter ihnen sei eine Beobachtung von Q. Herxheimererwähnt, der zu- 
gleich im Kehlkopf und in der Lunge multiple amyloide ELnoten fand, die 
sich also wieder, wie es für lokales Amyloid bekannt ist, dort entwickelt 
hatten, wo in der Norm reichliches elastisches Gewebe vorhanden ist. 

Unter den Arbeiten über Regeneration ist bemerkenswert Regeneration. 
die von M. Borst über Heilung der Sehnenwunden nach Sehnen- 
plastik. Er fand, daß die Heilung durch Wucherung des Sehnen- 
gewebes selbst und des angrenzenden Bindegewebes erfolgt. — Ueber 
neue Transplantationsversuche mit tagelang aufbewahrter Trans- 
Epidermis berichtete J. Wentscherim Anschluß an seine früheren ^ ^^ ^°" 
Versuche, denen vorgeworfen worden war, daß die Lebens&higkeit 
der verpflanzten Stücke nicht unzweifelhaft bewiesen sei. Er zeigte 
aber, daß die Zellteilung in den transplantierten Teilen sehr lebhaft 
gesteigert wird und daß diese auch auf nackter Muskulatur ohne 
Zusammenhang mit normaler Epidermis völlig anwachsen. — 
V. Cornil und Coudray verpflanzten toten Knochen in 
Trepanationsöffiiungen und sahen, daß eine feste Verbindung mit 
dem angrenzenden Knochen nicht eintrat, wie es bei lebend trans- 
plantierten Stücken der Fall ist. Der verpflanzte Knochen lag 
schließlich lediglich in Bindegewebe eingebettet. Für die Meta- 
plasiefrage ist eine Mitteilung J. Mönckebergs von Literesse. 



10 



Bibbert 



Metaplasie. Er stellte fest, daß die Epithelien der serösen Häute nicht im stände 
sind, wie es behauptet worden ist, Bindegewebe zu bilden. Sie er- 
zeugen stets wieder Epithelien. In analoger Weise kam Merkel 
zu dem Resultat, daß bei der Organisation der Thromben die Endo- 
thelien niemals Bindegewebe bilden, sondern daß dieses lediglich von 
der übrigen Gefäßwand seinen Ursprung nimmt. 

Entzündung. Zur Histologie der Entzündung brachte A. Maximow in 

Erweiterung seiner früheren Untersuchungen weitere Beiträge. In 
Narbengewebe, an dessen Bildung die von ihm als Polyblasten be- 
zeichneten Lymphozyten Anteil nehmen, bleiben diese Zellen dauernd 
als besondere Elemente nachweisbar. Die Mastzellen gehen bei Ent- 
zündungen unter, die Fettzellen verlieren durch eigene Tätigkeit oder 
durch Mitwirkung von Polyblasten ihren Fettgehalt. E. Neumann 
nahm eine viel diskutierte Frage in Angriff, indem er im Gegensatz 
zu den herrschenden Ansichten für die Identität der Leukozyten 
und Lymphozyten eintrat. Die ersteren sollen von letzteren ab- 
stammen und intra- oder extravaskulär aus ihnen hervorgehen. 
K. Kisskalt untersuchte die Bedeutung der Entzündung ftlr den 
Untergang der Bakterien. Er fand, daß die Zellen der Bakterien 
durch Phagozytose imd dadurch schädlich sind, daß sie die Organis- 
men, wie es Referent zuerst beschrieben hat, haufenweise, mantel- 
artig einschließen. 

Geschwülste. Aus der Geschwulstlehre finden zunächst 2 Fälle von 

Lipoma fibro-myomatosum des Uterus, welche Seydel be- 
schrieb, Erwähnung; das eine war walnuß-, das andere kirschgroß. Sie 
müssen aus versprengten Keimen abgeleitet werden. Dieselbe Genese 
Sarkom, wird von Funkenstein für ein Osteoidchondrosarkom der 
Schilddrüse geltend gemacht. Er denkt an einen verlagerten Ab- 
Chiorom. schnitt des Zungenbeines. Einen neuen Fall von Chi crom beschrieb 
Ph. Gümbel. Er rechnet den Tumor zur lymphatischen Leukämie, 
die sich im Anschluß an ihn stets einstelle. Nur die grüne Farbe 
gebe dem Chlorom eine besondere Stellung. Die Neubildung gehe 
aus dem Knochenmark hervor. Aehnliche Anschauungen äußerten 
Myelom. Frick und Sternberg. Ueber Myelome berichteten Abrikos- 
soff und Saltykow. Ersterer betonte, daß es auch ein das 
Knochenmark diffus infiltrierendes Myelom gebe, letzterer machte 
auf die durch weite Geftlße und Hämorrhagien bedingte rote Farbe 
mancher Myelome aufmerksam. Die Zellen der Neubildung ent- 
Giiom. sprechen den Myelozyten des Elnochenmarkes. Ein Gliom des 
Bulbus besprach Scaffidi. Er meinte, die oft beschriebenen Epithel- 
rosetten bedeuteten kein Neuroepithel, der Tumor sei vielmehr 



Allgemeine Pathologie, pathologifiche Anatomie, Bakteriologie. 11 



xnesodermaler Natur. Aber jene Bosetten sind so charakteristisch, 
daß ihre bisherige Deutung sicherlich zutrifiPb, zumal sie auch mit 
denen der Gliome des Gehirns übereinstimmen, von denen Muth- 
mann und Sauerbeck einen typischen Fall beobachteten. Die 
Geschwulst saß im vierten Ventrikel und war von Neuroepithel be- 
deckt, welches sich in zahlreichen Einsenkungen in den Tumor fort- 
setzte. Dieser ist daher unzweifelhaft embryonaler Abkunft. Die 
kongenitalen Adenomknötchen der Nebenniere machte 
Bertram zum Gegenstand seiner Besprechung. Sie sind sehr 
häufig und entstehen seiner Meinung nach dann, wenn Zellelemente 
des Sympathikus durch die Nebennierenrinde in die Marksubstanz 
einwachsen. Dabei können auch Bindenabschnitte nach innen ver- 
lagert werden. — Die malignen Leberadenome erörterte B. Fischer. 
Er sprach sich dahin aus, daß die Tumoren, zumal diejenigen, die 
Schlauch- und Driisenformen zeigen, von den Gallengängen ihren 
Ausgang nehmen. Ausgedehnte Besprechung fand wiederum das 
Karzinom. Saxer beschrieb eine seltene Form der Metastasierung. 
Es handelte sich um eine diffuse, unter dem Bilde der Meningitis auf- 
tretende, krebsige Infiltration der weichen Hirnhäute. M. B. Schmidt 
machte die wichtige Beobachtung, daß bei Karzinomen der Bauch- 
höhle die meist auf dem Wege des Ductus thoracicus in die Lunge 
gelangten Zellen hier größtenteils in Thromben oder endarteriitischen 
Wucherungen zu Grunde gehen. Jensen berichtete über Fälle von 
gelungener Transplantation auf andere Individuen. Er konnte durch 
19 Generationen das Karzinom einer weißen Maus auf immer neue 
Tiere übertragen. Er faßte den Vorgang als eine Transplantation 
auf, die aber nur bei Mäusen gelang, nicht bei anderen Tieren« — 
Für die Genese des Karzinoms ist es von Interesse, daß Franke 
ein Zylinderzellenkarzinom des unteren Oesophagus von versprengten 
Teilen der Magenschleimhaut ableitet, die bekanntlich dort nicht 
selten vorkommen. In anderer Weise machte Wolf auf die Ent- 
stehung des Oesophaguskrebses aufmerksam. Er meint, daß bei 
Verkrümmungen der Wirbelsäule die über den Knochenvorsprüngen 
gespannte und prominierende Schleimhaut besonders intensiv von 
dem Beize des Oesophagusinhaltes getroffen und so zur Karzinom- 
bildung veranlaßt würde. Beachtung verdient ferner auch die wieder 
diskutierte Frage nach dem Zusammenvorkommen von Krebs und 
Tuberkulose und die Abhängigkeit des erst^ren von letzterer. 
Ebbinghaus sah einen derartigen FaU von Mammakrebs und 
Azillardrüsentuberkulose. Er meint, daß eine vorhandene Tuberkulose 
durch den Krebs gefördert werden, daß aber auch die Anlage eines 



Adenom. 



Karzinom. 



12 Ribbert. 

Karzinom. Karzinoms durch die Tuberkulose ausgelöst werden könne. Wallart 
beschrieb 2 Fälle von Kombination der beiden Prozesse im Uteras. 
Besonders eifrig war die Bede von der parasitären Aetiologie 
des Karzinomes. Behla glaubte die gesuchten Schmarotzer in 
einem zu den algenähnlichen Pilzen gehörenden Lebewesen gefunden 
zu haben, welches in der Epidermis von an feuchten Orten stehenden 
Pflanzen gedeiht. Aber er blieb den Beweis schuldig. L. Feinberg 
hat seine früheren Untersuchungen eingehend zusammengestellt und 
ist der Meinung, daß die von ihm in den Karzinomen eigenartig 
gefturbten Einschlüsse wegen ihres morphologischen Verhaltens mit 
Protozoen zu identifizieren und die Erreger des Krebses seien. Aber 
er hat nirgendwo Zustimmung gefunden. Gegen die Deutung der 
Einschlüsse als Parasiten haben sich zunächst H. Apolant und 
O. Embden gewandt. Sie erklärten die Dinge als die Folgen von 
Vakuolenbildungen im Zellprotoplasma, wobei Beste der festen 
Teile von Protoplasma und Kern die homogenen Körperchen im 
. Lumen darstellen. Sie hatten also analoge Ergebnisse wie so viele 
andere Beobachter vor ihnen. Auch F. Honda kam zu dem 
gleichen Resultat. Und Spirlas gelang es, den Einschlüssen durch- 
aus ähnliche Dinge dadurch zu erzeugen, daß er verschiedenartige 
Stoffe in die Bauchhöhle einspritzte und nun beobachtete, daß in 
größere Zellen eingeschlossene Leukozyten sich so umwandelten, 
bezw. so intrazellular verdaut wurden, daß von ihnen nur eine 
Vakuole mit einem kömigen Einschluß zurückblieb. Für die 
Blastomyzetennatur dieser Einschlüsse ist Sanfelice aufs 
neue eingetreten. Er glaubt durch Lifektion mit verschiedenen 
Arten pathogener Sproßpilze bei Tieren Tumoren erzielt zu haben. 
Aber Jensen prüfte auf experimentellem Wege diese Untersuchungen 
nach und konnte niemals Tumoren, sondern immer nur Entzündungs- 
produkte erzeugen. Auf Grund allgemeiner Ueberlegnngen hat sich 
auch neuerdings wieder H. O. PI immer für die parasitäre Theorie 
ausgesprochen, während andererseits auch unter seinen Landsleuten 
eine Stimme gegen diese Auffassung sich erhob. H. Morris betonte, 
daß die Genese des Karzinoms sich am besten auf Grund der Theorie 
Cohnheims deuten ließe. Unter den allgemeinen für die parasitäre 
Entstehung angeführten Gesichtspunkten wird immer wieder die an- 
geblich beständige Zunahme der Krebserkrankungen in den 
Vordergrund gestellt. Aber die zahlreichen Angaben stützen sich 
auf eine unzuverlässige Statistik. O.Bollinger hat wie E i e c h e 1- 
mann (s. voriges Jahrbuch) die Zunahme als eine scheinbare be- 
zeichnet imd aus der Verlängerung der mittleren Lebensdauer, der 



Allgemeine Pathologie, pathologische Anatomie, Bakteriologie. 13 



Misch- 



Verbesserung der Diagnose und der Zunahme der Sektionen erklärt. 
Auch Templeman kam zu ähnlichen Schlüssen, meint aber doch, 
daß die Krebserkrankungen etwas zugenommen hätten. 

Ein gewichtiger Einwand gegen die parasitäre Theorie ist aus 
dem Vorkommen kongenitaler, unzweifelhaft auf embryonale 
Entwicklungsstörungen zurückzuführender maligner Tumoren ««schwülBte . 
abzuleiten. Dahin gehören vor allem die Gliome, die Mischtumoren 
der Niere, des Uterus etc. und ein Teil derEmbryome. In diesen 
und zwar denen des Hodens ist neuerdings vor allem ein Bestand- 
teil aufgefallen, der sich in seiner Struktur mit der des Chorion- 
epithelioms deckt und deshalb aus rudimentären Eihäuten oder 
auch nur aus dem fötalen Ektoderm abgeleitet wird. Schlagen- 
haufer zuerst, dann Schmorl, Steinert und J. Steinhaus 
teilten derartige Beobachtungen mit. Das theoretische Interesse an 
diesen Dingen wird aber noch gesteigert durch den Umstand, daß 
in Metastasen dieses Chorionepitheliomgewebe ebenfalls und manch- 
mal vorwiegend auftreten kann. Steinert erhob diesen Befund 
und sah zugleich, daß die Lebermetastasen eines Hodenembryoms 
alle Bestandteile enthielten, die auch im primären Tumor vorhanden 
waren. In Ovarium- und Hodenembryomen fand femer Referent aus- 
gedehnte embryonale, gliomähnliche Nervensubstanz. Die Embryome 
sind femer dadurch bemerkenswert, dass sie eine einseitige, nur 
wenige Gewebe umfassende Entwicklung zeigen können. Bob. Meyer 
machte darauf aufmerksam, daß sich zuweilen nur Schilddrüsen- 
gewebe ausbildet, so daß man dann an andersartige, kolloide, adenom- 
ähnliche Tumoren gedacht hat. Referent hat, wie M. Wilms, be- 
tont, daß aus dieser einseitigen Entwicklung eines Embryoms manche 
malignen Tumoren der Geschlechtsdrüsen abgeleitet werden können. 
Eine Mischgeschwulst, die retroperitoneal lag, beschrieb H. Buge. 
Sie bestand aus ektodermalen und entodermalen Abschnitten. Ver- 
fasser ist über die Genese nicht im klaren, meint aber die Geschwulst 
könne auch bei Schluß der Bauchhöhle durch Abspaltung nicht ent- 
standen sein. 

Th. Kostelezky beschrieb ein Ovarialkystom, welches, 
wie schon mehrfach beobachtet wurde, Metastasen auf das Peritoneum 
gemacht hatte, die aus multiplen, glattwandigen Zysten bestanden. 
Referent hat die Ansicht ausgesprochen, daß diese Kystome eben- 
falls einseitig, nach der entodermalen Seite entwickelte Embryome 
seien. 

üeber das Chorionepitheliom liegen zahlreiche Unter- 
suchungen vor. Erwähnt sei eine Monographie von Risel, der 



Ovarial- 
kystom. 



14 



Ribbert. 



Ghorion- 
epitheliom. 



Oesophagus- 
hypertrophie. 



Divertikel. 



Atresle des 
Darms. 



Leberabszeß. 



mehrere Fälle beschrieb und in der Hauptsache die Ansichten Mar- 
chan ds vertrat. Bemerkenswert sind die Beobachtungen über das 
Vorkommen der Neubildung in der Vagina durch gleichzeitige Er- 
krankung des Uterus. Es muß sich um retrograden Transport von 
Plazentarbestandteilen handeln. Hübl hat einen charakteristischen 
Fall veröffentlicht. 0. Busse hat femer eine Beobachtung von 
metastatischem GhorionepitheUom des Herzens ohne Tumor im Uterus 
mitgeteilt. Die Neubildung muß durch Verschleppung von Chorion- 
epithelien erklärt werden, die von einer einige Wochen vorher statt- 
gefundenen Geburt herrührten. Vaßmer untersuchte ein Chorion- 
epitheHom einer Tubargravidität mit Metastase in die Vagina. Die 
Theorie des Chorionepithelioms hat durch das erwähnte Vorkommen 
des Tumors in Embryonen eine wesentliche Klärung erfahren. Die 
Oeschwulstzellen müssen danach im Sinne Marchands als Derivate 
des fötalen Chorions angesehen, können also nicht mehr von der 
Mutter abgeleitet werden. 

Aus dem Gebiete der speziellen pathologischen Anatomie 
beschäftigt uns zuerst der Verdauungstraktus. Vom Oesopha- 
gus beschrieb Elliesen eine genetisch vöUig unerklärte, idiopathische 
Hypertrophie des Oesophagus bei einem Manne. Es war ausschließ- 
lich die Muskulatur verdickt und zwar bis zu 0,7 cm. G. ßiebold 
besprach die Oesophagusdivertikel. Er wandte sich gegen die 
im letzten Jahrbuch erwähnten Anschauungen des Eeferenten und 
fährte die Divertikel , ohne die Entstehung auf kongenitaler Grund- 
lage ganz leugnen zu woUen, wieder vorwiegend auf die Traktion 
schrumpfender Drüsen zurück. Auch B. Fischer stellte diese Genese 
in den Vordergrund, wies aber darauf hin, daß auch von innen her 
durch Verletzungen Gelegenheit zu entzündlicher Verlötung mit der 
Umgebung und daim zu Vemarbung gegeben sein kann. Die Schlund- 
sonde könne vielleicht so wirken. Im Darmkanal interessieren uns 
besonders Arbeiten über kongenitale Atresien und Ve rengerungen. 
P. Kuliga und A. Spirlas untersuchten solche Fälle, in denen eine 
bestimmte Aetiologie nicht aufzufinden war, in denen insbesondere 
eine von Braun und Chiari betonte Invagination mit Ausstoßung 
des invaginierten Stückes und Heilung nicht angenommen werden 
konnte. Spirlas meint, daß vielleicht eine Keimanomalie zu Grunde 
liegen könne. 

Die Bakteriologie der Leberabszesse studierte C. David- 
sohn. Er fand bei solchen, die vom Ductus choledochus aus ent- 
stehen, stets das Baoterium coli, bei hämatogenen Abszessen dagegen 
verschiedenartige Mikroorganismen. Die Genese des Ikterus prüften 



Allgemeine Pathologie, pathologische Anatomie, Bakteriologie. 15 



H. Eppinger und N. Jagic. Ersterer sah bei Zirrhose Kompression 
der Gallengänge, bei Phosphorvergiftung und Herzfehlem Verlegung 
der Gänge durch dicke Galle. Folge davon ist Erweiterung der 
Kanälchen, Berstung, Austritt und Hesorption der Galle. Aehnliche 
Veränderungen der Gallenkapillaren sah Jagic bei Unterbindung 
des Ductus choledochus, an die sich zirrhoseähnliche Bindegewebs- 
wucherung anschloß. lieber akute gelbe Leberatrophie im 
Vergleich zur Phosphorvergiftung berichtete Pal tau f. Er sah wie 
Anschütz bei ersterer Nekrose, bei letzterer nur fettigen Zerfall 
der Leberzellen. Die späteren Stadien der akuten Atrophie fanden 
mehrfache Bearbeitung. Während nach M archand die Eegeneration 
des untergegangenen Gewebes hauptsächlich durch die G^llengangs- 
Wucherung erfolgt, diese also den größten Anteil an der Bildung der 
sog. knotigen Hyperplasie hat, sah J. Steinhaus, daß die Neu- 
bildung von Gallengängen ganz fehlt, daß also der Wiederersatz nur 
von wuchernden Leberzellen geliefert werde. Adler andererseits 
beobachtete die Bildung massenhafter Gallengänge, aber ohne daß 
eine Regeneration von Lebergewebe zu stände kam. Beide Beobach- 
tungen sprechen gegen die Bedeutung der Gallengänge, denen wie- 
derum Yamasaki einen Anteil an dem Prozeß zugesteht, da er 
Uebergänge der Gallengangsepithelien in LeberzeUen zu sehen glaubte. 

Ln Pankreas nehmen die Langerhansschen Inseln das 
größte Literesse in Anspruch. G. Herxheimer sah nur in einem 
Teil der FäUe von Diabetes diese Gebilde verändert, so daß also 
noch weitere Studien nötig seien , um ihre Bedeutung für jene Er- 
krankung sicher zu stellen. Auch C. Gutmann betonte, daß es 
Diabetes bei ganz intakten Liseln gibt. Andererseits sah Beattle 
bei Hämochromatose, die er als Folge einer vom Darm ausgehenden 
Toxinvergiftung auffaßte, neben Leberzirrhose auch eine zu Diabetes 
ftüirende Erkrankung der Langerhansschen Liseln. Auch Fr. Stein- 
haus beschrieb neben Leberzirrhose Pankreasveränderungen, die er 
fär gelegentlich auftretenden Diabetes verantwortlich macht. Thorel 
konnte in akzessorischem Pankreas keine Liseln auffinden. 

Im Herzmuskel sah H. Eppinger bei Diphtherie sehr 
ausgedehnte Erkrankungen der Muskulatur, die denen ähnlich waren, 
die Referent früher beschrieben hat: Unterbrechungen im Verlauf der 
Muskelfasern, hyaline Umwandlungen, Vakuolisierung. Er bezeichnet 
den Vorgang als eine toxische Mjolyse. Für die Genese der Arterio- 
sklerose hat eine experimentelle Untersuchung Sumikawas 
Interesse. Er konnte durch Aetzmittel oder Bakterien, die er von 
außen auf die Gefäße wirken Ueß, eine Erkrankimg der Wand, vor* 



Ikterns. 



Akute gelbe 
Atrophie. 



Pankreas- 
diabetes. 



Herzmuskel 

bei 
Diphtherie. 



Arterio- 
sklerose 



16 



Ribbert. 



Arterio- wiegend aber der Intima, erzielen, die sich nach Art der Arterio- 
sklerose, gklerose verdickte. Beim Menschen spielt aber bekanntlich die 
Syphilis eine wichtige Bolle. Quiatkowski sah auf dieser Basis 
eine erhabene ELnotenbildung in der Wand der Pulmonalis bei gleich- 
zeitiger starker Dilatation dieses Gefäßes. Die Verkalkungen der 
Arterienwand besprach J. Mönckeberg. Es gibt reine Media- 
verkalkongen, die als ein besonderer Prozeß von der Arteriosklerose 
zu trennen sind. Verkalkung peripherer Gefäße läßt also nicht auf 
Arteriosklerose schließen. Beides kommt aber gleichzeitig vor. Ueber 
Periarteriitis. Periarteriitis arbeiteten D. Veszprömi und E. Ferrari. Er- 
sterer beobachtete den Prozeß bei einem 14jährigen Knaben ohne 
Syphilis. Den Beginn macht die Adventitia mit zelliger Infiltration 
und Wucherung. Dann kommen Media und Intima an die Reihe. 
E. Ferrari sah zuerst Degeneration der Media, dann erst knötchen- 
fbrmige Wucherung der Adventitia, von der aus das Bindegewebe 
in die Media eindringt. Er meint, der Prozeß, den er Periarteriitis 
acuta nodosa nennt, hänge vielleicht von nervösen Zentren ab. Ueber 
die Funktion der Milz verbreitete sich H. Helly. Er betonte 
in TTebereinstimmung mit den herrschenden Anschauungen, daß sie 
das Blut von fremden Bestandteilen reinigt. 

Von Erkrankungen der Lunge interessiert uns hauptsächlich 
die Tuberkulose. Die Genese der hämatogenen Tuberkulose prüfte 
Sawada (Eomberg). Er fand, daß die Bazillen sich in den Lymph- 
knötchen der Lunge festsetzen, wie Referent es beschrieben hat und 
erblickte den Ghiind dafür in den Gefllßeinrichtungen der Elnötchen, 
die mit besonders engen Kapillaren versehen sind. G. Herxheimer 
studierte die Tuberkulose nach Einspritzung der Bazillen von der 
Trachea aus. Die L:ifektion erfolgt dabei stets in die Alveolen, 
während ein Eindringen der Bazillen von den Bronchen aus nicht 
stattfindet. 

Ueber die Nebenniere liegen mehrere Untersuchungen vor. 
K. Sick fand in ihr eine Flimmerepithelzyste, die er von einer 
Darmabschnürung herleitet. G. Marchetti sah zystische Entartung 
der einen und kompensatorische Hypertrophie des anderen Organes. 
M. Simmonds sah 2mal eine bindegewebige Schrumpfung mit 
Morbus Addisonii. Die Aetiologie der SchrumpAmg blieb unklar. 
Syphilis war zweifelhaft;. Ueber kongenitale Lues berichteten 
N. Guleke und Kokubo. Ersterer sah unter 7 Fällen dmal nekro- 
tische Herde ohne Verkäsung. Kokubo fand diffus interstitielle 
Wucherung und dann ebenfalls multiple Nekrosen mit sekundärer 
Leukoz3rteneinwanderung. 



Milz- 
fnnktion. 



Lunge : 
Tnberkulose. 



Nebenniere : 



SyphiUs. 



Allgemeine Paüiologie, paüiologische Anatomi6i Bakteriologie. 17 

Das Knochensystem betrifft eine Arbeit von E. Fraenkel. Knochenmark 
Er fand bei Typhus stets herdförmige Erkrankungen, die durch ^yphuB 
Nekrose mit Fibrinabscheidung charakterisiert waren. Er hält sie 
fiir diagnostisch verwertbar. Auch Bazillen konnte er im Mark 
au£Snden. Bei pyogenen Infektionen traf er die Kokken im 
Knochenmark unter Veränderungen an, die er als Abwehrvorgänge 
auffassen zu sollen glaubt. 

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n. 
Allgemeine Therapie. 

I. Pharmakotherapie. 

Von Professor Dr. R, Heini in Erlangen. 

In dem Berichtsjahr 1903 ist die Neuauflage (III. Aufl.) des ,Hand- 
huches der Therapie innerer Krankheiten, herausgegeben Yon 
Fenzoldt und Stintzing*, die im Jahre 1901 begonnen wurde, zu Ende 
gebracht worden. Das «Handbuch* enthält — neben der eingehenden 
Schilderung der anderen Behandlungsmethoden — naturgem&ß die Dar- 
stellung der gesamten Pharmakotherapie der inneren Krankheiten» und 
zwar überall auf kritischer Grundlage. Das Penzoldt-Stintzingsohe 
Handbuch ist l&ngst als ein Standardwerk der ärztlichen Literatur an- 
erkannt Die neue Auflage besitzt den Umfang der zweiten (7 B&nde); 
sie ist, entsprechend den Fortschritten der Wissenschaft, umgearbeitet und 
ergänzt. In allemeuester Zeit ist auch das bekannte .Lehrbuch der klini- 
schen Arzneibehandlung' vonPenzoldt in neuer (sechster, veränderter 
und vermehrter) Auflage erschienen. Das Buch, das vor allem auf der 
reichen persönlichen Erfahrung des hervorragenden Arztes und Klinikers, 
des zielbewußten, positivistischen, dabei durchaus kritischen Therapeuten 
aufgebaut ist, ist ein absolut zuverlässiger Berater des Arztes in allen 
Fragen der Arzneimittelbehandlung. Von dem praktischen Arzte wird es 
insbesondere auch dankbar begrüßt werden, daß von den neueren und 
neuesten Arzneimitteln diejenigen, die sich bereits bewährt haben oder die 
aussichtsvoll erscheinen, aufgeführt, bezw. kritisch besprochen sind. 

Wer gehofft hatte, daß die Hochflut neuer Heilmittel, mit der 
der Arzneimittelmarkt seit über 15 Jahren überschwemmt wird, 
endlich naohlassen werde, wird stark enttäuscht sein. Immer neu 
folgt sich eine unabsehbare Reihe neuer Arzneimittel für die ver- 
schiedensten Indikationen, zum Teil mit höchst geschmackvollen 
Namen wie „Anusol", „Skabiol", „Phorxal" etc. Die „Therapeu- 
tischen Monatshefte^ bringen fast ausnahmslos in jedem Hefle die 
Besprechung neuer, oft gleich von drei bis vier neuen Arzneimitteln. 
Ein Teil (und zwar ist es leider der größere Teil) bildet mehr oder 



Pharmakotherapie. 21 

minder wertlose Nachahmungen bereits vorhandener, fär irgend 
einen Zweck bewährter Heilmittel. Für die Herstellung solcher 
^Ersatzmittel" ist allein das geschäftliche Interesse maßgebend. Eine 
Bereicherung unseres Arzneischatzes bilden solche Mittel durchaus 
nicht; glücklicherweise verschwinden weitaus die meisten fast ebenso 
schnell, wie sie aufgetaucht sind, von der Bildfläche. 

Die große Mehrzahl der praktizierenden Aerzte ist längst gegen 
die zahllosen „neuen Arzneimittel^ und ,,Ersatzmittel^ mißtrauisch 
geworden und hält sich von ihnen fem. Es wäre aber durchaus 
falsch, der ganzen Arzneimittelbewegung, dem Bestreben, neue bezw. 
vervollkonunnete Arzneimittel darzustellen, die Berechtigung ab- 
sprechen zu wollen. Sind auch viele Hunderte der neu dargestellten 
Mittel wertlos, so sind doch ein oder einige Dutzend der neuen 
Arzneimittel eine überaus wertvolle Bereicherung der therapeutischen 
Rüstkammer des Praktikers geworden. Kein Internist möchte heut- 
zutage auf die Auswahl von Arzneimitteln, wie sie etwa in der Zeit 
vor der Darstellung des Antipyrins, Antifebrins und Phenazetins zur 
Verfiigung stand, beschränkt sein; wenn er genau zusieht, wird er 
erstaunt sein, einen wie großen Prozentsatz die Verordnung „neuerer" 
Arzneimittel (namentlich für die bessere Praxis) in seiner Rezeptur 
einnimmt. — Es kommt relativ selten vor, daß ein neuer chemischer 
Körper mit neuen pharmakologischen Wirkungen, also ein wirkliches 
„neues Arzneimittel" geschaffen wird (z. B. ein neues Anästhetikum: 
Eukain, Orthoform). Sehr dankenswert sind aber schon die Ver- 
suche, einen chemischen Ghrundkörper von ausgeprägten Heilwirkun- 
gen, der aber irgendwelche unangenehmen Eigenschaften oder un- 
erwünschte Nebenwirkungen hat, in eine ftir den Patienten angenehme, 
sicher wirksame, leicht dosierbare Form zu bringen. So stellen z. B. 
das innerlich angenehm zu nehmende Aspirin wie das äußerlich an- 
zuwendende Mesotan einen wesentlichen Fortschritt gegenüber dem 
Salizylsäuren Natrium dar. Aehnlich ist oft die Jodzufiihrung im 
Jedipin derjenigen durch das Jodkalium vorzuziehen. Solche Bei- 
spiele ließen sich mit Leichtigkeit vermehren. — Für gewisse 
Indikationen wird der Arzt gern eine größere Auswahl von wirk- 
samen Mitteln zur Verfügung haben, so namentlich gegen Schmerzen 
der verschiedensten Art und gegen Schlaflosigkeit. Daher stellt die 
Auffindung eines wirksamen, ungefährlichen Schlaf- oder Schmerz- 
mittels -eine dankenswerte Gabe dar, wenn wir auch schon eine 
Anzahl guter derartiger Mittel besitzen. — Es ist natürlich, daß die 
organische Chemie sich bemüht, aus stark wirksamen, therapeutisch 
viel verwandten, pflanzlichen Drogen das wirksame Prinzip dar- 



22 Heinz. 

zustellen. Die Erfolge sind hier allerdings vorläufig geringe, z. B. 
sind die aus der Digitalis und dem Sekale dargestellten Produkte 
noch durchaus nicht der Ausgangsdroge gleichwertig. Bei den 
pflanzlichen Abführmitteln dagegen ist es der zielbewußten, mühsamen 
Arbeit des organischen Chemikers bereits gelungen, gut wirksame 
Beinprodukte abzuscheiden. — Die stark wirkenden offizinellen 
Pflanzen (insbesondere z. B. die Digitalis) variieren bekanntlich nach 
Standort, meteorologischen Verhältnissen, Jahreszeit sehr in ihrem 
Gehalte an wirksamen Bestandteilen. Das nach gleichem Rezepte 
angefertigte Digitalisinfus kann je nach der Herkunft der Droge 
sehr verschieden stark wirksam sein. Es sind daher alle Bestrebun- 
gen zu begrüßen, die dahin gehen, dem Arzte bezw. Patienten Drogen 
oder Arzneiformen von konstanter Zusammensetzung bezw. Wirkungs- 
weise zu liefern. Digitalispulver von konstanter Wirkung erhält man 
z. B., wenn man von bestimmten Vorräten von Blättern mit starker 
und schwacher Wirkung bestimmte Mengen miteinander mischt. 
(Die Wirkungsintensität wird in einfacher Weise durch den Tier- 
versuch — bei Digitalis am Froschherzen — ermittelt.) Ganz aus- 
gezeichnet sind die Pflanzendialysate von Golaz in Sazon in 
der Schweiz: die sorgfllltig bereiteten Extrakte werden in exakter 
Weise auf ihre pharmakodynamische Wirkung geprüft und auf ein 
bestimmtes Titre eingestellt. Die Golaz sehen Präparate sind ab- 
solut zuverlässig und, wie es scheint, auch gut haltbar. — Die 
modernen Errungenschaften der Organ* und Serumtherapie sind hier 
nicht zu besprechen. Wohl aber gehören hierher die aus bestimmten 
Organen rein dargestellten Stoffe, insbesondere das „Suprarenin^ 
oder „Adrenalin", das nicht so sehr zwecks „Organsafttherapie" als 
vielmehr als wirklich „neues Arzneimittel", nämlich als ein Mittel 
von eminent gefllßzusammenziehender Wirkung, in Betracht kommt. 
— Neben diesen neueren und neuesten Mitteln geht die Diskussion 
über einzelne alte und älteste Heilmittel fort; es sei hier an die 
erst vor kürzester Zeit erledigte Frage nach der Wirkung der an- 
organischen und organischen Eisenmittel, sowie an die so durchaus 
aktuelle Frage der therapeutischen Wirkung des Alkohols erinnert, 
lieber den Alkohol sagt einer unserer bedeutendsten Pharma- 
kologen, Binz: „Der Weingeist gehört nach meiner festen Ueber- 
zeugung zu den vielseitigsten Arzneimitteln und zu den bestwirken- 
den, die wir überhaupt besitzen." Unter Binz' Leitung sind eine 
Broihe wichtiger Untersuchungen über die Einwirkung des Alkohols 
auf Atmung und Blutdruck an Tieren und Menschen ausfföfUirt 
worden. Bezüglich der Atmung ergaben die Ven '''M 



Pharmakotherapie. 23 

die Versuche am Menschen, ganz konstant Steigerang der Atmungs- 
große, auch wenn gleichzeitig, als Alkoholwirkung auf die Hirnrinde, 
Schläfrigkeit oder selbst Schlaf eingetreten war. Danach kann der 
Alkohol gleichzeitig sedativ auf die höheren Zentren und erregend 
auf die Zentren der Medulla oblongata wirken. Die Alkoholwirkung 
auf die Atmung war von langer Dauer (über 4 Stunden) ; in keinem 
Falle trat auf eine an&ngliche Erregung eine nachfolgende Abnahme 
der Atemtätigkeit ein (auf die angewandten Dosen: 75 ccm alten 
Xereswein ; — große Dosen lähmen natürlich auch die Atmung und 
das Herz). Die Zunahme der Atemtätigkeit durch Alkoholdarreichung 
war besonders eklatant bei (durch Muskelarbeit, Radfahren etc.) Er- 
müdeten. Das Erregende im Wein ist sowohl der Alkohol (auch 
reine Lösungen von Alkohol in Wasser mit etwas Zucker wirken 
atmungssteigemd) als die aromatischen Stoffe; diese bewirkten, für 
sich geprüft, bereits in kleinen Dosen deutliche Zunahme der At- 
mungstätigkeit. — Die Aenderungen des Blutdruckes durch Alkohol 
wurden am Menschen mittels des Bas ch sehen Sphygmomanometers 
gemessen. Der Druck stieg regelmäßig parallel der Atemgröße (bei- 
spielsweise von resp. 130, 14B, 140 auf resp. 180, 160, 190 mm Hg). 
Binz erwähnt femer die Resultate der Untersuchungen Riegels, 
daß der Alkohol die Safbabscheidung des Magens steigere und zwar 
nicht nur, wenn er per os, sondern auch, wenn er per anum bei- 
gebracht wird. — Schließlich bespricht Binz die Bedeutung des 
Alkohols als Nährmittel bezw. Eiweißsparer. Der eingeführte Alkohol 
wird zu ca. 95°/o im Körper verbrannt; er liefert demgemäß ganz 
beträchtliche Mengen Energie. Bekanntlich kann durch Zufuhr von 
Kohlehydraten und Fetten die Verbrennung von Eiweiß bis zu einer 
gewissen Grenze eingeschränkt, Eiweiß gespart werden. Durch die 
exakten Untersuchungen der letzten Jahre (Neumann, Rosemann, 
Clopatt, Atwater und Benedikt) ist sicher erwiesen, daß auch 
der Alkohol als Eiweißsparer wirkt. — Binz schließt: „Erregend 
und ernährend, so erwiesen sich also mäßige Gaben Weingeist 
in den exakten Versuchen der letzten 5 Jahre. — Von der richtigen 
Wahl des Präparates hängt im einzelnen Falle alles ab. — Meine 
Ueberzeugung ist es, daß der gegenwärtig sich breitmachende Wider- 
spruch mancher Aerzte gegen die Anwendung des Weingeistes in 
Form edler Weine oder ihrer Destillate am Ejrankenbette manchem 
Kranken das Leben kostet, der in Tagen des drohenden Verfalls 
oder der vorhandenen Unterernährung durch eine richtige Anwendung 
eines guten Alkoholikums gerettet werden könnte. Das prägt sich 
auch aus in dem, was unsere Kliniker fast ohne Ausnahme über 



24 



Heinz. 



Alkohol- 
Umschläge. 



DigitaUs- 
Dialysat. 



Digitalis- 
tabletten. 



den Wert des Weingeistes als inneres Arzneimittel schreiben. Ihre 
Erfahrungen harmonieren — ich darf wohl sagen in jeder Beziehung 
— mit dem, was das wissenschaftliche Experiment gefunden hat." 

Der Heilwirkung von Alkoholumschlägen, die bekanntlich von 
Buchner zuerst lebhaft befürwortet wurden, wird von Kolbassenko 
ein warmes Loblied gesungen. Kolbassenko benutzt den sog. 
Salzwedelschen Alkoholverband: weiche Gaze, mehrfach zusammen- 
gelegt, mit 50 — 70 ccm 90— 96^/oigem Alkohol getränkt; darüber 
gut abschließende Schutadecke aus Parafßnpapier oder Wachstuch etc. ; 
der Verband ist zu erneuern, wenn der Alkohol verdunstet ist. 
Kolbassenko wendet die Alkoholumschläge nicht nur auf die 
unverletzte Haut, sondern auch auf Wundflächen an; die letzteren 
bedeckt er mit Xeroformstreupulver oder Xeroformsalbe, event. mit 
Orthoformzusatz. Die Alkoholverbände wirken vor allem günstig 
bei Eiterungen, sowohl bei Eiterungen der Oberfläche wie nament- 
lich auch bei Eiterungen in der Tiefe, selbst bei tiefgelegenen Eite- 
rungsprozessen innerer Organe (Para- und Perimetritis, Pelveoperi- 
tonitis). Sehr gut waren die Erfolge bei Karbunkulosis sowie bei 
äußeren Yerletzimgen mit Infektion, Gewebszerstörung, Fistelbil- 
dung etc. Kolbassenko ist überzeugt, selbst von einer schweren 
septikämischen Infektion des Unterarmes durch die Alkoholverbände 
am Leben erhalten bezw. geheilt worden zu sein. Er betont auch 
die schmerzstillende Wirkung des Alkohol Verbandes; dieselbe lasse 
nach, sowie der Verband ausgetrocknet sei und stelle sich mit der 
Erneuerung des Alkohols prompt wieder ein. 

Von den oben bereits erwähnten Digitalis-Standard-Präparaten 
seien zwei neue näher aufgeführt: 1. Neben dem bereits länger be- 
kannten Dialys a tum digitalis purpureae Golaz wird neuer- 
dings ein Dialysatum digitalis grandiflorae Golaz in den 
Handel gebracht. Dasselbe enthält größere Mengen von Digitoxin. 
Da das Digitoxin wohl hauptsächlich der Träger der Digitaliswirkung 
ist, ist das Dialysatum digitalis grandiflorae ein stark wirkendes 
Präparat. 2. Brunnengräbersche Digitalistabletten. Wie 
oben erwähnt, schwankt der Gehalt der Digitalisblätter an wirk- 
samen Bestandteilen stark nach Standort und Jahreszeit. Eine 
größere Anzahl untersuchter Digitalisinfuse zeigten in ihrer Wirkung 
Unterschiede von 100 — 400 °/o. Außerdem nimmt aber, wie genaue 
pharmakodynamische Untersuchungen von Kobert gezeigt haben, 
der Gehalt der gleichen Probe Digitalisblätter ganz bedeutend ab, 
auch wenn sie noch so sorgfflltig (im Vakuum getrocknet, luftdicht 
abgeschlossen) aufbewahrt wird. Die Ursache der Zersetzung ist 



Pharmakotherapie. 25 

wahrscheinlich der Sauerstoff der (in dem Auf bewahrongsgefllße mit 
eingeschlossenen) Luft. K o b e r t und W o 1 f f komprimieren nun das 
Pulver im Vakuum getrockneter Blätter mit indifferenten Stoffen 
(Milchzucker oder ähnl.); dadurch erhalten sie ein absolut haltbares, 
in der Wirkungsstärke sich nicht änderndes Präparat. Die Pastillen 
sind angenehm zu nehmen ; sie sind rationeller als ,,der alte Schlen- 
drian des Digitalisinfuses" (Kobert). Will aber jemand Digitalis- 
infus verordnen, so kann dasselbe aus den Brunnengräber sehen 
Pastillen bereitet werden. Eine Pastille entspricht einem Eßlöffel 
eines wirksamen Digitalisinfuses. Die Tabletten werden von 
Dr. Brunnengräber in B.ostock in den Handel gebracht; ein 
Gläschen mit 10 Tabletten kostet in der Apotheke 1,20 M. 

Das Jedipin (Jod-Sesamöl) ist bekanntlich von Winter nitz Jedipin, 
als ein mildes, von Nebenwirkungen freies Jodmittel in den Arznei- 
schatz eingef&hrt worden. Das Jedipin hat sich tatsächlich durch 
seine vielen guten Eigenschaften bereits Bürgerrecht erworben. 
Jetzt gibt Winternitz eine zusammenfassende Uebersicht über die 
physiologischen Grundlagen der Jodipintherapie. Das Jedipin wird 
innerlich hauptsächlich als 10^/oiges, subkutan als 26 ^/oiges Präparat 
angewandt. Ein Unterschied in der Wirkungsweise des 10°/oigen oder 
26 ^/oigen Präparates existiert nicht. Das Jedipin wird durch den 
Einfluß des Mundspeichels nicht gespalten. Ebensowenig findet eine 
Spaltung des Jodipins im Magen statt. (Die Volhardsche fermen- 
tative Fettspaltung im Magen ist nachweislich auf das Jedipin ohne 
Einfluß.) Das Jedipin gelangt also unzersetzt in den Darm. Hier 
wird es unter dem Einfluß des Pankreassekretes, der Galle und des 
Darmsaftes in Fettsäuren und Glyzerin gespalten. Das Jod bleibt 
aber hierbei an die Fettsäuren gebunden; eine Abspaltung von Jod 
findet zwar durch die Alkalien des Darmsaftes statt, aber nur 
in minimaler Menge. Es wird also bei Jodipinverabreichung aus 
dem Darm Jodzalz nur in ganz minimaler Menge aufgenommen; 
es wird vielmehr das Jodfett als solches, ganz wie jedes andere 
Fett, resorbiert. Im Blute zirkuliert also Jodfett; in ganz geringen 
Mengen wird durch die Alkalien des Blutes Jodkali abgespalten. 
Das Jedipin ist im Serum enthalten, das Jodsalz ist an die roten 
Blutkörperchen gebunden. Das im Blute zirkulierende Jodfett wird 
von den Geweben des Körpers aufgenommen und zum Teil oxydiert, 
zum Teil in den bekannten Fettdepots (ünterhautfett, Knochenmark etc.) 
abgelagert. Bei der Oxydation des Jodipins in den Geweben wird alles 
Jod als Jodkali abgespalten, und dieses kann nun seine therapeuti- 
schen Wirkungen entfalten. Das nicht oxydierte Jodfett kann in sehr 



26 Heinz. 

Jodipin. beträchtlichen Mengen zum Ansatz kommen. Es bildet dann gewisser- 
maßen ein Joddepot, aus dem beständig — auch nach Aussetzen der 
Jodmedikation — beträchtliche Mengen Jodalkali in den Kreislauf 
übergehen. So waren bei einem Hunde, der längere Zeit hindurch 
größere Jodipinmengen erhalten hatte, noch 24 Tage nach der 
letzten Jodipindose 387 mg Jod innerhalb 48 Stunden im Harne 
nachzuweisen. So lange hält beim Menschen bei injierer Jodlpin- 
darreichung die Jodausscheidung im allgemeinen nicht an; aber auch 
nach kürzerer Jodipinmedikation ist Jod immer noch 8 — 10 Tage 
im Urin oder Speichel nachzuweisen. Die Ausnützung des Jodipins 
im Darme ist eine sehr vollständige; es gehen höchstens 10°/o Jodipin 
mit den Fäzes verloren. — Bei der subkutanen Injektion des 
Jodipins erfolgt ebenfalls eine Ablagerung von Jodfett in den Fett- 
depots des Körpers: im Eückenmark, in der Leber, im Mesenterial- 
und Muskelfett etc. Die Ausscheidung von Jodalkali durch den Harn 
beginnt aber später als bei innerer Jodipinverabreichung und ist 
zunächst durch längere Zeit eine minimale (z. B. ist in den ersten 
8 Tagen Jod im Harn nicht „direkt^', sondern erst nach Veraschung 
nachzuweisen). Andererseits erstreckt sich die Jodausscheidung über 
eine weitaus längere Zeit. Von einem Autor wurde Jod im Harne 
noch 4 Monate, von einem anderen sogar 402 Tage nach der letzten 
Jodipindose nachgewiesen. Dies kommt daher, daß das injizierte 
Jodipin zunächst nur äußerst langsam resorbiert wird. Das Jodipin 
verteilt sich vom Orte der Injektion aus auf weite Strecken und 
dringt in alle Gewebslücken und Spalten ein. Es bildet also ein 
ausgedehntes, lokales Jodfettdepot im Unterhautzellgewebe, aus 
welchem nur ganz allmählich Jodipinmengen in das Blut übergeführt 
werden, die dann hier bezw. in den Geweben gespalten werden. 
Eine wenn auch geringe Spaltung des Jodipins findet auch am Orte 
der Injektion statt; das hier lokal sich abspaltende Jod kann event. 
an Ort und Stelle therapeutische Wirkungen entfalten. Hieraus er- 
klärt sich wohl die günstige Wirkung, die lokalen Jodipininjektionen 
bei Neuralgien, Ischias etc. zugeschrieben wird. Das 26 °/oige Jodipin 
gibt leichter Jod ab, als das 10^/oige; daher ist das erstere geeigneter, 
wenn man lokale Heilerfolge erzielen will. — Das Jodipin macht 
nie, oder fast nie die Erscheinungen des Jodismus, insbesondere 
tritt bei subkutaner Jodipinverabreichung Jodismus niemals ein. — 
Lesser betont (wie Winternitz), daß bei subkutaner Jodipin- 
Injektion die Besorption und Oxydation des Jodfettes eine ganz all- 
mähliche ist, während sie bei innerer Jodipindarreichung rasch und 
beträchtlich erfolgt, wenn auch in der Zeiteinheit nie so große 



Pharmakoüierapie. 27 

Mengen Jodsalz im Körper kreisen, wie bei Verabreichung von Jod- 
natrium oder Jodkalium. Bei einer Frau, die nach Einnahme von 
Jodkalium stets Erscheinungen Von Jodismus zeigte, stellten sich 
bei Behandlung mit Jodipineinspritzungen keine Nebenwirkungen 
ein. Als aber die Frau einmal 10 ccm Jedipin innerlich bekam, 
zeigten sich bei ihr sofort wieder die gewöhnlichen Nebenwirkungen 
des Jods. Dieselben verschwanden, wiewohl mit taglichen Jodipin- 
einspritzungen fortgefahren wurde. 

Ueber die endovenöse Applikation von Medikamenten EndovenOse 
handelt Mendel (Essen), der diese Form der Anwendungsweise in ^^^J^^^^ 
einer großen Anzahl Fällen in der Praxis erprobt hat. Bei der Medikamenten, 
intravenösen Injektion vermag das injizierte Medikament in ganzer 
Menge und unverändert in Aktion zu treten, während bei innerer 
wie subkutaner Anwendungsweise das Arzneimittel nur allmählich 
resorbiert wird, außerdem auch häufig an der Applikationsstelle ver- 
ändert und unwirksam gemacht wird. Die endovenöse Applikation 
ist in erster Linie indiziert bei infektiösen, insbesondere septikämischen 
Prozessen. Hier kommt es darauf an, den im Blute kreisenden 
Mikroorganismen wirksam zu begegnen, und dies erreicht man eben 
am sichersten durch direkte Einspritzung ins Blut. Das zu injizierende 
Mittel darf selbstverständlich das Blut und die Ge&ßwand nicht im 
geringsten alterieren. Ist diese Bedingung aber erfiillt, so ist die 
intravenöse Injektion durchaus ungefährlich. Natürlich muß bei der 
Injektion aseptisch vorgegangen und ohne Luftblase injiziert werden. 
Das Eindringen kleinster Mengen Luft ist jedoch kaum bedenklich; 
die Gefahren der Luftembolie von kleinen Venen her ist sicher weit 
überschätzt worden. Auch das zu&Uige Eindringen eines oder 
einzelner Keime in das Blut ist ungefährlich; vereinzelte Keime 
werden leicht durch die antibakteriellen Eigenschaften des Blutes 
abgetötet; nur wenn von einem infektiösen Herd immer und immer 
wieder zahllose Mikroben mit ihren Giftstoffen in das Blut eindringen, 
erlischt schließlich die keimtötende Kraft des Blutes; hier soll eben 
die Einführung eines wirksamen Antiseptikums in das Blut helfen. — 
Die Technik der Injektion ist eine sehr einfache; sie ist von jedem 
praktischen Arzte in der Sprechstunde leicht auszuftüiren. Man be- 
nutzt am besten eine Liebergsche Pravazspritze (ganz aus Glas) mit 
gut aufsitzender PlatiniridiumnadeL Die Nadel wird in einem 
Reagensglas ca. d Minuten ausgekocht, die Spritze mit dem ge- 
kochten Wasser ausgespritzt und dann Spritze und Nadel mit der 
Arzneiflüssigkeit gefüllt. Dann wird der Oberarm elastisch umschnürt, 
80 daß die Hautvenen sich stauen. Eine geeignete Vene fixiert man 



28 Heinz. 

Endovenöse mit dem Daumen der linken Hand unterhalb der mit Aether gut 
Applikation gereinigten Injektionsstelle und sticht dann die Nadel flach ein. 
Medikamenten. Steigt durch die Nadel eine Blutsäoie in die Spritze auf, so ist man 
in der Vene. Jedenfalls soll man sich durch Anziehen des Stempels 
hiervon überzeugen. Man entleert nun langsam und gleichmäßig den 
Spritzeninhalt in die Vene, drückt nach Ausziehen der Nadel einen 
Wattebausch auf die Einstichstelle und entfernt die Ligatur. Die 
Einstichstelle verklebt sofort; ein Verband ist unnötig. Mendel 
hat des öfteren 50 und mehr Injektionen in dieselbe Stelle derselben 
Vene gemacht, ohne daß auch nur die geringste Reaktion sich ge- 
zeigt hätte. Mendel behauptet — wohl mit Recht — , daß eine 
hypodermatische Injektion dem Empfänger gefährlicher werden 
könne, als eine intravenöse. Er hat unter mehr als 2000 intra- 
venösen Injektionen nicht eine einzige unangenehme Nebenwirkung 
beobachtet. — Die endovenöse Applikation von Arzneimitteln ist, wie 
bemerkt, in erster Linie indiziert bei Infektionskrankheiten. Bac- 
celli hat bekanntlich intravenöse Sublimatinjektionen gegen Rinder- 
pest und Tuberkulose empfohlen. Das Sublimat ist aber wegen seiner 
eiweißfUlenden und sonstigen stark giftigen Eigenschafben ein wenig 
geeignetes Mittel. 1897 führte Ored6 die intravenöse Behandlung 
mit kolloidalem Silber (Kollargol) ein. Im vorigen Jahrgang dieses 
Jahrbuches berichteten wir, daß Müller (Bütow) von der intra- 
venösen Injektion von Hydrargyrum colloidale Credo sehr gute Er- 
folge bei Septikämie gesehen habe. In Amerika ist Formalin 
(1 ' 5000) mit angeblich ausgezeichnetem Erfolge bei Pyämie, Puer- 
peralfieber etc. intravenös injiziert worden. — Bekannt ist die 
Land er er sehe Zimtsäurebehandlung mit intravenösen Injektionen. 
— Von den italienischen Aerzten wird neuerdings bei schweren 
Formen von Malaria die endovenöse Chininbehandlung mehr und 
mehr geübt; die intravenöse Applikation übt in vielen Fällen noch 
eine Heilwirkung aus, wo das Chinin, per os oder subkutan gereicht, 
versagt. — 1897 hat Herxheimer, um die unangenehmen Neben- 
wirkungen der internen und subkutanen Anwendung des Arsens zu 
vermeiden und um gleichzeitig die Wirksamkeit des Mittels zu er- 
höhen, die intravenöse Arsenikeinspritzung eingeführt. Mendel 
hat dann an ihrer Stelle die Injektion von kakodylsaurem Natrium 
empfohlen (vergl. den vorjährigen Bericht). Neuerdings verwendet 
Atozyl. Mendel das Atozyl (Metaarsensäureanilid). Dasselbe ist ein 
weißes, schwach salzig schmeckendes Pulver, das sich in warmem 
Wasser gut löst. Es enthält 87,7 ^/o Arsensäure. Gleichwohl ist es 
ca. 40mal weniger giftig als andere Arsenpräparate, wahrscheinlich 



Pharmakotherapie. 29 

weil es im Körper nur langsam zersetzt wird. Das Atoxyl war zu 
subkutanen Injektionen empfohlen. Nach Mendel stellen sich aber 
dabei, trotz peinlichster Asepsis, nicht selten, wenn auch keine be- 
trächtlichen, so doch immerhin recht lästige Eeizerscheinungen 
(Schwellung, Schmerzen, Infiltrate) ein. Mendel hat nun das 
Atoxyl intravenös injiziert. Dasselbe erwies sich hierbei als absolut 
reizlos, so daß 50 und mehr Injektionen an der gleichen Stelle 
gemacht werden konnten. Begonnen wurde mit V* com 15^/oiger 
Lösung, dann rasch gestiegen — bis höchstens 2 com 15°/oige 
Lösung = 0,3 g Atoxyl; meist wurde 0,2 g als höchste Dosis an- 
gewandt. Die Injektionen wurden meist durch 4 Wochen hindurch 
alle 2 Tage wiederholt, dann 2mal wöchentlich, und schließlich bis 
zum Ende der Kur nur alle 8 Tage. Von den 60 mit intravenösen 
Atoxylinjektionen behandelten Patienten waren 21 anämische und 
chlorotische Frauen und Mädchen, zum Teil mit nervösen Störungen, 
die schon längere Zeit vergeblich mit Eisenpräparaten etc. behandelt 
waren. Schon nach wenigen Injektionen war eine entschieden günstige 
Wirkung zu konstatieren, Kopfschmerz, Verstimmung und Herz- 
klopfen ließen nach, und nach 4 — 6 Wochen war eine ganz auf- 
fallende Besserung zu beobachten. Aehnlich gut waren die Resul- 
tate bei Nervenkrankheiten, Neurasthenie, Hysterie etc. Insbesondere 
wurden 2 Fälle von Chorea innerhalb 4 Wochen völlig geheilt. 
Glänzend war auch das Resultat in 8 Fällen von Morbus Basedowii: 
die Ernährung und Blutbildung hob sich, Exophthalmus, Struma, 
Herzpalpitationen nahmen ab, und nach 6 — 8 Wochen war an- 
scheinende Heilung eingetreten. Sehr günstige Wirkung schreibt 
Mendel dem Atoxyl bei Tuberkulose zu, ohne eine spezifische 
Wirkung anzunehmen. Initiale Fälle heilten mit Hebung des 
Allgemeinbefindens und Zunahme des Körpergewichtes aus, fort- 
geschrittene wurden gebessert. Ausgesprochen waren die Erfolge 
bei tuberkulöser Drüsenschwellung, bei Skrofulöse mit Ekzem der 
Haut, Keratitis, Drüsenschwellung am Halse. Bekannt ist die 
günstige Einwirkung des Arsens auf Hautkrankheiten. Mendel 
sah zwei hartnäckige universelle chronische Ekzeme unter Atoxyl- 
behandlung innerhidb 8 Wochen verschwinden. Durch Zufall wurde 
die Beobachtung gemacht, daß die Wallungen im Klimakterium 
durch Atoxylbehandlung gebessert wurden und nach 6 — 8 Wochen 
verschwanden; diese Beobachtung wurde noch mehrfach be- 
stätigt. 

Mendel hat des weiteren das Sublamin (Quecksilbersulfat- 
äthylendiamin) als Mittel gegen Syphilis in 1 ^/oiger Lösung zu intra- 



30 Heinz. 

Snblamin. venösen, subkutanen und intramuskulären Injektionen gebraucht. 
Die intravenösen Injektionen sind hier nicht unbedenklich; nicht 
selten, namentlich bei Injektion in enge Venen, bildeten sich in den 
Gefäßen mehr oder weniger ausgedehnte Thromben, die als resistente 
Stränge in den Venen zu fühlen waren und erst nach mehreren 
Wochen verschwanden. Die subkutanen Injektionen sind durchaus 
nicht so reizlos, wie bisher angegeben wurde : es treten Schmerz und 
Schwellung weit über die EinstichsteUe hinaus auf. Sehr empfehlens- 
wert sind dagegen nach Mendel die intramuskulären Injektionen. 
Durch das Sublamin wird ein schneller Heileffekt erzielt, und zwar 
auch bei Patienten, die früher gegen Schmierkur und Injektion un- 
löslicher Quecksilberpräparate sich refraktär verhalten hatten. Dabei 
ist die Wirkung eine durchaus milde. Patienten, die sonst auf jede 
Merkuranwendung mit heftiger Stomatitis reagierten, vertrugen das 
Sublamin ausgezeichnet. In keinem einzigen Falle kam eine Er- 
krankung der Mundschleimhaut zu stände, ebensowenig erfolgte eine 
Beizung des Darmes oder der Niere. 

Morphin. Das Morphium bewirkt nach den experimentellen Unter- 

suchungen von Riegel erst Abnahme der Magensafbsekretion, dann 
abnorme Steigerung. Holsti erhielt bei der Wiederholung der 
Biegeischen Versuche am Menschen nicht so eindeutige Resultate. 
Auf subkutane Injektion von 0,01—0,015 Morphin erfolgte meist 
anftlnglich eine Hemmung der Safbsekretion; Ausheberung des Probe- 
frühstückes zeigte Verminderung der Flüssigkeitsmengen, dickflüssige 
Beschaffenheit, geringere Azidität. Häufig, aber durchaus nicht 
immer, folgte später eine Steigerung der Saftsekretion. Bei längerem 
Gebrauch zeigte sich meist Abnahme der Azidität, sowie Ab- 
nahme der Motilität des Magens, so daß nach den gleichen Zeiten 
viel größere Flüssigkeitsmengen im Magen vorhanden waren, als 
unter normalen Verhältnissen (nach dem gleichen Probefrühstück). 
Auch Pickart (Berlin) erhielt bei der Wiederholung der Biegei- 
schen Versuche am Menschen keine eindeutigen Besultate, indem 
„sowohl bei nüchternem Magen wie auch nach Probemahlzeiten in 
einer größeren Versuchsreihe sich ein so wechselndes Verhalten in 
Bezug auf Quantität und Qualität des Magensaftes manifestierte, daß 
bindende Schlüsse im Sinne Biegeis zu ziehen nicht erlaubt schien". 

Atropin. Dagegen erwies sich Atropin in Dosen von 0,8— -0,6 mg ohne Aus- 
nahme als hemmend in Bezug auf das ergossene Sekret. Bei längerer 
Darreichung wird aber das Atropin in den betreffenden Dosen (kleinere 
sind unwirksam), wie auch entsprechende Dosen von Tinct. oder 
Eztractum belladonnae, schlecht vertragen. Dagegen erwies sich das 



Phannakotherapie. 



31 



Skopolaminum Lydrobromicum, za 0,3 mg, 2mal täglich ge- Skopoiamin. 
reicht, als wirksames Mittel, das durch 4 Wochen und länger gut 
ertragen wurde. 

lieber einige neuere Mittel fiir die Behandlung von Darmkatarrhen 
berichtet Schmeidler (Magdeburg). Er verwandte: das Honthin Honthin. 
(von Hell u. Co. in Troppau), das im Magensaft noch weniger löslich 
ist als das Tannalbin und erst im alkalischen Darmsaft zur Wirkung 
kommt. Dasselbe erwies sich in 24 Fällen von akutem Darmkatarrh 
als ein zuverlässiges, prompt wirkendes Mittel. Auch in 23 Fällen 
von chronischer Enteritis der Phthisiker leistete das Honthin gute 
Dienste. Es wurde in Dosen von 1 g 3— 6mal täglich gegeben. Un- 
angenehme Nebenwirkungen wurden nie bemerkt. — Das Forte in Fortoin. 
(Formaldehydkotoin) von Overlach, das eine Erweiterung der Darm- 
geftße hervorrufen, den Blutstrom in der Schleimhaut befördern und 
dadurch die Ernährung bezw. Restitution der erkrankten Darm- 
epithelien begünstigen soll, hat sich — bei dem chronischen Entero- 
katarrh der Phthisiker wenigstens — als wenig wirksam erwiesen. 
Eine nachhaltige Wirkung des Fortoins war nur in wenigen Fällen 
zu konstatieren; in anderen versagte es völlig, oder es trat nur 
vorübergehende Besserung ein. — Die Itrol-Glutoidkapseln itrol. 
(Sahli-Weigand) kamen in einer Anzahl akuter und chronischer 
Fälle zur Verwendung, zeigten aber keine deutliche Beeinflussung 
des Erankheitsprozesses. Die 8 a hl i sehen Glutoidkapseln (durch 
Einwirkung von Formaldehyd auf Gelatine hergestellt) sollen erst 
im Darm, durch die Einwirkung des Pankreassekretes , aufgelöst 
werden. Schmeidler fand aber in einzelnen Fällen die E^pseln 
unverändert in den Fäzes wieder. 

Im vorigen Jahre ist das Purgatin (Anthrapurpurindiacetat) Pnrgaün. 
als ein synthetisch dargestelltes Abführmittel in den Arzneischatz 
eingeführt und von Ewald, Stadelmann, Ebstein als ein mild 
und sicher wirkendes Mittel empfohlen worden. Auch v. Hößlin 
lobt das Purgatin als ein schätzenswertes, mildes Abführmittel. Es 
verursache keine Leibschmerzen und erzeuge niemals Durchfalle. 
Die Wirkung sei allerdings eine verzögerte. Bei hartnäckiger Stuhl- 
verstopfung müssen als einmalige Dosis 1,5—2,0 g gegeben werden. 
Bei chronischen Fällen kann man nach anfllnglich höherer Dosierung 
zu abendlichen Ghiben von 0,5 g übergehen. Stuhl wie häufig auch 
der Urin werden durch das Purgatin rot gef&rbt; hierauf sind die. 
Patienten vorher aufmerksam zu machen. — Kachel (Karlsruhe) 
hat das Purgatin als Abfuhrmittel bei Wöchnerinnen an Stelle des 
sonst üblichen Rizinusöls gegeben. Es wurde am 3. Tage post partum, 



32 



Heinz. 



Morgens nüchtern, zu 1,6 — 2,0 g gegeben. Es ist, da es geschmack- 
und geruchlos ist, angenehm zu nehmen. Die Wirkung ist als eine 
milde zu bezeichnen, tritt aber im Durchschnitt erst nach 7^^ Stun- 
den, in einzelnen Fällen nach 11, 15, 16 Stunden ein; in 2 Fällen 
blieb der Erfolg aus. 

Ein zweites, S3mthetisch herzustellendes Abf&hrmittel, das aber 
einen längst bekannten chemischen Körper darstellt, ist im vorigen 
Purgen. Jahre eingeführt worden, das P u r g e n. Das Purgen ist nichts anderes 
als der bekannte, durch geringste Mengen freien Alkalis rot geftrbte 
Indikator Phenolphthalein. Zu der Entdeckung der abführenden Wir- 
kung des Phenolphthaleins hat ein Zufall gefuhrt. Man hatte einem 
Weine, um ihn durch eine geschmacklose, dabei leicht nachweisbare 
Substanz zu markieren, Phenolphthalein zugesetzt ; die Personen, die 
von dem Wein getrunken hatten, hatten Durchfall bekommen. Das 
Purgen wird in Tabletten ä 0,05 und 0,01 flir Kinder, k 0,5 für Er- 
wachsene in den Handel gebracht. Es macht sichere StuhlenÜeemng 
und scheint ungifbig zu sein; jedoch ist es nach dem Urteil von Pen- 
zoldt nicht frei von unangenehmen Nebenwirkungen. — Es wiU dem 
Beferenten scheinen, als ob bei der Reichhaltigkeit unseres Arznei- 
schatzes an guten, wirksamen Abfuhrmitteln gar kein so großes 
Bedürfnis nach neuen, S3aitheti8ch dargestellten Purgantien vorhan- 
den sei. 

Penzoldt weist in der Neuauflage seines Lehrbuches der 
klinischen Arzneibehandlung wiederum nachdrücklich auf die viel- 
Rizinosoi. seitige Verwendungsfthigkeit des Rizinusöls hin. „Rizinusöl eignet 
sich für einmalige Darreichung bei einfacher Verstopfung sonst ge- 
sunder Leute, wie auch schwerer Kranker. Es ist ziemlich das einzige 
Abfuhrmittel, das bei leichten entzündlichen Erscheinungen seitens 
des Darmes, z. B. bei Koprostase mit typhlitischer Reizung, unter 
Umständen gegeben werden darf. — Das Gebiet des Rizinusöls be- 
schränkt sich nicht auf die eigentlichen Verstopfungen. Gerade bei 
gewissen Formen chronischer Diarrhöen, bei denen häufig ein wenig 
reichlicher, dünner Stuhl nach vorhergehenden Kolikschmerzen ent- 
leert wird, und welche die Folgen entzündlicher Reizung der Darm- 
schleimhaut durch alte Kotmassen sind, ist die Wirkung zuweilen 
ausgezeichnet und durch kein anderes Mittel ersetzbar. Man kann 
sagen, daß das Mittel bei Diarrhöen relativ größere Erfolge auf- 
• zuweisen hat, als bei Verstopfungen. Auch nach groben Diätfehlem, 
sowie im Beginn der Ruhr ist eine größere Gabe Rizinusöl selbst 
bei schon bestehender Diarrhöe angezeigt." — Das Rizinusöl ist am 
bequemsten in weichen Gelatinekapseln ä 2—3 g zu nehmen. Der 



Pharmakotherapie. 83 

Geschmack des Rizinusöls wird übrigens vollständig verdeckt, wenn 
man ein Spitzglas voll Kognak gießt, den Kognak bis auf ein Viertel 
wieder zurückgießt und dann das Rizinusöl in den Kognak einlaufen 
l&ßt. Es bildet sich dann eine rings von Kognak umgebene Kugel 
von Rizinusöl. Wenn man nun den Inhalt des Gläschens in einem 
Zuge herunterschluckt, spürt man absolut nichts von dem Geschmack 
des Rizinusöls. 

Im vorigen Jahre sind dem Arzneimittelschatz zwei neue Diu- 
retika zugeführt worden, die viel Beachtimg gefunden haben. Das 
Theozin und das Agurin. Insbesondere von dem Theozin werden 
sehr günstige, zum Teil eklatante Wirkungen berichtet. Das Theozin Theozin. 
ist S3mthetisch dargestelltes Theophyllin (3,7 Dimethylxanthin). Es 
wird von den Farbenfabriken vorm. Pr. Bayer in Elberfeld in den 
Handel gebracht. Das Theozin gehört zu den im Tee enthaltenen 
diuretischen Sto£Pen. Es wurde bereits vor 15 Jahren von Kos sei 
in den Teeblättem entdeckt und von diesem Forscher Theophyllin 
genannt. E. Fischer stellte gelegentlich seiner Xanthinarbeiten das 
Theophyllin künstlich dar. Aber erst durch die von W. Traube 
herrührende Synthese wurde eine billige Darstellung und damit eine 
therapeutische Verwendung des Körpers ermöglicht. Dreser hat 
das Theozin in Bezug auf seine physiologischen Eigenschaften unter- 
sucht und als stark wirksames Diuretikum erkannt. Minkowski 
hat dann das Theozin klinisch geprüft und dasselbe bei Herzaffek- 
tionen mit Stauungserscheinungen, bei Nephritis u. s. w. als wirk- 
sames Diuretikum und Antihydropikum erfunden, dessen Wirkungen 
bisweilen alle Erwartungen übertreffe. Aus dem Jahre 1903 liegen 
eine ganze Anzahl im allgemeinen durchweg günstiger Veröffent- 
lichungen vor. Meinertz (Berlin) verwandte das Theozin in einer 
Anzahl Fällen von Herzkrankheiten, Nierenkrankheiten, Fällen von 
Pleuritis, Leberzirrhose etc. Das Theozin bewirkte fast regelmäßig 
eine starke Steigerung der Diurese, oft auf das Doppelte, zuweilen 
auf das 4—6 fache. Die Wirkung war allerdings niemals eine über 
lange Zeiten nachhaltige, hörte vielmehr meistens nach einigen Tagen, 
spätestens nach einer Woche auf, so daß eine weitere Verabreichung 
des Präparates zwecklos erschien. Wurde aber mehrere Tage aus- 
gesetzt, so rief neue Theozindarreichung von neuem gesteigerte Diurese 
hervor. Die Wirkung war am ausgeprägtesten bei Veränderungen 
des Herzens und der großen Gef«lße; Schädigungen der Nieren- 
epithelien beeinträchtigten die Wirkung mehr oder weniger. Dies 
ist aber eine Erfahrung, die man an allen Diureticis macht : geschä- 
digtes Nierengewebe ist eben schwer oder gar nicht zur Sekretion 
Jahrbach der praktisoben Medizin. 1904. 3 



34 Heinz. 

Theozin. zu bringen. Zuweilen erzielte Theozin allein, wie auch Digitalis 
allein, keine genügende Diurese; dieselbe trat aber in erwünschtem 
Maße ein, wenn Theozin mit Digitalis bezw. Ko£Pein kombiniert 
wurde. Das Theozin wurde meist anstandslos vertragen ; Schädigungen 
der Niere wurden nie beobachtet, ebensowenig Erregungszustände 
oder Schlaflosigkeit. Wohl aber traten zuweilen unangenehme Neben- 
wirkungen, Störungen des Appetits, üebelkeit und auch Erbrechen 
hervor. — Das Theozin ist nach Meinertz als eine Bereicherung^ 
des Arzneischatzes anzusehen. Der Preis ist relativ hoch; da aber 
im Verhältnis zu anderen Diureticis (z. B. Diuretin) niedere Dosen 
zu nehmen sind (0,8 — 0,6 g pro dosi), ist es eher billiger, als die 
anderen neuen Diuretika. Nach Meinertz ist das Theozin am besten 
in Form von Tabletten zu gehen. — Ueber einen eklatanten Fall 
von Theozinwirkung berichtet Heß (Gera): Die Harnmenge stieg 
auf 3 Theozinpulver ä 0,8 g in 24 Stunden von 150 g auf 2500 g, 
auf ein weiteres Theozinpulver am nächsten Tage auf 8000 g, und 
hielt sich dann bei 1 — 2 Theozinpulvem täglich auf durchschnittlich. 
1800 g. Nach Heß wirkt das Theozin nur dann gut, wenn die 
einzelnen Herzschläge noch kräftig sind, wenn der Puls noch nicht 
abnorm beschleunigt oder abnorm schwach ist. — Döring (Berlin) 
hat das Theozin mit dem Theobromin und dem EofiFein verglichen. 
Das Theozin äußerte in verhältnismäßig kleinen Tagesdosen (0.5 bia 
0,9 g) ebenso gute, vielfach aber bessere Wirkungen als das Diuretin 
in weit größeren Dosen. Die Wirkung setzt — im Gegensatz zum 
Diuretin — schon am ersten Tage ein; meist ist die Diurese sogar 
am ersten Tage am größten. Die Wirkung klingt allmählich ab, 
wenn das Theozin eine längere Zeit weiter gegeben wird. In dieser 
Beziehung ist ihm das Diuretin überlegen. Dieser Nachteil wird 
aber dadurch aufgehoben, daß bei der anfanglich stärkeren Wir- 
kung die Gesamturinmenge gewöhnlich doch noch größer ist, ala 
wenn dauernd Diuretin gegeben wird. Döring gab das Theozin in 
Oblaten oder in heißem Tee. 0,75 g sind eine völlig ausreichende 
Tagesdosis. Manche Patienten erbrachen; dies ließ sich vermeiden, 
wenn die Einzeldosen kleiner gemacht wurden (0,15 g). Der Appetit 
wurde niemals beeinflußt; nur darf das Mittel nicht auf nüchternen 
Magen gegeben werden. — Kram er (Gießen) hat das Theozin mit 
zwei anderen wirksamen Diureticis, dem Diuretin und Agurin, ver- 
glichen, imd die Wirkung dieser Mittel durch sehr instruktive Kur- 
ven illustriert. Das Theozin übertrifft an Wirkungseffekt das Diu- 
retin und Agurin weitaus. Auch Kram er betont die Promptheit 
und Intensität der Theozinwirkung. Als Nebenwirkung wurde wie- 



1 



Pharmakotherapie. 35 

derum Erbrechen beobachtet. Auch Thienger (Nürnberg) findet 
in dem Theozin ein starkwirkendes Diuretikum, das an harntreiben- 
der Kraft das KofiPein und das Theobromin, bezw. dessen Doppel- 
salze, das Diuretin und Agurin, erheblich übertrifft. Die Wirkung 
des Theozins wird charakterisiert durch ein initiales, gewaltiges An- 
steigen der Diurese mit darauffolgendem raschen Abfall, der durch 
weitere Gaben Theozin meist nicht hintangehalten wird. Nach 
längerem Intervall werden wieder erheblich vermehrte Hammengen 
auf Theozin ausgeschieden, ohne jedoch die erst erreichte Höhe der 
Diurese wieder zu erreichen. Die Diurese sinkt vielmehr von einem 
Intervall zum anderen allmählich ab. Der beste diuretische Erfolg 
wird erzielt bei Stauungserscheinungen infolge von Herz-, Nieren- 
und allgemeinen Gefäßerkrankungen, sofern die Insuffizienz der be- 
tre£Penden Organe nicht unter ein gewisses Maß gesunken ist. Theo- 
zin wird, als Pulver gereicht, meist gut vertragen. Unangenehme 
Nebenwirkungen (Uebelkeit, Erbrechen) lassen sich meist durch 
Modifikationen in der Darreichung umgehen oder wenigstens redu- 
zieren. — Stroß (Wien) empfiehlt, das Theozin zur Vermeidung 
der unangenehmen Nebenerwirkungen (Druckgefähl in der Magen- 
gegend, Uebelkeit, Erbrechen) mit Extractum Belladonnae zu kom- 
binieren. 

Rp. Theozin 0,26—0,80 

Extractum BeUadonnae 0,005-0,01 
2-dmal täglich. 

Bei dieser Art der Medikation wurde das Theozin gut vertragen. 
Dabei wurden neben der diuretischen Wirkung ausgiebige Darm- 
entleerungen bewirkt, ein Zusammenwirken, das die Flüssigkeits- 
ausfuhr wesentlich vermehrt und die Behebung von Stauungen för- 
dert. Schlesinger (Wien) empfiehlt die Kombination des Theozins 
mit Adonis vemalis: 

Ep. Infus. Adonid. vemal. 6,0 : 180,0 
Theozin 0,6—1,0 
Sirup, simpl. 20,0 
In 24 St. zu verbrauchen. 

Streit (Wien) empfiehlt, zur Vermeidung von imangenehmen 
Magensymptomen das Theozin nur in Lösung, nur nach den Mahl- 
zeiten und vor allem nur in kleinen Dosen zu verabreichen. Die 
bequemste Dispensationsform böten die von den Elberfelder Farb- 
werken hergestellten Theozintabletten & 0,1 imd 0,26 g. Bei leicht 
erregbaren Patienten, bei hysterischen Frauen empfiehlt es sich, das 
Theozin mit Hedonal oder Paraldehyd zu kombinieren. 



36 Heinz. 

Agarin. Agar in ist Tbeobrominnatrium-Natrinm aceticum. Es wird in 

Pulverform in Dosen von 1,0, dmal täglich (in Oblaten) verabreicht, 
oder in Lösung: 

Ep. Agurin 6,0 

Aq. Menthae piper. ad 200,0 
In 2 Tagen zu verbrauchen. Out verkorkt zu halten! 
Das Agurin ist vor Feuchtigkeit und Luftzutritt gut zu 
schützen, da es durch den Einfluß der atmosphärischen Kohlen- 
säure schwer löslich wird. Man dispensiert die abgeteilten Agurin- 
dosen am besten in Wachskapseln, die in einem weithalsigen, gut 
verschließbaren Oläschen abgegeben werden. Das Agurin belästigt 
den Magen weit weniger als das Diuretin (Theobrominnatrium sali- 
cylicum). Es vermag wie dieses die Hammenge in wenigen Tagen 
auf das Doppelte zu steigern. Montag (Jena) sieht in dem Agarin 
ein gut wirkendes Diuretikum, das man längere Zeit fort geben 
kann, ohne daß es wie Diuretin unangenehme Nebenwirkongen (aof 
den Magen etc.) hervorrufe. Indikationen für Agurin sind haupt- 
sächlich Hydropsien bei Herzkrankheiten, sowie pleuritische und 
perikarditische Ergüsse. Bei Nephritis parenchymatosa war das 
Agurin unwirksam. — Auch F aus er (Budapest) betont, daß man 
das Agurin ohne Schaden längere Zeit hindurch geben kann. Die 
Diurese tritt schon am 1. Tage ein and erreicht am 2. und 3. Tage 
den Höhepunkt. Sie kann gesteigert werden durch Kombination 
des Mittels mit Digitalis oder durch Milchdiät. — Oanz frei von 
Nebenwirkungen ist nach Jakobi (Klansenburg) das Agurin nicht. 
Es lädiert den Magen zwar entschieden weniger als das Diuretin, 
bewirkt aber doch in einzelnen Fällen Kopfschmerz, üebelkeit, 
Brechreiz, Erbrechen. In Lösung wurde übrigens das Agurin besser 
vertragen als in Pulverform. 

HoBotan. Das Mesotan (Salizylsäaremethoxylmethylester) ist ein anter 

günstigen Auspizien eingeführtes neaes Salizylderivat. Es ist näm- 
lich ein Salizylpräparat für äußere Anwendung. Es hat also den 
Vorzug vor den innerlich zu nehmenden Salizylverbindungen, daß 
es den Magen nicht belästigt; und außerdem kommt es den Wünschen 
des Publikums, das bei Oelenk-, Knochen-, Muskel- etc. Schmerzen 
ein äußerlich anzuwendendes Mittel, am liebsten eine Einreibung 
will, entgegen. Das Mesotan hat sich daher leicht eingef&hrt, und 
es liegen bereits eine ganze Anzahl Veröffentlichungen über das neue 
Antirheamatikum vor. Flor et sah überaas günstige Erfolge von 
Mesotan bei akutem Muskelrheumatismus, femer bei Lumbago 
rhenmatica und akutem Oelenkrheumatismus. Bei chronischen 



Pharmakotherapie. 37 

Gelenkaffektionen, sowie sie rheumatischen Ursprungs waren, leistete 
das Mittel ebenfalls Gutes, ebenso bei chronischer Pleuritis sicca, 
während es bei neuralgischen Schmerzen und bei Brustschmerzen 
infolge Myokarditis versagte. — Köder hat Mesotan in 58 Fällen an 

49 Patienten versucht: in 42 Fällen von Muskel-, Gelenk- imd 
Faszienrheumatismus versagte das Mittel nur 2mal. Glänzende Er- 
folge hatte er bei subakutem Gelenkrheumatismus. Bei sensiblen 
Neuritiden versagte es. In 2 Fällen sah er als Nebenwirkimg 
Urtikaria und Dermatitis, wie auch Flor et Hautreizungen und 
Ekzeme vereinzelt gesehen hatte. Beide Autoren empfehlen daher 
schließlich das Präparat nicht rein, sondern zu gleichen Teilen mit 
Olivenöl gemischt. — Kropil erhielt im Gegensatz zu anderen 
Beobachtern auch sehr gute Erfolge bei Trigeminusneuralgien. Die 
besten Resultate hatte er bei akuter imd subakuter Arthritis, weniger 
auffallende bei chronischem Gelenkrheumatismus. Kropil ver- 
wandte das Mittel auch bei Erysipel — ohne Erfolg — , bei ver- 
schiedenen Dermatosen mit Erfolg. — Von Liepelt wurden ca. 
30 Fälle von Gelenkrheumatismus mit sehr gutem Erfolge behandelt ; 
bei verschiedenen, früher anders behandelten, rezidivierenden Fällen 
zeigte sich die Ueberlegenheit des Mittels über andere Präparate. — 
Ein sehr günstiges Urteil f&Ut auch Pos seit auf Grund von 

50 mesotanbehandelten Fällen. Er betont auch besonders, daß der 
Mißerfolg einer Mesotanbehandlung zu begründeten Zweifeln an dem 
,,rheumatischen" Ursprung des Leidens Anlaß gebe. — Gröber 
und V. Criegern wandten das Mesotan außer bei akutem und 
chronischem Gelenkrheumatismus auch bei Erkrankungen der serösen 
Häute und des Gefößsystems an. Gröber und v. Criegern legen 
vor allem Wert auf die hautreizenden Eigenschaften des Mesotans. 
Sie sehen in dem Mesotan in erster Linie ein gutes Derivans. Die 
Salizylwirkung steht ihnen erst in zweiter Linie. Sie fanden zwar 
in einem Falle Ohrensausen und Schweiße als spezifische Salizyl- 
wirkung. Aber diese Nebenwirkungen des Salizyls fehlten eben im 
allgemeinen doch, imd deshalb glauben sich Gröber und v. Crie- 
gern berechtigt, nur von einer „schwachen^ Salizylwirkung zu reden, 
„der allerdings die Umgehung des Verdauungstraktes, somit die 
Möglichkeit längerer Anwendung gegenübersteht*'. Auf der Ver- 
bindung der (überwiegenden) hautreizenden und der (schwächeren) 
spezifischen Salizylwirkung beruhe der besondere Charakter des 
Mesotans. — Auch Buhemann schreibt der reizenden, derivieren- 
den Wirkung einen Hauptcmteil an dem Erfolge des Mesotans zu. 
Auf ihr beruhe auch die rasche Schmerzlinderung durch Mesotan. 



38 Heinz. 

Mesotan. Ruhemann empfiehlt kräftige Einreibung und Bedeckung mit 
geleimter Watte oder Bedeckung mit Mesotanpflaster. Zur Ein- 
reibung ist das Mesotan nicht pur zu verwenden, da es in dieser 
Form zu stark reizt, sondern in Verbindung mit Oleum olivarum zu 
gleichen Teilen. Als praktische Vorschrift, die zugleich den etwas 
scharfen Geruch des Mesotans gut verdeckt, empfiehlt er: 
Ep. Mesotan 

Ol. oliv ana 26,0 

Ol. Lavand. gtt. V. 
Smal täglich 1 — l'/j TeelöfiPel zu verreiben. 
Das Rezept kostet über 2 M., ein allerdings verhältnismäßig hoher 
Preis. Auch Frankenburger klagt über den hohen Preis des 
Mesotans. Er berechnet, da man 20 — 30 g Mesotan zu einem Dauer- 
erfolg benötige, die für einen einzelnen Fall auflaufenden Kosten 
(inkl. Rezeptur) auf mindestens 3 — 4 M. Ruhemann empfiehlt, 
nicht immer dieselbe Hautstelle mit der Mesotanmischung einzu- 
reiben, sondern, wie bei den Einreibungen mit grauer Salbe, von 
Ort zu Ort wechselnd vorzugehen. Er rät femer, die äußere Mesotan- 
applikation mit innerer Aspirindarreichung (dmal täglich 0,5 g) zu 
verbinden, wodurch man wahre therapeutische Glanzleistungen erziele. 
Ruhemann berichtet noch, daß ein mit Mesotanpinselung be- 
handeltes Gesichtserysipel in B Tagen verschwand. — Hautreizungen 
durch Mesotan werden von fast allen Beobachtern berichtet. Die- 
selben halten sich im allgemeinen in mäßigen Grenzen. Nach Ruhe- 
mann ist gegen die Hautreizung Bepuderung mit einem Streupulver 
aus Protargol 1,0, Amylum 20,0 prompt wirksam. Zuweilen jedoch, 
namentlich bei empfindlicher Haut (Frauen) ist die Hautreizung 
eine beträchtliche, und entstehen infolge der Mesotanreizung unan- 
genehme Dermatitiden. Nach Kays er gehören, wenn die Mesotan- 
behandlung über eine Woche durchgeführt wird (2 — dmal täglich 
Einreibung mit je einem Teelöffel Mesotanöl), allgemeine urtikaria- 
ähnliche Hautausschläge zu den Alltäglichkeiten, besonders bei 
Frauen. In einem Fall beobachtete er das Auftreten allgemeiner 
bullöser Dermatitis. In einem 2. Fall traten ebenfalls massenhaft 
seröse Blasen auf; die Blasen flössen zusammen, platzten und er- 
gossen einen Tag lang große Serummengen, so daß das Bett durch- 
näßt war. Kays er empfiehlt, das Mesotan lediglich aufzupinseln 
(2mal täglich einen Teelöffel Mesotan und Oel ana), und die Stellen 
mit nicht entfetteter Watte zu bedecken. Viel länger als über eine 
Woche soll man die Mesotananwendung, besonders bei Frauen und 
Kindern, nicht ausdehnen. Beim ersten Auftreten von dauernder 



Pharmakotherapie. 



39 



Hautrötung und Schwellung soll man das Mittel sofort und definitiv 
weglassen. Denn, ist es einmal bis zur Blasenbildung gekommen, so 
besteht die Ueberempfindlichkeit der ganzen Körperhaut ftir Mesotan 
in der Regel monatelang fort. Vor dem Hausgebrauch des Mesotans 
ohne ärztliche Aufsicht ist zu warnen. — Auch Litten beobachtete 
bei Frauen (auch bei Patientinnen mit nicht besonders zarter Haut) 
nicht selten Eötung, Schwellung und Bläschenbildung, die teilweise 
schmerzte, teilweise sehr stark juckte, so daß mehrere Tage ver- 
gingen, bis unter Umschlägen mit essigsaurer Tonerde die durch das 
Medikament hervorgerufenen Nebenwirkungen sich gänzlich zurück- 
gebildet hatten. In einem Fall von allerdings sehr empfindlicher 
Haut schwoll zweimal auf Einreibung mit nur V^ Teelöffel Mesotanöl 
nach wenigen Stunden die Haut stark an und bedeckte sich mit 
Bläschen, die so unerträglich juckten, daß beständig gewechselte 
eiskalte Umschläge mit essigsaurer Tonerde bezw. Einpackung in 
Eis angewandt werden mußten. Die akute Dermatitis dauerte volle 
2 Tage und heilte dann allmählich ab. Die rheumatische Afifektion 
im Handgelenk war allerdings dabei bedeutend gebessert, die im 
Schultergelenk vollkommen ausgeheilt. 

Ueber Behandlung des Eheumatismus durch äußere Anwendung 
von Salizylpräparaten berichtet auch Zeigan. Er prüfte Mesotan, 
Glykosal und Eheumasan und erzielte mit allen drei Präparaten sehr Rheumasan. 
befriedigende Wirkungen. Das Eheumasan ist eine seifenartige 
Substanz, die 10 ^/o Salizylsäure enthalten soll. Die Anwendung 
geschah in der Weise, daß 5 — 10 g des Mittels 2— 8mal täglich auf 
die erkrankten Stellen verstrichen und diese dann in unentfettete 
Watte gewickelt wurden. Der Erfolg bestand in einer sofortigen 
Linderung der Schmerzen; Fälle von Muskelrheumatismus und 
Lumbago waren nach 4 — 5tägiger Behandlung gänzlich schmerzfrei. 
Li mehr chronischen Fällen wurden die erkrankten Glieder mit 
Eheumasan massiert und mit diesem Verfahren ein sehr gutes 
Resultat erzielt. 

Glykosal ist von Täuber dargestellter, von Merck in den Glykosal. 
Handel gebrachter MonosaUzylsäureglyzerinester. Das Präparat 
bildet ein weißes, geschmack- und geruchloses Kristallpulver, das 
sich in kaltem Wasser zu 10 ^/o, in heißem Wasser leicht löst. 
Auch in Alkohol ist das Präparat leicht löslich, während es von 
Aether und Chloroform etwas weniger leicht aufgenommen wird. 
Mit Glyzerin ist das Glykosal mischbar; von Alkalien und kohlen- 
sauren Alkalien wird der Ester leicht verseift. Die Anwendung 
geschah in 20^/oiger alkoholischer Lösung, der 10 — 20 ^/o Glyzerin zu- 



40 



Heinz. 



Giykosai. gesetzt wurde. Von der Lösung wurden 50 — 100 g auf die erkrankten 
Partien gepinselt und diese dann in Watte gewickelt. Im Durchschnitt 
6—8 Stunden nach der Pinselung zeigte der Urin deutliche Salizyl- 
reaktion, die sich während der ganzen Zeit der Behandlung in gleicher 
Stärke nachweisen ließ. Etwa 4—6 Stunden nach der Pinselung 
trat regelmäßig ein starker Schweißausbruch auf, der '/> — 2 Stunden 
anhielt. Die Schmerzen ließen allmählich nach. Hautreizungen oder 
sonstige unangenehme Nebenwirkungen wurden in keinem der be- 
handelten Fälle beobachtet. Diese Glykosalmedikation war wirksam 
auch bei Fällen von schwerstem Rheumatismus, besonders auch mit 
großen Ergüssen in die Gelenke, die in überraschend kurzer Zeit 
durch das Glykosal zum Verschwinden gebracht wurden. Zeig an 
betont, daß, wenn man den Salizylstrom von der Haut aus durch 
die Lymphbahnen der erkrankten Gelenke leitet und zwar durch die 
wiederholte Applikation des Mittels einen andauernden Strom her- 
stellt, man den Körper lange nicht mit den Salizylmengen zu über- 
lasten braucht, wie bei innerer Darreichung, abgesehen davon, daß 
die leicht zu beftirchtende Läsion des Verdauungstraktus auf diese 
Weise vermieden wird. — Ueber Glykosal berichtet auch Ratz. 
Derselbe hat das Glykosal, auch bei Benutzung alkoholischer Lösung, 
nicht so gut resorbierbar gefunden wie Zeigan. Will man Glykosal 
gut resorbierbar machen, so muß man nach ihm der GlykosaUösung 
bezw. Glykosalsalbe einen ätherischen StofiT, Terpentinöl oder Chloro* 
form, zusetzen. Recht gute Erfolge hatte dagegen Ratz bei innerer 
Darreichung des Glykosals. Dasselbe passiert den Magen unver* 
ändert und wird erst im Darm in Salizylsäure und Glyzerin gespalten. 
Das Glykosal reizt daher, im Gegensatz zu dem Salizylsäuren Natron, 
den Magen fast nie. Dabei entfaltet es volle Salizylwirkung, es 
kommt daher auch meist zu Schweißausbrüchen und zu Ohrensausen ; 
jedoch sind Ohrensausen und Schwerhörigkeit durchweg geringer 
als bei Natrium salicylicum. Zur Hervorrufung eines prompten 
therapeutischen E£Pektes müssen kräftige Dosen gegeben werden. 
Am besten verordnet man das Glykosal in Oblaten (bei akutem 
fieberhaftem Gelenkrheumatismus z. B. 6mal täglich zu je 2 g). Es 
ist darauf zu achten, daß die Oblaten gut geschlossen sind, sonst 
reizt das feine trockene Pulver die hintere Rachenwand und führt 
zu Hustenstößen. Bei Kindern ist das Glykosal als Mixtur unter 
Zusatz von Spiritus vini und eines Sirups zu geben. 

Aspirin. Das Aspirin ist in den vorhergehenden Jahresberichten mehr- 

fach besprochen worden. Penzoldt schreibt neuerdings über das- 
selbe (Lehrbuch der klinischen Arzneibehandlung, 6. Aufl.): „Aspirin 



Pharmakotherapie. 41 

oder Azetylsalizylsäure hat zweifellos eine hohe praktische Bedeutung 
gewonnen. Wenn es auch das nach meiner Meinung beim akuten 
Gelenkrheumatismus an Energie der Wirkung unübertroffene Salizyl- 
säure Natrium nicht ganz ersetzt, so tritt es doch vielfach wegen 
seiner geringeren Nebenwirkungen, insbesondere auf den Magen, 
erfolgreich in Konkurrenz. Auch die Verwendung bei Neuralgien, 
Kopfschmerzen etc. ist mit Recht schon sehr verbreitet." — Wie 
es bei den meisten vielgebrauchten Mitteln geht, stellen sich bei der 
häufigeren Anwendung allmählich gewisse Nebenwirkungen heraus, 
die anfangs wenig beobachtet wurden. So wird auch im vergangenen 
Jahre über eine ganze Anzahl von Nebenwirkungen bei Aspirin 
berichtet. Thieme, der das Aspirin sonst als Entfieberungsmittel 
bei Phthisikem sehr lobt, warnt davor, das Aspirin bei Lungen- 
kranken zu verwenden, die leicht zu Hämorrhagien neigen, da er in 
7 Fällen nach Aspirin ein Bezidiv einer vorher durchgemachten Blu- 
tung eintreten sah. — Hirschberg sah bei einem Patienten auf 1 g 
Aspirin stark infiltrierte Schwellung der Augenlider und der Unter- 
lippe und scharlachartigen Ausschlag an der Rachenschleimhaut, der 
Kopf- und Nackenhaut. — Meyer sah nach 1 g Aspirin bei einem 
Patienten ödematöse Schwellung beider oberer und unterer Augen- 
lider, der Stirn und der ganzen behaarten Kopfhaut. — Nach Otto 
zeigte ein Patient nach Einnahme von 1 g Aspirin knotige Ver- 
dickungen der Haut an Extremitäten, Rumpf, Kopf, Gesicht und Mund, 
und Verstopfung der Nase mit Schleimansammlung. Der Patient er- 
hielt aus Mißverständnis noch ein zweites Pulver: darauf Zunahme 
der Erscheinungen, Angstgefühl, Schwindel, unstillbarer Durst und 
wiederholt heftiges Erbrechen. Der Urin war leicht getrübt und 
enthielt geringe Mengen von Eiweiß. — Rabow sah auf Einnahme 
von 4mal 0,5 Aspirin heftige Schmerzen in der Magengegend und 
Neigung zum Erbrechen; Gesicht leichenblaß, mit Schweiß bedeckt, 
Puls kaum fühlbar. 

In dem verflossenen Jahre ist der Arzneimittelschatz um ein 
neues Schlafmittel, Veronal, bereichert worden, das viel Beachtung Veronai. 
gefunden hat und von allen Seiten günstig beurteilt wird. Das 
Veronal ist von E. Fischer und v. Mering in die Therapie ein- 
geführt worden. Es ist ein Hamstoffderivat, und zwar stellt es 
Diäthylmalonylhamstoff dar. Veronal ist nach Fischer und v. Mering 
ein schön kristallisierender, farbloser Stoff, der bei 191^ G. schmilzt, 
schwach bitter schmeckt, sich in ungefähr 12 Teilen kochenden 
Wassers und in ca. 146 Teilen kalten Wassers löst. Es ist ein 
prompt und sicher wirkendes Schlafmittel ohne schädliche Neben- 



40 Heinz. 

Giykosai. gesetzt wurde. Von der Lösung wurden 50 — 100 g auf die erkrankten 
Partien gepinselt und diese dann in Watte gewickelt. Im Durchschnitt 
6—8 Stunden nach der Pinselung zeigte der Urin deutliche Salizyl- 
reaktion, die sich während der ganzen Zeit der Behandlung in gleicher 
Starke nachweisen ließ. Etwa 4—5 Stunden nach der Pinselung 
trat regelmäßig ein starker Schweißausbruch auf, der '/« — 2 Stunden 
anhielt. Die Schmerzen ließen allmählich nach. Hautreizungen oder 
sonstige unangenehme Nebenwirkungen wurden in keinem der be- 
handelten Fälle beobachtet. Diese Glykosalmedikation war wirksam 
auch bei Fällen von schwerstem Bheumatismus, besonders auch mit 
großen Ergüssen in die Gelenke, die in überraschend kurzer Zeit 
durch das Giykosai zum Verschwinden gebracht wurden. Zeigan 
betont, daß, wenn man den Salizylstrom von der Haut aus durch 
die Lymphbahnen der erkrankten Gelenke leitet und zwar durch die 
wiederholte Applikation des Mittels einen andauernden Strom her- 
stellt, man den Körper lange nicht mit den Salizylmengen zu über- 
lasten braucht, wie bei innerer Darreichung, abgesehen davon, daß 
die leicht zu befürchtende Läsion des Verdauungstraktus auf diese 
Weise vermieden wird. — üeber Giykosai berichtet auch Batz. 
Derselbe hat das Giykosai, auch bei Benutzung alkoholischer Lösung, 
nicht so gut resorbierbar gefunden wie Zeigan. Will man Giykosai 
gut resorbierbar machen, so muß man nach ihm der Glykosallösung 
bezw. Glykosalsalbe einen ätherischen Stoff, Terpentinöl oder Chloro- 
form, zusetzen. Recht gute Erfolge hatte dagegen Batz bei innerer 
Darreichung des Glykosals. Dasselbe passiert den Magen unver- 
ändert und wird erst im Darm in Salizylsäure und Glyzerin gespalten. 
Das Giykosai reizt daher, im Gegensatz zu dem Salizylsäuren Natron, 
den Magen fast nie. Dabei entfaltet es volle Salizylwirkung, es 
kommt daher auch meist zu Schweißausbrüchen und zu Ohrensausen ; 
jedoch sind Ohrensausen und Schwerhörigkeit durchweg geringer 
als bei Natrium saUcylicum. Zur Hervorrufung eines prompten 
therapeutischen Effektes müssen kräftige Dosen gegeben werden. 
Am besten verordnet man das Giykosai in Oblaten (bei akutem 
fieberhaftem Gelenkrheumatismus z. B. 5mal täglich zu je 2 g). Es 
ist darauf zu achten, daß die Oblaten gut geschlossen sind, sonst 
reizt das feine trockene Pulver die hintere Bachenwand und fuhrt 
zu Hustenstößen. Bei Kindern ist das Giykosai als Mixtur unter 
Zusatz von Spiritus vini und eines Sirups zu geben. 

Aspirin. Das Aspirin ist in den vorhergehenden Jahresberichten mehr- 

fach besprochen worden. Penzoldt schreibt neuerdings über das- 
selbe (Lehrbuch der klinischen Arzneibehandlung, 6. Aufl.): „Aspirin 



Pharmakotherapie. 41 

oder Azetylsalizylsäure hat zweifellos eine hohe praktische Bedeutung 
gewonnen. Wenn es auch das nach meiner Meinung beim akuten 
Gelenkrheumatismus an Energie der Wirkung unübertro£Pene Salizyl- 
säure Natrium nicht ganz ersetzt, so tritt es doch vielfach wegen 
seiner geringeren Nebenwirkungen, insbesondere auf den Magen, 
erfolgreich in Konkurrenz. Auch die Verwendung bei Neuralgien, 
Kopfschmerzen etc. ist mit Recht schon sehr verbreitet." — Wie 
es bei den meisten vielgebrauchten Mitteln geht, stellen sich bei der 
häufigeren Anwendung allmählich gewisse Nebenwirkungen heraus, 
die anfangs wenig beobachtet wurden. So wird auch im vergangenen 
Jabre über eine ganze Anzahl von Nebenwirkungen bei Aspirin 
berichtet. Thieme, der das Aspirin sonst als Entfieberungsmittel 
bei Phthisikem sehr lobt, warnt davor, das Aspirin bei Lungen- 
kranken zu verwenden, die leicht zu Hämorrhagien neigen, da er in 
7 FäUen nach Aspirin ein Bezidiv einer vorher durchgemachten Blu- 
tung eintreten sah. — Hirschberg sah bei einem Patienten auf 1 g 
Aspirin stark infiltrierte Schwellung der Augenlider und der Unter- 
lippe und scharlachartigen Ausschlag an der Bachenschleimhaut, der 
Kopf- und Nackenhaut. — Meyer sah nach 1 g Aspirin bei einem 
Patienten ödematöse Schwellung beider oberer und unterer Augen- 
lider, der Stirn und der ganzen behaarten Kopfhaut. — Nach Otto 
zeigte ein Patient nach Einnahme von 1 g Aspirin knotige Ver- 
dickungen der Haut an Extremitäten, Rumpf, Kopf, Gesicht und Mund, 
und Verstopfung der Nase mit Schleimansammlung. Der Patient er- 
hielt aus Mißverständnis noch ein zweites Pulver: darauf Zunahme 
der Erscheinungen, Angstgefühl, Schwindel, unstillbarer Durst und 
wiederholt heftiges Erbrechen. Der Urin war leicht getrübt und 
enthielt geringe Mengen von Eiweiß. — Eabow sah auf Einnahme 
von 4mal 0,5 Aspirin heftige Schmerzen in der Magengegend und 
Neigung zum Erbrechen; Gesicht leichenblaß, mit Schweiß bedeckt, 
Puls kaum fühlbar. 

In dem verflossenen Jahre ist der Arzneimittelschatz um ein 
neues Schlafmittel, Veronal, bereichert worden, das viel Beachtung Yeronai. 
gefunden hat und von allen Seiten günstig beurteilt wird. Das 
Veronal ist von E. Fischer und v. Mering in die Therapie ein- 
geführt worden. Es ist ein Hamsto£Pderivat, und zwar stellt es 
Diäthylmalonylhamstoff dar. Veronal ist nach Fischer und v. Mering 
ein schön kristallisierender, farbloser Stoff, der bei 191^ C. schmilzt, 
schwach bitter schmeckt, sich in ungefähr 12 Teilen kochenden 
Wassers und in ca. 146 Teilen kalten Wassers löst. Es ist ein 
prompt und sicher wirkendes Schlafmittel ohne schädliche Neben- 



40 Heinz. 

Giykosai. gesetzt wurde. Von der Lösung wurden 50—100 g auf die erkrankten 
Partien gepinselt und diese dann in Watte gewickelt. Im Durchschnitt 
6—8 Stunden nach der Pinselung zeigte der Urin deutliche Salizyl- 
reaktion, die sich während der ganzen Zeit der Behandlung in gleicher 
Starke nachweisen ließ. Etwa 4—5 Stunden nach der Pinselung 
trat regelmäßig ein starker Schweißausbruch auf, der '/> — 2 Stunden 
anhielt. Die Schmerzen ließen allmählich nach. Hautreizungen oder 
sonstige unangenehme Nebenwirkungen wurden in keinem der be- 
handelten Fälle beobachtet. Diese Olykosalmedikation war wirksam 
auch bei Fällen von schwerstem Rheumatismus, besonders auch mit 
großen Ergüssen in die Gelenke, die in überraschend kurzer Zeit 
durch das Giykosai zum Verschwinden gebracht wurden. Zeig an 
betont, daß, wenn man den Salizylstrom von der Haut aus durch 
die Lymphbahnen der erkrankten Gelenke leitet und zwar durch die 
wiederholte Applikation des Mittels einen andauernden Strom her* 
stellt, man den Körper lange nicht mit den SaHzylmengen zu über- 
lasten braucht, wie bei innerer Darreichung, abgesehen davon, daß 
die leicht zu befürchtende Läsion des Verdauungstraktus auf diese 
Weise vermieden wird. — lieber Giykosai berichtet auch Ratz. 
Derselbe hat das Giykosai, auch bei Benutzung alkoholischer Lösung, 
nicht so gut resorbierbar gefunden wie Zeigan. Will man Giykosai 
gut resorbierbar machen, so muß man nach ihm der Glykosallösung 
bezw. Glykosalsalbe einen ätherischen Stoff, Terpentinöl oder Chloro- 
form, zusetzen. Recht gute Erfolge hatte dagegen Ratz bei innerer 
Darreichung des Glykosals. Dasselbe passiert den Magen unver- 
ändert und wird erst im Darm in Salizylsäure und Glyzerin gespalten. 
Das Giykosai reizt daher, im Gegensatz zu dem Salizylsäuren Natron, 
den Magen fast nie. Dabei entfaltet es volle SaUzylwirkung, es 
kommt daher auch meist zu Schweißausbrüchen und zu Ohrensausen; 
jedoch sind Ohrensausen und Schwerhörigkeit durchweg geringer 
als bei Natrium salicylicum. Zur Hervorrufung eines prompten 
therapeutischen Effektes müssen kräftige Dosen gegeben werden. 
Am besten verordnet man das Giykosai in Oblaten (bei akutem 
fieberhaftem Gelenkrheumatismus z. B. 5mal täglich zu je 2 g). Es 
ist darauf zu achten, daß die Oblaten gut geschlossen sind, sonst 
reizt das feine trockene Pulver die hintere Rachenwand und fuhrt 
zu Hustenstößen. Bei Kindern ist das Giykosai als Mixtur unter 
Zusatz von Spiritus vini und eines Sirups zu geben. 

Aspirin. Das Aspirin ist in den vorhergehenden Jahresberichten mehr- 

fach besprochen worden. Penzoldt schreibt neuerdings über das- 
selbe (Lehrbuch der klinischen Arzneibehandlung, 6. Aufl.) : „Aspirin 



Pharmakotherapie. 41 

oder Azetylsalizylsäure hat zweifellos eine hohe praktische Bedeutung 
gewonnen. Wenn es auch das nach meiner Meinung beim akuten 
Gelenkrheumatismus an Energie der Wirkung unübertroffene Salizyl- 
säure Natrium nicht ganz ersetzt, so tritt es doch vielfach wegen 
seiner geringeren Nebenwirkungen, insbesondere auf den Magen, 
erfolgreich in Konkurrenz. Auch die Verwendung bei Neuralgien, 
Kopfschmerzen etc. ist mit Eecht schon sehr verbreitet." — Wie 
es bei den meisten vielgebrauchten Mitteln geht, stellen sich bei der 
häufigeren Anwendung allmählich gewisse Nebenwirkungen heraus, 
die anfangs wenig beobachtet wurden. So wird auch im vergangenen 
Jahre über eine ganze Anzahl von Nebenwirkungen bei Aspirin 
berichtet. Thieme, der das Aspirin sonst als Entfieberungsmittel 
bei Phthisikem sehr lobt, warnt davor, das Aspirin bei Lungen- 
kranken zu verwenden, die leicht zu Hämorrhagien neigen, da er in 
7 FäUen nach Aspirin ein Rezidiv einer vorher durchgemachten Blu- 
tung eintreten sah. — Hirschberg sah bei einem Patienten auf 1 g 
Aspirin stark infiltrierte Schwellung der Augenlider und der Unter- 
lippe und scharlachartigen Ausschlag an der Bachenschleimhaut, der 
Kopf- und Nackenhaut. — Meyer sah nach 1 g Aspirin bei einem 
Patienten ödematöse Schwellung beider oberer und unterer Augen- 
lider, der Stirn und der ganzen behaarten Kopfhaut. — Nach Otto 
zeigte ein Patient nach Einnahme von 1 g Aspirin knotige Ver- 
dickungen der Haut an Extremitäten, Rumpf, Kopf, Gesicht und Mund, 
und Verstopfung der Nase mit Schleimansammlung. Der Patient er- 
hielt aus Mißverständnis noch ein zweites Pulver: darauf Zunahme 
der Erscheinungen, Angstgefühl, Schwindel, unstillbarer Durst und 
wiederholt heftiges Erbrechen. Der Urin war leicht getrübt und 
enthielt geringe Mengen von Eiweiß. — Babow sah auf Einnahme 
von 4mal 0,5 Aspirin heftige Schmerzen in der Magengegend und 
Neigung zum Erbrechen; Gesicht leichenblaß, mit Schweiß bedeckt. 
Puls kaum fühlbar. 

In dem verflossenen Jahre ist der Arzneimittelschatz um ein 
neues Schlafmittel, Veronal, bereichert worden, das viel Beachtung Yeronai. 
gefunden hat und von allen Seiten günstig beurteilt wird. Das 
Veronal ist von E. Fischer und v. Mering in die Therapie ein- 
geführt worden. Es ist ein Hamstofifderivat, und zwar steUt es 
DiäthylmalonylhamstoflFdar. Veronal ist nach Fischer und v.Mering 
ein schön kristallisierender, farbloser Stoff, der bei 191® C. schmilzt, 
schwach bitter schmeckt, sich in ungefähr 12 Teilen kochenden 
Wassers und in ca. 146 Teilen kalten Wassers lost. Es ist ein 
prompt und sicher wirkendes Schlafmittel ohne schädliche Neben- 



40 Heinz. 

Giykosai. gesetzt wurde. Von der Lösung wurden 50 — 100 g auf die erkrankten 
Partien gepinselt und diese dann in Watte gewickelt. Im Durchschnitt 
6—8 Stunden nach der Pinselung zeigte der Urin deutliche Salizyl- 
reaktion, die sich während der ganzen Zeit der Behandlung in gleicher 
Stärke nachweisen ließ. Etwa 4—6 Stunden nach der Pinselung 
trat regelmäßig ein starker Schweißaushruch auf, der '/« — 2 Stunden 
anhielt. Die Schmerzen ließen allmählich nach. Hautreizungen oder 
sonstige unangenehme Nebenwirkungen wurden in keinem der be- 
handelten Fälle beobachtet. Diese Qlykosalmedikation war wirksam 
auch bei Fällen von schwerstem Rheumatismus, besonders auch mit 
großen Ergüssen in die Gelenke, die in überraschend kurzer Zeit 
durch das Glykosal zum Verschwinden gebracht wurden. Zeig an 
betont, daß, wenn man den Salizylstrom von der Haut aus durch 
die Lymphbahnen der erkrankten Gelenke leitet und zwar durch die 
wiederholte Applikation des Mittels einen andauernden Strom her- 
stellt, man den Körper lange nicht mit den SaHzylmengen zu über- 
lasten braucht, wie bei innerer Darreichung, abgesehen davon, daß 
die leicht zu befürchtende Läsion des Verdauungstraktus auf diese 
Weise vermieden wird. — Ueber Glykosal berichtet auch Batz. 
Derselbe hat das Glykosal, auch bei Benutzung alkoholischer Lösung, 
nicht 80 gut resorbierbar gefunden wie Zeig an. Will man Glykosal 
gut resorbierbar machen, so muß man nach ihm der Glykosallösung 
bezw. Glykosalsalbe einen ätherischen Stoff, Terpentinöl oder Chloro- 
form, zusetzen. Recht gute Erfolge hatte dagegen Ratz bei innerer 
Darreichung des Glykosals. Dasselbe passiert den Magen unver- 
ändert und wird erst im Darm in Salizylsäure und Glyzerin gespalten. 
Das Glykosal reizt daher, im Gegensatz zu dem Salizylsäuren Natron, 
den Magen fast nie. Dabei entfaltet es volle Salizylwirkung, es 
kommt daher auch meist zu Schweißausbrüchen und zu Ohrensausen ; 
jedoch sind Ohrensausen und Schwerhörigkeit durchweg geringer 
als bei Natrium salicylicum. Zur Hervorrufung eines prompten 
therapeutischen Effektes müssen kräftige Dosen gegeben werden. 
Am besten verordnet man das Glykosal in Oblaten (bei akutem 
fieberhaftem Gelenkrheumatismus z. B. 6mal täglich zu je 2 g). Es 
ist darauf zu achten, daß die Oblaten gut geschlossen sind, sonst 
reizt das feine trockene Pulver die hintere Rachenwand und föhrt 
zu Hustenstößen. Bei Kindern ist das Glykosal als Mixtur unter 
Zusatz von Spiritus vini und eines Sirups zu geben. 

Aspirin. Das Aspirin ist in den vorhergehenden Jahresberichten mehr- 

fach besprochen worden. Penzoldt schreibt neuerdings über das- 
selbe (Lehrbuch der klinischen Arzneibehandlung, 6. Aufl.): „Aspirin 



Pharmakotherapie. 41 

oder Azetylsalizylsäure hat zweifellos eine hohe praktische Bedeatung 
gewonnen. Wenn es auch das nach meiner Meinung beim akuten 
Gelenkrheumatismus an Energie der Wirkung unübertroffene Salizyl- 
säure Natrium nicht ganz ersetzt, so tritt es doch vielfach wegen 
seiner geringeren Nebenwirkungen, insbesondere auf den Magen, 
erfolgreich in Konkurrenz. Auch die Verwendung bei Neuralgien, 
Kopfschmerzen etc. ist mit Recht schon sehr verbreitet." — Wie 
es bei den meisten vielgebrauchten Mitteln geht, stellen sich bei der 
häufigeren Anwendung allmählich gewisse Nebenwirkungen heraus, 
die anfangs wenig beobachtet wurden. So wird auch im vergangenen 
Jahre über eine ganze Anzahl von Nebenwirkungen bei Aspirin 
berichtet. Thieme, der das Aspirin sonst als Entfieberungsmittel 
bei Phthisikem sehr lobt, warnt davor, das Aspirin bei Lungen- 
kranken zu verwenden, die leicht zu Hämorrhagien neigen, da er in 
7 Fällen nach Aspirin ein Rezidiv einer vorher durchgemachten Blu- 
tung eintreten sah. — Hirschberg sah bei einem Patienten auf 1 g 
Aspirin stark infiltrierte Schwellung der Augenlider und der Unter- 
lippe und scharlachartigen Ausschlag an der BAchenschleimhaut, der 
Kopf- und Nackenhaut. — Meyer sah nach 1 g Aspirin bei einem 
Patienten ödematöse Schwellung beider oberer und unterer Augen- 
lider, der Stirn und der ganzen behaarten Kopfhaut. — Nach Otto 
zeigte ein Patient nach Einnahme von 1 g Aspirin knotige Ver- 
dickungen der Haut an Extremitäten, Rumpf, Kopf, Gesicht und Mund, 
und Verstopfung der Nase mit Schleimansammlung. Der Patient er- 
hielt aus Mißverständnis noch ein zweites Pulver: darauf Zunahme 
der Erscheinungen, Angstgefühl, Schwindel, unstillbarer Durst und 
wiederholt heftiges Erbrechen. Der Urin war leicht getrübt und 
enthielt geringe Mengen von Eiweiß. — Rabow sah auf Einnahme 
von 4mal 0,5 Aspirin heftige Schmerzen in der Magengegend und 
Neigung zum Erbrechen; Gesicht leichenblaß, mit Schweiß bedeckt. 
Puls kaum fählbar. 

In dem verflossenen Jahre ist der Arzneimittelschatz um ein 
neues Schlafmittel, Veronal, bereichert worden, das viel Beachtung Yeronai. 
gefiinden hat und von allen Seiten günstig beurteilt wird. Das 
Veronal ist von E. Fischer und v. Mering in die Therapie ein- 
geführt worden. Es ist ein Hamstoffderivat, und zwar stellt es 
Diäthylmalonylhamstoff dar. Veronal ist nach Fischer und v. Mering 
ein schön kristallisierender, farbloser Stoff, der bei 191^ C. schmilzt, 
schwach bitter schmeckt, sich in ungefähr 12 Teilen kochenden 
Wassers und in ca. 146 Teilen kalten Wassers löst. Es ist ein 
prompt und sicher wirkendes Schlafmittel ohne schädliche Neben- 



40 Heinz. 

Giykosai. gesetzt wurde. Von der Lösung wurden 50 — 100 g auf die erkrankten 
Partien gepinselt und diese dann in Watte gewickelt. Im Durchschnitt 
6—8 Stunden nach der Pinselung zeigte der Urin deutliche Salizyl- 
reaktion, die sich während der ganzen Zeit der Behandlung in gleicher 
Stärke nachweisen ließ. Etwa 4—6 Stunden nach der Pinselung 
trat regelmäßig ein starker Schweißausbruch auf, der V« — 2 Stunden 
anhielt. Die Schmerzen ließen allmählich nach. Hautreizungen oder 
sonstige unangenehme Nebenwirkungen wurden in keinem der be- 
handelten Fälle beobachtet. Diese Olykosalmedikation war wirksam 
auch bei Fällen von schwerstem Bheumatismus, besonders auch mit 
großen Ergüssen in die Gelenke, die in überraschend kurzer Zeit 
durch das Giykosai zum Verschwinden gebracht wurden. Zeigan 
betont, daß, wenn man den Salizylstrom von der Haut aus durch 
die L3anphbahnen der erkrankten Gelenke leitet und zwar durch die 
wiederholte Applikation des Mittels eiaen andauernden Strom her- 
stellt, man den Körper lange nicht mit den Salizylmengen zu über- 
lasten braucht, wie bei innerer Darreichung, abgesehen davon, daß 
die leicht zu befürchtende Läsion des Verdauungstraktus auf diese 
Weise vermieden wird. — lieber Giykosai berichtet auch Eatz. 
Derselbe hat das Giykosai, auch bei Benutzung alkoholischer Lösung, 
nicht so gut resorbierbar gefunden wie Zeigan. Will man Giykosai 
gut resorbierbar machen, so muß man nach ihm der Glykosallösung 
bezw. Glykosalsalbe einen ätherischen Sto£P, Terpentinöl oder Chloro- 
form, zusetzen. Recht gute Erfolge hatte dagegen Ratz bei innerer 
Darreichung des Glykosals. Dasselbe passiert den Magen unver- 
ändert und wird erst im Darm in Salizylsäure und Glyzerin gespalten. 
Das Giykosai reizt daher, im Gegensatz zu dem Salizylsäuren Natron, 
den Magen fast nie. Dabei entfaltet es volle SaUzylwirkung, es 
kommt daher auch meist zu Schweißausbrüchen und zu Ohrensausen ; 
jedoch sind Ohrensausen und Schwerhörigkeit durchweg geringer 
als bei Natrium salicylicum. Zur Hervorrufung eines prompten 
therapeutischen Effektes müssen kräftige Dosen gegeben werden. 
Am besten verordnet man das Giykosai in Oblaten (bei akutem 
fieberhaftem Gelenkrheumatismus z. B. 6mal täglich zu je 2 g). Es 
ist darauf zu achten, daß die Oblaten gut geschlossen sind, sonst 
reizt das feine trockene Pulver die hintere Rachenwand und führt 
zu Hustenstoßen. Bei Elindem ist das Giykosai als Mixtur unter 
Zusatz von Spiritus vini und eines Sirups zu geben. 

ABpirin. Das Aspirin ist in den vorhergehenden Jahresberichten mehr- 

fach besprochen worden. Penzoldt schreibt neuerdings über das- 
selbe (Lehrbuch der klinischen Arzneibehandlung, 6. Aufl.) : „Aspirin 



Pharmakotherapie. 41 

oder Azetylsalizylsäure hat zweifellos eine hohe praktische Bedeutung 
gewonnen. Wenn es auch das nach meiner Meinung beim akuten 
Gelenkrheumatismus an Energie der Wirkung unübertroffene Salizyl- 
säure Natrium nicht ganz ersetzt, so tritt es doch vielfach wegen 
seiner geringeren Nebenwirkungen, insbesondere auf den Magen, 
erfolgreich in Konkurrenz. Auch die Verwendung bei Neuralgien, 
Kopfschmerzen etc. ist mit Recht schon sehr verbreitet." — Wie 
es bei den meisten vielgebrauchten Mitteln geht, stellen sich bei der 
häufigeren Anwendung allmählich gewisse Nebenwirkungen heraus, 
die anfangs wenig beobachtet wurden. So wird auch im vergangenen 
Jahre über eine ganze Anzahl von Nebenwirkungen bei Aspirin 
berichtet. Thieme, der das Aspirin sonst als Entfieberungsmittel 
bei Phthisikem sehr lobt, warnt davor, das Aspirin bei Lungen- 
kranken zu verwenden, die leicht zu Hämorrhagien neigen, da er in 
7 FäUen nach Aspirin ein Rezidiv einer vorher durchgemachten Blu- 
tung eintreten sah. — Hirschberg sah bei einem Patienten auf 1 g 
Aspirin stark infiltrierte Schwellung der Augenlider und der Unter- 
lippe und scharlachartigen Ausschlag an der Rachenschleimhaut, der 
Kopf- und Nackenhaut. — Meyer sah nach 1 g Aspirin bei einem 
Patienten ödematöse Schwellung beider oberer und unterer Augen- 
lider, der Stirn und der ganzen behaarten Kopfhaut. — Nach Otto 
zeigte ein Patient nach Einnahme von 1 g Aspirin knotige Ver- 
dickungen der Haut an Extremitäten, Rumpf, Kopf, Gesicht und Mund, 
und Verstopfung der Nase mit Schleimansammlung. Der Patient er- 
hielt aus Mißverständnis noch ein zweites Pulver: darauf Zunahme 
der Erscheinungen, Angstgefühl, Schwindel, unstillbarer Durst und 
wiederholt heftiges Erbrechen. Der Urin war leicht getrübt und 
enthielt geringe Mengen von Eiweiß. — Rabow sah auf Einnahme 
von 4mal 0,5 Aspirin heftige Schmerzen in der Magengegend und 
Neigung zum Erbrechen; Gesicht leichenblaß, mit Schweiß bedeckt, 
Puls kaum fühlbar. 

In dem verflossenen Jahre ist der Arzneimittelschatz um ein 
neues Schlafmittel, Veronal, bereichert worden, das viel Beachtung Yeronai. 
gefiinden hat und von allen Seiten günstig beurteilt wird. Das 
Veronal ist von E. Fischer und v. Mering in die Therapie ein- 
geführt worden. Es ist ein Hamstoffderivat, und zwar stellt es 
Diäthyhnalonylhamstoff dar. Veronal ist nach Fischer und v. Mering 
ein schön kristallisierender, farbloser Stoff, der bei 191® C. schmilzt, 
schwach bitter schmeckt, sich in ungefähr 12 Teilen kochenden 
Wassers und in ca. 145 Teilen kalten Wassers löst. Es ist ein 
prompt und sicher wirkendes Schlafmittel ohne schädliche Neben- 



42 Heinz. 

Yeronal. wirkangen. Bei einfacher Schlaflosigkeit genügt in der Begel 0,5 g. 
Zur Bekämpfung von Agrypnie, die mit stärkeren Erregungszuständen 
einhergeht, kann man die Dosis bis 1 g steigern. Bei schwächlichen 
Personen, z. B. Frauen, kommt man manchmal schon mit 0,3 g aus. 
Mehr als 1 g zu geben, dürfte selten indiziert sein. Wird das Yeronal 
in Lösung gegeben, so tritt der gewünschte Effekt in etwa ^s Stunde 
ein. Am meisten empfiehlt es sich, das gepulverte Mittel in einer 
Tasse warmen Tees durch Umrühren zu lösen. Das Präparat wird 
übrigens auch in festem Zustande von den meisten Personen mit 
oder ohne Oblate gern genommen. — Poly hat im Juliusspital in 
Würzburg das Yeronal in 206 Fällen bei 52 Patienten geprüft und 
zwar bei den verschiedenartigsten Krankheiten (abgesehen von 
Geisteskrankheiten). Die Dosis war 0,25 — 0,75 g; selten wurde 1 g 
gegeben. Die Wirkung war eine außerordentlich günstige. In der 
größeren Mehrzahl der Fälle trat nach ca. V< — l^V* Stunden Schlaf 
ein. Bei reiner Schlaflosigkeit ließ das Mittel nie im Stich. Bei 
leichten Schmerzen, wie sie durch Ulcus ventriculi, Myelitis, Tuber- 
kulose, Pleuritis, Zystitis verursacht waren, war das Yeronal wirk^ 
sam : das Hypnotikum betäubte durch den tiefen Schlaf den leichten 
Schmerz. Bei stärkeren Schmerzen war das Yeronal (wie auch das 
Sulfonal, Chloralhydrat etc.) ohne jede Wirkung. Wurde aber gleich- 
zeitig als schmerzstillendes Mittel Morphin gegeben, so schliefen die 
Patienten oft die ganze Nacht, während sie auf Morphin allein zwar 
schmerzlos, aber trotzdem schlaflos waren. In einzelnen Fällen zeigte 
sich das Yeronal dem Sulfonal und Trional deutlich überlegen. Poly 
konnte bei längerer Darreichung eine Abnahme der Wirksamkeit 
nicht konstatieren. Unangenehme Nebenwirkungen wurden nie be- 
obachtet; in einigen Fällen dauerte nur eine gewisse Schläfrigkeit 
imd Müdigkeit den folgenden Vormittag an. — Schule (Freiburg) 
hat das Yeronal mit gutem Erfolge bei nervöser Insomnie versucht. 
Er fand es zu 0,5 — 0,75 g gut wirksam und frei von unangenehmen 
Nebenwirkungen. Es erzeugt ziemlich schnell einen ausgiebigen 
Schlaf. Die Intensität der Wirkung steht nach Aussage der Patienten 
der des Trionals etwas nach. Dagegen scheint die Yeronalwirkung 
eine etwas prolongiertere zu sein als die des Trionals. Die Behand- 
lung der nervösen Insomnie ist nach Schule eine der schwersten 
Aufgaben der Therapie. Yon den Medikamenten, die für die Be- 
handlung in Frage kommen, stellt er in die erste Linie das Trional 
(in heißer Lösung und mit Natr. bicarbon. zu nehmen). An zweite 
Stelle ist das Yeronal zu setzen. Dann kommt das Sulfonal, event. 
kombiniert mit Hedonal (ana 1,0). Amylenhydrat , Dormiol (2,0), 



Pharmakotherapie. 43 

Paraldehyd (3—6 g), Chloralhydrat (2 g) wirken oft recht gut, werden 
aber von vielen Kranken des abscheulichen Geschmackes wegen per- 
horresziert. Patienten mit empfindlichem Magen soll man Chloral- 
hydrat per OS auf keinen Fall geben. Auch bei Applikation per 
Klysma zeigt sich der Darm bald refraktär gegen die ätzende Sub- 
stanz. — Berendt hat Veronal im Moabiter Elrankenhause an 
80 Patienten in 190 Fällen angewandt. Bei einfacher Insomnie er- 
zielte er mit 0,5—0,76 g Veronal in allen Fällen gute Erfolge. Auch 
bei Schlaflosigkeit infolge leichter körperlicher Beschwerden : Bron- 
chitis, beginnender Phthise, Lumbago etc., wirkte das Mittel in 
diesen Dosen ziemlich prompt. Bei hochgradigen Schmerzen und 
Atemnot war es dagegen unwirksam. Bei Schlaflosigkeit im Ver- 
laufe akuter Infektionskrankheiten, wie bei leichten Erregungs- und 
XJnruhezuständen, wandte Berendt das Veronal in größeren Dosen 
(1 — Vit g) an. Wesentlich über diese Dosen ging er hinaus bei 
Zuständen starker Unruhe und Erregung, bei schwerem Alkoholis- 
mus, Delirium tremens, Aufregungszuständen bei Dementia paralytica, 
hysterischen und epileptischen Krämpfen. Er gab hier Dosen von 
2— dVs g (letztere nur bei kräftigen Männern); es trat darauf im 
Verlauf von 10 Minuten bis zu 1 Stunde Schlaf ein; derselbe war 
tief und ruhig und dauerte 7 — 11 Stunden. Ganz vorzüglich waren 
die Erfolge in einigen Fällen von beginnendem Delirium tremens; 
hier wurde das Delirium mitunter wirklich kupiert. Unangenehme 
Nebenwirkungen hat Berendt nicht gesehen; nur bestanden zu- 
weilen am nächsten Tage Schwindelgefiihl , Benommenheit und 
Schläfrigkeit. Daß das Veronal bei längerer Medikation an Wirk- 
samkeit nicht nachlasse, kann Berendt nicht bestätigen. Nach 
individuell verschiedener Zeit, bisweilen nach kaum einer Woche, 
mitunter aber auch erst in viel späterer Zeit, pflegt Gewöhnung ein- 
zutreten. Man muß dann die Dosis erhöhen oder das Mittel wechseln; 
einige Zeit nach dem Aussetzen des Sulfouals pflegt dann eine er- 
neute Darreichung wieder prompt zu wirken. — Jelly betont mit 
Becht, daß einer der größten Vorteile, den die Entdeckung eines 
guten neuen Hypnotikums mit sich bringe, die Erleichterung der 
Möglichkeit sei, mit den Schlafmitteln zu wechseln. — Sehr günstige 
Erfahrungen mit dem Veronal machte auch Lot seh auf der Leyden- 
schen Klinik. Er lobt das Mittel insbesondere auch bei Phthisis, 
sowie bei Herzkrankheiten. — Hohes Lob spendet dem Veronal 
auch Lilienfeld, der das Mittel in 460 Einzeldosen (von durch- 
schnittlich 0,5 g) bei ca. 60 Fällen von nervöser Agrypnie, Neur- 
asthenie , Hypochondrie , Hysterie , melancholischen Depressions- 



44 



Heinz. 



Yeronai. zoständen, beginnender progressiver Paralyse, organischen Rücken- 
markskrankheiten, bei Morphiumeotziehung, mit ausgezeichnetem 
Erfolge gab. Nach Lilienfeld trete keine Gewöhnung an das 
Mittel, bezw. keine Abschwächung seiner Wirkung ein. Eine Mor- 
phinistin erhielt während der Morphiumentziehung durch 2 Monate 
anfangs 1 g, später 0,5 g Veronal. Sie schlief am Ende dieser Zeit 
nach dem Mittel noch ebenso vorzüglich wie nach der ersten Dosis, 
während sie ohne Schlafmittel oder nach 1,5 g Trional fast völlig 
schlaflos war. Der Preis der Schlafdosis Veronal stellt sich nach 
Lilien feld auf ca. 17 Vs Pf« Veronal ist somit billiger als die anderen 
Schlafmittel mit Ausnahme des Ghloralhydrats. — üeber das Veronal 
liegen femer eine ganze Anzahl von Berichten aus psychiatrischen 
Kliniken vor, in denen ja die Behandlung der schlaflosen Zustände 
eine große Rolle spielt. Fischer berichtet über Erfolge auf der 
psychiatrischen Ellinik zu Jena. Behandelt wurden 76 Fälle. Davon 
war in 60 Fällen der Erfolg ein sehr guter; es trat nach V« — 1 Stunde 
ruhiger, meist traumloser Schlaf von 6 — 10 Stunden Dauer ein, nach 
dem sich die Kranken am anderen Morgen sehr wohl und erfrischt 
fehlten. Nebenerscheinungen traten nur in 7 Fällen ein; dmal 
Eingenommensein des Kopfes, 2mal Schläfrigkeit, Imal üebelkeit, 
Imal Erbrechen. — Sehr gute Erfolge sah auch Weber von dem 
Veronal auf der psychiatrischen Klinik in Göttingen. Lisbesondere 
empfiehlt er es als Beruhigungsmittel bei motorischen Aufregungs- 
zuständen aller Art, namentlich den durch Halluzinationen her- 
vorgerufenen, üeber weitere günstige Erfahrungen über Veronal 
als Hypnotikum bei Nerven- und Geisteskrankheiten berichten 
Bosenfeld (Straßburg), Würth (Hofheim), Aronheim (Gevels- 
berg) u. a. 

Als ein neues Lokalanästhetikum wird von den Höchster Färb- 
Anästhesin. werken das Anästhesin (p-Amidobenzoesäureäthylester) in den 
Handel gebracht. Dasselbe ist chemisch wie physiologisch dem 
Orthoform nahe verwandt. Es ist ein weißes, im Wasser nur wenig 
lösliches Pulver. Es wirkt anästhesierend nur da, wo es direkt mit 
den Nervenendigungen in Berührung kommt. Es besitzt also keine 
Tiefenwirkung wie das Kokain und Holokain. Andererseits ist seine 
Wirkung eine anhaltende; es entfaltet eine Dauerwirkung, die so 
lange anhält, als noch Anästhesinpulver (das wegen der schweren 
Löslichkeit nicht resorbiert wird) mit der Wundfläche, dem Ge- 
schwür etc. in Berührung ist. Das Anästhesin ist im Vergleich zu 
Kokain ungifbig. Das Anästhesin ist bisher angewandt: innerlich 
bei Ulcus ventriculi, Hyperästhesie des Magens, nervöser Dyspepsie, 



Pharmakotherapie. 45 

Vomitus gravidarum; äußerlich bei Keuchhusten, Koryza, tuber- 
kulösen Mund- und Kehlkopfgeschwüren, Stomatitis ulcerosa, Brand- 
wunden, Ulcus cruris, Intertrigo, Eautgangrän, Pruritus, insbesondere 
bei Pruritus vulvae, bei Urethritiden, Blasenzwang, Hämorrhoidal- 
leiden. — Henius (Frankfurt) hat mit sehr gutem Erfolge Erysi- 
pelas faciei mit Anästhesin behandelt. Er verwendet eine 10^/oige 
Anästhesin-Lanoh'n-Vaseline- Salbe. In den ersten Stadien der Er- 
krankung, wo es zu Blasenbildung und zu starker Hautrötung und 
Spannung kommt, wurde die Anästhesinsalbe dick auf das Gesicht 
aufgelegt und mit einer Bindenmaske bedeckt; in späteren Stadien 
wurde sie auf die geröteten Stellen in dünner Schicht aufgetragen. 
Die Anästhesinsalbe hatte immer den unverkennbaren, ausgezeich- 
neten Erfolg, die vom Erysipel befallenen Hautpartien vollständig 
schmerzfrei zu machen und während der ganzen Dauer der Krank- 
heit schmerzfrei zu halten, so daß eine der größten Beschwerden 
der Kranken fortgenommen wird. 

Aus dem unlöslichen Anästhesin hat Ritsert ein lösliches 
Anästhetikum, das paraphenolsulfosaure Anästhesin oder Subkutin, Sabkatin. 
dargesteDt. Dasselbe ist in 1^/oiger Lösung (mit 0,7^/oigem Koch- 
salzzusatz) zur Schleichschen Infiltrationsanästhesi oder zur Oberst- 
schen regionären Anästhesie geeignet. 

BekanntlichistdasYohimbinumhydrochloricumalsAphrodi- Yohimbin. 
siacum in den Arzneischatz eingeführt worden. Eine ganze Anzahl 
Berichte sprechen sich lobend über das Präparat aus. Kontraindiziert 
ist das Yohimbin, wenn chronische Entzündung oder Hyperämie der 
XJnterleibsorgane bestehen. — Wenn das Yohimbin bei innerer Ver- 
abreichung erfolglos bleibt, empfiehlt Eulenburg die subkutane 
Verwendung (2^/oige Lösung, 0,5—1,0 ccm täglich zu injizieren; 
nach eingetretener Wirkung werden die Injektionen nur alle 2 bis 
8 Tage oder noch seltener wiederholt; nach 20 Injektionen wird für 
eine längere Zeit ausgesetzt). — Neuerdings ist dem Yohimbin 
kräftige anästhesierende Wirkung zuerkannt worden. Löwy und 
Müller haben diese anästhesierende Wirkung mit exakten Methoden 
an verschiedenen Objekten untersucht. — Magnani hat dann die 
anästhesierende Wirkung des Yohimbins am Menschen festgestellt 
und zwar zunächst an sich selbst, indem er sich V« <^<^^ l^/oigQ 
Yohimbinlösung unter die Haut des linken Vorderarmes spritzte. 
Die hierauf eintretende Anästhesie war eine vollständige: Magnani 
konnte eine bis auf die Faszie reichende Inzision anlegen und die 
Wundränder durch Naht schmerzlos vereinigen. Magnani wendet 
das Yohimbin zu kleineren Operationen am Auge (Lidoperationen) 



46 



Heinz. 



Adrenalin. 



Suprarenin. 



Extractum 
Buprarenale. 
Renoform. 



an. Die WirkoBg ist eiiie ausgezeichnete. Der Muskeltonus im 
Operationsgebiet bleibt vollständig erhalten, üeble Zu&Ue (wie sie 
bei Kokain so häufig sind) treten nicht ein. 

Die Nebennierensubstanz, bezw. die aus derselben dar- 
gestellten Präparate, haben in den letzten 2 Jahren vielseitige Ver- 
wendung gefunden (vergl. den vorjährigen Bericht). Von chemisch- 
reinen Körpern werden aus den Nebennieren hergestellt das Ad- 
renalin und das Suprarenin. DasAdrenalinum hydrochloricum 
wird als 0,1 ^/o ige Lösung mit einem Zusatz von etwas Kochsalz und 
von 0,5 ^/o Chloreton von Parke, Davis & Co. in London in den 
Handel gebracht. Es dient als Stammlösung, von der man sich die 
in der Praxis zu verwendenden Lösungen (1 ; 10000—1 : 5000) durch 
Verdünnen herstellt. Der Preis der OriginaUösung stellt sich auf 
0,85 M. pro 1 com; ein Originalflacon kommt fiir Aerzte 5 M. 
(1 ccm = 18 Pf.). Von den Höchster Farbwerken wird Supra- 
reninum hydrochloricum hergestellt. Dasselbe ist in seiner 
Wirkung mit dem Adrenalin identisch. Es kommt in 0,1^/oiger 
Lösung in physiologischer Kochsalzlösung in den Handel, in Flacons 
zu 10 bezw. 25 ccm, die 1,50 bezw. 3 M. kosten. Außerdem stellt 
Merck Extractum suprarenale siccum, die Berliner „Fabrik 
organotherapeutischer Präparate" stellt Renoform und Renoform- 
präparate (Renoformpulver, Renoformwatte) dar. Die Nebennieren- 
präparate werden einmal bei Addisonscher Ejrankheit gebraucht; die 
Erfolge sind wechselnde. Dann erscheinen sie wegen ihrer prompten 
blutdrucksteigemden Wirkung vielleicht für die Behandlung der aku- 
ten Herzschwäche geeignet; jedoch ist hierüber nichts Näheres be- 
kannt geworden. Die vielseitigste Anwendung erfahren aber die 
Nebennierenpräparate durch ihre eminente blutge&ßzusammenziehende 
Wirkung. Diese wird benutzt, um entzündete Schleimhäute ab- 
schwellen zu machen, um oberflächliche Schleimhäute zu anämisieren, 
imi blutende Gefäße zur Kontraktion zu bringen, um Blutung der 
Gewebe bei nachfolgender Operation zu vermeiden, um Nachblutungen 
nach Operationen zu verhüten, imi die Wirkung von Lokalanästhe- 
tizis (Kokain) zu verstärken und zu vertiefen. Am meisten wird 
das Adrenalin etc. angewandt in der rhinologischen, laryngologischen, 
otologischen, urologischen und ophthalmologischen Praxis. 

Für das bitter schmeckende Chinin sind eine Anzahl wenig oder 
gar nicht schmeckender Ersatzmittel dargestellt worden: das Salo- 
chinin (Salizylsäureester des Chinins), das Chinaphenin (Ver- 
bindung von Chinin und Phenetidin), das Euchinin (Chininkarbon- 
säureäthylester) tmd das Aristochin (neutraler Kohlensäureester 



Pharmakotherapie. 



47 



des Chinins). Das Euch in in soll nach Penzoldt wegen des ge* Euchinin. 
ringeren Geschmackes bei Kindern, besonders bei Kenchhusten, weit- 
aus den Vorzug vor Chinin verdienen und überhaupt sich wegen 
der geringeren Nebenwirkungen empfehlen; es soll femer die Probe 
bei Malaria, selbst in den Tropen, gut bestanden haben. Dosierung 
wie bei Chinin; 1 g = 0,40 M. — Das Aristochin, ein weißes, Aristochin. 
ganz geschmackloses Pulver, soll nach Dreser vor den übrigen 
wenig bitteren Chininverbindungen, dem Euchinin, Salochinin und 
Chininum tannicum gewisse Vorzüge besitzen. Es werde leicht re- 
sorbiert, entfalte rasch seine therapeutischen Wirkungen und be- 
lästige weder den Magen noch die Darmschleimhaut. Einzeldosis 
ftir den Erwachsenen 0,6 g, für keuchhustenkranke Kinder 0,1 — 0,3 g, 
8mal täglich. 

Pyramiden wird von Byk (wie auch vorher schon von pyramidon, 
anderer Seite) warm zur Behandlung des Typhus empfohlen. Pohl 
rühmt das P3n:amidon sehr bei Phthise; es ist nach ihm das ver- 
läßlichste Antipyretikum bei Phthisis pulmonum. — Von den Höchster 
Farbwerken wird nunmehr auch salizylsaures Pyramiden, femer 
saures kampfersaures Pyramiden, das vorwiegend anti- 
hydrotisch, und neutrales kampfersaures Pyramiden, das 
vorwiegend antip3nretisch wirkt, in den Handel gebracht. — Tri- Trigemin. 
gemin ist eine Verbindung von Pyramiden und Butylchloralhydrat; 
es soll bei den schmerzhaften Affektionen der Himnerven spezifisch 
wirken. — Im vorigen Jahre wurde ein synthetisches Baldrian- 
präparat, das Valyl (Valeriansäurediäthylamid), eingeführt. Zu diesem 
ist in diesem Jahre ein zweites gekommen: Bornyval (Bomeol- Bomyval. 
isovaleriansäureester). Dasselbe ist nach Hirschlaff „ein zuver- 
lässiges, völlig unschädliches Mittel gegen funktionelle nervöse Be- 
schwerden aller Art, speziell gegen nervöse Herzbeschwerden, auf 
die es in fast spezifischer Weise einzuwirken scheint". — Das im 
vorigen Jahrgang erwähnte Helmitol (Methylenzitronensäure-Hexa- Heimitol. 
methylentetramin) , ein Verwandter des ürotropins (Hexamethy- 
lentetramin) , hat wie dieses die Eigenschaft, den Harn (durch Ab- 
spaltung kleiner Mengen Formaldehyd) zu desinfizieren und dadurch 
infektiöse Prozesse in Harnblase und Urethra günstig zu beein- 
flussen. Während ürotropin bei stark alkalischem Urin nicht oder 
nicht genügend wirksam ist, macht das Helmitol den Urin sauer 
and begünstigt dadurch den antibakteriellen Effekt. Helmitol hat 
sich bewährt bei Zystitis, Pyelitis, septischer Bakteriurie, Phosphat- 
urie, sowie als Prophylaktikum bei intravesikalen Operationen. Das 
Helmitol wird in Gaben von 1 g, dmal täglich, gereicht; als be- 



48 Heinz, 

quemste Ordinationsform empfehlen sich die Helmitoltabletten k 0,6 g. 
Das Hebnitol kann aach in erwärmter wäßriger Lösung in die 
Blase iiy'iziert und 2—8 Standen darin belassen werden; 100 — 150 ccm 
l~2*/oiger HelmitoUösang werden gut vertragen. 

Literatur. 

G. Aren da, Neue Arzneimittel und pharmazeutische Spezialitäten 
einschließlich der neuen Drogen, Organ- und SerumpilLparate. Berlin. — 
Aronheim, Veronal, ein neues Schlafmittel. Medizin. Woche Nr, 31. 

— Aronsohn, Unangenehme Nebenwirkungen des Mesotans. Deutsche 
med. Wochenschr. Nr. 44. -— Derselbe, Das Adrenalin zur Kupienmg 
von Asthmaanf&llen. Deutsche med. Wochenschr. Nr. 8. — Baum, Das 
Aristochin, ein Ersatzmittel des Chinins. Heilk. Nr. 5. — Becker, Ueber 
eine neue Verbindung des Anästhesins zur subkutanen Injektion „Subkutin*. 
Münch. med. Wochenschr. Nr. 20. — Bei au, Ueber Agurin. Elin.-therap. 
Wochenschr.* Nr. 7. — Bereut, Ueber Veronal. Therap. Monatsh. Nr. 6. 

— Bergmann, Zur Frage der laxierenden Wirkung des Purgatins. 
Wratsch Nr. 6. — Binz, Ueber den Alkohol als Arzneimittel, gemäß den 
Ergebnissen der Forschungen des letzten Jahrzehnts. Berl. klin. Wochen- 
schrift Nr. 8/4. — Biringer, Klinische Erfahrungen mit Atoxyl. Therap. 
Monatsh. Nr. 8. — R. Böhm, Lehrbuch der allgemeinen und speziellen 
Arzneiverordnungslehre für Aerzte und Studierende. 8. Aufl. Jena. — 
Bong, Zur Kenntnis der Kollargolanwendung. Therap. Monatsh. Nr. 10. 

— Braun, Zur Anwendung des Adrenalins bei anästhesierenden Gtewebs- 
injektionen. Zentralbl. f. Chir. Nr. 38. — Derselbe, Kokain und Adrenalin 
(Suprarenin). Berl. Klinik H. 187. — Derselbe, Ueber die Bedeutung 
des Adrenalins für die Chirurgie, besonders fQr die Lokalanästhesie. Münch. 
med. Wochenschr. Nr. 8. — Bresler, Ueber Veronal und seine Wirkung 
bei Erregungszuständen Geisteskranker. Psych.-neurol. Wochenschr. Nr. 9. 

— Brondgeest, Dialysatum digitalis grandiflorae (Qolaz), Digitalinnm 
purum germanioum, Infusum herb, digitalis purpureae nach Versuchen am 
isolierten Froschherz. Zentralbl. f. inn. Med. Nr. 87. — Bukofzer, Die 
Reaktion der Nasen- und Kehlkopfschleimhaut auf Nebenniereneztrakt. 
Deutsche med. Wochenschr. Nr. 41. — Byk, Ueber die Anwendung des 
Pyramidons bei Typhus abdominalis. Deutsche med. Wochenschr. Nr. 8. 

— Combemale u. Vasseur, Reflexions cliniques sur le nouveau diur^ 
tique, la th^ocine. L*Echo m^d. Nr. 34. — Gramer, Ueber die Verwen- 
dung des Adrenalins in der Qynäkologie. Deutsche med. Wochenschr. 
Nr. 34. — Döring, Theozin, ein neues Diuretikum. Münch. med. Wochen- 
schrift Nr. 9. — Dreser, Versuche über die Theozindiurese am gesunden 
Menschen. BerL klin. Wochenschr. Nr. 42. — Derselbe, Pharmakologische 
Bemerkungen über einige Salizylsäureester. Therap. Monatsh. Nr. 8. — 
Derselbe, Zwei ungewöhnliche Nebenwirkungen des Aspirins. Therap. 



Pharmakotherapie. 49 

Monatsh. Nr. 7. — Dnncanson: A note on the therapeutic value of 
adrenalin. Brit. med. Journal, 21. Febr. — Fauser, üeber Agurin. Allg. 
med. Zentralztg. Nr. 2. — Fischer, üeber die Wirkung des Yeronals. 
Therap. Monatsh. Nr. 8. — £. Fischer n. v. Me ring, üeber eine neue 
Klasse von Schlafmitteln. Therap. d. Qegenw. Nr. 3. — Fraczkiewicz, üeber 
Hedonal. Therap. Monatsh. Nr. 11. — Franke, Vergiftnngserscheinungen 
nach Aspirin. Münch. med. Wochenschr. Nr. 30. — Frankenburger, 
Ueber therapeutische Erfolge mit Mesotan. Münch. med. Wochenschr. 
Nr. 30. — Frey, Purgatin. Heilkunde Nr. 7. — Friedländer, Das 
Sublamin in der Syphilistherapie. Deutsche Aerzteztg. Nr. 4. — Gold- 
schmidt, Erfahrungen Über Benoform und Renoformpräparate. Therap. 
d. Gegenwart Nr. 7. — Gräser, Adrenalin gegen Darmblutung bei Typhus. 
Münch. med. Wochenschr. Nr. 20. — Gröber, üeber Mesotan. Heilkunde 
Nr. 2. — Heermann, Nebenwirkungen von Jodipin und Aspirin. Therap. 
Monatsh. Nr. 5. — Henius, üeber Anästhesinbehandlung des Erysipels. 
Therap. d. Gegenwart Nr. 1. — Heß, Ueber einen eklatanten Fall von 
Theozin Wirkung. Therap. Monatsh. Nr. 4. — Heuß, üeber Helmitol, ein 
neues Hamdesinfiziens. Monatsh. f. prakt. Dermatol. Bd. XXXYI, Nr. 3. — 
Hirschlaff, üeber Bomyval, ein neues stark wirkendes Baldrianpräparat. 
Allg. med. Zentralztg. Nr. 47. — Holsti, Zur Kenntnis der Wirkung 
des Morphins auf die Absonderung des Magensaftes. Zeitschr. f. klin. 
Med. Bd. XLIX. — Honigmann, Adrenalin und Lokalanästhesie. Zentral- 
blatt f. Chir. Nr. 25. — Jakob i, üeber die Wirkung des Agurins. Pester 
med.-chir. Presse Nr. 14. — Kachel, üeber die Anwendung des Purgatins 
als Abführmittel bei Wöchnerinnen. Therap. Monatsh. Nr. 8. — G. Karsten, 
Lehrbuch der Pharmakognosie des Pflanzenreiches. Für Hochschulen und 
zum Selbstunterricht mit Rücksicht auf das neue deutsche Arzneibuch. 
Jena. — Kayser, Erfahrungen mit Mesotan. Münch. med. Wochenschr. 
Nr. 88. — Kittel, Kurzer Beitrag zur Therapie des Keuchhustens. Therap. 
Monatsh. Nr. 8. — R. Kobert, Lehrbuch der Intoxikationen. IL Aufl. 
I. Bd.: Allgemeiner Teil. Stuttgart.— Derselbe, Kompendium der prakti- 
schen Toxikologie zum Gebrauche für Aerzte, Studierende und Medizinal- 
beamte. 4. Aufl. Stuttgart. — Kolbassenko, üeber Alkoholumschläge. 
Therap. Monatsh. Nr. 12. — Kramer, üeber die diuretische Wirkung des 
Theozins. Münch. med. Wochenschr. Nr. 13. — Kropil, üeber Mesotan. 
Wien. med. Presse Nr. 13. — Lange, üeber die Anwendung des Adrenalins 
als Hämostatikum in Fällen verzweifelter Blutung. Münch. med. Wochenschr. 
Nr. 2. — Lesser, Zur Kenntnis und Verhütung des Jodismus. Deutsche 
med. Wochenschr. Nr. 46. — Levy, üeber Euchinin. Deutsche Praxis Nr. 5. 
— Lilien feld, Veronal, ein neues Schlafmittel. Berl. klin. Wochenschr. 
Nr. 21. — Litten, unangenehme Nebenwirkungen des Mesotans. Deutsche 
med. Wochenschr. Nr. 47. — Löwy u. Müller, Zur Kenntnis der anästhe- 
sierenden Wirkung des Yohimbins. Münch. med. Wochenschr. Nr. 15. — 
Lotsch, Erfahrungen mit dem neuen Schlafmittel Veronal. Fortschr. d. 
Med. Nr. 19. — Lüthje, üeber die Wirkung von Salizylpräparaten auf die 
Jahrbnch der praktischen Uedicin. 1904. 4 



50 Heinz. 

Hamwege« Deutsches Arch. f. klin. Med. Bd. LXXIY. — Magnani, Znr 
anästhesierenden Wirkung des Yohimbins. Münch. med. Wochenschr. Nr. 28. 

— Mahn, Adrenalin als Mittel gegen Krebs. Münch. med. Wochenschr. 
Nr. 17. — Me inert z, Die diuretische Wirkung des Theozins. Therap. 
Monatsh. Nr. 2. — Meißner, Ueber ein äu&erlich anzuwendendes Anti- 
rheumatikum, das Mesotan. Med. Woche Nr. 10. — Mendel, Zur endo- 
venösen Applikation der Medikamente. Therap. Monatsh. Nr. 4. — Meyer, 
Die äußerliche Behandlung akuter Rheumatismen und verwandter Knmk- 
heitsformen. AUg. med. Zentralztg. Nr. 6. — Derselbe, Nebenwirkung 
nach dem Gebrauch von Aspirin. Deutsche med. Wochenschr. Nr. 7. — 
Montag, Klinische Beobachtungen Über Agurin. Therap. d. Gegenwart 
Nr. 2. — Müller, Klinisches und Bakteriologisches über Helmitol. Deutsche 
Aerzteztg. Nr. 8. — Otto, Ueber einen weiteren Fall von Nebenwirkung 
des Aspirins. Deutsche med. Wochenschr. Nr. 7. — Overlach, Trigemin, 
ein Analgetikum und Sedativum. Berl. Win. Wochenschr. Nr. 35. — Pen- 
zoldt, Lehrbuch der klinischen Arzneibehandlung. VI. Aufl. Jena 1904. 

— Penzoldt-Stintzing, Handbuch der Therapie innerer Krankheiten, 
in. Aufl. Jena. — Pickardt, Zur Kenntnis der Verwendung des Skopol- 
amins bei Magenleiden. Therap. d. Gegenwart Nr. 6. — Pohl, Ueber 
Pyramiden. Aerztl. Zentralztg. Nr. 13. — Poly, Ueber die therapeutische 
Wirkung des neuen Schlafmittels Veronal. Münch. med. Wochenschr. Nr. 20. 

— Pos seit, Ueber Mesotan, ein äußerlich anzuwendendes Antirheumatikum. 
Deutsche med. Zeitung Nr. 21. — Rabow, Nebenwirkungen von Aspirin. 
Therap. Monatsh. Nr. 5. — Rahn, Die kampfersauren Pyramidonsalze. 
Deutsche Aerzteztg. Nr. 19. — Ratz, Ueber Salizylsäureglyzerinester. 
Therap. Monatsh. Nr. 9. -- Rommel, Ueber Unguentum argenti colloidalis 
Cred^. Therap. Monatsh. Nr. 10. — Rosenfeld, Therapeutische Erfah- 
rungen mit Veronal. Therap. d. Gegenwart Nr. 4. — Rosenstein, Zur 
Behandlung der puerperalen Septikopyämie mit intravenösen Kollargol- 
iiijektionen. Therap. Monatsh. Nr. 7. — Ruhe mann, Ueber Mesotan, ein 
externes Antirheumatikum. Deutsche med. Wochenschr. Nr. 1. — Samm- 
lung taxierter, ökonomischer Kassenrezepte nebst kurzer Anleitung zum 
Rezeptschreiben. Leipzig. — Schlesinger, Bemerkimgen über die Wir- 
kung des Theozins. Therap. d. Gegenwart Nr. 3. — Schmeidler, Ueber 
einige neuere Arzneimittel für die Behandlung von Darmkatarrhen. Münch. 
med. Wochenschr. Nr. 1. — Schnaudigel, Das Suprareninum hydrochlori- 
cum. OphthalmoL Klinik Nr. 13. — Schreiner, Ueber den heutigen 
Stand der Keuchhustenbehandlung und Über neuere Erfahrungen mit Oxy- 
kampfer und Zitrophen. Therap. Monatsh. Nr. 5. — Schwartz, Ueber 
den Gebrauch von Purgentabletten als Abführmittel bei Säugling^i und 
Erwachsenen. Münch. med. Wochenschr. Nr. 36. — Schule, Ueber das 
neue Schlafmittel Veronal. Therap. Monatsh. Nr. 5. — Stiel, Ueber die 
Wirkung des Nebennierenextraktes und seine Anwendung. Münch. med. 
Wochenschr. Nr. 84. — Streit, Theozin, ein neues Diureticum. Heilkunde 
Nr. 4. — Stroß, Ueber die diuretische Wirkung des Theozins. Wien. klin. 



Pharmakotherapie. 5 1 

Rundflohaa Nr. 20. — Thieme, Erfahrungen über Aspirin. Therap. Monateh. 
Nr. 9. ~ Th ienger , Theozin als Diuretikum. Münch. med. Wochenschr. Nr. 80. 
— V. Yamossy, Ist Purgen ein schädliches Abführmittel? Münch. med. 
Wochenschr. Nr. 26. — Weber, Ueber Versuche mit Veronal, einem neuen 
Schlafmittel. Deutsche med. Wochenschr. Nr. 40. — Wiener, Das Veronal, 
ein neues Hypnotikum. Wien. med. Presse Nr. 24. — William so n, Ueber 
die Behandlung der Glykosurie und des Diabetes mellitus mit Aspirin. 
Brit med. Joum., 27. Dez. — Winkelmann, Aspirinnebenwirkung. Münch. 
med. Wochenschr. Nr. 42. — Winternitz, Ueber die physiologischen 
Grundlagen der Jedipin therapie. Münch. med. Wochenschr. Nr. 29. — 
Wolff, Ueber die physiologische Dosierung von Digitalispräparaten. Therap. 
d. Gegenwart Nr. 8. — Zeigan, Die Behandlung des Rheumatismus durch 
äußere Anwendung Ton Salizylpräparaten. Berl. klin. Wochenschr. Nr. 12. 



2. Diätetik. 

Von Med.-Bat Prof. F. Gampreelit in Weimar. 

Allgemeines. Ueber die Pflege weiblicher Schönheit bringt 

Yerhfltiing Dietrich längere Ausfuhmngen, die namentlich die Verhütung 

„ ^f" , desHäneebauchs betreffen. Durch den Druck des Korsetts werde 
Hftngebaiichs. 

die Muskulatur in ihrer Ernährung beeinträchtigt und geschwächt; 

ein Korsett ist aber nur da zu entbehren, wo die Figur an und fiir sich 
tadellos schön ist; methodische Gymnastik erhält sie so. Dietrich 
empfiehlt für die Zeit der Schwangerschaft die Karolysche Leibbinde 
an Stelle des Korsetts; sie soll nach Maß gearbeitet sein und sich 
überall auf den knöchernen Beckenring stützen. In anderen Fällen 
benutzt er eine Heftpflasterleibbinde, welche breit vom Bücken um 
den Leib geht und über der Mittellinie des Leibes handbreit klafft; 
die Bänder des klaffenden Verbandspaltes tragen Haken und über 
den Haken wird ein Bändchen zusammengeschnürt, das ein Tuch 
dekn Leibe andrückt ; später nach stattgehabter Geburt ist dann eine 
Wickelbinde aus englischem Leder zu tragen (Preis 3 M.), welche 
von jedem Bandagisten angefertigt werden kann und niemals schnüren 
soll. — Ganz ähnlich sind die Ausfrihrungen Kl eins; er empfiehlt 
eine von Krause (Wien, Theobaldgasse 25) hergestellte Leibbinde mit 
einem festen Gerüst aus horizontal angeordneten Stahlfedern ohne 
Schenkelbänder; die Binde bietet die Möglichkeit, den Bock und 
die Unterkleider daran zu befestigen, ohne die Weichteile einzu- 
schnüren, sie ist daher in hervorragender Weise dazu geeignet, an 
Stelle des Korsetts ein Toilettestück zu werden. Während bei dieser 
Binde die Zweiteilung der weiblichen Kleidung als immerhin mög- 
Korsett. Uch noch beibehalten ist, verwirft Krebs jedes Korsett, auch das 
sog. Beformmieder ; für junge Mädchen bietet die Schulter den einzig 
vernünftigen Unterstützungspunkt der Kleidung; Frauen mit stär- 
keren Hüften können auch die Hüfte zur Stützung der Kleidung 
benutzen, nur muß die Taille dann handbreit tiefer als bisher sitzen, 
damit der Band der Kleidung, ein breiter Gurt, nicht etwa ein Band, 
sich auf das knöcherne Becken ohne Einschnürung des Leibes stützen 
kann. Aehnlich sind die Batschläge von Frau Dr. Flamm, welche 



Di&tetik. 



53 



Abh&rtung 
der Kinder. 



eine bis zur Hüfte reichende, von zwei Fischbeinstäben im Bücken 
gestützte üntertaille empfiehlt, an welche die Unterkleider angeknüpft 
werden; ohne Ausnahme wird von allen das geschlossene Beinkleid 
empfohlen. — Es ist Sache der Kleidungsmodellzeichner, nach solchen 
unumstößlichen ärztlichen Grundsätzen die Mode kleidsam zu ge- 
stalten. 

lieber die Abhärtung der Kinder sind zwei Aufsätze be- 
merkenswert (Krebs, H e c k e r), welche beide auf dem Standpunkte 
stehen, daß Säuglinge nur warm zu halten und nicht abzuhärten 
sind; bei etwas größeren Kindern dagegen hat die Abhärtung ein- 
zusetzen; vom zweiten Halbjahre ab sollen Kinder ausfahren oder 
ausgehen bei jeder Witterung, im Zimmer sollen sie öfters barfuß 
oder nackt herumlaufen, im Sommer bei offenem Fenster schlafen, 
von den Kaltwasserprozeduren sind die Waschungen den üeber- 
gießungen vorzuziehen, indes für ältere Kinder kann auch eine ver- 
ständig geleitete Abhärtung mit Kaltwasserübergießungen Platz 
greifen. — Selbst fiir Säuglinge gibt es schon eine Reform- 
kleidung. Aßmus läßt dem Säugling das bisherige Hemdchen, 
ersetzt die Windel aber durch eine Windelhose mit abknöpfbarem 
Torfmullkissen, das sich im Fall der Beschmutzung leicht auswechseln 
läßt; als Oberkleid dient ein vorn und hinten geschlossenes Jäckchen, 
an das sich ein baumwollener Sack als Windelhose anknöpfen läßt. 

Neue Gesichtspunkte in der Ernährungstherapie erschließt Em&hrungs- 
Ascoli mit Hilfe der verfeinerten Methoden, Blutbestandteile durch «rapie. 
Serumpräzipitine zu erkennen; er konnte an Hunden nachweisen, 
daß sowohl nach Fütterung mit rohen Eiern als auch mit gebratenem 
Hühnerfleisch Anteile des Nahrungseiweißes in die Lymphe über- 
gehen; bei der Magenverdauung werden also mehr die bindenden 
Gruppen der Eiweißkörper zerstört, während ein Teil der Eiweiß- 
körper selbst in einem durch die Verdauung unveränderten Zustand 
zur Resorption gelangt. — Die Frage der Eiweißmast behandelt Eiweiflmast. 
Kaufmann; es gelingt sowohl durch Vermehrung des Nahrungs- 
eiweißes, als durch Vermehrung der Kalorienträger (Fett, Kohle- 
hydrate), als auch durch Kombination beider Methoden Eiweiß - 
snsatz zu erzielen, doch kann man im Stoffwechselversuch nicht stets 
aus einer Stickstoffretention auf Eiweißansatz im Körper schließen, 
wenn man nicht gleichzeitig die Salzbilanz des Körpers berücksich- 
tigt, namentlich den Fhosphorsäurestoffwechsel ; als praktischer 
Grundsatz für Mastkuren ist festzuhalten, daß die Kranken nicht 
belästigt werden sollen, daß sie Besuche empfangen und Spazier- 
gänge unternehmen können; so sind klinisch oder poliklinisch drei- 



54 



Gumprecht. 



Vegetarische 
Diftt. 



EiweiBmast. wöchentliche Mastkuren mit 10 — 15 Pfund Körpergewichtszunahme 
fast ausnahmslos durchfuhrbar. — Mit der Eiweißmast beschäftigt 
sich auch Bermbach, welcher die Fälle von daniederliegendem 
Appetit, die sehr geringes Nahrungsvolumen erfordern, vorwiegend 
mit Eiweißnahrungsmitteln ernähren will; er gibt ein Ei, ein Liter 
Milch oder etwas mehr und IdO — 280 g Fleisch, was zusammen bei- 
nahe 1000 Kalorien ausmacht; erforderlichenfalls kann das Fleisch, 
welches am leichtesten verweigert wird, durch Tropon oder Eukasin 
(bis zu 10 Eßlöffeln pro Tag) ersetzt werden ; diese geringen Nahrungs- 
mengen, meint Bermbach, seien selbst bei daniederliegendem Appetit 
stets annehmbar. — Die bekannten Vorteile und Nachteile der vege- 
tarischen Diät werden durch einen Stoffwechselversuch (Gaspari 
und Glaeßner) aufs neue illustriert: die schlechte Ausnutzung des 
Eiweißes bei Vegetariern wird durch die Einschließung des Eiweißes 
in Zellulose bedingt und bedingt ihrerseits wieder die großen Nah- 
rungsmengen zur Einfuhr und die erheblichen Nahrungsrückstände 
im Darm ; im übrigen ist aber der physiologische Nutzeffekt der ge- 
mischten vegetarischen Diät nicht von dem der animalischen Diät 
verschieden ; eine Besonderheit, welche hier zum ersten Male gefunden 
wurde, ist der Mangel der Kreatininausscheidung ; endlich ist die 
Hamsäureausscheidung nicht vermindert, was für eine endogene 
Milchnahrung. Bildung der Harnsäure spricht. Gegen die Einseitigkeit der Milch- 
nahrung bei der Ernährung Nierenkranker wendet sich Pel, 
welcher eine langdauemde strenge Milchdiät, wie sie von Pariser 
Klinikern vorgeschrieben wird, bei Nephritikem vollkommen ver- 
wirft ; aber selbst für kurze Zeit gestattet er neben Milch und Mehl- 
speisen bereits im Anfange der akuten Nierenentzündung etwas 
Schokolade, Tee, Kaffee, Buttermilch, Kompott, Limonaden, ge- 
backenes Brot, Zwieback, daneben Bouillon in sehr mäßigen Mengen ; 
schon nach 3 Wochen geht er zur gemischten Nahrung, namentlich 
zu Fleisch und Eiern, über. — Daß die subkutane Ernährung 
sich für die Praxis wenig eignet, ist schon wiederholt hervorgehoben, 
doch können Eiweißstoffe, wenn auch nicht alle, vom Unterhaut- 
gewebe aufgenommen und verwertet werden; daß der Nährstoff 
Heyden zu diesen Eiweißen zu rechnen ist, beweisen 4 Tierversuche 
von Trolldenier. 



Subkutane 
Ernährung. 



KünstUche Spezielles. Von künstlichen Nährpräparaten ist zu- 

Nihrpriparate nächst ein sehr eigenartiges Präparat mit Namen Ovos zu erwähnen 

(Kobert). Es besteht aus dem Hefeabfall der Bierbrauereien, hat 

salbenförmige Konsistenz, braune Farbe und einen würzigen Gte- 



Diätetik. 55 

schmack, ist frei von leimigem Beigeschmack; seine Lösung in 
warmem Wasser und auch in einer Suppenkräuterabkochung gibt eine 
schmackhafte Bouillon; es enthält 40 °/o Eiweiß und wenig stickstoff- 
haltige Extraktivstoffe, es nimmt daher eine Doppelstellung als 
leidliches Eiweißnährpräparat und gutes, geschmackanregendes 
Präparat ein und kann namentlich an Stelle der teueren Fleischsäfte 
empfohlen werden. Ein anderes neues Eiweißpräparat ist das 
Myogen (Neumann); es besteht aus reinem tierischen Eiweiß 
und wird aus Blutserum gewonnen; es enthält 88®/o Eiweiß, die 
daraus hergestellten Kakes 25 ^/o, neben 68°/o Kohlehydraten, und 
12 ^/o Fett; sowohl das Myogen wie die Myogenkakes werden auch 
in größeren Mengen vom Organismus gut vertragen, fast so aus- 
giebig wie Fleisch resorbiert und beinahe so gut wie Fleisch 
assimiliert. — Eine zusammenfassende Uebersicht über den Nutzen 
der Malzpräparate gibt Wolff, er empfiehlt namentlich die Maizpr&parate. 
trockenen Malzpräparate von Brunnengräber in Eostock, die etwa 
98 ^/o Kohlehydrate (davon 76 Maltose und 17 Dextrin) enthalten; 
sie sind nicht bloß als Nährpräparate, sondern auch als Blutbildner 
bedeutsam und werden als Ersatzmittel für Lebertran, Ossin, 
Lipanin vielfach treten können , namentlich wenn sie , wie es fabrik- 
mäßig jetzt geschieht, mit Lebertran oder Eizinusöl in trockener 
Form hergestellt werden. — Ein eigenartiges neueres Nährpräparat 
ist Riedels Kraft nahrung, welche nur natürliche Nährmittel, Riedels 
nämlich Bestandteile des Gerstenmalzes und Hühnereigelbs, in kon- Kraftnahrung. 
zentrierter Form enthält; es ist etwa ebenso reich an Maltose und 
Dextrin wie das ebenerwähnte Malzextrakt und stellt ein wohl- 
schmeckendes Pulver dar, das sich in Wasser, Milch, Kaffee, 
Bier etc. ebenso wie in Suppen und Breien äußerst fein verteilt und 
kaum geschmeckt wird. — Ein anderes Präparat, Salus, ist durch 
Verwendung von Kasein zum Backen hergestellt und wird durch 
Bauermeister empfohlen. 

Von allgemeiner Bedeutung sind die von Schar dinge r in der 
Allgemeinen Untersuchungsanstalt fiir Lebensmittel in Wien aus- 
führten Untersuchungen über die Zulässigkeit des Warmhaltens von 
Nahrungsmitteln in Thermophoren; die an Einzelheiten reiche Thermophor. 
Arbeit empfiehlt solche Thermophore nicht unbedingt, da manche 
Speisen (Salzkartoffeln, Kartoffelpüree) trotz fehlender bakterieller 
Veränderungen doch nach einigen Stunden unschmackhaft werden 
und da Milchproben bei 60^ Wärme faulten; die Speisen müssen 
deshalb, wenn sie in Thermophoren transportiert werden sollen, aus 
möglichst keimarmen Materialien zubereitet sein und dauernd über 



56 Oumprecht. 

Thermophor. B6* C. gehalten werden; die Thermophore von Dr. Kühn in Wien 
erfüllen letztere Forderung auf mindestens 6 — 7 Stunden. — Am 
Schlüsse dieser Betrachtungen muß eines Buches gedacht werden, 
das für jeden, der sich wissenschaftlich oder praktisch eingehend 
mit der Ernährungstherapie beschäftigt, zum Standard- Work ge- 
worden ist, V. Leydens Handbuch der Ernährungstherapie 
und Diätetik; es Uegt ietzt der erste Band in zweiter Auflage 
vor, die von Klemperer besorgt ist; aus dem allgemeinen Teil 
ist die Beschreibung der Krankenpflege, der physikalischen und 
medikamentösen Behandlung ganz weggelassen; die Zahl der Mit- 
arbeiter ist durch Zusammenlegung der Stoffgebiete etwas kleiner 
geworden, das Buch wird in dieser neuen Form umsomehr Aus- 
sicht haben, gelesen und benutzt zu werden. 

Literatur. 

As coli, Eiweißresorption. Münch. med. Wochenschr. Nr. 5. — 
A ß m u 8 , Säuglingsreformkleidung. Med. Woche Nr. 21. — Bauermeister, 
Kasein. Zeitschr. f. diät. u. pbysikal. Therap. S. 564. — Bermbach, Tberap. 
Monatsh., August, S. 395. — Bornträger, Diätvorschriften für Gesunde 
und Kranke jeder Art. 4. Aafl. Leipzig. — Caspari u. Glaeßner, 
Vegetarische Diät. Zeitschr. f. diät. u. phjsikal. Therap. S. 475. — Diet- 
rich, Leibbinde. Zentralbl. f. allgem. Gesundheitspflege H. 9, 10. — 
Dreyer, Ovos-Nährpräparat. Inaug.-Diss. Göttingen 1902. — Frau 
Dr. Flamm, Weibliche Kleidung. Ernährung und Gesundheit. Nr. 1. — 
V. Großschedel, Neues Kochbuch für Zuckerkranke. München, 98 S. — 
Heck er, Kinderabhärtung. Münch. med. Wochenschr. 1902, Nr. 46. — 
M. Kaufmann, Zeitschr. f. diät. u. phjsikal. Therap. S. 355, 440; Berl. klin. 
Wochenschr. Nr. 8. — Klein, Leibbinde. Wien. klin. Rundschau Nr. 34, 
35; Monatsschr. f. ärztl. Polyt., Nov., S. 168. — Kobert, Ovos-Nährpräparat. 
Zeitschr. f. Krankenpflege Nr. 1, S. 26. — Krebs, Kinderabhärtung. Ber]. 
klin. Wochenschr. Nr. 7. — J. Krebs, Weibliche Kleidung. Breslau. — 
V. Leyden, Handbuch der Ernährungstherapie, II. Aufl., Leipzig. — Neu- 
mann, Münch. med. Wochenschr. Nr. 3. — K. K. Pel, Ernährung Nieren- 
kranker. Zeitschr, f. diät. u. physikal. Therap. S. 3. — Schar dinger, 
Speisenthermophore. Wien. klin. Wochenschr. Nr. 16. — Siedler, Riedels 
Kraftnahrung. Zeitschr. f. Krankenpflege, Oktober, S. 385. — Troll- 
denier, Subkutane Ernährung. Berl. klin. Wochenschr. Nr. 40. — 
A. Wolff, Malzextrakt. Zeitschr. f. Krankenpflege, März, S. 101. 



3. Klimatotherapie, Pneumatotherapie, Hydrotherapie, 
Balneotherapie. 

Von Reg. -Rat Prof. Dr. J. Glax in Abbazia. 
Klimatotherapie. 
Seit Beils Buch über Aegypten (1859) ist in deutscher Sprache D»s 



keine ausführliche Beschreibung der klimatischen Verhältnisse dieses 
Landes erschienen, weshalb es uns doppelt dankenswert erscheint, 
daß nunmehr Engel Bey auf Grundlage einer mehr als zwanzig- 
jährigen Erfahrung das Winterklima Aegyptens ausführlich 
geschildert hat. Kairo, Helouan, Assuan, Luxer und die Nilfahrt 
werden eingehend besprochen und außerdem gibt Engel Bey wert- 
volle Winke betreffs der Reise und des Aufenthaltes in den ägyp- 
tischen Kurorten. Das Klima Kairos ist ein gemäßigt kontinentales 
und zeigt eine deutliche Winterperiode ; die mittlere Temperatur der 
Monate Dezember, Januar, Februar kommt ungefähr gleich derjenigen 
der letzten zwei Drittel des Mai resp. der des September in Frank- 
inrt a. M. Auch die Tagesamplitude ist in diesen Wintermonaten 
recht erheblich, dagegen ist die Veränderung der mittleren Tem- 
peratur von Tag zu Tag eine mäßige, steigt dann aber beträchtlich 
bis in den April. Von großem Wert ist es für den Kranken, daß 
er sich auf die Stabilität des Klimas mit annähernder Gewißheit 
verlassen und darauf rechnen kann, in Aegypten im Winter Tem- 
peraturen anzutreffen, die von den angegebenen Mitteln nur um ein 
geringes abweichen. Die Bewölkung ist gering und die Sonnen- 
scheindauer übertrifft in Kairo selbst jene von Daves um mehrere 
Stunden. Ln allgemeinen ist das ELlima von Aegypten trocken, doch 
erreicht die mittlere Feuchtigkeit in den drei Wintermonaten in 
Elairo immerhin 76®/o, sinkt aber im März und April schon sehr be- 
deutend herab. Die Regenmengen sind klein, doch gibt es in 
manchen Jahren häufigere, kurze Regenschauer. Die Windstärke ist 
nicht bedeutend, doch weht tagsüber durchschnittlich eine leichte 
Brise, welche anfangs Februar bisweilen recht rauh sein kann. Ende 
Februar und im März erheben sich die Südwestchamsine , welche 



Winterklima 
Aegyptens. 



58 



Glax, 



Das 

Winterklima 

Aegyptens. 



AJaccio und 
Yizzayona. 



Todtmoos. 



mit zunehmender Temperatursteigerang, Trockenheit und elektrischer 
Spannung einhergehen und sich besonders Nervösen und Herzkranken 
unangenehm fühlbar machen. In Helouan sind die Mitteltemperaturen 
höher als in Kairo, die Abkühlung bei der großen Trockenheit des 
Sandbodens geringer, ebenso die Luftfeuchtigkeit. Das mittlere monat- 
liche Minimum der Sonnenscheindauer in 4 Jahren war von Dezember 
bis März 7 Stunden taglich. Die Luftbewegung ist in Helouan stärker 
als in Kairo, und für empfindliche Patienten ist es empfehlenswert, 
von Ende Dezember bis Ende Februar nach Luxer oder Assuan zu 
gehen. Die Mitteltemperaturen Oberägyptens liegen in den Winter- 
monaten um einige Grade höher als in Kairo, dagegen sind die 
mittleren Minima nur wenig größer, aber die höhere Wärme wird 
gleichmäßiger bis in die Nacht hinein festgehalten. Die Luftfeuchtig- 
keit ist in Assuan, welches ein prononciertes Wüstenklima hat, geringer 
als in Luxer. Die Sonnenscheindauer beträgt durchschnittlich im 
Winter 10—11 Stunden. Die Windstärke ist sehr gering. Engel 
Bey empfiehlt namentlich Oberägypten für Phthisiker, wenn die- 
selben kein zu erregbares Herz haben. Die Ansicht, daß Lungen- 
kranke in der Ohamsinzeit besonders oft von Blutungen befallen 
werden, ist falsch. Herzkranke mit kompensierten Klappenfehlem 
erholen sich bei komplizierenden Bronchialkatarrhen sehr gut, be- 
sonders auch Bheumatiker. Kranke mit Herzschwäche und Myo- 
karditis sollen die Eeise unterlassen. Nieren- und Blasenkrankheiten 
werden durch das ELlima Aegyptens günstig beeinflußt, nur sollten 
Nierenkranke schon im Beginne ihres Leidens Aegypten aufsuchen. 
Neurasthenie, Hysterie und andere Nervenleiden, wenn dieselben 
einen mehr depressorischen Charakter haben, dürfen ebenfalls auf 
einen günstigen Erfolg rechnen. 

Ueber Ajaccio berichten Widemann und der jüngst ver- 
storbene dar, dessen zahlreiche Arbeiten über verschiedene Winter- 
stationen des alpinen Mittelmeergebietes und besonders über die 
Insel Korsika rühmlichst bekannt sind. Diesmal schildert Clar die 
Station Vizzavona, welche, auf einer Höhe von nahezu 1000 m liegend, 
mittels Bahn von Ajaccio in 2 Stunden erreichbar ist und es Pa- 
tienten, welche den Winter in Ajaccio zubrachten, ermöglicht, im 
Sommer eine Höhenkur zu gebrauchen, ohne die Insel zu verlassen. 
Vizzavona besitzt ein neuerbautes, komfortables Hotel, welches in 
einem Forste von Pinus laricio etwa 30 m über der Bahnstation 
liegt. — J. Schwalbe verdanken wir eine anziehende Schilderung 
des Kurortes Todtmoos im Schwarzwald, welcher durch seine 
Höhenlage (840—1150 m über dem Meere), durch seine ausgedehnten 



Klimatotherapie, Fneumatotherapie, Hydrotherapie, Balneotherapie. 59 

Waldangen und seine idyllische Euhe besonders für erethische Neur- 
astheniker, für Herzkranke im Stadium mäßiger Insuffizienz und für 
Ghreise und Eekonvaleszenten geeignet erscheint. Fhthisiker sind 
vom Kurgebrauch in Todtmoos ausgeschlossen, finden dagegen in 
dem oberhalb des Ortes gelegenen und glänzend ausgestatteten Sana- 
torium Wehrawald Aufnahme. 

Mit der klimatischen Behandlung Nervenkranker be- KUmato- 
schäftigen sich die Arbeiten von Laquer, Weber und van Oordt. *^erapie der 
Im allgemeinen bestätigt Laquer die bereits bekannte Tatsache, krankheiten. 
daß für das Hochgebirge nur kräftigere Patienten geeignet sind, 
welche man überdies nur in Etappen in das Hochgebirge senden 
sollte. Auch bei den Nervenkranken, denen die Segnungen der 
Nordsee zu teil werden sollen, kommt es auf die Konstitution der 
Patienten an. Nach Weber, welcher die Indikationen der 
Nordsee für Nervenkranke weiter ausdehnt als dies bisher 
geschehen, sind gewisse Neurasthenien mit starken nervösen Beiz- 
und Erregungszuständen für einen Aufenthalt an der Nordsee nicht 
geeignet. Bei leichten und mittelschweren Fällen von Neurasthenie 
und Hysterie, bei Melancholie und Hypochondrie, nervösen Herz- 
leiden, nervöser Dyspepsie und selbst bei einer Eeihe von diffusen 
und Systemerkrankungen des Bückenmarks beobachtete Weber in 
Nordemey gute Erfolge, van Oordt berichtet über die Vorteile 
einer systematischen Freiluftliegebehandlung für Nerven- 
kranke. Die Freiluftliegebehandlung der Nervösen besteht darin, 
daß der Patient für Wochen und selbst für Monate längere Zeit des 
Tages in ruhiger und geschützter Lage im Freien zubringt, unter 
Umständen sogar die Mahlzeiten im Freien nimmt. Besonders 
empfiehlt van Oordt die Freiluftliegebehandlung zur Durchführung 
von Mastkuren, bei Schlaflosigkeit, Herzneurosen, Tabes, leichten 
Formen der Melancholie und leichten hypochondrischen Formen der 
konstitutionellen Neurasthenie. Keine dauernden Erfolge konnten 
bei Morbus Basedowii erzielt werden. 

Singer schreibt einer Kombination des Luftbades mit dem 
Sonnenbad, dem sog. Lichtluftbad, große physiologische Wir- Liohtiuft- 
kungen und therapeutische Erfolge zu. Hervorheben möchten wir ^ ^^' 
nur, daß Singer im Sonnenbade Steigerungen der Achselhöhlen- 
temperatur bis 40® 0. bei gleichzeitigem Sinken der Mastdarm- 
temperatur beobachtet haben will und diesen Zustand irrigerweise 
als einen fieberhaften bezeichnet. Franz Müller hat in Wester- 
land und Sylt den Einfluß des Seeklimas und der Seebäder 
auf den Gesamtstoffwechsel des Menschen studiert, in- 



60 Glax. 

Einfluß des dem er Eespirationsyersuche nach der Zuntz sehen Methode an- 

^d^^TeMd^r^ Stellte, und zwar in vollkommener Ruhe früh Morgens im Bett oder 

aaf den &u^ ^^^ Chaiselongue mindestens 3 Stunden nach dem ersten Früh- 

Gesamtstoff- gtück. Als Vergleich dienten Buheversuche, die in gleicher Weise 

lienschcn * vor der Abreise in Berlin angestellt wurden. Der direkte Einfluß 
des Seeklimas und der Seebäder auf den StofPumsatz trat hierbei 
deutlich hervor, indem schon am ersten Morgen bei zwei Versuchs- 
personen eine erhebliche Steigerung des SauerstofPverbrauchs und 
der COj-Bildung bei unverändertem Atemvolumen zu konstatieren 
war. Die Seebäder hatten eine stundenlang steigernde Wirkung auf 
den Stoffiimsatz. 

Dentsch-sud- Dovo und Katz erörtern die Trage, inwieweit Deutsch- 

westaWka Südwestaf rika als Kuraufenthalt für Tuberkulöse ge- 
als Kur- 
aufenthait für eignet erscheint. Der Grundzug des BLlimas von Deutsch-Südwest- 

Tuberkulöse, afrika ist Gleichmäßigkeit der Temperatur, dem wir in Europa 
nichts Aehnliches an die Seite zu stellen haben und welcher für den 
dauernden Aufenthalt von Lungenkranken unschätzbar ist. Dabei 
sind die Tagesschwankungen zu allen Jahreszeiten sehr groß, so 
daß man stets auf kühle Nächte rechnen kann. Die Luft ist sehr 
trocken, ähnlich jener der Winterluft Oberägyptens, und die Sonnen- 
scheindauer ist eine sehr bedeutende. Diese Beobachtungen Doves im 
Vereine mit der Tatsache einer vollkommenen Tuberkuloseimmunität 
der Eingeborenen und der überaus günstigen Beeinflussung lungen- 
kranker Einwanderer machen Deutsch-Südwestafrika zu einem Lande, 
wie es geeigneter zur Behandlung der Phthise kaum zu finden sein 
dürfte. 
Das Kurschiff Der Gedanke, schwimmende Sanatorien einzurichten, ist 

^^v ^^^^'^' nicht neu, doch scheiterte seine Ausführung bisher hauptsächlich an 
dem Kostenpunkte. Michael und Maurer haben es nun unter- 
nommen, im Vereine mit dem Schiffbauingenieur Gätjens , den Plan 
zu einem Kurschiff zu entwerfen. Das Schiff ist als Dreimast- 
gaffelschoner aus Stahl mit Hilfsmaschine projektiert und soll 
40 Passagieren Unterkunft gewähren. Ein Deckpavülon, an dessen 
Seiten Rohrsessel für die Liegekur aufgestellt werden, Kabinen, 
deren Bauminhalt den anderer Schiffe übertrifft, sowie andere 
hygienische Einrichtungen machen das Schiff geeignet zur Aufnahme 
von Patienten. Der Durchschnittspreis für jeden Passagier wurde 
mit 22 M. pro Tag berechnet, doch dürfte diese Summe absolut 
nicht genügen, da bei der Aufstellung der Kosten einige große Aus- 
gaben, wie z. B. Assekuranz- und Hafengebühren, nicht eingesetzt 
wurden. Als Kreuzungsgrund ist die Passatregion wegen der dort 



Elimaiotberapie, Pneumatotberapie, Hydrotherapie, Balneotherapie. 61 

herrsohenden monatelangen Beständigkeit der Witterung und des 
Windes in Aussicht genommen; den Ausgangs- bezw. den Mittel- 
punkt der Fahrten soll der Kanarische Archipel bilden, welcher von 
den Gestaden Portugals oder der Südküste Spaniens in einem Tag 
im Sommer, in zweien im Winter zu erreichen ist. 

Zangger macht auf die Gefahren aufmerksam, welche den 
älteren, herzschwachen Personen durch Bahnfahrten ins Hoch- Bahnfahrten 
gebirge drohen. Die Frage wurde unseres Wissens zuerst an- ii^s Hoch- 
geregt, als die Jungfraubahn in Angriff genommen wurde. Krön- i^re Gefahren 
ecker und Sahli kamen damals auf Grundlage von Beobachtungen spezieu für 
an 7 Versuchspersonen, welche sie auf das Breithom (3750 m) tragen ^^^^^^ ®^*® 
ließen, zu dem Resultate, daß gesunde Menschen eine passive Be- 
förderung auf 4000 m über dem Meere ohne objektiven Schaden 
vertragen. Trotzdem kann kein Zweifel bestehen, daß bei der weit 
rascheren Beförderung durch die Bahn viel größere Anforderungen 
an die Akkommodationsfähigkeit gestellt werden und daß aus diesem 
Grunde Personen, welche an Arteriosklerose oder Myodegeneration 
des Herzens leiden, bei solchen Fahrten ernstlich gefährdet sind. 
Die Altersgrenze läßt sich allerdings nicht genau feststellen, doch 
sollten in der Begel Personen, welche das 55. Lebensjahr über- 
schritten haben, Bahnfahrten in das Hochgebirge nicht mehr unter- 
nehmen. 

Pnenmatotherapie« 

Gramer macht aufmerksam, daß trockener Sauerstoff die 
Schleimhäute reizt und daß deshalb bei der Ausführung von Sauer- Sanerstoff- 
stoffinhalationen dafür gesorgt werden müsse, das entstehende i>iJ»»i»tionen 
Gas mit Wasserdampf zu verseheik Desgleichen muß der Sauer- 
stoff erwärmt werden, da sich das Gas durch die Ausdehnung beim 
Uebergang aus dem komprimierten Zustand in den Atmosphären- 
druck abkühlt. Andere Uebelstände bei der gewöhnlichen Methode 
der Sauerstoffinhalationen hebt Diem hervor und sucht dieselben 
durch seinen neuen Inhalationsapparat „Pneumo^ zu beheben. Er 
ersetzt den jetzt hauptsächlich in Gebrauch stehenden Gummiballon, 
welcher zu voluminös ist, einen unangenehmen Geruch hat und auch 
Infektionsgefahren mit sich bringt, durch eine 85 cm lange und 25 cm 
breite Stahlflasche, welche 90 1 reinen Sauerstoffgases unter einem 
Druck von 60 Atmosphären enthält. Der Druck des ausströmenden 
Gases wird manometrisch bestimmt und durch eine Reduziervor- 
richtung geregelt. Der Sauerstoff tritt durch ein kleines Wasch- 
gefiäß aus Glas in den mit der Atmungsmaske versehenen Schlauch 



Hydrotherapie. 



62 Glax. 

aus Mosetigbatist. Der ganze Inhalator ist in ein Kästchen ein- 
inhalation geschlossen und wiegt ca. 6 kg. — Zum Zerstäuben medika- 
zerstäubter mentöser Flüssigkeiten empfiehlt Sturmann einen neuen 
' Apparat, dessen Hauptteil ein Kohlensäuresiphon bildet. Dieser ist 
durch einen Schlauch mit einem Handstück verbunden, an dem ver- 
schiedene Ansatzstücke befestigt werden können, welche mit einer 
feinen Oe£Baung enden und eine Düse zur Zerstäubung der Flüssig- 
keit enthalten. Einen kleinen, sehr vollkommenen, tragbaren Apparat 
hat auch Bulling angegeben, v. Schrötter hat auf dem medi- 
zinischen Kongreß in Madrid die Vorzüge des Bullingschen In- 
halationsverfahrens hervorgehoben und auf den therapeutischen 
Wert dieses Verfahrens hingewiesen, bei welchem in keiner Weise 
mehr angezweifelt werden kann, daß Medikamente auf diesem Wege 
bis in die Lxmgenbläschen geraten können (s. d. Jahrb. 1902). 

Hydrotherapie. 

Lehrbücher Neben der zweiten Auflage von Buxbaums bekanntem Lehrbuch 

..♦w««!^ der Hydrotherapie und der dritten Auf läge v. Hoeßlina vortrefflicher, in 
' gedrängter Form gehaltener Abhandlung über Hydrotherapie in Penzoldt 
und StintzingB Handbuch der Therapie innerer Krankheiten muß diesmal 
unter der neuen balneologischen Literatur das gediegene Handbuch der 
allgemeinen und speziellen Hydrotherapie von Schweinburg, ebenfalls 
eines Schülers Winternitz\ hervorgehoben werden. Das genannte Buch 
gewinnt noch an Wert durch einen Beitrag von 0. Franke über die 
Hydrotherapie in der Gynäkologie und Geburtshilfe. 

Auf experimentellem Gebiete sind mehrere wertvolle Arbeiten zu 
Einfloß nennen. Lommel sucht den Einfluß lokaler Wasserprozeduren 
thermischer ^^f ^^^ Tonus der großen Gefäße nach einer neuen Methode zu 
auf das filnt- ^^orschen, indem er durch Registrierung der Verspätung des Radialpulses 
gefäßsystem. gegenüber dem Earotispuls die Wandspannung des in Betracht kommenden 
Gefößes mißt. Es ergab sich hierbei, dass das Intervall durch Maßnahmen, 
infolge deren die Wandspannung sank, vergrößert, also die Fortpflanzung 
der Pulswellen verlangsamt wurde. Wenn also bestimmte Maßnahmen, ohne 
eine allgemeine Blutdruckänderung herbeizuführen, in einer bestimmten 
Gefäßstrecke Beschleunigung oder Verlangsamung der pulsatorischen Wellen- 
bewegung erzeugen, so wird der Schluß auf Spannungszunahme bezw. 
Erschlaffung dieser Geßlßstrecke gerechtfertigt sein. Eintauchen des Armes 
durch 2' lang in Wasser von 2 ^ führte zu einer starken Spannungszunahme 
der Armarterie infolge aktiver Eontraktion des Gefäßes, da nur eine sehr 
geringe, belanglose Blutdrucksteigerung von 8 — 5 nun Hg zu bemerken 
war. Der Vorgang trat so schnell ein, daß derselbe wohl nur durch ner- 
vöse Vermittlung und nicht durch direkte Kälteeinwirkung zu erklären ist. 
Armbäder von 40 — 41° führten einmal Spannungszunahme, einmal Er- 



EUmatotherapie, PneomatoÜierapiei Hydrotherapie, Balneotherapie, 63 

BchlafiFung herbei, die Versuche Lommels bestätigen somit die Angaben 
Winternitz* nur insofern, als sie eine Spannungszunahme der großen 
Gefäße gegenüber Kälte erweisen. Ebenso konnte L o m m e 1 die von 
Winternitz bei allgemeiner Eälteapplikation gefundene Zunahme der 
Gefäßspannung auch im Stadium der reaktiven Hautrötung bei seiner 
Yersuchsanordnung nicht finden, da er vielmehr nach kürzer dauernden 
Kältereizen die Reaktion mit einer Erschlaffung der großen Ge^e einher- 
gehen sah. Gleichzeitig mit dieser Untersuchung wurde die Wirkung 
thermischer Reize am Stamme großer Gefäße auf die von denselben ver- 
sorgten peripheren Gefößgebiete studiert. Es ergab sich hierbei aus 
plethysmographischen Beobachtungen eine verringerte Füllung der peri- 
pheren Gefäßgebiete von langer Dauer bei zentraler Eälteeinwirkung; eine 
vorübergehende Erweiterung dieser Gebiete bei zentraler Wärmeeinwirkung 
und eine kurzdauernde Verengerung derselben unter zentralen Heißappli- 
kationen. Diese Beobachtungen befinden sich im Einklänge mit den Unter- 
suchungsresultaten von 0. Müller über den Einfluß von Bädern auf den 
Blutdruck des Menschen (s. d. Jahrb. 1903). In gleicher Weise wie Lommel 
hat auch Martin die Fortpflanzungsgeschwindigkeit der Blutwelle zu Unter- 
suchungen über den Einfluss thermischer Anwendungen auf 
das Blutgefäßsystem verwendet. Er fand, daß bei Applikation von 
Eisbeuteln längs der Wirbelsäule Verengerung der Hauptgefäße der Ex- 
tremitäten, antagonistisch Erweiterung (wahrscheinlich durch Wirkung der 
Dilatatoren) der Muskelgefäße auftritt. Eine sekundäre Erweiterung der 
Hauptgefäße war auch bei längerer Dauer der Applikation nicht festzu- 
stellen. Sehr mühsame und erschöpfende Tierexperimente hat Winkler an- 
gestellt, um die Beeinflussung der Hautgefäße durch thermische 
Reizung zu studieren. Er kam hiebei zu dem Resultate, daß der Ausgangs- 
punkt für die Femwirkung eines thermischen Reizes nicht die durch den Reiz 
hervorgerufene Bluterwärmung oder die Blutabkühlung, sondern die durch 
diese veranlaßte Erregung der peripheren Enden von Temperaturnerven ist. 
Den Einfluß thermischer Reize auf die Temperatur entfernter Einfluß 
Hautstellen hat Herz an Menschen untersucht, wobei er entdeckte, daß thermischer 
die Temperatur einer Hautstelle fortwährend spontan ohne Rücksicht auf Temperatur 
äußere Einflüsse schwankt. Die reflektorisch ausgelöste Erwärmung einer entfernter 
Hautstelle wird durch einen vorausgegangenen Kältereflex gefördert, die Hautstellen. 
reflektorisch ausgelöste Abkühlung hingegen durch einen vorausgegangenen 
Wärmereflez gehemmt. Bei nervenkranken Individuen war die Reaktion 
der Hautgefäße träger als in der Norm und blieb zuweilen ganz aus. Dem- 
selben Autor verdanken wir eine wertvolle Arbeit über den Einfluß Einfluß 
hydriatischer Prozeduren auf die Reaktionsfähigkeit des Ge- l»y^ri»tischer 
hirns bei gesunden und nervösen Individuen, wobei festgestellt auf die 
wurde, daß protrahierte Bäder von 36 ° G. eine leichte Förderung der Hirn- Beaktions- 
tätigkeit ohne Einfluß auf ihre Schwankungen, Ermüdbarkeit und Bahnung f&higkeit des 
bewirken. Wärmezufuhr bewirkt immer eine Erhöhung der Reaktions- Gehirns, 
fähigkeit, setzt die maximalen und minimalen Reaktionszeiten herab und 



64 



Glaz. 



Einfloß der 

Hydrotherapie 

auf die 

Motilit&t 

des Hagens. 



Einfluß 

thermischer 

Reize auf das 

Volumen der 

Milz und Niere. 

Blutyer&nde- 

rungen durch 

thermische 

Reize. 



Hydriatische 
Behandlung 
der Herz- 
krankheiten. 



vermindert die Ermüdbarkeit bei kurzer Einwirkung der Wärme. Lang- 
sam abgekühlte Bäder und Abreibungen regen das Gehirn an und heben 
manchmal seine Ausdauer. Die Wirkung der Duschen ist unsicher in Be- 
zug auf die absolute Höhe der Reaktionszeit; sie vermindern aber die Er- 
müdbarkeit. Das fließende Fußbad erzeugt bald eine Verbesserung, bald 
eine Verschlechterung der Leistungsfähigkeit. Burgonzio, Maragliano 
und Roasenda haben experimentelle Untersuchungen über den Einfluß 
der Hydrotherapie auf die Motilität des Magens angestellt, wobei 
sie zu dem wertvollen, aber, wie Buxbaum richtig bemerkt, durchaus 
nicht neuen Resultate kamen, daß horizontale, wechselwarme Duschen auf 
das Epigastrium die motorische Kraft des Magens günstig beeinflussen und 
zwar umsomehr, je größer die Temperaturdifferenzen und je stärker der 
Wasserdruck ist. Literessanter sind die von Strasser und Wolf an Tieren 
nachgewiesenen Volumsschwankungen der Milz und Niere nach 
thermischen Reizen. Kalte Uebergießungen auf den Thorax der Tiere 
rufen bei minimal gesteigertem Blutdruck eine Kontraktion der Milz, heiße 
Beg^eßungen (50^ G.) eine Dilatation hervor. Begießung der Bauchhaut 
mit kaltem Wasser ruft augenblicklich eine wenn auch rasch vorüber- 
gehende Verkleinerung der Niere hervor, üeber den Einfluß des 
Schwitzens auf die Blutzusammensetzung berichtet v. Rzetkowski, 
ohne wesentlich Neues zubringen. Friedländer gibt ein Resumä eigener 
und fremder Erfahrungen über Blutveränderungen durch thermische Reize 
(8. d. Jahrb. 1903). 

Die klinische Hydrotherapie wurde im abgelaufenen Jahre 
auch durch einige wertvolle Arbeiten bereichert. Straß er gibt 
eine vollständige Darstellung der hydriatischen Behandlung 
der Herzkrankheiten, aus welchen wir nur einige unserer Er- 
fahrung nach besonders wertvolle Vorschriften hervorheben wollen. 
Obenan steht die Lehre, daß bei Herzmuskelinsuffizienz allgemeine 
Prozeduren, welche eine brüske Zirkulationsveränderung verursachen, 
vermieden werden müssen und daß bei Kälteprozeduren möglichst 
rasch eine gute Eeaktion erzielt werden muß. Die Kälteapplikation 
auf das Herz und partielle Abreibungen des ganzen Körpers sind 
die hauptsächlichsten Mittel, welche diesen Indikationen entsprechen, 
wobei Straß er mit Becht darauf hinweist, daß unter Umständen 
bei vorgeschrittener Muskeldegeneration die Kälteapplikation auf das 
Herz nicht vertragen wird und daß diese Tatsache selbst difFerential- 
diagnostisch verwertet werden kann. Wärmeapplikation kann in 
solchen Fällen nützlich werden und oft gelingt es nach unserer 
eigenen Erfahrung allmählich bei zunehmender Besserung der Herz- 
muskelinsuffizienz von wärmerer zu kühlerer und selbst kalter Appli- 
kation überzugehen. 

Die Mehrzahl der Aerzte hat sich geeinigt, bei chronischem 



Elimatotherapie, Pneumatotberapie, Hydrotherapie, Balneotherapie. 65 



Gelenkrheumatismus mit Wärmeprozeduren vorzugehen. 
Man kann hierbei unterscheiden zwischen wärmezuführenden 
und wärmestauenden Prozeduren. Bei ersteren erhält der Körper 
durch die Erweiterung der Hautge&ße, Schwitzen und Verdunstung 
die Eigentemperatur, während bei letzteren Steigerung der Körper- 
temperatur und Erhöhung des Zerfalles eintritt. Zu den wärme- 
zuführenden Prozeduren zählen: Licht- und Sonnenbäder, Heißluft- 
bäder und Heißluftduschen, zu den wärmestauenden Prozeduren: 
protrahierte heiße Vollbäder, Dampf kastenbäder, feuchte Einpackungen, 
Moor-, Fango- und Sandbäder und der heiße Dampfstrahl. B rieger 
und Laqueur teilen nun eine Eeihe von Krankengeschichten mit, 
welche vor allem die günstige Wirkung der wärmestauenden Proze- 
duren und namentlich des heißen Dampfstrahles beweisen. 

Franken hau s er hebt auf Ghrundlage experimenteller Forschung 
die Wirkungen der strahlenden Wärme auf den menschlichen 
Körper hervor, da dieselbe nicht nur reflezerregend auf die Nerven- 
endigungen einwirkt, sondern auch die oberflächlichen Schichten des 
gesamten Gewebes trotz der vermehrten Durchströmung mit Blut 
ganz bedeutend zu erwärmen vermag. Hieraus erklärt sich auch die 
schon von Krebs gefundene Tatsache, daß Glühlichtbäder eine 
größere schweißtreibende Wirkung haben als einfache Heißluftbäder. 

Endlich sei hier einer balneotechnischen Erfindung, der Hög- 
lauerschen Fluß-, Quell- und Wellenbadewanne gedacht, 
welcher sowohl Cornet als auch E. Meyer rühmend Erwähnung tun. 
An der rückwärtigen Breitseite der Badewanne befindet sich ein Bad- 
kasten, in welchem ein Schaufelrad durch einen kleinen Motor be- 
wegt wird. Hierdurch wird das Wasser in der Wanne in Kreislauf 
versetzt, und zwar können nach Wunsch Bäder gegeben werden, in 
welchen sich das Wasser in Wellenbewegung befindet oder hori- 
zontal strömt und mit einer gewissen Kraft auf einzelne Körperteile 
herabstürzt oder vertikal nach Art der aus der Tiefe kommenden 
Quellen zuströmt. Die Höglauersche Motorwanne ist ohne Zweifel 
eine sehr sinnreiche und empfehlenswerte Erfindung, doch dürfte 
ihrer allgemeinen Einführung der hohe Preis (1000—1540 M.I) 
hinderlich sein. Die Wanne kann durch H. Becknagel in München 
und Wiesbaden bezogen werden. 

Balneotherapie, 

Die Wirkung des Solbades und des kohlensäurehaltigen 
Solbades bildete auch im abgelaufenen Jahre mehrfach den Gegen- 
stand neuer Studien. Hier sei nur erwähnt, daß Bohrmann und 
Jahrbuch der praktbohen Medizin. 1904. 5 



Behandlung 
chronischer 

Gelenk- 
affektionen 
mittels 
physikaUscher 
Heilmethoden. 



Wirkungen 

der 

strahlenden 

warme. 



HOglauers 
Fluß-, Quell- 
und WeUen- 
hadewanne. 



66 Glax. 

Die Wirkung Ko oh mann im Gegensätze zu den älteren Untersuchungen von 
des SoU>ades ga^tlus und Keller keinen wesentiiehen Unterschied zwischen 
coa-haitigen dem Einflüsse des Solbades und des einfachen Wasserbades auf die 
Solbades. Hautsensibilität feststellen konnten und daß sie bei dem Fehlen 
einer spezifischen Wirkung des Salzgehaltes der Bäder den thera- 
peutischen Wert des kohlensauren Solbades lediglich in der Ver- 
tiefdng der Atmung und Begünstigung der Herzarbeit suchen. 
Beißner und Orote in Nauheim bestreiten die von allen 
anderen Forschem behauptete, blutdrucksteigemde Wirkung der 
Kohlensäure. Alle Veränderungen, welche sie nach kohlensäure- 
haltigen Solbädern von 24— 30° G. beobachten konnten, unterschieden 
sich nicht wesentlich von den nach gleichtemperierten Süßwasser- 
bädem auftretenden Erscheinungen und lassen sich einfach als Kälte- 
wirkung erklären. Der Eintritt der Reaktion wird allerdings durch 
die Kohlensäure erleichtert und beschleunigt, die peripheren Gefäße 
werden durch die wiederholten aktiven Erweiterungen geübt und 
das Herz hierdurch geschont, worauf weit mehr Wert zu legen ist 
als auf die Uebxmg des Herzens. Boehr hat auch diesmal (s. d. 
Jahrb. 1903) über eine größere Zahl von Herzkranken berichtet, bei 
Krenznaoher welchen unter dem Gebrauche von Kreuznacher Bädern ein 
Bftder bei deutlicher Bückgang der ursprünglichen Dehnung des Herzens zu 
heiten. beobachten war. Ghrößeres Interesse dürfen Jacobs Untersuchungen 
über die Wirkungen des indifferent temperierten Süß- 
wirkungen des Wasser- und Kohlensäurebades auf den Blutdruck bean- 

mdifferent gpmchen. Jacob fand, daß das indifferente Wasserbad sowie das 
tempenerten 
Süßwasser- indifferente 002-Bad und zwar letzteres in erhöhtem Maße den Blut- 

und GOa-Bades lauf der Aorta beschleunigt und das systolische Pulsvolumen des 
Biutdrack. Herzens vergrößert. Die Süß wasserbäder von 86—86 ° C. beschleunigen 
den Strom und lenken ihn nach der Haut durch Erweiterung ihrer 
Gefäße, zuweilen auch unter Spasmus im Gebiete des Splanchnikus, 
also unter Drucksteigerung. G02-Bäder von derselben Temperatur 
wirken zuweilen nicht anders, besonders bei wenig reizbaren Individuen 
und bei den ersten Bädem, steigern aber bei öfterer Wiederholung 
der Bäder immer mehr den Blutdruck durch Erregung des Splanch- 
nikus. Die beiden Arten der Vasomotoren der Haut werden ab- 
wechselnd stark erregt, besonders im G02-Bade, jedoch überwiegen 
die Dilatatoren der Hautge&ße. Die dem Bade nachfolgende Druck- 
steigerung ist größtenteils der Verdunstungskälte und ihrer gefilß- 
verengemden Wirkung auf die Haut zuzuschreiben, jedoch ist sie 
zuweilen von Vergrößerung des Fulsvolumens und zwar fast aus- 
nahmslos nach dem C02-Bade begleitet. Die Wasserverdunstung auf 



Klimatotherapie, Pneumatotherapie, Hydrotherapie, Balneotherapie. 67 

der Hautoberfläche spielt nach Frank enh aus er überhaupt in der Thermisohe 
Balneotherapie eine bisher nicht genügend gewürdigte, große Rolle. ^"*^8 ^^^n 
Gerade der Umstand, daß Salzlösungen die Haut nicht durchdringen, die Haut, 
sondern die Salze an der Haut haften bleiben und ihre physikalische 
Oberfläche verändern, ist für die Badewirkung von großer Bedeu- 
tung (Hiller, Glaz). Wäßrige Salzlösungen verdunsten lang- 
samer als Wässer, die Verdunstung kann unter Umständen gleich 
NuU werden, ja es kann an Stelle der Verdunstung sogar Wasser- 
au&ahme aus der Atmosphäre treten. So umgibt sich der Patient 
bei einem länger dauernden Gebrauch salzhaltiger Bäder allmählich 
mit einer immer wirksamer werdenden Salzschichte, welche die 
Wasser- und Wärmeabgabe von der Haut vermindert, die Temperatur- 
schwankungen mildert, eine stärkere Durchblutung der Haut und 
hierdurch eine Entlastung des Blutge&ßsystems vermittelt. 

Obwohl in neuerer Zeit, gegenüber den älteren Forschungs- 
resultaten von Kisch und Fellner, übereinstimmend angegeben 
wird, daß die Moorbäder eine blutdruckherabsetzende Wirkung 
haben, so erachtete es Loebel doch für geboten, genauer zu 
ermitteln, innerhalb welcher Temperaturgrenzen d i e Die bintdrack- 
Moorbäder blutdruckreduzierende Wirkungen zuwege "^^Tde^/" 
bringen und in zweiter Beihe festzustellen, wie sich Moorbäder, 
diese Verhältnisse während der Benutzung des Moor- 
bades gestalten. Loebel verwendete zu seinen Versuchen, 
welche an gesunden Personen angestellt wurden, Domaer Moorbäder 
von 34 — 43° C. in der Dauer von ^ji — V2 Stunde. Zur Benutzung 
kamen nur Bäder dichtesten Grades, welche meist ohne Unter- 
brechung durch SO aufeinander folgende Tage gegeben wurden. 
Während des Bades beherrscht die blutdruckreduzierende Tendenz 
die Wirkung der Moorbäder. Sie muß als eine mäßige bezeichnet 
werden und sinkt erst in den Temperaturen über 42° C. intensiv 
herab, unter der Nachwirkung der Moorbäder sind Blutdruck- 
schwankungen zu beobachten, die bei den 37° und 38° C.-Bädern in- 
differente, bei den Bädern jenseits dieser Wärmegrade bei inklusive 
39° 0. kumulative, druckherabsetzende, hingegen kumulative, druck- 
steigemde Nachwirkungen bei den Bädern über 39° C. bekunden. 
Bei einer Benutzungsdauer von 20 Minuten bewirkten die Moorbäder 
in den Temperaturen unter 39° 0. ausnahmslos Pulsverlangsamung, 
während bei höheren Temperaturen die Zu- und Abnahme der Puls- 
frequenz von der individuellen Empfänglichkeit abhing. Die Moor- 
bäder über 43° 0. erhöhen die B.espirationsfrequenz, diejenigen unter- 
halb dieser Wärmegrade ergeben meist Abnahme der Atmungszahl, 



68 C^lax. 

Die bintdrnck- seltener Eückkehr zur und Verharren in der Anfangsfrequenz und 
'^®^^'®^'^®'^ während der ersten halben Stunde keinmal eine Zunahme derselben. 
Moorbider. Die Dauerwirkung ist nur bei den unter 35° C. liegenden Tem- 
peraturen und nach den Temperaturen über 43° 0. zu erkennen. 
Die anderen Wärmegrade weisen bereits eine Stunde nach dem Bade 
eine Bückkehr zur Anfangsfrequenz nach. Loebel hat auf Ghiind- 
lage der eben angefahrten TJntersuchungsresultate schon früher (s. d. 
Jahrb. 1903) das indifferentwarme Moorbad bei Arteriosklerose und 
l Gor adiposum mit den Begleiterscheinungen von hohem Blutdruck 

I angewendet und auch Steinsberg, welcher überhaupt den Haupt- 

^ Franzensbader wert der Eranzensbader Moorbäder in Schonungsvorgängen 
B Moorbäder. erbUckt, gibt zu, daß Herzkranke, welche einer Franzensbader Moor- 
K kur aus anderen Gründen bedürfen, ohne jedwedes Bedenken diesem 

^A therapeutischen Eingriff unterworfen werden können. Nenadovics, 

^B welcher sich ebenfalls mit der physiologischen Wirksamkeit der 

P^ Franzensbader Moorbäder beschäftigt hat, zieht speziell mit Bezug 

auf die Verordnung von Moorbädern bei Frauenkrankheiten folgende 
Schlußfolgerungen: 1. Die Maximaltemperatur für das Franzensbader 
Moorbad soll 40° G. betragen. 2. Innerhalb dieser Temperaturgrenze 
geben die niederen Grade eine schwächere, die höheren Grade eine 
stärkere Eeaktion und sind deshalb die ersteren bei Gebärmutter- 
blutungen, die letzteren bei Adnextumoren und Infiltration der Para- 
metrien angezeigt. 3. Die Temperatur des Eeinigungsbades soll 
niedriger sein, als die des Moorbades, wenn die reaktive Wirkung 
gesteigert werden soll. 4. Die Dauer des Moorbades ist höchstens 
auf 20 Minuten, die des Eeinigungsbades auf 5 Minuten zu bemessen. 
5. Die Konsistenz des Moorbades soll man nach dem Bedürfnisse, 
ob man eine leichtere oder eine intensivere Massage der Kleinbecken- 
organe bewirken will, bestimmen. 
Dm Helenefriederike Stelzner empfiehlt das „Watten- 

Watteniauen. j^^^fß^", wie CS in dem Nordseebad Büsum gebräuchlich ist, als 
einen therapeutischen Sport, welcher sowohl bei Erkrankungen der 
Eespirationsorgane und Unregelmäßigkeiten der Zirkulation, als auch 
ganz besonders bei nervösen Störungen von Erfolg begleitet ist. 
Namentlich gegen Schlaflosigkeit soll das Wattenlaufen am Abend 
ein sehr empfehlenswertes Mittel sein. Der Wattenlauf besteht in 
einem Spaziergang zur Zeit der Ebbe mit bis zum Knie entblößten 
Beinen in dem aus Sand und Schlick bestehenden, von Meerwasser 
durchtränkten Boden, dessen Salzgehalt reichlich 3 ^/o hat. Der hier- 
durch erzeugte Hautreiz in Verbindung mit dem Einatmen der reinen, 
feuchten Luft können gewiß wohltuende Wirkungen ausüben. 



Klimatotherapie, Pneumatotherapie, Hydrotherapie, Balneotherapie. 69 

Im Gegensatze za den anf reicher Erfahrung beruhenden Lehren Balneotherapie 

nahezu aller Baineotherapeuten stellt Winkler die These auf, daß ^®^ 

•D jTT»i j i_'i./-iiii_ chronischen 

Besserung oder Heilung des chronischen Gelenkrheu- Geienk- 

matismus mit langdauernden warmen Bädern, aber nicht rheumatismus. 
mit heißen Bädern erzielt werden kann, und daß die 
sehr heißen Bäder hierbei nicht nur unnütz, sondern 
sogar schädlich sind. Es ist vielleicht recht dankenswert, 
wenn Winkler auf die Gefahren heißer Bäder für das Herz auf- 
merksam macht, die Behauptung jedoch, daß jedes sehr heiße Voll- 
bad ein Attentat auf das Herz sei, ist jedenfalls eine üebertreibung. 
Ganz unrichtig ist aber die Behauptung, daß die durch heiße Bäder 
hervorgerufene Fluxion zu den rheumatisch entzündeten Gelenken 
eine Steigerung der krankhaften Entzündung zur Folge haben müsse. 
Hyperämie und Entzündung sind eben sehr verschiedene Dinge (siehe 
Hydrotherapie) . 

Grube hat neuerdings Untersuchungen über die Wirkung des Der Einflnß 
Neuenahrer Sprudels auf die Blutbeschaffenheit angestellt und kam ^^^ Trink- 
zu demselben Resultate wie bei seinen früheren Experimenten (siehe zasammen- 
d. Jahrb. 1903) : Abnahme des Wassergehaltes, Zunahme der Asche setzung der 
und Steigerung des osmotischen Druckes. Nachdem schon Dünsch- dls^MeMchen*^ 
mann die Unzulänglichkeit dieser Untersuchungen dargetan, erklärt 
nunmehr Strauß, daß man aus den, selbst bei Anwendung ein- 
wandfreier Methoden, bisher ausgeführten Untersuchungen die Auf- 
fassung von dem Einflüsse der besprochenen Trinkkuren auf den 
osmotischen Druck und die chemische Zusammensetzung der Blut- 
flüssigkeit nicht genügend begründen könne. 

R 1 ff tritt in einer nicht zu billigenden, aggressiven Form für die 
Oleichwertigkeit natürlicher und künstlicher Mineral- Die 

Wässer ein. Die durch die analytische Chemie festgestellte Ionen- ^n^iyBeder* 
tabelle darf nach seiner Meinung als hinreichende Grundlage für die Mineralwässer. 
therapeutische Beurteilung angesehen werden. Wenn die Ionen in 
beliebiger primärer Kombination in Lösung gebracht werden, so ent- 
steht stets dasselbe Gleichgewicht, d. h. es sind neben allen Ionen 
aUe möglichen Salze in eindeutig vorauszubestimmender Menge vor- 
handen und es besteht keinerlei Anhaltspunkt, daß die natürlichen 
Mineralwässer physikalische Eigenschaften besitzen, welche den ent- 
sprechenden Salzlösungen nicht in demselben Maße zukommen. 

H. Neumann sucht neuerdings zu beweisen, daß die Wern- 
arzer Quelle in Brückenau eine spezifisch diuretische Wirkung 
hat und bei pleuritischen Exsudaten die Resorption mächtig fördert. 
Der Versuch, die diuretische Wirkung der Wernarzer Quelle aus 



70 61m. 

Die den geringen Mengen der in diesem Wasser enthaltenen fixen Be- 

diaretUohe gtandteüe ableiten zu wollen, scheint uns entschieden verfehlt, da- 
Wirkung der , ' . ' 

Wernaner gogon ist die harntreibende Wirkung kalten, kohlensäurereichen 

QaeUe. Wassers hinlänglich bekannt. Die von dem Beferenten bewiesene und 
von nahezu allen Klinikern anerkannte Tatsache, daß bei allen pleu- 
ritischen Exsudaten der Beginn der Eesorption das Primäre und die 
Steigerung der Diurese das Sekundäre ist, lassen alle Versuche, durch 
Anregung der Harnausscheidung die Aufsaugung hervorzurufen, als 
verfehlt erscheinen, wobei natürlich nicht gesagt sein soll, daß nach 
begonnener Besorption bei zunehmender Herzkraft nicht auch Mineral- 
wässer in mäßigen Mengen gereicht werden sollen. 

Literatur. 

Elimatotherapie. 

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Klimatotherapie, Pneumatotherapie, Hydrotherapie, Balneotherapie. 71 



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Wien. klin. Wochenschr. Nr. 28. — L. G. Burgonzio, V. Maragliano 
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Ebenda Nr. 8. — Derselbe, Lehrbuch der Hydrotherapie, 2. Aufl., mit 
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Hydrotherapie auf die Motilität des Magens von Burgonzio, Maragliano u. 
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zur hydriatischen Therapie akuter fieberhafter Infektionskrankheiten. Blätter 
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72 Glax. 

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des Gehirns bei gesunden und nervösen Individuen; Einfluß hydriatischer 
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innerer Krankheiten, herausgegeben von Penzoldt u. Stintzing, 8. Aufl., 
Bd. V. — W. Krebs, Zur Frage der Abhärtung. Berl. klin. Wochenschr. 
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Zeitschr. f. diätet. u. physik. Therapie Bd. VI, H. 12. — Rubner, Die Wir- 
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Gesellschaft. 24. öffentl. Versammlung der balneolog. Gesellsch., Berlin. — 
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74 ^lax. 

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Bruxelles Nr. 15, 16, 17. 



4. Orthopädie, Kinesiotherapie. 

Von Geh. Medizinalrat Prof. Dr. A. Hoffa, Direktor der orthopädischen 
üniversitätspoliklinik in Berlin^). 

Allgemeines. Im vergangenen Jahre sind von mehreren Autoren 
sorgfiQtige Stadien über den Bau und die Architektur der Baaund 
Knochen gemacht worden, die in einzelnen Fällen schon prak- Architektur 
tische Ergebnisse gezeitigt haben. Zunächst ist hier eine Arbeit 
von Büdinger zu nennen, die sich mit dem Spongiosabau der 
bisher vernachlässigten oberen Extremität beschäftigt. Die hierzu 
nötigen Untersuchungen wurden an Serienschnitten vorgenommen, 
die den ganzen Elnochen in dünne Platten zerlegten und zwar in 
verschiedenen Richtungen, nicht allein in den drei Hauptorientierungs- 
ebenen, auf die sich Albert seinerzeit noch beschränkt hat. Diese 
Schnittserien hat nun Büdinger zuerst im einzelnen beschrieben, 
dann auf der Basis der Serienschnitte die Systeme für sich durch- 
genommen und endlich die Beziehungen der einzelnen Systeme, mit 
anderen Worten ihre funktionelle Bedeutung und ihren Aufbau er- 
läutert. — Den lebenden ELnochen hat sich Ludloff als Studien- 
objekt erwählt; er hat, um die Architektur und das Wachstum der 
unteren Femur- und oberen Tibiaepiphyse zu studieren, eine Beihe 
von Röntgenphotogrammen der Kniee weiblicher Individuen vom 
ersten Jahre bis ins Ghreisenalter angefertigt. Auf diese Weise 
konnte er einzelne Befunde, die bisher als pathologische Zeichen * 

gedeutet wurden, als normal nachweisen. So konnte er die Pro- 
tuberanzen an den Kondylen im 2. — 4. Lebensjahre an normalea 
Knieen konstatieren und den dunklen Meck in der unteren Femur- 
epiphyse, der bei seitlicher Durchstrahlung besonders auffällt, „als 
Ausdruck des noch bestehenden Knochenaufbaues oder des schon 
eingetretenen Knochenabbaues ^' feststellen. Femer zeigte er, daß 
die Epiphysenfuge am unteren Femur- und am oberen Tibiaende 



^) Bei der Ausführung dieser Arbeit hat mich mein Assistent, Herr 
Dr. Pfeiffer wiederum in dankenswerter Weise unterstützt. 



76 Hoffa. 

Bau und bis zum 15. Lebensjahre persistiert, daß dort von 2'/4— 8 Jahren 



Architektur 
der Knochen. 



eine besonders lebhafte Knochenprodoktion eintritt, während vom 
7. — 15. Jahre sich die Tuberositas tibiae sehr schnell entwickelt. 
Von 2 — 3^4 Jahr wächst der Condylos medialis, im 4. Jahre der 
Condylos lateralis rapide; später vergrößern sich die knöchernen 
Kondylen gleichmäßig. Indessen erscheint der Condylos medialis 
auf dem Röntgenbilde immer größer, aber lockerer aufgebaut als 
der Condylus lateralis, in dem eine stärkere und dichtere Ent- 
wicklung von Längsknochenbälkchen stattfindet. In der vorderen 
Hälffce der Kondylen sind keine Vertikalbälkchen sichtbar. Quer- 
bälkchenzüge entwickeln sich besonders deutlich vom 2. Lebensjahre 
an in beiden Diaphysen. Quer- und Schrägbalkenzüge treten in der 
Incisura intercondylica auf, sobald die beiden Kondylen sich knöchern 
voneinander differenzieren. Die ersten Merkmale der Knochenatrophie 
erscheinen in der Femurepiphyse schon vom 25. Lebensjahre an. 
Diese Befunde hat Ludloff in einer späteren Arbeit über die 
primäre Lokalisation der Knochen- und Gelenktuberkulose praktisch 
verwertet, wovon weiter unten noch die Rede sein wird. 
Bau und Mit der Lehre vom Bau und der Entwicklung des Fuß- 

Entwicklung Skeletts haben sich zwei Autoren befaßt, Hasselwander und 

des 
Fußskeletts. Spitzy. Der erstere hat sich außer der Röntgenmethode auch des 

anatomischen Präparierens bedient, um sich ein Urteil zu bilden, in- 
wieweit die nur vom Lebenden entnommenen Röntgenbilder zuver- 
lässig sind. Auf Grund seiner zahlreichen Untersuchungen an über 
800 Füßen hat er dann bestimmte und gut begründete Daten ge- 
geben einmal über die Zeit, dann aber auch über den gesamten 
Vorgang der Ossifikation der Fußknochen. Mehr auf die äußere 
Form des kindlichen Fußes erstreckten sich die Forschungen Spitzys. 
Dieser Autor kommt zu dem Schluß, daß entgegen der vielfach ge- 
äußerten Ansicht, der Fuß des Neugeborenen sei ein Fes planus, 
dieser Fuß ein ebenso hochgespanntes inneres und äußeres Fuß- 
gewölbe habe wie der des Erwachsenen. Freilich können im Be- 
ginne der Gehzeit vorübergehende Senkungen des Fußgewölbes ein- 
treten, die jedoch desto geringer werden, je kräftiger der Band- und 
Muskelapparat wird, der das Fußgewölbe in seiner Lage hält. Ein 
Arciütektur- anderer Autor, Walkoff, hat die interessanten Architektur- 
Veränderungen yg,än der ungen des Knochensystems unter pathologischen 
Systems unter Bedingungen studiert. Er hat verschiedene Deformitäten der Röhren- 
pathologisohen knochen: Frakturen, Ankylosen, Ostitis chronica etc. mit Hilfe der 
Bedingungen. Bröntgenstrahlen untersucht, femer auch mehrere Verkrümmungen 
der Wirbelsäule. Nach seinen Beobachtungen besteht das Wolffsche 



Orthopädie, Einesiotherapie. 77 

Transformationsgesetz zu Becht sowie seine Lehre, daß es sich 
bei der Heilung von Frakturen um zwei vollständig voneinander zu 
trennende Vorgänge handelt, den Verkittungs- und den Transformations- 
prozeß. Walkoff weicht aber bezüglich der Frage nach der maß- 
gebenden Kräfteform von der Wolf fachen Auffassung insofern ab, 
als er an Stelle des von jenem betonten chronischen Druckes inter- 
mittierenden Druck, d. h. also die häufig wiederholte Erschütterung als 
das Wesentliche der funktionellen Beanspruchung anzusehen geneigt 
ist. ,)Nur in der Reizschwankung, nicht in der Höhe und Dauer des 
Beizes an sich ist die Ursache zur Ausbildung der neuen Substanz 
zu suchen." Der Verfasser schließt sich der Benek eschen Hypo- 
these an, daß der Angriffspunkt dieser Erregung durch Erschüt- 
terung in den Knochenkörperchen selbst liegt. Bezüglich der Wirbel- 
säulenverkrümmungen fand Walkoff, daß das chondroide Gewebe 
der Zwischenwirbelscheiben eine Aufquellung und Verbreiterung ein- 
gehen kann, um dem durch irgendwelche pathologische Veränderungen 
veranlaßten Erfordernis der Elastizitätsbeanspruchung Genüge zu 
leisten. Kurz erwähnt sei hier noch eine Arbeit Haglunds, die sich 
mit dem Spongiosabau und der funktionellen Struktur des 
Kalkaneus im speziellen beschäftigt. 

Von den Veröffentlichungen über Erkrankungen der Knochen Erkrankungen 
ist für den Orthopäden zunächst ein Fall von Osteopsathyrosis ^^^ q^^I^^"^' 
idiopathica von Interesse, den Biggs publiziert hat. Der Fall psathyrosU 
verlief insofern eigenartig, als die Blnochenbrüchigkeit erst im idiopathica. 
20. Lebensjahre einsetzte und mit dem 30. Jahre anscheinend dauernd 
wieder verschwand; irgend ein ätiologisches Moment war auch im 
vorliegenden Falle nicht festzustellen. Auf eine andere Erkrankung, 
die „apophysäre Wachstumsosteitis^, macht Oomby auf- Apophysäre 
merksam. Sie zeigt sich meist doppelseitig bei Kindern mit raschem ^^g^^'i^^g"^^' 
Wachstum und besteht wahrscheinlich in einer Knochenkongestion 
infolge gesteigerter Ossifikation. Ihre Symptome sind Schmerzen in 
der Nähe des Gelenkes (gewöhnlich am Knie), am Punkt des regsten 
E^nochenwachstums. Diese Stelle erscheint geschwollen, heiß und blut- 
reich; die Haut darüber kann rot und empfindlich sein. Durch 
bloße Euhigstellung der erkrankten Glieder, eventuell unter ableiten- 
den Mitteln, tritt völlige Heilung ein. Von Osteomalaciachronica Osteomaiacia 
deformans hypertrophica (Pagets disease) finden sich in chronica 
der Literatur des vergangenen Jahres 3 Fälle. Zwei davon haben hypertropMca 
M^n^trier und Gauckler veröffentlicht, die diese Erkrankung 
für eine para83rphilitische Affektion halten. Weniger sicher bezüg- 
lich der Aetiologie ist wohl mit Recht Schmieden, der durch 



78 HoflFa. 

Osteomaiacia Untorsuchimg einds durch Amputation gewonnenen Knochenpräparates 
chronica ^j^^ diflEuse Verödung des Fettmarkes mit Umwandlung in Binde- 

bypertrophica. g^webe feststellen konnte. Der Elnochen selbst wird dabei in ge- 
waltigem umfange aufgezehrt, während sich neuer Knochen nur 
spärlich und dürftig bildet, meist ohne Ansetzen von Kalksalzen. 
Bezüglich der Therapie empfiehlt Schmieden nach seinen Er- 
fahrungen möglichste Zurückhaltung; höchstens bei nachweislicher 
Erkrankung nur eines Knochens rät er zur Amputation, wenn die 
Beschwerden des Patienten einen hohen Grad 'erreichen. — Ein bis- 
Rhachitis. her nicht gewürdigtes Symptom der Bhachitis, die „Phalanx- 
rhachitis", beschreibt Neurath. Er fand bei schweren Fällen 
stets Aufbreibungen aller Phalangen, die in ihrem mittleren Teile 
verdickt waren, und zwar auf der dorsalen Seite mehr als auf der 
volaren, während die Phalangealgelenke normal waren und infolge- 
Maitipie dessen eingesunken aussahen. Fälle von multiplen kartilaginösen 

^ExÜt^n** Exostosen haben Kramer, Winters und Gulat-Wellenburg 
veröffentlicht, ohne wesentlich neue Gesichtspunkte zu bringen. 
Größeres Interesse erregt ein von Riethus beobachteter Fall, in 
dem sich durch ein Trauma, das eine der Exostosen des Knies traf, 
eine der Basis der Exostose fest aufsitzende Zyste ausbildete. Ihren 
Inhalt bildeten neben einer serösen Flüssigkeit gegen 200 größere 

Intrauterine und kleinere Knorpelkörperchen. — Die sog. intrauterinenFrak- 
Frakturen, turen hält Sperling nach seinen Untersuchungen, wenn sie solitär 
und anscheinend verheilt zur Beobachtung kommen, nicht ftLr wirk- 
liche Frakturen, sondern für Verbiegungen und Knickungen des 
embryonalen Blastems durch direkten Einfluß amniotischer Ver- 
wachsungen. Für seine Auffassung spricht der Umstand, daß der 
Elnochen an der Knickungsstelle normale Struktur zeigt ; es ist keine 
Spur von Verdickung oder kallöser Narbenbildung vorhanden. Natür- 
lich können wirkliche Frakturen bei allgemeinen Knochenerkrankungea 
kongenital entstehen, es wird sich dann aber stets um multiple, nicht 
verheilte Spontanfrakturen handeln. Solche nach intrauteriner Frak- 
tur entstandene Pseudarthrosen sind naturgemäß schwer zu heilen, 
da wahrscheinlich ein vollständiger Mangel an knochenbüdender 
Substanz vorliegt. In einem solchen Falle hat Reichel mit guteia 
Erfolge seine Zuflucht zur italienischen Plastik genommen, indem 
er einen Hautperiostknochenlappen aus dem gesunden Unterschenkel 
in die vorher gesetzte Hautperiostwunde der kranken Tibia pflanzte. 
Die Pseudarthrose der Fibula konnte er durch ein die Bruchstelle 
überbrückendes Elfenbeinstäbchen heilen. 

Einen neuen Osteoklasten verdanken wir Taylor, der bei 



Orthopädie, Einesiotherapie. 79 

diesem Apparate das Prinzip des einarmigen Hebels benützt hat. Osteoklasten. 
Soviel sich ans der knrzen Beschreibung erkennen läßt, ähnelt das 
Instrument den von anderer Seite (Robin, OoUin nnd Heusner) 
zu gleichen Zwecken angegebenen. Eine EombinationderOsteo- Kombination 
klase und der Osteotomie bringt Hopkins in Vorschlag, die ^®' ^**®®^*^^ 
besonders bei schwächlichen Kindern angezeigt sein soll. Er meißelt Osteotomie. 
den Knochen nur halb durch und macht 2 — 3 Wochen später an 
dem geschwächten Elnochen die Osteoklase. Daß die von ihm ge- 
ftrchtete „postoperative Schwäche*' nach der Osteotomie des halben 
Knochens geringer ist als nach der des ganzen, ist freilich schwer 
einzusehen. Ein neues Instrument zur Vornahme der Osteotomie, 
das Bevolverosteotom, stammt von Menciöre. Sein wirksames Revolver- 
Prinzip ist ein pneumatischer Hammer, der durch komprimiertes *^**®° °"* 
Gas (flüssige Kohlensäure) in Betrieb gesetzt wird und bis zu 
3000 Stößen in der Minute gibt. Dieser Hammer wird mit dem 
Osteotom oder dem Meißel armiert. Das Oanze erscheint etwas 
umständlich und kostspielig. Im Anschlüsse sei noch der beiden 
Verfahren von Reiner gedacht, die er Epiphyseolyse genannt Epiphyseoiyse. 
hat und die für die Behandlung des Genu valgum adolescentium in 
Betracht kommen. Das erste, die unblutig operative Epiphyseo- 
lyse, wird auf einem eigens von Reiner angegebenen Apparate aus- 
geführt, der ein manuelles Abbrechen der Epiphyse des gut in 
Seitenlage fixierten Beines über einer Holzkante ermöglicht. Beim 
zweiten wird die Epiphyseolyse nach subkutaner Durchschnei- 
dung des Periostes am inneren Kondylus mit einem dazu ge- 
eigneten Periosteotom ausgeführt. Das mehrfache Mißlingen der 
unblutigen Operation erklärte Reiner nämlich aus der innigen 
Verbindung des Periostes mit dem darunterliegenden Diaphysen- 
ende, resp. aus der starken Verdickung des Periostes an dieser 
Stelle bei rhachitischen Kindern. Die Nachbehandlung ist die üb- 
liche; Wachstumsstörungen infolge dieser Operation sollen aus- 
geschlossen sein. 

Daß die Erfolge der gewaltsamen Mobilisierung versteifter Ge- 
lenke, des Brisement forc^, gewöhnlich nicht in richtigem Ver- Brisement 
hältnis zu den aufgewendeten Mühen und ausgestandenen Schmerzen ^^'^^' 
stehen, führt Staffel auf die immer noch zu lange Immobilisation 
nach der Operation zurück. Er beginnt schon nach 48 Stunden mit 
Bewegungen und verwendet dafür, um die enorme Schmerzhaftigkeit 
dieser Bewegungen zu lindem, Gummizüge, die er an Schienen- 
hülsenapparaten oder einfacheren zweckmäßigen Vorrichtungen an- 
bringt. Mit ihrer Hilfe konnte er das Gelenk innerhalb der Grenzen, 



80 HoflFa. 

BrUement die er in der Narkose geschaffen hatte, schmerzlos oder doch in 
forcfi. durchaus erträglicher Weise hin und her bewegen. — Zur Vorsicht 
mahnt ein Fall von tödlicher Fettembolie nach dem gewalt- 
samen Redressement eines Oenu valgum, den Preindelsberger 
beobachtete. Es fanden sich bei der Autopsie keine Frakturen, nur 
Blutungen im Periost und Mark der Ober- und Unterschenkelknochen. 
Die Lungenkapillaren waren mit Fett voUgestopfb. Leider mußte die 
Eröffnung der Kopf höhle unterbleiben, weshalb nicht festgestellt 
werden konnte, ob sich auch in den HimkapiUaren Fett befand. 
Einen ähnlichen Fall sah Smirnow nach einem operativen Knochen- 
trauma. 
Erkraukungen Einen für die Diagnose der Knochen- und Gelenk- 

. der Gelenke:: t^ljertulose äußerst wichtigen Beitrag hat Ludloff geliefert, 
Knochen-* und ^^^ Seiner früher publizierten Serie gesunder Kniegelenke eine 
Gelenk- ebensolche tuberkulös erkrankter gegenübergestellt hat. Er 
tuberkulöse, j^qj^^^ dadurch folgendes feststellen: 1. Verminderung resp. Ver- 
nichtung der Protuberanzen an der Knochenknorpelgrenze, besonders 
des Condylus internus bis zum 5. Jahre, Auftreten von Rauhigkeiten 
an der Elnochenknorpelgrenze im 7. Jahre. 2. Zapfenförmige Elnochen- 
neubildung an der Unterseite der Kondylen. 3. Vergrößerung der 
knöchernen oder verknöcherten Seite der Kondylen, der Patella, der 
Tibia und des Fibulakopfes. (Diese Teile erscheinen geradezu wie 
aufgeblasen.) Vergrößerung des Epiphysenfleckes und größere 
Durchlässigkeit desselben für Röntgenstrahlen. Diese Befunde 
werden hervorgerufen durch Elnochenneubildung auf der einen und 
Zerstörung auf der anderen Seite, und zwar erfolgt die Neubildung 
in der Nachbarschaft des Herdes, die Knochenvemichtung im Zentrum. 
Liegt der Herd an der Elnochenknorpelgrenze , d. h. dort, wo bei 
seitlicher Durchstrahlung der Epiphysenfleck erscheint, so müssen 
im Röntgenbild die ELnochenprotuberanzen verschwinden und der 
Epiphysenfleck Veränderungen erleiden. Da dies bei den Aufnahmen 
Ludloff s stets der Fall war, schließt er für die Lokalisation der 
Tuberkulose auf eine Bevorzugung der Knochenknorpelgrenze. Be- 
weisend hierfür war ihm das Röntgenbild eines Sektionspräparates. 
Behandlung — Zusammenfassende Arbeiten über die moderne Behandlung 

der Gelenk- ^^^ Gelenktuberkulose haben Menciöre und Hoffa ver- 
tuberkulose. „ _. _ __ , _ . , . .i. -i «r» ^ :s 

önentucht. Während ersterer immer noch emgreifendere Behand- 
lungsmethoden empfiehlt (Ausspülungen mit Karbolsäure, atypische 
Resektionen), bevorzugt letzterer ein streng konservatives Vorgehen, 
dessen Berechtigung er statistisch nachweist. Für die Behandlung 
eines einzelnen Symptomes, der kalten Abszesse, schlägt Papon 



Orthopädie, Kinesiotherapie. 81 

Injektionen von WasserstofPsaperozyd vor, die er in Verbindung mit Behandlung 
der Punktion mit gutem Erfolge benutzte; er kam immer mit 2 — 6 In- ^®' kalten 
jektionen aus. Die Vorteile derselben sind: 1. Die Injektion ist ab- 
solut schmerzlos; 2. die Lösung ist absolut ungiftig; 3. das Mittel 
dringt weiter nach dem ürsprungsorte des Abszesses hinauf. Ver- 
suche mit diesem Mittel sind daher unbedingt zu empfehlen. Den 
tuberkulösen Pseudorheumatismus haben Poncet und Mail- Taberkuiöser 
land sowie Besannen studiert, sind aber dabei zu recht ver- rj^^^^tlsmus. 
schiedenen Ergebnissen gekommen. Während nämlich die ersteren 
Autoren angeben, daß bei diesen rheumatischen Erkrankungen auf 
tuberkulöser Basis die spezifischen Produkte der Tuberkulose fehlen, 
glaubt Bezan^on, durch Ueberimpfungen des Oelenkinhaltes auf 
das Bauchfell von Meerschweinchen die Diagnose sichern zu können. 
Die ganze Frage erscheint noch nicht spruchreif; naheliegend wäre 
es doch gewesen, zunächst die Eeaktion auf Salizylsäure zu ver- 
suchen, um die tuberkulöse Natur der Krankheit von einem zufällig 
zugleich auftretenden akuten Gelenkrheumatismus zu unterscheiden. 
— Mit der schon so vielfach erörterten Frage des chronischen chronischer 
Gelenkrheumatismus und der verwandten Krankheiten beschäf- ^jj^^^tismus. 
tigen sich wieder eine ganze Reihe von Autoren. Wichmann 
unterscheidet drei Hauptgruppen von GelenkafFektionen: 1. Nach 
Stoffwechselkrankheiten. 2. Auf neuropathischer Grundlage. 3. Nach 
Infektionskrankheiten. Die chronische Arthritis des Kindes Chronische 
hat Spitzy in einer ausführlichen Arbeit behandelt, deren End- ^j^i^^^^^g 
ergebnis ist, daß die vielen verschiedenen, bisher beobachteten Be- 
funde nur graduell oder höchstens individuell verschiedene Verände- 
rungsstadien eines oder sehr nahe verwandter Prozesse sind. In 
einem Falle von sekundärem chronischen Gelenkrheumatismus konnte 
Spitzy einen organisierten, bisher noch nicht] beschriebenen Krank- 
heitserreger nachweisen. Interessant ist der umstand, daß in einem 
der von Whitman beschriebenen beiden\ Fälle von rheumatoider 
Arthritis der eine in völlige Heilung überging. Er betraf einen 
6jährigen Elnaben, bei dem alle größeren Körpergelenke befallen 
waren. Die im Jugendalter äußerst seltene Arthritis deformans Arthritis 
konnte V. Brunn zweimal beobachten. Aetiologisch spielen Traumen j^'^^^u^j™ 
nach seinen Forschungen nicht die allein maßgebende EoUe, jeden- 
falls kommt auch eine idiopathische Form vor. Von Stellungsano- 
malien ist dabei die Außenrotation die konstanteste. Therapeutisch 
empfiehlt v. Brunn bei Beizzuständen Ruhigstellung des Gelenkes, 
später Bewegungsübungen. Zur Resektion rät er nur im Notfall. 
Bei kleineren Gelenken hat Elter durch Resektion gute Erfolge ge- 
Jahrbnch der praktischen Medizin. 1904. 6 



82 Hoffa. 

OsteoartiiritiB sehen. — Bezüglich der Deformationen bei der Osteoarthritis de- 
deformana. formans konnte Köhler an Röntgenbildern nachweisen, daß sie streng 
nach den Gesetzen der Mechanik vor sich gehen, d. h. die Veron- 
staltongen ließen sich leicht durch mechanische Druck- und Zug- 
wirkungen auf nachgiebige Elnochenmassen erklären. An solchen 
chronisch erkrankten Gelenken hat Herz mit einem von ihm kon- 
struierten, sehr empfindlichen Apparate vergleichende Temperatur- 
messungen vorgenommen, wobei er fand, daß die Temperatur chronisch 
erkrankter Gelenke niedriger ist als in der Norm. Eine leichte 
venöse Stauung erwärmte die Extremität. Bei stärkerer Kom- 
pression der Venen trat später eine Abkühlung ein; die Kompression 
Hyperämie der Arterie bewirkte sofortige Abkühlung. Die Hyperämie als 
*^hr*^^***^ Heilmittel chroniBcher Gelenkerkrankungen eingefahrt zu haben, 
Gelenk- ist ein Verdienst Biers, der in einer ausführlichen Studie nochmals 
erkrankimgen. alles Wissenswerte über die „Biersche Stauimg'^ zusammengefaßt 
hat. Sie ist auch nach den Erfahrungen von Habs aufs wärmste 
zu empfehlen. 

Klinische und pathologisch-anatomische Beiträge zur Lehre von 
Geienkmäuse. den Gelenkmäusen hat Boerner geliefert. Er fand an ihnen 
nur in den seltensten Fällen normalen Elnorpel, gewöhnlich wies er 
ausgesprochene Zeichen der Nekrose auf. Für irgendwelche ent- 
zündlichen Vorgänge bei der Entstehung freier Gelenkkörper, dio 
sog. Osteochondritis dissecans, hat Boerner keine Anhaltspunkte 
gefunden. Dagegen nehmen zwei andere Autoren, Oertgen und 
Hüller, diese Aetiologie mit Becht für ihre Fälle in Anspruch; 
insbesondere konnte Müller auf dem Condylus int. femoris ein be- 
wegliches Elnorpelknochensegment nachweisen, das ebenso wie die 
Bandzone kleine Knorpelwucherungen erkennen ließ. 
Erkrankungen Eine Arbeit über die pathologische Anatomie der Poliomyelitis 
des Nerven- anterior acuta infantum hat Praetorius geschrieben. Er hat 
PoifomyeHtiB ® ^^^ von spinaler Kinderlähmung untersucht, die wegen des ver- 
anterior acuta schieden großen Zeitraumes , der seit ihrer Entstehung verflossen 
infantum. ^^^ ^jj^^^ guten Vergleich der in den verschiedenen Stadien des 
Prozesses vorhandenen Zustände zuließen. Aus diesen Untersuchungen 
ergibt sich zweifellos, daß es sich in allen Fällen um die Residuen 
einer radikulären Myelitis handelt, die das Gebiet der Vorderhömer 
resp. das der Arteria centralis betroffen hat. Die Annahme prin- 
zipieller Unterschiede in der Pathogenese der spinalen Kinderläh- 
mung erscheint danach nicht berechtigt. Die verschiedenartige Aetio- 
^K^der-^ logieundSymptomatologiederzerebralenKinderlähmungschildert 
lUunung. Zeidler. Interessant dabei ist, daß in 6 Fällen nach einem nor- 



Orthopädie, Einesioiherapie. §3 

malen Geburtsverlauf sofort eine Lähmung zn konstatieren war; die 
Ursache muß also hier in intrauterinen Erkrankungen gesucht werden. 
— Die häufigen Lähmungen des Peroneus nach Schädigungen L&hmimgen 
des Ischiadikusstammes hat Hoffmann aufzuklären versucht. Nach ^®* Peroneus. 
seinen anatomischen Untersuchungen ist der dem Peroneus ent- 
sprechende Teil des Ischiadikus dem tibialen Teile gegenüber in 
Bezug auf die GefUßversorgung benachteiligt, wodurch sich die bei 
Zerrungen etc. des Ischiadikusstammes im Pwoneus leichter ein- 
tretende Ischämie mit ihren deletären Folgen erklären ließe. — In 
der Aetiologie der Beschäftigungsneurosen, im besonderen des Beschäfti- 
Schreibkrampfes, spielt nach Koppen das psychische Moment s^gs- 
eine Hauptrolle. Der Therapie des Schreibkrampfes war noch ein 
Vortrag gewidmet, den Zabludowski auf der Naturforscherver- 
Sammlung in Kassel gehalten hat. Danach gelang es selbst in den 
schwersten Fällen, durch einen einfachen Apparat das Schreiben 
wieder zu ermöglichen. Der Apparat besteht aus zwei durch eine 
Querstange verbundenen Kugeln, die in beide Hände genommen 
werden. Eine der Kugeln ist mit einem kurzen Bleistift armiert. 

Ungemein zahlreich sind die Arbeiten über S eh nenplastik; Sehnenplastik: 
dennoch können wir uns, da es sich vielfach um rein kasuistische 
Mitteilungen handelt, kurz fassen. Die Heilungsvorgänge Heiiongs- 

nach Sehnenplastik haben Borst und außerdem sein Schüler ^or^^e^ 

nach Sehnen- 
Fritz an den seinerzeit von Hoffa hergestellten und kurz be- piastifc. 

schriebenen Präparaten studiert. Aus dem reichen Inhalt dieser 
Arbeiten sei hier nur das Wichtigste und wirklich Neue wiedergegeben. 
Danach konnte kein sicherer Beweis für eine Umwandlung des ge- 
wucherten Bindegewebes in Sehnengewebe erbracht werden; niemals 
erreichte das Bindegewebe völlig den eleganten Bau des Sehnen- 
gewebes. Diese Wucherung der Sehnenscheiden sowie das spätere 
Auftreten von junger Sehne war auch bei Z-förmiger Durchschneidung 
deutlich. Die allgemeine Reaktion war aber am stärksten bei Ver- 
kürzung der Sehne durch Faltung. Auch die Spannungsverhältnisse 
waren von Einfluß auf die Begeneration. Gegen Sehnenätzung zeigten 
sich Warmblüter im Oegensatz zu Kaltblütern sehr empfindlich, was 
in ausgedehnten Nekrosen und heftiger reaktiver Entzündung seinen 
Ausdruck fand. Ueber den heutigen Stand der plastischen Sehnen- HenUger stand 
Operationen haben Vulpius und Lange Beferate auf dem Ortho- ^®'|J^*^**^*'^ 
pädenkongreß erstattet. Als wichtig sei daraus hervorgehoben, daß Operationen. 
Lange nur in 2°/o der Fälle Fadenabszesse sah, Vulpius in 25^/o. 
Seine günstigen Erfolge in diesem Punkte fiihrt Lange darauf zurück, 
daß er grundsätzlich für 48 Stunden drainiert. Die Durchführung 



84 Hoffa. 

der Lang eschen Operationspläne ist nur dank der Methode der 
seidenen Sehnen und der periostalen Plastik möglich geworden. Daß 
diese periostale Plastik sicherer ist, konnte er durch Leichenver-» 
Sehnen- nnd snche beweisen. An derselben Stelle haben Schanz und Codi- 
MnskeitranB- y i 1 1 a xiber ihre Erfahrungen mit Sehnen- und Muskeltransplantationen 
berichtet. Schanz benutzte als Material ftir versenkte Nähte Draht; 
den kraftnehmenden Muskel durchschneidet er niemals. Oodivilla 
verwendet dünne SilkfSäden; zur Ausfuhrung der Operationen benutzt 
er besondere Instrumente, Sonden mit einer Art Oese am Ende und 
besondere Hakenpinzetten. Den fixierenden Gipsverband läßt er auf- 
fälligerweise nur 4 Wochen liegen, die unteren Extremitäten erhalten 
dann Schuhe mit elastischen Zügen. — Bei einer choreatischen 
Diplegie hat W i 1 1 e k durch Tenotomien und Sehnenüberpflanzungen 
Erfolge erzielt, die zur Nachahmung seines Verfahrens auffordern. 
Scheffler empfiehlt in Hinsicht auf einen geheilten Fall von trau- 
matischer Lähmung des Nervus radialis profundus den Muse, flexor 
carpi radialis als Ersatz für die gelähmten Strecker. In einem Falle 
von veraltetem Eniescheibenbruch mit einer Diastase von 10 cm hat 
Schanz dadurch die aktive Streckflähigkeit des Unterschenkels er- 
zielt, daß er den Sartorius über beide Bruchstücke zog und an ihnen 
und dem intermediären fibrösen Kallus festnähte. Reiner berichtet 
über eine Methode zur tendinösen Fixation von Gelenken bei totaler 
Lähmung. Die Methode, die er Tenodese nennt, besteht in der 
Herstellxmg künstlicher Insertionspunkte für natürliche oder künst- 
liche Sehnen und bezweckt die Fixation der Gelenke und die Ver- 
hinderung des Eintritts von Lähmungsdeformitäten resp. die Ver- 
hinderung des Rezidivs nach der Korrektur. — Ein neues Verfahren 
zur operativen Behandlung der Peroneuslähmung stammt von Deutsch- 
länder. Er verlängert die Achillessehne durch einen Z-fbrmigen 
Schnitt, durchschneidet die Sehnen des Extensor dig. communis und 
des Tibialis ant. hoch oben am Muskelansatz und führt die peri« 
pheren Stümpfe gekreuzt nach hinten, wo er die Sehne des Tibialis 
ant. mit der angefrischten Achillessehne vernäht und die Extensoren- 
sehne auf die des Flexor dig. comm. verpflanzt. Die zentralen Stümpfe 
werden heruntergezogen und eventuell mit Hilfe von Seidensehnea 
mit der Ereuzungsstelle vereinigt. — Whitman kombiniert bei 
Lähmung des Tibialis ant. die Sehnentransplantation mit der Arthro- 
dese des Talonavikulargelenkes. Letztere führt er in der Weise ans, 
daß er den Gelenkknorpel oder bei starker Deformität einen Keil 
entfernt. Dann durchbohrt er das Os naviculare, zieht die Sehne 
des Extensor halluois proprius durch diesen Kanal und befestigt sie. 



Orthopädie, Einefflotherapie. 



85 



Ein ähnliches Verfahren schlägt Müller vor, der zur Heilang des 
Plattfußes die Sehne des Tibialis anticus von ihrer Insertion ablöst 
und in einen Kanal des Os naviculare einpflanzt. Ein Fall von 
Pes calcaneus paralyticus wurde nach Sehe f f 1 e r durch TTeberpflanzung 
des einzig noch brauchbaren Beugers, des Flezor hallucis longus, auf 
die Achillessehne geheilt. Spitzy kurierte einen Fall von Luxation 
der Sehne des Muse, eztensor poUicis long, durch Vereinigung der- 
selben mit der angefrischten Sehne des Eztensor poll. brev. Zum 
Schluß sei eine neue Methode Her tl es zum plastischen Ersatz von 
Sehnendefekten erwähnt, die allerdings nur bei Vorhandensein ge- 
sunder, der verletzten parallel laufender Sehnen anwendbar ist. 
Um den Defekt zu überbrücken, vereinigt man beide Stümpfe mit 
der parallelen Sehne und durchschneidet dann die Anastomose der 
Länge nach. 

Auf dem Gebiete der Massage nnd Gymnastik sind neue Hilfsmittel der 
Arbeiten von Jacob und Bum erschienen. Von der Massage sah OrthopÄdie: 
Norström günstige Erfolge bei chronischem Kopfsichmerz. — Studien 
über Muskelarbeit undMuskelermüdungfahrtenHasebrook 
zu der Erkenntnis, daß umsoweniger Ermüdung eintritt, je mechanischer, 
d. h. je unabhängiger vom Willen die Muskelübung stattfindet. Die 
größte Möglichkeit für diese automatische Arbeit bieten die Zander- 
apparate. Hier sei auch noch einer Arbeit von du Bois-Bey- 
mond über „spezielle Muskelphysiologie" oder Bewegungslehre 
erwähnt, die unser ganzes heutiges Wissen über diesen Punkt zu^ 
sammenfaßt. 

Böntgenographisch-diagnostische Beiträge zur Pathologie des 
Kniegelenks hat Bad e geliefert, der alle krankhaften Veränderungen 
dieses Körperteils, soweit sie sich im Röntgenbilde erkennen 
lassen, beschrieben hat. Li derselben Weise hat Sudeck die Er- 
krankungen der Wirbelsäule behandelt. Einen praktischen Wink 
hat Wittek für Aufnahmen der Wirbelsäule gegeben; es gelang 
ihm nämlich, durch Aufblähung des Magens detaillierte Struktur- 
bilder des darunterliegenden Wirbelsäulenabschnittes zu erzielen. 
Daß man sich nicht auf eine einzige Böntgenaufhahme bei dem Ver- 
dacht auf Knochenverletzungen verlassen soll, ja daß es Läsionen 
des Knochens gibt, die mit so geringen Veränderungen einhergehen, 
daß sie weder durch die untersuchende Hand noch durch die Röntgen- 
strahlen nachgewiesen werden können, mußte Heinrich erfahren; 
es empfiehlt sich daher, in allen zweifelhaften Fällen den weiteren 
klinischen Verlauf abzuwarten, bevor ein endgültiges Urteil ab- 
gegeben wird. 



Massage und 
Gymnastik. 



Zander- 
apparate. 



Röntgen- 
technik. 



86 



Hoffa. 



Apparate, 

Verbände und 

Schienen : 

Skoliosen- 

redressions- 

apparat. 

Extensions- 

verband. 



Artikulierende 
Gipsverbände. 

Gips und 
Aseton- 
zelloloid. 

Papiermache. 



Neue Schienen 

Leibbinden. 

Stelzbein. 



Den in der Schanz sehen Klinik gebrauchten SkolioBen- 
redressionsapparat hatScheffler beschrieben. Pierre gibt einen 
einfachen Extensionsverband für die untere Extremit&t an, der 
aus zwei miteinander verbundenen, Knie und Knöchel umfassenden 
Lederriemen besteht. Eine weitere Modifikation der permanenten 
Extension stammt von Eden; sie gestattet Beweglichkeit des Fuß- 
gelenkes, belastet das Kniegelenk nur wenig und reduziert die 
Beibxmg auf ein Minimum. Artikulierende Oipsverbände ver- 
wendet Lieblein auch zur Behandlung von FuBdeformitftten. Eine 
Kombination von Oips und Azetonzelluloid empfiehlt Eitschl 
für abnehmbare Oehverbftnde und zur Verstärkung des Gipsver- 
bandes, eventuell auch als Klebemittel zur Anbringung von Ver- 
stärkungsschienen. Apparate aus Papiermache, die überOips- 
modellen hergestellt werden und leichter und billiger sind als die 
Hessingschen, hat Herzog angefertigt. Neue Schienen haben 
Bender, WuUstein und Vulpius beschrieben. Klein und Becker 
haben zweckmäßige Leibbinden angegeben, v. Hovorka ein prak- 
tisches und billiges Stelzbein, das in der Massenpraxis gute Ver- 
wendung finden wird. 



Capnt 
obstipum. 



Torticollis 
spasticns. 



Spezielle Orthop&die. Für die Entstehung des angeborenen 
Caput obstipum kommt nach den Beobachtungen von Maas nur 
selten eine infektiöse Myositis in Betracht, wahrscheinlich handelt 
es sich zumeist um eine intra partum durch TTeberdehnung erfolgte, 
traumatische Muskelnekrose (Ischämie) mit sekundärem Ersatz dmrch 
narbiges Bindegewebe. Für die Therapie des Leidens hat WuU- 
stein einen bemerkenswerten Vorschlag gemacht. Er schlägt vor, 
den überdehnten Stemokleidomastoideus der gesunden Seite durch 
eine Schlingennaht dicht imterhalb des Akzessoriuseintrittes zu ver- 
kürzen, damit er durch eigene Kraft die äußerst wichtige Korrektur 
des Caput obstipum besorgen kann; nur dann sei eine langwierige 
orthopädische Nachbehandlung unnötig und ein Rezidiv ausgeschlossen. 
Von Literesse sind auch die Ausführungen Ziehens über Torti- 
collis spasticus. Auch diesem Autor war eine exakte Erklärung 
der letzten Ursache des Leidens unmöglich; er bezeichnet die beiden 
von ihm beobachteten Fälle als „kointentionalen" TortikoUis, weil 
die Ej'ämpfe durch Bewegungen anderweitiger Muskelgruppen aus- 
gelöst wurden. Auch hier gelang, ebenso wie in einem Ffdle Kof- 
manns, die Heilung durch Akzessoriusresektion. 

In die Aetiologie des angeborenen Schulterblatthoch- 
standes haben auch die im vorigen Jahre veröffentlichten Arbeiten 



Orthopädie, Einesioiherapie. 87 

noch nicht volles Licht gebracht. Während Mohr für die Ent- Angeborener 
fltehong seines Falles die Sprengeische Theorie der intrauterinen Bohuiterbiatt- 
Belastungsdeformitat in Ansprach nimmt| glaubt Hirsch eine schwere 
Entwicklungshemmung der Halswirbelsäule dafür anschuldigen zu 
dürfen. Auch Kays er spricht sich zu Gunsten einer Entwicklungs- 
hemmung aus, d. h. eines fehlenden Descensus scapulae. Ebenso 
ist Neumann geneigt, den gleichzeitigen Kukullarisdefekt nur für 
ein zu&lliges Nebeneinandervorkommen zweier Mißbildungen zu 
halten. Viel sicherer ist die Aetiologie des erworbenen Schulter- Erworbener 

blatthochstandes zu entscheiden. In dem Falle von Ben da war er Schniterbiatt- 

hochstftnd. 
nach einer Schultergelenksankylose eingetreten, in dem von Manasse 

auf dem Chirurgenkongreß vorgestellten durch tonische Kontraktur 

der Mm. levator ang. scapulae und rhomboidei. Hier trat erst nach 

ausgiebiger Muskelresektion und unter galvanischer Behandlung 

Heilung ein. 

In einem von Cinnston mitgeteilten Falle von angeborener Angeborene 

Verrenkung der Schulter konnte durch die Phelpssche Ope- 7*"^*^?^ 

ration deshalb ein vorzügliches Resultat erzielt werden, weil die 

Oelenkfiächen zwar kleiner, aber sonst normal gebildet waren. — 

Für das paralytische Schlottergelenk der Schulter stellt Paralytisches 

nach Vulpius die Arthrodese das Normalverfahren dar, das in Schotter- 

ffelenlc. 
6 Fällen ein funktionell äußerst günstiges Resultat ergab. — Eine 

hereditäre, doppelseitige, angeborene Supinationsstörung des Ell- Doppelseitige 

bogengelenkes konnte Blumenthal durch die röntgographisch §^^„^^^^0^3. 

nachgewiesene Verwachsung der oberen Radius- und ülnaenden auf- stürung des 

klären, sowie durch übermäßiges Wachstum des Radius. — Die Ellbogen- 

fffilenkes 

spontane Subluxation des Handgelenkes (Madelung) 

führt Ab a die zumeist auf Spätrhachitis zurück, freilich war in dem subiaxatiou 

von ihm beobachteten Falle eine traumatische Exostose des Radius ^^^ Ti^nH' 

ffBlfinlces 

das ätiologische Moment. — Für die Behandlung der angeborenen 

Klumphand (Fehlen des unteren Radiusendes) empfiehlt Redard Angeborene 

die Resektion eines trapezförmigen Stückes der Ulna zum Ausgleich ^^"™P^^°^' 

der starken Abduktion. — Traumatische Luxationen der Tranmatische 

Extensorensehnen der Finger hat Becker dadurch geheilt, i'^»»^^*o'i^>^ 

daß er nach Reposition der Sehnen das zu beiden Seiten gelegene Extensoren- 

Bindegewebe über ihnen vereinigte. — Erwähnt seien hier noch die sehnen der 
äußerst günstigen Erfolge, die Lenge mann bei der unblutigen Be- °^^^ 

Handlung der Dupuytrenschen Fingerkontraktur durch Thio- Dupaytren- 

sinamineinspritzungen erreicht hat; es trat faktisch eine Erweichung ^^^^^^^^^^^' 
des Narbengewebes ein. 

Verhältnismäßig wenige Arbeiten beschäftigen sich mit der 



88 Hoffa. 

Erkrankungen SkoIiose. Ihre pathologische Anatomie hat Becker in einer 

der Wirbel- ausfuhrlichen Studie behandelt. Danach wird durch irgend einlüß- 
Säule: , , 

SkoUose. Verhältnis zwischen Belastung und Tragfähigkeit der Wirbelsäule 

die letztere auf Biegung und Knickung beansprucht. Die Biegung 
vollzieht sich analog dem physiologischen Verhalten unter Drehung 
des auf der Scheitelhöhe befindlichen Wirbels nach der Seite der 
Konvexität zu. Infolge ihrer engen Verbindung müssen die Nachbar- 
wirbel die Drehung mitmachen. Durch die Belastung erfUirt die 
Botationsstellxmg noch eine Verstärkung. Der nicht mehr vertikal 
wirkende Druck steigert die Drehung immer mehr, indem er den 
Scheitelwirbel weiter seitlich hinausdrängt. — Die ausschließlich 
statische Entstehung der Skoliose vermag Deutschländer nicht 
anzuerkennen. Der kindlichen Skoliose liegt sicher zumeist ein krank- 
hafter Knochenprozeß zu Grunde; als den häufigsten sieht Deutsch- 
länder die von Becklinghausen zuerst beschriebene infantile 
Osteomalazie an, die durch vasomotorische Störungen des Gefäß- 
systems und zwar durch arterielle Kongestionen zu stände kommt. 
EiEperimentelle Studien hat Arnd unternommen, um die Frage zu 
lösen, nach welcher Seite die Konvexität bei paralytischen Sko- 
liosen gerichtet ist. Er fand, daß nach Exstirpation eines Stückes 
aus dem Erector trunci von Kaninchen sich zuerst eine nach der 
operierten Seite gerichtete Konvexität ausbildete, später wurde dieses 
Verhältnis aber umgekehrt. — Wie verderblich der Einfluß der 

Schniskoiiose. Schuleist, zeigt die Arbeit von Scheid er über die Schulskoliose; 
die in ihr enthaltenen Zahlen sprechen Bände. Es wäre höchste 
Zeit, daß die nochmals von Scholder präzisierten hygienischen 
Forderungen erfüllt würden. Die unterschiede in der Form der 
Skoliosen bei männlichen und weiblichen Individuen hat Sutter an 
dem reichen Skoliosenmaterial von Schultheß untersucht. Danach 
verhalten sich die Zahlen der männlichen zu den weiblichen Skoliosen 
wie 1 : 7 (in den Schulstatistiken wie 1 : 1). Die männlichen Sko- 
liosen waren noch häufiger linkskonvex und zumeist komplizierte 
Halsrippen Dorsalskoliosen. Auf den Zusammenhang zwischen Halsrippen 

und Skoliose. ^^^ Skoliose haben Helbing und Banzi hingewiesen. Ersterer 
erklärt das Zustandekommen der Skoliose durch das Bestreben der 
Patienten, einen schmerzhaften Druck auf den Plexus zu vermeiden. — 
Auf eine seltene Ursache der Skoliose, eine Wandemiere, hat Ben- 
der aufmerksam gemacht, der einen einschlägigen Fall beobachtete. 

Angeborene Angeborene Skoliosen wurden von Fröhlich und Athanassow 

Skoliose, beschrieben. In dem Fröhlichschen Falle, der mit einseitigem 

Klumpfuß kompliziert war, handelte es sich um eine unregelmäßige 



Orthopädie, Einesiotherapie. 89 

FuBion mehrerer Lendenwirbel, in dem anderen um ein Fehlen oder 
eine rudimentäre Ausbildung einer Wirbelhälfte am dritten Lenden- 
wirbel und eine abnorme Gestaltung des zweiten und vierten Lenden«* 
wirbeis; zugleich war eine Spina bifida lumbalis nachweisbar. — Das 
regelmäßige Vorkommen auch seitlicher Verbiegungen der Wirbel- 
säule bei Syringomyelie beobachtete Bor chard. — Beiträge zu der 
wichtigen Frage der Korsettbehandlung habenBecker, v.Mod- Korsett- 
linsky und Bade geliefert, die mit Recht jeden einseitigen Stand- ^«i»a»diang. 
punkt verwerfen. Der von Wohrizek konstruierte „Korrektor", 
der in der Hauptsache aus verstellbaren Pelotten besteht, soU eine 
korsettfreie Behandlung der verschiedenen Bückgratsdeformitäten 
ermöglichen. Eine erfolgreiche Bippenresektion hat Bade aus- 
geführt, um die Schmerzen zu beseitigen, die dadurch entstanden, 
daß das freie vordere Ende der linken siebenten Rippe bei Atem- 
bewegungen das Peritoneum reizte. — Auf den Zusammenhang 
zwischen Thorazdeformitäten, Skoliosen und adenoiden Vegetationen 
des Nasenrachenraumes hat Becher aufmerksam gemacht; Rhachitis 
konnte in diesen Fällen sicher ausgeschlossen werden. 

üeber die Entstehung und Behandlung der spondyli- SpondyUtis 
tischen Lähmungen berichten Heineke imd Tillmanns. Letz- t«^wc»^osa: 
terer erklärt ihr Zustandekommen in den meisten Fällen durch qq^ 
Weichteilkompression ; dieser Druck ruft Zirkulationshemmungen und Behandlung 
damit Ernährungsstörungen des Rückenmarks hervor. Bezüglich der ^^80^6^1^-^* 
Therapie rät Till man ns, da die Gesamtresultate der rein ortho- mnngen. 
pädischen Behandlung nicht günstig sind, „in geeigneten Fällen^' zur 
Frühoperation. Man wird dann freilich mit der Laminektomie bei 
Karies der Wirbelkörper nicht auskommen. Die Wahl des passen« 
den Eingriffs hängt also von einer exakten Diagnosenstellung ab. 
Die Ursache der spondylitischen Lähmung konnte in einem von 
Wieting beobachteten Falle mit ziemlicher Sicherheit festgestellt 
werden. Hier ergab die Sektion eine winklige Knickung der Aorta, 
deren Lumen nur eine bleistiftdicke Passage aufwies. In diese 
Passage legte sich von unten hinten her noch ein Thrombus, der 
aus der zehnten Interkostalarterie herausragte. Die Lungenarterien 
waren durch einen großen, frischen, reitenden Thrombus verlegt. Die 
dadurch bewirkte Ischämie des Markes ließ sich durch histologische 
Untersuchung feststellen. — Aus den statistischen Erhebungen Tay- 
lors über die Endresultate der mechanischen Behandlung derPott- 
Bchen Erkrankung sei als praktisch wichtig hervorgehoben, daß es 
sich als vorteilhaft erwiesen hat, die Rückenstütze noch lange nach 
Ausheilung des Prozesses tragen zu lassen, da sonst die Wirbel- 



90 



Hoffa. 



Sonstige 

Erkrankungen 

der Wirbel- 

s&nle : 
Chronisoh- 
ankylosierende 
Entzündung 
der Wirbel- 
säule. 



Mnskul&re 

B&oken- 

Versteifung. 



Spondylitis 
traumatica. 



Tabische 
Osteoarthro- 
pathie. 

Spondylitis 
typhosa. 



Säule aus statischen Gründen die Neigung zeigt, sich noch mehr zu 
verbiegen. Für die ambulante Behandlung der Spondylitis 
schlägt Möhring vor, die meist geübte Extensions- und Reklinations- 
behandlung durch Druckbehandlung zu ersetzen; statt der Streck- 
korsetts sind Druckstützen anzuwenden, die von vornherein einen 
zielbewußten Druck auf die erkrankte Oegend ausüben. Fraglich 
bleibt nur, ob dieser Druck immer vertragen wird. 

Fälle von chronisch-ankylosierender Entzündung der 
Wirbelsäule haben Orhan-Abdi und Focken beschrieben. 
F ecken konnte durch Röntgenbilder nachweisen, daß in seinen 
Fällen die Zwischenwirbelscheiben unversehrt waren. Lokalisierte 
Wirbelsäulenankylosen auf sicherer traumatischer Basis beobachteten 
Müller und Bettmann. Letzterer sieht die anatomische Grund- 
lage der Erkrankung in einer Verwachsung der Wirbelkörper mit- 
einander unter kompletter Verknöcherung der Bandscheiben und 
Gelenke. Eine andere ätiologische Grundlage, eine muskuläre 
Rücken Versteifung, war in den von Senator und Barg pub- 
lizierten Fällen vorhanden. In dem Senat ersehen Falle wurde 
eine chronische Myositis der Rückenmuskulatur angenommen, in 
dem Barg sehen, in dem in Narkose freie Beweglichkeit eintrat, 
wurde ein durch das Trauma hervorgerufener Bluterguß in den 
Subarachnoideabaum der Rückenmarkshäute diagnostiziert. — Die 
sog. Spondylitis traumatica (Kümmell) hat in Brehmer und 
Brodnitz wieder zwei Verfechter gefunden. Zwar nimmt Brehmer 
Enochenbrüche oder Fissuren der Wirbel an, glaubt aber, daß sich 
aus der durch den traumatischen Reiz hervorgerufenen, zur Kallus- 
bildung nötigen Entzündung eine chronische Entzündung, eine Ostitis 
traumatica, ausbildet, die zur Entstehung eines gefilßreichen Granu- 
lationsgewebes in den Enochenkanälchen und zur Einschmelzung der 
Enochenkanälchen führt. Li dem Falle von Brodnitz, in dem 
unmittelbar und noch 8 Wochen nach dem Trauma die Unversehrt- 
heit der Wirbel durch Röntgenbilder festgestellt werden konnte, 
mußte man freilich einen reinen Ejiochenprozeß annehmen, die be- 
rühmte rarefizierende Ostitis oder trophoneurotische Störungen. Die 
tabische Osteoarthropathie der Wirbelsäule ist nach Graetzer 
häufiger, als man gemeinhin annimmt. In seinem Falle kam es bei 
gleichzeitiger Osteophytenbildung zu Frakturen xmd Luxationen ein- 
zelner Wirbel, um die Frage der Spondylitis typhosa zu klären, 
hat Fränkel die Wirbel von Typhusleichen zum Teil auch bakterio- 
logisch untersucht. Er konnte neben Staphylo- und Diplokokken 
in dem Mark der Wirbel Typhusbazillen nachweisen. Aehnliche 



Orthopädie, Einesiotherapie. 91 

WirbelentEündangen sah Quincke bei anderen Infektionskrankheiten, SpondyUtis 

bei Pnenninonie und bei eitriger Plenritifl. Er macht daher den ^^'«^tiosa 

Vorschlag, diese Erkrankungen unter dem Namen Spondylitis 

infectiosa zusammenzufassen. 

Eür die Kenntnis der Heilungs Vorgänge bei der unblutigen Erkrankungen 

Reposition der angeborenen Hüftgelenksverrenkung „^®^ '^'l*®"^ 
, ® Extremit&ten: 

sind zwei Gelenkpräparate von großer Wichtigkeit, die Müller unbiaüge 

beschrieben hat. Das wichtigste Ergebnis seiner Untersuchungen Reposition der 
ist, daß die Retention durch Schrumpfung der hinteren Kapsel- HWtKeienks^- 
partien erzielt wird. Die straffe Spannung der vorderen Kapsel- verrenknng. 
wand bewirkt eine TTmkrempelung des Pfannenrandes und festes 
Anpressen des Kopfes gegen die Pfanne. Derselbe Autor ist ge- 
neigt, die obere Altersgrenze fiir die Behandlung der angeborenen 
Hüftverrenkung bedeutend heraufzusetzen, da er bei einer 15'/4Jähri- 
gen Patientin völlige Heilung, bei drei Patientinnen im Alter von 
14—49 Jahren bedeutende Besserung erzielte, üeberhaupt erreichte 
er nach seiner Statistik in 70°/o der Fälle anatomische Heilimgen, 
Narath sogar in 85*^/0, dagegen der skeptische Kirmisson nur 
in 80 ^/o ; die Transpositionen überwogen hier. Um eine solche rota- 
torische Subluxation zu vermeiden, empfiehlt Slomann, die Ex- 
tremität später in Einwärtsrotation einzugipsen. Ein neues Ver- 
fahren hat Schulze angegeben, das in Lagerung der Patienten auf 
gepolsterten, entsprechend verschieblichen Brettern besteht. Schulze 
entfernt schon 10 Tage nach der Einrenkxmg den Gipsverband und 
fixiert die Kinder auf seinem Lagerungsapparat, auf dem sofort mit 
aktiven Rumpfbewegungen begonnen wird. Endresultate stehen noch 
aus. — Für ältere Patienten sind vielfach wieder blutige Opera- BinUge 
tionen vorgeschlagen worden. Bemerkenswert ist ein Vorschlag Operationen. 
Oarniers, nach S ir au ds Vorgang den abgemeißelten großen Tro- 
chanter mit Silberdraht oberhalb des Schenkelkopfes an das Os ilei 
and den Schenkelkopf zu befestigen. Der Ei*folg dieser Operation, 
die Ankylosierung dieser drei Knochen, spricht nicht für ihre Be- 
rechtigung. Rationeller ist das von Walter beschriebene Vorgehen 
Kraskes, der, ähnlich wie seinerzeit König, nach blutiger Re- 
position des Femurkopfes einen Periostlappen mit dem vorderen 
Kapselrest vernähte. Froehlich heilte zwei Patienten, die gleich- 
zeitig so starke Adduktionskontrakturen hatten, daß die Kniee sich 
kreuzten, durch schräge und lineare subtrochantere Osteo- 
tomie. Die keilförmige Osteotomie an derselben Stelle ergab 
in einem von Um breit berichteten Falle ein vorzügliches Re- 
sultat. — Hilfsap parate für die unblutige Einrenkung haben 



92 



Hoffft. 



Spontan* 
Inzationen 
des Hflft« 
gelenkes. 



Operative 
Behandlung 

der 
tuberkalOsen 

Koxitis. 



Operative 

Behandlang 

knöcherner 

Hüftankylose. 



Menciire und Heusner konstruiert. Menci&re bringt den 
Kopf mit einem Hebel in die Pfanne, der auch in schwierigen 
Fällen nicht versagen soll. Heusner benutzt zur Beckenfization 
bei der Einrenkung seinen Osteoklasten. Für die Nachbehandlung 
empfiehlt er Spiralfedern, welche, die Schenkel umgebend, an einem 
Korsett und den Schuhen angebracht sind und kräftig einwärts 
rotieren. 

Spontanluzationen des Hüftgelenkes (Distensions- 
luxationen) wurden von Engelman, Hall und Bertelsmann 
nach Eheumatismus, Typhus und Scharlach beobachtet. Die beiden 
ersten Autoren konnten über gute Erfolge nach vollzogener Se- 
position berichten. In dem Falle von Bertelsmann, in dem die 
Luxation im Verlaufe eines schweren Scharlachs eingetreten war, 
brach bei dem Einrenkungsversuch der atrophische Oberschenkel- 
knochen. Der Fall verlief immerhin noch ziemlich günstig. 

Eine Statistik über die Enderfolge der operativen Behand- 
lung der tuberkulösen Koxitis vonManninger ausderXocher- 
schen Klinik zeigt, daß die Operation für eitrige Fälle entschieden 
bessere und für nicht eitrige nicht viel schlechtere Resultate gibt 
als die konservative Behandlung. Letztere will Manninger daher 
nur f&r besser situierte Patienten angewendet wissen. Fälle von 
Spontanverrenkungen bezw. Pfannenwanderung und fistulösen Pro- 
zessen sind stets zu resezieren, ünge&hr denselben Standpunkt be- 
züglich der Indikation für operatives Eingreifen nimmt König ein. 
Demgegenüber ist einzuwenden, daß die vorliegenden Statistiken 
über die konservative Behandlung noch viel zu unzureichend sind, 
um bindende Schlüsse daraus ziehen zu können und daß die am- 
bulante Gipsbehandlung heutzutage auch dem Aermsten zugänglich 
ist. — Die Verbreitung kozitischer Abszesse hat Merzweiler 
genau studiert und ihre Wege durch die vier dünnen Stellen der 
G^enkkapsel beschrieben. Von Calv^ und Ouillaume-Louis 
stammt eine Arbeit über doppelseitige Kozitis. Dieses relativ 
häufige symmetrische Auftreten erklären sie durch die gleiche 
EmpfElnglichkeit des Bodens wegen seiner anatomischen und physio- 
logischen Gleichheit. — Einen Beitrag zur operativen Behand- 
lung knöcherner Hüftankylosen hat Borris geliefert, der 
über einen von Braatz operierten Fall berichtet. Es wurde hier 
nach Osteotomie des Schenkelhalses der Gipsverband in drei ge- 
trennten Abteilungen angelegt; die einzelnen Teile wurden durch 
eine vorher nach Maß angefertigte, seitliche Eisenschiene zusammen- 
gehalten, die in der Gegend des Hüftgelenks ein Sektorenblatt trog, 



Orthopädie, Einesiotherapie. 



93 



das den Oberschenkel in beliebiger Bengestellung zu fixieren und 
denselben auch zu überstrecken gestattete. 8 Tage nach der Opera- 
tion wurden schon die ersten Bewegungen ausgeführt, deren ener- 
gische Durchführung ein günstiges Resultat ermöglichte. — Eines 
neuen Verfahrens bediente sich Vincent in einem Falle von starker 
Beugekontraktur. Er verpflanzte das untere Fragment des unter 
dem Trochanter osteotomierten Oberschenkels in eine vorher auf der 
Unterseite des Trochanter major gegrabene Vertiefung. 

Die Lehre von der Coxa vara ist auf dem Orthopädenkongreß 
der Gegenstand eingehender Erörterungen gewesen. Der Haupt- 
referent, Joachimsthal, hat an der Hand von Krankheitsfällen, 
Böntgenbildern und Präparaten die verschiedenen Formen und Ur- 
sachen der Schenkelhalsverbiegungen besprochen. Von Interesse da- 
bei ist die Sicherung eines kongenitalen Ursprungs des Leidens. Als 
statische Belastungsdeformität fassen Schanz und Blum die meisten 
FäUe von Coxa vara auf, im allgemeinen auch Borchard, der in 
der Schenkelhalsverkrümmung jugendlicher Individuen nur ein Sym* 
ptom, keine Krankheit an sich sieht. Cohn beschuldigt die Früh- 
rhachitis als Ursache; im Gegensatz dazu fand Froehlichin3 Fällen 
keine Anhaltspunkte für Ehachitis, dagegen konnte 2mal die Gegen- 
wart von Staphylococcus albus nachgewiesen werden. Er glaubt 
daher, daß ätiologisch eine chronische Osteomyelitis in Betracht zu 
ziehen ist. Die Beziehungen zwischen kongenitalem Femurdefekt und 
Coxa vara haben Beiner und Joachimsthal beleuchtet. Beiner 
wies nach, daß in frühem Entwicklungsstadium am Femur „schwache 
Stellen" vorhanden sind, bei deren Läsion sich Coxa vara oder 
Femurdefekt oder Zwischenstadien herausbilden. Joachimsthal 
sah sich gezwungen, in einem Falle, wo nach den Böntgenbildern 
ein angeborener Femurdefekt festgestellt worden war, seine Dia- 
gnose in hochgradige Coxa vara umzuändern, da die später ein* 
tretende Ossifikation das stark verkrümmte Femur in seiner Totalität 
erkennen ließ. Auf eine verhältnismäßig häufige Ursache der Schenkel- 
halsverkrümmung im jugendlichen Alter, die Schenkelhalsbrüche, hat 
Hoffa hingewiesen; er konnte allein 11 einschlägige Fälle be^ 
obachten. — Für die Behandlung der Coxa vara rät Codi vi IIa, 
das Bein nach der subtrochanteren Osteotomie nur in leichte Ab- 
duktionsstellung zu bringen, um auf diese Weise eine Verkürzung 
der Abduktoren zu vermeiden. 

Eine erschöpfende Darstellung der Belastungsdeformitäten 
der unteren Extremität verdanken wir Joachimsthal. Bei- 
träge zur Kenntnis der Meralgie haben Bosenhaupt, sowie 



Coxa vara. 



Belastungs- 
defomütftten 
der unteren 
ExtremitAt. 



94 Hoffia. 

Heraigie. Neisser imd PoUak geliefert. Ersterer konstatierte 9inal unter 
10 Fällen dieser ^Obersohenkelschmerzen^ Diabetes mellitus, Neisser 
und Pollak fanden in ihrem Falle, daß das Lig. Ueopectineum mit 
seinem scharfen Bande dem Nervus femoralis fest auflag. Durch 
Einkerben dieses Bandes konnten die Beschwerden zum Verschwin- 
den gebracht werden. 
Habituelle Für die Therapie der habituellen Luxation der Patella 

^°p**t^^u **^ schlägt Bade vor, bevor zu eingreifenden Operationen gesohritten 
wird, erst einen Versuch mit fixierenden Schienenhülsenapparaten 
zu machen. Die kongenitale Luxation des Kniegelenks stu- 
dierte Delanglade an einem frischen Präparat. £r fand eine wohl 
durch den Bänderzug hervorgerufene Verkrümmung des Unter- 
schenkels nach vom und zieht daraus für die Therapie den Schluß, 
das Knie nach erfolgter Beposition in rechwinkliger Stellung zu 
fixieren. Dadurch soll der vordere Teil des Epiphysenknorpels der 
Tibia von Druck entlastet werden und die Möglichkeit erhalten, sich 

Luxation der zum Ausgleich der Verkrümmxmg frei auszuwachsen. Die Luxation 

Semüimar- ^^^ Semilunarknorpel hat Schnitze mehrfach beobachtet. Er 
knorpel. '^ 

erklärt die größere Häufigkeit der Verrenkung des Meniscus internus 

(2 : 1) aus seiner geringeren Verschieblichkeit. Die beste Therapie ist die 

ausgiebige Exstirpation. Auf demselben Standpunkte steht Hoffa, 

der noch auf das Vorkommen einer entzündlichen Hyperplasie 

des unter der Patella gelegenen Fettgewebes hinweist und auf das 

Lipoma Lipoms arborescens, das ausfuhrlicher von Painter und Erving 

arborescens. beschrieben wurde. Bezüglich der Behandlung der Kniegelenks- 
der^En^e^^ tuberkulöse schwankt der Kampf zwischen konservativer und 
geienks- operativer Methode noch hin und her. Anhänger der letzteren sind 

tuberkulöse. König und Damianos, „weil die Heilung durch Operation sicher 
und zeitlich begrenzt sei*^. Für die einzig richtige Schiene zum 

AoBgieich von Ausgleich vou Kniegelenkskontrakturen hält Bosenberg 

^n\wk\w^n ^^® Braatzsche Sektorenschiene. Zum selben Zweck hat Whitman 
ein Verfahren angegeben, das darin besteht, daß die Tibia fixiert 
wird und das Femur manuell nach vom gebracht und gestreckt wird. 
Sekundäre Flexionskontrakturen nach Kniegelenksresek- 
tionen wurden von Hofmeister und Mahr fast immer bei Pa- 
tienten beobachtet, die vor dem 14. Lebensjahre operiert worden 
waren, um diese Komplikation zu vermeiden, schlägt Hofmeister 
vor, prinzipiell die Beugesehnen auf die Patella zu verpfianzen. — 
Nachuntersuchungen über die Erfolge der Mac e wen sehen Osteotomie 

Qenu vaigum. bei Genu valgum hat v. Brunn an 108 Patienten ausgeführt. Das 
funktionelle und kosmetische Besultat war bei allen ausgezeichnet, 



Orthopädie, Einesiotherapie. 



95 



wenn aaoh die zur Ansgleichnng der Deformität erforderliche Dis- 
locatio ad azin in den meisten Fällen dauernd bestehen blieb. Zur 
gewaltsamen Bedression des Oenu varum ist von Bilhaut ein 
neuer Apparat angegeben worden, der der Vollständigkeit halber 
hier erwähnt sei; er ähnelt dem F er r arischen Osteoklasten. 

Die Ursachen, das Wesen und die Behandlung des Klumpfußes 
finden sich in einer nachgelassenen Arbeit Julius Wolffs be- 
schrieben. Als praktisch wichtig sei daraus hervorgehoben, daß 
Wolff auch bei schweren Klumpfüßen Erwachsener auf jede instru- 
mentelle Hilfe verzichtet und das Bedressement nur durch Hände- 
kraft ausfahrt. Daß man auch bei älteren Patienten gute Erfolge 
erzielen kann, beweist ein von Mayer operierter 50jähriger Patient. 
Den heutigen Stand der Behandlung des Klumpfußes hat Vulpius 
sehr übersichtlich definiert. — Eine Nachprüfung der Ogstonschen 
Operation (Ausschabung des Knochenkemes des Talus) hat Lauen- 
stein mit günstigem Erfolge in 4 Fällen unternommen. Ein anderes 
Operationsverfahren hat v. Friedländer eingeschlagen. Er hat aus 
dem unregelmäßigen Sattelgelenk zwischen Kalkaneus imd Talus 
durch Abmeißelxmg und Ausschabung ein Kugelgelenk gemacht, in 
dem nun die Korrektion in drei Ebnen ausgeföhrt werden konnte. 
Neue Apparate zur Bedression des Klumpfußes hat Heusner kon- 
struiert. Er hat seinen schon von früher bekannten Oesenhebel noch 
mit einem gepolsterten Riemen armiert, der den Fersenhöcker um- 
faßt und diesen beim Anheben mit Gewalt nach hinten zieht. 

Nach Hase brock ist die häufigste Grundlage der vielfach dem 
Plattfuß zur Last gelegten Mittel- Vorderfußbeschwerden ein primäres 
Gelenkleiden; aus diesem Grunde hält er Massage und Gymnastik 
therapeutisch für viel wichtiger als Plattfußeinlagen. Für letztere 
benutzt Heusner Aluminium wegen seiner Leichtigkeit und guten 
Hämmerbarkeit. Seine Einlagen sind kürzer als die üblichen, um 
die Federung im Tarsus und das Spiel der Fußmuskeln weniger aus- 
zuschalten. Auch zur Korrektion der Plattfüße benutzt er seine 
serpentinartig gebogenen Stahlfedern. Als Fußgewölbestützen haben 
sich Lange am besten Zelluloideinlagen bewährt, die über einem 
GKpsmodell gearbeitet und durch Stahldraht verstärkt werden. Kir- 
misson und Bize fanden bei der histologischen Untersuchung 
der Talusköpfe eines kontrakten Plattfußes eine chronische Gelenk- 
entzündung; der Knochen war rarefiziert, das Mark injiziert. — 
Den genauen Befund der Knochen und Muskeln des Platt- und 
Hackenfußes nach gehärteten Präparaten, an denen die Muskeln in 
ihrer normalen Lage untersucht werden konnten, beschreibt Hof- 



Genu varum. 



Behandlung 

des 
Klumpfußes. 



Plattfuß- 
einlagen. 



Platt- und 
Hackenfuß. 



96 HoflRa. 

mann. Er konnte zeigen, daß die Sohlenmnskulator am wichtigsten 
ist für die Aofirechterhaltong des Fußgewölbes; der Tibialis post. 
hat mit der Ausbildung des Plattfußes nichts zu tun. Die Ent- 
Hohlfaß. stehung einer anderen Fußdeformität, des angeborenen Hohlfußes, 
fährt Heusner ebenso wie die des Klumpfußes auf eine in die 
6. — 8. Lebenswoche zurückreichende Hemmungsbildung zurück. Durch 
etappenweises Bedressement konnte in einem einschlägigen FaUe 
die normale Fußform fast völlig wiederhergestellt werden. Einen 
h3rsterischen Spitzfuß nach einem geringfügigen Trauma sah Her- 
hold bei einem Soldaten; jede Therapie versagte hier. Erst als 

Apparate znr der Patient als Invalide entlassen war , besserte sich der Zustand. 

^®^*^***™®'^ Einige neue Apparate zur gewaltsamen Bedression von Puß- 
vonFoß- deformitäten hat Vogel angegeben; sie arbeiten alle mit dem 

deformit&ten. Prinzip der Schraube und des Hebels. 

Haiinx Bei dem Hallux valgus handelt es sich, wie Loison an der 

vaigug. Hand von Böntgenbildem nachweist, nicht nur um eine abnorme 
Abduktionsstellung der großen Zehe, sondern außerdem noch um 
eine Adduktion des ersten Metatarsus und eine Drehung der 
Phalangen um ihre Längsachse. Es wäre daher nötig, eine keil- 
förmige Osteotomie des ersten Metatarsus mit der Basis des Keils 
nach außen zu machen. Nach diesem früher schon von Beverdin 
erprobten Verfahren wurden in der Biede Ischen Klinik, wie Böpke 
berichtet, 23 Patienten mit gutem Erfolge behandelt. 

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Behandlung der Coxa vara. Orthopädenkongreß. — Derselbe, Meine 
Erfahrungen über Sehnenverpflanzungen. Orthopädenkongreß. — Cohn, 
Zur Coxa vara infolge Frührhachitis. Jahrb. d. Kinderheilk. Bd. LYIII, H. 8. 

— Comby, Apophysäre Wachstumsosteitis. Arch. de m6d. des enfants, 
Sept. — Damianos, Beitrag zur operativen Radikalbehandlung der Knie- 
gelenkstuberkulose. Deutsche Zeitschr. f. Chir. Bd. LXVIII, H. 1—2. — 
Delanglade, Genu recurvatum congönital. Revue d'orthop. Nr. 8. — 
Deutschländer, Zur operativen Behandlung der Peroneuslähmung. 
Zentralbl. f. Chir. Nr. 16. — Derselbe, Zur Pathogenese der kindlichen 
Skoliose. Zeitschr. f. orthop. Chir. Bd. XI. — v. Eden, Eine Abänderung 
des üblichen Streokverbandes. Die Krankenpflege Nr. 10. — Elter, Weitere 
Beiträge zur chirurgischen Behandlung der Arthritis deformans. Deutsche 
Zeitschr. f. Chir. Bd. LXVL — Engelman, Zur Kasuistik der Spontan- 

Jahrbuoh d«r praktischeii Medizin. 1004. 7 



98 Hoffa. 

luxationen des Hüftgelenkes. Chinirgen Vereinigung, Berlin. — Pocken, 
üeber chronisch* ankylotische EntEÜndung der Wirbelsäule. Mittel!, a. d. 
Grenzgeb. d. Med. u. Ghir. Bd. XI, H. 5. — Fraenkel, Ueber Erkrankungen 
des roten Knochenmarks bei Abdominaltyphus. Mitteil. a. d. Grenzgeb. 
d. Med. u. Chir. Bd. XI, H. 1. — y. Friedländer, Beiträge zur Behand- 
lung des Klumpfußes und des Plattfußes. Wien. klin. Wochenschr. Nr. 40. 

— Fritz, Die Heilungsvorgänge nach Sehnenplastik. Diss. Würzburg. — 
Froehlich, Un cas de scoliose cong^nitale etc. Bull, de la soc. de p^diatiie 
de Paris Nr. 7. — Derselbe, Deuz observations de luzation cong^nitale 
doubles de la hauche etc. Revue d*orthop. Nr. 5. — Derselbe, Beitrag 
zur Aetiologie der nichtsymptomatischen Coxa vara. Orthopädenkongrefl. 

— Garnier, Traitement des luxations cong^nitales de la hauche. Th^e 
de Lyon. — Graetzer, Tabische Osteoarthropathie der Wirbelsäule. 
Orthopädenkongreß. — v. Gulat-Wellenburg, Kalkaneusexostose. Diss. 
Kiel. — Habs, üeber die Biersche Stauung. Münch. med. Wochenschr. 
Nr. 22. — Haglund, Radiographiska studier öfver spongiosans functionella 
structur i calcaneus. Academ. afhandling, Upsala. — Hall, A case of 
dislocation of the hip in acute rhumatisme. Annais of surg., Mai 21. — 
Hasebrock, Ueber Mittel-Yorderfußbeschwerden und deren Behandlung. 
Zeitschr. f. orthop. Chir. Bd. XI, H. 2. — Derselbe, üeber Muskelarbeit 
und Muskelermüdung. Mitteil. a. d. mediko-mechanischen Zanderinstituten 
Bd. I. — Hasselwander, üntersuchimgen über die Ossifikation des 
menschlichen Fußskeletts. Diss. München. — Heineke, Zur pathologischen 
Anatomie und Klinik der Kompression des Rückenmarkes bei Karies der 
Wirbelsäule. Diss. Erlangen. — Heinrich, Beiträge zur Frage der Dia- 
gnose von Knochenverletzung durch die Röntgenstrahlen. Diss. Greifswald. 

— Helbing, Beziehungen zwischen Halsrippen und Skoliose. Orthopäden- 
kongreß. — Herhold, Hysterischer Spitzfuß und Trauma. Monatsschr. 
f. ünfallheilk. — Hertle, üeber eine neue Methode zum plastischen Ersatz 
von Sehnendefekten. Deutsche Zeitschr. f. Chir. Bd. LY. — Herz, Ueber 
die Temperaturverhältnisse chronisch erkrankter Gelenke etc. Berl. klin, 
Wochenschr. Nr. 20. — Herzog, üeber Papiermach^verbände zu chirurgisch- 
orthopädischen Zwecken. Arch. f. Orthop. Bd. I, H. 1. — Hessing und 
Haßlauer, Orthopädische Therapie. Berlin- Wien. — Heusner, Ueber 
die Entstehung und Behandlung des Hohlfußes. Arch. f. klin. Chir. Bd. LXIX, 
H. 1—2. ~ Derselbe, Beiträge zur Pathologie und Therapie des Platt- 
fußes. Arch. f. Orthop. Bd. I, H. 1. — Derselbe, Demonstration neuer 
Apparate zur Behandlung des Klumpfußes. Orthopädenkongreß. — Der- 
selbe, Ueber einen neuen Apparat für die Nachbehandlung der angebore- 
nen HüfÜuzation. Deutsche med. Wochenschr. Nr. 8. — Derselbe, Ueber 
Hilfsapparate bei der Behandlung der angeborenen Hüfbluxation. Ortho- 
pädenkongreß. — Hirsch, Ueber einen Fall von doppelseitigem angebore- 
nen Hochstand des Schulterblattes. Orthopädenkongreß. •— Hoffa, Technik 
der Massage. 4. Aufl. Stuttgart. — Derselbe, Die Behandlung der 
Gelenktuberkulose im Kindesalter Wflr^burg. — Derselbe, Zur Patho- 



Orthopädie, Einesiotherapie. 99 

logie und Therapie einiger Eniegelenkserkrankungen. Therapie d Cregen- 
wart Nr. 1. — Derselbe, üeber Schenkelhalsbrüche im jugendlichen Alter. 
Zeitschr. f. orthop. Chir. Bd. XI, H. 8. — Derselbe, Gelenktuberkulose. 
Internat, med. Kongreß, Madrid. — Hoff mann. Die Gefößverhältnisse 
des Nervus ischiadicus und ihre Beziehungen zur Dehnungslähmung. Arch. 
f. klin. Chir. Bd. LXIX, H. 8. — Hofmann, Zur Anatomie und Mechanik 
des Platt- und Hackenfußes. Deutsche Zeitschr. f. Chir. — Hofmeister, 
Ueber Verkrümmungen des Beines nach Kniegelenksresektion im Kindes- 
alter. Beitr. z. klin. Chir. Bd. XXXVII, H. 1—2. — Hopkins, A further 
consideration of a roodified osteotomy etc. Americ. Journal of orth. 
surg., Aug. — V. Hovorka, Ueber Stelzbeine etc. Naturforscherversamml., 
Kassel. — Jacob, Gymnastik. Deutsche Klinik Bd. I. — Joachimsthal, 
Die Belastungsdeformitäten im Bereiche der unteren Extremität. Deutsche 
Klinik Bd. VIII. — Derselbe, Angeborener Oberschenkeldefekt und Coxa 
vara. Chirurgenvereinigung, Berlin. — Derselbe, Die Aetiologie der 
Schenkelhalsverbiegungen. Orthopädenkongreß, — Kayser, üeber Hoch- 
stand des Schulterblattes etc. Deutsche Zeitschr. f. Chir. Bd. LXVIII. — 
Kirmisson, Des r^sultats foumis par la m^thode non-sanglante dans le 
traitement des luzations de la hauche. Revue d*orthop. Nr. 8. — Derselbe 
et Bize, Contribution äTanatomie pathol. du pied plat valgus douloureux. 
Revue d*orthop. Nr. 1. — Klein, Ueber Leibbinden. Wien. klin. Rund- 
schau Nr. 84—35. — König, Die tuberkulöse Coxitis wesentlich des Kindes- 
alters. Deutsche Klinik Bd. VIII. — Derselbe, Kniegelenkstuberkulose. 
Berl. klin. Wochenschr. Nr. 10. — Köhler, Beitrag zur Osteoarthritis de- 
formans. Fortschr. a. d. Geb. d. Röntgenstr. Bd. VI, H. 8. — Kofmann, 
Zur Kasuistik des TorticoUis spasticus. Arch. f. Orthop. Bd. I, H. 1. — 
Koppen, Ueber das psychische Moment bei den Beschäftigungsneurosen. 
Diss. Göttingen. — Kramer, £in Fall von multiplen kartilaginären Exostosen. 
Arch. f. Orthop. Bd. I, H. 2. — Lange, Neue Plattfußeinlagen aus Zellu- 
loidstahldraht. Münch. med. Wochenschr. Nr. 7. — Derselbe, Die Sehnen- 
verpflanzung. Orthopädenkongreß. — Lauenstein, Zu Ogstons Operation 
des rebellischen Klumpfußes. Zentralbl. f. Chir. Nr. 89. — Lenge mann, Un- 
blutige Behandlung der Dupuytrenschen Fingerkontraktur. Deutsche med. 
Wochenschr. Nr. 28. — Lieblein, Ueber den artikulierenden Gipsverband. 
Beitr. z. klin. Chir. Bd. XXXVIII, H. 8. — Loison, Note sur le traitement 
chir. du hallux valgus. Bull, et m^m. de la soc. de chir. de Paris. Tome 27. — 
Ludloff, Ueber Wachstum und Architektur der unteren Femurepipbyse. 
Beitr. z. klin. Chir. Bd. XXXVIII, H. 1. — D e r s e 1 b e , Zur Diagnostik der 
Knochen- und Gelenktuberkulose. Arch. f. klin. Chir. Bd. LXXI, H. 8. — 
Maas, Ueber den , angeborenen" Schiefhals. Zeitschr. f. orthop. Chir. 
Bd. XI, H. 2. — Mahr, Ueber Verkrümmungen des Beines nach Resektion 
des Kniegelenks im Kindesalter. Diss. Kiel. — Manasse, Myogener 
Hoehstand des rechten Schulterblattes. Chirurgenkongreß. — Manninge r, 
Ueber die Enderfolge der operativen Behandlung bei Coxitis tuberc. 
Deutsche Zeitschr. f. Chir. Bd. LXV. — Mayer, Zur Redression des an- 



100 Hoffa. 

geborenen Klampfußes beim Erwacbsenen. Orthopädenkongrefi. — Men- 
ciöre, Levier special pour faciliier la r^dnction non-sanglante de la 
Inxation congönitale de la hanche. Arch. pronnc. de chir. Nr. 5. — Der- 
selbe, Osteome revolver etc. Arch. provinc. de chir. Nr. 1. — M^nötrier 
und Oanckler, Deuz cas de mal ossenx de Paget Soc. mdd. des höp. 
de Paris, Mai 29. — Merzweiler, üeber die Verbreitung kozitiBcher 
Abszesse. Diss. Freiburg. — Möhring, Ueber die ambulante Behandlung 
der tuberkulösen Wirbelsäulenentzündung. Naturforscherrersamml., Kassel. 
— ▼. Modlinsky, Zur Korrektur der RückgratsverkrOmmungen. Zeitschr. 
f. orthop. Chir. Bd. XI, H. 8. — Mohr, Zur Kasuistik des beiderseitigen 
angeborenen Schulterblattbochstandes. Zeitschr. f. orthop. Chir. Bd. XI, 
H. 2. — Maller, Sehnentransplantation etc. Zentralbl. f. Chir. Nr. 2. — 
Derselbe, Zur Frage der Osteochondritis dissecans. Chirurgenkongreß. — 
Derselbe, Ueber die obere Altersgrenze für die Behandlung der an- 
geborenen Httftverrenkung. Therap. d. Gegenwart Nr. 2. — Derselbe, 
Anatomische Vorgänge bei der Heilung der angeborenen Hfifüuzation etc. 
Zeitschr. f. orthop. Chir. Bd. XI, H. 2. — Derselbe, Ein Fall von chro- 
nisch-ankylotischer Entzündung der Wirbelsäule etc. Monatsschr. f. Unfall- 
heilkunde Nr. 7. — Narath, Beiträge zur Therapie der Luzaüo oozae 
congenita. Wien u. Leipzig 1908. — Neisser und Pollak, Beitiftge 
zur Kenntnis der Both-Bemhardtschen Meralgie. Mitteil. a. d. Grenzgeb. 
d. Med. u. Chir. Bd. X. — Neumann, Zur Frage der ätiologischen Be- 
deutung des Kukullarisdefektes für den Schulterblatthochstand. Wien. klin. 
Wochenschr. Nr. 86. — N e u r a t h , Ueber ein bisher nicht gewürdigtes 
Symptom der Rhachitis. Wien. klin. Wochenschr. Nr. 28. — Nor ström. 
Der chronische Kopfschmerz und seine Behandlung mit Massage. Leipzig 
1908. — Oertgen, Ueber Gelenkmäuse. Diss. Gießen. — Orhan-Abdi, 
Ueber einen Fall von chronischer Arthritis ankylopoetica der Wirbelrilale. 
Mitteil. a. d. Hamburger Staatskrankenanstalten. — Papon, Contribution 
au traitement des abscös froids etc. Arch. de mäd. et de pharm, milit. 
Nr. 2. — Painter und Erving, Lipoma arborescens. Boston med. and 
surg. Journal, March 19. — Pierre, Note sur un appareil ä reztension 
continue. Revue d'orth. Nr. 1. — Poncet und Mailland, Rhumatimne 
tuberculeux. L^oeuvre m^d.-chir. Nr. 34. — Praetor ins. Zur pathologi- 
schen Anatomie der Poliomyelitis ant. acuta infantum. Jahrb. f. Kinder^ 
heilkunde Nr. 58. — Preindlsberger, Ein Fall von Fettembolie nach 
Redressement Zeitschr. f. Heilk. Bd. XXXIV, H. 8. — Quincke, Ueber 
Spondylitis infectiosa. Mitteil. a. d. Grenzgeb. d. Med. u. Chir. Bd. XI» 
H. 5. — Ranzi, Zur Kasuistik der Halsrippen. Wien. klin. Wodienschr. 
Nr. 10. — Redard, Du traitement chir. de la main böte cong. Revue 
d'orthop. Nr. 8. — Reichel, Zur Behandlung schwerer Formen von Pseud- 
arthroeis etc. Arch. f. klin. Chir. Bd. LXXI, H. 8. — Reiner, Die 
Tenodese etc. Orthopädenkongreß. — Derselbe, Ueber die Beziehungen 
▼on kongenitaler Coxa vara und kongenitalem Femurdefekt. Ebenda. — Der- 
selbe, Epiphyseolyse mit subkutaner Periosteotomie etc. Deutsche med. 



Orthopädie, Einesiotherapie. 101 

Wochcnflchr. Nr, 27. — Derselbe, üeber die unblutig operative Epiphy- 
seolyse zur Behandlung des Genn yalgum. Zeitschr. f. orthop. Chir. Bd. XI, 
H. 2. — Riethus, Exostosis bursata mit freien Knorpelkörperchen. Beitr. 
z. klin. Chir. Bd. XXXVII, H. 8. — Ritschi, Ueber abnehmbare Gehver- 
b&nde etc. Arch. f. Orthop. Bd. I, H. 2. — ROpke, üeber den Halluz 
▼algus. Deutsche Zeitschr. f. Chir. Bd. LXXI, H. 1—2. — Rosenberg, 
Die Behandlung von Eniegelenkskontrakturen. Diss. Königsberg. — Rosen- 
haupt, Beitrag zur Kenntnis der Meralgie. Diss. Freiburg. — Schanz, 
Erfahrungen mit Sehnen- und Muskeltransplantationen. Orthopädenkongreß. 

— Derselbe, Coxa vara, die statische Belastungsdeformität des Schenkel- 
halses. Ebenda. — Derselbe, Eine neue Operation zur Behandlung ver- 
alteter Kniescheibenbrfiche. Münch. med. Wochenschr. Nr. 80. ~ Scheffler, 
Ein FaU von traumatischer Radialislähmung geheilt durch Sehnentrans- 
plantationen. Monatsschr. f. ünfallheilk. Nr. 1. — Derselbe, Ein Sko- 
liosenredressionsapparat. Arch. f. klin. Chir. Bd. LXIX, H. 8. — Derselbe, 
Beitrag zur Behandlung des Pes calcaneus paralyt. Klinisch-therap. Wochen- 
schrift Nr. 12. — Schmieden, Beitrag zur Kenntnis der Osteomalacia 
chron. def. hypertrophica. Deutsche Zeitschr. f. Chir. Bd. LXX, H. 1—2. 

— Scholder, Die Schulskoliose. Arch. f. Orthop. Bd. I, H. 2. — Schulze, 
Die Luxation der Semilunarknorpel des Kniegelenks. Arch. f. Orthop. Bd. I, 
H. 1. — Schnitze, Zur Behandlung der kongenitalen Hüfbluxation. Ortho- 
pädenkongreß. — Senator, Ueber muskuläre Rücken Versteifung. Berl. 
klin. Wochenschr. Nr. 6. — Slomann, Die Behandlung der angeborenen 
Hüftverrenkung. Nord. Tidskrift for Terapi, April. — Smirnow, Zur 
Frage der Fettembolien nach Knochentraumen. Chir. russ., Juli. — Sper- 
ling, Zur Aetiologie der sog. intrauterinen Frakturen. Arch. f. Orthop. 
Bd. I, H. 1. — Spitzy, Zur chronischen Arthritis des Kindes. Zeitschr. 
f. orthop. Chir. Bd. XI, H. 4. — Derselbe, üeber Bau und Entwicklung 
des kindlichen Fußes. Jahrb. f. Kinderheilk. Nr. 6. — Derselbe, Heilung 
einer Sehnenluxation durch Sehnenbindung. Orthopädenkongreß. — Staffel, 
Einige Bemerkungen über das Brisement forc^. Arch. f. Orthop. Bd. I, 
H. 1. — Sudeck, Die Darstellung der Wirbelsäulenerkrankungen durch 
die Röntgenstrahlen. Arch. f. Orthop. Bd. I, H. 1. — Sutter, üeber unter- 
schiede in der Form der Skoliosen bei männlichen und weiblichen Indi- 
viduen. Zeitschr. f. orthop. Chir. Bd. XI, H. 2. — Taylor, The mechanical 
and the operat. treatment of rhachitic deformities. Americ. Journal of 
orth. Burg., August. — Derselbe, Endresultate nach der mechanischen 
Behandlung der Pottschen Erkrankung. Zeitschr. f. orthop. Chir. Bd. XI, 
H. 3. — Tillmanns, Ueber die Entstehung und Behandlung der spon- 
dylit. Lähmungen. Arch. f. klin. Chir. Bd. LXIX, H. 1—2. — Um breit. 
Ein Beitrag zur Behandlung der kongenitalen Hüftluxation. Diss. Freiburg. 

— Vincent, Osteotomie et Osteotomie femorale etc. Revue de chir. 
T. XXII, Nr. 10. — Vogel, Einige neue Apparate zur gewaltsamen Re- 
dression von Fußdeformitäten. Zeitschr. f. orthop. Chir. Bd. XI, H. 8. — 
Vulpius, Ueber die Arthrodese des paralytischen Schlottergelenkes der 



102 HoflTa. 

Schulter. Arcb. f. klin. Chir. Bd. LXIX, H. 1—2. — Derselbe, Die 
SehnenÜberpflanzung am Oberschenkel. Wien. klin. Rundschau Nr. 15. — 
Derselbe, Die Behandlung des Klumpfußes. Arch. f. Orthop. Bd. I, H. 3. 

— Derselbe, Der heutige Stand der Sehnenplastik. Orthopädenkongr. — 
Derselbe, Die Heidelberger Verbandschiene. Chirurgenkongr. — Walter, 
Beitrag zur operativen Behandlung der kongenitalen Hüftgelenksluxation. 
Difls. Freiburg. — Walkoff, Architekturveränderungen des Knochen- 
Systems bei pathologischen Bedingungen. Bibliotheca med. Abteil. C, H. 16. 

— Whitman, The importance of supplementing tendon transplantation etc. 
Americ. Journal of orthop. surg., Aug. — Derselbe, A report of final 
results in two cases of Polyarthritis in children. Medical record, April. 

— Derselbe, A new method of correcting flexion deformity of the knee- 
joint. Americ. Journal of med. sciences, May. — Wich mann. Chronischer 
Gelenkrheumatismus und verwandte Krankheiten. Reicbsmedizinalanzeiger 
Nr. 2. — Wieting, Ein Fall von ischämischer Rttckenmarksaffektion bei 
tuberkulöser Spondylitis. Deutsche Zeitschr. f. Chir. Bd. LXX, H. 1—2. — 
Winter, üeber einen Fall von Ezostosia tibiae. Diss. KieL — Witte k. 
Die Bedeutung der Sehnentransplantation für die choreatischen Formen 
der infant. Zerebrallähmung. Orthopädenkongreß. — Derselbe, Zur 
Technik der Rdntgenphotographie. Fortschr. a. d. Geb. d. Böntgenstr. 
Bd. VII, H. 1. — Wohrizek, .Korrektor* etc. Arch. f. Orthop, Bd. I, 
H. 2. — Wolff, Ueber die Ursachen, das Wesen und die Behandlung des 
Klumpfußes. Berlin. — Wul Istein, Eine neue Operationsmethode des 
Cap. obstipum. Zentralbl. f. Chir. Nr. 33. — Derselbe, Demonstration 
einer neuen Schiene für die untere Extremität. Orthopädenkongreß. — 
Zabludowski, Technik der Massage. 2. Aufl. Leipzig. — Derselbe, 
Zur Therapie des Schreibkrampfes. Naturforscherversamml., Kassel. — 
Zeidler, Zur Aetiologie und Symptomatologie der zerebralen Kinder- 
lähmung. Diss. Leipzig. — Ziehen, üeber eigenartige Formen des 
spastischen Tortikollis. Deutsche Praxis H. 17—18. 



5. Krankenpflege. 

Von Med.-Rafc Prof. Dr. Gomprecht in Weimar. 

Allgemeines. Es ist hier zunächst der Ahschluß eines Werkes zu 
erwähnen, das für die Krankenpflege geradezu grundlegend ist; das drei- 
bändige Handbuch der Erankenversorgung und Krankenpflege Handbach 
von Liebe, Jaoobsohn und G. Meyer ist ein ausgezeichnetes Werk, das der Kranken- 
in vielen Kapiteln Dinge bringt, die bisher in der Literatur nicht be- «Id^Krankwi- 
schrieben oder wenigstens nicht zusammengestellt waren imd sich dem- pflege, 
gemäß vielfach auf die Höhe von wissenschaftlichen Originalarbeiten erhebt. 
Die zahlreichen Apparate der Krankenpflege, soweit sie sich bewährt haben, 
sind tunlichst vollständig beschrieben und durch gute Abbildungen anschau- 
lich gemacht; das Krankentransportwesen und das Rettungswesen Deutsch- 
lands und anderer Staaten werden eingehend berücksichtigt; vorzüglich 
ist auch die Beschreibung der allgemeinen und Spezialkrankenhäuser. Wer 
immer als Arzt oder Yerwaltungsbeamter mit dem Unterricht des Kranken- 
pflegepersonals, mit der Einrichtung von Krankenhäusern, piit der Organi- 
sation des Rettungswesens u. ähnl. zu tun hat, der wird in dem Liebe- 
schen Buche einen unentbehrlichen und nie versagenden Berater finden. 

Das ansgebildete Pflegepersonal hat einen sehr verschiedenen Personal. 

Bildungsgang bisher durchgemacht, und das fachliche Leistungs- 

nivean der Krankenpfleger nnd -pflegerinnen differierte deshalb bei 

den einzelnen Personen erheblich, ja man konnte vielfach von einer 

wilden Krankenpflege sprechen. Oberstarbsarzt Salzwedel tritt 

deshalb fär eine staatliche Prüfung nnd Approbation des Btaatiiohe 

Krankenpflegepersonals ein. Diese Prüfung müßte zunächst Kranken- 
^ , pflegerprfifang. 

freiwillig sein; die Approbierten würden den Vorteil haben, daß sie 

allein Aussicht auf Anstellung in staatlichen Krankenhäusern hätten 
und eine höhere Prüfungsstufe, nämlich die Stationspflegerprüfung, 
erreichen könnten. Aber auch das Publikum würde sich den ge- 
prüf^n Krankenpflegern mit Vorliebe zuwenden und so indirekt die 
Ablegung der Prüfung zum Zwange machen. Der Nachteil der 
Prüfung liegt nur darin, daß die approbierten Krankenpfleger sich 
als selbständige Aerzte zweiter Ordnung führen und damit der Kur- 
pfuscherei Vorschub leisten könnten. — Uebrigens hat auch die 
Generalversammlung des Bundes Deutscher Frauenvereine im Oktober 



104 



Giunprecht. 



StaatUohe 

Kranken- 

pflegerprttfting. 



r 



Pflege am 
Mftnnerbett. 



1902 zu Wiesbaden eine Eesolution angenommen, welche Staats- 
aufsicht über das £[rankenpflegewesen fordert. Zimmer unter- 
stützt diese Forderung durch Mitteilung darüber, wie in einzelnen 
Fällen das Krankenpflegepersonal in der Praxis degeneriert sei. 
Noch etwas weiter geht Jacobsohn, welcher fär sämtliche Eranken- 
pflegepersonen, seien sie organisiert oder einzelstehend, einen staat- 
lichen Befähigungsnachweis fordert und die Erhaltung dieser 
Befähigung durch Nachprüfung kontrolliert haben will; die jetzt 
schon tätigen Pflegepersonen sollen eine Nachprüfung ablegen und 
erst danach weiter tätig sein dürfen. Derselbe Autor berichtet 
über die bisherigen Ergebnisse des Zentralkrankenpflege- 
nachweises für Berlin und Umgebung. Sie benutzt die Bäumlich- 
keiten und das Personal der Berliner Bettungsgesellschafl; ein Aus- 
schuß und ein Vorstand leiten den Verein; in 5 Monaten wurden 
585 Pflegenachweise seitens der Zentralstelle geleistet; die Nach- 
weisung geschah stets auf dem schnellsten Wege, durch Telephon, 
Telegramm, Rohrpost. Etwa 1000 Krankenpfleger haben ihre Dienste 
zur Verfügung gestellt, 200 mufiten davon als fachlich nicht genügend 
ausgesondert werden; das Honorar der Pfleger ist der Privatverein- 
barung überlassen. — Jahrelang schon spielt die Idee, junge Mädchen 
zur Vollendung ihres Bildungsganges einen obligatorischen Kranken- 
pflegekursus durchmachen zu lassen, es liegt nur die Gefahr vor, 
daß sich diese dilettantischen Krankenpflegerinnen bei dem herrschen- 
den Schwestemmangel in hellen Haufen auf die Berufskrankenpflege 
stürzen würden. Q. Meyer empfiehlt daher erst Schutz und bessere 
Ausbildung der Berufspflegerinnen und dann erst das „Freiwilligen- 
jahr" jeder Frau in der Krankenpflege. — Aus dem vorigen 
Jahresbericht ist erinnerlich, welche törichten Vorwürfe dem weib- 
lichen Pflegepersonal und dessen Leitern wegen der Kranken- 
pflege am Männerbett gemacht wurden; es ist deshalb er- 
freulich, daß die Oberin v. Schlichting, früher an der Heidel- 
berger Klinik, jetzt Chefoberin der Hamburger Staatsanstalten, also 
eine Frau, der sicher die nötige Erfahrung zur Seite steht, erklärt, 
zu einer ideal aufgefaßten Krankenpflege gehöre gerade auch die 
von Frauen am Männerbett. — Gerade bei dem Kapitel der Kranken- 
pflege muß eines verdienstvollen neueren literarischen Unternehmens 
gedacht werden, nämlich der von Beerwald herausgegebenen Ver- 
öffentlichungen des Deutschen Vereins für Volkshygiene, 
die durch ihren billigen Preis sich gerade für dasjenige Publikum 
empfehlen, das bisher der Kurpfuscherliteratur anheimfiel. Eines 
der neuesten Heffce wird gebildet durch drei Vorträge von Doli in 



Krankenpflege. 105 

Karlsruhe über die häusliche Pflege bei ansteckenden Krank- Pflege bei 
heiten, insbesondere bei ansteckenden Kinderkrankheiten; es ist «stedieiideii 
das ein richtiges Volksbuch, das in jeder mit Kindern gesegneten 
Familie einen Platz finden sollte. 

Zwei große Ausstellungen mit hervorragender Beteiligung AussteUimgen. 
der Krankenpflege sind aus dem Berichtsjahre zu erwähnen: die 
Ausstellung für Volksgesundheitspflege und Volkswohlfahrt in Stettin 
(Busch an) brachte namentlich über die Milchhygiene und andere 
Zweige der Nahrungshygiene reichhaltiges Material, femer wieder 
eine Sammlung von Plänen und Ansichten der deutschen Lungen- 
heilstätten, vom Beichsgesundheitsamt ausgestellt, und endlich eine 
glänzende Materialsammlung des städtischen Krankenhauses in Stettin. 
Auf der ersten Deutschen StädteaussteUung in Dresden (Krull)^ 
die Beferent selber besuchte, war namentlich die bildliche Darstellung 
der Bettungs- und Samaritereinrichtungen und dann die große Sonder- 
ausstellung von Lingner-Dresden über Volkskrankheiten und deren 
Verhütung bemerkenswert. 

Aus dem Kapitel ausländischer Krankenpflege sind die Aus- 
führungen der Oberpflegerin Lütken über die Krankenpflege- Krankenpflege- 
Verhältnisse in England bemerkenswert. Die Militärpflege in ^'b"*[^" 
England, Indien und den Kolonien ist jetzt unter einer Verwaltung 
vereinigt; die Pflegerinnen stehen unter der Chefmatrone, die Mit- 
glied eines aus angesehenen Männern bestehenden Vorstands ist und 
etwa 6000 M. Jahresgehalt bezieht. Dann gibt es vier verschiedene 
Gh*ade von Krankenschwestern, welche zwischen 8600 und 800 M. 
Jahresgehalt beziehen; es wird eine mindestens 8jährige Ausbildung 
an einem Krankenhause verlangt, und die Anstellung erfolgt erst 
nach Smonatlicher Probezeit. — In den Vereinigten Staaten von 
Nordamerika (Scharlau) ist die Krankenpflege durchgebildete 
Frauenärzte seit etwa 80 Jahren begonnen und hat bei dem Drange 
der amerikanischen Frauen, sich selbständig zu machen, eine be- 
deutende Ausdehnung angenommen. Die Schülerinnen in Neu York 
werden in einer Wärterinnenschule gegenüber dem Mount Sinai- 
Hospital ausgebildet, sie müssen gute Schulbildung und körperliche 
Gesundheit nachweisen und erhalten 28 M. monatlich. Das erste 
Jahr geht mit theoretischem Lernen und praktischer Ausbildung in 
den Krankensälen dahin, alle 6—8 Wochen wird die Schülerin auf 
eine andere Abteilung versetzt; nach Ijähriger Lehrzeit besteht 
sie ein theoretisches Examen, wird Oberwärterin und Lehrerin für 
die neu Eintretenden, nach 2jähriger Dienstzeit im Krankenhaus 
erhält sie ein Diplom und macht sich selbständig. Sie erwirbt als 



106 Gumprecht. 

selbständige Pflegerin 104 M. wöchentlich neben voller Verpflegung 
und neben etwaigen Geschenken. — Einen imposanten Eindruck 
Botes Kreuz, machen die Berichte über die Tätigkeit des Roten Kreuzes 
während des chinesischen Krieges. Zum ersten Male seit der 
Schaffung der deutschen Marine wurden Lazarettschiffe, welche 
ausschließlich Sanitätszwecken dienten, in Dienst gestellt; diese 
Lazarettschiffe haben sich ebenso wie die von russischer, französischer 
und japanischer Seite eingerichteten ausgezeichnet bewährt. An 
Land wurden hauptsächlich Döckersche Baracken mit Meidinger- 
Oefen und Koksheizung zur Unterbringung der Kranken verwendet; 
die Baracken wurden außen mit Holz und Bohr zur Wärmeisolation 
versehen und hielten so nicht nur den kältesten Winternächten in 
der Temperatur stand, sondern überstanden vermöge ihrer Festig- 
keit auch einen der stärksten ostasiatischen Orkane. Die üeberlegen- 
heit weiblicher Krankenpflege wurde auch hier außer Zweifel gestellt, 
männliche Hilfe wurde nur für das Schlachtfeld selbst, für die 
Transporte, für die Errichtung von Lazaretten und für den eigent- 
lichen Verwaltungsdienst gebraucht. — Die Japaner haben ihrem 
Boten Kreuz für das Kriegsjahr in China 42 Mill. Francs zur Ver- 
fügung gestellt; dazu wurden zwei Lazarettschiff'e, eines derselben in 
8 Tagen, fertig ausgerüstet, von denen jedes etwa 200 Kranke auf- 
nehmen konnte. Auf dem Lande wurden mehrere Etappenlazarette, 
Feldlazarette und eine Krankenpflegeanstalt errichtet, stellenweise 
auch ärztliche Sprechstunden, die von Offizieren und Kulis fleißig 
aufgesucht wurden. Die Japaner haben mehrfach für die euro- 
päischen Mächte die Elrankenversorgung übernommen und nach ein- 
stimmigem Urteil glänzend durchgeftihrt ; im ganzen haben sie 
während des chinesischen Krieges mit einem Personal von etwa 
600 Köpfen rund 12000 Elranke versorgt. — Becht lehrreich ist 
auch die Entwicklung des Boten Kreuzes in Bußland. Bei 
dem Mangel an organisierter Wohltätigkeit in Bußland hat es nahezu 
alle Zweige der öffentlichen Wohltätigkeit an sich gerissen; es hat 
Hilfe geleistet bei den großen Ueberschwemmungen in Petersburg, 
bei Erdbeben im Kaukasus, bei großen Eisenbahnunfallen , bei Un- 
glück durch Brand oder Hagelschlag, bei den mit großer Begel- 
mäßigkeit wiederkehrenden Hungersnöten. Es hat Waisenhäuser 
und Unterkunftsstellen gegründet, nicht minder auch Arbeitsnachweis- 
stellen, es versorgt die wichtigsten ELrankenhäuser mit Personal (im 
ganzen 2600 Schwestern) und besorgt, wo es mangelt, auch den 
Transport von Arbeitern und von Getreide, Kartoffeln und sonstigen 
Nahrungsmitteln. 



Krankenpflege. 



107 



Apparate und Verfahren. Zunächst sind zwei praktische Be- 
wegungsapparate zu erwähnen. Der Lossensche Gehstütz- 
apparat (bei Heldmann & Bender in Bensheim, Hessen, 25 M.) 
hat sowohl Krücken als Stöcke, beide abnehmbar und in jeder Höhe 
verstellbar. Die Krücken ruhen auf Federn, sind elastisch und um 
ihre Längsachse drehbar; der den ganzen Apparat zusammenhaltende 
Bahmen befindet sich dicht über dem Fußboden und geniert deshalb 
den Kranken nicht. — Der Vulpiussche Bewegungsapparat 
ist ein schrägstehender Barren, der dem Patienten sowohl mit den 
Holmen ftir die Hände, wie mit eingesetzten Krücken für die Schultern 
Stützpunkte bietet ; der Boden des Barrens wird gebildet durch eine 
BroUjalousie ohne Ende, die durch ihre Neigung und das Gewicht 
des Patienten diesem unter den Füßen wegrollt und den Patienten, 
der übrigens auf demselben Flecke bleibt, zu Gehbewegungen zwingt. 

Ein hübscher Apparat für häusliche Gymnastik ist der 
des Turnlehrers Wagner (Fabrikant Georg Stützel, Nürnberg, Maut- 
halle); es ist eine Glissonsche Schwebe, die unter dem Kopf be- 
festigt wird ; ihr Aufhängeband laufte über Rollen in zwei Handhaben 
aus, vermittels deren der Patient sich selber emporziehen kann ; der 
Apparat dient zur allgemeinen Kräftigung und zur Vermeidung von 
Wirbelsäulenverbiegungen. — Weniger allgemein verwendbar wird 
der Lynessche Suspensionsapparat für Kinder sich erweisen, eine 
Schwebe, welche unter Armen und Schenkeln des Kindes befestigt 
diesem das Stehen- und Gehenlemen erleichtem soll. — Eine origi- 
nelle Idee ist die der Heilung von Krankheiten durch Musik, Mu- 
sikotherapie (Beauvois); durch Musik sollen alle möglichen 
Leiden, namentlich psychischer Natur, ihre Heilung oder Linderung 
finden, so daß eine eigene Musikkapelle fiir jedes Krankenhaus 
existieren müßte. 

Für den Landarzt wichtig sind einige Neuerungen der Elranken- 
pflege in der kleinen Chirurgie; zunächst ein Apparat zur Sterili- 
sation kleiner Verbandstoffmengen (Holzapfel); in einem 
kleinen Spiritusapparat wird der Dampf entwickelt und geht durch 
ein Bohr in eine Büchse, welche die Verbandstoffe in Drahtnetzen 
enthält und die nach Beendigung der Sterilisation von dem Dampf- 
rohr abgeschraubt wird. — Ein ganz praktischer Metallkasten zur 
Sterilisation von Insti|imenten ist von Bofinger angegeben (von 
Schweickhardt in Tuttlingen konstruiert); es ist der gewöhnliche 
Fischkasten, der ohne Einsatz als Heißwasser-, mit Einsatz als 
Dampfsterilisator gebraucht wird ; hübsch ist namentlich seine Kom- 
pendiosität. — Der Wießn ersehe Verbandeimer für das Sprech- 



Bewegnngs- 
apparate. 



H&nsliohe 
Oymnastik. 



Musik- 
therapie. 



SteriUsation 
kleiner 

Verbandstoff- 
mengen. 



Verbandeimer. 



108 Giunprecht. 

ziminer des praktischen Arztes ist fahrbar, wird mit dem Fuß ge- 
öffiaet und enthält ein eingehängtes Sieb, durch welches Verband- 
material von dem flüssigen Inhalt getrennt wird. Dies gebrauchte 
Gewasohene Verbandmaterial ist durchaus nicht wertlos, wenngleich es in 
Verbandstoffe. ^^j^ großen chirurgischen Stationen fast immer verbrannt wird; in 
kleinen Kommunalkrankenhäusem mit knappem Etat (Cr am er) 
werden sämtliche Leinen-, Cambric- und Flanellbinden beim Verband- 
wechsel abgewickelt, nicht aufgeschnitten, in Sodaseifenlösung ein- 
geweicht, gekocht und nach dem Trocknen geplättet, aufgerollt, sterili- 
siert und dann wieder gebraucht ; nur die die Wunde unmittelbar be- 
deckenden Verbandmullstücke und die Tupfer werden verbrannt; 
für Friedenszeiten wird man auch diese kleine Verschwendung schon 
aus erziehlichen (Gründen für das chirurgische Personal weiter be- 
stehen lassen; fiir den Krieg jedoch (Kor seh) eine weitergehende 
Benutzung verbrauchter Verbandstoffe zulassen, ja notwendig finden 
müssen. Stets muß Blut und Eiter vorher durch Sodalösung entfernt 
werden, was wenigstens so weit gelingt, daß die Verbandstoffe wieder 
leidlich weiß, wenn auch nicht rein weiß werden; die unmittelbar 
von der Wunde herrührenden Mullstücke und die Tupfer können 
dann, soweit man sie nicht zur direkten Bedeckung der Wunden 
wieder verwenden will, zweckmäßig zur Ausfüllung von au&augenden 
Verbandkissen Verwendung finden. — Die Firma Knoke u. Dreßler 
in Dresden bringt einen aseptischen Waschtisch für das Operations- 
zimmer in den Handel, dessen Oeffnungshebel so weit unter dem 
Becken vorsteht, daß der herantretende Operateur ihn mit der Hüfbe 
bequem und fast unwillkürlich wegschiebt; beim Wegtreten des 
Operateurs schnappt der Hebel zurück und schließt den Wasser- 
zufluß; der Abfluß des Wassers aus dem Becken wird durch einen 
mit dem Fuß zu regulierenden Trethebel bewirkt. — Eine leicht zu 
reinigende Flasche von Bock besteht aus zwei auseinanderzuneh- 
menden Teilen, die durch einen beiderseits übergreifenden Verschluß 
wasserdicht zusammengehalten werden; die Flasche kann entweder 
als Sputumflasche oder als Milchflasche gute Dienste leisten. 
Inhalations- Unter den Inhalationsapparaten sind zunächst zwei Hand- 

apparate. Apparate bemerkenswert; der Sängersche Apparat (Bezugsquelle: 
Homung u. Kraaz, Magdeburg, Anhaltstr. 7) ist ein Dampfspray 
mit besonders praktischer Einrichtung; er enthält außer dem zur 
Dampferzeugung nötigen Wasser von etwa 80 com einen kleinen 
Kessel f&r das betreffende Medikament, von dem in der Regel 2 — 8 ccm 
genügen; durch die Vorwärmimg dieses Medikaments und die aus- 
giebige Ansaugung seitens des Dampfstroms ist die Verteilung des 



Krankenpflege. 



109 



Medikaments eine so feine, daß die angegebene Menge von 2 — 3 com 
genügt, um eine viertel- bis halbstündige Inhalation von Terpentinöl, 
Kreosot oder Menthol zu ermöglichen; der Apparat näßt die Bett- 
wäsche nicht, während dies der gewöhnliche Dampfspray in hohem 
Maße tut ; auch für Formalindesinfektion eignet er sich anscheinend 
recht gut. — Ein Zerstäuber auf kaltem Wege ist dagegen der 
Ronkarzsche (Apotheker in Straßburg i. E.) ; die Zerstäubung wird 
hier durch ein Doppelgebläse bewirkt und erreicht eine sehr feine 
nebelartige Verteilung der medikamentösen Lösung, die natürlich 
nach Bedarf auch vorgewärmt sein kann. — Mehr für Kranken- 
häuser oder Inhalatorien eignet sich der Apparat vom Mechaniker 
Reif in München, der in den Münchener und Reichenhaller An- 
stalten schon mehrfach die Feuerprobe bestanden hat; er hängt wie 
der Clarsche Apparat von der Decke herunter, einer Hängelampe 
nicht unähnlich; die Lampenglocke birgt nur die medikamentöse 
Lösung, der tiefste Teil der Lampenglocke stellt einen Stiel aus Weiß- 
blech dar, welcher komprimierte Luft enthält; die aus der Glas- 
glocke zufließende Lösung trifft an den Zerstäubungsschlitzen mit 
der komprimierten Luft zusammen und wird äußerst fein zerrissen; 
der Apparat wird alle 2 Monate mit Aether gereinigt. — R. Moody 
hat von Arnold and Sons (Smithfield, London) einen neuen Respi- Respirator. 
rator anfertigen lassen; der Rand trägt in der üblichen Weise einen 
aufblasbaren Gummiring zur Anpassung ans Gesicht; eine Klappen- 
vorrichtung sorgt dafür, daß die Luft von vorne in den Respirator 
eintritt und dabei eine mit Drahtgittem abgegrenzte Kammer passiert, 
welche zur Filtration der Luft mit Watte und nach Bedarf mit einem 
medikamentösen Inhalationsmittel beschickt ist, eine andere Klappe 
sorgt für den Austritt der verbrauchten Luft. — C. Baber hat einen 
Mundspatel konstruiert, welcher vermöge einer kleinen aufgesetzten Mondspatel. 
Gabel es ermöglicht, den vorderen Gaumenbogen gleichzeitig mit der 
Zunge aus dem Gesichtsfeld wegzudrücken und dadurch die gesamte 
Mandel bis zu ihrer Wurzel der Besichtigung zugänglich zu machen 
(Fabrikant: Mayer and Meltzer, Great Portland Street, London, W.); 
es wird allerdings eine gewisse Geschicklickheit dazu gehören, um 
mit diesem Instrument Nebenverletzungen zu vermeiden, namentlich 
wenn Würgbewegungen eintreten. 

Für die Applikation von Wärme und ELälte dient ein sehr prak- 
tischer Zirkulator von Philipp, welcher aus einem auf den kranken Zirkalator. 
Körperteil aufzulegenden Gummibeutel besteht, der aus einem Irri- 
gator mit heißem oder kaltem Wasser versorgt wird; die meisten 
bisherigen derartigen Zirkulationsvorrichtungen ließen das verbrauchte 



110 



Gumprechfc. 



Zirkalaior. 



Heifilnft- 
apparate. 



Wasser ab und bedurften so einer großen Menge neuen Wassers 
zur Zufuhr; in diesem Zirkulator aber wird das einmal gebrauchte 
Wasser vermöge eines in den Leitungsschlauch eingeschalteten 
Gummigebläses mit Ventilen immer wieder in den Irrigator zurück- 
gepumpt, wo es entweder durch die Flamme oder durch Eis auf den 
gewünschten Temperaturgrad zurückgebracht wird ; die Vorrichtung 
ist sowohl für äußere Umschlage als für Körperhöhlen anwendbar. — 
Eine Irrigatorspritze (Kuhn) zu Vaginalspülungen, welche den ge- 
schmacklosen Namen ^^Lady's friend" fuhrt, besteht aus Gximmi und 
ist eigentlich nichts weiter als die Ghimmiballonspritze , wie sie bei 
Eindem für Klistiere bereits häufig angewendet wurde; richtig ist, 
daß solche Ballonspritze den Irrigator häufig wird ersetzen können. — 
Zwei Heißluft apparate müssen hier Erwähnung finden, einer für 
allgemeine und einer für örtliche Anwendungen. Das Alettersche 
(Frankfurt a. M.) Schwitzbett besteht aus einer Kohrgeöecht- 
chaiselongue , über welche eine Segeltuchdecke vermittels Reifen- 
bügeln übergedeckt wird ; der auf der Chaiselongue liegende Kranke, 
der nur den Kopf durch die Decke heraussteckt, wird rings von der 
heißen Luft umspült, die auf dem Boden durch zwei Spiritusbrenner 
erzeugt wird; die Spiritusbrenner werden auf kleine Flamme ein- 
gestellt und stehen unter vorher stark erhitzten Ziegelsteinen, welche 
letztere die Hauptwärme liefern ; einer gewissen Feuerge&hrlichkeit 
wird sich die Vorrichtung nicht entschlagen können, umsomehr, 
als das Segeltuch unten an der Chaiselongue festgeknöpft ist und 
der Kranke bei entstehendem Feuer das Tuch nicht oder nur schwer 
abstreifen könnte. — Der Odelgasche Trockenheißluftapparat 
ist den Bier sehen Apparaten sehr ähnlich; das Material sind Papier- 
lamellen, die mit Wasserglas und Asbest aufeinandergeklebt sind; 
auf diese Weise wird ein Elasten mit weitem Hohlraum für das 
kranke Glied gebildet; die Zuführung der heißen Luft erfolgt vom 
Boden aus ; ein besonderer Luftverteiler zwingt die heiße Luft, sich 
durch den ganzen Apparat zu verteilen; seitliche Ausströmungs- 
öffnungen, die mit Korkstöpseln verschlossen werden können, ermög- 
lichen es, die eine Seite des betreffenden Körperteils nach Wunsch 
mehr abzukühlen oder mehr zu erwärmen; das Thermometer zeigt 
vermöge der guten Luftmischung im Apparate stets die wirklich 
herrschende Temperatur an; in knapp einer Viertelstunde werden 70®, 
in einer halben Stunde 100* erreicht ; kleine Näpfchen (Vogelnischen) 
mit Chlorkalzium sorgen für die Verhütung des Feuchtwerdens der 
Luft im Apparat. 

Ein origineller Gedanke ist das auskochbare Fieberthermo- 



Krankenpflege. 



111 



Entgiftnngs- 
kästen. 



meter „Pyrol^; es ist bekannt, daß die gebräuchlichen Thermo- Anskoohbares 
meter oft durch Ueberschreitung der zulässigen Temperatur ruiniert Thermometer, 
werden; die Quecksilberkapillarröhre des „Pyrol" hat deshalb an 
ihrem obersten Ende eine Hohlkugel, groß genug, um das Zehnfache 
der in dem gesamten Ejipillarrohre enthaltenen Quecksübermenge 
zu fassen; wir sehen den Hauptvorteil dieser Einrichtung weniger 
in der Möglichkeit der Thermometersterilisation, die ziemlich über- 
flüssig ist, sondern in der Ausschaltung einer der häufigsten Ur- 
sachen für die Ruinierung der Thermometer. — Einen „Entgif- 
tungskasten" empfiehlt Kobert (erhältlich bei Riedel, chemische 
Fabrik, Berlin) ; der Kasten enthält Instrumente, Apparate, Arzneimittel, 
Reagenzien, die zur Behandlung von Vergiftungen dienen, auch ein 
kleines Buch über Vergiftungen, und soll, nach des Verfs. Absicht, auf 
Polizeiämtem, Rettungswachen u. dergl. stets vorhanden sein ; mit den 
Apotheken empfiehlt Kobert einen Vertrag abzuschließen, dahingehend, 
daß sie gegen jährliche Entschädigung den Kasten vorrätig halten. 



Transport und Lagerung. Die Frage „Wie ruht man gut?" 
beantwortet Schrohe dahin, daß alle Schwerpunkte der einzelnen 
Körperteile genügend unterstützt und die Muskeln in ihrer Spannung 
auf das geringste Maß beschränkt sein müssen; er hat daher einen 
Lehnsessel konstruiert, welcher in der Hüfte und den Knien den 
Körper zu rechtwinkliger Beugung veranlaßt, und, indem er um 
eine horizontale Achse drehbar ist , jede beliebige Neigung annehmen 
und den Unterstützungspunkt des Körpers damit verändern kann. — 
Wichtiger als solche Stühle, von denen jeder Mensch wohl viele 
bequeme findet, ist die Konstruktion von Krankenbetten. Das Carter- 
sche Bett (London, New Cavendish Street) ist eine eiserne Bett- 
stelle mit Matratze, auf der der Patient liegt, aber getrennt von ihr 
noch durch Quergurte, die in einem besonderen Rahmen ausgespannt 
sind und während der Ruhelage vom Kranken nicht gefühlt werden ; 
soll das Bettzeug gewechselt werden, so wird der Rahmen mit den 
Gurten vermittels einer Kurbel emporgedreht und der Kranke nun, 
ohne seine Lage zu verändern, über die Matratze emporgehoben. — 
Auf der Stettiner Krankenpflegeausstellung wurde von der Berliner 
Möbelfabrik Dittmar ein automatisches Bett ausgestellt, bei 
welchem der darin liegende Elranke nur auf einen Knopf zu drücken 
braucht, um das Bett um seine Horizontalachse drehbar zu machen ; 
der Kranke selbst ändert dabei seinen Schwerpunkt so, daß es lang- 
sam nach hinten oder nach vom überkippt (Preis ca. 100 M.). — 
Wollte man Krankentransportbetten in die Bahn einstellen, so 



Sessel. 



Kranken- 
betten. 



der 
Seekrankheit 



112 Gumprecht. 

Kranken- war es bisher üblich, einen Gepäck- oder lY. Klassewagen fiir diesen 
betten. Zweck zu mieten, wo aber dann Heizung nicht zu haben war; eine 
Bahre zum Einstellen in die m. Eisenbahnklasse beschreibt jetzt 
Cramer; sie wiegt etwa 80 kg, auf einer Sprung- und Spiral- 
federung liegt eine Krollhaarmatratze und darüber ein Gestänge, 
welches, sobald die Bahre zwischen den Bänken des Eisenbahn- 
coupös steht, seitlich ausgespreizt werden kann und damit dem 
Kranken größere Bewegungsfreiheit gestattet; daß es desinfizierbar 
ist, sei nur nebenbei erwähnt, ebenso, daß es von der Medizinal- 
kommission für das Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin empfohlen 
ist. — Bekannter ist ein anderer Symptomenkomplex, welcher eben- 
Behandlnng falls durch Veränderung der Körperlage bedingt wird, die See- 
krankheit; Fischl, Schiffsarzt des Oesterreichischen Lloyds, hat 
mehrfach beobachtet, daß beim plötzlichen üebergang aus anhalten- 
der Horizontallage in die aufrechte Stellung sofort Seekrankheit ein- 
trat; er bekämpft die Elrankheit hauptsächlich durch Tieflegung des 
Kopfes bei Horizontallage des Körpers und es gelang ihm in alleui 
im ganzen 69 Fällen, die länger als 2 Stunden so lagen, trotz 
schwerer See das Erbrechen zum Schwinden zu bringen; femer sah 
er einen auffallend günstigen Erfolg von straffer Einwicklang der 
Glieder mit Flanellbinden, die etwa alle 8 Stunden gelüftet werden 
müssen, um nicht Schaden anzurichten; der gute Erfolg ist wohl 
auf die bessere Blutversorgung des Gehirns zu beziehen ; im übrigen 
soll man nie den Magen vollkommen leer lassen, sondern häufig 
trockene und feste Nahrung in kleinen Mengen, selbst bei voll aus- 
gesprochener Seekrankheit, nehmen; von zweifellosem Einfluß ist 
die Psyche : wer beschäftigt ist, wird nicht seekrank, ebenso wer an 
andere Dinge denkt; nach Fischl sollen namentlich hochzeitsreisende 
Paare von der Seekrankheit fast absolut verschont werden. 

Literatur. 

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E.Alt, Die familiäre Verpflegung der Schwachsinnigen in Deutschland. Als 
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Krankenpflege H. 1. — Saenger, Inhalationsapparat. Therap. Monatsh. 
Nr. 1. — S.alzwedel, Krankenpflegerprüfung. BerL klin. Wochenschr. 
Nr. 16. — Schar lau, Krankenpflege in New York. Zeitschr. f. Kranken- 
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Zeitschr. f. Krankenpflege Nr. 8. — H. Schloß, Leitfaden zum Unterricht 
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Polytechnik Nr. 9. — H. Weicker» Mitteilungen aus Dr. Weickers 
Volkssanatorium «Krankenheim* (Jahresbericht 1901). Beiträge zur Frage der 
Volksheilstätten VIL Leipzig. — Wiesner, Verbandeimer. Aerztl. Polytech., 
März. — Zimmer, Staatsaufsicht. Deutsche med. Wochenschr. Nr. 24. 



Jthrlmoli der pnktiscliai Medisin. 1S04. g 



in. 



Spezielle Pathologie und Therapie. 



I. Innere Medizin. 



a) Krankheiten des Nerrensystems. 

Von Prof. Dr. E. Bedlleh in Wien. 

Allgemeines. Hitzig hat seine im letzten Berichte bereits angekün- 
Sehfnnktion. digten Arbeiten über die Physiologie des Sehens fortgesetzt nnd 
abgeschlossen. Auch sie behandeln auf Gmnd eines reichen experimentellen 
Materials vor allem die Beziehungen der Binde und der subkortikalen 
Granglien zum Sehakt beim Hunde. Er wendet sich vielfach in scharfer 
Weise gegen Munk, so wenn er die Bezeichnung der Sehstörung als 
Seelenblindheit, d. h. einem Verluste der Erinnerungsbilder der Gesichts- 
objekte, ablehnt; Tielmehr handle es sich bei allen zu beobachtenden 
Erscheinungen um Herabsetzung der Lichtempfindlichkeit, des Farbensinns 
und des Ortssinnes der Sehorgane. Am st&rksten sind diese Störungen in 
den oberen lateralen und am schwächsten an den unteren medialen Ab- 
schnitten des Gesichtsfeldes ausgesprochen. Eine Projektion der Retina 
auf die Eonyezit&t der Sehsphäre im Sinne Munks findet in keiner Weise 
statt. Auch das Sjrankheitsbild der partiellen Rindenblindheit ist nicht 
durch partielle Zerstörung der Rinde hervorzurufen. Für das Zustande- 
kommen des Sehens nimmt er als das Prim&re die Erzeugung des fertigen 
optischen Bildes in der Retina an. Dieses optische Bild wird mit motori- 
schen, vielleicht auch noch mit anderen Innervationsgefahlen zu Vorstellungen 
niederer Ordnung in den infrakortikalen Zentren verarbeitet, endlich in 
der Rinde die Apperzeption dieser Vorstellungen mit Vorstellungsgefühlen 
niederer Herkunft assoziiert. Rothmann verwertet die durch die neueren 
experimentellen Arbeiten festgestellte Tatsache, daß die Pyramidenbahn 
nicht die einzige, ja nicht einmal wichtigste motorische Bahn sei, für 
die Pathologie des Menschen. Akute Zerstörung der Pyramidenbahn allein 
fahrt hier zu einer Parese, die sich nicht ganz zurückbildet, akute Zer- 
störung der Pyramidenbahn und der anderen motorischen Bahnen bedingt 
schlaffe Lähmung, die nur unvollkommen restitutionsfähig ist. Die auf 



Motorische 
Fonktion. 



Krankheiten des Nervensystems. 115 

Pjramidenaffektion beratende sog. spastische Spinalparaijse geht ohne 
eigentliche Lähmung einher, auch die Hypertonie ist nicht durch den Aus* 
fall der Pyramidenbahn bedingt, vielmehr kommt auf Rechnung dieser 
Läsion bloß die Steigerung der Sehnenreflexe. Es zeigt sich also, daß auch 
beim Menschen die Pyramidenbahn nicht die ausschließliche motorische 'Bahn 
ist, wenngleich sie eine größere Bedeutung beansprucht als beim Tiere. 
Rydel und Seiffer untersuchten mittels besonderer Stimmgabeln das sog. 
Vibrationsgefühl (Egger) an Gesunden und Kranken Sie halten das- vibrations- 
selbe für eine besondere Empfindungsqualität (Pallästhesie, wie es die gefOhl. 
Autoren nennen), die nicht dem Knochen oder Periost allein zukommt, 
sondern eine komplizierte Empfindung darstellt, welche von den feinsten 
Nerven aller unter der Haut liegenden Gewebe aufgenommen wird. Stö- 
rungen desselben sind nicht immer von kutanen Sensibilitätsstörungen 
begleitet, gehen aber nahezu immer mit Ataxie und Muskelsinnstörungen 
einher, öfters denselben sogar voraus. 

Auch heuer liegen über das diagnostisch so wichtige Babinski- BabinsUschea 
sehe Zehenphänomen eine Reihe von Untersuchungen vor. Sehr Phänomen, 
eingehend beschäftigt sich Goldflam mit diesem Phänomen, zu 
dessen Prüfung er allerlei interessante Details angibt. Auch er 
schätzt die diagnostische Bedeutung desselben sehr hoch, wie er an 
einer großen Reihe von Fällen nachweist. Bei Kindern unter 
1 Jahre ist auch nach ihm das Phänomen physiologisch vorhanden. 
Im tiefen Schlafe findet sich meist das Babinskische Phänomen. 
In der Chloroformnarkose bleiben die Sehnenreflexe erhalten, während 
die Flantarreflexe verschwinden. Dies, sowie andere Erfahrungen 
bezüglich des Verhaltens von Haut- und Sehnenreflexen bei Hemi- 
plegien, totalen Querschnittsunterbrechungen des Rückenmarks u. s. w. 
lassen ihm die Ansicht, wonach die Hautreflexe ihr Zentrum in der 
Hirnrinde haben, plausibel erscheinen. Der normale Plantarreflex 
ist ein Rindenreflex, das Babinskische Zehenphänomen ein spinaler 
Reflex. Auch Richter und Specht halten das Babinskische 
Phänomen ftir ein zuverlässiges Symptom der Pyramidenbahndegene« 
ration oder mindestens einer funktionellen Schädigung derselben. 
Oppenheim hat vor kurzem einen neuen Reflex beschrieben, der 
durch Streichen längs der Innenfläche des Unterschenkels hervor- 
gerufen wird und in einer Plantarflexion der Zehen, selten 
auch Beugung des Fußes, besteht. Unter denselben Bedingungen, 
wie das Babinskische Zehenphänomen, tritt auch hier eine Kon- 
traktion des Extens. halluc. long., Tibialis ant., Extens. dig. comm. 
und zuweilen der Musculi peron. ein. Die diagnostische Bedeutung 
dieser Umkehr des Oppenheimschen Unterschenkelreflexes ist 
annähernd die gleiche, wie die des Babinskischen Zohenphänomens. 



116 



Redlich. 



Oppenheim- Meist finden sich beide gemeinsam. Es gehört demnach dieser 
Boher pathologische Reflex, wie Cassirer auf Grund ausfuhrlicher Be- 
reflex. obachtungen findet, zu den überaus häufigen, um nicht zu sagen fast 
konstanten Merkmalen der Pyramidenseitenstrangserkrankung. Auch 
Pfeifer fand den normalen Oppenheimschen Unterschenkelreflex 
in der Mehrzahl der Fälle. Auch die diagnostische Bedeutung seiner 
Umkehr konnte er bestätigen. Die diagnostische Bedeutung des 
Oppenheimschen gegenüber dem Babinskischen Phänomen 
wechselt, so daß in allen zweifelhaften Fällen beide Brofleze zu 
prüfen sind. 



Gehirn. An der Hand mehrerer interessanter Fälle bespricht 
AphaBie. Bothmann das Auftreten akuter transitorischer Aphasie. 
Basch kommend und ebenso rasch wieder verschwindend tritt die- 
selbe bei der Hysterie auf; nicht selten ist sie, wie bekannt, bei der 
Dementia paralytica. Bothmann beschreibt aber einen Fall, wo 
eine rasch vorübergehende Aphasie sich wahrscheinlich infolge großer 
Hitze entwickelt hatte. Ein anderer Fall von vorübergehender 
motorischer Aphasie, verbunden mit Agraphie, der durch ein kurz 
dauerndes Stadium der Paraphasie in Genesung überging, war auf 
die Kombination mehrerer ätiologischer Momente, wie geistige Ueber- 
anstrengung, große Hitze und starke Ueberladung des Magens, zurück- 
zufuhren. Aber auch echte Embolien können zu kurz dauernder 
transitorischer Aphasie führen, wie ein vom Autor beschriebener 
Fall, der sich im Anschlüsse an eine Pneumonie entwickelte, zeigt. 
Das plötzliche Auftreten und Verschwinden solcher Aphasien ist 
demnach durchaus kein Beweis für die funktionelle Natur derselben. 
Pick vertritt seit längerer Zeit die Ansicht, daß gewisse Er- 
scheinungen bei Aphasischen, vor allem die Logorrhoe und die 
Echolalie, auf den Ausfall einer Hemmungsfunktion des akustischen 
Sprachzentrums zurückzuführen seien. Er beschreibt nun neuerdings 
einen Fall, wo das Symptom der Logorrhoe in ganz besonderem 
Maße, förmlich anfallsweise, aufbrat, daneben bestanden sonstige 
leichte Sprachstörungen. Die Sektion ergab ein primäres Bronchial- 
karzinom mit Metastasen in allen Teilen des Gehirns, von denen 
eines den linken Schläfelappen komprimierte. Schüller macht 
Hemiplegie, darauf aufmerksam, daß Hemiplegiker den Flankengang nach der 
gelähmten Seite in annähernd normaler Weise ausführen, während 
beim Gehen nach der gesunden Seite das gelähmte Bein deutlich 
schleift. Es hängt dieses Symptom mit der Verlängerung des 
spastischen Beines zusammen. Die diagnostische Bedeutung dieses 



Krankheiten des NervensyHiems. 



117 



Phänomens liegt einerseits darin, daß es auch in leichten Fällen 
nachweisbar ist, andererseits funktionellen Hemiplegien fehlt. Pick 
beobachtete einen Fall — alter Erweichungsherd im Linsenkeme und 
innerer Kapsel mit rechtseitiger Hemiplegie — , wo auf der hemiple- 
gischen Seite der Kitzelreflex in der Achselhöhle, Fußsohle u. s. w. Kitzelreflez. 
konstant fehlte. Ohne eine Lokalisation dieses Symptoms geben zu 
wollen, ist er doch geneigt, dasselbe mit den die Hemiplegie ver- 
ursachenden Herden in Zusammenhang zu bringen. An der Hand 
zweier Fälle und der Literatur bespricht Steiner das Vorkommen 
und die Erklärungsversuche der Muskelatrophien bei zerebralenMoakelatropMe 
Herden. Sie findet sich nach ihm häufiger als für gewöhnlich *»«* "^®*»'*^«'^ 
angenommen wird. Bezüglich ihres Zustandekommens nimmt er an, 
daß sich in der Regel an die Läsion des primären motorischen 
Neurons im Gehirn eine anatomische Läsion des peripheren an- 
schließt. Das primäre motorische Neuron übt auf das periphere und 
in erster Linie auf die Muskulatur einen trophischen Einfluß aus, 
durch dessen Wegfall die zerebrale Muskelatrophie zu stände kommt. 
Berger beschreibt einen Fall, wo sich bei einem 8jährigen Kinde 
infolge Sturzes eine rechtseitige Hemiplegie mit ausgesprochener 
Athetose entwickelt hatte. Der Tod erfolgte erst im 62. Lebens- Athetose. 
jähre. Bei der Sektion fand sich im linken Linsenkern, dessen 
hinteren Anteil fast total einnehmend, ein mit verkalkten Massen 
angefüllter, zirka kirschgroßer Hohlraum; der ursprüngliche Prozeß 
dürfte eine Blutung gewesen sein. Berger ist geneigt anzunehmen, 
daß die posthemiplegischen Bewegungsstörungen von verschiedenen 
Himpartien, Großhirn, Kleinhirn und Rückenmark, ausgelöst werden 
können. Wahrscheinlich wird der Reiz erst nach der motorischen 
Hirnrinde fortgeleitet und erst dort die Bewegungsstörung ausgelöst. 
Nach Stadelmann kann ein Fall nur dann als traumatische Apoplexie. 
Spätapoplexie (Auftreten apoplektischer Erscheinungen nach 
Trauma nach einem gesunden Litervall) angesehen werden, wenn 
vor dem Trauma der Kranke, im jugendlichen Alter stehend, keinerlei 
Gefilßveränderungen und auch keine zu solchen disponierende Er- 
krankungen aufweist. Das Trauma muß ein erhebliches gewesen 
sein, und die Erscheinungen der Gefäßerkrankung müssen sich in 
relativ kurzer Zeit unter ärztlicher Beobachtung entwickelt haben. 
Stadelmann beschreibt einen Fall, der allen diesen Bedingungen 
entspricht. Ein 2. Fall ist dadurch interessant, daß im Anschlüsse 
an einen Unfall eine Schädelfraktur sich anschloß, die ausheilte. 
Nach mehreren Wochen entwickelte sich eine Meningitis, der der 
Kranke erlag. Lifolge des Traumas war wahrscheinlich ein Locus 



118 RedHch. 

minoris resistentiae geschaffen, an dem sich nachträglich in die 
Lymph- oder Blutbahn eingedrungene Mikroorganismen ansiedeln 
konnten. Vielleicht bot eine Angina die Einbruchspforte für die 
Mikroorganismen. Auch Krön hat einen Fall beschrieben, den er 
als traumatische Spätapoplexie auffaßt, obwohl hier doch allerlei 
Dispositionen für Gefäßerkrankungen vorhanden waren ; er läßt eben 
den Standpunkt von Langerhans, wonach jede Disposition fehlen 
muß, in seiner vollen Schärfe nicht gelten. Bansohoff beschreibt 
EnzephalitiB. einen Fall von akuter hämorrhagischer Enzephalitis von 
Strümpellschem Typus, der sich an einen dysenterischen Prozeß 
des Dickdarms angeschlossen hatte Es handelte sich um eine 
Geisteskranke. Die Erscheinungen hatten sich rasch entwickelt und 
zu Bewußtlosigkeit, Pupillenstarre, Eztremi täten lähmung, Herab- 
setzung der Sehnenreflexe und rasch zum Exitus geführt. Bei der 
Sektion fanden sich zahlreiche hämorrhagische Herde in der Hirn- 
rinde von oft beträchtlichem Umfange, mikroskopisch Hämorrhagien, 
Thrombosen, Gewebsinfiltration. Ran soho ff nimmt an, daß vom 
Dickdarm aus Mikroorganismen in die Blutbahn und ins Gehirn 
gelangten und zur Enzephalitis fahrten. In 2 Fällen von Dys- 
enterie beobachtete er Pachymeningitis haemorrhagica. Bei einem. 
2. Falle von Enzephalitis bei einem Dickdarmprozeß ist die ätio- 
logische Abhängigkeit vom letzteren zweifelhaft, vielmehr sieht er 
die Ursache desselben in einer gleichzeitig vorhandenen Phthise. 
Bosenfeld beobachtete einen 28jährigt$n Mann, der Lues gehabt 
hatte, bei dem zunächst psychische Störungen auftraten, dann zu- 
nehmende Somnolenz, Pupillen starre, Neuritis optica, abwechselnd 
tiefstes Koma mit 40 Pulsen, Erloschensein der Reflexe und luzide 
Perioden. Temperatur normal. Tod im Koma. Makroskopisch kein 
Befund; erst bei der mikroskopischen Untersuchung fanden sich in 
der Capsula interna, auf den Linsen kern und Thalamus übergreifend, 
enzephalitische Herde ohne Erweichung und mit wenig Blutungen. 
Aetiologisch ist der Fall unklar geblieben. Baucke beschreibt 
einen FaU von Encephalitis disseminata, die sich bei einem 
SSjährigen, seit vielen Jahren an Dementia praecox leidenden Kranken 
nach einem operativen Eingriffe entwickelt hatte. Aetiologisch war 
wahrscheinlich ein im Gefolge der Operation aufgetretener Dekubitus 
anzuschuldigen. Die Symptome bestanden in Schmerzen, Blasen- 
und Mastdarmlähmung, Sensibilitätsstörungen an den unteren Ex- 
tremitäten und am Rumpfe. Bei der Sektion fanden sich sklerotische 
Herde, die makroskopisch an multiple Sklerose erinnerten, nach dem 
mikroskopischen Befunde aber von Baucke zur Enzephalitis ge- 



Erankheiien des Nervensystems. l\Q 

rechnet werden. Bettencourt bespricht die Aetiologie der 
Schlafkrankheit der Neger, der bekanntlich eine Meningo- Schlaf- 
enzephalomyeHtis zu Grunde liegt. Als Erreger derselben bezeichnet ^"^"»Wi«^*- 
der Autor einen Diplostreptokokkus , den er intra vitam durch die 
Lumbalpunktion und auch post mortem nachweisen konnte und dessen 
Eigenschaften er genauer beschreibt. Er schlägt fiir denselben den 
Namen Hypnokokkus vor und hält denselben für identisch mit dem 
kürzlich von Castellani beschriebenen Bazillus. Müller hat das 
gesamte in der Literatur vorhandene Material über Stirnhirn- Hirntumoren, 
tumoren zusammenfassend verarbeitet und zwar 164 Fälle mit 
Obduktionsbefund. In ätiologischer Beziehung ergab sich, daß 
Syphilis für die Stimhimtumoren nur eine geringe KoUe spielt, 
während Traumen für 7®/o der Fälle in Betracht kamen. Die Stim- 
himtumoren, die nach Traumen auftreten, sind vorwiegend glioma- 
tOsen Charakters. Unter den Stimhimtumoren überwiegen weitaus 
echte Tiunoren über die infektiösen und parasitären Geschwülste; 
ein Drittel sämtlicher Stimhimtumoren sind Gliome. Bei Kindern 
sind Stimhimtumoren sehr selten, während Kleinhimtumoren relativ 
häufig sind; im späteren Lebensalter vom 40. Jahre an sind Stim- 
himtumoren dagegen häufig. In 18^/o der Fälle war der Tumor 
doppelseitig und zwar trifiPt dies hauptsächlich für Gummen zu. 
Männer sind häufiger befallen als Frauen. Bayerthal bericlitet 
über einen Fall von subkortikalem Tumor, unterhalb der motorischen 
Region gelegen, bei einer 81jährigen Frau. Hier bestand umschriebene 
perkutorische Empfindlichkeit, deren Vorhandensein, wie der Fall 
lehrt, durchaus nicht für einen oberflächlichen Sitz der Geschwulst 
spricht. Es bestanden schwere Störungen der Intelligenz bis zu 
Stupor, was nach Bayerthal iiir tiefen Sitz des Tumors (Zentral- 
ganglien und Balken) und gegen ausschließliche Lokalisation in und 
nahe der Rinde spricht. Auffällig war eine hochgradige Gleich- 
gewichtsstörung und eine auffällige Bewegungsarmut an willkürlichen 
Bewegungen, wie man das sonst häufig bei Balkentumoren sieht. 
In einem 2. Falle, 87jährige Frau, entwickelten sich zuerst psychische 
Störungen, abnorme Reizbarkeit, leichte Verwirrtheitszustände, Aengst- 
lichkeit, Verlangsamung der psychischen Akte, Kopfschmerz. Es 
trat dann ein moriaartiges Wesen auf, dazu kamen epileptische 
Anfiille, rechtseitige Parese, Empfindlichkeit über dem linken 
Stirnbein, Stauungspapille, besonders links, Benommenheit, Agra- 
phie und zum Schlüsse Lähmung einzelner Himnerven. Bei der 
Sektion fand sich ein großes Sarkom, das von der Basis des linken 
Schläfenlappens ausgegangen war und auf das Stimhim übergegriffen 



120 BedHch. 

Hirntumoren, hatte. Auch Erbslöh beschäftigt sich mit den Beziehungen der 
Stimhimtumoren zu psychischen Störungen. Bei einem 15jährigen 
Knaben traten Kopfschmerz, Erbrechen und dann Delirien auf, teil- 
weise vom Charakter der Beschäftigungsdelirien ; der Kranke ist 
desorientiert, verkennt Personen. Die Psychose klingt allmählich 
ab, dagegen tritt rechtseitige Hemianopsie, rechtseitige Fazialis- 
parese, Erbrechen, Pulsverlangsamung, leichte Gleichgewichtsstörung 
auf. Nach vorübergehender Besserung neuerliches Einsetzen der 
Erscheinungen. Erbslöh diagnostiziert einen Tumor im Marke 
des linken Okzipitallappens und gibt in eingehender Weise 
eine Erklärung der vorhandenen psychischen Störungen. 2 Fälle 
von Hirntumoren, ausgehend vom Akustikus, beschreibt L 6p ine. 
In beiden begannen die Erscheinungen mit Taubheit, der sich bald 
gleichseitige Fazialislähmung anschloß, worauf die anfänglich nur 
angedeuteten allgemeinen Tumorerscheinungen rasch zunahmen. 
Gleich Monakow denkt auch Lupine an die operative Entfernung 
solcher Geschwülste. Duret gibt eine üebersicht über Hinter- 
haupts- und Schläfenlappentumoren. Bei den ersteren ist 
homonyme Hemianopsie relativ selten isoliert vorhanden, weit häufiger 
ist dieselbe von aphasischen Störungen, Lesestörungen, Hemiplegie 
und Hemianästhesie begleitet. Schläfenlappentumoren haben als 
einziges Herdsymptom Störungen des Hörvermögens, speziell fehlen 
die Bewegungen des Lauschens, so daß sie nur aus den Begleitsym- 
ptomen zu diagnostizieren sind. In einem Falle von Paviot — Tumor 
im Plexus chorioideus des vierten Ventrikels — bestand Parese aller 
vier Extremitäten, Eomberg, Herabsetzung respektive Fehlen der 
Sehnenreflexe, Atrophie des Nervus opticus, Pupillenstarre und In- 
telligenzstörung. Interessant ist, daß im weiteren Verlaufe ein ileus- 
artiger Zustand mit flüiulentem Erbrechen sich entwickelte, weswegen 
die Laparotomie ohne Erfolg gemacht wurde. Bei der Obduktion 
fand sich ein das Kleinhirn und die Medulla oblongata 
komprimierender, großer Tumor im vierten Ventrikel, vom Plexus 
chorioideus ausgehend. (Leider fehlt der mikroskopische Befund.) 
Fäkulentes Erbrechen bei nervösen Affektionen ist ungemein selten. 

Heningiüs. Sänger bespricht 8 Fälle von tuberkulöser Meningitis, in 
denen die Veränderungen zirkumskripter Natur waren. In einem 
Falle bestand Aphasie und rechtseitige Hemiplegie, in einem zweiten 
rechtseitige Hemiplegie. Es ergibt sich daher, daß man in Fällen 
zerebraler, mit Fieber einhergehender Herderkrankungen stets auch 
an zirkumskript auftretende tuberkulöse Meningitis denken muß, 
insbesondere, wenn sonstige Hinweise für Tuberkulose vorliegen. 



Krankheiten des Nervensystems. 



121 



Bei der mikroskopischen Untersuchung finden sich übrigens in 
solchen Fällen auch an gesund erscheinenden Partien entzündliche 
Veränderungen. Schließlich erwähnt Sänger, daß er in 5 Fällen, 
wo er die Diagnose tuberkulöse Meningitis stellte — die Lumbal- 
punktion ergab fireilich ein negatives Kesultat — Heilung eintreten 
sah. Einen interessanten Fall beschreibt auch Stark. Hier trat 
bei einer 27jährigen Schneidersfrau unter fieberlosem Verlaufe recht- 
seitige Gesichts- und Extremitätenlähmung mit Sensibilitätsstörungen 
und linkseitige Okulomotoriuslähmung auf. Anftnglich Pulsverlang- 
samung, Kopfschmerz u. s. w. Die Sektion ergab basale tuberkulöse 
Meningitis mit einem schwartigen Exsudat, zum Teile verkäsend, 
das bis auf 2 mm Tiefe in die mediale Seite des linken Himschenkels 
hineinreichte. Bei 15 Fällen tuberkulöser Meningitis, die Orgl- 
meister beobachtete, ergab die Lumbalpunktion meist ganz 
leicht getrübte Flüssigkeit, bei der jedoch nur in einer relativ kleinen 
Zahl nachträglich Gerinnselbildung aufbrat; dies Vorkommnis ist 
demnach nicht charakteristisch fiir tuberkulöse Meningitis. In 60®/o 
der Fälle ließen sich im Punktate Tuberkelbazillen nachweisen. Es 
ist also nur der Bazillenbefund charakteristisch. Einen Fall von 
tuberkulöser Pachymeningitis externa beschreibt Her tle, 
wo Erscheinungen eines Tumors mit hemiparetischen Erscheinungen 
bestanden hatten und es zu einer sichtbaren Vorwölbung am Schädel 
infolge von Oedem gekommen war. Der Patient wurde operiert, 
worauf die Himerscheinungen sich besserten, starb jedoch 2 Monate 
später infolge anderweitiger tuberkulöser Prozesse. Bei der Sektion 
erwies sich der Knochen über der operierten Dura als intakt. Ein 
2. Fall von Pachymeningitis externa superior, über den Her tle be- 
richtet, schloß sich an eine eitrige Mittelohrerkrankung an, ohne daß 
eine direkte Verbindung zwischen beiden Eiterherden bestanden hatte. 
Der Fall wurde durch Operation geheilt, üeber 2 Fälle eitriger 
Meningitis mit eigenartigem Verlaufe berichtet Donath. Der 
eine schloß sich an eine eitrige Ohraffektion an und ist dadurch be- 
merkenswert, daß er durch 6 Wochen eine nahezu vollständige Re- 
mission der Erscheinungen aufwies, worauf erst die letal endigende 
neuerliche Verschlimmerung folgte. Die verschwunden gewesenen 
Patellarreflexe waren während der Bemission wieder auszulösen. 
Während bei der Lumbalpunktion Streptokokken nachweisbar waren, 
wurden bei der Autopsie im Eiter Staphylokokken gefunden. Es 
wurde eine Trepanation des Warzenfortsatzes gemacht, die aber 
keinen Effekt hatte. Donath ist der Meinung, daß eine Trübung 
des Liquors eine Trepanation nicht kontraindiziere. Er glaubt, daß 



Lnmbal- 
ponktion. 



Pachy- 
meningitis. 



Eitrige 
Meningitis. 



122 



Redlich. 



Sinas- 
thrombose. 



die Heilung eitriger Meningitiden darch Abkapselung und Bildung 
intermeningealer Abszesse erfolgt, üeber 2 der seltenen Fälle von 
eitriger Thrombophlebitis der Sinus cavernosi und Me- 
ningitis im Anschluß an Zahnkaries berichtet Damianos. Es trat 
zunächst Periostitis des Kiefers mit eitriger Einschmelzung der 
Weichteile auf, dann Schüttelfröste, Benommenheit, Protrusion des 
Bulbus, Oedem der Augenlider, Zyanose, Papillitis n. optici. Manche 
der Fälle zeigen auch Himnervenlähmungen. Damianos schließt 
sich der Meinung an, wonach in solchen Fällen der Versuch eines 
operativen Eingriffs berechtigt sei. 



Myelitis. Bflckenmark« Mönckeberg berichtet über einen Fall von Lan- 

dry scher Paralyse. Bei einer 12jährigen Patientin stellte sieb 
nach einer körperlichen Anstrengung Fieber, Kopfschmerz, Erbrechen 
ein, auch Zeichen von Nephritis bestanden. Am 4. Tage Schwäche 
in den Beinen, die rasch zunimmt, die Arme ergreift und zu totaler 
Lähmung der Extremitäten ohne Sensibilitätsstörung und Verlust der 
Sehnenreflexe fuhrt. Unter zunehmender Atemnot und Herzschwäche 
tritt am 18. Tage der Exitus ein. Der Obduktionsbefund ergibt 
trübe Schwellung der Nieren, kleine Blutungen im Rückenmark. Bei 
der mikroskopischen Untersuchung finden sich Erscheinungen einer 
akuten Poliomyelitis, so daß der Fall unter die myelitische Form 
der L an dry sehen Paralyse gehört. Bei einer 87jährigen Frau aus 
der Beobachtung Jelly s traten zunächst die Erscheinungen von 
Brown-S6quardscher Lähmung, rechts motorische, links vorwie- 
gend sensible Lähmung auf. Rückgang der Erscheinungen, dann 
plötzlich wiederum Einsetzen derselben, wobei aber jetzt das linke 
Bein gelähmt und das rechte analgetisch ist. Dieser Zustand blieb bis 
zum Tode bestehen. Die Sektion ergab neben chronischer Nephritis 
einen myelitischen Erweichungsherd zwischen drittem und f&nftem 
Dorsalsegment, der aus zwei Herden zusammengesetzt ist, aus einem 
rechten kleineren und einem linken ausgesprocheneren. Es war also 
hier eine Myelitis in zwei Etappen aufgetreten. Schmerzen, die lange 
Zeit hier vorhanden waren, führt Jelly, da Meningitis fehlte, auf Rei* 
zung der schmerzleitenden Fasern zurück. Gell6 berichtet über 
Rückenmarks* einen 81jährigen Mann, der Syphilis akquiriert hatte und einige 
Monate später schon über Kopfschmerz zu klagen hatte. Kurze Zeit 
darauf trat, nachdem er schon seit längerer Zeit über Rückenschmer- 
zen zu klagen hatte, plötzlich Blasenstörung auf, dann Schwäche der 
Beine und Unsicherheit beim Gehen. Die Erscheinungen verschlim- 
merten sich, es traten Urinretention , Brown -Söquardscher Sym- 



syphUiB. 



Krankheiten des Nervensystems. 123 

ptomenkomplex (rechts motorische, links sensible Lähmung) ein. 
Nach energischer antiluetischer Kur Besserung der Erscheinungen; 
der Brown-Söquardsche Symptomenkomplex ist nahezu vollständig 
verschwunden, die Blasenstörungen zurückgetreten. Vielleicht hat 
in diesem Falle för das frühzeitige Auftreten der Erscheinungen eine 
beruflich gegebene üeberanstrengung und Erschütterung des Rücken- 
marks eine Rolle gespielt. Die so schwierige Differentialdiagnose 
zwischen Syphilis und multipler Sklerose behandelt neuerdings Haitipie 
Pini auf Grund einer Reihe von Fällen. So erwähnt er eines typi- Sklerose, 
sehen Falles von multipler Sklerose mit nahezu fehlender Pupillar- 
reaktion, worin sich übrigens Schwankungen zeigten, so daß Pini 
den Fall zur multiplen Sklerose rechnet. Ein Fall, der den Brown- 
S^quardschen Symptomenkomplex aufwies, daneben aber Nystag- 
mus und Abblassung der Papille, zeigte auf antiluetische Kur be- 
deutende Besserung der Erscheinungen, was jedenfalls für die 
Annahme von Syphilis spricht. Ein anderer Fall mit Brown- 
Söquard scher Lähmung und SchwindelanfUlen zeigte zwar einen 
etwas zweifelhaften Nystagmus, sonst aber nichts frir Syphilis Cha- 
rakteristisches. Li diesem Falle stellt Pini die Wahrscheinlichkeits- 
diagnose der multiplen Sklerose. Endlich sei ein Fall erwähnt, wo 
die Differentialdiagnose der multiplen Sklerose gegenüber der Hysterie 
in Betracht kommt. Er betrifft einen 84jährigen Mann mit Nystag- 
mus, partieller Optikusatrophie mit zentralem Skotom, Bewegungs- 
imsicherheit im linken Arm und Beine, Babinskischem Phänomen. 
Dagegen fand sich linkseitige Hemianästhesie mit Beteiligung der 
sensorischen Funktionen. Auch die Gangstörung hatte etwas der mul- 
tiplen Sklerose Fremdes, so daß Pini die Kombination von multipler 
Sklerose und Hysterie diagnostizierte. Rosenfeld berichtet über einen 
der seltenen, von Bruns kürzlich beschriebenen Fälle von multipler 
Sklerose, wo Kopfschmerz, Erbrechen, Schwindel, Ataxie und Seh- 
störung vorhanden war, der eine typische Stauungspapille, in leichte 
Optikusatrophie übergehend, entsprach. Die Diagnose lautete zu- 
nächst auf Kleinhimtumor. Die Symptome zeigten jedoch deutlichen 
Wechsel, es trat Besserung auf, worauf allmählich immer mehr und 
mehr die Erscheinungen der multiplen Sklerose sich einstellten. 
Letztere wurde auch bei der Obduktion in typischer Weise nach- 
gewiesen. Speziell ist zu erwähnen, daß sich auch im Chiasma und 
im rechten Optikus Herde fanden. Rosenfeld führt das Auftreten 
der Stauungspapille bei multipler Sklerose auf Herde dicht hinter 
der Papille zurück. Charakteristisch für diese bei der multiplen 
Sklerose auftretenden Stauungspapille ist das rasche Zurücktreten, 



124 RedHch. 

der Ausgang in Heilung oder leichte Atrophie. Wiederum ist über 
Tabes. eine Reihe von Arbeiten bezüglich der Aetiologie der Tabes zu 
berichten, y. Leyden vertritt neuerdings seinen bekannten Stand- 
punkt in der Aetiologie der Tabes. Er berichtet weiteres über 
2 Fälle von Tabes, die er als traumatische auffaßt und bespricht bei 
dieser Gelegenheit überhaupt den Einfluß von Traumen auf die Ent- 
wicklung von organischen Nervenaffektionen , er betont weiter den 
Einfluß von üeberanstrengungen für die Entwicklung von Tabes, 
so z. B. das Auftreten derselben bei Maschinennäherinnen, dann das 
Auftreten zervikaler Tabes bei Menschen, die die obere Extremität 
besonders anstrengen. Zu Ghinsten dieser Anschauungen fuhrt er die 
bekannten Experimente von Edinger und Hei hing bei Ratten an. 
Er erwähnt dann 8 Fälle von Tabes, wo angeblich ohne Syphilis 
infolge heftiger Erkältungen und Durchnässungen Tabes aufgetreten 
sein soll. Bei 128 Fällen von Tabes, über die Schittenhelm be- 
richtet, war in 65 ^/o Lues nachweisbar, bei den Frauen bloß in 54®/o. 
In der Mehrzahl der Fälle folgt also die Tabes einer vorausgegangenen 
Syphilis. Außer der Lues kommen noch Strapazen, Erkältungen, 
hereditäre Belastung u. s. w. in Betracht. Li 17,6°/o der Fälle fehlen 
nachweisbare Ursachen. Trauma und Syphilis fanden sich in nicht 
ganz 4®/o, Trauma allein in einer gleichen Zahl. Eine eigentliche 
traumatische Tabes gibt es nach Schittenhelm nicht, das Trauma 
spielt nur die Bolle einer Hilfsursache. Li einem eigenen Falle trat 
nach einem Trauma Tabes und traumatische Hysterie auf, wobei 
Schittenhelm der Hysterie eine prädisponierende Rolle für das 
Auftreten der Tabes zuschreibt (?). Bei Arbeitern tritt nach Sarb6 
die Tabes relativ früher auf, als bei bemittelten Leuten, wofür 
schlechte Ernährung und Ueberanstrengung, Alkohol u. s. w. ver- 
antwortlich sein dürften. Hier ist auch die Tabes bei Frauen häu- 
figer, als bei den reicheren Klassen. Bei Arbeitern ließ sich in 48^/o, 
bei Privatpatienten in 53°/o sichere Syphilis nachweisen, bei nicht 
tabischen Arbeitern bloß in B'/i'/o. Li 60*/o der Fälle waren Ano- 
malien in Bezug auf die Nachkommenschaft (Abortus, Sterilität) nach- 
weisbar. Sarb6 gibt hierauf eine Uebersicht über die Häufigkeit 
der einzelnen Symptome, die nichts Neues ergibt. Einen Fall juveniler 
Tabes, 84jähriges Mädchen, Virgo, die seit 10 Jahren besteht, be- 
schreibt Lins er. Der Vater hatte Syphilis gehabt und starb an 
Paralyse. Von Symptomen waren nachweisbar Pupillendifferenz, 
rechts Pupillenstarre, Romberg, Fehlen der Sehnenreflexe, Sensi- 
bilität intakt. Ein Gegner der Syphilisätiologie ist gleich Gläser 
Friedländer. Er stützt sich hauptsächlich darauf, daß in vielen 



Krankheiten des Nervensystems. 125 

Ländern, wo die Syphilis ungemein verbreitet, ja endemisch ist, 
Tabes und Paralyse sehr selten sind oder ganz fehlen. Die hohen 
Zahlen von Fournier nnd Erb beweisen nur die Häufigkeit der 
Syphilis. (Hier werden die Gegenzahlen von Erb oder von Sarb6, 
s. 0., über die Häufigkeit der Syphilis bei Nichttabischen ignoriert.) Da 
immer wieder auf das Fehlen wirklicher syphilitischer Veränderungen 
bei Tabikem und Paralytikern hingewiesen wird, seien 2 Fälle von 
Gaucher erwähnt, die einen Tabiker mit papulösem Syphilid am Beine 
imd einen Paralytiker mit Psoriasis syphilitica speziell an der Hand 
betreffen. Insbesondere von französischer Seite ist daraufhingewiesen 
worden, daß das Symptom der reflektorischen Pupillenstarre eigentlich 
weniger tabisch, als syphilitisch sei. In diesem Sinne sei ein Fall von 
Finkelburg erwähnt, Sjähriger Knabe, dessen Vater Syphilis und Tabes 
gehabt hatte, und der Pupillendifferenz und einseitige Pupillenstarre 
darbot. Sonstige Erscheinungen von Tabes fehlten, so daß zunächst bloß 
die Diagnose der hereditären Syphilis zu machen war. Ein 2. Fall, 
Ißjähriges Mädchen, dessen Vater Syphilis gehabt hatte und Tabes 
incipiens zeigt, dessen Mutter an progressiver Paralyse leidet, zeigt 
beiderseitige Lichtstarre der Pupillen und einseitiges Fehlen der 
Konvergenzreaktion. Viel nähere Beziehungen zur Tabes hat ein 
von Schittenhelm beschriebener Fall. Klinisch bestand hier bei 
einem 41jährigen Manne, der Syphilis leugnete, bloß PupiUenstarre, 
während die mikroskopische Untersuchung des Rückenmarks bereits 
eine beginnende Tabes im oberen Dorsalmark nachweisen ließ. Ein 
2. Fall, 28jährige Frau, sichere Syphilis mit tertiären Erscheinungen, 
zeigte Abduzensparese, Pupillendifferenz, beginnende Optikusatrophie, 
hypästhetische Zonen am Rumpfe und im ülnarisgebiete. Diese Er- 
scheinungen traten teilweise zurück, jedoch stellten sich zerebrale 
Symptome ein, die die Diagnose einer beginnenden progressiven 
Paralyse nahelegten. Auf eine energische antiluetische Kur Rück- 
gang aller Erscheinungen bis auf linksseitige Optikusatrophie. V7äh- 
rend die Mehrzahl der Verfechter der Syphilisätiologie der Tabes 
letztere nicht als eigentlich syphilitische Erkrankung auffaßt, son- 
dern eine mehr indirekte Abhängigkeit von der Syphilis voraussetzt 
(Farasyphilis Fournier, Metasyphilis Möbius), sucht Leredde, 
freilich bloß auf theoretische Erwägungen hin, zu beweisen, daß die 
Tabes wirkliche Syphilis sei und durch eine antisyphilitische Kur 
geheilt werden müsse. In neuerer Zeit hat der Nachweis des Fehlens 
des Achillessehnenreflexes für die Diagnose der Tabes eine immer 
größere Bedeutung gewonnen. Auch Kollarits weist auf die Wich- 
tigkeit dieses Symptoms ftir die Frühdiagnose der Tabes hin. Zu den 



126 



Redlich. 



Tabes. 



Spasüsohe 
Spinalparalyse. 



Frühsymptomen gehören weiter Pupillenstarre und Hypotonie. Auch 
Fla tau spricht sich in ähnlichem Sinne aus, während dem Fehlen 
des Trizepsreflexes, da derselbe auch normal fehlen kann, keine be- 
sondere Bedeutung zukommt. Auch konstant vorhandene Sensi- 
bilitätsstörungen müssen den Verdacht auf beginnende Tabes lenken. 
Lähmungen des Akzessorius bei Tabes sind relativ selten. Mehrere 
hierher gehörige Fälle berichtet Seyffer, wobei er die Symptomato- 
logie solcher Lähmungen genauer bespricht und zugleich zum Schlüsse 
kommt, daß die Kehlkopfinnervation unabhängig vom Akzessorius 
ist, so daß Kehlkopf lähmungen , wenn vorhanden, auf eine Vagus- 
affektion hinweisen. Neutra berichtet über 2 Fälle von Tabes, in 
deren einem eine Kombination von Tabes und multipler 
Sklerose angenommen wird, und die zugleich Dupuytrensche 
Kontrakturen aufwiesen. Er ist geneigt, dieselben mit dem 
spinalen Prozesse in Zusammenhang zu bringen und als trophische 
Störung aufzufassen. Durch französische Autoren, Widal, Sicard, 
wurde auf einen neuen Behelf der Tabesdiagnose hingewiesen, indem 
dieselben zeigten, daß bei allen syphilitischen und metasyphili- 
tischen Erkrankungen des Zentralnervensystems in dem durch die 
Lumbalpunktion gewonnenen Liquor cerebrospinalis ein vermehrter 
Lymphozytengehalt nachweisbar ist. Schoenbor bestätigt diesen 
Befund nach seinen Untersuchungen und führt denselben auf die so 
häufigen meningealen Veränderungen, resp. Reizzustände der Me- 
ningen zurück. Dieser vermehrte Lymphoz3i;engehalt kann unter 
Umständen für die Diagnose der Frühformen der Tabes verwendet 
werden. Die Ansichten über die Pathogenese der Tabes sind noch 
immer nicht zum Abschlüsse gekommen. Neuerdings nehmen Marie 
imd Guillain an, daß das Primäre der Tabes eine Läsion des 
ganzen hinteren lymphatischen Systems des Rückenmarks sei, welche 
Läsion auf die hinteren Wurzeln und Hinterstränge übergreift. 
Pändy wiederum sieht das Primäre in einer Erkrankung der Hinter- 
strangsfasem, die in bestimmten Abschnitten derselben beginnt, von 
wo aus der Prozeß wahllos auf andere Fasern übergreift, so daß die 
Tabes nur eine pseudosystematische Erkrankung wäre. Erb be- 
spricht nach längerer Zeit auf Ghrund des inzwischen gesammelten 
Materiales nochmals die Frage der Existenzberechtigung der 
spastischen Spinalparalyse, deren Symptome aus Spasmen, 
Steigerung der Sehnenreflexe, B a bin skischem Phänomen mit Aus- 
schluß aller anderen Symptome bestehen, und sieht dieselbe heute als 
gesichert an. Anatomisch entspricht derselben nicht immer eine 
reine Läsion der Pyramidenbahn, sondern eine Affektion der hinteren 



Krankheiten des Nervenffystems. 127 

Seitenstrangaanteile. Für die von ihm aufgestellte sog. syphilitische 
Spinalparalyse, ftür die klinisch außer den spastischen Erscheinungen 
noch Sensibilitäts- und BlasenstOrungen charakteristisch sind, hat die 
anatomische Untersuchung einschlägiger Fälle kombinierte System- 
erkrankung, entweder rein oder verbunden mit lokalen und partiellen 
Querschnittsläsionen im Dorsalmark, ergeben. Hingegen bestreitet 
Rothmann auf Grund seiner oben erwähnten Untersuchungen über 
die Funktion der Pyramidenbahn die von Erb aufgestellten Thesen. 
Auf Rechnung der Pyramidenläsion kann nur Steigerung der Sehnen- 
reflexe kommen, eventuell auch eine leichte Schwäche der Extremi- 
täten , während die spastischen Zustände Folge einer auf die Vor- 
derhomzellen exzitierend wirkenden Veränderung, wahrscheinlich 
verschiedener Ursache, sind. Eine 46jährige Frau, die Hänel be- 
schreibt, zeigte den typischen Befund einer amyotrophischen Amyo- 
Lateralsklerose mit bulbärem Beginn und vorwiegend halbseitigen ^Latena- ^ 
Erscheinungen; V* Jabr vor dem Tode entwickelten sich psychische Sklerose. 
Störungen. Mikroskopisch fanden sich Veränderungen der Ge&ße 
in Form von Arteriosklerose und Intimawucherungen, an den kleinen 
Gefößen, interadventitielle Rundzelleninfiltration, dann Zelldegene- 
rationen und Schwund in den Kernen der Hirnnerven und den Vor- 
derhOmem, Pyramidenseitenstrangsdegeneration vom Himschenkel- 
fuß bis in das Sakralmark, außerdem Degeneration im hinteren 
Längsbündel, in den Vorder- und Seitenstrangresten , in der Klein- 
himseitenstrangbahn und im Go wer sehen Bündel. Es zeigt also 
der Fall, daß die amyotrophische Lateralsklerose durchaus nicht eine 
streng systematische Erkrankung darstellt, vielmehr soUen in ihrer 
Pathogenese vaskulär-toxämische Bedingungen eine RoUe spielen 
können. Nach Fürnrohrs Zusammenstellung ist die Brustwirbel- 
säule am häufigsten Sitz von Verletzungen. Er gibt auch die inter- 
essanten Krankengeschichten von 6 FftUen von Verletzungen Traomatische 
des Rückenmarks und der Wirbelsäule, die ihn zu "^t^r- J|J^^^^^" 
essanten Ergänzungen der für die Segmentdiagnosen wichtigen Lokali- 
sationslehre führen. Er schließt sich der Ansicht von Müller an, 
wonach die Reflexvorgänge für die Blase und den Mastdarm extra- 
spinal in sympathischen Zentren ablaufen. Luxemburger hat es 
auf Grund experimenteller Studien versucht, über strittige Fragen 
der traumatischen Rückenmarkserkrankungen Aufschluß zu gewinnen. 
Distorsionen und rasch einwirkende Quetschungen bewirken Disloka- 
tion der grauen Substanz des Rückenmarks , umftngliche Blutungen 
und Degenerationen der nervösen Substanz, während bei reinen 
Zerrungen vor allem ausgedehnte Degenerationen sich finden. Nach 



128 Redlich. 

seinen Untersuchungen gibt Luxemburger die Möglichkeit einer 
reinen Erschütterung des Eückenmarks ohne Läsion der Wirbel- 
säule zu. 

Polyneuritis. PeripheriBche Narren. Erbslöh berichtet über eine 40jährige, 

an Karzinom leidende, durch Blutverluste herabgekommene Frau, 
welche in 5 Tagen 10,0 Sulfonal erhielt. Es traten Schmerzen in 
der Wade, Lähmung erst der unteren, dann der oberen Extremitäten 
auf, nach 16 Tagen Lähmung der Atemmuskulatur; auch psychische 
Störungen waren vorhanden gewesen. Bei der mikroskopischen 
Untersuchung fand sich eine ausgedehnte Polyneuritis parenchy- 
matöser Art, die in den distalen Teilen am ausgebildetsten war. 
Ein Fall von Gaspero, 39jähriger Mann, erkrankte unter AUgemein- 
erscheinungen und nervösen Symptomen, die zunächst an einen Hirn- 
tumor denken ließen. Allmählich zeigte sich, daß dem Ganzen eine 
schwere Polyneuritis mit Beteiligung des Zerebrums und der bulbären 
Nerven zu Grunde liegt und der Fall ging in Heilung über. Selten 
ist die in diesem FaUe entstandene Kaumuskellähmung. Bei einem 
82jährigen Manne aus der Beobachtung Eos es entwickelte sich nach 
einem Trauma — Sturz auf den Arm in der Trunkenheit — eine 
Lähmung mit Beteiligung der Erbschen Muskeln. Dazu kamen 
Lähmung des Supraskapularis und Subskapularis, des Stemokleido- 
mastoideus, KukuUaris und endlich des Hnken Phrenikus und Hals- 

HypoglossuB. Sympathikus. Einen der seltenen Fälle peripherischer Hypo- 
glossuslähmungbei einer 29jährigen Frau, die sich im Anschlüsse 
an eine schwere, fieberhafte Angina entwickelt hatte, beschreibt 
Pansky. Bei einem 8jährigen Knaben aus der Beobachtung von 

Okulomotorins. Schilling trat zum ersten Male totale linkseitige Okulo- 
motoriuslähmung auf, die sich in den folgenden 7 Jahren immer 
wiederholte, wobei die einzelnen Anfalle durch Schmerzen in der 
Stimgegend, Erbrechen und AUgemeinerscheinungen eingeleitet waren. 
Bei dem Kranken und in der Familie fehlt Migräne. Ballance 
Fazialifl. bespricht die Behandlung ungeheilter Fazialislähmungen 
durch Einpflanzung des Akzessorius in den FaziaUs, die im allge- 
meinen gute Eesultate gibt, nur daß die Gesichtsbewegungen immer 
im Vereine mit den Schulterbewegungen erfolgen. In der Euhe ist 
die Gesichtsdifferenz sichtbar. Ballance empfiehlt für die Zukunft 
mehr die Einpflanzung des Hypoglossus, als die des Akzessorius. 
Dieses operative Vorgehen ist dann berechtigt, wenn 6 Monate nach 
dem Eintreten einer Fazialislähmung keinerlei Anzeichen von Besse- 
rung sich zeigten. Sehr interessante Beiträge zur Kenntnis der noch 



Krankheiten des Nenrensystems. 129 

wenig gekannten Polymyositis auf Grund eines relativ reich- Polymyositis, 
haltigen Materials gibt Oppenheim. Er liefert zunächst eine Dar- 
stellung des allgemeinen Symptomenbildes, aus dem hervorgehoben 
seien: der akute Beginn unter AUgemeinerscheinungMf SchmerzeUi 
BewegungsstdrungeUf Druckempfindlichkeit der Muskulatur und Kon- 
sistenzvermehrung derselben, Oedem und Schwellung in der Tiefe, 
häufig auch Dermatitis mit Exanthemen. Der Verlauf ist fieberhaft, 
68 entwickeln sich Kontrakturen, manchmal auch Atrophien. Sehr 
häufig sind auch Schleimhautaffektionen, Stomatitis und Angina, selten 
sind Blutungen in die Haut und Muskulatur, aber auch Hämaturie, 
Nasenbluten kommen vor. Eine bisweilen beobachtete Komplikation ist 
Nephritis. In einem FaUe eigener Beobachtung kam es zu multiplen 
Geschwürsbildungen an den Schleimhäuten der Mund- und Rachen- 
hOhle. Einmal beobachtete Oppenheim Konjunktivitis und Iritis; 
er nimmt auch an, daß die Sklerodermie unter den Erscheinungen 
einer Dermatomyositis sich entwickeln kann und umgekehrt die 
Dermatomyositis Ausgang in Sklerodermie nehmen kann. Die sub- 
akuten Fälle können in Heilung übergehen, wobei Oppenheim 
energische Diaphorese, Thermomassage, Elektrizität und Gymnastik 
empfiehlt. 

NenroBen. Biro gibt auf Grund von über 800 Fällen zunächst 
eine statistische Uebersicht bezüglich der Epilepsie. In 60^/o der Epilepsie. 
Fälle war die Erkrankung in den ersten 20 Lebensjahren aufgetreten; 
die Berechtigung einer Epilepsia tarda erkennt er nicht an. Trauma 
spielt eine große Bolle, Syphilis nicht in dem Maße, als vielfach 
angenommen wird. lO^/o der Fälle schlössen sich an Infektionskrank- 
heiten an. Alkoholismus und insbesondere Heredität sind ätiologisch 
von der größten Bedeutung, Auch in symptomatologischer Beziehung 
verwertet Biro seine Fälle. In 28®/o der Fälle bestand typische 
Aura, 14 ^/o der Fälle waren geistesschwach, in 60^/o der Fälle nahmen 
die freien Intervalle ab und nur in 12 ^/o zu. Herr mann berichtet 
über 2 Fälle jahrelang dauernder Epilepsie, bei denen sich dann 
eigentümliche hysterische Symptome und Anfälle einstellten. Für 
das Auftreten der letzteren waren psychische Momente, in einem 
Falle ein Traum, anzuschuldigen. Eine 21jährige Frau aus der Be- 
obachtung Oreites litt seit ihrem 2. Lebensjahre an typischen 
epileptischen Anfällen, denen sie nach einem Status epilepticus er- 
lag. Bei der Sektion fanden sich [multiple, zum größten Teile in 
der Hirnrinde sitzende kavernöse Angiome, deren größtes Verkal- 
kungen und Verknöcherungen aufwies. reite sieht dieselben als 
Jahrbuch der praktischen Medizin. I90i. 9 



130 



Redlich. 



EpUepsie. die Ursache der Epilepsie an. Es ist schon mehrfach auf die B e- 
Ziehungen zwischen Epilepsie und Hemikranie hin- 
gewiesen worden, man hat von Uebergängen beider Krankheiten 
gesprochen. --Strohmayer gibt zu, daß Migräne und Epilepsie 
öfters nebeneinander vorkommen (meist war dann letztere später 
aufgetreten); er läßt jedoch einen Uebergang beider Krankheiten 
nicht gelten. Ballint empfiehlt neuerdings die diätetische Behand- 
lung der Epilepsie. Die Kost soU zunächst bestehen aus Milch, 
Butter, Eiern, Obst und aus mit Bromnatrium gesalzenem Brote 
(Bromopan). Im Notfalle können auch Gemüse, Mehlspeisen und 
Fleisch, jedoch ohne Kochsalz und mit Bromnatrium gesalzen, ge- 
stattet werden. Auch Mayer erkennt die Wirksamkeit der koch- 
salzarmen Diät, speziell auch in Form des Bromopans, an. Hingegen 
hat er von der Zerebrintherapie wenig Erfolg gesehen. Er empfiehlt 
auch die Bromverabreichung in abwechselnd steigenden und fallenden 
Dosen. Donath berichtet über einen Fall genuiner Epilepsie, wo 
nach Elraniektomie die seit Jahren bestehenden Anfalle sistiert hatten. 
Ein 2. Fall, nach Schädeltrauma aufgetreten und Folge einer trau- 
matischen Enzephalitis, wurde gleichfalls durch eine Kraniektomie 
gebessert. Auch in einem 8. Falle, Himerweichung mit Hemiplegie, 
war nach der Operation vorübergehend Besserung eingetreten. Ein 
4. Fall, wahrscheinlich Ghimma\ starb nach wenigen Wochen. In 
der Literatur finden sich vereinzelte Angaben, die das Fehlen 

Hysterie, des Patellarreflexes bei Hysterie als möglich erscheinen 
lassen. Nonne berichtet nun über 2 FäUe mit sorgfältigster Be- 
obachtung, in denen sich bei Männern nach leichten Traumen das 
Bild schwerer Hysterie entwickelt hatte. In dem einen Falle war 
während eines Stadiums hysterischer Paraplegie durch längere Zeit 
Fehlen des Patellarreflexes zu konstatieren, der dann wieder vor- 
handen war, im 2. Falle bestand dieses Phänomen sogar 2mal, 
Imal während eines Stadiums von hysterischer Astasie und Abasie, 
ein andermal bei hysterischer Paraplegie. Nonne erklärt das Ver- 
schwinden des Patellarreflexes aus der bestandenen starken Hypo- 
tonie. Ughetti berichtet über einen FaU hysterischen Fiebers, 
der durch seine lange Dauer besonders bemerkenswert ist. 6 Monate 
hindurch bestand Fieber, welches durch 3 Monate regelmäßigen 
Wechsel von einer Temperatur von 35* Morgens bis zu 43 — 44® am 
Abend zeigte. Der Ausdruck hysterisches Fieber ist nach Ughetti 
nur ein provisorischer, richtiger wäre Hyperthermie, indem nicht in 
allen Fällen alle Charaktere des Fiebers, wohin nebst der Steigerung 
der Temperatur Aenderung der Puls- und Atemfrequenz und des 



1 



Krankheiten des Nenrensystems. 131 

Stoffwechsels gehören, ausgesprochen sind. Schlüter berichtet 
über einen Fall von hysterischer, traumatischer Chorea 
bei einem d5jährigen Arbeiter, die sich durch eigentümliche, rhyth- 
mische, stereotype Bewegungen auszeichnete und auch sonst allerlei 
hysterische Zeichen darbot. Fischer faßt die sog. elektrische 
Chorea und die Myoklonie zusammen und unterscheidet eine 
hysterische Form (Bergeron sehe Chorea), eine epileptische Form 
(Un verriebt sehe FäUe) und eigentliche Myoklonien, unter welchen 
er wiederum die H e n o c h sehe Form vom Paramyoclonus multiplex ab- 
grenzt. In seltenen Fällen von Chorea kommt es zu mehr oder minder Chorea, 
ausgesprochenen Lähmungen, Chorea moUis. Nach Uebersicht der 
bisher beschriebenen Fälle gibt Kind fleisch die Krankengeschichte 
zweier hierhergehöriger Fälle, deren einer in Heilung überging, der 
andere an einer Endokarditis verstarb. Die Untersuchung des Nerven- 
systems ergab normale Verhältnisse, während in der Muskulatur 
sich deutliche histologische Veränderungen, Alterationen der Muskel- 
fasern, Vermehrung der Muskelkeme, Infiltrate im interstitiellen 
Oewebe u. s. w. nachweisen ließen. Eind fleisch hält einen Zu- 
sammenhang dieser Muskelveränderungen mit den Lähmungszuständen 
für wahrscheinlich. Hudovernig berichtet über den Obduktions- 
befund eines schweren Falles von Chorea minor bei einem 16jährigen 
Mädchen, die sich nach einer rheumatischen Affektion entwickelt 
hatte. Bei der histologischen Untersuchung fanden sich im Nerven- 
system Veränderungen der Gefäße, speziell in der motorischen Bahn, 
Vorhandensein koUoider Kugeln, sog. Choreakörperchen , besonders 
in der Fyramidenbahn und den Stammganglien, leichte Veränderungen 
der motorischen Rindenzellen , Epend3rmitis und Leptomeningitis 
leichten Grades. Er kommt zum Schlüsse, daß die Chorea minor 
eine infektiöse Krankheit ist. Die choreatischen Bewegungen sind 
Ausdruck einer direkten oder indirekten Eeizung der Pyramiden- 
bahn. Ueber 8 Fälle von Huntingtonscher Chorea, zwei 
der Kranken waren 47 Jahre alt, eine Kranke 60, berichtet Müller. 
In zwei derselben war ausgesprochene Heredität vorhanden nach 
der Richtung, daß nebst Huntington scher Chorea Epilepsie und 
andere Neurosen vorkamen. Im 3. Falle war keine Heredität nach- 
weisbar. Den Obduktionsbefund eines typischen Falles von 
Huntington scher Chorea bei einem 47jährigen Manne beschreibt 
Stier. Nach seinen Schlußfolgerungen handelt es sich bei der 
Huntington sehen Chorea um eine ererbte anormale Anlage der 
motorischen Rindenzentren, während die eigentliche Erkrankung auf 
NeurogUawucherung in den motorischen Zentren beruht, die mit 



132 



Redlich. 



Besohäfti' 

gimgs- 
neurosen. 



Tetanie. 



Teianns. 



Erkrankungen der GefUße, Schwand der kleinen und mittleren 
Ganglienzellen einhergeht. In lange dauernden Fällen kommt es 
dann auch zu leichter Meningitis, Faserdegenerationen, sowie all- 
gemeiner Atrophie. In sehr ausführlicher Weise unter Beibringung 
eines großen Materiales behandelt Gronbach die Beschäftigungs- 
neurosen der Telegraphisten. Mit und ohne Disposition 
treten nach längerer Beschäftigung an den Apparaten allerlei ner- 
vöse Störungen auf: Schmerzen verschiedener Art, Parästhesien, 
Hyper- und Anästhesien der Haut an den Händen, gelegentlich auch 
klonische und tonische Krämpfe, Paresen, Tremor, Krampfstellun- 
gen ähnlich wie beim Schreibkrampf, dann auch vasomotorische und 
sekretorische Störungen der Hände, endlich auch allgemeine nervöse 
Störungen. Anfanglich nur während der Arbeit auftretend, finden 
sich diese Störungen in stärkeren Graden auch in den Euhepausen, 
so daß in solchen Fällen die Prognose eine ziemlich schlechte ist. 
Unbedingt notwendig ist das Aussetzen der Beschäftigung, während 
Wechsel der Apparate keine Wirksamkeit hat. Freund berichtet 
über einen Fall von Tetanie, der sich im Anschluß an eine pro- 
trahierte Laktation entwickelt hatte. Nach Ijähriger Pause trat 
während neuerlicher Laktation ein epileptischer Anfall auf und dann 
das Symptomenbild der Tetanie. Nach neuerlicher Pause (nach einer 
Geburt) schwere epileptische An&Ue und Tetanie. Wiederum Ab- 
klingen der Tetanie und der epileptischen Anfalle. Es scheint die- 
selbe Noxe die Tetanie und die Epilepsie ausgelöst zu haben. Ein 
2. Fall betrifft epileptische Anfälle mit der für Tetanie charakteri- 
stischen Handstellung, aber ohne sonstige Zeichen der Tetanie. Zwei 
weitere Fälle zeigen eine Kombination von Tetanie mit Hysterie. 
Auf Grund eines großen Materials beschäftigt sich Peters eingehend 
mit der Theorie und der pathologischen Grundlage der 
Tetanie, die er als ein organisches Leiden auffaßt, dessen Sub- 
strat eine Entzündung des eztraduralen Bindegewebes im Bücken- 
mark, Pachymeningitis externa mit Affektion der Nervenwurzeln 
und Spinalganglien bilde. Pick hat bereits in mehreren Fällen von 
Tetanie Verkalkungen der kleinsten Gefäße im Gehirn gefunden, 
denen er eine gewisse Bedeutung für die Tetanie zuspricht. Auf 
Grund eines Falles und von Tierexperimenten nimmt Hohlbeck 
an, daß Tetanusbazillen unter gewissen Umständen aus der Wunde 
in die Blutbahn einwandern können, was dann für die Symptomato- 
logie von Bedeutung ist. Eine höchst lesenswerte Darlegung seiner 
Theorien über Tetanusgif); und dessen antitoxische Behandlung gibt 
V. Behring. Während Frotscher und Holub den Wert des 



Krankheiten des Nervensystems. 133 

Tetanusantitozins ziemlich hoch anschlagen, h&lt Schuckmann das- 
selbe für wertlos. Bei einer 59jährigen Frau aus der Beobachtung 
Kriegers bestanden lange Zeit Erscheinungen eines typischen 
Morbus Basedowii. Später, nachdem die Erscheinungen des- Morbns 
selben nahezu vollständig verschwunden waren, traten die Symptome B»sedowü. 
der Sklerodermie auf, ein Vorkommen, das schon vereinzelt beob- 
achtet wurde, was aber nach Krieger nicht fär einen thyreogenen 
Ursprung der Sklerodermie spricht. Ein Fall von Voß wurde durch 
eine subkutane Infusion von V> ^ physiologischer Kochsalzlösung 
wesentlich gebessert. Auch in anderen Fällen hat Voß auf die Weise 
Besserungen erzielt. Eine seiner Kranken zeigte Augenmuskel- 
lähmungen, eine ein eigentümliches, choreatisches Zittern. Möbius 
empfiehlt neuerdings das von ihm in die Therapie eingeführte Serum 
von entkropfben Hammeln, über das schon vielfach günstige Resultate 
vorliegen. Auch Lanz berichtet über günstige Erfolge mit der Milch 
von entth3rreoidierten Ziegen, das auch Möbius als Milchpulver, 
Ehodagen, empfiehlt. Auch Burkhardt hat mit der subkutanen 
Verabreichung von Merkschem Serum, ebenso mit dem Rhodagen, 
günstige Besultate erzielt, so daß er die spezifische Therapie des 
Morb. Basedow., sei es mit Milch, sei es mit dem Blute entkropfter 
Tiere, warm empfiehlt. Ein Fall von Akromegalie, bei dem die Akromegaiic. 
Erscheinungen eines Hirntumors sehr ausgesprochen waren, aus der 
Beobachtung Stevens, endete innerhalb kurzer Zeit letal. Bei der 
Sektion wurde ein EundzeUensarkom der Hypophysis nachgewiesen. 
Ein Fall von Akromegalie, über den Schaff er berichtet, zeigte 
klinisch neben den Erscheinungen der Akromegalie Symptome von 
Seiten eines Hypophysistumors; wahrscheinlich war in diesem Falle 
die Krankheit hereditär. Wie so oft war auch hier Diabetes vor- 
handen. Die Hautveränderungen ließen auch an Myxödem denken. 
Den im letzten Berichte mitgeteilten Befunden eigentümlicher Muskel- 
veränderungen bei der Myasthenie reiht Link neuerdings einen Myasthenie. 
Fall an, der einen 43jährigen Mann betrifft, bei dem die Krankheit 
sehr rasch verlaufen war; die mikroskopische Untersuchung wies in 
den Muskeln eigentümliche Zellinfiltrate nach. Link hält es für 
möglich, daß die Zellherde die Lymphzirkulation und damit die Ent- 
fernung der Ermüdungsprodukte des Muskels verhindern und so 
das Symptom der abnormen Ermüdbarkeit bedingen. Auch in diesem 
FaUe wurde eine persistente Thymus nachgewiesen. La einem Falle 
von Myasthenie, den Mohr beschreibt, bestand eine Kombination 
dieses Leidens mit der B an tischen Krankheit. Auf Ghund eines 
sehr ausfuhrlichen Materials gibt Jellinek eine Uebersicht über 



134 Bedlich. 

BUtz- die durch Blitzverletzung bedingten Schädigungen und die 
Verletzungen, hierbei auftretenden nervösen Störungen. In einem Falle trat im 
unmittelbaren Anschlüsse an das Trauma eine vor&bergehende 
Sinnesverwirrung auf, während in einem 2. Falle dieselbe sich erst 
mehrere Wochen danach entwickelte. In 2 Fällen fanden sich auch 
im Hirn kleine Hämorrhagien, die als reine Elektrizitätswirkung 
aufgefaßt werden. Die Blitzverletzungen haben auch in Bezug auf 
die Frage von UnfaUsentschädigungen große Bedeutung, zumal bei 
Telegraphen- und Telephonbeamten, da auch durch fernliegende 
Gewitter UnfiäUe herbeigeführt werden können. 

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Herrmann, üeber spät auftretende hysterische Anfälle bei Epileptikern. 
Monatsschr. f. Psych. — Hohlbeck, Ein Beitrag zum Vorkommen des 
Tetanusbazillus. Deutsche med. Wochenschr. — Hol üb. Zur Antitoxin- 
behandlnng des Tetanus. Wien. klin. Wochenschr. — Hudovernig, Bei- 
trag zur pathologischen Anatomie der Chorea minor. Arch. f. Psych. — 
Jellinek, üeber die Blitzverletzungen in klinischer und sozialrechtlicher 
Beziehung. Wien. klin. Wochenschr. — Krieger, Ein Fall von Sklero- 
dermie nach vorausgegangenem Morbus Basedowii. Münch. med. Wochen- 
schrift. — L an z , Serotherapie des Morbus Basedowii. Münch. med. Wochen- 
schrift. — Link, Beitrag zur Kenntnis der Myasthenia gravis. Deutsche 
Zeitschr. f. Nervenheilk. — Mayer, Zur diätetischen Brombehandlung der 
Epileptiker. Berl. klin. Wochenschr. — Möbius, Ueber das Antithyreoidin. 
Münch. med. Wochenschr. — Derselbe, Die Migr&ne. 2. Aufl. Wien. — 
Mohr, Ein Beitrag zur myasthenischen Paralyse. Berl. klin. Wochensohr. 
— Müller, Drei i^Ue von Chorea chron. progr. Deutsche Zeitschr. f. 
Nervenheilk. — Nonne, Ueber zwei durch zeitweiliges Fehlen des Patel- 
larreflexes ausgezeichnete F&Ue von Hysterie. Deutsche Zeitschr. f. Nerven- 
heilkunde. — Peters, Zur pathologischen Anatomie der Tetanie. Deutsch. 
Arch. f. klin. Med. — Pick, Weiterer Beitrag zur Pathologie der Tetanie. 
Neur. Zentralbl. — Rindfleisch, Ueber Chorea mollis. Deutsche Zeitschr. 
f. Nervenheilk. — Schaffe r. Zur Kasuistik der Akromegalie. Neur. Zen- 
tralblatt. — Schlüter, Chorea hysterica traumatica. Münch. med. Wochen- 
schrift. — Schuckmann, Zur Frage der Antitoxinbehandlung bei Tetanus. 
Deutsche med. Wochenschr. — Stevens, Case of acute Acromegaly. Brit. 
med. Joum. ^ Stier, Zur pathologischen Anatomie der Huntingtonschen 
Chorea. Arch. f. Psych. — Strohmeyer, Ueber die Beziehungen zwischen 
Epilepsie und Migräne. Münch. med. Wochenschr. — Ughetti, La febbre 
isterica. Rif. med. — Vofi, Zur Symptomatologie und Therapie der Base- 
dowschen Krankheit. Deutsche med. Wochenschr. 



b) Psychiatrie« 



Zivilisation 
und 
Geistes- 
krankheiten. 



Von Prof. Dr. A« Gramer, Direktor d. psychiatrischen KUnik u. Poliklinik 
f. psychische u. Nervenkranke in Göttingen. 

Unter den allgemeineren Hilfswissenschaften, welche die Psychiatrie 
zu der stets komplizierter werdenden Diagnose notwendig hat, gewinnt 
Experimentelle immer mehr an Boden die experimentelle Psychologie. Weigandt hat 
Psychologie, {j^ kurzen Vorträgen in übersichtlicher Weise alles das zusammengestellt, 
was uns die experimentelle Psychologie in mühevollen, langjährigen Unter- 
suchungen an Fortschritten in der psychiatrischen Diagnose gebracht hat. 

Wie bei uns, wird auch in England darauf hingewiesen, daß ein 
gewisser Zusammenhang zwischen den Fortschritten der Zivilisation und 
der Zunahme der Geisteskrankheiten besteht. Robert Jones führt das 
auch für englische Verhältnisse nach dem dortigen Material aus und betont, 
daß eins der dringendsten Bedürfnisse sei, in weiteren Kreisen für die 
körperliche und geistige Gesundheit des Volkes zu agitieren, damit nicht 
der Staat schließlich Grefahr laufe. Im engeren Kreis weist Gramer nach, 
daß es unbedingt notwendig sei, daß auch in der Psychiatrie eine wirksame 
Prophylaxe in Angriff genommen werde. Wie man bereits von Staats 
wegen vorgegangen sei, um die Trunksucht, die Tuberkulose, die Geschlechts- 
krankheiten und den Krebs zu bekämpfen, so sei es auch ein dringendes 
Erfordernis, dafür zu sorgen, daß die nervös Erschöpften und die durch 
den Kampf ums Dasein in ihrer psychischen Widerstandsfähigkeit erschüt- 
terten Individuen in geeigneten Sanatorien Erholung und Gesundung finden, 
bevor sie als unheilbar geisteskrank den Irrenanstalten zur dauernden 
Behandlung übergeben werden müssen. Dies sei am besten zu erreichen 
durch Heilanstalten für minderbemittelte Nervenkranke. Diesen 
Ausführungen entsprechend ist die Provinz Hannover vorgegangen und hat 
das Sanatorium Rasemühle bei Göttingen eingerichtet, das, seit dem 
1. Oktober eröffiiet, bereits beständig von derartigen nervösen und er- 
schöpften Individuen bis auf den letzten Platz besetzt wird. 

Das verflossene Jahr hat auch eine ganze Heihe methodischer 
Untersuchungen gebracht. Zwei Arbeiten von Ernst Meyer and 
Ernst Schultze in Bonn beschäftigen sich mit dem Vorkommen von 
Psychosen Psychosen bei Tabes. Meyer hat aus der Literatur und der 
bei Tabes. ^ige^Qn Beobachtung ongeftlhr 40 Fälle zusammengebracht und be- 
schäftigt sich in eingehender und streng kritischer Weise mit dieser 



Heilanstalten 
fQr minder^ 
bemittelte 

Nervenkranke. 



Psychiatrie. 139 

Frage. Schnitze bringt einen Fall eigener Beobachtung bei. Ans 
diesem geht hervor, daß, wenn es auch sicher Fälle von Tabes gibt, 
bei denen die dabei beobachtete psychische Störung — z. B. die 
Demenz — in Abhängigkeit von der Tabes gebracht werden kann, 
es doch eine ganze Reihe von Fällen gibt, bei denen die Tabes fiir 
die Psychose nur ein akzidentelles Moment darstellt, oder umgekehrt 
die Tabes für die Psychose. Vogt veröffentlicht einen interessanten 
Fall über den Einfluß von intensiver Kältewirkung an Einfloß von 
einem, soweit sich überhaupt nachweisen ließ , vollständig rüstigen ^^^^^^^^^^ 
Qehim. In diesem Falle bestand eine transitorische, sehr rasch 
wieder verschwindende Geistesstörung, die nicht sicher auf Epilepsie 
zurückgeführt werden konnte, wenn natürlich auch nicht ausge- 
schlossen ist, daß vielleicht in späterer Zeit doch noch die möglicher- 
weise zu Grunde liegende Epilepsie zum Ausbruch kommen kann. 

Sehr interessant sind die Untersuchungen, die Berg er zur Patho- Pathogenese 
genese akuter Psychosen angestellt hat. Er hat zunächst durch »kuter 
Versuche an sich selbst festgestellt, daß in dem Blut geistig erregter ^^° 
Kranken ein für den Menschen gefährliches Gift vorhanden sein kann und 
hat dann, da er bei den letzten Versuchen, die er mit sich anstellte, sehr 
stark reagierte, diese Versuche abbrechen müssen. Er ist nun zu Tier- 
versuchen Gbergegangen , hat nach dem Verfahren von v. D ungern, 
Metschnikoff, Ehrlich u. a. experimentiert, und zwar hat er Ziegen 
und Hunden Qehimmasse subkutan injiziert und alsdann von diesen Ziegen 
Hunden wiederum subkutane Injektionen gemacht und dabei gefunden, daß 
sich schwere Veränderungen, die makroskopisch und mikroskopisch deutlich 
nachweisbar waren, an der Hirnrinde dieser Hunde vorfanden. Interessant 
ist, daß er in den Ganglienzellen leukozytenartige Gebilde auffinden konnte, 
ähnlich wie sie Trömmer für das Delirium beschrieben hat. In gewisser 
Beziehung zu den Versuchen von Berger stehen Untersuchungen, die 
Johnson und Goodall angestellt haben. Sie untersuchten das Agglu- Agglntina- 
tinationsvermögen bei einer Reihe von Psychosen der verschiedensten *lo^8- 
Art, im ganzen 25, zum Bacterium coli commune und fanden und ^^^sen ei 
erhielten eine gute Agglutination: in 4 der 5 Fälle akuter Melancholie, in 
1 von 8 Fällen von Paralyse, in 1 von 2 Fällen von Halluzinationspsycbosen, 
in 1 Fall einer Elimakterinmspsychose. Teilweise Agglutinationen sahen sie 
in 6 von 11 Fällen von akuter Manie, 1 von 2 Fällen von halluzinatorischem 
Irresein. Keine Agglutinationen fanden sich in 5 Fällen von Melancholie, 
1 von Manie, 1 von Puerperalpsychose, 2 von progressiver Paralyse. Es 
waren also Agglutinationen erhalten in 60 ^o aller Fälle, in 28 ^o ^^^^ g^^^f 
in 327« eine partielle Agglutination. Die größte Zahl der guten Agglu- 
tinationen waren mit einer virulenten Kultur von Bacterium coli commune 
mit einer Verdünnung von 1 auf 100. 

Interessant ist, daß, während noch vor kurzem die Engländer und 



140 Gramer. 

Aetiologie der einzelne Amerikaner in der Aetiologie der Paralyse immer mehr Ter- 

progresBiven danungsstörungen und speziell da» Bacterium coli oommnne in den Vorder- 
gnmd rückten, jetzt wieder ein Autor kommt, Ford Robertson, der 
von einem dem Diphtheriebazillus ähnlichen Mikroorganismus spricht, der 
zu der Dementia paraljtica in Beziehung stehe und sich überall finde und 
dem eine ätiologische Bedeutung zukommen könne. Es führt dieser Autor 
dabei aus, daß eine ganze Reihe von Erscheinungen im klinischen Verlauf, 
z. B. Fieber, der Katarrh im respiratorischen und Verdauungstraktus und 
der Befand von zahlreichen Lenkozyten in Zellen und Adventitialräumen, 
für einen derartigen infektiösen Prozeß als hauptsächlich charakteristisch 
sprechen könnten. 

Ich wende mich jetzt zu den Untersnchnngen, welche die 

Symptomatologie einzelner Erscheinungen bei Geisteskrankheiten be- 

Enochen- treffen. Die Enochenbrüchigkeit bei bestimmten Arten von 

bei^Ps^^Mn Psychosen war schon lange bekannt. Es war das Verdienst von 
E. Meyer, auf dies Verhalten aufmerksam gemacht zu haben. Offen- 
bar war Maule Smith diese Arbeit Meyers nicht bekannt; er 
kommt zu ongeflähr denselben Kesultaten. Er fuhrt diese Knochen- 
briichigkeit auf bestimmte Veränderungen in den Ganglienzellen der 
Hinterhömer und in den Hinterstr&ngen des Biickenmarks zurück. Er 
bringt auch Beweise bei, welche diese Annahme wahrscheinlich machen. 
Sehr interessante Versuche über Erscheinungen, welche auf- 
Post- treten, wenn man Epileptiker aus dem postepileptischen 

^^ Schlaf ^' Schlaf erweckt hat, hat Hermann gemacht. Es zeigte sich 
nämlich, daß wenn man den Epileptiker aus dem terminalen Schlaf 
erweckt, stets ein kurz dauernder Zustand eintritt, der sehr an die 
postepüeptische, transitorische Bewußtseinsstörung erinnert. Erweckt 
man die Kranken, welche nach einem nicht künstlich hervorgerufenen 
Zustande transitorischer Bewußtseinsstörung in Schlaf verfallen sind, 
so ist der Zustand transitorischer Bewußtseinsstörung nur kurz. 
Beim Erwachen der EpUeptiker aus dem normalen oder dem ter- 
minalen Schlaf auf natürliche Weise tritt dieser eigentümliche Zu- 
stand transitorischer Bewußtseinsstörung nicht auf. Ruft man durch 
Erwecken aus dem epileptischen Schlaf diesen Zustand willkürlich 
hervor, so fläUt zunächst das oft veränderte Verhalten aller Seelen- 
funktionen und das Fehlen jeglicher Reaktion auf, alsdann tritt ein 
Zustand auf, in dem eine ausgesprochene Seelentaubheit und -blindheit 
besteht, daran schließt sich ein Zustand mit ausschließlicher Seelen- 
blindheit, hauptsächlich mit Bezug auf Personen, der Zustand schließt 
ab mit einer amnestischen Aphasie. Vollständige Amnesie besteht 
nur während des ersten Stadiums bei einem Teil der Ejranken. Der 
Autor schließt daraus, daß nicht alle Gehimteile während des ex- 



Psychiatrie. 141 

perimentell erEeugten pathologischen Zustandes gleich schwer leiden 
und daß das Wiedereintreten der normalen Funktionen des Gehirns 
nicht gleichzeitig und nicht plötzlich, sondern langsam und all- 
mählich erfolgt. Er nimmt an, daß diese Zustände durch Toxine 
erzeugt werden und hält die Erscheinungen för ein epileptisches 
Aequivalent für den terminalen Schlaf. Durch die Untersuchungen 
von Alt ist bewiesen, daß bei einer Reihe von Epileptikern 
durch geeignete Darmbehandlung Besserung, ja sogar Heilung herbei- 
geführt werden kann, und daß namentlich der diätetischen Behand- ni&tetisciie 
long eine ganz bedeutende Rolle bei der Behandlung der Epileptiker Behandlung 
zuzuschreiben ist. Alt hat umfangreiche Untersuchungen darüber Epileptiker, 
angestellt, die zu dem Resultat führten, daß bei reiner Milchdiät und 
namentlich auch bei Zufuhr vegetabilischer Nahrungsmittel die Zahl 
der Anfälle bei den Epileptikern erhebUch zurücktritt. Ein Schüler 
von Alt, Hoppe, hat nun im Anschluß an die Untersuchungen 
von Haig und Erainsberg die Frage untersucht, ob die Aus- 
scheidung von Harnsäure von Einfluß auf die Zahl der epileptischen 
Krämpfe ist; seine eingehenden Untersuchungen haben zu einem 
negativen Resultat geführt. Er kommt zu dem Schlüsse, den er 
allerdings nur in bedingter Weise zieht, daß für den Epileptiker 
das noch erträgliche Eiweißminimum auch das Eiweißoptimum sei. 
In klarer, streng sachlicher und erschöpfender Weise, unter Berück- 
sichtigung der gesamten in Betracht kommenden Literatur, sich 
namentlich stützend auf die bekannten Untersuchungen und Ver- 
öffentlichungen von Siemerling, beschreibt Raecke die transi- Transitorische 
torischen Bewußtseinsstörungen der Epileptiker in Bewufltseins- 
einer Monographie. Es finden dabei die präparozysmalen psychischen spneptiker. 
Störungen der großen Krampfanfälle, die postparoxysmalen psychi- 
schen Störungen und die Aequivalente eine eingehende Würdigung, 
die sich überall stützt auf ausführlich mitgeteilte, eigene Beobach- 
tungen. Das Endresultat der Raecke sehen Untersuchungen gipfelt 
darin, daß fiir die Diagnose des Epileptikers zwei Momente in Be- 
tracht kommen: 1. muß die betreffende Geistesstörung klinisch den 
epileptLschen Charakter tragen und 2. muß das Bestehen einer ge- 
nuinen Epilepsie nachgewiesen werden. 

Wernicke hat schon vor längerer Zeit darauf hingewiesen, 
daß es bestimmte Fälle von herdförmigen, organischen Erkrankungen 
des Oehims gibt, bei denen ein Symptomenkomplex auftreten kann, 
der außerordentlich ähnlich sieht den Erscheinungen, welche wir bei 
akuten Psychosen beobachten. Er weist dabei besonders auf die 
von ihm sog. „transkortikale Aphasie" hin. Berg hat in 



etioloRie n 
proßres-MVf: 



Kno. 

b'rü( '.: 

bei V^\ 



epili 



Psychiatrie. 



143 



Katatonie. 



an einer Bezeichnung fehlte, unter welche man diejenigen Stigmata Physiologische 
der Entartung unterbringen konnte, die nicht körperliche und psy- peg^ng^tio!^^ 
chiache sein sollen. Allerdings dehnt Majet diesen Begriff sehr 
weit aus, so daß er darunter auch wieder körperliche und psychische 
Stigmata bringt, und nicht nur das, er rechnet eigentlich jede Dis- 
position zu einer körperlichen Erkrankung unter die Degeneration, 
was nach unserer Ueberzeugung etwas zu weit gegangen ist. 

Vor einigen Jahren hatte man den Eindruck, daß mit der ge- 
nauen Auffassung der Katatonie, wie sie uns Eraepelin und 
seine Schüler zu bringen versucht haben, insofern ein Gewinn für 
die Psychiatrie sich ergeben würde, als eine exaktere Stellung der 
Prognose sich ergeben würde. Wenn auch bereits Kahlbaum, 
der erste gute Schilderer der Katatonie, darauf hingewiesen hatte, 
daß ein günstiger Ausgang bei der Katatonie durchaus nicht zu den 
Seltenheiten und Unmöglichkeiten gehöre, so ist man doch gewohnt, 
dem katatonischen S3rmptomenkomplez, wie er auch bei dem neuer- 
dings geschaffenen Krankheitsbild der Dementia praecox vorkommt, 
die Prognose absolut ungünstig zu stellen. Wernicke, Ziehen, 
der Beferent und andere haben allerdings immer den Standpunkt 
vertreten, daß man auch bei dem katatonischen Symptomenkomplex 
nicht unter allen Umständen die Prognose ungünstig zu färben 
braucht. Ernst Meyer hat diese Verhältnisse in seiner bekannten 
Gründlichkeit untersucht. Er weist nach, daß in etwa ^jh — V« ^^^ 
Fälle Wiederherstellung für Jahre eintreten kann. Mit Hecht betont 
er, daß der Streit darüber, ob eine spätere Erkrankung nur Exazer- 
bation des Leidens oder eine neue Krankheit sei, weiter nicht als 
eine Doktorfrage bezeichnet werden könnte. Interessant sind seine 
Hinweise auf eine Erscheinung, welche auf eine günstige Prognose 
hindeuten können, die hauptsächlich auf dem Verhalten der Heredität, 
der Menses und des Körpergewichts basieren. 

Eine Hauptforderung für unsere klinische Psychiatrie wird stets 
das Studium elementarer Symptome sein. Denn nur wenn 
wir die Elemente genau kennen, wird es möglich sein, auch den 
klinischen Verlauf und das Krankheitsbild genau erforschen zu lernen. 
Weber hat verschiedene Fälle von primärer Inkohärenz ein- 
gehend und genau studiert und anal3rsiert. Er weist in seiner 
Publikation nach, daß hauptsächlich unter der Einwirkung von Er- 
schöpfung oder toxischen Schädlichkeiten eine Psychose auftreten 
kann, bei der im Vordergrunde aUer Symptome einfache primäre 
Lockerung und Auseinanderfallen des Vorstellungsablaufs steht, und 
daß auf diese primäre Inkohärenz und die dadurch bedingte Un- 



Primäre 
Inkohärenz. 



144 Gramer. 

orientiertheit und Ratlosigkeit alle übrigen Symptome, die Stimmmigs- 
verändenmg, die Bewußtseinsstörang nnd die Wahnideen znrück- 
gefthrt werden können. 

Man könnte fast von einem Zeichen der Zeit sprechen, daß der 

I Zatritt zu spiritistischen Zirkeln namentlich in den größeren St&dten 

in immer weiteren Kreisen Anklang findet. Henneberg, der 

OeiatesBtdrnng bereits wiederholt das Thema ,,Geistesstörang und Spiritis- 

I Spiritismus ^^^" behandelt hat, gibt eine ausführliche Beschreibung der bei 

/ dem bekannten Blumenmedium B. gemachten Beobachtungen. Wir 

1 können auf die einzelnen Details seiner Mitteilungen nicht eingehen, 

■^^^ möchten aber auf ein Moment hinweisen, das uns in seiner Schluß- 

^^^^ bemerkung besonders interessant erscheint. Henneberg widerspricht 

^^^H der ziemlich verbreiteten Annahme, daß die Zeugen, welche mit Wärme 

^^^B für die B. eingetreten waren, mehr oder weniger beschränkt, bezw. 

^^^p nicht ganz zurechnungsfähige Persönlichkeiten darstellten. Es fand 

^^V sich unter den Zeugen auch nicht einer, bei dem man, soweit die 

^^B Umstände eine Beurteilung zuließen, an Geisteskrankheit oder 

^^M Schwachsinn im engeren Sinne hätte denken können. Eine Anzahl 

^^B von Personen kann man wohl als psychopathisch bezeichnen, nur 

^^1 ein einziger Zeuge gab an, daß er auch, so z. B. bei Beerdigungen, 

^^P Geister sehe. Daß natürlich der Spiritismus bei Disponierten hal- 

"^ luzinatorische Zustände auslösen kann, darüber haben Henneberg 

und auch Vigoureuz, wie wir bereits früher buchteten, interessante 

Beispiele gebracht. Donath bringt zwei Beispiele, bei denen es 

durch die Beschäftigung mit dem Spiritismus zu schweren hystero- 

epileptischen Krämpfen mit Angstzuständen, Halluzinationen und 

Schlaflosigkeit gekommen war. Er fordert dringend ein gesetzliches 

Verbot dieser spiritistischen Uebungen. 

In den letzten Jahren hat man sich viel mit dem krankhaften 
poriomanie. Wandertrieb, der Poriomanie beschäftigt. Heilbronner weist 
in einer umfangreichen Untersuchung nach, daß nur in etwa einem 
Fünftel dieser Fälle man mit Sicherheit Epilepsie nachweisen kann. 
Häufiger finden sich schon hysterische Individuen. Man kann also 
aus dem Umstände, daß eine poriomanische Attacke vorliegt, noch 
nicht auf Epilepsie schließen. Meist handelt es sich bei dem krank- 
haften Wandertrieb um die krankhafte lUaktion degenerativ ver- 
anlagter Individuen auf dysphorische Zustände. Diese dysphorischen 
Zustände können autochthon auftreten, sie können aber auch durch 
an sich unbedeutende äußere Momente ausgelöst werden. In Aus« 
nahmefällen entwickeln sich initiale traumhafte Situationsmißdeutungen, 
die das nächste Wanderziel bestimmen. Die Tendenz zum Ent- 



Psychiatrie. 



145 



Hysterische 
Dftmmer- 
znstände. 



Leichtere 

Schwach- 

sinnsgrade. 



weichen kann habituell werden und dann auf ganz geringe Anlässe hin 
wirksam erscheinen. Bei der forensischen Würdigung dieser Zustände 
muß man den gesamten Zustand des Individuums ins Auge fassen. 

Seit Oansers bekannter Publikation über eine eigentümliche 
Art von hysterisohen Dämmerzuständen haben sich die 
Autoren vielfach mit dem Symptom des hysterischen Vorbeiredens 
beschäftigt.. Westphal veröfiPentlicht 2 Fälle, bei denen es sich 
nicht um Hysterie, sondern um eine sog. Dementia praecox handelte, 
bei denen auch das Symptom des Vorbeiredens bestand, und stellt 
sie dem Vorbeireden bei Hysterischen gegenüber. Er machte darauf 
aufmerksam, daß bei den hysterischen Dämmerzuständen mit Vorbei- 
reden immer eine Bewußtseinsstörung bestehe, während von einer 
solchen bei Paranoikem mit Inkohärenz — wie wir lieber sagen 
wollen — nicht die Bede sein könne. 

Für den Praktiker ist es oft recht schwer, über die leichteren 
Schwachsinnsgrade bei Begutachtungen und auch nur bei der 
klinischen Beobachtung und ärztlichen Behandlung ins Klare zu 
kommen. Wir können deshalb Moeli dankbar sein, daß er in 
kurzer, klarer Weise aUes, was for den Arzt von Wichtigkeit ist, 
in einer kleinen Broschüre über die Imbezillität zusammengestellt 
hat. Eine willkommene Ergänzung zu diesen Ausführungen von 
Moeli bietet ein Beferat von Tuczek über den Begriff und die 
Bedeutung der Demenz, welches in umfangreichster Weise alle er- 
worbenen und angeborenen Schwachsinnszustände einer genauen 
klinischen und kritischen Prüfung unterzieht. 

Die Theorie der Dipsomanie hat bereits zu vielfachen Studien Dipsomanie 
und Erwägungen Veranlassung gegeben. Vor kurzem hat Gaupp 
die Hypothese aufgestellt, daß der dipsomanischen Attacke eine Art 
epileptischer Veränderung zu Grunde liege. Alter bringt eine Be- 
obachtung von Dipsomanie und versucht darin, die dipsomanischen 
Attacken dieses Patienten auf eine epileptische Verstimmung zurück- 
zuführen. 

Es ist eine bekannte Tatsache, daß bei Epileptikern, bei denen 
die Epilepsie schon in der Jugend und Kindheit beginnt, viel ver- 
säumt wird dadurch, daß die Erscheinungen im Anfange zu leicht 
genommen werden. Aschaffenburg weist zur Frühdiagnose 
der Epilepsie auf die Bedeutung der Stimmungsschwankungen 
bei Kindern hin. Er macht mit Becht darauf aufinerksam, daß, 
wenn man bei solchen Kindern vorsichtig ist und eine geeignete 
Behandlung einleitet, dies sicher nicht schaden kann, wenn auoh 
später keine Epilepsie kommt. Als charakteristisch sieht er an die 
Jahrbnoh der praktischen Medizin. 1904. 10 



Frühdiagnose 

der 

Epilepsie. 



146 



Gramer. 



NegativismuB. 



Schreib- 

^ej Geistes- 
irankheiten. 



Therapie : 



\ Psychische 

I Behandlung 
von Nenrosen 



Periodizität der StimmtingsBchwankmigen, die Entstehung ohne er- 
kennbaren Anlaß und das Begleitetsein von anderen Symptomen, 
z. B. Flimmern vor den Augen, Yerflürbung des Oesiohts. 

Seit der Begriff des Negativismus von Kraepelin aufgestellt 
worden ist, wird er vielfach in ganz verwässerter Weise und oft 
geradezu als Eselsbrücke von denen gebraucht, die sich nicht die 
Mühe geben, genauer in die Details der krankhaften psychischen 
Erscheinungsreihen einzudringen. Es muß deshalb als besonders 
verdienstvoll anerkannt werden, daß Oroß aufs neue wieder darauf 
hinweist, daß der Negativismus ein Symptomenkomplez ist, der sich 
aus verschiedenen Momenten zusammensetzt. In dem von ihm mit- 
geteilten Fall handelt es sich einmal um Ratlosigkeit mit der darauf 
beruhenden Affektlage der Ablehnung und weiter um eine schwere 
psychomotorische Hemmung. 

Die Schreibstörungen bei Oeisteskrankheiten und bei zere- 
bralen Erkrankungen haben schon lange die Beachtung aller Neuro- 
logen gefunden. Pick macht auf die eigentümliche Erscheinung 
auimerksam, daß bei einzelnen Fällen von zerebraler Erkrankung 
(in dem von ihm publizierten Falle lag eine syphilitische Grundlage 
vor) eine auffällige Veränderung der Schrift insofern vorhanden ist, 
als immer kleiner geschrieben wird und schließlich so klein, daß 
die Leserlichkeit fast verschwindet, ja die Störung kann so weit 
gehen, daß schließlich nur noch unverständliche Zeichen und Schnörkel 
gemalt werden. Der Beweis dafür, daß diese eigentümliche Schreib- 
störung, die der Autor als „Mikrographie'' bezeichnet, wirklich von 
der zerebralen Störung abhängig ist, ist damit geliefert, daß in dem 
einen der Fälle nach Verschwinden der zerebralen Erscheinungen 
auch die Fähigkeit zum normalen Schreiben wiederkehrte. 

Jeder Arzt macht die Erfahrung, daß am Krankenbette nicht 
nur die Behandlung nach den wissenschaftlichen Kegeln der Medizin 
notwendig ist, sondern daß man große Erfolge auch damit erzielen 
kann, daß man den Patienten zu nehmen weiß und einen gewissen 
psychischen Einfluß auf ihn gewinnt. Dies ist umsomehr der 
Fall, wenn es sich um Krankheiten handelt, welche auf rein psychi- 
schem Wege zu stände gekommen sind. In Betracht kommen hier 
vor allem die nervösen, neurasthenischen und hypochondrischen Er- 
schöpftingszustände, wie sie das moderne Leben häufig hervorbringt. 
Dubois hat in äußerst geschickter und ansprechender Weise eine 
Beihe wichtiger Gesichtspunkte gegeben, wie man auf diesem Wege 
vorgehen und Erfolg erzielen kann. Daß man dabei auch eine ge- 
wisse psychische Diät zu beachten habe» namentlich was die 



Psychiatrie. 147 

Lektüre und den Kunstgenuß anbetrifiEt, das führt Laqueur in seinem 

sehr fessehad geschriebenen Aufsatz aus. — Wie fast jedes neue 

Jahr, so hat auch das Jahr 1903 ein neues Hypnotikum gebracht: Hypnotikum. 

das Veronal. (Aronheim, Die med. Wochenschr. 1903, Nr. 31. 

— Bereut, Therap. Monatsh., Juni. — Fischer und Mering, 
Therapie der Gegenwart Hefl 3. — W. Fischer, Therap. Monatsh,, 
Aug. — Jelly, Berl. klin. Wochenschr. Nr. 21. — A. Lilienfeld, 
ebenda Nr. 21. — Lotsch, Fortschr. d. Medizin Nr. 19. — Mendel 
und Krön, Deutsche med. Wochenschr. Nr. 34. — Offer, Zentral- 
blatt f. d. ges. Therapie, Juli. — Oppenheim, Berl. klin. Wochen- 
schrift Nr. 21. — Poly, Münch. med. Wochenschr. Nr. 20. — Rosen- 
feld, Therapie der Gegenwart Heft 4. — Sabraz^s, Gaz. hebdom. 
des Sc. m6d. d. Bordeaux Nr. 32. — Schule, Therap. Monatsh., 
Mai. — Spielmeyer, Zentralbl. f. Nervenheilk. u. Psychiatrie Nr. 163. 

— Thomson, Psych.-neurol. Wochenschr. Nr. 13. — L. W. Weber, 
Deutsche med. Wochenschr. Nr. 40. — Wiener, Wiener med. Presse 
Nr. 24. — Würth, Psych.-neurol. Wochenschr. Nr. 9.) Referent 
kann durch Untersuchungen, welche in seiner Klinik von Weber 
angestellt worden sind, nach jeder Richtung hin bestätigen, daß das 
Veronal für viele Fälle und namentlich für solche, bei denen das 
natürliche Schlafbedürfnis herbeigeführt werden soll, ein angenehmes 
Hypnotikum ist, das anscheinend bisher nachteilige Folgen nicht 
erkennen läßt. — Wie im vorigen Jahre, so sind auch in diesem Jahre 
weitere Studien zur Infusionstherapie der Psychosen gemacht inftisions- 
worden. Ich verweise besonders auf die Publikationen von Alter *5^?^® .^_®' 
und Wickel. Nach unserer Ueberzeugung und nach unserer eigenen 
praktischen Erfahrung sind die Schlüsse, zu denen Wickel kommt, 
durchaus den Tatsachen entsprechend. Danach hat man die Koch- 
salzinfusion anzuwenden bei Kranken, bei welchen eine Nahrungs- 
zufuhr von Magen und Darm her aus irgend welchen Gründen nicht 
möglich ist, um die Kranken über Wasser zu halten in der HofiPnung, 
daß sich vielleicht das Krankheitsbild wenden und Nahrungszufuhr 
möglich wird, bei abstinenten kollabierten Kranken, um das Leben 
zu erhalten und weil die Wirkung der Salzemährung sich geltend 
machen kann und schließlich bei heftigen, mit Abstinenz einher- 
gehenden Erregungszuständen, um einer frühzeitigen Sondenf&tterung 
und einem drohenden Kollaps vorzubeugen. Allerdings gibt die In- 
fusion ein Mittel zur Beseitigung der Abstinenz aHch bei verwirrten 
Kranken nicht; auch kommt der Kochsalzinfusion im aUgemeinen 
eine Beeinflussung des körperlichen allgemeinen Zustandes in 
günstiger Weise nicht zu, ebensowenig wie eine Besserung oder 



Psychosen. 



148 Gramer. 

Heilung der Psychosen von der Kochsalzinfosion erwartet werden 
kann. 

Anf forensischem Gebiet sind im Berichtsjahr namentlich zum 
Allgemeine Verständnis der allgemeinen Beziehung des B.G.B. zu den 
Beziehung Geisteskranken vielfach Beiträge gebracht worden. Wir ver- 
za den ' weisen besonders auf die Arbeiten von Moeli, Heilbronner, 
Geistes- Scholze, Bresler, Jelly, Gramer u. a. Eine sehr klare und 
kranken, turze Schilderung über den heutigen Stand unserer Anschauxmg 
über den perversen Sexualtrieb bringt Jelly. Auch Salgo kommt zu 
dem Schluß, daß die sexuellen Perversitäten als solche kein sicheres, 
ja nicht einmal ein charakteristisches Symptom von Geisteskrankheit 
sind. Zur Charakterisierung einer psychischen Störung bedarf es 
vielmehr vieler und wichtiger Krankheitserscheinungen. — Sehr be- 
Strafvollzug merkenswerte Ausfuhrungen macht Aschaff enburg über den Straf- 
kranken. * Vollzug bei Geisteskranken. Es wäre erwünscht, wenn seine Aus- 
führungen in weiteren Elreisen bei dem jetzigen Beginn der Beform 
unserer Strafgesetzgebung in Betracht kommen könnten. Die Be- 
deutung der Geisteskrankheiten und der Grenzzustände für die 
Zeugnisfähigkeit wird von Gramer in einem Aufsatz eingehend er- 
örtert. Gramer streift dabei auch die Momente, welche unter nor- 
malen Verhältnissen die Zeugnisf&higkeit beeinflussen können. Schließ- 
lich sei noch erwähnt, daß die gerichtliche Psychiatrie des Referenten 
gänzlich umgearbeitet und wesentlich erweitert im Berichtsjahre neu 
erschienen ist. Für jeden Praktiker ist es eine unangenehme Auf- 
Queroiuiten- gäbe, wenn er ein Gutachten über einen EaU von Querulanten- 
Wahnsinn, vrahnsinn anzufertigen hat. Es ist deshalb von Wert, wenn man 
immer wieder auch von anderer Seite bearbeitete Fälle zu Gesicht 
bekommt. Ernst Meyer prüf)^ eingehend im Anschluß an eine sehr 
interessante Beobachtung die Frage der kriminellen und zivilrechi- 
lichen Zurechnungsfllhigkeit der Querulantenwahnsinnigen und be- 
spricht auch die Frage der Unterbringung derartiger Kranken in 
den öfiPentlichen Anstalten. Er hält es für sehr wohl gerechtfertigt, 
den Querulanten, dessen kriminelle Unzurechnungsfähigkeit gutacht- 
lich festgestellt ist, zum mindesten wegen Geistesschwäche zu ent- 
mündigen. 
Pathologische Die pathologische Anatomie der Psychosen hat im verflossenen 

^p**ch^Mn*' Jahre zwei zusammenfassende Publikationen gebracht, eine von 
Ernst Meyer und eine vom Beferenten. Aus beiden Publikationen 
geht übereinstimmend hervor, daß wenn wir zur Zeit auch noch 
keine ausgesprochene pathologische Anatomie der Psychosen be- 
sitzen, wir doch bereits eine Menge von Bausteinen zum Aufbau einer 



Kleinhirn. 



Psychiatrie. 149 

solchen zusammengetragen haben, und daß bei einzehien Seelen- 
störungen, z. B. bei der progressiven Paralyse, sich diese Bausteine 
zu einem ziemlich übersichtlichen und klaren pathologisch-anatomi- 
schen Bilde vereinigen lassen. Für denjenigen, der anfiängt patho- 
logisch-anatomische Untersuchungen am Zentralnervensystem zu 
machen, ist es oft von Schwierigkeit, sich über die Bedeutung der 
postmortalen und kadaverösen Veränderungen klar zu werden. 
Neuerdings hat Lütgerath dahingehende Untersuchungen, welche 
speziell die Oanglienzellen des Bückenmarks betrefiPen, angestellt. — 
Daß gelegentlich ein Mensch auch ohne Kleinhirn leben kann, Mensch ohne 
wobei allerdings sehr charakteristische Oeh- und Gleichgewichts- 
störungen auftreten, zeigt eine sehr interessante und ausführlich mit- 
geteilte Beobachtung von Anton. Derselbe Autor gibt uns auch 
die Möglicbkeit der Oehimvermessung, welche bei bestimmten Fällen 
in der Himpathologie von großem Interesse werden können. 

Schließlich sei noch darauf hingewiesen, daß die bekannten grund- 
legenden Untersuchungen Hit zigs über das Gehirn, monographisch bear- 
beitet und durch viele neue Untersuchungen ergänzt, im Berichtsjahr bei 
Hirschwald erschienen sind. 

Literatur, 

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schrift Nr. 19. — G. Anton, Gehimvermessuug mittels des Eompensations- 
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einen Fall von beiderseitigem Kleinhimmangel mit kompensatorischer Ver- 
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kranken. Aerztl. Sachv.-Ztg. Nr. 21. — Derselbe, Ueber die Bedeutung 
der Stimmungsschwankungen bei Epileptikern. Zeitschr. f. Einderforschung, 
S.-A. — Derselbe, Das Verbrechen und seine Bekämpfung. Eriminal- 
psjchologie für Mediziner, Juristen und Soziologen. Ein Beitrag zur Reform 
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das Primärsymptom der Paranoia. Halle a. S. — M. Braunschweig, 
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bei Geisteskranken und bei Grenzzuständen. Beitr. zur Psychologie der 
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150 Gramer, 

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bei Gesunden, Nerven- und Geisteskranken. Jena. — M. Fuhrmann, 
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trag zur Pathologie des Negativismus. Psych.-neurol. Wochenschr., S.-A. — 
Heilbronner, üeber die Entmündigung von Paranoikem. Münch. med. 
Wochenschr. Nr. 14 u. 15. — Derselbe, üeber Fugues und fugues&hnliche 
Zustände. Jahrb. f. Psych., S.-A. — R. Henneberg, Zur forensiseh- 
psychiatrischen Beurteilung spiritistischer Medien. — J. S. Hermann, 
üeber den psychischen Zustand der Epileptiker bei gewaltsamem Erwachen 
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Physiologische und klinische Untersuchungen Über das Gehirn. Berlin. — 
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Abhandlungen aus dem Gebiete der Nerven- und Geisteskrankheiten Bd. IV, 
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Zur Frage der Dementia praecox. Eine Studie. Halle a. S. — G. Ilberg, 
üeber Geistesstörungen in der Armee zur Friedenszeit. Halle a. S. — 
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von R. Sommer. Leipzig. — Koppen, Das psychische Moment bei den 
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tingen. — R. V. Krafft-Ebing, Lehrbuch der Psychiatrie. 7. Aufl. 
Stuttgart. — Derselbe, Psychopathia sexualis mit besonderer Berück- 
sichtigung der konträren Sexualempfindung. 12. Aufl. Stuttgart. — L aquer, 
Aphorismen über psychische Diät Deutsche Zeitschr. f. Nervenheilk. Bd.XXlIT. 

— A. Liebmann und M. Edel, Die Sprache der Geisteskranken nach 
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Dissertation. GOttingen. — Lucien Majet, Les stigmates physiologiques 
de la d^g^näration. Gaz. de höp. Nr. 25. — E. Meyer, Pathologische 
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gnostischen Bedeutung der katatonischen Erscheinungen. Münch. med. 
Wochenschr. S. 1369, — Derselbe, Zur Kenntnis des Querulantenwahns. 
Friedrichs Bl. f. gerichtl. Medizin, S.-A. — Otto Meyer, Beitrag zur 
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Psychiatrie. 151 

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8^-A. — E. Mühsam, Die Homosexualität. Berlin. — L. v. Mural t, 
üeber moralisches Irresein (moral insanity). Vortrag. München. — A. Pick, 
Ueber eine eigentümliche Schreibstörung, .Mikrographie", infolge zerebraler 
Störung. Prag. med. Wochenschr. Bd. XXVIII, Nr. 1. — Piöron, Un cas 
d'obsession scrupuleuse s^ajoutant ä une d^lire ^rotique. Gaz. de höp. 
Nr. 87. — Baecke, Die transitorischen Bewußtseinsstörungen der Epilepsie. 
Halle. — Forel Robertson, Discussion on the Pathology of general 
Paralysis of the Insane. The Brit. med. Joum. p. 1065. — Salgo, Die 
sexuellen Perversitäten vom psychiatrischen und forensischen Gesichtspunkt. 
Pester med.-chir. Presse Bd. XXXIX, Nr. 1. — P. Schreber, Denkwürdig, 
keiten eines Nervenkranken nebst Nachträgen und einem Anhang Über die 
Frage: «Unter welchen Voraussetzungen darf eine für geisteskrank erachtete 
Person gegen ihren erklärten Willen in einer Heilanstalt festgehalten werden?' 
Leipzig. — P. Schultz, Gehirn und Seele. Leipzig. — Ernst Schnitze, 
üeber Psychosen bei Tabes. Berl. klin. Wochenschr. S. 2181. — G. E. Shuttle- 
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Begriff und Bedeutung der Demenz. Monatsschr. f. Neurol. u. Psych. H. 1. — 
Vogt, Transitorische Bewußtseinsstörung nach intensiver Kältewirkung. 
Münch. med. Wochenschr. Nr. 46. — We stphal, Ueber hysterische Dämmer- 
zustände und das Symptom des Vorbeiredens. Neurol. Zentralbl. Nr. 1 u. 2. 
— Wickel, Die Kochsalzinfusion in der Therapie der Psychosen. Psych.- 
neurol. Wochenschr. Nr. 19. — David Yellowlefi, Discussion on the 
case and treatment of incipient Insanity. Brit. med. Joum. p. 888, 



c) Krankheiten der Atmnng8organe. 

Von Prof. Dr. Hochhaus 9 Oberarzt an den städtisclien Krankenanstalten 

in Köln. 

Röntgen- J)iq Bedeutung der Röntgenstrahlen für die Diagnostik der 

Lungenkrankheiten ist in den früheren Jahrgängen dieses Jahrbuchs 
mehrfach besprochen worden; und zwar in dem Sinne, daß dieselben 
in manchen Fällen als diagnostisches Hilfsmittel dem große Dienste 
leisten werden, der die Handhabung derselben in jeder Richtung 
beherrscht; in Deutschland ist diese Anschauung wohl die allgemeine ; 
zwei englische Autoren scheinen die Bedeutung der X-Strahlen 
wesentlich höher anzuschlagen. D. Lawson gibt in einem Aufsätze 
seine Meinung dahin kund, daß auf diesem Wege sowohl Infiltrationen 
wie fibröse Degenerationen, desgleichen Kavernen, Kollaps der Lunge 
und Emphysem sich häufiger leicht nachweisen lassen, wie durch 
unsere sonstigen physikalischen Hilfsmittel, und H. Daily betont 
ebenfalls, daß nach seinen Erfahrungen die gewöhnlichen Lungen- 
krankheiten auf radioskopischem Wege sich außerordentlich sicher 
und leicht diagnostizieren lassen; insbesondere wäre gerade die 
beginnende Spitzeninfiltration bei guter Durchleuchtung leicht sicht- 
bar zu machen, wie er das an einer Anzahl von Abbildungen er- 
läutert. Er hebt dann als besonders charakteristisch ein Symptom 
im Radiogramm hervor, das bis jetzt noch wenig bekannt ist: nämlich 
eine geringere Exkursion des Zwerchfells auf der Seite der erkrankten 
Spitze. Uns scheint, wie schon oben gesagt, die Bedeutung der 
X-Strahlen in beiden Arbeiten überschätzt, obschon wir ja gerne 
zugeben, daß jemand, der sich viel mit diesem Verfahren beschäftigt, 
manche Einzelheiten bei den verschiedensten Lungenkrankheiten 
sehen mag. 

Die Bedeutung des Sputums für die Diagnose wird nach Wann er 
noch nicht nach allen Seiten gewürdigt; insbesondere scheint ihm die Be- 
deutung des wechselnden Eiweißgehalts bei den verschiedenen 
Krankheiten noch nicht genügend bekannt und hat er deshalb auf die An- 
regung von Fr. Müller bei einer Anzahl von Krankheiten das Sputum auf 
den Eiweißgehalt genau untersucht. Bestimmt wurde jedesmal das gelöste 



Krankheiten der Atmungsorgane. 



153 



Eiweiß: das Albumin, Globulin und die Albumosen nach einer ausführlich Diagnostisohe 
beschriebenen Methode. Er fand nun bei chronischer Bronchitis sowohl den Bedeutung des 



wechselnden 

Eiweißgehalts 

im Sputum. 



Broncho- 
Stenose. 



Eiweiß- wie Albumosengehalt gering; bei der Bronchiektasie war Eiweiß- 
und Albumosengehalt ziemlich erheblich, außerdem ließen sich dabei noch 
eine Anzahl weiterer Zerfallsprodukte des Eiweißes nachweisen. Bei der 
Phthise war der Gehalt an Eiweiß und Albumosen ein mäßiger; beim 
Lungeninfarkt waren wenig Albumosen und Eiweiß nachweisbar. Bei der 
Pneumonie ist der Eiweißgehalt am reichlichsten, fast bis zu 8% Eiweiß; 
bleibt indes auf dieser Höhe nur wenige Tage, um dann bald auf l^|o 
herunterzugehen. Der differentialdiagnostische Wert des Nachweises an 
Eiweiß im Sputum besteht darin, daß wenn derselbe einigermaßen aus- 
gesprochen ist, alsdann wohl ein entzündlicher Prozeß in den Lungen an- 
zunehmen ist. Bei Bestimmungen des Muzins ergab sich, daß den höchsten 
Gehalt davon die Bronchitis aufweist, dann folgt die Pneumonie und die 
Phthise« Bei Versuchen, die Verfasser über die Wirkung der Autoljse auf 
Sputum und Eiter anstellte, konnte er bald eine erhebliche Degeneration 
desselben feststellen, insbesondere der Leukozyten, aus denen beim Zerfall 
ein Ferment frei wird, das die weitere Spaltung der Eiweißkörper bewirkt. 
Ob die Autolyse besonders bei eitrigen Exsudaten eine besondere Bolle 
spielt und dadurch leicht eine Resorption bewirkt wird, erscheint dem Ver- 
fasser sehr zweifelhaft. 

Ein neuee Symptom zur Diagnose einer einseitigen Broncho- 
stenose beschreibt Jacobson; dasselbe besteht in einer aas- 
gesprochenen respiratorischen Verschiebung des Mediastinums nach 
der Seite, in der der verengte Bronchus sich befindet. Die Er- 
klärung des Phänomens ist durchsichtig; bei jeder Inspiration 
dehnt sich der Thorax beiderseits aus und da die Lunge mit dem 
verengten Bronchus sich nur langsam ausdehnen kann, wird der 
noch zur' Verfügung stehende Baum durch das Mediastinum aus- 
gefüllt; die Erscheinung ließ sich im Röntgenbilde an einem vor- 
gestellten Falle sehr schön beobachten. Als weiteres diagnostisches 
Hilfsmittel ist die Beobachtung gerade jetzt sehr zu begrüßen, wo 
durch die Killiansche Methode die lokale Behandlung der Broncho- 
Stenosen ermöglicht ist. Ueber die guten Erfolge der Killianschen 
Bronchoskopie, deren Technik wir in früheren Jahrgängen be- Bronchoskopie 
schrieben, liegen auch jetzt wieder mehrfache Beobachtungen vor 
(so von Eillian, Spieß und Garr6). Von Interesse ist der Fall 
von Spieß, dem es auf diesem Wege gelang, ein Ejiochenstück 
von 2 cm Länge und 2^« cm Dicke, das fest und tief im linken 
Hauptbronchus steckte, nach vorausgegangener Tracheotomie zu ent- 
fernen. Bei dieser Verbesserung unserer Operationsmethode, wie 
wir sie in dem Killianschen Ver&hren besitzen, rät er deshalb, 
bei der Diagnose eines Fremdkörpers in den Bronchien nie mehr 



154 Hochhaas, 

exspektatiy zu verfahren, sondern gleich dnrch den Pharynx oder 
die Trachea den Fremdkörper aufznsachen und die Entfernung za 
bewirken. — Das Auswerfen von Oerinnsehi aus den Bronchien 
Fibringerinnsei kennen wir bis jetzt nur bei der sog. Bronchitis fibrinosa, beim 
bei paren- Xrupp und bei der Pneumonie; und zwar handelt es sich bei den 
Lungen- letzteren Krankheiten meist um f^ibnngermnsel, bei der ersteren 
biatnngen. jedoch zuweilen auch um Schleimgerinnsel; echte Blutgerinnsel sind 
bis jetzt nur sehr selten beschrieben. Zuweilen war den fibrinösen Ge- 
rinnseln der Bronchitis so viel Blut beigemischt, daß man von einer 
hämorrhagischen Form gesprochen hat. Dann ist von Gybulski u. a. 
bei starker Hämoptoe bei Phthisikem zuweUen das Auswerfen größerer 
Blutgerinnsel beobachtet worden. Fabian veröfiFentlicht eine Beob- 
achtung, wo auch bei einer parenchymatösen Lungenblutnng reich- 
liche, weitverzweigte Gerinnsel expektoriert wurden. Es handelte sich 
um eine 44jährige Frau, die infolge eines starken Ikterus, der durch 
Druck eines tuberkulösen Abszesses auf den Ductus choledochus hervor» 
gerufen war, an parenchymatösen Blutungen in die Lunge und auch 
in andere Organen litt. Die ausgeworfenen Gerinnsel, die in blutig- 
schleimigen Massen sich befanden, waren recht groß, zeigten den 
Abguß der Bronchien bis in die feineren Verzweigungen, die Farbe 
und Konsistenz war die von Blutgerinnseln; mikroskopisch bestanden 
dieselben aus Fibrin, Erythrozyten und einzelnen Epithelien und 
Leukozyten. Die Beobachtung ist jedenfalls sehr selten; welche TTm- 
stände hier mitgewirkt, um die Gerinnung innerhalb des Bronchial- 
baumes hervorzurufen, ist noch unerklärt; und jedenfalls ist man 
gezwungen, an solche besondere Umstände zu denken, da sonst dies 
Ereignis doch wohl häufiger sein müßte. — Zur Behandlung der 
Bronchiolitis- Bronchiolitis bei Kindern empfiehlt Engel die häufigere Vor- 
behandlung. i^ijuQQ ^Qf Schultzeschen Schwingungen, die ihm in solchen Fällen 
gute Dienste geleistet haben. — Li einer längeren Abhandlung sucht 
Ad. Schmidt darzutun, daß die heutzutage geltenden Theorien 
Asthma über die Entstehung des Asthma bronchiale unzureichend 
bronchiale, gind; die Erklärung von Biermer und Curschmann, welche als 
Ursache vorzugsweise einen Spasmus der Bronchialmuskeln supponiert, 
sei ungenügend, weil es 1. bis jetzt nie gelungen sei, durch Vagus- 
reizung einen Asthmaanfall hervorzurufen, und femer, weil 2. ein 
Fall von rein nervösem Asthma bis jetzt noch nicht beobachtet sei, 
und 3. weil die bis jetzt vorliegenden Obduktionsbefunde meist nicht 
eine Verengerung, sondern eine Erweiterung des Lumens gezei^ 
haben. Auch die andere Theorie, welche das Hauptmoment in einem 
Schleimhautkatarrh der feineren Bronchien, resp. in einer Verstopfung 



Krankheiten der Atmungsorgane. 155 

mit Sekret sieht, reicht ebensowenig ans, einen Asthmaanfall zu er- 
klären. Schmidt selber kommt zu der Ansicht, daß das Asthma ein 
Mittelding sei zwischen Bronchialkatarrh und Schleimhautneorose, ein 
sog. nervöser Katarrh, der sich stets abspielt anf einer Schleimhaut, 
die schon leicht entzündlich verändert ist. Das Neue an der Theorie 
ist, daß Schmidt supponiert, daß das Asthma sich stets abspiele 
auf einer schon vorher entzündlich veränderten Schleimhaut, wie 
das am Darm auch der Fall sei, beispielsweise bei der Enteritis 
membranacea. Sihle hält zum Zustandekommen des Bronchial- 
asthmas vier Faktoren für notwendig: 1. einen Elrampf der Bronchial- 
muskulatur; 2. eine Hypotonie im Ge&ßsystem; 3. eine starke 
Bronchosekretion auf nervöser Basis und 4. eine fluzionäre Hyper- 
ämie der gesamten Bespirationsschleimhaut; in gleichem Sinne, wie 
Schmidt, beansprucht er fär das Zustandekommen nicht eines, 
sondern mehrere Momente. Der Anfall kann ausgelöst werden ent- 
weder peripher, oder durch einen Beiz vom Blut aus, oder auch vom 
Gehirn. Als Medikament empfiehlt er Jod in Verbindung mit Digi- 
talis und Heroin. Zur Kupierung des Asthmaanfalls empfiehlt 
Aronsohn das Adrenalin. In einem Fall, der mit starker Schwellung 
der vorderen Nasenmuschel einherging, gelang es ihm durch Be- 
tupfung derselben mit einer Adrenalinlösung 1 : 1000,0 den Anfall 
zu kupieren. Für die Fälle, wo die Au&uchung und lokale Be- 
handlung der asthmogenen Punkte nicht angängig sei, empfiehlt er 
die Anwendung entweder in Sprayform: 

Rp. Adrenalin (1,0 : 1000,0) V» 

Yaselinöl '/s, 

oder als Salbe: 

Adrenalin (1,0 : 1000) 1—5 g 

Lanolin ) 

Vaselin i "^* ^ «' 

S. bohnengroße Stücke in die Nase einzuführen und dann für 
einige Sekunden den Kopf abwechselnd nach rechts und links seit- 
wärts und schließlich ganz tief nach vom unten geneigt zu halten. 
Von Dresler wird das Aristochin zur Behandlung des Asthmas 
angelegentlich empfohlen. Bei 3 Fällen sah er bei Darreichung von 
3 X 0,4 g einen guten, in einem Falle sogar einen glänzenden Erfolg. 

Als Ursache von Emphysem macht Oolubow nach seinen Emphysem- 
Erfahrungen zwei bis jetzt sehr wenig beachtete Erkrankungen «"^^^tehung. 
geltend und zwar einmal das Aneurysma des Aortabogens. Dasselbe 
braucht gar nicht besonders groß zu sein und kann doch sehr heftigen 
Husten, starken Schleimauswurf aus der Trachea und nachfolgend 



156 HochhauB. 

Emphysem- aach Emphysem hervorrofen. Die Art iind die Weise, wie das 
entetehung. Aneurysma einwirkt, ist verschieden; in manchen Fällen ist es 
zweifellos direkter Druck auf die Trachea, in anderen Beizung des 
Vagus und Phrenikus; vielleicht manchmal auch eine reflektorische 
Beizung von der Innenseite der Aortenwand aus. In zweiter Linie 
beobachtete Golubow eine angeborene Anomalie der Knorpel als 
Ursache; die Knorpel der dritten bis siebten Bippe waren zusammen 
zu einem großen Knorpel verschmolzen, der an das Stemum ange- 
heftet war; die dadurch bewirkte Verengerung und Starke des 
Thorax fährt nach Oolubow zu verstärkten kompensatorischen 
Atembewegungen, die nachher das Emphysem herbeifuhren. 

Die große weitreichende Bedeutung der Tuberkulose für das 

ganze öfiPentliche Leben findet ihren entsprechenden Ausdruck in der 

ungemein reichhaltigen literarischen Bearbeitung, der sich aUe auf 

diesem Gebiet schwebenden Fragen zu erfreuen haben. Eine der 

Ungleichheit wichtigsten, die über die Artgleichheit oder Verschieden- 

1?^ ^«enachen. h^ilj jer Menschen- und Bindertuberkulose, über die wir 
Uii^ Binder- ' 

tm^^^Koioee. Bchon in den beiden letzten Jahrgängen dieses Berichts referiert 

haben, kann heute als entschieden gelten. Neuere Arbeiten und 
Impfversuche haben den entscheidenden Beweis gebracht, daß es 
gelingt mit Kultur^i, die aus menschlicher Tuberkulose gezüchtet 
sind, beim Bindvieh typische Perlsucht hervorzurufen; wir erwähnen 
hier die Versuche von Kossei, Orth und Wolff, denen dies 
Experiment sowohl bei subkutaner Impfung, wie auch bei Verfutte- 
rung gelungen ist. Zwei Tatsachen haben sich bei diesen Ezperi- 
i menten ergeben, die wohl geeignet sind, ein Licht auf die negativen 

1 Versuche Kochs zu werfen: 1. Es gelingt die Uebertragung durch'- 

\ aus nicht bei jedem Binde und bei jeder Basse mit gleicher Sicher- 

heit und Schnelligkeit; es bedarf häufig dazu einer überaus großen 
j Menge von Kulturen zu einem prompten Gelingen; ein Zeichen, daß 

I nicht jedes Tier und auch nicht jede Basse in gleichem Maße 

; empfindlich ist. 2. Nicht jede Kultur, die von menschlicher Tuber- 

kulose herrührt, ist im stände, beim Tier Tuberkulose hervorzurufen; 
V. Behring betont ausdrücklich, daß es Varietäten des Bazillus 
gibt, die diese Fähigkeit vollkommen verloren haben; falsch aber 
, sei es, aus dieser Tatsache, die er selber durch Experimente schon 

vor längerer Zeit festgestellt, nun zu folgern, daß Menschen- und 
Bindertuberkulose artverschieden seien, wie das Koch getan. Es 
handelt sich um gleiche Arten, die aber im Laufe der Zeiten in Bezug 
auf manche Eigenschaften wesentliche Unterschiede zeigen können. 
Der Nichtbeachtung dieses Satzes ist also der Irrtum Kochs zu- 



Krankheiten der Atmungsorgane. 



157 



zuschreiben. Aach f)ir die Fähigkeit des Perlsuchtbazillus, beim 
Menschen Tuberkulose hervorzurufen, sind im letzten Jahre weitere 
Beweise veröfiPenÜicht worden ; dieselben liegen natürlich auf patho- 
logisch-anatomischem Gebiete, da ja selbstverständlich eine experimen- 
telle Beweisführung nicht möglich ist, wenn man nicht etwa die 
Tatsache, daß es Cipolina gelang, einen Affen durch Verfutterung 
mit Einderbazillen tuberkulös zu machen, wenigstens als einen Wahr- 
scheinlichkeitsbeweis in dieser Richtung annehmen will. Hanse- 
mann hat im Verlauf von 7 Jahren im ganzen 25 Fälle gesammelt, 
bei denen er zum Teil mit großer Sicherheit, zum Teil mit Wahr- 
scheinlichkeit eine sog. Fütterungstuberkulose feststellen konnte; 
desgleichen haben auch Oanghofner und Heller-Wagner aus 
den Sektionsprotokollen von Prag resp. Kiel eine Anzahl von Fällen 
veröfiPentlicht, bei denen mit der größten Wahrscheinlichkeit durch 
BinderbaziUen, die mit der Nahrung eingeführt, eine Tuberkulose 
beim Menschen hervorgerufen war. Die oben aufgeworfene Frage 
ist also jetzt in positivem Sinne entschieden; — ätrittig ist 
nur noch der praktische Wert, den man diesem Infektionsmodus 
zuzuschreiben hat. Die meisten Autoren geben wohl darin Koch 
recht, daß der praktische Wert dieser Art der Ansteckung nicht 
besonders hoch anzuschlagen ist, wenn wir ihn deshalb auch 
durchaus nicht vernachlässigen dürfen und deshalb alle bestehenden 
Vorschriften, um insbesondere bei den Eindem die Tuberkulose ein- 
zudämmen, streng beachtet werden müssen. Die Zahl der beim 
Menschen nachgewiesenen Infektionen der Art ist eben sehr gering; 
so sah Hansemann bei einem großen Sektionsmateriale nur 4 Fälle 
jährlich, und Ganghofner konnte bei der Sektion von 973 Kindern, 
die an den verschiedensten Infektionskrankheiten gestorben waren, 
nur B finden, bei denen die Tuberkulose sich auf den Darm und die 
Mesenterialdrüsen beschränkte. Gttnz anders lauten die Erfahrungen 
von Heller in Kiel. Nach einer früheren Publikation, die wir im 
vorigen Jahr referiert, fand er unter 714 an Diphtherie verstorbenen 
Kindern 53 Fälle von primärer Tuberkulose durch die Verdauungs- 
organe = 7,4 ^/o; jetzt veröfiFentlicht er weitere 28 Fälle, die sich 
unter den ersten 600 Sektionen des Jahres 1903 gefunden haben; — 
in der Tat, eine ganz auffallende Häufung der Fälle, die sich bis 
jetzt noch nirgendwo anders in diesem Orade gefunden hat. Als 
Erklärung dafür gibt Heller selber an, 1. die größere Genauigkeit 
seiner Sektionstechnik, die den Darm stets in Verbindung mit dem 
Mesenterium läßt und daher eine genauere Durchsuchung des letzteren 
nach den veränderten Drüsen gestattet, und 2. den Umstand, daß 



Ftlttenmgs- 
tuberkulöse. 



H&uflgkeit 

der 
Ftttterungs- 
tttberkulose 

beim 
Menschen. 



158 Hochhaus. 

der Prozentsatz seines Sektionsmateriales an Kindern ein weit größerer 
ist, als bei anderen Forschem. Für die Angaben von Hansemann würde 
das ja zutreffen, indes kann man das von den Zahlen, die Oanghofner 
nnd früher schon Baginsky angefiilirt, nicht behaapten. Meines Er- 
achtens müssen hier lokale Verhältnisse, insbesondere die reichlichere 
Milch- und Buttemahrung, wie sie in Schleswig-Holstein üblich ist, 
Dieposition eine entscheidende Bolle spielen. Daß allerdings das Kindesalter, wie 
^®f es Heller behauptet, zu dieser Art der Infektion vom Darm aus 
2nr besonders neigt, ist wohl sicher und wird gestützt durch die Autorität 
Tuberkulose, von Behring, der in einer bemerkenswerten Publikation die Be- 
hauptung aufstellt: „Die Säuglingsmilch ist die Hauptquelle für die 
Schwindsuchtsentstehung." Gewonnen und gestützt ist dieser Satz 
durch zahlreiche Experimente an Tieren; erklärt wird er durch die 
von Behrings Mitarbeiter Römer festgestellte Tatsache, die indes 
früher auch schon bekannt war, daß der Säuglingsdarm in außer- 
ordentlichem Maße für Eiweißkörper und Bakterien durchgängig ist, 
weil er noch einer zusammenhängenden, schützenden Epitheldecke ent- 
behrt und die sezemierenden Drüsen auch nur mangelhaft entwickelt 
sind. Ob diese These Behrings für die menschliche Tuberkulose 
dieselbe Geltung hat, wie für das Bind, das werden weitere Unter- 
leg der suchungen zeigen müssen. Bisher gilt noch allgemein die Meinung, 
luf eK^^^'^ ^®^ daß auch im Jünglings- und Mannesalter noch recht häufig die In- 
^r^»c . JqJ^^qjj^ durch den Tuberkelbazillus erfolge und zwar bei weitem am 

häufigsten durch Inhalation, entweder durch die Gornetsche Staub- 
inhalation oder die Tröpfcheninfektion nach Flügge. Strittig sind die 
Meinungen nur noch darüber, ob der Bazillus sich bei der Einatmung 
direkt in der Schleimhaut der feineren Bronchien einnistet und sich 
dort weiter entwickelt, wie es Birch-Hirschfeld und Schmorl 
behaupten, oder ob er zuerst die Lungen passiert, sich dann in einer 
Bronchialdrüse etabliert und von hier aus später mittels der Blutbahn 
in die Lungen eintritt, eine Infektionsweise, der Eibbert häupt- 
sächlich das Wort redet. In einer größeren Arbeit sucht Aufrecht 
diese Auffassung fester noch zu begründen ; wenn er auch in manchen 
Details von den Anschauungen Eibberts abweicht, so scheint ihm 
doch die hämatogene Entstehung der Tuberkulose bei weitem die 
wichtigste; allerdings glaubt er, daß die primäre Lokalisation viel 
häufiger, als bis jetzt angenommen, die Tonsillen seien und daß von dort 
aus die mediastinalen Drüsen und später auch die Lungen erkranken, 
und zwar nimmt er abweichend von den anderen an, daß die erste 
Veränderung immer eine Verdickung der kleinen Gefäßwände sei, die 
allmählich zur Obliteration und folgenden Nekrose des von dem 



Krankheiten der Atmungsorgane. 159 

Ge&ß versorgten Lungengebietes sei und daß diese Nekrose dann 
wieder die Weiterwucherung der Tuberkelbazillen begünstige. Indes, 
wie man sich auch die Ansiedlung und Ausbreitung derselben im 
menschlichen Körper im einzelnen vorstellen mag, das scheint nach 
den neueren Untersuchungen sicher, daß die Infektionsgefahr umso Gefahr der 
größer ist, je länger und häufiger der Verkehr mit Phthisikem statt- Pi^ti^siker 
findet, die die notwendigsten Maßregeln zum XJnschädlichmachen der Umgebung. 
Bazillen vernachlässigen. In klarster Weise wird das illustriert 
durch eine Arbeit von Bomb erg und Haedike: „Ueber den Ein- 
fluß der Wohnung auf die Erkrankung an Tuberkulose." An dem 
leicht übersehbaren Material der Marburger Poliklinik wird hier 
schlagend nachgewiesen, daß in den Häusern der Armen, wo häufig 
jahrelang das Zusammenleben von Phthisikem mit anderen statt- 
findet, vorzugsweise die Infektion erfolgt. In gleicher Weise geht 
aus einer Arbeit von B. Möller hervor, daß gerade solche Arbeiter 
am leichtesten erkranken, die mit anderen hustenden Mitarbeitern in 
kleinen, engen, dumpfen Bäumen zusammen waren. Gegen diese 
lange und wiederholte Infektionsmöglichkeit werden die anderen 
Faktoren, die man früher unter dem Namen der Disposition zu- Disposition, 
sammenfaßte, in ihrer Bedeutung sehr zurückgedrängt; so betont 
Sohwarzkopf, gleichfalls basierend auf den Erfahrungen an der 
Marburger Poliklinik, daß neben der Infektionsmöglichkeit die here- 
ditäre Belastung überhaupt kaum eine Bolle spiele; gibt aber zu. Hereditäre 
daß einige Schädlichkeiten, bei Frauen besonders Geburt und Laktation, Belastung. 
ein disponierendes Moment abgeben könnten. Diese geringe Bewer- 
tung der Disposition wird bei den meisten Praktikern nicht ohne 
Widerspruch bleiben; findet doch selbst bei den Bakteriologen jetzt 
häufiger eine recht ausgiebige Würdigung derselben statt; so betont 
V. Behringin seiner schon mehrfach erwähnten Arbeit ausdrücklich, 
daß das Eindringen der Tuberkelbazillen allein noch lange keine 
Tuberkulose mache, sonst würde eben fast jeder Mensch an Tuber- 
kulose leiden und besonders diejenigen Aerzte, die sich gerade viel 
mit dieser Krankheit beschäftigen; es gehören dazu, wenigstens bei 
Erwachsenen, noch krankmachende Einflüsse, die verschiedener 
Natur sein können, aber alle das Gemeinsame haben, daß sie den 
menschlichen Organismus schwächen und so den Tuberkelbazillen 
die Ansiedlung erst ermöglichen; daß diese geringe Widerstands- 
fiähigkeit auch angeboren sein kann, das scheint mir nach aller bis- 
herigen Erfahrung doch recht diskuti'erbar. — Die Diagnose 
der beginnenden Tuberkulose ist heutzutage von der größten 
Wichtigkeit; besonders aus dem praktischen Grunde, dass die Heil- 



160 Hochhaus. 

Diagnose statten nur solche Kranke aufnehmen, die sich in den allerersten 
^^h ^^f ®*^" Stadien befinden. Noch vor kurzem erwartete man besondere Auf- 
schlüsse von der Anwendung der Böntgenstrahlen und von der Sero^ 
diagnostik nach Courmont; beide Verfahren haben nicht gehalten, 
was sie anfangs zu versprechen schienen. In Betracht kommen 
I heutzutage in der Hauptsache noch zwei Methoden: die physikalischen 

j Methoden und die probatorische Tuberkulininjektion. lieber die große 

Wichtigkeit der ersteren sind wohl alle Aerzte einig und es haben 
sich im letzten Berichtsjahre eine Anzahl erfahrener Forscher dahin 
geäußert, daß es mit ihrer Hilfe allein möglich sei, in allen Fällen, 
mit nur wenigen Ausnahmen, die richtige Diagnose zu stellen (so 
A. Fränkel, Ad. Schmidt, Köhler, Pickert u. a.). Allerdings 
erfordert dies eine vollkommene Beherrschung der Methoden und 
große Erfahrung in allen den Nebenumständen, die geeignet sind, 
das Resultat der Perkussion oder Auskultation zu trüben. In einem 
FciüerqneUe bemerkenswerten Aufsatz hebt Ad. Schmidt einige Befonde her- 

bei der ^^j. ^^ unter Umständen zu einem falschen Besultat führen können; 
Untersuchung .,,. i. ii ^ <«••»'/« .i«ii 

der BS smd dies 1. die durch unregelmäßige Konfiguration des Schulter- 

LuD^enspitze. gürtels vorgetäuschten Dämpfungen und Schrumpfungen einer Spitze, 
2. Blutungen aus kleinen, schwer zu erkennenden Bronchiektasien, 
die gar nicht selten eine Hämoptoe vortäuschen und diagnostisch 
manchmal sehr große Schwierigkeiten bereiten, und 8. die an den 
Lungenrändem entstehenden Pseudorassel- und -reibegeräusche. Die- 
selben gleichen in ihrem akustischen Eindruck außerordentlich dem 
Knistern bei Atelektase oder einem feinen Beiben, werden meistens 
an den Lungenrändem gehört, besonders an den unteren bei Skolio- 
tischen, aber auch an den medialen, besonders an der Zingula, und 
zuweilen auch an der Spitze. Nur große Aufmerksamkeit und wieder- 
holtes Untersuchen kann hier vor Irrtum schützen. Als besonders 
wichtig für die frühzeitige Diagnose von Lungenspitzenveränderungen 
PerkuBsion wird von A. Wolff und B. Alezander die Perkussion der- 
nach Krönig. gelten nach A. Krönig empfohlen. Das Wesentliche dieser 
Methode besteht in der Berücksichtigung der Tatsache, daß der vordere 
Lungenspitzenschall nicht am oberen Bande des Kukullaris endet, son- 
dern durch eine Zone lauten Schalles über den Kukullarisrand hinweg 
mit dem Schall der hinteren Lungenspitze verbunden ist; die Verbin- 
dungszone hat an ihrer engsten Stelle (Isthmus) nach A. Wolff eine 
Breite von 4 cm. Beide Autoren legen, wie seinerzeit Krön ig, der 
Perkussion gerade dieses verbindenden Schallfeldes nach ihren ausge- 
dehnten Untersuchungen die größte Wichtigkeit bei und behaupten, daß 
bei genauer Feststellung der Grenzen desselben sowohl Schrumpfongen, 



Krankheiten der Atmungsorgane. 161 

wie Infiltrationen der Lungenspitzen in vielen Fällen sieh außerordent- 
lich früh und sicher erkennen ließen. Zweifelsohne gebührt dieser Me- 
thode eine größere Beachtung, als man ihr bisher geschenkt hat; beson- 
ders auch, nachdem Oestreich durch die Sektion nachgewiesen hat, 
daß man auf diese Weise noch ganz kleine Herde in den Lungenspitzen 
diagnostizieren kann. lieber den Wert und die Wichtigkeit der 
diagnostischen Tuberkulinimpfung sind die Meinungen Diagnostische 
geteilt. Die Extremen auf der einen Seite behaupten, wie Koch T«berkniin- 
es früher schon getan: ;,Zur Frühdiagnose der Tuberkulose bleibt 
nach wie vor das alte Tuberkulin das zuverlässigste Hilfsmittel"; 
so Freymuth in einem Aufsatze, in dem er auch kurz die Methode 
und die hauptsächlichsten Beaktionsweisen der Kranken beschreibt, 
die auch in diagnostischer Beziehung von großem Literesse sind und 
auf die wir deshalb mit einigen Worten zurückkommen möchten. 
Man beginnt, nachdem die Temperatur des Kranken einige Tage 
festgestellt und besonders konstatiert ist, daß dieselbe 37° oder 
37,8° nicht überschreitet, mit Lrjektion von 0,0005—0,001 g 
Tuberkulin; tritt danach schon eine deutliche Reaktion auf, etwa 
bis 38,5° oder darüber, so handelt es sich am häufigsten um sehr 
frische Lifektionen der Lunge oder Pleura. Ist die Reaktion geringer 
— etwa nur 0,2 oder 0,3° — , dann wird nach einigen Tagen die- 
selbe oder nur eine wenig größere Dosis eingespritzt und dann sieht 
man häufig jetzt eine ganz ausgesprochene Beaktion; es ist derjenige 
Beaktionstypus, den man bei beginnender Tuberkulose am häufigsten 
sieht und der sicher beweisend ist. Tritt nach der ersten Lijektion 
gar keine Erscheinung auf, so wird nach einigen Tagen 0,005 g, und 
wenn auch jetzt der Erfolg ein negativer ist, nach wiederum einigen 
Tagen 0,01 g injiziert; bei dieser großen Dose pflegen in derBegel 
auch ältere Tuberkulosen zu reagieren, unangenehme Nebenerschei- 
nungen bemerkenswerter Art hat Freymuth nicht gesehen; indes 
verkennt er nicht, daß zuweilen auch bei Tuberkulose keine Beaktion 
auftritt und daß auf der anderen Seite bei Nichttuberkulösen zuweilen 
eine solche gefunden wird; die Zahl dieser Mißerfolge hält er indes 
gegenüber den Erfolgen für irrelevant. Die meisten Autoren 
(Pickert, Köhler, A. Schmidt, A. Fränkel) sind wohl, meines 
Erachtens mit Becht, der Meinung, daß bei der Diagnose der Tuber- 
kulose immer in erster Linie die physikalischen Methoden in Betracht 
kommen, daß aber als Hilfsmittel die Tuberkulininjektion in zweifel- 
haften Fällen wohl zu schätzen sei, allerdings unter Beachtung aller 
in Betracht kommenden Elautelen ; dahin gehören die Tatsachen, die 
wir schon oben erwähnt, daß die Beaktion auch bei Tuberkulose 
Jahrbach der praktischen Medizin. 1904. H 



162 Hochhaus. 

Fehlen der fehlt und bei Nichttuberkulose eintritt, ferner, daß auch bei positiver 
T^b'^kV*^ Eeaktion nicht immer der Herd mit Sicherheit festgestellt ist, da 
lokale Zeichen in der Longe häufig fehlen, und ja auch bei einer 
Bronchialtuberkulose die Reaktion eintritt; es ist dann femer 
noch zu beachten, daß die diagnostische Tuberkulineinspritznng 
immmerhin längere Zeit erfordert und für den Kranken häufig 
mit recht unangenehmen subjektiven Empfindungen verbunden ist. 
aefahren der Ernsthafte Gefahr scheint allerdings nach den bis jetzt Vorliegen- 
Tuberkulin- ^gjj Berichten mit der Impfung nicht verbunden zu sein: — nur 
einspritzung. *- o > 

Schule berichtet über einen Fall, bei dem er es nicht für aus- 
geschlossen hält, daß die Injektion eine ältere Bronchialtuber- 
kulose mobil gemacht und dadurch zur Miliartuberkulose ge- 
führt habe. Wegen der Wichtigkeit dieses Falles sei er hier kurz 
referiert: Es handelte sich um einen 25jährigen Arbeiter, der mit der 
Diagnose Typhus ins Krankenhaus gebracht worden war. Nachdem 
der Kranke abgefiebert, entstanden doch Zweifel an der Diagnose 
und wurde deshalb, da Tuberkulose vermutet wurde, eine Probe- 
injektion von 0,00026 g Tuberkulin gemacht, wonach die Temperatur 
auf 37,7 ° stieg. Am übernächsten Tage wurde eine zweite von 0,0005 g 
gemacht, nach der sofort heftige Allgemeinerscheinungen auftraten; 
die Milz schwoll an, es bildete sich eine Verdichtung der linken 
Lunge heraus, das Fieber stieg, die Elräfte schwanden und nach 
4 Wochen erfolgte der Exitus letalis. Die Sektion ergab Tuberkulose 
der Bronchialdrüse, der linken Lunge, Miliartuberkulose der Lunge, 
der Milz etc. Derartige Vorkommnisse, so vereinzelt sie auch sein 
mögen, mahnen doch zur Vorsicht und lassen die Probeinjektion nur 
dort gerechtfertigt erscheinen*, wo auf anderem Wege eine sichere 
Diagnose nicht zu erzielen ist. — Die Energie, mit der vor einigen 
Bekämpfung Jahren die Bekämpfung der Tuberkulose begonnen worden 
T b ^k^i ^®*» ^^* keineswegs erlahmt, im Gegenteil noch immer größer und all- 
gemeiner geworden und heute wird der Kampf mit umsomehr Ver- 
trauen auf Erfolg geführt, als die [neueren Forschungen gezeigt 
haben, daß die Tuberkulose in außerordentlichem Maße der Heilung 
Heiinngs- zugängig ist. Die schon früher referierte Arbeit von Nägeli und 
f&higkeit. ^j^^ neuere von Burkhardt aus dem pathologisch-anatomischen 
Listitut zu Dresden kommen beide fast zu dem übereinstimmenden 
Resultate, daß vom 18. Lebensjahr sich fast bei jedem Menschen 
Zeichen von Tuberkulose finden, die bei der größten Mehrzahl voll- 
kommen ausgeheilt und reaktionslos verlaufen ist. Heilbar ist die 
Tuberkulose also sicher und besonders dann, wenn die Heil- 
bestrebungen in den Anfangsstadien einsetzen. Daher auch die 



Krankheiten der Atmungsorgane. 



163 



Kritik der 

Heilstätten- 

erfolge. 



Gründimg von Heilstätten, die gerade diese günstigen Objekte der Heilstfttten 
Behandlung möglichst bald aufnehmen sollen; die Zahl derselben ist 
in letzter Zeit so gewachsen, daß sie im stände sein werden, etwa 
80000 Lungenkranken einen 8— 4monatlichen Aufenthalt im Jahre 
zu gewähren. Kein anderes Land kann sich rühmen, daß in ihm 
in so kurzer Zeit eine so große Zahl von Heilstätten (jetzt fast 
gegen 100) zur Behandlung unbemittelter Lungenkranken geschaffen 
wurde. Ob die Hoffnungen, die man an diese segensreichen Ein- 
richtungen knüpfte, sich alle erfüllen werden, ist allerdings immer 
zweifelhafter geworden; insbesondere haben die Statistiken ergeben, 
daß die definitiven Erfolge und die Ausheilungen lange nicht in 
dem Maße und in der Zahl erfolgen, wie es anfangs enthusiastische 
Gemüter wohl erwartet haben. Erfahrene Heilstättenärzte (so K ö h 1 e r, 
Pickert, Wolff, Weicker) geben das unumwunden zu und fuhren 
als Ursache für diese Erscheinung an: zum Teil das fortgeschrittene 
Stadium der Erkrankung, in dem die Kranken hereinkamen, zum 
Teil die relativ kurze Dauer der Kur, die meistens 4 Monate nicht 
überschreitet, und dann ganz besonders den Umstand, daß die Elranken 
nach der Entlassung meist wieder zu schwerer Arbeit und in die 
unhygienischen Wohnstätten zurückkehren, denen sie zum Teil wohl 
die Entstehung ihrer Lungenerkrankung verdanken. Aber, wenn 
auch die Statistik noch nicht so sehr zu Gunsten der Heilstätten- 
behandlung spricht, sicher ist doch der Nutzen derselben ein sehr 
großer, indem doch ein Teil der Lungenkranken wenigstens peri- 
odisch erheblich gebessert und arbeitsfähiger gemacht wird, wie das 
Stadler in einer schönen Arbeit „Ueber den Einfluß der Lungen, 
tuberkulöse auf Lebensdauer und Erwerbsfähigkeit und den Wert 
der Volksheilstättenbehandlung" zahlenmäßig nachweist, und indem 
ferner durch die Belehrung, die den Kranken während ihres Aufent- 
haltes zu teil wird, der Kampf gegen die Tuberkulose auch im Volke 
selber mit mehr Erfolg geführt werden kann. Jedenfalls hat die 
bisherige Erfahrung gelehrt, daß die Heilstättenbehandlung allein 
nicht ausreicht, und daß zu einem sieghaften Kampfe gegen die 
Tuberkulose noch andere Hilfsmittel in Anspruch zu nehmen sind. 
Da steht nun in erster Linie, wie von verschiedenster Seite, so von 
V. Behring, v. Leyden u. a., betont wird, die Assanierung der 
Wohnungsverhältnisse; man wird nie nennenswerte Erfolge erzielen, 
solange in engen, dumpfen und feuchten Wohnungen die Lungen- 
kranken mit anderen zusammenwohnen; die Gelegenheit zur Lifektion 
ist dort eben so günstig wie möglich; nur eine gesunde, nicht beengte 
Wohnung, in der die Möglichkeit vorliegt, daß etwa Erkrankte ihr 



164 



Hochhaus. 



Assaniernng eigenes Zimmer haben und von den anderen abgesondert leben, maß 
Wohnungen ^^ ^^^ Forderung vom hygienischen Standpunkte sein; in zweiter 
Linie wird darauf zu dringen sein, daß womöglich die schwerkranken 
Phthisiker in eigene Elrankenhäuser untergebracht und dort isoliert 
werden, und dies erscheint jedenfalls zur Zeit viel wichtiger als die 
Behandlung der Leichtkranken. Allerdings bedarf es zur Ausführung 
dieser beiden Pläne recht erheblicher Mittel und wird es sicher noch 
lange Zeit dauern, bis dieselben in dem Umfange realisiert werden 
können, wie es vom Standpunkt der Hygiene aus erforderlich ist. 
Indes läßt sich auch schon mit geringeren Mitteln gerade in der 
Fürsorge für die Tuberkulose im eigenen Hause schon Brauchbares 
Dispensaires. erreichen, wie das Jacob von den sog. Dispensaires in Frankreich 
und Belgien berichtet, die er auf einer Studienreise aufgesucht hat. 
Es sind das Wohltätigkeitsanstalten, von Städten oder Vereinen ge- 
gründet, die in erster Linie den Zweck haben, die Prophylaxe, dann 
aber auch die Therapie der Tuberkulose zu fordern. Wenn sich ein 
Kranker bei dem Arzt des Dispensaire meldet, wird er zuerst unter- 
sucht, erhält dann ein Spucknäpfchen, ein Zahnbürstchen und eine 
Lysollösung, sowie eine Anzahl für Tuberkulöse wichtige Vorschriften 
gedruckt mit nach Hause. Von einem Beamten des Dispensaire wird 
er dann in seiner Wohnung besucht und von diesem wird dann nach 
genauer Erkundigung der Verhältnisse, je nach der Notwendigkeit, 
die Desinfektion der Wohnung, der Wäsche, der sonstigen Gebrauchs- 
gegenstände angeordnet, die von der Stadt gratis ausgeführt wird; 
dazu wird der Kranke mit allen für ihn notwendigen Nahrungs- 
mitteln und Kleidungsstücken versorgt; außerdem erhält er auch 
einen Liegestuhl und Decken, um eventuell eine Liegekur zu Hause 
durchmachen zu können, wenn die Oertlichkeit dazu geeignet ist. 
Kurz und gut, es wird durch diese Dispensaires dem Kranken alles 
geboten, was notwendig zu seiner Heilung ist ; auch wird die Unter* 
bringung in Sanatorien und Oenesungshäusem vermittelt; nur Medika- 
mente werden nicht verabreicht. Die Einrichtung, die meist erst 
einige Jahre alt ist, wird sicher viel Segen stiften und verdient bei 
dem Umstände, daß immer nur ein kleiner Teil der Lungenkranken 
in Anstalten untergebracht werden kann, sicher auch in Deutschland 
eine große Verbreitung. Nur in Halle kennt man bis jetzt eine 
ähnliche Einrichtung, die unter Leitung des rührigen Stadtrats 
Pütt er steht. Auch dort werden die Tuberkulösen in ihrer Woh- 
nung aufgesucht; sie werden über ihre Erkrankung und deren Be- 
handlung belehrt; ihre Wohnungen und Gebrauchsgegenstände wer- 
den desinfiziert und es wird dafür Sorge getragen, daß möglichst 



Krankheiten der Atmungsorgane. 



165 



Inhalation 

von 
Ealkstaub. 

Sanosin. 



jeder Kranke sein eigenes Zimmer bat und dadarch wenigstens bis 
zu einem gewissen Orade isoliert werden kann. So kommen zu 
der Heilstättenbewegung immer neue Aufgaben der Hygiene hinzu, 
die mit Sicherheit einen erfolgreichen Kampf gegen die Tuberkulose 
versprechen. Die Ausbeute an Medikamenten, welche in diesem 
Jahre gegen die Tuberkulose empfohlen worden, ist recht gering; 
von dem früher viel gepriesenen Hetol ist es recht stille geworden; 
auch von den Wirkungen des Kreosots hört man wenig mehr; aus- 
gehend von der Beobachtung, daß lungenkranke Arbeiter, die viel 
im Kalkstaub sich beschäftigten, allmählich den Husten und Auswurf 
verloren hatten, ließ Reckzeh Lungenkranke Kalkstaub inhalieren, 
ohne indes damit einen nennenswerten Erfolg zu erzielen. Danelius 
und Sommerfeld empfehlen sehr warm ein Mittel Sanosin, das be- 
steht aus den Blättern einer besonderen Eukaljptusart, aus dem aus 
ihnen und den Wurzeln extrahierten Oel, dem dann noch Flores sul- 
furis und Carbo ligneus pulveratus zugefügt ist. Das Mittel, welches 
in der Dosis von 2 g jedesmal gebraucht wird, wird auf einer Ton- 
platte erhitzt und die entstehenden Dämpfe werden dann eingeatmet, 
bei verschlossenen Fenstern entweder die ganze Nacht oder nur ein- 
zehae Stunden. Der Erfolg erstreckt sich nicht nur auf Beseitigung 
des Hustens, des Auswurfs, der Nachtschweiße und auf Anregung 
des Appetits, sondern auch auf eine wesentliche Besserung der ob- 
jektiven Lungenerscheinungen, so daß von Sommerfeld das Mittel 
als eine erhebliche Bereicherung unseres Heilmittelschatzes gegen die 
Tuberkulose empfohlen wird. Nachprüfungen, die von M. Behr unter- 
nommen wurden, haben übrigens die von Danelius und Sommerfeld 
hervorgehobenen Vorzüge des Präparats nicht finden können. Schließ- 
lich sei auch noch der Erfahrungen von H. Weber gedacht, der mit 
der innerlichen Darreichung vonLävulose und der subkutanen L&vuiose und 
Einverleibung von Paraffin bei Tuberkulose die besten Er- inTektionen 
folge erzielt haben will. Den Erfolg erklärt er theoretisch dadurch, 
daß beide Körper sehr leicht bei ihrem Zerfall Kohlensäure bilden 
und diese, nach den Erfahrungen von Hamburger, im Blute eines 
der wirksamsten Mittel gegen die Tuberkelbazillen sei. Die hoff- 
nungsvollsten Aussichten auf eine wirksame Bekämpfung der Lungen- 
tuberkulose bietet Behring in dem schon mehrfach von uns zitierten 
Aufsatz „lieber Lungenschwindsuchtsentstehung und Tuberkulose- 
bekämpfung^. Nach vielen Experimenten ist es jetzt Behring ge- 
lungen, einen Impfstoff herzustellen, der Rinder gegen das Tuber- 
kulosevirus immun macht; Erfahrungen im großen, von vielen Seiten 
angestellt, scheinen die Wirksamkeit der Lnpfting zu bestätigen. Der 



166 Hochhaus. 

immanisie- Gedanke, daß beim Menschen dasselbe oder ein ähnliches Verfahren 
B^rin '^^ Schutze gegen die Tuberkulose sich anwenden lasse, liegt nahe 
gegen die und ist bei der jetzt anerkannten Artgleichheit von Menseben- und 
Tuberkulose. Bindertuberkulose wohl denkbar. Allerdings möchte Behring bis 
jetzt nicht raten, den Binderimpfstoff auch gleich beim Menschen 
anzuwenden, dazu müßte er auf irgend eine Weise noch erheblich 
abgeschwächt werden; er glaubt aber wohl, daß eine Schutzimpfung 
möglich sei, wenn seine jetzt im Gange befindlichen Tierversuche 
zeigen sollten, daß. man durch die Verfiitterung eines geeigneten 
Tuberkulosevirus an tierische Säuglinge ebensogut Tuberkuloseschutz 
bewirken kann, wie durch seine direkte Einbringung in die Blutbahn. 
Noch eine dritte Möglichkeit von Immunisierung gegen Tuberkulose 
Miioh wäre denkbar, wenn, was Behring zuversichtlich hofft, die Milch 
l ^^"^^^^^^^ hochimmunisierter Kühe SchutzstoflFe enthält, die mit Erfolg 
I auf den Menschen übertragen werden können. Wie man sieht, eine 

I fest ausgebildete Methode, die zum Gebrauch für den Menschen schon 

I reif wäre, bringt Behring noch nicht, die ist bis jetzt erst fär das 

^ Bind ausgearbeitet, aber die solide experimentelle Erfahrungsbasis, 

^^ auf der Behring arbeitet, läßt erhoffen, daß es seinem genialen 

^^k Scharfblick gelingen wird, auch hier den rechten Weg zu finden. 

^^H Neben diesen Andeutungen über eine zukünftige Methode zur Tuber- 

^^ kuloseschutzimpfung enthält diese Publikation eine Fülle geistreicher 

Ideen über fast alle jetzt so viel diskutierten Punkte der Tuberkulose. 
Den einen möchten wir, weil er mit der Therapie im engen Zusammen- 
hang steht, nochmals hervorheben, daß nämlich nach Behrings 
Meinung der Keim fast für jede Tuberkulose im Säuglingsalter und zwar 
meist durch Tuberkelbazillen enthaltende Milch erworben wird; und 
daß es eine Hauptaufgabe unserer Säuglingsbehandlung sein wird, eine 
I Milch herzustellen, die bazillenfrei ist, was bis jetzt durch die ge- 

bräuchlichen Sterilisierungsmethoden nicht erreicht wird. Leicht 
Nutzlosigkeit wird dies möglich sein, wenn die Schutzimpfung beim Bind all- 
t riuTrte ß®™®^^ durchgeführt ist und die Tuberkulose, die jetzt bei diesem 
Milch. allgemein herrscht, verschwunden sein wird. SoUten sich diese De- 
duktionen von Behring zu Becht erweisen, und es scheint uns das 
wohl möglich, dann wäre allerdings eine wirksame Bekämpfung dieser 
mörderischen Erkrankung in nicht allzu weiter Feme. Mit der Emp- 
fehlung eines wirksamen Antituberkuloseserums ist in letzter 
Zeit der bekannte Bakteriologe Marmorek, früher im Institut 
Pasteur, hervorgetreten. Bei seinen Versuchen ging er von der 
Idee aus, daß das Tuberkulin Kochs nicht das Haupttoxin der 
Tuberkelbazillen sei, sondern dieselben nur anrege zur Produktion 



Krankheiten der Atmungsorgane. 167 

des eigentlichen Tuberkalosegiftes. Nach vielen Bemühungen ge- Anti- 
lang es ihm Nährböden zu finden, in denen die Tuberkelbazillen tuberkulöse- 
fast gar kein Tuberkulin, dagegen umsomehr eigentliches Tuberkel- Harmorek. 
gift produzierten. Durch Einspritzen der erhaltenen filtrierten Kul- 
turen bei Pferden gelang es dann, ein antitoxisches Serum zu er- 
halten, das sowohl bei Tieren, wie beim Menschen wirksam sich er- 
wies. Bei Kaninchen und Meerschweinchen gelang es, wenn auch 
nur mit Hilfe starker Dosen, einen ausreichenden Schutz gegen den 
Tuberkelbazillus herbeizuführen. Die therapeutischen Versuche bei 
tuberkulösen Menschen sind nur summarisch angeführt; eine genaue 
Einsicht in die Wirkung und Wirksamkeit der Injektionen läßt sich 
aus dem Berichte nicht entnehmen; jedenfalls scheinen die Erfolge 
bis jetzt noch nicht recht schlagende zu sein, was Marmorek 
selber mit der Neuheit der Methode und der relativ geringen Be- 
obachtungszeit entschuldigt; und weitere Versuche über das Mittel 
werden abzuwarten sein; eine Nachprüfung von Ooldschmidt, 
allerdings auch nur an einigen wenigen Fällen, ergab ein wenig 
ermunterndes Besultat. 

Einige ungewöhnliche Formen der Pneumonie, deren pneamonia 
klinischer Bericht allerdings nur zum Teil ausfuhrlich ist, berichtet desquamativa 
Galdi. Der erste Fall betraf einen 23jährigen Notenstecher, der ^**^*®""^- 
schon 6 Wochen vor der Aufnahme unwohl und arbeitsunfiähig ge- 
wesen war; kurz vor der Au&ahme plötzlich Schüttelfirost, heftige 
Atemnot und nach kurzem Verweilen im Krankenhause Exitus letalis. 
An den Lungen war die Pleura glatt, glänzend; das Parenchym 
größtenteils derb, graurot, aber nicht kömig, wie bei der kruppösen 
Pneumonie; mikroskopisch war das Auffallendste, daß der Alveolen- 
inhalt wesentlich aus abgestoßenen Alveolarepithelien bestand, mit 
wenig Leukozyten, dagegen ohne Fibrin und rote Blutkörperchen; 
das Alveolargerüst, die Umgebung der Gefäße und kleinen Bronchien 
war stark entzündet; in letzteren selber bestand auch eine lebhafte 
Epithelabstoßung; an einzelnen Stellen war auch innerhalb der Al- 
veolen eine deutliche Bindegewebswucherung, die von den Wänden 
ausging, zu konstatieren. Das Wesentliche des pathologisch-ana- 
tomischen Prozesses ist die starke Desquamation mit nachfolgender 
Bindegewebswucherung und Neigung zur Obliteration der Alveolen 
bei einer Pneumonieform, die augenscheinlich nichts mit Tuberkulose 
zu tun hat, wie dies der erste ausführliche Beschreiber dieser 
Pneumonieform, Buhl, wohl meist angenommen hat. Verfasser gibt 
ihr den Namen Pneumonia desquamativa obliterans; klinische Eigen- 
tümlichkeiten derselben vermag er bis jetzt noch nicht anzugeben; 



168 Hochhaus. 

Pneamonia in Bezug auf die Entstehong vermutet er, daß wegen der starken 
deaquamativa Bronchialepithelabschilferung wohl hier ein Reiz primär eingewirkt, 
der von dort sich weiter auf die Alveolen erstreckt habe; in ähn- 
licher Weise, wie bei einem Krankheitsbild, das von Lange-Schmorl 
als Bronchiolitis obliterans beschrieben worden, mit dem auch der 
ganze Prozeß in Bezug auf die mikroskopischen Details die größte 
Aehnlichkeit hat. Die zweite Form von Lungenentzündung beob- 
Pneumonie bei achtete Oaldi bei einer Kranken, die an Sepsis nach Endokarditis 
Endokarditis ^^ Qrxmde ging; die Schnittfläche der infiltrierten Lungen war 
gleichmäßig glatt, graurot und derb und bei der feineren Unter- 
suchung fand sich das Infiltrat im wesentlichen bestehend aus des- 
quamierten Epithelien, wenig Leukoz3rten und ohne Fibrin. Eine 
sog. Stauungspneumonie liegt hier nicht vor, denn die Lokalisation 
durch die ganze Lunge, sowie das Aussehen und die geringen 
Stauungserscheinungen sprechen dagegen; sondern es ist eine be- 
stimmte Form der desquamativen Pneumonie, bei deren Zustande- 
kommen eine mäßige Stauung und vielleicht ein im Körper kreisendes 
Gonokokken- Oift zusammenwirkte. Einen der seltenen Fälle von Gonokokken- 
Pneumonie. Pneumonie berichtet Bressel. Der betreffende Patient litt an 
akuter Gonorrhöe; er erkrankte plötzlich unter den Erscheinungen 
einer akuten Lungenentzündung, die in tjrpischer Weise verlief. Aus 
dem Venenblute sowohl, wie aus dem Sputum ließen sich typische 
Gonokokken züchten, üeber eine eigentümliche, sich lang hinziehende 
Eigentümliche Form von Bronchopneumonie berichtet Rosenthal. Die Lungen- 
B°roncho- ©rscheinungen traten bei ihr weniger in den Vordergrund, umsomehr 
Pneumonie. AUgemeinerscheinungen und chronische Kachexie. Als ursächliche 
Erreger fand er 2mal den Enterokokkus und einmal in Verbindung 
Frührezidiv bei mit diesem den Staphylokokkus. Unter Frührezidiven der fibri- 
PnMimwde ^^sen Pneumonie versteht Ebstein neu auftretende kruppöse 
Entzündungen in solchen Lungenteilen, die erst ganz kurz eine gleiche 
Entzündung durchgemacht haben. Einen charakteristischen Fall hat 
Ebstein beobachtet. 7 Tage nachdem ein 17jähriger Arbeiter eine 
typische Lungenentztindung im rechten XTnterlappen durchgemacht, 
trat unter plötzlicher Fiebersteigerung und Atemnot wieder eine neue 
Entzündung in demselben Lappen auf, die ebenfalls am 4. Tage 
kritisch endete. Die Zahl dieser Frührezidive, die bis jetzt beob- 
achtet sind, ist recht spärlich; eine genaue Literaturangabe findet 
sich am Schlüsse des Aufsatzes. Pichler berichtet über einen Fall 
Parotitis bei von Sekundärer Parotitis nach Pneumonie, wobei sich der Eiter 
Pneumonie. ^^^^ ^^^^ Ductus Stenonianua entleerte. E. Fränkel erwähnt das 
seltene Vorkommen von eitriger Gelenkentzündung bei Pneu- 



Krankheiten der Atmungsorgane. 169 

monia crouposa und berichtet über 2 einschlägige Fälle. Die Kompli- Eitrige 
kation pflegt sich in der Regel nur bei bösartiger Verlaufsweise ein- Q^^^ündun bei 
zustellen. Eine Epidemie von Lungenentzündung beobachtete pnenmonie. 
Späth in dem Dorfe Neubrunn, wo in der Zeit vom 8. Mai bis Epidemische 
7. Juli 1903 von 464 Personen 63, also 13,9 °/o, erkrankten. Der Pneumonie. 
Verlauf war ein normaler; eine besondere Bösartigkeit, wie sie bei 
derartigen Epidemien häufig ist, war nicht auffallend. Die genaue Ana- 
lyse des Auftretens, des Verlaufes, der sonstigen gleichzeitigen Witte- 
rungsverhältnisse, ebenso wie der Wohnungsverhältnisse gab keinen 
Aufschluß für das gehäufte Auftreten. Als unter Umständen wichtig 
ftir die Diagnose der kruppösen Pneumonie bei Kindern hatte früher 
Pfaundler das Auftreten des Westphalschen Zeichens angegeben; westphaisohes 
eine Nachuntersuchung von Reeder auf der Abteilung Baginskys p^^^^^^j^^* 
hat gezeigt, daß sich irgend welche diagnostische Schlüsse, wie 
es Pfaundler geglaubt, aus dem Fehlen des Patellarreflezes nicht 
ziehen lassen. Die so bäufig auftretenden zerebralen Erschei- zerebrale 
nungen bei den Bronchopneumonien des Kindesalters machen ^"®^®*Y"sen 
nicht selten die größten diagnostischen Schwierigkeiten. Durch die Pneumonie. 
Lumbalpunktion, welche bei 31 pneumoniekranken Kindern aus- 
geführt wurde, haben Nob^court und Voisin festgestellt, daß hier 
in der Begel eine starke Erhöhung des spinalen Druckes vorliegt, 
was daran zu sehen ist, daß sich meist mit Leichtigkeit eine größere 
Menge (bis zu 35 com) zerebrospinaler Flüssigkeit entleeren läßt. Die- 
selbe ist meist klar, selten getrübt, in der Regel steril und enthält 
nur wenig Eiweiß. Die Prognose ist anscheinend in diesen Fällen 
eine recht ernste, denn von 24 Fällen, bei denen meningitische 
Symptome auftraten, genasen nur 4. Leider wird nichts Genaueres 
berichtet über den therapeutischen Effekt der Punktion. Von einem 
gewissen prognostischen Literesse erscheinen die Besultate, welche 
Johle bei der Einwirkung des Blutserums pneumoniekranker Aggintina- 

Kinder auf Pneumokokkenkulturen erhalten hat. Li 6 Fällen *^°f«^'*^* ^®« 

Blntserams 
kruppöser Pneumonie, welche alle mit einer Krise endigten, war die nach 

Agglutinationskraft des Serums stets eine sehr hohe, zugleich mit Pnenmonie. 
Hyperleukozytose und Verminderung der Chloride. Das Phänomen 
trat schon im Beginn der Erkrankung auf, blieb bis zur Krise auf 
gleicher Höhe und schwand einige Tage nach Eintritt derselben. 
Von Literesse sind die Erörterungen Hub er s über einige Vorgänge 
bei der Heilung der Pneumonie. Dieselbe ist so zu erklären, Heiinng der 
daß der Mensch allmählich immunisiert wird; wenn nun genügend ^»0«™°»»®- 
Lnmunkörper gebildet sind, so daß zwischen Leukozyten und Pneumo- 
kokken eine positive Chemotaxis entsteht, beginnt die Heilung; es 



170 



Hochhaus. 



Diagnose der 
Pleuritis. 



Zyto- 
diagnostik. 



Pleuritis 

diaphragma- 

tica. 



Pleuritis 
pulsans. 



beginnt die Phagozytose der Pneumokokken, die Krise tritt ein und 
nun wird das Exsudat durch Autolyse flüssig gemacht, zum Teil 
resorbiert, zum Teil expektoriert. Alle Vorgänge der Heilung werden 
damit zwar nicht erklärt, aber wenigstens ein Teil. 

Unsere diagnostischen Hilfsmittel zur Feststellung der Natur 
pleuritischer Exsudate sind noch immer nicht ganz zuverlässige; 
die so häuflge Frage, ob ein Exsudat tuberkulöser Provenienz ist oder 
nicht, bleibt selbst trotz des Tierexperimentes in suspenso. Die seit 
einigen Jahren von A. Wolff in Deutschland, von Vidal undBavant 
inaugurierte Zytodiagnostik schien diesen Zweifeln abzuhelfen; 
nach den Untersuchungen dieser Forscher sollte ein vorwiegender 
Gehalt an Lymphozyten im Exsudat für Tuberkulose, dagegen 
die Prävalenz von polynukleären Leukozyten für einen entzünd- 
lichen Ursprung sprechen; während in den Transsudaten sich 
meist abgestoßene Endothelzellen finden sollten. Diese bequeme 
Methode ist auch im letzten Jahre mehrfach nachgeprüft worden 
von Ozerno- Schwarz und Bornstein, sowie von Ketly und 
Torday. Li beiden Arbeiten findet sich im großen und ganzen 
eine Bestätigung der früheren Erfahrungen, ohne daß die Autoren 
indes der scharfen Formulierung besonders von Bavant und Vidal 
beistimmen können. So betonen Schwarz und Bernstein, daß 
den tuberkulösen Ergüssen in der ersten Woche häufig recht viele 
polynukleäre Zellen beigemischt sind und daß erst von Anfang der 
zweiten die Lymphoz3rten in den Vordergrund treten und damit eine 
Diagnose gestatten. Das Verhalten bei den nicht tuberkulösen Ex- 
sudaten, sowie bei den Transsudaten entspricht auch nicht immer den 
aufgestellten Regeln. Die Resultate von Ketly und Torday sind 
ähnlich; nur ist es nach ihren Erfahrungen häufig nicht möglich, 
ältere tuberkulöse Exsudate von denen, die bei Morbus Brigthii 
oder bei Herzkranken auftreten, zu unterscheiden. In einem Falle 
von Pleuritis diaphragmatica beobachtete Stenitzer bei jeder 
Lispiration eine ruckartige Zuckung des linken Bectus abdominis, 
die nach seiner Meinung einem Reflex von Seiten der Pleura ihren 
Ursprung verdankt und von großem diagnostischen Wert ist; außer- 
dem bestand in jenem Falle ein ausgesprochener Mussyscher Schmerz- 
punkt, sowie ein Hochstand der linken Hälfte des Zwerchfells. Eine 
der seltenen Beobachtungen von Pleuritis pulsans gibt Bendix 
aus der Ebsteinschen Klinik. Es handelte sich um ein recht- 
seitiges, wie die Punktion erwies, eitriges Exsudat, das recht stark ab- 
gekapselt war und das Herz nach links erheblich verdrängte. Die 
rhythmischen Pulsationen waren besonders ausgeprägt r. v. unten 



Krankheiten der Atmungsorgane. 171 

und in der Seite. Das Zustandekommen derselben erklärt Verfasser 
1. durch eine recht energische Herzaktion und 2. dadurch, daß die 
abkapsebide Wand des Exsudats dem Herzen dicht angelagert war. 
Auf vier Funkte, die bei der Behandlung pleuritischer Exsu- Behandlang 
date in Betracht kommen, macht Rothschild aufmerksam: 1. auf der Pieuritis- 
die Tatsache, daß langbestandene, auch große Pleuraergüsse nach 
einer vielleicht zu diagnostischen Zwecken gemachten Probepunktion 
rasch und vollständig verschwinden; 2. daß pleuritische Exsudate 
nach vollständiger oder möglichst vollständiger Entleerung durch 
Punktion sich in ganz kurzer Zeit wieder ansammeln; 8. daß ab- 
gekapselte Exsudate oft monatelang mit herumgetragen werden, bis 
sie endlich gewissen nachher zu beschreibenden Maßnahmen weichen; 
4. daß zwischen Fieber und Exsudathöhe absolut keine Kongruenz 
besteht; trotz fehlenden Fiebers kann das Exsudat ansteigen und um- 
gekehrt. Die Erklärung dieser Tatsachen läßt sich am ehesten her- 
leiten aus dem phjrsikalischen Verhalten der Exsudate resp. aus den 
Veränderungen, die Osmose und Diffusion an ihnen hervorrufen neben 
den durch physiologische Kräfte bewirkten. Daß Diffusion und 
Osmose bei der Resorption der Pleuraexsudate eine wesentliche Rolle 
spielen, ist bewiesen durch Versuche von Mattes, Hartig und 
Hamburger und durch die praktische Erfahrung, die gezeigt hat, 
daß ein Exsudat nur dann resorbiert wird, wenn es eine geringere 
molekulare Konzentration zeigt wie das Blut. Ist das nicht der 
Fall, ist der Gefrierpunkt des Exsudates niedriger als der des Blutes, 
dann müssen wir Mittel anwenden, um die molekulare Konzentration 
des Blutes zu erhöhen und dazu gehört starke eiweißreiche Nahrung, 
indem durch den Zerfall der komplizierten und einfachen Moleküle 
der osmotische Druck des Blutes erhöht wird; dasselbe wird erreicht 
durch Schwitzprozeduren und durch endovenöse OlNa-Einspritzungen. 
Oanz besonders druckerhöhend wirken auch die Solbäder in Soden, 
in Verbindung mit einem systematisch vorgenommenen Mineralwasser- 
genuß. Diese Heilfaktoren empfiehlt Rothschild besonders neben 
den älteren, bisher stets bewährt gefundenen. 

Die Geschichte eines der seltenen Fälle von spontanem Spontaner 
Pneumothorax mit Ausgang in Heilung berichtet Land mann. ^'*®'*™°*^®"^*' 
Die Ursache des Pneumothorax blieb ungewiß, vielleicht kommen 
Veränderungen in Betracht, die durch eine kurz vorher überstandene 
Influenza hervorgerufen waren. Eine schnellere Heilung des ge- Therapie des 
schlossenen Pneumothorax hat Schrötter in der Weise ver- «eschlossenen 
sucht, daß er das darin enthaltene Gas, welches meist aus schwer 
resorbierbarem Stickstoff bestand, durch den leicht resorbierbaren 



172 



Hochhaus. 



Tumoren 
der Pleura 



Sauerstoff ersetzte; besonders bei frischem tramnatischein Pneumo- 
thorax mit geschlossener Kommunikation verspricht er sich davon 
große Vorteile. Praktische Erfahrungen liegen darüber bis jetzt 
noch nicht vor. 

Die bisher beschriebenen Tumoren der Pleura nehmen fast 
durchweg ihren Ursprung von den Endothelien der Lymphge&ße; 
nur sehr wenige, darunter ein Fall von Benda, sind bekannt, wo 
die Endothelien der Pleura selbst den Ausgangspunkt* bildeten; eine 
neue Beobachtung derart veröffentlicht Outmann. Klinisch bot sich 
bei der 60jährigen Frau das Bild einer starken linkseitigen exsu- 
dativen Pleuritis mit starker Verdrängung des Herzens nach rechts. 
Nach jeder Punktion, bei der allemal etwa 8000 ccm Flüssigkeit 
entleert wurden, in der sich nichts Charakteristisches fand, füllte 
sich die Pleurahöhle wieder sehr schnell. Eine Ursache war nicht 
zu eruieren. Die Frau starb bald an allgemeiner Schwäche, und 
bei der Sektion fand sich links die Pleura verdeckt und besetzt mit 
zahlreichen, gestielten, kleinen und größeren Tumoren, die mikro- 
skopisch einen sarkomatösen Bau, allerdings aus soliden Zellzysten 
und Zellsträngen zeigten und zweifellos ihren Ursprung vom Endo- 
thel nahmen. 

Die operative Behandlung der Lungenkrankheiten hat 
der^Lun^en- ^®^ ^®°^ Zusammenarbeiten von Internen und Chirurgen in den letzten 
krankheiten. Jahren erhebliche Fortschritte gemacht. Eine Uebersicht unseres 
jetzigen Könnens auf diesem Gebiet gibt der Grundriß der Lungen- 
chirurgie von Garre und Quincke, welcher in erweiterter Form 
die Eeferate wiedergibt, welche die beiden Kliniker auf dem vor- 
jährigen Naturforscherkongreß in Hamburg gehalten haben, wobei 
Quincke vorzugsweise die Pathologie und Diagnose und Garre 
die Technik behandelt, neben den Erkrankungen, die ausschließlich 
chirurgisches Interesse haben. Bei der Wichtigkeit und Neuheit 
des Gegenstandes heben wir die Hauptpunkte, soweit sie auch für 
den Praktiker Interesse haben, kurz hervor. In Betracht kommen 
bei der operativen Behandlung im wesentlichen die umschriebenen 
parenchymatösen Eiterungen, deren Typus der Fremdkörperabszeß 
ist und die sich je nach der Beschaffenheit und Dauer präsentieren 
als 1. akute Abszesse, und zwar a) als akuter einfacher Abszeß und 
b) als akuter putrider Abszeß und Lungengangrän, und 2. als chro- 
nischer Abszeß und Bronchiektasie, und zwar a) als chronisch ein- 
facher Abszeß und b) als chronisch putrider Prozeß, und 3. als 
Fremdkörperabszeß. Dem internen Arzte fällt meist die Aufgabe 
der Diagnose zu; dabei hat er zu berücksichtigen nicht bloß 



operative 
Behandlang 



Krankheiten der Atmungsorgane. 173 

das Vorhandensein einer umschriebenen Eiterung überhaupt, son- 
dern eine ganz genaue Angabe über Zahl, Sitz und Ausdehnung 
des, oder wie es häufig der Fall ist, der Herde. Leider sind die 
Schwierigkeiten in dieser Beziehung noch immer recht große und 
sehr häufig trotz Zuhilfenahme von Auskultation, Perkussion, Durch- 
strahlung und Probepunktion nicht zu lösen. Die außerordentliche 
Unsicherheit in der Diagnostik der Kavernen wird nie greller dar- 
getan, als durch die Erfahrungen bei Lungenoperationen, wie das 
von Quincke meisterhaft geschildert wird; besonders möchten 
wir hervorheben den großen Unterschied, den in dieser Beziehung 
die Lokalisation der Kaverne ausmacht; im Oberlappen wird die 
Diagnose immer leichter sein, da aus der Kaverne in vielen Eällen 
der Eiter abfließt und sich dann an dem Hohlraum die typischen 
Kavemensymptome nachweisen lassen; im Unterlappen dagegen ist 
die Entleerung des Inhalts viel schwerer und nur des Morgens, wenn 
der E^anke durch heftige Hustenstößo den Eiter aus den unteren 
Lungenpartien entleert, wird es möglich sein, einen hier gelegenen 
Hohlraum durch die charakteristischen Höhlenzeichen näher zu 
erkennen. Gerade für die operative Behandlung ist diese Schwierig- 
keit häufig verhängnisvoll, weil die meisten zur Operation kommenden 
Affektionen in dem Unterlappen liegen. Die technischen Schwierig- 
keiten scheinen sich nach der Darstellung Garr^s mit der zu- 
nehmenden Erfahrung erheblich zu mindern, und besonders gilt das 
för das Operieren bei fehlenden pleuralen Verwachsungen; früher 
galt es als feststehend, nur dann zu operieren, wenn die Pleuren ver- 
wachsen waren, aus Furcht vor der Folge des akuten Pneumothorax 
und einer möglichen Infektion des Pleuraraumes. Vor beiden Mög- 
lichkeiten weiß man sich jetzt besser zu schützen; die schädlichen 
Wirkungen eines akuten Pneumothorax werden aufgehoben durch 
das Fassen der kollabierten Lunge und Hineinziehen in die Wunde; 
dadurch wird der Druck, welcher auf das Mediastinum von der 
kranken Seite ausgeübt wird, aufgehoben; andere vernähen vor 
der Eröffnung der Pleura diese letztere durch eine zirkuläre Naht, 
innerhalb deren dann die Inzision ausgeführt wird. Jedenfalls 
ist die Möglichkeit, auch bei fehlenden Verwachsungen sofort 
operieren zu können, als ein bedeutender Fortschritt anzusehen. 
Das Operieren in der Lunge selber, wenigstens in den peripheren 
Teilen, ist bei nötiger Vorsicht meist gefahrlos. Von Interesse sind 
noch die Indikationen, welche die Verfasser bei der operativen Be- 
handlung der Lungentuberkulose aufstellen. Sie halten ein Ein- 
greifen für möglich 1. bei Kavernen mit Sekretstauung und Zersetzung 



174 



Hochbaus. 



Operative 
Bebandlnng 
der Lnngen- 
kraukheiten. 



Operative 
Behandlung 
des Lungen- 
abszesses. 



durch pyogene Mischinfektion, und zwar durch Inzision und Drainage. 
2. Bei isolierten Kavernen und tuberkulösen Herden im Unterlappen 
und zwar hier womöglich Resektion der erkrankten Lungenpartien 
mit ausgiebiger Thorakoplastik. 3. Bei stabilen Kavernen der 
Lungenspitze, hartnäckig rezidivierenden Blutungen aus einer Ka- 
verne, ferner auch bei nicht ulzerierten, beschränkten tuberkulösen 
Herden; hier genügt schon die Mobilisation der Brustwand durch 
Resektion einiger Kippen. Die Aufgaben der Lungenchirurgie sind in 
der Abhandlung scharf umrissen; leider ist die Zahl der Fälle, die 
sich für eine erfolgreiche Behandlung eignen, nicht besonders groß; 
indes will uns scheinen, daß bei der vorgeschrittenen heutigen 
Technik die Zahl der in Betracht kommenden FäUe sich doch mehren 
wird. Eingehender über die Pathologie und Therapie der 
Lungenabszesse handelt ein Vortrag von Karewski. Er hebt 
zuerst hervor, welche große Bedeutung für den Verlauf und auch 
für die Behandlung die Ursache des Abszesses habe. Für relativ 
gutartig hält er den bei der fibrinösen Pneumonie entstandenen 
Abszeß, wenn er zeitig in Behandlung kommt; allerdings wurde ihm 
hier von interner Seite, und zwar unseres Erachtens mit Recht, ein- 
geworfen, daß einmal diese Abszesse nicht häufig sind und daß die- 
selben recht häufig spontan entleert werden. Ungünstiger erscheint 
schon der Abszeß nach Influenzapneumonie, weil derselbe chronischer 
verläuft und gar nicht so selten multipel ist. Zu den günstigen 
Eiterungen in der Lunge rechnet Karewski die, welche, durch 
Durchbruch eines nahegelegenen Eiterherdes entstehend, manchmal 
spontan durch Perforation in die Bronchien heilen, nicht selten zum 
solitären Abszeß führen und der Operation gut zugänglich sind. 
Schwieriger sind wieder die Fremdkörperabszesse, weil sie meist 
infolge längerer Dauer verdickte Wandungen haben, häufig multipel 
sind und leicht zu Bronchiektasie fähren ; außerdem bildet der Fremd- 
körper eine unangenehme Komplikation, die beseitigt werden muß 
und zwar per vias naturales, ehe an eine erfolgreiche chirurgische 
Behandlung herangetreten werden kann. Wie man sieht, ist das 
Verhalten der umschriebenen Lungeneiterung verschieden, je nach 
den Ursachen des Prozesses; eine operative Behandlung ist an- 
gezeigt, sobald die Diagnose einer Lungeneiterung mit Sicherheit 
gemacht ist; abwarten, wenigstens kürzere Zeit, mit der Hoffnung 
auf spontane Heilung, kann man nur 1. bei jungen Individuen; 
2. bei kleinen Herden, die in der Lungenspitze sitzen, und 3. bei 
größeren in der Basis, wenn dieselben erst kurze Zeit bestehen. 



Krankheiten der Atmungsorgane. 175 



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Arch. f. kHn. Med. Bd. LXXVI. 



d) Krankheiten der Kreislanfsorgane. 

Von Prof. Dr. A« Dennlgr in Stuttgart. 

Von größeren Werken, die sich zu kurzem Referat nicht eignen, seien 
erwähnt die Klappenfehler des Herzens von Th. v. Jürgensen, die mit 
den früher erschienenen Arheiten des Autors, der Endokarditis und Herz- 
insuffizienz, ein ahgeschlossenes Ganzes bilden ; das in jeder Hinsicht hervor- 
ragende Werk wird von jedermann mit größtem Gewinn gelesen werden. 
Die in anregender Form geschriebene Therapie der Herzkrankheiten von 
L. Braun bringt eine zusammenfassende Darstellung Über den gegen- 
wärtigen Stand der Behandlung der Herzkrankheiten mit Berücksichtigung 
der herrschenden physiologischen Anschauungen. E. Albrecht, der Herz- 
muskel, seine Bedeutung für Physiologie, Pathologie imd Klinik des Herzens 
ist ein interessantes, in mancher Beziehung eigenartiges Buch und größter 
Beachtung wert. — Es seien noch genannt instruktive Modelle des fötalen 
Herzens von E. Winternitz und die Diagnose der Herzklappenfehler in 
schematischer Uebersicht von A. Denn ig. 

Eine neue Kreislauftheorie stellt Hasebroek auf. Das Weber- Theorie des 
Volkmannsche Schema befriedigt nicht: außer vom Herzen wird viel- Kreislaufs, 
mehr auch von der Peripherie selbständige Triebkraft für den Kreislauf 
geliefert Die Ventrikel haben in der Hauptsache die Aufgabe, Blut bis 
an die Peripherie heranzubringen, hierselbst wird es durch die Funktion 
der Organe aufgefangen und weiterbefördert. Die Peripherie entspricht 
einem zweiten Pumpwerk, welches mit dem Herzen verkuppelt ist. Die 
Selbständigkeit der Peripherie besteht nicht nur in einer tonischen An- 
passung und Lieferung von Elastizität, sondern in einer aktiven l^tigkeit 
der Kapillaren im Sinne einer Diastole und Systole ; diese Tätigkeit kommt 
in den Gewebekapillaren als Ansaugung zum Ausdruck, im Arteriengebiet 
herrscht mehr Propulsionskraft vor. Diese Saug- und Propulsionskraft wirkt 
unabhängig vom Herzen und hierdurch ist eine selbständige energische 
Blutbewegung in der Peripherie bis in die Venen gegeben. Die Venen- 
anfänge stellen ein passives Reservoir dar und ermöglichen durch ihre 
stetige Anpassung die stets wechselnde Blutbewegung. Diese interessanten, 
zum Teil allerdings recht hypothetischen Ausführungen gaben 0. Rosen- 
bach Veranlassung, auf seine früheren bezüglichen Veröffentlichungen hin- 
zuweisen, und es läßt sich nicht leugnen, daß in vielfacher Beziehung eine 
auffallende üebereinstimmung herrscht. Von großer Bedeutung für die 
Blutbewegung und den Verkehr des Blutes mit den Geweben sind die von 



180 



Dennig. 



Blutdruck. 
Puls. 

Druck im 
rechten 
Vorhof. 



Blutdruck- 
messung. 



Steinach und Kahn festgestellten Tatsachen einer echten Eontraktilität 
und motorischen Eontraktion der Blutkapillaren. Die Verfasser 
wiesen in verschiedenen Organen nach, daß sowohl bei direkter als in- 
direkter Reizung bei vielen Kapillaren eine Eontraktion bis zum Ver- 
schwinden des Lumens eintritt. 

Zur Bestimmung des Druckes im rechten Vorhof be- 
dient sich Gärtner einer äußerst einfachen Methode, die auf dem 
Verhalten der Venenfullung in der oberen Extremität beruht, indem 
die bei gesenktem Arm als vorspringende Stränge sichtbaren Hant- 
venen sofort zusammenfallen, wenn der Arm bis zur Höhe des 
Herzens gehoben wird. Dieses „Venenphänomen^' ist abhängig von 
den Druckverhältnissen im rechten Vorhof, positiver Druck daselbst 
bringt die Venenwand zum Entfalten, Null- oder negativer Druck 
zum Zusammenfallen. So kann der Druck gemessen werden durch 
die Bestimmung des Vertikalabstandes zwischen dem rechten Vor- 
hof und der Lage der Vene beim Eintritt des Phänomens; bei 
Druckerhöhung im rechten Vorhof (Mitralfehlern etc.) muß der Arm 
viel höher als gewöhnlich gehoben werden. Ob die Verhältnisse 
wirklich so einfach liegen, wie Gärtner annimmt, müssen weitere 
Prüfungen zeigen. — Einen einfachen Sphygmographen ver- 
danken wir ebenfalls Gärtner. Der Apparat besteht aus einer 
den Dimensionen des Vorderarms entsprechenden Höhlung; durch 
festes Anliegen des Instrumentes wird der Arm in pulsatorische 
Bewegungen gesetzt, die auf einer Marey sehen Trommel registriert 
werden können, und zwar sind es, da Venen und Kapillaren kom- 
primiert werden, die durch Volumensänderungen der Arterien ent- 
stehenden Erscheinungen. — Die Begistrierung des Pulses durch 
einen Spiegelsphygmographen, wobei die vom Pulse in Be- 
wegung gesetzten Massen auf das kleinste Maß beschränkt werden 
und dadurch die Entstellung der Kurven auf ein Minimum redu- 
ziert werden soll, empfiehlt Frank. Ein von Sommer ersonnener 
Apparat ermöglicht es, den Puls in Töne umzusetzen, indem die 
Bewegungen einer sphygmographischen Pelotte auf Zungenpfeifen 
übertragen werden und die Pulsverhältnisse sich in Schwankungen 
der Tonhöhe ausdrücken. — Eiva-Eoccis Sphygmomanometer 
und Gärtners Tonometer unterzieht Martin einer eingehenden 
Kritik: beide Apparate sind zur Messung des allgemeinen Blut- 
druckes unter Anwendung der breiten Manschette beim ersteren und 
der Benutzung des Biva-Boccischen Kompressionsschlauches beim 
letzteren verwendbar; das Tonometer gibt einen etwas niedrigeren 
Druck an. 



Krankheiten der Ereislanfsorgane. Igl 

Mit der Bestimmung des Blutdrucks bei Körper arbeit gesimder 
Menschen haben sich 0. Moritz und Karrenstein beschäftigt. Der 
erstere bestätigt die schon von Kornfeld festgestellte Tatsache, daß nicht 
nur die absolute Arbeitsgröße, sondern auch die psychische Anstrengung 
für die Größe der Blutdrucksteigerung maßgebend ist. Während bei sehr 
leichter, gar nicht ermüdender Arbeit der Blutdruck sich nicht ändert, 
steigt er bei mäßig ermüdender Arbeit mit Arbeitsbeginn, bleibt während 
der Arbeit gleichmäßig erhöht und fällt mit dem Arbeitsschluß; bei stark 
ermüdender Leistung steigt der Blutdruck stetig während der Arbeit und 
fällt mit dem Arbeitsschluß; aber es ist nicht die Größe der geleisteten 
Arbeit, sondern die Größe der Ermüdung, welche die Höhe des Blutdruck- 
anstieges bestimmt : je mehr Willensanstrengung aufgewendet werden muß, 
um die Arbeit fortzusetzen, desto höher wird der Blutdruck. Nach länger 
dauernden Anstrengungen, Bergsteigen, Exerzieren fand Karrenstein bei 
Soldaten ein verschiedenes Verhalten des Blutdrucks, nach dem Bergsteigen 
war er in44^/o niedriger, in 16% gleich geblieben, in 89% gesteigert im 
Vergleich zu der vor der Anstrengung vorgenommenen Messung; nach 
2— Sstündigem Exerzieren hatten 69% erniedrigten, 18% unveränderten 
und 12% erhöhten Blutdruck. Die Differenz im Blutdruck zwischen der 
ersteren und zweiten Bewegungsart glaubt Verfasser auf die Aufnahme von 
alkoholischen Flüssigkeitsmengen vor dem Bergsteigen zurückführen zu 
können und fand diese Vermutung durch Selbstversuche bestätigt. Feste 
Beziehungen zwischen Pulsfrequenz und Blutdruck waren nicht zu erkennen, 
ebensowenig ließ sich für Körpertemperatur — die nach der Arbeit erhöht 
war — und Blutdruck eine Relation finden« Der im Kapillargebiet zwischen 
Blut und Geweben vor sich gehende Flüssigkeitsaustausch ist abhängig von 
vitalen und physikalischen Faktoren, und zwar liefert die vitale Tätigkeit 
der Zellen die Bedingungen, unter welchen die Kräfte der Osmose und 
Filtration wirksam werden können. Diese Zelltätigkeit schafft dauernd 
Konzentrationsdifferenzen zwischen Lymphe und Blut und erzeugt dadurch 
die Vorgänge der Osmose, und weiter bedingen die Schwankungen des Blut- 
drucks einen Filtrationsprozeß durch die Kapillarwand, also eine Auspressung 
des Blutplasma einerseits, Aufsaugung von Gewebslymphe andererseits. 
Druckschwankungen haben einen bedeutenden Einfluß auf die Kon- 
zentration des Blutes und zwar lehren die bisherigen Erfahrungen, daß 
Erhöhung des Blutdrucks und Verengerung der Gefäße vermehrten Flüssig- 
keitsaustritt und damit Zunahme der Blutkonzentration, Blutdrucksenkung 
und Erweiterung der Gefäße Flüssigkeitsaufnahme aus den Geweben in 
das Blut und damit Konzentrationsabnahme zur Folge haben. Aus den 
Untersuchungen von Heß, der, abweichend von früheren Autoren, im 
arteriellen und venösen Blut getrennt den Konzentrationsgrad bestimmte, 
ergibt sich die bemerkenswerte Tatsache, daß unter dem Einfluß vorüber- 
gehender Blutdrucksschwankungen das arterielle und venöse Blut einen 
verschiedenen Konzentrationsgrad aufweisen, indem das arterielle Blut eine 
Konzentrationsänderung unter den genannten Bedingungen nicht zeigte, 



183 



Denüig. 






T\<»phntlB, 



bei 
Vorbi7s 



"RhvthTmi?«, 






Apif^ tftiOne niui (t^i^gen diesen Wecheel regelmäßig aufwies. Ein Ana- 
glf'irh «wiRohen dit'Ben beiden 8}*«temen findet, wie Hefi in treffender 
\Vpi'«e bewt^iftt, in den Lungen wtatt 

Ikn dftfl ktiinke Her« bei viel geringerer und kür»»' duMroder 
Avbeit ermüdet) «tle dM gründe ^ hat O. Horiti na^cligewieBeB. 
Bei Myx)degeneration und unkompensierten ElApp^üdikm bewirkt 
Ktsrperarbeit ebenso xrie bei Gesund^u ein« Steigenuig des Bhitdnidk&, 
jedoch sinkt er noch während der Arbeit und kehrt sadi AfbeitB- 
echlnß langnamev txit Xorm enrück. £in Siaiken des Elotdnioks 
nnter die Xoi^m i^^t als Zeiobesa der Hereermüduig «nfzofstsBeii. Den 
Blntdmck bei aknter Snhlimatnephritis mxMSsen, luctteKolb 
O^legenheit nnd fand, daß »cb<m weini^ Standen nach l«inwntwn 
der Xephntis ^ine Erhöhung bis za mudxnalen Weiten «ixdZBX, 
Während nnt^r "Rinwirkung von SchwitzbadcEm ein starkee AbHinteffTi 
Ptattgefunden hatte. Bei Besserang des IProzeseee kann eine Tssdie 
Abnahme des Blutdrucks erfolgen. — Die Basedowsche Krank- 
hoit verhält sich nach Donath bezuglich des Blntdmck i«r- 
schieden : er kann normal, herabgesetzt oder — in der Mefaisahl der 
Fälle — gesteigert sein. 

Die verschiedenen Formen der Herzarhythmie mit den Thtter- 
snchnnpen und Erklärungen Endreim anns — autontatiscke Erregbar- 
keit des Herzmuskels, Leitungsvennögen und Rentraktilität — in 
Einklang zu brineren, unternimmt B eh fisch in anlierst anscboa- 
lieber Weise: eine Form der Arhythmie beruht auf £ztimsyBtole[&, 
hervorgerufen durch Aenderung der Erregbarkeit des Henanaaki^ 
(Arteriosklerose, Herzkrankheiten, Nervosität), eine zweite Form. 
der Pulsus deficiens, ist eine FoUre der Lasion des Leitungsver* 
mö^ens der Herzmuskelzellen <schwere Fälle von Myo- tmd £ndo> 
karditts, Tnfektionskrankheiten und zw«r meist in der B^konvaleo 
7enzi. eine dritte Form ist der Pulsus mynmsund der Pulsus altemaAs. 
nT\\ veränderter Kontrakdlitat des HerzmuskelK heruhend. Die Pro- 
gnose derHerzarhythmien richtet sich nach ihrer EntstehungBarsacfae. 
In ähnlichem Sinne sprechen sich Gast eil in o und Espinay ans 

Die BeobachtungSTi über die Adams- St okessche Krankheit 
mehrer. sich: so teilt v. Stsrck eiiran bemerkenswerten Fall be: 
einem T"»; ährigen Kiudf mit. bei welchem, wie die Sektion ers^L 
eine Kompression des "Vagns durch Bronchialdrüsen stattgefioadex: 
hatte: du Mesnil d e Bochemonts beide Fälle sind ohne Sektioxis - 
erprehnis: Osler bespricht die Aetiologie. Symptomatologie. DiagnoBe 
und Prognose und beschreihr 1 2 Falk . Lr unterscheidet zwischen poRt- 
febrilen (wahrscheinlich auf myokarditischen Verändemniren henüiexi- 



Krankheiten der Ereislaufsorgane. 183 

den), neurotischen und arteriosklerotischen Fällen. Die Prognose ist 
ungünstig, wenn es auch Fälle gibt, die sich über Jahre hinziehen; 
Heilung ist vielleicht bei jungen Individuen, die nach einer In- 
fektionskrankheit die Erscheinungen darbieten, möglich. Bei einem 
gesunden 40jährigen Soldaten hat Blackham einen Puls von 40 bis 
45 in der Buhe, 55 Schlägen nach Anstrengungen gesehen. Bei 
einem Greise, der Bradykardie mit Bigeminie und Trigeminie Bradykardie, 
aufwies, zeigten die von Pan aufgenommenen Kurven, daß es sich 
bei der Bigeminie um Extrasystolen handelte, die Trigeminie nur 
scheinbar war, indem die dritte Systole durch einen Normalreiz aus- 
gelöst wurde. 

In einer sehr interessanten Arbeit legt August Hoff mann 
weitere Erfahrungen über das Herz jagen nieder und bezeichnet Paroxysmale 
als den Anfall auslösende Momente körperliche Anstrengungen, Tachykardie, 
psychische Erregungen, Alkohol- und Tabakmißbrauch; der Aus- 
gangspunkt liegt in der Medulla oblongata, es findet eine Umstimmung 
der Erregbarkeit des Herzmuskels, Erhöhung des Leitungsvermögens 
und der Kontraktilität statt. Das plötzliche Auftreten der ganz 
außerordentlichen aber regelmäßigen Pulsbeschleunigung , die Em- 
bryokardie, charakterisieren das Krankheitsbild ; es findet sich keine 
Vergrößerung, sondern eher eine Verkleinerung des Herzens, femer 
häufig Beweglichkeit des Organs. Die Prognose ist relativ günstig; 
kupiert kann der Anfall werden durch sofortiges Hinlegen, tiefes 
Atemholen oder Anhalten des Atems nach tiefer Inspiration, Druck 
auf den Nervus vagus. Einen hierhergehörigen mit Mitralis- und 
Aortenfehler komplizierten Fall stellte Naunyn vor, einen weiteren 
sehr interessanten schildert Fr ick. 

Dem Pulsus paradoxus, einem stets als pathologisch aufzu- Pulsns 
fassenden Phänomen, liegen nach Riegel verschiedene Entstehungs- P*»doxus. 
Ursachen zu Grunde: die inspiratorisch-mechanische, Kompression 
der großen Gefäße (Kuß maul s Mediastinoperikarditis) ; in diesen 
Fällen schwellen auch die Halsvenen inspiratorisch an, der Herz- 
spitzenstoß wird dabei, wo noch fühlbar, inspiratorisch eher ver- 
stärkt. Die zweite Ursache ist in einem abnorm erhöhten negativen, 
inspiratorischen Druck zu suchen, wie solcher bei der Stenose der 
oberen Luftwege, Bronchitis capillaris, Pneumonie und vielleicht ^ 
auch bei Pleuraexsudaten vorkommt. Eine dritte Ursache ist die 
verringerte Widerstandskraft des Herzens selbst: ein solch ge- 
schwächtes Herz gibt den normalen intrathorazischen Druckschwan- 
kungen leichter nach und schon der gewöhnliche negative Druck 
bei der Inspiration stellt ein Hindernis dar, welches sich im Puls- 



184 Dennig. 

bilde ausprägt. Oft werden sich die verschiedenen Faktoren kombi- 
nieren; immerhin sollte man bestrebt sein, im Einzelfall die Frage 
der Entstehung des Phänomens zu beantworten, da der Therapie 
wegen möglichst scharfe Trennung geboten ist. 

V. Leyden hält an den von ihm schon in den 60er Jahren 

Hemisystolie beschriebenen Phänomen der Hemisystolie und der von ihm ge- 
Herzbi'^emlnie ß®^®^®*^ Erklärung fest, hebt aber hervor, daß das Vorkommen ein 
sehr seltenes sei und sich bei unkompensierten Herzfehlem nach 
großen Digitalisgaben zeige. Seine Auffassung lasse sich mit den 
neueren Ergebnissen der Physiologen wohl in Einklang bringen. 
Demgegenüber faßt Riegel die Hemisystolie als Herzbigeminie auf 
(nach einer kräftigen Herzsystole folgt eine unvollständige, durch 
eine Extrasystole unterbrochene Diastole), die nicht so selten zur 
Beobachtung gelange. Ueber zwei auf Herzbigeminie beruhende Fälle 
von doppeltem Herzstoß berichtet auch Do IL Hering bestreitet, 
wie früher schon, auch jetzt das Vorkommen der klinischen Hemi- 
systolie. Er weist an der Hand experimenteller Untersuchungen an 
Säugetierherzen nach, daß das Weiterschlagen des einen Ventrikels 
nach Aufhören des anderen nur an absterbenden Herzen beobachtet 
werde; die seltenere Kontraktion eines Ventrikels im Vergleich zu 
der des anderen sei sowohl aus anatomischen als physiologischen 
Gründen unwahrscheinlich; ebenso sei die sog. Systolia altemans, 
daß das eine Mal der rechte ohne den linken, das folgende Mal der 
linke ohne den rechten Ventrikel schlage, ein Ding der Unmöglich- 
keit. Er will die Hemisystolie und die Systolia altemans aus der 
klinischen Terminologie entfernt wissen, erstere, weil sie nur am 
absterbenden Herzen vorkommt, letztere, weil sie überhaupt nicht 
existiert. 

Bestimmung Die Friktionsmethode, mittels welcher Smith die eigen- 

CTenzen" artigsten Figuren erzielte, wird auch heuer wieder auf Grund 

— Friktions- genauer orthodiagraphischer Untersuchungen von F.Moritz, de la 
— ^n^^h^' ^*^P» Bickel u. a. abgelehnt und vor derselben als einem za 

disgraphie, Trugschlüssen fuhrenden Wege gewarnt; Smith und Hornung 
suchen die Einwände zu widerlegen. De la Camp stellt in Ueber- 
einstimmung mit Karfunkel die sehr zu berücksichtigende Tat- 
sache fest, daß bei verschiedenem Zwerchfellstand in den Größen- 
unterschieden des Herzens beträchtliche DifiPerenzen bestehen, daß 
besonders bei tiefer Inspiration eine erhebliche Senkung des Herz- 
schattens und demgemäß eine Vergrößerung des Längsdurchmessers 
und Abnahme des Breitendurchmessers stattfindet; es handelt sich 
nicht nur um eine Senkung durch die Schwere, sondern auch um 



Krankheiten der Ereislaufsorgane. 185 

eine Drehbewegung um die Längsachse und um eine Pendelbewe- 
gung. Auch die Seitenlage hat Einfluß auf die Projektion des 
Herzschattens. — Zur Bestimmung der Herzgrenze — besonders der 
relativen linken ~ hat Engel einen Plessimeterklotz konstruiert, — Perkussion. 
der starke Tiefenperkussion ermöglicht. Die Methode hat Aehnlich- 
keit mit einer von P losch angegebenen und bietet kaum einen Vor- 
teil vor den anderen. 

Rhythmische Stöße des Kopfes (Mussets Symptom) — von Poisatorische 

unten nach oben, von vom nach hinten und in leichter Form von ^»chütte- 

nuigon des 
links nach rechts — kommen nach Bacco und Herzog nicht nur Kopfes. 

bei Aortenklappeninsuffizienz und -aneurysma vor, sondern bei er- 
höhter Spannung im Ge&ßsystem überhaupt; nach letzterem Autor 
auch dann, wenn nur örtliche Drucksteigerung vorliegt. 

Einige weniger bekannte und zum Teil seltenere auskultatorische Er- Seltenere 
scheinungen bespricht Syllaba; von ihnen sei hervorgehoben das sog. anskulta- 
Flintsche Symptom, ein präsystolisches Geräusch und Schnurren an ^ v ■ 
der Herzspitze bei Aortenklappeninsuffizienz mit der von Sansom auf- mmgen. 
gestellten Theorie, das Geräusch unterliegt zeitlichen Schwankungen und 
kann auch yerschwinden , von Einfluß ist der Blutdruck. Systolische 
Geräusche an der Herzspitze ohne vorausgegangene Endokarditis findet 
man bei Arteriosklerotikem in 6 7o der Fälle, ferner bei Nephritis. Manch- 
mal liegt eine organische Veränderung an der Mitralis vor (Kardiosklerose), 
in anderen Fällen handelt es sich um eine relative resp. funktionelle In* 
Buffizienz. Bei Arteriosklerotikem hört man zuweilen ein Geräusch über 
der Aorta, das sich durch seine Kürze auszeichnet und von Rosenbach 
als postdiastolisch bezeichnet wurde, es schließt sich an den akzen- 
tuierten, manchmal metallisch klingenden zweiten Ton an und ist zurück- 
zuführen auf eine relative Insuffizienz der Aortenklappen. Als Mund- Mundhöhlen- 
höhlengeräusch beschreibt G. F i s c h e r ein dem Aortenpuls synchrones, geräusch. 
also herzsystolisches Geräusch, welches man bei der Auskultation der Mund- 
höhle, leichter bei der Exspiration, vernimmt und zwar unter bestimmten 
abnormen Verhältnissen. Es handelt sich nach dem Verfasser um ein Ge- 
fäßgeräusch in der Carotis interna, das verschiedene Timbreunterschiede 
darbietet, bei Gesunden nicht vorkommt, sondern nur bei einem höheren 
als normalen Stand der Aorta, wie es besonders bei Vergrößerung des 
Herzens der Fall ist. Dieses nach Wissen des Referenten noch nicht be- 
schriebene Phänomen wird noch nachzuprüfen sein und bei Bestätigung des 
Befundes einen wertvollen Teil der Semiotik darbieten. 

Die Hypertrophie des ganzen Herzens, sowie das Herz- 
Ueberwiegen oder Alleinhypertrophieren des linken Ventrikels resul- ^^^^^gj^g^f 
tiert nach Senator bei der chronischen Nierenentzündung krankheiten. 
ans der abnormen BlutbeschafiPenheit, die einen Beiz gleichmäßig auf 
alle Herzabschnitte ausübt; außerdem aber findet der linke Ventrikel 



186 Dennig. 

Herz- im großen Kreislauf noch vermehrte Widerstände, einerseits durch 

hypertrophie Qef&ßkontraktion, andererseits durch den Druck der hydropischen Er- 
bei Nieren- /.i.^ift,-!. -r^.^ « > -, i 

krankheiten. güsse auf die Gefäße bedingt. — Bei der chronisch parenchymatösen 

Form wirkt sowohl das eine als das andere, bei der Schrumpfiliere 

wesentlich das erstere Moment; wahrscheinlich kommen bei diesen 

Schädlichkeiten, die das Herz und die Nieren gleichzeitig treffen, in 

Betracht. 

Aus den exakten und vielftlltigen Untersuchungen delaCamps 

Akute geht yervor, wie vorsichtig man mit der Diagnose der akuten 

Herzdilatation. H^r^dilatation sein muß. In Uebereinstimmung mit F. Moritz, 
Aug. Hof mann u. a. fand er durch orthodiagraphische Aufaahmen, 
daß Gesunde trotz größter körperlicher Arbeit keine Dilatation des 
Herzens bekommen, daß dagegen Herzkranke mit gestörter Kompen- 
sation je nach dem Grade derselben bei Eörperarbeit eine Vergröße- 
rung des Herzschattens in verschiedener Ausdehnung zeigen. Tiere, 
unter verschiedene pathologische Bedingungen gebracht, verhielten 
sich bei Anstrengungen bezüglich des Herzens verschieden. 

Endokarditis. üeber einen fieberlos verlaufenen Fall von maligner, 

ulzeröser Endokarditis berichtet Fazio; er hebt hervor, daß 
auch Geräusche fehlen können, und daß auch das Kulturverfahren 
aus dem Blute nicht immer positive Ergebnisse liefert. Solche Fälle 
dürften nach den Erfahrungen des Referenten nicht so sehr selten 

Endocarditis sein. — Einen bemerkenswerten Fall von Endocarditis gonor- 

gonorrhoica. rhoica beschreibt v. Frendl; er zeichnete sich durch einen stär- 
mischen Verlauf und direkte Metastasen am Endokard ohne Beteili- 
gung anderer Organe aus. Der Nachweis von Gonokokken im 
kreisenden Blute ist Heye bei einem Fall von ulzeröser gonorrhoi- 
scher Endokarditis und zwar 6 Tage ante mortem gelungen. 

Herzklappen- Bezüglich des Grades der Aortenklappeninsuffizienz 

stellt Ferranini auf Grund experimenteller Untersuchungen aku- 

insnfflzienz. stischeVerschiedenheiten auf, die kaum besondere Bedeutung 
haben werden. Ein protomesodiastolisches Geräusch hört man bei 
ausgedehnterer Klappenläsion, ein mesodiastolisches Geräusch, dem 
immer der Best eines zweiten Tones vorausgeht, kommt bei weniger 
hochgradiger Läsion vor. Uebergänge sind möglich. — Wegen der 
Begutachtung von Unfällen interessant sind Mitteilungen von Jessen 

Traumatische und von Struppler über traumatisch entstandene Aorten- 
^tasuÄM.''^^®^^^^^^®'^^- " Fehlen des Herzspitzen- resp. Herz- 
stoßes bei Aortenklappeninsuffizienz hat Galli gesehen; 
dabei läßt sich die von Martins gegebene Erklärung, Komplikation 
mit Mitralinsuf&zienz, nicht voll in Anwendung bringen. Verfasser 



Krankheiten der Ereifilaufsorgane. 187 

glaubt, daß aach der funktionelle Zustand des linken Ventrikels in 
Betracht gezogen werden muß. Uebrigens ist nur der eine der beiden 
Fälle durch die Obduktion erhärtet. — Hysterie undAortenerkran- Hysterie und 
kung — namentlich Insuffizienz und Stenose — sucht Mariani^?'*®'^^*^^®^" 
y Larrion in Zusammenhang zu bringen: die beständige seelische 
Erregung der Hysterischen soll dabei ähnlich auf das Herz und die 
OefS&ße wirken wie Alkohol, Syphilis etc. Er dürfte kaum viele 
Anhänger für seine Lehre finden. — Es gibt Fälle von Aorten- 
insuffizienz, in welchen geringe Albuminurie i^nd das Erscheinen Albuminurie 
spärlicher Zylinder im Sediment bei reichlicher Harnentleerung sich ^^^ 
weder auf zu&Uig vergesellschaftete Nephritis, noch auf atheromatöse Insuffizienz. 
Induration der Nieren (wie bei älteren Arteriosklerotikem), noch auf 
Nachlaß der Herztätigkeit zurückzufuhren ist, sondern die Erklärung 
liegt nach Le übe in den vorhandenen starken Druckschwankungen, 
denen der gesamte große Kreislauf, also auch das Gebiet der Nieren- 
arterie, unterworfen ist. Es kommt dadurch zur Verdickung der 
Arterienwände mit Wucherung des Bindegewebes in der Umgebung 
der Ge&ße, zu einer — wie v. Leube treffend hervorhebt — arte- 
riellen Induration, die weiterhin in eine arterielle Ge&ßschrumpf- 
niere übergehen kann. Die Wandverdickung der Glomerolusschlingen 
hat ungenügende Ernährung der Glomerulusepithelien und damit 
Albuminurie zur Folge; auch die Hamkanälchen erhalten imgenügend 
Sauerstoff mit den daraus resultierenden Erscheinungen. Für die 
Bichtigkeit dieser Auffassung spricht inv. Leubes Fall das Auftreten 
der arteriellen Induration in anderen Organen, der Leber, Milz, nicht 
aber in der Lunge. — Durch Trauma hervorgerufene Mitral- Traumatische 
Insuffizienz schildert Kienböck: Schuß Verletzung des Herzens Mitrai- 
mit Einheilung des Projektils imd als unmittelbare Folge Mitral- 
insuffizienz, dabei bleibt es dahingestellt, ob Sprengung der Mitral- 
klappe oder Verletzung der Muskulatur oder traumatische Endo- 
karditis vorliegt. — Wie sehr man bei Herzfehlem mit der Beurtei- Mitrai- 
lung einzelner Symptome vorsichtig sein soU, lehrt eine Beobachtung iasufflzienz 
von Ourschmann jr. Eine Kranke mit Mitralisinsuffizienz, die hysterischer 
anfEuigs alle Zeichen der Kompensationsstörung aufwies, bekam Tachypnoe. 
heftigste An&Ue von Atemnot — bis 140 Ep. in der Minute — , 
die als schweres Asthma cardiale gedeutet werden mußten. Auf- 
fallend war aber, daß während des Anfalls die objektiven Zeichen 
des Luftliungers fehlten; bei längerer Beobachtung stellte es sich 
heraus, daß es sich — beim Auftreten auch sonstiger Stigmata — 
um eine hysterische Affektion gehandelt hatte. 

Die syphilitischen Erkrankungen des Herzens werden 



188 Dennig. 

Syphilis des nach Euneberg nicht genügend beachtet; sie sind viel häufiger 
Herzens. ^ ^^^^ gewöhnlich annimmt. Bezüglich der Lokalisation kann man 
unterscheiden: die sklerogummöse Arteriitis der Koronararterien mit 
Myomalazie, klinisch sich äußernd in Angina pectoris; femer die 
sklerogummöse Aortitis mit ihren nächsten Folgen, den Aortenklappen- 
fehlern und aneurysmatischen Erweiterungen; zu den Seltenheiten 
gehören die Gummata des Herzmuskels, die gummöse Perikarditis 
und Endokarditis, ja die Existenz letzterer wird überhaupt bezweifelt. 
Verfasser hebt hervor, daß die Mortalität an Herz- und Aorten- 
syphilis nicht viel geringer ist als die an Gehirn- und Bückenmarks- 
lues und empfiehlt dringend mehr die Berücksichtigung dieser 
Krankheit. In ganz ähnlicher Weise spricht sich Brei t mann aus. 
Bezüglich der Behandlung wird betont, daß Herzmittel weniger 
helfen, dagegen die spezifische Behandlung oft von gutem Erfolge 
begleitet ist. 
Aktinomykose Die Erkrankung des Herzens an Aktinomykose ist selten, 

des Herzens. Th6venot hat 15 Fälle aus der Literatur zusanmiengestellt. Die 
Affektion ist stets sekundär und macht keine anderen Erscheinungen 
als die gewöhnlichen Herzaffektionen; nur bei gleichzeitiger Aktino- 
mykose anderer Organe hat man an diese Komplikation zu denken. 
Beweglichkeit Abnorme Beweglichkeit des Herzens beschreibt Sil her- 
des Herzens, gleit; da bei Lagewechsel keinerlei subjektive Beschwerden auf- 
treten, spricht der Fall für die Braunsche Auffassung, daß das 
Cor mobile an und für sich keine Beschwerden mache. Ln Gegen- 
satz hierzu hebt Bumpf — besonders auch gegen Bomberg — 
hervor, daß in seinem vor 14 Jahren beobachteten Fall die schweren 
subjektiven Erscheinungen einzig und allein von der abnormen Be- 
weglichkeit des Herzens abhängig waren. 
Angeborene Pathologisch-anatomische Befände von 6 Fällen seltener ange- 

Herzfehier. ^Qj-^ner Herzfehler teilen Cowan und Fergusson mit; schematischo 
Darstellungen veranschaulichen den geänderten Kreislauf in den 
einzelnen Fällen. Die viel umstrittene Frage der Wiedereröffnung 
des Ductus arteriosus Botalli beantwortet Wagner an der 
Hand zweier Fälle in bejahendem Sinne. Die klinische Seite der 
Persistenz des Ductus arteriosus Botalli berücksichtigen Hoch- 
haus, Dresler, Bittorf, Arnhein, Dokuczajewa, besonders 
hervorgehoben wird unter anderem das Gerhardt sehe Zeichen — 
die bandförmige Dämpfung am linken Stemalrand im zweiten und 
dritten Interkostalraum mit sieht- und fühlbarer Pulsation — ; auch dio 
Orthodiagraphie kann die Diagnose sichern. Auf die Ungleich- 
heit der Stärke des Pulses an den peripheren Arterien des 



Ej'ankheiten der Ereislaufsorgane. 



189 



Kopfes und der oberen Extremitäten weist E. Dokuczajewa hin; 
infolge der Kommunikation zwischen Pulmonalis und Aorta gelangt 
weniger Blut in die linke Karotis und Subklavia als in die Anonyma, 
was in dem schwächeren Puls links seinen Ausdruck findet; auch 
bleibe die linke Körperhälfte in der Entwicklung wegen weniger 
guter Ernährung zurück. — üeber Mißbildungen der Trikuspi- 
dalis berichtet Geisel, Schreiber über Atresie des Ostium 
venosum dextrum , sehr großes Foramen ovale, Defekt im Kammer- 
septum, Hypoplasie des rechten Vorhofs, Mißbildung der Pulmonal- 
klappen und offenen Ductus arteriosus ; über gemeinsamen Ursprung 
der Aorta aus beiden Ventrikeln bei Mangel der Pulmonalarterie 
Gutkind. — Die Vermehrung der Zahl an roten Blutkörperchen 
bei angeborenen Herzfehlem hat Fromherz an sechs Patienten 
nachgewiesen; die Zyanose wird erklärt aus der Hyperglobulie, wie 
dies früher schon besonders von französischer Seite geschehen ist 
(Variet). Während normalerweise die Harnabsonderung bei Tage 
weit beträchtlicher ist als bei Nacht (wie 100 : 50), kehrt sich nach 
den Beobachtungen von Pöhu das Verhältnis bei einer Reihe von 
Herzerkrankungen um. Diese Nykturie ist bedingt durch un- 
genügende Leistungsfähigkeit des Myokards; es ist wegen der ihm 
bei Tage gestellten größeren Arbeitsforderung nicht im stände, die 
eingenommenen Getränke auszuscheiden, wohl aber ist die Elimination 
der nun in den Geweben aufgespeicherten Flüssigkeit während der 
Nachtruhe möglich. Die Erscheinung dürfte, wenn sie sich bestätigt, 
ein wertvolles Frühsymptom darstellen. — Die Entstehung der 
Trommelschlegelfinger beruht bei Herzkranken nicht immer auf 
Stauung resp. Zyanose, sondern kann auch erfolgen unter dem Ein- 
fluß eines entzündlichen Agens. Dieses von Gzyhlarz betonte 
Moment ist schon von verschiedenen Autoren, unter anderem auch 
vom Referenten, hervorgehoben worden. — Herzruptur an 3 Fällen 
demonstriert Fahr; als Ursache ist die Thrombose eines Astes der 
Koronararterie anzusehen. — Herzverdrehung nach Trauma be- 
schreibt Benedikt; durch den Fall von mäßiger Höhe auf den 
Rücken wurde der rechte Ventrikel und Vorhof nach vorne gedreht, 
so daß die Längsachse des Herzens mehr in der Horizontalen stand ; 
der Fall ist besonders vom Standpunkt der Unfallversicherung wertvoll. 
Einen Fall von Pyoperikardium als Teilerscheinung von 
puerperaler Sepsis schildert A. Hall; einen solchen von Pneumo- 
perikardie — Perforation einer Bronchialdrüse in den Oesophagus 
einer- und den Herzbeutel andererseits — Hub er. Bei einer Kranken 
mit Synechia pericardii brachte die Talmasche Operation, nach 



Hyper- 
globulie. 

Harn bei 
Herz- 
krankheiten. 



Trommel- 
schlegelfinger. 



Herzmptur. 



Verdrehung 
des Herzens. 



Perikarditis. 



190 



Bennig. 



Behandlung : 
— Endo- 
karditis, 



— Herz- 
insuffizienz, 

- DigitaUs, 



- Chlor- 
barium, 



— Theozin, 



— Bäder und 
Gymnastik, 



MitteiloDgen von Clemens, wohl vorübergehende Besserung, aber 
keine dauernde Beseitigung des Aszites. 

Mit Antistreptokokkenserum behandelte Fälle von Sepsis 
und Endokarditis bespricht Ogle; es sind der Behandlung besonders 
solche zugänglich, wo die Mikroben im Blute kreisen, doch kommt 
auch bei maligner Endokarditis, bei welcher die Mikroben in Veg^ 
tationen eingeschlossen sind, Heilung vor; da häufig Doppelinfektion 
besteht, so wird die Injektion von Antistreptokokkenserum und Anti- 
staphylokokkenserum empfohlen. Duckwarth redet der rektalen 
Einverleibung von Serum das Wort. In der Beurteilung solcher 
Heilungen ist größte Vorsicht geboten, allzuhäufig folgt Enttäuschung 
nach. — Versuche von Brondgeest mit Dialysatum digitalis 
grandiflora (Oolaz), Digitalinum purum germ. (Merck) und In- 
fusum herb, digital, purpur. haben dargetan, daß die Wirkung der 
Präparate eine ganz ähnliche ist; daß das Dialysat einen festen Ge- 
halt an aktiver Substanz besitzt und ein gut haltbares Präparat ist. 
Hofbauer fand bei einem Herzkranken mit schwerer Dyspnoe, daß 
vor der Digitalisdarreichung die Thorazezkursionen prompter und 
stärker waren als nachher, wo starke Verflachung der Atemzüge 
eintrat. — Als Ersatz für Digitalis scheint sich in manchen Fällen 
das Chlorbarium zu bewähren; Schedel hat dieses alte Mittel 
aufs neue geprüft und gefunden, daß die Intensität der Herzkontrak- 
tionen vermehrt, die Frequenz herabgesetzt wird und daß schließlich 
systolischer Stillstand eintritt. Es wirkt verengernd auf die peri- 
pheren Oefäße, also blutdrucksteigemd. Die Dosis beim Menschen 
beträgt 0,02— OjOBg 2— 3mal täglich. Nachprüfdngen v. Tab o ras er- 
geben, daß es bei leichteren Insuffizienzen wirksam ist, bei schwereren, 
wo Digitalis noch half, versagte. Weitere Beobachtungen sind 
erwünscht. Die Vorteile des Mittels sind die konstante Zusammen- 
setzung, die genaue Dosierbarkeit, der billige Preis. Die Diureso 
mächtig fördernd und dadurch die Oedeme beseitigend, wirkt das 
Theozin in Tagesdosen von ^'2 — '/^ g; es liegt eine ganze Reihe 
von Beobachtungen hierüber vor (Doering, Kramer, Schlesinger, 
Battner u. a.), die Wirkung ist in vielen Fällen eine prompte und 
sehr ausgiebige, kUngt aber rasch ab und versagt beim zweiten oder 
dritten Versuch häufig ganz. Manche Personen ertragen das Mittel 
schlecht. Die eliminatorischen Wirkungen bestehen nach D res er 
nicht nur in Wasser, sondern auch in den darin enthaltenen Salzen. — 
Mit Recht warnt Kisch vor der zur Mode werdenden üeber- 
schätzung der Herzbäder. Es ist verkehrt, Ejranke, die stärkere 
Insuffizienzerscheinungen darbieten, in Bäder zu schicken, geschweige 



Krankheiten der Kreislaufsorgane. 191 

denn solche, bei welchen hydropische Ergüsse und Niereninsuffizienz 
vorliegen. Aehnlich spricht sich Wood aus; nur in Stadien, in 
welchen das Herz noch unter günstigen Umständen gut funktioniert, 
bei stärkerer Anstrengung aber versagt, ist Bäderbehandlung und 
Gymnastik geboten. Oerade wie vor einem starken Dezennium Herz- 
kranke durch übermäßige Körperübungen zu Tode gehetzt worden 
sind, läuft man jetzt Gefahr, daß sie durch Bäder ruiniert werden. 
Nach Jacob erhöht das Kohlensäurebad den Blutdruck und 
vergrößert das Pulsvolumen in höherem Maße als das indifferente 
Bad. Eeißner und Grote finden, daß das Kohlensäurebad nicht 
blutdrucksteigemd wirkt und erblicken darin keinen Nachteil, weil 
sicher bei vielen Kranken mit Herzschwäche, besonders Arterie- 
sklerotikem, eine Erhöhung des Blutdrucks nicht erwünscht ist. 
Boehr hat auch dieses Jahr Herzkranke in Kreuznach mit all- 
mählich kühleren und konzentrierteren Bädern erfolgreich behandelt. — 
Nach Hasebroek ist die günstige Wirkung der Gymnastik und 
00'2-Bäder in einer Anregung der eingangs beschriebenen selbständigen 
Kreislauftätigkeit in der Körperperipherie zu suchen. — Elektrische 
Bäder mit sinusoidalem oder faradischem Wechselstrom empfiehlt 
Franz e. Illoway macht mit vollstem Recht darauf aufmerksam, 
daß Diätfehler oft schwerste Störungen bei Herzkranken hervorrufen _ Diät, 
und warnt daher vor blähenden Speisen und kopiösen Mahlzeiten. 
Für die Beschränkung der Flüssigkeit tritt u. a. neuerdings — Flüssig- 
Kraus ein; doch soll sukzessive vorgegangen werden, erst auf ^®^^^' 
1500 com, dann auf 1000 und als äußerstes Maß 800 ccm. Schon 
die Beschränkung hat in manchen Fällen eine vermehrte Diurese 
zur Folge, und namentlich entfalten dann die Medikamente wieder 
eine bessere Wirkung. Diesen Empfehlungen kann sich der Beferent 
auf Grund einer großen Eeihe von in diesem Jahre gemachten Be- 
obachtungen voll anschließen. Auch Strauß hält bei kardialem 
Hydrops die verminderte Flüssigkeitszufuhr für wichtig. 

Ueber die Häufigkeit von arteriosklerotischen Veränderungen Arterio- 
in der Aorta jugendlicher Individuen hat Simnitzky das Sektions- s^ierose. 
material des pathologischen Instituts in Prag durchgesehen und fest- 
gestellt, daß in jugendlichem Alter die Arteriosklerose kein so seltenes 
Vorkommnis ist; bezüglich der Aetiologie stehen die Infektionskrank- 
heiten obenan, Alkoholismus war 2mal, Syphilis nie angegeben. 
Gl. Albutt unterscheidet bezüglich der Aetiologie der Arterio- 
sklerose drei Klassen : in der einen ist sie als Alterserscheinung auf- 
zufassen, bei der zweiten kommen mechanische Störungen (lange 
dauernde Blutdrucksteigerungen), bei der dritten toxische Einflüsse 



192 



Dennig. 



Aortitis. 



Aortaruptur 

bei Miß- 
bildung des 
Gefäßes. 



(Blei, Alkohol, Syphilis) in Betracht. Der Blutdrack kann sich ganz 
verschieden verhalten. — Auf die viel bestrittene Aortitis geht 
Cl. Albutt näher ein nnd behauptet, daß namentlich die aknte 
Erkrankung der Aorta viel häufiger sei als bis jetzt angenommen 
wurde, daß sie sich im Anschluß an akute ezanthematische Fieber, 
aber auch bei übergroßer Muskelarbeit (?) entwickle; der Ausgang 
der chronischen Aortitis ist meist Atherom und Aneurysma. Durch 
übermäßige Körperanstrengung entstand ein Aneurysma dissecans 
oberhalb der hinteren Aortenklappe, am 3. Tage eine Zerreißung 
der Adventitia mit Blutung in den Herzbeutel. Bei der Sektion des 
7jährigen Knaben fand Wasastjerna eine hochgradige kongeni- 
tale Einschnürung der Aorta gleich nach Abgang der A. sub- 
clavia sinistra; Kollaterale hatten die Zirkulation ermöglicht. Stati- 
Aneurysmen, stische Erhebungen über Aneurysmen von E. Müller zeigen, daß 
in den jüngeren Jahren die Häufigkeit sehr gering ist und nur l°/o 
der Toten ausmacht; beim Manne vom Ende des vierten, bei der 
Frau vom Ende des fünften Dezenniums an erhöht sich die Häufig- 
keit und bleibt fiir beide Geschlechter mit 8,5 ^/o annähernd gleich. 
Die Aneurysmen der Aorta sind beim männlichen Oeschlecht nahesa 
doppelt so häufig als beim weiblichen; die häufigste Ursache ist die 
Endarteriitis. Arrosionsaneurysmen der Lungenarterie fanden sich 
fast ausschließlich bei ulzeröser Lungentuberkulose. — Einen wohl 
einzig in der Literatur stehenden Fall von Aortenerkrankung schil- 
dert Mager: ein Aneurysma dissecans, in die Pulmonalarterie 
durchgebrochen, war traumatischer Natur und zwar wurde das Gef&ß 
und die Pulmonalis von einem im Sinus Valsalvae gelegenen ver- 
kalkten Stachel durchspießt. Kutscherski berichtet über einen 
eigentümlichen Fall, bei welchem durch Heben des Kopfes der vor- 
her regelmäßige, 70 Schläge zählende Puls um 20 — 22 Schläge sank 
und die Welle niedriger wurde; er vermutet ein Aneurysma aortae, 
wobei das Heben des Kopfes einen Zug auf das Aneurysma und da- 
mit auch auf den Vagus ausübt. — G. Eankin hat vier Aneurysmen 
mittels Gelatineinjektionen anscheinend mit gutem Erfolg be- 
handelt; Eeferent hatte auch Gelegenheit, bei einem FaU von 
Aneurysma der aufsteigenden Aorta Gelatineinjektionen — die von 
Merck gelieferte Gelatina steriUsata scheint ganz gefahrlos zu 
sein — zu versuchen und kann bestätigen, daß die vorher fast un- 
erträglichen , jeder Therapie spottenden subjektiven Beschwerden 
rasch zurückgingen, von einem objektiven Erfolg konnte er sich 
nicht überzeugen . K i n g d o n verordnet große Dosen von J o d k a 1 i 
(10 — 16 g pro Tag) und die bekannte Besohränkungsdiät. Die Ein- 



Therapie der 
Aneurysmen. 



Krankheiten der Ereislaufsorgane. 



193 



Smbolie. 



Paradoxe 
Embolie. 



fiihrung von Silberdraht nach einer von ihm angegebenen Methode 
hat D'Acry Power bei einem Aneurysma der Abdominalaorta er- 
folglos versucht. — Hochinteressante Mitteilungen über das Aneu- 
rysma arteriae hepaticae propriae macht Kehr. Bezüg- 
lich der Diagnose nach erfolgtem Durchbruch in die Gallenwege 
hebt er hervor Koliken, Ikterus, Magen- und Darmblutungen, An- 
schwellung der Oallenblase; Probeinzision sichert die Diagnose. 
Rascher Verschluß der Leberarterie ist von akuter Nekrose der 
Leber gefolgt, wird aber der Blutstrom des Gefäßes durch ein all- 
mählich wachsendes Hindernis verkümmert, wie bei Aneurysma, so 
bilden sich aus der Arteria coronaria dextra, der gastroduodenalis 
und den Aa. phrenicae Kollateralen aus, die die Ernährung übernehmen. 
Bei Kehr s Patienten war dies der Fall ; die Unterbindung der Leber- 
arterie brachte vollkommene Heilung. — Eine durch embolischen 
Infarkt bedingte zirkumskripte Myositis bei Sepsis glaubt 
L. Schwarz ais kaum beschrieben bezeichnen zu können; Eeferent hat 
schon 1891 und auch später darauf hingewiesen. — Auf einem Offen- 
bleiben des Foramen ovale beruht die paradoxe Embolie Cohn- 
heims, primäre Erkrankungen im großen Kreislauf führen zu Em- 
bolien in demselben Stromgebiete. Bezügliche Fälle beschreiben 
Simmonds und Schmorl; der letztere — ältere Thrombose 
der V. saphena sinistra im Zusammenhang mit einer Unterschenkel- 
fraktur, offenes Foramen ovale, totaler Verschluß der linken Carotis 
interna — ist fiir die Unfallprazis von großer Wichtigkeit. 

Die bei Schrumpfungsvorgängen in der Lunge nicht so selten 
auftretende Stenose der Pulmonalarterie soll man nachMader 
durch ein systolisches Lungengeräusch über der Auskultationsstelle 
der Pulmonalis erkexmen. — Peripherische Verengerung der 
Pulmonalarterie durch ein Karzinom des linken Hauptbronchus 
mit Umgreifen des N. recurrens sah Weinberger; die klinischen 
Erscheinungen wichen insofern vom Gewöhnlichen ab, als das systo- 
lische Geräusch besonders laut am rechten Sternalrand gehört wurde ; 
geänderte Leitungsbedingungen werden dafür verantwortlich ge- 
macht. — Ein in der rechten Fossa supraspinata besonders deut- 
lich gehörtes Venengeräusch, das weder über der Jugularvene noch über 
der Subklavia vernehmlich war, deutete J. Pal in scharfsinniger 
Weise als im Bogen der Vena azygos neben der Wirbelsäule durch Stenose der 
pleuritische Veiwachsungen, eventuell auch durch Kompression von ^^^ azygos 
Lymphdrüsen entstehend; gleichzeitig bestehende Tachykardie wurde 
auf Beizung von Akzeleransfasem, die mit ihrem Ursprungsgebiet 
Jahrbach der praktischen Medizin. 1904. 13 



Stenose der 

Polmonal- 

arterie. 



194 Dennig. 

in der N&he des Bogens der Vena azygos liegen, zurückgeführt. 
Die Sektion hat die Diagnose in vollem Maße bestätigt. 
Vasomotoren. Vasomotorische Störungen eigentümlicher Art hat v. Crie- 

gern gesehen ; sie betrafen eine ältere syphilitische Frau mit Epistazis, 
Menorrhagien, Nierenblutungen, dem Baynaudschen Syndrom, Sen- 
sibilitätsstörungen, Petechien in der Haut des Unterleibs, deren An- 
ordnung der des Herpes zoster in den He ad sehen Segmenten ent- 
sprach; der Tod erfolgte durch Urämie. Der Verfasser vermutet, 
daß der Symptomenkomplex mit Oefilßkrampf in Zusammenhang zu 
bringen sei; eine Sektion konnte nicht gemacht werden. — Die akute 
transitorische Amaurose, wie sie bei Bleikolik, Urämie und 
Eklampsie vorkommt, glaubt J. Pal auf Orund tonometrischer 
Bestimmungen auf rasch anschwellende Oefäßspannung zurück- 
führen zu müssen. Die Linderung von Kopfschmerzen bei An- 
wendung von analgetischen Mitteln, wie Salizylsäure und deren 
Ester, Koffein, Phenokoll, Paramidophenol, Antipyrin und Pyra- 
miden, ist nach Wiechowski auf eine Erweiterung der Oe- 
fäße im Inneren der Schädelkapsel zu beziehen. — Wei- 
tere experimentelle Untersuchungen von Paß 1er und Eolly über 
die Kreislaufsstörungen bei akuten Infektionskrank- 
heiten bestätigen die von Bomberg und Päßler früher ge- 
wonnenen Anschauungen; es beruhen die auf der Höhe der Infektions- 
krankheiten auftretenden Ejreislaufsstörungen auf einer Lähmung 
der Vasomotoren; die im Kollaps erfolgende Schwächung der 
Herzkraft ist als Folge der Qefclßlähmung, d. h. eine hierdurch be- 
dingte ungenügende Durchblutung des Herzmuskels, aufzufassen. 

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Zur Eenntnis der nach Trauma entstandenen Aorteninsuffizienz. Münch. 
med. Wochenschr. Nr. 28. — v. Tabora, üeber die therapeutische Ver- 
wendung des Chlorbaryums. Deutsche med. Wochenschr. Nr. 89. — Th6- 
venot, Aktinomykose des Herzens und Herzbeutels. Bulletin m^dical. Ref. 
Münch. med. Wochenschr. Nr. 42. — Wagner, Beitrag zur Pathologie des 
Ductus art. BotallL Deutsches Arch. f. klin. Med. Bd. LXXTX. ^ Wasa- 
stjerna, Ueber einen Fall von Aortaruptur etc. Zeitschr. f. Min. Med. 
Bd. XLIX. — M. Weinberger, Ueber die periphere Verengerung der 
Pulmonalarterie und die klinischen Zeichen derselben. Wien. klin. Wochen- 
schrift Nr. 42. — • W. Wiecho wski, Ueber den Einfluß der Analeptika auf 
die intrakranielle Blutzirkulation. Arch. f. experiment Pathologie und 
Pharmakologie Bd. XLVHI. — N. Wood, Ueber Bäder und Gymnastik 
bei chronischen Herzkrankheiten. West London medico-chir. Soc. Ref. 
Münch. med. Wochenschr. Nr. 13. 



e) Krankheiten der Terdanongsorgane. 

Von Prof. Dr. Lorenz^ Vorstand der mediziniBchen Klinik in Graz. 

Oesophagus. Durch stete Verbesserung der Instrumente steigert yerbesBernng 
sich die Anwendung der Oesophagoskopie. Olücksmann be- ^®' 
festigte die Lampe des Oesophagoskops an einer bajonettformigen skopie. 
Abknickung und umgab den äußeren Tubus mit einem aufblähbaren. 
Gummiring, welcher den Oesophagus trichterförmig auftreibt, so daß 
das Lämpchen nicht durch Schleim verunreinigt werden kann. Um 
leichter an der oberen Zahnreihe vorbeizukommen und auch den 
lUngknorpel weniger nach vorwärts zu drängen, gab J. Schreiber 
dem Oesophagoskop statt der bisherigen zylindrischen eine elliptische 
Tubusform. Um den Tupfer entbehrlich zu machen, brachte er 
außerdem neben dem Tubus einen kleinen Kanal zur Absaugung des 
Schleimes mittels Pumpe an. Den großen Wert der Oesophago- 
skopie, besonders zur Differentialdiagnose zwischen funktioneller und 
organischer Erkrankung der Speiseröhre, betonte H. Starck. We- 
niger unangenehm für den Patienten ist das Eöntgenverfahren, doch 
ist seine Anwendbarkeit bisher eine beschränkte. Der Sitz von 
metallischen Fremdkörpern in der Speiseröhre kann natürlich durch 
die Röntgenstrahlen genau bestimmt werden. So diagnostizierte z. B. 
Orüneberg den genauen Sitz eines Zweipfennigstückes im Oeso- 
phagus. Fr. Kraus schildert den Wert der Badioskopie für Badioskopie. 
die Diagnose des Speiseröhrenkrebses. Zu diesem Zwecke eignet 
sich besonders die sagittale Durchstrahlung. Die Lage und Form 
einer Stenose kann durch die Lage und Formveränderung eines, 
salpetersaures Wismut enthaltenden und in der Speiseröhre stecken- 
gebliebenen Bolus sowohl am Schirm als auch am Röntgenbild er- 
kannt werden. Der Wert des Eöntgenverfahrens zur Sicherstellung 
der Diagnose des Kardiospasmus wird von J. Lossen gerühmt. 

Fünf Fälle von idiopathischer Erweiterung des Oesophagus in- idiopathische 
folge Kardiospasmus, ein Krankheitsbild, dessen Diagnose jetzt hau- ^J^«!*«""»«^ 
figer gelingt, beschreibt Lossen. Viermal war die Ursache eine Oesophagus, 
rein nervöse, in einem Falle mußte eine chronische Oesophagitis als 
verursachend angenommen werden. Die durch Kardiospasmus her- 



200 



Lorenz. 



Spasmogene, 

diftue 

Oesophagns- 

dilaUtion. 



Striktnren des 
Oesophagus. 



ÜIOUB 

pepticom. 



Nicht 
traomatisohe 
Oesophagus- 
perfozaüon. 



Genese der 
Pnlsions- 
divertikel. 



vorgerafene diffuse Speiseröhrener Weiterung nennt H. Starckspas- 
mogene, diffuse Oesophagusdilatation. In einem mitge- 
teilten Falle war die Ursache des Krampfes rein psychischer Natur. 
Auch G. B. Lockwood beobachtete einen ähnlichen Fall und er- 
zielte bei demselben durch Erweiterung der Kardia mittels einer 
Sonde, welche am unteren Ende durch Lufbeinblasen erweiterungs- 
fllhig war, völlige Heilung. Lossen verabreicht vor jeder Mahl- 
zeit einen Eßlöffel Olivenöl und rät in schweren Fällen mit der 
Gastrostomie nicht zu lange zu warten. Die Schwierigkeit der 
Diagnose illustriert ein Fall von H. Eisner, bei welchem die klini- 
schen Erscheinungen eines Oesophagusspasmus vorhanden waren, 
während es sich um eine karzinomatöse Pylorusstenose handelte. — 
Fünf Fälle hochgradiger Verätzungsstnkturen der Speiseröhre, bei 
welchen sofort zur Anlegung von Hagenfisteln geschritten werden 
mußte, beschreibt v. Mosetig-Moorhof. Nachträglich gelang die 
Einfahrung einer dünnsten Darmseite Smal, worauf in 2 FäUen die 
Bougierung ohne Ende nach v. Hacker angeschlossen wurde ; 2mal 
mußte diese durch Oesophagotomie erzwungen werden. In allen 
Fällen wurden die Kranken so weit geheilt, daß die Speiseröhren for 
dicke Bougies durchgängig wurden, v. Mosetig-Moorhof be- 
zweifelt das Vorkommen wirklich impermeabler Strikturen des Oeso- 
phagus im Sinne eines vollständigen organischen Verschlusses der 
Speiseröhre. Den seltenen Fall einer doppelten Striktur des Oeso- 
phagus nach diphtherischen Geschwüren beobachtete H. Jung- 
nickel. 

Das Vorkommen eines pepti sehen Geschwüres am untersten 
Ende des Oesophagus nebst einem solchen im Duodenum, nahe dem 
Pylorus, mit narbiger Verengerung des letzteren, beschreibt C. Hödl- 
moser. G. Zuppinger beobachtete die Perforation von primären, 
nicht traumatischen Oesophagusgeschwüren im Kindesalter 
und bereicherte auch die Kasuistik der sekundären Perforation. 
Es handelte sich in diesen Fällen um den Durchbruch eines kariösen 
Wirbelabszesses, eines peritrachealen tuberkulösen Lymphknotens 
und einer Kaverne des Lungenlappens in die Speiseröhre. Die Frage, 
ob Traumen die Hauptrolle bei der Entstehung der Pulsions- 
divertikel zugeschrieben werden soll, oder ob dieselben auf kon- 
genitale Anlage zurückzuführen sind, sucht Beruh. Fischer auf 
Grund zahlreicher Beobachtungen zu lösen. Er fand, daß die sog. 
Oesophagusengen — als solche werden die Bingknorpel-, Bifurkations- 
und Zwerchfellenge bezeichnet — Prädilektionsstellen für alle mecha- 
nischen Insulte der Speiseröhre sind. Auch von außen der Speise- 



Krankheiten der Yerdauungsorgane. 



201 



röhre anlagernde feste Teile (z. B. eine verkalkte Arterie) und Organe 
(Struma) üben einen starken mechanischen Einfluß auf die Oesopha- 
guswand. Nun finden sich aber Pulsionsdivertikel fast immer an 
den genannten Oesophagusengen und verdanken beinahe stets ihr 
Entstehen mechanischen Insulten. An den oben erwähnten engen 
Stellen werden größere Speisebrocken oder Schlundsonden Hinder- 
nisse finden, die Muskelfasern können auseinandergedrängt werden, 
so daß eine geringe Ausbuchtung der Wand entsteht. Damit ist 
die Orundlage zur Divertikelbildung gegeben. Die mechanischen 
Verhältnisse an den Oesophagusengen bedingen weiterhin eine Be- 
vorzugung dieser Stellen für kleinere Schleimhautverletzungen und 
Entzündungen, welche ebenfalls Divertikelbildung veranlassen kön- 
nen. Die Traktionsdivertikel haben keine einheitliche Genese. 
Ein Teil derselben, und zwar die an typischer Stelle unterhalb der 
Bifiirkation gelegenen und durch einen Strang mit dieser verbun- 
denen, sind kongenitaler Natur. Ein anderer Teil entsteht durch 
Uebergreifen entzündlicher Prozesse der Umgebung (Lymphadenitis, 
Mediastinitis und Strumitis) auf die Oesophaguswand oder durch 
primäre lokale Entzündung und Verletzung derselben. Diese Pro- 
zesse bedingen die Bildung einer zarten, nachgiebigen Narbe, deren 
nachherige Schrumpfung das Entstehen eines Traktionsdivertikels 
veranlaßt. Die Pulsions- und Traktionsdivertikel stehen jedoch sicher 
in enger Beziehung zueinander, so daß eine Kombination derselben 
nicht selten vorkommt. G. Eiebold verteidigt dagegen auf Grund 
von 35 anatomisch untersuchten Traktionsdivertikeln die Lehre von 
Zenker, daß in allen Fällen als Entstehungsursache chronische 
Entzündungen der benachbarten Lymphdrüsen in Betracht kommen. 
Besondere Bedeutung beansprucht die Beobachtung, daß die Mus- 
kulatur nicht scharf am Divertikeleingang abschneidet (nach Bibbert 
Beweis für kongenitale Anlage) , sondern fast stets auf die Diver- 
tikelwand umbiegt. Die Beschreibung eines großen Divertikels der 
hinteren Oesophaguswand, welches sich nach einem Trauma (Fall 
von einem hohen Gerüst vor 16 Jahren) entwickelte, bringt H. Schle- 
singer und Olivetti den seltenen Fall eines epiphrenalen 
Divertikels, welches er als eine angeborene Abnormität auffaßt. 
Die Kasuistik der tiefsitzenden Divertikel vermehrt S. Mintz. 
Li diesem Falle, dessen Sektion leider unterblieb, bestand eine ab- 
solute Undurchgängigkeit der Speiseröhre (46 cm tief). Unter dem 
Drucke der sich oberhalb des Hindernisses anhäufenden Speisen 
konnte eine minder widerstandsfähige Stelle nach und nach vor- 
gestülpt worden sein und zur Bildung des Divertikels Veranlassung 



Genese der 
Traktions- 
divertikel. 



Epiphrenale 
Divertikel. 

Tiefsitzende 
Divertikel. 



202 



Lorenz. 



Oesophagas- 
polyp. 



Yerbessernng 

der 

Oesophagas- 

sonden. 



0e8ophag:ns- 
spritze. 



gegeben haben. Mintz bringt auch eine zusammenfassende lieber- 
sieht der subjektiven und objektiven Symptome solcher tiefsitzender 
Ausbuchtungen. Ihm gelang die Diagnose vermittels Radioskopie, 
während nach Lotheisen die Oesophagoskopie bei der Diagnose 
dieser Fälle Außerordentliches leistet. 

Einen Fall von großem Polypen (Fibrom) des Oesophagus 
(14 cm Länge, 4 cm Breite und 12 cm Umfang), welcher an dünnem 
Stiele zum Mund heraushing und die Nahrungsau&ahme fast völlig 
behinderte, publizierte Aimö Brähon. 

An der Verbesserung der Oesophagussonden wird immer 
noch gearbeitet. Die neuen Instrumente von H. Starck tragen am 
\mteren Ende Schraubengewinde, an welche man 10 verschiedene 
Ansätze, zumeist seitlich (in Form der Divertikelsonden) abgebogen, 
befestigen kann. Hierdurch wird ein ganzer Satz der gebräuchlichen 
Schlundsonden ersetzt. Gleichzeitig gestatten auch die abgebogenen 
Enden eine sorgfältige Abtastung des ganzen Oesophagusrohres. 
Eine neue Oesophagusspritze zu therapeutischen Maßnahmen be- 
schreibt F. Schilling. Bei dieser erfolgt das Aufsaugen und das 
Entleeren des Medikaments mittels der Spritze durch den Mond 
des Arztes. 



Pawlowa 
Versache. 



Magen. Die neueren Anschauungen über die Physiologie der 
Verdauung, welche durch die bekannten Versuche Pawlows begründet 
wurden, faßte A. Tscher mak referierend zusammen. Neben der chemisch- 
analytischen und energetischen Bedeutung wird der Verdauung auch eine 
antitoxiscbe Rolle zugeschrieben, nämlich die Zerstörung derjenigen Gruppen 
in den Nahrungskörpem, welche bei Aufnahme in den Säftestrom die Bil- 
dung von Antikörpern veranlassen würden. Die Erkenntnis der Bedeutung 
der psychischen und chemischen Faktoren als Erreger der Verdauungs- 
sekretion, der Nachweis der spezifischen Reizbarkeit und der anpassungs- 
fähigen Sekretionsarbeit der einzelnen Abschnitte des Verdauungskanals 
wurden durch die früher erwähnten Versuche gewonnen. A. F. Hornberg 
prüfte die Pawlow sehen Versuche an einem Eoiaben mit Magenfistel und 
fand zwar keine prinzipiellen Verschiedeiüieiten, jedoch zum Teil andere 
Resultate als Schule am normalen Menschen. Weder der Anblick der 
Nahrung, noch übelschmeckende Stoffe, noch das Kauen indifferenter oder 
chemisch irritierender Stoffe rief eine Sekretion hervor. Wohlschmeckende 
Nahrung verursachte lebhafte, Scheinfütterung nach einer Latenzperiode 
kurzwährende Sekretion. Ueber den Einfluß verschiedener Nahrung 
^®"°?*®*®'^®^ auf die Magensa ftausscheidung liegen mehrfache Versuche vor. Nach 
auf dif Gr. Lang bedingen Wasser, Fette und Kohlehydrate keine oder nur geringe 
Sekretion. Salzsäureaussoheidung, dagegen sind die Eiweifistoffe als die alleinigen 
Erreger der Magensaftsekretion anzusehen. Durch Morphium wird nach 



Einfloß 



Krankheiten der Yerdauungsorgane. 203 

H. Holst! die Saftsekretion anfangs gehemmt, das Sekret ist vermindert, 
dickflüssig und besitzt eine geringere Azidität, doch folgt häufig später 
eine stärkere Ausscheidung. Bei längerem Gebrauche sinkt durch Störung 
der Motilität die Azidität bei Vermehrung der Flüssigkeit. Ferrannini 
beobachtete, daß Strychnin und Pilokarpin die Salzsäureausscheidung und 
die gastromotorische Kraft des Magens steigern, wenn das Brüsenparenchym 
nicht zerstört ist Schließlich sind noch die Selbstversuche H. Kornemanns 
über die Salzsäureproduktion und die motorische Tätigkeit des Magens zu 
nennen. Mit der vielumstrittenen Frage der Yerdünnungssekretion Yerdünnongs- 
des Magens beschäftigte sich Bönninger. Er fand, daß der Magen nicht Sekretion, 
die Fähigkeit besitzt, die Konzentration seines Inhalts unter diejenige des 
Blutes zu bringen (Roth, Strauß), sondern im Gregenteil seinen Inhalt, 
eventuell auch durch Wasserresorption, langsam auf die Blutkonzentration 
einstellt. Die Resorptionsfähigkeit verschiedener Substanzen, z. B. Besorptions- 
der Jodalkalien, des Natriumsalizylates, Chloralhydrats und des Strychnins, '^f^^^^^ 
ist nach V. Otto nicht nur für die einzelnen Stoffe, sondern auch bei gtoffe. 
Fleisch- und Pflanzenfressern sehr verschieden. Strychnin ist z. B. für 
Pflanzenfresser nicht resorbierbar. Tierversuche über die Resorption können 
aus diesem Grunde nicht ohne weiteres auf den Menschen übertragen 
werden. F. Reach studierte den Abbau der Eiweißkörper im Magen- Abbau der 
darmkanaJ und überprüfte die Versuche von Zuntz, welcher gefunden hatte, Eiweißkörper, 
daß die im Magen erreichte intravitale Verdauung durch Beschi^Jikung 
der Fermentwirkung mit 90 7o Albumosenstickstoff einen Grenzwert erreicht. 
Reach konnte diese Angaben nicht bestätigen. Er nahm einen gleichzeitig 
stattfindenden selektiven Resorptionsvorgang an, durch welchen die neben 
den Albumosen entstehenden oder von ihnen abstammenden einfacheren 
Produkte (Pepton, Peptoide, vielleicht auch kristallinische Endprodukte), 
sobald ihre Menge eine gewisse Größe (etwa 10 7o des Gesamt-N) über- 
schreitet, rasch entfernt werden. Der quantitative Unterschied der ver- 
schiedenen Verdauungsprodukte bei Verdauung in vita und in vitro beruht 
wenigstens zum Teil auf der Abwesenheit des Pseudopepsins in den künst- 
lichen Pepsinpräparaten. Glaeflner konnte nämlich bei seiner Darstellung 
der Fermente durch Uranylfällung vom Pepsin das .Pseudopepsin** scheiden. Pseudopepsin. 
Dieses Ferment verdaut auch in schwach alkalischer Lösung und führt zur 
Bildung von Proteinchromogen, welches die Tryptophanreaktion gibt. Der 
Fundus und der Pylorus verhalten sich nun bezüglich ihrer Fermentsekretion 
verschieden. Während der Fundusteil Pepsin und Labferment produziert, 
kommt dem Pylorus nur Pseüdopepsinbildung zu. Die Existenz dieses 
Pseudopepsins wurde von Klug durchaus bestritten, während Volhard 
dasselbe für ein autolytisches Ferment ansieht, dessen Vorkommen im nor- 
malen Magensekret bisher nicht erwiesen ist. Wichtige Untersuchungen 
über die eiweißverdauende Kraft des Magens lieferten Schorlemmer und 
F. A. R. Jung. Ein Parallelismus zwischen Salzsäure und Pepsinabsonderung 
wurde nicht gefunden, ebensowenig ein solcher zwischen Lab und Pepsin. 
V. Rzentkowski bewies, daß die Beimischung von Speichel zu den Speisen 



204 



Lorenz. 



Magen- nnd 

Dann- 
bewegnng. 



keinen Einfloß auf die verdauende Kraft des Mageninhaltes ausübt. Inouy e 
Fettspaltung konstatierte entgegen früheren Angaben, daß eine fettspaltende Wirkung 
im Magen, verschieden hergestellter künstlicher Verdauungssäfte nicht vorhanden ist 
und auch bei lebenden Tieren (Katzen) nur eine sehr geringe Spaltung 
von Neutralfett im Magen vor sich geht. Die Magen- und Darm- 
bewegungen studierte F. Lommel radioskopisch an Hunden durch 
Beimischung von Wismutnitrat zur Nahrung. Die Bewegungen wurden 
durch Wärme- und Kältewirkung nur wenig beeinflußt, deutlicher durch 
chemische Reizmittel. Somatose bewirkte eine Verstärkung und Beschleu- 
nigung der Wellenbewegungen. Auffällig war der Einfluß psychischer Vor- 
ffljuge, Lommel überträgt diese Befunde auch auf den Menschen und 
glaubt, daß der Magen des Menschen durch die komplizierten Vorgänge in 
der menschlichen Psyche tiefgehend beeinflußt wird, wahrscheinlich in 
stärkerem Grade als durch viele therapeutischen Maßnahmen. Diese Eiv 
gebnisse nötigen zu einer Parallele mit den Versuchen Pawlows über die 
psychische Beeinflussung der Magensekretion. 



Technik der 

Magen- 
ansheberung 
und SptUnng. 



Neuer Apparat 



Kapazit&ts- 
bestimmung. 



Physikalische 
Unter- 
suchungen 
mit dem 
Magen- 
schlauch. 



Praktische RatBchläge zur Technik der Magenausheberung 
geben Citren und Alfr. Neumann. Letzterer befürwortet die 
Benutzung des Politzerschen Ballons. Die Magenausspülung mittels 
Schlauch und Ballon zeichnet sich gegenüber dem Hegarschen Trichter 
durch Bequemlichkeit, Sicherheit, Gefahrlosigkeit und Sauberkeit aas. 
Ein neuer Apparat zu gleichzeitiger Magensaftgewinnung und Luft- 
aufblähung des Magens stammt von Bösen au. Derselbe bestellt 
aus einem kleinen graduierten Fläschchen mit seitlichem Ansatz für 
den Magenschlauch. Der Hals trägt einen Hartgummiring, in wel- 
chem sich drei Ventile befinden. Durch entsprechende Drehung 
kann mittels eines Ballons Magensaft aspiriert oder Luft in den 
Magen gepreßt werden. Zur Kapazitätsbestimmung des 
Magens konstruierte van Spanje einen Apparat mit Manometer. 
Schmerzgefühle, welche bei niederem Drucke bei Aufblasen des 
Magens entstehen, sollen perigastrische Adhäsionen verraten. Aas 
diesem Grunde würde eine solche Kapazitätsbestimmung mit Mano- 
meter auch diagnostischen Wert besitzen. Physikalische Unter- 
suchungen bei Anwendung des Magenschlauches sind Paul Schlippe 
zu verdanken. Er fand, daß der Druck im Oesophagus beim sitzen- 
den Versuchsindividuum und bei mittlerer Thoraxstellung negativ 
8,5 TTiTTi Hg betrug und die respiratorischen Druckschwankungen bei 
ruhiger Atmung durchschnittlich '/* nun, bei tiefer, angestrengter 
Atmung etwa 8 mm. Der Druck wurde auf der Höhe der Exspiration 
positiv und hob sich beim Pressen bis auf 120 mm. Der im Magen 
herrschende Druck im Sitzen war durchschnittlich mit 4 mm Hg 
positiv. Bei ruhiger Atmung stieg der Druck inspiratorisch und 



Krankheiten der Yerdauungsorgane. 



205 



fiel exspiratorisch, er war im allgemeinen sehr gering (1 mm Hg). 
Durch Husten (80—116 mm Hg) und Pressen (48—112 mm Hg) 
wurde der Magendruck außerordentlich wechselnd beeinflußt. Im 
Hinblick auf die Druckverschiedenheit im Oesophagus und Magen 
glaubt Schlippe die Lage der Kardia bestimmen zu können. Der 
Halsteil des Oesophagus reicht vom Bingknorpel bis zum Eintritt 
in den Thorax und ist 2 — 8 cm lang, sein Lumen ist geschlossen. 
Der Brustteil ist offen, 36 — 37 cm hinter der oberen Zahnreihe und 
von dem 8 — 4 cm langen abdominalen Endteil in der Begel ab- 
geschlossen. Die Kardia befindet sich etwa bei 40 cm. Ein Kardia- 
verschluß ist nicht immer vorhanden. Die Brauchbarkeit der Fer- 
kussionsauskultation zur Bestimmung der Lage und Größe 
des Magens wird von v. Pesthy neuerdings begründet. Die ge- 
bräuchliche Bestimmung der Gesamtazidität des Magensaftes 
durch Titration mit Phenolphthalein als Lidikator bemängelt Fr. Vol- 
hard, da durch dieselbe zu hohe Werte erhalten werden. Der 
Fehler ist von wechselnder Größe und hängt vom Gehalte an Pep- 
tonen ab. Die Gesamtazidität wird am besten durch Titration unter 
Verwendung von Alizarin oder Lackmus als Lidikator erhalten. 
H. Citren beschreibt einen einfachen Apparat, Azidimeter, zur 
gleichzeitigen Bestimmung der Gesamtazidität und der freien Salz- 
säure im Mageninhalt. Derselbe ist dem Eßbachschen Albumini- 
meter nachgebildet und erspart die Titration. Die Säuregrade können 
direkt abgelesen werden. Das Verfahren ist sehr einfach, doch muß 
seine Brauchbarkeit erst erwiesen werden. Auch die Sahlische 
Funktionsprüfung des Magens blieb nicht unangefochten. Sie gibt 
nach N. Zweig und A. Calvo nur dann einwandsfreie Besultate, 
wenn das Fett des Probefrühstücks in vollkommen homogener Weise 
verteilt bleibt. Li Fällen von chronischer Gastritis und schwerer 
motorischer Lisuffizienz ist dies jedoch nicht der Fall. Bei Sub- 
azidität und Anazidität ist die Probe nicht empfehlenswert, dagegen 
gut verwendbar bei nervöser Dyspepsie resp. zur Unterscheidung 
von Atonie und alimentärer Hypersekretion. Die quantitative 
Bestimmung des Pepsingehaltes des Magensaftes beschäf- 
tigte in diesem Jahre viele Forscher. Bereits von Pawlow wurde 
das einfache Verfahren von Mett empfohlen und nun mehrfach 
nachgeprüft. Kropf, Ewald und Schorlemmer bestätigen die 
Brauchbarkeit dieser Methode. Dieselbe beruht auf der Messung 
der verdauten Länge eines Eiweißzylinders, welcher sich in einem 
Glasröhrchen von bestimmter Lichtung und Länge befindet und der 
Wirkung des Magensaftes ausgesetzt wurde. Zur Messung der ver- 



Perkussions- 
aaskultation 
des Magens. 

Titration des 
Magensaftes. 



Sahlische 

Funktions- 

pr&fung. 



Quantitative 
Bestimmung 
des Pepsin- 
gehaltes. 
Mettsches 
Verfahren. 



206 Lorenz. 

Mettsches dauten Eiweißlänge konstruierte Schorlemmer ein kompliziertes 
Verfahren. Meßinstrument. Citren ersetzte dasselbe durch ein feingeteiltes Lineal, 
welches an die Eiweißröhrchen mit Glaserkitt befestigt wird. Mittels 
einer Lupe können die verdauten Eiweißstrecken genau abgelesen 
werden. Nierenstein und Schiff erklären dagegen die M e t tsche 
Methode für klinische Zwecke absolut unbrauchbar. Die nativen 
Magensäfte sollen nämlich Substanzen in verschiedener Menge ent- 
halten, welche die Eiweißverdauung behindern. Richtige Werte 
werden nur gewonnen, wenn die verdaute Eiweißsäule nicht länger 
als höchstens 4 mm ist, da nur auf solche Längen das Borissowsche 
Gesetz anwendbar ist. Das ursprüngliche Verfahren ergibt meist 
höhere Werte. Erst bei IGfacher Verdünnung des Magensaftes wird 
die Methode für klinische Zwecke brauchbar. Diese Angaben werden 
von 0. Kaiserling bestätigt, doch hält dieser die angegebene 
Modifikation für den klinischen Gebrauch weder erforderlich noch 
ratsam, da auch mit derselben nicht immer exakte Werte erzielbar 
Quantitative sind. Eineneue Methode zur quantitativen Fepsinbestimmung er- 
Pepsin- mittelte Fr. Volhard. 100 ccm der Thomas -Web er sehen Kasein- 
nach lösung werden mit Magensaft und Wasser auf 300 com aufgefüllt, und 
Volhard. eine beliebig lange, aber genau abgemessene Zeit bei 40® im Wasser- 
bad digeriert. Das Kasein wird hierauf mit 100 ccm 20^/oigerNatriam- 
sulfatlösung gefallt und in 200 ccm des Filtrates die Azidität be- 
stimmt. Hemmende Einflüsse wie beim Mett sehen Verfahren spielen 
Nachweis von hier keine Bolle. Behufs Nachweis von makroskopisch nicht 
Blut im erkennbaren Blutbeimengungen zum Lihalt von Magen und 
Darm befürwortet Schmilinsky die Ueberfuhrung des Hämatins 
oder Hämoglobins in Hämatoporphyrin. Eine kleine Menge mit 
Wasser verriebener Fäzes oder Mageninhaltes werden langsam zu 
einigen Kubikzentimeter konzentrierter Schwefelsäure hinzugesetzt. 
In Glasgefaßen mifc planparallelen Wänden kann man das Spektrum 
des Hämatoporphyrins gut erkennen. Die Probe ist scharf und 
schnell ausführbar. Die empfindlichere Gua jakprobe in der Modi- 
fikation nach Weber muß jedoch bei negativem Ausfall auch noch 
Algen im gemacht werden. Bei zweifelhaften Fällen ist es ratsam, nur die 
Magensaft, p^^^g ^^ untersuchen. Endlich sei noch erwähnt, daß F. Kühn im 

Magensaft grüne, entwicklungs^ige Keime (Algen) fand. 
Pl&tBoher- Die Bedeutung des Plätschergeräusches und die Abhängig- 

gerftnsch. j^^j^ desselben von der Atonie und Gastroptose steht noch immer in 
Diskussion. Der Streit von Eis n er und Stiller, welcher im vor- 
jährigen Jahrbuche referiert wurde, veranlaßte P. Cohnheim neuer- 
lich zur Darlegung seiner Ansichten. Er glaubt, daß die 8 tili ersehe 



Krankheiten der Verdauungsorgane. 207 

Atonie mit der Leu besehen nervösen Dyspepsie identisch und 
Stillers Lehre von der geschwächten Peristole als Ursache der 
Dyspepsie einstweilen noch Hypothese ist. Für die Atonie der 
übrigen Autoren, d. h. für die motorische Lisufiizienz geringeren 
Grades, ist es allein entscheidend, ob die Probemahlzeit in der 
normalen Zeit von 7 Stunden eliminiert wird, somit das Plätscher- 
geräusch für die Diagnose der Atonie gleichgültig ist, wenn es nicht 
längere Zeit nach einer Nahrungsaufnahme noch nachweisbar ist. 
Das Plätschergeräusch findet sich bei sehr vielen suffizienten Mägen 
und bei ganz gesunden ; es ist bei Ptose und Vertikalstellung des Ma- 
gens, bei Erschlaffung der Bauchdecken stets nachweisbar. Das 
Plätschern begleitet jede Atonie; aber nicht überall ist Atonie, wo 
sich Plätschern findet. Das Plätschergeräusch resp. die fiihlbare 
Fluktuation der Flüssigkeit im Magen ist ein vorzügliches und ein- 
faches Mittel zur Lagebestimmung der unteren Magengrenze. Für 
die Praxis ist weiterhin wichtig, daß aus der Atonie niemals eine 
Ektasie entsteht. Würde man diesen üblen Ausgang der Atonie Therapie der 
fürchten, so wäre schonende Diät rationell, dabei kann aber die Magenatonie. 
Atonie nicht ausheilen, weil sie konstitutioneller Natur ist und nur 
heilt, wenn die Konstitution gehoben wird. Man braucht somit vor 
einer Mastkur bei Atomkern nicht zurückzuschrecken, dagegen ist 
die operative Behandlung der Gastroptose nicht anzuraten. Außer 
dem Plätschergeräusch kennt Fried r. Crämer noch das Suk- SakkuBBions- 
kussionsgeräusch, welches nicht durch Palpation hervorgerufen eerftusch. 
wird, sondern durch Schütteln des Eumpfes. Es läßt sich nicht in 
allen Fällen erzeugen, in welchen Plätschern vorhanden ist, und 
setzt stets einen großen, sehr schlaffen Magen und schlaffe Bauch- 
decken voraus. Crämer hält auch die motorische Insuffizienz fbr 
das wichtigste Moment der Magenerweiterung und ursächlich fär die 
Dilatation derselben ohne Pylorusstenose. Hervorragende Beachtung 
fand im Berichtsjahre der chronische Magensa ftfluß, ein Chronischer 
Krankheitszustand des Magens, bei welchem sich größere Mengen Magensaftfluß, 
salzsäurehaltigen Magensaftes ohne Beimengung von Nahrungsstoffen 
im nüchternen Magen finden. A. Albu erweitert diesen Begriff des 
Magensaftflusses noch. Er findet nach Nahrungszufuhr oft eine 
erheblich größere Menge von Magensaft als die Flüssigkeitsmenge 
beträgt, welche dem leeren Magen verabfolgt wurde. Es besteht 
also auch in solchen Fällen eine sekretorische Ueberleistung der 
Schleimhaut, welche Albu als Folge einer Motilitätsstörung des 
Magens auffaßt. Die Eigenschaften des reinen Magensekretes im 
Gegensatz zum nüchternen Rückstand des Magens beschreibt H.Strauß. 



208 Lorenz. 

Chronischer Bas Sekret beim typischen Magensaftfloß ist dünnflüssig, von Wasser- 
Magensaftfloß. färbe oder leicht grünlich gefärbt, hat ein spezifisches Gewicht von 
1004—1008 und zeigt Eeaktion auf freie HCl. Gesamtazidität 30 
bis 82, freie HCl 15—28. Der Gehalt an sauren Phosphaten (5 bis 
10) ist niedriger als nach einer Frobemahlzeit. Pepsingehalt (nach 
Mett) 10—14 mm, molekulare Konzentration 0,30 — 0,39*. Das 
Magensekret erzeugt bei Zusatz von Jodlösimg keine Verfärbung, 
gibt keine Trommersche Probe und keine Gärungsprobe. Der Schich- 
tungsquotient, d. h. die Menge des Bodensatzes im Verhältnis zur 
Gesamtmenge, bleibt unter 5®/o. Sarzine oder Hefe in Sprossung 

Ursache des sind nicht vorhanden. Der Magensaf)£uß ist nach Strauß die Folge 

Magensaft- ^es irgendwo am sezemierenden Apparate des Magens lokalisierten 
und irgendwie bedingten Reizzustandes, hat also eine multiple Actio- 
logie. Je nach dem Orte des Angriffspunktes des Beizes am sezer- 
nierenden Apparate unterscheidet Strauß Fälle mit intra- und solche 
mit extraventrikulärem Ursprung. Bei der Entstehung der Fälle der 
ersteren Art spielt das Ulcus ventriculi eine wesentliche Bolle. Die 
eztraventrikulären Momente sind vorwiegend neurogen, indem an 
irgend einer zur Magensafbabscheidung in Beziehung stehenden Stelle 
des Nervensystems eine Noxe ihren Angriffspunkt nehmen kann. 
Hämatogene Faktoren sind bisher noch nicht sichergestellt. Eine 
selbständige Erkrankung (B eichmann sehe Krankheit) ist der Magen- 
inter- saftfluß niemals. Vom chronischen Magensaftfluß ist nach Albu der 

mutierender ^^intermittierende" scharf zu trennen. Bei diesen ist die Sekretions- 
' neurose nicht durch eine Erkrankung der Magenschleimhaut be- 
dingt, sondern eine primäre, idiopathische, vom Zentralnervensystem 
ausgehende. Albu vergleicht diese intermittierende Ghistrosukkorrhoe 
mit paroxysmaler Tachykardie. In diese Gruppe gehören auch die 
Orises gastriques der Tabiker, welche fast stets von intermittierendem 
Magensafbfluß begleitet sind. Nahe verwandt ist eine funktionelle 
Neurose, welche v. Leyden als primäres periodisches Erbrechen 
beschrieb, und manche Fälle von Migräne. Streng abzutrennen sind 
jedoch Fälle von intermittierendem Erbrechen profusen, stark sauren 
Mageninhalts, welche man zuweilen bei Gastrektasie, die auf benigner 
Pylorusstenose beruht, beobachten kann. F. Bleichröder vermißte 
einen einheitlichen, für Magensaftfluß charakteristischen pathologiscli- 
anatomischen Befund. Nach M. Einhorn basieren die sekretori> 
sehen Funktionsstörungen des Magens überhaupt nicht auf primären 
Veränderungen der Magenmukosa, sondern die anatomischen Läsionen 
werden erst durch längeren Bestand der Störung hervorgerufen. 
Einhorn richtet bei Behandlung der Sekretionsstörungen sein Haupt- 



Krankheiten der Verdauungsorgane. 209 

augenmerk auf eine Besserung des Allgemeinzustandes und zieht erst Therapie der 
in zweiter Linie spezielle Maßnahmen in Betracht. Bei Darreichung Sokretlons- 
von 50—200 g Olivenöl an Magenkranke mit Hyperazidität be- 
obachtete Walke eine Verzögerung der Salzsäureausscheidimg, ohne 
Verminderung der Sekretmenge und der motorischen Leistungsfähig- 
keit. Leichtverdauliche Fette stören auch die Proteolyse und die 
Stärkeverdauung nicht. Bei Hyperazidität und Hypersekretion emp- 
fiehlt er daher die gleichzeitige Verabreichung von Fetten und Kohle- 
hydraten. Auch die Stuhltätigkeit wird bei Oeldarrreichung ge- 
fördert. Sicherer und angenehmer als die Oelbehandlung ist nach 
L. Fischel bei Hyperazidität die Darreichung pegninisierter Milch 
(Pegnin ist reines, unzersetztes Labferment), welche große säure- 
bindende Kraft besitzt. 

Als eigenartiges Krankheitsbild beschreiben H. Surmont und 
G. Leart die „Hyperchlorhydrie k forme diarrhöique". Die- Hyperchloi^ 
selbe kann in Form paroxysmaler Anfalle oder in chronischer Form ^y^o^^ome 
verlaufen. Die erste Art charakterisiert sich durch verschiedene, 
meist lebhafke Schmerzen in der Magengrube oder der Nabelgegend, 
welche einem heftigen Stuhldrang weichen. Die Entleerungen sind 
flüssig imd gleichen gewöhnlichen diarrhöischen Stühlen mit oder 
ohne Lienterie. Nach reichlicher Defiikation tritt statt Erleich- 
terung ein Zustand der Erschöpfung und Brechneigung, ähnlich wie 
bei Seekrankheit, ein. Die chronische Form der „Hyperchlorhydrie 
diarrhöique" dauert Wochen, Monate und Jahre. Die Diarrhöen treten 
meist in frühester Morgenstunde oder nach den Mahlzeiten ein und 
sind sehr schmerzhaft. Die Schmerzen sitzen meist um den Nabel 
und können von einem brennenden Schmerz im Epigastrium be- 
gleitet sein. Häufig reagieren die Entleerungen sauer. Die Pro- 
gnose und Therapie deckt sich mit der gewöhnlichen Hyperchlor- 
hydrie. Die Diagnose kann nur durch chemische Untersuchung des 
Mageninhaltes gestellt werden. Die Diarrhöe ist nach Ansicht der 
Autoren durch eine Lisuffizienz des Pylorus bedingt und kann als 
Schutzmaßregel des Intestinums gegen den hyperaziden Magensaft 
angesehen werden, welcher eine vermehrte Peristaltik hervorruft. 

M. Hepp versuchte zuerst den fehlenden menschlichen Magensaft Dyspeptine. 
bei gewissen Magenerkrankungen durch einen künstlich gewonnenen 
mit Erfolg zu ersetzen. lieber die Verwendbarkeit desselben bei 
Magenkranken berichtet L. C. Mayer. Der reine, natürliche Magen- 
saft, vom lebenden Schwein durch eine Magenfistel gewonnen, Dys- 
peptine genannt, ist dem menschlichen sehr nahe stehend, gut 
haltbar und der Geruch und Geschmack kaum unangenehm. Bei 
Jahrbuch der praktischen Mediziii. 1904. 14 



210 



Lorenz. 



Dyspeptine. 



Hyperaziditftt 

und hamsanre 

Diathese. 

Gastroptose in 
Württemberg. 



Behandlung 

der 
Motilit&tB- 
störnngen. 

SensibiUt&tB- 
neuroBen. 



empfindlichen Patienten kann man das Mittel mit Pfefferminzessenz, 
Zitronensaft oder Bier reichen. Man gibt am besten während und 
nach jeder Mahlzeit je 15 ccm Dyspeptine. Bei allen akuten nnd 
chronischen Magenerkrankungen mit verminderter oder völlig fehlen- 
der Salzsäuresekretion, dann als appetiterregendes Mittel bei Tuber- 
kulose und Anämie bewährte sich das Mittel nach dem Verfasser 
vorzüglich. 

Auf das häufig gleichzeitige Vorkommen von Hyperazidität und 
harnsaurer Diathese verweist Leop. Fischel und sieht als deren 
gemeinschaftliche Ursache die ausschließliche Fleischnahrung an. 

In Württemberg beobachtete A. Denn ig bei einer außer- 
ordentlichen Zahl von Personen (unter 2063 60^/o) eine Dislokation 
des Magens ohne Vorhandensein subjektiver Beschwerden. Bei den 
Männern konnte die Gastroptose auf das Tragen eines schmalen 
Leibriemens zurückgeführt werden. Weiber zeigten öfter Gastro- 
ptose als Männer (75,4*/o gegen 29,7®/o). Auch bei den Weibern 
kann die unzweckmäßige Kleidertracht (Korsett und Hockbänder) 
fiir das Zustandekommen dieser Anomalie beschuldigt werden. Auch 
die rasche Abnahme des intraabdominellen Druckes durch häufig 
aufeinanderfolgende Geburten und unzweckmäßiges Verhalten im 
Puerperium ist ätiologisch hervorzuheben. 

Zur Behebung dermotorischen Insuffizienz des Magens 
ist nach v. Mering die Einnahme der rechten Seitenlage eine Stunde 
lang nach der Mahlzeit, bei Hypermotilität und Bulimie die linke 
Seitenlage zu bevorzugen. 

Zu den Sensibilitätsneurosen des Magens gehören 2 Fälle 
von A. St au der. Der 1. Fall war eine sog. ^^Belastungshyperästhesie^, 
wo Erbrechen nach der geringsten Einnahme neben heftigen Schmerzen 
auftrat, imd der 2. ein Fall von Akorie mit schwerer Anorexie. Es 
handelte sich hier um zwei verschiedene Neurosen, das Fehlen des 
Sättigungsgefühls, i. e. einer Anästhesie der im Magen befindlichen 
Nerven und eine vollständige Ausschaltung und Erschöpftmg des 
Hungerzentrums, das in der Medulla oblongata liegt. Den mit Er- 
brechen einhergehenden Husten der Phthisiker beziehen A. Mataien 
und J. Ch. Eoux auf eine Erregung des Plexus solaris und des 
Vagus durch den Mageninhalt. Der hierdurch hervorgerufene Husten 
bewirkt reflektorisch das Erbrechen und dadurch die Entfernung 
des Reizes. Die Ernährung leidet hierdurch außerordentlich. Zar 
Vermeidung dieser Schädigung sollen nach jeder Mahlzeit kleine 
EispiUen, Chloroform- oder Bromoformwasser oder Menthol gereicht 
werden. Die Erfolge sind fast untrüglich. Die Magenbeschwerden 



Krankheiten der Verdauungsorgane. 



211 



der Tuberkulösen, insbesondere die Schmerzen im Epigastrium, das 
durch den Hustenakt unbeeinflußte Erbrechen, können durch eine 
Kost, welche die Magenschleimhaut wenig reizt, gelindert werden. 

Einhorn gründete auf das Vorkommen von blutig tingierten 
Schleimhautstückchen des Magenspülwassers ein Ejrankheitsbild, 
welches er ^^hämorrhagische Erosionen des Magens^^ be- 
nannte und mit den Zeichen einer Gastritis vergesellschaftet fand. 
H. Eisner hält die Aufstellung eines solchen Erankheitsbildes nicht 
far berechtigt und faßt ähnliche Fälle als abweichende Formen einer 
chronischen Gastritis auf, da er blutige Schleimhautstückchen am 
häufigsten bei dieser Erkrankung fand. 

Die Literatur über das Ulcus ventriculi ist wieder äußerst 
reichhaltig. Vedora fand bei Verletzungen des Plexus coeliacus 
oder seiner Brustwurzeln (Splanchnici) in der Magenwand von Hunden 
ähnliche ulzerative Veränderungen wie beim Ulcus des Menschen 
und machte diesbezügliche Eückschlüsse auf die Pathogenese des 
Ulcus ventriculi. Lustig hatte jedoch selbst bei Exstirpation des 
ganzen Plexus solaris einen negativen Befund. D. Duckworth und 
H. T. Butlin glauben im Hinblick auf einen wegen Hämatemesis 
operierten FaU, daß Magengeschwüre häufig mit Erosionen der Schleim- 
haut beginnen. In besagtem Fall fand sich kein Ulcus, sondern ein 
großes Gebiet von rosenroter Färbung in der Nähe des Pylorus an 
der großen Kurvatur, auf welchem mehrere kleine Exkoriationen, 
Fissuren und minimale Oeffiaungen, aus denen Blut hervorquoll, 
sichtbar waren. Bei solchen Erosionen kommt es meist zu plötz- 
lichen, profusen und repetierenden Blutungen ohne längere vorherige 
Beschwerden und ohne Fieber. Als wertvolles diagnostisches 
Hilfsmittel bei Ulcus ventriculi in denjenigen Fällen, wo 
die bisher übliche Palpation des Magens vollständig versagt, be- 
trachtet F. Mendel die direkte Perkussion des Epigastriums. Man 
fuhrt mit dem Perkussionshammer leichte, kurze Schläge auf die 
Magengrube bei möglichst entspannter Bauchdecke. Bei Vorhanden- 
sein eines Ulcus findet man eine ziemlich scharf begrenzte Zone, 
welche selbst bei leisester Perkussion schmerzhaft ist. Die hervor- 
gerufene Erschütterung pflanzt sich wellenförmig nach allen Bichtungen 
hin fort und erreicht als ein schmerzerzeugender Beiz das Magen- 
geschwür, wo es auch immer seinen Sitz hat. Okkultes Blut in den 
Fäzes wird nach J. Boas, entsprechend dem früher besprochenen 
Verfahren, nachweisbar, wezm die Patienten im Verlaufe ihrer 
Krankheit kurz vorher über Magenschmerzen klagten, ohne daß eine 
typische Ulcuskur eingeleitet wurde. Wenige Tage nach absoluter 



H&mor- 

rhagische 

Erosionen 

des Magens. 



Ulcus 
ventriculi. 



Diagnostik 
des Ulcus. 



212 



Lorenz. 



Diagnostik 
des Ulons. 



Therapie 
des ülons. 



Oelknr. 



Therapie 
der Ulcns- 
hlntnng. 



Chimrgische 
Behandlung. 



Milchdiät mißlingt dagegen der Blntnachweis in der Regel. Fällt 
derselbe jedoch trotz strenger ülcusdiät nach längerer Zeit 
positiv aus, so besteht Verdacht auf Karzinom. Aus diesem 
Grunde soll deshalb stets öfters untersucht werden. Rolleston 
und Lex-Blake beobachteten , daß 27 ^/o ihrer Patienten, 
welche an Magengeschwüren litten, trotz ausschließlicher Rektal- 
emährung erbrachen. Sie deuteten dieses Erbrechen als Reflex- 
Vorgang, welcher durch die Klistiere ausgelöst wurde. M. Wagner 
verwirft bei Behandlung des Magengeschwürs die allzu- 
reichliche Zuftihr von Milch, da hierdurch der Magen ausgedehnt 
wird und beftbiwortet neben der stets notwendigen Bettruhe eine 
konzentrierte Eiweißnahrung behufs Bekämpftmg der Hyperchlor- 
hydrie. Bereits am Tage der Blutung erhalten die Kranken 200 
bis 300 ccm geeiste Milch und 1 — 3 geschlagene, frische Eier. 
Außerdem wird 2— 3mal täglich 2 g Bismutum subnitricum gereicht. 
60 Fälle von blutenden Magengeschwüren wurden mit dieser Therapie 
geheilt. K . W a 1 k o reicht bei Ulcus ventriculi Olivenöl zuerst 
eßlöffelweise, bei Ausspülung des Mundes mit irgend einem Mund- 
wasser, und steigert die Dose allmählich bis auf 50 ccm (dmal täg- 
lich). Bei unbezwinglichem Ekel wurden 100 — 200 ccm Oel tägUch 
in Form feinster Emulsion durch eine weiche Sonde eingegossen. 
Dieses Verfahren wird so lange angewendet, bis die schweren Er- 
scheinuDgen sistieren (3—6 Tage). Bei reinem Oel treten keine 
Diarrhöen auf. Eine parallel laufende Wismutbehandlung ist stets 
von Vorteil. Die günstige Wirkung des Olivenöls ist hauptsächlich 
eine mechanische, da dasselbe einen Schutz für das Ulcus bildet, 
indem es, in innigen Kontakt mit demselben kommend, dasselbe 
deckt, die Reizwirkung des sauren Mageninhalts abhält und so eine 
schnelle Heilung des Geschwürs anbahnt. Rolleston läßt anferngs 
weder Wasser noch Eis verabfolgen, nimmt aber 10 — 14 Tage Mast- 
darmspülungen mit lauem Wasser vor und appliziert Nährklistiere 
(4mal täglich 800—600 ccm Ochsenserum mit Stärke und Glukose 
oder Leu besehe Fleischsolution). Sehr wichtig ist stets eine strenge 
Mundpflege. Bei Magen- und Duodenalblutungen sah M. Einhorn 
guten Erfolg durch subkutane Injektionen einer Lösung von Adrena- 
linchlorid (1 : 3000). Rolleston reichte ebenfalls Adrenalin, aber 
per OS und gleichzeitig 4 g Chlorkalzium per rectum. Die Dauer- 
erfolge der internen Therapie des Ulcus sind nicht immer befriedigend. 
Eine Zusammenstellung von J. Schulz über 157 intern behandelte 
Fälle weist 64^/o Dauererfolge und 7,6'/o Todesfelle auf. A. Carleß 
schätzt die Sterblichkeit, auch bei bester interner Behandlung, auf 



Krankheiten der Terdauungsorgane. 



213 



15°/o. Er rät zur Operation bei allen persistierenden oder trotz 
scheinbarer Heilung rezidivierenden Geschwüren und bei öfter wieder- 
kehrenden Blutungen. Bei einem perforierten Ulcus beobachtete 
F. Weber deutlichen Stimm&emitus über dem ganzen Abdomen, 
besonders im Epigastrium. Er glaubt jedoch selbst, daß dieses 
Symptom von Vorhandensein freien Gases in der Peritonealhöhle nur 
in Ausnahmsfallen beim Zusammentreffen von einer ganzen Beihe 
von Bedingungen zu finden ist. Den seltenen Fall einer doppelten 
Perforation des Magens durch Ulzera beschreibt L. Keays. Eine 
übersichtliche Zusammenstellung von 460 operativ behandelten Fällen 
von perforierenden Magen- xmd Duodenalgeschwüren liefert F. Brun- 
ner. Die Ulcusperforation scheint in England auffallend häufig zu 
sein (265 Fälle gegen 81 in Deutschland). 

Im Hinblick auf einen beobachteten Fall verwirft E. Fuchsig 
die Ansicht Nitzsches, daß die diffusen septischen Magen- 
blutungen Folge einer durch Wirkung der Toxine hervorgerufenen 
Schleimhautnekrose sind. Ueber den in der Schleimhaut vorhandenen 
Blutaustritten erwies sich die Schleimhaut unverändert. Die Blutungen 
werden als hochgradige Diapedese, welche durch die Toxine bewirkt 
wird, aufgefaßt. 

Fibröse Magen- und Darmstrik'turen auf sicherer syphi- 
litischer Basis beobachtete Heinr. Groß in 2 Fällen. Interessante 
Aufschlüsse über die Pathologie des segmentierten Magens erteilt 
Wullstein. Neben dem erworbenen Sanduhrmagen unterscheidet 
er auch einen angeborenen. Bei zahlreichen Föten fand er zum 
Teil mehrfache Einschnürungen. Bei gutartigen Magenstenosen hält 
Alfr. Hermann die Gastroenterostomie für die Normaloperation 
und will die G^stroplastik nur ftlr wenige, streng ausgewählte Fälle 
beschränkt wissen. 

Zur Diagnose des Magenkarzinoms schlägt H. Salomon 
eine vöUige Reinwaschung des Magens und am nächsten Morgen 
eine 2malige Spülung mit 400 ccm physiologischer Kochsalzlösung 
vor. Die zurückgeheberte Flüssigkeit gibt beim Vorhandensein eines 
Magenkarzinoms mit Eßbachschem Beagens mindestens eine Trübung 
und ihr 8ticksto£Pgehalt beträgt (nach Kjehldahl) 20 mg in 100 ccm 
Waschwasser. Diese Methode bedarf allerdings noch genauer Nach- 
prüfung, da voraussichtlich intensive chronische Katarrhe ebenfalls 
zu beträchtlicher Eiweißausscheidxmg auf die Magenoberfläche führen. 
M. Einhorn schließt aus im Spülwasser vorgefundenen Schleimhaut- 
stückchen des MagenS) daß die Diagnose eines Karzinoms nur imter 
besonders günstigen Umständen aus dem Befund eines Magenschleim- 



Ulcufl- 
perforation. 



DifftLse 

septische 

Magenblutang. 



Luetische 

Magen- 

strikturen. 

Pathologie 

des Sandohr- 

magens. 

Operation bei 
Magenstenose. 



Diagnose des 

Magen- 

kaninoms. 



214 Lorenz. 

Diagnose des hautstückchens gestellt werden kann und zwar nur, wenn ein direktes 

Maxell- Hineinwuchem von Epitkelzellen in die Drusensubstanz beobachtet 
karzinoms. 

werden kann. Emerson fand, daß bei Zusatz von Karzinomteilchen 

zu normalem Magensaft, resp. Pepsinsalzsäurelösungen die Spaltung 
des Eiweißes derart verändert wird, daß der Beststickstoff und der 
Stickstoff der Aminosäuren über den Albumosenstickstoff überwiegt. 
Glaeßner brachte, gestützt auf diese Versuche, zu normalem Magen- 
saft ein Stück Karzinom. Infolge autolytischer Vorgänge trat in 
kurzer Zeit eine so weitgehende Spaltung der Eiweißkörper ein, 
daß die Tryptophanreaktion deutlich wurde. Magensaft oder Magen- 
inhalt karzinomatöser Mägen gab diese Eeaktion dagegen nicht 
konstant. Auch Volhard fand sich in gleicher Hoffnung getäuscht. 
Majo Bobson hält die Frühdiagnose des Karzinoms für selten 
möglich und beantragt in zweifelhaften Fällen stets die Vornahme 

Blatbefnnd bei der Probelaparotomie. Kurpjuweit beschäftigte sich mit der Blut- 
^"r^^BüST Untersuchung bei Magenkarzinom und fand in einem Falle einige 
Tage vor dem Exitus bei plötzlicher Verschlechterung des Allgemein- 
befindens ein Herabsinken der polynukleären Leukozyten von 67 
auf 32 ^/o xmd einen Anstieg mononukleärer Zellen von 3 auf dS^/o. 
Letztere waren teilweise sehr groß (2mal so groß als eine normale 
polynukleäre Zelle mit einem Durchmesser von 0,0238 mm). Der 
Kern war rund oder zwerchsackartig, das Protoplasma von waben- 
artiger Struktur mit spärlichen neutrophilen Granulationen. Nach 
Annahme des Autors produzierte das schmierig zerfallene Karzinom 
Toxine, welche die Aenderung des Blutbefundes hervorriefen. 

Darmstenosen Yt. Kaufmann beobachtete als Komplikationen im Verlaufe des 
des Magen- Magenkr.ebses Darmstenosen. Der 1. Fall betraf ein Pylorus- 
krebees. karzinom mit gleichzeitigen Symptomen einer Dickdarmstenose. 
Drüsenmetastasen infiltrierten das Ligamentum gastrocolicum , wo- 
durch es zu Verkürzung und Schrumpfung dieses Ligamentes kam. 
Durch den Magentumor wurde die Wand des Colon transversum 
stark nach innen eingebuchtet und das Lumen hochgradig verengt. In 
einem 2. Falle handelte es sich um ein stenosierendes Kardiakarzinom 
mit gleichzeitiger Pylorusstenose infolge von Kompression durch kar- 
zinoinatöse Drüsenmetastasen. A . W. N ü t h a 1 1 und J. G. E m a nu e 1 
Diffase beschreiben 3 Fälle von diffuser karzinomatöser Infiltration 

^^^^®'^*^" des Magens. Einen Gallertkrebs des Magens mit Durchbruch 
Infiltration . _^ , , , ,•..-« , i i ^ , . , ^t , /.« 

des ICagens. u^s Duodenum und durch die Bauchdecke beschrieb Westenhö f f e r. 

Eine übersichtliche Zusammenstellung von 264 Fällen von Magen- 
krebs mit interessanter statistischer üebersicht über die Lebensdauer 
nicht operierter und operierter Karzinome lieferte Schönholze r. 



Krankheiten der Yerdauungsorgane. 215 

Die Gastroenterostomie verlängert das Leben nur um etwa 100 Tage. 
L. Burkhardt verweist auf die großen operativen Erfolge der 
Magen Chirurgie der Jetztzeit, welche durch ausgebildete Technik, Erfolge der 
präzise Diagnosenstellung und rechtzeitige Ausfuhrung der Operation c|,i^gig 
Hervorragendes leiste. Neben den traumatischen Verletzungen sind 
hauptsächlich das Ulcus ventriculi und seine Folgezustände und die 
Karzinome die Ursache zur Vornahme einer Operation, seltener in- 
dizieren die sog. primären, idiopathischen Magendilatationen, die 
Gastroptose imd die idiopathische Pylorushypertrophie des Kindes- 
alters einen derartigen Eingriff. Wenig geeignet für eine operative 
Behandlung ist die atonische Form der idiopathischen Magendila- 
tation, die auf einer primären Insuffizienz der Muskulatur beruht. 
Die Gastropezie, d. h. die Annähung des Magens in seine normale 
Lage an die vordere Bauchwand, zur Heilung der Gastroptose, ist 
nur für hochgradige Fälle empfehlenswert. 

Die Kasuistik der selteneren Magentumoren ist nur wenig be- MagenBarkom. 
reichert worden. Moser berichtet über einen Fall von Myosarkom 
des Magens bei einer seit 20 Jahren magenkranken Patientin. Drei 
mit Erfolg operierte Fälle von Myosarkom beschrieb Moser und 
Miodowski ein mannskopfgroßes Sarkom der Bursa omentalis, 
welches von dem subserösen Peritonealgewebe der Magenhinterwand 
seinen Ausgang nahm. Interessant war auch ein Magenmyom Magenmyom. 
desselben Autors mit tödlichen Blutungen bei einer Frau, deren 
Uterus wegen Myom vor mehr als einem Jahre exstirpiert worden Haar- 
war. Endlich berichtet noch G. Ekehorn über zwei nach Operation ^g**^^^^** 
geheilte Fälle von Haargeschwulst des Magens. 

Darm. Die funktionelle Diagnose des Darmes kann, FnnktioneUe 
ebenso wie beim Magen (Probediät), ohne genaue Untersuchung des^rmB. 
der Fäzes unter gleichen Versuchsbedingungen nicht gestellt 
werden. Dies betont neuerdings Pariser und modifiziert zu diesem 
Zwecke die von Schmidt und Strasburger angegebene Probediät, 
um sie allgemein durchführbar zu machen. Die Probemahlzeit wird 
von den bereits im Darme befindlichen Ingesta durch Karmin ab- 
gegrenzt. Die Stuhluntersuchung wird von Pariser ebenfalls in 
einzelnen Punkten vereinfacht. Bezüglich des Vorhandenseins von Dlagnostisohe 
Schleim in den Stühlen findet Pariser, daß mikroskopische Bei- ^^g^p^^ 
mengungen, wie sie bei Triazidfärbung des Stuhles nachweisbar schleims. 
sind, nichts Abnormes bedeuten, ebensowenig makroskopische kleine 
Schleimfetzchen. Dagegen sind alle bedeutenderen Schleimbei- 
mengungen für Katarrh pathognostisch. Aus der Form des Schleimes 



216 Lorenz. 

Diagnofltisohe ist eine Diagnose auf den Ursprung desselben möglich. Gb^ßere 
Bedeutung glasige Klümpchen oder dicke Auflagerungen auf festem Stuhl 
flchleims. sprochen f&r Dickdarmkatarrh; mikroskopisch findet sich dabei Ein- 
lagerung von verschollten, mit Seifen imbibierten Zellen. Dagegen 
sind kleinfetzige, mit dem Kote gemischte Schleimpartikel für Dünn- 
darmkatarrh charakteristisch, namentlich wenn sie viele Bakterien 
enthalten oder gallig geftrbt sind. Ein sicheres Merkmal für Dick- 
darmkatarrh ist die Einlagerung von Bilirubinkömem oder Fettsäure- 
nadeln in den Schleim. 
Spastische Singer beschreibt eine spastische Obstipation als isolierte 

Obstipation. ^^^^^ selbständige Erkrankung, nicht bloß als Teilerscheinung von 
Hysterie oder Neurasthenie, die er durch kalmierende, krampf lösende 
Maßnahmen behandelt, wobei er die Fle in ersehen Oelklysmen, 
Einführung von Bougies in den Mastdarm und hydriatische Prozeduren 
Sigmoiditis. empfiehlt. Bittorf beschreibt eine Sigmoiditis acuta, durch 
Kotstauung, die sich durch Druckempfindlichkeit, zirkumskripte, 
walzenförmige Resistenz der erkrankten Darmpartie charakterisiert 
und mit Fieber einhergeht. Auch Abszeßbildxmg wird beobachtet. 
Aus dem Darme erfolgen nach dunkeln schaf kotähnlichen Fäkal- 
massen reichliche breiige, schleimige Entleerungen. Edlefsen ^Eißt 
diese Erkrankung als besondere Form der lokalisierten Peritonitis 
Tumoren der auf. Ewald bespricht die DifPerentialdiagnose verschiedener Tumo- 

Regio üiaca ^^^^ ^^^ Regio iliaca sinistra: Kottumoren, G^llensteiae, Darm- 
sinistra. ® ' ' 

steine, Fremdkörper, dann dauernd anwesende Tumoren, von welchen 

solche innerhalb und außerhalb des Darmes unterschieden werden, 
weiterhin spastische Kontrakturen des Kolons, tuberktüöse und 
dysenterische Prozesse, auch zirkumskripte Peritonitiden mit Ver- 
klebung von Darmschlingen zu einem Konvolut. Oraul bestätigt 
Colitis den Befund von Boas von gleichzeitigem Auftreten einer Enteritis 

^^J^^^^^ membranacea bei Dickdarmkarzinom. In diesen Fällen muß 
oei xiioKoam' 

karzinom, die Bildung der Schleimmembranen auf eine entzündliche Gewebs- 
veränderung zurückgeführt werden, da ja in der Umgebung karzinoma- 
töser Prozesse stets Entzündung der Mukosa gefunden wird, wo- 
gegen dieselben beim gewöhnlichen Bilde der Enteritis membranacea 
durch Druck festsitzender Kotballen auf katarrhalische Schleimhaut 
gebildet werden. Bernard fand in 6— 9®/o der Fälle von Colitis 
— bei membranacea sichere Erkrankung des Wurmfortsatzes. 
^^iuSran«^ V. Aldor empfiehlt als radikalste Methode zur Behandlung des 
chronischen primären Dickdarmkatarrhs, auf welchen weder 
medikamentöse, noch Bäderbehandlung von wesentlichem Einflüsse 
ist, hohe Eingießungen mit warmem (wenigstens 45 ° C.) Karlsbader 



Erankheiten der Verdauungsorgane. 



217 



Wasser, worauf er eine durch mehrere Stunden währende Einwirkung 
höherer Wärmegrade auf den Bauch mittels Thermophor empfiehlt, 
um die Schmerzen nach der Eingießung zu beheben und die Flüssig- 
keit durch Herabsetzung der Peristaltik lange Zeit zurückzuhalten. 
Gegen die Möglichkeit solcher hoher Eingießungen, wie sie das 
Aid or sehe Verfahren verlangt, spricht sich Boas aus und macht 
auch auf die Gefahren, die eine so große Menge von Flüssigkeit 
(3 1 und mehr) auf einen atonischen Darm ausüben muß , aufmerk- 
sam. Mathieu und Roux halten den übertriebenen Gebrauch von 
Darmauswaschungen bei Darmerkrankungen deshalb för unzuträglich, 
weil dieselben Spasmen im Kolon erzeugen. Delherm empfiehlt 
zur Behandlung verschiedener Darmaffektioneu die Anwendung des 
galvanisch-faradischen Stromes und zwar bei der primären habituellen 
Obstipation, insbesondere bei Fällen mit Schafkotstuhl und bei 
Colitis membranacea. Zur Behandlung infektiöser Diarrhöen 
schlagen Combemale und Magum Methylenblau vor. Zur Herab- 
setzung der gesteigerten Darmperistaltik der Kolikschmerzen und 
Verminderung der Hypersekretion der Darmschleimhaut empfiehlt 
Helfer Abrotanolpastillen. Todd hat durch Injektion eines lös- 
lichen Toxins von Dysenteriebazillen bei Pferden ein Antitoxin ge- 
wonnen, von dem er eine vorläufige Mitteilung macht. Clemm be- 
richtet über günstige Erfolge der Behandlung von Dickdarmerkran- 
kungen, namentlich von Enteritis membranacea mit kleinen 
Einlaufen von Gelatosesilbemitrat- (Albargin-) Lösungen in einer 
Konzentration von 0,4 g auf */* 1 körperwarmen Wassers, die er über 
Nacht im Darme beläßt. Froussard gibt frir die Enteritis mem- 
branacea ein ausführliches Nahrungsregime an. Die Behandlung 
der Colitis ulcerosa erhielt durch Boas eine wertvolle Be- 
reicherung. Nach Anlegung einer Zökalfistel wurden vom Rektum 
und von der Fistel aus adstringierende Spülungen vorgenommen, die 
zur Heilung des ulzerösen Prozesses fahrten. Primäre Darm- 
tuberkulose ist bei Kindern eine häufige Erkrankung. Sie kann, 
wie Wagener an 28 Fällen erweist, häufig auf den Darm und die 
Mesenterialdrüsen lokalisiert bleiben und ohne dem Körper größeren 
Schaden zuzufügen, ausheilen, sich aber in anderen Fällen weiter- 
verbreiten und zu allgemeiner Tuberkulose führen. Viszerale 
Syphilis kann ihren Ausgang von den Lymphdrüsen des Mesen- 
teriums, des Betroperitonealraumes, oder der Porta hepatis nehmen 
und daselbst zu Gummabildung führen, welche, wie 3 Fälle von 
Quincke lehren, Pylorusstenose, GallensteinkolikanflQle oder Kom- 
pression von Gallengang und Pfortader verursachen können, die erst 



Behandlung 

des 

ohronisohen 

Dickdarm- 

katarrhs. 



Behandlang 

der 

infektiösen 

Diarrhoe 

und 

Dysenterie. 



Behandlang 
der Enteritis 
membranacea. 



Behandlang 

der Colitis 

alcerosa. 



Primäre 

Darm- 

taberkulose. 



Viszerale 
Syphilis. 



218 



Lorenz. 



Multiple 
DarmstenoBen. 



Ghronisohe 
Dickdarm- 
Stenose. 



Volvulus- 
bildnng. 



IntnBsnB- 
zeption. 



auf antiluetische Behandlung zum Verschwinden gebracht werden. 
Schlesinger stellt als wichtiges Symptom fOr die Diagnose 
multipler Darm Stenosen die mehrmalige Beobachtung gleichzeitig 
sich steifender, fem voneinander liegender Darmschlingen, dann den 
gleichen Ablauf und die gleichbleibende Lokalisation der Darm- 
steifungen, sowie anderweitige Symptome von Tuberkulose oder 
Syphilis auf. Für die Diagnose der chronischen Dickdarm- 
stenose wird von Goedhuis die regelmäßige Peristaltik einerund 
derselben Darmschlinge, eventuell das Sichtbarsein einer erweiterten 
DarmschUnge auch zwischen den Anfällen von Peristaltik, dann das 
laut hörbare Plätschergeräusch immer an derselben Stelle, sowie 
Vorwölbung der beiden Flanken oder des oberen Teiles des Abdomens 
(während eine auf das Meso- und Hypogastrium beschränkte Vor- 
wölbxmg bei Dünndarm- resp. Zökumstenosen vorkommt), dann 
Defflkation oder Gasabgang schnell nach einem Kolikanfalle und 
Vorhandensein von Blut, Eiter oder Schleim im Stuhl oder Tenesmen 
angefahrt. 

Dem Mechanismus der Knotenbildung des menschlichen 
Darmes liegt nach den eingehenden Untersuchungen von Wilms 
und Kert6sz ein einheitliches Prinzip zu Grunde. Der Knoten 
entsteht in der Begel von der Flexur und einer Ileumschlinge so, 
daß sich nach Wilms meist nach einem Trauma eine Dünndarm- 
schlinge unter die Wurzel der Flexur schiebt und dort fixiert wird. 
Durch eine bestimmte Peristaltik treibt der Inhalt den Darm durch 
den schnürenden Bing hindurch. Wie Brehm nachweist, können 
auch Mesenterialschrumpfungen nach entzündlichen Prozessen an der 
Flexura sigmoidea Anfälle von vorübergehender Stenose hervorrufen 
und selbst zur Bildung eines Volvulus Veranlassung geben. lieber 
chronische Intussuszeption des Dünndarmes wird von 
Wallis, Cantab und Eng ein interessanter Fall mitgeteilt, der 
über 2 Jahre lang gedauert, ab und zu Schmerzanfälle gemacht, 
aber in der Zwischenzeit weder Beschwerden verursacht, noch 
sich durch irgend ein klinisches Symptom verraten hatte. Erst 
in der Narkose wurde ein weicher, dem Darme angehöriger Tumor 
entdeckt, der sich bei der Eröffnung der Bauchhöhle als invaginiertes 
Darmstück erwies. Heilung durch Exzision. Ein ätiologisches 
Moment fehlte. 2 Fälle von Invagination, das erste Mal durch einen 
Polypen, das zweite Mal durch den in das Zökum eingestülpten 
Wunnfortsatz, beschreibt Herczel. Das typische Bild eines para- 
lytischen Ileus unter den Symptomen der Blutstauung schwerster 
Art im Darmkanal (blutiger Ileus und blutige Diarrhöen) sah 



Krankheiten der Yerdauungsorgane. 



219 



Beitzenstein infolge von Thrombose der Vena mesenterica. 
Frühere Blasenblutongen und hochgradige Varikositäten unterstützten 
die Diagnose. Die prompte Wirkung des Atropins beim Ileus 
paralyticus erklärt Homburger, der einen solchen nach spinaler 
Darmlähmung (Heus spinalis) beobachtete, in der V7eise, daß durch 
den Ausschluß des Nerveneinflusses auf den Darm derselbe in dem 
Kontraktionszustande verharrt, in welchem er sich gerade befindet, 
also stellenweise erschlafft, stellenweise kontrahiert. Auf diese kon- 
trahierten Stellen wirkt dann das Atropin erschlaffend, wodurch die 
Lockerung derKontenta erfolgt. Grube empfiehlt zur Behandlung 
des akuten Heusanfalles Strychnininjektion, wodurch die 
Darmperistaltik wieder hervorgerufen wird. Moszkovicz rühmt 
den auffallend guten Erfolg von Physostigmin bei Behandlung 
des Meteorismus (Pseudoileus) operierter Patienten, wodurch sich 
Kontraktion und Stuhlentleerung einstellt. Ueber die Symptome 
der Magenkolonfistel berichtet Koch auf Grund zweier Be- 
obachtungen und 70 Fällen aus der Literatur. Die absolute Häufig- 
keit derselben wird mit 2,17 ^/o angegeben. Ihre klinischen Er- 
scheinungen sind sehr verschieden. Zuweilen fehlen Magensymptome 
vollständig, in anderen Fällen wird entweder Koterbrechen oder 
Lienterie beobachtet. Ersteres findet sich zirka in der Hälfbe der 
Fälle und kommt dann zur Entwicklung, wenn der Pylorus frei ist 
und keine zu große Fistelöffnung besteht. Bei Verengung des Pylorus 
oder bei enorm großer Fistelbildung wird der Mageninhalt in das 
Kolon erbrochen und es erfolgt Lienterie. Dieses letztere Symptom 
gilt für ein seltenes Vorkommnis, wahrscheinlich nur deshalb, weil 
in den meisten Fällen keine genauen Stuhluntersuchungen gemacht 
wurden. In Fällen von gleichzeitiger Pylorusstenose bekommen wir 
eine Identität des diarrhoischen Stuhles mit dem Erbrochenen. Bei 
Aufblähung des Magens treten alsbald Flatus auf. Bei Insuffiation 
vom Rektum her wird unter metallisch klingendem Geräusche der 
Magen aufgebläht. Bei Magenausspülung kann die Flüssigkeit „ganz 
kühl" aus dem Eektum abfließen. Prognosis mala; als Therapie 
werden Opiate empfohlen. Kellin g schaltete mit sehr gutem Er- 
folge auf operativem V7ege das mit dem Magen verbundene Kolon- 
stück aus. 

Ury gibt eine Methode des Albumosennachweises in den 
Fäzes an und beweist mit Hilfe derselben die schon von 0. Freund 
gemachte Angabe, daß de norma keine irgendwie erheblichen 
Mengen von löslichen Produkten der Eiweißverdauung mit den Fäzes 
ausgeschieden werden. Zur Messung des Indols, eines Hauptpro- 



Thrombose 
der Vena 

mesenterica 

mit Heus. 
Atropin- 
wirkong 

beim nens. 



Stryclmin- 
Wirkung. 

Physostigmin- 
wirkong. 



Hagen- 
kolonflstel. 



Eiweiß- 
yerdaniing. 



220 Lorenz. 

Eiweißfftiüiiis duktoB der Eiweiß&rdiiis in den Fäzes sowie im Urin, wendet 
im Darm. Schmidt und Baumstark die Dimethylamidobenzaldehydreaktion 
von Ehrlich an und findet mittelstarke bis hochgradige Vermeh- 
rung des Indols in Fällen von Obstipation, Achylie, Hypochondrie, 
perniziöser Anämie und Chlorose, Verminderung bei Diarrhöen und 
in einem Falle von Achylie. Weiterhin kann unter schweren ELrank- 
heitsbildem enorm gesteigerter Indolgehalt des Urins bei minimalem 
Indolgehalt der Fäzes vorkommen, was durch die Annahme des Da- 
niederliegens einer normalerweise vorhandenen Ozydationskraft fär 
die resorbierten Fäulnisprodukte erklärt werden kann. TJebrigens 
ist nach einer Mitteilung Albus die Eiweiß Zersetzung im Darm- 
kanale eine so inkonstante, stark schwankende Gböße, daß ihre 
Komponenten ganz unberechenbar sind und es unmöglich erscheint, 
die jeweilige Qualität und Quantität der Darm&ulnis in einem Einzel- 
PrOfang der falle auf eine bestimmte Ursache zurückzufuhren. Strasburger 
Wirkung der ^j^j^^ ^ ^^^ Gewicht der Kotbakterien einen Maßstab, um die Wir- 
antisepüca. kung von Antisepsis auf Darmbakterien zu prüfen. Stuertz be- 
intesiinaie schreibt einen Fall von schwerer intestinaler Autointoxikation 
^?k*ti infolge von Gastroenteritis mit Obstipation, welche mit schweren 
Himsymptomen, epileptiformen Anfällen und mit hochgradiger Brady- 
kardie (Puls 62) bei abnorm hoher Spannung einherging. Im 
Harn viel Indikan, aber kein Azeton und keine Azetessigsäure. Hei- 
lung durch energische Darmentleerungen mit hohen Darmspülungen, 
Kalomel als Laxans, daneben Wechsel der Eiweißnahrung mit Kohle- 
hydratnahrung. Eventuell dürfte auch Transpiration von Nutzen 
Gastrische nndgein. Dagegen bezieht Fleiner die Erkrankungen von Tetanie, 
^^f^ sowohl gastrischen als intestinalen Ursprunges, auf eine rasch ent- 
stehende Eindickung des Blutes nach großen Säfleverlusten durch 
Hypersekretion vom Magen wie vom Darme aus und bringt dadurch 
wieder die Kuß manische Theorie den modernen Erklärungen dieser 
Erkrankung durch Autointoxikation gegenüber zur Geltung. 
Bektoie Ueber die Erfolge der rektalen Ernährung liegen verschie- 

EmÄhrung. ^^j^^ Mitteilungen vor. Gegenüber den modernen Anschauungen 
über die gute Kesorption der Nährklistiere berichtet Mathieu über 
schlechte Erfolge bei derselben und will sie nur in Fällen kompleter 
Inanition und dort, wo die Magenemährung kontraindiziert ist, an- 
gewendet wissen. Dagegen erklärt A. Schmidt die noch recht be- 
Gebranohs- schränkte Anwendung der Nährklysmen in der allgemeinen Praxis 
'^Whtiwf' *^ ^®^ Schwierigkeit der Technik und der Umständlichkeit des 
ganzen Verfahrens, welches er durch Angabe eines jederzeit ge- 
brauchsfslhigen Nährklistieres wesentlich vereinfacht. Dasselbe ver- 



Krankheiten der Yerdauungsorgane. 



221 



bindet eine genügende Kalorienzahl mit vollständiger Reizlosigkeit 
und besteht aus 250 g einer 0,9 ^/o igen Kochsalzlösung, 20 g Nähr- 
stoff Heyden und 60 g Dextrin. 

Von den Barmparasiten ist namentlich das Anchylostomum 
von Wichtigkeit. Die außerordentliche Verbreitung, welche die 
Anchylostomiasis seit 1901 in den rheinisch-westfälischen Steinkoh- 
lengruben (Zinn meldet aus dem Jahre 1903 nicht weniger als 
7622 Erkrankungen) gefunden hat, macht die Bekämpfung dieser 
Erkrankung wieder zu einer aktuellen Frage. In unserem Klima 
sind als hauptsächlichste Seuchenherde die Bergwerke mit Tempe- 
raturen um 25^ und mehr neben hohem Feuchtigkeitsgehalte anzu- 
sehen. Hier können sich die Anchylostomumlarven in den Dejekten, 
welche von infizierten Arbeitern frei in der Grube abgesetzt werden 
und sich mit dem Grubenschlamme vermischen, am besten ent- 
wickeln. Berieselungen der Gruben haben den Massenausbruch in 
solchen warmen Gruben veranlaßt (Tenholt). Als prophylaktische 
Maßregel wird die möglichste Hintanhaltung der Defclkation in den 
Gruben oder Benützung desinfizierbarer Kübel und die Ausschaltung 
der Infizierten von der Arbeit angeordnet. Zur Abtreibung der 
Würmer gilt das frisch bereitete Extractum filicis mans (10 bis 
höchstens 15 g) noch immer als das beste Mittel. Auch das Ba- 
lantidium coli kann fiir den Menschen pathogen werden, wie ein 
letal verlaufender Fall, den Ehrnroth beschreibt, beweist. Es rufl 
im Darmkanal einen sehr hartnäckigen Beizzustand hervor. Auch 
Askanazy bestätigt dessen pathogene Bedeutung durch den Nach- 
weis desselben in großer Zahl in der Submukosa des Darmes. 

Zur Abtreibung des Bothriocephalus latus verwendete 
Hedmann in 4 Fällen mit günstigem Erfolge je 8—4 g Thymol 
und als Laxans Bizinusöl oder Bitterwasser. Zur Entfernung von 
Oxyuris aus dem Dünndarm empfiehlt Heller erst Kalomel zu 
geben, um den Darmschleim, welcher die Würmer vor dem Wurm- 
mittel schützt, wegzuschaffen, dann erst Santonin und darauf wieder 
ein Abführmittel. Zur Befreiung des Dickdarmes von den erwach- 
senen Weibchen wird die AnftiUung des Darmes mit 0,2— 0,5^/oiger 
Lösung von Sapo medicatus angegeben. Groß hat durch experimen- 
telle Untersuchungen über Amöbenenteritis die Befunde von 
Jürgens bestätigt, daß bei Katzendysenterie die Drüsenschichte 
primär erkrankt und daß sich die Einwanderung des Parasiten in 
die DarmfoUikel verfolgen läßt. Die Amöben sind demnach fiir Katzen 
pathogen. 

Lebhaftes Interesse beanspruchte nach wie vor die Appendi- 



Anchylo- 
stomiasis. 



Pathogene 

Bedeutung des 

Balantidium 

coli. 



Behandlung 
des Bothrio- 
cephalus latus. 

Behandlung 
von Ozynris. 



Amöben- 
enteritis. 



222 Lorenz. 

Aetioiogie der zitis. Beiträge zur Aetiologie dieser Erkrankung wurden viel- 
Appendizitis. fach gebracht. F. Bernard glaubt an einen Zusammenhang zwischen 
Colitis membranacea und Blinddarmentzündung. Hermes fand unter 
75 gynäkologischen Laparotomien 40mal Erkrankungen des Wurm- 
fortsatzes. Häufig war die Entzündung von den primär erkrankten 
Genitalorganen auf den Appendix fortgeleitet. Bei jeder Laparo- 
tomie soll demnach der Appendix untersucht und bei dessen Er- 
krankung entfernt werden. N. Qoluboff faßt die Appendizitis als 
genuin infektiöse, epidemische Krankheit auf, wie etwa die folliku- 
läre Angina für die Tonsillitis, während Schult es ihre Beziehungen 
zur Influenza klarlegt. Vielfach werden Parasiten als ätiologische 
Ursache beschuldigt. Hanau und Bammstedt fanden Oxyuris und 
W. Oppe und Galli -Valerie außerdem Trichocephalus als ursäch- 
liches Moment. Fünf Fälle von gleichzeitiger Erkrankung an Appen- 
dizitis und Cholelithiasis bringt Becker. Durch den Nachweis der 
gleichen Erreger (Streptokokken) erbringt Weber den ursäch- 
lichen Zusammenhang zwischen Perityphlitis und Angina. Kleine 
Stückchen von Eierschalen, welche die Appendizitis erzeugt und da- 
bei die Darmwand perforiert hatten, fand J. Michalski. 60 Fälle 
Pathologische von Appendizitis untersuchte 0. Lanz, sowohl bakteriologisch als 
***** ®- auch mikroskopisch, und bringt die Haupttypen aller Formen der 
Appendicitis Entzündung in genauer Beschreibung. Die Obliteration des 
obiiterans. ij^^rmf ortsatzes hält K. Fab er für eine Folge von Entzündungs- 
prozessen und nicht für einen senilen Livolutionsprozeß. Diese Form 
der Appendizitis verläuft häufig symptomlos oder larviert, indem sie 
meist Obstipation, Leibschmerz und dyspeptische Erscheinungen 
macht, die den wahren Sitz nicht verraten. Auch Eibbert steht 
auf demselben Standpunkt. Er spricht jedoch die Obliteration des 
Appendix auch nicht als reinen Livolutionsvorgang eines rudimen- 
tären Organes an, sondern glaubt, daß die Toxine des Bacterium 
coli die Wand des Appendix reizen und Bindegewebsproliferationen 
hervorrufen, welche zur Obliteration fuhren. Die Analyse der 
Hyperaigesie Schmerzen und Empfindlichkeit bei Appendizitis beschäftigt viele 
Appendizitis -^^^^ren. Nach M. Moulin spricht die Abwesenheit derselben nicht 
für das Fehlen einer schweren Appendizitis. Die anfanglichen 
Schmerzen, welche nach dem Nabel verlegt werden, beruhen auf 
Zerrung der Befestigungen des Peritoneums an der Bauchwand, 
welche durch Peristaltik des Blinddarms hervorgerufen wird. Bei 
Uebergreifen der Entzündung auf die Muskularis erlischt dieser 
Schmerz. Schreitet die Entzündung auf das Peritoneum parietale 
weiter, so entsteht ein Schmerz in der Zökalgegend und lokale 



Krankheiten der Verdauungsorgane. 223 

H3rperästhesie der Haut, der Ausbreitung des zweiten Dorsalnerven 
entsprechend. Hört die lokale Hyperästhesie ohne Besserung des 
Allgemeinbefindens auf, so spricht dies für Oangrän des Wurms. 
Bei akutem Beginn der Appendizitis besteht nach J. Sherren 
eine üeberempfindlichkeit der Zökalgegend infolge Druck und Span- 
nung im Wurm. Ist das Nervengewebe zerstört, so fehlt die Schmerz- 
empfindung, besteht sie jedoch weiter, so beruht sie auf einer 
bestehenden Striktur im Appendix. Die Zone der Hyperalgesie ent- 
spricht meist einem Dreieck, dessen Basis in der Mittellinie, dessen 
Spitze etwas oberhalb der Spina anterior superior liegt. Verschwindet 
die Hyperalgesie ohne Besserung der anderen Symptome, so deutet 
dies auf Gangrän oder Perforation und drängt zur Operation. Bei 
Abszeß fehlt die H3rp6ralgesie häufig. J. Donalt und Küttner 
halten die Druckempfindlichkeit des Mac Burney sehen Punktes 
nicht immer für pathognomonisch fiir Appendizitis. Ersterer findet 
sich auch häufig bei Bleikolik und zwar im Beginn und beim Ab- 
klingen des Anfalles. Jul. Peiser fand sogar unter 11 Fällen 6mal 
Hyperästhesie der Zökalgegend bei Appendizitis. Zahlreich sind 
die Arbeiten, welche sich mit der Blutuntersuchung bei den ver- Leukosyten- 
schiedenen Formen und Stadien der Blinddarmentzündung beschäf- p^rfj'^^^i^ig 
tigen. Nach A. Feder mann unterscheidet eine hohe Leukozyten- 
zahl die beginnende Perforation vom unkomplizierten Darmverschluß 
und spricht, wenn frühzeitig auftretend, für gutartige gynäkologische 
Peritonitis. Bei gutartiger Perforation mit rascher Abkapselung geht 
die anfangs hohe Leukozytose am 3. Tage deutlich zurück, gleich- 
zeitig auch die Temperatur und die übrigen Symptome. Bei der 
diffusen eitrigen Peritonitis fällt die Leukozytenzahl zwar ab, doch 
werden die klinischen Symptome drohender. Leukozytenwerte von 
über 20000 nach dem 4. Tage neben schweren anderweitigen Sym- 
ptomen sprechen fiir Tendenz zur Propagation. Normale oder geringe 
Leukozytose ist bei Perityphlitis mit schweren Erscheinungen so- 
wohl nach Ansicht von Federmann als auch H. Goetjes ein 
Signum malum. Dauernd hohe Leukozytenwerte (20000—30000) 
lassen stets auf einen eitrigen Prozeß schließen, wenn nicht andere 
Komplikationen vorhanden sind, welche Leukozytose veranlassen. 
Bei diffuser Peritonitis verliert nach Ooetjes die Leukoz3rtenzäh- 
lung ihre Genauigkeit. Der große Wert der Blutkörperchenzählung 
f&r die Diagnose und Prognose der Appendizitis wird weiterhin von 
Wassermann, Sonnenburg, Stadler, Nilsson und N. Long- 
ridge hervorgehoben. Behn und Sprengel halten dagegen die 
Leukozytose für ein unzuverlässiges S3anptom. Oerngroß bestätigt 



224 Lorenz. 

zwar die Cur schmann sehen Ansichten über die Beziehungen der 
Zahl der weißen Blutkörperchen zur Appendizitis, hält jedoch die Not- 
wendigkeit einer Operation bei vereinzelt beobachteten Leukozyten- 
zahlen von 25000 und darüber nicht für berechtigt. Ausgedehnte 
Thrombose der Thrombose der Pfortader und ihrer Aeste bei Appendizitis be- 
Pfortaderbei obachtete Butters. Den Verlauf spontaner und postoperativer 
ppen s. p-g|.^^^ ^ Anschluß an Blinddarmentzündung studierte B. Müh- 
Akate sam. Jordan beweist das Vorkommen einer einfachen von der 
Entzündung Schleimhaut des Zökums ausgehenden, durch die Wand derselben 
auf die Serosa übergreifenden, nicht eitrigen Entzündung ohne A£Pek- 
tion des Wurmfortsatzes durch Einwanderung von Staphylokokken. 
Auch Reisinger beobachtete zwei FäUe von akuter Entzündung 
Therapie der des Zökums bei gesundem Appendix. Die Frage , ob die Appen- 
Appendizitifl. ^lizitis nur chirurgisch zu behandeln ist und der Zeitpunkt des 
operativen Eingriffes steht noch immer in lebhafter Diskussion. Die 
Mehrzahl der Kliniker, sowohl die Chirurgen als auch die Inter- 
nisten, treten für möglichst frühzeitige Operation ein. Ch. Bäumler 
hält jedoch in der Mehrzahl der Fälle die Heilung der Blinddarm- 
entzündung auch ohne operativen Eingriff für möglich, selbst in 
Fällen, in denen die Bildung eines größeren Eiterherdes angenommen 
werden muß. Er vertritt die alte Eis-Opiumbehandlung und verwirft 
die Verabfolgung jedes Abfuhrmittels. Oh. Kr äff t erbHckt im Opium 
geradezu ein Hilfsmittel für die Operation. Opium bringt den 
Kranken Linderung und verschafft dem Darm zur Bildung von 
Adhärenzen Buhe. Einlaufe und Purgantien sind dagegen gefahr- 
Sarkom des lieh und verwerflich. — Ein FaU von großzelligem Bundzellen- 
Biinddarms. ga^tom des Blinddarms von Mannsfaustgröße, welchen Hein- 
lein beschrieb, sei schließlich erwähnt. 

Prognose der Peritoneum. Die Prognose der tuberkulösen Peritonitis, 

taberkalösen ^^ schon seit dem Bekanntwerden von Heilungen nach vorgenom- 
mener Operation nicht mehr so ungünstig wie früher aufgefaßt wird, 
gewinnt durch neuere Untersuchungen, insofern Erweiterungen als 
auch Spontanheilungen unzweifelhaft anatomisch nachgewiesen wur- 
den (Borchgrevink). Eine spärliche Aussaat von Tuberkelbazillen 
auf das Bauchfell ruft bei relativ kräftigen Personen nur eine leichte, 
rasch heilende Erkrankung hervor; erst reichliche Infektion oder 
geringe Widerstandsfähigkeit des Kranken oder das Zusammen- 
wirken dieser beiden Momente kann zu schwerer Erkrankung und 
zum Tode fahren. Als ein wichtiges diagnostisches Symptom bei 
Beizen und Entzündungen des Peritoneums wird von Blake die 



Krankheiten der Yerdauungsorgane. 



225 



RigidiUt des 

Abdomens bei 

Peritonitis. 



Aszites bei 
Pfortader- 
thrombose. 



Bigidität des Abdomens angegeben. Bei der Pfortaderthrombose 
erflhrt die Leber eine Verkleinerung ohne erkennbare krankhafte 
Veränderungen der Leberzellen und ohne Störung der gallenbereiten- 
den Tätigkeit. Es tritt nur Bindegewebswucherung in den Septen 
der Läppchen auf. Aszites erfolgt dann, wenn sich unzureichende 
Anastomosen zwischen den Aesten der Pfortader und dem System 
der Vena cava bilden. An diesem Aszites haben Schulz und 
Müller bei einem schweren klinischen Falle interessante klinisch- 
physiologische und pathologisch-anatomische Untersuchungen an- 
gestellt und nachgewiesen, daß dieser Aszites nicht als ein für den 
Körper wertloses Stauungstranssudat aufzufassen ist, sondern daß 
aus demselben durch eine gesteigerte resorbierende Tätigkeit des 
peritonealen Bauchfells reichliche Nährstoffe in den großen Kreis- 
lauf aufgenommen und fiir die Ernährung des Körpers wieder- 
gewonnen werden. Diese lebhafte Resorption wird durch eine Ver- 
änderung des Bauchfelles erzielt, wie sie bei Aszites nach venöser 
Stauung niemals beobachtet wird: Wucherung des subperitonealen 
Bindegewebes, dessen Maschen und Kapillaren mit Lymphzellen an- 
gefüllt sind und zahlreiche von Lymphzellenhaufen umgebene, dünn- 
wandige Geftlße in den tieferen Schichten des verdickten subserösen 
Gewebes. Dabei wird der Stickstoffgehalt der Aszitesflüssigkeit 
durch die Art der Ernährung bis zu einem gewissen Grade beeinflußt. 
Der Eiweißgehalt derselben war bei eiweißreicher Kost doppelt so 
hoch als bei eiweißarmer Nahrung und es konnte durch Herabsetzung 
der Flüssigkeit zweifellos die Stärke des Transsudatstromes vermindert 
werden. Die Ursache der Trübung in milchigen Aszites- 
flüssigkeiten ist nicht immer Fett, sondern nach Quincke oft 
eine Emulsion von Eiweißkömem, die von Bernet und Joachim 
als eine feste Verbindung des Globulins oder Pseudoglobulins mit 
Lezithin erkannt wurde. Ein bereits von Dumont angegebenes, 
aben wenig bekanntes Symptom bei Magenperforation be- 
schreibt Folet. Dieses ist das gänzliche Fehlen von Erbrechen 
oder Vorhandensein von Nausea ohne wirkliches Erbrechen deshalb, 
weil der Magen beim Beginne des Brechaktes seinen Lihalt nicht 
durch die Kardia, sondern durch die PerforationsöfiFnung in die Ab- 
dominalhöhle entleert. 

Leber. Auf Grund eingehender anatomischer Untersuchungen stellte Verlauf des 

▼. Büngner fest, daß der Ductus choledochus vor seinem Eintritt in das . ^°?^"? 
-^ choledochus 

Duodenum zumeist durch die Substanz des Pankreas und nur selten am ^q^ 

Kopf desselben vorbeigeht und sich nur sehr selten mit dem Ductus Wirsun- Wirsungianus. 
Jahrbuch der praktischen Medizin. 1904. 15 



Trübung der 

Aszites- 
flassigkeit. 



Symptom bei 

Perforations- 

Peritonitis. 



226 



Lorenz. 



Osmotischer 

Druck der 

Oalle. 



Kryoskopie 

bei Leber- 

krankheiten. 



Leberprobe. 



Lage- 
verändenmg 
der Leber bei 
Meteorismus. 



Wanderleber. 



Widalsche 
Reaktion bei 

Leber- 
erkrankungen. 



Histologie der 
Gallen- 
kapillaren. 



Hereditärer 
Ikterus. 



gianus vereinigt. Für den osmotischen Druck der Galle bei Patienten mit 
Gallenfisteln fand Strauß ähnliche Wert« wie filr das Blut. Salzzufnhr 
steigert den Druck, Wasserzufuhr übt keinen Einfluß. Die Wichtigkeit der 
Gefrierpunktsbestimmung des Harns und der Aszitesflüssigkeit bei Erkran- 
kungen der Leber wies L. Ferrannini nach. Die Nierentätigkeit erscheint 
bei Affektionen der Leber stark in Mitleidenschaft gezogen. Ferrannini 
glaubt auch, daß die Gallenfarbstoffe im Harn in verschiedenen, auch 
klinisch mehr gleichartigen Fällen von Erkrankungen der Leber nicht ganz 
identisch sind und macht dieses Verhalten von der Natur der Krankheit 
abhängig. Französische Autoren wollten aus der Anwesenheit oder dem 
Fehlen von Zucker oder Glykogen in der Leber auf plötzlichen Tod oder 
längere Krankheit schließen. Versuche von J. Seegen beweisen aber, daß 
die an die .Leb erprobe" (Docimasie h^patique) geknüpften Folgerungen 
nicht richtig sind. Das gänzliche Fehlen von Glykogen in der Leber bei 
einem in voller Gesundheit Verstorbenen läßt nur auf Tod durch Asphyxie 
oder durch Kohlenstoffvergiftung schließen. 

Auf die Wichtigkeit der Lageveränderung der Leber bei 
Meteorismus, insbesondere das völlige Verschwinden der Leber- 
dämpfdng, für die Diagnose macht A. Oppenheim aufmerksam. 
Eine eingehende Zusammenstellnng von 116 Fällen von Hepato- 
ptose in der Gesamtliteratur erbringt Ssawaljew. Als wichtigstes 
ätiologisches Moment erscheint die Schwangerschaft und Qeburt. 
Aeußerst bewegliche abgeschnürte Leberlappen, welche sich 
um eine durch den Stiel von vom nach hinten gelegte Achse drehen 
ließen, beschreibt Penzoldt. Vor einer Verwechslung mit einer 
Neubildung schützt das Fehlen der Schmerzhaftigkeit, der aus- 
gesprochenen Höckerung, der stärkeren Härte, die Verschieblichkeit 
im Epigastrium imd länger dauernde, unveränderte Beschaffenheit 
bei Mangel von Kachexie. 

Megele machte zuerst auf einen positiven Ausfall der V7idal- 
schen Serumreaktion bei Leberabszeß aufmerksam. 
F. Köhler zeigte sodann, daß Lidividuen, welche an Leberkrank- 
heiten mit Ikterus leiden, relativ häufig Agglutinationsvermögen für 
Typhusbakterien zeigen. Auch L. Langstein und H. Meerwein 
beobachteten einen ähnlichen Fall, während R. Königstein eine 
einwandsfreie positive Beaktion vermißt. Mittels einer eigenen 
Färbemethode konnte Eppinger bei aUen Formen von Ikterus Ver- 
änderungen an den Gallenkapillaren nachweisen, welche eine Er- 
klärung für das Zustandekommen des Ikterus liefern. Auch N. Jagic 
fand mittels der VSTeigertschen Neurogliafärbung Erweiterung und 
Berstuug der Gallenkapillaren bei mechanisch bedingtem Ikterus. 
FäUe von hereditärem Ikterus beobachtete A. Pick. Aehnliche 



Krankheiten der Verdaaungsorgane. 227 

Fälle von angeborenem Ikterus bei hereditär belasteten Individuen 
beschreiben Gilbert und Lereboullet als ,,Icteru8 chronicus Sim- 
plex". Nach W. H. White können weder Syphilis oder Malaria, Aetioiogie 
noch andere Ejrankheiten Leberzirrhose erzeugen, sondern nur ^®' l^eber- 
unbekannte Gifte in alkoholischer Lösung. Daß Alkohol allein nicht 
ätiologisch in Frage kommt, beweist der negative Tierversuch und 
die Seltenheit der Leberzirrhose gegenüber der großen Verbreitung 
des Alkoholismus. Die wichtigsten Symptome der Zirrhose (Aszites, 
Ikterus und Oedeme) sind auch nicht auf Verlegung der Pfortader, 
sondern nur auf toxische Einflüsse zu beziehen. Für die Prognose 
ist Aszites das wichtigste Symptom, denn sein Auftreten bei unkom- 
plizierter Zirrhose bedeutet nach White Exitus in wenigen Monaten. 
Einen Fall von atrophischer Zirrhose ohne Milztumor mit früh- 
zeitig auftretendem Aszites und Oedemen ohne Caput Medusae be- 
schrieb Ferrannini. Bei der Entstehung dieser Form spielten 
wesentlich kongenitale Momente eine Bolle. Gambarati beobachtete 
bei gewöhnlicher Zirrhose ein venöses, auch über dem ganzen Ster- 
num hörbares Geräusch über der Leber und beschuldigt für dessen 
Entstehung eine Verengerung der Vena cava inferior an ihrer Passage 
im Sulcus hepaticus. Eine neue Form der Leberzirrhose mit Hyper- 
trophie des Organs, hervorgerufen durch maximale Entwicklung des 
Bindegewebes um die großen suprahepatischen Venen, nimmt 
F. J. Bainer an. An der Hand eines Falles schildert H. Ehret HeUung der 
die Möglichkeit, daß Krankheitserscheinungen einer atrophischen ^®^®""^^°*®* 
Leberzirrhose sich vollständig und dauernd zurückbilden können, so 
daß man von einer klinischen Heilung sprechen kann. Wenn die 
schädigenden Ursachen das Lebergewebe nicht zu rasch funktions- 
unfähig machen, kann durch Gewebsneubildung die Leberfunktion 
erhalten bleiben. Therapeutisch empfiehlt Ehret Totalabstinenz Therapie der 
aller alkoholischen Getränke und längeren Gebrauch kleiner Dosen Zirrhose. 
von Digitalis und Jodkalium. Die Bekämpfung der Stauung im 
Pfortaderkreislauf erfolgt durch abführende Salze (Karlsbad), Kalomel, 
kleine Blutentziehungen in der Lebergegend und um den Anus und 
frühzeitige und häufige Punktion des Aszites. Galliard erzielte in 
einem Fall von atrophischer Leberzirrhose im letzten Stadium voll- 
ständige Heilung durch Organotherapie (täglich 150 g Schweineleber). 
Ueber günstige Erfolge der Talma sehen Operation berichten Taim&sche 
V. Starck, A. Saw, J. Koslowsky, Sinclair-White und Operation. 
W. Sheen. D. G. Zesas befürwortet die Einnähung der Milz 
wegen der breiteren Auffassungsfläche, der günstigeren Gefllß Ver- 
hältnisse und der Vermeidung der Darmabknickungen. Die Operation 



228 



Lorenz. 



Leber- 
Ophthalmie. 



Paeado- 
leberzirrhose. 



Akute gelbe 
Leberatrophie. 



Knotige 

Hjrperplasien 

der Leber. 



Leberlaes. 



nach Talma hält R.Lenz mann kontraindiziert bei hochgradigem 
Ikterus, Schleimhantblutongen und Delirien. Aus den kasuistischen 
Mitteilungen wäre der seltene Fall einer Leberophthalmie 
(Hanotsche Zirrhose, beiderseitige Konjunktivitis, Keratitis und 
Viskosität des Blutes) von Vollbracht hervorzuheben. Einen FaU 
von hochgradig zirrhotischer Leber im Anschluß an Skarlatina bei 
einem 9jährigen Mädchen, welches nach wenigen Tagen unter 
cholämischen Erscheinungen mit starkem Ikterus zu Ghrunde ging, 
beschreibt Marchand und Nizzoli einen Fall von akuter in- 
fektiöser Leberschwellung nach Angina follicularis. 
Da in diesem Falle auch eine Nephritis vorhanden war, konnten die 
Nieren die Mikroorganismen und Toxine nicht ausscheiden. Auf 
diese Ursache bezog Nizzoli das Auftreten einer Septikämie mit 
folgender Leberschwellung. Die Picksche perikarditische 
Pseudoleberzirrhose wird mit voller Berechtigung auch von 
O.Heß als einheitliches Krankheitsbild nicht anerkannt. Erwähnt 
sei weiterhin, daß die von Eenvers und Klemperer inaugurierte 
Behandlung akuter und subakuter Lebererkrankungen mittels sub- 
kutaner Sublimatinjektionen auch von O.Bosenbach befürwortet wird. 

Ueber einen Fall von akuter gelber Leberatrophie be- 
richtet L. Brauner. Unter Zusammenfassung von 9 ähnlichen Fällen 
der Literatur beschreibt Ball in ein Krankheitsbild, bei welchem 
Ikterus, Erbrechen, Delirien und Koma kurz nach einer Bauch- 
Operation auftraten. Der Tod stellt sich meist rasch ein. Ballin 
hält diese Fälle für rapid verlaufende Sepsis mit Ausgang in gelbe 
Leberatrophie. L. Adler bringt einen intermittierenden, 10 Wochen 
währenden Verlauf einer gelben Leberatrophie zur Kenntnis. Das 
anatomische Präparat zeigte, dem Verlaufe entsprechend, frische 
destruktive und Besiduen abgelaufener Prozesse. Nach S. Stein- 
haus ist der Ausgang der akuten gelben Leberatrophie, wenn die 
Patienten länger leben, eine kompensatorische Hyperplasie des 
Leberparenchyms. In seinem Falle fehlte Gallengangsneubildung, 
so daß die hyperplastischen Knoten nur aus Leberzellen entstehen 
konnten, welche von der Atrophie verschont geblieben waren. Einen 
Fall von fast totalem Umbau der Leber mit knotigen Hyperplasien 
ohne gefäßreiches Bindegewebe beschreibt M. Yamasaki. Die 
Regeneration ging wahrscheinlich von stehen gebliebenen Leberzellen, 
vorwiegend aber von proliferierten Gallengangsepithelien aus. 

Zwei Fälle von Lues der Leber in Form von knotigen Ge- 
schwülsten veröffentlicht Wegner. Jodkalitherapie brachte in beiden 
FäUen Heilung. Eine Infektion war ausgeschlossen, doch konnte 



Krankheiten der Verdauungsorgane. 229 

in einem Falle die erbliche Form der Lues durch charakteristische 
Augenhintergrundsveränderung erschlossen werden. Die Notwendig- 
keit eines operativen Eingriffs bei Verdacht auf Leberlues muß nach 
Gumston stets in Betracht gezogen werden. 

Bei tropischem Leberabszeß spielt nach J. A. Koch die Leberabszess. 
Dysenterie, welche in leichten Formen leicht übersehen werden kann, 
die wichtigste Bolle. Alkoholmißbrauch ist weniger maßgebend. 
Diagnostisch sind folgende Symptome wichtig: Fieber, rasche Ema- 
ziation, fahlgelbes Aussehen, Husten, unstillbares Erbrechen, zu- 
weilen Schmerzen (Schulter), charakteristischer, vorsichtiger Gtwag 
mit kleinen Schritten, vomübergebeugter Haltung, zumeist schief 
nach links, und Anpressen der Arme gegen die Lebergegend. Bei 
der Probepunktion ist Vorsicht notwendig, empfehlenswerter ist die 
Vornahme der Probelaparotomie. Ohne chirurgische Behandlung 
werden 80®/o Mortalität gezählt. Schlayer verweist auf den Wert 
hoher Hyperleukozytose (18000—62000) bei zweifelhaften Diagnosen 
von Leberabszeß. Die Brauchbarkeit des Trokar und der Kanüle 
von Manson in der Behandlung des Leberabszesses erbringt 
A. TurnbüU. 

DreiFällevonLeberechinokokkusheiltePirronedurchopera- Leber- 
tiven EingriflF nach Bacc elli. Ein kleiner Teil der Flüssigkeit wird «cMnokokkus. 
durch Aspiration entleert und hierauf Sublimatlösung (1 : 1000) in- 
jiziert. Eeichhaltiger sind in der Literatur des Berichtsjahres die 
Geschwülste der Leber vertreten. E. Bodhe und Perütz Leber- 
beschreiben Fälle von primärem Leberkarzinom. Letzterer fand in ^^*r"^om- 
einem solchen Falle eine auffallende Vergrößerung der Leber nach 
oben und bezog diese Erscheinung auf Schwund der Muskelmasse 
des Zwerchfells durch den Druck der karzinomatösen Stränge und 
Knötchen, die das Diaphragma durchsetzten. Li solchen Fällen 
wäre die Badioskopie zur Feststellung des Zwerchfellstandes wichtig, 
da sonst eine Lebervergrößerung leicht übersehen werden kann. 
Ueber den seltenen Fall eines Haemangioma hepatis, welches Haemangioma 
durch seine Größe Beschwerden verursachte und durch Operation l»op»tiB- 
geheilt wurde, berichtet Pichler, K. Dahlgren über ein kaver- 
nöses Angiom und R. Maresch über ein stielfbrmiges , mit dem 
rechten Leberlappen verbundenes, etwa plazentagroßes, teils kaver- 
nöses, teils zystisches, teils solides Lymphangiom. Multiple Adenome 
in einer zirrhotischen Leber sah Hu et er. Diffuse Melanosarkom- 
infiltration der Leber (6,4 kg) im Anschluß an einen Choroideatumor 
bei Phthisis bulbi beobachtete Marchand. 

Die subkutanen Bupturen der Gallenwege traumatischen 



230 Lorenz. 

Leberruptur. Ursprungs bespricht Lewerenz an der Hand eigener und 60 Be- 
obachtungen aus der Literatur. Auch Hahn und C. Fr an cke berichten 
GaUenblasen- über Fälle von Leberruptur und Enderlen, A. Karschulin und 
ruptur. 3 Huguenin über Perforation und Zerreißungen der Gallenblase. 
TyphOse Einen Fall von Cholezystitis typhösen Ursprungs mit genauen bak- 
Cholezystitis, teriologischen Untersuchungen publizierte J. Jundell. 
Aetiologie Interessante Arbeiten sind auf dem Gebiete der Cholelithiasis 

der Chole- ^u verzeichnen. Bakteriologische und ätiologische Studien sind 
Hart mann zu verdanken: er fand in der Gallenflüssigkeit unter 
46 Fällen d6mal Bakterien (meist Bacterium coli), lOmal war die 
Galle steril. Für die Entstehung des lithogenen Katarrhs, welcher auf 
Bakterieninvasion vom Darm aus beruht, ist die Art der körperlichen 
Beschäftigung maßgebend. Nicht die sitzende Lebensweise und das 
Wohlleben, sondern die Anspannung der Muskulatur schafft die 
Disposition zur Steinbildung. Auch die Menstruation und Schwanger- 
schaft geben durch Schwankung der GtJlensekretion ursächliche 
Momente für die Gallensteinbildung. Zusammenfassende Darstellun- 
Röntgen- gen über Cholelithiasis geben J. B. Murphy und G. W. Törnquist. 
Photographie j^^j. radioskopische Nachweis von Gallensteinen gelingt nach T r e p 1 i n 
steine. °^^ ^^^ Zystikus- und Choledochussteinen (schwache Schatten). Steine 
in der Gallenblase werden wegen gleicher Undurchlässigkeit der 
Strahlen für Steine und die Gallenflüssigkeit nicht darstellbar. Einen 
Giykosorie Fall von Glykosurie bei Cholelithiasis beobachtete F. Ehler. Die 

«, , !l®L . Zuckerausscheidung verschwand nach der Operation. Ehler glaubt, 
CholeUthiasis. , « ,. , « . , „ ^ « , , . /%, 

daß die stark vergrößerte und prall gespannte Gallenblase eine Ob- 

turation der Ausftihrungsgänge des Pankreas und deshalb die Glykos- 
urie verursachte. Einen Fall von abnormer Beweglichkeit der steine- 
führenden Gallenblase beschreibt V. Lieb lein. Im Hinblick auf 
EoUk ohne zwei beobachtete Fälle von Gallenblasenkoliken ohne Gallensteine 
steine. glaubt H. Krukenberg, daß solche durch Abknickung des Gallen- 
blasenhalses bei losem Zusammenhang der Blase mit der Leber zu. 
Stande kommen können. Den Durchbruch eines haselnußgroßen 
GaUenstein- Gallensteins in den Magen unter kolikartigen Schmerzen und Er- 
in^d^rM^^en ^'•®c^®^ galliger und blutiger Massen beobachtete Fleck. Fälle 
GaUenstein- ^^^ Gallensteinileus beschreiben C. B er dach und G. A. Moyni- 
Ueus. han. Zur Regelung des Gallenabfiusses schlägt A. Jürgensohn 
regelmäßige Atmungsübungen mit dem Waldenburgschen Apparat 
Therapie, vor. Mit Rücksicht auf die gallentreibende Wirkung jeder Nahrungs- 
aufnahme ist nach v. Aldor bei Cholelithiasis jede qualitative Ein- 
schränkung der Diät unberechtigt. Eine individualisierte und reich- 
lich bemessene Nahrungsaufnahme (5mal im Tage) ist zu empfehlen. 



Krankheiten der Verdauung^organe. 



231 



Gholagen. 



Gallenstein- 
sanatorien. 



SpiUong der 
Gallenwege. 



R. Glaser hält die Cholelithiasis in erster und letzter Linie für 
eine Nervenkrankheit und nicht für eine Infektion. Das Primäre 
sind Funktionsstörungen der Sekretionsnerven der Leber. Als Heil- 
mittel empfiehlt er Quecksilber in Kombination mit aromatischen 
Pflanzenstoffen. Er stellte drei verschiedene Präparate, welche er 
Cholagen nannte, in Tablettenform her. Li 100 dieser Behandlung 
unterworfenen Fällen wurden 78"/o Heilung erzielt. Greppin und 
Pfähl er warnen mit Hinweis auf einen von Glaser behandelten 
und später sezierten Fall vor dieser Therapie. Die Sektion des 
angeführten Falles erwies trotz vorausgegangener Cholagenbehand- 
lung die Anwesenheit eines Gallensteins. Fr. Kuhn fordert fUr 
Gkllensteinleidende die Errichtung von Spezial^anatorien, in welchen 
diätetische, gymnastische und hydrotherapeutische Behandlung 
eingeleitet werden kann. Prophylaktisch sind mechanische, diäte- 
tische und medikamentöse Maßnahmen notwendig. Er fordert zur 
Austreibung kleinerer Steine eine Spülung der Gallenwege 
durch eine Fistel oder während der Operation. Als bestes inneres 
Gallendesinfektionsmittel empfiehlt er die Salizylsäure, dann Thymol 
und Menthol. Nach seiner Meinung ist ein GaUensteinkolikanfall 
der Ausdruck für eine Erhöhung des Druckes im GaUengangssystem, 
hervorgerufen durch eine Abflußbehinderung der Gallensekrete, üeber 
547 Operationen der Gallenblase mit 3,5 ^/o Mortalität berichtet 
W. J. Mays. F. Fink erzielte bei vorwiegend interner Behandlung 
von 403 Patienten 72 "^/o Heilung. Er hält die Indikationen zur 
Operation von Bi edel und Kehr als zu weitgehend und verwickelt 
sich mit dem letzteren deshalb in eine scharfe, aber interessante 
Polemik. 

Weniger bekannt als die eitrigen Entzündungen, welche die 
Gallensteine unter Vermittlung der eitererregenden Bakterien des 
Darmes verursachen, sind die nekrotisierenden Formen der Ent- 
zündung. Für diese Nekrose der Gallenblase düri):en nach 
Czerny wahrscheinlich die Gefäß Verhältnisse der Blase maßgebend 
sein, da die Arteria cystica eine Endarterie im Sinne Cohnheims 
ist und eine Unterdrückung der Zirkulation in derselben die Er- 
nährung der Blase gefährdet. 

Pankreas. Popielski untersuchte den Pankreassaft von Hmiden. Normaler 
Seine Resultate konnten durch K. Glaeßner bestätigt werden, welcher Pantoeaaean. 
zum ersten Male reinen, normalen Pankreassaft vom Menschen prüfen 
konnte. Pro die wurden 700—900 com entleert, und zwar 14—18 com in 
der Stunde im nüchternen Zustand und 30—50 ccm nach der Mahlzeit. Das 
Sekret war wasserklar, eiweißhaltig und reagierte alkalisch. Gegen Eiweiß- 



Ohirurgisohe 
Behandlung. 



Nekrose der 
Gallenblase. 



282 



Lorenz. 



Normaler 
Pankreassaft. 



Lipolytische 
Wirkung. 



Abhängigkeit 

der 

sekretorischen 

Funktion von 

der Milz. 

Leber und 
Pankreas. 



Diabetes. 



Pankreas- 
apoplexie. 



Chronische 
Pankreatitis. 

Pankreas- 
zysten. 

Pankreas- 
tumoren. 



kOrper erwies sich dasselbe völlig indifferent und enthielt kein aktives 
Trjpsin. Erst durch menschlichen Darmpreßsaft konnte es aktiviert werden 
und vermochte sodann Eiweiß zu verdauen. Die Trypsinmenge und die 
Alkaleszenz stiegen nach der Mahlzeit und erreichten ihr Maximum etwa 
4 Stunden nach der Nahrungsaufnahme. Fettspaltendes Ferment konnte 
nachgewiesen werden, ebenso diastatisches Ferment, welches jedoch Stärke 
nur in Maltose umwandeln konnte. Die weitere Spaltung besorgte erst der 
Darmsaft. Milchzucker wurde weder vom Pankreas- noch Darmsafb an- 
gegriffen, kann somit nur direkt resorbiert oder durch Bakterien gespalten 
werden. Nach H. Truhart vermag der Pankreassaft seine lipolytische 
Wirkung nicht auf dem Wege der Lymph- und Blutbahn entfalten, son- 
dern nur, wenn er direkt aus der Drüse ausgeschieden wird, ohne zuvor 
in den Blutkreislauf zu gelangen, also bei Verletzungen der Drüsensubstanz 
oder durch Diffusion bei unverletztem, aber krankhaft alteriertem Parenchym. 
Die Abhängigkeit der sekretorischen Funktion der Epithelzellen, der Pan- 
kreasausführungsgänge vom Vorhandensein der Milz wies G. Fischera nach. 
Die Milz überliefert während der Verdauungsperiode dem Kreislauf ein 
oxydierendes Enzym, welches im Lumen der Pankreasdrüsenkanälchen zur 
Wirkung kommt und Zymogen in Zymase verwandelt. Den engen Zn- 
sammenhang der Leber und der Bauchspeicheldrüse bei patho- 
logischen Prozessen betonen Klippel und Lefas. Stauungszirrhose der 
Leber war in acht darauf untersuchten Fällen stets von gleichartigen zir- 
rhotischen Veränderungen des Pankreas begleitet. Auch R. Pirone erhob 
einen übereinstimmenden Befund. Veränderungen der Langerhans sehen 
Gefäßinseln bei Arteriosklerose fand Hoppe-Seyler und machte dieselben 
für die Entstehung des Diabetes verantwortlich. C. Gutmann konnte 
diese Beobachtung in Fällen von Pankreasdiabetes nicht bestätigen. 

0. Heß injizierte Hunden Fett in die Ausfühningsgänge des 
Pankreas und erzielte hierdurch Totalnekrose des Organs, Blutung, 
Fettgewebsnekrose und schnellen Tod, somit ein der Pankreas- 
apoplexie analoges Exankheitsbild. Als Ursache des raschen 
Todes vermutet Heß eine Seifenvergiftung. Auch Bunge gelang 
es, akute Pankreashämorrhagie experimentell zu erzeugen. Die 
Kasuistik dieser Krankheit wird durch Man sb ach, H. Hoch haus, 
Pels-Leusden und Kirste vermehrt. Fälle von chronischer 
Pankreatitis veröffentlichten Haie White, B. Hoffmann und 
Ferd. Ehler, sowie Fälle von Pankreaszysten Port, Greene 
C u m s 1 n und B r a d t. Interesse beanspruchen weiterhin kasuistische 
Mitteilungen von Pankreastumoren. Einen Tumor der Bauch- 
speicheldrüse mit Duodenalstenose und schwerem Ikterus beschreibt 
G. Lotheißen, 5 Fälle von primärem ELrebs, welcher von den 
Langerhansschen Zellen seinen Ausgang nahm, S. Fabozzi und 
C. Ehrlich 2 Fälle von primärer Zyste mit später sarkomatös ent- 



Krankheiten der Verdauungsorgane. 233 

arteter Wand. Einen zusammenfassenden Bericht über den heutigen 
Stand der Chirurgie des Pankreas mit besonderer Benicksichtigung der 
Verletzungen und Entzündungen dieses Organs gibt J. v. Mikulicz. 

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plasteinbildende Ferment. Münch. med. Wochenschr. S. 2129. — Der- 
selbe, Ueber Alkalibindungsvermögen und die Titration der Magensäfte. 
Münch. med. Wochenschr. S. 2185. — M. Wagner, Zur Behandlung des 
Magengeschwürs. Münch. med. Wochenschr. 8. 1. — Fr. C. Wallis, Three 
cases of perforated gastric ulcer. etc. Lancet p. 1086. — K. Walko, 
Ueber die Behandlung des Ulcus ventriculi mit Olivenöl. Zentralbl. f. ins. 
Med. Nr. 45. — Derselbe, Ueber den Einfluß der Fette auf die Magen- 
verdauung und über die Behandlung der Hyperazidität. Zeitschr. f. Heil- 
kunde Bd. XXIV, H. 5. — F. Weber, Zur Symptomatologie und Therapie 
der perforatiyen Peritonitis bei Ulcus ventric. Berl. klin. Wochenschr. 8. 11. 

— Westenhöffer, Münch. med. Wochenschr. S. 491. — Wüllstein, 
Ueber die Pathologie des segmentierten Magens (Sanduhrmagens) und über 
die Therapie desselben durch Gangr&nerzeugung. Münch. med. Wochen- 
schrift S. 1049. — Young, Notes on a case of chronic ulcer of the 
stomach etc. Lancet p. 1297. — N. Zweig und A. Galvo, Die Sahlische 
Mageninhaltuntersuchung und ihre Bedeutung für die Diagnose der alimen- 
tären Hypersekretion. Arch. f. Verdauungskrankh. Bd. IX, H. 3 u. 4. 

Darm. 

A. Albu, Weitere Beiträge zur Lehre von der Darmföulnis. Berl. klin. 
Wochenschr. Nr. 7. — L. v. Aldor, Ueber die Behandlung chronischer 
Dickdarmkatarrhe mit hohen Eingießungen. Berl, klin. Wochenschr. Nr. 19. 

— Askanazy, Ueber Balantidium coli. Wien. med. Wochenschr. Nr. 3. — 
Ch. Bäumler, Die Behandlung der Appendizitis. Therap. d. Gegenwart 
H. 2 u. 8. — Baumstark, Verwertung der Ehrlichschen Dimethylamido- 
benzaldehydreaktion für eine quantitative Indolprobe in den HLzes nebst 
Untersuchungen über die Eiweißfäulnis im Darme. Arch. f. Verdauungs- 
krankheiten Bd. IX, S. 201. — Be oker, Ueber gleichzeitige Erkrankung an 
Appendizitis und Cholelithiasis. Deutsche Zeitschr. f. Chirurg. Bd. LXVI, 



Krankheiten der Verdauungsorgane. 237 

H. 3 u. 4. — Fei. Bernard, 14. intern, med. Eongr. in Madrid. — Der- 
selbe, Rapports de la colite muco-membraneuse et de Tappendicite. Presse 
m^d. — Bittorf, Die akute Entzündung der Flexura sigmoidea durch 
Eotstauung. Berl. klin. Wochenschr. Nr. 7. — Boas, Ueber einen Fall 
von operativ geheilter Colitis ulcerosa. Deutsche med. Wochenschr. Nr. 11. 
— Derselbe, Zur Behandlung chronischer Dickdarmkatarrhe. Berl. klin. 
Wochenschr. Nr. 22. — 0. Brehm, Ueber mesenteriale Schrumpfung und 
ihre Beziehungen zum Volvulus der Flexura sigmoidea. Arch. f. klin. Med. 
Bd. LXX, S. 267. ~ Breton, L'ankylostomiasie en France. L*^cho m^d. 
du Nord Nr. 40. — Bütters, Ausgedehnte Thrombose der Pfortader und 
ihrer Aeste bei Appendizitis. GOschel - Festschrift , Tübingen 1902. — 
W. N. Glemm, Ueber eine neue Anwendungsform des Gelatosesilbemitrats 
(Albargin-HOchst) zur Behandlung der Dickdarmerkrankungen. Arch. f. 
Verdauungskrankh. Bd. IX, S. 38. — Gombemale u. Marguin, Lebleu 
du möthylöne dans les diarrh^es. L'öcho m^d. du Nord Nr. 40. — L. Del- 
herm, Le traitement ^lectrique de la colite muco-membraneuse. Th^e 
de Paris. — J. Donath, Skolikoiditis und Colica satumina. Wien. klin. 
Rundsch. Nr. 42. — Ehrnroth, Zur Frage der Pathogenität des Belanti- 
dium coli. Zeitschr. f. klin. Med. Bd. XLIX, S. 821. — C. A. Ewald, Ueber 
Darmtumoren in der Gegend der Regio iliaca sinistra. Berl. klin. Wochen- 
schrift Nr. 48 u. 49. — K. Faber, Ueber Appendicitis obliterans. Mitteil, 
a. d. Grenzgeb. Bd. XI, H. 4. — A. Fe der mann, Ueber Perityphlitis mit 
besonderer Berücksichtigung des Verhaltens der Leukozyten. Mitteil. a. d. 
Grenzgeb. Bd. XII, H. 2 u. 3. — W. Fl einer, Ueber Tetanie gastrischen 
und intestinalen Ursprungs. Münch. med. Wochenschr. Nr* 10. — Frous- 
sard. Du regime alimentaire dans Tenterocolite muco-membraneuse. Gaz. 
des höp. Nr. 22. — Galli-Valerio, Sur un cas d*appendicite avec Oxyurus 
yermicularis L. et Trichocephalus trichinus L. Zentralbl. f. Bakt. Bd. XXXFV*, 
Nr. 4. — Gerngroß, Periphlitis und Leukozytose. Münch. med. Wochen- 
schrift S. 1687. — Godhuis, Aetiologie und Symptomatologie der Dick- 
darmverengerungen. Wien. klin. Rundsch. Nr. 43. — H. Goetjes, Beiti^Lge 
zur Frage der Leukozytose bei Perityphlitis. Münch. med. Wochenschr. 
S. 723. — N. Goluboff, Prakticzesky Wratsch Nr. 29. — Graul, Dick- 
darmkarzinom und Enteritis membranacea. Arch. f. Verdauungskrankh. 
Bd. IX, S. 408. — A. Groß, Beobachtungen über Amöbenenteritis. Deutsches 
Arch. f. klin. Med. Bd. LXXVI, S. 429. — H. Grube, Ein weiterer Beitrag 
zur Bekämpfung des Ileus mittels subkutaner Strychninii^ektionen. Zentral- 
blatt f. Gyn. Nr. 17. — Hanau, 51. Versamml. mittelrhein. Aerzte. Mflnoh. 
med. Wochenschr. S. 1094. — K. Hedmann, Thymol als Antihelminthiakum. 
Finska läkare handl. Bd. XLV, S. 23. — Heinlein, Mannsfaustgroße Ge- 
schwulst des Blinddarms. Münch. med. Wochenschr. S. 188. — G. Helfer, 
Ueber therapeutische Verwertbarkeit der Abrotanolpastillen. Wien. med. 
Presse Nr. 3. — Heller, Ueber Oxyuris vermicularis. Deutsches Arch. f. 
klin. Med. Bd. LXXVII, S. 21. — Herczel, Ueber Darminvaginationen, die 
auf Grund von Tumoren entstanden sind. Budapest Orv. Ujsag Nr. 1. — 



238 Lorenz. 

Hermes, Erfahrungen über Veränderungen des Wurmfortsatzes bei gynä- 
kologischen Erkrankungen. Deutsche Zeitschr. f. Chir. Bd. LXyiU, H. 8 u. 4. 

— Jordan, Ueber den Ausgangspunkt der Blinddarmentzündung. Münch. 
med. Wochenschr. S. 442. — 6. Eelling, Ein Fall von Magenkarzinom 
mit erfolgreich operierter Fistula gastro-colica und zwei später entstandenen 
Gastroenterostomien nach Hackerschem Tjrpus. Arch. f. Verdauungskrankh. 
Bd. IX, S. 30. — Ph. Koch, üeber Fistula gastrocolica carcinomatosa. 
Arch. f. Verdauungskrankh. Bd. E^, S. 1. — Ch. Krafft, Rev. de chir., 
April. — H. Eüttner, Ueber Pseudoappendizitis. Beitr. z. klin. Chir. 
Bd. XXXVII, S. 323. — 0. L a n z , Die pathologisch-anatomischen Grund- 
lagen der Appendizitis. Beitr. z. klin. Chir. Bd. XXXVIII, H. 1. — H. Lind- 
ner, üeber die nervösen Erkrankungen des Kolons. Beitr. z. klin. Chir. 
Bd. XXXVII, S. 464. — N. Longridge, The value of blood ezaminations 
in abdominal diseases. Lancet p. 1159. — A. Mathieu, Les lavements 
alimentaires. Gaz. des h6p. Nr. 148. — Mathieu u. Roux, Les abus du 
lavage de Tintestin. Gaz. des höp. — J. Michalski, Kasuistische Beiträge 
zur FremdkOrperappendizitis. Korrespondenzblatt für Schweizer Aerzte. 
38. Jahrg. Nr. 20. — L. Moszkowicz, Physostigmin gegen gefahrdrohenden 
Meteorismus (namentlich nach Operationen). Wien. klin. Wochenschr. Nr. 22. 

— M. Moullin, Lancet, 22. Aug^t. — R. Mühsam, Die im Verlauf der 
Blinddarmentzündung auftretenden Fisteln. Mitteil. a. d. Grenzgeb. Bd. XI, 
H. 2. — G. Nilßon, Zur Frage der Bedeutung der Leukozytose bei Appen- 
dizitis. Hygiea, April. — Pariser, Zur Diagnostik der Darmkatarrhe. 
Deusche Mediz.-Ztg. Nr. 40 u. 41. — Jul. P eiser, üeber Hypästhesie bei 
Appendizitis. Münch. med. Wochenschr. S. 1765. — H. Quincke, Zur 
Kasuistik der Viszeralsyphilis. Deutsches Arch. f. klin. Med. Bd. LXXVII, 
S. 1. — Rammstedt, Ozyuris vermicularis als Ursache akuter Appendi- 
zitis. Deutsche med. Wochenschr. Nr. 51. — L. Rehn, üeber den Wert 
der Leukozytenzählung für die Behandlung der Appendizitis. 75. Vers, 
deutscher Naturforscher. — Derselbe, üeber den Wert der Blutkörperchen- 
zählung bei den akuten Entzündungen des Wurmfortsatzes. Münch. med. 
Wochenschr. S. 2177. — Reisinger, Ueber akute Entzündung des Zökums. 
Münch. med. Wochenschr. S. 1722. — Reitzenstein, Heus infolge von 
Thrombose der Vena mesenterica. Münch. med. Wochenschr. Nr. 6. — 
Ribbert, Zur Pathologie des Wurmfortsatzes. Deutsche med. Wochenschr. 
Nr. 23. — H. Schlesinger, Zur Diagnose multipler Darmstenosen. Zentral- 
blatt f. inn. Med. Nr. 2. — A. Schmidt, üeber den Nachweis und die 
Bestimmung des Indols in den Fäzes mittels der Ehrlichschen Dimethyl- 
amidobenzaldehydreaktion. Münch. med. Wochenschr. Nr. 17. — Derselbe, 
Gebrauchsfertige Nährklistiere. Münch. med. Wochenschr. Nr. 47. — 
Schultes, Ueber Influenza, Appendizitis und ihre Beziehungen. Deutsche 
med. Wochenschr. S. 752. — Schulz und Müller, Klinisch-physiologische 
und pathologisch-anatomische Untersuchungen an einem Falle von hoch- 
gradigem Aszites bei Pfortaderthrombose. Deutsches Arch. f. klin. Med. 
Bd. LXXVI, S. 548. — J. Sherren, On the occurrence and significance 



Krankheiten der Verdauungsorgane. 289 

of cutaneous hyperalgesia in appendicitis. Lancet p. 816. — G. Singer, 
Die apasÜBche Obstipation. Wien. klin. Wochenschr. Nr. 14. — Sonnen- 
barg, Die Bedeutung der Leukozytose bei Perityphlitis. 32. Kongreß d. 
deutschen Ges. f. Ghir. — Sprengel, 82. Kongr. d. deutschen Ges. f. Chir. 

— Stadler, Zur diagnostischen Bedeutung der Leukozytenwerte bei den 
vom Blinddarm und Wurmfortsatz ausgehenden entzündlichen Prozessen. 
Grenzgeb. d. Med. u. Chir. Bd. XI, H. 8. — Steinhaus, Zur Bekämpfung 
der Anchylostomumepidemie im Ruhrkohlenbezirk. Wien. klin. Bundsch. 
Nr. 84. — J. Strasburger, Ueber die Bakterienmenge im Darm bei An- 
wendung antiseptischer Mittel. Zeitschr. f. klin. Med. Bd. XLYIII, S. 491. 

— Stuertz, Ein Fall von schwerer intestinaler Autointoxikation. Berl. 
klin. Wochenschr. Nr. 28. — Ch. Todd, On a dysentery antitoxin. Brit. 
med. Joum., 5. Dez. — H. Ury, Zur Methodik des Albumosennachweises 
in den F&zes. Arch. f. Verdauungskrankh. Bd. IX, S. 219. — 0. Wagener, 
Ueber prim&re Tuberkuloseinfektion durch den Darm. Münch. med. Wochen- 
schrift Nr. 48. — Wallis, Cantab, Eng, A case of chronic intussuscep- 
tion; excision of 42 inches of small intestine; recovery. The Lancet, 5. Dez. 

— Wassermann, Ein weiterer Beitrag zur diagnostischen Bedeutung der 
Leukozytose bei Appendizitis. Arch. f. klin. Ghir. Bd. LXIX, H. 1 u. 2. — 
H. Weber, Zur Kritik der Beziehungen der Angina tonsillaris zur Ent- 
zündung des Wurmfortsatzes. Münch. med. Wochenschr. S. 2064. — Wilms, 
Mechanismus der Knotenbildung des menschlichen Darms. Arch. f. klin. 
Chir. Bd. LXIX, S. 796 u. Deutsche med. Wochenschr. Nr. 5. — W. Zinn, 
Ueber die Wurmkrankheit Ankylostomiasis und ihre Bekämpfung. Die 
Therapie d. Gegenw., Dez. 

Peritoneum. 

Blake, The diagnostic value of abdominal rigidity. New York med. 
Joum., 8. Jan. — 0. Borchgrevink, Fall von anatomisch nachgewiesener 
Spontanheilung der tuberkulösen Peritonitis. Deutsche med. Wochenschr. 
Nr. 8. — H. Fol et, Peritonite par Perforation. L*Echo med. du nord Nr. 18. 

— J. Joachim, Ueber die Ursache der Trübung in milchigen Aszites- 
flflssigkeiten. Münch. med. Wochenschr. Nr. 44. 

Leber. 

L. Adler, Ueber einen Fall von gelber Leberatrophie mit ungewöhn- 
lichem Verlauf. Zeitschr. f. Heilkunde Bd. XXIV, H. 7. — v. Aldor, 
Ueber diätetische Behandlung der Gallensteinkrankheit. Zeitschr. f. diät 
u. phys. Ther. Bd. VII, H. 4. — - Ballin, Annais of Surgery, April. — 
C. Berdach, Fall von Gallensteinileus. Münch. med. Wochenschr. S. 978. 

— L. Brauner, Ein Fall von akuter gelber Leberatrophie. Wien. klin. 
Rundschau S. 901. — v. Büngner, Zur Anatomie und Pathologie der 
Gallenwege und des Pankreas. Beitr. z. klin. Chir. Bd. XXXIX. S. 131. — 
C ums ton. Eine kurze Betrachtung der Lebersyphilis vom chirurgischen 



240 Lorenz. 

Standpunkt. Arch. f. klin. Chir. Bd. LXX, H. 2. — Czerny, Ueber Nekrose 
der Gallenblase. Münch. med. Wochensohr. S. 929. — E. Dahlgren, 
Nordiskt med. Arkiv^ 1902» Abt. I, H. 3. — F. Ehler, Gholelithiasis und 
GlykoBurie. Wien. klin. Wochenschr. S. 621. — H. Ehret» Zur Kenntnis 
der Prognose der atrophischen Leberzirrhose. Mflnch. med. Wochenschr. 
S. 321. — Enderlen, Zur Behandlung der Perforationen und Zerreißungen 
der Grallenblase. Münch. med. Wochenschr. S. 507* — H. Eppinger, 
Weitere Beiträge zur Pathogenese des Ikterus. Beitr. z. pathol. Anatomie 
Bd. XXXni, S. 123. — F. Fink, Wien. klin. Wochenschr. Nr. 27 u. 35. — 
Fleck, üeber den Durchbruch eines Gallensteins in den Magen. Deutsche 
med. Wochenschr. Nr. 47. — C. Francke, Zerreißung der Leber und eines 
großen Gallengangs, nach Bauchpunktion spontan geheilt. Deutsche med. 
Wochenschr. Nr. 20. — L. Ferrannini, Die Eryoskopie des Urins und 
Aszites bei Erkrankungen der Leber. Zentralbl. f. innere Med. Nr. 11. — 
Derselbe, Gazz. degli osped. Nr. 74. — Derselbe, üeber die Eigentüm- 
lichkeiten und die Umwandlungen der Gallenfarbstoffe bei den verschiedenen 
Formen des Ikterus. Zentralbl. f. innere Med. Nr. 32. — Galliard, Gu^ 
rison d*une cirrhose atrophique du foie, soumise in extremis ä Topoth^rapie 
hepatique. Soci^tä möd. des höp. — Gambarati, Rif. med. Nr. 6. — 
Gilbert et Lereboullet, Les ictöres chroniques simples. Society mM. 
des höp. — R. Glaser, Die Heilung der Cholelithiasis durch Ghologen etc. 
Eorrespondenzbl. f. Schweiz. Aerzte 33. Jahrg., S. 73 u. 147. — Greppin 
und Pfähler, Korrespondenzbl. f. Schweiz. Aerzte 33. Jahrg. S. 120. — 
Hahn, 82. Eongr. d. deutsch. Ges. f. Chir. — Hartmann, Bakteriol. 
Studien an der Hand von 46 Gallensteinoperationen, nebst einem Beitrag 
über ätiologische Fragen des lithogenen Katarrhs der Gallenblase. Deutsche 
Zeitschr. f. Chir. Bd. LXVIII, H. 3/4. — 0. Heß, Ueber Stauung und chron. 
Entzündung in der Leber und den serösen Höhlen. Habilitationsschr. Mar- 
burg 1902. — Hueter, Münch. med. Wochenschr. S. 133. — B. Hugue- 
nin, Virch. Arch. Bd. CLXXIII, H. 3. — N. Jagic, Normale und pathoL 
Histologie der Gallenkapillaren. Zieglers Beitr. z. pathol. Anat Bd. XXXIH, 
H. 1/2. — J. Jundell, Hygiea Nr. 9. — A. Jürgensohn, Ueber die 
physikal. Behandlung der Gallensteine. Zeitschr. f. diät. u. phys. Ther. 
Bd. YII, H. 7. — A. Kar schul in, Ruptur der Gallenblase durch Sturz 
von einer Höhe etc. Wien. med. Wochenschr. Nr. 28. — H. Kehr, In 
welchen Punkten ich von Riedels Ansichten über Gallensteinchirurgie ab- 
weiche? Münch. med. Wochenschr. S. 726. — Derselbe, Wien. klin. 
Wochenschr. Nr. 34. — J. A. Koch, Weekbl. van het Nederl. Tijdschr. v. 
Geneesk. Nr. 7. — F. Köhler, Die Widalsohe Reaktion bei Gelbsucht. 
Münch. med. Wochenschr. S. 1379. — R. Königstein, Ueber die agglu- 
tinierende Eigenschaft der Galle und des Serums beim Ikterus. Wien. kUn. 
Wochenschr. S. 985. — J. J. Koslowsky, Ein Fall von operativer Be- 
handlung des Aszites bei atrophischer Leberzirrhose. Russ. med. Rund- 
schau S.833. — H. Krukenberg, Ueber Gallenblasenkoliken ohne Gallen- 
steine. Berl. klin. Wochenschr. Nr, 29. — Fr. Kühn, Austreibung von 



Krankheiten der Yerdauungsorgane. 241 

Gallensteinen durch Spülung. Münch. med. Wochenschr. S. 1677. — Der- 
selbe, Dnrchspülnng der Gallenwege zu diagnostischen u. therap. Zwecken. 
Therap. Monatshefte H. 3. — Derselbe, üeber Desinfektion der Gallen- 
wege. 75. Vers. d. Naturforscher u. Aerzte in Kassel. — Derselbe, Pro- 
phylaxe und operationslose Behandlung des Gallensteinleidens. Berl. Klinik 
H. 177. — L. Langstein und H. Meerwein, Gruber-Widalsche Serum- 
reaktion bei Ikterus. Wien. klin. Wochenschr. S. 787. — R. Lenzmann, 
Zur Frage der Indikation und des Erfolges der Talmaschen Operation bei 
der atrophischen Leberzirrhose. Deutsche med. Wochenschr. Nr. 48. — 
Lewerenz, Ueber die subakuten Rupturen der Gallenwege traumatischen 
Ursprungs etc. Arch. f. klin. Med. Bd. LXXI, H. 1. — Vikt. Lieblein, 
Üeber abnorme Beweglichkeit der steineführenden Gallenblase. Münch. 
med. Wochenschr. S. 658. — Marchand, Münch. med. Wochenschr. S. 1484 
u. 1658. — R. Maresch, Ueber ein Lymphangiom der Leber. Zeitschr. 
f. Heilkunde Bd. XXIV, H. 1. — W. J. Mays, Boston med. and surgical 
joum., 21. Mai. — Megele, Widalsche Serumreaktion bei Leberabszefi. 
Münch. med. Wochenschr. S. 599. — G. A. Moynihan, Medic. chronicle, 
August. — J. B. Murphy, Medical news, 2. Mai. — Nizzoli, Gazz. degli 
osped. Nr. 77. — A. Oppenheim, Die Lageveränderungen der Leber und 
der Brustorgane bei Meteorismus, ihre Verwertung für Diagnose und 
Therapie. Berl. klin. Wochenschr. S. 959. — Penzoldt, Ueber die Beweg- 
lichkeit des abgeschnürten rechten Leberlappens. Münch. med. Wochenschr. 
S. 412. — Perutz, Zur Klinik der prim&ren Leberkarzinome. Münch. med. 
Wochenschr. S. 1842. — Pich 1 er. Ein Fall von Haemangioma hepatis, Heilung 
durch Exstirpation. Zeitschr. f. Heilk. Bd. XXIV, H. 8. — A. Pick, Ueber 
hereditären Ikterus. Wien. klin. Wochenschr. Nr. 17. — Pirrone, Rif. med. 
Nr. 20. — F. J. Rainer, In.-Diss. Bukarest. — £. Rodhe, Hygiea, Jan. — 
O. Rosenbaoh, Ueber die Behandlung von Leberaffektionen mit Queck- 
silber etc. Ther. d. Gegenw. S. 101. — A. Saw, Brit. med. joum., 24. Jan. 
— Schlayer, Zur Diagnose des Leberabszesses nach Ruhr. Münch. med. 
Wochenschr. S. 1372. — J. Seegen, Ueber Leberprobe. Wien. klin. 
Wochenschr. Nr. 9. — Sinclair-White und W. Sheen, 71. Vers. d. 
British med. assoc. — Ssawaljew, Hepatoptose, Verlagerung der Leber. 
Arch. f. Ghir. Bd. LXX, H. 8. — v. Starck, Münch. med. Wochenschr. 
8. 1571. — J. Steinhaus, Ueber Ausgang der akuten Leberatrophie in 
multiple knotige Hyperplasie. Prager med. Wochenschr. Nr. 26/27. — 
H. Strauß, Ueber den osmotischen Druck der menschlichen Galle. Berl. 
klin. Wochenschr. Nr, 12. — G. W. Törnquist, Nordiskt medic. Ark. 
H. 1/2. — Treplin, Münch. med. Wochenschr. S. 712. — A. Tunnbull, 
Mansons trocar and canula for the treatment of liver abscess. British 
med. joum., p. 428. — Vollbracht, Beitrag zur (Vage der Leber- 
ophthalmie. Zeitschr. f. Heilkunde Bd. XXIV, H. 10. — Wegner, Ueber 
geachwulstartige Leberlues. Münch. med. Wochenschr. S. 809. — W.H. White, 
Brit. med. joum., 7. März. — M. Yamasaki, Ueber einen Fall von fast 
totalem Umbau der Leber mit knotiger Hyperplasie. Zeitschr. f. Heilkunde 
Jabrbnch der praktischen Medizin. 1904. 16 



242 Lorenz. 

Bd. XXIV, H. 7« — D. G. Zesas, lieber die chirurgische Behandlung des 
Aszites bei Leberzirrhose. Deutsche med. Wochenschr. Nr. 27. 

Pankreas. 

Bradt, Münch. med. Wochenschr. S. 2081. — Bunge, Zur Patho- 
genese und Therapie der akuten Pankreashämorrhagie. 32. Kongreß der 
deutschen Ges. f. Chir. — Greene Cumston, Revue de chir., Juni. — 
Ferd. Ehler, Ueber einen Fall von Pancreatitis indurativa. Wien. klin. 
Wochenschr. S. 1433. — C. Ehrlich, Ein Beitrag zur Kasuistik der Pan- 
kreasgeschwülste. Münch. med. Wochenschr. S. 868. — S. Fabozzi, Heber 
die Histogenese des primären Krebses des Pankreas. Zieglers Beitr. z. 
pathol. Anat. Bd. XXXIY, H. 2. — G. Fischera, Untersuchungen über die 
Strukturveränderung des Pankreas etc. Zieglers Beitr. z. pathol. Anat. 
Bd. XXXIV, H. 1. — K. Glaeßner, Ueber menschliches Pankreassekret. 
Münch. med. Wochenschr. S. 491. — G. Gutmann, Beitrag zur Pathologie 
des Pankreas bei Diabetes. Virchows Arch. Bd. CLXXII, S. 493. — O. Heß, 
Experimenteller Beitrag zur Aetiologie der Pankreas- und Fettgewebs- 
nekrose. Münch. med. Wochenschr. S. 1905. — H. Hochhaus, Pankreas- 
entzündung mit Blutung und Nekrose. Münch. med. Wochenschr. S. 53. — 
R. Hoffmann, Ueber das allmähliche Verschwinden eines Tumors der 
oberen Bauchgegend (chronische interstitielle Pankreatitis). Wien. klin. 
Wochenschr. S. 1429. — Hoppe-Seyler, Ueber Veränderungen des Pan- 
kreas bei Arteriosklerose. Münch. med. Wochenschr. S. 814. — Kirste, 
Münch. med. Wochenschr. S. 355. — Klippel-Lefas, Revue de med., Jan. 
— G. Lotheißen, Pankreastumor mit Duodenalstenose und schwerem 
Ikterus. Wien. klin. Wochenschr. Nr. 14. — M ans b ach, Münch. med. 
Wochenschr. S. 844. — J. v. Mikulicz, Chronische Entzündung des Pan- 
kreas und Zirrhose der Leber. Wien. med. Wochenschr. Nr. 22 u. 23. — 
Pels-Leusden, Beitrag zur Pathol. und Therapie der akuten Pankreas- 
erkrankungen etc. Deutsche Zeitschr. f. Chir. Bd. LXX, H. 1 u. 2. — 
R. Pirone, Chronische Entzündung des Pankreas und Zirrhose der Leber. 
Wien. med. Wochenschr. Nr. 22 u. 23. — L. Popielski, Ueber die Gnmd- 
eigenschaften des Pankreassaftes. Zentralbl. f. Physiol. Bd. XVII, Nr. 3. — 
Port, Münch. med. Wochenschr. S. 580. — H. Truhart, Pankreaspatho- 
logie. L Teil: Multiple abdominale Fettgewebsnekrose. Wiesbaden. — 
HalsWhite, On the desirability of operating for, and the mortality from 
chronic pancreatitis. Brit. med. joum., 18. Juli. 



f) Krankheiten der Harnorgane. 

Von Geh. Med.-Rat Prof. Dr. FUrbringer und Dr. H. Stettiner 
in Berlin. 



Nierenkrankheiten. In einem Vortrage über die Diagnostik der 
Krankheiten und der Leistungsfähigkeit der Nieren gibt 
H. Senator eine systematische Darstellung der diagnostischen Hilfs- 
mittel, die uns heute zu Gebote stehen, und des methodischen Ganges, 
wie er bei einer vollständigen Untersuchung der Nieren und ihrer Stö- 
rungen stattzufinden hat. Wir beschränken uns darauf, an dieser Stelle auf 
die klaren und lesenswerten Auseinandersetzungen hinzuweisen, weil 
wir bei näherer Inhaltsangabe naturgemäß vieles wiederholen müßten, 
was wir bereits in den vergangenen Jahrgängen dieses Jahrbuches be- 
sprochen haben und wollen in folgendem, ehe wir uns unserem eigent- 
lichen Thema zuwenden, zunächst kurz auf einige neuen oder ver- 
vollkommneten alten Beaktionen zum qualitativen und quantitativen 
Nachweis physiologischer und pathologischer Hambestandteile hin- 
weisen. Mittels des neuen, aus dem Laboratorium der Firma Zeiß 
in Jena hervorgegangenen Mikroskops von Siedentopf und Zzig- 
mondy, welches auf dem Prinzip einer intensiven fokalen, seitlichen 
Beleuchtung beruht, können nach den Untersuchungen von E. Eaehl- 
mann in allen wäßrigen Eiweißlösungen, ebenso also auch in 
frischem, vollständig klarem Harn, die einzelnen (gelösten) Eiweiß- 
teilchen in ganz typischen Einheiten bis zur Feinheit von etwa 6 bis 
10 fifi (= 0,000005 mm) direkt sichtbar gemacht werden. Auch ist 
bei Berücksichtigung der Mengenverhältnisse der Teilchen, ins- 
besondere durch Messung des Abstandes derselben, eine quantitative 
Eiweißbestimmung von großer Zuverlässigkeit möglich, DieEssig- 
säure-Ferrozyankaliumprobe benutzt 0. Bößler zur volume- 
trischen Eiweißbestimmung, indem er die Höhe des durch 
Schichten von Harn auf diese Flüssigkeit entstehenden Binges mit 
dem Zirkel mißt und die gewonnenen Ghrößen als Koordinaten über 
einer Abszisse aufzeichnet. Einen bemerkenswerten Einfluß der 
Konzentration des Harns auf den Ausfall der Eiweißreaktionen hat 
Hallauer gelehrt, indem er bei Einengung normaler Harne und 



Unter- 
snchnngs- 
methoden. 



Eiweiß' 
nachweis. 



244 Fürbringer und Stetidner. 

nachträglichem Seromzusatz verschiedene klinische Proben negative 
Resultate geben sah. 
ChemUcher Zur raschen Erkennung von Eiter im Harn auf chemi- 

^^^rT**^ schem Wege empfiehlt Johannes Müller eine Modifikation der 
Donn eschen Probe, mit welcher man noch einen mit dem Auge als 
Trübung kaum wahrnehmbaren Eitergehalt erkennen kann. Zu 5 bis 
10 ccm Harn wird tropfenweise offizinelle Kalilauge zugesetzt und 
nach jedem Zusätze die Probe tüchtig geschüttelt. Unter dem Ein- 
flüsse der Kalilauge gehen die Eiterkörperchen eine schleimige Meta- 
morphose ein, was dadurch kenntlich wird, daß die beim Schütteln 
gebildeten Luftblasen nur langsam durch die viskose Flüssigkeit auf- 
steigen können oder bei einigermaßen reichlichem Eitergehalte sogar 

Untersnchung in der Füssigkeitssäule stehen bleiben. — Die Technik der Unter- 
des Harns guchung des Harns auf Zucker bespricht Heinrich Citren in 
übersichtlicher und kritischer Weise. Auch der von demselben Autor 
im Verein iur innere Medizin in Berlin demonstrierte Apparat zur 

Jodometrische jodometrischen Zuckerbestimmung dürfte sich wegen der 
Zucker- Y)ei verhältnismäßiger Einfachheit und schnellen Ausf&hrbarkeit großen 
Genauigkeit der Methode bald allgemeinen Beifalls erfireuen. Eine 
empfindliche, einfache und rasch ausföhrbare Zuckerprobe mit 
ozalsaurem Phenylhydrazin beschreibt E. Biegler. Eine 
Messerspitze des letzteren wird mit 10 ccm Wasser zu 1 ccm Harn 
gesetzt. Der durch Kochen gelösten Mischung werden 10 ccm lO^foige 
Kalilauge zugesetzt und das mit einem Qummipfropfen verschlossene 
Reagenzglas kräftig durchgeschüttelt. Bei Anwesenheit von Zucker 
tritt sofort oder innerhalb einer Minute eine rotviolette Farbe auf. 
Bis 0,05 ®/o Zucker können auf diese Weise nachgewiesen werden. 

Nachweis von Zum Nachweis von Gallenfarbstoff hat Adolf Jolles seine 
fSb *toff ^^^ ^ Jahren angegebene Probe etwas umgestaltet und dadurch noch 
empfindlicher gemacht. Die Eigenschaft des Urobilins, nach Zu- 
satz von löslichen Zinksalzen zu fluoreszieren, wird schon lange zu 
seinem Nachweise benutzt. Wilhelm Schlesinger hat geftmden, 

Nachweis von daß man auch in Hamen, die wenig Urobilin und relativ viel 
'^ ^' andere Farbstoffe enthalten, unmittelbar prachtvolle Fluoreszenz 
und deutliche Absorptionsstreifen erhält, wenn man sie mit der 
gleichen Menge einer 10 ^/oigen Lösung von Zinkacetat in ab- 
solutem Alkohol versetzt und von dem entstehenden Niederschlage 
klar abfiltriert. — Auf die Vorsichtsmaßregeln, die bei Anstel- 
Diazo- Inng der Ehrlichschen Diazoreaktion zu beachten sind, 
reaktion. macht emeut A. Ott aufmerksam. Mit der Bedeutung der neuen 
Ehrlichschen Farbenreaktion mit Dimethylamino- 



Krankheiten der Hamorgane. 245 

benzolaldehyd beschäftigen sich A. Pappenheim, Neubauer Dimethyi- 

und Armit. ^^^^y^_ 

Einen breiten Kaum nimmt auch in diesem Jahre die Be- reAktion. 

sprechung der funktionellen Untersuchungsmethoden ein. Fanktioneiie 

Hehr wissenschaftliches als praktisches Interesse haben die Versuche Unter- 

... ... Buohungs- 

von G. Klemperer, die von der Niere in einer Zeiteinheit aus- methoden. 

geschiedene Färbst off menge als Maßstab der Nierenftmktion zu Farbstoflimenge 
verwerten. — Von den eigentlichen funktionellen Untei*suchung8- *®" ^^^^ 
methoden kommen vor allem in Betracht die Gefrierpunkts- 
bestimmung des Blutes, die Oefrierpunktsbestimmung 
und Harnstoffbestimmung des Harns jeder einzelnen 
Niere, die Bestimmung der elektrischen Leitfähigkeit 
von Blut und Harn, die Phloridzinmethode und die Oe- 
frierpunktsbestimmung des Oesamtharns. Ihr Hauptwert 
liegt auch heute noch in der Sicherheit, die sie der Indikations- 
stellung fiir operative Eingriffe der Niere geben. Während zwar eine 
so hervorragende Autorität auf dem Gebiete der Nierenchirurgie, wie 
J. Israel, noch weiter auf seinem skeptischen, ja ablehnenden 
Standpunkte diesen Methoden gegenüber bestehen bleibt, konnten 
Kümmell und Kumpel auf Grund der stattlichen Zahl von über 
600 Untersuchungen ihre fiiüieren Resultate bestätigen und ihre 
Wichtigkeit, abgesehen von der Indikationsstellung bei chirurgischen 
Eingriffen, noch fOr andere Fälle, wie z. B. von Hämaturie ohne 
klare Aetiologie, zur Differentialdiagnose zwischen Stein oder auch 
Tumor und hämorrhagischer Nephritis mit einseitigen Nierenschmerzen, 
femer zur Erkennung von etwa vorhandenen, sonst aber noch nicht 
nachweisbaren pyelitischen Prozessen bei Zystitis der Prostatiker, 
schließlich bei Nierentumoren ohne Kommunikation mit dem Nieren- 
becken, darlegen. Allerdings ist nicht zu verkennen, daß nicht 
nur die leicht unterlaufenden Fehlerquellen bei Ausfiihrung der 
Gefrierpunktsbestimmung, auf die Kumpel besonders hinweist, 
zu falschen Resultaten fähren können, sondern daß auch die bei 
sämtlichen Untersuchungsmethoden gewonnenen Zahlen mit der 
größten Vorsicht zu betrachten sind, um nicht zu Trugschlüssen zu 
verführen. So weist Ana st. Landau gegenüber den Untersuchungen 
Kümmells über die Gefrierpunktserniedrigung des Blutes Otfrierpunkts- 
darauf hin, daß der Organismus zuweilen der Erhöhung des osmoti- T^^JJi^' 
sehen Blutdrucks infolge von Niereninsuffizienz durch Beschränkung 
des Stoffwechsels und Zurückbehalten von Wasser im Blute ent- 
gegenzuwirken sucht. Der normale Gefrierpunkt des Blutes schließe 
also eine Niereninsufi&zienz nicht aus, wenn das Blut einen ver- 



246 



Fürbringer und Stettiner, 



an Stickstoff und das Serum einen erhöhten 
Was die molekulare Konzentration des 

dieselbe 



Gefrierpunkts- minderten Gehalt 
^def """"T "Wassergehalt hat. 
jeder einzelnen H^r^s anbetrifft, so darf nicht vergessen werden, daß 
Niere. 



Hamstoff- 

bestimmnng 

des Urins 

I jeder Niere. 

Elektrische 



auch abhängig von der Nahrungsau&ahme ist. Auch der sorgsamen 
Untersuchungen von F. Tripold über das Verhältnis der Harn- 
ausscheidung zu den aufgenommenen Flüssigkeiten bei Gesunden, 
ihre Abhängigkeit von klimatischen Faktoren, der Gemütsstimmung 
neben anderem sei hier gedacht. Natürlich kommen diese Verhält- 
nisse mehr in Betracht bei der Kryoskopie des Gesamthams als bei 
der Vergleichung der kryoskopischen Werte des Harns beider Nieren. 
Aber auch hier betont Barth mit Becht, daß man zwar im all- 
gemeinen bei sehr differenten Gefrierpunkten beider Seiten aus der 
Höhe der Differenz einen Schluß auf die Ausdehnung des Zerstörungs- 
prozesses ziehen darf, daß aber die Zahlen doch stets mit Vorsicht zu 
betrachten sind und man aus einer geringen Gefrierpunktsdifferenz 
einen positiven Schluß auf eine geringe Verbreitung der Erkrankung nur 
dann ziehen darf, wenn beide Nieren relativ hohe Gefrierwerte geben. 
Jedenfalls gibt eine gleichzeitige Harnstoffbestimmung, wie 
sie von Kümmell stets vorgenommen wird, eine größere Sicher- 
heit der Diagnose. Ziemlich gleichwertig der Kryoskopie scheint 
die Bestimmung der elektrischen Leitfähigkeit zu sein. 
leitfÄhigkeit. Loewenhardt hat dazu von der Firma Beiniger, Gebbert und 
Schall einen praktischen Apparat konstruieren lassen. In allen von 
ihm untersuchten Fällen hat er die Leit&higkeit der gesunden Seite 
höher gefanden, als die der kranken und fiir gesunde Nieren beider- 
seitig gleiche Leit&higkeit feststellen können. Auch Kümmell hat 
bei Vergleichsuntersuchungen zwischen dieser und der kryoskopi- 
schen Methode Parallelwerte erhalten und empfiehlt ihre Anwendung 
namentlich fiir die FäUe, in denen man nur wenig Urin zur Ver- 
fugung hat. Die Fhloridzinmethode wird am heftigsten von 
Israel angegriffen, von Casper und Bichter verteidigt. Barth 
betrachtet sie in manchen für die Beurteilung besonders schwierig 
liegenden Fällen als eine schätzenswerte Ergänzung der Kryoskopie, 
betont aber, daß es auch hier ebenso wenig absolute Werte gebe, 
wie bei der Gefrierpunktsbestimmung. In ähnlichem Sinn spricht 
sich Goebell aus, welcher öfters mit der Phloridzinmethode zwei- 
deutige Werte erhalten hat. Demgegenüber glaubt Kapsammer 
auf Ghiind von Tierversuchen die Basis, auf der Casper und Bichter 
ihre funktionelle Nierendiagnostik aufgebaut haben, nämlich daß 
beide normale Nieren in derselben Zeit gleiche Mengen eines gleichen 
Sekretes ausscheiden, als unrichtig erwiesen zu haben. Auch die 



Phloridzin- 
methode. 



Krankheiten der Hamorgane. 247 

Einfiiliraiig der Valenzzahl durch Strauß, d. h. des Wertes, C^efrierpunkts- 
welchen man erhält, wenn man die Menge des 248tündigen Harns 5®*'^™"f 
mit dem G^efiierpunkte desselben multipliziert, als deren unterste hams. 
Orenze fiir leistungs&hige Nieren 800 gefunden ist, hat nur be- 
schränkten Wert. Mit Eecht betont Koeppe, daß eine Bedeutung 
für die Diagnostik der Nierentatigkeit erst mehrere Gefrierpunkts- 
bestimmungen gewinnen, die bei konstantem Blutdruck unter ver- 
schiedenen Verhältnissen angestellt sind. Jedenfalls, wie auch H. Eö- 
d e r von neuem betont, können nur unter Zugrundelegung bestimmter 
Nahrung diagnostische Schlüsse gezogen werden. Zangemeister 
endlich empfiehlt auf Grund einer Versuchsreihe zur Ausschaltung 
der verschiedenen Fehlerquellen das Verdünnen des Urins mit (natür- 
lich völlig reinem) Wasser derart, daß man Urinportionen gleicher 
Zeiträume stets auf das gleiche Volumen bringt (8000 ccm für die 
24stündige Hammenge). Zu diesen bisher besprochenen funktionellen 
Untersuchungsmethoden kommt noch als neueste und letzte, nach- 
dem die Untersuchung der Harngiftigkeit und Bestimmung 
des urotoxischen Koeffizienten, sowie die Beobachtung der 
Ausscheidung von vorher dem Organismus zugeführtem Jod oder 
Salizylsäure und Methylenblau oder Eosanilin im wesentlichen ver- 
lassen ist, die von F. Voelcker und G. Joseph eingeführte und auf 
Grund von Tierversuchen und Beobachtungen an Kranken warm 
empfohlene Beobachtung der Ausscheidung des durch vor- indigkarmin- 
herige Injektion von 4 ccm einer 4^/oigen Lösung von Indigkarmin ™«*^ode von 
in physiologischer Kochsalzlösung gefärbten Harns aus den Joseph. 
Ureterenmündungen mit Hilfe des Zystoskops. Das Indigkarmin 
hat bei fast völliger Ungifügkeit vor allen anderen Stoffen den Vor- 
zug, daß es fast allein durch die Nieren ausgeschieden wird, und 
daß es unverändert durch den Körper hindurchgeht. Ein weiterer 
Vorteil ist nach Ansicht des Verfassers die Vermeidung des Ureteren- 
katheters. — Letzteren Zweck verfolgen auch die Urinsegrega- ürin- 
toren, wie solche von E. Lambotte, Luys, Cathelin, Neu- "«r««»*«'«"- 
mann, Downes u. a. beschrieben sind. Während Lichtenstern, 
Keydel und Qarr6 befriedigende Resultate mit diesen Instrumen- 
ten erzielen konnten, wird der Vorteil derselben und vor allem 
auch ihre Sicherheit von J. Cohn, Kümmell und Kapsammer 
bestritten. Die Anwendung jener Instrumente wird hauptsäch- 
lich bei der Unmöglichkeit des Ureterenkatheterismus In Betracht 
kommen. — Am Schlüsse der Besprechung dieser funktionellen Me- 
thoden mag noch einmal hervorgehoben werden, daß anatomische 
Läsion und Funktionsstörung keine kongruenten Größen sind, daß 



248 



Fürbringer und Stettiner. 



L&sion und 
Fnnktions- 
stönugen 
keine kon- 
gnienten 
Größen. 



Anatomische stets erst zur Feststellmig der ersteren geschritten werden maß, ehe 
die zweite geprüft wird. 

Die Frage, ob der Albuminurie stets eine anatomische 
Läsion zu Orunde liegt oder ob es eine physiologische 
Albuminurie gibt, ist zu Gunsten der letzteren Annahme 
entschieden. Schwierigkeiten kann die Frage bereiten, ob es sich, 
in einem vorliegenden Falle um eine physiologische Albuminurie 
handelt. Die Beantwortung dieser Frage ist vor allem in therapeu- 

FkysiologiBohe tischer Beziehung von großer Bedeutung. Als physiologische Albu- 

Aibuminurie. uQJn^eu ^^ Otto Jacobson nur solche Eiweißausscheidungen 
bezeichnen, die ohne Intermittenz und ohne Zyklus bei gesunden 
Personen gelegentlich unter dem Einflüsse physiologischer Reize auf- 
treten. „Nicht alle nichtnephritischen Albuminurien seien physio- 
logische.^ Er glaubt im Gegensatz zu v. Leube an die Zusammen- 
Orthotisoke gehörigkeit der orthotischen und Pubertätsalbuminurie mit 

"aib ^^ m^** ®"^®^ nervös-hereditären Belastung als Bindeglied, ähnlich, wie dies 
auch Marie, Teissier u. a. angenommen haben. Die Albuminurie 
will er als ein Zeichen der leichten Ermüdbarkeit und Erschöpfbar- 
keit darstellen. Der Eiweißgehalt der einzelnen Urinportionen kann 
ein recht beträchtlicher sein. Genauere Beobachtungen über Puber- 
tätsalbuminurie hat Felix Lommel gemacht. Er hat 587 jüngere 
Leute untersucht und lllmal Albuminurie festgestellt. Er hält im 
Gegensatz zu Jacobson die Aussonderung dieser Gbruppe von Albu- 
minurien nach dem Vorgange v. Leubes für richtig. Er macht 
auf das häufige Zusammentreffen mit Zirkulationsstörungen, im be- 
sonderen pathologischen Befunden am Herzen und Pubertätsalbu- 
minurien aufmerksam und hebt hervor, daß man infolgedessen aus 
solchen Veränderungen am Zirkulationsapparat nicht auf das Be- 
stehen einer Nephritis schließen dürfe, sondern meint, daß diese 
Pubertätsalbuminurie meist zu einer milderen Auffassung berechtige. 
Vor einer zu optimistischen Auffassung der zyklischen Albu- 
minurie warut Haus er und stimmt in dieser Beziehung mit den 
Auffassungen von Senator, Litten und Fürbringer überein. 
Letzterer trennt zwei klinisch nicht immer bestimmt unterscheidbare 
Beihen, einmal zyklische Albuminurie infolge von gewissermaßen 
abortiver, bezw. latenter Nephritis, das andere Mal solche bei ge- 
sunden Nieren. Auf eine Abhängigkeit der Störung von Lifluenza 
weist Buhemann hin. Hauser präzisiert auf Ghrund seiner Be- 
obachtungen das Wesen der ^orthotischen Albuminurie dahin, daß es 
sich um Zirkulationsstörungen, vielleicht zum Teil um die Gifiiwir- 
kung, um den Beiz von Stoffwechselprodukten gelegentlich größerer 



Zykliscke 
Albnminnrie. 



und 
Blutdruck. 



Krankheiten der Hamorgane. 249 

Muskelanstrengungen bandelt, welche eine durch infektiöse Prozesse 
anatomisch geschädigte, in ihrer Leistongsfilhigkeit geschwächte 
Niere veranlassen, zeitweise Eiweiß auszuscheiden. F. Edel ist der Aibnminorie 
Ansicht, daß die Albuminurie vielleicht bei einer gewissen Empfind- 
lichkeit der Niere abhängig sei von krankhaften Erscheinungen des 
Blutdruckes. Auch Bernhard glaubt veränderte Verhältnisse des 
Blutdruckes, nämlich eine Erhöhung des arteriellen Druckes in den 
Nieren, als Ursache für die orthotische Albuminurie ansehen zu 
können. Indessen ist die Bedeutung dieser Verhältnisse, wie Sena- 
tor und Litten hervorheben, eine sehr schwierige und nimmt ersterer 
an, daß gerade ein erhöhter venöser Druck Albuminurie veranlassen 
müsse. Auf das häufige Zusammentreffen von orthotischer Orthotisohe 

Albuminurie und Wanderniere macht Sutherland auf Grund ^^'^«ri« 

und 
seiner Statistik aufmerksam. Er meint, daß übermäßige BlutftÜle der Wanderniere. 

Niere zur Lockerung des Organes geführt und diese sowohl wie 
die Albuminurie als Symptome ein und derselben Erkrankung der 
vasomotorischen Zentren aufzufassen sei. Trotz der verschiedenen 
Auffasstmg der Aetiologie begegnen sich Edel und Hauser in den 
für die Behandlung aufzustellenden Prinzipien. Ersterer will metho- 
dische Uebungen (Terrainkuren) zur Kräftigung des Herzens und 
Zirkulationsapparates anwenden, letzterer will, nachdem dui*ch an- 
fllngliche Buhekur, blande Diät, Sandbäder, Trinkkuren mit alkali- 
schen Wässern der Urin für längere Zeit eiweißirei gemacht ist, 
eine systematische Trainierung und Gewöhnung der Nieren an Körper- 
arbeit durch methodisches Vorgehen herbeiführen. Fürbringer 
hat, durch Erfahrung belehrt, bei der zyklischen Albuminurie eine 
Ruhezeit gar nicht mehr eintreten lassen, vielmehr ohne Umweg gleich 
mit vorsichtig abgestuften Huskelbewegungen , Spaziergängen und 
selbst Sportübungen begonnen. Er gibt zu bedenken, ob nicht neben 
der Muskelbewegung noch andere Faktoren, wie der Genuß der 
frischen Luffc und die Aufgabe eines vorher unhygienischen Lebens, 
dabei mitspielen, zumal bei Wiederaufnahme des Schulbesuches nicht 
selten ein Wiederaufbreten der Albuminurie beobachtet wird. — Ihre 
Untersuchungen über alimentäre Albuminurie mit Hilfe der Alimentftre 
biologischen Fräzipitinreaktion haben Ascoli und Bonfanti -^l^'"'**'*'"^«- 
fortgesetzt und deuten ihre Ergebnisse folgendermaßen: Nach Ge- 
nuß gebratenen Rindfleisches gehen beim Menschen präzipitable An- 
teile desselben in die Säfte über. Bei gesunden Lidividuen, in denen 
es dabei zu alimentären Albuminurien kommt, wird ein Teil jener 
eiweißartigen Stoffe durch die Nieren ausgeschieden, wobei die- 
selben auch für die Eiweißkörper des Blutes durchgängig werden. 



250 



Fürbringer und Stettiner. 



Febrile 
Albominnrie. 



Zylindrarie. 



Zylindrolyse. 



Blutungen 

ans gesunden 

Nieren. 



H&maturie 

nach 
Oxals&ure- 
yer giftung. 



Auch bei Nierenkranken findet ein TJebergang jener resorbierten 
präzipitablen Gruppen in den Harn sehr oft aber nicht immer statt. 
Das Vorkommen einer sog. febrilen Albuminurie, d. h. einer 
nur durch Temperatursteigerung bedingten Eiweißausscheidung be- 
streitet Lüthje. Er glaubt, daß in diesen Fällen eine Nephritis 
leichteren oder schwereren Grades, verursacht durch die Stoffwechsel- 
Produkte des jeweiligen Infektionserregers, bestehe, wenn auch die 
Sektion in solchen Fällen häufig keinerlei Anhaltspunkte far das 
Vorhandensein einer Nierenerkrankung gebracht hat. 

Auf die Bedeutung der reinen Zylindrurie (ohne gleichzeitige 
Eiweißausscheidung) für die Frühdiagnose gewisser Formen von 
chronischer Nephritis lenkt wieder Schwarzkopf an der Hand 
eigener Beobachtungen die Aufmerksamkeit. Einen Fall von richtiger 
Nephritis mit Albuminurie und Retinitis, in welchem gleichwohl 
Zylinder dauernd fehlten, teilt Treutlein mit. Auf Grund eigener 
Versuche lehnt er es ab, daß für die „Zylindrolyse" in den Nieren 
ausgeschiedenes Pepsin oder Leukozyten verantwortlich zu machen 
seien; vielmehr werden in dieser Kichtung die Kolibakterien be- 
schuldigt, aber nicht ihre Fermente allein. 

In ähnlicher Weise, wie die Frage nach dem Vorkommen einer 
physiologischen Albuminurie, ist die der Blutungen aus gesunden 
Nieren, der angioneurotischen Blutungen, zu beantworten. 
Die Diagnose darf nur unter größter Vorsicht gestellt werden. 
Nicht alle bisher als solche beschriebenen Fälle halten der Ejitik 
stand. Dafür, daß aber in der Tat derartige Blutungen aus ge- 
sunden Nieren vorkommen können, sprechen wieder zwei Beobach- 
tungen des Berichtsjahres. Die eine rührt von Wilhelm Klink 
her. Es handelte sich um einen 26jährigen Erdarbeiter, bei welchem 
infolge von Hämaturie die Sectio alta vorgenommen wurde. Es zeigte 
sich nun, daß die Quelle der Blutung nicht in der Blase war, son- 
dern daß sich aus dem rechten Ureter beständig reines Blut entleerte. 
Da Patient nicht die Einwilligung zu einer Nierenoperation gegeben 
hatte, wurde die Wunde wieder zugenäht und von einem weiteren 
operativen Eingriffe Abstand genommen. Nichtsdestoweniger hörte 
die Blutung in den nächsten Tagen auf. Klink glaubt, daß der 
Fall als Blutung auf nervöser Grundlage aufzufassen ist. Noch mehr 
beweisend ist die VeröfiPentlichung von Paul Wulff, indem die 
wegen Smonatlicher Hämaturie entfernte linke Niere weder makro- 
skopisch noch mikroskopisch pathologische Veränderungen zeigte, 
sondern als gesund zu betrachten war. — lieber Auftreten von 
Hämaturie nach Bhabarbermus, bedingt durch den reichen 



Krankheiten der Hamorgane. 251 

Ctohalt desselben an Oxalsäure, berichtet H. Schultheß. lieber Paroxysmale 
paroxysmale Hämoglobinurie hat Burkhardt bei einem 6jährigen HÄmoglobin- 
Knaben Versuche gemacht. Er fand, daß Stauung (Abschnürung 
eines Gliedes) allein noch keine Hämoglobinurie herbeiführt, sondern 
daß dieselbe erst bei Kältewirkung oder noch intensiver bei Kombina- 
tion von Stauung und Kältewirkung auftrat. Kretz glaubt in einer 
vorläufigen Mitteilung die Hämoglobinurieanfälle so deuten zu können, 
daß das Blut der Hämoglobinuriker reicher an bluüösenden Ambo- 
zeptoren sei, daß durch Kälteeinwirkung eine komplementartige 
Substanz in größerer Menge auftrete, welche durch Lösung von roten 
Blutkörperchen zu Hämoglobinämie und sekundär zu Hämoglobinurie 
führe. Einen Fall von Hämaturie, verbunden mit Chylurie, H&maturie und 

infolge von Eustrongylus gigas teilt St ürtz mit. Zwei Fälle von ^^^y^'*"® ^^^ 
^, T . . i. 1 -m-i- . • i_ 1 -1^ -r» 1. 1 BuBtrongylus 

Chylurie infolge von Filiariosis beschreiben Kemlinger und gigas. 

Hadara. Mittels Ol. Terebinth. (1,8 — 2,0 täglich) und Ausspülungen chylurie 

von heißen Höllensteinlösungen werden Besserung und Heilung er- i^'olge von 

zielt, deren Dauer, da die Filiariosis dadurch nicht beseitigt wird, 

sondern nur das Symptom der Chylurie, allerdings meist nicht von 

Bestand ist. 

Einen Beitrag zur experimentellen Albumosurie gibt Experimentelle 
M. Halpern und erörtert im Anschluß daran die Beziehungen ^^'»^os^rie. 
zwischen Albumosurie und Fieber. Er glaubt, nach seinen 
Beobachtungen, daß kein unmittelbarer Zusammenhang zwischen 
beiden bestehe. Einen eigentümlichen Fall von Fibrinurie bei Fibrlnorie. 
Nephritis teilt B. Lostorfer mit. Der Harn war hellgelb, voll- 
kommen klar und enthielt ein flottierendes, weißes, undurchsichtiges, 
über fünf kronenstückgroßes, membranartiges Gebilde. Die Gerinnsel- 
masse gab die Xanthoproteinreaktion und zeigte unter dem Mikroskop 
vollkommen das Aussehen von reinem Fibrin ohne Einlagerungen. Die 
Fibrinausscheidungen erfolgten mehrmals, Patient konnte aber nur 
kurze Zeit beobachtet werden, da bald der Exitus eintrat. Der Harn 
enthielt viel Eiweiß, aber kein Blut. Die Sektion ergab frische, 
sowie chronisch entzündliche Veränderungen und Amyloidose der 
Nieren, während die Hamwege intakt waren. 

In der Aetiologie der Nephritiden nehmen die Infektions- Nephritis, 
krankheiten den ersten Platz ein. Wie häufig auch Syphilis ein 
ätiologischer Faktor fiir die Entstehung von Nephritis sein kann, 
geht aus Mitteilungen von Mühlig, Schlechtendahl, Lauter- 
bach, Kövesi u. a. hervor und ist auch schon im vergangenen 
Jahresberichte hervorgehoben worden. Die bislang stiefmütterlich 
behandelte Frage der traumatischen diffusen Nierenentzün- 



252 Fürbringer und Stettmer. 

TraamfttiBQhe dung hat mehrfache Berücksichtigung erfahren. Einen zusammen- 
Nephritis. fassenden kritischen Bericht zu ihrer Würdigung, unter beson- 
derer Berücksichtigung der Unfallsgesetzgebung, gibt Fürbringer, 
zugleich eigener Erfahrungen gedenkend. Flüchtige traumatische 
Albuminurie sah Engel bei einem jungen Manne, der beim Sturz 
vom Pferde einen Anprall mit der Weiche gegen eine Mauer 
erlitten. Zu dieser Beobachtung bemerkt Senator, daß er schon 
früher auf die Möglichkeit einer Vermittlung von Nephritis durch 
Yerletzungsnekrosen hingewiesen. Endlich teilt Oberndorfer 
einen Fall von posttraumatischer Nephritis mit Sektionsbefund mit. 
Hier hatte ein kleiner Unfall (Aufstoßen des Fußes auf harten Boden) 

Pathogenese zu schweren Folgen geführt. Zur Pathogenese der Nephritiden liegt 

Nephritiden ®"^® Arbeit von E. Maragliano vor, welche einen TJeberblick über 
seine und seiner Schüler (Devoto, Ascoli) Arbeiten auf diesem 
Gebiete gibt. Maragliano bestreitet die Bichtigkeit der Lehre 
von der Retention der Exkrementstoffe, deren Anhftufung im Blute 
die Quelle für alle krankhaften Störungen abgeben solle. Betreffs 
der Stickstoffausscheidung im Harn in pathologischen Zust&nden ist 
Halpern zu ähnlichen Brcsultaten gekommen, indem er die Ham- 
stoffverminderung einmal durchaus nicht konstant, zweitens bei 
ihrem Bestehen Vermehrung anderer stickstoffhaltiger Körper fand. 
L.Mohr konnte nur konstatieren, daß es bei Erkrankungen der 
Niere zu Betentionen aller einzelnen Hambestandteile kommen kann 
und glaubt, daß man bisher nicht unterscheiden kann, ob die Ursache 
hierfür in der Niere selbst, in der Natur der Stoffe oder fernab von 
der Niere im Gewebe gelegen ist. Die veränderte Blutbeschaffenheit 
bei Nierenkrankheiten, sei es nun, daß sie nach Maragliano das 
Primäre sei oder, wie mit Senator noch die meisten Forscher an- 
nehmen, durch die mangelhafte Nierentätigkeit herbeigeführt sei, 
bildet, wie letztgenannter Forscher ausfuhrt, auch den Grund für die 
Hen- Herzh3rpertrophie bei Nierenkrankheiten. Wenn dieselbe bei den 

bypertrop e. y^rgdiiedenen Formen der Nephritis auch nicht immer in gleicher 
Weise zu erklären ist, so spielt doch der chemische Beiz der fehler- 
haften Blutbeschaffenheit auf Herz und Gefäße bei ihrer Entstehung 
die Hauptrolle. Li ähnlichem Sinn spricht sich P. Erben aus. Er 
hat bei den verschiedenen Formen der Nephritis stets eine Hyp- 
albuminose des Blutplasmas konstatieren können und glaubt, daß der 
Albuminhunger der Zellen, hervorgerufen eben durch die Albumin- 
armut des Blutes, die eigentliche Ursache der Blutdrucksteigerung 
sei, während die vermehrte Viskosität des Blutes, die Betention von 
Extraktivstoffen u. s. w. mehr als Nebenursache in Betracht komme 



Krankheiten der Hamorgane. 



253 



und bei der Entstehung der Urämie eine größere Rolle spiele. Zu 
ähnlichen Anschauungen bezüglich der Entstehung der Urämie ist 
A. B i c k e 1 auf Grund seiner Versuche gekommen. Nach Thomson 
ist das wirksame Prinzip bei der Urämie ein spezielles, sich bei 
Nierenkrankheiten ganz allgemein bildendes Gift, neben dem noch 
andere Toxine eine untergeordnete EoUe spielen. Dieses Gift gleiche 
dem Adrenalin und erzeuge hochgespannten Puls mit folgender Herz- 
lähmung. Die rationellste Therapie der Urämie bilden daher die 
Vasodilatatoren, in erster Reihe Tinctura aconiti, von der er dstünd- 
lich 5 Tropfen mit gutem Erfolge gegeben habe. In 2 Fällen hat 
Mc. Yail bei schwerer akuter Urämie mit Zerebralerscheinungen und 
Amaurose durch Entleerung von 80 g Zerebrospinalflüssigkeit rasche 
Heilung herbeigeführt. Aehnliche Erfolge haben Legrain und 
Guiard mit der (eventuell wiederholten) Lumbalpunktion bei Kopf- 
schmerzen der an Morbus Brightii Leidenden erzielt. Durch einen 
Aderlaß hat Manfred Järisch in einem außerordentlich schweren 
Fall von Urämie, bei dem 47 Krampfanfiüle im Verlauf von 10 Stunden 
aufgetreten waren, guten Erfolg erzielt. Die günstige Wirkung des 
Aderlasses bei Urämie beruht nach Bickel darauf, daß die Visko- 
sität des Blutes eine Aenderung er&hrt, wodurch eine Erleichterung 
der Herzarbeit entsteht. Verstärkt kann diese Wirkung noch durch 
Salzwasserinfusion werden. Außerdem ist er auf Grund seiner in 
Gemeinschaft mit Cordes ausgeführten Experimente zu der An- 
nahme gelangt, daß in urämischen Zuständen durch mangelhafte 
Blutzirkulation sich irgendwo im Gefäßsystem größere Mengen von 
roten Blutkörperchen anstauen, welche erst durch den Aderlaß und 
die Kochsalzinfusion wieder in Umlauf gesetzt werden. 

Zur Behandlung der akuten Nephritis empfiehlt Stempo 
auf Grund von Erfahrungen, die er im Laufe einer Scharlachepidemie 
gemacht hat, Eis, welches in einer länglichen, biskuitförmigen Blase 
auf die Gegend beider Nieren gelegt, mit einer Binde befestigt und 
nach mehrstündigem Liegenlassen mit einstündiger Pause gewechselt 
wird. Zur Verhütung der Nephritis durch Scharlach hat 
Widowitz im Beginn der Erkrankung und im Laufe der 8. Woche 
je 8 Tage lang Urotropin in Dosen von 0,0B — 0,B gegeben. Li 
102 Fällen trat keine Nephritis auf. Einen wichtigen Faktor in 
der Behandlung der Nierenkranken nimmt die Regelung der Diät 
ein. Es liegen hierüber eine Anzahl Arbeiten im Berichtsjahre vor, 
aus denen das Wichtigste hervorgehoben werden soll. Gegen die 
zu große Einseitigkeit der Diätvorschriften wendet sich P. K. Pel. 
Nur bei akuter Nephritis im ersten Stadium und bei den akuten 



Urämie. 



Therapie der 
Ur&mie. 



Lnmbal- 
panktion. 



Aderlaß bei 
Urämie. 



Salewasser- 
infasion. 



Behandlung 

der akuten 

Nephritis 

mit Eis. 



Urotropin zur 

VerfaOtung von 

Scharlach- 

nephritis. 

Diät bei 
Nephritiden. 



254 Fürbringer und Stettiner. 

Exazerbationen der chroDischen Nephritis verordnet er in den ersten 
Tagen den beinahe ausschließlichen Gebrauch von Milch und Milch- 
speisen (selten mehr als 2 1 pro die). Im übrigen meint er, daß 
ein Kranker mit chronischer Nephritis so gut wie möglich ernährt 
werden muß. L. Mohr und C. Dapper legen großen Wert auf 
FlüssigkeitB- die Regelung der Flüssigkeitszufuhr. Sie sind auf Qrund ihrer 
bei i?ephriti8 Untersuchungen zu folgenden Schlußfolgerungen gekommen: Sowohl 
bei akuter wie bei chronischer Nephritis ist bei zweckmäßiger 
Wasserbeschränkung (bis zu 1 Vi 1) das Verhältnis zwischen Wasser- 
ausscheidung und Wasseraufiiahme oft günstiger als bei reichlichem 
Trinken. Der allgemein günstige Einfluß der Wasserbeschränkung 
ist bei Nephritikern häufig ebenso deutlich, wie bei Herzkranken. 
Sowohl bei der akuten Nephritis wie bei Schrumpfnieren wird durch 
mäßige Wasserbeschränkung die Elimination der StickstofiFsubstanzen 
und der Phosphorsäure nicht wesentlich beeinträchtigt. Bei starker 
Wasserbeschränkung leidet die Ausscheidung dieser Substanzen. Die 
Albuminurie steigt in der Regel bei chronischer Schrump&iere in- 
folge der Wasserbeschränkung etwas an, um bei längerer Fortsetzung 
der Behandlung wieder zu sinken. Auf einem anderen Standpunkte 
bezüglich der Flüssigkeitszufuhr steht H. Strauß. Er warnt, falls 
nicht Symptome von selten des Zirkulationsapparates zur Vorsicht 
mahnen, eine länger dauernde Reduktion der Flüssigkeitszufuhr 
durchzufuhren und zwar nicht nur, weil es notwendig ist, Nephritikern 
dasjenige Quantum von Wasser zur Verfugung zu stellen, dessen 
sie zur Erzielung der kompensatorischen Polyhydrurie bedürfen, 
sondern auch, weil er meint, daß die Nachteile, die aus der 
vermehrten Flüssigkeitszufuhr dem Herzen erwachsen, überschätzt 
worden sind. Dagegen glaubt Strauß auf Grund seiner Unter- 
suchungen und der von Eugen v. Koziczkowsky schließen zu 

Kochsalz- dürfen, daß dieKochsalzretentioninder Pathogenese der Oedeme 
stoflPwechsei. ^^^^ Wasser gegenüber eine führende Rolle einnimmt. TJeber 

Diuretika: Diuretika und ihre Wirkung liegen eine Reihe von Arbeiten vor. 

Diuretin, pj^ Wirkung von Diuretin und Agurin auf gesunde Nieren hat 
Mosaner untersucht. Es ergab sich, daß nach ihrer Darreichung 
vielfach Zylinder, mitimter auch Albuminurie, aufbraten, welche jedoch 
schon 24 Stunden nach Aussetzen der Mittel wieder verschwanden. 
Aber sie zeigen, daß bei Anwendung derselben doch eine leichte 
Nierenreizung stattfindet und mahnen daher zur Vorsicht. Agurin 
(dmal täglich 1,0 in Oblaten oder Pfefferminzwasser) eignet sich 
hauptsächlich bei Stauungsödemen, die ihren Ausgang vom Herzen 
haben, als gutes Diuretikum, üeber das von Minkowski empfohlene 



Erankheiten der Hamorgane. 



255 



Theozin, welches gleich dem KofiFein und dem Theobromin (Diuretin, 
Agarin) aus der Orappe der Xanthinderivate stammt, liegen über- 
einstimmende Begutachtungen von Herm. Schlesinger, Döring, 
H. Kramer, J. Stein, 0. Stroß, Karl Thunger u, a. vor. Sie 
kommen alle zu dem gleichen Schlüsse, daß dasselbe ein sehr wert- 
volles Diuretikum ist. Wie bereits oben erwähnt, kamen bei Be- 
handlung der Nephritiden neben den Diuretizis die Herztonika in 
Betracht. Dieser letzteren Indikation wiU P. Edel bei der Schrumpf- 
niere in ähnlicher Weise gerecht werden, wie er es für die Behand- 
lung der zyklischen Albuminurie vorgeschlagen hat. Nach ihm ist 
das Wesen der Schrumpfniere in einer Anomalie des Gefäßsystems 
zu Sachen, deren Hauptfaktor eine abnorme Verengerung im Bereich 
des Gefäßsystems ist, die einerseits eine andauernd ungenügende 
Ernährung der Niere zur Folge hat und so zu Schrumpfung in der 
Niere fiihrt, andererseits dem Herzen eine ungewöhnliche und gefahr- 
bringende Leistung zumutet. Hauptziel der Behandlung sind Kräfti- 
gung des Herzens und die Herabsetzung des Blutdruckes resp. der 
Erweiterung des Gefäßsystems, die je nach Lage des Falles durch 
Bäder, Klima, in schweren Fällen durch Zuhilfenahme des Bettes 
anzustreben ist, zu deren Erreichung Edel aber den größten Nutzen 
in einer entsprechenden Muskelübung sieht. Alle unsere Bestrebungen, 
eine erkrankte Niere zu heilen, werden von der Natur im wesent- 
lichen unterstützt. Es sei in dieser Beziehung kurz auf die inter- 
essante Arbeit von Ch. Thorel verwiesen, der in einer experimen- 
tellen und kritischen Studie pathologisch-anatomische Beobach- 
tungen über Heilungsvorgänge bei Nephritis bespricht. 

Die Förderung, die unsere Kenntnisse über die Aetiologie der 
Lithiasis durch das Studium der geographischen Ausbreitung 
erhalten hat, legt Eeginald Harrison dar. Betreffs der Stein- 
bildung huldigt er der Ba in ey sehen Theorie, nach welcher der 
Stein durch molekulare Koaleszenz von Salzen um einen organischen 
Kern, meist ein Schleimpartikelchen, entsteht. Betreffs der Dia- 
gnostik sei an erster Stelle auf die Vervollkommnung der Eadio- 
graphie hingewiesen. Dieselbe hat nach Kümmell, Bumpel, 
Treplin derartige Fortschritte gemacht, daß jeder Nierenstein auf 
einer guten Höntgenplatte bei Beobachtung der erforderlichen tech- 
nischen Maßnahmen, auf die wir nicht näher eingehen wollen, 
sichtbar wird und daß man umgekehrt mit Sicherheit sagen kann, 
daß beim Fehlen eines Nierensteinschattens kein Konkrement vor- 
handen ist. Auf die Bedeutung, welche die Zystoskopie, der Ham- 
leiterkatheterismus für die Diagnose haben, sei nur kurz hingewiesen. 



Theozüi. 



Behandlung 
der Schrumpf- 
niere durch 
Muskel- 
übungen. 



Heilungs- 

Yorgftnge bei 

Nephritis. 



Nephro- 

lithiasis. 

Geographische 

Ausbreitung. 



Diagnose 

durch 

Badiographie. 



256 



Fürbringer und Stettiner. 



Zyatoskopie 

bei Nephro- 

litl 



üreteren- 
katheterismns, 

Differential- 
diagnose, 
Symptomato- 
logie, 
Interne 
Behandlung. 



Heißlnft- 

apparat 

bei Nephro- 

lithiasis. 



Nierenvenen- 
thrombose. 



Die Wichtigkeit der funktionellen Methoden zur Differentialdiagnose 
ist schon oben hervorgehoben worden. Welche Schwierigkeiten die- 
selbe bereiten kann, betont auch Guyon und lehrt die Mitteilung 
eines Falles von Bruce Porter, in welchem die Nephrolithiasis 
lange Zeit als Ischias behandelt war. Eine ausfährliche Besprechung 
der Symptomatologie und Diagnostik der Nephrolithiasis Hegt 
von Clement Lukas vor, auf dessen klare Auseinandersetzungen 
hier kurz hingewiesen sei. Die interne Behandlung der Nieren- 
steinkrankheit wird von J. Klemperer besprochen. In erster 
Linie kommt eine mechanische Prophylaxe, welche durch die 
Flüssigkeitsaufnahme gewährleistet wird, in Betracht. Neben all- 
gemein diätetischen Maßnahmen (gut gemischte Kost, nicht zu starkes 
Salzen und Würzen der Speisen, regelmäßiges Leben unter Ver- 
meidung großer Aufregungen) müssen die Verordnungen, je nach 
dem, was fiir eine Art Nierenstein der Patient entleert hat, variiert 
werden. Die diätetische Prophylaxe bei Neigung zum AusfaUen 
von Harnsäure soll darin bestehen, daß die Kost am besten aus 
mittleren Fleischmengen, vielem Gemüse und Obst zusammengesetzt 
werde, ohne besondere Einschränkung der übrigen Nahrungsmittel, 
unter täglicher Zugabe von V« — '/« 1 alkalischem Mineralwasser. Bei 
Neigung zum Ausfallen von oxalsaurem Kalk ist die Kost am besten 
aus Fleisch und Mehlspeisen und mittleren Mengen von Qemüsen 
und Früchten zusammengesetzt unter Vermeidung von Spinat, Ei, 
Tee und Kakao, sowie größerer Mengen von Milch. Empfehlens- 
wert ist der Genuß alkalischer Wässer zu den Mahlzeiten. Die 
diätetische Prophylaxe endlich bei Phosphatsteinen, also der AJka- 
linurie, muß vor allem auf eine Verbesserung der meist gestörten 
Gesundheit des allgemeinen Nervensystems bedacht sein. Einen 
Heißluftapparat zur Anwendung von Hitze bei Nierensteinkranken 
hat Richard Sachs konstruiert. Auf die chirurgische Behandlung 
der Nephrolithiasis sei hier nicht weiter eingegangen. 

Sehr ähnlich dem Bilde einer Nierensteinkolik ist das der 
Nierenvenenthrombose, dessen Symptomatologie Reese 
schildert. Es wird charakterisiert durch plötzliches Auftreten von 
Schmerzen in der Nierengegend, starke Albuminurie, meistens auch 
Hämaturie, Vergrößerung der betreffenden Niere, vorübergehende 
Verminderung der Hammenge und Erhöhung des spezifischen Ge- 
wichtes, meistens Temperaturerhöhung. 

Eine Uebersicht der bei der gonorrhoischen Pyelitis und 
Pyelonephritis wichtigen Symptome gibt Bernhard Markuse. 
Therapeutisch sind Nierenbeckenspülungen kontraindiziert, solange 



Krankheiten der Hamorgane. 257 

akute Eeizerscheinungen oder Entzündungen in den unteren Harn- Gonorrhoische 
wegen bestehen. Spontanheilung, gonorrhoische Pyelitis seien nicht ^yo^tis und 
selten, namentlich bei Behandlung der zu Grunde liegenden Zystitis. 
Die Ursachen der eitrigen Nierenentzündung bespricht Entstehung 
Kaufmann. Sie entsteht entweder auf dem Wege der Blutbahn der eitrigen 
durch Verschleppung von Eitererregem oder durch Einschleppung enteündung. 
septischer Gewebspartikelchen , denen meist noch Eitererreger an- 
haften oder durch Kontaktinfektion des der Niere anhaftenden Ge- 
webes oder durch aufsteigende, fortgeleitete, eitrige Entzündung von 
der Blase, Harnleiter und Nierenbecken. Erwähnenswert ist ein 
von W.Alter beschriebener Fall, welcher septische Erscheinungen 
darbot. Nach subkutaner und intravenöser Injektion von 0,1 — 0,2 
KoUargol Cred^ kam es unter Losstoßung eines großen Fetzens von 
Nierengewebe zur Heilung. 

Experimentelle Beiträge zur Nierentuberkulose Nieren- 
gibt Paul Asch in Fortsetzung seiner firiiheren Versuche. Er tuberkulöse: 
hat bei Hunden Aufschwemmungen von Tuberkelbazillen in physio- ^^BeiSäge! * 
logischer Kochsalzlösung durch eine dünne Ghimmisonde, die von 
der Art. femoralis in die Bauchaorten bis zum Abgang der Nieren- 
arterien vorgeschoben wurde, injiziert und dann nach verschieden 
langer Zeit genaue Untersuchungen des Urins und der Niere vor- 
genommen. Es traten in einem TeUe der Fälle akute, in anderem 
chronische Erkrankungen auf. Versuche von Hansen zur Lösung 
der Frage, inwieweit Nierentuberkulose abhängig von der Tuber- 
kulose anderer Organe, insbesondere des Urogenitalapparates und 
umgekehrt, inwieweit eine Nierentuberkulose die anderen Organe 
beeinflußt, fiüirten im wesentlichen zu negativen Brcsultaten. Eine 
verbesserte Methode zum Nachweis von Tuberkelbazillen Nachweis von 

beschreibt 0. H. F o r s e 1 1. Ca. 1000 ccm Harn kommen fiir 24 Stun- Tubwkel. 
,.. .. TTi -1.111.» . bazillen 

den m einen unten mit einem Hahn an der sich plötzuch verjüngen- im Harn. 

den Spitze versehenen Glaszylinder. Hierauf wird der Bodensatz 
in zwei Zentrifugenröhrchen abgelassen und nach Anwendung großer 
Umdrehungsgeschwindigkeit (10000 Umdrehungen in der Minute) 
untersucht. Bei Anwesenheit von Hamschleim, welcher das Herab- 
sinken der Tuberkelbazillen verhindert, empfiehlt er die Auflösung 
desselben durch eine 12°/oigeBor8äure-Bora2dösung oder 5^/oige Soda- 
lösung. Zur Unterscheidung von Smegmabazillen fand er, daß nach 
Behandlung der Deckglaspräparate mit Karbolfuchsin und Salpeter- 
säure eine 8 Minuten lange Applikation von 50^/oigem Azetonalkohol 
die Smegmabazillen entf&rbte, die Tuberkelbazillen aber nicht. Kul- 
Jahrbuch der praktischen Hedisin. 1904. " 17 



258 



Fürbringer und Stettiner. 



Bedentang 

des Tier- 

versnches. 

Diagnose der 

Nieren- 
tuberkulöse. 



Therapie. 



Spontan- 
heilangen. 



Nieren- 
tumoren. 



Behandlung 
der Wander- 
niere durch 
Heftpflaster- 
verband. 



OefährUchkeit 

der Nieren- 

massage. 

Dystopie 
der Niere. 



turell lassen sie sich dadurch unterscheiden, daß Tuberkelhazillen 
aufsog. „Heydenagar^ und y,HeydenbouiIlon" wachsen. Die Schwierig- 
keit des Nachweises der Tuberkelbazillen wird auch von Gött- 
lich Salus hervorgehoben. Er weist auf die diagnostische 
Wichtigkeit des Tierversuches hin und zwar empfiehlt er 
die Impfung mit dem Sediment des steril aufgefangenen und steril 
zentrifugierten Harnes vorzunehmen. Ausführlicher wird die Dia- 
gnose der Nierentuberkulose von L. 0. Finkelstein und 
F. Suter besprochen. Daß es eine einseitige primäre Nierentnber- 
kulose gibt und daß, wenn zur rechten Zeit der tuberkulöse Herd 
entfernt wird, der Kranke genesen kann, wird nach nochmaliger 
Besprechung der diesbezüglichen Literatur von beiden Autoren als 
bewiesen bezeichnet. Die Bedeutung der Zystoskopie zur Diagnose 
der Blasen- und Nierentuberkulose wird auch von v. Stoeckel her- 
vorgehoben. In therapeutischer Beziehung ist eine frühzeitige Dia- 
gnose einer primären Nierentuberkulose von der größten Wichtigkeit, 
da durch rechtzeitige operative Entfernung der Niere oder eines 
Teils derselben ein Weitergehen der Infektion verhindert werden 
kann und je geringer die Ausdehnung des Prozesses ist, desto besser 
die Chancen bei der Operation werden, deren Mortalität vorläufig 
noch V« — V» nach Suter beträgt. Spontanheilungen von 
Blasen- und Nierentuberkulose gehören zu den größten Seltenheiten. 
Levin kann über einen solchen berichten. 

Eine sehr ausführliche Besprechung der Nierentumoren 
geben J. Albarran und L. Imbert in ihrer Monographie, auf 
die hier nur kurz hingewiesen sei. Ebenso sei auf die sehr lesens- 
werte Arbeit von Erich Boehler zur Klinik der Nieren- 
tumoren, speziell der malignen Hypernephrome, in der 
die Schwierigkeit der Differentialdiagnose zwischen Nierenstein und 
Tumor überhaupt auseinandergesetzt und 2 Fälle von malignem 
Hypemephrom genau analysiert werden, hingewiesen. 

Zur Behandlung der Wanderniere empfiehlt B. Schmitz 
die Anlegung eines Heftpflasterverbandes, mit welchem 
er in einer Anzahl von Fällen eine Beseitigung der lästigen Sym- 
ptome erzielt hat. Das Heftpflaster muß terpentinfrei und per- 
foriert sein. Gegenüber den Vorschlägen, die Wandemiere durch 
Massage zu behandeln, weist Mosano in TJebereinstimmung mit 
den bereits im vergangenen Jahre erwähnten Untersuchungen von 
Ekgren auf die durch Versuche an 10 Kaninchen bestätigte Qe- 
fj&hrlichkeit der Nierenmassage hin. Die Frage der Diagnose der 
Dystopie der Niere und ihre gynäkologische Bedeutung wird 



Krankheiten der Hamorgone. 



259 



von Otto Engström ausflihrlich besprochen. Einen Fall von ge- 
kreuzter Dystopie teilt S. v. Schumacher mit. 



Erankheiten der unteren Hamwege. Auf die Wichtigkeit der 
Aseptik der Katheter und anderer urologischer Instrumente 
wird auch in der Literatur dieses Jahres immer wieder von neuem 
hingewiesen. Eine größere Arbeit über Kathetersterilisation liegt 
von Große vor, auf die hier kurz hingewiesen sei. Auch Gold- 
berg macht in einer Tabelle seine Erfolge in der Verhütung der 
Infektion der Hamwege durch peinlichste Aseptik der Instrumente 
deutlich. Mit der Einführung des Urotropins war ein großer 
Fortschritt in der Behandlung der Blasenkrankheiten gemacht. Ein 
weiterer Fortschritt scheint in der Einführung des Helmitols als 
Hamdesinfiziens gewonnen zu sein. Günstige Erfahrungen über 
die Anwendung desselben bei Pyelitis und Zystitis können E. Im- 
pens, F. Müller, Seifert, E. Heuß, G. Goldschmidt u. a. be- 
richten. Alle rühmen seine energische desinfektorische Wirkung auf 
den Urin und heben seine TJngiftigkeit hervor. lieber Blasen- 
tuberkulose liegen Mitteilungen von Viktor Bandler, Motz 
vor, und vor allem hat Casper derselben in seinem Lehrbuche der 
Urologie eine eingehende Besprechung gewidmet. Die Infektion der 
Blase mit Tuberkelbazillen kann eine Teilerscheinung einer all- 
gemeinen Miliartuberkulose sein; sie kann durch Einschleppung von 
einem in einem anderen Organe (namentlich Knochen- und Gelenk-, 
seltener Lungentuberkulose) bestehenden tuberkulösen Herde er- 
folgen. Die häufigste Entstehungsart ist die durch Infektion durch 
den Urin einer tuberkulösen Niere, aber es gibt auch eine primäre 
Blasentuberkulose. Ein vorzügliches Mittel ist auch nach den Er- 
fahrungen von Casper das von Guyon empfohlene Sublimat, von 
dem zunächst kleine Mengen von Lösungen von 1 : 10000—1 : 1000 
eingespritzt werden , um allmählich mit der Quantität (50 ccm) der 
in ihrer Konzentration schwächer werdenden Lösung zu steigen. 
Einen operativen Eingriff bei Blasentuberkulose hält Casper nur 
dann fbr zulässig, wenn vorher mit Sicherheit nachgewiesen ist, 
daß sich der tuberkulöse Prozeß auf einzelne umschriebene Partien 
beschränkt. Die Aetiologie, Symptomatologie, Diagnostik 
und Therapie der Blasentumoren, sowie ihren anatomischen 
Bau bespricht P. J. Frey er in übersichtlicher Weise unter Vor- 
i^ihrung einzelner Beispiele. Im übrigen bietet die Literatur haupt- 
sächlich kasuistische Beiträge. Das gleiche gilt von den Ver- 
öffentlichungen aus dem Gebiete der Blasensteine. Auf die 



Katheter- 
Bterilisfttion. 



J9elmitol. 



BUsen- 
tnberknlose. 



Sublimat. 



Chirargiaobe 
Behandlang. 



Blasen- 
tumoren. 



Blasenstein. 



260 



Fürbringer und Stettiner« 



yervoUkommnimg der Radiographie ist bereits oben hingewiesen. 
Spontanzertrümmernngen von Blasensteinen teilen L. Gör I 



Spontan- 
zertrttBuno- 
mng der 
Bl»Ben8t«ine. ^uid Gr. Kapsammer mit. 



Enuresis 
nootnma. 



Unser bisheriges therapeutisches Unvermögen der Enuresis 
nocturna gegenüber hat denselben Forscher veranlaßt, das von 
Cathelin angegebene Verfahren, die Anwendung epiduraler In- 
jektionen von Kokain- oder physiologischer Kochsalzlösung, nach- 
zuprüfen. Bei 25 Patienten mit Enuresis nocturna, welche 6 Monate 
bis 20 Jahre alt waren, stellte sich nach 1 — 13 Injektionen voll- 
kommene, bei 9 Patienten bereits länger als 6 Monate anhaltende 
Heilung ein. Kapsammer hat bisher 300 epidurale Injektionen ge- 
macht, ohne üble Nebenwirkungen beobachtet zu haben. Sämtliche 
Injektionen wurden ambulatorisch unter gleichen aseptischen Kau- 
telen, wie sie eine Laparotomie erheischt, vorgenommen. In einem 
Falle trat Erbrechen unmittelbar nach der Injektion, im zweiten 
Falle am nächsten Tage Kopfschmerzen und zweimaliges Erbrechen 
auf. Bei beiden Patienten bestand bereits am folgenden Tage voll- 
kommenes Wohlbefinden, so daß er die Methode als ungefthrUch 
bezeichnen kann. 

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üeber Hamsegregatoren. Wien. med. Presse Nr. 18. — Litten, üeber 



Krankheiten der Hamorgane. 263 

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klin. Wochenschr. Nr. 50. — F. Loewenhardt, Elektrische Leitfähigkeit 
und funktionelle Nierendiagnostik. Yerhandl. des 82. Kongr. d. deutschen 
Oesellsch. f. Chir. — Felix Lommel, üeber Pubertätsalbuminurie. Deut- 
sches Arch.f.klin.Med. Bd. LXXYIII, H. 5 u. 6. — Bernhard Lostorf er, 
Ein Fall von Fibrinurie bei Nephritis. Wien. klin. Wochenschr. Nr. 7. — 
Clement Lucas, The Symptoms and diagnosis of stone in the kidney. 
The Lancet, 25. April. — Lüthje, Zur Frage der sog. febrilen Albumin- 
urie nebst einigen Bemerkungen über die Bedeutung der Zylindrurie. The- 
rapie der Gegenwart H. IL — £. Maragliano, Klinisches, Chemisches, 
Experimentelles über die Nephritiden. Med. Woche Nr. 28. — Bernhard 
Marcus e, Ueber Pyelitis und Pyelonephritis auf Grund von Gonorrhoe. 
Therap. Monatshefte, Februar. — L. Mohr, üeber das Ausscheidungs- 
vermOgen der kranken Niere. Zeitschr. f. klin. Med. Bd. LI, H. 3 u. 4. — 
L. Mohr und C. Dapper, Ueber den Einfluß vermehrter und verminderter 
FlüssigkeitsEufuhr auf die Funktion erkrankter Nieren. Deutsches Arch. f. 
klin. Med. Bd. LXXVIII, H. 1 u. 2. — Mosano, Su gli effetto della pal- 
patione renale. Gazz. degli ospedali et delle clin. Nr. 41 (nach Zentralbl. 
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und Agurin auf die Hamwege. Deutsche med. Wochenschr. Nr. 27. — 
Motz, Heilbarkeit der Blasentuberkulose. Annales de Guyon, 1903. — 
Mühlig, Nephritis parenchymatosa syphilitica. Münch. med. Wochenschr. 
Nr. 12. — F. Müller, Klinisches und Bakteriologisches über Helmitol. 
Deutsche Aerzteztg. Nr. 8. — Joh. Müller, Ueber einen bequemen che- 
mischen Nachweis von Eiter im Harn. Berl. klin. Wochenschr. Nr. 40. — 
Neubauer, Ueber die Bedeutung der neuen Ehrlichschen Farbenreaktion. 
Verhandl. der Kasseler Versamml. deutscher Naturforscher und Aerzte. — 
Oberndorfer, Zur Frage der posttraumatischen Nephritis. Münch. med. 
Wochenschr. Nr. 50. — A. Ott, Zur Chemie und Technik der Diazoreaktion. 
Wiener klin. Rundschau Nr. 40. — A. Pappenheim, Bemerkungen zur 
Ehrlichschen Benzaldehydreaktion. Berl. klin. Wochenschr. Nr. 2. — 
P. K. Pel, Die Em&hrung unserer Nierenkranken. Zeitschr. f. diätet. u. 
physik. Therapie Bd. VII, H. 1. — Bruce Porter, Note on a case of 
renal calculua. TheLancet, 17. Okt — E. Raehlmann, Ueber ultramikro- 
skopiache Untersuchung von Lösungen der Albuminsubstanzen und Kohle- 
hydrate und eine neue optische Methode der Eiweiflbestimmung bei 
^bnminurie. Münch. med. Wochenschr. Nr. 48. — Reese, Zur Sympto- 
matologie der Nierenvenenthrombose. Deutsches Archiv f. klin. Med. 
Bd. LXXVIII, H. 5 u. 6. — Remlinger und M. Hodara, Zwei Fälle von 
Chylurie infolge von Filiariosis. Monatsh. f. prakt. Dermatol. Bd. XXXV, 
H. 15. — E. Riegler, Eine empfindliche einfache und rasch ausführbare 
Zuckerprobe mit oxalsaurem Phenylhydrazin. Deutsche med. Wochenschr. 
Nr. 15. — H. Röder, Die Gefrierpunktsemiedrigung des nephritischen 
Harns und ihre Deutung auf dem Wege des Verdünnungsversuches. Berl. 
klin. Wochenschr. Nr. 19. — Rößler, Die volumetrische Eiweißbestimmung 



264 FOrbringer und Stettiner. 

im Harn. Dentsche med. Wochenschr. Nr. 19. — 0. Rumpel, Erfahrungen 
über die praktische Anwendung der Gefrierpunktsbestimmungen in Blut 
und Harn bei Nierenerkrankungen. Münch. med. Wochenschr. Nr. 1, 2 u. 3. 

— Derselbe, Die Diagnose der Nierensteine mit Hilfe der neueren Unter- 
suchungsmethoden. Karten und Atlas der normalen und pathologischen 
Anatomie in typischen Röntgenbildern. — Derselbe, Ein Fall von doppel- 
seitiger Steinniere, zugleich ein Beitrag zur funktionellen Nierendiagnostik. 
Monatsberichte f. Urologie H. 1. — Richard Sachs, Zur Behandlung der 
Gallen- und Nierensteinkoliken mittels neukonstruierten Heifiluftapparats. 
Therapie d. Gegenw., Juni. — Gottlieb Salus, Tierversuch und Nieren- 
tuberkulose, nebst einem Beitrag zur Kenntnis des Harns Tuberkulöser. 
BerL klin. Wochenschr. Nr. 50. — Schlechtendahl, Ueber Nierenentzfln- 
dung im Frühstadium der Syphilis und deren Behandlung. Wien. klin. 
Rundschau Nr. 32 u. 88. — Herm. Schlesinger, Bemerkungen über die 
Wirkung des Theozins. Therapie d. Gegenw., M&rz. — Wilhelm Schle- 
singer, Zum klinischen Nachweis des Urobilins. Deutsche med. Wochen- 
schrift Nr. 82. — B. Schmitz, Beitrag zur Behandlung des Ren mobilis. 
Allg. med. Zentralztg. Nr. 47. — H. Schultheß, Hämaturie durch Oxal- 
t&Tjxe nach Rhabarbergenuß. Korrespondenzbl. f. Schweizer Aerzte Nr. 18. 

— S. V. Schuhmacher, Ein Fall von gekreuzter Dystopie der Niere. 
Wiener klin. Wochenschr. Nr. 29. — Schwarz köpf. Zur Diagnose chro- 
nisch nephritischer Prozesse. Münch. med. Wochenschr. Nr. 35. — Seifert, 
Ueber Helmitol. Wien. klin. Rundschau Nr. 24. — H. Senator, Die Dia- 
gnostik der Krankheiten und der Leistungsfähigkeit der Nieren. Berl. klin. 
Wochenschr. Nr. 21 u. 22. — Derselbe, Ueber die Herzhypertrophie bei 
Nierenkrankheiten. Deutsche med. Wochenschr. Nr. 1 u. 2. — Derselbe, 
Zur Frage der traumatischen Albuminurie. Berl. klin. Wochenschr. Nr. 11. 

— Derselbe, Ueber zyklische Albuminurie. Diskussion in der Berliner 
med. Gresellschaft. Berl. klin. Wochenschr. Nr. 50. — J. Stein, Theozin 
(Theophyllin) als Diuretikum. Prag. med. Wochenschr. Nr. 16. — L. Stempo, 
Eis bei akuter Nephritis. Therapie der Gegenwart, November. — Stern, 
Beitrag zur Frage der chirurgischen Behandlung von Nephritiden. Ver- 
handlungen der Kasseler Versamml. deutscher Naturforscher n. Aerzte. — 
W. Stoeckel, Zur Diagnose und Therapie der Blasen- und Nierentuber- 
kulose bei der Frau. Beiträge zur Klinik der Tub. H. 1 u. 2. — H. Strauß, 
Die Hamkryoskopie in der Diagnostik doppelseitiger Nierenerkrankungen. 
Zeitsohr. f. Min. Med. Bd. XLYII, H. 5 u. 6. — Derselbe, Zur Behand- 
lung und Verhütung der Nierenwassersucht. Therapie d. Gegenw,, Mai. — 
Derselbe, Zur Frage der Kochsalz- und Flfissigkeitsausfuhr bei Herz- und 
Nierenkranken. Ebenda, Oktober. — Oskar Stroß, Ueber die diuretische 
Wirkung des Theophyllin (Theozin). Wien. klin. Rundschau Nr. 20. — 
Stürtz, Eustrongylus gigas im menschlichen Hamapparat mit einseitiger 
Chylurie. Deutsches Arch. f. klin. Med. Bd. V u. VI. — F. Suter, Ein 
Beitrag zur Diagnose und Behandlung der Nierentnberkulose. Korrespondenzbl. 
f. Schweizer Aerzte Nr. 10 u. 11. — Sutherland, Orthot. Albuminurie 



Krankheiten der Hamorgane. 265 

and movable kidney. Americ. journ. of the med. science, AuguBt. — 
Karl Thünger, Theozin als Diuretikum. Münch. med. WochenBchr. Nr. 30. 
— Thomson, üraemia and its ireatment. Medical Record, 16. Mai. — 
Ch. Thorel, Pathologisch-anatomische Betrachtungen über Heilungs- 
Torgänge bei Nephritis. Deutsches Arch. f. klin. Med. Bd. LXXVII. — 
Treplin, Röntgenbilder von Nieren- und Gallensteinen. Verhandl. der 
deutschen Gesellsch. f. Chir. 82. Kongreß. — Treutlein, üeber das 
Fehlen von Zylindern im Urin von Nephritikem. Münch. med. Wochen- 
schrift Nr. 86. — F. Tripold, Ueber das Verhältnis der Harnausscheidung 
zu der aufgenommenen Flüssigkeitsmenge bei Gesunden. Zeitschr. f. diätet. 
u. physik. Therapie Bd. VII, H. 1 u. 2. — Mc. Vail, Spinal puncture in 
uraemia. The British med. joum., 24. Oktober. — T. Voelcker und 
£. Joseph, Funktionelle Nierendiagnostik ohne Ureterenkatheter. Münch. 
med. Wochenschr. Nr. 48. — Widowitz, ürotropin als Prophylaktikum 
gegen Scharlachnephritis. Wien. klin. Wochenschr. Nr. 40. — Paul Wulf f, 
Zur Kasuistik der Nierenblutung. Münch. med. Wochenschr. Nr. 29. — 
W. Zangemeister, üeber Verwertung der Gefrierpunktsemiedrigung des 
Harns zur Beurteilung der Nierenfunktion. Berl. klin. Wochenschr. Nr. 49. 



Scharlach 

auf einer 

Masemstation. 



Piupnra 

haemorrhagica 

nach 

Scharlach. 

Scharlach- 

ähnliche 

Exantheme 

nach 
Diphtherie- 
heilsemm. 

5mal 

Scharlach 

bei einem 

Individnnm. 



g) Akute allgemeine Infektionskrankheiten 
und Zoonosen. 

Von o. Honorarprofessor Dr. Hermann Ylerordt in Tübingen. 

Infektionskrankheiten. Einiges Interesse in nosologischer Be- 
ziehung beansprucht eine von A. Doebert beschriebene kleine 
Scharlachendemie anf der Masernstation des Krankenhauses 
Bethanien in Berlin, Winter 1901/02. Sie trat anf, nachdem im 
Dezember 1901 der letzte Scharlachfall in den Baracken beobachtet 
war. Zum mindesten vermochte sie den da nnd dort verfochtenen 
Satz, daß bald nach Masern ausbrechender Scharlach meist gutartig 
sei, zu widerlegen. Von den 10 Fällen verlief sogar einer bei einem 
5jährigen Mädchen (durch Lymphadenitis) todlich. Auch sonst war 
manches Irreguläre zu verzeichnen; bei 6 bestand Durchfall vor 
Ausbruch des Exanthems, bei 5 war dieses überhaupt unentwickelt 
oder nur flüchtig; auch waren die Komplikationen stark vertreten, 
6mal Otitis, darunter 8mal doppelseitig, 4mal Nephritis und 2mal 
nekrotisierende Angina. Daß aber eine unter dem Bild der Purpura 
fnlminans in 5 Tagen unter den Erscheinungen der Anämie zum 
Tode führende Purpura haemorrhagica während der Kon- 
valeszenz von Scharlach auftritt, ist immerhin eine recht seltene 
Komplikation. CuUen beobachtete einen solchen Fall bei einem 
2jährigen ELnaben. Die Purpura war an den unteren Extremitäten 
besonders entwickelt. Oberwinter bespricht die nach Injektion 
von Diphtherieheilserum auftretenden Exantheme, beson- 
ders die scharlachähnlichen, welche in der Tat auch, nament- 
lich wenn sie am 8. — 6. Tag nach der Injektion ausbrechen, öfters 
wirklicher Scharlach sind ; auch kann dieser von der Injektionsstelle 
seinen Ausgang nehmen. Ungewöhnlich ist auch ein 5 malig es 
Befallenwerden von Scharlach, von dem Fielding überzeugend 
berichtet. Es handelte sich um einen anämischen Mann, welcher 
innerhalb 12 Jahren 5mal Scharlach durchmachte, jede Attacke mit 
Fieber, ausgeprägtem Exanthem, Angina, Himbeerzunge und über 
Wochen andauernder, lästiger Desquamation der Haut. Jürgensen 
(Nothnagels Handbuch IV. Band, 2. Hälfte, S. 54) gibt an, daß öftere 
als 4maHge Wiederholung „nicht mit Bestimmtheit beobachtet sei*'. 
Während einer in Abnahme begriffenen länger sich hinziehenden 



I 



Akute aUgemeine InfektionBkrankheiten und Zoonosen. 267 

Scharlachepidemie in der finnischen Stadt Was a stellte K. Ek- Scharlach- 

holm ein Auftreten neuer Fälle fest in Familien, welche die Milch 7®'**"^«'^? 

durch Milch, 
aus einem und demselben Kuhstall erhielten. Innerhalb 7 Tagen 

wurden von 14 Familien, an welche die Milch geliefert wurde, 7 befallen, 
in 6 Familien 11 (von zusammen 15) Kinder im Alter von 1 — 8 Jahren 
und 1 Erwachsener, in der 7. (kinderlosen) 1 Erwachsener. Die Er- 
wachsenen hatten lediglich eine fieberhafte Angina gehabt und in 
ähnlicher Weise war, wie sich späterhin herausstellte, ein 16jähriges 
Mädchen, das den Kuhstall zu besorgen hatte, 10 Tage vor dem Auftreten 
des ersten Falles ambulatorisch an Angina „phlegmonosa" behandelt 
worden, die man nachträglich als versteckten Scharlachfall zu deuten 
veranlaßt war. Den Streptokokken möchte Jochmann keine ätio- Streptokokken 
logische Bedeutun g für den Scharlach einräumen, wenn sie sich auch Scharlach, 
bei vielen, namentlich den schweren, FäUen vorfinden. Bezüglich der 
Behandlung des Scharlachs sind verschiedene üntersucher am Verschiedene 
Werk ; freilich, es fehlt noch — von gewissen Prioritätsstreitigkeiten H^ü««». 
abgesehen — an der wünschenswerten üebereinstimmung, und Moser- 
sches Scharlaohserum und virulentes Aronsonsches Antistrepto- 
kokkenserum (s. Jahrb. 1903, S. 247) stehen sich fast feindlich und unver- 
söhnlich gegenüber. Gerade vom Mos ersehen Serum werden von Wien 
her Erfolge verkündigt, so von Th. Escherich aus der Univer- 
sitätsklinik. Nach 4—12 Stunden pflegt sich die Wirkung ein- 
zustellen, um etwa in der 18. — 80. Stunde ihr Maximum zu erreichen; 
die Temperatur ftlUt ab. Puls- und Atmungsfrequenz sinken, auch 
der abnorm hohe Blutdruck, Somnolenz und Delirien schwinden. 
Die lokalen Symptome im Rachen, an den Lymphdrüsen werden 
weniger deutlich beeinflußt, auch nicht voU entwickelte Kompli- 
kationen und Nachkrankheiten. Auch Pospischill berichtet Gün- 
stiges über Mosers Scharlachstreptokokkenserum, das er in Mosers Serum. 
26, zum Teil als verloren anzusehenden Fällen anwandte. — Die von 
Höchst a. M. aus in den Verkehr gebrachten Flaschen enthalten 
160 ccm Moserserum, welches in die seitliche Bauchwand eingespritzt 
wird, worauf die StiohöSnung mit Jodoformkollodium verschlossen 
wird. Weniger angenehm ist der noch hohe Preis des Serums und 
die verhältnismäßig große Menge, welche injiziert werden muß. 
Daß das Bekonvaleszentenserum, wie es v. Leyden verwendet, Rekonyaies- 
vielleicht mehr leistet, wird zugegeben; andererseits hat wieder ««atenserum. 
W. Scholz bei 9 leichten, mit 5 — 20 ccm Scharlachrekonvaleszenten- 
serom behandelten Fällen keine nennenswerten Erfolge gesehen. 
So dürfte vielleicht doch noch eine gewisse Skepsis am Platze sein, 
wie sie von Berlin aus gegenüber Moser und seinem Serum geübt 



268 



Vierordt. 



Urotropin 

gegen 
Scharlach- 
nephritis. 



Councilmans 

Erreger der 

Pocken. 



Parasiten 
der Pocken. 



wird (b. Literatur: Moser, Baginsky, Aronson). Daß man Bot- 
lichttherapie für Scharlach, ähnlich wie £ur Pocken (vergl. 
Jahrb. 1902, S. 261 und unten S. 269) vorgeschlagen hat (Schoull) — 
solange das Exanthem besteht, rote Stoffe vor Türen und Fenster, 
rote Schirme vor Lampen und Beleuchtungskörper bei dauerndem 
Aufenthalt im Zimmer — soll angemerkt sein. TJrotropin als Pro- 
phylaktikum gegen Scharlachnephritis empfiehlt J. Wide- 
witz. Er hat 102 Fälle in 3 Jahren so behandelt, Kinder von 1 — 15 
Jahren mit Gaben von 0,05—0,6 g, so daß ein lljähriges etwa 0,3 
erhält und zwar 3mal an 3 aufeinanderfolgenden Tagen im Anfang 
der Krankheit, jedenfalls aber zu Beginn der 3. Woche. Li keinem 
von diesen 102, durchaus nicht ausgesuchten Fällen kam eigentliche 
Nephritis zur Beobachtung, obwohl auch leichte FäUe dabei waren, 
welche im allgemeinen eher zu Nephritis geneigt sein sollen. 

Pocken. Mit ein paar Worten sei nach dem Berichte C.A.Ewalds 
der neuen, an Guarnieri (1892) u. a. anschließenden Entdeckungen 
Councilmans in Boston gedacht, welcher bei den (hämorrhagi- 
schen) Pocken in den unteren Epithelschichten der Haut extranukleäre, 
strukturlose, nach vollendetem Wachstum schließlich in Gbunula 
zerfallende und von ihm als lebende Organismen angesehene Zell- 
einschlüsse gefunden hat. Auch im Zellkern treten eigenartige, durch 
Teilung sich vermehrende Bildungen auf, welche in sporenartige, 
schwer zu erkennende Körperchen zerfallen. Angeregt wird dieser 
Zerfall des Kerns, der nur bei echten Pocken beobachtet wird, durch 
die von den extranukleären Formen sich ableitenden, in den Kern 
eindringenden Gebilde, welche als Träger der Lifektion anzusehen 
sind. Den ersten Zyklus, wobei die Bildung sporenartiger Körper 
nur extranukleär sich vollzieht, zeichnet die Vakzine aus; in der 
Impfpustel finden sich ausschließlich extranukleär gebildete Sporen. 
Dagegen beschreiben als „Parasiten" der Pocken und Wind- 
pocken Thomson und Brownlee stark lichtbrechende, runde, 
mit gewöhnlichen Mitteln nicht färbbare Körperchen, nachweisbar 
(besonders bei hämorrhagischen Pocken) im Blut vom 3. — 4. Tag der 
Krankheit ab. In Hautschnitten, Lymphspalten, kleinsten Blut- 
gefäßen finden sich ähnliche Körperchen, die zum Teil sich schwach 
färben lassen, im Pockeninhalt je nach dem Alter der Pocke in ein- 
zelnen Zellen allmählich wachsende, schließlich frei werdende, helle 
Körperchen. Daneben können, doch durchaus in der Minderzahl der 
Fälle, npyogene" Organismen beobachtet werden. Es besteht dem- 
nach kein einheitlicher Befund bezüglich des Erregers der Pocken; 
das weitere bleibt abzuwarten. — Die eben genannten Autoren 



Akate allgemeine Infektionskrankheiten und Zoonosen. 



269 



machten an 13 schweren Variolakranken Versuche, freilich ohne 
bei 6 — 3 waren hämorrhagisch , 4 konfluierend — den Tod ab- 
wenden zu können, mit großen Dosen (30 g auf 2mal injiziert) vom 
Serum junger, gegen Vakzine immunisierter Kühe, das mit 
Trikresol (0,4 ^/o) haltbar gemacht war. Finsen empfiehlt von neuem 
seine vor 10 Jahren inaugurierte Rotlichtbehandlung der Pocken, 
zumal für die Länder mit häufigeren Erkrankungen und wendet sich 
vor allem an England. Das Tageslicht, zumal die chemischen 
Strahlen, begünstigen nach seiner Ansicht die Eiterung, während 
die Botlichtbehandlung die Narbenbildung verhindern soll. Aller- 
dings leistet sie nichts mehr, sobald die Eiterung in der Pocke schon 
begonnen hat. Aehnliche Wirkung, wie Finsen mit dem roten 
Licht, will Kolbassenko mit Thiolum liquidum bei Pocken 
erzielen. Er betont dabei weniger die desinfizierende Wirkung, als 
die schwarze Farbe, welche alle Lichtstrahlen, nicht bloß die roten, 
absorbiere. Der teuren, fettigen Ichthyolvaseline, die er früher ver- 
wandte, möchte er das viel billigere, rasch eintrocknende und gut 
haftende Thiolum liquidum vorziehen. Brindley und Bonis sehen 
im äußerlichen Gebrauch von reiner Karbolsäure ein Mittel, die 
Pocken zum schnellen Eintrocknen zu bringen und Narbenbildung 
hintanzuhalten. Die flüssige Karbolsäure wird mit einem Pinsel von 
Kamelshaar aufgetragen, zuerst etwa im Gesicht und Nacken, am 
folgenden Tag an den oberen, dann den unteren Gliedmaßen, schließ- 
lich am Bumpf ; je nachdem darf eine zweite und dritte Pinselung an 
Stellen, wo es nötig erscheint, vorgenommen werden. Auf eine frühe 
Entfernung der Schorfe ist außerdem zu achten. Die Wirkung bleibt 
angeblich eine lokale und nie sind Vergiftungserscheinungen, ins- 
besondere nie Karbolurin, beobachtet worden. 

Abdominaltyphus. Bei der stetig fortschreitenden Kenntnis 
des Typhus und den wesentlich umgestalteten Anschauungen gerade 
bei dieser Infektionskrankheit ist ein Vergleich mit früherer Zeit 
und ein Bückblick in dieselbe von nicht geringem Interesse und so 
mag Franz Spaets Aufsatz: Typhus, Pettenkofer und Koch, 
auch den medizinischen Fachmännern empfohlen sein. Aus der stets 
reichlichen Kasuistik des Typhus sei eine englische statistische 
Arbeit von Hektor G. W. Mackenzie über Perforation und 
Typhus angeführt, wonach in großen Spitälern Londons (1887 bis 
1902) zusammen 2533 Typhus&lle mit 840 Todes&Uen (= Id^i^'fo) 
gezählt wurden, davon 117 (= 4,6®/o) durch Perforation. Bei uns 
in Deutschland werden im allgemeinen niedrigere Ziffern angegeben : 
Lieber meist er für Basel l,2°/o, Schulz (Hamburg) ebenso, aller- 



Serumbehand- 
lang der 
Pocken. 



Rotlicht- 
behandlung 
der Pocken. 



Thiolum 

liquidum 

bei Pocken. 



Reine 
Karbolsfture 
bei Pocken. 



Typhus, 

Pettenkofer 

und 

Koch 

Statistisches 

über 
Perforation. 



270 



Vierordt. 



Statistisches 

über 
Perforation. 



Stramitis 
posttyphosa. 



TyphOse 
Cholezystitis. 

Fericarditis 
typhosa. 



Zentral 
bedingte 
Schwer- 
hörigkeit. 

Ursache der 
Thrombose. 



Gangrän 

bei leichtem 

Typhus. 



dings Kölscher far Manchen 6,7^/o. Auf zosammen 4212 Fälle in 
Amerika und Australien entfielen 2,8 °/o Perforationen = 115. — 
Von 800 Fällen kamen 97 = 32,3«^/o auf die 3. Woche, 209 = 69,6*/o 
auf die 2. — 4. Woche. Erfreulich ist es und bekundet den wesent- 
lichen Fortschritt gegen frühere Zeit, wenn durch rechtzeitige Ope- 
ration auch dieser ge&hrlichen Komplikation erfolgreich begegnet 
werden und, wie im ersten der beiden Mackenzieschen Fälle, 
die Heilung trotz leichtsinniger Diätfehler (Obstgenuß !) und Ausbil- 
dung eines (sterilen) Muskelabzesses durchgefahrt werden kann. 
Auch Eid er berichtet über einen günstig verlaufenden Fall von Per- 
foration, der schon 1 Monat nach der Operation gesund das Spital 
verließ. Doch konnte man nur Bacterium coli aus dem Peritoneum 
züchten, keine Typhusbazillen. Dagegen fahrte der Typhusbazillus in 
Beinkultur zueinerStrumitis posttyphosa, welcheK.A. Krause 
und Hartog beschreiben (vergl. Jahrbuch 1901, S. 258, Schudmak 
und Vlachos; 1902, S. 7, Bertacelli). Der FaU betraf einen 
22jährigen Schuster. Auf Inzision und nachfolgende Drainage 
erfolgte in 18 Tagen Heilung. Auch der von Jundell beschriebene 
Fall von Typhusinfektion in der Gallenblase ergab im Sekret 
(neben einem Cholestearinstein) Bazillen (Agglutination und Pfeiffer- 
sche Immunreaktion). — Einer sehr seltenen Komplikation, der typhö- 
sen Perikarditis, widmen Gandy undGouraud eine Besprechung. 
Sie kommt als fibrinöse, sehr wahrscheinlich vom Typhusbazillus 
direkt hervorgerufene Form und als noch seltenere fibrinös-purulente 
mit Exsudat bis zu 600 ccm vor; bei der letzteren scheinen sekundäre 
Infektionen hereinzuspielen. In prognostischer Beziehung fällt sie, 
wenigstens die erstere Form, wenig ins Gewicht. Als Rarität ist 
ein in Genesung endigender Fall von Typhus mit zentral bedingter 
Schwerhörigkeit beschrieben (P. Krause) bei negativem Binne- 
schem und Weberschem Versuch, fast normalem otoskopischem 
Befund und vorübergehender Psychose. Wright und Knapp fanden 
bezüglich der Frage der Thrombose bei Typhus im akuten Stadium 
die Gerinnungsfähigkeit des Blutes herabgesetzt, in der Rekonvales- 
zenz erhöht, dabei einen großen (durch Milchnahrung verursachten !) 
üeberschuß von Kalziumsalzen im Blut. Hierbei sei eines von 
A. D odds geschilderten leichten Typhus (Temperatur nie über 100® F. 
= 38,33°) gedacht, welcher bei einem 22jährigen Manne zur Gangrän 
beider Beine, doppelseitiger Amputation und schließlich durch 
EmboUe der Lungenarterie zum Tode führte. Im Heum schon ver- 
heilte Geschwüre. In diagnostischer Beziehung sei erwähnt, 
daß M. Ficker ein „Typhusdiagnostikum", eine leicht getrübte, 



Akute aUgemeine Infektionskrankheiten und Zoonoaen. 271 

sterile Flüssigkeit, hergestellt hat, welche außerhalb des Laborato- Nenes 
riums und ohne lebende Typhuskultur und Mikroskop für praktische ^^^^^' 
Zwecke verwendbar ist und ,, wegen der Garantie fiir die Gleich- 
mäßigkeit der Herstellung^' von der Firma Merck in Darmstadt mit 
genauer Gebrauchsanweisung (zu welchem Preis?) geliefert wird. 
Bei positivem Ausfall der Reaktion erhält man in 10 — 14 Stunden 
mit dem zu prüfenden Serum Agglutination. E. Adler (Jaksch- 
sehe Ellinik) tritt für die Frühdiagnose des Typhus mittels Frühdiagnose 
Milzpunktion ein, die bei richtiger Ausfuhrung unter aseptischen ^"^ch Miiz- 
Kautelen, wie auch der gelegentliche Augenschein an der Milz er- 
gibt, ganz gefahrlos ist und bei mehr als 90^/o der FäUe eine schnelle 
und sichere Diagnose ermöglicht. Diese ist umso eher anzustreben, 
als gewisse Maßnahmen, wie z. B. eine rationelle Serumbehandlung, 
umso erfolgreicher wirken, je früher sie in Angriff genommen 
werden. Auch Hayashikawa erklärt die Milzpunktion fiir „unent- 
behrlich^' und „als ein völlig unschädliches Verfahren", C. A. Ewald 
(s. u.) hinwiederum „für gänzlich unzulässig". Die Gruber- Widal- 
sehe Reaktion aUein reiche nicht aus, höchstenfalls dann, wenn sie 
in passenden Zwischenräumen wiederholt wird. Der Wert der 
Agglutination für die Diagnose wird auch von R. Stern ziem- Agglutination 
lieh eingeschränkt. Es handle sich bei der Sache — auch neue Ver- ^^^ ^f^*" 
suche von Lubowski und Steinberg tun dies dar — nicht um eine 
Reaktion auf eine bestimmte Bakterienart, sondern um eine solche 
auf bestimmte Bestandteile des Bakterienprotoplasmas (Ehrlichs 
„Agglutininrezeptoren"). Die agglutinierende Wirkung wäre dem- 
nach mehr als ein klinisches Symptom aufzufassen. — Haie White 
und W. C. C. Pakes fanden Widals Reaktion bei der ma- widais 

lignen Endocarditis mitralis eines 17jährigen Mädchens. Stol- J?'®?^^*^^?®* 
, ._ « , ,. 1 . -r^ 1, /«v». 1 . -r^ \ -1 1 Endokarditis, 

kmd beschreibt ausführlich einen Fall (oojähnge Frau), den er als 

gleichzeitige Erkrankung an Influenza und Typhus — iniinenza nnd 

Pfeiffersche Bazillen im Sputum, Agglutination 1:B0 (!) — auf- Typhus. 

fassen möchte, und Ha im weist einen atypisch verlaufenden T3rphus 

bei einem 18jährigen Mädchen, dessen Bruder ebenfalls einen T3rphus, 

aber in viel leichterem Ghrade, hatte, als Mischinfektion von Typhus 

und Bacillus proteus vulgaris nach, welcher massenhaft in den Typhusbaziiius 

übelriechenden schaumigen Stühlen sich vorfand. Nach seinen per- ^^^ Bacillus 

" * proteus. 

sönlichen Eindrücken möchte CA. Ewald, verglichen mit früherer 

Zeit, für Berlin eine Zunahme atypischer Typhen feststellen und Atypische 

zwar nicht bloß fiir den Temperaturverlauf, sondern auch hinsieht- Typhen. 

lieh des ganzen klinischen Bildes. Freilich wird dabei in Betracht 

zu ziehen sein, daß die jetzige schärfere Diagnosenstellung manches 



272 Vierordt. 

noch als T3rphn8 erkennen läßt, das früher anders registriert worden 
sein mag. Von therapentischen Vorschlägen, an denen anch för 
dieses Berichtsjahr kein Mangel ist, seien erwähnt, die System a- 

Pyramidon tische antifebrile Behandlung des Typhus mit Pyramidon 
gegen Typhus. (Yalentini), das zwar keine spezifische Wirkung auf den Typhus 
entfaltet, aber fortgesetzt, Tag und Nacht (!) in 2stündlichen Zwi- 
schenräumen und in geeigneten Gaben — Erwachsene 0,3 — 0,4 g, 
Kinder 0,1 — 0,2 g) — gereicht, die Temperatur dauernd und angeb- 
lich ohne jeglichen Schaden mit Herabsetzung auch der Pulsfrequenz 
niedrig hält. Auch Byk beschreibt einen sehr günstigen Temperatur- 
verlauf. Die Resultate erscheinen überraschend im Hinblick auf die 
schlechten Erfahrungen, die man früher mit systematischer Nieder- 
haltung der Temperatur (Salizylsäure!) gemacht hat. Gegen die 

Adrenalin allerdings oft unangenehmen Darmblutungen wird neuerdings 

gegen Darm- Adrenalin (über dieses: Jahrbuch 1903, S. 26) eindringlich empfohlen. 
Früher hatte Pribram auf subkutane Gelatineinjektionen hingewie- 
sen. Das bei anderen Blutungen, selbst bei Blutern bewährte Ad- 
renalinum chloratum erprobte Graeser (Neapel) bei der schweren 
Darmblutung einer 86jährigen Frau. Vom Jezschen, leider immer 
noch teuren Typhusertrakt (vergl. Jahrbuch 1901, S. 259; 1902, 
S. 265) werden neue günstige Erfahrungen aus Italien laut (Ca- 
Yerachiedene sardi), aus Pariser Spitälern solche mit Chantemesses Serum von 
^^"T^hnf**"^- Cliaiitemesse selbst (SterbHchkeit früher 12— 19,8'/o, jetzt 6), 
und von Josias, der von 50 gespritzten Kindern nur 2 verlor. 
Gegen die in den vorausgehenden Jahrbüchern öfters besprochene 

Prophylaxe typhöse Bakteriurie hat Ernst Fuchs prophylaktisch 
w^^'rt Urotropin (2 g pro die) mit Erfolg angewandt, so daß bei 40 so 
behandelten Fällen nur der schwerste von ihnen Bakterien im Urin 
auswies, während von 53 nicht behandelten 26 Bakteriurie bekamen. 
Die Behandlung muß früh beginnen und bis in die Konvaleszenz 
hinein fortgesetzt werden. Und strenge genommen sollte der Typhus* 
prophylaktiker sich auch mit dem Fliegenfang befassen, seitdem 

Typhus and Ficker nachgewiesen hat, daß mit Typhusbazillen gefutterte Fliegen 
Fliegen. ^ ^^^^j^ gS Tage nach der Fütterung (äußerlich anhaftende, vielleicht 
auch durch den Körper hindurchgehende) Typhusbazillen zu über- 
tragen vermögen^^ R. Koch entwirft einen Feldzugsplan großen 

Bekämpfung Stils zur BekämpfungdesTyphus (vergl. Jahrbuch 1903, S. 497). 

des Typhus. Ausgehend von der Erwägung, es lasse sich in jedem Falle, ins- 
besondere bei den oft verzettelten Epidemien auf dem Lande, eine 
Kontaktwirkung nachweisen, fordert er die Aufspürung auch der 
mehr latenten Fälle, wie sie namentlich bei Kindern vorkom- 



Akute allgemeine Infektionskrankheiten und Zoonosen. 



273 



man. Die durch das Drigalski-Conradische Verfahren (Jahr- 
bnch 1903, S. 7) ermittelten Kranken wären zu isolieren und so lange 
in Beobachtung zu halten, bis wiederholte Untersuchungen keine 
Typhusbazülen mehr bei ihnen nachweisen lassen. Daneben sind 
die nötigen Desinfektionen vorzunehmen. Lediglich auf dem be- 
schriebenen Wege vorgehend, hat Koch innerhalb eines Vierteljahrs 
ein typhuBverseuchtes Dorf in der Nähe von Trier von T3rphu8 frei 
gemacht. 

Vom Flecktyphus mag berichtet sein, daß Gotschlich nach 
Beobachtungen in Alexandrien Protozoen (Apiosoma) im Blute 
fand, bimfbrmige und „zystenf5rmige" als Sporulationsform aufgefaßte 
Oebilde, femer Geißelkörper. Vielleicht sind Wanzen die Ueber- 
träger der an die Erreger des Texasfiebers erinnernden Parasiten. 

Bei dem Rückfallfieber will Karlinski durch subkutane 
Infusion von 1^/oiger sterilisierter Kochsalzlösung gute Erfolge erzielt 
haben, so daß es bei einem einmaligen Anfall blieb. 

Eine durch ihre Komplikationen bemerkenswei-te Epidemie 
von Parotitis beschreibt M. P. Joly. Es handelte sich um 
40 Fälle im 14. französischen Infanterieregiment. Verhältnismäßig 
häufig waren die Tränendrüsen und der Sehnerv (Oedem, Hyper- 
ämie) befallen. Doch bildete sich die Papillitis wieder ganz zurück. 
Kalomel schien günstig auf den Verlauf zu wirken. 

Die Influenza hat W.Ebstein unter Berücksichtigung auch 
des historischen Moments nach seinen Göttinger Erfahrungen ge- 
schildert. Er rechnet für das klinische Material 30°/o auf die 
nervöse Form, 45 auf die Brustgrippe und 25 auf die katarrhalische 
Form mit besonderer Beteiligung des Verdauungsapparates, üeber- 
gänge der einen Form in die andere kommen selbstverständlich vor. 
Die Prophylaxe fordert Desinfektion des Auswurfs, der Bettwäsche, 
Reinlichkeit bei Kranken und Pflegern, Vermeiden unnützer Besuche. 
Von Komplikationen berichtet neuerdings Lucas über Orchitis 
bei Influenza, 2 Fälle bei Kindern, der dritte bei einem alten 
Herrn. Es wurden jeweils beide Hoden befallen. Tröstlich klingt 
Mays Ansicht, daß der Pfeiffersche Bazillus sich allmählich dem 
menschlichen Körper anpasse und nicht mehr so heftig in Epidemien 
wirke. Immerhin hat er in Florenz fibrino-purulente Menin- 
gitis cerebrospinalis, verursacht durch den Pfeifferbazillus, 
neben Otitiden und Gelenkrheumatismus beobachtet. Es waren drei 
Kinder unter 1 Jahr, von welchen zwei starben. R.Mi In er, der 
auch die Franckesche Influenzaangina und -zunge (Jahrb. 1902, 
8. 154 und 267), namentlich für die chronischen Fälle, hervorhebt, 
Jahrbuch der praktifohen Medizin. 190i. 18 



Protozoen 
beim Fleck- 
typhus. 



Kochsalz- 
inftasion bei 

Febris 
recurrens. 

Parotitis. 



Influenza in 
Göttingen. 



Orchitis bei 
Influenza. 



Meningitis 

cerebrospinalis 

durch Pfeiffer- 

bazillus. 



274 



Vierordt. 



Spondylitis 

nach 
Inflnenza. 

Diplokokken 

and 

RhenmatisDins. 



Antistrepto- 
kokkensenim 
bei Gelenk- 
rheumatismus. 



Rubrbazillen. 



Blutserum- 
therapie 
der Ruhr. 



Pestfall 
in Berlin. 



beschreibt einen übrigens günstig verlaufenden Fall von Spondylitis 
nach Influenza mit Schwielenbildong, Kompressionslähmmig und 
Purpura. 

In einer kritischen Studie mißt Triboulet den Diplokokken 
des akuten Gelenkrheumatismus keine wesentliche Bedeutung 
bei, sondern betrachtet sie als eine Komplikation desselben. Die 
echten Exsudate des Eheumatismus enthalten keine Diplokokken, 
wie die experimentellen Arthropathien erweisen. Ja Philipp kommt 
auf Grund von Tierversuchen zu einem durchaus negativen Besultat: 
„Morbus sui generis mit derzeit unbekannter Aetiologie". 
Die Behandlung des Gelenkrheumatismus mit Menzer- 
schem Antistreptokokkenserum (vergL Jahrb. 1903, S. 256) 
hat Ad. Schmidt versucht — Gabe B — 20 com — ohne eine 
spezifische Reaktion der erkrankten Gelenke beobachten zu können; 
doch will er ,,gewisse Erfolge^^ namentlich bei subakuten bezw. 
subchronischen Fällen, nicht leugnen. Es sei bemerkt, daß Menzer, 
wie schon vor ihm Tavel mit seinem „polyvalenten" Antistrepto- 
kokkenserum, für sein Serum auf die Tierpassage verzichtet und far 
die Therapie menschlicher Streptokokkeninfektionen nur solche Sera 
für wirksam erklärt, welche mit frisch vom Menschen gezüchteten 
Streptokokken hergestellt sind. 

Auch bei der Aetiologie der Euhr scheint noch mancherlei 
der Lösung zu harren. Zunächst spielen noch Prioritätsstreitigkeiten 
— Chantemesse, Kruse, Shiga — auf die sich freilich das 
Jahrbuch nicht einlassen kann, eine Rolle (s. Literatur). W&hrend 
z.B. L. Rosenthal (Moskau) den Shiga-Kruseschen Bazillus an- 
erkennt, hebt Jürgens, welcher auf dem Truppenübungsplatz 
Gruppe in Westpreußen bezw. in Graudenz seine Beobachtungen 
anstellte, hervor, daß eine ätiologische Einheit der unter dem klini- 
schen Bilde der Ruhr verlaufenden Erkrankungen nicht existiere; 
in Gruppe fehlte der Krusesche Bazillus. Kruse selbst hat in 
etwa 100 Fällen die Blutserumtherapie bei der Dysenterie 
versucht und durch ein bakterizides (Meerschweinchen schützendes) 
Serum die Krankheit, wie er glaubt annehmen zu dürfen, in günstigem 
Sinne beeinflußt. 

Pest. Gerechtfertigtes Aufsehen hat der Dr. M. Sachs aus 
Agram betreffende, von Doenitz genauer beschriebene Pest fall 
in Berlin erregt. Die Ansteckung erfolgte im Institut fär In- 
fektionskrankheiten, wahrscheinlich beim Ausspritzen von Gewebs- 
safb eines Bubo auf die Agarplatte (28. Mai) und führte durch eine 
Pestpneumonie mit Sepsis zum Tode (6. Juni). Kolle glaubte eine 



Akute allgemeine Infektionskrankheiten und Zoonosen. 



275 



Angina mit dem EAchen als Eingangspforte für das Virus annehmen 
zu sollen. Ein Wärter, der mit Pariser und Bemer (Tavelschem) 
Pestserum prophylaktisch und nach Ausbruch der Krankheit geimpft 
war (in 8 Tagen 185 ccm), kam mit verhältnismäßig leichter Infektion 
durch. Der von F. Plehn auch in seiner epidemiologischen 
Bedeutung gewürdigte Fall hat gezeigt, daß die sofort und 
energisch ergriffenen Maßnahmen im allgemeinen genügten; nur 
ergab sich aus der in der Berliner medizinischen Gesellschaft ge- 
führten Diskussion (s. Literatur), daß der Transport derartiger, für 
die Allgemeinheit so gefiOirlicher Kranker noch nicht mit der 
genügenden Sicherheit und namentlich Schnelligkeit vollzogen werden 
könne. Ebenso hob Kirchner in seinen Erörterungen hervor, daß 
die für solche Fälle vorgesehene sanitätspolizeiliche Be- 
kämpfung der Pest auf die richtigen Orundlagen gestellt sei. 
Was nun die viel umstrittene Serumtherapie der Pest, bezw. die 
aktive Immunisierung gegen dieselbe anbetrifft, so billigen 
Kolle und Otto den bisher benutzten Pestsera keine Wirksamkeit 
zu; auch Haffkines Serum hat in Indien» wie es scheint, keine Er- 
folge aufzuweisen, sogar Schaden gestiftet, weil malignes Oedem in 
die Kulturen hineingeraten war. Ueber mehr als 6000 Inokula- 
tionen gegen Pest, ausgeführt im Pendschab mit durchschnittlich 
6 ccm Haffkines Serum — dabei nur ein einziger Abszeß, — be- 
richtet J. W. Miller, ohne daß über den tatsächlichen Erfolg etwas 
Bestimmteres gesagt wäre, üebrigens läßt sich mit Pestkulturen, 
welche bei höheren Temperaturen (40 — 41 • C.) gezüchtet und so 
abgeschwächt sind, nach Kolle eine befriedigende Immunisierung 
von Tieren — ob auch von Menschen, ist noch nicht entschieden — 
erzielen. Die „Einspritzung der avirulenten Pestkultur übertrifft alle 
bisher bekannten Immunisierungsmittel" . L. C a i r n s lobt Y e r s i n s 
Serum unter Anführung zweier erfolgreich behandelter schwerer Pest- 
fäUe. Einige von C. Terni herausgehobene, nach Studien über 
die Pest in Rio de Janeiro festgelegte „fundamentale klinische 
Symptome der Initiaif&lle" seien angeftihrt: a) Fieber und stechender 
Schmerz im Zusammenhang mit einer oder mehreren Lymphdrüsen- 
plejaden, wo nach 18 — 24 Stunden die Schwellung einer oder 
mehrerer Lymphdrüsen erscheint; b) Tachykardie und Zunahme des 
Pulses bis über 120, unabhängig von der Temperatur; c) der Bubo 
nicht fluktuierend, hart, beweglich unter der Haut, schmerzhaft beim 
Befühlen, vom 3.-5. Tag als höchstes Maß Größe eines Hühnereis; 
d) Symptome allgemeiner Intoxikation, welche den lokalen Läsionen 
nicht entsprechen. Akute, mit der Beulenpest zu verwechselnde 



Sanlt&ts- 
polizeiliche 
Bekftmpftiiig 

der Pest. 



Immunisierung 

gegen die 

Pest. 



Verschiedene 
Pestsera. 



Klinische 
Symptome 
der Pest. 



276 Vierordt. 

LymphdrüsenschwelluDgen gibt es nicht; die sog. Lymphangitis 
„perniciosa" ist Beulenpest oder mindestens verdächtig, pestöse 
Lymphangitis ist sehr selten, immer sekundär nach Ablauf der 
Initialperiode auftretend. 

Malaria. Von Interesse in ätiologischer Beziehung sind 8 Fälle 
Malaria von einheimischer Malaria, welche Beckzeh im Süden 
in Berlin Berlins bei einem Dienstmädchen und zwei Knaben in einem und dem- 
selben Hause beobachtete (Sommer 1901). Die Infektion war vielleicht 
auf umfangreiche Grabarbeiten zurückzufahren, welche in der Nähe 
wegen Anlegung neuer Straßen vorgenommen wurden. Auf den von 
itaUenische Celli erstatteten 5. Jahresbericht der italienischen Gesell- 
Maiariar gchaft für Malariaforschung sei ausdrücklich hingewiesen, weil 
orsc ung. ^^ ^^ gutes Bild des Standes unserer Kenntnisse der Malaria dar- 
i Mikroskopische stellt. Eine wichtige Methode für die mikroskopische Diagnose 
m Diagnose des des Wechselfiebers verdanken wir R. Boss. Es wird eine dicke 
H flebers. Schicht Blut auf dem Deckglas ausgebreitet, nach der Trocknung 
^^ mittels der Eosinlösung Romanowskys das Hämoglobin entzogen, 

^^k nach V« Stunde abgewaschen und für wenige Sekunden mit Methylen- 

^^^ blaulösung nachgefärbt und abgespült. Um die pigmentierten Plas- 

H^^ modien zu sehen, genügt die Entfernung des Hämoglobins. R. Rüge 

Sympto- empfiehlt die Methode ebenfalls. Die symptomatischen inter- 
matische inter-j^i^^i^yejjden Fieber, welche ohne genauere Untersuchung 
Fieber. Wechselfieber vortäuschen können, werden von Delille im Zu- 
sammenhang abgehandelt; es ist eine große Zahl von fieberhaften 
Affektionen mit lokalen oder allgemeinen Ursachen, wobei selbst 
ein „Wachstumsfieber" und ein „rein nervöses Fieber" nicht ver- 
gessen ist. 
Moskito nnd Gelbfieber. Die von C. Finlay entdeckte Beziehung der 

Gelbfieber. Moskitos zum Gelbfieber (vergl. Jahrb. 1902, S.272) hat neuer- 
dings W. Havelburg eingehend geschildert. Es handelt sich um 
Stegomyia fasciata Theobald, deren Beschreibung und Naturgeschichte 
genauer mitgeteilt wird. Die strenge Verfolgung des Insekts in 
seinen Brutplätzen durch W. C. Gorgas, Chef des Sanitätswesens 
in Havana (s. Lancet 1902, Sept. 6), hat überraschende Resultate 
gegenüber den Vorjahren ergeben. Es wurden 26000 Brutplätze des 
Moskitos aufgesucht, stehende Gewässer ausgetrocknet oder mit 
Petroleum übergössen. Mehr als 6 Tage können die Moskitos bei 
Wassermangel nicht leben. Tombleson, der selbst 5 Tage nach 
Moskitobiß an Gelbfieber erkrankte, findet im Blut und eiweißhaltigen 
Urin einen Bazillus, ähnlich dem Sanar ellischen und erklärt ihn 
nach Tierexperimenten für den Erreger des Gelbfiebers, das er auch 



Akute allgemeine Infektionskrankheiten und Zoonosen. 277 

durch weggeschütteten (nicht desinfizierten) Urin weiter verbreitet 
werden läßt. In einer neueren Publikation verzeichnet Gorgas von Gelbfieber in 
1890 ab bis 1901 durchschnittlich noch 466,9 Todesfelle im Jahre, H»^»»» 
1901 — 1902 noch 6, fftr 9 Monate (April— Dezember) von 1902 gar 
keinen mehr. Freilich, der eigentliche Erreger des Gelbfiebers ist 
zur Zeit noch nicht bekaxmt und es soll nicht verschwiegen werden, 
daß die Moskitotheorie von verschiedenen Aerzten (Sanarelli, 
Fernandez Ybarra) lebhaüb bekämpft wird. 

An dieser Stelle sei über die berüchtigte afrikanische Schlaf- Schlafkrank- 
krankheit berichtet, in deren Aetiologie nunmehr wichtige Auf- ^®*** 
Schlüsse gewonnen zu sein scheinen. Hatte man früher bei der 
rätselhaften Krankheit sogar an eine besondere Form der Influenza 
gedacht, die ja auch schon als „Schlafkrankheit" bezeichnet wurde 
(Elias Camerarius in Tübingen 1712), oder hatte man die freilich 
nicht bestätigte, auch bei gesunden Negern vielfach vorkommende 
Filaria perstans herangezogen, so ist jetzt durch A. Castellani 
bei 20 Fällen in Uganda in der mittels Lumbalpunktion gewonnenen 
Zerebrospinalflüssigkeit in freilich spärlichen Mengen ein 18 — 26 fi 
langes, 2 — 2,5 fi breites, zu den Flagellaten gehöriges Trypanosoma Trypanosoma. 
mit langer Geißel, diese und Kerne nach Romanowsky-Leishman 
rot sich ferbend, gefunden worden. Auch im Blute wurde es nach- 
gewiesen. Aus dem Herzbeutel und den Seitenventrikeln des Ge- 
hirns ließen sich noch weiter Streptokokken züchten', offenbar eine 
Komplikation aus späteren Krankheitsstadien. Die Krankheit, welche 
fast immer mit normalen oder subnormalen Temperaturen und starker 
Polsbeschleunigung verläuft, scheint sich immer mehr auszubreiten; 
der Tod erfolgt meist im 5. Monat, sehr selten dauert sie 10 bis 
12 Monate (Wiggins). Mit der Zerebrospinalflüssigkeit konnten 
Affen experimentell infiziert werden (Abbildungen derselben und von 
kranken Negern in British medical Journal, Nov. 21). Als Zwischen- 
trägerin der Krankheit hat man die Tsetsefliege, hauptsächlich 
GloBsina palpalis, im Verdacht , wozu die gefiirchtete Tsetsefliegen- 
seuche, Nagana genannt, verursacht durch Trypanosoma Brucei, zu 
vergleichen wäre. Die ganze Angelegenheit erschien wichtig genug, 
daß, abgesehen von der in Uganda arbeitenden englischen Kommission, 
eine besondere dreigliedrige Kommission von der Liverpooler Schule 
ftbr Tropenmedizin nach dem Kongostaate entsandt wurde (Medical 
record, Sept. 19). 

Das weite Gebiet der septischen Erkrankungen hat im 
Nothnagelschen Sammelwerk durch H. Lenhartz eine nach allen 
Sichtungen umfassende Bearbeitung erfahren. Mehr als 220 illust- 



278 



Vierordt. 



Septisohe nerende Krankengeschichten sind verarbeitet. Lenhartz warnt 
Erkrankungen. ^^^ ^^j, g^^mig einer unbedingt ungünstigen Prognose auch bei 
schweren Fällen, die zuweilen doch noch durchkommen. Hinsicht- 
lich der Serotherapie hat er noch am meisten Vertrauen zum Serum 
von Bekonvaleszenten. Nichts verspricht er sich von BacceUischen 
Sublimatinjektionen oder der Injektion von Argentum colloidale Crede, 
am meisten noch von subkutanen Kochsalzinfusionen, um Flüssigkeit 
dem Körper einzuverleiben. Dabei mag angeführt sein, daß Fanoni 
intravasknlftre auf Ghrund von Tierezperimenten für Pyämie und Sapramie intra- 
vaskuläre Medikation mit physiologischer (0,9 ^/oiger) Kochsalz- 
lösung als das beste Verfahren empfiehlt, jedenfalls erscheint sie 
besser als die sonst wohl gerühmte Formalininjektion. Als ein 
klinisch bemerkenswerter Fall (bei einem 42jährigen Müller) sei der 
von E. Schlüter angefahrt; er mußte nach dem Verlauf und ana* 
Sepsis mit tomischen Befand am wahrscheinlichsten als Sepsis mit an- 
tnberk^öse schließender Miliartuberkulose gedeutet werden. 



Koohsalz- 
infasion. 



Lungen- 
aktinomykose. 



der 
Behandlung. 



2Soono8en. S. Kashiwamura beschreibt aus dem Elranken- 
haus am Friedrichshain 4 Fälle von primärer Lungenaktino- 
mykose, die allerdings auch auf andere Organe übergegrifPen hatte, 
zweimal als eigentliche Metastase durch die Blutbahn. Die Diagnose 
konnte zumeist aus eröffiieten Abszessen gemacht, dagegen der 
Oesophagus als Eintrittspforte des Strahlenpilzes nicht nachgewiesen 
Endresultate werden. Ueber die Endresultate der (chirurgischen) Behand- 
lung der Aktinomykose berichtet Heinzelmann nach Tü- 
binger klinischem Material, daß von der Kiefer- und Halsaktinomykose 
89,7 °/o geheilt werden, 7,7 ®/o ungeheilt bleiben. Bei der abdomineUen 
Aktinomykose liegen die Verhältnisse wesentlich ungünstiger; es 
starben 68,6 ®/o und nur 27,2 wurden definitiv geheilt, und noch un- 
günstiger sind sie bei der Lungen- und Himaktinomykosis. Zu 
betonen ist, daß neben der chirurgischen Behandlung die vielfach 
empfohlene innere Medikation mit JodkaHum nicht verabsäumt wurde. 

Zwei Milzbrandfälle Eise Is sind bemerkenswert. Bei dem 
einen an der Schüttelmaschine einer Drogenfabrik beschäftigten 
Individuum war ein Inhalationsmilzbrand festzustellen, welcher durch 
die in rohe Tierhäute eingewickelt gewesene Droge vermittelt war, 
im 2. FaU waren durch die perineuralen Lymphscheiden des Olfak- 
torius die Bazillen ins Gehirn gelangt und hatten zu multiplen 
Hämorrhagien in die Gfroßhimrinde und Ganglien und zu hämorrha- 
gischer Leptomeningitis des Gehirns und Rückenmarks geführt. 

Von subkutanen und endovenösen Injektionen von 



Fälle von 
MUzbrand. 



Akute allgemeine Infektionskrankheiten und Zoonosen. 279 

SclavoBchem Milzbrandserum (vergl. Jahrb. 1902, S. 274) Sclavosches 
hat Bottignani schöne Erfolge auch bei schweren Fällen gesehen, Serum, 
die Heilung erfolgte bei seinen 5 Fällen schnell; es sollen die Bazillen 
im Schorfe bald nach der Injektion absterben, jedenfalls früher, als 
man es bei den Diphtheriebazillen nach der Heilseruminjektion be- 
obachtet. Sclavo berichtet in einer zusammenfassenden Abhand- 
lung, daß man in Italien bei 169, mit dem (leider immer noch teuren) 
Serum behandelten Fällen von Milzbrand nur 8 Todesfalle 
gehabt habe. Es sind gleich zu Anfang 40 bis 50 com zu injizieren 
unter die Bauchhaut (oder in eine Vene). 

Lyssa. Der Negrische Erreger der Tollwut — das Negris 
Protozoon soll bei der elliptischen Form bis zu 23 fi lang sein — ^"ou^^®*^ 
müßte nach S c h ü d e r kleiner sein als der gemeinhin mit 2,0 fi : 4,0 fi bestritten. 
angegebene Vibrio der Cholera; das Tollwutgifb geht nämlich durch 
ein Filter hindurch, das die Vibrionen zurückhält. Pritchard 
hebt in diagnostischer Beziehung als auszeichnend für die hysterische 
Hydrophobie gegenüber der echten hervor das Fehlen des Differentieiie 
„Irritationsstadiums" (und der Inkubation) , so daß gleich die Kon- i^i*8»08e der 
vulsionen auftreten; auch besteht eher Neigung, die umgebenden 
Personen zu beißen. Dauern die S3rmptome länger als 7 Tage, so 
sind sie unbedingt hysterisch. Beim Tetanus überwiegt der Trismus ; 
es fehlen Durstgeflühl und Speichelfluß. Die „Wasserscheu" bei 
akuter Manie verläuft ohne tonische und klonische Zuckungen, auch 
kann dem Kranken bei geschicktem Vorgehen Wasser beigebracht 
werden. 

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Akute allgemeine Infektionskrankheiten und Zoonosen. 281 

Ibid. Nr. 12. — Derselbe, Blutserumtherapie bei der Dysenterie. Ibid. 
Nr. 1 u. 3. — Rosenthal, ibid. Nr. 6. 

Pest. Gairns, The Lancet, 9. Mai. — Doenitz, Berl. klin. Wochen- 
schrift Nr. 27. In der Diskussion hierzu u. a. Eolle, ibid. S. 621—628; 
weitere Diskussion Nr. 28, S. 644, Nr. 29, S. 670. — W. E. Jennings, A 
manual of plague. London. — Kirchner, Deutsche med. Wochenschr. Nr. 26 
und 27. — Kolle und R. Otto, ibid. Nr. 28. — E. Martini, Der Pest- 
bazillus und das Pestserum. Berl. klin. Wochenschr. Nr. 28 (enthält eine 
kurze Uebersicht über den gegenwärtigen Stand des Wissens). — Miller, 
The Lancet, 12. Dez. — Plehn, ibid. Nr. 29. — C. Terni, Zeitschrift f. 
Hygiene und Infektionskrankheiten, Bd. XLIV, H. 1. 

Malaria. Delille, Gaz. des h6p. Nr. 138 u. 141. — Reckzeh, 
Deutsche med. Wochenschr. Nr. 18. — R. Ross, The Lancet, 10. Januar. 

— R. Rüge, Deutsche med. Wochenschr. Nr. 12. 

Ctolbfieber. Gorgas, The Lancet, 28. März. — Havelburg, Berl. 
klip. Wochenschr. Nr. 81 u. 32. — James B. Tombleson, The Lancet, 
29. August. 

Schlafkrankheit. Gastellani, Brit. med. Joum., 20. Juni; The 
Lancet, 20. Juni. — G. A. Wiggins, The Lancet 1902, 13. Dez. 

Septische Erkrankungen. A. Fanoni, The Post-Graduate, June. — 
Lenhartz, Die septischen Erkrankungen. Wien. — Schlüter, Münch. 
med. Wochenschr. Nr. 34. 

Aktinomykose. Heinzelmann, Beitr. z. klin. Ghir. Bd. XXXIX, 
H. 1, auch Tübinger Dissertation : Ueber Endresultate bei der Behandlung 
der Aktinomykose. — S. Eashiwamura, Yirch. Arch. Bd. GLXXI, S. 171. 

Milzbrand. Bottignani, Gazz. degli ospedali e delle cliniche Nr. 26. 

— W. Risel, Zeitschr. f. Hygiene und Infektionskrankh. Bd. XLII, S. 881. 

— A. Sclavo, Atti della R. accad. dei fisiocritici in Siena Nr. 1 u. 2. 

Lyssa. Pritchard, New York med. news, 15. Aug. — Schüder, 
Deutsche med. Wochenschr. Nr. 89. 



h) StoflWechselkraiiklieiteii. 

Von Prof. Dr. Wilhelm His, Direktor der medizinischen Klinik in Basel, 
und Dr. Falta, Assistenten der Klinik. 

Fettsucht. Durch firühere Untersuchungen (Dapper, v. Noorden 

und Dapper, Jakobi, Pfeiffer, Magnus-Levy) ist festgestellt 

Abmagemngs- worden, daß bei erwachsenen Fettleibigen Abmagerungskaren 

kuren. möglich sind, ohne daß dadurch der Eiweißbestand des Organismas 

angegriffen zu werden braucht. 

Hellesen hat diese Frage bei einem an Adipositas nimia 
leidenden Mädchen von 12^1 Jahren studiert. Ans diesen Unter- 
suchungen ergab sich, wie zu erwarten war, daß der im Wachsen 
begriffene Organismus bei Unterernährung schwerer gegen N-Verlost 
zu schützen ist, als der erwachsene. Schon bei einer Kost, deren 
Kalorienwert um '/s niedriger lag als der der Balancekosti erfolgte 
ein beträchtlicher Eiweißverlust, der allerdings bei starkem Vor- 
herrschen des Eiweißes in der Kost wesentlich niedriger ausfiel. 
Dagegen konnte durch eine Kost, deren Kalorienwert ^/s der Balance- 
kost betrug, N- Ansatz bei nicht unwesentlicher Abnahme des Körper- 
gewichts erzielt werden, wenn in derselben die Kohlehydrate gegen- 
über dem Fett überwogen. Im umgekehrten Falle trat N-Verlust 
ein. Dieses Besultat steht mit den früheren von v. Noorden, 
Kays er und Zuntz (vergl. das Referat vom Jahre 1902), wonach 
Kohlehydrat das Eiweiß besser zu schützen vermag als Fett, in 
Uebereinstimmung. 

Zaokerproben. Diabetes. Dauerhefen sind nach Münz er bei der Vergärung 
diabetischer Harne nicht zu verwenden. Die Furunkuline sind nicht 
genügend wirksam, das Zymin gibt durch Selbstgärung zu hohe 
Werte. Neue Angaben über Methoden des Zuckemachweises im 
Harn kommen von S. A. Vasey, Biegler, Bohrend, Citren. 

Karzinom und An der Hand eines größeren Materials bespricht Boas dieBe- 
DiabeteB. Ziehungen zwischen Karzinom und Diabetes. Der Ver- 
lauf des Karzinoms wird vom Diabetes in sehr verschiedener Weise 
beeinflußt, je nachdem das Karzinom auf einen floriden oder auf 



Stoffwechselkrankheiten. 283 

einen bereits erloschenen oder im Erlöschen begriffenen Diabetes 
stößt. Im ersteren Fall erfolgt meist rapide Entwicklung des Kar- 
zinoms, im letzteren Fall ein langsamer Verlauf. Andererseits wird 
aber der Diabetes durch ein hinzutretendes Karzinom fast durch- 
weg in günstiger Weise beeinflußt. Oft steigt die Toleranz für 
Kohlehydrate in überraschender Weise. Die Indikationsstellung für 
die Operation wird nach Boas durch gleichzeitigen Diabetes Operationen 
wesentlich kompliziert. Doch sind die Gefahren der Operation nicht ^^^ Diabetes, 
so groß, als man bisher anzunehmen geneigt war. Absolut ungünstig 
ist die Prognose nur bei vorhandener Azetonurie. In ähnlicher 
Weise äußert sich Füth über gynäkologische Operationen bei Dia« 
betes mellitus. Das drohende Koma erheischt besondere Vorsichts- 
maßregeln, von denen hier nur hervorgehoben seien: Entzuckerung 
des Harns, wenn die Operation nicht zu dringlich ist, vorsichtige 
Vorbereitung, um die psychische Erregung möglichst zu umgehen, 
Vermeidung von Abfahrmitteln vor der Operation, um einer Unter- 
emähnmg des Patienten vorzubeugen, wenn irgendwie möglich, 
Vermeidung einer allgemeinen Narkose und endlich in der Nach- 
behandlung neben zweckmäßiger Diät Massage, um die fiir den 
Diabetiker wichtige Muskelbewegung zu ersetzen. Das häufige Zu- 
sammentreffen von Tuberkulose mit Diabetes erklärt W. Croner Taberkaiose 
aus der Disposition, die für beide Erkrankungen häuflg gemeinsam ^* l>i*beteg. 
sei. Dafür spreche das häufige Vorkommen von Diabetes und 
Tuberkulose in der gleichen Familie. Croner bestreitet, daß der 
Diabetes den Boden für die Phthise vorbereite und daß die Olykosurie 
auf den Verlauf der Tuberkulose einen ungünstigen Einfluß ausübe. 
Q^gen diese Auffassung Croners spricht wohl schon die Erfahrung, 
daß in Fällen, wo frühzeitig ein antidiabetisches Regime eingeleitet 
und durchgefilhrt werden kann, das Hinzutreten einer Phthise weniger 
zu befürchten ist und daß überhaupt seit Einführung der diätetischen 
Behandlung die Kombination von Diabetes und Tuberkulose weniger 
häufig geworden ist. Croner tritt fiir die Anschauung ein, daß Arteriosklerose 
die Arteriosklerose für das Entstehen gewisser Formen des Diabetes ^"^^ Diabetes, 
eine wichtige Bolle spiele. 

Zu den wenigen bisher beobachteten Fällen von isolierter isolierte 
Lävulosurie (Külz-Seegen, Rosin und Laband) sind *^^*"^® 
zwei neue Fälle, einer von Schwarz und einer von Schlesinger, 
hinzugekommen. In beiden Fällen war eine deztrose-diabetische 
Disposition nicht vorhanden. In dem Falle von Schlesinger war 
das Vermögen, Lävulose zu verbrennen, hochgradig herabgesetzt, 
da nach Einfuhr von 90 g Lävulose 12,5°/o, nach Einfuhr von 100 g 



284 His und Falta. 

aieiohzeitiges Saccharose 22®/o der theoretisch mögUchen Lävulosemenge wieder 

Vorkommen ai^ggeschieden wtirde. Das Vorkommen vod Lävnlose im Harn 

von ® 

LftvnioBnrie Diabetischer ist nach den neueren Angaben nicht als Seltenheit zu 

^d betrachten. Die Untersuchungen von Bosin und Laband sind im 
osnne. yQjjj^jy,^ besprochen worden. In 19 Fällen von Diabetes fand 
Schwarz 6mal Lävulose im Harn. Lion berichtet von einem 
Falle, bei dem sich die Mengen von Dextrose und Lävulose so ver- 
hielten, daß der Harn optisch inaktiv blieb. Interessant ist der 
Umstand, daß Schlesinger in 15 Fällen von schwerem Diabetes 
mit strenger Diät jedesmal Lävulose vermißte, während bei zwei 
weiteren Fällen, die reichlich Kohlehydrate erhielten, der Nachweis 
glückte. Schwarz berichtet von 2 Fällen, wo regelmäßig nach 
Genuß von Kohlehydraten Lävulosurie auftrat. Es kann also ein 
Zusammenhang zwischen Lävulosurie und Kohlehydratgenuß be- 
stehen, doch kann auch nach Schwarz Lävulosurie bei einer Eiweiß- 
fettdiät vorkommen. Dies spricht für die Annahme Schlesingers, 
daß bei der Lävulosurie die Lävulose wenigstens zum Teil im Or- 
ganismus gebildet werden könne. In seinem Falle von reiner Lävu- 
losurie war nämlich der Lävulosegehalt der Nahrung zur Erklärung 
der im Harn ausgeschiedenen Lävulosemenge nicht hinreichend. 
Durch die Untersuchungen von Lobry de Bruyn, wonach Dex- 
trose bei schwach alkalischer Reaktion leicht in Lävulose übergeführt 
werden kann, ist die theoretische Möglichkeit iur eine derartige 
Annahme wohl vorhanden. Diese Bildung von Lävulose im Organis- 
mus dürfte nach Schlesinger wahrscheinlich jenseits der Leber 
vor sich gehen, da die Leber die Fähigkeit besitzt, Lävulose in 
Glykogen umzusetzen, während den Muskeln diese Fähigkeit abgeht. 
Es können natürlich auch alimentäre Einflüsse direkt eine BoUe 
spielen, insofern als eine Insuffizienz der Leber bezüglich der Ueber- 
fuhrung von Lävulose in Glykogen eintreten kann. Wie weit aber 
der von H. Strauß postulierte Zusammenhang zwischen dieser 
Herabsetzung der Assimilationsgrenze für Lävulose und Erkrankungen 
der Leber zu Recht besteht, muß man nach den neueren Unter- 
suchungen von Landsberg, der sie bei einem gleichen Prozent- 
satz gesunder und leberkranker Individuen beobachtete, dahingestellt 
sein lassen. Andererseits ist die früher allgemein geltende An- 
schauung von einer besseren Ausnutzung der Lävulose gegenüber 
der Dextrose bei Diabetes meUitus durch die gegenteiligen Befunde 
von Schwarz und Lion erschüttert worden. Wir bedürfen jeden- 
falls noch neuer Tatsachen, um uns eine nur einigermaßen klare 
Vorstellung von dieser interessanten StoffwechselanomaUe bilden zu 



Stoffwechselkrankheiten. 285 

können. E. Bendix und Brat berichten über je einen neuen Fall 
von Pentosurie. In beiden Fällen handelt es sich um chronische, Pentosune. 
von der Ernährung vollständig unabhängige Ausscheidung von optisch 
maktiver Pentose. Nach Brat liegt das Optimum für die Orzin- 
salzsäurereaktion zwischen 90 und 95^ C, die Färbung des Amyl- 
alkoholauszuges ist so am lebhaftesten. Glykuronsäure gibt sie erst 
bei über 100° C. 

Ueber den Zusammenhang zwischen der Ausscheidung von 
Azetonkörpern (/7-Oxybuttersäure , Azetessigsäure und Azeton) Azetonkörper. 
und Kohlehydratzufuhr liegen Untersuchungen vor von Schwarz 
und von Mohr. Die früher von Hirsch feld postulierte Annahme, 
daß eine Vermehrung der Azetonkörperausscheidung unter allen 
Umständen durch einen Mangel an Kohlehydraten bedingt ist, wird 
bestätigt. Denn beim gesunden Menschen läßt sich eine Vermehrung 
der Azetonkörperausscheidung durch Fettzufuhr nur bei Kohlehydrat- 
karenz erzielen. Es scheint sich hierbei um einen pathologischen 
Abbau des Fettes (Nahrungsfett oder einschmelzendes Körperfett) 
zu handeln, nicht bloß um unvollständige Oxydation physiologischer- 
weise entstehender intermediärer Stoffwechselprodukte. Wenigstens 
für das Azeton scheint diese Annahme nach Schwarz wohl be- 
gründet, da dargereichtes Azeton vom normalen Organismus nur 
äußerst schwer angegriffen wird, ebenso schwer wie vom Diabetiker. 
Daß beim schweren Diabetes viel höhere Grade von Azidosis ent- 
stehen können als bei einfacher Kohlehydratkarenz, ist begreiflich. Es 
liegt dies in einer hochgradigen Entwertung des Brennmaterials beim 
Diabetes, da hier event. auch der aus dem Eiweiß entstehende 
Zucker ausfallen kann. Die verschiedenen Fette sind in ihrem Ein- 
fluß auf die Azetonkörperausscheidung nicht gleichwertig. Nach 
Schwarz wirken in erster Linie Butter-, Valerian- und Kapron- 
säure vermehrend; viel geringer ist der Einfluß der höheren Glieder 
der Fettsäurereihe — der Palmitin- und Stearinsäure — , während 
die ungesättigten Fettsäuren — die Oel- und Erukasäure — fast 
wirkungslos sind. Das Verhalten der letzteren wird durch ihre 
leichtere Oxydierbarkeit erklärt. Dementsprechend wirkt die Butter 
stärker azetonvermehrend als das hauptsächlich höhere Fettsäuren 
enthaltende Schweine- und Rinderfett. Die Alteration des Fettstoff- 
wechsels beim Diabetes äußert sich nach Schwarz auch in der 
Beschaffenheit des Blutes. (Ueber die Methode der Fettbestimmung 
vergL das Original.) Nach diesen Untersuchungen muß die Lipämie Lip&mie. 
durchaus nicht auf einer Vermehrung der ätherlösUchen Substanzen 
im Blute beruhen (letzteres scheint nur bei schweren Fällen von 



286 



Eis und Falta. 



Lipämie. Diabetes vorzukommen, wo allerdings dann sehr hohe Werte beob- 
achtet werden), sondern vielmehr in einer Herabsetzung der fett- 
lösenden Eigenschaft des Blutes. Die dadurch bedingte Lipämie 
kann entweder nur eine alimentäre sein, oder sie ist eine dauernde 
und kann dann auch bei fettfreier Kost und außerhalb des Komas 
vorkommen. Eine bestehende Lipämie kann event. ophthalmoskopisch 
erkannt werden. Ueber solche Fälle von „intraokularer Lipämie" 
berichten neuerdings W. Haie White, Fräser und Beis. In 
dem Falle von White verschwand sie mit der Besserung des Dia- 
betes. Ln Falle von Beis fand B. Fischer im Leichenblute den 
höchsten bisher beobachteten Wert von 18®/o Aetherextrakt. Der 
Gehalt des Blutes an Cholesterin war bedeutend vermehrt (mindestens 
0,478'^/o). Die lipolytische Fähigkeit des Blutes soll vollkommen 
gefehlt haben; doch ist die hier angewandte Methode der Fett- 
bestimmung (bloße Ausschüttelung mit Aether) für einen solchen 
Schluß unzulänglich. Ueber einen ähnlichen Fall mit 15°/o Aether- 
extrakt wurde von Stadelmann berichtet. 

Seegen zeigt, daß bei Kohlenoxydvergiftung imd Asphyxie der 
Zuckergehalt der Leber sich sehr verringert, das Glykogen aber bis 
auf Spuren schwindet, und widerlegt damit die auf einer ganz un- 
zulänglichen Methode aufgebaute Lehre von der Docimasie hepa- 
tique vonLacassagne und Martin, wonach reichlicher Gehalt an 
Zucker und Glykogen in der Leber für plötzlichen Todesfall, Mangel 
an Zucker für lange Agonie, Mangel an Zucker und Glykogen för 
Tod nach Zehrkrankheit sprechen sollte. S ee gen s Befund hat hohe 
forensische Bedeutung. Die von Bial angegebene Verschärfung der 
^^sfturen'^'^ Orzinsalzsäurereaktion durch Eisenchlorid beruht nach P. Mayer 
nicht auf einer katalytischen Wirkung des Eisenchlorids, sondern 
auf seiner oxydierenden Eigenschaft. Es wird dadurch das bei der 
Spaltung der Glykuronsäuren aus ihnen freiwerdende Furfiirol rascher 
zu dem mit Orzin reagierenden Substanzen oxydiert. Die Spaltung 
der gepaarten Glykuronsäuren wird nach F. Mayer durch Eisen- 
chlorid nicht erleichtert. 



Docimasie 
hepatique. 



Nachweis 



h3^ertherinie. 



Adrenalin- Im Gegensatz zur Fieberhyperthermie nach Injektion von Bakterien ge- 

glykosnrie und Ungt die Erzeugung von Wärmehyperthermie nach den Untersuchungen von 
Wftrmesticii- ^Q^y nicht mehr, wenn die Tiere vorher glykogenfrei gemacht worden 
sind. Dabei bleibt auch die Vermehrung der N-Ausscheidung aus. Diese 
ist demnach nur als eine sekundäre, durch die Erhöhung der Temperatur 
bedingte Erscheinung aufzufassen. Interessant ist der Befund von Aren- 
son, daß die Adrenalinglykosurie nach vorausgehendem Wärmestich aus- 
bleibt. Die Adrenalinglykosurie dürfte daher auf einer plötzlichen Aus- 



Stoflfwecbselkrankheiten. 



287 



schüttung der Glykogendepots beruhen — daher auch die Hyperglykämie — 
und das Ausbleiben der Glykosurie nach Wärmestich seinen Grund haben 
in dem vermehrten Zuckerverbrauch, der mit einer vermehrten Wärme- 
bildung einhergeht. Es weist dies auf eine Beteiligung der Leber oder des 
Pankreas hin. Speziell die Beteiligung des Pankreas scheint nach den 
Untersuchungen von Herter und Wakemann an Wahrscheinlichkeit zu 
gewinnen, da bei lokaler Applikation von Adrenalin auf das Pankreas 
schon kleine Mengen Glykosurie zu erzeugen im stände sind, Mengen, die, 
mit anderen Organen in Berührung gebracht, keine Zuckerausscheidung 
verursachen. Zu anderen Resultaten bezüglich der Kombination von Ad- 
renalin mit Wärmestich oder Bakterieninfektion kommt allerdings Richter. 
Die Untersuchungen von Rose haben gezeigt, daß jeder operative Eingriff Hyperglykämie 
zu einer allerdings meist nur geringen Hyperglykämie führt. Nach gewissen 
Operationen aber, z. B. nach Aderlaß, femer besonders nach ErOffiiung der 
Bauchhöhle, nach Nierenabsperrung oder endlich nach Exstirpation der 
Nieren, ist die folgende Hyperglykämie eine viel höhere. Der Diuretin- 
diabetes ist nach demselben Autor kein Nierendiabetes, da er durch eine 
der Zuckerausscheidung vorhergehende Hyperglykämie bedingt ist. Die 
vermehrte Sekretion ist dabei nur ein verstärkendes Moment. Die Bedin- 
gungen zur Erzeugung einer maximalen Glykosurie durch Phloridzin sind 
neuerdings von Knopf studiert worden. 



durch 
operative 
Eingriffe. 

Dinretin- 
diabetes. 



Phloridzin- 
diabetes. 



Seit den bahnbrechenden Untersuchungen von v. Mering und 
Minkowski sind unsere Anschauungen über das Wesen der diabeti- 
schen Stoffwechselstörung durch die Vorstellung beherrscht, daß den 
vom Pankreas sezemierten Stoffen eine wesentliche Beeinflussung des 
Zuckerverbrauchs im Organismus zukommt. Wohl hat diese An- 
nahme durch die Untersuchungen von Lüthje neuerdings in ge- 
ringem Maße eine Einschränkung erfahren, da auch nach vollständiger 
Exstirpation des Pankreas die Fähigkeit, Zucker zu zerstören, nicht 
ganz erloschen ist. Dies deutet darauf hin, daß auch ohne Mit- 
wirkung des Pankreas den Geweben eine geringe glykolytische 
Ea*aft zukommt. Doch ist eine definitive Beantwortung dieser Frage 
bei den widersprechenden Angaben der einzelnen Autoren heute 
noch unmöglich. Das Studium der glykolytischen Fähigkeit der 
durch hohen Druck aus verschiedenen Organen gewonnenen Preß- 
säfbe ist deshalb sehr schwierig, weil sich dabei Bakterienwirkung 
kaum ausschließen läßt. Den früheren Angaben von Blumenthal 
über das Vorkommen eines glykolytischen Fermentes im Pankreas-, 
Leber- und Milzpreßsaft ist Umber mit Hinweis auf die eben 
erwähnte Bakterienwirkung entgegengetreten . Stoklasa und S i m ä- 
cek wollen aus Preßsäften verschiedener Organe durch Alkohol- 
ätherfllllung ein der Zymase analoges Ferment gewonnen haben, 



Olykolyse. 



288 Hi8 und Falta. 

Giykolyse. welches im stände ist, Zuckerlösong unter Bildung von CO^ und 
Alkohol zum Teil auch unter Bildung von Buttersäure und Milch- 
säure zu vergären. Speziell bei den Untersuchungen mit Pankreas- 
preßsaft soll die Tätigkeit der Bakterien durch Anwendung hoch 
konzentrierter Zuckerlösungen eingeschränkt worden sein. Sie stützen 
sich bei der Begründung ihrer Anschauung, daß die beobachtete 
Gärung wirklich zum größten Teil auf der dem Organpulver inne- 
wohnenden glykolytischen Kraft beruhe, hauptsächlich darauf, daß 
bei Anwendung von Organpulver, welches durch längere Aufbewahrung 
seine glykolytische Wirksamkeit eingebüßt hat, in Zuckerlösungen 
gleicher Konzentration nur eine minimale COj-Bildung beobachtet 
werden konnte. Aber selbst für die unter antiseptischen Kautelen 
angestellten Versuche fehlt bisher üebereinstimmung. Rahel Hirsch 
weist für die Leber bei der antiseptischen Autolyse eine deutliche 
Giykolyse nach, welche aber nach Cohnheims und ihren Unter- 
suchungen bei der Autolyse des Pankreas vermißt wird. Fein- 
schmied, Arnheim und Rosenbaum nehmen dagegen nach 
ihren Erfahrungen für jedes Gewebe des tierischen Organismus — 
auch für das Pankreas — eine geringe glykolytische Fähigkeit an, 
sprechen sich aber entschieden dagegen aus, daß es sich dabei um 
eine einfache alkoholische Gärung handle. Die Schwierigkeit liegt 
darin, daß durch hohe Konzentration der Antiseptika möglicherweise 
sehr empfindliche Fermente wirkungslos werden können, bei nur 
geringer Konzentration aber selbst unter der Toluolschichte Bakterien- 
entwicklung stattfinden kann. Endlich ist auch der Nachweis wirk- 
licher erzielter Sterilität vom bakteriologischen Standpunkt aus meist 
nicht ganz einwandsfrei. Diese Einwände bestehen nicht f&r die 
von N. Sieb er aus dem Blutplasmafibrin dargestellten, oxydierenden 
Fermente, welche sowohl bei aseptischen wie antiseptischen Kautelen 
Traubenzuckerlösung in intensiver Weise imter COj-Entwicklung zu 
oxydieren im stände sind, da der Prozeß der Oxydation sich bis auf 
einen sehr widerstands&higen Best (imgefähr ein Viertel der zu- 
gesetzten Zuckermenge) innerhalb weniger Stunden abspielt, ist 
Bakterienwirkung natürlich ausgeschlossen. Die Wirkung dieser 
Oxydationsenzyme ist eine elektive, da andere leicht oxydable Sub- 
stanzen, z. B. Salizyl-, Benz- und Formaldehyd, durch dieselben nicht 
zu den entsprechenden Säuren oxydiert, sondern in viel eingreifen- 
derer Weise unter Farbstoffbildung zersetzt werden. Wenn wir 
nun auch bei der Verworrenheit der verschiedenen Angaben von 
einem abschließenden Urteil über das Wesen des glykolytischen 
Prozesses weit entfernt sind, so hat doch das letzte Jahr eine An- 



Stoffwechselkrankheiten. 289 

zahl von Angaben gebracht, die übereinstimmend auf eine wesent- 
liche Beeinflussung des Zuckerverbrauches durch das Pankreas hin- 
weisen. Cohnheim hat aus einem Gemenge von Muskel und 
Pankreas einen zellfreien Saft gewonnen, der in hohem Grade im 
stände ist, Traubenzucker so zu verändern, daß er chemisch nicht 
mehr nachweisbar ist. Rahel Hirsch konnte zeigen, daß die dem 
Lebergewebe an und für sich innewohnende glykolytische Kraft 
durch Zugabe von Pankreasgewebe hochgradig gesteigert wird. End- 
lich haben diesArnheim und Bosenbaum sowohl für die Kom- 
bination von Leber und Pankreas als auch von Muskel und Pankreas 
bestätigt. Allen Untersuchem ist der Nachweis von Alkohol dabei 
nicht konstant, und wenn ja, nur in so geringen Mengen geglückt, 
daß daraus die Menge des verschwundenen Zuckers nicht erklärt 
werden kann. Die unter antiseptischen Kautelen verlaufende Glyko- 
lyse ist also sicher nicht eine einfache alkoholische Gärung. Auf 
welchem Wege der Einfluß des Pankreas erfolgt, ist noch unklar. 
Eine bloße aufschließende Wirkung des Pankreassafbes auf die Zellen 
der anderen Organe ist schon deshalb auszuschließen, weil A ru- 
he im und Bosenbaum mit isoliert gewonnenen Preßsäfben ge- 
arbeitet haben. Dagegen spricht viel fiir die von Hofmeister 
(siehe auch Cohnheim) ausgesprochene Ansicht, daß „das vom 
Pankreas zur Pfortader strömende Blut ein Agens, ein Proferment 
oder eine Kinase der Leber zuführe, durch welche das Lebergewebe 
erst zum Zuckerverbrauch befähigt würde". Diese Erklärung Heße 
sich auch für die anderen Gewebe heranziehen. Es wäre so eine 
geringe glykolytische Kraft aller Gewebe wohl möglich, insofern 
als sie noch vom Pankreas aktiviertes Ferment besitzen. Nach Aus* 
Schaltung des immer wieder von neuem aktivierenden Pankreas- 
profermentes würde aber ihre glykolytische Kraft bald erlöschen. 
Diese Vorstellung wird durch die Befunde von Jakoby, Blumen- 
thal und Feinschmied, nach denen die diabetische Leber keine 
glykolytische Kraft besitzt, in hohem Grade gestützt. Ob das Pankreas 
auch in Beziehung steht zu den von N. Sieb er beschriebenen Ozy- 
dationsfermenten des Blutplasmafibrins, deren Träger nach Blumen- 
tbals Ansicht die weißen Blutkörperchen sind, und wie sich diese 
Fermente beim Diabetes verhalten, darüber fehlt bisher jede An- 
gabe. 

Für die eben besprochene Beziehung zwischen Pankreas und inseltheorie. 
Diabetes hat man bekanntlich das pathologisch-anatomische Korrelat 
in einer krankhaften Veränderung der L an gerh aussehen Zell- 
haufen gesucht (vergl. das Referat vom Jahre 1903). Neuere Unter- 
Jahrbnoh der praktischen Medizin. 1904. 19 



290 



His und Falta. 



Disbetes. 



Biweifistoff- 
weohsel. 



sachongen über diesen Gegenstand liegen vor von B. Fischer, Gut- 
mann und Herxheimer. Diese Mitteilungen decken sich bezüg- 
lich des pathologisch-anatomischen Befundes im allgemeinen mit den 
früheren von Hansemann; sie sprechen nicht unbedingt fär die 
Inseltheorie. Herxheimer rechnet mit der Möglichkeit funktioneller 
Störungen und wünscht eine weitere Prüfung der Theorie auf 
experimentellem Wege. Es soll untersucht werden, ob bei Unter- 
bindung des Ductus pancreaticus die Inseln sich wirklich absolut 
refraktär verhalten, wie Schulze und Ssobolew behaupten. 

Pflüger tritt in seiner Arbeit «Ueber das Glykogen' der gegenwärtig 
herrschenden Anschauung einer in größerem Umfang aus Eiweiß erfol- 
genden Zackerbildung entgegen. Die Glykogendepots im Körper 
seien viel größer als man bisher angenommen habe; yielleicht kommen 
auch die Glykoside als Quelle des Hamzuckers in höherem Grade in Be- 
tracht. Eine Zackerbildung aus Eiweiß soll höchstens nach Maßgabe der 
im Eiweißmolekül Torgebildeten Kohlehydratkomplexe möglich sein. Speziell 
der letzteren Annahme widersprechen die Angaben der meisten Autoren 
über die Beeinflussung der diabetischen Glykosurie durch verschiedene 
Eiweißkörper. Namenüich das an vorgebildeten Kohlehydratkomplexen sehr 
reiche Ovalbumin erweist sich auf die Zuckerausscheidung fast wirkungs- 
los, während dies durch das Kasein, aus dem die Abspaltung einer 
Kohlehydratgruppe bisher überhaupt nicht gelang, in exquisiter Weise 
gesteigert wird. Dies ist in jüngster Zeit durch Falta bestätigt worden; 
das Blutglobulin verhält sich nach ihm ähnlich wie das Ovalbumin. Der 
Grund hierfür liegt vielleicht in der schwereren Zersetzlichkeit dieser beiden 
Eiweißkörper, die speziell beim Ovalbumin in einem viel flacheren Ablauf 
der N-Aussoheidungskurve zum Ausdruck kommt, und in einer damit ver- 
bundenen, langsameren Zuckerbildung; je rascher der Zucker gebildet wird, 
desto leichter kommt es zur Hyperglykämie und Glykosurie; der langsam 
entstehende Zucker kann noch assimiliert werden. Den früheren von 
Lüthje und Rumpf mitgeteilten Fällen von hochgradiger N-Retention 
bei Diabetes ist von Falta ein neuer Fall hinzugesellt worden. Im Ver- 
laufe von 6 Wochen wurden bei Konstanz des Körpergewichtes 228 g N 
zurückbehalten. Interessant war der Umstand, daß mit einer vermehrten 
Znckeraussoheidung immer eine vermehrte N-Retention einherging, und 
daß N-Gleichgewicht eintrat, als der Patient zuckerfrei wurde. Diese hoch- 
gradigen N-Retentionen beim Diabetes haben bekanntlich Ko lisch und 
Umher auf die Vermutung hingeleitet, es möchte der Diabetiker aus dem 
zugeführten Eiweiß vorwiegend die N-reichen Komplexe zum Eiweißaufbau 
verwenden, während er an G-reichen durch das gesteigerte Bedürfnis nach 
Brennmaterial verarmt. Diese Theorie vom partiellen Eiweißabbau hat 
neuerdings durch die Untersuchungen von Fr. Kraus, von Umber selbst 
und von Blumenthal an Interesse gewonnen. Fr. Kraus weist nach, daß 
bei phloridzinvergifteten Mäusen der Eiweißbestand an Leuzin verarmt; 



Stoffwechselkrankheiten« 



291 



er bezeichnet dies als partielle Abartung des chemischen Typus. Nach 
Blumenthal soll bei Karenz- und Phloridzintieren der Kohlehydratgehalt 
des Bluteiweißes sich verringern. Eine weitere Form des kOnstlichen, par- 
tiellen Eiweißabbaus gelang Umber durch andauernde Glykokollentziehung 
(durch Einfuhr von benzoesaurem Natrium). Der G-6ehalt des Eiweiß- 
bestandes solcher Tiere war im Verhältnis zum N-Gehalt nur um ein weniges 
vermindert. G/N = 8,25 statt 8,36. Diese untere Grenze wird auch in 
Zeiten schwerster Not mit großer Zähigkeit festgehalten; dagegen war das 
Verhältnis der Aminosäuren untereinander bedeutend verschieden. Dies 
soll eine Abartung der inneren Struktur der Eiweißkörper beweisen. Es 
besteht aber, wie wir glauben, noch der Einwand, daß die Versuchstiere 
nur an gewissen Eiweißkörpem, in diesem Falle z. B. an glykokoUreichen 
Eiweißkörpem stärker verarmten, während der Bestand an den übrigen 
Eiweißkörpem , weniger gelitten hatte, v. Jaksch hat die N- Verteilung Yermehrang 
im Harn bei verschiedenen Krankheiten studiert. Die Ausscheidung des axnino- 
des aminosaurenN kann bei Diabetes eine Vermehrung erfahren, die **Hm bei"* 
bis 0,64 g N in der Tagesmenge betragen kann. Diabetes. 

In Ergänzung der vorjährigen Mitteilung gibt v. Noorden 
neue Berichte über die Haferdiät, warnt aber ausdrücklich vor Diät, 
der VeraUgemeinerung dieser Kur. Interessant ist die Angabe von 
V. Noorden, daß die einzelnen Mehlsorten nicht von gleichem Ein- 
fluß auf die Glykosurie sind. Die bisher übliche Einschätzung der 
einzelnen Mehlspeisen nach ihrem Gehalt an Kohlehydraten ist daher 
unrichtig. Hafermehl soll z. B. meist besser vertragen werden als 
Weizenmehl. Die Untersuchungen von Kolisch und Schuman- 
Leclercq stützen die früher von Kolisch u. a. erhobene For- 
derung nach möglichster Einschränkung der Eiweißzufuhr beim 
Diabetes. Je geringer die Eiweißzufuhr, desto höher die Toleranz 
gegen Kohlehydrat. Nach Schuman-Leclercq soll vegetabilisches 
Eiweiß die diabetische Qlykosurie in glücklicher Weise beeinflussen. 
Vor einer unbeschränkten Fettzufdhr bei reichlicher Ausscheidung 
von Azetonkörpem wird von Schwarz gewarnt. Nach Falta stei- 
gert reichlicher Oenuß von Eidottern, wahrscheinlich durch den hohen 
Lezithingehalt, die Zuckerausscheidung und setzt die Toleranz gegen 
Kohlehydrate herab. Speziell um die letzten Spuren von Zucker 
zum Verschwinden zu bringen, empfiehlt es sich, die Eidotter durch 
eine ihrem N-Qehalt entsprechende Menge von Eierklar zu ersetzen. 
Kau f m a n n hat inv. Noordens Abteilung den Einfluß einer großen Medikunentose 
Anzahl von Medikamenten beim Diabetes einer eingehenden Prüfung "^^J^^f *®" 
unterzogen. Nach seinen Erfahrungen kann er nur das Opium, die 
Salizylpräparate und das Jambulextrakt empfehlen. Auf die spezieUe 
Indikationsstellung kann hier nicht näher eingegangen werden. 



Diabetes. 



292 His und Falta. 

Diabetes Tallquist hat bei einem Falle von Diabetes insipidas den 

mBipiduB. Eiufl^ verschiedener Kostformen studiert. Er kommt zu dem 
bemerkenswerten Besultat, daß dabei die prozentuale Zusammen- 
setzung des Harnes sich nicht änderte. Sowohl bei N- und salz- 
reicher, wie bei N- und salzarmer Kost blieb das spezifische Ge- 
wicht dauernd sehr niedrig, es änderte sich nur die Hammenge, 
die direkt proportioniert war der Menge der festen Bestandteile. 
Die Ausscheidung derselben erfolgte also immer in einer Lösung 
von gleicher Konzentration, die über eine sehr niedrige Grenze nicht 
emporsteigen kann. Vielleicht fehlt beim Diabetes insipidus die 
Besorption von Wasser in den Nierenkanälchen , wodurch unter 
normalen Verhältnissen eine Eindickung des von den Glomerulis 
sezemierten Flüssigkeitsstromes bedingt wird. Tallquist proponiert 
daher eine möglichst N- und salzarme Kost, durch welche in seinem 
Falle eine wesentliche Besserung erzielt wurde. Auch bei den von 
Fr ihr am beobachteten Fällen von Diabetes insipidus ist das spezi- 
fische Gewicht des Harns dauernd niedrig. Die Folymorphie der 
Symptome darf nicht wundem, da ja verschiedene Krankheitsbilder 
vorliegen, die nach ihrem gemeinsamen Symptom, der Polyurie, 
unter einem Namen zusammengefaßt werden. Doch existieren viele 
gemeinsame Berührungspunkte: fast bei allen seinen Fällen Störungen 
der Geschlechtsfunktion (Impotenz resp. Zessieren der Menses), Ent- 
wicklungshemmung bei jugendlichen Individuen, Erkrankungen des 
Nervensystems (Neuritiden, Steigerung der Patellarreflexe , in zwei 
Fällen genuine Optikusatrophie). Eines der hervorragendsten Mo- 
mente ist die Bradyurie (im Gegensatz zum Diabetes mellitus, die 
Verlangsamung der Flüssigkeitsausfuhr scheint bei genuiner Schrumpf- 
niere noch hochgradiger zu sein). Bei gleichzeitiger Phthise fehlten 
die Nachtschweiße. — Pribram empfiehlt das Ergotin imd ganz 
allmähliche Wasserentziehung. Auch A. Wolff hat in einem Falle 
von Diabetes insipidus mit Seeale comutum einen günstigen Erfolg 
gesehen; in einem zweiten blieb der Erfolg allerdings aus. Feilchen- 
feld berichtet von einem Heilerfolg durch subkutane Injektionen 
von Strychnin. Herescu berichtet von einem Falle, wo durch ein 
Trauma Tiefstand der linken Niere eintrat, im Anschluß daran 
Polyurie. Der Diabetes insipidus verschwand nach der Nephro- 
pexie. 

Sicht. Wer über die Bedeutung der Harnsäure für die 
Pathologie sich informieren will, findet eine vortrefifliche Zu- 
sammenstellung bei Wiener. Wichtig für die Pathogenese der 



Stofiwechselkrankheiten. 293 

Gicht sind die Untersuchungen von Pfeil und Soetbeer. Pfeil Pathogeneae 
untersucht die ausgeschiedene Harnsäure alle 3 Stunden , um den weht. 

Einfluß der Nahrun gsau&ahme zu prüfen. Bei fleischfreier Kost 
strebt der tägliche Wert einer unteren Grenze zu, die er erst nach 
mehreren Tagen erreicht. Dabei sind die Stundenwerte, mit Aus- 
nahme einer morgendlichen Steigerung, einander gleich. Ein Ein- 
fluß der Mahlzeiten ist nicht zu erkennen. Gleiche Tageskurve und 
Tagesmenge ergab ein Versuch mit stickstoflP&eier Kost. Geht man 
nun zur Fleischkost über, dann steigt der tägliche Wert schon am 
ersten Tage, und die Stundenkurve zeigt den Einfluß der Fleisch- 
nahrung mit einer erheblichen Steigerung nach 3 — 4 Stunden. Die 
tägliche Zunahme ist individuell verschieden, die Form der Kurve 
jedoch nicht. Diese Ausscheidungsverhältnisse untersuchte Soet- 
beer an 5 Gichtkranken. Akute Formen zeigten bei fleischfreier 
Eost normale Stundenwerte, chronische ganz regellose Kurven; bei 
Fleischkost wiesen akute und chronische Formen an Stelle der 
normalen Mehrausscheidung minimale Steigerung oder sogar Ver- 
minderung auf. Diese Resultate zeigen, daß trotz der normalen 
Tageswerte die Ausscheidung der Harnsäure bei der Gticht gestört 
ist und fordern zu weiteren Versuchen auf. 

Den Bau der Gichtknoten behandeln Rindfleisch und Krause, öichtknoten. 
Ersterer mdchte den Anfall als akute Reizhyperämie (Pseudophlogose) 
auffassen, zu der oft ein Trauma, wahrscheinUch auf nervdsem Wege, 
Anlaß gibt. Letzterer zweifelt an den Nekrosen, da er Kemtrümmer 
vermißt (Referent hat sie aber stets gefunden). Haigs Gichttheorie 
wird auch von Woods-Hutchinson als ganz unwissenschaftlich 
bezeichnet (vergl. Jahresbericht 1903). Falls wirklich die Purinkörper 
der Nahrung dem Gichtkranken schädlich sind, ist die Art der vege- 
tabilischen Nahrung nicht gleichgültig. Nach Walker Hall enthalten 
zwar Brot, Reis, grüne Gemüse keinen, Kartoffeln aber 0,0008^/'o, 
Leguminosen bis 0,0278 '/o Purinstickstoff. Bier enthält 0,005— 6 °/o- 
Das Kombinationsspiel der Gichtmittel erweitem Dorn durch Ich- 
thyolidin (Piperazin plus Ichthyolsulfosäure) und Bardet durch 
Chinoform (Chinasäure plus Formol), Urosin empfiehlt v. Lang. 
Hupfer (wie Weiß unter v. Bunge arbeitend) beweist, daß China- 
säure die Hamsäurebildung nicht beeinflußt. Wie Weiß zu seinen 
Besultaten gelangte, ist ihm unerklärlich. Den von His und Paul 
gegebenen Anregungen folgend, bringen die Elberfelder Farbwerke 
unter dem Namen Zitarin das Natronsalz der Anhydromethylen- 
zitronsäure in den Handel, das im Gegensatz zum Urotropin auch in 
alkalischer Lösung Formaldehyd abspaltet. Freies Aldehyd ist im 



294 His und Falta. 

aiohtknoten. Harn nachgewiesen, wird also nicht, wie His und Paul meinten, 
völlig im Körper gebunden und könnte vielleicht auf gichtische Ab- 
lagerungen lösend wirken. Die üblichen praktischen Erfahrungen 
(Leibholz, Fisch) liegen bereits vor. Weiteres ist abzuwarten. 

Literatir. 

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Stoffwechselkrankheiten. 295 

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Hutchinson, Lancet, 27. Jan. 



i) Krankheiten des Blntes. 



Blntzfthl- 
appsimte. 



Leukozyten- 
diagnoBÜk, 



— bei Sepsis 

und Typhus, 

Seharlach, 

Pocken. 



Von Prof. Dr. £• Grawitz^ dirigierendem Arzt der inneren Abteilung 
des Neuen städtischen Krankenhauses in Charlottenburg-Westend. 

Zur Zählung der roten und weißen Blutzellen haben 
Mersh Strong und Seligmann eine neue Methode ersonnen, wo- 
bei eine abgemessene Menge Blut mit einer Lösung verdünnt wird, 
welche gleichzeitig fixiert und färbt, worauf in eigenartigen Zähl- 
kammem gesichtsfeldweise die Zählung vorgenommen wird. Als 
Lösung empfahlen die Autoren : 0,75 g Chlomatrium, 0,012 g Methyl- 
violett, 1,5 ccm Formalin, 100 ccm Aqu. dest. Ebenfalls für die 
Zwecke exakter Blutzellenzählung hat May eine Blutpipette kon- 
struiert, welche nach dem Prinzip der Crem ersehen Pipette eine 
automatische Abgrenzung von Blut und Mischflüssigkeit und somit 
exaktere Zählresultate ermöglicht. Wenn man allerdings diese, ans 
f&nf verschiedenen Böhrchen höchst subtil konstruierte Pipette an- 
sieht, so erscheint es doch fraglich, ob ein so kompliziertes Listm- 
ment im Einklang steht mit dem Werte der Zellzählungen, besonders 
der Leukozytenzählungen. Diese letzteren sind seit der be- 
kannten Publikation von Curschmann (s. d. Jahrb. 1908, S. 275) 
sehr beliebt geworden, und man hat fortgesetzt versucht, teils aus 
den Gesamtzahlen der Leukozyten, teihs aus den Yerhältniszahlen 
der einzelnen Formen (mehrkemige neutrophile, eosinophile und ein- 
kernige Lymphozyten), Schlüsse för die Diagnose und Prognose ge- 
wisser Krankheiten zu ziehen. Besannen und Labbe schlagen 
den Wert der Leukozytenvermehrung, trotzdem sich diese bei sehr 
vielen Krankheiten findet, sehr hoch an und halten ihren Nachweis 
für ebenso wichtig, wie die Bestimmung der Temperatur, des Pulses, 
des Harnes etc. Bei Eiterungen soll die Leukozytose wegen ihres 
frühen Auftretens die sonstigen klinischen Zeichen an Wichtigkeit 
übertreffen. Mit Recht betont Labbö, daß Leukozytose für 
Sepsis, gegen Typhus, für Leberabszeß, gegen Malaria spricht, 
aber schon die Angabe, daß im Beginn fieberhafter Krankheiten 
polynukleäre Leukozytose fiir Scharlach, mononukleäre fiir Pocken 
und Fehlen der Leukozytose fiir Masern sprächen, ist erstens in 



/ 



Krankheiten des Blutes. 297 

dieser sicheren Fassung durchaus nicht haltbar und zweitens prak- 
tisch kaum von Bedeutung, da wohl kein Arzt die genannten Exan- 
theme auf dieser Basis differenzieren dürfte. Interessant ist die 
Angabe von Steinbach, daß Vermehrung der Lymphozyten nicht 
nur ftir tuberkulöse Meningitis, sondern auch fiir andere chronische 
Entzündungen der Hirn- und Rückenmarkshäute, z. B. Tabes und Leukozyten 
allgemeine Paralyse, charakteristisch sind, Bloch berichtet ^^^-^x 
über Vermehrung der eosinophilen Zellen bei Ankylosto- Tabes, 
muminfektion und auch bei Echinokokkengeschwulst. Sehr richtig Paralyse, 
macht Bryant darauf aufinerksam, daß die Veränderungen der roten 
und weißen Blutzellen von großem Werte für die Diagnose sein EosinophUie 
können , aber immer erst nach sorgfältiger allgemeiner klinischer *•* Äntozoto, 
Untersuchung der Kranken, eine Anschauung, welche auch der Re- 
ferent ganz speziell den praktischen Aerzten von jeher gelehrt hat, 
denn wie unzuverlässig die Leukozytenzählung gerade bei der Be- 
urteilung der PerityphUtiden ist, zeigt in drastischer Weise die 
Statistik von R e h n , welcher bei abszedierenden Formen zum — bei 
größten Teile leichte Leukozytosen von ca. 13000 im Kubikmilli- P^r^^yP^itis. 
meter, zum Teil aber auch ganz normale Werte fand, so daß von 
irgend einer Sicherheit dieses Diagnostikums gar keine Rede sein 
kann. 

üeber die Entstehung der Blutplättchen liegen neuere Unter- Blutplättchen. 
Buchungen von Puchberger vor, welcher eine vitale Färbung des 
Blutes nach dem Vorgänge von Levaditi derartig vornimmt, daß eine 
schwache alkoholische Lösung von Brillantkresylblau auf einem Objekt- 
glase zum Antrocknen gebracht und darauf der frische Blutstropfen ein- 
gedeckt wird. Hierbei ßlrben sich die Plättchen in kurzer Frist violett 
und zeigen eine Absonderung von hyaliner Substanz, jedoch keine selb- 
ständige Zellstruktur, sondern ähneln am meisten den Kernen der Lympho- 
zyten. £. Schwalbe kommt zu dem Schlüsse, daß die Plättchen sowohl 
aus Kemresten der Erythrozyten , wie aus zerfallenen Kernen der Leuko- 
zyten herstammen, mithin keine einheitliche Genese haben. — Einen an- 
scheinend ganz praktischen kleinen Apparat zur Fixierung von Blut- Apparat zur 
Präparaten hat Kowarsky angegeben. Man erhitzt auf einer Kupfer- J'i"tion von 
platte über der Flamme, bis ein eingefügter Kristall von Harnstoff ge- py^paraten. 
schmolzen ist, was bei ca. 132° C. eintritt Die ganze Prozedur dauert 
3 — 4 Minuten, ein Verbrennen der Präparate kann nicht eintreten (Apparat 
erhältlich bei Müncke-Berlin). Die Methode der Blutalkalimetrie von Alkalimeter. 
Dare beruht auf der Erfahrung, daß das charakteristische Spektrum des 
Oxyhänioglobins schwindet bei Zusatz von Säuren in solcher Menge, daß 
eine Neutralisation eintritt. Verfasser hat einen kleinen Apparat kon- 
struiert, in welchem zu einer sehr kleinen Menge verdünnten Blutes eine 
Lösung von Acidum tartaric. zugesetzt wird, bis das Ozyhämoglobinspek- 



298 



Grawitz. 



Blatbeftind 
bei Sohwitz- 
prozeduren, 



— bei 
KAlte. 



Polyzyth&mie 

und chronische 

Zyanose. 



Perniziöse 
Anämie, 



— durch 
Pftenia soliom. 



trum ausgelöscht erscheint» worauf aus der Menge der verbrauchten S&ure 
die Alkaleszenz des Blutes berechnet wird. 

Krebs und Mayer fanden, daß bei 15 — 25 Minuten langem 
Schwitzen in Heißluftbädern mäßige Leukozytose, mäßige Ver- 
mehrung des Hämoglobingehaltes und spezifischen Gewichtes ein- 
traten. Dasselbe erfolgte bei Anwendung von Glüh- und Bogenlicht- 
bädem, während beim Schwitzen in heißen Wasserbädem eher eine 
Abnahme der genannten Faktoren eintrat. Mit Recht folgern die 
Autoren hieraus, daß bei Schwitzkuren keine Veränderungen des 
Blutes selbst, sondern vornehmlich der Zirkulationsverhältnisse thera- 
peutisch wirksam sind. 

Weinzirl fand, daß beim Menschen die Zahl der roten Blut- 
zellen in der Raumeinheit im Winter durchschnittlich höher ist als 
im Sommer. Er glaubt, daß auch im Höhenklima zum Teil Kälte- 
wirkung auf das Blut Einfluß habe und eine scheinbare Ver- 
mehrung der Zellen durch erhöhte Konzentration des Blutes bedinge, 
zum Teil könne aber auch eine wirkliche Vermehrung durch er- 
höhte Nahrungsaufnahme eintreten. Osler berichtet über 4 Fälle 
von chronischer Zyanose mit auffälliger Vermehrung der 
roten Blutzellen (bis 12 Millionen im Kubikzentimeter) und hohem 
Hämoglobingehalt (bis 150^/o), ohne daß ein organisches Leiden des 
Herzens oder anderer Teile des Zirkulationsapparates dieses Phäno- 
men bedingt hätte. In mehreren Fällen bestand Albuminurie, Kopf- 
schmerz, Milzvergrößerung. Die Obduktion eines dieser Kranken 
ergab gar keinen Anhaltspunkt für die Aetiologie des Leidens, und. 
auch aus allen sonstigen Verhältnissen vermag Osler bislang keiue 
Erklärung für diese merkwürdigen Zustände von Polyzythämie 
zu geben. (Auch dem Referenten ist dieses eigentümliche Krankheits- 
bild nicht unbekannt, doch möchte er nicht empfehlen, dasselbe be- 
reits jetzt als eine neue Krankheit zu registrieren, da bislang 
exakte Untersuchungen über das Verhalten des Blutplasma, sowie 
auch des Knochenmarkes fast ganz fehlen, trotzdem doch diese 
Faktoren in erster Linie für die Erklärung des Blutbefundes studiert 
werden müssen.) 

Die schweren Anämien bilden dauernd den Gegenstand eifriger 
Untersuchungen, die sich in letzter Zeit vorwiegend auf die Aetio- 
logie dieser viel umstrittenen Krankheiten konzentriert haben. Ueber 
eine interessante Ursache berichtet Dirksen (Cuxhaven), welcher 
bei einem Matrosen eine hochgradige Anämie mit 400000 roten Blut- 
körperchen, starker Poikilozytose, Polychromatophilie, Nonnoblasten 
und 5000 Leukozyten, verbunden mit allgemeiner schwerer Prostra* 



Krankheiten des Blutes. 



299 



tion, beobachtete, die unzweifelhaft durch eine große Masse von 
Taenia solium (ca. 12 Exemplare) hervorgerufen wurde und nach 
Abtreibung der Würmer in Heilung überging. Da sich ein Teil der 
Bandwürmer in vorgeschrittener Fäulnis befand, so schließt Dirksen 
mit Becht, daß die Besorption toxischer Produkte die schwere 
Hämolyse bedingt habe. Diese, bei Bothriocephalus latus bekannt- 
lich oft zu beobachtende schwere anämisierende Wirkung der Darm- 
parasiten hat viel zur Klärung der scheinbar so dunklen Aetiologie 
dor perniziösen Anämie beigetragen, und eine Beihe von Autoren 
erkennen heute nur noch die durch Giftwirkung entstandenen An- 
ämien als „wirkliche^ perniziöse Anämien an. William Hunter, 
dessen Verdienst es ist, zuerst die hämolytische Wirkung der im 
Magendarmkanal gebildeten toxischen Stoffe nachgewiesen zu haben, 
beleuchtet in einer neuesten Arbeit zunächst die historische Seite 
dieser Krankheit, die schon im Jahre 1855 von Addison als 
„idiopathische Anämie^ in meisterhafter Weise als eine infektiöse 
h&molytische Einheit beschrieben ist, während die bekannte Bier mor- 
sche Arbeit vom Jahre 1871 unter dem Namen der „progressiven 
perniziösen Anämie*' keine bestimmten Ursachen der Krankheit an- 
gab, so daß in der Folgezeit alle möglichen Zustände unter dieser 
Bezeichnung zusammengefaßt wurden. Hunt er stellt sich ganz 
auf den Standpunkt seines Landsmanns Addison und versteht als 
„perniziöse Anämien" nur solche Formen, bei welchen eine schwere 
Hämolysis hervorgerufen ist durch eine septische Infektion der 
Schleimhaut des Mundes, des Magens und Darmes mit Bildung von 
Giftstoffen. Wenn diese Ansicht auch nach der des Beferenten zu 
einseitig ist, so wird doch eine Giftwirkung bei der Entstehung 
dieser Anämien durch immer neue Untersuchungen bestätigt. Scott 
Warthin fand bei histologischer Untersuchung einer größeren Zahl 
derartiger Fälle eine gesteigerte Auflösung von roten Zellen in den 
Lymphdrüsen, im Knochenmark und in der Milz. Er sieht in einer 
gesteigerten Phagozytosis dieser Organe die eigentliche Quelle 
der vermehrten Blutdestruktion und glaubt, daß eine Toluylen- 
diaminvergiftung die primäre Ursache derselben sei. Ob diese 
durch Autointoxikation oder durch Lifektion entstehe, läßt er un- 
entschieden. Unentschieden ist femer noch immer die Bolle, welche 
die Drfisenatrophie im Magen und Darm bei der Entstehung dieser 
Anämien spielt. Mit der Mehrzahl der Autoren nimmt Einhorn 
an, daß sie zum Zustandekommen der Anämie nicht notwendig ist, 
dagegen geht dieser Autor entschieden zu weit, wenn er der Achylia 
gastrica ebenfalls gar keine Bolle bei der Entstehung von Anämien 



Tolnylen- 

diamin- 

Vergiftung. 



300 



Grawitjs. 



Tolnylen- 

diamin- 

vergiftong. 



Asthenie 
der Blut- 
bildnng. 



Diagnose. 



beimißt, denn aus der nicht nur von Einhorn, sondern wohl von 
den meisten Ellinikem gemachten Beobachtung, daß Anomalien der 
Magensekretion lange Zeit ohne Schaden von manchem ertragen 
werden, kann man doch nicht den ganz extremen Schluß ziehen, 
daß sie bei allen Menschen bedeutungslos sind. Während die 
Mehrzahl der Kliniker, die sich nicht nur am Mikroskope, sondern 
auch am Krankenbette mit den perniziösen Anämien beschäftigt 
haben, fiir die Mehrzahl dieser Fälle irgendwelche Intoxikationen 
als Ursache und die histologischen Veränderungen im Blute und 
Knochenmark als Folgeerscheinungen der gesteigerten Hämozytolyse 
ansehen, verficht Bloch von neuem in modifizierter Form die 
Ehrlich sehe Anschauung, daß das Primäre dieser Krankheit in 
Anomalien des Knochenmarks zu suchen ist und zwar „in einer 
primären asthenischen Beschaffenheit des blutzellenbilden- 
den Gewebes^. Hiermit wären diese Krankheiten glücklich wieder 
in das Meer dunkler hypothetischer Begriffe zurückgetaucht, aus 
dem sie in den letzten Jahren durch zahlreiche praktisch-klinische 
Forschungen gerettet schienen. Für Bloch ist diese Ejrankheit 
absolut unheilbar, höchstens kommen Remissionen vor, und alle 
sorgftltigen Mitteilungen über die Erfolge einer rationellen, auf den 
Magen und Darm gerichteten Therapie sind fiir ihn nicht vorhanden. 
Seine Therapie besteht lediglich in Buhe, Schonung und Gewöhnung 
an eine gemischte Kost. Ebenso negativ ist die Therapie in einer Publi- 
kation von V. Hößlin und ebenso von Krokiewicz, höchstens, daß 
Arsenpräparate angewandt werden, welche allein niemals wirksam sind. 
Es ist daher nicht verwunderlich, aber bedauerlich, daß alle 
diese Autoren nur von Todesfällen berichten, und es wäre wohl zu 
verlangen, daß, bevor diese Krankheit schlechthin als unheilbar be- 
zeichnet wird, zunächst einmal diejenigen Maßnahmen angewandt 
werden, welche vom Referenten (Klinische Pathologie des Blutes, 
1902 u. a. a. 0.) eingehend geschildert sind und den genannten 
Autoren kaum unbekannt geblieben sein dürften. In Bezug auf die 
Diagnose bestätigt Krokiewicz gegenüber der Ehrlichschen 
Schule die Ansicht des Referenten, daß nicht der Blutbefund allein, 
z. B. an Megaloblasten, die Diagnose auf perniziöse Anämie sichere, 
sondern daß der allgemeine klinische Verlauf ausschlaggebend sei. 
Daß ein solcher angeblich charakteristischer Blutbefund z. B. durch 
Krebsmetastasen im Ejiochenmark vorgetäuscht werden kann, zeigt 
eine Veröffentlichung von Houston, welcher in diesem Falle enorme 
Verringerung der Erythrozyten, zahlreiche Normo- und Megaloblasten 
bei ganz normalen Verhältnissen der Leukozyten konstatierte. Einen 



Krankheiten des Blutes. 



301 



Rektale 
BlatinfUBion. 



Allgemeine 
Kaohezien 
intestinalen 
Ursprangs. 



auffällig günstigen Heilerfolg bei einer ziemlich schweren Anämie 

eines Soldaten (1,2 Millionen rote Zellen) erzielte Fabian durch 

Verfattenmg von rohem Binderknochenmark, mit 75 g pro die be- HeUang 

sinnend, auf SOO ir steigend, mit Salz bestreut, auf Semmeln ge- „ *"°^ 

, -r,. «. , , -i . -r> -.*■ 1 .. Knochenmark 

Bossen, später als Kartoffelsalat zubereitet. Der Mann wurde mit 

4,8 Millionen Erythrozyten geheilt entlassen. Diese günstige Wir- 
kung steht ziemlich vereinzelt in der Literatur da. Mariani emp- 
fiehlt, von der richtigen Beobachtung ausgehend, daß Blutzellen 
im Darm unverändert zur Resorption gelangen, rektale Infusionen 
von Blut zur Beseitigung schwerer Anämien verschiedenen Ursprungs 
und rühmt die günstigen Erfolge. Nachprüfungen dürften durchaus 
angezeigt sein. 

Viele Aehnlichkeit mit perniziösen Anämien, sowohl in dem 
ganzen Krankheitsbilde wie auch in der Aetiologie, haben gewisse 
Kachexien, auf welche E. Grawitz die Aufmerksamkeit lenkt. 
Es handelt sich um Menschen, welche ohne jeden äußeren schäd- 
lichen Einfluß in progredienter Weise schwach und elend werden, 
dabei aber keineswegs die hochgradige Blässe und so schwere Blut- 
veränderung zeigen, wie bei perniziöser Anämie. Sie gehen unter 
totaler Appetitlosigkeit, leichten Temperatursteigerungen und Be- 
nommenheit in ganz ähnlicher Weise kachektisch zu Grunde, wie 
man es bei Karzinose beobachtet. Im Magensaft findet sich keine 
freie Salzsäure, der Eiweißzerfall ist gesteigert, im übrigen lassen 
sich weder in vivo noch bei der Sektion irgend welche Organ- 
erkrankungen finden, welche diese merkwürdige Kachexie zu erklären 
vermöchten. Grawitz ist der Ansicht, daß hier in ganz ähnlicher 
Weise wie bei der perniziösen Anämie Gift Wirkungen die Ur- 
sache der Kachexie sind, welche sich infolge Fehlens der 
freien HCl im Magen durch Zersetzung der Ingesta im Darm 
bilden und verweist auf die Tatsache, daß auch bei gewissen Krank- 
heiten, z. B. Tuberkulose, das Fehlen der HCl schwere Kachexie 
bedingen kann, die nach geeigneter Behandlung des Magens wieder 
schwindet und teilt eine Beobachtung bei einem derartig schwer 
kachektischen Mann mit, welcher von dem anscheinend unmittelbar 
bevorstehenden Exitus lediglich durch Magenspülungen und geeignete 
Diät gerettet wurde. Die Tatsache, daß eine derartige einfache 
Therapie hier wie bei den meisten perniziösen Anämien eine zweifel- 
lose Heilung erzielt, spricht für die enterogene Entstehung dieser 
Krankheiten, die nur insofern verschieden sind, als in einem FaUe 
ganz spezifisch die roten Blutzellen, im anderen der ganze Proto- 
plasmabestand des Organismus angegriffen wird. 



302 Grawitsß. 

Leukftmie. lieber leukämische Erkrankungen liegen wie alljährlich 

zahlreiche kasuistische Mitteilungen vor, welche sich vornehmlich 
mit der histologischen Seite dieser Erkrankungen beschäftigen. 
Aus den Publikationen von Zinkeisen, Beckzeh, Simon, Kelly 
geht hervor, daß die Zellformen, welche man bei den Leukozyten 
des zirkulierenden Blutes findet, keine bestimmten Schlüsse auf den 
Verlauf des Leidens gestatten, daß besonders die „lymphoiden", 
d. h. einkernigen, basophilen, ungranulierten Zellen keineswegs charak- 
teristisch för akute Leukämie sind, wie man früher annahm, sondern 
ebenso häufig bei chronischem Verlaufe vorkommen, und daß anderer- 
seits „gemischtzellige" Blutbefunde ebenfalls bei akuten Leukämien 
vorkommen. Ebenso übereinstimmend wird durch die Obduktions- 
ergebnisse die ältere Ansicht von E. Neumann bestätigt, daß das 
Ejiochenmark in jedem Falle von Leukämie erkrankt ist und es 
erscheint immer sicherer, daß durch einen noch ganz ungeklärten 
Faktor in einem Falle die einkernigen Basophilen des Markes, in 
anderen wieder all die granulierten einkernigen Formen in krank- 
hafte Poliferation geraten und zur Ausschwemmung in das zirku- 
lierende Blut gelangen. Einen neuen interessanten Typus beschreiben 
Hitschmann und Lehndorff, welche eine auffallige Vermehrung 
der großen farblosen Stammzellen des Markes gleichzeitig mit großen 
Mengen von Megaloblasten im Blute fanden und mit Recht schließen, 
daß durch ein krankhaf);es Agens die zellbildende Funktion im Mark 
derart gehemmt ist, daß sie auf diesen beiden großen „unreifen" 
Zellformen stehen bleibt, die dementsprechend zur Einfuhr in das 
zirkulierende Blut gelangen. Interessant sind femer neuere Unter- 
Knoohenmark- suchungen über die Beeinflussung des Blutbildes durch Ejiochen- 

tumoren. xnarktumoren, welche in 2 Fällen von Kurpjuweit und Bloch (3) 
sich durch schwere Anämie und Veränderungen an den roten Zellen 
in Verbindung mit dem Auftreten zahlreicher einkerniger, neutrophiler 
Leukozyten (Myelozyten) dokumentierte, so daß diesen gemeinschaft- 
lich vorkommenden Symptomen eine wichtige Bolle für die Diagnose 
von Knochenmarktumoren zuzumessen sein dürfte. 

Psendo- Die Lehre von den pseudoleukämischen Erkrankungen ist 

leukamie. ^ederum von verschiedenen Seiten bearbeitet worden und man hat 
versucht, vom anatomischen Standpunkt aus die verschiedenen For- 
men systematisch zu ordnen. Türk faßt, wie auch andere Autoren, 
alle diese Erkrankungen unter dem Namen „Lymphomatose*' zu- 
sammen und unterscheidet 1. solche mit chronisch-gutartigem 
Wachstum und zwar: alymphämische (ohne Vermehrung der 
Lymphozyten des Blutes), femer sublymphämische (mit relativer 



Krankheiten des Blutes. 303 

Varmehrtmg der Lymphozyten) gleichwertig mit der Pseudoleukämie 
im Sinne von Pinkus-Ehrlich, und drittens lymphämische, 
die gleichbedeutend sind mit chronischer lymphoider Leukämie. 
2. Lymphomatosen mit akutem Wachstum, wozu er unter 
anderen die akute lymphoide Leukämie und das Chlorom subsumiert. 
d.Lymphomatosen mit chronisch-bösartigem Wachstum, 
d. h. Lymphosarkomatose und lokale Lymphosarkome. Diese Eintei- 
lung von Türk ist für den genauen Kenner aller dieser Erkrankungen 
verständlich, wenn er ihr auch nicht beizupflichten vermag, für den 
Femerstehenden aber und besonders für den die allgemeine Praxis 
ausübenden Arzt wird durch derartige Schematisierungen sicher nichts 
Nützliches geschaffen, zumal hier lediglich aus anatomischen Ge- 
sichtspunkten Krankheiten wie die lymphoiden Leukämien mit Sar- 
komen und einfachen generalisierten Lymphomen zusammengeworfen 
werden, die ihrer ganzen Wertigkeit nach toto coelo voneinander 
verschieden sind. Ebenso bringt eine neuere Arbeit von Pappen- 
heim zwar interessante anatomische Beiträge zu dieser Frage, aber 
keine klinisch befriedigende Auffassung, welche in das Gewirr der 
histologischen Befunde Klarheit brächte. 

W. Wolff macht auf glänzend schillernde, leicht grünliche Parasitare 
Körper in frischen Präparaten von Lymphosarkomen aufmerksam, Einflüsse. 
welche neben den Kernen und Zellen liegen, rundliche oder ovale 
Form haben und gegen Natronlauge und Essigsäure resistent sind. 
Diese Körperchen färben sich mit der von Busse für Hefe&rbung 
angegebenen Methode leuchtend rot und heben sich scharf von den 
anderen Substanzen ab. Vielleicht handelt es sich hier um para- 
sitäre Gebilde in diesen malignen Tumoren. Daß generalisierte 
Lymphome durch Infektion mit Tuberkelbazillen hervor- 
gerufen werden können, wird durch eine neuere Beobachtung von 
Schur bestätigt, welcher auf einige feine Differenzen gegenüber dem 
Lymphoma simplex hinweist. 

Großes Literesse haben in letzter Zeit auf die anregenden Ar- 
beiten von Banti hin die Fälle von chronischem Milztumor mit all- Splenomegalie, 
gemeiner Anämie und Kachexie hervorgerufen. Die Ansicht von Anaemia 
Banti (s. Jahrbuch 1902, S. 296), daß MilzschweUungen primär ent- MorbIi?B!Jnti. 
stehen und zu sekundärer Entzündung der Leber, sowie zu allge- 
meiner ELachexie führen können, hat bei vielen Epikern Anklang 
gefunden, wird aber von anatomischer Seite bestritten, resp. als 
unbewiesen angesehen. Marchand sowohl wie C h i a r i sind der An- 
sicht, daß in den Fällen Banti scher Krankheit die Milzerkrankung 
nicht das Primäre, sondern höchst wahrscheinlich die Lebererkrankung 



304 



Grawitz. 



Splenektomie. 



Morbus Banti. vorangegangen sei ; höchstens könnten beide Zustände sich gleich- 
zeitig entwickelt haben. In diesem letzteren Falle und auch bei 
manchen anderen derartigen Vorkommnissen glauben beide Anatomen 
an die Wirkung kongenitaler Syphilis, in anderen Fällen an 
eine einfache, primäre, interstitielle Hepatitis mit sekundärer Milz- 
schwellung. Von klinischer Seite mehren sich die Stimmen für die 
Aufstellung eines selbständigen Ejrankheitsbildes, in dem die Spleno- 
megalie im Vordergrunde steht und Kachexie, hämorrhagische Dia- 
these, mäßige Anämie bei eminent chronischem Verlaufe im Gefolge 
hat. Osler betont besonders die Häufigkeit von Magenblutungen, 
Bolleston macht auf die fast konstant beobachtete Proliferation 
der Endothelien in den Blutsinus der Milzpulpa bei dieser Krankheit 
aufmerksam, welche einige Aehnlichkeit mit karzinösen Proliferationen 
hat und vielleicht ein Licht auf die Malignität der Erkrankung wirft. 
Salusbury Trevor, Michell Clarke, £ wart und andere englische 
Autoren sprechen sich für das Vorkommen einer durch Splenomegalie 
bedingten selbständigen Erkrankung aus, ebenso Pribram und 
Seligmann. Gordon und Scott ebenso wie Osler beobachteten 

Heilang durch Heilungen nach Splenektomie, welche bekanntlich seit einigen 
Jahren von verschiedenen Autoren mit günstigem Erfolge ausgeführt 
worden ist. Gerade diese praktischen Erfahrungen mahnen dazu, 
bei diesen und ähnlichen dunklen Krankheiten — wie schon bei der 
perniziösen Anämie und der Pseudoleukämie erwähnt wurde — 
nicht den anatomischen und histologischen Befunden allzu großes 
Gewicht beizulegen. Diese Krankheiten sind in erster Linie am 
Lebenden zu studieren und die Klinik dürfte hier das letzte und 
entscheidende Wort zu sprechen haben. 

Als lokale Styptika bei den schweren hämophilen Blutungen 
werden empfohlen erstens das Adrenalin in der gewöhnlichen 
Lösung von 1:1000. Kirch und Paterson drückten G^zestücke, 
welche mit dieser Lösung getränkt waren, auf die blutenden Stellen 
und erzielten eine prompte Stillung. Parry wandte bei einem Kna- 
ben, der aus dem Zahnfleisch so stark blutete, daß andere Styptika 
vergeblich angewandt worden waren, Tampons mit einer Kalzium- 
chloridlösung (2 : 30) an und beobachtete ein Aufhören der Blutung 
nach kurzer Frist. Nach dem Vorgange von Jungmann hat Tickell 
Gelatineinjektionen per rectum bei schweren Blutungen verschiedener 
Provenienz mit Erfolg angewendet und dabei die bei hypoderma- 
tischen Gelatineinjektionen auftretenden schädlichen Nebenwirkungen 
vermieden. Die Lösung wird in folgender Weise bereitet: 60 g 
Gelatine werden in 1,25 1 heißen Wassers aufgelöst, unter leichter 



Hämophilie : 

Lokale 

Styptika. 



Innerliches 
Styptikom. 



Krankheiten des Blutes. 305 

Erhitzung auf 1 1 eingedampft und auf Körpertemperatur abgekühlt. 
Von dieser Lösung werden je ^U 1 etwa Smal am Tage per clysma 
eingeführt. 

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f. kün. Med. Bd. LXXV, S. 505. 



Jahrbach der praktischen MsdiEin. I90i. 20 



Aether- 
narkose. 



Aether- und 

Aether- 

Ghloroform- 

Mischnarkose. 



Lachgas- 
miBohnarkose. 



2. Chirurgie 

(einscliließlich der Unfalls- und Eriegschirurgie). 
Von Dr. Paul Wagner, Privatdozent an der Universität Leipzig. 

Allgemeine Chinirgie. Auf Grund von 2700 Aethernarkosen 
kommt Longard zu folgenden Schlüssen: Der Aether ist bei 
richtiger Anwendung das ungefährlichste und beste Narkotikum, das 
wir besitzen. Die unangenehmen Nebenwirkungen, die ihm bisher 
zur Last gelegt wurden, sind nicht Folgen des Aethers als solchen, 
sondern nur bedingt durch die gleichzeitige Kohlensäureintozikation 
des Organismus. Darum ist die erste Vorbedingung einer guten 
Aethemarkose die reichliche Zufuhr atmosphärischer Luft (Maske 
von Longard-Wagner). Nach den Erfahrungen von Hofmann 
wird die moderne Aethemarkose berufen sein, das Chloroform 
aus seiner dominierenden Stellung zu verdrängen; sie ist zweifellos 
die Narkose der Zukunft. Der Aether muß mittels der Tropf- 
methode appliziert werden; wo die Aethemarkose nicht ausreicht, 
kommen Unterstützungsmittel in Frage. Auf Grund experimenteller 
und klinischer Untersuchungen über die Aethemarkose und 
Aether-Chloroform-Mischnarkose kommt Poppert zu 
folgenden Schlußsätzen: 1. Die Schädigungen der Lungen bei der 
allgemeinen Narkose sind bei Anwendung des Aethers bei weitem 
stärker als bei Chloroform. Sie sind um so schUmmer, je gesättigter 
die eingeatmeten Dämpfe sind. 2. Diejenigen Aether-Chloroform- 
Mischnarkosen, bei denen der Aether in einem solchen Verhältnisse 
zugesetzt ist, daß sich eine narkotisierende Wirkung desselben 
geltend macht, verhalten sich wie die einfachen Aethernarkosen und 
besitzen deren Nachteile in verstärktem Maße. 8. Die Geppertsche 
Narkose, die eine genaue Dosierung gestattet, ist der gewöhnlichen 
Narkose entschieden vorzuziehen. Den einzigen Nachteil der Chloro- 
form- Aether-Mischnarkose nach Braun bildet das häufig sehr lang- 
same Eintreten des Toleranzstadiums. Krönig hat deshalb das 
Lachgas verwendet, um möglichst schnell das Toleranzstadium za 
erreichen. Die Methode besteht dann in der Einleitung der Narkose 



Chirurgie. 



307 



mittels Lachgas und Fortsetzung mittels des Braun sehen Oemisches. 
V. Winckel hat 100 Narkosen mit dem Schleichschen Gemisch I 
— 2 Aethylchlorid, 4 Chloroform, 12 Aether — vorgenommen und 
dahei gefunden, daß dieses Narkosengemisch vor dem Aethergebrauch 
mindestens keine wesentlichen Vorzüge hat, daß bei demselben be- 
drohliche Zustände sogar noch häufiger als beim Aether eintreten, 
trotzdem die Zeit und das Quantum des Verbrauches geringer als 
bei letzterem sind. Nach den Untersuchungen von Falk ist der 
Both- Drag er sehe Apparat für die Chloroform-Sauerstoffnarkose 
ungeeignet, da auf die chemisch-pharmazeutischen Eigenschaften des 
Chloroforms keine Rücksicht genommen ist, und das Chloroform in 
ihm bereits nach einer 20 Minuten langen Narkose wesentliche Zer- 
setzungen zeigt. Diese treten um so stärker auf, je wärmer die 
Temperatur und je heller das Zimmer ist, und sie steigen ebenfalls 
bei Wiederverwendung eines Chloroforms, das bereits einmal zur 
Narkose gedient hat. Auf Grund eigener Erfahrungen an der 
Land aaschen Frauenklinik empfiehlt Harte g dieAethernarkose 
in Verbindung mit Morphium-Skopolamininjektionen, 
da sie einmal die Gefahr der Aethemarkose auf ein Minimum reduziert, 
andererseits die unangenehmen Nebenwirkungen der Inhalations- 
narkose vermindert. Schneiderlin rühmt an seiner Skopolamin- 
Morphiumnarkose von neuem die Gefahrlosigkeit bei richtigem 
Ausprobieren, daß der Narkotiseur überflüssig wird, und daß der 
psychische Shok auf den Kranken bei einiger Vorsicht ganz ver- 
mieden werden kann. Die Skopolamin-Morphiumnarkose mit hohen 
Morphiomgaben , wie sie Bios vorgeschlagen hat, ist nach den 
Erfahrungen von Wild keineswegs ungefährlich. Braun hat 
gefunden, daß, wenn lokalanästhesierende Mittel, wie Kokain, auf 
Gewebe einwirken, deren Vitalität durch Unterbrechung des Blut- 
stromes mittels Abschnürung der Extremitäten oder durch starke 
Abkühlung oder durch Adrenalin beeinträchtigt ist, sie dann 
eine viel stärkere und beständigere örtliche Vergiftung hervor- 
rufen als in Geweben mit ungehindertem, lebhaftem Stoffwechsel. 
Braun empfiehlt ganz besonders die Adrenalin-Kokain- 
anästhesie. Ein Zusatz von Adrenalin zu Kokainlösungen erlaubt 
deren Konzentration und Dosis zu verringern und vermindert die 
Intozikationsgefahr bei gesteigertem Anästhesierungsvermögen. Die 
Leitungsanästhesie durch perineurale Injektion anästhe- 
sierender Lösungen ist in ein neues Stadium getreten, seitdem 
man den Lösungen geringste Mengen Adrenalin zusetzt und so die 
Abschnürung der Glieder entbehren kann. Die Ausbildung der 



Narkosen 

mit dem 

Schleichschen 

Gemisch I. 



Ghloroform- 
Sanerstoff- 
narkose. 



Aether- 
narkose in 
Verbindung 
mit Morphinm- 
Skopolamin- 
injektionen. 

Skopolamin- 
Morphium- 
narkose. 



Bedeutung 

des 
Adrenalins 
für die Lokal- 
anästhesie. 



Leitnngs- 
anästhesie. 



308 Wagner. 

Methode verdanken wir namentlich den eingehenden unter- 
Radiographie. suchongen Brauns. Von den zahlreichen Böntgenarbeiten, 
die im Laufe des letzten Jahres erschienen sind, bieten diejenigen 
^radiotherapeutischen" Inhaltes das größte Interesse. Vor 
allem ist es die heilende Wirkung der Röntgenstrahlen 
auf bösartige Neubildungen, die immer und immer wieder 
zu neuen Versuchen und Untersuchungen anregt. Wirkliche, auf 
längere Zeit hinaus sichergestellte Heilungen scheinen aber bis jetzt 
doch noch außerordentlich selten zu sein. Perthes hat das Ver- 
schwinden der gewöhnlichen Warzen unter dem Einflüsse der Röntgen- 
strahlen beobachtet. In mehreren Fällen von Hautkarzinomen des 
Gesichtes beobachtete er die Verwandlung des Ulcus rodens in eine 
granulierende Fläche und Vemarbung. Ein ausgedehntes, nach 
Operation rezidiviertes Hautkarzinom ist geheilt; bei den anderen 
Kranken wurde das Verschwinden des karzinösen Gewebes durch 
mikroskopische Untersuchung nach Probeexzisionen in verschiedenen 
Stadien festgestellt. In 6 Fällen von Mammakarzinom mit Haut- 
metastasen wurde nach Bestrahlung rasche Verkleinerung und völliger 
Schwund der subkutanen metastatischen Knötchen beobachtet bei 
nur geringen Beaktionserscheinungen an der Haut selbst. AehnUch 
wie auf das Wachstum epithelialer Geschwülste wirken Eöntgen- 
strahlen hemmend auf die Epithelregeneration. Die Bestrahlungen 
wurden meistens in einer oder wenigen Sitzungen rasch hinter- 
einander ausgeführt und dann der nach Ablauf des Latenzstadiums 
von 7 — 14 Tagen auftretende Erfolg abgewartet. Auch v. Mikulicz 
und 0. Fittig berichten über einen mit Röntgenstrahlen erfolgreich 
behandelten Fall von Brustdrüsenkrebs: ein gänseeigroßes 1 cm tief 
ezulzeriertes Mammakarzinom bildete sich nach sechs Sitzungen von 
10—15 Minuten Ezpositionszeit ohne Reaktionserscheinungen höheren 
Ghrades zurück; die Heilung erfolgte mit vorzüglicher Narbe. Die 
Röntgenstrahlen besitzen ganz entschieden eine gewisse elektive Wir- 
kung auf das Karzinomgewebe. Mit seltenen Ausnahmen dürfen nur 
zwei Formen von Karzinomen zu weiteren Versuchen herangezogen 
werden: die langsam wachsenden, oberflächlichen Karzinome und die 
inoperablen Tumoren. Ueber einen mit Röntgenstrahlen dauernd 
geheilten Fall von Brustdrüsenkrebs berichtet auch Kronfeld, 
während Krogius, der einen sehr interessanten Fall von Schädel- 
sarkom mitteilt, bei dem er mit einer energischen Röntgenbehandlung 
vollkommene Heilung erzielte. 

Durch ausgedehnte, sehr interessante Untersuchungen hat Heile 
nachgewiesen, daß das Jodoform durch die in den Organen ent- 



Chirurgie. 309 

haltenen reduzierenden Substanzen zu einem wahren Antiseptikum Antiaeptische 

wird und zwar unter Abschluß von Sauerstoff. Von den Organen "^j'^^s *«» 

_ Jodoform, 

bewirkt Leber die größte, Gehirn und Fett die geringste Zersetzung 

des Jodoforms; in der Mitte stehen Milz, Blut, Niere, Lunge u. s. w. 
Die Granulationen verhalten sich ebenso wie die Organe, und zwar 
scheinen die tuberkulösen Ghranulationen die intensivste Zersetzung 
auszulösen. Wahrscheinlich entsteht bei der Jodoformzersetzung 
Dijodazetylen ; dies ist sehr stark bakterizid und wird durch Oxy- 
dationsvorgänge unwirksam gemacht. Nach den Untersuchungen 
von Daconto ist die l°/oige Akoinlösung ein ausgezeichnetes, Akoin. 
andauerndes ungiftiges Lokalanästhetikum für kleinere operative 
Eingriffe. Die Wirkung ist andauernder und länger bemerkbar in 
der Tiefe der Gewebe, als auf der Oberfläche. Wandel und 
Höhne folgern aus ihren experimentellen Untersuchungen, daß eine 
Sterilisierung der Gummihandschuhe auf rein mechani- steriiisieriing 

schem Wege durch Waschen mit Seife und Wasser, auch ohne der Gummi- 

, , , nandBchuhe. 

Anwendung der Bürste, in wenigen Minuten möglich ist. Haupt- 

erfordemis för eine einfache Sterilisierung ist die Glätte der Hand- 
schuhe. Da wir für eine vollkommen sichere Sterilität der Finger 
niemals garantieren können, sollen die Operationen, soweit an- Operation 
gängig, ohne direkten Gebrauch der Finger vorgenommen ^^^^^^^^r 
werden. König hat dieses Verfahren namentlich bei den viel- Finger, 
fachen Gelenkoperationen geübt, dann aber auch auf alle möglichen 
anderen Operationen ausgedehnt. Das Instrumentarium muß selbst- 
verständlich entsprechend eingerichtet werden (längere Stiele, große 
Auswahl von Wundhaken). Eckstein hat eine Modifikation der HartparaüOn- 
von Gersuny stammenden Methode vorgenommen, indem er das P«>*^ösen. 
von diesem angewandte, bei 40 ® schmelzende Vaselin durch bei 58° 
schmelzendes Hartparaffin ersetzt hat. Die von Eckstein diesem 
Material vor dem Vaselin zugeschriebenen Vorzüge, nämlich das 
schnelle Erstarren nach der Injektion, die Möglichkeit eines Formens 
der injizierten Masse, ihr sicheres Verbleiben am gewünschten Orte, 
der Mangel der Resorption, endlich der Schutz vor Erzeugung von 
Lungenembolien, alles das hat sich im Laufe der verflossenen Zeit 
bestätigt. Eckstein hat mit dieser Methode auch bei Nabelbrüchen, 
bei direkten Leistenbrüchen, sowie bei Bruchanlagen günstige Er- 
folge erzielt. Die bisherigen Ergebnisse der Transplantation Transpian- 
ungestielter Hautlappen nach Krause berechtigen zu aus- ^^tMte 
gedehnter weiterer Anwendung des Verfahrens als Ersatz der Stiel- Haatiappen 
plastik in FäUen, bei denen die Thier seh sehe Plastik keine nach Kraase. 
genügend widerstandsfthige Bedeckung zu liefern im stände ist. 



310 



Wagner. 



Deoknng 

traumatischer 

Sch&del- 

defekte. 



Gastrophor 
bei Magen- 
darm- 
operationen. 



Uebem&hang 
gangrftn- 

verd&chtiger 
oder 

gangränöser 

Schnür furchen 
am Darm. 



Hehrzeitige 
Dickdarm- 
resektion. 



Talmasche 
Operation. 



Widmann hebt hervor, daß das Krause sehe Verfahren besonders 
bei den zahbreichen Handverletzungen der maschinellen Betriebe eine 
treffliche Bereicherung der hier so wichtigen konservativen Behand- 
lung darstellt. Auf Grund von genauen Nachuntersuchungen von 
Schädelverletzten kann Bunge die von Berezowski aufgestellte 
Behauptung, daß die primäre Deckung der Schädeldefekte schwere 
Nachteile nach sich ziehen kann, nicht bestätigen. Er kann auch 
vor allem nicht anerkennen, daß es falsch und gefahrlich ist, bei 
Verletzungen, die eine an schwacher oder aufgehobener Pulsation 
der Dura kenntliche Steigerung des intrakraniellen Druckes auf- 
weisen, an die Versorgung der Impressionsfraktur die Deckung des 
Defektes sofort anzuschließen. Narath hat ein Instrument, den 
sog. Gastrophor, konstruiert, das bei verschiedenen Magendarm- 
operationen den Assistenten, der den Magen zu fixieren hat, in sehr 
vollkommener Weise zu ersetzen im stände ist. Die Operation ist 
leichter auszufuhren, da das Operationsfeld besser zugänglich ist; 
man näht beinahe wie auf einem Nadelkissen. Das Verfahren der 
Uebernähung eingestülpter, engbegrenzter, gangränöser oder 
gangränverdächtiger Darmstellen nach Brucheinklem- 
mung ist, wie Crampe nach den Erfahrungen der Königsberger 
chirurgischen Klinik hervorhebt, namentlich bei kleinen Darmwand- 
brüchen und engbegrenzter Schnürfurchengangrän indiziert. Auch 
zirkuläre Uebemähungen bieten bei sorgfältiger Ausführung völlige 
Sicherheit, ohne akute oder sekundäre Stenosen zu begünstigen. 
Göschel teilt 4 Fälle von Dickdarmresektion mit, cLie er 
nach dem mehrzeitigen Verfahren von Mikulicz vorgenommen hat 
Nur für die endliche Beseitigung des Anus praeternaturalis hat er 
eine Modifikation gewählt. Er vermied bei der Ablösung des Darmes 
die Eröffnung der freien Bauchhöhle und schützte die Darmnaht 
durch üeberlegen eines Dieffenb ach sehen Hautbrückenlappens. 
Seit der Publikation der Talmaschen Operation ist eine große 
Brcihe von Fällen beobachtet worden, in denen die Operation mit 
Erfolg ausgeführt wurde. Es sind aber im ganzen wenig Fälle dar- 
unter, die über Jahre hinaus verfolgt sind, und das ist doch wohl 
der Kernpunkt, ob die Adhäsionen, die durch die Operation ge- 
schaffen wurden, genügen, den KoUateralkreislauf dauernd zu unter- 
halten, so daß er den immer größer werdenden Anforderungen ge- 
nügt. Hildebrand berichtet über eine Kranke, die noch 2'/4 Jahre 
nach der Operation vollkommen geheilt war; nur der Milztumor be- 
stand noch. Die funktionelle Prognose der Kniegelenksresektion im 
Kindesalter wird durch die Wachstums Verkürzung und die Ver- 



Chirurgie. 



311 



krümmung des Beines außerordentlich getrübt. Diese sekun- 
dären Flezionskontrakturen stellen sich um so sicherer ein, je jünger 
das Kind zur Zeit der Operation war. Die Therapie besteht in 
Keilosteotomie an der alten Besektionsstelle oder in traumatischer 
Epiphysenlösung. Prophylaktisch empfiehlt Hofmeister die Aus- 
schaltung der Beugemuskeln, d. h. die Verlagerung von ihren An- 
sätzen am Oberschenkel im unmittelbaren Anschluß an cLie Knie- 
gelenksresektion, speziell bei Kindern vor dem 8. Lebensjahre. Bei 
der Erfolglosigkeit der internen Therapie verdient die chirurgische 
Behandlung der Arthritis deformans größere Beachtung. Die 
bis jetzt vorliegenden, sich fast ausschließlich auf die monoartikuläre 
Form beziehenden Erfahrungen sind nach Elter im allgemeinen als 
günstig zu bezeichnen. Nach dem Vorgänge von W. Müller ist 
auch die operative Behandlung der Arthritis deformans kleinerer 
Gelenke zu empfehlen. Die Beckenhochlagerung kann nach 
den Erfahrungen von Kraske unter besonderen Umständen üble 
Zufälle und Gefahren mit sich bringen. Bei einem kranken, durch 
degenerative Veränderungen geschwächten Herzmuskel kann sie durch 
Ueberfiillung des Herzens und durch den hohen Druck der Blut- 
säule der Cava inf. zu einer akuten, irreparablen Dilatation des Herzens 
iuhren. Bei Menschen mit großem Fettreichtum des Netzes, des 
Mesenteriums und der Appendices epiploicae kann es zu unerwünsch- 
ter, starker und bleibender Verlagerung der Eingeweide und zu einem 
Verschlusse der Darmes kommen. In solchen Fällen verzichtet man 
besser auf die Vorteile der Beckenhochlagemng. Nach den ausge- 
dehnten experimentellen Untersuchungen von Jensen sind die Pro- 
thesen bei der Arterien- und Venenvereinigung nicht zu emp- 
fehlen; vielmehr muß zur zirkulären Vereinigung durchgeschnittener 
Arterien und Venen die Naht angewendet werden, und zwar in 
Form von U- oder fortlaufenden Nähten. Als Nahtmaterial ist Seide 
vorzuziehen. Die Thrombose nach einer Oefslßnaht ist auf eine 
Infektion mit pathogenen Mikroben zurückzufuhren, weshalb man 
diese Operation nur da vornehmen darf, wo man die Gewißheit eines 
aseptischen Wundverlaufes hat. Nach neueren Untersuchungen von 
Halberstaedter ist die Unterbindung der Vena femoralis 
unterhalb des Ligam. Poupartii kein gleichgültiger Eingriff fiir 
die Zirkulation der betreffenden Extremität. Sie ist häufig von 
schweren Zirkulationsstörungen gefolgt, die sich bei einer Kom- 
bination ungünstiger Verhältnisse, die sich meist von vornherein 
nicht absehen lassen, bis zur Gkngrän der betreffenden Extremität 
steigern können. Bei Verletzungen ist deshalb, wenn irgend mög- 



Yerkrflmmang 
des Beins 
nach Knie- 
gelenks- 
resektion im 
Kindesalter. 



Operative 

Behandlung 

der Arthritis 

deformans. 



Gefahren der 
Beckenhoch- 
lagemng. 



Zirkuläre 
Oef&ßsutur. 



Unterblndung 

der Vena 

femoralis 

unterhalb des 

Ligamentum 

Poupartii. 



312 



Wagner. 



Embolische 
Gftngrftn. 



Osteotomie 
nnd Osteoklase 
bei 
rhaohitischen 
Defonnitftten 
der unteren 
Extremität. 



Behandlung 
der Knochen- 
höhlen in 
der Tibia. 



Behandlang 
der Gelenk- 
tnberkulose 
im kindlichen 
Lebensalter. 



Behandlang 

der 

Aktinomykose. 



lieh, die Venennaht zu machen; auf alle Fälle muß man die Art. 
femoral, zu erhalten suchen. Langsamer Beginn der Gangrän an 
den unteren Extremitäten spricht nach den Erfahrungen von Müh- 
sam nicht unbedingt gegen die embolische Natur der Erkrankung. 
In jedem Falle von embolischer Gangrän soll, sobald eine Demarkation 
unterhalb des Knies eingetreten ist, die Doppelamputation am Ober- 
schenkel, je nach dem Zustande des Kranken in einer oder in zwei 
Sitzungen, versucht werden. Von einer Stumpfversorgung ist abzu- 
sehen; die Wunde ist zu tamponieren. Bei den rhaohitischen De- 
formitäten der unteren Extremitäten wird, wie Kölliker 
hervorhebt, vor dem 5. Lebensjahre nur ganz ausnahmsweise zur 
Operation geschritten. Ob bei Genu valgum die Osteotomie am 
Femur oder an der Tibia auszuführen ist, wird von Fall zu Fall 
entschieden, indem stets der bei der Bildung des Genu valgum 
stärker beteiligte Knochen zur Operation gewählt wird. Maßgebend 
fär die Wahl der linearen Osteotomie oder der Keilosteotomie ist 
die Schwere der Verkrümmung. Bei großen Knochenhöhlen in 
der Tibia, wie sie namentlich nach osteomyelitischen, traumatischen 
und tuberkulösen Prozessen zurückbleiben, empfiehlt v. Mangold t 
die üeberhäutung in einfacher Weise durch Hauttransplantationen 
nach Thiersch oder durch seine Methode der Epithelaussaat zu 
erzielen. Bei Epiph3menhöhlen ist das beste Verfahren das Hinein- 
schlagen von Hautperiostlappen oder von subkutan genommenen, ge- 
stielten Periostlappen. Die Behandlung der Gelenktuber- 
kulose im Kindesalter soll nach den ausgedehnten Erfahrungen 
Hoffas grundsätzlich konservativ sein. Es gelingt mittels kon- 
servativer Behandlung etwa '/4 aller kindlichen Gelenktuberkulosen 
zur Ausheilung zu bringen. Die Heilung kann in einer Beihe von 
Fällen bei zweckentsprechender Behandlung, namentlich bei früh- 
zeitigem Beginn und bei milder Form der Erkrankung (Tumor albus) 
mit völlig beweglichem Gelenk und mit völliger Erhaltung der Funk- 
tion desselben erfolgen. Bei notwendiger Operation sind atypische 
E>esektionen oder Arthrektomien vorzunehmen, mit möglichster Scho- 
nung der Epiphysenlinien. Nach den Erfahrungen, die H einzel- 
mann aus der v. Bruns sehen Klinik mitteilt, ist die endgültige 
Heilung der Aktinomykose in erster Linie von dem Sitze der Er- 
krankung abhängig. Die günstigste Prognose gibt die Kiefer- und 
Halsaktinomykose — 89,7 ®/o Heilungen — ; am ungünstigsten sind 
die Lungen- und abdominellen Aktinomykosen — 27,2 ®/o Heilungen — . 
Die Behandlung der Aktinomykose in der Tübinger chirurgischen 
Klinik besteht in möglichst radikalen chirurgischen Eingriffen und 



Chirurgie. 



313 



daneben in der innerlichen Anwendung des Jodkalimnfi. v. Baracz 
hat in 8 Fällen von schwerem Milzbrand mit günstigem Erfolge 
intravenöse KoUargolinjektionen vorgenommen. Er empfiehlt diese 
Therapie in jedem schweren Falle von Milzbrand, besonders bei dem 
inneren Milzbrand, der sog. Hademkrankheit. Das Rhinophym hat, 
wie anch v. Bruns neuerdings hervorhebt, sehr häufig mit der 
Acne rosacea nichts gemein und kommt durchaus nicht nur bei 
Trinkern vor. Das Rhinophym ist eine gutartige, homöoplastische 
Neubildung — Zystoadenofibrom — , die am besten mittels keil- 
förmiger Exzision mit sofortiger Naht oder bei mehr gleichmäßiger 
Verdickung mittels Abschälung behandelt wird. Der kosmetische 
Erfolg ist meist sehr günstig. Innerhalb 25 Jahren kamen in der 
Bemer chirurgischen Klinik 24 Fälle von traumatischem Tetanus 
zur Beobachtung, von denen 10 genasen. Für die Behandlung des 
Tetanus stellt Elsäßer folgende Regeln auf: Möglichst frühzeitige, 
energische Wundbehandlung, unter Zuhilfenahme von Jodtinktur und 
Karbolsäurelösung, eventuell Thermokauter. Sofortige subkutane 
oder intravenöse Seruminjektion, eventuell intrazerebral oder intra- 
dural bei besonders dringlichen Fällen. Ausgiebige Darreichung von 
Narkoticis, um die Gefahr der Anfälle zu beseitigen. Systematische 
Karbolinjektionen vom 1. Tage an als kuratives Mittel. Subkutane 
Kochsalzinfusionen behufs Flüssigkeitszufuhr. Ernährung durch 
Nährklistiere; strenge Isolierung des Kranken. Nach der Ansicht 
von Hölscher empfiehlt es sich, den Namen „Pustula maligna^ 
nur als Sammelnamen für alle milzbrand artigen Hauta£Eektionen 
anzuwenden und in jedem Einzelfalle zu spezifizieren, welcher Art 
die Pustula maligna ist, ob sie eine Milzbrandinfektion darstellt, 
was ja in den meisten Fällen zutrefiFen wird, oder ob sie anderen 
Infektionserregern, z. B. dem Staphylococcus pyog. aureus, ihre Ent- 
stehung verdankt. Cred6 hat bisher schwere Phlegmonen, Gangränen, 
allgemeine Sepsis, Puerperalfieber, Pyämie, septische Osteomyelitis 
u. 8. w. mit intravenösen KoUargolinjektionen behandelt und immer, 
wenn natürlich teilweise auch nur vorübergehende Erfolge erzielt. 
Infolge der guten Löslichkeit des verbesserten Kollargols benutzt 
Credo jetzt meist eine 2°/oige Lösung, von der 2—10 ccm, meistens 
4—6 ccm, d. i. 0,08 — 0,12 Kollargol injiziert werden. Vielfach hUSt 
auch schon eine Silberschmierkur mit Ungt. „Oredö**. 

Die tief sitzenden Lipome, die häufig kongenitalen oder trau- 
matischen Ursprungs sind, machen in vielen Fällen große diagnosti- 
sche Schwierigkeiten. Ein Hauptmerkmal ist ihr langsames Wachs- 
tum — Hodenlipome ausgenommen — , das auch die verhältnismäßig 



Behandlung 
des Milz- 
brande mit 
intravenösen 
KoUargol- 
injektionen. 
Rhinophym. 



Tetanus 
tranmaticas. 



Pustula 
maligna. 



Behandlung 
septisoher 
Erkrankungen 
mit intra- 
venösen 
KoUargol- 
injektionen. 



Tiefsitaende 
Lipome. 



314 Wagner. 

erst spät auftretenden Beschwerden erklärlicli macht. Die beste 
Therapie ist nach Dertinger die unter strenger Asepsis ausgeführte 
radikale Exstirpation. Rezidive sind nur bei myxomatös oder sar- 
komatös entarteten Lipomen beobachtet worden. Nach den Unter- 
suchungen von V. Brunn, die sich im ganzen auf 368 Fälle stützen, 
Primärer entsteht die Mehrzahl der primären Extremitäten karzinome 

Krebs der ^^ chronisch entzündlich verändertem Boden, nur wenige entstehen 
Extremitäten. ® 

im Anschluß an einmalige Traumen. In je jüngeren Jahren die 

primäre Hautveränderung einsetzt, um so längere Zeit verstreicht 

durchschnittlich bis zur Karzinomentwicklung und umgekehrt. Die 

Prognose der Extremitätenkrebse ist verhältnismäßig gut ; mehr als 

Vt werden durch die Operation dauernd geheilt. Lins er hat ge- 

Beziehangen funden, daß die eigentlichen Blutdrüsen, zu denen Thyreoidea, 

zwischen Hypophvsis, Thymus, Nebennieren und Geschlechtsdrüsen zu rechnen 
Nebennieren /t *^ "^ ,. , . , . , „ , , 

und Biesen- smd, sämtuch untereinander in näherem Zusammenhange stehen; 

wachs. sie können sich in ihrer Funktion gegenseitig beeinflussen und 
ergänzen und sind von mehr oder weniger großer Bedeutung 
für das Körperwachstum. Beim Riesenwuchs kommen meist 
Tumoren dieser Drüsen vor, während der Zwergwuchs gewöhn- 
lich von Hypoplasien resp. Aplasien dieser Organe begleitet zu sein 
scheint. Das Vorkommen der allmählichen Lösung von Gelenkkörpem 
Geienkm&use. aus den Oelenkenden wird durch die Beobachtungen Boerners 
bestätigt. Der zumeist neue, zum Teil gelöste Körper kann lange, 
vielleicht ofi; jahrelang, mehr oder weniger in seinem Defekt fest- 
sitzen und macht während dieser Zeit bald größere, bald geringere, 
allgemeine Beschwerden. Die völlige Lösung dieser Stücke aus der 
Gelenkfläche ist rein mechanisch zu erklären. Für einen entzünd- 
lichen Vorgang bei der Entstehung freier Gelenkkörper hat Boerner 
Diagnose der keinen Anhalt gefunden. Eine neue Methode zur Diagnosti- 
b a^h**^ zierung von Knochenbrüchen hat Plesch angegeben. Sie be- 
ruht darauf, daß der gesunde Knochen den Ton gleichmäßig weiter 
leitet, was bei dem in seiner Kontinuität gestörten, gesprungenen 
Gelenk- oder gebrochenen Knochen nicht der Fall ist. König hebt hervor, 
neurosen. ^^^ß namentlich die Formen von neuralgieartigen Gelenkschmerzen, 
die durch Verletzungen am Meniskus hervorgerufen werden, in früherer 
Zeit ofii als Gelenkneuralgie aufgefaßt worden sind. Will man die 
schweren Konsequenzen der Verletzung vermeiden, so erreicht man 
das ofl dadurch, daß man die Verletzten 4 Wochen ruhig liegen 
Perimysitis läßt. Als Perimysitis oder Fascioperimysitis crepitans be- 
crepitans. geichnet Brauer einen entzündlichen, zu fibrinösen Auflagerungen 
fuhrenden Prozeß, der das Perimysium einerseits, die Innenfläche 



Chirurgie. 315 

der breiten, die Muskeln umhüllenden Faszienzüge andererseits be- 
fiUlt, und dessen wesentliche Eigenarten sind, 1. bei der Bewe- 
gung der Muskeln ein knarrendes, schnurrendes Geräusch entstehen 
zu lassen ; 2. hierbei zu Schmerzempfindungen zu fuhren und derart 
dann sekundär die Muskelbewegungen zu behindern. 

Spezielle Chirorgie. Kopf. Nach Ossig ist bei Schädel-Revoiverschafl- 
schlissen stets ein operatives Eingreifen indiziert. Dasselbe hat vwieteimgen 
sich auf eine Spaltung und Reinigung des Schußkanales bis zum Ge- ^q^ Bampfes. 
himeinschuß mit nachfolgender Tamponade zu beschränken. Herz- 
schüsse brauchen nicht unbedingt sofort tödlich zu verlaufen; sie 
können sogar in Heilung ausgehen. Im Frieden ist bei jedem Bauch- 
schusse sofortige Laparotomie anzuraten; die Anwendung von Opium 
ist hier völlig zu verwerfen ; nur bei Elriegsschuß Verletzungen auf dem 
Schlachtfelde ist sie zu empfehlen. Bei der Behandlung pene- Extraktion 
trierender Schädelschußverletzungen steht v. Angerer ganz ^^^ Kugehi 
auf dem ezspektativen Standpunkte v. Bergmanns: Desinfektion ßch&deihöhie. 
der Umgebung des Einschusses, Bedeckung der Wunde. Eine Des- 
infektion des Schußkanals sowie jede Sondierung desselben wird unter- 
lassen. Eine Indikation zur primären Trepanation geben nur Blu- 
tungen aus der Art. meningea med. mit Himdruckerscheinungen und 
Läsionen der motorischen Region. Die Indikation zur Entfernung 
einer Kugel aus der Schädelhöhle ist nur dann gegeben, wenn durch 
die Kugel dauernde, schwere Störungen bedingt werden. Als oberstes 
Prinzip bei der Kugeleztraktion aus dem Gehirn muß der Grundsatz 
gelten, daß durch die Extraktionsversuche nicht neue Läsionen des 
Gehirns, neue Störungen in den Leitungsbahnen verursacht werden. 
V. Beck verfügt über 10 Fälle von Kleinhirnabszeß, die von Lossen Eieinliini- 
ausführlich mitgeteilt werden. Die Ursache der Abszesse war stets »^szesse. 
eine chronische Ohreiterung; in 8 Fällen bestand Cholesteatom der 
Paukenhöhle. Die Prognose des Kleinhimabszesses ist ohne Opera- 
tion absolut schlecht, auch die Prognose der operierten Fälle ist 
nicht sehr glänzend. Von 8 Kranken, die operiert wurden, ge- 
nasen 8; sie wurden wieder vollkommen arbeitsfähig und zeigten 
keine Ausfallsymptome. Auf Grund einer sehr interessanten Be- 
obachtung hat Haymann Untersuchungen über den amniogenen Amniogene 
Ursprung der Hasenscharte angesteUt. Bei der Seltenheit ^^^^^^^Jj^^^^^^^ 
amniogener Mißbildungen der Extremitäten neben Hasenscharten ist 
es unwahrscheinlich, daß die Eihautverwachsungen eine irgendwie 
wesentliche Bolle bei der Entstehung der typischen Lippenkiefer- 
gaumenspalte spielen. Dagegen läßt das häufige ZusammentrefiPen 



316 Wagner. 

von Hasenscharten mit Bildnngshemmungen an anderen Stellen die 
Hasenscharte nicht als amniogenes Trauma, sondern als piimfire 
Bildungshemmung aus inneren Ursachen erscheinen. Die Wurzel 
aller primären Bildnngshemmungen liegt in der Familie. Aus den 
Operation der Erfahrungen, die Kappeier über die operativen und funktio- 
angeborenen ngHen Erfolge der Operation der angeborenen Gaumen- 
spalte gesammelt hat, geht deutlich hervor, daß nach einer gelunge- 
nen Operation die anatomischen und physiologischen Verhältnisse 
des Gaumens und des Rachens so liegen, daß in der Mehrzahl der 
Fälle durch Sprechunterricht oder durch Sprechunterricht mit Zu- 
hilfenahme eines Bachenobturators ein fiir eine normale Sprache hin- 
reichender Abschluß zwischen Mund- und Nasenhöhle herbeigeführt 
werden kann, daß aber die Operation allein nur in ganz seltenen 
Fällen einen vollen funktionellen Erfolg, d. h. eine normale Sprache, 
mit sich führt. Das beste Operationsalter ist die Zeit zwischen 
Rhinopiastik 2. — 6. Lebensjahre. Das wesentliche der Rhinoplastik aus dem 
ans dem Anne. ^j.jj^^ besteht darin, einen am Arme fertig gebildeten Lappen zu 
verwenden, der so weit geschrumpft und allseitig überhäutet ist, daß 
er nach seiner üeberpflanzung keine Veränderung mehr durchmacht. 
Waitz möchte die Lidikation der Nasenbildung aus dem Arme 
nicht nur auf Fälle von Nasenspitzendefekt beschränkt wissen, son- 
dern hält auch den Ersatz der ganzen Weichteilnase aus der Haut 
Ankyiosis des Armes für möglich. Die Behandlung der wahren Kiefer- 
gelenksankylose muß nicht nur in vollständig entwickelten, son- 
dern auch in beginnenden Fällen eine operative sein. Rezidive sind 
aber nach Orlows Untersuchungen relativ häufig. Schützen kann 
man sich gegen Rezidive 1. durch Entfernung des Periosts zusam- 
men mit dem resezierten Knochen, 2. durch ausgedehnte Knochen- 
resektionen, 8. durch Transplantation von Muskelstücken oder Metall- 
platten zwischen die Flächen der resezierten Knochen, 4. durch for- 
zierte passive und aktive Bewegungen des Unterkiefers, um die Bildung 
eines neuen, falschen Gelenkes an Stelle des entfernten Knochens 
zu erzielen. Im allgemeinen ist das fanktionelle Resultat der opera- 
tiven Behandlung der Kieferankylosen günstig. Die namentlich in 
den mittleren Partien des horizontalen Unterkieferastes sitzenden 
Zentrale zentralen Kieferfibrome sind sehr selten. Ihr Wachstum ist 
sehr langsam; sie tragen dabei durchaus den Charakter der gut- 
artigen Geschwülste, können aber eine große Ausdehnung erreichen. 
Die sonst günstige Prognose wird durch die allerdings sehr selten 
vorkommenden Uebergänge in Sarkom getrübt. Die Therapie muß 
operativ sein. Blauel teilt aus der v. Br uns sehen Klinik einen 



mandibnlae 
Vera. 



Kieferflbrome. 



Chirurgie. 317 

Fall von extrakraniellem Aneurysma der Carotis interna Extrakranielle 
mit, der nach Ligatur der Carotis communis und Ausräumung des -^^^^^^smen 
Aneurysmasackes zur Heilung kam. Der Fall lehrt namentlich die interna. 
großen Sch:vvierigkeiten würdigen, die einer genauen Diagnosen- 
stellung besonders hinsichtHch des eigentlichen Ausgangspunktes des 
Aneurysmas erwachsen können, wenn es eine so mächtige Ausdehnung 
erlangt hat. Gegenüber den bisher mitgeteilten wenigen Beobach- 
tungen von symmetrischen Schwellungen der Tränen- und Symmetrische 

Mundspeicheldrüsen bietet ein von Haeckel beobachteter Fall ?'^'^'*"*^ 
^ der Tr&nen- 

folgende Eigentümlichkeiten dar: 1. Vergesellschaftung mit schwerer und Mnnd- 
ulzeröser Enteritis; 2. zweimaliges Anschwellen und zweimaliges Speicheldrüsen. 
Abschwellen der Drüsen in verhältnismäßig kurzer Zeit; 8. Kom- 
bination mit ausgedehnten pseudoleukämischen Infiltraten der Haut 
an den verschiedensten Körperteilen. Das Wesen der pathologisch- 
anatomischen Veränderungen in den Speicheldrüsen möchte Haeckel 
mit Hirsch in einem allgemeinen lymphatischen Prozeß mit selb- 
ständiger Bundzelleninfiltration sehen. Die Erkrankung selbst muß 
als ein infektiöser Prozeß aufgefaßt werden. 

Thorax. Nach den Untersuchungen von Katzenstein kommt 
in sehr seltenen Fällen auf Grund eines chronisch wirkenden Traumas 
eine allmählich entstehende Luxation des sternalen Endes der Luxatio 
Klavikula vor. Sie erzeugt meist nur sekundäre Symptome, be- ^3,^*0^4^3 
dingt durch Druck der verlagerten Klavikula auf benachbarte Organe : 
Oesophagus und Plexus brachialis. In diesen Fällen muß therapeu- 
tisch eine operative Ankylosierung des Stemoklavikulargelenkes an- 
gestrebt werden. Die beste Methode der operativen Behand- Operative 
lung des Aneurysmas der Art. subclavia besteht nach den ^^^^^gj^'^^ 
Erfahrungen von Jacobsthal in der Exstirpation, die sich beson- Aneurysma der 
ders fiir thrombosierte Säcke eignet. Ist clie Exstirpation nicht aus- Arteria 
ftihrbar, so ist, wenn möglich, die proximale Ligatur vorzunehmen. 
Tritt danach eine Konsolidierung des Sackinhaltes nicht ein, so ist 
die distale Ligatur hinzuzufügen. In den Fällen, in denen nur die 
distale Ligatur ausgeführt werden kann, muß die Aussicht auf eine 
Dauerheilung als zweifelhaft betrachtet werden. Bei der Behand- stich- und 
lung der penetrierenden Thoraxverletzungen sind die Ge- Verletzungen 
gensätze noch größer, als bei den nicht penetrierenden. Die von des Thorax. 
Borszöky aus der Budapester chirurgischen Klinik mitgeteilten Er- 
folge zeigen, daß frische Stichwunden in der Praxis als aseptisch be- 
trachtet werden können, und auch als solche zu behandeln sind, ebenso 
wie die Schußwunden. Im allgemeinen ist bei Lungen-, Herzbeutel- 
und Herzverletzungen eine exspektative Behandlung am Platze. Eine 



318 Wagner. 

operative Behandlung soll hier nur auf Grund strenger Indikation 
bei solchen Verletzungen versucht werden, die mit einer das Leben 
direkt gefährdenden, schweren Blutung verbunden sind. Aus den 
Operation des Untersuchungen von Küttner geht hervor, daß jedes Mamma- 
MaMia- karzinom, bei dem bereits vergrößerte Supraklavikulardrüsen fuhl- 
bei bar sind, eine absolut ungünstige Prognose gibt, daß auch bei gründ- 
vergrößerten liebster Operation gar keine Aussicht auf eine dauernde Heilung 
kiavikniar- besteht. Trotzdem werden wir auch hier in manchen Fällen ans 
drüsen. Humanitätsgründen noch operieren müssen. Barth hat, wie Wol£f 
Herznaht berichtet, in 3 Fällen von Herzverletzung die Herznaht vor- 
^®*®^^®"" genommen (1 gestorben). Im ganzen finden sich in der Idteratar 
42 Fälle von Herznaht mit 17 Heilungen. Aus diesem Materiale zieht 
Wolf f folgende Schlüsse: Bei dem Verdacht auf Herzverletzung durch 
Stichwa£Pen ist die Operation auch ohne vitale Indikation zur Vermei- 
dung späterer Schädigungen (Herzaneurysma) geboten. Schußver^ 
letzungen des Herzens sind in der B,egel ezspektativ zu behandeln. 
Die einzige ungefährliche Methode zur Sicherung der Diagnose ist die 
schichtweise Erweiterung der Wunde. Die Naht wird am zweck> 
mäßigsten als Knopfi:iaht mit nicht durchgreifenden Fäden angelegt. 
Die Knotung der Fäden erfolgt in der Diastole. Die Herzbeutel- 
wunde ist in der Eegel durch primäre Naht zu behandeln. Die Tam- 
ponade sollte nur bei bestimmter Indikationsstellung (Infektion des 
Herzbeutels, unstillbare Blutung) angewandt werden. Bei Kranken 
Kardiolysis. jjß{f^ chronischer adhäsiver Mediastino Perikarditis und dadurch 
bedingter systolischer Einziehung breiter Thorazpartien empfiehlt 
Brauer durch Sprengung des knöchernen Bippenringes das Herz 
funktionell zu entlasten. Diese Kardiolysis wird durch Bippen- 
resp. Stemumresektionen erreicht. Nach den Untersuchungen von 
Dermoid- Dangschat sind die Dermoidzysten des Mediastinum 

zysten und ^nticum auf eine Inclusio foetus in foetu zurückzufuhren. Die Er- 
Teratome im , « r* . 1 -Tk ^ 
Mediastinum krankungen treten am häufigsten zur Zeit der Pubertät oder ersten 

anticum. Geschlechtsreife auf. Der Verlauf der Krankheit ist meist langsam. 
Für die Diagnose entscheidend ist der Nachweis von Haaren im 
Sputum, der Nachweis von Plattenepithelien und Cholestearinkri- 
stallen in einer etwaigen Punktionsflüssigkeit und eine lange Zeit 
bestehende Vorwölbung des Thorax. Die Prognose ist nur günstig, 
wenn die Dermoidzyste verödet oder exstirpiert werden kann. Auf 
Therapie der Grund eigener Erfahrungen empfiehlt v. Eiseisberg bei D er- 
Dermoide des meiden des Mediastinum anticum in erster Linie die Aus- 
Mediastinum 
anticum. lösung des Sackes, d. h. die Totalexstirpation zu versuchen und sich 

durch Adhäsionen nicht gleich davon abhalten zu lassen. Der un- 



Chirurgie. 



319 



vermeidlich dabei entstehende Pneumothorax muß in wirksamer 
Weise bekämpft werden durch Eneumopexie oder durch sofortige 
exakte Naht der Hautwunde und Kompressionsverband. Nur dort, 
wo die Exstirpation des Dermoids wegen zu starker Verwachsungen 
oder wegen Kollaps des Patienten v während der Operation nicht aus- 
Ahrbar ist, wird das Einnähen der breit eröffneten Wandung in die 
äußere Haut das beste Mittel bleiben. Wie Tillmanns hervorhebt, 
sind die Kompressionslähmungen des Kückenmarks bei 
noch bestehender Spondylitis tub er culosa durch epidurale 
Exsudate, Abszesse, käsige Zerfallsprodukte und durch peripachy- 
meningitische Granulationen, also durch Weichteilkompression, be- 
dingt. Bei jeder spondylitischen Lähmung muß zuerst die unblutige — 
orthopädische — Behandlung versucht werden. Die operative Be- 
handlung der spondylitischen Lähmungen besteht entweder in der 
seitlichen Bloßlegung des Krankheitsherdes, der Kostotrans- 
versektomie nach M6nard, oder in der Resektion der Wirbel- 
bogen, der Laminektomie. Letzteren Eingriff hatt Tillmanns 
llmal ausgeführt; die operativen Erfolge waren günstig, die Dauer- 
resultate ungünstig. Orüneisen berichtet aus der Körte sehen 
Abteilung über 60 operierte Fälle von subphrenischem Abszeß; 
40 Operierte genasen. Die Abszesse müssen breit eröf&xet und drai- 
niert werden. Je nach der Lage des Abszesses können wir auf 
zweierlei Arten vorgehen, entweder von der unteren Thoraxapertur 
aus oder durch die knöcherne Thoraxwand mit Rippenresektion. Bei 
freier Pleura muß die Pleura costalis mit der Pleura diaphragmatica 
durch Steppnaht umsäumt werden, um eine Lifektion der Pleura zu 
vermeiden. 

Bauch. Nach den Erfahrungen von Friedländer ist es nicht 
nötig, unbekannte Vorgänge anzunehmen, um die Effekte der 
Laparotomie bei der Behandlung der tuberkulösen Peritonitis 
zu erklären. Bei der Operation müssen vorhandene Verwachsungen 
nach Möglichkeit geschont, die Bauchwunde per primam geschlossen 
werden. Die namentlich bei Kindern primär oder sekundär nach 
Lungen- oder Mittelohrerkrankungen auftretende Pneumokokken- 
peritonitis ist nach den Untersuchungen von v. Brunn durch 
ein fibrinreiches, plastisches Exsudat charakterisiert, das frühzeitig 
zu Verklebungen und Abgrenzungen des Prozesses führt. Die Pro- 
gnose ist meist günstig, vorausgesetzt, daß die Abszeßhöhle breit 
eröffnet und drainiert wird. Unter Mesenterialschrumpfung 
versteht man nachBrehm einen chronisch verlaufenden Prozeß am 
Bauchfell des Gekröses, der unter Narbenbildung heilt und durch 



Entstehung 

und 
Behandlang 

der 
spondyliti- 
schen 
Lähmungen . 



Subphrenische 
Abszesse. 



Behandlung 

der 
tuberkulösen 
Peritonitis. 

Pneumo- 
kokken- 
peritonitis. 



Mesenterial- 
schrumpfung. 



320 Wagner. 

Schrumpfcmg eben dieser Narben eine Verkleinerung und Kontraktur 
des ganzen Mesenteriums in der Querachse bewirkt. Der Prozeß be- 
trifft am häufigsten die Flexura sigmoidea, die bekanntlich ihr eigenes 
Mesenterium hat und fuhrt hier zu transitorischer oder bleibender 
Chirurgische Okklusion. NachOoste ist die Operation einer Enteroptose 
^***"der"*^ in den Fällen sehr wohl berechtigt, wo die Beschwerden sich deut- 
Gastroptose. Uch in einem Organ wie dem Magen lokalisieren, wenn sie einen 
ganz bestimmten Charakter tragen und die Funktionsstörung so 
stark wird, daß sie einen das Leben gefährdenden und bedrohenden 
Charakter annimmt. Sind hier die internen Mittel erschöpft, dann 
kann der Chirurg, aber nur dann, mit Aussicht auf Erfolg ein- 
greifen, vorausgesetzt, daß er in seiner Indikationsstellung der 
Operation vorsichtig ist. Auf Orund seiner Erfahrungen empfiehlt 
Chirurgische Brenner für jene kallösen Magengeschwüre, die tief in die 
Behandlung vordere Bauchwand oder in das Pankreas eingreifen, die segmen- 
Magen- täre oder zirkuläre Resektion des Geschwürs. Die 
geschwttrs. Gastroenterostomie ist auf die Fälle zu beschränken, wo eine ein- 
greifendere Operation wegen Schwäche des Kranken untunlich er- 
scheint, sowie auf die Geschwüre an der kleinen Kurvatur und dem 
Pylorus, die mit dem Pankreas nicht verwachsen sind. Unter Be- 
nutzung des reichen Materials der Zürcher chirurgischen Klinik 
Chirurgische — 264 Fälle von Magenkrebs — stellt Schönholzer folgende 
Behandlung gg^^^Q ^^f . i D^s Magenkarzinom, mit oder ohne Probelaparotomie 
krebses. sich selbst überlassen, fährt durchschnittlich etwa 1 Jahr nach 
Auftreten der ersten wahrgenommenen Symptome zum Tode. 2. Die 
Gastroenterostomie verlängert das Leben im Mittel um d^t Monate. 
8. Die Gastrektomie , sofern sie von Rezidiv gefolgt ist, verlängert 
es durchschnittlich um 1 Jahr. Als diagnostisches Hilfsmittel zur 
Frühdiagnose des Magenkrebses empfiehlt Schönholzer ebenso 
wie Bin gel auf Grund des Eppendorfer Krankenmaterials die 
Vornahme der Probelaparotomie. Caspersohn hat bei 20 Kranken 
mit Magenkrebs die Resektion des Pylorus vorgenommen. Neun 
Kranke wurden geheilt entlassen, und vier davon sind 4^/t — 7 V> Jahre 
geheilt geblieben. Caspersohn hat die Indikationen zum chirur- 
gischen Eingriff möglichst weit und vor allem weit nach der Seite 
des Versuchs radikaler Heilung durch Resektion gesteckt. Er hat 
in seinen 20 Resektionsfallen die sog. erste Billroth sehe Methode 
aastroentero- angewandt. Nach den in der Tübinger chirurgischen Klinik ge- 
^st^^ wonnenen Ergebnissen schließt sich Trendel den Erfahrungen 
Czernys und Steinthals an, daß unter den relativ einfachen 
Operationsverhältnissen, die ein schnelles und aseptisches Operieren 



Chirurgie. 321 

möglich machen, die hintere Gastroenterostomie mit zu- 
fahrender kurzer Schlinge und gut konstruiertem Murphyknopfe die 
beste Gewähr für eine sicher funktionierende Magendarmanastomose 
bieten. Nach den kritischen Untersuchungen Neuweilers über Anwendung 
die Anwendung des Murphyknopfes bei Magen- und ^^^^^^g^J^r 
Darmoperationen kann die Knopfmethode in manchen Fällen Magen- und 
unbedingt ebensoviel leisten als die Nahtmethode, und da sie die Darm- 
Operationsdauer abkürzt, so ist sie in einzelnen Fällen der Naht ^^®'* ^^"®'*' 
sogar vorzuziehen, so namentlich bei Dünndarmresektionen nach 
brandigem Bruche und bei Gastroduodenostomien nach Pylorus- 
resektion wegen karzinomatöser Stenose. Enterogene Stenosen Darmstenosen, 
können nach den Untersuchungen Haaslers in der großen Mehr- 
zahl der Fälle nicht nur kompensiert, sondern völlig ausgeglichen 
werden. Ist die Ursache der Stenose eine Darmerkrankung, die nach 
typischem Ablauf zur Heilung kommt, so tritt fiir gewöhnlich nur 
vorübergehende Stenosierung auf; weiterhin erfolgt funktionelle Um- 
gestaltung des Darmrohres und Restitutio ad integrum. Anders wenn 
die Erkrankung einen fortschreitenden deletären Charakter hat (Tuber- 
kulose, Karzinom), oder wenn es sich bei relativ gutartigem Ghrund- 
leiden (Lues) um multiple Stenosen handelt. Bei letzteren bewirkt die 
schwere Störung der motorischen Darmfunktion die Verschlimmerung 
des Leidens. Stenosen zweifelhaften Ursprungs werden zumeist der 
tuberkulösen Aetiologie zuzuzählen sein. Auf Grund eigener günstiger 
Erfahrungen empfiehlt v. Mikulicz bei allen Karzinomen d e s Darmkarzinom. 
Dickdarmes, auch wenn keine Komplikationen vorliegen, als 
Normalverfahren die zweizeitige Darmresektion. Beim Dünndarm 
wendet er, falls nicht akuter Heus vorhanden ist, die einzeitige 
Resektion mit primärer Darmnaht an. Die Tumoren des Zökums 
sind als Grenzflille anzusehen. Während die Eesektion am Zökum 
nach Möglichkeit einzeitig ausgeführt werden soll, empfiehlt S chlof f er 
für die wegen Karzinom vorgenommene Besektion am übrigen Dreizeitige 
Dickdarm ein dreizeitiges Verfahren: Zökostomie, Resektion, Naht ^ ^^^^Jjei 
mit ausgiebiger Tamponade der Wundumgebung. Die Darmresektion Dickdarm- 
und Vereinigung kann dabei am „kotfreien" Darme vorgenommen Karzinom, 
werden. Die akute Darminvagination steht nach Barkers Aknte Darm- 
Ansicht genau auf demselben Standpunkte wie die äußeren Brüche, iav»«*«»**«» 
Die größte Gefahr, der die Kranken mit akuter Darminvagination 
ausgesetzt sind, ist der Zeitverlust, der leider zu oft stattfindet, ehe 
sie in chirurgische Behandlung kommen. Es kommt alles darauf an, 
eine frühzeitige Diagnose zu machen und dann sofort zur Laparotomie 
zu schreiten. Einlaufe sollen nur gebraucht werden, wenn es ganz 
JalntQch der imktischen Medizin. 1904 21 



322 Wagner. 

zweifelloB erscheint, daß man eine Darminvagination im allerfirüliesteii 
Stadium vor sich hat. v. Eiseisbergs Erfahrongen gehen daliin, 
Radikale daß bei Darminvagination das sicherste Verfahren die Eesektion 
^M^am-* ^®^* ^^® vollkommene Wegräumung des in seiner Zirkulation be- 
invagination. einträchtigten Darmteiles, der eine schwere Gefahr für den Organis- 
mus darstellt, bietet die günstigsten Ergebnisse. Der Versuch einer 
vorsichtigen Desinvagination kann stets gemacht werden, schon xim 
zu bestimmen, ein wie großes Stück reseziert werden solL Kach 
den Untersuchungen von Hofmeister ist die Besektion per aanm 
Proiapsas bei denjenigen Invaginationen indiziert, deren Ursprung im 
invarfnati ^^^^^ pelvinum gelegen ist. Bei denjenigen Invaginationen, deren 
Ursprungsstelle per rectum sich nicht erreichen läßt, ist die Laparo- 
tomie indiziert. Wir besitzen eine Beihe von klinischen, allgemeinen 
und lokalen Symptomen, die uns einen Anhalt fär den Beginn einer 
Eitrige Eiterung resp. Gangrän in der Umgebung des Wurmfort- 
Epityphiitis. Satzes darbieten. Die Allgemeinsymptome sind nach Küster die 
Leukozytose, die Facies abdominaUs, der Puls, die Temperatur, Ver- 
dauungsstörungen. Von den lokalen S3rmptomen sind zu nennen 
der örtliche Schmerz, die Entzündungsgeschwulst, das Oedem, die 
starre Feststellung der Bauchwand in der rechten Darmbeingrabe. 
Das letztere Symptom ist ganz besonders wichtig. Küster hat es 
Frühoperation in EiterungsfiQlen niemals vermißt. Nach Bornhaupts Erfahrungen 
AppendLitis. ^^ ®® keine prinzipielle Scheidung der exspektativen und operativen 
Behandlungsmethode bei der Perityphlitis geben. Mit dem Eingriffe 
darf nicht gesäumt werden, sobald ein eitriges Exsudat mit Be* 
stimmtheit nachzuweisen ist. Abnorm hohe Temperatur, frequenter 
Puls, sehr intensive Schmerzen, schlechtes Aussehen der Patienten, 
bretthart gespannter Leib, dabei palpabler Processus vermiformis, 
das sind die Anzeichen einer schwer verlaufenden Perityphlitis, tmd 
diese Anzeichen verlangen daher die möglichst sofortige Operation. 
Nach Payr soll man den kranken Wurmfortsatz entfernen, 
bevor er in die freie Bauchhöhle perforiert oder große Abszesse in 
der rechten Fossa iliaca und im kleinen Becken oder Allgemein- 
metastasen erzeugt hat. Wenn dies gelungen, so hat man keine 
Frühoperation, sondern den Eingriff gerade noch zur rechten Zeit 
gemacht. Operiert man nach der Perforation in die freie Bauchhöhle, 
80 sinken die Chancen der Heilung proportional der Entfernung 
zwischen Durchbruch und heilendem Eingriff, gerade so wie beim 
perforierten Magengeschwür oder der durchgebrochenen, eitererfällten 
ChJlenblase. Ackermann bespricht die seltenen Fälle von voll- 
ständiger oder teilweiser Umstülpung des Processus vermi- 



Chirurgie. 



323 



formis, die namentlicli in den ersten Lebensjahren nach chronisch 
entzündlichen Vorgängen des Appendix beobachtet wird. In allen 
Fällen bestand sekundär eine Intussuszeption, nnd zwar handelte es 
sich am häufigsten um eine typische Invaginatio ileocoecalis. 
Die klinische Diagnose einer primären Wurmfortsatzinkarze- 
ration kann nach den Erfahrungen von Hon seil nicht mit Sicher- 
heit gestellt werden. Veni^uten kann man einen eingeklemmten 
Wurmfortsatzbruch am ehesten bei kleiner rechtseitiger Schenkel- 
hemie einer älteren Frau, wenn die Allgemeinerscheinungen fehlen 
oder wenig ausgesprochen sind. Die Diagnose gewinnt an Wahr- 
scheinlichkeit, wenn außerdem eine Besistenz über dem Poupartschen 
Bande oder eine Flexionskontraktur des Beines vorhanden ist. Die 
Prognose ist nicht ungünstig. Der Wurmfortsatz ist grundsätzlich 
in allen Fällen zu resezieren. Auf Orund des reichen Sonnen- 
burgschen Materials bespricht Mühsam die bei Appen- 
dizitis spontan und nach Operationen auftretenden 
Fisteln. Nach Operationen kann es zu gewöhnlichen und zu Kot- 
fisteln kommen. Zur Vermeidung von Fisteln ist möglichst genaue 
Stumpfversorgung, sowie üebemähung jedes bei der Operation ent- 
standenen Serosadefektes notwendig. Die Behandlung der Fisteln 
ist zunächst eine exspektative. Als Operation kommen Besektion 
des Wurmfortsatzes, Einstülpen und Vernähen des Loches im Darm, 
Resektion eines Darmabschnittes, Enteroanastomose, eventuell Darm- 
ausBchaltung, in Betracht. Hermes hat bei Genitalerkran- 
kungen des weiblichen Geschlechtes in einem großen 
Prozentsätze gleichzeitig Erkrankungen des Wurmfortsatzes ge- 
funden. Diese Erkrankungen bestehen in chronischen Entzündungen 
der Schleimhaut mit abnormem Inhalt und in Verwachsungen, die 
häufig zu sekundären Erkrankungen fuhren. Die Erkrankungen 
können unabhängig voneinander sein, sind aber am häufigsten fort- 
geleitet von einem primär erkrankten Genitalorgan auf den Wurm- 
fortsatz. Letzterer ist dann bei einer eventuell vorzunehmenden 
Laparotomie mit zu entfernen. Gzerny hebt hervor, daß die Mast- 
darmfissur mit dem gereizten Grunde gründlich entfernt und mit 
gesunder Schleimhaut überkleidet werden muß. Er schneidet die 
Narbe quer durch und vereinigt die Wunde der Länge nach oder 
umgekehrt. Zur Behandlung des Mastdarmvorfalles mittleren 
Grades empfiehlt er eine Bektopexie mit Bectoplicatio. Auf Grund 
eigener Erfahrungen empfiehlt Bunge bei sicherer oder Wahrschein- 
lichkeitsdiagnose auf akute Pankreashämorrhagie nicht zu- 
zuwarten, sondern sofort zu operieren. Die Operation kann in 



Umstttlpung 
des Proceasas 
vermiformis. 



Isolierte 
Bmohein- 
klemmangen 
des Wurm- 
fortsatzes. 



Fisteln im 
Verlauf der 

Blinddarm- 
entzündang. 



Wurmfortsatz- 
erkrankangen 

bei gynäko- 
logischen 

Affektionen. 



Behandlung 
der Fissur 
und des 
VorfaUs des 
Mastdarms. 



324 



Wagner. 



Akute 

Pankreas- 

h&morrhagieen 

und 

abdominale 

Fettgewebs- 

nekrosen. 



Pankreas- 
geschwülste. 



Subkutane 
traumatische 
Rupturen der 
Gallenwege. 



Gholezysto- 
gastrostomie. 



Cholecystitis 

acuta 
infectiosa. 



Hepatiktts- 
drainage. 



seltenen Fällen nur in Laparotomie und Drainage des Peritoneums 
bestehen; mit Bücksicht auf die meist zu erwartende Nekrose und 
Eiterung am Pankreas scheint es jedoch empfehlenswert, das Pan- 
kreas durch Tamponade durch das Ligamentum gastro-colicum hin- 
durch und hinter dem Magen und Mesokolon gegen die Bauchhöhle 
abzuschließen, damit eine Propagation der sekundären Eiterung auf 
das freie Peritoneum verhütet wird. Als oberstes Prinzip für die 
Operation muß festgehalten werden, daß sie nicht zu eingreifend ist. 
Auch Pels-Leusden hebt ausdrücklich hervor, daß die Laparo- 
tomie bei Fettgewebsnekrosen sehr schonend vorgenommen werden 
muß; sie ist dann mit einer Jodoformgazedrainage zu verbinden« 
Ehrlich berichtet über 2 Fälle maligner Pankreasgeschwülate, 
von denen die eine ganz unter dem Bilde einer Pankreaszyste auf- 
trat. Jedenfalls muß man bei der Diagnose großer Pankreaszysten, 
die nicht traumatischen Ursprungs sind und bei Leuten im vor- 
gerückten Alter auftreten, immer die Möglichkeit im Auge behalten, 
bei der Operation eine bösartige Neubildung vorzufinden oder eine 
solche im Laufe der Nachbehandlung entstehen zu sehen. I>ie 
Prognose ist daher in diesen Fällen stets mit Vorsicht zu stellen. 
Bei subkutanen Verletzungen pathologisch nicht veränderter 
Gallenwege kommt es nach den Untersuchungen von Lewerenz 
niemals zu einer eitrigen, meistens dagegen zu einer serös-fibrinösen 
bezw. adhäsiven Peritonitis. Länger dauernder, reichlicher Gallen- 
austritt fuhrt teils infolge von Besorption von Gallensäuren, teils 
wegen des Ausfalles eines so wichtigen Verdauungssaftes regelmäßig 
zum Siechtum und Tode. Es muß deshalb operativ eingegriffen 
werden: Verschluß der Bißstelle und Einleitung der gesamten G^dle 
in den Darm. Hildebrand will bei Gallenstauung, die sich sonst 
nicht beseitigen läßt, die Gholezystenterostomie anwenden, da sie 
prompt wirkt. Er empfiehlt femer, wenn Schwierigkeiten bestehen, 
Dünndarm zu benutzen, die Fistel zwischen Gallenblase und Magren 
anzulegen, da das nicht den geringsten Nachteil hat. Nach den 
Erfahrungen von Körte ist auch im akuten Stadium der Chole< 
cystitis acutissima die Operation durchaus zu empfehlen; in 
der großen Mehrzahl der Fälle wird es gelingen, durch den Eingriff 
ein schweres und im weiteren Verlaufe nicht übersehbares Leiden 
zur Heilung zu bringen. Das am meisten zu empfehlende Verfahren 
ist die Zystektomie, weil dabei der ganze Infektionsherd entfernt 
wird. Die von B e r g e r aus der Kehr sehen Privatklinik mitgeteilten 
Beobachtungen ergeben, daß die Hepatikusdrainage der Chole- 
dochotomie mit Naht vorzuziehen ist, weil sie bestehende Gholang^itis 



Chirurgie. 325 

zur Ausheilung bringt, die nachträgliche Entfernung zurückgelassener 
Steine möglich macht und schneller auszufuhren ist. Es empfiehlt 
sich, die in ihren Erfolgen ausgezeichnete Hepatikusdrainage in jedem 
FaUe von Gholelithiasis auszufuhren, wenn dadurch nicht eine er- 
hebliche Erhöhung der Operationsgefahr bedingt ist. Kontraindiziert 
ist sie nur beim akuten Gholedochusverschluß und bei der akuten 
eitrigen Cholezystitis. Neugebauer hat bei einer Kranken, bei Spulwunn 
der ein Choledochusstein diagnostiziert worden war, neben zwei ^j^^^^v^* 
Steinchen einen 19 cm langen, lebenden Spulwurm mittels Chole- 
dochotomie entfernt. Wahrscheinlich hat es sich in diesem Falle 
am primäre Gbdlensteine gehandelt, die dem Wurme das Eindringen 
in den erweiterten Choledochus erleichtert haben. Nach den von 
Schaefer an der Madelungschen Klinik angestellten Unter- 
suchungen sind die offenen Milzwunden fast ausnahmslos mit Die offenen 
Verletzungen anderer Organe, besonders des Zwerchfells und der ^^ ^^^^ 
Pleura, kompliziert. Die überwiegende Mehrzahl der offenen Milz- transpieuraie 
wunden gehört zu den Brustbauchhöhlenverletzungen. Häufig liegt i*PMotomie. 
die äußere Wunde am Thorax; hier empfiehlt sich die Vornahme 
der transpleuralen Laparotomie. Sie gewährt einen freien 
üeberblick über die Organe des linken Hypochondriums von oben 
her und schützt vor dem verhängnisvollen Uebersehen von Organ- 
verletzungen. Sie verschafft ein bequemes Operationsfeld und 
garantiert die leichte und sichere Ausführung der Zwerchfellnaht. 
Aus den Untersuchungen Barths über die funktionelle Nieren- FanktioneUe 
diagnostik geht hervor, daß keine der funktionellen Untersuchungs* ^mj^ogtik 
methoden im stände ist, uns in jedem Falle ein sicheres Urteil über 
die Leistungsfähigkeit der Nieren zu geben, und daß sich damit 
auch die Forderung, lediglich hiemach die Leistungsfähigkeit der 
zweiten Niere bei beabsichtigter Nephrektomie zu beurteilen und 
die Lidikation zum Eingriffe hiervon abhängig zu machen, von selbst 
erledigt. Jedenfalls aber werden uns diese diagnostischen Methoden 
oft den Vorteil bringen, unnötige Nierenspaltungen zu vermeiden. 
Nach Israels Erfahrungen dagegen können wir unter gewissen 
Umständen trotz suffizienter Nierentätigkeit eine abnorm starke 
Gefrierpunktsemiedrigung des Blutes finden, wie eine normale Höhe 
bei unzureichender Nierenfunktion. Die Phloridzinmethode kann 
uns keine Gewißheiten, sondern nur einige mehr oder minder große 
Wahrscheinlichkeiten bieten; sie schließt Irrtümer in der Erkenntnis 
der Fimktionsfähigkeit der Nieren nicht aus, da die von ihr gelieferten 
Zahlenwerte durchaus nicht immer dem Verhältnisse des frtnktions- 
fähigen Farenchyms beider Seiten entsprechen, und daß selbst dann, 



326 Wagner. 

wenn sie richtige Werte für das Verhältnis der Arbeitseinteilang 
lieferte, dadurch noch keine genügende Unterlage für die Entschei- 
dung über die Zulässigkeit einer Nephrektomie geben würde, weil 
diese von der absoluten Größe und der Kompensations&higkeit der 
zurückbleibenden Niere abhängt, über die die Phloridzinprnfiing 
nichts auszusagen vermag 0* In einem seiner letzten Vorträge über 
Chirurgische die chirurgische Behandlung des chronischen Morbus 
^^^deT"^ Brightii teilt Edebohls mit, daß er bis Ende 1902 51 solche 
chronischen Kranke operativ behandelt hat. 29 Kranke litten an chronischer 
Morbus interstitieller, 14 an chronischer diffuser und 8 an chronischer paren- 
chjmatöser Nephritis. Von den 29 Fällen chronischer interstitieller 
Nephritis war die Erkrankung 9mal auf eine Niere beschränkt. 
Der operative Eingriff bestand in der Dekapsulation einer oder 
beider Nieren. Von den 51 Operierten, darunter 47 doppelseitig 
Operierten, starben 7 innerhalb 17 Tagen nach der Operation, 7 im 
Zeitraum von 2 Monaten bis zu 8 Jahren nach der Operation. 
2 Elranke sind nicht gebessert; 22 Kranke befinden sich gegenwärtig 
in einem Zustande von befriedigender Besserung in Zeiträumen von 
2 — 15 Monaten nach der Operation. Ein Kranker hat nach einer 
Heilungsdauer von 4 Jahren wieder Brightsche Nephritis. 9 Kranke 
sind geheilt geblieben 1 Jahr 9 Monate bis zu 10 Jahren nach der 
Operation. Bazy berichtet über eingehende Untersuchungen aber 
Pathogenese die Pathogenese der intermittierenden Hydronephrose. 
mitTieTOnden ^^ ^**' ^®^ einer größeren Anzahl Neugeborener die Nierenbecken 
Hydro- und Harnleiter künstlich injiziert und dabei die eigentümlichsten 
nephrose. Formen erhalten. Seiner Meinung nach liegt der Ursprung der 
intermittierenden Hydronephrose in einer kongenitalen Disposition 
des Nierenbeckens und des Ureters. Vor allen Dingen gehören hier- 
her abnorm große Nierenbecken mit horizontalem Verlaufe and 
Dudelsackform; außerdem Verengerungen, Falten, Drehungen des 
obersten Ureterenendes. Die Seltenheit dieser Zustände soll auch 
das seltene Vorkommen der intermittierenden Hydronephrose erklären. 
Letztere kann auch die Folge einer beweglichen Niere sein; dock 
ist nach Bazys Ansicht die Nierenbeweglichkeit resp. der er- 
worbene Tiefstand der Niere am häufigsten erst eine Folge der 
Hydronephrose. 

Bei intraabdominalen Blasenrissen hat die einfache Blasen- 
naht, auch wenn sie in mehreren Etagen ausgefiihrt wird, immer 



^) Ueber die Erfahrungen von Kümmell, Rumpel u. a. siehe den 
Abschnitt Krankheiten der Hamorgane S. 245. 



Chirurgie. 



327 



noch etwas unsicheres. Hildebrand hat deshalb in einem Falle 
ein Verfahren angewendet, das geeignet ist, für den Fall des Wieder- 
aofgebens der Blasennaht dies Ereignis unschädlich zu machen: durch 
besondere Peritonealumsäumung lagerte er den Blasenriß außerhalb 
der Bauchhöhle. Dsirne hat bei 186 Kranken mit Blasensteinen 
die Sectio mediana mit 1,68*^/0 und bei 105 Kranken die Sectio alta 
mit 0,95^/0 operativer Mortalität ausgeführt. Der Medianschnitt ist 
kontraindiziert bei Kindern unter 12 Jahren, da hier das Einführen 
des Fingers in die Blase zur Exploration und das Herausziehen der 
Steine durch den Blasenhals ohne übermäßige Dehnung desselben 
unmöglich ist. Nach dem hohen Steinschnitte kann die Blase bei 
normalem Urin und normalen Blasenwandungen und nicht ge- 
quetschten Wundrändem primär durch die Naht vereinigt werden, 
event. in Kombination mit der Ventrofixation der Blase. Nach 
Riedels Ansicht ist bei der Prostatahypertrophie nur die 
Operation indiziert, die, abgesehen von der Narkose, gar keine Ge- 
fahr für den Kranken herbeifuhrt, wenn sie dann auch nicht radikal 
ist und nicht vor Rezidiven schützt. Da die hypertrophierte Prostata 
am Lebenden weich ist und sich leicht mit dem scharfen Löffel ent- 
fernen läßt; so hat Riedel bereits mehrfach mit Erfolg eine Ex- 
cochleatio prostatae vorgenommen. Völcker teilt aus der Heidel- 
berger chirurgischen Klinik 11 Fälle von perinealer, intrakapsu- 
lärer Prostatektomie mit; Zuckerkandl verfügt über acht hier- 
her gehörige Fälle. Mit Ausnahme von 2 Todesfllllen (Czerny) 
waren die Resultate befriedigend. Bei der Operation selbst ist 
namentlich zweierlei zu beachten: 1. muß man sich streng innerhalb 
der sog. Prostatakapsel halten; 2. muß man eine quere Durchtrennung 
der Harnröhre vermeiden. Einen neuen Blasenschnitt, die Cysto- 
tomia perine alis, empfiehlt Frank. Diese Methode ist geeignet, 
einer Anzahl von Lidikationen , die bisher ausschließlich der Sectio 
alta zufielen, gerecht zu werden. Das Verfahren, das namentlich 
fbr alte fettleibige Leute geeignet ist, vereinfacht die Nachbehand- 
lung, schafft günstige Drainageverhältnisse und kürzt die Heilungs- 
dauer wesentlich ab. Bei seinen Operationen zur Behandlung des 
Kryptorchismus konnte Riedel den betreffenden Hoden erst dann 
herunterholen und mittels Matratzennaht befestigen, nachdem er die 
Vasa spermatica nachgiebig gemacht hatte. Sie mußten vom Samen- 
strange getrennt, hoch oben retroperitoneal bis in die Beckenschaufel 
verfolgt und dort von den umgebenden Geweben gelöst werden, um 
sie dehnen zu können. Die Winkelmannsche Hydrozelen- 
operation, die leicht und schnell und unter lokaler Anästhesie 



Extra- 
abdominale 
Versorgung 

intra- 
abdominaler 
Blasenrisse. 
Blasenstein- 
operationen. 



Excochleatio 
prostatae. 



Perineale 
Prostatek- 
tomie. 



Gystotomia 
perinealis. 



Behandlung 
des Kryptor- 
chismus. 



328 



Wagner. 



Winkel- 

mannsche 

Hydrozelen- 

Operation. 



Arthrodese des 
paralytischen 

Schlotter- 
gelenkes der 
Schalter. 



NervenlÖBong 

bei Radialis- 

lähmung nach 

Oberarm- 

fraktnr. 



Luxation des 
Nervus 
ulnaris. 



Thiosinamin- 

injektionen 

bei Dupuytren- 

scher Finger- 

kontraktur. 

Ganglien in 
der Hohlhand. 



Isolierte 

Fraktur des 

Os scapho- 

ideum. 



ausführbar ist, gibt auch bezüglich des Nichteintretens von Bezidiven 
sehr günstige Resultate. Als einziger Nachteil der Methode ist nach 
Suzuki der Umstand anzuführen, daß sie nicht in allen Fällen an- 
wendbar ist, weil bei verdickter Tunika die Ektropionierung 
Schwierigkeiten machen kann. 

Extremitäten. Nach den Erfahrungen von Vulpius stellt die 
Arthrodese das Normalverfahren bei einer Monoplegie der Schulter 
dar, mit deren Erfolgen sich die Leistung eines orthopädischen 
Apparates keinesfalls messen kann. Die Arthrodese muß eine wirk- 
liche Verödung des Schultergelenkes erzeugen und eine ossäre An- 
kylose darstellen. Bei Badialislähmung nach Oberarmfraktur 
hat die Operation unter allen Umständen dafür zu sorgen, daß der 
Nerv vollständig freigelegt wird, wenn nötig unter Besektion des 
Kallus bezw. Abtragung des Narbengewebes, sowie dafür, daß die 
Isolierung des Nerven derart geschieht, daß einBezidiv ausgeschlossen 
ist. Beisinger empfiehlt zu diesem Zwecke die Einbettung des 
Nerven in Muskelfurchen des M. triceps bezw. M. brachial, int. Ent- 
gegen den bisher geltenden Anschauungen hat Momberg gefunden, 
daß die Luxation des N. ulnaris häufig ist; daß sie bisher so 
selten beobachtet wurde, beruht auf dem seltenen Auftreten einer 
Entzündung des Nerven, die durch die Luxation erst beschwerlich 
wird. Am häufigsten ist die Luxation kongenital, seltener rein trau* 
matisch. Die Therapie richtet sich nach der Nervenentzündung; die 
Luxation an und fiir sich ist belanglos; erst die hinzutretende Ent- 
zündung der Nerven macht eine Therapie notwendig. Für die 
leichteren und mittelschweren Fälle von Dupuytrens eher Finger- 
kontraktar empfiehlt Lengemann subkutane Lijektionen von 
Thiosinamin in Verbindung mit warmen Bädern, Massage und 
passiven Bewegungen; das Thiosinamin macht derbe, adhärente Narben 
weich imd verschieblich. Die in der Hohlhand vorkommenden 
Ganglien, die wohl sämtlich traumatischen Ursprungs sind, sitzen 
nach den Untersuchungen von Franz stets in der Gegend der Meta- 
karpophalangealgelenke. Diese Ganglien müssen als traumatische 
Degenerationszysten — schleimige und hydropische Degeneration — 
im paratendinösen bezw. tendinösen Gewebe aufgefaßt werden. An 
den EEandwurzelknochen kommen zwei Verletzungen vor, die man 
als typische bezeichnen kann: die Luxation des Os lunatum und die 
Fraktur des Os scaphoideum. Bei ganz frischen Fällen dieser 
Frakturform ist es nach Lilien feld nicht leicht, ohne Böntgen- 
aufnahme eine sichere Diagnose zu stellen. Meist findet sich eine 
geringe Badialabduktion der Hand, zirkumskripter Druckschmerz in 



Chirargie. 



329 



der Tabati&re und eine meßbare Yerbreiterong der Gelenkgegend. 
Therapentisch kommt es im wesentlichen darauf an, möglichst bald, 
etwa nachdem man 8—10 Tage die Hand in ITlnarabduktion ruhig 
gesteUt hat, mit einer mechanischen Behandlung und Massage zu 
beginnen. Die Luxation des Mondbeines, die nach v. Lessers 
Untersuchungen stets eine volare ist, entsteht durch schwere Gewalt* 
einwirkungen auf das Handgelenk. Sie ist eine echte Luxation und 
entsteht genau so auf dem Wege der Hebelwirkung wie die anderen 
Luxationen am menschlichen Skelett. Die volare Mondbeinluxation 
ist die einzig mögliche echte Luxation im Bereiche des Karpus. In 
den Fällen von Spina ventosa der Diaphyse, wo es gelingt, die 
zurückbleibende Höhle gründlichst von tuberkulösen Granulationen 
zu säubern und aseptische Verhältnisse herzustellen, empfiehlt Tie- 
mann ein dem unteren Ende der ITlna entnommenes Knochenperiost- 
stuck einzuheilen. Je jünger das Lidividuum ist, um so größer muß 
das Ersatzstück genommen werden. Die Erfolge der Autoplastik 
sind sehr günstig. Nach den Untersuchungen von Blum läßt sich 
die Einwirkung der Bumpflast als schädigendes Moment fiir alle 
Formen der Coxa vara nachweisen, und es spielen die von den 
Autoren als Ursachen der Coxa vara angenommenen Erkrankungen 
nur eine untergeordnete, begünstigende Rolle. Die Coxa vara ist 
somit eine statische Enochenverkrümmung. In den Fällen, wo die 
Krampfadern der unterenExtremitäten infolge von Schmer- 
zen, Blutungen, Ekzemen u. s. w. heftigere Beschwerden machen, 
muß operativ vorgegangen werden. Als zweckmäßigstes Operations'^ 
verfahren erscheint nach Fraenkel die möglichst radikale Aus- 
schälung der erkrankten Venengeflechte mit Exzision der Y. saphena 
magna am Oberschenkel bis dicht unterhalb der Fossa ovalis. Nur 
in den Fällen, wo diese Operation zu eingreifend erscheint, muß man 
sich mit der Resektion der V. saphena magna begnügen. Die Nach- 
teile des bisher üblichen Streckverbandes bei Oberschenkelbrüchen 
liegen hauptsächlich darin, daß das Kniegelenk versteift oder daß 
durch den Zug des Streckverbandes eine Distraktion und damit die 
Bildung eines Schlotterknies eintritt. Klapp vermeidet diese Nach- 
teile dadurch, daß er die Heftpflasterextensionsstreifen nur am Ober- 
schenkel anlegt und das ganze Bein bis hoch an den Oberschenkel 
hinauf in einen aufgehängten, an einem Bollschlitten beweglichen 
Trikotschlauch lagert (Schwebestreckverband). Bei der Be- 
handlung der Fatellarfrakturen sind die Meinungen über den 
Wert der Knochennaht noch immer geteilt. So hat kürzlich wieder 
Müller, allerdings an der Hand eines sehr kleinen Beobachtungs- 



Lnxation des 
Mondbeins. 



Behandlung 

der Spina 

ventosa mittels 

Antoplastik. 



Coxa vara als 
Belastangs- 
deformitAt. 



Behandlung 
der Varizen 
der unteren 
Extremit&t 
durch Aus- 
sohAlung nach 
Madelung. 



Behandlung 
* der Ober- 
schenkel- 
brflohe. 



Behandlung 

der PateUar- 

frakturen. 



330 



Wagner. 



Behandlung 

der Patellar- 

fraktnren. 



Operative 

Behandlung 

der Knie- 

gelenkB- 

tuberkttlose. 



Supra- 

kondyl&re 

Osteotomie bei 

Genu yalgum. 



materials, gefunden, daß bei Anwendung der Knochennaht die Be- 
handlungsdauer wesenüich länger, die Funktionsfahigkeit scMechter 
und die Erwerbsstörung größer war, als bei den nicht genähten 
Fällen. Schmidt unterscheidet bei den Patellarfrakturen 
zwischen Stoßfrakturen mit Erhaltung des Faszien- und Sehnen- 
apparates und Bißfrakturen, bei denen die Streckvorrichtungen zer- 
stört sind. Während man bei ersteren mit Binden- und Massage- 
behandlung auskommt, ist bei letzteren die Knochennaht in mög- 
lichst frühem Stadium indiziert. Die offene Naht der PateUar- 
&akturen bietet gegenüber allen übrigen Methoden den Vorteil 
der genauen Orientierung über die Konfiguration der Fraktur, die 
Möglichkeit der Entfernung von Weichteilinterpositionen, der gründ- 
lichen Ausräumung des im Gelenke befindlichen Blutergusses, der 
Versorgung der Bisse im seitlichen Streckapparat, der Entfernung 
abgesprengter Knochenfragmente und gewährleistet gleichzeitig mit 
Sicherheit eine knöcherne Konsolidation der Fragmente. Thienger 
empfiehlt deshalb, die offene Naht der Patellarfrakturen überall da 
in Anwendung zu bringen, wo eine sorgfiiltige Asepsis gehand- 
habt werden kann. F eurer behandelt die Kniescheibenbrüche 
mittels einer modifizierten Form der offenen Naht: Eröffnung des 
Gelenkes durch einen Längsschnitt, parostale Seidennaht der Knie- 
scheibe, Kapselnaht, trockene Behandlung des eröffneten Gelenkes, 
vollkommener Schluß der Wunde. Nach ca. 4 Wochen aktive Be- 
wegungen, Massage, Faradisation. Die parostale Naht hat vor der 
gewöhnlichen Knochennaht den Vorzug leichterer und schnellerer 
Ausführbarkeit. Nach den in der v. Moset ig -Moorhof sehen 
Abteilung gesammelten Erfahrungen empfiehlt Damianos, die 
Kniegelenkstuberkulose bei Kindern und Erwachsenen mittels 
radikaler synovialer oder ossaler Arthrektomie zu behandeln. Nur 
bei Kranken jenseits der Vierzigerjahre ist die Amputation vor- 
zuziehen. Bei der Besektion werden etwaige Elnochenherde mit dem 
Hohlmeißel ausgestemmt und mit der Mosetigschen rasch erstarren- 
den Knochenplombe ausgefüllt (Jodoform. 60,0, Cetaceum 40,0, Sesam- 
öl 40,0). Nach den Erfahrungen, die v. Brunn aus der v. Bruns- 
schen Klinik mitteilt, ist die suprakondyläre, lineare Osteo- 
tomie des Femur bei Genu valgum eine ebenso rationelle als 
einfache, ungefährliche und dankbare Operation, die funktionell und 
kosmetisch sehr günstige Besultate liefert. Die in der v. Bruns- 
sehen Klinik übliche Operationsmethode weicht nur wenig von der 
Macewenschen Originalvorschrift ab, nämUch nur darin, daß die 
Blutleere wegföUt, die ganze Knochendurchtrennung mit ein und 



Chirurgie. 331 

demselben schmalen Meißel ausgeführt wird und in der Nachbehand- 
lung mittels Gipsverband, der dem Kranken schon am Tage nach 
der Operation das Herumgehen gestattet. Nach Pagenstecher 
kann man die Zerrung, Einrisse und Ausreißung der Kreuzbänder isolierte 
des Knies aus der Insertion mit oder ohne Knochenknorpelstück ^®"!^'"*^, 
zweckmäßig als innere Distorsion des Knies bezeichnen und b&nder 
sie so in einen Gegensatz zu dem D^rangQment interne , der Los- ^^^ Knies. 
Sprengung der Menisken, bringen. Im klinischen Bilde treten Häm- 
arthros und starke Schmerzhaftigkeit hervor, die zur Euhighaltung 
des Gelenkes zwingen. Bei stärkeren Beschwerden muß aktiv vor- 
gegangen werden: Entleerung des Blutes und der entzündlichen 
Produkte durch einen Bogenschnitt , event. Naht der Kreuzbänder. 
Seitdem wir in der Diagnose der Knochenbrüche mit Hilfe der 
Röntgenstrahlen größere Fortschritte gemacht haben, sind die Spiral- Spiraifraktaren 
frakturen entschieden häufiger geworden. Für die Diagnose der g!L^^*fg' 
Spiraifraktaren des Unterschenkels gibt Lauenstein folgende An- 
haltsptmkte: eine indirekte torquierende Gewalt, die Bevorzugung 
des männlichen Geschlechts, die Berücksichtigung der Trunkenheit, 
die offenbar eine gewisse prädisponierende Bolle spielt; die Außen- 
rotation des Fußes, die geradezu als pathognomonisch für die Ver- 
letzung betrachtet werden muß; das Fehlen des Dislocatio ad axim, 
die charakteristische Entfernung der Frakturstelle der Tibia und 
Fibula voneinander. 

Literatur. 

Ackermann, lieber die Umstülpung des Processus vermiformis und 
ihre Beziehung zur Intussusception. Beitr. z. klin. Chir. Bd. XXXVII, 
H. 1 u. 2. — 0. V. Anger er, üeber die Extraktion von Kugeln aus der 
Sch&delhöhle. Münch. med. Wochenschr. Bd. L, Nr. 1. — W. Anschütz, 
üeber die Resektion der Leber. Volkmannsche Sammlung. N. F. Nr. 356 
und 857. Leipzig. — Arbeiten aus dem Gebiete der klinischen Chirurgie. 
C. Gussenbauer gewidmet von seinen Schülern. Wien-Leipzig. — R. v. B a- 
racz, Zur Behandlung des Milzbrands mit intravenösen Injektionen von 
löslichem Silber (Eollargolum). Arch. f. klin. Chir. Bd. LXX, H. 2. — 
A. Barker, Zur Kasuistik der akuten Darminvagination. Arch. f. klin. 
Chir. Bd. LXXI, H. 1. — Barth, Ueber funktionelle Nierendiagnostik. 
Arch. f. klin. Chir. Bd. LXXI, H. 8. — P. Bazj, Contribution de la patho- 
gönie de Thydrondphrose intermittente. Rev. de chir. Bd. XXIII, H. 1. — 
H. B&rlocher, Zur Behandlung des Kniescheibenbruches. Korrespondenz- 
blatt f. Schweizer Aerzte Bd. XXXIII, Nr. 4. — E. Bennecke, Operations- 
übungen an der Leiche. Mit Vorwort von F. König. — E. Berger, Die 
Hepaiikusdrainage. Arch. f. klin. Chir. Bd. LXIX, H. 1 u. 2. — E. v. Berg- 



332 Wagner. 

mann, P. v. Bruna, J. v. Mikulicz, Handbnch der praktiecben Chirurgie. 
2. Aufl. Stattgart. — G. Bernabeo, Lezioni di Patologia e Terapia chiror- 
gica generale e speciale. Napoli. — A. Bier, Hyperämie als Heilmittel 
Leipzig. — C. Blauel, üeber zentrale Kieferfibrome. Beitr. z. klin. Chir. 
Bd. XXXVII, H. 1 u. 2. — Derselbe, Beitrag zu den eztrakraniellen 
Aneurysmen der Carotis interna. Beitr. z. klin. Chir. Bd. XXXIX, H. 8. 
— V. Blum, Die Coxa vara als Belastungsdeformität. Arch. f. klin. Chir. 
Bd. LXIX, H. 4. — J. Boeckel, De l*ablation de Testomac (ablation totale 
et subtotale). Paris. — £. Boerner, Klinische und pathologisch-anato- 
mische Beiträge zur Lehre von den Gelenkmäusen. Deutsche Zeitschr. f. 
Chir. Bd. LXX, H. 8 u. 4. — L. Bornhaupt, Zur Frühoperation der Appen- 
dizitis. Arch. f. klin. Chir. Bd. LXX, H. 2. — K. Borszeky, üeber Stich- 
und Schußverletzungen des Thorax. Beitr. z. klin. Chir. Bd. XL, H. 1. — 
L. Brauer, Perimysitis crepitans. Mitteil. a. d. Grenzgeb. d. Med. u. 
Chir. Bd. X, H. 5. — Derselbe, Die Kardiolysis und ihre Indikationen. 
Arch. f. klin. Chir. Bd. LXXI, H. 1. — H. Braun, üeber den Einfluß der 
Vitalität der Gewebe auf die Örtlichen und allgemeinen Giftwirkungen 
lokalanästhesierender Mittel und über die Bedeutung des Adrenalins f&r 
die Lokalanästhesie. Arch. f. klin. Chir. Bd. LXIX, H. 1 u. 2. — Derselbe, 
Experimentelle Untersuchungen und Erfahrungen über Leitnngsanästhesie. 
Arch. f. klin. Chir. Bd. LXXI, H. 1. — 0. Brehm, üeber die Mesenterial- 
schrumpfung und ihre Beziehungen zum Volvulus der Flexura sigmoidea. 
Arch. f. klin. Chir. Bd. LXX, H. 1. — A. Brenner, üeber die chirurgische 
Behandlung des kallösen Magengeschwürs. Arch. f. klin. Chir. Bd. LXIX, 
H. 8. — M. Y. Brunn, üeber den primären Krebs der Extremitäten. Beitr. 
z. klin. Chir. Bd. XXXVII, H. 1 u. 2. — Derselbe, Die Pneumokokken- 
peritonitis. Beitr. z. klin. Chir. Bd. XXXIX, H. 1. — Derselbe, üeber 
die suprakondyläre Osteotomie des Femurs bei Genu valgum u. s. w. Beitr. 
z. klin. Chir. Bd. XL, H. 1. — P. v. Bruns, üeber das Rhinophyma. Beitr. 
z. klin. Chir. Bd. XXXIX, H. 1. — Bunge, üeber die Bedeutung trauma- 
tischer Schädeldefekte und deren Deckung. Arch. f. klin. Chir. Bd. LXXI, 
H. 8. — Derselbe, Zur Pathogenese und Therapie der akuten Pankreas- 
hämorrhagie und abdominalen Fettgewebsnekrose. Arch. f. klin. Chir. 
Bd. LXXI, H. 8. — L. Burkhardt, Die Indikationen zum chirurgischen 
Eingreifen bei den Verletzungen und Erkrankungen des Magens, die Pro- 
gnose und Erfolge der chirurgischen Behandlung. Würzburger Abhandl. 
Bd. in, H. 10. Würzburg. — L. Casper, Lehrbuch der Urologie mit Ein- 
schluß der männlichen Sexualerkrankungen. Wien-Berlin. — Caspersohn, 
Zur operativen Behandlung des Magenkarzinoms. Deutsche Zeitschr. f. 
Chir. Bd. LXVH. — F. Cathelin, Les urines des deux reins recueiUies 
s^paröment avec le diviseur gradu^ v^sical. Ann. des mal. des org. g^n.- 
urin. Bd. XX, H. 7. — Coste, Zur Therapie der Gastroptose. Arch. f. 
klin. Chir. Bd. LXXI, H. 8. — Crampe, Die üebemähung gangränver- 
dächtiger und gangränöser Schnürfurchen am Darm. Beitr. z. klin. Chir. 
Bd. XXXVIII, H. 2. — Cred^, Die Behandlung septischer Erkrankungen 



Chirurgie. 333 

mit intravenösen Eollargol-(Arg. coll.-)Injektionen. Arch. f. klin. Chir. 
Bd. LXIX, H. 1 u. 2. — V. Czernj, Zur Behandlung der Fissur und des 
Vorfalls des Mastdarms. Beitr. z. klin. Chir. Bd. XXXVII, H. 3. — S. Da- 
conto, Akoin in der Chirurgie. Deutsche Zeitschr. f. Chir. Bd. LXIX, 
H. 5 u. 6. — N. Damianos, Beiträge zur operativen Behandlung der Knie- 
gelenkstuberkulosc. Deutsche Zeitschr. f. Chir. Bd. LXVIII, H. 1 u. 2. — 
B. Dangsohat, Beiträge zur Genese, Pathologie und Diagnose der Der- 
moidzysten und Teratome im Mediastinum anticum. Beitr. z. klin. Chir. 
Bd. XXXVin, H. 8. — P. Delbet, Kystes paranöphriques et uronöphroses 
traumatiques. Rev. de chir. Bd. XXIII, H. 7ff. — K Dertinger, üeber 
tiefsitzende Lipome. Beitr. z. klin. Chir. Bd. XXXVIII, H. 1. — J. Dsirne, 
Bericht über 292 Blasensteinoperationen. Arch. f. klin. Chir. Bd. LXX, H. 1. 
— F. L. Dumont, Handbuch der allgemeinen und lokalen Anästhesie. 
Berlin- Wien. — H. Eckstein, Therapeutische Erfolge durch Hartparaffin- 
injektionen aus dem Gesamtgebiet der Chirurgie. Berl. klin. Wochenschr. 
Bd. XL, Nr. 12 u. 13. — Derselbe, Weitere Erfahrungen über Hartparaffin- 
prothesen, speziell bei Hernien. Arch. f. klin. Chir. Bd. LXXI, H. 4. — 
G. M. Edebohls, Chirurg^ische Behandlung des chronischen Morb. Brightii. 
Neue Therapie Bd. I, H. 1. — C. Ehrlich, Ein Beitrag zur Kasuistik der 
Pankreasgesohwfllste. Münch. med. Wochenschr. Bd. L, Nr. 9. — v. Eiseis- 
berg, Zur radikalen Behandlung der Darminvagination. Arch. f. klin. 
Chir. Bd. LXIX, H. lu. 2. — Derselbe, Zur Therapie der Dermoide des 
Mediastinum anticum. Arch. f. klin. Chir. Bd. LXXI, H. 8. — A. Elsaß er, 
Beiträge zur Kenntnis des Tetanus traumaticus. Deutsche Zeitschr. f. Chir. 
Bd. LXIX, H. 2—4. — J. EU er, Weitere Beiträge zur chirurgischen Be- 
handlung der Arthritis deformans, insbesondere der kleineren Grelenke. 
Deutsche Zeitschr. f. Chir. Bd. LXVI, H. 5 u. 6. — A. Exner, Zur Röntgen- 
behandlung von Tumoren. Wien. klin. Wochenschr. Bd. XVI, Nr. 25. — 
£. Falk, Beiträge zur Chemie der Chloroformsauerstoffnarkose. Deutsche 
med. Wochenschr. Bd. XXVIII, Nr. 48. — F. Fraenkel, üeber die Be- 
handlung der Varizen der unteren Extremität durch Ausschälung nach 
Madelung. Beitr. z. klin. Chir. Bd. XXXVI, H. 8. — R. Frank, Ein 
neuer Blasenschnitt (Cystotomia perinealis). Arch. f. klin. Chir. Bd. LXXI, 
H. 2. — Franz, Ueber Ganglien in der Hohlhand. Arch. f. klin. Chir. 
Bd. LXX, H. 4. — G. Friedländer, Zur Frage der Behandlung der tuber- 
kulösen Peritonitis. Arch. f. klin. Chir. Bd. LXX, H. 1. — A. v. Frisch 
und 0. Zuckerkandl, Handbuch der Urologie. Wien. — - C. Garrö und 
H. Quincke, Grundriß der Lungenchirurg^e. Jena. — C. Gontermann, 
Experimentelle Untersuchungen über die Ab- oder Zunahme der Keime in 
einer akzidentellen Wunde unter rein aseptischer trockener und antiseptischer 
feuchter Behandlung. Arch. f. klin. Chir. Bd. LXX, H. 2. — Gosche U 
Die mehrzeitige Resektion des Dickdarmes. Beitr. z. klin. Chir. Bd. XXXVII, 
H. 1 u. 2. — M. Grüneisen, Ueber die subphrenischen Abszesse, mit 
Bericht über 60 operierte Fälle. Arch. f. klin. Chir. Bd. LXX, H. 1. — 
Haas 1er, Ueber Darmstenose. Arch. f. klin. Chir. Bd. LXXI, H. 3. — 



334 Wagner. 

H. Ha ecke 1, Beitrag zur Kenntnis der symmetrischen Erlnrankung der 
Tränen- und Mnndspeicheldrüsen. Arch. f. klin. Chir. Bd. LXIX, H. 1 u. 2. 

— L. Halberstaedter, Die Folgen der Unterbindung der Vena f emoralis 
unterhalb des Ligament. Poupartii. Beitr. z. klin. Chir. Bd. XXXYIII, H. 2. 

— H. Hartmann, Travaux de Chirurgie anatomo-clinique. Voies urinaires. 
Estomac. Paris. — G. Hartog, Die Aethemarkose in Verbindung mit 
Morphium-Skopolamininjektionen. Münch. med. Wochenschr. Bd. 50, Nr. 46. 

— Th. Haymann, Amniogene und erbliche Hasenscharten. Arch. f. klin. 
Chir. Bd. LXX, H. 4. — B. Heile, Ueber die antiseptische Wirkung des 
Jodoforms. Arch. f. klin. Chir. Bd. LXXI, H. 3. — G. Heinzelmann, 
Die Endresultate der Behandlung der Aktinomykose in der v. Brunsschen 
Klinik. Beitr. z. klin. Chir. Bd. XXXEE, H. 2. — Hermes, Erfahrungen 
über Veränderungen des Wurmfortsatzes bei gynäkologischen Erkrankungen. 
Deutsche Zeitschr. f. Chir. Bd. LXVIII, H. 3 u. 4. — 0. Hildebrand, Bei- 
trag zur Talmaschen Operation. Deutsche Zeitschr. f. Chir. Bd. LXVI, 
H. 5u. 6. — Derselbe, Ein weiterer Beitrag zur Cholezystogastrotomie. 
Deutsche Zeitschr. f. Chir. Bd. LXVI, H. 5 u. 6. — Derselbe, Ueber die 
extraabdominale Versorgung intraabdominaler Blasenrisse. Beitr. z. klin. 
Chir. Bd. XXXVII, H. 1. — A. Hoff a. Die Behandlung der Gelenktuber- 
kulose im kindlichen Lebensalter. Würzburger Abhandlungen Bd. HI, 
H. 12. — C. Ho f mann, Die moderne Aethemarkose. Münch. med. Wochen- 
schrift Bd. L, Nr. 46. — F. Hofmeister, Ein neues Massageverfahren. 
Beitr. z. klin. Chir. Bd. XXXVI, H. 2. — Derselbe, Ueber Verkrümmungen 
des Beines nach Kniegelenksresektion im Kindesalter. Beitr. z. klin. Chir. 
Bd. XXXVII, H. 1 u. 2. — Derselbe, Ueber den Prolapsus intestini in- 
vaginati. Beitr. z. klin. Chir. Bd. XXXIX, H. 1. — B. Honsell, Ueber 
die isolierten Brucheinklemmungen des Wurmfortsatzes. Beitr. z. klin. 
Chir. Bd. XXXVII, H. 1 u. 2. — R. Hölscher, Beiträge zur Kenntnis der 
Pustula maligna. Arch. f. klin. Chir. Bd. LXIX, H. 1 u. 2. — - H. Jacobs- 
thal, Beiträge zur Statistik der operativ behandelten Aneurysmen. Deutsche 
Zeitschr. f. Chir. Bd. LXVIII, H. 3—6. — G. Jensen, Ueber zirkuläre 
Gefäßsutur. Arch. f. klin. Chir. Bd. LXIX, H. 4. — J. Israel, Ueber die 
Leistungsfähigkeit der Phloridzinmethode. Mitteil. a. d. Ghrenzgeb. d. Med. 
u. Chir. Bd. XI, H. 2. — Derselbe, Ueber funktionelle Nierendiagnostik. 
Mitteil. a. d. Grenzgeb. d. Med. u. Chir. Bd. XI, H. 2. — 0. Kappeier, 
Ueber die operativen und funktionellen Erfolge der Operation der an- 
geborenen Gaumenspalte. Deutsche Zeitschrift für Chir. Bd. LXVII. — 
M. Katzenstein, Ueber eine, durch ein chronisch wirkendes Trauma all- 
mählich entstehende Luxatio stemoclavicularis. Arch. f. klin. Chirurg. 
Bd. LXIX, H. 4. — R. Klapp, Ein Beitrag zur Behandlung der Ober- 
schenkelbrüche. Arch. f. klin. Chir. Bd. LXIX, H. 1 u. 2. — Th. Kocher 
und F. de Quervain, Enzyklopädie der gesamten Chirurgie. Leipzig.— 
B. Kor ff, Morphin-Skopolaminnarkose. Münch. med. Wochenschr. Bd. L, 
Nr. 46. — Th. Kölliker, Osteotomie und Osteoklase bei rhachitischen 
Deformitäten der unteren Extremität. Arch. f. klin. Chir. Bd. LXIX, H. 1 



Chirurgie. 335 

und 2. — Königi Operation ohne direkten Gebrauch der Finger. Berl. 
klin. Wochenßchr. Bd. XL, Nr, 1. — F. König, Zur Geschichte der Gelenk- 
neurosen. Deutsche Zeitschr. f. Chir. Bd. LXVII. — W. Körte, Ueber 
die Operation der Cholecystitis acuta infectiosa im akuten Stadium. Arch. 
f. klin. Chir. Bd. LXIX, H. 1 u. 2. — P. Kraske, Ueber Beckenhochlagerung 
und ihre Gefahren. Arch. f. klin. Chir. Bd. LXXI, H. 2. — F. Krause, 
Zur Freilegung der hinteren Felsenbeinfläche und des Kleinhirns. Beitr. 
E. klin. Chir. Bd. XXXVII, H. 3. — Kronfeld, Ueber einen mit Röntgen- 
strahlen dauernd geheilten Fall von Brustdrüsenkrebs. MOnch. med. Wochen- 
schrift Bd. L, Nr. 89. — A. Krogius, Ueber einen mit Röntgenstrahlen 
erfolgreich behandelten Fall von Schädelsarkom. Arch. f. klin. Chirurg. 
Bd. LXXI, H. 1. — Krönig, Ueber Lachgasmischnarkosen. Münch. med. 
Wochenschr. Bd. L, Nr. 42. — H. Kümmell und 0. Rumpel, Chirur- 
gische Erfahrungen über Nierenkrankheiten unter Anwendung der neueren 
Üntersuchungsmethoden. Beitr. z. klin. Chirurg. Bd. XXXVII, H. 8. — 
£. Küster, Die klinischen Zeichen der eitrigen und brandigen Formen 
der Epityphlitis. Deutsche Zeitschr. f. Chir. Bd. LXVIL — H. Küttner, 
Welche Aussichten bietet die Operation des Mammakarzinoms bei ver- 
größerten Supraklavikulardrüsen? Beitr. z. klin. Chir. Bd. XXXYI, H. 2. — 
Derselbe, Ueber Pseudoappendizitis. Beitr. z. klin. Chir. Bd. XXXVII, 
H. lu. 2. — C. Lauenstein, Beitrag zur Frage der Spiralfrakturen des 
Unterschenkels nebst Beschreibung einer iypischen Form des Spiralbruches 
beider Knochen. Deutsche Zeitschr. f. Chir. Bd. LXVII. — F. Lejars, 
Technik dringlicher Operationen. Nach der III. französischen Auflage 
deutsch von H. Strehl. — P. Lengemann, Unblutige Behandlung der 
Dupuytrenschen Fingerkontraktur. Deutsche med. Wochenschr. Bd. XXIX, 
Nr. 23. — L. V. Lesser, Ueber die Luxation des Os lunatum carpi. Deutsche 
Zeitschr. f. Chir. Bd. LXVIL — Lewerenz, Ueber die subkutanen Rup- 
turen der Gallenwege traumatischen Ursprungs. Arch. f. klin. Chirurg. 
Bd. LXXI, H. 1. — Lilienfeld, Der isolierte subkutane Bruch des Os 
Bcaphoideum der Handwurzel, ein typischer Bruch. Arch. f. klin. Chir. 
Bd. LXIX, H. 4. — P. L i n s e r , Ueber die Beziehungen zwischen Neben- 
nieren und Körperwachstum, besonders Riesenwuchs. Beitr. z. klin. Chir. 
Bd. XXXVII, H. 1 u. 2. — C. Longard, Beitrag zur Aethemarkose. Münch. 
med. Wochenschr. Bd. L, Nr. 24. — W. Lossen, Beiträge zur Diagnose 
und Therapie der Kleinhimabszesse. Beitr. z. klin. Chir. Bd. XXXIX, H. 3. 
— F. V. Mangoldt, Zur Behandlung der Knochenhöhlen in der Tibia. 
Arch. f. klin. Chir. Bd. LXIX, H. 1 u. 2. — A. Martina, Ueber primäre 
Darmresektionen bei gangränösen Hernien. Arch. f. klin. Chir. Bd. LXXI, 
H. 3. — J. V. Mikulicz, Chirurgische Erfahrungen über das Darmkarzinom. 
Arch. f. klin. Chir. Bd. LXIX, H. lu. 2. -~ Derselbe, Ueber den heutigen 
Stand der Chirurgie des Pankreas. Mitteil. a. d. Grenzgeb. d. Med. u. 
Chir. Bd. XII, H. 1. — v. Mikulicz und 0. Fittig, Ueber einen mit 
Röntgenstrahlen erfolgreich behandelten Fall von Brustdrüsenkrebs. Beitr. 
z. klin. Chir. Bd. XXXVII, H. 3. -- Momburg, Die Luxation des N. ulnaris. 



336 Wagner. 

Arch. f. klin. Chir. Bd. LXX, H. 1. — A. Mouchet, Chirurgie intestinale 
d*argence. Paris. — R. Mühsam, Die im Verlaufe der Blinddarmentzün- 
dung auftretenden Fisteln. Mitteil. a. d. Grenzgeb. d. Med. u. Chir. Bd. XI, 
H. 2. — Derselbe, Ueber doppelseitige Oberschenkelamputation bei embo- 
lischer Gangrän. Deutsche Zeitschr. f. Chirurg. Bd. LXX, H. 3 u. 4. — 
B. Müller, Narkologie. Leipzig. — G. Müller, Zur Kasuistik und Statistik 
der PateUarfrakturen. Arch. f. klin. Chir. Bd. LXX, H. 8. - A. Narath, 
Zur Technik der Magendarmoperationen. Arch. f. klin. Chir. Bd. LXXI, 
H. 4. — F. Neugebauer, Askaris im Ductus choledochus. Choledochotomie. 
Arch. f. klin. Chir. Bd. LXX, H. 2. — 0. Neuweiler, Beitrag zur An- 
wendung des Murphyknopfes bei Magen- und Darmoperationen. Arch. f. 
klin. Chir. Bd. LXIX, H. 8 u. 4. — L. W. Orlow, iüfikylosis mandibulae 
Vera. Deutsche Zeitschr. f. Chir. Bd. LXVI, H. 5 u. 6. — Ossig, Zur 
Pathologie und Therapie der Revolverschußverletzungen des Kopfes und 
Rumpfes. Beitr. z. klin. Chir. Bd. XXXVII, H. 1 u. 2. — Pagenstecher, 
Die isolierte Zerreißung der Kreuzbänder des Knies. Deutsche med. Wochen- 
schrift Bd. XXIX, Nr. 47. — E. Payr, Weitere Beiträge zur Frage der 
sog. Frühoperation bei Epityphlitis. Arch. f. klin. Chir. Bd. LXXI, H. 4. 

— F. Pels-Leusden, Beitrag zur Pathologie und Therapie der akuten 
Pankreaserkrankungen. Deutsche Zeitschr. f. Chir. Bd. LXX, H. 1 u. 2. — 
G. Perthes, Ueber den Einfluß der Röntgenstrahlen auf epitheliale Gewebe, 
insbesondere auf das Karzinom. Zentralbl. f. Chir. Bd. XXX, Nr. 86. — 
J. PI es eh, Eine neue Methode zur Diagnostiziemng der Knochenbrüche. 
Deutsche Zeitschr. f. Chir. Bd. LXIX, H. 5 u. 6. — E. Ponfick, Topo- 
graphischer Atlas der medizinisch-chirurgischen Diagnostik. Jena. — Pop- 
pert. Experimentelle und klinische Beiträge zur Aethernarkose und zur 
Aether-Chloroform-Mischnarkose. Deutsche Zeitschr. f. Chir. Bd. LXVIL 

— C. Posner, Therapie der Hamkrankheiten. 8. Aufl. Berlin. — Alice 
Prof ^, Ueber die bei operativer Behandlung von Hirntumoren auftretenden 
Himhemien. Bibliotheca medica D I, H. 7. Stuttgart. — W. Prutz, Ueber 
die Enteroanastomose, speziell die Ileokolostomie in der Behandlung der 
Verschlüsse und Verengerungen des Darmes. Arch. f. Min. Chir. Bd. LXX, 
H. 1. — G. Reisinger, Kasuistischer Beitrag zur Nervenlösung bei Ra- 
dialislähmung nach Oberarmfraktur. Beitr. z. klin. Chir. Bd. XXXVI, H. S. 

— Riedel, Ueber die Behandlung des Kryptorchismus. Arch. f. klin. Chir. 
Bd. LXXI, H. 2. — Derselbe, Ueber die Excochleatio prostatae. Deutsche 
med. Wochenschr. Bd. XXIX, Nr. 44. — H. Riese, Zur Klinik der sub- 
kutanen Nierenverletzungen. Arch. f. klin. Chir. Bd. LXXI, H. 8. — 
Ringel, Die Resultate der operativen Behandlung des Magenkarzinoma. 
Beitr. z. klin. Chir. Bd. XXXVIII, H. 2. — 0. Rumpel, Die Diagnose de« 
Nierensteins mit Hilfe der neueren Untersuchungsmethoden. Albers-Schön- 
berg, Fortschritte auf dem Gebiete der Röntgenstrahlen, Ergänz.-Bd. X. 
Hamburg. — - Sauerbruch, Die Pathogenese der subkutanen Rupturen 
des MagendarmtraktuB. Mitteil. a. d. Grenzgeb. d. Med. u. Chir. Bd. XII, 
H. 1. — F. Schaefer, Die offenen Milzwunden und die transpleurale 



Chinii^e. 337 

Uparotomie. Beitr. x. klin. Cfair. Bd. XXXYI, H. 3. -- H. Schlesinger, 
Die IiidikationeB za chimigischen Eingriffen bei inneren Erkrankungen. 
Jena. — H. Sebloffer, üeber die emboliache Verachleppong von Projek- 
tilen, nebst Bemerkmigen fiber die Scbußverleinngen des Hersena und 
der großen Gef&ße. Beitr. s. klin. Chir. Bd. XXXYII, fi. 3. — Derselbe, 
Zur operativen Behandlung des Dickdarmkarzinoms. Dreizeitige Radikal- 
operation. Beitr. z. klin. Chir. Bd. XXXVUI, H. 1. — 6. Schmidt, Ueber 
die Entstehong und Behandlung der Eniescheibenbrüche mit besonderer 
BerQckgichtigang der Danerezfolge. Beitr. z. klin. Chir. Bd. IgYyiX, H. 3. 

— Schneid erlin. Die Skopolamin-(H708zin-)Morphiamnarko8e. Mflnch. 
med. WochenBchr. Bd. L, Nr. 9. — SchOnholzer, Die Chirurgie des 
Magenkrebses an der Kroenleinschen Klinik in den Jahren 1881 — 1902. 
Beitr. z. klin. Chir. Bd. XXXIX, H. 1 u. 2. — T. Snznki, Beitrag zur 
Winkelmannschen Hjdrozelenoperation. Beitr. z. klin. Chir. Bd. XXXIX, 
H. 2. — E. Thienger, Zur operativen Behandlung frischer, subkutaner 
Patellarfrakturen durch offene Enochennaht Beitr. z. klin. Chir. Bd. XXXVI, 
H.3. — C. Tiemann, Die Behandlung der Spina ventosa mittels freier 
Autoplastik. Beitr. z. klin. Chir. Bd. XXXVI, H. 1. — H. Tillmanns, 
üeber die Entstehung und Behandlung der spondjlitischen L&hmungen. 
Arch. f. klin. Chir. Bd. LXIX, H. 1 u. 2. — Trendel, Ueber die mit der 
Gastroenterostomia posterior in der Tübinger Klinik gemachten Erfahrungen. 
Beitr. z. klin. Chir. Bd. XXXIX, H. 1. — Voelcker, Behandlung der 
Prostatahypertrophie mit perinealer Prostatektomie. Arch. f. klin. Chir. 
Bd. LXXI, H. 4. — 0. Yulpius, Ueber die Arthrodese des paralytischen 
Schlottergelenkes der Schulter. Arch. f. klin. Chir. Bd. LXIX, H. 1 u. 2. 

— H. Waitz, Die Bhinoplastik aus dem Arme. Arch. f. klin. Chir. 
Bd. LXIX, H. 1 u. 2. — 0. Wandel und 0. Ho ebne, Ueber die mechanische 
Sterilisierung der Gummihandschuhe und ihre Verwertung in der Praxis. 
Münch« med. Wochenschr. Bd. L, Nr. 9. — J. Wernitz, Ein Vorschlag 
und Versuch zur Heilung der akuten Sepsis. Volkmannsche Sammlung. 
N. F. Nr. 352. Leipzig. — "EL, Widmann, Ueber die Transplantation un- 
gestielter Hautlappen nach Krause. Beitr. z. klin. Chir. Bd. XXXVI, H. 8. 

— A. Wiesinger, Ueber akute Darmwandbrflche der Linea alba und der 
vorderen Bauchwand mit Ausgang in Gangrftn. Deutsche Zeitschr. f. Chir. 
Bd. LXVIL — L. Wild, Ueber die Skopolamin-Morphiumnarkose. Berl. 
klin. Wochenschr. Bd. XL» Nr. 9. — F. v. Winckel, Ueber Narkosen mit 
dem Schleichschen Gemisch I. Münch. med. Wochenschr. Bd. L, Nr. 1. — 
Wolff, Ueber drei Fälle von Herznaht wegen Herzverletzung. Deutsche 
Zeitschr. f. Chir. Bd. LXIX, H. L — F. Zell er, Ueber primäre Tuber- 
kulose der quergestreiften Muskeln. Beitr. z. klin. Chir. Bd. XXXIX, H. 3. 

— B. ZOppritz, Ueber die Resultate der Ezstirpation des tuberkulösen 
Sehnenscheidenhygroms der Hand. Beitr. z. klin. Chir. Bd. XXXIX, H. 3. 

— 0. Zuckerkandl, Behandlung der Prostatahypertrophie mittels Total- 
ezstirpation. Wien. klin. Wochenschr. Bd. XVI, Nr. 44. 



Jahrbuch der praktischen Medizin. 1904. 22 



3. Geburtshilfe und Gynftkologie. 



Desinfektion. 



Lysoform. 
Lysol. 



Sanoform. 



Handschuhe. 

Anästhesie in 
der Gebnrt. 



Unterrichts- 
mittel. 



Aohsenxng- 
Eange. 

Steißhaken. 



Perforator. 



Von Privatdozent Dr. J. Klein, Lehrer an der Hebammenscbule 
in Straßburg L E. 

eebvtslülfe. 

AllgemeineB. Wesentliche Neuerungen sind anf dem Gebiete 
der Desinfektion nicht zu verzeichnen. Fueth und Mohaupt haben 
durch eigene Versuche die Ueberzeugung gewonnen, daß die Heiß- 
wasseralkoholdesinfektionsmethode nicht im stände ist, die 
Hände im Sinne Ahlfelds steril zu machen. Nagelschmidt bricht 
eine Lanze zu Gxmsten des Lysoforms und hebt besonders seine 
Ungiftigkeit hervor, während Hammer über einen FaU von Lysol> 
Vergiftung mit Exitus nach einer intrauterinen Ausspülung von 
3 1 1^/oiger Lysollösung bei Placenta praevia berichtet. Bamberg 
empfiehlt das Sanoform als Streupulver oder als Sanoformgaze, 
dessen granulationsanregende Wirkung derjenigen des Jodoforms 
gleichkommt. Aus Schumachers bakteriologisch-klinischen Unter- 
suchungen geht hervor, daß der Unterschied im Wochenbettsverlauf 
zwischen den mit oder ohne Handschuhen untersuchten Wöch- 
nerinnen gering ist, so daß er die allgemeine Anwendung der 
Handschuhe nicht anrät. — Auf seine im Vorjahre angeführte kom- 
binierte Skopolamin-Morphium-Halbnark ose bei Kreißen- 
den kommt V. Steinbüchel zurück und wird von Semon mit 
52 Fällen unterstützt, während Fla tau, der einen tödlichen Aus- 
gang durch Herzlähmung und Lungenödem erlebte, davor warnt. — 
Um Studierenden und Hebammenschülerinnen den Dammschutz zu 
demonstrieren und einüben zu lassen, hat Zangemeister ein 
Dammschutzphantom angegeben. — Bichard Freund hat die 
Tarniersche Achsenzugzange modifiziert, indem er ihrer 
Schwere wegen die QiiSe abgenommen und durch kleine durchlöcherte 
Stümpfe ersetzt hat. Ponfick wendet bei Steißlage einen Steiß- 
haken an, welcher von Küstner angegeben ist und welcher nur 
an die hintere Hüfte anzulegen ist. Neue Kindsperforatoren 
verdanken wir Tridondani, dessen Instrument dem Doyenschen 



Geburtshilfe und Gynäkologie. 339 

zur Tunnelierong von Uterasfibromen ähnelt, und Kadyi, dessen 
Perforator trokarähnlich ist. Bongs Dekapitationsinstrument Dekapitations- 
besteht aus zwei röbrenfbrmigen Teilen, durch welche eine Gigli- ißstrument. 
sehe Säge hindurcbgeleitet werden kann. Nassauer bedient sich 
einer neuen Abortzange, der Winterschen nachgebildet, aber mit Abortzange. 
Krümmung der Löffel und Anschlag. Xneise mißbilligt dieselbe 
nicht allein, sondern überhaupt die Anwendung einer Zange bei 
Abort, da er bei 500 Aborten nur 4mal die Xomzange anwenden 
mußte, und da er sonst allein mit manueller Ausräumung oder Küret- 
tage auskam. Zur Beckenmessung, aber nur bei Wöchnerinnen Beokenmesser. 
und Nichtgraviden anwendbar, hat sich Ahlfeld schmale, graduierte 
Keile verschiedener Länge konstruiert, die von außen durch die Bauch- 
decken hindurch zwischen Promontorium und hintere Symphysen- 
wand eingekeilt werden. Man sucht sich das Stäbchen probierend 
aus, das gerade den Baum ausfüllt. Der Kampf für oder gegen 
Bossis Dilatatorium und diesem nachgemachte Instrumente tobt Dilatatorien. 
weiter. Als Protagonist der Gegner geht Dührssen allen voran, 
welcher die Gefahren der Zervixrisse nochmals betont; ihm folgen 
Zangemeister, Cristofoletti, v. Bardeleben und Labhardt. 
Hammerschlag gibt zu, daß bei jeder Anwendung die Gefahr des 
Zervixrisses droht und daß die Metreuryse schonender ist, wo keine 
große Eile nötig ist. Er hält daher bei Placenta praevia und bei 
großer Rigidität der Zervix das Dilatatorium für kontraindiziert. 
Aehnlich denkt L. Meyer bei Placenta praevia, während er sonst 
bei Eklampsie oder bedrohlichen Symptomen der Mutter 15mal dila- 
tierte ohne jegliche Bißblutung. Obwohl Ostrcil niemals durch das 
Dilatatorium, sondern durch die Extraktion der Frucht Bisse ent- 
stehen sah) will er doch die Anwendung auf die allemötigsten Fälle 
bescbränken. Auch Knapp teilt nicht mehr die Ansicht der abso- 
luten Gefahrlosigkeit seines modifizierten Nowak owskischen In- 
strumentes. Unbedingt auf die Seite von Bossi stellen sich Oster- 
loh, Beck, de Paoli, Pollak, de Seigneux und Jentzer. 
Vereinfachungen des Instrumentes haben Preiß und Krull ange- 
geben. Für manuelle Dilatation nach Bonnaire sprechen sich Cal- 
mann und Meurer aus. Anstatt der Hegarschen oder Fritsch- 
schen Sonden lobt Daniel sehr den Schatz sehen Metranoikter, den 
er in 100 Fällen angewandt. Zur Scheidendammnaht bedient sich Stolz 
eines dreiblättrigen Spiegels. H. K 1 e i n preist eine neue Leibbinde Leibbinde, 
an, deren Vorzüge in einer Erhöhung und Verstärkung des Bücken- 
teiles, so daß der Lendengürtel Träger der Last des Bauches wird, und 
in einer Versteifung durch horizontal laufende Stahlfedern bestehen. 



1 



340 



J. Klein. 



Geschleohts- 
bestimmong. 



Erbliche 
Anlagen zu 
Mehrlings- 

geborten. 

Heiratsyerbot. 



Schwangei^ 
echaftsdaner. 



Di&t in der 
Schwanger- 
schaft. 

Blntunter- 
sachongen 

in der 
Schwanger- 
schaft. 



Ikterus in der 
Schwanger- 
schaft. 



SyphUis 
in der 
Schwanger- 
schaft. 
Chorea in der 
Schwanger- 
schaft. 



SohwangerBchaft. Entgegen Döderlein meint B. Schnitze, daß die 
Tatsache, daß auch Eigenschaften des Erzengers Einfluß üben auf die Yerhält- 
niszahl der erzeugten m&nnlichen und weiblichen Sprößlinge, nicht im stände 
ist, die Annahme zu erschüttern, daß schon im Eierstock jedes Ei sein Ge- 
schlecht hat Zur Frage der yererblichen Anlage zu Mehrlings- 
geburten meint Ro senfeld, daß es nicht undenkbar ist, daß dem Samen des 
einen oder anderen Mannes die Eigenschaft innewohne, eine Teilung der 
Eeimanlage bewirken zu können und daß diese Eigenschaft yererbbar w&re. 
Nach Fei In er ist yom geburtshilflichen Standpunkt aus das Heiraten 
zu verbieten bei Lungentuberkulose nur in schweren Fällen, bei Kehl- 
kopftuberkulose, bei Mitralstenose und F&llen mit ausgesprochenen Kom- 
pensationsstörnngen, bei Myokarditis, chronischer Nephritis, bei bösartigen 
Tumoren, schwerer Chorea, schwerer Epilepsie und bei Greisteskrankheiten. 
H. Fuchs unterstützt die Forderung Zweifels, bei besonders großen 
Fruchtbefunden eine Verlängerung der Schwangerschaftsgrenze ge- 
setzlich für zulässig zu erklären, da auf 100 Geburten eine mit Ueber- 
schreitung des Fötalgewichtes und mit 803—341 Tagen Schwangerschafts- 
dauer vorkäme. Paton hat durch Versuche an Meerschweinchen fest- 
gestellt, daß die Prochowniksche Diät für rhachitische Mütter ihre 
Berechtigung habe. Hydroplasmie in der Schwangerschaft nennt Zange- 
meister die Verdünnung des Blutplasmas, welche auf Vermehrung 
der Blutmenge durch Aufnahme yon Wasser zurückzuführen ist. In 
Gemeinschaft mit Meißl hat sich ebenderselbe mit vergleichenden 
Untersuchungen über mütterliches und kindliches Blut und Fruchtwasser 
beschäftigt und den Beweis erbracht, daß der Fötus mindestens während 
der letzten 4 Monate der Schwangerschaft regelmäßig Urin an das Frucht- 
wasser abgibt. Trotz Fellners Repliken verharrt Schröder bei seinen 
Anschauungen, daß der Blutdruck während der Gravidität zwar nicht ganz 
gleichmäßig, aber allmählich steige und auf der Höhe der Geburt seinen 
höchsten Wert erreiche. Im Fruchtwasser fand Bondi stets Diastase und 
Pepsin; da diese Fermente im Serum der Erwachsenen, nicht aber im 
Serum der Neugeborenen, enthalten sind, so stammen sie also aus dem 
mütterlichen Serum. 

Brauer verfolgte einen Fall, wo in 4 (Graviditäten stets Ikterus 
ohne Hämoglobinurie vom 3.-4. Monat an anfhtit. Nach seiner 
Ansicht gehört der Gravidit&tsikterus zu den Erkrankungsformen, 
die in Abhängigkeit zu den eigenartigen Stoffwechselvorgängen wäh- 
rend der Schwangerschaft stehen, wie z. B. Schwangerschaftsniere, 
Eklampsie, akute gelbe Leberatrophie und vielleicht Osteomalazie. 
Gbroßen Wert für die Diagnose der Syphilis legt Eosinski auf die 
Plazenta. Das Collessche und das Profetasche Gesetz erkennt 
er an. Das Heiraten sollte erst nach 3—5 Jahren gestattet sein. 
Chorea gravidarum will Hirse hl in leichten Fällen mit Brom, 
Chloral, Arsen oder Eisen, in schweren Fällen mit künstlicher Fehl- 



Geburtshilfe und Gynäkologie. 



341 



oder Frühgeburt behandeln. Oegen die Verallgemeinerang, daß 
Hyperemesis gravidarum nichts anderes als Hysterie sei, wendet 
sich Feinberg. Behm glaubt an eine Intoxikation des Blutes von 
der Eiperipherie ausgehend, wahrscheinlich synzytialer Natur. Er 
sucht daher das Gtift zu verdünnen durch 0,6^/oige Kochsalzein- 
gießungen. Für Dirmoser dagegen bleibt diese Erkrankung eine 
intestinale Autointoxikation. Als Beweis dafiir fuhrt er an, daß 
Azeton im Harn und im Magen sich dabei vorfindet. Nach Audi- 
bert und Barraja bringt aber weder die normale noch die patho- 
logische Schwangerschaft Azetonurie mit sich. Atich bei Betention 
eines abgestorbenen Fötus tritt nicht immer Azetonurie ein. Nur 
bei der Geburt kommt sie oft vor, schwindet aber rasch wieder. 
Auf die bisher wenig beachteten Wechselbeziehungen zwischen 
parametritischen Exsudaten und Schwangerschaft, Geburt und 
Wochenbett und auf die nötige, sofortige, radikale Therapie macht 
Blumreich aufmerksam. 78 Fälle von Zerreißung der Gebär- 
mutter in der Schwangerschaft sammelte Baisch in der Literatur. 
Er teilt sie ein in violente Rupturen (durch Traumen imd bei arte- 
fiziellem Abort), spontane Rupturen (bei pathologischen Eünsertionen, 
üterusmißbildungen , angeborener oder erworbener Dünnwandigkeit 
des Uterus, Entzündungen und Neubildungen, Narben des Uterus) 
und Rupturen ohne bestimmte Aetiologie. Die Behandlung soll stets 
operativ sein. Ebenfalls operative Behandlung bei Myomen, sei es 
bei der Geburt, sei es bei Schwangeren, hält Frank fiir indiziert^ 
besonders bei raschem Wachstum derselben, Störungen der Zirku- 
lation und Atmung, bei peritonitischen oder Einklemmungserschei- 
nungen, bei Myomen des Collum uteri und bei polypösen Myomen. 
Ein neues Zeichen mehrfacher Schwangerschaft gibt'uns 
Jentzer an. In den Fällen, in denen es gelingt, die Köpfe von 
zwei Früchten gegeneinanderzustoßen , erhält man das Gefühl, als 
ob zwei Billardkugeln unter Wasser zusammenstoßen. Einen seltenen 
Fall von Schwangerschaft im 56. Lebensjahr konnte Geyl 
konstatieren, als er wegen septischer Erscheinungen die Totalexstir- 
pation des Uterus vornahm und nachher in ihm Plazentarreste vor- 
fand. Eingehend haben E. Fränkel und Hagmann mit Missed 
labour und Missed abortion sich befaßt. Letzterer stellt fol- 
gende klare Definition dieser Zustände auf. Missed labour ist die 
Retention einer am normalen Ende der Schwangerschaftszeit abge- 
storbenen Frucht im Uterus. Missed abortion ist die Retention einer 
vor dem normalen Ende der Schwangerschaft abgestorbenen Frucht 
im Uterus über die Schwangerschaftsdauer hinaus. Sehr selten für 



Hyperemesis 
in der 

Schwanger- 
schaft. 



Azetonurie 
in der 

Schwanger- 
schaft. 

Parametritis 

and 
Schwanger- 
schaft. 

üterusruptar 

in der 
Schwanger- 
schaft. 



Myome in der 

Schwangei^ 

Schaft. 



Zeichen 
mehrfacher 
Schwanger- 
schaft. 



Schwanger- 
schaft im 
66. Lebens- 
Jahr. 
Abort. 



342 



J. Elein. 



Abort. 



Extranterin- 

schwanger- 

Schaft. 



Schwangerschaftsunterbrechung ist die Aetiologie, die Kleinwächter 
in 11 Fällen vorfand, nämlich Zervixrisse, die ungeheilt geblieben 
waren und bei denen dann nach der Naht Austragung eintrat. Bei 
akuten Infektionskrankheiten hat Stravoskiadis die Ursache von 
Abort und Frühgeburt in der akuten Entzündung des Endometriums 
mit Blutungen durch spezifische Bakterien, die auf hämatogenem 
Wege hingelangt sind, bedingt gefunden. Veits Ansicht geht dahin, 
daß der künstliche Abort bei Tuberkulose viel zu oft eingeleitet 
wird; er wünscht daher, daß die Indikation zum künstlichen Abort 
möglichst streng gestellt und möglichst ernst begründet werde. 
Goenner ist ebenfalls kein Anhänger des künstlichen Aborts, 
weder bei Hyperemesis noch bei Tuberkulose, noch bei Herzfehler, 
Nephritis oder Nervensystemkrankheiten. Er möchte denselben nur 
bei Blutimgen und bei absoluter Beckenenge angewandt wissen. Die 
Behandlung des Abortus besteht nach Nebesky in ruhigem Ab- 
warten bei t3rpischem Verlauf, Tamponade des Uterus und der Scheide 
bei starker Blutung, Ausräumung mit Finger und Kürette bei Infek- 
tion oder unvollständigem Abort. Sorgsame Wochenbettpflege ist 
nicht zu vergessen. Mit der Anatomie der E xtrauterinschwanger- 
schaft, der tubaren Eieinbettung und der Bildung der Membrana 
capsularis beschäftigen sich die Arbeiten von Werth, Kroemer 
und Voigt. Die Hauptursache der Tubargraviditäten liegt fär 
Micholitschin Missbildimgen der Tuben, sei es angeborenen, sei es 
durch Entzündung erworbenen. Unter den Entzündungen nimmt nach 
Hahn und E. Bunge die Gonorrhöe den ersten Platz ein. Darum 
kommt die Tubenschwangerschaft in großen Städten, d. h. da, wo 
die Gonorrhöe häufiger auftritt, auch am häufigsten vor und darum 
nimmt die Zahl der Fälle von Tubenschwangerschaft in den letzten 
Jahren zu, weil die Gonorrhöe zunimmt. Die beste Prophylaxe ist 
also Schutz vor Gonorrhöe. Die Aetiologie der Graviditas tubaria 
interstitialis propria sucht Baschkes in einer entzündlichen Ver- 
engerung des Ostium uterinum tubae, so daß wohl die Spermato- 
zoiden, aber nicht das Ei hindurchwandem können. Eine primäre 
Bauchhöhlengravidität auf einem Netzzipfel beobachtete Witthauer. 
Von wiederholten Tubenschwangerschaften konnte Vaßmer 182 FäUe 
in der Literatur ausfindig machen. Ueber ausgetragene Extrauterin- 
graviditäten referieren Eichard Freund und Sittner. Letzterer 
wiederholt seine früheren Angaben, daß die Prognose der operativen 
Behandlung derselben vom Sitze der Plazenta abhängig sei. H. Freund 
imd Schambacher unterscheiden wahre und vorgetäuschte Tubar- 
schwangerschaften. Es gibt nämlich Fälle von anderen Erkrankungen, 



Geburtshilfe und Gynäkologie. 



343 



welche Tubarabort oder Ruptur vortäuschen können, speziell Miß- 
bildungen, Salpingitis haemorrhagica und Tuberkulose. Kober steht 
dem skeptisch gegenüber, da er auf 75 Eztrauterinschwangerschaften 
nur 2 solche Fälle, während Schambacher auf 14 4 solche Fälle 
fand ; er bleibt demnach dabei, daß im allgemeinen bei dem Befund 
einer Hämatozele auch fernerhin die Diagnose der ektopischen Gra- 
vidität als gesichert anzunehmen sei. In der Behandlung der Extra- 
uterinschwangerschaffcen bricht bei abgestorbener Frucht imd Tubar- 
abort ohne Fieber und bei Hämatozelen ohne Nachschübe der Blutung 
und ohne Zersetzungserscheinungen die exspektative und konserva- 
tive Therapie immer mehr sich Bahn. Es sprechen sich deutlich 
dafür aus: Thorn, .Schenk, Zweifel, Sarwey und v. Dittel. 
Tritt jedoch die Notwendigkeit eines Eingriffes ein, so ziehen Sar- 
wey, Zweifel, Bröse und Straßmann die Kolpotomie vor, 
während Kirchgeßner, Veit und v. Dittel die Laparotomie 
bevorzugen. Eine neue Beckenform schildert uns Eppinger 
unter dem Namen „Pelvis Ohrobak" oder Coxarthrolisthesis-Becken. 
Bei diesen Becken ist eine Verengerung des Querdurchmessers da- 
durch entstanden, daß infolge einer Wachstumsanomalie der Pfanne, 
die darin beruht, daß der Pfannenknorpel weich bleibt, der Ober- 
schenkelkopf in der Richtung gegen die Beckenhöhle dieselbe aus- 
buchtet. Muret beschreibt einen Fall von kongenitalem Spaltbecken, 
Richter von einfachem Trichterbecken. 



Beoken. 



Gebort. Eingehende Studien über die fötalen Herztöne Fötale 
während der Geburt verdanken wir Seitz: Die Herztöne werden fl«'«Wne. 
von Beginn der Geburt an bei jeder Wehe infolge imgenügenden 
Gasaustausches langsamer; erstreckt sich aber die Verlangsamung 
derselben in die Wehenpause hinein, so ist die Indikation zum Ein- 
greifen gegeben. Auch das Nabelschnurgeräusch kann ein Signal 
zum genauen Aufpassen sein. Hoehne diagnostiziert einen f&talen 
Herzfehler an dem rauhen Charakter eines mit dem mütterlichen 
Pulse nicht synchronen Geräusches. Es darf in einem solchen Falle 
dann kein Eingriff unternommen werden, der für die Mutter irgend 
welche Gefahr brächte, da das kindliche Leben keiner Berücksich- 
tigung wert sei. B. Schnitze warnt wegen Infektionsgefahr davor, 
gleich nach geborenem Kopf naohzutasten , ob die Nabelschnur Nabelschnar- 
umschlungen sei; er will dies auf die Zeit aufschieben, wo die »imsolilingimg. 
Schultern hervortreten, da auch vorher so wie so das Lockern oder 
Durchschneiden der Nabelschnur überflüssig sei. Anläßlich eines 
Falles von Wendung, wo er die Luft an seinem Vorderarm vorbei- 



344 



J. K]ein. 



Vagitas 
uterinns. 

Striktnr bei 
Steißlage. 



Oesichtslage. 



Künstliclie 

Drehung 

der Frucht. 



Enges Becken 



ZwilUngs- 
geburt. 



Perforation. 



streichen fühlte und das Vibrieren einer Weichteilfalte empfand, als 
der Vagitns entstand, glaubt Sippel, alle Fälle von Vagitas 
uterinus durch in Schwingung gesetzte, gespannte Weichteilfalten 
erklären zu können. Bei Zervixstriktur und Steißlage rät 
de Bovis vor allen Dingen in tiefer Narkose einen Fuß herunter- 
zuholen, was wohl sehr schwer ist, aber mit Geduld gelingt. G^ 
waltsame Dilatation anzuwenden ist ge&hrHch; noch eher wäre eine 
Sectio caesarea am Platze. Nach Ostrcil ist die häufigste Ursache 
der Gesichtslagen ein enges, besonders ein plattes Becken und 
abnorme Größe der Frucht mit einem großen, biparietalen Durch- 
messer. Die Dolichozephalie ist meist nur eine Folge und keines- 
wegs eine Ursache dieser Lage, denn nur sehr selten ist die Dolicho- 
zephalie primär und bedingt primäre Gesichtslage. Exspektativ will 
Anselm die Gesichtslagen behandeln imd scheut sich vor der Kor- 
rektion derselben. Fehling hat beobachtet, daß oft der tiefstehende 
Kopf bei Anlegen der Zange vom schrägen in den queren oder vom 
queren in den anderen schrägen Durchmesser sich dreht. Diese 
Tatsache kann therapeutisch verwertet werden bei tiefem Querstand 
oder starkem Schrägstand oder bei Vorderhauptslagen. Die Drehung 
kann mit 2 — 3 Fingern an der Pfeilnaht oder äußerlich an der vom 
liegenden Schulter ausgeführt werden. Gtinz ähnlich, aber nur durch 
äußere Einwirkung auf Schulter und Rücken der Frucht während 
der Wehenpause, möglichst bald nach dem Blasensprung, geht auch 
.Gottschalk vor. Zur Therapie des engen Beckens be- 
kundet V. Magnus eine Vorliebe für langes Abwarten und für Wen- 
dung und Extraktion bei beweglich bleibendem Kopfe; für prophy- 
laktische Wendung spricht eher B. Wolf f. Ha hl hebt die Vorzuge 
der künstlichen Frühgeburt hervor. Den nachfolgenden Kopf sucht 
S t e f f e c k mit beiden geballten Fäusten inWalcher scher Lage ins 
Becken einzudrücken. Da Beck einmal 27 und ein anderes Mal 
7 Stunden lang auf die Geburt des zweiten Zwillinges warten 
mußte, gibt er als Vorschrift, nicht länger als wie fiir die Expression 
der Plazenta, d. h. 2 Stunden, zuzuwarten. Gegen den Ausspruch 
Pinards: „Pembryotomie a v6cu" wendet sich Neumann und 
präzisiert folgendermaßen die Stellung des praktischen Arztes zor 
Perforation: 1. Gesetzlich ist es nicht erlaubt, eine Operation gegen 
den WiUen der Kreißenden vorzunehmen. 2. Die Wahl der Operation 
steht der Kreißenden allein zu. 8. Die Perforation hat zur Zeit noch 
unvergleichlich bessere Chancen für die Mutter als der relative 
Kaiserschnitt. In ganz demselben Sinne schreibt Hofmeier in 
einer französischen Abhandlung: „Trotz aller Fortschritte in der 



aeburtshilfe und Gynäkologie. 345 

Chirurgie und Entbindungskunst ist die Perforation des lebenden 
Kindes berechtigt geblieben in gewissen Fällen und es ist nicht er- 
laubt, die Symphyseotomie oder die Sectio caesarea derselben zu 
substituieren." Weder Wehenschwäche noch Beckenenge sind für 
V. Winckel eine Indikation für die Zangenoperation. Zange. 
Auch die Schulzange liält er für verwerflich. Die Zange verursacht 
nach ihm zahlreichere Verletzungen der Mutter und macht häufiger 
Plazentarlösungen nötig. Als Anzeige gilt fbr ihn nur die Gefahr 
ftr Mutter oder Kind. Er hat auf 20604 Geburten nur in 3,08'/o 
die Zange angelegt. Auch Sachs bezeichnet die Zange als die 
blutigste geburtshilfliche Operation und hat dieselbe auf 80973 Ge- 
burten nur in 2,46 ^/o in der Klinik Chrobak angewandt gefunden. 
Diesen zurückhaltenden Standpunkt tadelt Fehling. Er beweist, 
daß, wenn auch nach Zangenoperationen Verletzungen der mütter- 
lichen Weichteile häufiger als olme Zange vorkommen, keineswegs 
jedoch stärkere Blutungen oder vermehrte Plazentarlösungen oder 
häufiger notwendig werdende plastische Operationen der Zange zur 
Last gelegt werden dürfen. Für das Leben der Kinder ist die 
Zange sehr günstig. Die Lidikation bei Wehenschwäche und für 
Lehrzwecke bleibt von großer Wichtigkeit. Einen wirksameren 
Dammschutz glaubt v. Budberg-Bönninghausen gefunden Dunmsoliatz. 
zu haben, indem er in Bückenlage der Kreißenden seinen linken 
Unterarm auf den Bauch derselben drückt und mit den Fingern der 
linken Hand, welche den vorrückenden Kopf umfassen, vibrierende 
und zugleich leicht schraubenförmige Bewegungen ausfuhrt. Dieser 
beständig unterhaltene Kontakt zwischen Kind, Uterus und Unter- 
arm des Geburtshelfers verringert die kyphotische Krümmung des 
Kindesrückens und der Kopf wird weniger gegen den Damm ge- 
trieben. K. Hegar möchte auffallenderweise die Naht der fri- Dammnaht, 
sehen Dammrisse etwas einschränken, da sie doch nicht immer 
heilen und die Gefahr einer Lifektion durch die Naht steige. Damm- 
risse dritten Grades sollten überhaupt nicht genäht werden. Versuchs- 
weise hat er deshalb 53 Dämme nicht genäht; davon heilten 86,8^/o 
per primam und 77,2 ^/o mit guten funktionellen Resultaten. Die 
Episiotomie verwirft er ganz. Schatz macht dagegen, wenn eine 
Abreißung der Scheide tmd des muskulösen Beckenbodens zu be- 
fürchten ist, einen prophylaktischen Paraproktalschnitt der Scheide 
bis zur mittleren Höhe derselben. Kays er erlebte nach einer Zange Symphyeen- 
bei ganz normalem Becken eine Symphysenruptur, die er durch "»P^™«^- 
Knochennaht zur Heilung brachte. Bei einer Retroversio uteri BetroYenio 
gravidi cum incarceratione konnte Wennerström durch hintere »»^«^ 8"^^*« 



346 



J. Klein. 



Ruptora 
uteri. 



Kolpotomie, ohne den Douglas zu eröffnen, die hintere Uteruswand 
spalten und den Uterus ausräumen. Die Frau hat spater wieder 
invereio uteri, normal geboren. Dienst, welcher einen Fall von Inversio uteri 
operativ zur Heilung brachte, eröffnete dagegen nach der Methode 
Küstners den Douglas und spaltete dann die hintere Uteruswand. 
Betreffs Aetiologie der Inversio uteri bleibt Schauta auf seinem 
früheren Standpunkt stehen, daß dabei Kontraktionen des Uterus 
keine EoUe spielen können, sondern im Gegenteil Erschlaffung des 
Organs vorhanden sein muß. Uterusrupturen sahen Oswald 
infolge manueller Plazentarlösung und Schwendener infolge Credo- 
sehen Handgriffes bei angewachsener Plazenta, Knauer 8 Fälle bei 
vorzeitiger Plazentarlösung. Die Richtigkeit der Freund sehen Theorie 
der Zerreißungen des Scheidengewölbes während der Geburt be- 
stätigt in allen Stücken Kaufmann. Er befürwortet die Naht per 
vaginam und die Drainage. Kolomenkin macht keinen Unterschied 
zwischen kompleter und inkompleter Uterusruptur, er hält die opera- 
tive, radikale Therapie für besser als die konservative und gibt der 
Exstirpatio uteri totalis abdominalis mit Drainage nach der Scheide 
den Vorzug. Ivanoff hat mit der rein exspektativen Therapie nur 
21 ^yo Heilungen erzielt, entschließt sich daher jetzt fiir Laparotomie 
mit Porro. Zweifel ist nicht mehr für Drainage eingenommen. 
Er schlägt vor, bloß die Serosa über den Biß zu vernähen und vor 
allen Dingen die Bauchhöhle durch Aufrichten der Patientin bis auf 
den letzten Tropfen zu reinigen, den Biß der Muskulatur ungenäht 
zu lassen und nur die blutenden Gefäße zu umstechen. Bayer ver- 
gleicht die Placenta praevia mit der Tubeneckenplazenta, da Ent- 
faltung oder mangelhafte Entfaltung des Zervikal- resp. Tuben- 
segmentes ähnliche Störungen zwischen Plazenta und Haftstelle zur 
Folge haben. Hammer hält fiir die beste Therapie der Placenta 
praevia die Wendung nach Braxton Hicks, v. Braun-Fernwald 
ebenso, wendet aber auch Tamponade und Kolpeuryse an. Den 
Kaiserschnitt erachtet er auch für einzelne Fälle für vollkommen 
berechtigt, doch für unrichtig, zu weite Gb'enzen für denselben za 
stecken. Nach Badtke kommen als Folgezustände von Plazenta 
praevia sehr ofl Sterilität und Aborte vor. Statistische Angaben 
über Eklampsie veröffentlichen Büttner und Schroeder. Letz- 
terer verlangt eine genauere Statistik betreffs UrinbeAmd: 1. bei der 
Aufnahme, 2. während der Anfälle, 3. im Wochenbett, 4. bei der 
Entlassung, 5. bei späteren Untersuchungen. Was die Aetiologie 
der Eklampsie betriffst, kommt Stroganoff, wie alljährlich, auf 
seine Theorie der infektiösen Natur derselben zurück. Lauben* 



Placenta 
praevia. 



Eklampsie. 



Geburtshilfe und Gynäkologie. 347 

barg hat einen Fall bei septischem Abort beobachtet, wo der 
Ausbruch der Eklampsie vielleicht auf Invasion von Pyogenes albus 
in den Uterus und Niereninsuffizienz zurückzufuhren ist. Wei- 
chard bespricht nochmals seine Theorie des Antitoxinmangels gegen 
die bei der Zytolyse von Plazentarelementen frei werdenden Toxine. 
Ob Moles placentae ätiologisch mit der Eklampsie etwas zu tun 
hat, fragt sich König. In therapeutischer Hinsicht bringen Sin* 
tenis und Windisch-Oedön nichts Neues, während Bumm, 
Dührssen, Westphal, Rühl, Simon, Ehrendorfer und Orth- 
mann nicht allein bei Eklampsie, sondern auch bei Hyperemesis, 
Rigidität oder Karzinom der Zervix u. s. w. für den vaginalen Vaginaler 
Kaiserschnitt eintreten. Den klassischen Kaiserschnitt führ- Kaisersohnitt. 
ten Streckeisen 2mal wegen Eklampsie aus, Olshausen a^f Kaiserschnitt 
80 Fälle 62mal wegen Beckenenge, van der Briele Imal wegen 
eingekeilten Ovarialtumors, Küstner 2mal wegen in der vorher- 
gehenden Schwangerschaft eingetretener Uterusruptur. Letztere Indi- 
kation bespricht H. Freund an der Hand eines Falles, in welchem 
nach einer genähten Uterusruptur 5mal der artefizielle Abort und 
zuletzt eine künstliche Frühgeburt mit Erfolg ausgeführt wurde. 
Es ist daher in diesen Fällen eine exakte Untersuchung des Uterus 
nötig. Ist Atrophie der Muskulatur des Uterus im Narbenbezirk 
vorhanden, so ist der künstliche Abort oder der Kaiserschnitt am 
Platze. Ist dagegen genügende Regeneration vorhanden, so ist die 
künstliche Frühgeburt eventuell mit Kolpeuryse erlaubt. Bei Osteo- Osteomalazie, 
malazie ist Ruehle für den konservativen Kaiserschnitt mit Be- 
lassung der Ovarien aus ethischen und sozialen Rücksichten. Da üb er 
glaubt, daß die medikamentös-diätetische Therapie bei leichten Osteo- 
malazlefällen einigermaßen Dauerresultate verspricht. Bei allen 
schwereren FäUen ist die operative der konservativen Therapie vor- 
zuziehen, besonders, wenn es sich um Frauen handelt, die dem 
Klimakterium nahe stehen. Bei jüngeren Frauen ist eventuell ver- 
suchsweise vor der Kastration Phosphorlebertran anzuwenden, und 
erst zu operieren, wenn die Medikation erfolglos geblieben ist. Den 
Lateralschnitt des Beckens, Pubiotomie oder Hebotomie, preisen Pabiotomie. 
Qigli, Pestalozza, L. Meyer, Arndt hoch an, während Baum m 
seine 2 Fälle an Sepsis nach Platzen der Vagina und nach Zer- 
reißung der Harnblase verlor. Daraufhin heftige Polemik zwischen 
Gigli und Baumm. 

Hitschmann und Volk behaupten, daß es keine Veränderungen 
in der Plazenta gäbe, die für Lues allein charakteristisch seien, 
dagegen fand Bondi VeränderuQgen der Nabelschnur, die für 



348 



J. Klein. 



Nachgebart. Syphilis pathognostisch sein sollen, nämlich ödematöse Dnrchtränknng 
der Gefäßwände, Emigration von polynukleären Leukozyten und 
Nekrosen, also Arteriitis resp. Phlebitis. Schi ekele studierte die 
Störungen in der Blutzirkulation der intervillösen Räume der Plazenta 
und schlägt vor, statt „Infarkt" Fibrinknoten zu sagen. -Bohnstedt 
stellte experimentell an Kaninchen, Katzen und Hunden fest, daß 
nach dem Tode der Frucht im Gewebe der Plazenta Blutergüsse 
und deren Folgezustände wie beim Menschen auftreten. Einen Fall 
eines 335 g schweren Fibrochorioangioma placentae teilt uns Gal- 
derini mit. Die Grundlage der Plazentarpol3rpen ist nach Michaelis 
durch Chorionzotten gebildet, die in dezidual veränderten, mütter- 
lichen Gefflßen liegen. 



Bakteriologie. Wochenbett. In seinen Studien zur Bakteriologie des 
Genitalkanales fand Stolz sowohl bei normalen Schwangeren 
imd normalen Wöchnerinnen als auch bei Fiebernden Streptokokken 
vor. Er glaubt daher, daß die Virulenz derselben nach der Ein- 
wanderung in den Uterus oder bei Fieber zunehmen könne. Bucura 
zählt in seiner Wochenbettstatistik auf 23639 Geburten 2037 = 8,62®fo 
Fieberfälle mit 66 = 2,79 '/o SterbeÄUen. Das Vollbad hat er 
eliminiert und findet die Reinigung unter fließendem Wasser günstig 
wirkend; gefiSdirlich ist die Rektalmessung; Selbstinfektion ist mög- 
lich. Die beste Prophylaxe ist Abstinenz von septischen Berührungen 
und die peinlichste Desinfektion der Hände. Nach Hamm ist die 

Paerperale puerperale Bradykardie weder physiologisch noch pathologisch; 

Bradykardie, gje kommt in 8,6 °/o vor. An 30 Wöchnerinnen hat Kachel das 

Pnrgatin. Purgatin 1,5— 2,0 g pro dosi anstatt des üblichen Bizinusöles am 

3. Tage post partum mit gutem Erfolg erprobt. Daß die radikale, 

Wochenbett- chirurgische Therapie des Puerperalfiebers nur in schweren 
und seltenen Fällen einzutreten hat, und daß die rationelle Indikation 
dazu eigentlich nur in Fällen von Plazentarretention , Verjauchung 
eines Uterusfibroms, Verletzungen des Uterus existiert, ist so ziem- 
lich allgemein angenommen. In diesem Sinne unge&hr sind die 
Arbeiten von Pinard, Sippel, Bennecke, Asch und Dolöris 
verfaßt. Nicht abgeneigt gegen das Argentum colloidale Cred£, 
intravenös in Dosen von 10 — 20 g 2^/oiger Lösung eingespritzt, 
zeigen sich Fehling, v. Herff imd Bosenstein. Eine künst- 
liche Leukozytose will Ho ff bau er mit seiner Nuklein-Xochsalz- 
behandlung hervorgerufen und dadurch die puerperale Sepsis llmal 
in 12 Fällen geheilt haben. Er verordnet 6—6 g Nuklein per ob 
und zugleich Kochsalzinfusionen» Dies ist nach 12— 24'6tunden zu 



lieber. 



Geburtshilfe und Gynäkologie. 349 

wiederholen, bis Knochenmarksreaktion, d. h. Enochenempfindlichkeit, 
auftritt. Watson hält das Wasser, welches nach intrauterinen 
Ausspülungen bei Wochenbettfieber im Uterus zurückbleibt, für 
schädlich, weil es die vorhandenen Toxine löst und schneller in den 
Kreislauf bringt und weil es das Wachstum der Mikroorganismen 
fördert. Man muß daher das Wasser soviel als möglich wieder 
ausdrücken und dann S'^/oiges Pormalinglyzerin , etwa 30 g, in den 
Uterus einspritzen. Das Glyzerin extrahiert das Wasser, das Formalin 
ist ein reizloses Antiseptikum. Breuer betrachtet die puerperale 
Pleuritis imd Pneumonie als entzündliche Konsequenzen von Embolien 
aus den Beckenvenen. Wie vorsichtig man mit der Umgebimg der 
Kreißenden sein muß, beweist eine Kindbettfieberepidemie, die 
Büttner zitiert, welche im Anschluß an eine Anginaepidemie auf- 
trat. Für eine von ihm beobachtete Unterschenkelgangrän im primär 
afebrilen Wochenbette macht Schaeffer folgende Umstände ver- 
antwortlich: 1. Schwächliche Konstitution und Chlorose. 2. Schenkel- 
und Genitalvenenerweiterung. 3. Subakute Gonokokkeninfektion. 
4. Schlechte Ernährung. Gute Erfolge mit Antistreptokokkenserum 
notieren: Steinhauer (2 Fälle), Caie (1 Fall), Jones (1 Fall) und 
Mainzer (1 Fall). „Jede Mutter soll selbst stillen" ist die Devise Laktation, 
von Schloßmann. Er kennt keine Kontraindikation, weder 
Tuberkulose noch Mastitis, da durch Abdrücken der Milch ohne 
Anlegen des Kindes die Brustdrüse -lange Zeit in Funktion erhalten 
werden kann. Die Ammenkost ist unnütz. Es ist ein Vorurteil, 
daß das Ammenkind und das zu stillende Kind gleichalterig sein 
sollen. Die Beschaffenheit des kindlichen Stuhles beweist nichts, 
das allgemeine Verhalten des Kindes ist allein maßgebend. Es gibt 
keine künstliche Emährungsart, die der natürlichen annähernd gleich- 
wertig wäre. Nußbaum hat einen Fall von Basedow und einen 
Fall von Endometritis catarrhaüs gesehen, wo 1—2 Jahre nach dem 
Absetzen des Kindes die Milchsekretion noch anhielt. Ordination: 
Antipyrin und Druckverband. Nach Weinberg ist der Volks- 
glaube, wonach stillende Frauen nicht schwanger werden, Tatsache. 
Dies gilt aber hauptsächlich für Stillende mit Laktationsamenorrhöe, 
da bei solchen im ersten Halbjahr nach der Geburt nur in 12 ^/oo, 
bei den anderen dagegen in 596°/eo Konzeption eintrat. L^vai 
sieht in der Somatose, Beckmann in dem Laktagol (8—4 Teelöffel 
voll pro Tag) ein gutes Anregungsmittel für die Laktation. Zur 
Behandlung der Schrunden rät Blechmann, die Mamilla mit einem 
mehrfach durchlöcherten, nicht gummierten, befeuchteten Gold- 
schlägerhäutchen vor jedem Stillen zu bedecken. Aeußerlich wird 



350 



J. Klein. 



es mit Zuckerwasser bepinselt, 
und die Warze abgewaschen. 



Nach dem Stillen wird es entfernt 



Blennorrhoe. 



Entbindnngi- 
UUunong. 



KlAviknlar- 
ftraktnr. 



Schttdel- 
impressiouen. 

Pflege der 
Neugeborenen. 



Scheintod. 



Chol&mie. 



Reserveblut. 



Intrauterine 
Leichenstarre. 



Nengeborene. Veverka behauptet mit Eintr&ufelungen von 
20^/0 iger Protargollösung den Prozentsatz der Augenblennorrhoe 
von 2°/o auf 0°/o bei 1100 Neugeborenen reduziert zu haben. 
Scipiades stellt die l^foige Argentum aceticum-Lösung einer 
2^/0 igen Argentum nitricum-Lösung gleich. Bischoff nimmt das 
alte Cr e dusche Verfahren in Schutz, erklärt den Argentumkatarrh 
för harmlos und will höchstens die 2^/oige durch 1^/oige Höllenstein- 
lösung ersetzen. Die Aetiologie der Entbindungslähmungen 
der oberen Extremität sucht Eversmann in der starken Dehnung, 
resp. direkten Zerreißung des fünften und sechsten Zervikaluerven« 
Dieselbe kommt zu stände durch starke, seitliche Deflexion des Kopfes 
zur Schulter hin, besonders bei schwierigen Extraktionen in Becken- 
endlage, noch häufiger als bei vorangehendem Kopfe. Die Prognose 
ist meist sehr schlecht. Aehnlich urteilt Buehle, der vor Ziehen 
am Kopfe und besonders vor Deflexion des Kopfes nach der Seite 
und hinten warnt. Klavikularfrakturen bei Geburt in Schädel- 
lage fand Muus auf 150 Geburten 5mal, ohne daß irgend eine 
Manipulation vorgenommen worden wäre. Einzig die Passage durch 
das Becken kann daran schuld sein. Schädelimpressionen 
bei Neugeborenen hat Bau mm 4mal mit einem kleinen Kork- 
zieher eleviert, 2mal mit Heüung. Pur die Pflege und Ernährung 
frühgeborener und schwächlicher Säuglinge in den ersten Lebens- 
tagen ist nach der Ansicht Polanos eine eigene, gut geschulte 
Wärterin das Wichtigste, wichtiger jedenfalls als der Brutkasten. 
Den Scheintod Neugeborener behandelt Zangemeister mit 
Sauerstoffeinblasungen mittels Trachealkatheters und Sauerstoff- 
ballons. Gilbert, Lereboullet und Stein fanden, daß das 
Blut der Nabelschnur dmal mehr Gallenfarbstoffe als das mütterliche 
enthält. Das Blut des Neugeborenen ist noch um ein Drittel reicher 
als das der Nabelschnur. Es gibt also eine physiologische 
Cholämie des Neugeborenen, welche sekundär eine Cholämie der 
Mutter mit sich bringt. Nach Scipiades ist allem Anscheine 
nach die Blutmenge, welche durch die späte Abnabelung in den 
Organismus gelangt, kein Ueberfluß (Reserveblut), sondern gehört 
physiologischerweise dem Neugeborenen, so daß ihm bei der sofortigen 
Abnabelung eine eigentlich ihm gebührende Blutmenge entzogen 
wird. B. Wolff und Seitz setzen die intrauterine Leichen- 
starre dem Rigor mortis gleich. Sie kommt vor, wenn das tote 



Geburtflhilfe und Gynäkologie. 351 

Kind lange genug im Mutterleib bleibt, auffallend oft bei Zirkulations- 
Störungen höchsten Grades, z. B. bei Eklampsie und bei immaturen 
Früchten unter 7 Monaten. Hämorrhagien des Zentral- GeMrn- 
nervensystems bei Neugeborenen kommen meist infolge schwerer ^^«*^»ß®n- 
Geburt zu stände. Bei zu früh Geborenen treten die Blutungen 
häufiger im Gehirn, bei rechtzeitig Geborenen häufiger im Bücken- 
mark auf Dies ist die Ansicht von Couvelaire. Achondro- Achon- 
plasie nennt Daniel eine auf Syphilis beruhende Dystrophie des ^ropiasie. 
Fötus. Bei einem solchen Fall barst während der Extraktion des 
Kopfes derselbe spontan. Hofmeier ermahnt zur Vorsicht bei 
Beurteilung der Todesursachen Neugeborener bei forensi- Todesursache 
scher Begutachtung, da er in 3 FäUen von unerklärtem Tode nur Neugeborener, 
durch die mikroskopische Untersuchung zur Klarheit kommen konnte. 

Gynäkologrle« 

Allgemeine Pathologie und Therapie. Ganz entschiedene An- 
hänger der Aethernarkose sind Pfannenstiel undKroemer, Narkose, 
während Burckhard nicht den Mißkredit billigt, in den die Chloro- 
formnarkose gefallen ist. Ein neues Narkotikum, aus 2 Teilen 
Aethylchlorid, 4 Teilen Chloroform und 12 Teilen Aether sulf. be- 
stehend, haben Foerster und v. Winckel angewandt. Letzterer 
hatte dabei 2 Todes&lle und 8 Asphyxien zu verzeichnen. Ohne 
Narkose, nur mit 0,01 Morphium und eventuell Schi eich scher 
Einspritzung in die Schmerzstellen beim Umschnüren des unteren 
Teiles der Ligamenta lata und beim Abbinden der Adnexe, hat 
Gradenwitz drei vaginale Totalexstirpationen zu gutem Ende 
bringen können. Bei Diabetes mellitus und gynäkologischen Opera- 
tionen hält Füth die Allgemeinnarkose für gefährlich; es ist aber 
nicht nötig, die Elranke vorher zuckerfrei zu machen. In Becken- 
hochlagerung wird konstant die abdominale Atmung bedeutend 
schwächer und die thorakale verstärkt sich nur wenig kompen- 
satorisch. Es treten daher nach Franz nach Aethernarkose in 
Beckenhochlagerung 4mal so viel Bronchitiden auf als in Bücken- 
lage. Die Chloroformnarkose ist viel weniger gefährlich. Auf seine 
im Vorjahre erwähnte Ventroskopie kommt v. Ott ausführlicher Ventroskopie. 
zurück und will auf dieselbe Weise das Rektum, das Kolon, die 
Harnblase und die Gebärmutter zu diagnostischen und operativen 
Zwecken mit besonders konstruierten Spiegeln und elektrischen Lam* 
pen beleuchten. Den Einfluß der Menstruation, der Schwanger- Mensirnation • 
schaf^i, der Geburt und des Puerperalstadiums auf die Muskelkraft 



352 J. Klein. 

Menstraation. hat Bossi mit dem Ergograph Mossos untersucht. Vor der 
Menstruation nimmt die Muskelkraft ab, wahrscheinlich als Folge 
von Intoxikation mit schädlichen Stoffen, die nachher eliminiert 
werden. Die Muskelkraft in der Oeburt ist im Vergleich mit der 
in der Schwangerschaft nicht sehr groß, im Wochenbett steigt die- 
selbe rasch an. Nach Theilhaber tritt häufig Menorrhagie und 
Metrorrhagie durch psychische Erregungen bei gesunden Nerven und 
gesunden Genitalien auf. Noch häufiger sind jedoch entweder die 
Nerven oder die Genitalien nicht ganz normal oder beide. Die Be- 
handlung besteht in Hydrotherapie, vegetarischer Diät, Vermeidung 
psychischer Beize, Ergotin, Aetzungen des Uterus mit Formalin oder 
Chlorzink. Zur Stillung übergroßer menstrueller Blutungen erinnert 
Klemperer an das alte Kußmaulsche Verfahren, vom hinteren 
und vorderen Scheidengewölbe aus eine Xompressionstamponade des 
Uterus mit drei Tampons auszufuhren. Ein periodisch auftretendes 
angioneurotisches Oedem erklärt Kermauner durch Intoxikation 
mit Leukomainen, die von der Keimdrüse ausgeschieden werden. 
steriiiut. Zur Herbeiführung der zeitlichen Sterilität hat Biß mann durch 
hintere Kolpotomie die keilförmige Exzision der Tubenecken voU- 
ftdirt. Der Konservatismus bricht sich in der Gynäkologie immer 
Konservative mehr Bahn : B u c u r a berichtet über 226 konservative Kolpokölio- 
^^toSe^*^ tomien aus der Klinik Chrobak mit einem Todesfall. Nebesky, 
P e h a m und K e i 1 1 e r behandeln die chronisch entzündlichen Adnex- 
erkrankungen möglichst konservativ ohne Operation und nur bei 
Eiteransammlungen mittels Inzision und Drainage. Denselben Stand- 
punkt nimmt Jung ein. Auch Treub stellt fest, daß mehr als die 
Hälfte aller Salpingo-Oophoritiden ohne chirurgischen EingrifiP heilen 
können. Bei mehrfachen Rezidiven kommt die Kolpotomia posterior 
in Betracht. Zur vaginalen Eröffnung von Eiterherden hat Fraenkel 
Trokar- eine Kombination von Kornzange undTrokar ersonnen. Du t z- 
Komzange. j^^nn meint, daß die Zählung der Leukozyten, besonders bei Ex- 
sudaten, ein ausgezeichnetes Hilfsmittel ist, um Eiterung zu erkennen. 
Waldstein und Fellner sind gegenteiliger Ansicht. Für sie 
Leukozyten- bietet die Leukozytose keinen Anhaltspunkt in differential- 
bestimmung. diagnostischer Hinsicht zwischen Eiterung und Blutung. Eine um- 
Drainage nach fangreiche Diskussion über den Wert der Drainage nach Laparo- 
Laparotomie, ^omie hat Olshausen eröffnet, welcher seine Abneigung gegen 
die Drainage laut aussprach, da er bei 114 schwierigen FäUen unter 
1666 Laparotomien ohne Drainage nur 24 tödliche Ausgänge zu ver- 
zeichnen hatte. Sämtliche durch dieses Urteil veranlaßte Veröffent- 
lichungen lauten zu Gunsten der Drainage bei komplizierten Fällen. 



Geburtshilfe und Gynäkologie. 



353 



Die einen Autoren, wie Hofmeier, Fehling, Thomson, Marsch- 
ner und Sippel, drainieren durch die Bauchwunde hindurch mit 
Jodoformgaze oder mit der Mikulicz sehen Schürze, die anderen, 
wie Döderlein und Martin, per vaginam. In welchen Fällen zu 
drainieren ist, hat Fehling am deutlichsten präzisiert: 1. bei Ein- 
fließen von Eiter und Jauche ins Operationsgebiet; 2. wenn große 
Stücke einer eitrigen oder nekrotischen Sackwandung zurückgelassen 
werden mußten; 3. bei Blutimgen in der Tiefe des kleinen Beckens ; 
4. bei Verletzungen oder Fisteln von Mastdarm oder Blase. Inter- 
essante Angaben über Nebenverletzungen bei gynäkologi- 
schen Operationen in der Klinik Chrobak verdanken wir 
Blau. Auf 2193 Operationen kommen 46mal, das ist 2°/o, Neben- 
verletzungen vor, welche 15mal die Ureteren, 21mal die Blase und 
14mal den Darm betreffen. Die Vaporisation nach vorheriger 
Dilatation und Abrasio empfiehlt Hantke besonders bei Blutungen 
im Klimakterium, bei subserösen und interstitiellen Myomen, die 
unoperierbar sind, bei unstillbaren Blutungen nach Kastration imd 
bei Hämophilie zur Herbeiführung der Sterilität. Aehnlich sind die 
Erfahrungen von Fuchs. Um große Spülungen mit Wasser 
von 50® C. vornehmen zu können, hat Hosen feld einen kupfernen 
Kessel von 30 1 Inhalt mit Thermoregulatoren sich anfertigen lassen. 
Pinkuß greift ebenfalls zur Behandlung chronisch-entzündlicher 
Erkrankungen der weiblichen Genitalien auf die altbewährten heißen 
Vaginalduschen zurück. Heißlufttherapie ist nach Bürger 
bei Parametritis, Pelveoperitonitis, Adnextumoren gonorrhoischen 
oder puerperalen Ursprungs auf Gh:*und ihrer schmerzlindernden und 
resorptionsbefördemden Wirkung ein sehr verwendbares, konser- 
vatives Heilmittel. Für Belastungstherapie, ganz im Sinne von 
Freund, plaidiert Schneider. Einen aseptischen Zervixdila- 
tator hat B. Müller sich mit einem Laminariastift, welcher in eine 
auskochbare Gummihülse hinein kommt und durch ein Hodge- 
pessar in situ gehalten wird, zusammengebaut. Koslenko hält das 
Thiol, Neumann das Thigenol f&r ebenbürtig dem Ichthyol 
in der resorptionsanregenden Wirkung. Das Thigenol soll in der 
schmerzstillenden Wirkung ihm sogar überlegen sein. Falk wendet 
es auch an zur Behandlung der chronischen Gonorrhöe: 40g in 
einem Liter ^jt^loiger Lysollösung zur Uterusausspülung, 50^/oige 
Tampons imd Seifensitzbäder mit 40 g Thigenol. Neuwirth und 
Woyer ziehen jedoch das Ichthargan vor, in Spülungen von 
*/ipoo — ^l%ooo oder in Tampons von '/looo — */iooo. Nach ParÄdi 
ist das Dogma der Unheilbarkeit der Uterusgonorrhöe nicht haltbar. 
Jahrbuch der praktischen Medizin. 1904. 28 



Neben- 
verletzungen 
bei gynäko- 
logischen 
Operationen. 

Vaporisation. 



Heifiwasser^ 
behandlnng. 



Heifiluft- 
therapie. 



Belastungs- 

therapie. 

Zervix- 

dilatator. 



Thiol und 
Thigenol. 



Gonorrhoe. 



354 



J. Klein. 



Styptizin und 
Styptol. 



AdreDElin. 

Strychnin. 

Speknlnm. 

Vegetarische 
Diät. 



Geistes- 
krankheiten. 



Mit Einspritzungen in den Uteras und in die Zervix von je 1 ccm Argen- 
taminlösung (V^o^/oig) oder Natriumlygosinatlösang (5®/«ig) mit der 
Braun sehen Spritze sind nach 40 Tagen und nach 12 Einspritzungen 
im Durchschnitt die Gonokokken aus dem Uterussekret verschwunden. 
Plien verurteilt die Behandlung der weiblichen Gonorrhöe mit Hefe, 
da dieselbe nicht im stände sei, die Gonokokken abzutöten, v. Csiky 
ist mit dem Styptizin, Katz mit dem ihm ähnlichen Styptol 
sehr zufi;^eden bei Blutungen infolge Subinvolutio, bei Adnexblutungen, 
Fibrom- und Retroflexionsblutungen u. s. w. Gramer und Lange 
haben von Adrenalin als Hämostatikum nurGutes gesehen. Grube 
und Jaffa liefern weitere Beiträge zur Bekämpfung des Heus mittels 
subkutanen Strychnininjektionen von mehrmals 0,003 g. Ein 
neues, selbsthaltendes Spekulum, welches am Tisch fixiert werden 
kann, hat Spiegel angegeben. Die vegetarische Diät soll 
nach Theilhaber bei Neuralgien, Neurosen der Blase, nervöser 
Schlaflosigkeit, klimakterischen Beschwerden, Galaktorrhöe, Pruritus 
vulvae, Dysmenorrhöe, Insufficientia uteri, Obstipation, Flatulenz, 
Schwangerschafbsniere u. s. w. zu empfehlen sein. Bei psychischen 
Erkrankungen von Frauen ist stets ein Genitalbefund zu erheben; 
bei pathologischem Befund ist die Operation indiziert, dieselbe soll aber 
möglichst konservativ sein. So lautet der Ausspruch von ßaimann. 



Leukoplakie 
der Vulva. 



AeuBere Geschlechtsorgane. Die leukoplakischen Ver- 
änderungen der Vulva sind nach Sz&sz eine auf lange Jahre 
sich erstreckende Affektion, die zwei, wenngleich verschiedenartige, 
doch natürliche Evolutionswege einhält. Der eine fuhrt zur Kraurosis, 
der andere zum Karzinom. Jung sah einen Fall von Kankroid bei 
Esthiom^ne. Kraurosis vulvae. Die Aetiologie des Ulcus rodens vulvae 
oder Ulcus vulvae chronicum elephantiasticum, auch Esthiom^ne ge- 
nannt, bleibt für Szdsz eine dunkle. Einen Fall von Tuberkulose 
der Vulva, der durch das Fehlen von jeglicher Ulzeration auf- 
fallend war, teilt uns Poeverlein mit. Den diabetischen Pruritus 
vulvae kuriert Lorand mit Naphthalan oder noch besser mit 
10^/oiger Anästhesin-Lanolinsalbe, innerlich mit Natrium salicylicum. 
Dieser Pruritus entsteht: 1. durch die erregend-giftige Aktion des 
diabetischen Blutes, 2. durch den zuckerhaltigen und mit Harnsäure 
übersättigten Harn als Reizagens und 3. infolge nervöser Prädisposition. 

Oynatresie. Scheide. Die Gynatresie ist nach Pincus meist durch In- 

fektionskrankheiten erworben. Es sollten daher alle Kinder nach 
Infektionskrankheiten mit einer 0,5—1 cm dicken Kupfersonde unter- 
sucht werden!! Zur Therapie der Gynatresien empfiehlt Halban 



Tuberkulose 
der Vulva. 

Pruritus 
vulvae. 



Geburtshilfe und Gynäkologie. 355 

bei Hämatometra und Hämatosalpinz die Laparotomie, sonst ist der 

vaginale Weg am Platze. Aus den Scheidendrüsen können, wie 

Widmer beweist, Retentionszysten entstehen, die mit den Ueber- 

resten der Gärtn ersehen Gänge nichts zu tun haben. Zwei Fälle 

von Fibromyom der Vagina beschreibt Potel, Maly einen Fall von Tumoren der 

Carcinoma vaginae, durch Druck eines May ersehen Ringes ent- Vagina. 

standen. Sechs ähnliche Fälle fand er in der Literatur. 

Oebftrmutterhals. Aetiologisch wichtig für die Erosio por- Erosion, 
tionis vaginalis ist die Anwesenheit von Gonokokken in Ge- 
websschnitten, die Vörner in 6 Fällen konstatierte. Die primäre 
Tuberkulose der Zervix teilt Kynoch ein in: 1. ulzeröse Zerviz- 
Porm, 2. miliare und 3. papilläre Form. Therapeutisch hält er die t^^wi^^iose. 
Hysterektomie für angezeigt. Ein neues Verfahren gibt Gottschalk 
an, um größere interstitielle und interstitiell-submuköse Zervix- Zervixmyom. 
myome exstirpieren zu können, ohne die Schleimhautdecke der 
Gebärmutter zu berühren und ohne Naht im Geschwulstbett selbst, 
indem er die ad maximum invertierte Schleimhautkapsel mit der 
KoUuminzisionswunde vernäht, ehe sie abgetragen wird. 

Oebftrmutter. Die Amenorrhoe dem Alter nach geschlechts- Amenorrhoe, 
reifer Mädchen darf nicht nach Pincus monatelang medikamentös 
ohne Untersuchung behandelt werden, da es sich eventuell um G^- 
atresie (s. oben) handeln könnte. Experimentell läßt sich, wie Schiff 
dies an Hunden gezeigt, die Reflexwirkung von der Nase zum Uterus 
beweisen. Opitz sah einen Fall, wo Suggestion sicher ausgeschlossen 
und nasale Dysmenorrhöe erwiesen ist. Für V. Schultz ist es Dysmenorrhöe, 
sehr wohl denkbar, daß die dysmenorrhoischen Beschwerden durch 
Struktureigentümlichkeiten des Mesometrium — durch eine mangel- 
hafte Organisation des infantilen Bindegewebes in den „äußeren 
Wandschichten" des Uterus zur Pubertätszeit und über diese hinaus — 
bedingt werden. Theilhaber und v. Lorentz schildern sowohl 
die Ursachen und Symptome als auch die pathologische Anatomie 
der chronischen Metritis. Dieselbe ist charakterisiert durch Ab- 
nahme der Muskulatur und Zunahme des Bindegewebes mit Ver- 
größerung des Organs und starke Blutfüllung, das ist mit einem 
Worte: Insuffizienz des Uterus. Ilkewitsch ätzt bei Endometri- 
tiden die Uterushöhle mittels der Playfairschen Sonde 2mal mit 
Acidom lacticum concentr. Nach Wertheim sind die regionären 
Lymphdrüsen beim Uteruskarzinom in 35 ^/o der Fälle von Krebs 
ergriffen. In '/s dieser Krebsfälle findet man deutliche Krebsmassen 
in diesen Drüsen, in V» merkwürdige, schlauchförmige Formationen, 



356 J. Klein. 

uterna- die er als Metastasen von £rebs ansieht. Die Zahl dieser Drüsen 
karzinom. ^^ ^^ Kroemer glaubt, viel größer als man bisher annahm. Es 
ist daher das abdominale Radikalverfahren mit Drüsensache in den 
meisten Fällen nötig und die vaginale Totalezstirpation genügt nur 
für die beginnenden, reinen Portiokarzinome und fiir die Körper- 
krebse ohne Komplikationen. Steins Ansicht ist, daß chronisch 
entzündliche Prozesse bei der Entstehung des Oebärmutterkrebses 
eine Rolle spielen. Kundrat untersuchte in 80 Fällen von Kollum- 
karzinom die Parametrien und fand dieselben in 44 Fällen = 56®/o 
krebsig. Es ist daher die Freund- Wertheimsche Methode nicht 
allein wegen der Entfernung der Lymphknoten, sondern auch der 
reichlichen Mitentfemung des parametranen Gewebes wegen für die 
Dauererfolge von Wert. L o m e r hat die Ueberzeugung, daß unter 
gewissen Umständen bei Operationen Karzinomteile im Körper 
zurückbleiben und daß der Körper mit diesen fertig wird. Tiefe 
Alterationen des Blutes, wie sie durch Fieber, durch ungemein große 
Blutverluste und vielleicht auch durch umfangreiche Verbrennungen 
zu Stande kommen, scheinen heilend auf das Karzinom einzuwirken. 
Schmidt hat bei Karzinomkranken Behandlung mit abgetöteten 
Reinkulturen eines im Karzinom vorkommenden Parasiten versucht, 
hat aber bisher noch keinen Fall von vollständiger Heilung auf- 
zuweisen. Peham hält die traubenförmigen Sarkome der Zervix 
und der Vagina für klinisch und anatomisch gut charakterisiert. Sie 
sind auf kongenitale Anlagen zurückzufuhren und gehören den 
malignen Mischgeschwülsten an. Aehnlich verhält es sich nach 
Keitler mit den Traubensarkomen im Corpus uteri. Evelt hebt 
die große Seltenheit und die Schwierigkeit der Diagnose der Uterus- 
Sarkome hervor. Bosse teilt uns einen Fall von papillärem Kar- 
zinom der Zervix mit. Betreffs Karzinomoperabilität ist es, wie 
Winter meint, eine Aufgabe der Zukunft, das Karzinom so früh- 
zeitig als möglich aufzusuchen. G. Klein hält auch palliative 
Operationen zur Beseitigung der Blutung und Jauchung für nützlich. 
Blau be