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Full text of "Jahrbuch des Kaiserlich Deutschen Archäologischen Instituts"



■ 



! 



























1 



JBRARY 




JOHNS HOPKINS UNIVERSITY 


















. 








Jahrbuch 

DES 
KAISERLICH DEUTSCHEN 

Archäologischen Instituts 



Band xiv 

i899 A 



MIT DEM BEIBLATT ARCHÄOLOGISCHER ANZEIGER 



BERLIN 

DRUCK UND VERLAG VON GEORG REIMER 

1900 







Basic«*, 



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■ 



Inhalt 



Seite 

R. Engelmann Die Katzen im Altertum. Mit 3 Abbildungen 136 

B. Graef Zum archaischen Marmorkopf aus der Sammlung Sabouroff im 

Berliner Museum 8j 

P. Hartwig Die Anwendung der Federfahne bei den griechischen Vasen- 
malern. Mit Tafel 4 und 6 Abbildungen 147 

E. Pernice Kothon und Räuchergerät. Mit 20 Abbildungen 60 

E. Petersen Caele Vibenna und Mastarna. Mit 3 Abbildungen 43 

H. Schöne Die Dioptra des Heron. Mit 9 Abbildungen 91 

G. Weber Die Wasserleitungen von Smyrna. Mit Tafel 2. 3 und 54 Ab- 
bildungen 4. 167 

S. Wide Geometrische Vasen aus Griechenland. Mit 104 Abbildungen 

26. 78. 188 

Th. Wiegand Ein neues Alexanderporträt. Mit Tafel 1 und 4 Ab- 
bildungen 1 

U. von Wilamowitz - Moellendorff Die griechischen Technopaegnia. 

Mit 4 Abbildungen 51 

F. Winter Studien zur älteren griechischen Kunst. I. Mit einer Ab- 

bildung 73 

P. Wolters Vasen aus Menidi. II. Mit 31 Abbildungen 103 

P. Wolters Bemalter Marmorkopf in Athen. Mit einer Abbildung . . . 143 

Tafel 1. Bildnis Alexanders des Grofsen in Konstantinopel. 

2. Die Wasserleitungen von Smyrna. 

3. Specialkarte der Hochdruck- Wasserleitung von Karabunar bei Smyrna. 

4. Innenbild einer Trinkschale. 



IV 



Inhalt. 



ARCHÄOLOGISCHER ANZEIGER 



Seite 

J. A. Kaupert f i 

H. Kiepert f 49 

Jahresbericht über die Thätigkeit des 
Kaiserlich Deutschen Archäologi- 
schen Instituts 50 

Archäologische Funde im Jahre 1898 

(Conze) 54 

Funde in Südrufsland (G. Kieseritzky) 56 
Funde und Erwerbungen in und aus 
Aegypten 1897 — 1898/99 (F. W. v. 

Bissing). Mit 3 Abbildungen 57 

Italische Funde (H. Graeven) 59 

Archäologische Neuigkeiten aus Nord- 
afrika (A. Schulten). Mit 3 Abbildungen 66 
Bericht über die Arbeiten der Reichs- 
limeskommission im Jahre 1898 (E. 
Fabricius. F. Hettner). Mit einer Ab- 
bildung 77 

Die neuen Ausgrabungen auf dem 

Forum(Ch. Huelsen). Mit 2 Abbildungen 1 
Die Häfen von Karthago (R. Oehler). 

Mit 2 Beilagen 7. 193 

Neue Ausgrabungen aufThera. Mit An- 
hang: Die Inschriften des Artemi- 
doros (F. Hiller von Gaertringen). 

Mit 5 Abbildungen 181 

Zum Hildesheimer Silberschatz. II. (F. 



Seite 
Winter. E. Pernice). Mit 15 Ab- 
bildungen 121 

Sitzungsberichte der Archäologischen 
Gesellschaft zu Berlin. 1899. Mit 6 

Abbildungen 12. 130. 197 

Gymnasialunterricht und Archäologie 92 

Philologenversammlung 208 

Eduard-Gerhard-Stiftung 24. 98 

Erwerbungen der Antikensammlungen 
in Deutschland. I. Die westdeutschen 
Altertumssammlungen (F. Hettner). Mit 

2 Abbildungen 16 

Erwerbungen des Louvre 1897. II. 

1898. I 92. 147 

Erwerbungen des Museum of Fine 

Arts in Boston im Jahre 1898 .... 135 
Erwerbungen des Ashmolean Museum 

zu Oxford 146 

Erwerbungen des British Museum im 

Jahre 1898 202 

I. Nachtrag zum Verkaufsverzeichnis der 

Dresdener Museumsformerei .... 22 

Aus Athen 208 

Institutsnachrichten 98. 152. 207 

Zu den Institutsschriften 25. 99 

Bibliographie 25. 99. 154. 209 

Register 228 



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"V %uutA^nr 



EIN NEUES ALEXANDERPORTRÄT. 

(Tafel i) 

Unter der Bezeichnung »Apollo 
von Magnesia am Sipylos« hat Th. Rei- 
nach in den Monuments et memoires 
Piot IIIS. 155 fr., Taf. 16— 18 eine über- 
lebensgrofse Statue aus parischem 
Marmor veröffentlicht, welche sich im 
kaiserlich ottomanischen Museum in 
Constantinopel befindet. Ihre Benennung 
begründet er erstens mit einer all- 
gemeinen Apolloähnlichkeit des einst 
bekränzten Kopfes, zweitens damit, 
dafs die linke Hand den Rest einer 
Kithara trage: 

»L'ob/et de forme prismatiqne et 
legerement incurvee que le dieu serre 
dans /es doigts crispes de sa main ganche 
apportient evidemment a une cithare de 
grandes dimensions, analogue a celle qui 
fignre sur le reliefpraxitelien de Mantinee. 
La partie conservee repre'sente, sans aucun 
doute, Vextremite supe'rieure d'une des 
cornes ou branches de V Instrument; mais 
ort peut hesiter sur le point de savoir 
si le reste de la cithare se trouvait en 
avant ou en arriere de Vaplomb du bras. 
Le petit appendice cylindrique, perce' dun 
trou median, qui se detache lateralement 
de la corne , ?ie suffit pas a trancher la 
question; car la piece rapporte'e qui s'in- 
se'rait dans ce trou peut avoir ete soit la 
partie centrale de la traverse ou s'enroulent 
les cordes, soit Vornement termiftal en 
forme de cheville qu'on apercoit aux deux 
extremite's de la traverse dans un tres 
grand nombre de monuments antiques.« 
Reinach kennt, wie ich höre, die Statue nicht aus eigener Anschauung. So 
konnte er die wahre Natur des Fragmentes verkennen: es ist keine Kithara, sondern 

Jahrbuch des archäologischen Instituts XIV. I 




Wiegand, Ein neues Alexanderporträt. 



der Rest eines in der Scheide steckenden Schwertes, dessen besonders gearbeitete 
und jetzt fehlende Klinge, nach oben und hinten gerichtet, hinter dem Unterarme 
anlag, wie ein Stiftloch innerhalb des Ellenbogens andeutet. Mit Daumen-, Zeige- 
und Mittelfinger hält die Hand das Schwertkreuz, an dem man deutlich die Linie 
bemerkt, welche Schwert und Scheidenrand trennt. Der eigentliche Griff sprang 
zwischen Zeige- und Mittelfinger vor. Die Haltung des Schwertes ist ganz ähnlich 
jener, die sich so oft bei römischen Kaiserstatuen wiederfindet. In Constantinopel 
selbst bietet ein gutes Beispiel dafür die Colossalstatue Hadrians aus Kreta. Die 
linken Hände beider Statuen sind hier nach Photographien, die Herr Dr. Halil-bey 
auf meine Bitte herstellen liefs, wiedergegeben. 





Hand der Alexanderstatue. 



Hand der Hadrianstatue. 



Das dreieckige Loch, das im Gewand hinter der linken Hand sichtbar ist, 
(vgl. die Seitenaufnahme) rührt von der Anstückung einer Gewandfalte her. Ähn- 
liche Anstückungen bemerkt man auch auf der rechten Schulter. 

Ist es nun sicher, dafs die Gestalt ein Schwert getragen, so wird schon 
dadurch die Bezeichnung »Apollo« unmöglich und die auch von Reinach keines- 
wegs verkannte Ähnlichkeit des Kopfes mit Alexanderporträts tritt in ihr volles 
Recht: der König ist hier dargestellt. Ich erfreue mich bei dieser Ansicht der 



Wiegand, Ein neues Alexanderporträt. 



lebhaften Zustimmung eines so ausgezeichneten Kenners wie Sr. Exe. Hamdi-bey's, 
der seinerseits auf dieselbe Vermutung gekommen war. 

Durch eine ungünstige Photographie der Vorderansicht des Kopfes ist 
Reinach getäuscht worden. Die hier auf Tafel I mitgeteilte Profilansicht wird Jeder- 
mann die Ähnlichkeit mit Alexander- 
porträts verdeutlichen. 

Um seine Deutung auf Apollo 
aufrecht erhalten zu können, glaubte 
Reinach den fehlenden rechten Arm 
nach der Richtung des Ansatzes in der 
bei antiken Statuen äufserst {infinimenf) 
seltenen Bewegung ergänzen zu müssen, 
»leve vers le ciel, legerement fle'chi au 
coude et levant dans la main soit une patere 
de sacrißce, soit, plus probablement , un 
rameau de lauricr pueificateur" ; Lechat 
[Revue des etudes gr. X 1897 S. 365) will 
statt dessen die rechte Hand auf ein 
Skeptron oder einen Baumstumpf gestützt 
wissen. Auch darin ist Hamdi-bey mit 
mir einverstanden, dafs derhocherhobene 
Arm nur eine Lanze gehalten haben kann. 

Wir gewinnen somit einen Typus 
des »Alexander mit der Lanze«, dessen 
Standmotiv ganz ähnlich dem des Maus- 
solos ist, wo das rechte Bein fest auf- 
gesetzt, das linke halb nachgezogen er- 
scheint. Auch im Gewand mit seinen 
dünnen tiefen Falten sind, namentlich 
am Überschlag, unverkennbar Überein- 
stimmungen. Ferner findet sich eine 
schlagende Analogie auf jenen Lysi- 
machosmünzen, die Koepp (Über das 
Bildnifs Alexanders d. Gr., 52. Berliner 
Winckelmannsprogramm 1892 S. 13) mit 
Recht zur Grundlage der Beurteilung des 
Profils gemacht hat. 

Dazu tritt bestätigend die all- 
gemeine Verwandtschaft mit zwei stets als Alexanderbildnisse anerkannten Kunst- 
werken, erstens der bronzenen Reiterstatuette aus Herculaneum, deren Profilähnlichkeit 
trotz der geringen Gröfse selbst in der Abbildung Viscontis überraschend ist (Koepp 
S. 29), zweitens dem Kopf des Neapeler Alexandermosaiks, das natürlich nur für die 




Weber, Die Wasserleitungen von Smyrna. 



Hauptlinien in Betracht kommt, dessen Wert aber Koepp sehr richtig mit der 
Bemerkung hervorhebt, dafs der Künstler im Streben nach möglichst augenfälliger 
Ähnlichkeit die wesentlichen Züge verstärkt und gleichsam zusammen gedrängt habe. 
Freilich hat er sie dabei vergröbert. 

In Stellung, Gewandbehandlung und der gesammten Wucht der grofsen 
Erscheinung schien uns die Constantinopeler Statue auf die Werkstatt oder die 
Schule eines der am Maussoleum beteiligten Künstler zu führen, von deren einem, 
Leochares, es bezeugt ist, dafs er Alexander dargestellt hat. Gewifs ist die Figur 
nicht so gut, dafs sie von der Hand des Meisters selbst stammen könnte, man 
könnte aber vermuthen, dafs sie uns die Gesammterscheinung des Königs nach 
der Auffassung eines gleichzeitigen Künstlers überlieferte '. 

Priene, November 1898. 

Theodor Wiegand. 



xxr-jJb^ v'ti 



DIE WASSERLEITUNGEN VON SMYRNA. 

I. 

(Tafel 2. 3) 

Angeregt namentlich durch die Untersuchungen der Wasserleitungen von 
Pergamon habe ich die Hochdruckleitung von Laodicea untersucht und in diesem 
Jahrbuche 1898, S. 1 ff. beschrieben. Eine Darstellung der antiken Leitungen 
von Smyrna, wie ich sie jetzt folgen lasse, beruht zwar auf langjährigen Beobachtungen, 
die ich aber ebenfalls in Folge jener Anregung in den letzten Jahren mit verstärktem 
Eifer verfolgt habe. Es sind sechs Leitungen, zwei davon zerstört, vier noch in 
Thätigkeit, eine siebente gehört als ein eben erst in Herstellung begriffenes Werk 
modernen Wasserbaus nicht hierher. Aufser den Wasserleitungen mögen zum 
Schlüsse auch noch die in byzantinischer Zeit auf dem Schlofsberge erbauten 
Cisternen Erwähnung finden. 

Indem ich die sechs Leitungen aufzähle, bezeichne ich sie, um der Datirung 
nicht durch historische Namen vorzugreifen, zumeist mit modernen Namen. 

1. Die Hochdruckwasserleitung von Karabunar. 

2. Die Wasserleitung von Akbunar. 

') Gerade in Magnesia ein gleichzeitiges Porträt ihnen Ackerlose zugewiesen hat. Droysen, Hel- 

Alexanders zu finden, kann nicht überraschen, lenismus I S. 291, 111,2 S. 196. 

da Alexander dort Soldaten angesiedelt und 



Weber, Die Wasserleitungen von Smyrna. 



5 



3. Die Wasserleitung von Kapandschoglu. 

4. Die byzantinische Leitung im Melesthal. 

5. Die Osman-Agha-Leitung. 

6. Die Vesir-Su-Leitung. 

Überblickt man Smyrna's Umgegend vom Schlofsberg aus (183 m Meeres- 
höhe), so bemerkt man leicht, dafs für die Zuführung von Quellwasser in den 
Mauerring nur das Gebiet im Süden und Osten in Betracht gekommen sein kann, 
also das hohe Gebirge des Olympos, der Nif-Dagh (1500 m), und die Hochebene 
von Sediköi (120 m). Der Stadtberg selbst hängt mit dieser Hochebene durch eine 
Hügelreihe zusammen, welche am linken Ufer des Meles sich gegen Süden ausdehnt. 
Hinreichende Quellen weist diese Strecke nicht auf, allein sie war wohl dazu an- 
gethan, von der genannten Hochebene her eine Leitung in natürlichem Gefälle nach 
der Stadt zu bringen, und zwar bis zur Höhe von 75 m, in welcher das Wasser 
dann in den Mauerring eintreten konnte. Sollte aber die Hochstadt ohne fliefsendes 
Wasser geblieben sein? Haben nicht auch die Gründer Neu-Smyrna's alles in Be- 
wegung gesetzt was die entwickelte Technik der hellenistischen Zeit zu leisten im 
Stande war, um diesem Mangel abzuhelfen? 

Die Wasserversorgung des Schlofsberges ist schwierig. Heute, wo die 
Türken sich an den höheren Hängen des Pagus anbauen, ist die Wassernoth dort 
besonders im Sommer sehr grofs. Die Wasserversorgung ist schwierig, weil das 
ohnehin von drei Seiten abfallende Terrain felsigen und zwar vulkanischen Unter- 
grund hat, so dafs das niederfallende Wasser rasch abfliefst. Dazu kommt, dafs 
die Regenmenge in Smyrna mit den Jahren und Jahreszeiten sehr stark wechselt 
und es mehrere Monate gibt, in denen so gut wie regelmäfsig überhaupt kein Tropfen 
fällt. Aus einer auf Grund vierunddreifsigjähriger Beobachtungen zusammengestellten 
Tabelle, welche ich der Freundlichkeit des General-Direktors der Ottomanischen 
Aidin-Eisenbahn, Herrn Purser, verdanke, dürften die drei folgenden Angaben die 
besten Aufschlüsse geben: 



Mittlere 
Monatssumme 


rt 

3 
C 


u 

a 

3 

R 


M 

N 






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3 
1 — > 


9 

1 — > 


09 

3 

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CO 




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O 


Q 


Mittlere 
Jahres- 


für den 




h 










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summe 


Zeitraum 




























1864— 1898 


IO8 


75-i 


70 


43 


29 


14 


4-3 


24 


I9.8 


50 


«3 


in. 4 


610 mm 



Da, den hiesigen Verhältnissen nach, der Regen im Herbst anfängt und 
höchstens im Mai aufhört, so mögen die zwei folgenden Tabellen als Ackerbau- 
jahre gedacht sein, also vom 1. Juli bis zum 31. Juni des folgenden Jahres. 



Regenreichstes 


'S 

1 — i 


3 
3 


Sept. 




O 





N 

V 

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H 

3 

9 


H 

3 

,0 


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im 


April 


"ri. 


C 
3 
1— > 


Jahressumme 


Jahr: 




< 












fc, 












(1874^1875) 




































7 


258 


225 


ii 4 


237 


145 


34 






1020 



Weber, Die Wasserleitungen von Smyrna. 





- 


OB 


^J 




> 


N 


u 


u 

rt 

3 


Kl 


— 






Jahres- 


Regenärmstes 


3 


M 

3 


Ol 

173 


O 
O 





Q 


d 








a 


3 
•— > 


summe 


Jahr: 




<J 










1—» 


h 












(1889— 1890) 






























0.75 




I 


5 


"•75 


42-5 


12.75 


17 


3D-5 


31 


6.25 


0.5 


165 



Demnach schwankt die jährliche Regenmenge bei einem mittleren Stande 
von 610 mm zwischen mindestens 165 mm und höchstens 1020 mm. In den Monaten 
Juni, Juli, August und September regnet es gewöhnlich gar nicht. In solcher Zeit 
müssen die Brunnenquellen versiegen und wird jährlich Mangel an Brunnenwasser ein- 
treten. Trotzdem bestehen türkische Hausbrunnen auf dem Schlofsberge in grofser 
Zahl; in neuerer Zeit werden auch welche gegraben. Das Trachytgestein des Pagus 
ist vielfach gespalten und eignet sich daher zur Aufspeicherung einer gewissen 
Quantität Wassers im Winter. Im Mittelalter hat man, wie wir weiter unten sehen 
werden, eine andere Methode angewandt. 

Es blieb also, um reichliches Wasser in die Oberstadt zu bringen, kein 
anderes Mittel übrig, als es von aufsen her einzuführen. Die nächste Umgebung 
mufste dabei aufser Frage bleiben. Die Ebene von Budscha, mit ihrem Quellen- 
gebiet, liegt nur 60 m über dem Meer; die Hügel von Kukludscha entsprächen mit 
400 m im Osten wohl der Höhenforderung, sind aber in dieser Höhe quellenlos. 
Dafs sie, bei ihrer Kalksteinformation, grofse Wassermengen enthalten, geht aus der 
reichen Quelle von Halka-Bunar hervor; bei grofsen Regenjahren entströmt ein 
starker Bach aus dem Felsen in der Nähe der Paradies-Station; das Dorf Budscha 
besitzt sogar drei oder vier kleine Wasserleitungen, die hoch oben in den Seiten- 
mulden des Hügelzuges ihre spärlichen Quellen haben; allein für die Versorgung einer 
grofsen Stadt mit Wasser reichte das nicht hin. Dasselbe war der Fall mit der 
südlichen Hügelreihe, von derselben Höhe und Formation, zwischen der Budscha- 
Ebene und dem Thale des Tachtali-Tschai. Zwar sind drei etwas gröfsere Quellen 
in ihr bekannt, allein sie liegen nicht hoch genug um das Wasser auf den Schlofs- 
berg zu bringen. Die erste, das sogenannte Kangiol (160 m Meereshöhe), entspringt 
im S.O. von Budscha, und das Wasser wird, seit 1847, theilweise durch einen 
Tunnel, nach dem Dorfe geleitet. Die zweite Quelle, bei Kos-agatsch, liegt 170 m 
hoch, wird aber nur zum Gartenbau benutzt. Die dritte Quelle endlich, Ak-Bunar, 
eine Stunde östlich von der Dschimovassi-Station, liegt 130 m über dem Meere; 
sie wurde zwar in die Stadt geführt, wie wir weiter unten sehen werden, allein bei 
ihrer niederen Lage und grofser Entfernung reichte sie nur bis zur Meereshöhe von 
75 Metern. 

Es blieb also den Ingenieuren, um Wasser in die Oberstadt zu leiten, kein 
anderer Ausweg, als es in dem Hochgebirge des Nif-Dagh zu suchen. Die be- 
sagten Hügelreihen, die in Form eines Hufeisens die Ebene von Budscha umgeben, 
sind diesem Gebirgsstock so vorgelegt, dafs sie im Norden und Süden durch zwei 
tiefe Thäler von ihm getrennt, in der Mitte aber durch einen schmalen Höhenzug 
mit ihm in Verbindung stehen. (Siehe die Kartenskizze auf Tafel 2.) Das nörd- 



Weber, Die Wasserleitungen von Smyrna. 



liehe Thal, Arap-Dere genannt, geht östlich in eine tiefe Schlucht über, die den 
Kuru-tepe vom eigentlichen Nif-Dagh trennt; weiter oben mündet sie in ein etwas 
breiteres Hochthal, das S.W. — N.O. zwischen beiden Bergen liegt. In der Nähe des 
Sattels dieses Hochthaies entspringen unter den Wurzeln prächtiger Platanen drei 
reiche Quellen, in 750 m Meereshöhe. Die Quellen heifsen Kara-Bunar (Schwarz- 
quelle) und werden heute noch von den Gärtnern des St. Anna-Thals bei Smyrna 
als der Ursprung der Wasserleitung angesehen, deren Überreste auf den Hügeln, 
südlich vom Schlofsberg, zu sehen sind. 

Im Folgenden sollen nun die nöthigen Thatsachen zusammengestellt werden, 
um den Fachmann in den Stand zu setzen zu entscheiden, ob der Volksmund, hier 
wie in Pergamon, das Rechte getroffen hat. Zuerst möge die Beschreibung der 
Anlage zunächst der Stadt erfolgen, sodann ihr ganzer Verlauf bis zur Quelle be- 
handelt werden. 



1. Die Hochdruck-Wasserleitung von Kara-Bunar. 

Der Schlofsberg von Smyrna wird durch das tiefe St. Anna-Thal, durch welches 
Strabo's Meles fliefst, von der Hügelreihe von Kukludscha scharf abgetrennt. Er liegt 
dem Hauptthal so vor, dafs der Meles, aus Süden kommend, ihn nur in weitem Bogen 
gegen Osten umgehen kann. Der letzte Ausläufer (112 m) jener Hügelreihe fällt 
schroff in das Thal ab. Sein Gipfel liegt beinahe in dem Meridian des Westthurms 
der Burg auf dem Pagus. Die Meereshöhe des Flufsbettes an diesem Punkt ist 
25,75 m. Hier ist die Stelle, wo die Leitung das Thal überschritt. 

Die erste leichtzuerkennende Spur der Leitung liegt ein paar hundert 
Schritte östlich vom obern Weg nach Budscha (Siehe Specialkarte Tafel 3). Zwei 
Mauerreste sind noch ziemlich hoch aufstehend erhalten; dann folgen die Reste, 
welche über beide Wege hinführen. Im Anfang dieses Jahrhunderts stand aber am 
untern Weg noch ein hoher Bogen, Kara-Kapi genannt. Von hier erstreckt sich 
die Mauer gegen den letzten Gipfel zu. 

Diese Anlagen haben schon eine litterarische Geschichte. Pococke 1 (1739) 
beschreibt sie leidlich genau, nur denkt er sich dabei einen hohen Aquaedukt, der 
das Wasser über das Melesthal hinüberleitete: »it crossed the Valley where the high 
arches are all destroyed, except some part of the wall on the side of the hill and some 
remams of the arch over the river.« Pococke hat auch Stein- und Thonrohre gesehen 
und hat erfahren, dafs das Wasser aus einem Thale 2 , eine Stunde weit im Osten von 
Smyrna, komme. Die Thatsache einer Wasserleitung hat er also festgestellt, aber 
nur wenig Glauben gefunden. Spätere Reisende sind anderer Meinung. 

Chandler 3 sagt leichthin: »Beyond the deep valley in whick the river Meles 
winds, behind the Castle, are several portions of the zvall of the pomoerion, ivhich 

') Descriptlon of the East II, S. 36. 3 ) Travels in Asia Minor I, S. 79- 

2 ) Arap-Dere. 



Weber, Die Wasserleitungen von Smyrna. 



incompassed the city at a distance, but broken. The facings are gone and masses 
only of hart cement and rubble are left. 

Dafs von einem pomoerium hier keine Rede sein kann, braucht kaum besonders 
betont zu werden. 

Arund eil 4 hat bessere Ansichten: »In going fr om Smyrna to Budja, by both 
the Upper and the lozver road, you pass through an opening in an old wall supposed 
by Chandler to be the zvall of the Pomoerium. The opening by the low er or piain 
road had once a gate, perfect zuitkin the recollection of many persons stül-living. The 
%v all may be traced to a craggy rock rising precipitously above the Meles; but it is 
evident this wall could never have been intented for defence; the arches would at once 
have opposed such an opinion, even if the pipes of an aqueduct did not clearly announce 
its original destination. As some part of the wall nearer the river is of later 
construction , perhaps what was original ly built for the conveyance of water , was 
subsequently repaired for a wall.« 

Hamilton 5 besuchte die Stelle im Jahr 1835, spricht aber dem Bau den 
Charakter einer Wasserleitung entschieden ab. -»It is difficult to conjecture zuhat 
this wall may have been intented for; or to reconcile the various opinions concerning 
it. The style of architecture is mean and ordinary, and ressembles in character that 
of the modern Castle. There are several reasons which militate against the supposition 
of its having been an aqueduct, for why should an aqueduct be carried over the 
highest portion of the ridge rathcr than round the hill. Besides which, there is no 
appearance of water or Springs on the side where it begins, and at its western extremity 
it terminates abruptly at the edge of a lofty cliff. On the other hand if intented to 
serve as a zvall of defence, it is difficult to under stand the object of carry ing it on 
arches over the ravine near the Upper road to Boudja, uuless to leave a passage for 
the torrent zvhich in rainy seasons finds its way dozvn there. But if this be the case, 
it must have been built at some late period of the byzantine empire.« — Diese Be- 
hauptungen und Muthmafsungen ruhen nur auf ungenügender Beobachtung. Die 
Stein- und Thonrohre sind Hamilton entgangen, nach dem Ursprung der Leitung 
hat er nicht gefragt, die Möglichkeit einer Hochdruckleitung ist ihm nicht in den 
Sinn gekommen und schliefslich geht er zu weit, wenn er den Styl des Gemäuers 
mit dem des Schlosses vergleicht. 

Es folge nun hier die nähere Beschreibung der so weit also längst be- 
kannten Überreste dieser Leitung, wozu Tafel 3 zu vergleichen ist. 

Wie oben bemerkt, fangen sie im Osten des oberen Weges bei dem Punkte 
B an. Die beiden Mauerreste stehen in der Meereshöhe von 166 m am Abhang 
des Bergrückens, der hier noch 50 m höher ist. Das gröfste Stück, noch 3 m lang, 
4,50 m hoch und 2 m dick, ist aus gewöhnlichen Bruchsteinen, in Kalk gebettet, 
ausgeführt. Die Steine der Fassaden sind zu rohen Quadern zugeschnitten, so dafs 
sie ziemlich horizontale Schichten bilden. (Fig. 1). Der Mörtel ist äufserst fest, mit 

4 ) Discoveries in Asia Minor II, S. 404. 5 ) Researches in Asia Minor I, S. 55. 



Weber, Die Wasserleitungen von Smyrna. 



grobem Sand vermengt. Es findet sich keine Spur von Ziegelsteinen, alles ist Kalk- 
stein wie ihn die Hügel selbst liefern. Der Grundplan zeigt, dafs dieses Mauerstiick 
sich thurmartig an die eigentliche Leitung schmiegt. 



. i Jt III IJ.J-: 






Fig. I. 



Die Strecke von hier bis zum oberen Weg weist keine Spuren der Mauer 
mehr auf. Diese erscheint erst wieder in schwachen Resten 54 m östlich vom 
oberen Weg. Westlich von demselben erhebt sie sich aber noch theilweise bis zur 
Höhe von 4,50 und erstreckt sich auf eine Länge von 115 m. Den Weg, 10 m 
breit, überspannten wahrscheinlich zwei Bogen; der Ansatz des einen, im Westen, 
ist noch erhalten. Fünf Meter weiter steht ein dritter Bogen noch ganz erhalten, direkt 
aus dem Boden heraus aufgeführt, ohne Pfeiler, mit einer Spannung von 3,70 m 
(Fig. 2). Die Mauer, 2 m breit, hat dieselbe Technik wie die vorige. Die Nord- 
fassade ist, wie dort, bis auf geringe 
Reste abgeschält. Die Keilsteine des 
Bogens sind roh bearbeitet; ihre Höhe 
wechselt zwischen 0,45 und 0,50 und 
zwar so, dafs sie in den unteren Lagen 
stärker sind als in den oberen. Die 
Spuren dieser Mauer kann man, wie 
schon bemerkt, 115 m weit verfolgen; 

sobald das Terrain sich aber hebt, verschwinden sie vollständig. Moderne Um- 
grenzungsmauern der Felder folgen oder kreuzen die Linie der Leitung. Bei dem 
Punkte C findet sich das erste Fragment eines Steinrohres in der Quermauer ver- 
baut. In den kleinen, zum Theil in Verfall liegenden Weinberghäusern, welche 
südlich am Abhang zerstreut stehen, sind verbaut noch eine ganze Anzahl von 
Steinrohren erhalten, am ersten Häuschen links die zwei folgenden (Fig. 3). Sie 




Fig. 2. 



IO 



Weber, Die Wasserleitungen von Smyrna. 





haben die oben abgerundete Form, 
welche man hier den Steinrohren ge- 
wöhnlich gab, sind aus dunkelrothem 
Trachyt hergestellt und unterscheiden 
sich also bestimmt von den Kalkstein- 
quadern der Leitung von Laodicea. 
Ein weiteres Fragment ist in die 
Mauern des Häuschens verbaut. Ein 
drittes Steinrohr ist unten an der 
Thür eingelassen; es hat zwei Muffen; 
ein viertes steht in dem zweiten 
Häuschen. 

An dem höchsten Punkt der 
£ Anhöhe (161 m) angekommen, über- 
sieht man die ganze Anlage, von den 
Mauerresten im Osten bis an die Fels- 
kuppe im Westen. Die Annahme, 
dafs dieser ganze Bau nur einer echt 
technischen Wasserleitung angehören 
könne, drängt sich unwillkürlich dem 
Beschauer auf. 
Ob auf dieser Stelle ein Wasserthurm gestanden 
hat, läfst sich ohne Ausgrabungen nicht mehr bestimmen; 
ein wüster Steinhaufen mit Gestrüpp bewachsen ist allein 
übrig geblieben. In den Feldmauern, so wie an dem 
Häuschen an der Nordseite, bemerkt man viele Frag- 
~ mente von antiken Thonrohren. 

Es folgen nun an dem westlichen Abhang gut 
bestellte Felder, die keine Spur von der antiken Mauer, 
falls diese auf den Höhen auch vorhanden war, mehr 
aufweisen, dagegen findet man hin und wider in den 
trockenen Feldmauern Steinrohre eingelassen, so in der 
zweiten Quermauer eines, 0,70 breit, mit 0,24 Höhlung, 
also etwas stärker als die oben angeführten. Nebenan 
sind zwei andere Fragmente eingemauert. Weiter unten 
stöfst an die dritte Quermauer eine andere, welche sich 
genau in der Flucht der Wasserleitung bis an das 
Teressi erstreckt. Gleich am Anfang stehen aufrecht 
zwei aufsen rechteckige Steinrohre, deren eines ich hier 
im Bilde gebe (Fig. 4). Weiter westlich liegen drei Stein- 
rohre auf freiem Felde nahe bei der Mauer; da sie ganz besondere Merkmale 
aufweisen, die dem Techniker vielleicht von Interesse sein können, so gebe ich sie 





Weber, Die Wasserleitungen von Smyrna. 



II 



hier alle drei in Fig. 5. 6. 7. Die Buchstaben TA auf dem ersten Rohre sind, 
0,10 hoch, eingemeifselt, die Striche 1 cm breit und ebenso tief. Die Mannigfaltigkeit 
der eingeschnittenen Muffen ist auffallend. In der Höhlung des zweiten Blocks 
sieht man noch einen dünnen Ansatz von Sinter. Weiter unten bemerkt man ein 
viertes Steinrohr, diesmal in der Mauer selbst. 






Fig. 6. 



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Fig- 5- 




In einer Entfernung von 55 m von dem Teressi, ruht 
die trockene Feldmauer auf der antiken Leitung, die man an 
der Südseite bis an den Thurm verfolgen kann (Höhenlage 
136,6 m). Den Namen Thurm wende ich nur an in Ermange- 
lung einer besseren Bezeichnung und will damit dem Techniker' 
in keiner Weise vorgreifen. Die Anlage ist auch hier stark 
zerstört und theilweise mit Geröll bedeckt. Sie hat Grund- < 
rifs und Querschnitt wie umstehend (Fig. 8). Es scheint, 
dafs auf der Südseite an die eigentliche Leitung eine Kammer gebaut war, deren 
östliche Mauer in ihrer ganzen Länge (6,45) erhalten ist, während die zwei 
anderen abgetragen sind. Die Mauertechnik ist dieselbe wie die oben beschriebene: 
Bruchsteine in festem Kalk gebettet. In der Höhe von 3,36 m vom Boden der 
Kammer liegt in der Hauptmauer eine Schicht regelmäfsiger Quadern, 0,26 hoch. 
Nirgends fand ich eine Spur von wasserdichtem Cement. Ob auf der Nordseite 
etwas stand, ist ohne Ausgrabungen nicht zu ersehen. Eine beachtenswerthe 
Einzelheit ist eine, in der Nordwestecke der Kammer und in der Höhe von 1,36 



12 



Weber, Die Wasserleitungen von Smyrna. 



vom Boden, angebrachte Thonrohrleitung, die schräg in die Hauptmauer eingelassen 
ist. Siehe den Querschnitt Fig. 8 und Fig. 9. 



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Fig. 8. 



An dem Thurme liegen zerstreut drei zerbrochene Steinrohre, von denen 
zwei besondere Erwähnung verdienen. Beide haben einfache Muffe und Schwanz. 
Das erste, Fig. 10, weist auf der Langseite die schon oben beschriebenen Stein- 
metzzeichen TA auf, das zweite ist mit dem Buchstaben H bezeichnet und hat auf 









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t.2,6 



Fig. 10. 



Fig. 9. 



der Rundung ein trichterartiges Loch (Fig. 11), wie an jenem Exemplare mit knie- 
förmiger Durchbohrung am Klärungsbassin von Laodicea (Jahrbuch 1898, S. 8, 
Fig. 12). Ob dieses Loch zur Controllirung diente, mag der Techniker entscheiden. 
Endlich liegen am westlichen Abhänge dieser Anhöhe und in der Linie der Leitung 
zwei Steinrohre ohne Muffe und Schwanz und mit verschiedenem Durchmesser in 
der Höhlung. Siehe den Durchschnitt Fig. 12. 



Weber, Die Wasserleitungen von Smyrna. 



13 



Dieser Abhang zeigt ebenfalls keine Spur von einer antiken Mauer. Ist 
man unten angekommen, so erscheint sie wieder in geringen Resten, 100 m von 




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Fig. n. 



dem unteren Weg. In dem Geröll liegen auch Fragmente von Steinrohren und 
Stücke von starken, antiken Thonrohren. Der Weg liegt an dieser Stelle in der 
Höhe von 88 m, und da er viel begangener war, als der obere, so mufste hier eine 
gröfsere Thoranlage gebaut werden. Die beistehende Planskizze, Fig. 13, gibt an, 




Fig. 13- 



was von ihr noch vorhanden ist. Die Spannweite des Thores ist nicht mehr 
bestimmt nachzuweisen. Auf der Ostseite ist die Mauer abgetragen. Gegenüber 
steht sie noch bis zu der Höhe von 4,80 m. An sie angebaut sind hier moderne 
Stützmauern, um die Terrasse des Wächterhäuschens oben zu bilden. Pococke 
sah das Thor und nach Arundell stand es noch im Anfang dieses Jahrhunderts. 
Dafs es ziemlich hoch war, bezeugen die Strebepfeiler, mit welchem die Leitung 
im Westen gestützt wurde. Sagt doch auch Pococke: »the zuall is not built with 
arches, so there is only o?ie arch acfross the road to tlie south.«. Wenn er dann gleich 



H 



Weber, Die Wasserleitungen von Smyrna. 



hinzusetzt -»and there are four arches near it«, so kann sich das nur auf die Bogen 
am oberen Wege beziehen, die also zu seiner Zeit noch alle aufrecht standen. 

Dafs diese Mauer, in der Nähe des Wachthauses, Reparaturen erfahren, be- 
weisen die hin und wieder quer eingemauerten grofsen Thonrohre. Die Strebepfeiler, 
deren etwa zehn auf der Südseite sind, während sie auf der Nordseite stark abgetragen 
wurden, stehen in verschiedenen Abständen, je 2 m dick, auf eine Länge von 140 m 
an der Mauer entlang. An vielen Stellen ist die Fassade noch zu erkennen, an der 
Mauer selbst, wie an den Strebepfeilern; es ist dieselbe Technik, wie oben be- 
schrieben wurde, also grundverschieden von den byzantinischen Mauern des Schlosses. 
Um das Wachthaus herum liegen aufser mehreren Thonrohren auch drei 
Steinrohre. An der Westseite der Strafse, südlich, findet sich das erste, mit Sinter 
innerhalb der Höhlung (Fig. 14), weiter nördlich, am Eingang zu dem Wachthaus, 

das zweite, halb im Boden vergraben, 
0,64 breit, die Höhlung, wie die des 
vorigen, 0,14 stark, mit vortretendem 
Schwanz. Diesem gegenüber ist 
das dritte in die niedere Feldmauer 
am Wege verbaut. Das erste Thon- 
rohr steht oben neben dem Wacht- 
haus und ist besonders interessant, 
da es noch in der Muffe den Schwanz 
des folgenden Rohres fest mit Kalk 
verkittet aufweist. Siehe Abbildung 
und Durchschnitt, Fig. 15. Diese Kalkverbindung ist äufserst fest und kann nur 
aus einer ganz speciellen Mischung stammen. Der vortretende Schwanz unten ist 




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abgeschlagen. Eine Besonderheit, auf welche mich Dr. Forchheimer, den ich an 
diesen Theil der Leitung begleitete, aufmerksam machte, ist eine Kalkübertünchung 
des ganzen Rohres. 

In dem kleinen Kaffeehäuschen am Wege befinden sich zwei weitere Thon- 
rohre von etwas stärkerer Höhlung und schwächerer Wandung. Am Südabhange 
zeigt ein als Eckstein eines Häuschens benutztes Steinrohr (Fig. 16) eine Muffe auf 
der einen Seite, während die andere Seite ganz eben ist. 



Weber, Die Wasserleitungen von Smyrna. 



15 



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Wir verfolgen nun die Leitungsmauer an der langsam ansteigenden Anhöhe 
gegen Westen. 240 m von der Strafse verlieren wir ihre letzten Spuren. Eine 
lange Feldmauer kreuzt hier die Linie. Zu Anfang rechts fällt ein 
in die Mauer verbautes Steinrohr ins Auge, aus grünem Trachyt, 0,58 
breit, 0,52 hoch, mit 0,165 Höhlung und vortretendem Schwanz. 
An dem ersten Feldhäuschen oben liegt ein Thonrohr mit bei- 
stehendem Querschnitt (Fig. 17). Ein zweites Rohr steht auf dem 
Dache als Rauchfang. An dem zweiten Häuschen, nahe der Fels- 
kuppe, fand ich freiliegend ein aufsen rechteckiges Steinrohr, dessen 
Muffe und Schwanz viel geringere Mafse haben (106,10 Höhe) (Fig. 18). 
In den Feldmauern am Abhang südlich gelang es mir ebenfalls 
verschiedene Fragmente von Steinrohren aufzufinden, allein von der 
Leitung ist hier oben nichts mehr zu sehen. Die Kuppe (112 m) besteht aus wild 
zerrissenen Felsen, um welche die Leitung wahrscheinlich im Süden herum ging, um 
dann in starkem Fall den Berg hinunterzusteigen. An der Stelle D (siehe Taf. 3) 
ist in dem Felsen ein künstlicher, 9,30 m langer und 1,45 breiter Einschnitt 
gemacht, der nur dazu dienen konnte, den Steinrohrstrang der Leitung aufzunehmen. 
Die Wand rechts ist 4 m hoch (Fig. 19). 




<9. SJ 






Fig. 19. 



Fig. 18. 



Unten an der Eisenbahn erscheint die Mauer wieder, und zwar bergan oben 
am Rande des Durchstiches, bergab aber zieht sie ins Thal hinab; das Bahnwärter- 
häuschen steht auf ihren Resten. Der Bahneinschnitt hat also die Leitung an 
dieser Stelle durchschnitten. Nach der Versicherung Herrn Ed. Purser's wurden hier 
sieben Steinrohre gefunden, welche zur Zeit weiter südlich, oberhalb der Paradies- 
Station an der Bahnlinie liegen. In Form, Masse und Material stimmen sie voll- 
kommen mit den meisten der oben beschriebenen Steinrohre überein; bei einer 



i6 



Weber, Die Wasserleitungen von Smyrna. 





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Fig. 20. 



Breite von 0,52, wechselt die Länge 
zwischen 0,48 bis zuo,56, die Höhe 
zwischen 0,51 und 0,53, während 
die Höhlung 0,22 im Lichten 
mifst. Ein jeder Block hat regel- 
mäfsig eine Muffe und einen 
Schwanz, wie beistehend dar- 
gestellt (Fig. 20). Diese Stein- 
rohre bieten noch ein besonderes 
Interesse, indem sie uns Auskunft 
geben, wie ihre Verbindung ausgeführt war. Die meisten 
tragen nämlich an den Stofsfugen noch starke Schichten von 
weifsem Kalk, ohne Sand, einerseits um den vorspringenden 
Schwanz, andererseits in der tiefliegenden Muffe 6 . Wie der 
nebenstehende Durchschnitt, Fig. 21, zeigt, steckt in der 
Muffe eines dieser Lochsteine, in festem Kalk gebettet, der 
ganze Ring des vorspringenden Randes eines Thonrohres. 
Also stand dieses Steinrohr nicht mit seines gleichen in Ver- 
bindung, sondern mit einem Thonrohre, wie das übrigens auch bei der römischen 
Leitung in Pergamon vorkommt. 








0. — Osman-Aga, Leitung. 
M,M.MrMauerstücke der MocJv- ■«' • "»*■"* '"Vj 

druckleitung . t~r"~~ ^7, 



F..- Wächterhäuschen der Eisenbahn/ 
V- Vezir SwLeitung. 



Melesthal bei der Hochdruckleitung von Norden gesehen. 

Wir kehren nun an jenen Eisenbahndurchschnitt der Wasserleitung zurück; 
er liegt 20 m über dem Flufsbette. Das antike Mauerstück unterhalb der Bahn 



c ) Von diesen Kalkstücken habe ich einige Herrn 
Professor Dr. Forchheimer auf seinen Wunsch 
geschickt. Er Hess sie durch einen Chemiker 
in Graz untersuchen, der dieses Dichtungsmittel 
demjenigen der Thonrohren von Ephesus sehr 



ähnlich fand. Der Thonrohrkitt hatte folgende 

Zusammensetzung: 

Calciumoxyd 5 2 i^5% 

Eisen- und Aluminiumoxyd .... 0,25 °/ 
Magnesiumoxyd , 0,71 °/ 



Weber, Die Wasserleitungen von Smjrna. 



17 



bricht bald jäh ab; moderne Mühlanlagen und früher schon eine byzantinische 
Leitung, wie wir unten erwähnen werden, haben sie hier zerstört. Die erste Mühle 
wurde in nächster Nähe der alten Leitung errichtet, die zweite ein wenig weiter 
thalabwärts. Erst unten am Flufsbett treffen wir auf Spuren einer antiken Über- 
bauung. Auf der rechten Seite des Flusses steht noch eine lange Reihe von grofsen 
Quadern aus dem Boden hervor (Fig. 22). Auch die beiden Mauerköpfe, welche 
die moderne Holzbrücke tragen, sind aus antiken Quadern erbaut. Vor der Er- 
richtung der Mühle waren die Überreste hier viel ansehnlicher, wie wir es oben bei 
Pococke gesehen haben. Es dürften hier wohl zwei Bogen gestanden haben, der 
eine über dem Bach, der andere über dem Wege nebenan. 




An dem Abhang des Schlofsberges erscheinen wieder die Überreste der 
zwei Meter dicken antiken Mauer, bis hinauf an die Osman-Agha Leitung. Ein Bauer 
hat sich ein Häuschen mit Stall in die Ruinen gebaut. Unten am Weg war diese 
Mauer in den Fassaden mit grofsen, behauenen Quadern ausgeführt, die Füllung 
aber aus Bruchsteinen, an dieser Stelle Alles ohne Kalk, während die Mauer weiter 
oben Mörtel aufweist. 



Natriumoxyd 0,94 °/ 

Kieselsäure 0,66 °/ 

Kohlensäure 40,45% 

Wasser 0,94% 

Organische Substanz 3,40% 

Jahrbuch des archäologischen Instituts XIV. 



»Der Smyrnäer Steinrohrenkitt hat dieselbe 
qualitative Zusammensetzung, dürfte auch 
quantitativ nicht erhebliche Unterschiede 
aufweisen.« 



Weber, Die Wasserleitungen von Smyrna. 



An dieser Stelle der Leitung und in der nächsten Umgebung zählte ich 
zwölf ganz erhaltene Steinrohre. Drei mit beistehendem Durchschnitt (Fig. 23) 

liegen im Hofe der Mühle, ebenso zwei 
Thonrohre, 0,50 lang mit 0,21 cm innerem 
Durchmesser. In der Hofmauer des kleinen 
Kaffeehauses an der Strafse ist ein viertes 
Steinrohr verbaut, mit Muffe auf einer 
Seite, glatt auf der andern, wie Fig. 16. 
In dem ersten Häuschen links an dem 
Abhang sind abermals zwei Steinrohre 
verbaut. ^ Das erste, an einer jetzt zu- 



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Fig. 23. 

gemauerten Thür hat dieselbe Form, wie das vorige, glatt auf einer und mit 
einer Muffe auf der andern Seite. Das zweite hingegen, als Eckstein benutzt, ist 
weniger einfach gestaltet, wie es beistehend die Ansicht und zwei Durchschnitte 




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zeigen (Fig. 24). In der kleineren, dritten Seitenhöhlung steht noch ein Thonrohr. 

Die Erklärung dieses Blockes überlasse ich dem Fachmann. Oberhalb des er- 
wähnten Stalles, in der Feldmauer, ist ein 
siebentes Steinrohr verbaut, mit breiter und 
unregelmäfsiger Muffe; hinten ist es ab- 
gebrochen; Höhlung 0,135 m. Ein wenig 
weiter oben liegt mitten im Pfade ein viel 
breiteres, ziemlich roh bearbeitetes Exemplar 
(Fig. 25). Endlich sind am ersten Aquaedukt 
des Vesir-Su vier Steinrohre verbaut, drei 
am Durchgang und eines hoch oben an der 
Westfassade. 

Wir kehren jetzt zur alten Leitung 
zurück, an die Stelle, wo die Osman- 
Leitung sie kreuzt* Leider war es mir 




Weber, Die Wasserleitungen von Smyrna. 



19 



nicht möglich, von diesem Punkte an bis auf den Sattel hinauf irgend eine Spur 
der Mauer zu finden. Das Terrain ist hier sehr felsig und gebrochen. Doch fand 
ich hoch oben wieder Steinrohre theils aufrecht in einem Gärtchen bei einem Feld- 
häuschen, theils unterhalb der neuen Ansiedelung der Mohadschirs (Eingewanderten). 
Diese Rohre haben einfache Muffe und Schwanz (Höhlung 18 cm); ein weiteres 
Exemplar steht, halb im Boden vergraben, auf dem Sattel selbst (Fig. 26). 

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Fig. 26. 

Ob und wie die Leitung in die Burg gebracht wurde, ist nicht mehr zu 
erkennen. Storari behauptet in seiner »Guida di Smirne«. (S. 27), dafs ein hohes 
Mauerstück, welches noch vor zwanzig Jahren auf dem Sattel stand, eine Wasser- 
leitung getragen habe; ob er Recht hat, entzieht sich jeder Prüfung. Alle Wasser- 
bauten in dem Schlofsring selbst rühren von dem byzantinischen Umbau im 13. Jahr- 
hundert her (C. I. G. IV. 3749). Die zahlreichen gröfseren und kleineren Höhlungen 
in diesen späten Mauern haben mit Wasserleitungen, wie oft angenommen wird, 
nichts gemein. Nirgends ist eine Spur von Cement oder Thonrohren zu sehen; hin- 
gegen bemerkt man noch in vielen der Höhlungen den Kern eines Holzbalkens, der 
darin lag. Bekanntlich haben die Byzantiner, um ihre Bauten gegen Erdbeben zu 
schützen, Balken oder 
schlanke Baumstämme 
horizontal in sie einge- 
mauert, ein Verfahren, 
das noch heute im 
Oriente gebräuchlich ist 
und das ich auch auf den 
Burgen von Honas und 
Karahissar (Leontoke- 
phale) angewandt gefun- 
den habe. 

An der Südost-Ecke 
des byzantinischen Mau- 
errings des Schlofsberges 
fand ich ein Steinrohr in 
die innere Fassade ein- 
gelassen (Fig. 27), eine 




Fig. 27. 



20 



Weber, Die Wasserleitungen von Smyrna. 



o. 4 6 



Thatsache, die zum Schlufs berechtigen dürfte, dafs zur Zeit der Erbauung dieser 
Mauer unsere Wasserleitung schon zerstört war; und allem Anscheine nach sind noch 
andere gleichartige Werkstücke in derselben Mauer verbaut. 

Nach längerem Suchen fanden sich aufserdem auf dem Nordabhang des 
Pagus vier Steinrohre. Das erste liegt auf der Strafse, westlich vom Stadium, das 
zweite ist in der Mauer eines Hauses im Apano-Mahalla ober- 
halb der Johannes-Kirche verbaut, das dritte befindet sich in der 
Gartenmauer der neuen Moschee Hadschi-Bei. Wie der Durch- 
schnitt Fig. 28 zeigt, hat es dieselbe Eigenthümlichkeit wie der 
Block Fig. 24. Das vierte endlich liegt in der Nähe des Theaters 
auf einem Brunnen, als dessen Kranz benutzt (Fig. 29). Die 
Fig. 28. Haupthöhlung ist 0,35 stark; die beiden seitlichen nur 0,20 und 

0,15 cm. An ihm ist keine Spur von Muffe oder Schwanz nachzuweisen; auch 
möchte ich dessen Zugehörigkeit zu unserer Wasserleitung nicht bestimmt behaupten. 





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Fig. 29. 

Zu bemerken ist noch, dafs sich die Bauern in Budscha viele Steinrohre zur 
Verwendung für ihren Bedarf geholt haben. Laut ihrer Aussage kommen sie alle von 

Kara-Kapi. Ich habe deren elf im Dorfe aufge- 
funden. In Material, Mafs und Form stimmen sie 
mit den meisten der oben beschriebenen überein. 
Der Durchmesser der Höhlung variirt zwischen 
o, 1 8 und 0,26. Die Muffen sind bald doppelt, bald 
einfach, die Schwänze meist abgeschlagen. Einer 
der Steine, welcher sich an der Mädchenschule 
findet, ist cylindrisch. Die zwei letzten Steinrohre 
sind bis in die Nähe des Osman-Aquaedukts ver- 
schleppt; eines liegt in dem grofsen Garten, ober- 
halb der Mühlen; das andere ist auf dem Wege, 
der zur Rennbahn führt, in die Osmanleitung so 
eingemauert, dafs seine Höhlung früher als Lauf- 
brunnen dienen konnte; heute ist sie zugemauert. 
Schliefslich sei mit demselben Vorbehalt 
wie oben bei Fig. 29 noch ein gröfseres Stein- 




0, 8 5 



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Fig. 30. 



Weber, Die Wasserleitungen von Smyrna. 



21 



rohr erwähnt, das bei einem der Kaffeehäuser in der Nähe der Kirche des Propheten 
Elias liegt. Zwei Seitenöffnungen vereinigen sich innerhalb des Steines in rechtem 
Winkel zu einem gemeinsamen Auslauf (Ansicht und Durchschnitt Fig. 30). 

Im Ganzen sind es also noch etwa 60 Steinrohre, die ich habe auffinden 
können, kleinere Bruchstücke nicht mitgezählt, eine Zahl, die schon an sich auf 
einen ansehnlichen Bau schliefsen liefse. 

Nachdem wir so weit die Überreste der Leitung in der Nähe der Stadt 
kennen gelernt haben, haben wir nun ihren weiteren Verlauf zu verfolgen. 

Zunächst galt es, die Quelle selbst aufzusuchen, von welcher der Volksmund, 
wie bereits erwähnt, so bestimmt aussagt, dafs sie die Leitung speiste. In Begleitung 
zweier Jäger, Vaters und Sohnes, und eines Eseltreibers machte ich mich zu dem 
Zwecke eines Tages früh morgens in der Richtung nach Tachtaliköi auf den Weg. 
Nach zwei Stunden auf dem Sattel (375 m Barometer-Höhe) der östlichen Hügel- 
reihe angekommen, verliefsen wir den Weg, der südöstlich in das Thal des Tachtali- 

Tschai hinuntersteigt, und wandten uns direkt 
östlich, auf dem Rücken jenes Zuges, der die 
beiden Seitenthäler trennt, und erreichten nach 
einer Viertelstunde die ersten Spuren der 
Leitung. Auf einer Strecke von etwa 8m Länge 
liegen Thonröhren im Boden, in situ, die obere 
Hälfte eingeschlagen und mit Erde gefüllt, deren 
Mafse in Figur 31 gegeben sind. Die Stelle 
liegt 360 m über dem Meere. 

Eine halbe Stunde weiter gelangt man 
an den ansteigenden Hang des Nif-Dagh und findet in der Höhe von 530 m einen 
gemauerten Kanal, der den Berg herunterkommt. Seine Seitenwände sind aus ge- 
wöhnlichen Bruchsteinen, ohne Kalk, ausgeführt und noch 
^ 0,30 bis 0,40 m hoch erhalten; die Innenwände sind mit 
Cement verputzt. Das Gerinne, 0,42 breit, ist heute mit 
^ festem Sinter ausgefüllt (Figur 32). 7 Weiter aufwärts ist 
dieser Kanal noch auf eine lange Strecke erhalten und 
an manchen Stellen mit grofsen, unbehauenen Blöcken 
bedeckt. Parallel daneben liegt eine Thonrohrleitung, 
wohl nur von einer späteren Aushülfe herrührend. 
Man gelangt sodann an die sogenannte Portara (grofses Thor), eine ganz 
eigenthümliche Stelle. — Es ist ein etwa 8 m breiter, 4 bis 5 m hoher Einschnitt 



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Fig. 31. 




7 ) Der Volkswitz weifs auch hier Bescheid: »Es war 
einmal ein reicher Mann, der hatte die Leitung 
für seine Besitzungen angelegt. Als das Wasser 
in seinen Gärten erschien, redete er es in stolzem 
Ubermuth mit den Worten an : 'Wie ein Hünd- 
chen hab' ich dich genöthigt mir zu folgen.' 



Und sofort verwandelte das Wasser sich in 
Stein, und blieb so bis auf den heutigen Tag.« 
Die Moral soll wohl heifsen: 

Wer das Wasser nicht in Ehren hält, 
Nur zu bald der Straf zum Opfer fällt. 



22 Weber, Die Wasserleitungen von Smyrna. 

in einer Felswand, welche vom Abhänge des Nifdagh her sich nordwestlich als ein 
besonderer Hügelzug (Prioni — Säge — genannt) am Bache hinzieht. Diese Fels- 
wand trennt hier das Hochthal von Karabunar von dem südwestlichen Gelände und 
wurde von den Ingenieuren im Alterthume durchbrochen, um die Leitung durchzu- 
führen. Im Einschnitte selbst (660 m Meereshöhe) sieht man von der Leitung keine Spur 
mehr; aber sobald man hindurchgegangen ist, erscheint gleich zur Rechten der hier 
in den gewachsenen Kalkstein eingeschnittene Kanal, der sich etwa 10 m lang am 
Bergabhange verfolgen läfst; er ist 0,60 tief und 0,50 breit. Der Bergpfad, der weiter 
zu verfolgen ist, zieht sich nun langsam steigend an der Ostwand des Thaies hin. 
Bei der Portara rauscht der Bach in einer Tiefe von 100 Metern; die Quellen selbst 
liegen eine gute Stunde von da entfernt, wie schon oben angegeben, in 750 m 
Meereshöhe. Es wäre interessant, etwa noch Spuren des Kanals rechts an den Ab- 
hängen festzustellen, würde aber einen grofsen Zeit-, Mühe- und Kostenaufwand er- 
fordern. Diese Abhänge, nur spärlich mit Fichten und Tannen bestanden, sind mit 
einem feinen Geröll von zersplitterten Kalksteinen bedeckt, das in jedem Winter in 
Folge der Bergwasser seine Lage verändert; der Kanal mufs folglich entweder fort- 
gerissen oder fufshoch im Gestein begraben sein. Gleich unterhalb der Quellen aber 
fand ich die Spuren eines Dammes, der hier über den Bach gezogen war, um das 
Wasser zu stauen und es seitwärts in einen Kanal abfiiefsen zu machen. Man sieht 
gut behauene Quadersteine (einer 2,60 lang, 0,53 breit und 0,56 hoch), die heute 
noch, wenn auch unregelmäfsig, aufeinanderliegen und hinreichend deutlich zeigen, 
dafs einst eine bewufste Hand hier geschaltet hat. Es dürfte nicht daran zu zweifeln 
sein, dafs hier der Ursprung der ganzen Leitung zu suchen ist. Das Wasser ist 
ausgezeichnet, wohl das beste in der ganzen Umgegend von Smyrna. 

Bei unserer Rückkehr folgten wir dem Bergbache selbst. In der Nähe der 
Portara wird das Thal so eng, dafs unsere Reitthiere weiter oben ihren Weg suchen 
mufsten, und an manchen Stellen war nicht anders durchzukommen, als dafs wir 
uns an den Felswänden hinabgleiten liefsen. Weiter unten erweitert sich dann die 
Schlucht. In der Nähe des „Kaleh" entspringt am linken Ufer des Baches eine andere 
Quelle, Smirli genannt, in 250 m Meereshöhe, deren Wasser auch künstlich gefafst, 
aber nicht nach Smyrna, wozu sie nicht hoch genug lag, sondern nach dem Thal von 
Arap-Dere geleitet wurde. Eine ziemlich grofse Brunnenkammer ist in den Felsen ge- 
schnitten; der Ausgang, 4 m über der Thalsohle, mündet in einen Kanal, der am 
Abhänge noch auf eine Strecke weit zu verfolgen ist. Heute entspringt das Wasser, 
wohl in Folge von Erdbeben, am Fufse der Felswand. Östlich und westlich vom 
Kaleh stehen noch die Kopfenden von zwei kleinen Aquaedukten, welche das 
Wasser des Kanals über zwei Schluchten führten. Das Arap-Dere-Thal, auch jetzt 
wieder gut angebaut, scheint im Mittelalter sehr bewohnt gewesen zu sein, wie 
aus Fontrier's Abhandlung über das Kloster von Lembos zu ersehen ist. 8 

Von dieser Stelle ab kreuzten wir das Kopfende des Arap-Dere-Thals in 



8 ) Bullet, de Corresp. hellen. XVI, S. 379. 



Weber, Die Wasserleitungen von Sniyrna. 



23 



260 m Meereshöhe und stiegen auf die Hügelreihe, im Westen, die wir am Sattel 
von Kryadagara (310 m) passirten. Die Wasserleitung von Karabunar mufste 
nothwendigerweise dieses Gelände durchlaufen, Spuren von ihr gelang es mir aber 
nicht hier aufzufinden. Doch bemerkte ich, dafs in einem Gehöfte im Arap-Dere- 
Thale sich ein grofses Thonrohr befindet, welches nach der Aussage des Besitzers 
an dem besagten Abhänge gefunden worden ist. Ebenso hat ein Bauer in Budscha 
in seinem Weinberge dort zwei Rohre gefunden, die jetzt als Blumentöpfe in seinem 
Hofe stehen. In der Form der Fig. 34 ähnlich, sind sie 0,45 lang, mit 0,21 innerem 
Durchmesser und 0,06 starker Wandung, mit Schwanz und Muffe. 

Es blieben nach dieser Erkundigung noch zwei wichtige Punkte zu ermitteln: 
1) die Stelle, der Sattel, über welchen die Leitung aus dem Gebiet des Arap-Dere 
in das von Budscha geführt wurde, und 2) der Verlauf der Leitung am Südabhange 
der Hügel von Kukludscha bis zu dem Mauerreste bei B in unserer Karte. 

Von Budscha aus führen verschiedene Pfade über die Sättel jener östlichen 
Hügelreihe in das Thal des Arap-Dere und die Ebene von Burnabat. Der am 
meisten begangene führt über den Sattel Petraloni im N.O. von Budscha. Es 
liegt dort in 300 m Meereshöhe eine gut gepflasterte Tenne (Aloni), wohl byzan- 
tinischen Ursprungs. Heute ist sie aufser Gebrauch. An dieser Stelle fand ich 
zwei Bruchstücke von Thonrohren, die vollkommen mit den 
schon bekannten übereinstimmen. Gut gebrannt, 3,5 cm 
dick, zeigt das eine Stück noch die eintretende Muffe (Fig. 33). 
Es darf angenommen werden, dafs die Leitung hier aus 
dem Bereiche des Arap-Dere in das von Budscha übertrat 
und ein Blick auf die Karte zeigt, dafs so der von der 
Natur vorgezeichnete Weg war. Fl s- 33- 

In Betreff des zweiten Punktes ist bemerkenswerth, dafs die Hügelreihe von 
Kukludscha, mit einem durchgehenden Rücken von Ost nach West, in vielen Aus- 
läufern nach Süden in die Ebene von Budscha abfällt. 
Zwischen Petraloni im Osten und jenem Mauerstück B im 
Westen hatte die Leitung acht Thäler oder Mulden zu über- 
setzen. Das geschah nicht, wie wir sehen werden, auf auf- 
gemauerten Aquaedukten, sondern mit langen Schleifen, 
in- denen sie um die Mulden herumgezogen wurde. Die 
Bauern von Budscha erzählen viel von dieser Thonrohr- 
leitung. In ihren Häusern verbaut, auch als Schornsteine 
aufgesetzt, trifft man mehrfach Rohre, die sie von dort 
geholt haben. Einmal sind Bruchstücke zu dem unteren 
Gewölbe eines Backofens verwandt. Ein bei demselben 
Bauer im Hofe befindliches Rohr hat den Durchschnitt 
der Figur 34. Das Aufsuchen der Leitung an diesen 
Hügeln gestaltete sich zu einer interessanten Jagd, bei welcher das Aneroid als Spür 
hund dienen mufste. 





24 Weber, Die Wasserleitungen von Smyrna. 

Die Mauerreste bei B beweisen, dafs die Leitung von dem dort nächsten 
Abhänge herunter kam, und ich fand auch im Kalksteingeröll viele Bruchstücke von 
Thonrohren bis zur Meereshöhe von 188,80 m. Noch weiter hinauf waren keine 
mehr anzutreffen, die Leitung bog also hier um den Berg herum. An der Stelle 
A des Planes, etwa 5 m höher als der höchste Punkt auf dem Schlofsberge, sollte 
man nun erwarten, ein Reinigungsbassin als Anfang der Druckleitung zu finden, doch 
ist keine Spur davon vorhanden, und es bleibt fraglich, ob wirklich ein solches 
Becken hier angelegt war 9 . 

Von jener Meereshöhe von 188,80 m verfolgte ich nun mit dem Aneroid in 
der Hand die gegebene Curve um die Ausläufer herum. Überall fanden sich Frag- 
mente der Thonrohre längs dieser Linie, auf den Abhängen, wie in den Mulden. 
An der Stelle E, nordwestlich von Budscha, lagen die Rohre in 200 m Meereshöhe 
noch in situ. Die Stelle weist zwar eine Reparatur mit Rohren schwächerer 
Wandung auf, allein herumliegende starke Rohrstücke beweisen, dafs es immer 
dieselbe Leitung ist. Die folgenden Mulden überschritt ich dann quer, fand aber 
immer auf den nächsten, natürlich in etwas höherer Lage, Überreste der Thonrohre. 
Bei F ist die Stelle (216 m), wo, wie erwähnt, der Bauer von Budscha die Thon- 
rohre zu seinem Backofen gefunden hat. Eines Morgens liefs ich ihn an dieser 
Stelle, vor meinen Augen, graben und bald brachte er die untere Hälfte eines 
Rohres ans Licht. Sie war mit einer Kruste von Sinter bedeckt, 0,55 m lang, mit 
Muffe und Schwanz, und 0.04 dick, also ganz den aufgefundenen ganzen Rohren 
gleich. Ein Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Bauern war also nicht mehr 
erlaubt. Es dürfte daher erwiesen sein, dafs die Leitung auf die angegebene Art 
an diesen Hügeln ausgeführt wurde. In der Vogellinie beträgt die Entfernung vom 
Petraloni bis zu dem Mauerreste bei B nur 5,5 km, doch in Anbetracht der vielen 
Schleifen 'kann die Länge des Rohrstranges wohl auf das Doppelte geschätzt werden; 
die 100 m Niveaudifferenz der beiden Punkte forderte die starke Wandung der 
Thonrohre, stand doch das Wasser hier schon unter einem gewissen Drucke. 

Eine erschöpfende technische Erläuterung der ganzen Anlage überlasse ich 
selbstverständlich dem Fachmanne, besonders so weit es die Hochdruckanlage im 
Melesthale betrifft. Die umwohnenden Bauern behaupten, dafs die Leitung hier 
doppelt war, über dem Steinrohrstrang noch ein solcher aus Thonrohren gelegen 
habe. Pococke 10 sagt nicht ganz verständlich da, wo er den Bogen von Karakapi be- 
spricht: »near it, I discovered the Channel of the aqueduct in the wall., which was made 
of large Square stones, one stone being let into the other, and a round Channel is 
ivorked through them; what is very particular , the pipe is laid in the ivall a very 
little above the g round, though the wall is built muck higher .... / saw also many 
pieces of earthen pipes, and one in the wall, 3 or 4. feet above the ground, which might 
be a Channel fr om sotne other source.« Heute sieht man keine Spur mehr von Stein- 

9 ) Diesen Sommer nahm ich die Wasserleitung der auf, die auch kein Sammelbassin zu besitzen 

neuentdeckten Stadt Trapezopolis (bei Saraköi) scheint. 

J0 ) Description of the East II, S. 37. 



Weber, Die Wasserleitungen von Smyrna. 2tJ 

röhren in der Mauer. Nur auf dem Mauerstücke oberhalb des Bahnwärterhäuschens 
ist noch eine halbkreisförmige Höhlung vorhanden, die vielleicht einst ein Thonrohr 
enthalten hat, und auf der gegenüberliegenden Seite des Thaies habe ich vor Jahren, 
ehe jene Häuschen gebaut wurden, ein Thonrohr regelrecht in der Mauer eingelassen 
gesehen. 

Eines aber dürfte jetzt schon feststehen, nämlich dafs wir hier eine Hoch- 
druckleitung vor uns haben, die, selbst wenn sie nur bis auf den Sattel am Schlosse 
reichte, mindestens einen Druck von 130 m Höhe zu bewältigen hatte. 

Über die technische Schwierigkeit einer solchen Anlage schreibt mir Prof. 
Dr. Forchheimer: »Gelegentlich der gemeinschaftlichen Besichtigung der Steinrohr- 
leitung in Smyrna habe ich grofse Zweifel geäufsert, dafs eine solche Leitung im 
Stande gewesen sein sollte, einem hohen Drucke von, wenn ich nicht irre, 200 m 
auszuhalten, und meine Absicht mitgetheilt, hierüber Versuche anzustellen. Ich 
habe solche nunmehr gemacht, und wenn sie auch noch nicht zu einem Abschlüsse 
gelangt sind, so haben sie doch bereits gezeigt, dafs die Bewältigung eines solchen 
Druckes möglich war, ein gerade für uns Techniker überraschendes Ergebnifs, die 
wir bei hohem Druck heute unbedingt nur an Eisen und Stahl denken würden. 
Ich hoffe, dafs diese Mittheilung Ihnen nicht unerwünscht kommt.« 11 

Wenn also diese Trachytblöcke einen Druck von 200 m aushalten können, 
so war es desto leichter, den in Smyrna zu bewältigen, der höchstens 154 m betrug, 
wenn man nämlich annimmt, dafs die Leitung bis auf den höchsten Punkt des 
Schlofsberges (183,90 m) geführt wurde; den tiefsten Punkt, auf den beiden Bogen 
über den Meles kann man wenigstens zu 30 m Meereshöhe rechnen (Flufsbett 25 m 
und 5 m für die Bogen). 

Wir sind am Ende. Es war zu befürchten, dafs bei Manchem Zweifel 
beständen, ob eine solche Anlage in unmittelbarer Nähe des von so vielen Reisenden 
besuchten Smyrna wirklich vorhanden sei, ohne dafs doch Jemand sie im Zusammen- 
hange erkannt hätte. Um dieses Bedenken möglichst zu beseitigen, sind auf der 
Spezialkarte die Höhen nicht mehr nach Aneroi'd- Schätzungen angegeben, sondern 
nach direkten Nivellements-Aufnahmen, welche ein Ingenieur der Aidin-Eisenbahn auf 
Veranlassung des Herrn Purser ausgeführt hat. Von dem Anfange der Druckleitung 
im Osten, bei dem Punkte A, bis auf den Schlofsberg, habe ich ihn ersucht, zwölf 
Punkte aufzunehmen, um dem Profile die möglichste Genauigkeit zu geben. Aus 
demselben Grunde möge man mir auch eine gewisse Weitschweifigkeit, in die ich 
verfallen mufste, nachsehen. Hätte es sich um eine weniger bekannte Gegend ge- 
handelt, so hätte ich mich wohl einer kürzeren Fassung befleifsigt. In Smyrna aber, 
das Jedermann kennt oder doch zu kennen glaubt, mufs der Fachmann um so mehr 
die Thatsachen genau vor sich haben, um ein endgültiges Urteil zuversichtlich 
fällen zu können. 

Smyrna. G. Weber. 

n ) Vergl. Anzeiger der Wiener Akademie der Wiss. 1898, S. 38. 



^ J jps^r> f ^N^^_a>L .vvjLi-A^ 



GEOMETRISCHE VASEN AUS 
GRIECHENLAND.' 

Sieben und zwanzig Jahre sind jetzt verflossen, seitdem Conze in seiner 
bekannten Abhandlung »Zur Geschichte der Anfange der griechischen Kunst« 
die Aufmerksamkeit der gelehrten Welt auf die griechischen geometrischen Vasen 
lenkte. Zwei Jahre später konnte G. Hirschfeld zu der von Conze entdeckten 
Gruppe eine Reihe anderer geometrischer Gefäfse hinzufügen. Heut zu Tage ver- 
fügen wir auf diesem Gebiete über ein überaus reiches Material, aber trotzdem ist 
die Kenntnifs von den geometrischen Vasen aus Griechenland, selbst unter den 
Archäologen, sehr gering. Im Allgemeinen steht man bei der Beurteilung dieser 
Vasen auf demselben Standpunkt, wie der Entdecker des geometrischen Vasenstiles 
in Griechenland. Wir würden aber schlechte Schüler sein, wenn wir es nicht etwas 
weiter bringen könnten: 

Nach der Entdeckung von Conze waren uns weite Ausblicke über grofse 
Zeiträume der prähistorischen Zeit in Griechenland eröffnet worden. Durch Schlie- 
mann's glänzende Funde haben wir sodann eine prähistorische Zeit kennen ge- 
lernt, die vor Homeros liegt und nach dem Hauptfundort die »mykenische« Zeit 
genannt worden ist. Andererseits sind wir jetzt im Stande die Entwicklung der 
älteren attischen Keramik durch verschiedene Zwischenstufen vom Aufhören des 
rein geometrischen Stils bis zu dem entwickelten schwarzfigurigen Stil verfolgen zu 
können. Zwischen diesen ziemlich bekannten Gebieten liegt die Zeit des geometrischen 
Stils, die wir am wenigsten kennen. 

Verschiedene Umstände haben es bewirkt, dafs wir trotz dem reichen 
Material so wenig von dem griechisch geometrischen Vasenstil wissen. Erstens 
mufs die Thatsache hervorgehoben werden, dafs abgesehen von vereinzelten Aus- 
nahmen (wie Philios, 'E'^usp. otp/atoX. 1889 S. 172 fr. und Brückner -Pernice, Ein 
attischer Friedhof, Athen. Mittheil. 1893 S. 73 ff.) uns über die geometrischen Vasen 
in Griechenland ordentliche Fundberichte fehlen. Zweitens haben diejenigen Forscher, 
die sich mit diesem Gegenstand beschäftigt haben, etwas voreilig Probleme auf- 
gestellt, die nicht spruchreif waren, indem sie es versucht haben, dem Ursprung 
des geometrischen Stiles nachzugehen oder den Verfertigern der betreffenden Vasen 
eine bestimmte Nationalität zuzuschreiben. Und drittens vermifst man bei den 
meisten Forschern auf diesem Gebiet eine nähere Bekanntschaft mit dem reichen 
Material, das uns heut zu Tage zu Gebote steht. Diesem Übelstand mufs abgeholfen 
werden, und zu diesem Zweck will ich im Folgenden das wichtigste Material aus 
Griechenland, so weit es mir bekannt geworden ist, zusammenstellen. 

') Der Aufsatz wurde bereits im Jahre 1897 ge- auf die ohne Umarbeitung des Ganzen nicht ein- 

schrieben. Hieraus erklärt sich auch, dafs einige gegangen werden konnte, 

neuere Publicationen nicht berücksichtigt sind, 



Wide, Geometrische Vasen aus Griechenland. 



27 



Der gröfste Theil der griechisch geometrischen Vasen befindet sich in Athen, 
aber selbst dort war es noch vor drei Jahren nicht leicht, das betreffende Material 
zu überblicken. Erst seitdem Kavvadias die Neuordnung der Vasensäle im athe- 
nischen Nationalmuseum glücklich durchgeführt hat, wurde es möglich, die geo- 
metrischen Vasen in Athen mit Erfolg zu studiren. Durch die zuvorkommende 
Liberalität des Generalephoros der griechischen Alterthümer wurde es mir gestattet, 
das wichtigste einschlägige Material im athenischen Nationalmuseum zu zeichnen 
oder zu photographiren , und nun ich an die Veröffentlichung der geometrischen 
Vasen aus Griechenland gehe, ist es mir eine angenehme Pflicht, Herrn Kavvadias 
meinen besten Dank auszusprechen für die Liebenswürdigkeit, mit welcher er meine 
Untersuchungen an Ort und Stelle gefördert hat. 

Was ich hier geben will, ist zunächst eine Materialsammlung, die als Basis 
für künftige Untersuchungen dienen könnte. Das Material stammt hauptsächlich aus 
dem Nationalmuseum in Athen und der Sammlung des Syllogos in Herakleion 
auf Kreta. Nur ausnahmsweise werde ich repräsentative Vasen anderer Museen 
aufnehmen. Dies Material werde ich so übersichtlich wie möglich zusammenstellen ; 
es wird sich daraus ergeben, dafs die geometrischen Vasenstile in Griechenland 
sehr mannigfaltig sind, und dafs jede Landschaft oder Insel ihre eigentümliche 
Gattung hat. 

In Folge mangelnder Fundangaben für den gröfsten Teil des Materials, wird 
es unmöglich sein, eine historische Entwicklung innerhalb des geometrischen Stiles 
darzustellen. Die Fundnotizen, über welche wir verfügen, belehren uns indessen, 
dafs der geometrische Stil auf den attischen Vasen verhältnismäfsig kurze Zeit ge- 
dauert haben mufs. 

Bei dieser Darstellung ist es mir vor Allem daran gelegen, so viele Ab- 
bildungen wie möglich zu geben, denn erst dadurch ist es möglich sich eine Vor- 
stellung über die Mannigfaltigkeit in der geometrischen Dekoration zu bilden, und 
erst dadurch wird es möglich werden den künftigen Forschungen auf diesem Gebiet 
eine gehörige Unterlage zu verschaffen. Bei diesem Bestreben sind mir die Worte 
Conze's in seiner oben citirten Abhandlung mafsgebend gewesen: »Auch habe 
ich das Material vollständiger gesammelt, als es bisher geschehen war, und grade 
auf dessen grofse Menge hinweisen zu können erscheint mir bei der Benutzung 
nicht ganz unwichtig.« 

Die Vasen sind nach Landschaften und Inseln geordnet. Für die Einteilung 
der attischen Dipylongefäfse sind die Vasenformen mafsgebend gewesen. Der 
Text hat im Allgemeinen den Zweck die Abbildungen zu begleiten und an jeder 
Vase das Charakteristische hervorzuheben. Als Prolegomena zu dieser Arbeit 
sind bereits zwei Aufsätze erschienen: »Aphidna in Nordattika«, Athen. Mittheil. 
1896 S. 385 ff. und »Nachleben mykenischer Ornamente«, Athen. Mittheil. 1897. 
S. 233 ff. 

Die Mafse (Höhe, Durchmesser der Mündung, Gröfster Umfang) sind in 
Metern angegeben worden. 



28 Wide, Geometrische Vasen aus Griechenland. 



THERA. 

Was die Technik betrifft, haben die geometrisch verzierten Amphoren 
aus Thera einen rötlichen, mitunter gelblichen Thon mit einem gewöhnlich hell- 
gelben Überzug und eine geglättete Oberfläche. Der zur Dekoration verwendete Firnis 
ist öfters schwarzbraun, bald mehr violettbraun, bald rotbraun, bei einzelnen Stücken 
fast gelbbraun. 

Die Form der theräischen Amphoren ist im Allgemeinen sehr schwer und 
gedrungen. Der Hals ist weit und niedrig, gegen den Rumpf wenig absetzend, die 
Lippe der Mündung hat ein ziemlich scharfes Profil. Der Bauch hat im oberen 
Teil eine kräftige Anschwellung und zieht sich gegen den Fufs zu mehr oder 
weniger stark ein. Die zwei wagerechten, etwas nach aufsen geneigten Henkel 
sind oben an der Schulter angesetzt. Die Form dieser Gefäfse erinnert an die 
der 7u0oi und ist am nächsten mit dem im Athenischen Nationalmuseum auf- 
bewahrten grofsen Trittos (Nr. 807) zu vergleichen 2 . 

Rings um das Gefäfs gehen horizontale Bänder, welche (bald einzeln, bald in 
Gruppen zu zwei oder drei) die Gefäfsfläche in verschiedene parallele Streifen teilen, 
von denen die am Bauche befindlichen undekorirt sind. Sonst beschränkt sich die Deko- 
ration hauptsächlich auf den Hals und die Schulter, und zwar auf den vorderen Teil 
des Gefäfses, ist also nur für die Vorderansicht von oben berechnet. Die Streifen 
am Hals und an der Schulter sind mit verschiedenen Ornamenten, wie Mäandern, 
Zickzacklinien, Kreisen und sogen, falschen Spiralen gefüllt. Sowohl die obere 
horizontale Fläche des Mündungsrandes, wie der Lippenrand werden rings um in 
radialer Richtung durch Firnisstriche verziert, die sich in Gruppen zu drei oder 
vier in bestimmten Entfernungen wiederholen. 

Das Hauptinteresse der Dekoration fällt auf die zwischen den beiden Henkeln 
befindliche vordere Schulterfläche. Dieser Streif, der gewöhnlich breiter wie die 
anderen gelassen ist, wird nicht mit einem der Länge nach gleichmäfsig fortlaufenden 
Zierrath versehen, sondern ist teils durch vertikale, teils auch durch horizontale 
schmale Bänder geteilt. In der Mitte wird oft ein viereckiges Feld ausgespart, das 
in der Regel ein radförmiges Ornament enthält. Ein solches Feld wird häufig in 
den oberen Ecken von einem fensterartigen Viereck abgeschnitten. Das Radornament 
im Mittelfeld der Schulterfläche bildet ein für die theräischen Vasen besonders 
charakteristisches Dekorationsmotiv. 

Manche von den aufgemalten Ornamenten, besonders die Mäander und die 
Zickzacklinien, sind in der Weise hergestellt, dafs die Bandlinien mit dünnen Pinsel- 
strichen gezogen sind, während dagegen der Innenraum mit einer schrägen Schraffirung 



2 ) Abgebildet in den Athen. Mittheil. 1893 S. 134 S. 9. Die an diesem rdüoz eingeprefsten echten 

und bei Böhlau, Zur Ornamentik der Villanova- Spiralen sind auf den theräischen Amphoren 

periode (Festschrift der XXVI. Jahresversammlung durch sogen, falsche Spiralen (durch Tangenten 

der deutschen Anthropologischen Gesellschaft) verbundene Kreise) ersetzt worden. 



Wide, Geometrische Vasen aus Griechenland. 



29 



ausgefüllt ist 3 . Die dreieckigen Motive sind im Innern doppelt schraffirt und werden 
also mit Gitterwerk ausgefüllt. 

Die Pflanzenornamentik ist auf diesen Vasen gar nicht vertreten. Aus der 
Thierwelt finden wir nur Vögel dargestellt und zwar im gewöhnlichen Dipylonschema. 
Gewöhnlich wird ein Vogel allein in einem kleinen viereckigen Feld angebracht. 
Auf der Kopenhagener Vase hält ein solcher Vogel in dem Mund eine geometrisch 
stilisirte Schlange und dasselbe Motiv, wenn auch in verblafster und mifsVerstandener 
Auffassung, findet sich auch auf dem athenischen Gefäfs aus Thera, Nat. Mus. 824 b . 
Die Kopenhagener Amphora hat in dem untersten dekorirten Horizontalstreifen an 
zwei Stellen je vier Vögel, die an einander gereiht sind. 

Diese Bemerkungen gelten dem theräisch geometrischen Stil im Allgemeinen. 
Vereinzelte Abweichungen sind unten an den betreffenden Stellen zu besprechen. 

1) Fig. 1. Athen, Nat. Mus. 824 b . Höhe 0,51 m, Durchmesser der Mündung 0,255 m, 

Gröfster Umfang 1,165 m. ^ n c ^ en kleinen viereckigen Feldern rechts und 
links an der Schulterfläche ein Vogel mit geometrisch stilisirter Schlange. 
Das ursprüngliche Motiv scheint aber nicht mehr recht verstanden gewesen 
zu sein. 

2) Fig. 2. Athen, Nat. Mus. 892. H. 0,74. Dm. d. Mdg. 0,36. Gr. Umf. 1,52. 





Fig. 1. 

3) Fig- 3« Thera, im Besitz des Herrn Nojiix<k. Die Photographie verdanke ich 
Herrn Alfr. Schiff. H. 0,40. Dm. d. Mdg. 0,25. 



3 ) Nur an der Kopenhagener Amphora aus Thera 
befindet sich ein Mäander, dessen ganze Breite 
mit voller Firnisfarbe gefüllt ist. Wie mir 



Dragendorff freundlichst mittheilt, sind derartige 
Mäander bei den Hiller'schen Ausgrabungen auf 
Thera ein paar Mal zu Tage getreten. 



3Q 



Wide, Geometrische Vasen aus Griechenland. 



SwHHDÖOGNRtik 



i 



Der zu dieser Vase gehörende Deckel ist uns erhalten, während die 
anderen Deckel nicht mehr da sind. Dieser hat zwei wagerechte Henkel, 

die den Henkeln des Gefäfses genau entsprechen, so 
dafs eine Schnur durch die einander entsprechenden 
Gefäfs- und Deckelhenkel gezogen werden konnte, um 
den Deckel am Gefäfse zu befestigen. Die obere 
I //! f^ jfek,-^ Fläche des Deckels ist mit mehreren koncentrischen 
Kreisen verziert, deren Zwischenräume verschieden 
ausgefüllt sind, wie sich am besten aus der Betrachtung 
der beigegebenen Abbildung ergiebt. Der Raum 
zwischen den beiden äufsersten Kreisen ist durch 
schräge Schraffirung ausgefüllt. Bemerkenswert ist 
das häufige Vorkommen punktirter Ornamente (grade Linien, Kreise, Sternlein). 

4) Fig. 4. Athen, Nat. Mus. 893. H. 0,625. D m - d - M ^g. 0,30. Gr. Umf. 1,27. 

5) Fig. 5. Thera, im Besitz des Herrn Nojauös. Die photographische Aufnahme 

verdanke ich Herrn Alfr. Schiff. Die Vase ist fragmentirt. Gröfste Höhe 
0,52. Dm. d. Mdg. 0,37. 

In dem viereckigen Hauptfeld an der Schulter nimmt, wie häufig, ein 
radähnliches Ornament die Mitte ein. In den oberen Ecken haben wir die 




Fig. 3- 





Fig. 5- 



Fig. 4- 



fensterartigen Abschnitte, von denen oben die Rede war. Unter jedem von 
diesen Abschnitten sind zwei kleine concentrische Kreise gemalt und darunter, 
ganz freistehend, ohne Anlehnung an die unteren Ecken, erscheint zu jeder 
Seite ein quadratisches Ornament mit Gitterverzierung im Inneren. 
6) Fig. 6. Athen, Nat. Mus. 824a. H. 0,75. Dm. d. Mdg. 0,36. Gr. Umf. 1,57. 
Was die Dekoration betrifft, bietet diese Amphora im Vergleich mit den 
oben besprochenen etwas Neues. Die Zerlegung der horizontalen Streifen 
durch vertikale Linien beginnt hier schon am Halse. Unter den Ornamenten 



Wide, Geometrische Vasen aus Griechenland. 



31 



begegnet uns hier der »laufende Hund«, und in der Mitte des untersten 
dekorirten Streifens finden wir ein ganz alleinstehendes Ornament, von dessen 
Beschreibung ich Abstand nehme, indem ich auf die beigegebene Abbildung 
verweise. 
7) Fig. 7.. Athen, Nat. Mus. 824 4 . H. 0,71. Dm. d. Mdg. 0,38. Gr. Umf. 1,585. 
Die Zerteilung des breiten Schulterstreifs ist hier um einen Schritt weiter 
gegangen, indem drei viereckige Hauptfelder hergestellt sind. Innerhalb 
dieser ist das Hauptornament nicht genau in der Form radähnlich, wie sonst, 
sondern besteht aus fünf kleineren radförmigen Ornamenten (beziehungsweise 
concentrischen Kreisen) innerhalb zwei gröfserer concentrischer Kreise. 





Fig. 7. 



Fig. 6. 



Der unterste Streif am Halse hat eine Reihe concentrischer Kreise 5 . 
Wenn man beobachtet, wie die Halsdekoration der theräischen Amphoren 
auf ein gemeinsames Grundschema zurückgeht, wird man bei einem Vergleich 
zwischen dieser Vase und den übrigen finden, dafs hier die concentrischen 
Kreise eine Reihe sogen, falscher Spiralen ersetzt haben. Dieselbe Ornaments- 
entwicklung läfst sich auch an einer Vase beobachten, die von Hiller und 
Dragendorff bei den letzten Ausgrabungen auf Thera gefunden haben. Wir 
dürfen also behaupten, dafs wie die. echten Spiralen durch die falschen er- 



4 ) Abgebildet Annali dell' Institute 1872, Tav. d'agg. 
K, i, wo indessen die Vasenform ungenau wieder- 
gegeben ist. 

5 ) Auf Hirschfeld's Abbildung in Annali dell' In- 



stituto a. a. O. sind diese koncentrischen Kreise 
unrichtig am obersten Teil der Schulter an- 
gebracht. 



32 



Wide, Geometrische Vasen aus Griechenland. 



setzt worden sind, so auch eine Reihe concentrischer Kreise mitunter an die 
Stelle der sogen, falschen Spiralen getreten ist. 
8) Fig. 8. Thera, im Besitz des Herrn Noptxi?. Die Photographie hat mir Herr 
Alfr. Schiff freundlichst zur Verfügung gestellt. H. 0,77. Dm. d. Mdg. 0,36. 
Die dekorirte Schulterfläche hat als Hauptornamente drei gröfsere rad- 
ähnliche Verzierungen, welche aber nicht durch die sonst häufigen vertikalen 
Linien oder Bänder von einander getrennt sind. Statt dessen besteht das 
Trennungsglied aus einem eigentümlichen Ornament: oben ein Dreieck mit 
Gitterwerk im Inneren, unmittelbar darunter ein Viereck, dessen beide Hälften, 
jede für" sich, durch Diagonalen geschnitten werden und teilweise mit Gitter- 
verzierungen gefüllt sind; unter diesem Ornament sind dreifache Zickzacklinien 
vertikal gezogen und an den Ecken sind Haken als Verzierungen angehängt. 
Zu jeder Seite des Zickzackornaments steht ein Vogel. Das ganze wirkt fast 
wie ein Wappenschema. 




Fig. 8. 




Die Zickzacklinie mit den an den Ecken angebrachten Haken ist ein Motiv, 
das, soviel ich weifs, auf den geometrischen Vasen nur noch einmal vorkommt, 
nämlich auf einer Leidener Vase, die von Conze, Zur Geschichte der Anfänge 
der griechischen Kunst Taf. III 1 abgebildet worden ist. Infolge dessen darf man 
den Schlufs ziehen, dafs jene Vase, deren Provenienz nicht übermittelt ist, aus 
Thera stammt, wie viele andere bei Conze a. a. O. wiedergegebene Vasen. 
9) Fig- 9 6 - Kopenhagen, Nationalmuseum (Prindsens Palais). Grober rötlicher 



6 ) Trotzdem dafs diese Vase schon bei Conze, 
Melische Thongefäfse S. VII und Zur Geschichte 
der Anfänge der griechischen Kunst Taf. IX 2 



publicirt worden ist, lasse ich sie hier wieder 
abbilden, weil die dort nach Michaelis' Skizze 
hergestellten Abbildungen nicht ausreichen. 




Wide, Geometrische Vasen aus Griechenland. ss 

Thon mit weifsgelbem Überzug. H. 0,74. Dm. d. Mdg. 0,325. Gr. Umf. 

i,47- 

Diese Amphora hat einen schlankeren Aufbau als die vorher besprochenen 

Vasen aus Thera. Was die Dekoration anlangt, finden wir hier zum ersten 

Mal unter den theräischen Vasen eine Reihe von Dipylonvögeln; unten auf 

der Schulterfläche erscheint ein Ornament, das eine Reihe echter Spiralen 

in verflüchtigter Darstellung zeigt. 
10) Fig. 10. Athen, Nat.-Mus. 899. H. 0,275. Dm. d. Mdg. 0,105. Gr. Umf. 0,53. 
Diese Amphora unterscheidet sich in vielen Beziehungen von den oben 

besprochenen. Erstens ist sie ungewöhnlich klein und zweitens ist der Hals 
schlanker wie bei den meisten Amphoren aus Thera. Die 
horizontalen Henkel sind Doppelhenkel (wie die der riesen- 
grofsen attischen Grabamphoren) d. h. jeder Henkel ist in zwei 
bügeiförmige Teile geteilt. Oben und unten am Halse ist die 
sonst übliche Reihe sogen, falscher Spiralen ganz verkümmert. 
Das radförmige Ornament an der Vorderseite der Schulter- 
fläche fehlt an diesem Gefäfs. Die horizontalen Bänder sind 
schmaler als sonst und bedecken mit kleinen leeren Zwischen- 
räumen den ganzen Bauch. Aus manchen Gründen scheint 
dies Gefäfs jünger zu sein als die anderen oben besprochenen 
theräischen Amphoren. 

Nahe verwandt mit dieser Vase ist die im British 

Museum unter Nr. 409 aufbewahrte theräische Amphora (dort fälschlich Athen 

zugeschrieben). 

MELOS. 
Melische Thongefäfse mit geometrischen Mustern kennen wir hinreichend 
durch Conze, Melische Thongefäfse (Leipzig 1862), Böhlau, Eine Melische Amphora, 
Arch. Jahrbuch 1887 S. 211 ff. Taf. 12 und Mylonas in der 'E'fqy. ap/aioX. 1894. 
S. 225fr. Taf. 12. 13. 14. Diese Vasen haben indessen neben manchen Spuren von 
geometrischem Einflufs doch überwiegend mykenisch- orientalische Dekorations- 
elemente. Hier werden zwei Gefäfse abgebildet, die den reinen geometrischen 
Stil auf Melos repräsentiren. 
1) Fig. 11. Athen, Nat.- Mus. 841. H. 0,67. Dm. d. Mdg. 0,45. Gr. Umf. etwa 1,75. 
Dies Gefäfs ist eine Amphora oder vielmehr ein glockenförmiger Krater 
auf einem Hypokraterion, das zum gröfsten Teil ergänzt ist. Der Hals fehlt, nur 
einen kleinen Ansatz zu einem Halse bildet der schmale Rand der Mündung, 
der mit warzenartigen Erhöhungen versehen ist. Die Henkel sind vertikal 
und doppelbogig: von der Stelle, wo sich die beiden Bügel des Henkels 
vereinigen, geht nach dem oberen Rand des Gefäfses ein vertikaler Henkel 
aus. Diese Vase ist der Form nach deutlich ein Vorläufer zu den melischen 

Jahrbuch des archäologischen Instituts XIV. 3 

1 



34 



Wide, Geometrische Vasen aus Griechenland. 




Amphoren mit orientalisiren den Ornamenten, die jedoch etwas besitzen, was 
unserem Gefäfs fehlt, nämlich den hohen, weiten Hals. 

Der untere Teil des Bauches ist mit horizontalen breiten firnisgefüllten 
Bändern versehen, die mit Gruppen von schmalen horizontalen Linien ab- 
wechseln. Die eigentliche Dekoration fällt auf die 
Flächen zwischen den Henkeln. Der viereckige Haupt- 
streif wird durch vertikale Linien in drei Felder ge- 
teilt, ein gröfseres in der Mitte und zu jeder Seite 
ein kleineres. Das Mittelfeld wird wiederum in drei 
horizontale Streifen zerlegt, deren zwei mit Mäander- 
ornament verziert sind, während der dritte, dazwischen- 
liegende, eine Reihe von kleinen Rhomben enthält. 
Die zwei Seitenfelder, die einander in der Dekoration 
genau entsprechen, sind je in ein oberes und ein 
unteres Feld geteilt: im oberen steht ein Dipylon- 
vogel, im unteren ein Hirsch (an der entgegengesetzten 
Seite des Gefäfses ist an der entsprechenden Stelle 
der Hirsch durch ein Pferd ersetzt worden). Die 
Flächen, die die Henkel umgeben, sind mit Radornamenten verziert, und 
unter jedem Bügel des doppelbogigen Halses ist ein Dipylonvogel gemalt. 

An der äufseren Seite des Mündungsrandes läuft eine Wellenlinie, die 
an ihren Hebungen und Senkungen kleine Kreise tangirt. Dasselbe Ornament 
wiederholt sich in einem dekorirten horizontalen Streifen, der unmittelbar 
unter den Henkeln läuft. In den Athen. Mittheil. 1897 S. 246 ist nach- 
gewiesen worden, dafs dieses Ornament eine geometrisirende Vereinfachung 
des mykenischen Motives der fortlaufenden Ranke ist. 
2) Fig. 12. Athen, Nat.-Mus. 877 r . Rötlich gelber Thon, schwarbrauner Firnis. 

H. 0,22. Dm. d. Mdg. 0,27. 

Die dekorirte Hauptfläche zwischen den strick- 
artig gewundenen Henkeln zerfällt in drei nebenein- 
;JS ;Tv^c ^l f^f^ ander liegende Felder, ein kleineres zu jeder Seite 
^ll ^^li^^^l lBP^ un d em gröfseres in der Mitte. Jedes von den Seiten- 
feldern ist mit einem System von concentrischen 
Kreisen verziert. Das mittlere Feld, das dekorirte 
Hauptfeld, hat in jeder der oberen Ecken einen 
fensterartigen Ausschnitt, der mit schraffirten Drei- 
Fl £- I2 - ecken gefüllt ist. Die Hauptdarstellung bildet ein 

Mann, der in jeder Hand ein Pferd am Maul hält. Unter jedem Pferd ein 
Fisch als Füllmotiv. Sonstige Füllornamente sind schraffirte Rhomben, 

7 ) Das dekorirte Hauptfeld mit der bildlichen Dar- (vgl. Text S. 140). Dort fehlt aber eine Ge- 

stellung ist von Hirschfeld in den Annali dell' In- sammtansicht des Gefäfses. 

stituto 1872 Tau. d'agg. J. i abgebildet worden 




Wide, Geometrische Vasen aus Griechenland. oc 

Dreiecke und Mäanderhaken. Dieselbe Darstellung wiederholt sich auf der 
entgegengesetzten Seite des Gefäfses. 

Unter dem Hauptstreif sind zwei schmalere, horizontale Streifen, von denen 
der eine mit einer Reihe Punkten, der andere mit an einander gereihten 
kleinen Rhomben gefüllt ist. Diese Dekorationsstreifen wiederholen sich oben 
am Halse. 

Ein anderes Gefäfs, das aller Wahrscheinlichkeit nach aus Melos stammt, 
kann hier nicht aufgenommen werden, da die Provenienz nicht angegeben 
ist. Es wird deshalb sicherer sein, es unter den Vasen unbekannter Herkunft 
zu behandeln. 

KRETA. 

Der rein geometrische Stil auf den kretischen Vasen bietet bei Weitem 
nicht dasselbe Interesse wie der theräisch geometrische Stil. Die Muster sind sehr 
einfach und primitiv, die Zeichnung ist öfters grob. Der Thon ist wenig gut ge- 
schlämmt, und es fehlt gewöhnlich der feine Überzug, der für die theräischen 
Vasen charakteristisch ist. 

Der Grund, weshalb der geometrische Vasenstil in Kreta keinen gröfseren 
Aufschwung erreicht hat, liegt meines Erachtens darin, dafs auf Kreta der Einflufs 
der mykenischen Ornamentik so überwiegend war, dafs sich dort der rein geome- 
trische Stil auf den Vasen nicht recht weiter entwickeln konnte. Dieser Einflufs 
der mykenischen Ornamentik, besonders der Metallornamentik ist schon nach- 
gewiesen worden 8 . 

Deshalb müssen wir das hier behandelte Material in zwei Gruppen zerlegen. 
Die erste Gruppe umfafst die Vasen, derer Dekoration ganz oder überwiegend 
geometrisch ist, die andere Gruppe bilden die Vasen, deren Ornamentik über- 
wiegend von der mykenischen Kunst beeinflufst worden ist. Die Scheidung der 
beiden Gruppen ist ziemlich schwer, und andere würden die Grenzen vielleicht 
anders gezogen haben. Diese Schwierigkeit dürfte aber erklären, weshalb hier bei 
der Besprechung geometrisch bemalter Gefäfse auch Vasen mit Nachklängen 
der mykenischen Ornamentik aufgenommen werden. Es ist ja übrigens nicht ohne 
Interesse, diesen Mischstil mit geometrischen Vasenformen und mykenischen Mustern 
näher kennen zu lernen. 

Die Vasenformen sind im Allgemeinen recht häfslich und entbehren jeder 
Eleganz. Öfters fehlt der Vasenhals, und die kugelige Anschwellung des Gefafs- 
bauches beginnt unmittelbar unterhalb der Mündung. Sehr charakteristisch für 
diese Vasen sind die dicht unter dem oberen Gefäfsrande sitzenden vier Henkel, von 
denen zwei horizontal und die anderen zwei vertikal sind. 

Die Dekoration befindet sich in der Regel auf den zwischen den Henkeln 
befindlichen Flächen und geht nur selten über diese Grenzen hinaus. Die häufigsten 
Ornamente sind auf den rein geometrischen Vasen: Zickzacklinien, Rhomben, Gräten- 

8 ) In meinem Aufsatz »Nachleben mykenischer Ornamente« Athen. Mittheil. XXII (1897) S. 233 ff. 

3* 



•?6 Wide, Geometrische Vasen aus Griechenland. 

muster und concentrische Kreise. Der gewöhnliche Mäander fehlt gänzlich, nur an 
einem Exemplar (Nr. 8 Fig. 20) finden wir eine gewisse Abart des Mäanders, die wohl 
eigentlich eine Vereckigung des wellenartigen, aus der mykenischen Kunst her- 
geleiteten Bandes ist. Vögel treten selten auf, das Hakenkreuz nur einmal (Nr. 11). 

Die zwischen den Henkeln befindlichen Flächen sind meistens durch 
horizontale, mitunter auch durch vertikale Trennungsglieder getheilt. Der nicht mit 
Ornamenten verzierte Theil der Gefäfse ist gewöhnlich mit breiteren oder kürzeren, 
mit Firnis gefüllten Streifen überzogen. 

Der Firnis ist gewöhnlich schwarzbraun, einmal finden wir darauf con- 
centrische Kreise mit Weifs gemalt (Nr. 6 Fig. 18). 

A. Vasen mit überwiegend geometrischer Dekoration. 

1) Fig. 13. Syllogos in Herakleion, aus Anopolis 9 (Mus. Nr. Anop. 23). Braun- 

gelber Thon, verhältnismässig gut geschlämmt, geglättete Oberfläche, schwarzer 
Firnis. H. 0,33 m. Dm. d. Mdg. 0,13 m. Gr. Umf. 0,96 m. Vier Henkel, 
zwei horizontale, zwei vertikale. Die Dekoration an den Flächen zwischen 
den Henkeln hat zwei Muster, jedes Muster wiederholt sich auf der 
diametral entgegengesetzten Seite. 

2) Fig. 14. Syllogos in Herakleion, aus Anopolis (Mus. Nr. Anop. 4). Thon und 

Firnis wie Nr. 1. H. 0,36m. Dm. d. Mdg. 0,14m. Gr. Umf. 0,98m. Die 
Zwischenräume zwischen den vier Henkeln sind mit demselben Muster 
versehen. 





Fig. 14. 

3) Fig. 15. Syllogos in Herakleion, aus Anopolis (Mus. Nr. Anop. 20). Thon 
und Firnis, wie die beiden vorangehenden Gefäfse. H. 0,29 (mit Deckel 
0,35). Dm. d. Mdg. 0,11. Gr. Umf. 0,83. Vier Henkel. Die zwei auf der 



9 ) Über die Funde von Anopolis vgl. Athen. Mittheil. 1897 S. 241 Anm. 1. 



Wide, Geometrische Vasen aus Griechenland. 



37 



Abbildung sichtbaren Dekorationen, Vogel und Rhombus, kehren auf den 
entgegengesetzten Flächen zwischen den Henkeln wieder. 
4) Fig. 16. Syllogos in Herakleion, aus Staurakia. Thon und Firnis wie die 
vorigen. H. 0,38. Dm. d. Mdg. 0,115. Gr. Umf. 0,93. Vier Henkel, 
zwischen denen concentrische Kreise gemalt sind. 





Fig. 16. 



Fig. 15- 

Ein sehr ähnliches Gefäfs ohne Provenienzangabe befindet sich im Museum 
des Syllogos zu Herakleion, hat aber nur zwei Henkel und auf jeder Seite 
zwischen den Henkeln dreimal sich wiederholende concentrische Kreise. 
5) Fig. 17. Syllogos in Herakleion, aus Anopolis (Mus. Nr. Anop. 21). Thon 
und Firnis wie die vorigen. H. 0,32 (mit Deckel 0,35). Dm. d. Mdg. 0,135. 
Gr. Umf. 0,87. Neben den gradlinigen Ornamenten (Zickzacklinien und 
Rhomben) erscheint ein 
Blatt- oder Linsenähn- 
liches Ornament, das innen 
schraffirt ist. 

Der dazu gehörende 
Deckel ist, sowie das Ge- 
fäfs selber, schon in den 
Athen. Mittheilungen 1897 
S. 242 Fig. I2 a abgebildet 
worden. Die darauf ge- 
malten Spiralen gehen 
sicher auf Vorbilder aus der 
Goldtechnik, wahrschein- 
lich auf die mykenische Fl £* l 1* 

Ornamentik, zurück. Die auf demselben Deckel in drei Reihen gemalten blatt- 
oder linsenartigen Verzierungen, die sich zusammen etwa wie ein Collier dar- 
stellen, dürften vielleicht auch in der Metalltechnik ihre Vorbilder gehabt haben. 




38 



Wide, Geometrische Vasen aus Griechenland. 



6) Fig. 18. Nationalmuseum in Athen Nr. 59, ohne Provenienzangabe. Die 
Dekoration, welche nur in concentrischen Kreisen besteht, beschränkt sich 
nicht auf die Henkelflächen, sondern findet sich auch in den 
unteren horizontalen Streifen. Beachtenswert sind die mit 
Weifs auf den schwarzen Firnisgrund gemalten concen- 
trischen Kreise, von denen schon oben die Rede war. 
Mit Weifs sind auch einige von den horizontalen Streifen 
auf den schwarzen Firnis aufgemalt. 
7) Fig. 19. Syllogos in Herakleion, aus Anopolis (Mus. Nr. 
Anop. 16). Gelbbrauner Thon, geglättete Oberfläche, 
schwarzer Firnis. H. 0,35. Dm. d. Mdg. 0,16. Gr. Umf. 0,99. 
Dies Gefäfs ist im Gegensatz zu den vorangehen- 
den mit Hals versehen. Die Dekoration ist recht eigen- 
tümlich. In der Mitte zwischen den beiden Henkeln 




Fig. 18. 



finden wir ein metopenartig abgetrenntes Feld mit horizontalen Zickzack- 
linien und zu beiden Seiten Grätenmuster und Sternchen. Dieselbe Verzierung 
wiederholt sich auf der entgegengesetzten Seite des Gefäfses. 
8) Fig. 20. Syllogos in Herakleion, aus Anopolis (Mus. Nr. Anop. 18). Gelblich 
rötlicher Thon, der gröber ist, wie bei den vorigen Vasen. Auch ist der 
Firnis stumpfer wie dort. H. 0,37. Dm. d. Mdg. 0,15. Gr. Umf. 1,04. 




Fig. 19. 




Fig. 20. 



Dies ist eine der wenigen kretischen Vasen, die mit einer Art Mäander 
verziert sind, und unter den hier publicirten die einzige. Der Mäander 
verziert ein viereckiges, ausgespartes Feld zwischen den beiden Henkeln, 
oberhalb läuft eine Zickzacklinie. Die Hinterseite ist in derselben Weise 
verziert, mit dem Unterschied, dafs an die Stelle der Zickzacklinie ein 
Schachbrettmuster getreten ist. Die Henkel sind sehr originell: sie sind 
horizontal, nach aufsen hin geneigt und mit der Gefäfsmündung durch einen 



Wide, Geometrische Vasen aus Griechenland. 



39 



etwas gebogenen Steg verbunden. Den zwei Henkeln an dem Gefäfse selbst 
entsprechen die zwei Henkel des Deckels, der mit concentrischen, dem Kreis 
des Randes parallel laufenden Kreisen verziert ist. 
9) Fig. 21. Herakleion im Besitz des Herrn Johannes Mitzotakis, aus Knossos. 
Fragmentirt an der Hinterseite, oben gebrochen. Gröfste Höhe 0,55. Die 
Vasenform ist schlanker als gewöhnlich, und jeder Henkel ist in zwei 
arkadenförmige Wölbungen geteilt wie an den grofsen attischen 
Grabamphoren und an der oben Fig. 10 abgebildeten the- 
räischen Vase. Die Dekoration ist nicht auf die Fläche 
zwischen den Henkeln beschränkt, sondern findet sich auch 
am Hals und unterhalb der Henkelzone. Dieselben primitiven, 
einförmigen Ornamente, wie sonst auf den kretisch geome- 
trischen Vasen, finden wir auch hier. 

Indessen läfst sich an dieser Vase auch ein fremder 
Einflufs wahrnehmen. Sowohl in der Vasenform, wie in der 
Form der Henkel erinnert unser Gefäfs stark an die von 
Conze, Zur Geschichte der Anfänge der griechischen Kunst 
Taf. II abgebildete Vase, die aller Wahrscheinlichkeit nach 
aus Thera stammt. Auch in einer anderen Beziehung er- 
innert unsere kretische Vase an die theräischen Gefäfse 
mit geometrischer Dekoration. Grade an den Stellen, wo wir auf den 
Theravasen Reihen von sogen, falschen Spiralen haben, finden wir hier 
Reihen von concentrischen Kreisen, nämlich unten am Hals und unterhalb 
des dekorirten Hauptstreifens zwischen den Henkeln. Da der Übergang von 
falschen Spiralen zu einer Reihe von Kreisen sich schon an den theräischen 
Gefäfsen nachweisen läfst 10 , so ist es wahrscheinlich, dafs auch auf unserer 
kretischen Vase die zwei Reihen concentrischer Kreise einem theräischen 
Vorbild entnommen sind, wo an den entsprechenden Stellen sich entweder 
sogenannte falsche Spiralen oder ihre Nachfolger, concentrische Kreise, be- 
fanden n . 

Wir können vielleicht noch eine andere Beeinflussung in der Dekoration 
unserer Vase beobachten. Das Hauptfeld zwischen den Henkeln ist in drei 
Felder eingetheilt und die Trennungsglieder haben dieselbe Form, die wir 
an einer in den Athen. Mittheil. 1897 S. 236 Fig. 4 abgebildeten kretischen Vase 
wiederfinden: es ist offenbar ein geometrisch stilisirtes Blattzweigmotiv, das 
in mehr naturalistischer Form auf der entgegengesetzten Seite des betreffen- 




Fig. 21. 



10 ) Vgl. oben S. 31. 

") Es ist interessant an den entsprechenden Stellen 
des bei Conze a. a. O. abgebildeten theräischen 
Gefäfses zu beobachten, wie das ursprüngliche 
Motiv sich mehr und mehr verflüchtigt. An den 
Stellen, wo man sogen, falsche Spiralen oder 
eine Reihe concentrischer Kreise erwartet hätte, 



finden wir dort eine Reihe kleiner Punkte. An 
den theräischen Vasen läfst sich also folgende 
Entwicklung der Motive beobachten: 1) sogen, 
falsche Spiralen; 2) concentrische, aneinander 
gereihte Kreise; 3) Reihe von Punkten. Diese 
Entwicklung des Ornaments läfst sich für die 
chronologische Bestimmung gut verwerthen. 



40 



Wide, Geometrische Vasen aus Griechenland. 




den Gefäfses gemalt ist (a. a. O. Fig. 4 a ). Dies Motiv ist selbstverständlich 
nicht geometrisch, sondern aus der mykenischen Kunst abgeleitet". 
10) Fig. 22. Syllogos in Herakleion, aus Gortyn (Mus. Nr. Gortyn 160). Grober, 
rothbrauner Thon, schwarzer Firnis. H. 0,50. Dm. d. Mdg. 0,17. Gr. Umf. 
1,12. Sowohl Thon wie Vasenform und Verzierungen 
(mit dem Zirkel gezogene concentrische Halbkreise) be- 
rechtigen uns dies Gefäfs zu den geometrischen zu 
ziehen. Indessen sei hier bemerkt, dafs diese Vase 
einer Gruppe angehört, die sich mit den mykenischen 
Vasen zu berühren scheint und deren Vertreter an 
mehreren Orten in Griechenland und auf den Inseln zu finden sind. Ich ver- 
weise auf den besonderen Abschnitt, in welchem diese Vasen zusammengefafst 
werden sollen. 

11) Fig. 23. Herakleion, im Besitz des Herrn Mtvous KccXoxoiipivöc, 
aus Knossos. Heller gelbbrauner Thon, glänzend schwarzer 
Firnis. H. 0,25. Gr. Umf. 0,45. Bemerkenswerth ist am Hals 
das Hakenkreuz. Die Dekoration der Schulterfläche (Dreiecke 
und Grätenmuster) ist beim ersten Anblick gut geometrisch. 
Indessen finden wir dieselben Motive auf einer kleinen Bügel- 
kanne aus Anopolis, die unten (Fig. 26) abgebildet wird und deren 
Zusammenhang mit der mykenischen Kunst unzweifelhaft ist. 
Fig. 24. Syllogos in Herakleion, aus Gortyn (Mus. Nr. Gortyn 
179). Grober bräunlicher Thon mit hellem Überzug und schwarz- 
braunem Firnis. Der Hals und die zwei Henkel sind nicht mehr 
vorhanden. Auf der Vorderseite an der Schulter ein einfaches 
geometrisches Ornament, das übrigens auch den mykenischen 
Vasen nicht fremd ist' 3 . 

Fig. 25. Syllogos in Herakleion, aus Anopolis (Mus. Nr. Anop. 26). 
Gelblicher Thon, rothbrauner Firnis, der früher wohl schwarzbraun gewesen 
sein mag. H. 0,105. Dm. d. Mdg. 0,15. 

Auch hier scheint die geometrische Dekoration zwischen 
den Henkeln von der mykenischen Ornamentik indirekt beeinflufst 
zu sein. Dasselbe Dekorationsmotiv finden wir auch auf einer 
Bügelkanne aus Spata in Attika, die bei Furtwängler-Loeschcke, 
Myken. Vasen Taf. XVII 113 abgebildet ist. Freilich sind dort 
statt der Kreise Rosetten, die aber im geometrischen Stil bei 
der üblichen Vereinfachung der herübergenommenen Motive leicht in Kreise 
verwandelt werden konnten. 




Fig. 23. 




Fig. 24. 



13) 




12 ) Vgl. Furtwängler-Loeschcke, Myken. Vasen, Taf. 
XVI 104. 

13 ) Furtwängler-Loeschcke, Myken. Vasen, Taf. 



XXXV 357. Schliemann, Mykenae Taf. IX 39. 
XIII 67. 



Wide, Geometrische Vasen aus Griechenland. 



41 



B. Vasen mit überwiegend mykenischen Ornamenten oder 
mykenischer Form. 

14) Fig. 26. Syllogos in Herakleion, aus Anopolis (Mus. Nr. Anop. 9). Gelb- 

brauner Thon, glänzender schwarzer Firnis. H. 0,30. Gr. Umf. 0,37. Bügel- 
kanne mit geometrischen Verzierungen. 

15) Fig. 27. Syllogos in Herakleion, aus Anopolis (Mus. Nr. Anop. 12). Gelb- 

brauner Thon, geglättete Oberfläche, schwarzer Firnis. H. 0,19. Dm. d. 
Mdg. 0,155. Gr - Umf. 0,56. 

Die dekorirte Fläche zerfällt in drei horizontale, von einander durch 
schmale Bänder getrennte Streifen. Der obere und der untere sind mit 





Fig. 26. 



Fig. 27. 



Zickzacklinien verziert, der mittlere hat an jedem Ende ein kleines metopen- 
artiges Feld abgeschnitten, wie die theräischen Vasen es öfters haben. Diese 
kleinen, viereckigen Felder sind von Diagonalen geteilt. Man vergleiche 
dieselbe Anordnung auf der bei Conze Zur Geschichte der Anfänge der 
griech. Kunst Taf. III 1 abgebildete Vase. 

An theräische Gefäfse erinnern die kleinen, auf der 
Abbildung wenig sichtbaren Striche am oberen Rand, myke- 
nisch ist dagegen das Flechtband, das den gröfseren Teil 
des mittleren Streifens einnimmt 14 . 
16) Fig. 28. Syllogos in Herakleion, aus Anopolis (Mus. Nr. 
Anop. 27). Heller gelbbrauner Thon, schwarzer Firnis. 
H. 0,12. Gr. Umf. 0,46. 

Die kugelige Form des Gefäfses weist auf primitive, 
prämykenische Zeiten zurück, ebenso die statt Henkel an- 
gebrachten Ansätze, welche durchbohrt sind, um durch 
die Löcher Schnuren zu ziehen. Das Gefäfs war also, wie 
manche von den ältesten troischen, zum Aufhängen bestimmt 
und damit stimmt auch die eigentümliche Thatsache, dafs 
es unten verziert ist. Die concentrischen Kreise am Bauche 





> 4 ) Vgl. z. B. Furtwängler-Loeschckc, Myken. Vasen, Taf. XXXIV 338. 



42 



Wide, Geometrische Vasen aus Griechenland. 



passen gut in den geometrischen Stil hinein, dagegen nicht das ziemlich 
naturalistisch ausgeführte Pflanzenmotiv zwischen zweien der concentrischen 
Kreise. Dies erinnert vielmehr an die mykenische Ornamentik 15 . Auch 
die unten am Boden des Gefäfses gemalte Rosette gehört nicht -dem geo- 
metrischen Stil an, wenn sich auch ihr Vorbild innerhalb der mykenischen 
Kunst nicht sicher nachweisen läfst. 

17) Fig. 29. Syllogos in Herakleion, aus Anopolis (Mus. Nr. Anop. 28). Gelb- 

brauner Thon, Firnis etwas stumpfer, wie an den meisten anderen Vasen 
aus Anopolis. H. 0,34. Gr. Umf. 0,51. Der Form nach gehört diese Vase 
zu den geometrischen. Der Hals ist auch geometrisch dekorirt mit Zickzack 
linien; dagegen finden wir an der Schulter und am Bauch ein Ornament, das 
für die mykenischen Vasen charakteristisch ist 16 . 

18) Fig. 30. Syllogos in Herakleion, aus Anopolis (Mus. Nr. Anop. 33). Gelb- 

brauner Thon, schwarzer Firnis. H. 0,65. Dm. d. Mdg. 0,13. Auf das 
mykenische Dekorationsmotiv an der Fläche zwischen den Henkeln braucht 
kaum hingewiesen zu werden. 

19) Fig. 31. Syllogos in Herakleion, aus Knossos. Heller gelbbrauner Thon, 

schwarzbrauner Firnis. H. 0,09. Gr. Umf. 0185. Die Form erinnert an die 






Fig. 30. 



Fig. 31. 



Fig. 29. 



oben dargestellte kretische Vase Nr. 11. Die concentrischen Kreise sind 
das Eigenthum des geometrischen Stils. Dagegen sind die im innersten 
Kreis befindlichen »Speichen«, die nicht gradlinig sondern geschweift sind, 
auf mykenische Vorbilder zurückzuführen 17 , und das Flechtmotiv findet sich be- 
kanntlich häufig auf den mykenischen Vasen, vgl. oben Nr. 17. 
20) Syllogos in Herakleion, aus Staurakia (2 — 3 Stunden südwestlich von Herakleion). 
Mus. Nr. Staurakia 87. Gelbbrauner Thon, rötlicher Firnifs, der ursprünglich 



15 ) Vgl. z. B. Furtwängler - Loeschcke a. a. O. Taf. 
XVI 104 und das Ornament an der kretischen 
Vase, die in den Athen. Mittheil. 1897 S. 240 
Fig. 8 abgebildet ist. 



16 ) Vgl. Furtwängler-Loeschcke a. a. O. Taf. XVIII 
131. XXXIV 346. 

17 ) Vgl. Athen. Mittheil. 1897 S. 235. 



Petersen, Caele Vibenna und Mastama. 43 



schwarzbraun gewesen sein mag. H. 0,35. Dm. d. Mdg. 0,14. Abgebildet 
Athen. Mittheil. 1897 S. 234 Figg. 2. 2 a. 

21) Herakleion im Besitze des Herrn Ioannis Mitzotakis, aus Knosos. Gelbbrauner 

Thon, braunroter Firnifs. H. 0,36. Dm. d. Mdg. 0,15. Gr. Umf. 0,96. 
Abgebildet Athen. Mittheil. 1897 S. 236 Figg. 4. 4a. 

22) Syllogos in Herakleion, aus Anopolis (Mus. Nr. Anop. 22). Gelbbrauner Thon, 

geglättete Oberfläche, schwarzbrauner Firnifs. H. 0,30 (mit Deckel 0,36). 
Dm. d. Mdg. 0,20. Gr. Umf. 1,03. Abgebildet Athen. Mittheil. 1897 S. 241 
Figg. 10. 10 a. 

23) Syllogos in Herakleion, aus Anopolis (Mus. Nr. Anop. 17). Gelbbrauner Thon, 

schwarzbrauner Firnifs. H. 0,34. Dm. d. Mdg. 0,13. Gr. Umf. 0,88. Ab- 
gebildet Athen. Mittheil. 1897 S. 243 Figg. 13. 13a. 

24) Syllogos in Herakleion, aus Ilptvta auf Kreta, abgebildet Athen. Mittheil. 1897 

S. 244 Figg. 14. 14 a. 

(Fortsetzung folgt.) 
Lund. Sam Wide. 



^J^^,£~^ aj^\^*^*^ 



CAELE VIBENNA UND MASTARNA. 

(Zu Jahrbuch 1897 S. 57 fr.) 

Einige Bemerkungen zu dem lehrreichen Aufsatz von Körte möchte ich nicht 
weiter hinausschieben, wenn ich auch mich darauf beschränken mufs, nur das 
Wesentlichste zu sagen, was ich s. Z. auch in den Sitzungen des römischen Instituts 
am 4. und 18. Febr. d. J. vorgetragen habe. 

Ein Zeugnifs des Gellius 1 bei Solin 1,7 = Peter Hisi. rom. fr. S. 93,26 her- 
anziehend, hat Körte (Etr. Spieg. V. S. 167 f., vgl. Jahrb. 1897 S. 80) die Darstellung 
eines etruskischen Spiegels (Etr. Spieg. V Taf. 127 = A) und dreier Urnen (I rilievi 
delle ume etrusche II CXIX I = B, ia S. 255, hier als Fig. 1 wiederholt, = C, 
2 = D) treffend erklärt. 

Mit einigen Abweichungen, aber im Wesentlichen gemeinsamen Ursprungs, 
stellen diese Bilder, A sogar mit Beischriften versehen, den Cacn sitzend als Apollo 
ähnlichen Sänger dar, der auf A die Saiten seiner Leyer rührt, während neben ihm 
tiefer ein Knabe Artiles sitzt, wie der Schüler neben dem Lehrer, und in einem 
aufgeklappten Diptychon liest, d. h. wohl, trotz geschlossenen Mundes, singt. 
Während die beiden zwischen Bäumen, also wohl im Dickicht des Waldes, so in 

') Etwas mifsdeutet in Roschers Lexikon I 2276; richtig von Wissowa, Pauly-Wissowa V 1166, noch 

ohne Körtes Ausführungen zu kennen. 



44 



Petersen, Caele Vibenna und Mastarna. 



ihren Sang vertieft sind, von einem satyrähnlichen Waldgeist belauscht, steht auf 
jeder Seite ein Gewappneter, wie zum Hervorbrechen aus dem Walde bereit: Avle 
und Caile Vipinas benannt. Auf den Urnen ist die Handlung ein wenig vorgerückt: 
während die Gewappneten dort noch zu lauern schienen, ist hier ihr Vorbrechen 
entschieden; Cacu rührt in B noch mit der Linken die Saiten, macht aber mit der 
Rechten einen Gest nicht des Schreckens, sondern ernster Zurede; in C und D 
scheint er mehr und mehr in Ruhe und in sich selbst zu versinken. Ein älterer 
Begleiter, dienenden Aussehens, ruht am Boden hingestreckt, und, obgleich mehr 




Fig/i. 

sitzend als liegend, legt er auch in B den Kopf in die Hand, nicht in tiefer Be- 
trübnifs, wie Körte meint, sondern schlafend: man kennt ja den in die Hand gelegten 
Kopf als Schlaf bedeutenden Gestus, wie im Orient, so auch in Italien. In C da- 
gegen ist der Liegende erwacht und sucht dem einen Angreifer Einhalt zu thun. 
Den Artiles von A wird man in diesem Liegenden schwerlich erkennen, zumal in 
D neben diesem noch ein Begleiter vorhanden ist, welcher den einen Angreifer um 
Gnade anfleht. Auch liegt in C D neben dem Liegenden ein Tragholz mit Reise- 
gepäck 2 , von dem in B bei dem Sitzenden nur ein Gefäfs übrig geblieben ist. 
Dies Gepäck und das nun auch verständliche eine Pferd, dessen sich in D einer 
der Begleiter der Angreifer zu bemächtigen sucht, zeigen uns, dafs Cacus mit Artiles 
auf einer Reise, die ersterer als Hauptperson zu Pferde macht, während ein Diener 
das Gepäck trägt, Nachts im Walde Halt gemacht, und dafs hier der Diener ein- 
geschlafen war, während Cacus und Artiles noch Sängerkunst üben. Bei solcher 
Rast werden sie von den beiden Brüdern Vipina überfallen, die augenscheinlich jene 
Sänger nicht zu tödten sondern nur sich ihrer Person zu bemächtigen bedacht sind. 
Hören wir nun das schriftliche Zeugnifs: hie (Cacus), ut Gellius tradit, cum a Tarchone 
Tyrrheno, ad quem legatus venerat missu Marsyae regis, socio Megale 3 Phryge, 

-') Vgl. Monumenti inediti d. Inst. Supplem. Taf. 3 ) Ist es undenkbar, dafs Megales nur aus Artiles 
XV f. verschrieben sei? 



Petersen, Caele Vibenna und Mastarna. ac 

cnstodiae foret datus, frustratus vincula et unde venerat redux, praesidiis amplioribus 
occnpato circa Volturnum et Campaniam regno — folgt angeheftet die Geschichte 
vom Cacus und Hercules, und schliefslich Megalen Sabini receperunt, disciplinam 
augurandi ab eo docti. Wort und Bild decken sich keineswegs. Indessen den 
legatus ebenso wie seinen Genossen der disciplina augurandi kundig zu halten, liegt 
doch nahe, und das bestätigt das Zeugnifs ungenannter Gewährsmänner bei Servius 
Aen. III 359: a Marsya rege missos e Phrygia regnante Fauno, qui disciplinam 
auguriorum Italis ostenderunt. Seher oder Sänger sind sie ja auch im Bilde; und 
Gewaltthat, Freiheitsberaubung scheint hier ja zu drohen, wie dort eingetreten. 
Aber im Bilde erschienen die Brüder Vibenna, nicht Tarchon, im Bericht dieser, 
nicht jene. Kein Zweifel dafs man, wie Körte gethan, beide Darstellungen in Ein- 
klang zu bringen versuchen mufs, eine aus der andern ergänzend; aber etwas 
anders als Körte. Für die Helden Vibenna eine ruhmvolle That verlangend, meint er 
solche darin zu finden, dafs 'die Auslieferung der von den Reisenden bewahrten 
Geheimlehren bezw. Orakelsprüche an einen Gegner des Vipina durch die Abfangung 
der Überbringer verhindert wurde'. Aus dem unten noch zu besprechenden 
Vulcenter Grabgemälde sodann die Feindschaft zwischen den Vipina und dem 
Tarchu Rumach = Tarchon Tyrrhenus entnehmend, meint Körte, die zu Tarchon 
reisenden Abgesandten seien unterwegs von den Vibenna abgefangen worden. Dafs 
damit aber die schriftliche Überlieferung vollständig aus dem Geleise kommt, scheint 
Körte gar nicht zu beachten: so nämlich gelangt Cacus ja nicht in den Gewahrsam 
des Tarchon, sondern der beiden Brüder, und wer etwa versuchen wollte, Gefangen- 
nahme und Lösung zu verdoppeln, wird bei kurzer Überlegung finden, wie mifs- 
lich das ist. 

Die Sache renkt sich dagegen ganz von selbst ein, wenn man die Vibenna 
zu einer Zeit Freunde, zu einer andern Feinde des Tarchon sein läfst, der ja selbst 
sich wandelt, zur einen Zeit Tyrrhenus , zur andern Rumach d. i. Romanus ist; und 
da er als letzterer eine Partei etruskischer Söldner hat, konnte er als ersterer füglich 
eine andere haben. Als des Tarchon Mannen haben also Caile und Avle Vipinas 
den beiden reisenden Sehern aufgelauert. Aber, wird man einwenden, dies Auf- 
lauern steht ja eben in Widerspruch mit Gellius. Ja, hier ist eben der zusammen- 
gezogene Bericht aus dem Bilde zu erweitern, und zwar in einer ganz unanstöfsigen 
Weise. Tarchon ist noch Tyrrhenus, wenn es erlaubt ist das zu urgieren, und 
wir kennen ja die dem Damaratus seine künftige Königsherrschaft in Rom vor- 
deutenden, aber kundiger Auslegung bedürftigen Vorzeichen. Er hat also die weisen 
Seher bei sich gesehen, und wünschte sie zu behalten, vergebens. Die Gesandten 
wider Willen festzuhalten, scheut er als Frevel, die wieder Abgezogenen unterwegs 
einfangen zu lassen, nicht. Das ist in den Worten des Gellius nicht ausgesprochen, 
aber es genügt, wie mir scheint, dafs seine Worte solcher Einschaltung aus dem 
Bilde nicht widerstreben. — 

Und danach noch ein Wort über das Vulcenter Grabgemälde, dessen hier- 
hergehörigen Theil Körte auf S. 70 wieder abgebildet hat (hier als Fig. 2 wiederholt). 



Aß 



Petersen, Caele Vibenna und Mastarna. 




ti 






Diesem, wie er, vielleicht etwas zu hoch 
hinaufgehend, nachgewiesen, noch 
dem vierten Jahrhundert angehörigen 
Gemälde entnimmt Körte die That- 
sache, »dafs ein etruskisches Heer 
unter Macstrna die Stadt Rom mit 
stürmender Hand . . . genommen . . . 
habe«. Das ist nicht richtig. Es ist 
aus den verschiedenen Stellungen der 
Überfallenen und ihrer eigenthümlichen 
Bekleidung völlig klar, dafs sie gelegen 
hatten in ihre Mäntel eingehüllt. Ganz 
augenscheinlich ist es, dafs alle vier 
von rechts nach links in fortschreiten- 
dem Übergang vom Schlaf zum Er- 
wachen und Sicherheben dargestellt 
sind. Sie hatten also geschlafen, 
während ihr Gefangener mit gefesselten 
Händen dastand. Obgleich man nichts 
davon sieht, möchte man denken, dafs 
er auch an irgend etwas gefesselt ge- 
wesen sei. Nachts also, wie den Cacus, 
überfallen hier Avle Vipinas und 
Macstrna mit ihren Freunden den 
Tarchu und seine Leute, die so, neben 
einem Gefangenen biwakierend, natür- 
lich nicht in Rom gedacht werden 
können, sondern nur auf dem Rück- 
wege dahin, nach einem glücklichen 
Tage, bei welchem sie Caile Vipinas 
gefangen nahmen, wenn nicht gar 
noch auf dem Kampfplatz selbst. 

Diese, wie mir scheint, an sich 
schon hinlänglich sichere Erklärung 
des Bildes erhält Bestätigung, von wo- 
her man sie kaum erwartet. In diesem 
Jahrbuch 1889 S. 263 hat Heydemann 
das Bild eines Kraters von Ruvo ab- 
gebildet (a), das er, trotz wohl be- 
merkter Abweichungen, doch auf Ilias 
XXI 26 ff. und 49fr. glaubte beziehen 
zu müssen. Der Gefesselte links sei 



Petersen, Caele Vibenna und Mastarna. 



47 



einer der zwölf im Skamander gefangenen und gefesselten Troerjünglinge, der andre 
rechts der von Achill danach erschlagene Lykaon. Das ist unmöglich. Die Art, 
wie hinter dem vermeintlichen Lykaon die Waffen angebracht sind, beweist unwider- 
sprechlich, dafs der Jüngling nicht eben gekämpft hat. Obgleich schon von einem 
Speer getroffen, ist er doch nicht etwa dadurch zu Falle gekommen; die ordentlich 
hingestellten Lanzen und der, wie es scheint, daran gehängte Schild zeigen vielmehr, 
dafs der Jüngling sich zur Ruhe gelegt hatte, und aus dieser Ruhe durch den 
plötzlichen Angriff aufgeschreckt wird. Wie sollte man sich denn den Lykaon der 
Fesselung des andern Troers anwesend oder zuschauend denken? 

Was so schon gewifs ist, wird durch einen zweiten unteritalischen Krater 
»gleicher Form« (b), den Heydemann mit gewohnter Monumentenkenntnifs heran- 
gezogen hat, noch gewisser (hier als Fig. 3 wiederholt nach Passeri, Picturae 




öcOci)aoo CZDCD 



CT3 O ^ 



Fig. 3- 



Etruscorum 256). Alles ist in derselben Ordnung geblieben: der Baum, die drei 
Krieger, die Waffen, nur sitzt der Gefesselte nach rechts statt nach links und 
auf statt neben seinem Schild. Die Krieger scheinen alle drei nackt, nur mit dem 
breiten Gürtel bewehrt, den sie auch auf dem andern Bild haben. Sind die Waffen 
rechts, wie die Kiesel am Boden, ein wenig anders gestellt, so ist doch auch hier 
klar, dafs sie nicht durch Zufall so liegen. Zudem hat der Maler eine Vorliebe, 
die im Kampf gebrauchten Speere gebrochen zu zeichnen, wobei man weniger an 
die bekannte Eigenschaft des römischen pilimi zu denken hat, als an die realistische 
Kunst, welche z. B. die kleine Pergamener Amazone in Neapel geschaffen hat. 
Ein solcher, entsprechend dem von dem Angreifer in a geworfenen, liegt neben 
dem Jüngling rechts, ohne ihn zu berühren; zum Ersatz steckt dem Gefesselten ein 
ebensolcher in der rechten Seite. Das sind Änderungen die der Maler von b 
nicht gedankenlos gemacht hat. Er hat seine Vorlage anders interpretiert, den 
Vorgang selbst nur ein wenig anders gewandt. Eines nämlich scheint mir gewifs, 



^g Petersen, Caele Vibenna und Mastarna. 

dafs der Krieger rechts nicht ebenfalls gefesselte Arme hat, wie Heydemann meinte. 
Sollten sich die zwei gegenseitig gefesselt haben? Denn der Angreifer kommt doch 
erst dazu. Das hätte ja so wenig Sinn, wie dafs der Angreifer sich auf zwei 
Gefesselte würfe. Nein schon die Cacus-Urnen B D sagen uns, dafs der Jüngling 
rechts, halb sitzend, halb liegend, schläft, im Schlaf überfallen wird. Er konnte also 
nicht schon getroffen sein. Wie in den Cacusbildern und sonst so oft, ist der dar- 
gestellte Zeitpunkt ein wenig verschieden: in b ein etwas früherer, in a ein etwas 
späterer. Der neben dem Schlafenden liegende gebrochene Speer, wenn er, wie 
wohl möglich, aus der Vorlage herstammt, erscheint hier als ein im voraus- 
gegangenen Kampf zwischen dem jetzt Gefesselten und dem jetzt Schlafenden, 
geworfener. Jener hatte gefehlt, dieser getroffen, und dafs er aufserdem noch zwei 
Speere hat, ist ein Widerspruch, den man wohl hinnehmen darf, obgleich er auch 
zu lösen wäre — ; dann wurde jener gebunden, und dieser konnte sich schlafen legen 
auf dem Kampfplatz selbst. Aber da wendet sich plötzlich das Blatt. Der sorglos 
schlafende Sieger wird plötzlich überfallen, in b hat er, schwer getroffen, sich auf 
die Knie erhoben, Gnade flehend, die er augenscheinlich nicht findet. Wer wollte 
zweifeln, dafs der Angreifer, der ja von der Seite des Gefesselten herkommt, dessen 
Freund und Befreier ist; die lebhafte Aufmerksamkeit, mit welcher der Gefesselte 
dem Vorgang folgt, kommt beim abgewandten Sitzen in a besser zum Ausdruck. 

Auf das Minimum der nothwendigen Personen beschränkt, haben wir also 
in a b dasselbe Ereignifs wie im Vulcenter Wandbild; dafs in jenen beide Parteien 
unbärtig sind, während in diesem nur die Leute des TarcJiu es sind, beweist nur 
die selbstverständlich gröfsere Sorgfalt der grofsen Malerei. — 

Auf eine andre Verwandtschaft der Malereien im Frangois-Grabe, nämlich 
des Todtenopfers für Patroklos 4 mit unteritalischer Vasenmalerei hat Körte S. 67 
hingewiesen. Ist aber bei Stoffen griechischer Sagendichtung die Vermittelung 
griechischer Dichtung und Kunst im letzten Grunde wenigstens selbstverständlich, 
so möchte das bei Caile und Avle Vipinas anders scheinen. Grade dies dünkt mich 
aber das Wichtigste bei der Sache, dafs mit Körtes Ansicht, der eben, im Gegen- 
satz zu den andern Darstellungen des Vulcenter Grabes, diese auch in der Com- 
position abweichend für etruskisch hält und hier Darstellung eines ' national-etruskischen 
Stoffes' (Jahrb. S. 68) erkennt, den Gegenstand für 'echt etruskische Heldensage' 
(Spieg. S. i7of.), in ' tuskischen Annalen' überliefert (Jahrb. S. 75), ausgiebt, dafs mit 
dieser Ansicht sich die Darstellung desselben Gegenstandes auf unteritalischen 
Vasen, die kein Mensch etwa für etruskisch ausgeben wird, schlecht vereinen will. 

Sehen wir zunächst die starke Verschiedenheit an, welche Körte zwischen 
dieser nationaletruskischen Darstellung und der, wie er meint, römisch zurecht- 
gestutzten in der Rede des Claudius (bei Körte Jahrb. S. 74, 54) findet, so ist die 
Hauptdifferenz, eben nur durch Körtes oben widerlegte Auslegung des Wand- 
gemäldes geschaffen, in Wirklichkeit nicht vorhanden; der Mastarna, Caile quondam 
Vivennae sodalis fidelissimus omnisque eius casus comes, weist mit den her- 

4 ) Es ist ein sonderbarer Zufall, dafs Heydemanns Deutung von ab eben dieses streift. 



Petersen, Caele Vibenna und Mastarna. aq 

vorgehobenen Worten ja in der That auf die Bilder; wie auch die varia fortuna 
in dem Wechsel, wo der Gefesselte befreit, die Sieger im Schlaf übermannt und 
erschlagen werden, verständlich wird; endlich ist der, welcher cum omnibus reliquis 
Caeliani exercitus Etruria excessit, montem Caelhim occupavit, nicht mehr und nicht 
weniger Eroberer Roms, als wir uns Mastarna mit Caile Vipinas nach den drei Bildern 
denken dürfen. Haben sie dort nur noch Reste ihres Heeres, so war ja auch hier das 
Heer geschlagen, der Führer gefangen. Da die Bilder uns keine weitere Folge des 
nächtlichen Überfalls zeigen, brauchen wir nicht mehr zu denken als Claudius angiebt. 
Sie ziehen nach Rom, dessen König sie allerdings getödtet; aber dieser König war ja 
auch nach national-römischer Darstellung (Liv. i. 40 5 ) ein Fremder. Also von Fremd- 
herrschaft hatten sie Rom befreit und, auf dem Caelius angesiedelt, mochte Mastarna 
zur Herrschaft gelangt sein, wie? — das sagt auch Claudius ja des Nähern nicht. 

Dafs nun die Vibenna und Mastarna griechische Erfindung seien, wird ja 
wohl niemand behaupten wollen; aber dafs, was uns von ihnen überliefert wird, von 
griechischen Bildnern dargestellt worden, das scheint mir erwiesen, und für das 
Cacusabenteuer nicht minder gewifs als für das andre; und hier ist dies auch in 
der schriftlichen Überlieferung deutlich: im Namen des Tarchon, seiner Bezeichnung 
als Tyrrhenus, in den schicksalskundigen Sehern, deren Fang an den des Helenos 
erinnert, überall tritt es hervor; und wer wollte mit Körte (Spieg. S. 171) den 
phrygischen König Marsyas ausscheiden? Das ist ja nur die Spur des aus Namens- 
anklängen Geschichte machenden griechischen Fabulierens, das auch sonst genug 
in altetruskischer Überlieferung spukt. 

Die Leugnung der etruskischen Herkunft des Tarquinius scheint mir in 
Körtes Darlegung zu eng mit dem widerlegten Theil seiner Erklärung zusammen- 
zuhängen, als dafs sie noch eine besondere Widerlegung erforderte. Auf einen 
keineswegs entscheidenden Punkt: dafs, weil Tarchu gleich Tarquinius sei, nicht 
auch Tarchnas ihm gleich sein könne, will ich mich nicht einlassen. Die Tarquinier 
könnten ja Etrusker sein, auch wenn das Grab in Caere einer andern Familie gehörte. 

[Obiges war noch ohne Kenntnifs von Münzers Aufsatz über Caeles Vibenna und 
Mastarna im Rhein. Museum 1898 S. 596 geschrieben. Derselbe macht die Differenz 
zwischen der bildlichen und schriftlichen Überlieferung gröfser als sie ist, nicht allein 
bei dem Cacusabenteuer sondern auch bei dem andern. Mag er mit Recht bestreiten, 
dafs Cneve Tarchu gleich Lucius Tarquinius Priscus sei, so irrt er jedenfalls, wenn er 
den Überfall des Tarchu von dem der andern Männer abscheiden will. Auch M. mufs 
ja eine gewisse Übereinstimmung des Bildes mit Claudius zugeben, aber dieselbe 
bezieht sich, wie oben hervorgehoben ist, nur auf das Vorausliegende, nicht auf 
Mastarnas Einzug in Rom. Im Wesentlichen ist das Resultat, zu welchem Münzer 
durch seine Analyse der schriftlichen Überlieferung gelangt, nicht verschieden von 
dem, welches hier aus der Kritik und Auslegung der bildlichen gewonnen ist.] 

Rom, 12. Decbr. E. Petersen. 

5 ) Bei den ex pastoribus duo ferocissimi delecti ad facinus fallen einem von selbst die Brüder 

Vibenna ein. 
Jahrbuch des archäologischen Instituts XIV. 4 



'\$y& ■ w^-j—i , ÜJ ^ A 



u-ö-^s 



DTE GRIECHISCHEN TECHNOPAEGNIA. 

Die seltsamen griechischen Gedichte, die man Technopaegnia oder Carmina 
figurata nennt, haben im 16. und 17. Jahrhundert nicht nur die hervorragendsten 
Philologen beschäftigt, sondern Übersetzungen und Nachbildungen ihrer Technik 
und ihres Spieles in verschiedenen Sprachen hervorgerufen. Dann hat man sich 
nicht nur von der abstrusen Künstelei abgewandt, sondern die Gedichte fast ver- 
gessen. Die meisten modernen Theokritausgaben, die doch so viel aufnahmen, was 
weder von Theokrit herrührt noch auf seinen Namen überliefert ist, haben seine 
Syrinx einfach weggeworfen, weil die ästhetische Unkritik sich den Schlufs erlaubte : 
»Dies ist absurd, Theokrit ist ein Klassiker, folglich hat er dies nicht gemacht.« 
Ihre Echtheit habe ich vor Jahren gerechtfertigt 1 ; aber da verstand ich die Gedichte 
erst zur Hälfte. Was sie sind, wird man erst sicher fassen, wenn man zunächst weifs, 
woher sie kommen. 

Die sechs Gedichte sind erhalten^ erstens durch unsere jungen Bukoliker- 
handschriften, deren Affiliation im einzelnen noch unklar, im ganzen vollkommen 
klar ist. Sic gehen auf eine Handschrift zurück, die von den Gelehrten der byzan- 
tinischen Renaissance im 13. Jahrhundert aufgestöbert war 2 . Damals fand man Ge- 
fallen an den sprachlichen Schwierigkeiten (las man doch auch Lykophron mit Vorliebe); 
uns lehren die Kommentare von Pediasimus und Holobolus indessen gar nichts. 
Dieselbe Überlieferung, aber beträchtlich reiner, findet sich in der Pfälzer Handschrift 
der Anthologie; also ist es klar, dafs deren Schreiber oder der Sammler des s. g. 
15. Buches die Gedichte aus einer Theokrithandschrift seiner Zeit aufgenommen hat, 
zugleich mit einer Paraphrase 3 . Die Übereinstimmung der Überlieferung des 13. mit 
der des 11. Jahrhunderts in Fehlern und Lücken beweist, dafs alles auf eine einzige 
Handschrift zurückgeht, die sich aus dem Altertum gerettet hatte, oder vielmehr 
auf deren Umschrift in Minuskel mit Zufügung der prosodischen Zeichen, der Wort- 
trennung und der graphischen Anordnung. Denn was man hiervon in das Altertum 
zurückverlegen darf, ist schlechterdings nicht auszumachen. Also mit Theokrit ist diese 



') De Ijycophronis Alexandra Greifswald 1883. Das die Epigramme Theokrits, folgt, steht viel von 

Programm hat den Anstofs zu der Ausgabe der Tzetzes; in andern der besten kommt Planudisches 

Carmina figurata von C. Häberlin gegeben, Gut vor. 

zuerst Göttinger Dissertation 1886, in der man 3 ) Das Verhältnis des Textes ist dasselbe in den 

allein lesen kann. Epigrammen Theokrits, die zum Teil unter 

'-) In der weitaus besten ambrosianischen Hand- falschem Namen in der Sammlung des Kephalas 

schrift, wo etöuXXtov Trripyyec als Nr. 20 auf Nr. 19, stehn. 
Jahrbuch des archäologischen Instituts XIV. C 



52 



U. v. Wilamowitz Moellendorff, Die griechischen Technopaegnia. 



Sammlung von Technopägnien erhalten worden: natürlich weil in seinen Werken 
eins der Art stand. Unter den Zusätzen nennt ein Gedicht, der zweite Altar, seinen 
Adressaten Olympios; das ist, wie jeder Urteilsfähige einsehen mufs, Hadrian. Dies 
ist also eine Nachahmung, wie wir sie aus der Zeit Constantins von Optatianus 
Porphyrius besitzen. Damit ist bewiesen, dafs die Theokritüberlieferung, mit der 
die Gedichte erhalten sind, nach Hadrian, aber nicht zu lange nach Hadrian ent- 
standen ist. Ich habe dasselbe früher durch die Scholien des Munatius und Ama- 
rantus gezeigt 4 . Die Popularität aller der drei Gedichte des Simias von Rhodos 
und des Altares von Dosiadas ist für das zweite Jahrhundert konstatiert 5 , gleichzeitig 
mit dem Interesse für Lykophron. Durch diese Citate werden die Verfassernamen 
festgelegt. Weiter zurück gelangen wir direkt nicht, denn es ist nur eine ansprechende, 
aber unbeweisbare Vermutung, dafs Lävius die Erosflügel nachgebildet hat 6 . Immerhin 
wird, wer die Geschichte der grammatischen Studien und der Dichterüberlieferung 
übersieht, die Bezeugung für so sicher halten, dafs er die Entstehung der Gedichte 
durch die genannten Dichter in der ersten hellenistischen Periode nicht bezweifelt. 
Niemand hat bisher daran Anstofs genommen, dafs die seltsamen Gebilde 
lediglich zu dem Zwecke verfertigt wären, um niedergeschrieben den Umrifs derjenigen 
Gegenstände dem Auge darzubieten, nach welchen sie heifsen. Dazu reichen die 
Zeilen mit ihrer verschiedenen Länge nicht hin, denn die Erosflügel und das Beil 
bestehen aus denselben Versen. Es bedarf dazu vielmehr noch der Künste des 
Schreibers mit Einrücken und Ausrücken 7 . In wie weit darin unsere Handschriften 
eine zuverlässige Überlieferung enthalten und enthalten können, darüber wird man 
nicht leicht zuversichtlich reden. Im allgemeinen wird aber durch die Nachahmungen 
des zweiten Altares und des Optatianus bewiesen, dafs die hadrianische Zeit die 
Künstelei eben in dieser Anordnung bewundert hat. Verläfst man sich darauf, so 
beherzige man auch die Merkwürdigkeit. Zu Simias' Zeit war in den Steinschriften 
noch sehr verbreitet die Buchstaben rottenweise genau untereinander zu stellen, was 
wir meist mit einem modernen Terminus atot^yjSov nennen 8 . Es wäre mit diesem 



4 ) Herakles I 1 188. Ein Verwandter des Munatius 
ist durch eine Inschrift seiner Vaterstadt Tralles 
bekannt. Athen. Mittheil. 8, 317. 

5 ) Den Altar des Dosiadas nennt Lukian, Lexiph. 
25, mit der Alexandra des Lykophron, alle drei 
Gedichte des Simias Hephästion. Die Syrinx 
wird mit dem Altar in den Scholien zu Dionysios 
Thrax, S. 734 Bekker, citiert, aber ohne Ver- 
fassernamen als ganz bekannt. 

6 ) Citiert von Charisius S. 288 Laevius Pterygio 
Phoenicis, erhalten zwei lange Reihen vonlonikern. 

7 ) exösats ei'söeoti;; der Terminus ist eben durch 
die ephesische Bauinschrift belegt worden, 
vgl. Herrn. 1899, 211. Auf der Inschriftwand 
in Magnesia sind Citate durch Ausrücken kennt- 
lich gemacht; die Publikation wird das bald 
zeigen. Die Bücher haben also um 200 gewifs 



davon Gebrauch gemacht; aber aufser dem auch 
niemals ganz durchgedrungenen Einrücken des 
Pentameters sind mir alte Belege nicht bekannt. 
8 ) Ich weifs nicht, wer ihn aufgebracht hat; das 
griechische Wort bedeutet xaxä OTofyo'j; und 
kann sehr verschiedene Verwendung finden; 
öfters ist es nur »in einer« oder »in der be- 
stimmten Ordnung«. Die Stellung der auf Vorder- 
mann ausgerichteten Rotte scheint es nirgend 
zu bezeichnen. Unsere Schrift in gleichmäfsig 
horizontal verlaufenden Reihen nennt einScholion 
zu Dionys. Thr. 786 Bekk. sxt/TjSov. Es ist die 
Stelle, aus der wir den Terminus ßouaxpocprjSdv 
genommen haben. Andere Anordnungen daselbst 
beweisen nur, dafs man sich von der alten Schrift 
phantastische Vorstellungen machte. Die Bei- 
spiele sind ein Bibelvers; aber die Lehre ist alt. 



U. v. Wilamowitz Moellendorf, Die griechischen Technopaegnia. C'j 

Mittel leicht gewesen, durch die Buchstabenzahl der Zeilen Bilder oder vielmehr 
Linien fest zu ziehen: wir kennen sogar von einem Dichter der Zeit, Kastorion, ein 
ähnliches Kunststück 9 . Optatianus, der sich keine Polymetrie mehr zutraute, hat 
wirklich in seiner Syrinx die abnehmende Gröfse der Pfeifen nur durch die ab- 
nehmende Buchstabenzahl seiner Hexameter dargestellt. Bei Simias nichts dergleichen. 
Da nehmen die Verse je um ein Metron 10 zu oder ab. Wenn wirklich in einer 
Zeit, wo man noch nicht daran dachte, die lyrischen Zeilen in der Schrift für das 
Auge übersichtlich abzusetzen, solche gleichzeitig metrischen und so zu sagen typo- 
graphischen Kunststücke ersonnen und buchhändlerisch vervielfältigt worden sind, 
so gebührt dieser Merkwürdigkeit nachdrückliche Hervorhebung. Und sofort fragen 
wir verwundert, wie Simias darauf verfallen konnte. 

Ich kenne nur einen Versuch, das zu erklären oder doch danach zu fragen. 
A. Dieterich 11 hat in dem Leydener Zauberbuch die Anweisung gefunden und richtig 
aufgefafst, dafs Beschwörungen wie a es 7,7373 im 00000 uuuuuu (dohoüxdcoco unter ein- 
ander geschrieben werden sollen »flügelartig«, und dafs also die in der Zauber- 
litteratur genannten Trrspufes'Epjxou und der Ball des Demokrit oder Orpheus wirklich 
Technopägnien in dem Sinne gewesen sind, wie man damals die des Simias auffafste. 
Aber Dieterichs Frage, ob in dem Zauber der Ursprung der Carmina figurata liege, 
bleibt ohne Antwort, und bei einem Satze »der Inhalt ist natürlich dann ein anderer«, 
vermag ich mir nur zu denken: der Inhalt stimmt zu der Vermutung nicht. Von 
dem Inhalte werden wir doch zunächst auszugehen haben; die Anwendung im 
Zauber kann ja eben so gut die Form der Gedichte aufgenommen haben, wie sie 
damals galt, einerlei wie falsch die Auffassung war. Die Zauberer der späteren 
Kaiserzeit bezeugen nur von neuem die damalige Popularität der Gedichte. 

Sehen wir zunächst die beiden in demselben Versmafse verfafsten Gedichte 
an, von denen die Flügel so zu lesen sind, dafs die Verse in der Strophe abnehmend, 
in der Antistrophe zunehmend auf einander folgen. In dem Beile sollen sie zwar 
so geschrieben werden, aber gelesen so, dafs die respondierenden auf einander folgen 
— was kein Zeichen dem Leser weist: ohne Scholien geht das nicht, sind die Ge- 
dichte daher selbst in der Anthologie nicht geblieben. Der Umrifs der beiden Figuren 
wird dadurch wie die umstehenden Figuren 1 und 2 zeigen. 

Man wird nicht behaupten können, dafs die Flügel eine grofse Ähnlichkeit mit 
der Form zeigten, die uns aus den Kunstwerken geläufig ist; dafs man das Doppelbeil 
wirklich erkennen würde, ist noch unsicherer. Da haben die byzantinischen Schreiber 
selbst geschwankt 12 und, was das bezeichnendste ist, einen Vers eingeflickt, der dem 

9 ) Athen. X 4541". aus Klearch. Es sind in Wahr- n ) Abraxas 199. 

heit iambische Monometer (Trimeter mit zwei 12 ) Von ihren Zeichnungen geben die Drucke be- 
Diäresen), der Monometer (von Klearch verständig greiflicher Weise keine Vorstellung. Im Am- 
1106; genannt) zu 11 Buchstaben: das kann nur brosianus stehen die respondierenden Verse, die 
in oxot^rjSov dem Auge bemerkbar gemacht worden ungraden oberhalb, die graden unterhalb des 
sein. horizontalen Stieles, so geschrieben, dafs sich 

,0 ) Er sagt natürlich 7:06s dafür, da er die wirkliche durch beide zusammen ein Halbkreis, als Schneide, 

Metrik verstand. bildet, also die längsten am meisten nach links, 

5* 



54 



U. v. Wilamowitz Moellendorf, Die griechischen Technopaegnia. 



Beile einen Stiel geben sollte 13 : in der That, wie kommt ein Poet dazu, ein Beil 
blofs durch die Kontur des Eisens darzustellen? Aber was der Leser sehen soll, 






Fig. i. Fig. 2. 

sagt ja der Dichter selbst. Zunächst die Flügel: 

»Sieh mich an, der ich Herr der Erde bin und dem Himmel einen andern 
Platz gegeben habe, und entsetze dich nicht darüber, dafs ich einen dichten Bart 
habe. Denn ich bin zu der Zeit entstanden, da noch allgemein die Notwendigkeit 
regierte. Ich bin des Chaos Sohn, nicht der von Ares und Aphrodite; habe ich 
doch nicht mit Gewalt, sondern mit mildsinniger Überredung gewaltet; und da wich 
mir Erde, Meer und Himmel: ihnen entrifs ich das Scepter der Urzeit und gab den 
Göttern die Gesetze 14 .« 

Also der Leser sieht einen Eros, an dem das wunderbare ist, nicht etwa, 
dafs er Flügel hat, sondern dafs er einen Bart hat, was auch allein Erklärung fordert 
und findet. Was in aller Welt hat die Flügelgestalt des Gedichtes für einen Sinn? 
Ein byzantinischer Schreiber hat das Einsehen gehabt, einen ganzen Eros zu malen ,5 , 
auf dessen Flügeln dann das Gedicht zu stehn kommt: der Mann hat gesundes 
Urteil bewiesen, aber nicht leicht wird jemand glauben, dafs das Gedicht für eine 
Buchillustration bestimmt gewesen wäre. Für Simias war der bärtige Eros gegeben: 
diese Seltsamkeit zu rechtfertigen war eine gute Aufgabe für einen hellenistischen 
Poeten, der das in dem Stile des Epigrammes thut. Tiefe Weisheit brauchte er 
nicht auszukramen; von Zauber keine Spur 16 . 

Das Beil ist gradezu ein Weihgedicht »Epeios weiht der Athena zum Dank 
für ihre Fürsorge das Beil, mit dem er die gottgebauten Mauern gestürzt hat. 
Denn damals 17 hat er Troia zerstört ohne unter den Heroen zu zählen, wo er nur 



aber nach innen eingebogen, was die Abnahme 
der Gröfse in den folgenden bedingt. 

13 ) Dazu ist ein Vers des Eies verwandt; die Antho- 
logie ist von diesem Zusätze frei. 

,4 ) Eine Nachahmung dieses Gedichtes bei Synesios 
habe ich in den Melanges Weil 455 aufgezeigt. 

15 ) Laurent. 32, 52, erwähnt von Häberlin 7. Er 
hat keinen Wert. 

6 ) Gewifs ist die Figur der Ananke im Grunde 



orphisch; aber das war längst vulgär. Die 
Debatten über die Herkunft des Eros, der hier 
der Hesiodische ist, waren gerade damals im 
Anschlufs an Piatons Symposion rege, vgl. Antig. 
v. Kar. 70. 
u ) Falsch habe ich bei Häberlin geändert: t5;jlo? 

ItIEI . . . 7tdXtV 7jt0c(AtUGEV . . . VÜV 8' ii 'Ofi^pElOV 

eßa x^Xeuöov ist gleich ir.z\ tote (jiev . . . vüv 8s\ 



U. v. Wilamowitz Moellendorf, Die griechischen Technopaegnien. 



55 



ein Wasserträger war: jetzt steht er im Homer, durch deine Gnade, Pallas. Selig, 
wen du gnädig anblickst: dies Glück lebt ewig.« 

Ersichtlich eine Weihung, aber eine sonderbare. Denn Epeios weiht sein 
Beil zum Danke für seine Rehabilitierung durch die homerische Poesie, in der doch 
eben der Bericht allein stand, dafs er nicht voll zählte, sondern mit seinem ungeschlacht 
starken Leibe den Sklavendienst des Wassertragens besorgte und dann das hölzerne 
Pferd arbeitete 18 . Aber dadurch, dafs Homer ihn überhaupt besungen hat, hat er 
das ewige Leben. Der Gedanke ist fein; aber wie reimt sich das mit seiner eignen, 
notwendig vorhomerischen Weihung? Die Antwort läfst sich zum Glück that- 
sächlich liefern. Metapontini in templo Minervae ferramenta quibus Epeus a quo 
conditi sunt equum Troianum fabrieavit ostentant, heifst es (ohne Frage nach Timaios) 
bei Justin XX 2 I. Sobald man sich das Epigramm auf das Weihgeschenk ver- 
fertigt denkt, verschwindet der inhaltliche Anstofs; sobald man es sich auf dem 
Weihgeschenk verfertigt denkt, wird die seltsame Form erklärlich. Während es 
kaum begreiflich ist, wie sich auf dem freien Räume des Papieres das Gedicht einen 
bestimmten Umrifs seiner Zeilenenden suchen soll, kann man die Grille verstehen, 
die Inschrift äufserlich dem gegebnen Räume der Schriftfläche anzupassen. Das 
Beil des Epeios bot nur noch die Fläche oder die zwei Flächen seiner Eisenteile: 
diese wollte Simias ausfüllen, indem er die Weihinschrift nachholte, die Epeios 
selbst nicht hatte schreiben können. Es ist nicht zu verlangen, dafs man sicher 
angebe, wie er die Zeilen geordnet hat, da die Form des Beiles unbekannt ist. 
Sehr wohl konnte er es so thun, dafs der Leser das Beil an der schmalen Seite, 
wo das Loch für den Stiel war, anfafste, so dafs die breite Schneide oben zu stehen 
kam und nun der Witz darin bestand, dafs er umwenden mufste, um den zweiten 
Vers zu lesen, mit andern Worten das Gedicht über beide Seiten lief. Aber es liefs 
sich auch ganz gut auf einer Seite anordnen, und zwar so, dafs der Leser die Verse, 
wie sie nach Sinn und Mafs anschliefsen, hinter einander las. Die Figur 3 zeigt es. 




Fig. 3. 




18 ) Bezeugt ist jetztv das Wassertragen nur durch 
Stesichoros ; aber aus der Kombination mit Simias 
folgt eine homerische Behandlung, vermutlich 
in der Kleinen Ilias. Halbkomische Figur ist 
Epeios im W: natürlich lag damals seine dpiOTSia, 
der Bau des Pferdes, schon vor. Er ist wie 



Teukros der Träger nicht eines Individual-, 
sondern eines Stammnamens, wie man Sklaven 
nT7j; und Aäto; nennt. Die Mifsachtung der 
später verschollenen Epeier, hier den Phokern 
gleichgesetzt, ist sehr bemerkenswert. 



cg U. v. Wilamowitz Moellendorf, Die griechischen Technopaegnia. 

Einfacher liegt es bei den Flügeln, wo die Aufsenfläche des einen Flügels 
beschrieben ward; wenn dann der Beschauer zu dem andern ging, so kam selbst- 
verständlich die entgegengesetzte Seite zu oberst für das Lesen zu stehen, und so 
erklärt sich der Gang der Verse. Auch das veranschauliche eine Probe (Fig. 4). Es 
liegt mir gar nichts an der Richtigkeit meiner Konstruktion; sie soll nur zeigen, 
dafs Simias durch die Gestalt der Fläche, auf die er seine Weihgedichte schreiben 
wollte, die äufsere Veranlassung zu der seltsamen metrischen Form erhalten hat. 
Ich will gar nicht behaupten, dafs er das metapontinische Beil des Epeios beschrieben 
hat, denn es wird mehr altes Eisen in den Tempeln gegeben haben, das man gern 
so nobilitierte. Dies kann uns ziemlich kalt lassen. Merkwürdiger ist die bärtige 
Flügelstatue, die zu erklären eine gute Aufgabe für einen hellenistischen Gelehrten 
war, und die auch uns befremden würde. Ein altes Stück wird es gewesen sein; 
eine Deutung, die ich auszusprechen wagte, ist mir nicht eingefallen. 

Das Ei sagt über sich aus: »Sieh mich an, ich bin ein neues Ei einer 
dorischen Nachtigall, das der Mutter schwer genug zu legen gewesen ist. Hermes 
hat es ihr weggenommen und zu den Menschen gebracht, befiehlt beim rhythmischen 
Lesen von dem einfüfsigen Mafse bis zu zehn fortzuschreiten, und hat mit den 
Beinen in der Luft die Ikten zu jedem Fufse geschlagen, so schnell wie« ein breit 
ausgeführtes Gleichnis nimmt die zweite Hälfte ein 19 . Da beschreibt sich also das 
neckische Kunststück selbst, von dessen metrischer Bedeutung hier zu reden nicht der 
Ort ist. Es ist ein Spafs, dafs das Gedicht ein Ei ist; ganz korrekt, da die Dichter sich 
gern Nachtigall nennen, wie wir jetzt am besten von Bakchylides wissen, der keischen 
Nachtigall, wie Simias von Rhodos die dorische ist. Aber was war das Ei, das 
der Beschauer »aufnehmen und richtig skandieren« sollte? Darin erst mufs die 
Motivierung der metrischen Schnurre liegen. Nun einfach, ein Ei war's. Wer sich 
den Kontur der Verse auf dem Papiere unserer Drucke ansieht, bei dem die Zeilen 
nicht nur umspringend von der ersten zur letzten u. s. w. gelesen werden müssen 80 , 
sondern aufserdem vertikal stehn, wird sich über das lange spitze Ei wundern. Aber 
man denke sich ein Ei, ein beschriebenes Osterei: das nimmt jeder so in die Hand, 
dafs er's mit zwei Fingern an den Spitzen anfafst. Nun liest er die oberste Zeile, wie 
sie um seinen Finger herumläuft; er kann nicht weiter lesen, denn die Buchstaben 
stehn auf dem Kopfe, er dreht also um: da fallt sein Auge auf den obersten Vers 
um seinen andern Finger; er liest den; es stimmt; aber nun geht's nicht weiter: da 
dreht er wieder um; es wiederholt sich: nun wird er's begriffen haben; aber er mufs 
hurtig umdrehen und beim Skandieren aufpassen, wenn er es ordentlich lesen soll: es 
ist ein Vexierstück, ein Spafs, den man sich, sollt' ich meinen, wohl gefallen lassen 
kann. Es hat wirklich metrisches Geschick gekostet, die mittleren Zeilen zwar um 

19 ) Der Text ist vielfach lückenhaft und hoffnungslos 7rfcpauaxev fyvet öevojv xav 7iavcu'oXov ütEpiocuv 

entstellt, auch im Anfang, den ich nicht richtig u.ovo5ootov auSccv ist sehr belustigend beschrieben, 

behandelt habe: das Ei mufste sich notwendig (j.ovö5outo; av>5« ist der einzelne Takt oder Fufs. 

•nennen. Das Taktieren mit den Beinen ürcep&EV 20 ) Das bezeugt Hephästion ausdrücklich. 
ibxu Xfypiov <f>Epü)V veüjAa -ooöiv, OTtopaorjV (?) 



U. v. Wilamowitz Moellendorff, Die griechischen Technopaegnia. cy 

ein Metron, aber nur um wenige Silben länger zu machen, weil die Kreise in der 
Mitte des Eies nur wenig gröfser werden. Das Ei ist kein Weihgeschenk; man mag 
sich denken, dafs Simias das beschriebene Ei zum Feste irgend einer Kneipgenossen- 
schaft mitgebracht hat, wie wir so viele aus seiner Heimat kennen. Es hätte auch 
der Dichterbund von Kos sein können, den ich selbstentdeckt zu haben glaubte; leider 
hat es den nicht gegeben. 

Theokrits Syrinx hat den Inhalt: »Pan, der das und das gethan hat, dem hat 
Theokrit die Syrinx geweiht: nun spiele darauf, Pan.« Warum soll das eine Weihung 
auf dem Papier sein? Sobald wirklich Theokrit eine Pfeife mit ungleichen Rohren 21 
weihte, gab sich die Anlage des Gedichtes. Die Weihung selbst darf nicht auffallen. 
Mnasalkas hat ein Epigramm gemacht, dessen Inhalt ist: »Syrinx, was willst du 
hier bei Aphrodite? Hier giebt es keine Sennen und Felsen, sondern Liebesgötter 
und Schmachten: die Muse des Feldes gehört ins Gebirge 22 .« Es wird freilich 
die Einkleidung einer litterarischen Kritik sein und könnte z. B. auf den Komos 
des Theokrit gemacht sein", aber die Einkleidung ist doch die Weihung des Hirten- 
instrumentes in dem Aphroditetempel, und sie hätte keinen Sinn, wenn das etwas 
Undenkbares wäre; es ist auch ganz in dem Stile der vielen Weihungen, die in der 
Anthologie bezeugt sind. Die Form hat Theokrit im Anschlufs an Simias gewählt, sei 
es direkt, sei es, dafs solche Scherze damals in weiteren Kreisen geübt wurden. 
Aber er that etwas neues hinzu: er redete in Rätseln, oder besser in -ypTcpot. Dafs 
das damals auch Mode war, dafür ist Lykophron der beste Beleg. Wir haben jüngst 
erfahren, dafs auch Kallimachos ein solches Gedicht gemacht hatte 24 . Die Neigung zu 
solcher mit der Sprache Versteck spielender Rede ist viel älter; sie war ein Erfolg 
der erstarrenden Kunstsprache in Epos und Lyrik. 

Der Altar des Dosiadas 25 ist eine Nachahmung der Syrinx. Mit ihr und 
mit Lykophron teilt er eine Anzahl Rätselworte, die wenig geschickt angewandt 
sind. Der Inhalt ist: »Iason hat mich errichtet, der Liebling der Chrysa, als Medeia 
den Talos getödtet hatte 26 . Als Philoktet mich sah, bifs ihn die Schlange; Odysseus 
und Diomedes holten ihn nach Troia.« Der Altar redet, dessen Kontur die Verse, 
aus- und eingerückt, geben. Aber er erzählt seine Geschichte. So wenig ist die 
Form innegehalten, dafs die Weihung selbst nicht ausgesprochen wird. Es ist doch 
noch ganz anders, als in dem Beile des Simias. Denn für das Weihgedicht ist keine 
Veranlassung angegeben. Und auf dem wirklichen Altare konnte es nicht stehen: 

21 ) Wieseler hat seiner Zeit Häberlin darauf hin- 24 ) In dem byzantinischen Epigramme vor seiner 
gewiesen, dafs dies die älteste solche Syrinx ist, Hymnensammlung. 

während sie die Kunst mit gleich langen Rohren 23 ) Die dorische Namensform ist durch Lukian be- 
bildet. Aber das kann keine Instanz sein, da die" zeugt. 
Basis des farnesischen Stieres zu Theokrit stimmt. 26 ) Also kam nach ihm Iason erst von Kreta nach 

22 ) Anthol. Pal. 9, 329. Lemnos, auf der Heimfahrt, nicht der Hinfahrt. 

23 ) Damit will ich keine litterarische Kombination Das ist die Anordnung der Abenteuer bei Pindar, 
machen; die Schnitter des Theokrit selbst geben aber nicht bei Apollonios, der rasch die Vulgata 
eine ähnliche Kritik seiner eignen sentimentalen der Argonantensage ward. Das spricht sehr stark 
Hirtenpoesie. dafür, dafs Dosiadas ein Zeitgenosse Theokrits war. 



c8 U. v. Wilamowitz Moellendorff, Die griechischen Technopaegnia. 

die ungeheuren Buchstaben und das Beschreiben der ganzen Vorderseite einschliefslich 
aller architektonischer Glieder darf niemand der hellenistischen Zeit zutrauen 27 . 
Also hier schon ist die Ausartung, ist das papierne Kunstwerk erreicht, das dann 
für den Altar an Hadrian und wohl schon für Laevius gilt. Es ist damit erwiesen, 
dafs Dosiadas nach den andern gedichtet hat, was die sklavische Imitation auch 
zeigt. Ob er noch ein Zeitgenosse Theokrits war, ist hiernach nicht zu sagen. 
Meine Identifikation mit dem Verfasser einer kretischen Archaeologie Dosiadas, den 
wir allerdings in das dritte Jahrhundert setzen werden, und weiter mit dem kretischen 
Dichter, den Theokrit in Kos als seinen Bekannten unter dem fiktiven Namen 
Lykidas einführt, hat nicht mehr Wert als den eines möglichen, mich immer noch 
ansprechenden Einfalles. 

Die Gedichte sind erläutert. Sie bieten formell ein grofses Interesse durch 
die Metrik. Vom Detail abgesehen, ist das neue, dafs die lyrischen, also auf Gesang 
berechneten Formen für die Aufschrift angewandt werden, wovon in der alten Zeit 
keine Rede sein konnte und auch nachher kaum in einzelnen Mifsgriffen die Rede 
ist. Aber als man die Formen der alten Lyrik aufgriff, die fast zwei Jahrhunderte 
geruht hatte, lag der Mifsbrauch nahe, und die Epigramme Theokrits auf Epicharm 
und Anakreon z. B. zeigen Ähnliches. Was hier den Simias dazu führte, ist das- 
selbe, was dann den Schein und in den Nachahmungen seit Dosiadas die Wirklichkeit 
der Figurata carmina erzeugt hat: die Absicht, einen gegebenen Raum durch die 
Inschrift auszufüllen. Jeder weifs, dafs die ornamentale Verwendung der Schrift, 
wie wir sie an den Bauten der römischen Kaiserzeit mit Recht bewundern und wie 
sie sich von da verbreitet hat und auf Büchertiteln, Diplomen, zumal wo der lateinische 
Zopf regiert, noch heute gilt, den Griechen fremd ist. Die vollendetste griechische 
Steinschrift ist das reine Stoichedon mit gleichmäfsig kleinen Buchstaben. Ihm steht 
die Buchschrift, wie sie namentlich die Antiope des Euripides zeigt, recht nahe. 
Dabei hat man die Übersichtlichkeit gar nicht geachtet: die Steine mit den delischen 
Rechnungen sind ein guter Beleg. Aber das ist das endlich erreichte Ziel einer 
Entwickelung von verschiedenen Ausgangspunkten. Ehe auf der Vase die Bei- 
schriften klein und fein wagrecht neben der Figur stehen, die sie erklären, ziehen 
sie sich längs derselben in verschiedener Richtung über das freie Feld, und in 
Korinth zumal haben sie offenbar auch dem Wunsche der Raumfüllung gedient, den 
die Maler dort so lebhaft empfanden. Und noch früher, ehe die zeilenrechte rechts- 
läufige Schrift durchgedrungen war, hat man in der That den gegebenen Raum in 
seltsamen Windungen gefüllt. Es ist wohl noch nicht ganz vergessen, dafs man bis 
auf Kirchhoff die Altarinschrift von Krisa in der falschen Richtung gelesen hat. Bei 
dem Steine des Bybon 28 und dem eiförmigen ähnlichen des Eumastas von Thera 29 
ist eine lange Inschrift in Spiralen über die Oberfläche gezogen, offenbar den un- 
bearbeiteten Stein einigermafsen ornamentierend. Es kann nicht befremden, wenn 

27 ) In der späteren Kaiserzeit, z. B. auf den Basen 28 ) Olympia 717. 

des Trajanforums, ist sie gewöhnlich. 29 ) Corp. Inscr. Insul. III 449. 



U. v. Wilamowitz Moellcndorff, Die griechischen Technopaegnia. cn 

Simias nach solchen Analogien, die sich doch damals massenhaft dem Antiquar 
bieten mufsten, im Sinne des Epeios und der Verfertiger des uralten Eros zu 
schreiben glaubte, und seiner Zeit, die so viele altertümelnde Passionen hat, steht 
das nicht schlecht zu Gesichte. Es fehlt nicht an einer Spur, dafs man auch die 
archaische Weise beachtete, die eine Inschrift so um einen Gegenstand, z. B. eine 
Basis herumlaufen liefs, dafs Anfang und Ende unklar ward 30 . Andererseits wird 
darauf zu achten sein, ob die Weihinschrift nicht überhaupt zuweilen sich dem 
Gegenstande angepafst hat. Das 37. Epigramm des Kallimachos ist auf einen leeren 
Köcher gemacht, den der ausgediente Soldat weihte: es ist in siebensilbigen Versen ge- 
halten, wie sie das Epigramm sonst nicht hat, und der Name ging in viele andere Verse: 
offenbar standen die Verse auf dem Köcher, und hat der Ort, wo sie stehn sollten, den 
Dichter veranlafst, dieses Versmafs zu wählen. Doch es mufs die Untersuchung der 
Epigramme auf das, was sie weihten und wo sie standen, in grofsem Zusammenhange 
und mit stetiger Berücksichtigung der monumentalen Überlieferung, der Kunstwerke 
sowohl wie der Inschriften, namentlich der Schatzverzeichnisse, vorgenommen werden. 
So aussichtslos es ist, aus den armseligen ekphrastischen Gedichten der Spätzeit 
brauchbares archäologisches Material zu gewinnen, und so wertlos die dort genannten 
Künstlernamen sind: hier, in den hellenistischen und noch älteren Gedichten 31 liegt 
ein grofses und gutes Stück Kulturgeschichte dem, der es heben will, bereit. Und 
nur aus den Monumenten werden diese Gedichte verständlich werden: es mufs auch 
hier das Verstehen an die Stelle des Konjizierens treten, und das Verständnis aus 
der sinnlichen Anschauung genommen werden. 

U. v. Wilamowitz Moellendorff. 



°) Das Scholien AT zu Homer T 1 56 sagt, Homer hätte. Vgl. Lobeck Agl. I 383, Immisch Studien 

hätte mit dem Lobe Italiens V. 156 — 58 das für Lipsius m. Offenbar sollten solche Epi- 

erste »dreieckige Epigramm« gemacht, weil die gramme als Dreieck oder Kreis geschrieben 

drei Verse von vorn und hinten gelesen Sinn werden. 

geben. Derselbe Terminus, daneben xuxXos, 31 ) Schon kaum in ihren periphrastischen Nach- 
wird von Hermias und Philoponus zu der viel- ahmungen, die die phönikische Schule, Anti- 
behandelten Stelle des Aristoteles Anal. II 77b 32 patros u. s. w., schon massenhaft produciert. 
für das homerische Midasepigramm verwandt, Man paraphrasiert alte Weihgedichte, weil man 
von dem schon Piatons Phaidros hervorgehoben der veränderten Sitte gemäfs nicht mehr in den 
hatte, dafs es keinen Anfang und kein Ende Fall kommt, frische Weihungen zu verherrlichen. 



"^ 



3_^_/N-vAXLJL 



X^*-<x>V\ 





KOTHON UND RÄUCHERGERÄT. 

Gefäfse von der Form wie das hierüber abgebildete Exemplar des Anti- 
quariums der Königlichen Museen 1 werden in der archäologischen Litteratur mit 
oder ohne Fragezeichen als »Kothon« bezeichnet. Die Namengebung rührt von Panofka 
her 2 und wurde durch Conze von Neuem begründet 3 . Conze findet, dafs die Be- 
schreibung, die uns in der litterarischen Überlieferung über den Kothon erhalten 
ist, mit der Form der .von Panofka so genannten Gefäfse durchaus in Einklang 
stehe. Die Hauptstellen sind bei Athenaeus und Plutarch erhalten. Athenaeus sagt 
XI p. 483: Kfoftiov. Aaxwvixov irox^ptov, oo }xv7jfj.ovsu£t Hsvocpoiv dv d Kopoo IlaiSstot?. 
Kptxtas 0' lv Aaxeoai|i.ovta)v IloX.ixstcf. •ypdcpet ooxtoc,; ywpU 8e xooxtov xa <j[xixpoxaxa ss xtjv 
oiaixav, 6Tro87]uaxa dptaxa Aaxwvixd xal lua'xia cpopelv TjStaxa xotl yp-/j<3iuu>taxa • xa>0(ov Aa- 
xcovtxo?, Ix7ra)|i.a £irix7j8sioxaxov b2c axpaxEiav xal su<pop<oxaxov iv foXicp. 00 ck svsxa axpa- 
xuoxtxov, TroA.Xaxt? avoqxv] uotop tci'veiv ou xa&apov. irpSxov jxsv ouv xo [i7] Xictv xaxdSr^Xov 
stvat x6 irojjta. Eixa djAßajva? 6 xtuötov e^tov uiroXswcei xo 00 xaöapöv ev auxtj), Plutarch 
im Leben des Lykurgus IX: xal xa>ihov 6 Aaxumxo? eu8oxt(isi fidXtaxa Trpo? xa? axpa- 
xsta?, <5k <p7jat Kptxtas. xd *^dp dvapcaiu)? uivou-sva xuiv uSdxuw xotl 8ocJü>Troövxa xy]v ctyiv 
aTT£xp67rx£xo x^ Xpoa, xal xoo öoXspoö irpoaxoitxovxos evxo? xal •Jtpoaiayofiivou toi? ajxßaxji, 
xaOaptuXEpov sTrXTjaiaCe xa axouaxi xö irivotxsvov. Unter den ajxßwvss wären nach Conze 
die Seitenwände des Gefäfses zu verstehen wie Pollux VI, 97 ausdrücklich bezeuge 
xou 8e xwöcovos at ixaxlpajösv TtXsopat, &ai:ep xal xrjS /oxpa?, aaß(ov£s xaAouvxai. Namentlich 
der Durchschnitt zeige deutlich, noch deutlicher aber ein Versuch selbst, dafs der nach 
innen gebogene Rand den verlangten Dienst leiste, eine auf den Boden sich senkende 
dicke Masse hinter sich zu fangen und festzuhalten, während die übrige Flüssigkeit 
über den breiten Rand zum Munde treten könne. Auf die eigentümliche Gestaltung 
des Randes beziehe sich das Beiwort axpE^auj^ bei Theopompos (Athenaeus XV, 
483 E), wie auch die Beiwörter xoxXoxEpv]?, [xovtoxos, ßpayoooxos, Tta^uaxofAo; sich sehr 



') Beschreibung der Vasensammlung im Antiquarium 

n. 11 06. 
2 ) Panofka, Recherches sur les veritables noms des 



vases grecs S. 29. Vgl. Antiques du cabinet Pour- 
tales-Gorgier zu Taf. 30. 
3 ; Philologus XVII S. 565. 



Pernice, Kothon und Räuchergerät. 6l 

gut erklären lassen. Schliefslich sei das Gefäfs auch handlich und gut zu verpacken. 
Zwei kleine Schwierigkeiten, die Conze zurückläfst, nämlich die Bedeutung des 
Beiworts pctßStmöc, sowie die Angabe, dafs der Kothon durch seine Farbe das schmutzige 
Wasser dem Auge entzogen habe, sucht Pottier bei Daremberg-Saglio S. 1543 4 
zu erklären. 

Gegen diese Ausführungen ist, soviel ich sehe, von niemand etwas eingewendet 
worden \ Es kann aber kein Zweifel darüber bestehen, dafs die Gefäfse für den von 
Conze angenommenen Zweck nicht gedient haben können. Über die Frage nach 
der praktischen Verwendbarkeit als Trinkgefäfs läfst sich streiten. Ein Versuch, der 
mit einem wohlerhaltenen Kothon im Berliner Antiquarium angestellt wurde, empfahl 
ihn nicht als solches. Gegen die Deutung als Trinkgeschirr zum Feldgebrauch 
sprechen zunächst die verschiedenen Gröfsenverhältnisse der Gefäfse. Ein Kothon 6 
fafst bis oben hin gefüllt noch nicht einmal ein Weinglas, er ist also viel zu klein; 
ein anderer 7 etwa fünf grofse Wassergläser; dieser ist also viel zu grofs für 
den verlangten Zweck und von ihm kann man nicht gerade sagen »eucpopwTatov 
sv -fuXitp«. Die meisten anderen sind nicht viel kleiner als dieser. Ein praktisches 
Gepäckstück ist aber dieses Gefäfs auch deswegen nicht, weil es sehr schwierig ist, 
nachdem man es benutzt hat, das Wasser wieder aus ihm heraus zu giefsen. Das 
Wasser fängt sich hinter dem eingebogenen Rand und man mag schütteln so viel 
man will, ein Rest bleibt drin, der für das übrige Gepäck gefährlich werden kann. 

Ein weiterer Grund gegen die Gleichsetzung dieser Gefäfse mit dem Kothon 
der litterarischen Nachrichte nist aus dem Alter der erhaltenen Gefäfse zu entnehmen. 
Es giebt keines, das seinem Stile nach in die Zeit gehört, aus welcher die schrift- 
liche Überlieferung erhalten ist. Soviel ich gesucht habe, keines ist jünger als das 
Ende des sechsten Jahrhunderts, die meisten dagegen noch älter. Danach scheint 
es, dafs das für den Kothon erklärte Gefäfs schon in alter Zeit aufser Gebrauch 
gesetzt worden ist. 

Sämmtliche Vasen dieser Form haben Füfse bald höhere, bald niedrigere, 
sie sollten also hingestellt werden und waren nicht zum Tragen bestimmt. 

Wo wir über ihre Auffindung etwas Sicheres wissen, stellt es sich heraus, 
dafs es Frauengräber waren, in welchem diese Gefäfse zum Vorschein kamen. Das 
Exemplar von der Samischen Nekropole war ein solches 8 . Zwei Stück zusammen 
fanden sich in einem Grabe, welches Orsi 9 in Licodia Eubea (prov. Catania) auf- 
deckte und das wahrscheinlich einer Frau angehörte. Das Gerät hat offenbar im 
Frauengemach eine bedeutende Rolle gespielt. 

Vollends entscheidend aber ist der Umstand, dafs sich diese Gefäfse mit 

4 ) Daselbst ist auch die übrige einschlägige Litte- Unwahrscheinlichkeit aber der Verlauf der Unter- 
ratur angeführt. suchung darthun wird. 

5 ) Nur Boehlau, Aus jonischen und italischen 6 ) n. 1104 der Vasensammlung des Antiquariums. 
Nekropolen S. 39, teilt mit, dafs Löschcke diese 7 ) n. 3127 des Inventars der Vasen im Antiquarium. 
Gefäfse für Lampen hält, eine Vermutung, die 8 ) Vgl. Boehlau a. a. O. S. 39. 

Boehlau zwar für überzeugend erklärt, deren 9 ) Römische Mittheilungen 1898 S. 317. 



62 



Pernice, Kothon und Räuchergerät. 



einer Reihe anderer zu einer grofsen Gruppe zusammenfügen lassen, die zu nichts 
weniger als zum Trinken bestimmt waren und durch diese Gruppierung ergiebt sich 
zugleich ein sicherer Aufschlufs über den Gebrauch des Gefäfses. 

Es sind das zunächst Gefäfse der Art, wie sie in zwei Beispielen Fig. i 
und 2 abgebildet werden 10 . Dafs diese Gefäfse dieselbe Bestimmung gehabt haben, 
wie die gewöhnlich Kothon genannten, ist einleuchtend. Die gleichmäfsig starke 
Einziehung des Mündungsrandes bei beiden Gefäfsgattungen ist so ungewöhnlich, 





Fig. i. 

dafs sie nur für einen einzigen und denselben Zweck hergerichtet gewesen sein kann. 
Der Henkel fehlt hier. Statt dessen sind »drei durchbohrte Ansätze« in gleichen 
Abständen um das Gefäfsrund verteilt. Diese Ansätze sind deutlich Nachahmungen 
metallener Vorbilder, wir finden sie als Halter für bewegliche Handgriffe an grofsen 
und kleinen Bronzekesseln verwendet. Dafs sie bei den Thongefäfsen nicht etwa 





Fig. 2. 

nur eine aus der Metalltechnik herüber genommene ornamentale Zuthat, sondern 
auch zur praktischen Verwendung vorgesehen waren, beweist der Umstand, dafs 



10 ) Von den hier abgebildeten Stücken ist Fig. 2 
im Verzeichnis der Vasensammlung unter n. 1108 
besprochen (vgl. n. 1 109— im). Es stammt 
aus Nola. Seine Höhe beträgt 7 cm bei 19 cm 
Durchmesser. Die Rundung ist mit Schwänen 
bemalt, darüber folgt ein Punktstreifen. Seinem 
Stile nach erscheint es eher die italische Nach- 
ahmung eines korinthischen Vorbildes, als 
echtkorinthisch zu sein. Das andere, n. 3328 
des Inventars, stammt aus Attika und dafür, 
dafs es auch in Attika gearbeitet ist, spricht 
die nahe Verwandschaft, in der es zu früh- 
attischen Vasen, wie z. B. der 'EcpTju^pl; 



apyaiohoyvAri 1897 Taf. 5. 6 abgebildeten Amphora 
steht. Seine Höhe beträgt 7, der Durchmesser 
22 cm. Den runden Teil schmückt zwischen je 
zwei Ansätzen einmal eine Art Palmettenband, 
einmal ein Mäandermotiv und einmal eine 
Wellenranke mit Dreiecken im freien Raum. 
Weiter nach der Einbiegung zu schreiten 12 
gansartige Vögel hintereinander; am innersten 
Teil des eingebogenen Randes erblickt man ein 
Strahlenornament, wie z. B. am Dreifufs von 
Tanagra und an anderen thönernen Dreifüfsen. 
Vgl. darüber weiter unten. 



♦Pernice, Kothon und Räuchergerät. 



63 



in einem Falle 11 die Reste beweglicher eiserner Griffe in den Ansätzen noch er- 
halten sind. Wir dürfen nach alledem als sicher annehmen, dafs es auch metallene 
Gefäfse dieser Form mit beweglichen Henkeln gab. 

Aber mit diesem Nachweis ist die Dreizahl der Henkelansätze nicht erklärt 
und ich kann eine Erklärung dieser Eigentümlichkeit nur in der Annahme finden, 
dafs die ursprüngliche Form des Gerätes der Dreifufs ist und dafs die erhaltenen 
Gefäfse nur den oberen selbständig gewordenen Teil eines Dreifufses vorstellen. 
Einen sicheren Beweis für diese Annahme geben vollständige Dreifüfse mit ebenso 
gebildetem Kessel, wie sie in zahlreichen Exemplaren erhalten sind. Das bekannteste 
Beispiel ist der berühmte kleine Dreifufs von Tanagra, der nach Tafel 4 in der 
archäologischen Zeitung 1881 beistehend in zwei Ansichten abgebildet wird. (Fig. 3.) 





Fig. 3. 

Dafs er die Nachahmung eines Metallgerätes in Thon ist, hat Löschcke in dem die 
Tafel begleitenden Aufsatz dargelegt. Der Durchschnitt des eigentlichen Gefäfs- 
teils von diesem Dreifufs ist dem Durchschnitt der angeblichen Kothone überaus 
ähnlich. Eine derartige Einziehung des Randes, wenn sie hier auch nicht in 
runder Linie, sondern kantig verläuft, kann nur aus denselben Bedingungen er- 
klärt werden, der Dreifufs war zu demselben Gebrauch wie jene bestimmt. Noch 
deutlicher wird dieses Verhältnis beider Gefäfsgattungen zu einander an dem 
Fig. 4 abgebildeten Dreifufs, einer ^Neuerwerbung des Antiquariums 12 . Hier ist 



") Es ist das unter Fig. I abgebildete Exemplar. 
Die Reste eines der eisernen Griffe sind auch in 
der Abbildung deutlich erkennbar. 

I2 ) Seine Höhe beträgt 18 cm. Das eigentliche 
Gefäfs ist oben und an der Seite mit einem 
Strahlenornament verziert, das ursprünglich mit 
aufgesetztem Rot bemalt war. Auf dem in der 
Abbildung sichtbaren Fufs ist eine Sphinx dar- 
gestellt, die ursprünglich fast ganz rot auf 
den schwarzen Grund aufgesetzt war, darüber 
ein Stabornament, darunter ein Lotospalmetten- 



band. Auf dem zweiten Fufs erblickt man 
einen bärtigen behaarten Mann in obscöner 
Haltung, neben ihm den Namen SAMON. 
Über seinem Kopf stand ursprünglich SEMON, 
die Schrift ist aber durch die struppig auf- 
gerichteten Haare des Mannes fast ganz vernichtet. 
Unter dem Bilde ein Lotospalmettenornament. 
An beiden Füfsen läfst sich verschiedentlich die 
in den noch nicht gebrannten Firnisüberzug 
angelegte Vorzeichnung für die Ritzung wahr- 
nehmen. Bei dem dritten Fufs ist überhaupt 



6 4 



Pernice, Kothon und Räuchergerät. 



über jeder Dreifufsstütze ein Halter für einen Griff angebracht von einer Form, wie 
sie bei metallenen Geräten durchaus üblich ist. Der Durchschnitt des Gefäfsteils 
stimmt mit dem des Dreifufses von Tanagra völlig überein. Ein drittes Beispiel, 
das ebenfalls die drei Henkelansätze mit plastisch angedeuteten Griffen zeigt und 
in dem Durchschnitt seines oberen Teils den Vasen, von denen diese Untersuchung 
ausgeht, besonders ähnlich ist, hat Couve im Bulletin de correspondance hellenique 
1898 S. 301 Fig. 10 bekannt gemacht unter Hinweis auf die metallenen Vorbilder 





Fig. 4. 

solcher Dreifüfse, ein anderes ohne*»die Griffe und Griffhalter, aber mit Andeutung 
der Niete, welche die Fiifse an dem Kessel festhalten, ist in der genannten Zeit- 
schrift Taf. VII abgebildet. Zwei weitere, die denselben eigenartigen Durchschnitt 
zeigen, sind ebenda S. 298 und S. 300 veröffentlicht, und so wie diese ist auch der 
Fig. 5. abgebildete niedrige Dreifufs des Antiquariums konstruiert, gleichfalls eine 
neuere Erwerbung 13 . 

Nach dieser Übersicht möchte man annehmen, dafs die ursprüngliche 
Form des Geräts der kleine Dreifufs ist. Sein oberer Teil, von den Füfsen gelöst, 



nur diese Vorzeichnung erhalten, während die 
Ritzung nicht ausgeführt wurde. Hier erkennt 
man ein grofses Lotospalmettenornament. Der 
Dreifufs, ein ganz hervorragendes Beispiel bunter 
Malerei auf schwarzem Grunde, stammt aus 
Böotien und ist 1896 in den Besitz des Anti- 
quariums gelangt. 
13 ) Nr. 3329 des Inventars. Auf dem einen der in 
der Abbildung nicht sichtbaren Füfse sitzen 
zwei gefleckte Panther einander gegenüber, auf 
dem anderen zwei Sphinxe. Auf dem oberen 
Rande sind Tiere in einer Gruppierung gemalt, 
die an korinthische Bilder erinnert; aber das 
Gefäfs scheint eher böotisch als korinthisch zu 



sein — als Fundort wird Attika angegeben. Dar- 
gestellt sind hier zwei Panther sitzend und die 
eine Pranke gegen einander erhebend, weiter nach 
links zwei aufeinander losgehende Steinböcke 
mit gesenktem Kopf, dann zwei schreitende 
Löwen einander gegenüber, zwischen welche ein 
Stier nach links in Angriffstellung geschoben 
ist. Im leeren Raum Rosetten. Innerhalb des 
Deckelauflagers ein Strahlenornament. Der fest- 
schliefsende Deckel ist mit vier nach rechts 
schreitenden Schwänen verziert, die in sehr 
lebendigem Ausdruck die Köpfe senken. Das 
Gefäfs ist 9 cm hoch, sein gröfster Durchmesser 
beträgt 21 cm. 



Pernice, Kothon und Räuchergerät. 



65 



und selbständig gemacht, ergiebt den henkellosen »Kothon« mit den drei Ansätzen 14 . 
Die gewöhnlich Kothon genannte Form mit dem einen kleinen Horizontalhenkel ist 
eine Weiterbildung dieses selbständig gewordenen oberen Teils des Dreifufses der 





Fig. 5- 

an drei beweglichen Henkeln nur mit Hilfe von Ketten oder Schnüren zu tragen 
war. Aber natürlich waren alle drei Arten zu gleicher Zeit in Gebrauch und sie 
dienten alle derselben Bestimmung. Nach der Struktur der Gefäfse, die von der 
Metalltechnik ausgeht, mufs man vermuten, dafs es auch metallene Geräte dieser 
Art gegeben hat. 

Die Bestimmung nun würden wir schwerlich erraten, wenn nicht durch einen 
glücklichen Zufall kürzlich ein bronzenes Gerät dieser Art in die Sammlung des 
Antiquariums gelangt wäre 15 . Obwohl an verschiedenen Stellen beschädigt, läfst 
es sich doch mit voller Sicherheit so wiederherstellen, wie es die beigegebene 
Zeichnung (Fig. 6) veranschaulicht. Der Gefafsteil, der auf einem besonderen Dreifufs 





Fig. 6. 



1V ) Zu dieser Entwickelungsstufe gehören auch 
diejenigen, welche weder die drei Ansätze, noch 
den einen Henkel besitzen. Von der Art be- 
sitzt das Antiquarium zwei Exemplare. Nr. 2105 
des Verzeichnisses ist ein sehr kleines Stück 
von ganz besonders feiner Zeichnung archaischen 



Stils, Inv. der Vasen 3127 sehr grofs, von 
flüchtiger archaischer Zeichnung, dem Stile nach 
aus Böotien. 
15 ) Der Fundort ist nicht genau angegeben; am 
wahrscheinlichsten ist Athen oder Euböa. 



55 Pernice, Kothon und Räuchergerät. 

befestigt ist, ist genau so rundlich gebildet wie die Thongefäfse ohne Dreifufs und 
gerade dies Zusammentreffen von rundlichem Gefäfs und Dreifufs führe ich dafür 
an, dafs es nicht gerechtfertigt ist, einen wesentlichen Unterschied zwischen dem 
kantig und dem rundlich eingebogenen Mündungsrand der Thongefäfse mit und 
ohne Dreifufs zu machen. Die obere Hälfte des kleinen Kessels ist aus Bronze 
hergestellt, während die untere Hälfte von Eisen ist. An dem Kessel sitzen zwei 
Henkel in Haltern, welche die übliche Form haben. Die drei Anschwellungen 
an den Haltern sind mit einer Art von Perlstab verziert, während auf der blatt- 
artigen Verbreiterung unter der Mitte eine strengstilisierte Palmette sichtbar wird. 
Der Dreifufs besteht aus einem Ring mit einem sehr sorgfältig gestochenen Zacken- 
ornament. An ihm sitzen die drei in Löwentatzen endenden Beine, welche in 
ihrem oberen Teil mit Stabornament und Dreiecksmotiven ausgeschmückt sind. Die 
Höhe des ganzen Apparats beträgt II cm, der gröfste Durchmesser des Kessels 
i6 3 / 4 cm, der der Mittelöffnung 87 2 cm. Eine genaue Zeitbestimmung läfst sich 
schwer geben, aber die Ähnlichkeit des Kessels mit den Thongefäfsen , die in 
solcher Form nur der archaischen Zeit angehören und die strengstilisierte Palmette 
sprechen für ein hohes Alter. 

Der sehr merkwürdige Umstand, dafs die untere Hälfte des Kessels aus 
Eisen ist, während die obere aus Bronze hergestellt ist, giebt den Schlüssel für die 
Frage nach der Bestimmung dieses Gerätes und der besprochenen Geräte und Ge- 
fäfse überhaupt. Der Boden des Gefäfses sollte eine ungewöhnliche Hitze aushalten; 
um etwas in dem Kessel heifs zu machen, oder zum Kochen zu bringen, war aber 
ein bronzener Boden vollauf genügend. Nur wenn das Gefäfs glühende Kohlen auf- 
nehmen sollte, ist diese Vorrichtung notwendig. So finden wir häufig bei antiken 
Kohlenbecken das Auflager für die Kohlen aus Eisen hergestellt. An einem grofsen 
Exemplar des Berliner Antiquariums, das aus mäfsig dünnem Bronzeblech hergestellt 
ist, sind die Spuren eines eisernen Einsatzes sehr deutlich wahrnehmbar, es läfst 
sich sogar die Höhe berechnen; welche der Einsatz gehabt hat 16 . Eiserne Roste 
für die glühenden Kohlen werden für die pompejanischen bronzenen tragbaren Herde 
häufig erwähnt; bei einem bronzenen Ofen aus Pompei ist der für die Aufnahme 
der Kohlen bestimmte Cylinder aus Eisen. Auch die grofsen Kohlenbecken des 
Museo Gregoriano haben sicher ehemals eiserne Einsätze gehabt. Wenn also in 
das Dreifufsgefäfs glühende Kohlen gethan werden sollten, dann ist es, da seine 
Kleinheit eine andere Verwendung ausschliefst, zum Räuchern bestimmt gewesen. 
Ebenso wie neben bronzenen Öfen thönerne verwendet worden sind, ebenso hat 
man Räuchergefäfse aus Thon neben solchen aus Bronze hergestellt. Geräuchert 
wurde, wie uns bei Athenaeus III p. 101 aus Archestratus überliefert ist, indem 
man die Weihrauchkörner auf die glühende Asche streute 

dsi 8s axs'favotat xapa itapa oaixa TruxaCou 

TravToSaTroi?, ot? av "yai'a? irsSov o'Xßtov av»)^, 

16 ) Friederichs, Berlins antike Bildwerke II n. 761. Von den deutlich vorhandenen Eisenresten ist 
in der Beschreibung nichts angemerkt worden. 



Pernice, Kothon und Räuchergerät. fiy 



xai aiaxxoTat fiupoi? ayaöot? ^atxyjv dspa7rsos 
xat ar ( aupvav Xtßavov ts Ttopos [AaXaxrjv ItcI x£<ppav 
ßa'XXs irav7jjiipio?, 2uptrj? eutuösa xapTiov. 
Dafs die kleinen Dreifüfse sowie die Kothone für diesen Zweck praktisch sind, hat 
ein mit Vorsicht vorgenommener Versuch ergeben. Der wohlriechende Rauch 
steigt aus der Tiefe des Gefäfses gerade und schön in die Höhe, wo er sich ver- 
breitet. Die Kohle läfst sich bequem anblasen, indem sich die Luft hinter dem 
vorgebogenen Rande fängt, der auch die verbrannte Asche verhindert, aufzuwirbeln. 
Der umgebogene Rand hat aber den weiteren Vorteil, dafs die glühenden Kohlen 
in dem Gefäfs ganz sicher aufgehoben sind. Selbst wenn das Gefäfs schief gehalten 
wurde, wie es beim Schwenken geschehen konnte, oder selbst, wenn es umgestofsen 
wurde, war eine Gefahr nicht zu befürchten. So hat man auch bei offenen Lampen 
den Rand eingebogen, damit das Ol möglichst sicher in dem Gefäfs blieb. Eine 
ähnliche Einkrümmung des Randes habe ich auch bei antiken Sieben bemerken 
können, die man nun nach Belieben hin und her schütteln durfte, ohne dafs etwas 
herausfallen konnte. Der festschliefsende Deckel, mit welchem die thönernen 
Dreifüfse, wie es scheint, stets versehen waren, hatte offenbar die Bestimmung, 
die glühenden Kohlen nach dem Gebrauch zu ersticken. Denn dafs der Deckel 
nicht, wie etwa bei den Pyxen, das in dem Gefäfs Enthaltene schützen oder ver- 
bergen sollte, geht daraus hervor, dafs die Dreifüfse selbst innerhalb des Deckel- 
auflagers zuweilen ornamentirt sind. Sie sollten also offen gesehen werden. 

Die Beobachtung, dafs diese Gefäfse Räuchergefäfse sind, führt aber noch 
weiter. In der Schrift von H. von Fritze, »Die Rauchopfer bei den Griechen« heifst 
es S. 44 »Soviel mir bekannt ist, kommen auf Gefäfsen schwarzfiguriger Technik 
überhaupt noch keine Thymiaterien vor; das darf aber nicht zu dem Schlüsse be- 
rechtigen, sie seien zu jener Zeit in Griechenland noch unbekannt gewesen. Der 
Kreis der Darstellungen ist in jener Epoche eben ein anderer. Wir haben z. B. 
gesehen, dafs die Handlung der Spende nicht auf zehn schwarzfigurigen, dagegen 
auf hunderten von rotfigurigen Gefäfsen erscheint, und doch gehört diese Cult- 
handlung zu den ältesten des griechischen Ritus. Auf rotfigurigen Vasen findet 
man zuerst die einfache Form des Thymiaterions, wie sie sich auf dem Parthenon- 
fries zeigt. Es ist eine glatte Stange, welche unten in Tierfüfse ausläuft . . . An der 
Spitze trägt sie einen der Pinienfrucht nachgebildeten Körper, der so gearbeitet 
ist, dafs man die obere Hälfte abnehmen und als Deckel verwenden kann.« Wie 
die attischen Thymiaterien im Beginn des sechsten Jahrhunderts ausgesehen haben, 
ist klargestellt. Denn schwerlich werden die attischen anders gebildet gewesen 
sein, als der bronzene Dreifufs, der vielleicht sogar attisch ist, der Dreifufs von 
Tanagra oder die niedrigen Kothon genannten Gefäfse. Aber wir können auch für 
die nun folgende Zeit bis dahin, wo die in ihrer Struktur ganz verschiedenen 
Thymiaterien einsetzen, wie sie auf dem Parthenonfries erscheinen, mit grofser Wahr- 
scheinlichkeit die gebräuchliche Form des Räuchergerätes nachweisen. 

Umstehend (Fig. 7) ist eines der zahlreich erhaltenen eleganten Gefäfse ab- 

Jahrbuch des archäologischen Instituts XIV. (5 



68 



Pernice, Kothon und Räuchergerät. 



gebildet, welche verschieden benannt und verschieden gedeutet worden sind ,T . Die Ge- 
fäfse gehören dem Ende der Zeit an, in welcher man mit schwarzen Figuren malte. 
Dafs sie zum Räuchern benutzt worden sind, glaube ich aus der Konstruction des 
oberen Teiles schliefsen zu müssen. Denn gerade so wie bei den älteren Räucher- 
gefäfsen ist der Rand nach innen eingebogen, nach den vorangegangenen Er- 
örterungen der sicherste Beweis für die vorgeschlagene Deutung. Mit diesen Ge- 
fäfsen, welche eine direkte Weiterbildung der älteren Räuchergeräte darstellen, wird 





Fig. 7. 

die bezeichnete Lücke in der chronologischen Reihenfolge ausgefüllt. Aber während 
die erhaltenen Exemplare den Gebrauch des Geräts von der Mitte bis an das Ende 
des sechsten Jahrhunderts erweisen, führen die bemalten Vasen noch weiter herab 
und wir finden es namentlich auf Vasen der zweiten Hälfte des fünften Jahr- 
hunderts dargestellt, also in einer Zeit, in welcher die entwickelteren Thymiaterien 
des Parthenonfrieses, welche zuerst in der streng rotfigurigen Malerei vereinzelt auf- 
treten, längst in Gebrauch gesetzt waren. Beide Arten von Räuchergeräten sind 
also eine Zeitlang nebeneinander hergegangen, bis die einfacheren endgültig in 
Fortfall kamen 18 . 

Diese einfacheren Räuchergeräte sehen wir nun in der Vasenmalerei 



17 ) Zuletzt Sammlung Sabourofif zu Taf. 52. »Links 
unten ist auf der Tafel ein schönes Toiletten- 
gefäfs aus Athen abgebildet, das nach Technik 
und Verzierung noch der letzten schwarzfigurigen 
Vasenfabrikation angehört. An einem zierlichen 
Knopfe läfst sich ein Deckel ergreifen und ab- 
nehmen. Getragen wurde das Gefäfs am Fufse; 
wir sehen es so nicht selten in den Händen der 
Frauen auf Darstellungen häuslicher foiletten- 
scenen attischer rothfiguriger Vasen, auch zu- 
weilen auf weifsen Lekythen mit der Grabes- 
spende. Es diente ohne Zweifel zur Aufbewahrung 
von flüssigen Salben, wohlriechendem Wasser 



u. dgl. Diese Gefäfse scheinen bis jetzt nur in 
Attika, vielleicht auch Böotien, gefunden zu 
werden ; sie sind, soweit ich sie kenne, nie anders 
als nur mit einfachen Ornamenten oben um dem 
Rand der Öffnung und den Deckel geschmückt.« 
Dafs das Gefäfs für flüssige Salben, wohl- 
riechende Wasser u. dgl. unpraktisch war, ergiebt 
der Durchschnitt. 
18 ) Die ersten beiden vereinzelten Beispiele reicher 
ausgestalteter Thymiaterien auf strengrotfigurigen 
Vasen, hat v. Fritze a. a. O. S. 40 nachgewiesen. 
Auf beiden Vasen sind es feierliche Spenden, in 
denen das Gerät erscheint. Danach scheint es, als 



Pernice, Kothon und Räuchergerät. 



69 



hauptsächlich auf Darstellungen des Frauengemachs, wo erst später die reich ge- 
schmückten Thymiaterien üblich werden. Beide Arten von Geräten zusammen 
auf einem Bilde sind, soweit ich sehe, nicht nachzuweisen und daraus ist ein neuer 
Beweis für die Richtigkeit der vorgeschlagenen Deutung zu entnehmen. Das Gerät 
spielt auch bei der Hochzeit eine bedeutsame Rolle. So wird es auf der schönen 
Lutrophoros des Berliner Antiquariums N. 2373 von einem Mädchen in Hochzeits- 
zuge getragen 19 . Die bei Benndorf, Griechische und sicilische Vasenbilder Taf. 22 
abgebildete Lekythos zeigt ein Mädchen, welche aufser den gewöhnlichen Grabes- 
spenden auch das Räuchergerät in der Hand hält. Damit ist die Lekythos bei 
Murray, White athenian vases Taf. 27 zu vergleichen und weitere Beispiele lassen sich 
leicht anführen. Es darf daraus geschlossen werden, dafs es auch beim Begräbnis 
ebenso wie bei der Hochzeit üblich war, Weihrauchspenden darzubringen, ein Ge- 
brauch, für den uns die Litteratur Zeugnisse nicht hinterlassen hat 20 . Im Kult 
habe ich das Gefäfs nur einmal dargestellt gefunden, allerdings unter ganz 
besonders wichtigen Umständen. Es ist dieselbe Vase, welche O. Rubensohn 
herangezogen hat, um zu beweisen, dafs man in das Kerchnosgefäfs brennende 
Kerzen gestellt hat 21 , Compte-rendn 1862 Taf. 3. Hier sieht man zwischen 



ob diese Thymiaterien zuerst ausschliefslich für 
den Kult gedient haben, während die kleineren be- 
sonders im Privatgebrauch üblich waren. Dafs 
die älteste Form des Thymiaterions auch bei Kult- 
handlungen so war, wie der Dreifufs von Tanagra 
oder der bronzene Dreifufs, mufs man schon 
daraus schliefsen, dafs sich für den Zweck 
eine geeignetere Form überhaupt nicht finden 
liefs, als die des für den Kult heiligsten Gerätes. 
Die entwickelten Thymiaterien sind nun in ihrer 
Form so verschieden, sie treten so unvermittelt 
auf, dafs man ihre Heimat aufserhalb Griechen- 
lands suchen mufs. Der Umstand, dafs auf der 
von Zahn bekannt gemachten archaischen Scherbe 
von Klazomenai (Athenische Mitteilungen 1898 
Taf. 9) dieses Thymiaterion auftritt, legt es nahe, 
an Jonien zu denken. Dafür spricht auch das 
erste Auftreten des Geräts in der strengrotfigurigen 
attischen Vasenmalerei ; es ist die Zeit der zweiten 
Einwirkung jonischer Kunstart auf Griechenland. 

19 ) Abgeb. Archäol. Zeit. 1882 Taf. 5. 

20 ) Vgl. v. Fritze a. a. O. S. 50. 

21 ) Athenische Mitteilungen 1898 S. 291. Die Vor- 
stellung, dafs man in die eleusinischen Kerchnoi 
brennende Kerzen stellte, welchen man ver- 
mittelst eines durchbrochenen Deckels Luft 
zuführte, kann ich mir nicht zu eigen machen. 
Die Lichter würden jedenfalls sehr schlecht 
brennen und man hätte besser gethan, ihnen 
Luft von unten zuzuführen. Das Scholion zu 



den Nikanderversen, das sich auf den Kerchnos 
im Kybeledienst bezieht, sagt nicht, dafs die 
Xü^vot in den Kerchnos gestellt werden sollten 
und die beiden Münzabbildungen S. 290 genügen 
nicht, um diesen Gebrauch zu erweisen. Denn 
in den kleinen flüchtigen Strichen über dem Gefäfs 
kann man ebenso gut alles andere als Lichter er- 
kennen. Die Gefäfse sind weiter, wie Rubensohn 
selbst zugiebt, nicht geeignet, um Lichter hinein- 
zustellen und deswegen versetzt er das TrotXcc&iov, 
den Opferkuchen, in das Innere des Kerchnos 
als Halter für die Lichter, die in ihn hinein- 
gesteckt werden, obwohl überliefert ist, dafs das 
TiaXaötov in einem der Kotyliskoi untergebracht 
war. Wenn brennende Lichter zu der Kult- 
handlung gehört haben, wird man sie auch 
brennend gesehen haben, das war aber nicht 
der Fall, wenn man sie durch den Deckel zum 
grofsen Teil verhüllte; man konnte sie beispiels- 
weise in den grofsen Kotyliskoi des Kerchnos 
Taf. XIII, 3 sehr gut unterbringen. Hatten die 
Deckel dagegen den Zweck, die Dämpfe vom 
Weihrauch hindurchzulassen, so sind sie dafür 
sehr geeignet. Von Fritze hatte, wie ich glaube, 
ganz recht, wenn er diejenigen Gefäfse als 
Thymiaterien erklärte, welche keine Kotyliskoi 
zeigen; denn die Kotyliskoi waren eben das 
Charakteristische an den Kerchnoi. Dagegen 
die Gefäfse mit den Kotyliskoi bleiben nach wie 
vor Kerchnoi. Ihr innerer Teil hatte jedoch 

6* 



70 



Pernice, Kothon und Räuchergerät. 



zwei gekreuzten Zweigen ein Gefäfs stehen, welches, soweit die Abbildung zu 
urteilen gestattet, in Allem mit den in Frage stehenden Räuchergeräten überein- 
stimmt. Über der Mitte der Vase sind einige Striche angedeutet, die als 
Weihrauchdämpfe zu erklären sind, welche dem Gefäfs entsteigen. Lichter können 
es schon deswegen nicht sein, weil ihre Zahl viel zu grofs wäre. Denn sie sind 
auf einen Raum verteilt, dessen Umfang genau der Öffnung der Räucher- 
gefäfse entspricht. Damit ist, wie ich glaube der authentische Beweis erbracht, 
dafs die Gefäfse wirklich zum Räuchern gedient haben. 

Die letzte Entwickelung, welche diese Form des Räuchergerätes genommen 
hat, wird durch die Abbildung Fig. 8 dargestellt. Das Original ist im Antiquarium 
des Berliner Museums aufbewahrt 22 . Während der Gefäfsteil im Ganzen die gleiche 





Fig. 8. 

Bildung zeigt, wie die anderen Geräte, nur, dafs er weniger breit ausladet, ist der 
Fufs doppelt so hoch geworden; es ist, als habe man sich bemüht, die entwickeltere 
»jonische« Form mit der einheimischen zu verschmelzen. An einem zweiten gleich- 
artigen Exemplar des Berliner Antiquariums ist auch noch der fest anschliefsende 
Deckel erhalten, der einen Griff in Form eines kleinen Kännchens hat 23 . 

Aufser den bisher besprochenen thönernen Räuchergefäfsen der jüngeren und 
jüngsten Gattung, wie sie gewifs auch in Bronze mit eisernem Boden hergestellt 
wurden, sind auch solche aus Marmor erhalten. Sie haben schwerlich zum praktischen 
Gebrauche gedient, sondern waren, wie beispielsweise die marmornen Kerchnoi oder 



den Zweck, Weihrauch aufzunehmen, dessen -'*) Beschreibung der Vasensammlung im Antiquarium 
Verwendung im Kult zu selbstverständlich war, n. 3621. 

um in der Beschreibung ausdrücklich hervor- 23 ) Beschreibung der Vasensammlung im Antiquarium 
gehoben zu werden. n. 4152. 



Pernice, Kothon und Räuchergerät. 



71 



Thymiaterien dazu bestimmt, als Weihgeschenke oder als Grabbeigaben verwendet 
zu werden. Allein das Berliner Museum besitzt drei marmorne Thymiaterien. Von 
diesen soll das Fig. 9 abgebildete im Grabe des Aristion gefunden sein. Ob 
diese Angabe wahr ist oder nicht, jedenfalls ist es in das sechste Jahrhundert zu 
setzen, denn seine Form stimmt auffallend mit den thönernen Räuchergeräten überein, 
deren Entstehungszeit dem Ende der schwarzfigurigen Vasenmalerei zuzuweisen ist. 
Dies Gefäfs ist dadurch besonders bemerkenswert, dafs der obere gewölbte Teil des 
Gefäfsbauches abnehmbar ist. Es setzt sich also zusammen aus dem Fufs mit ange- 
arbeiteter flacher Schale, darauf wird der obere Gefäfsteil mit der Öffnung für die 
Dämpfe gestülpt und das Ganze wird mit dem Deckel geschlossen. Diese Eigentümlich- 





Fig. 9. 

keit der Konstruktion erklärt sich, wenn als das Vorbild für diese Gefäfse die 
metallenen Räuchergeräte angesehen werden. Hier war der obere abnehmbare Teil aus 
Bronze, die flache Schale dagegen aus Eisen, das eigentliche Gefäfs besteht also wirklich 
aus zwei besonderen Teilen, und war gewifs oft genug zum Auseinandernehmen 
eingerichtet. Unter diesem Gesichtspunkt gewinnt die Vermutung, dafs das Innere 
der eleusinischen Kerchnoi zum Räuchern bestimmt war und dafs die von v. Fritze 
in der ' Ecpvjjxepis ap^atoXoyrxr) 1897 S. 166 abgebildeten Gefäfse Räuchergefäfse sind, 
eine neue Stütze 24 . Gerade an letzteren Gefäfsen ist die Zweiteilung des Gefäfses 
in Fufs mit flacher Schale und darauf gestülpten oberen gewölbten Teil in auffallender 
Deutlichkeit durchgeführt und die Form der Kerchnoi ist, wie die beigefügte Be- 
schreibung aus den athenischen Mittheilungen 1898 S. 281 lehrt, ganz nahe verwandt. 
»Der untere Teil hat die Form einer Schale mit hohem Fufs, er endet mit einem 
Rand, der sich als breit vorspringender horizontaler Streifen um das ganze Gefäfs 
zieht. Über diesem Teil erhebt sich ein Aufsatz, der auf der Schulter sehr stark 
ausgewölbt ist, darüber eine starke hohlkehlenartige Einschnürung zeigt und in eine 



24 ) S. die Anmerkung 21. 



72 



Pernice, Kothon und Räuchergerät. 



breite Mündung endigt, die entweder für Aufnahme eines Deckels eingerichtet ist 
oder mit einem nach aufsen umgebogenen Rand gebildet wird 25 .« 

Das zweite Berliner Marmorgefafs 2G stellt eine Weiterentwickelung dar, die 
der letzten Entwickelung der Thongefäfse entspricht, indem der Fufs hoch und schlank 
geworden ist und das Gefäfs nicht mehr so breit und massenhaft ausladet. Auch 
bei ihm ist der obere Gefäfsteil zum Abnehmen eingerichtet und auch in der Form- 
gebung als besonderer Teil charakterisiert. Mit ihm gleichzeitig ist ein kleineres 
Thymiaterion aus Kreta, bei welchem jedoch die Zweiteilung weder durchgeführt 
noch, wie bei den eleusinischen Gefäfsen, auch nur angedeutet ist. Hier ist der 
Gefäfsteil aus einem Stück gearbeitet. 

Berlin, März 1899. Erich Pernice. 



2ä ) Die Mündung der Kerchnoi und der anderen 
Räuchergcfäfse ist im Verhältnis zur Ausbauchung 
des Gefäfses genau so grofs, wie die Mündung der 
anderen Räuchergeräte. Nach innen eingebogen 
scheint der Rand nie zu sein. Wäre auch das 
noch der Fall, dann wäre die Sicherheit der vor- 
getragenen Vermutung noch gröfser, als sie es 
aus den angeführten Gründen schon so ist. 

26 ) Nr. 6466 desMiscellaneeninventars. Aus Griechen- 
land. Die Höhe des ganzen Gefäfses beträgt 
30 cm. Der Fufs allein ist 15 '/a cm > der Deckel 
8 ! /a cm hoch. Der Durchmesser des Gefäfses 
beträgt 14 '/ 2 cm - ^ as Gerät ist also doppelt 



so hoch als breit, während das Fig. 7 ab- 
gebildete noch etwas breiter als hoch ist. 
27 ) Herr Professor Loeschcke war soeben so freund- 
lich, mir mitzuteilen, dafs in der Universitätssamm- 
lung zu Greifswald ein »Kothon« aufbewahrt wird, 
dessen Durchschnitt nicht rund verläuft, sondern 
eckig ist, also wie der der Dreifüfse. Damit ist 
der Zusammenhang zwischen den Dreifüfsen und 
den Kothon genannten Gefäfsen aufs Neue be- 
wiesen. Eine thönerne Dreifufsvase mit rundem 
Gefäfsteil besitzt übrigens auch das akademische 
Kunstmuseum zu Bonn, wie ich gleichfalls von 
Herrn Professor Loeschcke erfahre. 



\JJ v^XjUv. ^^^ 



STUDIEN 
ZUR ÄLTEREN GRIECHISCHEN KUNST, 

i. 

Unter den älteren griechischen Terrakotten lassen sich 
verschiedene, an den Besonderheiten des Stiles und der Typen 
kenntliche Gruppen leicht unterscheiden. Die meisten von 
ihnen sind den Fundorten nach lokal eng begrenzt und nicht 
oder wenigstens nicht weit über den Ort ihrer Herstellung 
hinaus nachweisbar. Nur eine Gruppe hat eine gröfsere Ver- 
breitung gefunden. Die am häufigsten in ihr vertretenen Typen 
sind stehende und thronende Figuren, meist weiblich, seltener 
männlich, zuweilen auch paarweise nebeneinandergeordnet. 
Andere Formen treten hinzu, liegende Figuren, Masken, Pro- 
tomen, hockende Dämonen, Silene, Affen, Sirenen und Ähn- 
liches. Als Besonderheit macht sich bemerkbar, dafs häufig 
oben eine Mündung angebracht ist, durch die die Figuren 
wirklich oder nur scheinbar als Gefäfse hergerichtet worden sind. 

Das Fundgebiet dieser Terrakotten reicht vom nörd- 
lichen Phönikien bis zum Westen Italiens. Aus Phönikien 1 , 
Rhodos 2 , Sicilien 3 , Etrurien 4 sind schon seit längerer Zeit 
zahlreiche Exemplare bekannt. Neuerdings sind gleichartige 
oder ähnliche Figuren auch in der Troas 5 , in Naukratis 6 , auf 
Samos 7 , Thera 8 , Delos 9 , Ägina 10 , in Athen 11 , Eleusis 12 , Argos 13 , 




') Vgl. Longperier, Musee Napoleon III Taf. 24 und 
26. Heuzey, Terres cuites du Louvre Taf. II. 12. 
Perrot-Chipiez III S. 64. 201. 472. 473. 

2 ) Vgl. Heuzey Taf. 13. Salzmann, Necropole de 
Camiros Taf. 11. 20. 

3 ) Vgl. Kekule, Terrakotten von Sizilien S. 12. 18. 
Notizie degli scavi 1893 S. 128. 1894 S. 208. Monu- 
menti anficht I 1892 S. 805. 820—834. Taf- v 8. 

4 ) Vgl. Museo Gregoriano II Taf. 93, 3. Micali, Storia 
Taf. CI. Monumenti inediti Taf. IV 2. Archäol. 
Zeitung 1877 Taf. 11 n. 2. 

5 ) Stehende weibliche Figur aus Thymbra in Samm- 
lung Calvert (Dardanellen); aus Neandria bei 
Koldewey, Neandria S. 15 Fig. 24. 

6 ) Flinders-Petrie, Naukratis I S. 36 Taf. XV. 



T ) Gerhard, Antike Bildwerke Taf. I. Boehlau, Aus 
Jonischen und Italischen Nekropolen S. 155 ff. 
Taf. XIII. XIV. 

8 ) Dragendorff, Archäol. Anzeiger 1897 S. 80. 

9 ) Bulletin de correspondance hellenique VI 1882 
S. 312 n. 1. 

10 ) Berlin, Vasenkatalog 1295. 

") Bruchstücke im Akropolismuseum. Archäolog. 
Anzeiger 1893 S. 143 und 147. 

12 ) Mehrere stehende weibliche Figuren im Museum 
in Eleusis und früher in der Sammlung des Poly- 
technion in Athen. 

13 ) Kopf einer weiblichen Figur, bei den Grabungen 
am Heraion gefunden, früher im Centralmuseum 
in Athen. 



ja Winter, Studien zur älteren griechischen Kunst. 

Orchomenos 14 zum Vorschein gekommen. Auch in Unteritalien sind Stücke dieser 
Art gefunden, in Reggio 15 , Locri, Cumä 16 . 

Fast überall erscheinen sie zusammen mit Vasen, die nachmykenischen 
Gattungen angehören. Im Ganzen läfst sich sagen, ohne dafs sich das für jeden 
einzelnen Fall belegen liefse, dafs sie als Begleiter einerseits der sogenannten 
protokorinthischen Waare, andererseits der entwickelteren von den Funden auf 
Rhodos bekannten Gefäfse auftreten. Dafs sie durch den Handel eingeführt sind, 
ist für viele Stellen, wie für die italischen Fundplätze, von vornherein aufser Frage, 
für manche, wie z. B. für Thera, dadurch gesichert, dafs abweichende einheimische 
Waare neben ihnen vertreten ist. Von wo aus ihre Verbreitung stattgefunden hat, 
ist bisher nicht mit voller Bestimmtheit festgestellt. Aber dafs ihr Fabrikationsort 
im griechischen Osten zu suchen ist, ist nach den Ausführungen von Heuzey 17 und 
Kekule 18 nicht mehr zweifelhaft und allgemein anerkannt 19 . Mehr als ein Mal ist 
die Ähnlichkeit mit den Branchidenstatuen vom heiligen Wege hervorgehoben. 

Die Funde der jüngsten Zeit haben zu einer genaueren Bestimmung des 
Ursprungs nichts Sicheres beigebracht, führen aber doch in einem Falle zu einer 
wahrscheinlichen Vermutung. Boehlau hat bei seiner Ausgrabung der Nekropole von 
Samos eine gröfsere Menge von Vasen der sogenannten Fikelluragattung gefunden 
und diese mit einleuchtenden Gründen als Erzeugnisse der einheimisch Samischen 
Keramik nachgewiesen 20 . Die Terrakotten nun, die in der Nekropole zum Vor- 
schein kamen, gehören sämmtlich der in Rede stehenden Art an und sie haben sich 
in solchen Gräbern gefunden, die vorwiegend grade Samische Vasen, daneben nur in 
vereinzelten Fällen auch fremde Waare enthielten. Der Schlufs, dafs die Terrakotten 
gleich den Vasen als einheimisch Samische Erzeugnisse zu betrachten sind, liegt 
nahe 21 : er läfst sich, wie ich glaube, auch durch weitere Erwägungen stützen. 

Es mag zunächst mit einigen Worten die Stellung bezeichnet werden, die 
diese Terrakotten, die wir kurz »Gefäfsfiguren« bezeichnen wollen, in der Geschichte 
der Griechischen Kunst einnehmen. 

Den geometrischen Vasen entsprechen in der Entwickelungsstufe die brett- 
artigen Thonfiguren, die unter dem Namen Papades bekannt sind und besonders 
zahlreich in Böotien gefunden werden. Ähnlich primitiv ausgeführte Brettfiguren 
und roh geformte Rundfiguren kommen als einheimisches Fabrikat in den östlichen 
Fundstätten in den älteren Schichten vor 22 . Diesen kunstlosen Gebilden schliefsen 

H ) Bulletin de correspondance helleniqtw 1895 S. l7of. citite S. 38. Collignon, Histoire de la sculpture 

15 ) Bruchstück einer stehenden weiblichen Figur im grecque S. 189. 

Museum in Reggio. 20 ) Boehlau, Aus Jonischen und Italischen Nekro- 

16 ) Stehende weibliche Figuren aus Locri und polen S. 52 fr. 

Cumä im Museo nazionale in Neapel. 21 ) Auch die Art des Thones macht es wahrscheinlich, 

17 ) Heuzey, Terres cuites du Louvre S. 9 zu Taf. 11. dafs die Terrakotten heimische Waare sind, vgl. 
Catalogue des figurines du Louvre S. 226. Boehlau S. 155. 

18 ) Terrakotten von Sicilien S. 5. 22 ) Als Beispiele seien die auf Rhodos gefundenen 

19 ) Vgl. Furtwängler, Archäol. Studien H. Brunn Stücke genannt, Heuzey, Terres cuites du Louvre 
dargebracht S. 74. Pottier, Les statuettes de terre Taf. 13. 1. 3. Salzmann, Necropole de Camiros 

Taf. 14. Archäolog. Jahrbuch 1886 S. 154 f. 



Winter, Studien zur älteren griechischen Kunst. je 

sich als zeitlich folgende Gruppe die Gefäfsfiguren an und mit ihnen treten unver- 
mittelt, ohne Übergang, künstlerisch durchgebildete Formen in die Thonplastik ein. 
Möglich, dafs die Idee der Gefäfsfigur auf Ägyptisches Vorbild zurückgeht, die 
Ausgestaltung ist jedenfalls Griechisch. An dem Fortschritt gegenüber den früheren 
Thonbildern haben Technik und Formengebung in gleichem Mafse Teil. Jene brett- 
artigen Figuren sind massiv und aus der freien Hand geknetet, die Gefäfsfiguren 
dagegen sind die ältesten Terrakotten, die mit Verwendung von Hohlformen her- 
gestellt sind. Sie sind rund, die stehenden Figuren röhrenartig gebildet, mit gleich- 
mäfsig ausgeführter Vorder- und Rückseite. Beide Seiten sind für sich geformt und 
aneinandergesetzt, so dafs zwischen der dünnen Wandung ein hohler Raum bleibt. 
Zugleich ist nun die Figur der natürlichen Erscheinung entsprechend gestaltet, im 
Gegensatz zu jenen primitiven Gebilden. Die einzelnen Teile sind körperlich ge- 
staltet, nicht nur durch aufgesetzte Malerei angedeutet und ebenso sind auch an der 
den Körper umschliefsenden Gewandung die einzelnen Lagen und wesentlichsten 
Faltenzüge nicht durch Farbe, sondern durch geringe Eintiefungen der Fläche relief- 
artig ausgedrückt. An Stelle des brett- oder schaftartig gekneteten Bildes ist also 
das modellirte Bild getreten und damit zum ersten Male eine eigentliche Plastik 
auf diesem Gebiete des Handwerks ins Leben gerufen. Schwerlich wird dieser für 
die ganze Entwickelung der Thonbildnerei epochemachende Fortschritt in der 
Keramik selbständig gemacht sein. Es läfst sich vermuten, dafs die Anregung von 
der grofsen Kunst ausgegangen sein wird. 

Die erhaltenen Sculpturwerke der archaischen Zeit bieten ähnliche Er- 
scheinungen in der Entwickelung der Form dar, wie sie in der Thonbildnerei 
erkennbar sind. Der Louvre besitzt eine gegen 1875 aufSamos gefundene Marmor- 
statue, die nach ihrer Inschrift von Cheramyes der Hera geweiht ist 23 . Bruchstücke 
von zwei gleichartigen Figuren sind auf der Akropolis in Athen gefunden worden* 4 . 
Diese Statuen sind als Rundfiguren gebildet. Die Gestalt steht ganz ruhig und in 
grader Haltung da, ein langes Gewand verhüllt den Körper, fällt unten in gleich- 
mäfsiger Rundung auf den Boden auf und läfst nur die Fufsspitzen sichtbar. Das 
Gewand schliefst den Körper völlig ein. Auch die Arme der Figur sind nicht los- 
gelöst, sondern haften — der linke vor die Brust gelegt, der rechte an der Seite 
herabhängend — an der gerundeten Oberfläche, auf der die Falten sehr ausführlich 
und sorgfältig angebracht sind. In der gesammten Anlage entspricht die Gestalt 
völlig dem Bilde, das die stehenden Figuren unter den Terrakotten darbieten 25 . 
Grade so unvermittelt aber, wie diese an die mit der Hand gekneteten platten Thon- 
figuren anschliefsen, steht diese runde Marmorstatue den in graden kantigen Flächen 
gearbeiteten Figuren gegenüber, deren Art von der Nikandrestatue von Delos 26 und 



23 ) Bulletin de correspondance hellenique 1880 Taf. 24 ) 'Ecpr^epU dp-/atoXoyix7) 1888 Taf. VI. Les musees 
XIII. XIV. Brunn-Bruckmann, Denkmäler n. 56. d Athenes Taf. IX. Collignon S. 164. 166. 

Collignon, Histoire de la sculplure grecque 25 ) Vgl. Collignon S. 189. 

S. 163. 26 ) Bulletin de correspondance hellenique 1879 Taf. 1. 

Brunn-Bruckmann n. 57. 



75 Winter, Studien zur älteren griechischen Kunst. 

den primitiven Gewandstatuen von Athen und anderen Orten bekannt ist". Auch 
in der statuarischen Plastik bezeichnet das Aufkommen dieser Rundform den Beginn 
einer neuen Entwicklung. 

Das Verhältnifs der verschiedenartigen Bildungen zu einander wird deutlicher, 
wenn wir uns die Entstehung der Form klar machen. Die Gestaltung der Samischen 
Figur ist zu eigentümlich, als dafs sich denken liefse, der Künstler könne aus der 
Beobachtung der Natur allein auf sie gekommen sein. Es ist in hohem Grade 
wahrscheinlich, dafs die Einflüsse einer bestimmten Technik auf diese Form geführt 
haben, die dann in die Marmorbildnerei übernommen, hier festgehalten und weiter 
gebildet worden ist. Brunn 28 hat gemeint, der Künstler sei von einem runden Holz- 
stamme ausgegangen, wie die Verfertiger der brettartigen Figuren von einem vier- 
kantigen Balken oder einer starken Platte. Gegen diese Herleitung aus der Holz- 
technik läfst sich Mancherlei einwenden. 

Die Überlieferung über altertümliche Holzbilder führt nicht ohne weiteres 
zu dem Schlufs, dafs überall die Holzschnitzerei der Plastik in Stein oder Metall 
vorangegangen, dafs sie über lange Zeit hin vorwiegend geübt worden und von 
entscheidendem Einflufs auf die Ausbildung der Formen gewesen sei. Frühzeitig 
hat man sich, wie die bis ins zweite Jahrtausend zurückreichenden erhaltenen Denk- 
mäler lehren, allenthalben auch des Steinmaterials für plastische Arbeit bedient. 
Die Holzschnitzerei mag allgemein in Gebrauch gewesen sein, das schliefst nicht 
ein, dafs sie allgemein die führende Rolle gespielt habe. Dem Holz läfst sich 
jede Gestaltung der Form abgewinnen. Die ältesten Holzstatuen, die wir kennen, 
die Ägyptischen Figuren aus dem alten Reiche, sind so gebildet, dafs sie in jedem 
anderen Material entstanden kaum wesentlich anders aussehen würden. 

Aber diese allgemeinen Erwägungen treten zurück hinter dem, wie mir scheint, 
entscheidenden Argument, das in der künstlerischen Stellung der Samischen Figur 
enthalten ist. Brunn's Hypothese stellt die beiden Typen, den aus dem Balken und 
den aus dem Stamm entwickelt gedachten, insofern auf gleiche Stufe nebeneinander, 
als sie beide aus demselben Stoff und damit aus verwandten tektonischen Principien 
ableitet. Nun ist aber der Typus der Brettfigur ein alter aus der primitiven Kunst- 
übung überkommener, während der andere, wie in der Thonbildnerei so in der 
Marmorplastik, ohne Anknüpfung an Früheres als etwas ganz Neues in die Erscheinung 
tritt. Die Erklärung dieses unvermittelten Eintretens ist schwerlich anders als im 
Zusammenhange mit dem Aufkommen grofser technischer Neuerungen und Fort- 
schritte zu suchen. 

Die gleichmäfsig abgerundete Oberfläche der Samischen Figur kann ebenso- 
wohl als an einen Stamm an eine Röhre denken lassen. Diese Vorstellung würde 
auf Einflüsse führen, die von der Metallarbeit und zwar am wahrscheinlichsten von 
der Technik des Bronzegusses in seiner einfachsten Anwendung abzuleiten wären. 

27 ) Vgl. Collignon S. 120 ff. Sitzungsberichte 1884 S. 507 fr.) Wiederholt in 

38 ) Brunn, Über tektonischen Stil (Münchener der Griechischen Kunstgeschichte II S. 82 ff. 



Winter, Studien zur älteren griechischen Kunst. yj 

Bei den ersten Versuchen, eine Statue in Hohlgufs herzustellen, wird der Künstler ver- 
mutlich darauf bedacht gewesen sein, der Gestalt eine solche Bildung zu geben, 
die dem neuen Verfahren die geringsten Schwierigkeiten entgegensetzte. Als die 
einfachste Aufgabe für den Hohlgufs läfst sich die Herstellung einer cylindrischen 
Röhre aus zwei Hohlformen bezeichnen. Je mehr der Künstler die Figur einer 
solchen ähnlich hielt, je mehr er Höhen und Tiefen auf der Oberfläche und ein 
Loslösen einzelner Teile von dem Mantel der Röhre vermied, um so leichter und 
sicherer mufste seine Arbeit sein. 

Die Samische Figur ist wie in der Gesammtanlage so in der Einzeldurch- 
führung in dieser einfachen Art gebildet. Der Künstler hat die einzelnen Teile eng 
zusammengehalten. Auch die Falten am Gewände sind so ausgeführt, dafs die 
Gleichmäfsigkeit der Oberfläche möglichst bewahrt ist. Für Einzelheiten ihrer Be- 
handlung hat bereits Lechat 29 darauf hingewiesen, dafs die Arbeit mehr der Metall- 
technik als der Marmortechnik zu entsprechen scheine. 

Die Statue ist auf Samos gefunden. Das beweist nicht an sich, wohl aber 
im Zusammenhange mit dem, was sich aus ihrer Formengebung erschliefsen läfst, 
für ihren Ursprung 30 . Denn in Samos ist, der Überlieferung zufolge, von Rhoikos 
und Theodoros die Erfindung des Bronzegusses gemacht. Alles führt darauf hin, 
dafs dies in der ersten Hälfte des sechsten Jahrhunderts geschehen ist und dafs 
das Neue im Wesentlichen darauf beruhte, dafs von den beiden Künstlern zum 
ersten Male der Hohlgufs aus Stückformen für statuarische Werke zur Anwendung 
gebracht wurde 31 . 

Wir kehren nun zu den Terrakotten zurück. In ihrem Haupttypus, dem der 
stehenden, langbekleideten weiblichen Figur, gleichen sie so völlig der Samischen 
Statue, dafs man sie verkleinerte Nachbildungen von ihr nennen könnte. Bemerkens- 
wert ist besonders die Entsprechung in einer Einzelheit, die Brunn an der Marmor- 
figur hervorgehoben hat 32 : »Das Gewand berührt nach unten zu nicht einfach den 
Boden, sondern breitet sich länger als der Körper ringsum wie fächerartig in ziem- 
lich starker Ausladung aus und erinnert dadurch wieder an einen Baum, der mit 
seinem Stammende breit auf dem Boden aufsitzt und sich dadurch als in demselben 
festgewurzelt zu erkennen giebt.« Grade dieses ansprechendste Argument in der 
Brunn'schen Hypothese wird durch die Terrakotten widerlegt. Wenn die Marmor- 
statue wegen ihres vollen Schaftes immerhin einem Stamme ähnlich genannt werden 
könnte, so sind die Thonfiguren mit ihrem hohlen Schaft wirkliche Röhren. Diese 
Bildung beruht aber eben auf der Verwendung der Hohlform und grade darin, dafs 
die Terrakotten mit Hohlformen hergestellt sind, liegt, wie schon bemerkt, der ent- 
scheidende Fortschritt, den sie in der Entwickelung der Thonbildnerei bekunden. 

Es braucht jetzt nur noch ausgesprochen zu werden, dafs die Anregung zu 
dieser wichtigsten Neuerung die Erfindung des Rhoikos und Theodoros gegeben 

29 ) Bulletin de correspondance hellenique 1890 S. 143. 31 ) Brunn, Griechische Kunstgeschichte II S. 66ff. 

30 ) Anders urteilt Sauer (Athen. Mitth. 1892 S. 47. 32 ) Über tektonischen Stil S. 514. # 
6 7 rT.). 



yS Wide, Geometrische Vasen aus Griechenland. 

haben wird, wenn diese, wie es den Anschein hat, der Griechischen Kunst das 
Verfahren der Arbeit mit Hohlformen zum ersten Male bekannt machte. 

Der Umstand, dafs die ältesten unter Anwendung dieses Verfahrens her- 
gestellten Terrakotten in Stil und Typus der Marmorfigur des Louvre gleichen, ist 
für die gegebene Beurteilung dieser zugleich beweisend. Hier schliefst sich, so 
scheint es, Alles zu dem einfachsten Ergebnifs zusammen. Und für die Terrakotten 
gewännen wir daraus eine genaue Bestimmung sowohl der Entstehungszeit wie des Ent- 
stehungsortes, eine Bestimmung, die sich zugleich mit dem, was die Fundthatsachen 
in der Samischen Nekropole als wahrscheinlich erkennen liefsen, zusammenschlösse. 
Die Thonfiguren wären in der ersten Hälfte des sechsten Jahrhunderts auf Samos 
verfertigt und hätten von da aus ihre weite Verbreitung nach Osten und Westen 
gefunden. Damit soll nicht gesagt sein, dafs alle einzelnen vorhandenen Exemplare 
in Samos selbst gearbeitet sein müfsten, und dafs ihre Herstellung nicht über die 
untere Grenze dieses Zeitraums hinaus angedauert hätte. Denn an manchen Orten 
wird dem Import der neuen Waare die Nachahmung gefolgt sein. 

Berlin, Februar 1899. Fr. Winter. 



vjj'a^ s>— ^1 \UA cw^ 



GEOMETRISCHE VASEN AUS 
GRIECHENLAND. 

(Fortsetzung.) ' 

BOIOTIEN. 
Die geometrischen Vasen aus Boiotien lassen sich von denen der anderen 
Landschaften sehr leicht unterscheiden. Der Thon ist locker und nicht sehr gut 
geschlämmt, wie es die eingesprengten weifsen Kalksteine bezeugen; seine Farbe 
ist rötlich 2 . Darüber ist oft ein weifslicher Überzug aus hellerem Thon oder aus 
Farbe aufgesetzt, und darauf wird die Zeichnung angelegt. Der Firnis ist schwarz- 
braun und gewöhnlich stumpf, wie sich besonders aus dem Vergleich mit dem 
attischen Dipylonfirnis ergiebt. Die Verzierungen sind mit dicken Pinselstrichen, 
meistens etwas flüchtig, aufgemalt und machen im Allgemeinen einen groben, 
ungeschickten und wenig erfreulichen Eindruck. Die Decorationsmotive sind ein- 
fach und wiederholen sich häufig, da ihrer nicht viele sind. Es sind meistens con- 
centrische Kreise, verticale und horizontale Zickzack- oder Wellenlinien, Dreiecke, 
Grätenmuster und das Abb. 36 im untersten Streifen vorkommende Motiv, das 
wahrscheinlich eine Verflüchtigung aus dem fortlaufenden Spiralmotiv oder aus den 

- 

!) Vgl. oben S. 26IT. *) Vgl. Boehlau im Archäol. Jahrbuch III (1888) S. 327 



Wide, Geometrische Vasen aus Griechenland. 



79 



sogenannten falschen Spiralen ist. Hakenkreuz und Viereck kommen nur vereinzelt 
vor. Der Mäander scheint auf den geometrisch decorirten Vasen aus Boiotien 
gänzlich zu fehlen — vielleicht weil die Spirale, aus der der Mäander wohl ab- 
geleitet ist, in Boiotien eine andere Entwicklung genommen hat, wovon eben die 
Rede war 3 . Die Hauptdecoration fällt auf die zwischen den Henkeln befindliche 
Fläche, welche mitunter durch verticale Trennungsglieder in mehrere, gewöhnlich drei 
Felder geteilt ist. Durch diese viereckigen Felder werden nicht selten Diagonalen 
gezogen und die so entstandenen Dreiecke in verschiedener Weise ausgefüllt, 
i) Fig. 32. Athen, Nat.-Mus. Nr. 895. Gelblich rötlicher Thon ohne Überzug 4 , 
rotgebrannter Firnis. H. 0,645. Dm. d. Mdg. 0,21. Gr.-Umf. 0,99. 




Fig. 32. 



3 ) Die ursprünglichen Spiralen scheinen sich im 
boiotisch - geometrischen Stil auch in einer 
anderen Weise entwickelt zu haben. Denn aus 
den falschen Spiralen (indirekt also aus den 
echten) sind wahrscheinlich die aneinander ge- 
reihten concentrischen Kreise, die auf den 



boiotisch -geometrischen Gefäfsen nicht selten 
auftreten, entstanden, vgl. die oben S. 31 f. dar- 
gelegte Beobachtung in Bezug auf das daselbst 
Fig. 7 abgebildete Gefäfs aus Thera. 
4 ) Hier wiederholt nach Jahrbuch XII (1897) S. 196. 
Die Oberfläche von Nr. 895 und 896 ist offenbar 



go Wide, Geometrische Vasen aus Griechenland. 

Die Hinterseite hat eine von der Vorderseite etwas abweichende Deco- 
ration: im mittleren Felde des vertical zerteilten Hauptstreifs sind statt der 
durch Diagonalen des Vierecks entstandenen Dreiecke horizontale Zickzack- 
linien gezogen. 

2) Fig. 33. Athen, Nat.-Mus. Nr. 896. Rötlich brauner, geglätteter Thon ohne 

Überzug 4 , glänzender Firnis an den Henkeln und den Ornamenten, stumpfer 
am unteren Teil. Hals gebrochen. H. 0,44. Dm. der Mdg. 0,135. G*> 
Umf. 0,95 5 . 

Das etwas befremdende Ornament im Mittelfeld des decorirten Haupt- 
streifens scheint auf ein metallisches Spiralmotiv, sowie ein ähnliches Spiral- 
motiv an einem kretischen Vasendeckel, der in den Athen. Mittheilungen 1897 
S. 242 Fig. 12 abgebildet ist, zurückzugehen. Im Mittelfeld an der entgegen- 
gesetzten Seite (abg. Jahrb. 1897 S. 197) ist ein anderes Ornament gemalt, 
das zwei von einander abgewandten Mondsicheln ähnlich sieht. Dies Ornament 
könnte vielleicht eine Vereinfachung des oben besprochenen Spiralmotives sein. 

3) Fig. 34« Athen, Nat.-Mus. Nr. 255. Grauer, geglätteter Thon, ohne Überzug, 

schwarzbrauner Firnis. H. 0,16. Dm. d. Mdg. 0,17. Gr. Umf. 0.83. Im deco- 
rirten Hauptstreif eine Reihe weidender Hirsche neben verschiedenen Füll- 
motiven. 





Fig- 34- 



Fig- 33- 

4) Fig. 35. Athen, Nat.-Mus. Nr. 256. Thon und Firnis, wie bei dem vorangehenden 
Gefäfse. H. 0,21. Dm. d. Mdg. 0,12. Gr.-Umf. 0,62. Der eine Henkel ist 
gebrochen. Im Hauptstreifen ist dargestellt ein Mann, der gegen ein wildes 

stark geschlämmt bei der Fabrikation, so dafs sie 5 ) Nachdem wir die Hiller'schen Vasenfunde aus 
heller erscheint und bei Nr. 895 sogar etwas Thera kennen gelernt haben, scheint es, als ob 
abblättert. Es ist also gleichsam aus der eigenen diese Vase mit den theräischen, in boiotischem 
Oberfläche ein Überzug hergestellt, nicht etwa ein Stil decorirten Gefäfsen eine gewisse Verwandt- 
anderer Thon angewendet. schaft habe. 



Wide, Geometrische Vasen aus Griechenland. 



Thier kämpft. Das betreffende Thier ist wohl ein Löwe und zwar ein »euro- 
päisch« stilisirter im Gegensatz zu dem »asiatischen« Löwen, vgl. unten Nr. 6. 




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Fig. 35- 



Fig 35»- 



5) Fig. 36. Athen, Nat.-Mus.Nr. 236. Thon und Firnis wie bei den vorigen. H. 0,42. 

Dm. d. Mdg. 0,13. Gr. Umf. 0,87. 

Am Halse finden wir eine figürliche Darstellung, einen Mann mit Schwert 
an der Seite, der zwei einander gegenüberstehende Pferde an den Zügeln hält 
— etwa dieselbe Darstellung, wie auf der 
oben publicirtenmelischen Vase (S. 34, Fig. 12). 
Auf der Schulter ist ein Pferd, das den Kopf 
umdreht, in liegender Stellung abgebildet; 
zu jeder Seite eine verticale Wellenlinie und 
concentrische Kreise, von denen der äufserste 
punktirt ist. Die zwei unteren decorirten 
Horizontalstreifen sind mit verticalen Zick- 
zacklinien verziert, die sich gewöhnlich zu 
vier in bestimmten Entfernungen wiederholen. 
Im untersten Streifen haben wir ein für den 
boiotisch- geometrischen Stil sehr charakte- 
ristisches Ornament, auf dessen Beschreibung 
ich verzichte. In diesem Ornament sehe ich 
eine geometrische Verflüchtigung des laufen- 
den Spiralmotivs; auf den attischen Dipy- 
lonvasen finden wir ein ähnliches Ornament, 
das wahrscheinlich aus den durch Tangenten 
verbundenen Kreisen entstanden ist. 

6) Fig. 37. Athen, Nat.-Mus. Nr. 228. Roter Thon mit einem weifsgelben Anstrich, 

worauf die Ornamente mit schwarzbraunem Firnis aufgetragen sind. Auf 
diesem Firnis sind an drei Stellen Wellenlinien weifs aufgemalt. H. 0,66. 
Dm. d. Mgd. 0,21 (aufsen 0,265). Umf. 1,345. 




Fig. 36. 



82 



Wide, Geometrische Vasen aus Griechenland. 



Abgesehen davon, dafs hier der Hals fehlt, erinnert dies Gefäfs in der 
Form an die von Wolters 'Ecpyjfi. dp^aioX. 1892 Taf. 10,1 abgebildete Vase 
aus Boiotien. Auch die Henkelform ist bei beiden Vasen dieselbe. Beide 
repräsentiren den Abschlufs des rein geometrischen Stils und den Übergang 
zu einer orientalisirenden Richtung. Während also auf der einen Seite ein 
geometrisch eckiges Pferd neben einem geometrisch stilisirten Vogel die 
Hauptdarstellung bildet, finden wir auf der entgegengesetzten Seite einen in 
orientalischem Stil gemalten Löwen. Unter den vielen Füllmotiven bemerken 



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Fig. 37- 



Fig. 37 a. 



wir Dreiecke, Rhomben, Blattmotive, Zickzacklinien, Hakenkreuz und Mäander- 
haken. Auf einen östlichen Kunsteinflufs scheinen auch die mit Weifs auf 
dem schwarzen Firnisgrund gemalten Wellenlinien zurückzugehen. Diese 
Art des Malens begegnet uns wenigstens in Attika zum ersten Mal auf den 
orientalisch beeinflufsten »frühattischen« Vasen, während sie dem echten 
Dipylonstil gänzlich fehlt 6 . 



6 ) Inzwischen ist diese Vase von Herrn L. Couve 
im Bulletin de Correspondance Hellenique 1898 
S. 2741". abgebildet und besprochen worden. 
Herr Couve irrt sich, wenn er a. a. O. behauptet, 
dafs ich die betreffende Vase nicht kannte, als 
ich in diesem Jahrbuch 1897 S. 195 f. (Taf. VII) 
eine altgriechische Vase im Nationalmuseum zu 
Stockholm veröffentlichte. Dafs ich dort diese 
Vase nicht erwähnte und nicht zu erwähnen 
brauchte, erklärt sich dadurch, dafs die Stock- 
holmer Vase, wenn sie auch mit der von Herrn 



Couve publicirten einige für den ganzen boiotisch- 
geometrischen Stil charakteristische Decorations- 
elemente gemeinsam hat, doch weder in der 
Form (wie ja Herr Couve selber zugiebt) noch 
in den Ornamenten und deren Anordnung dem 
betreffenden Gefäfs so nahe steht, wie den zwei 
dort von mir zum Vergleich herangezogenen. 
Bei einer Untersuchung, wo es gilt die Pro- 
venienz einer Vase festzustellen, genügt es doch, 
die am nächsten stehenden Gefäfse zu ver- 
gleichen. 



Wide, Geometrische Vasen aus Griechenland. 



83 



Da das Nationalmuseum in Athen nur wenige Exemplare geometrisch 
decorirter Vasen aus Boiotien besitzt, füge ich einige aus dem athenischen 
Kunsthandel entnommene Proben hinzu, um das für die boiotisch-geometrische 
Vasenornamentik Charakteristische vollständiger vorführen zu können. 

7) Fig- 38. Aufser den sonst für Boiotien charakteristischen Ornamenten finden 

wir im Hauptstreifen eine Reihe geometrisch gebildeter Vögel. Die Füllung 
des Raumes wird durch Punktrosetten hergestellt. 

8) Fig. 39- Hier erscheint im Schulterstreifen ein neues Ornament oder Füllmotiv, 

Quadrate, die durch parallele Linien in kleinere Quadrate aufgeteilt sind. 
Vergl. das Ornament am Halse einer unten veröffentlichten trozenischen 
Amphora. 

9) Fig. 40. Die Decoration bezeichnet durch die Füllmotive den Ausgang des 

geometrischen Stils 7 . 




Fig. 38. 





Fig. 40. 



Fig. 39- 



LAKONIEN. 
Von den Erzeugnissen der lakonisch -geometrischen Vasentechnik haben wir 
nur wenige Überreste; aber was noch da ist, läfst uns erkennen, dafs auch der 
lakonisch geometrische Stil ganz eigenartig auftritt und sich von den übrigen 
geometrischen Stilen gut unterscheiden läfst. Von diesen Vasen besitzen wir eigent- 
lich nur zwei Exemplare, die von Tsuntas in der 'Ecprjji. dp^atoX. 1892 Taf. 4, 1.2 
abgebildet worden sind, und von diesen ist das eine Exemplar fragmentirt. Da es 
wünschenswerth ist, diesen Stil im Zusammenhang mit den übrigen Vasengattungen 
kennen zu lernen, sind die Abbildungen hier wiederholt. 
1) Fig. 41. Athen, Nat.-Mus. Nr. 233, aus dem Amyklaion. Schmutzig grauer 
Thon, graugelber Überzug, Firnis metallisch schwarzglänzend. Das Gefäfs ist 
innen ganz gefirnifst. Die hier vorhandene geometrische Decoration läfst 
vermuten, dafs der geometrische Stil in Lakonien sehr einfach und sogar 



T ) Für den geometrischen Stil in Thessalien 

kenne ich nur ein Beispiel, die in den Athen. 

Mittheilungen 1889 Taf. XI 8 abgebildete Vase, 

die indessen deutlich erkennen läfst, dafs die 

Jahrbuch des archäologischen Instituts XIV. 



thessalisch -geometrische Vasenornamentik ganz 
eigenartig ist und zu den geometrischen Stil- 
arten der anderen Landschaften einen ent- 
schiedenen Gegensatz bildet. 

7 



8 4 



Wide, Geometrische Vasen aus Griechenland. 



kümmerlich war. H. 0,255. Dm. d. Mdg. 0,765'. Hinten mit einem Henkel 
ergänzt. 
Fig. 42. Athen, Nat.-Mus. Nr. 234, aus dem Amyklaion, fragmentirt, ohne Über- 
zug. H. 0,22. Umf. des Erhaltenen 0,26, Dicke an der Wandung 0,05 — 0,06. 
Thon im Bruche braun, viele weifse Einsprengungen. Oberfläche stark ge- 
schlämmt. Wo weifse Körnchen sind, ist die Oberfläche abgesplittert. Firnis 
dunkelbraun. Das Gefäfs ist innen ganz gefirnist. Die Decoration des 
Hauptstreifens bildet eine Reihe tanzender Männer. Als Füllmotive bemerken 
wir die viersaitige Kithara, eine Eidechse und mehrere kleine Rhomben. 








Fig. 41. 




Fig. 42. 



Bei einem Besuch im Amyklaion im Sommer 1894 sammelte ich einige 
Vasenscherben, die an der Ausgrabungsstätte zerstreut lagen. Der Thon 
ist ein heller, gelbbrauner; auf der geglätteten Oberfläche ist der glänzend 
schwarze Firnis direct aufgetragen. Die hauptsächlichen Decorationsmotive 
sind Dreiecke, die innen öfters schraffirt sind. Die horizontalen Streifen 
scheinen häufig in metopenartige Vierecke geteilt zu sein, die entweder mit 
Schraffirung ganz ausgefüllt sind oder dreieckige Ornamente enthalten. 

ARGOLIS. 
Auch der argolisch- geometrische Stil ist spärlich vertreten. Ganz erhalten 
ist nur ein Gefäfs, angeblich aus Mykenai, dessen Fundangabe • nicht ganz sicher 
ist, da es nicht bei einer ordentlichen Ausgrabung gefunden und man auf die An- 
gabe des Verkäufers angewiesen ist. 
1) Fig. 43. Athen, Nat.-Mus. Nr. 230, angeblich aus Mykenai 8 . H. 0,245. Dm. d. 



8 ) Es ist eine bekannte Thatsache, dafs kurz nach 
gröfseren Ausgrabungen Antiquitäten in Athen 
feilgeboten werden unter der Angabe, dafs sie 
an den betreffenden Ausgrabungsstätten gefunden 
seien. So traf ich eines Tages in Athen einen 
Mann, der mir einige Antiquitäten verkaufen 



wollte, die nach seiner Angabe von den damaligen 
deutschen Ausgrabungen am Westabhange der 
Akropolis stammen sollten. Es könnte leicht 
möglich sein , dafs der Mann , der die Vase an 
die Archäologische Gesellschaft in Athen ver- 
kaufte, die Fundnotiz unter dem Einflufs der 



Wide, Geometrische Vasen aus Griechenland. 



85 



Mdg. 0,31. Bräunlich gelber, etwas lederfarbiger Thon mit weifsen Ein- 
sprengungen, Firnis etwa kastanienbraun, heller und dunkler, glänzend, im 
Glanz an Nr. 233 erinnernd. Innen ganz gefirnifst. Die Form erinnert an 
den oben S. 34 Fig. 12 abgebildeten melischen Krater, auch den gewundenen 
Henkel hat dies Gefäfs mit dem melischen gemeinsam. Ebenso werden wir 
in der Decoration durch die Reihen von kleinen Punkten und von Rhomben 
an den betreffenden melischen Krater erinnert. Mit den boiotisch-geometrischen 
Vasen hat unser Gefäfs das Grätenmotiv und die horizontalen oder verticaien 
Zickzacklinien gemeinsam. Die obere Reihe von Dipylonvögeln erinnert an 
derartige Motive auf attisch-geometrischen Vasen. Eigenartig ist das treppen- 
förmige Mäandermotiv, das ich sonst nur auf einer im British Museum 
aufbewahrten Vase kenne 9 . 

Durch die Freundlichkeit des Herrn J. Böhlau bin ich im Stande zwei 
Vasenscherben aus Argolis zu publiciren. 
2) Fig. 44. Wahrscheinlich aus Mykenai, H. 0,175. Gröfste Breite 0,13. Hell- 
gelber Thon, wenig geglättete Oberfläche, matter schwarzer Firnis. Der obere 
Rand ist mit Gruppen von kleinen Strichen verziert. Im Hauptstreif eine 




43- 




Fig. 44. 



Reihe Krieger, deren Ausstattung an die mykenische Waffentracht erinnert 10 . 
Unten eine Reihe Kraniche, die weniger eckig gebildet sind, als die Dipylonvögel. 
3) Fig. 45. Museum in Argos. Gröfste Höhe ca. 0,10, gröfste Breite ca. 0,11. 
Oben eine Art Verdreifachung des Motives der durch Tangenten ver- 
bundenen Kreise. Der Hauptstreifen zeigt tanzende Frauen (wohl Bacchantinnen), 



Schliemann'schen Ausgrabungen erfunden hätte. 
Mit Rücksicht auf diese Möglichkeit möchte ich 
bezweifeln, dafs das Gefäfs wirklich aus Mykenai 
stammt. Im EüpExVjpiov tt}; 'Ap^ocioX. 'Eratpfas 
steht nur: Mu*1JV«»V, tb{ eTttev 6 iru>X7)Tiq;. Da- 
durch ist natürlich nicht ausgeschlossen, dafs 



das Gefäfs argolisch sein kann, und dafs es auch 

wahrscheinlich aus Argolis stammt. 
9 ) Brit. Mus. A 6 (386). 
°) Hier ist nicht der Ort auf diese Bewaffnung 

näher einzugehen, deren Besprechung ich mir 

für eine andere Gelegenheit vorbehalten möchte. 



86 



Wide, Geometrische Vasen aas Griechenland. 




die in den Händen Zweige halten. Ihre Form ist weniger 
eckig und die Haltung viel lebendiger als sonst im geome- 
trischen Vasenstil. Links in einem metopenartigen Ab- 
schnitt ein Mäander. 

Andere Beispiele geometrischer Vasentechnik aus 
der Argolisebene finden sich bei Schliemann, Mykenae 
Taf. XX. XXI und Schliemann Tiryns Taf. XVI ff. 



Fig. 45- 



Die zwei hier unten abgebildeten Gefäfse stammen 
aus Stais' Ausgrabungen bei Trozen. Der Form nach 
erinnern sie sehr an eine Gattung attischer Dipylon- 
vasen, die weiter unten zu besprechen ist. Es läfst sich nicht entscheiden, ob 
diese Gefäfse in Trozen fabricirt sind, ob sie von Attika importirt oder Nach- 
ahmungen attischen Importes sind. Die beiden letzteren Möglichkeiten liefsen sich 
gut mit der historischen Tradition vereinigen, da nach dieser bekanntlich die 





Fig- 46. Fig. 47. 

Trozenier zu dem gegenüber liegenden attischen Lande von Alters her enge Be- 
ziehungen gehabt haben sollen 11 . Der Körper des Gefäfses ist mit Firnis ganz 
überzogen bis auf die zwischen den Henkeln befindliche Fläche des Halses. Diese 
Fläche trägt ein sehr einfaches Ornament. 

4) Fig. 46. Athen, Nat.-Mus. Nr. 816, aus Trozen. Roter Thon, schlechter schwarzer 

Firnis. H. 0,70. Dm. d. Mdg. 0,195. Gr. Umf. 1,23. 

5) Fig. 47. Athen, Nat.-Mus. Nr. 817, aus Trozen. Roter Thon, schlechter schwarzer 

Firnis. H. 0,70. Dm. d. Mdg. 0,195. Gr. Umf. 1,23. 

(Fortsetzung folgt.) 

Liind. Sam Wide. 



]l ) Ein derartiges Gefäfs ist, wie mir Dragendorff mittheilt, auch auf Thera bei den Hiller'schen Aus- 
grabungen gefunden worden. 



G^j, 



^5> cy*3k/^ 



ZUM ARCHAISCHEN MARMORKOPF 

AUS DER 
SAMMLUNG SABUROFF IM BERLINER MUSEUM. 

Der archaische Marmorkopf in Berlin, welcher aus der Sammlung Saburoff 
stammt, ein bisher einzig dastehendes Kleinod altattischer Kunst, fällt bekanntlich 
durch seine Haartracht aus der Reihe gleichzeitiger Werke stark heraus. Während 
der Bart, wenn man hier den abgebrochenen Teil ergänzt denkt, in seiner Form 
nicht wesentlich von verwandten Köpfen abweicht — der Kalbträger und der Aristion 
wären heranzuziehen — giebt es keine Analogie für scheinbar so kurz geschorenes 
Haar. Man hat bisher für diese Thatsache keine andere Erklärung versucht, als 
die, dafs der Kopf ein Porträt eines Mannes sei, der so kurzes Haar zu tragen 
pflegte. Und so gilt der Kopf als ein Porträtkopf im engeren Sinne. Auffallend bliebe 
schon an und für sich in Zeiten von so ausgeprägten Sitten, die gerade für die langen 
künstlich geordneten Haare des Mannes durch eine so grofse Zahl von Denkmälern 
belegt werden, auffallend bliebe immer eine Persönlichkeit, die so ganz der herrschenden 
Sitte entgegen das Haar kurz geschoren hätte. Auffallend war ferner immer die 
Thatsache eines Porträts in so alter Zeit, die sich nicht dem fügen will, was wir 
sonst von Religion, Kunst, Kultur und Leben des sechsten Jahrhunderts wissen. Was 
in dem Kopfe so stark und individuell wirkt, wird eher auf die persönliche Kraft 
des Künstlers als auf ein bestimmtes zu Grunde liegendes Naturobject zurückgehen. 
Ohne jene eigentümliche Haartracht würde man ursprünglich nicht auf den Ge- 
danken gekommen sein, den Kopf für ein Porträt zu halten, und in ihr liegt, wie 
ich im Gegensatz zu anderen auch jetzt noch glaube, wesentlich das scheinbar 
porträthafte in unserem Sinne. 

Aber die Annahme kurz geschorener Haare erklärt nicht alle Seltsamkeiten 
des Kopfes. Jene angeblichen Haare gehen nämlich hinter den Ohren ziemlich 
weit hinunter und bis dicht an die Ohren heran. Das wäre nicht wunderbar bei 
langem Haar, welches dahin fallen konnte, aber kurzgeschorenes darf doch nur da 
sein, wo das Haar zu wachsen pflegt, und die unmittelbare Umgebung des Ohres 
pflegt von Haaren frei zu sein. Auch wächst das Haar wohl kaum jemals so tief 
in den Nacken, und vor allem bedeckt es niemals hinter dem Ohre die Stelle, wo 
unter der Haut der Warzenfortsatz des Schläfenbeines liegt. Es wäre ein monströser 
Haaransatz, wie er hier erscheint. Ähnlich scheint es bei dem sogen. Pherekydes 
in Madrid zu sein und ich schliefse ihn daher frageweise in die folgende Hypothese 



88 Graef, Zum archaischen Marmorkopf aus der Sammlung Saburoff im Berliner Museum. 

ein mit aller Vorsicht, die einem Werke gegenüber am Platze ist, welches man 
nicht im Originale kennt. Auffallend ist bei dem Berliner Kopf auch die Art 
wie die Ohren ganz flach anliegen, sich so wenig plastisch aus ihrer dunkelen Um- 
rahmung loslösen. Das möchte man nicht auf das »Ungeschick« eines so hervor- 
ragenden Bildhauers schieben, ist es doch beim Typhon ganz anders. Wir er- 
warten nicht, dafs das Ohr von einer dicken fülligen Haarschicht sich stark abhebe, 
aber an einem ganz kahl geschorenen Schädel dürfte es wirklich nicht so ankleben. 

Eine andere Besonderheit bietet die Haargrenze oben über der Stirn. Ich 
habe niemals auch nur einen Augenblick geglaubt, dafs sie so vom Künstler beab- 
sichtigt gewesen sei, da weder Kunstwerke noch die Natur ähnliches zeigen. Viel- 
mehr erschien es mir stets als selbstverständlich, dafs die von beiden oberen 
Stirnecken aus in einfacher Curve verlaufende Haargrenze in der Mitte zu irgend 
einem Zwecke später ausgeschnitten worden sei. In der That ergab die Unter- 
suchung des Originales, dafs die vorausgesetzte ursprüngliche einfach verlaufende 
Haargrenze sich oben auf der Stirn noch in einer ganz schwachen aber deutlichen 
Spur erhalten hat. Die Spur ist auch am Abgufs und auf Abbildungen erkennbar. 
Es ist also in der That von der Haarschicht später etwas fortgenommen worden. 
Dies ist aber in so sorgfältiger Weise geschehen, dafs man nicht an eine viel 
spätere Verletzung denken kann, sondern eine bald nach der Vollendung des 
Kopfes vorgenommene planvolle Zurichtung. 

Drittens ist die Oberfläche des Schädels anders bearbeitet, als die des Bartes. 

Der Bart ist so hergerichtet, dafs zuerst seine ganze Oberfläche leidlich glatt 
angelegt wurde, dieser sind dann mit spitzen Eisen viele kleine Narben beigebracht, 
so dafs also zwischen den rauhen Vertiefungen die höheren Stellen glatt stehen 
geblieben sind, man erkennt das an beiden Seiten des Backenbartes, besonders gut 
aber an der rechten. So wird die Arbeit auch im grofsen Berliner Katalog unter 
No. 308 beschrieben. Dagegen ist die Oberfläche des Kopfes niemals glatt ge- 
wesen, sie ist nur mit dem spitzen Eisen bis auf ihren jetzigen Zustand gebracht 
und dann roh stehen geblieben. Wer hier für den Bart diese sorgfältige und 
künstliche, der natürlichen Erscheinung immerhin nahekommende Technik erfand 
— denn sie ist ja keineswegs die übliche — der konnte nicht die ganze Schädel- 
oberfläche so roh stehen lassen. Bemalt konnte sie auch nicht sein, dazu war sie 
zu rauh. 

Man könnte für eine derartige Haartracht und Behandlung sich auf die 
schöne archaische Grabstele aus der Sammlung Borgia in Neapel berufen; denn 
dort ist zwar das Gesicht, wie ich am Originale feststellen konnte, gänzlich über- 
arbeitet — wahrscheinlich um Verletzungen auszugleichen — aber Haar und Bart 
schienen mir intakt. Man sieht aber gerade hier ganz deutlich, wie das Haar in 
einer dicken Schicht den Kopf umgiebt, dick genug, dafs auch das Ohr wie darin 
gebettet erscheint, und der Rand dieser Schicht nach der Stirn zu zeigt kleine 
Bogen, also für Löckchen, die gewifs auf dem ganzen Kopf durch Bemalung an- 
gedeutet waren. Also eine ganz andere Darstellung des Haares als beim Berliner 



Graef, Zum archaischen Marmorkopf aus der Sammlung Saburoff im Berliner Museum. 8Q 

Kopfe, wie sich doch auch die Tracht kurzer Locken, die ein Band umgiebt noch 
wesentlich von einem kahlgeschorenen Kopfe unterscheiden würde. Zudem ist die 
Grabstele doch wahrscheinlich nach Mafsgabe der bisher bekannten analogen Werke 
nicht attisch. In Attika würde selbst diese Frisur im sechsten Jahrhunderts auffallen. 
Die Grabstele Borgia ist also nur geeignet, die Anomalien des Berliner Kopfes in 
ein helleres Licht zu stellen. 

Es giebt eine Annahme, welche diesen verschiedenen Anstöfsen gleicher- 
mafsen gerecht wird: der Kopf trug ehemals einen bronzenen Helm. Der 
Nackenschirm bedeckte die Partie hinter den Ohren, nur das Ohr war sichtbar. 
Oben über der Stirn ergab sich die Notwendigkeit, eine Kleinigkeit fortzuschneiden, 
damit der Helm pafste; das ist mit einer Sauberkeit geschehen, wie man sie nur in 
archaischer Zeit findet. Vielleicht rührt auch eine kleine Verletzung an der rechten 
Schläfe von dem Ansatz der Backenklappe. Dafür, dafs eine Kopfbedeckung ohne 
besondere Befestigung einem Kopfe einfach aufgesetzt sei, steht mir aus archaischer 
Zeit kein anderes Beispiel zur Verfügung, denn der bekannte bärtige Bronzekopf 
auf der Akropolis hat wenigstens ein Loch oben auf dem Scheitel. Wohl aber 
lernte ich aus späterer Zeit durch F. Hiller von Gaertringen einen Hermeskopf aus 
Thera kennen, bei welchem der Hut einfach auf die von Haaren frei gelassene 
Schädelhalbkugel aufgesetzt gewesen sein mufs. Der Kopf wird in dem Werk 
über Thera veröffentlicht werden 1 . Die Annahme eines Helmes befreit uns also 
von der grofsen Anomalie des kurzen Haares von den kleineren die oben be- 
sprochen sind und von dem Zwange ein ikonisches Porträt anzunehmen. Die 
individuelle Formenbehandlung des Kopfes mufs auf tiefere Quellen in der Er- 
fahrung und Begabung des Künstlers zurückgeführt werden, als auf den äufseren 
Anlafs eines zu porträtirenden Menschen. Botho Graef. 



') Auch der Athenakopf aus Brescia (Furtwängler, Bemerkten keine besondere Befestigung des 

Meisterw. Fig. 23) scheint nach dem dort S. 123 Helmes gehabt zu haben. 



o c3(/\xrY\JL v v\ 



DIE DIOPTRA DES HERON. 

Unter den Schriften des Mechanikers Heron von Alexandria ist eine Ab- 
handlung Trspt SioTT-pot? erhalten, welche ausführliche Anweisungen zum Bau und zur 
Handhabung eines kombinierten Visier- und Nivellierinstruments enthält und eine 
der Hauptquellen unserer Kenntnis der antiken Feldmefskunst ist. Sie ist zuerst 
im Jahre 1814 in einer italiänischen Übersetzung des Physikers Venturi bekannt 
geworden 1 ; den griechischen Text hat Vincent im Jahre 1858 publiziert 2 . Ihnen 
beiden lagen nur Handschriften der Renaissance vor, die viel zu wünschen übrig 
liefsen; inzwischen ist jedoch in dem Mynascodex der griechischen Kriegsschrift- 
steller in der Pariser Nationalbibliothek [sußplement grec n. 607) der Archetypus 
der gesamten, uns noch fliefsenden Überlieferung aufgefunden worden. Damit 
dieser jetzt allein mafsgebenden Handschrift nicht nur eine zuverlässigere Grund- 
lage der Wortkritik, sondern auch eine Reihe neuer Anhaltspunkte zur Entscheidung 
anderer, bisher strittiger Fragen gewonnen ist, so wird ein neuer Versuch, die 
Dioptra des Heron und die dazu gehörenden Richtlatten nach der Beschreibung zu 
rekonstruieren und durch Abbildungen zu veranschaulichen, nicht überflüssig sein. 
Weitaus das Beste für das Verständnis dieses Abschnittes der Schrift hat Venturi 
geleistet, dessen Sachkunde hier wie in allen seinen verwandten Arbeiten glänzend 
ans Licht tritt; seine Rekonstruktion des Instruments steht jedoch nicht durchgängig 
mit den Angaben des Schriftstellers selbst im Einklang und bedarf deshalb noch 
in mehreren Punkten einer Modifikation. 

In dem einleitenden Kapitel rühmt sich Heron (S. 174, 8 ff. Vincent) ein 
Instrument erfunden zu haben, das zur Lösung sämtlicher Aufgaben der Dioptrik 
geeignet sei, während seine Vorgänger auf diesem Gebiete schon für einen be- 
schränkteren Kreis von Aufgaben mehrerer verschiedener Apparate bedurft hätten. 
Andererseits aber giebt er an verschiedenen Stellen des zweiten Teils seiner Schrift, 
wenn er sich anschickt, die Lösung einer praktischen Aufgabe mitzuteilen, die An- 
weisung, eine bestimmte Art von Dioptra herzustellen 3 , so dafs man den Eindruck 
gewinnt, als benutze auch er verschiedene Instrumente. Der scheinbare Widerspruch, 
der hierin liegt, klärt sich am einfachsten unter der Voraussetzung auf, dafs einzelne 
Teile des Apparats zum Abnehmen eingerichtet gewesen sind und nach dem Be- 
dürfnis des gerade vorliegenden Falls mit einander haben vertauscht werden können. 

') Comtnentarii sopra la storia e le teorie deW ottica 3 ) Vgl. p. 204, 3 Vincent. xaTe<JXE'j«a9<u ij oiojrrpa 

I, 77 ff. Vj O'jvctiAEVT) itziiztha itpo; <5p&äc äXXrjXoi; öiottts'jeiv. 

2 ) Notues et extraits t. XIX, 2? fariie (Paris 1858) p. 20S, 5 ^ . . otoTrrpa fj to ^f«x'ixXiov eyouaa 

1 57 — 337- (x£i'a9io) irpöc tu> A. 

Jahrbuch des archäologischen Instituts XIV. 8 



92 



H. Schöne, Die Dioptra des Heron. 



Die Beschreibung des Instruments 
erhalten ist, folgendermafsen 4 : 

p. 178 vi III. naysu? •yt'vsxat xaGaVsp axuXiaxo?, 

ej((«v ix xou dvtuxs'pou topfxov axpopfoXav 
Tcspl 8s xbv xopfiov xujATcdviov Ttsptxi'ösxai 
)(dXxsov, Tcspl xb auxb xivxpov xü> xop ( atp. 
Trspixiösxai 8s xal j(otvixi? X a ^ x ^ 7r£ P t T ° v 5 
x6p{xov süXuxw? 8uva[xsv7] Ttspl auxb(v) tt(o)- 
XsTaöai, sj(ouaa ex (xev xou xa'xto [ispous 
xujnra'viov u>oovx(n|isvov aujxcpus? a&Tfl, sXaa- 
aov xou irposiprjfxsvou xu[A7tavtou xal stci- 
xaftr^svov auxüJ, Ix os xou av«) pipou; io 
ttXivOov xafroursp Atopixou xioviou xs'fdXiov 
suTcpsTcsia; svsxa. xw 8' s?pyj[Asv(p 68ov- 
xtuxqJ xu[i.7ravt(i) Tcapaxiftsxat. xo)(Xi8iov sj(ov 
xt]v iXtxa apjxoaxYjv toüj öSouat xou xu[x- 
Traviou. xa 8s ax7jp.dxia xou xo^XiSiou sujjl- 15 
cpurj -yivsxai X(o [istCovi xufxiravt'«). lav apa 
iTrtatps'itofjLSv xb etpvjfjisvov xoj(Xt'8tov, iici- 
axps^oji-sv xal xb toSovxcujxsvov xujxTta'vtov 
xal xtjv auficpurj auxto )rotvixi'8a. Y tv£xai 8s 
aufAcpuyj? aux(5 xoptiouv xptu>v dcpiejxsvwv sx 20 
xtjs sSpas XTj? j(otvtxi'8o? xal au7xoivou[i.svu)V 
auxüi x(p xufATiavto). Xajxßa'vst 8s 6 xo/Xias 
xaxa [AYJxo? atoXrjva Ttaj(o? s^ovxa, oaov sarxl 
xb xrj; IXtxo? auxou ßa'Oo?' oüxoöv eav im- 
axps<}u)jxsv xbv xoj(Xiav, aj(pi? 6 s?p-/jp.svo? 25 
sv auxtp atuXTjv xaxa xou? ö86vxa? xou xu(ja)- 
iravtou Ysvvjxat, töia axpacprjasxai xb xu|i.Tca'- 
viov xaxaax^aavxss ouv auxb (b? av rj XP sta 
aTratx-j], £7uaxps<j»o|ASV xbv xo^Xiav ßpa/u, 
<Saxs spiTrXaxyjvat xr t v sXixa xois 68ouat, xal 30 
ouxu)? (xsvst dxiVTjxov xb xojnra'vtov. 

p. 180 vi v Eaxo) ouv xb jxsv Tcspl xbv xop[xov xup.- 

Tra'viov xal auptcpus; x(5 7:0751 xb AB* xb 6s 



6 aüxö 7rXeta9at: aüxöv eftEla&ai Vi(ncent) 8 und 
18 «58ovtü>[A£vov : verb. von Vi 11 xttuvtou: verb. 

von Vi 14 in ipfxoaTrjv das tj aus et verb. 

27 ye'vTjxai ?} SiaaTpacpTjtJETai: Y^ vr i Tat > otaaipacp^- 
aetat Vi 



und der Richtlatten lautet, so weit sie 

III. Es wird ein Ständer in Form 
einer kleinen Säule angefertigt, der oben 
einen runden Zapfen hat. Um den Zapfen 
wird eine kleine Bronzescheibe herumgelegt, 
die mit dem Zapfen denselben Mittelpunkt 
hat. Ferner wird um den Zapfen ein 
Bronzecylinder herumgelegt, der sich be- 
quem darum zu drehen vermag; er hat 
an seinem unteren Teile ein mit ihm fest 
verbundenes Zahnrad, das noch kleiner ist 
als die vorgenannte Bronzescheibe und auf 
dieser aufliegt, und an seinem oberen Teile 
um des guten Aussehens willens eine Plinthe 
in der Form des Kapitellchens einer kleinen 
dorischen Säule. An dieses Zahnrad wird eine 
kleine Schnecke (Schraube ohne Ende) ange- 
schoben, deren Windung zu den Zähnen des 
Rades pafst; die kleinen Lagerböcke dieser 
Schraube werden mit der gröfseren Bronze- 
scheibe fest verbunden. Wir werden daher, 
wenn wir diese Schnecke drehen, zugleich das 
Zahnrad und den mit diesem fest verbun- 
denen Cylinder drehen; fest verbunden wird 
er dadurch, dafs drei Zapfen von dem Boden 
des Cylinders ausgehen und mit dem Zahn- 
rade selbst vernietet werden. Die Schnecke 
erhält in ihrer Längenrichtung eine Vertie- 
fung, die so breit als ihre Windung tief 
ist. Mithin wird, wenn wir die Schnecke 
so drehen, dafs diese an ihr angebrachte 
Vertiefung den Zähnen des Rades gegen- 
über zu stehen kommt, das Zahnrad sich 
selbständig bewegen lassen. Wenn wir 
dieses nun so eingestellt haben, wie es 
das Bedürfnis des gerade vorliegenden Falles 
verlangt, so werden wir die Schraube 
nur noch ein wenig drehen, so dafs ihre 
Windung in die Zähne eingreift, dann wird 



4 ) Im kritischen Apparat stehen Lesarten des cod. 
Paris, suppl. grec n. 607. Die hier in Betracht 



kommenden Blätter dieser Hs. entstammen dem 
XII. oder XIII. Jhdt. 



H. Schöne, Die Dioptra des Heron. 



93 



auu-cpus? x-ß ^otvtxtoi xö IA* 6 8k Trapaxst- 
ixsvo; xouxm xoyXtac 6 EZ* 7j 8s aUfACpUTj? 
yotvtxtc T(p TA xup/navup r ( 116, eyouaa 
s-txstusvov, (ju? s^xai, Aojpixov xscpa'Xtov 
to KA. sVt 8s tijs 7:Xi'vüou scpsaxaxoj 8uo 5 
yctXxa ax7jixccxta xaöa~sp xotvoviot, dtTrsyovxa 
«-' aXX^Xtov xoaouxov, uiaxs st? xov [isxa£ü 
xottov aüxöjv Trayo? xu[x::avtou SuvaaOott svap- 
u.oaö9jvat. iicl 8s xtj? ttXivöoo u.sxa£t> xcüv 
vi xavovieuv xoyXta? saxco axpscpojisvo?, ou xa io 

atr/ftaxia 

) apjxoaxa xq> efpr^svqi xopu.«)* 

öS os fiaxpot xai of ovxss x<j> xopu.m itapu- 
7rspat'pouaiv st; xo avco u-spo; oaov 8axxuXoo? 
xsaaapotc. iv 8s xiß p.sxa?ü xöiv uTrspoyaiv 15 
/ojpa svapfAÖCsxai xotvojv TrXcqioc, jatjxo? 
[isv symv o>? ^X £l * tssactpa;, irXaxo? 8s 
xal T.dyo;, u>axs apjxoCstv efc X7jv sipr^s- 
v^v x^p 07 * X0( i 8ictxsu.vs<3i)<o Ott' aüx7|C xaxa 
[ayjx *- 20 



IV. 'Ev 8s x^ avto sTucpavsta xoü xotvo- 
vo? atuX7jv sYxsxoTrxat ^xoi crxpo'ypXos fj 
xsxpcqtovoc, x<p [xt^xsi x7jXixouxoc, waxs 8s- 
frxaöoti ötoX^va yotXxouv u//)xo? syovxa s'Xaa- 
aov xo5 xavovo; d>; ootxxuXous 8tu8sxa. x(p 5 
6s yaXxtu aoiX^vi irpoaxsivxai sxspoi swXyj- 



11 Lücke erkannt von Venturi; viell. aT7)(pv2Tta 

tJO|X<pi>Tj E<3T<0 TT] TlXfo&l!) .... 13 Xttl &l OVTE? 

Tijü xopjxo): viell. xai ot (d. h. TrcxpaXXrjXot) ovte; tuI 
tdpfttp; dazu ergänze aus dem verlorenen vorher- 
gehenden Satze xavove;, welches Wort Vi aus xcti 
ot ovte; herstellen wollte 19 in otctTE[.ivEc;3(u 

das v über der Zeile nachgetragen. 



das Zahnrad unbeweglich in seiner Stellung 
verbleiben. 

Es sei nun AB die Metallscheibe, die 
um den Zapfen herumgeht und mit dem 
Ständer verbunden ist; TA das Zahnrad, 
das mit dem Cylinder verbunden ist; EZ 
die an dieses angeschobene Schnecke; H0 
der mit dem Zahnrade TA verbundene 
Cylinder, auf dem, wie gesagt, ein kleines 
dorisches Kapitell KA aufliegen soll. Auf 
dessen Plinthe sollen zwei aus Bronze ge- 
fertigte Lagerböcke in Form von Linealen 
stehen, die soweit von einander entfernt sein 
müssen, dafs sich in den freien Raum zwischen 
ihnen die Dicke eines Zahnrades einpassen 
läfst, und auf der Plinthe soll sich zwischen 
den beiden grofsen Pfosten eine Schnecke 
drehen, deren kleine Lagerböcke (in die 
Plinthe eingelassen sein müssen 

) an den genannten Zapfen passend. 

Die beiden langen und dem Zapfen parallel 
laufenden Pfosten ragen nach oben etwa 
4 Daktylen über ihn hinaus. In das Lager 
zwischen den überragenden Teilen wird ein 
Lineal quer eingesetzt, das 4 Ellen lang 
und so breit und dick ist, dafs es in dieses 
Lager hineinpafst, und zwar soll es von diesem 
seiner Länge nach in zwei gleiche Hälften 
geteilt werden. 

IV. In die obere Fläche des Visier- 
lineals ist eine Vertiefung von halbrundem 
oder quadratischem Querschnitt einge- 
schnitten, die so lang ist, dafs sie eine 
Bronzeröhre, die um etwa 12 Daktylen 
kürzer ist als das Visierlineal, aufzunehmen 
vermag. An die Bronzeröhre schliefsen sich 
an ihren Enden zwei andere, senkrecht 
stehende Röhren an, so dafs es aussieht, als 
sei die grofse Röhre nach oben aufge- 
bogen. Die Höhe dieser aufgebogenen Stücke 
bemißt man auf nicht mehr als 2 Daktylen. 
Hierauf wird die Bronzeröhre mit einem 

8* 



94 



H. Schöne, Die Dioptra des Heron. 



ve? opöot ex xaiv d'xpojv, äste ooxeTv dva- 
xexdficpöai xov GwXrjva* xr,? 8' dvaxafi/TTTj? 
xo u<j>o? ou TrXetov •yivsxai SaxxuXu>v 860. 
elxa fiexa xouxo £Trnra)fi.a'Cexai )(aXxou? 

p. ISO Vi <JO)X7jV XaVOVt STTttJl^XSl dp[loCoVXt £1? XOV 5 

au)X9jva, oiaxs Guvs^siv xov x£ yaXxouv au)- 
X9jva xal euirpsTTsaxspav xyjv ctyiv -irape^etv. 
£v 8s xoti? eipr][AEVotis dvaxajnraT? xou ao)- 
Xy;vo? ivapfioCsxai sv exaxepa udXtvov xu- 
Xtvopiov rAyris \ikv iyov apjxoaxov xoi aai- 10 
X9JVI, u<j;o? 8s d)? SaxxuXwv 8a>5exa' slxa 
irspt<Jxs*j(vo5xai efc xa? dvaxajnra? xa ua'Xiva 
xuXiv8pia xyjpm 7) a'XXq) xivl axsYvaifxaxi, 
Trpo? xo uSaxo? efißXYjöevxo? 8t' evö? xaiv 
xuXivSpuov [ir^Sap-oösv SiappeTv. 15 

üepixeixai oe xcp irXaY»« x«vovi KijYfWt- 
xia 860 xaxa xou? xotcou?, ev 01? stjxt xa 
ouo ua'Xtva xuXt'vSpia, aiaxs 81' auxaiv SieX- 
öovxa xa udXiva auvs^saöai. ev 8e xot? 
etpYjpivot? TryjYpLaxtoic XsTitöta /aXxa evapjio- 20 
Cexai 8iaxpe^eiv p.=v Suva'fiEva ev owX^ari 
6ta xaiv xofytuv xaiv ic^Yfi-ciTitüV 4"*uovxa xaiv 
uaXivtov xuXtvSpuuv, [xeaa? e^ovxa dvaxojxd?, 
ot' (ov 8uvaxov laxai StoTtxeustv. xo?? oe 
eip^uivot? XeiuSiot? au[Atpu7i Ytvexai Ix xtüv 25 
xa'xto aspdiv yoivtxioia Ctyo? I^ovxa (i)? fjju- 
oaxxuX(i)ou, xal xouxot? dpu-oara ^i'vsxai d£6vta 
5(aXxa [ayjxo? jaev iyovxct, oaov lau x6 u<j>o? 
xou 7TjQY{i.axo? xou Txpo? Ivi xaiv uaXtWv xu- 
Xivopuov, a 01a xp^fiaxo? dvsp^sxai sv xa> 30 
xavovi xo) xov aa>X9;va e/ovxt. iv 8k xoT? 
dSovtot? eXixe? ivxlfxvovxat , si? a? xuXa'pta 
dp[xoaxa ffveToa <3uu.<pu9j ovxa xu> xavövt. 
eav apa xa? xaiv d$ovuov üTrepo^a? xa? efe 
xo xa'xoj jxepo? £7rtaxp£'fTQ xt? , xtv^asi xa 35 
XsTCiota xa xa? dvaxou-a? s^ovxa Ix xe xou 

9 IxctT^ptp ueXtvov: ich habe die in der Corruptel 
yaXqv&v v. 29 bewahrte Forin, die auch p. 194, 18 
Vi überliefert ist, überall hergestellt 26 Vjpu- 

öoc/TÜXou 27 ö£iovta 29 tä Trpos 29 y«- 

Xtjvwv : vgl. zu v. 9 ; ueXi'vujv Vi 30 8 Std : verb. 

von Vi 32 d£iuvtots 32 ^vt^jxovTott: verb. 

von Vi 34 dSjwvwv: dijwvuuv Vi 



langen Lineal, das auf die Vertiefung pafst, 
oben dergestalt zugedeckt, dafs dieses sowohl 
die Bronzeröhre festhält als auch das Aus- 
sehen des Apparats wohlgefälliger macht. 
In die genannten Aufbiegungen der Röhre 
wird je ein kleiner Glascylinder eingepafst, 
der eine zu der Röhre passende Dicke und 
eine Höhe von etwa 12 Daktylen hat. 
Sodann werden die Glascylinder in die 
Auf biegungen mit Wachs oder einem andern 
Bindemittel hineingekittet, damit, wenn 
durch einen der Cylinder Wasser eingegossen 
wird, es nirgends durchlaufen kann. 

Das querliegende Lineal wird an den 
Stellen, wo sich die Glascylinder befinden, 
von zwei Gehäusen umgeben, so dafs die 
Glasgefäise durch diese hindurchgehen und 
darin festgehalten werden. In diese Gehäuse 
werden Metallplättchen hineinverpafst, welche 
in Führungen an den Wänden der Gehäuse 
auf und nieder laufen können; sie berühren 
dabei die Glascylinder und haben in der 
Mitte Ausschnitte zum Visieren. An diesen 
Metallplättchen sind an ihrem unteren Ende 
kleine Cylinder, die die Höhe von etwa 
V 2 Daktylos haben, befestigt, und in diese 
pafst man drehbare Stifte aus Bronze ein, 
die so lang sind als das Gehäuse bei einem 
der Glascylinder; sie gehen durch ein Loch 
in dem mit der Vertiefung versehenen 
Lineal. In die Stifte werden Schrauben- 
windungen eingeschnitten, in welche kleine 
Zapfen, die mit dem Lineal fest verbunden 
sind, eingreifen. Dreht man nun an den 
nach unten überstehenden Teilen der Stifte, 
so wird man dadurch die mit Ausschnitten 
versehenen Metallplättchen nach oben und 
unten- bewegen. Denn das dem Metall- 
plättchen benachbarte Ende des Stiftes wird 
mit einem kleinen Wulst versehen sein, der 
in eine an der Innenfläche des kleineu 
Cylinders angebrachte Vertiefung eingreift. 



H. Schöne, Die Dioptra des Heron. 



95 



dvio xat xaxto p.spous' scsi ^ap xo irpo? xfj 
Xsiu'ot dxpov xou dSovtou xuXdptov sp.ßatvov 
st? au)Xr ( va svovxa sv xm jfotvixtSitp. 
vi V. Kai 7j jiiv xtjc 8tÖ7rxpa% xaxa<j/eo7) 

st'pvjxai, X7]v 8s xaiv Tcapaxtösuivcov aux-fl xavo- 5 
vu>v xal atJTriocuv vuv lpouu.sv. Suo yt'vovxat 
xavdvec jxtjxo? p-sv u>? tttj^üSv 8s'xa, TrXdxo; 
8s «>? 8axxuXu>v ttsvxs, ira')(Os 8s u)s Saxxu- 
Xu>v xpttov. sv 8s x(p jxsao) rcXdxst sxaxspou 
auxaiv irsXsxtvo? fivzTOii OtjXü?, xa axsva st? io 
xö s$w [ispo? sj((uv, faopvjjxyjs xm xavovt. 
xouxw 8s apptoaxov Yt'vsxat ^sXuivdptov söXu- 
xtu; Staxps/siv st; aüxöv ouvdjxsvov xal [it] 
sxtcittxsiv. xouxtp os xu> ^sXtovapi'(p Trpoa/j- 
Xouxat aamSicJxYj xr)v Sidjxsxpov s^ouaa «)? 15 
oaxxuXaiv osxa t^ 8a»5sxa' xal 8ta xou xu- 
xXou süösta; ßX^östar^ irpö? opöd? xtp p.^- 
xst xou xavovos xo p.sv xaiv 7ju.txoxXtu)V 
Xsuxio ^pfexai -/pu>p.axi, xö 8' sxspov p^sXavt. 
sx 8s xou ysXtovaptou OTrdpxo? sxSsöstaa 6ta 20 
xpo^t'Xou zl$ tö d'vto xou xavovo? xstpivou 
duoStSoxat st? xö sxspov xou xavovo? pipos, 
ottou oux saxtv 7j d<J7u8tc?x7j. £dv dpa xt? 
xov xavova öpOöv iday im xou s8d<pou? xal 
STTiaTrdarjxat sx xaiv otu<3i)e ptspaiv xrjv aixa'p- 25 
xov, jxexstoptast xrjv da7uotax7jv • sav 8s dcp^j, 
xaxevE^ö^asxai st? xö xdxo) pipo? x<p t8iu) 

ßdpsr c$St A ,'0tp SX X&V OTTtaÖSV JXSpOJV fj 

dairtStaxirj ixoXtßouv TrXdxuap-a irpoarjXuijisvov, 
Äaxs auxojxdxw? xaxacpspsaöai* irpö? £dv 30 
xtjv OTrdpxov dvt«)[xsv, xaxaaxaft^asxat xal 
■r; daTiiStaixyj xad' ov dv ßouX(6p.si)a xou 
xavovos xöttov, ^aXwp-svyj? .... 

At^pr/S&u) 8s xal 6 xavcbv duö xrj? xdxco 
xoupd? dxptßai; st? tct^si; xctt ^«Xataxa? 35 
xal 8axxuXous, oaou; sav sirtSs/rjxat xö jjltj- 
xo;* xal xa(xa) xa? Statpsast? at ^papip-al 



2 ä;cuviou 5 xüiv Si: ttjv 8^ täv Vi 6 äai:(- 

5(uv: GbTuoi'axtuv Vi 7 p.^xouj 14 toOto 

21 xpo-^TjXou 24 daarj: man erwartet ax^arj 

26 jAExeioptarj : [Aexeoipfaet nachaugusteisch 33 /a- 
\o}[i.hrfi: yctXojfxevr) Vi, Lücke wahrscheinlicher 



V. Die Konstruktion der Dioptra ist 
hiermit dargelegt; nunmehr werden wir die 
der neben ihr gebrauchten Schiebelatten 
und Zielscheiben angeben. Es werden zwei 
(parallelepipedische) Latten hergestellt, die 
eine Länge von etwa 10 Ellen, eine Breite 
von etwa 5 Daktylen und eine Dicke von 
etwa 3 Daktylen haben. In der Mitte einer 
Breitseite jeder der beiden Latten wird in 
deren ganzer Länge eine sog. weibliche Nuth 
von schwalbenschwanzförmigem Querschnitt 
angebracht, deren engerer Teil nach aufsen 
gerichtet ist. In diese wird ein Schlitten 
eingepafst, der bequem darin laufen kann, 
ohne doch herauszufallen. An diesen Schlitten 
wird ein Zielscheibe angenagelt, die einen 
Durchmesser von 10 — 12 Daktylen hat. 
Nun wird durch ihre kreisförmige Fläche 
eine Gerade im rechten Winkel zu der 
Längenrichtung der Latte gelegt und dann 
der eine der beiden Halbkreise mit weifser, 
der andere mit schwarzer Farbe angestrichen. 
An dem Schlitten wird eine Schnur befestigt 
und über ein am oberen Ende der Latte 
sitzendes Rad nach der anderen Seite der 
Latte, wo die Zielscheibe nicht sitzt, geführt. 
Wenn man nun die Latte senkrecht auf 
den Boden aufsetzt und von der Hinterseite 
aus die Schnur anzieht, so wird man die 
Zielscheibe nach oben bewegen; läfst man 
dagegen die Schnur nach, so wird die Scheibe 
durch ihr eigenes Gewicht nach unten fallen. 
Die Zielscheibe wird nämlich an ihrer Rück- 
seite eine aufgenagelte Bleiplatle tragen, so 
dafs sie von selbst herunterfällt. Wenn 
wir zu dem Ende die Schnur nachlassen, 
so wird die Zielscheibe an jeder gewünschten 
Stelle der Latte schwebend erhalten werden 
können. 



96 



H. Schöne, Die Dioptra des Heron. 



sYX£X a P^X^ tu<3av ( x & v ) T0 ^ xavovo? jxsp&v 
[x&v] irci xa 8s;ta tyj? da7u8i'axvjs • s£st 
8s xal 7j aaTuSioxr) ix xSv oTriaösv fxspuiv 
7V(ufj.6vtov arcö x9js stp^fjisvTj? iv oÖtq 8ia- 
(xsxpou irapairurxov rcapa xa? stprj[xsvots iv 5 
x<j5 irXayup fispst xou xavovo? ^pczfijxa?. 
190 vi 0? 8s xavovs? opöoi axaör ( aovxai i-i 

xoö iSacpous dxpißSs ouxok* ix TrXaYi'iuv 
xu>v xavova>v, otttou oux st'aiv at x&v p-spöüv 
•ypajipuat, x6Xoc ijimfrvuxai pv/jxo? s/tov a>? 10 
oaxxoXoo? tpelc* ou i:apa X7;v xoupav xp7Jfia 
fivsxai aT:6 xa>v avtu jxep(Üv &l$ xa xaxcu, 
Sova'fievov airapxov 8s£aaöai ßapo» f^ouaav 
xpe[i.a'}A£Vov. a>? 8s (rcpo?) xö xa'xu) jiipos 
[ajxuXo? ixxsifxsvo? fivexai xoaouxov, oaov 15 
xal xo £tpyj[i£vov xpuir^pia dcpstjxvjxsv aTro 
xou siprjfxsvoo xavovo?. iv 8s xfj eip^jxsv^ 
xoupcj xf xdxw xou xuXou \iia-q xal opO)) 
Ypajipy}) ■Yivsxai, ^ icpapfxoaaaa fj £iprj[xsvr| 
aira'pxoc; xov xavova opöov xaxaax^ast. 20 



. Die Latte wird weiter von ihrem uuteren 
Ende an sorgfältig in so viel Ellen, Palaesten 
und Daktylen eingeteilt, als ihre Länge 
fai'st, und an den Teilpunkten werden die 
Linien der Lattenteile rechts von der Ziel- 
scheibe eingegraben. Die Zielscheibe soll 
aber auch an ihrer Rückseite einen Zeiger 
haben, der, in der Höhe jenes Durchmessers 
angebracht, die bezeichneten Linien, die 
sich auf der Flanke der Latte befinden, 
bestreicht. Genau gerade werden die Latten 
auf dem Erdboden folgendermafsen auf- 
gestellt. Auf derjenigen Flanke der Latten, 
wo die Teilungslinien nicht angebracht sind, 
wird ein Stift befestigt, der eine Länge von un- 
gefähr 3 Daktylen hat. An seinem äufseren 
Ende wird von oben nach unten ein Loch 
gebohrt, das eine Schnur, an der ein Gewicht 
hängt, aufzunehmen vermag. Weiter nach 
unten wird ein zweiter Stift angebracht, 
der so weit vorspringt, als das erwähnte Loch 
von der Latte absteht. An dem äulseren 
Ende des unteren Stiftes wird in der Mitte 
eine senkrechte Linie angebracht. Spielt die 
Schnur auf diese ein, so wird sie dadurch 
die Latte senkrecht stellen. 
Der vorstehende Textabschnitt weist, wie Venturi (a. a. O. S. 85 f.) richtig 
erkannt und Vincent mit Unrecht bestritten hat, in der Beschreibung des Visier- 
instruments eine Lücke auf, die den sonst überall klar hervortretenden Zusammen- 
hang der Beschreibung empfindlich stört. Wenn man nämlich die Worte: ou xa axr^dxta 
apjxoaxa xa> sipvjpivu) xöppup (S. 93, 10 f.) in einen und denselben Satz zu konstruieren 
versucht, so ist nicht abzusehen, wie die kleinen Lagerböcke der Schnecke, welche 
sich zwischen den grofsen Lagerböcken auf der Plinthe dreht, zu dem früher er- 
wähnten Zapfen in irgend eine Verbindung gesetzt werden können; denn einmal 
liegt ja dieser Zapfen erheblich tiefer als die Plinthe und zweitens bleibt ganz 
unklar, wie zwei Lagerböcke zu einem, obenein verdeckt liegenden, Zapfen »passen« 
können; sie müssen vielmehr auf der Plinthe befestigt werden. Dasjenige Wort 
also, vor dem der Zusammenhang abreifst, ist dpp.osxd. Nicht minder auffällig mufs 
es erscheinen, dafs nähere Angaben über die Gröfse und den Zweck des vertikalen, 
in die obere Schnecke eingreifenden Zahnrades sowie über die Art seiner Ver- 
bindung mit dem Diopterlineal vollständig fehlen. 

Bedürfte es noch eines weiteren Beweises dafür, dafs vor dem Worte 



1 Ix xou xavdvo; j/epäiv xdiv ini Vi 8 Ia 

TiXayt'ujv ts xavdvwv: viell. 1% TrXayfou t. x. 12 ei? 

xö xdxu>: verb. von Vi 14 (fipö;) R. Schöne 

17 viell. dv oe tjj xoupä x^j xoü xdxio xuXou 



H. Schöne, Die Dioptra des Heron. 



97 



apfjLOOTa eine umfangreiche Lücke klafft, so würde er durch die Anordnung der 
Blätter in der alten Pariser Handschrift stipp l. grec n. 607 geliefert. Es sind nämlich 
diejenigen Pergamentblätter dieses Codex, welche griechische Techniker enthalten, 
entweder noch jetzt in Quaternionen angeordnet oder nachweislich früher in 
Quaternionen angeordnet gewesen. Eine Ausnahme von dieser Regel macht nur 
die erste Lage der heronischen Schrift irspl SioTrcpa?. Diese beginnt fol. 62 r , auf 
dem ursprünglich zweiten Blatt des Blattkomplexes; ein vorhergehendes Blatt x, 
das mit fol. 64 zusammenhing, ist bis auf einen schmalen Streifen ausgeschnitten; 
mit fol. 65 beginnt ein neuer Quaternio. Da nun der Text von fol. 63 v auf 64 r und 
der Text von 64 v auf 65 r ohne Lücke fortläuft, so können nur zwischen fol. 62 
und fol. 63 Blätter ausgefallen sein. Nun schliefst fol. 62 v IrX 8s x^s ttXivöou jxsTaSu 
xaiv xctvovuuv y.o/Xi'x^ s<jt<o attpscpöjisvo? ou ta <jttj; fol. 63 r aber beginnt: app-oaxa tcp 
sipyjjxsvoj Top}x(p. Selbst wenn man das unvollständige Wort auf fol. 62 v zu ffTYjixa'-cia 
ergänzt, erhält man, wie oben gezeigt, nur einen scheinbaren grammatischen, nicht 
aber einen wirklichen sachlichen Zusammenhang. Mithin sind zwischen fol. 62 und 
63 mindestens 2 Blätter, aller Wahrscheinlichkeit nach aber sogar 2 Doppelblätter 
a d und b c ausgefallen. Damit ist der Beweis erbracht, dafs die durch alle Hand- 

x 62 a b c d 63 64 
I I »— ! I I 



Schriften durchgehende Verstümmelung der heronischen Schrift auf einem Blatt- 
verlust der ältesten uns erhaltenen Handschrift beruht; also ist diese Handschrift 
die einzige Quelle der Überlieferung 5 . 

Zur Rekonstruktion derjenigen Teile des Apparats, deren Beschreibung 
verloren gegangen ist, liefert die zweite Hälfte von Herons Schrift brauchbare 
Andeutungen genug, um wenigstens über die Hauptpunkte jeden Zweifel aus- 
zuschliefsen. Bei dem Versuch, diese Angaben zu kombinieren, empfiehlt es sich, 
das Visierinstrument vom Nivellierinstrument zu scheiden. 

Das Visierinstrument trug ein mit zwei Zeigern (p.oipoYV«)jx6viot) versehenes 
Diopterlineal (xotvcuv), das auf einer grofsen kreisförmigen Platte (x6[X7totvov) ruhte und 
sich auf dieser drehen liefs, nach Bedürfnis jedoch auch davon abgenommen werden 
konnte 6 . Die in ihrer Normalstellung horizontale Platte liefs sich vermittelst eines 



5 ) So schon R. Prinz, Jahns Jahrb. 101 (1870) 
S. 196, der aber die Gröfse der Lücke im 
Ungewissen liefs. Vgl. Rh. Mus. 53, 432 ff. 

6 ) p. 296, 14 ff. Vi iv . . Ttil uro yaOT^pa toü xu[i.- 
navou toü l\ ttJ ot^xpa xüxXov yp c ''r' M' £V 7:£ P t 
tö a'l»TO -xeVrpov tu> tUftmfap . . . xal toütov 
oteXoüpiev tit (Jiofpa; t£. oxav ouv ßouXdupiEÖa 060 
daxepwv xö fistot^'j StaaxTjfxa imvx.i'batöaii, oacuv 
fAOtpüiv 'J7icfp/£t .... äcpsXdvTe? xöv xavdva öV oö 
8t07iTe6o[j.ev äirö toü Tup.roivou lyxXfvopev ayxö tö 
xüpucavov, ofypi; äv otd toü ^tuiteSou aöxoy cpavöiatv 



ol eiprjfjLdvot äaxipez ajxa ctjj.cpo'xEpoi. elx' e'vtiOeij 
tov xavo'va, cüc Eiötaxai, xuiv aXXouv ctxiv^xcuv 
<fpievdvTü)v> iTrwxpscpu) aüxöv, ä'/pt; av ef; xöiv 
äoTepuiv cpavjj. x«l TrctpaarjfATjvdpisvoc X7jv p.otpav 
xa& ' tjv § v x <B v p.oipoyvu)p.ov(iov UTtdp^et 
[to fAE'po; oÜTrjs] iirtCTpdcpoj tov xavo'va, a/ptj ou 
xol 6 Irepo? äaxrjp St 1 auxovi <pav^J. elxa 6p;ofou; 
Trotpaar^aTjvdaevo; xr;v pioipav, xa&' tjv xö aüxö 
[i.oipoyv(o|Jt.dviov *J:rdp"/Ei, e'jr.tyvuxjop.ai xö TrXrj&o; 
xuiv potptüv xö fAexa;ü tojv Xrjcpö^VT(juv 8üo 37)- 

|J.EIC0V. 



gg HL Schöne, Die Dioptra des Heron. 

halbkreisförmigen Zahnrades (tjfiixuxXiov) gegen den Horizont neigen 7 und zu be- 
stimmten Zwecken sogar vertikal stellen 8 ; in ihre obere Fläche waren zwei auf 
einander senkrecht stehende Durchmesser eingegraben 9 , die es ermöglichten, das 
Visierlineal um 90 Grad zu drehen und dadurch eine zu einer einmal genommenen 
Richtung im rechten Winkel liegende Ebene einzuvisieren 10 . Endlich konnte für 
den astronomischen Gebrauch des Apparats auf der Oberfläche der kreisförmigen 
Platte ein in 360 Grade geteilter Kreis eingegraben werden 6 . 

Das Nivellierinstrument dagegen bestand aus einem auf der Spitze des 
Säulchens aufsitzenden Diopterlineal mit Wasserwage 11 . Da in der Beschreibung 
des letzteren, die vollständig erhalten ist (S. 93, 15 fr.), Zeiger nicht erwähnt werden, so 
ist dieses Lineal von dem zu dem Visierinstrument gehörigen verschieden. Die auf 
der Plinthe drehbare Schnecke, die beiden hohen Lagerböcke, das halbkreisförmige 
Zahnrad, sowie die grofse Kreisplatte waren für ein Nivellierinstrument, dessen 
Lineal stets horizontal liegen mufste, entbehrlich; vermutlich liefsen sich daher alle 
diese Teile mitsamt der Plinthe abnehmen und an ihrer Statt eine andere Plinthe 
mit niedrigen, aufrechtstehenden Pfosten, zwischen welche die Wasserwage eingepafst 
wurde, auf das Kapitell aufsetzen. 

Es bleibt übrig, die Figuren, die zur Veranschaulichung unserer Rekon- 
struktion dienen sollen, in Kürze zu erläutern. Sie sind für eine Ausgabe der 
heronischen Schrift, die im Verlag von B. G. Teubner erscheinen soll, von dem 
Techniker Herrn Julius Neumann in Berlin entworfen worden; für die Erlaubnis, 
sie an dieser Stelle zu verwenden, bin ich der genannten Verlagsbuchhandlung zu 
lebhaftem Dank verpflichtet. 

Das Visierinstrument ist auf Fig. 1 in einer Seitenansicht, auf Fig. 2 im 
Durchschnitt dargestellt. Auf dem Ständer, der unten mit drei Füfsen, oben mit 
einem Zapfen versehen ist, ist die kreisförmige Platte A B mit Stiften befestigt. 
Das Zahnrad TA, von kleinerem Durchmesser als die Platte, liegt nicht unmittelbar 
auf dieser auf, sondern ist durch einen Ring davon getrennt, um der Schnecke EZ 
ein bequemes Eingreifen in die Zähne des Rades zu ermöglichen. Mit diesem 

7 ) P a g- 2 °S, 5 ^ Vi 7) .. oiÖTtxpa +i tö tj[mx6xXiov 10 ) p. 204, 3 Vi -/axeaxeuaaöco ifj öioiTTpa r t 8-jva- 
e'^ousa (y.ei'aötu) rcpös tiö A. xal iTreaxpacföoj 6 pivir) ^rciTreöa rrpö; <5pfta; ccXXtjXoi; öiortxeusiv. 
xavwv 6 im TW tuf/.7:ctva>, aypt; 3v cpavr] tö B. Vgl. p. 220, 2 f. Ttapa'yoj ouv T7)v SioTrrpav im 
elra ävxtTceptaxds eVi xö k'xepov pipo; xoü xavövo; tt)s TA eüDefa; otaxrjpüiv töv xavova ie\ ö;roß)i- 
avctveüü) tö r^ixüxXiov tujv aXXtuv gcxivt)T(dv ttovtoc <J7][J.eup tivi t&v iiz\ ttj; TA, ä'ypcs ccv 
[AEvdvTiuv xal Xap.ßdvio arj[A£iov £v toT; Trpös ^(xä; IjtiaTpacpet; xotTa ttjv Trpös ("p&ä? öeaiv iötj tö A 
{jipeat tö T, in' euöet'a; toT; (tt^s die Hs.) A, B <JT]f/.Eiov. Cantor's Behauptung (die römischen 
xe([i.2vov. vgl. p. 210, 7 iyxXivu) tö ^pitx'JxXiov. Agrimensoren S. 20), die zur ursprünglichen 

8 ) p. 248, 9 ff*. Vi. tö t?)c SiöTCTpa; TÜ|j.Ttavov . . . Linealstellung senkrechte Richtung sei durch 
xaikaiaTtD öpOöv (öpödi die Hs.) ixpö; töv 6pt£ovTot. zwei kleine Zäpfchen hervorgehoben gewesen, 

9 ) P- 2 °4i IO TMprx*(£adio (TrapayEYevirjaöiu die Hs.) findet in dem überlieferten Texte keinen Anhalt. 
7} StorcTpa im ttjs KA, e'w; ov» 8td Tfjj ex^pee; iv '') p. 194, 14 imitpiyu) töv irS ötxpoj xil> oxuXi'axi» 
aüxr] (eauxTfj die Hs.) euüetce; cpavr] xö B. Dafs (xavdva), iv öl irsxi xa üdXiva xuXi'vöpta, a/pt? av 
die beiden Geraden aufeinander senkrecht stehen, u. s. w. 

ergiebt der Zusammenhang des Beweises. 



H. Schöne, Die Dioptra des Heron. 



99 



Zahnrad ist durch kleine Zapfen der Cylinder H 6 verbunden; auf diesem wiederum 
ruht das Kapitell K A. Es trägt eine Plinthe, auf der zwei grofse Lagerböcke 
befestigt sind. Zwischen ihnen dreht sich in zwei kleinen Lagerböcken eine zweite 
Schnecke, in die ein halbkreisförmiges Zahnrad, dessen Axe sich in den grofsen 
Lagerböcken dreht, eingreift. 








J 



Fig. i. 



Fig. 2. 



Mit dem halbkreisförmigen Zahnrade ist eine grofse, horizontal liegende, 
kreisförmige Platte verbunden, in deren obere Fläche zwei auf einander senkrecht 
stehende Durchmesser eingeritzt sind. Auf dieser Platte dreht sich ein Diopter- 
lineal, das mit zwei rechtwinklig dazu stehenden Zeigern versehen ist. Da nun 
aber die Platte (p. 248, 10 Vincent) sich nicht nur ein wenig gegen den Horizont 
neigen, sondern auch vertikal einstellen Hess, so kann sie nicht unmittelbar auf dem 
halbkreisförmigen Zahnrad aufgesessen haben; vielmehr wird das letztere (wie 



jOO H. Schöne, Die Dioptra des Heron. 

Georg Schöne gesehen hat) oben noch eine Fortsetzung von derselben Dicke und 
der Gestalt eines Rechtecks gehabt haben, und die grofse Scheibe wird erst auf 
dieser befestigt gewesen sein. Obwohl diese Einzelheit der Konstruktion durch 
keine ausdrückliche Angabe oder Andeutung in dem überlieferten Texte gewähr- 
leistet wird, so erscheint sie doch durch technische Erwägungen genügend gesichert 
und durfte daher auch in die Figur selbst aufgenommen werden; denn da sich bei 
dieser Konstruktion die Platte und das Lineal vermittelst der beiden Schnecken in 
einer horizontalen und einer vertikalen Ebene bewegen liefsen, so war das Instrument 
zur Lösung aller denkbaren Aufgaben brauchbar. Über die Gestalt des Diopter- 
lineals läfst sich nichts Bestimmtes sagen, insbesondere bleibt es zweifelhaft, ob ein 
Fadenkreuz an demselben angebracht gewesen ist 12 . Seine Länge hat vermutlich 
4 Ellen betragen, denn dieses Mafs ist nicht nur für das Lineal des heronischen 
Nivellierinstruments (p. 182, 4 f. Vincent), sondern auch für die Dioptra des Hipparch 
bezeugt 13 . 

Die eigentümliche und sehr scharfsinnig ausgedachte Einrichtung der Schnecke 
EZ ist aus Fig. 3 zu ersehen. Sie war vermittelst einer Kurbel oder eines ge- 
riefelten Rädchens in zwei Lagerböcken drehbar; in die Schraube ohne Ende, die 

den Hauptbestandteil bildete, war parallel 
y- +J zur Axe ein Gräbchen eingeschnitten. 



£ z n^, 



i 



Griffen die Zähne des Rades TA (Fig. 1) in 
dieses Gräbchen ein, so liefs sich der 
obere Teil des Instruments sehr bequem 
Flg * 3 " ungefähr einstellen; drehte man sodann 

die Schnecke so viel, dafs die Zähne wieder in das eigentliche Schraubengewinde ein- 
griffen, so konnte man vermittelst der Schnecke nach Bedürfnis noch feinere Korrekturen 
vornehmen, ohne befürchten zu müssen, dafs jede zufallige Erschütterung des 
Apparats die einmal genommene Richtung wieder zerstörte. 

Das Diopterlineal des Nivellierinstruments ist auf Fig. 4 in einer Seiten- 
ansicht dargestellt; Fig. 5 stellt die linke Hälfte desselben im Querschnitt, Fig. 6 im 
Grundrifs vor Augen. In die obere Fläche des eigentlichen Lineals AB, das wohl 
aus Holz gefertigt zu denken ist, ist eine Vertiefung eingeschnitten. In dieser liegt 
die Röhre CD, die an ihren beiden Enden mit den Aufbiegungen E und F ver- 
sehen ist; eine Platte GH verdeckt die Vertiefung nebst der darin liegenden Röhre. 
In die Aufbiegungen sind zwei Glascylinder /und K eingekittet, welche von kleinen 
Gehäusen L und M umgeben sind und durch diese oben hindurchgehen. In je 
zwei Vertiefungen, welche in die Seitenwände dieser Gehäuse eingeschnitten sind, 
laufen kleine, mit Visierausschnitten versehene Metallplättchen N und 0. An der 

I2 ) Diejenige Dioptra, die der byzantinische Ano- aussetzt, hatte ein Lineal mit zwei Visierlöchern, 

nymus über Geodäsie (seine Schrift ist unter vgl. p. 390, 22 ff. e'ous eva tcüv äatspüiv oiä t<Bv 

dem Namen des Hero von Byzanz in den Notices 8üo <$7tü>v Ö£ctau)(j.£da. 

et Extraits t. XIX, 2* partie, p. 348 ff. gedruckt, 13 ) Proclus Hypotyp. p. 109 Halma, 
vgl. K. K. Müller Rh. Mus. 38, 454—463) vor- 



H. Schöne, Die Dioptra des Heron. 



IOI 



\ V 



Platte N ist unten ein kleiner Cylinder P befestigt; in eine ringförmige Vertiefung, 
die in dessen Innenfläche eingeschnitten ist, greift der Wulst T eines mit Schrauben- 
windungen versehenen Stiftes Q ein. Der 
letztere geht durch ein in dem Visier- 
lineal angebrachtes Loch hindurch; auf 
dessen Oberfläche ist ein kleines Stiftchen 
5 befestigt, dessen Spitze in die Schrauben- 
windungen des gröfseren Stiftes eingreift 
und bewirkt, dafs dieser sich nur durch 




Umdrehung um seine Axe aufwärts und 
abwärts bewegen läfst. 

Die Einrichtung des kleinen Cy- 
linders P verlangt eine besondere Er- 
läuterung, da sie sich aus Herons kurzer 
Beschreibung nicht ohne Weiteres mit 
Sicherheit erkennen läfst; denn auf die 
Frage, wie der Wulst T in die ringförmige 
Vertiefung des Cylinders eingeführt wer- 
den konnte, bleibt uns der Schriftsteller 



Fig. 5- 



102 



H. Schöne, Die Dioptra des Heron. 



K-tft: 



die Antwort schuldig. Die einfachste Lösung dieses technischen Problems ist wohl die 
von Herrn Neumann vorgeschlagene, welche Fig. 5 vor Augen stellt. Er nimmt an, 
dafs der Cylinder P aus zwei Halbcylindern bestand, welche um den Wulst T 
herumgelegt und sodann durch 
einen horizontal laufenden Stift 
mit einander verbunden und 
an das Metallplättchen N an- 
gezogen wurden. 

Dieses Diopterlineal mit 
Wasserwage safs, wie schon 
gesagt, aller Wahrscheinlich- 
keit nach auf einer besonderen 
Plinthe zwischen zwei Pfosten 
auf und konnte, wenn es mit- 
samt der Plinthe auf dem 
Kapitell des oben beschrie- 
benen Stativs befestigt wurde, 
zum Nivellieren benutzt wer- 
den; eine detaillierte An- 
weisung zu dieser Operation E 
findet man in Herons Schrift 
p. 194—202 Vincent. Es ist 
jedoch auch möglich, dafs 
zwischen das Kapitell und 
die Wasserwage noch ein an- 
derer Teil, etwa ein Metallcy- 
linder von mäfsiger Höhe, da- 
zwischengeschoben wurde, um 






die Visiervorrichtung der Wasserwage (Fig. 4) ebenso in Augenhöhe zu legen, wie 
das Lineal des Visierinstruments (Fig. 1), und dadurch beide Formen der Dioptra 
für den praktischen Gebrauch gleich bequem zu gestalten. 

Die Richtlatten sind nach Herons Angaben auf Fig. 7 in Seitenansicht, auf 
Fig. 8 in Vorderansicht und auf Fig. 9 im Grundrifs dargestellt. In die parallel- 



Wolters, Vasen aus Menidi. II. 



IO3 



epipedische Latte AB ist eine schwalbenschwanzförmige Nuth C eingeschnitten, in 
der sich ein Schlitten D auf- und abwärts schieben läfst. An diesem ist eine kreis- 
förmige Scheibe EF befestigt, deren Gewicht durch eine an ihrer Rückseite auf- 
genagelte Bleiplatte H erhöht wird. Von dem Schlitten D geht eine Schnur über 
die Rolle G, welche oben an der Latte angebracht ist, nach der hinteren Seite der 
Richtlatte, um hier nötigenfalls an einem Stift festgebunden zu werden. Auf der 
einen Schmalseite der Latte Aß ist eine Skala angebracht, die der an der kreis- 
förmigen Scheibe befestigte Zeiger I bestreicht; an der anderen Schmalseite hängt 
von dem Pflocke K eine Schnur mit Gewicht herab, die, wenn sie auf die Marke 
des zweiten Pflockes L einspielt, eine genau senkrechte Aufstellung der Richt- 
latte verbürgt. 

Charlottenburg. Hermann Schöne. 



VASEN AUS MENIDI. 
11. 

Neben der Vase, die ich versucht habe als ein Werk des Sophilos nach- 
zuweisen ', besitzen die übrigen im Gang des Kuppelgrabes zu Menidi entdeckten 
jüngeren keramischen Reste vor allem durch ihre Beziehung zum Fundort für uns 
Bedeutung und nur zum geringsten Teil auch daneben einigen selbständigen Wert. 
Aber die Art des Fundes macht uns eine Beachtung auch der an sich geringfügigen 
Trümmer zur Pflicht. Ich benutze zu der nachfolgenden Aufzählung und Darstellung 
aufser dem gedruckten 3 vor allem den handschriftlichen Ausgrabungsbericht Lollings, 
der auch die jüngeren Vasen kurz beschreibt, mitunter sogar skizzirt, und dadurch 
ermöglicht eine gröfsere Anzahl von Scherben zu identificiren und so ihre Fund- 
umstände genauer zu bestimmen. Ich schliefse mich im Folgenden zunächst ganz 
an diesen Bericht, der sich im Besitz des athenischen Instituts befindet, an und 
lasse nur die Scherben unerwähnt, die sich nicht wieder erkennen lassen. 

Ehe ich aber zu dieser Darlegung schreite ist es meine Pflicht, dankbar 
des freundschaftlichen Entgegenkommens zu gedenken, das ich wie so oft, auch 
bei dieser langwierigen Arbeit von Seiten der Verwaltung des athenischen Museums, 
besonders des Herrn Chr. Tsundas, gefunden habe. 

Die Ausgrabung des Kuppelgrabes bei Menidi überhaupt begann natur- 
gemäfs mit der Freilegung des genannten, ehemals offenen, in den Grabraum 

] ) Vgl. dieses Jahrbuch 1898 S. 13 ff. 2 ) Das Kuppelgrab bei Menidi S. 4 — 16. 



io4 



Wolters, Vasen aus Menidi. IL 



führenden Ganges, der sich von Westen nach Osten erstreckt und zwar so, dafs die 
gewölbte Grabkammer im Westen liegt. Vgl. den weiter unten S. 116 wieder- 
gegebenen Durchschnitt Fig. 24 und den Plan: Kuppelgrab Taf. 1. 

Am 30. April 1879 (die abweichende Angabe Kuppelgrab S. 4 ist nach dem 
Zusammenhang und dem handschriftlichen Bericht nur Druckfehler) wurde eine Erd- 
schicht von durchschnittlich 1 m Höhe abgetragen und die dem Eintretenden zur 
Linken liegende, südliche Einfassungsmauer des Ganges gefunden; da die ent- 
sprechende Mauer rechts in den obersten Schichten zerstört war, ergab sich sofort, 
dafs man diesen Gang nicht von Anfang an ganz zugeschüttet hatte. Denn nur 
wenn er mindestens in seinem oberen Teil offen blieb, konnten Stücke der Seiten- 
mauer ins Innere stürzen, wie es geschehen war. Dem entsprechend wurden schon 
an diesem Tage in dem Gange aufser mykenischen einige rotfigurige Scherben, 
allerdings in den obersten Schichten und nach Lollings Annahme nur ganz zufällig 
hierher geraten, gefunden. 

Am 1. Mai wurde auch die in ihren oberen Teilen eingestürzte rechte Seiten- 
wand des Ganges blofs gelegt, und nun in dessen Innerem weiter in die Tiefe ge- 
graben. Wie am ersten, so wurde auch an diesem Tage eine Schicht von etwa 
1 m Dicke ausgehoben; wieder fanden sich dabei neben anderen Resten auch jüngere 
Scherben, und zwar in dem östlichen, höchstgelegenen, äufsersten Teile des Ganges. Es 
sind dies folgende: 



& 




Fig. 1. 

I. Drei aneinander passende Fragmente eines entwickelten rotfigurigen Gefäfses (Fig. i); Höhe 
des Erhaltenen 972 cm. Kuppelgrab S. 50. Dargestellt ist ein Opferzug. Der Priester (zu dessen Tracht 
Conze, Grabreliefs II Nr. 920 zu vgl.) hielt eine Kanne in der Hand, die in der Zeichnung ergänzt ist; 
ihm folgen Opferdiener, Flötenbläser, Kitharspieler. Dieser bildete den Schlufs des Zuges; an den Bruch 
pafst hier ein Fragment des Henkels an. Er war flach, am Gefäfsrande 6 cm breit und wölbte sieb über 
den Rand ein wenig nach innen, um sich dann nach einer Erhebung von etwa 5 cm abwärts zu wenden, 
wo er am unteren Teil des Gefäfses angesessen haben mufs. Unter der Fufslinie des Bildes sprang ein 
kleiner ornamentirter Rand wenig vor. Von dem Gefäfs, das einen oberen Durchmesser von etwa 19 cm 
gehabt hat — genau ist er nicht festzustellen, weil das Erhaltene keine ganz regelrechte Kreislinie dar- 
bietet — , ist aufser den genannten und einem weiteren Bruchstück des Henkels nur noch ein kleines 
Fragment vom oberen Rand erhalten. Es hat rechts von einem Henkel gesessen, wie dessen deutliche 
Spur beweist, aber rechts von dem erhaltenen Henkel läfst es sich nicht unterbringen, wir müssen also 
einen zweiten Henkel annehmen, und, da fast die Hälfte der Rundung des Gefäfses vorhanden ist, sowol 
ihn wie das genannte Fragment am linken Ende der Darstellung in sehr geringem Abstand vom Er- 
haltenen anordnen. Das Fragment zeigt das obere Stück eines im Profil nach links gewendeten Schildes 
mit dem Reste eines Schildzeichens (Hinterteil eines Tiers). Wir haben also an der Spitze des Opfer- 



Wolters, Vasen aus Menidi. II. 



IO5 



zuges einen nach links gewendeten Krieger zu ergänzen. Das ganze Gefäfs ist ein Kantharos mit zwei 
hohen Henkeln gewesen. 

2. Mehrere Fragmente vom Halse einer schlanken Amphora mit gewundenen Henkeln; der 
Hals ist mit einem rotfigurigen Palmettenornament verziert (Fig. 2). Höhe 14 cm. 





Fig. 2. 



Fig. 3- 



3. Kleines Bruchstück von der Schulter einer rotfigurigen Amphora (Fig. 3); erhalten ist nur 
der Hinterkopf eines Kriegers mit Speer und Halsberge (vgl. Conze, Attische Grabreliefs I Nr. 4. Hartwig, 
Meisterschalen Taf. 24,2. 37. Jahrbuch des Instituts 1895 Taf, 4> Antike Denkmäler I Taf. 10. Perrot, 
Histoire de tart III S. 595). Höhe 772 crcu Gehört sicher nicht zu Nr. 2. 

4. Bruchstücke vom unteren Teil eines grofsen, innen sorgfältig gefirnifsten, also nicht cng- 
halsigen Gefäfses. Das Fig. 4 abgebildete Fragment ist 7 cm hoch. Von figürlichen Darstellungen ist 
nichts erhalten, sondern nur Reste eines horizontal laufenden rotfigurigen Palmettenmusters und der 
schwarzen aufspViefsenden Strahlen darunter. Genauere Vorstellung von der Form des Gefäfses ver- 
mittelt uns ein weiteres, sicher anpassendes Bruchstück mit minimalem Rest der Strahlen, welches unter- 
halb dieser einen kräftigen schwarz gefirnifsten 

Rundstab und darunter den Ansatz eines ziemlich 
graden hohen Fufses zeigt. Die bedeutende Gröfse 
des Gefäfses mag man daran ermessen, dafs sich 
der Durchmesser des vom Rundstab beschriebenen 
Kreises auf etwa 30 cm berechnen läfst. Das 
Profil des Erhaltenen bietet der Durchschnitt in 
Fig. 5; man erkennt daraus leicht, dafs die Vase 
die Form eines ziemlich bauchigen Kessels auf 
hohem Fufs hatte. 

5. Flaches Bruchstück, nicht von der 
Wandung eines Gefäfses, sondern nach den Ansatz- 
spuren auf der im übrigen gefirnifsten Rückseite vielleicht von einem breiten Henkel. Gröfste Länge 
8 cm. Dargestellt war in rotfiguriger Malerei anscheinend eine aufrecht stehende Gestalt im Mantel, 
von der nur das mittlere Stück erhalten ist. Die Zeichnung ist schon etwas flüchtig. Vgl. unten Nr. 57. 





Fig. 5- 



^2g00lmMNam 





Figr. 6. 



io6 



Wolters, Vasen aus Menidi. II. 



6. Bruchstück eines rotfigurigen Kantharos, offenbar von ähnlicher Form wie Nr. i. Ein zweites, 
annähernd gleich grofses Fragment ist später gefunden worden (vgl. Nr. 41). Beide Stücke zusammen 
bieten einen grofsen Teil des Bodens (Durchmesser 12 cm), jedoch ohne den schlanken Fufs, dessen 
Durchmesser am Bruch auf etwa 2 x j 2 cm zu schätzen ist, und einen Teil der sich darüber erhebenden 
Wandung. Auf dem einen Fragment ist eine mit Decken belegte Kline und ein davor stehender Speise- 
tisch sowie links davon der Rest eines menschlichen Fufses erhalten, auf dem andern ein Altar, links 
davon die Beine eines Mannes, rechts Füfse und Gewandsaum einer von vorne dargestellten Frau. 
Strenger Stil. Vgl. Fig. 6. 

7. »Stück eines Skyphos mit glänzend schwarzem Firnifs.« Vermutlich das 8 cm hohe Fragment 
eines auf 13 cm oberen Durchmesser zu schätzenden schwarzen Skyphos mit zwei rot aufgesetzten hori- 
zontalen Linien wenig unterhalb des oberen Randes. 

8. »Schwarzfiguriges Fragment mit dem Oberkörper einer Figur, welche den rechten Arm 

erhebt; vor ihr ein Pferdekopf.« Obwol die Beschreibung 
dann nicht ganz genau ist, glaube ich sie doch mit Recht auf 
die Fig. 7 abgebildete Scherbe eines innen schwarz gefirnifsten 
Gefäfses (etwa einer Amphora) von II cm Breite zu beziehen. 
Erhalten ist nur z. T. eine nach links gewendete Gestalt im 
Mantel, hinter ihr einige nicht recht zu deutende Reste, vor 
ihr zwei Pferdeköpfe. Die Pferde tragen Maulkörbe (vgl. dazu 
E. Pernice, Griech. Pferdegeschirr S. I3ff); auch hier wird die 

Anschirrung eines Wagens dargestellt gewesen sein. Vgl. Nr. 10. 




Fig. 7. 




Fig. 8. 

9. Schwarzfigurige Scherbe mit drei menschlichen Köpfen und Zweigen dazwischen. Dieses 
Bruchstück hat sich mit einigen andern (vgl. Nr. 20. 39) zu der hier (Fig. 8) skizzirten Darstellung zu- 
sammen setzen lassen, die vom oberen Teil einer Amphora stammen wird. Ganze Länge 24 cm. 
Offenbar ist auch hier ein Opferzug dargestellt; vorne einige Teilnehmer mit Zweigen, dann zwei 
Flötenbläser und zwei Kitharisten. Flüchtige Malerei ; aufgesetztes Rot (in der Skizze durch Schraffirung 
ausgedrückt). 

10. Vielleicht von demselben Gefäfs wie Nr. 8 stammt eine, wol ebenfalls nicht ganz genau 
beschriebene, schwarzfigurige Scherbe, welche links die Reste einer menschlichen Gestalt (man sieht eine 
rechte Hand und den oberen Rand eines Köchers), rechts unklare Reste zeigt, die sich am ehesten als 
Vorderteil eines nach links gewendeten Gespannes verstehen lassen. 

11. Zwei Bruchstücke eines kleinen schwarzfigurigen Trinkgefäfses (etwa von der Form Athen. 
Mittheilungen 1890 Taf. 12, 1). Das eine zeigt einen nach links stehenden Löwen und darüber geringe 
Spuren des zweiten Bildstreifens, der, wenn auch nicht in scharfer Profilirung, plastisch von dem unteren 
gesondert war. Das zweite Bruchstück zeigt vom unteren Streifen nur einen Löwenschweif, vom oberen den 
Rest eines nach rechts fahrenden Wagens und eines dahinter schreitenden Kriegers. Ein drittes 
zugehöriges Fragment zeigt stark zerstört die Beine eines langsam nach rechts bewegten Viergespanns 
und einer langbekleideten menschlichen Gestalt dahinter. Der untere Streifen mafs etwa 4 '/ 2 t der obere 
7 cm in der Höhe. Entwickelte ziemlich sorgfältige Zeichnung. 

12. Bruchstück eines gröfseren, innen gut gefirnifsten Gefäfses mit dem Vorderteil eines nach 
rechts gewendeten Stieres in jüngerem schwarzfigurigen Stil. Breite 8 cm. 

13. Schwarzfigurige Scherbe mit dem Oberkörper eines bärtigen Mannes (vom Kopf ist nur 
der Bart erhalten), der den rechten Arm ausstreokt. An diese pafst eine weitere Scherbe an, Unter- 



Wolters, Vasen aus Menidi. II. 



IO7 



Schenkel dieses gelagerten Mannes, Rest einer Keule und Fufs eines Trinkgefäfses. Vom selben Gefäfs 
sind noch mehrere Bruchstücke vorhanden (vgl. Fig. 9); in der Abbildung ist aufgesetztes Rot durch 
senkrechte Schraffirung , Weifs durch Punktirung ausgedrückt. Zunächst ist zu nennen ein Rest des 
oberen Randes (vgl. Nr. 42) mit dem Oberkörper und den Knieen eines ganz entsprechend gelagerten 
Mannes, der sich nach hinten umwendet. Über den Knieen dieses Zweiten erscheinen Bogen und 
Köcher aufgehängt. Eine dritte Scherbe zeigt nur die Füfse eines ebenso gelagerten Mannes mit einem 
Rest, der etwa von einer Keule odereine m Baumstamm herrühren, aber nicht zu der Keule der ersten 
Scherbe gehören kann. Eine vierte Scherbe zeigt den Henkelansatz. Der Henkel war flach, etwa 4 cm 
breit, und erhob sich über dem Gefäfsrand, zugleich etwas in das Innere des Gefäfses hinein ragend, 
um am unteren Teil des Gefäfses anzusetzen. Links von der durch den Henkel verursachten Lücke ist 
Schulter und Arm eines Gelagerten, rechts ein Stück Gewand und der Rest eines knotigen Stockes 
erhalten. Der Durchmesser des Gefäfses mufs etwa 17 cm betragen haben; da wir von der daraus zu 
erschliefsenden Länge der Darstellung kaum die Hälfte besitzen, ist eine genauere Einordnung der 
Fragmente nicht mit Sicherheit möglich. Vielleicht ist das Bild mythisch zu deuten (Herakles bei 
Eurytos ?). 







Fig. 9. 4 

14. Stück vom Rand einer Amphora mit Säulenhenkeln (a colonette), deren oberer Durchmesser 
etwa 28 cm gewesen sein mufs. Auf der oberen Fläche ganz flüchtige schwarze Rosetten ohne Ritzlinien. 

15. »Ein dickes Fragment eines grofsen Gefäfses mit weitem Ausgufs; auf dem Rand zwölf- 
blätterige Rosetten.« An dies Fragment sind jetzt mehrere weitere Scherben angesetzt, so dafs das 
Ganze ein etwa 25cm breites, 13cm hohes Bruchstück eines grofsen, bauchigen Gefäfses darstellt; 
rechts und links von dem, grofsenteils aus Gips ergänzten, Ausgufs sieht man mächtige schreitende 
Stiere. Eine nicht direkt anpassende, aber sicher zugehörige Scherbe (vgl. unten Nr. 45) hat das 
Hinterteil des einen dieser Stiere (desjenigen rechts) erhalten; dicht dahinter zeigt schwarze Färbung 
und eine deutliche Erhebung des Grundes die Ansatzstelle des Henkels an. 

Auch eine Spur des zweiten Henkels ist an einer kleinen, leider sehr beschädigten Scherbe 
erhalten. Die Zerstörung erlaubt nicht, die geringen Reste der Darstellung links von diesem zweiten, 
also rechts vom erstgenannten, Henkel näher zu bestimmen. Dagegen lehrt uns eine weitere Scherbe 
die Verzierung des unteren Teiles des Gefäfses, Doppelstrahlen, kennen, und auch von dem hohen Fufs 
ist ein Bruchstück vorhanden. Es zeigt oben einen Streifen mit weidenden Gänsen, unten den Rest 
eines grofsen sitzenden Löwen. Das ganze Gefäfs läfst sich darnach in allem Wesentlichen mit Sicherheit 
so reconstruiren, wie es umstehend in Fig. 10 geschehen ist. Die grofse Breite des Fufses und der 
grofse untere Durchmesser des Kessels , die sich unabhängig von einander ergeben, passen sehr gut zu 
einander und sichern die Ergänzung. Der gröfste Durchmesser läfst sich auf fast 60 cm schätzen. 
Jahrbuch des archäologischen Instituts XIV. Q 



io8 



Wolters, Vasen aus Menidi. IL 




A 



y 



Fig. 10. 



16. Bruchstück von einem flachen, 2 '/j cm breiten Amphorenhenkel mit schwarz aufgemalter 
Ranke von herzförmigen Blättern. 

_^^ 17. Fragment vom oberen Rand einer 

flüchtigen schwarzfigurigen Kylix. Oben ein 2'/ 2 cm 
breiter gefirnifster Streifen, darunter fast ganz ab- 
gesprungen und nur mit Mühe festzustellen ein 
3 '/ 2 cm breiter Streifen mit flüchtig gemalten 
Tieren. Es sind noch eine Anzahl von Bruch- 
stücken derselben Kylix nachweisbar, die sich zum 
grofsen Teil zusammensetzen lassen und ein Gefäfs 
von etwa 20 cm oberem Durchmesser ergeben. 
Vom Tierstreifen ist aber fast nichts vorhanden 
(zweimal Reste von je einem Reh und Panther). 

18. Ausgufs von der Vase des Sophilos; 
vgl. dieses Jahrbuch 1898 S. 25 Fig. 3. Der 
Fund weiterer Bruchstücke ist unter Nr. 40, 44 
und 46 verzeichnet. 

19. Fragmente vom Halse einer grofsen 
Kanne mit Kleeblatt-Mündung; der Hals etwa 
10 cm hoch. Nach der starken Ausladung in 
jeder Richtung scheinen die Bruchstücke von 
einer der im jüngeren rotfigurigen Stil beliebten 
fast kugelförmigen Kannen (Winter, Die jüngeren 

attischen Vasen S. 55, VI. Melanges d' archeologie 1894 Taf. 4. B. C. H. 1895 S. 104) herzurühren. 
Die Oberfläche ist mit einem weifsen Überzug versehen gewesen; von Bemalung sieht man nur eine mit 
Firnifs gemalte horizontale Wellenlinie unten am Halse. Diese Technik scheint nicht attisch, eher böotisch. 

Die Art des Fundes dieser Scherben beweist noch nichts für ihren Zusammen- 
hang mit der Bestimmung des Ortes; sie könnten nur ganz zufällig hierher geraten 
zu sein scheinen, wie dies Lollings Bericht für die Funde des ersten Tages annimmt. 
Da aber eine Anzahl dieser Scherben (9. 13. 15. 18) zu andern gehört, deren sogleich 
zu erwähnender Fund die Annahme der Zufälligkeit ausschliefst, so dürfen wir die 
ganze Gruppe mit Bestimmtheit in eine engere Beziehung zu ihrem Fundort setzen. 

Am selben Tage (1. Mai) wie die bisher aufgezählten Reste wurde nämlich 
nicht weit (6 — 7 m) vom Ende des Ganges und 20 m von der Thür des Grab- 
gemaches entfernt, dicht unter der rechten, nördlichen Seitenmauer in einer Tiefe 
von i'/ 2 m ein ganzes Nest von Vasen und Vasenscherben, vermischt mit Bruch- 
stücken von sehr primitiven thönernen Pferdchen und von thönernen flachen, schalen- 
artigen Geräten mit einer kleinen Handhabe im Inneren gefunden (Kuppelgrab S. 5). 
Dafs dies Nachbildungen von Schilden sind, ist nach der Analogie ähnlicher Stücke 
(vgl. darüber weiter unten S. 118 ff.) einleuchtend, und auch schon erkannt (Furt- 
wängler-Loeschcke, Mykenische Vasen S. 40, 1 ; vgl. 'E<pyj|xspk apx» 1898 S. 69,1). Die 
Art des ganzen Fundes macht ohne Weiteres klar, dafs wir hier die Reste von 
Opfergaben vor uns haben. 

Ohne diese Frage schon jetzt weiter zu verfolgen, zähle ich zunächst die 
hier gefundenen Vasenscherben auf. 

20. »Fragment von einer schwarzfigurigen Vase mit dem Oberteil zweier leierspielender 
Männer.« Offenbar die äufserste Scherbe links von dem unter Nr. 8 besprochenen Bruchstück. 



Wolters, Vasen aus Menidi. II. 



IO9 



21. Viele Fragmente von einem grofsen konischen Vasenfufs des ausgebildeten schwarzfigurigen 
Stiles, die sich zu drei gröfseren Stücken haben vereinigen lassen (Kuppelgrab S. 5. 50). 




Fig. 11. 





Fig- 13- 



Fig. 12. 



a. Fig. 11. Oben Palmettenband. Links der Oberkörper eines bärtigen Mannes im Chiton und 
Panzer, mit aufgebundenem Krobylos. Offenbar bückt er sich in bekannter Weise 3 um die Beinschienen 
anzulegen. Über ihm werden zwei Lanzen sichtbar, die eine andere Person hielt. Rechts ist der Ober- 
körper einer langlockigen Frau erhalten, welche die beiden Lanzen des Kriegers hält. Gröfste Höhe 19 cm. 

b. Fig. 12. Ganz links, ziemlich zerstört, das Hinterteil eines nach links stehenden Hundes, 
dann der Unterkörper eines nach rechts gewendeten Mannes mit Mantel und Stab, endlich die Reste 
eines Kriegers, der wieder das eine Bein erhebt, um die Beinschiene zu befestigen. Vor ihm am Boden 
ein Helm mit hohem Busch. Der Oberkörper des Kriegers auf a kann nicht zu diesem gehören, da der 
hinter ihm stehende Mann nicht die Lanzen gehalten haben kann, deren Reste über jenem erscheinen. 

Unter dieser Darstellung läuft ein Streifen mit Viergespannen, deren zwei zum grofsen Teil 
erhalten sind. Darunter abwärts gerichtete Strahlen und der schwarze Wulst, mit welchem das Gefäfs 
auf dem Boden aufstand. Gröfste Höhe 38 cm. 

c. Fig. 13. Vom oberen Streifen sind nur die Füfse eines nach links stehenden Kriegers mit 
Beinschienen erhalten, vom unteren ein Viergespann und die vordere Hälfte eines zweiten (diese in der 
Abbildung gröfstenteils weggelassen), endlich das Ornament wie bei b. Höhe 24 cm. 

Es sind aufserdem noch mehrere Scherben vorhanden, die vielleicht zu demselben Gefäfsfufs 
gehört haben könnten; mit einiger Sicherheit läfst sich das nur von zwei aneinander passenden Bruch- 
stücken des unteren Strahlenmusters und einer dritten kleinen Scherbe (Vorderteil eines Hundes nach 
rechts, Schild und Lanze eines Kriegers, alles nur teilweise vorhanden) behaupten. Bruchstücke, die 
zum oberen Teile des grofsen Gefäfses gerechnet werden könnten, sind nicht vorhanden soviel ich sehe. 

In den beiden Fragmenten b und c sind etwa zwei Drittel des 
ganzen unteren Kreises erhalten, dessen Durchmesser ungefähr 55 cm 
betrug. Der obere Durchmesser des Fufses mufs etwa 20 cm, seine Höhe 
gegen 65 cm betragen haben; rechnen wir dazu noch die Höhe des eigent- 
lichen Gefäfses, das wir uns bauchig und sicherlich nicht zu klein zu denken 
haben, so erhalten wir das Bild einer ungewöhnlich stattlichen Vase. 

22. Korinthische kugelförmige Lekythos (Fig. 14) mit der Dar- 
stellung zweier grasender Damhirsche und, unter dem Henkel, einer Gans. 
Höhe 7 >/ 2 cm. Kuppelgrab S. 49, e. Zur Darstellung vgl. Athen. Mit- 
theilungen 1897 S. 293. Arch. Anzeiger 1891 S. 10. Hirsche auf korin- 
thischen Vasen s. z. B. Arch. Anzeiger 1893 s - J 88. B. C. H. 1897 S. 467. 
Berlin Nr. 921. 983. 1113. 1114. 1116. 1129. 1139. Darnach ist die 
Bemerkung Arch. Jahrbuch 1887 S. 18 zu berichtigen. Fig. 14. 




3 ) Vgl. die Zusammenstellung bei Hartwig, Meisterschalen S. 403, 1. 



9* 



HO 



Wolters, Vasen aus Menidi. IL 




F 'g- 15- 



23. Gleichartiges Gefäfs, mit der üblichen Darstellung dreier Krieger mit runden Schilden; 
sehr beschädigt. Höhe 7 cm. 

24. Desgleichen mit einem pantherköpfigen Vogel. Höhe 6 ] /-> cm. 

25. Geringfügige Reste zweier gleichartiger Gefäfse. 

26. Birnenförmiges Lekythion (Alabastron) protokorinthischer Art, nicht sorgfältig gemalt 
und schlecht erhalten. Horizontale Streifen, darunter einer mit Tieren. 7 '/ 2 cm hoch. Kuppel- 
grab S. 49, e. 

27. Gleichartiges Gefäfs, nur mit Streifen nachlässig decorirt. 7 cm hoch. Kuppelgrab S. 49, e. 

Bei weiterem Vordringen in die Tiefe und nach der Grabkammer hin fanden 
sich wieder Scherben, und zwar schienen die altertümlichen an Zahl sich zu mehren. 
Es lassen sich noch folgende feststellen. 

28. Bruchstück eines Gefäfsfufses mit ab- 
wärts gerichteten Hakenspiralen und Strahlen, 18 cm 
breit; vgl. Fig. 15. Kuppelgrab S. 49, c. Zur Deco- 
ration vgl. B. C. H. 1898 S. 281. AsXti'ov äp-£. 1890 
Taf. 4, 5. Athen. Mittheilungen 1890 Taf. 10. Die 
helle Färbung der Oberfläche, die von einem beson- 
deren Anstrich herrühren könnte, würde empfehlen, 
das Stück eher für böotisch als für frühattisch zu 
halten. 

29. Drei aneinander passende Scherben 
mit Doppelstrahlen, über denen sich ein Treppen- 
muster hinzieht (zusammen 16 cm breit). Zu derselben Vase müssen wir auf Grund dieses Ornaments 
zwei weitere, ebenfalls zusammenschliefsende Scherben (9 '/ 2 c m breit) rechnen, auf denen auch ein Stück 
des oberen Bildstreifens, die Beine eines Löwen und Füllornamente dazwischen, erhalten ist. Mit diesen 
stimmt dann wieder ein aus zwei Scherben zusammengefügtes Stück (vgl. Nr. 43) in allen Äufserlich- 
keiten so genau überein, dafs auch seine Zugehörigkeit gesichert ist. Es ist das etwa 24 cm breite 

Bruchstück des eigentlichen Gefäfses 
mit einem Henkel, welches Kuppel- 
grab S. 49, c kurz beschrieben und 
Arch. Zeitung 1882 S. 206 f. von 
Furtwängler, Athen. Mittheilungen 
1897 S. 332 von Pallat abgebildet 
und besprochen ist; die letztere Ab- 
bildung wird hier Fig. 16 wiederholt. 
Das ganze Gefäfs läfst sich darnach 
so ergänzen, wie es in Fig. 17 ge- 
schehen ist. Vom Fufs kann ich 
kein Fragment nachweisen, doch 
sprechen die Analogien für seine 
hohe Form. Der gröfste Durchmesser 
mufs etwa 33 cm gewesen sein. 

30. Zwei Fragmente eines 
innen gefirnifstenDipylongefäfses. Sie 
lassen sich auf Grund der im Tagebuch erhaltenen Skizze mit Sicherheit in zwei mit horizontalen Streifen 
und kurzen Zickzacklinien decorirten Scherben wieder erkennen, zu denen eine ganze Anzahl weiterer 
Scherben gehören (vgl. Nr. 36). Aus ihnen ergiebt sich die in Fig. 18 wiedergegebene Herstellung, in 
welche allerdings nicht alle vorhandenen Bruchstücke, sondern nur die für Form und Bemalung beweisenden 
aufgenommen sind. Es ist ein bauchiges Gefäfs, dessen gröfster Durchmesser etwa 45 cm betrug. 
Darstellungen fanden sich nur im oberen"*Streifen; das einzige von solchen erhaltene Fragment (erwähnt 
Kuppelgrab S. 49, b) scheint rechts einen Wagenlenker und links den Oberkörper eines neben dem 
Gespann stehenden und deshalb gröfser gebildeten Mannes zu zeigen. 




Fig. 16. 



Wolters, Vasen aus Menidi. II. 



III 



31. Fragment einer geometrischen Henkeltasse, das sich durch eine ganze Anzahl weiterer 
vervollständigen läfst und so ein Gefäfs ergiebt, welches dem 'E'fTju-Ept; 1898 S. 58, Fig. 4 abgebildeten 
durchaus entspricht, auch in den Mafsen (Höhe 7, oberer Durchmesser 9 cm). Die einzigen Abweichungen 
sind, dafs die dunkele Färbung hier sowol am oberen Rand als am Fufs einen kleinen Streifen frei 
läfst, und dafs die Querstreifen des Henkels in der Mitte noch einmal von senkrechten Strichen ge- 
kreuzt werden. 





\ ^ 



i 




Fig. 19. 



Fig. 17. Fig. 18. 

32. Bruchstück von einem geometrischen Gefäfs mit Henkel. Auch zu diesem haben sich so 
viele weitere Fragmente (vgl. Nr. 34. 35) finden lassen, dafs die hier in Fig. 19 wiedergegebene Er- 
gänzung (welche wieder die unwesentlichen Scherben nicht mit ab- 
bildet) möglich ist. Dafs der Fufs die hohe Gestalt hatte ist in fk 
diesem Fall durch die erhaltenen Ansatzspuren gesichert. Von der 
auf den obersten Streifen beschränkten Darstellung sind nur die Reste 
zweier Pferde erhalten (eines erwähnt Kuppelgrab S. 49, b). Der 
gröfste Durchmesser des Gefäfses läfst sich auf etwa 36 cm be- 
stimmen. 

33. Bruchstück von einem konischen hohen Vasenfufs, n cm 
breit. Erhalten ist nur ein Stück vom oberen Rand des Fufses und 
daran hängend vom Boden des bauchigen Gefäfses, welches der Fufs 
trug. Leider ist die Zerstörung der Oberfläche so weit fortgeschritten , dafs von der Bemalung nur 
minimale Reste, gut kenntlich nur eine Punktrosette, erhalten sind. Dicht unter dem Boden des Gefäfses 
ist der Fufs horizontal durchbohrt; das runde Loch mifst 8 mm. Es ist mir nicht möglich gewesen, 
andere hierzu gehörige Bruchstücke festzustellen. 

34. Ein grofses Stück vom Boden des unter Nr. 32 besprochenen Gefäfses. 

Hier wurde auch das Bruchstück eines der oben S. 108 erwähnten Schilde 
gefunden, eines der wenigen mit deutlichen Resten der Bemalung (rote Zickzack- 
linie auf dem Rand). 

35. Bruchstück vom Rand des unter Nr. 32 beschriebenen Gefäfses, mit Pferdekopf. (Vgl. 
Kuppelgrab S. 49, b.) 

36. Bruchstück vom Rand des unter Nr. 30 besprochenen Gefäfses, und zwar das mit den 
menschlichen Figuren (vgl. Kuppelgrab S. 49, b). 

37. Mehr nach dem äufseren Ende des Ganges hin wurde die Hälfte eines kleinen Gefäfses 
gefunden, welches die Form eines Vogels gehabt zu haben scheint. Erhalten ist nur die hintere Hälfte 
(5 cm lang), flüchtig mit Firnifs und roter Deckfarbe bemalt. Eine klare Vorstellung von der ehemaligen 
Benutzung vermag ich mir nicht zu bilden; Kuppelgrab S. 6 ist das Fragment als Lampe bezeichnet. 

Die Reste von mehreren Thonpinakes zeigten leider keinen malerischen 
Schmuck mehr; nur die üblichen Durchbohrungen an den Ecken liefsen ihre Be- 
stimmung mit Sicherheit erkennen. 



jj2 Wolters, Vasen aus Menidi. II. 



Am 2. Mai wurden an derselben Stelle wie Tags vorher noch einige (nicht 
genauer beschriebene) Bruchstücke der als Nr. 21 aufgeführten Vase gefunden, 
sodann ebendaselbst noch weitere Reste, besonders wieder viele Fragmente von 
Schilden und Pferdchen (eines über 20 cm hoch), aber auch: 

38. Mehrere korinthische kugelförmige Lekythen. Auf einer zwei sitzende Eulen, dazwischen 
ein kleinerer Raubvogel, durch den Schnabel und auch sonst als solcher charakterisirt. Höhe 6 cm. 
Vgl. Kuppelgrab S. 49, e. 

Weiter nach aufsen, Osten hin, fanden sich wieder in einer Tiefe von 2 m 
Bruchstücke schwarzfiguriger Vasen. 

39. Scherbe mit dem Oberteil zweier Männer; offenbar zu Nr. 9 gehörig (die Scherbe rechts 
unten). Kuppelgrab S. 6. 

40. Fragment mit Löwenkopf, zur Vase des Sophilos gehörig, vgl. dieses Jahrbuch 1898 
Taf. 1,2 obere Hälfte; Kuppelgrab S. 6, und oben Nr. 18. 

Noch weiter nach aufsen hin, näher zum Ende des Ganges, welches aber 
auch an diesem Tage noch nicht völlig heraustrat, fanden sich wieder einige sorg- 
fältige jüngere Scherben. 

41. Das schon unter Nr. 6 genannte Fragment eines rotfigurigen Kantharos mit Tisch und Kline. 

42. Bruchstück vom Rand eines schwarzfigurigen Trinkgefäfses ; vgl. oben zu Nr. 13. Die 
Identification ist sicher, obwol Lolling die Scherbe versehentlich rotfigurig nennt. 

An derselben Stelle fanden sich auch in nur 1 m Tiefe zwei archaische 
Terracotten (a: Höhe 7'/ 2 cm, Kopf und ein Arm fehlen; b: Höhe 4 cm, Arme 
und Unterkörper abgebrochen, rote Farbspuren), deren Zusammenhang mit den schon 
mehrfach genannten Terracottapferdchen sich später herausstellen wird. 

43. Fragment eines bauchigen Gefäfses mit Henkel, schon zu Nr. 29 abgebildet. 

44. Ungefähr 2 m westlich, also einwärts, von der Fundstelle der unter Nr. 21 aufgeführten 
Scherben eines grofsen schwarzfigurigen Vasenfufses, ebenfalls hart unter der nördlichen Seitenmauer 
des Ganges lagen auf einem Haufen zusammen mit Scherben korinthischer kugelförmiger Lekythen und 
der schon mehrfach genannten Schilde die meisten Reste des Gefäfses, das ich in diesem Jahrbuch 1898 
Taf. 1 S. 14fr". abgebildet und dem Sophilos zugewiesen habe; vgl. Kuppelgrab S. 6. 50, oben Nr. 18. 
Im Einzelnen werden genannt die Scherben mit Inschriftresten (dort Taf. 1, 3), die mit Kexoc . . . (dort 
Taf. 1, 1 oben rechts), solche mit Löwen (dort Taf. 1, 1 und 2), endlich die einzige erhaltene Scherbe 
vom Fufs (dort S. 24) und der Henkel 4 (dort S. 25). 

45. An derselben Stelle lag die Scherbe eines anderen schwarzfigurigen Gefäfses mit dem 
Hinterteil eines weit ausschreitenden Stieres, die zu Nr. 15 schon ihre Erwähnung und Verwertung 
gefunden hat. 

46. Ohne ausdrückliche Angabe des Fundortes führt dann das Tagebuch noch drei Vasen- 
scherben auf, deren erste der schon (Nr. 44) genannte Henkel von der Vase des Sophilos ist; sie 
werden also wol alle drei von derselben Stelle stammen. Die zweite ist der Boden eines kleinen, 
vulgären, vielleicht schon rotfigurigen Skyphos mit schräger Strichelung dicht über dem Fufs. Vom 
selben Gefäfs sind noch zwei weitere, unbedeutende Scherben da. 

47. Die dritte dieser Scherben ist auf beiden Seiten schwarz gefirnifst; sie stammt vom Henkel- 
ansatz einer bauchigen Kanne mit Kleeblattmündung derselben. Form wie Nr. 19. 

Die Ausgrabungen hatten zur Zeit dieser Funde (Ende des 2. Mai) im west- 
lichen Teil des Ganges, also dicht bei der Grabkammer, eine Tiefe von 37 2 bis 4 m, 
weiter östlich von 2 bis 3'/, m erreicht. Nach der Schilderung Kuppelgrab S. 6 
kamen in gröfserer Tiefe nur wenige Scherben zu Tage, und diese stimmten 

4 ) Bei diesem ist der Fundort nicht ausdrücklich angegeben, sondern nur die Zeit des Fundes; vgl. Nr. 46. 



Wolters, Vasen aus Menidi. II. i j o 



durchaus mit mykenischen überein, sowol in der Beschaffenheit des Thons als in der 
Glättung der Oberfläche und den Verzierungen. Im Einzelnen sind diese Scherben 
nicht beschrieben, also auch nicht nachzuweisen. 

Der westlichste Teil des Ganges, also der dicht vor der Eingangsthür des 
Kuppelraumes, aber höher als diese gelegene, fand sich voll von dünnen, vollständig 
unbearbeiteten Steinplatten, die ohne Ordnung und mit Schuttmassen gemischt und 
über einander geschichtet und durch einander geworfen waren (in dem Durchschnitt 
unten S. 116 Fig. 24 durch unregelmäfsige Schraffirung wiedergegeben). 

Am 3. Mai wurden diese Massen weiter aufgeräumt; 4,40 m unter der Ober- 
fläche kam die Oberschwelle der Grabesthür zu Tage, dann auch die vier mit 
leeren Zwischenräumen darüber angeordneten Steinplatten, welche zur Entlastung 
dienten (Kuppelgrab Taf. 2, 1 S. 7). Ein Teil des Mauerwerks oberhalb der Thür 
fand sich eingestürzt (dort S. 8). Vor der Frontmauer des Grabes lag wieder die 
Masse von roh aufeinander geschichteten, hier und da von kleinen Schuttschichten 
unterbrochenen unbearbeiteten Steinplatten. Diese Masse nahm die ganze Breite 
des Ganges ein, reichte ungefähr 2,15 m von der Frontmauer nach Osten und be- 
deckte diese etwa von oben an bis zur Höhe des Thürsturzes. Bei diesem fanden 
sich als tiefste Lage der Anhäufung einige gröfsere Blöcke und eine lange dicke 
Steinplatte. 

Ich kann mich der Ansicht nicht anschliefsen (Kuppelgrab S. 8. 12), dafs 
diese Steinmassen zum Zwecke weiterer Verrammelung hier aufgetürmt worden 
seien. Denn, wäre der Gang so bis zur oberen Kante der Frontmauer ausgefüllt 
gewesen, so hätte diese nicht einstürzen können. Es ist mir deshalb vielmehr höchst 
wahrscheinlich, dafs die geschilderten Steinmassen eben die eingestürzten Teile der 
Frontmauer darstellen, welche in den damals noch offenen Teil des Ganges hinabgefallen 
sind. Die gröfseren Blöcke rühren entweder von der oberen Bekrönung her und 
sind zuerst abgestürzt und deshalb in die unterste Schicht geraten, oder sie dienten 
zum Verschlufs des kleinen, durch die Vermauerung nicht ganz geschlossenen, offenen 
Raumes im obersten Teil der Thüre (vgl. den Durchschnitt unten S. 116 Fig. 24). 

Mit dieser Auffassung stimmen nun auch die weiteren Funde, die sich bei. 
der anderen Annahme kaum verstehen lassen 5 . 

48. In den unteren Schichten der Steinmassen, abwärts bis zu der 
Höhe der Oberschwelle der Thüre, fanden sich nämlich grofse Fragmente von 
rohen, rauchgeschwärzten Gefäfsen, welche der Fundbericht (Kuppelgrab S.8; 
vgl. Athen. Mittheilungen 1880 S. 146, 1) unzweifelhaft richtig als Kochtöpfe, 
Chytren bezeichnet. Die vorhandenen Reste lassen sich im Einzelnen natürlich 
nicht mehr identificiren; sie machen einen durchaus altertümlichen Eindruck 
und stammen von zweihenkeligen, nach oben sich verengenden Töpfen her, \ 

wie sie sich z.B. ähnlich auch auf Thera, in Athen (Athen. Mittheilungen 1893 
S. 117. 120. 141) und Eleusis ('Ecpr^AepU äp/_. 1898 S. 99) in den Gräbern 
geometrischer Epoche gefunden haben. Ein Exemplar, das sich wenigstens in 
der Zeichnung ziemlich vollständig herstellen läfst, ist in Fig. 20 wiedergegeben; **>■ 

5 ) Nicht empfohlen wird durch den Befund jedenfalls die im 'Attrjvatov VIII, 1879, S. 152 vermutete 

Beraubung des Grabes im Altertum. 




I \a Wolters, Vasen aus Menidi. II. 



Höhe etwa 24, oberer Durchmesser 1472 cm - Nach der charakteristischen Gestalt des Fufses müssen 
wir dieses, und so viel ich sehe alle vorhandenen Exemplare noch für mykenisch halten. Vgl. 
unten Nr. 58. 

Bemerkenswert ist, dafs diese Scherben nicht nur aufsen, sondern auch 
innen, allerdings in geringerem Grade, rauchgeschwärzt sind; die Gefäfse haben 
also nicht nur auf dem Feuer gestanden, sondern sind auch im Feuer zerbrochen, 
und zwar schwerlich ohne Absicht. Denn es scheint mir zweifellos, dafs diese 
Töpfe von Speiseopfern herrühren, die man vor dem Grabe, in diesem speciellen 
Fall vor der Grabesthür dargebracht hat, als diese erst bis zu ihrer Oberschwelle 
verschüttet war. Dafs solches Geschirr meist in und bei, namentlich vor dem Ein- 
gang zum Kuppelgrab in geringer Höhe über dem Fufsboden des Ganges gefunden 
wurde, wird ausdrücklich bezeugt (Kuppelgrab S. 8). Die an derselben Stelle, bei 
dem Oberstein der Thür, gefundenen, innen und aufsen mit roten bandartigen 
Streifen verzierten Scherben, welche zum Teil einen Anflug von Rufs zeigten, glaube 
ich in den Resten zweier mykenischer Gefäfse (49. 50) wiedererkennen zu können. 

49. Elf Scherben vom oberen Teil eines Napfes etwa von der Form 48 bei Furtwängler- 
Loeschcke, Mykenische Vasen, ehemals wol 18 cm hoch; das Gefäfs war schon im Altertum genickt, wie 
einige Durchbohrungen lehren. Ziemlich grober, heller, an der Oberfläche fast weifslicher Thon; die 
Bemalung der Aufsenseite besteht aus zwei wagerechten Streifen unter dem Rand, zwei grofsen Wellen- 
linien und wieder drei wagerechten Streifen darunter; im Inneren finden sich nur zwei solcher Streifen 
oben und ebenso weiter unten. Die Identification mit den von Lolling beschriebenen Scherben scheint 
mir sicher, weil sich kein anderer zweiseitig decorirter Rest feststellen läfst; der Anflug von Rufs ist 
allerdings nicht mehr zu sehn. Dieser findet sich an bemalten Scherben nur in einem einzigen Fall, 
und darauf beruht die Identification der folgenden Reste. 

50. Sieben Scherben eines ziemlich dickwandigen (bis fast 1 cm) Gefäfses aus hellem, an der 
Oberfläche z. T. ganz weifslichen, hell überzogenem Thon. Die Innenseite ist unbemalt, die Aufsenseite 
zeigt ziemlich breite Streifen und Reste eines Rosettenornamentes wie Mykenische Thongefäfse Taf. 12, 
64. 67 (Grab beim Heraion) oder 'F/pjjAEpi; dp - /. 1895 Taf. 11 (Thorikos). 

51. In der Nähe der Obcrschwelle der Thür lag auch noch ein weiteres mykenisches Fragment, 
wol ein Stück von der Schulter einer Büchse (Form 34 bei Furtwängler-Loeschcke), das sich auf Grund 
von Lollings Skizze mit Sicherheit wieder erkennen läfst. Es zeigt von mehreren senkrecht laufenden 
dünnen und zwei den unteren Schulterrand begleitenden horizontalen Linien eingeschlossen ein trapez- 
förmiges Feld und in dessen Mitte eine Linie in der Form eines liegenden S. 

52. Endlich fanden sich an derselben Stelle noch Reste hochfüfsiger Becher, und wieder läfst 
die Skizze Lollings keinen Zweifel, dafs es Gefäfse mykenischer Technik (Form 84 bei Furtwängler- 
Loeschcke) waren. 








fe 



Fig. 21. Fig. 22. Fig. 23. 

53. Weiter nach Osten, 3 l / a m tief und 6 m von der Thür des Grabes entfernt, also schon 
aufserhalb der Steinmassen, fand sich das Fig. 21 abgebildete Bruchstück eines konischen Vasenfufses, 
mit dem Rest eines grofsen Vogels etwa im^Stile des Athen. Mittheilungen 1890 Taf. 10 abgebildeten 
noch frühattischen Gefäfses aus Vurvä. Breite 10 cm. Das Tagebuch nennt dazu noch zwei weitere 



Wolters, Vasen aus Menidi. II. 



115 



Fragmente; zugehörig ist nur eines (Fig. 22), den unteren Abschlufs des Flügels enthaltend. Die 
übrigen verwandten Bruchstücke gehören zu einigen anderen derartigen Vasenfüfsen, die später zu nennen 
sein werden. 

54. Endlich lag an derselben Stelle der Rest eines kleinen Kännchens mit ganz zerstörten 
Überbleibseln sehr flüchtiger Malerei (vgl. Kuppelgrab S. 9); Fig. 23. Es läfst sich nicht mehr er- 
kennen , was diese eigentlich darstellen sollte — man könnte an einen Streifen ganz nachlässig hin- 
gesudelter Vögel denken — nur das ist klar, dafs wir ein Produkt der frühattischen Keramik, und zwar 
eines der Kännchen mit engem, langem Hals vor uns haben, etwa von der Form 'F/f^u-spl; dp-/. 1898 
Taf. 4, 7- 

Am 4. und 5. Mai wurde nicht gearbeitet, an den folgenden Tagen im 
Gang selbst nichts Jüngeres mehr gefunden, während sich jetzt die sicher mykenischen 
Funde mehrten (Kuppelgrab S. 9 ff.). Nur am östlichen Ende des Ganges wurden 
noch vereinzelte jüngere Scherben gefunden. 

55. Am 6. Mai, 25 m von der Frontmauer des Grabes, etwa I '/s m tie f gefunden: »Scherbe 
von einem schwarzfigurigen Gefäfs mit der Darstellung eines Mannes, der den rechten Arm mit gebogenem 
Ellenbogen in die Höhe streckt« (vgl. Kuppelgrab S. 9). Es mufs dies ein nur 6 cm hohes Bruchstück 
sein, welches nach seinem ganzen äufseren Befund wieder zu einem der konischen Vasenfüfse gehört 
hat. Erhalten ist nur ein Stück vom Körper einer nach links gewendeten bekleideten männlichen Figur 
mit erhobenem rechten Arm; die linke Hand ist vor dem Leib sichtbar. Zu dem grofsen Untersatz 
Nr. 21 kann das Fragment wegen der geringeren Gröfse der Darstellung nicht gehören. 

Am 8. Mai waren die Ausgrabungen bei der östlichen Quermauer des 
Ganges zu einer Tiefe von 2 m vorgedrungen, bei der Frontmauer des Grabes zu 
einer solchen von 5 m. In dieser Tiefe traten in der ganzen Länge des eigentlichen 
Ganges nachmykenische Vasenscherben nicht mehr auf (Kuppelgrab S. 10), dagegen 
wurden aufser mykenischen Scherben nun auch häufiger kleine Schmucksachen 
mykenischer Epoche gefunden (vgl. Kuppelgrab S. 9 f.) 

56. Am 9. Mai, 4 m östlich von der Quermauer, welche das östliche Ende des Ganges abschlofs, 
nur in 1 / 2 m Tiefe kam ein Bruchstück zu Tage, welches das Tagebuch zum Fufsrand des Nr. 21 
besprochenen grofsen Vasenfufses rechnet. 

57. Am 10. Mai fand sich, ebenfalls aufserhalb dieser Quermauer, ein kleines Bruchstück, das 
zu dem unter Nr. 5 beschriebenen Fragment gehören mufs. Es ist 6 cm breit und zeigt nur ein Stück 
vom Rücken der in ihren Mantel gehüllten Person (vgl. Kuppelgrab S. 11). 

5S. Am 12. Mai fanden sich in dem Winkel der Frontmauer und der nördlichen Einfassungs- 
mauer des Ganges, etwas tiefer als die Unterfläche des obersten Thürdecksteins, grofse Scherben von 
rohen, zweihenkeligen Kochtöpfen mit deutlichen Spuren der Einwirkung des Feuers (Kuppelgrab S. 12,7). 
Vgl. oben Nr. 48. 

59. Am 16. Mai wurden aufserhalb der äufseren, östlichen Verschlufsmauer des Ganges bis zu 
einer Tiefe von 1 m wieder Scherben, darunter auch rot- und schwarzfigurige gefunden. Genannt wird 
nur ein Bruchstück, das zu dem unteren Rand eines grofsen Vasenfufses wie Nr. 21 gehört zu haben 
scheine, sowie Bruchstücke von drei Thonpferdchen (Kuppelgrab S. 16). 

Es war nötig, diese ganze Reihe von Einzelfunden oft recht geringfügiger 
Art vorzuführen, weil sich nur so eine Vorstellung vom ursprünglichen Zustand des 
Kuppelgrabes und seines Zuganges gewinnen läfst. In dem umstehenden Durch- 
schnitt (Fig. 24) sind alle Vasenfunde, für die nicht nur die Tiefe, sondern auch 
die Entfernung von der Frontmauer des Kuppelgrabes bekannt ist, möglichst genau 
an ihrer Stelle durch einen dicken Tupfen angegeben; die beigefügten Nummern 
sind die des vorstehenden Verzeichnisses der Funde. Die mit Schutt untermischten 



n6 



Wolters, Vasen aus Menidi. II. 



Steinmassen vor der Frontmauer, die ich für deren eingestürzte oberste Teile halte, 
sind durch eine unregelmäfsige Schrafflrung angedeutet; die gleichartigen Erdmassen, 
welche im Übrigen den Gang füllten (Kuppelgrab S. 5) sind nicht ausgedrückt. 
Eingetragen ist sodann noch die Tiefe, welche die Ausgrabungen am 8. Mai erreicht 



44.20-27. 
45.38-40. 




•Westen 



Ü2> 

Osten-* 



Fig. 24. 

hatten, da nach der ausdrücklichen Versicherung Lollings (s. oben S. 115) in gröfserer 
Tiefe nur mykenische Vasenscherben und Kleinfunde dieser selben Epoche, aber 
nichts Jüngeres gefunden wurde. Damit ist die Grenze angegeben, bis zu welcher 
mindestens der Gang schon zu einer Zeit verschüttet wurde, als geometrische 
Topfware noch nicht im Gebrauch war, dagegen noch mancherlei kleine Schmuck- 
stücke mykenischer Art in die Erde geraten konnten. Aber diese Grenze wird, 
besonders an der Frontmauer, höher zu legen sein. Wie der Durchschnitt ohne 
Weiteres lehrt, erlauben die eingetragenen Vasenfunde, die Grenzlinie von der 
Unterkante des untersten Thürsturzes etwa horizontal, nur wenig nach Osten an- 
steigend, zu zeichnen. Ja, wenn wir annehmen, dafs die eine Scherbe Nr. 55 nur 
zufällig in eine etwas gröfsere Tiefe geraten ist, so werden wir die Grenze sogar so 
ziehen, dafs sie von dem genannten Thürsturz nach der Oberkante der östlichen 
Abschlufsmauer läuft. Und wenn wir bedenken, dafs die vielen, an einer Stelle 
gefundenen Reste Nr. 20 — 27. 38 — 40. 44. 45, die zum Teil ganz zweifellos älter sind 
als Nr. 55 doch offenbar auf dem ursprünglichen Boden lagen, und in ihrer Gesamt- 
heit kaum in höhere Schichten geraten konnten, so werden wir dieser Annahme 
um so gröfsere Wahrscheinlichkeit zusprechen dürfen, als es doch fast selbstverständ- 
lich ist, dafs man im Fall einer Verschüttung die Eingangsthür des Grabes in ihrer 
ganzen Höhe bedeckte. Auch die nicht eingetragenen Funde stimmen dazu. 
Nr. 1 — 19 sind in einer Tiefe von 1 — 2 m unter der Oberfläche gefunden (vgl. oben 
S. 104), 28 — 37 nahe bei Nr. 20 — 27 und höchstens etwas tiefer (vgl. S. 110), was nicht 
auffällig scheinen kann, da sich hierunter ja grade geometrische Reste befinden, 
die durch das langsame Anwachsen des Bodens schon mit Erde bedeckt sein 
konnten, ehe die jüngeren Gefäfse an derselben Stelle benutzt und zerbrochen wurden. 
Nr. 41—43 lagen offenbar in sehr geringer Tiefe (vgl. S. 112). Von Nr. 46. 47 ist 
genauer die Tiefe nicht bekannt. Von dieser Seite ist also nichts gegen die An- 
nahme einzuwenden, dafs nach Verschlufs des Grabes in mykenischer Zeit die 
Bodenhöhe des Ganges die gewesen ist, welche durch die Oberkante der Grabesthür 



Wolters, Vasen aus Menidi. II. 117 



einerseits und die Oberkante der östlichen Abschlufsmauer andrerseits bestimmt 
wird und die ich demgemäfs auch in den Durchschnitt eingetragen habe. Zu 
der Annahme dieser Bodenhöhe stimmt auch durchaus der Fund der als Nr. 48 
verzeichneten Reste dicht bei dem Thürsturz. Es ist dabei gleichgültig, ob 
wir diese rohen Gefäfse für mykenisch oder nachmykenisch halten; ihr Vor- 
kommen an dieser Stelle scheint mir zu beweisen, dafs nach endgültigem Verschlufs 
des Grabes hier der Fufsboden lag. Aus dem Fund von Nr. 49. 50 geht dies 
nicht so klar hervor; denn wir können nicht behaupten, dafs all diese Scherben 
an der einen Stelle gefunden wurden, da das Tagebuch nur von mehreren 
Scherben spricht. Noch weniger würde natürlich Nr. 51 und 52 beweisen; solche 
mykenische Reste sind ja offenbar an allen Stellen und in allen Höhenlagen des 
Ganges vorgekommen. Dagegen läfst sich die Thatsache, dafs die herabgestürzten 
Steine des oberen Teiles der Frontwand grade bis zu dem unteren Thürsturz 
reichten, kaum anders verstehen als bei der Annahme, dafs eben hier der 
Boden lag. Die als Nr. 58 verzeichneten Funde müssen dann wol durch die 
Voraussetzung erklärt werden, dafs Speiseopfer, wie wir sie annahmen, auch nach 
dem teilweisen Einsturz der Grabwand noch an alter Stelle auf dem Schutt nieder- 
gelegt und von den später nachstürzenden Mauerresten begraben worden seien; 
denn dafs die Gefäfse ihre ursprüngliche Stelle an dem Rande des Tumulus gehabt 
hätten und so mit der einstürzenden Wand in die Tiefe gerollt wären ist doch 
kaum wahrscheinlich. Ich glaube also annehmen zu müssen, dafs beim endgültigen 
Verschlufs des Grabes die Thür vermauert und der Gang bis zu ihrer Oberschwelle 
mit Erde verschüttet wurde, der obere Teil des Ganges aber von dieser Ober- 
schwelle an bis etwa an den oberen Rand der östlichen Abschlufsmauer offen blieb. 
Die Thatsache (Kuppelgrab S. 5), dafs die den Gang bis oben füllende Erde durch- 
gehends dieselbe Farbe und Dichtigkeit zeigte, spricht durchaus nicht dagegen. 
Das mufste auch der Fall sein, wenn die gänzliche Verschüttung durch die Erde 
des anstofsenden Ackers und vor allem des nach und nach abgeschwemmten Grab- 
hügels (Kuppelgrab S. 3) erfolgte. 

Demnach müssen wir uns das Grab nach seinem Verschlufs vorstellen als 
einen gleichmäfsig ansteigenden Tumulus, in den von Osten her der 3 m breite 
und 26 1 /., m lange, von Mauern eingefafste Gang eingeschnitten \var. Dieser senkte 
sich nach dem Innern hin etwas und endete vor der fast 5 m hohen Frontmauer. 
Ob wol eine Thüre nicht mehr sichtbar war, mufste dieser ins Innere des Hügels 
und in die Tiefe führende Einschnitt sich unmittelbar als der Zugang zu dem dar- 
stellen, was hier die Erde barg, und auch wenn die genauere Kenntnifs von der Ein- 
richtung des Kuppelgrabes sich vielleicht verloren hatte, mufste sich doch dieser 
Gang immer als der Zugang zur Erdtiefe Und als der gegebene Ort für etwaigen 
Totenkult darbieten. Dessen Spuren haben wir schon dicht an der Frontmauer zu 
erkennen geglaubt (vgl. oben Nr. 48 — 52. 58), aber lange über die mykenische 
Epoche hinaus, der jene Reste ja wol noch zugeschrieben werden können, haftete ein 
Kult an dieser Stelle. Wenn wir aus dem Fundort der Scherben schliefsen dürfen, 



jjg Wolters, Vasen aus Menidi. II. 



wurden die Weihegaben in der späteren Zeit nicht mehr so dicht an der Frontmauer 
niedergelegt, sondern mehr im östlichen Teile des Ganges und zwar an der rechten, 
nördlichen Wand (vgl. Nr. 20 — 27. 38 — 40. 44. 45), in achtungsvoller Entfernung 
von dem eigentlichen Wohnsitz der Unterirdischen. Uns liegt noch ob, die Art 
dieser Gaben aus den Trümmern zu bestimmen so weit es möglich ist. 

Wiederholt werden zunächst unter den Funden Fragmente dicker grober 
Pithoi genannt (Kuppelgrab S. 4. 6). Da sie nicht genauer bezeichnet und nicht 
mehr nachzuweisen sind, können wir nicht entscheiden, ob sie überhaupt eine be- 
sondere Bedeutung haben, oder vielleicht nur zufällig hierher geratene Bruchstücke 
von Geräten des täglichen Gebrauches sind. Ausgeschlossen ist aber eine solche 
Deutung gleich bei der zunächst zu nennenden Gruppe keramischer Funde, den 
thönernen Schilden (vgl. oben S. 108. 1 1 1). Da sie überhaupt keinem praktischen Zwecke 
dienen können, und die mitunter beliebte Erklärung derartiger Dinge als Spielzeug 
an diesem Orte und bei der grofsen Zahl der noch nachweisbaren Exemplare un- 
möglich ist, dürfen wir sie mit Sicherheit als Votive in Anspruch nehmen. In der 
Aufzählung Kuppelgrab S. 49, d wird ihre Zahl auf ungefähr acht angegeben; nach 
genauerer Sichtung und Ordnung ergaben sich 22 Exemplare, von denen manche aller- 
dings nur durch ein einziges Bruchstück vertreten sind. Ich gebe die Möglichkeit 
zu, dafs einzelne dieser Bruchstücke, die ich getrennt zählen zu müssen glaube, 
von einem und demselben Schildchen herrühren können, und dafs die von mir er- 
mittelte Zahl sich so noch um einige Einheiten vermindern läfst, da wir aber andrer- 
seits doch keineswegs erwarten dürfen, Reste aller einst vorhandenen Exemplare 
erhalten zu finden, so ist die Thatsache gesichert, dafs kleine thönerne Schildchen 
ein beliebtes Weihgeschenk dieses Ortes waren. Dieselbe Schlufsfolgerung werden 
wir auch bei den anderen typischen Votiven anzuwenden haben, ohne sie jedes Mal 
eigens hervorzuheben. 

Es hätte keinen Sinn, alle Reste aufzuzählen; ich begnüge mich, einige 
besser erhaltene zu nennen. 

a. Ganz erhaltener kreisrunder Schild; Durchmesser 14cm. Nur eine Handhabe in der Mitte 
ist angegeben , wie überhaupt der bei genauer Wiedergabe vorauszusetzende zweite Griff bei keinem 
Exemplar nachweisbar ist. Auch die kreisrunde, flach gewölbte Form ist allen Exemplaren eigen, der 
besonders abgesetzte flache, mehr oder minder breite Rand (ä'vru;) fast allen. Die Oberfläche ist mit 
weifser Farbe überzogen, darauf undeutliche Reste linearer Muster in stumpfer braunroter Farbe. 

b. Fast ganz, wenn auch in vielen Fragmenten erhalten; Durchmesser 14cm. Der Rand ist 
schwarz mit einer äufseren braunroten Begrenzung, an der äufsersten Grenze der Wölbung läuft ein 
braunroter, dann nach kurzem Abstand weiter nach Innen ein breiter gelber, schwarz eingefafster Streifen 
herum, näher beim Mittelpunkt ein gleicher braunroter. Alle Bemalung in stumpfer Farbe auf 
weifsem Grunde. 

c. In drei Fragmenten etwa zur Hälfte erhalten, ohne besonders abgesetzte Antyx. Durch- 
messer 12 cm. Von der Bemalung auf weifsem Grund ist nur der Rest eines concentrischen braunroten 
Streifens und minimale braunrote Spuren erhalten. Auch das Innere des Schildes war weifs gefärbt. 

d. Vier Fragmente; ehemaliger Durchmesser 16 cm. Weifse Grundirung, auf der Antyx braun- 
rote Zickzacklinie, auch auf der Schildwölbfing braunrote Linien. Vgl. oben zu Nr. 34. 

e. Etwa zur Hälfte in zwei Bruchstücken erhalten; Durchmesser 13 cm. Bemalung verschwunden 
bis auf Spuren der weifsen, auch die Innenseite bedeckenden Grundirung. 



Wolters, Vasen aus Menidi. II. 



119 



f. Bruchstück aus der Mitte eines Schildes ; jetziger Durchmesser 8 cm, ehemaliger vielleicht 
doppelt so grofs. Auf weifsem Grund sind in der Mitte, wie ein Schildzeichen, zwei in einander gelegte 
Rauten braunrot aufgemalt, die innere kleinere noch durch je zwei den Seiten parallele Linien gegittert, 
das ganze von einem, wieder rautenförmigen gelben Streifen umgeben. 





Fig. 25. 

Von dem, durch diese Proben zur Genüge charakterisirten, Typus weicht 
keines der sonstigen Stücke, weder in Gröfse noch in Technik, ab. Dafs diese 
letztere offenbar auf Böotien hinweist, hat Furtwängler (Kuppelgrab S. 48, d) richtig 
hervorgehoben. Bestätigend tritt hinzu, dafs derartige Schilde auch in Böotien selbst 
gefunden werden. Ein Exemplar aus Theben befindet sich in Berlin 6 , ein zweites 
aus Böotien befindet sich im Akademischen Kunstmuseum in Bonn 7 , ein drittes, 
aus Tanagra (Liatani) stammendes wird hier Fig. 25 von zwei Seiten abgebildet 8 . 
Aller Wahrscheinlichkeit nach stammen diese intakt erhaltenen Exemplare aus Gräbern. 
Bestätigt wird das durch die Thatsache, auf welche mich V. Stais freundlichst hin- 
wies, dafs bei den 1888 und 1889 unternommenen Ausgrabungen in der Nekropole 
von Tanagra 9 mehrfach solche Schildchen gefunden wurden. Zwei davon sind 
in die Sammlung des athenischen Nationalmuseums aufgenommen 10 . 



c ) Furtwängler, Beschreibung der Vasensammlung 
Nr. 2122. Durchmesser 11,5 cm; Schildzeichen: 
rot gemalte Krabbe. Zu vergleichen ist ein 
Voiive shield, on which is painted a crab, welcher 
mit der unbestimmten Angabe, dafs er aus 
Griechenland stamme, im Erwerbungsbericht des 
Brittischen Museums aufgeführt wird: Arch. 
Anzeiger 1896 S. 143, IV, 8. Dasselbe Emblem 
findet sich auf einem kleinen Schild böotischer 
Technik (rot auf weifs) in Gotha, wie mir 
G. Loeschcke mitteilt. 

7 ) Schildzeichen: Sirene, nach Thon und Firnifs 
der sog. böotisch- korinthischen Art angehörig; 
Durchmesser 20 cm (Loeschcke). Vgl. Katalog 
einer Sammlung griech. Vasen. Auktion unter 
Leitung des Kunsthändlers H. Helbing, München 
1899, Nr. 59. 

8 ) Durchmesser 14 cm; Oberfläche weifs grundirt, 
darauf mit schlechtem braungelb gewordenen 



Firnifs und mit braunroter stumpfer Farbe die 
Ornamente. 

9 ) Kurze Berichte darüber s. AiXti'ov äpy. 1888 be- 
sonders S. 34. 56. 84. 105. 125 und 1889 S. 123. 

10 ) Nr. 11046, Durchmesser 157.; cm, c ler weifse 
Überzug fast ganz verschwunden, von der Be- 
malung nur Reste einer schwarzgrauen Wellen- 
linie auf der Antyx erhalten. Bemerkenswert 
ist, dafs in diesem Falle die beiden Handhaben 
des Schildes nachgebildet sind, wodurch, wenn 
dies noch nötig wäre, die Deutung gegen jeden 
möglichen Zweifel gesichert wird (vgl. das 
weiter unten erwähnte Exemplar von der 
athenischen Akropolis). — Nr. 11047, Durch- 
messer 1 1 cm. Kein weifser Überzug, die Be- 
malung, in schlechtem schwarzen Firnifs aus- 
geführt, zeigt ein laufendes Rad in der Mitte 
und eine Wellenlinie auf der Antyx; wol böoti- 
sches Fabrikat. 



J2Q Wolters, Vasen aus Menidi. IL 



Bei seinen Ausgrabungen in der eleusinischen Nekropolis hat A. Skias einen 
solchen Schild mit korinthischen Scherben zusammen gefunden CEcpr^spk apj(. 1898 
S. 69), und zwar in einer Brandschicht, die er ihrer Tiefenlage wegen für mykenisch 
hält, so dafs diese Reste zufällig hierher gekommen sein müfsten (vgl. dort S. 41, 2); 
das Vorkommen des Schildes" in der Nekropole überhaupt aber ist schwerlich als 
Zufall zu betrachten. Ein zweites zwar in Scherben aber fast ganz erhaltenes Exem- 
plar ist 1895 im südlichen Hof des eleusinischen Heiligtums gefunden 12 ; da die 
dortigen Aufschüttungen sehr verschiedenartige keramische Reste enthielten (üpccx- 
xixa 1895 S. 170 f.), ist die ursprüngliche Beziehung zum Heiligtum nicht gesichert, 
wenn auch wahrscheinlich. Ist es aber ein Votiv an die eleusinischen Göttinnen, 
so mufs seine Wahl sich doch wol aus den persönlichen Verhältnissen des Weihenden 
erklären. Anders ist das bei den Thonschildchen von der athenischen Akropolis 
(vgl. Arch. Anzeiger 1893 S. 18. Jahrbuch des Instituts 1897 S. 8, 24); für sie wie 
für die sonstigen der Athena dargebrachten Schilde ist die Motivirung durch die 
Natur der Gottheit ohne Weiteres gegeben. Übrigens weichen diese athenischen 
Schildchen von den meisten bisher genannten gleichartigen in der Technik ab: sie 
sind ganz in der Art attischer Vasen mit Firnifs bemalt, und bei dem einzigen 
ziemlich vollständig erhaltenen (Schildzeichen: eine schreitende Athena) sind, wie 
bei dem Anm. 10 genannten, im Inneren die beiden Handhaben richtig wiedergegeben. 

Noch von zwei solchen Schilden befinden sich Reste im Museum zu Eleusis, 
aber da ihr genauerer Fundort nicht bekannt ist, läfst sich auch ihre ursprüngliche 
Bedeutung nicht einmal mutmafsen 13 . 

Schildchen aus Thon, die allerdings einer etwas jüngeren Zeit angehören, 
sind auch in der prächtigen Grabkammer eines Tumulus in Eretria u , die leider vor 
der wissenschaftlichen Untersuchung von Unberufenen geplündert war, gefunden 
und nachträglich durch K. Kuruniotis für das griechische Nationalmuseum erworben 
worden. Es sind zwei Typen, beide plastisch verziert. Nr. 11728. Rundschild ohne 
Handhabe, 87 mm im Durchmesser; in der Mitte ein von Strahlen umgebener 
Helioskopf. Spuren von Vergoldung. Nr. 11729. Ovaler Schild, ebenfalls ohne 
Handhabe, 89 mm lang. In der Mitte ein etwas nach links gewendeter Hundekopf 

n ) Es sind zwei zusammenpassende Fragmente; spitzen Winkeln bestehen; auf der Antyx rote 

Durchmesser 16 cm. Als Ornament ist auf Wellenlinie. 

weifsen Grund ein vierspeichiges Rad gelb auf- ,3 ) Es sind die Reste eines Schildes von ursprüng- 
gemalt, die Felge aufsen und innen mit braun- lieh etwa 20 cm Durchmesser (auf weifsem Über- 
rotem schmalen Strich eingefafst; auf der Antyx zug Reste einer mit schlechtem Firnifs gemalten 
ist wieder in stumpfer braunroter Farbe eine geflügelten menschlichen Figur) und Stücke vom 
Art Zackenmuster gezeichnet. Rand eines zweiten, dessen Durchmesser mehr 

12 ) Durchmesser 1472 cm. In der Mitte concentri- als 40 cm betragen haben mufs (weifser Über- 
sehe schmale schwarze und breite gelbe Streifen, zug, Reste von stumpfer roter und gelber Be- 
weiter nach aufsen wieder schwarze und ein malung). 

roter; der dazwischen frei bleibende breite H ) Es ist der ripaxTtxct 1897 S. 23 erwähnte 

weifse Streifen ist mit abwechselnd schwarz und Tumulus. Eine Photographie der Grabkammer 

rot gemalten Ornamenten bedeckt, die aus je beim Institut in Athen, Eretria 30. 



zwei mit der Spitze zum Mittelpunkt gerichteten 



Wolters, Vasen aus Menidi. II. - j2I 



auf einem senkrechten erhaben gearbeiteten Steg aufliegend. Die Antyx ist ver- 
goldet, das Feld dunkel rötlich-violett, der Kopf vergoldet. Vom ersteren Typus 
ist nur ein, vom letzteren sind drei Exemplare vorhanden. Die reiche architektonische 
Ausstattung des Grabes läfst erschliefsen, dafs noch mehrere vorhanden gewesen 
sein müssen, und ich glaube wenigstens einen Teil dieser reichen Beigaben in den 
Schilden wieder zu erkennen, die als aus einem Grabe in Griechenland stammend 
zugleich mit einer gröfseren Anzahl Eroten vom Museum in Boston erworben sind; 
vgl. Arch. Anzeiger 1898 S. 142. American Journal of archaeology 1898 S. 147. 
Es sind 28 Stück und Fragmente von noch weiteren; nur erstere sind beschrieben. 
Und zwar finden wir 6 runde Exemplare mit Helios, 3 ovale mit dem Hundekopf, 
in den Mafsen mit den ins athenische Museum gelangten ebenso stimmend (es 
werden 88 bez. 92 mm angegeben), wie in Vergoldung und Farben, soweit dies die 
Beschreibung erkennen läfst. Aufser diesen Typen finden sich in Boston noch 
5 Rundschilde mit Medusenkopf, 2 mit einem Jünglingskopf zwischen Sternen, 1 mit 
einem Jünglingskopf im Hut; von den ovalen Schilden zeigen 7 einen jugendlichen 
Kopf auf Blitz und 4 ein Gorgoneion. 

Zu erwähnen ist schliefslich ein den böotischen Rundschildchen auf den 
ersten Blick überraschend ähnliches, 9 cm grofses Thongerät, das in einem der 
mykenischen Kammergräber am Palamidi gefunden ist 15 ; A. Skias hatte die Freund- 
lichkeit, mich darauf hinzuweisen. Es gleicht, von der hohlen Seite gesehen, völlig 
diesen Schildchen, aber die äufsere Wölbung ist nicht gleichförmig gerundet und 
glatt, sondern in der Mitte abgeplattet, und hier ganz wie die Unterseite eines 
Gefäfses gestaltet. Es scheint darnach sicher, dafs wir einen Deckel vor uns haben. 
Ein Rundschild mit gewöhnlicher Handhabe würde ja unter mykenischen Funden 
allerdings Befremden erregen. 

Noch klarer als bei den Schilden tritt der Charakter des Votivs hervor bei 
den, allerdings recht spärlichen Resten thönerner Pinakes. Kuppelgrab S. 6 wird 
der Fund von zweien berichtet, der gleichzeitig mit dem des Vasenfufses Nr. 21 
erfolgte. Ich kann jetzt deren 5 in Bruchstücken nachweisen. 

a. Noch 10 cm lang, 1 l / i cm dick. 

b. Noch 6 cm lang, i cm dick. 

c. Ecke, durchbohrt, noch 3 1 / i cm lang, 7 mm dick. Ein zweites, kleineres Fragment mag 
auf Grund der gleichen Dicke als zugehörig gelten. 

d. Drei Fragmente, 3V2 bis 4 cm grofs, 5 mm dick. 

e. Fünf, sicher von einem und demselben Pinax stammende Bruchstücke, das gröfste 4 cm lang, 
5 mm dick; an einem anderen ist die Durchbohrung der Ecke erhalten. 

Von Bemalung ist bei keinem Fragment ein Rest geblieben, nur von der weifsen Grundirung 
allerlei Spuren. 

Eine dritte Gattung sicherer Weihgeschenke hat ihre Spuren in den Resten 
hinterlassen, welche Kuppelgrab S. 5 und 49, d als etwa dreifsig primitive Figürchen 
von Pferden, von denen meist zwei an einander haften, beschrieben sind. Vgl. oben 



15 ) Mykenische Sammlung Nr. 3478, vgl. Athen. Mittheilungen 1880 S. 162. Furtwängler, Vasen- 
sammlung II S. 1054 zu Nr. 2122. 



122 



Wolters, Vasen aus Menidi. II. 



S. 108, 112, 115. Es läfst sich nach Ordnung der recht unansehnlichen Reste jetzt, 
wenn auch oft nur auf Grund der deutlichen Ansatzspuren, mit Sicherheit behaupten, 
dafs es fast ausnahmslos Viergespanne waren; da sich kein einziges vollständig 
hat zusammensetzen lassen, ziehe ich vor, auch hier ein gut erhaltenes, überein- 
stimmendes Exemplar anderen Fundortes abzubilden (Fig. 26). 





~^...*-'.^, > 



Fig. 26. 



Es ist dies die aus Tanagra stammende kleine Terracottagruppe, von der 
schon 'EcpYjfispk ap/. 1896 S. 64 eine flüchtige Skizze gegeben ist 10 . Nur die Pferde 
und der Wagenlenker sind dargestellt, der Wagen selbst ist ganz unterdrückt 17 , 
der Lenker deshalb hinten an die Pferde angeklebt. Reste von 10 Exemplaren 
sind mehr oder minder vollständig erhalten, aufserdem 5 Pferdeköpfe vorhanden, 
die sich den erhaltenen Exemplaren nicht anpassen lassen, und ebenso noch eine 
Anzahl kleiner Bruchstücke. 

Besondere Erwähnung verdienen nur etwa: 

a. Viele Reste eines besonders grofsen, bis zu 22 cm hohen Exemplars (schon erwähnt oben 
S. 112). Es sind nur, zum grofsen Teil aneinander passend, die Reste der vier Pferde vorhanden. 



,G ) Athenisches Nationalmuseum Nr. 4228, vgl. AsX- 
ti'ov dp^. 1888 S. 215,42. B. C. H. 1890 S. 217,1. 
Höhe 10 cm. Die Bemalung besteht aus einer 
weifsen Grundirung und daraufgesetzter stumpfer 
gelber und braunroter Farbe. Die Mähne des 
ersten und dritten Pferdes von links her ist 
gelb, die der beiden anderen rot. Vorne läuft 
unten eine horizontale rote Linie, darüber eine 
Reihe abwärts gerichteter rot umränderter Zacken, 
die abwechselnd hell gelassen und mit gelb 
gefüllt sind. Am Arm des Wagenlenkers sind 
rote und gelbe Streifen zu sehen, und der untere 
Teil des Gewandes wird von einem rot um- 
ränderten Rechteck mit Diagonalen eingenommen; 
die davon gebildete hängende und aufsteigende 
Zacke ist gelb. Der Schild ist rot gerändert 
und bis auf das nur mit drei gelben Tupfen auf 



weifsem Grund verzierte Mittelstück gelb bemalt. 
Unterhalb des Wagenlenkers sieht man hinten rot- 
braune Färbung, darin noch zwei gelbe Rauten. 
17 ) Vgl. A. de Ridder, B. C. IL 1898 S. 213 fr. 
416, wo Ähnliches aufgeführt ist. T/fr^Epl; äpy. 
1899 S. 28. Solche Verkürzungen kommen schon 
bei kleinen thönernen Zweigespannen der myke- 
nischen Zeit vor, bei denen der Wagenkasten ohne 
Räder auf das Hinterteil der Pferde gesetzt ist; 
zwei Exemplare aus Nauplia (3492. 3493, eines 
erwähnt IIpctXTtxot 1892 S. 53) und eines aus 
Mykene (2262) sind in der mykenischen Samm- 
lung, eines aus Vari in Attika (10139) im Anti- 
quarium des athenischen Nationalmuseums. — 
Viergespanne, genau denen aus Menidi gleich, 
sind aufser in Böotien auch in Eleusis gefunden 
(im dortigen Museum). 



Wolters, Vasen aus Menidi. IL 123 



b. Bis auf die Köpfe der Pferde und des Wagenlenkers fast ganz erhalten; noch 8 '/ 2 cm hoch, 
4 '/;, cm breit. 

c. Nur zwei Pferde zum Teil erhalten, es ist aber sicher, dafs noch andere folgten; 14cm 
hoch. Deutliche Reste eines weifsen Überzuges und stumpfer braunroter Farbe an der Mähne sind erhalten. 

d. Figürchen eines der hinten angeklebten Wagenlenker, 7 cm lang; unten und an den Armen 
unvollständig. 

Offenbar wesentlich gleichartig sind dann noch die zwei Idole, deren Fund 
oben S. 112 angeführt wurde. Das eine ist, ohne Kopf, 7V 3 cm lang, schlank, walzen- 
förmig, mit wagerecht weit ausgestreckten Armen; die Gestalt hat keine ebene Stand- 
fläche, sondern war auf einen rundlichen Gegenstand aufgeknetet, offenbar auf einen 
Pferdeleib, auf dem sie reitend gedacht war. Mit den ausgestreckten Händen müfste 
sie die Zügel fassen, oder, wie dies auch vorkommt, Schild und Waffe halten; die 
Beine sind bei diesen Figürchen in der Regel kaum angedeutet 18 . Das zweite 
Bruchstück ist nur ein Oberkörper mit Kopf, 4 cm lang, von ähnlicher Haltung; 
Reste rotbrauner Bemalung an Hals und Brust. Um die Statistik zu vollenden, mag 
dann endlich noch der Arm eines dritten entsprechenden Figürchens genannt werden. 

Pferde, bei welchen nicht wie bei den vorher genannten Gespannen je zwei 
Beine nur durch einen einzigen schmalen flachen Stab ausgedrückt wären, finden 
sich nur in drei sehr fragmentirten Exemplaren. Sie entsprechen den sonst genügend 
bekannten rohen Figürchen mit vier als plumpe Zapfen von gröfserer oder geringerer 
Länge gebildeten Beinen; Reste von Firnifsbemalung sind nicht zu sehen, wol aber 
Spuren weifsen Überzuges und stumpfer roter Farbe, so dafs wir also auch hier 
diese jüngere Bemalung mit stumpfen bunten Farben voraussetzen müssen. Nur 
eines dieser Pferdchen zeigt einen kleinen Rest am Halse, der von seinem Reiter 
herrühren wird, denn es ist bei diesen breiteren, selbständigen Figürchen wahr- 
scheinlicher, dafs sie nicht zu Gespannen gehörten, sondern einzelne ledige oder 
gerittene Pferde darstellten 19 . 

Aufser diesen nur zum Zwecke der Weihung hergestellten Anathemen haben 
wir noch die zahlreichen Reste von Thongefäfsen zu betrachten, die zum grofsen 
Teil schon wegen ihrer Fundumstände genannt sind, aber noch einmal nach ihrer 
Form gruppirt kurz aufgezählt werden müssen. Der Bequemlichkeit halber gebe 
ich denen, die dabei jetzt zum ersten Mal erwähnt werden, soweit dies thunlich ist, 
laufende Nummern, anschliefsend an die oben (unter Nr. 1 — 59) aufgezählten. Viele 
weniger charakteristische Reste lasse ich wissentlich bei Seite. 

Salbgefäfse und ähnliche kleine Vasen sind zunächst durch zwei proto- 
korinthische birnenförmige Lekythen (oben Nr. 26. 27) vertreten, wozu das geringe 
Bruchstück eines dritten Gefäfses gleicher Form, vielleicht aber schon korinthischer 
Fabrik (Nr. 60) kommt. Kugelförmige Lekythen korinthischer Fabrik sind in 6 fast 
ganz erhaltenen Exemplaren und den Scherben einiger weiterer vorhanden (vgl. 

18 ) Vgl. z. B. ein Figürchen aus Böotien im z. B. Nr. 5619 (aus Theben) im athenischen 
griechischen Nationalmuseum Nr. 5645. Nationalmuseum. Heuzey, Figurines de terre cuite 

19 ) Die Möglichkeit, dafs sie Gespanne gebildet Taf. 10, 6. 
haben, ist natürlich nicht auszuschliefsen; vgl. 

Jahrbuch des archäologischen Instituts XIV. JO 



J2A Wolters, Vasen aus Menidi. IL 



Nr. 22 — 25. 38). Anschliefsen kann man hier das Nr. 37 aufgeführte unklare 
Fragment. Sodann ist ein 3 l / a cm hohes Bruchstück (Hals und Henkel) eines der 
kleinen Kännchen aus hellem gelblichen Thon und mit geglätteter Oberfläche aber 
ohne Bemalung zu nennen, wie sie (neben gleichartigen aus grauschwarzem Thon) 
in Gräbern der Dipylonzeit und sonst gefunden werden (Nr. 61); vgl. Athen. Mit- 
theilungen 1893 S. III. 118. 138. 1897 S. 297. 'EcpyjfispU apy. 1898 S. 106. 204,1. Dies 
Exemplar entbehrt, soweit es erhalten ist, ganz der eingedrückten Ornamente, welche 
die anderen wenigstens nicht selten tragen. Derselben Epoche, wenn auch wol ihrem 
Ende, gehört schliefslich das schon Nr. 54 aufgeführte kleine Kännchen an. 

Trinkgefäfse sind in einer über langen Zeitraum ausgedehnten Reihe, 
wenn auch nicht in vielen Exemplaren, vorhanden. Sie beginnen in mykenischer 
Zeit mit den hochfüfsigen Bechern (oben Nr. 52); denn deren zahlreiches Vorkommen 
scheint einen Zufall auszuschliefsen. Aus der Epoche der Dipylongefäfse haben 
wir das tassenförmige Geschirr Nr. 31; etwas jünger sind die Scherben eines über- 
aus rohen und ungeschlachten Skyphos mit den Resten schreitender Tiere in lüder- 
lichster Malerei (Nr. 62). Ein geringes Bruchstück scheint von einem Skyphos 
protokorinthischer oder davon abhängiger Fabrik zu stammen (Nr. 63). Die Reste 
eines ausgebildeten schwarzfigurigen Trinkgefäfses haben wir in den unter Nr. 1 1 
genannten Scherben; der jüngeren, noch sorgfältigen schwarzfigurigen Manier gehört 
Nr. 13 an. Der flüchtigen schwarzfigurigen Technik ist die Kylix Nr. 17 und eine 
weitere Scherbe eines Skyphos (Nr. 64; nur geringe Reste der Darstellung und 
Palmettenmuster erhalten) zuzuschreiben. In dieselbe Zeit etwa gehören die Skyphoi 
Nr. 7 und 46. Auch eine sehr dünn und fein gearbeitete kleine Kylix (Nr. 65; 
vier Scherben, auf zweien die Reste von zierlich gemalten Sirenen; oberer Durch- 
messer etwa auf 12 cm zu schätzen) gehört der jüngeren Zeit der schwarzfigurigen 
Technik an. Von einem strengen rotfigurigen Kantharos stammen sodann die 
Scherben Nr. 6, von einem jüngeren die unter Nr. 1 aufgeführten. 

Kannen sind nur sehr spärlich vertreten. Die Reste von Kannen mit 
energisch profilirter Kleeblattmündung sind unter Nr. 19 und 47 genannt; aufserdem 
ist noch der ganz abgescheuerte Hals einer Kanne vorhanden (Nr. 66; 8 cm hoch), 
der nach seiner Form einem geometrischen Gefäfse angehörte. 

Auch Amphoren und ähnliche Gefäfse lassen sich in einigen Exemplaren 
feststellen. Der geringe Umfang der erhaltenen Reste macht es nur meist unmöglich, 
die Form (schlanke Amphora, Amphora mit Säulenhenkeln, Hydria usf.) genauer zu 
bestimmen. Ich zähle deshalb nur die schon oben genannten Reste mit gesichertem 
Fundort auf. Von einer Amphora rotfigurigen Stiles mit gedrehten Henkeln ist in 
Nr. 2, von einer solchen mit Volutenhenkeln in Nr. 16 ein Rest erhalten; von einer 
flüchtigen, wol schwarzfigurigen Amphora mit Säulenhenkeln rührt Nr. 14 her. Zu 
einer gleichen möchte man die Reste Nr. 8 und 10 wegen der sorgfältigen Färbung 
der Innenseite rechnen. Von «iner Amphora mit nicht sehr weiter Öffnung rührt 
das schwarzfigurige Fragment Nr. 9 und das rotfigurige Nr. 3 her, da bei ihnen die 
Färbung der Innenseite erst etwas unterhalb der Schulter beginnt. 



Wolters, Vasen aus Menidi. IL 12C 




Das eigentümlichste, zugleich in den meisten Exemplaren und in allen Stil- 
arten, vom geometrischen bis zum entwickelten rotfigurigen Stil, nachweisbare und 
also für unsere Kultstätte ganz speciell bedeutsame Gefäfs ist aber schliefslich der 
bauchige Kessel auf hohem Fufs. Diese sonst seltene Form ist nicht nur durch 
die Vase des Sophilos (oben Nr. 18. 40. 44) vertreten, sondern auch durch die unter 
Nr. 4. 15. 28 — 30. 32. 33. 53 aufgezählten, wozu noch eine ganze Anzahl anderer 
Exemplare kommen, von denen allerdings oft nur je eine, wenn auch charakteristische 
und darum beweisende Scherbe vorhanden ist, so dafs die Gesamtzahl sich auf 
24 beläuft. 

Ein geometrisches Exemplar ist schon oben Nr. 30 auf- 

geführt und abgebildet, ein zweites Nr. 32. Ein drittes, das sich .._~- ~^\ 

aus vielen Scherben wenigstens im Wesentlichen reconstruiren 
läfst, ist hier Fig. 27 wiedergegeben (Nr. 67). Sein oberer Durch- 
messer betrug 36 cm. Auch hier sind nicht alle Fragmente 



abgebildet, sondern nur die für Form und Decoration beweisen- v^ 
den; aufserdem ist ein Bruchstück bei Seite gelassen, dessen Zu- 
gehörigkeit nicht ganz zweifellos ist, ein Stück vom unteren 
Rande des hohen geraden Fufses, den wir ja auch ohnehin nach 
dem Erhaltenen und den Analogien voraussetzen dürfen. Henkel Fig. 27. 

werden wir auch anzunehmen haben. 

Die Stilstufe der sogenannten Phalerongattung ist durch fünf Scherben eines höchst unan- 
sehnlichen konischen Vasenfufses (Nr. 68) vertreten; unterer Durchmesser 14cm, Höhe des Vasenfufses 
etwa 15 cm zu schätzen; vom eigentlichen Gefäfs ist nichts erhalten. Unten zwischen Streifen ein 
zerstückelter Mäander _ ["" , darüber storchartige Vögel, im Felde mehrfach das Hakenkreuz 

als Füllornament. Bei der verhältnifsmäfsig geringen Gröfse wäre schliefslich auch wol eine andere 
Gefäfsform, selbst die des einfachen Untersatzes, möglich, nur spricht die Analogie der andern Gefäfse 
nicht dafür. 

Der frühattischen Vasenfabrik vielleicht nicht ange- 
hörig, aber doch gleichzeitig ist der unter Nr. 28 aufgeführte 
Vasenfufs. Einen guten Vertreter hat sodann diese Gattung 

in dem Nr. 29 besprochenen und reconstruirten Gefäfse, wozu ( .« k Ä'^tf^*'^^ 

noch ein zweites ebenfalls aus vielen Scherben herzustellendes V i ^ ^ Jy^wt*'? ■>* 
Stück (Nr. 69; hier abgebildet Fig. 28) kommt. Der obere :| '\^'« v 

Durchmesser ist 33 cm, der untere des Fufses 22; seine Höhe ^v ^4/ ' .; 

ergiebt sich, trotzdem nur eine Scherbe davon erhalten ist, \ 

daraus und aus seiner Neigung wenigstens annähernd. Die ^ ._ ■' 

Form der Henkel läfst sich aus der Gestaltung des anschliefsen- / \ 

den dunkel gefärbten Teiles mit Wahrscheinlichkeit folgern. 

Derselben Gattung, wenn auch ihrer jüngeren Hälfte, 
ist dann der konische Vasenfufs Nr. 53 zuzurechnen, sowie noch 
zwei ganz ähnliche, ebenfalls mit grofsen Vögeln decorirte. 
Nr. 70, vier Scherben vom unteren Teil eines Vasenfuf c es ; Fig. 28. 

unterer Durchmesser war ungefähr 40 cm. Die Bemalung 

besteht aus einem Streifen abwärts gerichteter Zacken und einem breiten dunkeln Horizontalstreifen 
darüber; weiter oben waren Vögel gemalt, von denen nur wenige Flügelreste geblieben sind. Nr. 71, 
eine Scherbe vom oberen Teil eines gleichen Vasenfufses; erhalten ist nur ein Stück eines Flügels 
(5 cm hoch). Nach der Wölbung des Gefäfses scheint es kaum möglich, diese Scherbe zu Nr. 70 
zu rechnen. 

Nach ihrer ganzen Erscheinung müssen zur selben Gattung dann noch einige sehr gering- 
fügige Reste solcher Vasenfüfse gerechnet werden, deren Aufzählung nur statistischen Wert hat. Zunächst 

IO* 




126 



Wolters, Vasen aus Menidi. II. 



das Nr. 33 schon genannte Bruchstück, dann drei Scherben mit ganz geringen Spuren von Bemalung 
vom oberen Teil eines solchen Fufses mit Resten vom Boden des Gefäfses (Nr. 72); oberer Durchmesser 
etwa 12 cm. Ferner (Nr. 73 und 74) Scherben vom unteren Rande zweier solcher Vasenfüfse. Die 
erste, decorirt mit schwarzem Wulst, schmalen Horizontalstreifen darüber, dann einem Streifen geteilt in 
abwechselnd helle und dunkele Vierecke, wieder schmalen Horizontalstreifen und darüber abwärts ge- 
richteten Strahlen, läfst einen unteren Durchmesser von 16 cm erschliefsen ; die zweite, decorirt mit auf- 
wärts gerichteten Strahlen zwischen Horizontalstreifen, einen etwa ebenso grofsen. Anzuschliefsen sind 
endlich (Nr. 75) zwei Scherben vom unteren Teil eines sehr breiten, bauchigen Gefäfses, mit auf- 
steigenden Zacken bemalt, da auch dieses hohen Fufs gehabt zu haben scheint (oberer Durchmesser des 
Fufses 14 cm). 

Den Übergang zu den eigentlichen schwarzfigurigen Vasen vermittelt das sehr stattliche Gefäfs 
Nr. 15, zu diesen selbst müssen wir die Vase des Sophilos (Nr. 18) rechnen, deren Reconstruction aus 
dem Jahrbuch 1898 S. 26 hier (Fig. 29) wiederholt wird. Jünger sind dann die Reste eines sehr breiten 
grofsen Kessels (Nr. 76, Kuppelgrab S. 50, e), dessen eines Bruchstück (i5'/ 2 cm hoch) hier abgebildet 
ist (Fig. 30). Unter dem breiten schwarzen Streifen folgten unten noch aufsteigende Strahlen; ein hoher 
Fufs ist nicht erhalten, aber durch die .Spuren mindestens wahrscheinlich gemacht. Der Kessel war sehr 
flach und weit geöffnet. 





Fig. 30- 




Fig. 29. 



Fig. 3«. 

Die ganz ausgebildete schwarzfigurige Technik zeigt (Nr. 77) ein Fragment vom oberen Teil 
eines konischen Vasenfufses (oberer Durchmesser 20 cm, von der Decoration nur der Rest eines Palmetten- 
bandes und eines Mäanders darüber erhalten), vor allem aber der gewaltige Vasenfufs Nr. 21. Sodann 
sind noch (Nr. 78 und 79) zwei Bruchstücke vom unteren Rand solcher Vasenfüfse zu nennen; beide 
zeigen nur den schwarzen Wulst und» abwärts gerichtete Blätter darüber. Beim ersten war der untere 
Durchmesser etwa 50, beim zweiten etwa 30 cm. Die lanzettförmige, rundliche Form der Strahlen bei 
Nr. 79 weist auf verhältnifsmäfsig jungen Ursprung; die Scherbe könnte auch schon zu einem rot- 
figurigen Gefäfse gehört haben. 



Wolters, Vasen aus Menidi. II. 



127 



Die Reste eines sicher rotfigurigen Kessels mit hohem Fufs haben wir schon unter Nr. 4 
kennen gelernt; von einem solchen Fufs stammt die hier Fig. 31 abgebildete Scherbe (Nr. 80) mit den 
Resten eines laufenden Viergespannes (Kuppelgrab S. 50, g). Der untere Durchmesser mufs etwa 70 cm 
betragen haben; wir besitzen in dieser 11 cm breiten Scherbe also nur einen sehr kleinen Bruchteil des 
ehemaligen wiederum sehr stattlichen Gefäfses: denn wenn wir bei dem Fufse Nr. 21 einen unteren 
Durchmesser von etwa 55 cm und dem entsprechend eine Höhe von 65 cm fanden, werden wir hier keine 
geringere Höhe, und für das darauf vorauszusetzende Becken eine recht stattliche Gröfse voraussetzen 
müssen. Dafs die Fragmente Nr. 4 dazu gehörten ist möglich, aber nicht zu beweisen. 

Überschauen wir diese verschiedenen Arten von Weihgeschenken und Resten 
des Kultes, so müssen wir gestehen, dafs nicht alle in gleicher Weise charakteristisch 
sind für die Heroen, deren Verehrung an dieser Stelle wir voraussetzen. Aber der 
Ort selbst ist das gewichtigste Argument für unsere und gegen die Annahme irgend 
einer anderen Gottheit, zumal auch unter den Funden nichts auf eine solche hinweist. 
Dagegen müssen wir verlangen, dafs kein Fund der Annahme eines Heroenkultes 
widerspricht. Das wird eine Prüfung leicht ergeben, die zugleich versuchen mufs, 
alle Funde unter dieser Annahme zu begreifen. 

Den Pinax in eine engere Beziehung zu den Heroen zu setzen, könnte die 
bekannte Erwähnung des mvaxtov ^puüxov bei Aeneas Tacticus (31, 15) verführen; 
aber auch wenn die Lesung unangetastet bleibt, wie es richtig scheint, dürfen wir 
solchen Schlufs nicht daraus ziehen. Pinakes konnten in jedem Heiligtum geweiht 
werden 20 ; eine bestimmtere Beziehung würde sich nur aus den Darstellungen ergeben 
können, die uns leider verloren sind. 

Dagegen weisen die thönernen Schildchen deutlich auf Heroenkult hin. Ihr 
Vorkommen in den Gräbern scheint mir ebenso wie ihre Weihung beim Grabe in 
Menidi aus der genügend bekannten Vorstellung der Heroen als gerüsteter Männer 21 
erklärt; mit der archaischen Sitte, den Toten nicht ohne seine Waffen zu bestatten, 
kann man es in diesem letzteren Fall nicht motiviren, im ersteren doch auch nur 
unter Hinzunahme der Vorstellung, dafs der Tote der Waffen bedürfe, einer Vor- 
stellung, die zu der Zeit, als der Mann nicht mehr stets bewaffnet auftrat, Lebens- 
kraft nur aus dem genannten Heroenglauben ziehen konnte. Dazu ist zu bedenken, 
dafs die Sitte, Waffen mit ins Grab zu geben, schon in der geometrischen Epoche 
abkam 22 , und dafs die in jener älteren Zeit üblichsten Beigaben dieser Art, Schwert 

-°) Vgl. Benndorf, Vasenbilder S. 9. Reisch, Griech. 22 ) Athen. Mittheilungen 1893 S. 147. 189 (A.Brückner 

Weihgeschenke S. 39. Furtwängler, Sammlung und E. Pernice). Walpole teilt Memoirs relating 

Sabouroff I, Sculpturen S. 38. Arch. Anzeiger to European and Asiatic Turkey' 1 S. 325 einen 

1892 S. 121 (R. Schöne). Festschrift für O. Brief Lusieris mit, in dem dieser über Aus- 
Benndorf S. 243 (A. Wilhelm). grabungen bei Athen berichtet: Dans ces meines 

2I ) Vgl. Roschers Lexikon I, 2 S. 2464. 2582 excavations j'ai trouve de grands vases, avec des 

(Deneken). Furtwängler, Sammlung Sabouroff I, ornements peints au dehors, fermes par une fasse 

Sculpturen S. 35. Jahrbuch des Instituts 1887 de cuivre, qui contenoient des ossemens et armes 

S. 276 (Loeschcke), dazu einschränkend 1893 brüles, quon avoit plies expressement pour /es 

S. 96 (F. Hauser), bestätigend, und zwar grade placer dans les vases. Da er keine genaueren An- 

für die Bedeutung der Waffen, 'E'-pr^epis äpy. gaben macht, können wir die Epoche dieses Fundes 

1893 Taf. 3. Kavvadias, TAu-Ta Nr. 876. C. I. nicht erschliefsen. Es steht aber wol nichts im 
G. Sept. I 985. 1355 (Photographien des Instituts Wege, ihn der geometrischen zuzuschreiben, zu- 
Tanagra 2. 3). mal die Vasen nur ornamental verziert waren. 



128 Wolters, Vasen aus Menidi. II. 



und Lanzen, sich meines Wissens bisher in solchen Verkleinerungen nicht ge- 
funden haben. 

Ebenso leicht können wir die kleinen Viergespanne und Pferdchen deuten. 
Das Pferd als Symbol des Heros ist ganz geläufig, die Vorstellung der Heroen zu 
Wagen allerdings weniger und nur in nicht sehr klaren Spuren nachgewiesen 23 . 
Unser Fund, sowol die thönernen Viergespanne als der dadurch verständlich ge- 
wordene von einer Schlange geleitete Wagen auf der Vase des Sophilos, bestätigen, 
was sich vorher nur vermuten liefs. 

Von den eigentlichen Gefäfsen kann die nur in ganz wenigen Exemplaren 
nachweisbare Kanne keine besondere Bedeutung beanspruchen; sie konnte bei jedem 
Opfer benutzt werden und auch in Scherben gehen. Dasselbe werden wir von den 
Amphoren und ähnlichen Gefäfsen zu urteilen haben; eine Darstellung wie Fig. 8 
ist allerdings schwerlich ohne Beziehung auf die Verwendung des Gefäfses gewählt. 
Trinkgefäfse fanden auch in jedem Kult Verwendung; dafs die Heroen sich 
an ihnen besonders erfreuten, lehrt neben anderen Zeugnissen Chamaileon (bei 
Athenaeus XI S. 461, b): tö -/ap puiöv ovojxaCo^vov jxovot; xot? Yjpwatv cnreöiooaav . . . 
orjaioup'j'ouatv auxou? ju'vovtocs ex7ra>[iaai |ieya'Xois und Theophrast (dort S. 497, e, vgl. 
E. Köpke, De Chamaeleonte Peripatetico, 1856, S. 39). 

Demgemäfs spielen in der That die Trinkgefäfse beim Grabe von Menidi 
keine geringe Rolle: sie sind, wenn auch nicht in vielen Exemplaren, so doch in 
allen Zeiten, nachweislich (vgl. oben S. 124), und bei einigen scheint sogar die 
Decoration nicht ohne Bezug zu sein. Das gilt vor allem von Nr. 1 und 6. Bei 
dem ersten dieser beiden Kantharoi wird die verlorene Hälfte weitere Teile des 
Opferzuges enthalten haben; auffällig ist die Teilnahme eines Schildträgers. Bei 
dem zweiten ist klar einerseits nur der Altar und Personen, die doch wol mit dem 
Opfer beschäftigt sein werden, andrerseits Kline und Speisetisch, und diese gemahnen 
an die üblichsten Darstellungen der Heroen, die Totenmahle. Aber Sicherheit 
kann eine solche Vermutung nicht beanspruchen, dazu sind die erhaltenen Reste 
zu geringfügig. 

Die Salbgefäfse können an Ort und Stelle nicht gebraucht worden 
sein; in ihnen müssen wir also Opfergaben erkennen. Erinnern mag man sich dabei 
des häufigen Vorkommens solcher Gefäfse in den böotischen Gräbern 24 zusammen 
mit Kantharoi, Pferden und Reitern und jenen primitiven Bildern einer stehenden 
Gottheit, die ich für Artemis halte ('Ear^epl? apj(. 1892 S. 231). 

Vor allem aber bleibt das häufigste und auffälligste Gefäfs, der bauchige 
Kessel auf hohem Fufse, zu erklären. Man könnte ihn im Hinblick auf die schon 

23 ) Vgl. dieses Jahrbuch 1898 S. 28. Auch die den häufiger vorausgesetzten als wirklich ab- 

grofse Amphora 'E<p7)[j.Epts «py. 1897 Taf. 5, gehaltenen Leichenspielen auf allen sepulcral 

welche Wagen fahrende neben so deutlich sepul- verwendeten Vasen ihren bildlichen Widerhall 

cralen Bildern wie Hahn und Löwe zeigt, darf gefunden hat. 

man wol in diesem Sinne deuten, wenn auch 2i ) Vgl. Kekule, Thonfiguren aus Tanagra S. 12. 

sowol die Beteiligung von Wagen und Reitern AeXxfov dp/. 1888 S. 61 (mehr als 150 Stück in 

am Leichenzuge, als auch die Wettrennen bei einem Grabe). 



Wolters, Vasen aus Menidi. IL 



129 



berührte Eigenschaft der Heroen als Mischkessel für den Trank auffassen wollen. 
Aber deren Form, soviel ich sehe, ist stets abweichend, und der Ausgufs, der sich 
mindestens bei zweien dieser Gefäfse findet, spricht durchaus dagegen. Bei Gefäfsen, 
deren Gröfse und Form die Vorstellung ausschliefst, sie seien zum Eingiefsen in 
kleinere Gefäfse, also wie Kannen, verwendet worden, ist ein solcher Ausgufs über- 
haupt ungewöhnlich, doch läfst er sich auch bei einigen grofsen bauchigen Schüsseln 
nachweisen 25 , die uns offenbar dasselbe Gerät nur ohne den hohen Fufs darstellen. 
Der Umstand, dafs also Becken und Fufs wie zwei nicht unlöslich verbundene, 
sondern mehr wie zwar zusammengehörige, aber nur aus Bequemlichkeit der 
Fabrication zu einem Stück vereinigte Teile erscheinen, erinnert an die offenbar 
nahe verwandte hochfüfsige Vase 26 , die ebenso aus einem, auch getrennt vorkommen- 
den, Henkeltopf mit Deckel 27 und aus dem hohen Untersatz zusammengeschweifst 
erscheint, und für welche kürzlich Hartwig die Bestimmung, warmes Waschwasser 
aufzunehmen, Zahn die Benennung Asßrjc yauixo* wahrscheinlich gemacht hat 28 . 
Panofka, der zuerst eine dieser von ihm öspfioTro-i? genannten Vasen bekannt 
machte 29 , schlofs aus der Durchbohrung des hohen Fufses dicht unter dem Boden 
des eigentlichen Gefäfses, dafs unter den Fufs ein kleines' Kohlenbecken gestellt 
worden sei, dem die genannten Löcher den nötigen Luftzug vermittelt hätten, und 
welches das im Gefäfs befindliche Getränk warm gehalten habe. Stackeiberg 
(Gräber der Hellenen S. 21) schlofs sich ihm an, obwol bei dem von ihm ver- 
öffentlichten Exemplar, wie bei den meisten seitdem bekannt gewordenen, diese 
Durchbohrungen fehlen. Dafs diese Gefäfse aber nicht wirklich in solcher Weise 
erwärmt worden sind, ist nicht nur durch diesen Umstand klar, sondern auch an 
sich einleuchtend. Ein so kleines Kohlenpfännchen , wie es unter dem Fufs 
Platz finden könnte, würde bei seiner, grade durch die Höhe des Fufses verursachten, 



**) Schüssel aus Ägina: Berlin 1682, Arch. Zeitung 
1882 Taf. 10 S. 197 (unter der Annahme, dafs 
die Ergänzung mit niedrigem Fufs richtig ist 
und nicht etwa ein hoher Untersatz nach Art 
der Gefäfse aus Menidi angenommen werden 
mufs; zwei Ausgüsse, wie Furtwängler vorschlug, 
glaube ich nicht annehmen «u dürfen, da eine 
Nötigung zu so auffälliger Anordnung nicht 
vorliegt). Schüssel aus Theben: Jahrbuch des 
Instituts 1887 Taf. 4. Die Analogien älterer 
Zeit, die Böhlau dort S. 40 anführt, kommen 
schon wegen ihrer Kleinheit für uns ebenso 
wenig in Betracht wie die Amphora mit Säulen- 
henkeln (Prometheus) Berlin 1722 (vgl. Furt- 
wänglers Nachtrag II S. 1054), Benndorf, Vasen- 
bilder S. 106. Wiener Vorlegeblätter D Taf. 9,8. 
Dipylongefäfse mit Ausgufs: Athen Nr. 190. 227. 

26 ) Vgl. dazu Robert, Arch. Zeitung 1882 S. 151. 
Furtwängler, Sammlung Sabouroff I Taf. 68. 
Die Zahl der Exemplare ist seitdem erheblich 



gewachsen ; im athenischen Nationalmuseum 
allein befinden sich 17 Stück, darunter zwei 
Miniaturexemplare; eine ganze Anzahl und zwar 
z. T. schwarzfigurige sind auf der Akropolis 
und in Eleusis zu Tage gekommen. Vgl. auch 
C. Smith zu Catalogue of the vases in the British 
Museum III, E 810. 

27 ) Auch hiervon finden sich nicht wenige Exemplare 
in der athenischen Sammlung; ein Miniatur- 
exemplar (Nr. 1606) läfst auch für diese Form 
eine ceremonielle Bedeutung erschliefsen. 

■ 8 ) 'EpjfAspt; dpy. 1897 S. 136. 1899 S. 55. Der 
Asßr;; vjfj.cpixos wird damit identisch sein: C. I. A. 
II 720 Z. 36. 721 Z. 4. 

29 ) Noms des vases grecs S. 13, XXII. Das von 
ihm angeführte Gefäfs der Sammlung Blacas ist 
offenbar identisch mit dem jetzt in London be- 
findlichen (B 298), dessen Herkunft aus Ägina 
dadurch gesichert wird. 



13° 



Wolters, Vasen aus Menidi. IL 



grofsen Entfernung vom Boden des Gefäfses und der mangelhaften Luftzufuhr 
schwerlich etwa anderes als Rauch hervorbringen. Hartwig bezweifelt deshalb mit 
Recht die praktische Verwendung dieser aus einem Stück gearbeiteten, bemalten 
Exemplare, die er sich aus einer Vereinigung des Kessels und des Dreifufses 
entstanden denkt, wobei die Durchbohrung des Fufses wie eine Erinnerung an den 
Ursprung beibehalten worden sei. Diese Durchbohrung findet sich bei einem der 
Gefäfse aus Menidi (Nr. 33) und bei dem Xsßr^c 701x1x6? in runder oder herzförmiger 
Gestalt aufser bei dem Anm. 29 genannten Exemplar bei Nr. 1172 und 1251 des 
athenischen Nationalmuseums sowie bei ein paar Exemplaren von der Akropolis, 
einem in Eleusis, endlich bei Abbildungen des Gefäfses auf Vasenbildern 30 . Mit- 
unter erscheint grade dort, wo sich sonst die Durchbohrungen finden, eine Reihe 
von ziemlich grofsen runden Tupfen 31 . Es wäre verführerisch, darin ornamental 
erstarrt die, dadurch als wesentlich charakterisirten, Durchbohrungen wieder zu er- 
kennen; aber bei Athen Nr. 1251 sind aufser den Tupfen auch die Löcher vor- 
handen. Somit läfst sich nichts gegen die Auffassung einwenden, dafs diese durch- 
aus nicht regelmäfsig wiederkehrenden Öffnungen nur bei der Herstellung als 
sogenannte Brennlöcher gedient hätten, wie etwa bei 'E?7j[xspte otp^. 1892 S. 220 
oder B. C. H. 1898 S. 279. 

Damit ist aber über den Ursprung des hohen Fufses noch für keine der 
beiden Gefäfsformen etwas entschieden. Ussing {De nominibus vasorum S. 90 f.) hat 
Panofkas depixoTroii? schon richtiger für ein vas non ad bibendum , sed ad coquendum 
aptum und für die Zusammensetzung einer olla cum. lasano erklärt, das ist, wie sich 
aus seiner Erörterung S. 98 ergiebt, ~/ß-pa und yoTporzoo;. 

Wie der /uiporcou; gestaltet war, hat m. E. Mau " ermittelt. Es ist der hohe, 
im grofsen und ganzen walzenförmige thönerne Ständer, der oben in siebartig durch- 
löcherter Höhlung ein Kohlenfeuer trug, und auf welchem ein Topf für Speisen 
oder Wasser Platz fand 33 . Dafs auf dem ^uipÖTcou; auch das Wasser zum Bade 
gewärmt wurde, lehrt Hesiod (Werke und Tage V. 748): 

MtjS' «TCO )(UTpOTt68u>V aVETTlppSXTODV aveXovia 

eaOsiv jr/jos Xösaöar lizei jmI tote etti 7roi'v/j. 
Bei Homer finden wir statt dessen den Xo£ipo*/6o? Tpiicou? (1 346. 435, vgl. X 443. 
x 359). aber das ist kein wesentlicher Unterschied, und so scheinen sich die Ver- 
mutungen Hartwigs und Ussings auf das Beste zu vereinigen. Wie eine Bestätigung 
kommt noch hinzu das von Pernice veröffentlichte junggeometrische Gefäfs (Athen. 
Mittheilungen 1892 Taf. 10 S. 205), welches so offenbar von der Form des Dreifufses 
beeinflufst ist und sich zugleich mit dem Xeßr^ yoc^ixo? 34 , noch besser mit den Kesseln 
aus Menidi vergleichen läfst. 

30 ) Dumont, CeramiquesI Taf. 9 (= Brittisches Mu- 33 ) Vgl. dazu dieses Jahrbuch 1890 S. 118 (Conze). 
seum E 774). 'E<pT)(iEplc dp/. 1897 Taf. 10,2. 1897 S. 160 (Winter). Anzeiger 1896 S. i<fe 

31 ) Stackeiberg, Gräber der Hellenen Taf. 25. (Brückner). Robert, Iliupersis des Polygnot 
Athen Nr. 1252. 1250 = Heydemann, Vasen- S. 55,49. Eranos Vindobonensis S. 381 (Benn- 
bilder Taf. II, I. dorf). 'Ecp7jp.epl; dp/. 1898 S. 216, 1 (Kuruniotis). 

Z2 ) Rom. Mittheilungen 1895 S. 38. 34 ) Vgl. 'E/pijpuepi« dp/. 1897 S. 137. 



Wolters, Vasen aus Menidi. II. j 2 T 



Aber es bleiben doch Bedenken. Es wäre auffällig, wenn bei der Zusammen- 
fügung eines Gerätes aus zwei Teilen ein so charakteristisches Stück wie der 
yo-poxoo<; so wenig auf die Form des neuen Gebildes eingewirkt hätte, wenn von 
seinen Henkeln, seinen Öffnungen, seiner erbreiterten Bekrönung, die doch alle auch 
bei den uns nicht erhaltenen archaischen Exemplaren vorgebildet gewesen sein 
müssen, gar nichts auf das neue Gerät übergegangen wäre. Und doch ist schon 
bei den geometrischen und frühattischen Exemplaren nichts mehr von alledem zu 
spüren. Andrerseits sind ähnliche hohe Untersätze für Kessel auch ohne jede fafs- 
bare Beziehung zum goTp&totK nachweisbar. Furtwängler hat (Olympia IV, Die 
Bronzen, S. 125) dargelegt, dafs zu den bekannten Bronzekesseln mit Greifenköpfen 
aufser dreifufsartigen auch konische Untersätze gehörten (vgl. dort Taf. 49); ein 
verwandter steht unter dem ionischen Deinos in Wien bei Masner, Sammlung antiker 
Vasen Taf. 5 S. 20 Nr. 215. Ähnliche, nur mehr walzenförmige Untersätze sind in 
der geometrischen Keramik nicht selten 35 , und mit Recht hat man für diese Form 
auf das eiserne, allerdings im Grundrifs nicht runde, sondern drei- oder viereckige 
67toxpr 1 Tr / pi'8tov des Glaukos hingewiesen 36 , das Herodot in Delphi bewunderte (1,25) 
und das auch nach dem Untergang des silbernen Kessels noch ein vielgenanntes 
Stück blieb 37 , ^lyr^a os xou u-oö^ugcto; xaxa -upyov tj.aXiaxa et; txuoupov dvtovxa d~o 
sup'j-cspou xoD xdtco (Pausanias X, 16, 1). Es macht dabei für uns nichts aus, dafs wir 
es hier und auch bei den von Furtwängler behandelten 38 grade mit Untersätzen von 
Krateren zu thun haben: Hegesander bei Athenaeus V S. 210, b nennt das u-oxp/jxy;- 
pi'ötov Herodots u-osTr^a oiov iypö^xr^v xiva aior^pdv, und der Autor selbst versichert, 
dafs man xpotx^pot; xal d'XXa axsu7) darauf setzen könne, ebenso wie ja auf die irpöl}x*i 
nach seinen Zusammenstellungen (V S. 209, f) und nach Kallixeinos (dort S. 199, c-f) 
aufser dem Krater auch ein Xsß-/); 39 oder ein xu~e>Aov gesetzt wurde und sie auch 
ohne jeglichen Aufsatz ein Schaustück und ein Wertgegenstand sein konnte 40 . 
Man sieht leicht, die Verwendung solcher Untersätze war durchaus keine beschränkte, 
und auch ihr Name wechselte ebenso vielfach wie ihre Form. Das u-oxpr^^ptotov 
des Glaukos nennt Pausanias uTtoör^ot, Hegesander ur^oa-r^a, Plutarch ßdaic. Dies 
letztere Wort verwenden in Bezug auf den Krater auch die Inschriften C. I. G. Sept. 
I 2422 und 3498 Z. 20, ein hölzernes ßdöpov uTroxpr^xrjpiov nennt C.I.G. 2139. Wenn 
das Gefäfs Naukratis I Taf. 4, 3 die Inschrift trägt (dort Taf. 32, 1) rioXs[X7p/6^ 
[txs dvsö/jxs tJuWöXcovi xal r/]v 7r[p]o^ouv xal xo u7ro[xpr i x'rj]pi<JV, so wird dadurch nicht 
nur dies Gefäfs als Krater gesichert, sondern sein Vergleich mit dem kyrenäischen 

35 ) Conze, Anfänge griech. Kunst I (Sitzungsberichte yctXxrjiov -/pTjTTJpo; 'Ap-foXi/oü xpozov ■ "e'ptc; 6e 

der wiener Akademie LXIV) Taf. 7. 8. Annali auxoü YP' j;:( ^ v XEtpaXa! -poxposaot etat; vgl. Jahr- 

1872 Taf. K, 12 S. 151,76. Pottier, Vases buch des Instituts 1887 S. 64, 26 (Böhlau). Ro- 

antiques du Louvre Taf. 19 S. 21, A 490. 491. schers Lexikon I S. 1765 (Furtwängler). 

3C> ) Conze, Anfänge I S. 9 (513). 39 ) Ebenso Suidas und Harpokration unter EYf-^Tj* 7 !- 

37 ) Die Stellen in Overbecks Schriftqucllen Nr. 263 Vgl. Prellers Polemon S. 101. 

— 272, vgl. Frazers Pausanias V S. 313. 40 ) Vgl. aufser dem Angeführten auch Bekkers 

38 ) Für diese letzteren ergiebt sich das trotz der Anecdota I S. 245. Pottier im Dictionnaire des 
Vorrichtung zum Aufhängen aus Herodot IV, 152 anüquiüs III, 1 S. 456 unter Incitega. 



132 



Wolters, Vasen aus Menidi. II. 



Schalenbild Arch. Zeitung 1881 Taf. 13,1 erlaubt uns auch, in dem dort wieder- 
gegebenen Untersatz eine der Formen des uTroxpirjXTjpiov zu erkennen, wie ja auch 
der' -po/ous dort nicht fehlt. Welche Form im Einzelnen die von Phanodikos ins 
Prytaneion von Sigeion geschenkten Geräte (xpr^pa 8s xal &itoxpi)njptov xal rjöjibv 
sotoxsv) hatten, können wir nicht sagen, aber seine Inschrift (/. G. A. 492) lehrt uns 
aufser der allgemeinen Übereinstimmung mit dem naukratischen Weihgeschenk durch 
die attische Übertragung der fraglichen Worte (xpax9jpa xaTctaxaxov xal tjQjjlov eSeuxa) 
wieder ein Synonymon dieses Wortes kennen, das zu dem wol üblichsten und 
allgemeinsten Namen dieser Geräte überleitet, zu uTioaxa'xr^ und uTcoaxaxov. Ihn 
rinden wir für den Untersatz des Krater 41 , des Perirranterion 42 , des sa/apiov 43 und 
schliefslich des Xoux^ptov 44 , und auch von Pausanias wird in der Beschreibung der 
delphischen Lesche genannt (X, 26, 9) ein ur.oaxdxr^ ts Xi'öou xal Xoux^piöv saxiv Itci 
T(p ü-oavxz'Q )(aXxoüv 45 . 

Ich glaube nach alledem, dafs der. hohe konische Untersatz oder Fufs bei 
mancherlei Gefäfsen Verwendung finden konnte und uns daher an sich keine Deutung 
der in Menidi gefundenen Geräte vermittelt. Diese gewinnen wir aber aus der 
Form des oberen Teiles dieser Geräte, des bald tieferen bald flacheren Beckens, 
das, wie schon bemerkt (Anm. 25), auch ohne Untersatz vorkommt, das aber beim 
wirklichen Gebrauch ebenso wie der Krater zweckmäfsig auf einen solchen gestellt 
wurde. Besonders charakteristisch scheint mir der Ausgufs zu sein, der bei mehreren 
dieser Becken vorhanden ist (vgl. Abb. 10. 29 und Anm. 25), bei den meisten 
sich voraussetzen lassen würde, womit natürlich nicht gesagt sein soll, dieser Ausgufs 
müsse überall vorhanden gewesen sein. Er ist aber an einer flachen oder auch 
bauchigen Schüssel so auffallend, dafs wir von ihm aus schliefsen müssen. Niemand 
wird ein Gefäfs zum Eingiefsen, eine Kanne, so gestalten. Diese Schüsseln waren 
vielmehr offenbar bestimmt, eine Flüssigkeit aufzunehmen, die nach dem Gebrauch 
als wertlos fortgegossen wurde, mit einem Wort, es sind Waschbecken 46 . Dafs 
diese Xooxr^pia meist auf hohem Fufs standen, ist aus zahlreichen Denkmälern zur 
Genüge bekannt; dafs daneben Becken ohne Fufs vorkamen, die man je nach Wunsch 
auf einen Untersatz stellte, versteht sich zwar von selbst, mag aber durch den 
Hinweis auf die Anm. 44 angeführten Stellen noch bekräftigt werden; vgl. auch 
Blinkenberg, Athen. Mittheilungen 1898 S. 16. 

41 ) In Athen: C. I. A. II 667 Z. 26. 674 Z. 10. 45 ) Wie die Worte wechseln, scheint mir auch die 
677 Z. 35. 816 Z. 4. 817 Z. 20. 818 Z. 16. Inschrift Mouaetov xai ßißXioS^xT] tt); EoaYjxXixTJ« 
819 Z. 24. IV, 2 700b, B Z. 26, in Delos: B. C. E/oXr)? V, 2 (Oovrpiep, Tpxavtov Trsot'ov) S. 22 
H. 1882 S. 117,8. 1886 S. 467. 1890 S. 413. zu lehren, wo einer ßwp.6v xoei tov b> oö£iot; 

42 ) In Athen: C. I. A. II 816 Z. 6. 817 Z. 32. tgü vaoü Xo'Jirjpa, doch offenbar ein Perirranterion, 
819 Z. 26. IV, 2 767 b Z. 66, in Delos: B. C. H. weiht. 

1886 S. 467. 1890 S. 413. 46 ) Auch bei heutigen Tauf becken der griechischen 

43 ) In Delos: B. C. H. 1890 S. 415 (wenn die Er- Kirche, die überhaupt mit diesem Gerät manchcr- 
gänzung gesichert ist). lei Berührungspunkte, vielleicht sogar wirklichen 

44 ) In Athen: C. I. A. II 678, B Z. 36, nach Pollux historischen Zusammenhang haben, kann man 
(10, 46 vgl. 79) auch im Verzeicbnifs der 5tj[M0- ähnliche Ausgüsse sehen. 

7rpaxa (vgl. dazu Köhler im Hermes 18S8 S. 397). 



Wolters, Vasen aus Menidi. II. 



133 



Wir können nicht annehmen, dafs eine so grofse Anzahl von Luterien am 
Grabe von Menidi nur als Weihgeschenke ohne besondere Beziehung aufgestellt 
worden seien, vielmehr ist ohne weiteres klar, dafs es hier üblich war, den Heroen 
als Opfergabe ein Bad darzubringen. Die Salbgefäfse (oben S. 128), die im wirk- 
lichen Leben untrennbar dazu gehörten, mögen auch hier als notwendige Ergänzung 
gegolten haben. 

Eine solche Bedeutung des Bades ist uns nicht nur für den Kult des 
Sosipolis in Olympia bezeugt 47 , sondern auch durch den priesterlichen Titel Xouxpo- 
epopo?, den wir in Sikyon (Aphrodite) 48 , Bargylia (Artemis Kindyasr) 19 und Milet 
(Kabiren) 50 finden. Auch die argivischen 'Hpsai'oes 51 haben wir hier zu nennen, 
wenn die Erklärung des Hesych genau ist, sie also das Bad in den Tempel brachten. 
Wie die Darbringung des Bades in diesen Fällen erfolgte, ob wirklich eine Waschung 
des Götterbildes sich anschlofs, ist kaum zu ermitteln. Von den Reinigungsfesten 
wie den Plynterien, an welchen das Bild aus dem Tempel weg zum Meere oder 
Flusse geführt wurde, sind diese Darbringungen im Tempel zunächst zu scheiden, 
obwol verwandte Anschauungen zu Grunde liegen. 

Die Bedeutung des Bades im Totenkult ist uns vor allem durch die attische 
Sitte geläufig, die sich in der Darbringung eines Brautbades bei der Bestattung 
Unverheirateter und der Aufstellung des dabei benutzten Gefäfses, der Lutrophoros, 
auf ihrem Grab bekundete. Als ich die Denkmäler, welche uns dieser Brauch hinter- 
lassen hat, zu erläutern versuchte, habe ich mich zu sehr im Rahmen der aus- 
gebildeten Sitte gehalten und habe deshalb auf eine Erklärung ihres Ursprungs 
verzichten müssen 52 . Mit Recht hat aber Brückner 53 darauf hingewiesen, dafs sich 
schon in den reichen Gräbern der Dipylonzeit das grofse Wassergefäfs neben allerlei 
andern Geräten des täglichen Lebens findet; mir ist nach dem ganzen Befund 
wahrscheinlich, dafs damals die Sitte noch nicht auf die Ledigen beschränkt war, 
denen man diese besondere Form der Grabspende später vorbehielt, indem man 
sie zu dem Brautbad in Beziehung setzte, das ihnen gebührt hätte, und das ihnen 
nicht vorzuenthalten fromme Pflicht war. Denn auch andern Toten hat man ein 
Bad dargebracht. Das bezeugt uns vor allem Sophokles, der in der Elektra V. 84 
(Tratpos yiovTz; Xouxpa) und 434 (Xouxpa rcpoacpspeiv Ttatpi) diese Opfergabe zum Grab 
des Agamemnon bringen läfst, und dasselbe mufs doch Äschylus mit dem etwas 
undeutlichen Ausdruck (Choephoren V. 130) /souaa taaSs ^s'pvißa? cpöitoT^ meinen. 



4r ) Pausanias VI, 20, 2: ^ oe rrpeoßüxts i t 9epc<7:e6- 48 ) Pausanias II, 10,4: 7iap9e\o« iepoiauvrjv lithtiov 
ouaa xöv 2(wat7:oX[v . . . Xouxpa xe läppet tu! lyouacr Xouxpcxpo'pov ttjv 7iap9£vov övo|J.a£ouat. 

9ei;7 xal (J.a£<*S -/.otxaxi'97)Gtv aüxci) pu[j.scy|jivas 49 ) B. C. H. 1889 S. 38. 

fjuftitt. Vgl. dazu Robert, Athen. Mittheilungen 50 ) % B. C. H. 1877 S. 288. 

'893 s. 37fr. Nach Pausanias IV, 33, 1 cpe'pouai 51 ) Hesych: 'HpeatSe;* xo'pat od Xciutpa xop\(£o'J:Jat 
te dvd -äaav ^uepav uöcop cb:ö tt); Trrjrj; lz xoü t^ "Hp?- Etym. M. 'Hpeat'os?, cd le'psiai tt); h 

Awj toü MöcufActTa to uprjv; auch an der Ithome ^pysc "Hpa? . . . ai dp'joj/svai xa Xouxpa. 

haftete eine Geburtssage des Zeus. 52 ) Athen. Mittheilungen 189 1 S. 371, besonders S. 399. 

53 ) Athen. Mittheilungen 1893 S. 145. 



134 



Wolters, Vasen aus Menidi. II. 



Zenobios' 4 erklärt VI, 45 Xöov.a Xooxpa: xa tot« vExpoi* e-icspousva. sxoiaiCsxo yap eVt 
xobi xobou^ Xouxp«. Schliefslich hat uns Athenaeus IX S. 409, f sogar das Ritual 
solcher Darbringungen erhalten: töuo» os xccXeTtai ixap' 'Aöijvatot; aTroviu.ij.ot Itz\ x&v eis 
xtur^v tot» vsxpots " j ' tvo l us ' vtov Kflrt ^~ l x "> v T0U » ivayeis xaöatpovtouv, «>; xai KXetÖ7jfj.o» sv im 
STtrj'p'acpotxsvm ' E;7j7)TU(» . itpoösU 7«p Trepl svo"|'tatxu)v ■ypoupsi xaoe* opu£ai ßoDuvov rpo; 
icJTrepav xoö a^uaxoe, ezcixa Trapa xov ßöüuvov Trpö; s<3T:spav ßXs7rs, 53(op xaxcfyss Xs"/«)v 
xaos* uaiv a-6vt[jLfxa 01« j(pY] xal 01; öejjus. I-sixa auöi? u.upov xaxayss. Über das attische 
Totenfest der 68pocpopia sind wir leider zu wenig unterrichtet, um es mit Sicherheit 
heranziehen zu dürfen, obwol vielleicht in Beziehung auf sie in dem oxforder 
Opferkalender geradezu das Wort Xouxpov (oder sxXouxpov?) verwendet ist (H. von Prott, 
Leges sacrae S. 11) und O. Müller (Eumeniden S. 141) sogar eine weit verbreitete 
Sitte der Hydrophonen annimmt, die im Hinabgiefsen eines Totenbades in Gruben 
oder Abgründe bestanden habe 55 . 

Die Darbringung des Bades an die Toten ist jedenfalls bezeugt, und die 
Gefäfse in Menidi haben damit ihre Erklärung erhalten, um uns sogleich ihrerseits 
einen weiteren Aufschlufs zu geben. Das aus Cicero {De legibus II, 66) bekannte 
Gesetz des Demetrios von Phaleron beschränkte die erlaubten Grabmäler auf drei 
Formen, colnmella, mensa, labellum. Was wir darunter zu verstehen haben, hat 
Brückner, leider bisher nur ganz kurz, überzeugend dargelegt (Arch. Anzeiger 1892 
S. 23): es sind die bekannten Säulen, die länglichen, basenartigen Aufsätze und 
schalenartige Gefäfse auf hohem Fufs. Dafs Demetrios diese, von seiner Zeit an 
für lange ausschliefslich üblichen Formen z. T. erst geschaffen habe, kann ich nicht 
glauben; höchstens die den bestimmten Zweck in so nüchterner Weise anstrebende 
Säule könnte man für eine solche Erfindung halten; die mensa ist es zweifellos 
nicht, und das charakteristische und schwerlich bedeutungslose labellum läfst sich 
doch auch nicht leicht so erklären. Aber es fehlten bisher die Monumente, welche 
den Ursprung erkennen liefsen. Die hat uns jetzt das Grab von Menidi geschenkt: 
wenn wir dort das Wasserbecken auf hohem Fufs als typisches Gerät des Toten- 
kultes verwendet und beim Grab aufgestellt sehen, dürfen wir ähnliche Sitte auch 
sonst in Attika voraussetzen und aus ihr die Denkmalform herleiten, welche Deme- 
trios neben jenen beiden andern noch weiter bestehen liefs. Ein sicheres Beispiel 
solchen Grabschmuckes wenigstens besitzen wir in der von Pernice, Athen. Mitthei- 
lungen 1892 Taf. 10 S. 205 veröffentlichten junggeometrischen Vase; zu nennen sind 
auch die als Grabmäler verwendeten grofsen kelchartigen Dipylongefäfse (Athen. Mit- 
theilungen 1893 S. 92), obwol zugestanden werden mufs, dafs bei ihnen die Form des 
Beckens nicht so deutlich, und die Möglichkeit anderen Ursprunges nicht zu leugnen 
ist. Trotzdem habe ich die verwandten geometrischen Stücke von Menidi zunächst 
mit unter die Becken aufnehmen zu dürfen geglaubt (vgl. S. 125). Aber auch wenn 






M ) Göttinger Parömiographen I S. 174, ebenso von Wasser und Wein bestimmt scheinen 

Hesych und Suidas u. d. W. (Lanckoroiiski, Pisidien S. 67), hierher gehören, 

ss ) Ob die gefäfsartigen Einarbeitungen neben wage ich nicht zu entscheiden, 
einem Grabe in Termessos, die zur Aufnahme 



Wolters, Vasen aus Menidi. II. 



135 



sich herausstellen sollte, dafs sie und die genannten kolossalen Dipylongcfäfse anders 
zu beurteilen sind, würde ihre Ausschliefsung unsere Folgerungen nicht beein- 
trächtigen. 

Die Funde vom Kuppelgrab bei Menidi lehren, dafs der dortige Kult von 
der mykenischen Epoche an ununterbrochen gedauert hat. Das ist eine für die 
Beurteilung der mykenischen Zeit in Attika nicht unwichtige Thatsache 50 . Der 
Kult hört im fünften Jahrhundert auf; Reste die jünger wären als der ausgebildete 
rotfigurige Stil fehlen durchaus (Kuppelgrab S. 50). Aber der Kult ist nicht langsam 
erloschen und in Folge mangelnder Pietät in immer zunehmender Ärmlichkeit er- 
storben; grade einige der jüngsten Gefäfse (vgl. Nr. 4 und 80) gehören zugleich zu 
den allerstattlichsten ihrer Art. Ich glaube, dafs wir deshalb ein Recht zu der 
Annahme haben, der Kult sei durch ein äufseres Ereignifs plötzlich unterbrochen 
worden. Als ein solches Ereignifs würde sich der peloponnesische Krieg wie von 
selbst darbieten. Im archidamischen Krieg war Acharnai vom Feinde besetzt und 
verwüstet, seine Bewohner sicher geflohen, und auch während der Besetzung 
Dekeleias durch die Spartaner wird ein ähnlicher Zustand dort geherrscht haben. 
In diesen Zeiten ist der Heroenkult zu Grunde gegangen, der seit der mykenischen 
Epoche hier bestanden hatte, und dessen einzige Reste für uns die Scherben bilden, 
deren Zeugnifs zu verstehen und zu nutzen ich versucht habe. 



Athen, Juni 1899. 



Paul Wolters. 



56 ) Dafs auch in Mykene Heroenkult an die alten 
Gräber sich angeschlossen habe, hat man aus 
der Scherbe mit dem Namen des Heros (I. G. A. 
29) geschlossen (Furtwängler und Loeschcke, 
Mykenische Vasen S. 52) ebenso wie aus dem 
Vorkommen jüngerer, besonders geometrischer 



Vasenscherben in dem Gang des einen Kuppel- 
grabes (des sogenannten der Klytaimestra). Aber 
dies Vorkommen will Tsundas (M'jxrjvat S. 133. 
140) durch eine gewaltsame Öffnung und Be- 
raubung erklären. 



^^jJbvvrsA. 



N ^joc5Ua/vA 



DIE KATZEN IM ALTERTUM. 

Durch die Güte des Herrn Prof. C. Robert in Halle bin ich in der Lage, zwei bis 
jetzt noch nicht veröffentlichte Vasenbilder der Sammlung Jatta in Ruvo bekannt zu 
machen (Fig. i, welche nur die Hauptgruppe giebt, und 2). Die Darstellungen an sich 
sind nicht besonders bemerkenswert, es sind eben Erzeugnisse einer apulischen Fabrik 
(die wahrscheinlich in Ruvo selbst bestand); auf Grund der vorhandenen beliebten Vor- 
lagen haben die Maler aus Jünglingen und jungen Mädchen mit Einmischung von Eroten 




Scenen gebildet, in denen man umsonst einen tieferen Sinn gesucht hat; es verlohnt sich 
deshalb auch nicht, neben der Abbildung eine genaue bis ins einzelne gehende Be- 
schreibung zu bieten, da aus ihr für die Erkenntnis des Inhalts doch Weiteres sich nicht 
ergeben würde; auch hat Jatta in seinem Katalog (No. 1016 u. 1555) schon mit der 
gröfsten Sorgsamkeit und Ausführlichkeit die Einzelheiten der Bilder erläutert, so dafs 
nichts hinzuzufügen bleibt. Nur in einer Beziehung heben sich die beiden Vasenbilder 
aus der grofsen Reihe ähnlicher apulischer Vasenbilder heraus, weshalb sie auch 
eine besondere Publikation verdienen, das ist die Mittelscene: eine Frau, einmal 
stehend, das andre Mal sitzend, in Gespräch mit einem Jüngling begriffen, läfst auf 
dem erhobenen Arm ein Kätzchen spazieren gehen, und dieses Kätzchen bildet 
offenbar auch den Gegenstand der Unterhaltung zwischen Jüngling und Jungfrau. 



Engelmann, Die Katzen im Altertum. 



137 



[an wird dadurch vor die Frage gestellt: Wie steht es mit der Verbreitung der 
latze im Altertum? 




Fig. 2. 

Bekanntlich ist es V. Hehn, der in seinem Buch »Kulturpflanzen und Haus- 
tiere in ihrem Übergang aus Asien nach Griechenland und Italien sowie in das 
übrige Europa, historisch-linguistische Skizzen« (die letzte, sechste, Auflage ist nach 
dem Tode des Verfassers von 0. Schrader, mit botanischen Beiträgen von A. Engler, 
1894 herausgegeben) das Vorkommen der Hauskatze auf Ägypten beschränkt und 
ihre Weiterverbreitung in Europa erst in die Zeit der Völkerwanderung gesetzt hat. 
Die Gründe, die ihn zu dieser Annahme geführt haben, sind zahlreich; so ist es 
z. B. auffällig, dafs vielfach in der Litteratur an Stellen, wo man die Erwähnung 
der Katze erwartet, andere Tiere dafür eintreten, vgl. die bekannte Fabel des Horaz 
(Sat. II 6,79) von der Stadtmaus und Feldmaus; wenn die beiden Mäuse sich im 
Stadthaus gütlich thun und nun plötzlich gestört werden sollen, was wäre da natür- 
licher gewesen, als dafs plötzlich die Katze erscheint? aber nein, die Thüren öffnen 
sich mit Geräusch, lautes Hundegebell erschüttert das Haus, beide Mäuse laufen 
ängstlich hin und her und fürchten sich fast zu Tode. Hier läfst das Motiv der 
Bedienten, die frühmorgens zur Reinigung des Saales eintreten, darauf schliefsen, 
dafs die Katze als die ärgste Feindin der Maus dem Dichter nicht bekannt oder 
wenigstens nicht handgerecht war. Ein anderer, gleichfalls bedeutsamer Beweis 
wird aus den Nachrichten von Pompeji abgeleitet. Dort sind alle möglichen Tier- 
gerippe unter den Lapilli hervorgezogen worden; Pferde, Hunde, Ziegen und andere 
Haustiere wurden verschüttet und ihre Reste wiederaufgefunden, »merkwürdiger 
Weise waren aber alle Katzen schon bei Zeiten verschwunden« ; je mehr die Katze 
sich an das Haus hält, nicht an die eine oder andre Person anschliefst, um so 
unglaublicher ist es, dafs bei dem Vesuvausbruch alle Katzen ihre gewöhnlichen 
Wohnstätten verlassen hätten; dagegen hört jede Merkwürdigkeit auf, wenn es in 
der Stadt eben noch keine Katzen gab. Nun werden freilich eine ganze Reihe von 
antiken Stellen angeführt, wo von Tieren geredet wird, die als Feinde der Mäuse 
gepflegt und ?ls ^aXr n aiXoupo;, felis, mustela u. a. bezeichnet werden, aber es ist. 
keine Sicherheit zu gewinnen, dafs darunter wirklich unsere Katze verstanden wird 



j -jg Engelmann, Die Katzen im Altertum. 

»Als Feinde der Maus, und sie hat deren viele, mufsten auch frühzeitig die das 
Haus des Menschen umschleichenden Tiere, das Wiesel mit seinen Unterarten, Iltis, 
Marder, wilde Katze beobachtet werden; einige davon wurden deshalb gehegt und 
nicht verfolgt und traten in eine Art Gemeinschaft mit den Menschen; Wiesel und 
Marder lassen sich zähmen, und ehe die Katze eingeführt war, geschah dies viel 
häufiger als jetzt. Doch litt unter diesen Räubern auch wieder das Federvieh, 
besonders dessen junge Brut, und man suchte sie dann wieder abzuhalten und 
machte ihnen den Krieg.« Leider haben die Alten zwischen den einzelnen Tieren 
nie wissenschaftlich streng unterschieden, so dafs die Möglichkeit nicht abzuleugnen 
ist, dafs nicht die Hauskatze, sondern die damit verwandten oben genannten Tiere 
unter den gebrauchten Ausdrücken zu verstehen sind; man wird dies um so mehr 
zuzugeben geneigt sein, wenn man aus der heute geltenden Zoologie erfährt, dafs 
eine grofse Zahl der zum Katzengeschlecht gehörenden, aber von der Hauskatze 
ganz scharf unterschiedenen Tiere noch heute gezähmt und zur Vertilgung der 
Mäuse und anderen Ungeziefers verwendet werden. So wird, um nur einige Bei- 
spiele anzuführen, nach Brehms Tierleben I S. 508 die Tigerkatze (felis tigrinä) 
noch heute gezähmt und zur Reinigung des Hauses von Mäusen und Ratten ver- 
wendet; dasselbe gilt von vielen Arten der Viverridae, so z. B. der Ginsterkatze 
(S. 557), die in der Berberei vollständig unsere Hauskatze vertritt; auch das Wiesel 
wird heute noch gezähmt und zur Mäusejagd verwendet (S. 618). Demnach kann 
man aus den zahlreichen Stellen, an denen von derartigen Tieren des Katzen- 
geschlechts geredet wird, keine Sicherheit gewinnen, ob wirklich unsere Hauskatze 
oder andere zu ähnlichen Zwecken verwendete Tiere gemeint sind ', und so könnte 
die Frage nach der Verbreitung der Hauskatze nie gelöst werden, wenn es nicht 
gelingt, zu der litterarischen Überlieferung noch andre Quellen hinzuzufinden. 

Dafs die Katze in Ägypten als Haustier vorhanden war, steht nicht nur aus 
den Nachrichten der Schriftsteller fest, sondern ergiebt sich auch aus den grofsen 
Massen von Katzenmumien und Katzengebeinen, die in Bubastis und an andern 
Orten gefunden worden sind; wie heilig sie gehalten wurde, und wie streng jede 
Tötung eines solchen Tieres bestraft wurde, das geht nicht nur aus Herod. .II 66 
hervor, sondern dafür bietet ein von Diodor berichteter Vorgang, den er selbst als 
Augenzeuge beobachtete, einen deutlichen Beweis 2 . Man begreift, dafs bei solchen 
Verhältnissen die Ausfuhr leicht gefährlich sein konnte; wenngleich nichts davon 
überliefert ist, dafs die Ausfuhr der Katzen verboten war, so könnte man doch bei 
der Heiligkeit, in der das Tier allgemein stand, leicht etwas Derartiges annehmen. 

] ) Die hauptsächlichsten Stellen sind bei V. Hehn Vgl. noch K. Sittl, Zur Gesch. d. Hauskatze, in 

und bei Daremberg et Saglio Dict. des ant. I Arch. f. lat. Lexicogr. V (1888) S. 133. 
S. 689. 699 verzeichnet, vgl. noch Ann. des scienc. 2 ) I 83, 8 dzoxTetvavro« Taipafou tivo; ai'Xoopov xal 

nat. XVII (1829) S. 165. Dafs Aristoteles Zie toü 71X7)8005 auvSpajxovxo? int rrjv olxt'av toü 

2. 540a 10 unter cciXoupo; wirklich die Katze npd$avToc , oute ol TtefjupIHvTec bnb toö ßaotXeius 

versteht, scheint mir unzweifelhaft, aber auch ä'ppvxes iizl ttjv rapcciTTjatv oute 6 XOtvo« arro 

bei ihm scheinen die Bezeichnungen at'Xoopos, ttjs Tdupu); cpdßoc fox uaev l&\l<süai ttj? Tt.u-wpt'as 

IXT15, y«X^ mehrfach ineinander überzugehen. töv av8pu)7rov , xctirrep dxouai'u>« toöto 7te7rp<r/o , Ta. 



Engelmann, Die Katzen im Altertum. j -5Q 

Aber doch wäre nicht zu begreifen, dafs nicht, nachdem einmal der Verkehr mit 
Ägypten eröffnet war, einzelne Exemplare nach Griechenland und Italien gelangt 
wären. Die Zahl der griechischen Niederlassungen in Ägypten war seit dem 
sechsten Jahrhundert nicht gering; sollten z. B. die in Naukratis und anderen Orten 
angesiedelten Hellenen nicht auch Katzen gehalten haben? Und sollten bei dem 
regen Handelsverkehr zwischen Ägypten und Griechenland, selbst wenn man noch 
so strenge Ausfuhrverbote voraussetzt (von denen wir aber durchaus nichts wissen), 
nicht einzelne Exemplare des merkwürdigen und nützlichen Tieres zur Ausfuhr 
gelangt sein? Man sollte das wohl ohne weiteres annehmen, selbst wenn keine 
Zeugnisse dafür vorhanden wären; aber an solchen Zeugnissen mangelt es nicht. 
Einem litterarischen (Diodor. I 84 erzählt, dafs die ägyptischen Soldaten auf ihren 
Feldzügen aufserhalb ihres Landes aller Katzen, die sie antreffen, sich annehmen 
und sie mit nach Ägypten zurückführen) könnte man vielleicht jede Bedeutung ab- 
sprechen, und deshalb soll hier kein Gewicht darauf gelegt werden. Um so wichtiger 
sind die Beweise, die von den Denkmälern geliefert werden. Da sind zunächst zwei 
Vasen aus Kameiros, die ohne Zweifel aus athenischer Fabrik stammen, (R. Engel- 
mann Due lezioni di mtisica in Ann. 1878 S. 284 Tav. d'ag. O. P.). Die Malereien 
beider Vasen führen uns in eine athenische Schulstube ein, in der Musikunterricht 
erteilt wird, und beide Male rindet sich eine durch die Barthaare (auf dem Original 
deutlich zu erkennen), den langen Schwanz und die sonstige Bildung deutlich be- 
zeichnete Katze mit in den Kreis der Figuren eingefügt. Auf der einen Vase führt 
ein älterer Mann, der seinen Liebling zum Unterricht begleitet hat, das Tier, durch 
dessen Überreichung er sich die Gunst des Knaben zu erwerben gesucht hat, an 
einem langen Bande, so dafs man sieht, es handelt sich um ein seltenes an den 
Ort noch nicht eingewöhntes Tier, das man noch unter strenger Beobachtung halten 
zu müssen glaubt, auf der andern dagegen scheint die Katze schon mehr Bürger- 
recht oder wenigstens Hausrecht gewonnen zu haben, sie hat auf dem Sessel Platz 
genommen, der einem der Schüler dienen soll, und dieser scherzt mit ihr, hält ihr 
sein Musikinstrument hin, als ob er sie einladen wolle, auch in Bezug auf die 
Musikübung ihn für die eine Stunde zu vertreten. Als fremdes, noch am Strick zu 
führendes Tier erscheint die Katze auch auf einer Vase der Sammlung Panckoucke 
(Dubois Catal. Panckoucke 134 n. 45, Dict. d. ant. I S. 689); dort erblickt man zwei 
athenische Jünglinge, von denen der eine in der rechten Hand einen Hahn trägt, 
während er an einem Bande mit der linken Hand eine sich emporbäumende Katze 
festhält; ihm gegenüber steht ein zweiter Jüngling, der mit der rechten Hand auf 
die Katze zeigt, während sein Hund hinter ihm umsonst durch »Schönmachen« die 
Aufmerksamkeit seines durch die Neuheit geblendeten Herrn zu erregen versucht. 
Man fühlt sich durch dies Bild ohne weiteres in die Zeit versetzt, wo die Einführung 
der Katze dem bisherigen Lieblingstier der Jugend, dem Hunde, offenbar Eintrag 
thut, und man erkennt auf der andern Seite, dafs man noch nicht so weit ist, die 
Katze als das mit dem Hause gleichsam verwachsene Tier zu betrachten; sie gilt 
als Seltenheit, die von den älteren Freunden der Jugend geschenkt wird, auf deren 

Jahrbuch des archäologischen Instituts. XIV. . I I 



j^O Engelmann, Die Katzen im Altertum. 

persönliche Anhänglichkeit man sich aber noch nicht verlassen kann, so dafs es 
unter allen Umständen rätlich scheint, sie am Bande zu führen. 

Als Haustier, als Feindin der Hausmaus, erscheint die Katze dagegen auf einer 
Vase des Berliner Museums, die aus der Sammlung Sabouroff stammt 3 . Man erblickt 
ein Speisezimmer, in dem sich Mäuse zu schaffen machen; da erscheinen plötzlich zwei 
Katzen, so dafs die Mäuse erschreckt an den Kandelabern in die Höhe klettern; aber an- 
statt die Mäuse zu fangen, beschäftigen sich die Katzen mit dem Inhalt zweier Schüsseln. 
In ähnlicher Weise erscheint die Katze auf einem bei Lenormant El. cer. IV 82 ab- 
gebildeten etwas jüngeren Vasenbild aus der Sammlung Blacas; ein Jüngling, im 
Gespräch mit einer Frau begriffen, hält in der linken gesenkten Hand die Strigilis, 
während die rechte Hand einen kleinen Vogel vor die Brust hält, nach dem eine 
über den Rücken her kommende Katze schon mit der einen Pfote greift. Auf 
Grund dieses Vasenbildes wird man auch nicht anstehen, auf dem schönen Grab- 
relief in Athen (Conze, Die Griechischen Grabreliefs Nr. 1032, ein stehender 
Jüngling hält in der herabhängenden linken Hand ein Vögelchen, die rechte 
ist erhoben, wohl zum Beten; hinter der Hand erblickt man einen Vogelkäfig, 
darunter einen Pfeiler, auf dem ein katzenähnliches Tier liegt) eine wirkliche Katze 
zu erkennen. Völlig erledigt wird die Frage durch die beiden Vasen aus Ruvo, 
bei denen die ganze Art, wie die Frau mit der Katze spielt und das Kätzchen 
zierlich auf dem Arm hin- und herlaufen läfst, jedem Betrachter die Anerkennung 
abnötigt, dafs es sich nur um Katzen handeln kann. Da nun Ruvo, wo die Vasen 
nicht blofs gefunden, sondern auch sicher entstanden sind 4 , nicht weit von Tarent 
liegt, wird man auch geneigt sein, in dem katzenähnlichen Tiere, das sich auf 
tarentinischen Münzen gebildet findet, eine Katze zu sehen, trotzdem sonst wegen 
der Kleinheit der Figur ein sicheres Erkennen nicht möglich ist. 

Auch in Etrurien wird die Katze als Haustier frühzeitig vorhanden gewesen 
sein, da etruskische Wandmalereien von Corneto und Caere deutlich die Katze er- 
kennen lassen (Mon. delV Inst. I 1831 T. 23. Mus. Greg. I T. 104). Man erblickt 
dort Männer und Frauen zum Mahle gelagert; unter den Klinen sind Vögel, ein 
Hahn und ein Rebhuhn, und zwischen ihnen eine Katze dargestellt; auch hier lassen 
besonders die stark entwickelten Barthaare nicht daran zweifeln, dafs es sich wirklich 
um eine Katze handelt, wenngleich die charakteristischen Formen sonst nicht so 
deutlich zum Ausdruck gebracht sind. 

Auch in Pompeji, wo Reste von Katzen nicht gefunden sind, fehlt es doch 
nicht an figürlichen Darstellungen; so sieht man auf einem von Mazois (II pl. LV) 
veröffentlichten, umstehend (Fig. 3) wiederholten Bilde einen kleinen mopsartigen 
Hund, der ein halbes Brjot und ein Kotelett gegen eine trächtige Katze und einen 
gröfseren Hund verteidigt. Die Katze ist allerdings wenig naturalistisch gebildet 



3 ) Beschr. d. Vasensamml. II No. 2517. Samml. Huddilston Greek Tragedy in the light of vase 
Sabour. T. 65. paintings S. 85,2. Die Sammlung Jatta in Ruvo 

4 ) Die in Ruvo gefundenen Vasen lassen mehrfach liefert dafür noch mehr Beispiele, 
die Benutzung gleicher Vorlagen erkennen, vgl. 



Engelmann, Die Katzen im Altertum. 



141 



(Mazois sagt: un chat represente avec assez peu de naturel), aber auch hier läfst sich 
wegen des ganzen Zusammenhangs nur an die felis domestica denken. Dasselbe gilt 
von dem jetzt in Neapel befindlichen Mosaik »eine Katze, die eine Wachtel zerreifst«, 
sagt V. Hehn, »aber das luchsartige, etwas gestreifte Fell, sowie der Ausdruck des 




"- . * '■:*"'. 



Fig. 3- 

Kopfes deuten mehr auf die wilde Katze, wenn auch eine ähnliche Bildung hin und 
wieder bei der jetzigen Hauskatze vorkommen mag«. Aber die Zusammenstellung 
mit den für die Mahlzeit bestimmten Tieren zwingt doch, jeden Gedanken an eine 
Wildkatze fallen zu lassen. Vielleicht kann hier auch ein Relief des Kapitolinischen 
Museums angefügt werden (Foggini Mus. cap. IV 45), wo eine Katze an zwei an 
einem Baumast aufgehängten Enten in die Höhe springt, während ein auf einem 
Thronsessel sitzendes Mädchen die Kithara ertönen läfst, aber man wird doch besser 
thun, bis auf weiteres dies Denkmal bei Seite zu lassen. Herr Dr. Amelung, der die 
Güte hatte das Denkmal zu untersuchen, schreibt: »Das Relief des capit. Museums 
ist in der Nuova descrizione (1888) auf S. 284 n. 120 beschrieben. Ich konnte es 
nicht mit Leiter untersuchen, doch ist die Beschreibung richtig. Das Mädchen 
ist ev. z. T. ergänzt. Die Vögel würde ich wegen der Länge ihrer Hälse eher für 
Enten halten; das Tier ist augenscheinlich eine Katze. Nur kann ich einen Zweifel 
nicht unterdrücken, ob das Ganze nicht etwa modern ist. Es wäre unter den Reliefs 
des capit. Museums nicht der einzige Fall. Aber an diesem Zweifel mag wohl die 
Seltsamkeit des Gegenstandes die Hauptschuld tragen.« 

Auch das in Bordeaux befindliche von Caumont Bull. Mon. 1861 S. 200 
veröffentlichte Grabrelief (ein Mädchen drückt einen Kater an ihre Brust) wird besser 
wegbleiben müssen, da der Herausgeber selbst sagt, dafs man vor dem Originale 
zweifeln könne, ob es sich um einen Kater oder um einen Affen handelt. 

Das sind, soviel ich sehen kann, die monumentalen Zeugnisse, aus denen 
wohl klar hervorgeht, dafs die Katze als Haustier nicht nur den Ägyptern, sondern 
auch den Griechen und Römern bekannt war; die vielfach ungenaue oder ungeschickte 
Wiedergabe des Tieres läfst aber den Schlufs zu, dafs sie als Haustier noch nicht 
allgemein verbreitet, den Malern daher noch etwas wenig Gekanntes war, so dafs 



j 4 2 Engelmann, Die Katzen im Altertum. 



es nicht zu verwundern ist, wenn ihre Formen hier und da schlecht wiedergegeben 
sind. Nimmt man ferner die athenischen Denkmäler hinzu, die auf den Anfang des 
fünften Jahrhunderts zurückgehen, auf denen die Katze noch als fremdes, mit Er- 
staunen betrachtetes und mit Eifer erstrebtes Geschöpf vorgeführt wird, das man 
als noch nicht eingewöhntes Tier an einem Bande führen zu müssen glaubt, dann 
sieht man sich fast genötigt, die Einführung der Katze mit der Eröffnung von 
Ägypten in Verbindung zu bringen. Wenn einzelne Exemplare als seltene Tiere 
von Ägypten nach Griechenland und Italien eingeführt wurden, so war damit immer 
noch nicht die allgemeine Verbreitung in die Wege geleitet; es mögen verschiedene 
Jahrhunderte vergangen sein, bis die Katze bei allen Völkern Europas ein solches 
Haustier geworden ist, als welches wir sie heute kennen. 

Auch V. Hehn hatte sich schliefslich dieser meiner, schon in den Ann. 1878 
ausgesprochen Ansicht angeschlossen, nachdem ich ihn auf die oben besprochenen 
athenischen Vasen mit dem Musikunterricht hingewiesen hatte; er schreibt mir bei 
Zusendung der vierten Auflage seiner »Kulturpflanzen« unter dem 13. Oct. 1882 
folgendes: »Ich hatte die Absicht, dieser Ausgabe eine Vorrede mitzugeben, in der 
ich manche meiner Behauptungen zurückzunehmen oder einzuschränken oder neu 
zu bestätigen gedachte. Doch wäre daraus beinahe ein neues Buch geworden, und 
so mufste ich mich, vom Verleger gedrängt, entschliefsen, das Buch so wie es war, 
mit nicht bedeutenden Zusätzen und Verbesserungen, abermals in die Welt zu 
schicken.« 

»Auch über die ägyptische Katze und ihren Übergang nach Europa war ich 
willens, mich in einigen Worten auszulassen. Die Frage ist recht schwierig. Ich 
glaube jetzt, dafs bei der grofsen Heiligkeit des Tieres in Ägypten die Einfangung 
und Ausfuhr desselben äufserst gefährlich war und lange Zeit nur einzelne Individuen 
und Abbildungen ins Abendland kamen; erst als Ägypten völlig christlich geworden 
und der Tierkultus erloschen war, konnte sich das Tierchen auch in die Häuser 
anderer Völker verbreiten, zunächst wohl nach Syrien.« 

Der Herausgeber der neuesten Auflage der »Kulturpflanzen und Haustiere«, 
O. Schrader, äufsert keine eigene Meinung, dagegen wiederholt er die Verhand- 
lungen der anthropologischen Gesellschaft, nach denen bei Untersuchung der aus 
Bubastis von Naville gesandten sog. Katzengebeine von Virchow die Beziehung 
dieser Reste auf die Hauskatze, felis domestica, geleugnet wird. Virchow nimmt 
also an, dafs die altägyptischen Katzen gezähmte Wildkatzen waren, von der felis 
maniculata abstammten; eine wirkliche Domestikation habe nicht stattgefunden. Er 
bestreitet demnach die Herkunft unserer Hauskatze aus Ägypten, läfst sie dagegen 
aus Asien oder Europa von der einheimischen Wildkatze, felis catus, abstammen, 
so dafs schliefslich jedes Land von der einheimischen Wildkatze seine besondere 
Species abzuleiten hätte. Gegen diese vorausgesetzte Abstammung der Hauskatze 
von der Wildkatze genügt es, auf Brehm I S. 417 zu verweisen, wo die Unterschiede 
der Hauskatze von der Wildkatze aufgezählt und die Gründe angegeben werden, 
die es als unthunlich erscheinen lassen, unsere Hauskatze mit der Wildkatze in 



Wolters, Bemalter Marmorkopf in Athen. 14? 

Verbindung zu setzen. Ich denke aber, dafs auch die oben angeführten Vasenbilder 
deutlich erweisen, dafs die Katze erst in einzelnen Exemplaren eingeführt wurde und 
allmählich im Laufe der Jahrhunderte gröfsere Verbreitung in Griechenland und 
Italien erhielt. Dann ist aber Ägypten, dessen Eröffnung mit dem Erscheinen der 
Katze auf griechischem Boden zusammenfällt, als das Ursprungsland ohne weiteres 
erwiesen; dafs in jenen Jahrhunderten, wo die Völker gegeneinander viel mehr 
abgeschlossen waren, als dies heute der Fall ist, die allmähliche Verbreitung und 
Eingewöhnung nur verhältnismäfsig langsam vor sich ging, kann niemanden Wunder 
nehmen. 

Dabei mag in andern Ländern, z. B. in China (vgl. Hirth Zeitschr. f. Ethn. 
XXII 2 S. 140), die Katze schon frühzeitig ebenso wie in Ägypten zum Haustier 
gemacht worden sein, aber dafs von dort aus die Einführung des Tieres nach 
Griechenland nicht erfolgt ist, bedarf weiter keines Beweises. Also bleibt nur 
Ägypten übrig, und die Annahme V. Hehns behält, mit einer gewissen Einschränkung, 
ihre Richtigkeit 5 . 

R. Engelmann. 



VTr>JÜG^o ~t CoA VVi^^xAs O^uJ" 



BEMALTER MARMORKOPF IN ATHEN. 

Im letzten Erwerbungsbericht des dresdener Museums hat Treu (Arch. 
Anzeiger 1898 S. 54) für die Bemalung eines Parthenos-Kopfes und ihre Technik 
auf einen im Herodestheater gefundenen Kopf des griechischen Nationalmuseums 
verwiesen, von dessen genauerer Untersuchung vielleicht weiterer Aufschlufs zu er- 
warten sei. Der Aufforderung, die damit uns in Athen Weilenden nahe gelegt 
wurde, wäre ich längst nachgekommen, wenn nicht die Untersuchung so ergebnifslos 
geblieben wäre. Aber auch das mufs schliefslich dargelegt werden. 

Das umstehend abgebildete Stück befindet sich unter Nr. 177 in der Sammlung 
des Nationalmuseums, an die Wand befestigt und durch einen unlösbaren Glaskasten 
vor jeder Beschädigung geschützt, aber auch genauerer Untersuchung entzogen. Eine 
Abbildung hat neuerdings Farnell, The cults of the Greek states I Taf. 25 zu S. 368 
gegeben, mit ungenauer Angabe über den Fund und, was bedenklicher ist, mit der 
irrigen Behauptung, es sei eine, wol gar die wichtigste, Replik der Parthenos des 

5 ) Das katzenähnliche Tier auf der aus Ruvo stam- 1862 S. 61) als Katze aufzufassen sein, kann hier 

menden Vase mit der Aussendung des Tripto- aber bei Seite gelassen werden, weil es nur zur 

lemos (Compt. rend. de St. Pitersb. 1862 T. 4) Bezeichnung des Landes Ägypten dienen soll, 
wird wohl trotz Stephani's Zweifel {Compt. rend. 



144 



Wolters, Bemalter Marmorkopf in Athen. 




Phidias, entstanden nicht lange nach dem Original. Die hohe, dreieckig begrenzte 
Stirn und die beiderseits davon in weichen, kurzen Locken herabfallenden Haare 

machen die Annahme unmöglich. Er- 
wähnt und beschrieben ist der Kopf 
öfters: Schillbach, Über das Odeion des 
Herodes Attikos S. 25. Arch. Anzeiger 
1858 S. 198 (Conze). Heydemann, Mar- 
mor-Bildwerke zu Athen Nr. 732. Sybel, 
Sculpturen zu Athen Nr. 891. Kavva- 
dias, rXu7TT«x tou 'EOvixou Mouastou Nr. 177. 
Erhalten ist nur das Gesicht; 
hinten ist offenbar Bruch vorauszusetzen, 
oben sieht man zwei in mäfsiger Senkung 
nach hinten und aufsen schräg abwärts 
laufende Stückungsflächen, die sich über 
der Mitte des Kopfes wie in der First- 
linie eines Daches treffen. Man wird 
daraus auf die Anstückung einer Kopf- 
bedeckung, vermutlich eines Helmes 
schliefsen. Das Haar ist mit rotbrauner 
Farbe bedeckt, auf ihr sieht man noch 
reichliche Reste von Gold. Mit derselben 
Farbe waren die Augenbrauen gemalt; diese Untermalung ist besonders am linken 
Auge gut erhalten und zieht sich deutlich sichtbar über den ganzen Augenbrauenbogen 
und auffällig tief an der Nase herab. Am rechten Auge ist diese Untermalung fast 
ganz verschwunden; von der Vergoldung, die Schillbach auch für die Augenbrauen 
nennt, sehe ich ebensowenig wie die andern Beschreiber eine Spur, aber vorauszusetzen 
ist sie. Die Augen sind aus einem besonderen weifsen Material eingesetzt und 
waren mit den aus Bronze gearbeiteten Wimpern umgeben, von denen noch viele 
Reste, wenn auch im Zustande starker Beschädigung, erhalten sind. Schillbach be- 
richtet von Löchern, in welchen die kleinen, die Wimpern ausdrückenden Bronze- 
stifte gesessen hätten; davon kann ich nichts sehen, vielmehr scheint mir wie 
gewöhnlich je eine ganze Reihe von Wimpern aus einem dünnen Blech gearbeitet 
zu sein, dessen zusammenhängender Teil in der Augenhöhle verborgen und von 
dem eingesetzten Augapfel bedeckt wurde (vgl. z. B. Athen. Mitth. 1887 S. 373). 
Heydemann vermerkt sogar in den Augenbrauenbogen nahe beim Nasenbein Löcher 
für kleine Bronzestäbchen, d. i. Augenbrauenhärchen; davon kann ich nichts sehen 
und mufs die, ohnehin auffällige Angabe für irrig halten. Das Material der Augäpfel 
scheint ein weifser Stein; Schillbach und Heydemann nennen ihn Alabaster. 
Kavvadias eine östswotjs uXtj, was mir weniger glaublich scheint. Die ehemals ein- 
gesetzten Augensterne fehlen; von Färbung, wie beim dresdener Kopf, sehe ich 
nichts. Das Fleisch ist sehr glatt polirt, und ich vermag schon deshalb den Marmor 



Wolters, Bemalter Marmorkopf in Athen. j^e 

nicht genauer zu bestimmen; Heydemann erklärt ihn für parisch, Kavvadias für 
pentelisch, Schillbach hebt seinen eigentümlich matten Glanz hervor, und meint, er 
sähe aus wie mit Wachs getränkt, habe ohne Zweifel auch Bemalung gehabt. Für 
diese letztere Annahme sehe ich keinen zwingenden Grund, aber bemerkenswert 
sind eine Anzahl gelber Flecken, besonders auf der rechten Wange, die wie eine 
in den Marmor eingedrungene Färbung erscheinen. Ihren Ursprung kann ich nicht 
bestimmen. Sodann sind schwarzbraune Streifen von den Augen aus über die 
Wangen herabgeflossen, offenbar durch die Oxydirung der eingesetzten Augen- 
wimpern verursacht, und ebenso etwas hellere Streifen an der linken Wange von 
der Stirn oder dem Haar aus über den äufseren Augenwinkel. Dafs durch die 
starke Politur, die Vergoldung und die weitere Belebung mit Farben der Eindruck 
eines chryselephantinen Werkes nachgeahmt werden sollte, ist sehr glaublich. 
Technischen Aufschlufs aber vermag ich wenigstens dem Werke nicht abzugewinnen. 
Ich möchte bei der Gelegenheit noch einen kleinen Nachtrag zu dem Bericht 
über die Erwerbungen des dresdener Museums geben, von dem ich ausging. Es 
ist dort ein Glockenkrater abgebildet (Arch. Anzeiger 1898 S. 137), auf dem Aphrodite 
in einer Muschel übers Meer segelnd dargestellt ist, mit den Händen die oberen 
Zipfel des Segels haltend, dessen unteres Ende an der Muschel befestigt ist. Diese 
Verwendung des Segels bei Aphrodite ist zwar selten, aber nicht ganz ohne Bei- 
spiel. Stackeiberg (Gräber der Hellenen Taf. 28 S. 24) hat eine ganz ähnliche 
Darstellung abgebildet, und schon Benndorf (Vasenbilder S. 82) hat erkannt, dafs 
hier Aphrodite in der Muschel segelnd zu denken ist. 

Paul Wolters. 



V 



\»jd^+r<K, 



^>»Jl 



DIE ANWENDUNG DER FEDERFAHNE 
BEI DEN GRIECHISCHEN VASENMALERN '. 

(Tafel 4) 

Dasjenige technische Problem der griechischen Vasenmalerei, dessen Lösung 
wir im Folgenden zu geben hoffen, hat die verschiedensten Gelehrten schon seit 
Langem beschäftigt. Es handelt sich um die Frage, welches Instrument die alten 
Vasenmaler anwendeten, um jene elastischen, glänzend schwarzen Relieflinien zu 
ziehen, die, speciell im rotfigurigen Stile, die Conturen und in der Hauptsache auch 
die Innenzeichnung der Figuren bilden. Man hat früher auf eine Rohr- oder eine 
Metallfeder, auf eine Art Reifsfeder oder auch auf Haarpinsel geschlossen, jedoch 
fand eine Einigung der Meinungen nicht statt 2 . Wurde durch die Annahme des 
Pinsels der Schwung, das An- und Abschwellen der Linien, wohl auch die eigen- 
thümliche, auf dem Vasengrunde filigranartig aufliegende Dicke des Farbstoffes 
erklärt, so führten andrerseits Beobachtungen über gewisse Besonderheiten der 
Relieflinien wieder von diesem Ziele ab. Bei genauerer Betrachtung zeigen diese 
Linien nämlich fast immer in der Mitte eine Furche, während zu beiden Seiten die 
Farbe, bisweilen ziemlich scharfe Borte bildend, emporgetrieben ist. Diese Er- 
scheinung, welche Gelehrten wie John, Brunn, Petersen nicht entgangen ist, liefs 
sich logischerweise nur durch die Anwendung eines resistenten Malinstrumentes 
erklären. Die weiche Spitze des Haarpinsels vertheilt, wie man sich durch Ver- 
suche leicht überzeugen kann, den Farbstoff gleichmäfsig nach allen Seiten hin. 
Man wurde also zur Annahme einer Metallfeder, ähnlich unserer heutigen Schreib- 
oder Zeichenfeder, geführt und erklärte jene eigentümlichen Doppelzüge der Relief- 
linien dadurch, dafs die ziehende Spalte der Feder sich zu sehr getheilt habe und 
nicht mit hinreichender Flüssigkeit gefüllt gewesen sei. Macht man jedoch auch 
hier den praktischen Versuch, so wird man finden, dafs die Erscheinungen, die 



') Vgl. Rom. Mitth. 1897 S. 88. Bericht über die 
Palilienfeier im deutschen archäologischen In- 
stitute zu Rom. 

2 ) Vgl. de Witte Etüde sur les vases peints p. 29; 
Jahn, Einleitung zur Beschreibung der Vasen- 
sammlung König Ludwigs S. CXLI; John, Malerei 
der Alten S. 180; Brunn, Probleme, in den Ab- 
handlungen der Bayr. Akademie XII S. 126; 
Petersen, Archäol. Zeitung 1879 S. 5 Anm. 17; 
Jahrbuch des archäologischen Instituts XIV. 



Blümner, Technologie II S. 78 ; Pottier, Gazette 
des Beaux-Arts 1890,2 S. III. Erhaltene Rohr- 
und Metallfedern siehe bei Daremberg-Saglio 
Fig. 933. 996; Schreiber, Bilderatlas Taf. 89, 10; 
Baumeister III S. 1585. Metallfedern im Museum 
zu Trier S. 1497 — 98. 8392; ein weiteres Exem- 
plar erwarb ich in Rom. Alle diese Federn 
scheinen spätrömischer Zeit anzugehören. 



12 



j^g Hartwig, Die Anwendung der Federfahne bei den griechischen Vasenmalern. 

wir an den Relieflinien der Vasen beobachten können, wesentlich verschieden sind 
von denen, die sich bei dem Aufdrücken einer Metallfederspitze zeigen. Hier werden 
sich, wenn die Flüssigkeit nachläfst, zwar ähnliche Doppelzüge bilden, aber der 
Zwischenraum zwischen diesen parallel laufenden Linien stellt sich immer als ein 
wirkliches Vacuum dar, denn nur aus den beiden auseinandergedrückten Hälften 
der Federspitze kann der Farbstoff fliefsen. Bei den Linien der griechischen Vasen 
ist der Zwischenraum zwischen jenen Parallelzügen jedoch immer mehr oder weniger 
mit Farbe ausgefüllt. Die Anwendung eines zweitheiligen Malinstrumentes, wie 
unsere metallene Schreibfeder, kann also hier nicht vorausgesetzt werden. 

Gelegentlich der Besprechung einer rotfigurigen attischen Lutrophoros hat 
Wolters vor einigen Jahren das uns hier beschäftigende Problem berührt (Athenische 
Mittheilungen 1891 S. 376). Seinem äufserst subtil beobachtenden Auge fiel aufs 
Neue die regelmäfsige Wiederkehr der oben erwähnten Furchungen bei den Relief- 
linien auf. »Man könnte geneigt sein«, sagt er, »hier die Spur der öfter ange- 
nommenen Reifsfeder zu erkennen, obschon sich Eindrücke eines harten und scharfen 
Instrumentes nicht erkennen lassen, selbst nicht da, wo diese feinen Striche über 
den Firnifsgrund laufen. Aber diese Doppelung der Striche findet sich nicht nur 
bei den geraden Linien, sondern auch bei gebogenen, und vor allem bei solchen, 
welche eine unregelmäfsige Schwellung zeigen.« Solche Linien aber, schliefst Wolters, 
können nur mit einem feinen Pinsel oder mit einer spitzen Vogelfeder gezeichnet 
sein. Zu dieser letzteren Hypothese giebt die Anmerkung einige weitere Aus- 
führungen: »Auf diese Möglichkeit machte mich E. Gillieron aufmerksam, indem er 
mir zugleich durch einen praktischen Versuch bewies, wie die feinen, an den 
Krümmungsstellen rasch anschwellenden Striche ganz besonders leicht bei der An- 
wendung einer spitzen, zarten und vor allem elastischen Federfahne (nicht einer aus 
dem Kiel geschnittenen Feder) entstehen.« 

Ein völlig neues, wenn auch nicht etwa ganz unbekanntes Malinstrument 
wird also hier für die griechische Vasenmalerei postuliert und zwar von einem 
Manne der Praxis, der die Richtigkeit seiner Vermuthung durch das Experiment 
zu beweisen suchte. Schon mehrere Jahre vor dem Erscheinen des Wolters'schen 
Artikels — es handelt sich hier durchaus nicht etwa um einen Prioritätsstreit — 
war ich ebenfalls von einem praktisch thätigen Künstler, dem jetzigen Professor 
Friedrich Fehr in Karlsruhe, auf dieselbe Möglichkeit aufmerksam gemacht worden. 
Herrn Fehr war es, wie vielen Malern, wenn auch vielleicht nicht allen, bekannt, dafs 
sich die Spitze gewisser kleiner Vogelfedern für Linearzeichnung und speciell für 
Miniaturarbeit vortrefflich eignet. Wie ich jetzt weifs, kennt jeder deutsche, italiänische, 
französische Waidmann jene kleinen, schlanken und spitzen »Malerfedern« (penna dei 
pittori, plume des peintres), von denen sich je eine im Flügelgelenk der Schnepfe direct 
hinter der gröfsten Schwungfeder befindet. Der Jäger pflegt sie als Trophäe aus dem 
Flügel des erlegten Thieres herauszuziehen. An manchen Orten sind diese Federchen 
im Handel. Aber nicht nur die Familie der Schnepfenvögel, auch die Schwalbe, 
und speciell die schwarze Mauer- oder Nachtschwalbe, liefert derartige Malerfedern. 



Hartwig, Die Anwendung der Federfahne bei den griechischen Vasenmalern. 



149 



Ich verdanke Herrn Prof. L. Mariani die Mittheilung, dafs in verschiedenen Gegenden 
Italiens, besonders in den Abbruzzen, ein lebhafter Handel mit Schwalbenfedern 
(penne di rondone) betrieben wird. Proben dieser Federn, welche sich nur durch 
dunklere Färbung von den Schnepfenfedern unterscheiden, 
liegen vor mir. Die als Fig. 1 abgebildeten, an Holz- 
griffel befestigten Federfahnen, beide von Schnepfen- 
vögeln, veranschaulichen ihre natürliche Gröfse. Es giebt 
jedoch auch noch kleinere und spitzere Exemplare, je 
nach der Gattung der grofsen Familie der Schnepfen- 
vögel. Die Haupteigenthümlichkeit des Federchens ist, 
dafs die beiden Theile der Fahne zur Rechten und zur 
Linken des Kieles an der Spitze symmetrisch oder 
wenigstens annähernd symmetrisch angeordnet sind , was 
bei den gröfseren Schwungfedern nicht der Fall ist. 
Somit hat die Fahne der Malerfeder in ihrem Bau alle 
Qualitäten einer fein zugeschnittenen Pinselspitze. 

Wie weit die Anwendung der Federfahne in alte 
Zeiten hinunter reicht, bin ich aufser Stand, genauer an- 
zugeben. Wie Blochet in der Gazette des Beaux-Arts 
1897 II S. 1 13 f. mittheilt, wurde bei altpersischen Miniaturen 
die y>plume des peintres« benutzt. Auch ältere deutsche 
Meister scheinen mit der Handhabung der Schnepfenfeder 
vertraut gewesen zu sein. H. Knackfufs setzt sie bei 
Zeichnungen Albrecht Dürers voraus (Künstler - Mono- 
graphien V S. 122) 3 . Ihren Gebrauch bei den alten Völkern, 
selbst auf einer primitiven Stufe ihrer Entwicklung, zu 
vermuthen, liegt deshalb nicht fern, weil sie ein in der 
Natur fertig sich vorfindendes Product ist. Sicherlich sind 
auch diejenigen Vogelgattungen, welche das Malerfederchen 
liefern, überall da zu Hause, wo die antiken Culturvölker 
safsen. Wie bekannt, ist noch heute das hellenische Fest- 
land und die Inseln des griechischen Archipels einLieblings- 
aufenthaltder Strichvögel. Die verschiedenen altgriechischen 
Namen für die Schnepfe, axoXonctS, 7.<3x«'Xo)<j;, asxocXou-ac, deuten 
gewifs auf verschiedene in Griechenland heimische Arten 
der Familie der Schnepfenvögel hin. Somit würde, trotz 
des Umstandes, dafs jeder Vogel nur zwei zum Malen 
brauchbare Federchen liefert, auch ein grofser Bedarf an 
solchen leicht zu decken gewesen sein. 



Fig. 1. 



3 ) Der Verfasser stellt mir über diesen Punkt in 
freundlichster Weise folgende nähere Mittheilungen 
zur Verfügung: »Einen literarischen Nachweis 



über den Gebrauch dieses Malinstrumentes ver- 
mag ich leider nicht zu erbringen. Meine darauf 
bezüglichen Angaben in der Dürer-Monographie 

12* 



i5o 



Hartwig, Die Anwendung der Federfahne bei den griechischen Vasenmalern. 



Wir sind uns natürlich bewirfst, hier auf dem Boden der Hypothese zu wandeln, 
aber, wie ich hoffe, werden wir festeren Grund unter den Füfsen fühlen, wenn wir 
praktische Versuche mit der Malerfeder anstellen. Es wird sich darum handeln, fest- 
zustellen, ob bei der Anwendung derselben am Striche ähnliche charakteristische Er- 
scheinungen zu Tage treten, wie sie die Relieflinien griechischer Vasen zeigen. 

Leider fehlt für derartige Versuche eine wichtige Vorbedingung. Es ist ja 
merkwürdiger, man möchte fast sagen unbegreiflicher Weise unserer heutigen Chemie 
immer noch nicht gelungen, eine Analyse der sogenannten Firnifsfarbe festzustellen, 
die bei der Malerei auf Thon im alten Griechenland Jahrhunderte lang angewendet 
wurde 4 . In Ermangelung dieser Substanz habe ich mich einer pastosen Olfarbelösung 
bedient, welche jedoch den Nachtheil hat, dafs sie rasch breit fliefst und somit die 
gleich zu erwähnenden Erscheinungen, deren Existenz ich mit voller Sicherheit ver- 
bürgen kann, in der Regel nur auf wenige Augenblicke zeigt. Dafs ich diese Ver- 
suche auf dem hartgebrannten Thon griechischer Vasenscherben und nicht auf leicht 
gebranntem oder nur getrocknetem Thon ausführte, ist irrelevant 5 . 



beruhen lediglich auf der Überzeugung der tech- 
nischen Unmöglichkeit, solche fein geschwungene 
Linien (wie sie eben beispielsweise der Bart des 
Antwerpener dreiundneunzigjährigen Alten — Ab- 
bildung 105 — zeigt), mit Deckweifs auf Papier 
vermittelst eines anderen Werkzeugs auszuführen. 
Denn der Tuschpinsel versagt hier seinen Dienst, 
weil das Bleiweifs, das, um zu decken, dicker 
angerieben werden mufs als andere Farben, durch 
sein Gewicht die Pinselspitze bei jeder Richtungs- 
veränderung des Striches auseinanderdrückt und 
daher das Ziehen gleichmäfsig sauberer Krüm- 
mungslinien nicht gestattet. Dafs Dürer in 
der Ölmalerei ebenso feine und saubere Linien 
zweifellos mit dem Pinsel gezogen hat, ist kein 
Gegenbeweis, denn die Ölfarbe senkt sich nicht 
im Pinsel, sondern haftet mit gleichmäfsiger 
Consistenz in allen Theilen desselben, hindert 
das Instrument also nicht, der Führung der Hand 
unbedingt zu folgen. Die Kielfeder ist für solche 
Linien nicht zu gebrauchen, weil das dickflüssige 
Bleiweifs durch sein schnelles Eintrocknen alsbald 
den Spalt verkleistert, sodafs die Arbeit durch das 
häufige Versagen des Striches zu einer wahren 
Qual wird. Es bleibt also nur die Schnepfenfeder, 
deren Spitze durch das Gewicht des Farbstoffes 
keine Veränderung erleidet, und die mit dem 
breiteren Theil ihrer Fahne soviel Wasser auf- 
nimmt , dafs die Farbe für einen langen Strich 
flüssig bleibt. Ich selbst habe die Schnepfen- 
feder gelegentlich bei Zeichnungen auf Holz 
oder ähnlichen Arbeiten benutzt; sie scheint mir 
in ihrer Eigenart unersetzbar.« 

Die Vermuthung, dafs auch die Japaner bei 



der grofsen Mannigfaltigkeit und Vollendung 
ihrer technischen Malmittel die Federfahne an- 
wenden, bestätigt sich, nach Angaben von Justus 
Brinckmann und dessen japanischem Assistenten, 
Sh. Hara, nicht. Die japanischen Maler be- 
dienten und bedienen sich nur verschiedener 
Haarpinsel, die mit äufserster Sorgfalt aus mannig- 
fachen Thierhaaren bereitet werden. 

4 ) Dafs es sich hier um anorganische Stoffe, Erden 
und metallische Substanzen, handelt, ist wohl 
zweifellos. An einigen Fragmenten griechischer 
Vasen von der Akropolis zu Athen habe ich 
beobachtet, dafs der Firnifs glasig zusammen- 
schmilzt, wenn er der nackten Flamme ausgesetzt 
war. Es sind dies Fragmente, die sicher nicht 
von Gefäfsen, die im Brandofen überhitzt wurden, 
stammen, sondern Theile zerbrochener Gefäfse, 
die bei dem grofsen Brande der Burg durch 
Zufall in die Flamme kamen. Durch Feuer be- 
rufste Stücke sind unter den Fragmenten der Burg 
zahlreich vertreten. Da die Berufsung auch über 
die Brüche herabgeht und die Rückseite der 
Scherben überzieht, mufs jener Zustand erst nach 
der Zertrümmerung hervorgerufen worden sein. 
Vielleicht könnten jene glasigen, emailartigen 
Schmelzungen des Firnifs die chemische Analyse 
erleichtern. Vgl. zu dieser Frage auch Blümner, 
Technologie II. S. 75 ff. 

5 ) Die antike Firnifsfarbe mufs leichter aus der 
Feder geflossen sein als die Ölfarbe, obwohl sie 
sehr pastos war und sie trocknete offenbar sehr 
rasch, da die Doppelzüge der Linien mit den 
Furchungen in der Mitte so deutlich stehen ge- 
blieben sind. 



Hartwig, Die Anwendung der Federfaline bei den griechischen Vasenmalern. jCl 

Die praktischen Versuche Gilliörons, welche oben erwähnt wurden, be- 
schränkten sich, wie Wolters angiebt, nur darauf, zu erweisen, dafs die feinen, an 
den Krümmungsstellen rasch anschwellenden Striche griechischer Vasenzeichnungen 
ganz besonders leicht bei der Anwendung der Federfahne entstehen. Da es aber 
auch möglich ist, diese Erscheinungen mit der Spitze eines feinen Pinsels hervor- 
zubringen, hat Wolters vorsichtiger Weise für die Ausführung jener Linien die 
Wahl zwischen dem Pinsel und einer spitzen Vogelfeder offen gelassen. Der 
springende Punkt ist jedoch der, dafs die Schnepfenfeder in der That jene mit dem 
Pinsel nicht hervorzubringenden Furchungen, Borte und sonstigen Unregelmäfsigkeiten, 
die wir an den Relieflinien griechischer Vasen sehen, veranlafst. Führt man die Spitze 
der Feder in der Weise über die Fläche, dafs die beiden Fahnen rechts und links vom 
Kiele in horizontaler Richtung den Grund streifen, so erscheinen deutlich, durch den 
resistenten, bis nahe an die Spitze reichenden Federkiel verursacht, in der Mitte 
der Linie Einsenkungen, welche immer, da der im oberen Theil der Feder haftende 
Farbstoff auch den Kiel mitspeist, mehr oder weniger mit Farbe ausgefüllt sind. 
Wendet man die Federfahne, so wird der Farbstoff durch den Kiel bald mehr auf 
die eine, bald mehr auf die andere Seite gedrückt, sodafs die Linien nicht gleich- 
mäfsig eben, sondern in eigenthümlicher Weise kantig erscheinen. Auch diese 
Besonderheit bieten die Relieflinien griechischer Vasen dar, wie man sich an den 
Originalen überzeugen möge. Ich bezweifle, dafs es Jemandem gelingen kann, mit 
einer Pinselspitze Derartiges hervorzurufen. Ferner findet, wenn wir annehmen, dafs 
die griechischen Vasenmaler die Schnepfenfeder anwendeten, eine weitere Eigen- 
tümlichkeit der Relieflinien griechischer Vasen ihre Erklärung. Man hat sich oft 
gefragt, wie es dem alten Vasenmaler möglich war, jene langen Linien bei den 
Figuren der grofsen Gefäfse (Krater, Amphora, Hydria) in einem Zuge auszuführen. 
Es genügt auf die Bemerkungen von Knackfufs über die Qualitäten der Schnepfen- 
feder in Anmerkung 3 zu verweisen; derselbe hebt gerade das lange Anhalten der Farbe 
in der Fahne der Vogelfeder rühmend hervor. Ich habe verschiedenen Fachgenossen 
und Künstlern die Schnepfenfeder in die Hand gegeben. Nicht nur, dafs sich diese 
Herren von der Richtigkeit der eben dargestellten Beobachtungen überzeugten, sie be- 
merkten auch, dafs jenes Elastische, Schwungvolle, Saftige der Relieflinien griechischer 
Vasen, welches einen Ruhmestitel der Vasenmaler der guten griechischen Zeit bildet, 
durch die Anwendung der zugleich zarten und doch widerstandsfähigen Spitze der 
Federfahne seine beste Erklärung findet. Erstaunlich ist auch, wie die Schnepfen- 
feder, je nachdem man ihre Spitze dreht, sowohl derbe, als auch geradezu haar- 
feine Striche hergiebt; bei letzteren denkt man an die wunderbar fein gezeichneten 
attischen Vasen der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts. Natürlich wird eine 
traditionelle Handwerksübung, wie wir sie bei den griechischen Vasenmalern vor- 
aussetzen dürfen, dazu gehört haben, um alle Vorzüge dieses Malinstrumentes zur 
vollen Geltung zu bringen. 

Aber nicht lediglich Vorzüge hat die Malerfeder, sondern, wie jedes Ding 
in der Welt, auch ihre Unvollkommenheiten. Als F. Hauser, der durch seine vor- 



jc 2 Hartwig, Die Anwendung der Federfahne bei den griechischen Vasenmalern. 

trefflichen Wiedergaben griechischer Vasenbilder mit der Technik des Striches am 
meisten vertraute Archäologe, auf meinen Wunsch Proben mit der Federfahne an- 
stellte, empfand er es als störend, dafs sich scharfe Wendungen mit der Federfahnen- 
spitze sehr schwer herausbringen lassen, jedenfalls schwerer als mit dem Haar- 
pinsel, den heutzutage alle guten Zeichner bei der Reproduction griechischer Vasen- 
bilder anwenden. Es gab bei jeder schärferen Wendung einen unangenehmen 
»Wischer«. Hauser glaubte zunächst, dafs die mangelnde Praxis in der Handhabung 
der Malerfeder daran schuld sei. Aber wie mir scheint, haben selbst die griechischen 
Vasenmaler diese Schwierigkeit nicht immer überwunden, sondern sie vielmehr zu 
umgehen gesucht. Es ist durchaus keine neue Beobachtung, dafs auf den griechischen 
Vasen scharfe Wendungen, zum Beispiel an den Nasen und den Ellenbogen der 
Figuren, an den Spitzen der Palmettenblätter u. s. w., in mehreren Absätzen wieder- 
gegeben sind. Wenn man für diese eigenthümliche Erscheinung einen Grund sucht, 
so glaube ich, dafs auch hier die Annahme der Anwendung der Federfahne den 
richtigen treffen wird. 

Sind wir so auf experimentellem Wege zu der Überzeugung gelangt, dafs 
der Gebrauch der Federfahne bei den alten Vasenmalern in hohem Grade plausibel 
ist, so würde uns doch auch ein directer Beweis dafür, gewissermafsen als Gegen- 
probe, äufserst erwünscht sein. Eine Bestätigung unserer Annahme in der Litteratur 
der Alten zu finden, wird kaum Jemand erwarten, denn, wie bekannt, hat sich die 
Feder antiker Schriftsteller nicht bis zu den Vasenmalern und ihrem Handwerk 
herabgelassen. Nur eine Komikerstelle spricht, nicht ohne Anflug von Spott, von 
den attischen Lekythenmachern [Arist. Eccl. 995] und Pindar \Nem. X, 33] erwähnt 
gelegentlich einmal die bemalten attischen Preisvasen. 

So bleiben uns denn auch hier nur monumentale Belege übrig, um es kurz 
zu sagen, jene Vasenbilder, auf denen die Vasenmaler ihre eigene Thätigkeit — ich 
sehe hier von den Darstellungen der Töpferarbeit ab; siehe dafür zuletzt Athen. 
Mitth. 1889 S. I5iff. — verewigt haben. Durch Abbildung ist bisher nur ein einziges 
solches Bild bekannt auf einer Hydria der Sammlung Caputi in Ruvo [Annali 1876 
Taf. D. E.; Baumeister, Denkmäler S. 1992; Blümner, Technologie II S. 85; Schreiber, 
Bilderatlas Taf. LXVIII, 2], ein zweites kam auf dem heiligen Boden der Akropolis 
unter dem Schutte des Perserbrandes zu Tage [erwähnt von B. Graef, Berl. Phil. 
Wochenschrift 1893 S. 289; Wochenschrift für class. Philologie 1893 S. 141], ein 
drittes spielte mir der Zufall in Rom in die Hände; es fand sich aus mehreren 
Stücken zusammen in einem Scherbenhaufen, welchen mir der verstorbene Kunst- 
händler Martinetti überliefs. 

Auf der Hydria Caputi, deren Entstehungszeit ich, dem etwas gelockerten 
strengen Stile nach, zwischen 460 und 450 ansetzen möchte, sehen wir vier Personen, 
drei Maler und eine Malerin, mit Malwerkzeugen in den Händen. Drei von den 
Figuren sind mit der Bemalung verschiedenartiger Gefäfse beschäftigt, die vierte hält 
das Instrument unbeschäftigt in der Hand. Sowohl der Herausgeber der Vase Caputi, 
G. Jatta, als auch Blümner [Technologie II S. 85] nehmen an, dafs sämmtliche 



Hartwig, Die Anwendung der Federfahne bei den griechischen Vasenmalern. je? 

Figuren Pinsel in den Händen halten. Da die Abbildung in den Annali die kleinen 
Gegenstände nicht sehr klar wiederzugiebt, nahm ich Gelegenheit, die Hydria an 
ihrem Aufbewahrungsorte genauer zu untersuchen. Ich sah die in Frage stehenden 
Malinstrumente, was bei dem sehr kleinen Mafsstabe, in welchem sie gezeichnet 
sind, allerdings seine Schwierigkeit hat, doch mit genügender Deutlichkeit etwa so, 
wie man auf griechischen Vasenbildern Lanzenspitzen gezeichnet sieht. Die Ver- 
dickung, welche an dem vorn zugespitzten Griffel sitzt, ist mit verdünnter Firnifsfarbe 
abgetönt. Hat diese Form an sich auch einige Ähnlichkeit mit einer Federfahne, 
so vermissen wir doch hier gerade die Hauptcharakteristica der Malerfeder, ihre 
Schlankheit und Elasticität. Ich glaube demnach mit Blümner und Jatta, dafs auf 
der Vase Caputi in der That Haarpinsel gemeint sind. Dafs solche neben der von 
uns vorausgesetzten Schnepfenfeder in der griechischen Vasenmalerei für die Füllung 
des Grundes und für alle Theile, wo die Farbe in breiteren Massen als Deckung 
aufgetragen wurde, in Verwendung waren, dafür haben wir einen so handgreiflichen 
Beweis, wie wir ihn für die Anwendung der Malerfeder allerdings nie besitzen werden. 
Es finden sich nämlich aufserordentlich häufig ausgefallene Pinselhaare in dem Firnifs 
der Vasen festgeklebt. Und nun beachte man auch, dafs auf der Hydria in Ruvo 
alle drei in Thätigkeit befindlichen Maler ihre Malinstrumente an Stellen ansetzen, 
wo wir eine eigentliche Zeichnung nicht vorauszusetzen haben, die Malerin und der 
Knabe rechts, am Henkel einer Amphora, beziehentlich eines Kraters, der gröfsere 
Ephebe, dem sich Athena mit einem Kranze naht, am Gdot eines grofsen Kantharos. 
Die Maler zeichnen also nicht eigentlich, sondern sie firnissen. 

Die auf der Akropolis von Athen gefundene, leider stark fragmentarische 
Darstellung eines Vasenmalers befindet sich auf der Aufsenseite einer reif-epiktetischen 
Schale (Fig. 2). Wir erblicken auf derselben Athena entblöfsten Hauptes, den 
Helm in der rechten Hand, den Schild am linken Arme, inmitten ihres Hand- 
werkervolkes sitzend. Zur Rechten sind Metallarbeiter an ihrem Werke beschäftigt, 
zur Linken safs ein Vasenmaler, auf welchen zu eine Frau, anscheinend um ihn zu 
bekränzen, schreitet. Weiterhin hockt ein zweiter Arbeiter auf niederem Schemel. Wir 
geben, um der Publication dieses hervorragend interessanten und anmuthigen Stückes 
in dem geplanten Werke über die Vasenfunde der Akropolis von Athen nicht vor- 
zugreifen, umstehend nur einen Ausschnitt aus dem Bilde wieder. Auf einer Dreh- 
scheibe steht eine Schale mit abgesetztem Rande vom sogenannten Kleinmeistertypus. 
Oberhalb derselben ist die Hand eines Vasenmaiers sichtbar, welche zwischen Daumen 
und Zeigefinger, die übrigen Finger gerade ausgestreckt, ein ziemlich langes, dünnes 
Stäbchen hält. Am unteren Ende desselben sind vier kleine, nach unten zu aus- 
einander gehende Striche erkennbar, deren Endungen sich hinter dem Schalenrande, 
im Innern der Schale, verlieren. Die Form des hier dargestellten Malinstrumentes 
ist entschieden noch weniger der Malerfeder ähnlich als diejenigen Instrumente, 
welche die Figuren auf der Hydria Caputi in den Händen halten. Dazu kommt, 
dafs die Stelle, wo das Malgeräth arbeitet, innen im Rande einer Trinkschale, 
entschieden nicht zu denjenigen Gefäfsflächen gehört, wo wir eine Bemalung zu 



154 



Hartwig, Die Anwendung der Federfahne bei den griechischen Vasenmalern. 



sehen gewöhnt sind. Ich erkläre mir die Thätigkeit des Vasenmalers in diesem Falle 
so, dafs derselbe die Schale auf der Drehscheibe (xpo^o?) rotiren läfst und den mit 
Farbstoff getränkten Pinsel gegen ihre innere Wandung drückt, um den Thongrund 
mit Schwarz zu decken. Dafs die Innenseite der Schalen auf diese oder ähnliche 
Weise gefirnifst wurde, lehrt ein Blick auf jedes beliebige Original. Wir gewahren 
nämlich hier immer mehrere, durch die Rotation auf der Scheibe erzeugte kreisrunde 




Fig. 2. 



concentrische Lagen der Firnifsfarbe und, wenn im Pinsel, oder, woran ich auch 
gedacht habe, in dem Schwämme, welchen man zum Firnissen verwendete, sich 
zufällig kleine, harte Körper, Sandkörner oder dergleichen, befanden, so ritzten 
dieselben bisweilen sehr scharfe Kreislinien während der Drehung der Schale in 
den Firnifsgrund ein. Nach alledem können wir auf dem Schalenfragmente von 
der Akropolis a priori nicht erwarten, in der Hand des Vasenmalers das eigent- 
lich zum Zeichnen bestimmte Instrument, die von uns angenommene Maler- 
feder, zu finden. Auch hier ist vielmehr ein Pinsel zu erkennen, dessen auseinander 



Hartwig, Die Anwendung der Federfahne bei den griechischen Vasenmalern. t c c 

weichende Borsten durch eine Anzahl feiner, nach unten zu divergirender Striche 
wiedergegeben sind. 

Das von mir in Rom aus verschiedenen Scherben zusammengesetzte, nicht 
ganz vollständig erhaltene Schaleninnere mit dem Bilde eines Vasenmalers, ist auf 
Tafel 4 nach einer vortrefflichen Zeichnung, welche F. Hauser verdankt wird, erst- 
malig wiedergegeben. Die Schale hatte nur ein Innenbild, die Aufsenseite ist 
schwarz gefirnifst. Die in der Zeichnung weifs gelassenen, unregelmäfsig um- 
ränderten Theile bezeichnen ausgebrochene Stücke, beziehentlich Abblätterungen 
des schwarzen Firnifsüberzuges. Da die Oberfläche des Gefäfses durch Feuchtigkeit 
stark angegriffen wurde, ist die Innenzeichnung an den nackten Theilen der Figur, 
die wir bei einer rotfigurigen Zeichnung dieser Zeit voraussetzen müssen, verloren 
gegangen. Umrahmt ist das Bild von einem Mäanderbande, welches durch schwarze 
gegenständige Zacken unterbrochen wird 6 . 

Nach rechts gewendet, sitzt auf einem Schemel, ein Gewand um den unteren 
Theil des Körpers geschlungen, nach vorn übergebeugt, ein Vasenmaler. Der 
Knotenstock, welcher hinter ihm lehnt und das Badegeräth (Lekythos und Strigilis), 
welches rechts oben im Felde hängt, sind nur die üblichen Insignien eines Epheben. 
Sie stehen, was man vor Kundigen nicht mit Beispielen zu belegen braucht, in keiner 
inneren Beziehung zu der dargestellten Handlung. Kleine, nicht sehr klare Buch- 
stabenreste im schwarzen Grunde werden zu dem üblichen »HO TAI* KAKDS« zu 
ergänzen sein. 

Ein Blick auf das Ganze der Zeichnung lehrt, dafs wir hier ein Product der 
besten Zeit des strengen Stiles vor uns haben. Wenn wir eine Vermuthung über 
den Meister des Bildchens äufsern wollen, so könnte die Wahl nur zwischen Phintias 
und Euphronios schwanken. Dem vortrefflich gezeichneten Akte, den ebenso gut ge- 
zeichneten Händen und der intensiven Auffassung der dargestellten Handlung nach 
— die Emsigkeit der Arbeit drückt sich vorzüglich in der vorgebeugten Haltung 
des Körpers aus — möchte ich mich am liebsten für den letzteren Meister ent- 
scheiden 7 . 

Doch wenden wir unsere Aufmerksamkeit jetzt der Hauptsache zu, nämlich 
der Art und Weise, wie uns hier die Arbeit des Vasenmalers vorgeführt wird. Der 
Jüngling hält mit der linken Hand den Fufs einer Trinkschale von der gewöhn- 
lichen Form der rotfigurigen Schalen der Blüthezeit des strengen Stiles gefafst. 
Der eine Henkel, dem Beschauer zugewendet, ist, der gröfseren Deutlichkeit halber, 
mit schwarzer Farbe wiedergegeben. Der Rand der Schale ruht auf den Knien 
des Malers auf. In der rechten Hand hält der Jüngling zwischen Daumen und Zeige- 
finger, die drei mittleren Finger eingeschlagen, den kleinen Finger ausgestreckt, 



6 ) Vgl. Griech. Meisterschalen S. 571 f. Wir haben, archaischen Frauenstatuen von der Akropolis 

soviel ich sehe, auf unserer Schale das älteste nachweisen läfst [Ant. Denkmäler I Taf. 19]. 

Beispiel dieser Decoration auf rotfigurigen Vasen 7 ) Für die Hand mit dem Griffel vergleiche z. B. 

vor uns , doch bemerke ich , dafs sich dieselbe diejenige des alten Schulmeisters auf der Pa- 

bereits an den bemalten Gewandsäumen der naitiosschale (Meisterschalen Taf. 46). 



j cß Hartwig, Die Anwendung der Federfahne bei den griechischen Vasenmalern. 

einen thongrundig wiedergegebenen, vorn dünneren, am oberen Ende sich ver- 
breiternden Griffel. An der Spitze dieses Griffels sitzt ein feines, elastisch gebogenes 
Etwas, mit dem der Maler die Aufsenfläche der Schale berührt und zwar an einer 
Stelle, wo wir an dieser Gefäfsgattung in den meisten Fällen Bildschmuck zu 
sehen gewöhnt sind. Drei kleine Punkte am oberen und auch an dem nach unten 
gerichteten Theile der Aufsenseite der Schale deuten, allerdings in sehr bescheidener 
Weise, die Bemalung an. Jenes elastische Etwas vorn am Griffel stellt sich auf 
dem Originale als eine schwarze Relief-Firnifslinie dar, die sich durch ihre Farbe 
von dem dunklen Grunde nur wenig abhebt und in Folge dessen nur in der Nähe 
deutlich gesehen werden kann. Aber ihr Vorhandensein ist absolut sicher; es handelt 
sich nicht um eine Zufälligkeit. In der Abbildung auf unserer Tafel mufste dieser 
Strich, um klar zu erscheinen, mit weifser Farbe wiedergegeben werden 8 . 

Welcher Art ist nun dieses Malinstrument? Dafs die Wiedergabe eines 
auch noch so feinen Pinsels durch eine einzige gebogene Linie in hohem Grade 
unwahrscheinlich ist, wird man von vornherein zugeben. Wir werden vielmehr in 
diesem an einen Griffel 9 befestigten Gegenstande, dessen Spitze die Malerei ausführt, 
in der That die schlanke und elastische Malerfeder erkennen dürfen. Im Profil 
gesehen kann dieselbe ja kaum anders als durch eine feine Linie wiedergegeben 
werden, und gerade bei der horizontalen Haltung, wo sich die Feder im Profil 
darstellt, geschieht es, wie wir oben angaben, dafs sich jene fast in allen Relieflinien 
griechischer Vasen wiederkehrenden Furchen bilden; diese Haltung der Feder wird 
demnach die normale gewesen sein. 

Der monumentale Beweis für die Anwendung der Federfahne bei den 
griechischen Vasenmalern scheint mir also durch unser Vasenbild erbracht zu sein. 

Was die Handhabung des Griffels anbetrifft, so ist dieselbe ungefähr die 
gleiche, welche wir beim Schreiben oder Zeichnen anwenden, nur ist der Zeige- 
finger eingeschlagen und legt sich nicht lang an den Griffel an 10 . 

8 ) Für die Wiedergabe einzelner Theile von Ge- voraus, dafs der Schalenmaler annahm, die Schale 

räthen u. dgl. durch schwarze Relieflinien auf werde von dem Besitzer sorgfältig und in nächster 

dem schwarzen Grunde genügt es, beispielsweise Nähe betrachtet werden. Ich glaube, dafs dieses 

an die Saiten der Leiern zu erinnern, die fast enge Verhältnifs zwischen Besitzer und besessenem 

immer auf diese Weise, nicht mit roter oder Gegenstande, zwischen Trinker und Trinkgefäfs, 

weifser Deckfarbe, wiedergegeben werden. Auf den Umstand erklärt, dafs in der Bemalung der 

einem Fragmente im Cabinet des Midailles zu Paris Trinkschale, was man ja nicht bestreiten kann, 

sah ich die Zügel eines Pferdes, welche ein die griechischen Vasenmaler ihr Bestes geboten 

Jüngling in der Hand hält, in derselben Art haben. 

dargestellt. Auf einem anderen Fragmente in 9 ) Den Griffel werden wir uns aus Holz oder Bein 

meinem Besitze sind die Riemen eines an der bestehend und, der gröfseren Handlichkeit halber, 

Wand hängenden Sandalenpaares ebenfalls mit rund zu denken haben. Das obere Ende ist et- 

Firnifslinien gemalt. Auch an die häufig auf was dicker und schwerer, wodurch beim Zeichnen 

den schwarzen Grund der Haarmasse aufgesetzten mehr Schwung herauskommt. Altegyptische, 

Strähne und Wellenlinien soll erinnert werden. griechische und römische Griffel haben fast regel- 

Abbildungen können so etwas allerdings kaum mäfsig diese Form. 

wiedergeben; man mufs hier an den Originalen 10 ) Man hat angenommen, dafs die Vasenmaler auf 

zusehen. Alle diese Erscheinungen setzen eben der Hydria Caputi den Pinsel mit der ganzen 



Hartwig, Die Anwendung der Federfahne bei den griechischen Vasenmalern. jC7 

Das zweite, kleinere Instrument, welches der Vasenmaler in der linken Hand 
zwischen Daumen und Zeigefinger hält, könnte man auf den ersten Blick für eine 
Stütze halten, welche der rechten Hand beim Zeichnen gröfsere Sicherheit ge- 
währt". Aber thatsächlich ist zwischen diesem Gegenstande und dem ausgestreckten 
kleinen Finger der rechten Hand ein Zwischenraum vorhanden und zweitens erscheint 
das Instrument lanzettenartig zugespitzt, eine Form, die man als höchst ungeeignet 
für eine Stütze bezeichnen mufs. Ich halte dieses Instrument vielmehr für jenen 
spitzen Griffel, mit welchem, wie bekannt, die Vasenmaler eine Vorzeichnung ihrer 
Figuren in den noch weichen Thongrund der Gefäfse einzudrücken pflegten. Wir 
sehen demnach hier in den Händen des jungen Vasenmalers zwei der wichtigsten 
Requisiten seiner Kunst vereinigt. Ein drittes notwendiges Instrument, der Pinsel, 
welcher gröfsere Flächen zu decken und den Grund der Vasen auszufüllen hat, wird 
allerdings vermifst. Aber da die rotfigurige Vasenmalerei in der Hauptsache eine 
Linearzeichnung ist (»/e ligne pur est le reve de tout artiste d'At/tenes«, Pottier in 
der Gazette des Beaux-Arts 1890 S. 106), so glaube ich, dafs die Auswahl der 
eigentlichen Zeicheninstrumente auf unserem der Zeit der rotfigurig malenden Meister 
angehörigem Vasenbilde von dem Maler desselben überlegt und beabsichtigt ist. 

Es drängt sich uns nun weiter die Frage auf, ob sich ermitteln läfst, wann 
zuerst die Schnepfenfeder in der griechischen Vasenmalerei angewendet wurde und 
wie weit sich ihr Gebrauch innerhalb der Entwicklung derselben verbreitete. 

Einen wichtigen Beitrag zur Lösung der ersteren Frage hat vor nicht langer 
Zeit Hauser im Jahrbuche des Instituts [1895 S. 158] bei der Besprechung einer 
frührotfigurigen Schale in München, welche er der Hand des Andokides zuschreibt, 
gegeben. Wir wollen von diesen im Folgenden wörtlich wiedergegebenen Be- 
merkungen ausgehen. »Andokides eroberte sich erst allmählich die Technik des 
rotfigurigen Stils. Furtwängler hat in der Beschreibung der Berliner Amphora (2159) 
auf ihre wesentliche Verschiedenheit von der späteren rotfigurigen Technik auf- 
merksam gemacht. Der Hauptunterschied besteht darin, dafs der Firnifsstrich kein 
Relief hat, dafs ihm der Glanz fehlt, er ist vielmehr matt und meist ziemlich grob. 
Der Grund dieses Unterschieds liegt aber jedenfalls darin, dafs Andokides zunächst 
seine rotfigurigen Malereien mit einem anderen Instrumente ausführte, als er später 
anwendete; vermuthlich verwendete er bei seinen roten Figuren das gleiche Instrument 

Faust regieren, wodurch eine gröfsere Sicherheit dürfen wir darin einen neuen Beweis dafür er- 

in der Linienführung erzeugt werde [Blümner, kennen, dafs die Vasenmaler in diesem Falle 

Technologie II S. 86; Pottier, Gazette des Beaux- keine feine Linearzeichnung ausführen, sondern 

Arts 1890, 2 S. 107]. Männer der Praxis be- vielmehr mit breitem .Striche den Grund der 

streiten jedoch das Letztere und versichern mir, Gefäfse ausfüllen. 

dafs man bei einer solchen Haltung des Pinsels ' ') Dafs die antiken Vasenmaler zur Ausführung ge- 

nur breite, derbe Striche hervorbringen kann. bogener Linien besonders bei den grofsen Ge- 

Vielleicht handelt es sich auf der Hydria Caputi läfsen eine Stütze für die Hand, das sogenannte 

nur um eine ungeschickte Wiedergabe der von Curvenlineal , anwendeten, hält Gillieron für 

der Seite gesehenen Aufsenfläche der Hand, oder sehr wahrscheinlich. Natürlich wurde das Lineal 

aber, wenn die Haltung der Pinsel dort wirklich nicht auf die gekrümmte Fläche der Vasen aufge- 

in der angenommenen Weise aufzufassen ist, so legt, sondern frei in der linken Hand gehalten. 



i 5 8 



Hartwig, Die Anwendung der Federfahne bei den griechischen Vasenmalern. 



wie bei den schwarzen. Nun zeigt uns aber die Münchner Schale, dafs Andokides 
später das Instrument gefunden hat, welches den feinen schwarzen Reliefstrich her- 
giebt, und sie zeigt uns ferner, dafs Andokides dieses Instrument mit grofser 
Virtuosität handhabt. Läfst sich da der Schlufs umgehen, dafs Andokides der 
Erfinder des uns noch unbekannten Malinstruments der rotfigurigen Technik ist? 
Die Werke des Epiktetos und seiner Genossen lassen von Anfang an die Verwendung 
dieses Instruments erkennen. Hätte Andokides von Epiktet die rotfigurige Technik 
erlernt, so würde er bei ihm auch gleich das richtige Werkzeug gefunden haben.« 

Wir halten uns nach unseren obigen Auseinandersetzungen für berechtigt, 
in das Citat aus Hausers Aufsatz statt des Ausdrucks »das bisher noch unbekannte 
Malinstrument der rotfigurigen Technik«, nunmehr das Wort »die Federfahne« ein- 
zusetzen. 

Andokides wäre also derjenige Künstler, welcher die Malerfeder als Zeichen- 
instrument in der griechischen Gefäfsmalerei einführte. Die Beobachtungen, welche ich 
an einer Reihe signirter Amphoren dieses Meisters und an solchen Vasen angestellt 
habe, welche sowohl äufserlich, in der Verbindung von rotfigurigen und schwarz- 
figurigen Bildern, als auch ihrem Charakter und Stile nach aufs Engste mit Andokides' 
Art verwandt sind, diese Beobachtungen, über welche die Anmerkung im Einzelnen 
Rechenschaft ablegt, bestätigen in vielen Beziehungen die Hausersche Annahme 12 . 



12 ) Ich wiederhole hier zunächst, was Furtwängler 
in der Beschreibung der Berliner Vasensammlung 
zu der mit der Meisterinschrift versehenen , auf 
beiden Seiten rotfigurig bemalten Amphora des 
Andokides 2159 (Klein, Meistersign. S. 190,4) 
sagt: »Die Malerei weicht technisch dadurch 
von der gewöhnlichen rotfigurigen ab, dafs die 
sämtlichen Linien der Innenzeichnung, auch die 
feinsten, durchaus ohne Relief und flach sind. 
Auch fehlt der in der rotfigurigen Technik sonst 
die Figuren umgebende dickere Firnifsstreif von 
schwachem Relief.« Es folgen nun meine eigenen 
Beobachtungen: 

1) Louvre Saal F nr. 203 [Klein, Meistersign. 2 
S. 189 nr. 2 ; American Journal of Archaeology 1896 
S. 2. 3. Fig. 1. 2]. Signirte Amphora des An- 
dokides mit drei Amazonen auf der einen und 
badenden Frauen auf der anderen Seite. Über 
die nur uneigentlich als rotfigurig zu bezeich- 
nende Technik vgl. Loeschcke, Athen. Mitth. IV 
290; Klein, Euphronios^S. 36. 

Relieflinien mit der Federfahne gezogen sind 
sicher an den Palmetten der Amphora zu con- 
statiren. Die Conturen und Innenlinien der 
Figuren sind aufserordentlich scharf und fein, 
in hohem Relief und glänzend. Die charakte- 
ristischen Furchen der Federfahnenspitze konnte 
ich jedoch hier nicht deutlich erkennen. 



2) Louvre Saal G nr. 1 [Klein, Meistersign. 
S. 190 nr. 5; American Journal S. 8. 9]. Signirte 
Amphora des Andokides, auf beiden Seiten rot- 
figurig, mit einer Kampfscene und einer Kitha- 
roidendarstellung. 

Conturen und Innenzeichnung sind in der 
Hauptsache durch flache Linien, wie auf der 
Berliner Amphora wiedergegeben, doch tritt der 
Reliefstrich an einzelnen Partien retouchen- 
artig auf. 

3) Louvre Saal F. nr. 204 \American Journal 
1896 S. 14. 15; Furtwängler bei Röscher, Lexikon 
Sp. 2205] Schwarz- und rotfigurige Amphora in 
der Art der Andokides, jedoch ohne dessen 
Signatur. Auf der einen Seite bakchische Dar- 
stellung, auf der andern Herakles und Kerberos. 

Die Anwendung der Federfahne ist an sehr 
vielen Linien des rotfigurigen Bildes, besonders 
deutlich am Felle des Kerberos zu constatiren. 

4) München 375. 

Schwarz- und rotfigurige Amphora sehr alter- 
thümlichen Charakters. Auf der einen Seite 
würfelnde Helden, auf der anderen bakchische 
Darstellung. Die Conturen der Figuren sind 
mit Ritzlinien umzogen, nicht durchgängig, aber 
an vielen Stellen. Ein flacher Pinselstrich läuft 
innen neben den Ritzlinien her. Die feinen 
Faltenlinien der Innenzeichnung haben Relief. 



Hartwig, Die Anwendung der Federfahne bei den griechischen Vasenmalern. 



159 



Wir rinden auf einigen dieser Gefäfse denselben flachen Pinselstrich für die Conturen 
verwendet, den Furtwängler an der Berliner Amphora feststellte. In einem Falle 
(München 375) sind die Conturen zum gröfsten Theil noch mit einer Ritzlinie um- 
fahren, wie im schwarzfigurigen Stile. Man hat den Eindruck, als sei dem Meister 
die nur schwachglänzende, breite Pinsellinie doch nicht präcis genug erschienen, um 
die Figuren gegen den Grund hin abzugrenzen. In weiteren Fällen tritt sowohl die mit 
der Federfahne gezogene Relieflinie als auch die matte Pinsellinie auf. Erstere er- 
scheint zunächst mehr als eine Art von Retouche, dann aber nimmt sie rasch über- 
hand. Man sieht ganz deutlich, es wird hier probirt, experimentirt und schliefslich 
wird das Richtige gefunden. 

Aber in einem Punkte mufs das von Hauser Gesagte eine Einschränkung 
erfahren. Andokides ist nicht eigentlich der Entdecker der Schnepfenfeder, die An- 
wendung derselben läfst sich vielmehr bereits auf Vasen früherer, ja erheblich 
früherer Zeit nachweisen. Auf schwarzfigurigen attischen Gefäfsen, die sicher vor 
den rot- und schwarzfigurigen Amphoren des Andokides entstanden sind, gewahrt 
man die mit der Malerfeder gezogene hohe Relieflinie häufig bei den feinen Ranken 
der Ornamente, bei der Wiedergabe von Lanzen, Stäben, Stuhlbeinen, kurz überall 
da, wo ein feiner Strich erforderlich war. Ich konnte diese Thatsache unter vielen 
anderen Fällen beispielsweise an der Amphora des Amasis im Cabinet des Medailles 
zu Paris constatiren [Luynes, Vases pl. 1 — 3; &. ceram. I pl. 78; Arch. Zeitung 
1848, Tafel 39]. Ein vor mir liegendes Fragment einer alterthümlichen schwarz- 
figurigen Henkeltasse mit einem Hahne zeigt sowohl bei den Schwungfedern des 
Hahns als bei den Ranken der Ornamente deutlich den in der Mitte gefurchten 
Reliefstrich der Malerfeder. Ein Bruchstück eines schwarzfigurigen Pinax, ebenfalls 



5) München 388. 

Schwarz- und rotfigurige Amphora. Auf der 
einen Seite Herakles gelagert, Athena und Hermes, 
auf der anderen Athena vor Dionysos. Viel 
Relief linien, doch nicht überall, so ist z. B. 
das Profil der Athena ohne Reliefcontur, der 
Kopf des liegenden Dionysos hat dagegen einen 
solchen. 

6) München 373. 

Schwarz- und rotfigurige Amphora mit der 
Inschrift HirPOKPATES KAKD*. 

Auf der rotfigurigen Seite ist die Federfahne 
fast consequent verwendet. 

7) Orvieto, Museo Faina 64. [Vgl. American 
Journal 1896 S. 22 nr. 4; Annali 1877 S. 133]. 

Schwarz- und rotfigurige Amphora. Auf der 
einen Seite Herakles und Amazonen, auf der 
anderen Dionysos und Silene. 

Die Conturen der rotgezeichneten Figuren 
sind mit dem breiten Pinsel in flachen Linien 
hergestellt. 



8) Ebenda, nr. 61. 

Schwarz- und rotfigurige Anfora a colotinette. 
Auf der einen Seite Nereus, auf der anderen 
Wagenbesteigung. An Conturen und Innen- 
zeichnung läfst sich die Anwendung der Maler- 
feder constatiren. 

9) Leipzig, Universitätssammlung, einst bei 
Hauser [abgeb. Jahrbuch 1896 S. 182/83 vgl. 
Jahrbuch 1893 S. 100 Anm. 15; American Journal 
1896 S. 30]. 

Fragmente einer Amphora im Stile des An- 
dokides. In der Hauptsache sind Conturen und 
Innenzeichnung mit flachen Linien wiederge- 
geben, doch finden sich hier und da sicher Feder- 
fahnenstriche, so z. B. an den Palmetten, an der 
Lanze u. s. w. 

Die schwarz- und rotfigurige signirte Schale 
des Andokides in Palermo [Klein 1. c. S. 191,6; 
Jahrbuch 1889 Taf. 4], konnte ich leider an 
Ort und Stelle nicht untersuchen, da sie sich, um 
restaurirt zu werden, in einem Magazin befindet. 



l5o Hartwig, Die Anwendung der Federfahne bei den griechischen Vasenmalern. 

in meinem Besitze, im Stile noch sehr streng mit faltenlosen, schachbrettartig ge- 
musterten Gewändern, läfst an den feinen Bodenlinien, auf denen die Figuren stehen, 
die Arbeit der Malerfeder erkennen, während andere, etwas weniger dünne Linien 
flach und mattglänzend, also offenbar mit dem Pinsel gezogen sind. An den ältesten 
Vasengattungen, den mykenischen, den frühesten attischen, rhodischen, protokorinthi- 
schen und auch an den späteren korinthischen Vasen, konnte ich, soweit meine 
Beobachtungen reichen, die Anwendung der Federfahne nicht feststellen. Wo bei 
diesen Gefäfsen feine Linien auftreten, sind sie immer ohne Relief. Dagegen ver- 
sichert mir R. Zahn, dafs auf chalkidischen Gefäfsen und auf Vasen, welche der 
Würzburger Phineusschale nahe stehen, also ionischer, oder, wie Zahn annimmt, 
inselgriechischer Provenienz sind, der Reliefstrich etwa in derselben Verwendung 
auftritt, wie auf den schwarzfigurigen attischen Vasen. Es wird sich also vielleicht 
erweisen lassen, dafs die Schnepfenfeder am frühesten in ionischen Werkstätten oder 
auf den Inseln des griechischen Archipels angewendet wurde und dafs ihr Gebrauch 
von da nach Athen verpflanzt worden ist. 

Dafs die Federfahne innerhalb der schwarzfigurigen Technik eine nur unter- 
geordnete Rolle spielt, liegt in dem Charakter der letzteren begründet. Die schwarz- 
figurige Malerei spricht sich ja in der Hauptsache durch die breite dunkle Silhouette 
aus, für welche der Pinsel das geeignete Instrument ist. Was aber von Linear- 
zeichnung hinzukommt, mufs in der Hauptsache der ritzende Griffel besorgen. 

Es giebt ja aber nun einige Fälle, wo die schwarzfigurige Technik, die Sil- 
houettenmanier verlassend, eine reine Linearzeichnung giebt, ich meine jene in 
Umrisslinien gezeichneten Köpfe, denen wir besonders auf Schalen des sogenannten 
Kleinmeistertypus (Eucheiros, Sakonides, Hermogenes), auf schwarzfigurigen Schalen 
der gewöhnlichen Form, vereinzelt auch auf Amphoren, Hydrien, Skyphoi u. s.w. 
begegnen 13 . Soweit ich solche Köpfe nachprüfen konnte, fand ich hier immer Contur 
und Innenzeichnung mit der matten, breiten Pinsellinie gezogen. Wäre hier noch 
ein Schritt weiter gethan, der Contur ringsum mit Schwarz ausgefüllt worden, so 
würden wir ein rotfiguriges Vasenbild, genau in der Art vor uns haben, wie es 
Andokides auf seinen ältesten Amphoren giebt. Dieser blieb aber auch hierbei 
,nicht stehen. Es ist dieses Meisters unbestreitbares Verdienst, den Werth der 
Malerfeder für die rotfigurige Technik erkannt und derselben im entscheidensten 
und folgenreichsten Wendepunkte der Entwicklungsgeschichte der griechischen 
Vasenmalerei die Stelle eines Protagonisten angewiesen zu haben. Durch dieses 
Instrument konnte der feinsten Gravirung schwarzfiguriger Vasen ein Paroli geboten 
und die eigenartigen Aufgaben, welche die rotfigurige Technik stellt, in vollendetster 
Weise gelöst werden 14 . 

13 ) Vgl. F. Winter, Vasen mit Umrifszeichnung, Sarkophage verweist, bei denen die Zeichnung 

Arch. Zeitung 1885 S. 187 ff. in Contur neben der Silhouettenmalerei hergeht 

u ) R. Zahn versucht neuerdings (Athen. Mitth. 1898 [vgl. Antike Denkmäler II zu Tafel 25—27]. 

S. 72 ff.) das Aufkommen der rotfigurigen Technik Derselbe theilte mir auch mit, dafs er auf Thera 

in Klazomenai zu localisiren, indem er auf die einen eigenthümlichen, archaischen Teller, etwa 



Hartwig, Die Anwendung der Federfahne bei den griechischen Vasenmalern. 



161 



Es erübrigt noch, der zweiten Frage nachzugehen, wie weit sich der Ge- 
brauch der Schnepfenfeder innerhalb der Entwicklung der rotfigurigen Vasenmalerei 
von Andokides ab verbreitete. Dafs die Gruppe der ältesten rotfigurigen Schalen- 
maler, der sogenannte Epiktetische Kreis, sich des neuen Malinstruments von Anfang 
an bediente, ist bereits von Hauser (a. a. O.) hervorgehoben worden. Das allein ist be- 
weisend, dafs Andokides und nicht, wie man früher annahm, Epiktet die ersten 
Versuche der rotfigurigen Technik gemacht hat 15 . Ich kenne keine Epiktetische 
Schale, an welcher sich die Verwendung der Malerfeder nicht fände, aber es sind 
hier gewisse Abstufungen zu constatiren. Die Conturen, die uns in erster Linie 
interessiren, sind nicht immer an allen Stellen mit der Federfahne ausgeführt, haben 
nicht immer, was gleichbedeutend ist, durchgeführte Relieflinien-Umgrenzung. Hier 
und da ist statt der glänzend schwarzen, hohen Linie eine matte, flache Linie 
sichtbar, bisweilen auch ist scheinbar gar keine lineare Abgrenzung zwischen den 
roten und den schwarzen Partien der Schale vorhanden. Man betrachte einmal 
aufmerksam Originale, um sich davon zu überzeugen, wie häufig der Reliefstrich 
ausbleibt: hier an den Blattenden einer Palmette, dort an den Spiralen der 
Ornamentranken, an den Spitzen der Flügel bei geflügelten Figuren, an dem aus- 
gesparten Haarcontur, an Gewandsäumen, auch an den Profilen der Köpfe u. s. w. 



im Stile der Melischen Amphoren, gezeichnet 
habe. Das Stück sei darum interessant, weil 
sich die Figuren, zwei Frauen mit Kränzen in 
den Händen, wie im rotfigurigen Stile, hell von 
dem dunkelvioletten Hintergrunde abheben. Ich 
glaube, dafs er sich im letzteren Falle um eine 
Zufälligkeit, nicht um eine bewufste Neuerung 
handelt. Auch im schwarzfigurigen attischen 
Stile laufen bisweilen rotfigurige Partien mit 
unter, offenbar ohne dafs sich die Maler darüber 
klar waren. So kann man von gewissen blatt- 
förmigen Ornamenten schwer entscheiden, ob 
sie schwarz- oder rotfigurig sind (siehe Fig. 3). 




Fig. 3- 

Auf einer schwarzfigurigen Lutrophoros im 
Museum zu Eleusis treten, worauf mich Wolters 
aufmerksam macht, regelrechte rotfigurig aus 
gesparte Rosetten auf. Eine streng schwarz- 
figurige Scherbe der Akropolis von Athen, viel- 
leicht nur wenig jünger als die Frangoisvase, zeigt 
den Gürtel bei einer Frauenfigur thongrundig 
mit feinem, schwarz aufgemaltem Mäander. Im 
Museum zu Florenz fiel mir bei einem kürz- 



lichen Besuche in der Sala Volsinii eine technisch 
sehr merkwürdige Amphora auf. Sie zeigt thon- 
grundige Figuren, drei Krieger und sonderbar 
geformte Bäume auf der einen und einen Hopliten 
hinter einem laufenden Pferde auf der andern 
Seite. Der Grund ist schlecht mit brauner 
Firnifsfarbe in dicken Pinselstrichen ausgefüllt. 
Die Conturen sind mit dem Griffel vorgerissen, 
jedoch nicht mit einer Relieflinie umzogen. Milani 
hält diese Gattung für eine local etruskische 
Nachahmung attisch rotfiguriger Waare. Aber 
die Bäume mit den herabhängenden ovalen 
Früchten und einer Art Palmette an der Krone 
sehen mir viel eher ionisch aus. Auch die Form 
und Technik der Amphora machen einen echt 
alterthümlichen Eindruck. Der Stil ist etwa der- 
jenige der frühesten rotfigurigen attischen Vasen. 
I5 ) Die ältere Auffassung wird vertreten von Klein, 
Euphronios S. 29 fr., von v. Rohden, Baumeister 
S. 1984, von Winter, Arch. Zeitung 1885 S. 187, 
von A. Schneider, Jahrbuch 1889 S. 195 ff., von 
Masner, Vasen des k. k. öster. Museums S. XX 
und von mir selbst in den Meisterschalen S. 12. 
Für Andokides erklärt sich Furtwängler, Berl. 
Phil. Wochenschrift 1894 S. 112 und Hauser 1. c. 
Ich habe mich dieser Meinung bereits in den 
Münchner Sitzungsberichten 1897 S. 261 in einem 
Aufsatze W. Helbigs »Eine Heerschau des Pisi- 
stratos« angeschlossen. 



IÖ2 



Hartwig, Die Anwendung der Federfahne bei den griechischen Vasenmalern. 



Es liegt also noch keine absolute Consequenz in dem Aufsetzen der Relieflinie 
vor, sondern ein ähnlicher, wenn auch weiter fortgeschrittener Zustand, wie auf den 
schwarz-roten Amphoren des Andokides. 

Wir können, um uns diese Erscheinungen zu erklären, hier ein Problem 
nicht umgehen, dessen endgiltige Lösung bisher noch aussteht, nämlich die Reihen- 
folge der technischen Proceduren in der rotfigurigen Vasenmalerei. Blümner, dem 
im Wesentlichen Andere gefolgt sind, giebt in seiner Technologie IL § 78 folgende 
Darstellung: »Bei den Gefäfsen mit roten Figuren wurden die Umrisse auf dem 
vermuthlich vorher noch nicht gefirnifsten Thon leicht angedeutet und dann mit 
einem Pinsel in sicheren Linien umzogen, zunächst in feineren Strichen, nur um 
die Conturen festzustellen, wobei man sich vielleicht einer Ziehfeder bediente, so- 
dann noch einmal mit breiterem Pinsel, damit die Conturen beim Ausfüllen des 
schwarzen Grundes nicht verletzt würden. Sodann wurden die Linien innerhalb 
der Figuren gleichfalls mit einem Pinsel ausgeführt.« 

Also drei wesentliche Proceduren nimmt Blümner an, das Anlegen der 
Figuren mit dem Griffel, die definitive Ausführung der Conturen mit der Feder und 
die Umfahrung der Conturen mit dem breiten Pinsel. Als minder wesentlich, 
wenigstens für die uns hier beschäftigenden Fragen, käme dann noch die Ein- 
zeichnung der Innenlinien in die Figuren und die Ausfüllung des Grundes hinzu. 
Man wird sogleich bemerken, dafs bei der Blümner'schen Darstellung des Vorgangs 
die matten Conturlinien rotfiguriger Vasenmalereien keine Erklärung finden. Um 
es kurz zu sagen, wir werden in die drei von Blümner angenommenen Proceduren 
eine vierte einreihen müssen, nämlich nach der Anlage der Conturen mit dem Griffel 
eine Festlegung derselben mit einer dünneren Firnifslösung, welche flache, matte 
Linien ergiebt 16 . Um diese Linien wird dann der breite Firnifsstreifen gezogen, 
der hart an ihnen hinfährt, bisweilen aber auch sie überdeckt, sodafs es den An- 
schein hat, als bilde er selbst den Contur gegen den ausgesparten Thongrund hin. 



I6 ) Ungewifs bleibt, mit welchem Instrumente, Pinsel 
oder Schnepfenfeder, diese Linien sowie die 
helleren Firnifslinien , welche auf rotfigurigen 
Vasen das Muskeldetail am Körper, Gewand- 
falten und dergleichen wiederzugeben pflegen, 
gezogen sind. Die dünnere breitfliefsende Firnifs- 
lösung hat die charakteristischen Eindrücke der 
Federfahne nicht bewahrt, wie der pastose Firnifs- 
farbstoff. Es fehlt uns also hier jedes Mittel 
zur Controlle. Masner hat in der Einleitung 
seiner Beschreibung jjer Vasen und Terracotten 
im k. k. österreichischen Museum S. XIX die 
Untermalung der Conturen mit dünnerer Firnifs- 
farbe nicht mit in die von ihm aufgestellte Reihen- 
folge der Proceduren der rotfigurigen Technik 
aufgenommen. Er sagt: »Der endgiltige Umrifs, 
der von der eingedrückten Vorzeichnung oft 
sehr bedeutend abweicht, wurde mit dem in den 



Firnifs getauchten Pinsel in breitem Striche 
entweder mit einem Zuge oder in allmählichem 
Vorrücken von aufsen nach innen geschaffen .... 
Mit der Feder wurden dann die Umrisse noch 
einmal von dem flachen schwarzen Grunde ab- 
gehoben (Reliefconturen), eine Sorgfalt, die be- 
greiflicherweise bald aufgegeben wurde.« Man 
wird mir zugeben, dafs die Vorritzung, die nur 
die allgemeine Anlage der Figuren und bei 
bekleideten häufig nur den Akt skizzirt, be- 
sonderes bei viel Überschneidungen und com- 
plizirteren Compositionen nicht genügenden An- 
halt bot, um den schwarzen breiten Streifen 
sicher darum zu führen. Dafs flüchtigere Stücke 
gelegentlich auf diese Weise, mit blofser Vor- 
ritzung, ausgeführt sind, will ich nicht leugnen. 
Im allgemeinen mufste aber doch erst eine in 
allen Theilen klare Conturirung geschaffen sein, 






Hartwig, Die Anwendung der Federfahne bei den griechischen Vasenmalern. 163 

Als letzte Abgrenzung wird die hohe glänzende Relief linie auf die matte Vorzeichnungs- 
Linie aufgesetzt. 

Nur auf diese Weise läfst sich der Zustand, welchen uns rotfigurige Vasen- 
malereien bei eingehender Betrachtung zeigen, erklären. Wo die Untermalung des 
Conturs mit verdünnter Firnifsfarbe genügend scharf erschien, unterläfst man es, 
die Relief linie aufzusetzen, ähnlich wie der Maler schwarzfiguriger Gefäfse selten 
alle Conturen umritzt, sondern nur da den Griffel einsetzt, wo es die Klarheit der 
Zeichnung erforderte. Bisweilen wird auch die Relieflinie über der matten Unter- 
malung zufällig, aus Unachtsamkeit, vergessen. Ich habe ein solches Beispiel in 
den Griechischen Meisterschalen S. 608 zu Tafel 67,3 angeführt. Eine auf einer 
Kline liegende nackte Frau sollte eine gebuckelte Metallschale in der Hand halten, 
aber es ist nur die Anlage derselben in hellerem Firnifs vorhanden. Der Maler ver- 
gafs, sie in schwarzen Firnifslinien auszuführen. Einen ähnlichen Fall konnte ich 
auf einer streng-schönen Amphora der Ermitage zu St. Petersburg feststellen, auf 
welcher ein Silen ein Pantherweibchen emporhebt. Die linke Klaue des Thieres, 
welche sich auf den Schenkel des Silens projicirt, ist nur mit Firnifslösung angelegt, 
nicht mit der Relieflinie gedeckt, wie die übrigen Conturen. Diese Beispiele werden 
sich vermehren lassen, aber sie werden deshalb nicht sehr häufig sein, weil die 
alten Vasenmaler auch in dieser Beziehung mit grofser Sorgfalt arbeiten. 

Je mehr wir uns der Blüthezeit des strengen Stiles nähern, desto mehr wird der 
Reliefcontur unbedingtes Gesetz. Die Präcision und schöne Klarheit der Zeichnung, 
welche wir an den Producten dieser Epoche bewundern, beruht im Wesentlichen auf 
der ausschliefslichen Herrschaft der Federfahne. Während beispielsweise noch an 
der grofsen Schale des Oltos und Euxitheos in Corneto 17 viele Partien, mehr als man 
glauben sollte, ohne Reliefstrich geblieben sind, zeigen die Schalen der grofsen 
Meister der Blüthezeit kaum noch eine Stelle, wo der Reliefstrich ausbleibt 18 . Bei 
wenigen Partien, welche öfters, ja fast consequent ohne hohen Contur gelassen sind, 
glaube ich vielmehr eine Absicht der Vasenmaler herauszufühlen. Hier ist in 
erster Linie der ausgesparte Haarcontur zu nennen. Weder die Haargrenze, noch 
die Abgrenzung der roten Zone gegen den schwarzen Grund hin pflegen mit 
scharfen Linien umrändert zu sein. Es wird dadurch eine weichere, mehr malerische 

ehe die Umfahrung mit dem breiten Pinsel fahrungsstreifens herauskommen, gewissermafsen 

stattfinden konnte. Auch glaube ich, dafs die als negative Silhouetten. 

Untermalung der Linien mit hellem Firnifs noch 17 ) Ich notirte mir: ohne Reliefstrich ist der Kopf 

Correcturen zuliefs, die bei der schwarzen Firnifs- der Schlange auf der Seite mit bakchischen 

linie unmöglich sind. Bei nebensächlichen Dingen Scenen, die Mähne des einen Pferdes, die linke 

haben sich die Vasenmaler allerdings bisweilen Hand des leierspielenden Silens u. s. w. 

sowohl Vorritzung als Vorzeichnung mit ver- IS ) Man könnte die Frage aufwerfen, ob die Vasen- 

dünnter Farbe erspart. So kann man auf der maier der Blüthezeit nicht die Untermalung mit 

bekannten Neapler Vase mit der Probe der Schau- verdünntem Firnifs weggelassen und gleich mit 

Spieler (3240) an der Musterung der Gewänder, der Relieflinie gearbeitet hätten, aber die eben 

welche liegende Thiere und dergleichen wieder- genannten Beispiele, wo die Untermalung stehen 

giebt, beobachten, dafs die rotthongrundigen geblieben ist, beweisen das Gegentheil. 



Figuren nur durch das Ziehen des schwarzen Um- 
Jahrbuch des archäologischen Instituts XIV. 



13 



164 Hartwig, Die Anwendung der Federfahne bei den griechischen Vasenmalern. 

Wirkung erzielt 19 . Dasselbe scheint mir beabsichtigt, wenn die Mundpartie der 
Figuren häufig ohne Reliefcontur bleibt, wenn der untere Abschlufs eines Gewand- 
saumes bei schreitenden weiblichen Figuren in den dem Auge des Beschauers 
ferner liegenden, hinteren Partien ohne scharfe Abgrenzung gelassen wird, ja auch, 
wenn zum Beispiel die Hand eines Leierspielers, welcher in die Saiten greift, 
keine Reliefconturen zeigt, wenn sie hinter diesen, also in gröfser Entfernung, 
verschwommener, sichtbar wird. 

Weniger streng als auf der rotfigurigen Schale der Blüthezeit scheint mir 
auf den gröfseren Gefäfsen dieser Epoche das Princip unbedingter Relieflinien- 
Umgrenzung eingehalten zu werden. Unter den Fragmenten der Burg zu Athen 
finden sich ausgezeichnete Stücke rotfiguriger Amphoren des strengen Stiles, die 
relativ sehr wenig Reliefconturen haben. Dasselbe gilt, um nur ein weiteres Bei- 
spiel anzuführen, von der mit der Inschrift EOKPATES KAKDS bezeichneten schönen 
Amphora der Münchner Sammlung No. 9. Es macht den Eindruck, als seien bei 
den gröfseren Figuren auch minder scharfe Abgrenzungen als genügend für das 
Auge erachtet worden 20 . 

Auf die grofsen Meister des strengen Stiles folgt, wie bekannt, eine 
Übergangsepoche, wo die Vasenmalerei, wenigstens auf dem Gebiete der Trink- 
schale, sichtlich erlahmt. Das Nachlassen der Kraft macht sich nicht nur in der Er- 
findung und im zeichnerischen Können, sondern auch in immer geringer werdender 
Technik fühlbar. Wieder, wie auf den Gefäfsen frühesten rotfigurigen Stiles, wird der 
Contur nur noch hier und da mit der hohen Relieflinie gedeckt. In vielen Fällen 
(vgl. z. B. Rom. Mitth. 1897 Taf. 4/5 S. 101) verschwindet die glänzende Firnifslinie 
ganz. Der breite schwarze Firnifsstreifen wird um die matte Relieflinie gezogen, 
die nun als definitiv gilt. In der Blüthezeit hatte man allerdings eine mühsamere, 
eine doppelte Arbeit, jetzt findet man sich mit der halben ab. Der flaue, ver- 
schwommene Eindruck, den sehr viele Vasenbilder dieser Übergangszeit machen, ist 
im Wesentlichen auf jene Erscheinung zurückzuführen. Häufig findet man im Innenbilde 
der Schale noch eine reichlichere Verwendung der Relief linie, als an denAufsenbildern 21 . 

Doch die Kunst der Vasenmalerei erstarkt ja auch wieder mit der Ausbildung 
des sogenannten schönen Stils. Die guten Leistungen dieser Epoche, sowohl die 



19 ) Wo diese Abgrenzung mit zwei parallel laufenden linearen Wiedergabe auf weifsem Grunde (in Um- 
ovalen Relieflinien thatsächlich erfolgt, wie ab rifszeichnung) mit Feder oder Pinsel keine wesent- 
und zu bei Meistern des Epiktetischen Kreises liehen Schwierigkeiten entgegen, jene matten 
und ganz besonders bei den späteren eleganten Conturen jedoch, die vielfach mit dem schwarzen 
Malereien des Duris, erhält der Schädelbogen Grunde zusammenfliefsen , lassen sich oft sehr 
jene stereotyp langweilige Form, die ich in den schwer fassen. Die Ausfüllung des Grundes mit 
Meisterschalen S. 588 geradezu als ein Charak- Schwarz ist hier fast unerläfslich. 

teristicum Duris'scher Köpfe bezeichnet habe. 21 ) Die wenigen erhaltenen Fragmente griechischer 
Ich war mir damals nur noch nicht über den Vasen , welche uns in einem unfertigen Zu- 
Grund dieser Erscheinung klar. stände überkommen sind, stammen zufälliger 

20 ) Für die zeichnerische Wiedergabe ergeben sich Weise alle aus dieser und etwas späterer Zeit, 
hier sehr eigenthümliche Consequenzen. Das Ich kenne im Ganzen fünf, ein gröfseres, noch 
mit Reliefstrich ausgeführte Vasenbild setzt der unveröffentlichtes Stück im Nationalmuseum zu 






Hartwig, Die Anwendung der Federfahne bei den griechischen Vasenmalern. 



I6 5 



Schale, wie Gefäfse gröfserer und auch kleinerer Form, haben fast immer gewissenhaft 
durchgeführte Reliefumgrenzung. Ich konnte das zum Beispiel an dem Neapler 
Gigantomachiefragmente 2883 und an der grofsen Schauspielervase ebenda 3240 fest- 



Athen, die bekannte, im Musee Ceramique zu 
Sevres aufbewahrte Scherbe einer Trinkschale 
(abgebildet bei Birch, Ancient pottery Fig/121 2 ; 
Blümner, Technologie II Fig. 14; Schreiber, 
Bilderatlas Taf. 68), das Bruchstück einer rot- 
figurigen Schale in Würzburg (Inv. 635), bei- 
stehend abgebildet in Fig. 4, ein aus Athen 
stammendes Fragment eines Kraters im Berliner 
Museum, einst bei Rhusopulos und sicher nicht 
von der Akropolis zu Athen, abgeb. in der 
Festschrift für O. Benndorf S. 306 nach einer 
Zeichnung und beistehend nach einer Photo- 
graphie (Fig. 5) und eine anscheinend zu dem- 
selben Krater gehörige, ebenfalls von Rhusopulos 
erworbene, im Akademischen Kunstmuseum zu 
Bonn aufbewahrte Scherbe mit einem männlichen 
Kopfe (Fig. 6). Sämmtliche Stücke zeigen die 
schwarze Umfahrung des mit dem Griffel vorge- 
drückten und mit matter Firnifsfarbe ausgeführten 
Conturs, sowie die Innenzeichnung, abernochnicht 
die Ausfüllung des Grundes mit schwarzer Firnifs- 
farbe. Wir müssen darum annehmen, dafs diese 
Ausfüllung und alles, was auf den schwarzen 
Grund aufgesetzt wird (Inschriften und sonstige 
Zusätze in roter oder weifser Deckfarbe) in 



einem oder mehreren weiteren Bränden dauer- 
haft gemacht wurde. Die Scherbe in Sevres mit 




Resten von zwei männlichen Figuren hat Feder- 
fahnenstriche in den Gewandfalten, nicht aber 
an den äufseren Conturen. Auf der Würzburger 
Scherbe sind nur am Profil des Kopfes der Figur 




Fig- 5- 



13' 



166 



Hartwig, Die Anwendung der Federfahne bei den griechischen Vasenmalern. 



stellen. Die staunenswerthe Feinheit der Zeichnung auf kleineren Gefäfsen dieser 
Epoche (Önochoe, Aryballos) wird man nicht darauf zurückzuführen haben, dafs die 
Vasenmaler ein noch subtileres Instrument als die Federfahne anwendeten, sondern 
die Virtuosität in der Handhabung der Spitze der Schnepfenfeder hat hier ihren 
Höhepunkt erreicht. 

In ihrem Übergange vom griechischen Mutterlande in die Colonien Unter- 
italiens hat die rotfigurige Technik auch das hauptsächlichste Mal-Instrument, die 
Federfahne, mitgenommen. Freilich zeigen hier nur sehr gute, sorgfältige Stücke 
durchgeführte Spuren ihrer Arbeit. Die geringeren Vasen haben nur ab und zu 
einen Federfahnenstrich, bisweilen fehlt er aber ganz. Dasselbe gilt auch von den 
etruskischen Nachahmungen rotfiguriger griechischer Gefäfse. Nur die besten haben 
Reliefcontur und Reliefinnenzeichnung. Bei Trinkschalen, wie zum Beispiel der im 
Katalog der Vasen des British Museum IV //. XII abgebildeten, ist das Innenbild 
aufs Sorgfältigste mit der Federfahne ausgeführt, während die Aufsenseiten ganz 
breite Pinselstriche zeigen. 

Endlich sei noch darauf hingewiesen, dafs wir durch die Erkenntnifs der 
Federfahne eine neue Handhabe für die Constatirung der Echtheit rotfiguriger 



flache Umrifslinien zu erkennen; jegliche Innen- 
zeichnung fehlt noch. Das Berliner Fragment 
zeigt folgenden Zustand: Die Conturen sind mit 
hellerer Firnifsfarbe gezeichnet, was besonders 
am Profil und am Halse der Figur deutlich her- 



der Umrifs des Armes und die feineren Falten 
sind mit Relief linien wiedergegeben. Eine Relief- 
linie begrenzt auch den oberen Rand der Schale. 
Ähnlich verhält es sich mit dem Bonner Frag- 
mente. Nur am Nasenrücken, an der Nacken- 




Fig. 6. 



vortritt. Um den hellen Contur ist der breite 
Firnifsstreifen herumgeführt. Von der Innen- 
zeichnung sind einzelne Gewandfalten und die 
Ovuli an der Buckelschale, welche die Frau hält, 
mit matten Linien gemalt. Das Ohr, das Auge, 



linie und an den Faltenzügen des Gewandes ist 
die Anwendung der Federfahne sichtbar. Über 
die interessante Verwendung dieser Scherbe 
als Brandprobe siehe Loeschcke in einem der 
nächsten Hefte der Athenischen Mittheilungen. 



Weber, Die Wasserleitungen von Srnyrna. II. IÖ7 

griechischer Vasen gewinnen. So fand sich an einer im Ganzen sehr wohlgelungenen 
Copie der grofsen Schale des Oltos und Euxitheos, welche vor Kurzem im Pariser 
Kunsthandel auftauchte, zwar eine überrraschend gute Wiedergabe des hohen Relief- 
striches, aber es fehlten die eigenthümlichen Furchen und Borte, welche die Arbeit 
mit der Federfahne hervorbringt. Wenn die Fälscher diesen Wink verstehen, soll 
es uns wenigstens freuen, ihnen die Arbeit wiederum etwas erschwert zu haben. 
Rom, Mai 1899. P. Hartwig. • 



\>TjlW *& 



DIE WASSERLEITUNGEN VON SMYRNA. 

11. 

2. Die Wasserleitung von Ak-Bunar. 

In den Athenischen Mittheilungen des Instituts, Band X S. 212, erwähnte 
ich gelegentlich der Beschreibung der Burg von Akdsche-Kaya einen eingefallenen 
Aquaedukt, nahe bei dem Dorfe Tachtadschi-Köi, mit dem ich damals nichts an- 
zufangen wufste. Bald nachher ergab eine genauere Untersuchung der Überreste, 
der über den Sattel sich hinziehenden Mauern, westlich vom zweiten Aquaedukt 
(Osman-agha-Su), da wo die alte Strafse von der Stadt her in das Melesthal hinunter- 
steigt, dafs sie ebenfalls zu einer antiken Wasserleitung gehörten. Bekanntlich wurden 
diese Mauerreste schon von Pococke bemerkt 1 , der sie aber schlechthin eine Schutz- 
mauer nennt; die Stelle trägt den Namen Tireh-Kapussi (Thor von Tireh). Drittens 
erfuhr ich durch Rücksprache mit den Ingenieuren, die mit der neuen Wasseranlage 
für die Stadt beschäftigt waren, dafs eine Quelle in der Nähe von der Dschimovassi- 
Station, laut dortiger Volksüberlieferung einst nach Srnyrna geleitet war. In der Stadt 
selbst und der nächsten Umgegend ist diese Tradition verschollen. Zwei Inschriften 
endlich aus römischer Zeit (C. I. Gr. 3146. 3147), berichten, dafs Wasser in die Um- 
gebung des Zeustempels eingeführt wurde. Alle diese Anzeichen erlaubten den 
Schlufs zu ziehen, dafs es sich wirklich um eine alte, aber heute verschollene 
Leitung handelte. Meine Aufgabe war also, deren Verlauf annähernd festzustellen. 
Wie schon in der Einleitung (oben S. 5) bemerkt, konnte hier von einer Hoch- 
druckleitung keine Rede sein. Nur eine Kanalleitung mit schwachem Gefälle 
war im Stande, Wasser von der Quelle Ak-Bunar (130 m Meereshöhe und 17 km 

! ) 7'ravels I, S. 79. 



i68 



Weber, Die Wasserleitungen von Smyrna. II. 



Entfernung) auf den Mühlenhügel (75 m) bei Smyrna zu bringen, wo allem Anscheine 
nach der Zeustempel stand 2 . Es folge nun die Beschreibung der aufgefundenen 
Reste dieser Anlage. 

Die Quelle entspringt am südlichen Fufse der Hügelreihe, welche die Ebene 
von Budscha von dem Thal des Tachtali-Tschai trennt, ein wenig östlich von dem 
modernen griechischen Dorfe Kissik. Sie ist in einem kuppeiförmigen Brunnenhause 
gefafst, das mit einem Durchmesser von 1,80 m im Lichten und aus gewöhnlichen, 
mit hartem Cement verbundenen Bruchsteinen ausgeführt ist; der vordere Theil ist 
abgebrochen. Die Umwohner nennen sie Ak-Bunar, die weifse Quelle. Das Wasser 
wird zuerst in einem kleinen Teiche aufgefangen; eine längere Mauer trennt ihn von 
der tieferen Niederung des Thaies. Aus diesem Teiche wird heute noch das 
Wasser durch einen Kanal an den Hügeln westlich herumgeführt bis zu einer Mühle, 
Kemer genannt, 2 km von der Quelle entfernt. Dafs dieser Mühlbach der alten 
Leitung folgt, beweist der Aquaedukt, der 300 m oberhalb dieser Mühle das Seiten- 
thal überspannt und genau in demselben Niveau liegt. 

Dieser Aquaedukt ist eigentlich eine einfache Mauer, etwa 160 m lang, in 
der Mitte noch 3 m hoch und 1,80 m dick, nur mit einigen gewölbten Durchgängen 
versehen. In der Mitte (Planskizze, Fig. 1) ist sie auf eine Länge von 25 m voll- 
ständig abgetragen. Hier stand der Hauptbogen, um den Bach durchzulassen. Bei 
a stehen noch die beiden Wangen eines gewölbten Durchgangs von 2 m Spannung; 
oben ist er durchgebrochen. Bei b stehen nur noch die Basen eines solchen Durch- 




gangs. Auf der anderen Seite des Thaies, bei c, mag noch ein dritter gestanden 
haben; die Mauer ist hier sehr zerstört. Die Technik hat eine gewisse Ähnlichkeit 
mit den Mauern an der Kara-Bunar-Leitung, bei Kara-Kapi: gewöhnliche Bruchsteine 
in Kalk gebettet, an den Fassaden etwas gröfser und zu rohen Quaderwürfeln zu- 
geschnitten. Die meisten sind von den umwohnenden Bauern herausgenommen 
worden. An einer Stelle sieht man im Innern eine dreifache Lage von Ziegel- 
steinen. An der Nordseite der Mauer befinden sich endlich grofse Massen von 
Kalksinter, den das, durchsickernde Wasser zurückgelassen hat. Von dem Kanal 
oben auf der Mauer ist keine Spur mehr zu sehen. 

Auf dem der Mühle gegenüberliegenden Hügel und auf der gegebenen 
Höhencurve ist dann die Leitung herumgeführt worden, wie das an zerbrochenen 
Thonrohren, von 13 cm innerem Durchmesser, zu ersehen ist. Dafs das Wasser 



2) C auf der Karte Taf. 2. 



Weber, Die. Wasserleitungen von Smyrna. II. 



169 



nach der Hochebene der Kasamir-Station (bei Sediköi) geführt wurde, schien also 
annehmbar. Der Volksmund in dieser Gegend behauptet bestimmt, dafs dieses 
Wasser nach Smyrna geleitet wurde. 

Ein zweiter Angriff der Untersuchung erfolgte dann von der Kasamir-Station 
aus. Sie liegt in 126 m Meereshöhe auf dem Rücken einer leichten Anschwellung 
des Terrains, das gegen Osten und Süden flach, gegen Norden aber sehr stark 
abfällt. Die Leitung konnte also nur östlich um die Station herumgeführt werden. 
Nach langem Suchen gelang es mir eine halbe Stunde südlich von der Station, nahe 
bei der Eisenbahn, die hier in 120 m Meereshöhe liegt, ein Stück der Leitung auf- 
zufinden. Es ist ein gemauerter Kanal, der das Bett eines kleinen Nebenbaches des 
Tachtali-Tschai an dieser Stelle kreuzt (Fig. 2). 




Am Südufer erstrecken sich die Mauerreste 10 m in das Feld, am Nordufer 
nur 5 m, aber hier ist die Construction des Kanals klar nachzuweisen. Die Seiten- 
mauern, je 0,52 m dick, sind aus kleinen Bruchsteinen, mit Cement verbunden, 
hergestellt; der Kanal selbst, 0,40 m breit, war verputzt und mit Bruchsteinen 
überwölbt, wie es die noch vorhandenen Ansätze der Wölbung zeigen. Die Felder 
nördlich liegen 1 m höher. Die Leitung wurde also in dieser Tiefe, unterirdisch in 
weitem Bogen und mit dem nöthigen Gefälle, um die Station herumgeführt, um 
dann im Norden die starkabfallende Eisenbahnlinie zu kreuzen. 

Von dieser unterirdischen Leitung wissen die Bauern von Sediköi sehr 
bestimmt Bescheid; an vielen Stellen ihrer Weinberge und Felder haben sie dieselbe 
aufgefunden. Ihre Aussagen über den Befund stimmen vollkommen mit dem, was 
ich soeben beschrieben habe. 

Meine nächste Untersuchung galt nun den Einschnitten der Bahnlinie, die 
aus der Ebene beim Paradies (62 m Meereshöhe) durch das bewegte Terrain herauf- 
steigt. Nur die Strecke zwischen den Höhen von 115 bis 110 m konnte in Betracht 
kommen. Leider war es mir nicht möglich, irgend eine Spur aufzufinden; die 
Terrassirungsarbeiten haben sie verschwinden lassen. 

Es handelte sich nun darum, das Hügelland zwischen dieser Stelle und der 
Stadt selbst zu untersuchen, und womöglich zu den zwei anfangs besprochenen 
Aquaedukten noch weitere aufzufinden. 



j 70 Weber, Die Wasserleitungen von Smyrna. II. 

Von den oben erwähnten Eisenbahneinschnitten in der Meereshöhe von 
115m wendete ich mich links durch die Weinberge, über die Strafse von Sediköi 
in ein kleines Thal, das von Südwesten nach Nordosten die Hügelreihe durch- 
schneidet, und bald hatte ich die Freude, eine lange Mauer, quer über das Thal 
gebaut, zu erblicken. Sie liegt in einer Meereshöhe von 110 m und hat den in Fig. 3 
gegebenen Grundrifs (bei III auf der dem ersten Aufsatze beigegebenen Karte 
Taf. 2: die Wasserleitungen von Smyrna). Etwa 135 m lang und 2 m dick, erreicht 

... l . sie über dem Bache eine Höhe 

1 \ \ \ \ \ \m\)l//// von De i nane 12 m. Bei a sind 

i^4~4 ^ noch Spuren des Kanals zu sehen ' 

/ 7 "-\x j I / fl Ul der 0,80 m breit und mit Cement 

I ) /(&/ M\\\^ verputzt war. Die Technik ist 

im Allgemeinen dieselbe wie am 
lg ' 3 ' Aquaedukt bei der Mühle. Nur 

scheint die Überwölbung des Baches sehr sorgfältig gewesen zu sein. An dem ziemlich 
steilen linken Ufer ist ein Mauerstück aus grofsen Quadern mit regelmäfsigen Fugen 
erhalten. Vier Schichten liegen noch in situ (0,50 bis 0,70 m hoch). Ein weiteres 
Mauerstück stöfst hier in schrägem Winkel an den Aquaedukt, augenscheinlich um 
ihn gegen das bei starkem Regenfall anprallende Wasser zu schützen. Diese Stützmauer 
besteht noch aus fünf Schichten regelmäfsiger Quadern, deren Höhen, von unten 
herauf gezählt: 0,60, 0,30, 0,60, 0,39 und 0,60 m betragen. Die vierte ist sogar aus 
profilirten Steinen als Gesimse gearbeitet. Der Bogen über dem Bache ist zerstört. 

Weiter nördlich wird diese Hügelreihe durch ein zweites, viel tieferes Thal 
durchbrochen. An der Stelle, wo zwei gegenüberstehende Anhöhen es stark ver- 
engen, sind jene von mir schon früher aufgefundenen Reste eines Aquaedukts noch 
erhalten. Hier war es aber keine einfache Mauer, sondern ein regelrechter Aquaedukt, 
etwa 25 m hoch und mehrstöckig ausgeführt. Am rechten Ufer des Baches erkennt 
man in einer Höhe von 4 bis 5 m noch den Ansatz des untersten Bogens, welcher 
den Bach überspannte. Drei schön behauene Quadersteine, in der nöthigen Rundung, 
ragen aus dem Schutt hervor. An der Westseite dieses Bogenansatzes sind noch 
die Reste eines Strebepfeilers erhalten, ebenfalls aus regelmäfsigen Quadern 
(0,94X0,72) ohne Kalk ausgeführt. Die Bogen dieses Aquaedukts sind sämmtlich 
eingefallen und verschwunden; nur grofse Mauermassen stehen noch an beiden 
Anhöhen. Die Fassaden derselben weisen auch eine bessere Ausführung auf. 
Schichten von mittelgrofsen Quaderblöcken wechseln mit Ziegelschichten ab; das 
Innere der Mauer besteht aus grofsen Bruchsteinen, alles mit Kalk verbunden. Oben 
in dem südlichen Mauerstück ist ein niederer Bogen ausgespart. Wie die Planskizze 
(Fig. 4) zeigt, ist der Aquaedukt an beiden Abhängen mit Strebepfeilern gestützt. 
Vom Kanal oben (etwa 100 m Meereshöhe) sind keine Spuren mehr vorhanden, wie 
dieser Aquaedukt überhaupt sehr beschädigt ist. 

Von dieser Stelle bis an die Stadt giebt es keine Thäler mehr; lange Mulden 
ziehen sich an den Hügeln hinauf. Die Leitung wurde durch Schleifen in ihnen 



Weber, Die Wasserleitungen von Smyrna. II. 



171 



herumgeführt. Nur bei Bos-Kaya (V auf der oben erwähnten Karte Taf. 2) fand ich 
wieder, in der Meereshöhe von 90 m, eine Mauer, etwa 70 m lang, 2,40 dick und noch 
5 m hoch über dem Bache stehend. Sie ist quer über eine solche Mulde gezogen. 
Die Technik ist dieselbe wie bei dem in Fig. 1 gegebenen Reste. Die rohbehauenen 
Quadern der Fassaden sind auch hier bis auf einige Reste herausgenommen. Der Bogen 




über dem Bache hat seine Wandungen verloren, nur oben sieht man noch die ein- 
fachen Keilsteine. 20 m westlich vom Bache stand in dieser Mauer ein zweiter, in 
Spuren kenntlicher Bogen als Durchgang für den Pfad (Fig. 5). 




'VWM//M///////M 




Fig. 5- 

Es bleibt die Beschreibung des sechsten, letzten Aquaedukts dieser Leitung. 
Es steht auf dem etwa 160 m breiten Sattel (80 m Meereshöhe), über welchen die 
grofse Strafse aus dem Melesthal auf das Plateau im Süden der Stadt hinaufsteigt. 
Da die Maueransätze an beiden Abhängen noch 5 bis 6 m hoch sind, so darf man 
wohl annehmen, dafs der Spiegel der Leitung in einer Höhe von wenigstens 85 m 
lag. Hier hat auch starke Zerstörung stattgefunden, doch sind hinreichende Über- 
reste vorhanden, um zu erweisen, wie der Bau ausgeführt war. An beiden Enden 
geschah es (Fig. 6) durch eine 2 m starke Mauer in der schon mehrfach beschriebenen 
Technik. Am Nordende ist die Mauer an vielen Stellen mit Kalksinter bedeckt. 
Über der Strafse, 1 1 m breit, stand dann ohne Zweifel ein breiter Bogen, daher der 
heutige Name Tireh-Kapussi. An der Nordseite ist die Mauer, unten an der Strafse 



172 



Weber, Die Wasserleitungen von Smyrna. IL 



3,24 m stark, aus grofsen Kalksteinquadern hergestellt, die noch in drei Lagen 
erhalten sind und gewifs zum Thorbau gehörten. 

Die moderne Strafse folgt hier der antiken nach Ephesus; man hat hier 
Gräber, Sarkophage und einige Grabinschriften gefunden. 




<l 




Fig. 6 (1 : 2000). 

Die mittlere Strecke des Aquaedukts aber dürfte als Pfeilerstellung zu denken 
sein. Die Bauern haben nämlich eine ganze Reihe von Löchern längs der Leitung 
gegraben, um grofse Quadern herauszunehmen. Bei c und d liegen noch je eine 
Schicht in situ. Die Trachytquadern sind 0,68 m hoch und ohne Mörtel verbunden. 
Die Pfeiler hatten eine Front von über 2 m und standen in einem Abstand von 
wenigstens 5 m. Die Stärke der Pfeiler ist ohne Ausgrabung nicht festzustellen, da 
die moderne Stützmauer eines breiten Weges auf dem Westende steht; sie übertraf 
aber gewifs nicht die der Mauer (2 m) an den beiden Abhängen. 

Nach den Mauerresten an beiden Seiten der Pfeiler zu schliefsen, war die 
ganze Pfeilerstellung durch eine niedere Mauer verbunden. Dafs auch für archi- 
tektonische Durchbildung des Baus Sorge getragen war, beweist eine grofse 
Marmorplatte, 2,22 lang, 0,63 m breit und 0,30 m dick, die hier kürzlich ausgegraben 
wurde; die eine Schmalseite ist reich profilirt und dürfte zu einem Gesims gehört 
haben, welches den Bau krönte. 

In einem der Gräben liegt noch ein bearbeiteter Stein, an beiden Seiten 
abgebrochen, etwa in beistehendem Durchschnitt (Fig. 7). 
In der Mitte (auf dem Sitz) ist der Stein noch 0,40 m breit. 
Seine Bestimmung mufs ich dem Fachmann überlassen. 
Ein Laie, eingedenk der schönen Lage dieses Baues, so nahe 
bei der Stadt (etwas über 2 km) an einer Hauptstrafse, würde 
vielleicht an eine lange Steinbank denken, die hier irgendwo 
angebracht war und den Spaziergängern einen Ruheplatz bot 3 . 
Auf dem etwas bewegten Plateau, das sich zur Stadt 
und dem Mühlenhügel erstreckt, gelang es mir noch zwei 
weitere Reste derselben Leitung aufzufinden. Der erste am Bergabhang, 200 m 
nordwestlich von Tireh-Kapussi, ist eine noch 4 m lang und in zwei Schichten erhaltene 
Stützmauer, die genau in der Flucht der Leitung liegt. Der zweite, etwa einen halben 




3 ) In Philadelphia fand man kürzlich oben auf der 
Akropolis, an der Stadtmauer entlang, eine Reihe 



von Sitzen, mit Inschriften versehen, die den- 
selben Durchschnitt haben wie der obige. 



Weber, Die Wasserleitungen von Smyrna. II. 



173 



Kilometer weiter nördlich, immer am Abhang der Anhöhen, wurde erst kürzlich aus- 
gegraben. Auf eine Strecke von 10 m ist eine gegen den Hügel gelehnte Stützmauer 
mit der ersten Reihe der die Wölbung bildenden gröfseren Blöcke blofsgelegt; die 
äufsere Front ist wahrscheinlich schon viel früher abgebrochen worden. Die Technik 
ist dieselbe wie an jener Stelle (Fig. 2) im Süden von der Kasamir-Station. Auch 
hier ist Sinter vorhanden. 

Weiterhin mufste die Leitung um die Anschwellungen des Terrains im 
Westen herumgeführt werden, bis sie die Tempelarea, oberhalb des alten jüdischen 
Friedhofs, erreichte. Die Niederlassungen der Muhadschir aus Thessalien und viele 
türkische Landhäuser, die in jüngster Zeit in dieser ehemals verlassenen Gegend 
errichtet wurden, haben aber jede Spur der Leitung verschwinden lassen. 

Der Vollständigkeit halber ist hier noch ein kleiner byzantinischer Bau zu 
erwähnen, der nicht mehr unserer Leitung angehören kann, aber in deren Höhe liegt. 

Einige hundert Schritte südlich von der Tempelarea (C auf der mehrfach er- 
wähnten Karte Taf. 2), links von der Strafse, die hoch oben nach Gös-Tepe führt, steht 
ein Aquaedukt über eine kleine Schlucht gebaut, mit nebenstehendem Grundrisse (Fig. 8). 




Fig. 8 (1 : 500). 



Er ist 13 m lang, 1,06 dick, bei einer Höhe von 4 bis 5 m. Zwei Bogen durchbrechen ihn, 
der eine, um den Winterbach durchzulassen, der andere als Fenster. Die Fassaden sind 
aus gewöhnlichen Blöcken, auf allen vier Seiten mit Ziegeln eingefafst, ausgeführt; doch 
wurden auch hergeschleppte ältere Quadersteine verbraucht. Die Wölbungen 
hingegen sind aus porösen, gelblichen Kalksteinplatten (pierres de Malte nennt man 
sie heute in Smyrna), die regelmäfsig mit Ziegeln wechseln, ausgeführt. Obenauf 
lag eine Thonrohrleitung. Am Ende der schrägen Mauer, links, steht eine Art 
Thurm, dessen nördliche Wand einen viereckigen Einschnitt hat, in dem das Wasser, 



174 Weber, Die Wasserleitungen von Smyrna. II. 

wohl durch Rohre, zwei Meter tiefer in ein irdenes Bassin (i m Durchmesser) fiel, 
das in eine dicke Mauer eingebaut ist; diese letztere führte das Wasser dem Zeus- 
tempel zu. 

Diese Mauer scheint der älteren Anlage angehört zu haben. An dem 
Bassin ist aufsen ein Laufbrunnen angebracht worden. Obwohl schon lange aufser 
Gebrauch, ist dieser Aquaedukt doch sehr gut erhalten; nur die lange Mauer links, 
noch 1,20 hoch, an der Strafse entlang, ist stark mitgenommen. 

Noch sind die zwei Inschriften [C. I. Gr. 3146 und 3147), welche sich auf 
den Bau einer Wasserleitung in Smyrna beziehen, hier anzuführen. 

Die erste lautet: 

'Ex xou eicta^ösvco? | uSaxo? eirl xöv Aia xov | 'AxpaTov eu! OuXtciou j Tpa'iavou xou 
dvöü7taxou, | lv xatc <jxpax7)7tai? | xai? Mapxcov 'Iouvtcuv | utou xal iraxpb? 

Boeckh sagt dazu: r T8<up daayüiv esse aqaaeduclum patet. Iraianus est 
pater Imperatoris, Proconsul Asiae Imp. Vespasiano, circa a. u. c. 852. Waddington, 
Fastes Asiatiques, n. 100, setzt das Proconsulat des M. Ulpius Traianus in das 
Jahr 78/80. 

Von der zweiten Inschrift ist nur erhalten: 

Tpot'iavou | 58axos diroxa- | xaaxafrevxos | uttö Batßiou | TotiXXou | dvöuTrdxou. 

Dafs es sich in beiden Inschriften um dasselbe Wasser, in der zweiten also 
um eine Ausbesserung der Leitung, handelt, dürfte aufser Zweifel stehen. 

Über die Datirung dieser Inschrift hatte Prof. Dr. Otto Hirschfeld die Güte, 
mir noch Folgendes mitzutheilen: »Baebius Tullus ist vielleicht, wie Borghesi ver- 
mutet hat, identisch mit dem Consul Tullus d. J. 109. Wenn es derselbe ist, fällt seine 
Statthalterschaft von Asien wahrscheinlich in den Anfang der Regierung Hadrian's 
(Waddington a. a. O. n. 131).« Dann wären etwa 40 Jahre seit der Gründung der 
Anlage verflossen gewesen, nach denen eine Ausbesserung angezeigt sein mochte. 

Sollte es nun nicht erlaubt sein, diese Inschriften auf die Wasserleitung von 
Ak-Bunar zu beziehen? Eingedenk der Entwickelung und Blüthe, deren sich die 
kleinasiatischen Städte im ersten und zweiten Jahrhundert n. Chr. erfreuten, wäre 
die Anlage einer solchen Leitung in jener Epoche höchst zeitgemäfs gewesen. Als 
Rückschlufs ergäbe sich dann, dafs die Kara-Bunar-Leitung älter wäre, und schliefslich, 
dafs der Tempel des Zeus Akreus auf jenem Mühlenhügel stand und nicht auf der 
Akropolis selbst, wie vielfach angenommen wird. 

3. Die Wasserleitung von Kapandschoglu. 
(Beim Dianabade.) 

In der Nähe von Kalka-Bunar, an der Südseite der grofsen Strafse nach 
Nimfio, da, wo der neue Weg nach Kukludscha sich abzweigt, steht ein grofser 
türkischer Laufbrunnen 4 mit reichlichem Wasser, dessen Quellen, unabhängig von 
den viel zu tief liegenden des Dianabades, weiter oben in den Abhängen des Hügels 

4 ) A auf der Karte Taf. 2. 



Weber, Die Wasserleitungen von Smyrna. II. 17 c 

liegen, auf welchem das Hochdruckbassin der heutigen Wasserleitung für Smyrna 

steht. Dieser Brunnen wurde von einem reichen Türken, Kapandschoglu, angelegt. 

Früher stand er ein paar hundert Schritte westlicher, an der Nordseite der Strafse, 

wie aus einigen Resten zu ersehen ist. 

Östlich vom Tependschik macht die heutige Strafse einen Bogen gegen 

Süden, die alte Strafse hingegen ging in gerader Linie vom Eisenbahnübergang bis 

an das Dianabad. Das hat sich bei der Legung des Eisenrohres für die neue 

Wasserleitung klar ergeben. Von der Karawanenbrücke bis an die Gärten im Osten 

von Tependschik stiefs man in einer Tiefe von i bis 1,50 m immer wieder auf 

schönes Pflaster mit regelmäfsigen Quadern. Im Verlaufe jener Strafsenausbiegung 

fehlte es, aber sobald die Strafse wieder die besagte Linie erreichte, erschien auch 

wieder das Pflaster in dem aufgeworfenen Graben. Dann hat der Besitzer eines 

der an jener Strafsenbiegung liegenden Gärten auf seinem Grundstücke nach Steinen 

gegraben. Er hob jenes Pflaster, so weit es in seinem Eigentum lag, auf und fand 

dabei eine ganze Reihe von schönen Thonrohren (Fig. 9), welche an der Nordseite 

dieses Pflasters lagen. Ihre Technik an Muff- und Schwanzende 

dürfte beweisen, dafs sie antik sind. Die Byzantiner, wie wir 

weiter unten sehen werden, und wie es schon Dr. Forchheimer 

bemerkt hat 5 , vereinfachten die betreffenden Formen. 

Diese Thatsachen veranlafsen mich zur Annahme einer, 

Fig. 9. 
wahrscheinlich noch aus römischer Zeit stammenden Leitung, 

welche das Wasser bei Kapandschoglou einst in die Unterstadt brachte. Ob ich das 
Rechte getroffen, bleibt dem Fachmann zu beurtheilen überlassen. Von einer Über- 
führung dieser Leitung über die Karawanenbrücke ist keine Spur mehr ersichtlich, 
doch dürfte die starke, alte Kruste von Sinter, welche die östliche Wandung des 
Brückengewölbes bedeckt, wohl von einer solchen herrühren. Die Brücke selbst, in 
ihrem obersten Theil, ist zu verschiedenen Zeiten umgebaut worden. 

4. Zwei byzantinische Leitungen im Melesthale. 

Die Untersuchung der Hochdruckleitung bei der Mühle von Koravili erwies 
den Bestand von zwei späteren Thonrohrleitungen, welche, in geringer Höhe, dem 
Flusse auf je einer Seite folgten (vgl. oben S. 21). Die am linken Ufer liegt etwa 4 m 
über dem Flufsbett, die am rechten etwas höher, 7 m. Beide hatten ihren gemein- 
samen Ursprung oberhalb des Osman-Aga-Aquaedukts, in dem Gelände des rechten 
Ufers. Selbstverständlich ist, dafs sie den Fluf? überschreiten mufsten, um in die 
Stadt zu gelangen. Bei der einen geschah dies auf der niedern Brücke, die ehemals 
unterhalb des Osman-Aga-Aquaedukts stand, und in welcher man in der Brüstung 
rechts die eingemauerten Thonrohre sehen konnte. Diese Brücke wurde vor vier 
Jahren abgebrochen und durch eine viel höhere ersetzt, als man die neue Strafse 
baute. Die andre Leitung hingegen setzte weiter unten, ganz nahe am Vesir- 

5 ) Byzant. Wasserbehälter in Constantinopel, S. 22. 



\jß Weber, Die Wasserleitungen von Smyrna. II. 

Aquaedukt, über den Flufs. Beide folgten dann, wahrscheinlich vereinigt, der 
Richtung der heutigen Strafse und erreichten die Stadt in einer Meereshöhe von 
25 Meter (siehe die dem ersten Aufsatze beigegebenen Specialkarte Taf. 3). 

Südlich vom kleinen Kaffeehause an der Hochdruckleitung steht noch am 
Felsen ein Stück der Stützmauer, welche hier die Thonrohre trug. Am Kaffeehause 
selbst sind solche ausgegraben; sie haben den beistehenden Durch- 
schnitt (Fig. 10). Von der andern Leitung, die am rechten Ufer ver- 
blieb, findet man in der Nähe der Kaffeehäuser bei der Kirche des 
Propheten Elias eine grofse Anzahl von Thonrohren von ähnlichem 
Fig. 10. Durchschnitt (Fig. 11). Hier tritt die Vereinfachung der byzantini- 

schen Thonrohre klar hervor. Die eintretende Muffe wurde weg- 
gelassen, der Durchmesser aber etwas stärker gehalten, das Schwanz- 
ende leicht eingebogen. Diese Construction wird noch heute von 
den Türken angewendet. Zwischen der Hochdruckleitung und dem 
Vesir-Aquaedukt ist endlich eine lange Strecke der Stützmauer dieser 
Leitung noch erhalten. 
Doch der interessanteste Theil der Anlage dürfte wohl in der Überführung 
über das Flufsbett liegen. Sie wurde nämlich nicht, wie weiter oben bei der andern 
Leitung, durch eine Überbrückung bewerkstelligt, sondern nach guter alter Tradition 
durch einen regelrechten Siphon, der, wie es die Überreste klar beweisen, durch 
das Flufsbett hin angelegt wurde. Am Ende jener horizontalen, hier 1,66 m breiten 
Stützmauer ist ein rundes Bassin von 0,75 m Durchmesser eingebaut, in welches das 
Thonrohr der Leitung (0,21 im Lichten mit 4 cm Wandstärke) mündet. Gegenüber 
liegen dann zwei Thonrohre von 0,16 innerm Durchmesser und 1,5 cm Wandstärke, 
die das Wasser aufnahmen und es in starkem Gefälle den Abhang hinunter auf einer 
Stützmauer leiteten, in deren Oberfläche sie, fest eingekittet, heute noch zu sehen 
sind. An dem modernen Bewässerungskanal, der die Stützmauer durchbricht, biegt sie 
stark ab, um vollends das Bett des Flusses zu erreichen. Am linken Ufer liegt ein altes, 
breites Mauerstück, das auf seiner Oberfläche wieder dieselben zwei eingemauerten 
Thonrohre aufweist. Interessant ist es, zu bemerken, dafs die Ingenieure hier auch 
in der eigentlichen Druckleitung, wie viel früher in Laodicea, einen doppelten Strang 
anlegten (siehe Fig. 16). 

Der Aufbau des Vesir-Su-Aquaedukts an derselben Stelle hat im Jahre 1674 
natürlich die alte Anlage sehr zerstört. Im Frühjahr 1898, bei der Ausbesserung 
der neuen Strafse, besonders aber bei der Herrichtung einer kleinen Brücke, etwa 
100 m östlich von 'dem Aquaedukt (3 bis 4 m über dem Flufsbett) wurde eine ganze 
Strecke unserer Leitung blofsgelegt und die Rohre herausgenommen. Dasselbe 
geschah in der Nähe der Stadt. Überall waren diese Rohre, in Mafs und Charakter, 
gleich den in Fig. 10 dargestellten. 

Die Annahme also, dafs diese Leitung durch Hochdruck unter dem Flufsbett 
hindurch geführt wurde, dürfte wohl aufser Zweifel stehen. 

Ob diese beiden Leitungen vom Vesir-Aquaedukt an getrennt oder vereinigt 



Weber, Die Wasserleitungen von Smyrna. II. 



177 



in die Stadt einmündeten, ist ohne Nachgrabung nicht zu entscheiden. Da sie in 
derselben Höhe liegen, dürfte das Letztere wahrscheinlich sein. Andererseits ist 
auch nicht ausgeschlossen, dafs es sich blofs um eine Umlegung einer und derselben 
Wasserleitung handelt, dafs die Anlage am rechten Ufer, wahrscheinlich die älteste, 
am Siphon versagte und das Wasser dann weiter oben, auf jener abgebrochenen 
Brücke, über das Thal geleitet wurde und von da an am linken Ufer verblieb. 



5. Die Osman-Aga-Leitung. 

Bis hierher haben die zum Theil verschollenen und aufser Dienst getretenen 
Wasserleitungen unsre Aufmerksamkeit in Anspruch genommen, wir haben nun 
noch, um das Gesammtbild zu vervollständigen, die noch in Wirksamkeit befindlichen 
kurz anzuführen. 

Die beiden 6 malerischen Aquaedukte im Melesthal beziehen ihre Wasser 
aus der Budscha-Ebene , bei dem grofsen und kleinen Paradies, etwas südlich von 
der Eisenbahnstation. Die Quellen des Osman-Aga-Su (62 m Meereshöhe) liegen in 
einem türkischen Anwesen; sie sind in einem offenen, vieleckigen Bassin gefafst. Ein 
mit Steinplatten bedeckter Kanal leitet das Wasser in einer Tiefe von 1,50 m durch 
die Felder und unter dem Eisenbahnkörper durch bis an den grofsen Aquaedukt 7 . 

Ganz nah bei diesem 
Bassin entspringt eine zweite 
Quelle, deren Wasser als Mühl- 
bach offen der Leitung folgt, um 
die beiden Mühlen an jenem 
Aquaedukt in Betrieb zu setzen. 

An der Flanke der Hügel 
am linken Ufer des Meles ver- 
läuft dann die Leitung als ge- 
mauerter Kanalbau, beistehen- 
den Durchschnittes (Fig. 12), 
umzieht den Pagus in weitem 
Bogen und erreicht die Stadt in 
der Meereshöhe von etwa 55 m. 
In der Region der Hochdruck- 
leitung ist der Kanalbau an 
manchen Stellen in neuster Zeit lg ' I2 ' 

durch lange Tröge aus Eisenblech, mit Zinkplatten bedeckt, ersetzt worden. Spuren 




6 ) Es sind eigentlich drei, allein der dritte ist wenig 
bekanrjt. 

7 ) Im Sommer 1899 wurde die Leitung von dem 
Aquaedukt an bis an die Quelle ganz erneuert; 
der mit Platten bedeckte Kanal wurde vergröfsert 
und ein wenig tiefer gelegt. Dabei kamen die 



Überreste einer antiken Thonrohrleitung zu Tage, 
die beweisen , dafs die ganze Anlage vorbyzan- 
tinisch ist. Diese Rohre sind 0,55 m lang, haben 
0,245 m inneren Durchmesser und eine Wand- 
stärke von 3 bis 4 cm; sie haben auch Muffe 
und Schwanz wie Fig. 9. 



i 7 8 



Weber, Die Wasserleitungen von Smyrna. II. 



eines altern Baus sind nur spärlich erhalten. Der interessanteste Theil dieser Anlage 
ist aber der Aquaedukt selbst, von dem ich einen Grundrifs beigebe (Fig. 13). 

Einundzwanzig Meter hoch, überschreitet er in einer zweimal gebrochenen 
Linie das Thal. Seine Länge beträgt 120 m. Man kann ihn als zweistöckig be- 




Grundriss 
der beiden 



Osman-Agha-Aquaeducte 



aufgenommen von 

G.Weber. 



zeichnen; 14 Bogen bilden die obere Reihe, während nur zwei Bogen die Sohle des 
Thaies überspannen (Fig. 14). 

Auf den ersten Blick auffallend ist die scheinbare Unregelmäfsigkeit dieser 
Bogenstellung; allein bei näherer Untersuchung des Terrains dürfte sich ergeben, 
dafs die Ingenieure ihm ihre Anlage ganz kunstgerecht angepafst haben. Am rechten 
Ufer, von wo das Thal allein zugänglich ist, bilden die meisten überwölbten 
Öffnungen hohe Durchgänge; am linken hingegen, das schroff zum Thal abfällt, 
sind sie fensterartig^ angelegt; nur die letzten westlich können als Durchgänge angesehen 
werden. Die Osthälfte ist also als richtige Pfeilerstellung ausgeführt, die Pfeiler von 
unten an mit Quadern an den Rändern, und nur wo die Durchgänge zu hoch aus- 
fielen, wurden sie nachträglich, bis zur halben Höhe mit Füllmauern geschlossen. 
Die Westhälfte hingegen ist als durchgehende Mauer mit ausgesparten Fenstern 
behandelt. Die Wölbungen auf dieser Seite nähern sich dem Spitzbogen, mit Aus- 
nahme der zwei letzten, während auf der andern Seite reine Rundbogen erscheinen. 
Alle Bogen des oberen Stockes sind wieder, mit Ausnahme jener zwei letzten, aus 



Weber, Die Wasserleitungen von Smyrna. II. 



179 



grofsen Ziegeln hergestellt, die auf schwach vortretenden Kämpfern ruhen; die 
Wölbung der untern Reihe erfolgte hingegen aus gut behauenen Keilsteinen. Die 
Innenwandungen des schönen Rundbogens über dem Flufse sind aus grofsen Quadern 
mit profilirter Kämpfervorlage ausgeführt. Alles übrige Gemäuer besteht aus Bruch- 
steinen, die mit Kalk verbunden sind. Bemerkenswerth ist auch die doppelte 
Bogenstellung über dem Hauptbogen in der Mitte, und das Flachgewölbe des mittleren 
Fensters (Fig. 14) Von den Strebepfeilern, die den Aquaedukt auf beiden Seiten ver- 




Fig. 14. 



stärken, sind die zwei nördlichen auf beiden Ufern zu erwähnen. Sie erheben sich nach 
oben verjüngt auf breiter Basis. Alle schliefsen in halber Höhe des Aquaedukts 
mit einer schrägen Fläche ab. Durch die Jahrhunderte hindurch haben diese Pfeiler 
sehr gelitten, einer derselben, am Mühlweg links, wohl durch schlechte Funda- 
mentirung; er steht jetzt oben über 1 m von der Leitung ab. 

Zur Zeitbestimmung dieses Baues fehlt leider jeder bestimmte Anhalt, 
muthmafslich könnte man das fünfte oder sechste Jahrhundert n. Chr. annehmen. 

Bevor wir mit diesem Aquaedukt abschliefsen, ist ein zweiter zu erwähnen, 
der nur etwa 50 m weiter oben, an einer engeren Stelle, das Thal heute noch über- 
spannt, aber aufser Gebrauche ist (Fig. 15). Etwa 50 m lang, ist er auch zweistöckig, 
unten mit 3, oben mit 7 Bogen. Alle Gewölbe, ausgenommen das mittelste oben, sind 
spitzbogenförmig aus grofsen Backsteinen ausgeführt. Dieses wie die ganze Technik 
weist auf türkische Zeit. Dieser Aquaedukt ist über 2 m niedriger, als der vor- 
genannte, brachte aber doch das Wasser, durch Hochdruck, auf dieselbe Höhe, wie 

Jahrbuch des archäologischen Instituts XIV. \A 



i8o 



Weber, Die Wasserleitungen von Smyrna. II. 



jener. Anstatt eines Kanals, trägt er einen doppelten festummauerten Strang, von 
Thonrohren (0,33 Durchmesser). Am Westende biegen diese senkrecht auf bis 
zu einer Höhe von 2,10, wo sie in einen gemauerten Kanal münden, der sich nach 
50 m mit dem der altern Leitung vereinigt. 

Wie ist nun diese verwickelte Doppelanlage zu erklären? Ohne dem Fach- 
mann vorzugreifen, möge es mir erlaubt sein, folgende Ansicht auszusprechen. In 
einer unbestimmbaren Zeit des Mittelalters versagte der grofse Aquaedukt seine 
Dienste. Durch Vernachlässigung sickerte zuerst das Wasser durch das Gemäuer 
und bildete jene grofsen Sinterablagerungen, von denen Chandler {Travels S. 90) 




Fig. i] 



erzählt, und von denen man heute noch grofse Massen an der Südwand der Leitung 
erblickt. Schliefslich kam gar kein Wasser mehr auf die andere Seite des Thaies. 
Als man dann zur\Viederherstellung der Leitung schritt, so geschah es nicht durch 
Ausbesserung des grofsen Aquaeduktes, sondern, nach einheimischer Art, durch 
Erbauung eines zweiten an engerer Stelle, und mit Anwendung des Hochdruck- 
Princips. Dieser Bau erfolgte zu einer Zeit, in welcher die kleine Leitung, die ich 
byzantinisch genannt habe, noch in Thätigkeit war; denn unten an der Mauer, etwa 
4 m über dem rechten Ufer des Flusses, ist ein kleiner Bogen (0,66 breit u. 1 m hoch) 
ausgespart, in dessen Boden heute noch, zwar eingeschlagen, die byzantinischen 



Weber, Die Wasserleitungen von Smyrna. II. 1 8 1 



Thojirohre liegen. Nebenan und etwas tiefer steht ein zweiter gröfserer Bogen, der 
einen Durchlafs für den Mühlbach bildet 8 . 

Wie lange nun dieser zweite Aquaedukt fungirte, entzieht sich unserer 
Kenntnifs. Allein wie es die heutige Sachlage zeigt, fand sich ein Wasserbau- 
Ingenieur, den die Ausbesserung des alten Aquaeduktes nicht mehr abschreckte. 
Dessen Kanal oben wurde wieder hergestellt, und die ganze westliche Hälfte des 
Aquaedukts langsam erhöht, so dafs am Endpunkt der heutige Kanal 0,80 über 
einem altern liegt. Diese Erhöhung ist oben am Unterschied des Mauerwerks leicht 
zu erkennen 9 . 

Die Zeit dieser Ausbesserung wird sich vielleicht bei Besprechung des 
folgenden Aquaeduktes ergeben. 

6. Die Vesir-Su-Leitung. 

Das Quellget>iet dieser Leitung ist das des Osman-Aga-Su. Die Hauptquelle 
liegt 234 m südlich. Sie ist in einem etwa 53 m langen, 6 m breiten und 3 m tiefen, 
ausgemauerten Bassin gefafst, welches drei Strebebogen in vier offene Kammern 
theilen. Im Winter steigt das Wasser bis an den Rand, im Sommer erreicht es 
kaum eine Höhe von 0,40 m. In der Südwest-Ecke fliefst das Wasser am Boden 
durch ein Eisengitter in eine Thonrohrleitung ab, die weiterhin gegen Südwesten 
in neuerer Zeit in einer Tiefe von 4 bis 5 m durch Eisenröhren ersetzt worden ist. 
Im Melesthale angekommen, erscheint diese Leitung an einer Stelle, die 52 m Meeres- 
höhe aufweist, als Kanal. Wenn man diese Leitung so tief gelegt hat, so geschah 
es wohl, um alle Quellen aus dieser Region, auch die der früheren byzantinischen 
Leitung, aufzunehmen. Der Kanalbau ist unterirdisch als Stollen ausgeführt, nur 
an drei Stellen tritt er ans Tageslicht: 1) an dem* oben angeführten Punkte, 
2) zwischen den beiden Osman-Aquaedukten bei den Mühlen, 3) an der Nieder- 
lassung am kleinen Paradies. Diese Stellen werden jetzt als Brunnen von den 
umwohnenden Bauern benutzt. Weiter nördlich hat der Bau der Eisenbahn eine 
Veränderung der alten Anlage erfordert, so dafs "sie stellenweise in eiserner Fassung 
aufserhalb des Bahnkörpers herumgeführt wird. Am Durchschnitt bei der Hochdruck- 
leitung kreuzt sie die Bahn zweimal und der untere Übergang ist als kleiner Siphon 
angelegt. Am Vesir- Aquaedukt überschreitet sie auf einer 5,50 m hohen Brücke 
die Bahn. Das Wasser folgt, auf der andern Seite des Thaies angekommen, in 
einem bedeckten Kanalbau dem Abhang des Pagus, etwa 8 m unterhalb der Osman- 
Aga-Leitung und erreicht die Stadt in der Meereshöhe von 45 m. Kürzlich erst hat 



*) Beachtenswerth ist die Verschiedenheit der beiden die Bresche wieder ausgemauert. Der Kanal 

Offnungen für diese Anlagen am grofsen Aquae- ist 1,58 breit. 

dukt. Für die byzantinische Thonrohrleitung 9 ) Beiläufig sei hier bemerkt, dafs die von Chandler, 

wurde eine Füllmauer einfach durchbrochen, und als y>Homer's cave« bezeichneten Grotten weiter 

die Rohre in die Bresche gelegt. Der Mühlbach nichts sind als kleine Schachte, die zwischen beiden 

hingegen, der unter einen Pfeiler zu liegen kam, Aqaedukten in den Tuffstein gegraben wurden, um 

wurde mit platten Steinbalken überbrückt, und die byzantinische Thonrohrleitung aufzunehmen. 

14* 



182 



Weber, Die Wasserleitungen von Smyrna. II. 



man nahe bei dem Aquaedukt den Kanalbau auf eine kleine Strecke durch grofse 
Eisenrohre ersetzt. 

Der interessanteste Theil dieser Anlage dürfte wieder der Aquaedukt sein 
(Fig. 16), nicht sowohl durch seine Bauart, die höchst einfach ist, sondern durch 
die verschiedenen Angaben seiner Entstehungszeit, zu der er Anlafs gegeben hat. 

Pococke meint 10 : »towards the bottom of it, there are remains of an old 
rusticated wall aßer the manner of the city walls, which show that an antienter 
aqueduct had been there.«. 

Storari 11 und die, welche ihm gefolgt sind, sehen in diesem Bau ein Werk 
der Genuesen, bekanntlich eine in Kleinasien sehr beliebte Benennung alter Bauten. 
Und doch hat Arundell llf , oder besser der englische Consul Rycaut, genau die Zeit 
angegeben, zu welcher diese Leitung angelegt wurde. Der englische Geistliche sagt: 
» The bed of the river behind the Castle is crossed by a lofty aquedtict, zvhich supplied 
the fountains in Smyrna. This was built by the Visier Achmet in 1674, an d tne 




Fig. 16. 

advantages of it are thus described by Rycaut: »Achtnet erected a stately aqueduct and 
joined so many streams of water into one current that not only the new buildings (the 
Vezier Khan, the Bezesten etc.) were supplied therewith, but also Jj new fountains 
were added to the old, besides 10 old ones which zvere dug and again repaired; so 
that whereas some houses were forced to fetch their water from far, now every 
family is well accommodated and every street as well supplied therewith, as most cities 
are, seated in the great continent of Asia. « 

Der Vesir- Aquaedukt ist etwa 160 m lang, zweistöckig, unten mit 4, oben 
mit 9 Bogen. Die Gewölbe, alle spitzbogig, sind aus grofsen Ziegeln hergestellt, 
ohne vorragende Kämpfer. 

Die starken Pfeiler des unteren Stockwerkes sind auf allen Seiten mit schönen 



10 ) Travels I, S. 79. 

n ) Guida di Smirne, S. 59. 



12 ) Asia Minor II, S. 403. 



Weber, Die Wasserleitungen von Smyrna. II. 183 

Quadersteinen verkleidet. Diese Thatsache hat Pococke und Storari zu ihren 
falschen Muthmafsungen verleitet. Sie haben nicht bemerkt, dafs diese Blöcke alle 
von anderen Bauten herrühren; die einen haben Bosse und Randbeschlag, andere 
sind glatt, an vielen sieht man andre architektonische Details, die nichts mit dem 
jetzigen Bau gemein haben. Diese Blöcke stammen von der Schlofsmauer oben, 
von wo sie sehr leicht den Berg herunter geschafft werden konnten. Wie schon 
früher bemerkt, sind auch vier Lochsteine der Karabunar-Leitung der Art mit 
verbaut. 

Das obere Geschofs wird durch eine einfache Mauer aus Bruchsteinen 
gebildet, in welcher die Bogen ausgespart sind. 

Da der Bau von vornherein ziemlich breit, unten etwa 4 m stark, angelegt 
wurde, so konnte man auf Strebepfeiler verzichten. Nur auf der Westseite sind 
niedere Vorlagen an den Pfeilern angebracht, um sie gegen das anprallende Wasser 
zu schützen. An der Ostseite und am Abhänge des Pagus stehen zwar drei schmale 
Strebepfeiler an der Leitung, die aber allem Anscheine nach erst später an- 
gebaut wurden. 

Im Flufsbett selbst wurde ein hölzerner Rost, mit einem starken Pflaster 
bedeckt, angebracht; es ist heute zum Theil aufgerissen. Dieser ganze Bau hat, 
wie schon oben bemerkt, den Siphon der byzantinischen Leitung stark zerstört. 

Der Kanal des Gerinnes oben ist 1,68 m breit, die Wandungen sind 0,55 stark 
und 1,60 m hoch; er mifst im Lichten 0,58 m Breite und ist mit Steinplatten bedeckt. 

Vor etwa zwanzig Jahren mufste eine Ausbesserung dieses Aquaeduktes 
vorgenommen werden, in Folge derer der vierte Bogen von Norden neu überwölbt 
und tiefer unten ein zweiter Bogen hineingesetzt wurde. Auf der nördlichen Hälfte 
wurde auch der Kanal oben durch mit Zinkplatten bedeckte Eisentröge ersetzt. 

Dieses ist also die einzige Wasserleitung in Smyrna, über deren Erbauungs- 
zeit eine bestimmte Angabe vorliegt. 

7. Die Cisternen auf dem Schlofsberge. 

In Constantinopel haben bekanntlich die Cisternen eine grofse Rolle gespielt; 
ich verweise den Leser auf das schöne Werk der HH. Dr. Strzygowski und Forch- 
heimer 13 . In dem heute bewohnten Theile von Smyrna sind bis jetzt keine solche 
Bauten zum Vorschein gekommen; möglich wäre höchstens, dafs dergleichen in dem 
schwer zugänglichen Türkenviertel sich erhalten hätten. Im Burgring auf dem Pagus 
hingegen sind deren mehrere aufzuweisen, die aber nur als Regensärge aufzufassen 
sind. Sechs kleinere sind langgestreckte, mit je einem Tonnengewölbe bedeckte Recht- 
ecke und so in den Boden eingelassen, dafs der Scheitel nur wenig über das um- 
liegende Niveau emporragt. Die Seitenwände, wie die Gewölbe, sind aus Bruchsteinen 
untermischt, mit nur wenigen Ziegeln, ausgeführt, der Verputz ist 1 bis 2 cm dick, die 
Ecken erscheinen überall abgerundet. Die Gewölbe sind sämmtlich eingefallen, und 

13 ) Die Byzantinischen Wasserbehälter in Konstantinopel, Wien 1893. 



184 



Weber, Die Wasserleitungen von Smyrna. II. 



Schutt bedeckt das Innere. Vier dieser Cisternen liegen im Westen, in dem eigent- 
lichen Schlosse selbst, die zwei übrigen aber im Osten auf dem grofsen Burgplatze. 
Die eine von diesen letzteren ist 10,50 m lang, 3,80 breit und durch eine Quermauer 
in zwei ungleiche Kammern getheilt; die andere ist nur 3x2 m grofs. Die vier 
ersteren haben folgende Abmessungen: 8,20X4; 6,10X3,73; 5,70X2,58; 3X2,15. 

Die Gewölbe sind alle rundbogig, bis auf eines in der Nordwest-Ecke des 
Schlosses, das sehr flach gehalten ist; bei der Breite von 2,58 ist der Pfeil nur 0,60 
hoch. Die Spuren der bei der Erbauung benutzten Schalbretter sind hier noch erkenn- 
bar, was an den Gewölben der andern nicht der Fall ist. 

Neben diesen sechs Regensärgen ist aber wohl die interessanteste Anlage 
die grofse Cisterne auf dem Burgplatz, in der Nähe der verfallenen Moschee. Es 
ist, wie beistehende Planskizze (Fig. 17) zeigt, ein unregelmäfsiges Rechteck. Der 

a 




Vj*/v Uli & r i 5 S . 



lOrt. 



Fig. 17. 



Boden istmit dem Schutt dertheilweiseeingestürzten Gewölbe bedeckt. Die Umfassungs- 
mauer besteht aus gewöhnlichen mit Kalk verbundenen Bruchsteinen und ist an der 
Südwest-Ecke 2 m stark. Sie hat auf allen vier Seiten Pfeilervorlagen für die Gurt- 
bogen, mit Ausnahme der beiden Ecken S.O. und N.O., wo die Gurten direkt 



Weber, Die Wasserleitungen von Smyrna. IL 



I8 5 



in die Seitenwand hineingebaut sind. Der Verputz reichte, wie noch an vielen 
Stellen sichtbar ist, bis an den Anfang der Wölbung. Der Innenraum hat eine 
mittlere Länge von 34 m, eine Breite von 25 m mit 5X4 = 20 Pfeilern in Abständen 
von etwa 4 m. Die Pfeiler sind quadratisch, von ungleichen Mafsen, mit Bruchsteinen, 
hier und da von Ziegeln umrahmt, ausgeführt, ohne irgend welche Kämpferaufsätze 
oder sonstige Profilirung, und bis an die Gurten verputzt. Diese letzteren sind über 
1 m breit und haben je 4 Ankerlöcher auf jeder Seite (Fig. 18). Wo die Pfeilerabstände, 
wie an den Seitenwänden, geringer sind, ist der abgerundete Spitzbogen in An- 
wendung gekommen. Die Gewölbe bestehen aus byzantinischen Kappen 14 , in 
Bruchsteinen und Kalk hergestellt. In der Mitte haben viele eine viereckige Öffnung, 
die zum Wasserschöpfen diente. An manchen Hängezwickeln sieht man Thonrohre 
eingelassen. 




C-^Lce/i^cnyni-tt 



!LÄ_ 



_Uö.K 



Fig. 18. 

In der N.O.-Ecke, der besterhaltenen, sind die Pfeiler 3,30 m hoch, das 
Gewölbe 1,90 m, was eine Gesammthöhe von 5,20 m giebt, und es ist wahrscheinlich, 
dafs die Anlage überhaupt nicht mehr Höhe hatte 15 . Im Norden führte eine durch 
einen Pfeiler halb versteckte Treppe von aufsen in die Cisterne hinunter. 

So grofs diese Anlage auch ist, so steht sie doch, in Betreff der Technik, 
weit hinter den Cisternen von Constantinopel zurück. Es macht den Eindruck, als 
wäre man mit der gröfsten Eile zu Werke gegangen. Die Pfeilerfassaden stehen 
nirgends in einer Flucht. Der Grundrifs ist dieser Unordnung in der Pfeilerstellung 
nicht gefolgt. Man wird wohl nicht fehl gehen, wenn man den Bau dieser Cisterne 
demselben Kaiser, Johann Ducas Vatatzes, zuschreibt, der um 1225 den grofsen 



H ) Strzygowski und Forschheimer a. a. O., S. 130. 

15 ) Ganz kürzlich, mein Text war schon geschrieben, 
hat irgend ein Schatzgräber in der S.O. Ecke 
ein 0,50 m tiefes Loch gegraben und dabei den 
Beweis geliefert, dafs der Boden der Cisterne nicht 
tiefer lag; er hat nämlich die verputzte und mit 



Ziegelschichten vermauerte Sohle zum Theil durch- 
brochen; allein durch die Festigkeit des Gemäuers 
ermüdet, hat er, bei der oben angegebenen Tiefe, 
den Versuch aufgegeben, bevor er den ge- 
wachsenen Boden erreichte. 



jgg Weber, Die Wasserleitungen von Smyrna. II. 

Mauerring um das ganze Plateau errichtete, wie es eine Inschrift [C. I. Gr. IV, 3749) 
bezeugt. Während die Lateiner in Konstantinopel herrschten, bestrebten sich die 
griechischen Kaiser, ihre asiatischen Provinzen zu reorganisiren und zu befestigen; 
sie bauten die von Ephraemios angeführten Neocastra 16 . 

In Smyrna wurden zwei Burgen errichtet 17 , die eine in der Unterstadt, am 
alten Hafen, hundert Jahre später durch die Johannesritter Chäteau de Saint-Pierre, 
seither Eremidokastro benannt, und die andre auf dem Pagos, durch Erneuerung 
und Vergröfserung der antiken Burg. Hier war die Wasserversorgung damals eine 
Lebensfrage. Die Hochdruckleitung von Karabunar war schon längst zerstört, sonst 
hätte man nicht, wie wir oben gesehen, deren Steinrohre als Baumaterial für die 
neue Mauer verwandt. Es blieb also nichts übrig, als Cisternen zu bauen, um das 
Regenwasser aufzuspeichern. Da aber das Regenfeld um die Cisterne verhältnifs- 
mäfsig klein, nur 5 bis 6 Mal gröfser als deren Oberfläche ist, so konnte bei einem 
mittleren Regenfali von 0,61 m die Cisterne kaum 3 m hoch gefüllt werden. Deshalb 
wurden auch wohl die sechs weiteren Regensärge gebaut. 

In Smyrna selbst haben diese Anlagen die merkwürdigsten Deutungen 
erhalten; es sei hier nur die von B. Slaars in Appendice seiner Übersetzung von 
Ikonomos' » Etüde de Smyrnet (Smyrne, 1668) S. 122 erwähnt: »La pretendue citerne 
sur le Pagiis est un »Tresor des LeTegest, en tout pareil au »Tresor des Airides « ä 
Mycenes.« 

Wie schon früher bemerkt, haben die Türken viele Brunnen in der Oberstadt 
gegraben. Allein in byzantinischer Zeit hat man ein anderes Verfahren angewandt. 
Es wurden nämlich mannigfach verzweigte Stollen in den Berg getrieben, um das 
Quellwasser aufzufangen und es in Horizontal- Leitungen an das Tageslicht zu 
fördern. 

Zwei solche Anlagen liegen oberhalb der Johannes-Kirche, im sogenannten 
Apano-Mahalla. Die eine, xpu<p7j UavcqOx, auch TaXocxioucja flava^ta genannt, hat bei- 
stehenden Grundplan (Fig. 19). Im Hofe eines Hauses steigt man durch eine überwölbte 
Thür A auf einer Treppe von 14 Stufen in den 3 m tief gelegenen Stollen. Nach 
4 m Länge biegt er östlich um; in der Sohle enthält er ein ausgeputztes kleines, 
mit Steinplatten bedecktes Gerinne, in dem das spärliche Wasser hinfliefst. Zehn 
Meter weiter biegt der Stollen wieder gegen Süden um und erreicht dann nach 
8 m eine westlich eingelassene Nische, über welche sich ein zwei Meter hoher, mit 
Steinplatten abgedeckter Schacht erhebt. Diese Nische bildet heute das Heiligtum 
der »Milchspendenden Mutter Gottes«. Ein Marienbild steht auf einem altarförmigen 
Ansatz, über welchem ein Öllämpchen brennt, und eine Öffnung im Kanal erlaubt 

16 ) De Theodor Lascari 7755 ff. Bekker {Corp. Script. yapioj 710'Xt« KeXßtotvdv xe xai ^Xiapa xai Sfxüpva) 

Ais/. Byz. Bonn): auv xgi? xax' e69i> xeifiivois xat 7rXayuos aTTavc' 

<u; Sv . . . Ka'Xapio; ifj xtbpiT) h£, 7rap' ou tö äveixat ßaatXet Aaaxapuo. 

xXt(Aa TÄv Neoxctaxpwv T7}v xaxap^Tjv Xopißctvet, 17 ) A. Fontrier, Le Monastere de Lembos im Bull. 

epT)p.o; dofxTjTos -ji re xat |^vtj. xd 8 1 «tnö xoü- de Corr. hell. XVI, S. 392. 
5e xad 1 iu> veveuxdxa (Neoxaaxpa xaüx' faxt, Il^p- 



Weber, Die Wasserleitungen von Smyrna. II. 



I8 7 



hier, das heilige Wasser zu schöpfen. An dieser Stelle biegt der Stollen wieder 
gegen Osten ab, der eingeschnittene Kanal hört auf, und das Wasser rieselt auf 
dem felsigen Boden hin. Es folgt 4 m weiter ein anderer Stollen, der aber etwas 
tiefer liegt und zu einer anderen Anlage gehört. Was die Technik anbelangt, so 
sind die Seitenwände alle aus mit Kalk verbundenen Bruchsteinen mit wenigen 
Ziegeln dazwischen hergestellt; nur am Gewölbeansatz sind sie regelmäfsig mit einer 
leicht vorragenden Ziegelschicht abgeglättet. Wie der Durchschnitt B zeigt, ist der 
Stollen an diesen Kämpfervorlagen etwas breiter als am Boden. Bis zur Nische ist 




10 



ZoM 



Fig. 19. 

er mit einem Tonnengewölbe von Ziegeln bedeckt. An vielen Stellen sind diese 
Ziegel am Scheitel quer eingelassen, so dafs man zur Annahme kommt, die Gewölbe 
seien ohne Schalbretter ausgeführt worden. Der letzte, viel niedrigere Theil des 
Stollens C ist mit Steinplatten bedeckt 18 . 

Die zweite Anlage liegt um eine Häuserreihe weiter süd-östlich, höher oben 
am Berge hinauf. Eine Treppe führt ebenfalls in einen hier vielfach verzweigten 

18 ) In Philadelphia fand ich diesen Sommer dieselben Stollen. 



Wide, Geometrische Vasen aus Griechenland. 



Stollen, in dem auch wieder eine Wasserrinne vorhanden ist. Es ist anzunehmen, 
dafs im türkischen Quartier noch manche solcher Stollenbrunnen vorhanden, nur 
bis jetzt unbekannt sind. 

Zum Schlüsse meiner Beschreibung habe ich nur noch dem Wunsche Aus- 
druck zu geben, dafs es dem Fachmanne und Historiker möglich sein werde, 
Bestimmteres über die Entstehungszeit der einzelnen Leitungen festzustellen. Der 
Neuzeit (1865) gehören die artesischen Brunnen an, welche für Smyrna zu einer 
grofsen Wohlthat geworden sind, ebenso wie das nach den modernsten Regeln der 
Kunst von einer belgischen Gesellschaft ausgeführte Wasserwerk, welches das Quell- 
wasser des Dianabades mit Maschinenkraft in ein grofses, 80 m hoch gelegenes 
Druckbassin bringt (B auf der Karte Taf. 2), von wo es durch Eisenrohre in die 
Stadt geleitet wird. 

Smyrna, Mai 1899. G. Weber. 



W^U ^— SL >**& a - Jj ^ 



GEOMETRISCHE VASEN AUS 
GRIECHENLAND. 

(Fortsetzung.) • 

ATTIKA. 
Auf dem Boden von Attika hat sich der geometrische Stil in der Vasen- 
malerei am meisten entwickelt. Eine Fundgrube der attisch-geometrischen Vasen 
bildet der antike Friedhof im Kerameikos, in der Nähe des Dipylon. Nach dieser 
Hauptfundstätte sind früher alle geometrisch verzierten Vasen Dipylonvasen genannt 
worden. Da es sich indessen herausgestellt hat, dafs jede griechische Landschaft 
einen eigentümlichen, von dem anderer Gegenden verschiedenen geometrischen Stil 
gehabt hat, ist dieser Ausdruck als Bezeichnung für die geometrisch decorirten 
Vasen im Allgemeinen nicht zutreffend; ich beschränke deshalb in dieser Abhandlung 
den Ausdruck Dipylonvasen auf die attischen Vasen mit geometrischen Orna- 
menten, sei es, dafs sie am Dipylon oder anderswo in Attika gefunden sind. Wie 
die Decoration, so ist auch die Technik der Dipylonvasen bedeutend höher ent- 
wickelt als die anderer Gefäfse der geometrischen Gattung. Der Thon ist fester 
und besser geschlämmt als an den geometrisch verzierten Vasen der anderen Land- 
schaften; die Farbe des Thons ist in der Regel mehr oder weniger gelblich, öfters 
ins Rötliche oder Braunrötliche spielend; der Firnis ist dunkel schwarzbraun und 

J) Vgl. oben S. 26 ff. 78 ff. 



Wide, Geometrische Vasen aus Griechenland. 



189 



glänzend und geht mitunter in Rot oder Rotbraun über. Gröfsere Abweichungen 
werde ich bei den einzelnen Stücken verzeichnen. Besonders stark glänzend ist 
der Firnis an den sogen. Schwarz-Dipylon-Gefäfsen, an denen der gröfste Teil des 
Gefäfses von einem metallisch glänzenden schwarzen Firnis überzogen ist, während 
nur kleinere Flächen für die linearen Ornamente ausgespart sind 2 . 

Was die Decoration betrifft, lassen sich diejenigen Vasen, welche ganz oder 
grösstenteils mit linearen Ornamenten verziert sind, in zwei grofse Hauptgruppen 
scheiden. In der einen Gruppe laufen die Verzierungen in horizontalen Streifen 
rings um das ganze Gefäfs. Nur an einer Stelle, wo die fortlaufende Decorations- 
reihe selbstverständlich unterbrochen werden mufs, d. h. an den zwischen den Henkeln 
befindlichen Flächen, fängt eine verticale, metopenartige Einteilung arr, sich geltend 
zu machen. Für die Decoration der ununterbrochenen Streifen eignet sich vorzüglich 
der Mäander und wird auch öfters zu diesem Zweck verwendet. Diese Decorations- 
weise läfst sich besonders an den grofsen Grabamphoren beobachten. 

Die andere Decorationsweise hat eine besondere Vorliebe für die verticale, 
metopenartige Einteilung der fortlaufenden horizontalen Decorationsbänder, auch an 
den Stellen, wo diese nicht durch die Henkel unterbrochen werden. Jedoch wird 
das andere System nicht verdrängt. Für die metopenartigen Felder eignen sich 
zur Ausfüllung besonders Ornamente, wie das Vierblatt, das Hakenkreuz und der 
Rhombus mit an den Seiten hinzugefügten Dreiecken. Die fortlaufenden Streifen 
werden meist mit Dreiecken oder Schachbrettmustern verziert; dagegen findet der 
Mäander hier wenig Verwendung. Diese Decorationsweise ist besonders auf den 
grofsen Kannen mit weitem, cylinderförmigem Halse vertreten. 

Die riesengrofsen attischen Grabamphoren waren dazu bestimmt, Grab- 
denkmäler, iTrtx6[ißta ar^axot, zu sein, wie es sich besonders durch Brückner's und 
Pernice's Untersuchungen herausgestellt hat (Athen. Mittheilungen 1893 S. 91 ff.). 
Dafs sie nicht einem praktischen Zweck gedient haben, geht auch daraus hervor, 
dafs mehrere von ihnen einen hohlen Boden haben 3 . Die anderen Gefäfse dienten 
teils zur Aufhebung gebrannter Knochen, teils als Grabgeräte. Über die ver- 
schiedenen Arten des Grabgeschirrs vgl. Brückner und Pernice a. a. O. S. 141 f. 

Leider fehlen für die meisten Dipylonvasen die nötigen Fundnotizen, um 
unter ihnen ein Zeitverhältnis feststellen zu können. Über die einzige gröfsere 
systematische Ausgrabung von Dipylongräbern, von dem wir sichere Fundnotizen 
haben, ist von Brückner und Pernice in den Athen. Mittheil. 1893 S. 73 ff- berichtet 



2 ) Eine besondere Gruppe bilden die den trozeni- 
schen Gefäfsen (vgl. oben S. 86) ähnlichen attischen 
Amphoren, die unten zuerst besprochen werden. 

3 ) Wie die Sitte entstanden ist, die Gefäfse als 
Grabdenkmäler zu verwenden, läfst sich besonders 
nach der Ausgrabung bei Aphidna(Athen. Mittheil. 
1896 S. 385 fr.) gut verfolgen. Im Grabtumulus 
bei Aphidna standen oberhalb der Gräber grofse 
Schalen, die natürlich für die Aufhebung der 



Totenopfer bestimmt waren. Im Laufe der Zeit 
scheint die ursprüngliche Aufgabe dieser Schalen 
in Vergessenheit geraten zu sein oder wenigstens 
vor einem anderen Zweck zurückgetreten zu sein. 
Die Vasen werden gröfser und gröfser, immer 
reicher mit Verzierungen ausgestattet, und zuletzt, 
als der ursprüngliche Zweck nicht mehr so ganz 
klar war, wurden sie zu arjpaTcc iiziTJ\xßia, wie 
die grofsen Grabamphoren. 



jgO Wide, Geometrische Vasen aus Griechenland. 

worden 4 . Aus den mir von Brückner freundlichst zur Verfügung gestellten Fund- 
notizen sehe ich, dafs Stücke, die wir im Hinblick auf die Decoration für älter 
halten möchten, zusammen in demselben Grabe gefunden sind mit solchen, die ihrer 
Decoration nach jünger erscheinen; es bestätigt sich so, was ich schon vorher ver- 
mutet hatte, dafs nämlich die Dipylonperiode eine verhältnismäfsig kurze Dauer 
gehabt hat. 

Die ungeheure Masse der Dipylonvasen läfst sich nicht so leicht nach der 
verschiedenen Decorationsweise in Gruppen einteilen; ich ziehe daher vor, die 
Vasen nach ihren Formen zu gruppiren. 

I. Amphoren. 
A. Zu dieser Gruppe gehören die Amphoren, deren Typus uns schon durch 
die zwei trozenischen Gefäfse bekannt geworden ist. Besonders charakteristisch für 
diese Gefäfse ist das stumpfe Profil der Mündung, während die Dipylongefafse sonst 
an der Halsmündung ein sehr scharfes Profil haben. Der Bauch ist gewöhnlich kugelig 
und mit horizontalen Firnisstreifen versehen. Die Henkel sind in der Regel schlank 
und dünn. Die ganze Form des Gefäfses scheint von den Vorraths-Tct'Oot abgeleitet 
zu sein. Die Decoration beschränkt sich bei den Exemplaren, die dem ursprüng- 
lichen Typus näher stehen, auf den Hals und ist sehr einfach. 

Andere Exemplare dieser Gattung sind schlanker gebaut, und die Decoration 
wird auf Schulter und Bauch ausgedehnt, bedeckt sogar mitunter den ganzen Vasen- 
körper \ 
i) Fig. 48. Athen, Nat.-Mus. 770, von Stais' Ausgrabungen im Jahre 1891, Grab XIII 
(Brückner-Pernice a. a. O. S. 128 f.). H. 0,63. Dm. d. Mdg. 0,24. Gr. Umf. 1,31. 
Der Henkel rechts mit einem Stück des Halses ist neu, der Henkel links 
dagegen alt. Der obere wie der untere Teil des Gefäfskörpers ist mit 
schwarzem Firnis ganz überzogen, der mittlere Teil hat horizontale, parallel 
gehende Streifen. Decoration am Halse: in der Mitte ein System von Drei- 
ecken, zu jeder Seite ein Kreis, der concentrisch in sich ein Radornament 
einschliefst. 
2) Fig. 49. Athen, Nat.-Mus. 683, von Stais' Ausgrabungen im Jahre 1891, Grab X 
(Brückner-Pernice, Athen. Mitth. 1893 S. 120). H. 0,60. Dm. d. Mündung 0,30. 
Gr. Umf. 1,39. Gelblicher Thon, polirte Oberfläche, schwarzbrauner Firnis, 
der dicht aufgetragen ist. Die Henkel sind ergänzt. 

Die Proportionen sind schwerfällig; der Vasenkörper ist mit zahlreichen 

4 ) Dies wurde, wie schon oben mitgeteilt worden Gefäfs auch bei den jüngsten Ausgrabungen auf 
ist, im J. 1897 geschrieben, als die Ergebnisse Thera gefunden worden. Ein derartiges Gefäfs 
von Skias' Ausgrabungen der eleusinischen Nekro- finden wir abgebildet bei Pottier, Vases antiques 
pole (s. jetzt 'Ecp. äp^. 1898 S. 29 fr.) mir noch du Louvre , Salle D 39 (PL 30). Wenn es auch 
nicht bekannt waren. aus Caere stammt, bezweifle ich doch, dafs das 

5 ) Solche Gefäfse sind nicht nur in Attika gefunden : Gefäfs italisch ist, und möchte vielmehr ver- 
zwei aus Trozen sind schon besprochen, und, muten, dafs es aus Griechenland importirt ist. 
wie mir Dragendorff mitteilt, ist ein solches 



Wide, Geometrische Vasen aus Griechenland. 



191 



horizontalen Firnisstreifen überzogen. Der Hals ist niedrig und trägt als 
Ornamente Rautensterne und Kreise mit eingesetztem Kreuz, die mit ein- 
ander abwechseln. Decoration an der Hinterseite dieselbe wie vorn. 




Fig. 48. 




Fig. 49. 



3) Fig. 50. Athen, Nat.-Mus. 175. H. 0,50. Dm. d. Mündung 0,19. Am Halse 

zwei einander gegenüber gestellte Dipylonvögel, Grätenmotive zur Ausfüllung 
des Raumes. Decoration an der Hinterseite dieselbe wie vorn. 

4) Fig. 51. Athen, Nat.-Mus. 721, von Stais' Ausgrabungen im Jahre 1891, 




Fig. 50. 




Fig. 5*- 



192 



Wide, Geometrische Vasen aus Griechenland. 



Grab III. (Brückner-Pernice a.a.O. S. 105). H. 0,43. Dm. d. Mündung 0,19. 
Gr. Umf. 0,91. Der Gefäfskörper ist oben und unten ganz mit Firnis über- 
zogen, über den mittleren Teil laufen horizontale Firnisstreifen. Am Hals 
das Bild eines Vogels. Die Henkel sind mit einem schrägen, sog. Andraeas- 
kreuz verziert. 

5) Fig. 52. Museum in Eleusis. H. 0,91. Dm. d. Mündung 0,26. Gr. Umf. 1,56. 

(vgl. Philios, 'Ecprjfi. ap/aioX. 1889 S. 174 Anm. 3). 

Der Bauch ist eiförmig gewölbt, oben und unten ganz mit Firnis über- 
zogen, in der Mitte laufen parallele horizontale Firnisstreifen. Am Rande 
des Halses eine punktirte Linie. Die Halsfläche wird durch senkrechte Linien 
in zwei Felder geteilt. Jedes enthält einen Dipylonvogel und verschiedene 
Füllmotive 6 . 

6) Fig. 53. Athen, Nat.-Mus. 224. H. 0,585. Dm. d. Mündung 0,20. Gr. Umf. 1,13. 

Gelblicher Thon, geglättete Oberfläche, schwarzbrauner Firnis. Die Hals- 





Fig- 53- 



Fig. 52. 



fläche ist durch verticale Striche in drei Felder geteilt; das mittlere enthält 
ein Vierblatt, jedes der beiden äufseren einen Dipylonvogel mit Füllmotiven. 
Decoration an der Hinterseite dieselbe wie vorn. 



c ) Noch ein zweites Getäfs derselben Gattung rindet 
sich im Museum von Eleusis. Der Bauch ist 
sehr kugelig, der Hals ist in der Mitte mit einem 



Dreieckmotiv verziert, an jeder Seite eine senk- 
rechte Wellenlinie. 



Wide, Geometrische Vasen aus Griechenland. 



193 



7) Fig. 54- Athen, Nat.-Mus. 223, aus dem Kerameikos. H. 0,84. Dm. d. Mündung 

0,27. Gr. Umf. 1,53. Jeder Henkel ist mit zwei sog. Andreaskreuzen verziert. 
Bei diesem Gefäfs beginnt die ornamental verzierte Fläche sich über den 
Hals auszubreiten. Der Hals zeigt einen Dipylonkrieger mit Dipylonpferd, 
daneben Füllornamente. Am Bauche finden wir einige Streifen mit Zickzack- 
linien und Rhombenreihen. 

8) Fig. 55. Athen, Nat.-Mus. 769, aus dem Kerameikos. H. 0,79. Dm. d. Mündung 

0,26. Gr. Umf. 1,32. Erhalten ist der Deckel, aufweichen ein kleiner Becher 
aufgesetzt war, dessen Fufs noch erhalten ist. An den Henkeln plastisch 
aufgesetzte Schlangen. Die decorativen Elemente bedecken das ganze Gefäfs 
von oben bis unten. Die Verzierung besteht aus horizontalen Bändern von 
Mäandern in verschiedenen Mustern, Rhomben, Dreiecken und Schachbrett- 
mustern. Die Decoration ist durchgehend horizontal, ohne Unterbrechung 
durch verticale Trennungsglieder. 

9) Fig. 56. Athen, Nat.-Mus. 184. H. 0,52. Dm. d. Mündung 0,195. Gr. Umf. 

0,85. Thon etwas heller als gewöhnlich. Firnis nicht glänzend, schwarzbraun. 




Fig. 54- 





Fig. 56. 



Fig. 55- 



IO 



Auch hier erstreckt sich die Decoration über das ganze Gefäfs von oben bis 
unten. Der Hauptstreif am Bauche zeigt ein Wagenrennen, oben und unten 
laufen horizontale Bänder mit Mäandern, Stäbchen, Rhomben, Grätenmotiven 
und Punkten. 
Fig. 57. Museum von Eleusis. Hellgelber Thon, glattpolirte Oberfläche, schwarz- 



194 



Wide, Geometrische Vasen aus Griechenland. 



brauner, ins Rötlich spielender Firnis. H. 1,17. Dm. d. Mündung 0,39. Gr. 
Umf. 2,15. 




Fig- 57- 



Wide, Geometrische Vasen aus Griechenland. 195 

In der Gröfse, Decoration, und teilweise auch in der Form erinnert dies 
Gefäfs an die grofsen attischen Grabamphoren. Der grofse Hauptstreif be- 
findet sich mitten am Bauche und stellt einen Zug von Wagen, die mit 
Kriegern zu Fufs abwechseln, dar; die letzteren sind mit grofsen ausgeschnittenen 
Dipylonschilden ausgestattet. Oberhalb und unterhalb des Hauptstreifens 
laufen rings um das Gefäfs horizontale Bänder, die verschiedene Ornamente 
enthalten, Mäander, Rhomben, Dreiecke, verticale Zickzacklinien und Kreise. 
Die Fläche am Halse ist durch ein verticales Trennungsband in zwei Hälften 
geteilt, deren Decoration durchaus dieselbe ist. Jede Hälfte zerfällt in ein 
oberes und ein unteres Rechteck; das obere enthält in der Mitte concentrische 
Kreise, oben und unten Dreiecke; das untere Feld ist mit einem Pferd und 
Füllornamenten verziert. 

Die Ornamente sind im Allgemeinen die auf den Dipylonvasen üblichen, 
jedoch lassen sich Abweichungen nachweisen, die vielleicht auf einen fremden 
Einflufs zurückgehen. Die durchlaufende Reihe concentrischer Kreise, die 
sich unten am Bauche befindet, läfst sich sonst nicht im Dipylonstil nach- 
weisen, findet sich aber häufig auf den boiotischen Vasen. Auch die Art 
und Weise, wie zwei einander gegenübergestellte Dreiecke durch Schlangen- 
linien verbunden werden, ist sonst nicht auf den attischen Dipylonvasen 
nachweisbar, wohl aber auf argivisch- geometrischen Vasen, vgl. die Scherbe 
bei Schliemann Tiryns Taf. XX a . Die Decoration der oberen Felder am 
Halse stimmt mit der Verzierung dieser Scherbe fast vollständig überein. 



Was die Bemalung anlangt, gehören die drei folgenden Gefafse zu der 
sog. »Schwarzdipylongruppe«. Sie haben den gröfseren Teil des Gefäfses mit 
schwarzem, metallisch glänzendem Firnis überzogen und scheinen Metallgefäfsen 
nachgebildet zu sein. Unter den für die Schwarzdipylonware charakteristischen 
Ornamenten bemerken wir an den folgenden Vasen besonders das Motiv der mit 
Firnis ausgefüllten Zacken. 

11) Fig. 58. Athen, Nat.-Mus. 186, aus^ dem Kerameikos. H. 0,50. Dm. d. 

Mündung 0,15. Gr. Umf. 0,81. 

Am Halse ein Mäander, der oben und unten begrenzt wird von einer 
Reihe durch Tangenten verbundener Kreise, die je einen mit Firnis gefüllten 
Kreis concentrisch umschliefsen. Am Bauche zwischen zwei horizontalen 
Reihen sogen, falscher Spiralen ein horizontaler Streif, der durch senkrechte 
Striche in regelmäfsig sich wiederholende Felder zerlegt wird. Diese kleinen 
Felder sind durch Diagonale aufgeteilt und von den vier dadurch entstandenen 
Dreiecken sind die zwei links und rechts mit Firnis ausgefüllt. Dieses Orna- 
ment, das auf den Schwarzdipylonvasen sehr häufig vorkommt, findet sich 
nicht selten auch in der protokorinthischen Vasenornamentik. 

12) Fig. 59. Athen, Nat.-Mus. 187, aus dem Kerameikos. Gelblicher Thon. H. 0,39. 

Dm. d. Mündung 0,15. Gr. Umf. 0,67. Eigentümlich ist das auf Schwarz- 

Jahrbuch des archäologischen Instituts XIV. I C 



196 



Wide, Geometrische Vasen aus Griechenland. 



dipylonvasen sonst nicht nachweisbare Vogelmotiv, das sich in drei Reihen 
am Gefäfse selbst wiederholt und auch die Henkel verziert. Dieselbe Deco- 
ration an der Hinterseite. 
13) Fig. 60. Athen, Nat.-Mus. 818, aus dem Kerameikos. H. 0,53. Dm. d. Mündung 





Fig. 59- 




Fig. 58. 



Fig. 60. 



0,175. Gr. Umf. 0,90. Die Henkel sind strickförmig gewunden, die Verzierung 
zeigt die gewöhnlichen Schwarzdipylonmotive r . 



Zu dieser Gruppe ziehe ich der Form wegen eine Amphora, deren oberer 
Rand freilich nicht so stumpf ist, wie bei den vorher beschriebenen. Indessen gehört 
dieses Gefafs sicher zu den letzten Ausläufern des Dipylonstils, wie unten nach- 
gewiesen werden wird, und dadurch läfst sich die von dem gewöhnlichen Typus 
dieser Gattung etwas abweichende Form leichter erklären. 

14) Fig. 61. Athen, Nat.-Mus. 894. Hellgelber Thon, Dipylonfirnis. H. 0,78 (mit 
Deckel 0,88). Dm. d. Mündung 0,27. Gr. Umf. 1,14. 

Um die Mündung, an den Henkeln und an den Schultern laufen plastisch 
aufgesetzte Schlangen. Um den Bauch ziehen sich zwei durchlaufende Bild- 



T ) Zu derselben Gruppe wie die drei letzten Vasen 
gehört die im athen. Nat.-Mus. unter Nr. 117 
aufbewahrte Schwarzdipylon-Amphora (H. 0,485. 
Dm. d. Mund. 0,165. Gr. Umf. 0,72). Am Halse 
ein Zickzackornament, Mäander und Zackenmotiv. 
Auf der Schulter ein ausgespartes Viereck, das 
von Diagonalen gekreuzt wird. Am Bauche 
geometrisch stilisirte Blattverzierungen, die sich 



in fortlaufender Reihe wiederholen — ein auf 
Schwarzdipylonvasen nicht ungewöhnliches Or- 
nament. 

Diese Amphora stammt aus Kypros, ist 
aber trotzdem ein achtes attisches Dipylon- 
gefäfs und bietet als solches einen interes- 
santen Beleg für den attischen Export von 
Dipylonvasen nach jener Insel. 



Wide, Geometrische Vasen aus Griechenland. 



197 



streifen, oben ein Zug von Gespannen mit abwechselnd zwei und vier Pferden, 
auf den Zweigespannen steht nur ein Krieger, auf den Viergespannen deren 
zwei, unten eine Reihe von bewaffneten Kriegern 
zu Fufs. 

Ich ziehe diese Vase zu den späteren Dipylon- 
vasen, trotzdem dafs ich sonst im Dipylonstil 
Älteres und Jüngeres nicht sicher unterscheiden 
kann. Es geschieht dies aber wegen der grofsen 
Übereinstimmung mit einer Berliner Amphora aus 
Attika (publ. von Furtwängler, Arch. Anz. 1892 
S. 100). Die Berliner Amphora, deren Überein- 
stimmung mit unserer Vase sowohl in der Form 
wie in der bildlichen und ornamentalen Verzierung 
geradezu überraschend ist, hat nämlich auf der 
braunschwarzen Firnisfarbe dunkelrote oder weifse 
Farbe vielfach aufgesetzt, eine Eigentümlichkeit, 
die den Dipylonvasen fremd ist, während sie auf 
den darauffolgenden »frühattischen« Vasen häufiger 
auftritt. Wir dürfen also die Berliner Amphora in 
die »frühattische« Zeit verlegen und folglich gehört 
die mit ihr so nahe übereinstimmende Athener 
Amphora in die allerletzte Dipylonzeit. Damit 
stimmen auch die runden Schilde, welche die 
Krieger auf unserer Vase tragen und ebenso die 
unschöne Häufung der Füllornamente, die gerade 
für den Übergang vom Dipylonstil zum »frühattischen« Vasenstil charak- 
teristisch ist, vgl. Pernice, Athen. Mittheil. XX (1895) S. 116 ff. Taf. III 1. 




Fig. 61. 



B. Amphoren mit eckiger, scharf profilirter Mündung. Diese Gruppe zerfällt 
in zwei Abteilungen: a) Schwarzdipylonvasen , b) die grofsen Grabamphoren, die 
als iTcixu[xßia a^axa verwendet wurden. 



a) Schwarzdipylon. 
Ein grofser, gewöhnlich der gröfsere Teil des Gefäfses ist mit schwarzbraunem, 
metallisch glänzendem Firnis überzogen. Hier und da sind horizontale Streifen 
oder viereckige Flächen ausgespart, die mit linearen Verzierungen gefüllt sind. Die 
decorativen Elemente sind Mäander, Zackenornamente, Zickzacklinien, Rhomben, 
Dreiecke, punktirte Linien, Punktrosetten und das schon oben erwähnte, dem proto- 
korinthischen Stil entnommene Motiv, Vierecke, die durch Diagonalen in vier 
Dreiecke geteilt werden, von denen die zwei seitlichen mit Firnis gefüllt sind. 
Eigentümlich für diese Gruppe ist die Vervielfältigung der linearen Ornamente, 
Zickzacklinien, Rhomben u. dgl. Die meisten zu dieser Gruppe gehörenden Am* 

15* 



198 



Wide, Geometrische Vasen aus Griechenland. 



phoren haben die decorative Hauptfläche zwischen den Henkeln. Um diese Fläche 
zu beleben, wird sie durch verticale Trennungsglieder in zwei Felder geteilt. Diese 
Felder werden öfters unten durch einen Ornamentsaum so zu sagen abgeschnitten. 
In jedem Feld ist ein radähnliches, aus concentrischen Kreisen zusammengesetztes 
Ornament gemalt. 

15) Fig. 62. Athen, Nat.-Mus. 225. Gelblicher Thon, Oberfläche glatt polirt, schwarz- 

brauner Firnis. H. 0,545. Dm. d. Mündung 0,245. Gr. Umf. 1,05. 

Wie die Schwarzdipylongetäfse im Allgemeinen, so scheinen besonders dies 
und das folgende Gefäfs Nachbildungen von Metallvasen zu sein. Das bezeugt 
nicht nur der metallisch glänzende Firnisüberzug und das scharfe Profil der 
Mündung, sondern auch die Form der Henkel, die fast wie angelöthet erscheinen. 

16) Fig. 63. Athen, Nat.-Mus. 218. Thon und Firnis, wie an der vorigen Vase. 

H. 0,74. Dm. d. Mündung 0,28. Gr. Umf. 1,32. Zwischen den Henkeln 
sind 3 Flächen vom Firnis ausgespart und mit linearen Ornamenten gefüllt, 
eine gröfsere in der Mitte, jederseits eine kleinere. Bemerkenswert sind die 
drei Füfse, welche ungefähr wie die Henkel gebildet sind. Auch dies scheint 
auf Metallgefäfse als Vorbilder hinzuweisen. 





Fig. 63. 



Fig. 62. 



17) Fig. 64. Athen, Nat.-Mus. 815. H. 0,715. Dm. d. Mündung 0,21. Gr. Umf. 
1,37. Abgesehen von der scharf profilirten Mündung erinnert die Form an 
die unter Gruppe A beschriebenen Vasen. 

Ein eigentümliches Ornament haben die zwei Streifen, die am Halse und 
am Bauche oberhalb der Hauptstreifen laufen. In einem und demselben 
Streif sind zwei Reihen mit den Spitzen von einander gekehrter, mit Firnis 
gefüllter Zacken. Die dadurch entstandenen leeren Flächen sind punktirt. 






Wide, Geometrische Vasen aus Griechenland. 



199 



Die oben gedachte Vervielfältigung der linearen Motive auf den Schwarz- 
dipylonvasen kommt hier zum Vorschein sowol im Mäanderornament am 
Bauche, wie an den Rhomben, die an den Henkeln gemalt sind. 

18) Fig. 65. Athen, Nat.-Mus. 219, aus dem Kerameikos. Gelblicher Thon, glatt- 

polirte Oberfläche, schwarzer glänzender Firnis. H. 0,74. Dm. d. Mündung 
0,245. Gr. Umf. 1,24. 

Diese Vase und die folgenden haben an der Mündung, die besonders 
scharfe Profilirung, die, um einen architektonischen Ausdruck zu gebrauchen, 
aus einem nach oben ausladenden trochilns besteht. Beachtenswert sind auch 
die Henkel, deren jeder in zwei arkadenförmige Hälften geteilt iet, wie die 
Henkel an den grofsen Grabamphoren. Die Oberseite des Henkels ist mit 
schraffirten Linien versehen. 

19) Fig. 66. Athen, Nat.-Mus. 216, aus dem Kerameikos. H. 0,81. Dm. d. Mündung 

0,25. Gr. Umf. 1,35. Das Radornament an diesem Gefäfs und an dem nächst 




tJSStfu*--' 




Fig. 64. 




Fig. 66. 
Fig. 65. 

vorangehenden hat die »Speichen« ausgespart, und die Form der Speichen 
ist ein griechisches Kreuz. Dagegen haben die 2 folgenden Vasen ein Rad- 
ornament, dessen Speichen mit Firnis gemalt sind und der Form nach an 
ein modernes Ritterkreuz erinnern. 
20) Fig. 67. Museum in Eleusis. H. 0,70. Dm. d. Mündung 0,23. Gr. Umf. 1,28. 
Wie eben hervorgehoben wurde, erinnern die »Speichen« des Radornamentes 
an ein modernes Ritterkreuz. Der äufserste von den concentrischen Kreisen 
ist zackig — was sonst nur einmal im Dipylonstile vorkommt. Diese Vase 
ist bei Eleusis gefunden. Ein Gegenstück zu diesem Ornament finden wir 
auf derselben Schliemann'schen Scherbe aus Tiryns (Schliemann, Tiryns Taf. 



200 



Wide, Geometrische Vasen aus Griechenland. 



XX a ), welche bereits oben zur Beurteilung der eleusinischen Ornamentik heran- 
gezogen worden ist, vgl. oben S. 195. 
21) Fig. 68. Athen, Nat.-Mus. 217. H. 0,715. Dm. d. Mündung 0,16. Gr. Umf. 1,20 
(Mündung ergänzt.) 




Fig. 67. 




Fig. 68. 



Die Mündung des Halses ist falsch ergänzt. Man beachte die Verviel- 
fachung des Mäanderornaments am Halse und des Rhombenmotivs an der 
Trennungswand des Hauptstreifens. 

b) Die grofsen Grabamphoren. 
In der Decoration unterscheiden sich diese von den Schwarzdipylonamphoren 
dadurch, dafs sie ganz oder wenigstens grösstenteils mit Verzierungen bedeckt sind, 
welche den Thongrund durchblicken lassen. In der Form stimmen die grofsen 
Grabamphoren, deren Bestimmung es war, Grabdenkmäler zu sein, mit den meisten 
unter a) aufgenommenen Schwarzdipylonvasen sehr überein. Sie haben denselben 
schlanken Aufbau, dieselbe scharfe Profilirung der Mündung, endlich auch dieselben 
Henkel. Auch in der Decoration haben manche Vasen aus den beiden Gruppen 
vieles Gemeinsame: so die Mäander, die mit Firnis gefüllten Zackenornamente, die 
punktirten Linien und die Reihen geometrisch stilisirter Blätter. Auch hier ist der 
decorirte Hauptstreif zwischen die Henkel verlegt, und dieser breite Streif wird durch 
verticale Bänder in Felder zerlegt, die öfters ein radähnliches Ornament mit con- 
centrischen Kreisen enthalten, ganz wie im Schwarzdipylonstil. Mitunter werden 
auch solche viereckigen Felder mit Hakenkreuz gefüllt, wie vereinzelt auch bei der 
Schwarzdipylonware. Auch darin stimmen manche Gefäfse der beiden Gruppen 
überein, dafs die durch verticale Bänder abgeteilten Vierecke des zwischen den 



Wide, Geometrische Vasen aus Griechenland. 



20 1 



Henkeln gelegenen Hauptstreifens öfters durch einen Ornamentsaum unten ab- 
geschnitten werden. Alle diese Umstände berechtigen uns zu der Annahme, dafs 
die Schwarzdipylonamphoren die grofsen Grabamphoren beeinflufst haben oder 
umgekehrt. Jedenfalls ist es unmöglich, sie zeitlich scharf von einander zu trennen. 
22) Fig. 69. Athen, Nat.Mus. 804, von Stais' Ausgrabung im Jahre 1891, Grab II 
oder IV (Brückner-Pernice, Athen. Mittheil. 1893 S. 103 f.). H. 1,60 (der Hals 
allein 0,52) Dm. d. Mündung 0,48. Gr. Umf. 2,50. 

Rings um das Gefäfs gehen paral- 
lele Horizontalbänder, die mit ver- 
schiedenen geometrischen Verzie- 
rungen gefüllt sind. Der Hauptstreif, 
der vorn und hinten eine bildliche 
Darstellung enthält, wird durch die 
Doppelhenkel unterbrochen, und so 
entstehen zwei Bilder. »Das vordere 
ist von dem hinteren durch gröfsere 
Länge ausgezeichnet, in Folge da- 
von konnte das Vorderbild rechts 
und links nur durch je zwei senk- 
recht gestellte Mäanderstreifen ab- 
geschlossen werden, während hinten 
Raum bleibt, beiderseits vom Bilde 
zwischen zwei senkrechten Mäander- 
streifen einen grofsen Stern einzu- 
legen. Hier sind acht klagende 
Figuren dargestellt, wohl Frauen zum 
Unterschied von den bewaffneten 
Männern der Vorderseite.« 

»Auf dieser sehen wir die Pro- 
thesis. In der Mitte steht die Bahre 
mit dem Leichnam. Dafs es ein 
Mann ist, obwol die Beine nicht 
getrennt gegeben sind, zeigen die 
kurzen Haare, die den Kopf wie 
Stacheln umgeben. Ein Baldachin .... 
ist über der Bahre ausgespannt. Unter Flg * 6 9- 

der Bahre knieen zwei Frauen nach rechts, die Hände auf den Kopf legend. 
Rechts davon sitzen zwei Männer auf Stühlen nach links gewendet. Der eine 
legt die Hände auf das Haupt, der zweite streckt die eine Hand aus. Rechts 
von der Bahre folgen fünf grofse, eine mittelgrofse und eine kleine Figur. Alle 
sind in der Haltung der Klagenden dargestellt, nur die kleinste fafst mit einer 
Hand die Bahre an. Auch links von der Bahre stehen fünf Gestalten, deren 




2Q2 Wide, Geometrische Vasen aus Griechenland. 

vorderste die Bahre berührt. Hinter diesen folgen zwei mit Schwert be- 
waffnete, welche die eine Hand an das Haupt legen« (Brückner-Pernice a. a. O.). 

Am Halse laufen zwei Bildstreifen, mit weidenden, beziehungsweise 
liegenden Hirschen im gewöhnlichen Dipylonschema. Sonst besteht die 
Decoration des Gefäfses ausschliefslich aus geometrischen Mustern in durch- 
laufenden Horizontalbändern. Diese Bänder sind bald breiter, bald schmaler; 
die breiteren Bänder enthalten verschiedene Mäandermuster und eine Reihe 
geometrisirte Blätter; die schmaleren Bänder haben durchlaufende Reihen von 
kleinen Rhomben, Dreiecken und Punkten. 
23) Athen, Nat.-Mus. 803, von Stais' Ausgrabungen im Jahre 1891, Grab I. 

H. 1,78. Dm. d. Mündung etwa 0,40. Gr. Umf. 2,67 (Fufs ergänzt). »Am 
Halse folgen 7 Mäanderstreifen untereinander, von denen ein jeder durch ein 
schmales Zickzackband vom anderen getrennt ist. Diese Streifen zeigen den 
Mäander in vier verschiedenen Spielarten. Die reichste Form findet sich in 
der Mitte. Auch am Bauche besteht die Decoration wesentlich aus den 
gleichen Arten von Mäanderbändern. Indessen concentriert sich das Haupt- 
interesse auf den breiten Mittelstreifen, der die Darstellung enthält. In der 
Anordnung der Streifen über dem Bilde zeigt sich das Bestreben, das Auge 
des Beschauers auf den Mittelstreifen zu lenken; das erreichte der Maler, 
indem er sie nach der Mitte breiter und im Muster reicher werden liefs. 
Dargestellt ist im Mittelstreifen der Leichenzug. Ein mit vier Pferden bespannter 
colossaler vierrädriger Wagen trägt ein schachbrettförmig gemustertes Brett, 
auf welchem die Bahre steht. Auf dieser ruht der Leichnam. Dafs es der 
einer Frau ist, geht wol daraus hervor, dafs die Beine nicht, wie auf der 
bekannten Vase Monumenti IX Taf. 39 von einander getrennt sind , sondern 
mit einem langen Gewände bekleidet erscheinen: die Arme liegen an den 
Seiten. Hoch über dem Wagen ist ein grofser Baldachin von sonst bekannter 
Art ausgespannt. Die untere Linie dieses Baldachins ist nicht gerade ge- 
zeichnet, sondern den Formen des Leichnams, auf den er herabreicht, ent- 
sprechend, hie und da ausgeschnitten (vgl. Collignon Hist. de la Sculpture 
grecque I S. j6). Unter der Bahre knieen auf dem Wagen drei nach rechts 
gewendete Figuren, rechts davon safsen ebenfalls auf dem Wagen, wahrschein- 
lich (in Übereinstimmung mit der weiter unten beschriebenen Grabvase) ebenso 
viele auf Stühlen. Hinter der Bahre stehen auf dem Wagen hinter, das soll 
bedeuten nebeneinander, zwei gröfsere und eine kleinere Figur, wol die 
nächsten Angehörigen, zu denen auch die unter der Bahre zu rechnen sind. 
Es folgen zwei grofse männliche Figuren. Soviel auf der vorderen Seite. 

Der Hauptstreif ist nämlich durch die Doppelhenkel in zwei Hälften 
zerlegt, so dafs eigentlich zwei Bilder zu scheiden sind, welche ihrerseits 
durch senkrechte Streifen rechts und links abgeschlossen werden. 

Auf der Rückseite befanden sich mindestens 10 Gestalten, in der üblichen 
klagenden Gebärde die Hände auf das Haupt legend. Der Platz unter den 



Wide, Geometrische Vasen aus Griechenland. 



203 



einzelnen Bügeln der Doppelhenkel ist durch je drei Frauen eingenommen, 
welche als solche durch lange mit grofsen Schleppen versehene Gewänder 
charakterisirt sind. 

Ein kleiner Bildstreifen findet sich auch am unteren Teile des Gefäfses. 
Nur etwa zwei Drittel desselben sind erhalten. Es waren etwa 90 nach rechts 
schreitende Menschen in der Haltung der Klage dargestellt« (Brückner- 
Pernice a. a. O. S. 101 f.). 
24) Fig. 70. Athen, Nat.-Mus. 805, von Stais' Ausgrabungen im Jahre 1891, Grab IV 
oder II. (Brückner-Pernice a. a. O. S. 107). H. 1,38. Dm. d. Mündung 0,28. 
Gr. Umf. 2,14 (Mündung ergänzt). 

Die Ergänzung der Mündung ist falsch, 
es soll ein ähnlich profilirter Rand da sein 
wie auf den vorher besprochenen grofsen 
Grabamphoren. Das Gefäfs ist oben ganz 
mit linearen Ornamenten bemalt: nur unter 
den einzelnen Bügeln der Doppelhenkel 
ist je ein Vogel gemalt. Der Hauptstreif 
zwischen den Doppelhenkeln wird durch 
senkrechte Mäanderbänder in drei fast qua- 
dratische Felder zerlegt, die unten durch 
einen ornamentirten Saum abgeschnitten 
werden. Sie enthalten je ein Hakenkreuz 
mit Füllmotiven. Die sonstige Decoration 
besteht aus mehreren Streifen mitMäandern 
in verschiedenen Spielarten, einer Reihe 
geometrisch stilisirter Blätter und einem 
Bandornament, das in Wellenlinien gelegt 
ist. Dieses Motiv, das im geometrischen 
Stil nur ein paar Mal vorkommt, ist wol 
aus der mykenischen Kunst herüber ge- 
nommen, wo wir es auf den getriebenen 
Goldplättchen und auf Grabstelen von 
Mykenai wiederfinden. Eine geometri- 
sirende Vereckigung dieses wellenartigen Bandornaments finden wir am Halse 
unseres Gefäfses in der Spielart des Mäanders, welche den nächst oberen breiten 
Streifen verziert. Die schmalen Horizontalbänder sind mit Zickzacklinien und 
Zackenornament verziert. Die sechs untersten Horizontalstreifen sind mit 
Firnis gänzlich ausgefüllt und entbehren jeder linearen Verzierung. 




Fig. 70. 



25) 



Athen, Nat.-Mus. 990. H. 1,20. Dm. d. Mündung 0,73. 
2,71. Beschrieben von G. Hirschfeld in Annali delV Inst. 1872 
und abgebildet in Mon. deW Inst. IX Taf 39. 40. 



Gr. Umf. 
S. 142 fr., 



204 Wide, Geometrische Vasen aus Griechenland. 

Streng genommen ist wol dies Gefafs eigentlich ein glockenförmiger 
Krater auf einem hohen Fufs oder Untersatz. Da es aber sowohl mit Hinsicht 
auf die Verzierung wie auf den Zweck mit den grofsen Grabamphoren auf's 
engste zusammengehört, hege ich kein Bedenken, dieses Gefäfs hier auf- 
zunehmen. 

Auch hier befindet sich die Hauptdarstellung zwischen den beiden Henkeln, 
wo ein altattischer Leichenzug gemalt ist. Der Tote liegt auf einem hohen, 
mit einem Baldachin bedeckten Paradebett, das auf einem mit zwei Pferden 
bespannten vierrädrigen Wagen steht. Rechts von dem Wagen stehen vier 
mit Schwert bewaffnete Männer, deren erster die Zügel des einen Pferdes 
fafst, weiter rechts klagende Weiber. Rechts vom Paradebett oberhalb der 
vier bewaffneten Männer sind klagende Weiber dargestellt, welche die Arme 
erheben und die Hände auf das Haupt legen. Links vom Leichenwagen in 
langer Reihe wiederum klagende Weiber in verschiedenen Gröfsen: die 
vorderste berührt mit der einen Hand das Paradebett, mit der anderen den 
Wagen. Oberhalb dieser Reihe, links vom Toten drei gröfsere Figuren, 
deren Vorderste ein Kind führt. Ganz links und rechts oben sind Felder 
abgeschnitten, die Radornamente enthalten. Die leeren Flächen sind mit 
verschiedenen Füllmotiven versehen. 

Im unteren breiten Streifen sind zweispännige Rennwagen dargestellt, die 
an den Leichenspielen teilnahmen. Die Figuren auf dem Wagen sind mit 
ausgeschnittenen Dipylonschilden bewaffnet. Man beachte die etwas unbe- 
holfenen Versuche, den Wagen eine perspectivische Darstellung zu geben. 

Unter den beiden Doppelhenkeln stehen wiederum klagende Figuren, 
unter dem einen acht, unter dem anderen vierzehn. 

Sonst sind die horizontalen Streifen entweder ganz mit Firnis gefüllt 
oder mit verschiedenen Mustern, wie Mäandern, Zickzacklinien, verticalen 
Wellenlinien und Punkten verziert. 



II. Kannen (und Becher). 

Die Becher werden hier in Zusammenhang mit den Kannen besprochen, 
weil ihre Form derjenigen der Kannen sehr ähnelt, so dafs es schwierig ist, einen 
Becher von einer kleinen Kanne zu unterscheiden. Die Kannen zerfallen in zwei 
grofse Gruppen: A. Kannen mit weitem, fast cylindrischem Hals und mit weiter 
Mündung (von Brückner-Pernice »Hydrien« genannt). B. Kannen mit engem, 
schmalem Hals. 

A. Zu dieser Gruppe gehören die hier aufgenommenen Kännchen oder Becher. 
Sie sind einhenklich und zur Erhöhung der Haltbarkeit ist der lange und spröde 
Henkel, gewöhnlich etwa in der Mitte, durch einen Steg (mitunter sogar durch zwei 
Stege) mit dem Halse des Gefäfses verbunden. Mehrere der gröfseren Kannen 
haben einen Deckel, auf welchem ein Miniaturgefäfs sitzt. 



Wide, Geometrische Vasen aus Griechenland. 



205 



Was die Decoration betrifft, so ist in dieser Gruppe die verticale oder 
sogenannte Metopendecoration vorherrschend, indem die breiten, horizontalen Streifen 
durch verticale Einteilungen in metopenartige Felder zerfallen. Begreiflicher Weise 
läfst sich der Mäander mit diesem Decorationsprincip nicht vereinigen, und in der 
That finden wir in dieser Gruppe den Mäander selten. Dagegen treten hier andere 
Decorationselemente auf, welche für die metopenartigen Felder besser passen, 
nämlich Vierblatt, Blattstern, Rhombus und Hakenkreuz. An zwei von den unten 
abgebildeten Kannen ist die verticale Zerstückelung der Decoration so weit getrieben, 
dafs die Kannen grofse verticale säulenartige Verzierungsglieder enthalten und die 
horizontale, längslaufende Decorationsweise fast aufgegeben ist. 



a) Grofse Kannen. 

26) Fig. 71. Athen, Nat.-Mus. 226. H. 0,70 (mit Deckel 0,82), Dm. d. Mündung 

0,34. Gr. Umf. 1,28. 

Die verticale Zerteilung der horizontalen Decorationsbänder tritt hier 
weniger hervor. Nur an einem decorirten Horizontalstreifen tritt die Metopen- 
einteilung ein. Sonst erinnern die decorativen Elemente und ihre Anordnung 
an die Verzierung der grofsen Grabamphoren mit Mäandern, Schachbrett- 
mustern, Rhomben und Zickzacklinien. 

27) Fig. 72. Athen, Nat.-Mus. 858, aus dem Kerameikos. Hellgelber Thon, sehr 

breit aufgemalter Firnis. H. 0,27. Dm. d. Mündung 0,14. Gr. Umf. 0,64. 





Fig. 72. 



Fig. 71. 



206 



Wide, Geometrische Vasen aus Griechenland. 



Die metopenartige Einteilung tritt auch an diesem Gefäfs nicht besonders 
hervor. Unter den decorativen Elementen begegnen uns die im Dipylonstil 
nicht sehr gewöhnlichen Kreise, die durch Tangenten mit einander verbunden 
sind, und zwar in drei Reihen. Die Vögel sind voller und runder gebildet, 
wie sonst auf den Dipylonvasen. Auch die Verwendung des Rhombus als 
Ausfüllung eines Metopenfeldes ist im Dipylonstil fast alleinstehend. Die 
Vase trägt also ein von den übrigen Dipylonvasen etwas abweichendes 
Gepräge. 
28) Fig. 73. Athen, Nat.-Mus. 706, aus dem Kerameikos. H. 0,39. Dm. d. Mündung 

0,14. Gr. Umf. 0,765. 

An dieser Vase tritt die verticale Decorations- 
weise mehr hervor, wie an den beiden nächst 
vorangehenden. Der Mäander ist ganz auf- 
gegeben, die metopenartigen Felder sind mit 
Hakenkreuzen und Vierblättern ausgefüllt. Zwei 
Bildstreifen sind da, der eine mit weidenden 
Rehen, der andere mit Dipylonvögeln. Die 
schmalen horizontalen Streifen sind durchgehend 
mit Dreiecken, Zickzacklinien, Schachbrett- 
mustern und einer weiteren Verflüchtigung der 
sogen, falschen Spiralen gefüllt. 
29) Fig. 74. Athen, Nat.-Mus. 771, von Stais' Aus- 
grabungen im Jahre 1891, Grab XIII (Brückner- 
Pernice, Athen. Mittheil. 1893 S. 128). H. 0,55. 
Dm. d. Mündung 0,21. Gr. Umf. 0,94. 

Auf dem Gefäfsdeckel eine Miniaturkanne, 
auf welcher ein plastisch gebildeter kleiner 
Fig - 73 ' Vogel sitzt. 

Die Metopeneinteilung ist hier an zwei Horizontalstreifen des Gefäfses 
durchgeführt. Zur Ausfüllung der metopenartigen Felder auf der Kanne selbst 
wird nur das Hakenkreuz verwendet, an dem Kännchen auf dem Deckel tritt 
auch der Rautenstern zu diesem Zweck hinzu. Am Henkel desselben kleinen 
Gefäfses ist eine Reihe sogen, falschen Spiralen gemalt. Sonst sind die 
gewölinlichen Ornamente verwendet, Schachbrettmuster, Rhomben, Dreiecke, 
Punkte. Der Mäander fehlt gänzlich. 
30) Fig. 75. Athen, Nat.-Mus. 782, von Stais' Ausgrabungen im Jahre 1891, 
Grab VII (Brückner-Pernice a. a. O. S. U2f.). H. 0,555. Dm. d. Mündung 0,24. 
Gr. Umf. 0,93. Höhe des Deckels 0,18. 

Der Deckel hat eine eigentümliche Bildung: er ist mit einem Griff ver- 
sehen, dessen oberster, hohler Teil einen durch kleine Dreiecke durch- 
brochenen Rand hat. Die von Brückner-Pernice a. a. O. gegebene Erklärung 
gefällt mir wenig. Dieser merkwürdige Deckel scheint mir nichts anderes zu 




Wide, Geometrische Vasen aus Griechenland. 



207 




Fig. 74- 



sein als eine umgestülpte Trinkschale, ein Prototyp zu 
den schwarz- und rotfigurigen attischen Trinkschalen. 
Es lag auch nahe, den Deckel so einzurichten, dafs er 
zugleich alsTrinkgefafs benutzt werden konnte. So pflegen 





Fig. 74 a. 

noch heut zu Tage bei uns auf dem Lande die Ernte- 
arbeiter aus dem Gefäfsdeckel zu trinken. Mit dieser 
Erklärung verträgt sich auch gut der durchlöcherte Rand 
des Fufses, denn auch sonst finden wir unter den Dipylon- 
vasen die Füfse der Näpfe oder Schalen durchlöchert. 




F'g. 75- 



Fig. 75 a. 

Am Henkel ist eine Schlangenlinie gemalt, die 
zu jeder Seite von einer parallelen punktirten Schlangen- 
linie umgeben ist. Zu jeder Seite des Henkels an der 
Schulter des Gefäfses eine plastische Warze. 

Die Metopeneinteilung erstreckt sich hier auf 
die drei breiten Horizontalstreifen. Der unterste decorirte 
Streif ist mit verticalen Zickzacklinien verziert. 



208 



Wide, Geometrische Vasen aus Griechenland. 



31) Fig. 76. Athen, Nat.-Mus. 189, aus dem Kerameikos. Gelblicher Thon. H. 0,39 

(mit dem Deckel 0,44). Dm. d. Mündung 0,18. Gr. Umf. 0,80. 

Der Deckel ist mit einer kleinen Schale versehen. Am Henkel ein 
Grätenmuster. Am Gefäfse selbst finden wir zum ersten Mal das Bestreben 
die Ornamente in lange verticale Streifen einzupassen. Unter den hier 
verwendeten decorativen Elementen fällt besonders auf der in ein Hakenkreuz 
endende Mäander. Ein aus der mykenischen Kunst hergeleitetes, geometrisch 
stilisirtes Motiv sind die übereinander gemalten, mit Doppelschraffirung ge- 
füllten Dreiecke. 

32) Fig. TJ. Athen, Nat.-Mus. 174, aus dem Kerameikos. H. 0,415 (mit Deckel 

0,50), Dm. d. Mündung 0,18. Gr. Umf. 0,89. 





Fig. 77. 



Fig. 76. 



Auf dem Deckel sitzt eine kleine Kanne. Der Henkel ist mit einer 
plastischen Schlange versehen. Im Grofsen und Ganzen herrscht hier das- 
selbe decorative Princip, wie auf dem nächst vorangehenden Gefäfs. Neben 
der Metopeneinteilung finden wir auch hier die langen, säulenartigen verticalen 
Streifen, die hier oben abgerundet sind. 



b) Kleinere Kannen (oder Becher). 

33) Fig. 78. Athen, Nat.-Mus. 707, aus dem Kerameikos. H. 0,27. Dm. d. Mündung 
0,14. Gr. Umf. 0,50. 

Dieses Gefäfs vertritt das horizontale Decorationsprincip, und man findet 
hier keine metopenartige Zerstückelung der fortlaufenden Horizontalbänder. 
Neben dem ziemlich complicirten Mäander sind als decorÄve Elemente 



Wide, Geometrische Vasen aus Griechenland. 



209 



verwendet: Schachbrettmuster, Dreiecke, zickzackförmiges Band und zwei 
Vogelreihen. 

34) Fig. 79. Athen, Nat.-Mus. 150, aus dem Kerameikos. Rothgelber Thon. 

H. 0,28. Dm. d. Mündung 0,17. Die äufsere Seite des Henkels ist durch 
mehrere Gruppen von horizontalen Strichen in mehrere kleine Felder zerteilt, 
deren jedes mit einem Stern verziert ist. 

Unter den Verzierungen am Gefäfse selbst bemerken wir das in Wellen- 
linien gelegte Bandmotiv, das wol, wie oben nachgewiesen wurde, auf die 
mykenische Kunst zurückgeht. 

35) Fig. 80. Athen, Nat.-Mus. 138. H. 0,14. Dm. d. Mündung 0,095. Becher mit 

frühattischer Decoration besonders in dem obersten und dem untersten 
decorirten Streifen. 




Fig. 78. 





Fig. 80. 



Fig. 79. 



36) Fig. 81. Athen, Nat.-Mus. 210, aus dem Kerameikos. H. 0,16. Dm. d. 

Mündung 0,11. In dem metopenartigen Feld grade gegenüber dem Henkel 
ein mit Zacken versehener Kreis, innerhalb dessen sieben kleine durch 
Tangenten verbundene Kreise sich befinden. 

37) 38) 39) Fig. 82. 83. 84. Athen, Nat.-Mus. 157. 208. 209, aus dem Kerameikos. 







Fig. 81. 



Fig. 82. 



Fig. 83. 



Fig. 84. 



2IO 



Wide, Geometrische Vasen aus Griechenland. 



Diese drei Becher haben alle dieselben Mafse (H. 0,09. Dm. d. Mündung 0,08) 
und fast dieselbe Decoration, scheinen also aus derselben Fabrik zu stammen. 



B. Kannen mit schmalem, engem Hals. Diese Kannen haben alle kleeblatt- 
förmige Mündung und kugeligen Bauch. An der Schulter sitzen öfters warzenartige 
plastische Erhöhungen. Auf dem Deckel ist mitunter ein Vogel plastisch dargestellt. 
Das horizontale Decorationsprincip ist hier überwiegend. 

40) Fig. 85. Athen, Nat.-Mus. 811, aus dem Kerameikos. H. 0,79. Dm. d. 

Mündung 0,195. Gr. Umf. 1,40. Die Ornamentstreifen laufen hier ohne 
verticale Abschnitte. Die decorativen Muster sind die der grofsen Grab- 
amphoren: fünf Mäanderbänder in verschiedenen Spielarten, die durch schmale 
Streifen mit kleinen Rhomben von einander getrennt sind. Unten eine durch- 
laufende Reihe weidender Rehe im Dipylonschema. Der unterste Streif 
enthält eine Reihe geometrisch stilisirter Blätter. 

41) Fig. 86. Athen, Nat.-Mus. 700, aus dem Kerameikos. H. 0,50. Dm. d. 

Mündung 0,14. Gr. Umf. 1,08. 





Fig. 85. 



Fig. 86. 



Der Deckel ist mit einem bügeiförmigen Griff versehen. Der Henkel hat 
eine gemalte Schlangenlinie, zu deren beiden Seiten parallele punktirte 
Schlangenlinien laufen. Die Schulter hat vorn zwei warzenförmige plastische 
Erhöhungen, von jeder geht vertical gegen den Hals zu ein decorirter Streif. 
Diese beiden Streifen zerteilen das breite horizontale Band oben an der 
Schulter in drei Abschnitte. In dem mittleren Abschnitt ist ein Schachbrett- 
muster, jedes von den beiden Seitenfeldern wird wiederum in drei schmale 



Wide, Geometrische Vasen aus Griechenland. 



211 



horizontale Streifen zerlegt: im obersten eine Reihe geometrisch stilisirter 
Blätter, im mittleren Streifen eine Reihe Dipylonvögel, ganz unten kleine 
Rhomben. 

42) Fig. '87. Athen, Nat.-Mus. 178, aus Kerameikos. H. 0,46. Kleeblattmündung 

ergänzt. Gr. Umf. 0,95. 

An der Schulter zwei warzenartige Erhöhungen. Nur ein Horizontalstreif 
ist mit metopenartigen Feldern versehen, die mit Hakenkreuzen oder Blatt- 
sternen gefüllt sind. Unter den sonst für die horizontale Decorationsweise 
gewöhnlichen Mustern bemerken wir in zwei Streifen das in Wellenlinien 
gelegte Band. 

43) Fig. 88. Athen, Nat.-Mus. 722, aus Stais' Ausgrabungen im Jahre 1891, Grab III 

(Brückner-Pernice, Athen. Mittheil. 1893 S. 105). Bräunlich gelber Thon, 
geglättete Oberfläche. H. 0,22. Gr. Umf. 0,49. 





Fig. 87. 



An der Schulter vorn ein schmaler verticaler Streif mit über einander 
gezogenen kurzen Zickzacklinien. Der untere Teil des Halses hat einen 
rings umlaufenden decorirten Saum, dessen Verzierungen aus spitzwinkligen 
Dreiecken besteht, zwischen deren Spitzen kleine Kreise zur Ausfüllung des 
Raumes dienen 8 . 



8 ) Brückner-Pernice haben die Ähnlichkeit dieser 
Vase mit dem von Furtwängler in den Athen. 
Mittheil. VI Taf. 3 abgebildeten athenischen 
Gefäfs hervor. Dafs jenes Gefäfs ziemlich jung 
ist, zeigt nicht nur die eingekratzte Inschrift 
(0; vöv <5p^7)<JTiüv u. s. w.), sondern auch die 
Decoration, welche einen Übergang vom Dipylon- 
stil zum frühattischen bildet. Allein aus dieser 
Jahrbuch des archäologischen Instituts. XIV. 



Analogie darf man keinen Schlufs für das Alter 
unseres Gefäfses ziehen; denn erstens ist die 
Form nicht ganz dieselbe, und zweitens zeigt 
sich ein beträchtlicher Unterschied in der De- 
coration. Eine Kanne mit kugeligem Bauch, 
engem Hals und kleeblattförmiger Mündung be- 
findet sich schon unter den Funden von Aphidna, 
vgl. Athen. Mittheil. 1896 Taf. XIV 4, 5. 

16 



212 



Wide, Geometrische Vasen aus Griechenland. 



44) Fig. 89. Athen', Nat.-Mus. 726, aus dem Kerameikos. H. 0,22. Gr. Umf. 0,45. 

Die Schulter ist ganz mit Firnis bedeckt. Der Bauch hat als Verzierung 
mehrere schmale horizontale Bänder. Die eigentliche Decoration befindet 
sich am Halse: in einem viereckigen Feld ein Rautenstern (Rhombus, an dessen 
vier Seiten je ein Rhombus angehängt ist). 

45) Fig- 9°- Athen, Nat.-Mus. 193, aus dem Kerameikos. H. 0,22. Gr. Umf. 0,46. 

Diese kleine Kanne hat eine für den Dipylonstil ungewöhnliche Decoration. 
Die rechte wie die linke Seite ist mit concentrischen Kreisen verziert, deren 
die äufsersten durch einen Ornamentsaum mit einander verbunden sind. Unter 
diesem Saum sind Wellenlinien gemalt, oberhalb des Saumes steht zu jeder 
Seite eines dreifufsähnlichen Gegenstandes ein Dipylonpferd, das dem anderen 
gegenübergestellt ist. 

46) Fig. 91. Athen, Nat.-Mus. 151, aus dem Kerameikos. H. 0,22. Gr. Umf. 0,51. 

Der Bauch ist auch hier mit concentrischen Kreisen verziert, die die 
ganze Bauchfläche bedecken. Innerhalb des innersten Kreises der vier 
concentrischen Kreissysteme sind kleinere Kreise die mit einander durch 






Fig. 89. 



Fig. 90. 



Fig. 91. 



Tangenten verbunden sind. Als Raumfüllung dienen unten Dreiecke, oben 
Doppelbeile, ein mykenisches Motiv, das hier in den Dipylonstil Eingang 
gefunden hat. 

Die Mafse der vier letzteren Kannen sind im Allgemeinen dieselben, 
woraus man schliefsen darf, dafs sie einem bestimmten gemeinsamen Zweck 
gedient haben. 



III. K r a t e r e. 

47) Fig. 92. Athen, Nat.-Mus. 190, aus Analotos. Hellgelber Thon, schwarzbrauner 
Firnis. H. 0,28 (mit Deckel 0,38). Dm. d. Mündung 0,27. Gr. Umf. 1,04. 
An der auf der Abbildung sichtbaren Vorderseite befindet sich der Aus- 
gufs. Von dieser geht ein breiter verticaler Ornamentstreif aus, der drei 
horizontale Bänder, ein breiteres und zwei schmalere, in eine linke und eine 
rechte Hälfte schneidet. Die Hauptdarstellung befindet sich zwischen den 
Henkeln und ist für die beiden Hälften des breiten Bildstreifens dieselbe. 



Wide, Geometrische Vasen aus Griechenland. 



213 




Jedes dieser beiden Felder wird oben in der einen Ecke von einem kleinen 
quadratischen Feld abgeschnitten; von diesem läuft bis unten ein verticaler 
Ornamentsaum von derselben 
Breite wie das quadratische Feld. 
Die Hauptdarstellung besteht in 
jedem Feld aus einem Mann, der 
in beiden Händen die Zügel 
zweier einander gegenüberstehen- 
der Pferde hält. Als Raumfüllung 
dienen Vögel mit hohen Beinen, 
ein liegendes Reh mit zurück- 
gebogenem Kopf, Zickzackmotive 
u. dgl. Die bildliche Darstellung 
hat innerhalb des attischen Dipy- 
lonstils etwas befremdendes und 
dürfte vielleicht zum Teil auf Vor- 
bildern von den Inseln zurück- 
gehen, wie das abgeschnittene Flg - 92 ' 
quadratische Eckfeld entschieden nach Thera hinweist. An der Hinterseite, 
wie an der Vorderseite, befinden sich am oberen Rande 2 Buckel. Hinten 
dieselbe Darstellung mit ganz unbedeutenden Abweichungen in den Füll- 
ornamenten. 

Der gewölbte Deckel ist mit einem 
Griff versehen, der oben in einem Knopf 
endet. Neben gewöhnlichen Dipylon- 
motiven finden sich an dem Deckel zwei 
Reihen mit Tangenten verbundener Kreise. 
48) Fig. 93. Museum in Eleusis, aus Eleusis. 
Gelbbrauner Thon, schwarzbrauner (jetzt 
meistens rötlicher) Firnis. H. 0,30. Dm. 
d. Mündung 0,31. Gr. Umf. 1,13. 

Die Fläche zwischen den Henkeln wird 
durch zwei Gruppen senkrechter Linien 
in drei Abschnitte geteilt. Das mittlere 
Feld wird durch Diagonalen gekreuzt. Jedes der beiden anderen Felder ist 
durch horizontale Linien in einen oberen und einen unteren Abschnitt geteilt. 
Diese seitlichen vier Felder enthalten jedes eine gemalte Schlangenlinie mit 
kleinen Sternen als Füllmotiv. 




IV. Schalen und Näpfe. 

49) Fig. 94. Athen, Nat.-Mus. 727, aus dem Kerameikos. H. 0,08 (ohne Henkel). 
Merkwürdig sind die zwei langen Henkel, die oben in eine Spitze zu- 



214 



Wide, Geometrische Vasen aus Griechenland. 



sammen laufen. Es scheint, als ob diese eigentümliche Einrichtung auf eine 
alte Sitte, die Gefäfse durch Stricke aufzuhängen, zurückginge. 

50) Fig. 95. Athen, Nat.-Mus. 686, aus dem Kerameikos. H. (ohne Henkel) 0,08. 

51 — 57) Die folgenden Abbildungen (Fig. 96 — 102) zeigen die in den Dipylon- 





Fig- 95- 



Fig. 94. 





Fig. 97- 




Fig. 98. 

gräbern gewöhnliche Form der Näpfe. Sie bestehen aus einem oberen, fast 
cylindrischen Teil und einem unteren, etwas bauchigen Teil. Das Ver- 
hältnis zwischen diesen beiden Teilen wechselt an verschiedenen Gefäfsen: 
bald tritt der obere, bald der untere Teil mehr hervor. Die zwei horizontalen 



Wide, Geometrische Vasen aus Griechenland. 



215 



Henkel sitzen immer an dem unteren Teil. Einige Gefäfse sind mit durch- 
löchertem Fufs versehen. An einigen sind die Deckel erhalten, die einen 
knopfartigen Griff haben. 

Es ist interessant auch an diesen kleinen Gefäfsen die zwei verschiedenen 
Decorationsprincipien des Dipylonstils zu beobachten. Wir finden an einigen 
Gefäfsen eine durchlaufende Decoration in horizontalen Streifen (mit Vorliebe 




Fig. 99. 







Fig. 100. 





Fig. 101. 



Fig. 102. 



für den Mäander); an anderen dagegen werden die Horizontalbänder durch 
verticale Trennungsglieder in kleine viereckige Felder zerlegt, welche die in 
diesem Stil beliebten Motive, Hakenkreuz, Vierblatt u. dgl. enthalten. An 
diesen Näpfen finden wir neben den gewöhnlichen Verzierungselementen des 
Dipylonstiles mitunter die sonst verhältnifsmäfsig selten vorkommenden sogen, 
falschen Spiralen. 

Die Höhe dieser Näpfe (ohne Fufs) beträgt im allgemeinen ca. 0,10 m, 
der Durchm. der Mündung wechselt zwischen 0,12 — 0,16 m. 

(Schlufs folgt.) 
Lund. Sam Wide. 



Jahrbuch des archäologischen Instituts XIV. 



17 



Archäologischer Anzeiger 



Beiblatt 

zum Jahrbuch des Archäologischen Instituts 

i899. i. 



Am ii. Februar ist zu Berlin Johann August Kaupert im 77. Lebens- 
jahre verschieden. 

Kaupert' s hohe Befähigung in seinem Fache fand, seitdem er aus 
seiner hessischen Heimath nach Berlin übergesiedelt war, ihre Hauptverwendung 
für die Arbeiten des grofsen Generalstabs, aber mit besonderer Neigung hat 
er' sie auch in den Dienst der Alterthumswissenschaft gestellt. Er war es, der 
an Ernst Curtius' Seite die kartographischen Arbeiten leitete, deren Zustande- 
kommen das Preufsische Unterrichtsministerium und der grofse Generalstab 
dem archäologischen Institute ermöglichten, vor Allem die »Karten von Attika«, 
anerkannt vollendete Leistungen des Verstorbenen und der Offiziere, welche 
ihm die Aufnahmen lieferten. Nachdem die Karten im Maafsstabe von 1 : 25000 
erschienen waren, legte Kaupert Hand an, in höchster Feinheit der Dar- 
stellung im Maafsstabe von 1 : 100000 sie zu wiederholen. Diese Ausgabe 
noch fertig zu bringen war sein sehnlicher Wunsch in der letzten Lebenszeit, 
als den sonst immer Rüstigen schon die Leiden befallen hatten, welche ihn 
hinweggenommen haben. Er sollte die Vollendung seiner Lieblingsarbeit nicht 
mehr sehen, aber ihr baldiges Erscheinen ist gesichert. 

In solchen Leistungen bleibt sein Gedächtnifs, und immer, wenn Rath 
und That auf dem so wichtigen kartographischen Gebiete beim Institute Noth 
thun wird, wollen wir dankbar uns erinnern, wie wir Beides so sachkundig 
und so bereitwillig dargeboten bei Johann August Kaupert fanden. 



DIE NEUEN AUSGRABUNGEN AUF 
DEM FORUM ROMANUM. 

Auf die grofse, von 1871 bis 1884 dauernde 
Ausgrabungscampagne des Forum Romanum war 
seit fünfzehn Jahren eine Periode des Stillstandes 
gefolgt. Zwar hatte es nicht an einzelnen Nach- 
grabungen gefehlt, die zur Erledigung spezieller 
topographischer Probleme unternommen und von 
den italienischen Behörden bereitwillig gestattet 
wurden. So konnte Jordan 1886 und ich 1888 die 
Statte der Regia, O. Richter 1884 die Rostra, 1888 
Archäologischer Anzeiger 1899. 



den Cäsar-, 1897 den Castortempel einer genaueren 
Untersuchung unterwerfen, deren Resultate in den 
Schriften unseres Instituts niedergelegt sind. 1 Aber 

Vgl. O. Richter, Scavi ai rostri del Foro Ro- 
mano , Bull, dell' Istituto 1884, S. 113 — 116; Ders., 
Die römische Rednerbühne, Jahrbuch 1889 S. I — 17; 
H. Jordan, Gli edifizj antichi fra il tempio di Faustina 
e V atrio di Vesta Rom. Mitth. 1886 S. 99 — III, — 
O. Richter, Der Tempel des Divus Julius und der 
Bogen des Augustus auf dem Forum Romanum 
(Antike Denkmäler 1 Tf. 27. 28). — O. Richter, 
Die Augustusbauten auf dem Forum Romanum. Jahr- 
buch 1889 S. 137 — 162. — Ch. Hülsen, Die Regia. 

I 



Die neuen Ausgrabungen auf dem Forum Romanum. 



die von allen Freunden des alten Roms gewünschte 
und längst geplante Fortsetzung der Ausgrabung 
an der Nordseite des Forums, unter deren Schutt 
die Reste der Basilica Aemilia begraben sind, liefs 
auf sich warten, und dafs auch innerhalb des bisher 
aufgedeckten Areals die Ausgrabung keineswegs mit 
der wünchenswerten Gründlichkeit geführt war, be- 
wiesen handgreiflich die eben genannten Spezial- 
untersuchungen, welche, zum Teil unter einer dünnen 
Schicht von '/ 2 — i m Tiefe, interessante topogra- 
phische Resultate ans Licht brachten. — In diesem 
Zustande Wandel geschaffen zu haben ist das Ver- 
dienst des derzeitigen Unterrichtsministers Baccelli, 
der schon in seinem früheren Ministerium (1882 — 84) 
die Freilegung des Forums durch Beseitigung der 
modernen Strafsendämme (im Zuge der Via Bonella 
einerseits, zwischen S. Maria Liberatrice und S. 
Lorenzo in Miranda andererseits) aut's dankens- 
werteste gefördert hatte. 

Die Arbeiten, welche im November 1898 be- 
gonnen und unter der sachkundigen und energischen 
Leitung des Ingenieurs G. Boni, mit Aufwendung 
nicht unbedeutender Mittel stetig fortgeführt wurden, 
sind von doppelter Art. Einmal ist man bestrebt, 
die zahlreichen aus den Ausgrabungen der letzten 
28 Jahre stammenden Architekturfragmente, die 
bisher ohne jede Ordnung über den Platz zerstrent 
lagen, zu classificiren und soweit als möglich bei 
den Gebäuden zusammenzustellen, denen sie ur- 
sprünglich angehörten. So hat man neben dem 
einen kolossalen Block vom dorischen Gebälke der 
Basilica Aemilia, welcher 1885 unter der Böschungs- 
mauer am Nordrande des Forums zu Tage gekommen 
war, noch eine Anzahl von ähnlichen Stücken, ferner 
Fragmente des Kranzgesimses u. s. w. zusammen- 
gestellt, die für unsere Kenntnis der Architektur 
des Gebäudes von Wert sind. Bei den Rostra sind 
die Blöcke mit der Inschrift des Stadtpräfekten 
Junius Valentinus, der wahrscheinlich um 470 n. Chr. 
die Rednerbühne wieder herstellte (s. Rom. Mitth. 
l8 95 s - 59-63) zusammengelegt; auch ein Stück 
der Marmorbalustrade (mit Gittermuster), welche 
den Sprechplätz umsäumte, ist gefunden. Ein spätes, 
reich aber überladen dekorirtes Epistyl, von welchem 
bisher acht Stücke gefunden sind, gehört einem 
kleinen Bau in der Nähe der Rostra, vielleicht der 
sog. Schola Xantha (s. Rom. Mitth. 1888 S. 208—232) 
an. Zahlreiche durch ihre elegante Ausführung her- 
vorragende Stücke der Architektur des Concordien- 
tempels werden auf dem Fundamente desselben, 

Jahrbuch 1889 S. 228—253. — O. Richter, Der 
Castortempel am Forum Romanum, Jahrbuch 1898 
S. 87—114. 



hinter dem Severusbogen, vereinigt. Nicht zu ver- 
gessen ist, dafs auch den Resten aus dem frühen 
Mittelalter, welche von den früheren Leitern der 
Ausgrabungen sehr stiefmütterlich behandelt waren, 
gröfsere Beachtung zu Teil wird. Die zahlreichen 
Fragmente der Chorschranken und sonstigen orna- 
mentalen Stücke der Kirche S. Maria in Foro werden 
wieder im westlichen Seitenschiffe der Basilica Julia 
zusammengelegt: wenn man sie nach den guten 
Vorstudien F. Mazzantis (Arckivio storico dell' Arte 
1896, fasc. I — III) dort wieder ergänzt und aufstellt, 
so wird ein beachtenswerter Rest byzantinischer 
Kunst aus einer Periode, die in Rom sonst nur 
spärlich vertreten ist, aufs neue erstehen. 

Diese Classificirungs- und Ordnungsarbeit soll 
aber nur eine Vorstufe bilden zur Rekonstruktion 
derjenigen Denkmäler, bei denen die relative Voll- 
ständigkeit der Reste dies gestattet. Freilich werden 
dies immer nur wenige und verhältnismässig secun- 
däre bleiben, während eine Wiederherstellung der 
im Altertum das Forum dominirenden, jetzt bis auf 
die Fundamente und wenige Säulen- oder Pfeiler- 
reste verschwundenen grofsen Monumentalbauten, 
der Tempel und Basiliken, eine dilettantische Utopie 
bleibt. 

Man hat begonnen mit zwei ziemlich augen- 
fälligen Rekonstruktionen, der Wiederaufrichtung 
zweier Kolossalsäulen an der Nordseite der Sacra 
Via, gegenüber der Basilica Julia. Dafs diese Säulen 
in der Zeit des Diocletian, nach dem grofsen Brande, 
der unter Carinus das Forum verwüstete, aufgeführt 
sind, bezeugen die Stempel der grofsen Ziegelplatten, 
aus denen ihre Fundamentschicht besteht. Neben 
der ersten und zweiten dieser Basen (vom Castor- 
tempel aus gerechnet) hatteman bei den Ausgrabungen 
1872 die Schäfte zweier Kolossalsäulen gefunden, 
welche, wie Photographien und Zeichnungen aus 
jenem Jahre deutlich erkennen lassen, auf den ab- 
schüssigen Schutthalden am Fufse jener Basen nach 
der Sacra Via zu noch genau so lagen, wie sie 
wahrscheinlich nicht Menschenhand, sondern ein 
grofses Erdbeben gestürzt hatte. Es ist also keine 
Willkür, wenn auf der zweiten Basis ein er. 7 m 
hoher Säulenschaft aus Pavonazzetto, auf der ersten 
der noch höhere aus grauem Granit ihren alten 
Platz wieder eingenommen haben. Zweifelhaft ist 
nur, in welcher Art zwischen den Säulenschäften 
und den massigen quadratischen Postamenten die Ver- 
mittlung gefunden war. Die modernen Restauratoren 
haben, in engem Anschlufs an das Vorbild der 
Phocassäule, in der Mitte des Postaments eine ziem- 
lich hohe viereckige Basis mit weit vorragendem 
Gesimse errichtet: ob dabei in den Gröfsenverhält- 



Die neuen Ausgrabungen auf dem Forum Romanum. 




nissen das richtige getroffen ist, bleibt zweifelhaft. 
— Auch von den weiteren, zur dritten bis siebenten 
Basis gehörigen Säulen, meist riesigen unkannellirten 
Schäften aus rotem Granit, sind zahlreiche Frag- 
mente teils neuerdings, teils schon unter Fea 1813 fr. 
gefunden worden: die Zugehörigkeit derselben zu 
einem bestimmten Platze aber ist so wenig zu kon- 
statiren, dafs man hier von einer Wiederaufrichtung 
verständiger Weise Abstand nehmen sollte. 

Eine Lieblingsidee des Ministers ist die Wieder- 
herstellung des Vestatempels , von dem zahlreiche 
Säulen- und Gebälkreste aus den früheren Aus- 
grabungen bereits in der Nähe umherlagen. Zum 
Behufe der Untersuchung, ob die Fundamentreste 
zum Aufsetzen wenigstens einiger Säulen noch taug- 
lich seien, ist ein Versuchsgraben quer durch das 
erhaltene Rund des Fundamentes hindurchgelegt. 
Dabei hat sich gezeigt, dafs das Fundament inner- 
halb des Quaderrings nicht, wie man bisher annahm, 
aus einer compakten Masse von opus incertum be- 
stand, sondern dafs in der Mitte desselben Mauern, 
teils aus Ziegel- teils aus Quaderwerk (letztere meist 
bis auf. die Eindrücke im Gufswerk verschwunden) 
einen kellerartigen Raum von 2,40 m im Quadrat 
umgrenzen. Man hat darin den penus Vestae, den 
Aufbewahrungsort für gewisse verborgene Heiligtümer, 
sehen wollen, aber ohne jeden Grund. Viel eher 
wird an einen Raum zur Aufnahme der Asche des 
heiligen Feuers zu denken sein, aus welchem ein- 
mal jährlich stercus ex aede Vestae auferebatur (vgl. 
die Kalender zum 15. Juni; Mommsen CIL. I p. 289; 



Jordan Tempel der Vesta S. 70). Gelegentlich 
der Untersuchung des Fundaments hat man, teils 
in der Mitte, teils an der Nordseite eine nicht 
unbeträchtliche Zahl von Vasenscherben gefunden, 
darunter ein Bruchstück einer rotfigurigen griechi- 
schen Vase mit schöner Malerei (Kopf eines 
Kriegers); die meisten freilich sind ordinäre unter- 
italische oder campanische Waare. — Da die 
Blöcke aus Tuff, welche den Gufskern umgaben, fast 
sämtlich schon vor langer Zeit geraubt sind, so 
müfste, um die Säulenordnung auch nur an einer 
Stelle wieder aufzusetzen, das ganze Fundament stark 
restaurirt werden. Und selbst wenn man damit ein- 
verstanden sein wollte, bleibt immer noch das recht 
bedenkliche Factum, dafs von der ganz aus Marmor- 
quadern bestehenden Cellawand, aufser einem Stück 
des oberen Gesimses, nur sehr unbedeutende Frag- 
mente erhalten sind. Will man die Cellawand aus 
Ziegelwerk wieder aufbauen, so giebt man dem 
Beschauer, der nicht Fachmann ist (und gerade für 
das grofse Publikum soll die Sache anschaulich ge- 
macht werden) ein ganz falsches Bild. Die interes- 
santen Reste des Gebälks und der Kassettendecke 
aber müfsten behufs Zusammenfügung stark aus- 
geflickt werden (von ihrer Zertrümmerung geben 
die genauen Aufnahmen Auers, Denkschr. d. Wiener 
Akad. XXXVI Tf. V, eine Vorstellung: es ist nicht 
eine einzige Platte in ihrer ganzen Länge erhalten) 
und die Originale würden dann, in etwa acht Meter 
Höhe vom Boden angebracht der Untersuchung 
gerade der Interessenten ganz entrückt bleiben. Da 

I* 



Die neuen Ausgrabungen auf dem Forum Romanum. 



man also Gefahr liefe mit unnützen Kosten etwas 
zu schaffen, was weder dem Künstler noch dem 
gebildeten Laien noch dem Fachmanne zur Be- 
friedigung gereichte, kann nur dringend geraten 
werden, auf einen Wiederaufbau des Vestatempels 
zu verzichten. 

Weder dem künstlerisch interessirten Beschauer 
noch dem Architekturforscher hat man es jedenfalls 
recht gemacht mit der ersten in unmittelbarer Nähe 
des Vestatempels ausgeführten Rekonstruktion, der 
kleinen Adicula neben dem Eingange zum Vestalen- 
hause, deren Bruchstücke i. J. 1882 in seltener 
Vollständigkeit aus dem Boden gekommen waren. 
Die damals gefundenen Stücke: Säulenbasis und 
Kapitell ionischer Ordnung, Architrav mit der In- 
schrift Senatus populusque Romanus pecunia publica 
faciendam curavit, lagen seitdem in der Nähe auf 
dem Forumspflaster. Jetzt hat man sie ihren Platz 
auf dem antiken Postament wieder einnehmen lassen, 
und zwar so, dafs der linken Säule statt eines 
kannellirten Marmorschafts ein glatter aus ordinärem 
Travertin gegeben, an Stelle der rechten Säule aber 
ein plumper Backsteinpfeiler aufgemauert ist, aus 
dessen oberen Ecken eine ionische Kapitellschnecke 
höchst unglücklich hervor schaut. Dem Fachmanne, 
der F. O. Schulzes Rekonstruktion (bei Jordan Tf. II) 
kennt, sagt dieser Aufbau nichts neues; der Künstler 
und der Laie werden das so geflickte Bauwerk mit 
Recht häfslich finden. Man verspricht zwar, dafs 
»im Frühling eine Kletterrose den schlichten Pfeiler 
malerisch umranken solle«; aber wird diese eine 
Pflanze inmitten der Trümmerstätte, wie sie jetzt 
ist, die gewünschte malerische Wirkung haben? 
Ihres Lebens wird sie vermutlich auch nicht recht 
froh werden, weil man ihr natürlich nicht ge- 
statten wird, den Architrav mit seiner Inschrift zu 
verdecken, und noch viel weniger, mit ihren be- 
kanntlich sehr eindringenden Wurzeln die Stabilität 
des luftigen Baus zu gefährden. Dafs aber diese 
»Rekonstruktion« der Ädicula nur der erste Schritt 
auf dem Wege sei, das Forum Romanum in eine 
Gartenanlage aus der Biedermaierzeit mit umrankten 
Säulenstümpßn und malerisch halbverfallenen Tem- 
pelchen umzuwandeln, davor wird uns der wissen- 
schaftliche Ernst der Ausgrabungsleitung, wie wir 
fest hoffen, zu bewahren wissen. 

Wir kommen zu den neuen Resultaten, durch 
welche die Ausgrabungen unsere Kenntnis des 
Forums bereichert haben. Solche sind gewonnen 
für den am östlichen Ende des Forums gelegenen 
Caesar-Tempel. Auch die letzte Untersuchung des- 
selben, die oben erwähnte von O. Richter und 
F. O. Schulze (1888) hatte eine nicht unwesentliche 



Frage noch nicht mit dem Spaten zu lösen versucht. 
Mit der Fassade des Tempels organisch verbunden 
ist bekanntlich eine Tribüne oder Estrade, welche, 
wie Abbildungen auf Münzen beweisen, als Redner- 
bühne dienen konnte. In die Mitte dieser Bühne 
schneidet eine halbkreisförmige Nische ein, die in 
später Zeit durch eine schlecht gefügte Mauer aus 
grofsen graugrünen Tuffblöcken abgeschlossen ist. 
Richter hatte vermutet, dafs diese Nische bei 
Leichenfeiern für Mitglieder des Kaiserhauses zum 
Aufbau des Katafalks gedient hätte; Jordan, dafs 
in der Nische ein grofser Opferaltar gestanden habe. 
Die neuen Ausgrabungen haben zu Gunsten Jordans 
entschieden. Als man den Schutt aus dem Halb- 
kreise zwischen der runden und der späten grofsen 
Mauer entfernte, kam ein grofsesausTravertinblöcken 
bestehendes Fundament zu Tage, welches seiner Ge- 
stalt nach einen runden Bau von etwa 2 m Durch- 
messer getragen haben mufs. Man könnte also nur 
an die Basis einer Colossalsäule, oder an einen grofsen 
Rundaltar denken. Das erstere aber scheint aus- 
geschlossen, da eine Säule von grofsen Dimensionen 
die Front der Rednerbühne und des Tempels häfslich 
durchschnitten, und gerade den Cella-Eingang ver- 
deckt haben würde. Man hat also, ähnlich wie beim 
Faustinentempel, (und nach der Fortna Urbis auch 
dem Castortempel) mit Rücksicht auf den engen 
Raum des Forums einen grofsen Opferaltar, wie er 
im Vorhofe eines jeden antiken Tempels zu stehen 
pflegte, in ungewöhnlicher Weise der Fassade und 
der Treppenanlage selbst incorporirt. — Unter dem 
grofsen Fundament und der späten Quadermauer 
findet sich ein Hohlraum, dessen Gewölbe ein- 
gebrochen ist, wahrscheinlich nur ein Seitenstrang 
der Cloaca Maxima. Die Vermutung, dafs Caesar 
hier sein Grab gefunden habe, ist jedenfalls irrig, 
da durch das ausdrückliche Zeugnis des Cassius 
Dio gesichert ist, dafs der Dictator im Familien- 
Mausoleum der Gens Julia im Marsfelde bei- 
gesetzt war. 

An der Nordostecke des Caesartempels, nach 
dem Tempel des Antoninus und der Faustina zu, 
hat man begonnen, den etwa 8 m hohen Rand der 
bisherigen Ausgrabung soweit abzutragen, wie dies 
mit Rücksicht auf die Stabilität der Häuser zwischen 
Via Cavour und S. Lorenzo in Miranda thunlich 
ist. Dabei ist eine mittelalterliche Strafse, etwa 
I m über dem Pflaster des antiken Forums, heraus- 
gekommen, zu deren Konstruktion vorwiegend 
Werkstücke aus weifsem Marmor von dem nahen 
Caesartempel verwendet sind. Es sind namentlich 
Stücke grofser kannelirter Wandpilaster, die entweder 
den Anten der Vorhalle, oder den Ecken der Rück- 



Die neuen Ausgrabungen auf dem Forum Romanum. 



maucr angehören; ferner GesimsstUcke vom Stylo- 
baten, Kassetten vom Hauptgebälk, endlich mehrere 
kleinere und feiner gearbeitete, die wahrscheinlich 
der Innendekoration der Cella angehören. — Her- 
vorgehoben mag auch werden, dafs von den 
Fundamenten des »Partherbogens«, den Richter 
(Jahrb. des Instituts 1889 S. 153 ff.) hier vermutet, 
absolut keine Reste zu Tage gekommen sind. Dafs 
die Existenz eines Bogens an dieser Stelle höchst 
problematisch ist, habe ich Rom. Mitth. 1889 S. 242 
ausgeführt. 

Ferner hat man jenseits der Nordostecke des 
Caesartempels, hinter dem ganz späten Rest eines 
Privathauses aus longobardischer Zeit die Nord- 
strafse des Forums weiter aufgedeckt. Auch hier 
zeigt sich, dafs die bisherigen Untersuchungen auf 
einem viel zu hohen Niveau aufgehört haben. Erst 
ca. 1 — 1'/ 2 m unter dem schwarzen Basaltpflaster, 
welches der Besucher gewohnt war als mafsgebend 
für das Niveau des Forums in der Kaiserzeit zu 
betrachten , hat sich das wirklich antike Pflaster 
gefunden; die bemerkenswerte Anlage der Treppe 
des Faustinatempels, in deren Mitte, der 4. bis 
9. Stufe von unten entsprechend, ein grofser Altar 
eingebaut war, ist nunmehr deutlich zu Tage ge- 
treten. Es bleibt zu hoffen, dafs es diesen in die 
Tiefe dringenden Untersuchungen auch gelingen 
wird, das Problem zu lösen, wo der wahre Standort 
des Fornix Fabianus gewesen sei. 

Auch am Fufse des Ausgrabungsrandes zwischen 
S. Lorenzo in Miranda und Via Cavour hat man 
den Schutt gründlicher als es bei der Ausgrabung 
1872 ff. geschehen war hinweggeräumt, und dadurch 
nicht nur die zuerst von Jordan (Top. I, 2, 176 ff.) 
beachteten Bordschwellen, welche den nördlichen 
Rand der travertingepflasterten Area einfassen, 
sondern auch die wie üblich mit schwarzen Basalt- 
steinen gepflasterte Nordstrafse des Forums selbst 
fast in ihrer vollen Breite freigelegt. Das Pflaster 
ist, wie meist auf dem Forum, aus später Zeit und 
sehr liederlich zusammengefügt. Man hat diese 
Stfafse westwärts weiter verfolgt bis zum Severus- 
bogen, und ist mit der Freilegung auch hier bis 
auf das wirklich antike Niveau hinabgegangen. Bei 
dieser Gelegenheit wurde Mitte Januar, etwa 20 m 
vom Severusbogen, (bei R auf dem Plänchen S. 3) 
gegenüber der grofsen, wahrscheinlich zum Schmucke 
der Diocletianischen Curie gehörenden Basis mit Cae- 
sarum decennalia felkiter, ein Monument freigelegt, 
welches das Interesse weitester Kreise in ungewöhn- 
lichem und, sagen wir es gleich, unverdientem Mafse 
auf sich gezogen hat. Kaum ein Meter unter dem 
Basaltpflaster der fälschlich für antik gehaltenen 



Strafse, welche zum Severusbogen hinauffuhrt, ist 
ein nahezu quadratischer mit einer Schwelle aus 



3.45 



Pflasterstrafse 

Travertin eingefafster Platz aufgedeckt worden. Die 
Schwelle hat auf ihrer Oberfläche zwei Rinnen; 
die eine, er. 15 cm breit, dient zum Einlafs einer Um- 
hegung aus dicken Marmorplatten; die auswärts 
dieser laufende breitere (20 cm) sieht einer Trauf- 
rinne ähnlich. Der Raum innerhalb der Travertin- 
schwellen ist mit schwarzem Marmor gepflastert, 
der, wie eine Probe zeigte, geschliffen dem aus 
Lakonien stammenden Nero antko (Marmor 
Taenarium) sehr ähnlich sieht: ob es wirklich 
dieser griechische, oder ein ähnlicher im ligurischen 
Appennin brechender schwarzer Marmor sei, wird 
vielleicht die mineralogische Untersuchung ergeben, 
deren Resultat noch aussteht. 

Man hat nun mit diesem Funde sofort einige 
sehr bekannte Stellen aus Autoren der früheren 
Kaiserzeit in Verbindung gebracht. Diese sind: 
Festus p. 177: Niger lapis in Comitio locum funestum 
significat, ut ali, Romuli morti destinatam, sed non usu 

ob[venit Fau]stulum nulri[cium eius ; 

Dionys. Halic. I, 87: xtves oe *a\ tov tewza -6v 
Äiihvov, ä; sxetio tt); ayopä; zffi tö»v 'PiupvHcuv h 
t«7 -/paTtST«;) /u>pt'<i> ~apa tot» lußoXou, lizl toj aa>- 
(aocti toü «PocicfT'iXoy TstKjvat cocjiv, Ivi)a e;r:aev 0^6 
täv eüpovTOuv Ta'f^vTO?. Porphyrio zu Horaz ep. 
16, 13: Varro post rostra fuisse sepultum Romulttm 
dicit. — Schol. Horat. ep. 16,13 im Cod - Paris. 7975 
(hsg. v. Kurschat Progr. Tilsit 1884): Plerumque 
ahmt in rostris Romulum sepullum fuisse, et in 
memoriam huius rei leones duos ibi fuisse, sicut hodieque 
in sepulcris videmus, atque inde esse ut pro rostris 
mortui laudarentur. Vgl. zu V. 14: Nam et Varro 
pro rostris fuisse sepulcrum Romuli dicit. Dafs die 
alten Rostra auf der Grenze zwischen Forum und 
Comitium gelegen waren und ihre Südfront dem 
ersteren, ihre Nordfront dem letzteren Platze zu- 
kehrten (vgl. Rom. Mitth. 1893 S. 87 und Tf. IV) 
steht fest. Mithin mufs ein »bei den Rostra, auf 
dem Comitium« befindlicher schwarzer Stein an der 
Nordseite der Rednerbühne gelegen haben, d. h. für 
jemand der bei der Curia Hostilia stand pro rostris, 
dagegen für den vom Forum kommenden post rostra. 



Die neuen Ausgrabungen auf dem Forum Romanum. 



Nun ist zwar die Grenze zwischen Forum und 
Comitium und die Lage der alten Rostra bisher 
nur approximativ zu bestimmen; aber sie so weit 
nach Süden vorzuschieben, dafs der ganze Severus- 
bogen auf das Terrain des Comitiums, die alten 
Rostra aber an die Stelle der Diocletiansbasis oder 
des Stilicho-Monuments zu liegen käme, erscheint 
schlechthin ausgeschlossen. Und selbst wer sich 
durch diese topographische Erwägung nicht von 
der Unmöglichkeit überzeugen lassen wollte, das 
schwarze Steinpflaster mit dem niger lapis zu identi- 
fizieren, mufs zugeben, dafs das neuausgegrabene 
Monument gar nicht zu der Vorstellung stimmt, 
die wir uns nach den Schriftstellerzeugnissen davon 
machen müssen. Erstens heifst niger lapis wohl 
eine schwarze Steinplatte, nicht aber ein mit 
schwarzen Steinen gepflasterter Platz. Sodann hätte 
man erwarten dürfen, von den (oder dem) Löwen, 
welche nach Varro wie Dionys als Hüter des Grabes 
aufgestellt waren, die Spuren der Postamente, oder 
wenigstens den Platz für dieselben, zu finden: was 
nicht der Fall ist. Der Versuch, diese Abweichung 
damit zu erklären, dafs das neugefundene »Romulus- 
grab« eine Wiederherstellung aus sehr später Kaiser- 
zeit sei, verfängt auch nicht. Denn von der 
Existenz eines solchen »Grabes« auf oder am Forum 
weifs die gesamte Litteratur der Kaiserzeit nichts, 
während doch die Casa Romuli auf dem Kapitol 
wie auf dem Palatin öfters erwähnt wird, die letztere 
sogar der Aufnahme in die offizielle Stadtbeschreibung 
der Constantinischen Zeit gewürdigt ist. Seitdem 
überhaupt die Legende von der Entführung des 
Romulus in den Olymp zum Staatsdogma geworden 
war — und wie viel Mühe sich gerade der Kaiser 
Augustus darum gegeben hat, ist allbekannt — war 
die Existenz eines »Grabes« des Stadtgründers gar 
nicht mehr bequem. Man beachte also, dafs Dionys 
von den Löwen IxütO sagt, und nicht -/errat, er 
selbst folglich das Monument nicht mehr gesehen hat. 
Alle übrigen Nachrichten aber gehen auf Varro zu 
rück, der vor der grofsen Veränderung des Comitiums 
durch Cäsars Bauten schrieb. Es ist leicht möglich, 
dafs gelegentlich jener grofsen Umwälzungen mit 
den alten Rostra auch der lapis niger verschwand. 
Wenn man mit dem Negativen über den lapis 
niger schnell fertig wird, so ist es schwerer, eine 
positive Vermutung darüber aufzustellen, welchem 
Zweck das Pflaster samt der Einhegung gedient habe. 
Abgesehen von der Erklärung als Grab ist es an- 
gesprochen als das tribunal praetorium (von Com- 
paretti in der Sitzung der Lincei vom 29. Januar), als 
bidental oder Blitzgrab (von Gatti ebda), auch als 
Umhegung des Ficus Ruminalis. Keine von diesen 



Erklärungen scheint mir möglich, doch braucht eine 
Widerlegung hier um so weniger gegeben zu werden, 
als bisher noch keine unter Darlegung der Gründe 
ausführlich entwickelt ist. Seiner Konstruktion 
nach macht das Pflaster entschieden den Eindruck 
eines Flickbaus aus allerspätester Zeit. Die Blöcke 
aus dem kostbaren Material sind roh zurecht ge- 
hauen und unregelmäfsig zusammengefügt; die 
Fundamentierung aus Travertinblöcken mit der 
Rinne auf der Oberfläche erinnert an das ähnliche 
Halbrund an der Nordostseite des Castortempels, 
welches lange Zeit für einen Überrest des i>lacus 
Pulumae« galt, bis die Fortsetzungen der Aus- 
grabungen erwies, dafs man es vielmehr mit einem 
Bau unbekannter Bestimmung zu thun habe, der 
sich im frühen Mittelalter an einen Pfeiler des ver- 
fallenden Augustusbogens angelehnt hatte. Das 
Pflaster aufzudecken, um dem Problem auf den Grund 
zu kommen, hat man bis jetzt unterlassen: durch 
eine seitliche Bohrung ist festgestellt, dafs unter 
dem Marmor eine dicke Lage Calcestruzzo liegt. — 
Wenig nördlich von dem schwarzen Pflaster hat 
man einen antiken (?) Brunnenschacht gefunden, 
der mit Fragmenten von Marmorplatten mit byzan- 
tinischen Ornamenten angefüllt war. Eine sehr in 
die Tiefe (z. Z. bis 14 m unter das Forumsniveau) 
gehende Bohrung wird zum Zwecke geologischer 
Untersuchung des Bodens angestellt. 

Jedenfalls dankenswert ist, dafs der Fund des 
»Romulusgrabes« Anlafs gegeben hat, das ganze 
Terrain östlich vom Severusbogen einmal gründlich 
bis auf das antike Niveau abzuräumen. Dabei ist 
zunächst für jeden Beschauer deutlich geworden, 
was freilich den Fachmann nicht überrascht, dafs 
die Pflasterstrafse durch den Severusbogen eine 
Anlage aus ganz später Zeit ist. Ja die dem Haupt- 
durchgange des Bogens zunächst gelegenen Teile 
des Pflasters documentirten sich als ganz modern, 
zu Feas Zeiten neu angeordnet, da man unter dem 
bisher liegenden Pflaster mehrere kleine Kupfer- 
münzen Pius VII. und Napoleon I. fand: was die 
Proteste gewisser Kreise, die über die »vandalische 
Zerstörung mittelalterlicher Strafsen« zu klagen an- 
fingen, zum Verstummen brachte. Für die Be- 
stimmung des Niveaus des Forums in der Mitte des 
vierten Jahrhunderts ist es wesentlich, dafs die 
grofse Backsteinbasis für das (jetzt wieder darauf- 
gestellte) Marmorpostament einer Reiterstatue, mit 
Ehreninschrift des Stadtpräfecten Naeratius Cerialis 
an Kaiser Constantius (CIL. VI, 1158), bis zum 
Sockel freigelegt worden ist. Hier liegt das Pflaster 
aus grofsen Travertinblöcken nicht weniger als 
3 m unter dem ursprünglichen Pflaster der drei 



Die Häfen von Karthago. 



Durchgänge, 1,40 unter der untersten der Stufen 
in den Seiteneingängen des Bogens. Dafs letztere 
erst spät und unregelmäfsig eingeschnitten sind, 
hat Dutert (Le Forum p. 26) gesehen und durch 
Zeichnungen erläutert. Es scheint, dafs zum Bogen 
ursprünglich nur 4 — 5 frei vorgelegte Stufen empor- 
geführt haben, in später Zeit aber diese tiefer ge- 
legt, und durch die in die Fundamentblöcke ein- 
geschnittenen Treppen verlängert sind. Eine Fahr- 
strafse kann für gewöhnlich auf keinen Fall durch 
den Bogen geführt, derselbe vielmehr nur aus- 
nahmsweise für das Durchfahren praktikabel ge- 
macht sein. 

Am Fufse der Constantius-Basis, im Paviment 
und mit der Rückseite nach oben, wurde das Bruch- 
stück einer Travertinplatte mit Inschrift entdeckt, 
das später durch einige unter dem Pflaster der oben 
genannten Strafse gefundenen Fragmente weiter er- 
gänzt wurde. Die bis jetzt gefundenen Fragmente 
geben nur den unteren Teil zweier Columnen von 
über 20 Zeilen, deren jede etwa 30 Buchstaben 
gehabt haben muss. Die Schrift, in schönen 4 cm 
hohen Charakteren etwa der Sullanischen, spätestens 
Ciceronischen Epoche, hat noch Spuren roter Be- 
malung. Die Inschrift bezieht sich auf einen öffent- 
lichen Bau und ist in Paragraphen geteilt, deren 
Anfang stets durch ein | ] gekennzeichnet ist. 
Der bis jetzt besterhaltene Paragraph lautet: In 
scal[eis] / . . . inieis, ab clciv[o infijmo / . . . [bustejis 
Galliceis vo[r]stcs / [sujm/num cleivom, via J . , 
[in lojngitudincm in peJes j . . singu[los /ts. C; ein 
ähnliches Schema lassen auch die übrigen Para- 
graphen, in denen mancherlei topographische Namen 
vorkommen, erkennen. Um was für einen Bau 
(Wasserleitung? Cloakenr) es sich handelt, ist noch 
nicht klar; sehr zu wünschen bleibt, dafs die weitere 
Abtragung der Pflasterstrafse noch andere Frag- 
mente der Inschrift ergebe, die ein topographisches 
Document ersten Ranges werden könnte. 

Endlich hat man auch vor der Front des Saturn- 
tempels den hochgehäuften Schutt wegzuräumen 
begonnen: dabei hat sich gezeigt, dafs die grofse 
Mauer aus Travertinblöcken, auf welcher die sechs 
Granitsäulen der Vorhalle stehen, im Mittelalter an 
mehreren Stellen durchbrochen ist. Mit Rücksicht 
auf die Stabilität der Säulenhalle mufs daher äufserst 
vorsichtig vorgegangen werden. Gerade in der 
Hauptaxe des Tempels ist man auf einen merk- 
würdigen Rest gestofsen: einen gewölbten Abzugs- 
kanal aus Tuffquadern, der mit seiner nördlichen 
Mauer auf das Basament eines noch älteren Baus, 
gleichfalls aus Tuff, aufsetzt. Die Richtung dieser 
letzteren Mauer, deren Ablauf hocharchaische Form 



zeigt, ist parallel zur Front des Saturntempels. 
Möglicherweise hängt der Kanal mit dem von 
Bunsen Bull, dell' Ist. 1835 Tf. II gezeichneten 
zusammen ; erst die Fortsetzung der Ausgrabung 
kann Klarheit darüber bringen, was diese und 
mehrere andere, teils zur Tempelaxe parallele, teils 
darauf rechtwinkelige Mauern aus Tuffquadern und 
Reticulat zu bedeuten habe, die man zunächst mit 
dem älteren Saturntempel und seinen Nebengebäuden 
in Verbindung zu bringen geneigt sein wird. 

Über einige aufserdem an verschiedenen Stellen 
(z. B. beim Rundtempel des Divus Romulus, sowie 
zwischen Vestalenhaus und Sacra Via) gemachte tasti 
kann einstweilen hinweggegangen werden, da die Aus- 
grabungsleitung beabsichtigt, für die nächste Zeit 
ihre Anstrengungen zu concentriren auf das weitaus 
wichtigste Problem der Forumstopographie, dessen 
Lösung noch aussteht, nämlich die Freilegung der 
Basilica Aemilia. Allerdings wird diese nicht ohne 
gröfsere materielle Opfer zu erreichen sein. Aber 
die Expropriationskosten für die geringwertigen und 
halbverfallenen Häuser am Nordrande der bisherigen 
Ausgrabung sind doch unbedeutend im Vergleich 
zu den Mitteln, die man vor vier Jahren für Frei- 
legung der Ostseite des Colosseums aufgewandt hat, 
ganz zu geschweigen von den für die »Passeggiata 
arcAeologka«, deren wissenschaftlicher wie künst- 
lerischer Nutzen höchst problematisch bleibt, ge- 
forderten Millionen. Es bleibt auf's dringendste zu 
wünschen und zu hoffen, dafs es diesmal gelingen 
möge, die Geldmittel für einen wahrhaft wissen- 
schaftlichen Zweck, dessen Erreichung anzustreben 
schon längst eine Ehrenpflicht der zuständigen 
Stellen gewesen wäre, flüssig zu machen. Ist ein- 
mal die materielle Schwierigkeit behoben, so dürfen 
wir von dem sachkundigen und energischen Vor- 
gehen des derzeitigen Leiters der Ausgrabungen 
die wertvollsten Bereicherungen unserer Kenntnisse 
des Forums erwarten. 

Rom. Ch. Huelsen. 



DIE HÄFEN VON KARTHAGO. 

Herr Lieutenant zur See M. de Roquefeuil 
hat dem ersten in der Sitzung der Academie des 
Inscriptions et Beiles- Lettr es vom 14. Januar 1898 
vorgelegten Berichte ' über seine unterseeische Auf- 
nahme des Golfes von Tunis einen zweiten folgen 
lassen, den Herr R. Cagnat in der Sitzung vom 
14. Oktober 1898 vorgelegt hat. Er zerfällt, wie 
jener, in zwei Abschnitte, von denen der erste über 



') Vgl. Archäol. Anzeiger 1898, S. 171 — 175. 



Die Häfen von Karthago. 



die Untersuchung des von Dr. Courtet- im Osten 
von El Kram entdeckten Dammes handelt. Herr 
de Roquefeuil nimmt in diesem Abschnitte durch- 
weg auf die Arbeit seines Vorgängers Bezug; da 
jedoch nicht alle Leser des Arch. Anzeigers imstande 
sein dürften, sich das betreffende Heft der Sitzungs- 
berichte der Academie des Inscriptions et Belles- 
Leltres zu verschaffen, ohne dasselbe ihnen aber 
manches in dem Berichte nicht ganz klar sein würde, 
so will ich versuchen, im folgenden nur die Haupt- 
punkte der Untersuchungen des Herrn de Roquefeuil 
wiederzugeben, von einer Bezugnahme auf die 
Arbeit des Herrn Dr. Courtet dagegen abzusehen. 
Das untersuchte Gebiet liegt im Süden des 
Lazaretts zwischen El Kram und dem Palais 
Khereddine 3 . Herr de Roquefeuil beginnt mit dem 
Geständnis , dafs einige seiner Lotungen infolge 
mangelhafter Beschaffenheit der gebrauchten Lot- 
leine mit Irrtümern behaftet sind, die in seltenen 
Fällen bis zu 0,50 m betragen können. Er hat sie 
erst festgestellt, als es zu spät war, um die Unter- 
suchungen nochmals zu beginnen; er mufste sich 
damit begnügen, Einzelheiten, die irrig sein konnten, 
nicht zu berücksichtigen und seine Angaben ziem- 
lich allgemein zu fassen ; diese Angaben können 
also wegen der mangelnden Genauigkeit über die 
Frage nicht bestimmten Aufschlufs geben. 

In dem durchforschten Gebiete ist ein Teil 
ziemlich unregelmäfsiger Natur; er ist auf dem Plane 
durch eine gebrochene Linie umschrieben ; aufser- 
halb dieser Grenze sind die Tiefenverhältnisse sehr 
regelmäfsig. 

In seiner Gesamtheit zeigt dieses Gebiet 
folgende Eigentümlichkeiten: Bei C — die Stelle 
ist auf dem Plane schattiert — liegt eine Trümmer- 
masse in einer mittleren Tiefe von 4,50 m. Gleich- 
falls schattiert ist eine ganze, in der Nähe der 
Küste liegende Strecke; diese ist voll von Bruch- 
steinen, die teils leicht wahrnehmbar, teils mit 
Seepflanzen bedeckt sind; besonders zahlreich sind 
diese Steine nach dem Nordrande zu bei den 
Punkten P und N. Bei G findet sich ein wenig 
Schlamm, son^t bedeckt den Boden überall feiner 
Sand. 

Im einzelnen bemerkt der Verf. folgendes: 
50 m von der Küste entfernt, stöfst man auf 

*) Notes sur les construetions en mer voisines 
des ports de Carthage, par M. le docteur Courtet, 
aide-major de /«'"« classe des hopitaux de Tuntsie 
{Academie des Inscriptions et Belles-Lettres. Comptes 
rendus des seances de l'annee 18 'gj. IV Serie. Tome 
XXV. Bulletin du yanvier-Fevrier p. 125fr. mit zwei 
Skizzen im Text.) 

3 ) S. 129 der in Anm. 2 genannten Schrift. 



mächtige Stücke von Mauern; die Bruchsteine, aus 
denen sie bestehen, sind mit Mörtel verlegt; diese 
grofsen Mauerstücke haben weder eine bestimmte 
Form noch eine bestimmte Richtung. »Ich habe«, 
lährt er fort, »ihre Spuren ungefähr 300 m vom 
Ufer verloren, weiter hinaus habe ich nur sandigen 
Grund gefunden. Streng genommen kann man ja 
sagen, dass diese Mauerreste sich nach Norden zu 
krümmen; jedoch ist diese Krümmung nicht stark 
genug, um deutlich in die Verlängerung der 
Mauer BM zu fallen; auch mufs man dann an- 
nehmen, dafs die Massen bei C, welche in der 
That nördlicher liegen, mit den Massen der 
schattierten Strecke in der Nähe des Landes zu- 
sammenhängen. Möglich ist das ja, denn beide 
sind Trümmer von Kunstbauten derselben Be- 
schaffenheit. Indessen habe ich nirgends eine Er- 
hebung des Bodens gefunden, die eine Verbindung 
zwischen ihnen herstellte. Im Gegenteil, es findet 
sich zwischen diesen beiden Gruppen von Bauten 
eine ziemlich beträchtliche Vertiefung von 4,50 m, 
während die Tiefe sich auf 3,70 m in C und auf 

weniger als 2,50 m nach N zu vermindert 

Bei dem Punkte H findet sich eine ausgedehnte 
unterseeische Bank von etwa 0,60 m Höhe; diese 
Bank ist ziemlich merkwürdig, weil sie, aufser im 
Süden, von 5 m tiefem Wasser umgeben ist 

Das gesamte unregelmäfsige Gebiet ist über 
die Mafsen grofs .... Im Norden bildet es eine 
Art vorspringender Ecke; seine Festigkeit ist der- 
artig, dafs sie die verschiedenen Tiefenlinien 
wechselnde, nicht parallele Richtungen anzunehmen 
nötigt. Daher kommt es, dafs die 5 m Tiefenlinie 
dem allgemeinen Verlaufe der Küstenlinie folgt, dafs 
die 4 m Tiefenlinie sich je nach der Dichtigkeit des 
Hindernisses windet, während die 3 m Tiefenlinie 
einer ganz neuen Richtung folgt, welche durch die 
Gesamtheit der Reste bedingt ist. Die Richtung 
dieser letzten Linie könnte sogar zu Gunsten der 
Theorie Dr. Courtets sprechen, der in diesen 
Resten die Überbleibsel des Scipionischen Dammes 
sehen will; dagegen spricht aber die Erwägung, 
dafs Dr. Courtet den ganzen südlichen Teil der 
schattierten Strecke in der Nähe der Küste bei seinen 
Untersuchungen nicht berücksichtigt hat.« 

Besonders eingehende Lotungen hat Herr 
de Roquefeuil südlich von dem Molenkopfe 45 vor- 
genommen wegen der Wichtigkeit, welche die Er- 
gebnisse dieser Untersuchungen haben mufsten; es 
handelte sich darum, zu erkennen, ob dort der 
Meeresboden Unregelmäfsigkeiten zeigte, die im 
Zusammenhange mit den weiter südlich gelegenen 
Resten stehen könnten, kurz, ob die Existenz einer 



Archaeologischer Anzeiger 1899. 



Zu Seite 7 ff. 



BAIE DE EL- KRAM 



Plan leve par M r de ROQUEFEUIL.Enseigne devaisseau 
Fevrier 1898- 




Die Häfen von Karthago. 



Durchfahrt im Süden des Molenkopfes nachweisbar 

war Er hat aber keine Spur von 

Felsen, Steinen oder Seepflanzen gefunden. Die 
einzige Unregelmäfsigkeit, die er auf dem Meeres- 
grunde hat entdecken können, ist eine Bank A von 
höchstens 150m Länge und 50m Breite, die in 
einer durchschnittlichen Tiefe von 5 m liegt. Aber 
die Höhe dieser Bank ist so unbedeutend, etwa 
0,10 in', dafs es seiner Meinung nach verfrüht sein 
würde, sich über ihren archäologischen Wert auszu- 
sprechen. Man könne jedoch sagen, dafs in dieser 
Erhebung, wenn sie auch mit feinem Sande bedeckt 
ist, etwas Widerstandsfähigeres stecken müsse ; denn 
trotz ihrer unbedeutenden Höhe hat ihre Härte eine 
Einebnung verhindert und die Linien von gleicher 
Wassertiefe genötigt sich um sie herumzu- 
winden 

Im Innern der Bucht von El Kram sind keine 
Reste von Bauten vorhanden; nur in der Nähe des 
Landes, 100 m unterhalb des Hauses von Si-Lagha, 
finden sich längs der Küste Reste von Kais; bei R 
liegt ein Felsen. 

»Aus allen diesen Beobachtungen ergiebt sich, 
dafs Dr. Courtets Bericht nur einen Teil der Reste 
im Süden von El Kram umfafst. Diese bilden in 
ihrer Gesamtheit ein über die Mafsen grofses Bau- 
werk, dessen Mittelpunkt mehr südlich nach Khered- 
dine zu liegen würde; aber es war mir unmöglich, 
seine Richtung und seine Art zu ermitteln, trotzdem 
ich dort 3500 Lotungen vorgenommen habe; der- 
mafsen ist das Chaos dieser Trümmer unentwirrbar. 
Hier ist die Zerstörung vollständiger als in dem 
»Falbeschen Viereck«, weil hier keine behauenen 
Blöcke vorhanden sind, die seit zwei Jahrtausenden 
dem unaufhörlichen Andränge der Wogen Trotz 
bieten; denn die mit Mörtel verlegten Bruch- 
steine sind durch die Jahrhunderte dauernde zer- 
störende Thätigkeit eines an dieser Stelle oft 
stürmischen Meeres gänzlich zermalmt. 

Im zweiten Abschnitte seines Berichtes erörtert 
Herr de Roquefeuil die Frage der Vollständigkeit 
und Treue des Falbeschen Planes von Kar- 
thago 5 . Er verhehlt sich keineswegs, dafs man 

4 ) »Da die Lotungen, welche ihre Existenz fest- 
stellten, an ein und demselben Tage vorgenommen 
wurden, so haben sie eine relative Genauigkeit. 
Selbst angenommen, dafs ein leichter Irrtum dabei 
untergelaufen wäre, so würde dieser doch nur im 
Verhältnisse zu dem Reste des Planes in Betracht 
kommen.« 

b ) Plan du Terrain et des Ruines de Carthage, 
leve et dessine en i8ji par C. T. Falbe, Capilaine de 
Vaisseau et Consul General de Dannemark. Echelle 
a 1: 16,000 in den Recherches sur V emplacement de 
Carthage. Paris iSjj. 



ihm eine derartige Erörterung als Anmafsung aus- 
legen könne; aber die offenbaren Irrtümer, die er 
in den ihm vorliegenden kleinen Kopien des 
Falbeschen Planes erkannt hat, haben ihn dazu ge- 
nötigt. Und wenn er sich für sein Vorgehen auf 
Falbes eigene Worte 6 beruft, so kann man ihm nur 
Recht geben. Dagegen kann man es vom streng 
wissenschaftlichen Standpunkte nicht gutheifsen, dafs 
er die Vergleichung zwischen seinem und dem 
Falbeschen Plane auf Grund von Kopien vorge- 
nommen hat, von denen er selbst sagt, er habe 
nicht zwei gefunden, die auf denselben Mafsstab 
vergröfsert, sich gedeckt hätten 7 . Wollte er eine 
solche Vergleichung vornehmen, so durfte er das 
doch nur auf Grund des Originalplanes oder einer 
guten photographischen Wiedergabe desselben. 
Eine solche hat ihm nun, freilich ohne dafs er es 
wufste, vorgelegen, und darum hat er sie nicht 
ausschliefslich und auch nicht in erster Linie benutzt: 
Es ist dies der meiner Studie: »Die Häfen von 
Karthago« beigegebene Plan. Dafs dieser Plan un- 
bedingt den Vorzug vor den beiden anderen ver- 
dient, konnte Herr de Roquefeuil aus der letzten 
Anmerkung (22) auf S. 332 meiner Studie ersehen, 
wo ich ausdrücklich bemerke, dafs derselbe »eine 
photographische Reduktion der Südhälftc 
des (seltenen) Falbeschen Originalplanes« 
ist. Ich füge noch hinzu, dafs ich damals absicht- 
lich, um eine möglichst genaue Reduktion zu er- 
halten , den Falbeschen Originalplan für meine 
Studie von dem Kgl. Oberphotographen des Grofsen 
Generalstabes, Herrn G. Grebner, habe auf 
1 : 25,000 reduzieren lassen, und diese Reduktion 
ist wiederum durch Photographie auf die Zinkplatte 
übertragen worden 8 . Nun ist ja der Schaden nicht 
allzugrofs geworden, da Herr de Roquefeuil neben 
den Linien des vergröfserten Tissotschen Planes 
wenigstens die beiden Linien, welche die Punkte 41 
und 45 verbinden, nach der Vergröfserung meiner 
Reduktion des Falbeschen Planes eingetragen hat: 
Man braucht sich nur die in der -»Legende« seines 
Planes mit »Jetee de Scipion d 'apres Falbe et Tissot«. be- 



6 ) »En hasardant aujourd' hui une eritique des 
travaux d'un astronome et d'un hydrographe aussi 
habile que le capitaine Smith, vion prineipal but a ete 
de convaincre le monde savant du besoin urgent de 
mieux connattre la partie de la cote d ' Afrique dont 
il s'agit.« a. a. O. p. 63. 

J ) A. a. O. p. 662. 

8 ) Der Plan von de Sainte-Marie ist, wie die 
Zeichnung beweist, nicht auf photographischem 
Wege verkleinert worden, der Plan von Ch. Tissot 
hat durch die Rücksicht gelitten, welche T. auf die 
Messungen von A. Daux genommen hat, — 



IO 



Die Häfen von Karthago. 



zeichneten Linien wegzudenken und das «.Profil de 
la cote d 'apres Falbe«, statt aus Tissot, wie Herr 
de Roquefeuil gethan, aus einer Vergröfserung des 
Falbeschen Originalplanes zu entnehmen. Diese 
Auseinandersetzung war notwendig, damit der Leser 
die Erörterung des Herrn de Roquefeuil, zu der 
ich mich jetzt wende, richtig beurteilen kann. Er 
sagt p. 660: »Ich habe durch verschiedene Arten 
von gebrochenen Linien auf dem beiliegenden 
Plane das Profil der Küste nach der vergröfserten 
Skizze Tissots angegeben; wenn man diese Ver- 
gröfserung behufs Vergleichung auf meinen Plan 
legt, so zeigen sich Abweichungen, die zu beträcht- 
lich sind, als dafs man sie allein der Thätigkeit der 
Zeit zuschreiben könnte. Diese Abweichnngen 
rühren einmal her von Irrtümern in den Kopien des 
Falbeschen Planes und andererseits von Ungenauig- 
keiten, die sich Falbe bei der Aufnahme des Ori- 
ginalplanes hat zu schulden kommen lassen. 

1. Irrtümer in den Kopien des Falbe- 
schen Planes. — Falbe hat uns ausdrücklich die 
Genauigkeit seiner Beobachtungen in solchen Worten 
bezeugt, dafs man ihnen es nicht schuld geben 
kann, wenn die beiden Zeichnungen der Küstenlinie 
nicht mit einander stimmen. Daraus ergiebt sich 
mit Sicherheit, dafs die Kopien nicht so treu ge- 
wesen sind, wie sie hätten sein können; denn sonst 
würde die Küste von El Kram seit Falbes Zeit 
30 m vorgerückt sein. Ginge die Versandung mit 
solcher Geschwindigkeit vor sich, so würde vor 
zweitausend Jahren die Wassertiefe dort über die 
Mafsen grofs gewesen sein und die Taenia würde 
vielleicht zur Zeit Karthagos . nicht einmal existiert 
haben; die »Eselsrücken« (dos <f äne), auf welche 
ich in meinem ersten Berichte aufmerksam gemacht 
habe, würden zu Falbes Zeiten so hervorgetreten 
sein, dafs sie ihm sicherlich aufgefallen wären, 
während er in seinem Plane sie nicht einmal ver- 
zeichnet. Wenn man ferner die Seekarte von 1882 
auf 1 : 6250 vergröfsert und diese Vergröfserung 
auf den beiliegenden Plan legt, so zeigt sich 
keine Spur von einer jährlichen Versandung von 
0,40 m 9 , die* einem Zurückweichen des Meeres von 
30m in 67 Jahren entsprechen würde. Ein Irrtum des 
Tissotschen Planes ist die fehlerhafte Orientierung 
des Lazaretts, und ein Mangel dieses Planes ist es, 
dass Tissot sich hat von A. Daux beeinflussen 
lassen, dessen Messungen insgesamt vor der Kritik 
nicht Stich halten. 

Das ganze »Falbesche Viereck« ist auf Tissots 
Plan zu weit nach Osten gerückt; aber hier handelt 

9 ) Ist diese Zahl richtig, oder liegt ein Druck- 
fehler vor? 



es sich vielleicht nur um Beobachtungsirrtümer, die 
Falbe verschuldet hat, wie ich weiter unten aus- 
einandersetzen werde 

Bei der Besprechung der Karte, welche sich 
auf p. 127 des Schriftchens von Dr. Courtet findet, 
sagt Herr O. Meltzer folgendes 10 : »Allerdings giebt 
die beigefügte Kartenskizze ein etwas verschobenes 
Bild. Die Küste an der Westseite der Bucht von 
El Kram hat eine viel mehr ausgeprägte Richtung 
nach Südwesten hin. Im Zusammenhange damit 
wird die noch zu erhoffende geodätische Vermessung 
dem Damme voraussichtlich eine erheblich weniger 
gekrümmte Gestalt geben, und dieser dürfte dann 
mit der südlichen unter Falbes punktierten Linien 
annähernd zusammenfallen.« Die Karte erweist, 
dafs trotz der beobachteten Irrtümer diese Hoffnung 
eitel ist, ebenso sicher ist es aber, dafs ein Fehler 
in der Zeichnung der Küste Herrn Meltzer auf eine 
falsche Fährte gebracht hat. 

Dr. Oehler seinerseits trägt die Linien 41 — 45 
nördlicher ein als Tissot; ich habe sie auf der 
Karte durch gebrochene Linien wiedergegeben. 
Nach ihrer Lage würde es scheinen, als ob sie eher 
etwas mit den »Eselsrücken« (dos d' äne) zu thun 
hätten als mit den mehr südlich liegenden Punkten 
P und N. Und doch kann auch hier ein Fehler 
in der Pause die Untersuchungen verfälschen und 
den dos d' äne eine Bedeutung geben, die sie viel- 
leicht nicht haben". 

Von allen Plänen, die ich vergröfsert habe, 
sind nicht zwei gewesen, die sich deckten. Welchem 
sollte ich nun den Vorzug geben ? Schliefslich 
können die Abweichungen des Tissotschen Planes 
von meiner Karte von Irrtümern herrühren, die 
jeder Vergröfserung anhaften, sie können auch her- 
rühren von eilig gefertigten Kopien, die eine nach 
der andern kopiert sind; aber das sind nur sekun- 
däre Ursachen, aus denen sich nicht erklären läfst, 
wie der Unterschied in der Länge der nördlichen 
Linie 41 — 45 mehr als 70 m betragen kann; eben- 
sowenig läfst sich aus ihnen die Veränderung im 
Laufe der Küstenlinie bei Punkt 44 und die fehler- 
hafte Lage des Punktes 45 erklären. 

2. Ungenauigkeiten in dem Falbeschen 
Plane. — Es ist sicher ein Urfehler vorhanden, 
dessen Ursache ich ausfindig zu machen suchen 
werde: Da sind gleich zuerst die Schwierigkeiten 



10 ) Zur Topographie des punischen Karthago 
(Jahrbücher für Klass. Phil. u. Päd. 1897 Bd. 155) 
Nachtrag zu S. 296. 

u ) Vgl. zu dieser Bemerkung das, was ich 
oben über den von mir beigegebenen Plan gesagt 
habe. 



Die Häfen von Karthago. 



II 



zu nennen, auf die Falbe bei der Aufnahme des 
Geländes gestofsen ist und die er auf p. 3 seiner 
Schrift erzählt; diese haben gewifs nicht dazu bei- 
getragen, seine Aufnahme zu verbessern; wenn er 
ferner für seinen Plan eine Genauigkeit bis auf 
zehn Schritte in Anspruch nimmt, so halte ich das 
für eine Einbildung, und besonders hier, wo die 
gemessene Grundlinie von El Kram weit entfernt 
ist; denn als Beobachtungsinstrument hat er nur einen 
Sextanten von drei Zoll Radius benutzt. Hier steckt 
vielleicht eine neue Ursache von Irrtümern, welche 
zusammen mit den andern dazu beigetragen hat, 
die Ergebnisse fehlerhaft zu machen. Aber die 
gröfsten rühren unstreitig von der indirekten Messung 
des »Falbeschen Vierecks :< her. 

Falbe hat keine Lotungen vorgenommen. Sein 
Schweigen über hydrographische Beobachtungen 
sticht seltsam ab von der Ausführlichkeit, mit der 
er über Einzelheiten bei seinen topographischen 
Messungen berichtet, und bringt einen unwillkürlich 
auf den Gedanken, dafs er das Viereck durch in- 
direkte Messungen bestimmt hat, eine Quelle von 
Fehlern, die um so gröfser sind, als die zu be- 
stimmenden Punkte unter Wasser liegen und somit 
unsichtbar sind. Ferner ist es in der Umgebung 
des Punktes 44 nicht leicht, Küste und Trümmer 
auseinanderzuhalten; je nachdem man mehr oder 
weniger von ihnen zu dem natürlichen Ufer hin- 
zurechnet, erhält man ein mehr oder weniger aus- 
gedehntes Küstenprofil. Dies ist die Ursache, der 
ohne Zweifel die an diesem Punkte festgestellte 
Abweichung beider Karten von einander zuzu- 
schreiben ist. 

Endlich scheint es mir sicher, dafs Falbe sich 
iu der Bestimmung der Linien 44 — 45 geirrt hat; 
sicher hat er sie in der Weise bestimmt, dafs er 
den Punkt 44 mit den aus dem Wasser hervor- 
ragenden Felsen verband, auf welchen sich jetzt 
die Marke des Geniekorps befindet. Diese meine 
Ansicht stützt sich auf die Neigung, welche die 
Linie 44 — 45 auf seinem Plan hat; sie gründet sich 
überdies auf die Beschreibung, welche Falbe a. a. O. 
p. 17 von der Mauer 45 — 46 giebt: In dieser 
macht er nur aufmerksam auf Trümmer, welche 
dicht unter der Meeresoberfläche liegen, nicht aber 
auf Felsen, die über dieselbe hervorragen; jene 
Trümmer sind dieselben, welche ich in meinem 
Berichte vom 4. November 1897 erwähnt habe; sie 
liegen etwa 175 m und 300 m vom Punkte 46 ,2 . 
Auch Dr. Courtet versichert dasselbe; er sagt 
auf p. 4 seines Schriftchens: »Die äufsere Linie 



12 ) Vgl. Archäolog. Anzeiger 1898 S. 172. 



BC 13 ist gerade und läuft auf die Marke des Genie- 
korps zu; aber sie endet dort nicht, wie die alten Pläne 
angeben, sondern läuft noch ungefähr 100 m darüber 
hinaus«. Dieser Irrtum Falbes ist sehr wichtig 
für die Beurteilung der Genauigkeit seiner Karte, 
insbesondere der Frage, ob die Einzeichnung des 
Scipionischen Dammes auf dem Plane von 1831 
glaubwürdig ist. 

3. Erörterung über den Damm des 
Scipio. — Es scheint in der That zweifellos, dafs 
Falbe, indem er seinen Molo an der Stelle endigen 
liefs, wo jetzt die genannte Marke steht, die weiter 
südlich liegenden Reste als das Ostende des 
Scipionischen Dammes angesehen hat, während 
diese Reste nichts weiter sind als die Nase des 
Molenkopfes und dessen eigene nach Westen um- 
gestürzten Trümmer. Das läfst sich daraus folgern, 
dafs die Linien 41 — 45 auf seinem Plane an den 
Molo stofsen; es erklärt auch, warum diese Linien 
bei Falbe so lang sind, weil sie nämlich einen Teil 
des genannten Molenkopfes mit umfassen. Und 
endlich wird es durch Tissot selbst bestätigt; er 
sagt in seiner Geographie comparee de la provitue 
Romaine d' Afrique p. 61 1 : »ia jetee de Scipion mesure 
actuellement qo meires a V ex tri mite du mole«. 
Auf meinen ausführlichen Plane des »Falbeschen 
Vierecks«' 4 kann man feststellen, dafs die durch 
Tissot angegebenen Trümmer dem nicht versandeten 
Teile der Mauer 44—45 entsprechen; er mifst genau 
90 m in der von Tissot angegebenen Richtung. 
An derselben Stelle seines Werkes fügt T. hinzu: 
■»Formte de blocs enormes, jetes a flot perdu, la jetee 
de Scipion presente une largeur de 160 metres, au 

point ou eile se rattacke a la Tcenia Quelques 

parties de cette digite sont encore a fleur d'eau«. 
Unter diesen an der Oberfläche liegenden Teilen 
des Dammes sind offenbar die Mauerstücke bei P 
und N gemeint, und in dieser ganzen Beschreibung 
mufs man die Trümmer in der Nähe von El Kram 
erkennen, welche den Anfang des Dammes bilden, 
von dem in dem vorliegenden Berichte die Rede 
ist. Tissot hat im Geiste den westlichen Anfang 
des Scipionischen Dammes mit den auf meinem 
Plane schattierten Trümmern identifiziert 

Man kann sich aber die Frage vorlegen, welche 
Anzeichen Falbe dazu bewogen haben, die beiden 
äufsersten Enden des Scipionischen Dammes, wie 
er ihn sich dachte, durch eine zusammenhängende 
Linie zu verbinden, während doch diese Stelle 



13 ) Auf dem beiliegenden Plane des Herrn de 
Roquefeuil ist es die Linie B— Borne du genie. 

u ) Vgl. im Archäolog. Anzeiger 1898 den 
ersten Plan zu S. 171- 



12 



Archäologische Gesellschaft. 1899. Januar. 



heutigentags vollkommen regelmäfsig ist. Erregt 
es nicht Erstaunen, wenn man feststellt, dafs die 
beiden äufsersten Enden dieses Dammes noch so 
grofsartig (in einer Breite von 90 und 160 m) er- 
halten sind, die Mitte dieses Werkes dagegen keine 
.Spur hinterlassen hat? Kann man nicht annehmen, 
dafs Falbe, bei dem Fehlen von hydrographischen 
Messungen, ohne berechtigten Grund durch eine 
fortlaufende Linie zwei Steinmassen verbunden habe, 
von denen er willkürlich annahm, dafs sie zu einem 
und demselben Bau gehörten? Es ist nämlich zweifel- 
haft 1 s , ob die Tissotschen Mafse sich mit den von 
Appian überlieferten vereinigen lassen; denn dieser 
giebt für die obere Fläche des Dammes eine Breite 
von 24 Fufs und für die Basis desselben eine Breite 
von 96 Fufs an.« 

Herr de Roquefeuil sucht dann noch ausfindig 
zu machen, was Tissot dazu bewogen habe, die durch 
den Falbeschen Plan gegebenen Mafse des Dammes 
etwas zu verändern; auf dem Tissotschen Plane 
gemessen, beträgt nämlich der Abstandderpunktierten 
Linien 70 m bei Punkt 45 und bedeutend mehr als 
160 m nach Punkt 41 zu. Damit schliefst der 
Bericht; was noch folgt, ist eine Zusammenfassung 
der Ergebnisse. 

Ich habe den zweiten Abschnitt des vorliegen- 
den Berichtes absichtlich in solcher Ausführlichkeit 
wiedergegeben, weil bis jetzt der Falbesche Plan 
in jeder Beziehung für ein Muster von Genauigkeit 
galt; aus der Kritik, die hier ein Fachmann an dem 
Werke des andern auf Grund von Thatsachen geübt 
hat, ergiebt sich, wie nützlich es ist, dafs die 
Academie des Inscriptions et Belles-Lettres sich dazu 
entschlossen hat, einen vollständigen und genauen 
Plan von Karthago in grofsem Mafsstabe her- 
zustellen. 

Grofs-Lichterfelde. Raimund Oehler. 



SITZUNGSBERICHTE 

DER ARCHÄOLOG. GESELLSCHAFT 

ZU BERLIN. 

1899. 

JANUAR. 
Eingetreten als ordentliches Mitglied ist Herr 
Verlagsbuchhändler E. Voll er t. Den statutenmäfsi- 
gen Kassenbericht erstattet der Schatzmeister; die 
Rechnungslegung wird von den Herren Jacobsthal 
und Sommerfeld geprüft, für richtig befunden und 
dem Schatzmeister Entlastung erteilt. Auf Antrag 
des Herrn Diels wird der vorjährige, aus den 

15 ) Mehr als zweifelhaft! 



Herren R. Schöne, Conze, Kekule von Stra- 
donitz und Trendelenburg bestehende Vorstand 
durch Zuruf wiedergewählt. 

Herr Winnefeld reicht im Auftrage des Herrn 
Dr. Wiegand grofse Photographien einer in Kon- 
stantinopel befindlichen Marmorstatue herum, die 
darin eine Porträtstatue Alexanders d. G. mit dem 
Schwerte erkennen lassen 1 . 

Herr von Luschan spricht unter Vorlegung 
zahlreicher Modelle über den homerischen Bogen. 

Die auf A 105 — 11 1 fufsende Vorstellung, dafs 
der antike Bogen aus zwei in der Mitte vereinigten 
Ägagra-Hörnern bestand, ist technisch unmöglich 2 . 
Derartige Bogen würden sich zur Not herstellen 
lassen, würden aber nur mit kräftigen Maschinen, 
niemals von Menschen zu spannen sein. Einfache 
Bogen, aus einem an den Enden verjüngten Holzstab 
bestehend, wie sie heut in Afrika und in der Südsee 
fast allein vorkommen, waren bei den alten Ägyptern 
in allgemeinem Gebrauch und, wie antike Dar- 
stellungen zeigen, wenigstens vereinzelt auch bei 
anderen Mittelmeer-Völkern. 

Hingegen ist für Vorderasien schon in sehr 
alter Zeit ein Bogen nachgewiesen, der aus Hörn, 
Holz und Sehnensubstanz zusammengesetzt war; 
die Berliner ägyptische Sammlung besitzt einen 
solchen Bogen aus dem 15. vorchr. Jahrh. 3 , Balfour 
in Oxford einen aus dem 7., beide in Ägypten ge- 
funden, aber in Vorderasien gemacht. Aus den 
alten Texten, aus Skulpturen und Vasenbildern geht 
hervor, dafs überhaupt der antike Bogen, soweit er 
nicht gleich dem ägyptischen aus einem einfachen 
Holzstabe bestand, stets in der Art dieser beiden 
uns durch günstige klimatische Verhältnisse in 
Ägypten erhaltenen Stücke zusammengesetzt war. 
Genau gleichartige Bogen haben sich nun — wie 
das bei der auch anthropologisch gesicherten 
Kontinuität der Bevölkerung gar nicht zu verwundern 
ist — vielfach bis auf den heutigen Tag in Vorder- 
asien erhalten, und besonders der Bogen, der noch 
im vorigen Jahrhundert in Turkestan im allgemeinen 
Gebrauche war, kann als ein fast vollständig ge- 
treues Faksimile des Homerischen Bogens gelten. 
Ebenso sind die bekannten antiken Darstellungen 
des skythischen Bogens, gleichwie die Texte, die 
sich auf das Aufbringen der Schnur beziehen, nur 
verständlich, wenn man den modernen Turkestän- 



') Siehe Jahrbuch XIV (1899) S. 1 ff. Taf. 1. 

2 ) Vergl. v. Luschan, Über den antiken Bogen, in 
der Festschrift für O. Benndorf, Wien 1898, S. 189 ff. 

3 ) v. Luschan, Über einen zusammengesetzten 
Bogen aus der Zeit Rhamses II, Zeitschr. f. Ethno- 
logie XXV, 1898. 



Archäologische Gesellschaft. 1899. Januar. 



13 



Bogen kennt. Nur die Stelle A 105 ff. scheint sich 
mit dieser Auffassung nicht zu vertragen — ob der 
Text verderbt ist, oder anders verstanden werden 
mufs, als dies gewöhnlich geschieht, mufs der Vor- 
tragende anderen zu entscheiden überlassen; nur dafs 
der Dichter aus blofser Unkenntnis des Sachverhaltes 
den Bogen aus wirklichen ganzen Hörnern bestehen 
läfst, erscheint bei der Treue, mit der sonst bei 
Homer die Realien geschildert sind, kaum an- 
nehmbar. 

Ein so überaus kräftiger Bogen, wie der vorder- 
asiatische, erfordert aber fast mit Notwendigkeit 
eine besondere Vorrichtung, um die spannenden 
Finger vor Verletzung durch die Schnur zu schützen, 
während andererseits ein besonderer Schutz der 
Bogenhand gegen den Rückprall der Schnur gerade 
bei dieser Bogenform in Folge der sehr starken 
Krümmung überflüssig ist. Aber auch Spann- 
vorrichtungen für die Pfeilhand scheinen in der 
alten Litteratur nicht erwähnt und bisher überhaupt 
für die antike Welt völlig unbekannt geblieben zu 
sein; gleichwohl waren sie vorhanden. Wir finden 
sie mehrfach mit dem übrigen Schiefszeug des 
Herakles auf Vasenbildern dargestellt und ganz 
besonders deutlich und einwandfrei auch auf einem 
Relief aus Sendschirli, das in Taf. X der oben er- 
wähnten Festschrift für O. Benndorf abgebildet ist. 
Sie bestehen aus drei ledernen Hüllen für die drei 
mittleren Finger und gleichen vollkommen den 
ledernen Fingerlingen, die noch heute in England, 
Belgien, und wo sonst noch in Europa das Bogen- 
schiefsen als Sport betrieben wird, in Gebrauch 
sind und in allen Magazinen für Sport-Ausrüstung 
verkauft werden. Es folgt daraus mit zwingender 
Notwendigkeit, dafs die alten Vorderasiaten beim 
Schiefsen die Schnur, genau wie das heute in 
England Mode ist, mit den drei mittleren Fingern 
gespannt und den Pfeil zwischen Index und Mittel- 
finger gehalten haben, während später in Persien, 
ebenso wie in China, bei ganz ähnlichen Bogen die 
Schnur mit dem Daumen gespannt wurde, was 
natürlich die Fingerkapseln entbehrlich und ihren 
Ersatz durch einen Spannring auf dem Daumen 
der Pfeilhand erforderlich macht. 

Herr.Diels hält dagegen an der üblichen Auf- 
fassung fest, dafs der Bogen des Pandaros aus 
wirklichen durch ein elastisches Querholz ver- 
bundenen Hörnern zusammengesetzt gewesen sei, 
da sich sonst der Ausdruck x^pa; für Bogen im 
Griechischen nicht erklären lasse. Der skythische 
Bogen habe ein £ förmige Gestalt gehabt, wie aus 
Agathon u. A. sich ergebe. 

Sodann legte derselbe ein Modell der home- 



rischen Thüre vor, das ein Schüler des Direktors 
Dr. Grosse in Königsberg angefertigt hat. Es stellt 
die von dem Vortragenden im Parmenides S. 135 




Riemen z. Schliefsen. 



Ansicht von innen. 

angegebene Konstruktion dar, mit einer von Prof. 
Dr. Brinkmann in Königsberg erdachten Ver- 
besserung, die in einer Verdreifachung des auf den 
Riegel aufgesetzten dreieckigen Klötzchens besteht, 
so dafs der Riegel, dreimal vom Schlüssel zuriick- 
gestofsen, eine dreimal längere Bahn durchlaufen 
und somit fester über die andere Thüre über- 
greifen kann. 

An diese Ausführungen schliefst sich eine leb- 
hafte Aussprache, an der sich aufser den eben- 
genannten noch die Herren von Wilamowitz- 
Möllendorff, Winter, R. Schöne und Dahm 
beteiligen. 

Zum Schlufs berichtet Herr Universitäts-Pro- 
fessor Wilhelm Gurlitt aus Graz, der als Gast 
zugegen ist, über Ausgrabungen in der Flur des 
Dorfes Unter-Haidin bei Pettau in Steiermark, der 
Stätte der colonia Ulpia Traiana Paetovio. Längere 
Zeit hindurch ausgeführte Ausgrabungen in dem 
Gräberfeld der römischen Stadt, bei denen über 
2000 Gräber aufgedeckt worden waren, hatten er- 
wiesen, dafs die antike Stadt auf dem rechten Ufer 
der Drau, gegenüber der modernen Stadt Pettau 
gelegen hat, eben auf den Fluren der Dörfer Unter- 
Haidin und Ober-Rann. Auch war schon im Jahre 
1895 in Unter-Haidin ein Heiligtum der Nutrices 
Augustae, von Sklaven der kaiserlichen Zoll- 
verwaltung errichtet, vom Vortragenden gefunden 
worden. Nachdem nun das k. k. österreichische 
Ministerium für Kultus und Unterricht eine Sub- 
vention von 1000 fl. für die Durchführung metho- 
discher Ausgrabungen bewilligt hatte, konnte am 
5. Oktober mit den Arbeiten begonnen werden. 
Ausgehend von der Fundstelle einer dem Volcanus 
geweihten Ära, der vom viats Fortunae a templo 



H 



Archäologische Gesellschaft. 1899. Januar. Februar. März. 



Fortunae ad horrea errichtet war, fand der Vor- 
tragende am 12. Oktober das Pflaster eben dieses 
vicus Fortunae und an demselben und den folgenden 
Tagen ein wohlerhaltenes Heiligtum des Mithras. 
Leider mufsten die Ausgrabungen wegen der Ungunst 
des Wetters aufgegeben werden, ehe das ganze 
spelaeum aufgedeckt werden konnte. Bisher haben 
sich gefunden 4 Altäre, geweiht dem Dens invictus 
Mithra, der pelra genitrix und dem Transites dei, 
und 2 Rundskulpturen: des* Mithras, aus dem Fels 
geboren, geweiht der naturae dei, und des stier- 
tragenden Gottes, geweiht dem Transiius dei. Die 
Weihenden sind sämtlich Sklaven der conductores 
publici Illyrici, und läfst sich die Erbauung des 
Heiligtums auf rund 140 n. Chr. festsetzen. Die 
Ausgrabungen werden im Frühjahr dieses Jahres 
fortgesetzt werden, ausführliche Berichte in den 
Jahresheften des k. k. Österreich, archäologischen 
Instituts erscheinen. 

FEBRUAR. 

Der Vorsitzende teilte mit, dafs die Herren Ober- 
lehrer Dr. Gerhard Schultz und Rechtsanwalt 
Scheff als ordentliche Mitglieder eingetreten sind. 

An die Vorlage neu erschienener Schriften 
schlofs Herr Kekule von Stradonitz das Werk 
von Henri Omont Dessins des seulptnres du Parthenon 
attribues a J. Carrey (Paris 1898) und berichtete 
kurz über Omont's Untersuchungen, welche Carrey's 
Urheberschaft als nicht sicher bezeugt und ganz 
zweifelhaft nachweisen. 

Freiherr Hiller von Gaertringen legte die 
fertigen Reproduktionen der Kartenblätter von Thera 
vor, welche Herr Landmesser P. Wilski im Jahre 
1896 aufgenommen hat. Es ist eine Aufnahme des 
südöstlichen Teiles der Insel im Mafsstabe von 
1 : 10000, ein Plan des Stadtberges in 1 : 1000, die 
durch ihre Felsinschriften besonders merkwürdige 
Umgebung des Tempels des Apollon Karneios in 
1 : 500, und ein Stück aus der Nekropolis mit 
interessanten Felsgräbern in I : 200. Es wurde kurz 
darauf hingewiesen, dafs für eine Aufgabe dieser Art 
das hier angewandte tachymetrische Verfahren recht 
am Platze sei, durch welches es ermöglicht werde, 
die einzelnen Geländeabschnitte je nach dem Grade 
ihrer Wichtigkeit für den Aufnehmenden mit 
gröfserem oder geringerem Eingehen auf die Details 
zu behandeln. 

Herr H. Schmidt sprach über die Syntax der 
geometrischen Ornamentik. Nach einer Einleitung 
über die Geschichte der Frage suchte er die Syntax 
der geometrischen Gefäfsdekoration aus der Zeit der 
Dipylonkultur in ihre constanten Grundelemente 



aufzulösen, verfolgte diese durch die mykenische 
Vasenmalerei hindurch bis in die vormykenische 
Keramik von Troja zurück, die mit der monochromen 
Technik die Tiefornamentik verbindet. Hier löst 
sich nun das festgeschlossene System der Felder- 
verzierung auf der Schulterfläche in lose hängende 
Vertikalbänder auf, die ihrerseits aus stilisierten Hais- 
und Brustschmuckmotiven zu erklären sind. Die 
Übertragung derselben vermittelt die Ausgestaltung 
der Gesichtsvase oder besser der menschengestaltigen 
Vase, der die Gefäfse auch ihren einfachsten 
plastischen Schmuck, die Zierbuckeln oder Warzen, 
zu verdanken haben. So finden sich in der Insel- 
kultur auch für die Geschichte der Ornamentik be- 
stimmte Bindeglieder zwischen Troja und Mykenä. 
Ausführlicher wird der Vortragende das Thema mit 
zahlreichen Abbildungen an anderem Orte be- 
handeln. 

Herr U. v. Wilamowitz sprach über die s. g. 
Carmina figurata in der griechischen Anthologie und 
führte aus, dafs sie nicht in einer Laune des Dichters, 
sondern in dem Räume, der an den geweihten 
Gegenständen für die Inschrift zur Verfügung stand, 
ihre Erklärung fänden. Der Vortrag wird im Jahr- 
buche erscheinen. 

Herr Conze legte zum Schlüsse die Abdrücke 
dreier vertieft geschnittener Steine hellenistisch- 
römischer Zeit vor: 






1 2 3 

1. Berliner Museen n. 8579. 2. Conze, Reise 
auf den Inseln des thrakischen Meeres S. 84. Taf. XX, 
I 3- 3. Jüngst in Pergamon erworben. Alle drei Male 
wiederholen sich zu oberst Maus (1. an einem Zweige 
nagend. 3. zwei aufrecht sitzende, anscheinend 
musicirende Mäuse), inmitten Schale, zu unterst Del- 
phin, während Nebenzeichen zu Seiten auf 1 fehlen, 
auf 2 als Mohnkopf und Ähre, auf 3 als Fisch und 
Languste (Palinurus vulgaris) erscheinen. Den den 
übereinstimmenden Abzeichen zu Grunde liegenden 
Gedanken oder Anlafs zu finden, werde schwerlich 
möglich sein. 

MÄRZ. 
Der stellvertretende Vorsitzende legt, mit er- 
läuternden Worten über die Sachlage, zur Kenntnis- 
nahme der Gesellschaft ein Schreiben des Herrn 
Friedrich Hauser aus Stuttgart 4. Febr. d. J. vor, 
welches dem Vorsitzenden Abwesenheits halber erst 



Archäologische Gesellschaft. 1899. März. 



15 



am 13. Februar zu Händen gelangt sei. Da das 
Schreiben sich mit Beschwerden an erster Stelle 
gegen das Vorstandsmitglied Herrn Trendelenburg 
richtet, so sei es diesem zuerst mitgetheilt worden. 
Herr Trendelenburg erklärt darauf Folgendes: 

1. »Herr Dr. Hauser beschwert sich darüber, 
dafs die Fassung des veröffentlichten Berichtes über 
die Sitzung vom November v. J. nicht in jedem 
Ausdrucke mit dem in der Gesellschaft Vorgetragenen 
übereinstimme. Die Berichte der Gesellschaft sind 
keine stenographischen Niederschriften. Von dem 
Vortragenden selbst meist nachträglich abgefafsf 
wollen sie den Inhalt skizzieren, nicht die Form 
fixieren. So entspricht auch mein Bericht sachlich 
dem, was ich gesagt habe, für die einzelnen Aus- 
drücke ist er nicht verbindlich und kann es nicht 
sein, da auch meinem Vortrage keine schriftlichen 
Aufzeichnungen zu Grunde lagen.« 

2. »Herr Hauser wirft mir vor, aus dem Schweigen 
der Anwesenden meinen Ausführungen gegenüber 
fälschlich den Schlufs auf Zustimmung gezogen zu 
haben. In diesem Punkte kann ich mich von einer 
Übereilung nicht freisprechen. Denn das Schweigen 
war, wie ich nachträglich belehrt worden bin, auch 
in diesem besonderen Falle nicht im Sinne all- 
gemeiner Zustimmung aufzufassen. Hiermit entfällt 
zugleich die Vorstellung, als ob die Gesellschaft 
sich jemals, wie der bildliehe Ausdruck gefallen ist, 
als einen Gerichtshof über wissenschaftliche Meinungs- 
verschiedenheiten betrachtet hätte.« 

3. »Herr Hauser fühlt sich durch die Bemänge- 
lung seines Taktes im Schlufsabschnitt des Berichtes 
beleidigt. Mir lag nichts ferner, als einen wissen- 
schaftlichen Gegner zu beleidigen. Aber ich wufste 
den mir gemachten Vorwurf der Interpolation, d. h. 
einer dolosen Ergänzung, nicht milder zu charak- 
terisieren. Nunmehr erklärt Herr Hauser auf S. 4 
seiner Eingabe, dafs er Dolus bei mir nicht an- 
genommen habe. Hiernach stehe ich nicht an, auch 
meinerseits den Vorwurf des Mangels an Takt 
zurückzunehmen.« 

Diese Erklärung soll zu Protokoll genommen und 
Herrn Hauser mitgetheilt werden, womit die Gesell- 
schaft die Angelegenheit als für sie erledigt ansieht. 



Die Reihe der Vorträge eröffnet Herr O eh ler 
mit einem Bericht über die neueren Vermessungen 
im Golfe von Tunis. Siehe oben S. 7 ff. 

Sodann sprach Herr C o n z e über die antiquarisch- 
topographischen Forschungen des Herrn Weber 
in Smyrna in der Umgegend dieser Stadt, wo 
noch so viel zu thun sei. 



Herr Weber hat, wie jüngst bei Laodicea am 
Lykos, so jetzt bei Smyrna eine antike Druck- 
Wasserleitung, wie die von Pergamon, nach- 
gewiesen. Seine Arbeit darüber ist soeben im Drucke 
für das Jahrbuch des archäologischen Instituts 
Band XIV. Die Tafeln wurden vorgelegt, aufser- 
dem eine Photographie und von Herrn Weber her- 
rührende Anfnahme eines ansehnlichen Stücks der 
hellenistischen Stadtmauer der Unterstadt 
Smyrna, in der Nähe der armenischen Kirche; 
die Quadern tragen dieselben Werkzeichen, der- 
gleichen schon Pococke und Arundell erwähnen. 

Besonders verweilte der Vortragende bei einer 
Besichtigung von Alt-Smyrna, welche er am 
20. November v. J. unter Führung des Herrn Weber 
vorgenommen hatte. Über die Lage des alten 
Smyrna herrsche in so weit jetzt keine Meinungs- 
verschiedenheit, als alle neueren Forscher die Gegend 
im Nordosten des Golfs, unweit der Schiffsstation 
Petrota dafür in Anspruch nähmen. Dort würden 
auf die alte Stadt bezogen die augenfälligen Über- 
reste des sog. Tantalosgrabes mit der anschliefsen- 
den ausgedehnten Tumulus-Nekropole, sodann die 
erheblich weiter aufwärts gelegene, in ihren Mauer- 
resten ansehnliche, aber wenig ausgedehnte Be- 
festigung, ferner die westlich abwärts davon be- 
findliche, von G. Hirschfeld in Curtius' »Beiträgen« 
behandelte sog. Felswarte, und endlich die ganz 
abwärts gelegenen, in mehreren Publikationen als 
bei einem Tschiftlik »Hadji-Moudjor« befindlich 
bezeichneten zwei Anhöhen , eine Hügelzunge und 
eine inselartige Erhebung, welche einst vom Meere 
bespült gewesen sein müssen. Der Vortragende 
glaubt in Übereinstimmung namentlich mit Prokesch- 
Osten, der, wie er von Herrn Weber, so von dem 
trefflichen Beobachter Fauvel geführt wurde, diese 
letzteren Anhöhen und zwar hauptsächlich die Hügel- 
zunge, als den eigentlichen Stadtplatz von Alt-Smyrna 
ansehen zu müssen. 

Hier sei jüngst das Terrain von starken modernen 
Umänderungen betroffen worden. Auf der Hügel- 
zunge sei eine Villenkolonie, Bariakli oder offiziell 
Hamidie genannt, entstanden, auch längs der Eisen- 
bahn sei die eine Seite des Hügels stark angeschnitten. 
Die Gesammtgestalt der Anhöhe sei aber unverwischt 
geblieben, so recht in typischer Form eines alt- 
griechischen Stadtplatzes, zumal wenn man sich das 
einst heranreichende Meer hinzudenke. Von der 
alten Stadtmauer, welche Fauvel-Prokesch in den 
zwanziger Jahren noch weit deutlicher verfolgen 
konnten, habe ihm Herr Weber ein lang verlaufen- 
des Stück gegen den Sattel hin gezeigt, welcher 
die Hügelzunge mit dem nordwärts ansteigenden 



\6 



Erwerbungen der Antikensammlungen in Deutschland. 



Gebirge verbindet. Dort hinauf kommt man zu der 
Tumulus-Nekropolis. Über diese bis zur Befestigung 
auf der Höhe habe man von dem Stadtplatze Bariakli 
ab etwa anderthalb Stunden zu gehen, ohne dafs, 
namentlich von Texier, was schon Andere wider- 
legten, angenommene, zwischenliegende antike Be- 
festigungsmauern vorhanden wären. Danach sei 
es unzulässig die obere Befestigung einfach als 
Akropolis von Alt-Smyrna anzusehen. Ihre Bedeutung 
müsse, ebenso wie die dreier anderer benachbarter, 
von Weber und Ramsay nachgewiesener und be- 
sprochener Paläokastra, anders erklärt werden. 

Für die sogenannte Felswarte lehnte der Vor- 
tragende sowohl diesen Namen, als auch die von 
Szanto in den Athenischen Mittheilungen des In- 
stituts (XVI, S. 244 fr.) vorgeschlagene Deutung der 
rechteckigen Eintiefung im Felsen als einer Opfer- 
grube ab. Es sei ein Grab, dem die ganze Be- 
arbeitung des Felsbodens umher zugehöre. 

Endlich sprach Herr Pernice unter Vorlage 
zahlreicher Abbildungen über die Kothon genannten 
Gefäfse und erklärte sie als Räuchergefäfse. Der 
Vortrag wird im Jahrbuche des Instituts erscheinen. 

Herr von Fritze erklärte die von Herrn 
Pernice vorgeschlagene Deutung der besprochenen 
Geräthe als Räuchergefäfse für überzeugend. Sie 
gewinne dadurch noch an Werth, dafs sich nun 
eine empfindliche Lücke ausfüllen lasse. Die Ein- 
führung des Weihrauchs in Griechenland fand, wie 
Redner nachgewiesen zu haben glaube', etwa 
zwischen 650 und 550 v. Chr. statt und doch waren 
bisher auf griechischen Monumenten erst in der 
streng rothfigurigen Malerei Räuchergefäfse nach- 
weisbar und zwar zunächst nur solche aus Metall 
mit hohem Stil, vielfach in reicher Ausstattung. 
Nicht nur im Cultus, sondern auch im Privatleben 
insbesondere beim Symposion waren aber Räuche- 
rungen schon im 6. Jahrhundert v. Chr. durchaus 
üblich, wie u. a. die schöne Elegie des Xenophanes 
darthut. Die neue Entdeckung giebt uns eine Reihe 
von Thongefäfsen des 6. und 5. Jahrh., die unzweifel- 
haft zum Räuchern dienten und durch ihr billigeres 
Material wohl geeignet waren, im Privatgebrauch 
verwendet zu werden. Und diesem wesentlich ist 
wohl die neue Serie zuzuschreiben, während im 
officiellen Culte gewöhnlich die kostbareren grofsen 
Thymiaterien aus Metall im Gebrauch waren, deren 
Urform aller Wahrscheinlichkeit nach gleichzeitig 
mit den Weihrauchharzen aus dem Orient herüber- 
genommen wurde. 

Ferner wird eine bereits gewonnene Kenntnis 



l ) Die Rauchopfer b. d. Griechen. S. 26 ff. 



nun in gröfserem Umfange bestätigt. Im Frauen- 
gemach spielte der Weihrauch ebenso wie beim 
Symposion der Männer eine Rolle. Das liefs sich 
schon früher durch verschiedene Beispiele belegen. 
Ihre Zahl wird jetzt aber in ungeahnter Weise ge- 
steigert. Die jüngere Gruppe der Thonthymiaterien, 
welche "«war nicht mehr in der archaischen Dreifufs- 
form gebildet sind, sich in ihrem Grundschema 
dieser Serie aber deutlich anschliefsen, kommt sehr 
häufig auf Darstellungen des Frauengemaches vor 
und wurde bisher unrichtig als Salbgefäfs erklärt. 

Einmal erscheint nach Mittheilung des Herrn 
Pernice dasselbe Geräth in der Hand einer am 
Grabe stehenden Frau und zwar auf einer Lekythos. 
Es ist festzustellen, ob sich diesem einen Beispiele 
andere anreihen lassen. In seiner Vereinzelung 
würde es nicht ausreichen, um Weihrauchopfer am 
Grabe wahrscheinlich zu machen, die sonst weder 
in der Litteratur noch durch Monumente für diese 
frühe Zeit nachweisbar waren. Wenn zwei Exemplare 
der älteren Form in einem Frauengrabe gefunden 
sind, sagt dies nichts anderes, als dafs der Toten 
Gebrauchgegenstände des Lebens, wie Schmuck, 
Spiegel, Salbfläschchen u. s. w. mitgegeben wurden. 

Dafs thönerne Thymiaterien auch für die ältere 
Zeit anzunehmen waren, konnte man erwarten, da 
Redner solche für Eleusis aus einer späten Periode 
nachgewiesen hat. ('Etpr^Epls äpyatoX. 1897, S. 163fr.), 
ein Nachweis, den Herrn O. Rubensohn's Wieder- 
spruch nicht widerlegt haben dürfte. Die hübsche 
Entdeckung von Herrn Pernice hat jene Erwartung 
erfüllt. 



ERWERBUNGEN 
DER ANTIKENSAMMLUNGEN IN 

DEUTSCHLAND. 
I. Die Westdeutschen Altertums- 
sammlungen. 
METZ, Altertumsmuseum der Stadt (Keune). 
Auf der Höhe des Waldes Neu -Scheuern (Neuve 
Grange) im Kanton Lörchingen wurde ein gröfseres 
Gräberfeld entdeckt, welches ausschliefslich Brand- 
gräber (Thon- und Glasgefäfse, meist schlechte 
Sigillata, bisweilen aber auch bessere, eine emaillirte 
kreisrunde Brosche, Löffelchen u. dgl.) enthielt. Da- 
bei lagen zwei bärtige Köpfe aus Stein von Grab- 
reliefs, verschiedene andere Steine und ein Grabstein 
mit einem Giebelfeld. Unter dem Giebel des letzteren 
befinden sich drei männliche Büsten , mit langem, 
der Haartracht von Frauen ähnlichem Haar (also 
in der altkeltischen Haartracht), die eine links mit 



I. Die Westdeutschen Altertumssammlungen. 



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Bärtchen; unter den Büsten die Grabinschrift: 
Saccomahio Cantognatifil(io), Saccetlo Saccomaini (filio), 
Bellatori fielaiu[ll]i fi(lio) Sanctus curavit (Lothringer 
Jahrb. IX S. 329). 

Im Walde bei Hültenhausen oberhalb Lützel- 
burg wurde eine oben abgerundete Reliefplatte mit 
dem (bis unterhalb des Nabels erhaltenen) Ober- 
körper eines in griechisch-römischer Weise, aber 
überaus roh dargestellten Mercur gefunden; rechts 
und links vom Kinn und Hals steht die Weihinschrift 
Mercurio Esunertus, Souni f(ilius) v. s. I. m. Aus 
derselben Gegend stammen aus den Begräbnisstätten 
im Bannwald: Grabstein in Gestalt eines Häuschens 
mit schrägem Giebeldach, auf der Stirnseite in einer 
kleinen Nische die roh gearbeitete Büste des Ver- 
storbenen. Ebenda kamen bei Ausgrabungen im 
Sommer 1898 eine Anzahl von Grabsteinen von 
der für diese Gegenden charakteristischen Form 
eines sehr spitzen, etwas gewölbten Daches zum 
.Vorschein; unter den dabei gemachten Einzelfunden 
ragt hervor ein eisernes Hiebmesser in durchbrochener 
Bronzescheide, welches mit einer Münze des Agrippa, 
zwei Schnallen und einem Beil in demselben Grabe 
gefunden wurde. 

Die von der Gesellschaft für lothringische Ge- 
schichte im J. 1894 in Angriff genommene Aus- 
grabung einer ausgedehnten römischen Villa 
bei dem Kloster S. Ulrich 4 km nw. von Saarburg 
wurde fortgesetzt; der Bericht wird demnächst im 
X. Jahrbuche der Gesellschaft erscheinen. 

Relief bild aus Stein, gefunden bei Settingen 
(Kanton Saargemünd), stellt eine sitzende, mit 
Chiton und Mantel bekleidete Göttin dar, die im 
linken Ami das Füllhorn, in der rechten Hand die 
Patera trägt, links zu ihren Füfsen eine Kugel, rechts 
neben ihr ein ovaler Schild, wohl eine topische 
Göttin, Lothr. Jahrb. IX S. 334. 

Zwei Bruchstücke des Steinbildes einer Göttin, 
vielleicht der Nantosvelta, gef. bei Kirchnaumen 
(Kanton Sierk). »Das eine Bruchstück stellt den 
Obertheil der Göttin dar, hinter dem linken Arm 
erhebt sich auf plumpen Untergestell ein Gegenstand, 
der die Gestalt eines viereckigen Häuschens mit 
Giebeldach hat. Es ist wahrscheinlich, dafs das 
Bild dieselbe Göttin darstellt wie die beiden im 
J. 1895 in Saarburg entdeckten Altäre, von welchen 
der eine die Göttin Nantosvelta nennt.« Lothr. 
Jahrb. IX S. 338. 

STUTTGART, Kgl. Staatssammlung (Sixt). In 
den letzten Jahren hat die Sammlung an Gegenständen 
aus der Bronzezeit einen reichen Zuwachs erfahren 
durch die Ausgrabungen von Hügelgräbern, welche 
der Landesconservator hauptsächlich in dem Gebiet 
Archäologischer Anzeiger 1899. 



der schwäbischen Alb vornehmen liefs. Besonders 
ergiebig waren die Grabungen am Burenhof, eben- 
so im Aalbuch. Die reichste Ausbeute aber lieferte 
der grofse Hügel beiDufslingen (Oberamt Tübingen), 
der sechs Gräber enthaltend neben zahlreichen 
Bronzegegenständen auch ein goldenes Stirn- und 
Armband ergab. Erwähnenswerth ist auch der in 
einem Grabhügel bei Dormettingen (Oberamt Rott- 
weil) gemachte Fund von zwei Armspangen aus 
Bergharz und einem Geflecht aus Birkenrinde. — 
Bei Cannstatt wurde ein Postament einer Mercur- 
statue gefunden, auf dessen vorderer in zwei Felder 
getheilten Seite in rohen Umrissen ein Hahn und 
ein Bock und auf dessen Seitenfläche der Vorder- 
theil eines schreitenden Rindes und eines springenden 
Hammels sich befindet; auf der Oberfläche die 
Füfse einer menschlichen Gestalt (Fundberichte aus 
Schwaben 1897 S. 5). 

KONSTANZ, Rosgarten -Museum (L. Leiner). 
Die Pfahlbautensammlung wurde wieder mehrfach ver- 
vollständigt. — Das römische Kastell in Konstanz 
sei nun wohl sicher nachgewiesen an der Hofhalde, 
wo der Münster steht; vom Kastellgraben sind 
genaue Aufnahmen gemacht worden. 

MANNHEIM, Vereinigte Sammlungen des Grofsh. 
Antiquariums und des Altertumsvereins (K. Baumann). 
Ein reicher Grabfund aus der Merowinger Zeit von 
Thalhaus bei Schwetzingen : vier silberne vergoldete 
Fibeln, ähnlich wie Lindenschmit, Röm.-germ. Cen- 
tralmuseum Taf. 5,8 und 6,33, theilweise mit Alman- 
dineinlagen, drei Spinnwirtel aus Thon, zwei mas- 
sive Bronzeringe, eine cylindrische Perle von buntem 
Glasflufs, eine Eisenschnalle, ein Eisenring, ein 
Bronzebeschlag. 

DARMSTADT, Grofsherzogl. Museum (Müller). 
Praehistorische Funde: Brandgrab mit Bronze- 
messer von Klein -Gerau. Eine Bronzenadel, gef. 
in Erfelden. Ein Bronzeschwert, eine Bronzenadel 
und ein Bronzearmring, gef. im Distrikt Hallewiese 
bei Grofsgerau. Eine Urne mit vier Schnurösen, 
gef. am Westende von Grofsgerau. — In Nauheim 
bei Grofsgerau wurde ein 8 m hoher und 50 m im 
Durchmesser breiter Tumulus abgetragen, wobei 
im oberen Theil der gewachsenen Schicht Brand- 
gräber der Latenezeit und Reihengräber mit Stein- 
setzungen gefunden wurden. 

Römische Brandgräber aus der Zeit Vespasians 
wurden in Offenheim bei Alzey entdeckt. 

Von fränkischen Reihengräbern wurden am 
Galgenberge bei Grofsgerau 60—70 bei Bauten an 
der Bahnstrecke Frankfurt — Mannheim zufällig frei- 
gelegt, darauf wurden 60 vom Museum "geöffnet: 
dabei fanden sich viele Messer, Perlen, Kämme, aus 

2 



Erwerbungen der Antikensammlungen in Deutschland. 



Bronze Nadeln, Fingerringe, Zängelchen, Ohrringe, 
mehrere Scheibenfibeln mit der Darstellung eines 
Vogels, ferner ein gegossenes Bronzeschmuckstück 
in Gestalt eines Ebers, eine mächtige runde Scheiben- 
fibel, deren obere eiserne Platte in Silberplattirung 
und Messingtauschirung reich ornamentirt ist, ein 
eisernes Gürtelschlofs , ein Feuersteinmesserchen, 
zwei gallische Münzen , die eine von Electron , die 
andere von Bronze (vgl. Hessische Quartalblätter II 
S. 314). — Weitere Funde stammen vom fränkischen 
Friedhof bei Ober-Saulheim, unter denen er- 
wähnt seien mehrere Messer und Lanzenspitzen, ein 
grofser ornamentirter, pyramidenförmiger Bronze- 
knopf, 40 Frittperlen und drei Bernsteinperlen. 
Gräber von Sprendlingen lieferten mehrere Waffen, 
manchen Zierrath und nicht weniger als 300 Thon-, 
Glas- und Bernsteinperlen. 

HANAU, Museum des Geschichtsvereins (Dr. 
A. Winkler). Eine gröfsere Anzahl römischer Grab- 
alterthümer aus dem Brandgräberfeld von Kessel- 
statt, weitere römische Funde von Niederdorfeiden 
und Kilianstädten. 

FRANKFURT a. Main, Historisches Museum. 
Die Grabungen auf der Dominsel in Frankfurt wurden 
fortgesetzt und dabei wieder zahlreiche römische 
Schuttreste gefunden, aber keine römischen Mauer- 
züge. 

In Heddernheim wurde zufällig ein nur in den 
Lehm gegrabener Keller entdeckt, in welchem sich 
eine grofse Anzahl von Scherben zerdrückter mäch- 
tiger Amphoren vorfand; sechs stattliche Amphoren 
konnten wieder zusammen gesetzt werden, eine trägt 
am Hals den eingedrückten Namen Ursuli und 
darüber in kleineren Dimensionen die Buchstaben 
G und V. — Prof. Wolff suchte durch Nach- 
grabungen das Heddernheimer Kastell zu bestimmen 
und fand dabei Ziegel der 14. und 22. Legion und 
einen der Coh. I Asturum. 

HOMBURG V. D. HÖHE, Saalburg- Museum 
(Jacobi). Auf der Saalburg kamen wieder einige 
interessante Kleinalterthümer zum Vorschein. 

WIESBADEN, Altertumsmuseum (Lehner). In 
Wiesbaden selbst wurde bei Fundamentarbeiten auf 
dem Marktplatz eine Basis von grauem Sandstein 
gefunden, die auf der Vorderseite folgende wichtige 
Inschrift trägt Antonia [folgt das zerstörte Cognomen] 
T(iti) Porci Rufiani [le]g(ati) leg(ionis) XXII p(rimi- 
geniae) p(iae) f(idelis) [pro salute] Porciae Rufianae 
filiae suae Dianae Mat[ti]acae voto Signum posuit. 
Der Legat Rufianus ist sonst nicht bekannt, Ritter- 
ling (Westd. Korrbl. XVII S. 73) setzt ihn ver- 
mutungsweise unter Trajan oder Hadrian. Auch der 
Name der Diana Mattiaca ist neu, wahrscheinlich 



war sie die Schützerin der Wiesbadner Heilquelle. 

— Gleichfalls aus Wiesbaden stammt der Amphoren- 
henkel Iuli Sosia. 

SPEIER, Museum. (Grünenwald). Vorge- 
schichtliches: Zwei sehr schöne Bronzearmringe 
der Bronzezeit, gef. bei Bohl. Die gewölbten, nach 
innen offenen hohlen Ringe sind aufsen mit parallelen 
und sich kreuzenden Liniengruppen verziert. — 
Skelettflachgräb der Latenezeit mit drei Halsringen, 
vier Armringen, einem Fingerring und einer Fibel 
mit rückwärts gebogenem Ende gef. bei Niedermohr. 

Römische Periode. Mit der Sammlung des 
Directionsrathes Müller bei der pfälz. Eisenbahn in 
Ludwigshafen kam eine Reihe älterer römischer 
Funde aus dem Bliesthal ins hiesige Museum. Aus 
Schwarzenacker Reste einer Schmiede (zwei schwere, 
eiserne Ambosse, Ringe, Kloben, Trensen, Reste eines 
Schmelzofens, Bruchstück eines Tiegels, zwei Düsen 
mit anhängenden Eisenschlacken). Vom Heidenacker 
bei Blickweiler, wo ein römischer Töpferofen auf- 
gedeckt war, ein Stück einer Formenschüssel mit 
Jagdscene und Blumen und mehrere Gefäfse. Aus 
Reinheim gleichfalls sehr interessante Eisengegen- 
stände, ein Schifferhaken aus starkem Schmiedeeisen, 
eine Scheere, eine halbrunde, 13 cm lange Säge, 
ein Hackbeil, ein Messer, ein Stemmmeifsel. Aus 
dem Blies thal der Torso einer sitzenden Gewand - 
f igur von halber Lebensgröfse in weifsgrauem Sand- 
stein. Aus Reinheim ein hübscher Mädchenkopf von 
dunkelgrünem Sandstein, von reichen Locken um- 
rahmt; die Lippen sind stark aufgeworfen, die runden 
Augen quellen ein wenig unter den hoch hinauf- 
gezogenen Lidern hervor; ihre Sterne sind tief ein- 
gebohrt. Bei Biebermühle wurde die obere Hälfte 
einer 97 cm im Umfange messenden geschuppten 
Säule gefunden mit korinthisierendem Kapital, an 
dessen vier Seiten zwischen den Eckvoluten vier 
Köpfchen hervorschauen. — Aus Flemingen stammt 
ein sehr gut gearbeitetes Relief des Mercur mit dem 
Bacchuskinde, welches nebenstehend abgebildet ist. 
Das Bacchusknäbchen stemmt sein linkes Bein gegen 
die Hüften des Mercur, mit der rechten Hand hält 
es sich am Caduceus fest, »während die linke das 
Köpfchen stützt. Mercur hat die rechte Hand leicht 
an die rechte Brustseite gelegt, hat den Daumen 
gerade vorgestreckt, darüber zwei Finger einwärts 
gebogen, Mittel- und Zeigefinger aber etwas erhoben«. 

— Ein Hundekopf aus Bronze mit Punkten und 
Strichen verziert, ehemals der Stiel eines Hausgerätes, 
soll bei Gleisweiler gefunden sein. 

Fränkische Grabfunde stammen von Nieder- 
gailbach und Battenberg. 

WORMS, Paulus-Museum (Dr. Koehl). Prae- 



I. Die Westdeutschen Altertumssammlungen. 



19 



historisches: Auf den neolithischen Gräberfelde 
bei Wachenheim wurden noch einige Hockerskelette 
gefunden, dabei ein Stück Hämatit zum Bemalen 
des Körpers, ein Feuersteütknollen und einige Ge- 
fäfsscherben. — Ein weiteres neolithisches Gräber- 
feld wurde bei Rheindlirkheim entdeckt, es enthielt 
32 Gräber mit etwa 60 wohlerhaltenen Gefäfsen, Stein- 
geräthen, Muschelschmucksachen u. s. w. — Mehrere 



Bronzedolch und Bronzeschwert, gef. im Rhein bei 
Mainz. Bronzenadel von 42 cm Länge, gef. im 
Flofshafen bei Mainz. Ein kleiner glatter Eimer 
und ein kleiner cylindrischer gerippter Eimer aus 
Bronze, beide der Hallstattperiode angehörig, aus 
dem Rhein bei der Rettbergau; der glatte Eimer 
hatte wohl Henkelösen mit kreuzförmigen Ansätzen, 
die leider verloren gegangen sind , der gerippte 




Latene-Gräber bei Wachenheim und Osthofen. — 
Es wurden ferner Wohngruben der Bronzezeit mit 
Gefäfsen u. dgl. auf dem Adlerberg, bei Mölsheim 
und bei Osthofen untersucht. 

Römische Grabfunde wieder von mehreren 
Fundstellen aus Worms selbst. 

Umfangreiche fränkische Grabfunde von 
Sprendlingen. 

MAINZ, Sammlung des Vereins zur Erforschung 
der rhein. Geschichte und Alterthümer(Lindenschmit). 
In Mainz wurden an der Alzeierstrafse Theile eines 
römischen Hauses mit vielen Fundstücken und Ziegeln 
der 4., 14. und 22. Legion ausgegraben und dabei 
Theile einer Strafse gefunden. — Bei der Anlage 
einer Wasserleitung in dem Fort Josef auf der Höhe 
des Linsenberges stiefs man auf eine Mauer, die von 
der Umfassung des Kastells herrühren könnte, dabei 
fand sich ein bronzener Schildbuckel mit gezacktem 
Rand, der mit acht Nägeln auf dem Holzschild be- 
festigt war. Aufserdem kamen Stempel der 4., 8., 14. 
und 22 Legion und ein Bruchstück von einem Bau- 
stein der 22. Legion zum Vorschein. 

Vorgeschichtliche Alterthümer: Keulen- 
knopf aus Stein, gef. im Rhein bei der Rettbergau. 



ist von ungewöhnlicher Kleinheit. — Der Hallstatt- 
zeit gehört noch an ein Grabfund aus Stadeken in 
Rheinhessen, bestehend aus einer Thonschüssel, einer 
kugelförmigen Kinderklapper aus Thon und einem 
Hohlring aus Bronzeblech. — Skelettgrabfund der 
Latenezeit aus Flinthen. 

Römische Alterthümer. Auch diesmal ergab 
der römische Friedhof im Gartenfeld wieder eine 
sehr reiche Ausbeute an geschlossenen Brand- und 
Skelettgräbern. In unmittelbarer Nähe eines mit 
Ziegeln umstellten Brandgrabes, welches aufser der 
Knochenasche nichts enthielt, fand sich liegend eine 
Grabplatte, auf deren oberer Hälfte in einer von 
gedrehten Säulchen eingerahmten Nische das Todten- 
mahl dargestellt ist, während die untere die Inschrift 
Julius Ingenius Massae f(ilius) cives Elvetius miss(us) 
ex ala I Fl(avia), hie sit(us) est, k(eres) f(aciendum) 
c(uravit), Wd. Korr. XVII S. 68). In geringer Ent- 
fernung davon kamen noch mehrere Inschriftbruch- 
stücke zum Vorschein (Wd. Korr. VII S. 103). 

Zahlreiche Gefäfse aus dem 1. und 2. Jahrh. 
aus Weisenau, darunter viele Töpferstempel und 
sogen, belgische Thonware. Dazu gehört ein 
Trinkhorn aus gelbrothem Thon, ein seltenes Stück, 

2* 



20 



Erwerbungen der Antikensammlungen in Deutschland. 



wenn auch von unvollkommener technischer Aus- 
führung; um den oberen Theil läuft ein Blätter- 
kranz aus Epheu oder Weinlaub, den unteren Theil 
zieren zwei Delphine. — Ein anderer geschlossener 
Fund von Gefäfsen rührt von einer Töpferei- 
ablagerungsstätte gleichfalls von Weisenau; es 
kamen zahlreiche Scherben verschiedener Thon- 
geräthe und circa 20 ganze Gefäfse zum Vorschein, 
sämmtlich mit Brandfehlern versehen. 

Bronzestatuetten des Silen mit dem Bacchus- 
kind, gef. in Mainz, Ballhausplatz. Bronzelampe, 
der nach vorne gebogene Griff endigt mit einem 
gut modelliertem Pferdekopf, gef. im Rhein bei 
Mainz. Kessel aus Bronze mit eisernem Reif und 
Henkelösen, auf dem Rande die mit Punkten ein- 
geschlagene Inschrift Calp. Maximi, gef. im Rhein 
bei Mainz. Pfanne aus Bronze mit langem Stiel, 
der am Ende schleifenartig gebogen mit einem 
Schwanenkopf abschliefst; auf der Rückseite der 
Name Audi eingeritzt. — Ein Beschlagstück aus 




Bronze von eigenartiger Form, Lindenschmit hält 
es vermuthungsweise für den Augenschutz eines 
Pferdes; die vier Haften aus Bronzeblech dienten 
zum Befestigen von Lederriemen, gef. im Rhein 
bei Mainz. 

Frührömische silberne Fibula von ungewöhn- 
licher Form, gef. im Rhein bei der Rettbergau. 
Bronzefibel in Gestalt einer Zimmeraxt und einer 
sog. Amazonenaxt, gef. in Weisenau. Ein kleines 
eisernes Messer mit einem Griff aus Knochen, der 
dem Griff einer Gladius genau nachgebildet ist, 
gef. in Mainz. 

Fränkische Alterthümer. Sehr interessante 
Rundfibel aus Bronze, gef. in Mommenheim, die 
Vorderseite war emaillirt, die Rückseite ist gravirt. 
— Werthvolle eiserne Rundfibel mit Bronzeunterlage 
aus Sprendlingen ; die eiserne Zierfläche sitzt in 
einer bronzenen, ursprünglich vergoldeten Kapsel, 



die Fläche ist mit Silber- und Bronzeeinlagen ge- 
schmückt. — Spangenfibula aus Bronze von seltener 
Form, gef. bei Brettenheim. Von demselben Grab- 
feld stammen eine grofse eiserne Hakenlanze, ein 
Bronzekessel mit Eisenhenkel von einer im Rhein- 
land und Süddeutschland ganz ungewöhnlichen 
Form, eine Bronzeschüssel mit geperltem Rand 
ohne Fufs und eine ähnliche mit kurzem Fufs. 

MAINZ, Römisch-germanisches Centralmuseum 
(Lindenschmit). Zuwachs etwa 1000 Nummern. — 
Rudolf Virchow schenkte dem Museum eine Gruppe 
von 243 cyprischen Alterthümern, welche umfafst 
Gefäfse, Waffen, Werkzeuge der ältesten auf Cypern 
nachgewiesenen Zeitstufen, des sog. Kupferbronze- 
alters, der mykenischen Periode, weiter der gräko- 
phönikischen Eisenzeit bis herab zur hellenistisch- 
römischen Zeit. Ferner gingen dem Museum als 
Geschenke Funde aus neolithischen Ansiedelungen 
in Süddeutschland und aus Feuersteinwerkstätten der 
norddeutschen Tiefebene zu. Im Austausch wurde 
eine Kollection von Fundstücken aus der bekannten 
neolithischen Station von Butmir unweit Sarajevo 
in Bosnien erworben. 

Unter den Nachbildungen sind hervorzu- 
heben Gefäfsformen und Geräthe aus dem neo- 
lithischen Skelettgräberfeld in der Rheingewann 
bei Worms, altägyptische und phrygische Ge- 
fäfse, altitalische Metallarbeiten aus Posen, West- 
preufsen und Brandenburg, Oberbayern, Oberpfalz. 
Abgüsse von Bronzedepotfunden aus Württemberg, 
Hohenzollern und Westpreufsen. Geschlossene 
Grabfunde der Hallstattperiode z. B. aus Roxfeld 
und Schrotzhofen in der Oberpfalz und von Buren- 
hof in Würtemberg, sowie aus Flachgräbern der 
Latenezeit aus Bayern. — Abbildungen antiker 
Darstellungen von Galliern und Germanen. — 
Mancherlei Römisches. Galvanoplastische Nach- 
bildung der Schmucksachen des zweiten Schatz- 
fundes von Szilagy-Somlyö in Ungarn, dessen Fibeln, 
Schalen u. s. w. hervorragende Arbeiten der Zellen- 
goldschmiedekunst des 4. und 5. Jahrh. sind. 

OBERLAHNSTEIN, Sammlung des Alterthums- 
vereins (Bodewig). Gefäfse aus Hallstattgrabhügeln, 
gef. am Hilberstiel bei Braubach. Derselben Zeit 
angehörig ist eine Tasse aus Friedrichssegen mit 
sehr schmalem Fufs, 6 cm hoch, 15cm lichte Weite; 
am Rand beginnend laufen dreimal je zwei Linien 
um das Gefäfs, um den Boden zwei Zickzacklinien; 
sämmtliche Linien haben weifse Thoneinlage. 
Ähnlich eine kleinere Tasse von derselben Stelle. — 
Aus Lateneflachgräbern in Braubach: Kumpen, 
Becher, Flaschen, Tassen, Teller, Urnen und einige 
eiserne Gegenstände und Bronzeringe; eine lang- 



I. Die Westdeutschen Altertumssammlungen. 



21 



gestreckte Urne von 2 1 cm Höhe ist mit vier reich 
ornamentirten Streifen umgeben, von denen drei 
mit Kreisen, ein vierter mit Quadraten geziert ist, 
stellenweise findet sich noch weifse Thoneinlage, 
die Farbe des Gefäfses ist braunschwarz. — Gleich- 
falls aus Braubach, aber aus Gräbern an der Emser- 
strafse, wo auch fruhrömische Scherben auftreten, 
wurde ein Schlüssel, ein Glasschneider?, Messer, 
Fibeln, ein Schwert, sämmtlich aus Eisen gefunden, 
dazu ein eisernes Armband mit Ringen aus Glasflufs 
u. dgl. mehr. 

BIRKENFELD, Sammlung von Alterthümern 
im Gymnasium (Back). Zerstörtes Hallstattgrab bei 
Bösen mit zwei Halsringen mit wechselnder Torsion, 
einem flachen Halsring und vielen Armringen. — 
Grab aus dem Kloppswalde mit Halsring ähnlich, 
aber zierlicher als Lindenschmit A. u. h. V. I, II, 3,2. 
Römisch: zwei nach unten abgebrochene Steine 
von der Form eines Pinienzapfens, gef. bei Bersch- 
weiler, von röm. Grabdenkmälern. 

TRIER, Provinzialmuseum (Lehner). DieHaupt- 
thätigkeit bestand in der Ausgrabung eines umfang- 
reichen römischen Wohnhauses, mit einer Portikus- 
anlage, vielen Kellern, einem Bade, einem schönen 
Mosaikboden und vielen Einzelfunden; das Haus 
lag in Trier unmittelbar neben den Kaiserpalast 
auf dem Terrain des Herrn Schaab. — 

Zwischen Biwer und Ehrang wurde ein aus- 
gedehntes Gräberfeld aus der Übergangszeit von der 
gallischen zur römischen Kultur ausgegraben mit 
vielen Gefäfsen, Bronzen- und Eisensachen. — Etwas 
früherer Zeit gehören an die Latenegräber von 
Grügelborn, welche eine gröfsere Anzahl schöner 
schlanker schwarzer Gefäfse ergaben. 

Römische Einzelfunde: Halbkreisförmiger 
Grabstein, gef. in Trier in Heiligkreuz; zu oberst 
sind in Flachrelief zwei Brustbilder eines Mannes 
und einer Frau, wohl aus dem Beginn des 3. Jahrh. 
dargestellt, darunter die Inschrift D(is) m(anibus) 
Mascellionio Marcellino coniugi d(c)f(uncto) Sabinia 
Dhtturna et sibi viva fecit. — Von derselben Stelle 
ein Block von einem Grabdenkmal, auf der Vorderseite 
die Oberkörper zweier Personen im Hochrelief, 
darstellend einen Erwachsenen und daneben ein 
Kind mit Weintraube und Vogel, auf den Schmal- 
seiten je ein Baum, an dem eine Schlange empor- 
züngelt. — Rohe Gruppe des Reiters mit Giganten, 
gef. in der Manderscheit'schen Lehmgrube bei 
Euren. — Spielstein aus grauem Marmor mit ein- 
geritzter Darstellung eines Pferdes und der Inschrift 
Aurora Auspicius var. 

Goldring mitlntaglio, darstellend einen Delphin, 
gef. in Trier. — Elfenbeinener Messergriff, der in 



einen Delphin ausgeht, gef. in Trier; dgl. mit 
schöner durchbrochener Verzierung, gef. in Trier. — 

Münzen: Goldsolidus des Maximianus Hercules, 
Rv. Herculi victori PTR; des Constantin I, Rv. drei 
Feldzeichen spqr optimo prineipi; des Iovinus, Rv. 
Victoria in Trier geprägt. — Ein Münzfund von 
103 Kleinerzen von Valentinian, Valens und Gratian, 
gef. bei Trier. 

BONN, Provinzialmuseum. Die Ausgrabungen 
im Lager von Neufs wurden fortgesetzt; es galt 
namentlich über die im nordwestlichen Theile vor- 
handenen Bauwerke Aufschlufs zu gewinnen. 

Bei Niederdollendorf wurde die Aufdeckung 
fränkischer Gräber beobachtet, von denen die Fund- 
stücke ins Museum kamen. 

Abdeckungsarbeiten auf den Bimsssandgruben 
bei Weifsenthurm führten zur Auffindung von Wohn- 
stätten aus vorrömischer und römischer Zeit. Ein 
dort befindlicher Töpferofen, der besonders gut er- 
halten war, wurde vom Museum untersucht. 

In Bonn wurden im römischen Lager Theile 
eines Gebäudes untersucht, und an der Coblenzer- 
strafse eine Villenanlage. 

Erwerbungen: Votivstein an die Matronen, 
gef. bei Euskirchen Matronis Fahineihis M. [Gentile,] 
Placi[d]us et Bassia[ni]a Quieta v. s. I, m. Bruch- 
stück eines rechteckigen Blockes, von ursprünglich 
etwa 80 cm Breite zu 40 cm Tiefe; erhalten sind 
auf der einen Breitseite eine sitzende Minerva, auf 
der einen Schmalseite ein Hercules, gef. gleichfalls 
in Euskirchen zusammen mit dem Votivstein. 

Bei Heddesdorf, wo jüngst ein römisches Kastell 
entdeckt worden ist, wurde ein Leichenbrandgrab 
gefunden, auf dem als Deckstein eine Platte mit 
folgender Inschrift lag : Dis manib(us) C. I. Fe ... . 

trib(unus) mil(itum) coh(ortis) Capiionis 

.... annis XXVII, leider fehlt gerade der Name 
der Cohorte, die IUI Vindelicorum kommt nicht in 
Frage. — Auf der Aachener Strafse in Köln wurde 
eine Grabplatte, die nach oben bogenförmig ab- 
geschlossen ist, gefunden. In der Rundung befindet 
sich das Brustbild eines mit der Toga bekleideten 
jungen Mannes in Hochrelief, unmittelbar darunter 
die Inschrift D(is) M(anibus) Senuatio Tertio Bassi- 
ania Felicula coniugi karissim(o). 

Statuette eines sitzenden Juppiter aus Bonn 
und ein Pilasterkapitäl mit einem männlichen Kopf 
aus Köln. Geschlossene Grabfunde aus Bonn, Köln 
und Mastershausen. 

Aus Bronze Mercurstatuette gef. in Neufs. 
Zwei Appliken mit den Büsten einer Victoria und 
eines Atys aus Köln. Eine Doppellampe aus 
Call. Ein Armband mit eingestanzten Vogel- 



22 



Verkäufliche Gipsabgüsse der K. Skulpturensammlung zu Dresden. 



figuren und ein solches mit spiralförmig aufgerollten 
Enden. 

Mehrere fränkische Funde aus Oberkassel, 
Bacharach und Zülpich. 

Münzfurid vom Hunsrück mit 585 Mittel- und 
Kleinerzen von Gallien bis Constantius II und einem 
Aureus des Honorius. 

KÖLN, Museum Wallraf - Richartz. Römische 
Brandgräber von der Luxemburger Strafse und 
Skelettgräber von der Schillingstrafse. Gemauerte 
Grabkammer, gef. vor dem Aachener Thore; sie 
bildete ein ungefähr quadratisches Gehäuse von 
1,40 m Höhe, in der Mitte der nördlichen und süd- 
lichen Seitenwand waren im Innern rechteckige 
Nischen ausgespart, welche zum Aufstellen von 
Totenbeigaben dienten; eine grofse Glasurne, welche 
von Gefäfsen umgeben in der Mitte des Grabes 
stand, enthielt die Knochenasche; nach den Gefäfsen 
wird die Beisetzung in trajanischer Zeit erfolgt sein. 
Von demselben Grabfeld stammt ein Stein, welcher 
mit dem Brustbilde einer Frau in kreisrunder Nische 
und folgender Inschrift versehen ist : D(is) M(anibus) 
et pcrpetne seciiritate{s\o. !) lul(iae) Bursprae Iul(ius) 
Kalvisius sorori f(aciendum) c(uravit). 

Auf dem Maria Ablafsplatz kamen Gräber des 
2. und 3. Jahrh. zum Vorschein, westlich von der 
Vorhalle des Archivgebäudes viele Sarcophage, einer 
enthielt die Leiche eines Soldaten, der im Waffen- 
schmuck beigesetzt war, zur rechten lag die Spatha 
in den Resten der hölzernen, mit Leder überzogenen 
Scheide steckend ; an der linken Hüfte hing der 
Sax; über dem Schwert lag die Lanze. Dabei 
wurden zahlreiche Gürtel-, Riemenbeschläge und 
Schnallen aus versilberter Bronze gefunden, welche 
in Form und Verzierung durchaus solchen aus 
fränkischen und alamanischen Gräbern entsprechen. 
— In einem benachbarten Grabe kamen aufser 
Gefäfsen Plättchen von weifsem und grünem, bunt- 
geflecktem Marmor, ein Instrument aus Schieferstein 
und eine Bronzemünze von Valentinian I heraus. 
(Nach einem Bericht von K — a in der Köln. 
Volksztg. = Wd. Korr. 47 und 58.) 

Trier, 4. März. 

F. Hettner. 



I. NACHTRAG 

ZUM VERKAUFSVERZEICHNIS 

DER 

DRESDNER MUSEUMSFORMEREI 

1899. 

(Vergl. Archäolog. Anzeiger 1891 S. 128 ff.) 

B. GRIECHISCH-RÖMISCHES. 
I. Statuen, Torsen, Bruchstücke. 

102) Athena, Wiederholung der Lemnia 
des Pheidias, mit zugehörigem Kopf (an dem 
Nase, Lippen und Schädel nach der Wiederholung 
in Bologna uniergänzt sind). Abgeb. Furtwängler, 
Meisterwerke Taf. 1 und Becker, Augusteum Taf. 14. 
Hettner, Bildw. d. K. Antikensammlung zu Dresden 

4. Aufl. S. 72 Nr. 69. Marmor. H. 2,08 . 200 M. 

Den Kopf allein siehe unter Nr. 223. 

102a) Athena, dieselbe Statue wie Nr. 102, 
nur dafs dem Körper statt des eigenen Kopfes die 
besser erhaltene Wiederholung des Kopfes in 
Bologna aufgesetzt worden ist 200 M. 

Den Athenakopf von Bologna allein siehe 
unter Nr. 224. 

103) Zeus, Wiederholung eines Typus aus der 
Schule des Pheidias. Abgeb. Treu, Olympia, 
Textband III, S. 226 und Festschrift für Benndorf, 
Taf. II und III. Marm. Hettn. 4 S. 66, Nr. 59. 
H. 2,12 300 M. 

Den Kopf allein s. unter Nr. 203. 

105) Salb er, im Motiv des Münchener Öl- 
eingiefsers. Bei einer Neuaufstellung und Umer- 
gänzung der Statue wurden am 1. Fufs Reste einer 
beflügelten Sandale beobachtet, auf Grund deren sie 
zum Hermes (mit Flügelsandalen an beiden Füfsen; 
Kopf und r. Arm fehlen) ergänzt und so neu ge- 
formt wurde. Die Statue wird in ihrer neuen Gestalt 
von Treu abgebildet und besprochen werden. Marm. 
Hettn. 4 S. 122, Nr. 277. Aug. Taf. 37 und 38; 
Clar. 663,1537. Brunn - Bruckm. Denkm. Nr. 133 
u. 134. H. 1,83 120 M. 

106) Artemis, lang gewandet, mit der r. Hand 
nach dem Köcher greifend. Neue Abbildung bei 
Furtwängler, Meisterw. Taf. XXIX; Klein, Praxiteles, 

5. 307, Fig. 55. H. 1,51 . 125 M. 

Den Kopf allein s. unter Nr. 229. 

108) Artemis, sogen. Stack elbergsche Ama- 
zone, Clarac 810 A, 2031 B. Hettn. 4 S. 62, Nr. 40. 
Der Rumpf allein, ohne die neuerdings abgenom- 
menen Ergänzungen. H. 0,655 18 M. 

108 a) Dieselbe Statue in Thorvaldsens Er- 
gänzung als Amazone. H. 0,89 24 M. 

117) Artemis, mit Rehkälbchen in der Nebris. 
Nur der Rumpf ohne die modernen Ergänzungen 



Verkäufliche Gipsabgüsse der K. Skulpturensammlung zu Dresden. 



23 



geformt. Mit diesen abgeb. Aug. Taf. 53; Clarac, 
575» I2 35 un d 7°°> i°5 2 ; Röscher, Mythol. Lexik. 
I, Sp. 567. Mann. Hettn. 4 S. 95, Nr. 148. H. 0,84. 

80 M. 

118) Plutosknabe, von einer Wiederholung 
der Eirenegruppe des Kephisodot. Abgeb. 
Klein, Praxiteles, S. 85, Fig. 8; mit den alten Er- 
gänzungen Le Plat, Taf. 62; Clarac, 675, 1557. 
Mann. Hettn. * S. 60, Nr. 29. H. 0,65 . . 25 M. 

119) Nackter Jüngling (Kopf und Rumpf), 
abgeb. Furtwängler, Meisterw. S. 585, Fig. 114; 
mit den alten Ergänzungen Aug. Taf. 87; Clarac 
809, 2026. Mann. Hettn. 4 S. 82, Nr. 89. H. 0,98 

50 M. 

120) Herakles, auf die Keule gestützt, Torso 
P oly kl e tischen Stiles. Ergänzt: die Keule, beide 
Unterschenkel und Plinthe. Abgeb. Arch. Anz. 
1894, S. 25,4. Marm. H. 1,81 80 M. 

121) Athena, abgeb. Aug. Taf. 48. Clarac 
4^5» 877 (mit den Ergänzungen, die im Abgufs 
fehlen). Marm. Hettn. 4 S. 73 Nr. 73. H. 1,31 

M. 

122) Sog. Hestia Giustiniani, Rom, Mus. 
Torlonia. Abgeb. C. L. Visconti, Mus. Tori. Taf. 
126, Nr. 490. Brunn -Bruckm. Denkm. Nr. 491. 
Marm. H. 2,05 200 M. 

Den Kopf allein s. unter Nr. 242. 

II. Büsten und Köpfe. 

202a) Athletenkopf aus Perinthos, (Marm. 
Athen. Mitth. XVI. Taf. 4. 5.) jetzt auch ergänzt 
zu beziehen 15 M. 

203) Zeus, Kopf der Statue Nr. 103. Die 
fehlenden Teile, (Lippen, Lockenspitzen etc.) neu 
ergänzt von Ilösel. H. 0,365 15 M. 

217a) Dionysoskopf Nr. 217. Marm. Hettn. 4 
S. 58 Nr. 14. Neu ergänzt. H. 0,305 . . 12 M. 

222) Weiblicher Kopf aus Kyzikos, 
abgeb. Arch. Anz. 1894, S. 28, Nr. 10. Marm. 
H. 0,315 9 M. 

223) Athena Lern nia, Kopf der Statue Nr. 102 
(wo nähere Angaben über Ergänzung und Abbildung). 
H. 0,335 7 M. 

224) Athena Lemnia, Marmorkopf im Mus. 
von Bologna. Abgeb. Furtwängler, Meisterw. Taf. 3 
(vergl. Nr. 223 und 102 a). H. 0,445 • • • 10 M. 

225) Jünglingskopf von der Statue eines 
Kämpfers, Aug. Taf. 108; Clarac 867 Nr. 2208. 
Marm. Hettn. 4 S. 114, Nr. 244. H. 0,355 • IO M - 

226) Athena, im Typus der Athena Farnese. 
Der Kopf safs früher auf dem einen Torso der 
Lemnia (vergl. Aug. Taf. XV), ist aber jetzt ab- 
genommen und gesondert aufgestellt. Ein Stück 



der r. Gesichtshälfte glatt abgesplittert. Marm. 
Vergl. Hettn. 4 S. 73 Nr. 72. H. 0,33 . . 10 M. 
226a) Derselbe Kopf wie 226, mit Er- 
gänzung der r. Gesichtshälfte und Hinzufügung eines 
dreifachen Helmbusches und der aufrechtstehenden 
Wangenklappen, die durch erhaltene Ansätze ge- 
geben sind. H. 0,525 20 M. 

227) Knabenkopf von der Polykletischen 
Siegerstatue Nr. 104. Der Kopf bei Furtwängler, 
Meisterw. Taf. 27. H. 0,25 7,50 M. 

228) Satyrkopf, von der Statue des ein- 
schenkenden Satyrs Nr. 107. H. 0,23 . . 7,50 M. 

229) Artemis, Kopf der Statue Nr. 106, 
vergl. Furtwängler, Meisterw. S. 555, Fig. 105. 
H. 0,22 7,50 M. 

230) Bekränzter Herakles im Stil des 
Skopas. Marm. Abgeb. Arch. Anz. 1894, S. 172, 
Fig. 6 (die dort angegebenen Ergänzungen sind 
entfernt). H. 0,425 15 M. 

230a) Derselbe Kopf wie Nr. 230, neu er- 
gänzt 15 M. 

231) Bekränzter Herakles, dem vorigen 
ähnlich, aber nicht Wiederholung, sondern Ab- 
wandlung des Typus. Abgeb. Arch. Anz. 1894, 
S. 27 Nr. 9. H. 0,36 12 M. 

232) Doppelherme des Sophokles 
und Euripides. Marm. Vergl. Arch. Anz. 1894, 
S. 27, Nr. 8. Aus Sammlung Dressel. H. 0,27 

10 M. 

233) Lachender Satyrkopf, von der Satyr- 
gestalt der Hermaphroditengruppe Aug. Taf. 96. Dort 
nicht zugehörig, vergl. Hettn. 4 S. 105, Nr. 195. 
Clarac 722, 1733. Marm. H. 0,25 . . . 7,50 M. 

234) Hermaphroditenkopf (?) mit lächeln- 
den Zügen, von der (nicht zugehörigen) Statue Aug. 
Taf. 80. Vergl. Hettn. 4 S. 54 Nr. 10 (wo aber die 
Angabe, derKopfhabe Satyrohren, irrthümlich ist; der 
Kopf hat vollkommen normal gebildete Ohren). 
Andere Abbildung Clarac 699, 1649. H. 0,23 7,50 M. 

235) Gesichtsteil eines weiblichen 
Kopfes (Athena?), der ehemals stark ergänzt 
(u. a. mit modernem Helm) auf der nicht zugehörigen 
Statue Aug. Taf. 18 safs. Er ist dann schon früher ab- 
genommen und von E. Rietschel neu ergänzt worden. 
So beschreibt ihn Hettn. 4 S. 70, Nr. 64. Jetzt 
ist auch die Rietschelsche Ergänzung entfernt, 
und nur der antike Teil geformt. Marm. H. 
0,27 7 M. 

236) Dionysos, mit auf dem Kopf ruhendem 
Arm, Aug. Taf. 77. Hettn. 4 S. 122, Nr. 275. 
Marm. H. 0,31 12 M. 

237) Polykletischer Knabenkopf (Kynis- 
kos von Mantineia?), Wiederholung des sog. 



24 



Eduard Gerhard-Stipendium. 



Westmacottschen Athleten im Brit. Mus. Der Kopf 
ist auf ein Bruststück aufgesetzt, das von der Statue 
des Brit. Mus. abgeformt ist. Neue Erwerbung. 
H. 0,465 10 M. 

238) Jünglingskopf mit Kranz im Haar 
(Sieger oder Herakles), abgeb. Arch. Anz. 1894, 
S. 172, Nr. 5. Marm. H. 0,56 15 M. 

239) Bärtiger Kopf von der Statue eines 
Kämpfers, die bei Hettn. 4 S. 115 Nr. 247 be- 
schrieben ist. Die angeführte Abbildung Aug. Taf. 
107 giebt allerdings nicht dieses, sondern das bei 
Hettn. a. a. O. Nr. 245 beschriebene Exemplar 
wieder, wie aus der Form des stützenden Panzers 
ersichtlich ist; doch kann die Abbildung wenigstens 
den Typus des Kopfes veranschaulichen. Marm. 
H. 0,305 10 M. 

240) Heraklesköpfchen, mit einem ge- 
franzten Tuch bedeckt, also wohl aus einer Gruppe 
mit Omphale stammend. Aus Nicaea in Bithynien. 
Abgeb. Arch. Anz. 1896, S. 54 und 55, Fig. 4. 
Marm. H. 0,105 3>5° M. 

240a) Dasselbe Köpfchen, ergänzt, 3,50 M. 

241) Narkissosköpfchen, abgeb. Arch. Anz. 
1896, S. 54, Fig. 3. Marm. H. 0,145 • • -4 M - 

241a) Dasselbe Köpfchen, ergänzt, 4 M. 

242) Sog. Hestia Giustiniani, Kopf der 
Statue Nr. 122. H. 0,40 12 M. 

243) Kopf der Frauenstatue aus Herculaneum, 
Nr. 113. H. 0,30 12 M. 

243a) Derselbe Kopf mit einem Teil der 
Brust. H. 0,56 30 M. 

244) Kopf der Mädchenstatue aus Herculaneum 
Nr. 114. H. 0,25 9 M. 

245) Julius Caesar. Kleine Marmorbüste. 
Hettn. 4 S. 109. Nr. 209. H. 0,21 .... 3 M. 

III. Reliefs. 

305) Weihrelief aus Milet, mit Apollon, 
Artemis, Leto, Kurotrophos. Abgeb. Arch. Anz. 
1894, S. 26, Fig. 7. Marm. H. 0,45. Br. 0,585 

12 M. 

306) Medaillonbildnis des Men ander, 
Marbury Hall ; Michaelis, Anc. Marbles in Grcat 
Brit., S. 514, Nr. 40. Vergl. Studniczka, Berl. 
Philol. Wochenschr. 1895, Sp. 1627. Marm. Dm. 
0,47 25 M. 

IV. Geräte, Gefäfse und Verschiedenes. 

404) 32 Scherben sog. Arretinischer 
Gefäfse und Formen zu solchen. Aus der 
Sammlung Dressel, vergl. Arch. Anz. 1889, S. 166. 

Das Stück 0,50 M. 

405) Handgriff eines Gefäfses arretinischer 
Gattung mit der inschriftlich bezeichneten Gestalt 



der Germania in Relief. Abbild. Arch. Anz. 1889, 
S. 167 1 M. 

406) 9 Fragmente von schwarz gefirnifsten 
Reliefgefäfsen, zumeist Böden sog. Calenischcr 
Schalen. Vergl. Arch. Anz. 1889, S. 165 f. 

Das Stück 0,50 M. 

407) Eros mit der Keule des Herakles, 
kleines Bronzerelief vom Henkelansatz einer Kanne. 
Abbild. Abhandl. d. Sachs. Gesellsch. d. Wissensch., 
34. Bd. (1894), S. 373, Fig. 109 1 M. 

408) Bruchstück einer Relief platte aus 
Caesarea, alt - orientalisch. Weifser Alabaster. 
Abbild. Arch. Anz. 1894, S. 35, Nr. 47 . . . 3 M. 

409) Bronzene Schreib fe der aus einem Grabe 
zu Eretria auf Euböa. Länge 0,127 • • • . I M. 

410) Altertümliches Gerät unbekannter 
Bestimmung aus weifsem Marmor. Aus Naxos. 
Abgeb. Ammal of the Brit. School at Athens, 
1896 — 97, S. 64. B. 0,22; Br. 0,08 . . . 0,75 M. 

V. Kleinere Bildwerke. 

513) Aphrodite mit Apfel, abgeb. Furt- 
wängler, Meisterw., S. 622, Fig. 122. Bronze. 
Hettn. 4 S. 44, Nr. 4. H. 0,17 .4M. 

514) Aphrodite, sich das Haar ordnend. 
Bronze. Hettn. 4 S. 51, Nr. 160. H. 0,115 2,50 M. 

515) Kapellchen mit thronender Göttin, 
aus Amorgos. Kalkstein. Abgeb. Arch. Anz. 1896, 
S. 53, Fig. 1. H. 0,125 3 M. 



EDUARD GERHARD -STIPENDIUM. 

Dem Bericht über die feierliche Sitzung der 
Akademie am Leibniztage v. J. entnehmen wir die 
folgende Mitteilung: 

Das Eduard Gerhard-Stipendium wurde zum 
ersten Male im Jahre 1894 Herrn Otto Puchstein 
verliehen, um die antiken Befestigungen von Paestum 
zu untersuchen und gemeinsam mit Herrn Robert 
Koldewey aufzunehmen. Die Arbeit ist im Jahre 
1895 ausgeführt, die Herausgabe aber noch nicht 
erfolgt. Sie ist verzögert, einmal dadurch, dafs 
beide Herren aufserdem eine Erforschung anderer 
altgriechicher Bauten in Sizilien und Unteritalien 
vorgenommen haben und die Herausgabe dieser 
Forschungen mit der Herausgabe der Befestigungen 
von Paestum zu verbinden wünschen. Es ist das 
um so langwieriger dadurch geworden, dafs be- 
sonders Herr Koldewey inzwischen durch andere 
ähnliche Arbeiten auf vorderasiatischem Boden in 
Anspruch genommen worden ist. 

In den auf 1894 folgenden Jahren wurde, wie 
das Statut der Stiftung gestattet, der Zinsbetrag des 
Kapitals zurückgelegt und erst im vorigen Jahre 



Zu den Institutsschriften. Bibliographie. 



25 



wieder eine Bewerbung ausgeschrieben. Die neue 
Verleihung wurde Herrn Theodor Wiegand zu Teil, 
welcher mit den ihm zur Verfügung gestellten 
Mitteln die vor den Perserkriegen entstandenen 
Bauten der Akropolis von Athen herauszugeben 
unternommen hat. 

Eine abermalige Bewerbung ist für das laufende 
Jahr ausgeschrieben. 

ZU DEN INSTITUTSSCHRIFTEN. 

Berichtigungen zu Jahrbuch Bd. XIII. Heft 4. 
S. 183. Die Anmerkung 19 gehört nicht zu 
»veranlassen« Z. 7, sondern zu »nachweislich« Z. 5. 
S. 188 ist in der letzten Zeile zu lesen: »Harbie« 
S. 190 unter Nr. 12 sind in Zeile 5 die Worte: »d. i. 
vermutlich« zu streichen. 



BIBLIOGRAPHIE. 

P. Allard Etudes d' histoire et d' archeologie. Paris, 
Lecoffre, 1899. 436 S. 8°. 

A. H. Allcroft The making of Athens: a history 
of Greece 495 — 431. London, W. B. Clive, 1898. 
XI, 209 S. 8°. 

B. Apostolides Essai sur 1' hellenisme egyptien 
et ses rapports avec 1' hellenisme classique et 
1' hellenisme moderne. Tome Ier; 1' hellenisme 
sous 1' ancien et le moyen empire. II me fascicule. 
Paris, Weiter, 1899. 92 S. [S. 63 — 154] 8° [vgl. 
Bibliographie 1898 S. 79]. 

H. d'Arbois de Jubainville Cours de litterature 
celtique. Tome 6. La civilisation des Celtes et 
celle de 1' epopee homerique. Paris, Fontemoing, 
1899. XVI, 418 S. 8°. 

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F. Arz Die Frau im homerischen Zeitalter. Pro- 
gramm des evangelischen Gymnasiums A. B. zu 
Hermannstadt, 1898. 41 S. 4 . 

P. Aucler Les villes antiques. Panoramas en cartes 
murales. I. Athenes. II. Rome. III. Carthage. 
IV. Jerusalem. Restaurationsarcheologiques. Paris, 
Delagrave, 1899. 

Historische Ausstellung für Naturwissenschaft und 
Medicin in den Räumen des Kunstgewerbe- 
museums (70. Versammlung deutscher Natur- 
forscher und Ärzte zu Düsseldorf 1898). Düssel- 
dorf, gedr. bei A. Bagel, 1898. 222 S. 8° 
[enthält S. 4 — 37 Gegenstände des Altertumes, 
und zwar solche deraltphoinikischen, ägyptischen, 
mesopotamischen, babylonischen, assyrischen, 
altindischen Medicin, der vorhippokratischen 
Medicin Kleinasiens, derselben Griechenlands, 
der klassisch -griechischen, ibero-etruskischen, 
klassisch-römischen, spätrömischen Medicin]. 



C. Bardt Der Zinswucher des M. Brutus. Programm 
des Kgl. Joachimsthal'schen Gymnasiums bei 
Berlin, 1898. 8 S. 4°. 

R. Basset s. Cebes. 

J. Baunack s. Sammlung. 

F. Bechtel s. Sammlung. 

M. Bcnson and J. Gourlay The Temple of Mut 
in Asher. An aecount of the excavation of the 
temple and of the religious representations and 
objeets found Hierein, as illustrating the history 
of Egypt and the main religious ideas of the 
Egyptians. The inscriptions and translations by 
E. Newberry. London, J. Murray, 1899. XVI, 
391 S. 8°. Mit 28 Tafeln und 2 Plänen. 

R. Bianchi II popolo in Grecia e in Roma. Studio 
di scienza sociale. Nicastro, Bevilacqua, 1897. 
55 S. 8«. 

E. Freifrau v. Boecklin s. G. Smith. 

G. Brandes Julius Lange. Breve fra hans Ungdom. 
Med en Indlcdning og en Ramme. Andet Oplag. 
Kjtfbenhavn, Nordiske Forlag, 1898. 244 S. 8°. 
Mit Bildnis. 

L. Brehier De graecorum iudiciorum origine. 
Thesis. Paris, Leroux, 1899. 116 S. 8°. 

Brunn-Bruckmann-Arndt Denkmäler griechi- 
scher und römischer Sculptur. Lieferung XCVIII. 
Enthält: No. 486. Reliefs vom Heroon von 
Gjölbaschi-Trysa. Wien, Kunsthistorisches Hof- 
museum. — 487. Kopf der Statue des Apoxyo- 
menos des Lysippos (Tafel 281). Rom, Vatican, 

— 488. Friesreliefs vom Denkmale des Lysikrates. 
Athen. — 489. Friesreliefs vom Forum des Nerva. 
Rom. — 490. Bakchischer Sarkophag, Sammlung 
Ouwaroff in Poredje bei Ouwaroffka, Rufsland. 

— Medeasarkophag, Berlin. 

Lieferung XCIX. 
Enthält: No. 491. Sogenannte Hestia Giusti- 
niani. Rom, Museo Torlonia. — 492. Sogenannte 
HeraBarberini. Rom, Vatican. — 493. Amazonen- 
Sarkophag. Wien, Kunsthistorisches Hofmuseum. 

— 494. Statue des Poseidippos. Rom, Vatican. — 
495. Statue, sogenannter Menander. Rom, Vatican. 

H. Bulle s. G. Hirth. 

Gouvernement general de 1' Algerie. Le Tableau 
de Cebes. Version arabe d' Ibn Miskaoueih. 
Publiee et traduite avec une introduetion et des 
notes par R. Basset. Alger, Impr. Orientale 
P. Fontana & Co., 1898. 60,36 s. 8°. 

Comte A. du Chastel de la Howardries Syra- 
cuse, ses monnaies d' argent et d' or au point 
de vue artistique. La coiflfure antique et ses 
developpements successifs. Londres, Spink&Son, 
1898. 12 Tafeln 8° mit Erläuterung. 



26 



Bibliographie. 



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ncl 1° sccolo dell' Impero. Da Augusto a Do- 
miziano. Catania, Monaco e Hollica, 1898. 
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Clausen, 1898. XXVIII, 382 S. 8°. 

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Corpus inscriptionum latinarum, consilio et aucto- 
ritate academiae litterarum regiae borussicae 
editum. Vol. XIII. Partis I. fasc. I.: O. Hirsch- 
feld et C. Zangemeister, Inscriptiones trium 
Galliarum et Germaniarum latinae. Partis I fasc.I. 
Inscriptiones Aquitaniae et Lugdunenses ed. O. 
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Vol. XV. Partis II. fasc. L: H. Dresse 1, 
Inscriptiones urbis Romae latinae. Instrumentum 
domesticum. Partis II fasc. I. Adiectae sunt 
tabulae duae amphorarum et lucernarum formas 
exprimentes. Berolini, G. Reimer, 1899. 505 S. 
[S. 491—996] fol. Mit 2 Tafeln. 

A. Csallner Die römische manus und ihr Ver- 
• hältnis zur patria potestas. Programm des evan- 
gelischen Obergymnasiums A. B. zu Bistritz 
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London, W. Andrews & Co., 1898. 62 S. 8°. 

Dietrich Die rechtlichen Grundlagen der Genossen- 
schaften der römischen Staatspächter. II. Pro- 
gramm der Fürsten- und Landesschule St. Afra 
in Meifsen, 1898. 23 S. 4 [der erste Teil er- 
schien im Programm von 1889]. 

S. Dill Roman Society in the Last Century of the 
Western Empire. London, Macmillan (New 
York, The Macmillan Co.), 1898. 20,382 S. 8°. 

H. Dressel s. Corpus inscriptionum latinarum. 

R. Elisei Della cittä natale di Sesto Properzio. 
Assisi, 1898. 52 S. 8°. 

N. Fairley Monumentum Ancyranum. London, 
Philadelphia, P. S. King & Son, 1898. 91 S. 8°. 

A. Faust Einige deutsche und griechische Sagen 
im Lichte ihrer ursprünglichen Bedeutung. 
Programm des Gymnasiums zu Mülhausen 
i. Elsafs, 1898. 47 S. 4 . 

L. de Feis Origine dei numeri etruschi. Roma, 
1898. 91 S. 4 . [Aus: Atti dell' Accademia 
Pontificia di Archeologia Ser. II tom. VII]. 

F. Ferrere La Situation religieuse de l'Afrique 
romaine depuis la fin du IV- siecle jusqu 'a 
l'invasion des Vandales. Paris, F. Alcan, 1897. 
XXIV, 382 S. 8«\ 



Festschrift für Otto Benndorf, zu seinem 60. 
Geburtstage gewidmet von Schülern, Freunden 
und Fachgenossen. Wien, A. Holder, 1898. 
7 Bl., 320 S. gr. 4 . Mit Bildnis, 12 Tafeln 
und zahlreichen Abbildungen. 

Enthält: A. Engelbrecht, Erläuterungen zur 
homerischen Sitte der Todtenbestattung. S. I — 10 
(mit Abbildung). — J. Jüthner, Der homerische 
Diskos. S. 11 f. — S. Wide, Thcseus und der 
Meersprung bei Bakchylides XVII. S. 13 — 20 
(mit 2 Abbildungen). — K. Schenk], Zu 
Xenophons Schrift über den Staat der Lakedai- 
monier. S. 21 — 28 (mit 2 Abbildungen). — 
H. Schenkl, Zu den lateinischen Monatsgedichten. 
S. 29—36 (mit Abbildung). — F. Marx, Der 
Bildhauer C. Avianius Euander und Ciceros 
Briefe. S. 37—48 (mit Abbildung). — J. Ziehen, 
Archäologische Bemerkungen zur lateinischen 
Anthologie. S. 49 — 58 (mit Abbildung). — 
M. Hoernes, Griechische und westeuropäische 
Waffen der Bronzezeit. S. 59 — 62 (mit 16 Ab- 
bildungen). — W. Reichel, Ein angeblicher 
Thron des Xerxes. S. 63 — 65 (mit Abbildung). 

— J. Banko, Bogenspanner auf einem Vasen- 
bilde. S. 66 (mit Abbildung). — J. Boehlau, 
Jasons Auszug. S. 67—71 (mit Abbildung). — 
H. Winnefeld, Gigantenkampf auf einer Vase in 
Berlin. S. 72 -74 (mit Tafel I). — E. Pernice, 
Ein korinthischer Pinax. S. 75 — 80 (mit 2 Ab- 
bildungen). — E. Pottier, Deux documents 
relatifs ä 1' Hermes d' Olympie. S. 81— 85 (mit 
3 Abbildungen). — P. Hartwig, Ein Schalen- 
fragment im Stile des Duris. S. 86 — 88 (mit 
Abbildung). — R. Weifshäupl, Die Anfänge der 
attischen Grablekythos. S. 89—94 (mit Ab- 
bildung). — Th. Schreiber, Zwei griechische 
Wandbildercyclen des vierten Jahrhunderts. 
S. 95—98. — G. Treu, Der Dresdener Zeus. 
S. 99—110 (mit Tafel II. III und 4 Abbildungen). 

— R. Heberdey, Das Weihrelief des Lakrateides 
aus Eleusis. S. 1 11 — 116 (mit Tafel IV). — 
P. v. Bienkowski, Über eine Statue polykletischen 
Stiles. S. 117 — 120 (mit Tafel V und einer 
Abbildung). — R. Kekule v. Stradonitz, 
Archaischer Frauenkopf aus Sicilien. S. 121 — 
125 (mit Tafel VI und 5 Abbildungen). — 
P. Wolters, Votive an Men. S. 126 — 128 (mit 
2 Abbildungen). — E. Petersen, Herakles oder 
Polyphemos? S. 129—138 (mit 3 Abbildungen). 

— E. Reisch, Amphiaraos. S. 139 — 147 (mit 
2 Abbildungen). — O. Rofsbach, Amykos. 
S. 148 — 152 (mit 2 Abbildungen). — K.Wernicke, 
Eine Bronzestatuette des Berliner Museums. 



Bibliographie. 



27 



S. 153—158 (mit 2 Abbildungen). — D.Mackenzie, 
Der Westfries von Gjölbaschi. S. 159 — 162 (mit 
Abbildung). — F. Studniczka, Zum myronischen 
Diskobol. S. 163-175 (mit Tafel VII. VIII 
und 3 Abbildungen). — A. Conze, Athena mit 
der Eule. S. 176 f. (mit Tafel IX und einer 
Abbildung). — J. Six, Grabgemälde in der 
Überlieferung erwähnt. S. 178 — 180. — P. 
Sticotti, Zu griechischen Hochzeitsgebräuchen. 
S. 181 — 188 (mit Abbildung). — F. v. Luschan, 
Über den antiken Bogen. S. 189 — 197 (mit 
Tafel X und 13 Abbildungen). — W. Kubit- 
schek, Marsyas und Maron in Kremne (Pisidien). 
S. 198 — 200 (mit 5 Abbildungen). — F. Imhoof- 
Blomer, Die Prägeorte der Abbaiter, Epikteter, 
Grimenothyriten und Temenothyriten. S. 201 — 
208. — A. Körte, Das Alter des Zeustempels 
von Aizanoi. S. 209 — 214 (mit Tafel XI und 
3 Abbildungen). — E. Kaiinka, Weihgeschenk 
und Ehrenbasis des Sex. Vibius Gallus. S. 215 

— 223 (mit 9 Abbildungen). — F. Hiller 
v. Gaertringen, Anthister. S. 224 — 230 (mit 
2 Abbildungen). — S. Bugge, Zur Xanthos-Stele. 
S. 231 — 236. — E. Hula, Nikeinschriften. 
S. 237 — 242 (mit 4 Abbildungen). — A. Wilhelm, 
Zwei griechische Inschriften. S. 243 — 249 (mit 
Abbildung). — H. Swoboda, Zur Verfassungs- 
geschichte von Sr.mos. S. 250 — 255. — Th. 
Gomperz, Die Schülerliste der neueren Akademie. 
S. 256—258 (mit Tafel XII und 2 Abbildungen). 

— E. Szanto, Zum lykischen Mutterrecht. S. 259 t 

— A. v. Premerstein, Das Trojaspiel und die 
tribuni celerum. S. 261 — 266. — E. Nowotny, 
Ein norisches Militärdiplom des Traian. S. 267 
—275 (mit 2 Abbildungen). — F. Bulic, Wo 
lag Stridon, die Heimat des heil. Hieronymus? 
S. 276—280 (mit Abbildung). — A. Frhr. 
v. Ludwigstorff, Ein Porträtkopf aus Carnuntum. 
S. 281 f. (mit 2 Abbildungen). — E. Bormann, 
Cn. Domitius Calvinus. S. 283—286 (mit Ab- 
bildung). — C. Patsch, Der Landtag von Mocsia 
Superior. S. 287 f. (mit Abbildung). — A. 
Zingerle, Über ein paar neue römische Funde 
und die Maiafrage. S. 289 f. — F. Cumont, 
Masque de Jupiter sur un aigle eploye, bronze 
du Musee de Bruxelles. S. 291—295 (mit 
Abbildung). - E. Maionica, Zwei Statuen 
vom Grabmale der Ferronienses Aquatores 
in Aquileja. S. 296—300 (mit 4 Abbildungen). 

— C. Sitte, Über die Bemalung figuraler 
Plastik im Alterthume. S. 301-306 (mit 
Abbildung). — H. Thode, Andrea Castagno 
in Venedig. S. 307—317 (mit 2 Abbildungen). 



— Erklärung der Kopfleisten und Vignetten. 
S. 318—320. 

R. Foglietti Delle Alpi Scuzie (e non Cozie) e 
dell' omonimo patrimonio della chicsa romana. 
Macerata, 1898. 72 S. 8° [Enthält einen Brief 
von G. B. de Rossi]. 

R. H. Forster The amateur antiquary: His Notes, 
Sketches, and Fancies concerning the Roman 
Wall in the Counties of Northumberland and 
Cumberland. Newcastle-on-Tyne, Mawson, Swan 
& Morgan, 1899. 4 BL, 208 S. 4 : 

G. Fougeres De Lyciorum communi (Auxfruv tö 
xoivov). Paris, Fontemoing, 1898. 144 S. 8°. 

G. Fregni Archeologia etrusca ed umbra, a pro- 
posito dei caratteri etruschi ed umbri e della 
iscrizione posta nella colonna dell' imperatorc 
Foca in Roma. Modena, 1898. 6 S. 8°. 

G. Fregni D'altre celebri iscrizioni etrusche incise 
in simboli ed in figure etrusche: studj storici 
e filologici. Modena, Namias, 1898. 55 S. 8°. 

G. Fritzsche Geschichte Platää's bis zur Zer- 
störung der Stadt durch die Thebaner im 
4. Jahrh. v. Chr. Programm des Gymnasiums 
zu Bautzen, 1898. 28 S. 4 . 

A. Furtwängler Neuere Fälschungen von Antiken. 
Berlin und Leipzig, Gieseckc und Devrient, 1899. 
39 S. 4 . Mit 25 Abbildungen. 

A. Gösset En Grece. A propos du cinquantenaire 
de 1' Ecole francaise d' Athenes (18 avril 1898). 
Excursion archeologique. (Extrait du t. 103 
des Travaux de 1' Academie nationale de Reims). 
Reims, 1898. 68 S. 8°. 

J. Gourlay s. M. Benson. 

K. H achtmann Olympia und seine Festspiele 
(Gymnasial-Bibliothek. 30. Heft). Gütersloh, 
C. Bertelsmann, 1898. VIII, 100 S. gr. 8°. Mit 
Tafel und 23 Abbildungen. 

Handbook of Rome and the Campagna. iö'i» 
edition. London, Murray, 1899. 622 S. 12 °. 
Mit 94 Karten und Plänen. 

O. Ha us er Das Amphitheater Vindonissa. Verfafst 
als erste vorläufige Publikation der Gesellschaft 
Pro Vindonissa. Staefa, Buchdr. E. Gull, 1898. 
15 S. 8°. Mit 2 Tafeln. 

W. Heibig Führer durch die öffentlichen Samm- 
lungen klassischer Altertümer in Rom. 1. Bd. 
Die vatikanische Skulpturensammlung, das kapi- 
tolinische und das lateranische Museum, das 
Magazzino Archeologico Comunale auf dem 
Caelius. 2. Auflage. Leipzig, B. G. Teubner, 
1899. X, 506 S. 8°. Mit Abbildungen. 

O. Hirschfeld s. Corpus inscriptionum latinarum. 

G. Hirth Der Stil in den bildenden Künsten und 



28 



Bibliographie. 



Gewerben. I. Serie: Der schöne Mensch in der 
Kunst aller Zeiten, i. Band: Der schöne Mensch 
im Altertum, bearb. von H. Bulle. München, 
G. Hirth, 1899. 78 S. gr. 4 . Mit 216 Tafeln 
und 38 Abbildungen. 

Jahresberichte über das k. k. archäologische 
Staats-Museum zu Aquileja von 1882 bis 1891. 
Wien, W. Braumüller in Comm., 1898. 128 S. 8°. 

S. Jenny Die römische Begräbnisstätte von 
Brigantium. Östlicher Theil. Hrsg. von der 
k. k. Central-Commission zur Erforschung und 
Erhaltung der Kunst- und historischen Denk- 
male. Wien, W. Braumüller in Comm., 1898. 
20 S. 4 . Mit 8 Tafeln und zahlreichen Ab- 
bildungen. 

F. Imhoof-Blumer s. Münzen. 

A. Joubin Le theatre antique. Lecon d'ouverture 
du cours d' archeologie, faite ä la Faculte des 
lettres de 1' Universite de Montpellier, le 6 janvier 
1899. Montpellier, impr. Firmin et Montane, 
1899. 23 S. 8°. 

A. Joubin s. Musee Imperial Ottoman. 

N. M. Isham The Homeric Palace. London, The 
Preston & Rounds Co., 1899. 

H. Karbe Der Marsch der Zehntausend vom 
Zapates bis zum Phasis-Araxes. Historisch- 
geographisch erörtert. Programm des König- 
städtischen Gymnasiums zu Berlin. Berlin, R. 
Gärtner, 1898. 38 S. 4 . 

L. W. King Letters and Inscriptions of Hammu- 
rabi, King of Babylon, about B. C. 2200. Series 
of Letters of other Kings of first dynasty of 
Babylon. Original Babylonian Texts, edited 
from Tablets in British Museum, with English 
Translation, Summaries of Contents & c. Vol. I. 
Introduction and Babylonian Texts. (Semitic 
Text and Translation Series). London, Luzac, 

1898. 8°. 

Chr. Kirchhoff Dramatische Orchestik der Hel- 
lenen. Leipzig, B. G. Teubner, 1899. VI, 511 S. 
gr. 8°. Mit 2 Tafeln. 

F. Knoke Das Caecina- Lager bei Mehrholz. 
Berlin, R. Gaertner, 1898. 27 S. gr. 8°. Mit 
Karte und 2 Tafeln. 

H. Koester Über den Einflufs landschaftlicher 
Verhältnisse auf die Entwicklung des attischen 
Volkscharakters. Programm, Saarbrücken, 1898. 
17 S. 4 °. 

J. Kulakowsky Tod und Unsterblichkeit nach 
den Vorstellungen der alten Griechen. Kiew, 

1899. 128 S. Mit 22 Abbildungen [Russisch]. 
W. Larfeld Handbuch der griechischen Epi- 

graphik. Bd. II. Die attischen Inschriften. 



Erste Hälfte. Leipzig, O. R. Reisland, 1898. 
392 S. gr. 8°. Mit Tafel [Bd. I soll zuletzt, 
nach Bd. IV, erscheinen]. 

E. Lehmann Der Kolonat in der römischen Kaiser- 
zeit. Programm des städtischen Realgymnasiums 
zu Chemnitz, 1898. 46 S. 4 . 

Ausführliches Lexikon der griechischen und 
römischen Mythologie, hrsg. von W. H. Röscher. 
Leipzig, B. G. Teubner, 1899. 39. Lieferung 
(Nike-Numitor). Band III Sp. 321—480. 

Gröfsere Artikel: Nike (H. Bulle). Sp. 321 
— 351 (mit 27 Abbildungen). — Niobe und die 
Niobiden (Enmann. Sauer). Sp. 372 — 423 (mit 
19 Abbildungen). — Nisos (W. H. Röscher). 
Sp. 425-433. — Kit (Drexler). Sp. 433—446 
(mit 2 Abbildungen). — Nosoi (Röscher). 
Sp. 457 — 468 (mit 2 Abbildungen). 

M. Lidzbarski Handbuch der nordsemitischen 
Epigraphik nebst ausgewählten Inschriften. 
Weimar, E. Felber, 1898, Teil I. Text. XIV, 
508 S. gr. 8°. Teil II. Tafeln. 46 Tafeln 
gr. 4 mit 4 S. Text. 

W. P. P. Longfellow The Column and the Arch. 
Essays on Architectural History. New York, 
Ch. Scribner's Sons, 1898. 301 S. 8°. Mit 
Abbildungen. 

P. Lucchetti L'asse della lingua umana e la 
preistoria. Bologna, Libr. Universitaria, 1899. 
269 S. 4 . 

L. Macdonald Catalogue of the Greek and Etruscan 
Vases and of the Greek and Roman Lamps in 
the Nicholson Museum, University of Sidney. 
Sidney, 1898. 51 S. 

C. Maes La colonna del Divo Claudio Gotico sul 
Foro Romano. Roma, 1S99. 1. ed. 14 S. 
2. ed. 18 S. 4 . 

C. Maes Forma Urbis rediviva. Roma, 1S99. 
4 S. 40. 

G. B. Mancini Catalogo delle monete [antiche e 
medievali] rinvenute nel contado di Aquila, e 
donate al Museo Civico. Aquila, 1897. 8°. 

Th. Mandibur Olympia. Programm des k. k. 
I. Staatsgymnasiums in Lemberg, 1897. 16 S. 
8° [ruthenisch]. 

T. Massarani Cipro antica e moderna e il gene- 
rale Luigi Palma di Cesnola. Roma, Forzani 
& Co., 1898. 57 S. 8«. 

A. Mau Führer durch Pompeji. 3. Auflage. Leip- 
zig, W. Engelmann, 1898. VII, 120 S. 12 . 
Mit 31 Abbildungen und 6 Plänen. 

C. Merckel Die Ingenieurtechnik im Alterthum. 
Berlin, J. Springer, 1899. XX, 658 S. gr. 8°. 
Mit 261 Abbildungen und einer Karte, 



Bibliographie. 



29 



M. Michaeli Memorie storiche della citta di Rieti 
e dei paesi circostanti dall' origine all" anno 
1560. Vol. I. II. Rieti, 1898. 8". 

A. Milchhöfer Über die alten Burgheiligtümer in 
Athen. Kiel, Akademische Buchhandlung, 1899. 

Miller Zur Pelasgerfrage. Programm des König- 
lichen Gymnasiums in Ellwangen, 1898. 46 S. 4 . 

Ibn Miskaoueih s. Cebes. 

C. Moratti Alla ricerca delle porte di Iguvium. 
(Gubbio), 1898. 8°. 

Ministere de 1' instruction publique et des beaux-arts. 
Delegation en Perse. Compte rendu sommaire 
des travaux archeologiques executes du 3nov. 1897 
au I er juin 1S98, par J. de Morgan. Paris, 
E. Leroux, 1898. IX, 90 S., 1 Bl. 8°. Mit 
einer Tafel und einem Plan. 

Die antiken Münzen Nord-Griechenlands, unter 
Leitung von F. Im h 00 f- Blumer hrsg. von 
der kgl. Akademie der Wissenschaften. Erster 
Band. Die antiken Münzen von Dacien und 
Moesien, bearb. von B. Pick. Erster Halbband. 
Berlin, G. Reimer, 1899. XV, 518 S., gr. 4 . 
Mit 20 Tafeln. 

Musee Imperial Ottoman. Bronzes et bijoux. 
Catalogue sommaire. Par ordre du Ministere 
Imp. de 1' Instruction Publique. Constantinople, 
Typ. Lith. F. Loeffler, 1898. 4 Bl., 98 S., 8". 
Mit 2 Abbildungen [Verfasser A. Joubin]. 

Musee Imperial Ottoman. Monuments egyptiens. 
Notice sommaire. Par ordre du Ministere Imp. 
de 1* Instruction Publique. Constantinople, Typ. 
Lith. F. Loeffler, 1898. 1 Bl., 82 S. Mit Ab- 
bildung [Verfasser V. Sc heil]. 

Das Museum der Kaiserlichen Odessaer Gesell- 
schaft für Geschichte und Altertumskunde. 
Lieferung II. Terracotten. Text von E. v. Stern 
[russisch und deutsch]. 48 S. 4 . Mit 18 
Tafeln [vgl. Bibliographie 1897 S. 149]. 

E. Newberry s. M. Benson. 

R. Oberhummer und H. Zimmerer Durch Syrien 
und Kleinasien. Reiseschilderungen und Studien. 
Berlin, G. Reimer, 1899. XVII, 495 S. gr. 8°. 
Mit 16 Tafeln, einer Karte uud 51 Abbildungen. 

E. Ott Von Venedig bis Rom 1896. Programm 
des k. k. Staats-Obergymnasiums in Böhmisch- 
Leipa, 1897. 53 S. 8". 

E. Pais Storia di Roma. Vol. I. parte 2. Critica 
della tradizione della caduta del decemvirato 
all' intervento di Pirro. Torino, Clausen, 1899. 
XL VIII, 746 S. 8°. 

J. Patigler Quer durch den Peloponnes. Programm 
des k. k. Staats-Obergymnasiums in Weidenau, 
1897. 20 S. 8°. 



E. Pernice Hellenistische Silbergefäfse im Anti- 
quarium der königlichen Museen. 58. Programm 
zum Winckelmannsfeste der archäologischen Ge- 
sellschaft zu Berlin. Berlin, G. Reimer, 1898. 
31 S. gr. 4 . Mit 4 Tafeln und 9 Abbildungen. 

G. Perrone e L. Volpe Rinonapoli Niobe. 
Contribuzione allo studio della mitologia compa- 
rata. Milano-Palenno, R. Sandron, 1898. 63 S. 8°. 

B. Pick s. Münzen. 

G. Rad et s. E. Roux. 

W. Radtke Beiträge zu der Lydischen Geschichte 
des Xanthos. Programm des Progymnasiums zu 
Bischweiler, 1898. 91 S. gr. 4 . 

Una cronaca inedita di S. Sabina sull* Aventino, 
edita ed annotata da E. Rodocanachi. Torino, 
Bocca, 1898. XXXII, 60 S. 8« [Enthält auch 
Notizen über Antikenfunde]. 

W. H. Röscher s. Lexikon. 

Les debuts de 1' Ecole francaise d' Athenes. Corre- 
spondance d' Emanuel Roux 1847 — 1849. Publi- 
ca avec une Introduction et des Notes par G. 
Rad et. Bordeaux, Feret & f., 1898. 94 S. 8°. 
[Bibliotheque des Universites du midi, fasc. 1]. 

Sammlung der griechischen Dialektinschriften. 
Hrsg. von F. Bechtel und H. Colli tz. Bd. II 

6. (Schlufs-) Heft. J. Baunack, Die delphi- 
schen Inschriften, 4. Teil. Göttingen, Vandenhoeck 
& Ruprecht, 1899. 321 S. [S. 643-963] gr. 8°. 

V. Seh eil s. Musee Imperial Ottoman. 

W. Schnarrenberger Die vor- und früh- geschicht- 
liche Besiedelung des Kraichgaues. Programm 
des Grosh. Gymnasiums zu Bruchsal. 40 S., 
1 Bl. 4 . Mit einer Tafel und einer Karte [darin 
S. 26-36: Römische Zeit, mit Verzeichnis der 
römischen Fundstätten]. 

W. Schurz Die Militärorganisation Hadrian's. 2. 
Teil. Programm des Gymnasiums zu München- 
Gladbach,- 1898. 32 S. 4 . 

S. Seiiwanow Über Chersonesus Taurica. Rede, 
gehalten auf dem Actus des 2. Odessaer Gym- 
nasiums aus Anlafs des Jubiläums der Schule. 
Odessa, 1898. 29 S. [Russisch], 

K. Sittl Dionysisches Treiben und .Dichten im 

7. und 6. Jahrhundert v. Chr. V.-VII. Jahres- 
bericht des Kunstgeschichtlichen Museums (v. 
Wagner'sche Stiftung) der Universität Würz- 
burg. Würzburg, Stahel in Comm., 1898. 46 S. 
gr. 4°. Mit 3 Tafeln und 12 Abbildungen. 

V. Sladek Geschichte der griechischen Litteratur 
des klassischen Zeitalters. Prag, Verlag der 
»Jednota ceskych filologu«, 1898 [Böhmisch]. 

G. Smitt Entdeckungen in Assyrien. Ein Bericht 
der Untersuchungen und Entdeckungen zur 



30 



Bibliographie. 



Richtigstellung der Lage von Ninive in den 
Jahren 1873 und 1874. Übers, von E. Freifrau 
von Boecklin. Leipzig, E. Pfeiffer, 1898. 
X, 512 S. 8°. Mit Karte und 28 Abbildungen. 

Historische Studien und Skizzen zu Naturwissen- 
schaft, Industrie und Medizin am Niederrhein. 
Festschrift zur 70. Versammlung der deutschen 
Naturforscher und Ärzte, dargeboten von den 
wissenschaftlichen Vereinen Düsseldorfs. Düssel- 
dorf, Bergisch-Rheinische Verlags-Anstalt und 
Druckerei (G. Müller), 1898. 134, 173 S. Lex. 
8°. [darin u. a.: Norenberg, Die germanische 
Fauna zur Zeit der römischen Eroberung des 
Rheingebietes. — Vogel, Steinkohlenbergbau in 
römischer Zeit. — Koenen, Die römische Heil- 
kunde am Niederrhein]. 

J. Svoboda O amphiktyonii delpfske (Von der 
delphischen Amphiktyonie). Programm des 
böhmischen Obergymnasiums in Troppau. 1896. 
24 S. 80 [Böhmisch]. 

G. B. Traverso Stazione neolitica di Alba. Alba, 
1898. 8°. 

G. Tropea Giasone il tago della Tessaglia. Mes- 
sina, Tipi della Rivista di Storia antica, 1898. 
68 S. 8°. 

F. Vivanet Quinta relazione a S. E. il Ministro 
della pubblica istruzione dell' Uffizio regionale 
per la conservazione dei monumenti della Sar- 
degna nell' esercizio 1896 — 97. Cagliari, Dessi, 
1898. 26 S. 80. 

L. Volpe Rinonapoli s. G. Perrone. 

H. Wallis The Macgregor Collection. Egyptian 
Ceramic art. A Contribution towards the History 
of Egyptian Pottery. VVith Illustrations by the 
Author. [London], privately printed [by Taylor 
& Francis], 1898. XXIV, 85 S. 4°. Mit 30 
Tafeln. 

P. Waltzing Etüde historique sur les corporations 
professionnelles chez les Romains. Tome III. 
Recueil des inscriptions grecques et latines 
relatives aux corporations des Romains. I. Louvain, 
Ch. Peeters, 1899. 352 S. 

O. Was er Charon, Charun, Charos. Mythologisch- 
archäologische Monographie. Berlin, Weidmann, 
1898. VII, 158 S. gr. 80. 

A. Wherry Greek Sculpture with Story and Song. 
London, Dent, 1898. 332 S. 8°. Mit 1 10 Ab- 
bildungen. 

J. Wilpert Die Gewandung der Christen in den 
ersten Jahrhunderten. Vornehmlich nach den 
Katakomben-Malereien dargestellt. Köln, J. P. 
Bachern in Komm., 1899. VI, 58 S. Mit 22 
Abbildungen. 



H. Winckler Altorientalische Forschungen. 2. 
Reihe, Bd. I Heft 4. Bd. II Heft 1. Leipzig, 
E. Pfeiffer, 1898. III, 50 [S. 143-192], 48 S- 
[S. 193-240] gr. 80. 

J. Wisnar Vademecum für die Studienreisen 
österreichischer Mittelschullehrer in Italien und 
Griechenland. Als Manuscript gedruckt. Wien, 
Separatverlag des k. k. österr. archäologischen 
Institutes, 1898. 29 S. 4°. 

C. Zangemeister s. Corpus inscriptionum lati- 
narum. 

H. Zimmerer s. R. Oberhummer. 



Aarb^ger for Nordisk Oldkyndighed og Historie. 
II. Rrckke, 13. Bind (1898). 

3. Hrefte. Chr. Blinkenberg, Skaeftede Ste- 
nalders Redskaber (Schlufs). S. 137 — 156 (mit 
8 Abbildungen). 

The Academy (1899). 

No. 1398. Anon. Rec. von: M. Benson and 
J. Gourlay, The temple of Mut in Asher; M. 
Jastrow, The religion of Babylonia and Assyria. 
S. 214. 

L'Ami des Monuments et des Arts. XII e volume 
(1898). 

40 partie (No. 68). Are de triomphe et 
temple du Forum de Djemila ou Cuiculum 
(Algerie). S. 2öo (mit Tafel). — Vasnier, 
Quelques mots sur les musees de M. Jacobsen 
a Copenhague et sur les musees de Scandinavie. 
S. 215 — 218. — Ch. Normand, Repertoire des 
fouilles et decouvertes en France (suite). S. 
238—245. 

Annalen der Kaiserlichen Odessaer Gesellschaft 
für Geschichte und Altertumskunde. Band XXI 
(1898) [Russisch]. 

W. Scorpil, Die im Jahre 1896 für das 
Museum der Gesellschaft, im Kurgan von Melek- 
Tschesmen bei Kertsch, erworbenen Steine mit 
griechischen Inschriften. S. 185 — 191. — W. 
Scorpil, Die im Jahre 1897 für das Melek- 
Tschesmen'scheMuseum erworbenen bosporischen 
Inschriften. S. 191 — 210. — W. Latyschew, 
Bemerkungen zu den in der Krim gefundenen 
griechisch-christlichen Inschriften (Fortsetzung). 
S. 225 — 254. — R. Hausmann, Bemerkungen 
zur neueren Fibelforschung und die Fibeln des 
Odessaer Museums. S. 255 — 270. — E. v. Stern, 
Der Inhalt eines 1896 bei Kertsch eröffneten 
und vom Odessaer Museum erworbenen Grabes. 
S. 271 — 292 (mit 3 Tafeln). — Sitzungsberichte: 
306. W. Scorpil, Drei christliche Inschriften 
aus der Gegend von Kertsch. S. 8 — 11. — 



Bibliographie. 



31 



307. K. Scorpil, Antike Inschriften aus Bulgarien. 
S. 17 — 22. — 30S. B. Jurgewitsch, Inschriften 
auf 21 Amphorenhenkeln aus Kertsch, 1898 vom 
Museum augekauft. S. 26 — 32. — 309. B. Jurge- 
witsch, Byzantinische Bleisiegel im Odessaer 
Museum. S. 39—41. — 310. J. Linnitschenko, 
Neuheiten auf der archäologischen Ausstellung 
in Kiew. S. 41 — 48. — 311. B. Jurgewitsch, 
Inschriften auf neu erworbenen Amphorenhenkeln. 
S. 62—64. 

Annal es de la Societe d'emulation de l'Ain [Bourg]. 
Tome XXXI (1898). 

Statue en bronze, trouvee ä Coligny (Ain). 
S. 87 — 91. — P. Grossin, Note sur l'orientation 
des megalithes. S. 291 — 302. 

L'Anthropologie. Tome IX (1898). 

No. 5. R. Verneau et D. Ripoche, Les se- 
pultures gallo -romaines et merovingiennes 
de Mareuil-sur-Ourcq (Oise). S. 497 — 530 
(mit 25 Abbildungen). — E. Piette et J. de la 
Porterie, Fouilles ä Brassempouy en 1897. 
S. 531 — 535 (mit 29 Abbildungen). 

Nr. 6. Pothier, Les populations primitives 
(E. C[artailhac]). S. 684—686. — E. Babelon, 
Catalogue des Camees antiques et modernes de 
la Bibliotheque nationale (Ch. de Ujfalvy.) 
S. 699 - 701. — Sur la »falsification des anti- 
quites en Russie« (S. Reinach). S. 715 — 717. 
— A propos des »navires egyptiens« (M. B.). 
S. 717 (mit Abbildung). — A propos du livre 
de J. Leite de Vasconcellos: Religioes da Lusi- 
tania (E. Cartailhae). S. 719—722 (mit 5 Ab- 
bildungen). 

The Antiquary. N. S. 1899. 

No. no. F. Haverfield, Quarterly Notes on 
Roman Britain. S. 39 — 41. — F. Davis, The 
Romano-British city of Silchester (anon. Rec). 
S. 63. 

Göttingische gelehrte Anzeigen. 160. Jahrgang 
(1898). 

No. XII. K. Buresch, Aus Lydien (A. Körte). 

s. 957-966. 

161. Jahrgang (1899). 

No. I. Pausanias's Description of Greece, 
translation with commentary by F. G. Frazer 
(H. Blumner). S. 66 — 79. 
Anzeiger für schweizerische Altertumskunde. 
XXXI. Jahrgang (1898). 

No. 4. J. Zemp, Kleinere Nachrichten. 
S. 138—143 [darin auch römische Funde]. 
Archäologischer Anzeiger s. Jahrbuch des Kaiser- 
lich Deutschen Archäologischen Instituts. 
Archaeologia or miscellaneous tracts relating 



to antiquity. Second series, volume LVI (1899). 

Part 1. G. H. Engelhard, On some buildings 
of the Romano-British period discovered at 
Clanville, near Andover, and on a deposit of 
pewter vessels of the same period found at 
Appleshaw, Hants. With appendixes by Ch. 
H. Read and W. Gowland. S. 1--20 (mit 
Tafel I und 9 Abbildungen). — W. IL St. J. 
Hope and G. F. Fox, Excavations on the site 
of the Roman city at Silchester, Hants, in 1897. 
S. 103 — 126 (mit Tafel V— VIII und 8 Ab- 
bildungen). 
The Architect (1898). 

16. Dec. Society of Antiquaries of Scotland; 
report of excavations. 

(1899). 3. March. Discovery of vases at 
Caserta, discoveries near Naples. 
Archiv für Anthropologie. 26. Band (1899). 

Heft 1. C. von Ujfalvy, Anthropologische 
Betrachtungen über die Porträtköpfe auf den 
griechisch-baktrischen und indo-skythischen 
Münzen. I. S. 45 — 70 (mit 15 Abbildungen). 

— C. Mehlis, Die Ligurerfrage. I. S. 71 — 94. 
Archiv für lateinische Lexikographie. Elfter Band 

(1898). 

Heft 2. Th. Birt, Das Arvallied. S. 149 

— 196. — Otto Ribbeck. S. 289 f. 

Archiv für Religionswissenschaft. Band I (1898). 

Heft 4. G. Polivka, Nachträge zur Polyphem- 

sage. S. 305 — 336. 378. — O. Marucchi, Gli 

obelischi egiziani di Rome (A. Wiedemann). 

s. 369—375- 

Archivio della Societa romana di storia patria. 
Anno XXI (1898). 

Fase. 3. 4. V. Federici, Di Mario Cartaro 
incisore Viterbese del secolo XVI [vgl. Michaelis 
Rom. Mittheil. 1898 S. 269L] S. 535—552. 
Archivio storico per le province Napoletanc. Anno 
XXIII (1898). 

Fase. 4. B. Croce, Pulcinella e il personaggio 
del Napoletano in commedia. S. 702- 742. 
L'Arte (giä Archivio storico dell'arte). Anno I 
(1898). 

Fase. 10—12. E. Mauceri, Colonne tortili 
cesi dette del tempio di Salomone. S. 377—384. 

— Corrieri artistici: Esposizione di Torino 
[altchristliche Silberpyxis ; Elfenbeinkassetten] 
(A. Venturi). S. 454 — 459 (mit 6 Abbildungen). 

— Miscellanea: Riproduzioni del Torso del 
Belvedere nel secolo XVI (A. Venturi). S. 497 
(mit Abbildung). 

Atene e Roma. Anno II (1899). 

No. 7 (genn.-febbr.). G. Pellegrini, Di un' 



32 



Bibliographie. 



antica citta scoperta in Etruria [Statonia.] 

S. 5—13- 
The Athenaeum (1898). 

No. 3711. W. H. B. Hall, The Romans 
on the Riviera and the Rhone (anon. Ren.). 
S. 823 f. 

No. 3713. British Museum Papyri ed. F. 
G. Kenyon. II (anon. Reh). S. 887 f. 

No. 3714. J. J. Tylor, Wall Drawings and 
monuments of El-Kab: the temple of Amenophis 
III (anon. Rec). S. 936 f. 
(1899). 

No. 3715. L. Borsari, Excavations in the 
Forum. S. .24 f. 
Atti dell' Accademia virgiliana di Mantova. Anno 
1898. 

G. B. Intra, L'effigie di Virgilio nel mu- 
saico di Adrumeto. S. 1 r. 
Atti del r. Istituto veneto di scienze, lettere ed 
arti. Ser. VII, tomo 9. 

Disp. 10. A. Scrinzi, La guerra di Lyttos 

del 220 a. Cr. e i trattati internazionali cretesi, 

con speciale riguardo a quelli conservati nel 

museo archeologico della Marciana. 

Deutsche Bauzeitung. XXXIII. Jahrgang (1899). 

No. 2. Neues über und aus Aegypten 
S. 14—16 (Schlufs in No. 4 S. 26 — 28). 
Beiträge zur Kunde der indo- germanischen 
Sprachen. 24. Band (1899). 

Heft 3. 4. H. Osthoff, Allerhand Zauber 
etymologisch beleuchtet. S. 177 — 213. 
Bessarione (Siena). Anno II (1898). 

No. 25. 26. Marucchi, La biografia di un 
personaggio politico dell' antico Egitto scritto 
sopra la sua statua nel Museo Egizio Vaticano. 
S. 48-88 (mit Tafel III. IV). 

No. 27. 28. De Feis, Del monumento di 
Paneas e delle imaggini della Veronica e dell' 
Emoroissa. S. 177 — 192. — A. Palmieri, L'antica 
e la nuova Calcedonia S. 221 — 241. 
Biblia (1898). 

August. F. LI. Griffith, The recent discovery 
of royal mummies at Thebes. S. 105 f. — N. 
G. Davies, Excavations atDenderah. S. 106 — 109. 

September. S. Beswick, The Sphinx — the 
problem solved. S. 131 — 136. 

November. J. S. Cotton, Hierakonpolis. 
S. 183 — 186. t— S. Beswick, How was the pyra- 
mid built? S. 186 — 191. 
(1899). 

January. S. Beswick, More about the Sphinx. 
S. 241 f. — De Morgan's Discoveries at Susa. 
S. 242 — 244. 



Blätter für das Gymnasial-Schulwesen, hrsg. vom 
bayer. Gymnasiallehrerverein. 35. Band (1899). 

Heft I. II. R. Wagner, Der Entwickelungs- 
gang der griechischen Heldensage (J. Menrad). 
S. 140 f. — A. Dieterich, Pulcinella (E. Boden- 
steiner). S. 160 — 162. — A. E. Freeman, Ge- 
schichte Siciliens, deutsch von B. Lupus (J. 
Melber). S. 162 — 164. — J. Fuchs, Hannibals 
Alpenübergang (J. Praun). S. 164-169. — E. 
Wagner und G v. Kobilinski, Leitfaden der 
griechischen und römischen Alterthümer (W. 
Wunderer). S. 169 — 171. 
Boletin de la Real Academia de la Historia. Tomo 
XXXIV (1899). 

Cuaderno I. A. Blazquez, La milla romana. 
S. 27 — 52. — El Marques de Monsalud, Nuevas 
inscripciones romanas de Alcala de Henares. 
S. 53—62 (mit 2 Abbildungen). 
The Builder. Volume LXXV (1898). 

Part V. The Architectural association: Exca- 
vations at Thebes. S. 404 — 410 (mit Tafel). — 
Royal Archaeological Institute: T. McKenny 
Hughes, On amber. S. 429 f. — Egypt Exploration 
Fund. S. 452 f. — A. M'Gibbon, Tradition and 
material in architecture. S. 454 — 456. 

Part VI. British School at Athens. S. 599. 
Volume LXXVI (1899). 

Part I. A fragment from the Roman Forum. 
S. 82 (mit Abbildung). 
Le Bulletin de l'art ancien et moderne (1899). 

No. 1. Correspondance d' Egypte (F.) S. 9 f. 

No. 2. R. Koechlin, Les bronzes de Gizeh. 
S. 17. 
Bulletin de Correspondance hellenique. Vingt- 
deuxieme annee (1898). 

No. I — X. G. Colin, Notes d' archeologie 
delphique. S. 1—200 (mit Tafel VIII— XIII). — 
A. de Ridder, Bases de statuettes portees par des 
animaux. S. 201 — 232 (mit Tafel I — III). — W. M. 
Ramsay, Asiana. S. 233 — 240. — P. Perdrizet, 
Inscriptions d' Acraephiae. 8.241 — 260. — Th. 
Homolle, Inscription de Delphes. S. 261—270. 

— Correspondance: Thebes (P. Perdrizet). Ma- 
moura'Fournier). Delphes (Fournier). S. 270 — 272. 

No. XI. L. Couve, Notes ceramographiques. 
S. 273 — 302 (mit Tafel VII und 10 Abbildungen), 

— E\ Bourguet, Inscriptions de Delphes. S. 303 — 
328 (mit Tafel XXIV). — H. Bulle, Th. Wiegand, 
Zur Topographie der delphischen Weihgeschenke. 
S. 328 — 334 (mit 2 Abbildungen). — P. Perdrizet, 
Voyage dans la Macedoine premiere. S. 335 — 353 
(mit 10 Abbildungen). — E. Cahen, Inscription 
de Locride et d'Etolie. S. 354 — 361. — G. Cousin, 



Bibliographie. 



33 



Voyage en Carie. S. 361-402. — P. Perdrizet, 
Fragment delphique de l'edit de Diocletien. 
S. 403 — 409. — Decret delphique pour Heliodore 
de Beryte. S. 409. — Th. Homolle, Le Corpus 
inscriptionum graecarum christianarum. S. 410 — 
415. — A. de Ridder, Divinites montees sur des 
chars. S. 416 (mit 2 Abbildungen). 
Bulletin critique. I9 e annee (1898). 

No. 36. B. Hall, The Romans on the Riviera 
and the Rhone (A. H. de Villefosse). S. 673—675. 
20c annee (1899). 

No. 1. G. Fougeres, Mantinee et l'Arcadie 
Orientale (P. Jouguet). S. 12-18. 
Bulletin de la Diana [Montbrison]. Tome X (1898). 

No. 3. 4. V. Durand, Voie antique de Lyon 
et Feurs ä Clermont. S. 253 — 256. 
Bulletin monumental. Septieme serie, tome troi- 
sieme (1898). 

No. 2. H. Thedenat, Le Forum Romain et les 
forums imperiaux (Comte de Marsy). S. 184— 188. 

No. 3. A. Blanchet, De l'importance de certains 
noms de lieux pour la recherche des antiquites. 
S. 220 — 244. — Fouilles d' un grand monument 
neolithique en Tunisie. S. 288 f. 
Bullettino di archeologia e storia dalmata. Anno 
XXI (1898). 

No. 12. (dicembre). Buliö, Iscrizioni inedite: 
Salona. Janjina. S. 201 — 208. — Le gemme del 
Museo in Spalato acquistate nell'a. 1898. S.209 — 
212 [Fortsetzung Jan. 1899 S. 12—15]. — Nomi 
e marche di fabbrica su tegoli acquistati dal Museo 
in Spalato durante l'anno 1898. S. 212. — Bulic, 
Una cisterna romana a Salona. S. 213 — 217. — 
Bulic, Urna cineraria di alabastro nel Museo 
Archeologico in Spalato. S. 217 — 220. — Bulic, 
Ritrovamenti antichi a Clissa, Muc, Podbabje. S. 
220 f. — II nuovo Museo archeologico in Spalato. 
S. 226—228. — Bulic, Ritrovamenti antichi ri- 
sguardanti il Palazzo di Diocleziano. S. 231. — 
Bulic, Ritrovamenti antichi in Almissa. S. 232. 
— Elenco degli oggetti d'arte acquistati nell'a. 
1898 dal Museo in Spalato. S. 233 f. 
Anno XXII (1899). 

No. 1. 2 (gennaio-febbr.) Bulic, Iscrizioni 
inedite: Epetium, Solentia, Clissa, Salona. — 
Alacevic, Notizie su Narona desunte dalle epi- 
grafl antiche. S. 16 — 20. — Gemma il cui senso 
eucaristico non e ancora confirmato. S. 2 5 f. — 
Bulic, Strade romane in Dalmazia. S. 26 — 28. — 
Bulic, Ritrovamenti risguardanti la topografia 
suburbana dell' antica Salona. S. 28 — 30. 
Bullettino della commissione archeologica comunale 
di Roma. Anno XXVI (1898). 
Archäologischer Anzeiger 1899. 



Fase. 3. 4 (luglio-dicembre). Pinza, Le civiltä 
primitive nel Lazio. 8.163—301 (mit Tafel X. XI). 

— Cerasoli, II Palazzo Maggiore nella prima 
metä del secolo XVI. S. 302 — 312. — Grossi- 
Gondi, Di una villa dei Quintilii nel Tusculano. 
s - 313— 338 (mit Tafel XII). — Gatti, Notizie di 
recenti trovamenti di antichitä. S. 339—342. — 
Atti della Commissione. S. 343 — 346. — Elenco 
degli oggetti di arte antica scoperti per cura 
della Commisione dal 1. genn. a tutto il 31 die. 
1897, e conservati nelCampidoglio o nei magazzini 
comunali. S. 350 — 354. — M. S. de Rossi 
(Necrologia) S. 355 f. 

Carinthia I. Mittheilungen des Geschichtsvereins 
für Kärnten. 88. Jahrgang (1898). 

No. 4. F. G. Hann, Die Mithras-Reliefs des 
Geschichtsvereins im Rudolfinum zu Klagenfurt 
und ihre Bedeutung. S. 106 — 114. — F. G. Hann, 
Der neu ausgegrabene römische Mosaikboden am 
Zollfelde. S. 114— 118 (mit Abbildung). 

No. 5. Ausgrabungen des Geschichtsvereins 
in Mühldorf bei Möllbrücken [römisches Bad]. 
S. 159 f. 
Centralblatt für Anthropologie, Ethnologie und 
Urgeschichte. III. Jahrgang (1898). 

Heft 4. J. Steiner, Archäologische Landes- 
aufnahme (Deichmüller). S. 326. — R. Virchow, 
Eröffnung prähistorischer und römischer Gräber in 
Worms (Mies). S.328f. — S. Reinach, Statuette de 
femme nue decouverte dans une des grottes de 
Menton (L. Laloy). S. 337. — G. Zumoffen, 
L'äge de la pierre en Phenicie (L. Laloy). S. 341 f. 

— J. R. Martin, Geschliffene ägyptische Stein- 
werkzeuge und Bronzen (A. Götze). S. 342. 

Literarisches Centralblatt (1898). 

No. 48. Chr. Tsountas and J. I. Manatt, 
The Mycenaean age; W. Reichel, Über vor- 
hellenische Götterculte (T. S.). Sp. 1904 f. — 
H.Brunn, Kleine Schriften, gesammelt von Herrn. 
Brunn und H. Bulle. I. (T. S.). Sp. 1905. 

No. 50. W. Kroll, Antiker Aberglaube (anon. 
Rec). Sp. 2018 f. 

No. 51/52. G. B. Nordhoff, Römerstrafsen 
und das Delbrückerland (anon. Rec). Sp. 2061. 

— O. Marucchi, Gli obelischi egiziani di Roma 
(F. B.). Sp. 2063 f. 

(1899). 
No. 2. Denkmäler griechischer und römischer 
Sculptur. Register von P. Arndt (T. S.). Sp. 59. 

— C. Robert, Römisches Skizzenbucb ; Die 
Knöchelspielerinnen des Alexandros (T. S.). 
Sp. 61. 

No. 3. Monumenti antichi dell' Accademia 

3 



34 



Bibliographie. 



dei Lincei. Vol. VIII (U. v. W.-M.). Sp. 90—92. 

No. 4. C. F. Lehmann, Zwei Hauptprobleme 
der altorientalischen Chronologie (Ed. M[eye]r). 
Sp. 119 — 121. 

No. 6. J. Burckhardt, Griechische Kultur- 
geschichte (anon. Rec). Sp. 197 f. — O. Gilbert, 
Griechische Götterlehre (anon. Rec). Sp. 208 
— 211. 

No. 7. Dittenberger, Sylloge I. (anon. Rec). 
Sp. 238. — 'A^vä Bd. X 4 (G. N. H.) Sp. 238 f. 
The Numismatic Chronicle (1898). 

Part IV (Third Series No. 72). J. P. Six, 
Rhegium — Iocastos. S. 281 — 285. — H.B.Earle- 
Fox, Greek coins in the collection of Mr. Earle- 
Fox. S. 286—293 (mit Tafel XIX). — E. J. 
Seltman, The picture of a roman mint in the 
house of the Vettii. S. 294 — 303. — G. F. Hill, 
Roman aurei from Pudukota, South India. S. 
304 — 320. — A. Holm, Geschichte des sicilischen 
Münzwesens (A. J. Evans). S. 321 — 325. — G. F. 
Hill, Bibliographical notes on greek numismatics. 
S. 326-333. 
Chronique des Arts et de la Curiosite (1898). 

No. 40. R. Engelmann, Pompeji (S. R.) 

s. 365. 

(1899). No. 8. Fouilles de Tunisie. S. 72 f. 
La Civiltä cattolica. Ser. XVII vol. III (1898). 

qu. 11 57 (23 agosto). De Cara, Gli Hethei- 
Pelasgi in Italia, o gl' Itali della storia. Siculi- 
Sicani-Liguri-Oschi-Morgeti. S. 544—555- 

qu. 1 158 (3 settembre). Grisar, Archeologia: 
Delle antiche basiliche cristiane. 98. Introduzione. 
Elementi architettonici delle basiliche ecclesi- 
astiche. — 99. Apparenza esterna. — 100. Quali 
basiliche di Roma siano i migliori tipi per lo 
studio. — ioi.Le antiche basiliche di Ravenna. — 
102. L'idea della basilica come aula Dei ed 
aula plebis Dei. S. 715 — 724. 
Vol. IV (1898). 

qu. 11 60 (15 ottobre). De Cara, Gli Hethei- 
Pelasgi etc. Opici-Ausoni-Aurunci-Aborigini. 
S. 159- 171. 

qu. 1161 (5 novembre). De Cara, Le ricerche 
archeologiche nell' Asia occidentale di Ernesto 
Chantre. S. 325 — 331. 

qu. 1162 (19 novembre). De Cara, Gli 
Hethei - Pelasgi etc. Peucezii-Daunii-Iapigii- 
Messapii. S. 409—423. — Grisar, Delle antiche 
basiliche cristiane. 103. Le singole parti: 
l'altare. — 104. II tabernacolo a colonne. La 
scuola dei cantori. Gli amboni. La pergola coi 
doni votivi. — 105. Un intermezzo: Visita nell' 
atrio. Oratori; Mausolei; Battisteri. — 106. II 



colonnato dell' aula inferiore. ■ — 107. Effetto 
religioso ed artistico della basilica. S. 456 — 480. 

qu. 1164 (17 dicembre). De Cara, Gli Hethei- 
Pelasgi etc. Messapi. Iapigi. S. 690—701. 
Vol. V. (1899). 

qu. 11 66 (21 gennaio). P. Grisar, Le basiliche 
etc. 108. I musaici come parte dell' ornato della 
basilica. La Madonna negli antichi musaici. — 
109. Oggettidimetallo. Lampadari delle basiliche. 

— 1 10. Sculture.' Sedie pontificali. — 1 1 1. Sculture. 
La celebre porta di S. Sabina in Roma. 112. 
Epilogo. La basilica Lateranense e la Vaticana. 
S. 214-299. 

qu. 1 167 (4 febbr.). De Cara, Gli Hethei 
etc. Illirici-Veneti-Coni. S. 270—281. 

Commentari dell' Ateneo di Brescia per 1' anno 
1898. 

Stazioni preistoriche e necropoli sul basso 
Oglio. S. 46 -52. 

Academie des inscriptions et belles-lettres. Comptes 
rendus des seances de l'annee 1898. Quatrieme 
serie, tome XXVI (1898). 

Septembre-octobre. Clermont-Ganneau, L' in- 
scription nabateenne de Kanatha. S. 597—605 
(mit Tafel). — Clermont-Ganneau, Sur un poids 
en plomb ä legendes grecques provenant de la 
Syrie. S. 606 — 609 ( mit Tafel). — Oppert, Le 
retrait lignager en Assyrie. S. 6iof. — F.-P. 
Thiers, Deuxieme note sur 1' inscription de 
Coligny (Ain). S. 612 — 614. — Babelon, Camee 
antique d' Antiochia. S. 617. — A. L. Delattre, 
Fouilles de Carthage. S. 619 - 630 (mit 4 Tafeln). 

— Clermont - Ganneau, Inscription arameenne 
de Cappadoce. S. 630 — 640. — Gauckler, 
Mosai'ques du Musee du Bardo. S. 642 f. — 
Delattre, Fouilles de Carthage. S. 647 f. (mit 
Abbildung). — De Roquefeuil, Recherches sur 
les ports de Carthage. S. 653—666 (mit Plan). 

— J. de Morgan, Fouilles de Perse. S. 670 — 
679 (mit 2 Abbildungen). — M. Clerc, Note 
sur une inscription romaine decouverte ä Tarry- 
le-Rouet (Bouches-du-Rhone). S. 683—685. — 
Clermont-Ganneau, Nouvelle inscription hebraique 
et grecque relative a la limite de Gezer. S. 686 

— 694 (mit 2 Abbildungen). 

Novembre-decembre. Bas-relief decouvert a 
Suse [nur Tafel, zu S. 677 des vorigen Heftes]. 

— H. de Villefosse, Inscription de Coligny. 
S. 7i8f. (dazu Fr.-P. Thiers S. 725). — II. de 
Villefosse, Inscription de Fourviere. S. 7 19 f. 
(mit Beilage). — M. Besnier, Fouilles executees 
en Algerie. S. 720 f. — Fougeres, Mantinee 
(M. Collignon). S. 728 f. — M. Dieulafoy, La 



Bibliographie. 



35 



statuaire polychrome en Espagne. S. 794 — 806. 

— Clermont-Ganneau, Inscription de la Palestine. 
S. 811 f. — Clermont-Ganneau, Inscription 
phenicienne. S. 812 f. (mit Abbildung). — W. 
H. B. Hill, The Romans on the Riviera (S. 
Reinach). S. 825 f. — P. Gauckler, Villa romaine 
en Tunisie. S. 828 f. — H. de Villefosse, Mur 
antique decouvert ä Paris. S. 844. 

Seances et travaux de 1' Academie des sciences 
morales et politiques. Compte Rendu. 58« 
annee. N. S. tome cinquantieme (1898). 

I2 e livraison. A. Souchon, Les theories 
economiques dans la Grece antique (Glasson). 

S- 945—949- 
The Manchester Courier (1899). 

16. Febr. Excavations at Roman Ribchester. 
'E^TjjJiepU dpyottoXoytx^. HsptoSo; xpi'xrj (1898). 

l'vr/os xpi'xov xai xixapxov. X. Tsöüvxotc, 
KuxXa?ixd. Sp. 137 — 212 (mit Tafel 8 — 12 und 
15 Abbildungen). — K. KoupO'jvtu>x7]S , SxTjvctt 
xoü ofxoyEVEtaxoü ßt'ou xüiv yuvaixiüv. Sp. 211 

— 220 (mit Tafel 13). — L. Savignoni, 'Ap-/aiGXTj- 
xe; xr); Kid). Sp. 219 — 248 (mit Tafel 14 und 
5 Abbildungen). — ß. Aeovcz'pSo;, Auxosoüpa; 
vojaoi; Ispo;. Sp. 249 — 272 (mit Tafel 15). — 
B. AsovdpSo;, 'Emypa^f/oü Moussio'.» Xi'Qoi. Sp. 
271 f. 

AtEilvr,; 'EcpTjfxepic ifyi vo(jiia|J.aTtxr,; dpyaioXoyfac 
Journal international d'archeologienumismatique. 
Tome premier (1898). 

Deuxieme trimestre. M. P. Vlasto, Tarente, 
didrachmes inedites. S. 121 — 130 (mit Tafel Z' 
und 2 Abbildungen). — *L N. Sßopöivo;, Up6- 
Xoyo; e{; xtjv p\ExdcppaSiv xrj; xo5 Head c l3xopi'a; 
xtöv vopLiapidxiov. S. 131 — 147. — E. D. J. Dutilh, 
Monnaies de Side et d' Egypte. Trois impor- 
tantes trouvailles de monnaies. S. 148 — 156. — 
'I. N. 2ßopüivo;, E'j'fafios'I-avfcuv x4pavvo; ( v Ayvu)- 
axo? iaxopixrj aeXf;). S. 157—164 (mit 5 Ab- 
bildungen). — F. Halbherr, An important in- 
scription for the history of coinage in Crete. 
S. 165— 172 (mit Abbildung). — *L N. Sßopüivo;, 
IlapaxTjpTjaet; £7tt xoü 7TpoT)you[AEvou dpöpou. IJepi 
X7); ypovoXoyia; xtj; vopu3;-taxixTj; irciypacprjs xfj? 
Topxuvo;. S. 173— 180. — 'I. N. Sßopüivoc, Tsp- 
fXTjaao; H TO KATTOYC 6XOYCA. S. 181 
— 184. — 'I. N. Sßoptövo«, 'Ay. A. IloaxoXaxa;. 
'AXcppiSo? 6 ix SaXXExiou. S. 185—188. — R. 
Schöne, Alfred v. Sallet (Biographie). S. 189 
— 196 (mit Porträt). — H. Gaebler, Vollständige 
Bibliographie der Schriften von A. v. Sallet. 
S. 197—204. — M. N. Sßcipwvo;, Bdxpayoc 2Ep(- 
cpio;. NopLtspiaxa dpyaixd xtj; vVjGou 2£p(cpou. 



S. 205—211 (mit Abbildung). — 'I. N. Sßopüi- 
vo;, BtpEvtxT] B', ßasi'Xiasa KupsvatxTJ; xal Ai'yS- 
uxou. S. 212—230 (mit Tafel H'— I'). — T. N. 
XaxÜlSdxrjC, ^TjfiEicuat; iröpt x&v yXwaatxtiiv xürrtov 

TETA BAZIAEY HAS2NAN *«1 AEPPONIKON. 
S. 231 f. — 'I. N. Sßopiüvo;, npo3&^x7) e{{ xd 
7TEpt T£pu.TjS3oü. S. 232. — Appendice: *I, N. 
Sßopüivo;, 'EOvixov NoptWfxaxixöv Mouasiov. *Ex- 
ÖE3t{ xüiv xaxd xö dxaSrjpLcc'ixov fxo; 1896 — 1897 
TreTrpaypis'viuv. S. 1 — 24. 

Troisieme trimestre. K. A. MuXioväj, Au- 
xoöpyoc 6 xüiv 'HSiuvüiv ßaaiXE-j;. S. 233 — 240 
(mit 3 Abbildungen). — G. F. Hill, Hadrianoi 
and Hadrianeia. S. 241 — 252. — N. B. <Pap86;, 
NoputJfxaxixr] Saptoöpdxrj;. S. 253 — 262. — J. 
Rouvier, Reparation chronologique dumonnayage 
des rois pheniciens d' Arvad avant Alexandre le 
Grand. S. 263—298. — A. N. Haa/aXT)«, Nopua- 
fAaxixr) xtj; dpyat'ac 'AvSpou. S. 299—368 (mit 
Tafel IB'— IZ' und 4 Abbildungen). — 'I. N. 
Sßoptövo;, Nopu3p.axixd EÜp^piaxa. A'. 'Ex xüiv 
dvaaxacpwv xtj; 'Axpo-G'XEüKAörjVÜiv. S. 367 — 378 
(mit Tafel 1A' und einer Abbildung). — E. D. 
J. Dutilh, Une seconde Statuette de Berenice II. 
s « 379« — J- P« Six, Le mot xdrcoc. S. 379 f. 

— K. F. Kinch, Le nom des Edoniens. S. 380. 

— J. N. Svoronos, Supplement a Andros. S. 380. 

Quatrieme trimestre. E. Babelon, Sur la 
numismatique et la Chronologie des dynastes de 
laCharacene. S. 381 -404 (mit Tafel IH'. 10')- — 
'I. N. Sßopüivos, Tt; i] vt)3o;, 'S'jp^' xoü 'Opt^pou; 
Eteayu>y7] dz xtjv jj.eXe'xtjv xüiv vopu3u.dxu>v xrj? 
v^cou Kiio. S. 405 — 432. — E.D. J. Dutilh, Etudes 
alexandrines. A. La statue de Berenice II du 
Musee greco-romain d'Alexandrie (mit Tafel K')- 
B. Monnaies d'Oasis d'Ammon(?) (mit 2 Ab- 
bildungen). C. Monnaies de Pescennius Niger 
frappees ä Alexandrie. S. 433 — 442. — 'A. Mrj- 
XtctpdxTjC, MoXußSoßouXXov Ntxrjxa ßastXtxoO GTia- 
öapfou xal Spouyyapt'ou xoü Atyai'ou irsXdyou;. 
S. 443 — 450 (mit Abbildung). — B. Pick, Zur 
Epigraphik der griechischen Kaisermünzen. I.K6- 
pios (Acclamationen auf Münzen). S. 451 — 465. 

— 'I. N. Sßopuivo;, c O Auxoüpyo; xal ^ 'Ap.ßpo3t'a. 
S. 466 — 470. 

Ephemeris Epigraphica. Corporis Inscriptionum 
Latinarum Supplementum. Vol. VIII, fasciculus 
tertius [vgl. Bibliographie 1892 S. 137]. 

Enthält: E. Huebner, Additamenta nova ad 
Corporis vol. IL S. 351 — 528. — Indices 
(C. Regling). S. 529—620. 

Akademiai Ertesito. IX (1898). Budapest [Un- 
garisch]. 

3* 



36 



Bibliographie. 



Heft ii. G. Teglas, Kritische Würdigung 

der sich auf Dacien beziehenden geographischen 

Beiträge des Herodot. S. 544—550. 

Archaeologiai Ertesitö (Archaeologischer Anzeiger). 

N. F. Band XVIII (1898). Budapest [Ungarisch]. 

Heft 1. G. Teglas, Zur Topographie der 
Station Aizis der Strafse Lederata-Tibiscum. 
S. 1 — 7. — lf., Bernsteingegenstände aus Savaria. 
S. 86 — 88 (mit 6 Abbildungen). — h., Bronze- 
statuette des Dispater. S. 88 f. (mit Ab- 
bildung). — aa., Römische Bronzelampen im 
N. Museum. S. 93 — 96 (mit 7 Abbildungen). 

Heft 2. V. Kuzsinszky, Wann wurde der 
nordöstliche Theil Pannoniens durch die Römer 
besetzt? S. 115 — 118. — G. Teglas, Römische 
Steinbrüche in der Nähe von Porolissum im 
Szilagyer Comitate. S. 118— 124. — K. Karpati, 
Über Altertümer aus Savaria. S. 152 — 156 
(mit 11 Abbildungen). — aa., Eine Bronze- 
statuette der Venus. S. 190 (mit Abbildung). 

Heft 3. mp., Bronzefiguren von einem 
römischen Wagen. S. 281 — 286 (mit 7 Ab- 
bildungen). 

Heft 5. V. Kuzsinszky, Beiträge zum 
Nemesiscultus. S. 385 — 388 (mit Abbildung). — 
G. Finaly, Über römische Ansiedelungen im 
Thale des Kis-Szamos. S. 427 — 431 (mit Ab- 
bildung). — J. Teglas, Über römische Überreste 
im Torda-Aranyoser Comitat. S. 432 — 440. — 
Kuzsinszky, Steindenkmäler von Aquincum. S. 

445-447- 

Törtenelmi es regeszeti Ertesitö. XIV (1898). 
Temesvar [Ungarisch]. 

Heft 1—2. B. Milleker, Der heutige Stand 
zweier Fragen der antiken Geographie Süd- 
Ungarns. S. 1 — 10. — L. Böhm, Der Über- 
gang Trajans über die Donau bei Rama. 
S- 31-37- 

Indogermanische Forschungen. IX. Band (1898). 

Anzeiger Heft 3. R. Brown, Semitic in- 

fluence in Hellenic mythology (E. H. Meyer). 

s. 175 f- 

Gazette des Beaux-Arts. 3c periode, tome vingt- 
et-unieme (1899). 

499 e livraison. E. Babelon, Les camees 
antiques de la bibliotheque nationale (troisieme 
article). S. 33—43 (mit 11 Abbildungen). — 
M. Nicolle, Le Musee archeologique de Lille. 
S. 51—64 (mit 8 Abbildungen). 

500« livraison. E. Babelon, Les camees 
antiques de la Bibliotheque Nationale (quatrieme 
et dernier article). S. 101 — 116 (mit 13 Ab- 
bildungen). 



Rheinische Geschichtsblätter Bd. IV (1898). 

Heft 4. O. Minjon, Xanten und Troja 
[Colonia Traiana]. 
Globus. Bd. LXXIV (1898). 

No. 21. F. v. Luschan, Die angebliche 
'Kreuzigung Christi' im Palaste des Tiberius. 
S. 340-342. 
The Graphic (1899). 

21. Jan. Tomb of Romulus (with illustration). 
Daily Graphic (1898). 

31. Dec. Antiquities from London in Guild- 
hall Museum (illustrated). 
The Guardian (1898). 

Nov. Classical archaeology at Oxford. 
Gymnasium. XVII. Jahrgang (1899). 

No. 2. H. Willenbücher, Cäsar's Ermordung 
(Werra). Sp. 52. 
Hermes. Vierunddreifsigster Band (1899). 

Heft 1. J. Kromayer, Kleine Forschungen 
zur Geschichte des zweiten Triumvirats. VII. 
S. 1 — 54. — Th. Mommsen, Der Zinswucher 
des M. Brutus. S. 145—150. — Th. Mommsen, 
Die Freigelassenen im römischen öffentlichen 
Dienst. S. 151 — 155. — L. Schmidt, Zur Ge- 
schichte des Markomannenkrieges unter Mark 
Aurel. S. 155—159. — Th. Reinach, L. 
Cornelius L. F. proconsul. S. 159 f. 
Hunyadmegyei törteneti es regeszeti tar- 
sulat Evköny ve. IX (1898). Deva [Ungarisch]. 
G. Teglas, Der Schatz des dacischen Königs 
Decebal. S. 4—9. — B. Teglas, Die zwei 
Mosaikböden von Värhely. S. 13—18 (mit 2 
Abbildungen). 
Bonner Jahrbücher (1898). 

Heft 103. A. Furtwängler, Römische Bronzen 
aus Deutschland. S. 1 — 11 (mit Tafel I und 
5 Abbildungen). — Schulten, Flurteilung und 
Territorien in den römischen Rheinlanden. 
S. 12 — 41 (mit 6 Abbildungen). — H. Dragen- 
dorff, Die arretinischen Vasen und ihr Verhältnis 
zur augusteischen Kunst. S. 87 — 109 (mit 
Tafel II — V und 12 Abbildungen). — H. Nissen, 
Römisches Siegesdenkmal in Beuel. S. 110 — 114. 

— M. Siebourg, Ein gnostisches Goldamulet 
aus Gellep. S. 123 — 153 (mit Tafel VII und 
3 Abbildungen). — Steuernagel, Fundbericht 
über die Reste der 'Porta-Paphia' [sie!] bei 
Niederlegung derselben im Dezember 1897. 
S. 154 — 163 (mit Tafel VIII und 9 Abbildungen). 

— O. Hauser, Das Amphitheater Vindonissa 
(H. D.). S. 164. — A. Günther, Coblenz. 
Römerstrafse und Meilenstein mit Inschrift. 
S. 167 f. — Pohl, Zur Etymologie der Matronae 



Bibliographie. 



37 



Fachinehac. S. 168. — Clemen, Bericht über 
die Thätigkeit der Provinzialkommission für die 
Denkmalspflege in der Rheinprovinz. S. 169 — 
227 (mit 4 Tafeln und 27 Abbildungen). — 
Berichte über die Thätigkeit der Provinzial- 
museen in der Zeit vom 1. April 1897 bis 31. 
März 1898: 1. Bonn (Klein). S. 228—233. 
2. Trier (Lehner). S. 234—238 (mit Tafel und 
Abbildung). — Berichte über die Thätigkeit der 
Altertums- und Geschichtsvereine und über die 
Vermehrung der städtischen und Vereinssamm- 
lungen innerhalb der Rheinprovinz. S. 239 — 271. 
Jahrbücher der Gesellschaft für lothringische 
Geschichte und Alterthumskunde. Bd. 9 (1898). 

G. Wolfram, Die räumliche Ausdehnung von 
Metz zu römischer und frühmittelalterlicher 
Zeit. Erster Theil: Die römische Stadt. — J. 
B. Keunen, Gallo-römische Kultur in Lothringen 
und den benachbarten Gebieten. 
Neue Jahrbücher für das klassische Alterthum, 
Geschichte und deutsche Litteratur, und für 
Pädagogik. Erster Jahrgang (1898). Bd. I und II. 

Heft 8. M. Siebourg, Über eine halbjährige 
Studienreise in Italien. S. 415 — 427. 

Heft 9. F. Noack, Zur Entwickelung 
griechischer Baukunst. S. 569 — 584 (mit 2 Ab- 
bildungen). — O. Seeck, Die Lex Manciana. 
S. 628—634. 
Preufsische Jahrbücher. 94. Band (1898). 

Heft III. W. Ribbeck, Phädra und Messa- 
lina. S. 515—522. — Egypt Exploration Fund, 
the Oxyrhynchos Papyri ed. B. P. Grenfell 
(VV. Crönert). S. 528-540. 
95. Band (1899). 

Heft II. B. Landsberg, Geschichte des 

Bernsteins und seiner Gewinnung. S. 264 — 275. 

Jan us. Archives internationales pour l'histoire de 

la Medecine et pour la Geographie medicale 

(Amsterdam). Vol. II (1898). 

No. 6. A. H. Sayce, The libraries of Assyria 
and Babylonia. S. 547—549. — Öfele, Mit- 
theilung eines Abschnittes des leidener Zauber- 
papyrus J 384. S. 634. 
Vol. III (1898). 

No. 1. A. Kronfeld, Die Arkesilas-Schale 
und das Silphium. S. 22 — 33 (mit einer Tafel 
und einer Abbildung). 
The Independent (1899). 

Jan. 12. The Chabiri in the Tell-el-Amarna 
letters. 

Jan. 19. De Morgan's discoveries in Persia. 

American Journal of Archaeology. Second Series 

Vol. II (1 



Numbers 1, 2. H. S. Washington, The 
identification of the marbles used in greek 
sculpture. S. 1 — 18 (mit 4 Abbildungen). — 
A. Marquand, A capital from the temple of 
Jupiter Capitolinus in Rome. S. 19 — 25 (mit 
3 Abbildungen). — W. Dennison, The epigraphic 
sources of Suetonius. S. 26 — 70. — The Cretan 
expedition of the Institute: IX. Inscriptions from 
Gortyna, Lyttos, and Lato pros Kamara (S. A. 
Xanthoudidis). S. 71—78 (mit 8 Abbildungen). 
X. Addenda to the Cretan inscriptions (F. Halb- 
herr). S. 79 — 94 (mit 33 Abbildungen). — 
Archaeological news (august, 1897 — february, 
1898) (H. N. Fowler). S. 95—158. 

Numbers 3, 4. W. H. Ward, Notes on 
oriental antiquities. 1. The horse in ancient 
Babylonia. 2. Nehushtan. S. 159 — 168 (mit 
7 Abbildungen). — J. Pickard, The Orpheus 
relief. S. 169 — 172. — C. Waldstein, J. C. 
Hoppin, Terra- cotta reliefs from the Argive 
Heraeum. S. 173—186 (mit Tafel I. II). — 
A. Fossum, The eiskyklema in the Eretrian 
theatre. S. 187—194 (mit Tafel III— V und 
3 Abbildungen). — R. B. Richardson, An old 
corinthian vase from Corinth. S. 195-205 (mit 
Tafel VI. VII und Abbildung). — R. B. Richard- 
son, Terra-cotta figurines from Corinth. S. 206 
— 222 (mit 35 Abbildungen). ■ — R. B. Richardson, 
A trace of Egypt in Eleusis. S. 223—232 (mit 
Tafel VIII). — R. B. Richardson, The excavations 
at Corinth in 1898: preliminary report. S. 233 
—236 (mit Tafel IX— XI und Abbildung). — 
H. N. Fowler, Archaeological discussions 
(august, 1897— february, 1898). S. 237—345. 

Journal Asiatique. N. S. tome XII (1898). 

No. 3. J. Rouvier, L'ere de Marathos de 
Phenicie. S. 361 — 406. 

The Journal of the British Archaeological Asso- 
ciation. N. S. Vol. IV (1898). 

Part IV. W. S. Lach-Szyrma, Preservation 
of antiquities. S. 322 -328. 

The Geographical Journal. Vol. XIII (1899). 

No. 1. P. Chaix, Lake Trasimene. S. 60 f. 

The Journal of Philology. Vol. XXVI (1899). 

No. 52. B. W. Henderson, The battle of 
Lake Trasimene. II. S. 203 — 223. 

Journal des Savants (1899). 

Janvier. R. Cagnat et P. Gauckler, Les 
monuments historiques de la Tunisie. I. Les 
temples pai'ens (G. Boissier). S. 43 — 50. — 
M. Breal, Inscription etrusque trouvee ä Car- 
thage. S. 63 — 67. 

The Journal of Hellenic Studies. Vol. XVIII (iS 



38 



Bibliographie. 



Part II. F. Imhoof-Blumer, Coin-types of 
some Kilikian cities. S. 161 — 181 (mit Tafel 
XII. XIII). — W. R. Paton and J. L. Myres, 
On some Karian and Hellenic oil-presses. S. 
209 — 217 (mit 8 Abbildungen). — G. B. Grundy, 
Battles, ancient and modern: Professor Burrows 
on Sphacteria; Mr. Woodhouse on Plataea. 
S. 232 — 237. — R. E. White, Women in 
Ptolemaic Egypt. S. 238—266. — A. H. Smith, 
Illustrations to Bacchylides. S. 267 — 280 (mit 
Tafel XIV und 10 Abbildungen). — H. B. 
Walters, On some black-figured vases recently 
acquired by the British Museum. S. 281 — 301 
(mit Tafel XV— XVII und 8 Abbildungen). — 
G. F. Hill, A dedication to Artemis. S. 302 

— 305 (mit Abbildung). — V. W. Yorke, In- 
scriptions from Eastern Asia Minor. S. 306—327 
(mit 19 Abbildungen). — G. C. Richards, 
Archaeology in Greece, 1897 — 8. S. 328 — 339. 

— J. G. C. Anderson, A suramer in Phrygia. 
Some corrections and additions [zu Band XVII 
S. 396 ff. XVIII S. 81 ff.]. S. 340-344 (mit 
5 Abbildungen). — R. M. Burrows, Mr. G. B. 
Grundy on Pylos and Sphacteria. S. 345 — 350. 

— Index to volumes XVII. XVIII. S. 353 — 363. 
Korrespondenzblatt der Westdeutschen Zeit- 
schrift für Geschichte und Kunst. Jahrgang XVII 
(1898). 

No. 10 und 11. Neue Funde: (81) Württem- 
berg. Vom Schönbuch (E. Herzog). Sp. 161 
— 164. — (82) Bonn, Inschrift aus Beuel (Nissen). 
Sp. 168 f. — (86) Mittheilungen über römische 
Funde in Heddernheim II (1898) (Hr.). Sp. 
172—174. — (87) H. Willers, Römische Silber- 
barren (Hr.). Sp. 174 f. — J. Hansen, Über 
das Rheinufer bei Köln (K — n). Sp. 175 f. 

No. 12. Neue Funde: (96) Mühlacker, Votiv- 
stein eines decurio civitatis Aquensis in Dürr- 
menz (F. Haug). Sp. 193 f. — (97) Stockstadt, 
Votivsteine von beneficiarii cos. (K. Zange- 
meister). Sp. 194 — 200 (mit Abbildung). — 
(98) Frankfurt, Römerstrafse (A. Riese). Sp. 
200 — 202. — (99) Mainz, römische Funde 
(Körber). Sp. 202 — 207. — (100) Diedenhofen, 
Funde (J. B. Keune). Sp. 207 — 209. — (101) 
R. Cagnat, Cours d'epigraphie latine, 30 edition 
(M. Ihm). Sp. 209 f. — (102) A. Breitner, Ju- 
vaviae rudera (A. Tille). Sp. 2lof. — (107) 
Marcodurum und Marcomagus (J. B. Keune). 
Sp. 2i4f. 
Die Kritik. XIV. Band (1899). 

Nr. 172. R. Wrede, Der Wiederaufbau des 
Forum Romanum. S. 182 — 184. 



Kunstchronik. N. F. Band X (1898/99). 

Nr. 7. Furtwängler und Urlichs, Handaus- 
gabe der Denkmäler griechischer und römischer 
Skulptur (M. Seh.). S. loif. 

Nr. 10. A. Springer, Handbuch der Kunst- 
geschichte. Bd. I. Das Alterthum. 5. Aufl., 
bearb. von A. Michaelis (U. Th.) S. 154. 

Nr. 13. Ausgrabungen und Funde aus Rom 
(E. St.). Sp. 205. 
Deutsche Litteraturzeitung. XIX. Jahrgang 
(1898). 

Nr. 49. K. Klement, Arion (U. v. Wilamo- 
witz-Moellendorff). Sp. 1875 — 1877. — R. Fisch, 
Eine Wanderung nach den Trümmern von Ostia 
(G. Wissowa). Sp. 1877. — J. Boehlau, Aus 
ionischen und italischen Nekropolen (H. Dragen- 
dorff). Sp. 1892-1895. 

Nr. 50. A. Hock und L. Pertsch, P. W. 
Forchhammer (F. Hiller von Gaertringen). Sp. 
I9i4f. 

XX. Jahrgang (1899). 

Nr. 1. O. Waser, Charon, Charun, Charos 
(U. v. Wilamowitz-Moellendorff). Sp. 14 f. — 
A. Holm, Geschichte Siciliens im Altertum. 
3. Bd. (Ed. Meyer). Sp. 21-25. — A. Kalk- 
mann, Die Quellen der Kunstgeschichte des 
Plinius (C. Robert). Sp. 36—40. 

Nr. 2. O. Gilbert, Griechische Götterlehre 
(E. Maafs). Sp. 56-58. 

Nr. 5. A. E. Haigh, The attic theatre (E. 
Bethe). Sp. 180 f. — E. Drerup, Über die bei 
den attischen Rednern eingelegten Urkunden 
(Th. Thalheim). Sp. 181 f. 

Nr. 9. J. B. Nordhoff, Römerstrafsen und 
das Delbrückerland (G. Wolff). Sp. 53of. 
Melanges d'archeologie et d'histoire (Rom)- 
XVIIIe annee (1898). 

Fase. V. Besnier, Inscriptions et momiments 
de Lambese et des environs. S. 451 — 489 (mit 
Tafel XL XII und 2 Abbildungen). 
Memoires de l'Academie de Nimes. VII e Serie, 
tome XX (1897). 

E. Bondurand, L'inscription du temple de 
Vienne. S. 13—19 (mit Tafel). — E. Bondu- 
rand, L'arc de triomphe d'Orange et son in- 
scription. S. 21 — 35 (mit Tafel). 
Memoires de la Societe archeologique et historique 
de l'Orleanais. Tome XVII (1898). 

M. Desnoyers, Les fouilles de la Loire en 
1894 [decouverte de monnaies grecques, romaines, 
gallo-romaines et gauloises]. S. 41 — 58. 
Memoires de la Societe d'emulation du Doubs 
[Besancon]. "je, serie, II e volume (1897). 



Bibliographie. 



39 



A. Vaissier, Essai d'interpretation des scul- 
ptures de l'arc antique de Porte-Noire äBesangon. 
S. 217 — 245 (mit Tafel). 
Mcmorie della R. Accademia dei Lincei. Classe 
di scienze morali, storiche e filologiche. Ser. 
V, vol. VI (1898). 

P. 1. Expositio totius mundi et gentium. 
Con note di G. Lumbroso (Seduta del 20 no- 
vembre 1898). 
Mittheilungen der K. K. Central-Commission 
für Erforschung und Erhaltung der Kunst- und 
historischen Denkmale. Vierundzwanzigster Band 
(1898). 

Heft 4. Riedl, Reste einer alt-christlichen 
Basilica im Boden Celeja's. S. 219—225 (mit 
8 Abbildungen und 5 Tafeln). 
25. Band (1899). 

Heft 1. L. Schneider, Provincial-römische 
Fibel in Königgrätz. S. 29 (mit Abbildung). — 
Riedl, Mosaik-Boden in Cilli. S. 30. — V. 
Kohaut, Mittheilungen über Ausgrabungen von 
Poetovium im Jahr 1897. S. 30 — 32 (mit 7 Ab- 
bildungen). — Münzfund zu Alt-Muggia. S. 32. 
— O. Hovorka Edler von Zderas, Römische 
Grabschrift von Janjina. S. 32. — O. Franke, 
Mosaik-Boden bei Klagenfurt. S. 51 f. (mit Bei- 
lage). — Hann, Römisches Bad bei Mühldorf. 
S. 52. — Das römische Bad bei Emona nach 
Nauportus. S. 54 f. — S. Jenny, Prähistorische 
und römische Funde im Rhein-Correctionsgebiet. 
S. 55 f. (mit 3 Abbildungen). — Fr. Kenner, 
Neueste Funde in Wien. S. 56 — 58. — J. Fahrn- 
gruber, Auffindung von römischen Legionsziegeln. 
S. 58 (mit Abbildung). 
Mittheilungen über römische Funde in Heddern- 
heim. Hrsg. von dem Vereine für Geschichte 
und Alterthumskunde zu Frankfurt a/M. Band I 
(1894) [vgl. Bibliographie 1894 S. 104]. 

I. F. Quilling, Die Ausgrabungen des Ver- 
eins für das historische Museum auf dem christ- 
lichen Heddernheimer Friedhofe im Winter 
1891/92 und Sommer 1892. S. 1 — 12 (mit 
Tafel I und einer Abbildung). — II. Chr. L. 
Thomas, Töpferöfen in der Römerstadt bei 
Heddernheim. S 13 — 20 (mit Tafel II. III und 
3 Abbildungen). — III. O. Donner v. Richter, 
Die Heddernheimer Helme und der griechische 
Helm des Frankfurter historischen Museums in 
ihrer Bedeutung für die Geschichte der antiken 
Helmformen. S. 21—50 (mit Tafel IV und 
59 Abbildungen). 

Band II (1898). 
I. J. Ziehen, Reliefstatuette der Minerva aus 



Heddernheim. S. 1—4 (mit Tafel T). — II. A. 
Riese, Urkundliche Mittheilungen über Heddern- 
heim und die dortige Römerstadt. S. 5 — 30 
(mit Abbildung). — III. A. Riese, Römische 
Fibeln aus Heddernheim. S. 31 — 41 (mit 
Tafel II. III und einer Abbildung). — IV. G. 
Wolff, Castell und Stadtbefestigung des römischen 
Heddernheim. S. 42-68 (mit Tafel IV). 
Mittheilungen der Anthropologischen Gesell- 
schaft in Wien. XXVIII. Band (1898). 

Heft V. VI. Archiv für Religionswissenschaft 
Bd. I 1 — 3 (F. v. Andrian). S. 250 f. 
Mittheilungen der Vorderasiatischen Gesellschaft. 
3. Jahrgang (1898). 

Heft 6. F. E. Peiser, Studien zur orientali- 
schen Altertumskunde II. 52 S. gr. 8°. 
Mittheilungen des Kaiserlich Deutschen Archäo- 
logischen Instituts. Römische Abtheilung. 
Band XIII (1898). 

Heft 4. P. Orsi, Le necropoli di Licodia 
Eubea ed i vasi geometrici del quarto periodo 
siculo. S. 305 — 366 (mit 79 Abbildungen). — 
A. Mayr, Pantelleria. S. 367—398 (mit 10 Ab- 
bildungen). — P. Hartwig, Ein Thongefäfs 
des C. Popilius mit Scenen der Alexanderschlacht. 
S. 399—408 (mit Tafel XI und 2 Abbildungen). 
— E. Petersen, Grab bei Volterra, S. 409 
— 413 (mit 2 Abbildungen). — Zu S. 170 ff. 
und 180. S. 414. — Zu S. 224 (A. Schulten). 
S. 414. — Sitzungen. Ernennungen. S. 415. 
Mitth eilungen aus der historischen Litteratur. 
XXVII. Jahrgang (1899). 

Heft 1. W. Radtke, Beiträge zu der Lydischen 
Geschichte des Xanthos; H. Köster, Über den 
Einfiufs landschaftlicher Verhältnisse auf die 
Entwicklung des attischen Volkscharakters; G. 
Fritzsche, Geschichte Platääs; O. Eiste, Die 
Glaubwürdigkeit Plutarchs im Leben Kimons; 
H. Karbe, Der Marsch der Zehntausend; S. Herr- 
lich, Epidaurus (E. Heydenreich). S. 1 — 4. — 
C. Bardt, Der Zinswucher des M. Brutus; W. 
Schurz, Die Militärorganisation Hadrians. 2.Theil. 
R. Fisch, Eine Wanderung nach den Trümmern 
von Ostia (Dietrich). S. 5 f. — Die rechtlichen 
Grundlagen der Genossenschaften der römischen 
Staatspächter. II (F. Hirsch). S. 6. 
Mnemosyne. N. S. Volumen vicesimum septi- 
mum (1899). 

Pars I. I. M. J. Valeton, Hierosolyma 
capta. S. 78—112. 
Westermann's Monatshefte. Band LXXXV 
(1898). 

Dezember. W. Wunderer, Internationale Ar- 



40 



Bibliographie. 



beit auf klassischem Boden. S. 338 — 348 (mit 
2 Abbildungen). 



Le Musee beige. Deuxieme annee (1 

No. 4. E. Fairon, La »ratio castrensis« ou 
1' intendance du palais imperial. S. 241 — 266. 

— J. de Groutars, Les Italo-Grecs, leur langue 
et leur origine (4"ie article). S. 267 — 280. — 
J. P. Waltzing, Les Colleges funeraires chez les 
Romains. S. 281 — 294. 

Das Museum. III. Jahrgang (1898). 

Heft 10. Demeter von Knidos (Tafel 77). 

Heft 11. Sog. Narcifs von Pompei (Tafel 84). 

Heft 12. Gruppe des Menelaos (Tafel 92). 

Heft 13. Sog. Germanicus des Kleomenes 
(Tafel 102). 

Heft 14. Athena-Schale aus dem Hildesheimer 
Silberschatz (Tafel 110). 

Heft 15. Relief einer Säule des ephesischen 
Tempels (IV. Jahrhundert) (Tafel 118). 

Heft 1 7. Aeschines, Statue in Neapel (Tafel 1 34). 

— Demosthenes, Statue im Vatikan (Tafel 136). 

— Winter, Griechische Porträts des 4. Jahr- 
hunderts v. Chr. (mit 4 Abbildungen). 

Heft 18. Euripides-Büste in Neapel (Tafel 142). 

Heft 20. Amazone, Statue in Berlin (Tafel 157). 
IV. Jahrgang (1899). 

Heft 1. Der Gallier und sein Weib. Antike 
Marmorgruppe. Rom, Museo Boncompagni 
(Tafel 6). 

Heft 2. Figur von einem attischen Grabrelief. 
Berlin, Altes Museum (Tafel 14). 

Heft 3. Menelaos-Gruppe. Florenz, Loggia 
dei Lanzi (Tafel 22). 

Heft 6. Apollo. Antike Bronzestatue. Paris, 
Louvre (Tafel 44). 
Ceske Museum Filologicke. Jahrgang IV (1898). 

Lieferung 6. J. V. Präsek, Herodot und 
Sparta (Schlufs). S. 401 — 412. — J. Vysoky, 
Dodonäische Studien. S. 412 — 446. 
Rheinisches Museum für Philologie. N. F. 54. Band 
(1899). 

Heft 1. E. F. Bischoff, Kauf und Verkauf 
von Priesterthümern bei den Griechen. S. 9 — 18. 
— R. Helm, Der Bischof Fulgentius und der 
Mythograph. S. 1 II — 134. — A. v. Domas- 
zewski, C. Julius Priscus, der Bruder des Philippus 
Arabs. S. 159 f. 
Erdelyi Muzeum. XV (1898). Kolozsvär [Un- 
garisch.] 

Heft VII. P. Kiraly, Napoca. S. 355-371. 

Heft VIII. G. Finäly, Zwei römische In- 
schriften aus Kolozsvär (Klausenburg). S. 467 
—470. 



Nachrichten über deutsche Alterthumsfunde. Neun- 
ter Jahrgang (1898). 

Heft 4. 5. F. Moewes, Bibliographische Über- 
sicht über deutsche Alterthumsfunde für das 
Jahr 1897. S. 49-74- 

Die Nation. 16. Jahrgang (1899). 

Nr. 17. A. Holm, Eine neue griechische 
Kulturgeschichte [Rec. von J. Burckhardt's Buch]. 
S. 240-243. 

The Nation (1898). 

December 8. R. N[orton], The Roman Forum 
[neue Ausgrabungen]. 

Notizie degli Scavi di Antichitä (1898). 

Agosto. Regione IX (Liguria). 1. Bene 
Vagienna. Nuove indagini nell' area dell' antica 
Augusta Bagiennoium (G. Assandria. G. Vac 
chetta). S. 299—303 (mit 2 Abbildungen). — 
Regione V (Picenum). 2. Ancona. Scoperta 
di un' ancora antica e di vari fittili nel porto 
di questa cittä (C. Ciavarini). S. 304. — Re- 
gione VII (Etruria). 3. Rapolano. Tomba con 
iscrizioni etrusche (G. Pellegrini). S. 304^ — 

4. Castiglione del Lago. Tombe con iscrizioni 
etrusche scoperte in vocabolo Badia di S. Christo- 
foro di Chiusi (G. Pellegrini). S. 305 — 315. — 

5. Cittä della Pieve. Tegoli sepolcrali con 
iscrizioni etrusche e latine a graffito (G. Pelle- 
grini). S. 315 — 318. — Roma. 6. Nuove 
scoperte nella cittä e nel suburbio (L. Borsari). 
S. 318 — 331. — Regione I. Latium et Cam- 
pania. Latium. 7. Tivoli. Nuovi oggetti della 
stipe votiva del tempio di Ercole vincitore. 
S. 332. — Campania. 8. Macerata di Marcia- 
nise. Iscrizione funebre latina (G. de Petra). 
S. 332. — 9. Pompei. Relazione degli scavi 
fatti nel mese di agosto 1898 (Ä. Sogliano). 
S- 333—339 (mit 8 Abbildungen). — Sicilia. 
10. Palazzolo Acreide. Di alcune ricerche nella 
necropoli (P. Orsi). S. 340. — 11. Ragusa 
Esplorazioni nella necropoli di Hybla Heraia 
(P. Orsi). S. 340. — Sardinia. 12. Cagliari. 
Nuove iscrizioni latine della necropoli cagliaritana 
(F. Vivanet). S. 340 f. 

Settembre. Regione X (Venetia). 1. Tre 
Dossi. Di una nuova terramara nel cremonese. 
s - 343- — Regione VIII (Cispadana). 2. Ve- 
rucchio. Scoperta di sepolcri tipo Villanova 
(E. Brizio). S. 343—390 (mit 3! Abbildungen). 
— Regione VII (Etruria). 3. Castiglione della 
Pescaia. Frammento di iscrizione funebre latina 
ed oggetti vari rinvenuti presso la Serrata 
Martini (L. A. Milani). S. 390 f. — Roma. 
4. Nuove scoperte nella cittä e nel suburbio. 



Bibliographie. 



41 



S. 391 f. — Regione I (Latium et Campania). 
Campania. 5. Pompei. Relazione degli scavi 
fatti durante il mese di settembre 1898 (A. 
Sogliano). S. 392 f. 6. Massalubrense. Iscri- 
zione funebre latina scoperta in contrada Fon- 
tanelle (A. Filangicri di Candida). S. 393. — 
Regione II (Apulia). Hirpini. 7. S. Angelo a 
Cupolo. Sigillo di bronzo con nome latino 
scoperto nel territorio del comune (A. Meo- 
martini). S. 393. 

Ottobre. Regione IX (Liguria). 1. Genova. 
Tombe a pozzo con vasi dipinti, appartcnenti 
ad un sepolcrcto preromano della necropoli dell' 
antica Genua (A. d'Andrade). S. 395 — 402 (mit 
6 Abbildungen). — Regione VIII (Cispadana). 
2. Borgo Panigale. Ascia di rame scoperta nel 
fondo Padovani (E. Brizio). S. 402—404 (mit 
2 Abbildungen). — 3. Mordano nell' Imolese. 
Paalstab di bronzo rinvenuto presso l'abitato 
(E. Brizio). S. 405. — Regione VI (Umbria). 

4. Otricoli. Iscrizioni onorarie rinvenute nel 
territorio dell' antica cittä (G. Gatti). S. 405 
— 407. — Regione VII (Etruria). 5. Barbarano 
Romano. Di alcuni fittili con leggende etrusche 
rimessi a luce nella tenuta di S. Giuliano (F. 
B[arnabei]). S. 407—409 (mit 4 Abbildungen). 

— Roma. 6. Nuove scoperte nella cittä e nel 
suburbio (D. Vaglieri). S. 409—418. — Re- 
gione I (Latium et Campania). Latium. 7. Arsoli. 
Iscrizione latina opistografa, rinvenuta alle pen- 
dici del monte dell' Agosto, presso le sorgenti 
dell' acqua Marcia (L. Borsari). S 418 f. — 
Campania. 8. Boscoreale. Avanzi di una villa 
romana in piazza Mercato (A. Sogliano). S. 419 
— 422. — 9. Pompei. Relazione degli scavi 
fatti nel mese di ottobre 1898 (A. Sogliano). 

5. 422 f. — Regione IV (Samnium et Sabina). 
Sabini. 10. Casale. Iscrizioni sepolcrali latinc 
riconosciute nell" abitato (N. Persichetti). S. 424. 

— Paeligni. 11. Scanno. Antichitä varie, 
rimesse a luce nel tenimento del comune (A. de 
Nino). S. 424 f. — Samnium. 12. Castel di 
Sangro. Antichitä romane scoperte in contrada 
La Civita ed a Fontemaiuro (A. de Nino). 
S. 42 5 f. — Sardinia. 13. Terranova Fausania. 
Iscrizione sepolcrale rinvenuta nell' area dell' 
antica Olbia (F. B[arnabei]). S. 426. 

Novembre. Regione VII (Etruria). 1. Bar- 
barano Romano. Fittili con leggende etrusche 
scoperti nella tenuta di S. Giuliano (G. F. Ga- 
murrini). S. 427—429. — 2. Pitigliano. Risul- 
tato degli scavi del 1896—97 a Poggio Buco, 
dove supponesi Statonia, e nuovi trovamenti di 



antichitä in altre parti del territorio pitiglianese 
G. Pellegrini). S. 429—450 (mit 9 Abbildungen). 

— 3. Roma. Nuove scoperte nella cittä e nel 
suburbio (L. Borsari). S. 450 — 455 (mit 2 Ab- 
bildungen). — Urna cineraria con rappresentanza 
del mito di Pasifae (L. Savignoni). S. 456—458 
(mit Abbildung). — Regione I (Latium et Cam- 
pania). Latium. 4. Grottaferrata. Epigrafc 
sepolcrale greca (A. Rocchi). S. 458. — Cam- 
pania. 5. Pompei. Relazione degli scavi fatti 
durante il mese di novembre 1898 (A. Sogliano). 
S. 459. — 6. Mercato San Severino. Scoperta 
di antiche tombe (G. Patroni). S. 459. — 
Regione IV (Samnium et Sabina). Sabini. 
7. Poggio S. Lorenzo. Avanzo di antico edificio 
e sepolcrcto nella contrada Ripe Santo Janni 
(N. Persichetti). S. 460. — 8. Coppito. Nuovo 
frammento epigrafico dell' agro amiternino 
(N. Persichetti). S. 460. — Regione II (Apulia). 

9. Bari. Di una iscrizione latina della necropoli 
di »Barium« (F. Barnabei). S. 461. — Sicilia. 

10. Granmichele. Necropoli sicule riconosciute 
nel territorio del comune nel quäle e posta 
la sede dell' antica cittä di Eketla (P. Orsi). 
S. 462. 

Philologus. Band LVII (1898). 

Heft 4. J. Boehlau, Schlangenleib ige Nymphen. 
S. 513 — 518 (mit einer Abbildung und einer 
Tafel). — P. Weizsäcker, Über das Gemälde 
des Mikon im Anakeion in Athen. S. 519 — 523. 

— H. Pomtow, Die delphischen Buleuten. S. 524 

— 563. — M. Rostowzew, Die kaiserliche Patri- 
monialverwaltung in Ägypten. S. 564 — 577. — 
H. Pomtow, Kyllon, des Kyllon Sohn aus Elis. 
S. 648 f. — C. Wunderer, Zu der Faustkämpfer- 
statue im Thermenmuseum. Nachtrag zu Philol. 
LVII, iff. S. 649 f. — A. Müller, Militaria. 
S. 651-653. 

Band LVIII (1899). 

Heft 1. F. Noack, Das Proskenion in der 
Theaterfrage. S. 1—24. — H. Pomtow, Del- 
phische Inschriften. S. 52—76 (mit Abbildung 
und 2 Beilagen). — A. Dammann, Der Anfang 
des peloponnesischen Krieges. S. 132 — 147. — 
M. Maas, Eine neue Deutung des Kalbträgers 
im Akropolis-Museum. S. 155 f. 
Supplementband VII (1898). 

Heft 1. 2. A. Müller, Untersuchungen zu 
den Bühnenalterthümern. S. 1 — 116 (mit Tafel A). 
M. Wilbrandt, Die politische und sociale Be- 
deutung der attischen Geschlechter vor Solon. 
S. 133—228. — E. Oder, Quellensucher im 
Alterthum. Ein angebliches Bruchstück Demo* 



42 



Bibliographie. 



crits über die Entdeckung unterirdischer Quellen. 
S. 229 — 384. 

The Morning Post (1899). 

28. Febr. New fragments of the Capitoline 
plan of Rome. 

Proceedings of the Society of Biblical Archaeo- 
logy. Vol. XX (1898). 

Part 7. A. H. Sayce, Assyriological notes. 
S. 250 — 262. — W. H. Rylands, Hittite inscriptions. 
S. 263—266 (mit Tafel und 2 Abbildungen). — 
W. L. Nash, An ancient egyptian toilet-box. 
S. 267-269 (mit Tafel). 
Vol. XXI (1899). 
Part 1. A. H. Sayce, The new babylonian 
chronological tablet. S. 10 — 22 (mit Tafel I. II). 
— A. H. Sayce, Contract from the country of 
Khana. S. 22 — 24. — A. H. Sayce, An early 
babylonian document relating to the Shuhites. 
S. 24 f. — M. Brodrick and A. A. Morton, The 
tomb of Pepi Ankh (Khua), near Sharona. 
S. 26—33 O 1 "* Abbildung und 5 Tafeln). — 
A. Boissier, Deux fables assyriennes. S. 34—48. 

Proceedings of the Cambridge Philological 
Society. XLVI — XLVIII. Lent, Easter and 
Michaelmas Terms, 1897. 

Darin u. a. J. O. F. Murray, The inscription 
on Trajan's column. — A. W. Verrall, The 
inscription on the column of Trajan. 

Proces-verbaux de la Societe Franchise de 
Numismatique [Beiblatt der Revue numismatique] 
(1898). 

A. de Beifort, Monnaies romaines offertes au 
Cabinet de France. S. XVII. — A. Blanchet, 
Les monnaies romaines relatives ä l'aqueduc de 
Carthage. S. XX. — Derselbe, Statere de Leucas 
portant un graffite. S. XLIII. 

Römische Quartalschrift für christliche Alter- 
thumskunde und für Kirchengeschichte. Zwölfter 
Jahrgang (1898). 

Heft 4. A. de Waal, Funde in den Kata- 
komben in den Jahren 1838 — 185 1, nach Auf- 
zeichnungen im römischen Vicariats -Archiv. 
S. 333—36o. — A. de Waal, Kleinere Mit- 
theilungen: Drei Lampen aus der Sammlung des 
Campo Santo (Tf. VIII). S. 399—401 (mit 
Tafel VIII). — Arbeiten in der Domitilla-Kata- 
kombe. S. 401 f. 

Supplement 9 (1898). A. Möhler, Die grie- 
chische, griechisch-römische und altchristlich- 
lateinische Musik. Ein Beitrag zur Geschichte 
des gregorianischen Chorals. XXIII, 88 S. 8°. 

Rassegna Abbruzzese (Lanciano). Anno II 



De Laurentiis, Rassegna delle opere storiche 
intorno ai Marrucini. 
Rendiconti della R. Accademia dei Lincei. Classe 
di scienze morali, storiche e filologiche. Ser. 
V, vol. VII (1898). 

Fase. 7 — 11. Barnabei, Notizie delle scoperte 
di antichita dei mesi di giugno-settembre. S. 
267 — 278. — Ottobre S. 308—313. — Lumbroso, 
Scavi Alessandrini S. 306 f. — Lanciani, Sul 
ritrovamento dei torso di Belvedere in casa 
Ciampolini nel 15 13 [Voranzeige]. 
The Asiatic Quarterly Review. Third Series, vol. 
VII (1899). 

No. 13. E. Montet, Quarterly report on 
semitic studies and orientalism. S. 134 — 137. 
The Classical Review. Vol. XII (18^98). 

No. 9. G. F. Hill, Sources for Greek history 
(R. M. Burrows). S. 451 — 455. — J.B.Carter, 
De deorum Romanorum cognominibus quaestiones 
selectae (L. D. Barnett). S. 462 f. — Pausanias, 
Description of Greece, transl. with commentary 
by J. G. Frazer (P. Gardner). S. 465—469. — 
H. Brunn, Kleine Schriften I (A. S. Murray). 
S. 469 f. — Th. Ashby jun., The true site of 
Lake Regillus. S. 470—472. — H. B. Walters, 
Monthly Record. S. 472. 
Vol. XIII (1899). 

No. 1. M. L. Strack, Die Dynastie der 
Ptolemäer (B. P. Grenfell). S. 54—56. — Greek 
papyri in the British Museum ed. by F. G. 
Kenyon. Vol. II (A. S. Hunt). S. 56—59. — 
F. W. Cornish, Dictionary of Greek and Roman 
antiquities (J. G.). S. 68 f. — G. Thiele, Antike 
Himmelsbilder (E. J. Webb). S. 73—76. — 
A. B. Cook, Three Greek bronzes. S. 76 — 78. 

— A. Wilhelm, 'Aiioaai; 'Etevve'j;. S. 78 f. — 
W. R. Paton, An inscription from Samos. S. 79. 

— G. E. Fox, Excavations at Silchester. S. 
79—87 (mit Beilage). — C. S., The tomb of 
Romulus. S. 87 f. — H. J. Angelopulos, Ilepl 
ilEipatdü? (E. A. Gardner). S. 88. — W. J. 
Woodhouse, Aetolia (E. A. Gardner). S. 88 f. -- 
Th. Ashby, jun., Persichetti on the Via Caecilia. 
S. 89 f. — H. B. Walters, Monthly record. 
S. 90 f. 

The Contemporary Review (1899). 

No. 397. Th. Hodgkin, Theon and Son, 
egyptian bankers of the second Century. S. 84 
-89. 
Revue archeologique. Troisieme Serie, tome 
XXXIII (1898). 

Septembre-octobre. M. Laurent, L' Achille 
voile dans les peintures de vases grecs. S. 153 



Bibliographie. 



43 



— 186 (mit io Abbildungen). — S. Reinach 
Encore Epona. S. 187 — 200 (mit Tafel XI. 
XII und 15 Abbildungen). — A. Martin, Explo- 
ration archeologique dans le Morbihan. Tumulus 
et dolmen a chambre circulaire du Nelhouet 
en Caudan. S. 201 — 214 ( imt 7 Abbildungen). 

— A. -L. Delattre, Les cimetieres romains 
superposes de Carthage (1896). Suite. S. 215 

— 239 (mit 27 Abbildungen). — G. Katcheretz, 
Notes d' archeologie russe II. Le bouclier 
byzantin de Kertch. S. 240—244 (mit Ab- 
bildung). — Dechelette, Le belier consacre aux 
divinites domestiques sur les chenets gaulois. 
Suite. S. 245 — 262 (mit 11 Abbildungen). — 
G. Daressy, Yanoem et Israel. S. 263—266. — 
A. Blanchet, Statuette archaique d' Apollon. 
S. 267—269 (mit 2 Abbildungen). — C. Clermont- 
Ganneau, Notes d' archeologie Orientale. S. 270 

— 291. — Bulletin mensuel de 1' Academie des 
inscriptions. S. 292 — 299. — Societe nationale 
des antiquaires de France. S. 300 f. — S. 
Reinach, L' Hermaphrodite du Capitole. S. 302 
(mit Abbildung). — F. de Villenoisy, Miliin et 
Bodmann. S. 303 — 306. — Fr. P., La fontaine 
de Saint-More. S. 306 f. — O. Hirschfeld, Le 
nom des Germains dans Tacite (S. R.). S. 3 10 f. 

— K. Bädeker, Egypte (C. C.-G.). S. 312. 
Novembre - decembre. P. Foucart, Traite 

d' alliance de 1' annee 362. S. 313 — 327. — 
de Laigue, Les necropoles pheniciennes en 
Andalousie (1887— 1895). s - 328 — 336 (mit 
Tafel XIII— XV und 2 Abbildungen). — A.-L. 
Delattre, Les cimetieres romains superposes de 
Carthage (1896). Suite. S. 337—349 (mit Ab- 
bildung). — M. Pernot, A propos de 1' inscription 
d' Henchir-Mettich. S. 350 f. — G. Foucart, 
Le mobilier funeraire sous la XII« dynastie 
d' apres une publication recente de M. Steindorff. 
S. 366 — 398. — Chr. Blinkenberg, L'enlevement 
d' Helene represente sur un lecythe proto- 
corinthien. S. 399 — 404 (mit Abbildung). — 
A. Parat, La villa gallo-romaine de Saint-More 
(Yonne). S. 405 — 407 (mit 2 Abbildungen). — 
Bulletin mensuel de 1' Academie des inscriptions. 
S. 408 — 414. — H. Usener, Der Stoff des 
griechischen Epos (H. Hubert). S. 430 — 
432. — R. Cagnat, Revue des publications 
epigraphiques relatives ä 1' antiquite romaine 
(juillet- decembre). S. 433—456 (mit 4 Ab- 
bildungen). 
La Revue de 1' Art ancien et moderne. 3« annee, 
tome V (1899). 

No. 23. H. Babelon, Les origines du 



portrait sur les monnaies grecques. S. 89 — 102 
(mit 31 Abbildungen). 
Revue critique d' histoire et de litteraturc. Trentc- 
deuxicmc annee (1898). 

No. 49. G. Perrone et L. Volpe Rinonapoli, 
Niobe (P. Decharme). S. 399—401. 

No. 50. Festgabe für F. Susemihl (My). 
S. 418—420. 

No. 52. Amelineau, Les nouvelles fouilles 
d'Abydos; J. de Rouge, Monuments contempo- 
rains des deux premieres dynasties; J. Capart, 
Notes sur les origines de 1' Egypte (G. Maspero). 
S. 469 — 478. — Flinders Petrie, Six temples at 
Thebes (G. Maspero). S. 478—484. 

No. 53. K. Baedeker, Egypte (G. Maspero). 
S. 497 f. — Aegyptische Urkunden aus den Kgl. 
Museen zu Berlin; griechische Urkunden II 1 — 9 
(G. Maspero). S. 498. — O. Marucchi, Gli 
obelischi egiziani (G. Maspero). S. 498 f. 
Trente-troisicme annee (1899). 

Nos. 1 — 2. A. Pellegrini, Nota sopra un' 
iscrizione egizia del Museo di Palermo (G. 
Maspero). S. 1—4. — N. Fairley, Monumentum 
Ancyranum (R. C). S. 7. — P. Allard, Etudes 
d* histoire et d' archeologie (R. C). S. 7 f. 

No. 3. G. Foucart, Histoire de 1' ordre 
lotiforme; G. Schweinfurth , Ornamentik der 
ältesten Kultur -Epoche Ägyptens (Ch. J.). S. 

35-39- 

No. 4. F. Delitzsch, Die Entstehung des 
ältesten Schriftsystems, Nachwort; M. Jastrow, 
The Religion of Babylonia; D. Bassi, Mitologia 
babilonese assira (F. Thureau-Dangin). S. 53 — 
55. — G. Schweinfurth, De 1' origine des 
Egyptiens (Ch. J.). S. 56 f. — O. Waser, Charon, 
Charun, Charos (S. R[einach]). S. 64. - A. 
Mommsen, Feste der Stadt Athen; P. Stengel, 
Die griechischen Kultusaltertümer (A. Martin). 
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No. 6. R. v. Scala, Die Staatsverträge des 
Altertums (A. Martin). S. 97 f. — F. Haug und 
G. Sixt, Die römischen Inschriften und Bild- 
werke Württembergs; J. Macdonald, Tituli 
Hunteriani (R. Cagnat). S. 98 f. 
Revue epigraphique du Midi de la France (1898). 

No. 90. [1252] Inscription celtique de 
Coligny (ci-dessus III p. 493). S. 541—545. — 
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S. 545. — [ I2 54 — 1263] Dieux de la Gaule. I. 
Les dieux de la Gaule celtique (suite): Deus 
Gisacus, Gesacus; Graselos; Nymphae Griselicae; 
Iboita; dea Icaunis; Icotiae; Sulevia Idennica; 
Ivaos; Jalonus; les Junons de Nimes. S. 546 — 



44 



Bibliographie. 



550. — O. Hirschfeld, D. Clodius Albinus (fin). 

s. 550-556. 

Revue de 1' Histoire des Religions. Dix-huitieme 
annee, tome XXXVI (1897). 

No. 3. J. Dümichen, Der Grabpalast des 
Patuamenap (G. Maspero). S. 406—410. — 
Ch. Renel, L' evolution d' un mythe. Agvins et 
Dioscures (P. Oltramare). S. 410—417. 

Dix-neuvieme annee, tome XXXVII (1898). 

No. 1. A. Audollent, Bulletin archeologique 
de la religion romaine. S. 50 — 80. — J. Toutain, 
Les cites romaines de la Tunisie (P. Gauckler). 
S. 93 — 97. — E. Carette, Les assemblees 
provinciales de la Gaule romaine (J. Brissaud). 
S. 97— 100. 

Dix-neuvieme annee, tome XXXVIII 
(1898). 

No. 1. Goblet d' Alviella, Les rites de la 
moisson et les commencements de 1' agriculture. 
S. 1 — 25. — P. D. Chantepie de la Saussaye, , 
Lehrbuch der Religionsgeschichte. 2. Ausg. 
(J. Reville). S. 64—70. 
Revue historique. Vingt-quatrieme annee, tome 
soixante-neuvieme (1899). 

Heft I. S. Reinach, Gabriel de Mortillet. 
S. 67—95. — R - -Dareste, B. Haussoullier, Th. 
Reinach, Recueil des inscriptions juridiques 
grecques (G. Glotz). S. 161 — 164. — A. de 
Marchi, II culto privato di Roma antica I. 
(Ch. Lecrivain). S. 165 f. 
Revue historique et archeologique du Maine [Le 
Mans]. Tome XLIII (1898). 

I er semestre: J. Gauliard, Note sur le dolmen 
des Grandes -Bruyeres, commune de Tuffe. 

s. 51-53. 

Nouvelle Revue historique de droit francais et 
etranger. 22e annee (1898). 

No. 5. E. Beaudouin, Les grands domaines 
dans 1' empire romain, d' apres des travaux 
recents (6. article). S. 545 — 584. 

No. 6. R. Dareste, Nouveaux textes de 
droit romain. S. 685 — 693. — E. Beaudouin, Les 
grands domaines, dans 1' empire romain, d' apres 
des travaux recents (7. et dernier article). 
S. 694—746. 
Revue numismatique. Quatrieme serie, tome 
deuxieme (1898). 

Quatrieme trimestre. E. Babelon, La collection 
Waddington au Cabinet des Medailles. Inventaire 
sommaire (fin). S. 549—639 (mit Tafel XV— 
XVIII und 12 Abbildungen). — ]. Rouvier, 
Les monnaies autonomes de Beryte (suite). 
g, 640—658 (mit 7 Abbildungen). — M. C. 



Soutzo, Etüde sur les monnaies imperiales 
romaines (suite). S. 659 — 666 (mit 3 Ab- 
bildungen). — A. Dieudonne, Monnaies romaines 
recemment acquises par le Cabinet des Medailles. 
S. 667—687 (mit Tafel XIX). — J. Rouvier, 
Les eres de Tripolis de Phenicie (J.-A. Bl[anchet]). 
S. 710. — G. F. Hill, Catalogue of the greek 
coins of Lycia, Pamphylia and Pisidia (J.-A. 
Bl[anchet]). S. 711 f. 
Revue de philologie, de litterature et d' histoire 
anciennes. Annee et tome XXIII (1899). 

i r e livraison. B. Haussoullier, Le temple 
d' Apollon Didymeen. Questions chronologiques 
(troisieme article). S. 1—36 (mit Abbildung). 

— Ch. Michel, Ad Inscript. Gr. Insul. Maris 
Aegaei III No. 331. S. 50 — 52. — B. Haus- 
soullier, Une liste de meteques milesiens. S. 80 
—87. — Melanges H. Weil (B. H[aussoullie'r]). 
S. 88-90. — F. O. Bates, The five post-klei- 
sthenian tribes (A. Martin). S. 91. — J. P. 
Waltzing, £tude historique sur les corporations 
professionnelles chez les Romains III (F. C). 
S. 103. — M. J. Toutain, L' inscription d' Hen- 
chir-Mettich (Ph. Fabia). S. 103 f. 

Revue Savoisienne [Annecy], 39eme annee (1898). 
Trouvaille de monnaies romaines aux Fins 
(Savoie). S. 5 f. 
Revue semitique. 7 e annee (1899). 

Janvier. A. Boissier, Notes d' assyriologie 

(fin). S. 49-53- 

Rivista italiana di numismatica. Anno XI (1898). 

Fase. 4. J. N. Svoronos, Tesseres en bronze 

du theätre dionysiaque de Lycourgos et de 

1' assemblee Cleisthenienne des Atheniens. S. 459 

— 502 (mit Tafel XII— XV). — Varieta: Tesoretto 
di monete repubblicane romane d' argento, scoperto 
a Taranto. S. 613 — 616. — Un grande ripostiglio 
a Treviri. S. 616. — Monete romane scoperte a 
Vindonissa. S. 61 6 f. 

Rivista di storia antica. Anno III (1898). 

Fase. 4. C. v. Jan, Gli seavi in Delfo. 
S. 102 — 110. — V. Strazzulla, Nuovi studj su 
aleuni elementi pagani nelle catacombe e nell' 
epigrafia cristiana. S. 1 11— 119. 
Anno IV (1899). 
Fase. 1. 2. S. Rossi, Ricostruzione di un 
c xt4<r6ßu)v\ S. 104 — 117. 
Rivista storica Calabrese. Vol. VI (1898). 

Fase. 9. P. Notopoli, L' antica Delia (presso 

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Neue philologische Rundschau. Jahrgang 1898. 

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. tausend (R. Hansen). S. 559 f. — F. Hiller 



Bibliographie. 



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Nr. 25. C. Robert, Die Knöchelspielerinnen 
des Alexandros (P. Weizsäcker). S. 585 — 588. 
— F. Stähelin, Geschichte der kleinasiatischen 
Galater (R. Hansen). S. 591 f. 
Jahrgang 1899. 

Nr. 2. L. Kjellberg, Asklepios (P. Weiz- 
säcker). S. 37 — 39. 

Nr. 3. P. Weizsäcker, Über die Rekon- 
struktion der Wandgemälde Polygnots in Delphi. 
S. 49 — 57. — F. Ferrere, La Situation religieuse 
de 1' Afrique romaine (J. R. Asmus). S. 60—63. 
Sitzungsberichte der Königlich Preufsischen 
Akademie der Wissenschaften zu Berlin (1898). 

LI — LIII. U. Köhler, Das asiatische Reich 
des Antigonos. S. 824 — 843. 

LIV. H. Diels, Die Elegie des Poseidippos 
aus Theben. S. 847 — 858 (mit Tafel III. IV 
und einer Abbildung). 
(1899). 

IV. Berichte über: Die Sammlung der 
griechischen Inschriften (Kirchhoff). S. 71. — 
Die Sammlung der lateinischen Inschriften 
(Mommsen-Hirschfeld) S. 72. — Prosopographie 
der römischen Kaiserzeit (Mommsen). S. 73. — 
Griechische Münzwerke (Mommsen). S. 74. — 
Kartographische Aufnahme von Pergamon 
(Conze). S. 80. — Eduard Gerhard-Stipendium 
(Conze). S. 82. 

VII. W. Belck und C. F. Lehmann, Be- 
richt über eine Forschungsreise durch Armenien. 
S. 116— 120. 
Skrifter, utgifna af K. Humanistiska Vetenskaps- 
samfundet i Upsala. V (1897). 

No. 5. J. M. Sunden, De tribunicia potestate 
a L. Sulla imminuta quaestiones. 37 S. 

No. 12. P. Persson, Om ett nyligen upptäckt 
fragment af en romersk kommunallag. 41 S. 
Norsk Videnskabs Selskabets Skrifter. 11(1898). 
Historisk-filosofisk Klass. Udgivet for Hans 
A. Benneches Fond. Kristiania 1898. 

No. 6. A. Torp, Lykische Beiträge. 50 S. 
Imp. 8°. 
Societe des sciences et des arts de Vitry-le-Francois. 
Tome XVIII (1893— 1896) [erschien 1898]. 

Mougin, Un cimetiere gallo-romain aux 
Marvis. Poteries gallo-romaines et gauloises. 
S. 361—367 (mit 3 Tafeln) 
Sphinx. Vol. II (1898). 

Fase. IV. G. Schweinfurth, Die neuesten 
Entdeckungen auf dem Gebiete der ägyptischen 
Ausgrabungen III. S. 203 — 216. — L. Borchardt, 

I 



Die ägyptische Pflanzensäule (E. Naville). S. 
224 — 230. — . Egypt Exploration Fund. Archae- 
ological Report 1897— 1898 ed. F. LI. Griffith 
(K. Piehl). S. 231 f. — M. de Rochemonteix, 
Oeuvres diverses (K. Piehl). S. 233—240. — K. 
Piehl, Melanges. S. 241 — 244. — K. Piehl, Sir 
Peter Le Page Renouf. S. 245—248 (mit Bild- 
nis). 
Stimmen aus Maria-Laach. Jahrgang 1899. 

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Erforschung. I. S. 157 — 171. 
Studj italiani di filologia classica (Firenze-Roma). 
Vol. VI (1898). 

E. Loewy, Appunto su Neleo. S. 28. — 
E. Pais, Eryx -Verruca? S. 121— 126. 
Studi e materiali di archeologia e numismatica, 
pubblicati per cura di L. A. Milani. Firenze. 
Vol. I (1899). 

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antro Ideo cretese, primo monumento della reli- 
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e sul prineipal rilievo rupestre di Jasilkaia; 
saggio di teogonia hethea. — L. A. Milani, 
Medaglione commodiano dell' asiarco L. Aurelio; 
la religione di stato al tempo di Commodo. — 
G. Patroni, Due anfore ruvestine del Museo 
Nazionale di Napoli. — Mancini, sfinge e satiri in 
un cratere della collezione Vagnonville. — L. A. 
Milani, Tumulo, sfinge e satiri in un cratere 
della collezione Vagnorfville. — Correra, Sul 
eulto di Leucothea in Napoli. — L. A. Milani, 
Ino-Leucothea, immaginedell'acqua e dell' aria. — 
Pellegrini, Fregi arcaici etruschi in terracotta a 
piecole figure. — L. A. Milani, L'Artemis di 
Castiglion della Pescaia (mit Tafel III). — L. A. 
Milani, Firenze, Museo archeologico: due ripos- 
tigli telamonesi di armi ed altri oggetti votivi. — 
Pellegrini, Siena, Museo Chigi: le terrecotte. 
Studi Storici (Pisa). Vol. V (1898). VI (1899). 

J. Niccolini, Fasti tribunorum plebis ab an. 
260/494 usque ad an. 72 1/23. Accedunt addenda 
et index. S. 105 — 224. 329—502. 17- 27. 
29 — 72. 
New York Sun (1898). 

October 2. A year's gain by science [u. a. 
Mittheilungen über Petrie's Forschungen in Ägyp- 
ten]. 

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Nordisk Tidskrift for Filologi. Tredie Raekke. 
Syvende Bind (1898). 

Heft 3. P. Persson, Om ett nyligen upptäckt 



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hammer). S. 129. — V. Lundström, C. Flaminius 
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J. Forchhammer, Romerfolkets indre og ydre 
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Modestov, De Siculorum origine (H. Pedersen). 
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N. F. Jahrgang III. 1898/99. Kroatisch]. 

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S. 137-143 (mit 15 Abbildungen). — J. Brun- 
smid, Das römische Militärdiplom aus Krnjesevci. 
S. 144-149 (mit 2 Abbildungen). — J. Brun- 
smid, Archäologische Notizen aus Dalmatia und 
Pannonia II. S. 150— 205 (mit 101 Abbildungen). 

— J. Brunsmid, Eine griechische Grabinschrift 
aus Kavadarci in Macedonien. S. 206. — L. 
IvanCan, Die Ausgrabung im römischen Fried- 
hofe in Stenjevec bei Agram. S. 207—214 (mit 
2 Abbildungen). — Bericht über die vierte 
Generalversammlung des »Bihac«, kroatischen 
Vereins für Erforschung der Heimatsgeschichte, 
gehalten in Spalato am 30. December 1897. S. 
217- — 231 (mit 7 Abbildungen). — Berichte der 
Vertrauensmänner und Freunde des Museums in 

Agram. S. 232—243 (mit 8 Abbildungen) Aus 

dem archäologischen Museum. S. 246. — Recen- 
sionen: J. Brunsmid, Die Inschriften und Münzen 
der griechischen Städte Dalmatiens. Hoernes, 
Urgeschichte der bildenden Kunst. S. 248. 

Berliner philologische Wochenschrift. 18. Jahr- 
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G. Sixt, Die römischen Inschriften und Bild- 
werke Württembergs (G. Wolff). Sp. 1549-1551. 

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bellum Gallicum (R. Oehler). Sp. 1558— 1560. — 
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No. 51. Pseudo-Eratosthenis Catasterismi. 
Rec. A. Olivieri (G. Knaack). Sp. 1572 — 1574. — 
A. v. Sallet, Münzen und Medaillen (R. Weil). 
Sp. 1583 f. — W. Uhl, Das Portrait des Arminius 
(G. Wolff). Sp. 1584 f. — D. Bassi, Mitologie 
orientali. I. Mitologia babilonese-assira (F. Justi). 
Sp. 1587. — Neues aus Griechenland und 
Aegypten. Sp. 1 597 f. 

No. 52. G. E. W. van Hille, De testamenti 
iure attico (Thalheim). Sp. 1620 f. 
19. Jahrgang (1899). 

No. 1. W. Heibig, Les vases du Dipylon et 
les naucraries (E. Afsmann). Sp. 16 — 20. — Varia 
archaeologica. Institutsnachrichten, Bronzefigur 
Pepis I. (6. Dynastie) in Kairo, neues Gesetz 
von Gortyn, Fälschungen nach den Aegineten 
(B[elger]). Sp. 26 — 30. 

No. 2. G. Billeter, Geschichte des Zinsfufses 
im Altertum (B. Büchsenschutz). Sp. 48 — 51. — 
Archäologische Gesellschaft zu Berlin, November- 
sitzung. I. Sp. 58 — 62. — Kuppelgrab mit In- 
schriften. Sp. 62. 

No. 3. G. Fougeres, De Lyciorum communi 
(O. Treuber). Sp. 74—79. — B. Borghesi, Oeuvres 
completes, tome X (W. Liebenam). Sp. 80 — 83. 

— A. Furtwängler, Griechische Originalstatuen 
in Venedig (F. Hauser). Sp. 83 f. — Archäolo- 
gische Gesellschaft zu Berlin. Novembersitzung 
(Schlufs). Sp. 9of. (dazu B[elger] Sp. 91—93). 

No. 4. G. Tropea, Giasone il tago della 
Tessaglia (F. Cauer). Sp. 115 f. — E. Ciaceri, 
Le vittime del despotismo in Roma nel primo 
secolo dell' impero (F. Cauer). Sp. 116 — 118. 

— O. Wulff, Alexander mit der Lanze (F. Koepp). 
Sp. 118 — 120. 

No. 5. J. L. Ussing. Om Phidias' Athena- 
statuer, sserlig Kliduchos (S. Wide). Sp. 148 
— 151. — F. Koepp, Sage und Geschichte in der 
griechischen Kunst (F. Cauer). Sp. 151 f. — 
Bevöu bilofyoi [Beiger]. Sp. 155—158. 

No. 6. B. P. Grenfell and A. S. Hunt, The 
Oxyrhynchos Papyri. Part I (P. Viereck). Sp. 
161 — 170. — Th. E. Legrand, Quo animo Graeci 
etc. divinationem adhibuerint (P. Wendland). 
Sp. 177 — 179. — Chr. Beiger, v Att] o(Xoy/o?. 
Sp. 186—189. 

No. 7. G. Tropea, Manuale di fonti letterarie 
della storia greca e romana (F. Cauer). Sp. 207 f. 

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tamien. Sp. 220 — 222. 

No. 8. Monumentum Ancyranum ed. W. 
Fairley (F. Cauer). Sp. 240 f. — J. Oeri, Die 
attische Gesellschaft in der neueren Komödie der 
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Die neuen delphischen Inschriften und das Ehren- 
dekret für Aristoteles. Sp. 249—256. 
Wochenschrift für klassische Philologie. 15. Jahr- 
gang (1898). 

No. 50. H. Karbe, Der Marsch der Zehn- 
tausend (W. Vollbrecht). Sp. 1361 — 1363. — P. 
Stengel, Die griechischen Kultusaltertümer, 2. 
Aufl. (H.Steuding). Sp. 1368— 1370. — L. Gurlitt, 
Anschauungstafeln zu Caesar's bellum Gallicum I. 
II (B. Kubier). Sp. 1370 f. — K. Dumon, Die 
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1381-1383. 

No. 51. G. Thiele, Antike Himmelsbilder; 
G. Thiele, De antiquorum libris pictis (E. Bethe). 

Sp. 1385. 

16. Jahrgang (1899). 

No. 1. V. Lundström, Studier tili andra 
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Hannibal (A. Hock). Sp. 8 — 10. — Journal inter- 
national d'archeologie numismatique I 1 (anon. 
Rec). Sp. 15-17. — Archäologische Gesell- 
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No. 2. R. Dareste, B.Haussoullier, Th. Reinach, 
Recueil des inscriptions juridiques grecques 
(B. Kubier). Sp. 39—43. — H. Willenbücher, 
Caesars Ermordung (A. Hock). Sp. 43 f. 

No. 3. Festgaben zu Ehren M. Büdingers 
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schichte des Zinsfufses im griechisch-römischen 
Altertum (B. Kubier). Sp. 61 — 72. — K. Willing, 
Die Thaten des Kaisers Augustus (O. Güthling). 
Sp. 75 f. 

No. 4. G. Fougeres, Mantinee et l'Arcadie 
Orientale (F. Hiller v. Gärtringen). Sp. 89 — 93. — 
O. Schwab, Das Schlachtfeld von Cannae (H. 
Stürenburg). Sp. 95 — 99. — Ein alter Volkskalender 
der Athener in symbolischer Darstellung. Sp.iogf. 

No. 5. W. Larfeld, Handbuch der griechischen 
Epigraphik II 1 (E. Drerup). Sp. 113— 116. — 
J. Führer, Forschungen zur Sicilia sotterranea 
(V. Schultze). Sp. 123 f. — A. Hock und L. 
Pertsch, P. W. Forchhammer (H. Steuding). 
Sp. 123 — 125. — Archäologische Gesellschaft zu 
Berlin. Winckelmannsfest. Sp. 130 — 142. 



No. 7. C. Vitelli, Note cd appunti sull' auto- 
biografia di Sulla (A. Hock). Sp. 180—182. — 
A. Furtwängler und H. L. Urlichs, Denkmäler 
griechischer und römischer Skulptur, Handaus- 
gabe für den Schulgebrauch (— r). Sp. 182 - 185. 

— Historische Studien und Skizzen zu Natur- 
wissenschaft, Industrie und Medizin am Nieder- 
rhein (R. Fuchs). Sp. 185—188. 

No. 8. M. Paülcke, De tabula Iliaca quaestiones 
Stesichoreae (P. Weizsäcker). Sp. 201 — 204. — 
J. Boehlau, Aus ionischen und italischen Nekro- 
polen (K. Wernicke). Sp. 204—206. — J. M. 
Sunden, De tribunicia potestate a L. Sulla im- 
minuta quaestiones (W. Soltau). Sp. 209 — 211. — 
E. Kornemann, Zur Stadtentstehung in den ehe- 
mals keltischen und germanischen Gebieten des 
Römerreiches (M. I.). Sp. 214 f. 
Byzantinische Zeitschrift. Achter Band (1899). 

Heft 1. P. N. Papageorgiu, Byzantinische 
Inschriften. S. 102 — 106. — Th. Preger, Zu 
den spätgriechischen Inschriften Siciliens. S. 107 
— 110. 
Zeitschrift für Ethnologie. Dreifsigster Jahrgang 
(1898). 

Heft IV. P. Reinecke, Skythische Gräber 
aus Nag}' Enyed (Ungarn). S. (230) f. (mit 
7 Abbildungen). — H. V. Hilprecht, Die ältesten 
Bewohner der babylonischen Tiefebene. S. (259)^ 

— C. de Marchesetti, Fundstätten altägyptischer 
Steingeräthe und das Museum von Gizeh. S. (260). 

— G. Schweinfurth, Modelle von Steinwaffen 
in neolithischen Gräbern von Kom-el-Ahmar 
(Hierakonpolis). S. (260) — (262) (mit 2 Ab- 
bildungen). 

Geographische Z e i t s c h r i f t. Fünfter Jahrgang( 1899). 
Heft 2. W. H., Vom trasimenischen See. 
S. 105 f. 
Zeitschrift für das Gymnasialwesen. LH. Jahr- 
gang (1898). 

November. J. Beloch, Griechische Ge- 
schichte II (M. Hoffmann). S. 756—759. 
LIII. Jahrgang (1899). 
Januar. F. Luterbacher, Hannibals Alpen- 
Ubergang. Beiblatt S. 28—32. 
Zeitschrift für die österreichischen Gymnasien. 
49. Jahrgang (1898). 

Heft 11. G. F. Schoemann, Griechische 
Alterthümer, bearb. v. J. H. Lipsius; G. Gilbert, 
Beiträge zur Entwicklungsgeschichte des griechi- 
schen Gerichtsverfahrens und des griechischen 
Rechtes; F. Staehelin, Geschichte der klein- 
asiatischen Galater; B. Heisterbergk, Die Be- 
stellung der Beamten durch das Los (E. Szanto). 



4 8 



Bibliographie. 



S. 999 — 1004. — P. Odelberg, Sacra Corinthia, 
Sicyonia, Phliasia; Philologisch-historische Bei- 
träge C. Wachsmuth überreicht; W. Rh. Roberts, 
The ancient Boeotians (E. Szanto). S. 1041 

— 1043. 

Heft 12. P. B. Grenfell and A. S. Hunt, 
The Oxyrhynchos Papyri (K. Schenkl). S. 1093 
— 1095. — E. Drerup, Über die bei den attischen 
Rednern eingelegten Urkunden (F. Slameczka). 
S. 1096 f. — B. Niese, Grundrifs der römischen 
Geschichte (A. Bauer). S. U091". 
50. Jahrgang (1899). 

Heft 1. M. L. Strack, Die Dynastie der 
Ptolemäer (A. Bauer). S. 42 f. — J. Koch, 
Römische Geschichte (E. Groag). S. 44. — 
H. Magnus, Die antiken Büsten des Homer 
(anon. Rec). S. 82. — Th. Mandybur, Olympia 
(St. Rzepinski). S. 93. 
Historische Zeitschrift. 82. (N. F. 46.) Band 
(1898). 

Heft 1. E. Ciccotti, II tramonto della schia- 
vitü nel mondo antico (R. Pöhlmann). S. 109 f. 

— J. Jung, Grundrifs der Geographie von 
Italien und dem Orbis Romanus (J.Partsch). S. HI. 



Heft 2. F. Delitzsch, Die Entstehung des 
ältesten Schriftsystems; H. Kluge, Die Schrift 
der Mykenier (C. P. Tiele). S. 296—300. 
Wiener Zeitschrift für die Kunde des Morgen- 
landes. XII. Band (1898). 

Heft 3. A. Dedekind, Eine assyrische Keil- 
inschrift im k. k. kunsthistorischen Hofmuseum. 
S. 271 f. — B. Meifsner, Eine assyrische Ab- 
bildung der hängenden Gärten der Semiramis. 
S. 272—274. 
Münchener Allgemeine Zeitung. Beilage (1898). 

Heft 50. Archäologisches [Fälschungen von 
Antiken]. 

1899. 

Heft 1. K. Schumacher, Das römische 
Wimpfen. 

Heft 2. H. Arnold, Vom rätischen Limes. 

Heft 3. S. Frankfurter, Vom Österreichischen 
Archäologischen Institut. 

Heft 6. H. Riggauer, Das Corpus num- 
morum. 

Heft 7. A. Schulten, Die Mosaikkarte von 
Madaba. 



Archäologischer Anzeiger 

Beiblatt 

zum Jahrbuch des Archäologischen Instituts 
i899. 2. 



Am 24. April haben wir auf dem alten Jacobi -Kirchhofe zu Berlin 
Henirich Kiepert zu Grabe getragen. Ein sanfter Tod hatte drei Tage 
zuvor den Leiden ein Ende gesetzt, welche ihn in seinen unermüdlich ver- 
folgten Arbeiten, deren Ruf in alle Welt gegangen ist, trotz allen Widerstrebens 
doch zuletzt schon eine Weile gehemmt hatten. 

So wie es Boeckh rühmte, als er den neuen DAnville in die Berliner 
Akademie einführte, dafs er seiner Technik vom Jünglingsalter an mit Aus- 
zeichnung obgelegen, sie aber immer in wissenschaftlichem Sinne geübt habe, 
so hat der Entschlafene es bis in das Greisenalter fortgesetzt. Ein neuer 
Begründer der historischen Kartographie hat er Werke geschaffen, die für 
Forschung und Unterricht epochemachend geworden sind. Und wenn er immer 
bestrebt war, das Fach, in dem er Meister war, mit allen Nachbardisziplinen 
in Verbindung zu halten, so war er jederzeit bereit, dabei der Gebende zu 
sein. In vollster Selbstlosigkeit hat er überallhin, wo nur dazu eine Gelegenheit 
sich bot, sein reiches Können in den Dienst verwandter Bestrebungen gestellt, 
nie versagend, wo es etwa galt eine Reiseuntersuchung vorzubereiten und aus- 
zustatten und dann wieder ihre Früchte erst zur Reife und Geniefsbarkeit zu 
bringen oder andern gelehrten Werken die veranschaulichende kartographische 
Unterstützung zu gewähren. 

So ist der Segen, der von Kiepert' s vielseitigem Schaffen ausging, 
in hohem Maafse auch dem archäologischen Institute zu Theil geworden, in 
dessen Studienbereiche er sich mit besonderer Vorliebe bewegte und dessen 
Centraldirektion er eine Reihe von Jahren hindurch angehörte. Mit Vielen 
fragen auch wir in dankbarer Erinnerung: Wer wird uns HEINRICH Kiepert 
ersetzen ? 



Archäologischer Anzeiger 1899. 4 



5o 



Jahresbericht über die Thätigkeit des Kaiserlich Deutschen archäologischen Instituts. 



JAHRESBERICHT 

ÜBER DIE THÄTIGKEIT DES 

KAISERLICH DEUTSCHEN 

ARCHÄOLOGISCHEN INSTITUTS 

erstattet in der Gesammtsitzung der K. Akademie 
der Wissenschaften am 8. Juni 1899. 

(Abgedruckt aus den Sitzungsberichten der Akademie.) 

Die jährliche ordentliche Gesammtsitzung der 
Centraldirection fand für das abgelaufene Rechnungs- 
jahr, über welches hier berichtet werden soll, an 
den Tagen vom 18. bis 21. April 1898 statt, unter 
Theilnahme der HIT. Conze, Diels, Hirschfeld, 
Kekule von Stradonitz, Körte, Graf von Lerchenfeld- 
Köfering, Loeschcke, Michaelis, Schöne, Zange- 
meister, während Hr. Kirchhoff aus Gesundheits- 
rücksichten fern bleiben mufste. 

Eine Veränderung im Personal der Central- 
direction trat nur insofern ein, als Hr. Kekule von 
Stradonitz, nachdem er in die Königlich Preufsische 
Akademie der Wissenschaften aufgenommen worden 
war, nunmehr, gemäfs § 2, 5 des Statuts, von der 
philosophisch-historischen Classe der Akademie als 
akademisches Mitglied an Stelle des ausgeschiedenen 
Hrn. Kiepert gewählt wurde. 

Die Zahl der Mitglieder des Instituts wurde 
durch Wahl der Centraldirection in der Gesammt- 
sitzung und zum Winckelmanns-Tage vermehrt. Es 
wurden ernannt zum Ehrenmitgliede Hr. Graf von 
Lerchenfeld-Köfering in Berlin, zu ordentlichen 
Mitgliedern die HH. Arnold in München, Borchardt 
in Kairo, Collignon und Haussoullier in Paris, 
Heiberg in Kopenhagen, Pleyte in Leiden, Pottier 
in Paris, Schumacher in Karlsruhe, Vitelli in 
Florenz, zu correspondirenden Mitgliedern die 
HH. von Bissing und Botti in Kairo, Dragendorff 
in Basel, Lechat in Lyon, Marfens in Elberfeld, 
Pick in Gotha, Pollak in Rom, Ritterling in Wies- 
baden, Rizzo in Girgenti, Rostowzew in Petersburg, 
Urlichs in München, Weizsäcker in Calw, Wernicke 
in Berlin, Wiegand in Smyrna. 

Das Auswärtige Amt bestätigte die Wahlen der 
Centraldirection für die Institutsstipendien des 
Jahres October 1898/99. Es erhielten somit je ein 
Stipendium für classische Archäologie die HH. Krohn, 
Lommatzsch und Zahn, je ein Halbjahrstipendium 
die HH. Knaack und Maybaum, das Stipendium für 
christliche Archäologie Hr. Vopel. 

Durch den Tod verlor das Institut sein Ehren- 
mitglied Hrn. Humbert in Berlin (f 12. Juli 1898), 
dessen in langjähriger Amtsführung dem Institute 
stets gewährter Sorge wir dauernd dankbar gedenken, 
seine ordentlichen Mitglieder, die HH. Richard 



Bohn in Görlitz (f 19. August 1898), Georg Ebers 
in München (f 7. August 1898), Michael Glavinic 
in Zara (f 22. August 1898), Johann August 
Kaupert in Berlin (f 11. Februar 1899), Michele 
Stefano de Rossi in Rom (f 23. October 1898), 
Athanasios Rusopulos in Athen (f 13. December 
1898), Demetrios Semitelos in Athen (f 26. De- 
cember 1898), Enrico Stevenson in Rom (f 15. 
August 1898), und die correspondirenden Mitglieder 
HH. Flavio Jacobini in Genzano (f 11. Januar 
1899) und August Rofsbach in Breslau (f 23. Juli 
1898). 

Dem Generalsecretar stand fortgesetzt auch in 
diesem Jahre bei der Herausgabe der Berliner 
Institutsschriften Hr. Wernicke zur Seite. Vom 
»Jahrbuch« mit dem Anzeiger erschien der 13. Jahr- 
gang. Für die archäologische Bibliographie im 
»Anzeiger« haben wir wiederum höchst dankens- 
werthe Beiträge auch von ausländischen Freunden 
des Unternehmens erhalten. Durch die*Hinzufügung 
eines Äutorenregisters zur Bibliographie hoffen wir 
etwas Nützliches gethan zu haben. Das Register 
zu Bd. I bis X des Jahrbuchs und Anzeigers hat 
dagegen leider noch nicht fertig gestellt werden 
können. 

Es erschien ferner das dritte Heft des zweiten 
Bandes der »Antiken Denkmäler«. 

Mit der Schlufslieferung der »Architektonischen 
Studien« von Sergius Iwanoff, den Caracalla- 
Thermen, herausgegeben von Christian Hülsen, 
wurde der Abschlufs zwanzigjähriger Arbeit erreicht, 
durch welche eine erste im Testamente Iwanoff's 
gestellte Aufgabe erledigt ist, so dafs nunmehr der 
Zinsertrag des vermachten Capitals, im jedesmal 
zweijährigen Betrage zur Hälfte getheilt, zum ersten 
Male am 1. Januar 1901 der Kaiserlichen Akademie 
der Wissenschaften in Petersburg und dem Institute 
zur Verfügung stehen wird, vom Institute zu Aus- 
grabungen zu verwenden. 

Der Generalsecretar hat mit Genehmigung der 
Centraldirection im vorigen Herbst auf Anlafs der 
von der Königlich Preufsischen Akademie der 
Wissenschaften und Sr. Excellenz dem Chef des 
grofsen Generalstabes ermöglichten kartographischen 
Arbeit des Hrn. Hauptmann Beriet seinen mehr- 
monatlichen Aufenthalt in Pergamon genommen, 
über dessen gemeinsam mit Hrn. Schuchhardt ge- 
wonnene Ergebnisse in den »Athenischen Mit- 
theilungen« des Instituts alsbald Nachricht gegeben 
werden soll. Die Rückreise wurde zu einem Besuche 
in Athen und Rom benutzt. Aufserdem war der 
Generalsecretar zu Rücksprachen in Bonn und Trier. 

Die älteste der sogenannten Serien-Publicationen 



Jahresbericht über die Thätigkeit des Kaiserlich Deutschen archäologischen Instituts. 



51 



des Instituts, die der »Antiken Sarkophage«, hat 
unter Leitung und in der Hand des Hrn. Robert 
auch im vergangenen Jahre ihren stetigen Fort- 
schritt genommen. Dem Erscheinen näher geführt 
ist vor Allem die zweite Abtheilung des dritten 
Bandes, Einzelmythen von Hippolytos bis Meleagros 
umfassend. Zwei Sarkophage mit Hippolytos- 
Darstellungen in Constantinopel sind von Hrn. 
Gillieron neu gezeichnet, daraufhat die Reproduction 
der Tafeln begonnen und deren sechzehn sind 
fertiggestellt worden. Für die übrigen Tafeln des 
Heftes werden einige wenige noch fehlende Vor- 
lagen binnen Kurzem beschafft sein, so dafs die 
Herstellung aller Tafeln im laufenden Rechnungs- 
jahre sicher zu erwarten ist. 

Hr. Robert besuchte im Herbste England, um 
die von Sir Richard Topham herstammende Sammlung 
von Handzeichnungen in Eton-College namentlich 
für das Sarkophagwerk zu benutzen, auf welche 
Lanciani aufmerksam gemacht hatte. Die Sammlung 
erschien noch bedeutender, als danach zu erwarten 
gewesen war. Hr. Robert gedenkt über sie in den 
Römischen Mittheilungen des Instituts zu berichten. 
Aufser Eton-College besuchte Hr. Robert in England 
noch Ince-Blundell-Hall und Woburn-Abbey behufs 
Revision der dortigen Sarkophage, während nicht 
Zeit blieb, noch eine Sammlung von Sarkophagen 
in Clivedon bei Maidenhead aufzusuchen, deren 
nähere Kenntnifs aber Hr. Cecil Smith vermittelt 
hat. Auf der Rückreise von England wurde noch 
ein neu erworbener griechischer Sarkophag in Gotha 
untersucht. 

Die Arbeit bei der Sammlung und Herausgabe 
der »Antiken Terracotten« ist unter Hrn. Kekule 
von Stradonitz' Leitung auch im verflossenen Jahre 
auf den Typenkatalog und die sogenannten Campana- 
Reliefs gerichtet geblieben, an beiden Stellen dem 
Abschlüsse näher führend , namentlich bei dem 
Typenkataloge, welchen Hr. Winter in diesem Jahre 
zum Erscheinen bringen wird. 22 Druckbogen, 
damit etwa zwei Fünftel des ganzen Werkes, liegen 
fertig vor. Der weitere Druck ist in vollem Gange, 
unter beständigem Zuströmen noch neuen Materials, 
so dafs 233 Zeichnungen im vergangenen Jahre 
wieder neu hinzukamen. 

Für die Campana-Reliefs hat sich mit dem 
Herausgeber Hrn. von Rohden Hr. Winnefeld zur 
Schlufsredaction vereinigt, welche mit der Gestaltung 
des Textes zu 18 Tafeln und der zum Theil um- 
fänglichen Behandlung von neun Typengruppen 
zum Ende gediehen ist. Es ist zu erwarten, dafs 
wenigstens der weitaus gröfste Theil des Textes 
und der Tafelanordnung im laufenden Rechnungs- 



jahre ebenso seine endgültige Gestalt erhalten 
wird. 

Hr. G. Körte hat den Band III der von ihm 
herausgegebenen »Etruskischen Urnen« dem Er- 
scheinen näher gebracht, indem die bereits im 
Vorjahre im Stiche vollendeten Tafeln zum grofsen 
Theil ihrer Reihenfolge nach bestimmt worden sind 
und ihr Druck begonnen hat, während ein Abschlufs 
des Textes noch nicht erreicht ist. Sodann hat 
Hr. Körte den beabsichtigten Supplementband zu 
den Gerhard'schen »Etruskischen Spiegeln«, soweit 
andere Obliegenheiten es ihm gestatteten, gefördert. 

Auch die Arbeiten zur Herausgabe der »Chal- 
kidischen Vasen« , des »Aldrovandi« und der 
»Römischen Militärreliefs« haben im vergangenen 
Jahre gegen anderweitige dringendere Inanspruch- 
nahme der Herausgeber einigermafsen zurückstehen 
müssen. Bei Hrn. Loeschcke, den zur Fortführung 
der Materialsammlung der Chalkidischen Vasen die 
HH. Karo und Hermann Thiersch unterstützten, 
waren noch die bei der Reichs-Limes-Commission 
ihm erwachsenen Verpflichtungen im Wege; Hr. 
Schreiber, der zur Herausgabe des Aldrovandi seine 
No.tizen aus römischen Amtsarchiven und die 
Stecherwerke verarbeitete, wurde zeitweilig zu einer 
Ausgrabungsuntersuchung nach Alexandrien ab- 
gerufen: Hr. von Domaszewski hat nach Beendigung 
seiner ihn weitabführenden Reise nach Arabien die 
Reliefs in den Rheinlanden vollständig zusammen- 
gebracht. 

Das Institut hat im vergangenen Jahre einem 
neuen, den sogenannten Serien-Publicationen, wenn 
auch in etwas anderer Form der Ausführung, doch 
wesentlich gleichartigen Unternehmen eine einmalige 
Unterstützung gewähren können, nämlich der Samm- 
lung von photographischen Aufnahmen »Antiker 
Elfenbeinarbeiten«, welche Hr. Graeven zum Zwecke 
einer umfassenden Arbeit über die Elfenbeinsculptur 
im Alterthume unternommen hat. Die Unterstützung 
des Instituts galt der Aufnahme des Materials in 
Italien, welche aber noch nicht ganz vollendet 
werden konnte. Von den gewonnenen Negativen, 
bis jetzt gegen 100, werden vom römischen Secre- 
tariate Copien käuflich abgegeben werden; das 
Verzeichnifs wird im Anzeiger des Jahrbuchs er- 
scheinen. 

Die Herstellung der »Generalkarte von Attika« 
im Mafsstabe von 1 : 100000 hat durch Fortdauer 
der Erkrankung und dann durch den auch beim 
Institut schmerzlich empfundenen Tod des Hrn. 
Kaupert eine schwere Störung erlitten. Doch ist 
der Stich so weit vorgeschritten, dafs unter dankens- 
werthestem Eintreten des Sohnes des Verstorbenen, 



52 



Jahresbericht über die Thätigkeit des Kaiserlich Deutschen archäologischen Instituts. 



des Hrn. Hauptmann Kaupert, die Vollendung des 
Ganzen in nahe Aussicht genommen werden darf. 

Die Herausgabe der im Auftrage der Kaiser- 
lichen Akademie der Wissenschaften in Wien er- 
scheinenden »Attischen Grabreliefs« ist vom Institute 
unter besonderer Betheiligung des athenischen 
Secretariats und namentlich des Hrn. Wolters so 
weit gefördert, dafs das 10. Heft erschienen ist, 
das ii. Heft, von dem acht Tafeln gedruckt sind) 
in Vorbereitung sich befindet. Hrn. Fritz Scholl 
danken wir es, dafs er auch auf die Grabreliefs 
bezügliche Tagebücher seines verewigten Vaters uns 
zur Benutzung übergeben hat. 

Für die Herausgabe der »Südrussisch-griechi- 
schen Grabreliefs« hat Hr. von Kieseritzky den 
gröfseren Theil des von ihm im Jahre 1889 in 
SUdrufsland selbst zusammengebrachten Materials 
aufgearbeitet. Für die Fortführung der Arbeit sind 
wir der Kaiserlich russischen archäologischen Com- 
mission zu Danke verbunden, indem sie die bei ihr 
befindlichen über 100 Negative von den seit 1890 
gefundenen Reliefs zur Benutzung dargeboten hat. 

Der achte Band der »Ephemeris epigraphica« 
ist durch die Ausgabe des dritten Heftes zum Ab- 
schlüsse gebracht. Das Heft enthält sehr umfang- 
reiche Nachträge des Hrn. Hübner zu den lateinischen 
Inschriften Spaniens und die von Hrn. Regling an- 
gefertigten Indices zu dem ganzen Bande. 

Die Thätigkeit der römischen Abtheilung 
des Instituts hat in gewohnter Weise ihren Fort- 
gang genommen. Von den »Mittheilungen« ist der 
13. Band, auch unter reichlicher Mitarbeit italienischer 
Fachgenossen, abgeschlossen. Die Sitzungen haben 
mit gutem, zum Theil zahlreichem Besuche, bei dem 
das deutsche Element in Zunahme begriffen erschien, 
stattgefunden. An die Curse der beiden Herren 
Secretare schlössen sich auch Ausflüge nach Cervetri, 
Conca, Corneto und Veji. Auch die Periegese des 
Hrn. Mau in Pompeji hat acht Tage lang im Juli 
stattgefunden. Ebenso haben im Herbste wiederum 
die HH. Secretare und Hr. Mau dem mehrwöchent- 
lichen Cursus der Anschauung antiker Kunst in 
Italien für Gymnasiallehrer aus dem Reiche sich 
gewidmet. Unter den Theilnehmern waren vertreten 
Preufsen mit sechs, Bayern mit zwei, Sachsen mit 
zwei, Württemberg mit zwei Herren, und mit je 
einem Herren Baden, Hessen, Mecklenburg-Schwerin, 
Sachsen-Coburg-Gotha, Reufs j. L., Lübeck und 
Elsafs-Lothringen. 

Bei dem »Katalog der Vaticanischen Sculpturen« 
sind die Arbeiten des Hrn. Amelung auf die weitere 
Aufnahme der Sculpturen des Museo Pio-Clementino, 
daneben auch schon auf Vollendung zunächst des 



Museo Chiaramonti und des Braccio Nuovo ge- 
richtet gewesen. 

Die römische Bibliothek hat durch Hinzutreten 
einer aufserordentlichen Bewilligung im Etat und 
eines Zuschusses .der Centraldirection sich in Aus- 
gleichung früherer minder günstiger Jahre ansehnlich, 
im Ganzen mit 925 Nummern, vermehren können. 
Hierzu haben auch die von den deutschen Univer- 
sitäten der römischen, wie auch der athenischen 
Bibliothek laufend gewährten Programme und 
Dissertationen beigetragen. Unter anderen Ge- 
schenkgebern sind mit besonderem Danke zu nennen 
die Centraldirection der Monumenta Germaniae, die 
Reichs -Limes-Commission, die Generalverwaltung 
der Königlichen Museen und die Generaldirection 
der Königlichen Bibliothek zu Berlin, die Akademien 
und Gesellschaften der Wissenschaften zu Berlin, 
Leipzig, Neapel, Petersburg, Rom und Wien, die 
Trustees des Britischen Museums, die Universität 
Jena und die archäologische Gesellschaft zu Berlin. 

Von dem Realkataloge der römischen Bibliothek 
von Hrn. Mau sind 20 Bogen gedruckt. 

Auch die athenische Abtheilung des In- 
stituts hat ihre Thätigkeit jetzt ohne Störung, wie 
im vorvergangenen Jahre die politischen Verhält- 
hältnisse sie hier und da mit sich brachten, ver- 
folgen können. 

Der 23. Band der Athenischen Mittheilungen 
ist besonderer Hindernisse halber erst jüngst voll- 
endet worden. 

Die Sitzungen haben eine Woche um die andere, 
abwechselnd mit den Sitzungen der französischen 
Schule, stattgefunden, immer unter zahlreicher Be- 
theiligung, für die zuweilen der zur Verfügung 
stehende Raum kaum ausreichte. Neben Vorträgen 
in deutscher wurden mehrfach auch Vorträge in 
griechischer Sprache gehalten. Zur Veranschau- 
lichung wurde bei den Vorträgen regelmäfsig vom 
Skioptikon Gebrauch gemacht. Die Zahl der zu 
diesem Zwecke angefertigten Diapositive beläuft sich 
schon auf nahezu 600. Wie die Sitzungen waren 
auch die Vorträge der Herren Secretare vor den 
Denkmälern gut besucht. Im Frühjahre fanden die 
Studienreisen unter Leitung des ersten Herrn Se- 
cretars wieder statt. Die Peloponnesreise wurde 
bis Ithaka und Delphi hin ausgedehnt, auf die Insel- 
reise folgte, allerdings nicht im unmittelbaren An- 
schlüsse an sie, zum ersten Male noch ein mehr- 
tägiger Besuch von Troja, der so viel Beifall fand, dafs 
er auch in künftigen Jahren wiederholt werden soll. 
Bei der grofsen Zahl von Anmeldungen zu diesen 
Reisen wurden die von deutschen Archäologen und 
Gymnasiallehrern mit Bevorzugung berücksichtigt. 



Jahresbericht über die Thätigkeit des Kaiserlich Deutschen archäologischen Instituts. 



53 



Beide Herren Secretare unternahmen auch allein 
Studienreisen. Zweimal ging der erste Herr Se- 
cretar auf Einladung des Directors der Amerika- 
nischen archäologischen Schule nach Korinth, um 
die dortigen Ausgrabungen in Augenschein zu 
nehmen. Sodann besuchte er die Insel Paros, wo 
eine Ausgrabung des Instituts durch Hrn. Ruben- 
sohn ihren nächsten Zweck, noch Bruchstücke der 
Marmorchronik zu finden, zwar nicht erreichte, da- 
für aber andere Ergebnisse lieferte, welche sogar 
die Fortsetzung der Ausgrabung in Absicht haben 
nehmen lassen. Ferner reiste Hr. Dörpfeld zur 
Consultation bei den Ausgrabungen der HH. Sieglin 
und Schreiber nach Alexandrien und machte endlich 
mit Hrn. Fr. Thiersch einen Ausflug nach Thermon 
zur Besichtigung der unter Leitung des Hrn. Sotiriadis 
dort ausgegrabenen Tempel. Der zweite Herr Se- 
cretar reiste nach Kleinasien , namentlich um die 
österreichischen Ausgrabungen in Ephesos und die 
preufsischen in Priene zu sehen, aber auch nach 
anderen Plätzen der Halbinsel. Das Secretariat 
nahm an der Lösung der dort harrenden und ver- 
stärkte Betheiligung auch des Instituts immer 
dringender fordernden Aufgaben aufserdem durch 
Unterstützung der Studien des Herrn Weber in 
Smyrna Theil. Beide Herren Secretare haben so- 
dann auf Wunsch des Hrn. Hiller von Gärtringen 
dessen Ausgrabungen auf Thera noch einmal in 
Gemeinschaft mit Hrn. A. Schiff besucht, um durch 
Revision und Vermehrung der vorhandenen archi- 
tektonischen und sonstigen Aufnahmen das Material 
zu der inzwischen erschienenen Veröffentlichung 
über Thera vorzubereiten. Hr. von Prott ist für 
die epigraphische Arbeit bei den preufsischen Aus- 
grabungen in Priene thätig gewesen, Hrn. Herzog 
gewährte das Secretariat Mittel zu Untersuchungen 
auf der Insel Kos, und auf Veranlafsung des Se- 
cretariats begab sich Hr. Rubensohn von Athen ab 
nach Ägypten zu den preufsischen Ausgrabungen 
in Abusir, um auf Ersuchen an der Beaufsichtigung 
der dortigen Arbeiten Theil zu nehmen. 

Von den beiden schon Jahre hindurch das 
Secretariat beschäftigenden Hauptunternehmungen 
des Instituts auf stadtathenischem Boden hat die 
eine, soweit sie von uns aus mit den Mitteln, welche 
deutsche Gönner gewährten, geführt werden konnte 
und sollte, ihren Abschlufs erreicht, die Ausgrabung 
im Westen der Akropolis, durch welche Hr. Dörpfeld 
die Lösung der Frage nach der Lage des Stadt- 
brunnens der Enneakrunos und dann des Stadtmarktes 
in die Hand nahm. Zu der letzten Vollendung des 
von Hrn. Dörpfeld Unternommenen, auch zu den 
Aufnahmen, welche am vollständigsten und ein- 



gehendsten in den Antiken Denkmälern des Instituts 
veröffentlicht werden sollen, hat noch ein Mal einer 
der Gönner , welche diese ganzen Arbeiten er- 
möglichten, die Mittel dargeboten, Hr. Banquier 
Lehmann in Halle, dem deshalb auch an dieser 
Stelle noch ein Mal auf das Wärmste zu danken ist. 

Die zweite, seit Jahren in Athen selbst be- 
triebene Hauptunternehmung des Instituts, die Be- 
arbeitung der auf der Akropolis gefundenen Vasen- 
scherben , ist in Athen selbst namentlich durch 
Hrn. Zahn gefördert worden, welcher auch eine 
Reise nach Deutschland zu vergleichenden Studien 
in hiesigen Vasen Sammlungen benutzte. Den beiden 
Bearbeitern, Hrn. Graf in Berlin und Hrn. Hartwig 
in Rom, konnten dem einen etwa die Hälfte der, 
soweit es in Athen zu geschehen hatte, fertiggestellten 
Scheden überliefert werden, Hrn. Hartwig alle. 

Eine kleinere, aber ebenfalls schon seit einigen 
Jahren das athenische Secretariat beschäftigende 
Aufgabe, die Herausgabe der Funde am theba- 
nischen Kabirenheiligthume, hat neuen Aufenthalt 
namentlich dadurch erfahren, dafs eine Neuordnung 
und durchgehende Revision der Inschriften sich 
Hrn. Wolters als erforderlich zeigte, die erst im 
laufenden Jahre wird zu Ende geführt werden können. 

Für die athenische Institutsbibliothek war im 
verflossenen Jahre das wichtigste Ereignifs die end- 
gültige Aufnahme der von Achilleus Postolakas 
vermachten Büchersammlung. Zur Bewältigung der 
erheblichen Arbeit, welche dabei gefordert wurde, 
hat dem zweiten Herrn Secretar Hr. von Prott 
wirksam zur Seite gestanden. Wie zu erwarten war, 
entstanden durch das Hinzutreten des Postolakas'schen 
BUcherschatzes zahlreiche Doubletten in der Biblio- 
thek. Die Pietät forderte, dafs in solchem Falle 
möglichst die Postolakas'schen Exemplare behalten, 
die bereits vorhandenen ausgesondert wurden. Was 
der Art überflüssig wurde, ist, soweit es dort fehlte, 
an unsere römische Bibliothek, Einiges an die 
Landesbibliothek in Strafsburg abgegeben, Weniges 
auch an das Griechische Münzkabinet in Athen, die 
Hauptmasse aber ist leihweise der jetzt nach Con- 
stantinopel verlegten preufsischen Museumsstation 
in Smyrna überlassen , um dort auch reisenden 
Forschern zugänglich gehalten zu werden. Die von 
Postolakas herstammenden, der Institutsbibliothek 
in Athen verbliebenen Werke, rund 2500 Stück, 
sind jedes mit einem besondern Bücherzeichen zum 
ehrenden Andenken des Erblassers versehen worden. 

Schenkungen erhielt die athenische Bibliothek 
von mehreren der schon als Geber für die römische 
Bibliothek genannten Anstalten, aufserdem nament- 
lich vom französischen Unterrichtsministerium, der 



54 



Archäologische Funde im Jahre 1$ 



Akademie der Wissenschaften in Stockholm , der 
Bibliothek in Upsala, der englischen archäologischen 
Schule in Athen, der russischen gleichen Anstalt 
in Constantinopel, dem Ottomanischen Museum, 
der Griechischen archäologischen Gesellschaft, von 
Hrn. Jacobsen in Kopenhagen, der auch die römische 
Bibliothek mit einem Exemplare seines Museums- 
werkes bedachte, und anderen Freunden und Gönnern. 

Auch unsere Sammlung von Photographien in 
Athen hat einen ganz erheblichen Zuwachs an Nega- 
tiven, Positiven und Diapositiven gewonnen. Dazu 
gehören sämmtliche Negative der Schliemann'schen 
Ausgrabungen in Mykenai, welche Frau Schliemann 
dem Institute geschenkt hat. Von besonderm Werthe 
sind darunter die während der Ausgrabung der 
Schachtgräber gemachten Aufnahmen. 

Mit dem Neudrucke der vergriffenen Bände der 
»Athenischen Mittheilungen« ist fortgefahren, so 
dafs das Institut bereits in den Stand gesetzt ist, 
Bestellungen auf die ganz vollständige Reihe an- 
zunehmen. 

Kurz vor Schlufs des Rechnungsjahres hat sich 
die hocherfreuliche Aussicht eröffnet, das bisher 
miethweise benutzte athenische Institutshaus käuflich 
zu erwerben und durch Anbau eines dem steigenden 
Sitzungsbesuche genügenden Saales zugleich der 
Raumnoth der Bibliothek abzuhelfen., 

Es erübrigt, auch für das letzte Jahr dem Ver- 
waltungsrathe der Dampfschiffahrts-Gesellschaft des 
Österreichischen Lloyd den wiederholten und damit 
nur um so wärmeren Dank abzustatten für die 
Unterstützung, welche er dem Institute durch Er- 
leichterung der Reisen unserer Beamten und Stipen- 
diaten hat zu Theil werden lassen. 



ARCHÄOLOGISCHE FUNDE 
im Jahre 1898. 

Es ist auch im vergangenen Jahre wieder viel 
unser archäologisches Wissen Bereicherndes gefunden, 
es ist aber auch viel gesucht worden. Wenn man 
Jahrzehnte zurückdenkt, so ist es erfreulicher Weise 
augenfällig, wie stark sich das Suchen verallgemeinert 
und gesteigert hat, gesteigert nicht nur quantitativ, 
sondern auch qualitativ. Immer mehr nehmen die 
Untersuchungsfunde im Vergleiche zu den Zufalls- 
funden zu, und es hat wenigstens den Anschein, 
als wollten die . Untersuchungen sich immer all- 
gemeiner den wissenschaftlichen Anforderungen 
anbequemen, welche das Ganze des Untersuchungs- 
objekts mit gebührender Voranstellung der Archi- 
tektur, statt nur das Gewinnen interessanter Einzel- 
gegenstände, ins Auge gefafst wissen wollen. In 



diesem also hoffentlich noch immer uneigentlicher 
werdenden Sinne des Ausdrucks berichten wir hier 
im Überblicke über Funde. 

In hohem Grade gilt das Gesagte vom 
griechischen Mutterlande. Da findet, wie nirgends 
sonst, ein Concursus vieler an der Kultur des 
klassischen Alterthums festhaltender Nationen statt, 
um Verborgenes wieder aufzudecken. Diese Be- 
strebungen werden begünstigt von einem überaus 
einsichtigen, die Sache fördernden Entgegenkommen 
der Landesregierung und der einheimischen Ge- 
lehrten, die selbst dabei in reichster Thätigkeit 
vorangehen. 

Einen Hauptausgangspunkt fruchtbarer Unter- 
nehmungen bildet die athenische archäologische 
Gesellschaft, deren ripaxxixct des Jahres 1898 soeben 
ausgegeben sind und vollständiger, als hier ge- 
schehen kann, über die einzelnen Unternehmungen 
berichten. Die Gesellschaft setzte im vergangenen 
Jahre die Grabungen, auch mit Beseitigung einiger 
moderner Häuser, zur vollständigen Freilegung der 
Attalos-Stoa in Athen fort. Sodann wurde dort der 
Bezirk der Olympieion bis zum antiken Boden abge- 
graben und so der Umfang des Tempels bestimmt. 
In den Provinzen nahmen ferner die Arbeiten im 
Heiligthume bei Epidauros ihren Fortgang und 
eine neue Grabung wurde in Sunion begonnen. 
Hier wurde die Tempelruine durch Beseitigung der 
Verschüttung zu gesteigert wirkender Erscheinung 
gebracht und die verschiedenen Perioden des Baues 
völliger kenntlich gemacht, der Bezirk des Tempels 
mit einer Säulenhalle und einem Eingangsthore 
aufgeräumt, und aufserhalb des Bezirks kamen die 
Reste eines zweiten Tempels mit ungewöhnlichem 
Grundrisse zum Vorschein. Ausgrabungen auf 
Rhenaia führten zur Auffindung der Bestattungs- 
reste, welche die Athener im Jahre 426 bei der 
Reinigung von Delos hinüberführten. Einen be- 
sonders reichen, neuen Ausblick in die altgriechische 
Denkmälerwelt eröffneten aber die Ausgrabungen, 
welche die Gesellschaft durch Herrn Sotiriadis in 
Thermon veranstaltete, indem dort vor allem der 
Tempel des Apollon aufgedeckt wurde; er war aus 
vergänglichem Material, Lehmziegeln, vielleicht auch 
Bruchsteinen mit Lehm und Lehmziegeln aufgeführt 
und mit Dach- und Metopenschmucke aus bemaltem 
Thon versehen. In Eleusis ist mit besonderer 
Sorgfalt, welche die zeitliche Abfolge der Be- 
stattungen zu erkennen ermöglicht hat, eine in die 
praehistorische Zeit zurückreichende Nekropolis auf- 
gedeckt, über welche der Leiter der Untersuchung, 
Herr Skias, in der 'EcprjfAept; äp^atoXoywT] 1898, 
Sp. 29 — 122 berichtet hat. 



Archäologische Funde im Jahre ii 



55 



Unter den Ausgrabungen der fremden archäo- 
logischen Schulen haben die der Amerikaner in 
Korinth besonders die Aufmerksamkeit auf sich 
gezogen, indem dort im vergangenen Sommer der 
Quellbau der Peirenc in aufscrordentlich guter, die 
Beschreibung des Pausanias veranschaulichender 
Erhaltung, welche auch die verschiedenen Umbauten 
der Anlage erkennen läfst, gefunden und aufgedeckt 
und damit zugleich ein neuer Anhaltspunkt für die 
Aufklärung der Topographie der Unterstadt ge- 
wonnen wurde. 

Die an glänzenden Ergebnissen so reiche 
Ausgrabung des Apollonheiligthums in D e 1 p h i durch 
die französische Schule hat durch die Freilegung 
der Reste des Gymnasion ihren Abschlufs gefunden. 

Die englische Schule ist auf Melos in Phylakopi 
weiter thätig gewesen und hat eine »mykenische« 
Burg und darunter eine noch ältere Ansiedlung zu 
Tage gebracht, im Winter sodann den Grabungen 
in Naukratis sich wieder zugewandt. 

Das österreichische Institut hat im arkadischen 
Lusoi weiter gearbeitet und die Fundamente des 
Artemistempels freigelegt. 

Unser eigenes Institut hat die durch mehrere 
Jahre von Herrn Dörpfeld geführten Ausgrabungen 
in Athen weiter gefördert, im Westen der Akro- 
polis mit Weiterverfolgung der Wasserleitungen, 
wobei auch der Verlauf der zur Akropolis führenden 
Strafse weiter nachweisbar wurde, und durch viel- 
versprechende Aufdeckungen im Osten unterhalb 
des sogenannten Theseustempels. Man darf sich 
der Erwartung hingeben, dafs die Vollendung der 
Ausgrabungen zur Aufdeckung der Markt-Topo- 
graphie nunmehr von griechischer Seite in die 
Hand genommen werden wird. 

Ferner hat unser Institut eine Ausgrabung auf 
Paros unternommen, veranlafst zunächst durch den 
Wunsch, noch weitere Stücke der Marmorchronik, 
nachdem jüngst ein neues Stück von ihr gefunden 
war, zu entdecken. Dieser Wunsch ist bisher nicht 
in Erfüllung gegangen; aber die Ausgrabung hat 
unter Leitung des Herrn Rubensohn zur Aufdeckung 
des Asklepieion geführt. 

Ein anderes Asklepieion, das berühmte auf 
Kos, zu suchen ging Herr R. Herzog mit Unter- 
stützung des Instituts dorthin und verfolgte seinen 
Zweck unter Beihülfe des besten Kenners der Alter- 
thümer auf Kos, Herrn Paton. Wenn Herr Herzog 
auch den Platz des Heiligthums bestimmen zu 
können glaubt, so hat der Nachweis durch die 
unternommenen Versuchsgrabungen noch nicht ge- 
führt werden können. Wohl aber ist eine reiche 
epigraphische, der Topographie der Insel zu Gute 



kommende Ausbeute gewonnen, worüber in den 
Mitth. des athenischen Instituts 1898, S. 441 ff. be- 
richtet ist und vollständiger in einem besondern 
Werke von Herrn Herzog berichtet werden wird. 

Auf kleinasiatischem Boden eröffnen sich für die 
Archäologie, so Manches auch eingebracht wird, 
bei der Fülle des Vorhandenen immer gröfsere 
Ernteaussichten, dank der mit dem Ausbau der 
Eisenbahnen wachsenden Zugänglichkeit der Ruinen- 
stätten und dank vor Allem auch der grofssinnigen 
Förderung aller ernsten Untersuchungsabsichten von 
Seiten der Verwaltung der Alterthümer des Reichs 
in Constantinopel. 

Mit Energie ist im vergangenen Jahre besonders 
die Aufdeckung von Priene durch die Berliner 
Museumsverwaltung weiter und zu einem Ende ge- 
führt worden. Seit dem letzten Berichte in diesem 
Anzeiger 1897, S. 178 fr. wurde im Winter 1897/98 
ein Heiligthum der ägyptischen Götter und. eines 
des Herakles östlich vom Markte entdeckt und ein 
VVohnquartier nördlich vom Athenatempcl freigelegt. 
Im Frühjahre wurde sodann die nördlich vom 
Markte gelegene, in byzantinischer Zeit stark be- 
wohnte Terrasse abgeräumt und dort die Hauptkirche 
der Stadt aus Justinians Zeit gefunden, in ihr ver- 
baut eine grofse Zahl von Inschriftsteinen der 
hellenistischen Epoche der Stadt. Durch Auf- 
deckung der Häuserreste nördlich der vom West- 
thore ausgehenden Hauptstrafse wurde ferner die 
Ausgrabung dieses Stadtviertels abgerundet. Im 
Herbst wurden die Arbeiten auf zwei Stellen des 
höchsten Theiles der Stadt, dicht unter dem Fufse 
des Burgfelsens, gerichtet. Es wurde dort oben 
die Wasserleitung mit den Klär- und Vertheilungs- 
becken verfolgt und in wohlerhaltenen Resten ein 
Heiligthum der Demeter und Köre entdeckt. Die 
Arbeiten wurden geschlossen mit einer Untersuchung 
des Stadiums und eines westlich anschliefsenden 
Gymnasiums aus griechischer Zeit. 

Bemerkenswerth ist, dafs bei allen, auch Tief- 
grabungen, keinerlei, auch nur geringe, über die 
hellenistische Zeit zurückreichende Reste zum Vor- 
schein gekommen sind, so dafs die Leiter der 
Ausgrabung zu der Annahme gebracht werden, das 
altionische Priene habe gar nicht an derselben Stelle 
gelegen. Danach würde die topographische Auf- 
fassung im Anzeiger 1897, S. 68 ff. zu berichtigen sein. 

In Ephesos wurde, wie der Bericht in den 
Jahresheften des österreichischen archäologischen 
Institutes II, Beiblatt Sp. 37 ff., angiebt, hauptsäch- 
lich die Aufdeckung des Theaters durchgeführt. Die 
ursprüngliche Anlage erscheint durch Umbauten, 
namentlich durch eine Restauration im zweiten 



56 



Funde in Südrufsland. 



Jahrhundert nach Chr., verändert. An Skulptur- 
und Inschriftfunden bot sich eine reiche Ernte. 
Topographisch wichtig ist sodann die Freilegung 
einer längs der Theaterterrasse verlaufenden Haupt- 
strafse. Aufserdem wurden die Grabungen auf der 
Agora fortgesetzt, auch die nicht ohne Einzelfunde, 
namentlich an Architekturtheilen und Inschriften, 
unter denen eine archaische. 

In der Erforschung von Pergamon ist im 
vergangenen Herbst bei Gelegenheit einer karto- 
graphischen Aufnahme ein kleiner Schritt vorwärts 
gelungen, indem namentlich das Hauptthor der 
Eumenischen Stadt gefunden und in den Hauptzügen 
seiner Plangestaltung aufgedeckt ist. Das zweite 
diesjährige Heft der athenischen Mittheilungen des 
Instituts wird darüber und über sonstige dort vor- 
genommene Untersuchungen, besonders auch der 
Wasserleitungen, das Nähere bringen. 

Den antiken Wasserleitungen in Kleinasien 
widmet Herr Weber fortgesetzt seine Aufmerksamkeit 
und hat zuletzt den Nachweis einer Druckwasser- 
leitung von Smyrna geliefert (Jahrbuch 1899, 

S. 4 ff.> 

Vielen Einzelheiten sonst noch nachzugehen, 
welche durch Reisende verschiedener Nationen in 
Kleinasien zur Kenntnifs gebracht sind, würde hier 
zu weit führen. 

Aus anderen Gebieten der klassisch-archäolo- 
gischen Welt sind uns dankenswerthe Berichte über 
Rufsland, Ägypten, Italien und Africa zu- 
gegangen, welche hier folgen, sowie der Jahres- 
bericht der Reichs-Commission über die unter den 
cisalpinischen Forschungen hervorragenden Unter- 
suchungen des römischen Limes in Deutschland. 

Conze. 

FUNDE IN SÜDRUSSLAND. 

Im Jahre 1898 ist in Kertsch (Panticapaeum) 
auf Veranlassung der Kaiserlichen Archäologischen 
Kommission von Herrn Duhmberg ein Anfang mit 
Aufgrabung der alten Stadt gemacht worden, so 
weit das heutzutage eben möglich ist, wo die Haupt- 
theile derselben, wie Agora und öffentliche Ge- 
bäude unter der modernen Stadt liegen. Es ist der 
im Westen die Stadt überragende Mithridatesberg 
in Angriff genommen worden, wo ganz gleich wie 
in Kydathen schon längst offen daliegende, in den 
Fels geschnittene Häuserwände den Ort der ältesten 
griechischen Ansiedelung bezeichneten. Für's Erste 
sind nur die Reste einiger Privatgebäude römischer 
Zait, eines davon mit einer bescheidenen Bade- 
anlage (ohne hypocaustutri), aufgedeckt worden; 
Überbleibsel einer mit grofsen bronzenen Buckeln 



beschlagenen hölzernen Thür und ein durch Töpfe 
entlasteter Bogen kamen hier zum Vorschein. Es 
ist zu hoffen, dafs nun auch bald die Aufgrabung 
des schönen Brunnenhauses (VI. Jahrh. v. Chr.), 
das ich 1889 dort sah, und des dabei liegenden 
öffentlichen Gebäudes, von dem damals bei Terrain- 
umgrabung eine auf drei Stufen ruhende Ecke zum 
Vorschein gekommen, aber später wieder zuge- 
schüttet worden war, erfolgen wird. — Von sonstigen 
Funden in Kertsch ist ein Grab bemerkenswerth, 
wo mit einer Menge von glänzend schwarzgefirnifstem 
Thongeschirr auch eine archaische Maske gefunden 
wurde; ein weiterer Beweis für das vergleichsweise 
hohe Alter der schwarzglasierten Thonwaare. — Be- 
kanntlich sind in Kertsch, wie überhaupt in Süd- 
rufsland, sf. Vasen sehr selten; doch sind dort in 
diesem Jahre Mündung und Schulter einer Amphora 
a colonnetle mit Peleus- und Thetis- Darstellung 
an's Tageslicht gekommen. 

In Ch ersonn es ist von Herrn Kozciusko 
unter anderem ein reiches Grab aus dem Ende des 

IV. Jahrh. v. Chr. mit Goldschmuck aufgedeckt 
worden, mit Ringen, Ohrgehängen und Halsbändern, 
von denen eines mit Edelsteinen besetzt als An- 
hängsel einen Schmetterling zeigt. 

Im Tau ri sehen Gouvernement, beim Dorfe 
Bolschaja Bjeloserka, ist von Herrn Braun ein Grab- 
hügel geöffnet worden, dessen Centralgrab sich 
allerdings als ausgeraubt erwies, wogegen das Pferde- 
grab unverletzt war und goldenes und bronzenes 
Pferdegeschirr ergab, grofsentheils in Typen, die 
uns schon aus dem Nikopolkurgan, also aus dem 

V. Jahrh. v. Chr. , bekannt waren , in sehr feiner 
Ausführung. 

Im Saratow' sehen Gouvernement, also recht 
entfernt von den sonstigen Fundstätten griechischen 
und römischen Gewerbfleifses, sind durch Herrn 
Spizyn gestanzte Goldplättchen, Ohrgehänge, An- 
henker mit Karneolen in griechisch-römischen 
Formen des I. und II. Jahrh. n. Chr. (?) zu Tage 
gekommen; noch mehr nördlich, im Perm'schen 
Gouvernement endlich, eine römische bronzene 
Kasserole des II. Jahrh. n. Chr. 

Gehen wir zum Kaukasus über, so sind uns 
hier, nördlich von ihm, aus dem Kuban-Gebiet die 
schon von Stephani publicierten »Sieben Brüder«- 
Grabhügel bekannt mit griechisch-ionischen Sachen 
des VI. und V. Jahrh. v. Chr. — In den letzten Jahren 
hat nun hier, am Nordabhange des Gebirges, bei 
Maikop, im Auftrage der K. Arch. Kommission Herr 
Wesselowski Tumuli aufgegraben, die viel Inter- 
essantes ergeben haben, und für die wir wenigstens 
eine Zeitgrenze nach unten hin haben, insofern als 



Funde und Erwerbungen in und aus Ägypten 1897 — 1898/99. 



57 



Tumuli mit griechischen Sachen in Süd- 
rufsland nur bis in den Anfang des dritten vor- 
christlichen Jahrhunderts reichen; seitdem wird ein- 
fach in die Erde bestattet, ohne Aufschüttung eines 
Tumulus, oder in Felsgräber. — Im verflossenen 
Jahre ist hier ein Tumulus des VI. Jahrh. auf- 
gedeckt worden, mit gestanzten Goldplatten, Löwen 
darstellend, auf einer Platte Greifen eine Gazelle 
überfallend, die sich deutlich als Produkte ionischer 
Kunst ausweisen; dabei sf. Vasen: eine Kylix mit 
herumlaufendem Streifen von stehenden Palmetten 
auf Kettenornament und dann als Merkwürdigstes 
eine Handdouche aus gelblichem Thon mit dunkel- 
braunen Figuren (Detail eingeritzt), die sich aus 
Fragmenten fast ganz hat zusammensetzen lassen, 
allerdings bis auf den verlorenen hohlen mit dem 
Inneren des Gefäfses communicierenden Henkel mit 
Luftloch: auf der Vorderseite Dionysos mit Trinkhorn 
zwischen Satyr und Frau ; auf der Rückseite vier 
Männer (hier fehlen viele Stücke); unter den Henkeln 
Hähne; es ist der Stil des Nikosthenes, zu dessen 
Fabrik auch die seltene Form des Gefäfses pafst; der 
Präsident der Kommission, Herr Graf Bobrinskoi 
macht mich auf ein neulich in den Louvre ge- 
kommenes ähnliches Exemplar aufmerksam, Zink 
davon in der Rev. Archeoh 1899, S. 8, Fig. 6. — 
An der Ostküste des Schwarzen Meeres hat Herr 
Wesselowski die dortigen Dolmen untersucht und 
unter allen Gräber gefunden mit Goldringen, Bronze 
und Perlencolliers barbarischen Ursprungs, deren 
Zeit mir kaum jünger als das VI. Jahrh. v. Chr. 
zu sein scheint. 

Südlich vom Kaukasus, im Jel isawetpoFschen 
Gouvernement, hat Herr Roefsler gegraben und 
dabei unter anderem auch wieder Bronzesachen ge- 
funden, die der chaldischen Epoche dieser Gegend, 
und zwar dem VIII. Jahrh. v. Chr., angehören. 

Auch Kars hat Antiken geliefert, griechische 
Zierstücke aus Bronze von einem Stuhl oder Wagen, 
das eine mit einer Nike-Protome, das andere mit 
einem Hundevordertheil, aus dem III. Jahrh. v. Chr.; 
dabei auch eine schöne bronzene Darstellung der 
indischen Lakschmi. 

St. Petersburg, 21. Mai 1899. 

G. Kieseritzky. 



FUNDE UND ERWERBUNGEN 
IN UND AUS ÄGYPTEN 1897—1898/99. 

I. Mykenisches. In Denderah fand 
Flinders Petrie eine Bügelkanne aus Metall. Bei 
den Ausgrabungen des Lord Northampton in 
Theben wurde eine Henkelschale dritten Stils 



genau der gleichen Form und Decoration wie die 
beistehend abgebildete aus Abusir bei Memphis, 
die schon länger im Gizehmuseum ist, gefunden. 




Fig. 1. 

Wie früher im Palast Amenophis IV. zu Teil Amarna, 
so tauchen jetzt mykenische Scherben dritten Stils 
(meist von Bügelkannen) im Palast Amenophis III. 
zu Theben auf. 

II. Altgriechisches. Die leider nur kurzen 
Untersuchungen der Herrn Hogarth und Edgar auf 
dem der Bewässerung übergebenen Gebiet des alten 
Naukratis (Winter 1898/99) haben zahlreiche bis 
ins vierte Jahrhundert hinabreichende rf. Vasen- 
scherben zu Tage gefördert, aufserdem eine Reihe be- 
malter Terracotten, Kohlenbeckenhenkel u. s. w. Die 
aus Naukratis bisher bekannt gewordenen altgriechi- 
schen Vasengattungen, von denen jüngst eine kleine 
Sammlung von Scherben auch an das Universitäts- 
museum in Bonn gekommen ist, scheinen fast alle 
vertreten ; zahlreiche Gewichte konnten an Ort und 
Stelle gesammelt werden. Für die pseudoägyptische 
Fabrication, die man meist den Phoinikern zuschreibt, 
scheint sich leider kein Material ergeben zu haben. 
Vaseninschriften fanden sich in grofser Masse, eben- 
so Lampen, die ältesten noch von »phoinikischer« 
Form. 

III. Hellenistisches und Römisches. 
Auf hellenistischem Gebiet ist in diesen Jahren 
besonders viel gethan worden. Bei ihren Papyrus- 
ausgrabungen im Fayum haben die Herren Grenfell 
und Hunt zum ersten Mal sicher hellenistische 
Gefäfse in gröfserer Anzahl in Gräbern gefunden. Es 
ergiebt sich daraus vor allem die weite Verbreitung 
einer polychromen Vasengattung mit hellen, aber 
ungefirnifsten Farben meist auf Pfeifenthongrund 
(blau, grün, braunrot, weifs, in erster Linie), zu 
denen auch die schon länger bekannten sog. poly- 
chromen Hadravasen gehören. Die Formen sind 
rein griechisch. Über den hellenistischen Gefäfsen 
fanden sich in Gräbern und den Stadtruinen von 
Harit und Kasr el Banat zahlreiche römische 
Töpfe, aber sehr wenig echte Sigillata. Diese wird 
hier, wie sonst in Ägypten, durch die von Dragen- 



58 



Funde und Erwerbungen in und aus Ägypten 1897 — 1898/99. 



dorff, Bonner Jahrbücher 101, S. 150 f., besprochene 
Nachahmung vertreten. Neu ist, glaube ich, dafs 
die Form der Froschlampe ausschliefslich der 
römischen Zeit angehört. Von interessanten Einzel- 
funden mag ein grofser römischer Pflug aus Holz 
erwähnt sein und ein ptolemäischer gewölbter 
ovaler Schild aus Holzstreifen mit Leder über- 
spannt, der jedoch kaum zum Gebrauch gedient haben 
kann. Der Griff mit der Höhlung für die Hand be- 
findet sich in der Mitte des Schildes. Natürlich 
war die Beute an Papyris und Ostracis reichlich. 
Bei der vom Berliner Museum unternommenen 
Grabung in Ehnas kam, aufser zahlreichen Papyris, 
von archäologischem Interesse nur eine vollständige 
Falschmünzerwerkstatt römischer Zeit zum Vorschein. 
Seit mehreren Jahren unternimmt Herr Gayet an 
verschiedenen Punkten Ägyptens Grabungen, meist 
für das Musee Guimet in Paris. Unter seinen 
römischen Funden in Antinoe erscheint bemerkens- 
wert ein grofses auf Holz gemaltes rundes Doppel- 
bildnis, einen Mann und eine Frau darstellend. 
Seitlich oberhalb jedes Bildnisses ist in heller Farbe 



belehrt uns wohl über den Tag, aber leider nicht 
über das Jahr, an dem das Bild dem Toten bei- 
gegeben wurde. Es war wohl an der Wand be- 
festigt, ähnlich wie in einem Grab bei Achmim 
sich ein Doppelbildnis auf die Wand gemalt findet. 
In Alexandrien hat Botti seit Jahren unter 
schwierigen Umständen gegraben, vor allem an der 
sog. Pompeiussäule. Die ganze Anlage, mit vielen 
übereinander liegenden Schichten, von denen keine 
in alt-hellenistische Zeit zu reichen scheint, ist sehr 
compliciert. Bestätigt scheint, dafs in der Nähe 
der Säule das Serapeum lag, denn ein grofser Apis 
aus schwarzem Granit hat sich gefunden. Er gehört 
der römischen Kaiserzeit an. Am entgegengesetzten 
Ende der Stadt beim neuen Hospital, hat Herr 
Schiefs-Bey zwei prachtvolle wohl spätptolemäische 
Kapitale gefunden, die ihre vollständige Polychromie 
erhalten haben. Nach den Gröfsenverhältnissen 
mögen sie zu einer Ädicula gehört haben. Sie 
sind als Geschenk Schiefs-Beys im Museum in 
Alexandrien. Ähnliche polychrome Architekturteile 
haben sich in Alexandrien auch bei den 1898/99 




Fig. 2. 



mit dunkleren Umrissen eine Statue (in dem einen 
Fall ein Harpokrates in der Stellung eines Scepter 
haltenden Apollo, nackt, hellenistischer Typus) in 
den Grund gemalt; sie steht auf einer Basis und ist 
wohl als Emblem des Verstorbenen aufzufassen, 
denn sie ist in den Proportionen so viel kleiner, 
dafs der Gedanke an Staffage völlig ausgeschlossen 
ist. Das Bild ist enkaustisch mit Wachsfarbe her- 
gestellt und sehr flott gemalt: vom grauen Grund 
heben sich die Gestalten gut ab, die Mäntel sind 
rot, die Unterkleider gelb gemalt, eine Agraffe mit 
einem grofsen grünen Edelstein hält den Mantel 
der Frau. Jedenfalls gehört das Bild zum besten 
was wir derartig haben. Eine Inschrift ttX^cuvs 

Je 



unternommenen deutschen Grabungen gefunden. 

Diese Grabungen sind im vorigen Herbste unter 
Leitung von Theodor Schreiber und Aufsicht von 
Ferdinand Noack als die ersten umfassenderen und 
systematischen Ausgrabungen am Orte, zunächst im 
Gebiet der Königspaläste, begonnen worden. Sie 
haben namentlich für die Topographie und Stadt- 
geschichte Alexandriens wichtige Ergebnisse geliefert 
und sollen im nächsten Herbst in erweitertem Um- 
fang fortgesetzt werden; die Kosten trägt ein süd- 
deutscher Mäcen, Herr Ernst Sieglin in Stuttgart. 

Einen wertvollen Goldfund haben die Fellahen 
in Ni etr ah in eh (Memphis) gemacht. Wohl eins 
der besten Stücke, ein Armband, ist in Berliner 
Privatbesitz gelangt und wird mit gütiger Erlaubnis 



Italische Funde 1898. 



59 



des Besitzers hier abgebildet (Fig. 2). Andere Teile 
des Fundes sind in das Gizeh- Museum gelangt, 
künstlerisch weniger feine, aber sehr schwer ge- 
arbeitete Stücke. Mehrere dreikantige, in einzelnen 
Exemplaren aber auch runde Armbänder enden in 
dünnen Drahtspiralen, die über einander greifen und 
von jeder Seite her um das entgegengesetzte 
Ende des Armbandes gewunden sind. Sie sind 
ohne jedes Ornament (zwei davon tragen die 
N. 336o5 und 336o6). 

Ferner ist aus dem gleichen Fund als N. 33044 
ein goldenes Stirnband von nicht sehr feiner, aber 
anscheinend hellenistischer Arbeit ins Museum ge- 
langt. Es besteht aus einem rhombenförmigen, 
dünnen Goldblech, dessen Mitte ein Medusenhaupt 
mit wirrem Haar, aber ohne deutliche Schlangen 
einnimmt. Auch die unter dem Kinn zusammen- 
geknüpften Enden sind nicht als Schlangen stylisiert. 
Rechts und links vom Medusenhaupt zwei grofse, 
aufgerichtete Uräen. Den Verschlufs bildet eine 
Kette mit ovalem, von einem Halbedelstein besetztem 
Schlofs in der Mitte. Ein ähnliches, doch stilistisch 
späteres (?) Diadem (mit Schlangen) befindet sich 
seit lange als N. 974 des Vireyschen Katalogs im 
Museum [Vergleichen mag man den Typus Roschers 
Lex. 1724 Berl. Cameo für die N. 33044]. 

Für das Fortleben altägyptischer Techniken in 
griechisch-römischer Zeit sind die Funde von 
Interesse, die Flinders Petrie in Denderah gemacht 
hat: er fand aus vielfarbigen Fayencen zusammen- 
gesetzte Bänder von Nymphäen-Blüthen und andern 
Ornamenten, die zur Wandincrustation dienten. Sie 
unterscheiden sich durch die tiefen, dunklen blauen 
und Orangetöne, die vorwiegen, deutlich von den 
älteren gleichartigen ägyptischen »Intarsien« der 
XVIII. und XX. Dynastie. Man möchte für manche 
Motive des dritten pompeianischen Stils solche Vor- 
bilder vermuten. In Denderah hat Petrie auch eine 
Reihe von Möbelteilen gefunden, ähnlich wie die 
hier (Fig. 3) abgebildeten, die sich im Univcrsitäts- 




Fig. 3- 

museum in Bonn befinden, deren Herkunft aber 
unbekannt ist. Es sind cylindrische, kurze Röhren 
aus Fayence mit einer rechteckigen Öffnung. Wie 
mir Herr Emil Brugsch mitteilt, hat er solche 
Fayencen gesehn, die den inneren hölzernen Kern 



noch hatten; und in der That erinnert namentlich 
die Röhre mit dem mehrfach eingezogenen Umrisse 
an bronzene Füfse von Betten, Stühlen hellenistischer 
Zeit. F. W. von Bissing. 



ITALISCHE FUNDE 
1898. 

Die Hauptquelle dieses Berichts bilden die 
Notizie degli seavi 1898; wo andere Quellen heran- 
gezogen sind, geben Fufsnoten darüber Auskunft. 
Die Notizie pflegen die Funde in Rom und Pompeji 
monatlich zu verzeichnen, auch über sicilische 
Funde kommen die Meldungen sehr prompt, aus 
den übrigen Landesteilen meist mit Verspätung, 
so dafs jeder Jahrgang über manche Funde be- 
richtet, die um ein oder mehrere Jahre zurückliegen. 
Da mein Bericht eine Übersicht geben soll über 
das Wichtigste des gesamten neuen Materials, 
das im Jahr 1898 der wissenschaftlichen Forschung 
zugeführt worden ist, mufste er auch Funde von 
1896/97, die erst im letzten Jahr bekannt gegeben 
sind, berücksichtigen. 

Im December des verflossenen Jahres setzten 
wieder umfassende Ausgrabungen auf dem römischen 
Forum ein, über deren erste Resultate das vorige 
Heft schon einen Bericht brachte. In den vorauf- 
gehenden Monaten war der Spaten in Rom für 
archaeologische Aufgaben wenig thätig gewesen. 
Von der Commissione di Sacra archeologia ward 
die Katakombe di S. Pietro e Marcellino weiter 
aufgeräumt und für die Schwesterwissenschaft fielen 
dabei zahlreiche Fragmente von Grabschriften der 
Equites singulares ab, die dort ihren Begräbnisplatz 
gehabt haben. In der Via dei Burrö versuchte 
man die Südostecke der sogenannten Neptuns- 
basilika zu erreichen, um über die Anlage dieses 
Gebäudes Aufklärung zu erhalten, aber die modernen 
Häuser gestatteten nicht, die Ausgrabung weit genug 
auszudehnen, und sie blieb ergebnislos. Dagegen 
förderten wie immer gelegentliche Erdarbeiten auch 
im letzten Jahr manche Antichita zu Tage. 

Auf Piazza Madama kamen Travertinstufen zum 
Vorschein, zur östlichen Aufsenwand des Domitiani- 
schen Stadiums gehörig, dessen Innenraum die 
jetzige Piazza Navona war. Im Garten des grofsen 
Hospitals bei San Giovanni in Laterano sind 
wiederum Architekturstücke gefunden worden, die 
von einer ausgedehnten, prächtigen Anlage her- 
rühren; es war hier ein grofses kaiserliches Patri- 
monium, dessen Grundstock das durch Nero con- 
fiscierte Haus der Laterani gebildet hat. Für den 
kaiserlichen Besitz zeugt aufs neue ein Bleirohr, 



6o 



Italische Funde li 



das gleich früher gefundenen den Namen des 
M. Opelius Diadumenianus trägt. 

Die meisten neuen Altertümer verdanken wir 
den Arbeiten an den grofsen Sammelkanälen, die 
bei der Tiberregulierung parallel dem Flusse an- 
gelegt werden mufsten. Die Arbeiten sind ihrem 
Abschlufs nahe, denn die Kanäle sind bereits über 
den vierten Kilometerstein der Via Ostiensis sowohl 
als auch der Via Portuensis hinausgeführt. An der 
letzteren stiefs man hinter dem Kirchlein S. Passera 
auf eine grofse Villa, deren Eingangspfeiler mit 
den Stuckfiguren zweier Harpyien geschmückt waren; 
zahlreiche Reste von Marmor, Thonplatten und 
Mosaiken künden die reiche Ausstattung des ver- 
grabenen Baues, der nicht weiter aufgedeckt werden 
konnte. In der Nähe wurde ein neues Fragment 
der grofsen Grabschrift gefunden, die bisher als 
die der Turia galt, der Gattin des Q. Lucretius 
Vespillo. Dieser gehörte zu den Proscribierten des 
zweiten Triumvirats und, wie Appian und Valerius 
Maximus erzählen, wurde er von seiner Gattin ver- 
borgen gehalten, bis seine Freunde die Aufhebung 
der Proscription von den Triumvirn erwirkten. 
Die früher gefundenen Fragmente der namenlosen 
Grabschrift ergaben , dafs auch ihr Verfasser 
von den Triumvirn proscribiert gewesen war und 
durch Vermittlung der Gattin von Augustus 
die Erlaubnis zur Rückkehr erhielt. Das neue 
Fragment nun enthält einige Details über seine 
Proscription, welche beweisen, dafs er nicht identisch 
sein kann mit dem Q. Lucretius Vespillo. 

Am gegenüberliegenden Tiberufer just beim 
vierten Kilometerstein der heutigen Strafse, aber 
näher dem Flusse, hat man einen Trakt, der alten 
Via Ostiensis freigelegt , an dessen Seite ein 
Travertincippus stand mit der Breitenangabe: VIA 
LATA P. XXXV. Die Strafse ruht hier an der Flufs- 
seite auf einer 90 cm hohen Mauer, die aus zwei 
Reihen schwerer Tuffblöcke besteht. Dieselbe 
Construction ist etwas weiter stromaufwärts be- 
obachtet worden, sie war nötig, weil bei Hochwasser 
der Tiber an diese Stellen der Strafse heranflutete. 
Das wichtigste Ergebnis der Bodendurchwühlung 
hier ist die Erkenntnis, dafs an der Stelle, wo 
Constantin die Basilika über dem Grabe des 
Apostelfürsten errichtete, die alte Strafse schon 
denselben Lauf hatte wie die heutige *. Bewiesen 
wird dies durch die Columbarien, die an der Ost- 
seite der Strafse gegenüber der Rückwand der 
jetzigen Kirche aufgedeckt wurden. 



') Nuovo Bulletlino di archeologia cristiana IV 
5 p. 60 ff. 



Die Via Ostiensis hat, was die Zahl der Gräber 
betrifft, der Appia kaum nachgestanden — der neu- 
gefundenen Grabschriften sind fast 200 — aber 
die Anlagen waren minder grofs und weniger 
prächtig. Sculpturen sind nur wenige und belang- 
lose gefunden. Überhaupt sind in den Fundberichten 
nicht gar viele Sculpturen verzeichnet, man mufs 
sich dabei gegenwärtig halten, dafs diese meist auf 
Privatbesitz ausgegraben werden und auf den Markt 
kommen. Die Finder hüten sich dann, Anzeige 
davon zu erstatten, und die Herkunftsangaben der 
Verkäufer pflegen vage und unbestimmt zu sein. 
So ist es z. B. der Fall mit der jüngst für das 
Museo delle Terme in Rom erworbenen Grabara 
des C. Volcacius Artemidorus, auf der Daedalus 
und Pasiphae dargestellt sind. Sie soll aus dem 
Gebiet Tivolis stammen 2 . 

Unter den stadtrömischen Sculpturfunden sind 
die Büsten des Domitian und der Faustina er- 
wähnenswert und eine aus vielen Bruchstücken 
zusammengesetzte Büste des Homer 3 . Zwei Dios- 
kurenbüsten entstiegen der Erde, als man inSperlonga 
neben der sogenannten Grotte des Tiberius — sie 
gilt als diejenige, in der Sejan dem durch einen 
Felssturz bedrohten Kaiser das Leben rettete, — 
eine Vigna anlegen wollte. Im Altertum lag hier 
eine grofse Villa, weit ins Meer hinaus gebaut, wie 
grofse Pfeiler aus opus incertum heute noch bekunden. 
Zum Schmuck einer Villa inPozzuoli dienten zwei 
dort gefundene einander sehr ähnliche Marmor- 
gruppen, Dionysos zwischen Pan* und Panther, 
sowie eine Fortunastatue. In Bologna wurde aus 
dem Bette des Reno eine Reihe von Grabcippen 
hervorgezogen, darunter ein dem 1. Jahrh. n. Chr. 
angehöriger mit 6 Büsten, den Porträts des L. 
Alennius und seiner Familie. Ein andrer Cippus 
ohne Namensaufschrift stellt einen Schweinehirten 
dar, der seine Heerde austreibt; er ist charakteristisch 
für die Stadt, deren Schinken und Würste im 
heutigen Italien noch als die besten gelten. In 
Susa befreite man aus der Stadtmauer die darin 
verbaute linke Hand einer überlebensgrofsen Marmor- 
figur; dieselbe umfafst den Rest eines Zügels und 
dadurch wird es wahrscheinlich, dafs sie von der 
Augustusstatue stammt, die in einer Biga oder 
Quadriga den dortigen Triumphbogen krönte. Seines 
Materials wegen verdient ein in Pompeji gefundenes 
weibliches Idealköpfchen Beachtung, das aus glasier- 
tem ägyptischem Porzellan besteht und gröfser ist 
als die gleichartigen Werke zu sein pflegen (Höhe 

*) Revue archeologique XXXIII 1898 II p. 12 ff. 
3 ) Abb. Bulletino della Cotrim, archeol. comunale 
di Roma XXVI 1898 Taf. III, IV. 



Italische Funde 1898. 



6l 



15,5 cm). An weiteren Sculpturen lieferte Pompeji 
ein Omphaleköpfchen und ein Satyrköpfchen aus 
Marmor, und zwei Fragmente einer Venusstatuette. 
Sie gehören einer Replik der Knidierin an, sind 
von sehr geringem Kunstwert aber bedeutungsvoll 
für die Stelle, an der sie gefunden werden. 

In Pompeji wurde während des letzten Jahres 
die Hauptthätigkeit auf dem Platze hinter der 
Basilika entfaltet, nebenher sind nur einige kleine 
Räumungsarbeiten vorgenommen: ein Mauerstück 
nahe der Porta Ercolanense mit seinen Türmen 
wurde vom Schutt befreit und der Mittelraum des 
Macellums wurde einer neuen Untersuchung unter- 
zogen, die die Deutung des Baues als Macellum — 
früher nannte man es Pantheon — bestätigt hat. 
Beim Besuch eines Ministerialrats wurde in der 
insula, die das Haus der Vettier enthielt, eine aufser- 
ordentliche Grabung veranstaltet, bei der als Mittel- 
stück eines Fufsbodenmosaiks ein fein gearbeitetes 
weibliches Brustbild zum Vorschein kam, offenbar 
das Porträt der Hausbesitzerin. Der Platz hinter 
der Basilika gab sich als ein Temenos zu erkennen, 
nach der Strafse, die von der Porta marina zum 
Forum führt, durch eine Mauer abgeschlossen. Zur 
Zeit der Verschüttung war man damit beschäftigt 
den Tempel des Heiligtums zu erneuern, halbfertige 
Bauglieder und Teile des alten Baues liegen ringsum 
zerstreut. Mit Spannung dürfen wir der Publication 
des Materials entgegensehen, das zum gröfsten und 
prächtigsten Tempel der Stadt gehörte. Die Venus- 
statuette, die in seinem Bezirk gefunden ist, verrät 
uns, dafs dieser Tempel der Schutzgöttin Pompejis 
gehörte; der Platz, auf dem er sich erhob, die 
Südwestecke der Stadt ist die dem Hafen zunächst 
liegende, wahrscheinlich war gerade dieser Tempel 
den ankommenden und abfahrenden Schiffern weit- 
hin sichtbar. 

Durch eine Statue erfahren wir auch, wer der 
Besitzer eines Tempels gewesen ist, dessen Trümmer 
in Brescia unter den Fundamenten der später zer- 
störten Kirche S. Cassiano begraben wurden. Aufser 
Architekturfragmenten und anderen Sculpturresten 
fand sich hier der Torso einer stehenden männlichen 
Figur mit nacktem Oberkörper, den linken Arm 
auf ein Ruder gestützt. Dies giebt die Deutung 
an die Hand: die Figur stellt einen Flufsgott dar, 
wahrscheinlich den der Stadt benachbarten Mella, 
dem der Tempel gehört haben wird, bis der 
christliche Heilige den heidnischen Gott verdrängte. 

An dritter Stelle noch vermittelt uns eine Statue 
die Bestimmung eines Gebäudes. Im Val di Chiana 
liegt der kleine Ort Sinalunga — diesen Namen 
trägt er erst seit 1865, weil er sich seines alten 



Namens Asinalunga schämte und dessen Änderung 
bei der Regierung durchsetzte. Nahe bei seiner Kirche 
kam eine Mauerecke zu Tage, aus grofsen Steinen 
ohne Mörtel aufgeführt, innerhalb derselben die 
zerbrochene Figur eines ausruhenden Herakles aus 
Terrakotta. Dieser Fund giebt eine Bestätigung 
für Gamurrinis scharfsinnige Berechnung , dafs 
an der Stelle Sinalungas ehemals die Station der 
Via Cassia lag, die den Namen ad Graecos führte. 
Dem Herakles nämlich pflegten an Wegkreuzungen 
und Haltestellen Kapellen errichtet zu werden, in 
denen Wandrer Weihgaben niederlegten. Dafs diese 
dem Herakles von Sinalunga nicht gefehlt haben, 
beweisen einige 30 Unzialasse, Münzen des zweiten 
Jahrh. v. Chr., die sich in kleine Häufchen zu- 
sammengelegt fanden. 

Von der Stips vothva eines anderen Herakles 
ist in Tivoli bei der Anlage eines neuen Elektrizitäts- 
werkes vieles ausgegraben worden. Wie durch 
Ausgrabungen des Jahres 1887 festgestellt war, 
gehörten die Trümmer auf der Höhe oberhalb der 
Cascatelle, die gewöhnlich als Villa des Maecenas 
bezeichnet werden , dem berühmten tiburtinischen 
Tempel des Hercules Victor an. Die Weihgaben, 
thönerne Tiere, Vasen und kleine Metallgeräte, die 
jetzt unterhalb des heiligen Bezirks auftauchten, 
wurden wahrscheinlich bei einer Räumung desselben 
als wertlos herabgeworfen. 

Mit Weihgaben gefüllt war auch ein Brunnen, 
den man auf der Akropolis des alten Arezzo, dem 
Platze vor der heutigen Kathedrale, entdeckt und 
ausgeräumt hat. Zu unterst lagen darin die Schädel 
eines Kalbes und eines jungen Rehes, 4 Unzialasse 
aus der ersten Hälfte des II. Jahrh. und kleine 
cylindrische Thongefäfse, die um dieselbe Zeit 
fabriziert worden sind. Diese Schicht repräsentiert 
die Opfer, die der Gottheit des Brunnens dar- 
gebracht sind, über ihr lag eine Schicht zerbrochener 
Terrakotten, die zum Schmuck eines Tempels auf 
der Burg gedient hatten. Gleichartige Funde aus 
einer anderen etruskischen Stadt werden uns unten 
noch beschäftigen (S. 64). 

Nur ein negatives Resultat hatten Aus- 
grabungen südöstlich von Pitigliano auf dem 
Landgut Voltone, dessen Name zu der Hoffnung 
verleitet hatte, dafs hier das etruskische Bundes- 
heiligtum, Fanum Voltumnae, begraben liege. Tast- 
versuche, die 1880 von Heibig unternommen waren, 
hatten die Hoffnung bestärkt. Zu ihren Gunsten 
wurde noch jüngst der Fund eines Goldstaters Phi- 
lipps II. geltend gemacht. Dessen Münzen kursierten 
in Italien und bildeten in Rom wie in Etrurien die 
Norm des Goldwerts, sein Vorkommen in Voltone 



62 



Italische Funde ii 



schien zu bestätigen, dafs dort ein kommerzieller 
Mittelpunkt gewesen sei. Die nunmehr ausgeführte 
energischere Nachforschung hat ergeben, dafs die 
1880 angegrabenen Ruinen von einer christlichen 
Kirche stammen und dafs ein etruskischer Tempel 
an dieser Stelle nicht bestanden hat. 

Im vollsten Maafse dagegen haben sich die 
Erwartungen erfüllt, die in den letzten Jahren durch 
Grabungen auf dem Hügel Gaggera, westlich von 
Selinunt, erweckt waren. Salinas hat jetzt in einer 
viermonatlichen Campagne die Hülle von Flugsand 
gelüftet, die sich schützend über die Antichita 
gebreitet hatte. Unter ihr war ein wohlerhaltenes 
Temcnos verborgen. Mauern umgeben den heiligen 
Bezirk, Propylaeen bilden den Eingang. Im Innern 
befindet sich ein Tempel von eigenartiger Anlage 
und mehrere Altäre, darunter einer von 16m Länge. 
Wohnungen für Priester und Tempeldiener ver- 
vollständigen das Bild des Temenos. Der Reichtum 
an Kleinfunden ist aufserordentlich, an Terrakotta- 
figuren z. B. sind mehr als 5000, an Lampen über 
2000 gefunden. 

Im Osten Siciliens hat die rastlose Thätigkeit 
Orsis wieder reiche Erträge geliefert. In der Nähe 
der Griechenstadt Akrai, deren Nekropole leider 
vor Zeiten schon sehr gründlich geplündert ist, 
sind einige Heroa entdeckt worden. Nördlich an 
dem der Stadt zugekehrten Seite des Berges S. Ni- 
colo befindet sich eine Grotte, aus zwei Kammern 
mit Nischen bestehend; Graffiti in einer derselben 
lassen vermuten, dafs die Anlage zu einem Gym- 
nasium gehört hat, doch ist der Platz von Akrai 
verhältnifsrnäfsig weit entfernt. Er ist dem heutigen 
Buscemi benachbart, an dessen Stelle ein andres 
griechisches Städtchen gelegen haben mag. 

Wichtiger als die Spuren der rein griechischen 
Bevölkerung sind in diesen Theilen der Insel die 
Überbleibsel der Sikuler und Praesikuler. Von den 
letzteren hatte man bisher nur Abfall gekannt, der 
besonders reichlich in zwei Felsspalten bei Stenti- 
nello abgelagert war. Gleichartige Reste haben sich 
jetzt bei Pachino, an der äufsersten Westspitze Si- 
ciliens, in Grotten gefunden, die nach Ausweis der 
Feuerstätten den Praesikulern als Wohnungen ge- 
dient haben. Eine andre Art ihres Wohnens be- 
zeugt eine Ausgrabung im Gebiet von Matrensa, 
nahe bei Syrakus. Dort sind in den lockeren Tuff, 
der ohne Metallwerkzeuge leicht zu bearbeiten war, 
Gräben eingeschnitten, 3 m breit, 17 — 20 m lang. 
Die Siedelung hat also aus grofsen oblongen Hütten 
bestanden. Die Böden derselben zeigten sich be- 
deckt mit Knochen der verzehrten Tiere und mit 
Thonscherben, welche die gleiche punktierte Orna- 



mentierung tragen wie die Funde in Stentinello. 
Dazwischen waren Steinwerkzeuge zerstreut, aber 
keine Spur von Metall. 

Ebenfalls im Gebiet von Matrensa ist ein Grab, 
das vor 30 Jahren mykenische Gefäfse gespendet 
hatte. Bei einer neuen Untersuchung durch Orsi 
fanden sich weitere Scherben solcher Gefäfse und eine 
Bronzeklinge; andere Gräber der zweiten sikulischen 
Periode lagen daneben. Eine kleine magre Nekropole 
der ersten Periode ward in der Nähe der erwähnten 
Grotten von Pachino ausgegraben. Die Wohnart der 
Sikuler in der ersten und zweiten Periode verraten uns 
Funde in der Umgegend Catanias. Ein Lavastrom 
dort zeigt dem Dorfe Barriera gegenüber eine Reihe 
tiefer Höhlen, deren sieben von Orsi durchforscht 
wurden. In den vorderen Teilen, wo Licht und 
Luft Zutritt haben, deuten Feuerstätten und Abfälle 
auf menschlichen Aufenthalt. In unmittelbarer Nähe 
finden sich indessen auch kreisrunde Hüttenböden, 
und der Abfall auf diesen zeigt ebenso wie der in 
den Grotten eine Mischung von Gegenständen der 
ersten und zweiten Periode. Diese Thatsache ist 
bedeutungsvoll, weil sie gegen die von Patroni auf- 
gestellte Hypothese spricht, dafs zwischen der ersten 
und zweiten Periode ein tiefer Einschnitt zu machen 
sei, dafs die Träger der zweiten Kulturperiode anderen 
Stammes seien als die der ersten. Für den engen 
Zusammenhang beider Perioden zeugt auch ein Grab 
in Monteracello, in dem die untere Leichenschicht 
der ersten, die obere der zweiten angehört. Auch 
hier ist die Hälfte eines kreisrunden Hüttenbodens 
aufgedeckt worden. In dem benachbarten Monte- 
tabuto hat Orsi die Höhlen untersucht, in denen 
die alten Sikuler das Material für ihre Steinwaffen 
gewonnen haben 4 . Abgesehen von den interessanten 
Aufschlüssen, über den primitiven Bergbau haben 
diese Nachforschungen eine stattliche Zahl wohl- 
erhaltener Thongefäfse ans Licht gezogen, darunter 
grofse Amphoren und Hydrien, die bisher nicht vor- 
gekommen waren, weil wir nur Material aus Gräbern 
hatten und diese im Leben viel gebrauchten Gefäfse 
den Toten nicht mitgegeben wurden. 

Besonders reichlich strömt jetzt auch das ehe- 
dem vermifste Material zur Erkenntniss der vierten si- 
kulischen Periode, einer Mischkultur der Zeit, da 
die alte einheimische Bevölkerung graecisiert wurde. 
Im Mai 1898 ist die Nekropole von Licodia Eubea 
ausgegraben, deren Inhalt sogleich publiciert wurde D , 
und schon hat Orsi zwei andere Nekropolen der- 



4 ) Bull, di Paletnologia italiana XXIV 1898 
p. 165 fr. 

5 ) Mitth. des Archaeol. Instituts. Rom. Abth.XIII 
1898 p. 305 fr. 



Italische Funde 1898. 



63 



selben Gattung freigelegt. Die eine bei Ragusa 
war allerdings in früheren Zeiten geplündert, da- 
gegen die andere bei Granmichele ergab eine Reihe 
gut erhaltener Vasen, einerseits sikulische Erzeug- 
nisse mit geometrischer Verzierung, andererseits 
griechische Vasen aus der Zeit von 550 — 450. 

Die Ansiedelung eines Volkes, das den alten 
Sikulern nahe verwandt gewesen sein mufs, hat Pa- 
troni in der Basilicata nahe der apulischen Grenze 
ausgegraben". Bei der Stadt Matera trägt ein 
Hügel eine gröfsere Anzahl kreisrunder Hüttenböden, 
deren Durchmesser 6— 13 m beträgt. Auf demselben 
Plateau unfern den Hütten lagen drei Gräber, kennt- 
lich durch einen einfachen oder doppelten Ring 
grofser Steine. Inmitten der Ringe ist die Öffnung 
eines Schachtes, aus dem man durch sehr enge 
niedrige Durchgänge in eine oder zwei Kammern 
von kleinen Dimensionen gelangt. Nur eines der 
Gräber war noch unberührt von Menschenhand, 
es enthielt eine aufserordentlich grofse Zahl von 
Leichen, 54 in der Kammer, 21 im Schacht. Sie 
wurden in hockender Stellung, die Hände auf den 
Knieen gekreuzt, beigesetzt; die Enge des Raumes 
beweist, dafs hier wie bei den Sikulern das scarni- 
me/ito der Leichen üblich war. Die Beigaben der 
Toten, die Abfälle in den Hütten lassen darauf 
schliefsen, dafs die Siedelung etwa 200 Jahre be. 
standen hat und in die neolithische Periode zurück- 
reicht, im Laufe der Zeit aber auch den Gebrauch 
des Metalls kennen lernte. 

Aus den nördlichen Teilen Italiens wird nur 
über eine Ausgrabung berichtet, die zur Aufdeckung 
praehistorischer Reste unternommen wurde und zwar 
in der Nähe Verucchios. Wie früher im Gebiet 
Riminis, so hat man auch hier Gräber des Villa- 
nova-Typus mit den ihnen eigenthümlichen Thon- 
gefäfsen und Bronzen gefunden. Aus dem Cremo- 
nesi sehen wird die Entdeckung einer neuen 
Terramare gemeldet, aufserdem sind noch gelegent- 
liche Einzelfunde praehistorischer Gegenstände zu 
verzeichnen: aus San Pietro al Natisone bronzene 
Schmucksachen, aus Modano bei Imola ein Paal- 
stab, aus Borgo Panigalli bei Bologna eine Axt, 
aus Castelfranco in der Emilia ein Thonfafs mit 
sogenannten patii di rame, im Gesamtgewicht von 
48 kg. Man hielt diese Gegenstände früher für 
eine alterthümliche Form des Geldes, doch gerade 
der neue Fund bestätigt die von Chierici und Pi- 
gorini vertretene Anschauung, dafs die Kupfer- 
brote lediglich zum Schmelzen bestimmt waren. 



c ) Momimenti anlichi pttbbl. per cura della R. Acca- 
demia dei Lincei VIII 1898 p. 419 fr. 



Aus der Zahl der Gräber, die man vereinzelt 
oder in Gruppen mancherorten aufgedeckt hat, ver- 
dienen nur wenige Erwähnung. In Genua kamen 
einige tiefe Schachtgräber zum Vorschein, die als 
Beigaben der Aschenurne schwarz figurige attische 
Gefäfse und Bronzegerät bargen. Aus Kammer- 
gräbern inCanossa wurden einheimische und im- 
portierte Thonwaaren hervorgezogen, ebenso aus 
Gräbern bei Pitigliano ; Gräber bei Montepulciano 
und Montechiaro spendeten etruskische Bronzegegen- 
stände. 

Sehr ausgiebig war die Fortsetzung der Gra- 
bungen in der Nekropole des alten Vetulonia, der 
Domäne Falchis. Aufser Hunderten der plebejischen 
Schachtgräber mit dem üblichen spärlichen Inhalt ist 
wiederum einer der isolierten Grabhügel abgetragen 
worden, der den Namen Tomba de/ littore erhalten 
hat, weil sich darin eine Doppelaxt fand mit einem 
etwa 60 cm langen Stil aus Eisen, um den sechs 
hohle Eisenstäbe von 36 cm Länge befestigt waren. 
Das Instrument entspricht also vollkommen den 
Fasces der römischen Lictoren und nach der an- 
tiken Überlieferung hatte Rom diese Amtsinsignien 
von Vetulonia übernommen. 

Maeoniaeque decus quondam Vetulonia gentis 
Bissenos haee prima dedit praecedere Jasces 
El ninxit totidem tacito terrore secures 

(Sil, Ital. VIII 485). 
Der Tote, dem dies Instrument ins Grab ge- 
legt wurde, war ein ältlicher Mann, wie am Zu- 
stand seiner Zähne zu erkennen ist. Er war, wie 
dies- auch in anderen gleichartigen Hügeln beob- 
achtet ist, nicht im Centrum des Grabes beigesetzt 
worden, sondern nahe der Peripherie; dank diesem 
Umstände ist der kostbarste Inhalt des Grabes den 
Schatzgräbern entgangen, die vor Zeiten einen An- 
griff auf die Mitte des Hügels gemacht haben und 
an dieser Stelle bis auf den Grund vorgedrungen 
sind. Daher fanden sich hier nur einige Thon- 
scherben und kleine Stückchen von Bronzeblech, 
die noch bezeugen, dafs in dem Grabe die üblichen 
Gefäfse aus genietetem Bronzeblech nicht von Anfang 
an gefehlt haben. Ebenso wird durch die gefundenen 
Bronzebeschläge und Eisenteile des Wagens, durch 
Axt und Schwert bewiesen, dafs ursprünglich auch 
einerseits das Pferdegeschirr, andrerseits Helm und 
Schild des Mannes vorhanden gewesen sein müssen, 
doch dies fiel den Schatzgräbern zum Opfer. Un- 
angetastet waren die Beigaben zu Häupten des 
Toten, ein bronzenes Weihrauchfafs und ein reicher 
Goldschmuck, der in einem zerfallenen Bleikästchen 
gelegen hatte: fünf grofse Fibeln mit Reliefschmuck, 
zwei glatte Fibeln, Armbänder und Spiralbänder für 



6 4 



Italische Funde ii 



die Haare, ein Haarpfeil und eine Halskette aus 
130 KUgelchen. 

Die Formen und die Dekoration der Schmuck- 
sachen erweisen sie als Arbeiten des neunten oder 
achten Jahrh., alle bisher geöffneten Gräber der 
Nekropole Vetulonias gehören alten Zeiten an, keines 
reicht unter die Mitte des sechsten Jahrh. herab; 
dagegen die Wohnungen der Lebenden, die Falchi 
innerhalb der alten Ringmauern ausgegraben hat, 
sind weit jünger. Es sind zumeist Einzelräume, 
die sich auf die Strafse öffnen wie die Läden in 
Pompeji; wenige Wohnungen bestehen aus mehreren 
Räumen. Überall finden sich die Spuren eines 
grofsen Brandes, der diesen Teil der Stadt einge- 
äschert hat, und die Brandschicht birgt mancherlei 
Gerät, Bronzestatuetten, Münzen von Vetulonia 
zusammen mit römischen Assen. Ein auffallender 
Gegenstand war eine grofse Bronzekeule von 24 kg 
Gewicht; ein Bleiansatz am Kopfende zeigt, dafs 
sie in eine Basis eingelassen war und als Weih- 
geschenk aufgestellt war 7 . Sie ist von ausgezeich- 
neter Arbeit, ebenso wie die Reste einiger Hoch- 
reliefs in Terrakotta, die zum Wandschmuck gedient 
hatten. Alles dies entstammt der Zeit der römischen 
Herrschaft, es ist sehr zu wünschen, dafs es bald ge- 
lingt, auch Bauten der alten selbstständigen Etrusker- 
stadt zu finden. 

Mehr vom Glück begünstigt waren in dieser 
Hinsicht die Ausgrabungen an einem anderen Platze 
Etruriens. Auf dem Hügel Poggio Buco, südwestlich 
von Pitigliano, hatten Ausgrabungen der Jahre 
1894 — 95 eine reiche Nekropole kennen gelehrt, die 
zur Vermutung führte, dafs der östlich angrenzende 
Hügel, le SparHe genannt, die zugehörige Stadt 
getragen haben müsse. Pellegrini identifizierte sie 
mit dem alten Statonia und ein Einzelfund auf dem 
Stadthügel hat seine Identifikation bestätigt, ein 
wie es scheint ungebrauchtes Schleuderblei, das die 
etruskische Inschrift STATVES trägt. Von der 
Stadtmauer hat man nur einen kleinen Trakt auf- 
gedeckt, aus Tuffblöcken im System der Binder und 
Läufer wie die Servianische Mauer in Rom er- 
richtet. Inmitten der Stadt lag ein Tempel, vor 
ihm breitete sich ein gepflasterter Platz aus mit 
mehreren Brunnen, die in der Umgebung eines etrus- 
kischen Tempels niemals fehlen (vgl. oben S. 61). 
Bei der Ausräumung des Brunnens und der Frei- 
legung der Area des Tempels kamen zahlreiche 
Reste von Weihgaben zum Vorschein, die sich 
leicht in zwei Gruppen sondern lassen. Die gröfsere 



7 ) Milani, Museo topografico delV Etruria, Firenze- 
Roma 1898, p. 37. 



Menge gehört der römischen Periode an (drittes bis 
erstes Jahrh.): Thonstatuetten von Göttern, Menschen 
und Tieren, Fragmente aretinischer und etruskisch- 
campanischer Vasen, bronzene Gefäfse und Geräte, 
römische Münzen. Weihgaben aus alter etrus- 
kischer Zeit sind spärlicher vertreten, einige Frag- 
mente von Terrakottafiguren und Scherben von 
Buccherovasen, aber dieser Zeit entstammen auch 
die Reste der thönernen Tempeldekoration. Es 
lassen sich noch die Friese zusammensetzen, die 
ihrem Fundort nach die Innenwände der Tempel- 
cella schmückten; auf dem einen sind Greifen und 
Hirsche dargestellt, auf dem zweiten Bigen, auf 
dem dritten galoppierende Reiter". Zu den Fries- 
platten kommen die Reliefziegel, welche die Lang- 
seiten des Daches und den First schmückten. Diese 
Terrakotten sind ihrem Stil nach in die zweite Hälfte 
des sechsten Jahrh. zu setzen. Auffallend ist, dafs sich 
keine Gegenstände gefunden haben, die dem fünften 
und vierten Jahrh. zuzuweisen wären; es gähnt 
eine Kluft zwischen der älteren und der jüngeren 
Periode der Stadt. Dieselbe Thatsache läfst sich 
auch in der Nekropole beobachten, denn sie hat 
kein Exemplar rotfiguriger Vasenmalerei geliefert, 
die das fünfte und vierte Jahrh. beherrschte. Da- 
durch wird die Annahme nahe gelegt, dafs die Stadt 
während dieser Zeit verlassen war und erst in der 
Römerzeit wieder aufgelebt ist. 

In Latium ist das Stadtgebiet des alten Satri- 
cum weiter durchforscht worden, wo vor mehreren 
Jahren der interessante Tempel der Mater Matuta 
mit seinen Terrakottadekorationen und Weihgaben 
aufgedeckt war. Eine neue Niederlage thönerner 
Weihgeschenke, darunter auch die in der Stips des 
Tempels selbst fehlenden Darstellungen von Ge- 
schlechtsteilen, ward jetzt auf dem Hügel, der nörd- 
lich dicht neben der Stadt sich erhebt, ausgehoben 
und sie verrät, dafs hier eine Aedicula bestanden 
hat. Auch die Nekropole der Stadt lernen wir 
jetzt kennen, sie enthält Bestattungsgräber und 
Brandgräber nebeneinander, als Beigaben der Be- 
grabenen korinthische und protokorinthische Vasen. 
Ein isolierter archaischer Grabhügel barg nur einige 
wenige rohe Gefäfse einheimischer Fabrikation. Der 
Hügel war schon frühzeitig halb abgeschnitten, als 
man hier eine Ziegelei anlegte, unter deren Ab- 
fällen sich Stücke finden, wie sie bei der letzten 
Restauration des Tempels verwandt sind. Unmittel- 
bar unterhalb des Stadthügels lag eine Töpferei, 
deren Formen etlichen der unter den Weihgaben 



8 ) Abb. Sludi e materiali dt archeologia e numis- 
matica I, 1. 1899 p. 876°. 



Italische Funde 1898. 



65 



gefundenen Figuren entsprechen. Hier also haben 
die frommen Pilger ihre Einkäufe gemacht, die sie 
droben im Tempel niederlegten. Wir erhalten das 
lebendige Bild eines kleinen Loreto. 

Vom Weinbau im alten Satricum erzählen uns 
zwei in den lebendigen Tuff eingeschnittene Kufen, 
in denen die Trauben ausgetreten wurden. Eine 
Kelter aus späterer Zeit bietet die neue Villa rustica 
in Boscoreale, die von den Findern des Gold- 
schatzes ausgegraben ist. Einige öffentliche Gebäude 
wurden in Bene Vagienna, dem alten Augusta 
Bagiennorum, freigelegt, die Arena eines Amphi- 
theaters und hinter der früher bereits ausgegrabenen 
Szene des Theaters eine vierseitige Porticus. In dem 
freien Raum, den sie umschliefst, stand ein Tempel, 
der später in eine Kirche umgewandelt wurde. Da- 
mit ist die Reihe der erwähnenswerten Bauten er- 
schöpft, es erübrigt die wichtigsten der neugefundenen 
Inschriften aufzuführen und von zwei bedeutenderen 
Münzfunden zu berichten. 

Bei Tiriolo in der Provinz Catanzaro kam ein 
Schatz von 731 Silberstücken zu Tage, fast die 
Hälfte sind punische, nach dem ersten Kriege ge- 
prägte Drachmen und Triobolen ohne Aufschrift, 
die übrigen sind bruttische Drachmen und Trio- 
bolen mit der Aufschrift BPETTICON. Die meisten 
der Münzen sind wenig oder gar nicht abgegriffen, 
der Schatz ist jedenfalls gesammelt worden , ehe 
die Karthager Italien geräumt haben. Etwa hundert 
Jahre später mufs ein andrer Schatz versteckt worden 
sein, auf den man bei öffentlichen Arbeiten in 
Tarent gestofsen ist. Er besteht aus 102 römischen 
Silbermünzen, von denen die jüngsten in den Jahren 
109 — 104 geprägt sind. 

Den Reigen der Inschriften eröffnen billiger- 
weise die Weihungen an die Götter. In altertümlichen 
Lettern lesen wir auf einem Kalkstein, der im Gebiet 
des alten Amiternum später bei der Fassung einer 
Quelle benutzt ward, die Weihung eines L. Lucretius, 
doch der Name der Gottheit ist nicht erhalten. 
Ein Marmorstein, südlich von Civitä Lavinia ge- 
funden, berichtet eine Weihung an Bellona, die 
nicht gar weit von der Fundstelle, in Forum Appi, 
einen Tempel besafs. Die Inschrift erwähnt eines 
Mannes mit dem seltenen Namen P. Accoleius La- 
riscolus, den auch ein Triumvir monetalis geführt 
hat. Dessen Amtszeit steht nicht fest, sie wird in 
das Jahr 43 oder 17 v. Chr. verlegt. Wenn er 
identisch war mit dem Lariscolus der Inschrift, 
wird durch deren Material und Buchstabenformen 
wahrscheinlich, dafs er erst im Jahre 17 seines 
Amts gewaltet hat. 

Dem Hercolo (sie) hat ein gewisser L. Selus 
Archäologischer Anzeiger 1899. 



eine Dedication gemacht, wie ein Stein aus dem 
Gebiet Macrano bei Castelvecchio Subequo besagt. 
Ebendort kam jüngst ein Stein zum Vorschein, der 
die öffentlichen Bauten eines gewissen Q. Octavius 
aufzählt. Diese Inschriftfunde treten zu früheren 
Funden von Inschriften und Trümmern in dem- 
selben Gebiet und weisen darauf hin, dafs an dieser 
Stelle Superaequum, der Hauptort der Superaequani 
gelegen hat. Für die Ortsbestimmung der mutatio 
Aquilonis ^ die im Itinerarium Hierosolymitanum 
als Station der von Benevent nach Brundisium 
führenden Via Traiana verzeichnet steht, wird eine 
Inschrift bedeutungsvoll, die bei einem Brunnen an 
der Südseite des Berges San Vito seit langem ein- 
gemauert war 9 . Sie besagt, dafs im Jahr 213 der 
Veteran M. Aurelius Nigrinus dem Numen des Ca- 
racalla den »lucus Aquilonis* geweiht hat. Die 
mutatio Aquilonis ist wahrscheinlich nahe der Stelle 
anzusetzen, wo sich die Inschrift befindet, und 
nicht, wie man bisher gethan hat, auf der Nordseite 
des Monte S. Vito. 

In Rom erwarb man fünf neue Fragmente der 
Arvalakten, eines derselben, aus dem Jahre 39 
n. Chr., fügt sich mit zwei bereits bekannten Frag- 
menten zusammen und ist wertvoll, weil es die 
Opfer vom Geburtstag der Agrippina verzeichnet 
und uns dies Datum übermittelt. In Rom ist auch 
eine Grabschrift wieder aufgetaucht, die verschollen 
war und deren Copie für eine Fälschung galt, weil 
der Verstorbene den ganz singulären Titel führte 
proeurator sacrarum cognitionum. Ungewöhnlich ist 
auch der Titel IHIvir pro aedile, den wir auf einem 
neugefundenen Grabstein eines Mannes aus Vulci 
lesen. Eine Inschrift aus Cumae lehrt, dafs die 
höchste Amtsgewalt dort in den Händen eines Praetors 
war. Die Grabschrift eines miles classis Germanae 
piae fidelis aus Ascoli ist die erste in Italien ge- 
fundene Inschrift, die jene im Rhein und in der 
Mosel stationierte Flotte erwähnt. Sie bestand bis 
ins vierte Jahrh. und erst aus diesem stammt der 
Stein, dessen andre Seite schon einmal für eine Grab- 
schrift verwandt war. Auch für ein Militärdiplom 
des Jahres 173, das bei Seulo in Sardinien gefunden 
ward, ist ein Stück einer grofsen bronzenen Kaiser- 
inschrift benutzt worden und man hat es nicht der 
Mühe wert gehalten, die alten Buchstaben bei der 
neuen Verwendung zu tilgen. 

Das Haus im Norden Pompejis, in dem das 
alsbald berühmt gewordene Philosophenmosaik ge- 
funden ward, enthielt unter anderem auch eine In- 



9 ) Societa Reale di Napoli, Rendiconto delV Acca- 
demia di archeologia , lettere e belle arti XII (1898) 
p. 1 1 1 ff. 

5 



66 



Archäologische Neuigkeiten aus Nordafrika. 



Schrift, in der zwei Männer als magistri bezeichnet 
werden. Sie waren offenbar Priester des pagus 
Augustus felix suburbanus, und da die Lage dieses 
pagus bisher unbestimmt war, verdient der Stein 
Beachtung. In Pompeji selbst war in einem der 
neu ausgegrabenen Türme der Name des L. Sulla in 
die Wand geritzt, vermutlich in der Zeit, da dieser die 
Stadt belagerte. Die Quadern der Stadtmauern 
tragen mannigfache Steinmetzzeichen. An einer 
Wand, wo der Kalkbewurf abgefallen ist, kam eine 
Wahlempfehlung des A. Vettius Caprasius ans Licht. 
Unter dem Material, das für den Neubau des Venus- 
tempels herbeigeschafft war, ist auch ein Stein mit 
archaischer Inschrift, der ein neues Beispiel für das 
Vorkommen des Namens Maccius gewährt, ein neues 
Zeugnis für die Richtigkeit des von Ritschi wieder- 
hergestellten Namens des Dichters. 

Hans Graeven. 



ARCHÄOLOGISCHE NEUIGKEITEN 
AUS NORD AFRIKA \ 

Auch das vergangene Jahr hat wieder eine 
Fülle interessanter Funde undPublicationen gebracht. 
Der Liebenswürdigkeit Ph. Gaucklers in Tunis und 
St. Gsells in Alger verdanke ich die Mitteilung des 
Manuskriptes ihrer demnächst erscheinenden Berichte, 
ohne welche der nachstehende Bericht nicht möglich 
gewesen wäre (Gauckler: Compte-rendu de la mar che 
du Service en 1898, Gsell : Chronique archeologique 
A/ricaine, quatrieme rapport — erscheint in den 
Melanges d ' archeologie et d'histoire de l ' Ecole de Rotne 
1899). 

I. Tunis. 

Mit Karthago, der klassischen Stätte des nörd- 
lichen Afrika, soll auch diesmal begonnen werden. 
Karthago beschäftigt nach zwei Seiten hin die 
Forscher: erstens wegen der Gräber, von denen der 
unermüdliche karthagische Lokalforscher, Pere 
Delattre, immer neue Hunderte aufdeckt, und zweitens 
wegen der neuerdings besonders lebhaft erörterten 
Hafenfrage. Über den jetzigen Stand der Hafen- 
forschung unterrichten zwei der Pariser Akademie 
vorgelegte Berichte (C. R. de l'Academie des I. et B.-L. 
1898, 20—39 und 53 — °66) und Oehler's Be- 
sprechung derselben (s. diesen Anzeiger 1898 S. 171 
bis 175, [mit 2 Kartenskizzen]'- und 1899 S. 7 — 12). 
Die beiden Berichte teilen die Ergebnisse der von 
einem französischen Seeoffizier, M. de Roquefeuil, 
an der karthagischen Küste unternommenen Lotungen 

J ) S. Archäol. Anzeiger 1898 S. 112 — 120. 
2 ) Man vergleiche die dem Blatt La Marsa des 
Atlas archeologique de la Tunisie beigegebenen Pläne. 



mit. Der Meeresgrund ist längs der Küste nördlich 
und südlich des auf der Falbeschen Karte mit 44 
bezeichneten kleinen Vorgebirges (s. die Karte bei 
Oehler) mit bisher noch nicht aufgeklärten Mauer- 
zügen bedeckt. Nördlich von jenem Punkt hat 
Roquefeuil eine der Küste parallel laufende Mauer 
und zwei weitere dieselbe mit jener Spitze ver- 
bindende Mauerzüge (?) festgestellt, ohne dafs man 
sagen könnte, welche Bedeutung diese Mauern ge- 
habt haben. Sie bilden die Ost- und Südgrenze 
einer im Westen von der Küste und im Norden 
von einer dritten Mauer (?) begrenzten mit Trümmern 
aller Art bedeckten trapezförmigen Zone, einer Art 
von Bassin, das zuerst von Falbe 3 festgestellt wurde 
und nach ihm »quadrilatere de Falbe«, benannt wird. 
In welchen Beziehungen dieses Falbesche Viereck 
oder Bassin zu den Häfen steht, ist noch nicht 
aufgehellt. Dasselbe gilt von zwei ebenfalls der 
Küste parallel laufenden Mauerzügen (?), die Roque- 
feuil südlich desLazareths in der Bai von Kram 
festgestellt hat. Vielleicht sind es Molen, die den 
Hafen gegen das Ungestüm der Wellen schützen 
sollten. Zu den beiden Häfen selbst gehören jeden- 
falls weder die nördlichen (Falbesches Viereck) noch 
die südlichen, in der Bai von Kram liegenden 
Mauerzüge. In einem soeben erschienenen dritten 
Bericht (C. R. Acad. 1899 S. 19—38) stellt Roque- 
feuil auch für die noch weiter nördlich (bis zum 
Cap Carthage) liegenden Partien ein gleiches fest. 
Es scheint festzustehen, dafs die beiden Lagunen, 
welche jedem Besucher Karthagos gegenwärtig sind, 
nicht beiden Häfen sondern nur dem inneren Hafen, 
dem Kriegshafen (Kothon), entsprechen (Oehler). 
Über den vielbehandelten, die Häfen sperrenden 
Damm des Scipio hat sich noch nichts ermitteln 
lassen. Wie Gauckler mitteilt, sind die sechs Blätter 
des im Maafsstab 1 : 5000 aufgenommenen Plans 
von Karthago 4 fertiggestellt, um von Seiten der 
Direction des Antiquites mit dem archäologischen 
Detail versehen zu werden. 

Über seine Ausgrabungen karthagischer Gräber 
berichtete Delattre der Academie des I. et B.-L., mit 
deren Mitteln die Grabungen angestellt werden 
(C. R. de l'Ac. des I. et B.-L. 1898 p. 95, 208, 
210, 550, 552, 617, 619, 647). Die Gräber ermög- 
lichen uns einen — wenn auch beschränkten — 
Einblick in die Kultur der verschiedenen Epochen 
dieses wegen der Menge der Kulturschichten mit 
Troja zu vergleichenden Schauplatzes einer andert- 



3 ) Recherches sur Vemplacement de Carthage (Paris, 

1833). 

4 ) Vgl. über diese Karte Bull. arch. du Comite . . 
1898 p. CXXIX. 



Archäologische Neuigkeiten aus Nordafrika. 



6 7 



halb Jahrtausende umfassenden Geschichte, denn 
die ältesten bisher gemachten Grabfunde gehören 
dem achten Jahrhundert v. Chr., die jüngsten den 
letzten Zeiten der byzantinischen Restauration (sieben- 
tes Jahrhundert n. Chr.) an. Von den Funden aus 
punischer Zeit sind die Sargdeckel hervorzuheben, 
auf welchen in Hochrelief die Gestalt des Toten, 
eines karthagischen Priesters, in vollem Ornat dar- 
gestellt ist. Das Haupt ruht auf einem Kissen, der 
rechte Arm ist in feierlicher Geste erhoben (a. a. 
O. p. 621). Die neuen Ausgrabungen haben die 
gröfste bisher gefundene karthagische Inschrift, eine 
Dedication an Astoreth und »Tanit vom Liban« 
ergeben (p. 235—254). Auf die kleineren Funde, 
die Unmasse allen möglichen Geräts, bemalte Straufsen- 
eier, Sepulcralmaskenetc. kann hier nicht eingegangen 



einer Jagd — das Lieblingssujet der afrikanischen 
Mosaikkunst — und die eines Banketts, welche hier 
mit Gaucklers Erlaubnis zum ersten Mal publiziert 
werden. Dem genannten Vorstand der tunesischen 
Altertumspflege, der die Ergebnisse seiner Arbeit 
so bereitwillig der gelehrten Welt zur Verfügung 
stellt, sei für diesen neuen Beweis seiner Liberalität 
auch an dieser Stelle der gebührende Dank aus- 
gesprochen. 

I. Von dem Jagdbild kann ich leider nur die 
obere Hälfte vorlegen (Fig. 1), weil das Cliche der 
unteren Hälfte augenblicklich nicht zur Verfügung 
stand. Auf der unteren Hälfte ist eine Villa, ein Opfer 
vor einem Tempel des Apollo und der Diana und eine 
Jagdscene dargestellt (C. R. Academie 1898 p. 643). 
Man sieht im oberen Teil des mitgeteilten Bildes 




Fig. I. 



werden. Das im Kloster der peres blancs von St. 
Louis de Carthage untergebrachte Museum hat wegen 
der reichen Ergebnisse der letzten Grabungen um 
einen Saal erweitert werden können. Das römische 
Karthago lieferte mehrere gröfsere Skulpturen : einen 
Asklepios mit Telesphoros (a. a. O. p. 210), drei weib- 
liche Kolossalstatuen, darunter eine Isispriesterin, 
einen Bacchus mit Panther {y>magnifique statue colos- 
sale de Bacchus versant a boire a la panthere«. : Gauckler). 
Das gröfste Interesse werden unter allen karthagischen 
Funden zwei Mosaikbilder finden: die Darstellung 



(der oberen Hälfte) links ein hohes Gebäude mit 
Anbau. Im oberen Stockwerk ist eine Loggia 
kenntlich. Rechts folgt ein Zug von mehreren 
Personen zu Fufs und zu Pferde. Die erste Person 
trägt einen Stab über der Schulter, der zweite Fufs- 
gänger treibt ein beladenes Maultier mit der Peitsche 
an und trägt an einem auf der linken Schulter 
ruhenden Stab ein rundes Packet — so wie die 
römischen Soldaten ihr Gepäck tragen. Dann folgen 
zwei Reiter. Der wellenförmige Streifen über diesen 
Figuren ist offenbar eine Hügelkette, auf der aller- 

5* 



68 



Archäologische Neuigkeiten aus Nordafrika. 



3 

ffq' 




Archäologische Neuigkeiten aus Nordafrika. 



6 9 



hand kleine Gebäude und Pflanzen angedeutet sind. 
In der unteren Partie des Bildes sieht man eine 
Jagd auf Panther. Die Jäger sind, wie es auf den 
afrikanischen Jagdbildern die Regel ist, beritten. 

II. Das andere Mosaik (Fig. 2) stellt ein Bankett 
dar. An den Wänden eines runden Raumes entlang 
stehen lange mit einer Tischplatte versehene Bänke — 
ganz wie sie sich noch heute in den tunesischen Cafes 
finden — auf denen je 3 — 4 Personen sitzen. Die 
Analogie geht noch weiter: Da die Beine nicht 
sichtbar sind, mufs die Art des Sitzens die noch 
heute im Orient übliche, das Sitzen mit gekreuzten 
Beinen , sein. Zwischen den Bänken bewegen sich 
Diener mit Schüsseln. In der Mitte des Saals sind 
zwei Tänzerinnen sichtbar, die eine Art Castagnetten 
mit langen offenbar elastischen Stielen handhaben. 
Ein Mann bläst eine grofse Pansflöte. Das interes- 
sante Mosaikbild — ein neuer sehr drastischer Be- 
leg für die Beliebtheit, deren sich im römischen 
Afrika realistische Bilder aus dem täglichen Leben 
erfreuten — ist leider sehr zerstört. — Beide Mosaiken 
scheinen aus spätrömischer Zeit zu stammen (s. C. R. 
Academie 1898 p. 643). 

In den Memoires de la Societe nat. des Antiquaires 
de France 1898 veröffentlicht R. Cagnat ein bei den 
grofsen karthagischen Cisternen gefundenes Mosaik 
mit einer Darstellung der zwölf Monate und vier 
Jahreszeiten. Es ist das dritte Mosaikbild dieser 
Art, welches man in Karthago gefunden hat. Ein 
von Davis gefundenes Jahreszeitenmosaik ist in der 
Archaeologia (1860 p. 224 f.) publiziert, ein zweites 
fand Beule auf dem Byrsahügel; es wurde leider 
gleich nach der Aufdeckung zerstört, ohne gezeichnet 
zu sein. Das von Cagnat beschriebene Exemplar 
zierte auf der Pariser Ausstellung von 1889 den 
tunesischen Pavillon und befindet sich jetzt, in 
Stücke zerlegt, in einem Magazin, um — hoffentlich 
bald — in den Louvre überführt zu werden. Das 
Problem, welches dieses Mosaikbild stellt, ist sein 
Verhältnis zu den anderen Darstellungen der Monats- 
und Jahreszeiten, besonders zu den im »Chrono- 
graphen von 354« enthaltenen und von Slrzygowski 
behandelten (Jahrb. d. Instituts, Ergänzungsheft 1888) 
Kalenderbildern. Die Übereinstimmung des Mosaik 
mit diesen Zeichnungen ist frappant. 

Eine in Karthago gefundene Lampe der christ- 
lichen Epoche verdient wegen ihres eigenartigen 
Schmucks hervorgehoben zu werden. Sie ist näm- 
lich mit Abdrücken einer Münze des Theodosius II 
geziert und zwar so, dafs Avers und Revers ab- 
wechseln {Bull. arch. du comite 1898 p. 287). Ein 
ähnliches Stück befindet sich im Bardomuseum (vgl. 
Catalogue du Musee Alaoui p. 203 N. 608). Toutain 



ist mit der Herstellung eines Corpus der in Afrika 
gefundenen Lampen beauftragt (C. R. Academie 1898 
p. 105). Er hat bereits 4000 Stück untersucht. 

Aus der Nähe von Karthago, aus Porto Farina, 
stammt ein Marmorsarkophag mit der Darstellung 
der neun Musen (vgl. Bull, des Antiquaires de France 
1898, 27. Juli und Gauckler, Marche du Service). Er 
befindet sich jetzt im Bardo. — Von den im Inneren 
der Regentschaft Tunis gemachten Funden seien 
zuerst die Mosaikbilder, das originellste Erzeugnis 
der Kunst des römischen Afrika, besprochen. In 
einer römischen Villa bei Medeina, dem alten Alt- 
hiburus, im tunesischen Süden, ist bei den dort 
1896 von Gauckler angestellten Grabungen ein 
Paviment freigelegt wurden, dessen Gegenstand 
ebenso originell als der anderer afrikanischer 
Mosaiken — z. B. der Villenbilder — ist. Das 
Mosaik ist bereits im Katalog des Bardomuseums 
(p. 32) kurz beschrieben (s. Arch. Anzeiger p. 118), 
jetzt bringen die Comptes-rendus der Academie von 
1898 (p. 642) eine detaillirte Beschreibung. In- 
mitten einer Seelandschaft sieht man 25 Schiffe von 
verschiedener Form. Es ist ein illustrirter Schiffs- 
katalog, denn jedem Fahrzeug ist sein Name bei- 
geschrieben. Dies Schiffsbild bereichert nicht un- 
wesentlich unsere Kenntnis der antiken Marine, denn 
unter den Fahrzeugen sind 15, von denen wir nichts 
als den Namen kannten; 8 waren überhaupt bisher 
unbekannt. Aufser den Namen der Schiffe sind 
Stellen aus römischen Dichtern, in denen die Namen 
vorkommen, eingetragen: im ganzen 7 Hexameter, 
darunter 4 unbekannte; die drei anderen sollen aus 
Ennius, Lucilius, Cicero sein. 

Ebenfalls aus einer Villa — sie liegt am Meer 
bei El-Alia, südlich von Sousse — stammt das 
Mosaikbild einer Nillandschaft mit etwa 40 Figuren 
und einer Menge anderen Details (Gauckler, Marche 
du Service, C. R. Acad, 1898 p. 829). Es ist sehr 
natürlich, dafs sich auch in Afrika, der Nachbar- 
provinz von Ägypten, Nachbildungen alexandrinischer 
Sujets finden, wo dieselben selbst in Italien (das 
Nilmosaik von Palestrina, die pompejanischen Wand- 
gemälde) häufig sind. Man wird immer mehr zu 
der Annahme" gedrängt, dafs die afrikanischen Genre- 
bilder in Mosaik aus direktem Einflufs der alexan- 
drinischen Kunstübung, nicht aus italischem Import 
zu erklären sind. Gerade für die Kunst des römischen 
Afrika wird das Wort »hellenistisch« durch »alexan- 
drinisch« ersetzt werden dürfen (s. unten die Be- 
sprechung des Sarkophagreliefs aus Philippeville). 

Von dem im Sousse, dem antiken Hadrumetum, 
gefundenen Vergilmosaik (siehe die Abbildung in 
meinem ersten Bericht p. 114) liegt jetzt eine farbige 



7o 



Archäologische Neuigkeiten aus Nordafrika. 



Publication nach einem Aquarell von Pradere vor 
{Fondation Piot IV, 1897, Tafel XX) mit Text von 
Gauckler (p. 232 — 244: la mosaiqtu Virgilienne). Da 
man aufser dem Vergilbild noch ein anderes Mosaik- 
bild gefunden hat, welches er auf die Aeneassage 
bezieht (s. unten), so vermutet Gauckler, das Vergil- 
bild habe den Mittelraum eines Atrium, jenes zweite 
Bild den einen, ein drittes — von dem übrigens 
keine Spur vorhanden ist — den anderen der beiden 
Seitenflügel (alae) desselben geziert. Auf dem 
zweiten Mosaik sind vier Figuren kenntlich: links 
der Kopf eines Mannes, daneben der einer Frau, 
dann eine halbnackte Frauengestalt und ganz rechts 
eine weibliche Figur, welche einen Tamburin hält. 
Gauckler deutet das Bild auf den Abschied des 
Aeneas. Die männliche Gestalt links sei der römische 
Held, ihm werfe sich Dido — von der nur der 
Kopf übrig ist — an den Hals, während ihre 
Schwester Anna — die halbnackte Figur — ihr 
Flehen unterstütze. Die den Tamburin haltende 
Gestalt soll eine Bacchantin sein und den Tamburin 
schlagen — worin Gauckler eine Hindeutung auf 
die Liebesraserei der Dido erblickt. Mindestens 
die Deutung dieser Figur ist schwerlich haltbar, 
weil der Tamburin nicht geschlagen, sondern ruhig 
gehalten wird, .denn beide Hände berühren die 
eine Fläche des Instruments, so dafs von einer 
Handhabung desselben keine Rede sein kann. Und 
würden sich nicht Aeneas und Dido eine Begleitung 
ihres Addio durch eine so ungeeignete Musik, wie 
es das Schlagen eines Tamburin ist, verbeten haben? ! 
Die Deutung der drei anderen Personen auf Aeneas, 
Dido und Anna ist sehr gewagt und, weil von den 
beiden erstgenannten Personen nur die Köpfe übrig 
sind, recht hypothetisch. Dann ist es aber auch 
mit der Hypothese von dem in der Mitte das Vergil- 
bild und in den Seitenflügeln je eine Szene aus 
der karthagischen Episode der Aeneis enthaltenden 
Atrium schlecht bestellt, denn von einem Pendant 
jenes »Abschieds des Aeneas« — etwa der ersten 
Begegnung — ist nichts erhalten. Aber ver- 
führerisch ist die Hypothese doch; sie macht dem 
künstlerischen Verständnis und dem Scharfsinn ihres 
Urhebers alle Ehre. — Auf Grund der grofsen far- 
bigen Reproduction können wir nun auch über das 
merkwürdige Vergilbild urteilen. Dafs es kein Ideal 1 
bild ist, sah man gleich. Das Gesicht hat einen 
sehr groben, ja direct bäuerischen Schnitt und ver- 
rät alles andere eher als den Dichter der Aeneis. 
Aber wir wissen durch Donat (aus Sueton?), dafs 
Vergil so aussah, dafs er eine facies rusticana hatte. 
Das hadrumetinische Bildnis gibt also den mantuaner 
Bauernsohn mit rühmlicher Treue wieder und ist 



eine Bereicherung der antiken Ikonographie, wie 
wir sie selten zu verzeichnen haben. Dafs das 
afrikanische Mosaikbild dem Vergilbild des vati- 
canischen Codex Romanus (Vat. 2867) ähnlich sei, 
wie Gauckler sagt, ist nicht richtig. Das Bild des 
Codex Romanus zeigt einen durchaus jugendlichen 
Mann mit weichem fast sentimentalen Gesichts- 
ausdruck — wie man sich eben den Dichter der 
Bucolica, zu denen jenes Bild gehört, vorstellt. Es 
trägt die bezeichnende Unterschrift PO ETA 
CORYDON. Dagegen ist der Vergil des Mosaik- 
bildes das Bild eines Mannes, der den besseren 
Teil des Lebens hinter sich hat und dessen Züge 
hart und bäuerisch sind. Besonders charakteristisch 
ist das stark vorspringende Kinn. Nach dem 
Schriftcharakter der Buchstaben auf dem von Vergil 
gehaltenen Volumen — sie zeigen die kursive Ma- 
juskel der siebenbürgener Wachstafeln und des 
Papyrus vom Jahre 166 v. Ch. 6 besonders des 
cursive d und q — zu urteilen, gehört das Vergil- 
bild eher ins 2. als — wie Gauckler meint — ins 
1. Jahrhundert n. Ch. Der Dichter trägt eine weifse 
Toga mit blauem Saume, die Muse links (vom Be- 
schauer) eine einfache grüne Tunica und gelbes 
Obergewand. Da sie eine Schriftrolle hält, be- 
zeichnet sie Gauckler wohl mit Recht als die Muse 
der Geschichte, Klio. Ihr Gegenüber ist durch 
die tragische Maske, welche sie in der Hand hält, 
deutlich als die severae musa tragoediae charakterisiert. 
Sie trägt ein reich mit Gold besticktes und mit 
Fransen besetztes rotes Gewand. Die tragische 
Muse weist offenbar auf die den afrikanischen Be- 
schauer vornehmlich interessierende Didotragödie 
hin — und dazu würden freilich jene von Gauckler 
angenommenen Nebenbilder aus der Didoepisode 
vortrefflich passen. Von Hadrumetum ist noch viel 
zu erwarten : in unmittelbarer Nähe des Vergilmosaik 
ist der prächtige »cortege de Neptune«., das Prunk- 
stück des Bardomuseums, gefunden worden. Die 
in Tunesien gefundenen wichtigeren Mosaikbilder 
werden im Bardomuseum von der Hand geschickter 
italienischer Mosaikkünstler so weit es thunlich 
scheint restaurirt, um dann entweder im Bardo zu 
bleiben oder — wie z. B. die hadrumetinischen 
Mosaiken — an das Museum des Fundorts ab- 
gegeben zu werden. Ein Besuch dieser Werkstatt 
ist ungemein interessant. 

In Sainte Marie du Zit (südöstlich von 
Zaghuän) ist in den Ruinen einer byzantinischen 
Basilika ein Mosaik gefunden worden, welches den 



5 ) s. Tafel 11 der Melanges d'arck. et d'hist. 
de V Ecole frang. 1884 (de Nolhac). 

6 ) Hermes 1897, p. 274 (Schulten). 



Archäologische Neuigkeiten aus Nordafrika. 



71 



Bau einer Basilika darstellt. — Wenn erst einmal die 
von Gauckler geplante Bearbeitung der afrikanischen 
Mosaikbilder vorliegt, wird sich zeigen, dafs man 
an der Hand afrikanischer Mosaiken eine voll- 
ständige Geschichte des römischen Mosaiks, be- 
sonders aber den Übergang des römischen Mosaiks 
zum byzantinischen wird darstellen können. Dieses 
Werk wird, richtig angefafst, für die Bestimmung 
der in anderen Teilen der römischen Reichs ge- 
fundenen Mosaiken eine solide Operationsbasis 
schaffen; es mufs ein echtes opus africanum werden 
und wird vielleicht das schönste Resvdtat der so 
rasch fortschreitenden tunesischen Archäologie dar- 
stellen. Da sich die Mosaikfunde von Jahr zu 
Jahr vermehren, dürfte freilich der Zeitpunkt für 
eine solche zusammenfassende Publikation noch 
lange nicht gekommen sein. 

In Dugga, dem alten Thugga, hat Dr. Carton, 
dessen Domäne diese Gegend ist, die Szene des 
Theaters freigelegt (C. R. Academie 1898, p. 106, 
Gauckler, Marche du Service.) Dabei ist ein Colossal- 
kopf des L. Verus gefunden worden (»utte admirable 
tete colossale de L. V. en marbre blatte« Gauckler). 

Gauckler kann von der Einrichtung mehrerer 
kleinerer Localmuseen berichten. Solche »depots« 
giebt es bisher in El Djem (Thysdrtts), Maktar 
(Mactaris), Gabes (Tacape) und Thala, während 
die Sammlung der in Sousse (Hadrumetum) ge- 
fundenen Altertümer besonders wegen der Mosaiken 
bereits den Namen Museum verdient. Gauckler 
erwähnt als eins der besten Werke dieses Museums 
einen männlichen Bronzekopf »griechischer« Arbeit. 
Man wird gern mehr über dieses Werk erfahren. 
Die Direction der Altertümer befolgt die sehr ver- 
ständige Praxis, nur die besten Stücke ins Bardo- 
muscum aufzunehmen und alle anderen in localen 
Sammlungen unterzubringen. Solche Sammlungen 
haben ja vor allem auch die Aufgabe, bei der 
Bevölkerung das Interesse für die Altertümer ihrer 
Gegend wachzurufen und das ist grade in Tunesien, 
wo die Altertümer Gefahr laufen, durch die moderne 
Kulturarbeit zerstört zu werden, eine wichtige An- 
gelegenheit. Man merkt es dem energischen Ton, 
in dem der Bericht (Marche du Service) auf die 
Notwendigkeit scharfer Mafsregeln gegen jeden 
Vandalismus hinweist, an, dafs Gauckler seine Auf- 
gabe mit vollem Ernst auffafst, und sieht andererseits 
aus seiner Erklärung über die zulässige Verwendung 
verstreuter antiker Baureste, dafs er von jedem 
archäologischen Fanatismus, der grade auf Colonial- 
boden nur schaden könnte, frei ist. Wenn man 
den Bericht des Directors liest und die lebhafte 
Unterstützung, welche seine Bestrebungen bei dem 



Gencralresidenten R. Millet finden, würdigt, so ist 
das rege Gedeihen der Altertumswissenschaft auf 
tunesischem Boden auch für den fremden Zuschauer 
ein erfreuliches Bild. Mit berechtigtem Stolz be- 
richtet Gauckler, dafs sich sein Bardomuseum all- 
jährlich um mehr Altertümer bereichere als alle 
Museen der algerischen Provinzen, ungeachtet ihrer 
gröfseren Fonds, zusammen. 

Die im Auftrag des Generalresidenten eröffnete 
Enquete zur Untersuchung der hydraulischen Anlagen 
des römischen Afrika hat zur Veröffentlichung zweier 
weiterer Hefte (Heft 2 u. 3) geführt. Ich brauche 
hier nicht auf den Inhalt einzugehen, da sich die 
in meinem ersten Bericht auf Grund des ersten 
Heftes beschriebenen Typen (Cisternen, Thal- 
sperren etc.) immer wiederholen. Nur eine solche 
statistische Aufnahme sämmtlicher Reste irgend einer 
Denkmälergattung führt zu ihrer vollen Kenntnis. 
Diese Erkenntnis, dafs die Statistik der Denkmäler 
eine der vornehmsten Aufgaben der modernen 
Archäologie ist , wird in der Veröffentlichung 
einer monumentalen Publication, einer Beschreibung 
sowohl der römischen als auch der arabischen 
Monumente, ihren Ausdruck finden. Das in eine 
römische und eine arabische Abteilung zerfallende 
Werk führt den Titel: Les tnottumettts historiques 
de la Tuttisie (Paris bei Leroux). Der erste Teil 
heifst: Les ttiottuments antiques. Von ihm liegt der 
erste Band vor, welcher die heidnischen Tempel 
behandelt und von Cagnat und Gauckler heraus- 
gegeben ist 7 . Zu Grunde liegen der hier gegebenen 
vollständigen Beschreibung der Tempelruinen — und 
Zusammenstellung aller auf Tempel bezüglichen 
Zeugnisse — die an Ort und Stelle meist von dem 
Inspecteur des Antiquiles, dem Architekten H. Sadoux, 
gemachten Aufnahmen. Die Photographien haben 
teilweise als afrikanische Landschaftsbilder ein be- 
sonderes Interesse. Die Tempel sind nicht topo- 
graphisch sondern nach den Gottheiten geordnet, 
sodafs man sich z. B. die Tempel von Dugga, 
Sbeitla und anderen Städten, in denen es mehrere 
Heiligtümer giebt, aus dem topographischen Index 
zusammensuchen mufs , der aber natürlich die 
topographische Behandlung der Materie, welche 
man im Text vermifst, nicht zu ersetzen vermag. 
Ausführlicher bin ich auf das Verfehlte dieser 
Disposition in meiner demnächst in den Göttinger 
Gel. Anzeigen (Maiheft) erscheinenden Rezension 
eingegangen. Eine archäologische Statistik, eine 
Beschreibung der antiken Denkmäler, kann offenbar 
nur in topographischer Anordnung gegeben werden; 



7 ) Vgl. Bibliographie 1898 S. 203. 



/2 



Archäologische Neuigkeiten aus Nordafrika. 



der locale Zusammenhang der zu einer Ansiedlung 
gehörigen Denkmäler darf nicht durch Beschreibung 
derselben nach Gattungen zerstört werden. Grade 
in Tunis war eine solche topographische Be- 
schreibung aufs beste vorbereitet, denn der Atlas 
archeologique verzeichnet jede, auch die unbedeutendste 
Ruine. Die Monuments historiques mufsten der Text 
zu diesen Karten werden. Abgesehen von der 
unzweckmäfsigen Anordnung des Materials ist 
die Bearbeitung des I. Bandes vortrefflich. 

Zum Schlufs gedenke ich noch einer trilinguen, 
nämlich neupunisch, griechisch, römisch abgefafsten 
Inschrift aus der Nähe von Udna und punischer Votiv- 
stelen aus Maktar, welche eine Göttin Hathor- 
Miskar nennen und für die Vermischung der 
punischen Kulte mit ägyptischen Elementen (Hathor!) 
bezeichnend sind s. C. R. Academie 1898, p. 273 etc., 
Monuments antiques I p. 129 f.). — Sehr interessant 
ist, was Gauckler in seinem Bericht über die 
Organisation der tunesischen Altertumspflege mit- 
teilt. Für jede Ruine wird ein Heft angelegt, 
in welchem alle auf dieselbe bezüglichen Stücke 
(Litteratur, Aufnahmen etc.) gesammelt werden. 
Eine genaue Beschreibung und Aufnahme des be- 
treffenden Monuments in seinem gegenwärtigen Zu- 
stand ermöglicht eine Controlle etwaiger späterer 
Beschädigungen. Im letzten Jahre sind so die 
»Personalien« von 62 Ruinen (Triumphbögen, 
Basiliken, Villen etc.) aufgenommen worden; für 
weitere 53 steht eine Aufnahme bevor. Es lag 
nahe, diese Hefte nicht topographisch sondern 
nach Denkmälerklassen zu ordnen; diese Ordnung 
scheint die Veranlassung zu jener Anlage der Monu- 
ments historiques geworden zu sein. — Gaucklers 
»Afarche du Service«, ist der dem Generalresidenten 
vorgelegte amtliche Bericht über seine Thätigkeit. 
Der detaillirte Rapport zeigt, dafs der Minister 
Millet dem Service des Antiquites et Beaux-Arts ein 
besonderes Interesse zuwendet; mit Recht trägt da- 
her das Widmungsblatt der Monuments historiques 
seinen Namen. 

II. Algier. 
Bei einem Bericht über das, was in Algerien 
während des vergangenen Jahres geleistet worden 
ist, kann man kaum verkennen, dass Algier immer 
noch hinter Tunis zurückbleibt. R. Cagnat con- 
statirte in seinem 1896 gegebenen Rückblick (C. R. 
de F Academie 1 896) auf die archäologischen Arbeiten 
seit 1881, seit der Übernahme des tunesischen Protek- 
torats und der Begründung des dortigen Service des 
Antiquites et Beaux-Arts, dafs durch das tunesische 
Beispiel in die algerische schon seit 40 Jahren be- 



triebene Altertumsforschung neues Leben gekommen 
sei. Seit 1881 wurden auch in Algier gröfsere 
Arbeiten unternommen. Man begann die Aus- 
grabung von Timgad und veröffentlichte eine Be- 
schreibung der algerischen Museen. Jetzt scheint 
wieder ein Stillstand eingetreten zu sein. Von 
Timgad weifs Gsell in seiner Chronik nichts zu 
berichten; in Lambäsis hat man erst vor kurzem 
mit offenbar nicht erheblichen Grabungen be- 
gonnen (s. unten). Eben weil es Provinz ist, 
scheint Algier in archäologischer Hinsicht unter 
der französischen Centralisation zu leiden. Man 
bringt z. B. die wichtigeren Funde in den Louvre 
statt sie an Ort und Stelle zu lassen oder in 
einem algerischen Centralmuseum zu conzentriren 
und überträgt die für die Departements des Mutter- 
landes geeignete und an und für sich vortreffliche 
Organisation der Altertumspflege auf die afrikanische 
Provinz, die mit ihrem Reichtum an Altertümern einen 
selbständig organisirten Service des Antiquites, wie 
ihn die tunesische Regentschaft besitzt, haben 
müfste. So aber fehlt den dortigen Unternehmungen 
eine einheitliche Leitung. Gegen die glänzenden 
Unternehmungen im Auslande, besonders gegen 
Delos und Delphi, sticht der matte Betrieb der 
Altertumsforschung in Algier, also im eigenen 
Lande, ab, während die Arbeiten der tunesischen 
Archäologie wiederum von demselben frischen Eifer 
beseelt sind wie die Ausgrabungen in Griechenland 
— doch wohl nur, weil die Archäologen hier wie 
dort die nötige Freiheit der Bewegung haben. In 
diesem Mifsverhältnis liegt ein Mangel, den man 
im Auslande um so stärker empfinden mufs, je mehr 
man die Leistungen der französischen Archäologie 
auf fremden Boden schätzt. 

Wenig besser als in Timgad 8 steht es in dem 
benachbarten Lambäsis, wo ein junger Archäologe 
aus der Ecole de Rome , Herr Besnier, Grabungen 
vorgenommen hat (s. C. R. de V Academie 1898 
p. 124 f.; p. 383 f.; Melanges 1898 p. 451: Besnier, 
Inscr. et monuments de Lambese). Gefunden wurden 
einige neue scholae (Versammlungslokale der Offi- 
ziere). Zu einer systematischen Aufdeckung des 
Lagers scheint man sich nicht entschliefsen zu 
können und so wird denn das rheinische Novae- 
sium die erste völlig ausgegrabene römische Lager- 
festung werden , während es Lambäsis sein müfste, 
weil man es schon seit 50 Jahren kennt und weil 
dort die Ausgrabungen nicht erst durch grofse Ent- 
schädigungssummen erkauft werden müssen. So 



8 ) Vgl. Cagnat; La resurrection d'une ville an- 
tique: Timgad (Gazette des beaux arts 1898). 



Archäologische Neuigkeiten aus Nordafrika. 



73 



aber hat man bisher nur das sogenannte Prätorium, 
zwei Thore, die Thermen und einige jener scholae 
freigelegt. Auch von der eine Viertelstunde von 
der Festung entfernt liegenden Stadt Lambäsis ist 
nur ein kleiner Teil ausgegraben. — Über das 
byzantinische Kloster vor dem Thore von Tebessa 
hat der Architekt Ballu ein grofses Werk veröffent- 
licht, dessen Wert mehr auf der äufseren Ausstattung 
und den zahlreichen Tafeln und Abbildungen als 
auf dem übrigens auch nur kurzen (35 Seiten) 
Text beruhen dürfte: Le monastere byzantin de 
Tebessa (Paris, Leroux, Grofsfolio). Der Text 
zeigt, dafs Ballu die historische Seite seines Faches 
— er ist architect en chef des monuments histori- 
ques de t ' Algerie — jedenfalls nicht beherrscht. 
In einem Anhang behandelt Ballu auch die beiden 
anderen antiken Monumente von Tebessa: das 
Caracallathor und den Tempel. Der vierthorige, 
also ein sogenanntes »Janusthor« darstellende 
Triumphbogen des Caracalla ist bis auf einen das 
Ganze krönenden Aufsatz vollständig erhalten. In 
der Reconstruction dieses Aufsatzes weicht Gsell, 
der mit dem tunesischen Architekten Sadoux (s. oben) 
den Caracallabogen untersucht hat, von Ballu ab 
(vgl. Chronique). Den Tempel — der ebenfalls 
vortrefflich erhalten ist — hat Ballu wegen der 
am Fries zu sehenden »Eulen« — es sind aber 
Adler — für einen Minervatempel. — Eine in der 
Beurteilung der Architektur und der historischen 
Würdigung des Monuments gleich tüchtige Arbeit 
ist Gsells Behandlung eines Mausoleums von 
jener durch das »Grab der Christin« (Grab 
Jubas II ?) und den Medracen (zwischen Batna 
und Constantine) bekannten Form (C. R. l'Aca- 
demie 1898 p. 481 f.). Das Mausoleum von Blad 
Guitoun gehört zu den spätesten Beispielen ein- 
heimischer, berberischer Königsgräber. Wenn der 
Medragen die Zeit des Massinissa, das »Grab 
der Christin« mit seinem orientalisch -griechischen 
Mischstil die des afrikanischen Philhellenen Juba II 
darstellt, so gehört das Grab von Blad Guitoun ebenso 
wie die von La Blanchere behandelten i>DJedars<n 
(s. Archives des Missions, III. serie, Band 10 p. 77 f.) 
in die spätrömische oder besser byzantinische Zeit. 
Solange ist das aus einer polygonalen Basis und einer 
entsprechend vielseitigen Pyramide bestehende Grab- 
mal die typische Form der berberischen Königsgräber 
gewesen: noch die reguli der Byzantinerzeit hielten 
in ihren Grabdenkmälern die Erinnerungen an die 
grofsen Berbernkönige, an Massinissa und Jugurtha 
fest. So wenig sie ihnen als getreue Unterthanen 
Roms und gute Christen in ihren übrigen Werken 
gleichen, im Tod wollten sie ihnen gleich sein. 



Das ist, soviel ich snhe, alles was in Algier 
in der Erforschung der gröfsercn Denkmäler während 
des vergangenen Jahres geleistet wurde. Aufser- 
dem ist an Funden und Behandlungen kleinerer 
Altertümer etwa folgendes zu erwähnen. 

Die Societe de geographie et d ' archeologie von 
Oran hat zur Feier ihres 20jährigen Bestehens zwei 
Bücher veröffentlicht, die von dem regen Interesse, 
mit dem im fernen Westen von Algerien die Alter- 
tümer gepflegt werden, Zeugnis ablegen. Es ist 
eine Sammlung von Aufsätzen der Mitglieder 9 und 
ein von Toutain verfafstes Index zu den früheren 
Veröffentlichungen der Gesellschaft 10 . Leider hatte 
die Gesellschaft am Tage ihres Festes zugleich 
den Tod ihres Präsidenten, Herrn Demaeght ; zu 
beklagen, unter dessen Leitung jene 20jährige 
Thätigkeit so fruchtbar geworden ist. Gsell 
widmet dem Verstorbenen in seiner Chronique einen 
Nachruf. Das schönste Ergebnis des archäo- 
logischen Eifers der Societe d'Oran ist ihr Museum, 
das bedeutendste in Algier. Aus der Festschrift ist 
hervorzuheben ein Aufsatz von Gauckler über eine 
Portraitbüste in Marmor, die sicher Juba II. 
darstellt (a. a. O. p. 128—135). 

Unter den Statuten von Cherchel (Caesarea) 
befindet sich eine Athena, die auf ein Original des 
V. Jahrhunderts v. Chr. zurückgeht (Gauckler, Musee 
de Cherchel, Tafel XV Fig. 1). Reisch macht es 
sehr wahrscheinlich, dafs sie die Replik einer kolos- 
salen Bronzestatue von Alkamenes ist, die 416 im 
Tempel des Hephaistos zu Athen aufgestellt wurde 
(Jahreshefte d. österr. arch. Institutes I, 1898, p. 55 f. 
mit zwei Ansichten der Statue von Cherchel). In 
der Revue des etudes grecques (1898 p. 197 f.) be- 
spricht Lechat den Aufsatz Kekules v. Stradonitz 
über »Copien einer Frauenstatue aus der Zeit des 
Phidias« (Berl. Winckelmannsprogramm 1897). Von 
den bisher bekannten drei Copien sind zwei in 
Cherchel gefunden, die dritte befindet sich in Berlin. 
Lechat bekämpft Kekules Ansicht, dafs jene Statue 
mit der Demeter auf dem berühmten eleusinischen 
Relief zu vergleichen oder gar für ihr Urbild zu 
halten sei. 

Im Museum zu Alger befindet sich schon 
seit Jahren ein aus Karthago stammendes Relief mit 
drei Figuren (Fig. 3) : in der Mitte steht ein behelmter 
bärtiger Krieger, der die linke auf einen Rund- 



9 ) Bulletin d'Oran Volume publie a l'occasion 
du vingtieme anniversaire de la Societe de geogr. et 
darch. cfOran. 1878 -1898. Oran, 1898, in 8°. 
150 Seiten. 

,0 ) Journal des travaux de la Societe, table gene- 
rale, 1878— 1898, ibid. 260 Seiten. 



74 



Archäologische Neuigkeiten aus Nordafrika- 



schild stützt, während die erhobene Rechte eine 
Lanze gehalten haben mufs: es ist Mars; links 
steht Venus Genetrix (wegen der Bekleidung) 
mit Amor, rechts ein römischer Heros. Die C. R. 
der Acadimie bringen auf p. 838 einen Bericht über 
dies Relief von S. Reinach auf Grund einer dem- 
selben von Gsell gemachten Mitteilung. Soeben 
hat Gsell in der Revue Archeologique (1899 p. 37k) 
das Bildwerk ausführlich behandelt (mit Abbildung). 
Ohne das karthagische Relief in Betracht zu ziehen, 



von S. Vitale in Ravenna aufs Haar (s. Bernoulli, 
Rom. Iconographie II, 1, Tafel VI). Diese Figur 
hat den Stern des vergötterten Cäsar in Marmor 
ausgearbeitet über der Stirn, und der »Cäsar« 
unseres Reliefs im Kopf ein Loch zur Aufnahme eines 
bronzenen Zierrats, jedenfalls desselben Sternes. 
Gsell ist der Ansicht, dafs sich alle drei Figuren im 
Tempel des Mars Ultor befanden. Durch Ovid 
(Trist. II, 295) wissen wir nach Gsell dafs es im 
Tempel des Mars Ultor eine Venusstatue gab : » . . slat 



CARTHAGE 








■EBB 



Fig- 3- 



hatte schon Furtwängler {tollection Somzee p. 64) 
die Vermutung ausgesprochen und sehr plausibel 
gemacht, dafs die Bilder des bärtigen Mars (s. Reinach, 
Repertoire de la statuaire gr. et rom. II p. 189 — 190) 
Copien der Marsstatue im Tempel des Mars Ultor 
seien. Das algerische Relief, auf dem sich eben 
jener Marstypus wiederfindet, macht diese Vermutung 
noch wahrscheinlicher, denn Mars findet sich hier 
gruppirt mit den beiden anderen Göttern der 
augusteischen Zeit: Venus Genetrix und Cäsar — so 
mufs man den Römer in heroischer Gestalt nennen, 
denn er gleicht einer als Cäsar aufzufassenden 
Figur des die gens Julia darstellenden Reliefs 



Venus Ultori iuncta . . «. Mit Recht sagt Gsell (a. a. O. 
p. 3 des Sep.-Abdr.), dafs der Ausdruck nicht nur 
auf eine eigentliche Gruppe der beiden Gottheiten 
sondern recht wohl auch auf zwei neben einander 
stehende Statuen des Mars und der Venus, wie sie 
das Basrelief zeigt — sowohl Mars wie Venus stehen 
auf einer Basis — pafst. Dafs sich im Tempel 
des Mars Ultor auch eine Statue des Divus Julius 
befand, hat man aus einer Münze geschlossen, auf 
welcher der Flamen Martialis Lentulus neben einer 
genau dem »Cäsar« unseres Reliefs entsprechenden 
Statue steht, die durch einen auf dem Haupte an- 
gebrachten Stern als Divus Julius charakterisirt ist. 



Archäologische Neuigkeiten aus Nordafrika. 



n 



Die Münze soll deshalb die Weihung einer Statue des 
Divus Julius durch den Flamen Martialis Lentulus 
darstellen. Eine von dem Flamen des Mars unter 
Augustus geweihte Statue müsse man aber im Tempel 
des Mars Ultor suchen dürfen. Man wird zugeben 
müssen, dafs die Vermutung, jene drei Statuen des 
karthagischen Reliefs — denn auch für Cäsar ist eine 
Basis anzunehmen — gäben ein Ensemble aus dem 
Inneren des Mars Ultortempels wieder, sehr ver- 
lockend ist, aber von einer besonders berühmten 
Cäsarstatue im Tempel des Mars Ultor müfsten wir 
etwas von den Zeitgenossen hören. Auch die 
Venus macht Schwierigkeiten, denn wenn auch Ovid 
mit » Venus Ultori iuricla « eine neben dem Mars 
aufgestellte Venus bezeichnen kann und nicht not- 
wendigerweise eine Mars -Venusgruppe bezeichnen 
mufs, so kann doch eine Venus Ultori iuneta keine 
Venus Genetrix gewesen sein, denn die pafst nicht 
zu Mars. Ist es angesichts dieser Schwierigkeiten 
nicht besser anzunehmen, dafs der Künstler drei 
gleich berühmte oder gar die berühmtesten drei 
Statuen des augusteischen Rom auf seinem Relief 
vereinigt hat, nämlich den Mars des Mars Ultor-, die 
Venus des Venus Genetrix- und den Divus Julius 
des Cäsartempels? 

Im i. Band der Jahreshefte des österreichischen 
Institutes vergleicht Bienkowski einen Torso im 
Museum von Cherchel mit dem sogenannten Narcifs 
im Neapler Museum und einem in der Renaissance 
restaurirten Torso der Uffizien. Er weist nach, 
dafs jener afrikanische Torso eine genauere Copie 
des praxitelischen Originals als der florentinische 
ist und der neapler Bronze sehr nahe steht. 

Von kleineren Kunstwerken, die im vergangenen 
Jahre gefunden oder behandelt worden sind, ist zu 
erwähnen eine Reihe von 7 Statuetten (% nat. Höhe) 
aus Terracotta aus der Nähe von Tebessa, darunter 
ein Priap-Hermaphrodit. Diese Thonfiguren scheinen 
von guter Arbeit zu sein und aus der ersten Kaiser- 
zeit zu stammen (s. Gsell, Chronique). Man wird 
auf Abbildungen gespannt sein dürfen. Der Fund 
ist ins Museum von Tebessa gebracht worden. 

Im Museum von Tebessa befindet sich ein 
Kalksteinblock, der wegen seiner convexen Ober- 
fläche ehedem cylindrische Gestalt gehabt haben 
mufs. Auf ihm ist in Relief eine Mauer mit 
Fenstern und Thoren dargestellt. Über den 
Fenstern sind je drei Stufen sichtbar. Das merk- 
würdige Stück scheint nach Gsell (Chronique) aus 
der Basilika (s. oben) zu stammen. Rostowzew 
glaubte, es sei im Amphitheater von Tebessa ge- 
funden und kam wohl nur deshalb auf die Idee, 
dafs es eine Partie aus dem Inneren eines Amphi- 



theaters, nämlich einen Rang (maenianum) mit der 
Stützmauer (balteus), den zu den Sitzen führenden 
Ausgängen (vomitoria) und Fenstern darstelle 
(Melanges de V Ecole de Rome 1898 p. 199 — 205, 
Tafel 6). Die Vermutung ist auf den ersten Blick 
bestechend, aber doch nicht annehmbar; denn nie 
kommen neben den Vomitorien Fenster vor, und 
wie sollte man darauf verfallen sein, das Innere 
eines Amphitheaters auf einem cylindrischen Block 
darzustellen? Von einer Darstellung des Äufseren, 
für die sich eine solche Form vortrefflich geeignet 
hätte, kann keine Rede sein. Man wird also lieber 
eine andere Deutung des seltsamen Stückes suchen. 
— In Tiddis (bei Constantine) ist eine kleine 
bronzene Sphinx archaischen Stils (6. Jahrh. v. 
Chr.?) gefunden worden (Bull. arch. des Comite . . . 
1898 p. 340), die, an und für sich ohne besonderes 
Interesse, nur deshalb wichtig ist, weil in Numidien, 
wo es in jener frühen Zeit noch keine punische 
Kultur gab, bisher noch nie solch alte Kunstwerke 
gefunden sind. Das Vorkommen einer kleinen 
archaischen Bronzefigur bedarf keines besonderen 
Commentars ; solche Gegenstände konnten mit dem 
phönikischen Kaufmann auch wohl einmal zu den 
Berbern Numidiens gelangen. Ihr vereinzeltes 
Vorkommen zeigt, dafs ein solcher Import sehr 
sporadisch war. Erst durch Massinissa öffnete sich 
das Innere des Landes der von Osten kommenden 
Kultur (s. Boissier, L^Afrique Romaine p. 17). 

Im vorigen Jahre ist ein neuer Band der 
Musees de VAlgerie et de la Tunisie erschienen: 
Musee de Philippeville par St. Gsell. Das kleine 
Museum enthält die an Ort und Stelle, auf dem 
Boden der colonia Veneria Rusicade gefundenen 
Altertümer. Philippeville kann sich nicht mit 
Cherchel messen, welches durch sein »Museum des 
Juba« — wie man ja wohl die vortrefflichen dort 
gefundenen Copien nach griechischen Meisterwerken 
nennen kann — berühmt geworden ist, aber aufser 
vielen unbedeutenden Stücken, wie man sie überall 
auf römischen Boden findet und von denen die 
rohesten Arbeiten als Erzeugnis der afrikanischen 
Kultur noch die interessantesten sind — aufser 
dieser Dutzendware enthält das kleine Museum 
einige Werke, die bald über Afrika hinaus bekannt 
sein werden. Die Palme erkennt Gsell dem von 
langen Locken umwallten — man wird an den 
Eubuleus erinnert — JUnglingskopf von praxi- 
telischem Typus zu (p. 56). Er vergleicht ihn 
mit dem »ausruhenden Satyr« des Capitols. Nicht 
minder bedeutend ist ein Marmorkopf der älteren 
Agrippina (p. 59) — so mufs er wegen seiner 
evidenten Ähnlichkeit mit der capitolinischen wohl 



7 6 



Archäologische Neuigkeiten aus Nordafrika. 



sicher der älteren Agrippina zuzuweisenden Büste 
(Bernoulli, Rom. Iconographie II, I, Taf. XV, p. 
248) benannt werden. Wie in Cherchel findet man 
auch hier einige Copien nach älteren griechischen 
Originalen: eine Gewandstatue — in Peplos mit 
Diplois — des strengen Stils (p. 54) und einen 
weiblichen Colossalkopf (p. 42), der ebenfalls noch 
die Merkmale der besseren Zeit zeigt. Wegen 
seiner Dimensionen — er scheint zu einer 4 Meter 
hohen Statue gehört zu haben — vermutet Gsell, 
es könne der Rest eines grofsen Aphroditebildes 
sein, wie man es allerdings in der colonia Veneria 
Rusicade recht wohl voraussetzen kann. Eine 
Statue des Kaisers Pius (p. 61) verdient wohl 
nur wegen ihrer vorzüglichen Erhaltung hervor- 
gehoben zu werden. Interessant ist ein Caracalla- 
kopf (p. 63) schon allein deshalb, weil man ihn 
mit veränderter Inschrift später dem Constantin 
geweiht hat. Mit Recht betont Gsell, dafs der 
Kopf wegen seiner kleinen Maafse aus einem Privat- 
haus stammen müsse — ein neuer Belag für die 
Beliebtheit, deren sich die Dynastie des Septimius 
Severus in ihrer afrikanischen Heimat zu erfreuen 
hatte. Der Kopf einer Römerin (p. 65) mit herbem, 
trockenem Gesichtsausdruck gehört zu der Klasse 
von lebensgetreuen Portraitbüsten, welche in allen 
Teilen des Reichs gefunden sind und zeigen, dafs 
es auch eine römische Kunst gab, die Kunst, das 
Leben wie es ist, wiederzugeben. Nicht wegen 
ihrer Arbeit, sondern wegen ihres Gegenstandes 
verdienen besondere Hervorhebung mehrere auf den 
Mithraskult bezüglichen Bildwerke, darunter die 
bekannte Darstellung des den Stier tötenden Gottes 
(p. 45 f.). Die Mithrasreligion scheint in Afrika 
wenig verbreitet gewesen zu sein, offenbar weil die 
Provinz mit anderen orientalischen Naturkulten, mit 
dem Kult des Baal und der Caelestis gesättigt war 
(Gsell). Auf einem Sarcophag linden sich die in 
Afrika so überaus beliebten und z. B. aus den 
Mosaiken von Thabraka und Udna (s. Arch. Anz. 
1898 p. 114) bekannten idyllischen Szenen aus dem 
Leben auf dem Lande (p. 32). Wie auf dem 
Mosaik von Udna (s. Tafel 6 des Catalogue du 
Musee d'Alaoui) ist auch hier auf demselben Bilde 
in zwei Abteilungen Jagd und Hirtenleben dar- 
gestellt. Der Jäger ist, wie auf den afrikanischen 
Jagdbildern fast durchweg (s. oben), auch hier 
beritten. Auf der anderen Seite dieses etöiXXiov 
sitzt der Hirt mit dem Pedum vor seiner Hütte;' 
vor ihm sein Hund, mit dem er, wie die vor- 
gestreckte Hand zeigt, Zwiesprache pflegt, und 
verschiedene Tiere: Kühe, Schafe, Ziegen und ein 
Pferd. Die Hütte hat die bekannte konische Form 



— wie man sie z. B. auf der Marcussäule findet — ; 
in der Thür steht das Weib des Hirten, mit der 
Rechten einen Korb, den sie auf dem Kopfe trägt, 
festhaltend, während sie in der Linken ein Gefäfs 
hat. Es braucht kaum gesagt zu werden, dafs 
wir hier die Nachbildung eines der bekannten 
»hellenistischen« Reliefbilder mit Darstellungen des 
Lebens in Wald und Flur 11 vor uns haben. Das 
Sargrelief von Philippeville bewahrt, obwohl es eine 
spätere Arbeit ist, durchaus noch den Stil jener 
alexandrinischen Werke und erinnert lebhaft an 
eine ebenfalls in Afrika gefundene Silberschale mit 
Fischfangszenen, die dasselbe hellenistische Gepräge 
hat; vgl. über die Silberschale Biill. arch. du Comite 
1893 S. 83 und über den Zusammenhang zwischen 
der alexandrinischen Toreutik und den Relief bildern 
Schreibers »Alex. Toreutik« (Abh. d. sächs. Ges. 
d. Wiss. 1894) S. 275 f. Jene afrikanische Silber- 
schale gehört zu den dort S. 325 beschriebenen 
Typen). Man wird sagen können, dafs auch die 
afrikanischen Mosaikbilder mit ihren ländlichen 
und genrehaft behandelten Sujets auf diese helle- 
nistische Kunstrichtung, die das Leben von der 
behaglichen Seite auffafste und darstellte, zurück- 
gehen, ebenso wie die campanischen Wandgemälde. 
Die Übereinstimmung in den Gegenständen ist zu 
grofs als dafs die durch das verschiedene Material 
gegebene Verschiedenheit des Stils — die pompeja- 
nischen Fresken sind stilistisch den Reliefbildern 
nicht weniger unähnlich als die afrikanischen 
Mosaikbilder — in Betracht kommen könnte. Das 
philippeviller Sarcophagrelief ist deshalb so wichtig, 
weil es jenen hellenistischen Urbildern auch stilistisch 
überaus nahe steht. Sollten sich nicht noch andere 
Sargreliefs desselben Genre nachweisen lassen? Gsell 
fertigt das interessante Relief sehr kurz ab (p. 32) 
und hat offenbar seine Beziehungen zu den helle- 
nistischen Reliefbildern nicht erkannt. Nordafrika 
beginnt aufser durch originelle Mosaikbilder durch 
die Copien nach griechischen Werken auch für den 
Archäologen interessant zu werden. Das Sarkophag- 
relief von Philippeville eröffnet neue Perspectiven, 
denn bisher sind aus Afrika wohl Copien nach 
Werken der früheren griechischen Kunst, aber noch 
keine Reproductionen »hellenistischer« Kunstübung 
bekannt geworden. Das Mosaik mit der Nilland- 



n ) Man vergleiche aus Schreibers »Hellenist. 
Reliefbildern« die Nummern LV, LXXIV (Hirt mit 
Kuh am Brunnen), LXXV (oben: ausruhender 
Mann mit Hund, unten: vier Kühe, eine Darstellung, 
die in ihrem Arrangement und Gegenstand besonders 
stark an unser Sarkophagrelief erinnert), LXXVII 
(Hirt eine Ziege melkend), LXXX (Hirt eine Kuh 
zum Markt führend), LXXXI, CVIII. 



Bericht über die Arbeit der Reichslimeskommission im Jahre li 



77 



schaff (s. oben), das eben besprochene Relief und 
jene »alexandrinische« Silberschale zeigen, dafs man 
in Nordafrika ebenso gut nach griechischen Vor- 
lagen gearbeitet hat wie in Italien. Die Vorstellung, 
als ob Juba und die Statuen von Cherchel eine 
Insel griechischer Kultur inmitten banausischen 
Römertums bezeichneten, ist aufzugeben. Auch in 
Nordafrika kann man lernen, dafs selbst der materielle 
Teil der römischen Kultur viel mehr griechische Ele- 
mente enthält, als meist geglaubt wird. 

Göttingen. A. Schulten. 



BERICHT ÜBER DIE ARBEIT 

DER REICHSLIMESKOMMISSION IM 

JAHRE 1898. 

A. Limes und Zwischenkastelle. 
I. Die genaue Feststellung des Pfahls, 
das heifst derjenigen Grenze, deren augenfälligste 
Reste in Germanien Graben und Wall, in Rätien 
die Mauer sind, hat auch im Jahr 1898 wieder 
erhebliche Fortschritte gemacht. 

1. Durch Hrn. Loeschckes Untersuchungen bei 
Mönningen kann jetzt die wichtige Frage nach dem 
Anschlufs des Limes an den Rhein als gelöst gelten. 
Von der Höhe des Rheinbrohler Waldes in nord- 
westlicher Richtung herunterkommend überschreitet 
der Pfahlgraben im Balbachthal unweit des Arien- 
heller Hofes den heutigen Wasserlauf und endet 
wenige Meter nördlich in einem alten Bett dieses 
Baches. »Dafs der Graben auch dieses durch- 
schnitten habe und sich weiter nach Norden fort- 
setzte, scheint nach dem Ergebnis ausgedehnter 
Versuchsgrabungen ausgeschlossen zu sein. Vielmehr 
spricht alles dafür, dafs von Arienheller bis zum 
Rheinufer der Baibach die römische Grenze bildete, 
oder, wie man das Verhältnis von Bach und Limes 
richtiger auffassen wird, dafs das Wasser des bei 
Arienheller endenden Thals den Limesgraben als 
Abflufsrinne durch die Niederung bis zum Rhein 
benutzte, wodurch das ursprüngliche Profil des 
Grabens im Lauf der Jahrhunderte zerstört worden 
ist« (Loeschcke). 

2. Nachdem der Limes auch in der Umgebung 
des Neuwieder Beckens jetzt überall nachgewiesen 
ist, steht die Linie zwischen Hönningen am Rhein 
und dem Lahnthal bei Ems, im südlichen Teil 
durch die bereits früher ausgeführten Untersuchungen 
des Hrn. Dahm, nunmehr lückenlos fest. 

3. Südlich von Ems, wo der Lauf des Limes 
bis Schweighausen gleichfalls bereits früher verfolgt 
war, bestand zwischen diesem Ort und Pohl noch 
eine grofse Lücke (ca. 10 km). Sie ist im ver- 



flossenen Jahr durch die Untersuchungen von Hrn. 
Puchstein und mir fast vollständig ausgefüllt worden. 
Der Pfahl bleibt nördlich des von Schweighausen 
nach Geisig führenden Fahrwegs. Am Abhang des 
tiefen Mühlbachthales hört der Graben oberhalb 
der Dickmühle mit wohlerhaltener Böschung auf, 
wurde aber am jenseitigen Thalrand bei Berg wieder 
aufgefunden. Die Linie zieht, wie v. Cohausen 
bereits annahm, unterhalb des Dorfes Berg west- 
wärts, überschreitet den Kukuksberg zwischen Berg 
und Hunzel, bildet bei Kastell Hunzel einen flachen 
einspringenden Winkel und durchschneidet das Dorf 
Hunzel selbst, um weiter östlich die Wasserscheide 
zwischen Mühlbach- und Hasenbachthal zu ersteigen, 
die bis über Holzhausen hinaus festgehalten wird. 

4. Auf der Strecke Holzhausen bis zum Aarthal 
hat Hr. Lehner den Lauf des Limes in den Feldern 
südöstlich von dem Dorf Holzhausen nachgewiesen 
und über Kernel hinaus so weit verfolgt, dafs nur 
noch 3 km am östlichen Ende fehlen, die einzige 
gröfsere Lücke auf dem langen Abschnitt vom 
Rhein bis zur Aar, die noch auszufüllen bleibt. Die 
Strecke setzt sich aus drei grofsen nach NO. ge- 
öffneten flachen Bogen zusammen, die 1200m östlich 
von Kastell Holzhausen und 500 m nordöstlich von 
Huppert aneinander stofsen, an beiden Punkten 
scharf ausspringende Winkel bildend. Der erste 
Bogen, der stets auf der Nordseite der Bäderstrafse 
bleibt, umsäumt den Ursprung des Hasenbachthals, 
der zweite die Mulde von Laufenseiden, der dritte, 
in dessen Scheitel der »Pohl« bei Kernel, der 
Culminationspunkt dieser ganzen Linie, (537 m, 
Trigonom. Punkt) liegt, die Schluchten des Winter- 
und Lahnbaches. 

5. In der Wetterau hat Hr. Soldan zwei kleinere 
Lücken ausgefüllt, nordöstlich von Butzbach, wo 
der Pfahl einen nach NW. ausspringenden Winkel 
beschreibt, und auf beiden Ufern der Wetter bei 
Arnsburg, und hat den Limeslauf von hier in der 
Richtung auf Marköbel bis über Birklar hinaus durch 
Grabungen festgelegt, sowie mit der Untersuchung 
der hier noch fehlenden Teilstrecke bei Altenstadt 
und Marköbel, also von Süden her, begonnen. 

6. In Württemberg wurden auf der Strecke 
Jagstnausen-Haghof zwei Lücken durch Hrn. Sixt aus- 
gefüllt: zwischen dem Murrthal und Schlofshof sowie 
bei Welzheim, wo der Pfahl zwischen den beiden 
Kastellen in der auch sonst festgehaltenen Richtung 
nachgewiesen wurde. Das Kastell auf der Bürg, 
Welzheim-Ost, lag also thatsächlich aufserhalb. 

7. Am rätischen Limes in der Gegend von 
Gmünd gelang es Hrn. Steimle, noch weitere An- 
haltspunkte dafür zu gewinnen, dafs die Mauer von 



78 



Bericht über die Arbeit der Reichslimeskommission im Jahre ii 



den Vogelhöfen bei Wustenrieth in östlicher 
Richtung zum Salvator zieht und das Thal von 
Becherlehen durchschneidend zur Muthlanger Haide 
hinansteigt. Ihre Spuren sind allerdings östlich 
vom Salvator gering. 

8. Zwischen Kipfenberg und der Donau waren 
die Übergänge über den Schambach noch nicht 
hinreichend nachgewiesen. Dies hat nunmehr Hr. 
Fink nachgeholt. Die Mauer zieht vom Kesselbcrg 
westlich von Sandersdorf aus in östlicher Richtung 
quer durch das Schambachthal und gradlinig weiter 
bis auf den Rücken des Mühlbergs,, biegt hier nach 
Südosten um, durchquert das Schambachthal zum 
zweitenmal bei Hinzenhausen und führt über den 
Abhang des Schindberges zur Höhe des Mefsmer- 
berges bei Sollern. 

II. Hinsichtlich der Konstruktion der 
Grenz wehr ist die namentlich von dem militärischen 
Dirigenten , Exe. v. Sarwey , angeregte Frage 
nach dem ursprünglichen Vorhandensein von 
Hindernissen an Graben oder Wall vielfach 
Veranlassung zu besonders sorgfältigen Unter- 
suchungen gewesen. Das Ergebnis war überall 
absolut negativ. Nirgends sind in- oder auf dem 
Wall, an oder in dem Graben Spuren von etwaigen 
Holzsperren gefunden worden , und nur die 
Limesbl. S. 719 besprochene Erscheinung in 
Nassau, dafs im Graben etwa I m über der ur- 
sprünglichen Sohle sich nicht selten ein Kohlenlager 
findet, wurde auch anderwärts, z. B. in Oberhessen, 
beobachtet. Da die Kohlen erst in den Graben 
gekommen sind, als er schon halb zugeschüttet 
war, so ist diese Erscheinung für die Rekonstruktion 
des antiken Zustandes bedeutungslos. Es mufs also 
jetzt als feststehend angesehen werden , dafs am 
Graben oder Wall im Altertum keinerlei Vor- 
richtungen bestanden haben, um das Überschreiten der 
Grenze zu erschweren oder zu verhindern. Dieses 
Ergebnis ist höchst auffallend, da allgemein zuge- 
standen wird, dafs Graben und Wall wenigstens 
für Fufsvolk ein erhebliches Hindernis nicht ge- 
bildet haben können. 

Ganz anders verhielt es sich in dieser Hinsicht mit 
der rätischen Mauer. Am Abhang des Burgstalls bei 
Gunzenhausen hat Hr. Eidam an einer Stelle, wo 
die Mauer nach aufsen umgestürzt ist, den Absturz 
auf 15 m Länge von der ihn bedeckenden Walderde 
befreien lassen, wobei sich ergab, dafs die grofsen, 
ziemlich regelmäfsig behauenen Steine genau so, 
wie sie ehemals an der Aufsenfront schichten weise 
verbaut waren, in Reihen auf dem Boden lagen. 
Hiernach liefs sich die ursprüngliche Mauerhöhe 
auf mindestens 2y 2 m berechnen, ein Ergebnis, das 



frühere Berechnungen (s. Popp, Beilage zur Allg. 
Ztg. 1894, No. 94) erheblich übertrifft. Hier war 
also jeder Verkehr über die Grenze thatsächlich 
durch die Mauer gesperrt, und die Ergebnislosigkeit 
der Nachforschungen nach einem gleichwertigen 
Hindernis an dem germanischen Limes erscheint im 
Vergleich damit um so befremdlicher. 

III. Noch auf einen anderen Unterschied der 
beiden Systeme sei gleich hier hingewiesen. Am 
rätischen Limes konnten, von sumpfigen Niederungen 
abgesehen, bis jetzt nur sehr wenige und immer 
nur ganz kurze Unterbrechungen der Mauer 
nachgewiesen werden. Wenn auch hier bei dem 
mangelhaften Erhaltungszustand der vollständige 
Nachweis aller Unterbrechungen auf längeren 
Strecken ausgeschlossen ist, so steht doch so viel 
fest, dafs es eben nur Durchgänge und dafs die 
Durchgänge eng und keineswegs zahlreich waren 

Auf der germanischen Grenze dagegen setzt der- 
Pfahl häufig aus und fehlt an vielen Stellen, so 
namentlich an steilen Abhängen und in feuchten 
Niederungen gänzlich. Nachdem Hr. Loeschcke zu- 
erst diese Thatsache auf seiner Strecke beobachtet 
hatte, wurde von Hrn. Puchstein und mir die 
13,5 km lange Strecke Schweighausen-Holzhausen 
daraufhin planmäfsig untersucht. Es ergab sich, 
dafs der Pfahl nicht nur, wie oben bemerkt, in dem 
tief eingeschnittenen Mühlbachthal, sondern auch 
in einem kleinen Thälchen zwischen Berg und 
Hunzel unterbrochen ist, und dafs er, im Ganzen 
mindestens 14 mal, bei fast allen Türmen, auch an 
Punkten, wo Strafsenübergänge nicht anzunehmen 
sind, zuweilen über 20 m weit aussetzt. 

Noch auffallender verhält sich die Sache weiter 
südlich in der Gegend von Laufenseiden und 
Huppert. Hier war bereits durch Hrn. Pallat fest- 
gestellt worden, dafs Graben und Wall unweit des 
grofsen Knicks (s. I 4) östlich von Kastell Holz- 
hausen verschwinden und erst nach 6,3 km unweit 
des Erlenhofes bei Kernel wieder anfangen. Hr. 
Lehner hat jetzt die beiden trichterförmig ab- 
geböschten Grabenenden gefunden und Hrn. Pallats 
Feststellung durch zahlreiche Versuchsgrabungen 
lediglich bestätigt. Nur das Palissadengräbchen 
ermöglichte es, den Lauf des Limes überhaupt fest- 
zustellen, und dies in einem Gelände, wo der 
Anlage von Graben und Wall keineswegs Schwierig- 
keiten, wie an den Steilhängen der Thäler des 
Westerwaids oder in den Sümpfen der Bulau, 
entgegenstanden. 

Ob diese Erscheinung, das häufige Aussetzen 
von Graben und Wall, nur dem rheinischen Limes 
zwischen Hönningen und Kernel eigentümlich ist, 



Bericht über die Arbeit der Reichslimeskommission im Jahre li 



79 



oder wie ich Grund habe anzunehmen auch sonst 
h&ufig begegnet , darüber fehlt es noch an 
eigens zu diesem Zweck angestellten Unter- 
suchungen. Immerhin drängen sich angesichts 
der erwähnten Thatsachen die Fragen auf: wie war 
die Absperrung der Grenze hier an den zahlreichen 
grofsen und kleinen Unterbrechungen bewirkt, und 
wie war überhaupt das Hindernis beschaffen, das 
die militärischen Sachverständigen mit Recht fordern? 
Es giebt meines Erachtens auf beide Fragen nur 
eine Antwort: die Palissade. 

IV. Die Palissade. Schon im vorjährigen 
Bericht S. 4 ist die namentlich durch Hrn. Loeschcke 
vertretene Ansicht, dafs in dem sogenannten Gräb- 
chen überall Palissaden gestanden hätten, besprochen 
und über die Untersuchungen berichtet worden, die 
von den Hrn. Hettner und Loeschcke eigens an solchen 
Punkten, welche jener Ansicht entgegen zu stehen 
schienen, angestellt worden waren. Hr. Hettner 
erklärt dort, dafs nach dem Ergebnis dieser Unter- 
suchungen seine Bedenken gegen eine fortlaufende 
Palissadirung zu schwinden begännen. 

Ich glaube, man kann jetzt noch einen Schritt 
weitergehen und behaupten, dafs am germanischen 
Limes die Palissade allezeit einen unentbehrlichen 
Teil der Grenzwehr gebildet und nirgends gefehlt 
hat, wo nicht, wie zwischen Bofsheim und Jagst- 
hausen, neben Wall und Graben noch eine Stein- 
mauer errichtet war. Am rätischen Limes dagegen 
ist die ursprünglich auch hier überall vorhandene 
»Holzmauer« durch die Steinmauer ersetzt worden. 

Ich stütze mich dabei zunächst auf die That- 
sache, dafs mit der einzigen Ausnahme der viel- 
besprochenen Stelle am Greinberg bei Miltenberg 
(Bericht f. 1897 IV 3 S. 4), wo weder der Pfahl 
noch der Palissadengraben sich bis jetzt gefunden 
haben, am germanischen Limes überall vor dem 
Pfahl das Palissadengräbchen nachgewiesen worden 
ist. Es geht auch an solchen Stellen ausnahmslos 
ununterbrochen durch, wo der Pfahl auf längere 
oder kürzere Strecken aussetzt, und Durchlässe oder 
Thore sind bisher nur in sehr geringer Zahl auf- 
gefunden worden. 

Im Einzeln sind folgende Ergebnisse der letzt- 
jährigen Untersuchungen zu verzeichnen. 

1. Im Bericht f. 1897 war unter I 6 erwähnt, 
dafs bei Augustenthal unweit des Kastells Nieder- 
bieber das Palissadengräbchen fast 1 Y2 km we it 
hinter dem Pfahl sich hinziehe. Auf diese Stelle 
konnte zur Verteidigung der Ansicht hingewiesen 
werden, dafs die Palissade durch den Pfahl ersetzt 
worden sei, und dafs keineswegs beide nebeneinander 
bestanden haben könnten. Es hat sich indes heraus- 



gestellt, dafs der tiefe Spitzgraben, der hier für 
den Pfahl in Anspruch genommen war, vielmehr 
zur Umfassung einer grofsen bürgerlichen Nieder- 
lassung bei dem Kastell gehört. Es liegen also 
hier besondere Verhältnisse vor, und diese Stelle 
ist somit bei der Erörterung der prinzipiellen Frage 
auszuscheiden. Im Übrigen fehlt das Palissaden- 
gräbchen auf der ganzen Strecke nirgends und 
liegt stets im gewöhnlichen Abstand einige Meter 
vor dem Pfahl, wo dieser überhaupt vorhanden ist. 

2. Das Gleiche ist auf dem Abschnitt Schweig- 
hausen — Holzhausen der Fall. Das Gräbchen ist 
jetzt hier überall nachgewiesen, wo immer gearbeitet 
wurde, und kein Anhalt hat sich für die Annahme 
ergeben, dafs die Palissade nach Aufwerfen von 
Graben und Wall beseitigt worden sei. 

3. Auf der Strecke Holzhausen — Kernel haben 
die Herren Pallat und Lehner dagegen eine Be- 
obachtung gemacht, die zunächst für diese An- 
nahme spricht: Auf dem 6 km langen Abschnitt, 
wo es allein vorhanden ist, weist das Gräbchen 
einen auffallend stärkeren Kohlenreichtum auf, als 
wo es von Wall und Graben begleitet wird. Hr. 
Lehner erklärt sich diese Erscheinung durch die 
ansprechende Vermutung, dafs die Palissade, da wo 
sie allein als Grenzsperre zu dienen hatte, mehrfach 
erneuert worden sei, während man sie habe ver- 
fallen lassen, wo Graben und Wall genügenden 
Schutz zu gewähren schienen. Ich glaube indes, 
dafs man bei dem Versuch einer Erklärung der 
sekundären Erscheinung von der Hauptfrage aus- 
gehen mufs, warum eigentlich auf dem 6 km langen 
Abschnitt auf Graben und Wall gänzlich verzichtet 
worden ist. War es beispielsweise geschehen, weil 
zufällig die Palissade hier aus besonders mächtigen 
Stämmen fester als sonst hergestellt war, so erklärt 
es sich von selbst, dafs diese reichlichere Spuren 
hinterlassen haben, als die schwächeren Hölzer an 
anderen Stellen. Immerhin möchte ich die Wichtig- 
keit der erwähnten Erscheinung für die prinzipielle 
Frage nachdrücklich betonen und erneute Prüfung 
des Thatbestandes empfehlen. 

4. Im Hochtaunus habe ich das vor dem Pfahl 
sich hinziehende Gräbchen auf dem Rofskopf und 
an der Obernhainer Strafse unweit der Saalburg 
genauer untersucht. Es fanden sich nicht allein 
Reste von verkohltem Eichenstammholz und eiserne 
Nägel darin, sondern man konnte deutlich er- 
kennen , dafs die Verkeilsteine der Pfähle , die 
ursprünglich läuferartig an beiden Wänden des 
Gräbchens bis hoch hinauf gesessen hatten, in 
Folge des Verfaulens der Pfähle nach der Mitte 
zu zusammengerutscht waren. Es war genau der 



8o 



Bericht über die Arbeit der Reichslimeskommission im Jahre ii 



gleiche Befund, wie er nunmehr an hundert und 
aberhundert Stellen zwischen Rhein und Donau 
festgestellt worden ist und jedenfalls nur eine 
Erklärung zuläfst: entweder haben auch an den 
erwähnten Punkten des Hochtaunus im Gräbchen 
Palissaden gestanden, oder aber die Erscheinungen 
müfsten auch an allen übrigen Stellen anders erklärt 
werden, und das halte ich für völlig ausgeschlossen. 
5. Besonders wichtig ist eine Stelle am Nord- 
west-Abhang des grofsen Feldbergs, die Hr. Jacobi 
durch zahlreiche Schnitte hat aufkläreu lassen. Der 
Pfahl bildete hier ursprünglich einen nach der 
germanischen Seite geöffneten flachen Bogen, dessen 
Scheitel 400 m östlich vom Feldberg-Kastell lag. 
Durch Einschaltung eines 700 m langen grad- 
linigen Stückes, das sehnenartig den Bogen ab- 
schliefst, ist dann die Linie nachträglich corrigirt 
worden. Dabei haben die Römer aber nicht blofs 
Wall und Graben sondern auch die Palissade er- 
neuert, so dafs an der Stelle, wo die beiden Linien, 
Bogen und Sehne, ineinander übergehen, das 
folgende Profil gefunden wurde: 



Wall an. Neuerdings ist indes durch Hrn. Wolff 
der Zusammenhang der Pfostenreihe mit dem Palis- 
sadengräbchen evident nachgewiesen worden; sie 
bildet die genaue Fortsetzung des Gräbchens, während 
zwischen Pfosten und Pfahl eine Lücke bleibt. 
Auch nach der Errichtung des Pfahls war die 
Palissade hier folglich so wenig als die Pfostenreihe 
zu entbehren. 

Ganz anders liegen die Dinge wieder in Rätien. 
Hier zeigt das Gräbchen bekanntlich drei Eigen- 
tümlichkeiten, die am germanischen Limes bis jetzt 
nicht beobachtet worden sind: Es ist, z. B. an vielen 
Stellen zwischen Kipfenberg und Hienheim , als 
1,50 — 2,00 m breite, 0,30 — 0,50 tiefe Furche stunden- 
weit äufserlich sichtbar; es werden an solchen Stellen 
keine auffälligen Steinsetzungen gefunden, keine 
Kohlen oder sonstigen bemerkenswerten Reste; und es 
läuft nicht blofs in ganz ungleichen Abständen von 
der Mauer, sondern streckenweise nicht vor, sondern 
hinter derselben (Limesbl. S. 189, 311, 374, 389, 
Popp Beil. z. Allg. Ztg. 1893 no. 257). Wo das 
Gräbchen äufserlich sichtbar ist, pflegen auf beiden 




Atltere Linie . 

Die Stelle beweifst, dafs zu einer Zeit, wo 
Wall und Graben längst bestanden haben, die 
Palissade noch immer nötig war und gelegentlich 
einer Verlegung der Linie ebenso gut wie jene neu 
erstellt werden mufste (Vgl. unten VII 1 Verlegung 
der Palissade aus Anlafs eines Wegebaus). 

6. Auch auf der Strecke Cappersburg — Arnsburg 
ist das Palissadengräbchen mit einer Tiefe von etwas 
über 1 m überall 3,20 — 3,50 m vor der Mitte des 
Pfahlgrabens gefunden worden. Steinverkeilung 
wird hier, wo der Boden zumeist aus Lehm besteht, 
nur an einzeln Stellen angetroffen, dagegen fanden 
sich jetzt auch auf dieser Strecke an einem feuchten 
Platz Reste von Pfählen aus Eichenholz. 

7. Zwischen Marköbel und Grofskrotzenburg 
ist das Palissadengräbchen bekanntlich bereits 1883 
von den Herren Dahm und Wolff erkannt und richtig 
erklärt worden. Wie der Pfahl setzt es in den 
beiden Sümpfen der Bulau aus, wo das Ziehen von 
Gräben eben nicht möglich war. An die Stelle tritt 
eine Reihe mächtiger Spitzpfähle, die in Abständen 
von 3 zu 3 m tief eingerammt sind und jedenfalls 
die Pfosten eines starken Zaunes gebildet haben. 
Hr. Dahm sah sie als Ersatz für den fehlenden 



Juni. 



Linit 



Seiten schwache Erhöhungen die Furche zu be- 
gleiten. Die Erscheinung erklärt sich in einfachster 
Weise: An diesen Stellen ist die Palissade heraus- 
gegraben worden, wobei die ursprünglich zur Be- 
festigung der Pfähle eingestampften Steine und Erd- 
massen nach rechts und links herausgeworfen wurden. 
In Rätien ist eben die Palissade durch die Stein- 
mauer ersetzt und vor oder während der Erbauung 
der Mauer durch Ausgraben oder Kappen der Pfähle 
beseitigt worden. Genau so müfste meines Erachtens 
der Befund am germanischen Limes sein, wenn die 
Palissade hier durch Graben und Wall ersetzt und 
nicht blofs, wie ich annehme, zum Schutz der Grenze 
gegen Reiterei verstärkt worden wäre. 

V. Die Untersuchung der Steintlirme hat 
wesentlich neue Ergebnisse nicht erbracht. Es 
wurden aber immer noch zahlreiche bisherunbekannte 
Türme aufgefunden und manche neue Anhaltspunkte 
zur Lösung der verschiedenen Fragen über die Ein- 
richtung der Türme und ihre Verwendung zur Be- 
wachung der Grenze, sowie über ihr zeitliches Ver- 
hältnis zu den übrigen Anlagen gewonnen. Für 
einzelne Strecken läfst sich auch der mittlere Ab- 
stand der Türme von einander jetzt genauer be- 



Bericht über die Arbeit der Reichslimeskommission im Jahre 1898. 



8l 



stimmen als früher, wo viele Wachtstationen un- 
bekannt waren, möglich gewesen ist. Zum Vergleich 
mit den unten als Beispiele angegebenen Zahlen, sei 
daran erinnert, dafs auf der seit langem fertiggestellten 
badischen Strecke Hönehaus-Tolnaishof, wo die 
Abstände der 31 nachgewiesenen oder mit Sicherheit 
ergänzten Türme zwischen 440 und 815 m schwanken, 
die durchschnittliche Entfernung 626 m beträgt. 

1. Im Westerwald, auf dem 14 km langen Ab- 
schnitt zwischen Oberbieber und Grenzhausen sind 
nunmehr sämtliche Wachtstationen, 25 an Zahl, bis 
auf 4 nachgewiesen, und von den fehlenden Türmen 
kann wenigstens die ungefähre Lage als bekannt 
gelten. Der mittlere Abstand beträgt hier 550 m, 
der gröfste 815 (Huheld-Hornmorgen). Dabei ist 
zu beachten, dafs der Limes auf dieser Strecke viel- 
fach geknickt ist und über verschiedene tiefe Thäler 
und Schluchten hinwegführt. 

2. Auf der 37,5 km langen Strecke Grenzhausen 
bisHolzhausen belief sich dieZahlder Wachtstationen, 
die hier gleichfalls gröfstenteils durch Grabungen 
festgestellt worden sind, auf mindestens 56. Der 
mittlere Abstand ergiebt also hier, wo der Limes 
grofse Strecken weit gradlinig läuft und nur einzelne 
tiefe Thäler durchquert, höchstens 670 m. Der 
gröfste Abstand ist 860 m. 

3. Die Steintürme stehen auf dieser ganzen 
Strecke in sehr ungleichen Abständen vom Pfahl, 
was sich aus der früher festgestellten Thatsache 
erklärt, dafs sie hier wie anderwärts älter als die 
Anlage des Pfahls sind (Bericht f. 1897 1H 3 S. 4, 
Limesbl. 721). Bei einem Steinturm auf dem 
Kukuksberg bei Hunzel ist die Aufsenfront von der 
Grabensohle nicht einmal ganz 4 m entfernt. Der 
Rand der Eskarpe lag hier also fast unmittelbar 
am Fufs der Turmmauer, und der Turm stand 
mitten in dem (jetzt nicht mehr vorhandenen) Wall. 
Wenn man beim Ausheben des grofsen Grabens sich 
vom Turm hätte weiter fernhalten wollen, wozu 
Terrain genug vorhanden war, so würde man mit 
der Kontreskarpe zu nahe an die Palissade heran- 
gekommen sein, hinter der, wie es scheint, ein 1 — 2 m 
breiter Weg erhalten bleiben sollte. Auch an 
anderen Stellen, wo Graben und Wall zwischen 
Steinturm und Palissade eingezwängt erscheinen, 
ist der 1 — 2 m breite Abstand von der letzteren 
stets gewahrt, und wo es unmöglich war, auf dem 
engen Raum zwischen Palissade und Turm den 
Graben auszuheben, hat man darauf verzichtet, so 
dafs der Turm in einer Lücke des Pfahls stand. 
Diese letztere Anlage, die sich z. B. im Bezirk 
Wolfskaut bei Dornholzhausen findet, begegnet be- 
sonders häufig auf der rheinischen Strecke. Sie 

Archäologischer Anzeiger 1899. 



findet ihre einfache Erklärung in der Annahme, dafs 
die Palissade bei der Anlage des Pfahls unbedingt 
erhalten bleiben sollte. Ob an solchen Stellen 
Übergänge über den Limes bestanden haben, läfst 
sich also aus der Unterbrechung des Pfahls und 
der Stellung des Turms allein nicht erschliefsen, 
sondern mufs nach anderen Anhaltspunkten (Strafsen- 
spuren, Durchlässen durch die Palissade, Terrain- 
verhältnissen etc.) entschieden werden. 

4. Zwischen Holzhausen und der Aar sind bis 
jetzt 15 Stein türme, davon 9 im verflossenen Jahr 
gefunden worden, die dem vielfach gewundenen 
Lauf des Limes entsprechend zum Teil in besonders 
kurzen Abständen errichtet waren. Es dürften 
mindestens noch ebensoviel Türme auf dieser 15,5 km 
langen Strecke fehlen. 

5. Zwischen der Saalburg und Cappersburg 
sind 10 Steintürme festgestellt. Die Summe der 
gradlinigen Entfernungen von einander beträgt 5420. 
Hier beträgt der mittlere Abstand also rund 600 m 
(gröfster Abstand 745), obwohl das Terrain keines- 
wegs schwierig ist. 

6. Auf der oberhessischen Strecke hat Hr. Soldan 
bei den Steintürmen, wo danach gesucht wurde, 
immer einen rundumlaufenden Graben gefunden. 
(Über die gleiche Beobachtung auf anderen Strecken 
s. Bericht 1897 S. 4). Palissadenumzäunungen um 
die Steintürme kommen nördlich des Mains an- 
scheinend selten vor. Hr. Wolff hat sie in der 
Bulau nachgewiesen. 

7. Auf der 30 km langen Strecke Kipfenberg- 
Donau war Hr. Fink mit Erfolg bemüht, die Stellen 
der Steintürme möglichst vollständig zu bestimmen. 
Es hat sich dabei ergeben, dafs ihre Abstände kürzer 
und gleichmäfsiger sind , als früher angenommen 
wurde. Der Streckenkommissar glaubt jetzt die 
Zahl der ehemals vorhandenen Steintürme auf 45 
bestimmen zu können, so dafs sich ein mittlerer 
Abstand von 666 m ergeben würde, fast genau so 
viel, als für die 2. Strecke (Nassau) berechnet wurde. 
Wo die Mauer gradlinig über das Plateau zieht, 
sind die Abstände auch hier etwas gröfser, bei 
Knickungen und in unebenem Gelände rücken die 
Türme näher aneinander, so dafs jede Flucht und 
jeder Thalübergang von ihnen aus eingesehen werden 
konnte. 

VI. Die Holztürme. Schon im vorigen Be- 
richt war ausgesprochen worden, dafs mit einer 
einzigen Ausnahme auf allen Strecken sämtlicher 
Limites von Obergermanien und Rätien Holztürme 
vorhanden waren. Jetzt sind sie auch zwischen 
Marköbel und Grofskrotzenburg und, wie dort vor- 
ausgesetzt war, am rätischen Limes zwischen dem 

6 



82 



Bericht über die Arbeit der Reichslimeskomroission im Jahre li 



Röthenbach und der württembergisch -bayerischen 
Landesgrenze gefunden worden. 

Im einzeln weisen die Typen mannigfache Ver- 
schiedenheiten auf, und die Anticaglien, die bei den 
Ausgrabungen der »Begleithügel« oder »Um- 
grabungen« gefunden wurden, sind nach Masse und 
Zusammensetzung ungleich. Aber zweifellos handelt 
es sich bei ersteren nur um Variationen der gleichen 
Grundform , und unter der selbstverständlichen 
Voraussetzung, dafs der Zweck dieser Anlagen über- 
all der gleiche war, wird die methodische Forschung 
die gleichartigen und die am häufigsten vor- 
kommenden Erscheinungen für die Erklärung der 
Anlagen zu Grunde zu legen haben und die Ab- 
weichungen davon im einzeln auf lokale Besonder- 
heiten oder zeitliche Unterschiede zurückführen. 

I. Auf der Strecke Schweighausen -Holzhausen 
sind zu den bereits bekannten drei Holztürmen 
(s. Bericht f. 1897 S. 6, Limesbl. 723 — 35) vier 
weitere aufgefunden und untersucht worden : Sie 
liegen nordöstlich von Schweighausen, nordwestlich 
von Dornholzhausen, auf dem Kukuksberg zwischen 
Berg und Hunzel, und im Landgrabenwald zwischen 
Hunzel und Pohl. Alle diese Anlagen zeigen wieder 
die gleiche, a. a. O. beschriebene Gröfse und Form, 
sowie den gleichen Erhaltungszustand: 8 Pfosten- 
löcher, 4 innere und 4 äufsere, die ersteren paar- 
weise durch tiefe Schlitze verbunden, zwei concen- 
trische Ringgräben und, wo wir uns nicht mit der Fest- 
stellung dieser Thatsachen begnügt, sondern ge- 
nauer untersucht haben, massenhaften Brandschutt 
namentlich in dem inneren, tieferen Graben mit 
grofsen Mengen von Scherben römischer Gefäfse 
älterer Form, als sie in den Steintürmen vorkommen. 
Die Erklärung dieser Erscheinungen durch die An- 
nahme, dafs die Reste von zwei sich ablösenden 
Holztürmen herrühren, einem älteren kleineren Bau, 
der durch Feuer zerstört worden ist, und einer 
jüngeren gröfseren Anlage, hat sich von neuem be- 
stätigt. In dem Holzturm auf dem Kukuksberg liefs 
sich z. B. beobachten, dafs die zur Befestigung der 
Pfosten in den inneren paarweise verbundenen 
Pfostenlöchern verwandte Füllung aus ganz reinem 
Material bestand, während die äufseren Pfostenlöcher 
mitBrandschutt aller Art angefüllt waren und Scherben, 
Nägel und andere Kulturreste enthielten. Diese 
als signa, als blofse Merkmale, aufzufassen, ist ganz 
unmöglich. Als neu tritt die Beobachtung hinzu, 
die hier und im Landgrabenwald gemacht wurde, 
dafs auch die jüngeren Holztürme durch Feuer zer- 
stört worden sind, und auf dem Kukuksberg scheint 
man die Anlage zum drittenmal an derselben Stelle 
erneuert zu haben, jetzt mit quadratischer Umgrabung, 



bevor der danebenliegende Steinturm erbaut wurde. 
Auf der Plattform dieses Holzturms wurde eine aus 
schräg gesetzten Schieferplatten hergestellte Wasser- 
rinne gefunden, die allem Anschein nach zur Ab- 
leitung des Regenwassers von einer Dachtraufe in 
die Gräben gedient hat. 

Die 7 bekannten Holztürme dieser Strecke 
liegen sämtlich neben den Steintürmen auf Anhöhen, 
während in den dazwischen liegenden Senkungen, 
durch die der Limes führt, bisjetzt nur Steintürme 
gefunden wurden. Allerdings ist hier fast durch- 
weg Ackerland, wo die Feststellung von Holztürmen 
besonders schwierig ist. Es wäre aber immerhin 
möglich, dafs die Holztürme hier in viel weiteren 
Abständen als die Steintürme angeordnet waren. 

2. Südlich von Holzhausen bis zur Aar sind 
Begleithügel bisjetzt nicht gefunden worden. Hr. 
Lehner hat indes unter den Ecken verschiedener 
Steintürme die Pfostenlöcher der früheren Holztürme 
festgestellt, so bei dem III. von Hrn. Pallat ent- 
deckten Steinturm östlich von Kastell Holzhausen, 
bei einem Steinturm in der Nähe von Erlenhof und 
einem auf der Kemeler Heide. 

3. Im Taunus wurde unter meiner Leitung ein 
Holzturm auf dem Maisei, den Hr. Jacobi entdeckt 
hatte, ausgegraben. Er liegt 67 m nordwestlich von 
dem Trigonometrischen Punkt 464. Die 4 Pfosten- 
löcher bilden ein Quadrat von 3,41 —3,45 m Seiten- 
länge. Aufser ihnen wurden auf der mittleren Kreis- 
fläche nur unregelmäfsige Vertiefungen gefunden, 
die von seitlichen Streben oder Gerüstbalken her- 
zurühren scheinen. Eine horizontale Plattform war 
nicht zu erkennen. Zwei Ringgräben wurden kon- 
statiert, beide mit auffallend breiten Unterbrechungen 
(ca. 4 m) auf der Nordseite, beide ohne Spuren von 
Palissaden. Die dem inneren Graben entnommene 
Erde scheint zu der Erhöhung des Bodens in der 
Mitte verwandt, die Erde aus dem weniger tiefen 
äufseren Ringgraben nach aufsen geworfen worden 
zu sein. Die Erde war dann von beiden Seiten 
wieder in die Gräben hineingeflöfst, so dafs vor 
der Ausgrabung das Ganze als ein gleichmäfsig 
gerundeter Hügel mit einem einzigen Ringgraben 
erschien, dessen flache Sohle ungefähr über der 
die beiden Spitzgräben trennenden Berme lag. Es 
fanden sich nur wenig Kulturreste: zu beiden Seiten 
des Übergangs war die Erde fast bis zur Sohle mit 
einer Menge Holzkohlen (darunter grofse Stücke 
verkohlten Eichenstammholzes) vermischt, und es 
wurden etwa ein Dutzend eiserne Nägel, ein Ketten- 
ring und Scherben (etwa 50 z. T. sehr kleine Stücke) 
von 4 oder 5 römischen Thongefäfsen älterer Form 
gefunden. Dabei ist allerdings zu bemerken, dafs 



Bericht über die Arbeit der Reichslimeskommission im Jahre i! 



83 



wir nur einen Teil der Anlage ausgegraben haben. 
Die Funde lagen teils mehr teils weniger tief im 
Boden zerstreut, namentlich in dem Brandschutt an 
den Seiten der Übergänge. 

4. Die Zahl der von Hrn. Soldan zwischen der 
Cappersburg und Marköbel aufgefundenen und zum 
Teil sehr genau untersuchten Holztürme beträgt 
nunmehr 24. Im vergangenen Jahr wurde die Unter 
suchung der Hügel im Gambacher Wald (Bericht 
f. 1897 S. 6) fortgesetzt, zwei Hügelgruppen im 
Garbenteicher Wald bei Grüningen ausgegraben 
und im Himbacher Wald zwischen Altenstadt und 
Marköbel, wo bisher an dem Vorhandensein von 
Holztürmen gezweifelt wurde, zwei Begleithügel 
konstatiert und teilweise ausgegraben. Die 24 Holz- 
türme liegen zum Teil unmittelbar hinter dem Pfahl 
neben oder unter den Steintürmen, teils an einer 
älteren Linie vor oder bis zu 450 m' hinter dem 
Pfahl (siehe Abschn. VII), zum Teil allein, zum 
Teil in Gruppen zu zwei , und einmal, im Garben- 
teicher Wald wurde sogar eine Gruppe von 4 hier- 
her gehörigen Anlagen gefunden. Drei verschiedene 
Formen lassen sich unterscheiden: 

a) Runde Hügel mit 4 Pfostenlöchern und ein- 
fachem, fast immer sehr breitem und tiefem Spitz- 
graben (5 — 5,5 auf 2—2,3 m), der mitunter durch 
einen stehengelassenen Steg überbrückt ist. 

b) Runde Hügel mit 4, zuweilen vielleicht auch 
mehr Pfostenlöchern und mit zwei durch eine Berme 
getrennten Spitzgräben. De r innere Graben pflegt 
bedeutend tiefer, steiler geböscht und unten mit 
einer senkrechten Vertiefung versehen zu sein, die 
nach Ansicht des Streckenkommissars zur Aufnahme 
von Palissaden gedient hat. In der That wurden 
hier regelmäfsig grofse Massen von Holzkohlen ge- 
funden und einmal (Gambacher Wald, nördlich) in 
Abständen von genau 1,45 m viereckige Pfosten- 
löcher mit Resten von behauenem und verkohltem 
Eichenholz. Die äufseren Ringgräben sind nicht 
nur immer viel flacher, sondern lassen wiederholt 
in der Richtung der Abdachung des Bodens starkes 
Gefälle erkennen. Für die Annahme, dafs die beiden 
Gräben zeitlich verschiedenen Anlagen angehören, 
haben sich hier keine weiteren Anhaltspunkte er- 
geben (s. Bericht 1897 S. 6). Hr. Soldan bemerkt, 
dafs die Gräben, wo er immer auf diesen Punkt 
besonders geachtet habe, genau concentrisch angelegt 
seien, und dafs zuweilen, allerdings nur zuweilen, 
beide Gräben vor der Ausgrabung sich im Terrain 
deutlich ausgeprägt hätten. In Nassau fand sich 
bekanntlich der innere Ringgraben der Holztürme 
durch die dem äufseren entnommene Erde zugeschüttet, 
und auch in Oberhessen ist der innere Ringgraben 



hier und da erst bei der Ausgrabung überraschender 
Weise zum Vorschein gekommen (z. B. bei dem 
Turm Limesblatt S. 634 a, wo die angebliche Feuer- 
stelle sich nachträglich als ein Stück des mit Brand- 
schutt angefüllten Ringgrabens herausgestellt hat). 

c) Viereckige Umgrabungen mit einem an den 
Ecken stark abgerundeten Spitzgraben. Auf der 
Plattform fanden sich einmal (Gambacher Wald 
südlich , neben dem soeben erwähnten Holz- 
turm der Form b gelegen) II in 3 Reihen 
angeordnete Pfostenlöcher. Der viereckige Typus 
kommt aufserdem nur noch im Garbenteicher Wald 
vor, wo neben zwei runden der Form a zwei vier- 
eckige Hügel so nahe bei einander liegen, dafs die 
Gräben der letzteren in einander laufen. Der Graben 
der einen Anlage war augenscheinlich bereits wieder 
zugefüllt, als die andere entstand. Die Zahl der 
Pfostenlöcher steht hier noch nicht fest. 

In allen diesen Anlagen wurden und zwar vor- 
zugsweise in den Gräben, aber auch in der die 
Mitte überdeckenden mehr oder minder hohen Erd- 
kalotte, nicht allein Massen von Holzkohle und Brand- 
schutt, sondern auch grofse Mengen von Nägeln und 
Scherben römischer Gefäfse gefunden. Nur von 
einem einzigen Hügel der Form a, der neben einem 
solchen der Form b liegt (Gambacher Wald nördlich), 
wird bemerkt, dafs in den schmalen Schnitten durch 
den Spitzgraben zwar starke Kohlenmassen, aber 
nur wenig Scherben angetroffen wurden. 

5. Wie bereits erwähnt, hat Hr. Wolff nunmehr 
auch zwischen Marköbel und Grofskrotzenburg das 
Vorhandensein von Holztürmen konstatiert. Es sind 
bis jetzt zwei, beide hinter dem Pfahl neben den 
Steintürmen gelegen, gefunden und der eine davon 
(an der Aschaffenburger Strafse bei Neuwirtshaus) 
genauer untersucht worden. Auf einer von einem 
schwachen Graben umgebenen runden Plattform 
fand sich eine von Kohlen geschwärzte Sandschicht, 
und hier sowohl wie im Graben zahlreiche Scherben 
römischen Küchengeräths, Sigillataschalen älterer 
Form und verschiedene andere Gebrauchsgegen- 
stände, ein eiserner Ring und ein geschnittener Stein 
geringer Arbeit. Auf eine vollständige Ausgrabung 
wurde mit Rücksicht auf die dichte Bewaldung ver- 
zichtet. In dem Sandboden der Bulau sind ohne- 
hin Untersuchungen dieser Art äufserst schwierig. 

6. Wenn auf dem württembergischen Abschnitt 
des rätischen Limes Holztürme bisher nicht gefunden 
worden sind, so dürfte sich dies aus dem Umstand er- 
klären, dafs die Strecke fast durchweg über intensiv 
bebautes Ackergelände führt. Bei gemeinsamer Be- 
gehung mit Hrn. Steimle bemerkten wir indes in 
der Nähe des Brackwanghofes nordwestlich von 

6* 



8 4 



Bericht über die Arbeit der Reichslimeskommission im Jahre 1898. 



Mögglingen unmittelbar vor der Mauer einen Hügel 
mit rechteckiger Umgrabung, der sich in der Form 
von den zahlreichen keltischen Grabhügeln, die dort 
am Limes liegen, deutlich genug unterscheidet, um 
als Holzturm in Anspruch genommen werden zu 
können. 

7. Am rätischen Limes zwischen Lellenfeld und 
Niederhambach wurde ein gleichfalls viereckiger 
Begleithügel untersucht, der von der Mauer über- 
baut unmittelbar hinter der Palissade gelegen 
ist, leider in dichtem Privatwald. Die vollständige 
Aufklärung der unter schützender Lehmdecke an- 
scheinend wohlerhaltenen Anlage war wegen Wider- 
stands des Eigentümers nicht möglich. Der ganz 
flache Hügel selbst ist mit verkohltem Balkenwerk 
bedeckt, und in dem dicht an der Palissade entlang 
laufenden Umfassungsgraben sowie im Palissaden- 
graben selbst fanden sich Brandschuttmassen, Asche 
und Holzkohlen mit allerlei Gebrauchsgegenständen 
(Gefäfsscherben, Nägel, eiserne Bänder, zwei Schleif- 
steine) und Knochenresten untermischt, ja sogar 
Stücken von Eichenholz, alles, wie mir bei der ersten 
Aufdeckung schien, kreuz und quer durch einander 
liegend. Später glaubte Hr. Eidam eine doppelte 
Reihe senkrecht stehender Pfähle zu erkennen , die 
quer zur Richtung des Limes am Rand der Plattform 
im Boden safsen und aufsen mit dicken Brettern 
verschalt waren, und er vermutet darin die Reste 
einer Holzbrücke. 

8. Endlich seien noch zwei von je einem Ring- 
graben umgebene Hügel erwähnt, die Hr. Winkel- 
mann südöstlich von Pfünz, mehr als 10 km hinter 
dem Limes, in der Nähe der von Pfünz nach 
Kösching führenden Römerstrafse entdeckt hat: 
ein viereckiger unweit Hofstetten, und ein runder 
über 1,5 m hoher Hügel östlich von Böhmfeld, der 
letztere sicher römischen Ursprungs (Terra-sigillata- 
Scherbe gefunden). Bei beiden besteht der 
Hügel aus der dem Ringgraben entnommenen Erde. 
Vgl. Abschn. VII 5. 

Alle diese neueren Forschungsergebnisse be- 
stätigen, was nach früheren Beobachtungen ver- 
mutet und dann auf Grund der Ausgrabungen 
namentlich Hrn. Loeschckes über die Bedeutung der 
Begleithügel und Umgrabungen festgestellt worden 
war (Hettner, Kölner Vortrag S. 1 3 f.), und wider- 
legen die neuerdings von Hrn. E. Schulze aus 
unzureichender Kenntnis der Fundthatsachen wieder 
vorgebrachte Ansicht, dafs die Hügel lediglich 
Grenzmale seien (Neue Jahrbb. f. d. kl. Altert. 
I 1898 S. 264 f.). 

Die Gefäfsscherben und sonstigen Kulturreste, 
die sich durchaus nicht vorzugsweise auf der Sohle 



der Gräben finden, können unmöglich blofse Grenz- 
merkmale (signa) sein, sondern weisen ebenso be- 
stimmt, wie die im Allgemeinen gleichartigen, nur 
gewöhnlich minder zahlreichen Funde in den Schutt- 
hügeln der Steintürme, auf den Aufenthalt von 
Menschen, also auf Wohnstätten irgend welcher Art 
hin. In der Spärlichkeit der Kulturreste in einzelnen 
Hügeln (Maisei) jetzt noch ein entscheidendes Moment 
gegen diese Erklärung der Anlagen erblicken zu 
wollen, wäre unmethodisch und darum unwissen- 
schaftlich. Man kann daraus nur auf die kürzere 
Dauer oder geringere Stärke der Benutzung oder 
allenfalls auf die Art der Zerstörung (Räumung, 
Abbruch) Schlüsse ziehen. 

Die Hügel bergen also die Überreste von über- 
dachten Holzbauten (Wasserablauf), von beträcht- 
licher Höhe (Stärke der Pfosten, Tiefe der Pfosten- 
löcher, seitliche Streben, Masse des Brandschutts). 
Nur einzelne mit besonders vielen Pfosten mögen 
mit Recht als Baracken aufgefafst werden. Sie 
waren regelmäfsig mit Entwässerungsgräben ver- 
sehen, häufig von Palissadengräben oder von beiden 
zugleich umgeben, wie es auch bei Steintürmen 
vorkommt. Die Palissadengräben waren nach Auf- 
stellung der Pfähle jedenfalls wieder teilweise ge- 
schlossen. Sonst ist die den Gräben entnommene 
Erde nicht selten zur Erhöhung des Bodens an 
der Stelle, wo der Bau stehen sollte, benutzt, also 
ein Hügel hergestellt worden, sei es, um den Bau 
besser gegen Feuchtigkeit zu schützen, sei es, um 
ihn über das umliegende Terrain zu erheben und 
um ihm zugleich mehr Halt zu geben. Die Haupt- 
pfosten gingen immer durch die Hügel hindurch 
in den gewachsenen Boden hinab. 

Die Holztürme sind häufig durch Feuer zerstört 
worden, auf einzelnen Strecken (Schweighausen — 
Holzhausen) scheint dies bei allen Türmen, viel- 
leicht wiederholt, vorgekommen zu sein. Hier hat 
man an eine gröfsere Grenzverletzung zu denken. Die 
zerstörten Türme wurden entweder wiederhergestellt, 
zwei, drei mal, an derselben Stelle, in gleicher oder 
in veränderter Form , zuweilen nachdem über dem 
Brandschutt ein neuer Hügel aufgeworfen war, oder 
sie wurden, wie an einzelnen Punkten nach- 
gewiesen ist (Garbenteicher Wald), durch Neubauten 
in nächster Nähe ersetzt. Wo zwei oder mehrere 
Türme nebeneinander gefunden worden sind, ist 
stets in Erwägung zu ziehen, ob nicht der eine an 
Stelle des anderen getreten sein kann, eine Frage, 
die m. E. auch wo zwei Steintürme unmittelbar 
nebeneinander liegen, wenigstens aufgeworfen werden 
mufs. In der Regel geben die Einzelfunde zur 
Lösung dieser Frage genügenden Anhalt. 



Bericht über die Arbeit der Reichslimeskommission im Jahre 1898. 



85 



Die Einzelfunde beweisen vor allem, dafs die 
Holztürme durchweg älter als die Steintürme sind, 
und da an den Linien, an denen es überhaupt 
Steintürme giebt, diese meist unmittelbar neben 
oder sogar über den Holztürmen liegen, so spricht 
alles dafür, dafs sie diese ersetzt haben. Wenn 
dann Decennien später der grofse Graben oder die 
Mauer angelegt und dabei nur auf die Steintürme 
Rücksicht genommen, die längst aufgegebenen Holz- 
turmplätze aber überbaut wurden, so ist dabei nur 
unbegreiflich, dafs auch noch dieser Umstand als 
Argument gegen unsere Ansicht hat herhalten 
müssen (Schulze S. 267), während er doch allein 
schon genügt, die Unhaltbarkeit der Vermarkungs- 
theorie zu beweisen. Denn Anlagen, denen »die 
Heiligkeit von Grenzmalen innewohnt«, pflegt man 
nicht durch Überbauung zu zerstören. 

Endlich bleiben die Anhänger der Vermarkungs- 
theorie die Antwort auf die Frage schuldig, wie 
man sich die Bewachung derjenigen älteren Limites 
denken soll, an denen überall Holztürme gefunden 
werden, Steintürme aber durchaus fehlen. 

VII. Altere Linien (zweites Gräbchen). 
1. Vom Rhein bis zur Aar gibt es allem Anschein 
nach nur eine einzige Linie, deren bauliche Anlage 
wohl verändert, deren Lauf aber nicht verschoben 
worden ist. Zwar fand sich an mehreren Stellen 
nördlich von Holzhausen ein zweites flacheres 
Gräbchen einige Meter vor oder hinter dem 
Palissadengraben, aber, was Hr. Hettner mit Recht 
hervorgehoben hat, vorläufig nur in der Nähe von 
Übergängen und Türmen (Bericht f. 1897 VI 3 
S. 7). Jetzt wurde ein zweites Gräbchen von Hrn. 
Lehner östlich vom Kastell Holzhausen nach- 
gewiesen, aber wieder an einer Stelle, wo besondere 
Verhältnisse vorliegen. 

Auf 150 m Länge ist dort vor dem Pfahl ein 
ca. 4 m breiter Weg gefunden worden, der hart 
am Rand der äufseren Grabenböschung sich hielt, 
und unter dem Weg, von dessen gesticktem Unter- 
bau bedeckt, der Palissadengraben, der auch hier 
den gewöhnlichen Abstand von 1 — 2 m vom Rand 
des grofsen Grabens hat. An der Aufsenseite des 
Wegs fand sich aber ein zweites Palissadengräbchen, 
8 m vom Pfahl entfernt. Mit Recht schliefst Hr. 
Lehner, dafs das von der Wegstickung bedeckte 
Gräbchen das ältere sei und dafs man den Weg 
mit der ihn schützenden jüngeren Palissade gleich- 
zeitig angelegt habe (Limesbl. S. 841). Rätselhaft 
bleibt dabei nur, warum der Weg nicht hinter die 
bereits vorhandene Palissade gelegt, sondern diese 
überbaut wurde, wenn wir nicht annehmen, dafs 
damals bereits der grofse Graben bestanden hat. 



Bei vorurteilsfreier Betrachtung ergiebt sich also 
aus diesem Befund, dafs hier noch in der letzten 
Periode der Limesentwickelung, noch nach der Er- 
bauung des Pfahls, die Palissade gelegentlich eines 
Wegebaues versetzt worden ist. Von einer älteren 
Linie kann also hier nicht die Rede sein. 

2. Anders liegen die Dinge im Taunus, wo 
Hr. Jacobi bereits 1897 eine ältere Linie unzweifel- 
haft festgestellt hat. Sie zweigt am Westfufs des 
Feldbergs von der Hauptlinie in südwestlicher 
Richtung ab, entfernt sich bis auf einen Abstand 
von 450 m, nähert sich aber wieder dem Pfahl am 
Nordfufs des Glaskopfes auf 200 m, um dann aber- 
mals in der Richtung auf den Maisei vom Pfahl 
zu divergiren. Die Linie besteht aus einem 
Palissadengräbchen und Holzturmhiigeln. Unweit 
vom Rothen Kreuz, wo ich das Gräbchen genauer 
untersucht habe, ist es 1 m tief und im unteren 
fast senkrecht geböschten Teil 0,50 m breit; an den 
Wänden fanden sich die läuferartig sitzenden 
Verkeilsteine und am Boden deutliche Spuren der 
Pfähle, geschwärzte Kreise in Abständen von 0,35 m. 
Hier, oberhalb des Rothen Kreuzes und am Glas- 
kopf wurden von Hrn. Jacobi je 2 zusammenliegende 
Holzturmhügel gefunden, immer ein runder und ein 
quadratischer mit steilgeböschten Gräben. Auch 
der oben VI 3 beschriebene Holzturm auf dem 
Maisei gehört wohl sicher zu dieser hinteren Linie. 
Seine Entfernung vom Pfahl beträgt genau 600 m. 
Doch konnte am Maisei der Palissadengraben trotz 
aller Bemühung noch nicht aufgefunden werden. 
Weiter westlich fehlen vorläufig alle Spuren. Gegen 
Osten scheint diese ältere Linie mit der jüngeren zu- 
sammenzulaufen. Zwar liegt auch hier am Nord- 
abhang des Feldbergs ein Holzturm wieder 250 m 
hinter dem Pfahl, aber das Gräbchen wurde in 
seiner Nähe bis jetzt nicht gefunden. Alle weiteren 
bekannten Holztürme befinden sich in unmittelbarer 
Nähe des Pfahls. 

3. Auch die von Hrn. Soldan entdeckte ältere 
Linie in Oberhessen bestand aus einer fortlaufenden 
Grenzsperre mit Holztürmen, neben denen hie und 
da Baracken lagen. Von dem eigentlichen limes, 
dem Grenzweg, sind weder hier noch im Taunus 
an der älteren Linie Spuren gefunden worden, was 
sein Vorhandensein in der Römerzeit natürlich nicht 
ausschliefst. Die Grenzsperre besteht aus einem 
flachen Gräbchen, in dem in Abständen von 1,40 — 
1,50 oder 0,70—0,85 m, d. h. einem passiis (1,48) 
oder einem gradus (0,74) Pfosten standen, die 
wahrscheinlich durch Flechtwerk mit einander ver- 
bunden waren. Es liegt 28 — 31,5 m, d. h. 20 passus 
(29,6 m) vor der Vorderfront der Holztürme. 



86 



Bericht über die Arbeit der Reichslimeskommission im Jahre ll 



Hr. Soldan hat diese Anlagen nunmehr an 
16 Stellen nachgewiesen, und zwar, wie in früheren 
Jahren auf der Westseite der oberhessischen Strecke, 
so jetzt auch am nördlichsten Punkt der Wetter- 
aulinie bei Grüningen (im Garbenteichcr Wald), 
südöstlich von Arnsburg (auf dem Krazert bei 
Birklar) und namentlich im Himbacher Wald bei 
Marköbel. Durch die Auffindung des Flechtwerk- 
gräbchens und zweier Holztürme mit charakteristischen 
Scherben an der letztgenannten Stelle, 2 — 3 km 
nördlich von Marköbel, ist der wichtige Beweis 
erbracht, dafs die ältere Linie hier auf der Ostseite 
der Wetterau mit der jüngeren zusammenfällt. Die 
Erwartung, dafs das ältere Gräbchen sich in der 
Linie Oberflorstadt-Heldenbergen-Kesselstädt finden 
werde, hat sich also nicht bestätigt. (S. Bericht f. 
1897 S. 5.) 

Im Allgemeinen schneidet das Flechtwerk- 
gräbchen wiederholt die jüngere Linie, läuft bald 
vor der Palissade und dem Pfahl, wie im Suterwald 
bei Butzbach, wo der Abstand 52 m beträgt und 
sogar ein Holzturm vor dem Pfahl liegt, bald hinter 
demselben, wie im Usbachthal südöstlich vonLangen- 
hain (Abstand ca. 500 m), im Degenfeld und in 
den Waldungen nördlich von Butzbach (Abstände 
bis zu 450 in). Die Wachtstationen sind ohne 
Ausnahme so angelegt , dafs das Vorterrain auf 
mindestens einige hundert Meter von den Türmen 
aus überblickt werden konnte und nach rückwärts 
eine Signalverbindung mit den Kastellen der 
Wetterau möglich war. In dieser Hinsicht war die 
ältere Linie weit besser tracirt als die jüngere. 
Wo beide zusammen liegen, liegen auch die Wacht- 
stationen zusammen: die Steintürme sind dann 
entweder neben oder über den Holztürmen erbaut, 
während das Flechtwerkgräbchen bald einige Meter 
vor der Palissade bald hinter ihr gefunden wurde, 
zuweilen vom Kolonnenweg oder Wall bedeckt, 
oder auch durch die Anlage des grofsen Grabens 
zerstört ist. 

Ob die aus Flechtwerkzaun und Holztürmen 
gebildete ältere Linie in der Wetterau, wie Hr. 
Soldan vermutet, einerseits mit der von Hrn. Jacobi 
entdeckten älteren Grenzlinie im Taunus (s. o. 2.) 
in Zusammenhang steht, und andererseits über 
Marköbel hinaus bis zum Main sich fortsetzt, wird 
durch weitere Untersuchungen zu entscheiden sein. 
Für letzteres spricht nicht allein die Entdeckung 
der Holztürme in der Bulau durch Hrn. Wolff, wo 
das zweite Gräbchen allerdings bisjetzt nicht ge- 
funden wurde, sondern vor allem der Umstand, dafs 
von Marköbel südwärts wohl keine andere Linie 
denkbar ist. 



Für die Geschichte der römischen Occupation 
der Wetterau wäre es vor allem wichtig, die Ent- 
stehungszeit der älteren Anlagen möglichst sicher zu 
bestimmen. Die sehr zahlreichen Scherben von Thon- 
gefäfsen, die in ihnen gefunden wurden, stimmen 
nach Hrn. Soldans Angabe unter sich überein und 
weisen auf das Ende des 1. Jahrhunderts hin. 
Hr. Soldan vermutet deshalb, dafs der vom Taunus 
um die Wetterau herum zum Main ziehende Limes 
der Limes des Domitian sei, den Frontin (I 3,10) 
erwähnt. Die in den Begleithügeln der Bulau 
gefundenen Scherben zeigen nach der Angabe des 
Hrn. Wolff gleichfalls zum Teil ältere Formen, 
als sie in den Steintürmen vorkommen, aber keine, 
die man vor Hadrian zu setzen genötigt sei: ganz 
besonders seien die wenigen schwarzen Scherben 
alle von der Art, wie sie in der Wetterau zweifellos 
noch unter Traian und Hadrian gebrannt wurden. 
Die Frage wird aber noch weiter dadurch ver- 
wickelt, dafs Hr. Soldan auf der oberhessischen 
Strecke noch ältere Anlagen, als die Holztürme, 
nachgewiesen hat, über die wir weiter unten in 
Abschn. VIII berichten werden. 

4. Auch in Rätien hat die Untersuchung des 
zweiten Gräbchens, das dort bekanntlich für jünger 
als die Palissade gilt, Fortschritte gemacht. Neue 
Probleme sind dabei hervorgetreten. Östlich von 
Gunzenhausen ziehen Mauer und Palissade in gerader 
Linie über die Kuppe des Burgstalls. Hr. Eidam 
glaubt nun gefunden zu haben, dafs das Zaun- 
gräbchen nordwärts ausbiegend die Kuppe mit 
einschlofs, und dafs auf dieser selbst kurz nach 
der Römerzeit eine Ringmauer zum Schutz einer 
dort entstandenen Ansiedelung erbaut worden sei. 
Ich selbst hatte dagegen den Eindruck , dafs 
die Ansiedelung sowie die ehemals aus mäch- 
tigen, rohbehauenen Sandsteinblöcken erbaute Ring- 
mauer, von der nur die unterste Schicht noch 
zum Teil in situ ist , vorrömisch seien , und 
dafs das Material der Ringmauer zum Bau der 
Limesmauer gedient habe, möchte aber mit meinem 
Urteil bis zu einer erneuten Prüfung der Fund- 
thatsachen zurückhalten. Wie aber auch die Frage 
entschieden werden wird, wenn wirklich das Zaun- 
gräbchen zu der halb aufserhalb halb innerhalb 
des Limes gelegenen Ansiedelung in Beziehung 
steht, dann müfste man auch dieses entweder in 
vor- oder in nachrömische Zeit setzen, was beides 
gleich bedenklich scheint. 

5. Nicht minder problematisch sind die Reste 
von Anlagen, die Hr. Winkelmann in der Nähe von 
Pfünz entdeckt hat. Von der Vermutung aus- 
gehend, dafs der Limes an der Ecke bei Raiten- 



Bericht über die Arbeit der Reichslimeskommission im Jahre 1898. 



87 



buch sich ursprünglich, wie die 1600 m hinter ihm 
laufende Römerstrafse, gradlinig in südöstlicher 
Richtung auf Pfünz fortgesetzt und dort die Altmühl 
überschritten habe, hat der Streckenkommissar auf 
der Nordseite der erwähnten Strafse nach Spuren 
einer älteren Linie gesucht, und in der That auf 
der Höhe über dem linken Altmühlufer bei Inching, 
also Pfünz schräg gegenüber, genau in der ver- 
muteten Richtung, die Reste eines Zauns, eines gut 
gebauten alten Wegs und einer runden Blockhütte 
gefunden. Diese Anlagen würde man zwar an und 
für sich nicht für römisch gelten lassen. Denn 
der Zaun, dessen sehr deutliche Spuren auf ca. 130m 
Länge verfolgt wurden, gleicht nach Konstruktion 
und Erhaltung keineswegs den Resten der ander- 
wärts als römisch erwiesenen vineae, und auch die 
Blockhütte hat eine durchaus fremdartige Form. 
Aber in der Fortsetzung der angenommenen Linie 
jenseits der Altmühl liegt der oben erwähnte Holzturm- 
hügel bei Böhmfeld (VI 8), und in dessen nächster 
Nähe hat Hr. Winkelmann eine zweite, ganz gleich- 
artige Blockhütte gefunden, so dafs hier ein seltener 
Zufall angenommen werden müfste, wenn die An- 
lagen nicht mit einander in Zusammenhang stehen 
sollten. Nimmt man hinzu, dafs auch die an den 
verschiedenen Punkten gefundenen Topfscherben 
von einer sachverständigen Seite für »unzweifelhaft 
römisch«, von einem anderen nicht minder com- 
petenten Beurteiler für »frühmittelalterlich« erklärt 
werden, so müfste man an der Überwindung aller 
dieser Schwierigkeiten verzweifeln, wenn nicht zu 
hoffen wäre, dafs dem Spürsinn des unermüdlichen 
Forschers, der die Probleme geschaffen, auch ihre 
Lösung durch neue Funde gelingen wird. 

VIII. Die Untersuchung der Zwischen- 
kastei le und Schanzen hat zu einigen sehr 
schönen Entdeckungen geführt. Wir berichten 
wieder in der Reihenfolge Rhein-Donau. 

1. Eine kleine Nachuntersuchung am Zwischen- 
kastell Anhausen lehrte, dafs die Umfassungsmauern 
der gröfseren Anlage und die Mauern des kleineren 
Kastells, das in die westliche hintere Ecke der 
ersteren hineingebaut ist, gleichzeitig entstanden 
sein müssen, da die Fundamente im Verband liegen. 
Der Graben um das kleinere Kastell wurde dagegen 
erst ausgehoben, als die Mauer des gröfseren bereits 
geschleift war. Dies müssen also die Römer selbst 
ausgeführt haben. 

2. Die Untersuchung der im Bericht f. 1897 S. 30 
erwähnten Reste zwischen Pohl und Lollschied 
konnte nur wenig gefördert werden. Bei einer Ver- 
suchsgrabung sind die beiden früher gefundenen 
Spitzgräben 20 m von der vermutlichen Kastellecke 



nochmals konstatiert worden. Sie zeigen hier ein 
Profil, das darauf schliefsen läfst, dafs man es mit 
zwei verschiedenen in einander gebauten Erdwerken 
wie bei Kernel zu thun hat. 

3. Hier auf der flachen Kuppe nördlich vom 
Dorf, »der Pohl« genannt, bei dem Trigonometrischen 
Punkt 537 (s. o. 1 4) hat Hr. Lehner unmittelbar 
hinter dem Pfahl zwei Erdkastelle entdeckt und 
ausgegraben, ein cpjadratisches, das dem Limes zu- 
nächst liegt, von 39 m Seitenlänge, und ein recht- 
eckiges von 56 : 46 m Ausdehnung (gemessen in 
der Sohle der inneren Gräben), beide mit abgerundeten 
Ecken, doppelten Spitzgräben und Eingängen von N., 
d. h. von der dem Limes zugewandten Seite. Im 
inneren des kleineren zeigten sich die Fundament- 
gräben eines Holzgebäudes von unregelmäfsig qua- 
dratischer Form (14,5 m Seitenlänge) mit mehreren 
Räumen. Von Wall oder Palissaden war keine 
Spur erhalten. Alle hier gefundenen Scherben ent- 
stammen nach der Ansicht Hrn. Lehners dem 
letzten Viertel des I. Jahrhunderts und zeigen zum 
Teil die charakteristischen Profile der Domitianischcn 
Zeit. Das kleine Kastell mufs frühzeitig geschleift 
worden sein, obwohl keine Anzeichen von Zerstörung 
durch Feuer vorhanden waren. Denn es ist teil- 
weise überbaut durch das gröfsere Kastell , dessen 
mit Brandschutt ausgefüllte Spitzgräben,' wie die 
Untersuchung mit Sicherheit erkennen liefs, die 
Doppelgräben des anderen Kastellchens durch- 
schneiden. Hier wurden hinter dem inneren Graben 
Standspuren einerPalissade entdeckt, ein 0,50 — 0,60m 
tiefes Gräbchen mit runden Vertiefungen in Ab- 
ständen von 0,80 — 1,10 m. Die Palissade hat zur 
Stütze eines Erdwalls gedient. Die ganze innere 
Fläche war, wie es scheint, von einem Blockhaus 
eingenommen, dessen bis jetzt aufgedeckter Teil 
eine Flucht von 6 Räumen zeigt. Es ist zu er- 
warten , dafs wenigstens der Grundrifs des ganzen 
Bauwerks bei weiterer Untersuchung zum Vorschein 
kommen wird. In dem massenhaften Brandschutt 
des zweiten Kastells wurden 7 Ziegel mit Rund- 
stempeln der XXII. Legion gefunden, die, wie ein 
Teil der Scherben, nach Hrn. Lehner der hadria- 
nischen Zeit angehören, während nach anderen 
Scharben zu schliefsen, die Anlage des Kastells 
schon in trajanische Zeit zu setzen sei. Über die 
in Kernel selbst von Hrn. Lehner entdeckten 
Reste des Steinkastells s. u. B. 12, S. 91. 

4. Auf der Oberhessischen Strecke hat die 
Untersuchung des Kastells im Degenfeld bei Butz- 
bach, über dessen Entdeckung durch Hrn. Soldan 
bereits früher berichtet war, (Bericht f. 1897 S. 29) 
erhebliche Fortschritte gemacht. Die Grabungen 



Bericht über die Arbeit der Reichslimeskommission im Jahre i! 



ergaben auch hier zwei Befestigungsanlagen, 
ein Steinkastell von 65 m Seitenlänge mit einem 
Graben, der in der Mitte der Ostseite über- 
brückt war, und im Innern dieses Bauwerks ein 
Erdkastell von quadratischer Form mit stark ab- 
gerundeten Ecken, 38 m Durchmesser von Graben- 
sohle zu Grabensohle, also fast genau so grofs, als 
das ältere Erdkastell bei Kernel (s. o. no. 3). Der 
Graben war hier nur einfach, hatte aber eine Breite 
von ca. 6 m bei über 2 m Tiefe. Ein Palissaden- 
gräbchen hinter dem Spitzgraben wurde auch hier 
nicht gefunden, wohl aber eine Anzahl Pfostenlöcher, 
die vermuten lassen, dafs früher eine Erdbrustwehr, 
durch einzelne Hölzer gehalten, vorhanden war. 
Im Innern zeigten sich mannigfaltige Reste von 
Bauten in verschiedenem Niveau schichtenweise 
über einander gelagert, deren an sich schon schwierige 
Aufklärung um so mifslicher war, weil ein Teil 
der Grundeigentümer ein längeres Offenlassen der 
Grabungen nicht gestattete. Hr. Soldan unterscheidet 
die Reste von 5 Baracken, zwei zum älteren Kastell, 
zwei, die über dessen zugeschüttetem Graben liegen, 
zu dem Steinkastell gehörig, und einen Bau, der 
vielleicht erst entstanden ist, als der Platz überhaupt 
keine militärische Bedeutung mehr besafs. Auch 
Gräber wurden in den Ruinen angetroffen. Von 
besonderer Wichtigkeit sind endlich die Scherben, 
die bis ins III. Jahrhundert hinabreichen, zum Teil 
aber auch sehr alt sind. In der untersten Schicht 
und namentlich in der Sohle und dem Abflufs des 
Erdkastellgrabens wurden in grofser Menge Reste 
von Krügen und Terranigragefäfsen gefunden, da- 
runter sehr elegante Stücke, die nach der Ansicht 
des Hrn. Soldan auf die erste Hälfte des I. Jahr- 
hunderts hinweisen. 

Das Erdkastell im Degenfeld rückt damit in 
eine Reihe mit den gleichfalls von Hrn. Soldan 
untersuchten Erdschanzen im benachbarten Gam- 
bacher Wald und am Hunnenkirchhofe bei Hausen, 
über die im Bericht f. 1897 S. 29 und 30 das Erforder- 
liche mitgeteilt ist. Die bei allen drei Erdwerken ge- 
machten übereinstimmenden Scherbenfunde gleichen 
denjenigen, die Hr. W 7 olff in den älteren Anlagen 
von Hofheim entdeckt hat, unterscheiden sich da- 
gegen augenfällig von den Gefäfsen, deren Reste 
in den Holztürmen der Wetterau vorkommen (s. oben 
Abschn. VII am Ende). Hr. Soldan sieht sich dadurch 
zu der Annahme gezwungen, dafs die Erdkastelle 
wesentlich älter, als die von ihm in domitianische Zeit 
gesetzten Holztürme und das zu den letzteren ge- 
hörige Flechtwerkgräbchen seien. Die Entscheidung 
dieser für die Geschichte der römischen Occupation 
der Wetterau besonders wichtigen Frage wird von 



dem weiteren Studium der rechtsrheinischen Keramik 
abhängen, das neuerdings von verschiedenen Seiten 
erfolgreich in Angriff genommen worden ist. 
Freiburg i. Br. d. 10. März 1899. 

Ernst Fabricius. 

B. Die Kastelle. 

1. InFaimingen wurde die Untersuchung des 
Kastells und der Vicusumfassung vollendet und 
eine exakte Aufnahme aller bisherigen Grabungen, 
wofür die wichtigsten Punkte der früheren Grabungen 
nochmals geöffnet wurden, durch einen Geometer 
hergestellt. Die Aufnahme wurde seitdem im 
11. Jahrg. der Dillinger Jahrbücher Taf. IV ver- 
öffentlicht. Das Kastell hat thatsächlich eine ver- 
schobene, nach der Donau spitz zulaufende Form; 
der Mittelbau, der in diesem Jahre wieder voll- 
ständig freigelegt wurde, hat mit dem Schema 
eines Praetoriuins so viel Verwandtschaft, dafs man 
an dieser Deutung nicht zweifeln kann. — An der 
Vicusbefestigung fand man auf der Ostseite ein 
zweites Thor, welches genau da liegt, wo heute 
die Strafse Gundelfingen — Lauingen aus der 
Befestigung heraustritt. — Aufserdem wurde fest- 
gestellt, dafs das Kastell einen Graben nicht hat 
und dafs der Graben, welcher unweit der Ostflanke 
läuft, vielmehr ein Theil einer grofsen Erdbefestigung 
ist, von der der nördliche Lauf unweit der Vicus- 
mauer gefunden wurde; weitere Untersuchungen 
müssen ergeben, ob es sich um eine Erdfestung 
aus der ältesten Zeit der römischen Occupation 
oder um die ursprüngliche Befestigung der bürger- 
lichen Niederlassung handelt. 

2. Das Sperrfort am Austritt der Altmühl aus 
dem Liniesgebiet vermutheten wir in Kipfenberg 
(vgl. Arch. Anz. 1898 S. 27). Da es sich dort 
nicht entdecken liefs, untersuchte Herr Winkelmann 
in dem 2 km altmühlaufwärts gelegenen Dorfe 
Böhming eine auf dem rechten Ufer befind- 
liche, um die Kirche ziehende Umwallung, auf die 
General Popp in den Beschlüssen der Limesconferenz 
S. 9 No. 90 als eine zu untersuchende Stelle auf- 
merksam gemacht hatte. Thatsächlich ergab sich 
daselbst ein Kastell von 78 : 95 m, dessen Front 
auffallender Weise nicht thalaufwärts, sondern der 
Altmühl zu gewendet ist. Die Umfassungsmauer 
ist im Fundament nur 1 m, im aufgehenden Mauer- 
werke 1,20 m breit. Eingänge mit je zwei Thürmen 
flankirt finden sich nur auf den Prinzipalseiten, und 
zwar um 2 1 / i , resp. 5 '/j m aus der Mitte der Seiten 
gerückt; in der Mitte der Praetorialseite lag nur 
ein Thurm, und ein anderer war vermuthlich auf 
der Mitte der Decumanseite vorhanden; aufserdem 



Bericht über die Arbeit der Reichslimeskommission im Jahre li 



8 9 



war jede Ecke mit einem Thurm versehen. — Die 
Beschränkung auf drei Thore findet sich ja bei 
diesen kleineren Kastellen häufig, so bei allen 
Odenwaldkastellen, dagegen läfst sich für die 
Beschränkung auf zwei Thore von Kastellen unge- 
fähr gleicher Gröfse nur Haiheim nennen, bei 
Kastellen geringeren Umfangs findet sie sich da- 
gegen sehr häufig, z. B. bei Heidenkringen, Langen- 
diebach, Trienz. — Von besonderem Interesse war 
die Feststellung, dafs unter dem Wall hinter der 
Umfassungsmauer eine 5 — 6 m breite Brandschicht 
lief, die mit Balkenresten, Scherben und Lehm- 
brocken angefüllt war; man hat anzunehmen, dafs sie 
zu einem hölzernen Wehrgang gehörte, dessen Unter- 
bau gleichzeitig Baracken enthielt. — Das Praetorium 
konnte nur zum Theil aufgedeckt werden, da Kirche 
und Kirchhof die südliche Hälfte bedecken; es liegt 
nicht genau in der Achse des Kastells, sondern der 
rechten Seite um 4m näher als der linken; die 
Nordfront ist 22 m lang, ein Hof der Gemeinen ist 
vorhanden. — Vor der porta sinistra wurde eine 
Thorinschrift von 1,40 m Länge und 0,80 m Breite 
entdeckt, bei deren Entzifferung mich Herr Winkel- 
mann wesentlich unterstützt hat. Sie lautet: 
Imp(eratori) Caes(ari) Luc(io) Aur(elio) Anton(in)o 
Aug(usto) Cfommodq] Armen(iaco) Parth(ico) Ger- 
m(a)n(ko) Sarm(atico) trib(unicia) pol (es täte) VI, 
co(nsuli) III p(atri) p(atriae), Spicio Cerial[e] leg(ato) 
Aug(usti) pr(o) pr(aetore), vex(illarii) leg(ionis) III 
Ital(icae) vallum fece(runt) c(uratn) a(gente) Iul(io) 
htlino c(enturione) leg(ionis) III Ital(icae), item 
portas cum turrib(us) IUI. Perfec(tum) l ab Ael(io) 
Forte ([cjenturione) leg. III Iial(icae), praep(osito) 
c(o)h(ortis) I Br(eucorum) imp(eraiore) III Bu[rro] 
= 181 n. Chr. — Die Beinamen Armeniacus und 
rarthkus kommen sonst bei Commodus nicht vor 
und können hier nur durch Verwechslung mit der 
Nomenclatur des Marc Aurel und Lucius Verus bei- 
gefügt sein. Ebenso ungehörig ist das Praenomen 
Lucius, da Commodus kurz nach seiner Thron- 
besteigung (März 180) das Praenomen seines Vaters 
Marcus Aurelius annahm und es bis zum J. 190 
beibehielt. Der Name Commodus ist getilgt, später 
aber mit Stuck und Malerei wieder hergestellt 
(ebenso CIL XIV, 22). Die Persönlichkeit des 
raetischen Statthalters Spicius Cerialis war bisher 
unbekannt 2 . Für die folgenden Zeilen, welche den 
Bau des Valium und der portae cum turribus er- 

') Die Ergänzung (opus) perfec(tum est) rührt 
von den Herren Winkelmann und Zangemeister her. 

*) Auf dem Pfünzer Stein CIL III, 11933 ist 
zweifellos derselbe Name herzustellen, wie mir Herr 
Winkelmann mittheilt. 



wähnen, bietet die fast gleichzeitige Inschrift der 
porta principalis dextra von Regensburg CIL III, 
11 965 mit der Erwähnung des Valium cum portis 
et turribus grofse Ähnlichkeit. Unsere Inschrift 
besagt, dafs eine Vexillation der in Regensburg 
stationirten legio III Italica unter ihrem Centurio 
die Wallmauer und die Thore mit vier Thürmen 
hergestellt, und das angefangene Werk von der in 
Pfünz liegenden cohors Breucorum unter ihrem 
Praepositus Aelius Fortis, centurio derselben Legion, 
vollendet worden sei. Da die Inschrift portas cum 
turribus IUI sagt, nicht portas et turres IUI, wird 
man anzunehmen haben , dafs es sich um die vier 
Thorthürme an den beiden Principalthoren (die 
praetoria und decuniana fehlten ja nach den obigen 
Darlegungen) handelt und dafs die vier Eck- und 
die zwei Zwischenthürme erst später erbaut seien. — 
Ich darf nicht unterlassen darauf hinzuweisen, dafs 
Herr Winkelmann eine wesentlich andere Auffassung 
der Inschrift hat, er betont, dafs auch die Fundamente 
der Thorthürme in die Schuttschicht eingeschnitten 
seien und deshalb nicht zum ursprünglichen Bau ge- 
hören könnten. Ich konnte diese Beobachtung bei 
der Besichtigung der Grabung nicht für erwiesen 
halten, bemerke aber, dafs die Besichtigung statt- 
fand, bevor wir die Inschrift entziffert hatten und 
deshalb diesem Punkte nicht die Aufmerksamkeit zu- 
wendeten, die er nunmehr verdient; es wird sich 
deshalb empfehlen eines der Thore nochmals zu 
öffnen. 

100 Meter von der Porta sinistra entfernt wurde 
das Badegebäude gefunden, es ist 25 m lang und 
9 m breit, das Schürloch befindet sich an der dem 
Kastell abgewandten Schmalseite. In den Feldern 
nebenan scheinen nach Aussagen der Feldbesitzer 
noch weitere Mauern zu liegen, sie werden von 
Gebäuden des Lagerdorfes herrühren, doch wurden 
sie nicht verfolgt. 

3. Einwenig oberhalb des Ortes Pfünz, un- 
mittelbar am rechten Ufer der Altmühl, am Ausgang 
eines Thälchens und an einer Stelle, wo Herr 
Winkelmann schon lange einen alten Flufsübergang 
vermuthet, fand derselbe mehrere Gräben mit 
Scherben und vermuthete darauf hin, dafs hier ein 
Erdkastell vorhanden gewesen sei, doch stehen 
der Annahme mancherlei Bedenken entgegen. 

4. Bei Cannstadt nahm Dr. Kapff mit Mitteln 
der Limeskommission unmittelbar neben dem früher 
ausgegrabenen Kastell Untersuchungen nach einem 
zweiten Kastell vor auf Grund der Auffindung 
ganz ungewöhnlich starker langer Mauern. Doch 
führten die Grabungen zu einem negativen Resultat, 
ein zweites Lager war hier sicher nicht vorhanden, 



90 



Bericht über die Arbeit der Reichslimeskommission im Jahre ii 



5. Das Kastell Benningen liegt gegenüber der 
Mündung der Murr in den Neckar auf der Flur 
Birk. Schon im Jahre 1597 waren hier durch Studion 
Grabungen vorgenommen worden , darauf hatte im 
Jahre 1886 K. Miller die Lage genauer festgestellt. 
Durch, die von Dr. Mettler geleiteten Grabungen 
wurde folgendes festgestellt: Das Kastell hat eine 
Ausdehnung von 135,30 x162,60 m. Die Flanken- 
thore liegen der Front näher als der Rückseite. 
Die Umfassungsmauer von 1,50 m Stärke war auf 
der rechten Flanke an der Innenseite mit zahl- 
reichen durchschnittlich 2 — 3 m im Lichten von 
einander entfernten Sporen versehen; auch an der 
Front liefs sich noch ein Pfeiler nachweisen, 
während die beiden andern Seiten zu schlecht er- 
halten waren. Das Praetorium war ungewöhnlich 
stark zerstört. Besser erhalten sind zwei Gebäude 
in der Praetentura zu beiden Seiten der via praeioria. 
In dem linken lag ein tiefer Keller, in dem, wie 
so oft, ein Steintisch stand. — Vor der linken 
Flanke wurde ein Spitzgraben ausgehoben. Leider 
gelang es nicht das Badegebäude und das Numerus- 
kastell, welche nach einer erhaltenen Inschrift der 
Triboci und Bot hier zu erwarten sind, zu finden, 
obgleich nach ihnen recognoscirt wurde (Vgl. 
Mettler, Limesbl. S. 855). 

6. In VV impfen wurde innerhalb der grofsen 
Befestigung, die schon im letzten Bericht erwähnt 
und als die des Vicus gedeutet wurde, von Prof. 
Schumacher das Kastell nunmehr mit Sicherheit fest- 
gestellt; es liegt an der Stelle, die der älteste Theil des 
Ortes mit der Stiftskirche einnimmt, genau gegenüber 
der Jagstmündung. Seine Südseite bildet eine 1,60 m 
breite Mauer, die unter der südlichen Dorfmauer sich 
erstreckt, davor liegt ein Spitzgraben; auch konnte 
noch die Südwestabrundung des Grabens festgestellt 
werden, während die dazu gehörige Mauer an dieser 
Stelle ausgebrochen ist. Da die Existenz des 
Kastells durch die Mauer, den Graben und die 
Abrundung zweifellos erwiesen ist, wurde von 
weiteren Feststellungen, die mit sehr grofsen Kosten 
verbunden gewesen wären, abgesehen. Die Breite 
des Kastells kann, wie sich aus dem Lauf des 
Neckars ergiebt, höchstens 160 m betragen haben. 
Die Langseite erstreckte sich parallel zum Flufs, 
während die Front- und Decumanseite ungefähr 
parallel zum Limes liegen. Von grofsem Interesse 
ist die Auffindung eines Stempels der coh. II Hispa- 
norum in diesen Ruinen, der bisjetzt nur aus dem 
benachbarten Orte Oedheim (Brambach 161 5) be- 
kannt war. Diese Cohorte bildete die erste Garnison 
von Wimpfen, sie ist gewifs richtig im Diplom 
vom Jahre 116 (vgl. Ritterling, Westd. Ztschr. XII 



S. 215) hergestellt; die coh. I. Germanorum wird 
erst nach ihrem Fortgang hierher verlegt sein. — 
Von der Umfassungsmauer des Vicus sind nunmehr 
alle vier Seiten ermittelt. Die eingeschlossene 
Fläche bildet ungefähr ein Sechseck, da die dem 
Neckar zugewandte Seite zwei kleine Brechungen 
hat; die gröfste Länge beträgt 750 m, die Breite 
schwankt von 115 — 330 m. Die Umfassungsmauer 
war im Aufgehenden 1,90 — 2m breit; ein Erdwall 
war nicht dahinter vorhanden, davor lag eine 1 m 
breite Berme und ein breiter Spitzgraben, welche 
nur auf der Neckarseite fehlten. In den beiden 
westlichen Abrundungen liegen Thürme (vgl. 
Schumacher, Limesblatt S. 851). 

7. Die Bürg bei Grofs-Eicholzheim, über die 
wir im Archäol. Anzeiger 1898 S. 21 nach Angaben 
des Streckenkommissars berichteten, hat sich als ein 
frühmittelalterlicher Bau herausgestellt, für welchen 
Material aus einer danebenliegenden römischen Villa 
verwendet ist. 

8. Bei Strafsenuntersuchungen in der Rheinebene 
unterzog Dr. Anthes die schon längst als Fundort 
römischer Alterthümer, darunter Ziegel der 14., 21. 
und 22. Legion , und als Strafsenknotenpunkt 
bekannte Gewann »Esch« der Grofsgerau.er 
Gemarkung einer Untersuchung. Es gelang ihm 
mit Mitteln der grofsherz. hessischen Regierung 
die vier Seiten eines Kastells von i29X x 47 ni 
festzustellen, welches die Front nach dem Odenwald 
richtet. Die Umfassungsmauer war aus rothem 
Neckarsandstein erbaut und im Fundament 2,20 m 
breit; doch war sie auf den meisten Stellen aus- 
gebrochen. Das Kastell bildet ein Glied jener 
Kastellkette, welche zwischen Kastei und Offenburg 
schon lange mit Sicherheit angenommen wird (vgl. 
Anthes, Limesblatt S. 848). 

9. In Heddernheim grub Prof. Wolff an 
der Stadtbefestigung diejenigen Stellen aus, an 
denen Habel Stadtthore annimmt. Das westliche 
Hauptthor fand sich an der bezeichneten Stelle an 
der jetzigen Praunheimer Chaussee. Dagegen lag 
das östliche Südthor mehr als 40 m östlich von der 
Stelle, an der es nach dem Plane liegen sollte; 
die von hier nach der Nidda führende Strafse wurde 
nachgewiesen. An der Ostseite wurde vergeblich 
nach einem Thore gesucht. 

Am Kastell Heddernheim wurden an der 
Ostseite noch 3 Zwischenthürme nachgewiesen. 

10. Von dem gröfseren Erdlager in Helden- 
bergen untersuchte Prof. Wolff die nordwestliche 
Seite; es ergab sich, dafs auch die südnördliche 
Richtung mehr als 350 m beträgt. Zwischen diesen 
Seiten des Lagers und der zum Decumanthor des 



Bericht über die Arbeit der Reichslimeskommission im Jahre li 



91 



kleinen Lagers führenden Strafse wurde ein theilweise 
noch angefüllter Töpferofen mit drei für die Be- 
seitigung derAusschufsware bestimmten tiefen Gruben 
gefunden. Die Gefäfse sind sehr zahlreich und da 
sie annähernd gleichzeitig sind , bilden sie für die 
keramische Chronologie ein sehr wichtiges Material. 

11. Auf der Capersburg wurde von Baurath 
Jacobi das Praetorium noch einer weiteren Unter- 
suchung unterzogen, welche eine interessante Holz- 
konstruetion erkennen liefs; aufserdem wurden vor 
dem einen Thor Reste einer Inschrift gefunden. 
Das Badegebäude wurde vollständig freigelegt, es 
hatte den üblichen Grundrifs. 

12. Nach dem Kastell Kernel war schon im 
Jahre 1896 gesucht, damals aber nicht mehr als 
ein Spitzgraben entdeckt worden, der für römisch 
gehalten wurde. Dr. Lehner hat nun im Dorfe 
selbst das Kastell mit Sicherheit nachgewiesen, 
wodurch sich ergiebt, dafs jener eben genannte 
Graben nicht zum Kastell gehört. Über das Kastell 

■ berichte ich im Wesentlichen nach Mittheilungen 
von Lehner. Direkt hinter dem Chor der Kemeler 
Kirche fand sich das nordöstliche, dem Limes zuge- 
wendete Frontthor, dessen 3,50 m breiter Durchgang 
von zwei Türmen in der üblichen Weise flankiert 
ist. Eine sehr gut erhaltene eiserne Thürangel lag 
noch dicht an der einen Thorwange. Die Schwelle 
ist durchgemauert und oben beschottert. Der 
Graben setzt vor dem Thore aus. Von der öst- 
lichen Eckabrundung des Kastells konnte nur noch 
die unterste Stickung gefunden werden, die südliche 
ist wohl nicht mehr vorhanden, da dort viel Terrain 
abzutragen ist. Dagegen fanden sich noch ge- 
nügende Reste der westlichen Eckabrundung sowie 
der nordwestlichen und südwestlichen Umfassungs- 
mauer, um die Gröfse des Kastells (an den Aufsen- 
kanten der Umfassungsmauer gemessen) mit Sicher- 
heit auf 77,40 : 93 m feststellen zu können. Es war 
also offenbar, wie im Arch. Anz. 1898 S. 27 
vermutet wurde, ein Numeruskastell. Das Südwest- 
thor wurde wenigstens soweit freigelegt, dafs mit 
ziemlicher Sicherheit seine mit t dem Nordostthor 
identische Anlage behauptet werden kann. Dagegen 
konnte nach den beiden Seitenthoren noch nicht 
gegraben werden. Ob von dem südöstlichen Thor 
noch etwas übrig ist, ist sehr zweifelhaft, dagegen 
wäre die Auffindung des nordwestlichen nicht aus- 
geschlossen. Vor der Nordwestmauer konnte auf 
eine ca. 20 m lange Strecke eine offenbar im Graben 
laufende, 1,70m starke Parallelmauer verfolgt werden, 
auch vor der Südwestmauer fand sich Mauerwerk, 
welches besonders gegenüber dem Südwestthor sehr 
ausgedehnt war. Leider verbot das sofort nach- 



drängende Grundwasser und die schlechte Erhaltung 
der Mauer deren sichere Bestimmung; es scheint 
sich um eine Vorschiebung der Umfassungsmauer 
in der Art und mit demselben Zweck wie bei der 
Capersburg zu handeln. — Die Kastellfront liegt 
ziemlich genau 200 m hinter dem Limes, für die 
Wahl des militärisch nicht gerade günstigen Kastell- 
platzes war vermutlich seine gegen die rauhen 
Winde etwas geschützte Lage mafsgebend. — Die 
bürgerliche Niederlassung dürfte, nach zahlreichen 
Scherbenfunden zu urteilen, sich hauptsächlich 
westlich und südwestlich vom Kastell ausgedehnt 
haben. 

13. Im Kastell Holz hausen wurden die Eck- 
abrundungen einer genauen Untersuchung unter- 
zogen, es ergaben sich an der Innenseite der Um- 
fassungsmauer Trapeze von ungewöhnlicher Gröfse 
und innerhalb derselben einige Balkenlöcher, in 
denen Dr. Pallat Reste von Holzthürmen sieht. 
Vor einer der Eckabrundungen wurde der Graben 
vollständig ausgeschachtet. — Mit Mitteln des 
preufsischen Kultusministeriums wurden die Thore 
und Theile der Umfassungsmauer conservirt. 

14. Die genaue Erforschung des Innern des 
Kastells Niederbieber wurde in diesem Jahre fort- 
gesetzt. Das Praetorium ist 53,30 m breit und 52,50m 
tief. Das Sacellum scheint nicht unterkellert gewesen 
zu sein, die rechts und links daneben liegenden 
Zimmer waren heizbar; in dem zweiten Zimmer der 
westlichen Reihe wurde eine Votivtafel des numerus 
Divitiensis gefunden. In der südwestlichen Ecke 
des Atriums wurden schwache, aber sichere Reste 
der Postamentunterlagen eines Porticus, der ehemals 
ein Ziegeldach trug, und ein 30 cm in den Boden 
eingeschnittener Graben einer aus Holzröhren be- 
stehenden Wasserleitung, von der die eisernen 
Verbindungsbüchsen in regelmäfsigen Entfernungen 
von 1,20 — 1,40 m angetroffen wurden, nachgewiesen. 
Im südlichen Theile des Atriums kamen unbe- 
deutende Reste von einer Kalksteinstatue eines 
Kaisers oder eines Iuppiter zum Vorschein. Der 
Hof der Gemeinen ist nur so lang wie das 
Praetorium, er hat aber die aufsergewöhnliche Breite 
von 21 m. Ritterlings genaue Untersuchungen führten 
zu dem Ergebnifs, dafs der Raum trotz den sehr 
starken Umfassungsmauern niemals bedacht war; 
es bilden also die Niederbieberer Grabungen einen 
neuen Beleg für die Westd. Zeitschr. XVII S. 344 
vorgetragene Ansicht über das ehemalige Aus- 
sehen der sog. Exerzierhalle, in der Ritterling gleich- 
falls die »prineipia«. sieht. — Östlich vom Prae- 
torium lag, durch eine 5,70 m breite Strafse von 
ihm getrennt, ein auf dem Hundeshagen'schen Plane 



92 



Erwerbungen des Louvre im Jahre 1897. 



noch fehlendes Gebäude von unbekannter Gröfse, 
dem westlich vom Praetorium ein langer schmaler 
Bau entsprach. — Das etwa 17 m nördlich vom 
Praetorium gelegene lange Gebäude, welches schon 
von Hoffmann ausgegraben war, wurde, da es 
an jeder Beschreibung fehlt, nochmals untersucht; 
Ritterling sieht in ihm mit Bestimmtheit ein Bade- 
gebäude, trotzdem es von dem Schema aller bis- 
herigen Soldatenbäder wesentlich abweicht. Die 
Pfeilerchen der Heizräume ergeben eine Unmasse 
gestempelter Ziegel der VIII und XXII Legion und 
der coh. IUI Vindeluorum , worunter auch voll- 
kommen neue Stempel erscheinen. Auf Grund der 
Stempel fixirt jetzt Ritterling die Erbauung des 
Kastells um das Jahr 190. — Das südliche Drittheil 
des Kastells scheint ganz mit Mannschaften und 
Pferden belegt gewesen zu sein. 13,40 m hinter 
der Südmauer liefen der Mauer parellel zwei im 
Lichten nahezu 9 m von einander entfernte Trocken- 
mauern aus Lesesteinen, welche auf eine Länge von 
26 m verfolgt werden konnten, ohne dafs ihr Ende 
erreicht worden wäre. Auch entdeckte man mehrere 
cisternenartige Gruben sowie eine Reihe von Koch- 
herden, die durchschnittlich 5 m von einander ent- 
fernt gelegen zu haben scheinen. Münzen fanden sich 
von Marcus bis Decius; in einer der cisternen- 
artigen Gruben lagen gegen 40 Falschmünzerformen 
aus der Zeit von Caracalla. In einem aufserhalb 
des Lagers befindlichen Römerbau, der gleichzeitig 
beim Schulhausbau ausgegraben wurde, kamen eine 
Masse trefflich erhaltener eiserner Geräthe zum Vor- 
schein (vgl. Ritterling, Limesblatt S. 825). 

15. Da das Kastell Niederbieber nach Ritterlings 
Untersuchungen erst dem Ende des 2. Jahrh. 
angehört, so mufste als Schlufs des Wiedthales 
für die frühere Zeit ein anderes Kastell gesucht 
werden. Ein solches wies Dr. Bodewig in Heddes- 
dorf unmittelbar bei Neuwied nach. Es liegt 
theils noch unter dem Ort, theils südlich davon. 
Seine Front ist nach Osten dem Limes zugewandt ; 
es ist 154,70 X!75> 55 rn grofs. Der Graben ist 
einfach und 8 m breit und 2,65 m tief. Die Um- 
fassungsmauer ist im Fundament 1,75—1,90 m 
dick, theilweise stehen auch noch Reste des auf- 
gehenden Mauerwerks. Eck- und Zwischenthürme 
sind vorhanden, konnten aber nur an der Front unter- 
sucht werden. Drei Thore wurden festgestellt, die 
principalis sinistra entzog sich der Untersuchung; 
unter der porta praetoria ging ein Kanal ins Freie. 
Es scheint, dafs unmittelbar an den 4,50 m breiten 
Erdwall 7 m breite Kasematten anschlössen, vor 
denen eine 3 m breite Wallstrafse vorbeizog. Zwischen 
dieser Wallstrafse und der via praetoria befinden 



sich in der Praetentura viele Barackenkeller und 
Kochlöcher. Die via praetoria bestand aus einer 
80 cm dicken Kiesschotterung, die via principalis 
ist vor dem rechten Thor 4,20 m breit, ist mit 
Chausseegräben versehen und weist auf Bendorf zu. 
Neben dieser Strafse lag das 53m lange Bad, 
welches theilweise bis 32 m breit ist. An die Veranda 
oder den Vorraum schliefsen sich westlich zwei 
gleichfalls nicht heizbare Räumlichkeiten, im übrigen 
entspricht der Grundrifs durchaus dem Schema; in 
der einen Apsis des Caldariums war noch ein 
Bassin erhalten; das westlich vom Apodyterium und 
Tepidarium gelegene Sudatorium war durch einen 
schmalen Gang von dem Hauptbau getrennt. Die 
bürgerliche Niederlassung dehnte sich nach Süden, 
Westen und Osten weit aus. Die jetzt und früher 
gefundenen Münzen reichen vom Domitian bis Marc 
Aurel. Die Ziegelstempel rühren meist von der 
22. Legion her, vereinzelt kommen auch solche der 
8. Legion vor. Von Cohortenstempeln fanden sich 
zwei Stempel der Coh. IV Vindelic., wozu noch 
mehrere einer eq. p. f. treten, deren Name leider 
abgebrochen ist. Es sind eine gröfsere Anzahl 
Inschriftenreste gefunden, deren Ergänzung aber 
bis jetzt noch nicht gelang. (Vgl. Bodewig, Limes- 
blatt S. 834). 

Trier. F. Hettner. 

ERWERBUNGEN DES LOUVRE 

IM JAHRE 1897. 

11. 

In Ergänzung des im vorigen Jahre ' wieder- 
abgedruckten Berichtes des Herrn Heron de Ville- 
fosse geben wir im Folgenden den Bericht des Herrn 
E. Pottier über die Erwerbungen des Departement 
de la Ceramique antique wieder, welcher so eben in 
der Revue archeologique 1899 Bd. I S. 1 — 14 er- 
schienen ist. Einige der besprochenen Stücke sind 
daselbst auf den Tafeln III — V abgebildet. 

/. — VASES PEINTS 
Chypre. 
A. M. 660. — Grand cratere a anses verticales 
reliees au col par une partie plate. Cette forme, qui 
parait avoir pris naissance en lonie, fut adoptee p/us 
tard par les Corinthiens chez qui eile devint classique: 
on lui donne souvenl le nom impropre de kelebe ou 
de cratere a colonnettes. Sur le col, des oiseaux geomi- 
triques place's dans des metopes. Sur le haut de Pepaule, 
une zone de grosses rosaces. Sur la panse, dans une 
zone plus large, deux taureaux affrontes de chaque 

] ) Vgl. Arch. Anzeiger 1898 S. 194 ff. 



Erwerbungen des Louvre im Jahre 1897. 



93 



cote d'une grande palmeile dile phenicienne ou ionienne. 
Dans le champ, au-dessus de chaque taureau, unpoisson: 
derriere eux, une plante feuillue sortant du sol. 7 out 
ce decor est repe'te de chaque cote de la pause. En- 
dessous , une large grecquc dans le style du Dipylon, 
rehaussee de poinls bruns , puls des zones de c er des. 
Sous chaque anse un large quadrille. Peinture en 
noir t/tat avec quelques appliques de rouge vineux. Le 
pied est endommage. Haut. o>»,j8; larg. 0111,32. 

A. M. 638. Grande amphore a deux anses rondes 
et courtes, ne rejoignant pas le col. Sur le col : i° 
une zone de grosses rosaees placees dans des mctopes; 
20 une zone composee d'un dessin en losange accoste 
de triangles, deux tresses verticales, une grande fleur 
de lotus epanouie, les meines tresses verticales, le meme 
dessin en losange et triangles, les memes tresses verti- 
cales, la tneme fleur epanouie; J° une tresse horizontale. 
Sur le haut de l'cpaule quelques petits dessins geometri- 
ques lineaires. Sur la panse une grande zone de 
fleurs et de boutons de lotus relies par des entrelacs. 
En des sous, une zone de melopes; en bas, une serie 
de cercles. Sous chaque anse un grand motif lineaire. 
Le decor est le meine de chaque cote du vase. Peinture 
en noir mat avec appliques de rouge. LLaut. o n >,y8. 

A. M. 630. — Grande amphore de forme 
semblable a la precedente. Sur le col, dans des mctopes, 
quatre oiseaux volant de style geometrique et deux 
grands motif s lineaires composes de losanges superposes. 
Sur le haut de la panse, quelques petits mol/fs lineaires. 
Sur la panse un gros fllet ondule allant d'une anse 
a l'autre. En dessous, quelques cercles. Peinture en 
noir mat avec appliques de rouge. Haut. o>",68. 

A. M. 368. — Coupe a pied et a recipient 
profond avec deux petites anses a peine detachees du 
flanc. Sur le rebord, une serie de cercles noirs et un 
large cercle rouge. De chaque cote de la panse, dans 
une me'tope encadree de fllels verticaux, une grande 
fleur de lotus epanouie, au trait noir rehausse d' ap- 
pliques d'un rouge tres vif. Sur le pied quelques cercles 
noirs. Dans l'interieur, une serie de cercles noirs 
divises par groupes, depuis le bord jusqu' au fond, avec 
un large cercle rouge pres du rebord. Le decor est 
le meme de chaque cote' du vase. Dessin en noir mat 
avec appliques d'un tres beau rouge vermillon. LIaut. 
om, 16. 

A. M. 661. — Coupe a pied, de meme forme et 
de decor analogue. De chaque cote de la panse, dans 
une metope encadree de filets verticaux, un poisson 
tout herisse de piquants (ou dont on a voulu figurer 
les nageoires); devant le poisson, un bouton le lotus 
h demi eponoui. Dans l'interieur, meme decoration 
que celle du precedent. Meme technique. LLaut. o»>, 18. 

A. M. 662. — Coupe a pied analogue aux prece- 



dentes. Le rebord est orne de motif s lineaires et de 
motif s curvilignes a la facon mycenienne, dans des 
metopes encadrees de filets verticaux. Sur la panse, 
une zone plus large avec motif central compose de 
filets verticaux, zigzags horizontaux et demi-cercles 
concentriques, accoste de chaque cote par des motifs 
curvilignes ii la fagon mycenienne. Le decor est le 
meme de chaque cote du vase. Dans l'interieur, meme 
omementation que dans les precedents. Haut. o>»,/j. 

A. M. 632. — CEnochoe, a anse bifide, de'core'e, 
sur le goulot, d'une zone de cercles concentriques place's 
verticalemenl; sur la panse, des cercles concentriques 
verticaux' qui couvrent des deux flancs et laissent un 
e Space libre sur le milieu du vase, dans l'axe du bec. 
Dans cet espace est dessine un homme de style tres 
archdique, a grosse tele, avec un oeil enorme ; il par alt 
nu et lienl de la main droite un oiseau aux ailts 
deployees: le bras gauche est leve; la tele, de profll, 
est lournee a droite, le corps vu de face. Peinture en 
noir mat avec des retouches de rouge dans les cercles. 
Haut. om,j2. 

A. M. 633. — CEnochoe a anse plate ornee de 
traits noirs et de croix. Le bec est accoste de deux 
yeux. Sur le goulot, ruban ondule. Sur la panse, 
un bouquetin bondissant, les quatre pieds reunis. 
Devant lui, dans le champ, une grosse rosace en itoilt. 
Dessin au trait noir mat. Haut. o>",28. 

A. M. 682. — CEnochoe a anse plate ornee de 
traits noirs. Le bec est accoste de deux yeux. Sur 
la panse, un cavalier coiffe du bonnet conique phenicien, 
les jambes serrees dans des braies collantes, monte un 
cheval qui trotte vers la droite; de la main gauche il 
agite un fouet, de la main droite il tient les renes. 
Plus loin, devant lui, un grand oiseau aux ailes 
deployees, la queue pointant en l'air, la tele dirigee 
vers le bas, parait tournoyer et planer dans l'air. 
De chaque cote de V oiseau un ornement en forme de 
fliehe dirigee vers le haut; pres du cavalier trois petits 
svastikas. Dessin au trait noir mat avec retouches 
rouges. Haut. 0^,28. Lle de Chypre (Aradipo). 

Grece. 
C. A. 824. — Grande amphore de style geometri- 
que beotien. L.es anses sont a arcade double, comme 
dans h Dipylon attique. Le col, le pied et la partie 
inferieure de la panse forment trois larges zones 
decorees de filets ondules verticaux. La partie supe- 
rieure de la panse porte, de chaque cote, le meme sujet 
dispose dans une metope: la chasse au Hon. — A. Le 
Hon, represente tres naivement et sommairement, ouvre 
une gueule enorme, armee de dents aigues; dans la 
gueule un homme s'est glisse tout entier et enfonce 
d'une main son epee dans le gosier du monstre, tandis 



94 



Erwerbungen des Louvre im Jahre 1897. 



que de l'autre il lui saisit la langue. Derriere lui, 
un autre komme debout, le fourreau d'epee au cote, 
saisit de la main droite le dessus du mufle de la bete 
et de la main gauche lui perce le palais avec son epee. 

— B. Mime suj'et ou le pr emier chasseur est supprime. 

— Peinfure noire tournant ' facilement au rouge sans 
relouches. Les seines a personnages sont jusqu'a 
present rares dans eette serie beotienne (cf. Pottier, 
Catalogtie des vases du Louvre, p. 243, et Album des 
Vases antiques du Louvre, pl. 21, A 375). — Trouve 
a Thebes, en Beotie. Haut. o>», 73. 

C. A. 823. — Amphore de mime style, plus 
petite. Le decor est le mime des deux cotes du vase. 
Sur le col: i° zone de quadrille; 2° large zone de 
filets verticaux ondules; 3 serie de cereles. Sur la 
panse, dans wie metope, Hon de style analogue au 
precedent, poursuivant une gazelle; dans le champ, 
grands svastikas et autres motifs lineaires. En des- 
sous: i° zone de quadrille; 2° large zone de filets 
verticaux ondules; 30 serie de cereles. Le pied, orne 
d'tin quadrille, est perce de quatre petites ouvertures 
triangulaires. Les anses a double arcade sont seines 
de gros poinls noirs. Sous les anses, motifs lineaires 
en grands triangles. Mime technique que dans le vase 
precedent. — Beotie (Thebes). Plaut. o m ,j/. 

C. A. 826. — Qinochoe de style geometrique 
beotien. Le bec est aecoste de deux yeux. Sur le 
goulot, une gr aride grecque; en des sous, des filets 
ondules verticaux; en des sous, des spirales juxtaposees; 
en dessous, un quadrille avec gros points noirs. Sur 
la pause, une bände d'oves allonges contenant chaeun 
une feuille isolee rouge; en dessous, une zone d'angles 
juxtaposes, puis un cercle rouge supportant des petites 
rosaces de points blancs; a la base, des arites noires 
lanceolees. L'anse longue et plate, rattachee au goulot 
par un tenon place a mi-hauteur, est decoree d'un 
quadrille seine de gros points noirs. — Beotie (Thebes). 
Haut, o™, 26. Public par M. Couve dans le Bulletin 
de Correspondance hellenique, 1897, p. 446, fig. 2. 

C. A. 827. — Vase en forme de belier de style 
archaique. Le dos est surmonte, dans le sens de la 
longueur, d'une anse courbe et plate. L'ouverture 
est pratiquee sur le dessus du cou. La toison de 
lanimal est figuree par des raies noires ondule'es. ■ — 
Beotie (Thebes). Haut. 0^,17. Long. om,iö. 

C. A. 80 g. — Aryballe corinthien, de forme 
ronde, a goulot court. Sur le devant, un large motif 
filoral au trait noir , avec quatre grands petales 
rehausses de rouge. En arriere, sous l'anse, une 
inscription peinte en lettres noires hautes d'environ 
un centimelre: AlaxvXTvog lltictku. C'est proba- 
blement le nom de la personne a qui le vase e'lait 
destine: il s'agirait alors d'un cadeau fait sur com- 



mande (cf. I' aryballe corinthien d'Ainela: Annali, 
1862, pl. AB; Dumont et Chaplain, Ceramiq., I, p. 
2 33)- L'interet de cette inscription est quelle a ete 
redigee en aiphabet corinthien. Les inscriptions sont 
rares sur les petits vases de ce genre et elles peuvent 
servir a etablir l'origine sürement corinthienne des 
speeimens similaires. Mais les Beotiens en ont fabrique 
aussi, comme il est prouve par V aryballe de Gamedes 
(Dumont, ibid., p. 290). — Trouve en Beotie. Haut. 
o<n, 063. 

C. A. 823. — Lecythe de forme allongee et a 
col tres court. Deux zones superposees. En haut, 
combat d'Hercule et du dieu marin Triton ou Neree, 
h v corps de poisson termine en queue de scorpion. 
L'artiste a mile, de plus, les formes classiques du 
monstre marin et celles de la Chimere: du dos sort 
une tite de serpent et, un peu plus loin, une fite de 
Hon qui menace Hercule. Cest une fa$on de figurer 
les transformations du dieu pour echapper ä l'etreinte 
du heros (comparez la lutte de Pelce et de Thetis). 
Dans la zone inferieure, separee de la premiere par 
une zone quadrillee a gros points noirs, deux grands 
lions sont affrontes de chaque cote d'un casque; derriere 
eux, un aigle pose, reloumant la tele; dans le champ, 
quelques rosaces. Decor a figures noires rehaussees 
de rouge et de quelques points blancs; style du VI e 
siede, execution assez rapide. — Beotie. Haut. 0^,32. 

C. A. 822. — Vase de forme ovoi'de, muni d'une 
anse qui fait l'arc de cercle par dessus (comme une 
anse de seau). II est decore dans le Systeme des vases 
a figures noires du VI e siecle, style un peu rapide 
et neglige. Deux zones superposees : i° Hercule com- 
battant le Hon de Nemee entre deux assistants drape's; 
quatre hommes drape's; 20 zone circulaire d'animaux: 
deux sphinx affrontes, Hon rugissant, deux Sirenes 
afifrontees, Hon rugissant. Quelques rosaces seme'es 
dans le champ. Ce vase presente cette particularite 
curieuse qu'il est completement ferme du haut et se 
termine en pointe. Le fond n'est pas ouvert, tnais 
perce d'un grand nombre de petits trous qui devaient 
donner passage a un liquide. L'anse ronde forme un 
tuyau creux qui est perce d'un trou a la partie cul- 
minante: dans ce trou on versait le liquide qui par 
les deux branches de l'anse se repandait dans la cavite 
du vase et se deversait ensuite en pluie par les petits 
trous du fond. Etait-ce un vase a douche ou un vase 
destine, comme aujourd' hui, a abaltre la poussiere sur 
le plancher ou sur les dalles de la palestre? En tout 
cas, c'est un ustensile qui me parail unique dans son 
genre. — Trouve en Beotie. Haut. o m ,22. 

C. A. 797. — Canlhare h couverte noire dont 
le dessus est plein, sauf une petite ouverture pratiquee 
pres du bord; le pied est creux en dessous et com- 



Erwerbungen des Louvre im Jahre 1897. 



95 



munique avec l' Interieur par ttne sorte de tube d'argile. 
C'est un vase a surprise, analogue a celui que j'ai 
publie dans le Bulletin de Correspondance hellenique, 
XIX, pl. 19 et 20. — Trouve en Grece. Haut. o>», 13. 

II. — VASES A RELIEFS ET VASES 
PLASTJQUES 

C. A. 790. — Grand pithos a deux anses, a 
base pointue, decore sur une des faces seulement de 
figures en relief estampees et appliquees sur l'argile. 
Sur le col, dans un encadrement formant une sorte 
de metope longue, Persee, detournant la tele, saisit de 
la main gauche la Gorgone par, une tresse de ses 
cheveux et de la main droile armee du glaive s'apprete 
a lui couper la tele. Meduse est vue de face, vetue 
d'une tunique collanie a petits plis; son corps est 
prolonge a droite par un arriere-lrain de cheval qui 
lui donne l'apparence d'une Centauresse. Dans le 
champ, derriere Persee, un haut ornement conipose de 
palmcttes et de volutes superposees. Derriere Meduse, 
une longue tige sortant du sol se termine en haut par 
un bouton de fleur. Dans le champ, au-dessus du 
corps de cheval, un gros lezard. Sur la panse, une 
bände de cinq gazelies marchant a droite, au corps 
picote de points. En dessous, une bände de quatre 
bouquetins paissant, marchant a gauche. Les anses 
sont ajourees et decorees de motifs ou se fait sentir la 
reproduclion d'un modele metallique (filets ondules 
saillants, tetes de clous, etoiles decoupees, etc.). La 
technique tout entiere du vase, les incisions des per- 
somiages decelent Limitation d'un produil de la 
metallurgie. 

Ce beatt vase forme le pendant exaet du pithos du 
Musce d'Alhcnes publie par M. Wolters (Ephemeris 
archeologique, 1892, pl. 8 et 9) et il doit sortir du 
meme atelier. II fera l'objet, avec d'autres speeimens 
similaires inedits, d'un article de M. de Ridder dans 
le Bull, de Corr. hell., decembre 1898. — Beotie 
(Thebes). Haut. i m ,33 (haut, de la metope 0^,24; 
haut, de la pr emier e zone o m ,22; haut, de la seconde 
zone 0111,13). 

C. A. 810. — Vase en forvie de tete de guerrier 
casque. Pour les similaires, voy. l'elude de M. Heuzey, 
Gazette arch., 1S80, p. 143, pl. '20; cf. Perrot et 
Chipiez, Hist. de l'art, III, p. 676. Beotie (Thebes). 
Haut. 0^,063. 

III. — STATUETTES DE TEURE CUITE 
C. A. 839. — Femme nue, debout, les bras colles 
au corps, du style le plus ancien, coiffee de deux 
grosses boucles qui retombent sur chaque epaule. Les 
yeux sont figures par une incision horizontale, le nez 
par une saillie d'argile pincee du bout des doigts; la 



bouche est absente. De gros pastillages ortient par 
derriere les mec/ies de cheveux retombant. Autour des 
seins, sur le nombril, a la taille et sur les reins, ou 
a fait un decor en cercles ou en lignes de points 
incises. Tout le venire est marque d'un fort triangle. 
Celle curieuse Statuette est a rapprocher des figurines 
du Louvre, publiees par M. Heuzey, qui avaient fait 
partie de la collection Clot-Bey en Egypte (Les figurines 
antiq. de terre cuite du L^ouvre, pl. 4, «"* 2, 3, 4, 
et p. 4). — Celle-ci a ete trouvee en Grece. MaqttctU- 
pleine de terre blanchatre, analogue h la terre de 
Corinthe. Haut. o>n,iö. 

C. A. 804. — Croupe archdique de Thebes, en 
Beotie. Quatre boulangeres sont reunies cole a cote 
devant un petrin et roulent la pale avec leurs mains. 
Detail curieux et unique, a ma connaissance : ä gauche, 
une autre femme est debout qui semble les exciter au 
travail en jouant de la double flute. M. P. Girard 
m'a signale a ce propos un texte d'Athcnec qui fait 
allusion a une coutume analogue chez les Etrusqucs ; 
mais l'ecrivain grec y voit une marque d' indolence ou 
de maurs effeminees, au Heu de comprendre qu'il s'agit 
d'une fagon d' aller en mesure en s'excitant a la 
besogne, comme dans les palestres grecques (vnö fik 
T^f TQvqrjg ol TvqqyjvoI, 10 g "AXxi^iog laroneT, noog 
(tvlöv xcei fJttxrovai xai nvxitvovai xai fxaanyovair, 
XII, p. 3/8 B). Les corps sont en galette ronde; 
les tetes, coiffees de bandcaux ondules, sont traitees en 
style archdique. Voy. sur ces represenlations V article 
recent de M. Courouniotis (Ephemeris arch., 1896, pl. 
201, p. 11 et 12; peul-etre dans la pl. 11, n° 2, faut-il 
Interpreter la Statuette du centre comme une joueuse 
de flute). — Long, 0^,17; haut. 0^,09. 

C, A. 806. — LIermes barbu, de style archdique, 
drape, portant un bouc a califourefwn sur ses epaules; 
un petit auiel a cote de lui. Ce motif a ete traue par 
le sculpteur Calamis. II est different de celui qu'avail 
adopte Onatas, ou Hermes portait le belier sous son 
bras (cf. Monuments et Memoires Piot, II, p. 163). 
— Trouve ä Thebes, en Beotie. Haut. 0^,19. 

C. A. 803. — De'esse assise, drapee et voile'e, 
tenanl sur ses genoux une petite fllle coiß'ee du cecry- 
phale (Demeter et Core). Le style est encore empreint 
d'archdisme (pr emier e moitie du V« siede). Cest le 
prototype d'un motif qui deviendra frequent plus tard, 
par exemple a Myrina (cf. au Louvre, ?t° 639). — 
Trouve a Thebes, en Beotie. LIaut. 0^,213. 

C. A. 808. — Pan debout, nu, tenant un court 
pedum de la main gauche. — Meme provenance. Haut, 
o'», 23. 

C. A. 807. — Femme assise, drapee, tenant sur 
ses genoux un petit Eros. — Meme provenance. LIaut. 
o'",i9. 



96 



Gymnasialunterricht und Archäologie. 



C. A. 798-802. — Cinq terres cuites, trouvees 
h Egine dans le meme tombeau. Une femme drapee, 
assise sur un siege a coussin orne de glands, joue de 
la lyre et se tourne vers un petit Eros assis a sa 
droite qui leve les mains en signe d ' admiration ou 
pour applaudir (A. o»i,/jj). Une femme drapee, 
debout, danse la Jambe droile avancee, en jouant des 
crotales (h. o»',2f). Une femme demi-nue, le pied 
gauche pose sur une eminence, touche la lyre avec un 
plectre (h. 0111,24). Une femme drapee et voilee, des 
alles dans le dos, eleve de la main gauche une lyre 
(h. o m ,2o). Un Eros nu, assis, tient la lyre et le 
plectre; a sa droite, un hermes surmonte d'une peiite 
figure de Priape imberbe, drape, qui reihte sa tunique 
par devant (A. 0111,14). Un esclave a figure grotesque, 
drape, danse en jouant des crotales (A. 011,12). Ces 
figurines d'excellent style, inlermediaire entre les 
statuettes de Tanagre et celles de Myrina, pleines de 
gräce et d'esprit, ont ete publiees par M. Collignon 
(Revue de l'art ancien et moderne, I, 1897, p. 19-24 
et planche). Des traccs de couleurs bleues, roses, etc., 
sont encore visibles. 

C. A. 600-700. — Lot de terres cuites trouvees 
a Smyrne. Environ 90 pieces comprenant des tetes 
de divinites (Jupiter, Apollon, Hercule , Bacchus, 
Silenes et Satyres), des tetes d'ephebes et de femmes, 
de grotesques, un tres grand corps d'homme nu 
(o"i,42 sans la tele) presque complet, qui est un 
morceau de beau style et une des plus grandes terres 
cuites que Von ait jusqu'a present decouvertes sur cet 
emplacement. La planche V presente un choix de 
tetes prises dans ce lot: tete d' Apollon ou d'epAebe 
apparentee a l'ecole sculpturale du IV '« siede (n<> 1; 
haut. o">, 06), tete d' Apollon surmontee d'un haut 
crobyle (n° 5; haut. o">,o6j), tete de philosophe barbu 
derivee des figures d' Hercule tres nombreuses dans 
cette serie (n° 4; haut. 01,045), tete d' Hercule pensif, 
infiuence par la creation de V Hercule de Lysippe (n° 2 ; 
haut. o' n , 06), tete de grotesque influencee par un 
modele de barbare portant la moustache (n° J ; haut. 
o m ,ojj), tele de Satyr e, jeune et souriant, aux cheveux 
divises en longues meches (n° 6; haut, o»', oj). Un 
autre fragmenl, tres curieux par un detail de costume, 
a ete publie par M. Homolle dans son article sur 
V Aurige de Delphes (Monuments et Memo ir es Piot, 
IV, p. 186, fig. 9; haut. o»>,ij): c'est un torse de 
conducteur de char, a figure barbue, vetu d'une longue 
tunique ceinte d'une bandeleite plusieurs fois enroulee 
autour de la taille. L ' etoffe a ete tiree par derriere 
entre les deux epaules, de fagon a former un gros 
bouchon d' etoffe qui est maintenu par un lien serre: on 
degageait ainsi les bras du cocher qui eussent ete 
embarrasses sous V ampleur de V etoffe. 



C. A. 79s. — Fragment d'un masque barbu 
(Jupiter) trouve en Asie-Mineure, a Amisos. Haut. 
Ol", /j. 

IV. — PLAQUES DE TERRE CUITE 
C. A. 8b o. — Plaque estampee et decoupee, de 
style encore archai'que (premiere moitie du V« siede). 
Penelope drapee, le manteau jete sur les genoux, est 
assise a gauche dans l'altitude dassique que lui prete 
la statue du Vatican, la jambe gauche par dessus la 
droile, la tete de face appuyee sur la main gauche, la 
main droite sur le rebord du tabouret a quatre pieds 
qui lui sert de siege et sous lequel est placee la eor- 
beille de travail. Devant eile, Ulysse se presente sous 
l'apparence d'un mendianl courbe par l'äge, debout et 
nu, les genoux fiechissant, appuye sur un bäton, portant 
sur son dos un bissac, un court manteau, une gourde, 
un petit vase et autres menus ustensiles attaches a la 
hampe de son bäton, les cheveux un peu flottant sur 
le cou, la tete couverte du pilos. Le bras droit casse 
elait tendu et la main, encore visible, saisissait le 
poignet gauche de Pendope. Cette plaque, tres inte- 
ressante par le sujet et par le style, renlre dans la 
serie des ex-voto du meme genre dont j'ai donne la 
liste dans les Ceramiques de la Grece de Dumont et 
Chaplain, II, p. 226 et suiv. Le vendeur a certifie 
qu'il l'avait achetee a Milo meine (voy. sur ces pro- 
venances controversces, Dumont, ibid., p. 2jo). Haut. 
011,18; larg. om,ij. 



GYMNASIALUNTERRICHT UND 
ARCHÄOLOGIE. 

Im Frühjahre d. J. haben Ferien-Curse für 
Gymnasiallehrer zu Ostern in Berlin, Mün- 
chen und Dresden, zu Pfingsten in Bonn- 
Trier stattgefunden. 

In Berlin betheiligten sich 34 Herren, davon 
28 aus Preufsen und zwar aus allen Provinzen, und 
je ein Herr aus Bayern, Sachsen, Württemberg, 
Anhalt und Schwarzburg-Sondershausen. Der Cursus 
dauerte mit der Sonntagspause vom 6. bis zum 
14. April. Er begann mit dem Vortrage des Herrn 
Winnefeld im Museum für Völkerkunde über Schlie- 
mann's Ausgrabungen; es folgten in der Sammlung 
der Abgüsse der Vortrag des Herrn Kekule von 
Stradonitz über die attische Kunst, der des Herrn 
Trendelenburg in der Olympia-Ausstellung, der der 
Herren Winefeld und Winter über Pergamon, der des 
Herrn Winter im Antiquarium über antike Keramik, 
eine Abendvorlesung des Herrn von Wilamowitz- 
Möllendorf über Menander, sodann die Vorträge des 
Herrn Richter über Topographie der Stadt Rom und des 



Gymnasialunterricht und Archäologie. 



97 



Herrn Schäfer über ägyptische und assyrische Denk- 
mäler der königlichen Museen. 

Zu dem Cursus in München waren allein 
aus Bayern 53 Theilnehmer erschienen, dazu auf 
Einladung je 2 aus Preufsen, Sachsen und Hessen. 
Die Verwendung von Projections-Apparaten bei den 
Vorträgen gestattete auch einer so grofsen Zahl die 
Theilnahme. Der Cursus dauerte vom 4. bis zum 
8. April. Am ersten Tage, Dienstags, trugen am 
Vormittage Herr Furtwängler über Troja, Mykenai 
und Homer und Herr von Reber über die Baukunst 
der homerischen Zeit vor, Nachmittags Herr Furt- 
wängler über die Akropolis von Athen. Am Mitt- 
woch sprach Herr Furtwängler über die Entwick- 
lung der statuarischen Typen in der antiken Kunst 
und erläuterte sodann ausgewählte ältere Bildwerke 
in der königlichen Glyptothek; am Nachmittage 
hielt Herr von Reber einen Vortrag über antiken 
Städtebau. Am Donnerstage fanden die Vorträge 
des Herrn Furtwängler statt, zuerst über die Ent- 
wicklung des Reliefs und der Malerei in der Antike, 
dann über ausgewählte jüngere Bildwerke in der 
Königlichen Glyptothek und Nachmittags über die 
Bedeutung der bemalten griechischen Vasen, am 
Freitage dessen Vorträge über die antiken Kopien 
der verlorenen griechischen Meisterwerke der Skulp- 
tur, über das antike Porträt und über die Kunst 
an den Gräbern bei den Griechen. Am Samstage 
folgte auf den Vortrag des Herrn Furtwängler über 
Gallier und Germanen in antiken Kunstdarstellungen 
die Erläuterung von Klassikerstellen durch Denk- 
mäler des Königlichen Antiquariums von Seiten des 
Herrn von Christ, und Nachmittags trug Herr Furt- 
wängler über einige das griechische Theater be- 
treffende Fragen vor. 

In Dresden fand der Cursus vom 4. bis 
7. April statt, unter Betheiligung von 18 Herren 
aus Sachsen , 2 aus Bayern und je einem aus 
Württemberg und Hessen. Das Anfangs ausgege- 
bene Programm mufste wegen Erkrankung des 
Herrn Treu und Reise des Herrn Schreiber stark 
geändert werden. Am Mittwoch, 4. April, trug 
Herr Herrmann über mykenische Kunst, griechischen 
Tempelbau und archaische Plastik vor, am Donners- 
tage Herr Studniczka über Bildhauerei des 5. Jahr- 
hunderts v. Chr., über Olympia, Myron, Phidias, 
worauf Herr Herrmann die antiken Originalwerke 
der königlichen Skulpturensammlung erläuterte. Am 
Freitage trugen Herr Studniczka über Parthenon, 
Praxiteles und Skopas vor und Herr Herrmann über 
Lysippos und hellenistische und römische Kunst. 
Am Sonnabend erläuterte Herr Schneider die Topo- 
graphie der Stadt Rom durch Skioptikon-Bilder mit 
Archäologischer Anzeiger 1899. 



Hülfe des Herrn Kalkowsky, und Herr Herrmann 
beschlofs den Cursus durch einen Vortrag über 
Bildhauerei des Mittelalters, der Renaissance- und 
Neuzeit vor den Abgüssen und Originalen der könig- 
lichen Skulpturensammlung. 

Am Cursus Bonn-Trier, der in diesem Jahre 
vom 23. bis 31. Mai zum zehnten Male stattfand, 
betheiligten sich 29 Lehrer, darunter vier Direk- 
toren. Aufser Preufsen waren Bayern, Hessen 
Oldenburg, Braunschweig, Sachsen-Altenburg und 
Hamburg vertreten. Ähnlich wie in früheren Jahren 
sprach Herr Loeschcke unter Benutzung der Samm- 
lungen des akademischen Kunstmuseums über die 
Kultur der griechischen Heroenzeit, Formenlesen der 
griechischen Plastik, Seelenglaube und Todtenkult 
der Griechen, über griechische Götterbilder und 
über das attische Theater des fünften Jahrhunderts. 
Im Provinzial-Museum erklärte Herr Loeschcke die 
Denkmäler der vorrömischen Periode und die Reste 
der römischen Kleinkunst, Herr Lehner die römischen 
Steindenkmäler, namentlich die Soldatengrabsteine 
und die Votivreliefs. Ein Ausflug an den Limes 
wurde auch dieses Mal unternommen. Aufserdem 
folgte die Mehrzahl der Theilnehmer einer Ein- 
ladung der Herren Bodewig in Oberlahnstein und 
Jordan in Coblenz und besuchte unter deren Führung 
auf der Fahrt nach Trier die römischen Reste im 
Coblenzer Stadtwalde, besonders einen in Aus- 
grabung befindlichen Mercur-Tempel. In Trier über- 
nahm Herr Hettner die Führung und erklärte ein- 
gehend die Ruinen und die Denkmäler des Museums. 
Eine Fahrt nach Nennig und Igel bildete den Schlufs. 

Eine Schülerreise nach Rom unternahm 
in den Osterferien d. J. vom 24. März bis zum 
9. April der Direktor des königlichen Prinz Heinrichs- 
Gymnasiums in Berlin, Herr Richter, mit vier 
Lehrern und fünfzehn Primanern und Obersekun- 
danern der Anstalt. Durch das Entgegenkommen 
der italienischen und deutschen Bahnverwaltungen 
waren die Fahrpreise derartig ermäfsigt, dafs die 
ganze, 17 Tage dauernde Reise pro Person mit 
200 Mark bequem bestritten wurde. 3 Tage kamen 
auf die Hinreise, 2 '/j Tage auf die Rückreise, jedes- 
mal mit Aufenthalt und Nachtquartier in München; 
der Aufenthalt in Rom, der vom schönsten Wetter 
begünstigt war, dauerte 1 1 % Tag. Es war möglich, 
die Schüler, die durch vorhergehende Vorträge 
auf Rom vorbereitet waren, in dieser Zeit, ohne sie 
über Gebühr anzustrengen, mit den wesentlichen 
Sehenswürdigkeiten, namentlich aus Alterthum und 
Renaissance, und mit der Topographie der Stadt 
bekannt zu machen. Aufserdem wurden Tivoli und 

7 



9 8 



Eduard Gerhard-Stiftung. Institutsnachrichten. 



Villa Adriana, das Albanergebirge (Albano, Tuscu- 
lum und Frascati), die Via Appia (nebst den Kata- 
komben), die Via Latina und die Via Cassia nebst 
dem Monte Mario besucht. Durch Vermittlung der 
deutschen Gesandtschaft beim päpstlichen Stuhle, 
sowie die Liebenswürdigkeit des Commendatore 
F. Barnabei war der Reisegesellschaft freier Eintritt 
in die öffentlichen Sammlungen gewährt worden. 

EDUARD GERHARD-STIFTUNG. 

Für das Eduard-Gerhard-Stipendium standen, 
wie in der Leibniz- Sitzung der Kgl. Preufsischen 
Akademie der Wissenschaften verkündet wurde 
(vgl. Sitzungsber. 1899 Nr. XXI), dieses Mal 
5412 Mark 1 Pf. zur Verfügung. Davon sind 
3000 Mark Hrn. Theodor Wiegand, Director an 
den K. Museen zu Berlin, mit dem Wohnsitze in 
Constantinopel, zur Durchführung seiner im vorigen 
Jahre bereits mit dem Stipendium bedachten Heraus- 
gabe der archaischen Architektur der Akropolis von 
Athen bewilligt. Über den Restbetrag von 2412 Mark 
I Pf. soll im nächsten Jahre zusammen mit dem 
neuen, rund etwa 2400 Mark betragenden Jahres- 
zinsbetrage verfügt werden. Bewerbungen sind vor 
dem 1. Januar 1900 bei der Akademie einzureichen. 



INSTITUTSNACHRICHTEN. 

Herr Ulrich von Wilamowitz-Moellendorf ist nach 
seiner gemäfs § 2, 3 des Statuts erfolgten Erwählung 
als Mitglied in die Centraldirektion eingetreten. 

In der Gesammtsitzung der Centraldirektion im 
April d. J. wurden zu Ehrenmitgliedern des 
Instituts gewählt: Se. Königliche Hoheit Prinz 
Rupprecht von Bayern und Se. Hoheit Prinz Friedrich 
Carl von Hessen. Zu ordentlichen Mitgliedern 
wurden gewählt: die Herren Boehlau in Kassel, 
Cumont in Gent, Ehrle in Rom, Heberdey in Smyrna, 
Kaiinka in Constantinopel, Reichel in Athen, Weber 
in Smyrna, Wiegand in Constantinopel, Wilpert in 
Rom, ferner zu correspondirenden Mitgliedern 
die Herren Bulle in München, Gaudin in Smyrna, 
Keune in Metz, Kuruniotis in Athen, Masner in 
Breslau, Philadelpheus in Athen, Philippson in Bonn, 
von Prott in Athen, Riegl in Wien, Schrader in 
Berlin, Stavropulos in Athen, Wichmann in Metz. 

Die Stipendien für 1 899/1900 wurden ver- 
liehen : den Herren Delbrück, Krüger und Watzinger 
das Stipendium für classische Archäologie, den 
Herren Ballheimer und Gaede das Halbjahrstipendium 
für Gymnasiallehrer und Herrn Vopel das Stipendium 
für christliche Archäologie. 

Das römische Sekretariat beschlofs in alt- 
üblicher Weise die Reihe seiner Wintersitzungen mit 



einer Festsitzung am Palilientage, welche 
zahlreich von Angehörigen verschiedener Nationen 
besucht war. Es trugen vor Herr Giovinale über 
S. Maria in Cosmedin, Herr Karo über eine etrus- 
kische Bronze, darstellend Aphrodite auf einem 
Widder, und Herr Petersen über Stadtrömische 
Denkmale von Augustus bis auf Marc Aurel. 

Vom athenischen Sekretariate wurden im 
Frühling d. J. unter Führung des ersten Sekretars 
Herrn Dörpfeld, drei Studienreisen veranstaltet. 
Die erste, vom 20. bis 26. April, ging durch den 
Peloponnes, nach Ithaka und Delphi, mit 
Anfangs 28, gegen das Ende 46 Theilnehmern ver- 
schiedener Nationen und verlief bei günstigstem 
Wetter ohne alle Störung. Man besuchte zuerst 
die Ausgrabungen der amerikanischen Schule in 
Korinth, besichtigte sodann von Nauplia aus die 
Burgen von Tiryns und Mykenai und das Heilig- 
thum von Epidauros und fuhr nach Tripolis, um 
Mantinea und Tegea in Augenschein zu nehmen. 
Dann wurde mit der neuen Eisenbahn Megalopolis 
mit seinem Theater besucht und weiter der Ritt 
über Lykosura und Phigalia nach Olympia gemacht. 
Drei Tage wurden in Olympia der Besichtigung der 
Ruinen und des Museums gewidmet. Ein gemietheter 
Dampfer brachte die Gesellschaft darauf nach Ithaka 
und weiterhin nach Itea-Delphi. Herr Dörpfeld er- 
klärte die Ruinen , Herr Perdrizet von der franzö- 
sischen Schule trug über die Schätze des Museums vor. 
Die Rückreise ging durch den Kanal von Korinth. 

Auch die dann folgende Inselreise war vom 
schönsten Wetter begünstigt. Man begann mit 
Sunion, landete am Nachmittage in Keos und be- 
suchte die Ruinen von Karthaia. Am zweiten Tage 
wurden Eretria und Nachmittags das Amphiaraeion 
von Oropos besichtigt. Der dritte Tag war dem 
Studium der Ruinen von Rhamnus und Thorikos 
und des Schlachtfeldes von Marathon gewidmet. 
Nachdem am vierten Tage die Inseln Andros, Tinos 
und Mykonos angelaufen waren, verbrachte man 
den fünften Tag auf Delos und berührte am Abend 
noch Syra. Am sechsten Tage landete man auf 
Paros, um sich von Herrn Rubensohn die Aus- 
grabungen des Instituts zeigen zu lassen, und fuhr 
dann nach einem kurzen Besuche der Stadt Naxos 
zur Nordostecke dieser Insel, um die von Ludwig 
Rofs beschriebene unfertige kolossale Statue zu be- 
sehen, die einen bärtigen Gott, also eher etwa 
Dionysos als Apollon darstellt. Der Abend wurde 
im Hafen von Amorgos verbracht. Am siebenten 
Tage kam man nach Thera, wo Herr Hiller von 
Gärtringen seine Ausgrabungen zeigte. Der achte 
Tag gehörte Melos und den dortigen Ausgrabungen 



Zu den Institutsschriften. Bibliographie. 



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der englischen Schule, der neunte dem Poseidon- 
Heiligthume auf Porös und dem Athenatempel auf 
Aigina. Von da kehrte man nach Athen zurück. 
Es nahmen an der Fahrt auf eigens dazu ge- 
miethetem Dampfer durchschnittlich, mit einigem 
Wechsel auf den einzelnen Strecken, 45 Personen 
Theil, verschiedenen Nationen angehörig. 

Drei Tage später machte sich Herr Dörpfeld 
mit 20 Archäologen und Lehrern nach Troja auf. 
Sie landeten in Renköi, von wo man in zwei Stunden 
zu Pferde Hissarlik erreicht. Drei Tage wurden der Er- 
klärung der Ruinen und ihrer Umgebung gewidmet, 
dann reisten die Meisten nach Constantinopel weiter, 
während Herr Dörpfeld mit einigen Begleitern noch 
zurückblieb, um mit Hülfe des Photographen und 
eines jüngeren Architekten die Aufnahmen für seine 
Publikation über Troja zu vervollständigen. 



ZU DEN INSTITUTSSCHRIFTEN. 

Auf p. 113 (Band XIII 1898 des Jahrbuches) 
hätte bei der Erörterung der Stadtplanfragmente, 
die den Castortempel darstellen, Jordans Gratulations- 
schrift des Archäologischen Instituts zu Lepsius' 
fünfzigjährigem Doktorjubiläum vom Jahre 1883: 
De formae tirbis fragmento novo disputatio erwähnt 
werden sollen. Jordan, der den Tempel im Verein 
mit Fabricius studiert hatte, klärt dort die Zehn- 
säuligkeit der Langseite des Tempels auf der Copie 
des Plans auf. O. Richter. 



BIBLIOGRAPHIE. 

E. Amelineau Les nouvelles fouilles d'Abydos 
(1897 — 1898). Paris, Leroux, 1898. 69 S. 8°. 

E. Anthes Zur Geschichte des Mainthaies in der 
Römerzeit. Ein Vortrag gehalten im Verein der 
Spessartfreunde in Aschaffenburg. Aschaffenburg, 
Druck der Wailandt'schen Druckerei A.-G., 1899. 
16 S. 8°. Mit 2 Tafeln. 

E. Babelon Inventaire sommaire de la collection 
Waddington. Paris, Rollin et Feuardent, 1898. 
XV, 576 S. 8". Mit 21 Tafeln. 

H. Babucke Geschichte des Kolosseums. Königs- 
berg,